Gb 4045 Hausbuch. Tägliche Andachten für die Hausgemeine. Der Mensch lebet von einem jeglichen Wort, das durch den Mund Gottes gehet. Sie setzte sich zu Jesu Füßen und hörte seiner Rede zu. Luc. 10, 39. Herausgegeben vom Evangelischen Bücher- Verein. Sechste Auflage. Stereotyp- Abdruck. Berlin, 1877. In der Niederlage des Vereins, Oranienstraße Nr. 105. Für den Buchhandel bei Wiegandt und Grieben in Berlin. да 4045 Univ. Bibl. Giessen Vorwort. C s geschah auf Veranlassung des seligen Professors Hengstenberg, daß mir in Verbindung mit meinen lieben Brüdern Pastor Braun in Gütersloh und Siebold in Schildesche der Auftrag zur Bearbeitung dieses Hausbuches ertheilt wurde. Das Ziel des Buches ist, eine für die Hausandacht geeignete, kirchliche Auslegung der Schrift zu liefern, welche womöglich anregend und erbauend wirken sollte. Der fundige Leser wird viele Anklänge aus den älteren Schätzen unsrer Kirche in dem Buche finden. Das hat so wenig vermieden werden sollen, daß es vielmehr beabsichtigt gewesen ist. Die Gebete sind vielfach aus der alten Zeit, in welcher man einfältig und kräftig betete. Die in den früheren Auflagen fehlenden drei letzten Epiphanias- und Trinitatiswochen sind hinzugeliefert. Der Text der Lieder ist meist dem„ Unverfälschten Liedersegen" entnommen. Bei den Liederversen ist der Anfang des Liedes angegeben. Zu den Fürbitten im Anhange sind drei allgemeine hinzugekommen. Auch diese dritte Auflage ziehe mit dem Geleitswunsche der ersten ihren Weg: Der Herr, deß die Sache und Ehre ist, der den glatten Stein aus des kleinen Davids Tasche mit Kraft anthat, bekenne IV Sich auch zu diesem Buche. Der in unsrer armen Gestalt ging und noch geht, bis Er wiederkommt in großer Kraft und Herrlichkeit, sehe auch aus der armen Gestalt, welche Er in diesem Buche hat, die Herzen und Häuser freundlich, segnend, gewinnend an, daß sie Ihn kennen und lieben lernen, der unsere Liebe ist. Ihm sei's, Ihm ist s befohlen! Mennighüffen, am Tage Johannes des Täufers 1871. Th. Schmalenbach. Im Namen Irfu. r 1. Advents- Sonntag. Eigene Melodie. Wie soll ich Dich empfangen? Und wie begegn' ich Dir? O aller Welt Verlangen: O meiner Seelen Zier! O JEsu, Jesu setze Mir selbst die Fackel bei, Damit, was Dich ergötze, Mir fund und wissend sei. Dein Zion streut Dir Palmen Und grüne Zweige hin. Und ich will Dir in Psalmen Ermuntern meinen Sinn; Mein Herze soll Dir grünen In stetem Lob und Preis Und Deinem Namen dienen, So gut es kann und weiß. ( Vers 1 und 2 aus: Wie soll ich Dich empfangen.) Ev. Matthäi 21, 1-9. Da sie nun nabe bei Jerusalem kamen gen Bethphage an den Gelberg, sandte Jesus seiner Jünger zween, und sprach zu ihnen: Gehet bin in den Slecken, der vor euch liegt, und bald werdet ihr eine Eselin finden angebunden, und ein Süllen bei ihr; löset sie auf und führet sie zu mir. Und so euch Jemand etwas wird sagen, so sprechet: Der Herr bedarf ihrer; so bald wird er sie euch laffen. Das geschah aber alles, auf daß erfüllet würde, das gefagt ist durch den Propheten, der da spricht: Saget der Tochter 3ion: Siehe, dein König kommt zu dir sanftmüthig, und reitet auf einem Esel, und auf einem Süllen der lastbaren Eselin. Die Jünger gingen hin, und thaten, wie ihnen Jesus befohlen hatte; und brachten die Eselin und das Süllen und legten ihre Kleider darauf, und setzten ihn darauf. Aber viel Volks breitete die Kleider auf den Weg; die Andern bieben weige von den Bäumen und freueten sie auf den Weg. Das Volk aber, das vorging und nachfolgte, schrie und sprach: Sofianna dem Sohne Davids! Gelobt fei, der da kommt in dem Tamen des Herrn! Sosianna in der Höhe! Christus der Herr ist der rechte Messias und Heiland der Welt, weil die Weisfagungen des alten Testamentes bei Ihm eingetroffen und erfüllet sind und sonst bei Niemandem. Auf diese an Ihm erfüllten Weissagungen hält der Herr allewege, auch jetzt weist Er auf den Propheten Zacharias. Danach ist er ein königlicher Heiland. Wer unter Sein Scepter kommt, kommt von allen andern Herren und Treibern los und hat eben einen König an Jesu, keinen Namenkönig, 1 2 sondern einen wirklichen. Gottes Wort und eigene Erfahrung bestätigen uns das. Und Er ist ein sanftmüthiger Heiland. Diese Sanftmuth ist ein strahlender Edelstein in der Krone Jesu. Tausende von Sündern, die keinen Strohhalm mehr übrig hatten, um danach zu greifen, haben sich von dieser Sanftmuth Jesu erquicken und erfreuen lassen. Wer blind ist, sieht freilich nichts. Aber wem die Augen aufgehen, wünscht es sich zum täglichen Gebrauch in's Herz geschrieben, daß Jesus sanftmüthig ist. Das ist ein Labetrunk jetzt und im Todesstündlein. Wie es sich in dem Reiche dieses Königs ziemt, sollen wir bei Seinem Worte nicht viel Grübelns machen, sondern willig folgen, wie die beiden Jünger thaten. Sonst haben wir auch kein ordentliches Recht, die dritte Bitte im Vater Unser zu beten. Den lieben Jüngern ist wohl der Befehl Christi, daß sie Ihm ein Efelsfüllen sammt der Eselin holen sollten, gar seltsam vorgekommen, aber sie nahmen alle ihre Gedanken und Vernunft gefangen unter den Gehorsam Christi. Das heißt, Christum in Ehren und wahrhaftig halten. Damit sind die lieben Jünger ein fein Vorbild für alle Christenherzen geworden. Wie aber das Volk dem Herrn Christo die Kleider auf den Weg breitete und Palmen streuete, also sollen auch wir heut zu Tage dem Herrn die Kleider unterbreiten, das ist, mit allen Kräften zur Beförderung der Ehre Christi und der Ausbreitung der seligmachenden Lehre und der christlichen Kirche helfen. Das soll von Herzensgrund geschehen und auf allerlei Weise. Jesus, da Er König ist, will an uns ein Volk haben. Das soll ein gläubiges Volk sein, nicht Mitläufer, wie damals Viele nur mitliefen. Wer den Glauben sucht, kann ihn wohl finden, weil Gott ihn allen aufrichtig Suchenden geben will. Sind wir aber gläubig, so dürfen wir auch im Glauben fröhlich sein; denn Christus, unser König, gab und giebt uns viel, was uns froh machen kann. Wir haben ja von Ihm zwei Sacramente und Sein heiliges Wort, tägliche Vergebung der Sünden und vieles Andere. Und über allen Gaben haben wir Ihn Selbst. Sollte ich da nicht fröhlich sein? Und will Ihm auch gehorsam sein; sonst wäre ich ja geringer, als der geringe Efel, der meinem Heilande still und gehorsam gedient hat. Der Herr nahm fürlieb mit den geringen Umständen Seines Einzuges, wie es zu Seinem Namen, daß Er sanftmüthig heißt, paßt. Er nahm auch fürlieb mit dem Gesange des Volkes. Das ist einem betrübten Herzen hochtröstlich, daß der Herr Jesus so geringe Ansprüche macht und sanftmüthig ist. Er ist in allerlei Weise der König, dem kein König gleichet. Gelobet sei, der da kommt, auch jetzt noch kommt, in dem Namen des Herrn! Hosianna in der Höhe! Gebet. O, allmächtiger und demüthiger König, Jesu Christe, wir danken Dir ganz inniglich, daß Du in unser Fleisch, Kirche und Herzen zu uns gekommen bist und Dich um unsertwillen so tief ge 3 demüthiget hast, und bitten Dich, unsern einigen Gerechtmacher und Helfer, Du wollest bei uns bleiben, im rechten Glauben und christlichen Leben Dein Volk regieren und erhalten und uns Alle durch Deinen heiligen Geist bewahren, daß wir uns jetzt an Deiner Niedrigkeit nicht ärgern, noch alsdann vor Deiner Majestät erschrecken, wenn Du in den Wolken kommen wirst. Amen. Vater Unser. Montag nach dem 1. Advent. Mel.: Nun komm der Heiden Heiland. Gott sei Dank durch alle Welt, Der Sein Wort beständig hält Und der Sünder Trost und Rath Zu uns hergesendet hat. Was der alten Väter Schaar Höchster Wunsch und Sehnen war, Und was sie geprophezeit, Ist erfüllt nach Herrlichkeit. Tritt der Schlangen Kopf entzwei, Daß ich aller Nengsten frei Dir im Glauben um und an Selig bleibe zugethan. ( Vers 1, 2 und 8 aus: Gott sei Dant.) 1 Moje 3, 1-15. Und die Schlange war listiger, denn alle Thiere auf dem Selde, die Gott der Herr gemacht hatte, und sprach zu dem Weibe: Ja, follte Gott gesagt haben: Ihr sollt nicht effen von allerlei Bäumen im Garten? Da sprach das Weib zu der Schlange: wir essen von den Früchten der Bäume im Garten; aber von den Früchten des Baums mitten im Garten bat Gott gesagt: Effet nicht davon, rühret es auch nicht an, daß ihr nicht sterbet. Da sprach die Schlange zum Weibe: Ihr werdet mit nichten des Todes sterben; sondern Gott weiß, daß, welches Tages ihr davon effet, fo werden eure Augen aufgethan, und werdet sein wie Gott, und wissen, was gut und böse ist. Und das Weib schauete an, daß von dem Baum gut zu essen wåre, und lieblich anzusehen, daß es ein lustiger Baum wäre, weil er klug machte; und nahm von der Frucht, und aß, und gab ihrem Manne auch davon, und er aß. Da wurden ihrer beider Augen aufgethan, und wurden gewahr, daß sie nackend waren; und flochten Seigenblätter zusammen, und machten ihnen Schürzen. Und sie höreten die Stimme Gottes des Herrn, der im Garten ging, da der Tag füble geworden war. Und Adam versteckte sich mit seinem Weibe vor dem Angesicht Gottes des Herrn, unter die Bäume im Garten. Und Gott der Herr rief Adam, und sprach zu ihm: Wo bist du? Und er sprach: Ich hörete deine Stimme im Garten, und fürchtete mich, denn ich bin nackend; darum versteckte ich mich. Und er sprach: Wer bat dir's gesagt, daß du nackend bist? Hast du nicht gegeffen von dem Baum, davon ich dir gebot, du solltest nicht davon essen? Da sprach 1* 4 Adam: Das Weib, das du mir zugefellet hast, gab mir von dem Baum, und ich aß. Da sprach Gott der Herr zum Weibe: Warum hast du das gethan? Das Weib sprach: Die Schlange betrog mich also, daß ich aß. Da sprach Gott der Herr zu der Schlange: Weil du solches gethan haft, seieft du verflucht vor allem Vieh, und vor allen Thieren auf dem Selde. Auf deinem Bauch sollst du gehen und Erde effen dein Lebelang. Und ich will Seindschaft setzen zwifchen dir und dem Weibe, und zwischen deinem Samen und ihrem Samen. Derselbe foll dir den Kopf zertreten; und du wirft ihn in die Serse stechen. Es sind drei vornehme Kapitel in der Bibel, die ein Jeder fleißig betrachten soll: das 3. im 1. Buch Moses, das 3. im Evangelium Johannis, das 3. in der Epistel Pauli an die Römer. Denn diese drei zeigen deutlich an zwei Dinge: erstlich, woher die Sünde und alles Unglück gekommen sei, darnach, woher die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, und aller Segen zu erwarten sei. Das Böse kommt vom Teufel, das Gute von Jesu Christo. Die alten Wittenberger baten den Dr. Luther, er sollte ihnen doch vor seinem Tode das 3. Kapitel im ersten Buche Mosis erklären. Gott hat den Menschen nach Seinem Ebenbilde erschaffen und zum Herrn aller Dinge gesetzt. Für alle Wohlthaten fordert Er nur ein dankbares Herz und gottlobenden Mund; von dem einzigen Baum int Paradiese soll der Mensch nicht effen, wobei Gott den Gehorsam Adams erkennen will. Der Teufel fertigt sein Reich und Wesen nicht plötzlich, sondern allmählich, nicht offen, sondern verdeckt. Das ist noch immer die Geschichte der Sünde. Das Wort: ja, sollte Gott gesagt haben: ihr sollt nicht effen von allerlei Bäumen im Garten? ist der ebenso fruchtbare, als furchtbare Same der Sünde Adams und der ganzen Welt. Da ist Lüge des Teufels in dem Worte: ihr werdet mit nichten des Todes sterben; da ist das Gift der Hoffart in dem Worte: ihr werdet sein wie Gott; da ist böse Lust in dem Ansehen des Baumes, da ist die wirkliche That der Sünde, da ist Schande, die Adam und Eva fühlen, da ist Thorheit, daß sie sich vor Gott verstecken wollen, da ist Leugnen der Schuld, da ist Entschuldigung, daß Adam die Schuld auf das Weib wirft, und das Weib auf die Schlange. Da ist der Fluch des heiligen Gottes mit einem Wort: hier ist der Sündenfall und Sündenjammer der ganzen Welt. Hier ist auch das erste Evangelium, das hell und klar von Christi Verdienst berichtet. Derselbige, der der Schlange den Kopf zertritt, bist Du, mein liebster Herr Jesu! Er nennt sich einen Weibessamen, denn Er wird ein natürlicher Mensch werden und alle menschlichen Eigenschaften ohne Sünde an sich tragen. Aus Kraft und Wirfung des heiligen Geistes wird Er aus einer Jungfrau geboren werden. Wie durch ein Weib die Sünde und alles Unglück in die Welt gebracht ist, so soll der Sündentilger von einem Weibe geboren wer1 5 den. Nicht ein Stück der Sünde und der Macht des Teufels wird Jesus zerstören, sondern die ganzen Werke des Teufels, und ihm den Kopf zertreten fraft Seiner göttlichen Macht. Sauer wird's Ihm werden, denn die Schlange soll Ihn in die Ferse stechen, und wie hat sie Ihn drei und dreißig Jahre lang gestochen und zuletzt am ärgsten. Aber derselbige" hat's vollbracht. An diesem Evangelium hat sich Adam zu Tode gepredigt, alle Propheten haben nur Postillen über dieses erste Evangelium geschrieben und der Kraft, in diesen Worten verborgen, nachgefonnen. Dies ist der rechte christliche Glaube und bleibt's auch allein. Gebet. Herr Jesu Christ, ich erkenne und bekenne, daß Du wahrhaftig Mensch geworden bist, vom heiligen Geist empfangen. Du haſt der Schlange den Kopf zertreten, der Du wahrhaftiger Gott bist. Dut hast Deine unzerbrochenen Gebeine am Krenze zur Erde zugestreckt, anzuzeigen, daß Du durch Deinen blutigen Tod die Schlange zertreten hast. Ach, wie schrecklich und groß muß die Last unserer Sünden sein, weil sie auf keine andere Weise hat können getilgt werden. Herr Jesu, Du bist derselbe, von welchem Adam und Eva im Paradiese gehört haben. Ach laß auch mich Dich recht erkennen und lieben und mit Dir durch alle Noth und Elend ritterlich hindurchdringen. Amen. Vater Unser. Dienstag nach dem 1. Advent. Mel.: Wie soll ich Dich empfangen. Ich lag in schweren Banden, Du kommst und machst mich los; Ich stund in Spott und Schanden, Du kommst und machst mich groß Und hebst mich hoch zu Ehren Und schenkst mir großes Gut, Das sich nicht läßt verzehren, Wie irdisch Reichthun thut. Nichts, nichts hat Dich getrieben Zu mir vom Himmelszelt, Als das geliebte Lieben, Damit Du alle Welt In ihren tausend Plagen Und großen Jammerslast, Die kein Mund kann aussagen, So fest umfangen hast. ( Vers 4 und 5 aus: Wie soll ich Dich empfangen.) 1 Mos. 3, 17-19. u. 1 Mof. 5, 28. 29. Und zu Adam sprach der Herr: Dieweil du haft gehorchet der Stimme deines Weibes, und gegeffen von dem Baum, davon ich dir gebot, und sprach: Du sollst nicht davon effen; verflucht sei der Acker um deinet willen, mit Kummer sollst du dich darauf nähren dein Lebenlang. Dornen und Diffeln soll er dir tragen, und sollst das Kraut auf dem Selde effen. Im Schweiß deines Angesichts sollst du dein Brod efsen, bis daß du wieder zu Erde werdest, wovon du genommen bist. Denn du bist Erde, und sollst zu Erde werden. Lamech - 6 war hundert zwei und achtzig Jahr alt, und zeugere einen Sohn, und bieß ihn Toah, und sprach: Der wird uns troffen in unserer Mühe und Arbeit auf Erden, die der Herr verflucht hat. Ihr werdet mit nichten des Todes sterben hat der Teufel geſagt. O, du Nichtswürdiger, wo ist dein mit nichten? Siehe, wir sterben Alle. Wie wahr ist es doch, daß die Sünde der Leute Verderben ist. Eva hat in die Sünde gewilligt, da folgt lauter Jammer und Unglück. Adam wird auch verführt, Gott zürnt, fie werden beide vor Gottes Gericht gefordert, sie fliehen vor Gott, sie fürchten sich, sie verkriechen sich, werden aus dem Paradiese gejagt, Abel wird erwürgt von seinem eigenen Bruder, die Leute siechen, kranken und sterben. Eine Leiche folgt der andern nach, die Erde wird verflucht, der Mensch hat Jammer und Elend in allen Winkeln. Wie schaurig lautet das Wort aus dem Munde Gottes: verflucht sei der Acker um deinetwillen! Und der Schweiß des Angesichtes ist bis auf diese Stunde ein Merkzeichen, daß Gott Sich nicht spotten läßt. Das Alles dauert, bis der Mensch wieder zur Erde wird, davon er genommen ist. Sein wie Gott hat der Teufel gelogen; zur Erde werden ist der bittere Lohn der Sünde. Der Mensch, der um des Staubes willen sündigte, muß mun um der Sünde willen zu Staub werden. Um dieses Wortes Gottes willen ist diese Welt ein Jammerthal und bleibt es, was auch Menschen dawider thun und reden wollen. Lamech, der Vater Noah's, erkennt, wie alle Kinder Gottes, den Jammerstand dieses Lebens, weil er ein geöffnetes Auge hat. Und er beugt sich vor dem Walten und vor dem Worte Gottes, indem er von unserer Mühe und Arbeit spricht auf Erden, die der Herr verflucht hat. Dabei thut er ein schön Bekenntniß von unserm Herrn Jesu: der wird uns trösten. Denn was von Noah gesagt ist, gilt von Jesu, der Sich als den wahrhaftigen Noah, d. h. Ruhe- und Trostmann, bekennt mit dem Worte: Kommet her zu Mir, Alle, die ihr mühselig und beladen seid, Ich will euch erquicken. Nehmet auf euch Mein Joch und lernet von Mir. Denn Ich bin sanftmüthig und von Herzen demüthig, so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. Matth. 11, 28. 29. Gebet. Ach, mein Herr Jesu, Dir gebührt der Ehrenname eines Trostmannes. Du tilgst unsre Sünden, nimmst den Fluch hinweg und giebst den Segen, bist ein Meister im Reden und Trösten. Am stillen Freitage stillst Du die große Unruhe zwischen Gott, Deinem Bater, und dem menschlichen Geschlechte. Deine aufgespaltene Seite ist die Ruhestätte. Du erwirbst mir die ewige Ruhe durch Deine Ruhe im Grabe und bist mein einziger, voller Trost. Gieb uns Ruhe und Trost in aller unsrer Mühe und Arbeit auf Erden, die der Herr verflucht hat. Segne uns in unserm Berufe, im Hause und in der Gemeine. Amen. Vater Unser. - - - 7 Mittwoch nach dem 1. Advent. MeL: Aus meines Herzens Grunde. Was wir hier hör'n und sehen, Das hör'n und seh'n wir kaum. Wir lassen's da und gehen, Es irret uns kein Traum. Wir geh'n in's Ew'ge ein. Mit Gott muß unser Handel, Im Himmel unser Wandel Und Herz und Alles sein. Kommt Kinder, laßt uns gehen; Der Vater gehet mit. Er selbst will bei uns stehen In jedem sauren Tritt. Er will uns machen Muth, Mit süßen Sonnenblicken Uns locken und erquicken. Ach, ja, wir haben's gut. ( Vers 9 und 11 aus: Rommt, Kinder, laßt uns gehen.) 1 Mof. 12, 1-9. Und der Herr sprach zu Abram: Gebe aus deinem Vaterlande, und von deiner Freundschaft, und aus deines Vaters Hause, in ein Land, das ich dir zeigen will. Und ich will dich zum großen Volk machen, und will dich segnen, und dir einen großen Namen machen, und sollst ein Segen sein. Ich will segnen, die dich segnen, und verfluchen, die dich verfluchen; und in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter auf Erden. Da zog Abram aus, wie der Herr zu ihm gesagt hatte; und Lot 30g mit ihm. Abram aber war fünf und siebenzig Jahre alt, da er aus Saran zog. Also nahm Abram sein Weib Sarai, und Lot, seines Bruders Sohn, mit aller ihrer Sabe, die sie gewonnen hatten, und die Seelen, die sie gezeuget batten in Saran; und zogen aus zu reisen in das Land Canaan. Und als sie gekommen waren in daffelbige Land, 30g Abram durch bis an die Stätte Sichem, und an den Sain More. Denn es wohneten zu der Zeit die Cananiter im Lande. Da erschien der Herr Abram, und sprach: Deinem Samen will ich dies Land geben. Und er bauete daselbst dem Herrn einen Altar, der ihm erschienen war. Darnach brach er auf von dannen an einen Berg, der lag gegen den Morgen der Stadt Beth- El; und richtete seine Hütte auf, daß er Beth- El gegen Abend, und Ai gegen den Morgen hatte; und bauete daselbst dem Herrn einen Altar, und predigte von dem Namen des Herrn. Darnach wich Abram ferner, und zog aus gegen den Mittag. Gott sondert den Abraham aus als einen edlen Kern aus den Hülsen. Es leuchtet uns in Abraham an Gottes unaussprechliche Güte, Gnade und Barmherzigkeit. Abraham kann sich nicht rühmen, daß er es verdient habe, Gott thut's ohne all' sein Verdienst und Würdigkeit. Abraham muß ja freilich Vaterland, Freundschaft und Vaters Haus, drei Dinge, welche dem Menschen werth sind, verlassen. Aber das muß sein, denn in Abrahams Vaterlande diente man den Gözzen. Daß Abraham, schon fünf und siebenzig SJahre alt, auszieht, und zwar freiwillig auszieht, ist ebenso ein Zeugniß für die Kraft der göttlichen Berufung an der Menschenseele, als es ein Zeichen ist für alle Christen, 8 deren Sinu ist nach dem Worte: wir haben hier keine bleibende Stätte, sondern die zukünftige suchen wir. Aber was Abraham verläßt, ist viel, viel, ohne Vergleich geringer als das, was er dafür findet. Denn Gott erbietet Sich ihm als Vater. Gott verheißt dem Abraham aus lauter Liebe sieben große Gnadenschätze. Erstlich: Ich will dich zum großen Volk machen. Zum andern sagt Gott: Ich will dich segnen, das ist: Du sollst ein unüberwindliches Königreich haben. Zum dritten: Ich will Dir einen großen Namen machen; alle Menschen werden wissen von Abraham und seinem Volke und was für Wunder an ihnen geschehen. Zum vierten: Du sollst ein Segen sein; viele Leute werden durch deine Kinder zur Erfenntniß Gottes und ihrer Seligkeit befördert werden. Zum fünften: Ich will segnen, die dich segnen; es soll deinen Kindern Niemant auch einen Trunk kalten Wassers umsonst gegeben haben. Zum sechsten: Ich will verfluchen, die dich verfluchen wie es Pharao mit Schanden erfahren hat und alle Welt noch erfährt. Zum siebenten: In dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter auf Erden, das ist: Jesus Christus, der Welt Heiland, soll aus Abraham's Geschlecht geboren werden. Mithin, welch' ein Lohn, zeitlicher und ewiger, wird Abrahamı gegeben der ganze Segen des ewigen, großen Gottes. Als Abraham auszieht, wird er freilich ein Pilgrim; aber er ist nicht allein, sondern Lot, sein Vetter, zieht mit, und ebenso Sarah, sein Weib, das Vorbild aller gottseligen, heiligen Ehefrauen. Aber über der Lieblichkeit der menschlichen Gemeinschaft steht noch die gnädige Gegenwart Gottes. Wohin Abraham kommt, baut er dem Herrn einen Altar und an diesem Altar offenbarte sich der Herr dem Abraham und ließ demselben süße Sonnenblicke zukommen. Und wie Abraham so sich überall mit dem Schatze seines Herzens, dem Herrn JEsu trug, so predigte er auch seinen Hausgenossen vom Namen des Herrn. Das war der Reichthum in seinem Hause. Sind wir rechte Christen, so sind wir Abrahams Kinder; Abraham ist unser Spiegel. Gottes Segen in Christo ist dann unser unerschöpflicher Reichthum, Gottes Wort unser Brod, Gottes Wille unsre Regel, Gottes Geist unser Führer. Dazu helfe uns der allmächtige Gott, der Abrahams Hülfe in Allem war. Gebet. Ach, Du Baum alles Segens, Herr Jesu, dessen Tag Abraham sah und sich freuete, laß Deinen Segen auf uns kommen. Du Gesegneter Gottes, segne uns, Deine Kinder, daß wir der Sünde ledig und der Gnade theilhaftig werden, und also unsern Beruf recht erkennen und erfüllen, damit, daß wir das Herz nicht an das Zeitliche hängen, was doch Alles vergänglich und unbeständig ist, sondern, daß wir unser Sinnen und Trachten auf das Ewige richten. Gelobet sei Dein Name, daß Du ein Reich angefangen hast und erhältst und mehrst, worin Gottes Segen und Kraft und Gerechtigkeit ist. Amen. Vater Unser. - - 9 Donnerstag nach dem 1. Advent. Mel.: Wie nach einer Wasserquelle Warum willst Du draußen stehen, Du Gesegneter des Herrn? Laß Dir bei mir einzugehen Wohlgefallen, Du mein Stern! Du mein Jesu, meine Freud', Helfer in der rechten Zeit, Hilf, o Heiland, meinem Herzen Von den Wunden, die mich schmerzen. ober: Werde munter mein Gemüthe. Aller Trost und alle Freude Ruht in Dir, Herr Jesu Christ. Dein Erfreuen ist die Weide, Da man sich recht fröhlich ist. Leuchte mir, o Freudenlicht, Che mir mein Herze bricht. Laß mich, Herr, an Dir erquicken, Jesu komm, laß Dich erblicken. ( Vers 1 und 6 aus: Warum willst Du draußen stehen.) 1 Mof. 24, 1-9. u. 58-67. Abraham war alt und wohl betaget, und der Herr hatte ihn gesegnet allenthalben. Und sprach zu seinem ältesten Knechte seines Hauses, der allen seinen Gütern vorstand: Lege deine Hand unter meine Hüfte, und schwöre mir bei dem Herrn, dem Gott des Simmels und der Erde, daß du meinem Sohne kein Weib nehmest von den Tochtern der Cananiter, unter welchen ich wohne; sondern daß du zieheft in mein Vaterland, und zu meiner Freundschaft, und nehmest meinem Sohne Isaak ein Weib. Der Knecht sprach: Wie, wenn das Weib mir nicht wollte folgen in dies Land; soll ich dann deinen Sohn wiederbringen in jenes Land, daraus du gezogen bist? Abraham sprach zu ihm: Da båte dich vor, daß du meinen Sohn nicht wieder dahin bringest. Der Herr, der Gott des Himmels, der mich von meines Vaters Sause genommen hat, und von meiner Seimath, der mir geredet, und mir auch geschworen bat, und gesagt: Dies Land will ich deinem Samen geben; der wird seinen Engel vor dir her senden, daß du meinem Sohne daselbst ein Weib nehmeft. So aber das Weib dir nicht folgen will, so bist du dieses Eides quitt. Allein bringe meinen Sohn nicht wieder dorthin. Da legte der Knecht seine and unter die Hüfte Abrahams, seines Herrn, und schwur ihm folches. Und sie riefen die Rebekka, und sprachen zu ihr: willst du mit diesem Manne sieben? Sie antwortete: Ja, ich will mit ihm. Also ließen sie Rebekka, ihre Schwester, ziehen mit ihrer Amme, sammt Abrahams Knechte, und seinen Leuten. Und sie segneten Rebekka, und sprachen zu ihr: Du bist unsere Schwester, wachse in tausend Mal tausend, und dein Same besige die Thore seiner Seinde. Also machte sich Rebekka auf mit ihren Dirnen, und setzten sich auf die Kameele, und zogen dem Manne nach. Und der Knecht nahm Rebekka an, und zog bin. Isaak aber kam vom Brunnen des Lebendigen und Sehenden( denn er wohnete im Lande gegen Mittag). Und er war ausgegangen zu beten auf dem Selde um den Abend, und hob seine Augen auf, und sabe, daß Kameele daber Eamen. Ilnd Rebekka hob ihre Augen auf, und sabe Isaak; da fiel sie vom Kameel, und sprach zu dem Knechte: Wer ist der Mann, der uns entgegen kommt auf dem Selde? Der Knecht sprach: Das ist mein Herr. Da nahm sie den Mantel, und verhüllete sich. Und der Knecht erzählte 10 Ifaat alle Sachen, die er ausgerichtet batte. Da fübrete fie Isaak in die Sutte seiner Mutter Sara, und nahm die Rebekka, und sie ward sein Weib, und gewann sie lieb. Also ward Isaak getröffet über seiner Mutter. Das ganze 24. Capitel im 1. Buch Mosis erzählt die liebliche Geschichte, wie Abraham seinem Sohne Isaak durch Elieser ein Weib sucht und in Rebekka das Weib für Isaak findet. Rebekka zieht mit Elieser und Isaak nimmt dieselbe als sein Weib zu sich. Isaak war nach Cap. 25, 20. zu der Zeit bereits 40 Jahre alt. Gleichwohl ist er seinem Vater Abraham treu ergeben und läßt zu dem wichtigen Schritt, da er ein Weib nehmen will, sich von seinem Vater berathen. Welch' einen Einblick gewährt diese Geschichte in das Haus und Leben der Gerechten, worin auch die Knechte und Diener, wie hier Eliefer, treu und gewissenhaft sind. Abraham will nicht, daß Isaak soll eine abgöttische Jungfrau nehmen. Elieser muß ihm in diesem Sinn einen Eid schwören und dabei die Hand unter Abrahams Hüfte legen. Dabei schwört Elieser bei dem Herru Christo, der aus dem Samen, Abrahams kommen soll. Wie treulich geleitet Gott die Reise Eliesers, der bei dem Brunnen die Rebekka trifft. Rebekka folgt willig, und als sie ihrer neuen Heimath nahe kommt, begegnet ihr Isaak, der um den Abend ausgegangen war zu beten auf dem Felde. Rebekkfa verhüllte sich in ihrem Mantel, da sie Isaak kommen sah; Isaak aber gewann die Rebekka lieb und sie ward sein Weib. Das ist ein heiliges Leben in der Furcht Gottes, das ist heiliger Ehestand im Anfange und Fortgange. Das ist aber auch eine liebliche Adventsgeschichte. Eliefer, der treue Knecht, ist der heilige Geist, der nach dem Rathe des Vaters dem Sohne Gottes die Braut sucht, erst unter dem Jüdischen Volke, dann und zu dieser Zeit besonders unter den Heiden. Bei dem Brunnen, nämlich bei dem Heilsbrunnen des Evangelii und der hoch würdigen Sacramente trifft der Geist Gottes den Menschen, der Christi Braut werden soll, und trägt ihm die himmlischen Kleinodien vor. Ifaat geht der Rebekka entgegen, wie Jesus allen Seelen entgegengeht, die zu Ihm kommen. Der Herr ist nahe Allen, die Ihn mit Ernst anrufen. Das war um die Abendzeit, wie es jetzt auch am Abend der Welt ist. An Ifaak fand Rebekka den treuesten Gemahl. Was findet man nicht Alles bei Christo jetzt schon, der gekommen ist, Leben und volles Genüge zu geben. Was wird sich nicht Alles finden, wenn Jesus einst und endlich Seine Gläubigen in die Hütten der Ewigkeit einführt. Da heißt es wohl: Ich schäme mich mit Freuden, wie Rebekka den Mantel nahm, und sich darein Hüllete. So ist das Himmelreich gleich einem Könige, der seinem Sohne Hochzeit machte. Gebet. Herr, Du Sohn Gottes, mein Heiland, Du hast mich lieb gewonnen in der heiligen Taufe, und an Dein Herz gedrückt. Du 11 läsfest Dein liebreiches Herz preifen in allen evangelischen Predigten. Deine Liebe soll ich erfahren jetzt und am Abende meines Lebens und am jüngsten Tage. So segne uns denn, Herr, Du Gott Himmels und der Erden, daß wir Dir dienen in diesem Leben. So leite und regiere uns, der Du Alles in Deinen Händen trägst. Wir bitten Dich, o Jesu, segne uns in unserm Hause; gieb den Alten Abrahams Glauben und Treue und den Jungen Isaaks Gehorsam, uns Allen Deinen himmlischen Segen. Amen. Vater Unser. Freitag nach dem 1. Advent. MeL: Seelenbräutigam. Wer ist wohl, wie Du, JEsu, süße Ruh! Unter Vielen auserkoren, Leben derer, die verloren, Und ihr Licht dazu, Jesu, süße Ruh! Glanz der Herrlichkeit, Du bist vor der Zeit Zum Erlöser uns geschenket, Und in unser Fleisch versenket, In der Füll' der Zeit, Glanz der Herrlichkeit. ( Vers 1 und 3 aus: Wer ist wohl, wie Du.) Psalm 45. Mein Herz dichtet ein feines Lied; ich will fingen von einem Könige; meine Junge ist ein Griffel eines guten Schreibers. Du bist der Schönste unter den Menschenkindern, holdselig sind deine Lippen; darum fegnet dich Gott ewiglich. Gürte dein Schwerdt an deine Seite, du Held, und schmücke dich schön! Es müsse dir gelingen in deinem Schmuck. Jiebe einher der Wahrheit zu gut, und die Elenden bei Recht zu behalten; so wird deine rechte Sand Wunder beweisen. Scharf sind deine Pfeile, daß die Völker vor dir niederfallen, mitten unter den Seinden des Königs. Gott, dein Stuhl bleibet immer und ewig; das Scepter deines Reichs ist ein gerades Scepter. Du liebeft Gerechtigkeit, und baffleft gottlos Wesen; darum hat dich, Gott, dein Gott, gefalbet mit Freudenól, mehr denn deine Gesellen. Deine Kleider sind eitel Myrrhen, Aloes und Kezia, wenn du aus den elfenbeinernen Pallåften daber trittst, in deiner schönen Pracht. In deinem Schmucke gehen der Könige Tochter; die Braut fehet zu deiner Rechten, in eitel köftlichem Golde. Höre, Tochter, schaue darauf, und neige deine Ohren, vergiß deines Volks und deines Vaters Sauses: So wird der König Lust an deiner Schöne haben; denn Er ist dein Herr, und sollst ihn anbeten. Die Tochter Jor wird mit Geschenk da sein, die Reichen im Volk werden vor dir fleben. Des Königs Tochter ist ganz berrlich inwendig, fie ist mit goldenen Stücken gekleidet. Man führet sie in gestickten Kleidern zum Könige; und ihre Gespielen, die Jungfrauen, die ihr nachgehen, führet man zu dir. Man führet sie mit Freuden und Wonne, und gehen in des Königs Pallaft. Anstatt deiner Våter wirst du Kinder 12 Frizgen; die wirst du zu Sürften setzen in aller Welt. Ich will deines Tamens gedenken von Kind zu Kindeskind; darum werden dir dans Fen die Völker immer und ewiglich. Der ganze Pfalm handelt von den zwei höchsten Schönheiten, nämlich in Vers 1-9. von der Schönheit JEsu, des Bräutigams Seiner Gemeine, und in den übrigen Versen von der Schönheit Seiner Gläubigen. Hiergegen erbleicht das Licht der Sonne und alle Sterne sind dunkel. Christus ist die allervollkommenste Schönheit. Er ist die Herrlichkeit und Fülle Gottes. Er ist schön als Mensch und Gott, schön in Schmach und Spott. Er heißt auserwählt unter vielen Tausenden, Seine Augen wie Taubenaugen so rein und helle und leutselig, wie mit Milch gewaschen. Wozu aber Einzelnes sagen, da, Alles in Allem, Christus der Schönste ist unter den Menschenkindern. Seine Lippen sind holdselig man frage nur den Schächer am Kreuze und Maria Magdalena und Alle, die von diesen Lippen das ewige Leben in Vergebung der Sünden empfangen haben. Gott hat Ihn gesegnet mit überschwenglichem Reichthum zum Heile Seiner Christenheit. Aus diesem Segen Christi fließen nun alle Gaben: Weisheit, Gerechtigkeit, Heiligung und Erlösung. Wie ein geschmückter Held, geschmückt mit dem unüberwindlichen Panzer der Gerechtigkeit und mit scharfen Pfeilen, nämlich mit dem Worte, das aus Seinem Munde geht und durchbringet, bis daß es scheidet Seel' und Geist, und Mark und Bein, zieht Christus durch diese Welt. Was Ihm widerstehen will, ist gerichtet, noch ehe es gerichtet wird. Aber Sein Volk, das elend ist von dem Fluche Gottes, behält dieser König bei Recht. Er führt den allerhöchsten Ehrentitel: Gott. Dein Gott falbet dich mit Freudenöl, d. H. mit den unendlichen Gaben des heiligen Geistes, so daß nun von dem Haupte dieses Hohenpriesters und Königs Jesu der Balsam in Seine Seleider, d. h. auf Seine Gläubigen fließt. Pf. 133. - Bie herrlich wird nun die Braut, die Gemeine Christi, sein, da sie in keinem andern Schmucke als in dem selbsteigenen Christi dasteht. Was ist köstlicher als Gold? Hier ist's. Wie ganz herrlich inwendig muß doch Christus Seine Gläubigen schmücken mit Gaben und Gnaden, wie groß muß die Freude und Wonne sein in des Königs Pallaſt, d. h. wie kräftig und süß muß der heilige Geist den Gläubigen mit Seinem Troste beiwohnen, da die Gläubigen mit Lust ihres Volkes und Vaters Hauses vergessen, d. h. den ganzen alten Menschen mit all' seinen Lüsten, Begierden und Sinnen drangeben. Der Herr schenke uns Seinen Geist, daß wir Ihn erkennen in Seiner Schönheit und Allgenugsamkeit, also daß es uns leicht ist, Ihm zu folgen und zu danken immer und ewiglich. Gebet. Herr Gott, himmlischer Bater, wir danken Deiner Gnade, daß Du uns Deinen Sohn gesandt haft und Ihn gesetzt zum Könige der Gerechtigkeit und zu unserm Heilande und Erlöser, der uns aus dem Reiche der Finsterniß errette, und uns Gerechtigkeit, Heil und Seligkeit verleihe. Wir preisen Deine große Liebe, daß Chriftus für unsere Sünden gestorben ist. Wir bitten Dich herzlich, erleuchte uns in Seiner Erkenntniß und stärke uns im rechten, wahren, christlichen Glauben, daß wir Ihn für unsern König und Seligmacher halten, lieben und loben. Thue diesem Deinem Könige auf alle lande, Städte, Kirchen und Herzen, daß Er Seine Herberge bei uns habe und uns, Sein armes Volk, mit Seinem Geist und Worte regiere. Amen. Vater Unser. 13 Sonnabend nach dem 1. Advent. Mel.; Ein' feste Burg ist unser Gott. O Jesu, einig wahres Haupt Der heiligen Gemeine, Die an Dich, ihren Heiland, glaubt, Und nur auf Dir alleine, Als ihrem Felsen, steht, Der nie untergeht, Wenn gleich die ganze Welt, Zertrümmert und zerfällt: Erhör', erhör' uns, Jesu. Erbarm' Dich Deiner Christenheit, Vermehre Deine Heerde. Für uns, Dein armes Häuflein, streit, Daß es erhalten werde. Den Aergernissen wehr'; Was Dich haft, bekehr', Was sich nicht beugt, zerbrich; Mach endlich seliglich, An aller Noth ein Ende. ( Vers 1 und 6 aus: O Jesu, einig wahres Haupt.) Röm. 15, 4-13. Was aber zuvor geschrieben ist, das ist uns zur Lehre geschries ben, auf daß wir durch Geduld und Troff der Schrift Soffnung haben. Gott aber der Geduld und des Troftes gebe euch, daß ihr einerlei gesinnet feid unter einander, nach Jesu Chrifto; auf daß ihr einmüthiglich mit einem Munde lobet Gott und den Vater unseres Serrn Jesu Christi. Darum nehmet euch unter einander auf, gleichs wie euch Christus bat aufgenommen zu Gottes Lobe. Ich sage aber, daß Jesus Christus sei ein Diener gewesen der Beschneidung, um der Wahrheit willen Gottes, zu bestätigen die Verheißung, den Våtern geschehen. Daß die Seiden aber Gott loben um der Barmherzigkeit willen, wie geschrieben stehet: ,, Darum will ich dich loben unter den Heiden, und deinem Tamen singen." Llnd abermals spricht er:, Sreuet euch, ihr Heiden, mit seinem Volk." Lind abermal: ,, Lobet den Herrn, alle Seiden, und preiset ihn, alle Völker!" Und#bermal spricht Jesaias: ,, Es wird sein die Wurzel Jeffe, und der auferstehen wird, zu herrschen über die Heiden, auf den werden die Heiden hoffen." Gott aber der Soffnung erfülle euch mit aller Freuor und Frieden im Glauben, daß ihre völlige Hoffnung babet durch die Kraft des beiligen Geistes. Da Gott zu dem ersten den zweiten Menschen schuf, sprach er: es ist nicht gut, daß der Mensch allein sei. Zu der doppelten Gemeinschaft mit Gott und untereinander sind die Menschen erschaffen. Aber diese doppelte Gemeinschaft ist zerrissen und gestört. Adam, 14 der sich von Gott trennt und Rain, der sogar seinen leiblichen Bruder tödtet, stellen aller Menschen Leben dar als ein solches, das in Feindschaft mit Gott und Zwietracht untereinander besteht. Der Versuch zur Vereinigung, wie er oft gemacht worden ist, wie bei dem Thurmbau zu Babel, will und kann nie glücken. Aber Gott hat's gethan in Christo, durch welchen Er die Handschrift, so wider uns war( Col. 2, 14.) ausgetilgt hat und auch die Kinder Gottes, die zerstreuet sind, zusammenbringt Joh. 11, 52. Diese Wurzel Ifais, d. i. der Grund und Ursprung von Isais und Davids Geschlecht, ist's, wodurch Gott es thut, daß Er Juden und Heiden mit Sich versöhnt und zu Einem Leibe Christi verbindet. Darüber sollen die Heiden den Namen Christi loben und alle Völker Gott preisen. Was folgt nun, nachdem Gott solches an uns Menschen gewandt hat, daß Er Seinen eingeborenen Sohn in's Mittel gestellt hat? Nun folgt, daß wir uns in Christum ziehen lassen und in Ihm wurzeln sollen, damit Christus mit Seinen Kräften in uns lebe und wir in Ihm. Nun folgt, daß wir uns unter einander auch aufnehmen, gleichwie Christus uns aufgenommen hat. Nun folgt, daß Gott Eine Familie bildet aus allen Christen, und in dieser Familie sucht die Liebe nicht in das Ihre, sondern ist langmüthig und sanftmüthig. Nun folgi, aß Gott, da Er so viel gegeben, gewißlich weiter Gutes und Barmherzigkeit thun will, daß wir in und nach Christi Wort und Willen einerlei gesinnet werden und einmüthiglich mit Einem Munde Gott loben. Welch' eine Hoffnung ist es doch, die wir haben, daß Gott sich bereitet Ein heiliges, herrliches Volk! Wie soll das reizen, alle Bitterfeit, Bosheit und Falschheit unter einander abzulegen; denn durch solche Sünden wird ja der Wille Gottes und der Leib Christi zerstört. Wie soll das verlesene Gotteswort beim Schlusse dieser Woche wie ein Wind durch unsere Herzen wehen und Alles, was trennt und trennen will, darnieder legen! Wer es nur könnte, flagſt du, alle Trennungen von Gott und alle Zwistigkeiten unter einander anslöschen! Aber bist Du denn allein? Hat Gott nicht verheißen, über Bitten und Verstehen unsern Glauben und unsere Liebe zu fördern? Kann Er nicht thun, was Er verheißen hat? Er thue es, daß Er unsere Sünde tilge und wir mit Ihm Eins werden. Gebet. Lieber Gott, geheiliget werde Dein Name, gieb uns fromme, gottesfürchtige Lehrer in der Kirche, die Deinen Namen der Welt offenbaren und fund thun, nämlich, daß Du gnädig und barmherzig seiest und uns um Deines lieben Sohnes willen, der für uns gekreuziget und gestorben ist, unsre Sünde verzeihen und das ewige Leben geben willst, auf daß alle Menschen sich auf Deine Gnade und Barmherzigkeit verlassen und Dich anrufen, Dich preisen und Dir danken. Gieb uns den heiligen Geist, der uns regiere und erhalte, daß wir nicht wieder zurückfallen in das Reich des Satans, der uns den Frieden nicht lassen will. Amen. Vater Unser. 15 2. Advents- Sonntag. Eigene Melodie. Es ist gewißlich an der Zeit, Daß Gottes Sohn wird kommen. In Seiner großen Herrlichkeit, Zu richten Bös und Frommen. Da wird das Lachen werden theu'r, Wenn Alles wird vergeh'n im Feu'r, Wie Petrus davon schreibet. DJEsu, hilf zur selben Zeit Von wegen Deiner Wunden, Daß ich im Buch der Seligkeit Werd' eingezeichnet funden. Daran ich denn auch zweif'le nicht; Denn Du hast ja den Feind' gericht Und meine Schuld bezahlet. ( Vers 1 und 5 aus: Es ist gewißlich an der Zeit.) Luc. 21, 25-36. Und es werden Seichen geschehen an der Sonne, und Mond, und Sternen; und auf Erden wird den Leuten bange fein und werden zagen; und das Meer und die Wasserwogen werden brausen. Und die Menschen werden verschmachten vor Surcht, und vor Warten der Dinge, die kommen sollen auf Erden; denn auch der Himmel Kräfte sich bewegen werden. Und alsdann werden sie sehen des Menschen Sohn fommen in der Wolke, mit großer Kraft und Serrlichkeit. Wenn aber dieses anfanget zu geschehen, so sebet auf, und hebet eure Häupter auf, darum, daß sich eure Erlösung nabet. Und er sagte ihnen ein Gleichniß: Sehet an den Seigenbaum und alle Bäume. Wenn sie jetzt ausschlagen, so sebet ihr es an ihnen, und merket, daß jegt der Sommer nabe ift. Also auch ihr, wenn ihr dies alles sebet angeben, so wiffet, daß das Reich Gottes nahe ist. wahrlich, ich fage euch: Dies Geschlecht wird nicht vergeben, bis daß es alles ges schehe. Simmel und Erde werden vergeben, aber meine Worte vers geben nicht. Aber hütet euch, daß eure Herzen nicht beschweret werden mit Sreffen und Saufen, und mit Sorgen der Nahrung, und komme dieser Tag schnell über euch; denn wie ein Sallstrick wird er kommen über alle, die auf Erden wohnen. So seid nun wacker allezeit, und betet, daß ihr würdig werden möget, zu entfliehen diesem allen, was geschehen soll, und zu fiehen vor des Menschen Sohn. Ist alle Schrift wichtig, wie wichtig besonders diese und andere Stellen, die vom jüngsten Tage handeln! Die Lehre vom jüngsten Tage sollte man keine Stunde aus den Augen setzen, sondern dieselbe wie eine stete Gegenwehr wider alle Sünde gebrauchen. Alle Zeichen, deren im Evangelio gedacht wird, werden geschwind und unversehens kommen und wird alsbald der gerechte Richter Christus erscheinen. Darum soll jede Seele, die dies hört und liest, sich zur wahren Buße und steten Vereinigung mit Gott schicken, um nicht zu bleiben unter der schrecklichen Zahl der Verächter und Spötter, von welchen St. Petrus in seinem 2. Briefe Cap. 3. schreibt, daß sie kommen würden und jetzt in großer Zahl gekommen sind. Den Gläubigen ist der jüngste Tag ein großer Trost. Denn er soll ihnen sein wie der liebliche Frühling, da Alles wieder hervor 16 grünt und die vorher erstorbenen Kräuter und Bäume anfangen auszuschlagen. In dieser Welt ist es den wahrhaftigen Gliedern Christi wie ein Winter, wo es viel Unangenehmes giebt, kalter Wind, ungestümes Wetter und schlechte Wege. Darum soll es ihnen Wonne und Freude sein, daß der Winter vergeht und der jüngste Tag näher kommt. Dann kommt auch unsere Hoffmung. Den Andern kommt der Schrecken; die Angst und Unruhe der Seele, die sie in dieser Zeit nicht durch die Buße zu Gott und den Glauben an Christum überwinden wollen, wird über ihr Haupt hereinbrechen, und sie werden verderben vor dem Angesichte des lebendigen Gottes. Darum, weil der jüngste Tag gewiß ist- denn die Schrift kann, wie in keinem Stücke, so auch hierin nicht gebrochen werden-, weil nur die Braut Christi, d. i. die wahrhaft an Christum Gläubigen und Christum Liebenden mit Frenden den wiederkommenden Herrn als Herrlichen, starken, trostreichen Bräutigam empfangen können, soll man mit besonderem Bedacht die Vermahnung Christi, wacker zu sein allezeit und zu beten, annehmen. Aber da handelt es sich um die rechte, Nüchternheit, daß man von gar keinem Rausche befangen ist, auch nicht von dem Tanmel der Sorgen und der Nahrung, nicht von dem Geld- oder Ehrrausche, sondern recht nüchtern durch die Wahrheit Gottes in Seinem heiligen Worte sich schicke zum jüngsten Tage. Wie soll ich mich schicken? Wenn du wacker und nüchtern bist, so wirst du erkennen, daß du 1) von allen Sünden ganz ablassen, 2) Geisteskräfte aus Gott durch das Gebet einsaugen, 3) dein Herz von nichts mußt lassen gefangen und eingenommen sein, als allein von den großzen theuren Offenbarungen Gottes, insonderheit von der Liebe Jesu, der dein Heiland und Herr ist. Nimm an JEsu Beides in Acht: deinen Heiland sowohl als deinen Herrn. Gebet. Herr Gott, himmlischer Vater, der Du durch Deinen Sohn uns gnädiglich geoffenbaret hast, wie Himmel und Erde vergehen, unsre Leiber wieder auferstehen und wir alle vor Gericht gestellt werden follen: wir bitten Dich von Herzen, Du wollest durch deinen heiligen Geist uns in Deinem Worte und rechten Glauben erhalten und trösten, uns Gnade geben, daß wir unsere Herzen mit Fressen und Saufen und Sorgen der Nahrung nicht beschweren, sondern allezeit wachen und beten und in gewisser Zuversicht Deiner Gnaden die Zukunft Deines Sohnes mit Freuden erwarten und ewig selig werden durch denselben Deinen Sohn Jesum Christum, unfern Herrn. Amen. Vater Unser. 17 Montag nach dem 2. Advent. Mel.: Wie soll ich Dich empfangen oder: Aus meines Herzens Grunde. Jesu, meine Wonne, Komm' bald und mach' Dich auf! Geh' auf, verlangte Sonne, Befördere Deinen Lauf. O Jesu, mach ein Ende, Und führ' uns aus dem Streit! Wir heben Haupt und Hände Nach der Erlösungszeit. ( Vers 1 und 10 aus: Ermuntert euch, ihr Frommen.) Ermuntert euch, ihr Frommen! Zeigt eurer Lampen Schein! Der Abend ist gekommen, Die finstere Nacht bricht ein. Es hat sich aufgemachet Der Bräutigam mit Pracht. Auf, betet, kämpft und wachet; Bald ist es Mitternacht. Sefaias 40, 1-10. Tröffet, troffet mein Volk, spricht euer Gott; redet mit Jerusalem freundlich, und predigt ihr, daß ihre Ritterschaft ein Ende hat, denn ihre Mifferhat ist vergeben; denn sie hat 3weifältiges empfangen von der Hand des Herrn, um alle ihre Sünde. Es ist eine Stimme eines Predigers in der Wüste: bereitet dem Herrn den Weg, machet auf dem Gefilde eine ebene Bahn unserm Gott. Alle Thaler sollen erhöher werden, und alle Berge und Sügel sollen geniedriget werden, und was ungleich ist, soll eben, und was hockerig ist, soll schlicht werden: Denn die Herrlichkeit des Serrn soll geoffenbaret werden; und alles Sleisch mit einander wird sehen, daß des Herrn Mund redet. Es spricht eine Stimme: Predige! Und er sprach: Was soll ich predigen? Alles Sleisch ist Heu, und alle seine Gåte ist wie eine Blume auf dem Felde. Das Heu verdorret, die Blume verwelket; denn des Herrn Geist blåset darein. Ja, das Volk ist das Hen. Das Seu verdorret, die Blume verwelket; aber das Wort unseres Gottes bleibt ewiglich. 3ion, du Predigerin, freige auf einen boben Berg. Jerusalem, du Predigerin, bebe deine Stimme auf mit Macht, bebe auf, und fürchte dich nicht; fage den Städten Juda's: Siebe, da ist euer Gott! Denn siebe, der Herr Herr kommt gewaltiglich; und sein Arm wird herrschen. Siehe, sein Lohn ist bei ihm, und seine Vergeltung ist vor ihm. Hier ist die Rede von beiderlei Erscheinung Christi in Seiner Menschwerdung und Niedrigkeit wie auch von Seiner Wiederkunft am jüngsten Tage, da Er gewaltiglich kommt und Sein Lohn ist bei Ihm und Seine Vergeltung vor Ihm. Denn Seine erste Ankunft zu unserer Erlösung und auch zum Gerichte für Alle, die nicht erlöst sein wollen, fordert die zweite Ankunft zum letzten Gerichte, da Er Alles zum Ende und Ziele bringt, sowohl die Seligkeit der Erlösten als die Verdammniß der Ungläubigen. Tröstet, tröstet Mein Volk- das ist am jüngsten Tage in dem vollen Sinne wahr. Aber der süße Trost Gottes soll uns auch jetzt schon zu Statten kommen. Zwar, wer den Trost Gottes bekommen soll, muß denselben auch begehren und bedürfen. Darum sendet, Gott die Stimme 2 18 - eines Predigers in Johannes dem Täufer und immer wieder dieselbe Stimme in der Wüste. Johannes der Täufer ist ein Meister darin, der Wüste zu predigen, daß sie Wüste ist. Alles Fleisch ist Heu und alle seine Güte ist wie eine Blumte auf dem Felde, das Heu verdorret, die Blume verwelkt so schallt die Stimme in der Wüste, und wo nur immer durch solche Predigt bei einem Menschen nichts denn Sterben übrig blieb, da wird dem Herrn Herrn der Weg bereitet. Daselbst fängt des Glaubens Art an und die ist: Sünde fühlen. Den Armen am Geiste ist Christus der höchste Trost. Lernen die Menschen Christum recht kennen, so nimmt die Ritterschaft, nämlich die Zwangsherrschaft des tödtenden, treibenden Gesetzes ein Ende, weil Christus das Ende des Gesetzes ist und weil, wer an Ihn glaubt, gerecht ist. Zwiefältiges Heil giebt Jesus, nämlich Vergebung der Sünden und Freiheit vom Gesetze Mosis. Um dieser Wohlthaten Christi willen thut der h. Augustinus sogar den merkwürdigen Ausspruch: o selige Sünde, die du uns einen solchen Erlöser bereitet hast! Und weil also diese Herrlichkeit des Sohnes Gottes geoffenbaret wird auf Erden, so ist alle Ursach, daß man mit dem Volke freundlich reden und dasselbe trösten, ja trösten soll. ,, Siehe, da ist euer Gott" in der Krippe zu Bethlehem, am Kreuze auf Golgatha, der Sein Blut zur Vergebung der Sünden vergießt, und allem Fleische, das zu Ihm kommt, das ewige Leben giebt. Ist die Sünde groß und alt und blutroth, die Gnade ist mächtiger. So sei uns denn die Predigt und Erfahrung von des Menschen Verderben und völliger Trostlosigkeit willkommen, denn sie bereitet dem Herrn den Weg, und Johannes der Täufer, ob er wohl ein strenger Mann ist, sein Kleid von Kameelhaaren und seine Speise Henschrecken und wilder Honig, kommt doch nur als Vorläufer Christi, der dem Bräutigam die Braut zuführt. Gebet. Ich danke Dir, mein Herr Jesu Christe, daß Du Dich so herzlich meines Jammers angenommen, Dich, doch ohne Sünde, mit meinem Fleisch und Blut bekleidet, und mich damit Deiner göttlichen Natur theilhaftig gemacht, von der ewigen Traurigkeit erlöset und zu ewiger Freude gebracht, in Summa, als der wahre Himmels-. pförtner den Himmel mir eröffnet, mit Deiner Armuth mich von ewiger Armuth erlöset und recht reich gemacht hast. Ich bitte Dich, allerliebster Schatz, Du wollest mich mit Deinem heiligen Geiste reichlich begnaden, der in mir solchen Trost lebendig mache, daß ich aller Furcht und Schrecken überhoben, mich ewiglich freuen, mich Deiner allein wider Teufel, Tod, Sünde, Zorn Gottes, den Fluch des Gesetzes Herzlich trösten, Deinem Exempel nach demüthig, gehorsam, geduldig sein, und Dich mit den lieben Engeln mit Mund, Herzen und ganzem Leben loben und preisen, endlich auch in ewigen Freuden im Himmel ewiglich bei Dir wohnen möge. Amen. Vater Unser. 19 Dienstag nach dem 2. Advent. Mel.: Helft mir Gottes Gütte preisen. Mal. Von Gothavill ich nicht fasst Ein Herz, das Demuth übet, Bei Gott am Höchsten steht. Ein Herz, das Hochmuth liebet Mit Angst zu Grunde geht; Ein Herz, das richtig ist Und folget Gottes Leiten, Das kann sich recht bereiten, Zu dem kommt Jesus Christ. ( Vers 2 und 3 aus: Mit Ernst, o Menschenkinter.) Bereitet doch fein tüchtig Den Weg dem großen Gast, Macht Seine Steige richtig, Laßt Alles, was Er haft; Macht alle Bahnen recht, Die Thal laßt sein erhöhet; Macht niedrig, was hoch stehet, Was krumm ist, gleich und schlecht. 1 Moj. 14, 18-24. Aber Melchisedek, der König von Salem, trug Brod und Wein hervor. Und er war ein Priester Gottes des Höchsten. Und segnete ihn, und sprach: Gesegnet seieft du, Abram, dem höchsten Gott, der Simmel und Erde befizet; Und gelobet sei Gott der Höchste, der deine Seinde in deine Sand beschloffen hat. Und demselben gab Abram den Zehnten von Allerlei. Da sprach der König von Sodom zu Abram: Gieb mir die Leute, die Güter behalte dir. Aber Abram sprach zu dem Könige von Sodom: Ich hebe meine Hände auf zu dem Herrn, dem höchsten Gott, der Himmel und Erde besitzet, daß ich von allem, was dein ist, nicht einen Saden, noch einen Schuh, riemen nehmen will, daß du nicht sagest, du babest 2bram reich ge macht, ausgenommen, was die Jünglinge verzehret haben; und die Männer Aner, Escol und Mamre, die mit mir gezogen sind, die laß ihr Theil nehmen. Wenn die Herzen der Gläubigen nicht beschwert sein sollen mit Sorgen der Nahrung, hier ist solch' ein freies Herz bei den lieben Erzvater Abraham. Abraham kommt aus der Schlacht. Er hat dem Könige von Sodom treulich geholfen, die Feinde bis über die Grenze gejagt, eine Handvoll wider ein Land voll, denn Abraham war mit mur 318 Knechten gegen starke Könige gezogen. Nun will ihn der König von Sodom beschenken, aber Abraham will von Allem keinen Faden noch Schuhriemen haben. Das ist ein Herz, das von keinen Sorgen der Nahrung eingenommen ist. Dagegen läßt sich Abraham wohl und gern gefallen, daß Melchisedek, der König von Salem, ihn segnet. Der heilige Geist hat diese Geschichte in dem 7. Capitel des Briefes an die Ebräer auf's Schönste auf Christum gedeutet. Weder die Mutter noch der Vater Melchisedeks ist irgendwo genannt, anzuzeigen, daß Jesus nach der göttlichen Natur keine Mutter, nach der menschlichen Natur keinen Vater hat. Melchisedek heißt König der Gerechtigkeit; Christus ist unsere Gerechtigkeit( Jerem. 23, 6.), und wie durch Eines Menschen Ungehorsam viele Sünder geworden sind, also werden durch Eines Gehorsam viele Gerechte, Nöm. 5, 19. 2* 20 Nur dieser König, der eine ewige Gerechtigkeit hervorgebracht hat, kann uns helfen in dem gar gestrengen jüngsten Gerichte. Und weil Er ein König der Gerechtigkeit ist, ist Er auch der König und Fürst des Friedens. Er ist unser Friede in allerlei Weise, denn Er hat Frieden für uns mit Gott gemacht, und giebt den Frieden, der höher ist, als alle Vernunft. Gerechtigkeit und Frieden hängen so genau zusammen, daß Jesus, da Er spricht: Friede sei mit euch", hinweist auf die Wundenmaale Seines heiligen Leibes, in welchen unsere Gerechtigfeit iſt. Dieser Friedens- und Gerechtigkeitskönig macht uns tüchtig, daß wir würdig werden zu stehen vor des Menschen Sohn in Seiner Zukunft. Wie Melchisedek Brod und Wein hervortrug, so speist uns Jesus mit Seinem wahren Leibe und Blute. Das ist Erquickung nach dem Streite und Stärkung zu dem Streite. Dazu segnet melchisedek den Abraham und Gott segnet uns durch Christum mit allerlei geistlichem Segen in himmlischen Gütern. Es ist Gottes Segen und Gnade allein, daß wir erweckt, bekehrt, und im Glauben erhalten wer= den. Deßhalb sei es unser tägliches Flehen, daß Gott uns segne durch Christum. Was thut aber Abraham weiter? Ein Doppeltes, daß er diese Wohlthaten sich gern gefallen läßt und annimmt und danach dem Melchisedek als dem Größeren den Zehnten giebt. Gehe hin und thue desgleichen. Gieb Jesu den Zehnten damit, daß du Ihm ein bußfertiges Herz, das seine Sünden wider die heiligen zehn Gebote beweint und auch ein empfängliches, d. i. gläubiges Herz darbringst. Zu diesem Zehnten, den du schuldig bist, gehört auch der neue Gehorsam. Gebet. Herr Jesu, Du bist der rechte Melchisedek. Deine Gerechtigkeit ist besser als der Pharisäer und Schriftgelehrten. Gieb sie uns, daß wir in Dein Himmelreich kommen. Dein letztes Werk auf Erden, da Du gen Himmel fuhrest, war ein Segen. Ach, sprich auch einen kräftigen Segen über meinen Leib und Seele. Regiere mich durch Deinen heiligen Geist, daß ich Dir Deine Zehnten gern und willig gebe und Dir auf's Neue von Herzensgrund nach den zehn Geboten zu dienen anhebe. So segne mich und all die Meinigen und erhöre mich um Deines theuren Verdienstes willen. Amen. Bater Unser. 21 Mittwoch nach dem 2. Advent. Mel.: Wie nach einer Wasserquelle oder: Werbe munter mein Gemüthe. Aller Trost und alle Freude Was Du Böses hast begangen, Ruht in Dir, Herr Jesu Christ. Das ist Alles abgeschafft. Dein Erfreuen ist die Weide, Gottes Liebe nimmt gefangen, Da man sich recht fröhlich ist. Deiner Sünden Macht und Kraft. Leuchte mir, o Freudenlicht, Christi Sieg behält das Feld, Che mir mein Herze bricht. Und was Böses in der Welt Laß mich, Herr, an Dir erquiden, Sich will wider dich erregen, Jesu, komm, laß Dich erblicken. Wird zu lauter Glück und Segen. ( Bers 6 und 11 aus: Warum willst du braußen stehen.) 1 Mof. 49, 8-12. Juda, du bist es, dich werden deine Brüder loben. Deine Hand wird deinen Seinden auf dem Salse sein; vor dir werden deines Vaters Kinder sich neigen. Juda ist ein junger Löwe, Du bist hoch gekommen, mein Sohn, durch große Siege. Er bat niedergekniet, und sich gelagert wie ein Löwe, und wie eine Löwin; wer will sich wider ihn auflehnen? Es wird das Scepter von Juda nicht entwendet werden, noch ein Meister von seinen Süßen, bis daß der Held Fomme; und demselben werden die Völker anhangen. Er wird sein Süllen an den Weinffodk binden, und seiner Eselin Sohn an den edlen Reben. Er wird sein Kleid in Wein waschen, und seinen Mantel in Weinbeerblut. Seine Augen sind röthlicher, denn Wein, und seine Jähne weißer, denn Milch. Mit diesen Worten fegnet der Erzvater Jakob seinen Sohn Juda. Es passen diese Worte in jedem Zuge auf Jesum unsern Herrn, von welchem ja aus Gottes Wort offenbar ist, daß Er von Judo aufgegangen ist. Ebr. 7, 14. Ja Jesu, Du bist es- Du bist es allein, bist es gewiß, bist es und bleibst, was Du bist, bist es für Alle, obwohl Viele Dich nicht wollen, bist mehr als Jonas und mehr als Salomo Du bist es in allerlei Weise. 1 Als Lea den Juda gebar, sprach sie: Nun will ich dem Herrn danken, und nannte ihren Sohn Juda, d. h. Er, nämlich Gott, ſei gelobt. Jesus ist das rechte, eigentliche Gottlob. Die Brüder sollen Ihn loben- Er ist so gar lobenswerth um aller Seiner Wohlthaten willen. Seine Hand wird den Feinden auf dem Halse sein; Er ist wie ein junger muthiger Löwe, wie ein Löwe, der sich ohne Furcht niederlegt, wie eine Löwin, die ihre Jungen mit dem größten Eifer schützet. Fürwahr, welch' ein Muth und Kraft muß dem beiwohnen, der erschienen ist, die Werke des Teufels zu zerstören! Der uns einen Heldenmuth geben soll und kann, ist Selbst der Held. Von Seiner starten, eifrigen Liebe sagt Er: Gleichwie Mich der Vater liebet, so liebe Ich euch. Durch viele und große Siege ist Er hoch gekommen, besonders durch den Sieg, daß Er die Sünde und den Tod zu nichte gemacht hat in Seinem unschuldigen Blute. neigen sich alle Kinder des Vaters vor Ihm in der Zeit und Ewigkeit, ja alle Zungen bekennen, daß Christus der Herr ist. Phil. 2. Darunt Bis der Herr im Fleische erscheint, wird die Herrlichkeit nicht von dem Stamme Juda weichen, noch wird ein Mangel sein an einem Meister, d. h. an Lehrern und Gesetzgebern, die aus Juda( von seinen Füßen, d. i. aus seiner Mitte) kommen. Juda ist der Herrscherſtamm; David ist aus Juda. Bis zur Zeit Jesu war die Herrschaft in Jerusalem, also im Stamme Juda's. Dann wich sie, als Jesus kam, der Held, der auch der Mann des Friedens ist. Welch' ein Friedefürst Er ist, der Sein Kleid in Wein, nämlich Seine Heilige Menschheit in Seinem Blute wäscht, dessen Augen vor Liebe und Schmerz röthlicher sind denn Wein, dessen Mund holdselig ist! In Summa: welch' eine übermenschliche Herrlichkeit Jefu leuchtet aus diesen Worten hervor, wie sie nur der Heiland, wahrer Gott und wahrer Mensch, haben kann! Ist's da noch ein Wunder, daß es von diefent Jesu heißt: demselben werden die Völker anhangen? Ist's ein Wunder, daß Petrus, ob ihm wohl die ganze Welt offen stand, bekannte: Wohin sollen wir gehen, Du hast Worte des ewigen Lebens? Das sei uns wunderlich, daß wir diesem Jesu so schwer glauben und trauen und Ihn so wenig lieben. Seine Hand komme über alle Seine Feinde, die Ihmi unser Herz und Gemüth rauben wollen. O Jesu, Du bist es so sei es uns denn auch! - Gebet. Ach, Herr Jesu, der Du zu eben der Zeit laut der Weissagung Jakobs Mensch geworden bist, als von Juda die Herrschaft genommen war, Du bist der rechte Friedefürst und Held im Streite. Wie groß sind alle Deine Wohlthaten, daß Du uns erlöst hast, uns Dein allmächtiges Wort giebst und Selbst bei uns bist. Alle rechten Christen loben Dich dafür und hangen Dir an. O so hilf mir durch alle Deine Kraft und Lieblichkeit, daß ich Dich als meinen höchsten Schatz erkenne, liebe und lobe mit allen meinen Brüdern. Breite Deine Güte über uns aus und laß Deine Kraft in unsern Herzen und Häusern offenbar werden. Amen. Bater Unser. 22 Donnerstag nach dem 2. Advent. Eigene Melodie. Wie schön leuchtet der Morgenstern Voll Gnad' und Wahrheit von dem Herrn, Die süße Wurzel Jesse! Du Sohn Davids aus Jakobs Stamm, Mein König und mein Bräutigam, Hast mir mein Herz besessen: Lieblich, Freundlich, Schön und herrlich, groß und ehrlich, reich von Gaben, Doch und sehr prächtig erhaben. Ei, meine Perl, Du werthe Kron' Wahr' Gottes und Marien Sohn, Ein hochgeborner König! Mein Herz heißt Dich ein Lilium; Dein süßes Evangelium Ist lauter Milch und Honig. Ei, mein Blümlein, Hosiannah! himmlisch Manna, das wir effent; Deiner kann ich nicht vergessen. ( Vers 1 und 2 aus: Wie schön leuchtet der Morgenstern.) 23 2 Sam. 7, 4. 5 und 11-16. Des Nachts aber kam das Wort des Herrn zu Kathan, und sprach: Gehe hin, und sage zu meinem Knechte David: So spricht der Herr: Solltest du mir ein Haus bauen, daß ich darinnen wohnete? Der Herr verkündiget dir, daß der Herr dir ein Haus machen will. Wenn nun deine Seit bin ist, daß du mit deinen Vätern schlafen liegeft; will ich deinen Samen nach dir erwecken, der von deinem Leibe kommen soll, dem will ich sein Reich bestätigen. Der foll meinem Namen ein Haus bauen, und ich will den Stuhl seines Königreichs bestätigen ewiglich. Ich will sein Vater sein, und er soll mein Sohn sein. Wenn er eine Misfethat thut, will ich ihn mit Menschen= Ruthen und mit der Menschenkinder Schlägen ftrafen; aber meine Barmherzigkeit soll nicht von ihm entwandt werden, wie ich sie entwendet habe von Saul, den ich vor dir habe weggenommen. Aber dein Haus und dein Königreich soll beständig sein ewiglich vor dir, und dein Stuhl foll ewiglich bestehen." Darum David, der Geliebte Gottes, hatte ein zartes Herz gegen Gott, das durch die Liebe Gottes zur Gegenliebe entzündet war. wollte David, wie es der Liebe Art ist, Gott ehren und lieben und sprach: Siehe, ich wohne in einem Cedernhause und die Lade Gottes wohnet unter den Teppichen. Aber Alles hat seine Zeit und die Zeit war noch nicht, daß dem Herrn sollte ein Haus gebaut werden, wie es Salomo nachher gethan hat. In freundlicher, leutſeliger Art trägt Gott dem Propheten Nathan auf, David zu verkündigen, der Herr wolle ihm ein Haus bauen und thut David eine große Verheißung von seinem Samen und dem unvergänglichen Reiche, das der Herr diesem Davidssohne geben will. Salomo ist der Davidssohn; aber wie in Isaak dem Sohne Abrahams und in Juda dem Sohne Jakobs, so soll in Salomo, dem Sohne Davids, der eigentliche Davidssohn, d. i. Christus, angeschaut werden. Der aber Davidssohn ist, heißt auch aus dem Munde Gottes: Mein Sohn. So ist denn die ganze heilige Schrift voll von Zeugnissen, daß Jesus wahrer Gott und wahrer Mensch ist. Gott, der Vater, pranget mit Seinem Sohne durch die ganze heilige Schrift, so daß die ganze Bibel ein immerwährendes Zeugniß von Christo ist, und JEsus ist also der ganzen heiligen Schrift Herz, Kern, Stern, Leben, Mark, Ziel, Ende, Zweck, edler Stein und Heiligthum. Salomo baute dem Herrn einen Tempel, dessen Herrlichkeit sprichwörtlich geworden ist. Aber der Allerhöchste wohnet nicht in Tempeln, die mit Händen gemacht sind. Apostlg. 7, 48. Christi heiliger, gebenedeieter Leib ist der Tempel, in welchem die Fülle der Gottheit wohnt. Joh. 2, 21. Nun ist die Kirche, nämlich die Gemeinschaft Aller, die durch den heiligen Geist mit Christo im Glauben verbunden sind, der Leib Christi und der Tempel Gottes. Der Grund ist Christus und ist die Ursache der ewigen Seligkeit und Herrlichkeit allen Seiner 24 Kinder. Was an dem Tempel Salomo's von Vorbild war an Cedernholz, Gold, Opfer und dergleichen, ist Alles wesentlich in dem Hause Gottes, das Christus baut. Jede getaufte und gläubige Seele ist ein Stein, der eingefügt wird. D, ein herrlicher Tempel, der auch ein Königreich heißt und ist, und dieses Königreiches ist kein Ende. Alle Feinde können dieses Königreich so wenig zerstören, als eine weiche Feber einen Felsen zerschmettern kann. Gott aber sei Dank für Seine unaussprechliche Gabe, ja, unaussprechlich. Denn auch das ist an unserm Salomo geschehen, daß Er mit Menschen- Ruthen und mit der Menschenkinder Schlägen gestraft ist. Er ist um unsrer Missethat willen verwundet und um unsrer Sünden willen zerschlagen. Mit Seinem Blute hat Er uns Gott erfauft. So sind wir theuer erkauft und haben mun einen großen Werth, weil wir so theuer bezahlt sind; wir haben einen großen Beruf, weil wir als Perlen in dem Königreiche Christi glänzen sollen. Gebet. Ach, Du lieber Gott, himmlischer Vater, gieb Glück und Heil dem Sohne Davids, Deinem lieben Sohne, zu Seinem Königreich! Laß Ihn auch bei uns Sein Königreich haben und mehre in uns den Glauben an Deinen lieben Sohn. Baue Sein Reich bei uns und allenthalben und laß uns unter Christi Scepter Gerechtigkeit und Frieden haben. Amen. Vater Unser. Freitag nach dem 2. Advent. Met Fon Gottwilli aidd lassen Mel.: Helft mir Gottes Gite preifen. Auf, ihr betrübten Herzen, Der König ist sehr nah! Hinweg all' Angst und Schmerzen, Der Helfer ist schon da! Seht, wie so mancher Ort Hochtröstlich ist zu nennen, Da wir Ihn finden können Im Nachtmahl, Tauf und Wort. 1 Auf, auf, ihr Bielgeplagten, Der König ist nicht fern! Seid fröhlich, ihr Verzagten, Dort kommt der Morgenstern! Der Herr will in der Noth Mit reichem Trost euch speisen, Er will euch Hülf' erweisen, Ja, dämpfen selbst den Tod. ( Vers 2 und 3 aus: Auf, auf! ihr Reichsgenoffen.) Jesaja 42, 1-10. Siebe, das ist mein Knecht, ich erhalte ihn; und mein Auserwählter, an welchem meine Seele wohlgefallen hat. Ich habe ihm meinen Geist gegeben, er wird das Recht unter die Seiden bringen. Er wird nicht schreien noch rufen, und seine Stimme wird man nicht bören auf den Gaffen. Das zerstoßene Rohr wird er nicht zerbrechen, und das glimmende Tocht wird er nicht auslöschen. Er wird das Recht wahrhaftiglich halten lehren. Er wird nicht mürrisch noch 25 greulich sein, auf daß er auf Erden das Recht anrichte; und die Inseln werden auf sein Geser warten. So spricht Gott, der Herr, der die immel schaffet und ausbreitet, der die Erde macht und ihr Gewächs, der dem Volk, so darauf ist, den Odem giebt, und den Geist denen, die darauf geben: Ich, der Herr, babe dich gerufen mit Ges rechtigkeit, und habe dich bei deiner Sand gefaffet, und habe dich bes hütet, und habe dich zum Bund unter das Volk gegeben, zum Licht der Heiden; daß du sollst öffnen die Augen der Blinden, und die Gefangenen aus dem Gefängniß führen, und die da siten in der Sinsterniß, aus dem Berker. Ich, der Herr, das ist mein Tame; und will meine Ehre keinem Andern geben, noch meinen Ruhm den Gözen. Siehe, was kommen soll, verkündige Ich zuvor, und verkündige Teues; ehe denn es aufgebet, laffe ich es euch hören. Singet dem Serrn ein neues Lied, sein Ruhm ist an der Welt Ende. Mit der Aufforderung: ,, Singet dem Herrn ein nenes Lied" schließt dieser Abschnitt. Das thut der Geist Gottes auch bei uns, daß Er uns die alten Wahrheiten neu, ja zu neuen Liedern macht. Wie Gott uns Seinen allerliebsten Sohn offenbaren will, ist hier erzählt. Die vier Evangelien im neuen Testamente sind die beste Beschreibung des Knechtes, des Auserwählten, an welchem Gott Wohlgefallen hat. Jesus, der geringe Knecht, den Gott erhält, wie Gott andere Menschen mit Nahrung und Kleidung unterhält. Jesus, der treue Knecht, auf welchem ohn' Unterlaß das Wohlgefallen Gottes ruht; denn Gott drückt auf jedes der Worte und Werke Jesu Sein Siegel. Jesus, der rechte Knecht, denn Er thut nichts von Ihm Selber, sondern Seine Speise ist, daß Er den Willen des Vaters thut und des Vaters Werk vollendet. Und worin besteht des Vaters Wille? Darin, daß Jesus das Recht soll unter die Heiden bringen. Welches Recht? Siehe, die Sünde ist Unrecht 1. Joh. 3, 4. Nach dem rechten Verstande der heiligen zehn Gebote ist in denselben das einzige Recht geoffenbart aber bei allen Menschen hat die Sünde dieses Recht in ein ebenso böses, als verdammendes Unrecht verwandelt. Jesus, der Knecht Gottes, wird alles Unrecht tilgen, und das Recht Gottes wiederbringen. Damit wir Frieden haben möchten, mußte die Strafe auf Ihm liegen. Seine Wunden sind unsere Heilung. O große, lautere Gnade, daß Christus die Versöhnung ist für unsere und für der ganzen Welt Sünde. Er wird ein großes Lob Gottes, ein neues Lied bei allen Menschen anrichten, die Ihn aufnehmen; denn Er wird das zerstoßene Rohr nicht zerbrechen und das glimmende Docht nicht auslöschen. Die peinliche Angst des Gewissens vor Gott wird Er heilen und giebt Freudenöl statt Traurigkeit. Nur Liebe, nur Trost, nur Leben, nur Gnade, nur Wahrheit ist bei Jesu. Das Einzige, was uns den Glauben an Ihn bitter macht, ist, daß wir dabei uns von der Sünde scheiden und derselben sterben müssen. Gelobet — sei dieser Knecht Gottes, der den Blinden die Augen öffnet und die Gefangenen aus dem Gefängniß und aus dem Kerker ausführt. Lasset uns zusehen, daß nicht Jemand unter uns habe ein arges, ungläubiges Herz, das da abtrete von dem lebendigen Gott. Denn Gott ist es, der lebendige Gott, welcher Seinen Knecht Jesus gerufen und uns zum Licht gegeben hat, daß Er den Namen und die Ehre Gottes, die wir den Götzen der Welt und uns selber gegeben haben, Herstelle und wiederbringe. Darum laffet uns wahrnehmen des Knechtes Gottes, Jesu Christi und wachsen in Seiner Gnade und Erkenntniß. ― 26 Gebet. Herr Gott, himmlischer Vater, der Du Deinen Sohn uns zum Heiland bereitest hast, daß Er der Heiden Licht und der Juden Preis sein soll: wir bitten Dich, erleuchte unsre Herzen, daß wir Deine Gnade und väterlichen Willen gegen uns in Ihm erkennen. Wir danken von Herzensgrund für das bittere Leiden unseres Herrn Jesu Christi und bitten Dich, Du wollest uns Gnade verleihen, Chriſti theures Verdienst in wahrem Glauben zu fassen, in solchem Glauben christlich zu leben und endlich selig zu sterben. Amen. Vater Unser. 11 Sonnabend nach dem 2. Advent. Eigene Melodie. Fahre fort, fahre fort, Zion, fahre fort im Licht! Mache deinen Leuchter helle, Laß die erste Liebe nicht, Suche stets die Lebensquelle! Zion, bringe durch die enge Pfort'! Fahre fort, fahre fort. Halte aus, halte aus; Zion halte Deine Treu'! Laß Dich ja nicht laulich finden! Auf, das Kleinod rückt herbei! Auf, verlasse, was dahinten! Zion, in dem letzten Kampf und Strauß Halte aus, halte aus. ( Vers 1 und 7 aus: Fahre fort.) 1 Kor. 4, 1-5. Dafür halte uns Jedermann, nämlich für Chrifti Diener, und Saushalter über Gottes Geheimnisse. Mun sucht man nicht mehr an den Haushaltern, denn daß fie treu erfunden werden. Mir aber ift es ein Geringes, daß ich von euch gerichtet werde, oder von einem menschlichen Tage; auch richte ich mich selbst nicht. Ich bin mir wohl nichts bewußt, aber darinnen bin ich nicht gerechtfertiget; der Herr ist es aber, der mich richtet. Darum richtet nicht vor der Zeit, bis der Herr komme, welcher auch wird an's Licht bringen, was im Sinftern verborgen ist, und den Rath der Serzen offenbaren; alsdann wird einem Jeglichen von Gott Lob widerfahren. Das ist ein heller Spiegel, in welchen absonderlich Prediger und Lehrer, berufene Diener Christi, schauen sollen, um darnach ihr heiliges Amt nach Herz und Gewissen täglich zu messen. Treue Univ. Bibl. Giessen 27 vorab sucht der Herr an Seinen Dienern, an Seinen Haushaltern. Wer seinen Beruf vor dem Angesichte Gottes erfaßt, und führen will vor dem, der da kommt, welcher auch den Rath der Herzen offenbaren wird, versteht wohl, wenn ein Diener Jesu sagt: Ich kann am Ende welch' ein glauben, daß ein Pastor noch selig stirbt, aber fröhlich Wunder gehört dazu? Haushalter über Gottes Geheimnisse sind aber auch im weiteren Sinne alle Gläubigen, deren höchster Beruf der ist, daß sie Christo dienen in allem ihren Wandel, und deren höchste Ehre die ist, daß ihnen die Geheimnisse Gottes anvertraut sind, die tiefen Wahrheiten unseres allerheiligsten Glaubens, kraft deren sie christlich leben und selig sterben können. Auf die Treue im Haushalten dieſer Geheimnisse kommmt es an, auf den rechten Gebrauch der Gnadenmittel, des Wortes Gottes, der heiligen Sakramente, der Absolution, des Gebetes und der Gemeinschaft, kurz, ob und wie sie den Heilsweg in rechter Treue wandeln. Darnach wird im Gericht gefragt. Der Apostel spricht in unserer Epistel zunächst von einem menschlichen Gerichte, wie die Korinther es an seiner Person ausüben; aber über dieses blickt er hinweg, als über etwas Geringes, Unbedeutendes in Bergleich mit dent Gerichte des Herrn, auf das es allein ankomme. Sehen wir dem Richa ten der Leute, obschon es eine ungeheure Macht ist und manchen halbherzigen und menschenfürchtigen Christen stußig gemacht, hier und da wohl gar zur Verleugnung getrieben hat, näher in das Angesicht. Was ist diese Macht? Wie oft nur ein paar geschwätzige Mäuler, die überall zu tadeln wissen, ein paar leichtsinnige Mägde, denen Ohrenbläserei eine Freude ist, das ist oft die ganze Macht der Leute, nach deren Urtheil gefragt wird. Stehen wir lauter vor Gott, als Kinder des Lichts, so darf es auch uns, gleich dem Apostel, etwas Geringes fein, ob wir gerichtet werden von einem menschlichen Tage. Es kann sich damit auch schnell wieder ändern. Denn wenn Jemandes Wege dem Herrn wohl gefallen, so macht Er auch seine Feinde mit ihm zufrieden. Wie anders aber wird das Gericht ausfallen vor demt, der auch den Rath der Herzen offenbaren wird! Angesichts dieses Gerichtes spricht der Apostel: Ich bin mir wohl nichts bewußt, aber darin bin ich nicht gerechtfertigt. Jener Pharisäer im Gleichniß vermaß sich, und dankte Gott, daß er nicht wäre, wie andere Leute; er verglich sich nur mit Andern, maß nicht nach dem rechten Maaße. Nicht an Andern sollen wir uns messen, dann werden wir uns vermessen; sondern nach dem ewig gültigen Worte Gottes, welches am Gerichtstage aufgeschlagen liegt, sollen wir unser Thun und Laffen prüfend messen. Was bleibt uns aber da übrig, als daß wir ob aller Untreue den Herrn anrufen: Ach, bleib mit Deiner Treue, bei uns, mein Herr und Gott. Beständigkeit verleihe, hilf uns aus aller Noth. Gebet. Herr Jesu Christe, der Du am jüngsten Tage wiederkommen und den Erdkreis richten wirst, wir arme Sünder bitten Dich, Du wollest uns in Guaden ansehen. Herr verleihe uns durch - Deinen Heiligen Geist, daß wir durch Deine Gnade dem Worte Gottes glauben, unsern Beruf treulich thun, die Sünde hassen und mit Freuden Deine Zukunft erwarten. Amen. Vater Unser. 28 3. Advents- Sonntag. oft will sell nicht laws an Mel.: Helft mir Gottes Güte preisen. Alt Von Gott Mit Ernst, o Menschenkinder, Das Herz in euch bestellt, Damit das Heil der Sünder, Der große Wunderheld, Den Gott aus Gnad' allein, Der Welt zum Licht und Leben Gesendet und gegeben, Bei euch auch kehre ein. y que Ach mache Du mich Armen, Zu dieser heil'gen Zeit, Aus Güte und Erbarmen, Herr Jesu, selbst bereit. Zeuch in mein Herz hinein, Vom Stall und von der Krippen, So werden Herz und Lippen Dir ewig dankbar sein. ( Vers 1 und 4 aus: Mit Ernst, o Menschenkinder.) Ev. Matthäi 11, 2-10. Da aber Johannes im Gefängniß die werke Chrifti hörete, fandte er seiner Jünger zween, und ließ ihm sagen: Bist Du, der da kommen foll, oder sollen wir eines Andern warten? Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Gebet bin und faget Jobanni wieder, was ihr sehet und höret; die Blinden sehen, und die Lahmen gehen, die Aussätzigen werden rein, und die Tauben hören, die Todten ftehen auf, und den Armen wird das Evangelium geprediget. Und selig ist, der sich nicht an mir årgert. Da die bingingen, fing Jesus an zu reden zu dem Volk von Johannes: Was seid ihr hinaus gegangen in die Wüste zu sehen? wolltet ihr ein Rohr sehen, das der Wind hin und her wehet? Oder was seid ihr hinaus gegangen zu sehen? Wolltet ibr einen Menschen in weichen Kleidern sehen? Siebe, die da weiche Kleider tragen, sind in der Könige Sausern. Oder was seid ihr hins aus gegangen zu sehen? wolltet ihr einen Propheten sehen? Ja, ich fage euch, der auch mehr ist, denn ein Prophet. Denn dieser ist's, von dem geschrieben ftebet: Siehe, Ich sende meinen Engel vor dir her, der deinen Weg vor dir bereiten soll. Selig ist, spricht der Herr, wer sich nicht an Mir ärgert. Viele ärgern sich nicht an Ihm, weil sie Ihn nicht kennen, auch nicht suchen, Ihn kennen zu lernen. So wenig liegt dem Menschen an seinem Heilande und an seinem Heile. Viele ärgern sich darum nicht an Ihm, weil sie statt des lebendigen, eigentlichen, wahrhaftigen Christus ein selbstgemachtes Gedankenbild von Gott und von Seinem Sohne Jesu Christo vor Augen haben. An solch bloßem Bilde mag 29 sich Niemand ärgern. Aber an dem rechten, wahrhaftigen Christus ärgert sich das Menschenherz leicht; ja, das Herz, sofern keine Gnade und Geist Gottes darin ist, steckt voll Aergerniß an Jesu. Da ärgert man sich an Seinem Worte, an Seiner heiligen Person, die wahrer Gott und wahrer Mensch ist, an Seinem Prophetenamte, besonders auch an Seinem Hohenpriester- und Königsamte; man ärgert sich an Seinen Werken, an Seinem Reiche. Wohl der Seele, welche diese Gefahr bei sich erkennt und überwindet, und sich nicht ärgert, vielmehr ein herzliches Wohlgefallen an den Werken Christi findet, daß Er die Blinden sehend macht, die Lahmen gehend, die Ausfähigen rein, die Todten lebendig und den Armen das Evangelium predigt. Sind das nicht Werke Christi, die ebenso herrlich, als nothwendig sind? Denn wie taub sind wir! Daß wir die einfachste Wahrheit von Tod, Gericht und Ewigkeit nicht recht hören. Wie blind! Daß wir unser Verderben, nämlich die Sünde wider den heiligen Gott nicht erkennen, noch unser rechtes Heil, die Vergebung der Sünden. Wie arm! Denn Alles, was wir sehen und haben, kann uns nicht reich machen und keine Freude geben, die Herz, Leib und Seel' erfreut. Wie arm an wahrer Furcht vor Gott, an wahrer Liebe, an wahrem Vertrauen! Ei, wie lieb sollen uns darum die Werke Jesu sein, eben diese Werke, die Er Selber anzeigt und noch ausrichtet durch Seinen heiligen Geist in Nachtmahl, Tauf' und Wort. Darum sollst du Ihn willkommen heißen und auch nicht bange sein vor dem Engel, d. h. Boten, der vor Ihm hergeht. Das war damals Johannes der Täufer, ein rechter Knecht Gottes, standhaftig, ernsthaft, mit Wenigem zufrieden, redlich, offenherzig. Dieser Bote, der dem Herrn jetzt noch den Weg bereitet, ist die heilsame, gründliche, wahrhaftige Predigt der Buße, welche dir den Untergang und das Ende aller Dinge und deine große Verdammniß und Armseligkeit zeigt. Wo dieser Engel vorangeht und Raum gewinnt, wie willkommen ist da Jesus, der den Armen das Evangelium, nämlich die wahrhaftige Gnade Gottes und allen Segen bringt. Herr, laß mich selig werden damit, daß ich mich nicht an Dir ärgere, sondern nach Dir verlange und an Dir meine Lust habe. Gebet. Ach, gnädiger und barmherziger Herr Jesu Christe, Du hast Dich genugsam durch Propheten und Wunder erwiesen, daß Du allein der wahre Messias bist, der da kommen sollte, darum wir auch all' unser Vertrauen auf Dich allein sehen. Wir danken Dir für Dein tröstliches Evangelium und wahre Erkenntniß und bitten Dich, Dut wollest uns dabei gnädiglich erhalten, daß wir uns an Dir nicht ärgern, noch durch Wohlleben oder Verfolgung von Dir weichen, der Du alleine der Welt Heiland bist. Amen. Bater Unser. 30 Montag nach dem 3. Advent. Mel.: Meinen Jesum laß ich nicht. Hosiannah! Friedensfürst, Ehrenkönig, Held im Streite! Alles, was Du schaffen wirst, Das ist unsere Siegesbeute. Deine Rechte bleibt erhöht Und Dein Reich allein besteht. Hosiannah! steh' uns bei! O Herr, hilf, laß wohl gelingen, Daß wir ohne Heuchelei Dir das Herz zum Opfer bringen Du nimmst feinen Jünger an, Der Dir nicht gehorchen kann. ( Vers 3 und 6 aus: Hosiannah! Davidssohn.) Maleachi 3, 1-4. Siebe, ich will meinen Engel senden, der vor mir ber den Weg bereiten soll. Und bald wird kommen zu seinem Tempel der Herr, den ihr suchet, und der Engel des Bundes, deß ihr begehret. Wer wird aber den Tag seiner Zukunft erleiden mögen? Und wer wird bestehen, wenn er wird erscheinen? Denn er ist wie das Seuer eines Goldschmids, und wie die Seife der Wäscher. Er wird sitzen und schmelzen, und das Silber reinigen; er wird die Kinder Levi's reinigen und lautern, wie Gold und Silber. Dann werden sie dem Herrn Speisopfer bringen in Gerechtigkeit; und wird dem Herrn wohlges fallen das Speisopfer Juda's und Jerusalems, wie vorhin und vor langen Jahren. Maleachi ist der letzte der Propheten des alten Bundes. Er knüpft an die Weisfagung des Jesaias von der Stimme des Predigers in der Wüste( Jes. 40, 3.) an. Maleachi's Zeit war eine böse Zeit, in welcher Gott klagen mußte: Bin Ich nun Vater, wo ist meine Ehre? Bin Ich Herr, wo fürchtet man Mich? Ist es recht, daß ein Mensch Gott täuscht, wie ihr Mich täuscht? Schlimmer noch, als die einzelnen Sündenfälle, ist der sündliche Zustand, daß man in seiner Bosheit unverdammt heißen will, und sich mit Pharisäersinn und Pharisäergebet: ,, ich danke Dir, daß ich nicht bin, wie andere Leute" schützt. Da thut es denn noth, daß der Herr Seiner Ankunft einen Engel vorhersendet, der Ihm den Weg bereitet. Das ist Johannes der Täufer, dieser Bußprediger und jeder andere, der in den Fußtapfen Johannes wandelt. Welch ein trener Verkündiger der Rechte und Wahrheit Gottes ist Johannes gewesen! Das beweist seine Predigt von dem zukünftigen Zorne und den rechtschaffenen Früchten der Buße Mtth. 3, 7-12., Luc. 3, 7-14. Damit hat Johannes dem Herrn den Weg bereitet, und daß freilich durch solche ernste Predigt viele Herzen im Volke zubereitet waren, den Herrn zu empfangen, ist daraus deutlich zu ersehen, daß der Herr eben solchen entgegenkommt, da Er Seine Predigt mit der siebenfachen Seligpreisung anhebt. Bald nach Johannes kam der Herr Selber zu Seinem Tempel, 31 wie Er als zwölfjähriger Jesus im Tempel war und hernach im Tempel lehrte, als Er Sein öffentliches Amt antrat. Daß der Herr zu Seinem Tempel kommen werde, ist aber auch eine trostreiche Andentung, daß Gott Mensch werden sollte; die Menschheit Christi ist der Tempel Seines Leibes, Joh. 2, 21. Als Engel, d. h. als Vermittler des Bundes, des Gnadenbundes, kommt der Herr, und all' das Herrliche, was Abraham und den Vätern verheißen war, ist in Christo erfüllt und wesentlich erschienen. In Ihm ist das Leben und die Verföhnung mit Gott. Wohl allen Herzen, die Ihn, durch die Predigt Johannis dazu willig gemacht, damals und jetzt suchen und begehren! Solche können den Tag Seiner jegigen und letzten Zukunft wohl erleiden, und lassen sich das Feuer, nämlich die Gnade und Wahrheit Jesu Christi, und die Seife des Wäschers, nämlich die heiligenden Kräfte Jesu, an ihrem inwendigen und auswendigen Leben wohl gefallen. Aus solcher Wirkung Christi an uns entsteht das eigentliche Priestergeschlecht, das rechte Volk des Priester stammes Levi, das, geheiligt durch den Geist und Namen Jesu Christi. Gott wohlgefällt und ohne Unterlaß all' sein Leben und Thun im Großen und Kleinen Gott Er hat uns zuerst zum Dankopfer darbringt. Denn wo das Eine: geliebt; sehet, welch' eine Liebe hat uns der Vater erzeiget, daß wir Gottes Kinder sollen heißen" zur Wahrheit an uns geworden ist, wird und darf auch das Andere nicht fehlen: laffet uns Ihn lieben, nicht mit Worten, sondern mit der That und mit der Wahrheit. " 1 Gebet. O, mein Herr Jesu Christe, mein Gott und Herr, ich sage Dir von Herzen Dank, so viel ich es vermag, daß Du zu der von Gott bestimmten und durch die Propheten geweifsagten Stunde Mensch geworden bist und die zerschlagenen Herzen mit Deinem heiligen und trostreichen Namen tröstest. Ach thue auch an mir und all' den Deinigen auf Erden solche Barmherzigkeit, daß ich Deine theure Gnade und Wahrheit Wahrheit recht erkenne und erfahre, und Dir mit all' Deinen Heiligen darob ewig mit Leib und Seele dankbar werden möge. Amen. Vater Unser. Dienstag nach dem 3. Advent. Mel.: Vom Himmel hoch. Des Vaters Wort von Ewigkeit Wird Fleisch in aller Reinigkeit. Das A und O, Anfang und End Gibt Sich für uns in groß Elend. Unterwirf Ihm deine Vernunft In dieser gnadreichen Zukunft, Untergib Seiner Heiligkeit Die Werk Deiner Gerechtigkeit. ( Vers 5 und 10 aus: Lob sei dem allmächtigen Gott.) 32 Jesaia 7, 10-16. Und der Herr redete abermal zu Ahas, und sprach: Sordere dir ein Zeichen vom Herrn, deinem Gott, es sei unten in der Hölle, oder droben in der Höhe. Aber Ahas sprach: Jch will es nicht fordern, daß ich den Serrn nicht versuche. Da sprach er: Woblan, so boret ihr vom Hause Davids: Ist es euch zu wenig, daß ihr die Leute beleidiget, ihr müffet auch meinen Gott beleidigen? Darum so wird euch der Herr selbst ein Zeichen geben: Siebe, eine Jungfrau ist schwanger, und wird einen Sohn gebåren, den wird sie heißen Immanuel. Butter und Honig wird er effen, daß er wisse Böses zu verwerfen, und Gutes zu erwählen. Denn ehe der Knabe lernet Böses verwerfen, und Gutes erwählen: wird das Land, davor dir grauet, verlassen sein von seinen zween Königen. Es liegt für jeden Menschen viel Jammer und Herzeleid darin, Gott den Herrn verlaffen und Ihn nicht fürchten. Wie viel tausendmal ist an uns Menschen dieser Spruch wahr gewesen und wird sich noch ferner bewahrheiten! Denn dies gilt für alle Zeiten und für alle Menschen. So galt es auch dem Ahas, dem Könige Juda's. Weil er nicht that, was dem Herrn wohlgefiel, so ließ ihm Gott auch den Muth entfallen, und als die Könige von Syrien und Israel sich aufmachten, wider ihn zu streiten, da bebte dem Könige sammt seinem Volke das Herz, wie die Bäume im Walde vor den Winde beben. Der Prophet Jesaias spricht im Namen Gottes zu Ahas, er möge sich ein Zeichen der gewissen Hülfe Gottes fora dern; aber has antwortete: ich will es nicht fordern, daß ich derr Herrn nicht versuche. Das lautet demüthig aber es ist mur der Unglaube, der hier redet und Gott nicht achtet, und ist Falschheit; denn der eigentliche Kath des Königs ist, daß er auf die Hülfe von Affyrien rechnet und darum die Hülfe Gottes für überflüssig hält. 2. Chron. 28, 16. Aus dieser Veranlassung spricht Jesaias die Verheißung von der Geburt des Jungfrausohnes aus. Die beiden drohenden Könige werden vertilgt sein in einer kurzen Zeit, die kürzer sein wird, als die Zeit, welche der Jungfrausohn einst brauchen wird, um vom Kinde zum Manne heranzuwachsen, der Böses verwirft und Gutes erwählt. Hier wird, der da kommen soll, bezeichnet als Sohn der Jungfran; das ist die Weisfagung, daß Jesus wahrer Gott ist, eine Jungfrau ist Seine Mutter, und auch, daß Er wahrer Mensch ist; denn Er wird eben doch aus der Menschheit von einer Jungfrau Fleisch und Blut annehmen. Einen Jungfrausohn, wahren Gott und wahren. Menschen, sollen wir zum Heilande haben, der als Gott die Sünde und den Tod und die Gewalt des Teufels vernichtet hat, und als Mensch im Namen aller Menschen das Gesetz erfüllen, leiden und sterben sollte. Diesem gebührt der Name Immanuel, d. i. Gott mit uns. Welche Tiefen von Gnade und Wahrheit in diesem einzigen Namen! - 33 Was soll mir dieser Name bedeuten? Gott mit uns das ist die Menschwerdung Christi, da Er meines Fleisches und Blutes ist theilSaftig geworden. Gott mit uns, wahrhaftig wieder mit uns dadurch, daß die Feindschaft durch das Kreuz Christi ist aus dem Mittel gethan; der Gekreuzigte ist der rechte Immanuel. Wo Sein heiliger Geist Wohnung macht in einem Menschen, und der Vater und Sohn bleibend in dem Herzen einziehen, da ist der Name Immanuel recht in Kraft getreten. Gott mit uns das ist ewig wahr um Christi willen. Das sei mein Flehen und mein Danken. Ohren, hört es; Herz, merke darauf, daß Gott nicht mehr gegen uns ist, sondern mit uns. Mit Leib und Seele müssen wir uns diesem Gott ohne allen Rückhalt hingeben. - Gebet. Allmächtiger Gott, himmlischer Vater, wir danken Dir von Herzen, daß Du aus großen Gnaden uns armen Sündern zu Troft Deinen Sohn in unser Fleisch gesandt und hast lassen Mensch werden, und bitten Dich, Du wollest durch Deinen heiligen Geist uns Seiner Menschwerdung, Seines Leides und Todes theilhaftig machen, auf daß wir Ihn für unsern Herrn und ewigen König erkennen und annehmen und durch Ihn ewig selig werden. Amen. Bater Unser. Mittwoch nach dem 3. Advent. Mel.: Nun freut euch, lieben Chriflen g' mein. — Gott sprach zu Seinem lieben Sohn: Die Zeit ist hie zu' rbarmen; Fahr' hin, mein's Herzens werthe Kron' Und sei das Heil dem Armen, Und hilf ihm aus der Sündennoth, Erwürg' für ihn den bittern Tod Und laß ihn mit Dir leben. Der Sohn dem Vater g'horsam ward; Er kam zu mir auf Erden, Von einer Jungfrau rein und zart; Er sollt' mein Bruder werden. Gar heimlich führt Er Sein' Gewalt, Er ging in meiner armen G'stalt, Den Teufel wollt' Er fangen. ( Vers 5 und 6 aus: Nun freut euch, lieben Christen g'mein.) Luc. 1, 26-38.*) Und im sechffen Monat ward der Engel Gabriel gefandt von Gott in eine Stadt in Galilåa, die heißt Mazareth, zu einer Jungfrau, die vertrauet war einem Manne, mit Tamen Josepb, vom Hause Davids; und die Jungfrau hieß Maria. Und der Engel kam zu ihr hinein, und sprach: Gegrüßet seiest du, soldselige! Der Herr ist mit dir, du Gebenedeiete unter den Weibern. Da sie ihn aber sabe, erschrak sie über seine Rede, und gedachte: Welch ein Gruß ist das? *) Dieser Schriftabschnitt ist das Evangelium des früheren, jetzt meist nicht mehr gefeierten Tages der Verkündigung Mariä, welcher auf ben 25. März fällt. 3 34 Und der Engel sprach zu ihr: Sürchte dich nicht, Maria, du haft Gnade bei Gott gefunden. Siehe, du wirst schwanger werden im Leibe, und einen Sohn gebåren, deß Tamen sollst du Jesus heißen. Der wird groß, und ein Sohn des Höchsten genannt werden, und Gott der Herr wird ihm den Stuhl seines Vaters David geben; und er wird ein König sein über das Haus Jakobs ewiglich, und seines Königsreichs wird kein Ende sein. Da sprach Maria zu dem Engel: wie foll das zugeben? sfintemal ich von feinem Manne weiß. Der Engel antwortete, und sprach zu ihr: Der heilige Geift wird über dich kommen, und die Kraft des Höchften wird dich überschatten; darum auch das Seilige, das von dir geboren wird, wird Gottes Sohn genannt werden. Und siebe, Elisabeth, deine Gefreundete, ist auchs schwanger mit einem Sohne, in ihrem Alter, und gehet jetzt im sechsten Monat, die im Geschrei ift, daß sie unfruchtbar sei. Denn bei Gott ist kein Ding unmöglich. Maria aber sprach: Siehe, ich bin des Herrn Mago; mir geschehe, wie du gesagt hast. Und der Engel fchied von ihr. Gott ist wahrhaftig in Seinem Worte und beständig an allen Seinen Verheißungen. Bald nach dem Sündenfalle hat Er unfern ersten Eltern den siegreichen Weibessamen, welcher ist Christus, verheißen und solche Verheißung den Vätern wiederholt. Dieser Heiland soll von einer Jungfrau als eine Wurzel aus dürrem Erdreich aus dem Geschlechte Davids geboren werden; davon haben wir in der Geschichte der Verkündigung der Geburt Jesu die Erfüllung. In dieser Geschichte thun sich die göttlichen Thore der Erbarmung nach der armen Erde zu auf. Hier ist das tröstliche Gegenstück zu dem betrübten Sündenfalle. Dort kommt ein böser Engel zur Eva, um das Verderben in die Welt einzuführen, hier kommt ein heiliger Engel von Gott, um uns das Heil zu verkündigen. Durch Eva wird die Sünde geboren, durch Maria der Sündentilger. Dort hebt der Teufel an listig, tückisch zu reden, hier grüßt der Engel holdselig und freundlich. Dort macht der Teufel Eva das Wort Gottes verdächtig, hier macht der Engel Maria gewiß, wie es Gott treulich mit ihr meine und spricht: Der Herr ist mit dir. Eva steht in keiner Furcht und weiß nicht, in welcher Gefahr sie steht; Maria erschrickt und weiß nicht, welch einen Gruß sie hört. Dort lügt der Teufel; hier redet der Engel lauter süße Wahrheit. Der Teufel bildet der Eva ihre große Herrlichkeit vor; der Engel Gabriel preist Christi große Herrlichkeit, der groß sein wird, groß als Prophet, Priester und König. Eva wird schändlich betrogen, Maria wird gründlich berichtet, daß der Heilige Geist über sie kommen und die Kraft des Höchsten sie überschatten soll. Eva willigt in die Sünde, erzürnet Gott und führt lauter Jammer und Elend in diese Welt; Maria willigt in den Rath Gottes, dient Gott und es folgt lauter Wonne und Freude, hier zeitlich und dort ewiglich. O tröstliche Verkündigung an Maria! O, ein Gott des Trostes und Vater 35 der Barmherzigkeit, der so herrlich erstattet, was uns im Sündenfalle ist verloren gegangen. Hier liegt die Wurzel des Heiles, daß Jesus wahrer Gott und wahrer Mensch ist. Wahrer Gott, denn Er wird hier ein Sohn des Höchsten genannt; wahrer Mensch, denn Er wird im Leibe der Jungfrau Maria empfangen und von derselben geboren. Hier ist das große Geheimniß der Vereinigung der göttlichen und menschlichen Natur in der einigen Person Jesu. Ist es bei Gott nicht unmöglich gewesen, daß Gottes Sohn Mensch geworden ist, so ist es nun auch bei Gott möglich, daß wir selig werden. Luc. 18, 27. Maria glaubte das große Wunder, das ihr verkündigt wurde; wir dürfen es auch glauben, daß Gott über unser Begreifen thut, uns unsere Sünden vergibt und von allen Gebrechen heilt. Wer's glaubt, dem wird geschehen, wie er geglaubt hat. Gebet. Barmherziger, gütiger Gott, der Du gewollt hast, daß nach der Botschaft des Engels Dein Wort sollte Fleisch an sich nehmen von dem Leibe der Jungfrau Maria durch Ueberschattung Gottes des Heiligen Geistes, verleihe uns, daß wir von Sünden und aller Befleckung erledigt und gereinigt werden. Habe Dank, Herr Jesu, daß durch Dich Alles wieder gut, richtig und löblich wird, was Adams Fall verdorben hat. Nun vollführe Dein Werk an uns, daß wir Dein Bild tragen. Amen. Vater Unser. Donnerstag nach dem 3. Advent. Mel.: Nun freut euch, lieben Chriften g' mein. Nun freut euch, lieben Christen g'mein, Und laßt uns fröhlich springen, Daß wir getroft und all' in ein Mit Lust und Liebe singen, Was Gott an uns gewendet hat, Und Seine süße Wunderthat; Gar theu'r hat Er's erworben. Da jammert Gott in Ewigkeit Mein Elend über Maßen; Er dacht' an Sein' Barmherzigkeit, Er wollt' mir helfen lassen; Er wandt' zu mir das Vaterherz, Es war bei Ihm fürwahr kein Scherz Er ließ Sein Bestes kosten. ( Bers 1 unb 4 aus: Nun freut euch, lieben Chriften gemein.) Jefaia 11, 1-9. Und es wird eine Ruthe aufgeben von dem Stamm Jfai's, und ein 3weig aus seiner Wurzel Srucht bringen; auf welchem wird ruben der Geift des Herrn, der Geift der Weisheit und des Verstandes, der Geift des Raths und der Stärke, der Geist der Erkenntniß und der Surcht des Herrn. Und sein Riechen wird sein in der Surcht des Serrn. Er wird nicht richten, nach dem seine Augen seben, noch firafen, nach dem was seine Ohren hören; sondern wird mit Gerechtigkeit 3* 36 richten die Armen, und mit Gericht ftrafen die Elenden im Lande; und wird mit dem Stabe seines Mundes die Erde schlagen, und mit dem Odem seiner Lippen den Gottlosen tödten. Gerechtigkeit wird der Gurt feiner Lenden sein, und der Glaube der Gurt seiner Tieren. Die Wölfe werden bei den Låmmern wohnen, und die Pardel bei den Böcken liegen. Ein kleiner Knabe wird Kålber und junge Löwen und Mastvieb mit einander treiben. Kühe und Båren werden an der Weide geben, daß ihre Jungen bei einander liegen; und Löwen werden Stroh effen wie die Ochsen. Und ein Säugling wird seine Luft haben am Loch der Otter, und ein Entwöhnter wird seine Hand stecken in die Söhle des Basilisken. Man wird nirgend leren noch verderben auf meinem heiligen Berge; denn das Land ist voll Erkenntniß des Herrn, wie mit wasser des Meers bedeckt. Das Himmelreich ist gleich einem Senfkorne, das ein Mensch nahm und säete es auf seinen Acker, welches ist das kleinste unter allen Samen; wenn es aber erwächst, ist es das größeste unter dem Kohl und wird ein Baum, daß die Vögel unter dem Himmel kommen und wohnen unter seinen Zweigen. Matth. 13, 31. 32. So groß und so klein ist das Himmelreich, wie es hier der Prophet beschreibt. Wie groß, daß der Herr mit dem Stabe Seines Mundes die Erde schlägt, und das Land voll ist von Erkenntniß des Herrn, wie mit Wasser des Meeres bedeckt! Wie klein aber fängt es an, denn es wird ein Sprößlein, nämlich das Kind, geboren von Maria, der geringen Magd aus dem Geschlechte Davids, des Sohnes Isai's, aufgehen und Frucht bringen! Das Kind in der Krippe, welch' ein kleiner Anfang! Aber was für ein Kind das ist, auf welchem der siebenfache Geist Gottes ruht! Jesus Christus ist ohne Maaß gesalbet mit dem Geiste Gottes und durch Ihn gießt Gott Seinen Heiligen Geist über die Gläubigen reichlich aus, daß sie rechte Christen, d. i. Gesalbte, werden. Eine große Herrlichkeit geht von Jesu aus, theils indem Er kraft Seiner Herrlichkeit und Wahrheit, womit Er umgürtet ist, unsern inwendigen Menschen ebenso sehr richtet als erneuert und verklärt, theils indem Er mit dem Worte Seines Mundes die Gottlosen tödtet. Welch' ein herrlicher Geist des Raths und der Stärke auf Christo ruht, fieht man wohl an Seinen großen Werken, die Er an Freund und Feind ausrichtet. Der Herr Christus richtet gar ein Neues an, denn wo Sein heiliger Berg ist, d. i. wo Seine Kirche mit ihren Gnadenkräften grünt und blüht, da triefen die Fußstapfen Christi von lanter Segen und man verletzt und verdirbt sich nicht mehr unter einander. Wohin Sein Reich kommt, da ist inwendig Friede und Freude und Gerechtigkeit, und nach außen Heil und Treue jetzt schon. Das Ende aber ist gar herrlich; denn auch die Creatur soll frei werden von dem Fluche und der Eitelkeit, und auf der nenen Erde, deren wir warten, wird lauter Gerechtigkeit wohnen unter Menschen und Vich. Darum bitten wir andächtig und flehentlich: Dein Reich komme! und unseres Herzens Luft ist Sein hülfreicher Name. 37 Gebet. Herr Jesu, verleihe uns Deinen Geist, daß wir durch denselben lernen die Sünde ablegen, Gott fürchten, demüthig und züchtig sein. Gieb, daß wir uns Deiner großen Macht und Barmherzigkeit trösten und derselben gebrauchen zu unserm Heile und zur Ehre Deines Namens. Wir bitten Dich, lieber Herr, Du wollest zu uns kommen und uns Deine Güte widerfahren lassen. Wehre unserm Jammer und gib uns Gerechtigkeit und Frieden. Amen. Bater Unser. Freitag nach dem 3. Advent. Mel.: Wie soll ich Dich empfangen. Nichts, nichts hat Dich getrieben Zu mir vom Himmelszelt, Als das geliebte Lieben, Damit Du alle Welt In ihren tausend Plagen Und großen Jammerslast, Die kein Mund aus kann sagen, So fest umfangen hast. Das schreib dir in dein Herze, Du hochbetrübtes Heer, Bei welchem Gram und Schmerze Sich häuft je mehr und mehr; Seid unverzagt, ihr habet Die Hülfe vor der Thür, ur Der eure Herzen labet Und tröstet, steht allhier. ( Vers 5 und 6 aus: Wie soll ich Dich empfangen.) Luc. 1, 39-56.*) Maria aber ftand auf in den Tagen, und ging auf das Gebirge endelich, zu der Stadt Juda's. Lind fam in das Haus Jacharias, und grüßte Elifabeth. Lnd es begab sich, als Elisabeth den Gruß Maria börete, hüpfte das Kind in ihrem Leibe. Und Elisabeth ward des heiligen Geiftes voll, und rief laut, und sprach: Gebenedeiet bift du unter den Weibern, und gebenedeiet ist die Frucht deines Leibes. Und woher kommt mir das, daß die Mutter meines Herrn zu mir Fommt? Siehe, da ich die Stimme deines Grußes hörete, hüpfte mit Freuden das Kind in meinem Leibe. Und o felig bist du, die du geglaubet haft! Denn es wird vollendet werden, was dir gesagt ist von dem Herrn. Und Maria sprach: Meine Seele erbebet den Herrn, und mein Geist freuet sich Gottes, meines Heilandes. Denn er hat die Tiedrigkeit seiner Mago angesehen. Siehe, von nun an werden mich felig preifen alle Kindeskinder. Denn er bat große Dinge an mir gethan, der da måchtig ist, und deß Mame heilig ist. Und seine Barmherzigkeit währet immer für und für, bei denen, die ihn fürchEr übet Gewalt mit seinem Arm, und zerstreuet, die hoffårtig find in ihres Herzens Sinn. Er stößet die Gewaltigen vom Stuhl, ten. *) Dieses ist das Evangelium am Tage, da Maria zu Elisabeth ging, oder der Heimſuchung Mariä am 2. Juli, 38 and erbebet die Tiedrigen. Die Hungrigen f let er mit Gütern, und läßt die Reichen leer. Er denket der Barmherzigkeit und hilft seinem Diener Israel auf; wie er gerede: hat unsern Våtern, Abraham und seinem Samen ewiglich. Und Maria blieb bei ihr bei drei Monate; darnach kehrte sie wiederum heim. Es ist derselbe Engel Gabriel, welcher die Geburt Johannis des Täufers und die Geburt Jesu verkündigt. Maria kommt zu Elisabeth, wie das neue Testament zum alten gekommen ist, wie das süße Evangelium zu dem scharfen Gesetze. Maria muß allein einen weiten Weg machen auf das Gebirge; aber durch die Gnade Gottes, die ihr widerfahren, ist ihre Seele ohne Furcht und ihre Reise ohne Ungemach. Wie hier die Jungfrau Maria die Gelegenheit wahrnimmt, ihren Glauben zu stärken, indem sie zu Elisabeth, ihrer Ge= freundeten, eilt, so sollen auch wir thun, und eifrig sein, unserm Glauben neue Stärke zuzuführen. Das geschicht nicht besser, als durch eifrige Betrachtung des geoffenbarten, göttlichen Wortes, durch fleißige Erwägung der Wunder und Werke Gottes, durch öfteren Gebrauch der heiligen Sakramente, durch andächtiges Gebet und gottfeliges Gespräch. Das Alles sind von Gott verordnete Mittel, den Glauben zu entzünden und zu stärken. Die Menschwerdung des Sohnes Gottes ist es, worüber Maria und Elisabeth sich unterreden. Spricht Elisabeth: Gebenedeiet bist du unter den Weibern, so antwortet Maria, indem sie allen Ruhm Gott zuschreibt: Meine Seele erhebt den Herrn und mein Geist frenet sich Gottes, meines Heilandes. Darum erhebt Maria den Herrn, weil Er nun erfüllt hat, was zu Abraham geredet ist. Es ist kein größer Werk Gottes als dieses: daß Gott und Mensch sich so innig in einer Person vereinigt haben und der im Leibe Mariä empfangene Sohn zugleich der Sohn des lebendigen Gottes ist. Was ist uns Menschen tröstlicher als dieses, daß Gott unser Fleisch und Blut mit aller Schwachheit und Dürftigkeit, doch ohne Sünde, wahrhaftig angenommen hat. Keine höhere Versicherung unserer Seligkeit und unseres ewigen Heils haben wir, als die Menschwerdung des Sohnes Gottes. Mariä gan= zer Lobgesang handelt von diesen zwei Stücken, von der Liebe Gottes in der Menschwerdung Christi und von unserm großen und gewissen Heil durch dieselbe. Am Krenze ist gar Christi Herz aus Liebe zu uns gebrochen und Seine Hände sind weit ausgebreitet gegen uns. Dies ist große Gnad' und Gütigkeit, tiefe Lieb' und Mildigkeit! Gott thut ein Werk, das Ihm kein Mann und auch kein Engel danken kann. Maria, die Jungfrau, ist aus dem hohen Stamm und Geschlecht des Königs Davids; jetzt ist sie die erste unter allen Weibern geworden, die Gebenedeiete, durch welche unser ganzes Menschengeschlecht und ganz besonders das weibliche, zu hohen Ehren wieder gekommen ist. 39 Aber ob Maria so hochbegnadigt ist, daß ihr die Engel im Himmel hätten billig aufwarten sollen, so überhebt sie sich doch nicht, sondern hält sich nach dem Worte: je höher du bist, je mehr demüthige dich. Sirach 3, 20. So bezeigt sie sich als Jungfrau gegen die betagte Elisabeth sehr ehrerbietig und dienstfertig. Wie anders, als in Gehorsam, Demuth, Dienstfertigkeit ist sie drei Monate lang bei Elisabeth gewefen! es ist etwas gar Herrliches um die Gnade Gottes, auch schon in diesem Leben und für dieses Leben, für das häusliche Leben, wo sich dieselbe wirksam und heilsam erzeigen kann. Gebet. Herr Gott, himmlischer Vater, wir danken Dir für die Menschwerdung und das heilige, bittere Leiden Deines lieben Sohnes, wodurch wir mit Dir versöhnt sind. Wir bitten Dich von Herzen, Du wollest uns den Geist Deiner Gnade verleihen, daß wir in Glanben, Liebe, Demuth und Zucht, wie Maria, von Tag zu Tage mögen zunehmen und wachsen, dadurch Dein heiliger Name gepriesen und unserm Nächsten nach Deinen Geboten möge gedienet werden, durch Deinen lieben Sohn Icsum Christum, unsern Herrn. Amen. Bater Unser. Sonnabend nach dem 3. Advent. Mel.: Meinen Jesum laß ich nicht. Hosiannah! Friedensfürst, Ehrenkönig, Held im Streite! Alles, was Du schaffen wirst, Das ist unsre Siegesbeute. Deine Rechte bleibt erhöht Und Dein Reich allein besteht. Hosiannah! komme bald, Laß uns Deine Sanftminth küssen; Wollte gleich die Knechtsgestalt Deine Majestät verschließen, Ei, so kennet Zion schon Gottes und auch Davids Sohn. ( Vers 3 und 5 aus: Hosiannah! Davids Sohn.) Phil. 4, 4-7. Freuet euch in dem Herrn allewege und abermal sage ich: Freuet euch! Eure Lindigkeit laffet Fund sein allen Menschen. Der Herr ist nabe. Sorget nichts; sondern in allen Dingen lasset eure Bitte im Gebet und Slehen mit Danksagung vor Gott kund werden. Und der Friede Gottes, welcher böher ist, denn alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Chrifto Jesu. Mit diesen goldenen Worten bestellt Paulus dem, der da kommen soll, die Herberge. Hieß es in der Epistel des 1. Advents: Sintemal unser Heil jetzt näher ist, als wir es glaubten, heute heißt es: Der Herr ist nahe. Schon stimmen die Engel Gottes die Harfen zum Lobgefange im höheren Chor. Das Wort bringe auch alle ver der stimmten Herzen in den rechten Lobeton- zur Freude im Herrn allewege! Der Herr ist nahe. Welch' ein Herr? Der Herr Zebaoth, der Herr, mächtig im Streit. Steckst du in Kreuz und Noth, und deine Freunde stehen gegen dich, und deine Nächsten treten ferne Herr ist nahe, der da spricht, so geschieht es, der da gebeut, so steht es da. Mein Vater und Mutter verlassen mich Herr nimmt mich auf. Ich bin bei ihm in der Noth, Ich will ihn tröste dich! der heraus reißen. Kommst du in allerlei Gedränge von innen und außen der Herr ist nahe: Fürchte dich nicht, Ich bin mit dir, weiche nicht, denn Ich bin dein Gott. Singe mit David: Ob ich schon wanderte im finstern Thal, fürchte ich kein Unglück, denn Du bist bei mir, Dein Stecken und Stab trösten mich.- Freue dich der Nähe deines Herrn. Aber freue dich mit Zittern. Denn es ist der Herr, der Augen hat, wie Feuerflammen; es ist der Herr, vor welchem auch der Rath der Herzen offenbar werden muß; es ist der Herr, von welchem der Hebräer Brief schreibt: Es ist schrecklich, in die Hand des lebendigen Gottes zu fallen; es ist der Herr, von welchem der Psalmist schreibt: Ich fürchte mich, daß mir die Haut schaudert. Zitterst du so über die Nähe des Herrn, dann gilt dir des Engels Trost: Fürchte dich nicht! Nicht eine schreckliche Nähe ist's des Herrn es ist erschienen die Freundlichkeit und Leutseligkeit Gottes unseres Heilandes. Sie strahlt dir entgegen aus den Augen des Kindleins in der Krippe. Sie ist dir so nahe gekommen, daß du jauchzen darfst: In unser armes Fleisch und Blut verkleidet sich das ewge Gut. Ja, jetzt heißt es anrufen; Er ist nahe denen, die Ihn anrufen. Er ist vielen nahe gewesen in den Tagen Seines Fleisches, so nahe, daß sie Ihn drängten. Aber diese Nähe half jenen nichts. Nur den Krüppeln, Blinden, Lahmen, Dürren; nur jenes Weib, das Seines Kleides Saum im Glauben anrührte, konnte in Frieden gehen. Rühre du auch Seines Kleides Saum an, Sein Wort, Sein Sacrament, rufe Ihn an; sorge nicht, sondern in allen Dingen Laß deine Bitte im Gebet vor Ihm fund werden; rufe Ihn ernstlich mit Flehen. Rufe Ihn mit Ernst an, und du wirst ob Seiner Nähe Freude und Wonne haben, und den Advents- Jubel verstehen: Frenet euch im Herrn allewege und abermals: freuet euch! Und fäßest du auch in sonstiger Trübsal und Herzeleid Teufel nicht seinen Willen, der dir keine, am wenigsten die Weihnachtsthue dem freude gönnet, und singe ihm zum Troßz: ,, Weicht ihr Trauergeister, denn mein Freudenmeister Jesus tritt herein; denen, die Gott lieben, muß auch ihr Betrüben sanft und süße sein." ant - - 40 - - Gebet. Herr Jesu, Du Brunnquell aller Gnade und Freude, es ist Dein gnädiger Wille, daß wir aus der Tiefe unsrer Noth und Sünde zu Dir kommen und durch Dich Friede und Frende erlangen sollen. Ach Herr, hilf uns dazu und laß Deine Güte über uns walten. Segne uns mit allerlei geistlichem Segen in himmlischen Gütern. Amen. Bater Unser. 41 4. Advents- Sonntag. MeL: Helft mir Gotts Gilte preifen. offel Ven Gott will ist nicht Ten Ach, mache Du mich Armen Zu dieser heil'gen Zeit, Aus Güte und Erbarmen, Herr Jesu, selbst bereit. Zeuch in mein Herz hinein, Vom Stall und von der Krippen, So werden Herz und Lippen Dir allzeit dankbar sein. ( Vers 1 und 4 aus: Mit Ernst, o Menschenkinder.) Mit Ernst, o Menschenkinder, Das Herz in euch bestellt, Bald wird das Heil der Sünder, Der wunderstarke Held, Den Gott aus Gnad allein Der Welt zum Licht und Leben Versprochen hat zu geben, Bei Allen kehren ein. Joh. 1, 19-28. Und dies ist das Jeugniß Johannes, da die Juden sandten von Jerusalem Priester und Leviten, daß sie ihn fragten: Wer bist du? Und er bekannte, und leugnete nicht; und er bekannte: Ich bin nicht Christus. Und sie fragten ihn: Was denn? Bist du Elias? Er sprach: Ich bin es nicht. Bist du ein Prophet? Und er antwortete: ein. Da sprachen sie zu ihm: Was bist du denn? Daß wir Antwort ges ben denen, die uns gesandt haben. Was fagst du von dir selbst? Er sprach: Ich bin eine Stimme eines Predigers in der Wüste: ,, Richtet den Weg des Serrn!" wie der Prophet Jesaias gesagt hat. Und die gesandt waren, die waren von den Pharisäern, und fragten ibn, und sprachen zu ihm: Warum taufest du denn, so du nicht Chriftus bist, noch Elias, noch ein Prophet? Johannes antwortete ihnen, und sprach: Ich taufe mit Wasser; aber er ist mitten unter euch getreten, den ihr nicht kennet. Der ist's, der nach mir kommen wird, welcher vor mir gewesen ist, deß ich nicht werth bin, daß ich seine Schuhriemen auflöse. Dies geschah zu Bethabara, jenseits des Jordans, da Johannes taufte. Wer bist du?- das ist eine große Frage. Es gehört zu den Geheimnissen der Bosheit, daß so wenig Menschen weder diese Frage ernstlich an sich herankommen lassen, noch eine gründliche Antwort auf diese Frage suchen. Johannes nimmt die Frage an, und so bestimmt er aus Gottes Wort antwortet, was er nicht ist, sagt er auch, was er ist, nämlich die Stimme eines Predigers in der Wüste, die da ruft: richtet den Weg des Herrn. Johannes, als der Freund des Bräutigams unserer Seelen, wirbt diesem die Braut, die in der öden, schrecklichen Wüste sich aufhält, d. i. fern von Gott und dem Lichte Seiner Wahrheit. Wie gut und wie noth ist in der Wüste die Stimme des Predigers! Wie wichtig ist es, diese Stimme zu hören, denn obwohl die Stimme aus Menschenmund kommt, so ist der Prediger doch Gott Selber. Es ist wirklich Gott, der durch Seine Knechte redet. Dem Herrn soll man den Weg richten. Er will so gerne einziehen und in uns wohnen, und uns aller Seiner wahrhaftigen Güter 42 theilhaftig machen. Aber Er bedarf eines Weges, den man Ihm ebnen soll. Darum kommt Johannes vor Ihm her und heißt Ihm den Weg bahnen und die Steine aus dem Wege räumen. Solche Steine sind, außer den mancherlei Lüsten, der Hochmuth, daß man bei aller Sünde unverdammt heißen will, die Sattheit bei aller Armuth, und die Leichtfertigkeit bei der Gefahr des Todes. Es ist eine schwere Anklage, die Johannes erhebt, daß Christus mitten unter uns getreten ist und wir Ihn nicht kennen. Dann tritt Jesus unter uns, wenn uns Sein Wort von Seinen Dienern gepre digt wird, und wir vermahnt werden, solchem Worte zu glauben und uns mit Gott versöhnen zu lassen. Damit kommt Er in uns, daß Er uns gute, heilsame Gedanken, die auf das Ewige gerichtet sind und unserer Seelen Frieden betreffen, eingiebt. Wer solche Wohlthaten und Werke Christi gering achtet, der lernt Ihn nie kennen und wird auch von Ihm nicht erkannt werden in dem letzten Gerichte. Daran merke, ob du Christum kennst, wenn du mit Johaunes sagen mußt, du seieft nicht werth, Ihm die Schuhriemen aufzulösen, aber doch ewiglich nicht von Ihm lassen willst und kannst. Daran merke es, ob du mit Leib und Seele stehst auf dem gottgefandten Zeugnisse des Täufers von Christo: Siehe, das ist Gottes Lamm, welches der Welt Sünde trägt. Gebet. Hilf lieber Herr Gott, daß wir dem großen Zeugen Johannes fest glauben, seinem Finger und Anweisung folgen und allein Deinen und Marien Sohn Christum für unsern Sündenträger und Seligmacher annehmen, uns fremde Ehre nicht anmaßen, sondern Ihmi alles Lob und Ruhm unserer Seligkeit von Herzen geben, und daß Er noch im heiligen Predigtamt mitten unter uns getreten, erkennen und Dir danken, der Du sammt Deinem Sohne und Heiligen Geiste ein einiger Gott lebest und regierest in Ewigkeit. Bater Unser. Montag nach dem 4. Advent. Mel.: Aus meines Herzens Grunde. Ihr Armen und Elenden In dieser bösen Zeit, Die ihr an allen Enden Müßt haben Angst und Leid, Seid dennoch wohlgemuth! Laßt eure Lieder klingen Und thut dem König singen; Der ist eu'r höchstes Gut. Er wird nun bald erscheinen In Seiner Herrlichkeit Und all eu'r Klag und Weinen Verwandelen in Freud. Er ist, der helfen kann. Halt eure Lampen fertig Und seid stets Sein gewärtig. Er ist schon auf der Bahn, ( Bers 5 und 6 aus: Nun jauchzet all, ihr Frommen.) 43 Luc. 1, 5-17. Zu der Zeit Herodes, des Königs Judia's, war ein Priester vore der Ordnung Abia's, mit 7amen 3acharias, und sein Weib von den Tochtern Aarons, welche hieß Elisabeth. Sie waren aber beide fromm vor Gott, und gingen in allen Geboten und Sagungen des Herrn untadelig. Und sie hatten kein Kind, denn Elisabeth war unfruchtbar, und waren beide wohl betaget. Und es begab sich, da er des Priefferamts pflegte vor Gott, zu der Seit seiner Ordnung, nach Ges wohnheit des Priefferthums, und an ihm war, daß er rauchern sollte; ging er in den Tempel des Herrn. Und die ganze Menge des Volks war draußen, und betete unter der Stunde des Räucherns. Es erschien ihm aber der Engel des Herrn, und stand zur rechten Hand am Räuchaltar. Und als Jacharias ibn sabe, erschrak er, und es kam ihn eine Surcht an. Aber der Engel sprach zu ihm: Sürchte dich nicht, Sacharias, denn dein Gebet ift erböret, und dein Weib wird direinen Sohn gebåren, deß Tamen sollst du Jobannes beißen. Lind du wirft deß Freude und Wonne haben, und Viele werden sich seiner Geburt freuen. Denn er wird groß sein vor dem Herrn, Wein und stark Getrånke wird er nicht trinken. Und er wird noch im Mutterleibe erfüllet werden mit dem heiligen Geist. Und er wird der Kinder von Israel viele zu Gott, ihrem Herrn bekehren. Und er wird vor ihm bergeben im Geist und Kraft Elias, zu bekehren die Herzen der Våter zu den Kindern, und die Lngläubigen zu der Klugheit der Gerechten, zuzurichten dem Herrn ein bereitet Volk. Weil Johannes der Täufer schon im alten Bunde als eine hochwichtige Person beschrieben ist, so erzählt auch das neue Testament- denn beide Testamente stimmen auf das Genaueste als vous Einem Geiste geschrieben mit besonderer Ausführlichkeit von der Geburt, dem Leben und Tode des Vorläufers Christi. Hier hören wir von seinen Eltern und der Verkündigung der Geburt Johannis. Zacharias und Elisabeth, die Eltern des Täufers, waren alle beide fromm, nicht wie es damals Brauch war nach Sitte der Pharisäer, sondern fromm vor Gott. Wie es vor Zeiten zu Abraham gesagt war, er folle vor Gott wandeln und fromm sein, so ist es bei Zacharias und Elisabeth, die also ächte Abrahamskinder waren. Da das mun ihre inwendige Beschaffenheit gewesen ist, daß sic fromm vor Gott waren, so konnte es in ihrem äußern Leben nicht anders sein, als daß sie untadelig gingen in allen Geboten und Satzungen des Herrn. Wolleſt ja merken, daß sie in allen Geboten des Herrn erfunden wurden, also nicht nach eigener Wahl das Eine ans dem Worte des Herrn herausnahmen und das Andere dahinten ließen. Diese Theilung des Einen Gottes Wortes ist ein ebenso allgemeiner als seelenverderblicher Schaden. — Zacharias und Elisabeth hatten kein Kind. Hier zeigt sich nun, daß sie rechtschaffen an den lebendigen Gott glauben. Denn statt saß 44 sie nach dem gemeinen Laufe der Welt in solchen Fällen und Angelegenheiten mit Gott hadern und verdrossen sind, lassen sie ihre Bitte im Gebet und Flehen vor Gott kund werden. Zacharias ist im Tempel und betet; da kommt der Engel Gabriel, der vor Gott stehet, und verkündigt ihm die erfreuliche Botschaft von der Geburt eines Sohnes. Es ist nicht zufällig, sondern absichtlich, daß es derselbe Engel ist, der die Geburt Johannis und Jesu verkündigt. Jesus und Johannes geHören also nach dem himmlischen Nathe zusammen, wie darum auch auf Erden Johannes der Vorläufer und Freund Jesu war. Und noch ist es so. Je treulicher ein Herz sich Johannes gefallen läßt mit ſeiner scharfen Gesetzesstimme, die alle Herrlichkeit auf Erden für Elend erklärt, um so villkommener und kräftiger wird der Name Jesu sein. Wohl soll der Sohn, den Elisabeth gebären wird, Johannes( v. i. der Herr ist gnädig) heißen, wohl wird Zacharias ob diesem Sohne Freude und Wonne haben, und Viele werden sich seiner Geburt freuen; " denn Johannis Amt und Werk wird gar herrlich und groß sein. Der Kinder von Israel viele wird er zu Gott, ihrem Herrn bekehren, und durch Johannes wird's geschehen, daß die Herzen der schon entschlafenen Glaubensväter wieder ein Wohlgefallen finden an den Kindern, wenn sie sehen, wie sich diese dem einigen Glauben aller Propheten an Christum ergeben. Ach, das that so noth, daß Johannes auftrat und dem Volke feine Abkehr und verkehrte Religion vorhielt und die Herzen bereitete zur Aufnahme des einigen Heilandes. Das thut auch jetzt noch noth, daß wir die Klugheit der Gerechten lernen und uns mit unserm Herzen zu den Glaubensvätern kehren, damit wir mit diesen in Einer heiligen Gemeinschaft leben und sterben. Gebet. Ach, lieber Herr Gott, segne alle Eheleute, daß sie fromm vor Dir wandeln. Wir danken Dir, daß Du uns den lieben Johannes gegeben und durch Ihn das fröhliche Wort und den seligen Finger haft kommen lassen, welcher auf Christum, das Lamm Gottes, weiset, damit wir wider die Sünde und Tod Trost und Erlösung haben. Verleihe uns, daß wir uns solcher Güte in Ewigkeit trösten mögen! Amen. Vater Unser. - Dienstag nach dem 4. Advent. 45 Mel.: Allein Gott in der Höb sei Ehr. Such, wer da will, ein ander Ziel, Die Seligkeit zu finden; Mein Herz allein bedacht soll sein, Auf Christum sich zu gründen. Sein Wort ist wahr, Sein Werk ist klar, Sein heilger Mund hat Kraft und Grund, All Feind zu überwinden. Such, wer da will, Nothhelfer viel, Die uns doch nichts erworben, Hier ist der Mann, der helfen kann, Bei dem nie was verdorben. Uns wird das Heil durch Ihn zu Theil, Uns macht gerecht der treue Knecht, Der für uns ist gestorben. ( Vers 1 und 2 aus: Such, wer ba will.) Mrc. 1, 4-8. Johannes war in der Wüste, taufte und predigte von der Taufe der Buße, zur Vergebung der Sünden. Und es ging zu ihm hinaus das ganze Land, und die von Jerusalem, und ließen sich alle von ihm taufen im Jordan, und bekannten ihre Sünden. Johannes aber war bekleidet mit Kameels Saaren, und mit einem ledernen Gürtel um seine Lenden, und aß seuschrecken und wilden Honig; und predigte und sprach: Es kommt einer nach mir, der ist stårker denn ich, dem ich nicht genugsam bin, daß ich mich vor ihm bůcke, und die Riemen seiner Schube auflöse. Ich taufe euch mit Waffer; aber Er wird euch mit dem heiligen Geist taufen. Wein und starke Getränke wird er nicht trinken so sprach der Engel Gabriel bei der Verfündigung der Geburt Johannis. Und so geschah es denn auch, daß Johannes bekleidet war mit Kameelhaaren und mit einem ledernen Gürtel um seine Lenden, und Heuschrecken und wilden Honig aß. Daß der Täufer also gekleidet ist und seine Lebensart führt, ist kein menschlicher Eigenwille, sondern göttliche Absicht. Der ernste Beruf des Täufers, Buße zu predigen und alle sicheren Herzen durch das gerechte Gericht Gottes aufzuschrecken, wird an seiner eigenen Person durch die strenge Lebensart abgebildet. In der Wüste tritt er auf, anzuzeigen, daß uns die Sünde und der auf der Sünde ruhende Fluch Gottes in ein jammervolles Elend gestürzt haben. Da kam denn eine große Bewegung und Erregung in die Herzen, daß das ganze jüdische Land und die von Jerusalem zu Johannes kamen, seine Predigt anhörten und sich von ihm taufen ließen. Die Erscheinung des Täufers war eine besondere Heimsuchung Gottes an dem Volke und es ist wichtig, daß wir, wenn Gott uns durch besondere Verhältnisse nahe tritt und das Herz erregt und bewegt, diese Heimsuchung erkennen und die fernere Gnade Gottes zum ewigen Leben wahrnehmen. Dahin zielt auch Johannes, wenn er zu dem Volke spricht: ich taufe euch mit Wasser; dann aber spricht er von dem, der nach ihm kommt und stärker ist, denn Johannes: Er wird euch mit dem heiligen Geiste taufen. Den heiligen Geist kann Gott allein durch Christum ausgießen, 1 46 weil und nachdem Christus den Fluch unserer Sünden von uns genommen hat. Nun ist unsere Taufe, die wir empfangen haben, keine Wasser, sondern eine Geistestaufe. An diesem Geiste soll uns Christen Alles liegen. Denn nur dieser Geist weiß, was in Gott ist; nur durch diesen Geist kann man Jesum einen Herrn heißen, nur dieser Geist leitet in alle Wahrheit und macht tüchtig, des Fleisches Geschäfte zu tödten. Darum ist die Vermahnung des Apostels wichtig: betrübet nicht den heiligen Geist. Darum bittet David so flehentlich: Nimm Deinen heiligen Geist nicht von mir. Daran kann man diesen Geist spüren im Herzen, daß Er wie Feuer das heilige Wort Gottes in uns brennen macht, uns ablockt von allem Trost und Vertrauen, das wir in den Creaturen suchen, hingegen Christum uns preist als unsern einigen Trost im Leben und Sterben, als den Mund der Wahrheit, als unsere Weisheit und Gerechtigkeit, Heiligung und Erlösung. Gebet. Ich danke Dir, mein Herr Jesu Christe, daß Du Dich so herzlich meines Jammers angenommen, Dich, doch ohne Sünde, mit meinem Fleisch und Blut bekleidet, und mich damit Deiner göttlichen Natur theilhaftig gemacht, von der ewigen Traurigkeit erlöset und zu ewiger Freude gebracht, in Summa: als der wahre Himmelspförtner den Himmel mir eröffnet, mit Deiner Armuth mich von ewiger Armuth erlöset, und recht reich gemacht hast. Ich bitte Dich, allerliebster Schatz, Du wollest mich mit Deinem heiligen Geiste reichlich begnaden, der in mir solchen Trost lebendig mache, daß ich aller Furcht und Schrecken überhoben, mich ewiglich freuen, mich Deiner allein wider Teufel, Tod, Sünde, Zorn Gottes, den Fluch des Gesetzes herzlich trösten, Deinem Erempel nach demüthig, gehorsam, geduldig sein, und Dich mit den lieben Engeln mit Mund, Herzen und ganzem Leben loben und preisen, endlich auch in ewigen Freuden im Himmel ewiglich bei Dir wohnen möge. Amen. Vater Unser. Mittwoch nach dem 4. Advent. Mel.: Vom Himmel hoch. Des Vaters Wort von Ewigkeit Wird Fleisch in aller Reinigkeit; Das A und O, Anfang und End Giebt Sich für uns in groß Elend. Ei, nimm Ihn heut mit Freuden an, Bereit Ihm beines Herzens Bahn, Auf daß Er komm in dein Gemüth, Und du genießest Seiner Güt. ( Vers 5 und 9 aus: Lob sei bem allmächtigen Gott.) Matthäi 1, 20-23. Indem er aber also gedachte, fiebe, da erschiem ihm ein Engel des Herrn im Traum und sprach: Joseph, du Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria, dein Gemahl, zu dir zu nehmen; denn das in ihr 47 geboren ist, das ist vom beiligen Geist. Und sie wird einen Sohn gebåren, deß Tamen sollst du Jesus heißen; denn Er wird sein Volk felig machen von ihren Sünden. Das ist aber alles geschehen, auf daß erfüllet würde, das der Herr durch den Propheten gesagt bat, der da spricht: Siehe, eine Jungfrau wird schwanger sein, und einen Sohn gebåren, und sie werden seinen Tamen Emanuel heißen, das ist verdolmetschet: Gott mit uns. Wie treulich Gott Seinen Kindern aushilft, sieht man an Joseph. Derselbe ist nicht wenig bekümmert. Aber der Herr sendet ihm einen Engel, der ihm gewissen Bescheid gibt, wodurch aller Argwohn aus seinem Herzen genommen wird, und er sich nicht fürchten darf, Maria, seine verlobte Braut, zu sich zu nehmen. O, ein trener Gott an Joseph und all den Seinen! Wie tröstlich wird Joseph und mit ihm alles Volk, das vor Gott fucht gerecht und in Gott selig zu werden, unterwiesen. Denn Maria wird einen Sohn gebären, der den Namen über alle Namen trägt, den Namen Jesus. Dieser Name wird von dem Engel so herrlich gedeutet: Er wird Sein Volk selig machen von ihren Sünden. Alle Worte und Werke und Wohlthaten Christi werden in diesen Einen Namen zuſammengefaßt. So gewiß ein Mensch vor Allem einen Heiland nöthig hat, der ihn von Sünden selig mache, wer denselben nicht nöthig hat, kennt sich selber nicht, weder in seiner Noth, noch in seinem Bedürfnisfe-, so gewiß ist der von der Jungfrau Maria geborene Sohn, welcher ist wahrer Gott und wahrer Mensch, dieser Heiland. Er ist es darum, weil Er mit Seinem unschuldigen Blute die Sünde der Welt bezahlt hat, und die Ursache des ewigen Lebens geworden ist; Er ist es, weil Er die wirkliche Erlösung denen, die an Ihn glauben, zu eigen macht. Er ist es, weil die Schrift des alten Testamentes so von Ihm zeugt, und Er dieser Schrift Erfüllung und Ziel ist. Den Gläubigen ist dieser Jesus köstlich, gar köstlich mit Allem, was Er thut und ist und gibt. Paulus achtete Alles für Schaden gegen die überschwengliche Erkenntniß Christi. Wir müssen uns ebenso dem Zuge des Vaters zum Sohne ganz hingeben. Gebet. Ach, mein Herr Jefu, ich glaube, daß Du wahrer Gott, vom Vater in Ewigkeit geboren, und auch wahrhaftiger Mensch, von der Jungfrau Maria geboren, mein Herr bist, der mich verlorenen und verdammten Menschen erlöset hat, erworben und gewonnen von allen Sünden, vom Tode und von der Gewalt des Teufels. Laß mich und alle Deine Glieder in solchem Glauben stark werden, grünen und Frucht tragen, und ewig selig werden. Amen. Vater Unser. 48 Donnerstag nach dem 4. Advent. Mel.: Seelenbräutigam. Glanz der Herrlichkeit! Du bist vor der Zeit Zum Erlöser uns geschenket, Und in unser Fleisch gesenket In der Füll' der Zeit, Glanz der Herrlichkeit. Höchste Majestät, König und Prophet! Deinen Scepter will ich füssen, Ich will sizen Dir zu Füßen, Wie Maria thät, Höchste Majestät. ( Vers 3 und 5 aus: Wer ist wohl, wie Du.) Joh. 1, 1-10. Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. Daffelbige war im Anfang bei Gott. Alle Dinge sind durch daffelbige gemacht, und ohne daffelbige ist nichts gemacht, was gemacht ist. In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht scheinet in der Sinffers niß, und die Sinfterniß baben es nicht begriffen. Es ward ein Mensch von Gott gefandt, der hieß Johannes. Derselbige kam zum Jeugniß, daß er von dem Licht zeugete, und daß sie alle durch ihn glaubten. Er war nicht das Licht, sondern daß er zeugete von dem Licht. Das war das wahrhaftige Licht, welches alle Menschen erleuchtet, die in diese Welt kommen. Es war in der Welt, und die Welt ist durch daffelbige gemacht; und die Welt kannte es nicht. Wohl lehrt uns Paul Gerhardt so innig und kfindlich fragen: Wie soll ich dich empfangen und wie begegn' ich Dir? Denn ob es ein armes Kind ist, das in Bethlehem geboren ist, so hat dieses Kind doch eine unbegreifliche Herrlichkeit, und wer einen Blick in diese ewige Herrlichkeit thut, lernt billig fragen, wie er Christum doch empfangen folle. Die Herrlichkeit Christi, die Er hatte beim Vater, ehe der Welt Grund gelegt war, lehrt uns der heutige Schriftabschnitt schauen. Dwelche Herrlichkeit! Der Sohn Gottes heißt hier das Wort". Johannes sieht hiermit zurück auf 1. Mos. 1., wonach Gott alle Dinge durch Sein Wort gemacht hat. Gott spricht, ehe eine Creatur gemacht ist. Die Creaturen werden durch das Wort gemacht, das also selbst keine Creatur, sondern vor und über aller Creatur ist; es ist Gott. Von dem Vater unterschieden, der das Wort spricht. Es war am Anfange, es war als eine andere Person bei dem Vater und doch dem Vater völlig gleich, denn Gott war das Wort; es ist nichts in göttlicher Natur, was nicht in dem Worte ist. So völlig ist das Wort, der Sohn Gottes mit dem Vater gleichen Wesens, daß, wie der Bater Alles erschaffen hat, der Sohn ebenso zugleich mit dem Vater aller Dinge Schöpfer ist. Ohne Ihn ist nichts gemacht. In Ihm, in Christo, ist das Leben. Damit ist Christus auf das Höchste gepriesen und allen Menschen dringend empfohlen. Dieses 49 Leben, das schon in den Berheißungen des alten Testamentes verkündigt ist, schien als ein Licht den Erzvätern, und wer dieses Licht in und aus dem Worte, welches Christus ist, nicht hat, ist blind und in Finsterniß. Die ganze Menschheit bekommt hier ein schweres Urtheil, denn sie heißt Finsterniß. In diesen Worten der Schrift: in Ihm war das Leben, das Leben war das Licht der Menschen, sind lauter Donnerschläge wider aller Menschen Hoffart und Dünkel und Weisheit. Es ist mit uns so gar aus: wenn wir uns selber überlassen sind und Christum nicht in uns haben, da ist's eitel Tod; der Glaube aber, der Christum ergreift und weiß, daß Christus wahrhaftiger Gott ist in dem Fleische, hat das ewige Leben. Zur Zeit der Menschwerdung des Wortes in dem Sohne der Jungfrau Maria, fandte Gott einen Menschen, den Johannes, daß er von dem Licht zeugete. Das war hoch vonnöthen, weil das Licht so verborgen und in so fremder Gestalt daherkam, daß es Niemand ohne das Zeugniß Johannis hätte erkennen mögen, ja auch jetzt noch nicht ohne das gottgeordnete Zeugniß erkennen mag. Der Täufer, und jetzt überhaupt das mündliche Wort von Christo lehrt uns diesen Herrn und Heiland allein recht kennen als das Leben und das Licht. Johannes, der Apostel, aber malt Christum auf das Allerdeutlichste und sondert Ihn von Allen, auch von dem Täufer, aus, damit daß er sagt, der Täufer sei nicht das Licht, sondern habe blos von dem Licht gezeuget. Deffnen wir also vor allen Dingen dem Zeugnisse von Christo das Herz, damit Christus in uns Leben und Licht wird! Gebet. Wir danken Dir, Herr Jesu Christe, Du Sohn des lebendigen Gottes, der Du bist das Wort und Ebenbild des ewigen Vaters und unser Immanuel, daß Du menschliche Natur haft angenommen, und erhältst und beschirmest Deine Christenheit wider die Teufel, Deine Feinde, giebst und erhältst uns das Licht Deines heiligen Wortes, vergiebst uns unsre Sünde und giebst uns das ewige Leben, und bist unser Mittler, Fürbitter und Fürsprecher, und willst uns erhören und helfen, wie Du gesprochen haft: Kommet her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, Ich will euch erquicken. Wir bittent Dich, erbarme Dich unser, bitte für uns Deinen ewigen Vater, heilige und regiere uns mit Deinem heiligen Geiste, beschirme uns wider alle List und Gewalt, Lügen und Mord des bösen Geistes, auf daß wir mit einem reinen und fröhlichen Herzen Dir allezeit dienen mögen, der Du mit dem Vater und dem heiligen Geiste lebeft und regierest von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Bater Unser. 4 50 Freitag nach dem 4. Advent. Selig, Fröhlich Mel.: Wie schön leuchtet der Morgenstern. Es ist Etwas, des Heilands sein, Ich Dein, o Jesu, und Du mein! In Wahrheit sagen können; Ihn seinen Hirten, Herrn und Ruhm Und sich Sein Schaf und Eigenthum Ohn' allen Zweifel nennen. Das Wollen und Vollbringen schafft Des Wortes Jesu Gottestraft:" Mir nach, ihr armen Sünder! Ihr seid für mich, Ich für euch da. Könnt ihr gleich nichts, doch bin Ich nah Nur folget mir als Rinber. Ist doch Mein Joch, Sind die Seelen, die erwählen ohn' Be- Sanft und heilig, nur daß freilich euer denken Wille Ihrem Jesu sich zu schenken. Mir fich lasse in der Stille. ( Vers 1 und 5 aus: Es ist Etwas des Heilands sein.) Joh. 1, 11-18. Er kam in fein Eigenthum, und die Seinen nahmen ihn nicht auf. Wie Viele ihn aber aufnahmen, denen gab er Macht, Gottes Kinder zu werden, die an seinen Namen glauben, welche nicht von dem Geblüt, noch von dem willen des Sleisches, noch von dem Willen eines Mannes, sondern von Gott geboren find. Und das Wort ward Fleisch, und wohnete unter uns, und wir sahen seine Serrlichkeit, eine Serrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit. Johannes zeuget von ihm, ruft und spricht: Dieser war es, von dem ich gesagt habe: ach mir wird kommen, der vor mir gewesen ist; denn er war eher, denn ich. Und von seiner Fülle haben wir alle genommen Gnade um Gnade. Denn das Gesetz ist durch Mosen gegeben; die Gnade und Wahrheit ist durch Jefum Chriftum geworden. Niemand hat Gott je gesehen. Der eingeborne Sohn, der in des Vaters Schooß ist, der hat es uns verkündiget. Das Gewicht ist dahin, wo man die Gottheit verliert in der Person Christi. Nun treibt aber kein Evangelist diesen Artikel, daß Christus wahrer Gott und wahrer Mensch ist, so gewaltig als eben Johannes; zu seiner Zeit war schon die gefährliche Ketzerei, die immer wieder auftaucht, als ob Christus nicht Gott wäre. Daß Er Gott ist, ist hier aus jedem Verse zu lesen. Wie könnte man sonst in Christo und Seinem heiligen Evangelium den wahren unsichtbaren Gott Selbst kennen lernen, wenn Gott nicht in Christo, wenn Alles, was Gott ist, nicht in Ihm wäre? Es ist niemand anders in Christo Fleisch, d. h. Mensch in Niedrigkeit und Schwachheit doch ohne Sünde geworden, als das Wort, d. i. der wahre Gott. Das ist die Grundwurzel unseres heiligen Glaubens und ist über Alles tröstlich; denn wenn Gott mir gram wäre und sein wollte, so hätte Er mein Fleisch und Blut nicht an Sich genommen. Mit solchen Worten: ,, Gott ist 51 Mensch worden", kann man Wunder thun. In unserm armen Fleisch und Blut wohnete Gott unter uns; Christus ist Gott und Mensch in Einer Person; Johannes lag in Gottes Armen, als er an Christi Brust lag. Alles, was sonst Herrliches in diesem Abschnitte steht, folgt und kann erst folgen, weil Christus wahrer Gott ist. So sahen und sehen wir Seine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater voller Gnade und Wahrheit, d. i. alle Worte und Werke Christi sind ebenso sehr Gott völlig angenehm, als sie grundgut und rechtschaffen sind. Wie der erste Adam, und wir mit ihm, vor Gott lauter Ungnade und Thorheit sind, so ist in Christo das Gegenspiel. Da mag man denn aus Seiner Fülle nur nehmen Gnade um Gnade, und ob viele Seelen schon das ewige Leben aus Christo empfangen haben und noch empfangen, so bleibt dieser Brunnen doch unerschöpflich und quillt daraus nur Gnade und Wahrheit; denn Er ist Gott. Mose mit seinem Gesetz kann wohl unsere Wunden und Thorheit fühlbar machen; das Gesetz, das da lehrt, wie wir innerlich und äußerlich gegen Gott, gegen uns selbst und gegen den Nächsten sein sollen, macht blutarme, verschuldete Leute aus uns, und je heller dieses Gesetz über uns leuchtet, um so größer macht's das Elend. Christus ist gar ein anderer, denn Gnade und Wahrheit kommt von Seinem Angesichte. Wie wehmüthig lautet darum die Klage, daß dieser Christus, der nichts ist als lauter Trost, und nichts gibt als lauter Gnade und Wahrheit, in Sein Eigenthum kommt und die Seinen nehmen Ihn nicht auf. Es ist Alles Sein Eigenthum, nicht blos das Jüdische Volk; denn Ihm, als den wahren Gott, gehören alle Dinge und Menschen. Welche Missethat, daß die Creatur, die verlorene Creatur, ihren Herrn, diesen Herrn nicht will! Welch ein Verlust! Denn nichts rettet uns, kein Fleisch und Natur, keine Vernunft, Kunst, Lehre, Gesetz, freier Wille; es ist lauter Tod mit Allem, was von dem Geblüte, von dem Willen des Fleisches und von dem Willen des Mannes geboren ist. Aber die Ihn aufnehmen damit, daß sie an Seinen Namen glauben und sich von dem heiligen Geiste die rechte Erkenntniß Christi lassen in's Herz schreiben, diese empfangen Macht, Gottes Kinder zu werden. Wir können vor großer Freude kaum leben, wenn wir dies recht glauben und fassen. Wo der Mensch so durch den Glauben in das Evangelium Chrifti friecht, zieht er, wie eine Schlange, die alte Haut ab, läßt draußen sein Licht, Dünkel, Willen, Lust, Liebe, Reden und Wirken und wird ein ganz neuer Mensch, der alle Dinge anders ansieht, denn vorhin, anders will, anders denkt, anders lebt, anders liebt, denn vorhin. Gebet. Herr Gott, himmlischer Bater, wir danken Dir von Herzen für Deine Gnade, daß Du es bei der Gesetzespredigt nicht hast lassen bleiben, sondern uns Deinen lieben Sohn gegeben hast und uns denselben durch Deine lieben Apostel und das heilige Predigt4* Univ. Bibl. Giessen amt läsfest anzeigen als den Brunnen voll Gnade und Wahrheit. Gieb, daß wir solche Gnade und Gnadenpredigt mit rechtem Glauben annehmen und Dir ohne Furcht in Heiligkeit und Gerechtigkeit dienen immerdar. Amen. Vater Unser. 52 Dies ist die Nacht, da mir erschienen Des großen Gottes Freundlichkeit. Das Kind, dem alle Engel dienen, Bringt Licht in meine Dunkelheit; Und dieses Welt- und Himmelslicht, Weicht hundert tausend Sonnen nicht. Tag vor dem heiligen Chriftfeste. Mel.: O daß ich tausend Zungen hätte. - In diesem Lichte kannst Du sehen Das Licht der klaren Seligkeit. Wenn Sonne, Mond und Stern' vergehen, Vielleicht noch in gar kurzer Zeit, Wird dieses Licht mit seinem Schein, Dein Himmel und dein Alles sein. ( Vers 1 und 3 aus: Dies ist die Nacht, da.) Titus 2, 11-14. Denn es ist erschienen die heilsame Gnade Gottes allen Mens schen; und züchtiget uns, daß wir sollen verleugnen das ungöttliche Wesen, und die weltlichen Lüfte, und züchtig, gerecht und gottselig leben in dieser Welt, und warten auf die selige Hoffnung und Erscheinung der Herrlichkeit des großen Gottes und unseres Heilandes Jefu Chrifti, der sich selbst für uns gegeben hat, auf daß er uns erlöfete von aller Ungerechtigkeit, und reinigte ihm selbst ein Volk zum Eigenthum, das fleißig wäre zu guten Werken. Das Beste, was uns zu Weihnachten beschert wird, ,, das Eine, was Alles ersetzt", liegt beschloffen in der seligen Botschaft: Es ist erschienen die heilsame Gnade Gottes allen Menschen. Weißt du, was Gnade ist? Frag' den, welcher im Kerker sitzt, nach gerechtem Urtheilsspruch zum Tode verdammt, welcher zittert, wenn er die Schlüssel rasfeln hört, womit sein Kerker aufgeschlossen werden soll, um nun zur Richtstätte abgeführt zu werden, und statt des Kerkermeisters bringt ihm ein Königsbote die Begnadigungs- Botschaft, oder stelle dem, welcher auf dem Sterbebette liegt, die freie Wahl, ob er eine Urkunde lieber nehmen will, in welcher ihm ein großes Gut verschrieben wird oder eine Urkunde, auf welcher das Wort Gnade steht; er wird unfehlbar das erste fahren lassen und nach der letztern greifen. Hat Johannes fein Amt an dir in der Adventszeit ausgerichtet, und hast du dir Buße predigen lassen, so verlangst du nur nach Einem nach Gnade, nach einem gnädigen Gotte. Die Gnade wird eine heilsame genannt. Dies Wort erinnert uns an unsere Schäden und vielen Wunden, wofür sonst kein Kraut und Pflaster gewachsen. Ich bin der Herr, dein Arzt, und außer Mir ist kein Heiland. Von der Fußsohle - 1 bis zum Haupt ist nichts Gesundes an uns; nun aber sollen wir geheilt werden von allen Gebrechen. Welch' eine Aussicht! Diese heilsame Gnade Gottes ist erschienen. Nicht in einem Stern, nicht in der Feuer- oder Wolken- Säule, nicht im feurigen Busche, der brannte und doch nicht verzehret wurde; nein, das Wort von dieser Gnade ward Fleisch und wohnete unter uns; in unser armes Fleisch und Blut verkleidet sich das ew'ge Gut. Das ist Weihnachts- Jubel. Aus den Augen des Kindes in der Krippe leuchtet uns diese Gnade entgegen, durch sie schauen wir in das Herz Gottes und dürfen beten: Vater Unser, der Du bist in dem Himmel. Sie ist erschienen allen Menschen. Der König auf dem Throne, der arme Tagelöhner in seiner Lehmhütte, der Greis mit grauem Haupte, das Kind, welches so eben seine Hände falten kann, darf singen: Wär' uns dies Kindlein nicht geboren, wir wären allzumal verloren- das Heil ist unser Aller. Hältst du dich aber allein für ausgeschlossen, und solcher Gnade nicht werth, weil du sie zu oft versäumt, zu leichtsinnig verscherzt; trägst du aber darüber Leid, und es bekümmert dich in deinem Herzen- so höre doch: sie ist nicht erschienen blos einer Maria, den Hirten dem Joseph und den Weisen aus einem Simeon dem Morgenlande nein, allen Menschen; so wahr du ein Mensch bift ein verlorener und verdammter Mensch; heut darfst du fingen: Ob bei uns ist der Sünden viel, bei Gott ist vielmehr Gnade, Sein Hand zu helfen hat kein Ziel, wie groß auch sei der Schade. Ja, sie ist auch dir erschienen, so wahr Gottes Wort nicht lügen kann. Merke aber Eins und hüte Dich vor dem Gerichtswort: Das Licht hat geschienen in die Finsterniß, aber die Menschen haben es nicht begriffen; denn sie liebten die Finsterniß mehr, denn das Licht. Ist die heilsame Guade Gottes auch dir erschienen, und dieser Morgenstern dir aufgegangen im Herzen, so verkündige durch Wort und Wandel die Tugenden des, der dich berufen hat von der Finsterniß zu Seinem wunderbaren Licht. Das ew'ge Licht geht da herein, giebt der Welt einen neuen Schein, es leucht' wohl mitten in der Nacht, und uns des Lichtes Kinder macht. Das hat uns der Apostel im Folgenden gar helle vorgemalet sie züchtiget uns, daß wir verleugnen und lies es dir in's Herz sollen das ungöttliche Wesen. Lies das und in's Gewissen, und laß dein Leben davon Zeugniß geben, daß du Weihnachten gefeiert; daß die Nacht vergangen, der Tag aber herbei gekommen ist. 1 - - 53 - - T - Gebet. Du aber, Du Aufgang aus der Höhe, der Du uns von neuem besuchen willst durch die herzliche Barmherzigkeit unseres Gottes, laß einen Strahl Deines Lichtes fallen in unsere Nacht, und laß den Tag anbrechen in unsern Herzen, daß wir im Geist und in der Wahrheit frohlocken dürfen: Meine Seele erhebet den Herrn und mein Geist freuet sich Gottes, meines Heilandes. Amen. Bater Unser. 54 Den 25. Dezember, 1. Weihnachtstag. Mel.: Vom Himmel hoch, da komm' ich her. Euch ist ein Kindlein heut geboren, Bon einer Jungfrau auserforen, Ein Sindelein so zart und fein, Es ist der Herr Christ, unser Gott, Der will euch führn aus aller Noth; Er will eur Heiland selber sein, Das soll eu'r Freud' und Wonne sein. Von allen Sünden machen rein. ( Vers 2 und 3 aus: Vom Himmel hoch.) Luc. 2, 1-14. Es begab sich aber zu der Seit, daß ein Gebot vom Kaiser Auguftus ausging, daß alle welt geschåret würde. Und diese Schatzung war die allererfte, und geschab zu der Zeit, da Cyrenius Landpfleger in Syrien war. Und Jedermann ging, daß er sich schårzen ließe, ein Jeglicher in seine Stadt. Da machte sich auch auf Joseph aus Galilaa, aus der Stadt Nazareth, in das jüdische Land, zur Stadt Das vids, die da beißet Bethlehem, darum, daß er von dem Hause und Geschlechte Davids war, auf daß er sich schågen ließe mit Maria, feinem vertrauten Weibe. Die war schwanger. Und als sie daselbst waren, kam die 3eit, daß sie gebåren sollte. Und sie gebar ihrer ersten Sohn, und wickelte ihn in Windeln, und legte ihn in eine Krippe, denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge. Und es waren hirten in derselbigen Gegend auf dem Selde bei den Hürden, die hüteten des Nachts ihrer Heerde. Und siehe, des Herrn Engel trat zu ihnen, und die Klarheit des Herrn leuchtete um sie; und sie fürchteten sich sehr. Und der Engel sprach zu ihnen: Sürchtet euch nicht; siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Chriftus der Herr in der Stadt Davids. Und das habt zum Jeichen: Jhr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt, und in einer Krippe liegend. Und alsobald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Beerschaaren, die lobeten Gott, und sprachen: Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden, und den Menschen ein Wohlgefallen! Hier ist der wahrhaftige Heiland geboren. Alle Schrift ist an Ihm erfüllet. Er ift geboren zu einer Zeit, da die Herrschaft von Juda genommen ist und in den Händen der Römer liegt. 1 Mof. 49, 10. Er ist in Bethlehem geboren, wie im Propheten Micha steht 5, 1. Von einer Jungfrau, wie Jesaias schreibt 7, 14; arm und niedrig, wie Zacharias geweisfagt, 9, 9. So ist Er es wahrhaftig. Aber wie wunderbar ist hier Alles bei dieser Geburt! Das Kind ist der Sohn des lebendigen Gottes und liegt so ärmlich da, daßß wohl eines Bettlers Kind weicher gebettet ist. Es lieget da auf dürrem Gras, davon ein Ochs und Esel fraß. Aber so niedrig will Gott bei uns sein, damit dein Herz erkenne, Gott sei dir wirklich nicht gram, sondern 55 habe dich wahrhaftig lieb; damit im Anblicke dieses Kindes, das Gott ist und in der Krippe liegt, das reich ist und ist so arm geworden, dein Herz das Allerschwerste glaube, nämlich die Liebe Gottes zu dir, die Liebe des herrlichen Gottes zu dir Würmlein. Die Engel haben ihre große Freude an dem Kinde. Es leuchtet ihnen so hell in die Augen, daß sie das erste weltbekannte Weihnachtsfied fingen. Hier liegt das einzige Menschenkind, an welchem Gott Wohlgefallen hat, und dieses Kind mit seiner Lieblichkeit und hellem Scheine vertreibt die Finsterniß. Die Schönheit des Jesuskindes ist so groß, daß die Engel brum aus dem Himmel kommen, um es den Menschen zu sagen, und ist so groß, daß es alle Herzen, welche dieses Sind lieben, schön und hell scheint. Es ist auch ein Ueberschwang von Gaben in dem Kinde von Bethlehem. Der Engel nennt es mit dem Namen: Heiland, Christus. Es sind Heilandsgaben, die es uns bringt, Gaben für Verdammte, für Arme, die so arm sind, daß ihnen der Fluch Gottes, im Gesetz und Gewissen geschrieben, Alles zunt Ekel macht. Für solche finden sich hier reiche Gaben. Auch Christus-, d. h. Heiligungsgaben; die Augen werden durch dieses Kind mit Licht gesalbt, die Herzen mit Anbetung und Liebe Gottes, die Zunge mit dem Lobe Gottes, die Kräfte des Menschen mit Wahrheit und Gerechtigkeit. So seh ich Dich mit Freuden an und kann mich nicht satt sehen. Wohl ist es ein Kind. Aber dieses Kind ist Herr. Es erringt große Siege. Mit Seinem Munde wird es rufen dem, was nicht ist, daß es sei, mit Seinen Händen Kranke heilen, mit Seinen Augen die Herzen ergründen und wird die Welt mit Gott versöhnen und endlich Sich setzen zur Rechten Gottes. Ja, am Ende der Tage wird Jesus, der in Bethlehem geboren ist, wiederkommen in großer Kraft und Herrlichkeit, zu richten die Lebendigen und die Todten. O daß mein Sinn ein Abgrund wär', Und meine Seel' ein weites Meer, Daß ich Dich möchte fassen! Gebet. O du frommer Herr Jesu Christe, ich wollte Dich gern von Herzen loben und preisen von wegen Deiner Menschwerdung, aber Herr, woher soll ich's nehmen? mit welchem Herzen und Worten vermag ich Dir für solche große Wohlthat zu danken? Wenn ich gleich tausend oder mehr Zungen hätte, könnte ich Dich dennoch nicht genugsam loben, denn Deine große Gunst und Gnade, so Du uns armen Menschen erzeiget hast, daß Du in unser Fleisch kommen, und unser Bruder geworden bist, Fleisch von unserm Fleisch und Gebein von unserm Gebein, übertrifft weit alle unsere Dankbarkeit, die wir Dir erzeigen mögen. Denn was hast Du mehr und Größeres uns zu großen Ehren und ewiger Seligkeit thun können, als daß Du nicht engelische, sondern menschliche Natur an Dich genommen hast, unser Fleisch und Blut zum Höchsten erhoben und uns alle Deine Güter als Deinen Brüdern und Blutsverwandten mitgetheilt. Das ist mun mein höchster Schatz und Trost, deß freu' ich mich von Herzen, poche und trotze darauf, daß auch mein Fleisch und Blut Dir nunmehr verwandt und zugethan ist, und ich auch ein Glied bin Deines Leibes, Fleisch von Deinem Fleisch, und Gebein von Deinen Beinen. Wo nun Du, Herr, bist und regierest, da werde ich auch sein als ein Glied Deines Leibes, und als ein Miterbe der ewigen Glorie und Seligkeit theilhaftig werden. Das wirst Du gnädiglich mir widerfahren lassen, Du getreuer Immanuel, Gott mit uns, von wegen Deiner Menschwerdung. Amen. Vater Unser. 56 Den 26. Dezember, 2. Weihnachtstag. Mel.: Den die Hirten lobten sehre. Sehet, was hat Gott gegeben! Seinen Sohn zum ewigen Leben. Dieser kann und will uns heben Aus dem Leid in's Himmels Freud'. Seine Seel' ist uns gewogent, Lieb und Gunst hat Ihn gezogen, Uns, die Satanas betrogen, Zu besuchen aus der Höh. ( Vers 3 und 4 aus: Kommt und laßt uns Christum.) Luc. 2, 15-20. Und da die Engel von ihnen gen Simmel fuhren, sprachen die Sirten unter einander: Laßt uns nun geben gen Bethlehem, und die Geschichte sehen, die da gescheben ist, die uns der Herr Fund gethan bat. Lind sie tamen eilend, und fanden beide, Mariam und Joseph, dazu das Kind in der Krippe liegend. Da sie es aber geseben hatten, breiteten sie das Wort aus, welches zu ihnen von diesem Kinde gesagt war. Und alle, vor die es kam, wunderten sich der Rede, die ihnen die Sirten gesagt hatten. Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen. Und die Sirten kehreten wieder um, priesen und lobten Gott um Alles, das sie gehöret und gesehen hatten, wie denn zu ihnen gesagt war. Was nun mit uns werden soll, da Gott in unserm Fleische geoffenbart, lernen wir aus dieser Geschichte. Nicht die Klarheit der Engel ist's, welche die Hirten allermeist beschäftigt, sondern die Geschichte, die ihnen der Herr fund gethan hat. Die Engel mögen auffahren, diese Geschichte bleibt; haben die Hirten aber die schönen Engel ziehen lassen und sich an die Geschichte in Bethlehem gehalten, wie vielmehr sollen wir den Staub der Erde um der Wahrheit Gottes willen fahren lassen können. Bis in's Herz hinein dringt den Hir 57 ten die Geschichte von dem geborenen Heilande, weshalb sie auch ohne daß fie eigentlich einen ausdrücklichen Befehl empfangen haben sofort zusammentreten und den Beschluß fassen, un gen Bethlehem zu gehen. Was ihnen Hinderniß sein könnte, ist ihnen kein Hinderniß. Sie folgen dem Zuge Gottes zu ihrem Heilande. So gingen sie und fanden das Kind in der Krippe; denn wer, der da sucht, fände nicht? Aber hätten sie nun keine offene Augen gehabt, so hätten sie den Heiland doch nicht erkannt. Aber da Gott ihnen erleuchtete Augen des Verständnisses gegeben hat, so sehen sie trotz Krippe und Windeln in dem Kinde ihren Heiland, ja gerade diese äußere Niedrigkeit ist ihnen ein Zeichen, daß sie das rechte Kind gefunden haben. Denn eben dieſe Niedrigkeit stimmt zu der Predigt aus Engel's Munde. Und daß sie das Wort, das zu ihnen gesagt war, ausbreiten, paßt zum Ganzen. Denn wer überzeugt und gezeugt ist aus dem Samen des Wortes Gottes, wird selbst ein Zeuge und breitet das Wort aus in innerer und äußerer Mission. Es fehlt nur noch, daß man auch Gott lobe für Seine unaussprechliche Barmherzigkeit. Nun, da Gott Mensch geworden ist, kann sich ja der Geist des Menschen in Wahrheit Gottes freuen, des heiligen herrlichen Gottes, der uns Seinen Sohn zum Versöhner und Leben geschenkt hat. Ob man da auch wieder umkehrt in seinen irdischen Lebensberuf, man sieht nun alle Dinge mit andern Augen an, wenn man Gottes Liebe in der Krippe zu Bethlehem erkannt und geschmeckt hat. Wenn aber Maria alle Worte in ihrem Herzen bewegte und durchsaun, so ist das für sie und auch für uns der Weg, um einen bleibenden, täglichen Gewinn aus den Werken und Worten Gottes zu ziehen, daß wir nämlich denselben nachsinnen und sie bewegen. - Gebet. O Du anbetungswürdiger Heiland, sollte nun nicht ein Engel wünschen, daß er Mensch würde, nur daß er rühmen könnte, ich bin von Christi Fleisch und Beinen. So laß es doch mein Herz bewegen, daß ich mich Deiner mit großer Freude freue. Ja, weil Du mein Fleisch und Blut hast angenommen, und mich mit Deiner Leutseligkeit zu Deinem Eigenthum gewinnen willst, unerachtet meiner vielen, schweren und abscheulichen Sünden, so nehme ich diese große Gnade auf den Knieen an und sage: Sei Du mein; ich bleibe Dein. Erfülle meine Seele mit den Kräften Deiner Liebe und Wahrheit und mache mich Deines Lobes voll. Gieb auch, daß ich mit allen Deinen Kindern Dein nimmer vergesse und Dich lieber habe als alle Creaturen. Amen. Vater Unser. 58 Den 27. Dezember. Mel.: Chriftus, der ist mein Leben. Dein Wort ist uns geschehen, An diesem nehm' ich Theil: Wer Jesum werde sehen, Der sehe Gottes Heil. Ich seh' Ihn nicht mit Augen, Doch an der Augen Statt Kann mir mein Glaube taugen, Der Ihn zum Heiland hat. ( Vers 3 und 4 aus: Wie Simeon verschieben.) Luc. 2, 25-32. Und siebe, ein Mensch war zu Jerusalem, mit Mamen Simeon; und derselbe Mensch war fromm und gottesfürchtig, und wartete auf den Troft Israels, und der heilige Geist war in ihm; und ihm war eine Antwort geworden von dem heiligen Geist, er sollte den Tod nicht sehen, er håtte denn zuvor den Chrift des Herrn gesehen. Und kam aus Anregen des Geiftes in den Tempel. Lind da die Eltern das Kind Jesus in den Tempel brachten, daß sie für ihn thaten, wie man pflegt nach dem Geset; da nahm er ihn auf seine Arme, und lobete Gott und sprach: Herr, nun läsfest du deinen Diener im Srieden fahren, wie du gesagt haft; denn meine Augen haben deinen Seiland gesehen, welchen du bereitet baft vor allen Völkern, ein Licht zu erleuchten die Heiden, und zum Preis deines Volks Israel. Wie fröhlich der alte Simeon dem Tode entgegenſieht! Er spricht gar nicht vom Tode, als wäre es ihm bitter zu sterben, sondern spricht, daß er in Frieden fahren wolle und werde. Weiß Simeon etwa nicht, daß der Tod so unnatürlich und schrecklich, ja der Sold unsrer Sünden ist? Freilich weiß er es, denn er ist ja fromm und gottesfürchtig und weiß aus Gottes Wert, was es mit dem Tode auf sich hat. Und doch sieht er so fröhlich vorwärts und spricht, daß der Herr mun Seinen Diener in Frieden fahren lasse. Das spricht er aber durch den Heiligen Geist und nur durch den Heiligen Geist können wir es ihm nachsprechen, daß unser Tod eine Friedens- und Heimfahrt ist. Derselbige Heilige Geist, ehe Er uns fröhlich zum Sterben macht, richtet unsere Augen vorher fest und beständig auf Christum. So war's bei Simeon auch; zuvor sollte er den Christ des Herrn sehen, danach den Tod nicht sehen. Da hören wir also, welche Gaben uns Gott in dem Heilande geschenkt hat, nämlich Erlösung vom Tode und von allen Sünden. In Sünden sind wir geboren, mitten im Leben sind wir vom Tode umfangen. Daher die Klagen unsrer Väter und unsrer eigenen Seelen: Ich elender Mensch, wer wird mich erretten von dem Leibe dieses Todes? Röm. 7. Meine Thränen sind meine Speise Tag und Nacht. Ich effe Asche wie Brod und mische meinen Trank mit Weinen. Pf. 102, 10. Wie fröhlich macht es da den Geist Simeons, daß er den Erlöser für seine Seele sieht. Simeon 59 ist Gottes Diener schon lange gewesen; er hat sich durch Gottes Gnade einen freiwilligen Geist schenken laffen, so daß er nicht sich selbst, sondern Gott lebt. Solche Menschen kann Gott nicht im Stich, nicht ewiglich in Angst und Unruhe lassen. Er weiß ihren müden Geist zu erquicken. Wodurch anders, als durch die selige Erkenntniß Christi, der dem Tode die Macht genommen hat. Vertrauen wir es dem gnädigen Gott, daß Er auch unsrer nicht vergessen, sondern zu seiner Zeit das helle Licht des Glaubens an Christum in unsern Herzen aufgehen lassen wird, daß wir sagen mögen: Herr, mun läsfest Du Deinen Diener in Frieden fahren; denn meine Augen haben Deinen Heiland gesehen. Gebet. Herr Christe, Du gewünschtes, hellleuchtendes Licht der Heiden, der Du meinetwegen Dich unter das Gesetz gethan, ich bitte Dich, erleuchte mich, daß ich mich Dir ergebe zu einem Opfer, das da lebendig, heilig und Dir wohlgefällig sei und Deinen Tempel oft mit Andacht besuche. Und wenn das Ende meines irdischen Lebens herannaht, so beschere mir eine stille, fröhliche Heimfahrt, wie dem alten Simeon und hilf, daß ich Dich im ewigen Lichte mit den Auserwählten anschauen möge. Amen. Vater Unser. Den 28. Dezember. Mel.: Erschienen ist ber herrlich' Tag. Von Anfang, da die Welt gemacht, Hat so manch Herz nach Dir gewacht; Dich hat gehofft so lange Jahr Der Väter und Propheten Schaar. Hallelujah. Nun bist Du hier, da liegest Du, Hältst in dem Kripplein Deine Ruh; Bift flein und machst doch Alles groß, Bekleidst die Welt und kommst doch bloß. Hallelujah. ( Vers 3 und 6 aus: Wir singen Dir, Immanuel.) Luc. 2, 33-40. Und sein Vater und Mutter wunderten sich deß, das von ihm geredet ward. Und Simeon segnete sie, und sprach zu Maria, seiner Mutter: Siehe, dieser wird gesetzt zu einem Sall und Auferstehen Vieler in Israel und zu einem Zeichen, dem widersprochen wird,( and es wird ein Schwert durch deine Seele dringen,) auf daß vieler Herzen Gedanken offenbar werden. Und es war eine Prophetin, Sanna, eine Tochter Phanuels, vom Geschlecht Afers, die war wohl betaget, und hatte gelebt sieben Jahre mit ihrem Manne, nach ihrer Jungfrauschaft, und war nun eine Wittwe bei vier und achtzig Jahren, die kam nimmer vom Tempel, dienete Gott mit Saffen und Beten Tag und Nacht. Dieselbige trat auch hinzu zu derselbigen Stunde, 60 and pries den Herrn, und redete von ihm zu Allen, die auf die Er lösung zu Jerusalem warteten. Lind da sie es alles vollendet hatten nach dem Geser des Herrn, kehrten sie wieder in Galilåa, zu ihrer Stadt Mazareth. Aber das Kind wuchs, und ward stark im Geist, voller weisheit; und Gottes Gnade war bei ihm. Die Die Kinder Gottes, die zerstreuet waren, zusammenzubringen( Joh. 11, 52.) ist die Absicht, welche Gott mit der Hingabe Seines Sohnes hat. Und wie wunderbar herrlich fängt dieser göttliche Zweck schon bald nach der Geburt Christi an in Erfüllung zu gehen! Wie fein sammelt es sich um Ihn! Die Hirten vom Felde, die Weisen aus dem Morgenlande, Simeon und Hanna, Maria und Joseph, wie gar verschiedene Leute nach ihrem Berufe und Stande in dieser Welt, aber wie einträchtlich versammelt der Heilige Geist dieselben zu Christo! Sieh, welch' ein herrlich Bild der christlichen durch Gottes Wort. und Glauben an Christum gereinigten und geheiligten Kirche hast du hier vor Augen! Wie herrlich geht es in einem Christenherzen zu! Maria und Joseph wundern sich alles deffen, was von Jesu geredet wird, wie noch jetzt die göttlichen Worte dem gläubigen Herzen je länger je mehr eine Ursache kindlicher, gläubiger und fröhlicher Verwunderung sind. Hanna, diese rechte Wittwe, die einsam ist, die ihre Hoffnung auf Gott stellt und bleibt am Gebet und Flehen Tag und Nacht, preift den Herrn für Seine unaussprechliche Gütigkeit, daß der min erschienen ist, welcher der Schlange den Kopf zertritt. Welche Botschaft für Alle, die mit Hanna damals und jetzt auf die Erlösung warten. So wundern sich Maria und Joseph, so lobsingt Hamma, so freuen sich Alle, die das Wort von dem erschienenen Sohne Gottes aufnehmen, und Simeon weifsagt von dem großen Berufe Christi. Da siehst Du, mein Lieber, wie in der Christenheit Tag und Nacht kein Schweigen ist von Christo, unserm lieben Heilande. Es darf und darf nicht dahin kommen, daß die Steine von Ihm schreien müßten. Sondern allezeit bis an den jüngsten Tag ist ein Häuflein vorhanden, bei welchem die Erkenntniß Christi wohnt und fruchtbar ist in mancherlei Erweisungen. Das Kind wuchs und ward stark im Geiste, und Gottes Gnade war bei Ihm; weil Jesus wahrer Mensch ist, so äußert sich Seine Menschheit wie in andern Stücken, so auch darin, daß Er wächst. Er ist aber ohne Gleichen Seiner Person nach, daß Er wahrer Gott und wahrer Mensch in Einer Person ist; Seinem Berufe nach, daß Er ge= setzt ist zu einem Fall und Auferstehen Vieler in Israel und zu einem Zeichen, dem widersprochen wird. Nämlich jedes Herz, das seinen jämmerlichen Fall, d. i. Abfall von dem lebendigen Gott und Verfall in lauter Untugend und Elend, erkennt, findet Christum über die Maaßen köstlich, indem es an Ihm aufsteht von seinem Falle. Alle aber, die in ihren Sünden wollen unverdammt heißen, stoßen sich an Christo; weder Sein Wort, noch Seine Person, noch Sein Werk ist ihnen recht und müssen Ihm widersprechen, wie bis auf diese Stunde geschieht. Aber merke, mein Herz, selig ist, wer sich nicht an Ihm ärgert, sondern je länger je mehr sich mit Ihm in wahrem Glauben und Herzensänderung vereinigt. Gebet. O, Herr JEsu Christe, der Du zum Fall und Auferstehen Vieler in Israel gesetzt bist, verleihe uns Deine Gnade, daß wir uns ja nicht an Dir ärgern, stoßen oder fallen, sondern uns vielmehr durch wahren Glauben aufrichten und gegen die Pforten der Hölle bestehen mögen, bis wir endlich von hier scheiden und zur ewigen Freude erhoben werden. Amen. Bater Unser. 61 Den 29. Dezember. Mel.: Es ist gewißlich an der Zeit. Du hast mit Deiner Lieb erfüllt, Mein' Adern und Geblüte; Dein schöner Glanz, Dein süßes Bild, Liegt mir stets im Gemüthe. Und wie mag es auch anders sein? Wie könnt' ich Dich, mein Herzelein, Aus meinem Herzen lassen? Da ich noch nicht geboren war, Da bist Du mir geboren, Und hast mich Dir zu eigen gar, Eh' ich Dich fannt', erforen. Eh' ich durch Deine Hand gemacht, Da hat Dein Herze schon bedacht, Wie Du mein wolltest werden. ( Vers 2 und 3 aus: Ich steh an Deiner Krippen hier.) Titus 3, 4-7. Da aber erschien die Freundlichkeit und Leutseligkeit Gottes, un feres Seilandes: Ticht um der Werke willen der Gerechtigkeit, die wir gethan hatten, sondern nach seiner Barmherzigkeit machte er uns selig, durch das Bad der Wiedergeburt und der Erneuerung des heiligen Geiftes, welchen er ausgegoffen hat über uns reichlich durch Jesum Chriftum, unfern seiland; auf daß wir durch deffelbigen Gnade gerecht und Erben seien des ewigen Lebens, nach der Hoffnung. Hier ier ist uns eine unschäßbare Gnade angezeigt. Wo finden wir für dieselbe Dank gemig? Ueberlege es tausendmal, was du hier hörst. Das wäre schon eine große Leutseligfeit Gottes, wenn Er nur mit einem Blicke Seiner Barmherzigkeit auf uns herabfähe; denn wer ist Er, der Heilige und Hohe, und wer sind wir? Wir haben wegen unfrer großen Unreinigkeit vor dem Angesichte Gottes einen übeln Namen; jedes der zehn Gebote spricht uns schuldig. Aber Gott, der nicht unsere Werke, sondern Seine Barmherzigkeit angesehen hat, hat 62 uns den allergrößesten Beweis Seiner Freundlichkeit und Erbarmung gegeben; Sein eingeborner Sohn ist Mensch, Einer der Unsern geworden. Diese große Gnade foll nicht außer uns und neben uns bleiben, sondern uns zu Theil werden, wozu Gott das hochheilige Sacrament der Taufe geordnet hat. Das Wasser der heiligen Taufe ist erfüllt von den Lebens- und Gnadenkräften Jesu Christi; Gott macht uns dadurch selig spricht der Heilige Geist. So ist es eine Gottes- That, daß Er uns Christum mit allen Seinen Wohlthaten in dem Bade der Wiedergeburt beigelegt hat. Nun dürfen wir uns nicht mehr ein Ruhekissen aus unsrer Schwachheit machen. Vielmehr sollen wir schaffen, daß wir selig werden. Wie denn? Sieh, derselbe Gott, der Seinen Sohn hat Mensch werden lassen und uns durch die heilige Taufe zu Gliedern Christi gesetzt hat, will uns ferner Gutes thun und Gnade um Gnade geben, daß wir an Ihn, den Dreieinigen von ganzem Herzen glauben und Christi theures Verdienst als den Trost unsrer Seele ergreifen sollen. Die in der Taufe angefangene Erneuerung soll fortgehen, der Geist Jesu Christi soll reichlicher durch unser Herz fließen, wir sollen im Glauben an Christum gerecht und Erben sein des ewigen Lebens. Im Bunde mit dem allmächtigen Gott find wir berufen und ermächtigt, einen siegreichen Kampf mit allen Sünden, der Welt und dem Teufel zu führen. O, ein wunderbarer Gott, der in Bethlehem geboren ist und uns wiedergebiert zu Seinen Kindern. Wie tief es auch dem unerleuchteten Menschenherzen einwohnt, durch Werke irgend welcher Art bei Gott in Gnade zut kommen, fo völlig ist es allein die Barmherzigkeit Gottes, welche uns selig macht. Seine Barmherzigkeit währet für und für und ist täglich bei uns neu. - Gebet. Hilf mir, barmherziger, leutseliger Gott, daß ich Deine unaussprechliche Wohlthat, welche Du in Bethlehem geoffenbaret hast, in der Menschwerdung Deines lieben Sohnes, recht erkenne. Ich danke Dir, daß Du mich derselben im Sacrament der heiligen Taufe theilhaftig gemacht hast und bitte Dich, Du wollest Deinen heiligen Geist in mir zum ewigen Leben kräftig werden lassen. Amen. Bater Unser. 63 Den 30. Dezember. Mel.: Es ist gewißlich an der Zeit. 3ch lag in tiefer Todesnacht, Du wurdest meine Sonne, Die Sonne, die mir zugebracht, Licht, Leben, Freud' und Wonne. O Sonne, die das werthe Licht Des Glaubens in mir zugericht', Wie schön sind Deine Strahlen. Ich sehe Dich mit Freuden an Und kann mich nicht satt sehen, Und weil ich nun nicht weiter kann, So thu ich, was geschehen. O daß mein Sinn ein Abgrund wär Und meine Seel' ein weites Meer, Daß ich Dich möchte fassen! ( Vers 4 und 5 aus: 3ch steh an Deiner Krippen hier.) 1 Joh. 1, 1-4. Das da von Anfang war, das wir gehöret haben, das wir ges seben haben mit unsern Augen, das wir befchauet baben, und unsere Sande betaffet baben, vom Worte des Lebens;( und das Leben ist erschienen, und wir haben gesehen; und zeugen, und verkündigen euch das Leben, das ewig ist, welches war bei dem Vater, und ist uns erschienen;) was wir gesehen und gehöret haben, das verkündigen wir euch, auf daß auch ihr mit uns Gemeinschaft habet, und unsere Ges meinschaft sei mit dem Vater, und mit seinem Sohne Jesu Christo. Und solches schreiben wir euch, auf daß eure Freude völlig sei. Che das Leben in Chriſto erſchien, war die Welt ein tiefes Meer voll Sünde und tausendfacher Plage; der Satan ist der Gott dieser Todeswelt. Es darf nur ein Jeder an sich, was er von dem alten Wesen an sich hat, betrachten, so wird ihm des Bösen genug vor die Augen treten, je länger je mehr. Und jeder Mensch ist erst ein kleiner Theil der in Sünde und Tod und Unehre versunkenen Welt. So ist es nicht anders möglich, als daß wahre Selbsterkenntniß uns beugt und mit Scham erfüllt. Gott aber, der König aller Könige, der allein Selige hätte wohl Ursache gehabt, keinen Liebesblick in solche Welt zu thun. Und welche Verkündigung hören wir nun hier? Diese, daß das Leben erschienen ist, daß Jesus Christus, das Ebenbild Gottes sich nicht geschämt hat, unser Fleisch und Blut anzunehmen. Diesen Rath unsrer Seligkeit hat Gott von Ewigkeit gehabt; den Vätern im alten Bunde hat Er es durch die Verheißungen geoffenbart, deren sie sich freuten und trösteten. Erschienen ist unser lieber Heiland in unserm Fleische, da die Zeit erfüllet war. Für dieses große Werk Seiner Barmherzigkeit wird Gott in alle Ewigkeit von Menschen und Engeln angebetet und gepriesen werden. Hiermit hat Gott ein unwidersprechliches Zeugniß Seiner Liebe und Barmherzigkeit gegen uns gegeben. Wir, die wir uns sonst nicht des geringsten Guten zu Gott versehen dürften, dürfen und sollen nun unsere ganze Zuversicht auf diese Liebe Gottes stellen, und da Gott uns darin eingeschlossen hat, dürfen wir uns selbst nicht ausschließen. Keiner von denen, die seit 64 der Apostel Zeiten gelebt haben, ist in der heiligen Schrift mit Namen genannt und doch haben so Viele das Heil in Christo so fest ergriffen, als ob es einen Jeden von ihnen allein anginge; haben sie es also machen dürfen, so darfst du, wie du heißest und wer du bist, es auch so machen. O Gnade! O nahe Gnade! O wahrhaftige Gnade! O ewige Gnade! O lautere Gnade! Da wird denn Alles frei und nelt. Denn das Leben ist erschienen; das Leben hat den Tod verschlungen. So wendet, wendet euch zu dem großen Heiland Alle, die ihr für euch selbst in euren eigenen Augen recht heillos, aber doch des Heils begierig seid! Nichts gehört dazu, als ein wahrhaftiges Herz, das durch Seine vorlaufende Gnade von allem Mißtrauen und Falschheit sich losmachen läsfet. Alles, was uns fehlt, giebt der Herr. Da ist es nun gut, bei dem Leben das Leben holen und von dem Licht das Licht nehmen. Wie komme ich dazu, daß ich die Sonne sehe? Siehe sie an, so siehest du sie. Frag' nicht lange: wie komme ich zu der seligmachenden Erkenntniß Jesu Christi? Das Wort ist dir nahe in deinem Munde und in deinem Herzen. Laß es Wahrheit sein, so ist es auch dir Wahrheit. Wir werden uns endlich verwundern und auch dabei schämen, uns so lange gewehrt zu haben, bis wir Gott ganz in Seine Arme fallen möchten. Gebet. Gelobet sei Gott, der Schöpfer Himmels und der Erden, gelobet sei der Herr, der allein Wunder thut, und gelobet sei Sein Herrlicher Name ewiglich! Herr, wie sind Deine Werke so groß und viel, Du hast sie alle weislich geordnet, und die Erde ist voll Deiner Güte. Wie groß ist, o Herr, Deine Barmherzigkeit, daß Du Deinen eingebornen Sohn dahingegeben und uns zum Brunnen der Gnade und des Lebens gesetzt hast. So wecke uns nun das Ohr, daß wir die Verkündigung von Christo mit Glauben aufnehmen. Fülle uns frühe mit Deiner Gnade, so wollen wir rühmen und fröhlich sein unser Leber, lang. Amen. Vater Unser. Den 31. Dezember. Eigene Melodie ober: Wer nur den lieben Gott läßt walten. Wer weiß, wie nahe mir mein Ende! Hin geht die Zeit, her kommt der Tod. Ach, wie geschwinde und behende Kann kommen meine Todesnoth! Mein Gott, mein Gott, Ich bitt' durch Christi Blut: Mach's nur mit meinem Ende gut. Herr, lehr' mich stets mein End' bedenken, Und wenn ich einstens sterben muß, Die Seel' in Jesu Wunden senken, Und ja nicht sparen meine Buß'. Mein Gott, mein Gott, Ich bitt' durch Christi Blut: Mach's nur mit meinem Ende gut. ( Vers 1 und 3 aus: Wer weiß, wie nahe mir mein Ende.) 65 Luc. 13, 6-9. Er sagte ihnen aber dies Gleichniß: Es batte einer einen Seigenbaum, der war gepflanzt in seinem Weinberge; und kam, und suchte Frucht darauf, und fand sie nicht. Da sprach er zu dem Weingarte ner: Siehe ich bin nun drei Jahre lang alle Jahre gekommen, und babe Srucht gesucht auf diesem Seigenbaum, und finde sie nicht; baue ihn ab; was hindert er das Land? Er aber antwortete, und sprach zu ihm: Serr, laß ihn noch dies Jahr, bis ich um ihn grabe, und bedünge ihn, ob er wolle Srucht bringen; wo nicht, so haue ihn darnach ab. Der er Feigenbaum bedeutet das jüdische Volk und jetzt jeden getauften Christen. Ein Feigenbaum ist nicht sehr groß und majestätisch, wie etwa die Cedern auf dem Libanon, doch ist's ein edler Baum. So ist der getaufte Christ einestheils ein Tropfen am Eimer und ist doch auch ein in die Gnade Christi gepflanzter Zweig. Der Besitzer hat den Feigenbaum; so lasset uns im Ernst bedenken, daß Gott uns Alle in Seiner Gewalt, in Seinen Augen, in Seinen Händen, in Seinem Gerichte hat. Es muß auffallen, daß der Feigenbaum in den Weinberg gepflanzt ist. So ist es eine gar große und erstaunliche Barmherzigkeit, daß wir, die wir unsern Vätern nach Heiden und Fremde sind von den Testamenten Gottes, in den Garten Gottes, nämlich in die heilige christliche Kirche gepflanzt sicid. Von dem Feigenbaum erwartet man mit Recht Frucht. So fors dert Gott mit aller Ursache auch die Frucht Seines Getstes und Wortes, nämlich Liebe, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Gütigkeit, Glaube, Sanftmuth, Keuschheit. Wie traurig und wie gefährlich, daß der Feigenbaum keine Frucht hat. Und es ist eine ernste Frage am Jahresschluß, ob ich Frucht bringe, die Gott wohlgefällig ist, nämlich die Frucht wahrer Selbsterkenntniß und geistlicher Armuth, die Frucht eines ungefärbten Glaubens an Christum und Alles, was aus dem wahren christlichen Glauben nothwendig hervorwächst. Der Eigenthümer des Feigenbaumes sucht die Frucht in großem Ernste und spricht in seinem Eifer, da er sie nicht findet, man solle den Baum, der doch die Stelle nicht werth ist, wo er steht, umhauen. Er hindert das Land denke, liebe Seele, daß deine Ungerechtigkeit nicht blos dich, sondern auch die Deinen hindert. Der Baum wäre auch umgehauen, wenn nicht der unbekannte und doch wohlbekannte Weingärtner, nämlich Jesus Christus, der Hohepriester, welcher ist zur Rechten Gottes und bittet für uns, dazwischen träte. Noch Ein Jahr soll der Baum stehen und mit Furchen umgraben und bedüngt werden. Ach, Herr, laß uns durch den Reichthum Deiner Güte, Geduld und Langmuth zur Buße geführt werden. be- - Gebet. Allmächtiger Gott, himmlischer Vater, wir sagen Dir von Herzen Lob und Dank, daß Du uns durch Deine väterliche Güte 5 66 und Treue dies mun faft verflossene Jahr haft überleben und in demselben viele und mannigfaltige Gutthaten an Leib und Seele reichlich widerfahren lassen. Dieweil wir aber solche nicht erkannt, vielmehr vielfältiger Weise mißbraucht, auch sonst aus angeborener menschlicher Schwachheit mit Gedanken, Worten und Werken, besonders gegen Dich das verwichene Jahr gesündiget und mißgehandelt und dadurch Deinen gerechten Zorn, Strafe und Ungnade verdienet haben, so bitten wir Dich ganz demüthiglich, Du wollest uns solche unsere Sünde und Missethat gnädig verzeihen und vergeben, und da wir nun ein neues Jahr wiederum nach Deinem Willen anfangen sollen, Deine väterliche Liebe und Treue gegen uns erneuern, und Deinen heiligen Geist verleihen, daß wir mit dem alten Jahr alle alten Sünden, bösen Lüfte und Begierden ablegen, hingegen mit dem neuen Jahr ein neues christliches Leben anfangen und Dir darin mit bußfertigem Herzen dienen mögen. Segne und und behüte uns das künftige Jahr vor allem Uebel Leibes und der Seele, erleuchte Dein Angesicht über uns und sei uns gnädig, erhebe Dein Angesicht auf uns und gieb uns zeitlichen und ewigen Frieden; damit wir also die Jahre unserer irdischen Wallfahrt allhier selig vollenden und nach Ablauf derselben mit Dir und allen Auserwählten in alle Ewigkeit leben mögen, durch unsern Herrn und Heiland Jesum Christum. Amen. Vater Unser. Den 1. Januar. Mel.: Meinen Jesum laß ich nicht. Jesus ist der schönste Nam' Aller, die vom Himmel kommen, Huldreich, prächtig, tugendsam, Den Gott selber angenommen. Seiner großen Lieblichkeit Gleicht kein Name weit und breit. Jesus ist das höchste Gut In dem Himmel und auf Erden. Jesu Name macht mir Muth, Daß ich nicht kann traurig werden. Jesu Name soll allein Mir der liebste Name sein. ( Vers 1 und 9 aus: Jesus ist der schönste Nam) Luc. 2, 21. Und da acht Tage um waren, daß das Kind beschnitten würde, da ward sein Tame genannt Jesus, welcher genannt war von dem Engel, ehe denn er im Mutterleibe empfangen ward. Vom neuen Jahre steht eigentlich nichts in diesem Schriftworte und doch steht Alles darin, was wir zum neuen Jahre bedürfen. In diesem einzigen wundervollen Namen ,, Jesus" ist die ganze Herrlichkeit 67 und Gnade des Heilandes beschlossen; in diesem Namen ruht Alles, was das Herz erfreuen mag, dasselbe Herz, das ohne diesen Namen Diesen arm ist, auch wenn es alle Creaturen zu eigen bekäme. Jesusnamen wahr zu machen, geschah es, daß der liebe Heiland, da acht Tage um waren, beschnitten wurde; diese blutige und schmerzensreiche Beschneidung ist ein Angeld der zukünftigen Erlösungsleiden und der Anfang der Gesetzeserfüllung im Thun und Leiden. Die Beschneidung ist somit ein Edelstein unter vielen, die in dem Namen Jesu verfaßt sind. Jesus d. h. Er macht Sein Volk selig von Sünden. So muß Er freilich Gott und Mensch sein; denn nur Gott hat die Macht einen Menschen zu retten und andrerseits muß unser Heiland ein Mensch sein, um als Einer der Unsern die Strafe, die auf uns liegt, zu tragen. Jesus d. i. Er macht selig. Ja, Er! Er allein, Er wahrhaftig, Er vollkommen, Er zeitlich und ewig. Der Herr hat Alles, was zur Erwerbung unsrer Seligkeit nöthig war, gethan, so daß es nun eine Seligkeit auch für uns Sünder giebt und das ist was Großes, weil doch Gott der allein Selige ist. Ebenfo thut der Herr Alles, was zur persönlichen Aneignung des Heiles erforderlich ist. Er giebt uns Wasser und Geist, wodurch wir wiedergeboren werden; Er erweckt und erleuchtet, Er fängt den Glauben an und vollendet ihn. So kommt Ihm der hohe Name Jesus wohl zu; Er macht selig; wirst du aber selig, so fehlt dir nichts. Wer also nur selig werden will! Wer es nur in der göttlichen Ordnung will! Du brauchst deine Seligkeit nur zu suchen bei Jesu, du darfst Ihn mur bitten, so giebt Er Gnade um Gnade, du darfst mur erkennen, daß dir eben die Seligkeit fehlt in Gerechtigkeit und Frieden mit Gott. So ist Jesus lauter Trost und Gnade und auch das ist Gnade, daß Er uns die lieb gewordene, mit uns verwachsene Sünde leid macht, um sie mit unserm Willen von uns hinwegzuthun. Welch' ein neues Jahr liegt also in dem Namen Jesu! Je mehr uns dieser Name als eine helle Sonne leuchtet, um so einleuchtender wird es uns sein, warum wir auf Neujahr gerade diesen Namen ansehen sollen. Es bleibt eben ohne die Kraft dieses Namens in unsern Herzen Alles beim Alten, bei Sünde und Tod; erkennen wir aber diesen uns gegebenen Namen in wahrem Glauben, so mangelt uns kein Gutes und schadet uns kein Böses im ganzen Jahre. Das ist ein neues Jahr, wenn die Gnade Jesu uns wichtiger und heilsamer, die Liebe Gottes uns trostreicher und die Gemeinschaft des heiligen Geistes uns gewisser wird. Gebet. Herr Gott, himmlischer Vater, wir danken Dir für Deine väterliche Gnade, daß Du, uns armen Sündern zu gut, Deinen Sohn unter das Gesetz hast gethan, auf daß Er mit Seinem vollkommenen Gehorsam Deinen gerechten Zorn stillte und unsern Ungehorsam heilte, und bitten Dich, Du wollest durch Deinen heiligen Geist unsere Herzen also erleuchten, daß wir uns solchen Gehorsams wider unsere Sünde und böses Gewissen trösten können und im Glauben und wab5* - 68 rer Heiligkeit und Gerechtigkeit das neue Jahr anfangen und vollenden, auf daß die sündlichen Lüste in unserem Fleische durch Deine Hülfe mögen beschnitten und abgeleget werden, durch denselben Deinen Sohn Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. Vater Unser. Den 2. Januar. Eigene Melodie. Allein Gott in der Höh' sei Ehr' Und Dank für Seine Gnade, Darum, daß nun und nimmermehr Uns rühren kann kein Schade. Ein Wohlgefallen Gott an uns hat; Nun ist groß' Fried' ohn' Unterlaß, All' Fehd' hat nun ein Ende. Wir loben, preis'n, anbeten Dich, Für Deine Ehr' wir danken, Daß Du, Gott Vater, ewiglich Regierst ohn' alles Wanken. Ganz ungemessen ist Dein Macht, Fort g'schieht, was Dein Will' hat bedacht; Wohl uns des feinen Herren. ( Vers 1 und 2 aus: Allein Gott in der Höh' sei Ehr'.) Psalm 91. Wer unter dem Schirm des Höchsten sitzet, und unter dem Schats ten des Allmächtigen bleibet, der spricht zu dem Herrn: Meine Juver. ficht und meine Burg, mein Gott, auf den ich hoffe. Denn Er errettet mich vom Strick des Jagers, und von der schädlichen Pestilenz. Er wird dich mit seinen Sittigen decken, und deine Juversicht wird fein unter seinen Slügeln. Seine Wahrheit ist Schirm und Schild, daß du nicht erschrecken müsseft vor dem Grauen des Zachts, vor den Pfeilen, die des Tages fliegen, vor der Pestilens, die im Sinftern schleichet, vor der Seuche, die im Mittag verderbet. Ob tausend fallen zu deiner Seite, und zehn tausend zu deiner Rechten, so wird es doch dich nicht treffen. Ja, du wirst mit deinen Augen deine Lust sehen, und schauen, wie es den Gottlosen vergolten wird. Denn der Herr ist deine Juversicht, der Höchfte ist deine Juflucht. Es wird dir Fein Lebels begegnen, und keine Plage wird zu deiner Hütte sich naben. Denn er bat seinen Engeln befoblen über dir, daß sie dich behüten auf allen deinen Wegen, daß sie dich auf den Händen tragen, und du deinen Suß nicht an einen Stein stößeft. Auf den Löwen und Ottern wirst du gehen und treten auf den jungen Löwen und Drachen. ,, Er begehret meiner, so will ich ihm aushelfen; er fennet meinen amen, darum will ich ihn schügen. Er ruft mich an, so will ich ihn erhören; ich bin bei ihm in der Toth, ich will ihn heraus reißen, und zu Ehren machen; ich will ihn fåttigen mit langem Leben, und will ihm zeigen mein Beil." Die Taube, welche Noah ausfliegen ließ, that wohl, daß sie, da sie nicht fand, wo ihr Fuß ruhen konnte, in die Arche zurückflog. 69 Und Noah that die Hand Heraus und nahm sie zit sich in den Kasten. Daselbst war sie sicher. Meine Seele, wo willst du ruhen? Du fannst nirgend ruhen, bis du ruhest in Gott. Siehe in diesem Pfalm das große Heil eines Menschen, der in Gott seine Ruhe und Wohnung hat. Auch solch Einer und gerade er muß viel Noth und Angst von sichtbaren und unsichtbaren Kräften erfahren; denn es bleibt dabei: wer sich mit Christo verbindet, den Satan fleucht und haßt, der wird verfolgt und findet eine harte schwere Last. Aber wie mächtig die schädliche Pestilenz, die Pestilenz im Finstern, die Seuche, die im Mittag verderbet, und die Pfeile, die des Tages fliegen, auch sind, so sind sie doch nicht allmächtig. Sondern allein der Herr, der Höchste ist allmächtig, Alles ist unter Ihm, nichts neben oder gar über Ihm. Wer also nur dem Allmächtigen im Schooße sitzet! Au dem ersten Verse des Psalmes hängt der ganze Pfalm. Das drängt uns mächtig zu dem Namen Jesu, in welchem Gott Sich uns Menschen innig verbunden hat und der Mensch Gott wiederum verbunden wird. Ist der Name Jesu, in welchem Gott uns geliebt und mit Sich versöhnt hat, bei uns verklärt, geliebt und gebenedeiet, so sitzen wir Gott im Schooßze und können uns alles Guten zu Gott versehen; diese wahre Hoffnung auf den lebendigen Gott ist die Frucht des Herzensglaubens an Jesum und der Liebe zu Ihm. Darum bitten wir den Heiligen Geist um den rechten Glauben allermeist. Gebet. Ewiger Gott, Du forderst von mir herzliche Zuversicht zu Dir in allen Sachen und ist Dein hoher Ernst, daß Du wollest mein Gott sein und dafür soll ich Dich halten bei Verlust meiner ewigen Seligkeit, auch soll mein Herz sonst auf nichts trauen, noch bauen, es sei Gut, Ehre, Weisheit, Gewalt, Herrlichkeit oder irgend eine Creatur. Ich danke Deiner grundlosen Barmherzigkeit, daß Du Dich so väterlich zu mir verlornen Menschen heruntersenkest und Dich selbst ungebeten und unverdient mir anbietest und in allen Nöthen mein Trost, Schuß, Hülfe und Stärke sein willst. So hilf mir mein Gott, daß ich keine anderen Götter in irgend einer Creatur suche, sondern allein rein und fein an Dir, meinem einigen Gott bleibe. Amen. Vater Unser. Den 3. Januar. 70 Mel.: Allein Gott in der Höh' sei Chr'. O Jesu Christ, Sohn eingeboren Deines himmlischen Vaters, Versöhner der, die war'n verlor'n, Du Stiller unsers Haders, Lamm Gottes, heil'ger Herr und Gott, Nimm an die Bitt' von unsrer Noth: Erbarm' Dich unser aller! O Heil'ger Geist, Du höchstes Gut, Du allerheilsamster Tröster, Vor's Teufels Gewalt fortan behüt', Die Jesus Christ erlöset Durch große Mart'r und bittern Tod; Abwend' all' unsern Jammer und Noth! Dazu wir uns verlassen. ( Vers 3 and 4 aus: Allein Gott in der Höh' sei Ehr'.) Pfalm 93. Der Herr ist König und herrlich geschmůckt; der Herr ist geschmückt, und hat ein Reich angefangen, so weit die Welt ist, und zugerichtet, daß es bleiben soll. Von dem an stehet dein Stuhl feft; Du bist ewig. Herr, die Wasserströme erheben sich, die Wasserströme erheben ihr Brausen, die Wasserströme beben empor die Wellen, die Wafferwogen im Meer sind groß, und brausen greulich; der Herr aber ist noch größer in der Höhe. Dein Wort ist eine rechte Lehre. Heilig keit ist die Sierde deines Hauses ewiglich. Hier wird uns Gottes Macht als Grund des Vertrauens hingestellt. Wir fallen in Angst und Schrecken, wenn wir Gott nicht in Seiner Macht und großen Kraft und Herrlichkeit zu unserm Troste erkennen. Der Herr ist doch der Herr, Er ist König und gar herrlich geschmückt. Sein Schmuck ist von Ewigkeit, Er ist der Erste, der vor Allem war und ist der Letzte. Und die Ihn lieben, sollen wissen, daß Er Sich ihnen zu gut gar herrlich geschmüct hat mit Gnade und Wahrheit, mit Barmherzigkeit und Treue. Er ist schön als Gott, schön als Mensch. Dieser König wird Sein Reich wohl erhalten, das Reich, in welchem Er uns Vergebung der Sünden, Leben und Seligkeit gibt und den Elenden herrlich hilft. Was wollen gegen diesen König und Seine Herrschaft die Wasserwogen anfangen? Sie brausen greulich und heben ihre Wellen hoch. Das sind die Wasserwogen, die sich in den verderbten Herzen aller Menschen mit und ohne unsern Willen erheben. Das ist das eigentliche Gift der Sünde, daß sie eine Empörung wider Gott ist. Aber der Herr ist noch größer in der Höhe. Ja Er ist von solcher Majestät und Macht, daß Er auch in dieser argen Welt, zu dieser betrübten Zeit die Zierde Seines Hauses bewahrt und uns trotz aller Macht der Lüge und Versuchung in Seiner rechten Erkenntniß und Furcht erhält. Wohl uns, wenn wir den einzigen Rettungsanfer ergreifen, nämlich die Zeugnisse dieses Königs und Herrn, die recht und zuverlässig sind. Wer Gott damit 71 ehrt, daß er Ihn in Seinen Zeugnissen als wahrhaftig und treu erfennt und annimmt, den wird Gott auch ehren, indem Er ihn Loben und rühmen läßt von Herzensgrund: Der Herr ist König. Durch solchen Glauben, daß Christus unser König ist, der uns erlöset hat und täglich hilft, sind wir auch Könige und können durch Kampf und Noth oben bleiben. Gott helfe es uns im neuen Jahre. Gebet. Verleihe, lieber Herr und Gott, daß Dein heiliges Wort bei uns kräftig werde, daß wir, die wir es angenommen haben, dabei bleiben und täglich zunehmen und gib, daß wir mit allen Deinen Kindern in Deinem ewigen, unbeweglichen Königreiche verharren hier zeitlich, dort ewiglich. Amen. Vater Unser. Den 4. Januar. Mel.: Wie wohlist mir, o Freund der Seelen. Jehovah ist mein Hirt und Hüter, Nun wird kein Mangel treffen mich. Auf grünen Auen Seiner Güter Erquicket Er mich füßiglich. Er leitet mich zu frischen Quellen, Da häufig mir sich zugesellen Viel trank und matte Schäfelein. Wenn ich in Ohnmacht finke nieder, So holt Er meine Seele wieder, Und flößt ihr Lebensbalsam ein. er führet mich auf rechten Wegen; Er geht voran; ich folge nach. Und wenn ich gleich in finstern Stegen Und Thälern voller Ungemach, Durch dick und dünn, durch Dorn und Hecken Muß wandern, soll mich doch nichts schrecken. Denn Du bist bei mir stetiglich. - Du bist mein Licht, mein Stern, mein Führer, Mein Stab, mein Steden, mein Regierer, Auf Deinen Achseln ruhe ich. ( Bers 1 und 2 aus: Jehovah ist mein Hirt und Hülter.) Psalm 23. Der Herr ist mein Sirte; mir wird nichts mangeln. Er weidet. mich auf einer grünen Aue, und führet mich zum frischen Waffer; er erquidket meine Seele; er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen. Und ob ich schon wanderte im finstern Thal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir; dein Stecken und Stab tröften mich. Du bereitest vor mir einen Tisch gegen meine Seinde. Du salbest mein Haupt mit Oel, und schenkefst mir voll ein. Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Lebenlang, und ich werde bleiben im Sause des Herrn immerdar. Der Herr ist mein Hirte das ist der Anfang des Psalmes und auch der Inhalt. Wo dieses Eine wahr ist bei dir, magst und wirst du den ganzen schönen Psalm erleben und erfahren. Das Wort 72 Herr" ist ein gewaltiges Wort, vor dem alle Creatur in den Staub fallen soll. David hat diesen Herrn als seinen Hirten erkannt. Mein Hirte sagt er; das ist ein seliges mein. David will sich nach dieser Aussage auf keinem andern Wege hinfort finden lassen, als auf dem Wege seines lieben Heilandes. Durch diesen Herrn, der den an Ihn gläubigen Sündern sich so nahe thut und so freundlich ist, sollen wir unser Herz erweichen lassen und uns verwundern, daß Er Sich mit so elenden Leuten zu thun machen wid. Es ist ja nicht so schwer, es dem David nachzumachen, da Jesus auch auf dem Throne Seiner Herrlichkeit uns noch innig zugethan ist und unser Herz mit Seiner Erkenntniß und Gnade füllen will. Ist dieses Eine bei uns in Richtigkeit, so dürfen wir fortfahren: mir wird nichts mangeln. Denn ein an Jesu hängendes Herz ist im Uebrigen zufrieden, es sei viel oder wenig. Der Hirte thut auf das Liebreichste an den Seinen, indem Er sie zu den grünen Auen und frischen Wassern Seiner Verheißungen leitet, indem Er sie ferner auf der rechten Straße führt und die rechte Straße ist die Demuth des armen Sünders vor Gott, der Gehorsam des Glaubens gegen das heilige Wort Gottes. Was kann dem Schäflein Chrifti fehlen? Denn auch in dem finstern Thale ist es nicht allein, sondern genießt des Steckens und Stabes feines Hirten d. i. der Gegenwart und Kraft Christi in Seinem Worte. Auch giebt es noch einen Tisch, nämlich den Genuß des Leibes und Blutes Christi und eine Mittheilung der Kräfte des Geistes Christi. Welch ein großes, bleibendes Glück genießen also die Schafe Christi im Hause Gottes! Welch eine Fülle von Heil fließt auf uns hernieder, fo wir uns nur gewinnen lassen von dem Herrn und Hirten Jesu Christo. Gebet. Herr Jesu, Du gewaltiger Herr, Du bist mein Hirte geworden, da Du Dein Leben für mich zum Lösegelde hingegeben und mich in der heiligen Taufe zu Deinem Schäflein geheiligt hast. Ach so laß mich Dir recht gehorsam werden und schenke mir, daß ich Dich mit David ohne Zweifel meinen Hirten nenne und alle Deine Wohlthaten an meinem Herzen erfahren möge zum Preise Deines heiligen, herrlichen Namens. Amen. Vater Unser. 73 Tag vor Epiphanias. Eigene Melodie. Von Gott kommt mir ein Freudenschein, Wenn Du mit Deinen Neugelein Mich freundlich thust anblicken. O Herr Jesu, mein trautes Gut, Dein Wort, Dein Geist, Dein Leib und Blut, Mich innerlich erquicken. Nimm mich Freundlich In Dein' Arme, daß ich warme werd' von Gnaden; Auf Dein Wort komm ich geladen. ( Vers 1 und 4 ans: Wie schön leuchtet der Morgenstern.) Wie schön leuchtet der Morgenstern Voll Gnad' und Wahrheit von dem Herrn, Die süße Wurzel Jesse! Du Sohn Davids aus Jakobs Stamm, Mein König und mein Bräutigam, Haft mir mein Herz besessen: Lieblich, Freundlich, Schön und herrlich, groß und ehrlich, reich von Gaben, Hoch und sehr prächtig erhaben. Jesaias 60, 1-6. Mache Dich auf, werde Licht; denn dein Licht kommt, und die Serrlichkeit des Herrn gehet auf über dir. Denn siehe, Sinsterniß bes deckt das Erdreich, und Dunkel die Völker; aber über dir geber auf der Herr, und seine Serrlichkeit erscheinet über dir. Und die Seiden werden in deinem Lichte wandeln, und die Könige im Glanz, der über dir aufgehet. Sebe deine Augen auf, und siehe umber: diese alle versammelt kommen zu dir. Deine Söhne werden von ferne kommen, und deine Tochter zur Seite erzogen werden. Dann wirst du deine Last sehen und ausbrechen, und dein Herz wird sich wundern und ausbreiten, wenn sich die Menge am Meer zu dir bekehret, und die Macht der Seiden zu dir kommt. Denn die Menge der Kameele wird dich bedecken, die Läufer aus Midian und Epha. Sie werden aus Saba alle kommen, Gold und Weihrauch bringen, und des Herrn Lob verkündigen. Dies Wort des Propheten, das er auf hoher Warte gesprochen, ist bereits herrlich erfüllt, theils harrt es täglich neuer Erfüllung entgegen. ,, lleber dir geht auf der Herr, und Seine Herrlichkeit erscheinet über dir." Die Geschichte von Bethlehem, welche von der Klarheit des Herrn umleuchtet und durchleuchtet wird, ist das Ja und Amen auf diese Weisfagung. In der Krippe zu Bethlehem leuchtet die Herrlichkeit des Eingebornen vom Vater voller Gnade und Wahrheit. Es ist erschienen die heilsame Gnade Gottes allen Menschen. Ringsum war Nacht, in welche die Herrlichkeit des Herrn hineinleuchtete. ,, Finsterniß bedeckte das Erdreich und Dunkel die Völker." Gott wählte darum die Nachtzeit und die Verborgenheit bei Seiner Erschei nung im Fleisch. Wie dunkel, wie finster ringsum in der Heidenwelt! Darum auch eine Sehnsucht nach dem Licht, ein Harren und Warten bewußt oder unbewußt der Offenbarung des ewigen Lichtes. Und diese Sehnsucht war schon wie ein blasses Morgenroth. Aber gleich der Sonne, die mitten in der Nacht und selbst noch ungesehen, ihre 74 Planeten erleuchtet und dem Morgenstern, der vor ihr hergeht, sein Licht giebt, so hat Christus, der im Stall zu Bethlehem Seine Herrlichkeit verbergen zu wollen schien, den Propheten, die vor Ihm hergingen, Sein Licht, Seinen Geist verliehen. Und dasselbe Sein Licht erglänzte von dem Sterne, der die Weisen aus dem Morgenlande gen Jerusalem und Bethlehem geleitete. Und als sie mit ihren Kameelen, ihren Schätzen, Gold, Weihrauch und Myrrhen vor der Krippe, dem armen Thron des neugebornen Judenkönigs erschienen und es anbeteten, da fand das Wort der Verheißung eine noch Größeres versprechende Erfüllung: Die Menge der Kameele wird Dich bedecken, die Läufer aus Midian und Epha, sie werden aus Saba alle kommen, Gold und Weihrauch bringen und des Herrn Lob verkündigen." Aber damit ist ja die Erfüllung jener Weissagung weder beschlossen, noch erschöpft. Wie viele Heiden wandeln noch nicht in Seinem Licht? Doch diese Alle sollen noch kommen und die Macht der Heiden" soll zu Ihm kommen. Aus den 3 Weisen sind bereits 300 Millionen geworden, welche jetzt fingen dürfen: das ewige Licht geht da herein und giebt der Welt einen neuen Schein. Dürfen wir daraus nicht gewisse Schlüsse machen, daß die Macht der Heiden kommen und die ganze Menge am Meere sich noch bekehren wird? Das Werk der heil. Mission arbeitet an der Erfüllung dieser Weissagung. Zwar ist die Mission nicht ein Kommen der Heiden, sondern ein Hinausgehen der Christen; nicht ein Gold und Weihrauch bringen aus Saba und Epha, sondern ein Gold und Silber geben zum Besten der Seelen in Indien, China, Australien und Afrika, nicht ein Hereinbringen der fernen Söhne und Töchter, sondern ein Hinaussenden unserer Söhne und Töchter, um des Herrn Lob zu verkündigen. Aber gerade Seinem letzten Willen: Gehet hin in alle Welt und lehret alle Völker! hat Er die Verheißung hinzugefügt: Ich bin bei Euch alle Tage bis an der Welt Ende. Der spricht es, dem alle Gewalt gegeben ist im Himmel und auf Erden. Möchten wir es alſo verstehen, daß wir selbst Finsterniß sind, der Herr aber das Licht, das über uns aufgeht! Möchten wir ein Licht werden durch wahren Glauben an unsern Heiland und durch brünstige Liebe zu Ihm und Seinem Reiche. Er kann es schaffen und schaffe es auch in uns. Gebet. Es ist Dein Werk, lieber Herr, was wir treiben möchten. Reinige uns Herzen und Hände dazu, daß wir Deine FriedensGedanken, welche Du hast, nicht durch unser sündliches Thun hindern. Laß einen hellen Strahl Deines Lichtes in unsere Finsterniß fallen, daß wir, im Glauben erleuchtet, mitverkündigen die Tugenden deß, der uns berufen hat von der Finsterniß zu Seinem wunderbaren Licht. Amen. Vater Unser. - - 75 Epiphanias, den 6. Januar. Mel.: Meinen Jesum laß ich nicht. Jesu, großer Wunderstern, Der aus Jakob ist erschienen, Meine Seele will so gern Dir an Deinem Feste dienen. Nimm doch, nimm doch gnädig an, Was ich Armer schenken tann. Nimm das Gold des Glaubens hin, Wie ich's von Dir selber habe, Und damit beschentet bin; So ist Dir's die liebste Gabe. Laß es auch bewährt und rein, In dem Kreuzesofen sein. ( Vers 1 und 2 aus: Jesu, großer Wunderstern.) Matthäi 2, 1-12. Da Jesus geboren war zu Bethlehem im jüdischen Lande, zur Jeit des Königs Herodes, siehe, da kamen die Weisen vom Morgenlande gen Jerusalem, und sprachen: Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern gesehen im Morgenlande, und sind gekommen, ihn anzubeten. Da das der König Herodes hörete, erschrak er, und mit ihm das ganze Jerusalem; und ließ versammeln alle sobe. priester und Schriftgelehrten unter dem Volk; und erforschete von ihnen, wo Chriftus sollte geboren werden. Und sie sagten ihm: Ju Bethlehem im jüdischen Lande. Denn also ftehet geschrieben durch den Propheten: Und du Bethlehem im jüdischen Lande bift mit nichten. die kleinste unter den Sürften Juda's; denn aus dir soll mir kommen der Herzog, der über mein Volk Israel ein Herr sei. Da berief Herodes die weisen beimlich, und erlernete mit Sleiß von ihnen, wann der Stern erschienen wåre; und wies sie gen Bethlehem, und sprach: Siehet hin, und forschet fleißig nach dem Kindlein; und wenn ihr es findet, so faget mir's wieder, daß ich auch komme und es anbete. Als sie nun den König geboret batten, zogen sie bin. Und siebe, der Stern, den sie im Morgenlande geseben batten, ging vor ihnen bin, bis daß er kam und stand oben über, da das Kindlein war. Da sie den Stern saben, waren sie hoch erfreuet, und gingen in das Haus, und fanden das Kindlein mit Maria, seiner Mutter, und fielen nieder, und beteten es an, und thaten ihre Schätze auf, und schenkten ihm Gold, Weihrauch und Myrrben. Und Gott befahl ihnen im Traum, daß fie sich nicht sollten wieder zu Herodes lenken. Und zogen durch einen andern Weg wieder in ihr Land. Den Weisen aus dem Morgenlande giebt Gott einen Stern, der ſie zu Jesu führt. Warum uns nicht? Einmal darum nicht, weil ein Stern am Himmel allein es auch noch nicht thut. Hätten die Weisen kein tiefes Verlangen nach Christo gehabt, der Stern allein hätte fie nicht so unter gemacht. Wir müssen es also vor Allem zu einer lautern, herzlichen Sehnsucht nach Jesu in uns kommen lassen. Achte 76 auf dein Herz, denn derselbe Gott, der in vorlaufender Gnade die Herzen der Weisen bereitete, wirket noch immer, auch in deinem Herzen. Aber besonders darum gibt uns Gott keinen Stern am Himmel, weil Er uns bereits etwas viel Besseres gegeben hat, nämlich Sein Wort, dieses helle Licht, das da scheinet an einem dunklen Orte. Wie nun die lieben Weisen sich die Augen nicht zubanden, als ihnen der Stern am Himmel hell leuchtete, vielmehr den Stern ansahen, so dürfen wir auch nicht die Augen von dem Worte Gottes abwenden und uns von keiner Creatur abwenden lassen. Fehlen wir des Wortes, so fehlen wir des ewigen Lebens, so sinken wir ins Heidenthum, und wie die Weisen Christen geworden sind, weil sie dem Stern folgten, so werden wir aus Christen wieder Heiden oder vielmehr Antichristen, wenn wir unserm Sterne nicht folgen. Nicht als ob wir durch eine einzige Predigt für immer gebeffert oder durch Gebrauch der Schrift gleich über Alles Hinfort wären. Sieh doch, welche Hindernisse die Weisen fanden. Wird es nicht in der eigenen Heimath von den eigenen Verwandten mancherlei Einreden gegeben haben? Wie leicht war der Einwurf, daß die Väter doch nicht so viel Bekümmerniß sich um den Glauben gemacht hätten! Die Gewohnheit, gerade die sündliche Gewohuheit ist ein großes Hinderniß des Glaubens. Und welche Hindernisse giebts in Je= rusalem! Die große Feindschaft des Herodes bleibt ihnen einstweilen noch verborgen; aber außer dieser welche Hindernisse! Alles schläft; die Schriftgelehrten schlagen amtsmäßig die Schrift auf, aber weiter rührt das große Geheimniß Gottes sie nicht. Kein Mensch regt da ein Glied um Christum. Und als sie nun endlich in Bethlehem ankommen, da ist kein Engel, keine Harfe sondern bloß eine Mutter, die ihnen ein Kind zeigt. Das ist ein Schlag für die ganze Menschenvernunft. Gott aber, ja Gott- das ist das Wunderbare an dieser Geschichte führt die Weisen durch alle Hindernisse hindurch, wozu Er allerdings das Mittel der von den Schriftgelehrten vorgelesenen Schrift gebraucht. Gott ist's, der ihre Augen erleuchtet, daß sie den in tiefster Niedrigkeit daliegenden Mariensohn für den wahrhaftigen Gott und das ewige Leben erkennen. So finden wir Christum allezeit in den niedrigen Hüllen der Schrift und der Sakramente; Gott erleuchtet unsere Herzen, daß wir uns daran nicht stoßen, sondern fest auf Jesum vertrauen und Ihm Gold d. i. Glauben, Weihrauch d. i. Anbetung, Myrrhen, d. i. aufrichtige Sündenerkenntniß darbringen. Herr, solche Gaben gefallen Dir. So gieb mir, was Du befiehlst und dann befiehl, was Du willst. Du sollst es haben. Gebet. Herr Gott, himmlischer Vater, der Du Deinen eingeborenen Sohn Jesum Chriftum durch Erscheinung eines Sternes den Heiden geoffenbaret hast, und auch uns in diesen letzten Zeiten mit demselbigen Lichte Deines göttlichen Worts zur Erkenntniß Deines lieben Sohnes hast kommen lassen: wir bitten Dich von ganzem Herzen, - 77 Du wolleft uns durch Deinen heiligen Geist also begnaden und begaben, daß wir solch Licht Deiner Wahrheit annehmen und immer danach wandeln mögen, und daß wir uns durch keine Mühe noch Gefahr laffen abschrecken, und unsre zeitlichen Güter auch gern hingeben, daß Deine arme Christenheit dadurch gebessert und Deinem Sohn Jesu Christo gedient werde, um desselbigen Deines Sohnes, unsers Herrn willen, Amen. Vater Unser. Montag nach Epiphanias. MeL: Wer nur ben lieben Gott läßt walten. Ich bin getauft auf Deinen Namen, Gott Vater, Sohn und heil'ger Geist. Ich bin gezählt zu Deinem Samen, Zum Volt, das Dir geheiligt heißt. Ich bin in Christum eingesenkt, Ich bin mit Seinem Geist beschenkt. Ich gebe Dir, mein Gott, auf's Neue Leib, Seel' und Herz zum Opfer hin. Erwede mich zu neuer Treue, Und nimm Besitz von meinem Sinn. Es sei in mir kein Tropfen Blut, Der nicht, Herr, Deinen Willen thut. ( Vers 1 und 5 aus: Ich bin getauft.) Matth. 3, 13-17. Ju der Zeit kam Jesus aus Galilåa an den Jordan zu Johannes, daß er sich von ihm taufen ließe. Aber Johannes wehrete ihm, und sprach: Ich bedarf wohl, daß ich von Dir getauft werde; und Du kommst zu mir? Jefus aber antwortete, und sprach zu ihm: Laß jent also sein; also gebühret es uns, alle Gerechtigkeit zu erfüllen. Da ließ er es ihm zu. Und da Jesus getauft war, stieg er bald herauf aus dem Wasser; und siehe, da that sich der Himmel auf über ihm. Und Johannes sabe den Geift Gottes, gleich als eine Taube, herab fahren, und über ihn kommen. Und siehe, eine Stimme vom Himmel berab sprach: Dies ist mein lieber Sohn, an welchem ich wohl gefallen habe. Mit Seiner Taufe tritt der Herr aus der Verborgenheit heraus. Johannes weigert sich, Jesum zu taufen. Aber es muß also sein. Es ziemet sich so gemäß den Rechten Gottes, die Jesus treulich wahrnimmt. Der über uns Menschen verschlossene Himmel thut sich über Jesu auf, weil Gott in Jesu solchen vollkommenen Gehorsam und Liebe sieht. Der Geist Gottes kam auf Jesum herab, Johannes sah denselben als eine Taube und eine Stimme vom Himmel sprach: Das ist Mein lieber Sohn, an welchem Ich Wohlgefallen habe. Hier ist 78 der Sohn des Hauses, der Geliebte Gottes, an welchem Gott allewege, sowohl an Seinem Leben, als an Seinem Leiden, sowohl an Seinem Tode als an Seiner Auferstehung Wohlgefallen hat. Der Herr hat Seinen Jüngern drei große Befehle gegeben: 1) zu taufen, 2) zu predigen, 3) das Abendmahl zu halten. Auch in unserer Taufe hat sich die Herrlichkeit des dreieinigen Gottes geoffenbart. Gottes Name haftet in der Taufe und wo ein Kind getauft wird, thut sich der Himmel auf. Die Taufe ist dem Ansehen nach gering, weshalb sie von Vielen verachtet wird. Und weil der Mensch nichts dabei thut, so stößt sich der menschliche Hochmuth daran sehr, daß er die Gotteskindschaft in der Taufe soll empfangen haben. Warum sind aber so viele Getaufte keine rechten Gottestinder? Weil ein Kind ohne Nahrung sterben muß. Die rechte Nahrung für die Getauften ist das Wort Gottes und in diesem Worte das Leben, die Wahrheit, die Liebe, die Fülle Jesu Christi. Siehe, wie viel Ursach zur rechtschaffenen Buße hast du, wie viel Reiz das neue Leben im Glauben an Jesum Christum zu suchen, weil du getauft bist und Gott dein Vater geworden ist. Gewißlich ist es der Wille Gottes dein rechter Vater zu sein, wenn du nur sein gehorsames, Ihm ergebenes Kind sein willst. Willst du das? O wolle es doch und bitte Gott dazu um Seinen Geist, wie die lieben Kinder ihren lieben Vater bitten. Gebet. Lieber Herr und Heiland Jesus Christus, Du ewiger, wahrhaftiger Sohn Gottes, auf Deinen Tod sind wir getauft und all Deines Verdienstes theilhaftig geworden, daß wir nun von der Sünde erlöset, durch Dich wahrhaftiglich gerecht und heilig sind vor Deinem himmlischen Vater. Wir haben auch in unsrer Taufe zugesagt, der Sünde, die noch in uns übrig ist, abzusterben und in einem neuen Leben zu wandeln. Darum bitten wir, daß Du uns durch Deinen heiligen Geist wollest erleuchten und stärken, daß wir allen sündlichen Lüften entsagen und nach Deinem Gefallen leben. Amen. Bater Unser. 79 Dienstag nach Epiphanias. Mel.: Wie schön leuchtet der Morgenstern. Mitleidender Immanuel, Es ist mein Leben, Leib und Seel' Voll Mängel und Gebrechen; Doch ist Dein Herz auch voller Gnad'; Willst weder Sünd', noch Misfethat, Am armen Staube rächen. Holdselig süßer Friedefürst, Wie hast Du nach dem Heil gedürft Der abgewich'nen Kinder! Du stellest Dich als Mittler bar, Verbindest, was getrennet war, Gott und verdammte Sünder. Freude! Beide Deine Reine Werden Eines! Ungemeines Werk der Güte! Treue Liebe hat die Triebe, hier im Leben, Jesu, Du bist unser Friede. Täglich reichlich zu vergeben. ( Vers 3 und 5 aus: Wo ist ein solcher Gott, wie Du.) Ephef. 2, 13-22. Nun aber, die ihr in Christo Jesu seid, und weiland ferne gewesen, seid nun nabe geworden durch das Blut Chrifti. Denn Er ist unser Friede, der aus beiden Eins gemacht, und bat abgebrochen den Jaun, der dazwischen war, in dem, daß er durch sein Fleisch wegnahm die Seindschaft, nåmlich das Geser so in Geboten gestellet war; auf daß er aus zween Einen neuen Menschen in ihm selber schaffte, und Frieden machte, und daß er beide verföhnete mit Gott in Einem Leibe, durch das Kreuz, und hat die Seindschaft getödtet durch sich felbft. Und ift gekommen, bat verkündiget im Evangelio den Frieden, euch, die ihr ferne waret, und denen, die nahe waren; denn durch ihn haben wir den Jugang alle beide in einem Geist zum Vater. So feid ihr nun nicht mehr Gåste und Fremdlinge, sondern Bürger mit den Seiligen, und Gottes Hausgenoffen, erbauet auf den Grund der Apostel und Propheten, da Jesus Christus der Eckstein ist, auf welchem der ganze Bau in einander gefüget, wächset zu einem heiligen Tempel in dem Herrn, auf welchem auch ihr mit erbauet werdet zu einer Behausung Gottes im Geist. Das Evangelium ist eine gar fröhliche Botschaft. Denn was ist kläglicher als das Menschengeschlecht und jeder einzelne Mensch ohne die Kraft und den Segen des Evangeliums! Ohne dieses lebt der Mensch nach allen Seiten hin in Unfrieden- mit sich selbst, mit Gott, mit dem Nächsten. So kläglich ist's geworden durch die bitterböse Sünde. Zur Zeit des Herrn Jefu war die ganze Menschheit in zwei große, feindliche Parteien geschieden, in Juden und Heiden. Der Zaun zwischen beiden war das Gesetz, das die Heiden nicht mit den Juden zusammenkommen ließ. Aber auch die Juden konnten so wenig, wie sonst ein Mensch, durch irgend welche Gesetze zum Lebent kommen. Da ist Christus gekommen o welche unaussprechliche Gabe Gottes! Denn Er hat auf eine erstaunliche Art, wie es erforderlich war nach der Heiligkeit Gottes, nämlich durch Sein Kreuz und durch die Hingabe Seiner Selbst in den Opfertod die Feindschaft 80 hinweggethan. Nun sind dadurch große Güter erworben. Die Erfüllung des Gesetzes ist in Ihm geschehen, die Versöhnung vollbracht. Es ist Friede und ein Zugang in Einem Geiste zu dem Vater für Juden und Heiden. Es giebt ein Haus Gottes auf dieser armen Erde, auf dem Grunde der Wahrheit, wie ihn alle Apostel und Propheten gelegt haben; der Eckstein ist Christus. Dieser Bau wird gefertigt zu einem Tempel, darin Gott wohnt, erkannt, geliebt und gelobt wird. O welche Wohlthaten liegen also in dem Blute Jesu Christi. Wessen bedarf es nun noch? Daß auch wir nicht dahinten bleiben, sondern uns fügen und einfügen lassen durch das Wort und den Geist der Wahrheit in diese Behausung Gottes. Ob du fern oder nahe bist, schwach oder stark, darnach soll nicht gefragt werden; sondern nur, ob du Christum, deinen Frieden im Glauben aufnehmen und in der Buße und in der Liebe bewahren willst. Wir, die unser Heil annehmen, werfen allen Kummer hin. Gebet. Lieber Gott, führe uns sammt allen Deinen Kindern durch das Wort des Evangeliums und Deinen guten Geist zu Deinem Sohne Jesu Christo und bewahre uns vor allem Anstoß in Ewigkeit, so kommen wir recht in unser Vaterland, da wir herkommen sind, das ist zu Gott, von dem wir geschaffen sind und kommt das Ende mit dem Ursprung wieder zusammen wie ein goldener Ring. Das helf uns Gott durch Christum, unsern König und Priester in Ewigkeit. Amen. Vater Unser. Mittwoch nach Epiphanias. Mel: Schmüde bich, o liebe Seele. Prediger der süßen Lehre, Die ich mit Erstaunen höre. Großer Arzt der Menschenkinder, Du Evangelist der Sünder Und Prophet des neuen Bundes, Laß die Worte Deines Mundes, Deine Stimme an die Heerden, Mir zu Geist und Leben werden. Deine beiden Testamente Mache mir zum Elemente. Sende Deines Geistes Treiben, Mir Dein Wort in's Herz zu schreiben; Denn es ist auf alle Weise Meiner Seele beste Speise. Wer kann sonst vom ew'gen Leben, Meinem Herzen Nachricht geben? ( Vers 1 und 2 aus: Prediger der süßen Lehre.) Röm. 10, 8-18. Dies ist das Wort vom Glauben, das wir predigen. Denn so du mit deinem Munde bekenneft Jesum, daß er der Herr sei, und glaubeft in deinem Herzen, daß ihn Gott von den Todten auferwecket bat; so wirst du selig. Denn so man von Herzen glaubt, so wird man gerecht, und so man mit dem Munde bekennet, fo wird man felig. Denn die Schrift spricht: Wer an ihn glaubt, wird nicht zu Schanden werden." Es ist hier kein Unterschied unter Juden und 81 Griechen; es ist Aller zumal Ein Herr, reich über Alle, die ihn anrufen. Denn wer den Namen des Herrn wird anrufen, soll felig werden. Wie sollen sie aber anrufen, an den sie nicht glauben? Wie follen sie aber glauben, von dem sie nichts gehöret haben? Wie sollen fie aber hören ohne Prediger? Wie sollen sie aber predigen, wo sie nicht gefandt werden? Wie denn geschrieben ftebet: ,, Wie lieblich sind die Füße derer, die den Frieden verkündigen, die das Gute verkündigen!" Aber sie sind nicht alle dem Evangelio gehorsam. Denn Jesaias spricht: ,, Serr, wer glaubet unserm Predigen?" So kommt der Glaube aus der Predigt, das Predigen aber durch das Wort Gottes. Ich fage aber: Saben sie es nicht gehöret? 3war es ist je in alle Lande ausgegangen ihr Schall, und in alle Welt ihre Worte. Das Himmelreich ist die Hochzeit, die Gott Seinem Sohne macht. Eine Hochzeit also; das ist nichts Trübseliges, Saures, sondern etwas gar Fröhliches. Christus, unsere Gerechtigkeit und Leben, koſtet uns keine Mühe und keine Werke, und ob unser Herz tausendmal auf Werke fällt, so bleibt es doch bei der Schrift: so man von Herzen glaubet, daß nämlich Christus wahrer Gott und Mensch um unsrer Sünde willen dahingegeben und um unsrer Gerechtigkeit willen auferwecket ist, so wird man gerecht. Das sagt Gottes Mund durch alle Propheten und Apostel. Christus der Herr, wie Gott Ihn uns gegeben, ist unsere Gerechtigkeit, und wer an Ihn glaubt, wird nicht zu Schanden. Diesen Herzensglauben soll der Mund bekennen; denn Herz ohne Mund ist Zaghaftigkeit und Mund ohne Herz ist Heuchelei. Darum, weil Alles für uns an der Erkenntniß und Annahme Christi Jesu liegt, kommt nun auch der Heilige Geist und zeigt Juden und Heiden denselbigen einigen Namen Jesu. Man kann nicht anrufen ohne glauben, nicht glauben ohne hören, nicht hören ohne Predigt, nicht predigen ohne Sendung und Auftrag. So macht der Geist Gottes das Predigtamt wichtig und richtig, so giebt Er die Predigt durch Gottes Wort und aus der Predigt den Glauben. Wer diese Predigt hört und bewahrt, ist selig und wird selig. Denn Gottes Wort ist der Same des ewigen Lebens. So soll ein Jeder dahinsehen, daß er den im Worte nahen Heiland suche und finde und in der Bitte: Dein Reich komme! Gott anrufen, daß Sein Reich in Seinem Worte zu uns und allen Menschen komme. Gebet. lieber himmlischer Vater, Dir sei Lob, Ehre, Preis und Dank von Ewigkeit zu Ewigkeit für Deine große unaussprechliche Gnade und Barmherzigkeit, die Du uns aus lauter Gnade erzeiget und bewiesen hast, indem Du uns Dein heiliges Evangelium, die gnadenreiche Predigt von dem gekreuzigten Jesu Christo, Deinem lieben Sohn, welches so lange verdunkelt gewesen ist, nun in diesen letzten und gefährlichen Tagen und Zeiten so herrlich wiederum geoffenbaret hast, welches in Deiner Christenheit noch lauter und rein geprediget und gelehret wird, nach dem Befehl Jesu Christi, 6 82 Deines geliebten Sohnes, und heller leuchtet und scheinet, denn die flare Sonne an dem hellen Mittage; daraus wir armen Christen nicht allein unsrer Seligkeit vergewissert sind und auch noch täglich je mehr und mehr vergewissert werden, sondern auch Deinen lieben Sohn Jesum Christum, den Du aus Gnaden und Barmherzigkeit zu einem Heiland geschenket und gegeben hast, recht erkennen lernen und wissen, daß wir in Ihm haben die Vergebung unsrer Sünden und das ewige Leben durch Seinen Tod und Blutvergießen an dem Holze des Kreuzes. Dafür sei Dir, lieber himmlischer Vater, sammt Deinem lieben Sohn Jesu Christo und dem würdigen heiligen Geist Lob, Ehre, Preis und Dank von nun an bis in Ewigkeit. Amen. Vater Unser. Donnerstag nach Epiphanias. Mel.: Valet will ich dir geben. Der Grund, da ich mich gründe, Ist Christus und Sein Blut. Das machet, daß ich finde Das ew'ge, wahre Gut. An mir und meinem Leben Ist nichts auf dieser Erd', Was Christus mir gegeben, Das ist der Liebe werth. Mein Jesus ist mein' Ehre, Mein Glanz und helles Licht. Wenn der nicht in mir wäre, So dürft' und könnt' ich nicht Vor Gottes Augen stehen Und vor dem strengen Sitz; Ich müßte strads vergehen, Wie Wachs in Feuershitz. ( Vers 3 und 4 aus: 3ft Gott für mich, so trete.) Psalm 45, 10-18. In deinem Schmuck geben der Könige Töchter; die Braut ftehet zu deiner Rechten, in eitel köftlichem Golde. Höre, Tochter, schaue darauf, und neige deine Ohren, vergiß deines Volks und deines Vaters Sauses: So wird der König Lust an deiner Schöne haben; denn Er ist dein Herr, und sollst ihn anbeten. Die Tochter Jor wird mit Ge schenk da sein, die Reichen im Volk werden vor dir flehen. Des Königs Tochter ist ganz herrlich inwendig, sie ist mit goldenen Stücken gekleidet. Man führet sie in gestickten Kleidern zum Könige; und ihre Gespielen, die Jungfrauen, die ihr nachgehen, führet man zu dir. Man führet sie mit Freuden und Wonne, und gehen in des Königs Palaft. Anstatt deiner Våter wirst du Kinder kriegen; die wirst du zu Sürften setzen in aller Welt. Ich will deines Tamens gedenken von Kind zu Kindeskind; darum werden dir danken die Völker immer und ewiglich. Ich bitte dich, von wem redet der Prophet solches? Kämmerer den Philippus, als er Jesaias 53 liest. So mag man auch wohl fragen, wer ist denn gemeint mit der Herr1 fo fragt der Apg. 8, 34. 83 lichen Tochter des Königs im 45. Pfalm. Wie in dem ersten Theile des Psalms Jesus, der herrliche Himmelsbräutigam beschrieben ist, so folgt von Vers 10 an die Darstellung der gar schönen Braut Christi, die Er Sich aus unserm Menschengeschlechte erwählt und bereitet. Ihr Schmuck ist nicht von unten und von ihr selbst; wie sollte das auch, da bei uns nur Armuth und Elend ist? Sondern wie der Mond sein Licht von der Sonne hat, so haben Christen all ihren Glanz von Christo. Es ist Alles Sein Schmuck, womit die Christen inwendig geschmückt sind. Wohl tragen Christen auch ein äußeres Gewand in Sitte, Wort, Wandel und Bekenntniß; man kann ihre Art wohl am Wandel lesen. Aber ihr eigentlicher Schmuck ist inwendig. Da ist ein helles Licht im Verstande, eine stille Unterwerfung im Willen unter den Willen Gottes, da ist im Gemüthe eine herzliche Trauer über unsern Abfall von Gott, da wohnt im Geiste eine lebendige Erkenntniß Christi Jesu, der uns mit Gott versöhnt hat und mit Sich ins himm> lische Wesen versetzt. Da ist Willigkeit Alles für Schaden zu achten und des Volkes und Vaters Hauses zu vergessen, um Christum zu gewinnen. Da ist in der Seele eine stille, aber innige Anbetung Jesu, des sanftmüthigen und allgewaltigen. Der König hat Lust an dieser Schöne und solch herrlichen Stücken, welche Er Selbst der Braut geschenkt hat. O wie gut, daß Christi Reich keine Grenzen hat, sondern wie die Weisen aus dem Morgenlande dazu gekommen sind, so breitet sich dieses Reich aus in aller Welt. Die wahre Kirche gedenkt fort und fort des Namens Christi und kann nicht ruhen, bis allen Völkern das herrliche Evangelium von Christo gepredigt ist. Weißt du nun auch Etwas von diesen Wohlthaten Christi? Liegt es dir an, den alten Adam, das Sündenkleid deiner Seele auszuziehen und eingekleidet zu werden in die goldenen Zierrathen des Königs Jesu? Bei Ihm kannst Du Alles haben. Er giebt dem, der da bittet, und die erste Seligpreisung Seines Mundes lautet: Selig sind, die da geistlich arm sind, denn das Himmelreich ist ihr. Gebet. Wir rühmen und bekennen, ehren und preisen Dich, Herr Jesu Christe, Du König aller Gnaden und lebendiger Siegesfürst Deiner Auserwählten. Du bist gekommen, das Reich und alle Gewalt des Teufels in und unter uns zu zerstören und dadurch unsern Leib und unsere Seele, Kräfte und Vernunft zu Deiner Erkenntniß, Lob, Ehr und Dienst zu berufen. Laß uns Arme, o Du getreuer Heiland und Erlöser, solcher Deiner Wohlthat nimmermehr vergessen. Erhalte unser Herz, Zunge und Mund, ja das ganze Leben in Deines heiligen Willens Dienst und Gehorsam, daß wir Deines Wortes Kraft und Tugend mit Worten, Werken und gottseligem Leben ausbreiten und also Deine lieben Kinder und Schafe Deiner Weide bleiben. Amen. Bater Unser. 6* 84 Freitag nach Epiphanias. Mel.: Herr Jesu Christ, Dich zu uns wend. Die Sach' und Ehr', Herr Jesu Christ, Dein Wort ist unsers Herzens Truts Und deiner Kirchen wahrer Schutz; Dabei erhalt uns, lieber Herr, Nicht unser, sondern Dein ja ist; Darum so steh Du denen bei, Die sich auf Dich verlassen frei. Daß wir nichts anders suchen mehr. ( Vers 8 und 9 aus: Ach bleib bei uns, Herr Jesu Christ.) Pfalm 87. Sie ist feft gegründet auf den heiligen Bergen. Der Herr liebet die Thore Jions, über alle Wohnungen Jakobs. Herrliche Dinge werden in dir geprediget, du Stadt Gottes, Sela. Ich will predigen laffen Rabab und Babel, daß sie mich kennen sollen. Siehe, die Philister und Tyrer, sammt den Mohren werden daselbst geboren. Man wird zu 3ion sagen, daß allerlei Leute darinnen geboren werden, und daß Er, der söchfte, sie baue. Der Herr wird predigen lassen in allerlei Sprachen, daß derer etliche auch daselbst geboren werden. Sela. Und die Sånger, wie am Reigen, werden alle in dir singen, eins um's andere. Zion, die Stadt Gottes ist's, deren Lob in diesem Psalm gesungen wird. Das ist die christliche Kirche, da der Heilige Geist durch Wort und Sacrament die Christenheit zu Jesu beruft und bei Ihne erhält im rechten einigen Glauben. Was Gott an ihr gethan hat, ist: sie ist fest gegründet auf den heiligen Bergen. Das ist's, daß Gott, der vor aller Creatur gewesen ist, nach Šeinem Willen, durch die Erscheinung Jesu Christi den Grund Seines Reiches gelegt hat, wie Apostel und Propheten diesen Grund uns vor Augen stellen. Da die Kirche also von oben ist, muß aller Widerstreit, der von unten ist, an ihr zu Schanden werden, wie es denn auch geschehen ist. Der Herr liebet sie über alle Seine Creaturen. Es werden herrliche Dinge in der Kirche gepredigt das ist's, was Gott in ihr thut. Herrliche Dinge! Denn was ist herrlicher als die Wahrheit? Was ist köstlicher als daß Gott allein gerecht ist und gerecht macht den, der da ist des Glaubens an Jesum? Was ist dem erschrockenen Gewissen tröstlicher, als daß wir allein durch den Glauben gerecht werden? Jede göttliche Wahrheit ist gar herrlich, wenn man mur Augen hat, sie zu sehen und ein Herz, sie zu lieben. Hier ist ja mehr als Salomo, dessen Weisheit zu hören und Herrlichkeit zu sehen die Königin von Mittag weit her kam. Hier ist der Mund aller Wahrheit, der Schönste unter den Menschenkindern. Ja bis an den Himmel, sagt der Herr, seien die Städte erhoben darum, weil ihnen die unaussprechlich herrlichen Dinge gepredigt worden sind. Hier ist Christus der Gekreuzigte, der gestorben ist, ja vielmehr, der auch auferwecket ist, welcher ist zur Rechten Gottes und vertritt uns.- Was endlich Gott durch die Kirche thut, 85 sind lauter Wunder Seiner Gnade und Macht. Denn allüberall, wo Seine Sacramente und Sein Wort im Schwange geben, es sei bei den Thrern oder bei den Mohren oder bei uns, werden Gott auch Kinder geboren. Es ist sonst Alles Elend und Tod, was auf Erden ist, aber der Geist Gottes, der uns zu Christo beruft und im Glauben au Ihn heiligt, macht ein heiliges Voit aus uns. Das tbut der Höchste Selbst. Darum, wer alle diese Wohlthaten und Gnaden sieht, die der Herr an und in Seiner Kirche und durch sie thut, dem wird das traurige Herz fröhlich und stimmt mit ein in das Lob des dreieinigen Gottes. Da geht das Herz in Sprüngen und kann nicht traurig sein, ist voller Freud und Singen, sieht lauter Sonnenschein. Denn siehe, die Sonne des ewigen Lebens scheinet, das ist Jesus Christus. Gebet. Vater aller Barmherzigkeit, der Du Dir eine beilige Gemeine und Kirche auf Erden durch Dein Wort und Deinen heiligen Geist sammelst und erhältst: wir bitten Dich, Du wollest Deine kleine Heerde, das arme Häuflein, daß Dein Wort durch Deine Gnade angenommen hat, ehrt und fördert, bei der rechten, allein selig machenden Lehre und bei dem rechten Brauch der hochwürdigen Sacramente fest erhalten wider die Pforten der Hölle. Laß Deine Kirche fest und unbeweglich stehen auf dem Grundfelsen, darauf sie gebauet ist. Laß Dein liebes Wort nicht unterdrückt und ausgelöscht werden. Tröste uus Gott, um des bittern Leidens Jesu Christi und um Deines hülfreichen Namens willen. Amen. Vater Unser. Schaff in mir, Gott, ein reines Herz, Mein Herz ist ganz verderbet. Es fühlt von Sünden großen Schmerz, Die ihm find angeerbet. Und die es noch thut ohne Scheu; Ach mache, daß es wieder sei, Wie Du es hast erschaffen. s Sonnabend vor dem 1. Sonntage nach Epiphanias. Mel.: Es ist gewißlich an der Zeit. Gib mir auch einen neuen Geist, Der, wie Du, sei gesinnet; Der stets Dir anhang allermeist Und was Du willst, beginnet. Gib, daß er hafse Fleisch und Blut, Den Glauben üb' und sanften Muth, Zucht, Demuth, Hoffnung, Liebe. ( Vers 1 und 2 aus: Schaff in mir, Gott.) Röm. 12, 1-6. Ich ermahne euch, lieben Brüder, durch die Barmherzigkeit Gottes, daß ihr eure Leiber begebet zum Opfer, das da lebendig, heilig und Gott wohlgefällig sei, welches sei euer vernünftiger Gottesdienst. Und stellet euch nicht dieser Welt gleich, sondern verändert euch durch Verneurung eures Sinnes, auf daß ihr prüfen möget, welches da sei der gute, der wohlgefällige, und der vollkommene Gottes- Wille. Denn 86 ich sage durch die Gnade, die mir gegeben ist, jedermann unter euch, daß iemand weiter von sich halte, denn sich's gebührer zu halten; sondern daß er von ihm måßiglich halte, ein jeglicher, nachdem Gott ausgetheilet hat das Maaß des Glaubens. Denn gleicher Weise, als wir in Einem Leibe viele Glieder baben, aber alle Glieder nicht einerlei Geschäfte haben: Also find wir viele Ein Leib in Chrifto, aber unter einander ist einer des andern Glied, und haben mancherlei Gaben, nach der Gnade, die uns gegeben ist. Jesus nahm zu an Weisheit, Alter und Gnade bei Gott und den Menschen. Er ist also nicht darum geboren, um ,, elend, nackt und bloß in einem Krippelein" liegen zu bleiben, sondern zu wachsen zu dem Mannesalter und in Ihm darzustellen die volle Ebenbildlichkeit des Vaters voller Gnade und Wahrheit. So soll das Kindlein Jesus, empfangen und geboren im Sakrament der heiligen Taufe, in uns wachsen und zunehmen an Alter, Weisheit und Gnade bei Gott und den Menschen. Wächst ein Kind nicht, so hat es nicht Kindesart an sich nimmt dieser unser inwendige Mensch nicht zu, sondern ab, wächst dagegen der alte Mensch fleischlich über das zarte Leben der Taufe hinweg, so sind wir in großer Gefahr aus unserer Gotteskindschaft zu fallen, uns der Welt gleich zu stellen und werden, ohne Buße und gründliche Bekehrung, ohne herzliche Rückkehr zum Vater- mit der Welt unser Urtheil empfahen. Darum erinnert der liebe Apostel an das nöthige Wachsthum des Christkindleins in uns; er ermahnt dazu unter einem andern Bilde; er dringt, nachdem er die unergründliche Gnade Gottes in dem Weihnachtsopfer seines lieben Sohnes aller Welt zu Gute in den vorigen Kapiteln angepriesen hat, auf das rechte Gegen- Opfer von unserer Seite, daß wir nun unsere Leiber begeben zum Opfer, das da lebendig, Heilig und Gott wohlgefällig sei, welches fei unser vernünftiger Gottesdienst. Ich ermahne euch, liebe Brüder, durch die Barmherzigkeit Gottes. Kann man denn bei etwas Ergreifenderem ermahnt werden, als um der Barmherzigkeit Gottes, oder um des Blutes Jesu Christi willen. Würde nicht Jeder, wenn er mitten in tiefer Arbeit beschäftigt wäre, unwillkührlich zuhören, wenn Jemand hereinträte mit den Worten. Ich bitte dich um der Barmherzigkeit Gottes willen? Gewiß, bei etwas tieferm oder höherm kann Niemand ermahnt werden. Und wie lautet die Ermahnung? Wir follen für Sein Weihnachts- und Charfreitags- Opfer das rechte Opfer bringen, von dem schon David geweissagt: Nach Deinem Sieg wird Dir Dein Volk willig opfern im heiligen Schmuck. Und worin besteht es: Nicht bloß im Gesange von Weihnachtsliedern und andern Opfern des Dankes und der Gelübde, nicht bloß im Hören des Wortes, und ,, Verwundern über die Rede der Hirten," sondern wie das Wort Fleisch geworden ist und unter uns gewohnt hat, so soll das Wort von Ihm Fleisch unter uns, in uns werden, Gestalt und - - 87 Leben annehmen. Wir sollen jeden Morgen busfertig unser Taufgelübde erneuern mit unserm: Ich gebe Dir, mein Gott, aufs neue Leib, Seel und Herz zum Opfer hin, erwecke mich zu neuer Trene und nimm Besitz von meinem Sinn. Es sei in mir kein Tropfen Blut, der nicht, Herr, Deinen Willen thut. Dann stellen wir uns auch nicht dieser Welt gleich. Die Welt hat nur das Ihre lieb und es graut ihr vor solchem Opfer des alten Menschen, vor täglicher Kreuzigung des Fleisches sammt den Lüsten und Begierden, und eine Veränderung durch Erneuerung des Sinnes, zu welcher der Apostel weiter ermahnt, daß wir prüfen mögen, welches da sei der gute, der wohlgefällige und der vollkommene Gottes- Wille, ist ihr eine Thorheit. Der Welt Sprichwort ist: Wer unter den Wölfen ist, muß mitheulen; des Christen Losungswort heißt: Weiter, lieben Brüder, was ehrbar, was gerecht, was keusch, was lieblich, was wohl lautet, ist etwa eine Tugend, ist etwa ein Lob, dem denket nach. Das ist vernünftiger Gottesdienst; der stimmt mit dem ersten Wort, das wir aus dem Munde des 12jährigen Jesuskindes hören: Muß Ich nicht sein in dem, das Meines Vaters ist? Gebet. Herr Jesu Christe, der Du Mensch geworden bist und zugenommen hast an Weisheit, Alter und Gnade bei Gott und den Menschen, verleihe uns, daß wir in Deinen Fußstapfen wandeln, unsere Leiber Gott zum Opfer geben, Deinen Geist in uns walten lassen und durch Dich mit Gnade und Wahrheit erfüllet werden. Amen. Vater Unser. Erster Sonntag nach Epiphanias. Mel.: Erschienen ist der herrlich Tag. Autwardin Heilger Geist, laß uns Dein Wort So hören heut und immerfort, Daß sich in uns durch Deine Lehr' Glaub', Lieb' und Hoffnung reichlich mehr! Hallelujah. Erleuchte uns, Du wahres Licht; Entzeuch uns Deine Gnade nicht. All unser Thun also regier', Daß wir Gott preisen für und für. Hallelujah. ( Vers 16 und 17 aus: Heut ist bes Herren Ruhetag.) Luc. 2, 41-52. Und seine Eltern gingen alle Jahre nach Jerusalem auf das Offerfeft. Und da er zwölf Jahre alt war, gingen sie hinauf gen Jeruſalem, nach Gewohnheit des Seftes. Und da die Tage vollendet waren, und sie wieder nach Hause gingen, blieb das Kind Jesus zu Jerusalem, und seine Eltern wußten es nicht. Sie meineten aber, er wäre unter den Gefährten, und kamen eine Tagereise, und suchten ihn unter den Gefreundeten und Bekannten. Und da sie ihn nicht fanden, gingen sie wiederum gen Jerusalem, und suchten ihn. Und es begab sich nach dreien Tagen, fanden sie ihn im Tempel fitzen mitten unter den Lehrern, daß er ihnen zuhörete, 88 und sie fragte. Und alle, die ihm zuhöreten, verwunderten sich seines Verstandes und seiner Antwort. Und da sie ihn saben, entsetzten fie fich. Und seine Mutter sprach zu ihm: Mein Sohn, warum haft du uns das gethan? Siehe, dein Vater und ich haben dich mit Schmerzen gesucht. Lnd er sprach zu ihnen: Was ift es, daß ihr mich gesucht habt? wiffet ihr nicht, daß ich sein muß in dem, das meines Vaters ift? Und sie verstanden das Wort nicht, das er mit ihnen redete. Und er ging mit ihnen hinab, und kam gen Cazareth, und war ihnen unterthan. Und seine Mutter behielt alle diese Worte in ihrem Herzen. Und Jesus nahm zu an Weisheit, Alter und Gnade bei Gott und den Menschen. Welch eine liebliche Familie ist uns hier vor Augen gemalt. Eine rechte Geschichte für alle Eltern und Kinder. Diese Eltern und ihr Söhnlein lassen Alles liegen und stehen, machen sich auf, gehent über Berg und Thal, das bevorstehende Fest zu Jerusalem zu halten. Dahin waren ihre Sinnen und Gedanken gerichtet; daran hatten sie ihre Freude und Erquickung. Dergleichen sehen wir auch an David, da er sagt: Eins bitte ich vom Herrn, das hätte ich gern, daß ich im Hause des Herrn bleiben möge mein Lebenlang zu schauen die schönen Gottesdienste des Herrn und Seinen Tempel zu besuchen. Ps. 27, 4. Nicht als ob den Frommen keine herzliche Traurigkeit täme. Maria und Joseph gerathen auch in große Bekümmerniß, aber das Licht geht ihnen wieder auf. Man soll den Herrn am rechten Orte suchen. Er spricht: Ich will sie erfreuen in meinem Bethause Jes. 56, 7. In Seinem Worte und Sakrament ist Er. Wer Ihn da nur suchen will auf die rechte Art, in aufrichtiger Erkenntniß seiner Sünde und mit anhaltendem Flehen! Gewißlich wer Ihn so von ganzem Herzen sucht, von dem will Er Sich finden lassen. Wie köstlich ist es, auch in der Jugend schon Jefu nachzuwandeln. Mein Gewissen beißt mich nicht meines ganzen Lebens halben, sagt Hiob. Dagegen ist ein blutiges Gewissen, das in der Jugend durch grobe Sündenfälle verletzt ist, ein eiterndes Geschwür. Kommt Einer hernach in den Lehrstand, so soll er wider die Untugend eifern; aber sein Gewissen hält ihm oft die eigene Jugendsünde vor Augen. Kommt Einer in den Regierstand, so soll er allem Unrecht steuern; aber sein Gewissen macht ihm Borwürfe, daß er selbst böse gelebt habe. Soll Einer endlich im Hausstande Kinder erziehen, so sieht ihn sein Gewissen wieder strafend an. Darum, o Mensch, gedenke an deinen Schöpfer in deiner Jugend. Pred. Salomo 12, 1. Es ist für die Alten aber sehr tröstlich, daß David beten durfte: gedenke nicht der Sünden meiner Jugend und meiner Uebertretung; gedenke aber meiner nach Deiner Barmherzigkeit, um Deiner Güte willen. Pf. 25, 7. Sichst du in Jesu schon in Seinem 12. Jahre die große Herrlichkeit? 1) in Seinem Verstande leuchtet ein helles Licht über göttliche 89 Dinge, das sich in Fragen und Antworten fundgiebt; 2) in Seinem ganzen Wesen und Gemüthe ist Er in dem, das des Vaters ist; 3) Seinen Eltern ist Er unterthan. Wunderbarste Sache, daß der Herr einer fündigen Mutter unterthan ist viele Jahre. Diese dreifache Herrlichkeit Jefu scheint in die Welt, strafend, lehrend und auch tröstend; tröstend dadurch besonders, daß Er an unsrer Statt das heilige Gesetz erfüllt hat. Aus Kindern Gottes soll diese Jesusherrlichkeit herausscheinen, wenn sie anders Christum im Glauben aufgenommen haben. Sie sollen 1) nach dem Vorbilde Christi in der festen Erkenntniß der göttlichen Dinge wachsen und sich nicht von allem Winde der Lehre treiben lassen; 2) sie sollen ihren höchsten Ruhm darin suchen, zu sein in dem, das des Vaters ist, dem Teufel ganz absagen, alle göttlichen Tugenden anziehen; 3) sie sollen lernen, bis sie sterben, ge= horsam sein und sich Tag um Tag, Woche um Woche, wie Jesus 30 Jahre, schicken in Alles, was Gott auflegt. Gebet. Lieber Herr Gott, hilf daß wir und unsere Kinder dem Erempel Deines lieben Sohnes und Seiner christlichen Eltern folgen, Dein Wort fleißig hören und gerne davon reden. Gieb auch aller christlichen Jugend und unsern lieben Kindern Deinen heiligen Geist und Gnade, daß sie an Gehorsam, Zucht, Weisheit und Verstand täglich mögen wachsen und zunehmen, zu Deinem Dienst und Ehren auferzogen werden, auf daß wir sie mit Freuden vor Dein Angesicht bringen mögen um desselbigen Deines lieben Kindes Jesu Christi willen. Amen. Bater Unser. Montag nach dem 1. Sonntage nach Epiphanias. Mel.: Mach's mit mir, Gott, nach Deiner Güt. Mir nach, spricht Christus, unser Held, Mir nach! ihr Christen alle. Verleugnet euch, verlaßt die Welt, Folgt Meinem Ruf und Schalle; Nehmt euer Kreuz und Ungemach Auf euch, folgt Meinem Bandel nach. Ich bin das Licht, Ich leucht' euch für Mit heil'gem Tugendleben. Wer zu Mir kommt und folget Mir, Darf nicht im Finstern schweben. Ich bin der Weg, Ich weise wohl, Wie man wahrhaftig wandeln soll. ( Vers 1 und 2 aus: Mir nach, spricht Chriftus.) Luc. 2, 51. Klagelieber Jerem. 3, 24-27. Und er ging mit ihnen hinab, und kam gen lazareth, und war ihnen unterthan. Und seine Mutter behielt alle diese Worte in ihrem Herzen. Der Herr ist mein Theil, spricht meine Seele, darum will ich auf 90 ihn hoffen. Denn der Herr ist freundlich dem, der auf ihn barret, und der Seele, die nach ihm fraget. Es ist ein köftlich Ding, geduldig sein und auf die Hülfe des Herrn hoffen. Es ist ein köstlich Ding einem Manne, daß er das Jodh in seiner Jugend trage. Gottes Wort ist das Heiligthum über alle Heiligthümer, wodurch ein Mensch allein geheiligt wird. Was hat den reichen Mann in die Hölle gebracht? Daß er ein Verächter des Wortes Gottes war und damit Gott Selbst verachtete und weder hier noch dort das Licht des Lebens sah. Was war die Zierde an Maria, der Mutter Jesu? Zweimal rühmt es der Heilige Geist an ihr, daß sie Gottes Wort in ihrem Herzen bewegte Luc. 2, 19 und 51. Wie hat Maria in ihrem Lobgefange aus allen Schriften des alten Testaments ein feines Lied gesungen Luc. 1, 46-55! Jesus Christus, der leiblich von Maria geboren ist, wurde geistlich in ihr geboren durch die Kraft des göttlichen Wortes. Auf dieselbe Weise müssen und können auch wir Christi theilhaftig werden. Machen wir es mur ja, wie Maria, die alle Gottesworte in ihrem Herzen behielt. So wird auch in uns Christi Kraft offenbar werden. Hier ist ein merkwürdiger Umstand des Wortes Gottes, der all unsrer Betrachtung werth ist, daß nämlich der Heiland Seinen Eltern unterthan war. Nur drei Jahre hat der Herr öffentlich gelehrt, aber dreißig Jahre war Er in Nazareth Seinen Eltern unterthan! O welche Demuth! Welch ein lautes Zeugniß, daß Gott Wohlgefallen hat am Gehorsam! In diesem Gehorsam Jesu ist die Sühne unseres Ungehorsams, in Seiner Demuth das Opfer für unsere Hoffart; hier ist ein Vorbild für all die Seinen. Mir nach! ruft Er damit allen Kindern zu und allen Christen insgemein. Es ist ein gar köstlich Ding einem Manne, daß er das Joch in seiner Jugend trage darum ſo köstlich, weil unser ganzes Leben ein Jochtragen ist. Wohl dem, der es also gründlich und früh lernt, damit er es im Alter kann. Mir nach! spricht Christus. - Gebet. O allmächtiger, ewiger und barmherziger Gott, dieweil Du mit Worten und Werken genugsam bewiesen hast, daß Du als ein getreuer Vater für uns sorgest, und hast uns gnädiglich zu Kindern angenommen und einem jeden seinen Beruf gegeben, darinnen er Dir und dem Nächsten dienen soll, so bitten wir Dich von Herzen, lieber Vater, gieb Gnade, daß wir unsers Berufs fleißig wahrnehmen, und im Gehorsam und lautrer Demuth allezeit erfunden werden. Fördre die Werke unsers Haushaltens also, daß wir ja unsre Herzen nicht an die Güter dieser Welt hängen, noch jemand dadurch Aergerniß geben, sondern laß uns alle zeitlichen Güter und Gaben, so wir durch Deinen Segen empfangen haben, in stillem Wesen mit täglicher Danksagung genießen und gebrauchen; wende auch von uns ab allen Müßiggang, alle Sorge der Nahrung, und alles was Dir miß 91 fällt, und fördere bei uns und in uns alles, was Dir wohlgefällt, auf daß wir in all unserm Thun Deinem Befehle nachgehen, und alle Sorgen und Anliegen in rechtem Glauben auf Dich werfen. Denn Du weißt alles, was uns mangelt und noth ist; das wollest Du uns gnädiglich verleihen. Amen. Vater Unser. Dienstag nach dem 1. Sonntage nach Epiphanias. Freindi de schvo o mei ud Mel.: Wie nach einer Wasserquelle. Sorge doch für meine Kinder, Bater, nimm Dich ihrer an; Sind sie gleich vor Dir nur Sünder, Sind sie Dir doch zugethan Und durch Deines Sohnes Blut Gleichwohl Dein erworb'nes Gut, In der Tauf Dir übergeben, Dein zu sein in Tod und Leben. Herr, Du bist's, ber mich ergötzet, Meiner Seelen Trost und Heil, Das mein Herz am höchsten schätzet, Herr, Du bist mein Gut und Theil. Bleib auch meiner Kinder Gott, Laß sie doch in keiner Noth, Auch im Glücke nicht verderben, Bis sie endlich felig sterben. ( Vers 1 und 4 aus: Sorge doch für meine Rinder.) 1 Mof. 18, 17-21. Da sprach der Serr: Wie kann ich Abraham verbergen, was ich thue? Sintemal er ein groß und machtig Volk soll werden, und alle Völker auf Erden in ihm gesegnet werden sollen. Denn ich weiß, er wird befehlen seinen Kindern, und seinem Hause nach ihm, daß sie des Herrn Wege halten, und thun, was recht und gut ist; auf daß der Serr auf Abraham kommen lasse, was er ihm verheißen hat. Und der Herr sprach: Es ist ein Geschrei zu Sodom und Gomorra, das ift groß, und ihre Sünden sind fast schwer. Darum will ich binab. fahren, und sehen, ob sie Alles gethan haben, nach dem Geschrei, das vor mich gekommen ist; oder ob's nicht also sei, daß ich's wisse. Die ie Familie soll ein Kirchlein in der Kirche sein. Abraham war nicht bloß für seine Person gläubig, sondern seine Familie war auch ein Heiligthum des Herrn. Welch ein feines Lob spricht der Herr über Abraham, daß er seinen Kindern und seinem Hause befehler werde, daß sie des Herrn Wege halten und thun, was recht und gut ist. Wie soll das Vater und Mutter jetzt noch in eine rechte Gewiffensprüfung leiten, ob sie auch in ihrem Herzen sich für Stellvertreter Gottes ansehen, die wie Gott Seine Kinder, also auch ihre Kinder mit Ernst und Liebe auf den Weg des Friedens leiten. Bist du, Bater, wie Abraham gesinnt? Und du Kind, erkennst du, daß Vater und Mutter dir von Gott gesetzt sind, um dich in Seinen Wegen zu erziehen? Hier lernen wir, daß Abraham inwendig dem Herrn anhing und sein Leben war verborgen in der Liebe und Gnade Gottes und nach außen leuchtete sein Glaube in guten Werken, denn was kann Einer für bessere Werke thun, als daß er in der Furcht Gottes feinen Beruf treulich erfüllt. 92 Liebe Seele, laß uns das große Heil derer, die den Herrn lieben, doch recht erkennen. Gewiß wird der Herr auch zu dieser Zeit allen frommen Herzen gnädig sein, daß Er ihnen Seine Wege kundthut und Seine Gerichte, wie er einst Seinem Freunde Abraham den Untergang Sodoms offenbarte; gewißlich wird Er uns ehren, so wir Ihn ehren und in unsern Herzen und Häusern Seinen Frieden, der höher ist als alle Vernunft, wohnen lassen, daß Kinder und Kindeskinder noch davon gesegnet sind. Für uns und unsere Kinder hängt Alles an Einem, daß wir nämlich Gott über Alles fürchten, lieben und vertrauen. Gebet. O Herr Jesu Christe, Du hast uns an dem Erzvater Abraham deutlich vor Augen gestellt, welch' ein großer Gewinn es ist, gottselig zu sein. Du hast denselben tüchtig gemacht, Deinem Worte zu glauben und Dir zu dienen in Gerechtigkeit. Ich bitte Dich, verleihe auch mir und allen Deinen Kindern Deinen heiligen Geist, daß wir von Herzen auf Deine Gnade trauen und in solchem Glauben ein gottsfeliges Leben führen, Dir alle unsere Angelegenheiten befehlen und nicht zweifeln, daß Du unser Helfer und Heiland bist immerdar. Amen. Vater Unser. Mittwoch nach dem 1. Sonntage nach Epiphanias. chache erscle mue Mel.: Straf mich nicht in Deinem Born. O der unerkannten Macht Von der Heil'gen Beten! Ohne das wird nichts vollbracht, So in Freud', als Nöthen. Schritt für Schritt Wirkt es mit, Wie zum Sieg der Freunde, So zum End' der Feinde. Das Gebet hat Christi Gunst, Wo man's ernstlich übet; Und das ist der Heil'gen Kunst: Beten, wie Er's liebet, Das gescheh' Je und je Wie Er's vorgenonimen Auf Sein endlich's Kommen. ( Vers 6 und 10 aus: Betgemeine, beilge dich.) 1. Samuelis 1. Lind Hanna war von Herzen betrübt und betete zum Herrn und weinte und gelobte ein Gelübde und sprach: Herr Jebaoth, wirst Du Deiner Mago Elend ansehen und an mich gedenken und Deiner Mago nicht vergessen und wirst Deiner Mago einen Sohn geben, so will 93 - ich ihn dem Serrn geben sein Lebenlang, und soll kein Scheermeffer auf sein Saupt kommen. Eli antwortete und sprach: Gehe hin mit Frieden; der Gott Israels wird dir geben deine Bitte, die du von Jhm gebeten hast. Und Sanna gebar einen Sohn und hieß ihn Samuel: Denn ich habe ihn vom Herrn erbeten. Und da der Mann Elkana binauf 30g mit seinem ganzen ause, daß er dem Herrn opferte, das Opfer zur Zeit gewöhnlich, und sein Gelübde, zog sanna nicht mit hinauf, sondern sprach zu ihrem Manne: Bis der Knabe entwöhnet werde, so will ich ihn bringen, daß er vor dem Herrn erscheine und bleibe vor ihm ewiglich. Elkana, ihr Mann, sprach zu ihr: So thue, wie dir's gefällt, bleibe, bis du ihn entwöhnet; der Herr be ståtige aber, was er geredet hat. Also blieb das Weib und saugete ihren Sohn, bis daß sie ihn entwöhnete; und brachte ihn mit ihr binauf, nachdem sie ihn entwöhnet batte, mit dreien Sarren, mit einem Epha Mebl, und einer Slasche Weins; und brachte ihn in das Haus des Herrn zu Silo. Der Knabe aber war noch jung. Und sie schlachteten einen Sarren, und brachten den Knaben zu Eli. Und sie sprach: Ach, mein Herr, so wahr deine Seele lebet, mein Herr, ich bin das Weib, das hier bei dir stand, und bat den Herrn, da ich um diesen Knaben bat. Mun bat der Herr meine Bitte gegeben, die ich von ihm bat. Darum gebe ich ihn dem Herrn wieder sein Lebenlang, weil er vom Herrn erbeten ist. Und sie beteten daselbst den Herrn an. - Wie Sie wir im alten Testamente an Abraham den rechten Hausvater finden, der seine Hausgenossen in den Geboten des Herrn leitet, so tritt uns in Hanna eine gar liebe Hausmutter entgegen, die gottinnig und gottergeben ist. Wie Hanna in ihrem Lobliede( 1. Sam. 2, 1-10) singt, daß der Herr arm und reich machet, erniedriget und erhöhet, so hat sie es selbst erfahren und was man erfahren hat, davon kann man nachsagen. Sie war zur Zeit ein gar betrübt Weib, in großem Kummer und Traurigkeit, daß sie als kinderlose Mutter so gar verachtet sein mußte. Aber Anfechtung lehrt auf's Wort merken, auch auf das Wort: bittet, so wird euch gegeben. Und der Hanna wurde gegeben, daß sie ihren Sohn mit allem Bedacht Samuel d. h. vom Herrn erbeten, nannte. Hier soll ein Christenherz lernen die große Macht des Gebetes, wenn es nur ernstlich ist; hier soll eine Mutter lernen, daß Gott ein freundlicher Erhörer des Gebetes ist, besonders was die Kinder betrifft. Hanna begehrte, daß ihr Sohn vor dem Herrn bleibe ewiglich und Samuel nahm zu bei dem Herrn. 1. Sam. 2, 21. Welch ein Spiegel ist diese Hanna für alle Mütter, und ob sie längst entschlafen ist, wie laut redet sie noch für uns Alle mit ihrem ebenso strafenden, als tröstenden Beispiele! O mein Herz, es ist nicht wohlgethan, daß wir unsere Tage hinbringen wie ein Geschwätz. Der Herr unser Gott will uns freundlich sein und das Werk unserer Hände fördern. Warum bitten wir denn nicht, daß Er Seine Gnade und Sein Heil uns widerfahren lässet? Haben wir doch Noth 94 genug in unsern Herzen und Häusern! Will doch der Herr das Verlangen der Elenben, es sei in himmlischen oder zeitlichen, großen oder kleinen Sachen, gnädig ansehen! Bittet, so wird euch gegeben. Denn wer da bittet, der empfängt. Gebet. O Herr Jesu Christe, Du hast meine Augen mir aufgethan, daß ich sehe, wie Du mich durch Deinen Tod von Sünden erlöset und durch Deine Auferstehung zum Erben des Himmels und ewigen Lebens gemacht hast. Nun, lieber Herr, ich danke Dir für solche große unaussprechliche Gnade, will wiederum auch gerne thun, was ich weiß, daß Du von mir haben willst. Du hast mich geheißen, Vater und Mutter ehren; ich will's mit allem Willen gern thun. Du hast mich geheißen, ich soll meiner Herrschaft treulich dienen, fleißig arbeiten und gehorsam sein; und gehorsam sein; ich wills auch gerne thun; Du haft mich geschaffen zum Hausvater( zur Hausmutter), lieber Gott, ich will fromm sein, will thun mit Lust und Liebe, was ich soll, und eher das Leben drüber lassen, denn daß ich Dir nicht sollte folgen, meinen Kindern und Gesinde nicht sollte treulich vorstehen oder sie ärgern. Amen. Vater Unser. Donnerstag nach dem 1. Sonntage nach Epiphanias. Mel.: Komm, o tomm, Du Geift des Lebens ober: Gott des Himmels und der Erde. Zeige, Herr, die Wohlfahrtsstege; Das, was hinter uns gethan, Räume ferner aus dem Wege, Schlecht und recht sei um und an. Wirke Reu' an Sünden Statt, Wenn der Fuß gestrauchelt hat. ( Vers 2 und 3 aus: Komm, o tomm, Du Geift.) Gieb in unser Herz und Sinnen Weisheit, Rath, Verstand und Zucht, Daß wir anders nichts beginnen, Denn was nur Dein Wille sucht; Dein Erkenntniß werde groß Und mach uns vom Irrthum los. Pred. Salomo 11, 9-12, 2. So freue dich, Jungling, in deiner Jugend, und laß dein Herz guter Dinge sein in deiner Jugend. Thue, was dein Herz gelüftet, und deinen Augen gefällt; und wisse, daß dich Gott um dies alles wird vor Gericht führen. Laß die Traurigkeit aus deinem Herzen, und thue das Lebel von deinem Leibe; denn Kindheit und Jugend ist eitel. Gedenke an deinen Schöpfer in deiner Jugend, ehe denn die böfen Tage kommen, und die Jahre herzu treten, da du wirst fagen: Sie gefallen mir nicht;" ehe denn die Sonne und das Licht, Mond und Sterne finster werden, und wolken wieder kommen nach dem Regen. Gott hat uns Menschen nicht zur Qual geschaffen. Wie vor Ihm Freude die Fülle ist, so will Er auch, daß in die Herzen der 95 Seinen ein Freudenschein falle. Es liegt Ihm nichts am Sauersehen und noch weniger gefällt es Ihm, daß unser Herz in Trübsinn und Unmuth Hinbrütet. Es liegt auch in unserm Herzen ein sehnlich Verlangen nach Freude, in der Jugend besonders will man so gerne Freude haben. Aber wo sollen wir Wasser finden in der Wüste dieses Erdenlebens und Freude in diesem Jammerthal? Jedenfalls nur an der Quelle, und unsere einige Lebens- und Freudenquelle ist der reiche, gütige Gott, der Schöpfer, der sowohl unsere ganze Person als besonders unser Herz für Sich geschaffen hat. Darum gedenke an Deinen Schöpfer! Aber das darf fein mattes und kraftloses Gedenken sein, sondern soll eine innige Zukehr zu Ihm sein in der Furcht und in der Liebe, wie es dem Geschöpfe allein ziemt, seinem Schöpfer stetig anzuhangen. Dazu ist der erste Tag der beste. Es geschehe in der Jugend; opfere nicht die Blüthe deines Lebens dem Teufel und wolle nicht Gott die Hefen schenken. Steht dir nicht das Jesuskind vor Augen, mit dessen Geist du in der Taufe begabt bist? Also in der Jugend hänge dich an Gott! Und dann freue dich aller Freuden, welche dir der Zorn Gottes in Seinem Worte nicht als schädlich und ungöttlich verboten hat. Sei gewiß, daß du also große Freude hast nicht bloß in der zukünftigen Welt, sondern auch jetzt schon und im Alter. Gebet. Ewiger Gott, gnädiger Vater, der Du mich haft auf Deine Barmherzigkeit taufen und mit Deines Sohnes Blut besprengen und mit Deinem Geiste versiegeln lassen, daß ich aus Gnaden Dein Kind und Miterbe aller himmlischen Güter werde. Erhalte mich, lieber Vater, bei diesem Bunde des guten Gewissens und bei der Unschuld Deines Sohnes, damit Du mich bekleidet hast. Laß mich auch nicht vergessen, was ich Dir durch meine Pathen versprochen, und laß mich bei Deinem Worte und bei meinem Taufgelöbniß beständig aushalten, der Du alle Getaufte und die an Dich glauben, aus Gnaden wirst selig machen, die im Namen Deines lieben Sohnes sehnlichst nach Dir verlangen. Amen. Vater Unser. Freitag nach dem 1. Sonntage nach Epiphanias. Mel.: Wachet auf, ruft uns die Stimme. Kron' und Lohn beherzter Ringer, Der Seligkeit Herwiederbringer, Herr Jesu, Herr der Herrlichkeit, Schau vor Deines Thrones Stufen Uns Arme, welche zu Dir rufen: Wir wären gern gebenedeit! Du fegnest ja so gern, Gesegneter des Herrn, Wir begehren's. So komm herein, 96 Wir sind ja Dein, Und laß uns recht gesegnet sein. Brunnquell aller Seligkeiten, Ach, fahre fort uns zu bereiten, So wie es Dir gefällig ist. Wir, als von Natur verdorben, Wir sind dem Leben abgestorben, Darinnen Du zu finden bist. So tödte doch den Feind, Der uns zu stürzen meint, Unser Leben! Wir wollen nun Nichts selber thun. Laß uns in Deinem Tode ruhn. ( Vers 1 und 2 aus: Kron und Lohn.) Marc. 10, 13-16. Und sie brachten Kindlein zu ihm, daß er sie anrührete. Die Jünger aber fuhren die an, die sie trugen. Da es aber Jesus sabe, ward er unwillig, und sprach zu ihnen: Laffet die Kindlein zu mir kommen, und wehret ihnen nicht; denn solcher ist das Reich Gottes. wahrlich, ich sage euch: Wer das Reich Gottes nicht empfångt als ein Kindlein, der wird nicht hinein kommen. Und er herzte sie, und legte die Sånde auf sie, und segnete sie. Warum bringen Jene, von welchen hier erzählt ist, die Kinder zu Jesu? Hat der Heiland doch nichts zu geben von Allem, was in dieser Welt an Ehre und Gut zu finden ist! Das ist's auch nicht, daß sie Ihm die Kinder darbringen, sondern Er soll sie segnen. Bei unsrer Taufe hat man mit allem Bedacht diese Geschichte über uns verlesen; denn in der Taufe ist's recht wahr, daß Jesus die Kindlein segnet, überschwenglich segnet. Aber solcher Anfang soll seinen Fortgang haben, daß wir es immerbar begehren, von Jesu, dem Gesegneten des Herrn, gesegnet zu werden. Und bedarf nicht jedes Herz eben dieses Segens? Bedürfen nicht die Alten des Segens Jesu, um ihre Kinder recht zu achten als werthe Glieder Jesu und also zu erziehen? Kein Vater und Mutter kann ein Kind recht erziehen, ohne für sich und sein Kind den Segen Jesu zu erbitten. Und die Kinder bedürfen auch von Jesu gesegnet zu werden, sonst wächst alles Unkraut bei ihnen groß und sie verlieren alle Gnade. O wohl uns, daß Jesus so gerne seguet. Möchten wir es also begehren! Nur durch solchen überschwenglichen Segen Jesu werden wir tüchtig, selig zu werden und hier und zukünftig im Reiche Gottes zu leben. Welcher Weg führt dahin? Gcht's durch Werke? Nein, durch des Gesetzes Werk wird kein Fleisch gerecht. Geht's durch besondere große Dinge? Nein, wir sollen nicht nach hohen Dingen trachten. Wo ist denn nun der Weg? - 97 Das ist der Weg, daß wir werden sollen wie ein Kindlein und so das Reich Gottes empfangen. Wie ein Kindlein zu seiner lieben Mutter, so sollst du zu Gott stehen d. i. einfältig, bedürftig, kindlich, anspruchslos und doch voll innigen Vertrauens. Ei, wenn ich solch ein Herz hätte! Willst du es, siehe, Jesus will dich durch Seinen allmächtigen Segen, den du fort und fort erbitten sollst, in solchen Kinderstand führen. Er will die Kraft Seines bittern Todes und Seiner siegreichen Auferstehung in uns offenbaren. Es sind liebe Worte: Jesus legte die Hände auf sie und segnete sie. So that Er damals, so thut Er jetzt. - Gebet. Ach Herr Jesu Christe, der Du bist der Anfang, Mittel und Ende unsrer Seligkeit, und hast das Sakrament der heiligen Taufe gestiftet, ich danke Dir herzlich, daß Du mich durch dies Sakrament der heiligen christlichen Kirche einverleibet hast und mich dadurch in die Gemeinschaft aller Deiner himmlischen und ewigen Güter gesetzt, so Du durch Dein bitter Leiden und Sterben erworben hast. Du hast mich durch das Bad der Wiedergeburt und Erneurung im heiligen Geiste neu geboren, indem ich in Deinen Tod getauft und der Frucht Deines Todes theilhaftig geworden bin. Du hast mir geschenket Kindesrecht, nämlich das ewige himmlische Erbe und Seligkeit. So hilf mir nun, o mein Herr Jesu, weil ich durch die Taufe mit Dir gestorben und begraben bin, daß meine Taufe täglich in mir fruchtbar sei und wirke die Tödtung des Fleisches, daß ich täglich mit Dir sterbe durch herzliche Reue und Leid. Amen. Vater Unser. Sonnabend nach dem 1. Sonntage nach Epiphanias. Liebe, die du Kraft und Leben, Licht und Wahrheit, Geist und Wort; Liebe, die Sich bloß gegeben Mir zum Heil und Seelenhort: Liebe, dir ergeb' ich mich, Dein zu bleiben ewiglich. MeL: Komm, o komm, Du Geift des Lebens ober: Gott des Himmels und der Erde. Liebe, die mich hat gebunden An ihr Joch mit Leib und Sinn; Liebe, die mich überwunden Und mein Herze hat dahin: Liebe, dir ergeb' ich mich, Dein zu bleiben ewiglich. ( Vers 4 und 5 aus: Liebe, bie du mich zum Bilde) Röm. 12, 7-16. Sat Jemand weiffagung, so sei fie dem Glauben ähnlich. Sat Jemand ein Amt, so warte er des Amts. Lebret Jemand, so warte er der Lehre. Ermabnet Jemand, so warte er des Ermahnens. Giebt 7 98 Jemand, so gebe er einfältiglich. Regieret Jemand, so sei er sorgfältiglich. Lebet Jemand Barmherzigkeit, fo thue er es mit Luft. Die Liebe sei nicht falsch. Saffet das Arge, banget dem Guten an. Die brůderliche Liebe unter einander sei herzlich. Einer komme dem Andern mit Ehrerbietung zuvor. Seid nicht tråge, was ihr thun follt. Seid brünstig im Geift. Schicket euch in die Jeit. Seid fröhlich in Soffnung, geduldig in Trübsal, baltet an am Gebet. Mehmet euch der Heiligen Mothourft an. Berberget gerne. Segnet, die euch verfolgen; segnet und fluchet nicht. Sreuet euch mit den Sröhlichen, und weinet mit den weinenden. Sabt einerlei Sinn unter einander. Trachtet nicht nach hohen Dingen, sondern haltet euch berunter zu den Tiedrigen. Wenn Venn David, ein Mann nach dem Herzen Gottes, einen ,, rechten Israeliten" beschreiben will, so spricht er: ,, Der ist wie ein Baum, gepflanzet an den Wasserbächen, der seine Frucht bringet zu seiner Zeit, und seine Blätter verwelken nicht, und was er macht, das geräth wohl." Wie ein solcher Baum auf gutem Grund und Boden tief eingewurzelt ist, und nicht leicht kann umgerissen werden, so haben auch fromme Christen einen guten und beständigen Grund, das ist Jesus; denn einen andern Grund kann Niemand legen, außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jefus Christus. Auf diesem Grunde sollen Christen durch ihren Glauben so festgewurzelt sein, daß weder Tod noch Leben, weder Engel noch Fürstenthum, noch Gewalt, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes, noch keine andere Kreatur sie scheiden mag von der Liebe Gottes, die in Christo Jeſu ist, unserm Herrn. Gleichwie aber auch ein solcher Baum Lust hat zu wachsen und Früchte zu tragen, also auch ein frommer Christ, der da gepflanzet ist an den Trostbächen des theuren Evangeliums, sinnet Tag und Nacht darauf, wie er in seinem Christenthume Gott wohlgefällige Früchte möge sehen lassen. Den Bogel erkennt man an den Federn, den Christen an den Früchten, die er bringt. Auch die Epistel des morgenden Sonntags zeigt uns einen Baum mit vielen edlen Früchten. Es sind 27 verschiedene, und doch getrieben auf Einem Baume. Es ist Ein heiliger Geist, der die an Christum Gläubigen regiert und leitet. Das ist aber ein wirksamer Geist. Wer denselben in sich wirken läßt, wird nicht bloß zugeben müssen, daß einem Jünger Jesu ein heiliges Leben in der Liebe und Barmherzigkeit wohl ansteht; sondern er wird auch Lust und Verlangen spüren, zur Ehre Gottes fruchtbar zu sein in guten Werken. Da fange man danngleich an; man nehme es mit dem Hafse des Argen genau, man erwecke sich zum innigen Gebete, man schicke und drücke sich. Man vertraue Gott einfältig, der es den Aufrichtigen gelingen läßt und je länger, je mehr Weisheit und Verstand gibt. Seine Kraft ist in Schwachen mächtig. 99 Sieh dir der Reihe nach die Früchte an, welche in der Epistel verlangt werden, und prüfe Herz und Wandel, und rufe Gott darüber zum Zeugen an: Prüfe Du mich, mein Gott, und erfahre, wie ich es meine! Wenn dann der Geist Zeugniß giebt deinem Geist: ,, An mir und meinem Leben ist nichts auf dieser Erd" dann rufe Sein Erbarmen an, daß Er Geduld habe, dich vor dem Verdorren bewahre, und das zerstoßene Rohr nicht zerbreche. Dann aber ziehe Seine Gnade nicht auf Muthwillen, sondern beherzige vor allem das Wort: ,, Seid nicht träge, was ihr thun sollt." in Dir Gebet. Herr Jesu Christe, wahrer Gott und Mensch, wohnt die Fülle der Gottheit leibhaftig und aus Deiner Fülle dürfen wir nehmen Gnade um Gnade. Ist es Weisheit, so ist sie bei Dir; ist es Kraft und Stärke, so wohnt sie in Dir, ist es Liebe und Eifer, so bist Du des Guten Ursprung. Darum, o Jesu, fülle uns frühe mit Deiner Gnade. Segne und fördere das Werk unsrer Hände. Amen. Vater Unser. 2. Sonntag nach Epiphanias. Mel.: Wie schön leuchtet der Morgenstern. Wie schön ist's doch, Herr Jesu Christ, Sei gutes Muths! Wir sind es nicht, Im Stande, da Dein Segen ist, Die diesen Orden aufgericht't. Es ist ein höh'rer Vater. Im Stande heil'ger Ehe! Wie steigt und neigt sich Deine Gab' Und alles Gut so mild herab Aus Deiner heil'gen Höhe, Wenn sich An Dich Der hat uns je und je geliebt Und bleibt, wenn unsre Sorg' uns trübt, Der beste Freund und Rather. Fleißig halten Jung und Alten, die im Orben Eines Lebens einig worden. Anfang, Ausgang Aller Sachen, die zu machen wir gebenten, Wird Er wohl und weislich lenken. ( Vers 1 und 3 aus: Wie schön ist's boch, Herr Jesu Chrift.) Joh. 2, 1-11. Und am dritten Tage ward eine Sochzeit zu Kana in Galilåa, und die Mutter Jesu war da. Jesus aber und seine Jünger wurden auch auf die Hochzeit geladen. Und da es an Wein gebrach, spricht die Mutter Jefu zu ihm: Sie haben nicht wein. Jesus spricht zu ihr: Weib, was habe ich mit dir zu schaffen? Meine Stunde ist noch nicht gekommen. Seine Mutter aber spricht zu den Dienern: Was er euch faget, das thut. Es waren aber allda sechs fieinerne Wafferkrüge gesetzt, nach der Weise der jüdischen Reinigung; und gingen je 7* in einen zwei oder drei Maaß. Jesus spricht zu ihnen: Sållet die Wasserkrüge mit waffer. Und sie fülleten sie bis oben an. Und er spricht zu ihnen: Schöpfet nun, und bringet es dem Speisemeister. Und sie brachten es. Als aber der Speifemeifter koftete den Wein, der Waffer gewesen war, und wußte nicht, von wannen er kam,( die Diener aber wußten es, die das Wasser geschöpft hatten,) rufet der Speisemeister den Bräutigam, und spricht zu ihm: Jedermann giebt zum ersten guten Wein, und wenn sie trunken geworden sind, alsdann den geringern; du haft den guten Wein bisher behalten. Das ist das erfte Zeichen, das Jesus that, geschehen zu Kana in Galilåa, und offenbarte seine Serrlichkeit. Und seine Jünger glaubten an ihn. 100 Jesus und Seine Jünger gehen zur Hochzeit. Jesu Jünger ohne Jesum das geht wirklich nicht; aber Jesus ohne Jünger Gott sei Lob und Dank!- das soll auch nicht sein. O dieses theure ,, und," das Jesus und Seine Jünger verknüpft. Auf der Hochzeit ists, auf allen Wegen Jesu ists und endlich auch in dem schönen Himmel. O Christ, kannst du es wohl, wenn auch demüthig, so doch gewiß sagen: Jesus und ich? Dann bist du ein glücklicher Mensch. Jetzt gehen sie auf eine Hochzeit zusammen zum ersten Wunder. Das letzte Wunder war die Heilung des Ohres des Knechtes Malchi im Garten Gethsemane. Da waren die Jünger auch dabei. Was liegt Alles dazwischen. Aber es geht durch Alles hindurch, vom Anfang bis zum Ende. - - Ei, wie hochtröstlich ists, daß Jesus zur Hochzeit geht und eben dort Sein erstes Zeichen thut. Jesus will immer noch in unsern Häusern Seine Herrlichkeit zeigen, so Er nur zu Gaste gebeten wird und offene Thüren d. i. zerschlagene Herzen findet. An Noth fehlts den Hochzeitsleuten zu Cana nicht, daran fehlts keinem Menschen und keinen Eheleuten. Die Sünde wirft ihre langen Schatten allenthalben hin, auch in den heiligen Ehestand. Das soll so sein und nicht im ersten Augenblick wills der Herr ändern. Aber doch ändert und wendet Ers bei den Seinen, so sie nur an Ihm bleiben und Ihm gehorsam find. Der gute Wein kommt schon und Jesus offenbart Seine Herrlichkeit, daß Er über Bitten und Verstehen uns in himmlischen und irdischen Dingen helfen kann, ganz anders, als wir es für möglich gehalten haben. Ach, wenn doch alle Eheleute diesen Hausfreund und alle Christenseelen diesen Seelenfreund kennten! Dann brauchten sie nicht so viel eitles Wasser des Unmuthes und des Verdrusses, der Sorgen und Plagen zu trinken. Christ, kennst du deinen Heiland, Seine Lieb und Gütigkeit? Brauchst du Ihn auch als deinen sichersten, allmächtigen, herzlichen Freund? Was Er euch sagt, das thut. Kannst du in stillem Gehorsam warten, bis Seine Stunde und Hülfe kommt? Gebet. Wir danken Dir, Herr Jesu Christe, daß Du den heiligen Ehestand so hoch geehret und begabet hast und bitten Dich 101 Herzlich, Du wollest Deine heilige und wohlgefällige Ordnung ferner segnen und erhalten, vor Sünde und Ungerechtigkeit uns behüten, allen christlichen Eheleuten noch täglich mit Deinem Segen beiwohnen und ihr Elend zu Deiner Zeit wenden, der Du, wahrer Gott und getreuer Menschenfreund, aller Dinge Gewalt haft, lebest und regierest ewiglich. Amen. Vater Unser. Montag nach dem 2. Sonntage nach Epiphanias. Mel: Schmücke bich, o liebe Seele. Heiland, Deine Menschenliebe War die Quelle Deiner Triebe, Die Dein treues Herz bewogen, Dich in unser Fleisch gezogen, Dich mit Schwachheit überdecket, Dich vom Kreuz in's Grab gestrecket. Oder ungemeinen Triebe Deiner treuen Menschenliebe. D Du Zuflucht der Elenden! Wer hat nicht von Deinen Händen Segen, Hülf und Heil genomimen, Der gebeugt zu Dir gekommen? D, wie ist Dein Herz gebrochen, Wenn Dich Kranke angesprochen! Dwie pflegtest Du zu eilen, Das Gebet'ne mitzutheilen! ( Vers 1 und 3 aus: Heiland, Deine Menschenliebe.) 1 Mof. 18, 1-10. Und der Herr erschien Abrabam im Sain Mamre, da er faß vor der Thür seiner Hütte, da der Tag am heißesten war. Und als er seine Augen aufhob, und sabe, siebe, da standen drei Männer gegen ihm. Und da er sie fabe, lief er ihnen entgegen von der Thür seiner Hütte, und bückte sich nieder auf die Erde, und sprach: Serr, habe ich Gnade gefunden vor deinen Augen, so gehe nicht vor deinem Knechte über. Man soll euch ein wenig Waffer bringen, und eure Süße waschen; und lehnet euch unter den Baum. Und ich will euch einen Biffen Brot bringen, daß ihr euer Herz labet; darnach sollt ihr fort geben. Denn darum seid ihr zu eurem Knechte gekommen. Sie sprachen: Thue, wie du gesagt baft. Abraham eilete in die Sütte zu Sara, und sprach: Eile, und menge drei Maaß Semmelmehl, knete und backe Kuchen. Er aber lief zu den Rindern, und holete ein zart gut Kalb, und gab es dem Knaben; der eilete und bereitete es zu. Und er trug auf Butter und Milch, und von dem Kalbe, das er zubereitet hatte, und setzte es ihnen vor, und trat vor sie unter den Baum, und sie aßen. Da sprachen sie zu ihm: Wo ist dein weib Sara? Er ants wortete: Drinnen in der Hütte. Da sprach er: Ich will wieder zu dir kommen, fo ich lebe, siehe, fo foll Sara, dein Weib, einen Sohn haben. Das hörete Sara hinter ihm, hinter der Thür der Hütte. Der Herr weiß mit den Müden zur rechten Zeit zu reden. Abraham ist so müde, der Tag war am heißesten. Die Noth der Anfechtungen drückt ihn, denn schon ist er 99 Jahre alt und ist noch gar 102 keine Aussicht, daß ihm der verheißene Same kommen soll. So sigt er an der Thür seiner Hütte; Sarah, der Tugendspiegel aller frommen Hausmütter, die keine Umläuferin ist, ist in ihrer Hausarbeit und Abraham findet sie dort, so oft er ihrer bedarf. Da kommt der liebe Herr in Begleitung zweier Engel zu ihm in seine Hütte. Das ist lauter Güte, Gnade und Wahrheit, die dem Abraham widerfährt. Es ist eine gar wunderbare Art, in welcher der Herr den Abraham besucht. Meine Seele, merke ja die geringe Gestalt des großen und Herrlichen Heilandes. In solcher Gestalt kommt Er jetzt noch zu dir - in Nachtmahl, Taufe und Wort. Merke auch wohl, daß Er wahrhaftig zu den Seinen kommt; Er wohnt bei denen, die eines zerbrochenen Herzens sind. Da wird denn in Abrahams Hause Alles an Leib und Seele lebendig, den Herrn aufzunehmen. Abraham bückt sich tief zur Erde nieder vor solcher Gnade, Herz und Mund quillen über vor innigem Liebesverlangen nach Jesu, Sarah muß Alles thun, um die Gäste zu empfangen. Und der Herr geht nicht vorüber. Oselig Herz und Haus, da man Jesum also aufnimmt. Denn der Heiland macht allem gottlosen Wesen ein Ende und kleidet die Seelen und Gemüther der Seinen mit den mannigfachen Gaben Seines Geistes, mit Glauben und Liebe, mit Sanftmuth und Demuth, mit Geduld und Hoffnung. Da wird denn auch wie in Abrahams Hause das alte liebe Gotteswort wieder neu und von Nenem lieb. Und der alte Trost ist der beste. Da ist Freude und Friede und Vorgeschmack von der himmlischen Freude, die ohne Ende sein wird. Möchten wir es also von Abraham lernen, den Herrn zu suchen und Ihm allein anzuhangen! Da fehlt es dann freilich nicht an heißen Tagen; aber es kommen auch Zeiten der Erquickung. Und das Beste kommt zuletzt die schöne, selige Ewigkeit. - Gebet. Lieber Herr, Du predigest Abraham das alte Evangelium. Ach Herr, predige meinem Herzen auch immer den alten Trost von Dir und Deinen Wohlthaten, daß ich durch Dich soll den Segen, das ist, Vergebung der Sünden, Hoffnung der Auferstehung meines Fleisches zum ewigen Leben haben. Und wie Du, lieber Herr, iffest und fröhlich bist mit Abraham, so beweise auch gegen mich Deine alte gewohnte Liebe und Treue; sei auch mein Gast, ich lade Dich ein mit andächtigem Gebete auf ein bußfertiges Herz. Amen. Vater Unser. 103 Dienstag nach dem 2. Sonntage nach Epiphanias. Eigene Melodie. Eins ist noth, ach Herr, dies Eine Lehre mich erkennen doch! Alles Andre, wie's auch scheine, Ist ja nur ein schweres Joch, Darunter das Herze fich naget und Wo Gott und die Menschheit in Einem Seele, willst du bieses finder, Such's bei feiner Kreatur. Laß, was irbisch ist, dahinten; Schwing' dich über die Natur. vereinet, plaget Und dennoch kein wahres Vergnügen er- Wo alle vollkommene Fülle erscheinet, jaget, Da, da ist das beste, nothwendigste Theil, Erlang' ich dies Eine, das Alles ersetzt, Mein Ein und mein Alles, mein feligstes Heil. So werd' ich mit Einem in Allem ergößt. ( Bers 1 und 2 aus: Eins ist noth, ach Herr.) Luc. 10, 38-42. Es begab sich aber, da sie wandelten, ging Er in einen Markt. Da war ein Weib, mit amen Martha, die nahm ihn auf in ihr Saus. Und sie hatte eine Schwester, die hieß Maria; die serte sich zu Jesu Süßen, und hörete seiner Rede zu. Martha aber machte sich viel zu schaffen, ihm zu dienen. Und fie trat hinzu, und sprach: Serr, fragst du nicht darnach, daß mich meine Schwester läffet allein dienen? Sage ihr doch, daß sie es auch angreife. Jesus aber antwortete, und sprach zu ihr: Martha, Martha, du haft viele Sorge und Mühe; eins aber ist Toth. Maria bat das gute Theil erwählet, das foll nicht von ihr genommen werden. Jesus hatte Martha auch lieb. Joh. 11, 5. Beide Schwestern wollen dem Herrn dienen. Aber wie sollen wir dem Herrn dienen? Nicht mit äußerlichen Werken. Dies sehen wir an Martha. Wie Maria muß mans angreifen, die Christo still zu Füßen sitzt und Gottes Wort hört. Denn das Wort ist lauter und rein, rechtschaffen, heilig und weise; darum die Seele, die dran hängt, wird auch der Art, der das Wort ist, lauter, rein, weise, rechtschaffen. Wie eine Kohle, die ins Feuer kommt, die Eigenschaft des Feuers an sich nimmt, also macht auch der Glaube an's Wort, daß die Seele ganz mit dem Worte ver= einiget und durchfeuert wird. Dieser Glaube, sonst kein Werk, ist allein untadelig mit Allem, was aus diesem Glauben fließt. Und weil das christliche Wesen in keinem Werk stehet, sondern allein in der Seele, darin das Wort hängt, so will uns Gott aus den äußerlichen Werken, worin wir Martha sind, herausführen und will uns hineinbringen, da Maria ist, d. i. in den Glauben. Dies Eine ist noth. Darum sieh dich vor, o Christ, willst du vor Gott stehen, so laß der Martha Art; solche Art hat doch keinen Frieden und Ruhe im Gewissen, wie Martha dann ja auch mit ihrem Tadel und Unzufriedenheit herausbricht; sei du eine Maria, d. h. glaube und hange an dem Worte. 104 Denn das Wort seines Mundes kann Gott nicht tadeln und wer mit dem Worte Ein Geist und Leben wird, der ist fromm vor Gott im Glauben an Christum und auch in seinen Werken. Außer diesem Glauben gelten die guten Werke nichts und du hast kein Leben. Im Glauben aber sei fleißig, auf daß du erfunden werdest im Stande guter Werke. Tit. 3, 8. Gebet. Lieber Gott und Vater, wir danken Dir von ganzem Herzen für die große Gnade Deines allmächtigen Wortes. Wir bitten Dich, schreibe durch Deinen lieben heiligen Geist in unsere Herzen dasjenige, was so reichlich in der Schrift gefunden wird und laß uns stetig daran gedenken und viel tiefer zu Herzen gehen, denn unser eigenes Leben und was uns mag lieb sein auf Erden. Amen. Vater Unser. Mittwoch nach dem 2. Sonntage nach Epiphanias. Mel: Herr Jefu Chrift, Dich zu uns wend'. Vergebung heilt mein ganzes Herz; Sie tilgt die Furcht, sie heilt den Schmerz, Sie bringt mir Ruhe, Kraft und Licht, Erfüllet mich mit Zuversicht. ( Vers 9 und 12 aus: Gelobet feist Du, Jesu Christ, Daß Du der Sünder Heiland bist, Und daß Du, hocherhabner Fürst, Der Sünder Heiland bleiben wirst. Gelobet seift Du Jesus Christ, daß Du der Sünder.) Luc. 19, 1-10. Und er zog hinein und ging durch Jericho. Und siebe, da war ein Mann, genannt Jachaus, der war ein Oberster der 3öllner, und war reich; und begehrete Jesum zu sehen, wer er wäre, und konnte nicht vor dem Volk, denn er war klein von Person. Und er lief vorhin, und stieg auf einen Maulbeerbaum, auf daß er ihn säbe; denn allda sollte er durchkommen. Und als Jesus fam an dieselbige Stätte, sabe er auf, und ward seiner gewahr, und sprach zu ihm: Jachãe, fteige eilend hernieder; denn ich muß heute zu deinem Saufe einkehren. Und er stieg eilend hernieder, und nahm ihn auf mit Freuden. Da sie das saben, murreten sie alle, daß er bei einem Sünder einkehrete. Jachaus aber trat dar, und sprach zu dem Herrn: Siebe, Serr, die Hälfte meiner Güter gebe ich den Armen, und so ich Jemand betrogen babe, das gebe ich vierfältig wieder. Jesus aber sprach zu ihm: Heute ist diesem Hause Heil widerfahren, sintemal er auch Abrahams Sohn ist. Denn des Menschen Sohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, das verloren ist. Zachäus ein Oberster unter den Zöllnern, ein reicher und ungerechter Mann begehrte inniglich Jesum zu sehen, genau zu sehen, wer Er wäre. Wie kommt denn ein reicher, ungerechter Mann zu 105 solchem Verlangen? Das kommt allein von der erweckenden Gnade Gottes. Um so tiefer Zachäus in der Ungerechtigkeit steckt, um so deutlicher ist die Kraft der Gnade an ihm zu sehen. Durch dieselbe Gnade kam auch bei dem verlorenen Sohne der gesegnete Entschluß, daß er sich aufmachen wollte und zu seinem Vater gehen. Dazu kommt, daß das Gewissen den Zachäus munter und wach erhält. In solcher Lage dünkt ihm der gar liebreiche Heiland die einzige Zuflucht. Und so ist es die Zuversicht zu Jesu, die ihn leitet und die Noth treibt ihn vorwärts. Zachäus eilt voraus, und wie merkwürdig es ist, er steigt auf einen Maulbeerbaum; denn allda sollte Jesus durchkommen. Und Er kam und sah ihn- denn der auf Alles sieht, sieht ganz besonders auf jede Seele, die nach Ihm fragt. Und Jesus, der an drei Orten wohnt, in der Höhe und im Heiligthum d. i. in der Kirche und bei zerschlagenen Herzen, kehrt wirklich bei Zachäus ein und bringt Sein Heil mit. Wie köstlich ist das! Wie köstlich, daß der Herr auch jetzt noch bei zerbrochenen Herzen einkehrt damit, daß Er Sein Wort durch den Heiligen Geist in das Herz bringt und wo dies geschieht, da ist lauter Heil im Gefolge Erkenntniß der Wahrheit, Gerechtigkeit, Friede und Freude. O wie köstlich und kräftig ist der Herr in Seinen Gnadenwirkungen! Denn ohne dazu aufgefordert zu sein, giebt Zachäus das ungerechte Gut vierfältig zurück und wird aus einem Wucherer ein Wohlthäter. Sieh, so kommen die Werke allezeit gewißlich her aus einem rechten Glauben. Wo der Herr Jesus einkehrt, macht Er Alles rein und heiligt uns durch und durch nach Leib, Seel und Geist. Es darf also Jeder zu Jesu kommen, wie er ist; nur darf Reiner bleiben wollen, wie er ist. Gebet. O mein Herr Jesu Christe, mein Gott und Herr, Dir sage ich von Herzen Dank, so viel ich es vermag, daß Du Dich mit unserm armen Fleisch und Blut vereiniget hast und in unsere ohne Dich so armen und sündlichen Herzen und Häuser einkehrst. Ich bitte Dich von ganzem Herzen, daß, wie Du mich liebest, als Dein Fleisch und Blut, ich Dich auch möge von Herzen lieben, Dir allein leben, meine Lust an Dir allein haben und alle meine Zuversicht auf Dich setzen. Laß mich nichts von Deiner Liebe in dieser Welt abwenden, wie köstlich, schön und herrlich es auch sein mag, bis ich einst nach Deinem göttlichen Willen Dich von Angesicht schauen und in Ewigkeit loben möge. Amen. Vater Unser. - 106 Donnerstag nach dem 2. Sonntage nach Epiphanias. Eigene Melodie. Ach bleib mit Deiner Gnade Bei uns, Herr Jesu Christ, Daß uns hinfort nicht schade Des bösen Feindes Lift. Ach, bleib mit Deinem Worte Bei uns, Erlöser werth, Daß uns beid' hie und dorte Sei Güt' und Heil beschert. ( Vers 1 und 2 aus: Ach bleib mit Deiner Gnade.) Matthäi 8, 28-34. Und er kam jenfeit des Meers, in die Gegend der Gergesener. Da liefen ihm entgegen zwei Besessene, die kamen aus den Todtengråbern, und waren sehr grimmig, also, daß Tiemand dieselbe Straße wandeln konnte. Und siebe, sie schrien und sprachen: Ach Jesu, du Sohn Gottes, was haben wir mit dir zu thun? Bist du hergekommen, uns zu qualen, ebe denn es Jeit ist? Es war aber ferne von ihnen eine große Heerde Saue an der Weide. Da baten ihn die Teufel, und sprachen: willst du uns austreiben, so erlaube uns, in die Heerde Såue zu fahren. Und er sprach: Sabret bin! Da fubren sie aus, und fuhren in die Seerde Såue. Und siebe, die ganze Heerde Saue stürzte sich mit einem Sturm in's Meer, und erfoffen im Wasser. Und die Sirten flohen, und gingen bin in die Stadt, und sagten das alles, und wie es mit den Beseffenen ergangen war. Und siehe, da ging die ganze Stadt heraus Jefu entgegen. Und da sie ihn saben, baten sie ihn, daß er von ihrer Grenze weichen wollte. Welch eine wunderbare Geschichte haben wir hier vor Augen! Obetrachte sie recht! Merke den tiefen Greuel der Sünde, wodurch wir in die Gewalt des Satans gekommen sind. Wie entstellt sind die Besessenen, ja ganz und gar entmenschlicht! Und macht nicht die Sünde, dieses Werk des Teufels, alle Menschen, die ihr dienen, widerwärtig und häßlich? O wie abscheulich ist die Gestalt der fündigen Seele in den reinen Augen Gottes! Wie herrlich und mächtig dagegen steht Jesus da! Glaube es, wie du es hier liefest, daß Er der Herr ist. Bitten Ihn doch auch die Teufel um Erlaubniß in die Heerde Säue zu fahren; erkennen sie Ihm doch die Macht zu, die Er hat, die Teufel zu quälen, wenn es Zeit ist am jüngsten Tage. Wahrlich Er ist der Herr. Die Teufel fuhren auf Jesu Geheiß in die Heerde Säue. Und Gottes Wort, das ohne Schminke die Wahrheit redet, vergleicht den Menschen um des Schmutzes willen seiner Sünden diesem unsaubern Thiere. 2. Petri 2, 22. In die Säue fährt der unsaubere Geist noch immer. Wie solltest du deinen Heiland lieben, der die bösen Geister austreibt und dich durch Seine Gaben schön und auserwählt macht vor Gott und Seinen Engeln. Und wie solltest du billig erschrecken vor dem irdischen Sinne der Gergesener, die diesen Hochgelobten Heiland Baten, daß Er - 107 von ihrer Grenze wiche. Sie wollen lieber die Säue behalten und Christum verweisen. Oder Thorheit! Aber dieses Geschlecht ist noch nicht ausgestorben. Wie manches Herz hat seine Dinge und seine Sünden lieber als Jesum! Was bist du nun für ein Herz? Wirklich so eins, das ernstlich singt: ach bleib mit Deiner Gnade bei uns, Herr Jesu Christ? Singst du auch so noch, wenn der Heiland daran geht, alles Unreine von Dir abzuthun? Prüfe dich wohl. Gott siehet das Herz an. Gebet. Lieber Gott, wir sind mit Sünden wohl geplagt und mit dem Tod umfangen, sind des Teufels Leibeigene gewesen. Hilf Du uns, Herr Jesu, Du Sohn Gottes, der Du auf Erden gekommen bist des Teufels Werk zu zerstören und hast den Tod aufgehoben und das Leben wieder an's Licht gebracht. Dein herrlicher Name, o Jesu, sei bei uns gelobt und gepriesen von nun an bis in Ewigkeit. Amen. Vater Unser. Freitag nach dem 2. Sonntage nach Epiphanias. Mel.: Herzlich thut mich verlangen. D. König aller Ehren, Herr Jesu, Davids Sohn, Dein Reich soll ewig währen, Im Himmel ist Dein Thron; Hilf, daß allhier auf Erden Den Menschen weit und breit Dein Reich bekannt mag werden Zur ew'gen Seligkeit. Du wollst in mir entzünden Dein Wort, den schönsten Stern; Laß falsche Lehr' und Sünden Sein von mein'm Herzen fern. Hilf, daß ich Dich erkenne Und mit der Christenheit Dich meinen König nenne Jetzt und in Ewigkeit. ( Vers 1 und 6 aus: O Rönig aller Ehren.) 2. Timoth. 3, 14-17. Du aber bleibe in dem, was du gelernet haft and dir vertrauet ift; fintemal du weißt, von wem du gelernet baft. Und weil du von Kind auf die heilige Schrift weißt, kann dich dieselbige unter weisen zur Seligkeit, durch den Glauben an Chrifto Jesu. Denn alle Schrift von Gott eingegeben ist nütze zur Lehre, zur Strafe, zur Besserung, zur Jüchtigung in der Gerechtigkeit; daß ein Mensch Gottes sei vollkommen, zu allem guten Werk geschickt. Ach es ist schon in dieser Zeit ein gar trübselig Leben, so man das Licht des Angesichtes Gottes nicht im Herzen hat. Da wird es je älter je fälter, je länger je ärger. Denn es ist gewiß so: Jesus allein ist das Leben. Darum sollte es nicht so vieler Ermahnungen bedürfen, den Heiland, wie Er ist, mit Freuden aufzunehmen. Er sagt auch wohl: Du bätest Ihn, wenn du nämlich die Gabe Gottes in Jesu erst erkennetest. Aber wie soll ich denn an Jesum 108 glauben und Ihn lieben? Sieh, die Schrift in allen Büchern zeugt von Ihm, Alles im Worte Gottes weist auf Ihn. Darum hat's Maria wohl getroffen, daß sie in Bethanien zu Jesu Füßen saß und hörte Seiner Rede zu; ihr Alles war gänzlich in Jesum versenkt. Du, meine Seele, triffft es auch, wenn du die Schrift, als einen Brief des großen Gottes, deines Schöpfers an dich, Sein Geschöpf, in hohen Ehren hältst. Das thust du damit, daß du sie oft und bedächtig liefest und lernst und die Predigt des Wortes Gottes fleißig hörst. Aber damit nicht allein. Nun soll auch der Nußen folgen nnd der eigentliche Zweck des Wortes Gottes an dir erfüllet werden. Das ist, daß Gottes Wort dein Gewissen überzeugt, sowohl strafend aus dem Gesetze, als tröstend aus dem holdseligen, süßen Evangelium. Da wird dann dein Geist und Seele ein Heiligthum Gottes, worin Gott lehrt, straft, worin Gott Selbst auch tröstet durch den Namen Jesu, des Einzigen. Das ist wahrlich keine müssige Sache, vielmehr wird solch ein Mensch geschickt und bereitet zu allem guten Werke, und die Sünde und Ungerechtigkeit darf ein in dem Worte Gottes wurzelndes Herz nicht mehr zu ihrem Dienste brauchen. So lasset uns denn bleiben in dem, was die Schrift lehrt. Gebet. Lieber Gott und Vater, schreibe durch Deinen lieben heiligen Geist in unsre Herzen dasjenige, was so reichlich in der Schrift gefunden wird, und laß uns stetig daran gedenken und viel tiefer zu Herzen gehen, denn unser eignes Leben und was uns mag lieb sein auf Erden. Amen. Vater Unser. Sonnabend nach dem 2. Sonntage nach Epiphanias. Mel: Freu' dich sehr, o meine Seele. Selig find die frommen Herzen, Da man Sanstmuth spüren kann, Welche Hohn und Trotz verschmerzen, Weichen gerne Jedermann. Die nicht suchen eig'ne Rach' Und befehlen Gott die Sach', Diese will der Herr so schützen, Daß sie noch das Land besitzen. Selig sind, die Friede machen Und d'rauf seh'n ohn' Unterlaß, Daß man mög' in allen Sachen Fliehen Hader, Streit und Haß. Die da stiften Fried' und Ruh, Rathen allerseits dazu, Sich des Friedens selbst befleißen, Werden Gottes Kinder heißen. ( Vers 4 und 8 aus: Kommt, laßt euch den Herrn lehren.) Röm. 12, 17-21. Saltet euch nicht selbft für Flug. Vergeltet iemand Böses mit Bösem. Befleißiget euch der Ehrbarkeit gegen Jedermann. Ist es möglich, so viel an euch ist, so habt mit allen Menschen Frieden. Rachet euch selber nicht, meine Liebsten, sondern gebet Raum dem Jorn; denn es stehet geschrieben: Die Rache ist mein, Ich will vergelten, spricht der Herr." So nun deinen Seind hungert, so speise ihn; dürftet ihn, so trånke ihn. Wenn du das thust, so wirst du feurige Koblen auf sein Haupt sammeln. Laß dich nicht das Böse überwinden, sondern überwinde das Böse mit dem Guten. = ,, Selig sind die Friedfertigen, denn sie werden Gottes Kinder heißen", spricht der Herr in der Bergpredigt. Die Friedfertigen also nennt Er Gottes Kinder. Sie sind es auch; denn sie tragen des Vaters Bild an sich. Gott ist friedfertig; Er ist bereit zum Frieden und bietet ihn der gegen Seine Majestät in Sünden- Feindschaft rebellirenden Welt an und zwar nicht bloß in Worten und Verheißungen; der Friedefürst, über welchem die Engel singen: Friede auf Erden, liegt zum Zeugniß in der Krippe, hängt dann am Kreuz und besiegt die höllischen Feinde: Sünde, Tod und Teufel, und bringt als Siegesbeute mit aus dem Grabe den Frieden, welcher höher ist, denn alle Vernunft. Sind wir denn Kinder dieses friedfertigen Gottes, so müssen wir uns auch als solche erweisen in der That und in der Wahrheit. Auch - 109 - - der Apostel ermahnt in der Epistel dazu in dem Worte, welches den Grundton der ganzen Epistel bildet: ,, Ist es möglich, so viel an euch ist, so habt mit allen Menschen Frieden." Ists möglich so muß es ja freilich wohl Fälle geben, wo es nicht möglich ist mit allen Menschen Friede zu halten; und das ist da, wo es die Ehre Gottes, die Ruhe des Gewissens und das wahre Wohl des Nächsten gilt. Prediger können nicht Frieden halten mit Jedermann, denn sie sollen Gottes Wort predigen, wie es dasteht und nicht nach dem den Leuten die Ohren jucken, sonst träfe sie das Wehe, wenn auch Jedermann wohl redete. Die sonst ein öffentliches Amt bekleiden, können nicht Friede halten mit Jedermann, denn sie müssen thun, was ihres Amtes ist. Eftern können nicht in allen Fällen Frieden halten mit ihren Kindern; schon Sirach sagt: Zärtle mit deinem Kinde, so mußt du dich hernach vor ihm fürchten. Ein wahrer Christ kann nicht Frieden halten mit Jedermann; er kann nicht sauer süß und süß sauer heißen. Ermahnt ja der Apostel auch: Ziehet nicht am fremden Joch mit den Ungläubigen, denn was hat die Gerechtigkeit für Gemeinschaft mit der Ungerechtigkeit? Was hat das Licht für Gemeinschaft mit der Finsterniß? Wie stimmet Christus mit Belial? Hat nicht der Herr Christus selbst gesagt: Ich bin nicht gekommen Frieden zu bringen, sondern das Schwert? Darum: Ist es möglich so viel an euch ist. Wir unsererseits sollen unsere herzliche Bereitwilligkeit Frieden zu halten bezeugen, so weit Gottes Chre nicht verletzt und unser Gewissen nicht befleckt wird. Erst sollen wir mit Güte versuchen, ehe wir zu den Waffen greifen. Ein Arzt muß nicht mit Absägen und Brennen seine Kur anfangen. Ein Pastor kann nicht erwarten, daß 1 REA - der auf das Wort hört, dem vorher durch scharfe und lieblose Predigt das Ohr abgehauen ist. Sprich deinen Nächsten darum an; vielleicht hat er es nicht gethan, was man von ihm sagt, hat er es aber gethan, daß er es nicht mehr thue. Sprich deinen Nächsten darum an, viel leicht hat er es nicht geredet, hat er es aber geredet, daß er es nicht mehr thue. Sprich deinen Freund darum an, denn man lügt gern auf die Leute, sagt Sirach. Will er sich aber nicht lenken lassen, fo sei nur seinen Lastern feind, nicht seiner Person. Der Sünde Feind der Sünder Freund! Das sei des Christen Loosung. Lerne es von dem friedfertigen Jesus, der unter den schwersten Martern betete: Vater, vergieb ihnen, sie wissen nicht, was sie thun, und wisse und bedenke dabei: Wer Christi Geist nicht hat, der ist nicht Sein. 110 Gebet. Barmherziger und gnädiger Gott, der Du Deine Sonne läsfest aufgehen über Gute und Böse und läsfest regnen über Gerechte und Ungerechte, verleihe uns ein getröstetes Herz, schenke uns Deinen Frieden und laß uns an Andern üben, was Du an uns gethan, nämlich Liebe und Barmherzigkeit, Geduld und Freundlichkeit. Schaffe durch Deinen Geist in uns, was vor Dir wohlgefällig ist. Amen. Vater Unser. 3. Sonntag nach Epiphanias. Mel.: Wie schön leuchtet der Morgenstern. Der Glaub' ist eine starte Hand Und hält Dich als ein festes Band: Ach, stärke meinen Glauben! Im Glauben kann Dich Niemand mir, Im Glauben kann mich Niemand Dir, O starker Jesu, rauben, Weil ich Fröhlich Von Dir Licht und Leben ward gegeben, Dich zu Welt und Drachen kann verlachen und die Sünden Was hatt' ich doch für Trost und Licht, Als ich Dein holdes Angesicht, Mein Jesu, noch nicht kannte? Wie blind und thöricht ging ich hin, Da mein verkehrter Fleischessinn Von Weltbegierden brannte! Bis mir kennen, Herzlich gegen Dich zu brennen. Durch den Glauben überwinden. ( Vers 2 und 10 aus: Mein Jesus, süße Seelenluft.) 300 fot Matth. 8, 1-13. Da er aber vom Berge berab ging, folgte ihm viel Volks nach. Und siehe, ein Aussäsiger kam und betete ihn an, und sprach: Herr, fo du willst, kannst du mich wohl reinigen. Und Jesus ftreckte seine Sand aus, rührete ihn an, und sprach: Ich will es thun, sei gereiniget! Und alsobald ward er von seinem Aussats rein. Und Jesus sprach zu ihm: Siehe zu, sage es Tiemand; sondern gehe hin, und zeige dich dem Priester, und opfere die Gabe, die Moses befohlen bat, zu einem Jeugniß über sie. Da aber Jesus einging zu Capernaum, trat ein Sauptmann zu ihm, der bat ihn, und sprach: Serr, mein Knecht liegt 111 zu Hause, und ist gichtbrüchig, und hat große Qual. Jesus sprach zu ihm: Ich will kommen und ihn gesund machen. Der Hauptmann antwortete, und sprach: Berr, ich bin nicht werth, daß du unter mein Dach gebeft; fondern sprich nur ein Wort, so wird mein Knecht gefund. Denn ich bin ein Mensch, dazu der Obrigkeit unterthan, und babe unter mir Kriegsknechte; noch, wenn ich sage zu einem: Gebe hin! fo gebet er; und zum andern: Komm her! so kommt er; und zu meinem Knechte: Thue das! so thut er's. Da das Jesus borete, verwunderte er sich, und sprach zu denen, die ihm nachfolgten: Wahrlich, ich sage euch, solchen Glauben habe ich in Israel nicht gefunden. Aber ich sage euch: Viele werden kommen vom Morgen und vom Abend, und mit Abraham und Isaak und Jakob im Simmelreich figen. Aber die Kinder des Reichs werden ausgestoßen in die äußerste Sinfterniß binaus, da wird sein Heulen und 3åbnklappen. Und Jesus ſprach zu dem Hauptmann: Gehe hin, dir geschehe, wie du geglaubet baft. Und sein Knecht ward gesund zu derselbigen Stunde. Jesus verwundert sich des Glaubens des Hauptmanns mit hohen Worten: solchen Glauben habe ich in Israel nicht gefunden. Fast der Glaube Erkenntniß in sich, hier ist solche. Der Aussätzige betet Jesum an, weil er dessen Gottheit und Allmacht erkennt, der Hauptmann sagt, er sei unwerth, daß Jesus unter sein Dach komme, das ist rechte Selbsterkenntniß und Gotteserkenntniß. Ja Gottes= erkenntniß, nach welcher der Hauptmann Jesu Gottheit hoch erhebt mit den Worten: sprich nur Ein Wort, so wird mein Knecht gesund. Lieber Christ, solche gewisse, wahrhaftige Erkenntniß der göttlichen Wahrheit giebt dem Glauben einen festen Grund. Laß uns also wachsen in solcher Erkenntniß! Und wenn der Glaube weiter den Beifall in sich faßt, wie findlich, zuversichtlich leuchtet dieser Beifall sowohl aus dem Anssäßigen als aus dem Hauptmann Hervor! In der Anrede, die sie an den Heiland richten, mit dem Worte: ,, Herr" zollen sie dem Herrn den nach Psalm 2 geforderten Kuß der Anbetung, des Gehorsams und der Liebe. Das kann allein die Gnade Gottes, daß sie in unsern Herzen die Stumpfheit und die Feindschaft wider Gott überwindet und ein inniges Zuneigen zu Gott und Seinem Sohne schafft. Aber der bloße Beifall thut es nicht, vielmehr ist der Glaube eine Zuversicht zu Gottes Gnad und Güte. Und auch diese Zuversicht ist sowohl in dem Aussägigen, als in dem Hauptmann vorhanden. Völlige Zuversicht ist's, daß der Eine sagt: Du- sonst weder Gesetz noch Kreatur kannst mich wohl reinigen! und der Andere dichtet ein feines Lied von der Macht Jesu, die größer sei, als das Wort eines römischen Hauptmanns, der seine Soldaten befehligt. Ja wohl, der Heiland ist der große Hauptmann und Herr über Sünde, Tod und Teufel. O, es ist eine Wunderfache um solchen Glauben! Was ist der Glaube? Nicht satt sein, wie der Hauptmann kein Genüge fand an sich selbst. Der Glaube ist Hunger und Durst. - 112 Der Glaube ist eine Zuversicht des Herzens zu Jesu, daß Er hilft, vor Allem von Sünden hilft. Solchen Glauben finde das Auge Jesu auch bei uns! Gebet. Allmächtiger Herr Jesu Christe, vor welchem Alles sich demüthigen und Deinem Wort und Befehl sich beugen muß, hilf, daß wir unsere Unwürdigkeit und Deine Güte erkennen, Dich im Glauben fest fassen, in Deinem Reiche bleiben, uns in allen Nöthen Deiner Hülfe getrösten und unsern Willen in Deinen Willen mit wahrem Vertrauen fröhlich ergeben, der Du der Juden und Heiden, der Großen und Kleinen Herr und Helfer bist, gelobet in Ewigkeit. Amen. Bater Unser. König, dem kein König gleichet, Dessen Ruhm kein Mund erreichet, Dem als Gott das Reich gebühret, Der als Mensch das Scepter führet, Dem das Recht gehört zum Throne, Als des Vaters ew'gem Sohne, Den so viel Vollkommenheiten, Krönen, zieren und bereiten. Montag nach dem 3. Sonntage nach Epiphanias. Mel.: Schmücke dich, o liebe Seele. sed U OT ― Psalm 8. Herr, unser Herrscher, wie herrlich ist dein Name in allen Landen, da man dir danket im Simmel! Aus dem Munde der jungen Kinder und Säuglinge haft du eine Macht zugerichtet, um deiner Seinde willen, daß du vertilgest den Seind und den Rachgierigen. Denn ich werde sehen die simmel, deiner Singer Werk, den Mond und die Sterne, die du bereiteft. Was ist der Mensch, daß du seiner gedenkest, und des Menschen Kind, daß du dich seiner annimmst? Du wirft ihn laffen eine kleine Jeit von Gott verlaffen sein. Aber mit Ehre und Schmuck wirst du ihn kronen. Du wirst ihn zum Serrn machen über deiner Sånde werk; Alles hast du unter seine Süße gethan, Schafe und Ochsen allzumal, dazu auch die wilden Chiere, die Vögel unter dem Himmel und die Sische im Meer, und was im Meer gehet. Herr, unser Herrscher, wie herrlich ist dein Name in allen Landen! - O Monarch in Deinen Reichen, Dir ist Niemand zu vergleichen An dem Ueberfluß der Schätze, An der Ordnung der Gesetze, An Vortrefflichkeit der Gaben, Welche Deine Bürger haben. Du beschüßest Deine Freunde, Du bezwingest Deine Feinde. ( Vers 1 und 5 aus: König, dem kein König gleichet.) Herr so hebt dieser Pfalm an und unser Heiland ist wirklich der Herr; was du mur an einem rechten Herrn suchen magst, bei Ihm ist es zu finden Reich und Unterthanen, Krone und Scepter. Er ist der Herr. I welch ein Herr, der mit Einem Worte zehn Aussätzige heilt und den in der Verwesung liegenden Lazarus aus dem Grabe auferweckt. Weil Er der Herr ist, so ziemt es Ihm zu herr 113 schen. Und so herrscht Er denn auf unvergleichliche Weise, Seinen Kindern zum Troste und Seinen Feinden zum Trotze. O wohl dem, wer Sein Unterthan ist und diesen unsern Herrscher in seinem Herzen über Alles, über Furcht und Freude, über Leib, Seel und Gewissen herrschen lässet. Gott hat Seinem Sohn unserm Heiland Alles unter die Füße gethan, die wilden Thiere, die Vögel unter dem Himmel und die Fische im Meere. Ift's nicht so, daß Petrus wider alles Erwarten auf hoher See am Hellen Tage eine große Menge Fische fing, weil der bei ihm war, der auch über die Fische im Meere herrscht? Aber Christi Herrschaft ist noch wunderbarer. Denn nicht bloß, daß der ewige Gott täglich einen freundlichen Liebesblick auf uns arme, kleine Menschen wirft- und was wäre das schon! sondern Gott hat in Seiner Barmherzigkeit Seinen Sohn Mensch werden lassen und siehe! am Kreuze war Jesus eine kleine Zeit von Gott verlassfen! O welche Erniedrigung! Aber eben in dieser Gestalt des Gekreuzigten hat Jesus Seine wunderbarste Herrschaft gegründet, daß Ihm nun nicht bloß die Thiere untergeben sind, sondern daß Sünder vor Ihm niederfallen und durch Sein Blut mit Gott versöhnt Ihn anbeten als ihre einige ewige Liebe und zu Ihm sagen: Herr, ich habe genug. Wahrlich ja, nun singen wir mit dem Könige David mit neuen Zungen: wie herrlich ist Dein Name in allen Landen. Nun ist es ein Wunder vor unsern Augen, daß der Herr Jesus ein Reich unter uns hat, in welchem wir unserm eigenen Herzen absterben und uns an Ihn allein hängen. O ein wunderbares Reich, in welchem unsere Kraft Schwachheit heißt, damit Seine Kraft in unsrer Schwachheit mächtig sei, ein Reich, in welchem es so wunderlich zugeht, daß Er Sich aus dem Munde der jungen Kinder und Säuglinge eine Macht zubereitet gegen Seine Feinde. O Herr, unser Herrscher, wie herrlich und wie wunderbar ist Dein Name in allen Landen! Sei er es auch in unserm Lande, Hause und Herzen! Gebet. Herr Jesu, laß Deinen Namen auch in unserm Lande, Stadt, Haus, Herzen und Munde herrlich sein! Laß meinen Mund Deines Ruhmes und Deines Preises voll sein täglich. Der du die Himinel gebaut, baue auch Deine Christenheit, mache Dir aus meinem Herzen einen Himmel, den Stuhl Deiner Herrschaft. Habe auch Dank, daß Du uns schon in der Kindheit hast zu Deinen Dienern angenommen; so laß uns nun in Deinem Dienste alt werden. Fülle unsern Mund mit Deinem allerheiligsten Namen und Worte und hilf, daß Kinder und alte Leute Dich kräftig und mächtig loben, bis wir Dich in Ewigkeit mit heiligen Lippen preisen werden. Amen. Vater Unser. 8 114 Dienstag nach dem 3. Sonntage nach Epiphanias. Eigene Melobie. Lobe den Herren, o meine Seele! Ich will Ihn loben bis in Tod; Selig, ja selig ist der zu nennen, Deß Hülfe der Gott Jakobs ist; Weil ich noch Stunden auf Erden zähle, Welcher vom Glauben sich nicht läßt trennen Will ich lobfingen meinem Gott. Der Leib und Seel gegeben hat, Werde gepriesen früh und spat. Hallelujah, Hallelujah! Und hofft getroft auf Jesum Christ. Wer diesen Herrn zum Beistand hat, Findet am besten Rath und That. Hallelujah, Hallelujah! ( Vers 1 und 3 aus: Robe den Herrn, o meine Seele.) Matth. 14, 34-36. Und sie schifften hinüber, und kamen in das Land Genezareth. Und da die Leute an demselbigen Ort seiner gewahr wurden, schick. ten sie aus in das ganze Land umber, und brachten allerlei Ungesunde zu ihm, und baten ihn, daß sie nur seines Kleides Saum anrühreten. Und alle, die da anrühreten, wurden gesund. Hier lernen wir, wie herrlich die Liebe und der Glaube sind. Denn das ist die Liebe, daß die Leute die Ungesunden zum Heilande bringen. Das kann auch der natürliche Mensch, daß er die Noth des Nächsten sieht, obwohl er die eigentliche Noth des Nächsten, nämlich deffen Sündennoth, doch nicht erkennt. Aber das kann er nicht, barmherzig des Nächsten Noth empfinden und das ganz und gar nicht, die Noth des Nächsten Jesu, dem Helfer und Heilande vor Augen stellen. Um solche barmherzige, tragende Liebe ist es ein Geheimniß, wie man sie bekommt und wahrt und übt. Diese Liebe fehlt uns so oft und die Herzen sind so kalt und rauh und selbstsüchtig. Aber wo Jesu Fuß hintritt, wo Sein Wort in den Herzen wiederklingt, da kommt auch die Liebe, welche ist die Tochter des Glaubens. Denn der Glaube ist durch die Liebe thätig. Der Glaube sieht Jesum Christum an mit solchem Blicke, daß er spricht: Wenn Du nicht mein Trost wärest, so verginge ich in meinem Elende. Darauf sehen Ihn jene Kranken auch an und die Freundlichkeit, so wie die Macht Jesu, die unerschöpflich ist, sind die Ursache, daß die Kranken mit vollem Vertrauen sich Jesu nahen und nur begehren Seines Kleides Saum anrühren zu dürfen. Wie köstlich ist das, daß der Glaube durch solche Berührung des Saumes des Kleides die Hülfe und Kraft Jesu empfindet. Und sollte jetzt nicht noch auch in dem sichtbaren und spürbaren Saume des Kleides Christi auf Erden, nämlich in Seiner Taufe, Wort und Nachtmahl des Herrn Kraft zu finden sein? Gewißlich ja für Jeden, der Jesum nur im Glauben anrührt. Es ist eine Fülle von Macht und Gnade in Jesu Christo für uns vorhanden. Wir müssen nur einestheils darüber machen, daß wir unser Genüge nicht anderwärts suchen und müssen sodann unser Herz zu dem hülfreichen Namen Jesu erwecken. Wenn wir in solcher Gemüthsverfaffung Sein Wort anrühren und die lebendige Person Christi dabei vor Augen haben, so werden wir nicht hinter denen zurückstehen, die durch die Berührung des Saumes Seines Kleides wunderbare, ja in jeder Beziehung wunderbare Hülfe erfuhren. Gebet. O du treuer Gott, mein Herr Jesu Christe, hat Dein Name so vielen Leuten geholfen, so bilf mir doch auch, mein lieber Gott. Haben wir das Gute empfangen von Gott und sollten das Böse nicht auch annehmen? So verleihe uns denn, daß wir uns in allen Nöthen um unsrer Sünde willen von Herzen unter Deine gewaltige Hand demüthigen, dabei aber fest bleiben im Vertrauen auf Dich und Deine Gnade und Hülfe, die uns Dein werthes Wort zus fagt. Amen. Vater Unser. Mittwoch nach dem 3. Sonntage nach Epiphanias. Eigene Melodie. Wunderbarer König, Herrscher von uns Allen, Laß Dir unser Lob gefallen. Deines Vaters Güte 115 Hast Du lassen triefen, Ob wir schon von Dir wegliefen. Hilf uns noch! Start uns doch! Laß die Zungen singen, Laß die Stimmen flingen. Hallelujah bringe, Wer den Herren fennet, Wer den Herren Jesum liebet. Hallelujah finge, Welcher Chriftum nennet, Sich von Herzen ihm ergiebet. Owohl dir! Glaube mir, Endlich wirst du broben Ohne Sünd' Ihn Loben. ( Vers 1 und 4 aus: Wunderbarer König.) Joh. 5, 1-16. Darnach war ein Seft der Juden, und Jesus 30g hinauf gen Jerusalem. Es ist aber zu Jerusalem bei dem Schafbause ein Teich, der beißt auf Ebraisch Bethesda, und hat fünf Sallen, in welchen lagen viele Kranke, Blinde, Lahme, Dårre; die warteten, wenn sich das Waffer bewegte. Denn ein Engel fuhr berab zu seiner Seit in den Teich, und bewegte das Waffer. Welcher nun der erste, nachdem das Waffer beweget war, binein stieg, der ward gesund, mit welcherlei Seuche er behaftet war. Es war aber ein Mensch daselbst, acht und dreißig Jahre Frank gelegen. Da Jesus denselbigen sabe liegen, und vernahm, daß er so lange gelegen war, spricht er zu ihm: willst du gefund werden? Der Kranke antwortete ihm: Serr, ich habe keinen Menschen, wenn das Wasser sich bewegt, der mich in den Teich laffe; und wenn ich komme, so steiget ein Anderer vor mir hinein! Jesus ſpricht zu ihm: Stebe auf, nimm dein Bette und gehe hin! Und alsobald ward der Mensch gesund, und nahm sein Bette, und ging bin. Es war aber deffelbigen Tages der Sabbath. Da sprachen die 8* 116 Juden zu dem, der gesund war geworden: Es ist heute Sabbath, es ziemet dir nicht, das Bette zu tragen. Er antwortete ihnen: Der mich gefund machte, der sprach zu mir: ,, Timm dein Bette, und gehe bin!" Da fragten sie ihn: Wer ist der Mensch, der zu dir gesagt hat: ,, Timm dein Bette, und gebe bin?" Der aber gesund war geworden, wußte nicht, wer er war; denn Jesus war gewichen, da so viel Volks an dem Orte war. Darnach fand ihn Jesus im Tempel, und sprach zu ihm Siehe zu, du bist gesund geworden; sündige hinfort nicht mehr, daß dir nicht etwas Nergeres widerfahre. Der Mensch ging bin, und verkündigte es den Juden, es sei Jesus, der ihn gesund gemacht habe. Darum verfolgten die Juden Jesum, und suchten ihn zu tödten, daß er folches gethan hatte auf den Sabbath. Lazarus vor der Thür des reichen Mannes hatte Niemanden denn nur die Hunde, die ihm Liebe erzeigten. Der Kranke am Teiche Bethesda hatte auch keinen Menschen, der ihm in den Teich half. Ach die Welt ist so liebeleer, ein Jeder sucht nur das Seine; der Dürren und Lahmen, die keine Hand und kein Herz haben zu helfen, sind so Viele. Wer denn nun keine Hülfe auf Erden findet, freue sich des liebreichen Herzens und der gewaltigen Hand Jesu, des Sohnes Gottes. 38 Jahre hatte der Kranke krank gelegen und hätte noch länger liegen können, wäre Jesus nicht dazu gekommen. Derſelbe half ihm und hilft uns, wenn wir auf die Frage: willst du gesund werden? mit ja antworten können. Er hilft in leiblichen Nöthen und Krankheiten; aber Seine rechte Hülfe ist, daß Er uns Vergebung der Sünden bringt, vom Tode und Teufel erlöset und die ewige Seligkeit giebt. Solch hohe Gnade hat Er uns geschenkt in dem rechten Heilund Gnadenwasser, das nicht schlecht Wasser ist, sondern das der heilige Geist erfüllt hat mit dem Verdienste Christi, d. i. die heilige Taufe. Aber Gott sei es geklagt, daß Jesu Wohlthaten so wenig erkannt werden; denn Viele, die doch Christi Namen tragen, sind gleich den Juden Feinde Christi und wiederum Viele wollen es nicht hören, was der Herr spricht: Gehe hin und fündige hinfort nicht mehr. Darum muß dann auch viel Arges und Aergeres über uns kommen leibliche Plagen und geistliches Elend, Blindheit, Sicherheit, Stolz, Geiz und dergleichen. Ach Gott, verleihe uns rechte Buße, daß wir unsern einigen Herrn Jesum Christum in wahrem Glauben annehmen und gottselig leben. Gebet. Du treuer Gott, mein Herr Jesu Christe, hat Dein Name so vielen Leuten geholfen, so hilf mir doch auch. Meine Seele ist sehr krank, mache mich lebendig nach Deinem Worte und erquicke mich nach Deiner großen Barmherzigkeit. Erwecke unsere Herzen, daß sie munter seien und bleiben im Glauben und in der Liebe. Amen. Vater Unser. 117 Donnerstag nach dem 3. Sonntage nach Epiphanias. Mel.: Seelenbräutigam. Wahrer Mensch und Gott, Trost in Noth und Tod! Du bist darum Mensch geboren, Zu ersetzen, was verloren, Durch Dein Blut so roth, Wahrer Mensch und Gott. Wenn ich mich auf's Neu' Wiederum erfreu', Freuest Du Dich auch zugleiche, Bis ich dort in Deinem. Reiche Ewiglich auf's Neu Mich mit Dir erfreu'. ( Vers 3 und 12 aus: Seelenbräutigam.) Matthäi 16, 13-20. Da kam Jesus in die Gegend der Stadt Casarea Philippi, und fragte seine Jünger, und sprach: Wer sagen die Leute, daß des Menschen Sohn sei? Sie sprachen: Etliche sagen, du feieft Johannes der Täufer; die andern, du seieft Elias; etliche, du seieft Jeremias, oder der Propheten einer. Er sprach zu ihnen: Wer sagt denn ihr, daß ich sei? Da antwortete Simon Petrus, und sprach: Du bift Christus, des lebendigen Gottes Sohn. Und Jesus antwortete und sprach zu ihm: Selig bist du, Simon, Jonas Sobn; denn Sleisch und Blut hat dir das nicht geoffenbaret, sondern mein Vater im Simmel. Und Ich sage dir auch: Du bist Petrus, und auf diesen Selsen will ich bauen meine Gemeine, und die Pforten der Sölle sollen sie nicht überwältis Und ich will dir des Himmelreichs Schlüssel geben. Alles was du auf Erden binden wirst, soll auch im Simmel gebunden sein; und Alles, was du auf Erden lösen wirft, wird auch im Simmel los sein. Da verbot er seinen Jüngern, daß sie 7iemand sagen sollten, daß Er Jesus der Chrift wåre. Cs s liegt Alles daran, daß man Christum recht kenne. Wer Ihn recht erkennt, hat das ewige Leben; wer Ihn nicht recht erkennt, muß in seinen Sünden bleiben. Aber ohne Gottes Gnade und heiligen Geist kann Niemand Jesum recht erkennen, wie die Leute damals eine gar unbeständige, wandelbare Meinung über Christum hatten, als sei Er Johannes, Elias, Jeremias oder wer sonst. Den Sohn Gottes kennt Niemand als nur der Vater und wem es der Vater offenbart durch Sein Wort und heiligen Geist. Diese Erkenntniß Chrifti ist in den Herzen aller Gläubigen ein göttliches Licht ein göttliches Licht; denn wie die Sonne nur in ihrem eigenen Lichte, so kann Christus nur im göttlichen Lichte erkannt werden. Selig, ja selig, wer Christum von Herzen erkennt und mit dem Munde bekennt, daß Er der Sohn des lebendigen Gottes ist. Du fagt Petrus nämlich Du Jungfrausohn, Du demüthiger, niedriger Mensch bist des lebendigen Gottes Sohn. Wahrer Mensch und wahrer Gott- das ist die allerheiligste Person Jesu; derselbige ist Christus, derjenige, der das Werk des verheißenen Messias, nämlich die Sünde tilgen, der Schlange den Kopf zertreten, Gott versöhnen allein ausführen kann. Das glaubt — - 118 Petrus von Herzen und bekennt er mit dem Munde; um dieses Glaubens und Bekenntnisses willen ist er selig und sind wir selig. Dieses Bekenntniß von Christo und zu Christo ist der Fels des Lebens, der unüberwindlich ist gegen alle Kräfte der Hölle. Der Himmel aber wird aufgeschlossen, Gottes Gnade und ewige Barmherzigkeit wird allen denen zu Theil, die in Nachtmahl, Tauf und Wort Niemanden anders sehen und suchen, als Christum, wahrer Mensch und Gott, der durch Sein unschuldiges Blut Vergebung der Sünden, Leben und Seligkeit erworben hat und uns anbietet. ODu schöner Morgenstern, Du Sohn Davids und wahrhaftiger Gott! Laß meine Seele selig sein damit, daß sie Dich erkennt, liebt und lobt und Niemanden weiß denn Dich allein Jesum Christum den Gekreuzigten. Gebet. Ja, lieber Herr Jesu Christe, ich glaube, daß Du wahrer Mensch von der Jungfrau Maria geboren und wahrhaftiger Gott, vom Vater in Ewigkeit geboren, bist mein Herr, der mich verfornen und verdammten Menschen erlöset hat, erworben und gewonnen von allen Sünden, vom Tode und von der Gewalt des Teufels. Das glaube ich und bitte Dich, mein Herr und mein Gott, erhalte und befestige meine Seele in diesem Einigen, auf daß ich Dein eigen sei und in Deinem Reiche unter Dir lebe in ewiger Gerechtigkeit, Unschuld und Seligkeit. Amen. Vater Unser. Freitag nach dem 3. Sonntage nach Epiphanias. Mel.: Lobt Gott, ihr Christen allzugleich. Er ist der Held aus Davids Stamm, Die theure Saronsblum', Das rechte, echte Gotteslamm, Israels Preis und Ruhm. Drum höre, merte, sei bereit, Verlaß des Vaters Haus, Die Freundschaft, deine Eigenheit, Geh' von dir selber aus. ( Vers 4 und 5 aus: Auf, Seele, auf und säume nicht.) Matthäi 11, 16-24. Wem soll ich aber dies Geschlecht vergleichen? Es ist den Kindlein gleich, die an dem Markt sigen, und rufen gegen ihre Gesellen, und sprechen: Wir haben euch gepfiffen, und ihr wolltet nicht tanzen; wir haben euch geklaget und ihr wolltet nicht weinen. Johannes ist gekommen, aß nicht, und trank nicht; so sagen sie: Er hat den Teufel. Des Menschen Sohn ist gekommen, iffet und trinket; so sagen sie: Siehe, wie ist der Mensch ein Sreffer und ein Weinsäufer, der Jöllner und der Sünder Geselle! Und die weisheit muß sich rechtferti gen lassen von ihren Kindern. Da fing er an die Städte zu schelten, in welchen am meisten seiner Thaten geschehen waren, und hatten sich doch nicht gebeffert: Wehe dir, Chorazin! wehe dir, Bethfaidal waren folche Thaten zu Tyro und Sidon geschehen, als bei euch geschehen 119 sind, fie båtten vor Jeiten im Sack und in der Asche Buße gethan. Doch ich sage euch: es wird Tyro und Sidon erträglicher ergeben am jüngsten Gericht, denn euch. Und du, Capernaum, die du bift erhoben bis an den Simmel, du wirst bis in die Hölle hinunter gestoßen werden. Denn so zu Sodom die Thaten geschehen waren, die bei dir geschehen sind; sie stände noch heutigen Tages. Doch ich fage euch: Es wird der Sodomer Lande erträglicher ergeben am jüngsten Ges richt, denn dir. Gott liebt mit mehr als Mutterliebe uns, Seine Creaturen. Darum sucht Er auf alle Art unsere Seelen zu erwecken und zu Sich zu ziehen, bald mit Ernst, bald mit Liebe, bald mit gewaltiger Macht, bald mit sanfter Stille. Welch ein Ernst Gottes leuchtet aus Johannes dem Täufer, dem Manne im Kleide von Kameelshaaren hervor; er aß und trank nicht wie andere Leute, damit seine besondere Sendung auch in diesen äußerlichen Dingen sichtbar sei. Welch ein Ueberschwang von Liebe und Gnade ging von Jesu aus; lauter Wohlthat, lauter Lieblichkeit, Gnade und Güte war all Sein Thun. Und was ist der Erfolg? Der Herr sagt's mit klaren Worten. Johannes, fagen sie, hat den Teufel, Jesus ist der Zöllner und Sünder Geselle. O dieses Geschlecht! Sie wissen selbst nicht, was sie wollen. Denn wer den Herrn Jesum, Sein Kreuz und Sein Wort nicht will, der weiß selbst nicht, was er will und ist den unzufriedenen Kindern gleich. Gott soll Schüler sein, und die Welt will Meister sein. Aber wehe, wer Gottes Wort nicht will! Keine Sünde in Sodom und Gomorrha und Thrus und Sidon und allen Heidenländern ist so groß, als die Berachtung des heiligen Evangeliums. Der jüngste Tag wirds lehren. Ach lasset uns recht dahinsehen, daß wir nicht die Unbußfertigkeit des Herzens hinter allerlei Einwand hüllen; daß wir nicht von dem Gesetze Gottes sagen, es sei zu strenge und von dem Evangelium, es sei nur für Arme und Verlorne und so passe weder Gesetz noch Evangelium für uns. Und sie passen doch beide so sehr wohl für einen Menschen, der selig werden will. Willkommen sei Johannes, der rechtschaffene Buße fordert, gelobet sei Jesus Christus, der Sich Selbst für uns zur Gabe und Opfer gegeben hat und den Armen das süße Evangelium von der freien Gnade Gottes predigen läßt. Gebet. Regiere uns, o Herr Jesu Christe, daß wir Dein heiliges, heilsames Wort ja nicht verachten, sondern es je länger, je lieber also hören, daß wir daraus täglich gebeffert und geheiligt werden und in allem Kreuze Trost davon haben und bis an unser Ende in wahrem Glauben an demselben festhalten. Wir bitten Dich, o Jesu. laß Dein bitteres Leiden und Sterben an uns gesegnet sein zum ewi gen Leben. Amen. Bater Unser. 120 Sonnabend nach dem 3. Sonntage nach Epiphanias. Mel.: O bu Liebe meiner Liebe. Liebe, Du hast es geboten, Daß man Liebe üben soll, O, so mache doch die todten Trägen Geister lebensvoll. Zünde an die Liebesflamme, Daß ein jeder sehen kann, Wir, als die von einem Stamme, Stehen auch für einen Mann. Laß uns so vereinigt werden, Wie Du mit dem Vater bist, Bis schon hier auf dieser Erden Kein getrenntes Glied mehr ist; Und allein von Deinem Brennen Nehme unser Licht den Schein; Also wird die Welt erkennen, Daß wir Deine Jünger sein. ( Vers 8 und 9 aus: Herz und Herz vereint zusammen.) Röm. 13, 8-10. Seid Miemand nichts schuldig, denn daß ihr euch unter einander liebet; denn wer den Andern liebet, der bat das Gesetz erfüllet. Denn das da gesagt ist: ,, Du sollst nicht ehebrechen; du sollst nicht tödten, du sollst nicht stehlen; du sollst nicht falsch 3eugniß geben; dich foll nichts gelüften;" und so ein ander Gebot mehr ist; das wird in dies sem Wort verfaffet: ,, Du sollst deinen Tächften lieben als dich selbst." Die Liebe thut dem Tächsten nichts Böses. So ift nun die Liebe des Gesetzes Erfüllung. Seid Niemand nichts schuldig, denn daß ihr euch einander liebet." Das ist die unbezahlbare Schuld, welche jeder nach dem Gesetz auf sich liegen hat; eine Schuld oder Schuldigkeit, die uns durch den Glauben keineswegs erlassen wird, wie ein faules Christenthum wähnt, das die Gnade auf Muthwillen zieht. Nur die Schuld unserer Sünden wird uns durch den Glauben an Jesum erlassen, aber die Schuldigkeit, die das Gesetz uns auflegt, bleibt. Daher setzt Paulus Röm. 3, 31, nachdem er das theuerwerthe Evangelium von der Rechtfertigung allein durch den Glauben, als den höchsten Trost aller Sünder, verkündet hatte, hinzu: Wie? Heben wir denn das Gesetz auf durch den Glauben? Das sei ferne, sondern wir richten das Gesetz auf, wir bestätigen die Forderungen des Gesetzes als ewig gültige Gebote Gottes. Das gilt auch von der zweiten Tafel, welche der Apostel oben in der Epistel anführt; er faßt sie zusammen in das evangelische Gebot der Liebe, die da ist des ganzen Gesetzes Erfüllung, und nennt die Liebe zum Nächsten eine unbezahlbare Schuld. Die Liebe also eine Schuld; merke das, den Nächsten lieben steht nicht in unserer freien Willkür, ob wir es thun wollen oder nicht. Nein, die christliche Liebe ist eine Schuld, an welche Paulus hier ermahnt: Niemand darf sie leugnen, denn Gott hat uns in Ewigkeit dazu erwählet, daß wir sollen in der Liebe wandeln. Ephes. 1, 4. Wir haben uns zu dieser Schuld bekannt in der heiligen Taufe, am Tage der Confirmation, wo wir Gott gelobet haben Ihn zu lieben von ganzem Herzen und unsern Nächsten als uns selbst. Dessen erinnert uns auch St. Petrus, wenn er sagt: Habt euch untereinander brünstig lieb, aus reinem Herzen. Willst du aber wissen, wie du lieben sollst; so lies 1. Cor. 13; und laß dir den heiligen Geist das Licht dabei halten. Wie schamroth muß dich doch dieses Kapitel machen! Wie tief steckst du noch in der Schuld gegen deinen Bruder, sonderlich wenn du daran gedenkest, daß dein Nächster nicht nur dein Blutsverwandter oder Freund ist, sondern Jedermann, der Feind nicht ausgeschlossen. Denn so ihr nur liebet, die euch lieben, was Danks habt ihr davon? Denn die Sünder lieben auch ihre Liebhaber. Und wenn ihr leihet, von denen ihr hoffet zu nehmen, was Danks habt ihr davon? Ich sage euch, spricht der Herr weiter: liebet eure Feinde, thut wohl und leihet, daß ihr nichts davon hoffet, so werdet ihr Kinder des Allerhöchsten sein. Denn Er ist gütig über die Undankbaren und Boshaftigen. Da seid nun nicht träge, was ihr thun sollt täglich, stündlich, nicht in Worten, sondern in der That und in der Wahrheit, damit wird zwar die Schuld nicht abbezahlt, es bleibt die Liebe eine unbezahlbare Schuld, aber du trägst das Zeichen der Kindschaft an dir nach dem Wort: dabei wird Jedermann erkennen, daß ihr Meine Jünger seid, so ihr Liebe untereinander habt. Gebet. Nun, Du Lamm Gottes, das in Liebe für uns geblutet, wir gestehen Dir in tiefer Beschämung unserer Sünden Schuld, auch in der Liebe zu unserm Nächsten. Heile Du den Schaden unseres Herzens und laß uns in dem Vielvergeben Deiner Gottes- Liebe Kraft erfahren, daß wir der Liebe Schuld abzutragen uns befleißigen so lange, bis wir ruhen in Deiner Liebe immer und ewiglich. Amen. Vater Unser. - 121 4. Sonntag nach Epiphanias. Mel: Herzlich thut mich verlangen. Befiehl du deine Wege Und was dein Herze kränkt, Der allertreusten Pflege Deß, der den Himmel lenkt; Der Wolken, Luft und Winden Gibt Wege, Lauf und Bahn, Der wird auch Wege finden, Da bein Fuß gehen kann. Auf! auf! gib deinem Schmerze Und Sorgen gute Nacht; Laß fahren, was dein Herze Betrübt und traurig macht! Bist du doch nicht Regente, Der Alles führen soll. Gott sitzt im Regimente Und führet Alles wohl. ( Vers 1 und 7 aus: Befieht du deine Wege.) 122 Matth. 8, 23-27. Und er trat in das Schiff, und seine Jünger folgten ihm. Und siebe, da erhob sich ein groß Lingestüm im Meer, also, daß auch das Schifflein mit Wellen bedeckt ward; und Er schlief. Und die Jünger traten zu ihm, und weckten ihn auf, und sprachen: Herr, hilf uns, wir verderben! Da sagte er zu ihnen: Jhr Kleingläubigen, warum seid ihr so furchtsam? und stand auf, und bedrohete den Wind und das Meer; da ward es ganz ftille. Die Menschen aber verwunderten sich, und sprachen: Was ist das für ein Mann, daß ihm Wind und Meer gehorsam ist? Zu den Zeiten Noahs gab es nur eine einzige Möglichkeit, in dem allgemeinen Verderben nicht mit umzukommen. Man mußte in der Arche sein. Die Arche ist ein Vorbild des Schiffes, in welchem der Herr mit Seinen Jüngern auf dem Meere fährt. Dieses Schiff bildet uns die christliche Kirche ab, in welcher die Christen durch die heilige Taufe in Christum getauft sind und durch den Glauben Ihm anhangen. Wenn es heißt: wer da glaubet und getauft wird, der wird felig werden, so heißt das auch: nur wer da glaubet und getauft wird. Christus ist in Wahrheit das Leben; wie will man denn das Leben haben, wenn man es nicht bei dem Leben, d. h. bei Christo findet? Christus ist der Weg; wie will man denn auf dem Wege sein und nicht vielmehr auf dem Irrwege, wenn man nicht in Christo und durch Christum seinen Weg hat? So spricht der Herr: Ich bin der Herr und sonst keiner mehr; kein Gott ist ohne Ih. Man soll es erfahren, beide von der Sonnen Aufgang und der Sonnen Niedergang, daß außer Mir nichts sei. Ich bin der Herr und Reiner mehr. Jesaja 45, 5. 6. Der Herr schläft. Das kümmert die Jünger nicht, so lange das Meer ruhig bleibt. Da mögen sie etwa gedacht haben, sie selbst seien tüchtig genug, das Schiff zu lenken. Bald aber erhebt sich ein furchtbares Ungestüm; die Wellen bedecken das Schiff. Der Herr aber schläft; schliefe der Herr nicht, dann würden die Jünger nicht so klar · einsehen, was sie jetzt lebhaft empfinden, nämlich die Gefahr des Verderbens; sie würden auch nicht so eifrig rufen und den Herrn wecken. Wir würden es nie ganz bereitwillig eingestehen und bekennen, daß wir sehr elende Sünder sind, wenn nicht je zuweilen die Wellen der Noth uns gründlich zur Besinnung brächten. Noth lehrt beten und beichten. Ein Mensch aber, der betet und beichtet, hat die Hülfe vor der Thür. Gott kann keinen Menschen, der Ihm die Sünde und das Elend bekennt und ernstlich betet, ohne Erhörung lassen. Das wäre gegen Seine herzliche Barmherzigkeit und gegen Seine unzähligen Verheißungen. Der Herr steht auf. Er bedroht das Meer, daß es stille ist. Vor Allem aber straft und stillt Er die Herzen. Wunderbarer Jesus, 123 der das Meer stillt mit Seinem Worte! Aber viel wunderbarer barum, daß Er unser Herz stillen kann. Das kann Er damit, daß Er uns glauben lehrt, daß alle Wellen des Todes und der Hölle, die uns verschlingen wollen, von Ihm überwunden sind, und Er unser Friede mit Gott ist. Dieser Glaube im Herzen macht still. In Wahrheit: wer da glaubet, daß er bereits durch die heilige Taufe mit Jesu, dem Manne der Kraft und des Allvermögens im Schiffe ist, wird selig werden und wird in aller Noth beichten und beten und aus aller Noth herausgehen mit der erneuerten Erkenntniß: was ist das für ein Mann, dieser Jesus! Dem Wind und Meer gehorsam, dem auch die Teufel unterthan sind! Der unser Herz stillen kann! Gebet. O wahrer Mensch und großer Gott Jesu Christe, dem Wind und Meer gehorsam ist, wir erkennen unsere Schwachheit und Blödigkeit, daß wir ohne Deinen Trost im Ungewitter dieser Welt nicht bestehen können. Ach hilf uns und wache auf, ehe wir verderben. Gib Deiner Kirche heilsamen Frieden und beschütze Dein Schifflein wider alle Gewalt der stolzen Wellen, auf daß unsere furchtsamen Herzen getröstet und unser schwacher Glaube gestärkt werde, der Du Deiner Kirche beiwohneft, lebest und wachest, ein allmächtiger Nothhelfer. Amen. Vater Unser. Montag nach dem 4. Sonntage nach Epiphanias. Mel: Mein Herzens- Jesu, meine Lust ober: Es ist das Heil uns kommen her. Es ist in keinem Andern Heil, Ist auch kein Nam' gegeben, Darin wir könnten nehmen Theil An Seligkeit und Leben; Nur Jesus ist der ein'ge Mann, Der uns das Leben schenken kann. Gelobet sei Sein Name! O Name, werde doch in mir Durch Gottes Geist verkläret; Denn was verborgen liegt in Dir, Kein menschlich Herz erfähret. Vernunft kann es begreifen nicht; Ohn' Gottes Glanz und Gnadenlicht Bleibt es unaufgeschlossen. ( Vers 5 und 6 aus: Der Heiland heißet Jesus Chrift.) Matth. 12, 14-21. Da gingen die Pharifaer hinaus, und hielten einen Rath über ibn, wie sie ihn umbråchten. Aber da Jefus das erfuhr, wich er von dannen. Und ihm folgte viel Volks nach, und er beilete sie alle. Und bedrohete sie, daß sie ihn nicht meldeten; auf daß erfüllet würde, das gesagt ist durch den Propheten Jesaiam, der da spricht: Siehe, das ist mein Knecht, den ich erwäblet babe, und mein Liebster, an dem meine Seele wohlgefallen hat; Ich will meinen Geift auf ihn legen, und er soll den Seiden das Gericht verkündigen. Er wird nicht 124 zanken noch schreien, und man wird sein Geschrei nicht hören auf den Gaffen; Das zerstoßene Rohr wird er nicht zerbrechen, und das glimmende Tocht wird er nicht auslöschen, bis daß er ausführe das Gericht zum Siege; Und die Seiden werden auf seinen Tamen hoffen. So lieblich und freudenreich es ist, wenn ein Mensch durch die Gnade Gottes sich aus allen Irrthümern und Irrwegen der Sünde herauswickeln und zur seligen Erkenntniß Christi führen läßt, so traurig und betrübt ist es, wenn Jemand immer mehr in Bitterfeit und Haß gegen Christum fällt. Das letztere sehen wir stufenweise an den Pharisäern sich vollziehen. Der stille Widerspruch wird zum lauten Widersprechen; vom Widersprechen geht es zu Mordgedanken gegen den Heiland. Der Herr Jesus Christus, der die Bewegungen unsrer Seelen zum Guten und Bösen am Besten kennt, geht einstweilen nach Seiner Liebe den Pharisäern aus den Augen, damit sie nicht jählings weiter hinabstürzen in Bitterkeit und Blindheit. Der Seine Jünger lehrt, daß sie ihre Feinde lieben sollen, ist der Meister auch in der Feindesliebe. Wie Er mithin Mühe und Arbeit, Geduld und Liebe gegen die beweist, die es Ihm nicht danken, so wendet Er auch viel Geduld und Liebe an, um Seine Freunde, die Ihm zugethan sind, zurechtzubringen. Diese gleichen oft dem zerstoßenen Rohre und dem glimmenden Tochte. Was stößt nicht Alles an einem ChristenHerzen herum! Wie mancher ungünstige Wind wagt sich an das Flämmlein unseres Vertrauens und unsrer Liebe zu Jesu! Bald ist es das heilige Gesetz, das Schrecken einflößt, bald ist es die tief empfundene Schwachheit im Guten, bald der Blick auf Tod und Gericht, wodurch die Herzen der Christen geplagt werden. Nur derjenige, der die Schwachen tragen, das zerstoßene Rohr stüßen, das Wankende stärken und das Gebundene lösen kann, verdient den Namen eines Seelenhirten unter uns armen Sündern. Solch Einer ist Jesus, der Liebste Gottes, der nach dem Rathe der göttlichen Barmherzigkeit alles Gericht, worin uns die Sünde gebracht hat, zum Siege ausführt. Dazu hat der Vater Seinen Geist auf Ihn gelegt und darum hoffen die Leute auf Seinen Namen. Wir warten Seiner Güte. Es ist die Güte des Herrn, daß wir nicht gar aus sind mit unserm Glauben und unsrer Liebe zu Ihm. Seine Barmherzigkeit hat noch kein Ende, sondern sie ist alle Morgen neu. Gebet. O Herr Jesu, wahrhaftiger Gott und Heiland unsrer armen und bedürftigen Seele, wir danken Dir von Herzensgrund, daß Du das zerstoßene Rohr nicht zerbrichst und das glimmende Tocht nicht auslöschest, wie Du Selbst sagst. Wir danken Dir, daß Du unsern Seelen ein treuer Helfer und Heiland bist, und bitten Dich, Du wollest uns Deine Liebe, Treue und Kraft je länger, je mehr zu erkennen geben. Amen. Vater Unser. Dienstag nach dem 4. Sonntage nach Epiphanias. MeL.: Herzlich thut mich verlangen. Dem Herren mußt du trauen, Wenn dir's soll wohlergehn; Auf Sein Werk mußt du schauen, Wenn dein Werk soll bestehn. Mit Sorgen und mit Grämen Und mit selbsteigner Pein Läßt Gott Ihm gar nichts nehmen; Es muß erbeten sein. 125 Sudore Ihn, Ihn laß thun und walten! Er ist ein weifer Fürst Und wird Sich so verhalten, Daß du dich wundern wirst, Wenn Er, wie Ihm gebühret, Mit wunderbarem Rath Die Sach' hinausgeführet, Die dich bekümmert hat. ( Vers 2 und 8 aus: Besiehl du deine Wege.) Psalm 121. Ich bebe meine Augen auf zu den Bergen, von welchen mir Sülfe kommt. Meine Sülfe kommt von dem Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat. Er wird deinen Suß nicht gleiten laffen; und der dich behütet, schläft nicht. Siehe, der Hüter Ifraels schläft noch schlummert nicht. Der Herr behütet dich, der Herr ist dein Schatten über deiner rechten Sand, daß dich des Tages die Sonne nicht steche, noch der Mond des Nachts. Der Herr behüte dich vor allem Ulebel; er behüte deine Seele. Der Herr behüte deinen Ausgang und Eingang von nun an bis in Ewigkeit. Meine Schafe werden nimmermehr umkommen spricht der Herr. Nicht ist gesagt, daß Christi Schafe keine Noth und Gefahr leiden. Aber alle Noth wird sie nicht verschlingen. Darum nicht, weil der Herr, der allmächtige Gott sie in Seiner Hand hat. Nun kommt freilich die Noth von außen durch Verhältnisse, von innen durch allerlei Sorge und Druck. Das will Gott Selbst nicht aufhalten; aber das will Er, daß Seine Kinder es ernftlich mit Ihm versuchen und allewege erfahren, daß Er der allmächtige Gott ist. Darum die Augen in die Höhe und die Herzen in die unermeßlich reiche und tiefe CatechismusWahrheit versenkt, daß Gott, der im Anfange Himmel und Erde ge= macht hat, noch ist, gegenwärtig, allmächtig ist und um der Berge willen, auf welchen Sein lieber Sohn für unsere Sünden gelitten hat, unaussprechlich gnädig und barmherzig gegen arme Menschenherzen, die nach Ihm fragen. Wo ist nun die Noth und Sorge? Ach sie ist da bei Tage und bei Nacht. Sonne und Mond sind der Menschheit schädlich; Hitze und Frost, Krankheit und Siechthum bedrohen das Leben. Mehr noch, es ist Gefahr, daß unser Fuß gleitet, schrecklich gleitet, wie vor Zeiten Davids Fuß glitt; es ist Gefahr, daß ein Mensch, auch ein getaufter Christenmensch, der vor Zeiten sich des Todes und der Auferstehung Christi trösten konnte, Gottes Wege verläßt und hineinfällt in Unmuth, Sicherheit, Stolz, Weltliebe. es ist nicht zu sagen, wohin Einer fällt, der erst am Fallen ist. Ach Da -- 126 folgt das äußere Elend gleich mit; aber wenn das auch nicht, die arme, arme Seele, die dann in Irrthum und Unglauben und morgen in Verzweiflung dahineilt und rennt ohne Ruhe und Frieden. Das sind keine eingebildeten Gefahren, sondern wirkliche. Wo ist nun Rath für alle Fälle und alle Stunden? Allein bei Gott, der Himmel und Erde gemacht hat. Gott ist der wahre, sorgsame Menschenhüter. Zu Ihm kehre deßhalb die Seele jeden Augenblick um, so oft sie an Ihn denkt! Zu Ihm rufe man: Herr, behüte meine Seele! Dann steht die Antwort gewiß da: der Herr behütet dich; Er behüte deine Seele. Ihm sage man alle Noth. Die Antwort aus Seinem Heiligthum lautet: Er schläft nicht. Er schläft nicht. Probire es, glaub' es, so wirst du es erfahren, daß dieser Psalm nicht bloß in der Bibel steht, sondern auch in deinem Herzen ein Lied im höheren Chor wird. Gebet. Ach, Du getreuer, liebreicher Gott, in wie vieler bekannter und unbekannter Noth leben wir täglich mit Leib und Seele. Sollen wir uns mun quälen und in Mißmuth und Verzweiflung hinfinken? Das gefällt Dir nicht und uns schadet es nur. Aber das willst Du, Vater unseres Herrn Jesu Christi, daß wir uns an Dein Herz wenden und sonder Zweifel glauben, daß Du, Schöpfer Himmels und der Erden, die Haare auf unserm Haupte gezählt hast. So thue denn für Deine Stimme unsere Ohren auf, öffne unser Herz, daß Du darin reden und walten kannst; erquicke, stärke, befestige uns in dem Vertrauen zu Deiner Liebe und Barmherzigkeit, die Du in Christo geoffenbart hast. Amen. Vater Unser. Mittwoch nach dem 4. Sonntage nach Epiphanias. Mel.: Wachet auf, ihr faulen Christen oder: Wer nur den lieben Gott läßt walten. Wer aber mit Gebet und Ringen Auf ewig Allem Abschied gibt Und den Monarchen aller Dingen Von Herzen und alleine liebt, Der wird der Krone werth geschätzt Und auf des Königs Stuhl gesetzt. ( Hindurch!) ( Vers 3 und 4 aus: Was hinket ihr, betrogne Herzen.) Es gilt hier fein halbirtes Leben, Gott trönet kein getheiltes Herz; Wer Jesu fich nicht recht ergeben, Der macht sich selber Müh' und Schmerz Und träget zum verdienten Lohn Hier Qual und dort die Höll' davon. ( Hindurch!) 1 Kön. 18, 17-21. Und da Ahab Elia sabe, sprach Ahab zu ihm: Bist du, der Ifrael verwirret? Er aber sprach: Ich verwirre Israel nicht, sondern du und deines Vaters Saus, damit, daß ihr des Herrn Gebote ver laffen habt, und wandelt Baalim nach. Woblan, so sende nun hin, 127 und versammle zu mir das ganze Israel auf den Berg Karmel, und die vier hundert und funfzig Propheten Baals, auch die vier hundert Propheten des Sains, die vom Tisch Jsebel effen. Also fandte Ahab bin unter alle Kinder Ifrael, und versammlete die Propheten auf den Berg Karmel. Da trat Elia zu allem Volk, und sprach: Wie lange binket ihr auf beiden Seiten? Jft der Herr Gott, so wandelt ihm nach. Ift es aber Baal, so wandelt ihm nach. Und das Volk antwortete ihm nichts. Das Volk Israel lebte zu Elias Zeit in einer übeln Lage. Einestheils wollte es den Glauben der Erzväter und das Wort des lebendigen Gottes nicht ganz fahren lasfen, anderntheils hing es den Baalim in selbstgemachtem Gößerdienst an. Nicht Elias, sondern der zweifelnde, schwankende König Ahab verwirrte das Volk. Elias, wie ein Prediger Gottes, tritt offen vor das Volk hin und ernsthaft und flar fragt er: wie lange hinket ihr auf beiden Seiten? Ist der Herr Gott, so wandelt Ihm nach? ist es aber Baal, so wandelt ihm nach. Hier zeigt sich nun die faule Herzensstellung des Volkes. Denn das Volk antwortete ihm nichts. Es ist unschlüssig und will eben forthinken. So gibt es neben einer ziemlichen Anzahl Spötter und Lästrer, Kirchen- und Sakramentsverächter auch zu dieser Zeit eine noch größere Zahl Hinkender, die nicht ganz mit dem einigen Christenglauben, aber auch ebensowenig mit ihrer Vernunft und ihrem Herzen und der dünkelhaften Zeit brechen wollen. Hinken heißt, Gottes Wort noch Gottes Wort sein lassen, aber nicht danach sich richten, die christlichen Begriffe beibehalten von Buße, Glauben und Gebet, aber nicht das Reich Gottes in der Kraft suchen, den Armen geben und doch dem Irdischen anhangen; hinken heißt die Kirche besuchen und doch der Welt dienen. Wie lange hinket ihr? fragt Elias, d. h. auf die Dauer geht es nicht. Denn wer Sünde thut, ist der Sünde Knecht, wird mit jedem Tage unfreier und verstrickter in Irrthum und Ungerechtigkeit. - Ist der Herr Gott oder nicht? Nur der Herr ist Gott, der zu Elias Zeit Feuer vom Himmel fallen ließ. Unser Gott ist ein Feuer. Feuer, Geist und Leben sind Seine zehn Gebote; wer sie glaubt, soll das Feuer Gottes darin spüren. Feuer ist Seine Liebe, daß Er Seines eingebornen Sohnes nicht verschonet hat, sondern hat Ihn für uns dahingegeben. Feuer ist Sein heiliger Geist, mit dem wir getauft sind; Feuer sind alle Worte Seines Mundes und diese wollen wie Feuer in uns brennen. So wandelt ihm nach. Mach nur den Anfang in deinem Herzen damit, daß du Gott die Ehre gibst, daß Er allein Gott ist, du aber namenlos elend, hülflos und arm. Danach laß Gott weiter in dir Wollen und Vollbringen wirken. Gott führt zur klaren Erkenntniß, zum gewissen Glauben, zum feurigen Herzen, zu sicheren und nicht mehr hinkenden Schritten auf dem Wege des Univ.- Bibl. Giessen 128 Glaubens und der Liebe. Denn unser Gott ist lebendig und schafft in uns durch Jefum Christum, was Ihm wohlgefällig ist. Gebet. Lieber Gott, allmächtiger und starker Herr, der Du Dich vor Zeiten so herrlich durch Feuer vom Himmel kundgethan haft und in den letzten Tagen in Chrifto Deinem lieben Sohne Dich uns offenbareft, wir armen Sünder bitten herzlich, Du wollest unsere schwankenden und unlautern Herzen befestigen und reinigen. O hilf uns, Herr Jesu, daß wir an Dich den einigen Heiland von ganzem Herzen glauben und Dir dienen in Unschuld und Gerechtigkeit. Amen. Vater Unser. Donnerstag nach dem 4. Sonntage nach Epiphanias. Mel: Es ist das Heil uns kommen her. Ich rief dem Herrn in meiner Noth: Ach Gott, vernimm mein Schreien! Da half mein Helfer mir vom Tod Und ließ mir Trost gedeihen. Drum dank', ach Gott, drum dank' ich Dir. Ach danket, banket Gott mit mir! Gebt unserm Gott die Ehre! Der Herr ist noch und nimmer nicht Von Seinem Volk geschieden; Er bleibet ihre Zuversicht, Ihr Segen, Heil und Frieden. Mit Mutterhänden leitet Er Die Seinen stetig hin und her. Gebt unserm Gott die Ehre! ( Vers 4 und 5 aus: Sei Lob und Ehr' dem höchsten Gut.) Jefaia 54, 7-10. Ich habe dich einen kleinen Augenblick verlaffen; aber mit großer Barmherzigkeit will ich dich sammeln. Ich habe mein Angeficht im Augenblick des Jorns ein wenig von dir verborgen; aber mit ewiger Gnade will ich mich deiner erbarmen, spricht der Herr, dein Erlöser. Denn solches soll mir sein, wie das Waffer loab, da ich schwur, daß die Waffer Zoab sollten nicht mehr über den Erdboden geben. Also habe ich geschworen, daß ich nicht über dich zürnen, noch dich schelten will. Denn es sollen wohl Berge weichen, und Sügel hinfallen; aber meine Gnade soll nicht von dir weichen, und der Bund meines Sriedens foll nicht hinfallen, spricht der Herr, dein Erbarmer. Gott Selbst gedenkt Seiner Thaten und Seiner Worte. Was Er in alten Zeiten zu Noah geredet hat, dessen erinnert Er Sich als einer wahrhaftigen Zusage, die noch gilt. Wenn Gott mithin Sein Wort nicht vergißt, sondern Sich daran aus freiem Willen bindet, wie viel mehr sollen wir auf das feste, prophetische Wort achten als auf 129 das Helle, scheinende Licht. Wie man einen Ertrinkenden am Seile aus dem Wasser zieht, so will Gott uns an dem zwar unscheinbaren, aber doch starken Faden Seines Wortes, das wir mit Glauben ergreifen sollen, aus aller Noth herausretten. Denn ohne Noth geht es nicht. Durch viele Trübsale- das ist der alte Weg. Die Höchfte der Trübsale ist aber für eine christliche Seele die, daß sie nur Zorn und Ungnade fühlt und dem Gedanken verfällt: Gott hat mich verlaffen. Die Bitte, Gott möge uns nicht in Mißglauben und Verzweiflung fallen lassen, ist keine überflüssige. Das Christenleben ist eben eine Schifffahrt, und welche Stürme man zu erleben hat und welche Angst das Herz noch befallen wird, weiß Keiner, der eben erst zu Schiffe geht. Aller Christen Leben ist voll von Noth und Anfechtung. Da ist es denn sehr gut, daß Gott Seines Wortes nicht vergißt, weil wir es sobald vergessen haben. Damit bricht auch in die verlaffenste Seele wieder ein freundliches Licht, wenn der barmherzige Gott Sein Wort darin offenbaren und haften machen kann. Maria nur dieses Eine Wort sprach der Auferstandene zu der zerknickten Magdalena und diese war wie neugeboren. Ewige Gnade, lautere Gnade, freie Gnade, große Gnade wer nun die Augen und Sinne von den fallenden Bergen und Hügeln abwenden und glauben, kann an den Bestand des in der Taufe geschlossenen Gnaden- und Friedensbundes, der hat's; derselbe erinnert sich recht seines Erlösers und Erbarmers, der doch eben dieses und kein Verderber unsrer Seelen ist. - Gebet. Herr Jesu, Du bist barmherzig und gnädig und geduldig und von großer Güte und Treue. Daß Du uns züchtigst, ist Deine Liebe, die uns von dem Eiteln ab und zu Dir und Deinem heiligen Worte hinzieht. O Herr, sei gnädig unseren Seelen. Wende Dich zu uns mit Deiner großen, ewigen Gnade, die nicht bricht, ob auch die Berge weichen und gib, daß alle Trübsal eine Frucht der Gerechtigkeit bringe. Unser Kreuz sei unser Segen, wie Dein Kreuz der Weg Deiner Auffahrt war. Amen. Vater Unser. 9 130 Freitag nach dem 4. Sonntage nach Epiphanias. Eigene Melodie. Herzlich lieb hab' ich Dich, o Herr; Ich bitt', wollft sein von mir nicht fern Mit Deiner Hülf und Gnaden. Die ganze Welt nicht freuet mich, Nach Himmel und Erd' nicht frag' ich, Wenn ich Dich nur kann haben; Und wenn mir gleich mein Herz zerbricht, So bist Du doch mein' Zuversicht, Mein Theil und meines Herzens Trost, Der mich durch Sein Blut hat erlöst. Herr Jesu Christ, Mein Gott und Herr, mein Gott und Herr, In Schanden laß mich nimmermehr. Es ist ja, Herr, Dein G'schenk und Gab', Mein Leib und Seel' und was ich hab' In diesem armen Leben; Damit ich's brauch' zum Lobe Dein, Zum Nutz und Dienst des Nächsten mein, Wollst mir Dein' Gnade geben. Behüt' mich, Herr, vor falscher Lehr', Des Satans Mord und Lügen wehr'; In allem Kreuz erhalte mich, Auf daß ich's trag' geduldiglich. Herr Jesu Christ, Mein Herr und Gott, mein Herr und Gott, Tröst' mir mein Seel' in Todesnoth. ( Vers 1 und 2 aus: Herzlich lieb hab' ich Dich.) Psalm 73, 23-28. Dennoch bleibe Ich stets an dir; denn du håltst mich bei meis ner rechten Hand. Du leitest mich nach deinem Rath, und nimmst mich endlich mit Ehren an. Wenn ich nur dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erde. Wenn mir gleich Leib und Seele verschmachtet, so bist du doch, Gott, allezeit meines Herzens Troff und mein Theil. Denn, fiehe, die von dir weichen, werden umkommen. Aber das ist meine Freude, daß ich mich zu Gott halte, und meine Zuversicht setze auf den Herrn Herrn, daß ich verkündige alles dein Thun. Affaphs Tritt hätte beinahe geglitten und es fehlte nicht viel, so der wäre er mit seinen Füßen gestranchelt. Worüber? Er sah das große Glück der Gottlosen, das scheinbar sich nicht zu der Gerechtigkeit Gottes reimt, während Assaph, der mit unsträflichem Herzen Gott dienen will, sich in mancherlei Noth befindet. Es ist ihm fast, als wäre es umsonst Gott zu dienen. Es spinnen sich allerlei Zweifel, fast verdrießliche Gedanken in ihm án; in seinem Herzen gährt es unruhig und trübe. Aber es ist auch noch ein andrer Geist rechte Geist in ihm, aus welchem er spricht: dennoch bleibe ich stets an Dir. Nun findet sich bald, daß es doch nur lose Spinnegewebe gewesen sind, die Assaph gestört haben. Mit seinem Dennoch kommt er wieder in's richtige Element, die Sonne scheint ihm wieder, seine Seele wird wieder klar und still. Der Strick ist zerrissen, der Assaph drohte auf die andere Seite hinüberzuziehen. Die Wahrheit ist überall, wo das Herz sie nur ergreifen kann, siegreicher als der Schein und die Lüge. Es ist wahr, unsere Welt ist eine wunderliche. Es scheint oft - 131 nicht bloß, als sei es in Betreff unseres Wohlergehens einerlei, ob wir Gott fürchten und lieben oder nicht, sondern es scheint sogar beffer zu bekommen, nach seinen Lüsten zu leben. Die Gottlosen sind nicht im Unglück wie Assaph und andere Leute. Aber stille! Denn erstens sterben wir Alle; sterben wir von unsrer Noth, so sterben Jene von ihrem Glücke fort; wer verliert da das Wenigste? Zweitens gibt es auch ein Ende mit Schrecken; bloß ein Sarg, bloß der Tod, bloß die Ewigkeit sind so schrecklich, daß man den Sarg nicht sehen und an den Tod und an die Ewigkeit nicht denken mag. Drittens aber ist schon in diesem Leben alles menschliche Glück wurmstichig; es ist hier unten Alles verschleiertes Elend; der nagende Wurm ist die Schuld, die unermeßliche Schuld, die man hat, wenn man sie auch nicht haben will. Viertens Gott allein kann mit Seiner Gnade und Wahrheit unser wundes Herz erquicken. Selbst Himmel und Erde sind nichts für uns ohne die Gewißheit der Liebe Gottes in Christo. Alles zusammen gerechnet läuft es auf den Schluß hinaus: Das ist meine Freude, daß ich mich zu Gott halte und meine Zuversicht setze auf den Herrn Herrn und verkündige all Sein Thun. Solche Herzensfreude schenke uns Gott durch Christi bitteres Leiden und siegreiche Auferstehung von den Todten. Gebet. Ach mein Herr Jesu, Du hättest wohl mögen Freude haben, aber Du hast das Kreuz erduldet und Dich danach gesetzt zur Rechten auf den Stuhl Gottes und bist durch Leiden zur Herrlichkeit eingegangen. Herr, unser barmherziger Heiland, segne uns die Noth und Anfechtung unsrer Seelen und laß es jetzt und im letzten Stündlein solch ein Ende nehmen, wie Asfaph den Ausgang fand in den Worten des Heiligen Geistes: dennoch bleibe ich stets an Dir. Das gib uns nach Deiner Barmherzigkeit. Amen. Vater Unser. Sonnabend nach dem 4. Sonntage nach Epiphanias. MeL: Seelenbräutigam. Deiner Sanftmuth Schild, Deiner Demuth Bild Mir anlege, in mich präge, Daß kein Zorn, noch Stolz sich rege; Vor Dir sonst nichts gilt, Als Dein eigen Bild. Steure meinem Sinn, Der zur Welt will hin, Daß ich nicht mög' von Dir wanken, Sondern bleiben in den Schranken; Sei Du mein Gewinn, Gib mir Deinen Sinn. ( Vers 8 und 9 aus: Wer ist wohl, wie Du.) Roloff. 3, 12-17. So siebet nun an, als die Auserwählten Gottes, Heilige und Ge liebte, herzliches Erbarmen, Freundlichkeit, Demuth, Sanftmuth, Ge 9* 132 duld; und vertrage einer den andern, und vergebet euch unter einander; so jemand Klage hat wider den andern; gleichwie Chriftus euch vergeben hat, also auch ihr. Lleber alles aber siehet an die Liebe, die da ist das Band der Vollkommenheit. Und der Friede Gottes regiere in euren Herzen, zu welchem ihr auch berufen seid in einem Leibe, und seid dankbar. Laffet das Wort Chrifti unter euch reichlich wohnen, in aller Weisheit, lehret und vermahnet euch selbst mit Psalmen und Lobgesängen, und geistlichen lieblichen Liedern, und singet dem Herrn in eurem Herzen. Und alles, was ihr thut mit Worten oder mit werken, das thut alles in dem Namen des Herrn Jesu, und danket Gott und dem Vater durch ihn. In alten Zeiten ging Joseph irre auf dem Felde, als er seine Brüder suchte; er bedurfte der Zurechtweisung gar sehr. Ach wie sehr find wir zu unsern Zeiten in die Frre gerathen und kennen das wahre Christenthum meist nur noch aus Büchern. Man laffe die verlesenen Schriftworte, wie sie lauten, auf sich einwirken und gestehe, welche Gottesmenschen es sein müssen, die diesem Schriftworte entsprechen. Ist es nun mit unserm Glauben an Christum richtig, haben wir den lebendigen Glauben an den lebendigen Heiland, so müssen wir gestehen, daß uns nur noch ein Kleid gut genug sein darf, eben dasjenige, das uns Paulus zeigt. Aber hier gilt es ein ganzes Herz, einen entschlossenen Sinn; denn das Kleid foll wirklich angezogen werden, wogegen jedes andere abgelegt werden muß. Welch ein reicher, innerer und äußerer Schmuck sind herzliches Erbarmen, Freundlichkeit, Demuth, Sanftmuth, Geduld! Wer sich im Herzen mit Erbarmen und Demuth gürtet, kann im Leben Freundlichkeit und Sanftmuth erweisen. Und wer darin in Geduld fortfährt, kann auch den Andern vertragen. Die Liebe faßt wie ein Reif das Ganze zusammen, und wenn der innerste Grund fest ist, nämlich der Friede Gottes, welcher aus der gläubigen Gemeinschaft mit Christo dem ewigen Versöhner entspringt, so hat solch ein Christenthum Bestand. Christus der Gekreuzigte im Glauben ergriffen und bewahrt gibt Frieden und es ist Raum da, daß sich Christi heiliges, holdseliges Leben an Seinen Friedensjüngern offenbart. Der Brunnen, aus welchem Alles uns zufließt, ist Gottes Wort, welches deßhalb unter Christen wohnen nicht bloß herbergen foll. Erst, wenn es bei uns wohnt, wird es uns in seiner Kraft und Schönheit bekannt. Die Kirche hat dieses Wort mit Lobgesängen und lieblichen Liedern umsteckt. Diese Lieder sind ein wahrer Schatz, wer sie nur zu schätzen weiß. Ein edler, reiner Strom der Lehre, des Glaubens und der Liebe fließt durch die geistlichen Lieder. Endlich soll das Kreuz, der Name Jesu über dem ganzen Leben stehen; in dem Namen Jesu soll ein Christ Alles thun. Was er nicht in diesem Namen thun darf, darf er einfach nicht thun und nicht von sich gesagt sein lassen. Gelobet sei Gott, daß wir noch Zeit haben, das alte befleckte Lebens- - 133 kleid abzulegen und Christum mit Seinen Wohlthaten und Kräften anzuziehen. Gebet. Wir loben Dich, Herr Jesu, und preisen Deinen hülfreichen Namen. Herr, hilf uns, daß wir aufstehen von aller geistlichen Trägheit und Bosheit; erwecke unsere Seelen, daß sie nach Dir fragen, gib Deinem Worte Kraft, daß es uns vom Argen scheidet und uns Dein Leben und Deine Liebe einflößt. O Herr, hilf! D Herr, laß wohl gelingen. Amen. Vater Unser. 5. Sonntag nach Epiphanias. Mel.: Herr Jesu Christ, Dich zu uns wend. Ach Gott! es geht gar übel zu, Auf dieser Erd' ist keine Ruh, Viel Sekten und groß Schwärmerei Auf einen Haufen kommt herbei. Den stolzen Geistern wehre doch, Die sich mit G'walt erheben hoch Und bringen stets was Neues her, Zu fälschen Deine rechte Lehr'. Die Sach' und Ehr', Herr Jesu Christ, Nicht unser, sondern Dein ja ist; Darum so steh' Du denen bei, Die sich auf Dich verlassen frei. ( Vers 5-7 aus: Ach bleib' bei uns, Herr Jesu Christ.) Matth. 13, 24-30. Er legte ihnen ein anderes Gleichniß vor, und sprach: Das Simmelreich ift gleich einem Menschen, der guten Samen auf seinen Acker såete. Da aber die Leute schliefen, kam sein Seind, und såete Unkraut zwischen den Weizen, und ging davon. Da nun das Kraut und Frucht brachte, da fand sich auch das Unkraut. Da traten die Knechte zu dem Hausvater, und sprachen: Herr, bast du nicht guten Samen auf deinen Acker gesået? Woher hat er denn das Unkraut? Er sprach zu ihnen: Das hat der Seind gethan. Da sprachen die Knechte: Willst du denn, daß wir hingehen, und es ausgåten? Er sprach: ein! auf daß ihr nicht zugleich den Weizen mit ausraufet, so ihr das Unkraut ausgåtet. Laffet beides mit eins ander wachsen, bis zu der Erndte; und um der Erndte Zeit will ich zu den Schnittern sagen: Sammlet zuvor das Unkraut, und bindet es in Bündlein, daß man es verbrenne; aber den Weizen fammlet mir in meine Scheuren. Eigentlich ist die christliche Kirche nichts anderes, als die Versammlung aller Gläubigen und Heiligen. Jedoch in diesem Leben sind viele falsche Christen und Heuchter, auch öffentliche Sünder unter den Frommen. Christus säet nur guten Samen. Der Same ist das 134 Wort Gottes( Luc. 8, 11), wie der Herr Selbst mit eigenem Munde bieses Wort gepredigt hat und durch das Predigtamt eben dasselbe reine, geistvolle, lebendige, träftige Wort Gottes predigen läßt. Der gute Same sind aber auch nach unserm Gleichniß die Kinder des Reiches. Matth. 13, 38. Alles wahre Christenthum ist eine Wirkung Gottes im Menschen, ein Ausfluß göttlicher Kräfte in uns- vermittelt durch das Wort Gottes im Sacramente und in der Predigt. Sie haben das Wort angenommen damit kennzeichnet der Herr Joh. 17, 8 Seine wahren Jünger. Das ist scheinbar wenig und doch genug; denn das Wort Gottes, wo es wahrhaftig angenommen wird, beweist seine Gottes- Kraft, indem es uns wiedergebiert, erleuchtet, bekehrt und heiligt. Der Teufel denn dieser ist der Feind- säet das Unkraut zwischen den Weizen eben zwischen den Weizen, wie Judas zwischen den Zwölfen steckt, wie sich der Feind gerade in's Paradies schleicht. Er sät auch seinen Samen nämlich die Lüge, die halbe oder ganze, die offenbare oder verdeckte Lüge. Thr werdet mit nichten des Todes sterben oder ja! sollte Gott gesagt haben das ist der Same des Feindes. Das ist das verborgene, aber gefährlichste Werk des Argen, daß er uns vom Worte und das Wort von uns reißt. Denn wo soll der Glaube ruhen, wo soll das Gebet Stützen finden, wo soll unsere ganze Frömmigkeit wahren Grund haben, wenn wir im Herzen nicht das wahrhaftige Wort Gottes, sondern andere Lehren für wahr halten? Aus dem Unkraut falscher Lehre entspringen die Kinder der Bosheit, seien es nun sadducäische Weltmenschen oder pharisäische Schwärmer und Heuchler. Nur das Wort Gottes ist rein und lauter; nur dieses Wort macht die ihm wahrhaftig ergebenen Herzen innig und rein und demüthig. Der Sinn der Knechte: willst du denn, daß wir hingehen und das Unkraut ausgäten? ist nicht zu tadeln. Dem Bischofe zu Ephesus wird es zum Lobe gesagt, daß er die Bösen nicht tragen kann. Offbr. 2, 2. Ein rechtschaffener Jünger Jesu haßt das Arge und hängt dem Guten an; Feuer ist ja Feuer und muß brennen. Nur die Hitze und Ungeduld der Knechte ist sündlich. Es kommt eben nicht bloß auf den richtigen inneren Sinn an, sondern auch auf die rechten Sitten. Der Herr spricht: Nein! Es gehört hierher die Geduld Gottes und Seiner Heiligen. Mit dem Ohrabschlagen, wie es Petrus im Garten übte, ist eben nur das Ohr abgeschlagen. Größer ist die Geduld Jesu, die Raum zur Buße gibt. Dieser Raum kam bem vormaligen Pharisäer Paulus gut zu Statten, auch Petrus selbst noch, auch dem Schächer auch uns, die wir die Geduld des Herrn für unsere Seligkeit achten. Es könnte auch leicht Weizen mit dent Unkraut ausgerissen werden, weil der Herr allein die Seinen kennt. Aber am Ende scheidet sich's. Da hört man Heulen und Zähuklappen bei Allen, die in ihren Sünden geblieben sind. Vor dem Heulen dort bewahre uns Gott- darum schenke Er uns hier Weinen zuerst über - - - - unsere und dann über andrer Leute Sünde. Der Vernunft ist's eine Thorheit, daß selig sind, die da weinen Luc. 6, 21. Aber Gottes Wort ist wahrhaftig. 135 Gebet. Ach Herr Herr, wie hat der Feind sein Unkraut erst in das Paradies und jetzt in Deine liebe Kirche gesät, in welcher Pharisäer und Sadducäer und allerlei Keter leben! Herr Jesu, er= wecke Deine Macht über uns, daß wir durch Dein gütiges, gnädiges Wort in rechtschaffner Buße und lebendigem Glauben erneuert und endlich in Deinen seligen, schönen Himmel eingeführt werden. Amen. Vater Unser. Montag nach dem 5. Sonntage nach Epiphanias. Laß dem Fleische nicht den Willen, Gib der Lust den Zügel nicht. Willst du die Begierden stillen, So verlischt das Gnadenlicht. Mel.: Ringe recht, wenn Gottes Gnade. Cin in Wahre Treu' führt mit der Sünde Bis in's Grab beständig Krieg, Richtet sich nach keinem Winde, Sucht in jeden Kampf den Sieg. ( Vers 10 und 12 aus: Ringe recht, wenn Gottes Gnade.) Matth. 16, 21-26. Von der Zeit an fing Jesus an, und zeigte seinen Jüngern, wie er müßte hin gen Jerusalem gehen, und viel leiden von den Aeltesten, und obenpriestern, und Schriftgelehrten, und getödtet werden, und am dritten Tage auferstehen. Und Petrus nahm ihn zu sich, fuhr ihn an, und sprach: Herr, schone deiner selbst, das widerfahre dir nur nicht. Aber er wandte sich um und sprach zu Petro: Sebe dich, Satan, von mir, du bist mir årgerlich; denn du meinest nicht was göttlich, sondern was menschlich ist. Da sprach Jesus zu seinen Jungern: Will mir jemand nachfolgen, der verleugne sich selbst, und nehme sein Kreuz auf sich, und folge mir. Denn wer sein Leben erhalten will, der wird es verlieren; wer aber sein Leben verlieret um meinet willen, der wird es finden. Was hülfe es dem Menschen, so er die ganze Welt gewonne, und nåhme doch Schaden an seiner Seele? Oder was kann der Mensch geben, damit er seine Seele wieder Idse? Jünger Christi ist nicht lauter Geist. Das sieht man an Petrus, der ein wahrer Jünger Jesu ist, gleichwohl einen bösen Rath gibt und eine so ernste Abfertigung erhält. Es ist eine verkehrte Ansicht, nach welcher Petrus dem Herrn räth, Sich zu schonen und zwar ist biese Ansicht nicht so sehr aus dem Verstande, als aus dem Herzen, 136 aus dem leidensscheuen Herzen geboren. Wie gut ist es mithin, daß es nicht bloß für die Gottlosen, sondern auch für Petrus eine Zeit der Geduld gibt, wie Petrus selbst nachher in seiner Epistel schreibt, man solle die Geduld des Herrn für seine Seligkeit achten. In dieser Zeit hat Petrus Raum gefunden, die Wahrheit von dem Leiden und Auferstehen Jesu Christi erkennen und verstehen zu lernen. Und liegt nicht der letzte und eigentliche Grund all unseres Trostes eben darin, daß Christus der Herr für unsere Sünden gelitten hat und gestorben und um unsrer Gerechtigkeit willen auferstanden ist? So war und ist es göttlich, die Sünde zu büßen, damit sie vergeben werden könne. Wie aber bei Christo das Auferstehen dem Leiden folgte, so folgt noch immer dem Sterben das Leben. Man muß sein Leben verlieren, täglich etwas von dem, was dem Kreuze, dem Gehorsam und der Demuth Christi in unserm Herzen entgegen ist, dahintenlassen, so wird Gott neue Einsichten geben über Christi ewige Herrlichkeit und neues Verlangen, diesem Christo zu folgen, nicht obgleich Er das Kreuz trägt und gibt, sondern weil Er Selbst am Kreuze gestorben ist und die Seinen in Seinen Tod tauft und in Seine Todes- und Lebensgemeinschaft hineinzieht. O überlegen wir es tausendmal, was allein unser Unglück war und ist! Nichts Anderes, als die Sünde, die wie ein Gift durch all unser Blut, durch unsere Ansichten und Neigungen hindurchgedrungen ist, welche unsere edle Seele so übel verdorben hat. Es müsse alle Liebe und alle Zuneigung dem gehören, der für unsere Sünden gestorben ist und den Glauben an die ewige Vergebung der Sünden in unsrer Seele aufrichtet. Dieser Glaube aber müsse Licht und Kraft in unsern Herzen sein, daß wir Ihm nachfolgen, unser Leben verlieren, um Christi Leben zu gewinnen. Das helfe Gott! Gebet. Lieber Herr Jesu Christe, wir danken Dir innig, daß Du für unsere Sünden gestorben bist und uns nun zur Buße rufft. O Herr, weil es allein unser Friede ist, Dir zu leben und zu sterben, so werde unseres Herzens nicht müde, sondern lehre uns, was göttlich ist, wie wir je länger je mehr Dein Leiden und Sterben mit Dank betrachten und Dir nachfolgen sollen durch Sterben zum Leben. Amen. Vater Unser. 137 Dienstag nach dem 5. Sonntage nach Epiphanias. Mel.: Wie nach einer Waſſerquelle. Freud whs thrometne Und dann schlagt die Sündenglieder, Welche Adam in euch regt, In den Kreuzestod darnieder, Bis ihm seine Macht gelegt. Hauet Händ' und Füße ab; Was ench ärgert, senkt in's Grab Und denkt oft an Christi Worte: Dringet durch die enge Pforte! ( Vers 7 und 8 aus: Schaffet, schaffet Menschentinder.) Furcht muß man vor Gott stets tragen; Denn Er kann mit Leib und Seel' Uns zur Hölle niederschlagen. Er ist's, der des Geistes Del Und, nachdem es Ihm beliebt, Wollen und Vollbringen gibt. O so laßt uns zu Ihm gehen, Ihn um Gnade anzuflehen. 1. Joh. 3, 7-12. Wer aus Kindlein, laffet euch niemand verführen. Wer recht thut, der ist gerecht, gleichwie Er gerecht ist. wer Sünde thut, der ist vom Teufel; denn der Teufel sündiget von Anfang. Dazu ist erschienen der Sohn Gottes, daß er die Werke des Teufels zerstöre. Gott geboren ist, der thut nicht Sünde, denn sein Same bleibet bei ihm, und kann nicht fündigen, denn er ist von Gott geboren. Daran wird es offenbar, welche die Kinder Gottes und die Kinder des Teufels sind. Wer nicht recht thut, der ist nicht von Gott, und wer nicht feinen Bruder lieb hat. Denn das ist die Botschaft, die ihr gehöret babt von Anfang, daß wir uns unter einander lieben sollen. Nicht wie Cain, der von dem Argen war, und erwürgete seinen Bruder. Und warum erwürgete er ihn? Daß seine Werke böse waren, und feines Bruders gerecht. Daraus, daß das Unkraut mit dem Weizen wachsen soll, darf man keinen falschen Schluß machen, etwa als ob das Unkraut gebilligt würde, oder als ob nicht ein völliger Wesensunterschied zwischen Weizen und Unkraut wäre.. Und wenn auch um der menschlichen Kurzsichtigkeit willen das Wort stehen bleibt: auf daß ihr nicht zugleich den Weizen mit ausraufet, so ihr das Unkraut ausgätet, so heißt es doch auch: daran wird es offenbar, welche die Kinder Gottes und die Kinder des Teufels sind. Es ist zwischen beiden ein großer, gewisser Unterschied, der in seinem verborgensten Wesen Gott kund ist, oft aber auch vor unsern Augen untrüglich offenbar wird. Es verhält sich hiermit also. Die Menschheit liegt in der Sünde, diesem Werke des Teufels unter uns. Der Sohn Gottes ist erschienen und hat durch Seinen Tod und Auferstehen die Sünde sammt ihrem Urheber überwunden. Zu eben diesem Zwecke, die Werke des Teufels zu zerstören, erscheint Er noch und läßt deßhalb Sein Wort lehren und in Seinen Tod taufen. In Christi Wohlthaten und Gnaden, die uns dargeboten werden, liegt die Macht, die uns aus Gott gebiert. Wer aus Gott geboren ist, das heißt nichts Anderes, als wer von ganzem Herzen an den ihm angetragenen Sohn Gottes glaubt und mit dem Grunde seiner Seele Christo ergeben ist, der hat eben darin ein neues Leben, 138 so daß 1) die Sünde bei ihm und in ihm gerichtet, 2) seines Herzens Luft und Wille nicht mehr dem Argen ergeben, sondern dagegen 3) ein liebefertiger Sinn in ihm vorhanden ist, woraus 4) gegen den Nächsten ein lauteres, freundliches, demüthiges Wesen folgt. Das Sünde thun ist unmöglich, wo rechtschaffner Glaube an Christum ist. Gegen das Sünde fühlen und Sünde haben dient die Beichte und die immer von Neuem empfangene und angenommene Vergebungs- Gnade. Wie ganz anders ist es bei den Kindern des Teufels, bei welchen ein Sündenknoten zum andern geschlungen wird, und der wahre Ausgang aus dem Argen durch die Buße nicht geschieht. Lasset euch Niemand verführen, als ob der Glaube an's Evangelium keine Frucht der Liebe und des rechtschaffenen Lebens mit sich bringe. O Gebet. Herr Jesu, der Du Selbst angefochten wurdest von vielen Versuchungen zum Bösen, siehe, wir leben noch in dieser falschen, versuchlichen Welt. Herr, sei uns gnädig und schenke uns das Licht Deines wahrhaftigen Wortes. Stärke unsern Verstand in der Erkenntniß Deines heiligen Willens, kräftige unser Herz in allen göttlichen Trieben und gib, der Du Wollen und Vollbringen gibst, daß wir im Glauben uns Deiner Liebe und Macht allein getrösten und das Kennzeichen der Deinen, die Liebe an uns offenbar werde. Amen. Vater Unser. Mittwoch nach dem 5. Sonntage nach Epiphanias. Warum sollt' ich mich denn grämen? Hab' ich doch Christum noch, Wer will mir den nehmen? Wer will mir den Himmel rauben, Den mir schon Eigene Melodie. Gottes Sohn Beigelegt im Glauben? Schickt Er mir ein Kreuz zu tragen, Dringt herein Angst und Pein, Sollt ich drum verzagen? Der es schickt, der wird es wenden. Er weiß wohl, Wie Er foll Al' mein Unglück enden. ( Vers 1 und 4 aus: Warum sollt' ich mich denn grämen) Psalm 3. Ach Herr, wie sind meiner Seinde so viel, und setzen sich fo viele wider mich! Viele sagen von meiner Seele: Sie hat keine Hülfe bei Gott! Sela. Aber Du, Herr, bist der Schild für mich, und der mich zu Ehren seret, und mir mein Saupt aufrichtet. Ich rufe an mit meiner Stimme den Serrn, so erbôret er mich von seinem heiligen Berge, Sela. Ich liege und schlafe, und erwache; denn der Serr bålt mich. Ich fürchte mich nicht vor viel hundert Tausenden, 139 die sich umher wider mich legen. Auf, Serr, und hilf mir, mein Gott! denn du schlågft alle meine Seinde auf den Backen, und zerschmetterst der Gottlosen Jähne. Bei dem Herrn findet man Hülfe, und deinen Segen über dein Volk, Sela. David hat viele Feinde. Und wie es kommen kann, daß die eigenen Hausgenossen des Menschen Feinde sind, so ist Davids eigener Sohn Absalon sein Feind geworden. Das ist David sehr empfindlich gewesen. Aber noch empfindlicher war es ihm, daß Viele ihm seinen einigen höchsten Trost absprechen und sagen wollten, David habe keine Hülfe bei Gott. Und damit das Unglück voll wird, steigen wohl allerlei Zweifel in Davids Seele auf; es drückt ihn das Bewußtsein seiner Schuld. E Ein Christ kann es, so lange er auf Erden lebt, nicht vergessen, daß er eitel Strafe verdient hat. Was soll David thun? Mancher hätte wohl die Flügel sinken lassen und sich der Ohnmacht und dem Zweifelmuth hingegeben. So David nicht. Aber- fagt er- du Herr, bist der Schild für mich. Und mun ruft er in herzlichem Gebete den Herrn, den lebendigen Gott an und siehe! Der das Ohr gemacht hat, erhört ihn. Es dringen Kräfte der Erkenntniß und Gnade Gottes in seine angefochtene Seele. Gottes Majestät und Herrlichkeit stehen vor seinem Geiste und mit gewisser Zuversicht spricht David: bei dem Herrn findet man Hülfe und Deinen Segen über Dein Volk. Ja und Amen. Ist Gott für uns, wer mag wider uns sein? Mit Trauern fing der Pfalm an, mit Freuden hört er auf. So ist ein Wechsel auf Erden. Wenn's nur der Wechsel ist, daß es aus der Tiefe in die Höhe geht und nicht umgekehrt. Dann geht es vom Weinen zur Freude, wenn unser Lebensgrund ist und bleibt die große, ewige, freie Gnade Gottes in Christo. Wir müffen mithin unsere Hoffnung ganz auf die Gnade, die uns in Christo angeboten wird, gründen und auf nichts anderes, auf diese Gnade aber immer fester und gewisser bauen. Dann wird der Herr uns zu Ehren setzen und das Haupt aufrichten. Gebet. Ach Herr und Gott, kein Mensch und Creatur mag mir helfen und mich trösten, so groß ist mein Elend. Darum, der Du Gott bist und allein ewig mir helfen kannst, erbarme Dich meiner zeitlich und ewig. Deine Hand ist unverkürzt und Deine Macht hat kein Ende. Tröste meine Seele und sprich zu ihr: Ich bin deine Hülfe. Hilf allen Deinen Kindern, die auf Dich hoffen um des hülfreichen Namens Jesu Christi willen. Amen. Vater Unser. Donnerstag nach dem 5. Sonntage nach Epiphanias. Leide dich, leide dich, 3ion leide ohne Scheu 140 MeL: Fahre fort. Trübfal, Angst mit Spott und Hohne, Sei bis in den Tod getreu; Siehe auf die Lebenskrone, Zion fühlest du der Schlangen Stich, Leide dich, leide dich. Dringe ein, dringe ein, Zion, bringe ein in Gott, Stärke dich mit Geist und Leben, Sei nicht wie die Andern todt, Sei bu gleich den grünen Reben, Zion, in die Kraft für Heuchelschein Dringe ein, bringe ein. ( Vers 2 und 5 aus: Fahre fort.) 2. Tim. 2, 1-3. So sei nun stark, mein Sohn, durch die Gnade in Chrifto Jesu. Und was du von mir gehöret haft durch viele Jeugen, das befiehl treuen Menschen, die da tüchtig sind auch Andere zu lehren. Leide dich als ein guter Streiter Jesu Christi. Laffet beides mit einander wachsen spricht der Herr im Evangelium des vergangenen Sonntags. Also soll der Weizen wachsen, auch mitten unter dem Unkraut. Dem heiligen Paulus liegt es sehr an, daß der Glaube an Christum nicht bloß in die Herzen gepflanzt wird, sondern auch wächst und Fortgang hat. Was Timotheus von Paulo empfangen hat, soll er auch Andere lehren, damit das Reich Gottes erhalten und ausgebreitet werde. Wir reden die Wahrheit und wissen, daß das Reich Gottes für alle Menschen und alle Zeiten das einzige Salz, der einige, erhaltende Sauerteig ist. Darum ist es uns ein ernstes Gebet, daß Kinder und Kindeskinder bei dem allmächtigen, allein gewissen Worte und bei dem reinen Gebrauch der Sacramente erhalten bleiben. - Aber freilich, wer in die Weite wirken will, muß nach innen erstarken. Gottes Gnade ist zu diesem Zwecke eine mannigfaltige. Sie erweckt nicht bloß, sie erleuchtet auch; sie bewahrt und stärkt auch, vermehrt die Einsicht, heiligt den Willen, macht das Herz gewiß und fest und lehrt die Hände streiten. So mögen wir ja aus der Fülle Christi Gnade um Gnade nehmen, und es wird sich zeigen, daß so ge= wiß wir von uns selbst nicht einmal tüchtig sind, etwas Gutes zu denken, die Gnade Gottes in unsrer Schwachheit mächtig ist. Sie gibt auch Muth zu leiden als ein guter Streiter Jesu Christi. Wenn Christus bei uns ist, müssen und werden wir auch Seiner Leiden theilhaftig sein. Schont uns die Welt, so quält uns der Teufel oder unser Fleisch und Blut. Aber Gottes Gnade lehrt in Allem überwinden, harren, glauben, beten, leiden. Diese Guade sei mit uns Allen! 141 Gebet. Herr, Du gnadenreicher Gott, wie sollen wir Dir genugsam danken, daß uns noch in der Abendzeit dieser Welt Dein heiliges Wort rein und lauter erhalten worden ist! Erhalte uns und die Unsrigen bei Deiner Wahrheit und verleihe uns, daß wir uns Herzlich Deiner Gnade in Christo Jefu getrösten, auch durch dieselbe stark sein mögen in allem Guten, laufen und nicht matt werden, wandeln und nicht müde werden. Amen. Vater Unser. Freitag nach dem 5. Sonntage nach Epiphanias. Mel.: In dem Leben hier auf Erden oder: Gott des Himmels und der Erde. Es sind die, so viel erlitten Trübsal, Schmerzen, Angst und Noth, Im Gebet auch oft gestritten Mit dem hochgelobten Gott. Nun hat dieser Kampf ein End'; Gott hat all' ihr Leid gewend't. ( Vers 1 und 5 aus: Wer sind die vor Gottes Throne.) Wer sind die vor Gottes Throne? Was ist das für eine Schaar? Träget jeder eine Krone, Glänzen wie die Sterne klar, Hallelujah singen all', Loben Gott mit hohem Schall. Ebr. 11, 32-38. Und was soll ich mehr sagen? Die Jeit würde mir zu kurz, wenn ich sollte erzählen von Gideon, und Barat, und Simson, und Jephthah, und David, und Samuel, und den Propheten; welche haben durch den Glauben Königreiche bezwungen, Gerechtigkeit gewirket, die Verheißung erlanget, der Löwen Rachen verstopfet, des Seuers Kraft ausgelöschet, sind des Schwerdts Schårfe entronnen, sind Kraftig geworden aus der Schwachheit, sind stark geworden im Streit, baben der Fremden Seer darnieder gelegt. Die Weiber baben ihre Todten von der Auferstehung wieder genommen; die andern aber sind zerschlagen, und haben keine Erlösung angenommen, auf daß sie die Auferstehung, die besser ist, erlangeten. Etliche haben Spott und Geißeln erlitten, dazu Bande und Gefängniß; sie sind gesteiniget, und zerbackt, zerstochen, durch's Schwerdt getödtet; sie sind umher. gegangen in Pelzen und Ziegenfellen, mit Mangel, mit Trůbsal, mit Ungemach,( deren die Welt nicht werth war) und sind im Elend gegangen in den Wüsten, auf den Bergen, und in den Klüften und. Löchern der Erde. Gott kann in Wahrheit überschwenglich thun über Alles, was wir bitten und verstehen. Ephes. 3, 20. Wir können die Macht und Herrlichkeit Gottes nicht mit unsrer Vernunft ausmessen und umspannen. Nur wer es recht bedenkt, daß Gott mächtig, allein mächtig 142 ist( Psalm 62, 12) und nach Seiner Macht in uns wirket, kann mit Verwunderung erkennen, welche Kraft Gott in den entschlafenen Heiligen geoffenbart hat. Das ganze alte Testament gibt in vielen Ge schichten die Auslegung von dem obigen Schriftworte. Die Kraft Gottes soll uns kein matter Schatten sein, sondern Leben und Gestalt gewinnen; eben darum stellt uns die heilige Schrift das Leben der entschlafenen Kinder und Knechte Gottes vor Augen. Lernen wir daraus. Erstens, daß wir nicht dadurch Christen sind, daß wir uns von dem Gegenwärtigen beherrschen und knechten lassen, sondern dadurch allein, daß wir lernen, wie Christus uns berufen hat zu Priestern und Königen; Priester opfern, was sie haben, dem lebendigen Gott, Könige herrschen und überwinden. Zweitens dürfen wir uns nicht auf unsere Ohnmacht hin zur Ruhe begeben. Es stehet für uns geschrieben, daß die Kraft Chrifti in den Schwachen mächtig ist. Drittens fand und findet ein Wachsthum des göttlichen Lebens in den Gliedern Christi statt. Es geht durch kleinere zu größeren Proben. Vor Allem aber sind wir es nicht, die es ausrichten können; es ist vielmehr die ewige Kraft Gottes, die sich in Jesu geoffenbart hat und noch in Seinen Gliedern offenbaren will. Welch eine Ueberfülle von Liebe ist in Dem erschienen, der vom Himmel auf die Erde gekommen ist und das Kreuz erduldet hat! Welche Kraft der Ueberwindung ist in Jesu, der versucht wurde allenthalben, aber auch in aller Anfechtung als der Stärkere dastand. Dieser zur Versöhnung für uns gefreuzigte Christus ist auferstanden und lebt als das lebendige, siegreiche Haupt Seiner Gemeine. Zu Jefu dürfen wir ein Vertrauen haben, daß wir durch den Glauben an Seinen Namen auch gewinnen und das Feld behalten. Die Herzen in die Höhe! Das Vertrauen, welches eine große Belohnung hat, nicht weggeworfen! Gebet. Wir danken Dir, Du ewiger und reicher Gott, daß Du uns die heilige Schrift und in ihr viele Zeugnisse Deiner Kraft gegeben hast. Wir preisen Deinen Namen, daß Dein eingeborner Sohn der Vornehmste geworden ist unter Allen, die leiden und streiten, weil Er der Welt Sünde getragen und gebüßt hat. Nun hilf uns, barmherziger Gott, daß die Kraft Christi sich in uns offenbare und wir durch Christum den Teufel, den Tod, die Welt und unser Fleisch und Blut, die Zaghaftigkeit und den Kleinmuth überwinden. Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit. Amen. Bater Unser. 143 Sonnabend nach dem 5. Sonntage nach Epiphanias. # 1 mel.: Erhalt uns, Herr, bei Deinem Wort. Wer Gott's Wort hat und bleibt dabei Und hüt't sich vor Abgötterei, Das ist fürwahr ein sel'ger Mann, Der auch dem Teufel trutzen kann. Er hält Gott's Wort für kein Gedicht, Zum Herrn hat er fein' Zuversicht. Denselben ruft er täglich an, Daß er bleib' auf der rechten Bahn. ( Vers 1 und 2 aus: Wer Gott's Wort hat.) 2 Petr. 1, 16-21. Denn wir haben nicht den klugen Sabeln gefolget, da wir euch kund gethan haben die Kraft und Zukunft unsers Herrn Jesu Chrifti; sondern wir haben seine Serrlichkeit selbst gesehen, da er empfi Gott dem Vater Ehre und Preis, durch eine Stimme, die zu ihm geschah von der großen Herrlichkeit dermaßen: Dies ist mein lieber Sohn, an dem Jch wohlgefallen babe! Und diese Stimme baben wir gehöret vom Simmel gebracht, da wir mit ihm waren auf dem heiligen Berge. Wir haben ein festes prophetisches Wort; und ihr thut wohl, daß ihr darauf achtet, als auf ein Licht, das da scheinet in einem dunkeln Ort, bis der Tag anbreche und der Morgenstern aufgebe in euren Herzen. Und das sollt ihr für das erste wissen, daß keine Weisfagung in der Schrift geschiehet aus eigener Auslegung. Denn es ist noch nie eine Weisfagung aus menschlichem Willen bervorgebracht; sondern die heiligen Menschen Gottes haben geredet, getrieben von dem heiligen Geist. Die Brüder stärken, die Schafe und Lämmer weiden das war der Auftrag, den Petrus von dem Herrn empfing. Daß Petrus diesen Befehl ausgeführt hat, bezeugen seine beiden Briefe. Stärken und weiden will er die Christen, wenn er sie so schön und nachdrücklich hinweist auf die wunderbare Person des Herrn Jesu Christi und das von Ihm zeugende feste Wort Gottes. Den heiligen Aposteln war es gegeben, Christum im Fleische zu schauen und zu erkennen, daß Er Gottes Sohn, Gott Selbst ist sowohl in Seiner Niedrigkeit als in der liebe Seiner Erhöhung nach der Auferstehung. Er ist es gar Sohn Gottes voll Kraft und Herrlichkeit, der Grund unfres Glaubens und unsrer Hoffnung. Das ganze Himmelreich ist uns in Christo gegeben; denn in Christo ist Gott; wo Gott ist, ist der Himmel. Wie kann Petrus unsere Seelen deßhalb beffer weiden und stärken, als dadurch, daß er uns Christum voll Gnade und Wahrheit vor die Augen malt! Damit wir nun nicht noch einmal irren und von dem Geschrei: hier ist Christus, da ist Christus verführt werden, werden wir auf das gewisse Zeugniß der Schrift von Christo hingewiesen. Die heilige Schrift ist das Werk des Heiligen Geistes, der in der Schrift den Namen Christi offenbart und verklärt. Das Wort Gottes -- - 144 ist das Licht, dem eine erleuchtende Kraft inne wohnt. Welch eine Aufforderung liegt hierin für uns, auf das gewisse, feste Wort Gottes zu halten, den Anfang von der Erkenntniß Christi in unsern Herzen nicht verkümmern zu lassen, vielmehr zu pflegen und durch Gebrauch der Schrift Christum je länger, je mehr zu erkennen. Unser Heil ist da, denn Christus ist erschienen; es ist uns nahe im Worte, wir dürfen nur die Finsterniß nicht mehr lieben als das Licht, sondern müssen täglich unsern Geist von dem lichten und erleuchtenden Geiste Gottes durchdringen lassen. Die Probe, ob wir es recht machen, ist, daß Christus der Morgenstern in unsern Herzen aufgeht. Gebet. Herr Jesu Christe, wahres Licht und heller, schöner Morgenstern, Du bist in diese Welt gekommen und von den Propheten und Aposteln bezeugt. Gottes Gnade ist in Dir und mit Allen, die Dich lieb haben. Herr hilf uns, daß wir in den dunklen Ort dieser Welt und unsrer Herzen Dein Licht eindringen lassen. Wehre aller Trägheit und Gleichgültigkeit und gib, daß wir Dein heiliges Wort theuer und werth halten und durch dasselbe Dich, unsern barmherzigen, gnädigen Heiland recht erkennen und aufnehmen. Amen. 6. Sonntag nach Epiphanias. Jerusalem, du hochgebaute Stadt, Wollt' Gott, ich wär' in bir! Eigene Melodie. O schöner Tag und noch viel schönste Stund, Wann wirst du kommen schier? Mein sehnlich Herz so groß Verlangen hat Da ich mit Luft mit freiem Freudenmund Und ist nicht mehr bei mir. Weit über Berg und Thale, Weit über blaches Feld Schwingt es sich über alle Und eilt aus dieser Welt. Die Seele geb' von mir In Gottes treue Hände Zum auserwählten Pfand, Daß sie mit Heil anlände In jenem Vaterland? ( Vers 1 und 2 aus: Jerusalem, bu.) Matth. 17, 1-9. Und nach sechs Tagen nahm Jesus zu sich Petrum, und Jacobum, und Johannem, feinen Bruder, und führete sie beiseits auf einen hoben Berg. Und ward verklåret vor ihnen, und sein Angesicht leuchtete wie die Sonne, und seine Kleider wurden weiß, als ein Licht. Und siebe, da erschienen ihnen Mofes und Elias, die redeten mit ihm. Petrus aber antwortete, und sprach zu Jesu: Serr, hier ist gut sein; willst du, so wollen wir drei Hütten machen, dir eine, Mofi eine, und Elias eine. Da er noch also redete, siebe, da überschattete sie eine lichte wolke. Und siehe, eine Stimme aus der Wolke sprach: Dies ist mein lieber Sohn, an welchem ich wohlgefallen habe, den 145 follt ihr hören! Da das die Jünger böreten, fielen sie auf ihr Angesicht, und erschraken sehr. Jesus aber trat zu ihnen, rührete sie an, und sprach: Stehet auf, und fürchtet euch nicht. Da sie aber ihre Augen aufboben, saben sie niemand, denn Jesum allein. Und da sie vom Berge herab gingen, gebot ihnen Jesus, und sprach: Ihr sollt dies Gesicht niemand sagen, bis des Menschen Sohn von den Todten auferstanden ist. s ist ein Hauptwerk des Vaters der Lügen, uns die wahrhaftigen, himmlischen Dinge für Staub und Rauch ansehen zu lehren. Die himmlischen Dinge sind doch keine Asche, sondern Wahrheit und Wirklichkeit. Die Verklärung Christi gibt uns einen Einblick in das himmlische Wesen. Wie in der Verklärung Jesu Seine große Herrlichkeit auf kurze Zeit offenbar wurde, so ist in der zukünftigen Welt Alles bloß und entdeckt. Daß es Moses und Elias sind, braucht Niemand den Jüngern zu sagen; es steht ihnen an der Stirn geschrieben, und ihr Name und Wesen ist an ihrer ganzen Person offenbar. Die Seelen der Menschen verschwimmen nicht; Moses ist Moses und Elias ist Elias geblieben, Alles ist nur an ihnen verklärt. Im Himmel sind alle Auserwählten Gottes, Abraham und David, Maria und Joseph, Paulus und Petrus. Der Himmel ist kein Märchen, sondern volle, selige Wirklichkeit voll von Wundern der Kraft und Herrlichkeit Jefu. Ueberall und auch hier sollen wir nicht dem Lügner folgen, sondern dem Worte Gottes glauben. — Moses und Elias redeten mit Jesu; sie redeten von dem Ausgang, den Jesus sollte erfüllen zu Jerusalem. Luc. 9, 31. Die Himmlischen sind nicht stumm, nicht unvollkommener, sondern vollkommener als wir auf Erden. Moses und Elias reden von dem Ausgange Jesut zut Jerusalem, von Seinem Kreuz und Auferstehen. Größeres weiß Elias nicht, als dieses; Mosis verfluchendes Gesetz schweigt vor dem Kreuze Christi. Größeres gibt es nicht im Himmel und auf Erden, als das Blut Jesu Christi, das Er dahingegeben hat zur Versöhnung für unsere Sünden. In diesem Blute ist die Sünde und der Tod vernichtet; in diesem Blute quillt ein neues, göttliches Leben. Jesu, dem Lamme, das geschlachtet ist, gebührt aller Ruhm. Er ist die Sonne und Leuchte des ewigen Lebens. wir Glücklichen, daß wir in den schönen Himmel kommen können! Freilich nicht durch Träumen. Wir müssen einen Sinn und Geist haben, wie die Jünger, die sprachen: hier ist gut sein; unser Herz muß nach Christo verlangen, wie eine Braut sich nach dem Bräutigam sehnt. Wie ist das möglich? Gott zeigt uns den Weg an. Er sagt: Den- nämlich Christum follt ihr hören, nämlich hören mit dem Herzen und Gewissen, so daß, was Jesus sagt, wie ein Same in den Grund unsrer Seelen fällt und daselbst keimt und wächst. Wer von Gott ist, hört Gottes Wort. Wie entsetzlich, 10 - 146 wenn wir nicht hören und eben darum in die Hölle fahren. Hören wir, so erschrecken wir, die wir schuldig sind und verdammt, nicht fähig auf tausend Eins zu antworten. Hören wir, so sinken wir, bis wir hinsinken wie Staub und Asche. Hören wir, so wenden sich unsere Augen ab von Himmel und Erde und bleiben allein haften an Jesu, dem Gekreuzigten. Dieser Jesus allein ist der König des Himmels, der auf- und zuschließt und Macht hat die Sünden zu vergeben. Ja solche Macht ist bei Ihm, daß Er uns die Furcht und Unluſt, das Mißtrauen gegen Gott nehmen und dagegen Gerechtigkeit und Freude, Lust und Frieden schenken kann. Es liegt Alles für uns daran, daß wir Ihn hören. Gott sagt es, die Erfahrung bestätigt es. Gebet. Wir danken Dir, Herr Gott himmlischer Vater, daß Du Deinen eingebornen Sohn Jesum Christum vor den Augen Deiner Jünger verklärt hast und bitten Dich herzlich, Du wollest uns Christi Verklärung also betrachten lehren, daß wir Dir in Deinem lieben Sohne gefallen, vor Ihm am jüngsten Tage fröhlich erscheinen, zur Verklärung unsrer nichtigen Leiber durch Ihn gelangen und bei Ihm in den ewigen Hütten bleiben mögen. Amen. Vater Unser. Montag nach dem 6. Sonntage nach Epiphanias. Eigene Melodie. Rühmet, ihr Menschen, den hohen Namen Deß, der so große Wunder thut. zähle, Alles, was Odem hat, rufe Amen Und bringe Lob mit frohem Muth. Ihr Kinder Gottes lobt und preist Vater und Sohn und Heil'gen Geist. Hallelujah, Hallelujah! ( Vers 1 und 8 aus: Lobe den Herrn, o meine Seele.) Lobe den Herrn, o meine Seele, Ich will Ihn loben bis in Tod, Weil ich noch Stunden auf Erden Will ich lobfingen meinem Gott, Der Leib und Seel' gegeben hat, Werde gepriesen früh und spat. Hallelujah, Hallelujah! Pfalm 104, 1-5; 33. 34. Lobe den Herrn, meine Seele! Serr, mein Gott, du bist sehr herrlich; du bist schön und prachtig geschmůckt. Licht ist dein Kleid, das du anhaft; du breitest aus den Himmel wie einen Teppich. Du wölbest es oben mit Wasser; du fähreft auf den Wolken, wie auf einem Wagen, und gebeft auf den Sittigen des Windes. Der du machest deine Engel zu Winden, und deine Diener zu Seuerflammen; der du das Erdreich gründeft auf seinen Boden, daß es bleibet immer und ewiglich. Ich will dem Serrn singen mein Lebenlang, und meis nen Gott loben, so lange ich bin. Meine Rede müffe ihm wohlges fallen. Ich freue mich des Herrn. 147 Gott hat die ganze Creatur erschaffen; alle Dinge haben ihr Wesen und ihren Bestand nicht durch sich, sondern durch Gott. So ist die Creatur ein Zeuge der göttlichen Kraft und Herrlichkeit. Daß wir das nicht sehen, ist unsere Blindheit; damit wir es sehen, hat Gott es uns durch Sein Wort geoffenbart. Nun können wir Seinem Worte, diesem wahrhaftigen Lichte nachforschen und nachsinnen, damit Gottes unsichtbares Wesen, das ist Seine ewige Kraft und Gottheit von uns an den Werken Gottes, nämlich an der Schöpfung der Welt erkannt werde. Das Licht und der Himmel, die Wolken und die Winde, das Erdreich mit seiner Frucht sollen unserer Seele Merkzeichen werden, daß hinter diesen sichtbaren Creaturen der unsichtbare Schöpfer steht. Freilich bringt es unser in Finsterniß gefallenes Herz mit sich, daß uns die Natur ein verschlossenes Buch geworden ist. Wir sind voll Unlust, Gott überhaupt und auch aus der Natur zu erkennen. Erst wenn uns der Geist Gottes das Ohr aufthut und die Augen öffnet für die wunderbarste Offenbarung Gottes in dem Kreuze Christi, erwacht in unserm Geiste Gottes Erkenntniß und Gottes Lob. So groß und wichtig und grundlegend der erste Artikel von der Schöpfung ist, so gelangen wir zu demselben erst durch den zweiten und dritten. Christi Geist ist der neue Geist, der uns unter vielen Freuden auch die Freude wiederbringt an der Natur, an Sonne, Mond und Sternen, an Winden und Wolfen, als den Zeugen des großen und Herrlichen Gottes. Lobe den Herrn, meine Seele, nach allen drei Artikeln des Glaubens, auch nach dem ersten. - Gebet. Allmächtiger, großer Gott, Schöpfer aller Dinge, Vater unseres Herrn Jesu Christi, wir bitten Dich, Du wollest unsern in sich finstern Herzen verleihen, daß wir nicht Deine Wahrheit in Lügen verwandeln, noch dem Geschöpfe mehr dienen denn Dir, dem Schöpfer. Wir danken Dir, daß Du durch Christum uns Deine Gnade geschenkt haft, auch die Creatur, die mit uns seufzet nach Freiheit, frei machen willst. Verleihe in Gnaden, daß wir als Deine lieben Kinder Dich zeitlich und ewig loben und preisen. Amen. Vater Unser. Jesu, meine Wonne, Du meiner Seelen Sonne, Du Freundlichster auf Erden, Laß mich Dir dankbar werden. Dienstag nach dem 6. Sonntage nach Epiphanias. Mel.: Nun laßt uns Gott dem Herren. Dir dank ich für Dein Lieben, Das standhaft ist geblieben; Dir dant ich für Dein Sterben, Das mich Dein Reich läßt erben. ( Vers 1 und 6 aus: O Jeju, meine Wonne.) 10* 148 Apoftelgesch. 10, 36-40. Ihr wisset wohl von der Predigt, die Gott zu den Kindern Israel gesandt hat, und verkündigen lassen den Frieden durch Jesum Chriftum,( welcher ist ein Herr über alles,) die durch das ganze judische Land geschehen ist, und angegangen in Galilåa, nach der Taufe, die Johannes predigte: Wie Gott denselbigen Jesum von Mazareth gefalbet bat mit dem heiligen Geist und Kraft; der umber gezogen ift, und hat wohl gethan, und gesund gemacht alle, die vom Teufel überwältiget waren, denn Gott war mit ihm. Und wir sind Jeugen alles deß, das er gethan hat im jüdischen Lande, und zu Jerusalem. Den haben sie getödtet, und an ein Sol; gebånget. Denselbigen bat Gott auferwecket am dritten Tage. Gott war mit Jesu. Viele waren gegen Ihn. Jesus hatte keine Freunde unter den Hohen und Angesehenen, oder doch nur sehr vereinzelte, die weltliche und geistliche Obrigkeit war wider Ihn. Die Schriftgelehrten und Pharisäer haßten Ihn. Der Teufel stritt gegen Ihn. Aber Gott war mit Ihm und ist noch mit Ihm. Darum ging und geht Sein Werk fort. Und ob Er gekreuziget worden iſt, Gott war mit Ihm; am dritten Tage hat Gott Ihn auferwecket. Ach, freuen wir uns doch dieses Herrn Jesu von ganzem Herzen. Er ist ein Herr über Alles, aber Seine ganze Herrlichkeit will Er mir haben und geltend machen uns zu gute. Wohlthun und gesund machen, barmherzig, gnädig, geduldig sein ist Seine Lust. Zeugen davon sind Alle, die Ihn erkannt haben. Was ist's nun, das uns von der Gemeinschaft dieses barmherzigen, rettenden Jesu zurückhalten und scheiden will? Es sei, was es fei, wir dürfen nimmer erfunden werden, als Solche, die wider Ihn sind. Gott ist mit uns, wenn wir Jefum Christum lieb haben. Wir armen Sünder, die wir so viele Gründe und Vorstellungen nöthig haben, bis wir unser wahres Heil, Christum den Gekreuzigten und Auferstandenen erkennen! Wir sollten längst laufen, im lebendigen Glauben und brünstiger Liebe zu Ihm stehen. Gott beffere es und nehme die Hüllen von unsern Augen, damit wir den Frieden, der höher ist als alle Vernunft, in Christo finden. - - Gebet. Großer und wahrhaftiger Gott, welcher Mensch kann Deine Liebe genugsam preisen, daß Du Deines eingebornen Sohnes nicht verschonet häst! Wir bitten Deine grundlose Barmherzigkeit, Du wollest uns Deinen lieben Sohn durch Deinen Heiligen Geist vor unsere Augen malen, der ein Herr über Alles unser einiger Mittler und Versöhner, Fürsprecher und Erretter ist. Jesu Name müsse uns eine ausgeschüttete Salbe sein. Amen. Vater Unser. 149 Mittwoch nach dem 6. Sonntage nach Epiphanias. Mel.: Alles ist an Gottes Segen. Jesu, der Du bist alleine Haupt und König der Gemeine: Segne mich Dein armes Glied! Wollst mir neuen Einfluß geben Deines Geistes, Dir zu leben, Stärke mich durch Deine Güt'. Ach, Dein Lebensgeist durchdringe, Gnade, Kraft und Leben bringe Deinen Gliedern allzumal, Wo sie hier zerstreuet wohnen Unter allen Nationen, Die Du kenneft überall. ( Vers 1 und 2 aus: Jesu, ber Du bist.) Matthäi 15, 29-31. Und Jesus ging von dannen fürbaß, und kam an das galiläische Meer, und ging auf einen Berg, und setzte sich allda. Und es kam zu ihm viel Volks, die hatten mit sich Labme, Blinde, Stumme, Krüppel, und viele andere, und warfen sie Jesu vor die Süße; und er heilete fie, daß sich das Volk verwunderte, da sie sahen, daß die Stummen redeten, die Krüppel gesund waren, die Lahmen gingen, die Blinden saben; und priesen den Gott Ifraels. Ohne daß es mit klaren Ausdrücken gesagt ist, lesen wir in diesen Worten von Jesu großer Herrlichkeit. Das ist Seine Herrlichkeit, daß man Ihm die Lahmen, Blinden, Stummen und Krüppel vor die Füße werfen darf und siehe! Er heilt sie. Wie viele Menschen haben sich zu ihrer ewigen Freude schon über diese Sünderliebe Jesu gewundert und haben darüber Gott gepriesen! Und noch immer ist und bleibt Jesu liebreiches Erbarmen der einzige Grund unsrer Hoffnung. Wunder der Gnade an Leib und Seele thun ist Jesu des Heilandes milde Hülfe; Seine Wunder erfahren unser Heil und Freude. Damals sind viele Hülfsbedürftige in der Welt gewesen. Aber deren ist die Welt allezeit so voll, als Menschen drin sind. Wir dürfen nur uns selbst und Andere nicht für glücklich und zufrieden halten; wir sind es ja in Wahrheit nicht, werdens auch in Ewigkeit nicht, bis wir vor Jesu Füßen liegen und von Ihm gnädig angesehen und geheilt worden sind. So soll uns denn die gemeldete Herrlichkeit Jesu noch recht groß werden, daß man Ihm allerlei geplagte Menschen vor die Füße werfen darf und Er sie heilt. Das helfe der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs! Gebet. Herr Jesu Christe, Du eingeborner Sohn Gottes, Preis Deines Volkes Israel und Licht der Heiden, wie hast Du die Menschen so lieb! Blicke gnädig auf uns hernieder und laß uns erkennen, daß wir ohne Dich dürftig und elend sind. Siehe uns an mit Deinen erbarmenden Augen, segne uns mit Deiner allmächtigen Hand und gib, daß wir Dich sammt dem Vater und dem Heiligen Geiste loben und preisen. Amen. Vater Unser. 150 Donnerstag nach dem 6. Sonntage nach Epiphanias. Mel.: Herzlich thut mich verlangen. Weg' hast Du allerwegen, An Mitteln fehlt Dir's nicht; Dein Thun ist lauter Segen, Dein Gang ist lauter Licht. Dein Werk kann Niemand hindern, Dein Arbeit darf nicht ruhn, Wenn Du, was Deinen Kindern Ersprießlich ist, willst thun. Hoff, o du arme Seele, Hoff, und sei unverzagt! Gott wird dich aus der Höhle, Da dich der Kummer nagt, Mit großen Gnaden rücken, Erwarte nur die Zeit, So wirst du schon erblicken Die Sonn' der schönsten Freud'. ( Vers 4 und 6 aus: Befiehl du beine Wege.) Matth. 14, 22-27. Und alsobald trieb Jesus seine Jünger, daß sie in das Schiff traten, und vor ihm herüber fuhren, bis er das Volk von sich ließe. Und da er das Volk von sich gelaffen hatte, ftieg er auf einen Berg allein, daß er betete. Und am Abend war er allein daselbst. Und das Schiff war schon mitten auf dem Meer, und litt Toth von den wellen; denn der Wind war ihnen zuwider. Aber in der vierten Tachtwache Fam Jesus zu ihnen, und ging auf dem Meer. Und da ihn die Jünger saben auf dem Meer geben, erschraken sie, und sprachen: Es ist ein Gespenst; und schrien vor Surcht. Aber alsobald redete Jesus mit ihnen, und sprach: Seid getroft, Ich bin es, fürchtet euch nicht. Der er Herr treibt Seine Jünger, daß sie in das Schiff treten und ohne Ihn hinüberfahren sollen. So ist es kein Zufall, daß sie auf dem Meere in Noth gerathen; es ist Gottes Absicht darin. Zufall gibt es nicht, so wenig es etwas gibt, das höher ist als Gott. Der Gedanke an Zufall ist ein Nebelbild, das uns den klaren Blick auf Jesu Gottheit und Allgewalt trübt. Der Herr bleibt auf dem Berge allein und betet. Was Er gebetet hat, wissen wir nicht, und wüßten wir es, wir verständen es wohl nicht. Aber das wissen wir, daß Er um unsretwillen gebetet hat, damit unsere Nacht hell werde und uns kein Trost mangele in der Einsamkeit und Verlaffenheit. Damit wir im Himmel mit Gott und Seinen heiligen Engeln zusammenleben möchten im Lichte und in der Freude, darum ist der Herr in der Nacht allein und betet. Gelobet fei Er! Noch sind wir in der Nacht. Man empfindet Grauen und ruft: es ist ein Gespenst. Man erschricht vor Furcht. Seit dem Tage des Sündenfalls ist Angst und Schrecken unser betrübtes Theil und zwar so sehr, daß uns selbst die Nähe und Gegenwart des freundlichen, barmherzigen Gottes zunächst Furcht und nicht Freude macht. Dieser 151 inwendige, tiefe Jammer unsrer Seele ist so groß, daß es umsonst ist, ihn zu leugnen oder mit Künsteleien zu verbergen. Nur Eins ist es, das ist's. Das das uns helfen kann. Jesus redete mit ihnen errettet uns, wenn wir Jesu Stimme hören, der da spricht: Ich bin es; Ich habe, damit du Freude hättest, Schmerzen gehabt; damit du nicht verlassen bist, bin 3ch allein gewesen; damit du zu Gnaden kämest, habe Ich am Fluchholze gehangen. Sei getrost, fürchte dich nicht. Vor dieser Rede, wer sie hört, legt sich der Wind. Man verwundert sich mit Recht über Dich, o Jefu, der Du uns erniedrigst, damit Du uns erhöhest; der Du uns in Angst kommen läsfest, damit wir Deine Liebe schmecken. - Gebet. Jesu, Du freundlicher Herr und Heiland, Du hast Dich unsrer so herzlich erbarmt. Deine Weisheit und Güte ist unaussprechlich. Auf Dich sind wir geworfen. Es mag uns keine Creatur helfen, sondern Du alleine. So bitten wir Deine grundlose Liebe, gib uns den rechten, wahren christlichen Glauben, daß Du für uns gestorben bist und wir durch Dich allezeit Gnade und Barmherzigkeit bei Gott erlangen können. Amen. Vater Unser. - Freitag nach dem 6. Sonntage nach Epiphanias. Harfe No 21 Mel.: Alles ist an Gottes Segen. Gott ist Herr; der Herr ist Einer Und demselben gleichet Keiner; Nur der Sohn ist Ihm ganz gleich. Deffen Stuhl ist unumstößlich, Deffen Leben unauflöslich, Deffen Reich ein ewig Reich. Ich auch auf der tiefsten Stufen, Ich will glauben, reden, rufen, Ob ich schon noch Pilgrim bin: Jesus Christus herrscht als König, Alles sei Ihm unterthänig! Ehret, liebet, lobet Ihn! ( Vers 5 und 18 aus: Jesus Christus herrscht als König.) Offenb. Joh. 1, 12-18. Und ich wandte mich, um zu seben nach der Stimme, die mit mir redete. Und als ich mich wandte, sabe ich sieben goldene Leuchter, und mitten unter den sieben Leuchtern einen, der war eines Menschen Sohne gleich, der war angethan mit einem Rittel, und begürtet um die Brust mit einem goldenen Gürtel. Sein Haupt aber und sein Saar war weiß, wie weiße Wolle, als der Schnee, und seine Augen wie eine Seuerflamme; und seine Süße gleichwie Messing, das im Ofen glühet, und seine Stimme wie großes Wafferrauschen; und batte sieben Sterne in seiner rechten Hand, und aus seinem Munde ging ein scharfes zweischneidiges Schwerdt, und sein Angesicht leuch 152 tete wie die belle Sonne. Und als ich ihn sabe, fiel ich zu seinen Süßen als ein Todter; und er legte seine rechte Sand auf mich, und sprach zu mir: Sürchte dich nicht, Jch bin der Erfte und der Leste, und der Lebendige. Jch war todt; und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit, und habe die Schlüffel der Hölle und des Todes. Verkläre Mich bei dir Selbst mit der Klarheit, die Ich bei Dir hatte, ehe die Welt war so hat der Heiland zu dem Vater gebetet kurz vor Seinem Tode. Er ist verklärt worden in und nach Seiner Auferstehung. Der Apostel Johannes läßt uns einen Einblick thun in die übernatürliche, ewige Herrlichkeit Jesu; alle Worte, die er braucht, bezeichnen die große Majestät Christi. Seine Augen wie eine Feuerflamme fo verzehrend, Seine Stimme wie großes Wasserrauschen und wie ein scharfes, zweischneidiges Schwert; Gottes Wort ist in Wahrheit allmächtig, weil es aus dem Munde des Allmächtigen geht; Sein Angesicht wie die helle Sonne. In der Natur ist keine größere Klarheit als die Sonne; nur Jesu Angesicht ist noch heller, reiner, klarer. Er war todt welch ein Wunder, daß der da lebt von Ewigkeit zu Ewigkeit, todt war. Seitdem hat Er die Schlüssel des Todes und der Hölle und hat den Tod und die Hölle bezwungen. Stille vor Ihm alle Welt! Meine Seele, sei stille zu Ihm und vor Ihm. Er wandelt unter den sieben Leuchtern d. i. unter den sieben Gemeinen; Er wandelt und ist gegenwärtig in der Christenheit. Johannes, der viele Jahre lang in der Gnade Jesu gestanden hatte, fiel als ein Todter zu Seinen Füßen, als er diese Herrlichkeit sah. Es ist das Bewußtsein seiner Sündhaftigkeit, obwohl er kein Sündendiener ist, daß er als ein Todter hinfällt. Wo sollen wir bleiben? Wollen wir nicht sein wie Cain, der flieht und doch nicht entfliehen kann, so müssen wir fleißig sein und Buße thun. Die Flammenaugen Jesu sehen auf unsere Missethat; Seine große Stimme ruft: gedenke, wovon du gefallen bist und thue Buße. Wir verführen mur uns selbst, und es ist keine Wahrheit in uns, so wir sagen wollen, wir haben keine Sünde. Gebe Gott, daß wir keine herrschende Sünde haben; so haben wir doch angeborene und anklebende. Wo nun aber Buße ist, ist auch Leben. Der Herr legt Johannes Seine Hand auf; auch in der Herrlichkeit hat Jesus noch die segnende Hand, die Er zerschlagenen Sündern auflegt und durch welche Er ihnen Leben mittheilt. So helfe Gott, daß wir uns fürchten vor Jesu Flammenaugen und Seiner göttlichen Majestät, aber auch empfinden, daß Gnade und Barmherzigkeit, Friede und Kraft in unsere Seele von Ihm ausfließen. - - Gebet. Herr Jesu Christe, Dir ist Niemand gleich. Der Du Mensch geworden bist von Maria der Jungfrau, bist auch der ewige wahrhaftige Gott. Dein Zorn ist schrecklich. O Herr Herr, heiliger 153 Gott, wir armen Sünder bitten Dich, Du wollest uns verleihen, daß wir Deine große Majestät recht betrachten und Deine unergründliche Gnade, Du Gekreuzigter, gegen zerbrochene Herzen fest glauben. Gib auch, daß wir in solcher Erkenntniß Niemanden und Nichts fürchten als Dich alleine. Amen. Vater Unser. Sonnabend vor Septuagesimae. Mel: Alle Menschen müssen sterben. Herzens- Jesu, Deine Güte Steckt mir auch ein Kleinod für; Das entzündt mir mein Gemüthe Durch den Reichthum seiner Zier. O wie glänzt die schöne Krone Von dem hohen Ehrenthrone, Die Du in der Herrlichkeit Deinen Streitern hast bereit. O mein Jesu, steh mir Armen In so großer Schwachheit bei. Laß Dich meine Noth erbarmen! Mache mich von Allem frei, Was mir will mein Ziel verrücken. Komm, mich selbst recht zuzuschicken; Gib mir Kraft und Freudigkeit, Fördre meinen Lauf und Streit. ( Vers 2 und 5 aus: Wer das Kleinob will erlangen.) 1 Cor. 9, 24-27, und 10, 1-5. wiffet ihr nicht, daß die, so in den Schranken laufen, die laufen alle, aber Einer erlanget das Kleinod? Laufet nun also, daß ihr es ergreifet. Ein Jeglicher aber, der da kampfet, enthålt sich alles Dins ges: jene also, daß sie eine vergångliche Krone empfangen; wir aber, eine unvergängliche. Ich laufe aber also, nicht als auf's Ungewiffe; ich fechte also, nicht als der in die Luft ftreichet; sondern ich betäube meinen Leib, und zähme ihn, daß ich nicht den Andern predige, und felbft verwerflich werde. Ich will euch aber, lieben Brüder, nicht verhalten, daß unsere Våter sind alle unter der Wolke gewesen, und sind alle durch das Meer gegangen; und sind alle unter Mofe getauft, mit der Wolke und mit dem Meer; und haben einerlei geistliche Speiſe gegeffen; und haben alle einerlei geiftlichen Trank getrunken; sie tranken aber von dem geistlichen Sels, der mit folgte, welcher war Christus. Aber an ihrer Vielen hatte Gott keinen wohlgefallen; denn sie sind niedergeschlagen in der Wüste. Welch heller Lichtstrahl fällt durch diese Epistel, absonderlich deren zweite Hälfte, in die Geschichte des Volkes Israel im alten Bunde! Auch da schon war Christus nicht nur in Weissagungen, sondern auch in Geschichten der Mittelpunkt und die Quelle, aus der Wasser des Lebens fließt für alle Durstigen auf dem heißen Wüstenwege, der nach Canaan führt. Was aber dort nur Schatten, Vorbild war, oft in Dunkel gehüllt, die Gnade und Wahrheit ist uns hellleuchtend im neuen Bunde geworden, der geistliche Fels, welcher in 154 - 3 Wahrheit mitfolgt auf unserer Reise durch die Wüste der gefährlichen und versuchlichen Welt, in das gelobte Land seliger Ruhe, es ist Christus und wir können mit Freuden kommen und Wasser schöpfen aus dem Heilsbrunnen. ,, Denn wer das Wasser trinken wird, das Ich ihm gebe, den wird ewiglich nicht dürsten; sondern das Wasser, das Ich ihm geben werde, das wird in ihm ein Brunnen des Wassers werden, das in das ewige Leben quillet." ,, Der Fels war Christus." Der Herr Christus war. Merke, Er ist schon gewesen im alten Testament bei den Vätern in der Wüste- lange vor Seiner Geburt, das stimmt zu dem: 3m Anfang war das Wort, und bestätigt Sein: Wahrlich, wahrlich, ehe denn Abraham ward bin Jch. Christus war schon als der unerschaffene Bundes Engel Gottes( 2. Mos. 14, 19 und 33, 14 ff. 5. Mos. 32, 4) dem Volke Ifrael ein Felsen. Wohl allen, die auf Ihn trauen; wer zu Ihm läuft, wird wohl erhalten. Es ist aber ein geistlicher Felsen, der mit folgte. Moses Felsen blieb stehen; Christus aber war der Israeliten Reisegefährte durch die Wüste und ist nun recht unser trener Gefährte; das befundet Seine Abschiedspredigt: Ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende; Sein fegnendes Wort: Ich will euch nicht Waisen lassen, Ich komme zu euch. Darum fürchte dich nicht, Ich bin mit dir, weiche nicht, denn Ich bin dein Gott, Ich stärke dich, Ich helfe dir auch, Ich erhalte dich durch die rechte Hand Meiner Gerechtigkeit. Ist das nicht hochtröstlich? Nimm hinzu: der Felsen ist hart und scheinbar untüchtig, daß man von demselben trinken könnte; vor der Welt hat auch Christus keine Gestalt noch Schöne, Er war der allerverachtetste und unwertheste; und doch wer Augen hat zu sehen, der sieht an Ihm den Fels des Heils, der, wenn er geschlagen wird, Wasser des ewigen Lebens giebt. Nachdem Er von Gott zerschlagen um unserer Missethat willen, nachdem der Lanzenknecht. Seinen heiligen Leib durchbohrt, fließt Blut und Waffer heraus und alle, welche in dem Kampfe müde sind, und nach Stärkung, Trost, Erquickung aussehend nach Ihm, dem lebendigen Gott dürften, können es erfahren: Du erquickest meine Seele und führest mich auf rechter Straße, um Deines Namens willen. Gebet. Herr Jesu, Du ewiger Fels des Heils, hilf, daß wir es uns mit unserm Christenthume einen heiligen Ernst sein lassen, daß wir recht kämpfen den guten Kampf des Glaubens und recht laufen in den Schranken nach dem himmlischen Kleinod. Will uns aber der Muth entfallen und werden wir müde vom Seufzen, so laß uns schöpfen mit unserm Herzkrüglein aus der Fülle, und erquicket werden zum ewigen Leben. Amen. Bater Unser. -- 155 Sonntag Septuagefimae. Mel.: Wer nur den lieben Gott läßt walten. Aus Gnaden! Hier gilt kein Verdienen; Aus Gnaden! dieser Grunb wird bleiben, Die eig' nen Werke fallen hin. Der Mittler, der im Fleisch erschienen, Hat diese Ehre zum Gewinn, Daß uns Sein Tod das Heil gebracht Und uns aus Gnaden selig macht. So lange Gott wahrhaftig heißt. Was alle Knechte Jesu schreiben, Was Gott in Seinem Worte preist, Worauf all' unser Glaube ruht, Ist: Gnade durch des Lammes Blut! ( Vers 2 und 5 aus: Aus Gnaden soll ich selig werden.) Matth. 20, 1-16. Das Himmelreich ist gleich einem ausvater, der am Morgen ausging, Arbeiter zu miethen in seinen Weinberg. Und da er mit den Arbeitern eins ward um einen Groschen zum Tagelobn, fandte er fie in seinen Weinberg. Und ging aus um die dritte Stunde, und sahe andere an dem Markt müßig fiehen, und sprach zu ihnen: Gebet ihr auch hin in den Weinberg; ich will euch geben, was recht ist. Und fie gingen bin. Abermal ging er aus um die sechste und neunte Stunde, und that gleich also. Um die elfte Stunde aber ging er aus, und fand andere müßig stehen, und sprach zu ihnen: Was stehet ihr hier den ganzen Tag můßig? Sie sprachen zu ihm: Es hat uns iemand gedinget. Er sprach zu ihnen: Gehet ihr auch hin in den Weinberg; und was recht sein wird, soll euch werden. Da es nun Abend ward, sprach der Herr des Weinbergs zu seinem Schaffner: Rufe die Arbeiter und gieb ihnen den Lohn; und bebe an an den Legten, bis zu den Erften. Da kamen, die um die elfte Stunde ges dinget waren, und empfing ein jeglicher seinen Groschen. Da aber die Erften kamen, meineten fie, sie würden mehr empfangen; und sie empfingen auch ein jeglicher seinen Groschen. Und da sie den empfingen, murreten sie wider den Hausvater, und sprachen: Diese Letzten baben nur Eine Stunde gearbeitet, und du haft sie uns gleich gemacht, die wir des Tages Last und Sitze getragen haben. Er ants wortete aber, und sagte zu Einem unter ihnen: Mein Freund, ich thue dir nicht Unrecht. Bist du nicht mit mir eins geworden um einen Groschen? Timm was dein ist, und gehe hin! Ich will aber diesem Lenten geben, gleichwie dir. Oder habe ich nicht Macht, zu thun, was ich will, mit dem Meinen? Siehest du darum scheel, daß Ich so gutig bin? Also werden die Lerten die Erften, und die Ersten die Letzten sein. Denn Viele sind berufen, aber Wenige sind auss erwählet. Der er Heiland giebt dem Himmelreiche die lieblichsten Namen, wie Hochzeit und in diesem Terte Weinberg. Damit zeigt er an, daß es gar etwas Köstliches, Herrliches ist um das Reich Gottes. Was ist lieblicher als ein Weinberg, besonders, wenn außer dem Weinberge allüberall nur Wüste ist. Der Herr lehrt in diesem Gleichniß ein Doppeltes, daß das Reich Gottes ganz und gar ein Gnadenreich 156 und auch ganz ein Arbeitsreich ist. Lauter Gnade, daß der ewige Gott in dieses eitle, nichtige Leben, da Alles sonst ganz eitel ist, solch einen großen Schatz nämlich Sein Reich, d. i. Christi Liebe, Christi Erscheinung, Christi Geist, Wort und Sacrament gegeben hat. Wer in der christlichen Kirche solche Gnade fucht und findet, der ist ein feliges Kind Gottes und hat Leben und volles Genüge zeitlich und ewig. Ist das nicht große Gnade? 3st es nicht freie, lautere Gnade, für die wir nichts geben können? Haben wir nun Ernst und Eifer um das Reich Gottes, stehen wir im Glauben und in der Liebe, gelingt es uns durch den Geist Gottes unser Fleisch zu tödten, so müssen wir Alles, was sich Gutes bei uns findet, allein der unverdienten Erbarmung Gottes zuschreiben. Ohne Arbeit kommt Niemand dazu. Zu jeder Stunde beruft der Herr die Arbeiter; das sind nicht bloß die Prediger, sondern alle Christen. Denn jedes Wort Gottes führt zur Arbeit zur Buß-, Glaubens- und Heiligungsarbeit. Je mehr Gnade, je mehr Arbeit; die Gnade wird nur da vermehrt, wo fie gebraucht wird, um dem Herrn sich immer völliger zu ergeben und treuer zu dienen. Die zur ersten Stunde berufen sind, haben wohl den ganzen Tag gearbeitet, aber nicht tren; denn am Abende zeigt sich, daß der Stein des eigenen Herzens nicht recht zerbrochen ist. Wie hätten sie sonst wider Gott murren und scheel sehen können? Das paßt nicht zur ersten Seligpreisung, daß die geistlich Armen selig gepriesen sind und paßt nicht zur Beichte des Zöllners. Die Gnade will uns vielmehr bereiten, daß wir demüthige, arme Herzen sind, die sich nur ihrer Schwachheit rühmen, damit die Kraft Christi bei uns wohne. Es sind Wenige auserwählt, nämlich nur die, die Gottes Gnade recht brauchen und allein an Gottes Gnade hangen. Wir müſſen bis an den Tod die Gnade des dreieinigen Gottes als Gnade erkennen und in uns wirksam sein lassen und müssen ebenso bis an den Tod schaffen mit Furcht und Zittern, daß wir selig werden. - Gebet. Wir danken Dir, lieber Herr Jesu Christe, daß Du uns in Deinen Weinberg durch Dein Wort und heilige Taufe berufen hast. Hilf, Du barmherziger Herr, daß wir Deinem heiligen Worte glauben und gehorsam sind, in Demuth und Geduld Dir treulich dienen. Laß uns allein an Deiner reichen Gnade hangen und nach diesem mühseligen, zeitlichen Leben das frendenreiche ewige Leben ers langen um Deines theuren Verdienstes willen. Amen. Vater Unser. Herr, höre, Herr, erhöre! Breit' Deines Namens Ehre An allen Orten aus. Behüte alle Stände, Durch Deiner Allmacht Hände Schüß' Kirche, Obrigkeit und Haus. Montag nach Septuagesimae. MeL: Nun ruhen alle Wälder. 157 Ova Jesaias 5, 1-8. Mein Lieber hat einen Weinberg an einem fetten Ort. Und er bat ihn verzaunet, und mit Steinbaufen verwahret, und edle Reben darein gesenkt. Er bauete auch einen Thurm darinnen, und grub eine Kelter darein; und wartete, daß er Trauben bråchte, aber er brachte Seerlinge. Nun richtet, ihr Burger zu Jerusalem, und ihr Manner Juda's, zwischen mir und meinem Weinberge. Was sollte man wohl mehr thun an meinem Weinberge, das ich nicht gethan babe an ihm? Warum hat er denn Seerlinge gebracht: da ich wartete, daß er Trauben bråchte? Woblan, ich will euch zeigen, was ich meinem Weinberge thun will. Seine wand soll weggenommen werden, daß er verwüstet werde, und sein Jaun soll zerrissen werden, daß er zertreten werde. Ich will ihn wüste liegen lassen, daß er nicht geschnitten noch gebacket werde, sondern Diffeln und Dornen darauf wachsen; und will den Wolken gebieten, daß sie nicht darauf regnen. Des Herrn Jebaoth Weinberg aber ist das Saus Israel, und die Männer Juda's seine zarte Seser. Er wartet auf Recht, siehe, so ist es Schinderei; auf Gerechtigkeit, siehe, so ist es Klage. Wehe denen, die ein Haus an das andere ziehen und einen Acker zum andern bringen, bis daß kein Raum mehr da sei, daß sie allein das Land besitzen. Wenn der gerechte Gott klaget, so muß Ursache da sein. Und hier klagt Er so herzbeweglich über die Kirche des alten Bundes. Welche Fülle von Gnade und Güte hatte Gott an das Volk des alten Bundes gewandt! Welche Liebe hatte er von Abraham an dem auserwählten Volke, Seinem Weinberge zukommen lassen! Mose, Josua, Gideon, David welch eine Liebesfülle Gottes an Seinem Volke zeigen allein diese Namen an! Da war ein Thurm im Weinberge nämlich die geistliche und weltliche Obrigkeit in Jerusalem; da war eine nämlich das öffentliche Lehramt; Kelter, woraus guter Wein floß da waren gegen das Heidenthum schützende Zäune aufgerichtet. Wahrlich, der Herr konnte erwarten, daß Trauben da seien, nämlich zerschlagene, gläubige, im Guten eifrige, gottinnige Herzen. Aber statt dessen nur Heerlinge, saure, ungenießbare Früchte, nämlich sichere, freche, ungerechte Herzen, die ob all ihrer Bosheit Gott erzürnen, daß Er Sein Wehe ruft. Welch ein traurig, aber wahres Bild der Christenheit haben - Gieb, Herr, getreue Lehrer Und unverdroff'ne Hörer, Die beide Thäter sein. Auf Pflanzen und Begießen Laß Dein Gedeihen fließen Und ernte reiche Früchte ein. ( Vers 1 und 3 aus: Herr, Höre.) - ― 158 wir hier! Wenn wir die reine Lehre des Wortes Gottes in Gesetz und Evangelium Herzlich lieben und heilig danach leben, das gefällt Gott. Dazu will Gott reichlich Gnade und Kraft geben. Aber wie viele unter uns leben in Sünden, deren sich die Heiden schämen sollten. Etwas muß ja aus dem Schatze unseres Herzens hervorgehen; ist es nicht ein heiliges Leben in Gedanken, Worten und Werken, so ist's ein unheiliges. Wie sollen wir aber heilig leben, wenn wir nicht heilig, göttlich sind? Wie sollen wir heilig sein, wenn wir nicht von dem dreieinigen Gott uns täglich Seine Gnade erbitten? Ach, so lasset uns dahin sehen, daß wir Gottes Gnade an unsern Herzen nicht versäumen, sondern uns durch dieselbe erleuchten, im Glauben an unsern Herrn Jesum reinigen und heiligen lassen. Wir dürfen ja keine ungenießbare Heerlinge, sondern müssen Reben sein an Christo, dem Himmlischen Weinstocke. Aufgestanden vom Schlafe! Die Herzen in die Höhe! Gottes Geist sei es, der uns belebt. Gebet. Mein Gott, das wäre meines Herzens Freude, wenn ich Dich mit fröhlichem Munde loben sollte. Im Tode lobt man Dich nicht. Hilf mir, daß ich mit Christo lebe, Frucht bringe und Dich mit all den Deinigen preise. Du wollest unsere Herzen und Häuser, Schule und Kirche reinigen und durch Dein heilsames Wort zu Deinem Weinberge machen. Amen. Vater Unser. Dienstag nach Septuagesimae. Mel.: Herr Jesu Christ, Dich zu uns wend'. Mein Himmelskönig mich regier; Mein Alles unterwerf ich Dir. Rett' mich von Satan, Welt und Sünd', Die mir sonst gar zu mächtig sind. Hilf mir im königlichen Geist Mich selbst beherrschen allermeist, Begierden, Willen, Lust und Sünd', Und daß mich nichts Geschaffnes bind'. ( Vers 7 und 9 aus: Herr Jesu Christe mein Prophet.) Matth. 10, 1. 5-15. Und er rief seine zwölf Jünger zu sich, und gebot ihnen, und sprach: Gebet nicht auf der Seiden Straße, und zieher nicht in der Samariter Städte; sondern gebet hin zu den verlorenen Schafen aus dem Hause Israel. Gebet aber und prediget, und sprechet: Das Simmelreich ist nahe berbei gekommen. Machet die Kranken gesund, reiniger die Aussagigen, wecket die Todten auf, treibet die Teufel aus. Umsonst habt ihr es empfangen, umsonst gebt es auch: Ihr sollt nicht Gold, noch Silber, noch Erz in euren Gürteln baben; auch keine Tasche zur Wegfahrt, auch nicht zween Röcke, keine Schube, auch keinen Steden. Denn ein Arbeiter ist seiner Speise werth. 159 Wo ihr aber in eine Stadt oder Markt gebet, da erkundiget euch, ob Jemand darinnen sei, der es werth ift; und bei demselbigen bleibet, bis ihr von dannen ziehet. Wo ihr aber in ein Haus gehet, so grüßet daffelbige: Und so es daffelbige Haus werth ist, wird euer Friede auf sie kommen. Jft es aber nicht werth, so wird sich euer Friede wieder zu euch wenden. Und wo euch Jemand nicht aufnehmen wird, noch eure Rede hören; so gebet heraus von demselbigen Hause oder Stadt, und schüttelt den Staub von euren Süßen. Wahrlich, ich sage euch: dem Lande der Sodomer und Gomorrer wird es erträglicher ergeben am jüngsten Gericht, denn solcher Stadt. Gottes Wort, eben weil es Gottes Wort ist, hat Gottes Kraft. Also ist es der unvergängliche Same, durch den wir wiedergeboren werden zum ewigen Leben. Maria in Bethanien hörte dem Worte Jesu zu, das war der rechte Weg; Maria die Mutter Jefu behielt das Wort Gottes und bewegte es in ihrem Herzen, das war auch der rechte Weg. Diese Kraft und Herrlichkeit des Wortes Gottes muß man ansehen, um das eben gehörte Schriftwort zu verstehen. Um dieses allmächtige, heilsame Wort zunächst den Juden und später auch den Heiden zu bringen erwählte der Herr die Zwölfe und rüstete sie zu diesem Amte aus. Damit die Zwölfe mit Eifer und Gehorsam dieses Wort predigen könnten, sollten sie sich nicht in weltliche Händel einlassen, mit dem Nöthigsten zufrieden sein und ein Herz haben, das ganz hingenommen ist von dem ewigen Königreiche Jesu Christi. Die Macht der Diener Jesu ist nicht Schwert, noch Klugheit, sondern das Wort Gottes in ihrem Munde; durch dieses Wort soll der Friede Gottes den armen Herzen auf Erden gepredigt werden, und wo ein Herz ist, das solche Predigt von dem Frieden, d. h. von dem Herrn Jesu, der unsern Frieden gemacht hat an Seinem Kreuze und Selbst unser Friede ist, achtet und das Wort aufnimmt und bewahrt, zu dem kommt der Friede. Aber wehe dem Königreiche, wehe der Stadt und dem Hause und dem Herzen, da Gottes Wort, das uns zur Buße lockt und zum Glauben und Gehorsam reizt, verachtet wird! Da foll in diesem Leben nur Jammer sein und am jüngsten Gericht größere Wie stehst du zu Verdammniß denn über Sopom und Gomorrha. dem Worte des lebendigen Gottes? Läffest du dich warnen von den mancherlei Drohungen und demüthigen von dem Willen des eifrigen Gottes in Seinem Gesetze, der gar keine Sünde und Missethat leiden mag? Glaubest du dem Zeugnisse von Jesu Christo, deinem einigen Heilande und bittest du um Vermehrung und Stärkung dieses Glaubens? Merke, wie dich der heilige Geist rufen lehrt: öffne mir die Augen, daß ich sehe die Wunder an Deinem Gesetze! Meine Seele ist zermalmet vor Verlangen nach Deinen Rechten allezeit. Gebet. Lieber Gott, geheiliget werde Dein Name, gieb uns fromme, gottesfürchtige Lehrer in der Kirche, die Deinen Namen der - 160 Welt offenbaren und fund thun, nämlich daß Du gnädig und barmherzig seiest und uns um Deines lieben Sohnes willen, der für uns gefreuziget und gestorben ist, unsre Sünden verzeihen und das ewige Leben geben willst, auf daß alle Menschen sich auf Deine Gnade und Barmherzigkeit verlassen und Dich anrufen, Dich preisen und Dir danken. Gieb uns den heiligen Geist, der uns regiere und erhalte, daß wir nicht wieder zurückfallen in das Reich des Satans, der sich unterstehet das Wort, den Glauben und den rechten Gottesdienst ganz und gar zu vertilgen. Amen. Vater Unser. Mittwoch nach Septuagesimae. Mel.: Balet will ich bir geben. Der Grund, da ich mich gründe, Ist Christus und Sein Blut. Das machet, daß ich finde Das ew'ge, wahre Gut.. An mir und meinem Leben Ist nichts auf dieser Erd'; Was Christus mir gegeben, Das ist der Liebe werth. Mein Jesus hat gelöschet, Was mit sich führt den Tod; Der ist's, der rein mich wäschet, Macht schneeweiß, was ist roth. In Ihm kann ich mich freuen, Hab' einen Heldenmuth, Darf kein Gerichte scheuen, Wie sonst ein Sünder thut. ( Vers 3 und 5 aus: 3ft Gett für mich.) 1. Cor. 3, 7-15. So ist nun weder der da pflanzet, noch der da begießet, etwas, fondern Gott, der das Gedeihen giebt. Der da pflanzet, und der da begießet, ist einer wie der Andere. Ein Jeglicher aber wird seinen Lohn empfangen nach seiner Arbeit. Denn wir sind Gottes Mitarbeiter; ihr seid Gottes Aderwerk, und Gottes Gebäude. Ich, von Gottes Gnaden, die mir gegeben ist, habe den Grund gelegt, als ein weiser Baumeister; ein Anderer bauet darauf. Ein Jeglicher aber sebe zu, wie er darauf baue. Einen andern Grund kann zwar liemand legen, außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus. So aber Jemand auf diesen Grund bauet Gold, Silber, Edelsteine, Sols, Seu, Stoppeln: so wird eines Jeglichen Werk offenbar werden, der Tag wird es klar machen; denn es wird durch's Seuer offenbar werden, und welcherlei eines Jeglichen Werk sei, wird das Seuer bewähren. Wird Jemandes Werk bleiben, das er darauf gebauet hat, so wird er Lohn empfangen. wird aber Jemandes Werk verbrennen, so wird er deß Schaden leiden; er selbst aber wird selig werden, so doch, als durch's Seuer. 161 Cs 8 ist ein wunderbarer Gott. Davon zeugen alle Seine Werke und besonders das Werk, daß Er aus Sündern Kinder, aus irdischen, verlornen Menschen Heilige und Geliebte macht. Das thut Gott allein. Denn ob Er wohl Paulus und Apollo und andere Prediger, auch Vater und Mutter hierzu zu Dienern und Gehülfen braucht, die in Seinem Namen lehren und ermahnen, so ist es doch Gott allein, der Gedeihen giebt. Weder der da pflanzet, noch der da begießet ist Etwas, sondern Gott ist's. Das ist wunderbar, daß Gott Selbst durch der Prediger Mund Sein Reich baut. Der Grund dieses Baues ist allein Jesus Christus, nämlich der wahrhaftige Christus, wie Er leibt und lebt und wie wir Ihn im 2. Glaubensartikel bekennen. Einen andern Grund giebt es gar nicht, und wer nicht auf diesem Grunde steht, hat gar keinen Grund, sondern weicht, fällt und sinkt, bis ihn Himmel und Erde und alle Creatur nicht mehr halten können, und er in die Hölle sinkt mit Leib und Seele. Aber ist das nun nicht sehr wunderbar, ganz nach der Weise des wunderbaren Gottes, daß Chriftus Jesus der Grund ist und auch zugleich derjenige, von dem Alles herkommt, was an Gold auf diesem Grunde gebaut wird. Denn Gold ist allein Christi reine Lehre, Christi heiliger Geist, Christi Gnade, Christi Leib und Blut; nur daraus wird das Gebäude Gottes, nämlich die Gemeinschaft der Gläubigen bereitet. Wo unsere Seelen nicht auf Christum gegründet werden durch das lautere Wort Gottes und den heiligen Geist, ist's nur Holz und Stoppeln, ohne Bestand in den unausbleiblichen Anfechtungen und mancherlei inneren und äußeren Kreuzesproben und im letzten Gerichte. Ja, Herr, vor Dir sonst nichts gilt, als Dein eigen Bild. Wie soll aber meine Seele Dein Bild tragen, wenn sie nicht auf Dich gegründet ist, und wenn sie nicht aus Deinen Kräften all ihr Leben empfängt. Wohl dem Lehrer, der selbst selig wird und dessen Arbeit Bestand hat; wohl dem Hörer, der ein zubereiteter, edler Stein in dem Gebände Gottes ist. Gebet. Herr Jesu Christe, lieber Heiland, erleuchte und regiere uns durch Deinen heiligen Geist, daß wir Tempel und Wohnungen Gottes sein mögen. Gründe uns auf Dich, lieber Herr, Du ewiger Grund, erhalte uns bei Dir durch reine Lehre und heilig Leben, daß wir bei Dir verharren bis an unser selig Ende im Glauben und Gehorsam. Amen. Vater Unser. 11 162 Donnerstag nach Septuagesimae. Mel.: Wie soll ich Dich empfangen. Schatzs über alle Schätze, O JEsu, liebster Schatz, An dem ich mich ergötze: Hier hab' ich einen Platz In meinem treuen Herzen Dir, Schönster, zugetheilt, Weil Du mit Deinen Schmerzen Mir meinen Schmerz geheilt. Laß, Liebster, mich anblicken Dein freundlich Angesicht, Mein Herze zu erquicken; Komm, komm, mein Freudenlicht! Denn ohne Dich zu leben Ist lauter Herzeleid; Vor Deinen Augen schweben Ist wahre Seligkeit. ( Vers 1 und 3 aus: Schatz über alle Schäke.) Matthäi 13, 44-50. Albermal ist gleich das Simmelreich einem verborgenen Schar im Acker, welchen ein Mensch fand, und verbarg ihn, und ging hin vor Freuden über denselbigen, und verkaufte Alles, was er batte, und Faufte den Acker. Abermal ist gleich das immelreich einem Kaufs mann, der gute Perlen suchte. Llnd da er Eine köftliche Perle fand, ging er hin und verkaufte Alles, was er hatte, und kaufte dieselbige. Abermal ist gleich das Simmelreich einem es, das in's Meer geworfen ist, damit man allerlei Gattung fånget. Wenn es aber voll ift, so ziehen sie es heraus an das Llfer, figen und lesen die guten in ein Gefäß zusammen, die faulen aber werfen sie weg. Also wird es auch am Ende der Welt geben. Die Engel werden ausgeben, und die Bösen von den Gerechten scheiden, und werden sie in den Seuerofen werfen: da wird Heulen und Jahnklappen sein. wie köstlich und theuer ist das Evangelium, daß Einer Alles verkauft und kauft den Acker, worin der Schatz verborgen ist, daß der Kaufmann desselbigen Gleichen Alles verkauft, um die Eine köstliche Perle zu erlangen d. i. den Herrn Jesum Selbst, der in Wahrheit der Schatz ist über alle Schätze. Ja wie lieb, wie theuer ist der Heiland, daß Er so sehr will geliebt und gesucht sein von uns, daß Niemand, der noch irgend Etwas lieber hat, als Jhn, Seiner werth ist! Zu unseres Heilandes Zeiten mußte, wer Jesu Jünger sein wollte, sich von seinem Volke ausstoßen lassen, auf den Verlust seiner Güter, ja seines Lebens gefaßt sein und was noch mehr ist, allen Neigungen seines Herzens absterben. Und doch kaufte man um das Alles den Schatz im Äcker und gab Alles für die köstliche Perle hin. Und wer schon etwa gute Perlen suchte, wie Paulus, der unsträflich lebte nach dem Gesetze, gab auch die guten Perlen hin um der köftlichen Perle willen. Und die Perle ist es werth; der Schatz ist nicht zu theuer bezahlt, denn was ist Ehre und Gut, Leib und Leben ohne 163 den Schatz. Lieber arm, als ohne Jesus reich an Pracht und Herrlichkeit, lieber frank, als fern vom Heiland frisch die ganze Lebenszeit. Ja, viel lieber nie geboren als von diesem Freund getrennt; eine Welt bei Ihm verloren ist Gewinn, wenn man Ihn kennt. Wir, die wir in Christi Tod getauft sind und unter dem Schall des Evangeliums leben, sind nun bereits in Seinem Netze. Der dreieinige Gott wirbt Tag und Nacht um unser Herz. Ach, lasset uns auf das Ende sehen, daß wir nicht als faule Fische weggeworfen werden und mit Heulen und Zähneklappen dahinfahren. Darum lasset uns dessen allezeit wahrnehmen, daß der Schatz im Acker verborgen ist d. i. Christus Selbst ist in der Taufe, Abendmahle und Seinem Worte gewißlich gegenwärtig, aber verborgen. Nur wer von ganzem Herzen Ihn sucht, findet Ihn und freut sich des Herrn. Dazu helfe uns Gott! Gebet. Herr Gott, himmlischer Vater, wir danken Dir, daß Du Dich des armen verlornen und verdammten menschlichen Geschlech tes so väterlich angenommen und uns Deinen lieben Sohn aus brünstiger Liebe geschenkt hast. Das Geschenk ist besser, denn alle Schätze der Welt. Weil aber die Gläubigen allein dieses Seelenschatzes theilhaftig werden, so bitten wir Dich, Du wollest uns durch Deinen heiligen Geist stärken, daß wir Ihn mit gläubigen Händen faffen, annehmen und behalten, die Werke des Unglaubens und der Finsterniß aber fliehen mögen. Hilf uns dazu um Jesu Christi willen. Amen. Vater Unser. Freitag nach Septuagesimae. Mel.: Jesus, meine Zuversicht. Himmelan schwing' dich, mein Geift; Denn du bist ein himmlisch Wesen Und fannst das, was irdisch heißt, Nicht zu deinem Zwed. erlesen. Ein von Gott erleuchter Sinn Kehrt in seinen Ursprung hin. Himmelan! ruft Er mir zu, Wenn ich Ihn im Worte höre. Das weist mir den Ort der Ruh, Wo ich einmal hin gehöre. Wenn mich dieses Wort bewahrt, Halt ich eine Himmelfahrt. ( Vers 2 und 3 aus: Himmelan geht unsre.) Psalm 84. wie lieblich sind deine Wohnungen, Herr Jebaoth! Meine Seele verlanget und sehnet sich nach den Vorhöfen des Herrn; mein Leib und Seele freuen sich in dem lebendigen Gott. Denn der Vogel bat ein Saus gefunden, und die Schwalbe ihr eft, da sie 11* 164 Junge hecken, nåmlich deine Altåre, Serr Jebaoth, mein König und mein Gott. Wohl denen, die in deinem Hause wohnen; die loben dich immerdar. Sela. wohl den Menschen, die dich für ihre Stårke balten, und von Herzen dir nachwandeln. Die durch das Jammerthal geben, und machen daselbft Brunnen. Und die Lehrer werden mit viel Segen geschmückt. Sie erhalten einen Sieg nach dem andern, daß man seben muß, der rechte Gott sei zu 3ion. Herr, Gott Jebaoth, bore mein Gebet; vernimm es, Gott Jakobs! Sela. Gott, unser Schild, schaue doch; siehe an das Reich deines Gesalbten! Denn ein Tag in deinen Vorhofen ift beffer, denn sonft tausend. Ich will lieber der Thür hüten in meines Gottes Hause, denn lange wohs nen in der Gottlosen Sütten. Denn Gott, der Herr, ist Sonne und Schild, der Herr giebt Gnade und Ehre; er wird kein Gutes mangeln laffen den Srommen. Herr Jebaoth, wohl dem Menschen, der sich auf Dich verläßt! Wie lieblich und nöthig ist die Sonne mit ihrem Licht und Wärme! Wie nöthig ist ein Schild dem, der Feinden gegenüber stehen soll! Aber Gott allein, der in Chrifto versöhnte Gott ist dem gläubigen Sünder die Sonne der Seelen und des Geistes und der Schild wider alle unsere äußeren und inwendigen Feinde. Wie sollte einem Herzen, das der Eitelkeiten satt und müde den lebendigen Gott sucht, darum nicht die Wohnung, der Tempel Gottes über Alles lieb und theuer sein. Denn in Seinem Hause, in der Predigt Seines Wortes und den heiligen Sacramenten offenbart Gott Sich Selbst bis an den jüngsten Tag. Wie lieblich sind deshalb die Wohnungen des Herrn Zebaoth allen Seelen, die das Licht und die Wärme der Sonne suchen! War das schon im alten Bunde so, da der Gottesdienst im Tempel mur Vorbild und Schattenwerk war, wie vielmehr ist dies im neuen Bunde der Fall, weil Christus jetzt ins Fleisch gekommen ist und Selbst in Seinem Heiligthum wohnt. Da erklärt es sich, warum im Pfalme steht: wohl denen, die in Deinem Hause wohnen, die in dem Hause Gottes gleichsam zu Hause sind. Was bedarf es also nun noch weiter? Nur dessen, daß unsere Seele nicht dem Raben gleicht, den Noah fliegen ließ, sondern der Taube, die heimkehrte. Nur dessen, daß man zum rechten Geschmack komme an Gottes heiliger, füßer Wahrheit. Wer diese Gnade erst schmeckt, empfängt immer größere Begierde nach Gnade und Wahrheit und bekommt ebensowohl Lust als Kraft in den Wegen Gottes zu wandeln. Dazu giebt derfelbe Gott Vermögen, der dem verlornen Sohne Schuhe an die Füße gab. Ach, wer sollte nun nicht in diesem eitlen Leben und elenden Jammerthale seufzen: Herr, Gott Zebaoth, höre mein Gebet; vernimm es, Gott Jakobs, Sela. Meine Seele müsse Dir allein anhangen, der Du kein Gutes mangeln läsfest den Frommen! Gebet. Ich dante Dir, mein himmlischer Vater, für Deine große Gnade, daß Du mir armen Sünder zu Troste Dein heiliges 165 Wort so reichlich haft verkündigen und antragen laffen und bitte Dich, Du wollest dasselbe in unsere Herzen drücken und versiegeln, daß wir allesammt nach demselben leben und thun mögen. Amen. Vater Unser. Sonnabend nach Septuagefimae. MeL: Wer nur den lieben Gott läßt walten. Je größer Kreuz, je beffrer Christe, Gott streicht uns an den Probestein. Wie mancher Garten lieget wüste, Wo keine Thränenregen sein. Das Gold wird auf dem Feuerheerd, Ein Christ in mancher Noth bewährt. Je größer Kreuz, je mehr Gebete, Geriebne Kräuter riechen wohl. Wenn um das Schiff kein Sturmwind wehte, So fragte man nicht nach dem Pol. Wo tämen Davids Psalmen her, Wenn er nicht auch versuchet wär? ( Vers 2 und 5 aus: Je großer Kreuz, je näher Himmel.) 2 Cor. 11, 19-33, und 12, 1-9. Denn ihr vertraget gerne die Tarren, dieweil ihr klug seid. Jhr vertraget, so euch Jemand zu Knechten macht, so euch Jemand schins det, fo euch Jemand nimmt, so euch Jemand trott, so euch Jemand in das Angesicht ftreichet. Das sage ich nach der Linebre, als wären wir schwach geworden. Worauf nun Jemand kühn ist,( ich rede in Thorbeit,) darauf bin ich auch kühn. Sie sind Ebråer, ich auch. Sie sind Israeliter, ich auch. Sie sind Abrahams Same, ich auch. Sie sind Diener Christi;( ich rede thörlich) ich bin wohl mehr. Ich babe mehr gearbeitet, ich habe mehr Schlåge erlitten, ich bin öfter gefangen, oft in Todesnöthen gewesen. Von den Juden habe ich fünf Mal empfangen vierzig Streiche weniger eins. Ich bin drei Mal geftaupet, ein mal geffeiniger, drei Mal habe ich Schiffbruch erlitten, Tag und Macht babe ich zugebracht in der Tiefe( des Meers). Ich babe oft gereiset; ich bin in Gefahr gewesen zu Wasser, in Gefahr unter den Mördern, in Gefahr unter den Juden, in Gefahr unter den Seiden, in Gefahr in den Städten, in Gefahr in der Wüste, in Gefahr auf dem Meer, in Gefahr unter den falschen Brüdern; in Mühe und Arbeit, in viel wachen, in Sunger und Durst, in viel Saften, in Sroft und Blöße; obne was sich sonst zutragt, nåmlich, daß ich täglich werde angelaufen und trage Sorge für alle Gemeinen. Wer ist schwach, und ich werde nicht schwach? Wer wird geärgert, und ich brenne nicht? So ich mich je rühmen soll, will ich mich meiner Schwachbeit růhmen. Gott und der Vater unsers Herrn Jesu Chrifti, welcher sei gelobet in Ewigkeit, weiß, daß ich nicht lüge. Ju Damaskus, der Landpfleger des Königs Areta verwahrete die Stadt der Damasker, und wollte mich greifen; und ich ward in einem Korbe sum Senfter aus durch die Mauer niedergelaffen, und entrann aus 166 seinen Händen. Es ist mir ja das Rühmen nichts nüge, doch will ich kommen auf die Gesichte und Offenbarungen des Serrn. Ich kenne einen Menschen in Christo, vor vierzehn Jahren( ist er in dem Leibe gewesen, so weiß ich es nicht; oder ist er außer dem Leibe gewesen, so weiß ich es auch nicht; Gott weiß es); derselbige war entzückt bis in den dritten Simmel. Und ich kenne denselbigen Menschen( ob er in dem Leibe, oder außer dem Leibe gewesen ist, weiß ich nicht; Gott weiß es). Er ward entzückt in das Paradies, und hörete unaussprechliche Worte, welche kein Mensch sagen kann. Davon will ich mich růhmen; von mir selbst aber will ich mich nichts rühmen, ohne meiner Schwachheit. Und so ich mich rühmen wollte, thåte ich darum nicht thörlich; denn ich wollte die Wahrheit sagen. Ich enthalte mich aber deß, auf daß nicht Jemand mich höher achte, denn er an mir siehet, oder von mir höret. Lind auf daß ich mich nicht der hohen Offenbarung überhebe, ist mir gegeben ein Pfahl in's Sleisch, nåmlich des Satans Engel, der mich mit Säuften schlage, auf daß ich mich nicht überhebe. Dafür ich drei Mal den Herrn geflehet babe, daß er von mir wiche. Lind er hat zu mir gesagt: Laß dir an meiner Gnade genügen, denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig. Darum will ich mich am allerliebften rühmen meiner Schwachheit, auf daß die Kraft Chrifti bei mir wohne. Zur Seite des heiligen Evangeliums, des Gleichnisſes vom viererlei Acker, finden wir in dieser langen Epistel einen Säemann, dessen ganzes Leben und Wirken eine Thränen- Saat ist, nämlich den großen Apostel Paulus, über welchem der Herr bei seiner Berufung schon geweifsagt: Ich will ihm zeigen, was er um Meines Namens willen leiden soll. Der Thränen Saat ist aber FreudenErnte in Aussicht gestellt. Auch diese hat dem auserwählten Rüstzeuge nicht gefehlt in seinem Apostelamte schon auf Erden; noch reicher und ungetrübter bei dem Herrn, bei welchen er unter den Lehrern, welche Viele zur Gerechtigkeit gewiesen haben, leuchten wird als ein Stern erster Größe immer und ewiglich. Einen Blick in jene lichten Höhen hat er hier schon im voraus in hoher Offenbarung thun können. Vor 14 Jahren ist's geschehen; so lange hat er darüber schweigen können; und nur nothgedrungen den falschen Aposteln gegenüber zeigt er damit zugleich seine himmlische Berufung, seine Beglaubigung aus dem Heiligthume, auf, und fügt dieser Geschichte das Wort hinzu: ,, Und daß ich mich nicht der hohen Offenbarung überhebe, ist mir gegeben ein Pfahl in's Fleisch, nämlich des Satans Engel, der mich mit Fäusten schlage." Diese tiefe Demüthigung können wir eher verstehen, als die hohe Offenbarung, von welcher er vorher zu rühmen weiß. Walt's Gott, daß es uns dann auch an dem süßen Troste Gottes nicht fehlt, dessen sich Paulus zu erfreuen hatte. Was unter dem Pfahl im Fleisch zu - - 167 verstehen sei, ob die tiefe Bekümmerniß des Herzens, die, trotzdem er Vergebung dafür empfangen hatte, immer von neuem auftaucht, daß er zuvor ein Lästerer, ein Verfolger des Herrn gewesen; ob ein körperliches Leid, seine kränkliche Hütte des Leibes, in der er wallte, ihm so viel Schmerz verursachte, als würde er an den Pfahl gespießt, ob sonst ein geheimes Kreuz nicht von ihm wich; wir wissen es nicht. Genug, daß er nicht nur schmerzlichst darunter litt, genug, daß auch der Satan bei ihm die Gelegenheit benutzte und ihm mit teuflischen innern Seelenschlägen und Anfechtungen so zusetzte, als würde er mit Fäusten geschlagen. Was thut er aber? Ist er ungeduldig, murret, flucht, schilt er? Geht er mit seinem frühern Namensbruder Saul zur Here von Endor, und sucht Nothhelfer viel, die uns doch nicht erretten? Nein er sagt: darum ich den Herrn dreimal gefleht habe. Und wie gnädig erhört der Herr! Er giebt Antwort aus der Höhe auf sein Rufen aus der Tiefe. Den Pfahl läßt er ihm aber zwar, er ist das Gewicht an der Uhr, daß sie richtig geht Seine Gnade sagt Er ihm zu. Und wo diese ist aus dem Munde des treuen und wahrhaftigen Zeugen, dessen Blut besser schreiet denn Abels Blut, da ist auch Kraft zum Ueberwinden. Der Teufel ist trotz seiner Faustschläge ein durch Christum gerichteter Geist, und Ein Wörtlein kann ihn fällen. Im Leben jedes Jüngers Jesu wiederholt sich das: In der Welt habt ihr Angst; ziehe mur mit Paulus die Straße, welche da heißt die richtige, ich meine die des Gebetes, so kannst du, und wenn die Welt voll Teufel wär, und wollt dich gar verschlingen zur Stärkung im verordneten Kampfe erfahren den süßen Trost des Nachsatzes! Seid getrost, Ich habe die Welt überwunden. - trein Gebet. Lieber Herr, Du Tröster der Betrübten, erquicke doch alle Traurigen in Zion, welche mit Paulus den Pfahl im Fleische mit sich tragen müffen lebenslang, bitte Du ewiger Hohepriester, der Du am Pfahle des Holzes des Satans Macht gebrochen hast, für uns, daß unser Glaube nicht aufhöre, und ob wir schwer angefochten würden, daß wir doch endlich gewinnen und das Feld behalten, und mit Paulus in den Himmel kommen, wo kein Satans- Engel uns mehr plagen kann. Amen. Vater Unser. 168 Seragesimae. Mel: Gott bes Himmels und ber Erbe. Mache mich zum guten Lande, Wenn Dein Samkorn auf mich fällt. Gieb mir Licht in dem Verstande, Und was mir wird vorgestellt Präge meinem Herzen ein, Laß es mir zur Frucht gedeih'n. Stärk' in mir den schwachen Glauben, Laß Dein theures Kleinod mir Nimmer aus dem Herzen rauben. Halte stets Dein Wort mir für, Daß es mir zum Leitstern dient Und zum Trost im Herzen grünt. ( Vers 4 und 5 aus: Thut mir auf die schöne Pforte.) Luc. 8, 4-15. Da nun viel Volks bei einander war, und aus den Städten zu ihm eileten, sprach er durch ein Gleichniß: Es ging ein Siemann aus zu såen seinen Samen; und indem er såete, fiel etliches an den Weg, und ward zertreten, und die Vögel unter dem Simmel fraßen es auf. Und etliches fiel auf den Sels; und da es aufging, verdorrete es, darum, daß es nicht Saft batte. Und etliches fiel mitten unter die Dornen: und die Dornen gingen mit auf, und erstickten es. Und etliches fiel auf ein gut Land; und es ging auf, und trug hundert. fältige Frucht. Da er das sagte, rief er: Wer Ohren hat zu hören, der böre! Es fragten ihn aber seine Jünger, und sprachen, was dieses Gleichniß wäre? Er aber sprach: Euch ist es gegeben, zu wissen das Geheimniß des Reichs Gottes; den Andern aber in Gleichniffen, daß sie es nicht sehen, ob sie es schon sehen, und nicht verstehen, ob fie es schon bören. Das ist aber das Gleichniß: Der Same ist das Wort Gottes. Die aber an dem Wege sind, das sind, die es hören; darnach kommt der Teufel, und nimmt das Wort von ihren Herzen, auf daß sie nicht glauben und selig werden. Die aber auf dem Sels, sind die: wenn sie es hören, nehmen sie das Wogt mit Freuden an; und die haben nicht Wurzel: eine Seitlang glauben sie, und zu der Jeit der Anfechtung fallen sie ab. Das aber unter die Dornen fiel, find die, fo es hören, und geben bin unter den Sorgen, Reichthum und Wollust dieses Lebens, und ersticken, und bringen keine Srucht. Das aber auf dem guten Lande, find, die das Wort bören und bes balten in einem feinen guten Herzen, und bringen Srucht in Geduld. Das as verlesene Wort Gottes fordert zu einer ernstlichen Selbstprüfung auf. In diesem Gleichnisse redet der Herr von den Hörern. Giebt es unter den Hörern des Wortes Gottes vier Klassen, so ist die Frage, zu welcher Klasse gehöre ich? Bin ich eins von den feinen, guten Herzen, die Frucht bringen in Geduld? Der Same ist das Wort Gottes. Gottes Wort ist göttlicher Art, darum lebendig, schöpferisch, Heilend und heiligend, Geist und Leben. Es ist ein unvergänglicher Same, ein Same der Wiedergeburt. Weil es aber ein Same ist, so muß es gefäet werden und 169 dieses Säen geschieht durch die Predigt des göttlichen Wortes. Ob es wohl Menschenmund ist, der da predigt, so ist der Säemann doch der Herr Selber. Denn eben der Herr ists, der nicht nur zu predigen befohlen hat, sondern der auch das Wort mit Seinem Geiste begleitet und mit Kraft aus der Höhe begabt. Das ist ein Geheimniß, daß das ewige Königreich Gottes auf solche geringe und verborgene Art zu uns kommt. Der Acker muß aber den Samen behalten und zum Gedeihen kommen lassen. Das kann ein Herz nicht, bei welchem der Same nur auf die harte Oberfläche fällt. Das Irdische und Sichtbare mit seiner Lust und Sorge macht den Boden des Herzens hart. Auch ein Herz, das, ob es auf der Oberfläche empfänglich ist und den Samen aufnimmt, inwendig verhärtet ist, kann feine Frucht bringen. Der Felsen ist der eigene Wille, die Hoffart, Ehrgeiz und Lüsternheit. Ebenso kann der Same unter den Dornen nicht gedeihen. Siehe Judas an und du siehst, wie der Betrug des Reichthums Alles verdirbt. Nur ein feines, gutes Herz mag Frucht bringen. Wie soll ich zu solchem Herzen gelangen? Der harte Weg muß aufgepflügt, der Felsen muß zerschlagen, die Dornen müssen ausgerottet werden, d. i. du mußt Gott Stand halten, daß Er mit der Gewalt Seines Wortes dein Herz lockere, mit demselben Worte wie mit einem Hammer den Felsen zerschmeiße und die Dornen wie mit Feuer verbrenne. Was du nicht kannst an deinem Herzen, das kann Gott. Demselben ergieb dich ganz. In solch zubereitetem Herzen bringt das Wort von der reichen, gewissen Gnade Gottes Frucht, nämlich den lebendigen, in Sanftmuth und Demuth, Geduld und Lauterkeit sich offenbarenden Glauben an Christum den Sohn Gottes. Nicht als ob Alles mit einem Schlage dastände, sondern es muß in Geduld geschehen, wie zu allem Wachsen und Fruchtbringen Zeit gehört. Gebet. Allmächtiger Gott und Vater, der Du den himmlischen Samen Deines Wortes aus Deinem Herzen hervorgebracht und unter uns reichlich ausgestreut hast, wir danken Dir für solche theure Schätze und Gaben und bitten Dich, Du wollest unsere Herzen durch Dein Wort und Geist also zurichten, daß wir ein guter Acker sind, vor Sicherheit, Sorgen und Wollust uns hüten, in Deiner Wahrheit fest wurzeln und dabei alle Hitze und Ungewitter in Geduld beständig aushalten mögen, damit wir in einem feinen, guten Herzen reiche Frucht bringen, Dich loben und ehren hier und in Ewigkeit. Amen. Vater Unser. 170 Montag nach Seragesimae. Mel: Romm, o komm, Du Geift des Lebens ober: Gott bes Himmels unb der Erben. Liebe, die Du mich zum Bilde Deiner Gottheit haft gemacht; Liebe, die Du mich so milde Nach dem Fall hast wiederbracht: Liebe, Dir ergeb' ich mich, Dein zu bleiben ewiglich. Liebe, die mich hat gebunden An ihr Joch mit Leib und Sinn; Liebe, die mich überwunden Und mein Herze hat dahin: Liebe, Dir ergeb' ich mich, Dein zu bleiben ewiglich. ( Vers 1 und 5 aus: Liebe, die du mich zum Bilde.) Apoftelgesch. 16, 9-15. Und Paulo erschien ein Geficht bei der Macht; das war ein Mann aus Macedonien, der stand und bat ibn, und sprach: Komm hernieder nach Macedonien, und hilf uns! Als er aber das Gesicht gesehen hatte, da trachteten wir alsobald zu reisen in Macedonien, gewiß, daß uns der Herr dahin berufen båtte, ihnen das Evangelium zu predigen. Da fuhren wir aus von Troas; und ftrack's Laufs famen wir gen Samothracien, des andern Tages gen Teapolis, und von dannen gen Philippi, welche ist die Hauptstadt des Landes Mas cedonien, und eine Freistadt. Wir hatten aber in dieser Stadt unser Wesen etliche Tage. Des Tages der Sabbather gingen wir hinaus vor die Stadt an das Wasser, da man pflegte zu beten, und senten uns, und redeten zu den Weibern, die da zusammen kamen. Und ein gottesfürchtig Weib, mit Tamen Lydia, eine Purpurkrämerin, aus der Stadt der Thyatirer, börete zu; welcher that der Herr das Herz auf, daß sie darauf Acht hatte, was von Paulo geredet ward. Als sie aber und ihr Haus getauft ward, ermahnete sie uns, und sprach: So ihr mich achtet, daß ich gläubig bin an den Herrn, so kommt in mein Saus, und bleibet allda. Und sie zwang uns. - Der er Herr, der hier wirket, ist noch derselbe im Himmel und bei uns auf Erden. Wie köstlich ist das! Sehe ich Paulum an, welch willige Diener macht der Herr. Kaum ist ihm im Gesichte die Noth in Macedonien und ganz Europa kundgethan, so reist er alsobald herüber nach Macedonien, und da der Herr, der Wolken, Luft und Winden giebt Wege, Lauf und Bahn, dabei ist, so müssen die Winde stracks Laufs das Schifflein übers Wasser führen. Da steht Paulus in Europa, Einer gegen ganz Europa und kündigt allen Völkern Krieg und Frieden an, der noch dauert. Aber der Herr ist dabei, so wird es wohl fortgehen. Und ein verheißungsvolles Angeld bekommt der liebe Apostel gleich in der Lydia in Philippi. Wie kommt es doch, daß sobald, nachdem Lydia das Wort Gottes gehört hat, der Herr derselben das Herz aufthut? Siehe, die anklopfende Gnade läßt der Herr an alle Herzen kommen, die Sein Wort hören; wer diese erste Gnade in sich wirken läßt, empfängt weiter Gnade; der Herr kann das Herz aufschließen und darin das helle Licht des Glaubens 171 anzünden. Damit daß der Herr der lydia das Herz aufschloß und sie Acht darauf hatte, was Paulus redete, that sich ihr Herz weiter auf und Gott machte ihr Herz zu einem Garten des Glaubens und der Liebe. Wie köstlich, wo das geschieht; einerlei, ob es langsam oder plötzlich geschieht, wenn es nur geschieht. Sieh auch, wie das, was der Herr durch Sein Wort der Lydia in's Herz gelegt hat, alsbald in lieblicher Frucht hervorbricht. Welche Demuth, welche Liebe beweist die lydia. Die wirst du auch beweisen, so du ein fruchtbarer Hörer und Thäter des Wortes Gottes bist. Es kann nicht anders sein. Man bringt Frucht in Geduld. Darum laffet uns bitten, daß der Herr uns das Herz aufthut und allezeit offen erhält. Gebet. Ach lieber Herr Jesu Christe, allmächtiger Gott im Himmel und auf Erden, der Du der Lydia so freundlich das Herz aufgethan und die Predigt Deines Knechtes Paulus verborgener, aber Herrlicher Maaßen mit Deiner Kraft begleitet hast, wir armen Sünder bitten Dich, Du wollest uns alle Untreue gegen Deine an unsern Herzen wirksame Gnade gnädig verzeihen, hingegen jetzt und allezeit unser Herz weit aufthun, daß es Dein Wort fröhlich aufnehme wie die Erde den Regen und die kostbare Frucht des in der Liebe thätigen Glaubens bringe. Amen. Vater Unser. Dienstag nach Seragesimae. Eigene Melodie oder: Gott des Himmels und der Erde. Komm, o komm, Du Geist des Lebens, Wahrer Gott von Ewigkeit! Deine Kraft sei nicht vergebens, Sie erfüll uns jederzeit! So wird Geist und Licht und Schein In dem dunklen Herzen sein. Gib in unser Herz und Sinnen Weisheit, Rath, Verstand und Zucht, Daß wir anders nichts beginnen, Denn was nur Dein Wille sucht; Dein Erkenntniß werde groß Und mach uns vom Irrthum los. ( Vers 1 und 2 aus: Komm, o ktomm, Du Geift.) Marc. 4, 26-32. Und er sprach: Das Reich Gottes hat sich also, als wenn ein Mensch Samen auf's Land wirft, und schläft, und stehet auf acht und Tag, und der Same gebet auf, und wächset, daß er es nicht weiß; denn die Erde bringt von ihr selbft zum ersten das Gras, darnach die Aehren, darnach den vollen Weizen in den Aehren. Wenn fie aber die Frucht gebracht hat, so schickt er bald die Sichel hin, denn die Ernte ist da. Und er sprach: wem wollen wir das Reich Gottes vergleichen? Und durch welch Gleichniß wollen wir es vor. bilden? Gleichwie ein Senfkorn, wenn das gefået wird auf's Land, so ist es das kleinste unter allen Samen auf Erden; und wenn es 172 gefået ist, so nimmt es zu, und wird größer, denn alle Kohlkräuter, und gewinnet große 3weige, also, daß die Vögel unter dem Simmel unter seinem Schatten wohnen können. Hier man Dier lernen wir Anfang, Mitte und Ende des Reiches Gottes, in welchem wir sollen selig werden. Der Anfang ist klein, wie das Senfkorn das kleinste ist unter allen Samen auf Erden. Was ist geringer als das heilige Evangelium; alle Welt achtet's nicht, fieht und fühlt nichts Großes davon. Bist du eine unerleuchtete Seele, so dünfen dir alle Creaturen viel größer und mächtiger als Gottes Wort. Aber was wird daraus, wenn es gefäet wird und wächst? Ein Baum mit großen Zweigen, so daß die Vögel unter dem Himmel unter seinem Schatten wohnen. Ein Gläubiger, in welchem Gottes Gnade mächtig ist, ist ein gar veränderter Mensch; Gottes Liebe ist sein Leben, Gottes Kraft seine Stärke, Gottes Gesetz seine Lust. Die Gläubigen, welche der Geist Gottes im Glauben an Christum heiligt, sind das einzige Salz der Erde, wodurch die übrige Menschheit Segen empfängt und vor Fäulniß bewahrt wird. Zum Lobe Gottes fei's gesagt. Was bist dit, wenn das Reich Jesu nicht in dir ist? Weiter nichts als ein unfruchtbarer Acker voll Dornen und Ungerechtigkeit. So hohe Noth ists, daß der himmlische Vater uns Seinen heiligen Geist giebt, daß wir durch Seine Gnade Seinem Worte glauben und göttlich leben. Selig wer den Anfang dieses Reiches in sich hat, wer Theil hat durch die heilige Taufe und Theil nimmt durch den Glauben. Da wächst es. Wachsen geht still und langsam vor sich erst Gras, dann Äehren und dann der volle Weizen in den Aehren. So mußte Abraham auch wachsen. Es geht durch viel Unvollkommenheit und Schwachheit und Demüthigung. Geduld ist noth, sowohl Gottes Geduld als unsere Geduld. Es ist Gottes Sache im Natur- und Gnadenreiche wachsen zu lassen. Wer aber eine Pflanze des himmlischen Vaters ist, sehe zu, daß er nicht von heimlicher Sündenliebe, von Ungehorsam und Widerstreben gegen Gott wie von schädlichem Ungeziefer zerfreffen wird; daß er vielmehr zunehme in der aufrichtigen Buße und dem lebendigen Glauben an den Heiland. Gewißlich giebt es der Herr, so wir Ihn darum bitten. - Gebet. Herr Jesu, Du lieber Gärtner in dem Weinberge Gottes, laß meine arme Seele Dir zu allen Gnaden befohlen sein. Segne mir Dein heiliges Wort, jetzt und so oft ich es höre in seinen Drohungen und Verheißungen. Befeuchte die Wurzeln meiner Seele mit Deinem heiligen Geiste, daß meine Seele vor Dir grüne, blühe und Frucht bringe und ich endlich ewig selig werde. Amen. Vater Unser. 173 Mittwoch nach Seragesimae. Mel.: Herr Jesu Christ, Dich zu uns wend. D Gott, Du höchster Gnadenhort, Verleih, daß uns Dein göttlich Wort Von Ohren so zu Herzen bring', Daß es sein' Kraft und Schein vollbring'. Der einig Glaub' ist diese Straft, Der steif an Jesu Christ behaft; Die Werk' der Lieb' sind dessen Schein, Dadurch wir Christi Jünger sein. ( Vers 1 und 2 aus: O Gott, Du höchster:) Matth. 7, 24-29. Darum, wer diese meine Rede höret, und thut fie, den vergleiche ich einem klugen Manne, der sein Saus auf einen Selsen bauete. Da un ein Plagregen fiel, und ein Gewässer kam, und weheten die winde, und stießen an das Saus; da fiel es doch nicht, denn es war auf einen Selfen gegründet. Und wer diese meine Rede höret, und thut sie nicht, der ist einem thôrichten Manne gleich, der sein Saus auf den Sand bauete. Da nun ein Plagregen fiel, und kam ein Gewässer, und weheten die winde, und stießen an das Haus; da fiel es, und that einen großen Sall. Und es begab sich, da Jesus diese Rede vollendet hatte, entserte sich das Volk über seine Lehre. Denn er predigte gewaltig, und nicht wie die Schriftgelehrten. Jesus predigte gewaltig und nicht wie die Schriftgelehrten; der Heiland lehrte das Wort Gottes in seinem rechten Verstande und mit solcher Gewalt, daß Alles lebte und lautete, als hätte es Hände und Füße. Und noch immer ist Gottes Wort so gar gewaltig und träftig, wie damals, wenn es nach dem Sinne Gottes und mit dem Geiste Christi gelehrt wird. O welche Gnade, wenn uns Gottes Wort lauter, rein und kräftig verkündigt wird. Wohl dem, der solche Lehre hört und von ganzem Herzen lieb hat, zu welcher Liebe auch das gehört, daß man allen Lügen, besonders in göttlichen Dingen gram ist. Aber täusche sich Niemand unter uns; es steht zu viel auf dem Spiele. Man muß die Rede Jesu nicht bloß hören und gerne hören, sondern auch thun, ja thun. Ob thun, ob nicht thun, das macht den Unterschied zwischen dem klugen und thörichten Manne. Du sprichst, wie soll ich Gottes Gebot thun, bin ich doch fleischlich und Gottes Gesetz ist geistlich? Wohl dir, wenn dich des heiligen Gottes Gesetz in Verlegenheit, in Noth und Armuth bringt. Werde nur recht arm! Aber das Thun wird dir nicht erlassen. Hebe recht bei deinem Elende an, habe gar nichts, aber glaube. An Christum, von welchem alle Schrift zeugt, lebendig glauben das ist das rechte Thun. Auf diesen wahrhastigen Chriſtum, den der himmlische Bater durch Seinen heiligen Geist allen bekümmerten Herzen und auch dir gewißlich offenbart, baue und traue, es sei mit schwachem oder starkem Glauben. Solcher Glaube ist fruchtbar, dringt in Gott, geht außer 174 sich in einem heiligen Leben. Und ob Platzregen und Gewässer, d. i. allerlei Anfechtungen von innen und außen kommen, dieses Haus bleibt, wogegen die Anfechtungen alle bloßen Meinungen, Gefühle und dergleichen wie losen Sand fortspülen. Und was hast du, wenn du keinen Theil an Christo hast, und hast weder den Vater noch den Sohn. So laßt uns Gott, der unser Gebet erhört, ernstlich bitten, daß wir Sein Wort thun, Christum ergreifen und beständig darin bleiben. Gebet. Mein lieber Herr und Heiland Jesu Christe, Du Hirte Deiner ohne Dich verlassenen Christenheit, regiere mich und all die Deinen, daß wir an Deinem wahren Worte fest halten und daraus alle Weisheit und Stärke schöpfen. Herr Jesu, Du ewiges Wort Gottes, gründe und versenke unsere Herzen in Dich. Amen. Vater Unser. Donnerstag nach Seragesimae. Mel.: Christus, der ist mein Leben. Die Gnade sei mit Allen, Die Gnade unsers Herrn, Des Herrn, dem wir hier wallen Und sehn Sein Kommen gern. Auf dem so schmalen Pfade Gelingt uns gar kein Tritt, Es gehe Seine Gnade Denn bis zum Ende mit. Damit wir nicht erliegen, Muß Gnade mit uns sein; Denn sie flößt zu den Siegen Geduld und Glauben ein. ( Vers 1, 2 und 6 aus: Die Gnabe sei mit len.) Psalm 1. Wohl dem, der nicht wandelt im Rath der Gottlosen: noch tritt auf den Weg der Sünder; noch siget, da die Spotter sitzen; sondern bat Luft zum Geser des Herrn, und redet von seinem Geser Tag und acht. Der ist wie ein Baum, gepflanzet an den Wafferbåchen, der feine Srucht bringet zu seiner Zeit, und seine Blåtter verwelken nicht, und was er macht, das geråth wohl. Aber so sind die Gottlosen nicht; sondern wie Spreu, die der Wind versfreuet. Darum bleiben die Gottlosen nicht im Gericht, noch die Sünder in der Gemeine der Gerechten. Denn der Herr kennet den Weg der Gerechten; aber der Gottlosen Weg vergehet. Hier ist der Zustand und das Glück eines Menschen, der Gottes Wort hört und thut, beschrieben. Wohl einem solchen, lauter Heil und Glückseligkeit ist sein Theil. Welch ein Unterschied jetzt und zu tünstig ist zwischen den Gerechten und den Gottlosen. Denn die 175 Gottlosen sind bei all ihrem scheinbaren Glück doch übel daran; wie viele ihrer sind und wie groß sie sind, so sind sie doch in Gottes Augen nur Spren, Gottes Zorn liegt hier auf Erden schon auf ihnen und wird ihnen ewig zu schwer sein. Sie können nicht bleiben. Darum wohlauf, mein Herz, weil keine Mittelpartei ist, siehe ja zu, daß du in Wahrheit zu dem Häuflein der Gerechten gehörst. Fasse das Glück eines Gerechten recht zu Herzen. Es geht ihm wohl. Gottes Gnade ist über ihm und in ihm zu seinem Heile kräftig. Gottes Liebe versüßt sein Herz und macht ihm alle Widerwärtigkeiten und Bitterkeiten zu einem sanften Joche. Und wenn Himmel und Erde vergehen, die Gerechten bleiben. Merke dir auch den Zustand des Gerechten in diesem Leben. Er ist gepflanzet in der Furcht und Gnade Gottes, seine Herzenswurzeln liegen nicht in der Sünde, sondern in dem lebendigen Worte und in der Wahrheit Gottes. Hier hat der Gerechte seinen fruchtbaren Boden. Vergiß auch nicht die feinen Sitten eines frommen Christen. Er thut nicht nur nicht Böses, sondern meidet auch die Gelegenheit dazu; dazu; darum wandelt, noch tritt, noch sitzt er in der ansteckenden und je länger, je mehr vergiftenden Gemeinschaft der Gottlosen, Sünder und Spötter. Vielmehr findet der Gerechte je länger je mehr seine Lust an den großen und Heilkräftigen Wahrheiten Gottes und gewinnt daraus im Glauben und Gebete Lebenskräfte, die ihn zu einem in allen guten Werken fruchts baren Baume machen. Zu seiner Zeit ist die Frucht da, denn die Werke kommen gewißlich her aus dem rechten Glauben, der die Liebe Gottes und die Gnade Jesu Chrifti in sich aufnimmt. Also mag der Psalm wohl anheben mit den Worten: ,, wohl dem und wir sollen billig Gott den gnädigen Geber aller guten und vollkommenen Gabe bitten, Er möge uns durch Seinen heiligen Geist zu Pflanzen und Bäumen der Gerechtigkeit machen. Gebet. Ach ja, lieber Herr Jesu Christe, wenn ich recht be denke das große Glück eines Menschen, der Dich herzlich liebt und Dich immer dentlicher in Deinem heiligen Worte findet, so sehnt sich mein Herz gar sehr, Dein völliges Eigenthum zu sein, und bitte ich Dich, mein Herr und mein Gott, Du selbst wollest mein Herz durch Deinen heiligen Geist zieren, erleuchten, im Glauben an Dich heiligen und in solchem Glauben ebenso sehr die Sünde und alle Gelegenheit zur Sünde meiden lassen, als auch zu allem Guten stärken und kräftigen. Amen. Vater Unser. 176 Freitag nach Seragesimae. Eigene melobie, ober, wenn bas in ber letten Beile eingellammerte Wort mitgefungen wird: O baß ich tausend Jungen hätte. Ich will Dich lieben, meine Stärke, Ich will Dich lieben, meine Zier; Ich will Dich lieben mit dem Werte Und immerwährender Begier; Ich will Dich lieben, schönstes Licht, Bis mir( zuletzt) das Herze bricht. Erhalte mich auf Deinen Stegen Und laß mich nicht mehr irre gehn. Laß meinen Fuß in Deinen Wegen Nicht straucheln oder stille stehn; Erleucht' mir Leib und Seele ganz, Du( reiner,) starker Himmelsglanz. ( Vers 1 und 6 aus: Jch will Dich lieben, meine Stärke.) Pfalm 119, 1-8. wohl denen, die ohne Wandel leben, die im Gesetz des Herrn wandeln! Wohl denen, die feine Jeugnisse halten, die ihn von gans zem Herzen suchen! Denn welche auf seinen Wegen wandeln, die thun Fein Uebels. Du hast geboten, fleißig zu halten deine Befehle. daß mein Leben deine Rechte mit ganzem Ernst hielte! Wenn ich schaue allein auf deine Gebote, so werde ich nicht zu Schanden. Ich danke dir von rechtem Herzen, daß du mich lebreft die Rechte deiner Gerechtigkeit. Deine Rechte will ich halten; verlaß mich nimmermehr. Gott hat uns Menschen erschaffen, daß wir Ihn lieben und Ihm gehorsam sein sollen. Das ist die einzig wahre Bestimmung eines Menschen. Wer in aller Welt dieses Ziel nicht hat und nicht findet, folchem kann es nimmermehr wohlgehen. Nur dem Gerechten geht es wohl, und mag alle Welt ungewiß darüber sein, wie man sein Glück findet, für die erleuchteten Augen des Glaubens ist das einzige Glück völlig offenbar, nämlich: Wohl denen, nur wohl und immer wohl denen, die ohne Wandel leben und im Gesetze des Herrn wandeln, die Gottes Zeugnisse halten und den Herrn von ganzem Herzen suchen. Von ganzem Herzen! Nur den ganzen d. i. aufrichtigen, demüthigen, heilsbegierigen Herzen öffnen sich die Zeugnisse des Herrn wie goldene Thore, wie Quellen des lebendigen Wassers. O wie könnte ein Herz, das von dem Herrn so weit gelehrt ist, ruhen, wie sollte nicht in solchem Herzen ein inniges Verlangen sein: o daß mein Leben Deine Rechte mit ganzem Herzen hielte! Hast du Gnade empfangen, so verlangst du auch nach Gnade; ist der heilige Geist in dir, so treibt dich auch dieser Geist, und wohin sollte er anders treiben als in einen Hunger und Durst nach dem lebendigen Gott und Seiner Gerechtigfeit. Die Taube Noahs, die aus dem Kasten kam, flog auch zu dem Kasten zurück. Aber aus eigener Vernunft und Kraft kannst du nichts vollbringen. Ohne Mich, spricht der Herr, fönnt ihr nichts thun. Das begehren wir auch nicht. Und wenn die Seele ihre Ohnmacht zu allem Guten empfindet, so wird sie nicht träge und saumselig, wie 177 die sicheren Weltmenschen, sondern flieht zu Gott mit der Bitte: ver= laß mich nimmermehr; Jesu, der Du um meiner Sünden willen gestorben bist, laß mich um Deines Todes willen mit Dir leben. Das Gebet soll kindlicher, der Glaube zuversichtlicher werden. Warum nicht? Der Herr ist ja reich über Alle, die Ihn anrufen und aus Seiner Fülle nehmen wir Gnade um Gnade. Gebet. Ehre sei Dir, Herr mein Gott, für den Beistand und die Gnade Deines heiligen Geistes. Fahre fort, lieber himmlischer Vater, weil ohne des heiligen Geistes Licht nichts Gutes in dem Menschen geschieht, und bestätige das Gute, das Du in mir angefangen haft. Erleuchte meinen Verstand, stärke mein Gedächtniß, regiere meinen Willen und Begierden, damit ich Dir möge gehorchen und Dich preisen und Alles, was ich lese, recht verstehen, was ich verstehe, wohl behalten, und was ich behalte, mir zu Nut wohl anwenden möge. Mache mich zum heilsamen Gefäß Deiner Gnade zu Deines Namens Lob und Preis. Amen. Vater Unser. Sonnabend nach Seragesimae. Mel.: Wie schön leuchtet der Morgenstern. Ei, meine Perl, Du werthe Kron', Wahr Gottes und Marien Sohn, Ein hochgeborner König: Mein Herz heißt Dich ein Lilium, Dein süßes Evangelium Von Gott kommt mir ein Freudenschein, Wenn Du mit Deinen Neugelein Mich freundlich thust anblicken. D Herr Jesu, mein trautes Gut! Dein Wort, Dein Geist, Dein Leib und Blut Mich innerlich erquicken. Ist lauter Milch und Honig. Ei mein Blümlein, Nimm mich Freundlich Hosiannah! himmlisch Manna, das wir In Dein' Arme, daß ich warme werd' effen, von Gnaden, Deiner kann ich nicht vergessen. Auf Dein Wort komm ich geladen. ( Bers 2 und 4 aus: Wie schön leuchtet ber Morgenstern.) 1. Cor. 13, 1-13. Wenn ich mit Menschen- und mit Engelzungen redete, und båtte der Liebe nicht, so wäre ich ein tónend Erz, oder eine klingende Schelle. Und wenn ich weisfagen könnte, und wüßte alle Geheimnisse, und alle Erkenntniß, und hatte allen Glauben, also, daß ich Berge verferte, und hätte der Liebe nicht, so wäre ich nichts. Lind wenn ich alle meine Sabe den Armen gåbe, und ließe meinen Leib brennen, und båtte der Liebe nicht, so wäre es mir nichts någe. Die Liebe ift langmüthig und freundlich, die Liebe eifert nicht, die Liebe treibt nicht Muthwillen, sie blåhet sich nicht, sie stellet sich nicht ungeberdig, 12 178 sie suchet nicht das Ihre, fie läßt sich nicht erbittern, sie trachtet nicht nach Schaden, fie freuet sich nicht der Lingerechtigkeit, sie freuet sich aber der Wahrheit, sie vertråget Alles, sie glaubet Alles, fie boffer Alles, fie duldet Alles. Die Liebe höret nimmer auf, so doch die Weisfagungen aufhören werden, und die Sprachen aufhören werden, und das Erkenntniß aufhören wird. Denn unser Wiffen ist Stuckwerk, und unser Weisfagen ist Stückwerk. Wenn aber kommen wird das Vollkommene, so wird das Stückwerk aufhören. Da ich ein Kind war, da redete ich wie ein Kind, und war klug wie ein Kind, und hatte kindische Anschläge; da ich aber ein Mann ward, that ich ab, was kindisch war. Wir sehen jetzt durch einen Spiegel in einem dunkeln Wort; dann aber von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich es stückweise; dann aber werde ich es erkennen, gleichwie ich er kannt bin. Nun aber bleibet Glaube, Soffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größefte unter ihnen. Sehet, wir gehn hinauf nach Jerusalem", so spricht der Herr zu Seinen Jüngern im Evangelium des morgenden Sonntags. Der Weg nach Jerusalem geht über Gethsemane und Golgatha. Bist du nicht ein Fremdling in Jerusalem, der nicht wüßte, was in den kommenden Tagen der stillen Passions- Zeit nun von neuem darüber gepredigt wird, so mußt du dein Angesicht verhüllen über dem Gesange: O Liebe, Liebe, du bist stark, du streckest den ins Grab und Sarg, vor dem die Felsen springen. Ja die Liebe ist eine Flamme des Herrn, sie ist stärker, als der Tod, und Niemand hat größere Liebe, denn die, daß er sein Leben läffet für seine Freunde. Stelle dich unter Sein Kreuz und laß dir vom Jünger der Liebe, der alles gesehen, gehöret und bezeuget hat bis zu dem Stich des Lanzenknechts in Seine heilige Seite, in's Ohr sagen- und in Herz und Gewissen rufen: Lasset uns Ihn lieben, denn Er hat uns zuerst geliebt. Was aber ist der Liebe Zeugniß? Dies Gebot haben wir von Ihm, daß, wer Gott fiebet, daß er auch seinen Bruder liebe. Unsere Epistel kann das hohe Lied der Liebe genannt werden, sie befingt die Liebe im höhern Chor als das höchste und herrlichste unter allem, was der Geist wirket in einem Herzen, das Erfahrung hat von dem, was Zinzendorf besingt: Ich bin durch manche Zeiten, wohl gar durch Ewigkeiten in meinem Geist gereift; doch nichts hat mir genommen mein Herz, bis ich gekommen nach Golgatha. Gott sei gepreist! Wer vermag auszulegen, was der Apostel von dieser Bruderliebe fagt? Lies es, jedes Wort, mit betender Seele, und du wirst verstehen die Summa: Nun aber bleiben die drei: Glaube, Hoffnung, Liebe; aber die Liebe ist die größeste unter ihnen. Obschon der Glaube das Mittel ist, durch welchen uns allein die Liebe zufließt, und es ohne Glauben unmöglich ist zu lieben; so ist die Liebe größer, als der Glaube, denn der Glaube hört einmal auf und verwandelt sich in Schauen, aber die Liebe höret nimmer auf. Auch die Hoffnung, obschon eine süße Frucht des 11 - 179 Glaubens und ein theures Gut, das nicht zu Schanden werden läßt im Reich Gottes hier auf Erden, hat ihre Zeit; nur die Liebe bleibet ewiglich, denn sie ist selbst das Alles erfüllende Schauen, das vollkommene Erkennen Gottes, und damit das Eine, das alles ersetzt, da Gott Alles in Allem ist. Sollen wir uns nun nicht sehnen, so in der Liebe und so in Gott zu leben der die Liebe ist? Sehen wir nicht in hellem Glanze dieser in Liebe getauchten Epistel die Finsterniß unseres armen, liebeleeren, falten, selbstsüchtigen Herzens? Wer Christi Geist nicht hat, der ist nicht Sein; denn vor Ihm nichts gilt, als Sein eigen Bild. Der heilige Geist lasfe doch diese Sonne in unser aller Herzen täglich aufgehen und verkläre dazu die Liebe des Vaters und des Sohnes in uns, daß wir in Liebe Eins werden mit Ihm und verflärt von einer Klarheit zur andern. Gebet. O mein Herr Jesu, Du süßer Jesu, Du wahrer Gott und Erforscher der Heimlichkeit der Herzen, Du weißt, daß Du mir lieber bist als die Erde und was darauf ist. Du bist mir angenehmer als auch der Himmel und die Erde. Ich habe auch eine herzliche Begierde, daß ich Dich noch lieber haben möge. O Herr, gib und verleihe, daß ich Dich möge lieben, so viel ich will und soll, auf daß all mein Bornehmen, Thun und Denken allein auf Dich gerichtet sei, auf daß ich stets möge wandeln, wie es Dir gefällig ist und endlich Dein Angesicht mit Freuden schauen. Amen. Bater Unser. - SI5 Sonntag Esto mihi. dois Diel.: An Wafferflüffen Babylon. Ein Lämmlein geht und trägt die Schulb mein Lebetage will ich Dich Der Welt und ihrer Kinder, Es geht und büßet in Geduld Die Sünden aller Sünder. Es geht dahin, wird matt und frant, Ergiebt sich auf die Würgebant, Verzeiht sich aller Freuden; Es nimmet an Schmach, Hohn und Spott, Angst, Wunden, Striemen, Kreuz und Tod Und spricht: Ich will's gern leiden. Aus meinem Sinn nicht laffen; Dich will ich stets, gleichwie Du mich Mit Liebesarmen faffen. Du sollst sein meines Herzens Licht, Und wenn mein Herz in Stücke bricht, Sollst Du mein Herze bleiben. Ich will mich Dir, mein höchster Ruhm,] Hiermit zu Deinem Eigenthum Beständiglich verschreiben. ( Vers 1 und 5 aus: Ein Lämmlein geht.) Luc. 18, 31-43. Er nahm aber zu sich die 3wölfe, und sprach zu ihnen: Sehet, wir geben hinauf gen Jevusalem, und es wird alles vollendet werden, 12* 180 das geschrieben stehet durch die Propheten von des Menschen Sohn. Denn er wird überantwortet werden den Seiden; und er wird verfpottet, und geschmähet, und verspeiet werden; und sie werden ihn geißeln und todten; und am dritten Tage wird er wieder auferstehen. Sie aber vernahmen deren Feines, und die Rede war ihnen verborgen, und wußten nicht, was das gesagt war. Es geschah aber, da er nahe zu Jericho kam, saß ein Blinder am Wege, und bettelte. Da er aber börete das Volk, das durchhin ging, forschete er, was das wäre. Da verkündigten sie ihm, Jesus von Tazareth ginge vorüber. Und er rief und sprach: Jesu, du Sohn Davids, erbarme dich meiner! Die aber vorne an gingen, bedroberen ibn, er sollte schweigen. Er aber schrie viel mebr: Du Sohn Davids, erbarme dich meiner! Jefus aber stand stille, und bieß ihn zu sich führen. Da sie ihn aber nabe zu ihm brachten, fragte er ihn, und sprach: Was willst du, daß ich dir thun foll? Er sprach: Herr, daß ich sehen möge. Und Jesus ſprach zu ihm: Sei sebend! Dein Glaube bat dir geholfen. Und alfobald ward er sehend, und folgte ihm nach, und pries Gott. Und alles Volk, das folches sabe, lobte Gott. Ohne Blutvergießen geschieht keine Vergebung. Ebr. 9, 22. In diesem Worte ist der Schlüssel zu dem Leiden unseres Heilandes gegeben. Die Größe und Tiefe der menschlichen Sünde fordert eine Sühne durch das unschuldige Blut Jesu Christi. Welch ein Leiden ist es doch, das der Herr verkündigt! Schon von Alters her widmet die christliche Kirche sieben Wochen im Kirchenjahre die Passionszeit- der Betrachtung des Leidens Chrifti. Welch ein Leiden! Betrachten wir es wohl. Wie feierlich der Herr die Zwölfe und auch uns besonders nimmt und Sein Leiden verkündigt. Welche Person ist es doch, die da leidet, Jesus Christus wahrer Gott und wahrer Mensch, der Schönste unter den Menschenkindern. Und wie leidet Er! Deinen Willen, spricht Er, Mein Gott, thue Ich gerne. Pf. 40. Er will ganz und gar vollenden Alles, was von Ihm geschrieben ist durch die Propheten. Wie lang ist die Marterstraße, die der Heiland zieht! An Leib und Seele, bei Tag und Nacht, an allen Gliedern und Kräften, von Juden und Heiden, von Gott und dem Teufel leidet der Heiland, Er ist vollkommen gemacht in Seinem Leiden. Ebr. 2. O wir sind theuer erkauft, es kostete Ihm viel, uns zu erlösen. Nun ist's vollbracht und in dem Blute Jesu ist die Vergebung der Sünden. Aber wer glaubt unsrer Predigt, und wem wird der Arm des Herrn offenbar? Es ist gar lehrreich, daß diese Rede von dem Leiden. Christi den lieben Jüngern verborgen war, und sie nicht wußten, was das gesagt war. Darum ist es denn gar tröstlich, daß die Geschichte vom Blinden noch dasteht. Demselben fehlen die Augen. Und er weiß und fühlt, daß es ihm fehlt. Darum fleht er zu Jesu, daß Er ihm helfe. Und Er hilft ihm. Jesus stand stille vor diesem armen, blinden Manne, der Ihn mit seiner Noth und seinem Gebete - - dazu bringt. Das ist mehr, als daß zu Josuas Zeit die Sonne am Himmel still stand. Der Blinde wurde sehend und siehe, wem der Herr die Augen aufthut, sieht mit Erstaunen den leidenden, gekreuzigten Heiland an, und sieht lauter Wunderdinge in dem Leiden Christi, fällt vor Ihm nieder und spricht: Durch Deine Wunden bin ich heil geworden; auf daß ich Frieden hätte, liegt meine Strafe auf Dir. Herr, daß ich sehen möge! 181 Gebet. Lieber Herr Jesu Christe, wir danken Deiner großen Liebe und Treue, daß Du gutwillig Deinem Leiden und Tod entgegen gezogen bist und uns durch Dein eigen Blut eine ewige Erlöfung erworben hast. Wir bitten Dich, Du wolleft unsere blinden Herzen öffnen und erleuchten, daß wir Dich für den wahren Gottesund Davids- Sohn allezeit erkennen und mit allen Auserwählten loben und preisen mögen. Bater Unser. mi 672 Montag nach Esto mihi. Mel.: Jefu, meines Lebens Leben. Jefu, der Du wollen büßen Für die Sünde aller Welt Durch Dein theures Blutvergießen; Der Du Dich hast dargestellt, Als ein Opfer für die Sünder, Die verdammten Adamskinder! Ach, laß Deine Todespein Nicht an mir verloren sein! are noe so Ach, laß Deine tiefen Wunden sk Frische Lebens- Brunnen sein, mis Wenn mir alle Kraft entschwunden, Wenn ich schmacht' in Seelenpein. In den Abgrund Deiner Gnaden Senk all' Schuld, die mich belaben. Ach, laß Deine Todespein. Nicht an mir verloren sein! ( Vers 1 und 7 aus: Jesu, der Du wollen büßen.) 2 Mos. 12, 3-15. Saget der ganzen Gemeinde Israels, und sprechet: Am zehnten Tage dieses Monats nehme ein Jeglicher ein Lamm, wo ein Saus vater ist, je ein Lamm zu einem Hause. Wo ihrer aber in einem Hause zu wenig sind; so nehme er es und sein nåchster Nachbar an feinem saufe, bis ibrer so viel wird, daß sie das Lamm aufeffen mögen. Ihr follt aber ein folches Lamm nebmen, da kein Sehler an ift, ein Männlein, und eines Jahres alt; von den Låmmern und Ziegen sollt ihr es nehmen. Lnd follt es bebalten bis auf den vierzehnten Tag des Monats. Und ein jegliches Sauflein im ganzen Israel foll es schlachten zwischen Abend. Und sollt seines Bluts nehmen, und beide Pfoften an der Thür, und die oberste Schwelle damit beffreichen, an den Säusern, da sie es innen effen. Und sollt alfo Sleisch effen in derselben Macht, am Seuer gebraten, und ungesäuert Brodt, und sollt es mit bittern Salzen effen. Ihr sollt es nicht rob effen, 182 noch mit Waffer gefotten, sondern am Seuer gebraten, sein Saupt mie feinen Schenkeln und Eingeweide. Und sollt nichts davon überlaffen bis morgen; wo aber etwas überbleiber bis morgen, sollt ihr's mit Seuer verbrennen. Also follt ihr's aber effen: Um eure Lenden sollt ihr gegürtet sein, und eure Schube an euren Süßen haben, und Ståbe in euren Sånden; und sollt es effen, als die hinweg eilen; denn es ist des Herrn Paffah. Denn ich will in derselben Macht durch Egyptens land geben, und alle Erfigeburt schlagen in Egyptenland, beides unter Menschen und Vieh. Und will meine Strafe beweisen an allen Göttern der Egypter, Ich der Herr. Und das Blut soll euer Jeichen sein an den Säusern, darinnen ihr seid, daß, wenn ich das Blut sehe, vor euch übergehe, und euch nicht die Plage widerfahre, die euch verderbe, wenn ich Egyptenland schlage. Und sollt diesen Tag haben zum Gedächtniß, und sollt ihn feiern dem Herrn zum Seft, ihr und alle eure Nachkommen, zur ewigen Weise. Sieben Tage sollt ihr uns gefauert Brodt effen; nåmlich am ersten Tage sollt ihr aufhören mit gesäuertem Brodt in euren Säusern. Wer gesäuert Brodt iffet vom ersten Tage an bis auf den siebenten, deß Seele soll ausgerottet wer den von Israel. Durch die Propheten ist von dem Leiden Jesu geschrieben. Luc. 18, 31. 3m alten Testamente finden sich aber neben den Weisfagungen über Christi Leiden auch viele Vorbilder von diesem Leiden. Solch ein Vorbild ist das Oster- oder Passahlamm. Passah heißt Erlösung, Verschonung. Wie deutlich ist darin der Heiland abgebildet. Es ist ein Lamm von der Heerde, wie Jesus ein Mensch von den Menschen ift. Es ist ein Lamm ohne Fehler, wie Jesus unschuldig ist, der Einzige, der ohne Sünde ist. Ein Lamm eines Jahres alt, also in zartem Alter, wie der Heiland auch in seinen besten Jahren gelitten hat. Das Lamm mußte gebraten werden, wie unser Heiland in Seinen bittern Leiden zermalmt und ausgedörrt ist, daß Seine Seele von Gott verlaffen war und Sein Leib heftigen Durst empfand. Das Blut des Lammes diente dazu, daß man die Pfosten der Thür und die oberste Schwelle damit bestrich; so muß man das Blut Jesu Christi, das im Himmel redet besser, denn Abels Blut, auf Erden im Glauben brauchen und die Thüren d. i. Augen und Ohren und alle Glieder davon heiligen lassen. Der Nutzen, den Israel von seinem Passahlamm hatte, war groß; denn der Würgengel ging vorüber. Und siehe! von allen Sünden, vom Tode und von der Gewalt des Teufels errettet die Gläubigen das unschuldige Blut Christi. Darin und darin allein hat man Frieden mit Gott. Nicht zu vergessen, daß das Osterlamm gegessen und zwar ganz gegessen werden mußte mit bittern Salzen und ungesäuerten Broden. So muß es der ganze Christus sein, wie Er ist, den wir an- und aufnehmen im Glauben; denn durch den Glauben umfängt und empfängt die Seele Jesum und sacramentlich sogar unter Brod und Wein. Das geschehe mit bittern 183 Salzen d. h. mit herzlicher Empfindung der bittern, ach so bittern Sünde. Das ist die Bedingung, unter welcher wir Gnade erlangen: erkenne deine Missethat! Zu solchem Effen und Trinken bedarf es der ungesäuerten Brode, worin uns vorgebildet ist die Lauterkeit des Herzens, das sich von der Sünde und Ungerechtigkeit ohne Rückhalt ab und zu Christo Hinwendet. O freundlicher, gnadenreicher Jesu, gieb mir ein begieriges, Dir wohlgefälliges Herz, das Dich in wahrem Glauben und brünstiger Liebe umfaßt. - Gebet. Allmächtiger Bater, ewiger Gott, der Du für uns hast Deinen Sohn des Kreuzes Pein lassen leiden, auf daß Du von uns des Feindes Gewalt treibest: verleihe uns diese heilige Zeit also zu begehen und zu danken Seinem Leiden, daß wir dadurch der Sünden Vergebung und vom ewigen Tode Erlösung erlangen, durch denselben Deinen Sohn Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. Vater Unser. Dienstag nach Esto mihi. Mel: Es ist das Heil uns kommen Her. Der Glaub' ist eine Zuversicht Zu Gottes Gnad' und Güte. Der bloße Beifall thut es nicht. Es muß Herz und Gemüthe Auf Gott völlig gerichtet sein Und gründen sich auf Ihn allein Ohn' Wanken und ohn' Zweifel. Wer sein Herz also stärkt und steift In völligem Vertrauen Und Jefum Chriftum recht ergreift, Auf Sein Verdienst thut bauen: Der hat des Glaubens rechte Art Und kann zur seligen Hinfahrt Sich stärken ohne Grauen. ( Vers 1 und 2 aus: Der Glaub' ist eine Zuversicht.) 4 Mof. 21, 4-9. Da sogen sie von Bor durch das Gebirge auf dem Wege vom Schilfmeer, daß sie um der Edomiter Land hinzögen. Und das Volk ward verdroffen auf dem Wege, und redete wider Gott und wider Mose: Warum hast du uns aus Egypten geführet, daß wir sterben in der Wüste? Denn es ist kein Brodt noch Waffer hier, und unsere Seele ekelt über dieser losen Speise. Da sandte der Herr feurige Schlangen unter das Volk; die biffen das Volk, daß ein groß Volk in Israel ftarb. Da kamen sie zu Mose, und sprachen: Wir haben gefündiget, daß wir wider den Herrn und wider dich geredet haben; bitte den Serrn, daß er die Schlangen von uns nehme. Mose bat für das Volk. Da sprach der Herr zu Mose: Mache dir eine eherne Schlange, und richte sie zum Zeichen auf; wer gebiffen ist, und siehet sie an, der foll leben. Da machte Mose eine eherne Schlange, und richtete fie auf zum Zeichen; und wenn Jemanden eine Schlange biß, so sabe er die eberne Schlange an, und blieb leben. 184 Die eherne Schlange zum Zeichen aufgerichtet das ist der gefreuzigte Heiland. Das Volk Israel sündigte, denn es war verdroffent und murrete wider Gott und wider Mose. Das ist schwere Sünde an dem lebendigen Gott, der doch allezeit ein frommer Gott ist und also nie einen Grund zum Murren giebt. Sünde bringt Strafe, hier feurige Schlangen, die das Volk beißen. Gott kann an Leib und Seele, zeitlich und ewig, mit Schlangen und mit Feuer strafen. Er straft besonders mit Unruhe des Herzens, mit Angst des Gewissens, mit allerlei Jammer und Elend. Das Volk fühlte seine Sünde, wie wir die Sünde in der Buße fühlen. Buße ist, daß die Sünde lebendig wird und Einen quält. Da bitten sie Mose um Hülfe, jetzt ist ihnen Mose ein erwünschter Mann. So kann im neuen Bunde der Jesus, gegen den man so gleichgültig, ja der Einem zuwider war, noch sehr köstlich werden. Und Mose half durch ein thörichtes Mittel, durch die erhöhte, eherne Schlange. Welche sonderbare Hülfe, daß es, wenn auch eine todte und eherne, so doch eine Schlange ist, deren Anblick an die feurigen Schlangen erinnert. Und ist nicht der gekreuzigte Heiland das deutlichste Bild unsrer Sünde? Er ist ja zur Sünde gemacht, indem Ihm aller Welt Sünde zugerechnet ist. 2 Cor. 5, 21. Wer nun gebissen ist und siehet sie an, soll leben." O Wunder! Möchte Einer noch so sehr gebissen sein, der Anblick der Schlange half ihm. So ist Jesus Christus der Gekreuzigte wohl mächtig unsere Seele ganz zu heilen, so wir Ihn nur ansehen. Er ist erhöhet am Kreuze und wird erhöhet in der Predigt Seines Wortes. Wer Ihn nur sieht und sehen mag! Da wird Alles gut, und lauter Gnade empfängt, wer seinen Blick beständig und lauter auf Christum richtet. Wo das aber nicht geschieht, da muß man sterben an dem Bisse der feurigen Schlangen. So lasset uns denn ja aufsehen auf Jesum und Ihn je länger je deutlicher sehen lernen. Gebet. Herr Jesu Christe, der Du uns tröstlich vorgebildet bist in der ehernen Schlange, wir armen Sünder bitten dich herzlich, thue uns die Ohren auf, daß wir Deinem Worte glauben und die Augen, daß wir Dich unsern einigen Lebensfürsten an Deinem Kreuze mit wahrhaftigem Glauben ansehen und in solchem Anblicke Vergebung der Sünden und Frieden des Gewissens empfangen mögen. Amen. Vater Unser. - - stor 185 Mittwoch nach Esto mihi. Eigene Melodie, wenn die letzte Beile, wie sie eingellammert ist, gesungen wird, sonst: daß ich tausend Bungen hätte. Ich will Dich lieben, o mein Leben, Als meinen allerbesten Freund; Ich will Dich lieben und erheben, So lange mich Dein Glanz bescheint; Ich will Dich lieben, Gotteslamm, Als meiner Seelen Bräutigam. ( Als meinen Bräutigam.) Ich danke Dir, Du wahre Sonne, Daß mir Dein Glanz das Licht gebracht; Ich danke Dir, Du Himmelswonne, Daß Du mich froh und frei gemacht; Ich danke Dir, Du süßer Mund, Daß Du mich machest ganz gesund. ( Daß Du mich machst gesund.) ( Vers 2 und 5 aus: Ich will Dich lieben, meine Stärke.) Joh. 12, 1-8. Sechs Tage vor Ostern kam Jesus gen Bethanien, da Lazarus war, der Verstorbene, welchen Jesus auferwecket batte von den Todten. Daselbst machten sie ihm ein Abendmahl, und Martha dienete, Las zarus aber war deren einer, die mit ihm zu Tische saßen. Da nahm Maria ein Pfund Salbe von ungefälschter Föftlicher Tarde, und falbte die Süße Jesu, und trocknete mit ihrem Saar seine Süße; das Saus aber ward voll vom Geruch der Salbe. Da sprach seiner Jünger einer, Judas, Simonis Sohn, Jschariothes, der ihn hernach verrieth: Warum ist diese Salbe nicht verkauft um dreihundert Groschen, und den Armen gegeben? Das sagte er aber nicht, daß er nach den Armen fragte; sondern er war ein Dieb, und hatte den Beutel, und trug, was gegeben ward. Da sprach Jesus: Laßt sie mit Frieden; folches bat fie behalten zum Tage meines Begräbniffes. Denn Arme habt ihr allezeit bei euch; mich aber habt ihr nicht allezeit. Sich, dieses Weib hat's verstanden unsern Heiland zu lieben. Was du auch nur suchen magst an der rechtschaffenen Liebe zu Jesu, hier hast du's. Das ganze Thun des Weibes ist lauter Liebe, ihr Herz ist Jesu innig zugethan, ihre Geberde und Hand drückt diese Liebe aus. Und findest du nicht zwei Umstände besonders köstlich an diesem Weibe? Einmal, daß sie kein Wort über ihre Liebe redet, sondern mit der That einfältig liebt. Jesum lieben ist ja ganz etwas anderes, als Gedanken von solcher Liebe haben und Bücher darüber lesen. Sodann zerbricht sie das Glas( Mrc. 14, 3), um ihre ganze völlige Liebe auszudrücken. Das ist ein Herz, das von nichts mehr eingenommen ist, als nur von Liebe. Ungefälscht ist ihre Narde, wie ihre Liebe ungetheilt. Köstlich ist dieselbe, wie ihre Liebe dem Herrn wohlgefällig ist. Das Haus ward voll vom Geruch der Salbe die Liebe zum Herrn ist die Salbe in ihrem ganzen Thun. O Weib, wie hast du also lieben können? Weil sie die Liebe Jesu erkannt und in dem lebendigen Glauben an die Vergebung aller ihrer Sünden erfahren hatte. Diese erste Liebe Chrifti, wenn sie in unser Herz aus 186 gegoffen wird, erweckt Gegenliebe. Und noch jetzt in dieser Zeit kann man Jesu die Liebe erzeigen damit, daß man Ihm in den Armen, Nackten, Hungrigen wohlthut. Gelegenheit giebt es genug, wenn nur Willigkeit und Kraft vorhanden ist. Sagst du nun: ach wer so lieben könnte, wie Maria! so antworte ich: ach, wer mur die Liebe Jesu herzlich begehrt für die eigene Seele, wer diese Liebe nur glaubt und all seinen Ruhm und Vertrauen darin findet, daß Jesus ihn liebt. Gewiß solch Einer wird lieben und muß lieben nicht mit Worten, sondern mit der That und mit der Wahrheit. Gebet. Herr Jesu, wie beschämt stehe ich vor dem Weibe in Bethanien. Wie herzlich, innig hat dich dieses Weib geliebt und ich bin so falt und träge. Du Gesalbter des Herrn, salbe meine Augen mit Augensalbe, daß sie Deine Schönheit und Lieblichkeit sehen und meine Seele Dich liebt. Hilf, daß ich Dir in Deinen armen Gliedern Liebe erweise und nicht mein Herz vor meinem Bruder zuschließe. Herr Jesu, ich bitte Dich, hilf mir. Amen. Vater Unser. - Donnerstag nach Esto mihi. MeL: Nun ruhen alle Wälder. Ich will daraus studiren, Wie ich mein Herz soll zieren Mit stillem, sanftem Muth, Und wie ich die soll lieben, Die mich doch sehr betrüben Mit Werken, so die Bosheit thut. SUR Wenn böse Zungen stechen, Mir Glimpf und Namen brechen, So will ich zähmen mich; Das Unrecht will ich dulden, Dem Nächsten seine Schulden Verzeihen gern und williglich. ( Bers 13 und 14 aus: O Welt, fieh hier dein Leben.) Matth. 26, 6-13. Da nun Jesus war zu Bethanien im Sause Simons, des Ausfånigen; trat zu ihm ein Weib, das hatte ein Glas mit köstlichem Wasser; und goß es auf sein Haupt, da er zu Tische saß. Da das seine Jünger saben, wurden sie unwillig, und sprachen: Wozu dienet dieser Unrath? Dieses Waffer båtte mögen theuer verkauft, und den Armen gegeben werden. Da das Jesus merkte, sprach er zu ihnen: was bekümmert ihr dieses Weib? Sie hat ein gut Werk an mir gethan. Ihr habt allezeit Arme bei euch; mich aber habt ihr nicht allezeit. Daß sie dies Waffer auf meinen Leib gegoffen, hat sie ges than, daß man mich begraben wird. Wahrlich, ich sage euch: Wo dies Evangelium geprediget wird in der ganzen Welt, da wird man auch sagen zu ihrem Gedächtniß, was sie gethan hat. 187 Der Der Geiz ist eine Wurzel alles Ulebels. Hätte sich Judas nicht freuen sollen, daß das Weib den Herrn falbte? Aber der Geiz gestattet es ihm nicht; sondern gleich wie ein Geiziger rechnet er gleich den Werth der Salbe aus. Und daran nicht genug. Er erheuchelt Liebe zu den Armen, wie alle Unbußfertigkeit mit Lüge verknüpft ist. Und daran noch nicht genug. Obwohl Judas der eigentliche Bösewicht( Joh. 12, 4-6) ist, so zieht er die übrigen Jünger mit in seine Schlingen, daß auch diese unwillig von Unrath sprechen. Prüfen wir uns danach, ob wir nicht auch Geld lieber haben als Christum, ob wir nicht Ändere im Guten aufhalten, statt sie zu fördern, und ob wir nicht bei dem Allen noch gar unsere Bosheit schmücken. Maria hat vorhin kein Wort geredet, da sie Jefu ihre Liebe erzeigte und jetzt, da sie angegriffen wird, schweigt sie ebenfalls. Ift dieses nicht ein sehr seltenes Weib? Neußert sich nicht ihr lebendiger Glaube darin, daß sie sowohl der eitlen Selbstliebe, als auch dem Lobe und Tadel der Welt abgestorben ist? Und wie wohl ist sie daran! Denn der Herr Selbst schützt sie und redet mit solchen deutlichen Worten dazwischen, daß Aller Mund verstummen muß. So hat man es bei Jesu gut. Er weiß Seine Gläubigen innerlich mit Seinem Worte und Geiste zu erquicken und weiß mit den Feinden, die uns übel wollen, wohl zu streiten. Ihm dürfen die Seinen schon Alles anheimstellen und ablassen von der Ungeduld. Er ist wohl auf dem Plane, der da spricht: Ich will vergelten. Gebet. Herr Jesu Christe, mein theurer Heiland, sei Du mir gnädig und sei mein Hirte. Gieb mir Gnade, daß ich mich allein fleißige, Dir zu gefallen und zu dienen in Unschuld und Gerechtigkeit. Und ob ich damit der Welt in's Urtheil falle, so wollest Du mich im beständigen Glauben an Dich erhalten und für mich streiten. Amen. Vater Unser. Freitag nach Esto mihi. Mel.: Seelenbräutigam. Deiner Liebe Glut Stärket Muth und Blut. Wenn Du freundlich mich anblickest Und an Deine Brust mich drückest, Macht mich wohlgemuth Deiner Liebe Glut. Nun ergreif' ich Dich, Du, mein ganzes Ich. Ich will nimmermehr Dich lassen, Sondern gläubig Dich umfassen, Weil im Glauben ich Nun ergreife Dich. ( Vers 2 und 10 aus: Seelenbräutigam.) 188 Luc. 22, 7-16. Es kam nun der Tag der süßen Brodte, auf welchen man mußte opfern das Osterlamm. Und er sandte Petrum und Johannem, und sprach: Gehet bin, bereitet uns das Ofterlamm, auf daß wir es effen. Sie aber sprachen zu ihm: Wo willst du, daß wir es bereiten? Er sprach zu ihnen: Siebe, wenn ihr hineinkommt in die Stadt, wird euch ein Mensch begegnen, der trågt einen Wasserkrug; folget ihm nach in das Haus, da er hinein gebet, und saget zu dem Hausherrn: Der Meister läßt dir sagen: Wo ist die Herberge, darinnen ich das Ofterlamm effen möge mit meinen Jüngern? Lind er wird euch einen großen gepflasterten Saal zeigen; daselbst bereitet es. Sie gingen bin, und fanden, wie er ihnen gesagt batte, und bereiteten das Offerlamm. Und da die Stunde kam, serte er sich nieder, und die zwölf Apoftel mit ihm. Und er sprach zu ibnen: Mich hat herzlich verlanget, dies Ofterlamm mit euch zu effen, ehe denn ich leide; denn ich sage euch, daß ich binfort nicht mehr davon effen werde, bis daß erfüllet werde im Reich Gottes. 1491 Ach, es steht so vieles in der Passionsgeschichte unseres Heilandes, was Einen in den Staub demüthigt. Aber es findet sich auch gar Köstliches und Tröstliches in der Leidensgeschichte. Das Tröstliche darin ist der Herr Jesus Selbst mit all Seinem wunderbaren Thun; jeder Schritt, jedes Wort, jeder Seufzer Chrifti ist ein Trost. Zu dem Köstlichen im Leiden Jesu zähle ich z. B. die Bereitwilligkeit der beiden Jünger, womit sie Ihm den Esel holen, die Salbung in Bethanien, die Willigkeit des Mannes, der dem Herrn den großen gepflasterten Saal zum Ofterlamme leiht. Ist der Heiland arm ohne ein Haus, ja ohne eine Stätte, da Er Sein Haupt hinlegte, so finden die Jünger einen willigen Wirth, der ihnen den Saal gleich zu Gebote stellt. Sieh, wie solltest du deine tägliche Arbeit sein lassen, das Widerstreben gegen Christum abzulegen, und Gott um die hohe Gnade bitten, daß du ein Haus würdest, worin der Heiland schalten und walten kann. Wer hätte den Nußen davon? Du selbst. Und welchen Nutzen? O wie selig sind die Seelen, die mit Jesu sich vermählen.- Den lieben Herrn, der den Willen des Vaters gerne thut, verlangt herzlich, das Osterlamm mit Seinen Jüngern zu essen. Damit beschließt Er das alte Testament und nun kommt das neue Testament in dem Blute Christi, das Er als das rechte Osterlamm am Stamm des Kreuzes vergoffen hat. Und wenn wir nun auf der ganzen Welt kein Herz hätten, das uns liebt, siehe, das Herz Jesu sehnt sich herzlich nach uns. Nicht Rauch und Staub wird uns von Ihm geboten, sondern Gnade und Wahrheit, Vergebung der Sünden, Leben und Seligkeit. Der den Himmel kann verwalten, will mun Herberg in dir halten. Warum willst du sterben, da du leben kannſt? Warum in der Furcht bleiben, da du zur Liebe Gottes berufen wirst? Warum willst du in Sünden leben, da dir die Gnade entgegenkommt? Herz, was willst du thun? Deffne Ihm bald des Geistes Pforten, red ihn an mit schönen Worten: komm, mein Heil, laß dich genießen, laß mich Deiner nicht mehr missen. Gebet. Liebster Jesu, mein und aller Welt Heiland! Du hast durch Dein bitter Leiden und Sterben mir die Gnadentafel bereitet, an der ich effen und trinken soll. Ich soll und darf glauben, daß Du bist mein Herr, der mich verlornen und verdammten Menschen erlöset hat und erworben und gewonnen von allen Sünden, vom Tode und von der Gewalt des Teufels. Das laß meine Speise sein in diesem Pilgerleben, bis ich mit allen Deinen Kindern in den ewigen Hütten satt werde von den reichen Gütern Deines Hauses. Amen. Vater Unser. 300189 1934Sonnabend nach Esto mihi. Mel.: O daß ich tausend Zungen hätte. Mir ist Erbarmung widerfahren, Erbarmung, deren ich nicht werth! Das zähl' ich zu dem Wunderbaren. Mein stolzes Herz hat's nicht begehrt, Nun weiß ich das und bin erfreut Und rühme die Barmherzigkeit. Had Ich hatte nichts als Zorn verdienet, Und soll bei Gott in Gnaden sein. Gott hat mich mit Ihm selbst verfühnet Und macht durch's Blut des Sohn's mich rein. Wo kam dies hier? Warum geschiehts? Erbarmung ist's und weiter nichts. ( Vers 1 und 2 aus: Mir ist Erbarmung.) 2. Cor. 6, 1-10. Wir ermahnen aber euch, als Mithelfer, daß ihr nicht vergeblich die Gnade Gottes empfanget. Denn er spricht: ,, Ich habe dich in der angenehmen Jeit erhöret, und habe dir am Tage des Seils geholfen." Sebet, jetzt ist die angenehme 3eit, jetzt ist der Tag des Seils. Laffet uns aber iemand irgend ein Aergerniß geben, auf daß unser Amt nicht verläffert werde; sondern in allen Dingen laffer uns beweisen als die Diener Gottes, in großer Geduld, in Trúbsalen, in othen, in engsten, in Schlågen, in Gefängnisfen, in Aufruhren, in Arbeit, in Wachen, in Saften, in Keuschheit, in Erkenntniß, in Langmuth, in Freundlichkeit, in dem heiligen Geift, in ungefärbter Liebe, in dem Wort der Wahrheit, in der Kraft Gottes, durch Waffen der Gerechtigkeit, zur Rechten und zur Linken; durch Ehre und Schande, durch böse Gerüchte und gute Gerüchte; als die Verführer und doch wahrhaftig; als die Unbekannten, und doch bekannt; als die Sterbenden, und siehe, wir leben; als die Gezüchtigten, und doch nicht ertödtet; als die Traurigen, aber allezeit fröhlich; als die Armen, aber die doch Viele reich machen; als die nichts inne baben, und doch Alles haben. Aus Gnaden seid ihr selig geworden und dasselbe nicht aus euch, Gottes Gabe ist es. Ein uns Evangelischen wohl bekanntes, aber auch vielfach verkanntes apostolisches Wort. Die Zahl derer, welche dies Wort bis auf den Grund verstehen, ist klein, und das GlaubensLeben, welches aus diesem Worte fließen soll, ist mit der Heiligthums- Elle gemeffen, welche eine Handbreit länger ist, als die gemeine Elle, bei Vielen zu kurz. Wohl können wir mit Paulus sagen sowohl nach dem ersten Artikel in unserm Katechismus, als nach dem zweiten und dritten: Von Gottes Gnaden bin ich, was ich bin- aber können wir auch hinzufügen, Seine Gnade ist nicht vergeblich gewesen an mir? Der König Saul fand Gnade bei dem Herrn und war eines Hauptes länger, als Alle in Israel, aber er verwarf des Herrn Wort; darum verwarf ihn auch der Herr und er stürzte sich in sein eigen Schwert. Dem Judas war reichlich Gnade widerfahren durch den täglichen Umgang mit seinem Herrn bis zu dem: Mein Freund, warum bist du gekommen?- und doch ist er hingegangen und hat sich erhängt und ging an seinen Ort. Das Volk Israel hat viel Gnade erfahren, daß über ihm gerühmt werden konnte: Wo ist ein Volk wie du bist, zu dem sich seine Götter so nahe gethan haben? Und doch ist es ver= worfen und sein Haus ist wüste gelassen. Jene sieben kleinasiatischen Gemeinden haten viel Gnade erfahren, so daß sie schienen als 7 Leuchter mitten unter der Finsterniß und jetzt kennt man ihre Stätten nicht mehr. Die Leuchter sind umgestoßen und an ihrer Stelle scheinet der trügerische Halbmond des Lügen- Propheten Muhamed. Darum die so dringliche Mahmung des Apostels in obiger Epistel: Wir ermahnen euch, daß ihr die Gnade Gottes nicht vergeblich empfahet. Er fügt die Ermunterung hinzu: Jetzt ist die angenehme Zeit, jetzt ist der Tag des Heils. Die prophetische Stelle aus Jesaias Cap. 49 winkt zwar auf die selige neutestamentliche Zeit überhaupt; es hindert aber nichts, sie sonderlich auch zu deuten auf die gegenwärtige heilige Passionszeit, in welche wir seit dem letzten Mittwoch getreten sind. ,, Jesus von Nazareth gehet vorüber." Diese Kunde erhielt jener blinde Bettler am Wege, als er hörte das Rauschen der Füße derer, die vorüberzogen. Jesus von Nazareth geht vorüber das ist die selige Kunde, welche die Kirche des Herrn in dieser Zeit in besonderem Sinne erfährt. Der verachtete, der geschmähete, der gegeißelte, der gefreuzigte Jesus den Griechen eine Thorheit, den Juden ein Aergerniß, der wird jetzt gepredigt auf allen Kanzeln Er zieht vorüber im Wort und Sacrament. Das ist Gnadenzeit. Er allein hat Gnade und bringt Gnade den Bettlern am Wege, die sich nicht bedrohen lassen von denen, welche vorangehen, sondern die um so dreister rufen: Jesu, Du Sohn Davids erbarme Dich meiner. Kennst du mur dein Elend bis auf den Grund- und hältst ihn für das, was Er ist: Ich bin der Herr dein Arzt und außer Mir ist kein Heiland!- so wirst du dich - - - 190 - - - 191 = nicht irre machen lassen, wirst um so mehr dein: Herr, erbarme Dich jetzt rufen, damit du mit dem Ofter Hallelujah vom leeren Grabe heimkehren kannst. Nur so wirst du theilhaftig der Gemeinschaft Seiner Leiden und der Kraft Seiner Auferstehung. Die selige Folge ist, daß du die Gnade Gottes nicht vergeblich empfängst, und daß du dich in allen Dingen erweiseft als ein Diener Gottes, wie solche der Apostel in seiner heiligen Epistel weiter beschreibt. Der Herr schenke solche Gnade zum ewigen Leben. Gebet. Deine Gabe ist es, es kommt nicht aus uns, lieber Herr. Du hast Niemand gesetzt zum Zorn, sondern daß wir Alle die Seligkeit besitzen durch unsern Herrn Jesum Chriftum. O Herr, wir flehen Dich an, laß uns sonderlich das gnadenvolle Wort vom Kreuz in dieser Zeit des Heils recht hören, daß es nicht vergeblich, sondern eine Kraft Gottes sei, die uns selig macht hier im Glauben und dort im Schauen. Amen. Vater Unser. Sonntag Invocavit. Mel: Mach's mit mir, Gott, nach Deiner Gült. Gebente, daß du zu der Fahn' Deines Feldherrn haft geschworen. Dent ferner, daß du als ein Mann Zum Streit bist auserkoren. Ja, denke, daß ohn' Streit und Sieg Nie Keiner zum Triumph aufstieg. Bind an! Der Teufel ist bald hin; Die Welt wird leicht verjaget; Das Fleisch muß endlich aus dem Sin Wie sehr dich's immer plaget. D ew'ge Schande, wenn ein Held Vor diesen dreien Buben fällt! ( Vers 3 und 5 aus: Auf, Chriftenmensch, auf, auf zum Streit.) Matthäi 4, 1-11. Da ward Jesus vom Geist in die Wüste geführet, auf daß er von dem Teufel versucht würde. Und da er vierzig Tage und vierzig Tächte gefaffet batte, hungerte ihn. Und der Versucher trat zu ihm, und sprach: Bist du Gottes Sohn, so sprich, daß diese Steine Brod werden. Und er antwortete und sprach: Es fehet geschrieben: Der Mensch lebet nicht vom Brod allein; fondern von einem jeglichen Wort, das durch den Mund Gottes gehet. Da führete ihn der Teufel mit sich in die heilige Stadt, und stellete ihn auf die Sinne des Tema pels, und sprach zu ihm: Bist du Gottes Sohn, so laß dich hinab, denn es stebet geschrieben: Er wird seinen Engeln über dir Befehl thun, und sie werden dich auf den Sånden tragen, auf daß du deinen Suß nicht an einen Stein stoßeft. Da sprach Jesus zu ihm: wiederum ftebet auch geschrieben: Du sollst Gott, deinen Serrn, nicht versuchen. wiederum fübrete ihn der Teufel auf einen febr boben Berg, und zeigte ihm alle Reiche der Welt und ihre Herrlichkeit; und sprach zu Univ. Bibl. Giessen ihm: Dies alles will ich dir geben, fo du niederfällst und mich anbeteft. Da sprach Jesus zu ihm: Sebe dich weg von mir, Satan! denn es ftehet geschrieben: Du sollft anbeten Gott, deinen Serrn, und ibm allein dienen. Da verließ ihn der Teufel; und siebe, da traten die Engel zu ihm, und dieneten ihm. 192 Son Seiner Amtsweihe in der Taufe geht der Herr zur Amtsprobe in der Versuchung. Wie David in seinem Kampfe im Namen des ganzen Volkes Ifrael dastand gegen Goliath, und wie ganz Ifrael gefiegt hatte, wenn David siegte, so steht der Heiland in Seiner Versuchung auch im Namen der ganzen Menschheit da; Seine Gläubigen genießen Seine glorreiche Ueberwindung, die Er davongetragen hat. Wie listig wählt der Teufel die rechte Zeit! Als Jesus nach 40 Tagen des Wüstenlebens hungrig, arm, geringe dastand, trat der Versucher zu Ihm. Er bietet dem Herrn Brød ohne Gott, Ehre trotz Gott, Macht und Herrlichkeit mit Sünden. Je feiner und verdeckter die Versuchung, um so gefährlicher. Bist du Gottes Sohn? auf diese Frage giebt der Herr dem Teufel gar keine Antwort; denn was wahr ist, kann kein 3weifel unwahr machen. Auf die Versuchungen selbst antwortet der Herr mit dem alten, bewährten: es stehet geschrieben. Denn Ein Wörtlein kann ihn fällen. - O Mensch, wo bist du? Jedenfalls in der Welt, deren Fürst der Teufel ist. Aber bist du überwunden, oder bist du ein Ueberwinder? Bersuchungen fliegen um dich so zahlreich, wie der Regen vom Himmel fällt. Brod ohne Gott, Ehre, die Gott nicht giebt, Herrlichkeit, um beretwillen man sündigen muß sieh mur hin, es wird dir genug vorgespiegelt. Ach wie viel Tausende sind schon gefallen und sind todt in Uebertretung; ein sicher Zeichen ihres Todes ist, daß sie selbst den Tod nicht fühlen und keinen Unterschied von Todes- und Lebensmächten wissen. Bist du mun in dem Bunde mit Gott, kraft dessen man dem Teufel und allen seinen Werken und allem seinem Wesen entsagt? Lebst du in der Vereinigung mit Christo, dem siegreichen Haupte? So wirst du Christi Versuchungen empfinden und überwinden müssen. Hiob David Paulus sind liebe Kinder Gottes, aber auch viel geplagt, damit sie bewährt würden im Glauben. Selig, wer im Glauben kämpfet! Und zu solchem Kampfe gehört, daß man seine Feinde kennt, den Fürsten der Welt, der in dem noch übrigen Fleische der Gläubigen immer eine Gelegenheit zur Versuchung findet. Aber Christus ist ihm weit überlegen. So muß man sich in Christum versenken, deffen eigen du gewißlich geworden bist in der heiligen Taufe und deß eigen du bleibst durch bußfertigen Glauben. Da nimm Christi Rüstzeug, nämlich das alte, ewige Wort Gottes. In solchem Worte muß man leben, ein- und ausgehen, wie David bittet: laß meine Seele leben in Deinem Worte! Gebet. O allmächtiger Gottes- und Menschen- Sohn, Du - - - einiger Ueberwinder der alten Schlange, der Du allenthalben versucher und um unsretwillen in die Wüsten und Elend kommen bist, wir bitten Dich, bewahre unsere Herzen vor Ungeduld, Hoffart und Geiz und rüste uns durch Deinen heiligen Geist mit Deinem Wort und festen Glauben, daß wir alle feurigen Pfeile des Satans durch Dich auslöschen und überwinden, der Du sammt dem Vater und Heiligen Geifte als der wahre Gott lebest und herrschest in Ewigkeit. Amen. Bater Unser. SIBAK 193 Montag nach Invocavit. Mel.: Schmülde bich, o meine Seele. Ach, wie hungert mein Gemüthe, Menschenfreund! nach Deiner Gülte. Ach, wie pfleg' ich oft mit Thränen Mich nach dieser Roft zu sehnen! Ach, wie pfleget mich zu dürften Nach dem Trant des Lebensfürsten! Wünsche stets, daß mein Gebeine Sich durch Gott mit Gott vereine. Nein, Bernunft, die muß hier weichen, Kann dies Wunder nicht erreichen, Daß dies Brod nie wird verzehret, Ob es gleich viel Tausend nähret, Und daß mit dem Saft der Reben Uns wird Christi Blut gegeben. O der großen Heimlichkeiten, Die nur Gottes Geist fann deuten! ( Bers 4 und 6 aus: Schmücke dich, o meine Seele Matth. 26, 26-29. Da sie aber aßen, nahm Jesus das Brodt, dankte, und brach es, und gab es den Jüngern, und sprach: Tehmet, effet; das ist mein Leib. Und er nahm den Kelch, und dankte, gab ihnen den, und sprach: Trinket alle daraus; das ist mein Blut des neuen Teftaments, welches vergoffen wird für Viele, zur Vergebung der Sünden. Ich fage euch: Ich werde von nun an nicht mehr von diesem Gewächs des Weinstock's trinken, bis an den Tag, da ich es neu trinken werde mit euch in meines Vaters Reich. In dem Hirtenpsalm, vem dreiundzwanzigsten, vergißt der heilige Geist neben den sonstigen großen Wohlthaten Jesu dlese nicht, daß der gute Hirte einen Tisch bereitet gegen die Feinde. Unter allen Feinden ist der gefährlichste die eigene Sünde; ja alle Creatur könnte dem Menschen nicht schaden, wenn ihm die eigene Sünde nicht zuvor geschadet hätte. Darum gilt es vor Allem einen Tisch gegen diesen Feind. In der Nacht mun, als die menschliche Sünde als die allerbitterste Feindschaft wider Gott offenbar wurde, und Judas für breißig Silberlinge den Herrn der Herrlichkeit zum Tobe überlieferte, hat fich die wunderbarste Liebe Jesu geoffenbart. Die Vergebung der Sünden ist in Seinem Blute und darum ist auch das neue Testament im 13 194 Blute Christi. Unter dem Kreuze, da Sein Leib für uns gegeben, und Sein Blut vergossen ist, ist's eine volle Wahrheit, zu loben: all Sünd hast Du getragen, sonst müßten wir verzagen. All Sünd- o welch eine Zahl, welch ein Gewicht; eine einzige Sünde wäre genug, uns in Gottes Zorn verderben zu lassen. Aber all Sünd hast Du getragen. Das ist einmal geschehen am großen, stillen Freitage. Aber den Tisch gegen die Feinde haben wir immerdar, d. i. der gesegnete Kelch und das gesegnete Brod, worin wir Christi Leib und Blut und darin die Vergebung der Sünden empfangen. Die Engel im Himmel, wenn sie es könnten, möchten uns um diesen Tisch beneiden. Menschenmund kann weder dieses Geheimniß noch diese große Wohlthat preifen. Wessen bedarf es nun? Nur dessen, daß deine Seele hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit Jesu, die alleine gilt; nur deffen, daß man seine Vernunft dahinten läßt und Glauben hat an diese Worte: für euch gegeben und vergoffen zur Vergebung der Sünden. Christi Verdienst am Kreuze ist die rechte Ursache; das Sacrament des Altars das hohe Gnadenmittel, der Glaube der hungrige und empfangende Mund. Gebet. Sei mir willkommen, o süßer Herr Jesu Christe, mit dem edlen Trank Deines rosinfarbenen Blutes, das Du mir im Wein zu trinken giebst, wie Du es für mich am Kreuze vergoffen hast zur Vergebung der Sünden. Das laffe mir gedeihen zum ewigen Leben. Amen. Herr Jesu, Dein heiliger Leib und heiliges Blut stärke und bewahre mich im rechten Glauben zum ewigen Leben. Amen. Vater Unser. Dienstag nach Invocavit. chor aandish no dous m Mel.: Chriftus, ber ist mein Leben. Ach, bleib mit Deinem Worte mogen Ach, bleib mit Deinem Segen Bei uns, Erlöser werth, Daß uns beid', hier und dorte, Sei Güt' und Heil beschert. Bei uns, Du reicher Herr. IND Dein Gnad' und alls Vermögen In uns reichlich vermehr'. ( Vers 2 und 4 aus: Ach bleib mit deiner Gnade.) 1600 ats was han Joh. 13, 4-15. Jesus ftand vom Abendmahl auf, legte seine Kleider ab, und nahm einen Schurz, und umgårtete sich. Darnach goß er waffer in ein Beden, bob an den Jüngern die Süße zu waschen, und trocknete sie mit dem Schurz, damit er umgürtet war. Da kam er zu Simon Petro; und derselbige sprach zu ihm: Herr, solltest Du mir meine 195 Süße waschen? Jesus antwortete, und sprach zu ihm: Was Ich thue das weißt du jest nicht; du wirst es aber hernach erfahren. Da ſprach Petrus zu ihm: Cimmermehr sollst du mir die Süße waschen. Jeſus antwortete ihm: werde ich dich nicht waschen, so bast du kein Theil mit mir. Spricht zu ihm Simon Petrus: Serr, nicht die Süße allein, fondern auch die Hände und das Saupt. Spricht Jesus zu ihm: Wer gewaschen ist, der darf nicht, denn die Süße waschen, som dern ist ganz rein. Und ihr seid rein; aber nicht alle. Denn er wußte seinen Verråther wohl; darum sprach er: Jhr seid nicht alle rein. Da er nun ihre Süße gewaschen hatte, nahm er feine Kleider, und ferte sich nieder, und sprach abermal zu ihnen: Wiffet ihr, was ich euch gethan habe? Jhr beißer mich Meister und Herr, und saget recht daran; denn ich bin es auch. So nun Ich, euer Herr und Meister, euch die Süße gewaschen babe: fo follt ihr auch euch unter einander die Süße waschen. Ein Beispiel babe Jch euch gegeben, daß ihr thut, wie Jch euch gethan habe. Der Herr ist nicht in die Welt gekommen, daß Er Sich dienen laſſe, sondern daß Er diene. Das ist die Summe des ganzen Lebens Jesu. Davon giebt Er uns in der Fußwaschung ein Sinnbild und ein Vorbild. Ein Sinnbild zuerst. Petrus sieht den Heiland, wie Er den Schurz umthut und Wasser in ein Becken gießt. Petrus weiß durch Gottes Gnade, wer der Herr und wer er selber ist. Darum dünkt es ihm gar nicht recht, daß Jesus ihm die Füße waschen sollte. Herr, Du mir? fragt er. Nimmermehr. Und bald darauf lautet es ganz anders, indem Petrus sich nicht die Füße allein, sondern auch Hände und Haupt waschen lassen will. So schwer ist es auch einem Gläubigen, sich ganz in die Wege und Rechte des Herrn zu finden. Und siehe, o Christ, wie viel größer ist der Liebesdienst, daß der Heiland mit Seinem Blute und allen Seinen Gnaden, die Er uns in den Gnadenmitteln giebt, und welche der Glaube dankbar erkennt und annimmt, von Sünden wäscht, und daß Er Seinen Gläubigen reichlich und täglich die Füße wäscht, d. i. ihnen die Sünden vergiebt. Diese Liebe und Geduld Jesu soll man billig für seine Seligkeit achten. Und wer es thut, wird sich selber sagen müssen, daß wenn der Herr solche Liebe erzeigt, so dürfen Seine Glieder nicht in Hoffart und Eigenliebe leben, sondern müssen des Heilandes Art und feine Sitten annehmen. Das sollte sich Jeder selber sagen. Weil das Herz aber so schwerfällig ist zur Liebe und Demuth, darum stellt der Herr Sich Selber mit ausdrücklichen Worten als Vorbild hin, als Beispiel ,, daß ihr thut, wie Ich euch gethan habe." Also: vor Gott follst du die tiefe Demuth eines armen Sünders haben, der von der Gnade Jefu sein Leben hat; vor Menschen sollst du die Demuth beweisen in den Werken deiner Hand. Lebst du im Hause, bist Vater, Mutter, Kind, Knecht oder Magd, da ist lauter Gelegenheit die Füße des Nächsten zu waschen. Je frommer du bist, zeige es darin, daß 13* du am Besten die Füße waschen kannst; schilt nicht, verachte nicht, flage nicht, sei nicht mürrisch- das kann Jeder auch ohne ein Christ zu sein, fendern wasche die Füße, d. h. trage, bulbe, liebe, diene, brauch alle deine Erkenntniß und Glauben dazu, daß du dem Andern. dienst und nicht heimlich Gefallen an dir selber suchst. O Gebet. mein Herr Jesu, Du hast mich je und je geliebet. O Herr, gieb und verleih, daß ich Dich möge lieben von Herzensgrund. und meine Liebe damit beweisen, daß ich nicht mir selber lebe, sondern mein Thun und Vornehmen dahin gerichtet sei, Dir zu dienen in Willigkeit und herzlicher Demuth vor Gott und gegen meinen Nächsten. Amen. Vater Unser. juditan com di dod 196 Mittwoch nach Invocavit. MeL: Wer nur ben lieben Gott läßt walten. Ich armer Mensch, ich armer Sünder Steh hier vor Gottes Angesicht. Ach Gott, ach Gott, verfahr' gelinder Und geh' nicht mit mir in's Gericht! Erbarme Dich, erbarme Dich, Gott, mein Erbarmer, über mich! Wie ist mir doch so angst und bange Von wegen meiner großen Sind! Hilf, daß ich wieder Gnad erlange, Ich armes und verlornes Kind, Erbarme Dich, erbarme Dich, Gott, mein Erbarmer, über mich! ( Vers 1 und 2 aus: 3ch armer Mens.) Matthäi 26, 21-25. Und da sie aßen, sprach er: wahrlich, ich sage euch, Einer unter • euch wird mich verrathen. Und sie wurden sehr betrübt, und hoben an, ein jeglicher unter ihnen, und sagten zu ihm: Herr, bin ich's? Er antwortete, und sprach: Der mit der Hand mit mir in die Schiffel taucht, der wird mich verrathen. Des Menschen Sohn gehet zwar dahin, wie von ihm geschrieben stehet; doch webe dem Menschen, durch welchen des Menschen Sohn verrathen wird! Es wåre ihm beffer, daß derselbige Mensch noch nie geboren wäre. Da antwortete Judas, der ihn verrieth, und sprach: Bin ich's, Rabbi? Er sprach zu ihm: Du sagft es. Von on den sechs Stücken, die der Herr haffet( Spr. Sal. 6, 16-19), trägt Judas vier deutlich an sich, nämlich eine falsche Zunge, Hände, die unschuldig Blut vergießen, ein Herz, das mit bösen Tücken umgeht und Füße, die behende sind, Schaden zu thun. Jesus kennt den Berräther wohl, daß es Judas ist. Darum ist es merkwürdig, daß Er in den ganzen Kreis der Jünger ohne einen Namen zu nennen. 197 spricht: Einer unter euch wird Mich verrathen. Das sollen Alle hören. Und das ist noch merkwürdiger, daß Niemand sagt: Ich bin's nicht, sondern ein Jeglicher spricht: Herr, bin ich's? Das ist demüthige Selbsterkenntniß, in welcher man sich selbst nicht traut, sondern um des bösen Herzens willen für sich selbst bangt. Das heißt, sich selbst richten, wenn man Gottes Wort auch in seinen ernsten Drohungen und Warnungen auf sich selbst zieht und den Herrn fragt, wie es um Einen stehe. Das weckt das Gewissen und fördert die Wachsamkeit. Judas ist es- o wehe ihm! Er wäre besser nie geboren. Den Augen der Jünger hat er sich drei Jahre lang verbergen können, aber vor den Augen des Herrn ist Alles bloß und entdeckt, wie das Licht im Mittage. Diese göttliche Allwissenheit soll dich, o Seele, zur Lauterkeit und Aufrichtigkeit vor Gott und vor dir selber führen. Du kannst ja nicht verborgen bleiben. Laß dir den Judas ein warnend Beispiel davon sein, daß kleine Sünden zu großen wachsen, daß ein böses Gewissen eine eiternde Wunde ist, die durch keine Künſte und Ausreden zuheilt, daß wer nur halb des Herrn sein will, ganz des Teufels sein muß, daß alle unbereute Sünde zur Verdammniß führt. Es ist uns nichts heilsamer als wahre Buße, darin wir unsere Sünden recht erkennen und bereuen und wenn auch mit zerschlagenem, so doch mit wahrhaftigem Herzen an Jesum glauben. Gebet. Ach Herr, Du großer und allwissender Gott, vor welchem alle Dinge offenbar sind, wir bitten Dich, Du wollest uns ein Lanteres, aufrichtiges Herz verleihen, auch Gnade geben, daß wir Deine Warnungen und Ermahnungen zur heilsamen Selbsterkenntniß gebrauchen. Gib, o Jesu, daß wir lieber alles Andere, als Dich, unser höchstes Gut, aufgeben und verlassen, allein rein und sein an Dir hangen und bleiben. Amen. Bater Unser. Donnerstag nach Invocavit. Mel.: Jefus, meine Zuversicht. Biebe meine Seel' in Dich, Jesu, daß fie lebend bleibe Und Dich liebe brünstiglich; Ihr den Sündenschlaf austreibe; Wer in Sünden schläfet ein, Wird des ew'gen Tobes sein. Lebe mit mir, Jesu, nun Mehr als brüderlich verbunden; All Dein Leben, Leiden, Thun, Werd' in meiner Seel' gefunden. Was ich hab', ist Alles Dein; Was Du hast, ist Alles mein. ( Vers 4 und 5 aus: Christi Leben tröstet mich.) Luc. 22, 24-30. Es erhob sich auch ein Jank unter ihnen, welcher unter ihnen follte für den Größesten gehalten werden. Er aber sprach zu ihnen: 198 Die weltlichen Könige berrschen, und die Gewaltigen beißt man gnås dige Herren: Jhr aber nicht also; sondern der Größefte unter euch foll sein wie der Jüngste, und der Vornehmste, wie der Diener. Denn welcher ist der Größefte? Der zu Tische sitzet, oder der da dienet? Ist es nicht also, daß der zu Tische sizet? Ich aber bin unter euch wie ein Diener. Jhr aber seid es, die ihr beharret habt bei mir in meinen Anfechtungen. Und Ich will euch das Reich bescheiden, wie mir's mein Vater beschieden bat; daß ihr effen und trinken sollt über meinem Tische in meinem Reich, und sizzen auf Stühlen, und richten die zwölf Geschlechter Israels. Wer Amts- und Standeshalber ein gnädiger Herr ist, mag es bleiben. Sei er es nur in Wahrheit, daß von ihm Gutes und Heilsames geschieht als von einem gnädigen Herrn. Amt und Stand giebt und gönnt der Herr. Die Herzen nimmt Er in eine andere Schule. Von der Schule Jesu wollen darum Wenige Etwas wissen, weil man von oben nach unten rückt. Der Vornehmste wird hier zum Geringsten durch herzliche Demuth. Aber Demuth wie schwer gehst du ein. Die lieben Jünger sind drei Jahre in der Schule des demüthigsten Heilandes gewesen und doch noch der Zank, wer der Größeste unter ihnen sei. Die Hoffart steckt so gar tief in unserm Herzen, daß ein Mensch öffentlich oder heimlich auf Gaben, eingebildete oder wirkliche Vortrefflichkeiten, ja gar auf die Frömmigkeit pocht. Solche Hoffart ist ein giftiger Wurm am Herzen und ist nicht nach dem Bilde Jesu, der ein Diener ist, und ob Er wohl Gott ist, Sich zum Tode am Kreuze erniedrigt hat. Ach Gott laffe diesen Tück nicht bei uns herrschen! Alle Hoffart klebt doch zuletzt am Staube. Aber nicht auf den Staub, sondern auf das ewige Reich Christi soll ein Christenmensch blicken. Zu diesem Reiche kommt kein Sünder chne Demuth, in diesem Reiche bleibt Niemand ohne Demuth. Die Demuth gewinnt Anfang, Mittel und Ende; die Demuth beharrt bei Jesu in allen Seinen Anfechtungen. Darum soll es mir herzlich lieb sein, daß mich der Herr demüthigt jetzt, da ich eben Sein Wort höre und sonst. Ja Herr, ehe ich gedemüthigt war, irrte ich. Nun aber halte ich Dein Wort. Pf. 119, 67. Gebet. Herr Gott, himmlischer Vater, Du hast bei uns das gesegnete Königreich Christi aufgerichtet. Dafür sei Dir herzlich Dank. Wir bitten Dich, Du wollest die Diener in Deiner Kirche und uns gnädig ansehen, daß wir nicht von dem leidigen Satan durch Hoffart träge und faul und laß werden, sondern in herzlicher Demuth Dein Wort allezeit suchen und Dir in solchem Wesen bis an unser Ende dienen. Amen. Bater Unser. - 100 14:00 199 Freitag nach Invocavit. MeL: Straf mich nicht in Deinem Zorn. Mache dich, mein Geift, bereit; Wache, fleh' und bete, Daß dich nicht die böse Zeit Unverhofft betrete; Denn es ist, Satans List Ueber viele Frommen Zur Bersuchung kommen. SHA eid $ 100 Wache, daß Dich Satans Liftef Nicht im Schlaf antreffe, Weil er sonst behende ist, Daß er dich beäffe. Und Gott giebt, Die Er liebt, ndOft in Seine Strafen, Wenn sie sicher schlafen. ( Vers 1 und 4 aus: Mache bich, mein Geift, bereit.) Matth. 26, 30-35. Und da sie den Lobgefang gesprochen batten, gingen sie binaus an den Oelberg. Da sprach Jesus zu ihnen: In dieser Tacht werdet ihr euch alle årgern an mir. Denn es stehet geschrieben: Ich werde den irten schlagen, und die Schafe der Seerde werden sich zerstreuen. Wenn ich aber auferstehe, will ich vor euch hingehen in Galiläa. Petrus aber antwortete, und sprach zu ihm: Wenn sie auch alle fich an dir årgerten, so will ich doch mich nimmermebr årgern. Jesus sprach zu ihm: Wahrlich, ich sage dir: In dieser Nacht, ebe der Sahn Fråbet, wirst du mich drei Mal verleugnen. Petrus sprach zu ihm: Und wenn ich mit dir sterben müßte, so will ich dich nicht verleugnen. Desgleichen sagten auch alle Jünger. Der Herzenskündiger kennt sich und uns. Darum ſpricht Er zu Seinen Jüngern: in dieser Nacht werdet ihr euch Alle an Mir ärgern. Warum? Weil Jesus der Hirte geschlagen werden wird. So mußte es kommen, weil also geschrieben steht und weil das allein der gute Hirte ist, der mit Seinem Blute die Schafe loskauft. Aber an dem geschlagenen Hirten ärgern sie sich; das kommt, weil das stolze Menschenherz lieber einen Erlöser hätte, der ohne Niedrigkeit und Zerschlagenheit in den Himmel fährt und führt. Der Sünderheiland ist dem hoffärtigen Herzen zuwider; denn wo ein Sünderheiland nöthig ist, müssen ja heillose Sünder sein. O wer das nicht bedenkt und erkennt, dem ist das Blut und Leiden Christi ein Anstoß. Dagegen ist dem erschrockenen Gewissen nichts so theuer, als das bittere Leiden und Sterben Christi, weil dieses allein das richtige Lösegeld ist. Petrus kann sich hier, wie anderwärts, nicht in das bittere Leiden Chrifti finden. Es wäre ihm viel lieber, es möchte ohne Chrifti Leiden und ohne Gemeinschaft dieser Leiden vorangehen. Aber Petrus irrt sehr. Seine Worte sind gut, aber er ist nicht der Mann, denselben nachzukommen. Ich will mich nimmermehr ärgern, spricht er. O Petrus, du kennst dich nicht. Wer sich auf sein Herz verläßt, ist ein Narr. Steht Jemand in der Gnade, der sehe wohl zu, daß 200 er nicht falle. Zum Fallen ist bei so vielen Feinden von innen und außen Gelegenheit genug. Ein demüthiger und wachsamer Geist ist die beste Waffe. Derselbe achtet Jesu Warnung, und läßt alle falsche Einbildung von eigener Kraft und Stärke zerstören, und also kann Gottes Gnade wohl in den Schwachen mächtig sein, daß sie angelaufen, aber nicht überwunden werden. Herr, führe uns nicht in Versuchung. Und soll es sein, so gieb Gnade und Kraft; denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Gebet. Wir bitten Dich, lieber himmlischer Vater, Du wollest uns behüten und erhalten, auf daß uns der Teufel, die Welt und unser Fleisch nicht betrüge, noch verführe in Mißglauben, Verzweiflung und andere große Schande und Laster, und ob wir damit angefochten würden, daß wir doch endlich gewinnen und den Sieg behalten. Amen. Vater Unser. Sonnabend nach Invocavit. Eigene Melodie. Fahre fort, fahre fort, Zion, fahre fort im Licht! Mache deinen Leuchter helle, Laß die erste Liebe nicht, Suche stets die Lebensquelle! Zion, dringe durch die enge Pfort'! Fahre fort, fabre fort. Dringe ein, bringe ein, Zion, bringe ein in Gott! Stärke dich mit Geist und Leben, Sei nicht, wie die Andern, todt; Sei du gleich den grünen Reben. Zion, in die Kraft für Heuchelschein Dringe ein, bringe ein! ( Vers 1 und 5 aus: Fahre fort.) 1 Theff. 4, 1-7. Weiter, lieben Brüder, bitten wir euch, und ermahnen in dem Herrn Jesu,( nachdem ihr von uns empfangen habt, wie ihr sollt wandeln und Gott gefallen,) daß ihr immer völliger werdet. Denn ihr wisset, welche Gebote wir euch gegeben haben, durch den Herrn Jesum. Denn das ist der wille Gottes, eure Seiligung, daß ihr meidet die Surerei, und ein Jeglicher unter euch wisse sein Saß zu behalten in Heiligung und Ehren, nicht in der Luftseuche, wie die heiden, die von Gott nichts wissen; und daß iemand zu weit greife, noch vers vortheile seinen Bruder im Handel; denn der Herr ist der Rächer über das alles, wie wir euch zuvor gesagt und bezeuget haben. Denn Gott hat uns nicht berufen zur Unreinigkeit, sondern zur Seiligung. Wer nun verachtet, der verachtet nicht Menschen, sondern Gott, der seinen heiligen Geift gegeben hat in euch. 201 Weiter liebe Brüder," d. h. Fortschritt, aber nicht dem Abgrunde zu, sondern Fortschritt auf dem Heilswege, das sei des Christen tägliche Losung. Wer nicht fort geht, geht zurück; wenn der Mond nicht am Zunehmen ist, dann nimmt er ab. Einem Kinde, welches nicht wächst, nicht zunimmt, fehlt das eigenthümliche Wesen des Kindes; einem Kinde Gottes, welches nicht wächst und zunimmt, völliger wird, wie der Apostel schreibt, fehlt das Zeugniß des Geistes für seine Kindschaft; es ist krank am inwendigen Menschen und in großer Gefahr dahinzusiechen. Darum: weiter, weiter, liebe Brüder! Das ist die Losung des gefunden Christenthums. ,, Denn das ist der Wille Gottes, eure Heiligung." Hörst du es wohl? Der Wille Gottes an dir ist nicht bloß Rechtfertigung, das ist ja freilich der Grund, der gelegt sein muß; du mußt von Golgatha her die Gewißheit deiner Begnadigung haben; der verlorne und verdammte Sünder muß sich dort in das vergebende und der Welt Sünden tilgende Blut des Herrn Jesu hineingeglaubt haben; nur darin ist Ruhe und Frieden für deine Seele aber dann: weiter, weiter! Nicht bloß arme Sünder will der Herr haben, sondern Er will auch die neue Kreatur in und an dir sehen; das ist der Wille Gottes eure Heiligung; denn es steht auch geschrieben: Ihr sollt heilig sein, denn Ich bin heilig, der Herr euer Gott. Denn vor Ihm nichts gilt, denn Sein eigen Bild. Der Apostel ermahnet in dem Herrn Jesu, und um Seines theuer vergossenen Blutes willen, in dem das Leben ist, daß wir immer ,, völliger" werden sollen. Worin aber? Völliger zuförderst in der Erkenntniß. Denn so sich Jemand dünken läßt, er wisse etwas, der weiß noch nicht, wie er wissen soll. 1 Cor. 8, 2. Wir sollen uns die Strafpredigt im Hebräerbriefe zu Herzen gehen lassen: ,, Und die ihr solltet längst Meister sein, bedürfet ihr wiederum, daß man euch die ersten Buchstaben der göttlichen Worte lehre, und daß man euch Milch gebe und nicht starke Speise--" wir sollen uns auch nicht wägen und wiegen lassen von allerlei Wind der Lehre, sondern wachsen in allen Stücken an dem, der das Haupt ist, Christus, bis daß wir alle hinankommen zu einerlei Glauben und Erkenntniß des Sohnes Gottes und ein vollkommner Mann werden, der da sei in dem Maaße des vollkommnen Alters Christi. Völliger aber sollen und müssen wir auch im Leben im Glaubensleben oder in der Heiligung werden, ohne welche wird Niemand den Herrn schauen. Wir müssen die in der Beichte versprochene Besserung des Lebens ernstlich anfangen. Warum anders geben uns besonders die Briefe der heiligen Apostel so viele ernstliche Mahmungen als dazu, daß wir im Glauben an Christum danach leben sollen. Das helfe Gott! Gebet. Ja, Du heiliger Gott, dem wir in der heiligen Taufe gelobet, daß wir wollen wandeln, damit wir Dir gefallen, hilf in Gnaden, daß wir Treue halten, täglich wachsen am inwendigen - M - Menschen und Christum wohnen lassen durch den Glauben in unserm Herzen, daß wir immer völliger werden und Dir dienen in rechtschaffener Gerechtigkeit und Heiligkeit, wie sie Dir gefällig ist. Amen. 10 bhar duit m Vater Unser. omogu dan 202 Sonntag Reminiscere. Mel.: Herr Jesu Christ, Dich zu uns wend. Fum Gelobet sei der heil'ge Geist, Der uns zu Dir, o Jesu, weist; Zu Dir, o Arzt, der Jedermann Durch Seine Wunden heilen kann. Gott Lob, daß ich nun weiß, wohin, Ich, der ich krank und unrein bin, Den Furcht und Scham und Zweifel quält. Und dem nicht mehr, als Alles fehlt. ( Vers 3 und 6 aus: Gelobet feist Du, Jesus Chrift, daß Du der Sünder.) Jidasist sin ard him Divi Matth. 15, 21-28. Mor Und Jesus ging aus von dannen, und entwich in die Gegend, Tyrus und Sidons. Und siebe, ein cananaisch Weib ging aus der felbigen Grenze, und schrie ihm nach, und sprach: Ach, Herr, du Sohn Davids, erbarme dich meiner! Meine Tochter wird vom Teufel übel geplaget. Und er antwortete ihr kein Wort. Da traten zu ihm seine Jünger, baten ihn, und sprachen: Laß sie doch von dir, denn sie schreiet uns nach. Er antwortete aber und sprach: Ich bin nicht gefandt, denn nur zu den verlornen Schafen von dem Hause Israels. Sie kam aber, und fiel vor ihm nieder, und sprach: Herr, bilf mir! Aber er antwortete, und sprach: Es ist nicht fein, daß man den Kindern ihr Brodt nehme, und werfe es vor die Hunde. Sie sprach: Ja, Serr, aber doch effen die Sündlein von den Brofamlein, die von ihrer Herren Tische fallen. Da antwortete Jesus, und sprach zu ihr: Weib, dein Glaube ist groß! dir geschehe, wie du willst. Und ihre Tochter ward gefund zur selbigen Stunde. a ni n Weib, dein Glaube ist groß! So wundert sich der Herr und wo er sich wundert, muß eine große Ursache zur Verwunderung sein. Es ist ein geringes, armes Weib, eine Heidin, die sehr geplagt ist; sie weiß nur wenig, daß es nämlich einen Teufel giebt, unter deffen Plage ihre Tochter steht und daß Jesus der gnadenreiche Erbarmer und Davidssohn ist. Aber diese geringe Erkenntniß dient ihr zum lebendigen Glauben und das ist merkwürdig. Siehe, wie zuvorkommend der Herr dem suchenden Glauben ist; das Weib eilt aus derselben Gegend Jesu entgegen, der Herr geht in dieselbe Gegend dem Weibe entgegen. Da treffen Beide zusammen. Der Herr ist nahe denen, die Ihn suchen. Es ist ein rechter Glaube, den das 203 Weib hat; ihr Glaube ist daran kenntlich, daß sie Jesum sucht. Daran merke den wahren Glauben, daß er Jesu Person, Wort und Wohlthat begehrt, innig begehrt. Wie innig sie begehrt, siehst du daran, daß sie herzbeweglich bittet und alle Hindernisse und Bedenklichkeiten durchbricht. Wahrlich ein großer Glaube. Denn was kein Riese kann, thut das Weib, daß sie sich herunterstellt unter alle Ordnungen Gottes. Der Herr antwortet ihr zuerst kein Wort, und als Er antwortet, heißt es, Er sei nur an Israel gesandt, oder gar, man dürfe den Kindern nicht Hunden zu lieb das Brod nehmen solche Stöße bekommt sie und leidet sie, wie denn in keinem Menschen der Glaube geboren wird ohne viele Gewissensbedenken und heimliche Demüthigungen vor dem lebendigen Gott. Aber das Weib läßt nicht ab, noch hadert sie mit Gott, sondern fügt sich inniglich in alle Rechte und Wege Gottes mit den Worten: Ja, Herr. So thun wir auch im rechten Glauben, daß wir Gott Recht geben in all Seinen Anklagen; aber der rechte Glaube erhebt aus solcher Demuth sein Haupt mit den Worten: aber doch essen die Hündlein von den Brosamen, die von ihrer Herren Tische fallen. Ich glaube, lieber F Herr, hilf meinem Unglauben. Gebet. Ach lieber Herr Gott, Du bist doch unser Vater und Erlöser, das ist Dein tröstlicher Name. Hilf, daß wir Dich recht erkennen lernen, bei Deinem eigenen Worte Dich feft faffen und wenn Du in Noth und Trübsal mit uns kämpfest, Dich durch Dein Wort im Glauben überwinden und Deine Hülfe endlich empfinden mögen um Deines liebreichen Herzens willen. Amen. Vater Unser. Rette mich durch Deine Plagen, Wenn mich meine Sünde plagt. Laß, ach laß mich nicht verzagen, Weil Du selbst für mich gezagt. Hilf, daß mich Dein Angstschweiß tühle, Wenn ich Drangfalshitze fühle. Ach, laß Deine Todespein Nicht an mir verloren sein! Montag nach Reminiscere. Mel.: Jesu meines Lebens Leben. FICK MOR 15:01 di Jesu, komm, mich zu befreien Durch Dein lautes Angstgeschrei. Wenn viel tausend Sünden schreien, Ach, so steh mir Armen bei. Wenn mir Wort und Sprach entfallen. Laß mich sanft von hinnen wallen. Laß mir Deine Todespein Leben, Heil und Himmel sein. ( Vers 2 und 10 aus: Jesu, ber Du wollen büßen.) Matth. 26, 36-41. Da kam Jesus mit ihnen zu einem Hof, der bieß Gethsemane, und sprach zu seinen Jüngern: Seget euch bier, bis daß ich dorthin 204 gebe, und bete. Und nahm zu sich Petrum, und die zween Söhne Bebedai, und fing an zu trauern und zu zagen. Da sprach Jesus zu ihnen: Meine Seele ift betrübt bis in den Tod; bleibet bier und wachet mit mir. Und ging hin ein wenig, fiel nieder auf sein Angeficht, und betete, und sprach: Mein Dater, ift es möglich, so gebe dieser Kelch von mir; doch nicht wie ich will, sondern wie du willst. Und er kam zu seinen Jüngern, und fand sie schlafend, und sprach zu Petro: Könnet ihr denn nicht Eine Stunde mit mir wachen? Wachet und betet, daß ihr nicht in Anfechtung fallet. Der Geist ist willig, aber das Sleisch ist schwach. mes Christus ift das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt trägt dieses Zeugniß des Täufers über Jesum ist der Schlüssel zu dem ganzen Leiden Christi, auch zu Seinem Kampfe im Garten Gethsemane. Der Welt Sünde, o, bedenken wir diese Last; also die Sünden aller Menschen von Adam an bis auf das letzte Kind, das vor dem jüngsten Tage geboren wird. Bedenken wir auch, mit welch heiligen Drohungen Gott Sein unveränderliches Mißfallen über alle und jede Sünde ausgesprochen hat, daß wir uns wohl fürchten sollen vor Seinem Zorn. Diese last liegt auf dem Heilande. Stehe stille vor dieser Last, unter welcher auch alle Deine Missethat ist; auch was im Fleisch und Geist und Nieren längst noch als verborgen schlief, nächst dem, was Du wirklich spürst, stand schon Alles in dem Brief. Sei stille vor diesem Last tragenden Heilande, vor dieser Mühe, vor dieser Arbeit, vor dieser Liebe. Darfst du dich wundern, daß es Ihm sauer wird, daß die Glieder zittern und das Herz des Herrn in seinen Grundfesten erbebt, und Sein Mund so heftig klagt? Ach, wir haben Ihm so viele Arbeit gemacht; Er muß so sauer ringen. D unsere bitter- böse Sünde! Laß uns unsere Sünde erkennen und fühlen, Jesu aber Lob und Preis sagen von Herzensgrund: all Sünd hast Du getragen, sonst müßten wir verzagen. Gebet. Allergütigster Herr Jesu Christe, der Du mit großen Kosten, das ist durch Deine Selbst- Darlegung und Aufopferung alle unsre Sündenschuld gänzlich haft bezahlet und dafür genug gethan: wir bitten Dich um Deines allerheiligsten Leidens, Marter und Todes willen, daß Du uns wider alle Nachstellung des bösen Geistes und wider alle Anfechtung der Sünden wollest schützen, schirmen und bewahren, der Du, gestorben und wieder auferstanden, lebest mit Gott dem Vater in Einigkeit des heiligen Geistes, Gott in alle Ewigkeit. Amen. Vater Unser. 205 Dienstag nach Reminiscere. Mel: Herr Jefu Chrift, mein's Lebens Licht. Herr Jesu Christ, Dein theures Blut Ift meiner Seelen höchstes Gut; Das stärkt, das labt, bas macht allein Mein Herz von allen Sünden rein. Dein Blut, mein Schmuck, mein Ehrenkleid, Dein Unschuld und Gerechtigkeit Macht, daß ich kann vor Gott bestehn Und zu der Himmelsfreud' eingehn. ( Vers 1 und 2 aus: Herr Jesu Chrift, Dein.) Matth. 26, 42-44. und Luc. 22, 43. 44. Jum andern Mal ging er wieder hin, betete, und sprach: Mein Vater, ist es nicht möglich, daß dieser Kelch von mir gehe, ich trinke ihn denn; so geschebe dein wille. Und er kam, und fand sie abermal schlafend, und ihre Augen waren voll Schlafs. Und er ließ sie, und ging abermals bin, und betete zum dritten Mal, und redete diefelbigen Worte. Es erschien ihm aber ein Engel vom Simmel, und stärkte ihn. Und es kam, daß er mit dem Tode rang, und betete heftiger. Es ward aber sein Schweiß wie Blutstropfen, die fielen auf die Erde. wie theuer sind wir erkauft, nicht mit Silber oder Gold, sondern mit dem theuern Blute Christi als eines unschuldigen und unbefleckten Lammes. Je tiefer wir durch das Licht des göttlichen Wortes in die Erkenntniß der göttlichen Heiligkeit und Gerechtigkeit so wie der menschlichen Sünde und Schuld eindringen, um so bedürftiger wird die Seele der wahrhaftigen Versöhnung in dem bittern Leiden und unschuldigen Blute Christi. So anstößig dem hoffärtigen MenschenHerzen, das in Lügen gebunden liegt, und der blinden, unerleuchteten Vernunft gerade das Blut Christi ist, Sein Seufzen und Sein Stöhnen und die viel tausend Thränen, die Ihm geflossen zu, um so kostbarer ist der in dem Lichte und Gerichte des Angesichtes Gottes stehenden Menschenseele jeder, auch der kleinste Umstand des Leidens Christi. Christi theures Blut wird Einem da zum Lebenssaft und giebt stets neue Lebenskraft. Darum wohlauf, fassen wir doch zu Herzen den Werth, die Kraft, die Tiefe, die hohe Nothwendigkeit alles deffen, was wir an dem Heilande wahrnehmen. Er geht zum zweiten und britten Male hin und betet. Ach, es wird Ihm so blutsauer, Er ringt mit dem Tode, Sein Schweiß ist wie Blutstropfen, die auf die Erde fallen. D Sünde, Sünde! o Gnade, Gnade! Mein Herz, erschrick vor dem göttlichen Fluche, vor der ewigen Verdaminniß! Ja, das thut noth. Aber noch mehr, glaube! Laß dir nichts auf Erden so kostbar, so theuer sein, als deines lieben Herrn Jesu Christi Seufzen und Blut. Das sei mein Schmuck, mein Ehrenkleid, darin will ich vor Gott bestehen. chib zu der Himmelsfreud eingehn. Gebet. O Herr Jesu Christe, der Du so heftig gebetet haft in Deinem Zagen, gieb, daß ich in aller Anfechtung mit wahrem Vertrauen zu Dir fliehe und meinen Willen in den Deinigen ganz ergebe; der Du die schwere Last unsrer Sünden auf Deinen Schultern tragend Blut geschwitzet hast, hilf, daß ich mich dessen herzlich tröste, wenn meine Seele bange ist in der Angst der Sünden und des Todes. Gieb mir Armen, daß ich mit Dir willig aushalte in der Noth und Dürftigkeit dieser Pilgerschaft, bis ich Dir ewig danke für alle Deine Liebe und Treue. Amen. Vater Unser. men Mittwoch Mittwoch nach Reminiscere. Reminiscere. dom prig dan Mache dich mein Geist bereit Quist bereiting Mel.: Straf' mich nicht in Deinem Zorn.mpined Wache auf, sonst kann dich nicht Unser Herr erleuchten. Wache, sonsten wird Sein Licht Dir noch ferne däuchten; Denn Gott will 206 im Für die Füll Seiner Gnadengaben th and Offne Augen haben. Bete aber auch dabei Mitten in dem Wachen; Denn der Herre muß dich frei Von dem Allen machen, Was dich drückt Und bestrict, then Daß du schläfrig bleibest sic ime Und Sein Wert nicht treibest. ( Vers 3 und 7 aus: Mache dich mein Geift bereit.) Luc. 22, 45. 46. uud Mrc. 14, 41. 42. spidublu date Und Er stand auf vom Gebet und kam zu Seinen Jüngern und fand sie schlafen vor Traurigkeit, und sprach zu ihnen: Ach, wollt ihr nun schlafen und ruben? Es ist genug, die Stunde ist gekommen. Siehe, des Menschen Sohn wird überantwortet in der Sünder Sånde. Stebet auf, laffet uns geben; siehe, der Mich verråth, ist nahe. Betet, daß ihr nicht in Anfechtung fallet. Daß ein sichrer Weltmensch sicher lebt, das ist kein Wunder; denn der Fürst dieser Welt bewahrt das Seine in Frieden. Daraus erklärt sich die Ruhe so vieler Herzen. Aber wie ist das möglich, daß auch die drei vornehmsten Jünger Jesu nicht Eine Stunde wachen fönnen während des bittern Seelenleidens Chrifti? Zu breien Malen hintereinander findet der Herr sie voll Schlafs. Auch nicht Eine Stunde können sie wachen, und ob sie eben nur wachen sollen, auch das können sie nicht. Da siehst du das große, menschliche Unvermögen zu allem Guten und daß außer Gottes Gnade in uns nichts ist, denn Seelenschade. Wie träg, wie schläfrig ist auch der von dem Geiste 207 Gottes nicht unbesucht gebliebene Christ! An dieser Schläfrigkeit hat der Satan seinen Antheil, der in uns den rechten, hohen Ernst zu göttlichen Dingen nicht aufkommen lassen will. Und doch wie nöthig ist gerade Wachen und Beten! Wachen ist darum so hoch nöthig, weil es wirklich einen Satan, d. i. Widersacher giebt, der gerade die Jünger Jesu durch gottlose Lehre und Leben zu verderben sucht und in dem argen Menschenherzen einen gefährlichen Genossen hat. Beten ist erforderlich, weil wer da bittet, auch nimmt, nämlich göttliche Kräfte und Lebensodem. Wer zu Gott wachet und betet, ist gewappnet, wenn die Stunde der Anfechtung kommt. Ach, sagst du, wer wachen und beten könnte! Ich will es- sprichst du. Ich weiß dir eine tröstliche Wahrheit zu sagen. Siehe, dreimal schliefen die Jünger und dreimal hat sie der liebe Herr ge weckt. Und dieser Jesus ist heute noch derselbe, der auch zu dieser Stunde und sonst ausgeht, uns zu wecken. O Herr, wecke mich denn recht auf und Deine Geduld sei meine Seligkeit. Gebet. O Herr Jesu Christe, Du wahres Licht, das da ewig leuchtet und nimmer kann verlöschen, der Du uns hast befohlen zu wachen und zu beten, daß wir nicht in Versuchung fallen, wie denn der Geist bereit, aber das Fleisch sehr schwach ist: ich bitte Dich, Du wollest den tiefen Schlaf, ja die arge Schlaffucht meiner Seele vertreiben, auf daß ich gegen die bösen Geister, die zu unserm Verderben nimmer schlafen, ganz wacker sei, daß ich Dich mit ernstlichem Gebet von Herzen suche und anrufe, damit ich, durch Deiner Gnaden Beistand, nicht von ihnen überwunden, noch im Gehorsam ihrer Bosheit jemals befunden werde. Amen. Sindrond Vater Unser. list autop falid 1913 stig din stol dins hos How im do pred pofid Donnerstag nach Reminiscere. and 113 Mel.: Nun ruhen alle Wälder. Du setzest Dich zum Bürgen, Ja, läsfest Dich gar würgen Für mich und meine Schuld. Mir läsfest Du Dich krönen Mit Dornen, die Dich höhnen dus? Und leidest Alles mit Geduld. angisdran mandir 19 ? Ich bin mein Heil verbunden Al' Augenblick und Stunden Dir überhoch und sehr. noprotag Was Leib und Seel' vermögen, tip Das soll ich billig legen Allzeit an Deinen Dienst und Ehr. ( Vers 7 und 9 aus: D Welt, sich hier bein Leben.) Matth. 26, 47. 48. und Joh. 18, 4-9. Und als er noch redete, siehe, da kam Judas, der 3wölfen einer, und mit ihm eine große Schaar, mit Schwerdtern und mit Stangen, von den Sohenpriestern und Aelteffen des Volks. Und der Verråther 208 batte ihnen ein Zeichen gegeben, und gesagt: welchen ich kaffen werde, der ist's, den greifet. Als nun Jesus wußte Alles, was ihm begegnen follte, ging er hinaus, und sprach zu ibnen: Wen suchet ihr? Sie antworteten ihm: Jesum von Tazareth. Jesus spricht zu ihnen: Jch bin's. Judas aber, der ihn verrieth, stand auch bei ihnen. Als nun Jesus zu ihnen ſprach: Ich bin's;" wichen sie zurück, und fielen zu Boden. Da fragte er sie abermal: Wen suchet ihr? Sie aber sprachen: Jesum von Tazareth. Jesus antwortete: Jch babe es euch gesagt, daß Ich es sei. Suchet ihr denn mich, so laffer diese geben.( Auf daß das wort erfüllet würde, welches er sagte: Ich habe deren keinen vers loren, die du mir gegeben hast.") Wie die Cedern auf dem Libanon, die hoch und erhaben sind und wie der Ysop, der an der Mauer wächst, welcher sehr niedrig ist und gering, so bist Du, mein Heiland, allezeit und in Deinem Leiden besonders! Welche Niedrigkeit, daß Du, der Lobgesaug und die Wonne aller Engel, Dich suchen und finden und in Banden schlagen läsfest von einer Rotte, die mit Fackeln und Lampen und Schwerdtern und Stangen herankommt. Johannes der Täufer, der größeste unter Allen, die von einem Weibe geboren sind, ist nicht werth, Jesu die Schuhriemen aufzulösen, und dieser Jesus läßt Sich behandeln als ein Dieb und Mörder, den man haschen will o welche Niedrigkeit! Aber siehe, sie stürzen zu Boden, weil Jesus spricht: Ich bin's. Das ist, als wenn Spreu vor dem Winde fliegt und noch ganz anders. Welche wunderbare Hoheit und Herrlichkeit Jesu! Ein Wörtlein von Ihm macht Alles. Aber diese- nämlich die armen Gläubigen Chrifti, die viel Noth leiden innerlich und äußerlich dürfen gehen, weil Jesus in's Mittel getreten ist; sie gehen nun durch Sünde und Welt, Gesetz und Verdammniß in's ewige Leben. O Jesu, weil Du so hoch bist, darum beuge ich mich von Herzen und lobe und preise Dich; weil Du so niedrig bist, verschmähe mein armes Herz nicht und mach Dir daraus einen Thron Deiner Herrlichkeit. - - - Gebet. Herr Jesu Christe, der Du ganz williglich von dem bösen, gottlosen Judas und den Dienern der Hohenpriester Hast wollen gefangen und gebunden werden, auf daß Du uns durch Deine Bande von den Ketten des ewigen Gefängnisses des bösen Geistes möchtest entledigen, befreien und ausführen, ich bitte Dich, binde und begürte mit dem süßen Band der Liebe die Lenden meines Herzens und Gemüths, daß ich all meine Begierde, Lust und Freudigkeit zu Deinem Lob und Dienste immer möge erheben und Deinem allerheiligsten Willen nimmer widerstrebe. Amen. Vater Unser. Freitag nach Reminiscere. Deiner Sanftmuth Schild, Deiner Demuth Bild 209 Mel: Seelenbräutigam. Mir anlege, in mich präge, Daß kein Zorn, noch Stolz sich rege. Vor Dir sonst nichts gilt, Als Dein eignes Bild. Steure meinem Sinn, Der zur Welt will hin, Daß ich nicht mög' von Dir wanken, Sondern bleiben in den Schranken. Sei Du mein Gewinn; Gieb mir Deinen Sinn. ( Bers 8 und 9 aus: Wer ist wohl, wie Du.) Matth. 26, 49-54. Und alsobalo trat Judas zu Jesu, und sprach: Gegrüßer seieft du, Rabbi! und küssete ihn. Jesus aber sprach zu ihm: Mein Freund, warum bist du gekommen? Da traten sie binzu, und legten die Hände an Jesum, und griffen ihn. Und siehe, Einer aus denen, die mit Jesu waren, reckte die Hand aus, und zog sein Schwerdt aus, und schlug des Hobenpriesters Knecht, und bieb ihm ein Ohr ab. Da sprach Jesus zu ihm: Stede dein Schwerdt an seinen Ort; denn wer das Schwerdt nimmt, der soll durch's Schwerdt umkommen. Oder meinest du, daß ich nicht könnte meinen Vater bitten, daß er mir zuschickte mehr denn zwölf Legionen Engel? Wie würde aber die Schrift erfüllet? Es muß also geben. Judas führt die Schaar der Diener, die Jesum greifen sollen und füßt den Herrn mit dem hiernach benannten Judaskusse. Judas ist die Ausgeburt der Heuchelei und das Vorbild aller christusfeindlichen Christen, deren Zahl immer größer wird. Man muß ja den Heiland entweder über Alles lieben und ehren lernen, oder man muß Ihn haffen und verrathen. Wir sollen nach Psalm 2 Jesu den Kuß aufrichtiger Reue, findlichen Glaubens und ungeschminkter Liebe geben.- Weil nun aber in dieser argen Welt Heuchelei und Bosheit nicht vor dem jüngsten Tage aufhören werden, so muß geduldig gelebt sein. Unmuth und Zorn helfen nichts, sondern machen's nur ärger. Was Gott ansehen kann, müssen auch Seine Kinder tragen lernen. Hier ist demnach wer seines Muthes Herr ist größer, denn der Städte gewinnt. Spr. 16, 32. Erklärlich und menschlich ist der Zorn und Eifer Petri, daß er mit dem Schwert dreinschlägt; aber mit dem Schwerte und Gewalt lassen sich Gottes Wege und sündliche Bosheit nicht zerschlagen. Die Schrift muß erfüllet werden und es mußte also gehen. Zwölf Legionen können und dürfen hier nicht helfen. Erzürne dich nicht über die Gottlosen; sei unbesorgt, denn Gott lebt und regiert, der da spricht: die Rache ist Mein. Ich will vergelten. Das sollen wir also thun, unser Herz zieren mit wahrer Erkenntniß Gottes, dessen Wege auch nicht in den tiefen Wassern der menschlichen Missethat 14 210 fehlgehen, mit herzlichem Glauben an Jesum, der allezeit geduldig erfunden ist und bereit, den Willen Gottes zu thun und unsere Missethat zu tragen. Wer sich gürten will, der ergreife das Schwert des Geistes, nämlich Gottes Wort und bitte Gott um offene Ohren zu diesem Worte und mache sich stark in Demuth, Sanftmuth und Geduld. Geduldig sein, Herr, lehr es mich, ich bitte Dich, ich bitte Dich. Das abgehauene Ohr hat der Herr geheilt; das war Sein letztes Wunder. Vom Wohlthun hat Er nicht gelassen. So weiß der liebe Herr die Fehlgriffe Seiner oft zu hizigen Jünger unschädlich zu machen. O ein lieber, lieber Herr! Ich weiß keinen besseren und preise selig alle Seine Knechte. Gebet. O Herr Jesu Christe, der Du dem Knechte Malchus, welcher Hand an Dich legte, den Verlust seines abgehauenen Ohres um Deiner geneigten Güte willen, die kein Ende noch Maß hat, bald wolltest ersetzen und heilen, damit sich alle Deine Christen billig schämen sollen, sich gegen jemand zu rächen, geschweige den Unschuldigen in irgend einer Weise zu verletzen: ich bitte Dich, daß Du mir alle Rachbegierde aus meinem Herzen nehmen und christliche Geduld und Sanftmüthigkeit dafür kräftig wollest einpflanzen; daß Du mir auch für die Ohren des alten Menschen, so bisher in verderblichen, schädlichen Gesprächen ihre Lust und Kurzweil gehabt, andere Ohren, Ohren des neuen Menschen gnädig wollest geben, Ohren, die da hören, die auf Dich und Dein Wort Acht haben, ja alle dem folgen und gehorsam seien, was da dienet zu der christlichen Zucht und zur ewigen Seligkeit. Amen. Vater Unser. - Sonnabend nach Reminiscere. Mel.: O daß ich tausend Zungen hätte. Darein will ich mich gläubig senken, Dem will ich mich getroft vertraun Und wenn mich meine Sünden fränken, Nur bald nach Gottes Herzen schaun. Da findet sich zu aller Zeit Unendliche Barmherzigkeit. ( Vers 4 und 5 aus: Ich habe nun den Grund gefunden.) Ephef. 5, 1-9. So seid nun Gottes Nachfolger, als die lieben Kinder, und wandelt in der Liebe, gleichwie Chriftus uns hat geliebet, und sich felbft dargegeben für uns, zur Gabe und Opfer, Gott zu einem süßen Geruch. Surerei aber und alle Unreinigkeit, oder Geiz, laffet nicht O Abgrund, welcher alle Sünden Durch Christi Tod verschlungen hat! Das heißt die Wunden recht verbinden, Da findet kein Verdammen statt, Weil Christi Blut beständig schreit: Barmherzigkeit! Barmherzigkeit! 211 von euch gefagt werden, wie den Heiligen zustehet; auch schandbare Worte und Larretheidinge, oder Scherz, welche euch nicht siemen; fondern vielmehr Danksagung. Denn das sollt ihr wisfen, daß kein Hurer, oder Unreiner, oder Geiziger( welcher ist ein Gorendiener) Erbe bat an dem Reich Chrifti und Gottes. Laffet euch Tiemand verführen mit vergeblichen Worten; denn um dieser willen kommt der Jorn Gottes über die Kinder des Linglaubens. Darum seid nicht ihre Mitgenoffen. Denn ihr waret weiland Sinsterniß, nun aber feid ihr ein Licht in dem Herrn. Wandelt wie die Kinder des Lichts. Die Frucht des Geistes ist allerlei Gütigkeit, und Gerechtigkeit und Wahrheit. Kern und Mittelpunkt in dieser Epistel ist das theuer werthe Wort: ,, Christus hat uns geliebet und sich selbst dargegeben für uns, zur Gabe und Opfer, Gott zu einem süßen Geruch." Dies erinnert an Noahs Opfer, des einigen Menschen, welchen der Herr gerecht erfunden hatte unter denen, welche durch die Sündfluth vertilgt wurden. Noah brachte dem Herrn ein Opfer, dessen Geruch dem Herrn angenehm war. Das deutet auf Christum. Derselbe tritt in der durch Sünde und Frevel verwüsteten Welt vor Gott hin; und ein Altar wird aufgerichtet, Sein Kreuz, und Er bringt ein Opfer, welches die Welt nie gesehen: nicht ein Dankopfer, nein, ein Liebesopfer ohne Gleichen, und Gott sprach abermals in Seinem Herzen: Ich will die Erde nicht mehr verfluchen um dieses Menschen willen. Das ist das Opfer, um welches die Passionszeit unsere Andacht sammelt. Hat dies Opfer, bei welchem die Sonne ihren Schein verlor, nach welchem die Felsen bebten, und Gräber sich aufthaten, der Vorhang im Tempel zerriß von oben bis unten, auch dein Herz hingenommen, und kannst du es glauben: Durch Seine Wunden sind wir geheilet? Die Zahl der Griechen, welche sich weise dünken und darum zu Narren werden, die weder sich noch Den erkannt haben, zu welchem der Sohn betet: Gerechter Vater, die Welt kennet Dich nicht! denen darum das Opfer Christi eine Thorheit ist, und ebenso die Menge der Juden, die ihre eigene Gerechtigkeit zu ihrem Erlöser machen, weil Gott ihnen noch nicht die unerkannten Sünden in das Licht Seines Angesichts gestellt hat, und denen dies Opfer darum ein Aergerniß ist, die mit ,, vergeblichen Worten" dagegen reden und so Manchen verführen, fie ift groß, Viele wandeln- der Apostel sagt es mit Chränen als Feinde des Kreuzes Christi. Aber wem der Herr die Augen aufgethan, welcher Angesichts des Opfers auf Golgatha seine Sünden hat ansehen lernen, nicht wie er, sondern wie Gott die Sünde ansieht, der preiset Gottes Liebe gegen uns, daß Christus für uns gestorben ist, da wir noch Sünder waren, der lernt lieben Den, welcher uns zuerst geliebt, und in 3hm die Brüder. Er wird Gottes Nachfolger in der Liebe; schlägt an's Kreuz alle Sündenliebe, und läffet weder Unreinigkeit - - 14* 212 noch Mammonsliebe von sich gesagt sein, was den Heiligen, die da wissen, daß sie theuer erlöst sind, nicht zusteht; der Wandel wird lichtvoll, als der Kinder nicht der Finsterniß, sondern des Lichtes. Und hat er es auch noch nicht ergriffen, und ist er nicht vollkommen, er jagt ihm doch nach, daß er's ergreifen möchte, nachdem der Herr Christus einen Griff an sein Herz gethan hat von Golgatha her, der auch seine Füße richtet auf den Weg des Friedens. Gebet. Herr Jesu, Du hast Dich Gott dargegeben als ein Opfer für unsere Sünden. Du wollest uns diese Deine große Liebe und den Werth Deiner bittern Leiden je länger, je mehr erkennen lassen und durch solche Erkenntniß unser Herz und Gemüth reinigen und erneuern, im Guten stark und zu Deiner Ehre geschickt machen. Amen. Vater Unser. Sonntag Sculi. Mel.: Jefus meine Zuversicht. Stark ist meines Jefu Hand Und Er wird mich ewig faffen; Hat zu viel an mich gewandt Um mich wieder los zu lassen. Mein Erbarmer läßt mich nicht; Das ist meine Zuversicht. Sieht mein Kleinmuth auch Gefahr, Fürcht' ich auch zu unterliegen: Christus beut die Hand mir dar, Christus hilft dem Schwachen siegen. Daß mich Gottes Held verficht, Das ist meine Zuversicht. ( Bers 1 und 2 aus: Start ist meines Jesu Hand.) Luc. 11, 14-28. Und er trieb einen Teufel aus, der war stumm. Und es geschah, da der Teufel ausfuhr, da redete der Stumme. Und das Volk vers wunderte sich. Etliche aber unter ihnen sprachen: Er treibt die Teufel aus durch Beelzebub, den Obersten der Teufel. Die Andern aber versuchten ihn, und begehreten ein 3eichen von ihm vom Simmel. Er aber vernahm ihre Gedanken, und sprach zu ihnen: Ein jeglich Reich, fo es mit ihm selbst uneins wird, das wird wüste, und ein Saus fällt über das andere. Jft denn der Satanas mit ihm felbft uneins, wie will sein Reich bestehen? Dieweil ihr saget, ich treibe die Teufel aus durch Beelzebub. So aber Jch die Teufel durch Beelzebub austreibe, darch wen treiben fie eure Kinder aus? Darum werden sie eure Richter sein. So ich aber durch Gottes Singer die Teufel austreibe, so kommt je das Reich Gottes zu euch. Wenn ein starker Ge wappneter seinen Pallaft bewahret, fo bleibt das Seine mit Frieden. Wenn aber ein Stårkerer über ihn Pommt, und überwindet ihn, so nimmt er ihm seinen Sarnisch, darauf er sich verließ, und theilt den Raub aus. Wer nicht mit mir ist, der ist wider mich; und wer nicht 213 mit mir sammelt, der zerftreuet. Wenn der unsaubere Geift von dem Menschen ausfahret, so durchwandelt er dürre Ståtten. sucher Ruhe, und findet ihrer nicht; so spricht er: Ich will wieder umkehren in mein Haus, daraus ich gegangen bin. Und wenn er kommt, so findet er es mit Besemen gekebret und geschmůcket. Dann gebet er bin, und nimmt sieben Geister zu sich, die årger sind, denn er selbst; und wenn sie binein kommen, wohnen sie da, und wird hernach mit demselbigen Menschen årger, denn vorhin. Und es begab fich, da er solches redete, erhob ein Weib im Volk die Stimme, und sprach zu ihm: Selig ist der Leib, der dich getragen hat, und die Brüste, die du gesogen, baft. Er aber sprach: Ja, selig sind, die Gottes Wort hören und bewahren. Der starke Gewappnete mit solch gewaltigem Ernste redet der Herr von dem Teufel, der sonst auch der Gott und Fürst dieser Welt heißt. Derselbe hat seinen Pallast in den Herzen der Menschenfinder. Diesen Pallast baut er aus den mancherlei Sünden, besonders Unglauben und Ungehorsam gegen Gott, woraus weiter lauter Untugend fließt. Das Volk verwunderte sich weiter geht's nicht; da bewahrt der Satan das Seine auch noch im Frieden. Andere fordern Zeichen die bleiben auch im Pallast des Starken. Denn wozu Zeichen, da Gott so laut redet im Gesetz und Evangelium? Noch Andere lästern und murren wider den Herrn; sie sind bereits aus den Lehrjahren der Gottlosigkeit und sind Meister der Bosheit. Diese Alle sind verschlosson von dem Satan in seinen Pallast. Dazu aber ist erschienen der Sohn Gottes, daß er die Werke des Teufels zerstöre. Das hat Er gethan und thut Er in Seinem prophetischen Amte, da Er aller Lüge und Lästerung Gottes die Wahrheit entgegenstellt und in Seinem hohenpriesterlichen und königlichen Amte, daß er dem Teufel seinen Harnisch, nämlich die Sünde genommen hat, und durch die Vergebung aller Sünden ein fröhlich Herz gegen Gott macht. Sein Wort ist das Scepter Seiner Herrschaft. Darum bekam auch das Weib, als sie ihre lebhafte Anhänglichkeit an den Herrn kundgab, die Antwort: Selig sind, die Gottes Wort hören und bewahren. Ein Wörtlein kann den Teufel fällen. In jedem Worte Gottes ist eine große, göttliche Kraft und Licht. Die dieses Wort recht hören, bringen in die Erkenntniß der Wahrheit, daß sie des Teufels Werk im eigenen Herzen, und die Hülfe und Gnade Jesu, des Stärkeren, erfahren. Und die das Wort bewahren, kommen von Kraft zu Kraft, werden start, daß sie den Bösewicht überwinden und alle Gemeinschaft mit demselben durch wahre, tägliche Buße und Glauben an Jesum zerstören. Und ob es viele Gefahren giebt auf dem schmalen Pfade zumt Leben, Gefahren des Abfalls und Rückfalls, daß man die Hände matt werden und die Liebe erkalten läßt, daß man zagt unter dem Haufen der Kalten und Halben und Lauen so ist Gottes Wort doch die - - 1 214 Kraft, die Alles heilt. Nimm nur den Rath in Acht und halte dich ganz danach: Selig find, die Gottes Wort hören und bewahren und Gott wird mit dir sein, daß du von Kraft zu Kraft kommst, unt Christi Kraft wird sich in deiner Schwachheit mächtig beweisen. Gebet. Herr Jesu Christe, allmächtiger, großer Uleberwinder des Teufels, laß Deinen allmächtigen Gottes Finger unter uns noch täglich walten und im Wort und Predigtamt Kraft und Wunder beweisen. Zerstöre dem Satan seine Macht und sein Reich, und stoß ihn hinaus in die ewige Finsterniß, damit wir elende Menschen, Deiner Hände Werk, mit Deinem Blut so theuer erkauft, von des Teufels Gewalt erledigt, Dein eigener Tempel und Wohnung seien und Dich sammt dem Vater und Heiligen Geist ewig mögen loben und preisen. Amen. Bater Unser. Montag nach Sculi. Eigene Melodie. Jesu, meines Lebens Leben Jefu, meines Todes Tod, Der Du Dich für mich gegeben In die tiefste Seelennoth, In bas äußerste Verderben, Nur daß ich nicht möchte sterben. Tausend, tausendmal sei Dir, Liebster Jesu, Dank dafür! = Du, ach Du hast ausgestanden Lästerreden, Spott und Hohn, Speichel, Schläge, Strick und Banden, Du gerechter Gottessohn, Nur mich Armen zu erretten Von des Teufels Sündenketter, Tausend, tausendmal sei Dir, Liebster Jesu, Dank dafür! ( Vers 1 und 2 aus: Jesu, meines Lebens Leben.) Luc. 22, 52. 53. und Psalm 22, 13. 14. Jefus aber sprach zu den Sohenpriestern und Hauptleuten des Tempels, und den Aelteften, die über ihn gekommen waren: Jhr seid, als zu einem Mörder, mit Schwerdtern und mit Stangen ausgegan gen. Ich bin täglich bei euch im Tempel gewesen, und ihr habt Feine Sand an mich gelegt; aber dies ift eure Stunde und die Macht der Sinsterniß. Große Sarren haben mich umgeben, fette Ochsen haben mich umringet; ihren Rachen sperren sie auf wider mich, wie ein brüllender und reißender Löwe. Wie große, ungestüme Farren und reißende Löwen, also umgeben die Feinde den Herrn. Welch eine Rotte, in deren Mitte Jesus steht! Wie geduldig und unverzagt der Heiland dasteht und ob die Feinde Ihn greifen und richten wollen, so schlägt Er sie mit dem Schwerte Seines Mundes. Nicht im Winkel und auf Schleichwegen und mit übertünchten Worten, wie die Bosheit und Schalkheit thut, sondern öffentlich im Tempel hat der Herr gelehrt. Alle Welt mußte anerkennen, daß Er den Weg Gottes gewaltig und recht lehrte. Warum denn nun kommt man mit Schwertern zu Ihm, wie man zu einem Mörder kommt? Ist das nicht Bosheit, Heuchelei, Werk der Finsterniß? Aber weil dieses ihre Stunde und die Macht der Finsterniß ist, unter deren Fürsten alle Pläne gegen Christum ausgeführt werden, darum dürfen sie nach vorbedachtem Rath Gottes jetzt Hand an Jesum legen. Sieh, das ist eine schreckliche Freiheit, welche im Grunde nur die Macht der Finsterniß über die Herzen ist. Was willst du, o Christ, hierzu sagen? Erstens ist Jesus unter die Mörder und Uebelthäter gerechnet das ist eine sehr erwünschte Stellvertretung für dich, der du der Sünden am fünften Gebote schuldig bist. Zweitens kannst du als Christi Jünger den großen Vorzug genießen, daß du mit gutem Gewissen vor Gott und Menschen dastehst, wenn du in der Wahrheit, d. i. in herzlicher Buße und Furcht Gottes wandelst. Drittens laß es dir ein Geringes sein, unschuldig zu leiden; sticht's auch im Herzen, daß dich die Feinde schmähen, so bezeuge deine Unschuld und stelle es dem heim, der recht richtet. Gebet. Herr Jesu, Du ewiger Sohn Gottes, der Du Dich haft als einen Mörder ansehen und behandeln lassen, gieb, daß ich auch hierin Deine Genugthuung für mich armen Sünder herzlich erkenne. Und weil ich auch in diesem Leben allerlei Mühe und Drangsal leide, so zeige mir Deine Wege und gieb mir Kraft und Lindigkeit Dir nachzufolgen. Amen. Vater Unser. 30-100 apny 215 Dienstag nach Sculi. Mel: Ach Herr, mich armen Sünder. Ich will hier bei Dir stehen, Verachte mich doch nicht; Von Dir will ich nicht gehen, Wann Dir Dein Herze bricht. Wann Dein Haupt wird erblaffen Im letzten Todesstoß, Alsdann will ich Dich faffen In meinen Arm und Schoß. 36 Es dient zu meinen Freuden Und fommt mir herzlich wohl, Wenn ich in Deinem Leiden, Mein Heil, mich finden soll. Ach, möcht' ich, o mein Leben, An Deinem Kreuze hier Mein Leben von mir geben, Wie wohl geschähe mir. ( Vers 6 und 7 aus: O Haupt voll Blut und Wunden 216 Mrc. 14, 50-52. und Jes. 63, 2. 3. Und die Jünger verließen ihn alle, und flohen. Lind es war ein Jangling, der folgte ihm nach, der war mit Leinwand bekleidet auf der bloßen Saut; und die Jünglinge griffen ihn. Er aber ließ die Leinwand fahren, und flob bloß von ihnen. 11 Warum ist denn dein Gewand so rothfarb, und dein Kleid wie eines Beltertreters? Jch trete die Kelter allein, und ist Tiemand unter den Völkern mit mir. Ich habe sie gefeltert in meinem 3orn, und zertreten in meinem Grimm. Daher ist ihr Vermögen auf meine Kleider gesprützet, und ich habe alle mein Gewand besudelt." Man muß lauter Wunder in dem Leiden Christi sehen, sonst sieht man es nicht recht. Alle Jünger fliehen-Jesus bleibt allein. Es kann Ihm auch Niemand helfen, Er tritt die Kelter allein, da Er der Welt Sünde trägt. Er allein der Sündentilger darum, lieber Christ, muß Er es nun auch ganz allein bei dir sein, Er allein ist der Glaubensgrund, Er allein die Liebe, Er allein die Kraft des Lebens, Er allein meine Burg. So führt uns der Heilige Geist von Himmel und Erde und uns selber ab allein auf Christum. Die Jünger fliehen, Petrus eingerechnet. Erst war er trotzig, jetzt verzagt, wie das Menschenherz ist. Die Gelegenheit zeigt und offenbart, wer wir sind und wie des Herzens Grund beschaffen ist. Darum läßt Gott häufig Gelegenheiten kommen, in denen uns vor Augen tritt, ob wir lauter, demüthig, standhaftig, gläubig sind. So sahen die Jünger Jesu bei dieser allgemeinen Flucht, wer sie waren. Sie lassen Jesum allein ohne Hülfe und ist das kein Wunder, daß der, in dessen Namen alle unsere Hülfe steht, nun selbst hülflos und verlassen dasteht? Und auch der Jüngling, über den man sich insofern freuen kann, daß er schon als Jüngling das Höchste erwählt hat, nämlich ein Jünger Christi zu sein, verließ Jesum. Das ist für uns ge= schrieben zur Strafe und wir gedenken billig mit tiefer Scham all der Niederlagen, welche uns unser tückisches Herz, trotzdem, daß zu Zeiten der Geist sich auf Befferes schickte, beigebracht hat. Wie manche Fahrlässigkeit, wie manche Unbeständigkeit im Guten ist in unserm Leben geschehen! Das klage und bekenne ich Gott. Aber ich gehe noch weiDenn werth ist's mein Heiland doch, daß ich mein Leben, d. i. alle meine vielfachen ungöttlichen Begierden um Seinetwillen hingebe und daß ich nicht blos die Leinwand, sondern alles Zeitliche geringe achte gegen Ihn. Und der Herr will auch so viel gelten und uns werth sein. Abraham ist's nicht allein, dem Er den Isaak abfordert. Nichts, Nichts müsse mich scheiden von Jesu Christo, von Seiner Liebe und Seiner Jüngerschaft. Aber wer bin ich, daß ich so wünsche und begehre? Ach, ich bin Staub und Asche aber ich bin durch Gottes Barmherzigkeit kraft meiner Taufe doch auch ein Glied an Christo. Bleibe ich an Ihm, so bleibe ich eben trotz aller Feinde von innen ter. 217 und außen. Also rein ab und dicht heran an Christum, hinein in Seine Liebes- und Geistesgemeinschaft und Nichts soll mich von Ihm scheiden. Gebet. Herr Jesu Christe, der Du in der allerschwersten Noth von Deinen auserwählten Jüngern ganz haft wollen verlassen werden: ich bitte Dich um Deiner unschätzbaren Güte willen, Du wollest mir armen abtrünnigen Knecht verzeihen, Gnade und Barmherzigkeit mittheilen, und mich in die Schaar Deiner Auserwählten aufnehmen, auch nimmer von Dir flüchtig, noch am Wege des Heils laffen verirrt werden, auf daß ich vom Tode zu Dir in das ewige Leben komme und bei Dir, meinem Herrn, ewig bleibe. Amen. Vater Unser. Mittwoch nach Bculi. Mel.: Erhalt uns, Herr, bei Deinem Wort. Auf daß wir Freiheit mögen han; Dein Güt so groß aus Kreuz Dich bracht, Du läßt Dir Bande legen an, Dadurch wir ledig sind gemacht; Denn Adams Band und Sünden schwer Trägst Du und lösest sie, o Herr. Die Schmach Du trägst, die ewge Schmach Zu wenden und all' Ungemach. ( Vers 2 und 4 aus: Herr Christe, treuer Heiland werth.) Joh. 18, 12-16. Die Schaar aber und der Oberhauptmann, und die Diener der Juden nahmen Jesum und banden ihn, und führten ihn aufs erste zu Sannas; der war Kaiphas Schwäher, welcher des Jahrs Sobers priester war. Es war aber Kaiphas, der den Juden rieth, es wäre gut, daß Ein Mensch würde umgebracht für das Volk. Simon Pea trus aber folgte Jesu nach, und ein anderer Jünger. Derselbige Jüns ger war dem Hohenpriester bekannt, und ging mit Jefu binein in des Sobenpriesters Pallast. Petrus aber ftand draußen vor der Thür. Da ging der Jünger, der dem Hohenprieffer bekannt war, binaus, und redete mit der Thürhüterin, und führete Petrum binein. Sie banden Jesum. Weißt du, wer die Fäden zu diesen Banden Es sind gesponnen hat. Das hat Adam gethan und wir Alle. die Banden, mit denen wir sollten gebunden bleiben und gebunden werden in Ewigkeit. Nun binden sie Jesu die Hände. D was das für Hände sind! Es sind die Hände, in welche der Vater Alles gelegt hat, unser ganzes Schicksal für Zeit und Ewigkeit. Es sind die Hände, die Niemanden wehe gethan, die mur gesegnet und wohlgethan haben, die Er den Kranken auflegte, die Er drohend und verheißend so oft 218 aufgehoben hat. Nun sind sie gebunden. Da thun sie das Größte; denn sie tragen unsere Banden und erwerben den Preis, der uns Sündern Gottes Wohlgefallen und das Himmelreich erkauft. Und ob wir es vergessen könnten, was Er gethan hat, so kann Er es nicht vergeffen. Siehe, spricht Er, in die Hände habe ich dich gezeichnet. Die Hände Jesu haben dich von Mutterleibe an gezogen und ob die ganze Welt dich nicht mit ihren Sachen erfreuen kann, so laß dir nur die Augen öffnen und siehe! diese Hände theilen dir aus Vergebung der Sünden, Leben und Seligkeit. Diese einst gebundenen Hände Jesu strecken sich aus nach deinem Herzen. Ogieb es Ihm, ganz und ungetheilt, so hast du Ruhe, so hast du einen Arzt an Ihm, der mit Seiner segensreichen Hand alle deine Sünde heilt und dich von allem Verderben erlöset. Gebet. Herr Jesu Christe, der Du ganz williglich Dich haft binden lassen, auf daß Du uns durch Deine Bande Freiheit erwürbest, ich bitte Dich, strecke Deine Hand nach mir aus und ziehe mich zu Dir, binde und begürte mit dem süßen Band der Liebe die Lenden meines Herzens und Gemüthes, auf daß ich all meine Begierde, Luft und Freude an Dir habe und Deinem Willen und Dienste nimmer widerstrebe. Amen. Bater Unser. Donnerstag nach Bculi. Mel.: Herr Jesu Chrift, Dich zu uns wend'. D Gott, schleuß mir Dein Herz nicht zu; Entzünd in mir der Liebe Glut, Bei Dir allein ist wahre Ruh. Nimm hin mein Herz, Herr Jesu Christ, Für welches Deins durchstochen iſt. Mein Gott, mein Ziel, mein einzig Gut! Mit güldnem Band der Liebe Dein Umschling, o Gott, das Herze mein! ( Vers 3 und 5 aus: Dich liebt, o Gott.) Joh. 18, 19-24. Cabling Aber der Sohepriester fragte Jesum um seine Jünger und um seine Lehre. Jesus antwortete ihm: Ich babe frei öffentlich geredet vor der Welt. Ich habe allezeit gelebret in der Schule und in dem Tempel, da alle Juden zusammen kommen, und habe nichts im Verborgener geredet. Was fragst du mich darum? Srage die darum, die gehöret haben, was ich zu ihnen geredet habe: siebe, dieselbigen wissen, was ich gesagt babe. Als er aber so redete, gab der Diener einer, die dabei standen, Jesu einen Backenstreich, und sprach: Sollst bu dem Sobenpriester also antworten? Jesus antwortete: Sabe ich übel geredet, so beweise es, daß es böse sei; habe ich aber recht ges redet, was schlågst du mich? Und Sannas fandte ihn gebunden zu dem hohenpriester Kaiphas. 219 Auf die Frage um Seine Jünger antwortet der Herr dem Hohenpriester nicht. Er hätte darüber klagen können, daß sie Ihn verlaffen haben aber diese Geheimnisse der Seelen gehören nicht vor die Ohren des Hohenpriesters. Der Heiland schont Seine Jünger nicht, wo Er ihnen Auge in's Auge sieht, sondern straft, demüthigt fie; aber gegen alle Feinde schützt und deckt Er sie. So müssen wir im Kämmerlein und Verborgenen allezeit im Gerichte leben und dürfen nichts Arges uns zu gute halten aber vor der Welt sind wir Auf freudig und unverzagt, weil Jesus Christus unser Herr ist. die Frage um die Lehre antwortet der Herr hier auch nicht, weil Er frei öffentlich geredet und nichts im Winkel gelehrt hat. Man frage Alle, die Worte des ewigen Lebens von Ihm empfangen haben, die armen Sünder, denen Er durch Sein Wort die Sünde vergeben hat, das Samaritische Weib, dem Er die Geheimnisse des bösen Lebens aufdeckte. O Jesu, Dein süßes Evangelium ist lauter Milch und Honig. Ich bezeuge es mit Vielen, daß Dein Wort die Wahrheit ist und daß Deine Zeugnisse köstlicher sind als Gold, und süßer, als Honig. So ist Deine Lehre und Du Selbst bist unbegreiflich und schön als Mensch und Gott, schön in Schmach und Spott. Ich begreife nicht die unbegreifliche Sanftmuth, in der Jefus auf den schmählichen Backenstreich antwortet. Aber ich erkenne meine Missethat, daß die Creatur ihrem Schöpfer in's Angesicht schlägt; ich beflage meinen Zorn und Bitterkeit und strecke mich nach Deinem heiligen Leben, Du sanftmüthiger, heiliger, stiller Jesu. Meine Seele ist zermalmt vor Verlangen nach Dir, in deffen Tod und Leben ich getauft bin. - - 1 Gebet. Herr Jesu Christe, der Du den Backenstreich, so Dir wider alle Gerichtsordnung widerfahren, von dem boshaften Knechte geduldig haft ertragen: gieb mir ein sanft Gemüth, daß ich meine jähe Hiße und Zorn dämpfen, und alles Gute und Lindigkeit gegen jedermann möge erzeigen. Ach hilf, daß meine Rede alle Zeit in der Gnade mit Salz gewürzet sei, auf daß ich wissen möge, wie sich's gebühret, jedermann zu antworten. Amen. 2719 Vater Unser. CONF 220 Freitag nach Dculi. Eigene Melobie. Aus tiefer Noth schrei ich zu Dir; Herr Gott, erhör' mein Rufen! Dein gnädig Ohren kehr zu mir, Halt meiner Bitt' sie offen. Denn so Du willt das sehen an, Was Sünd und Unrecht ist gethan; Wer kann, Herr, vor Dir bleiben? Darum auf Gott will hoffen ich, Auf mein Verdienst nicht bauen. Auf Ihn will ich verlassen mich Und Seiner Gitte trauen, Die mir zusagt Sein werthes Wort. Das ist mein Trost und treuer Hort; Deß will ich allzeit harren. ( Vers 1 und 3 aus: Aus tiefer Roth.) Luc. 22, 54-61. Sie griffen ihn aber, und führeten ihn, und brachten ihn in des Sohenpriesters Saus. Petrus aber folgte von ferne. Da zündeten sie tin Seuer an mitten im Pallast, und setzten sich zusammen, und Petrus setzte sich unter sie. Da sabe ihn eine Mago siten bei dem Licht, und sabe eben auf ihn, und sprach zu ihm: Dieser war auch mit ihm. Er aber verleugnete ihn, und sprach: Weib, ich kenne ihn nicht. Und über eine kleine Weile sabe ihn ein Anderer, und sprach: Du bist auch deren einer. Petrus aber sprach: Mensch, ich bin es nicht. Und über eine Weile, bei einer Stunde, bekräftigte es ein Anderer, und sprach: wahrlich, dieser war auch mit ihm; denn er ist ein Galiläer. Petrus aber sprach: Mensch, ich weiß nicht, was du sagest. Und alsobald Fråbete der Sahn. Und der Herr wandte sich, und sabe Petrum an. Und Petrus gedachte an des Herrn Wort, das er zu ihm gefagt batte: Ehe denn der Bahn Fråhet, wirst du mich drei Mal verleugnen." Was ist doch der Mensch! Staub und Aſche. Und was ist ein frommer Mensch? Auch Staub und Asche. Und nur was Gottes Kraft in uns ist, ist Kraft. Nur, was Christi Geist und Gnade ausrichten, hat Bestand. Außer dem nur Thorheit und Sünde, und einige fromme Empfindungen, die kommen und gehen, thun's auch nicht. Das sieh an Petrus. Wie viel Lehre, Warnung und auch Trost ist in dieser Geschichte enthalten! Aus guter Meinung ist Petrus dem Herrn gefolgt. Aber eben die gute Meinung kann sehr trügen, wenn sie sich nicht unter Gottes Wort stellt. Viele Ketzereien haben im Anfang eine gute Meinung verfolgt. Petri Fall liegt in dem Abweichen von dem Worte Jesu. Wie wenig ein Menschenherz ausrichtet, das sieht man daran, daß eine Magd, eine geringe Person, den großen Apostel zur Verleugnung bringt. Der starke Simson wird durch ein Weib gestürzt. Und wie rasch entwickelt sich aus dem ersten Fall Petri der zweite und dritte! Die Stunde der Versuchung macht das Herz offenbar, auch bei Petrus, daß er noch am natürlichen Leben, an Ehre und Selbstliebe hing. Es war ein bitteres Leiden für den Herrn, daß Er Sich von dem ersten Apostel also verleugnet sehen mußte. Die Sünde der Verleugnung Christi, deren wir uns schuldig machen durch 221 Schweigen zum Bösen, durch Theilnahme an ungöttlichen Reden und Werken, ist eine gar schwere, die erkannt werden muß in herzlicher Buße. Der Hahn krähete-da gedachte Petrus an des Herrn Wort. Die kräftige Erinnerung Gottes an Sein Wort, sie widerfahre uns in der Kirche oder außer der Kirche, ist der Hahnenschrei. Dieser Hahnenschrei liegt in jedem der zehn Gebote Gottes verborgen. Wie wird seitdem der Hahnenschrei den Apostel Petrus, so oft er ihn hörte, bis in den Tod ermahnt und gedemüthigt haben! Jesus sah ihn an und das war ein Blick, wie er nur in Jesu Auge zu finden ist, ein Blick voll göttlichen Ernstes, der Petrum straft, ein Blick voll Licht und Glanz, der Petrum seine Missethat sehen ließ, ein Blick voll Gnade und Wahrheit. Da ging Petrus hinaus und weinte bitterlich reiche, bittere, inbrünstige Thränen. Gelobet sei Gott, der uns zur Buße ruft, unsere Herzen erweicht und den Augen Thränen giebt. Wo Buße ist, da ist schon Gnade, da folgt Gnade in Bergebung der Sünden. Gebet. Herr Jesu Christe, der Du von Deinem vornehmsten Apostel Petro dreimal bist verleugnet worden, und nachdem Du ihn milbiglich angesehen, seine Sünde bereuen und bitterlich haft beweinen lassen: ach sieh heut an mich armen dürftigen Sünder mit den Augen Deiner Barmherzigkeit; auf daß ich auch meine Sünden bereue, mit viel bußfertigen Thränen beweine und abwasche, und Dich hinfort weder mit Worten noch mit Werken nimmermehr gedenke zu vereugnen. Amen. Vater Unser. Sonnabend nach Dculi. Mel: Gott des Himmels und der Erde. Sprecht: der Herr ist unser Meister, Er hat uns aus nichts gemacht, Er hat unsre Leib und Geister An die lichte Welt gebracht; Wir find Seiner Almacht Ruhm, Seine Schaf und Eigenthum. Gehet ein zu Seinen Pforten, Geht durch Seines Vorhofs Gang; Lobet Ihn mit schönen Worten, Saget Ihm Lob, Preis und Dank, Denn der Herr ist jederzeit Voller Gnad und Gütigkeit. ( Vers 2 und 3 aus: Alle Welt, was freucht.) Gal. 4, 21-31. Sagt mir, die ihr unter dem Gesetz sein wollt, habt ihr das Gefer nicht gehöret? Denn es stehet geschrieben, daß Abraham zween Signe batte: einen von der Magd, den andern von der Freien. Aber der von der Mago war, ist nach dem Sleisch geboren; der aber von der Freien, ist durch die Verbeißung geboren. Die Worte bedeuten etwas. Denn das sind die zwei Testamente, eins von dem Berge Sinai, das zur Anechtschaft gebieret, welches ist die Agar. Denn Agar beißt in Arabien der Berg Sinai, und langet bis gen Jerusalem, das zu dieser Seit ist, und ist dienstbar mit seinen Kindern. Aber das Jerusalem, das droben ist, das ist die Freie, die ist unser aller Mutter. Denn es ftehet geschrieben:„ Sei fröhlich, du Unfruchtbare; die du nicht gebiereft, und brich hervor, und rufe, die du nicht schwanger bist; denn die Einsame hat viel mehr Kinder, denn die den Mann hat." Wir aber, lieben Brüder, sind, Isaak nach, der Verheißung Kinder. Aber gleichwie zu der Zeit, der nach dem Sleisch geboren war, verfolgte den, der nach dem Geist geboren war: also gebet es jegt auch. Aber was spricht die Schrift? ,, Stoß die Mago hinaus mit ihrem Sobne; denn der Magd Sohn soll nicht erben mit dem Sohne der Freien." So sind wir nun, lieben Brüder, nicht der Mago Kinder, sondern der Freien. 222 Diefe ganze Epistel, in welcher, um mit Petrus zu reden, etliche Dinge schwer zu verstehen sind, handelt vom Unterschied des Gesetzes und des Evangeliums; der Hauptinhalt des ganzen GalaterBriefes. Er ist eine rechte Fundgrube des hohen Artikels von unserer Rechtfertigung vor Gott, daß wir nicht durch Gesetzes Werke, sondern durch den Glauben gerecht und selig werden. An Hagar's Sohne, dem nach dem Fleisch geborenen, und der Sara Sohn, welcher nach der Verheißung geboren, zeigt der Apostel den Unterschied zwischen Ge setz, das in der Knechtschaft hält, und dem Evangelium, welches die Freiheit gebiert, die rechte Freiheit der Kinder Gottes. Gleichwie Sara war eine freie Fürstin sie wußte nichts von harter Arbeit zu sagen, wie die Hagar also ist durch sie vorgebildet das Jerusalem, das droben ist, nämlich die heilige Kirche, unser aller Mutter, welche droben ist, obschon sie auf Erden ist, weil das Himmelreich hier durch das Evangelium in ihr angehet, und Gottes himmlische Gnadengaben in ihr anzutreffen sind. Sie ist die Freie, sie weiß nichts von. der Knechtschaft und Dienstbarkeit des Gesetzes, denn davon hat sie Christus befreiet. Und gleichwie Sara zwar unfruchtbar hieß, und doch durch Gottes fegnende Verheißung den Isaak gebar, der sich hernach in ein großes Bolk ausbreitet; so war es in den ersten Zeiten Seiner Kirche bewandt, sie war anfangs in den Tagen des Menschensohnes wie unfruchtbar, und ein kleiner Haufe zu rechnen gegen das Judenthum; aber sie hat sich wie ein Wunder vermehrt, ist unser aller Mutter, indem Juden und Heiden und allerlei Leute darin geboren sind. Darum kann sie frohlocken mit dem Propheten: Sei fröhlich, du Unfruchtbare, die du nicht gebierst, und brich hervor, und rufe, die du nicht schwanger bist; denn die Einsame hat viel mehr Kinder, denn die den Mann hat. Wir aber, liebe Brüder, haben uns dieser geistlichen Freude auch - - - 223 theilhaftig zu machen; wir gehören der Freien an, sind nicht wie Israel nach dem Fleisch geboren, sondern das Israel, das nach dem Geist gezeuget ward"- nach der Verheißung, die Gott dem Abraham gegeben, daß in Seinem Namen sollen alle Geschlechter auf Erden gesegnet werden. ,, Aus Gnaden hat Er uns erwählt und zu Seinem Volk gezählt." Mißbrauche die Freiheit nicht. Laß sie dir nicht sein einen Deckel der Bosheit, suche nicht Freiheit für das Fleisch; diese ist von der Freiheit, womit der Sohn frei macht, so weit von einander entfernt, wie Himmel und Hölle, Leben und Tod, Segen und Fluch; die Loosung sei auch bei deiner evangelischen Freiheit: Es wisse, wer es wissen kann, ich bin des Heilands Unterthan. Gebet. Barmherziger, gnadenreicher Gott, wie sollen wir Dir genugsam danken, daß Du uns zu Kindern des Jerusalems, das droben ist, das ist, der werthen christlichen Kirche gemacht hast. Laß uns die Herrlichkeit Deiner Kirche, unsrer freien Mutter und auch die Wichtigkeit unseres himmlischen Berufes recht erkennen und gib, daß wir unserm Berufe nach würdiglich denken, handeln und wandeln durch Christum Deinen lieben Sohn. Amen. Bater Unser. Sonntag Lätare. Mel.: Wie schön leuchtet der Morgenstern. Ei, meine Perl, Du werthe Kron', Wahr Gottes und Marien Sohn, Ein hochgeborner König: Von Gott kommt mir ein Freudenschein, Wenn Du mit Deinen Neugelein Mich freundlich thust anblicken. D Herr Jesu, mein trautes Gut! Dein Wort, Dein Geist, Dein Leib und Blut Mich innerlich erquicken. Mein Herz heißt Dich ein Lilium, Dein süßes Evangelium Ist lauter Milch und Honig. Ei mein Blümlein, Nimm mich Freundlich Hosiannah! himmlisch Manna, das wir In Dein' Arme, daß ich warme werd' effen, von Gnaden, Deiner kann ich nicht vergessen. Auf Dein Wort tomm ich geladen. ( Vers 2 und 4 aus: Wie schön leuchtet der Morgenstern.) Joh. 6, 1-15. Darnach fuhr Jesus weg über das Meer an der Stadt Tiberias in Galiläa. Und es sog ihm viel Volks nach, darum, daß sie die Jeichen saben, die er an den Kranken that. Jesus aber ging binauf auf einen Berg, und setzte sich daselbst mit seinen Jüngern. Es war aber nahe die Ostern, der Juden Seft. Da hob Jesus seine Augen auf, und siehet, daß viel Volks zu ihm kommt, und spricht zu Phis lippo: Wo kaufen wir Brodt, daß diese effen?( Das sagte er aber, ihn zu versuchen; denn er wußte wohl, was er thun wollte.) Phis lippus antwortete ihm: Jwei hundert Pfennig werth Brodts ist nicht genug unter sie, daß ein jeglicher unter ihnen ein wenig nehme. Spricht zu ihm einer seiner Jünger, Andreas, der Bruder Simonis Petri: Es ist ein Knabe hier, der hat fünf Gerstenbrodte, und zween Sische; aber was ist das unter so Viele? Jefus aber sprach: Schaffet, daß sich das Volk lagere. Es war aber viel Gras an dem Ort. Da lagerten sich bei fünf tausend Mann. Jefus aber nahm die Brodte, dankte, und gab sie den Jüngern, die Jünger aber denen, die sich gelagert hatten; deffelbigen gleichen auch von den Sischen, wie viel er wollte. Da sie aber satt waren, sprach er zu seinen Jüngern: Sammelt die übrigen Brocken, daß nichts umkomme. Da sammelten sie, und fülleten zwölf Körbe mit Brocken, von den fünf Gerstenbrodten, die überblieben denen, die gespeiset worden. Da nun die Menschen das Zeichen saben, das Jesus that, sprachen sie: Das ist wahrlich der Prophet, der in die Welt kommen soll. Da Jesus nun merkte, daß fie kommen würden, und ihn haschen, daß sie ihn zum Könige mache ten, entwich er abermal auf den Berg, er selbst alleine. 224 Viel Bolts zieht Jefu nach. Warum? Weil in Jefu eine gar große Petrus sagt( Apostelg. 10.), Jesus sei umgethan und gesund gemacht Alle, die vom Jesus ist der Abglanz und das Ebenbild des lebendigen Gottes, der barmherzig, gnädig und geduldig und von großer Gnade und Treue ist. So that und thut Er wohl, nur wohl. Das war Seine Anziehungskraft und ist es noch. Das Volk folgt Ihm und empfängt Wunderbrod aus Seiner Hand. Aber wer blos Brod will, oder blos Himmel und Erde sucht, sucht zu wenig. Denn der Mensch hat eine Seele, die viel höherer Gaben bedarf. Weil aber so Viele so gar wenig suchen bei allem Gesuch, darum kann sie Jesus nicht völlig, nicht bleibend an Sich ziehen. Wer aber Großes sucht, nämlich Wahrheit und Leben, Kraft und Frieden, und wer sich seine Armuth und Sünden- und Ewigkeitsnoth zu Herzen gehen läßt, wird an dem Heilande in der Wüste dieses Lebens den rechten Mann finden. Ist das nicht prächtig, daß dort in der Wüste ein Grasplatz ist, wo sich das Volk lagern kann, und siehe! Jesus steht segnend und gebend vor ihnen. Diese grüne Aue in dieser armen Welt ist die christliche Kirche, worin Jesus Selber steht und durch den Dienst der Menschen durch Wort und Sacrament Gnade und Barmherzigkeit austheilt. Wer nur Bedürfniß hierzu hat. Sündennoth treibt und bindet noch immer an den Sünderheiland, Seelennoth führt zum Herzoge der Seelen. Wahrlich ja, euch nun, die ihr glaubet, ist Christus töftlich ist es, wird es je länger, je mehr und bleibt es. Auf das Köstlichste ist Er in diesem Leben im Altarsakrament; denn dies ist Sein Leib und Sein Blut. Dieses Ziehen Christi an unfern Herzen und das GezogenwerAnziehungskraft ist. Hergezogen und habe wohl Teufel überwältigt waren. -- 225 den ist eine heimliche, verborgene Sache. Aber es offenbart sich im Leben. Denn wen der Heiland zieht, den zieht Er ganz in Sein Element, hinweg von aller Unreinigkeit der Sünde, hinein in die göttliche Lauterkeit und Wahrheit, Demuth und Liebe. Wie im Evangelium das Volk sich willig lagert auf Christi Befehl, so zieht Er noch jetzt in einen stillen, sanften Gehorsam gegen Gottes Wort und Willen. Besonders führt der Herr, die bittend und begehrend bei Ihm bleiben, in die Erkenntniß Gottes tiefer hinein, und die rechte Erkenntniß Christi macht fröhlich und frei und selig. Somit stimmen wir von Herzen zusammen mit dem Apostel Petrus, daß Christus umhergezogen ist und wohlgethan hat. Wir setzen dankend und anbetend hinzu: Derselbe gestern und heute und in Ewigkeit. Gebet. Allmächtiger, reicher Gott und Vater, der Du sorgest für Alles, was Du geschaffen hast, und für uns arme Sünder auf das Reichlichste sorgst durch Christum, unsern lieben Heiland, wir bitten Dich, gieb uns durch denselben unser täglich Brot. Vor allen Dingen verleihe uns, daß wir diesen Deinen lieben Sohn in rechtem Glauben erkennen, das Ewige und Unvergängliche bei Ihm suchen und finden, der Du in Einigkeit des Sohnes und Heiligen Geistes lebeft und regierest in Ewigkeit. Amen. Vater Unser. Montag nach fätare. Mel.: Hilf Gott, daß mir's gelinge. Herr, laß Dein bitter Leiden Mich reizen für und für, Mit allem Ernst zu meiden Die fündliche Begier; Daß mir nie komme aus dem Sinn, Wie viel es Dich gekostet, Daß ich erlöset bin. Mein Kreuz und meine Plagen, Soll's auch sein Schmach und Spott, Hilf mir geduldig tragen. Gieb, o mein Herr und Gott, Daß ich verleugne diese Welt Und folge dem Exempel, Das Du mir vorgestellt. aus: Wenn meine Sünb mich kränfen.) ( Vers 5 und Marc. 14, 55-61. Aber die Hohenpriester und der ganze Rath suchten Jeugniß wider Jesum, auf daß sie ihn zum Tode bråchten; und fanden nichts. Viele gaben falsch Jeugniß wider ihn; aber ihr Zeugniß stimmte nicht überein. Und Etliche standen auf, und gaben falsch Jeugniß wider ihn, und sprachen: Wir haben geboret, daß er sagte: Ich will den Tempel, der mit Sånden gemacht ist, abbrechen, und in dreien Tagen einen andern bauen, der nicht mit Sånden gemacht sei. Aber ihr Jeugniß stimmete noch nicht überein. Und der Sohepriefter stand 15 226 auf unter sie, und fragte Jefum, und sprach: Antwortest du nichts zu dem, was diese wider dich zeugen? Er aber schwieg stille and antwortete nichts. 8 find lauter Tiefen in dem Leiden Christi Tiefen der menschlichen Sünde und Tiefen der göttlichen Liebe. Jesus ist der treue Zeuge, der Mund der Wahrheit und siehe! hier stehen falsche Zeugen wider Ihn auf. Das müssen ja falsche Zeugen sein; denn mit Grund kann keine Creatur den anklagen, der ohne Sünde ist, und in dessen Munde nie ein Betrug erfunden ist. Ist das nicht köstlich an dem Heilande, daß alle Seine Worte und Werke lauter Wahrheit und Heiligkeit sind? Was gegen Ihn aufsteht, ist falsches Zeugniß. Kein Wunder, daß die Zeugnisse nicht übereinstimmen; denn sie sind eben falsch, und zwar so falsch, daß sie nicht in einem Einzigen übereinstimmen. Nicht hat der Herr gesagt: Ich will den Tempel abbrechen, sondern Er sprach: brechet diesen Tempel ab. Ohnedem redete Er von dem Tempel Seines Leibes, den die Juden zerstören würden, Joh. 2, 19. So wird die heilige Schrift noch immer verdreht, wie hier. Hier hast du einen Sündenspiegel. Der Hohepriester und der ganze Rath zeigen mit ihren Lügengespinnsten unsere Sünde an, die Bitterkeit und lügenhafte Bosheit unserer Zunge, wenn sie von der Hölle entzündet ist. Die Sünden der falschen Zunge und der Lüge hat der Heiland bitter empfinden müssen. Hier hast du einen Gnadenspiegel. Gegen dich stehen keine falschen Zeugen, sondern wahrhaftige Zeugen. Das Gewissen schuldigt dich; Tag und Nacht haben deine Missethat wohl gesehen. Das göttliche Gesetz in Seiner unauflöslichen Zehnzahl ist ein lauter Ankläger. Und es giebt einen Richter, der da recht richtet bis auf das unnütze Wort, und will keinen Heller unbezahlt laffen. Willst du die Miffethat leugnen, so gelingt es dir nicht; sie bleibt auf deinem Gewissen liegen und klagt dich vor Gott an. Du mußt also entweder deine Missethat selbst tragen oder deine Sünde bekennen und mit allen armen Sündern Jesum anbeten, der dich so theuer erkauft und für dich bezahlt hat, was Er nicht schuldig war. Es ist aber auch ein Lebensspiegel. Bist du schuldig, so entschuldige dich nicht, wie Adam that nach dem Sündenfalle. Bist du unschuldig und leidest falsche Auflage, erzürne dich nicht. Lügen bleiben Lügen. Wer in's Feuer bläst, macht's mur größer. Jesus schwieg stille. Das war die beste Antwort. Ach, wir müssen von Jesu lernen, sowohl zu reden, als zu schweigen. Laß falsche Zeugen nur laufen; Gott läßt sie nicht ungestraft. Du aber sollst Jefu folgen und Gott dein Leben und deine Ehre befehlen. 11 - Gebet. Herr Jesu Christe, der Du von den Juden viel Lästerung, Schmach, Schande und falsch Zeugniß haft wollen erdulden: hilf mir, daß ich Niemand schmähe, lästere oder übel nachrede, und daß ich auch also lebe, damit ich Anderer Schmach, Nachrede, und Läste rung vermeide und ableite, oder aber, wenn sie daran lügen, um Deines Namens und um Deiner Wahrheit willen alles Unrecht geduldig and gütlich möge ertragen. Amen. Vater Unser. 227 Du ebles Angesichte, Davor sonst schrickt und scheut Das große Weltgewichte, Wie bist Du so bespeit! Wie bist Du so erbleichet; Wer hat Dein Augenlicht, Dem sonst kein Licht nicht gleichet, So schändlich zugericht? Dienstag nach Lätare. Mel.: Ach Herr, mich armen Sünder. - Die Farbe Deiner Wangen, Der rothen Lippen Pracht Ist hin und ganz vergangen; Des blaffen Todes Macht Hat Alles hingenommen, Hat Alles hingerafft, Und daher bist Du kommen Von Deines Leibes Kraft. ( Vers 2 und 3 aus: O Haupt voll Blut und Wunden.) Matth. 26, 63-68. Der Sohepriester sprach zu ihm: Ich beschwöre dich bei dem lebendigen Gott, daß du uns sageft, ob du seieft Chriftus, der Sohn Gottes. Jesus sprach zu ihm: Du sageft es. Doch sage ich euch: Von nun an wird es geschehen, daß ihr sehen werdet des Menschen Sohn fitzen zur Rechten der Kraft, und kommen in den Wolken des Simmels. Da zerriß der Hohepriester seine Kleider, und sprach: Er bat Gott gelåstert; was bedürfen wir weiter Jeugniß. Siehe, jetzt habt ihr seine Gotteslåfterung geboret. Was dunkt euch? Sie antworteten, und sprachen: Er ist des Todes schuldig. Da speieten sie aus in sein Angesicht, und schlugen ihn mit Sauften. Etliche aber schlugen ihn in's Angesicht, und sprachen: Weisfage uns, Christe, wer ist es, der dich schlug? Die Gottessohnschaft Christi und Seine Messiasherrlichkeit hat der Satan gleich nach der Taufe Christi in der Versuchung angegriffen. Hier am Ausgange des Lebens Jesu wird sie noch einmal hart in Frage gestellt. Dieser arme, gebundene Heiland soll der Sohn des lebendigen Gottes sein? Der Hohepriester versteht darin das Rechte, daß er den Sohn Gottes für Gott gleich und für das Ebenbild Gottes hält und seine Frage, ob Jesus Gottes Sohn sei, heißt nichts anderes, als ob Er wahrer Gott sei. Joh. 5, 18. 3st Christus wahrer Gott? Wind und Wasser, die dem Befehle Christi gehorchen, könnten wohl Antwort geben; arme Sünder, denen Jesus als wahrer Gott die Sünde vergeben hat, wissen es wohl, die Erde, die den Leichnam Lazari herausgab, hat's erfahren. Aber das ist die Frage. 15* 228 hier antwortet der Herr Selber: Ja, Du sagst es. Und ob Er als Menschensohn dasteht in tiefster Verachtung, so ist Er es doch denn Gott und die Menschheit sind in einem vereint. ,, Von nun an" sah man es wohl- die Wunder, die bei der Kreuzigung geschahen, die Ausgießung des heiligen Geistes, haben's bewiesen, der jüngste Tag wird's beweisen. Was denn nun? Entweder oder. Entweder niederfallen vor Jesu und Ihm die Füße küssen und Ihn anbeten, oder Ihn lästern und verspotten. Eine andere Wahl hat Niemand. Der Hohepriester, da er das Eine nicht will, muß das Andere, und muß mit vieler Heuchelei sein Kleid zerreißen und Christum für einen Gotteslästerer ausrufen. Und siehe, da speieten sie aus in Sein Angesicht und schlugen Ihn mit Fäusten. Etliche schlugen Ihn in's Angesicht und sprachen: Christe, weissage uns, wer ist es, der Dich schlug? Du edles Angesichte, wie bist Du so bespeit! Sie behandeln den Herrn der Herrlichkeit wie einen blinden Mann und thun, als ob Seine Heiligkeit und Macht, Seine hohe Ehre und Klarheit nichts wären. Das sind meine Sünden, o Jesu, die Dich schlagen. Gieb wahre Buße, daß wir alle unsere Sünde und Missethat als Lästerung Gottes erkennen. Aber noch Eins gebe der Herr uns armen Sündern! Nämlich reiche Gnade, daß wir den ewigen Sohn Gottes von Herzen aufnehmen sowohl als den einigen Propheten, der in Allem die Wahrheit lehrt, als den rechten Hohenpriester, der für alle unsere Sünden bas Lösegeld bringt, als den allertheuersten König, des eigen ich sein will mit Leib und Seele und allen Kräften. Du bist Christus, der Sohn des Hochgelobten laß meine Seele leben in Deinem Worte. - Gebet. Herr Jesu Christe, Du ewiger Glanz der göttlichen Herrlichkeit und Ebenbild des väterlichen Wesens, der Du Dein allerheiligstes Angesicht, in welches die Engel begehren zu schauen, so übel haft zurichten lassen, wir bitten Dich, laß Dein lieblich, tröstlich Angesicht in unsern Seelen mit dem Schmutz der Sünden nicht bedeckt sein. Herr, wir armen Sünder loben und preisen Dein unbegreifliches Versöhnungsleiden und bitten Dich, nimm alle Decken der Unwissenheit von unsern Herzen, damit wir herzlich an Dich glauben, brünstig Dich lieben und uns durch keine Widerwärtigkeit von Dir abe treiben laffen. Amen. Bater Unser. 229 Mittwoch nach Lätare. Mel.: Wer nur ben lieben Gott läßt walten. Was hinkst du denn auf beiden Seiten, Im Fall du Christum willst behalten, So halt Ihn einig und allein. Die ganze Welt soll dir erkalten Und nichts als lauter Greuel sein. Dein Fleisch muß sterben, eh die Noth Der Sterblichkeit dir bringt den Tod. ( Vers 2 und 3 aus: Die Liebe leidet nicht Gefellen.) O Seel? Ist Gott der Herr dein Schatz, Was haben denn die Eitelkeiten Für einen Anspruch, Theil und Platz? Soll Er dich nennen Seine Braut, Kannst du nicht Andern sein vertraut. Matth. 27, 3-10. Da das Judas sabe, der ihn verrathen hatte, daß er verdammet war zum Tode; gereuete es ihn, und brachte wieder die dreißig Silberlinge den Sobenpriestern und Aelteffen, und sprach: Ich babe übel gethan, daß ich unschuldig Blut verrathen babe. Sie sprachen: Was gehet uns das an? Da siehe du zu. Und er warf die Silberlinge in den Tempel, hob sich davon, ging bin, und erhenkte sich selbst. Aber die Hohenpriester nahmen die Silberlinge, und sprachen: Es taugt nicht, daß wir sie in den Gotteskaften legen; denn es ist Blutgeld. Sie hielten aber einen Rath, und kauften einen Töpfers- Acker darum, zum Begräbniß der Pilger. Daher ist derselbige Acker ge nannt der Blutader, bis auf den heutigen Tag. Da ist erfüllet, das gesagt ist durch den Propheten Jeremias, da er spricht: Sie haben genommen dreißig Silberlinge, damit bezablet ward der Verkaufte. welchen sie kauften von den Kindern Israel; und haben sie gegeben um einen Topfers- Acker, als mir der Herr befohlen hat. Judas ist eine bedeutungsvolle Person in dem Leiden Christi und Vorläufer aller christusfeindlichen Getauften. Die Sünde ist der Leute Verderben sagt der Heilige Geist. Aber Wenige glauben es, Judas glaubte es nicht, bis ihm die furchtbare Wahrheit dieses Wortes über Leib und Seele hereinbrach. Der Strick, an dem er sich erhenkt hat, ist der furchtbare Ausgang dieses zum Apostelamt berufenen Judas, der, weil er nicht völlig ein Eigenthum Gottes sein wollte, ganz der Hölle zufallen mußte durch die Sünde. Die Sünde, wenn keine gründliche Buße eintritt, entwickelt sich durch Geiz, Weltliebe, Heuchelei, Angst und Berzweiflung bis zu der reifen Frucht. Zwar thut Judas Buße, giebt das Geld zurück, es gereuet ihn seine That, er legt ein Bekenntniß ab- das ist mehr, als bei Vielen sich findet. Aber es fehlt ihm die tiefe, stille Demüthigung vor Gott, das herzliche Vertrauen zur Barmherzigkeit Gottes, und in Verzweiflung macht er seinem Leben ein Ende. So ist und bleibt die Sünde des Menschen Verderben und ist es um so sicherer, je bringender ein Mensch von Gott auf seinen Wegen gewarnt ist, je mehr er die ihm nahe 230 kommenden Drohungen Gottes mißachtet. Wahre Buße in herzlicher Erkenntniß und aufrichtigem Bekenntniß der Sünde verknüpft mit inniger, beständiger Hinwendung zu dem lebendigen Gott, bei dem viel Vergebung ist, zieht allein die Füße aus dem gefährlichen Netze. Darum. läßt uns der treue Gott auch auf so mannigfache Art in Seinem Wort durch Beispiel und Lehre hierzu auffordern. Judas allein ist eine laute Bußpredigt, davon man sagen mag: Wer Ohren hat zu hören, der höre! Buße, aufrichtige Sündenerkenntniß das lehrt uns dieses Gotteswort noch einmal an dem Beispiel der Hohenpriester und Schriftgelehrten. Siehst du die schreckliche Heuchelei? Jesum verurtheilen, den Sohn Gottes für einen Gotteslästerer erklären, Judas zum Argen verführen, falsche Zeugen bestellen- das dünkt ihnen ein Geringes; aber das Blutgeld in den Gotteskasten legen, oder in das Richthaus des Pilatus gehen das heißen sie unerlaubt. Abermal, zu einem verzweifelnden Menschen sagen: was geht's uns an? ist ihnen ein Kleines; aber auf billige Weise, nämlich für dreißig Silberlinge, ein frommes Werk thun- das ist ihnen sehr angenehm. O lieber Christ; spiegele dich und bitte Gott um ein aufrichtiges Herz, aufrichtig vor Gott, aufrichtig vor dir selbst, aufrichtig vor dem Nächsten. Schlicht und recht, das behüte mich, Herr; denn ich harre Dein. Gebet. Barmherziger Gott, ich habe leider oft Deine Heiligen Gebote überschritten und Dich hart beleidigt, daher mein Gewissen sehr. beschwert ist; so ist, obwohl Dein heiliges Wort Vergebung der Sünden mir zusagt, mein Glaube schwach und der Teufel stark, der mir gern allen Trost stehlen will. Deshalb rufe ich zu Dir, mein Gott, laß mich an Deiner Gnade nimmermehr verzagen, daß ich nicht in Verzweiflung falle. O Christe, Gottes Sohn, Du lebendiger Brunnen aller Gnaden, der Du mit eitel Quellen der Barmherzigkeit überfließest, zu Dir rufe ich: mehre in mir den Glauben an Dein bitter Leiden und Sterben, denn es ist gewißlich wahr, daß ein einziges Tröpflein Deines Blutes für mich vergossen, viel kräftiger und mächtiger ist, als alle meine Sünde. Amen. Vater Unser. - 1 124 231 Donnerstag nach Lätare. Mel.: O Gott, Du frommer Gott. Du wesentliches Wort, Von Anfang her gewesen! Du Gott, von Gott gezeugt! Von Ewigkeit erlesen Zum Heil der ganzen Welt, mein Herr Jesu Christ: Willkommen, der Du mir Zum Heil geboren bist! Gieb, daß ich Dir zum Dienst Mein ganzes Herz ergebe, Auch Dir allein zum Preis Auf dieser Erde lebe: Ja, Jesu, laß mein Herz Ganz neu geschaffen sein Und Dir bis in den Tod Gewidmet sein allein. ( Vers 1 und 6 aus: Du wesentliches Wort.) Joh. 18, 28-38. Da führeten sie Jesum von Kaiphas vor das Richthaus. Und es war früh. Und sie gingen nicht in das Richthaus, auf daß sie nicht unrein würden, sondern Oftern effen möchten. Da ging Pilatus zu ihnen heraus, und sprach: Was bringet ihr für Klage wider diesen Menschen? Sie antworteten und sprachen zu ihm: wäre dieser nicht ein Lebelthåter, wir hatten dir ihn nicht überantwortet. Da sprach Pilatus zu ihnen: So nehmet ihr ihn hin, und richtet ihn nach eurem Geses. Da sprachen die Juden zu ihm: Wir dürfen Tiemand todten.( Auf daß erfüllet würde das Wort Jesu, welches er sagte, da er deutete, welches Todes er sterben würde.) Da ging Pilatus wieder hinein in das Richthaus, und rief Jesum, und sprach zu ihm: Bist du der Juden König? Jesus antwortete: Redeft du das von dir selbst? Oder haben es dir Andere von mir gesagt? Pilatus antwortete: Bin ich ein Jude? Dein Volk und die Hohenpriester haben dich mir überantwortet. Was hast du getban? Jesus antwortete: Mein Reich ist nicht von dieser Welt. Wåre mein Reich von dieser Welt, meine Diener würden darob fampfen, daß ich den Juden nicht überantwortet würde; aber nun ist mein Reich nicht von dannen. Da ſprach Pilatus zu ihm: So bist Du dennoch ein König? Jesus antwortete: Du sagst es, ich bin ein König. Ich bin dazu geboren, und in die Welt gekommen, daß ich die Wahrheit zeugen soll. Wer aus der Wahrheit ist, der höret meine Stimme. Spricht Pilatus zu ihm: Was ist wahrheit? Und da er das gesagt, ging er wieder hinaus zu den Juden, und sprach zu ihnen: Ich finde keine Schuld an ihm. Jesus heißt ein Uebelthäter. D Lüge, die Lüge bleibt, ob auch die Vornehmsten, nämlich Hohepriester und Schriftgelehrte, fie aussprechen. Ein Wohlthäter ist der Heiland, nicht einer unter vielen, sondern der Wohlthäter. Man frage alle die Ausfäßigen, Blinden, Kranken und Armen, denen Er wohlgethan hat. Aber weil Adam der Lüge geglaubt hat, und durch Lüge und Hoffart zu Falle gekommen ist, und weil wir Adamskinder sind, die der Lüge verfallen sind, als wären wir etwas, so wir doch nichts sind, darum muß Jesus, 232 der Stiller alles Haders, das unschuldige Lamm Gottes, dastehen und wie ein Uebelthäter sich anklagen lassen. Darum spricht Er mit großer Ursache: Du hast mir Arbeit gemacht in deinen Sünden und Mühe in deinen Missethaten. Und weil Jesus solch ein unbegreiflicher Wohlthäter ist, der fremde Schuld bezahlt und Seinen Segen den Verlornen zuwendet, darum ist Er der rechte König der armen Sünder. Nicht ein König von dieser Welt, der unsere zeitliche Lage ein wenig bessert, sondern der König, der in dieser Welt ein Reich der Wahrheit hat. Der heilige Geist im Worte Gottes beruft und sammelt zu dent Reiche Christe unter Christi gnadenreiches Regiment. Das ist die Wahrheit, daß wir verlorene und verdammte Sünder sind und haben keine Ruhe zeitlich und ewiglich; das ist die Wahrheit, daß Gott uns einen König gegeben hat, Seinen lieben Sohn, an welchem wir haben die Erlösung durch Sein Blut, nämlich die Vergebung der Sünden; das ist die Wahrheit, daß dieser König Jesus uns allein Reichthum giebt, nämlich Gnade bei Gott und Frieden, und daß kein Stück unseres Herzens und kein Glied des Leibes einem Andern gehören soll als diesem einigen, ewigen, großen und sanftmüthigen Könige. Will Pilatus sprechen: Was ist Wahrheit? so mag er seine Sünde tragen; wir wissen, daß Jesus Christus die Wahrheit Selber ist und daß alle Seine Worte wie geläutertes Silber sind. Will Pilatus sagen: ich finde keine Schuld an Ihm, so ist uns das viel zu lahm und zu wenig; wir sagen mit Jakob: Herr, ich lasse Dich nicht, Du segneſt mich denn; und mit David: Herzlich lieb habe ich Dich, Herr, meine Stärke, Herr, mein Fels, meine Burg, mein Erretter, mein Gott, mein Hort. Pf. 18. Und daß dieser König ein Spott der Leute ist und eine Krone von Dornen und Seinen Thron am Fluchholze hat, das wendet unsere Seelen nicht von Ihm, sondern zu Ihm, und wir müssen sagen, loben und preisen: eben der, der am Kreuz ist meine Liebe. Diese Wahrheiten sind lauter Schätze und die Wahrheit macht frei, zu dienen den lebendigen Gott. Gebet. Herr Jesu Christe, der Du bist der einzige Fürst Himmels und der Erden, ein König aller Könige und ein Herr aller Herren, und hast unter Pontio Pilato ein gutes Bekenntniß bezeuget, daß nämlich Dein Reich nicht von dieser Welt ist: ich bitte Dich demüthiglich, weil ich aus mir selbst nichts vermag, hilf Du, daß ich nicht von dieser Welt sei, noch den vergänglichen Dingen mit dem Herzen anhange, wie Du denn auch nicht von dieser Welt gewesen bist. Ach gieb mir, daß ich nicht Acht habe auf die irdischen Dinge, die man siehet, sondern allein auf die himmlischen, die man nicht siehet. Und laß mich Deine Stimme alle Wege hören in meinem Herzen, auch durch Deinen Beistand in der Wahrheit treulich verharren. Amen. Vater Unser. 233 Freitag nach Lätare. Mel.: Jesu, meines Lebens Leben. Du, ach Du haft ausgestanden, Lästerreden, Spott und Hohn, Speichel, Schläge, Strick und Banden, Du gerechter Gottessohn, Nur mich Armen zu erretten Von des Teufels Sündenketten. Tausend, tausendmal sei Dir, Liebster Jesu, Dank dafür! Man hat Dich sehr hart verhöhnet, Dich mit großem Schimpf belegt Und mit Dornen gar gefrönet. Was hat Dich dazu bewegt? Daß Du möchtest mich ergößen, Mir die Ehrenfron' aufsetzen. Tausend, tausendmal sei Dir, Liebster Jesu, Dank dafür! ( Vers 2 und 4 aus: Jesu, meines Lebens Leben.) Luc. 23, 4-12. Pilatus sprach zu den Sobenpriestern und zum Volk: Ich finde keine Ursach an diesem Menschen. Sie aber hielten an, und sprachen: Er hat das Volk erreget, damit, daß er gelebret bat hin und her im ganzen jüdischen Lande, und hat in Galiläa angefangen, bis hierher. Da aber Pilatus Galilåa hörete, fragte er, ob er aus Galilåa wäre. Und als er vernahm, daß er unter Herodis Obrigkeit gehörete; über. fandte er ihn zu Herodes, welcher in denselbigen Tagen auch zu Jerusalem war. Da aber Herodes Jesum sabe, ward er sehr froh, denn er båtte ihn långft gerne geseben; denn er batte viel von ihm gehöret, und hoffte, er würde ein Zeichen von ihm sehen. Und er fragte ihn mancherlei; Er antwortete ihm aber nichts. Die Hohens priester aber und Schriftgelehrten standen und verklagten ihn hart. Aber Herodes mit seinem Hofgesinde verachtete und verspottete ihn, legte ihm ein weißes Kleid an, und sandte ihn wieder zu Pilato. Auf den Tag wurden Pilatus und Herodes Freunde mit einander; denn zuvor waren sie einander feind. Welch ein Sündenknänel in dieser Geschichte! Pilatus will sich durch Freigebung die Hohenpriester nicht zu Feinden machen, Herodes zum Freunde gewinnen und Jesu nicht gerade Gewalt anthun. Der Heiland aber muß über Sich schalten lassen, wie man eine Waare kauft und verkauft. Und nun gar Herodes! Was Herodes den Herrn gefragt hat, hat Gott gar nicht in die Bibel schreiben lassen. Es ist wohl zu schredlich gewesen. Denn was quillt nicht Alles aus einem schmutzigen Herzen? Herodes denkt, in Jesu einen Sonderling vor sich zu haben, einen Gaufler und Verführer, der dem Volke etwas für die neugierigen Augen giebt. Ja, er behandelt Ihn als einen Narren, dem er spottweise ein weißes Kleid, die Tracht derjenigen, die sich um ein Amt bewerben, anthut. O, lieber Christ, was ſagst du dazu? Stände es nicht in der Bibel, wer sollte solche Erniedrigung Gottes für möglich halten? Siehst du wohl die Sündentiefen unseres Herzens, das Gott für einen Spott achtet, und statt 1 234 niederzufallen und stündlich in der Furcht Gottes zu leben, der ruchlosen Art Pilati und der noch ruchloseren des Herodes nicht fremd ist? Nun sieh, Herodes war sehr froh, da er Jesum sahe; denn er hätte Ihn längst gerne gesehen. O, lerne dich des Anblickes Jesu Herzlich freuen, wie Abraham that; jetzt sich Ihn in Seinem tröstlichen Stillefchweigen, denn dieses Stilleschweigen redet für dich bei Gott, den du in dieses Jesu Namen Vater, versöhnter Gott, nennen darfst. Sieh Ihn in dem weißen Kleide, worin Er spottweise wandelt, damit dir ein Kleid bereitet würde, darin du vor Gott stehen magst. O Herr, laß mich Deine Herrlichkeit sehen; Herr, hilf mir, daß meine Seele Dich lobt, so lange ich hier bin, und Deinem Namen lobsingt, so lang ich lebe. Diesen Jesum will ich lieben und loben, diesem Lamme, das meine Sünde trägt, will ich trauen und nicht zweifeln, ich sei durch Christum Gott angenehm gemacht. Gebet. Herr Jesu Christe, Du ewige Weisheit des himmlischen Vaters, der Du von Herodes und seinem Gesinde hast wollen verschmähet und verspottet werden: mach mich durch Deine Gnade also stark, daß ich lieber mit Dir verachtet, denn mit der unreinen, bösen Welt in üppiger Herrlichkeit hoch geehret sein wolle; daß ich Deine Schmach für größeren Reichthum achte, denn aller Welt Ehre, daß ich auch mit Verschmähung der weltlichen Weisheit, die doch vor Gott eine lantere Thorheit ist, zu Dir, dem Brunn der Weisheit, kommen möge. Amen. Vater Unser. ROTAL Site Sonnabend nach Lätare. Mel.: Erhalt' uns, Herr, bei Deinem Wort. Wir danken Dir, Herr Jesu Chrift! hiss Daß Du für uns gestorben bist Und hast uns durch Dein theures Blut Gemacht vor Gott gerecht und gut. Wir bitten Dich, wahr'r Mensch und Gott, Durch Dein heilig fünf Wunden roth; Erlös uns vom ewigen Tod Und tröst uns in der letzten Noth. ( Vers 1 und 2 aus: Wir danken Dir, Herr Jefu Chrift.) Hebr. 9, 11-15. Chriftus aber ist gekommen, daß er sei ein oherpriester der zukünftigen Güter, durch eine größere und vollkommnere Sütte, die nicht mit der Hand gemacht ist, das ist, die nicht also gebauet ift; auch nicht durch der Böcke oder Kålber Blut, sondern er ift durch sein eigen Blut in Mal in das Heilige eingegangen, und hat eine ewige Erlösung erfunden. Denn, so der Ochsen und der Bocke Blut, und die Asche von der Ruh gesprenget, heiliget die Unreinen zu der leib 235 lichen Reinigkeit: wie viel mehr wird das Blut Chrifti, der sich selbfi ohne allen Wandel durch den heiligen Geift Gott geopfert hat, unser Gewiffen reinigen von den todten Werken, zu dienen dem lebendigen Gott! Und darum ist er auch ein Mittler des neuen Testaments, auf daß durch den Tod, so gescheben ift zur Erlösung von den Lebertretungen, die unter dem ersten Testament waren, die, so berufen sind, das verheißene ewige Erbe empfangen. An An den Wassern zu Babel saßen wir und weinten, wenn wir ar 3ion gedachten. Unsere Harfen hingen wir an die Weiden, die darinnen sind"( Pf. 137, 1. 2.). Kein Wunder, daß die Gefangenen Zions so weinten; denn Babel war kein Zion; da war kein Tempel, waren feine schönen Gottesdienste des Herrn; wohin sie blickten, nur Heiden, und der Heiden Spott und Gewalt. Noch mehr aus der Tiefe kommt die Klage aus einem Herzen, das da sitzt in geistlicher Gefangenschaft, und hat auch keinen Erlöser, keinen Tröster und Stiller alles Haders. Da seufzt die Creatur, das gedrückte und gebundene Gewissen: Ach, daß die Hülfe aus Zion käme, und der Herr Sein gefangen Volk erlösete! Wie der Hirsch schreiet nach frischem Wasser, so schreiet meine Seele, Gott, zu Dir. Wann werde ich dahin kommen, daß ich Gottes Angesicht schaue? Kennst du diese Noth? Glaubst du, daß vor Gott, der Augen hat wie Feuerflammen, und den Rath der Herzen offenbaren wird, nichts gilt, denn Sein eigen Bild? Spürst du bei der Willigkeit des Geistes die Schwachheit des Fleisches, ja das doppelte Gesetz in deinen Gliedern mit Paulus: das Gute, das ich will, das thue ich nicht; das Böse aber, das ich nicht will, das thue ich? Da kommen leidige Tröster, und sagen: Gott ist barmherzig; wenn du Reue hast, so giebt es Vergebung der Schuld. Sc wichtig, ja so unerläßlich die rechte Reue und Traurigkeit ist, die Neue allein, sie heilt den Schaden nimmer. Tritt hin, wenn du gestohler: hast, vor den Richter, und sage mit heißen Thränen im Auge: Es ist mir leid, von Herzen leid, daß ich's gethan; kannst du auf Vergebung hoffen, wo Gerechtigkeit walten muß? Ein anderer sagt, bitte Gott, flehe und bete, Er vergiebt. Aber, wie, wenn dem Soldaten im Kriege der Fuß zerschmettert wird durch's Gebet bekommt er keinen Fuß wieder; wenn der ungerathene Sohn die grauen Haare seines Vaters mit Herzeleid in die Grube gebracht, er kann seinen Vater durch Gebet nicht erwecken, und wollte er ihn mit Fingern aus der Erde kratzen. Das Gebet allein thut's nicht. Ein dritter sagt: du mußt nicht mehr fündigen, mußt dich bessern. Sind denn die alten Schulden bezahlt, wenn du auch keine neuen mehr machteſt? Auch deine Besserung nimmt die Schuld, die Knechtschaft nicht hinweg. Da fragst du: Ich elender Mensch, wer soll mich denn erlösen von dem Leibe dieses Todes? Wohlan, nimm die Harfen von den Weiden: Es giebt eine Erlösung; es giebt eine Vergebung aller Sün den: Gott sei Dank, der uns den Sieg gegeben hat durch unsern Herrn Jesum Christum. Die vorgelesene Epistel beweist das, die Geschichte bezeugt es, und die erlöseten Seelen besingen es vor dem Stuhle des Lammes in alle Ewigkeit. Das Blut Christi, des ewigen Hohenpriesters nach der Ordnung Melchisedecks, thut dies Wunder. Es ist ein heiliges" Blut, denn der geopfert ist, ist ohne Schuld Er ist deinet- und meinetwegen gestorben; durch Seine Wunden sind wir geheilet; es ist ein ,, theures" Blut, denn es ist das Blut des Eingebornen vom Bater, voller Gnade und Wahrheit, und alles, was Er gethan, gilt in Ewigkeit. Er hat eine ewige Erlösung erfunden; und Sein Blut schreiet beffer, denn Abels Blut; in diesem Blute iſt auch das Leben und die Gotteskraft, zu reinigen dein Gewissen von den todter: Werken, zu dienen dem lebendigen Gott. Darum rühm' alle Wunder, die Er thut; doch über alles rühm' Sein Blut. 1 236 Gebet. Herr Jesu, Du unschuldiges Lamm, das die Sünden der Welt getragen und gebüßt hat, wir danken Dir, so viel wir vermögen, für Dein bitteres Leiden und Sterben. Verleihe uns, daß wir mit wahrem Glauben Dich ansehen und die reinigende Kraft Deines Blutes erfahren und also mit reinem Gewissen Dir dienen mögen. Erhöre uns um Deines hülfreichen Namens willen. Amen. Vater Unser. Sonntag Judica. Mel.: Alles ist an Gottes Segen. Gott ist Herr; der Herr ist Einer Und demselben gleichet Reiner; Nur der Sohn ist Ihm ganz gleich. Deffen Stuhl ist unumstößlich, Dessen Leben unauflöslich, Dessen Reich ein ewig Reich. Nur in Ihm, o Wundergaben, Können wir Erlösung haben, Die Erlösung durch ein Blut. Hört's! Das Leben ist erschienen, Und ein ewiges Verfühnen Kommt in Jesu uns zu gut. ( Vers 5 und 7 aus: Jesus Christus herrscht als König.) Joh. 8, 46-59. Welcher unter euch kann mich einer Sünde zeiben? So ich euch aber die Wahrheit sage, warum glaubet ihr mir nicht? Wer von Gott ist, der böret Gottes Wort: darum böret ihr nicht, denn ihr seid nicht von Gott. Da antworteten die Juden, und sprachen zu ihm: Sagen wir nicht recht, daß Du ein Samariter bist, und haft den Teufel? Jesus antwortete: Ich habe keinen Teufel; sondern ich ehre meinen Vater, und ihr unebret mich. Ich suche nicht meine Ebre; es ist aber einer, der fie suchet und richtet. wahrlich, wahrlich, ich sage euch: So Jemand mein Wort wird halten, der wird den Tod nicht seben 237 ewiglich. Da sprachen die Juden zu ihm: un erkennen wir, daß du den Teufel baft. Abraham ift gestorben, und die Propheten, und Du sprichft: So Jemand mein Wort hålt, der wird den Tod nicht schmecken ewiglich. Bist du mehr denn unser Vater Abraham, welcher gestorben ist? Und die Propheten sind gestorben. Was machst Du aus dir selbst? Jesus antwortete: So Ich mich selbst ehre, so ift meine Ehre nichts. Es ist aber mein Dater, der mich ehret, welchen ihr sprechet, er sei euer Gott; und Kennet ihn nicht. Ich aber kenne ihn; und so ich würde sagen: Ich kenne ihn nicht, so würde ich ein Lügner, gleichwie ihr seid. Aber ich kenne ihn, und balte sein Wort. Abraham, euer Vater, ward froh, daß er meinen Tag seben sollte; und er sabe ihn, und freuete sich. Da sprachen die Juden zu ihm: Du bist noch nicht funfzig Jahre alt, und haft Abraham gesehen? Jesus sprach zu ihnen: Wahrlich, wahrlich ich sage euch: Ehe denn Abraham ward, bin Jch. Da boben sie Steine auf, daß sie auf ihn würfen. Aber Jesus verbarg sich, und ging zum Tempel hinaus, mitten durch fie binstreichend. Niemant Ciemand kann Jesum einer Sünde, noch irgend welcher Gemeinschaft mit der Sünde zeihen. Es giebt keine Sünde in unserm Leben und in unserm Herzen, welche der Herr nicht aufdeckte und strafte. Der Herr ist rein, herrlich und von aller Sünde und Irrthum abgesondert. So findet man bei Ihm gar keine Enttäuschung: je näher, je herrlicher ist Er. Er sagt die Wahrheit, alle Seine Worte Haben Eideskraft. Anders kann es nicht sein; so erfordert es die Ehre Christi, welche Gott Ihm beilegt. Und diese Ehre Chrifti ist feine creatürliche, sondern göttliche. Der Vater giebt dem Sohne die Ehre, die Er Selber hat, weil sie dem Sohne zukommt, der mit dem Vater wesensgleich ist. Christus ist Gott. Alle andere Ehre ist für Ihn zu geringe. Und weil Er der Sohn Gottes ist, der Sich mit unserer Menschheit verbunden hat, so ehrt Er Gott auf das Vollkommenste. Alle Worte und Werke Christi befördern die Ehre Gottes. O Herz, vor diesen Heiland, dem Niemand gleich ist, bist du gestellt? Was willst du mun? Eins muß sein- Ihn verwerfen oder annehmen. Im Herzen wohnt der Widerspruch gegen Gott. Sich' doch, welch einen Widerspruch der Herr leidet! Man heißt Ihn einen Ketzer, man sagt, Er habe den Teufel; fragt, was machst Du aus Dir Selbst; hebt Steine auf; glaubt Ihm nicht. Es ist nichts an Jesu, dem nicht das menschliche Herz zu widerstreiten wagt. Und hätte Einer weiter keine Sünde, als daß er nicht glaubt dem Worte Jesu, den Drohungen und Verheißungen, solche Sünde ist groß genug und die Mutter aller Untugend. Und solche Sünde wohnt im Menschen. Was willst du also thun? Heb' Steine auf und wirf sie auf dich selber, nicht auf Christum, wie die Welt noch thnt. Bitte Gott un Seinen heiligen Geist, daß du zur rechten Buße kommst und als ein 238 armer Sünder Christum sehen und ehren mögest. Ihm ist doch keiner gleich, der Gott und Mensch, König und Prophet, Hohepriester und Opfer, Lehrer und Wahrheit, Richter und Bräutigam in Einer Person ist. Solche Erkenntniß Christi ist uns nöthig; denn der Tod ist über uns gekommen, das zeitliche und ewige Elend. Aber Christi Wort in Taufe und Abendmahl und Predigt und Absolution, in welchem Worte Christus Selbst ist, bringt den Tod um; so Jemand Sein Wort wird halten, der wird den Tod nicht sehen ewiglich. Herr, ich lobe Dich und preise Dich; Dir ist Keiner gleich solche Ehre sollst Du in meinem Herzen haben. - Gebet. Herr Jesu Christe, der Du vor aller Welt gewesen bist und von Anfang geredet hast, verkündigt und geglaubt bist, den alle heiligen Väter im Geiste gesehen und sich Deiner erfreut, und in Trost und Anfechtung getröstet haben, wir bitten Dich, laß uns in Deinem Lichte allezeit wandeln und am Wort des Lebens, das aus Deinem göttlichen Herzen und Munde geflossen ist, fest und beständig bleiben, daß wir den Tod nicht sehen ewiglich, sondern mit Dir ewig leben umi Deiner Wahrheit und theuren Eides willen. Amen. Vater Unser. Montag nach Judica. Ich bin's, ich sollte büßen An Händen und an Füßen Gebunden in der Höll', Die Geißeln und die Banden Und was Du ausgestanden, Das hat verdienet meine Seel'. Mel.: Nun ruhen alle Wälder. Du nimmst auf Deinen Rücken Die Lasten, die mich drücken, de Viel schwerer als ein Stein. Du wirst ein Fluch, dagegen Verehrst Du mir den Segen; Dein Schmerzen muß mein Labsal sein. ( Vers 6 und 7 aus: O Welt, sich hier dein Leben.) Matth. 27, 15-22. Auf das Seft aber hatte der Landpfleger die Gewohnheit, dem Volk Einen Gefangenen los zu geben, welchen sie wollten. Er hatte aber zu der Zeit einen Gefangenen, einen sonderlichen vor andern, der hieß Barabbas. Und da sie versammelt waren, sprach Pilatus zu ihnen: Welchen wollt ihr, daß ich euch los gebe? Barrabbam oder Jesum, von dem gesagt wird, er sei Christus? Denn er wußte wohl, daß sie ihn aus Teid überantwortet hatten. Und da er auf dem Richtstuhl saß, schickte sein Weib zu ihm, und ließ ihm sagen: Sabe du nichts zu schaffen mit diesem Gerechten; ich habe heute viel erlitten im Traum von seinet wegen. Aber die Sobenpriester und die Uelteften überredeten das Volk, daß sie um Barabbas bitten sollten, 239 und Jesum umbråchten. Da antwortete nun der Landpfleger, und sprach zu ihnen: Welchen wollt ihr unter diesen zween, den ich euch foll los geben? Sie sprachen: Barabbam. Pilatus sprach zu ihnen: Was soll ich denn machen mit Jesu, von dem gesagt wird, er sei Chriftus? Sie sprachen alle: Laß ihn Freuzigen! Untreue schlägt den eigenen Herrn. Tödten will Pilatus Jesum nicht, aber geißeln will er Ihn lassen. Aber beim Geißeln bleibt er nicht; denn alle Sünde schreitet fort. Das ist des Pilatus schwere Missethat, daß er in einer schweren Untreue gegen seine bessere Uleberzeugung handelt. Pilatus will unter zwei Uebeln das geringere wählen, lieber Jesum geißeln lassen, als Ihn tödten; er hofft durch die Aufstellung des Herrn mit dem Mörder Barabbas sein Ziel zu erreichen. Aber da er der Ungerechtigkeit nicht völlig entsagt, geht's ihm, wie Jedem, der die kleinen Sünden und Untreuen nicht ernstlich abstellen will; er fällt in größere. Wer Sünde thut, ist der Sünde Knecht. Gelitten unter Pontio Pilato" diese Worte in unserm Glaubensbekenntnisse sind ein Weckruf an alle matten und halben Herzen, die, weil sie nimmer sich ernstlich mit Leib und Seele Gott ergeben wollen, nach einem verborgenen Gerichte Gottes die Werke des Satans befördern müssen. Es gilt hier kein halbirtes Leben. Ift Baal Gott, so wandle man ihm nach; ist der Herr Gott, so folge man Ihm. Die Märtyrer haben lieber ihr Leben gelassen, als Jesum preisgegeben und streuten dem Römischen Kaiser nicht den geforderten Weihrauch. Der Heiland will herzhafte Jünger und Nachfolger. Sie bitten, daß Pilatus ihnen Barabbam losgäbe und Jesus gekreuzigt würde. So war denn der Herr der Allerverachtetste, verachteter als ein Mörder. Welche Wahl! Pilatus selbst erschricht über diese gottlose Wahl. Und so wird noch immer gewählt. Die Hochmüthigen denken und schreien: Weg mit diesem Jesu, dem man in der Demuth nachwandeln soll. Der Haufe der Fleischesluſtigen spricht: lieber unsere Luft, als Jesus, der uns das ungöttliche Wesen verleugnen lehrt. Die Geizigen wählen den Mammon und geben den Heiland auf, der himmlische Schätze statt der irdischen suchen heißt. Aller bewußte Sündendienst ist weiter nichts, als die Wahl: gieb Barabbam los, laß Jesum kreuzigen! O Mensch, erschrick doch und bedenk, daß Barabbas ein Mörder ist und jede deiner ungöttlichen Begierden ebenfalls. Weiche Thorheit also, der Sünde dienen und Christum verwerfen. Betrachte dies Schauspiel der göttlichen Gerechtigkeit und Liebe vor dem Nichter Pilatus! Barabbas und in ihm das ganze ungerechte Menschengeschlecht wird frei gegeben, und Jesus wird als Bürge verurtheilt zum Tode. Das ist nun dein Bürge, der springt in's Todes Nachen, dich frei und los zu machen von solchem Ungeheuer. Diesen Jesum darfst du nimmer fortan fahren lassen. Deine Taufe in Seinen Tod verbindet dich stündlich, daß du die Sünde — 240 nicht herrschen läsfest in deinem sterblichen Leibe, sondern daß du dich der Sünde gestorben achtest und in Christo in einem neuen Leben wandelst, davon es heißt: Herr, wenn ich nur Dich habe. Gebet. Herr Jesu Christe, der Du bist der lebendige Stein, von den Menschen zwar verworfen, bei Gott aber auserwählt, köstlich und herrlich: verleihe mir, daß ich in Dir auferbauet, auch durch den Glauben nach Deiner Lehre fest gegründet, in solchem Glauben mit aller Dankbarkeit lebe und Dich keinem erschaffenen Dinge nachstelle, noch jemals verlasse. Amen. Vater Unser. Dienstag nach Judica. Mel.: Ach Herr, mich armen Sünder. Ich danke Dir von Herzen, O Jesu, liebster Freund, Für Deines Todes Schmerzen, Da Du's so gut gemeint. Ach gieb, daß ich mich halte Zu Dir und Deiner Treu, Und wenn ich einst erkalte, In Dir mein Ende sei. ( Vers 1 und 8 aus: D Haupt voll Blut und Wunden.) O Haupt voll Blut und Wunden, Voll Schmerz und voller Hohn! O Haupt, zum Spott gebunden Mit einer Dornenkron'! O Haupt, sonst schön gezieret Mit höchster Ehr' und Zier, Jetzt aber höchst schimpfiret; Gegrüßet seist Du mir! Matth. 27, 27-30, und Joh. 19, 4. 5. Da nahmen die Kriegsknechte des Landpflegers Jefum zu sich in das Richthaus, und sammelten über ihn die ganze Schaar; und 30gen ihn aus, und legten ihm einen Purpurmantel an; und flochten eine Dornenkrone, und setzten sie auf sein Haupt, und ein Rohr in seine rechte Sand, und beugten die Kniee vor ihm, und spotteten ihn, und sprachen: Gegrüßet seieft du, der Juden König! Und speieten ihn an, und nahmen das Rohr, und schlugen damit sein Saupt. Da ging Pilatus wieder heraus, und sprach zu ihnen: Sebet, ich führe ihn beraus zu euch, daß ihr erkennet, daß ich keine Schuld an ihm finde. Also ging Jesus heraus, und trug eine Dornenkrone und Purpurkleid. Lind er spricht zu ihnen: Sebet, welch ein Mensch! Welch ein König ist das! Selbst der ungerechte Richter Pilatus kann sich nicht enthalten, da er Jesum in dem Purpurkleide und der Dornenkrone dastehen sieht, auszurufen: sehet, welch' ein Mensch! Woher sind Ihm die Dornen gekommen? Das sind unsere Dornen, die Gott in der Wüste wachsen läßt, seitdem der Mensch, betrogen 241 durch die List der Schlange, hat ein König sein wollen, wie Gott. Welch ein Mensch! sagt Pilatus, und meine Seele antwortet: siehe, das ist das Lamm Gottes, das der Welt Sünde trägt. Gerade die Dornenkrone macht Jesum so mächtig. Nun hat Er nicht blos die Macht, daß sich die Teufel vor Ihm fürchten, sondern die unerhörte Macht, daß Er die Sünder, die unter dem schrecklichen Zorne Gottes liegen, zu Sich ziehen und sie zu dem Glauben bringen kann, daß Gott versöhnt ist und Sündern Gnade zum Leben giebt. Die Dornenkrone drückt Ihm das Blut aus, daß es über Sein Angesicht hinabläuft. Daß nur dieses Blut nicht umsonst für uns vergossen ist! Das ist es aber, wenn wir noch einem Andern dienen, der nicht unſer König ist. Seitdem Jesus für uns die Dornenkrone trägt, hat Niemand mehr einen Anspruch auf uns, auch nicht auf den kleinsten Theil unseres Herzens, als unser König. So möge unsre ganze Seele versenkt werden in den Anblick dieses dornengekrönten Heilandes. Unser Herz müsse ein Gefäß sein, darin wir im Glauben Sein Blut, das unter der Dornenkrone fließt, aufnehmen. Es thue wohl oder wehe, bringe Ehre oder Schande, unser Beschluß muß sein: Herr Jesu, Dir leb ich; Herr Jesu, Dir sterb ich. Dein bin ich todt und lebendig. - Gebet. Herr Jesu Christe, Du wahrer König der Herrlichkeit, der Du Dir hast lassen einen Purpurmantel anlegen, ein Rohr zum Spott in die Hand geben, und Deinem heiligen Haupt eine scharfe Dornenkrone eindrücken, und bist also verächtlich ein König gegrüßet worden: ich bitte Dich, dämpfe und zähme die tiefe, böse Hoffart meines Herzens und stärke meine Schwachheit, auf daß ich mich nicht schäme, mit Dir verspottet und um Deiner Wahrheit willen geschmähet und verachtet zu werden. Laß mich auch die Stiche der rechten Reue, Leid und Schmerzen für meine Sünde in meinem Herzen also fühlen, daß ich mich in wahrer Buße willig unters Kreuz begebe und hinfort alle Dornen der Widerwärtigkeit, die mein Fleisch in diesem Elende stechen, ängsten oder anfechten, gleichmüthig mit Dir, ja um und durch Dich leiden oder tragen möge, der Du unsre Dornen, unfre Schmerzen, Pein und Verschuldung williglich auf Dich genommen, daß Du uns ins himmlische Vaterland bringen und Deiner Freuden selig möchtest theilhaftig machen. Amen. Vater Unser 16 242 Mittwoch nach Judica. Mel.: Es ist gewißlich an der Zeit. Herr Jesu, Deine Angst und Pein Und Dein betrübtes Leiden Laß mir vor Augen allzeit sein, Die Sünde zu vermeiden. Laß mich an Deine große Noth Und Deinen herben bittern Tob, Dieweil ich lebe, denken. Die Wunden alle, die Du hast, Hab ich Dir helfen schlagen; Auch meine große Sündenlast Dir aufgelegt zu tragen. Ach, liebster Heiland, schone mein, Laß diese Schuld vergessen sein, Laß Gnade vor Recht gehen. ( Vers 1 und 3 aus: Herr Jesu, Deine Angst und Pein.) Mrc. 15, 20. und Luc. 23, 26-31. Und da sie ihn verspottet hatten, zogen sie ihm den Purpur aus, und zogen ihm seine eigenen Kleider an, und führeten ihn aus, daß sie ihn kreuzigten; und als sie ihn binführeten, ergriffen sie einen, Simon von Kyrene, der kam vom Selde; und legten das Kreuz auf ihn, daß er es Jefu nachtrůge. Es folgte ihm aber ein großer Saufe Volks, und Weiber, die klagten und beweineten ihn. Jesus aber wandte sich um zu ihnen, und sprach: Ihr Tochter von Jerusalem, weinet nicht über mich, sondern weinet über euch selbst und über eure Kinder. Denn siebe, es wird die Jeit kommen, in welcher man sagen wird: Selig sind die Unfruchtbaren, und die Leiber, die nicht geboren haben, und die Brüste, die nicht gesäuget haben. Dann werden sie anfangen zu sagen zu den Bergen: Sallet über uns!" und zu den Hügeln: ,, Decker uns!" Denn so man das thut am grünen Holz, was will am důrren werden? " 1 Warum müssen die Füße Chrifti diese Marterstraße gehen? Weil sie das Kreuz, das Fluchholz tragen und weil sie uns einen Weg zu Gott bereiten wollen. Dieser Weg ist uns verschlossen und unsre Füße wandeln nicht den Weg des Friedens. Nun müssen Jesu Füße, mit denen Er mur Schritte und Tritte des Heils zu den Armen und Elenden gethan hat, zuletzt noch diesen Schmerzensweg betreten, damit Gottes Wahrheit und Gnade zu un kommen können, und damit wir sehen, alle Wege Christi seien nur Liebeswege. So faffe denn Zutrauen zu Jesu; wenn dich deine Sünden in die Hölle weisen, zu Christi Füßen ist ein Platz, wo du dich bergen kannst und sicher bist. Aber, da mun einmal dieses Leben ein Jammerthal ist, in welchem es ohne Thränen nie abgeht, so siehe zu, worüber du traurig bist. Wer hier nicht weinen will, muß ewig heulen. Worüber muß man aber weinen? Nicht über Mich spricht der Herr. Sein Leiden muß vollendet werden. Und daß es vollendet ist, das ist der Trost aller zerschlagenen Herzen. Ueber sich selbst soll man weinen. Ist Christi Leidensgestalt so herzzerreißend, so ist diese Gestalt doch nur ein Bild unserer armen, schuldigen Seele. Meine Sünde und Missethat ist die wahre Ursache Seiner Schmerzen. Darüber soll ich traurig sein und weinen. Denn Eins ist mir gewiß, entweder muß ich dereinst sagen zu den Bergen: fallet über uns, und zu den Hügeln: decket uns, darum, daß ich nicht die Verdammlichkeit meiner Sünde habe herzlich erkennen wollen,- oder ich muß mich in diesem Leben vor dem Ernste Gottes fürchten, der das am grünen Holze, an Seinem lieben Sohne that und gewiß das dürre, mich elenden Menschen nicht schonen wird. Christi Leiden ist ein ganzer Trost aber nur für Trostlose; Christi Verdienst ist ausreichend aber nur für die erschrockenen Gewissen; Christi Füße sind stark genug, all deine Missethat und den Zorn Gottes wegzutragen aber nur für Solche, die in ungefärbtem Glauben und brünstiger Liebe zu diesen Füßen sitzen und umfangen, herzen und küssen der gekränkten Wunden Zahl. - - 243 - Gebet. Herr Jesu Christe, der Du die betrübten Weiber, die Dir zur Marter nachfolgten, über sich selbst hast heißen weinen, ich bitte Dich, leite mich in Deinem Wege, daß ich auch mit ihnen den Fußstapfen Deines Leidens täglich nachfolge und von ganzem Herzen alles Arge, alle Sünde hasse, so Du mit Deiner Unschuld hast bezahlen müssen, und über mich selbst, über mein böses Fleisch am allermeisten flage, weine und meine menschliche Dürftigkeit recht möge erkennen. Amen. Bater Unser. Donnerstag nach Judica. Der am Kreuz ist meine Liebe, Meine Lieb ist Jesus Christ! Weg, ihr argen Seelenbiebe, Satan, Welt und Fleischeslüft! Eure Lieb ist nicht von Gott; Eure Lieb ist gar der Tod. Der am Kreuz ist meine Liebe, Dem ich treu zu sein mich übe! Mel.: Werde munter mein Gemüthe. Der am Kreuz ist meine Liebe! Schweig, Gewissen, Niemand mahnt! Gott zeigt Seine Liebestriebe, Wenn mir von der Handschrift ahnt. Schau, wie mein Halsbürge zahlt, Gottes Blut hat sie durchmalt. Der am Krenz ist meine Liebe, Dem ich treu zu sein mich übe! ( Vers 1 und 4 aus: Der am Kreuz ist meine Liebe.) Matth. 27, 33. 34. und Joh. 19, 18-22. Und da sie an die Stätte kamen, mit Namen Golgatha, das ist verdeutschet: Schädelståtte, gaben sie ihm Effig zu trinken mit Galle vermischt; und da er es schmeckte, wollte er nicht trinken. Allda kreusigten fie ihn, und mit ihm zween Andere zu beiden Seiten, Jesum Aber mitten inne. Pilatus aber schrieb eine Uleberschrift, und setzte sie auf das Kreuz; und war geschrieben: Jesus von Nazareth, der Juden König." Diese Ueberschrift lasen viele Juden; denn die Ståtte war nahe bei der Stadt, da Jesus gekreuziget ist. Und es war ge16* 244 schrieben auf ebräische, griechische und lateinische Sprache. Da sprachen die hohenpriester der Juden zu Pilato: Schreibe nicht: ,, Der Juden König," fondern, daß Er gesagt babe: ,, Ich bin der Juden König." Pilatus antwortete: Was ich geschrieben habe, das habe ich geschrieben. Attes, auch der kleinste Zustand des Leidens Christi hat seine Wichtigkeit. An ein Kreuz, an ein dürres Holz wird der Herr gehängt, weil Adam an einem grünen Baume gesündigt hat; wie der erste Adam seine Lust suchte, so findet der zweite Adam seinen Schmerz und seine Last am Holze. Die Schwere der Sünde erfordert die nöthige Sühne, weil die Gerechtigkeit Gottes unwandelbar ist. Das bittere Leiden Christi allein deckt Adams und unser aller Missethat. Wer fortan an den Sohn Gottes glaubet, der hat das ewige Leben; wer deni Sohne nicht glaubet, der wird das Leben nicht sehen, sondern der Zorn Gottes bleibet über ihm. Joh. 3, 36. Nun wird der Name Jesus, d. i. Seligmacher, an's Kreuz geschrieben. Das ist allein der rechte Heiland, der am Kreuze hängt. Der Gekreuzigte ist derjenige, der für Sünder Heil bringt. Jesus und das Kreuz lassen sich fortan im Glauben und auch im Leben nicht mehr trennen. Es muß dabei bleiben, was Pilatus geschrieben hat, obwohl widersprochen wird. Und ob es ein Kreuz ist, an dem der Herr hängt, so ist es doch ein Königsthron. Das Kreuz Christi, des gefreuzigten Königs, hat seine wunderbare Anziehungskraft. Es ist Jesus in Seiner Heilandsherrlichkeit, ein König, der die Seelen in den Staub vor sich hinlegt, der darreicht alle Schätze der Weisheit und der Erkenntniß, der Gnade und Kraft Gottes, daß wir zu Ihm sagen: Herr, ich habe genug. Nur noch eine Bitte bleibt übrig, daß der alte Mensch, der in der heiligen Taufe in Christi Kreuz und Tod gegeben ist, mit Christo ganz ge kreuzigt bleibe, auf daß der sündliche Leib aufhöre und wir hinfort der Sünde nicht mehr dienen. Und wenn demnach Jesus und das Kreuz auch bei uns verbunden bleiben, wer will sich deß weigern? Hat bei dem Herrn das Kreuz Seinem Königthum keinen Abbruch gethan, so wird es auch bei Seinen Jüngern mitten im Krenze nicht an dem königlichen, siegenden Geiste fehlen. Und im Himmel giebt es nur Solche, die durch's Krenz Christi hineingedrungen sind. Gebet. Herr Jesu Christe, Du alleiniger Friedemacher aller Dinge im Himmel und auf Erden, der Du um unser und aller Menschen Heil an einem hohen Ort, mitten zwischen Himmel und Erde, am schmählichen Holz des Kreuzes hast wollen hangen, daß Du alles zu Dir zögest; ach lieber Herr, ich bitte Dich, Du wollest mein elendes Fleisch, das noch auf der Erden friecht und irdisch gesinnet ist, mit Dir lassen gekreuzigt sein, und weil es noch voll unreiner Begierden ist, wollest Du es, so viel immer möglich, Dir unterwerfen, auf daß ich alles, was irdisch, alles, was hienieden fleischlich und 245 Dir entgegen ist, verachte, auch nicht bewundre, nichts lieb habe, nichts hoch und weise halte, denn allein Dich, den Gekreuzigten; daß meine Liebe allein auf Dich gerichtet werde, daß ich allein Deiner begehre, allein auf Dich sehe, an Dich nur gedenke, über Dich sinne und von Dir rede, daß ich all meine Lust und Freude an Dir habe, und meine Seele in nichts, denn allein in Dir, meinem Herrn Jesu, begehre getröstet zu werden. Amen. Vater Unser. Freitag nach Judica. Mel.: Jesus, meine Zuversicht. Selig, wer ihm suchet Raum Auf den grünen Friedensmatten Bei des heilgen Kreuzes Baum Sißend unter seinem Schatten. Denn er bleibet wohl geschützt, Wenn's gleich donnert, kracht und blißt. Jesu, laß mich für und für Unter Deinem Kreuze bleiben; Laß mich keinen Feind von Dir Und aus Deinem Schatten treiben. Denn Dein Kreuz und Deine Pein Ist mein Trost und Ruh allein. ( Vers 1 und 6 aus: Selig, wer ihm suchet Raum.) Luc. 23, 34. und Joh. 19, 23. 24. Jefus aber sprach: Vater, vergieb ihnen, denn sie wissen nicht, was sie thun. Die Kriegsknechte aber, da fie Jesum gekreuziget batten, nahmen fie seine Kleider, und machten vier Theile, einem jeglichen Kriegsknecht ein Theil, dazu auch den Rod. Der Rock aber war ungenåbet, von oben an gewirket durch und durch. Da sprachen sie unter einander: ,, Laßt uns den nicht zertheilen, sondern darum loosen, weß er sein soll," auf daß erfüllet würde die Schrift, die da sagt: Sie haben meine Kleider unter sich getheilet, und haben über meinen Rod das Loos geworfen." Solches thaten die Kriegsknechte. Der Herr bittet, weil Er die rächende Hand Gottes über die Miſſethat der Welt aufhalten will. Verschlang dort die Erde die Rotte Korah, die sich wider Mose empörte, wie viel größere Strafe sollte die treffen, die Jesum kreuzigen! Jesum hassen, Jesum nicht leiden können, Jesum kreuzigen, o welche Missethat! Jesus bittet, weil sie nicht wissen, was sie thun; Er bittet, daß Gott Raum gewähret, damit man seine Sünde erkennen und in sich gehen könne. Solchen Raum haben auch wir; Gott straft nicht alsobald, sondern hat Geduld, ob wir umkehren und unsere Schuld erkennen und die Liebe Christi, die Sünden vergiebt und heilt von allen Gebrechen. Es sind Tiefen der Gottheit und Liebe Christi, welche in dieser Fürbitte sich 246 öffnen. Es sind ebenso Tiefen der wunderbarsten Gerechtigkeit und Barmherzigkeit, daß unser Herr arm und bloß am Kreuze hangen muß. Die Kriegsknechte theilen Seine Kleider. Bei Seiner Geburt findet der Herr kein weiches Kissen, in Seinem Leben hat Er nicht, wohin Er Sein Haupt legt, in Seinem Tode kein Kleid, das Seinen wunden Leib bedeckt. Das ist die Sühne für unsere Habund Weltgier; da ist mir die Wahrheit angezeigt, wie aller Welt. Macht, Ehr' und Gut vor Gott nichts gilt, nichts hilft noch thut. Damit wir ein Kleid haben, darum hängt der Herr bloß am Kreuze. Alle Lüge kann unsere Seele nicht kleiden; alle Sicherheit unseres Herzens und Herrlichkeit unseres Lebens ist wie Staub vor dem Zorne Gottes. Man kaufe sich Augensalbe, so wird man's sehen. Aber Christi Leiden und Verdienst ist das Kleid der ienst ist das Kleid der Gerechtigkeit, worin wir in der Taufe gekleidet sind, das wir in täglicher Buße waschen sollen. Roth und weiß ist dieses Kleid, roth, weil es mit dem Blute des Sohnes Gottes gefärbt ist, weiß, weil es ohne Makel ist und ein unschuldiges Leben in Gerechtigkeit und Heiligkeit mit sich bringt. Nur daß wir mit den Kleidern Christi nicht spielen, wie die Kriegsfnechte, wie man mit feiner Wahrheit spielen soll. Sondern vielmehr sollen wir Gewalt thun dem Himmelreich, den befleckten Rock des sündlichen Lebens haffen, von Herzensgrund auf unsere Taufe bauen, Gottes Wort glauben und Christum Selbst in's Herz schließen mit Glauben und Liebe. Gebet. O Herr Jesu Christe, der Du vor Deiner Kreuzigung Deiner Kleider entblößt und nackt an's Holz haft wollen geſpannt werden, auf daß Du mit Deiner höchsten Armuth, in welcher Du nicht allein geboren, leben und wandeln, sondern auch haft sterben wollen, unsere schändliche Hoffart bezahltest, und unsere geistliche Armuth reich machtest: ich bitte Dich, ziehe aus meinen vergänglichen alten Menschen und thue mich mit einem neuen an, der nach Dir geschaffen sei in Gerechtigkeit und Heiligkeit, auf daß ich alle Bürde des Gewissens und die anhangende Sünde ablege, in dem vorgesetzten Kampf zu dem ewigen Leben ungehindert laufe, daß ich Dir, meinem Herrn Jesu, dem Anfänger und Vollender unsers Glaubens, von allen Sünden frei, treulich nachfolge. Amen. istifa Vater Unser. 201 Sonnabend nach Judica. Wie soll ich Dich empfangen Und wie begegn' ich Dir? O aller Welt Verlangen! O meiner Seelen Zier! Jesu, Jesu, sebe Mir selbst die Fackel bei, Damit, was Dich ergöße, Mir fund und wissend sei. 247 Eigene Melodie. - 15 das Text Dein Zion streut. Dir Palmen Und grüne Zweige hin, Und ich will Dir in Psalmen Ermuntern meinen Sinn; Mein Herze soll Dir grünen In stetem Lob und Preis Und Deinem Namen dienen, So gut es kann und weiß. ( Vers 1 und 2 aus: Wie soll ich Dich empfangen.) Phil. 2, 5-11. Ein Jeglicher sei gesinnet, wie Jesus Christus auch war; welcher, ob er wohl in göttlicher Gestalt war, bielt er es nicht für einen Raub, Gott gleich sein; sondern entäußerte sich selbst, und nahm Knechtsgestalt an, ward gleich wie ein anderer Mensch, und an Geberden wie ein Mensch erfunden. Er erniedrigte sich selbst, und ward gehorsam bis zum Tode, ja zum Tode am Kreuz. Darum bat ihn auch Gott erhöhet, und hat ihm einen Tamen gegeben, der über alle amen ift: daß in dem Namen Jesu sich beugen sollen aller derer Kniee, die im Simmel, und auf Erden, und unter der Erde sind; und alle Jungen bekennen sollen, daß Jesus Christus der Herr sei, zur Ehre Gottes des Vaters. Dasselbe Lied, zu verschiedenen Zeiten gesungen, welch' einen andern Klang hat das doch! Wie klingt das: Wie soll ich Dich empfangen, zur heiligen Advents- und Weihnachtszeit so fröhlich und selig dem, der da wartet, wie das Kind auf den heiligen Christ! Und wie schwer, tief, ja schwermüthig erklingt es, wenn damit morgen der jährige Einzug des Lammes Gottes besungen wird in die Thore Zions! Das ,, Hosianna" und das ,, Kreuzige ihn" liegen da gar zu nahe. Und doch durch diesen Einzug, und was gleich darauf folgte, sind wir erlöst. Wem gilt das Hosianna, wem werden morgen die Palmen gestreut? Wenn der Prophet auffordert: Machet die Thore weit und die Thüren in der Welt hoch, daß der König der Ehren einziehe: und die Menge fragt: Wer ist der König der Ehren? so hat der Prophet recht geantwortet: Der Herr Zebaoth, der Herr, mächtig im Streit. Dasselbe meldet uns auch die obige Epistel. Sie lobpreiset mit Frohlocken Jesum Christum ,,, welcher in göttlicher Gestalt war." In Ihm wohnte die Fülle der Gottheit leibhaftig, und alle Dinge waren Ihm von Seinem Vater übergeben; in Ihm liegen darum auch verborgen alle Schätze der Weisheit und der Erkenntniß. Was Er darum thut, das gilt. Wohl allen, die auf Ihn 248 trauen! Der also einzieht in Jerusalem, und das Opfer vollbringt, die ewige Erlösung erfindet- es ist der Herre Zebaoth, mächtig im Streit; Gott war in Christo, und versöhnte die Welt mit Ihm selber, und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu. Es ist aber auch der wahrhaftige Mensch; der es nicht für einen Raub hielt, Sich nicht damit brüstete, und ein Schaugepränge damit trieb; sondern der Sich Selbst freiwillig entäußerte, Knechtsgestalt annahm, und an Geberden wie ein Mensch erfunden wurde. Einen solchen Heiland mußten wir haben, der nicht nur 33 Jahre lang die Gestalt des menschlichen Elends trug, sondern der alle Noth, alles Elend und Seufzen der Creatur aus eigenster Erfahrung kennen lernte, der versucht wurde allenthalben, wie wir, doch ohne Sünde, und darum ein mitleidiger Hoherpriester sein kann allen, die versucht werden- gleich Ihm. Bedenke, das ist uns eine besondere Ehre vor allen Creaturen auf der ganzen Welt, ja, vor den Engeln selbst. Denn Er nimmt nirgends die Engel an Sich, sondern den Samen Abrahams nimmt Er an Sich. Hebr. 2, 16. Was folgt aber daraus? Ein Jeglicher sei gesinnet, wie Jesus Christus auch war. Er war von oben her du mur von unten; steig herab von allen eingebildeten Höhen steig hinab in die tiefste Demuth eines armen Sünders und gieb Ihm die Ehre! Beuge deine Kniee in dem Namen dieses Herrn, dem sich Aller Knie beugen müssen im Himmel und auf Erden und unter der Erden, und bekenne mit Herz, Mund und Wandel, daß Jesus Christus nicht nur der Herr das müssen auch die Teufel bezeugen sondern sei dein Herr zur Ehre Gottes des Vaters! Gebet. O mein Herr Jesu, wie wunderbar ist Deine Geburt, Leben und Sterben! Du hast in Deiner tiefen Erniedrigung eine kleine Zeit von den Engeln wollen verlassen sein und hast zwischen Himmel und Erde um unsrer Seelen willen gehangen. Nun bist Du erhöht und mit Preis und Ehre gekrönt; so wollest Du uns zu Dir erhöhen durch den Glauben an Deinen hülfreichen Namen und von Sünde, Tod und Teufel erretten. Amen. Bater Unser. — 2011/05 1 - - - Sonntag Palmarum. Wunderbarer König, Herrscher von uns Allen, Laß Dir unser Lob gefallen. Deines Vaters Güte Hast Du lassen triefen, Ob wir schon von Dir wegliefen. Hilf uns noch! Stärt uns doch! 249 Laß die Zungen singen, Laß die Stimmen flingen! Eigene Melodie. Hallelujah bringe, Wer den Herren fennet, Wer den Herren Jesum liebet. Hallelujah finge, Welcher Christum nennet, Sich von Herzen Ihm ergiebet. O wohl dir! Glaube mir, Endlich wirst du droben Ohne Sünd Ihn loben. ( Vers 1 und 4 aus: Wunderbarer König.) Matth. 21, 1-9. Da sie nun nahe bei Jerusalem kamen gen Bethphage an den Velberg, sandte Jesus seiner Jünger zween, und sprach zu ihnen: Gebet bin in den Flecken, der vor euch liegt, und bald werdet ihr eine Eselin finden angebunden, und ein Süllen bei ihr; löset sie auf, und führet sie zu mir. Und so euch Jemand etwas wird sagen, so sprechet: Der Herr bedarf ihrer; so bald wird er sie euch laffen. Das geschah aber alles, auf daß erfüllet würde, das gesagt ist durch den Propheten, der da spricht: Saget der Tochter 3ion: Siebe, dein König kommt zu dir sanftmüthig, und reitet auf einem Esel, und auf einem Süllen der lastbaren Eselin. Die Jünger gingen bin, und thaten, wie ihnen Jesus befoblen batte; und brachten die Efelin und das Füllen, und legten ihre Kleider darauf, und seçten ihn darauf. Aber viel Volks breitete die Kleider auf den Weg; die Andern bieben 3weige von den Baumen, und freueten sie auf den Weg. Das Volk aber, das vorging und nachfolgte, schrie und sprach: Sosianna dem Sobne Davids! Gelobet fei, der da kommt im 7amen des Herrn! Sosianna in der Höhe! Das ist Christi Königszug, der noch durch die Welt geht. Dieser 3ug geht in die selige Ewigkeit. Der Herr hat nicht, da Er auf Erden Sein Haupt hinlegt, Sein Angesicht ist gerichtet zu Seinem Vater im Himmel. Dahin zieht Er. Dahin ziehen alle Seine Jünger mit, die in diesem Königszuge sind und auf Erden keine bleibende Stätte haben. O, wer da mitziehen kann! Das Füllen und die Efelin waren gebunden. Aber es giebt noch ganz andere Bande, welche die Herzen unfrei, verstrickt, bethört machen. Ein Weib hatte der Satanas gebunden wohl achtzehn Jahre. Und so ist Mancher gebunden mit Wissen und ohne Wissen, und ob er zu Zeiten die Bande fühlt, er ist machtlos, sie zu zerreißen, und trägt seine Ketten weiter, vielleicht in der Meinung, es wären nur leichte Blumengewinde, und es sind doch Ketten. Lüge und Hoffart, Geiz und Ehrgeiz, Wohlleben 250 und Menschenfurcht haben größere Stärke denn Eisen. Aber des Herrn, des Königs Wort, und dieses allein, löst die Banden. Wenn uns der himmlische Vater Seinen heiligen Geist giebt, daß wir Seinem Worte glauben, dann können wir göttlich leben und Jesu folgen. Und das ist ein gar selig Leben, ob's auch auf Erden ein Jammerthal ist. Denn des Volkes Wohl kommt von seinem Könige, und Jesus ist ein König, streitbar wie David, ein gewaltiger Herr über Sünde, Tod und Teufel, und Er ist ein König, wie Salomo, der Friedefürst. Diese Herrlichkeit des Königs Jesu entzündet unsere Herzen. Nach Dir, Herr, verlanget mich. Läßt Er Sein Angesicht leuchten, so genesen wir. Gnade und Barmherzigkeit sind vor Seinem Angesichte. Er ist fanftmüthig; dein Herz soll lauter Lust, Liebe und Zuversicht zu Ihm haben, daß du hinfort so sehr und noch mehr dich zu Ihm halten sollst, als du dich vorhin vor Ihm entsetzt hast. Aber auch Gerechtigkeit und Gericht ist vor diesem Könige. Andere Leute haben keine Schranken, als den eigenen Willen, Lust und Vortheil. Aber die diesem Könige ergeben sind, leben im Gerichte. Da ist nichts mehr zollfrei; auch keine Brodkrume darf man stehlen, auch das leichtsinnige Wort gefällt Ihm nicht. Darum laß es dir einmal wieder und endlich recht gesagt sein am Palmsonntage denn es heißt ja: Saget es der Tochter Zion-, daß dein König zu dir kommt, sanftmüthig. Er kommt in der Taufe, im Abendmahl, in der Absolution, in der Predigt. Sage nicht, Er sei darin nicht; denn wer das sagt, hat Ihn noch nie darin gesucht. Laß es dir vielmehr gesagt sein, daß Er noch jetzt in solcher Niedrigkeit kommt. So wollen wir stehen und rufen mit allen Gotteskundern: Gelobet sei der da kommt im Namen des Herrn! Hosianna, d. h. Gott hilf, daß nämlich mein König zu mir und ich zu Jhm komme! 301 - Gebet. Lieber Gott, behüte uns und gieb uns Deine Gnade, daß wir das Häuflein sind, die Christum gerne wollen annehmen und singen: Hosianna, Gott sei gelobet, daß wir diesen König haben und Christen sind. Wir wissen, warum wir also heißen, nämlich von unserm Könige Christo, daß wir in Seinem Namen getauft und in Seinem Blut gewaschen sind. Hilf, daß wir dabei bleiben. Amen. Vater Unser. Montag nach Palmarum. 251 Mel: O bu Liebe meiner Liebe. Herz und Herz vereint zusammen Sucht in Gottes Herzen Ruh. Laffet eure Liebesflammen Lodern auf den Heiland zu. Er das Haupt, wir Seine Glieder, Er das Licht und wir der Schein; Er der Meister, wir die Brüder, Er ist unser, wir sind Sein. Kommt, ach kommt, ihr Gnadenkinder, Und erneuert euren Bund, Schwöret eurem Ueberwinder Lieb und Treu von Herzensgrund. Und wenn eurer Liebeskette Festigkeit und Stärke fehlt, D, so flehet um die Wette, Bis fie Jesus wieder stählt. ( Vers 1 und 2 aus: Herz und Herz.) Psalm 133.; Joh. 19, 25-27. Siebe, wie fein und lieblich ist es, daß Brüder einträchtig bei einander wohnen. Wie der köftliche Balsam ift, der vom Haupt Aarons fließt in seinen ganzen Bart, der herab fließt in sein Kleid, wie der Thau, der vom Sermon berab fällt auf die Berge Sion. Denn daselbft verheißt der Herr Segen und Leben immer und ewiglich. Es standen aber bei dem Kreuz Jesu seine Mutter, und seiner Mutter Schwester, Maria, Kleophas Weib, und Maria Magdalena. Da nun Jesus seine Mutter sahe, und den Jünger dabei stehen, den er lieb hatte, spricht er zu seiner Mutter: Weib, siehe, das ist dein Sohn! Darnach spricht er zu dem Jünger: Siehe, das ist deine Mutter! Und von der Stunde an nahm sie der Jünger zu sich. Von Jesu, dem wahrhaftigen Hohenprieſter, fließt allezeit köſtlicher Balsam. Wie fein einträchtig haben Johannes und Maria zusammen gewohnt, weil Jesus sie an einander gewiesen und befohlen hatte. Und eben darum allein ist in so vielen Häusern keine herzliche Eintracht, und ist Hader und Zank, weil der Segen Jesu fehlt. Man weiß nicht, woran es fehlt und will es nicht wissen. Das kommt, weil man nicht unter Jesu Kreuz steht, und den Blick sich nicht treffen lassen will, mit welchem der Herr Seine Mutter und Johannes ansahe. Im Psalm stehet geschrieben: Ich bin fröhlich über Deine Güte, daß Du mein Elend ansiehest. Pf. 31, 8. Mit diesen Augen sieht der Herr Seine Mutter an. Das sind die Augen, die Alles durchschauen, die Himmel und Erde und jedes Herz bis auf den Grund durchblicken. Diese Augen, hinter denen Sein unergründlich gnädiges Herz ist, sehen die Beiden unter dem Kreuze an, und sehen noch alle betrübten Herzen an, die keine Hülfe auf Erden haben. Diese Augen sind dem Heilande im Tode, da Er den Zorn Gottes, die Gewalt des Teufels besiegte und mit der Schuld unserer Sünde rang, gebrochen, damit wir Elenden unsere Augen zu dem heiligen Gott wieder aufheben könnten. Der Blick dieser Augen war ein Balsam — auf die verwundeten Herzen der Maria und des Johannes. Von Stund an nahm der Jünger die Mutter zu sich der Anblick Jesu führte damals die Herzen in einen stillen Gehorsam und heilige Liebe. Warum jetzt nicht? O, was sehen Jesu Augen an uns? Wohin sind unsere Augen gerichtet? Warum nicht auf Ihn und Seine Herrlichkeit? So bitte man Gott doch ernstlich um Augensalbe, daß man die Jämmerlichkeit aller Dinge, aber auch die Gnade und Liebe in den Augen Jesu sehen könne. Noch Eins. Der Herr geht von Maria und Johannes; aber der Jünger bekommt eine Mutter, die Mutter einen Sohn. Merke: Der Gerechte wird nie verlassen. Wird ihm Etwas genommen, so wird ihm etwas Anderes gegeben. Gebet. Herr Jesu Christe, der Du, am Kreuz hangend, Deine liebe Mutter angeredet, und sie dem Jünger Johannes, hinwiederum den Jünger Deiner Mutter befohlen, daß Du keine menschliche Schuld auf Erden ließest, wie Du denn auch sonst, nachdem Deine Kleider getheilet, zeitlicher Dinge gar nichts hinter Dir gelassen hast: ach Herr, ich bitte Dich, stehe mir in meiner großen Schwachheit bei, daß ich alles, was Fleisch und Blut aulanget, hintenansege, in wahrer Gelassenheit mich um die ewige Seligkeit bekümmere, und den Dingen, die Deines himmlischen Vaters sind, mit Freuden und Lust immer nachdenke und ihnen anhange, welchem ich auch Leib und Seele schuldig, und von welchem ich durch Dich erwarte das Erbe des ewigen Lebens. Amen. Vater Unser. 252 Ich will hier bei Dir stehen, Verachte mich doch nicht; Von Dir will ich nicht gehen, Wann Dir Dein Herze bricht. Wann Dein Haupt will erblassen Im letzten Todesstoß, Alsdann will ich Dich fassen In meinen Arm und Schooß. - Dienstag nach Palmarum. Mel.: Ach Herr, mich armen Sünder. Erscheine mir zum Schilde, Zum Trost in meinem Tod. Und laß mich sehn Dein Bilde In Deiner Kreuzesnoth. Da will ich nach Dir blicken, Da will ich glaubensvoll Dich fest an mein Herz drücken. Wer so stirbt, der stirbt wohl. ( Vers 6 und 10 aus: O Haupt voll Blut und Wunden) Luc. 23, 35-43. Und das Volk stand, und sahe zu. Und die Obersten sammt ihnen spotteten seiner, und sprachen: Er bat Andern geholfen, er belfe ihm selber, ist Er Chrift, der Auserwählte Gottes. Es ver spotteten ihn auch die Kriegsknechte, traten zu ihm, und brachten 253 ihm Effig, und sprachen: Bist du der Juden König, fo bilf dir felber. Es war auch oben über ihm geschrieben die Leberschrift, mit griechischen, lateinischen und ebraischen Buchstaben: Dies ist der Juden König. Aber der Lebelthåter einer, die da gehenkt waren, läfferte ihn, und sprach: Bist Du Chriftus, fo bilf dir selbst und uns. Da antwortete der Andere, ftrafte ihn, und sprach: Und du fürchteft dich auch nicht vor Gott, der du doch in gleicher Verdammniß bist? Und zwar wir sind billig darinnen, denn wir empfangen, was unsere Thaten werth sind; dieser aber hat nichts Ungeschicktes gehandelt. Und sprach zu Jesu: Herr, gedenke an mich, wenn du in dein Reich kommst. Und Jesus sprach zu ihm: wahrlich, ich sage dir, heute wirst du mit mir im Paradiese sein. Zum Fall und Auferstehen Vieler in Israel ist Christus geſetzt. Weil die Juden an Christo nicht aufstehen wollen, so bleibt ihnen nichts übrig, als daß sie fallen in Verachtung und Lästrung Christi. Wehe ihnen, denn ihr Haus soll ihnen wüste werden und ihre Seele verderben. Der Heiland stellt alle Lästerungen Gott heim und Gott ist ein gerechter Richter. Aber nicht Alle spotten, Stliche beten den Gekreuzigten an. Der Herr starb zwischen zwei Uebelthätern, die auch am Krenze hangen. Diese zwei Schächer sind ein Bild der ganzen Menschheit; wie diese Beiden, so hangen gleichsam alle Menschen am Kreuze und stehen unter dem verdienten Fluche der Sünde. Wo ein Mensch ist, ist der Fluch der Sünde, der das Leben verbittert. Aber wie der eine der beiden Schächer unter seinem Elend für die Hölle reif wird, der andere aber zur Umkehr und Einkehr kommt, so geht der eine Theil der Menschen in den Mühen und Bitterfeiten dieses Lebens unter und fällt immer tiefer in die Verachtung Gottes, der andere Theil wird gedemüthigt, zerbrochen und erlangt den Frieden im Glauben an Jesum. Gott ist's, der den Schächer zur Rechten bekehrt hat. Der Glaube kommt aus der Predigt. Christi Predigt auf Seinem Leidenswege an die Töchter Jerusalems ist das Mittel gewesen, durch welches Gott die Seele des Schächers rettet. Und weil der Schächer den Worten glaubt und dem Geiste des Wortes Raum giebt, so bricht das göttliche Leben kräftig aus ihm hervor. Da ist eine bußfertige Demüthigung unter die Gerichte Gottes: wir empfangen, was unsere Thaten werth sind. Da ist ein wunderbar fräftiger Glaubenssprung, in welchem der Schächer durch alle Schmach und Niedrigkeit, die auf Jesu liegt, hindurchbricht und eben in diesem gefreuzigten Jesu den Herrn des ewigen Reichs erkennt. Da ist ein freimüthiges Bekenntniß zu Jesu und ein ernstliches Strafen der Sünde. Und über Bitten und Verstehen wird dem Schächer gegeben, denn noch heute soll er mit Jesu im Paradiese sein. Ein Schächer, ein Mörder geht in's Paradies? Ob er hineingekommen ist? Ohne Zweifel denn wer den Namen des Herrn anruft, wird selig werden. Wer Jesu - 254 Worte glaubt, hat auch, was sie sagen. Sein Wort ist wahr und trüget nicht. Warum glauben wir denn nicht? Warum erkennen wir unsere Verdammniß nicht? Warum wollen wir sterben, da wir leben können? Du sprichst: ich glaube aber mir ist bange. Mir auch, denn ich finde keine Ursach, mich über den Schächer zu erheben. Aber spricht denn mein Herz auch lauter nein, so soll Gottes Wort in Taufe, Absolution und Nachtmahl mir gewisser sein. Gebet. Herr Jesu Christe, der Du Dich in Deinem ganzen Leben alle Wege als einen Heiland, überall als einen Tröster und Wohlthäter haft bewiesen, und Niemand je von Dir ohne Hülfe und Trost gelassen und verstoßzen hast: aus herzlichem Vertrauen auf solche Deine unschätzbare Liebe und Gütigkeit bitte, begehre und flehe ich, daß Du diese meine Seele, die Du erschaffen hast, nicht wollest verlaffen, sondern die Augen Deiner Barmherzigkeit auf mich armen Sünder gnädig kehren, die Augen, spreche ich, mit welchen Du den Schächer am Kreuz lieblich haft angesehen. Du wollest mich nicht weniger, denn ihn, in den Schooß und das Herz Deiner Mildigkeit einsammeln, auf daß ich aus diesem Thal des Klagens und Weinens zu dem erwünschten Vaterland Deiner Heiligen durch Deine Führung fröhlich kommen möge. Amen. Vater Unser. Mittwoch nach Palmarum. Mel.: Herzliebster Jesu, was hast Du verbrochen. Wie wunderbarlich ist doch diese Strafe! O große Lieb', o Lieb' ohn' alle Maße, Der gute Hirte leidet für die Schafe; Die Dich gebracht auf diese Marterstraße! Die Schuld bezahlt der Herre, der Gerechte Ich lebte mit der Welt in Lust und Freuden Für Seine Knechte. Und Du mußt leiden. ( Vers 4 und 7 aus: Herzliebster Jesu.) olar Matth. 27, 45-49. und Joh. 19, 28-30. Und von der sechsten Stunde an ward eine Finsterniß über das Und um die neunte ganze Land, bis zu der neunten Stunde. Stunde schrie Jesus laut, und sprach: Eli, Eli, lama afabthani? das ift: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlaffen? Etliche aber, die da ftanden, da sie das höreten, sprachen sie: Der ruft den Elias. Und balo lief Einer unter ihnen, nahm einen Schwamm, und füllete ihn mit Essig, und steckte ihn auf ein Rohr, und trånkte ihn. Die Andern aber sprachen: Salt, laßt sehen, ob Elias komme, und ihm helfe. Darnach, als Jesus wußte, daß schon Alles vollbracht war, daß die Schrift erfüllet würde, spricht er: Mich dürftet. Da stand ein Gefäß voll Effig. Sie aber fülleten einen Schwamm mit Effig, 255 und legten ibn um einen sop, und hielten es ihm dar zum Munde. Da nun Jesus den Effig genommen hatte, sprach er: Es ist voll. bracht!" und neigte das Haupt, und verschied. Die unter dem Kreuze sprachen, der Herr rufe den Elias in Seiner großen Angst. So viel, also nichts, verstehen sie von dem unbegreiflichen Leiden Christi. Laß uns, lieber Christ, aller eigenen Weisbeit in so hohen, göttlichen Dingen entsagen, aber Eins sei uns durch den heiligen Geist gewiß und groß, was im 45. Psalm steht: Holdselig sind Deine Lippen. Obwohl der Herr in solcher Angst schwebt, daß es einen Stein erweichen sollte, so quillt gerade aus Seiner Angst lauter Trost und Freude. Es sind jammernde, aber für meine bekümmerte Ohren holdselige Lippen, die in meine Seele hineinrufen: Mein Gott, Mein Gott, warum hast Du Mich verlassen? Darumt ist Er von Gott verlassen, damit Gott mich armen Sünder nicht verlaffen soll jetzt und in der Stunde des Todes und im jüngsten Gerichte. Diese Lippen Christi reden laut für meine Seele bei Gott, daß Er mein ewiglich nicht vergessen kann, ob ich Ihn oftmal vergessen habe. Holdselig sind die Lippen Jesu, denn sie dürften. Sie dürften nicht nach Essig, sondern nach meiner Seele. Nun habe ich guten Grund zu glauben, daß Gott meiner nicht müde ist; nun darf ich allen Kummer Hinwerfen, als ob Gott mich, gerade mich, nicht ansehen wollte; denn die holdseligen Lippen Jesu sagen mir, daß Ihn dürftet. Ich soll Ihm Seinen Durst stillen damit, daß ich zu Ihm komme und lasse Ihn zu meiner armen Seele sprechen: gehe hin in Frieden. Holdselig sind Jesu Lippen, weil sie rufen: es ist vollbracht. Nichts ist vergessen, auch der Essig nicht, der Ihm nach dem 69. Psalm follte gereicht werden; ich bin auch nicht vergessen von Ihm, da er rief: es ist vollbracht. Keine meiner unzähligen Missethaten ist übersehen, Alles ist in Rechnung gebracht, was zu meiner ewigen Seligkeit nöthig ist. Nun, da es vollendet ist, so merke doch ein frommer Christ die rechte Gestalt des Glaubens: ,, Nicht mehr denn, lieber Herre mein, Dein Tod soll mir das Leben sein; Du haft für mich bezahlet." Holdselige Lippen Jesu, die fort und fort reden durch den Mund Seiner Diener im Sakrament und Predigt. Diese Lippen will ich hören in wahrhaftigem Glauben, bis ich sie mit Freuden höre an dem großen Tage des jüngsten Gerichtes. Gebet. Herr Jesu Christe, der Du wegen der Erlösung des menschlichen Geschlechts nach dem Willen Deines Vaters das allerheiligste Opfer, durch welches Du als der Priester und das Opfer selbst uns Gott Deinem Vater versöhnet, am Kreuz vollbracht hast: ich bitte Dich um Deiner unermeßlichen Gütigkeit willen, durch welche Du Dich so mildiglich zu unserm Heil dargegeben, daß Du in mir nicht allein das Wollen, sondern auch das Vollbringen des Guten wirken wollest, und daß von mir durch Dich alles wohl angefangen, auch zu 256 Lob und Ehre Deines Namens selig geendet und vollbracht werde. Denn Dir allein gebührt alle Ehre im Himmel und auf Erden. Amen. Bater Unser. Donnerstag nach Palmarum. Mel.: Herr und Weltfter Deiner Kreuzgemeinde. Marter Gottes, wer kann dein vergessen, Meine kranke und bedürft'ge Seele Eilet Deinen Wunden zu. Da, da findet sie die sichre Höhle, Wo ihr fließen Fried' und Ruh. Auf Dein Kreuz, Herr, laß mich gläubig sehen; Laß Dein Marterbild stets vor mir stehen: So geht mir bis in mein Grab Nichts von Deinem Frieden ab. ( Vers 1 und 3 aus: Marter Gottes.) Der in dir sein Wohlfein find't! Unf're Seele wünscht sich unterdessen Stets noch mehr zum Dank entzünd't. Unfre Seele soll sich daran nähren, Unsre Ohren nie was Liebers hören; Alle Tage kommt Er mir Schöner in dem Bilde für. Luc. 23, 45. 46. und Matth. 27, 52-56. Und die Sonne verlor ihren Schein, und der Vorhang des Tempels riß mitten entzwei. Und Jesus rief laut, und sprach: Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände. Und als er das gesagt, verschied er. Und die Erde erbebte, und die Selfen zerriffen, und die Gräber thaten sich auf, und standen auf viele Leiber der Seiligen, die da schliefen, und gingen aus den Gräbern nach seiner Auferstehung, und tamen in die heilige Stadt, und erschienen Vielen. Aber der Haupts mann und die bei ihm waren, und bewahreten Jesum, da sie sahen das Erdbeben, und was da geschabe, erschraken sie sehr, und sprachen: wahrlich, dieser ist Gottes Sohn gewesen! Und es waren viele Weiber da, die von ferne zusahen, die da Jesu waren nachgefolget aus Galilåa, und hatten ihm gedienet. Unter welchen wai Maria Magdalena, und Maria, die Mutter Jacobi und Joses, und die Mutter der Kinder Jebedai. Mit Lautem Geschrei verscheidet der Herr. Wie in Seiner Gottverlassenheit die große Angst und Qual und die höchste Niedrigkeit sich offenbart, so bricht in dem letzten der sieben Worte die ewige Gottheit und Majestät hervor; denn Niemand nimmt Sein Leben von Ihm, wie andere Menschen in der gesetzten Stunde sterben müssen, sondern wie der allmächtige König giebt der Herr Seinen Geist von Sich in die Hände des Vaters, deß Wohlgefallen nie von Ihm gewichen ist. Was nun? Die Sonne sagt es dir, die nicht mehr scheinen will, da ihr Schöpfer am Kreuze Seinen Geist aufgiebt. Der Vorhang im Tempel zerreißt, denn fortan ist das Allerheiligste im Tempel ein ver 257 gangenes Vorbild. Die ewige Erlösung ist nun da, seitdem Christus Sich Selbst zum Gnadenstuhle in Seinem Blute hingegeben hat. In das Allerheiligste, in die Gemeinschaft des heiligen Gottes kann man nun durch Christi Leiden und Blut eingehen. Die Erde erbebt, die Felsen zerreißen, damit sie ein unwiderlegliches Zeugniß geben von der gewaltigen Kraft des Todes Christi. Und die Gräber vieler Heiligen öffnen sich, deren Leiber nach der Auferstehung Jefu auferstanden. Also Wunder über Wunder. Alles feiert mit lautem Zeugniß den Tod Christi, des Sohnes Gottes. Nun reißt's und bebt's und thut's sich auf. Warum willst du allein nun bleiben, wie du bist? In Christi Tode sind ja die Lebenskräfte erschienen. Warum soll dein Herz nicht zerbrechen, da solche Schläge der Thaten Gottes es treffen? Warum will dein Herz starr bleiben, da selbst todte Felsen zerreißen? Wie kannst du fortan noch die Verdammlichkeit deiner Sünde leugnen, da sie den Sohn Gottes zu Tode gequält? Wer mag noch an Gottes Liebe zweifeln, da Er Seinen Sohn dahingegeben hat? Brechen muß mein Herz, bis es zerbrochen ist, bis ich aus zerbrochenem Herzen mit wahrhaftigem Glauben bekenne, daß Jesus Gottes Sohn ist. Zu= schauen soll meine Seele mit jenen Weibern, damit mir Christi Tod die Ursache des bittersten Schmerzes, der tiefsten Bengung, aber auch des unüberwindlichen Glaubens an Gottes ewige Gnade wird. Sprichst dit: wer auffahren könnte mit Flügeln, wo Christus ist! so ist die Antwort: sprich nicht also in deinem Herzen. Denn das Reich Gottes ist dir nahe. Auf dem Altare liegen weiße Tücher und darauf findest du in der tiefsten Verborgenheit Christi heiligen Leib und Blut. Der am grünen Donnerstage das heilige Mahl eingesetzt hat, hat uns diefes allerwunderbarfte Sacrament bis auf diese Stunde erhalten und will, daß wir Ihn Selbst darin empfangen und Ihn darin erkennen sollen, bis Er kommt. O daß ich tausend Zungen hätte, all Seine Barmherzigkeit zu preisen; ich bin ein armer Sünder, meine Seele soll stille sein zu Gott, da mein Heiland am Kreuze hängt und im Sacrament solch Opfer Sich Selbst spendet. Gebet. Herr Jesu Christe, der Du Dich selbst für uns als ein lebendiges, unbeflecktes Opfer Gott dem Vater aufgeopfert und Deinen Tod so ernsthaftig, stark und kräftig haft bezeugen lassen durch viele und große Wunder, indem der Vorhang des Tempels zerris, die Sonne ihren Schein verlor, die Erde erbebte, die Felsen zersprangen und die Gräber sich aufthaten, ich bitte Dich, mein Herr und mein Gott, Du wollest auch in meinem Herzen durch Deine Kraft in Gnaden solche Wunder verrichten, daß der Vorhang aller Gleißnerei zerreiße und ich zu einer seligen Buße komme. Laß in mir in einem zerschlagenen Herzen die Sonne Deiner Liebe und die Kraft Deines verföhnenden Opfertodes hervorbrechen. Amen. Vater Unser. 17 258 Charfreitag. Mel.: Ach Herr, mich armen Sünder. Es dient zu meinen Freuden Und kommt mir herzlich wohl, Wenn ich in Deinem Leiden, Mein Heil, mich finden soll. Ach, möcht' ich, o mein Leben, An Deinem Kreuze hier Mein Leben von mir geben, Wie wohl geschähe mir. Ich danke Dir von Herzen, DJesu, liebster Freund, Für Deine Todesschmerzen, Da Du's so gut gemeint. Ach gieb, daß ich mich halte Zu Dir und Deiner Treu, Und wann ich nun erkalte, In Dir mein Ende sei. ( Vers 7 und 8 aus: O Haupt voll Blut und Wunden.) Matth. 27, 50., Jesaj. 53, 3-5. und Psalm 45, 3. Aber Jesus schrie abermal laut, und verschied. Er war der allerverachtetfte und unwerthefte, voller Schmerzen and Krankheit. Er war so verachtet, daß man das Angesicht vor ibm verbarg; darum baben wir ihn nichts geachtet. Sürwahr, Er trug unsere Krankheit, und lud auf sich unsere Schmerzen. Wir aber hielten ihn für den, der geplaget und von Gott geschlagen und gemartert wäre. Aber er ist um unserer Missethat willen verwundet, und um unserer Sünde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf daß wir Srieden båtten, und durch seine Wunden sind wir geheilet. Du bist der Schönste unter den Menschenkindern. Unter dem Kreuze unseres Herrn standen viele Weiber, die von ferne zusahen( Matth. 27, 55.). Man liest nirgend, daß sie ein Wort gesprochen haben, während der Herr an's Kreuz geheftet wurde und da hing und starb. Das ist kein Wunder. Mich dünft, wenn wir uns in der Stille der Seele heute versenken in das, was auf Golgatha geschieht, wer der ist, der da hängt und stirbt, welch eine Menschen und Engeln unbegreifliche Qual Er leidet in der Finsterniß am Tage, wie Er mit lautem Geschrei verscheidet, so kommen wohl viele Ges danken über solchem Anblick des sterbenden Heilandes in die Seele, aber man weiß nicht, was man sagen soll; alle Worte dünken Einem so gering; es ist, als wenn man den gestirnten Himmel ansieht; je länger man sieht, je mehr sieht man, aber je weniger kann man die Sterne zählen. Die ganze Ewigkeit wird widerhallen von dem, was der sterbende, gefreuzigte Jesus für uns gethan hat. Zwei Blicke aber schenke uns der heilige Geist auf den sterbenden Heiland! Er ist der Allerverachtetste. Das kommt daher, daß ein unerhörter Wechsel stattgefunden hat. Barabbas, der Mörder, sollte da hängen, aber statt seiner hat man unsern Herrn gekreuzigt. Der Rath der Ewigkeit wird uns an dem Kreuze Jesu offenbar. ,, Siehe, sprach der Sohn zum Vater, Du bist gerecht und haffest gott 259 loses Wesen. Alle Menschen sind Dir schuldig um ihrer Missethat willen. Aber siehe, hier bin Ich. Laß Mich ihre Krankheit tragen und lade Mir ihre Schuld auf; laß Mich verwundet werden um ihrer Missethat willen, laß Mich zerschlagen werden um ihrer Sünde willen. Mein Gehorsam und Tod komme den armen Sündern zu gut." So siehe mun, da steht einsam auf Golgatha das Fluchholz; Christus ist für uns zum Fluche gemacht. Er ist der Allerverachtetste; aber, o selige Deutung: Er ist um unserer Sünde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf Ihm, auf daß wir Frieden hätten, und durch Seine Wunden sind wir geheilt. Stille, stille, Menschenherz vor der äußersten Verachtung Jesu; es ist ja die deine, die Er trägt; sei hier stille, wenn du noch nie stille gewesen bist. Und noch einmal soll meine Seele dem Geiste lauschen, der die Tiefen der Gottheit ausredet. Er sagt: du bist der Schönste unter den Menschenkindern. O wohl mir, wenn auch mir dieser gemarterte, blutige, sterbende Heiland der Schönste ist! Hinter mir liegt meine große Missethat, vor mir die endlose Ewigkeit, in mir Furcht und Zagen, über mir der Zorn des Allmächtigen, jeder Blick in Sein Gesetz bringt mir das Bewußtsein, daß ich verflucht bin. Nur der Anblick des Allerverachtetsten am Kreuze, der zugleich der Schönste ist, gibt Friede und Freude. Also stille unter das Kreuz Jeſu; da ist Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, da ist Blut, das für mich zu Gott schreit um Barmherzigkeit; da ist Liebe, da ist ein König, der mich aufnimmt, wenn mich Alles verstößt. Da sind Arme, die mich gen Himmel tragen, Füße, die ich füssen und halten darf. Da ist mein Alles. Ja, Jesu, gekreuzigte, sterbende Liebe meiner Seele, Du bist der Schönste unter den Menschenkindern. Gebet. Herr Jesu Christe, unser Schöpfer, Erlöser und Selige macher, der Du aus unaussprechlicher Liebe es nicht zu schwer geachtet, das menschliche Geschlecht mit Deinem bittern Tode zu erlösen, mit welchem unverschuldeten Tode Du unsern Tod bezahlet hast, daß derfelbige ein Anfang unsers Lebens würde: wir bitten Dich, daß Du mit Deinem allerheiligsten Tod unsern Geist lebendig machest, daß wir hinfort den Sünden todt, der Gerechtigkeit leben, auch von Tag zu Tag in allen Tugenden aufwachsen und zunehmen, bis daß wir zu einem vollkommenen Manne in dem Maß Deines vollkommenen Alters werden. O Herr Jesu, laß Deinen Tod einen Trost der Betrübten sein, einen Schutz der Angefochtenen, eine Stärke der Kleinmüthigen, und allen denen eine Befestigung, die Deiner Gnade theilhaftig worden sind, daß Dein Tod alle die bekehre, die sich von Dir gewandt haben, daß er allen Kranken die Gesundheit, allen Sterbenden ein feliges Ende und das ewige Leben gebe. Amen. Vater Unser. 17* 260 Sonnabend, Christi Ruhetag. Mel.: O Lamm Gottes unschuldig. Da siehst du, wie die Schwachen Zuletzt gestärket werden. Gott tann zu Helden machen, Was blöd ist hier auf Erden; Der Glaube, der im Finstern lag, Bricht endlich an den hellen Tag Und leuchtet wie die Sonne. Ach Jesu! dessen Schmerzen Mir all mein Heil erworben, Komm ruh in meinem Herzen, Das in der Sünd erstorben! Laß Dir's gefallen, ich will Dir Dein Grab bereiten in mir hier, So leb und sterb ich selig. ( Vers 6 und 10 aus: Als Gottes Lamm und Leue.) Joh. 19, 38-42. und Mrc. 15, 47. Darnach bat Pilatum Joseph von Arimathia, der ein Jünger Jesu war, doch heimlich aus Surcht vor den Juden, daß er möchte abnehmen den Leichnam Jesu. Und Pilatus erlaubte es. Deros wegen kam er, und nahm den Leichnam Jesu berab. Es kam aber auch Nicodemus, der vormals bei der Nacht zu Jesu gekommen war, und brachte Myrrhen und Aloen unter einander, bei hundert Pfunden. Da nahmen sie den Leichnam Jesu, und banden ihn in leinene Tücher mit Specereien, wie die Juden pflegen zu begraben. Es war aber an der Ståtte, da er gekreuziget ward, ein Garten, und im Garten ein neu Grab, in welches Niemand je geleget war. Das selbst hin legten sie Jesum, um des Rüfttags willen der Juden, dies weil das Grab nahe war. Aber Maria Magdalena, und Maria Joses schaueten zu, wo er bingeleget ward. In ein fremdes Grab wird der Herr gelegt, weil Er für fremde Sünden gestorben ist. Seitdem Jesus als das Haupt im Grabe gelegen hat, und Er, da alle Hoffnung aus zu sein schien, lebendig aufs erstanden ist, wissen wir, daß auch Seine Glieder das Grab nicht zu fürchten haben, sondern als Seine Glieder durch das Grab zum Leben gehen. Im Grabe hat der Herr geruht von Seiner Arbeit, von der Arbeit, die wir Ihm mit unsern Sünden gemacht haben; diese Arbeit hat Ihm nicht blos Schweiß, sondern Sein Blut gekostet. Nun ruhet Er von Seiner Mühe, von der Last unserer Missethaten. Es ist Sabbath, der große und der letzte Sabbath. Denn wie Christus von aller Knechtschaft des Gesetzes, von dem Gesetze in Buchstaben, so hat Er uns auch erlöset von der Knechtschaft des Sabbaths. Es ist der letzte Sabbath gewesen, nun folgt der Sonntag, die Zeit, der Tag des neuen Bundes. Wenn ich Joseph von Arimathia und Nicodemus in ihrer stillen Bestattungsunruhe und die Weiber, die dem Grabe gegenüber sitzen, betrachte, so freue ich mich dieser und freue mich jener, und meine Seele will thun, wie jene, die den Leichnam Christi begraben und im Felfen bewahren, und wie diese, die zuschauen und sinnend davor 1823 stehen. Wie ist Nicodemus durch Gottes Gnade gewachsen! Vor drei Jahren hörte er bei der Nacht von der Wiedergeburt, jetzt bekennt er sich zu dem Leichnam Christi. Wie sehr freue ich mich der Gemeinschaft dieser beiden frommen Männer bei dem Begräbniß Christi! Denn ich bin mit Christo begraben durch die Taufe( Röm. 6.) und darf mein ganzes altes Leben nur noch ansehen als ein begrabenes, dem keine Lebensluft mehr zukommen soll. Der alte Mensch mit Christo begraben das ist mein Gott lob! und Gott hilf! an diesem Ruhetage Christi. Die Weiber schauten hin auf das Felsengrab, und ob es wie Tod aussah, so wußten sie doch, daß hier der Lebensfürst im Grabe ruht, aus dem Er bald auferstanden ist. So betrachte ich meine heilige Taufe als den Felsen, in welchem ich mit Christo begraben bin und weiß, daß solchem Glauben Christus Sich zeigen wird, als der Lebendige und Auferstandene, mit welchem ich verbunden bin und leben werde. - 261 Gebet. Herr Jesu Christe, der Du nach Deinem allerschmählichsten, bittersten Tod durch vornehme Männer vom Kreuz genommen, mit köstlichen Spezereien und wohlriechenden Salben gesalbet, in reine Leinwand gewickelt, und ganz ehrlich begraben worden bist: verleihe mir, Deinen heiligen Leib und Blut vom Himmelsthron, gleich als von der Höhe des Kreuzes, mit wahrem Glauben zur Speise und Trank meiner Seele würdig zu empfahen, auch mit wohlriechenden Spezereien, das ist mit edlen Tugenden zu schmücken und in reinem Herzen zu bewahren, auf daß alle fleischliche Versuchung und böse Begierde des alten Menschen in den Tod mit Dir begraben, und ich von dieser neuen Speise und Trank als ein neuer Mensch Hinfort Gott und Dir ewig leben möge. Amen. Vater Unser. Auf, auf, mein Herz mit Freuden; Nimm wahr, was heut geschieht! Wie kommt nach großem Leiden Nun ein so großes Licht! Mein Heiland war gelegt Da, wo man uns hinträgt, Wenn von uns unser Geist Gen Himmel ist gereiſt. Ostern. Eigene Melodie. Er war ins Grab gesenket, Der Feind trieb groß Geschrei. Eh' er's vermeint und denket, Ist Christus wieder frei Und ruft Victoria! Schwingt fröhlich hier und da Sein Fähnlein als ein Held, Der Feld und Muth behält. ( Vers 1 und 2 aus: Aus, auf, mein Herz.) Marc. 16, 1-8. Und da der Sabbath vergangen war, kauften Maria Magdalena, und Maria Jacobi und Salome Specerei, auf daß sie kámen 262 und falbeten ihn. Und sie kamen zum Grabe an einem Sabbather sehr frühe, da die Sonne aufging. Lind fie sprachen unter einander: Wer wälzt uns den Stein von des Grabes Thür? Und sie sahen dahin, und wurden gewahr, daß der Stein abgewälzet war; denn er war sehr groß. Und sie gingen binein in das Grab, und sahen einen Jüngling zur rechten Sand sigen, der hatte ein lang weiß Kleid an; und sie entsetzten sich. Er aber sprach zu ihnen: Entserzet euch nicht. Ihr suchet Jesum von Nazareth, den Gekreuzigten; er ist auferstanden, und ist nicht hier. Siehe da, die Stätte, da sie ihn binlegten. Gebet aber hin, und saget es seinen Jüngern, und Petro, daß er vor euch hingeben wird in Galilåa; da werdet ihr ihn sehen, wie er euch gesagt hat. Und sie gingen schnell heraus, und flohen von dem Grabe; denn es war fie Jittern und Entsegen angekommen, und sagten iemand Tichts, denn sie fürchteten sich. Cs s ist sehr früh, da die Sonne aufging. Auf Charfreitag verlor die Sonne am Hellen Tage ihren Schein, weil ihr Schöpfer in Gottverlaffenheit am Kreuze hing. Nun geht sie wieder auf, wie fie noch nie aufgegangen ist über dem offenen Grabe Jesu. Und die Weiber läßt's nicht ruhen; denn Liebe will lieben, und Glaube, und wär's auch, wie bei den Weibern, ein gepreßter Glaube, kann nicht ruhen. Was sie drückt, ist der Stein, der auf dem Grabe Christi liegt. Das ist keine müßige Einbildung um diesen Stein; er lag wirklich auf dem Grabe des Herrn und war sehr groß. So giebt es für Alle, die in's Reich Gottes kommen wollen, wirkliche Trübsale und Anfechtungen, einen verordneten Kampf, den man kämpfen muß, einen Weg, der enge, einsam, krumm und schlecht ist, und Dornen in der Menge und manches Kreuz und Kreuzchen trägt. Nur die Sorge der Weiber ist unnütz; denn mit ihren Sorgen wälzen sie doch den Stein nicht ab. Man muß vielmehr auf Gott hoffen, der Wolken, Luft und Winden giebt Wege, Lauf und Bahn, und Mittel genug hat, die Eteine fortzuwälzen. Man soll nur zusehen, daß man sich nicht muthwillig selbst Hindernisse und Noth bereitet; im Uebrigen heißt es aus Gottes Munde: sei unverzagt, entsetze dich nicht. Der Stein ist abgewälzt, das Grab ist leer, ein Engel sigt im Grabe und was die Hauptsache ist, ist die Predigt des Engels: Der Gekreuzigte ist auferstanden. Das ist die Thatsache, und dieſe Thatsache predigt der Engel. Dies ist die rechte Osterfonne und die einzige Sonne, die überhaupt recht scheint und leuchtet in dieses Jammerthal und in die traurigen Herzen. Der Gekreuzigte, eben dieser, der auf Golgatha zum Fluche geworden ist, da Er die Sünde der Welt trug, ist lebendig und leibhaftig auferstanden. Nun hat der Glaube einen Grund und die Hoffnung einen Stab, und Lügen bleiben Lügen. Nun ist Alles so ganz anders. Er lebt und wenn Er nicht lebt, sagt Luther, so begehrte ich keine Stunde zu leben. Engel sitzen auf der Erde, weil ihr Fürst auf unserer Erde gestritten hat mit 263 der Sünde und dem Tode und dem Teufel und hat den Sieg behalten. Auf diese Erde ist Sein Blut geflossen und die zu diesem Blute kommen, haben nun Gemeinschaft mit Gott und Seinen heiligen Engeln. Man kann die Stätte sehen, da sie Jesum hinlegten; es ist ein Grab, ein leeres Grab. In erhabener Ruhe ist der Herr auferstanden, denn wie Johannes berichtet, waren die Grabtücher fein zufammengelegt, und das Schweißtuch besonders. Solche Leichen- und Schmerzenstücher bedarf der Herr nicht mehr. Die Engel glänzen in weißen Kleidern an Christi Grabe es ist Alles Freude und Heiligkeit und Lieblichkeit; denn der Gekrenzigte ist auferstanden. Selbst tranke Kinder, wie der arme Petrus, sollen gesund und froh werden. Die Weiber freuen sich und fürchten sich es wechselt so in ihren Herzen, und so sollen gläubige Christen sich freuen, als freuten sie sich nicht, aber auch sich entsetzen, als entsetzten sie sich nicht. Aber Eine Freude soll unbeweglich sein, daß Jesus Christus, mein Gott und mein Heiland, der zu unserer Versöhnung gekreuzigt ist, lebendig auferstanden ist und Er ist mein Haupt und läsfet kein Glied, welches Er nicht nach sich zieht. - 134 - Gebet. Herr Gott, himmlischer Vater, der Du Deinen eingebornen Sohn um unserer Sünde willen dahin gegeben und um unserer Gerechtigkeit willen auferwecket hast, hilf, daß wir Seines Leibes Glieder seien und bleiben, mit Ihm ewig leben und zur herrlichen Auferstehung an jenem Tage durch Ihn fröhlich erscheinen, der ein Sieghafter Ueberwinder ist aller Seiner und unserer Feinde und also herrschet mit Dir und dem heiligen Geiste. Amen. Vater Unser. Oftermontag. Mel.: Erschienen ist der herrlich Tag. Die alte Schlang, die Sünd und Tod, Der Herr hielt ein sehr freundlich G'spräch Die Höll, all Jammer, Angst und Noth Mit zween Jüngern auf dem Weg: Hat überwunden Jesus Christ, Der heut vom Tod erstanden ist. Hallelujah! Vor Freud das Herz im Leib ihn'n brannt, Im Brodbrechen ward Er erkannt. Hallelujah! Heut gehn wir aus Egyptenland Aus Pharaonis Dienst und Band Und das recht Osterlämmelein Wir essen heut in Brod und Wein. Hallelujah! ( Vers 2, 6 und 10 aus: Erschienen ist ber herrlich Tag.) Luc. 24, 13-35. Und siehe, zwei aus ihnen gingen an demselbigen Tage in einen Slecken, der war von Jerusalem sechzig Seldweges weit, deß 264 Tame beißt Emmaus. Und sie redeten mit einander von allen dies sen Geschichten. Lind es geschah, da sie so redeten, und befragten sich mit einander, nabere Jesus zu ihnen, und wandelte mit ihnen. Aber ihre Augen wurden gehalten, daß sie ihn nicht kannten. Er sprach aber zu ihnen: Was sind das für Reden, die ihr zwischen euch handelt unterwegs, und seid traurig? Da antwortete einer, mit Mamen Cleophas, und sprach zu ihm: Bist Du allein unter den Sremolingen zu Jerusalem, der nicht wisse, was in diesen Tagen darinnen geschehen ift? Und er ſprach zu ihnen: Welches? Sie aber sprachen zu ihm: Das von Jesu von Mazareth, welcher war ein Prophet, måchtig von Thaten und Worten, vor Gott und allem Volk; wie ihn unsere Sobenpriester und Oberften überantwortet haben zur Verdammniß des Todes, und gekreuziget. Wir aber hofften, Er sollte Israel erlösen. Und über das alles ist heute der dritte Tag, daß solches geschehen ist. Auch baben uns erschreckt etliche Weiber der Unsern, die sind frühe bei dem Grabe gewesen, haben seinen Leib nicht gefunden, kommen und sagen, sie haben ein Gesicht der Engel ges sehen, welche sagen, er lebe. Lind etliche unter uns gingen bin zum Grabe, und fanden es also, wie die Weiber fagten; aber ihn fanden sie nicht. Und Er sprach zu ihnen: ihr Thoren und trås gen Herzens, zu glauben allem dem, das die Propheten geredet haben; mußte nicht Chriftus solches leiden, und zu seiner Herrlichkeit eingeben? Und fing an von Mose und allen Propbeten, und legte ihnen alle Schriften aus, die von ihm gesagt waren. Llnd sie kamen nabe zum Slecken, da fie bingingen; und er ftellete sich, als wollte er weiter gehen. Und sie nöthigten ibn, und sprachen: Bleibe bet uns, denn es will Abend werden, und der Tag hat sich geneiget. Und er ging binein, bei ihnen zu bleiben. Und es geschah, da er mit ihnen zu Tische saß, nahm er das Brodt, dankte, brach es, und gab es ihnen. Da wurden ihre Augen geöffnet, und erkannten ihn. Und Er verschwand vor ihnen. Und sie sprachen unter einander: Brannte nicht unser Herz in uns, da er mit uns redete auf dem wege, als er uns die Schrift öffnete? Und sie standen auf zu derfelbigen Stunde, kehreten wieder gen Jerusalem, und fanden die Elfe versammelt, und die bei ihnen waren, welche sprachen: Der Herr ift wahrhaftig auferstanden, und Simoni erschienen. Und sie erzählten ihnen, was auf dem Wege geschehen war, und wie er von ihnen er kannt wåre an dem, da er das Brodt brach. Die beiden Jünger in dieser sehr lieblichen und lehrreichen Geschichte feiern Ostern recht; denn brennende Herzen sind es, die sie davon tragen. Und solch' ein brennend Herz gehört zum Christenthum. Brennende Herzen sind der Beweis jetzt noch, daß Christus von den Todten auferstanden ist. Ein brennend Herz muß man haben, um in den Himmel zu kommen; denn im Himmel wohnt Gott, und Gott ist ein verzehrend Feuer. Wer will bei Gott wohnen ohne ein brennend Herz? Wissen und Erkenntniß, Werke und Worte machen keinen Christen; erst das brennende Herz macht dich zu einem Lichte, das 265 dann nach seiner Art nicht anders kann als leuchten und wärmen. Ist dein Herz denn nun warm und brennend? Jetzt sind so viele Herzen kalt und steif; die kalte, arme Welt macht alle Herzen, die ihr im Schooße liegen, so eisig und kalt. Oder brennen die Herzen, so ist es vielfach das Feuer der Hölle, das sie entzündet hat, das Feuer der bösen Luft, die nach Umständen in lichten Flammen herausbricht auch in den Oftertagen. Und wer denn nun ein brennend Herz sucht, wie soll er dazu gelangen? Nicht von ihm selber, sondern durch den allein, der das Liebes- und Lebensfeuer vom Himmel gebracht hat, der die Liebe selber ist. Der kann die Herzen entzünden, bei desfen Tode die Felsen sprangen, und Er ist doch nicht für die Felsen gestorben. Aber für uns ist Er gestorben, für uns, die wir alle Gnade Gottes verloren haben. Dieser, der für unsere Missethat verwundet und um unserer Gerechtigkeit willen auferstanden ist, der kann die Herzen brennen machen. Sein Wort, das Wort von Ihm, von unserer Schuld und Seiner Huld, von Seinem Kreuze, von Seiner Osterherrlichkeit ist es, wodurch Er die Herzen brennen macht. Nicht alle Herzen, nämlich die nicht, die in ihrem todten Wesen bleiben und lieber in Unruhe und Angst leben und sterben wollen, als sich vor Gott geben, wie sie sind, und sich demüthigen. Aber die aufgeweckten, traurigen Herzen, welche diese Welt mit all ihrem Wesen anekelt, entzündet Jesus Christus mit Seinem lebendigen Worte, daß sie glauben an Ihn, leben und brennen. Und der Mund bittet: Herr, bleibe bei uns! und bekennt: Der Herr ist auferstanden; man erkennt Ihn lebendig und fröhlich an dem Altare, da Er uns das Brod bricht. Gebet. O Herr Gott, himmlischer Bater, der Du Deinen Sohn Jesum Christum den zwei Jüngern zu Emmaus geoffenbart hast, wir bitten Dich, Du wollest durch Dein Wort und heiligen Geist unsere Herzen auch erleuchten, daß wir im Glauben stark und fest werden, an Deinem Worte treulich halten, gern davon reden und fleißig damit umgehen, auf daß wir, ob wir gleich nach dem Vorbilde Christi allerlei hier auf Erden leiden müssen, dennoch durch Dein Wort den rechten Trost haben und behalten, bis wir durch Deinen Sohn nach diesem Leben zum ewigen auferweckt werden. Amen. Vater Unser. 266 Dienstag nach Ostern. Mel.: Nun freut euch, lieben Christen gmein. Steh aus dem Grab der Sünden auf Und such' ein neues Leben. Vollführe deinen Glaubenslauf Und laß dein Herz fich heben Gen Himmel, da dein Jesus ist Und such, was droben, als ein Christ, Der geistlich auferstanden. und Drum auf, mein Herz, fang' an den Streit, Weil Jesus überwunden. Er wird auch überwinden weit In dir, weil Er gebunden Der Feinde Macht, daß du aufstehst Und in ein neues Leben gehst Und Gott im Glauben dienest. ( Vers 2 und 7 aus: Wach auf, mein Herz, die Nacht.) 1. Cor. 5, 6-8. Euer Ruhm ift nicht fein. Wisset ihr nicht, daß ein wenig Sauerteig den ganzen Teig versäuert? Darum feget den alten Sauerteig aus, auf daß ihr ein neuer Teig seid, gleichwie ihr ungefauert seid. Denn wir haben auch ein Osterlamm, das ist Chriftus, für uns geopfert. Darum laffet uns Offern halten, nicht im alten Sauerteige, auch nicht im Sauerteige der Bosheit und Schalkheit; sondern in dem Süßteige der Lauterkeit und Wahrheit. - Nicht dazu hat Gott Seinem Volk das Osterlamm gegeben, daß es sich einen Festtag in Egypten bereiten und nach der Feier desselben in die alte Knechtsarbeit zurückkehren sollte; sondern auf den Genuß des Osterlammes folgte eine ernstliche Veränderung ihres ganzen Lebens. Eltern und Kinder, Knechte und Mägde kamen in Bewegung, fest des Willens auszuziehen aus Egyptenland; jeder Hausvater sammelte und ermunterte die Seinen, alle nahmen einen frischen und willigen Ansatz, dem Herrn nachzufolgen mit allem, was ein jeder tragen und treiben konnte. Der Grundsatz dabei hieß: Es soll auch keine Klaue dahinten bleiben. Und sie sind ausgegangen aus dem Hause der Knechtschaft und haben sich gereinigt von dem Greuel der Egypter, und haben all ihr Gut und Eigenthum dem Herrn zugeführt zum Dienste Seines Reiches, das ist der immerwährende Ruhm dieses Volkes für alle Zeit, so lange der Name Israel genannt werden wird. Was aber soll der heilige Geist dem Christenvolke sagen, wenn es Ostern gehalten und das Blut des Lammes genossen hat, und dennoch in der Unreinheit Egyptens wohnen bleiben will? Euer Ruhm ist nicht fein, denn ihr verleugnet den Opfertod Jesu und die Kraft des neuen Lebens, wenn ihr noch die früheren Sünden in euch dulden wollt. Nehmt ein Beispiel an den Juden um euch her. Sie fegen in der Passahzeit den alten Sauerteig so sauber aus den Häusern, daß sie mit dem Messer auch die Ritzen des Fußbodens auskratzen, damit ja kein Krümlein im Hause bleibe. So feget ihr denn heute alle Unreinheit, Bosheit und Schalkheit aus und sorget, daß nichts in verborgenen Nigen hängen bleibe. Diese Genauigkeit und aufrichtige - 267 Sorge, die nichts mit der Sünde will zu schaffen haben, sie wird ges nannt der Süßteig der Lauterkeit und Wahrheit. Der Geschmack der süßen Brode sollte die Bitterkeit der Kräuter überwinden, mit welchen das Osterlamm bereitet wurde, als Erinnerung der bittern Leiden in Egyptenland. So überwindet auch die Lauterkeit und Wahrheit, wenn ihr Geschmack an jedem Hausgenossen zu finden ist, wie ein Süßteig alles Bittere und Widerwärtige, was in die Christenseelen während des Aufenthalts auf dieser armen Erde kommen kann. Es ist daher zu rathen, daß, wie Israel die süßzen Brode mit auf die Reise nahm, so jeder Christ ein Herz voll Lauterkeit und Wahrheit auf die Lebensreise nehmen möge. Gebet. Herr Jesu, Du unser heiliges Ofterlamm, wir danken Dir, daß der Würgengel uns verschonen muß, weil wir gezeichnet sind mit Deinem Blute. Bewahre uns doch nun, daß wir uns nicht wieder der Welt gleichstellen, welche weder Deinen Tod noch Deine Auferstehung erkennen will. Führe die Unfrigen mit uns aus dem Sündendienste in ein neues Leben, und wenn uns Jemand hindern oder zurückziehen will, so erhebe Du für uns dieselbe Stimme, vor der einst Pharao gezittert hat, und rufe mächtig: ,, Laß Mein Volk ziehen, daß es mir diene." Rufe aber auch in unser Herz hinein und mache uns vorsichtig, daß wir den Segen der verflossenen Tage nicht verlieren. Erwecke unsern lautern Sinn und fege in unserm Herzen und Hause den alten Schmutz der Sünde gründlich und für immer aus. Und dann gehe mit uns und überwinde mit der Süßigkeit Deiner Liebe alle Bitterkeit dieses Lebens, so daß man heute an uns und allen Deinen Christen nichts finden möge, als den reinen Geschmack eines lauteren Liebessinnes und eines mit Gott versöhnten Herzens. Amen. Vater Unser. Mittwoch nach Ostern. Mel.: Ein' feste Burg ist unser Gott. Er lebt! Gott hat Ihn auferweckt, Er wird auch mich erwecken. Der Tod, den Jesu Sieg erschreckt, Kann mich nun nicht erschrecken. Sein Stachel, seine Kraft, Die Sünd' ist weggeschafft. Der treue Zeuge spricht: Wer glaubt, der stirbet nicht! Deß tröst ich mich von Herzen. Er lebt, er lebt! O laßt uns heut Und stets Sein Lob erheben. Er lebt! O laßt uns allezeit Ihm wohlgefällig leben. Hier, Heiland, hast Du mich; Befiehl mir, hier bin ich! Dein, Dein will ich allein Todt und lebendig sein, Dein will ich ewig bleiben. ( Vers 5 und 7 aus: Er lebt! o frohes Wort.) 268 Luc. 24, 36-43. Da sie aber davon redeten, trat er selbft, Jesus, mitten unter fie, und sprach: Sriede sei mit euch! Sie erschraken aber, und fürchteten sich; meineten, sie fäben einen Geift. Und er sprach zu ihnen: was seid ihr so erschrocken? Und warum kommen solche Gedanken in eure Herzen? Sehet meine Sande, und meine Süße, Ich bin es felber; fühlet mich, und sehet; denn ein Geift hat nicht Sleisch und Bein, wie ihr sehet, daß ich habe. Und da er das sagte, zeigte er ihnen Hände und Füße. Da sie aber noch nicht glaubten vor Freuden, und sich verwunderten, sprach er zu ihnen: Sabt ihr bier etwas zu essen? Und sie legten ihm vor ein Stück vom gebratenen Sisch, und Honigseim. Lnd er nahm es, und aß vor ihnen. Er aber sprach zu ihnen: Das sind die Reden, die ich zu euch sagte, da ich noch bei euch war; denn es muß alles erfüllet werden, was von mir geschrieben ist im Geser Mofis, in den Propheten, und in den Pfalmen. Da öffnete er ihnen das Verständniß, daß sie die Schrift verftanden. Und sprach zu ihnen: Also ift es geschrieben, und also mußte Christus leiden, und auferstehen von den Todten am dritten Tage, und predigen lassen in seinem Tamen Buße und Vergebung der Sünden unter allen Völkern, und anheben zu Jerusalem. Ist Christus nicht auferstanden, so ist euer Glaube eitel, ſo ſeid ihr noch in euren Sünden- mit diesen Worten hebt Paulus die höchste Wichtigkeit der Auferstehung Christi hervor 1. Cor. 15, 17. Die Thaten Jesu sind überhaupt der Grund und Fels unseres Heiles, Seine Auferstehung ist aber von besonderer Wichtigkeit. Wäre Christus nicht auferstanden, so hätten wir ja keinen lebendigen Heiland, so wäre es besser für uns, nie geboren zu sein. Weil die Auferstehung unseres Herrn von höchster Bedeutung ist für uns, voll von Kraft und Trost, reich an Gnade und Wahrheit, darum lehrt uns Gottes Wort mit allem Fleiß so deutlich, daß unser lieber Herr auferstanden ist. Er ist wirklich und gewißlich auferstanden; die heiligen Apostel und Andere haben Ihn oft nach Seiner Auferstehung gesehen, ja betastet. Er ist leibhaftig auferstanden; meinen die Apostel, sie sähen einen Geist, so widerlegt der Herr diese aus dem thörichten MenschenHerzen und dessen Fehlgedanken geborne Meinung und überzeugt die Apostel von Seiner leibhaftigen Auferstehung. Ein Geist und Gespenst hat doch nicht Fleisch und Bein, wie die Jünger sich überzeugen können durch sinnliche Wahrnehmung, daß der Herr einen Leib hat. Der Herr ist vor ihnen und mit ihnen Alles, um ihnen den deutlichen Beweis zu liefern, daß Er wieder im Leibe wandelt. Es ist auch derselbe Leib; ist der Leib auch verklärt und jetzt in dem Stande der Erhöhung mit Preis und Glorie angethan, so ist es doch derselbe Leib, welchen der Herr von der Jungfrau Maria empfangen hat. Er zeigt den Jüngern die ihnen wohlbekannten Hände und Füße, die Nägel- und Wundenmaale, die Er am Kreuze empfangen hat. Welch - 269 eine Fülle von Trost, Licht und Kraft liegt für Jünger Jesu, bie eben an Ihm hangen, darin, daß der um unsrer Missethat willen gekreuzigte Herr also auferstanden ist. Wie hat der Herr nach Seiner Auferstehung an den Jüngerherzen zu arbeiten, bis sie lernen glauben, nun sei Alles durch Christi Auferstehung in bester Ordnung. Die Herzen sind erschrocken, zittern erst vor Angst und dann können sie es ,, noch nicht glauben vor Freuden", es ist fast, als wäre Gott zu gnädig, zu freundlich, als daß ein Mensch in sein Herz könnte solche Liebe und Freude faffen. Aber der liebe Herr geht den Jüngern nach; Er ist ja der Heiland und das bleibt Er auch nach Seiner Auferstehung und bleibt's auch für uns. So heilt Er die blöden, zerbrochenen, furchtsamen Herzen und flößt ihnen, so viel sie es fassen können, ein Tröpflein nach dem andern ein von der himmlischen Kraft und Gnade und Freude, die in Seiner Auferstehung liegt. Nach und nach schwindet der Schrecken und die Angst, es tritt eine selige Verwunderung ein, eine Freude und Friede, der höher ist, denn alle Vernunft. In der Gemeinschaft Jefu gehen wir wohl durch tiefe Betrübniß über unser Elend, aber wir bleiben dabei nicht stehen, sondern dringen weiter in die Erkenntniß Seiner versöhnenden Leiden und in die Kraft Seiner Auferstehung. Gebet. Lieber Gott, barmherziger Vater, verleihe uns Deinen werthen heiligen Geist, daß wir der trostreichen Auferstehung Deines lieben Sohnes uns recht trösten und in solchem Glauben und Zuversicht von Tage zu Tage zunehmen und endlich dadurch selig werden. Deffne uns die gnadenreichen Trostbrunnen, welche Du uns durch die siegreiche Auferstehung Jesu geschenkt haft und verleihe, daß wir die Trübsal dieses Lebens in der Gemeinschaft Jesu Christi geduldig und fröhlich überwinden. Amen. Bater Unser. Donnerstag nach Ostern. Mel.: Aus meines Herzens Grund. Ich war ein wilder Neben; Du haft mich gut gemacht. Der Tod durchdrang mein Leben, Du hast ihn umgebracht Und in der Tauf erstickt, Als wie in einer Fluthe, Mit dessen Tod und Blute, Der uns im Tod erquict. Erfülle die Gemüther Mit reiner Glaubenszier, Die Häuser und die Güter Mit Segen für und für. Vertreib den bösen Geist, Der Dir sich widersetzet Und, was Dein Herz ergötzet, Aus unsern Herzen reißt. ( Vers 3 und 14 aus: Zeuch ein zu meinen Thoren.) 270 Joh. 15, 1-8. Ich bin ein rechter Weinstock, und mein Vater ein Weingärtner. Einen jeglichen Reben an mir, der nicht Srucht bringet, wird er weg. nehmen; und einen jeglichen, der da Srucht bringet, wird er reini gen, daß er mehr Srucht bringe. Ihr seid jetzt rein um des Worts willen, das ich zu euch geredet habe. Bleibet in mir, und Ich in euch. Gleichwie der Rebe kann keine Srucht bringen von ihm selber, er bleibe denn am Weinstock: also auch ihr nicht, ihr bleibet denn in mir. Jch bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibet, und Ich in ihm, der bringet viele Srucht; denn ohne mich könnet ihr nichts thun. Wer nicht in mir bleibet, der wird weggeworfen, wie ein Rebe, und verdorret, und man sammelt fie, und wirft sie in's Seuer, und muß brennen. So ihr in mir bleibet, und meine Worte in euch bleiben, werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch widerfahren. Darinnen wird mein Vater geehret, daß ihr viele Frucht bringet, und werdet meine Jünger. Der Herr Jesus steht in dem gepflasterten Saale, Seine Jünger umringen Ihn. Wie könnten sie wohl von Ihm lassen? Und doch ist eine böse Stunde vor der Thür. Der Herr vergleicht die schwachen und zitternden Seelen Seiner Jünger mit den zarten Neben, welche am Weinstock hangen. Er weiß wohl, was für ein Gemächte sie sind; wie sie sich beugen und auseinander fahren werden, sobald der erste Sturm der Anfechtung hereinbricht, denn einen Beistand haben sie nicht in sich selbst. Wer soll sie denn halten, wenn sie selber unsicher und haltlos sind, wer soll sie sammeln, wenn sie auseinander fahren, wer soll sie wurzeln und wachsen machen, wenn sie selber keine feste Stätte gewinnen können? Das soll allein die verborgene Herzensgemeinschaft mit dem Herrn Jesu thun. Darum redet Er in einem lieblichen Bilde von dieser seligen und nöthigen Verbindung. ,, Ich bin ein rechter Weinstock", sagt Er ,,, denn Ich weiß, daß Ich eine lebendige Gemeinschaft habe mit den Seelen Meiner Gläubigen. Ich stehe hier zwischen euch, aber bis in das Innerste eures Lebens strecke Ich meine Liebeskräfte aus, wie ein Weinstock mit seinem Trieb und Wuchs verborgen und unsichtbar in alle seine Zweige hineinreicht." Da ist kein Fäserlein des Stammes, das nicht in den Reben sich verjüngen will. Jesus aber hat Sein Leben, Sein Blut im heiligen Abendmahl so eben erst Seinen Jüngern eingeflößt zur Vergebung der Sünden, und sie sind jetzt rein um des Wortes willen. Er aber wächst und treibt mit Seinen Liebeskräften unaufhörlich in ihr Gemüth hinein. Er ist ein rechter Weinstock und Sein Vater ein Weingärtner. Sein Auge wacht über dem geringen Pflänzlein und Seine Hand behütet es, wenn es nur Frucht ansetzen will, daß kein Ungeziefer ihm schade. Darum sei getrost, liebe Seele, wenn du dich selbst nicht so reinigen kannst von deinen Sünden, wie du wohl möchtest. Denke mur darauf, daß du dem Herrn Früchte bringest und 271 dann überlaß es Ihm, daß Er dich reinige. Denn einen jeglichen Reben an Ihm, der da Frucht bringet, den reiniget Er, daß Er mehr Frucht bringe." So oft dir deshalb ein Leid geschieht oder ein Schmerz durch die Seele schneidet, so denke: es ist das Messer des Vaters, der mich reinigen will; freue dich: Er sieht, daß du Früchte tragen kannst und will dir dazu helfen, daß du mehr Frucht bringest. Die Hand des Gärtners weiset den Reben den Platz an, wo sie am besten Früchte tragen können. Die Rebe aber hat nichts anderes zu thun, als am Weinstock zu bleiben. Darum redet Jesus alle Seelen an: ,, bleibet in Mir und Ich in euch, denn ohne Mich könnet ihr nichts thun." Zieht des Gärtners Hand dich hoch, bedenke, daß die hohen Reben am ersten verdorren und versenke dich tiefer in Jefum. Stellt sie dich in Schatten, bedenke, daß die Rebe auch im Schatten Früchte tragen kann, wenn der Stamm nur in der Sonne steht. Liebe Seele: Wir stehen alle an der Schattenseite des Hauses in der sichtbaren Welt. Unser Weinstock steht in der Sonnenseite in der unsichtbaren Welt: Jesus zur Rechten Gottes im Himmel. Aber dadurch wird der Vater geehret, daß wir in dieser kalten öden Welt als Reben Jesu täglich süße Himmelsfrüchte tragen, als da sind Himmelsliebe, Himmelsfriede, Himmelsfreundlichkeit. Gebet. Herr Jesu, hilf uns dazu, daß wir Deines Lebens theilhaftig werden und Früchte bringen. Herr Gott Vater, suche heim Deinen Weinstock, und schütze ihn in allen Landen, so wollen wir nicht von Dir weichen. Der Du uns mit dem himmlischen Berufe zu Christo, dem Weinstocke berufen hast, wollest uns durch Deine Gnade vollbereiten, stärken, träftigen, gründen. Laß uns leuchten Dein Antlig, so genesen wir. Amen. Vater Unser. Freitag nach Dstern. Mel.: Jefus meine Zuversicht. Jesus, Er, mein Heiland, lebt, Ich werd' auch das Leben schauen, Sein, wo mein Erlöser schwebt, Warum sollte mir denn grauen? Läffet auch ein Haupt sein Glied, Welches es nicht nach sich zieht? — Dieser meiner Augen Licht Wird Ihn, meinen Heiland, kennen. Ich, ich selbst, ein Fremder nicht, Werd' in Seiner Liebe brennen. Nur die Schwachheit um und an Wird von mir sein abgethan. ( Vers 2 und 6 aus: Jesus, meine Zuversicht.) 1. Cor. 15, 42-49. Es wird gesået verweslich, und wird auferstehen unverweslich. Es wird gesået in Unebre, und wird auferstehen in Serrlichkeit. Es 272 wird gefäet in Schwachheit, und wird auferstehen in Kraft. Es wird gefået ein natürlicher Leib, und wird auferstehen ein geistlicher Leib. Sat man einen natürlichen Leib, so hat man auch einen geistlichen Leib. wie es geschrieben ftehet: ,, Der erste Mensch, Adam, ist gemacht in das natürliche Leben;" und der letzte Adam in das geiftliche Leben. Aber der geistliche Leib ist nicht der erste, sondern der natürliche, darnach der geistliche. Der erste Mensch ist von der Erde, und irdisch; der andere Mensch ist der Herr vom Simmel. Welcherlei der irdische ist, folcherlei sind auch die irdischen; und welcherlei der himmlische ist, folcherlei sind auch die himmlischen. Und wie wir getragen haben das Bild des irdischen: also werden wir auch tragen das Bild des himmlischen. Wie wir uns des Abends beim Niederlegen an unsern Tod erinnern sollen, so sollen wir des Morgens der Auferstehung gedenken. Es ist eine große Ehre, welche unserm Leibe durch die Verheißung Der Auferstehung zugestanden wird. Von allen sichtbaren Dingen wird nicht blos die jetzige Form vergehen, sondern es werden sogar ihre Elemente vor Hitze zerschmelzen, aus unserm Leibe aber wird ein geistliches und herrliches Gewächs, wie es für den Himmel paßt, hervorsprossen, wie aus einem Samenkorn. Wenn man ein Saatkorn in Die Erde legt zum Grünen, so kommt es vor allen Dingen darauf an, daß ein lebendiger Keim darin enthalten sei. Dieſsen lebendigen Keim der Ewigkeit legt Gott der Heilige Geist in unsern Leib hinein, wenn Er denselbigen zu Seinem Tempel macht und darin wohnet. Wohl seufzet Er in diesem gebrechlichen Gefäß von Fleisch und Blut und läßt auch uns seufzen über diesen Leib der Demüthigung und läßt uns warten auf seine Erlösung; aber Er sagt uns auch, daß Christus in uns ist die Hoffnung der Herrlichkeit, denn so gewiß, wie Christus ist auferwecket von den Todten, so gewiß wird Er unsern nichtigen Leib verklären, daß er ähnlich werde Seinem verklärten Leibe. Deshalb wandten sich die ersten Christen oft vor ihrem Tode um, ermahnten und baten ihre Feinde, sowie die umstehenden Ungläubigen, sie möchten ihnen noch einmal genau in das Angesicht sehen und sich ihre Züge einprägen, damit, wenn sie an jenem Tage leuchten würden, wie des Himmels Glanz, die Feinde nicht leugnen könnten, daß es dieselben Leiber wären, welche hier in Schwachheit umgekommen waren vor ihren Augen. Sie wußten, daß, wenn auch ihre Asche in alle Winde gestreut werden sollte, oder die Würmer der Verwesung Augen, Ärm und Bein zernagten, doch kein Feuer und kein Wurm den Keim der Ewigkeit in dem verweslichen Samenkorn zerstören könne. Was aber kein Feuer und keine Verwesung verderben kann, das können wir durch unsere Sünden verderben. Durch die Sünden der Unmäßigkeit und Unzucht, des Unglaubens und der Fleischesluft wird der Keint des ewigen Lebens, den der Heilige Geist in unsern Leib gelegt, in einen Reim des ewigen Todes umgewandelt. Wie sorgsam und heilig soll daher ein Christ mit seinem Leibe umgehen, in dem ein folches Kleinod niedergelegt ist! Wie fröhlich soll er Gott mit demfelben dienen, wie geduldig soll er seine Krankheiten und Schwächen tragen und denken: so gewiß wie ich getragen habe das Bild des ersten Adam, so gewiß werde ich auch tragen das Bild des zukünftigen, nämlich des Herrn Jesu Christi. Endlich, wenn er wieder soll zu Erde werden, wie gern giebt er sein Elend dann dahin, ist doch kein Haar auf unserm Haupte, welches, wenn es Christi Eigenthum geworden ist, der Herr dem Tode überlassen wird. Gebet. Allmächtiger Gott, barmherziger Vater, der Du uns durch die Auferstehung Jefu Chrifti, unseres lieben Heilandes, einen Zugang zum ewigen Leben geöffnet hast, wir bitten Dich, gieb uns durch Deinen Geist, daß wir in wahrem Glauben uns hierauf verlassen und unsere Leiber mit Christo auch zum ewigen Leben erweckt werden und daß wir in Betrachtung dieses Trostes allerlei Ungemach des Lebens mit Geduld ertragen mögen durch die Kraft der Auferstehung Deines Sohnes unseres Herrn Jesu Christi. Amen. het sid hannar Vater Unser. 1966 be 290 273 15 en Sonnabend nach Ostern. Mel: O Gott, Du frommer Gott. Der Glaube ist ein Licht Im Herzen tief verborgen, Bricht als ein Glanz hervor, Scheint als der helle Morgen, Erweiset seine Kraft, Macht Christo gleichgesinnt, Verneuert Herz und Muth, Macht uns zu Gottes Kind. Er schöpft aus Christo Heil, Gerechtigkeit und Leben, Und thut in Einfalt es Dem Nächsten wiedergeben. Dieweil er überreich In Christo worden ist, Preist er die Gnade hoch, Bekennet Jesum Christ. ( Vers 2 unb 3 aus: Bersuchet euch doch selbft. Con I 1 Joh. 5, 4-10. Denn Alles, was aus Gott geboren ift, überwindet die Welt; und unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat. Wer ist aber der die Welt überwindet, ohne der da glaubet, daß Jesus Gottes Sohn ist? Dieser ist es, der da kommt mit Waffer und Blut, Jesus Chriftus, nicht mit Waffer allein, sondern mit Wasser und Blut. Und der Geift ift es, der da zeuget, daß Geift Wahrheit ift. Denn drei sind, die da zeugen im Simmel; der Vater, das Wort, und der heilige Geist; und diese drei sind Eins. Llnd drei find, die da zeugen auf Erden: der Geist, und das Wasser, und das Blut; und 18 274 die drei sind beisammen. So wir der Menschen Jeugniß annehmen, so ist Gottes Jeugniß größer; denn Gottes Jeugniß ist das, das er gezeuget hat von seinem Sohne. Wer da glaubet an den Sohn Gottes, der bat solches Jeugniß bei ihm. port „ Unser Glaube ist der Sieg, welcher die Welt überwunden hat." Fürwahr, es ist ein mächtig, fräftig, geschäftig Ding um den Glauben, sagt Luther. Willst du wissen, was der Glaube ausrichtet, lies das 11. Kapitel im Hebräer= Briefe, da ist eine Wolke von Zeugen, die durch den Glauben zu Gnaden gekommen und Wunderdinge ausgerichtet haben. Die Welt hält den Glauben für eine Ansicht, die man von göttlichen Dingen hat, für eine Vorstellung und Meinung des Verstandes. Aber eine Meinung ist eine sehr ungewisse Sache. Und der Mensch sollte die Errettung seiner Seele auf die ungewisse Meinung setzen! O, wie himmelweit verschieden ist der Glanbe von einer bloßen Meinung. Wer ihn hat, der kann der glaubenslosen Welt gegenüber treten und sprechen: Ich habe eine Speise, wovon ihr nichts wisset." Der Glaube ist fürwahr der Sieg, welcher die Welt überwunden hat. Was wandelt die Wüsten in Gefilde, was stürzt Götzenaltäre und blutige Menschenopfer, was hat dem rechtmäßigen Herrn ein Stück Land nach dem andern wieder zurückerobert, was hat die Nacht der Heiden, die Nacht in ihren Herzen, in ihren Familien, in ihren Gemeinschaften, in ihren Todesfeiern lichthell gemacht? Ist's nicht der Glaube gewesen dies himmlische Feuer, durch dessen Glanz das Volk versammelt wird aus aller Welt Zungen? Und was überwindet in dir die Welt? Sinne, so viel du willst, fasse gute Vorsätze, so viel du kannst, vermagst du damit das Dornengestrüpp der Lüste des Herzens auszurotten, oder die Sorgen zu bannen, vermagst du damit dir Liebe zu geben ohne Falsch, deinen Feind zu segnen, vermagst du damit Gott anzubeten im Geiſt und in der Wahrheit. Du mußt es anstehen lassen ewiglich. Dagegen wird durch den Glauben an Christum das Herz gereinigt denn, der Glaube ist eine lebendig erwogene Zuversicht auf Gottes Gnade, so gewiß, daß man tausendmal darüber hinstürbe; und die Erkenntniß dieser göttlichen Gnade machet fröhlich und willig und lustig gegen Gott und alle Kreaturen, daß man willig wird allerlei zu thun und zu leiden Gott zu lieb und zu Lob, der uns solche Gnade erwiesen." Solche Siege verschafft freilich nicht ein beliebiger Glaube, sondern: wer ist, der die Welt überwindet, ohne der da glaubet, daß Jesus Gottes Sohn ist. Der Glaube ist es, welcher das trotzige Menschenherz bricht der Glaube an eine Liebe Gottes, welche auch des eigenen Sohnes nicht verschonet, damit alle, die an Ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Der Glaube ist freilich auch keines Menschen Werk; ist eine Schöpfung Gottes in Herz und Gewissen. Der Geist ist's, Gottes heiliger Geist, ► - der uns durch's Evangelium berufen, mit seinen Gaben erleuchten, und im rechten Glauben heiligen und erhalten muß. Er hat sich auch dir nicht unbezeuget gelassen seit deiner Taufe, wo er im Wasser kam; so oft du hinzutratest zu den Altären des Herrn Zebaoth, wo Er mit Blut tam,- und sonst im Wort auf viel tausend Weisen betrübe Ihn nicht, widerstrebe Ihm nicht, und du wirst den Sieg kennen lernen aus gewisser seliger Erfahrung, welcher die Welt überwindet, und das Ende des Glaubens davon tragen, nämlich deiner Seelen Seligkeit. - 275 Gebet. Herr Jesu Christe, es steht nicht in meinem Vermögen, den Glauben zu wirken. Aber ich weiß, daß Du der Anfänger und Vollender des Glaubens bist und den Glauben Jedermann vorhältst. So bitte ich Dich, Du wollest in mir und allen Deinen Kindern den wahren Glauben erhalten, stärken und zur Ueberwindung der Welt tüchtig machen. Amen. Vater Unser. 1. Sonntag nach Ostern, genannt uasimodogeniti. Mel.: Erhalt' uns, Herr, bei Deinem Wort, ober: Herr Jesu Chrift, Dich zu uns wend: Wen nun sein Gwissen beißt und nagt, Die Sünd quält, daß er schier verzagt. Der halt sich zu dem Gnadenthron, Zum Wort der Absolution. ( Vers 7 und 10 aus: So wahr Ich leb, spricht Gott der Herr.) Und wenn die Sünd wär noch so groß, So werden wir derselben los Durch Kraft der Absolution, Die verordnet hat Gottes Sohn. Joh. 20, 19-23. Am Abend aber deffelbigen Sabbaths, da die Jünger versam melt und die Thüren verschloffen waren, aus Surcht vor den Juden, kam Jesus, und trat mitten ein, und spricht zu ihnen: Sriede sei mit euch! Und als er das sagte, zeigte er ihnen die Hände, und seine Seite. Da wurden die Jünger froh, daß sie den Serrn saben. Da sprach Jesus abermal zu ihnen: Sriede fei mit euch! Gleichwie mich der Vater gesandt hat: so sende Ich euch. Und da er das sagte, blies er sie an, und spricht zu ihnen: Mehmet bin den beiligen Geift! Wel chen ihr die Sånden erlaffet, denen sind sie erlaffen; und welchen ihr fie behaltet, denen sind sie behalten. Durch die Auferstehung von den Todten ist unser Heiland großer Ehre theilhaftig geworden. Nun geht es mit Ihm in die Höhe auf den Stuhl Seiner Majestät. Aber wie köstlich muß es in unsern Augen sein, daß Er auch nach Seiner Auferstehung derselbe liebreiche Heiland gegen Seine Jünger ist. Und Jünger Jefu haben täglich 18* 276 diesen Heiland nöthig. Sie fitzen da, ein furchtsamer, zerstreuter Haufen, bei verschloffenen Thüren. Jesus, in Seinem verklärten Leibe, tritt auf einmal unter sie und spricht: Friede sei mit euch. Was Er aber spricht, das geschieht auch. Ist's nun aber Friede, so muß vorher Kampf und Krieg gewesen sein. Und welche Feinde galt es zu besiegen! Welch' ein saurer, blutiger Kampf ist's gewesen in Gethsemane und Golgatha! Die Wundenmale an dem Leibe Chrifti, die Er Seinen Jüngern zeigt, sagen es uns, wie theuer den Sündern der Friede Gottes durch Christum erworben ist. Denn es sind Fluchmale, die der Herr, da Er um unserer Missethat willen am Fluchholze hing, empfangen hat. Es sind Liebesmale, welche die Sünderliebe Jesu gemacht hat; denn da Sünder der Gegenstand der Liebe Jesu sind und Sünder nur durch Versöhnung zu Gott kommen können, so hat der Herr Sich freuzigen lassen. Christi Wundenmale legen den Spruch aus: Gott ist die Liebe. Es sind Erlösungsmale, Zeichen und Siegel der richtig vollbrachten Erlösung. Jesu, der für unsere Sünden gekreuzigt ist nach der Schrift und auferstanden, ziemt es wohl, zu sagen: Friede sei mit euch. Sein heiliger Mund hat wahrlich Kraft und Grund. So giebt es nun einen Frieden Gottes für uns arme Sünder. Und das ist ein Friede, zu welchem wir gelangen können. Der Herr hat Seinen Frieden in das Wort verfaßt, das uns Seine Knechte predigen. Die Diener Christi sind Haushalter über Gottes Geheimniffe. Es ist von hoher Bedeutung, daß der Herr gerade, nachdem Er Seinen Jüngern den Frieden gebracht hat von Seinem Kreuze und aus Seinem Grabe, mun sofort spricht: gleich wie Mich der Vater gesandt hat, so sende Ich euch Er sendet sie also den Frieden zu bringen in Vergebung der Sünden. Dieses Amt der Predigt stiftet der Herr und giebt dazu Seinen Geist. Und wo nun die Predigt von Chrifto recht erschallt, wird solche Predigt alle Menschen beschließen unter die Sünde und Gottes Zorn, Sünde strafen, Sünde fündig machen, Sünde aufdecken das ist das Werk des Predigtamtes und die Kraft des göttlichen Wortes. Aber es soll die Sünde auch vergeben werden Allen, die es herzlich begehren. Erworben hat der Herr diese Vergebung mit Seinem bittern Leiden und Sterben, mitgetheilt, gegeben wird uns diese Vergebung in der trostreichen Absolution, von welcher Luther sagt: ein Christ soll lieber zehnmal sterben, als daran zweifeln, daß Gott ihm in der Absolution durch den Mund Seines Dieners die Sünde vergiebt. So ist das Reich Gottes nahe, wir dürfen nicht gen Himmel fahren, noch in die Erde hinabsteigen um Christum zu holen. Röm. 10, 6-8. Das Wort ist dir nahe. Wer wird denn nun selig? Selig sind, und doch glauben; selig sind, die das Wort Gottes, eben als Gottes Wort in Taufe, Absolution, Predigt und Abendmahl hören und bewahren. die nicht sehen, - S 277 Gebet. Wir danken Dir, Du einiger Friedesfürst Jesu Christe, daß Du Dein heiliges Predigtamt unter uns aufgerichtet haft, und Deine theuer erworbenen Schätze allen Menschen darin vortragen lässest. Wir bitten Dich, Du wollest uns hinfort Deine heiligen Wunden und getreues Herz darin zeigen, damit wir wahrhaftig erkennen und fest glauben, daß Du unser Herr und Gott bist. Amen. Vater Unser. Montag nach dem 1. Sonntage nach Ostern. ( Quasimodogeniti.) Mel.: Balet will ich dir geben. Der Grund, da ich mich gründe, Ist Christus und Sein Blut. Das machet, daß ich finde Das ew'ge wahre Gut. An mir und meinem Leben Ist nichts auf dieser Erd; Was Christus mir gegeben, Das ist der Liebe werth. Sein Geist wohnt mir im Herzen, Regieret meinen Sinn, Vertreibt mir Sorg und Schmerzen, Nimmt allen Kummer hin; Giebt Segen und Gedeihen Dem, was Er in mir schafft; Hilft mir das Abba schreien Aus aller meiner Kraft. ( Vers 3 und 7 aus: 3ft Gott für mich, so trete.) Joh. 20, 24-31. Thomas aber, der 3wölfen einer, der da beißt 3willing, war nicht bei ihnen, da Jesus kam. Da sagten die andern Jünger zu ihm: Wir haben den Herrn geseben. Er aber sprach zu ihnen: Es sei denn, daß ich in seinen Sånden sehe die Tågelmale, und lege meine Singer in die Tågelmale, und lege meine Sand in seine Seite, will ich es nicht glauben. Und über acht Tage waren abermal seine Jünger darinnen, und Thomas mit ihnen. Kommt Jesus, da die Thüren verschloffen waren, und tritt mitten ein, und spricht: Friede sei mit euch! Darauf spricht er zu Thomas: Reiche deinen Singer her, und fiebe meine Sånde; und reiche deine Sand her, und lege fie in meine Seite; und sei nicht ungläubig sondern gläubig. Thomas antwortete, und sprach zu ihm: Mein Herr und mein Gott! Spricht Jesus zu ihm: Dieweil du mich gesehen haft, Thoma, fo glaubeft du. Selig sind, die nicht sehen, und doch glauben. Auch viele andere Zeichen that Jesus vor seinen Jüngern, die nicht geschrieben sind in diesem Buch. Diese aber sind geschrieben, daß ihr glaubet, Jesus sei Chrift, der Sohn Gottes; und daß ihr durch den Glauben das Leben habt in seinem Tamen. Zugedecktes Feuer ist kein ausgelöschtes Feuer. So können wir uns wohl mit dem Leben und Treiben in dieser Welt den Unfriedent unserer Seele zudecken, nicht aber hinwegnehmen. Der Unfriede ist in 278 uns, weil die Furcht vor Strafe und Gericht in uns liegt; solche Furcht ist über uns gekommen, weil die Sünde in uns ist. Es ift das unglückliche und unglücklichste Werk des Menschen ohne Gott, daß er sich hierin über sich selbst täuscht. Jesus, der treue und wahrhaftige Zeuge, deckt uns unsern tiefen Unfrieden auf, damit wir empfänglich werden für den wahrhaftigen Frieden, den Er giebt, ja der Er Selber ist; denn Er ist die Versöhnung für unsere Sünden. Unsere Miffethat hat Ihn getroffen, unsere Sünde hat Ihn geschlagen, daß Er tiefe Wunden empfangen hat. So viel Wunden an Seinem heiligen Leibe sind, so viel Quellen des Friedens für uns. Und wie freundlich ist der Herr, daß Er uns in der Predigt von Seinem Namen diese wunderbaren Fluch- und Friedensmale zeigt und in den hochwürdigen Sacramenten spricht: Friede sei mit dir. Thomas fand den Glauben und den Frieden, als er seine Finger in Jeſu Hände und seine Hand in Jesu Seite legen durfte. Aber danach heißt es für ihn und für uns: Selig sind, die nicht sehen und doch glauben. Danken wir Gott, dem Schöpfer aller Dinge, daß Er uns Sein Wort und Sacrament gegeben hat, wodurch Er als durch Mittel den Glauben in uns wirken will. Der Glaube fommt aus der Predigt und ist Gottes ernstes Gebot: sei nicht ungläubig, sondern gläubig. Gott nicht glauben ist die größte Sünde. Wehe, wer nicht glaubt! Ueber dem bleibet der Zorn Gottes. Aber wie schwer muß es sein zu glauben, da selbst Thomas, der nicht aus Bosheit zweifelte, nicht glauben kann. Es ist auch ein großer Glaube, daß Jesus Christus mich verlornen und verdammten Menschen erlöset hat und erworben und gewonnen von allen Sünden, vom Tode und von der Gewalt des Teufels. Das kann ich nur glauben, wenn ich die bündigsten Gewißheiten habe, und diese Gewißheiten liegen in den Wunden Jesu. Das kann ich nur glauben, wenn ich göttliche Zeugnisse habe. Aber daran fehlt es ja nicht; denn drei sind, die da zeugen auf Erden: Der Geist und das Wasser und das Blut; und die drei sind beisammen. 1. Joh. 5, 8. Nun ist Alles bereit, daß ich glauben darf. Ich darf jett ernstlich bitten: Herr, öffne mir die Augen; ich glaube, hilf meinem Unglauben. Gebet. Jesu, Du Sohn Gottes, der Du den ungläubigen Thomas nicht in solcher Sünde stecken lassen, sondern ihm gnädig geholfen hast, hilf, daß wir uns des Unglaubens erwehren und uns mit ganzem Vertrauen auf Dein Wort verlassen mögen. Gieb Deinen heiligen Geist in unsere Herzen, daß wir an Deiner Gnade nimmermehr zweifeln, sondern durch festen Glauben an Deine Barmherzigkeit ewig selig werden. Amen. Bater Unser. 279 Dienstag nach dem 1. Sonntage nach Ostern. ( Quasimodogeniti.) Meines Glaubens Licht Laß verlöschen nicht. Salbe mich mit Freudenöle, Daß hinfort in meiner Seele Ja verlösche nicht Meines Glaubens Licht. Mel.: Seelenbräutigam. So werd' ich in Dir Bleiben für und für. Deine Liebe will ich ehren Und in Dir Dein Lob vermehren, Weil ich für und für Bleiben werd' in Dir.IS ( Vers 4 und 5 aus: Seelenbräutigam.) Joh. 7, 37-46. Aber am letten Tage des Seftes, der am herrlichsten war, trat Jesus auf, rief und sprach: Wen da dürftet, der komme zu mir, und trinke; wer an mich glaubet, wie die Schrift sagt, von deß Leibe werden Ströme des lebendigen Waffers fließen. Das sagte er aber von dem Geist, weichen empfangen sollten, die an ihn glaubten; denn der heilige Geist war noch nicht da, denn Jesus war noch nicht verkläret. Viele nun vom Volk, die diese Rede böreten, sprachen: Dieser ift ein rechter Prophet. Die Andern sprachen: Er ist Chriftus. Etliche aber sprachen: Soll Christus aus Galiläa kommen? Spricht nicht die Schrift von dem Samen Davids, und aus dem Flecken Bethlehem, da David war, solle Christus kommen? Also ward eine 3wietracht unter dem Volk über ihn. Es wollten aber etliche ihn greifen, aber iemand legte die and an ihn. Die Knechte kamen zu den Hohenpriestern und Pharisäern. Und sie sprachen: Warum habt ihr ihn nicht gebracht? Die Knechte antworteten: Es hat nie kein Mensch so geredet, wie dieser Mensch. Wenn Jemand vor den reichen Mann oder andere Seelen, die in der jenseitigen Qual sind, hintreten könnte und sprechen: ,, Wen; da dürftet, der komme zu mir und trinke", wie sehnsüchtig würden sie sich nach ihm drängen, daß er ihre Zunge fühle aber es ist ihnen das Wasser versagt. Seinen Gläubigen verspricht der theuerwerthe Heiland ein Waffer, welches den Durst ewiglich vertreiben soll. Es ist leicht zu verstehen, daß Er von keinem natürlichen Labetrunk redet, sondern von einem geistlichen und himmlischen, welcher den Seelen-: durft stillt. Dies ist die lebendige Genießung Gottes, durch's Wort und den heiligen Geist im Herzen gewirft, welche die Seele also vergnügt, daß sie auf ewig genng hat. Wenn man einem Fieberkranken nur Tropfen auf die Lippen gießt, so wird dadurch der Durst fortwährend vermehrt, denn die Tropfen sind verzehrt, ehe sie den inneren Brand erreichen und kühlen können. So sind alle Creaturen und ihre Genüsse nur Tropfen auf die Lippen, nach welchen der Durft immer - 280 Heftiger werden muß. Jesus allein kann uns zu trinken geben, daß der innere Brand dadurch gelöscht wird. Sein Gnadenwasser bringt mit sich eine Kühlung, die alle aus dem Schlangenbiß entstandene Gewissensangst und Hitze vertreibt, es giebt einen solchen Trost, daß man alles irdischen Trostes entbehren kann. Und nicht allein trinken sollen es Seine Gläubigen, sondern es soll ein Brunnen in ihnen werden, daß Ströme deffelben von ihrem Leibe fließen. Alles andere Wasser, wenn man es gleich überflüssig an einen Ort leitet oder ausgießt, wird von der Sonnenhitze verzehrt, oder es verschießt in die Erde, oder es bleibt stehen und fault; nur wo man so tief durchsticht, daß eine Quelle entspringt, da hat man immer reichliches, kühles und gesundes Wasser. Diesen Durchstich soll das Herz eines gläubigen Christen täglich bekommen, damit täglich aus dem innersten Grunde Heraus die Quelle des heiligen Geistes mit ihrer süßen Kraft und seligen Wirkung sich ergießen kann. Wie ein guter Baumeister einen Brunnen in jedem Hause anlegt, weil Niemand, wenn das Haus brennt, erst bei Andern schöpfen kann, so hat der Heiland jeder Seele, die Ihm sich ergiebt, einen lebendigen Brunnen im eigenen Hause verheißen, denn Er sagt, von ihrem Leibe werden Ströme des lebendigen Wassers fließen. Das sind die Ströme des Segens, welche durch die Gebete der Christen auf viele Seelen fließen; es sind die Lehrströme, welche aus dein Herzen und Munde frommer Menschen täglich hervorkommen; es ist die unaufhörliche treue Liebe, womit gläubige Christen ihre Umgebung erquicken, und ihren Beruf und ihre Arbeit befruchten. Treu ist ein fühler Bronnen im tiefen Felsengrund, labt ihn kein Blick der Sonnen, labt er doch jeden Mund. Wie am Rande einer strömenden Quelle zwischen den Steinen Blumen sprießen, so werden durch die Freundlichkeit, Treue und Liebe eines wahren Christen auch in rohen und steinernen Herzen doch zuweilen Regungen von Freude, Dank und Frömmigkeit geweckt. Sorge nicht, wenn auch einige Tropfen deiner Liebe auf Steine fallen. Wo Ströme fließen, braucht man um den Tropfen nicht zu sorgen. Gebet. O Herr Jesu, meine Seele verlanget nach Dir, Du bist die lebendige Quelle. Wecke in mir einen fortwährenden Durst nach Dir Selber und laß von Dir durch Dein heiliges Wort und durch Deinen Geist lebendiges Wasser in mein Herz fließen, damit ich etwas werde zum Lobe Deines allerheiligsten Namens und zum Nußen meines Nächsten. Amen. Bater Unser. 281 Mittwoch nach dem 1. Sonntage nach Ostern. ( Quasimodogeniti.) 10007 Tröst auch and're fromme Seelen, dWenn sie tief in Kummer stehn, and Wenn sie in verborgnen Höhlen, Kammern, Feld und Wäldern gehn, Ihrem Kummer nachzusinnen, Daß sie satt sich weinen können; So sprich ihrer Seele zu: Liebes Kind, was trauerst du? ( Vers 7 und 8 aus: 3ween der Jünger gehn.) #foudr 19 Mel.: Jesus, meines Lebens Leben. Bin ich traurig und betrübet, So gib nur in meinen Sinn, Daß mich Deine Seele liebet Und daß ich der Deine bin. Laß Dein Wort mich feste gründen, Laß es auch mein Herz entzünden, Daß es voller Liebe brennt Und Dich immer besser kennt. Joh. 20, 1-10. An der Sabbather einem kommt Maria Magdalena früh, da es noch finster war, zum Grabe, und siehet, daß der Stein vom Grabe hinweg war. Da låuft sie, und kommt zu Simon Petro, und zu dem andern Jünger, welchen Jesus lieb batte, und spricht zu ihnen: Sie haben den Herrn weggenommen aus dem Grabe; und wir wissen nicht, wo sie ihn bingelegt haben. Da ging Petrus und der andere Jünger hinaus, und famen zum Grabe. Es liefen aber die zween mit einander, und der andere Junger lief zuvor, schneller, denn Petrus, und kam am erffen zum Grabe, tucket binein, und siehet die Leinen gelegt; er ging aber nicht binein. Da kam Simon Petrus ihm nach, und ging hinein in das Grab, und siehet die Leinen gelegt, und das Schweißtuch, das Jesu um das Haupt gebunden war, nicht bei die Leinen gelegt, fondern beiseits, eingewickelt, an einem besonderen Ort. Da ging auch der andere Jünger hinein, der am ersten zum Grabe Fam; und fabe, und glaubte es. Denn sie wußten die Schrift noch nicht, daß er von den Todten auferstehen müßte. Da gingen die Jünger wieder zusammen. Liebe ist nichts Erzwungenes, sondern ist freiwillig und bedarf nicht erst vieler Ermahnungen. Liebe liebt von selber, wie wir an Maria Magdalena sehen, die bereits früh, da es noch finster war, zum Grabe des Herrn eilt. Lernen wir daraus, daß die Liebe zum Herrn, wenn sie anders bei uns ist, dem Geliebten nachgeht und nicht von Ihm lassen kann. Bei solchen Seelen, die von Christo ergriffen sind, geht alles Fragen und alles Sagen auf diesen Jesus. Aber in diesem Leben muß alles Gute sich durchringen durch viel Noth und Anfechtung. Glaube und Liebe zu Gott kommen in den Herzen der Gläubigen nicht zu Stande, es gehe denn durch mancherlei Proben. Aber Proben schaden nicht, wie das Feuer nicht dem Golde, sondern blos den Schlacken schadet, obwohl das Gold auch warm und hizig int Feuer wird. So erfährt's denn auch Maria Magdalena. Sie siehet, daß der Stein vom Grabe hinweg war, und statt daraus eine Ursache 282 zur Freude zu nehmen, geräth sie in Schrecken, wie sie zu den Jüngern sagt: sie haben den Herrn weggenommen. Und auch Petrus und Johannes lassen sich in Furcht setzen, nachdem sie das leere Grab gesehen haben. Johannes glaubte es( V. 8.), was ihm Maria gesagt hatte. So irren wir allezeit, so lange wir die Schrift nicht wissen. Und daß sie die Schrift, daß Jesus von den Todten auferstehen sollte, nicht wissen, wie merkwürdig ist das! Denn so gar oft hatte es ihnen der liebe Herr gesagt. Aber Alles will seine Zeit haben besonders auch das Verständniß der Schrift. Erst nach und nach wachsen wir hinein, und je mehr die ewige Wahrheit der Schrift einem Gläubigen aufgedeckt wird, um so stiller wird sein Auge, um so ruhiger sein Herz, um so sester sein Fuß und sicherer seine Hand. Es ist eine der theuersten Gnadengaben des heiligen Geistes, daß Er uns die Schrift öffnet und wir bitten: Herr, öffne mir die Augen. Sehen wir bei geöffneter Schrift in das leere Grab Jesu, so ist es nicht ein Gegenstand der Furcht, sondern der tiefsten heiligsten Freude. Also das Grab ist leer- unser Blutbürge ist auferstanden; es war unmöglich, daß Er im Tode bleiben sollte. Die Leinen, nämlich die Leichentücher, sind dort hingelegt. So hat unser Herr das Letzte, was an Tod und Kampf erinnert, abgethan; Er lebt im Stande der Erhöhung. Leichentücher hat und bedarf Er nicht mehr. Das Schweißtuch, das Ihm um's Haupt gebunden war, liegt an einem besonderen Orte, fein und säuberlich eingewickelt. Man sieht, es ist bei Seiner Auferstehung gar feierlich und stattlich zugegangen; in majestätischer Ruhe ist Er auferstanden ohne Schweißtuch. Das hat seine Dienste an dem blutbeflossenen Haupte gethan. Nun ist der Herr in der Verklärung, wo keine Thränen und kein Schweiß mehr sind. Es sind uns also stille, aber sehr willkommene Tücher, die dort im Grabe Jesu liegen; der Glaube sieht sie mit Freuden an, weil sie lauter Auferstehung anzeigen. Wir haben noch ein Leichentuch Christi, ich meine das weiße Altartuch in unsern Kirchen. Auf dem wird Brod und Wein gesegnet zur wunderbarsten und seligen Gemeinschaft mit dem Leibe und Blute Christi. Da darf Leib und Seel Ihn essen und so kann ich nicht vergessen, daß ich einen Heiland habe. Gebet. Sesu, der Du um unserer Sünden willen gekreuzigt und um unserer Gerechtigkeit willen auferstanden bist, habe Dank für alle Deine Güte. Gieb, daß unsere Seele die Kraft und Versöhnung Deiner Leiden nach der Schrift und die Gewißheit und den Trost Deiner Auferstehung erkenne und in solcher Erkenntniß gerecht und selig sei. Amen. Vater Unser. - - 283 Donnerstag nach dem 1. Sonntage nach Ostern. ( Auasimodogeniti.) Eigene Melodie, wenn die letzte Beile, wie sie eingeflammert ist, gesungen wird, sonst: O daß ich tausend Bungen hätte. Ich danke Dir, Du wahre Sonne, Daß mir Dein Glanz hat Licht gebracht; Ich danke Dir, Du Himmelswonne, Daß Du mich froh und frei gemacht; Ich danke Dir, Du süßer Mund, Daß Du mich machest ganz gesund. ( Daß Du mich machst gesund.) Gieb meinen Augen süße Thränen, Gieb meinem Herzen keusche Brunst. Laß meine Seele sich gewöhnen, Zu üben treu der Liebe Kunst. Laß meinen Geist, Sinn und Verstand Stets sein zu Dir allein gewandt. ( Stets sein zu Dir gewandt.) ( Vers 5 und 7 aus: Ich will Dich lieben, meine Stärke.) Joh. 20, 11-16. Maria aber ftand vor dem Grabe, und weinete draußen. Als sie nun weinete, Fuckte sie in das Grab, und siehet zween Engel in weißen Kleidern, einen zu den Saupten, und den andern zu den Süßen, da sie den Leichnam Jesu bingelegt hatten. Und dieselbigen sprachen: Weib, was weinest du? Sie spricht zu ihnen: Sie haben meinen Herrn weggenommen; und ich weiß nicht, wo sie ihn hingelegt haben. Und als sie das sagte, wandte sie sich zurück, und siehet Jesum stehen, und weiß nicht, daß es Jesus ist. Spricht Jesus zu ihr: Weib, was weinest du? wen suchest du? Sie meinet, es sei der Gårtner, und spricht zu ihm: Herr, bast du ihn weggetragen, so sage mir, wo baft du ihn hingelegt? so will ich ihn holen. Spricht Jesus zu ihr: Maria! Da wandte sie sich um, und spricht zu ihm: Rabbuni, das heißt, Meister. Wenn man nach den vier Evangelien die ersten Worte betrachtet, die der Herr zu den Seinen nach Seiner Auferstehung zuerst gesprochen, so wird man finden, daß es insgesammt Trostworte sind. Für Seine Jünger ist Christi Auferstehung Trost, nur Trost. Was weinest du? fragt Er Magdalena. Thränen sind ein Zeichen, daß im Herzen ein Feuer ist, wie der Saft aus dem Holze quillt, wenn es in heftiges Feuer gesteckt wird. Aber es ist nicht einerlei, welches Feuer im Herzen glüht. Auch Hoffart, Aerger, Neid können Thränen auspressen. Was ist's denn nun, daß Maria so bitterlich weint? Das ist's, daß ihr Herz Ruhe gefunden hatte in Jesu, und dieser Jesus ist gekreuzigt und begraben, und nun ist gar nach ihrer Meinung der Leichnam Christi weggenommen. So hat sie in der ganzen Welt, ja im ganzen Himmel nichts mehr, worin ihr Herz ruhen und haften kann. Ihr Herz fliegt herum, zittert, bebt, weint; wie sollte nicht weinen, wer Alles hatte und nun auf einmal jämmerlicher daliegt, wie die geringste Pflanze, die doch mit ihren Wurzeln ein Plätzchen hat, wo sie sich halten kann! Wohl spricht die Schrift: selig seid ihr, die ihr weinet. Das Wort geht auf Maria und ihres Gleichen. Aber es ist schwer bei den schmerzlichsten Empfindungen der Seele blos dem Worte zu glauben und um des Wortes willen Weinen für Seligkeit achten. Und die Schrift war Maria verborgen. Und doch wie selig ist sie durch ihr Weinen! Wie weich, wie empfänglich wird dadurch ihr Herz für die glorreiche Erscheinung des Auferstandenen! Wie nahe ist doch der Herr! Sie meinet, es wäre der Gärtner- o von wie vielen thörichten Meinungen müssen auch die Gläubigen in göttlichen Dingen geheilt werden! Denn es ist der Herr Selbst. Aber ihre Augen sind gehalten und erst thut der Herr das ist die beständige Glaubensregel die Ohren und das Herz auf und dann die Augen. Maria! spricht Er. Dieses eine Wort macht wie bei der Schöpfung aller Dinge im Anfange, Alles anders bei Maria. Es zündet, wie ein Blitz, es leuchtet wie ein Licht, dieses eine Wort. Und im Augenblicke sind alle Zweifel verbannt, alle Thränen gestillt, Maria betet den Auferstandenen an mit den Worten: Rabbuni, d. H. Meister. Ja wohl- Meister, Meister in allerlei Weise, im Betrüben und im Erfreuen, im Lehren und im Lieben, Augen und Ohren und Herz und Sinne zu öffnen, ja Meister. O, welche Herrlichkeit liegt doch in Jesu! - B 284 - Gebet. Herr Jesu, Du auferstandener Heiland, es ist Deine Luft, uns heilen, stillen, erfreuen und segnen und unserer Seele als Freund begegnen. Gieb uns Allen ein herzliches Verlangen nach Dir und Deinem Leben, und segne Dein Wort an uns, daß wir Dich dadurch im lebendigen Glauben erkennen und uns Deiner getrösten. Schenke, o Herr, allen Bekümmerten Gnade, daß sie ihr Leiden geduldig tragen bis auf die Zeit, da Du sie erquickest mit Deiner Hülfe. Amen. tots Bater Unser. Niemand soll uns scheiden. Ich bin Dein, weil Du Dein Leben Und Dein Blut 1 Freitag nach dem 1. Sonntage nach Ostern. ( Quasimodogeniti.) Mir zu gut In den Tod gegeben. Mel.: Warum sollt ich mich denn grämen. Herr, mein Hirt, Brunn aller Freuden, Du bist mein, weil ich Dich faffe Du bist mein, Und Dich nicht, Ich bin Dein, O mein Licht, Aus dem Herzen lasse. Laß mich, laß mich hingelangen, Da Du mich Und ich Dich Leiblich werd umfangen. ( Vers 11 und 12 aus: Warum sollt ich mich denn grämen.) 285 Joh. 20, 17. 18. Spricht Jesus zu ihr: Rühre mich nicht an; denn ich bin noch nicht aufgefahren zu meinem Vater. Gehe aber bin zu meinen Brüdern, und sage ihnen: Ich fahre auf zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott. Maria Magdalena kommt, und verkündiget den Jüngern: Ich babe den Serrn gesehen, und solches hat er mir gesagt. Caria Magdalena will den Herrn anrühren. Das darf sie nicht. Warum fie es nicht darf, sagt der Herr: ,, Ich bin noch nicht aufgefahren." Seit der Auferstehung des Herrn soll die leibliche, sichtbare Gemeinschaft, wie Er dieselbe vordem mit Seinen Jüngern gehabt hat, aufhören. Diese war nur das Mittel zu der eigentlichen, bleibenden Gemeinschaft mit Christo durch den Glauben. Tausenden müßte es nicht, daß sie den Herrn im Fleische sahen, ja Ihn drängten, weil sie nicht durch das Wort zum Glauben an Ihn kamen. Maria war gläubig; nun sollte sie es erst recht werden. Denn wir sind Christen im Werden. Es giebt Stufen im Glauben, da wir glauben mit Gefühl, glauben ohne Gefühl, glauben trot Gefühl. Maria soll nun glauben lernen ohne fühlen. Darum darf sie den Herrn nicht mehr anrühren. Aber im Worte soll es eine herzliche, innige Gemeinschaft mit Jefu sein. Brüder" nennt der Herr jett zum ersten Male Seine Jünger. Solches Bruderrecht hat uns der Herr am Kreuze errungen. Gelobet fei Er dafür! Brüder haben Gemeinschaft. Hier sind ungleiche Brüder. Wir haben, bei Licht betrachtet, nur Armuth, Tod, Sünde, böses Gewissen, Furcht; Christus hat Reichthum, Leben, ewige Gerechtigkeit, Friede und Freude. Was unser ist, will Christus hinnehmen; was Sein ist, soll unser sein, denn Er meint es ernstlich, daß Er, die Ihm anhangen, Brüder nennt. Wie viel haben die Jünger zu thun gehabt, daß sie dieſe Worte von der Bruderschaft Christi glaubten. Denn sie waren zerstreut, lagen hinter verschlossenen Thüren; Petrus, der das Haupt sein sollte unter ihnen, blutet am meisten aus bösem Gewissen. Da hat die Kraft aus der Höhe, der heilige Geist, kommen müssen, der solche hohe Worte in den Jüngern haften machte. Und wie sauer wird es unsern Herzen, auch wenn sie gerne wollten, solche Gnade Christi festiglich zu glauben. Lieber suchen wir unser Gewissen erst mit Beten und Almosen zu stillen und da doch in allen Dingen keine Ruhe ist, als allein darin, daß ich glaube, daß Christus mein wahrhaftiger Heiland und Bruder ist, so bleibt dem Herzen zuletzt nichts übrig, als diesen Glaubensweg zu betreten. Ja, lieber Herr, ich glaube, daß Du mein bist und ich Dein; hilf meinem Unglauben. So nahe ift Christus, daß Er unser Bruder ist. Sein Vater ist unser Vater; aber Er unterscheidet doch: Mein Vater euter Vater. Er ist der Sohn Gottes dem Wesen nach; wir sind angenommene Kinder. Ist - 286 Er unser Bruder, so dürfen wir kindlich und zutraulich gegen Ihn sein; ist Er wahrhaftiger Gott, so wissen wir, daß Er der Herr ist. den wir scheuen und ehren sollen. Wir sollen Ihn über alle Dinge lieben aber auch fürchten. - ans Gebet. Lieber, himmlischer Vater, wir armen Sünder bitten Dich, Du wollest uns Deinen heiligen Geist verleihen, damit wir Deinen lieben Sohn, unsern allerliebsten Bruder und Herrn, aus Deinem Worte recht erkennen und lieben lernen. Herr, Dich lieben ist Seligkeit. Führe zu solcher Seligkeit alle Deine Kinder in aller Welt, daß sie mit uns schmecken, wie freundlich Du bist. Amen. Vater Unser. Sonnabend nach dem 1. Sonntage nach Ostern. ( Auasimodogeniti.) Mel.: Mach's mit mir, Gott, nach Deiner Gült. Mir nach, spricht Christus, unser Held, Mir nach! ihr Christen alle. Verleugnet euch, verlaßt die Welt, Folgt Meinem Ruf und Schalle; Nehmt euer Kreuz und Ungemach Auf euch, folgt Meinem Wandel nach. Fällt's euch zu schwer, Ich geh' voran, Ich steh euch an der Seite, Ich kämpfe selbst, Ich brech die Bahn, Bin Alles in dem Streite. Ein böser Knecht, der still darf steh'n, Wenn er den Feldherrn an sieht gehn. ( Vers 1 und 5 aus: Mir nach, spricht Chriftus.) 1 Petri 2, 21-25. stod a Denn dazu seid ihr berufen. Sintemal auch Christus gelitten hat für uns, und uns ein Vorbild gelaffen, daß ihr sollt nachfolgen feinen Sußstapfen; welcher keine Sünde gethan bat, ist auch kein Betrug in seinem Munde erfunden; welcher nicht wieder schalt, da er gescholten ward, nicht drohete, da er litte, er ftellete es aber dem heim, der da recht richtet; welcher unsere Sünden selbst geopfert hat an seinem Leibe auf dem Solz, auf daß wir, der Sünde abgestorben, der Gerechtigkeit leben; durch welches Wunden ihr seid heil geworden. Denn ihr waret wie die irrenden Schafe; aber ihr seid nun bekehret zu dem Sirten und Bischof eurer Seelen. Denn enn dazu seid ihr berufen" Wozu denn? Nicht zum Zorn sind wir gesetzt, sondern, daß wir die Seligkeit besitzen durch unsern Herrn Jesum Christum. Wo Ich bin, da soll Mein Diener auch sein, spricht der Herr, und fürwahr, das gilt etwa nicht blos von der Herrlichkeit im schönen Paradies"- das gilt auch von Seinem Sein hier auf Erden"- den Stätten der tiefsten Erniedrigung, über welchen das wunderbare Wort erklingt: Obschon Er Gottes Sohn war, hat Er an dem, daß Er litt, Gehorsam gelernt. Darum ist unser Beruf, obschon ein herrlicher, seliger in der Herrlichkeit, hier ein Leidensberuf; dazu seid ihr berufen, sintemal auch Christus gelitten hat für uns, und uns ein Vorbild gelassen, daß ihr sollt nachfolgen Seinen Fußstapfen. Freilich in zwei Stücken ist das hochheilige Vorbild unerreichbar. Er hat für uns gelitten; der gute Hirt läßt Sein Leben für die Schafe; es stirbt der Herre, der Gerechte, für Seine Knechte; und Er hat unschuldig gelitten, da Er keine Sünde gethan und ist kein Betrug in Seinem Munde erfunden. Leiden wir aber, so empfangen wir nur, was unsere Thaten werth sind, wir sind mit dem Schächer am Kreuz billig darin, und haben es wohl verdienet. Darum weigere dich nicht, mein Sohn, der Züchtigung deines Herrn. Alle Züchtigung freilich, so lange sie da ist, dünket sie uns nicht Freude, sondern Traurigkeit zu sein, darnach aber wird sie geben eine friedsame Frucht der Gerechtigkeit denen, die dadurch geübt sind. Auf die Uebung, oder das sich durch Leiden üben lassen und Gehorsam lernen unter dem Leiden, kommt es freilich an. Denn der Gottlose hat auch viel Plage; aber sein Leiden ist kein Kreuz, und darum keine Schule, in welcher er unter der Zucht der Strafe für seine Sünden, in der Erziehung zum Gehorsam gegen den Willen seines Gottes steht; er verstocket mit Pharao sein Herz trotz aller Plagen, bis Gott den Pharao verstockt. Der Christ muß freilich noch in eine andere Leidens- Schule; es darf ihn nicht befremden, wenn er auch um des Namens Jesu willen leiden muß in einer Welt, die im Argen liegt. Gerade das kann ihm ein Siegel sein seiner Nachfolge denn der Jünger ist nicht über den Meister, und wo Er ist, da soll Sein Diener auch sein; und er muß es für eine Ehre halten, Schmach zu leiden um Dessenwillen, der unsere Sünde selbst geopfert auf dem Holz, auf daß wir, der Sünde abgestorben, der Gerechtigkeit leben, durch welches Wunden wir sind heil geworden. Daraus sollen wir den Schluß machen auf ein drittes Leiden in der Nachfolge Jesu, daß wir nämlich so recht eigentlich die Malzeichen des Herrn Jesu an unserm Leibe tragen, indem wir täglich in unserm alten Menschen der Sünde absterben und die Narben der Heilung von unsern Wunden durch Sein Blut im täglichen Wandel sichtbar werden. Erst, wenn dies bei uns geschehen ist, dann giebt es für uns ein: Weiland und jetzt; Weiland irrende Schafe, aber nun bekehret zu dem Hirten und Bischof unserer Seelen. Bekehre du uns, Herr, so sind wir bekehret! - - 287 - - - Gebet. Herr Jesu Christe, Hirte und Bischof unsrer ohne Dich verirrten Seelen, es ist Deine herzliche Liebe, daß Du uns nicht läsfest unsere eigenen Wege gehen, sondern durch Dein heiliges Wort zu Dir berufft und sammelst. Verleihe, o Herr, daß wir Dir nachfolgen, auch die Leiden Deiner Nachfolge gerne auf uns nehmen, unsern Sünden absterben und in das himmlische Leben eindringen. Amen. Vater Unser. 2. Sonntag nach Ostern, genannt Misericordias Domini. 288 Jefu, frommer Menschenheerden Guter und getreuer Hirt, Mel.: Jesu meines Lebens Leben. Laß mich doch Dein Schäflein werden, Das Dein Stab und Stimme führt. Ach, Du haft aus lieb Dein Leben Für die Schafe hingegeben Und Du gabst es auch für mich; Laß mich wieder lieben Dich. 3d Heerden ihre Hirten hören, Folgen ihrer Stimm allein; Hirten auch zur Heerd sich kehren, Wenn fie rufen groß und klein. Laß mich hören, wenn Du schreiest, Laß mich laufen, wenn Du dräueft, Laß mich horchen stets auf Dich: Jesu, höre Du auch mich. ( Vers 1 und 4 aus: Jesu, frommer Menschenheerden.) Joh. 10, 12-16. Ich bin ein guter Hirte. Ein guter Sirte låßt fein Leben für die Schafe. Ein Miethling aber, der nicht Birte ist, deß die Schafe nicht eigen sind, siehet den Wolf kommen, und verläßt die Schafe, und fliebet; und der Wolf erbaschet und zerfireuet die Schafe. Der Mietbling aber fliehet; denn er ist ein Miethling, und achtet der Schafe nicht. Ich bin ein guter Sirte, und erkenne die Meinen, und bin bekannt den Meinen; wie mich mein Vater kennet, und Ich kenne den Vater. Und ich laffe mein Leben für die Schafe. Und ich habe noch andere Schafe, die sind nicht aus diesem Stalle. Und dieselbis gen muß ich berführen, und sie werden meine Stimme hören, und wird Eine Seerde und Ein Hirte werden. D Kein Geschöpf trägt es so sichtbar an sich, daß es sich dem Schutze und Arme eines Anderen anvertrauen muß, als das Schaf. Hat das Schaf einen Hirten, einen guten Hirten, so ist Alles gut bestellt; ist es ohne Hirten, so ist keine unglücklichere Creatur als ein Schaf, das sich von jeder wirklichen oder auch eingebildeten Gefahr ganz verwirren läßt. Kein Thier läuft dann so sinnlos herum als das Schaf. So sind Viele, Viele in der Christenheit jetzt ganz verwirrt und kopflos geworden, leugnen die offenbarsten Wahrheiten wie die vorhandene Ewigkeit, die bevorstehende große Verantwortung des Menschen vor dem Richterstuhle Christi, die wahre Gottheit Jesu. Und jedes Herz ist verwirrt und zerstreut, sofern nicht Christus der gute Hirte den Menschen erleuchtet und zu Sich und Seiner Heerde gesammelt hat. Man weiß nicht sein wahres Glück und Unglück, man sucht Sand statt Gold, man kennt sich selbst nicht und kennt Gott nicht; und wie sollte man 289 es, da man dem irrenden Schafe gleich, auf der Flucht vor Gott und sich selbst und so ganz verwirrt ist. Dies dauert so lange, bis der liebwerthe Heiland, der gute Hirte, Raum und Eingang in unsere Herzen findet. Wenn der Hirte vor dem Schafe steht, da ist Alles persönlich, Auge in Auge. Der Hirt redet, winkt, warnt, das Schaf folgt und merkt: das ist Alles eine Sache zwischen Zweien, die immerhin sehr ungleich sind. Wir wären also in einem höchst verwirrten Zustande, wenn wir denken, unsere gedruckte Bibel, unser hingesprochenes Gebet und pflichtmäßigen Werke wären das wahre Christenthunt. Mit nichten; der lebendige Heiland in Seinem Hirten- und Liebesverkehr mit uns, die menschliche Seele in ihrem Umgange mit Christo das ist's. Taufe, Predigt und Abendmahl find Gnadenmittel, die uns darum so theuer sind, weil sie uns den Liebes- und Glaubensverkehr mit dem persönlichen Heiland täglich vermitteln. Das ganze Glück des Schäfleins liegt darin, daß es einen guten Hirten hat; damit hat es Alles. So ist unserer Seele einiges Glück, daß wir Jesu Schäflein sind; damit ist nun alles andere gewiß, wie David im 23. Psalm an dieses Eine: ,, Der Herr ist mein Hirte" alles Uebrige anreiht oder vielmehr daraus folgert. Wohl haben wir eine sehr bedürftige Seele, die weiter nichts hat als Armuth; wir bedürfen also der Leitung, der Speise und des Trankes, der Erlösung von allen Ansprüchen, welche Sünde, Tod und Teufel an uns haben, wir bedürfen des Schußes, der täglichen Aufsicht ja, man muß sich wundern, wie bedürftig so ein einiges Menschenkind ist. Himmel und Erde sind nicht genug, eine einzige Seele zu erfreuen. Jesus Christus aber ist Alles in Allem; Er giebt Sein Leben für die Schafe und läßt's an keinem Guten fehlen. Er bringt Alles wieder zurecht und macht aus Allen, die sich Ihm vertrauen, Eine Heerde und Ein Volk, wie Gottes Rath von Ewigkeit über uns ist. Darum sollen wir allen Vorwitz unserer Seele fahren lassen, als ob wir was wären und könnten. Das ist die Frage, ob Er uns kennt, wenn am jüng= sten Tage Himmel und Erde vor Ihm stille sind. Dann kennt Er uns, wenn Er uns jetzt kennt; jetzt fennt Er uns, wenn wir wie ein Schäflein aufmerksam, lenksam, anhänglich, zutraulich, einfältig vor Ihm stehen. - - Gebet. Gütiger Herr Jesu, der Du uns zu Schafen Deiner Weide gemacht und Dein Leben für uns gelassen hast, wir bitten Dich, Du wollest die Deinen allezeit in Gnaden erkennen und Dich ihnen in Deinem Wort bekannt machen bis an der Welt Ende durch Deine große Lieb und Treue, die da ist bis an der Welt Ende. Amen. Vater Unser. 19 290 Montag nach dem 2. Sonntage nach Ostern. ( Misericordias Domini.) Mel.: Es ist gewißlich an der Zeit. In Angst und Noth Er mich erquickt Mit Seinem wahren Munde Und mir von oben Hülfe schickt Zur rechten Zeit und Stunde. Er führt mich auch ohn' Unterlaß An Seiner Hand auf rechter Straß Um Seines Namens willen. Er leitet mich bei Tag und Nacht Mit Seinem Hirtenstabe; Mit Fleiß Er Leib und Seel bewacht, Treibt alles Unglück abe. Ich fürchte nichts im finstern Chal; Denn Gott ist bei mir überall Auf allen meinen Wegen. ( Vers 3 und 4 aus: Der Herr ist mein getreuter Hirt.) Joh. 10, 23-31. Und Jesus wandelte im Tempel, in der Salle Salomo's. Da umringten ihn die Juden, und sprachen zu ihm: wie lange båltst du unsere Seelen auf? Bift Du Chriftus, so sage es uns frei heraus. Jefus antwortete ihnen: Ich habe es euch gesagt, und ihr glaubet nicht. Die Werke, die Jch thue in meines Vaters Tamen, die zeugen von mir. Aber ihr glaubet nicht; denn ihr seid meine Schafe nicht, als ich euch gesagt babe. Denn meine Schafe hören meine Stimme, und Ich kenne sie, und sie folgen mir; und Ich gebe ihnen das ewige Leben; und sie werden nimmermebr umkommen, und Tiemand wird sie mir aus meiner Sand reißen. Der Vater, der sie mir gegeben bat, ist größer, denn Alles; und Tiemand kann sie aus meines Vaters Sand reißen. Ich und der Vater sind eins. Da hoben die Juden abermal Steine auf, daß sie ihn steinigten. Von der Halle Salomonis konnte man gerade herunter sehen in die Straße und das Thor, durch welches die Hirten ihre Heerden von den Bergen heimzutreiben pflegten, und welches hiervon den Namen ,, Schafthor" hatte. An dieser Stelle sprach der Herr Jesus das Gleichniß vom guten Hirten. Da umringten Ihn die Juden und sprachen: Wie lange hältst Du unsere Seelen auf? Bist Du Christus, so sage es frei heraus. Es sind unglückliche Menschen, welche durch die Predigt vom guten Hirten nicht weiter gekommen sind. Sie haben eine geheime Angst, daß sie am Ende doch Jesu Hirtenstabe nicht entlaufen können, und doch wollen sie das Vertrauen nicht zu Ihm faffen, sich Seiner treuen Hand mit Leib und Seele zu ergeben. Solche Leute werden leicht ungeduldig, als wenn der Herr die Schuld hätte, daß sie nicht könnten zum Glauben kommen, beklagen sich, daß Er Sich ihnen nicht deutlich gemtg bezeugen und offenbaren wolle, und reden über das Christenthum als über die dunkelste und ungewisseste Sache. Es ist aber nicht des Herrn Schuld, wenn die Menschen mit Ihm nicht in's Reine kommen können. Er hat deutlich genug geredet, 291 wer Er sei und was jede Seele an Ihm haben solle, Er hat es auch unzählige Male durch die That bewiesen. Aber viele Seelen haben keinen Zug zu Ihm, darum mag Er thun, was Er will, sie sehen nichts davon, Er mag reden, was Er will, sie verstehen nichts davon. Jedes Schaf hat nur Zug zu dem Hirten, mit dem es sich schon länger abgegeben hat, von dem es schon vielmal auf die Weide geführt ist. Wer seine Weide immer anderswo sucht, wie soll der einen Zug zu Christo haben? Seelen, welche sich schon länger mit Christo abgegeben haben, hören Seine Stimme auch in dem Geräusch der Gesellschaft und in dem Getümmel des Tages, wie man zuweilen sieht, daß auf einer großen Weide alle die einzelnen Mastkälber oder Rinder zwischen den übrigen weg zusammen laufen, welche einer bestimmten Haushaltung angehören und von einer bekannten Stimme gerufen werden. Er ruft jede Seele zur rechten Zeit mit Namen, wenn sie in Gefahr kommt, denn Er kennt sie, und Ihm können fie folgen mit dem unbedingten Vertrauen, daß Er sie nicht zu Schaden oder Schanden kommen lasse, denn Er ist der allmächtige Gott, eins mit dem Vater. Diese Sicherheit ist der Welt ärgerlich, sie hebt dagegen Steine auf Ist das die Frucht der Predigt vom guten Hirten? Gebet. Ach Du gnädiger und barmherziger Heiland, Du hast Dich genugsam durch Dein Wort und großen Werke als unsern einigen Hirten geoffenbart, weshalb wir auch all' unser Vertrauen auf Dich allein setzen. Wir danken Dir für solche tröstliche Erkenntniß und bitten Dich, Du wolleft uns gnädiglich dabei erhalten, damit wir uns nicht an Dir ärgern oder von Dir weichen. Amen. Vater Unser. Dienstag nach dem 2. Sonntage nach Ostern. ( Misericordias Domini.) Mel.: Lob sei bem allmächtigen Gott, oder: Bom Himmel hoch, da komm' ich her. Jesu, des Herzens Freud' und Wonn', In Dir mein Herz hat seine Lust; Des Lebens Brunn, Du wahre Sonn', Herr, mein Begierd' ist Dir bewußt, Dir gleichet nichts auf dieser Erd'; Auf Dich ist all' mein Ruhm geſtellt, In Dir ist, was man je begehrt. Jesu, Du Heiland aller Welt. ( Vers 2 und 11 aus: O Jesu füß, wer.) Joh. 15, 10-16. So ihr meine Gebote haltet, so bleibet ihr in meiner Liebe, gleichwie Ich meines Vaters Gebote balte, und bleibe in seiner Liebe. Solches rede ich zu euch, auf daß meine Freude in euch bleibe, und eure Freude vollkommen werde. Das ist mein Gebot, daß ihr euch 19* 292 unter einander liebet, gleichwie ich euch liebe. Tiemand bat größere Liebe, denn die, daß er sein Leben låffet für seine Freunde. Jbr feid meine Sreunde, so ihr thut, was ich euch gebiete. Ich sage binfort nicht, daß ihr Knechte seid; denn ein Knecht weiß nicht, was sein Herr thut. Euch aber habe ich gesagt, daß ihr Freunde seid; denn Alles, was ich habe von meinem Vater gehöret, das habe ich euch fund gethan. Jhr habt mich nicht erwählet; sondern Ich babe euch erwahlet, und gesetzt, daß ihr hingehet, und Srucht bringet, und eure Frucht bleibe; auf daß, so ihr den Vater bittet in meinem 7amen, daß er es euch gebe. grad 100930 190 Cine 11 ine würdige und treue Ehefrau, welche aber ein schwaches Gedächts niß hatte, weinte häufig im Stillen darüber, daß sie die Anordmungen und Wünsche ihres geliebten Hausherrn nicht alle behalten und das Hauswesen nicht ganz nach seinem Sinne verwalten konnte. Um so zärtlicher wurde sie von ihrem Gemahl geliebt, als er ihre Sorge und ihren Eifer fahe, mit dem sie ihm Alles zu Gefallen einzurichten wünschte. Einen solchen Eifer verlangt Christus von den einzelnen Seelen, wenn Er spricht: So ihr Meine Gebote haltet, so bleibet ihr in Meiner Liebe. Wenn Er einen Menschen bekümmert findet über seine Untreue und Versäumnisse, den tröstet und liebt Er. Du bist doch meine theure, anvertraute Seele", spricht Er zu ihr, ,, und sollst Mir fernerhin in meinem Hause dienen, wenn du auch gefündigt hast." Welche Freude ist es, von Christo getröstet zu werden! Welche Freude, für Christum zu arbeiten! ,, Solches rede Ich zu euch, daß Meine Freude in euch bleibe und eure Freude vollkommen werde." Je mehr wir Christo ähnlich werden, desto höher wächst unsere Freude, desto tiefer lernen wir Ihn verstehen, desto besser fassen wir Sein Herz und Seine Meinung. Ein Knecht weiß nicht, was sein Herr thut. Ein Knecht steht seinem Herrn ferner, als der Freund thut. Ein Knecht arbeitet und dient im Hause; mit dem Freunde aber lebt man in Zutraulichkeit. Freunde verstehen sich. Ihr seid Meine Freunde," sagt Christus, ,, so ihr thut, was Ich euch gebiete," denn Christen sollen Sinn für das haben, was Christus gerne hat, sie sollen Verstand davon haben, was sich in dem Hause Gottes paßt, nämlich Freundlichkeit, Verträglichkeit, aufrichtiges Herzliches Betragen, Geduld, Treue in der Arbeit, und was sich nicht paßt, nämlich mürrisches und verdrießliches Wesen, Wunderlichkeit, Mißtrauen, Zanksucht, Faulheit und Untreue. Sie sollen ihrem himmlischen Freunde täglich nach den Augen sehen, und je fleißiger sie mit Ihm umgehen, desto mehr werden sie auch von Ihm annehmen, desto ähnlicher werden sie Ihm werden. Wer lieben lernen will, der muß bei Ihm studiren, denn Niemand hat größere Liebe, als Er, der Sein Leben gelassen hat für Seine Brüder. Wer für den Himmel bereit werden will, der muß bei Christo in die Schule gehen, denn was - Er von Seinem Vater gehöret hat, das sagt Er unsern Seelen. Bet Ihm kann man lernen, was sich geziemt, nämlich immer tiefere Anbetung und Beugung vor Seiner heiligen Person, immer willigeren und würdigeren Dank dafür, daß Er uns erwählet hat. Solche Seelen, die das lernen, die können Frucht bringen und können den Vater bitten im Namen Jesu. Gebet. Lieber himmlischer Vater, behüte mich und alle Deine Kinder vor falscher Lehre und unheiligem Leben. Laß uns nicht fallen auf falsche, gleißende Heiligkeit. Vielmehr erhalte und stärke uns in den heilsamen Worten Deines lieben Sohnes, und gieb uns um Christi willen Deinen heiligen Geist, damit wir als rechte Freunde Jesu demselben in allen Dingen zu Gefallen leben und wandeln mögen. Amen. Vater Unser. rel 293 $ 90 Mittwoch nach dem 2. Sonntage nach Ostern. ( Misericordias Domini.) Mel.: Herr Jefu Chrift, Dich zu uns wend'. Herr Jesu Christe, mein Prophet, Der aus des Vaters Schooße geht, Mach mir den Vater offenbar Und Seinen heil'gen Willen klar. Gefalbter Jesu, segne mich Mit Geist und Gnaden träftiglich; Schließ mich in Deine Fürbitt' ein, Bis ich werd' ganz vollendet sein. ( Vers 1 und 5 aus: Herr Jesu Christe, mein Prophet.) Joh. 17, 1-10. Solches redete Jesus, und hob seine Augen auf gen Himmel, und sprach: Vater, die Stunde ist hier, daß du deinen Sohn verklåreft, auf daß dich dein Sohn auch verklåre; gleichwie du ihm Macht haft gegeben über alles Sleisch, auf daß er das ewige Leben gebe Allen, die du ihm gegeben hast. Das ist aber das ewige Leben, daß sie dich, daß du allein wahrer Gott bist, und, den du gesandt baft, Jesum Chriftum, erkennen. Jch babe dich verklåret auf Erden, und vollendet das Werk, das du mir gegeben haft, daß ich es thun follte. Und nun verklare mich, du Vater, bei dir selbst, mit der Klarbeit, die ich bei dir hatte, ehe die Welt war. Ich habe deinen Tamen geoffenbaret den Menschen, die du mir von der Welt gegeben baft. Sie waren dein, und du haft sie mir gegeben, und sie haben dein Wort behalten. Aun wissen sie, daß Alles, was du mir gegeben hast, sei von dir. Denn die Worte, die du mir gegeben bast, babe ich ihnen gegeben; und sie haben es angenommen, und erkannt wahrhaf tig, daß ich von dir ausgegangen bin; und glauben, daß Du mich gesandt haft. Ich bitte für sie, und bitte nicht für die Welt, sondern 294 für die, die du mir gegeben baft, denn sie sind dein. Und Alles, was mein ist, das ist dein, und was dein ist, das ist mein; und ich bin in ihnen verklåret. din Die Augen unseres theuren Heilandes richten sich von der Erde zum Himmel, denn Er hatte Seinen Lauf vollendet, und die Stunde war gekommen, wo Er in die Herrlichkeit des ewigen Lebens eingehen sollte. Aber Er richtet Seine Augen auf alles Fleisch, und bittet um das ewige Leben nicht für sich, sondern für Alle, welche Ihm der Vater von der Welt gegeben hat. Auf fie hat Er vom Himmel herab gesehen, ehe Er Mensch geworden war und gewünscht, den Vater in ihren Herzen zu verklären. Ihnen hatte Er das Herz des Vaters nicht blos aufgedeckt, sondern auch Seine Liebe zu schmecken gegeben, daß sie ahnen konnten, was doch das ewige Leben sei. Jetzt aber sagt Er es frei heraus: Das ist aber das ewige Leben, daß sie Dich, daß Du allein wahrer Gott bist, und den Du gesandt hast, Jesum Christum erkennen. Nicht blos ahnen, nicht blos vermuthen und denken sollen sie, wie süß das Herz und die Liebe des Vaters sei, nein, sie sollen es erfahren, genießen und erkennen. Diese Erkenntniß giebt uns der heilige Geist. Wenn Er uns das Herz durch und durch erleuchtet, dann erkennen wir, daß Gott ein Licht sei und in Ihm ist keine Finsterniß, und wenn Er uns das Herz tröstet und beseligt, dann erkennen wir, daß Gott die lebendige Quelle ist, und wenn Er uns heiligt Geist, Seele und Leib durch und durch, dann erkennen und erfahren wir Gottes Heiligkeit. Aber einst, wenn uns das heilige Liebesfeuer des Geistes Gottes nicht blos durch das Inwendige des Herzens, sondern auch durch das Gebein des Leibes verklärend und besefigend strahlt und leuchtet, wenn wir mit Leib und Seele vollkommen schmecken und erfahren, wie süß und selig Gott unser Vater und Jesus Christus, den Er gesandt hat, ist, dann werden wir auch erst vollkommen wissen, was das ewige Leben ist. Jetzt freut sich Christus über jede Seele, in welcher auch nur der schwache Anfang dazu gemacht ist. ,, Ich habe Deinen Namen geoffenbaret den Menschen, die Du mir gegeben hast, und sie haben Dein Wort behalten." Für die bittet Er, welche den Namen der ewigen Vaterliebe in sich aufgenommen und das Wort, welches Christus ihnen davon gesagt hat, festgehalten haben. Ihre Seelen bindet Er Sich auf das Herz, wie der Hohepriester die Namen der zwölf Stämme Israels. Sie standen, ehe er in das Allerheiligste ging, auf seinem Brustschildlein, zum Zeichen daß er für sie bete, und auf seinem Arm- und Schulterschildlein, zum Zeichen, daß er ihrethalben diene. So legte auch unser Hoherpriester die Namen Seiner Gläubigen auf Seine Brust, ehe er zum Tode ging: Ich bitte für sie, sagt Er, ich bitte nicht für die Welt, sondern für die, welche Du Mir von der Welt gegeben hast und rief: für sie gebrauche Ich Er legte sie auf Seinen Arm Meinen Arm, gleichwie Du Mir - Macht gegeben haft über alles Fleisch, daß Ich gebe das ewige Leben allen, die Du mir gegeben hast. Auf dieses Herz, auf diesen Arm legen wir heute auch unsere Seelen und bieten Ihm unser Herz, daß Er Seinen Vater darin verkläre, unsern Arm, daß Sein Geist uns Lehre Ihm zu dienen. Gebet. O allerliebster Herr Jesu, Du bist meine Stärke und mein Trost. Du bist meine Bonne, meine feste Burg und Hoffnung. Dein Name ist in mir, und so bitte ich Dich, Du wollest das Werk Deiner Hände nicht lassen. Erleuchte meine Augen, daß ich die Kräfte Deiner Liebe und Fürbitte zu Herzen fasse und mich versenke in Deinen Liebeswillen. Ja, Herr, wie Du mir den Anfang des ewigen Lebens geschenkt hast durch die Erkenntniß Gottes im Glauben, so wollest Du mich vollbereiten und erhalten, und endlich aus diesem Jammerthal in Dein himmlisches Leben führen. Amen. Vater Unser. 295 Donnerstag nach dem 2. Sonntage nach Ostern. ( Misericordias Domini.) Wir entsagen willig Allen Eitelkeiten, Aller Erdenlust und Freuden. Da liegt unser Wille, Seele, Leib und Leben Dir zum Eigenthum ergeben. Du allein Sollst es sein, Unser Gott und Herre; Dir gebührt die Ehre. Mel.: Wunderbarer König, Herrscher. Mache mich einfältig, Innig abgeschieden, Sanfte und im stillen Frieden. Mach mich reines Herzens, Daß ich Deine Klarheit Schauen mag in Geist und Wahrheit Laß mein Herz Uleberwärts Wie ein Adler schweben Und in Dir nur leben. ( Vers 3 und 7 aus: Gott ist gegenwärtig.) Joh. 17, 11-18. Und ich bin nicht mehr in der Welt; sie aber sind in der Welt, und Ich komme zu dir. Seiliger Vater, erbalte sie in deinem Namen, die du mir gegeben hast, daß sie eins feien, gleichwie wir. Dieweil ich bei ihnen war in der Welt, erhielt Ich sie in deinem Namen. Die du mir gegeben haft, die babe ich bewahret, und ist keiner von ihnen verloren, ohne das verlorene Kind, daß die Schrift erfüllet würde. Nun aber komme ich zu dir, und rede solches in der Welt, auf daß sie in ihnen haben meine Freude vollkommen. Ich habe ihnen gegeben dein Wort, und die Welt baffet fie; denn sie sind nicht von der Welt, wie denn auch Jch nicht von der Welt bin. Ich bitte nicht, daß du sie von der Welt nehmeft, sondern daß du sie bewahrest 296 vor dem Uebel. Sie sind nicht von der Welt, gleichwie auch Ich nicht von der Welt bin. Heilige sie in deiner Wahrheit, dein Wort ist die Wahrheit. Gleichwie du mich gesandt haft in die Welt: so fende ich sie auch in die Welt. Siehe, welche Sorge der Heiland darüber hat, daß die Seinen in der Welt und noch nicht bei Ihm im Himmel sind. Ich bin nicht mehr in der Welt, sagt Er, sie aber sind in der Welt. Was sollen doch die Schafe unter den Wölfen machen und die Tauben zwischen den Geiern und Eulen? Er sieht alle Pfeile, welche auf sie angelegt werden, und alle Fallstricke, dadurch sie zu Falle kommen können, Er sieht jeden Rachen, der sich wider sie aufsperret, und jede Waffe, die sich gegen sie erhebt. Er weiß, daß man in der Welt keinen Tritt thun kann, ohne eine Schlinge des Verderbens zu fürchten, und daß man keine Thür zu seinem Herzen aufthun darf ohne Besorgniß, es möchte der Feind einschleichen. Denn die Luft selbst, die die Seinen athmen in dieser Welt, ist vergiftet, böse Geister herrschen darin, und ihr eigenes Fleisch und Blut, das sie an sich tragen, ist vergiftet, es steckt aller Tücke und Sünde voll. Gegen alle dieſe Feinde und Gefahren hat der Herr nur ein Schutzmittel, um das Er bittet: ,, Erhalte sie in Deinem Namen und heilige sie in Deiner Wahrheit. Dein Wort ist die Wahrheit." Ist denn der Name des lebendigen Gottes eine Burg, darinnen man sich halten kann gegen solchen Feind? Ist denn die Wahrheit eine Festung, um uns zu bes wahren vor so viel Gefahren? Ja, wenn man von dem Namen Gottes sein ganzes inwendiges Leben in Obhut, Herrschaft und Zucht nehmen läßt; und wenn man alle seine Sinne unter den Gehorsam des heiligen Wortes Gottes giebt. Dann ist der süße Batername durch Jesum Christum eine Quelle, in der alle tägliche Befleckung abgewaschen, eine Arznei, in der alle tägliche Vergiftung wieder gut und gesund gemacht wird. Dann ist die Furcht Gottes, mit welcher das Wort der Wahrheit uns erfüllt, ein Panzer, welcher unser Herz beschütt, daß kein feuriger Pfeil in das innerste Leben dringen kann. Höre, o Menschenherz, wie dein Heiland für dich gebeten hat und noch bittet immerdar, daß der heilige Name Gottes dir durch deine Seele und Gedanken fahren möchte als eine große gewaltige Macht, vor welcher alles Wesen dieser Welt weichen und verschwinden muß, und daß das heilige Wort Gottes dein ganzes Wesen, ja Mark und Bein, durchdringen möge, damit du Sein Eigenthum bleibest. Selig der Mensch, an welchem dies Gebet in Erfüllung geht. Er wird voll von Christi Freude werden, er wird den Namen Gottes auf Erden verklären. Und weil der Herr solche Leute auf Erden haben will, die Seinen Namen in der Welt verklären, darum bittet Er nicht, daß Er sie von der Welt nehme, sondern daß Er sie bewahre vor dent Uebel. Sein Wort beherrsche, zäume und zähme unsere flüchtigen 297 Sinnen und Gedanken, so lange es Ihm gefällt uns in dieser argent Welt zu lassen. Gebet. Ach ja, Du heiliger, himmlischer Vater, heilige Du Selbst Deinen heiligen Namen bei uns durch die lautere, fräftige Wahrheit Deines theuren Wortes und durch ein in Dir liebebrünstiges Leben. Bekehre, die sich bekehren wollen, daß sie mit uns Deinen Namen heiligen. Wehre aber allen Rotten und Widersachern, daß sie aufhören müssen, Deinen Namen zu mißbrauchen und zu entehren. Erhalt uns bei Deinem Worte. Amen. Vater Unser. Freitag nach dem 2. Sonntage nach Ostern. ( Misericordias Domini.) Mel.: Nun bitten wir den heiligen Geift. Ach, gieb an Deinem kostbaren Heil Uns alle Tage vollkommnen Theil; Und laß unsre Seele Du reichst uns Deine durchgrabne Hand, Die so viel Treue an uns gewandt, Daß wir beim Drandenken Beschämt dastehen, Sich immer schicken, Aus Noth und Liebe nach Dir zu blicken, Und unser Auge muß übergehen Ohn' Unterlaß. Vor Lob und Dank. ( Vers 5 und 9 aus: Ach, mein Herr Jesu, Dein Nahesein.) Joh. 17, 19-26. Ich beilige mich selbst für sie, auf daß auch sie gebeiliget feien in der Wahrheit. Ich bitte aber nicht allein für sie, sondern auch für die, so durch ihr Wort an mich glauben werden, auf daß sie alle eins seien, gleichwie Du, Vater, in mir, und Ich in dir; daß auch sie in uns eins feien, auf daß die Welt glaube, Du habeft mich gesandt. Und Ich habe ihnen gegeben die Serrlichkeit, die du mir gegeben baft, daß fie eins feien, gleichwie wir eins find. Ich in ihnen, und Du in mir, auf daß sie vollkommen feien in eins, und die Welt er kenne, daß Du mich gesandt haft, und liebeft sie, gleichwie du mich liebeft. Vater, ich will, daß, wo Ich bin, auch die bei mir seien, die du mir gegeben hast, daß sie meine Serrlichkeit sehen, die du mir gegeben haft; denn du hast mich geliebet, ehe denn die Welt gegründet Gerechter Vater, die Welt Kennet dich nicht; Ich aber kenne dich, und diese erkennen, daß Du mich gesandt haft. Und ich habe ihnen deinen Tamen kund gethan, und will ihnen kund thun, auf daß die Liebe, damit du mich liebest, sei in ihnen, und Jch in ihnen. ward. Seele, welch großes Geschenk macht der Heiland den Seinigen mit den Worten: Ich heilige Mich Selbst für sie! Wisse, wenn ein lebendiges Wesen zum Dienste des Heiligthums geheiligt war, 298 dann hatte Niemand Anspruch an dasselbige, es war ausgesondert von allem andern Gebrauch und war allein vorhanden für den heiligen Zweck, für den es auserlesen und eingeweihet war. So will der Sohn Gottes allein vorhanden sein zum Werke der Rettung Seiner Gläubigen, Er will keine andere Beschäftigung, keine Arbeit und keine Aufgabe kennen, als womit Er das Erlösungs- und Rettungswerk befördern kann. Er ist zwar die Wonne und Lustquelle aller Engel und in Ihm ist das Leben aller Creaturen, aber zu Seinen schwachen und elenden Gläubigen auf Erden hat Er gesagt: Ich heilige Mich Selbst für sie. Wenn ihr es nöthig habt, daß Ich vom Himmel komme, so komme Ich, wenn ihr es nöthig habt, daß Ich sterbe, dann sterbe Ich, mögen auch die Engel weinen und die Creaturen beben und trauern; wenn ihr es nöthig habt, daß Sch auferstehe und euch begleite alle Tage eures Lebens, so zerbreche Ich die Macht des Todes und trete tröstend und hülfreich zu euch. Euch biete Ich Meinen allmächtigen Arm und Meine eigene Kraft, euch biete Ich Mein Herz mit aller Seiner Seligkeit, Seiner Freude und Seinem Frieden, Ich biete euch Meine Gottheit und Meine Menschheit, Meine Verdienste und Meine Fürbitte, für euch allein ist es Alles bereit, für euch sorge, sinne und bete Ich.- Das heißt: Ich heilige Mich Selbst für sie. Und wem gilt dieses große Geschenk? Es gilt allen, welche durch das Wort der Apostel an Ihn glauben werden. Ihnen hat Er eine Herrlichkeit zugedacht, welche über die Herrlichkeit aller Engel hinausreicht, denn es ist dieselbe Herrlichkeit, welche der Vater dem Sohne gegeben hat. Auf Erden hat Er ihnen diese Herrlichkeit schon unsichtbar verliehen. Das muß wohl ein glänzendes und schimmerndes Kleinod sein; worin besteht dasselbige denn wohl? Es besteht darin, daß sie alle eins seien, gleich wie Du Vater in Mir und Ich in Dir. Wo Liebe ist in einem Christenherzen, da ist die Herrlichkeit Gottes und der größte und herrlichste Schmuck, denn Gott Selbst ist die Liebe. Wo Liebe ist in einem Christenherzen, da ist eine Bewegung, die nichts anderes sein kann, als der Anfang des ewigen Lebens. Solche Herzen fordert der Herr Jesus für den Himmel, denn sie können Seine Herrlichkeit sehen und verstehen die Liebe des Vaters, mit der Er Ihn geliebet hat, ehe denn der Welt Grund geleget ward. Wehe dir, Welt, daß du hiervon nichts verstehst, weil du hierfür keinen Sinn haft. Darin zeigt sich gerade die Gerechtigkeit Gottes, daß Er den weltlustigen und verstockten Herzen, welche die Stimme des Sohnes Gottes nicht hören wollen, eine solche Blindheit und Finsterniß über die Augen legt, daß sie sich nicht bekehren können. Siehe, der Sohn Gottes betet die furchtbare Gerechtigkeit Seines Vaters an: ,, Gerechter Vater, sagt Er, die Welt, kennet Dich nicht; Ich aber kenne Dich, und wo noch irgend eine unverstockte Seele ist, da will Ich Deinen Namen und Deine Liebe fund thun, auf daß Du und Deine Liebe in ihr wohnest." Wohlan denn, thue dich auf, mein Herz, und laß dir heute und alle Tage fund thun die Liebe des Vaters und des Sohnes durch das Zeugniß des heiligen Geistes. Amen. 299 Gebet. Ach, lieber Gott und Herr, stärke und behalte uns in Deinem lieben reinen Wort durch Jesum Christum unsern Herrn und hilf, daß wir in Einigkeit des Glaubens Jesum, unsern Heiland, mit allen Deinen Kindern loben und lieben. Amen. Vater Unser. Sonnabend nach dem 2. Sonntage nach Ostern. ( Misericordias Domini.) Mel.: Aus meines Herzens Grunde. Geht's der Natur entgegen, So geht's gerad und fein; Die Fleisch und Sinnen pflegen Noch schlechte Pilger sein. Verlaßt die Creatur Und was euch sonst will binden, Laßt gar euch selbst dahinten; Es geht durch's Sterben nur. Schmückt euer Herz auf's Beste, Sonst weder Leib noch Haus; Wir sind hier fremde Gäste Und ziehen bald hinaus. Gemach bringt Ungemach, Ein Pilger muß sich schicken, Sich dulden und sich bücken Den kurzen Pilgertag. ( Vers 4 und 6 aus: Rommt, Rinder.) 1 Petr. 2, 11-19. Lieben Brüder, ich ermahne euch, als die Sremdlinge und Pil grimme: Enthaltet euch von fleischlichen Lüften, welche wider die Seele fireiten: und führet einen guten Wandel unter den Seiden, auf daß die, so von euch afterreden, als von Llebelthätern, eure guten Werke sehen, und Gott preisen, wenn es nun an den Tag kommen wird. Seid unterthan aller menschlichen Ordnung, um des Herrn willen, es sei dem Könige, als dem Oberften, oder den Hauptleuten, als den Gesandten von ihm zur Rache über die Lebelthäter, und zu Lobe den frommen. Denn das ist der wille Gottes, daß ihr mit Wohlthun verstopfet die Unwissenheit der thörichten Menschen. Als die Freien, und nicht als hättet ihr die Freiheit zum Deckel der Boss beit; sondern als die Knechte Gottes. Thut Ehre Jedermann. Sabt die Brüder lieb. Sürchtet Gott. Ebret den König. Ihr Knechte, seid unterthan mit aller Surcht den Herren, nicht allein den gütigen und gelinden, sondern auch den wunderlichen. Denn das ist Gnade, so Jemand um des Gewiffens willen zu Gott das Lebel vertrågt, und leidet das Unrecht. Mit liebe Brüder" redet der Apostel die Christen an, welchen er schreibt. Bruder ist mehr, als Freund. Brüder sind Blutsverwandte; es sind alle die Christen, welche ,, durch Besprengung des Blutes Jesu Chrifti," wie der Apostel anfänglich in seiner Epistel meldet, seine Brüder geworden sind. Sie sind die ,, Fremdlinge und Pilgrimme", welchen er apostolischen Rath ertheilt, und es sind darunter nicht blos die in der Zerstreuung lebenden Christen zu verstehen, sondern alle die, welche wissen, daß sie hier Pilgrimme und Fremdlinge sind, welche hier keine bleibende Statt haben, sondern die zukünftige suchen. Was nun König David Ps. 34, 15. von jedem gläubigen und Gott gefälligen Herzen haben will, da er saget: laß vom Bösen und thue Gutes! eben das fordert Petrus von diesen Pilgrimmen und Fremdlingen: sie sollen vom Bösen lassen, und Gutes thun. Da merke nun, liebes Herz, was du zu lassen hast. Enthaltet euch von den fleischlichen Lüsten." Das sind nicht allein die Sünden gegen das sechste Gebot, sondern aller Muthwillen wider die heiligen zehn Gebote Gottes, wie Paulus Galater 5, 19 ff. weitläuftig sagt. Zu den fleischlichen Lüsten gehören auch alle böje Gedanken, wozu das Menschenherz von Jugend auf geneigt ist, wie solche böse Lüste Gott verboten hat, im neunten und zehnten Gebot. ,, Sie streiten wider die Seele," sagt der Apostel. Ihre Zähne sind wie Löwenzähne, und tödten den Menschen, wie ein scharf Schwert, und verwunden, daß Keiner heilen kann( Sirach 21, 2-4). Wer ihnen nachhängt, merkt's zwar nicht gleich; aber er wird es früh genug fühlen, daß sie wider die Seele gestritten, und diese um ihren besten Trost, und ihre edelste Kraft, um ihr ewiges Glück und Heil gebracht haben; denn hier wird es wahr: wo ihr nach dem Fleische lebt, werdet ihr sterben müssen, und die Lust, wenn sie empfangen hat, gebieret die Sünde, die Sünde aber, wenn sie vollendet ist, gebieret den Tod. Darum: enthaltet Euch! Vor allen Dingen greif nach der Schleuder des Gebetes, damit triffst du diesen Riesen; hange den Lüsten gar nicht nach. Den losen Vögeln kannst du freilich nicht wehren, daß sie nicht über deinem Haupte herfliegen, aber das kannst du wehren, daß sie dir ein Nest auf den Kopf bauen. Meide die Derter, die Gelegenheiten, wo die Lüste genähret werden, und vor allem: fällt dir etwas Arges ein, denke gleich an Jesu Pein, die erlaubet deinem Herzen mit der Sünde nicht zu scherzen. Aber es gilt nicht bloß lassen, sondern auch etwas thun. Führet einen guten Wandel, schreibt der Apostel. Ja, es gilt ehrbarlich wandeln als am Tage, scheinen als Lichter mitten unter dem unschlach. tigen und verkehrten Geschlechte. Zum Beschluß der Epistel segzt der Apostel fünf kurze Hauptsprüche, die alle zum guten Wandel gehören. Sebze sie auf die fünf Finger: Thut Ehre Jedermann Habt die Brüder lieb Fürchtet Gott Ehret den König und ihr Knechte übt euch am vierten Gebot. Da heißt es: seid nicht träge, was ihr thun sollt! Betrachte zu solchem Wandel nicht nur das heilsamliche Vorbild deines Heilandes, thue es vor allem in dem Vermögen, was er dir täglich darreichen muß. Wärest du darin auch ein Fremdling in der Welt, welche nur das Ihre lieb hat, und hafset, was von ihr - - 300 - 1 301 ausgegangen ist; sei immerhin ein Fremdling, ein Pilgrim, dessen Wandel auch hier im Himmel ist; dann wirst du nach Hause kommen, und der Treue in diesen Stücken wird die Krone des Lebens nicht fehlen. Gebet. Herr, hilf, daß wir das Böse laffen; Dein Kreuz, Deine Nägel und Dornenkrone, das seien die Bußprediger auch heute für uns, daß wir uns der fleischlichen Lüste enthalten; Dein heiliger Wandel aber im Licht, Dein Wirken, so lange es Tag war, sei uns das reizende Vorbild, daß wir durch die Kraft Deines heiligen Geistes auch unsern Christenstand zieren mit dem guten Wandel in der argen Welt. Ja, Du Gott des Friedens, heilige uns durch und durch, daß Leib, Seele und Geist unsträflich erhalten werde auf die Zukunft unse res Herrn Jesu Christi. Amen. Vater Unser. 3. Sonntag nach Ostern, genannt Jubilate. Mel.: Valet will ich bir geben. Mein Jesus ist mein' Ehre, Mein Glanz und helles Licht. Wenn Der nicht in mir wäre, So dürft' und könnt' ich nicht Vor Gottes Augen stehen Und vor dem strengen Sik; Ich müßte stracks vergehen, Wie Wachs in Feuership'. Sein Geist spricht meinem Geiste Manch süßes Trostwort zu, Wie Gott dem Hülfe leiste, Der bei Ihm suchet Ruh, Und wie Er hab' erbauet Ein' edle, neue Stadt, Da Aug' und Herze schauet, Was es geglaubet hat. ( Vers 4 und 9 aus: 3st Gott für mich, so trete.) Joh. 16, 16-23. Uleber ein kleines, so werdet ihr mich nicht sehen; und aber über ein kleines, so werdet ihr mich sehen: denn Ich gehe zum Vater. Da sprachen etliche unter seinen Jüngern unter einander: Was ist das, das er sagt zu uns: ,, Leber ein Kleines, so werdet ihr mich nicht seben, und aber über ein Kleines, so werdet ihr mich sehen, und daß ich zum Vater gebe?" Da sprachen sie: Was ist das, das er sagt: " Lleber ein Kleines?" Wir wissen nicht, was er redet. Da merkte Jesus, daß sie ihn fragen wollten, und sprach zu ihnen: Davon fragt ihr unter einander, daß ich gesagt babe: Lleber ein Kleines, so werdet ihr mich nicht sehen, und aber über ein Kleines, so werdet ihr mich sehen. Wabrlich, wahrlich, ich fage euch: ihr werdet weinen und beulen, aber die Welt wird sich freuen; ihr aber werdet traurig sein, doch eure Traurigkeit soll in Sreude verkehret werden. Ein weib, wenn sie gebieret, so bat fie Traurigkeit, denn ihre Stunde ist ge Fommen; wenn sie aber das Kind geboren bat, denkt sie nicht mebr 302 an die Angst, um der Freude willen, daß der Mensch zur Welt ges boren ift. Und ihr habt auch nun Traurigkeit; aber ich will euch wieder sehen, und euer Herz soll sich freuen, und eure Freude foll Tiemand von euch nehmen. Llnd an demselbigen Tage werdet ihr mich nichts fragen. Frendenöl für Traurigkeit giebt unser lieber Herr nach Jeſaj. 61, 3. Seinen Jüngern. Die Welt wird sich freuen, sie freute sich damals, als der Herr am Kreuze hing; sie freut sich heute noch in demselben Sinne. Aber diese Weltfreude ist wie ein Lachkrampf bei kranken Leuten, der in Folge von Schwachheit und Krankheit kommt und sehr bald dem offenbaren Elende Platz macht. Zwar fehlt es auch in der Welt nicht an Thränen; Neid und Zorn giebt bittere Thränen, Weltliebe macht vergebliche, Eigenliebe beißende Thränen, Heuchelei giebt falsche Thränen. So ist die Frage am Orte: was weinest du? Was preßt dir Thränen aus? Reue und Leid im Herzen giebt heiße, Liebe zu Jesu giebt köstliche Thränen. Der Art waren die Thränen, welche die Jünger weinten, als sie auf ein Kleines Jesum nicht sahen. Ob ihre Thränen mehr heiße, oder mehr köstliche zu nennen sind, weiß man nicht; es ist wohl von Beidem gewesen. ,, Ihr werdet Mich nicht sehen." Das ist jetzt bei uns der Fall, wenn wir vor der Menge unserer Missethat Christum nicht zu unſerm Trost ansehen können. Die Welt leugnet, eben weil sie Welt ist, die Missethat; ein Jünger Jesu fühlt die eigentlichen Knoten im Gewissen, wie Luther sagt. Da ist dann tiefe Traurigkeit, aber es giebt darnach auch Frendenöl, wenn Einem die Liebe und Gnade Christi lebendig wieder in's Bewußtsein kommt, daß es Einem im Glauben so gewiß wird, als sähe man den Herrn sichtbar vor Augen, wie Er segnet und Gutes thut. Solche Freude kann uns geschenkt werden durch irgend ein Wort Gottes, das uns auf einmal anleuchtet, als wenn die Sonne hinter den Wolken hervorkommt, oder durch den Zuspruch eines Freundes, oder wie es Gott sonst gefällt. Aber es kommen wieder andere Zeiten, die Traurigkeit wird empfindlicher als vorhin, sei es, daß wir einen tieferen Einblick thun in unser sündliches Wesen, oder daß wir das liebe, süße Reich Gottes so kümmerlich und verachtet auf Erden sehen müssen, und müssen uns selbst anklagen, daß wir nicht so innig und inbrünstig dem Herrn ergeben sind in allen Dingen, wie wir billig sein sollten. Aber auch diese Traurigkeit muß dem Freudenöl weichen. Die Jünger waren unendlich bekümmert auf Charfreitag aber sie sahen Ihn wieder. So haben auch wir der Freuden in Christo viel, je mehr wir der Leiden haben. Da schließt uns Gott die tiefen Quellen Seines Trostes auf; ein Blick in die Gesundbrunnen der heiligen Taufe, die aus dem Throne Gottes entspringen und mit dem Blute Chrifti gefärbt sind, ist wie ein Morgenglanz der Ewigkeit in unsern Herzen. Christi glorreiche Auferstehung und Herr - 303 schaft auf den Throne, Seine hochheilige Gegenwart im Altarfacramente bietet mehr Trost, als in der ganzen Welt Jammer ist und im eigenen Herzen. Und endlich! ,, endlich" ist ein schönes Wort; mein Herz freut sich, wenn ich meine Seele in Gottes Hände gebe und man meinen Leib in weiße Tücher Hüllen und in die Erde legen wird zur fröhlichen Auferstehung. Gott, mein Gott, ich bin Dein. Du sprichst: Friede sei mit dir. Mein Herz ist zu klein für solche Freude. Du wollest es aufthun und weit machen. Gebet. Grundgütiger Gott, Du züchtigest Alle, die Du lieb haft. Wir bitten Deine Liebe, Du wollest uns in unserm Kreuz mit Deinem Geist und Wort trösten, daß wir das kleine Stündlein dieses Elends in Geduld überwinden und festiglich glauben, Du werdest um Christi willen all' unser Leid und Freude endlich in ewige Herrlichkeit berwandeln. Amen. Bater Unser. Montag nach dem 3. Sonntage nach Ostern.( Jubilate.) Mel.: O daß ich tausend Zungen bätte. Mein Jesu, Wahrheit, Weg und Leben, Das Haupt belebet Seine Glieder. Der Leben hat und Leben giebt, Wie soll ich den Triumph erheben, Der Rach' an meinen Feinden übt? Sie liegen dort, Du rufeft hier: Ich leb' und ihr lebt auch mit Mir. Wer wollte denn gestocben sein? Die Lebenssonne scheint uns wieder Und leuchtet bis in's Grab hinein. Da lesen wir die Inschrift hier: Ich leb' und ihr lebt auch in Mir. ( Vers 3 und 4 aus: Der Tod ift todt.) Coloff. 3, 1-6. Seid ihr nun mit Chrifto auferstanden, so suchet, was droben ist, da Chriftus ift, sigend zur Rechten Gottes, Trachtet nach dem, was droben ist, nicht nach dem, was auf Erden ist. Denn thr seid geftorben, und euer Leben ist verborgen mit Chrifto in Gott. Wenn aber Christus, euer Leben, sich offenbaren wird, dann werdet ihr auch offenbar werden mit ihm in der Herrlichkeit. So tootet nun eure Glieder, die auf Erden sind, Surerei, Unreinigkeit, schåndliche Brunft, böse Lust, und den Geiz, welcher ist Abgötterei; um welcher willen Fommt der Sorn Gottes über die Kinder des Unglaubens. Getaufte Christen sprechen billig alle Morgen: Heute soll mein Wandel wieder im Himmel sein, da Christus ist, sigend zur Rechten Gottes. Sie haben auf Erden zu arbeiten, aber sie haben auf Erden nichts zu suchen, denn sie gehören in das himmlische Heiligthum. Ihnen ist gesagt, wie dem Stamme Levi: Du hast kein Theil noch Erbe im 304 Lande, sondern der Herr, der allmächtige Gott, ist dein Theil. Sie sind mit Christo auferstanden durch den Glauben, und darum soll auch alle Tage von ihnen das Wort gelten, welches von dem auferstandenen Christo geschrieben steht: Was Er aber lebet, das lebet Er Gotte. Wer seiner Taufe also sich getrösten kann, daß Er spricht: Mein Herr und Haupt, an welchem ich ein Glied geworden bin, mein Schatz, an dem ich hange, mein Stellvertreter, den ich lieber gelten lasse als mich selber, mein Jesus hat dem Tode die Macht genommen und hat Leben und unvergängliches Wesen an das Licht gebracht,- der ist mit sei nem innersten Herzen bei dem Auferstandenen im Himmel, ob er wohl äußerlich hienieden im Fleische wallet. Und während Andere, wenn sie einen Schatz oder ein Kleinod auf dem Wege zu finden hoffen, die Augen zu Boden schlagen und auf der Erde suchen, so schlägt ein Christ, der seinen Schatz im Himmel hat, auf seinem Lebenswege seine Augen oftmals auf zum Herrn und suchet, was droben ist. Aber das sehnsüchtige Aufheben der Blicke ist nicht genug. ,, Trachtet nach dem, das droben ist, und nicht nach dem, das auf Erden ist." Droben ist die Liebe des Vaters, welche ausgegossen wird in die Herzen derer, die in Christo Jesu gerecht geworden, droben ist die seligmachende Gabe des heiligen Geistes, welcher nur zu denen kommt, die nach seinem Empfange trachten, und bei denen bleibt, welche ihm gehorsam sind. Droben ist das Erbe, das kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat, das Gott bereitet hat denen, die 3hn lieben. Alle diese Schätze sind verborgen. Christus hat die Decke noch nicht davon ge= nommen. Er ist durch das Dunkel des Todes in die Herrlichkeit eingegangen. Und wer im Glauben Ihm nachfolgt hinter den Vorhang, der ist der Welt gestorben und sein Leben ist verborgen mit Christo in Gott. Einst wird Christus die Decke hinweg nehmen, und Sich offenbaren, da werden die mit ihm lebendig hervorgehen, welche den Sünden dieser Welt abgestorben waren, die aber, welche bienieden für das Fleisch gelebt, werden sterben und vor Seinem Angesichte keine Stelle finden. Darum, mein Herz, ist jetzt wiederum die Frage an dich: Lebst du für die Sichtbarkeit oder lebst du für das verborgene Leben in Gott? Kehre ein in das Allerheiligste deines Gemüthes, sprich zu dem ewigen Hohenpriester, welcher dein Herz zu einem verborgenen Tempel Gottes eingeweiht und geheiligt hat: Herr Jesu, für Dich, in Dir und mit Dir will ich jetzt leben:- und wenn sich denn die Sündenglieder, die auf Erden sind, in dir regen sollten, sei es die böse Lust, sei es Geiz oder Lüge oder Unreinigkeit, dann sprich: ihr habt bei mir kein Lebensrecht; eurer Stimme folge ich nicht, euer Begehren stille ich nicht, euer Wachsthum pflege ich nicht, sondern ich fage mich los von euch und tödte euch. Selig werden an jenem Tage nicht die sein, welche mit ihren Sünden gespielt, sondern welche die ärgerlichen Hände und Füße abgehauen, d. h. das Wesen des alten Menschen mit der Kraft Chrifti gedämpft haben. 305 Gebet. Mein Herr Jesu, der Du zu meiner Gerechtigkeit gestorben und auferstanden bist, siehe, ich bin Dein Glied. Herr, Herr, laß es mir tief zu Herzen gehen, daß ich im Glauben an Dich Macht habe, die sündlichen Begierden zu tödten und mit Dir hindurchzudringen in das Leben, das aus Gott ist. Amen. Vater Unser. Dienstag nach dem 3. Sonntage nach Ostern.( Jubilate.) Mel: Seelenbräutigam. Deiner Liebe Glut Stärket Muth und Blut. Wenn Du freundlich mich anblickest Und an Deine Brust mich drückeft, Macht mich wohlgemuth Deiner Liebe Glut. Nun ergreif' ich Dich, Du, mein ganzes Ich, Ich will nimmermehr Dich laffen, Sondern gläubig Dich umfassen, Weil im Glauben ich Nun ergreife Dich. ( Vers 2 und 10 aus: Seelenbräutigam.) Phil. 3, 12-14. 7icht, daß ich es schon ergriffen habe, oder schon vollkommen fei; ich jage ihm aber nach, ob ich es auch ergreifen möchte, nachdem ich von Chrifto Jesu ergriffen bin. Meine Brüder, ich schätze mich selbst noch nicht, daß ich es ergriffen habe. Eins aber sage ich: Ich vergesse, was dahinten ift, und ftrecke mich zu dem, das da vorne ift; und jage nach dem vorgesteckten 3iel, nach dem Kleinod, welches vorhålt die himmlische Berufung Gottes in Chrifto Jesu. Solange ein Ertrinkender im Wasser liegt, weiß er nicht, ob er das Rettungsfeil, welches ihm zugeworfen ist, auch fest genug gefaßt habe, um daran wirklich herausgezogen werden zu können. Er faßt immer eine Hand weiter und klammert sich immer stärker daran an, damit es seinen Händen nicht entgleite. So wissen auch wir nicht, so lange wir auf diesem unruhigen und gefährlichen Meere des zeitlichen Lebens treiben, ob wir Christum schon fest genug ergriffen haben, sondern müssen uns alle Tage enger mit Ihm verbinden und von Herzen beten: Herr stärke uns den Glauben. Als der liebe Apostel Paulus den Herrn Jesum zum ersten Male in seinem Leben sahe, wurde er so davon ergriffen, daß ihm alle seine Glieder bebten und er niederfiel auf sein Angesicht und nicht aufstehen konnte. Als ihm darnach der Herr durch den Mund Seines Knechtes anbieten ließ, Er wolle Sich zu ihm hernieder neigen und Sich mit ihm verbinden durch das Saframent der Wiedergeburt, da besprach sich Saulus nicht mit Fleisch und Blut, sondern ergriff mit beiden Händen die dargebotene Gnade. 20 306 Von dem Tage an, wohin ihn der Herr Jesus rief, dahin eilte er, Ihn zu ergreifen. Wenn ihm der Heiland sagte: Ich habe hier eine Arbeit für dich, mein Jünger, sie ist aber schwer; so antwortete der treue Knecht: in dieser Arbeit ergreife ich Dich, Du mein ganzes Ich. Und wenn der Herr andererseits ihm zurief: Ich habe hier ein Leiden für dich, es ist aber groß, so erwiderte der gehorsame Knecht: in diesem Leiden ergreife ich Dich, Du mein ganzes Ich. So rief ihn der Herr in Ehre und Schande, in volle Städte und auf wüste Wege, in Gefahr unter Mördern und in Gefahr auf dem Meere, in Arbeit und Leiden, und überall eilte er dahin, wohin der Herr ihn rief, um nur Christum von neuem zu ergreifen, nachdem er selbst von Christo ergriffen war. - 1 Mein Christ, ist dir einmal die Predigt von Christo durch die Seele gegangen, hat Sein edles blutbesprengtes und bespritztes Angesicht dich einmal erfüllt mit Wehmuth, Reute, Schmerz und Liebe zu Ihm, dann bist auch du von Christo ergriffen worden. O, so jage ihm nun nach, daß du dein Heil täglich besser ergreifen möchtest. Und beobachte zu dem Ende die folgenden zwei Stücke: 1) Suche zu vergessen, was dahinten ist, nämlich den eiteln Wandel nach väterlicher Weise. Mancher Christ denkt: Wenn ich es nur thun dürfte, dann machte ich es wie die Andern, dann könnte ich auch den großen Herrn spielen; oder: dann wollte ich mich an meinen Feinden rächen und mir nichts gefallen lassen; oder: dann könnte ich mir viel Vergnügen in der Welt bereiten. Du aber siehe nicht zurück, denn alle diese Dinge sind nicht werth, daran zu denken, so wenig ein rostiges altes Spielzeug von einem Kinde werth gehalten wird, angesehen zu werden, wenn ihm etwas Besseres gegeben ist. Vergiß auch, wie weit du es etwa schon im Christenthum gebracht hast. Das ist bloß Gottes Gnade. 2) Siehe auf das, was du noch erreichen mußt. Vergleiche dein Herz mit dem Herzen Jesu und frage, ob du so wohl in den Himmel passest? Bergleiche dich mit dem, was Er in der Bergpredigt fordert und frage: ob du so wohl in den Himmel passest? Und dann bete, arbeite, ringe und glaube, so streckst du dich nicht vergeblich nach dem, das vor dir ist. Gebet. O, mein Herr Jesu, Du weißt, daß Du mir lieber bist, als die Erde und was darauf ist. Ich habe auch eine herzliche Begierde, daß ich Dich noch lieber haben möge. O Herr, gieb und verleih, daß ich Dich möge lieben, so viel ich will und soll, auf daß all' mein Vornehmen, Thun und Denken allein auf Dich gerichtet sei und ich stets möge leben und wandeln, wie es Dir gefällig ist. Amen. Vater Unser. 307 Mittwoch nach dem 3. Sonntage nach Astern.( Jubilate.) ( Landes- Buß- und Bettag in Preußen.) Mel.: Herr Jefu Chrift, Dich zu uns wend'. Geh wieder heim in Reuigkeit Und suche Gottes Gütigkeit; Eröffne dein Herz durch dein Mund Und gieb dich wieder in Sein'n Bund. O Gott, Vater im höchsten Thron, Nimm an Deinen verlornen Sohn; Und den einheimischen behüt' Durch Dein unaussprechliche Güt. ( Vers 6 und 11 aus: Rehr um, fehr um, bu junger Sohn.) Psalm 51, 14-21. Triffe mich wieder mit deiner Sålfe, und der freudige Geift enthalte mich. Denn ich will die Lebertreter deine Wege lehren, daß sich die Sünder zu dir bekebren. Errette mich von den Blutschulden, Gott, der du mein Gott und Seiland bist, daß meine Junge deine Gerechtigkeit rühme. Herr, thue meine Lippen auf, daß mein Mund deinen Ruhm verkündige. Denn du haft nicht Luft zum Opfer, ich wollte dir's sonst wohl geben; und Brandopfer gefallen dir nicht. Die Opfer, die Gott gefallen, sind ein geångstigter Geist; ein geångstet und zerschlagen Herz wirst du, Gott, nicht verachten. Thue wohl an 3ion nach deiner Gnade, baue die Mauern zu Jerusalem. Dann werden dir gefallen die Opfer der Gerechtigkeit, die Brandopfer und ganzen Opfer; dann wird man Sarren auf deinem Altar opfern. David hat ein buffertiges, zerschlagenes Herz. Das sollten wir auch haben. Denn wir haben wirkliche Sünde gethan, wie David. Gottes Heiligkeit sieht aus jedem der zehn Gebote wie ein helles Auge auf all' unsere schwarzen Flecke. Unsere Sünde aber fordert Gottes Strafe heraus. Das ist die einstimmige Lehre der ganzen Schrift, daß Sünde Schuld ist und Strafe verdient. Große Sünde große Strafe; unendliche Sünde unendliche Strafe. Es ist aber alle Sünde groß und schwer. Gott kann nicht anders, als daß Er straft; denn wollte Er anders können, so müßte Er Sich erst in Seinem Wesen wandeln, was unmöglich ist. Deshalb sollen wir ein zerschlagenes Herz haben um unserer Miffethat willen, weil der Zorn Gottes groß ist und bald die Ewigkeit und das Gericht hereinbrechen. Davids Herz war zerschlagen. Das hatte er selbst nicht gethan: wir können uns unser Herz auch selbst nicht zerschlagen. Dazu ist es viel zu hart und zu sehr eingehüllt in Lüge und Hoffart. Aber Gott, Gott zerschlägt das Herz. Wollen wir nicht hören, so müssen wir oft fühlen. Der verlorene Sohn fühlte den Ernst Gottes, die Kinder Israel fühlten den Eifer Gottes, als sie von feurigen Schlangen gebissen wurden. So find es oft unausweisliche, harte Eingriffe 20* - 308 der starken, schlagenden Hand Gottes, wodurch Er unser Herz trifft. Wenn wir die Stimme der Predigt nicht hören, so versucht es Gott, ob wir nicht durch den Druck der Armuth, durch die Länge der Krankheit, oder durch verdiente Schande, durch Unruhe und Angst anfangen zu zerbrechen. Der eigentliche Hammer kam aber an Davids Herz, als Nathan den Spruch anhob zu ihm: Du bist der Mann. Da war es mit allen Brandopfern, hinter welchen bis dahin vielleicht David sein Herz verstecken wollte, vorbei; alle Lügen fielen wie Nebel dahin und Davids Herz lag, von Gottes Gericht und Wahrheit getroffen, zerschlagen da. So lange gilt unser ganzer Gottesdienst nichts, bis das Opfer eines zerbrochenen Herzens Alles durchdringt.- Und wenn die Noth des Lebens und der Donner des Gesetzes uns nicht zerschlagen kann, so ist noch ein Anblick, vor dem das Herz zerbrechen soll, nämlich die Gestalt des gefreuzigten Heilandes. Teuflische Kunst unseres Herzens, daß es diesen Schmerzensmann sehen kann und bleibt doch ungebrochen! Die Felsen in der Erde sind doch darüber zersprungen und Petrus ging hinaus und weinte bitterlich, als dieses Auge ihn sah. Mein Gott, ich bin nicht mehr bange vor einem zerschlagenen Herzen, vielmehr bitte ich Dich um ein solches, da ich Deinen Sohn in Seiner Leidensgestalt fehe. Das wirst Du nicht verachten. Vielmehr ist es Gott wohlgefällig, weil Er darin walten kann; an einem zerschlagenen Herzen kann Gott Seine, Gnade erweisen, kann Seinen freudigen Geist hineingeben und Sich daraus ein dankbares, gläubiges, fröhliches Herz bereiten. Die Kraft Chrifti wohnt in solchen Leuten. Gebet. Barmherziger, ewiger Gott, ich armer, fündiger Mensch bekenne Dir alle meine Missethat, damit ich Dich jemals erzürnet und Deine Strafe zeitlich und ewig wohl verdienet habe. Es sind mir aber alle meine Sünden herzlich leid und reuen mich sehr, und ich bitte Dich durch Deine grundlose Barmherzigkeit und durch das unschuldige bittere Leiden und Sterben Deines lieben Sohnes Jesu Christi, Du wollest mir alle meine Sünden vergeben und mir zur Besserung meines Lebens Deinen heiligen Geist verleihen. Amen. Bater Unser. 309 Donnerstag nach dem 3. Sonntage nach Ostern. ( Jubilate.) Eigene Melodie. Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren, Meine geliebete Seele: das ist mein Begehren. Kommet zu Hauf! Psalter und Harfe, wach auf! Lasset die Musikam hören. Lobe den Herrn, was in mir ist, lobe den Namen! Alles, was Odem hat, lobe mit Abrahams Samen! Er ist dein Licht! Seele, vergiß es ja nicht! Lobende, schließe mit Amen! ( Vers 1 und 5 aus: Lobe den Herren, ben mächtigen.) Psalm 103, 1-13. gen Lobe den Herrn, meine Seele, und was in mir ist, seinen heiliamen; lobe den Serrn, meine Seele, und vergiß nicht, was er dir Gutes gethan bat. Der dir alle deine Sünde vergiebt, und heilet alle deine Gebrechen, der dein Leben vom Verderben erlöset, der dich kronet mit Gnade und Barmherzigkeit, der deinen Mund fröhlich macht, und du wieder jung wirft, wie ein Adler. Der Herr schaffet Gerechtigkeit und Gericht Allen, die Unrecht leiden. Er hat seine Wege Mose wissen lassen, die Kinder Israel sein Thun. Barmherzig und gnädig ist der Herr, geduldig und von großer Güte. Er wird nicht immer hadern, noch ewiglich 3orn balten, Er handelt nicht mit uns nach unsern Sünden, und vergilt uns nicht nach unserer Misfethat. Denn so hoch der Himmel über der Erde ist, läßt er seine Gnade walten über die, so ihn fürchten. So fern der Morgen ist vom Abend, läßt er unsere Lebertretung von uns sein. wie sich ein Vater über Kinder erbarmet, so erbarmet sich der Herr über die, so ihn fürchten. Vergiß es nicht, der Heilige Geist fordert dich, Seine geliebte, aber träge Menschenseele, auf, den Herrn zu loben nicht bloß äußerlich mit deinen Lippen, sondern mit dem, was in dir ist, also mit inbrünstigem Herzen. Er ist ja dein Hirte gewesen bisher, und wenn du in deine Vergangenheit zurück siehst, so wirst du selbst erstaunen müssen, wie viel Gutes Er dir schon gethan hat und du hattest es beinahe Alles längst vergessen! Ach, bitte doch den Heiligen Geist, daß Er dir denken helfe, und präge dir die Hauptwohlthaten, die du von dem Herrn empfangen hast, unauslöschlich ein; besiehe sie täglich wie theure Geschenke eines hohen und geliebten Freundes. Er ist dein Erbarmer, der dir alle deine Sünden vergiebt und versenkt sie in die Tiefe des Meeres. Er ist dein Arzt, welcher alle deine Gebrechen heilet und dich dereinst erlösen wird von allem Uebel. Er ist dein Retter und Vergelter, der dir Gutes statt Böses erweiset und drückt dir trog deiner vielen Sündenfälle und Niederlagen eine Krone auf 310 bein Haupt, eine Krone von Gnade und Barmherzigkeit. Ja Er ist Selbst der Krönende und die Krone, der Vergelter und die Vergeltung, der Freudenbringer und die Freude, und wenn du nur auf Ihn warten kannst, so wirst du dich Seiner fröhlich rühmen lernen und auffahren mit Flügeln wie ein Adler. Er ist dein Richter und dein Schutz, Shm stelle deine Sache nur anheim, denn Er schaffet Gerechtigkeit und Gericht allen, die Unrecht leiden. Wie Er an Moses einst vorüber gegangen ist vor jener Felsenspalte und ließ vor ihm her predigen alle Seine Güte, so ist Er an dir vorüber gegangen in Seiner Liebe und geht auch heute wieder mit Seinem Kreuz durch dein Herz und Haus barmherzig, gnädig und geduldig. O glaube doch an Seine Liebe, wenn Er dich auch züchtigen muß, Er kann den Zorn nicht festhalten, wenn wir das Kreuz Christi festhalten, durch welches aller Zorn. versöhnt ist. Seine Gnade überbietet allen Zorn und unsere Sünde. Ist die Sünde bergehoch, so ist die Gnade himmelhoch, ist die Sünde wie der Nebel, so ist die Gnade wie die Sonne, welche ihn vertilgt und aufsaugt. Christus stellt sich alle Tage zwischen den Schuldigen und zwischen seine Schuld, daß ihn der Fluch so wenig erreichen kann, wie der Morgen je den Abend erreicht. Wenn die Sonne nicht da wäre und mit ihrer Tageshelle die Erde überleuchtete, dann hätte der Morgen den Abend bald erreicht, aber nun tritt die Sonne mit ihrem Lauf dazwischen. Und wenn Christus nicht da wäre, dann hätte der Fluch der Sünden uns sehr bald ereilt, aber nun tritt Er mit Seinem Leiden, Leben und Sterben zwischen unsere Uebertretung und uns. So gehen wir in Christi Namen hin als hülflose aber von Ihm beschüßte Kinder. Und so lange wir den Herrn aufrichtig fürchten, erbarmet Er sich unser wie ein Vater. Gebet. D Herr, barmherzig, gnädig, geduldig und von großer Güte und Treue. Wir danken Dir von Grund unseres Herzens für alles Gute, was Du uns je und je gethan hast und noch thuſt. Wer mag die Mannigfaltigkeit, Tiefe und Größe Deiner Liebe und Gnade erzählen! O Herr, Du lebendiger Gott, öffne die Augen, daß sie Deine Wohlthaten erkennen, erwecke die Herzen, daß sie Dich loben immerdar. Amen. Vater Unser. TOOTE 12 Freitag nach dem 3. Sonntage nach Ostern.( Jubilate.) 100 C3 311 Mel.: Wunderbarer König, Herrscher. D du meine Seele, Singe fröhlich, singe, Singe deine Glaubenslieder! Was den Odem holet, Jauchze, preise, klinge! Wirf dich in den Staub darnieder. Er ist Gott Zebaoth! Er nur ist zu loben Hier und ewig droben. du Hallelujah bringe, Wer den Herren fennet, Wer den Herren Jesum liebet. Hallelujah singe, Welcher Christum nennet, Sich von Herzen Ihm ergiebet. Owohl dir! Glaube mir, Endlich wirst du droben Ohne Sünd Ihn loben. ( Vers 3 und 4 aus: Wunderbarer König.) Psalm 33, 1-8. Freuet euch des Herrn, ihr Gerechten; die Frommen sollen ihn schön preisen. Danket dem Herrn mit Harfen, und lobsinget ihm auf dem Pfalter von zehn Saiten; singet ihm ein neues Lied, machet es gut auf Saitenspielen mit Schalle. Denn des Herrn Wort ist wahrbaftig, und was er zusagt, das bålt er gewiß. Er liebet Gerechtigkeit und Gericht. Die Erde ist voll der Güte des Herrn. Der Hima mel ist durch das Wort des Herrn gemacht, und all sein Heer durch den Geift seines Mundes. Er hålt das Waffer im Meer zusammen, wie in einem Schlauch, und legt die Tiefe in das Verborgene. Alle Welt fürchte den Herrn, und vor ihm scheue sich alles, was auf dem Erdboden wohnet. Das as Christenthum führet eine wahrhaftige Freude mit sich, und der Heilige Geist fordert mit freundlichen Worten an vielen Stellen der heiligen Schrift die frommen Knechte Gottes auf, sie möchten doch ihrem Herrn die Ehre anthun, Seine reichen Wohlthaten nicht mit einem sauren, betrübten und mißvergnügten Angesicht anzusehen, sondern dieselbigen geziemender Maaßen mit innerer seliger Freude und Dankbarkeit zu genießen. Wenn ein Vater Freude an seinen Kindern erlebt, das setzt Sirach, der weise Hauslehrer, obenan unter die Stücke, die er hoch zu achten lehrt. Wenn man aber einen solchen Mann sehen sollte, der an einem wohlgerathenen Sohn Freude und Ehre über Erwarten erlebt, so würde man zwar wahrnehmen, daß er denselben ohne Freudenthränen nicht ansehen kann, daß sich das Vergnügen seines Herzens an seinem Sohne auf alle Weise offenbart, aber beschreiben fönnte er es nicht, und wenn man ihn fragen wollte, wie ihm doch dabei zu Muthe sei, so würde er antworten: Ei das könnet ihr ja wohl denken. Wie sich nun die gemeine natürliche Frende nicht beschreiben läßt, so läßt sich noch viel weniger die göttliche und geistliche Freude beschreiben. Aber das können wir sagen, daß sie einen viel 312 höheren Gegenstand hat, als die weltliche Freude, nämlich Jesum den Gefreuzigten und Auferstandenen und das ewige Leben. Kann sich ein krantes Baterherz schon erquicken und getröstet fühlen durch den Besuch und Anblick eines geliebten Kindes, so gehen von dem Herrn Jesu ganz andere Trostströme aus und es ist kein Wunder, wenn auch franke, arme und elende, verfolgte und unterdrückte Christen mitten in der Trübsal bei dem gläubigen Hinblick auf ihren lebendigen, gnädigen und treuen Heiland eine herzliche geistliche Freude empfinden. Der eine Apostel sagt: wir rühmen uns der Trübsal, und der andere ermahnt: achtet es für eitel Freude, wenn ihr in mancherlei Anfechtungen fallet, und manche Nachfolger Jesu haben es empfunden, wie viel Süßigkeit in den bittern Thränen, wie viel Freude in der Welt Schmähen, Schelten und Verläumdung verborgen liegt, weil Jesus und der Himmel dem Gläubigen am Süßesten erscheint, wenn die Welt sich am ärgsten bezeigt. Daß der Gerechte auf Erden leiden muß, ist ihm zuvor gesagt, aber dennoch will der Erlöser nicht, daß die innerliche Freude darum in ihm auslöschen soll, Er wünscht vielmehr, daß Seine Freude in uns vollkommen werde. Es giebt nämlich eine angefangene und eine vollkommene Christenfreude, die Wurzel und die Blume. Die Wurzel soll und muß allezeit in dem gläubigen Herzen sein und bleiben, die Blume kann zuweilen von der rauhen Winterluft verwelken. Die Ursache der Freuden haben die Gläubigen allezeit bei sich, nämlich Jesum, den Auferstandenen; die Empfindung und Genießung aber wird oft durch die Schwachheit ihres Fleisches verhindert. Sei getroft, die Sonne hinter den Wolken bricht immer seiner Zeit wieder durch. Behalte dir nur keine Sünde vor, o Seele, um dich heimlich an ihr zu freuen und zu ergößzen, behalte dir nur Jesum vor, betrachte deines Schöpfers Wohlthaten und deines Erlösers Liebe, und Er, den wir nicht gesehen und doch lieb haben, wird dich füllen mit unaussprechlicher und herrlicher Freude. Gebet. O mein Herr Jesu Christe, durch Dich habe ich gewißlich einen gnädigen Gott. Ich bitte Dich von Grund meines Herzens, sprich mir diese Deine Himmelsfreude allezeit in mein Herz und schreibe sie durch den Glauben in mein Gemüth, damit ich also alle Widerwärtigkeit in Geduld überwinde, und in fröhlicher Zuversicht bete, und endlich selig aus diesem Jammerthal heimfahre. Amen. Vater Unser. Sonnabend nach dem 3. Sonntage nach Ostern. ( Jubilate.) 313 Mel.: Nun danket All' und bringet Ehr', ober: Lobt Gott, ihr Chriften, alle gleich. Ich finge Dir mit Herz und Mund, Herr, meines Herzens Luft. Ich sing' und mach auf Erden kund, Was mir von Dir bewußt. Ich weiß, daß Du der Brunn der Gnad' Und ew'ge Quelle sei'st, Daraus uns Allen früh und spat Viel Heil und Gutes fleußt. Was sind wir doch, was haben wir Auf dieser ganzen Erd', Das uns, o Vater, nicht von Dir Allein gegeben werd'. Ach, Herr, mein Gott, das kommt von Dir; Und Du mußt alles thun. Du hältst die Wach' an unserer Thür Und läßt uns sicher ruh'n. ( Vers 1 bis 3 und 7 aus: Ich finge Dir.) Jac. 1, 16-21. Jrret nicht, lieben Brüder. Alle gute Gabe, und alle vollkommene Gabe kommt von oben herab, von dem Vater des Lichts, bei welchem ift keine Veränderung, noch Wechsel des Lichts und Sinfterniß. Er hat uns gezeuget nach seinem willen durch das Wort der wahrheit, auf daß wir waren Erstlinge seiner Creaturen. Darum, lieben Brüder, ein jeglicher Mensch sei schnell zu hören; langsam aber zu reden, und langsam zum Jorn. Denn des Menschen Jorn thut nicht, was vor Gott recht ift. Darum so leget ab alle Unsauberkeit und Bosheit; und nehmet das Wort an mit Sanftmuth, das in euch gepflanzet ist, welches kann eure Seelen felig machen. " Irret nicht, liebe Brüder." Wie sollen wir dies kurze, freundliche Wort verstehen? Muthet uns da der liebe Jacobus nicht etwas zu, was nicht menschenmöglich? Nicht irren- und doch ist Irren menschlich! Gewiß ist es das; aber fündigen ist auch menschlich; sollen wir es darum leicht mit der Sünde nehmen? Und es ist hier nicht von einem unschädlichen Irren die Rede, sondern von einem Irrthum, der mit Sünde und Tod zusammenhängt. Das Wort greift in die vorigen Verse zurück, und warnt vor dem Jrren, dem Vergessen und Verkennen der Grundwahrheit: daß bei uns allein die Sünde ist mit ihrer Lust und Schuld, bei Gott allein die Gnade und das Gute. Gott versucht Niemand, und hat Er einen Abraham versucht, so war das keine Versuchung zum Bösen, sondern zum Guten, zur Prüfung und Läuterung seines Glaubens, um deswillen er noch heute der Vater der Gläubigen ist. Von Ihm, dem Vater des Lichtes kommen nur gute und vollkommene Gaben. Die Finsterniß hat Gott, der Vater des Lichts, nicht geschaffen. Er hat nicht gesprochen: Es werde Finsterniß, sondern: Es werde Licht; und Gott sahe, daß das Licht gut war. Darum kommen von Ihm nur gute und vollkommene Gaben. D, daßß mit jedem Morgen diese Wahrheit mit ihrem Lichtstrahl uns in das 314 Herz fiele! Dieser Lichtstrahl vertreibt die Nacht der Sorgen und der äußeren und inneren Anfechtung. Wir sind ja Bettler jeden Augenblick Sein ist die Sonne, die Er über uns aufgehen läßt, Sein die Luft, welche wir frisch einathmen, Sein der Trunk Wasser, womit Er uns erquickt; ja Herr, es ist Dein Geschenk und Gab', mein Leib und Seel' und was ich hab' in diesem armen Leben! Von Ihm aber kommt auch Seine unaussprechliche Gabe Sein eingeborener Sohn, und hat Er den nicht verschonet, wie sollte Er mit Ihm uns nicht alles schenken? Von Ihm kommt auch die Gabe Seines Heiligen Geistes, welcher nach dem Evangelium des morgenden Tages Sein Strafamt, Lehramt, Trostamt noch unter uns führet, und allein geschickt macht zu dem Wandel im Licht. Aber steht denn nicht auch geschrieben: der Ich das Licht schaffe und mache die Finsterniß, der Ich Frieden gebe und schaffe das Uebel! Aber es bleibt auch dabei: Irret nicht, liebe Brüder, verstehet das ja nicht falsch! Daß wir jetzt, wie Tag und Nacht auf der Erde, so Tag und Nacht im täglichen Leben haben, daß Glück und Leid wechseln, das ist von Gott für jetzt so verordnet und gewollt. Aber wie es von der Sünde herkommt und nicht vom ersten Rath Gottes, der nie Gedanken des Leides über uns hat, nur um der Sünde willen also bestehet und gehet, so ist auch Gottes Gabe selbst im Uebel und Unglück nur gut, und in dem Fluche selbst ein heimlicher Segen, welcher die Sünde tilgen und den geschehenen Schaden heilen will. So hat Lazarus Böses empfangen in seinem Leben, das hat ihn aber bereitet für die ewige Erquickung, es war ihm Gottes Gabe eben so gut, als das Gute des reichen Mannes. War ja der Fluch der Vertreibung aus dem Paradiese zunächst der beste Segen, welchen Gott für Adam hatte. Und denen, welche Gott lieben, müssen noch heute alle Dinge zum Besten dienen. Das Beste unter allem Guten ist aber die Seligkeit. Diese behalt' im Auge und Gott ist dann auch im Dunkeln dein Licht; und dem Gerechten muß das Licht immer aufgehen und Freude dem frommen Herzen. Drum auf, mein Herze, sing' und spring', und habe guten Muth! Dein Gott, der Ursprung aller Ding', ist Selbst und bleibt dein Gut. Gebet. Herr, Du ewiger und heiliger Gott, Schöpfer aller Dinge, Deine Werke sind allesammt gut. Du irrst nicht, wenn Du uns Irrende züchtigst und schwer heimsuchst. Du bist rein, auch wenn wir Dein Licht nicht sehen. Ach, Du geduldiger und freundlicher Gott, gönne uns das selige Licht Deiner Erkenntniß und verleihe, daß wir Dich allezeit loben und lieben als unsern alleinigen Gott und Helfer. Amen. Bater Unser. - 1 1 315 4. Sonntag nach Ostern, genannt Cantate. Mel.: Wie nach einer Wasserquelle, oder: Freu' dich sehr, o meine Seele. O Du allersüßte Freude, D Du allerschönstes Licht, Der Du uns in Lieb' und Leide Unbesuchet läsfest nicht, Geist des Höchsten, höchster Fürst, Der Du hältst und halten wirst Ohn' Aufhören alle Dinge, Höre, höre, was ich singe. Du wirst aus des Himmels Throne Wie ein Regen ausgeschütt', Bringst vom Vater und vom Sohne Nichts als lauter Segen mit. Laß doch, o Du werther Gast, Gottes Segen, den Du hast Und verwalt'st nach Deinem Willen, Mich an Leib und Seele füllen. ( Vers 1 und 3 aus: O Du allersüßte Frende.) Joh. 16, 5-15. den. un aber gehe ich hin zu dem, der mich gesandt hat; und Tiemand unter euch fragt mich: Wo gebeft du hin? Sondern, dieweil ich solches zu euch geredet habe, ist euer Herz voll Trauerns geworAber Ich sage euch die Wahrheit: Es ist euch gut, daß Ich hingehe. Denn so ich nicht hingebe, so kommt der Tröffer nicht zu euch. So ich aber hingebe, will ich ihn zu euch senden. Und wenn derselbige kommt, der wird die Welt ftrafen, um die Sünde, und um die Gerechtigkeit, und um das Gericht: Um die Sünde, daß sie nicht glauben an mich; um die Gerechtigkeit aber, daß ich zum Vater gebe, und ihr mich hinfort nicht fehet; um das Gericht, daß der Fürst dieser Welt gerichtet ist. Ich habe euch noch viel zu sagen; aber ihr könnet es jetzt nicht tragen. Wenn aber jener, der Geist der Wahrheit, kommen wird, der wird euch in alle Wahrheit leiten. Denn er wird nicht von ihm selbft reden; fondern was er hören wird, das wird er reden; und was zukünftig ist, das wird er euch verkündigen. Der felbige wird mich verklåren; denn von dem Meinen wird er es neb men und euch verkündigen. Alles, was der Vater bat, das ist mein. Darum babe ich gesagt: Er wird es von dem einen nehmen, und euch verkündigen. b auch die Jünger vor Furcht und Traurigkeit wie versteinert darüber sind, daß der Herr hingehen will und hingegangen ist, es bleibt doch bei dem Worte Jesu: es ist euch gut, daß Ich hingehe. Dies ist die Wahrheit. Die sichtbare Gegenwart Jesu muß aufhören, damit Sein Reich durch den Glauben im heiligen Geist in un= seren Herzen sein könne. Dies ist ja das neue Testament, daß Gott uns Seinen Sinn und Seine Gesetze ins Herz schreibt( Ebr. 8, 10. 11.) im Gegensatze zum alten, wo Gottes Gesetze in Buchstaben und Steine geschrieben sind. Ehe aber das neue Testament zu uns kommen kann durch die Einwohnung des göttlichen Geistes, muß Christus hingehen zum Vater, d. i. die Welt mit Gott verföhnen. Er macht das neue Testament in Seinem Blute; durch Sein Opfer der Versöhnung gelangen wir zum neuen Testamente. 316 Nun, da der Herr hingegangen ist und den Tröster, nämlich den Geist Gottes, sendet, wird uns das Unmögliche möglich, wenn wir diesen in der Taufe schon über uns gekommenen Geist in uns walten laffen. Nun lernen wir, was Sünde ist. Sündigen heißt, den rechten Weg verfehlen; wir verfehlen aber allezeit den rechten Weg, den Weg zu dem lebendigen Gott, so lange wir nicht an Christum glauben. Nicht an Christum glauben ist im neuen Bunde die Sünde, die Mutter aller Verdammniß. Alle Sünden sind lebendig in uns ohne diesen Glauben; alle Sünden sterben durch diesen Glauben. Aber nur der göttliche Geist, nicht der unsrige, entdeckt es uns, daß der Unglaube gegen Christum solch eine verdammliche Thorheit ist, der Glaube an Ihn dagegen die alleredelste Creatur in unsern Herzen. Ebenso rechtfertigt der Geist Gottes nur Christum. Der menschliche Geist sucht den Menschen in sich selber zu rechtfertigen und zu trösten und gegen manche Fehler auch Tugenden aufzuweisen. Der göttliche Geist macht unsere Gerechtigkeit nichtig, wie Spren im Winde. Dagegen offenbart Er die ewige, vollgültige Gerechtigkeit Jesu, die Er mit all' Seinem Leiden erworben. Da wird der Allerverachtetſte uns zum Allerschönsten, der Unwertheste zum Geliebten. Nichts kann uns fortan von Gott zurückhalten, wenn wir es nicht selbst thun. Denn auch der Fürst dieser Welt, der Vater aller Lügen, besonders in geistlichen Dingen, der uns sagen will, Sünde sei keine Schande, Gottes Drohung sei ungefährlich und Seine Verheißung nichts, ist gerichtet. Er ist ein entthronter Fürst und Christus ist der großmächtige König. Der Geist Gottes lehrt es uns, straft uns zunächst damit, weil wir nach der eigenen Vernunft anderer Meinung sind. In solche ganz verborgene Geheimnisse kann kein Mensch eindringen ohne den Geist Gottes, der Seine Schüler überhaupt in alle Wahrheit leitet. Merke: in die Wahrheit, nicht in allerlei Meinungen, die ebenso gut falsch als richtig sein können. Sondern in die Wahrheit, in die unserm Gemüthe einleuchtende, in die das Herz heiligende, das Leben bessernde Wahrheit leitet Er. Wie gut, daß wir diesen Geist an zwei Kennzeichen untrüglich kennen können. Erstens nimmt Er Seine Gaben nur von Christo; Christi lauteres Wort und Sakrament sind die einzigen, unerschöpflichen Brunnen, woraus der Geist Alles nimmt. Er bringt nichts Neues her, das nicht schon geschrieben stände und allezeit von der Kirche gelehrt ist. Sodann ist der Geist Gottes daran erkennbar, daß Er Christum allein verklärt; der Geist lobt und preist Christum in Seiner Gottheit und Menschheit, in Seiner Herrlichkeit und Niedrigkeit, in Seiner vollgültigen Versöhnung und kraftreichen Herrschaft seit der Auferstehung. Um diesen Geist sollen wir bitten, der uns Jesum Christum lehrt kennen allein; diesem Geiste trauen, diesen Geist nicht betrüben. Der tröstet uns im Grunde des Herzens. Gebet. Wir danken Dir, Herr Jesu Christe, daß Du uns durch Deinen thenren Gang zum Vater ewige Gerechtigkeit wiedergebracht und den Heiligen Geist erworben hast. Herr, wir bitten Dich, gieb durch denselbigen Geist uns Allen in Deinem Worte zu erkennen, daß es die höchste Sünde ist, an Dich nicht glauben, damit wir nicht unsere eigene Gerechtigkeit aufrichten, sondern Dich, der Du unsere Gerechtigkeit bist, die vor Gott gilt, Deinem Vater im Glauben getrost darbringen und ewig selig werden. Amen. Vater Unser. 317 Montag nach dem 4. Sonntage nach Ostern.( Cantate.) Jesu, geh' voran Auf der Lebensbahn; Und wir wollen nicht verweilen, Dir getreulich nachzueilen. Führ' uns an der Hand Bis in's Vaterland. MeL: Seelenbräutigam. Soll's uns hart ergeh'n, Laß uns feste steh'n Und auch in den schwersten Tagen Niemals über Lasten klagen; Denn durch Tribsal hier Geht der Weg zu Dir. ( Vers 1 und 2 aus: Jesu, geh' voran.) Joh. 14, 1-11. seinen Jüngern: Und er sprach zu Euer Herz erschrecke nicht. Glaubet ihr an Gott, fo glaubet ihr auch an mich. In meines Vaters Sause sind viele Wohnungen. Wenn es nicht so wåre, so wollte ich zu euch sagen: Ich gehe hin, euch die Ståtte zu bereiten. Und ob ich binginge, euch die Stätte zu bereiten; will ich doch wiederkommen, und euch zu mir nehmen, auf daß ihr seid, wo Ich bin. Und wo Jch bingehe, das wisset ihr, und den Weg wiffet ihr auch. Spricht zu ihm Thomas: Serr, wir wissen nicht, wo du hins geheft; und wie können wir den weg wissen? Jesus spricht zu ihm: Ich bin der Weg und die wahrbeit und das Leben; iemand kommt zum Vater, denn durch mich. Wenn ihr mich kennetet, so kenneter ihr auch meinen Vater. Lind von nun an kennet ihr ihn, und habe ihn geseben. Spricht zu ihm Philippus: Serr, zeige uns den Vater, fo genüget uns. Jesus spricht zu ihm: So lange bin ich bei euch, und du kenneft mich nicht? Philippe, wer mich siehet, der siehet den Vater. Wie sprichst du denn: ,, Jeige uns den Vater?" Glaubest du nicht, daß Ich im Vater, und der Vater in mir ist? Die Worte, die Ich zu euch rede, die rede ich nicht von mir selbst. Der Vater aber, der in mir wohnet, derselbige thut die werke. Glaubet mir, daß Ich im Vater, und der Vater in mir ist; wo nicht, so glaubet mir doch um der Werke willen. Wir wissen nicht, was uns in den nächsten Augenblicken vielleicht erschrecken wird. Ob der Tod einen der Unfrigen oder uns selbst 318 unvermuthet übereilen, ob unser Haus und Habe in Feuersgefahr oder andere Bedrängniß gerathen kann, ob Friede und Trost von uns weichen, ob Christus Selbst uns rathlos lassen werde in der Noth wir wissen es nicht. Aber eins wissen wir und wollen es auf unserer ganzen Wanderschaft bedenken, daß der Mund des Heilandes Seinen Gläubigen zugerufen hat: ,, Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht." Gott muß zuweilen erschrecklich sein, aber der Glaube soll in allem Schrecklichen nur verhüllte Gnade sehen. Im fremden Lande kann ein gewappneter Held, der die Seinigen gegen viele und gefährliche Feinde zu schützen hat, nicht immer leise treten und des zärtlichen Zwiegesprächs pflegen. Er muß auch dreinschlagen, wo es nöthig ist und mit seinem Schrecken daherfahren, um die Seinen aus FeindesHand zu retten. Aber wenn Er auch Sein Angesicht hinter Stahl und Eisen verbirgt und alle Herzen vor Seinem Grimm erbeben läßt, zu Seinen Kindern spricht Er mit bekannter Stimme: Glaubet mur nicht, daß Ich euch ein Leid zufüge, Mein Zorn, den ihr sehen könnt, gilt eures Lebens Feinden, Meine Liebe, die ihr nicht sehen könnt, gehört euch. So spricht Christus: Glaubet doch an Gott, wenn Er Sein Angesicht verhüllt, und glaubet an mich, wenn Ich euch auch verlassen zu haben scheine. Ich habe mich nicht zurückgezogen, Ich bin nur vorangegangen und habe euch unten im Jammerthal ein wenig allein gelassen, um euch nach oben zu locken. Wenn es enge um's Herz ist, hier ist weiter Raum; wer müde von der Reise ist, hier sind Wohnungen. Wer aber sehnsüchtig nach der Heimath ist, bei dem bin Ich sofort gegenwärtig und rufe ihm zu: Suche dir im Leben und Sterben mur keine andere Brücke oder Steg, der dir gewiß sei in das ewige Leben, als den, welcher heute vor deinen Ohren bezeuget: Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben, Niemand kommt zum Vater, denn durch Mich. Hast du Kraft nöthig, dich zu tragen, Jesus ist der Weg; hast du Licht nöthig, dir zu leuchten, Jesus ist die Wahrheit; hast du alle Sättigung und Befriedigung nöthig, Jesus ist das Leben. Gehe auch jetzt nicht an Ihm vorbei, o Christenherz, denn Niemand kommt zum Vater, als durch Ihn. Gebet. Herr Jesu Christe, Du bist hingegangen, uns die Stätte zu bereiten. Wir sind noch in dieser argen und gefährlichen Welt, und fühlen ohn' Unterlaß viel Angst und Gefahr. Unser eigen Fleisch und Blut ist untüchtig zum Glauben und zum Gebet. Darum sehen unsere Augen nach Dir. Du bist unser Weg, wie sollten wir mun nicht zum Vater kommen? Du bist unsere Wahrheit, wie sollten wir irren? Du bist unser Leben, wie sollte nun der Tod uns gefangen halten? Lieber Herr, laß uns Dir innig befohlen sein; komm zu uns durch Deinen heiligen Geist im Worte, daß unser Herz Dir feftiglich vertrauen möge. Amen. Vater Unser. 319 Dienstag nach dem 4. Sonntage nach Ostern.( Cantate.) Mel.: Aus meines Herzens Grunde. Du bist das heil'ge Dele, Dadurch gesalbet ist Mein Leib und meine Seele Dem Herren Jefu Chrift Zum wahren Eigenthum, Zum Priester und Propheten, Zum König, den in Nöthen Gott schützt im Heiligthum. Du bist ein Geist, der lehret, Wie man recht beten soll. Dein Beten wird erhöret, Dein Singen Klinget wohl. Es steigt zum Himmel an, Es steigt und läßt nicht abe, Bis Der geholfen habe, Der Allen helfen kann. ( Vers 4 und 5 aus: Zeuch ein zu meinen Thoren.) Joh. 14, 12-18. wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer an mich glaubet, der wird die Werke auch thun, die Ich thue, und wird größere, denn diese, thun, denn Ich gehe zum Vater. Und was ihr bitten werdet in meinem 7amen, das will ich thun, auf daß der Vater geehret werde in dem Sohne. Was ihr bitten werdet in meinem Tamen, das will ich thun. Lieber ihr mich, so baltet meine Gebote. Und Ich will den Vater bitten, und er soll euch einen andern Tröffer geben, daß er bei euch bleibe ewiglich, den Geist der Wahrheit, welchen die Welt nicht kann empfangen; denn sie siebet ihn nicht, und kennet ihn nicht. Ihr aber kennet ihn; denn er bleibet bei euch, und wird in euch sein. Ich will euch nicht Waisen lassen; ich komme zu euch. Aus diesen Worten sehen wir, daß es das größte Wunderwerk in den Augen des Herrn Jesu ist, wenn ein Mensch den Heiligen. Geist empfängt und wiedergeboren wird. Wie große und wunderbare Werke hat der gnadenreiche Heiland nicht während Seines irdischen Lebens vollbracht! und doch sagt Er zu Seinen Jüngern, sie würden, wenn sie an Ihn glaubten, noch größere Werke thun. Das macht, Er sahe voraus, daß durch die Predigt Seiner Jünger und durch die von ihnen verwalteten Gnadenmittel viele Menschen den Geist der Wiedergeburt und Kindschaft empfangen würden. Alle äußeren Wunderwerke, welche die Apostel wirkten, kommen den Zeichen, welche Jesus that, kaum gleich, aber das große Werk, welches am Pfingstfeste begonnen wurde, daß man durch die Gnadenpredigt unsterbliche Menschenseelen zu Tempeln und Wohnungen des Heiligen Geistes machte, dies übertrifft alles, was Jesus in Seiner Niedrigkeit that, denn damit dies geschehen könne, mußte Er erst zum Vater gehen. O welch' ein hohes, staunenswerthes Wunder ist doch eine wiedergeborene Menschenseele! Darum darf es uns auch nicht befremden, daß derselben außer 320 ordentliche Kräfte zugeschrieben werden: ,, Alles, was ihr bitten werdet in Meinem Namen, das will Ich thun." Hiermit hat der Herr Jesus das höchste Zutrauen zu den Seinigen ausgesprochen, welches sich denken läßt. Denn wenn ein Fürst zu einem Diener sagt: ,, ich sende dich an einen großen König, und alles, was du selbst in meinem Namen beantragen und fordern wirst, das will ich selbst vertreten und durchseßen, daß es auch gewiß geschehe" so spricht er seinem Diener das Vertrauen aus, daß derselbe wohl wissen werde, solche Dinge zu verlangen, die im Sinne und Auftrage seines Herrn, dessen Namen er trägt, begehrt werden müssen und demselben keinen Schaden machen. So hat der Herr zu Seinen Christen die Zuversicht, daß sie wohl wissen werden, solche Dinge zu erbitten, welche Er selbst zur Förderung Seines Reiches und zum Schutz der Seinen vom Vater verlangen würde, wenn Er auf Erden im Fleische wandelte. Wenn Er nun dieses große Vertrauen zu ihnen hat, so dürfen sie um so mehr das Vertrauen zu Ihm fassen, daß Er Alles thun wird, was sie so in Seinem Namen bitten und begehren. Woran aber kann ein Beter prüfen, ob er recht in Jesu Sinn und Geiste stehe? Das sagt der Herr: ,, Liebet ihr Mich, so haltet Meine Gebote." Wer hiermit nur von Herzen aufrichtig beginnt, dem wird der heilige Geist täglich beistehen, denn solch ein Mensch hat sich schon von der Welt geschieden, darum kann Jesus ihm den Geist der Wahrheit täglich neu erbitten, welchen die Welt nicht siehet und nicht kennet. Die aufrichtige Seele aber kennet Ihn und Er wird in ihr wohnen und wird ihr Tröster sein und bei ihr bleiben ewiglich, daß sie nicht verlassen und ver= waiset werde. Gebet. Heiliger Geist, Du allmächtiger, ewiger Gott, der Du die Herzen der Apostel mit reichem Trost vom Himmel herab erfüllet hast, wir bitten Dich, erbarme Dich auch unser, sende zu uns Deines Lichtes Glanz und verleihe uns Deines Trostes Süßigkeit. Ohne Dich ist nichts Gutes in uns. Reinige in uns, was unrein ist; besprenge, was dürr ist; erquicke, was kraftlos ist; bring zurecht, was irrig ist; erwärme, was falt, verbinde, was krant ist. Uns Allen, welche auf Dich trauen, verleihe große Kraft, Gutes zu thun und das Böse zu meiden. Amen. Vater Unser. Mittwoch nach dem 4. Sonntage nach Ostern.( Cantate.) 321 Mel.: Freu' bich sehr, o meine Seele. Sei getreu in deinem Glauben! Baue deinen Seelengrund Nicht auf zweifelhafte Schrauben; Lasse den Gewissensbund, So geschlossen in der Tauf, Gott nicht wieder sagen auf! Der ist gottlos und verloren, Wer meineidig Dem geschworen. Sei getreu in allen Sachen! Anfang, Mittel und das End Laß nur Gott in Allem machen, Auf daß aller Zweck sich wend' Förderst hin zu Gottes Chr, Ja du selbsten noch vielmehr Wirst auf gutem Wege gehen Und die Sündenbahn abstehen. ( Vers 2 und 8 aus: Sei getreu bis an bas Ende.) 2 Timoth. 2, 19-22. Aber der feste Grund Gottes beftehet und hat dieses Siegel: Der Herr kennet die Seinen;" und: ,, Es trete ab von der Ungerechtigkeit, wer den Namen Chrifti nennet." In einem großen Sause aber sind nicht allein goldene und silberne Gefäße, sondern auch böl zerne und irdene; und etliche zu Ehren, etliche aber zu Unehren. So nun Jemand sich reiniget von solchen Leuten, der wird ein ges beiligt Saß sein, zu den Ehren, dem Hausherrn bräuchlich, und zu allem guten Werk bereitet. Sliebe die Lüfte der Jugend; jage aber nach der Gerechtigkeit, dem Glauben, der Liebe, dem Frieden mit Allen, die den Serrn anrufen von reinem Herzen. Wer ein Eigenthum Gottes sein will, der muß ein doppeltes Siegel tragen. Das erste Siegel kann kein Menschenauge sehen, es hat die Inschrift: der Herr fennet die Seinen. Derjenige, welcher aller Herzen Kündiger ist, weiß, ob eine Seele sich vor Ihm versteckt, oder ob sie ihre Sünden, ihre Wünsche und Begierden vor Ihm offenbart. Wer dem anklopfenden Finger des Herrn die Thür verschließt, wer das allwissende Auge Gottes zu betrügen sucht, wer seine eigenen Wege geht und die Liebe Christi nicht versteht, den kennet Er nicht. Aber wer seine Gebrechen dem allwissenden Arzte zeigt, wer bei allem, was er thut, Christum zu Rathe zieht, wer dem heiligen Geiste Raum giebt und Ihm gehorchen will, den kennet der Herr, den wird Er dereinst an diesem Siegel beglaubigen und als Sein Eigenthum vom Vater Heischen. Das andere Siegel aber kann auch die Welt sehen: es trete ab von der Ungerechtigkeit, wer den Namen Christi nennet. Hierin liegen zwei Stücke beschlossen, 1) daß wir den Namen Christi vor der Welt bekennen müssen, 2) daß wir abtreten müssen von der Ungerechtigkeit. Man kann einen Freund nicht blos dadurch verleugnen, daß man offen erklärt, man wolle nichts mit ihm zu thun haben, sondern auch dadurch, daß man stille schweigt, wenn er uns grüßt, und dadurch, daß man stille schweigt, wenn er in unserer Gegenwart 21 322 verspottet wird. Wir dürfen uns nicht scheuen, Christi Namen zu nennen auch vor vielen Zeugen, aber wir sollen uns, je lauter wir Ihn bekennen, um so sorgfältiger scheuen vor aller Ungerechtigkeit. Die Welt weiß die Sünden ihrer Kinder zu entschuldigen, die Jugendsünden mit dem Leichtsinn der Jugend, den Geiz und Zorn der Alten mit dem Sorgengeist und der Wunderlichkeit des zunehmen. den Alters. Aber die Bekenner Chrifti finden keine Entschuldigung. Was die jüngsten und was die ältesten von ihnen versehen, das wird alles gebraucht zur Schmach und Unehre des Herrn. Darum trete um so mehr ab von der Ungerechtigkeit jung und alt, wer den Namen Christi nennet. Fliehe die Lüfte der Jugend, fliehe die Wunderlichkeit des Alters, fliehe die Zanfsucht und den Geiz. Habe deine Gedanken darauf gerichtet, daß du dem Herrn willst dienen als ein gebräuchlich Gefäß. Habe nur eine große Sorge, daß du Ihm keinen Schaden machest. Aber sei auch nicht zu ängstlich, denn Er fennet die Seinen. Wie ein Vater oder Mutter auf das schwache Kind die meiste Acht hat, so weiß Gott allen Seinen Kindern nach ihrem Zustande zu begegnen und sie mit der nöthigen Kraft zu versehen. Wo viel Feinde sind und viel Verfolgung, da giebt Er einen fröhlichen Muth und große Kraft. Wo viele Anfechtungen sind, da giebt Er viel Seufzer, deren jeder zum Himmel eilt und Segen herabholt. Wo Mangel und Armuth ist, da giebt Er Genügs samkeit und lehrt auf Seine Hülfe warten. Wo Verachtung und Verlaffenheit ist, da pflegt Er Seine gnadenreiche Gegenwart desto herrlicher zu offenbaren. Gebet. Ich preise Dich, Vater und Herr Himmels und der Erde, daß Du mir den Namen Deines lieben Sohnes geoffenbaret hast in Deinem heiligen Worte. Durch denselbigen habe ich Zugang zu Deiner Gnade und finde bei Ihm die Vergebung aller Sünden und Heilung aller Gebrechen. Um Eins bitte ich Dich, barmherziger Gott, Du wollest mich in solchem Wesen befestigen, mein Herz läutern und reinigen und mir Gnade verleihen, daß ich würdiglich meinem hohen Berufe wandeln und mein Leben allein nach Deinen Willen anstellen möge. Amen. Bater Unser. 323 Donnerstag nach dem 4. Sonntage nach Ostern. ( Cantate.) Mel.: Balet will ich bir geben. Nun weiß und glaub' ich feste, Ich rühm's auch ohne Scheu, Daß Gott, der Höchst' und Beste, Mein Freund und Vater sei, Und daß in allen Fällen Er mir zur Rechten steh' Und dämpfe Sturm und Wellen Und was mir bringet Weh. Sein Geist wohnt mir im Herzen, Regieret meinen Sinn, Vertreibt mir Sorg' und Schmerzen, Nimmt allen Kummer hin; Giebt Segen und Gedeihen Dem, was Er in mir schafft, Hilft mir das Abba schreien Aus aller meiner Kraft. ( Vers 2 und 7 aus: Ist Gott für mich, so trete.) Röm. 5, 1-8. Tun wir denn sind gerecht geworden durch den Glauben; so haben wir Srieden mit Gott, durch unsern Herrn Jesum Christ. Durch welchen wir auch einen Jugang baben im Glauben zu dieser Gnade, darin wir stehen; und rühmen uns der Hoffnung der zukünfs tigen Serrlichkeit, die Gott geben soll. Nicht allein aber das, sondern wir rühmen uns auch der Trübfale, dieweil wir wissen, daß Tråbsal Geduld bringet; Gedulo aber bringet Erfahrung; Erfahrung aber bringet Soffnung; Soffnung aber låßt nicht zu Schanden werden. Denn die Liebe Gottes ist ausgegoffen in unser Herz durch den heiligen Geift, welcher uns gegeben ist. Denn auch Christus, da wir noch schwach waren, nach der Zeit, ift für uns Gottlose ges fforben. Nun ffirbt kaum Jemand um des Rechtes willen; um etwas Gutes willen dürfte vielleicht Jemand sterben. Darum preiset Gott seine Liebe gegen uns, daß Chriftus für uns gestorben ist, da wir noch Sünder waren. Es ist etwas Großes, wenn man des Morgens von seinem Lager aufsteht und man hat sich kaum besonnen, daß man noch lebt, und man kann ohne Bedenken und Zweifel zuversichtlich sprechen: Nun wir denn sind gerecht geworden durch den Glauben, so haben wir Frieden mit Gott durch unsern Herrn Jesum Christum. Dies felige ,, Nun" trat für den Apostel Paulus ein, als Ananias zu ihm gekommen war in Damaskus, und seine Rede mit den Worten schloß: Und nun, Bruder Saulus, laß dich taufen und abwaschen deine Sünden. Auch wir hätten von dem Tage ab, da es Gott gefiel, uns durch das Bad der Wiedergeburt in die Gemeinschaft Seines Sohnes zu ziehen, alle Stunden durch das Zeugniß des heiligen Geistes rühmen sollen, daß wir gerecht geworden seien durch den Glauben. Leider haben wir es manchen Tag vergessen, in Sünden gelebt und keinen Frieden in unserm Gewissen gehabt. Nun aber, da wir die Sünde mit Schmerzen und Betrübniß als unsere größte Last und Feindin erkennen, nun 21* 324 da wir Chriftum als unsern einzigen Helfer ergreifen und Gott für nichts so sehr danken als dafür, daß wir auf Christum getauft sind, nun sind wir gerecht geworden durch den Glauben und haben Frieden mit Gott. Was uns auch begegnen mag, wir wollen damit zu Gott gehen, denn wir haben einen Zugang zu Ihm im Glauben. Wir wollen Ihm demüthig dienen, aber wir wollen dabei muthig und fröhlich rühmen, daß uns alles dienen muß, was uns auch widerfahren mag. Sind es Trübsale, so sollen sie Geduld in unserer Seele wirken, und ein geduldiges Gemüth wird immer die Erfahrung machen, daß der Herr die Seinigen zur rechten Zeit zu erquicken, zu erlösen versteht. Wer aber aus sechs Trübsalen errettet ist, der hat die Hoffnung, daß ihn in der siebenten kein Unglück rühren werde. Wer reich ist an Erfahrung, der wird auch reich an Zuversicht und Hoffnung. Darum sind die reichsten und gesegnetesten Tage die, an denen Gott uns übt in der Geduld und wachsen läßt in der Erfahrung. Die allerfeligste Erfahrung aber bringt die Stunde, in welcher die Liebe Gottes ausgegossen wird in unser Herz, wo jeder Blick auf das Kreuz des Sohnes Gottes uns mit dem Jubelrufe erfüllt: Gott hat mich lieb. Er hat mich lieb gehabt, da ich Sein Feind noch war, so lieb, daß Er für mich gestorben ist, Er kann mich jetzt nicht von Sich stoßen und verlassen, nun ich Sein Freund geworden bin. Nun rühme dich, du Welt mit deinem Gelde, mit deiner Gefundheit, Kraft und Herrlichkeit. Du rühmest dich des Schattens, ich des Wesens, denn ich rühme mich Gottes. Wie ziert, wie brüstet sich mancher Mensch, der mir etwa ein Haus und Ackerstück von seinen Eltern geerbt hat, oder einige hundert, vielleicht einige tausend Thaler im Vermögen hat. Ich denke: Pfui über mich, der ich noch niemals meinem Gott und Vater die Ehre gethan, daß ich mich so viel mit Ihm, Seiner Fürsorge und Liebe hätte gewußt, wie dieser Mensch mit seinem Mammon. Jener grämt sich nicht, er tritt auf, denn er hat Geld. Und ich sorge und gräme mich, da ich doch Gott habe? Ich will hingehen und Ihm dienen, will mich meiner schämen und Seiner rühmen, denn Er ist mein Gott. Gebet. Herr, mein Gott, Du hast mir durch das Verdienst Chrifti die Seligkeit bereitet. Darüber hast Du mir den gewissen Brief Deiner theuren Verheißungen gegeben und die Siegel Deiner heiligen Sacramente. So ergreife ich Dich, Herr Jesu, mein ganzer Trost im Glauben, und bitte Dich, stärke mich in solchem Glauben, daß ich mich Deiner von ganzem Herzen freue und Dich sammt dem Vater und heiligem Geiste in Lieb und Leid lobe und preise. Amen. Vater Unser. Freitag nach dem 4. Sonntage nach Ostern.( Cantate.) Ist Gott für mich, so trete Gleich Alles wider mich. So oft ich ruf und bete, Weicht Alles hinter sich. Hab' ich das Haupt zum Freunde Und bin geliebt bei Gott, Was kann mir thun der Feinde Und Widersacher Rott'? 325 - Mel.: Balet will ich dir geben. Röm. 8, 31-39. was wollen wir denn hierzu sagen? Jft Gott für uns, wer mag wider uns sein? Welcher auch seines eigenen Sohnes nicht bat verschonet, sondern hat ihn für uns alle dahin gegeben; wie sollte er uns mit ihm nicht Alles schenken? Wer will die Auserwählten Gottes beschuldigen? Gott ist hier, der da gerecht macht. Wer will verdammen? Chriftus ift bier, der gestorben ift, ja vielmehr, der auch auferwedet ift, welcher ist zur Rechten Gottes, und vertritt uns. Wer will uns scheiden von der Liebe Gottes? Trübfal, oder Angst, oder Verfolgung, oder Blöße, oder Sährlichkeit, oder Schwerdt? wie geschrieben stebet: Um deinet willen werden wir getödtet den ganzen Tag; wir sind geachtet wie Schlachtschafe." Aber in dem Allen überwinden wir weit, um deß willen, der uns geliebet bat. Denn ich bin gewiß, daß weder Tod noch Leben, weder Engel noch Sürftenthum, noch Gewalt, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes, noch keine andere Creatur, mag uns schei den von der Liebe Gottes, die in Chrifto Jesu ist, unserm Serrn. 1 Ift Gott für uns? uns? Ohne diese Frage soll man kein Werk beginnen. Denn welches Vornehmen könnte wohl gedeihen, so lange Gott gegen uns ist? Es ist aber eine Gewissensfrage: ist Gott für unser Gewissen allein kann eine Antwort darauf geben. Gott tann nur so lange für uns sein, so lange wir für Ihn sind. Wenn in einem Lande zwei Parteien tämpfen, eine aufrührerische und eine tren gesinnte, so kann der König sich nur für diejenigen entscheiden, die es mit ihm halten. Frage dich also heute gewissenhaft: mit wem hältst du es, Menschenherz? Hältst du es mit Gott, auch wenn Er heute deine Sünde bekämpfen und deinen Hochmuth dämpfen will beabsichtigst du auf Seine Seite zu treten, wenn dein eigenes Fleisch dich gegen Sein Gebot zur Sünde reizen und versuchen wird, wünschest du Gottes Namen zu bekennen, auch wo man Ihn verachtet, wünschest du dich züchtigen zu lassen von Seinem Wort, und deine Kinder oder deine Untergebenen in Zucht zu halten, wie es das Wort - Der Grund, da ich mich gründe, Ist Christus und Sein Blut; Das machet, daß ich finde Das ew'ge, wahre Gut. An mir und meinem Leben Ist nichts auf dieser Erd': Was Christus mir gegeben, Das ist der Liebe werth. ( Vers 1 und 3 aus: Ift Gott für mich, so trete.) 326 Gottes verlangt, auch wenn es ihnen nicht gefällt, willst du dich im Leiden und in Freuden ganz dem Willen Gottes übergeben? dann bist du für Gott, und dann ist Gott auch für dich. Du kannst auf die Gewissensfrage: ist Gott für mich? die Frage der Gewißheit folgen lassen: Wer mag wider mich sein? Gott hat ein kostbares Pfand gestellt, daß Er mir von allem Uebel helfen will. Dies Pfand ist Sein eingeborener Sohn, den Er mir gegeben hat. Sollte Ihm wohl etwas zu theuer sein, um dies Pfand auszulösen? Nein, Er ist bereit, uns um Jesu willen Alles, was uns gut ist, zu gewähren. Darum übergeben wir im Voraus uns und alles, was uns treffen und begegnen kann, dem Herrn Jesus Christ, der mit dem Vater für uns ist. Wer stärker ist, als dieser Mann, der komm' und thu' ein Leid uns an. Will eine Creatur uns unsere Sünden aufrücken und uns um derselben willen ihre Liebe, ihr Mitleid, ihre Achtung verweigern: hier steht der Schöpfer aller Creatur, der uns gerecht macht, Er versagt uns Sein Wohlgefallen, Seine Liebe nicht. Verdammt man uns, sind wir vor Menschen unwürdig, daß kein guter Freund uns beistehen und zu Hülfe kommen will, spricht Niemand für uns, Christus ist hier, der gestorben ist, ja vielmehr, der auch auferwecket ist, welcher ist zur Rechten Gottes und vertritt uns. Dieses Bewußtsein giebt uns eine männliche Gewißheit in allem unsern Thun. Die meisten Christen sagen leider: ich bin ungewiß, wie es um meine Seele steht. Paulus aber bezeugt: Ich bin gewiß, und seine Gewißheit ist mehr als männlich, sie ist göttlich, denn er weiß, daß kein Geschöpf ihm dieselbe nehmen kann. Am Tage ihres Todes wünschen alle Menschen dieſe göttliche Gewißheit, wer aber ein rechter Christ sein will, der soll alle Tage darnach ringen, daß er mit Paulo sprechen kann: ich bin gewiß. Thon - - Gebet. Ich danke Dir, barmherziger Gott, daß Du Deinen lieben Sohn uns armen Sündern geschenkt haft, welcher für mich ge= litten hat, gefreuzigt, gestorben und auferstanden ist und nun lebendig im Himmel thronet. Wie bin ich deffelben so herzlich froh und bin gewiß, daß mich keine Creatur von Ihm scheiden soll und wird. Verleihe mir und allen Gläubigen, daß ich in solchem Glauben fest stehe und einhergehe und in allen Dingen Dir allein folge und mein Fleisch und Blut sammt aller Creatur, die das Herz von Dir abreißen will, ritterlich überwinde. Amen. BIDA Vater Unser. od figithildred 327 Sonnabend nach dem 4. Sonntage nach Ostern. ( Cantate.) Mel: Nun ruhen alle Wälder. Ach, laß Dein Wort uns Allen Noch ferner rein erschallen Zu uns'rer Seelen Nuß. Bewahr' uns vor den Rotten, Die Deiner Wahrheit spotten; Beut allen Deinen Feinden Trut. Gieb, Herr, getreue Lehrer Und unverdross'ne Hörer, Die beide Thäter sein. Auf Pflanzen und Begießen Laß Dein Gedeihen fließen, Und ernte reiche Früchte ein. ( Vers 2 und 3 aus: Herr höre, Herr erhöre.) Jac. 1, 22-27. Seid aber Thåter des Worts, und nicht Hörer allein, damit ihr euch selbst betrüget. Denn so Jemand ist ein Hörer des Worts, und nicht ein Thåter: der ist gleich einem Manne, der sein leiblich Angesicht im Spiegel beschauet. Denn, nachdem er sich befchauet hat, gehet er von Stund an davon, und vergißt, wie er gestaltet war. Wer aber durchschauet in das vollkommene Gesetz der Freiheit, und darinnen beharret; und ist nicht ein vergeßlicher Sörer, sondern ein Thåter: derselbige wird selig fein in seiner That. So aber sich Jemand unter euch läßt dúnken, er diene Gott, und hält feine Junge nicht im Jaum, sondern verführet sein Herz; deß Gottesdienst ist eitel. Ein reiner und unbefleckter Gottesdienst vor Gott dem Vater ist der: Die Waisen und Wittwen in ihrer Trübsal besuchen, und sich von der Welt unbeflect behalten. Was die Hauptsache für uns Menschen ist, das wird uns in der heiligen Schrift oft und mannigfach als solche bezeugt; die Lehre der Schrift ist eben die Wahrheit. Was ist denn nun die Hauptsache? Jacobus sagt: ein Thäter des Wortes sein. Das Hören ist nicht ausgeschlossen, sondern ist Mittel zum Zweck; wo Jemand das Mittel nicht braucht, kein Hörer ist, wie sollte er das richtige Ziel erreichen? Ein Thäter des Wortes sein ist im Grunde dasselbe, was sonst die Schrift nennt, an Christum glauben. Wie fein nun und wundervoll lehrt uns Jacobus diese Wurzel und den Grund des Ganzen, und wie zeigt er sobald, daß die gesunde Wurzel ein gesundes Gewächs treibt! Da ist das Wort Gottes, dieser Same des Reiches Gottes; es wird gelehrt, gepredigt. Aber es gilt nicht eine oberflächliche Berührung mit dem Worte, wie ein Mann flüchtig in einen Spiegel sieht und vergißt, wie er gestaltet war. An dieser oberflächlichen Berührung mit dem Worte lassen sich Viele genügen; dies ist das Geheimniß, daß so Viele durch das Kirchengehen nicht gebeffert werden. Sie hören nur flüchtig zu, und weil man allerdings richtig herausfühlt, daß nach der Lehre des Wortes Gottes es mit dem Men 328 schen gar nicht recht steht, so wird man scheu vor dem Worte, macht sich Gedanken von Gott und von sich selbst außer dem Worte und betrügt im Grunde doch nur sich selbst. Vielmehr sollen wir beharrlich in das Wort Gottes sehen; es ist ein Wort, das aus dem Herzen Gottes gefloffen ist und deshalb von der Creatur nur mit dem ganzen Herzen gefaßt werden kann. Es ist ein Wort, das der Geiſt Gottes hervorgebracht hat und welches deshalb auch nur mit dem Geiste aufgenommen werden kann. Wer so daran geht, der ist schon ein Thäter des Wortes, gewinnt ein Auge für die Wahrheit des Wortes, erlangt einen Verstand für die herrliche Freiheit, welche uns Gottes Wort im Namen Jesu predigt. Dieses innerliche Umfassen der geoffenbarten Wahrheit ist das rechte Thun; man kann es auch Glauben nennen. Wo dieses ist, folgt alles Andere wie die Blüthe und Frucht sich aus der Knospe entwickeln; es mangelt nicht an der Erfenntniß der Sünde, an Glauben an Christum, an ernstlicher Besserung des Lebens. Das Geheimniß aller auserwählten Gottesmenschen, eines Abraham und David, liegt in dieser Stellung zu dem Worte Gottes, in dieser Vereinigung des menschlichen Geistes und des göttlichen Geistes im Worte. Wie sollte es da an heiligenden Lebenskräften fehlen! Wie sollte die Macht Gottes in unsern Herzen nicht die sonst wilde, böse, giftige Zunge bändigen können? Wie sollte es an Werken der stillen Liebe und Treue gegen Wittwen und Waisen fehlen? So gewiß Feuer brennt und Wasser kühlt, so gewiß ist der aus Gottes Wort geborene und in dem Worte lebende Glaube an Christum fruchtbar in allerlei gottgefälligen Erweisungen. Gebet. Lieber Gott und Bater, schreibe durch Deinen lieben heiligen Geist in unsere Herzen dasjenige, was so reichlich in der Schrift gefunden wird und laß uns stetig daran gedenken und viel tiefer zu Herzen gehen, denn unser eigenes Leben und was uns mag lieb sein auf Erden. Amen. Vater Unser. Blons Fünfter Sonntag nach Ostern, genannt Rogate. omn Mel.: Dir, Dir Jehova will ich fingen. Zeuch mich, o Bater, zu dem Sohne, Damit Dein Sohn mich wieder zieh' zu Dir. Dein Geist in meinem Herzen wohne Und meine Sinne und Verstand regier', Daß ich den Frieden Gottes schmec' und fühl Und Dir darob im Herzen sing' und spiel'. Der mich zu Deiner Rechten selbst vertritt. Wohl mir, ich bitt' in Jesu Namen, In Ihm ist Alles Ja und Amen, Was ich von Dir im Geist und Glauben bitt'. Wohl mir! Lob Dir jetzt und in Ewigkeit, Daß Du mir schenkest solche Seligkeit. ( Bers 2 unb 8 aus: Dir, Dir Jehova will ich singen.) 329 Joh. 16, 23-30. wahrlich, wahrlich, ich sage euch: So ihr den Vater etwas bit ten werdet in meinem Tamen, so wird er es euch geben. Bisher babt ihr nichts gebeten in meinem Tamen. Bittet, so werdet ihr nehmen, daß eure Freude vollkommen sei. Solches habe ich zu euch durch Sprüchwort geredet. Es kommt aber die Zeit, daß ich nicht mehr durch Sprüchwort mit euch reden werde, sondern euch frei beraus verkündigen von meinem Vater. An demselbigen Tage werdet ihr bitten in meinem Tamen. Und ich sage euch nicht, daß Ich den Vater für euch bitten will; denn er selbst, der Vater, bat euch lieb, darum, daß ihr mich liebet, und glaubet, daß Ich von Gott ausgegangen bin. Ich bin vom Vater ausgegangen, und gekommen in die Welt; wiederum verlaffe ich die Welt, und gebe zum Vater. Sprechen zu ihm seine Jünger: Siehe, nun redest du frei heraus, und fagft kein Sprüchwort. 27un wiffen wir, daß du alle Dinge weißt, und bedarfst nicht, daß dich Jemand frage. Darum glauben wir, daß du von Gott ausgegangen bist. Beten ist ein Räuchwerk, das von dem Feuer auf dem Altare aufsteigt. Darum steigt dieser Rauch in manchen Herzen nicht auf, weil kein Altar und kein Feuer da ist. Was ist das für ein Altar und Feuer?, Er Selbst, der Vater, hat euch lieb" da stedt's. Wo das als siegreiche Wahrheit und Gewißheit im Herzen, da ist auch Bitten und Flehen, Loben und Danken. Der Vater ist nicht ein Gott, der nach der Meinung der menschlichen Vernunft Seine Vollkommenheiten abgelegt hat, um mit dem Rest Seiner Gottheit uns armen Menschen ein wenig das Leben zu erleichtern. Sondern der Vater ist der lebendige, große, allein gewaltige, ewige Gott, den die vornehmsten Engel nicht ansehen mögen. Daß dieser Gott Bater ist, der rechte Vater, davon ist nie ein Gedanke in das gewöhnliche Menschenherz gekommen. Die Jünger haben's erst geahnt, dann gehofft, dann erwartet, dann geglaubt, dann gewußt, und sind wie Löwen stark an Muth geworden, weil sie Vater" zu Gott sagen konnten. Nämlich, je mehr ihnen der Name Jesu bekannt wurde, und sie hinanund hineinwuchsen in die selige Erkenntniß, daß und warum Jesus, den sie liebten, von Gott ausgegangen sei und zu Gott zurückkehre, und sie sich ganz mit Leib, Seel und Geist in diesen Namen Jesu verfenften, wie man den Leib in einen Rock hüllt, um so gewisser wurde es ihnen, daß Gott ihr Vater, und sie Kinder seien. Wo aber Einer ein Kind ist, wie sollte er nicht bitten? Und wo ein Kind zu Gott seinem Vater schreiet, wie sollte Er nicht hören? Hörte der Vater schon den verlorenen Sohn, als derselbe nur erst wieder Kindesgedanken, nämlich Heimathsgedanken in sich aufkommen ließ, wie sollte Er die lieben Kinder nicht hören? Ein Kind würde sehr unkindlich denken, Aber wollte es an der Liebe und Freundlichkeit des Vaters zweifeln. 330 ich bin ein Sünder! denkst du. Ja wohl, du bist ein Sünder, das ist gewiß so. Aber kleide dich in den rechten Rock, den du in der Taufe schon angezogen und wage Christum ganz als dein Eigenthum zu betrachten, so werden dir die argen Gedanken über Gott vergehen. Weil aber der Mensch immer Einwendungen im Herzen hat gegen die göttliche Wahrheit, so kommt er gar auf die Frage, warum denn die Vermahnungen zum Gebete so häufig sich finden. Antwort: weil Beten so nöthig ist. Und warum ist Beten so nöthig? Weil wir sonst nichts haben, als die baare Armuth. Der weiß noch nichts, der seinen Mangel nicht weiß; der hat noch kein richtiges Gefühl, der seine große Armuth nicht fühlt. Sind wir Christen, so sind wir Kinder, Jünger, Pilgrimme, Streiter, Hungrige, Durstige, an jedem Tage unseres Lebens; wie sollten wir als solche Leute nicht zu bitten nöthig haben und uns über den reichen Gott freuen! Da der Herr spricht: So ihr den Vater Etwas bitten werdet", wußte Er wohl, daß Seine lieben Jünger täglich Etwas auf dem Herzen haben, das sie bedürfen. Und Gott will geben und wir sagen es Ihm zu Lobe: Er giebt, nämlich Gnade um Gnade, Gnade zur Buße, Gnade zum Glauben, Gnade zur Einsicht in die göttlichen Wahrheiten, Gnade zur Heiligung, Gnade zu allen schweren Kämpfen und wie wir es sonst bedürfen. So wird denn unsere Freude je mehr und mehr vollkommen. Denn wie könnte eine vollkommenere Frende sein, als daß ich von ganzem Herzen glaube, daß Gott mein Vater ist. Diese Freude empfinde ich erfahrungsmäßig durch mein Gebet und seine Erhörung. Gebet. Wir danken Dir, Herr Jesu, daß Du uns solch große Macht und Gnade erworben hast, daß wir mit Deinem und unserem himmlischen Vater täglich reden mögen und uns mit Deinem wahrhaftigen Munde versicherst, der Vater wolle uns erhören. Wir bitten Dich, gib uns den Geist des Gebetes, daß wir solcher Macht und Herrlichkeit ohn' Unterlaß gebrauchen, uns auf Dein Wort, Blut und Tod in wahrem Vertrauen berufen und in allen Anliegen Gottes Hülfe erbitten und erwarten. Amen. Vater Unser. 95000 sdistus Montag nach dem 5. Sonntage nach Ostern.( Rogate.) O der unerkannten Macht Von der Heil'gen Beten! Ohne das wird nichts vollbracht, So in Freud' als Nöthen. Schritt für Schritt Wirkt es mit, 331 Mel.: Straf mich nicht in Deinem Zorn. Wie zum Sieg der Freunde, So zum End' der Feinde. 63 Mitche mich minn Geist be wit O, so betet Alle drauf, Betet immer wieder! Heil'ge Hände hebet auf, Heil'get eure Glieder! Heiliget Das Gebet, Daß zu Gott sich's schwinget; Betet, daß es bringet. ( Vers 6 und 7 aus: Betgemeine Heilge.) Jacob. 5, 16-20. Des Gerechten Gebet vermag viel; wenn es ernftlich ist. Elias war ein Mensch, gleichwie wir, und er betete ein Gebet, daß es nicht regnen sollte; und es regnete nicht auf Erden drei Jahre und sechs Monate. Und er betete abermal, und der Simmel gab den Regen, und die Erde brachte ihre Frucht. Lieben Brüder, so Jemand unter euch irren würde von der Wahrheit, und Jemand bekebrete ihn; der foll wissen, daß, wer den Sünder bekebret hat von dem Irrthum feines Weges, der hat einer Seele vom Tode geholfen, und wird be decken die Menge der Sünden. Die ie Zunge des Propheten Elias nennt ein alter Kirchenlehrer ( Petrus Chryfologus) einen Schlüssel des Himmels, nicht weil Elias durch das Wort seines Mundes Sünde vergeben konnte, sondern weil der Prophet durch das Gebet, welches von seinen Lippen aufstieg, die Wolken des Himmels auf- und zuschloß, daß sie ihren Regen entweder zurückhalten oder hergeben mußten. Es ist aber merkwürdig, daß Jacobus den Ausdruck gebraucht; ,, er betete ein Gebet", oder, wie es nach dem Grundtext lautet: er bat mit Gebet. Dies ist nach der Hebräer Weise geredet, welche, wenn sie andeuten wollen, daß ein Ding mit großem Fleiß, Kraft und Ernst geschehen sei, die Worte verdoppeln. Also ist die Meinung, der Prophet habe im feurigen Eifer um die Ehre Gottes, auch mit brünstigem Geist und großer Kraft des Glaubens gebetet. Mancher Mensch betet wohl, aber nicht mit Gebet oder herzlicher Andacht. Er betet mit dem Munde, ohne Nachdruck des Herzens. Elias aber betete mit Gebet: erhöre mich, Herr, erhöre mich, daß dies Volk wisse, daß Du Herr Gott bist, daß Du ihr Herz darnach bekehrest. Auf dies Gebet fiel sofort Feuer vom Himmel und verzehrte des Propheten Opfer. Darnach, als das Volk dem Herrn die Ehre gab, regnete es. Seht, so hatte dieser eifrige Beter den Himmel zu seinem Willen; er konnte Waffer und Feuer von dannen erlangen, er konnte ihn auf- und zuschließen. Und dieser Elias war ein Mensch gleich wie wir. Der Geist, welcher ihn beseelte, wohnte in einem sündlichen Leibe. Das Blut, welches durch seine Adern floß, war von demselben vergifteten Quell, aus dem das unsere ist: kein Tröpflein ist darin zu finden, das nicht starrt von lauter Sünden. Sein Gewissen mußte grade so gut schreien wie Davids Gewissen: ich bin aus sündlichem Samen gezeuget, wenn Du Herr willst Sünde zurechnen, Herr, wer wird bestehen? Aber der Geist Gottes, welcher sein Herz in Besitz genommen hatte, rief ihm zu: du mußt beten, und du darfst beten, und der Herr wird es erHören um Seines Namens willen, fürchte dich nicht. Was sagt der Geist aber in den Christenherzen? Er schreiet Abba lieber Bater! und feine betende Zunge ist ein Schlüssel des Himmels, wodurch Ströme des Segens auf alle, für die wir Fürbitte thun, erschlossen und herniedergeholt werden. Wir bitten nicht um das verzehrende Feuer, wie Elias, denn wir wissen, welches Geistes Kinder wir sind. Wir bitten um das Feuer der Liebe, welche den irrenden Bruder gern durch ein liebreiches Wort vom Wege des Todes zurückholt und ihn zu dem Heiland lockt, welcher ihm die Menge seiner Sünden bedecken kann. Um dieses Glück, Retter einer Seele zu sein, bitten wir ernstlich mit Gebet, ob wir wohl Erde und Asche sind. 332 Gebet. Herr, Du lebendiger Gott, Du hast ernstlich geboten zu beten und verheißen, daß Du uns willst erhören. Ich bitte Dich, mein Gott, gieß aus über mich Deinen heiligen Geist, den Geist des Gebets, daß ich allezeit Lust und Liebe zum Gebete habe, täglich getrost und mit aller Zuversicht Dich im Namen Jesu in allen Nöthen anrufe, mein allerliebster Bater. Gieb mir, daß ich allezeit beilige Hände zu Dir aufhebe ohne Zorn und Zweifel und festiglich vertraue, daß alle meine Gebete und Seufzer, die aus meinem Herzen kommen gewiß erhört werden. Amen. Vater Unser. Dienstag nach dem 5. Sonntage nach Ostern.( Rogate.) SES Gott ist gegenwärtig! Lasset uns anbeten otstud Und in Ehrfurcht vor Ihn treten. Mel.: Wunderbarer König. Gott ist in der Mitten! Alles in uns schweige Und sich innigst vor Ihm beuge. Wer Ihn fennt, Wer Ihn nennt, Schlagt die Augen nieder, Kommt, ergebt euch wieder. - Majestätisch Wesen, 10 Möcht' ich recht Dich preisen duk Und im Geist Dir Dienst erweisen! Möcht' ich wie die Engel, Immer vor Dir stehen Und Dich gegenwärtig sehen! Laß mich Dir Für und für Trachten zu gefallen, Liebster Gott, in Allem. ( Vers 1 und 4 aus: Gott ist gegenwärtig.) 333 Joh. 4, 24-34. Gott ist ein Geist; und die ihn anbeten, die müffen ibn im Geift und in der Wahrheit anbeten. Spricht das Weib zu ihm: Ich weiß, daß der Meffias kommt, der da Chriftus heißt. Wenn derselbige kommen wird, so wird er uns alles verkündigen. Jesus spricht zu ihr: Ich bin es, der mit dir redet. Und über dem kamen seine Jünger, und es nahm sie Wunder, daß er mit dem Weibe redete. Doch sprach iemand: Was fragest du? oder: Was redest du mit ihr? Da ließ das Weib ihren Krug fteben, und ging bin in die Stadt und spricht zu den Leuten: Kommt, sebet einen Menschen, der mir gesagt hat Alles, was ich gethan habe, ob er nicht Chriftus fei? Da gingen sie aus der Stadt, und kamen zu ihm. Indeß aber ermahneten ihn die Jünger, und sprachen: Rabbi, ik. Er aber sprach zu ihnen: Ich habe eine Speise zu effen, da wiffet ihr nicht von. Da sprachen die Jünger unter einander: Hat ihm Jemand zu effen gebracht? Jesus spricht zu ihnen: Meine Speise ist die, daß ich thue den willen deß, der mich gesandt hat, und vollende sein werk. Gott ist den Lügnern feind und haffet absonderlich die Unwahrheit derjenigen, welche in der Kirche oder in der täglichen Hausandacht den Schein annehmen, als beteten sie, während ihre Gedanken und Herzen bei andern Dingen sind. O Seele, Er will in der Wahrheit angebetet sein, darum richte deine Gedanken jetzt andächtig zu Gott und denke so aufrichtig an Ihn, wie Er an dich denkt. Er ist ein Geist und will vor allen Dingen über deinen Geist herrschen. Darum ist es Ihm nicht genug, daß du das Haupt vor Ihm neigst, sondern du sollst auch deinen Willen unter Seinen Willen beugen. Dann hast du recht angebetet, wenn du abermals deinen Willen in den vollkommenen Gehorsam Gottes gegeben hast; hast du aber innerlich sündhafte Absichten oder murrest du über Gottes Wege und beugst deinen Leib nur äußerlich vor Ihm, so lügst du in deinem Gebet und betest Ihn nicht in der Wahrheit an. Wer kann aber das widerspenstige und trotzige Menschenherz neigen, daß es seinen Willen vor Gott beuge, und Ihn nicht widerwillig mit Heucheldienst anbete? Das kann allein der Geist dessen, welcher gesagt hat: Ich bin die Wahrheit; Er kann uns lehren Gott im Geist und in der Wahrheit anbeten. Hier o Mensch, liegt ein Geheimniß zum Grunde, aber ein seliges. Siehe der Sohn Gottes sitzt in der Mittagshipze müde, durstig und hungrig auf dem Rande des Jacobsbrunnens. Er hatte gehofft einen Trunk zu bekommen und durch Seine ausgesandten Jünger Speife zu erhalten. Aber Er bekommt den Trunk Wassers nicht und als die Jünger mit der Speise ankommen, da hat Er weder Zeit noch Lust sie zu genießen. Er sahe vor Sich eine Gelegenheit Gutes zu verrichten, Seelen zu werben, und den Willen Seines Vaters zu thun, bas erfüllte Seine Seele mit Erquickung und Kraft. Das macht, 334 Er betete den Vater im Geist und in der Wahrheit an. mun hin und lerne von Ihm. So gehe du Gebet. Ewiger Gott, Vater unseres Herrn Jesu Christi, weil wir nicht wisfen, was und wie wir beten sollen, so schreien wir zu Dir: laß über uns kommen den Geist der Gnaden und des Gebetes, der uns bei Dir vertrete mit unaussprechlichem Seufzen. Erwecke Seele und Gemüth, daß ich nicht allein mit meinem Munde zu Dir nahe und Dich nur mit den Lippen ehre, aber das Herz ferne von Dir sei; sondern verleihe Gnade, daß ich Dich mit herzlicher Inbrunst anrufe, auch nichts von Dir begehre, was nicht nach Deinem göttlichen Willen ist. Auf Deine große Barmherzigkeit und im Namen unseres Herrn Jesu Christi, in welchem wir Freudigkeit haben, vor Dich zu treten, liegen wir vor Dir. Amen. Vater Unser. Mittwoch nach dem 5. Sonntage nach Ostern. ( Rogate.) Mel.: Bom Himmel hoch, da komm' ich her. Der heil'ge Geist den Glauben stärkt, Geduld und Hoffnung in uns wirkt, Erleucht' und macht die Herzen fest Und uns in Trübsal nicht verläßt. O heil'ger Geist, Du wahrer Gott, Der Du uns tröst' in aller Noth, Wir rühmen Dich, wir loben Dich Und sagen Dir Dant ewiglich. ( Vers 9 und 16 aus: Nun freut euch, Gottes Kinder all.) Apostelgesch. 1, 1-11. Die erste Rede habe ich zwar gethan, lieber Theophile, von alle dem, das Jesus anfing, beides, zu thun und zu lehren, bis an den Tag, da er aufgenommen ward, nachdem er den Apofteln( welche er hatte erwäblet) durch den heiligen Geift Befehl gethan hatte, wel chen er sich nach seinem Leiden lebendig erzeiget hatte, durch mancher. lei Erweisungen, und ließ sich sehen unter ihnen vierzig Tage lang, und redete mit ihnen vom Reich Gottes. Und als er sie versammelt batte, befahl er ihnen, daß sie nicht von Jerusalem wichen, sondern warteten auf die Verbeißung des Vaters, welche ihr habt gehöret ( sprach er) von mir. Denn Johannes bat mit Waffer getauft; ibr aber sollt mit dem heiligen Geist getauft werden, nicht lange nach diesen Tagen. Die aber, so zusammen gekommen waren, fragten ihn, und sprachen: Herr, wirst du auf diese Zeit wieder aufrichten das Reich Israel? Er sprach aber zu ihnen: Es gebühret euch nicht, za wiffen Jeit oder Stunde, welche der Vater seiner Macht vorbehalten bat; sondern ihr werdet die Kraft des heiligen Geistes empfangen, 335 welcher auf euch kommen wird; und werdet meine Jeugen sein zu Jerusalem, und in ganz Judaa und Samaria, und bis an das Ende der Erde. Und da er solches gesagt, ward er aufgehoben zusebends, und eine Wolke nahm ibn auf vor ihren Augen weg. Und als sie ihm nachsaben gen Simmel fahrend, siehe, da ftanden bei ihnen zween Männer in weißen Kleidern, welche auch sagten: Ihr Månner von Galiläa, was stehet ihr, und sehet gen Simmel? Dieser Jesus, wel cher von euch ist aufgenommen gen Simmel, wird kommen, wie ihr ibn gesehen habt gen Simmel fahren. Gott, dem alle Seine Werke bewußt sind, hat nicht ohne große Urfache die Apostelgeschichte anfangen lassen mit der Erzählung von der Zubereitung der Jünger für den heiligen Geist und der Himmel fahrt unseres Heilandes. So fängt dieses biblische Buch an und int Folgenden ist es, was sein Name sagt, die Geschichte der heiligen Apostel. Aber deren ganze Geschichte ruht auf dem Einen, daß sie den heiligen Geist empfingen und von da ab die Zeugen Jesu wurden. Und wiederum ruht die Mittheilung des heiligen Geistes auf der Heimfahrt Christi. So ist denn im Grunde das ganze heilige Leben der Apostel nur die Kraftwirkung des erhöhten Heilandes, der ihnen Seinen Geist gab. Und darin liegt auch das ganze Christenthum jetzt noch, daß wir den Geist Gottes haben und in diesem Geiste an Christum glauben, lieben, sterben, dulden, siegen. Die Jünger hatten drei Jahre lang viel Gutes von Jesu empfangen, Seine Lehre gehört, Seinen Schutz genossen, waren Zeugen Seiner Auferstehung gewesen; sie hatten auch den besten Willen, Jesu zu leben und zu sterben. Aber sie spürten jeden Augenblick, daß ihnen was fehlte; es ging ihnen, wie Kranken, die Glieder haben, aber keine Kraft sich zu regen. So sind wir bei dem besten Willen ohne den Geist Gottes. Auch die sichtbare Gegenwart Christi würde diesen Schaden bei uns nicht heilen können, so wenig sie es bei den Jüngern konnte. Darum hieß es und heißt es: warten auf den heiligen Geist. Der thuts, der machts; durch denfelben geht Alles von Statten, glauben und bekennen, wandeln und nicht müde werden. So ist es für uns ein großer Fortschritt im inneren Leben, wenn wir diesen Geist recht Herzlich bedürfen, Bittende um denselben werden und uns nicht mehr befriedigt fühlen mit Wissen und Werken, Regeln und Vorschriften. Ja, das ist schon heiliger Geist in uns, wenn wir nach Gott schreien. Und der das Schreien der jungen Raben hört, wie sollte Er dieses Seufzen nicht hören? Da heißt es denn warten, seine Augen auf den aufgefahrenen Jesus richten. Derselbe ist noch im Himmel lebendig als der Priester und Pfleger der himmlischen Güter; der den Hunger uns gegeben, gibt uns auch Brot, der uns in der Laufe mit den Erstlingen des Geistes gesegnet hat, wird uns weiter segnen, daß wir Seinen Geist spüren können in uns daran, daß uns die Schrift 336 wie ein offener, fließender Brunnen wird und wir von Herzen glauben und mit dem Munde bekennen und mit dem Leben bezeugen, daß Christus unser Herr ist, der uns erlöst und zu Kindern Gottes ge= macht hat. Gebet. Herr Jesu Christe, Du Sohn des allmächtigen Gottes, wir bitten Dich, Du wollest durch Dein Wort Deinen heiligen Geist in unsre Herzen geben, daß derselbe uns regiere und führe nach Deinem Willen, in allerlei Anfechtung und Unglück tröste, in Deiner Wahrheit wider allen Irrthum leite und erhalte, auf daß wir im Glauben feststehen mögen, in der Liebe und guten Werken zunehmen, und durch die gewisse Hoffnung Deiner erworbenen und geschenkten Gnade ewig selig werden, der Du mit dem Vater und dem heiligen Geiste lebest und regierest von Ewigkeit zu Ewigfeit. Amen. Vater Unser. Himmelfahrt Chrifti. MeL: Nun freut euch, lieben Christen g'mein. Weil Er gezogen himmelan Und große Gab empfangen, Mein Herz auch nur im Himmel kann, Sonst nirgends, Ruh erlangen; Denn wo mein Schatz gekommen hin, Da ist auch stets mein Herz und Sinn; Nach Ihm mich sehr verlanget. ( Vers 1 und 2 aus: Auf Chrifti Himmelfahrt.) Auf Christi Himmelfahrt allein Ich meine Nachfahrt gründe, Und allen Zweifel, Angst und Bein Hiermit ftets überwinde: Denn weil das Haupt im Himmel ist, Wird Seine Glieder Jesus Christ Bur rechten Zeit nachholen. Marc. 16, 14-20. Julent, da die Elf zu Cische saßen, offenbarte er sich, und schalt ihren Unglauben und ihres Herzens årtigkeit, daß sie nicht geglaubet batten denen, die ihn gesehen hatten auferstanden; und sprach zu ihnen: Gehet bin in alle welt, und prediget das Evangelium aller Creatur. Wer da glaubet und getauft wird, der wird selig werden; wer aber nicht glaubet, der wird verdammet werden. Die Zeichen aber, die da folgen werden denen, die da glauben, sind die: In meinem Tamen werden sie Teufel austreiben, mit neuen Jungen reden, Schlangen vertreiben, und so sie etwas Tootliches trinken, wird es ihnen nicht schaden; auf die Kranken werden sie die Hände legen, fo wird es beffer mit ihnen werden. Und der Herr, nachdem er mit ihnen geredet hatte, ward er aufgehoben gen Simmel, und sizzet zur rechten Sand Gottes. Sie aber gingen aus, und predigten an allen Orten; und der Herr wirkte mit ihnen, und bekräftigte das Wort durch mitfolgende Jeichen. 337 Vierzig Tage nach Seiner Auferstehung ist der Herr gen Himmel aufgehoben und sitzet zur rechten Hand Gottes. Nun sagen wir mit allem Bedacht, daß Icsus der Herr ist und wo wäre Etwas, das Seiner Herrschaft nicht unterworfen wäre. Nichts ist so groß und wäre es das jüngste Gericht und nichts ist so klein und wäre es das Haar auf dem Haupte, worüber Jesus nicht herrscht. In der Welt und Himmel Enden hat Er Alles in den Händen; denn der Bater gab es Ihm. Aber Seiner Kirche ist Er nicht bloß der Herr, sondern auch das Haupt, von welchem immerdar das Leben in die Glieder fließt. Nach der Himmelfahrt Christi sind die Apostel bald in alle Welt ausgegangen und haben den Erdkreis bewegt und bis in diese Stunde bewegt die Apostellehre die ganze Welt. Die Geschichte aller Apostel und aller Christen und der ganzen Kirche ist eigentlich weiter nichts, als daß das Haupt im Himmel die Glieder auf Erden bewegt. Dazu hat der Herr bei Seiner Himmelfahrt die Gnadenmittel verordnet. Zwei die Taufe und Predigt sind uns heute im Evangelium genannt, wozu als drittes das heilige Abendmahl fommt. Diese drei Mittel stehen in einem göttlichen Zusammenhange. Das Evangelium soll nicht in gedruckten Büchern daliegen, sondern gepredigt werden und wo es gepredigt wird, kehrt es die Welt um; denn es macht die Sicheren trostlos und die Armen reich, beschließt alle Menschen, auch die besten unter Gottes Zorn, damit es in den Herzen, die solcher Predigt sich untergeben, den Glauben an Christum, unsere Gerechtigkeit aufrichte. Zu diesem Glauben käme kein Mensch, wenn der nicht im Himmel thronte, der den Glauben anfängt und vollendet. Denn nach dem Sündenfalle liegt ein tiefes Mißtrauen und Argwohn im Menschen gegen den lebendigen Gott. Wir können uns wohl selbst eine Meinung von göttlichen Sachen machen, aber nicht den Glauben. Der ist Gottes Werk in uns. Geht es oft schwer, bis wir glauben, wie denn der Herr nach dreijähriger persönlicher Unterweisung noch zuletzt den Unglauben der Jünger schalt, so geht es doch; in empfänglichen Hörern des Wortes, die nicht muthwillig widerstreben, wirft der lebendige Heiland den Glauben. Der Glaube kommt aus der Predigt. Und damit der Glaube nicht unftät und flüchtig sei, sondern habe, wo er ruhen und immer von Neuem festen Fuß Tassen könne, hat uns Gott die Taufe gegeben, worin Chrifti ganzes Verdienst uns wahrhaftig beigelegt ist. Das müssen wir durch die Barmherzigkeit Gottes vor Allem unbeweglich glauben lernen, daß Gott uns Christum geschenkt hat. Es ist gut, alle Heilswahrheiten gläubig annehmen, aber nicht genug. Mein Herr und mein Gott fagt der wahre Glaube und Allem, was ihm dieses mein bestreiten will, sett er die göttliche That der Taufe entgegen, daß Gott Selbst mir Christum geschenkt und mich mit Ihm dadurch gliedlich verbunden hat. Die Predigt des Evangeliums will diese Gottesthat der Taufe wie die 22 - - — 338 belebende Sonne erwecken und erquicken und entwickeln, daß ich ein gesundes, fruchtbringendes Glied Christi werde. Gott sei Lob, daß es auch an den offenbaren Zeugnissen für solche verborgene Geheimnisſe nicht fehlt! Denn wo Einer ist, der da glaubet und getauft ist, finden sich auch die Zeichen des göttlichen Lebens. In der Apostelzeit waren die Zeichen, weil es im Anfange der Kirche war, augenfälliger; jetzt sind sie noch ebenso träftig. Ein gläubiger Christ, der in der Kraft seiner Taufe wandelt, überwindet den Satan, sein Fleisch und Blut, geht einher in Sanftmuth und Demuth, in Lauterkeit und Barmherzigkeit und thut solche Zeichen in seinem stillen Wandel, daß alle Glaubensgenossen seinen Glauben spüren und merken können. Wo du einen solchen Menschen findest, sei gewiß, daß das Haupt lebendig im Himmel ist und lebendige Glieder auf Erden führt. Wer da glaubet und getauft wird, der wird selig werden, und vorher schon: der wird in einem neuen Leben wandeln. Gebet. Herr Jesu Christe, der Du aufgefahren bist in die Höhe und hast Dich gesetzet über alle Creatur im Himmel und auf Erden, wir bitten Dich, Du wollest Selbst Deine heilige Kirche schützen und Dein heiliges Wort in ihr kräftig sein lassen. Unsere Herzen ziere mit völligem Glauben und brünstiger Liebe und hole uns endlich aus der streitenden Kirche in die triumphirende. Amen. Bater Unser. Freitag nach Himmelfahrt, nach dem 5. Sonntage nach Ostern.( Rogate.) Mel.: Bom Himmel hoch, da komm' ich her. Es hat mit uns nun keine Noth, Weil Satan, Sünd', der ew'ge Tod Allsammt zu Schanden worden sind Durch Gottes und Marien Kind. Den heil'gen Geift sendt Er herab, Auf daß Er unsre Herzen lab' Und tröst' uns durch das göttlich Wort Und uns behüt' vor Teufels Mord. Also baut Er die Christenheit Zur ew'gen Freud' und Seligkeit; Allein der Glaub' an Jesum Chrift Die recht' Erkenntniß Gottes ist. ( Vers 6, 7 und 8 aus: Nun freut euch, Gottes Kinder all.) Psalm 110. Der Herr sprach zu meinem Herrn: ,, Sege dich zu meiner Rech ten, bis ich deine Seinde zum Schemel deiner Süße lege." Der Herr 339 wird das Scepter deines Reichs senden aus 3ion. Herrsche unter deinen Seinden. Nach deinem Sieg wird dir dein Volk williglich opfern in heiligem Schmuck. Deine Kinder werden dir geboren, wie der Thau aus der Morgenrothe. Der Herr hat geschworen, und wird ihn nicht gereuen: ,, Du bist ein Priester ewiglich, nach der Weise Melchifedeks." Der Herr zu deiner Rechten wird zerschmeißen die Könige zur Seit seines Jorns; er wird richten unter den Heiden, er wird große Schlacht thun; er wird zerschmeißen das Haupt über große Lande. Er wird trinken vom Bach auf dem Wege; darum wird er das Haupt empor beben. Christus ist ein König, dem bei Seiner Thronbesteigung das Wort gegeben ist, daß alle Seine Feinde zum Schemel Seiner Füße gelegt werden sollen. So oft der Vater das Reich und die Herrschaft Seines Sohnes ansieht, so oft muß Er dieses Wortes gedenken. Daher zieht der Vater alle Creatur zu den Füßen des Sohnes. Zuerst zieht Er freundlich durch das Wort Gottes, denn Er sendet das Scep= ter Seines Reiches aus Zion. Allen Widerstand, der in unsern Herzen dem Worte Gottes entgegengestellt werden kann, will Gott besiegen und aus Feinden Christi Freunde machen. Es fostet wohl jedesmal einen Kampf, ehe ein Menschenherz sich dem Worte Gottes unterwirft, -wenn es von demselben gestraft wird, aber es ist auch herrlich, wenn Christus in diesem Kampfe den Sieg behält ,,, nach Deinem Sieg wird Dir Dein Volk williglich opfern im heiligen Schmuck." Ja, wie es eigentlich heißt, Sein Volk ist lauter Freiwilligkeit, es ist die Freiwilligkeit selber, auch wenn es gilt, Opfer zu bringen. Wenn ein Menschenherz von der Liebe Gottes besiegt und überwunden wird, so ist es einer lebendigen und frischen Quelle zu vergleichen, die ihr Wasser nicht gezwungen sondern williglich giebt, einer Rose oder andern wohlriechenden Blume, deren Natur es mit sich bringt, daß sie duftet, und sich nicht dazu zwingen läßt, wie etliches Gewürz, das nicht anders als gestoßen und zerrieben einen Geruch von sich giebt. Die guten Gedanken und der Trieb des heiligen Geistes kommen ganz heimlich in's Herz, wie der Thau aus der Morgenröthe; ja das ganze Werk der Bekehrung geschieht durch eine göttliche Kraft, so still, so verborgen, daß Seine Kinder ihm geboren werden wie Morgenthau. Das ist die Frucht der heiligen und genugsamen Fürbitte unseres ewigen Hohenpriesters. Denn Christus hat ein unvergängliches Priesterthum. Gott hat geschworen und wird Ihn nicht gereuen: Du bist ein Priester ewiglich nach der Weise Melchisedeks. Seine Gebete fallen wie ein segensreicher Thau auf die Herzen nieder. Wir SünDer erliegen im Kampfe gegen die Sünde täglich, Er aber betet immerdar und bittet für uns; das macht auch unser inneres Leben täglich wieder frisch. Wie Abraham nach der Könige Schlacht von 22* 340 Melchisedet gesegnet und erquickt worden, so will auch unser Hohers. priester uns bei jedem Kampf erquicken, aber nicht erst nach der Schlacht, sondern während des Kampfes, und nicht blos, wenn wir gesiegt haben, sondern auch, wenn wir geschlagen und gebemüthigt sind. So lange wir uns an Ihn klammern und halten, tritt Er für uns ein. Und ist Er für uns, wer mag wider uns sein? Er wird auch Könige zer= schmeißen zur Zeit Seines Zorns, und wenn sich der leibhaftige Widerchrift gegen Ihn erhebt, Er wird zerschmeißen das Haupt über große Lande. Es ist den Töpfen nicht zu rathen, daß sie gegen diesen Felsen zu Felde ziehen, denn es komme, wie es wolle, so geht es den armen Töpfen an den Hals. Fallen sie auf den Felsen, so werden sie zerbrochen, fällt Er aber auf sie, so wird Er sie zerschmettern. Lieber, spricht Er, Gott hat mich zu einem Felsen gemacht, reibet euch nicht an Mir, denn Ich fürchte Mich nicht vor den Töpfen, ob sie noch so große Bäuche haben, weil die großen und aufgeblasenen Bäuche am ersten zerbrechen. Zerbrochen, wie ein Scherben, verschmachtend und verzweifelnd, wird jede Creatur daliegen, die sich gegen den König zur Rechten Gottes aufgelehnt hat, aber auf den Wegen des Sohnes Gottes fließt Segen und Erquicung, damit er= frischt der Herr die Seinigen, wie ein Held im Streite seine Glieder erquickt durch einen Trunk am Wege und sein Haupt dann um so muthiger emporhebt. Möge dieser erfrischende Gnadenstrom auch unsern Weg begleiten. Gebet. Lieber Herr Gott, unser gnädiger Vater im Himmel, wir sehen, welch' eine Freude und Trost wir an der Himmelfahrt unferes lieben Herrn Jesu Christi haben. Derhalben loben, danken und preisen wir Dich und bitten, Du wollest uns in solcher Gnade erhalten und verleihen, daß wir durch Christi Gnade und Kraft Ihm nachfahren und das ewige Leben erlangen. Amen. Bater Unser. Sonnabend nach dem 5. Sonntage nach Ostern. ( Rogate.) Mel.: Erhalt uns, Herr, bei Deinem Wort. Auf Dein Wort sprech ich Amen, Herr; Aus Gnad mein kleinen Glauben mehr. Du bist allein der Vater mein, Laß mich Dein Kind und Erbe sein. ( Vers 1 und 4 aus: Herr Gott, der Du mein Vater) Herr Gott, der Du mein Vater bist, Ich schrei im Namen Jesu Christ Zu Dir auf Sein Wort, Eid und Tod: Hör, Helfer treu in Angst und Noth. 341 1 Petri 4, 8-11. So seid nun mäßig und nüchtern zum Gebet. Vor allen Dingen aber habt unter einander eine brünftige Liebe; denn die Liebe decet auch der Sünden Menge. Seid gafffrei unter einander ohne Murmeln. Und dienet einander, ein jeglicher mit der Gabe, die er empfangen bat, als die guten Haushalter der mancherlei Gnade GotSo tes. So Jemand redet, daß er es rede als Gottes Wort. Jemand ein Amt hat, daß er es thue als aus dem Vermögen, das Gott darreidhet, auf daß in allen Dingen Gott gepriesen werde, durch Jesum Christum, welchem sei Ehre und Gewalt von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen. Morgen ist Sonntag Fraudi. Eraudi d. h. Erhöre! Joh. Gerhard singt den Preis des Gebetes, wenn er in seiner Auslegung sagt: Der Nutzen des Gebetes ist so groß, daß Niemand ihn auszureden vermag. Denn, was das Herz für den lebendigen Menschen, das ist für die Seele das Gebet; was dem Müden die Ruhe, dem Trauernden die Freude, dem Dürftigen das Geld, dem Schwachen die Kraft, dem Körper die Muskeln, dem Leben Athem und Blut das ist der betrübten Seele das Gebet. Was die Sonne am Himmel ist, das ist das Gebet in einem Christenmenschen. Das Gebet ist die Taube, welche von der Arche ausgesandt und wiederkehrend das Delblatt mitbringt, den Frieden des Herzens; die Himmelsleiter, welche Jacob schautete, auf welcher Engel Gottes auf- und niedersteigen; der starke Wind, welcher die höllischen Heuschrecken hinwegführt, der Stab Moses, der aus dem Fels des Heils das Wasser der Tröstung hervorlockt; die Harfe Davids, vor welcher der böse Geist weicht, die Hirtentasche Davids, welche die Schleutersteine zum Niederwerfen des Feindes darreicht, das Schifflein, welches durch das stürmische und tiefe Meer dieses Lebens uns dahin trägt. Das Gebet erleuchtet den Sinn, nährt das Vertrauen und die Hoffnung, entzündet die Liebe, vermehrt die Demuth, macht die Gottesfurcht keusch, und erhält wacker die himmlische Begier." Das ist, das vermag das Gebet, wenn es ernstlich, wenn es rechter Art ist. Der Apostel ermahnt zu diesem Gebet mit den Worten: ,, So seid mun mäßig und nüchtern zum Gebet." Wir sollen mäßig sein zum Gebet; das Herz muß vor Gott gestillt sein, nicht trunken von ungeistlichen und ungöttlichen Gedanken. Das Gebet, das Verheißung hat, soll im Kämmerlein sein, im Verborgenen, wo die Thüre verschloffen ist allen zerstreuten, irdischen, verwüstenden Gedanken. David kennt das, wenn er betet: Ich habe mein Herz vor Dir gefunden. Es soll aber auch nüchtern sein auf die Hauptsache sich richten das Heil unserer Seele, auf den Frieden mit Gott durch unsern Herrn Jesum Christum, auf das Kommen Seines Reiches und die Heiligung Seines Namens; es soll vor allem ein Flehen sein um Seine unaussprechliche Gabe des heiligen - - Geistes. Wo der ist, und Wohnung gemacht hat da ist auch die brünstige Liebe unter einander; die Liebe, welche auch der Sünden menge decket; die Liebe, welche mit Joseph sprechen lernt: Ihr gedachtet es böse zu machen, Gott aber gedachte es gut zu machen; die Liebe, mit welcher der Vater über den wiederkehrenden verlornen Sohn spricht: dieser mein Sohn war verloren, er ist wiedergefunden, er war todt und ist wieder lebendig geworden; die Liebe, welche, da sie die Sünden zudeckende Liebe unseres Gottes am eigenen Herzen und Leben erfahren hat, sich nun auch nach dem achten Gebote übt im Entschuldigen, Gutes Reden und zum Besten kehren. Das Gebet machet aus felbstsüchtigen und eigenliebigen Menschen solche, welche dienen lernen mit der Gabe, die sie empfangen haben als die guten Haushalter der mancherlei Gnade Gottes, auf daß in allen Dingen Gott gepriesen werde durch Jesum Christum, welchem sei Ehre und Gewalt von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. 342 Gebet. Herr, wie Deine Jünger Dich gebeten, so bitten wir: Lehre Du uns beten. Du hast es ja verheißen, so denn ihr, die ihr arg seid, könnet euren Kindern gute Gaben geben, wie viel mehr wird der himmlische Vater Seinen heiligen Geist geben denen, die Ihn darum bitten. Sind wir auch Sein nicht werth, so sind wir Sein bedürftig zur Erweckung des Glaubens, zum Wachsthum des inwendigen Menschen, und zur Heiligung des Herzens und Lebens. Derhöre uns, erhöre uns- und laß uns Dein Antlig leuchten, so ge= nesen wir. Amen. Bater Unser. 6. Sonntag nach Ostern, genannt Eraudi. Mel: Fröhlich soll mein Herze springen. Höchster Tröster, komm hernieder! Geist des Herrn, Sei nicht fern, Salbe Jesu Glieder! Er, der nie Sein Wort gebrochen, Jesus hat Deinen Rath Seinem Volk versprochen. - Hilf den Kampf des Glaubens kämpfen: Gieb uns Muth, Fleisch und Blut, Sünd' und Welt zu bämpfen. 120 Laß uns Trübsal, Kreuz und Leiden, Angst und Noth, Schmerz und Tod Nicht von Jesu scheiden. ( Vers 1 und 5 aus: Höchster Tröfter, komm.) Joh. 15, 26 16, 4. Wenn aber der Tröster kommen wird, welchen Ich euch senden werde vom Vater, der Geist der Wahrheit, der vom Vater ausgebet: - 343 der wird zeugen von mir. Lnd ihr werdet auch zeugen; denn ihr seid von Anfang bei mir gewesen. Solches habe ich zu euch geredet, daß ihr euch nicht ärgert. Sie werden euch in den Bann thun. Es kommt aber die Jeit, daß, wer euch tödtet, wird meinen, er thue Gott einen Dienst daran. Und folches werden sie euch darum thun, daß sie weder meinen Vater noch mich erkennen. Aber solches habe ich zu euch geredet, auf daß, wenn die Zeit kommen wird, daß ihr daran gedenket, daß Ich es euch gesagt habe. Solches aber habe ich euch von Anfang nicht gesagt; denn ich war bei euch. Wir können nichts Besseres thun als Jünger Jesu werden; sind wir das, so sind wir das Salz der Erde, das Licht der Welt, sind barmherzig, demüthig, sanftmüthig, geduldig, treu, liebreich, sanft und stille, das Alles, weil der Glaube an Christum uns unmöglich unfruchtbar läßt. So sollte sich alle Welt über uns freuen und nicht uns, aber Gottes heiligende Gnade in uns loben; aber weit gefehlt. Sondern sie werden euch in den Bann thun" spricht der wahrhaftige Mund Jesu. Dieser Haß der Welt wird wach durch das Zeugniß von Christo. Unser lieber und hochgelobter Heiland bedarf des Zeugnisses auf das Höchste. Denn das Gebot: du sollst kein falsches Zeugniß reden" wird an Niemandem so sehr übertreten als an dem Herrn Jesus. Man lese die heiligen Evangelien und man wird erstaunen, wie viel sie uns erzählen von falschen Zeugnissen wider Christum. Er sei Elias oder habe den Elias in Seiner Noth gerufen, Er sei ein Verführer, ein Feind der Religion Mosis, ein staatsgefährlicher Prediger und Gotteslästerer, ein Fresser und Weinsäufer, sagen sie Ihm nach. Und bis auf diese Stunde ist's noch so. Er sei ein überflüssiger Mann, sagen die Einen; Er sei nicht wahrer Gott, geben die Andern vor; es sei genug, wenn man im Winkel an Ihn glaube wollen wieder Andere. Wozu nun gerade solchen Nachdruck legen auf Sein unschuldiges Blut fragen Welche. So wimmelt die Welt von falschen Zeugen. Alles ist falsches Zeugniß über Christum, was Ihn nicht läßt, wie Er ist. Und auch die Gläubigen bedürfen des Zeugnisses von Jesu, damit sie über ihr tückisches Herz hinweg Christum recht erkennen und nicht ein Bild von Ihm machen, sondern Ihn Selbst, wie die Kirche Ihn im zweiten Glaubensartikel bekennt, ergreifen und sich Seiner herzlich getrösten können. Auch die ersten Jünger bedurften eines Zeugen von Jesu, damit sie nicht bloß Tropfen von Ihm in ihr Herz aufnahmen, sondern den vollen Strom der Liebe Gottes in Christo. Darum rufen wir sehnlichst: komm, Heiliger Geist, Herre Gott, erfüll mit Deiner Gnadengut Deiner Gläubigen Herz, Muth und Sinn. Darum freuen wir uns des bündigen Zeugnisses, das der Heilige Geist in dem Wasser der Taufe, in dem Geiste des göttlichen Wortes, in dem Blute des Nachtmahles gibt. - 1 Diese drei sind beisammen und bezeugen uns Gnade und Vergebung der Sünden in Christo. Aber man muß nun diese Zeugnisse auch schalten und walten lassen im Herzen über alle Vernunft und was uns sonst lieb ist auf Erden. So gibt es durch diesen Geist vom Bater denn auch ein Zeugenamt, das Predigtamt. Der Geist wird zeugen von Mir ihr werdet auch zeugen; das kann man wohl unterscheiden, aber nicht trennen. Der Geist handelt eben mit uns durch die Gnadenmittel. Es gibt auch ein Zeugenvolk; dazu gehört Jeder, der von Herzen an den Heiland glaubt, mit dem Munde bekennt, daß Jesus der Herr ist und mit seinem Leben und Wandel. ohne Worte seinen Glauben besiegelt. Darüber ärgert sich die Welt, lästert, tøbt und wüthet, weil sie sich durch das wahre Christenthum gestraft sieht. Das läßt sich nicht ändern. Solches hat der Herr zuvorgesagt. Und wir dürfen nicht schweigen, weil sonst die Steine schreien. Wir dürfen aber auch die Tücke unseres alten Adam und seine Unarten, wenn wir dadurch dem Nächsten ärgerlich geworden sind, mit dem Namen Jesu nicht zudecken wollen. Das wäre Heuchelei und Christus ist kein Sündendeckel. Unserm alten Adam kommt in solchem Falle, wie allezeit nur zu, daß er sterbe in rechtschaffner Buße und Reue.- Der Geist vom Vater aber weiß die Gläubigen und Bekenner des Namens Jesu zu stärken und zu trösten. - 344 Gebet. Ach Herr, allmächtiger Gottes Sohn, der Du alles vorher weißt, was Deiner Kirche und treuen Zeugen der Wahrheit widerfährt, wir danken Dir, daß Du uns auf das Aergerniß vorbereitest, und bitten Dich, Du wollest uns mit Deinem Heiligen Geist beistehen, daß wir Deine Wahrheit ungescheut bekennen, fröhlich darüber leiden und bei Deinem Worte verharren. Amen. g Vater Unser. 200 Montag nach dem 6. Sonntage nach Ostern. ( Exaudi.) Mel.: Mach's mit mir, Gott, nach Deiner Gült'. Gedenke, daß du zu der Fahn' Dein's Feldherrn haft geschworen. Dent ferner, daß du als ein Mann Zum Streit bist auserkoren. Ja denke, daß ohn' Streit und Krieg Nie Einer zum Triumph aufstieg. Bind' an! Der Teufel ist bald hin; Die Welt wird leicht verjaget, Das Fleisch muß endlich aus dem Sinn, Wie sehr dich's immer plaget. D, ew'ge Schande, wenn ein Held Vor diesen dreien Buben fällt. ( Vers 3 und 5 aus: Auf, Chriftenmensch, auf.) 345 Joh. 15, 17-21. So Das gebiete ich euch, daß ihr euch unter einander liebet. euch die Welt baffet, so wiffet, daß sie mich vor euch gehaffer bat. wåret ihr von der Welt, so båtte die Welt das Jbre lieb; dieweit ihr aber nicht von der Welt feid, sondern Jch babe euch von der Welt erwählet, darum baffet euch die Welt. Gedenket an mein Wort, das Ich euch gesagt babe: Der Knecht ist nicht größer, denn sein Serr. Saben sie mich verfolget, sie werden euch auch verfolgen; haben sie mein Wort gehalten, so werden sie eures auch halten. Aber das alles werden sie euch thun um meines Tamens willen; denn sie kennen den nicht, der mich gesandt hat. So oft ich einen getauften Christen sehe, soll ich gedenken an das Wort des Herrn: Das gebiete Ich euch, daß ihr euch unter einander liebet. Denn die Menge der Gläubigen sollte billiger Weise auch heute noch Ein Herz und Eine Seele sein. Gott hat Sein Volk nicht freigesprochen zu dieser Zeit von den Befehlen, welche uns zur Liebe, Friede und brüderlichen Eintracht verbinden. Hoffen wir mit der ersten Kirche durch die Gnade des Herrn Jesu Christi selig zu werden, warum wollen wir nicht auch, wie sie, das erste und letzte Gebot Christi halten: das gebiete Ich euch, daß ihr euch unter einander liebet. Das vielfältige Zanken, das schändliche Richten und Schmähen, das Prozessiren und Klagen, das neidische und hadersüchtige Wesen, das mürrische, unzufriedene, unleidliche Betragen soll in einem Christenhause gar keine Stätte haben. Wie sich die Nachteulen vor der Sonne verstecken, so sollen diese bösen Stimmen des Fleisches bei jeder Haus- Andacht von der Liebessonne Jesu Christi ganz aus allen Herzen vertrieben werden, denn alle, welche mit einander beten, sollen sich einander lieben. Je liebevoller aber ein Herz gesinnt ist, desto weher thut es ihm, wenn es von dem Haß der Welt verwundet wird. Begegnet uns so etwas in unserm Lebenslauf, so sollen wir an die Schmerzen Jesu denken. Er hatte das liebevollste Herz ,, und wisset," spricht Er, ,, daß sie mich vor euch gebasset hat." Wie weh hat Ihm die Lieblosigkeit der Welt gethan! Es ist ein Trost, mit Christo gehaffet zu werden, denn es ist ein Zeichen, daß man sich von dem Wesen dieser Welt geschieden hat. Die Welt hat das Ihre lieb und hat ein feines Gefühl dafür, wenn Einer es noch heimlich mit der Welt hält und aus Menschenfurcht oder Geldliebe oder Ehrgeiz nicht entschieden und einfältig durchbrechen mag. Wenn aber Einer innerlich durch das Alles sich nicht binden und beherrschen läßt, sondern Christo allein dient, dann ist sie so blind in ihrem Zorn, daß sie durch gar keine Gründe zur Vernunft zu bringen ist. ,, Denn sie kennen einmal den nicht, der Jesum gesandt hat. Gott aber steht hinter dem blinden Haß der Welt, und fördert Sein heiliges Werk an unsern Seelen auch durch 11 346 bieses Mittel. Bedenke, wenn du unter dem Hafse der Welt leiden mußt, folgende Punkte: 1) Durch solch Werk Gottes ist die Christenheit so groß und stark geworden. Bedenke 2) dadurch sind die Märthrer in den Himmel gekommen. Bedenke 3) dadurch sind die heiligen Väter in der Schrift erleuchtet worden. 4) Dadurch werden erfahrene und geschickte Christen bereitet, die da nütze sind, in allen Dingen zu rathen und zu helfen. 5) Dadurch werden sie muthig und gerüstet, wider den Teufel und die Sünde zu streiten. 6) Dadurch werden sie tüchtig zu allem guten Werk. 7) Summa, dadurch wird der Glaube geübt, das Evangelium geschärft, und die Christen ein rechtschaffen Werk und neue Creatur Gottes. Darum in Gottes Namen mit Christo durch die Welt! - Gebet. Herr Gott heiliger Geist, Du Tröster aller Elenden und Betrübten, Du weißt am besten, wie gar leicht wir am Kreuz dahinsinken und leicht von Ungeduld und Zagen befallen werden. Stärke uns den Glauben an unsern Herrn Jesum Christum und gib, daß wir allerlei, was uns dabei widerfahren wird, erdulden und ritterlich durch Alles hindurchdringen. Amen. Vater Unser. Dienstag nach dem 6. Sonntage nach Ostern. ( Exaudi.) Mel.: Es ist gewißlich an der Zeit. Schaff in mir, Gott, ein reines Herz; Mein Herz ist ganz verderbet. Es fühlt von Sünden großen Schmerz, Die ihm sind angeerbet, Und die es noch thut ohne Scheu. Ach, mache, daß es wieder sei, Wie Du es haft erschaffen. Gieb mir auch einen neuen Geist, Der, wie Du, sei gesinnet, Der stets Dir anhangt allermeist, Und, was Du willst, beginnet. Gieb, daß er hasse Fleisch und Blut, d Den Glauben üb' in sanftem Muth, Zucht, Demuth, Hoffnung, Liebe. ( Vers 1 und 2 aus: Schaff in mir, Gott, ein reines Herz.) Sefet. 36, 25-31. Ich will rein waffer über euch sprengen, daß ihr rein werdet. Von aller eurer Unreinigkeit und von allen euren Gögen will ich euch reinigen. Und ich will euch ein neu Herz, und einen neuen Geift in euch geben; und will das steinerne Herz aus eurem Fleisch wegnehmen, und euch ein fleischern Herz geben; ich will meinen Geist in euch geben, und will folche Leute aus euch machen, die in meinen Geboten wandeln und meine Rechte halten und darnach thun. Und ihr sollt wohnen im Lande, das ich euren Våtern gegeben habe; und sollt mein Volk sein, und ich will euer Gott sein. Ich will euch von 347 aller eurer Unreinigkeit los machen; und ich will das Korn rufen, und will es mehren, und will euch keine Theurung kommen laffen. Ich will die Früchte auf den Bäumen, und das Gewächs auf dem Selde mehren, daß euch die Seiden nicht mehr spotten mit der Theurung. Alsdann werdet ihr an euer böses Wesen gedenken, und eures Thuns, das nicht gut war, und wird euch eure Sünde und Abgötterei gereuen. Blog Sall of attad Laß die Welt streben nach neuen Erfindungen und Einrichtungen, nach neuen Gewändern oder neuen Häusern, strebe du aber nach einem neuen Herzen. Ein neues Herz ist ein so großes Gut, daß selbst ein Heide gesagt hat: wenn ein Engel mit einem Messer zu mir träte und wollte mir die Brust zerschneiden und mein Herz Herausnehmen und drücken mir den Gifttropfen heraus, welcher in meinem und er mir dann ein unvergiftetes Herz wiedergeben Herzen ist wollte, so würde ich es gern leiden. Wo ein unvergiftetes Herz ist, da ist Friede, denn der Himmel wohnt darin. Ein neues Herz ist dem Sünder besser, als dem Kranken neue Lebenskräfte, als einem welfgewordenen alten Manne ein junger frischer neuer Leib, viel viel besser als das neuerstattete Fleisch Naemans, denn ein junger frischer Leib muß auch sterben, aber ein Herz von Gott erneut hat auch im Tode Freudigkeit. Mit einem neuen Herzen kommt neue Kraft, Liebe und Freude, es weichen die alten böfen Gewohnheiten und Gedanken, man kann damit fröhlich leben und selig sterben. Darum sollte ein Christ billig alle Morgen rufen: Hilf mir mein Gott, daß ich den neuen Tag nicht mit dem alten Herzen anfange, verlebe und beendige; sondern schaffe in mir ein reines Herz und gieb mir einen neuen gewissen Geist! Meine Seele, der Herr giebt dir Antwort auf solches dein Gebet. ,, Ich will euch ein neues Herz geben und will das steinerne Herz wegnehmen aus eurem Fleische." Er sendet nicht einen Engel mit einem Messer in der Hand, wie jener Heide meinte, sondern Er sendet Seinen heiligen Geist, damit Er Seine das Herz umwandelnden Gnadenkräfte in unsere Seele lege. Am Sinai hat der Finger Gottes das Gesetz auf steinerne Tafeln geschrieben, um anzudenten, daß der harte Felsen eher die Spuren des Geistes Gottes aufnehmen könne, als das harte Menschenherz, denn in das Herz der Menschen konnte er damals sein Gesetz noch nicht schreiben. Jetzt aber ist Sein Finger ausgestreckt nach dir, du Menschenherz, Er möchte dich erweichen durch die Macht der Liebe, Er möchte einen unauslöschlichen Eindruck auf dich machen durch den Geist der Gnade; eine vollkommene Reinigung von allen Sünden bietet Er dir an. Ich will rein Waffer über euch sprengen, sagt der Herr. O laß den Geist, der in der Taufe uns verliehen ist, von Neuem in dies reine Gnadenwasser dich eintauchen, laß die versöhnende Liebe Gottes dir neu werden, dann wird dein Herz auch neu, die Kraft der Wiedergeburt wird dich er- - 348 füllen und du wirst mehr und mehr lernen in Gottes Geboten zu wandeln. Gebet. Wende, Herr, unser Gefängniß und erlöse uns, die wir Erstlinge Deiner neuen Kreatur sind, auf daß, gleichwie die Erlösung durch Christum vollkommen geschehen ist, wir unser Heil auch recht= schaffen und völlig ergreifen. Und wie durch Deine mächtige Hand das Meer zu Mosis Zeit vertrocknet ist, so laß hinfallen Alles, was noch von dem Gefängniß unsrer Sünde übrig ist. Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz und gieb mir einen neuen, gewissen Geist. Vater Unser. Amen. Mittwoch nach dem 6. Sonntage nach Ostern. ( Exaudi.) Eigene Melodie. Herr Jesu Christ, Dich zu uns wend', Thu' auf den Mund zum Lobe Dein, Dein' heil'gen Geist Du zu uns send'; Bereit' das Herz zur Andacht fein; Mit Hülf und Gnad' Er uns regier' Den Glauben mehr', stärk' den Verstand, Und uns den Weg zur Wahrheit führ'. Daß uns Dein Nam' werd' wohlbekannt. ( Vers 1 und 2 aus: Herr Jesu Chrift, Dich zu uns wend'.) Sacharja 12, 8-10. Ju der Zeit wird der Herr beschirmen die Bürger zu Jerusalem; und wird geschehen, daß, welcher schwach sein wird unter ihnen zu der Zeit, wird sein wie David; und das Haus Davids wird sein wie Gottes aus, wie des Herrn Engel vor ihnen. Und zu der Zeit werde ich gedenken zu vertilgen alle Seiden, die wider Jerusalem gezogen sind. Aber über das Haus Davids, und über die Bürger zu Jerusalem will ich ausgießen den Geist der Gnade und des Gebets; denn sie werden mich ansehen, welchen jene zerstochen haben; und werden ihn Flagen, wie man klaget ein einziges Kind; und werden sich um ihn betrüben, wie man sich betrůbet um ein erstes Kind. Diese Verheißung ergehet zur heiligen Pfingstzeit an alle Haushaltungen in der Christenheit. Unter den Bürgern Jerusalems und dem Hause David versteht zwar der Prophet zunächst die jetzt verlorenen Schaafe vom Hause Israel und auch wir sollen in fürbittender Liebe an sie gedenken, da der Geist der Gnade sich auch ihrer erbarmen will, wenn sie dem am Kreuz geschlachteten Lamm zurufen: Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn. Denn Er ist der rechte König auf Zion, der einige Hirte David. Zu Seinem Hause ge 349 hören alle, welche auf Seinen Namen getauft und berufen sind zu der Stadt des lebendigen Gottes als Bürger mit den Heiligen und Gottes Hausgenossen. Christliche Familie, Haus David, empfange doch in dieser Zeit den Geist des Herrn! Auf dem verstockten Menschen ruhet der Geist des Zornes. Der Geist aber, welcher das Herz weich und bußfertig, gläubig und gehorsam macht, wird ein Geist der Gnaden nicht nur deshalb genannt, weil er aus Gnaden gegeben wird, sondern weil er die wirkliche Versicherung der Gnade mit sich führt und Zeugniß ablegt, daß wir Gottes Kinder sind. Denn diese Kindschaft Gottes ist eine dunkle schwere Sache für das natürliche Herz und für die Welt. Die Erben des Himmels werden oft für Phantasten und Narren erklärt nicht bloß vom Satan und der Welt, sondern von ihrem eigenen Fleisch und Blut. Hier tritt mun der heilige Geist hinzu und fraget, ob Christus, Sein Verdienst und Werk, Sein Wort und Seine Zusage nichts mehr gelten soll, weiset auf Sein Kreuz und lehret, was Gnade sei. Auch legt Er die Machtsprüche der heiligen Schrift in unser Herz und wie süß diese gnadenreiche Zusprache des heiligen Geistes ist, kann man an Davids Beispiel lernen, da er Psalm 35 betete: mein Gott, sprich zu meiner Seele: Ich bin deine Hülfe. Dies Gebet ist schon eine Frucht und Wirkung des Heiligen Geistes. Wo die Gnade anfängt, ihr Werk zu treiben, da sagt ein Mensch gern an einem einsamen Orte seinem Herrn und Gott, was er Ihm vorhin schon gesagt hat. Der Geist, welcher ihn treibt, wird ein Geist des Gebets genannt. So wird das harte Herz zur rechten Stunde weich gemacht und so weit zerschmolzen, daß es seine Sünden als schmerzliche Beleidigungen des Herrn Jesu bekennen, verabscheuen und hingeben kann; es trauert nicht darüber, daß es von den Sünden lassen soll, sondern nur darüber, daß es Jesum gestochen hat mit den Werken und Gedanken und kennt nur ein spißigen Sündenworten Verlangen, Jesum zu lieben, Jesu zu gehorchen. Gebet. O heiliger Geist, Du allmächtiger, ewiger Gott, wir bitten Dich, sende zu uns Deines Lichtes Glanz und verleihe uns Deines Trostes Süßigkeit. Ohne Dich ist nichts Gutes in uns. Reinige in uns, was unrein ist; besprenge, was dürr ist; erquicke, was fraftlos ist, bring zurecht, was irrig ist; erwärme, was kalt, verbinde, was Frank ist. Uns Allen, welche auf Dich trauen, verleihe große Kraft, Gutes zu thun und das Böse zu meiden. Amen. Vater Unser. 350 Donnerstag nach dem 6. Sonntage nach Ostern. ( Erandi.) Me L.: Werbe munter mein Gemüthe. Heil'ger Geist, Du Kraft der Frommen, Kehre bei mir Armen ein Und sei tausendmal willkommen, Zaß mich Deinen Tempel sein. Säubre Du nur selbst das Haus Meines Herzens; wirf hinaus Alles, was mich hier kann scheiden Von den süßen Himmelsfreuden. Schmücke mich mit Deinen Gaben, Mache mich neu, rein und schön; Laß mich wahre Liebe haben Und in Deiner Gnade stehn. Gib mir einen starken Muth, Heilige mein Fleisch und Blut, Lehre mich vor Gott hintreten Und im Geist und Wahrheit beten. ( Vers 4 und 5 aus: Gott gib einen milden Regen.) Joel 3, 1-5. Und nach diesem will ich meinen Geist ausgießen über alles Fleisch, und eure Söhne und Töchter sollen weissagen; eure Aeltesten follen Traume baben, und eure Jünglinge sollen Gesichte sehen. Auch will ich zur selbigen Zeit beides über Knechte und Magde meinen Geift ausgießen; und will wunderzeichen geben im Himmel und auf Erden, nämlich Blut, Seuer und Rauchdampf. Die Sonne soll in Sinsterniß, und der Mond in Blut verwandelt werden, ehe denn der große und schreckliche Tag des Herrn kommt. Und soll geschehen, wer den Namen des Herrn anrufen wird, der soll errettet werden. Denn auf dem Berge 3ion und zu Jerusalem wird eine Errettung sein, wie der Herr verheißen bat: auch bei den andern Llebrigen, die der Herr berufen wird. Wie tröstlich ist es, daß der Herr Seinen Geist nicht über alles Heilige und Reine ausgießen will, sondern über alles Fleisch, das heißt, über alles verderbte menschliche Wesen, wie es jedem Kinde schon von Geburt angeerbt ist, denn was vom Fleisch geboren ist, das ist Fleisch. Die Macht dieses Fleisches ist groß bei Söhnen und Töchtern, Knechten und Mägden, Alten und Jungen. Wer es an sich und an Andern beobachtet, wie träge die menschliche Natur zum Guten ist, wie geschwinde dagegen zu allem Bösen, dem fallen die Hände an seinem Leibe hernieder und er spricht bei sich: Gegen eine solche Macht des Fleisches und Lust zur Sünde richten keine Ermahmungen und Belehrungen, keine Bitten und Bedrohungen etwas aus. Wo aber Fleisch ist, da soll der Geist ausgegoffen werden, denn der Herr hat verheißen: Ich will ausgießen Meinen Geist über alles Fleisch. Was keine menschliche Kunst und Einwirkung über das Fleisch vermag, das kann der Geist, welcher aus Gott ist, doch zu Wege bringen, denn alles was aus Gott geboren ist, das überwindet die Welt. Ist das Fleisch mächtig, der Geist ist allmächtig, ist das Fleisch fündig, der Geist ist heilig, bringt das Fleisch den Fluch über 351 fich, der Geist bringt die Gnade mit sich, ist fleischlich gefinnt seint eine Feindschaft wider Gott, so wird mit dem Geiste Gerechtigkeit, Leben und Friede ausgegoffen. Mit dem Worte ausgießen, dessen sich die heilige Schrift oft vom heiligen Geiste bedient, wird auf das Gleichniß vom Regen gesehen, welchen die Wolfen über die dürre Erde und deren schmächtige Pflanzen zur Sommerszeit ausgießen und sie damit erquicken und fruchtbar machen. Wie aber der Regen nicht nur von Außen die Gewächse der Erde befruchtet, sondern durch die Erde zu den Wurzeln dringt und sich also mit dem Saft vermenget, so wird der heilige Geist über die Gläubigen ausgegossen. Er vereinigt Sich mit ihrem Geist, so daß sie göttlichen Trost, Friede und Freude aus Seiner Gegenwart empfinden. Er thut sich so nahe mit unserm Geift zusammen, daß unser Seufzen und Rufen Ihm zugeschrieben wird, ja daß Seine Kräfte sich mit unsern Kräften inniglich durchdringen. Die Wirkungen dieses Geistes sollen nicht nur an einzelnen Personen zu spüren sein, wie zur Zeit Mosis, welcher betend rief: Ach daß der Herr Seinen Geist ausgösse und das ganze Volk weissagete, auch nicht an dem männlichen Geschlechte allein, sondern Söhne und Töchter sollen weifsagen, d. h. sie sollen Zeugniß ablegen von der gegenwärtigen Gnade und dem zukünftigen Zorn; es sollen auch nicht allein einzelne Propheten durch Gesichte oder Träume unterrichtet werden, sondern die Jünglinge und die Aeltesten, alle will der heilige Geist unterrichten, wie Er früher die heiligen Propheten unterrichtet hat. Heute, so ihr Seine Stimme höret, so verstocket eure Herzen nicht! Dieser Unterricht ist die rechte Vorbereitung für den Todestag und für den jüngsten Tag. Ach, sagen Biele, wenn sie an den Todes= tag denken: wie werde ich doch gewiß, daß der heilige Geist auch bei mir einzieht und über mein Herz ausgegossen wird? Antwort: Wenn du anfängst aufrichtig den Namen des Herrn anzurufen, dann hat der heilige Geist schon angefangen in dir zu wirken und du bist auf dem Wege zur Seligkeit. Denn wer den Namen des Herrn anrufen wird, der wird selig werden. 1 Gebet. Heiliger Gott, barmherziger Bater, durch Christum gießest Du Deinen heiligen Geist aus über alles Fleisch. Herzlieber Vater, verleihe auch uns solche Barmherzigkeit, daß wir Christum lieben und an Seinem Worte bleiben, dasselbe durch den heiligen Geist behalten und also mögen selig werden. Dazu helfe uns durch Christum der heilige Geist. Amen. Vater Unser. 19800 15 352 Freitag nach dem 6. Sonntage nach Ostern.( Eraudi.) Eigene Melodie. Nun bitten wir den Heiligen Geist Um den rechten Glauben allermeist, Daß Er uns behüte Du werthes Licht, gieb uns Deinen Schein, Lehr' uns Jesum Chrift tennen allein, Daß wir an Ihm bleiben, Dem treuen Heiland, An unserm Ende, Wenn wir heimfahren aus diesem Elende. Der uns bracht hat zum rechten Vaterland. Kyrieleis. Kyrieleis. ( Bers 1 und 2 aus: Nun bitten wir den Heiligen Geist.) 1 Joh. 4, 2-8. Daran follt ihr den Geift Gottes erkennen: Ein jeglicher Geift, der da bekennet, daß Jesus Christus ist in das Sleisch gekommen, der ist von Gott; und ein jeglicher Geift, der da nicht bekennet, daß Jesus Christus ist in das Sleisch gekommen, der ist nicht von Gott. Und das ist der Geift des Widerchrifts, von welchem ihr habt gehöret, daß er kommen werde und ist jest schon in der Welt. Kindlein, ihr seid von Gott, und habt jene überwunden; denn der in euch ist, ist größer, denn der in der Welt ist. Sie sind von der Welt; darum reden sie von der Welt, und die Welt böret sie. Wir sind von Gott, und wer Gott erkennet, der höret uns; wer nicht von Gott ist, der böret uns nicht. Daran erkennen wir den Geist der Wahrheit und den Geift des Irrthums. Jhr Lieben, laffet uns unter einander lieb baben; denn die Liebe ist von Gott; und wer lieb hat, der ist von Gott geboren und kennet Gott. Wer nicht lieb bat, der kennet Gott nicht; denn Gott ist die Liebe. Ach wie sehr ist doch der Name Jesu der Welt zuwider! Wenn sie es gekonnt hätte, sie hätte 3hn längst in allen Gesangbüchern und Gebetbüchern, ja in der Bibel und in dem Gedächtniß aller Menschen ausgestrichen. Man höret jetzt wohl, daß sie diesen Namen mißbraucht, indem sie denselben gedankenlos und aus bloßer Gewohnheit ohne Glauben und Andacht ausspricht, man hört aber nicht, daß sie den Namen Jesu bekennt, wie Christen denselben billig bekennen sollen. Nur Gottes Geist kann uns lehren recht bekennen, daß Jesus Christus in das Fleisch gekommen ist, denn der heilige Geist ist ein Zeuge davon gewesen, wie tief Sich Gott durch Seine Menschwerdung in überschwänglicher Liebe herabgelassen und wie Er unsere arme menschliche Natur begnadigt und zu Ehren und Würden erhoben hat. Wo der Geist Gottes einen armen Menschen sieht, da sieht Er ihn als einen Blutsverwandten des Sohnes Gottes, berufen zu dem Ebenbilde Christi, ausersehen zu der Gemeinschaft des allerhöchsten Hauptes, von welchem er empfangen soll Gnade und Ehre, Gerechtigkeit, Geist und Leben. Die Welt aber sieht von allem diesem nichts, sondern lebet in den angeerbten Sünden und lehret die Menschen in der Eitelkeit des 353 väterlichen Wefens leben, als ob kein Heiland auf dieser armen Erde erschienen und zur Erlösung der Welt gestorben wäre. Das ist der Geift des Widerchristes, welcher Christum gerne möchte in Vergessenheit bringen oder aus dem Mittel thun, damit alle Menschen bleiben, wie sie von Adam her verderbt sind. Hüte dich, meine Seele, vor diesem Geiste. Bete um den heiligen Geist. Er ist 1) ein Geist des Bekenntnisses und Zeugnisses. Laß dich von Ihm erinnern, wozu du als Mensch und Blutsverwandter Christi berufen bist, seit der Sohn Gottes ins Fleisch gekommen ist und Sich zum Haupt von armen Sündern gemacht hat. Bekenne auch selbst, daß du die Menschen darauf ansehen mußt, wie sie zu diesem Haupte stehen, weil du es nicht vergefsen kannst, daß Jesus Christus in das Fleisch gekommen ist. Er ist 2) ein Geist der Kraft. Durch Ihn werden wir getröstet, daß wir doch trotz aller unserer Schwachheit mit Gott verbunden sind und einen Größeren in uns tragen, als den Herrn dieser Welt. Er ist 3) ein Geist der Liebe. Ach, wo Er einzieht und uns lieben lehrt, da zieht das Wesen Gottes Selbst in unser Herz als in einen Tempel und wohnet darin, denn Gott ist die Liebe. Gebet. Herr Gott, Vater aller Gaben und aller Stärke, bestätige und stärke uns gnädiglich in Deinem angefangenen Werke durch Deinen heiligen Geist, auf daß der Satan durch keine Gewalt noch ist uns schwäche noch müde mache, Dein Wort und Reich zu verlassen. Denn es ist jetzt gefährliche Zeit, weil Viele durch den bösen Feind verführt werden, der Gnaden und des Wortes Gottes überbrüssig werden und abfallen, von der List des Satans betrogen. Ach, so laß uns doch bleiben in der Kraft des Glaubens, daß wir im Glauben täglich zunehmen und Jesum Christum, unsern Herrn, bekennen. Amen. Vater Unser. Sonnabend nach dem 6. Sonntage nach Ostern. ( Eraudi.) Mel.: Wie nach einer Wafferquelle, oder: Freu' dich sehr, o meine Seele. Du bist ja die beste Gabe, Die ein Mensch nur nennen kann. Wenn ich Dich erwünsch' und habe Geb' ich alles Wünschen an. Ach, ergieb' Dich, komm zu mir In mein Herze, das Du Dir, Da ich in die Welt geboren, Selbst zum Tempel auserkoren. Du wirst aus des Himmels Throne Wie ein Regen ausgeschütt', Bringst vom Vater und vom Sohne Nichts als lauter Segen mit. Laß doch, o Du werther Gast, Gottes Segen, den Du hast Und verwalt'st nach Deinem Willen, Mich an Leib und Seel' erfüllen. ( Vers 2 und 3 aus: O Du allerfüßte Freude.) 23 354 Apostelgesch. 2, 1-13. Und als der Tag der Pfingften erfüllet war, waren sie alle einmüthig bei einander. Und es geschah schnell ein Brausen vom Simmel, als eines gewaltigen Windes, und erfüllete das ganze Saus, da sie saßen. Und man sabe an ihnen die Jungen zertheilet, als wåren fie feurig. Und er seçte sich auf einen jeglichen unter ihnen; und wurden alle voll des heiligen Geiftes, und fingen an zu predigen mit andern Jungen, nachdem der Geist ihnen gab auszusprechen. Es waren aber Juden zu Jerusalem wohnend, die waren gottesfürchtige Männer, aus allerlei Dolk, das unter dem Simmel ist. Da nun diese Stimme geschab, kam die Menge zusammen, und wurden verstürzt; denn es hörete ein jeglicher, daß sie mit seiner Sprache redeten. Sie entsegten sich aber alle, verwunderten sich, und sprachen unter einander: Siehe, sind nicht diese alle, die da reden, aus Galilåa? wie hören wir denn ein jeglicher seine Sprache, darinnen wir geboren sind? Parther, und Meder, und Elamiter, und die wir wohnen in Mesopotamien, und in Judia, und Rappadocien, Pontus und Asien, Phrygien und Pampbylien, Egypten, und an den Enden der Libyen bei Kyrene, und Ausländer von Rom, Juden und Judengenoffen, Kreter und Araber: wir bören sie mit unsern Jungen die großen Thaten Gottes reden. Sie entserten sich aber alle, und wur den irre, und sprachen einer zu dem andern; was will das werden? Die andern aber hatten es ihren Spott und sprachen: Sie sind voll füßen Weins. Das Das Fest großer Wunder und Gnaden, dessen Geschichte uns in den vorgelesenen Worten beschrieben wird, ist wiederum vor der Thür. Als der Tag der Pfingsten erfüllet war" so heißt es. Der Kalender macht Pfingsten nicht. Es muß die Zeit erfüllet sein; es ist ein Fest neuer Schöpfung, Zeit und Stunde dazu hat der Herr allein Seiner Macht vorbehalten. So gewiß nun Gott als der Schöpfer des neuen Lebens hier allein schaffen kann und will nach Seinem Rath, so gewiß ist auch die Gabe des heiligen Geistes kein Zaubermittel, welches ohne Unterschied der Person wirket bei allen Menschen. Es bleibt dabei: das Geheimniß des Herrn ist bei denen, welche Ihn fürchten. Die Bedingung ist auf unserer Seite: Sie waren einmüthig bei einander." Was das für eine Einmüthigkeit ge wesen, wird uns im Kapitel vorher näher beschrieben, in deffent 14. Verse es heißt: Diese Alle waren stets bei einander einmüthig mit Beten und Flehen. So sollten sie nach dem Willen des Herrn nicht von Jerusalem weichen, sondern warten auf die Verheißung des Vaters. Das tägliche Brot giebt Gott auch wohl ohne Gebet allen bösen Menschen, den heiligen Geist giebt Er aber nur denen, die Ihn darum bitten. So wir Ihn aber darum bitten, so wird Er Ihn gewißlich geben, so wahr ein Vater seinem bittenden Kinde nicht einen Stein für's Brot, und nicht einen Scorpion statt eines Fisches " 1 355 giebt. Er hat das so gewiß zugesagt in dem Wort: So denn ihr, die ihr arg seid, könnet euren Kindern gute Gaben geben, wie viel mehr wird der himmlische Vater den heiligen Geist geben denen, die Ihn darum bitten. Wenn es nun wahr ist, und es ist wahr, daß in keinem Undern Heil, als in Jesu; wenn es aber auch wahr, daß Niemand Jesum seinen Herrn heißen kann, ohne durch den heiligen Geist; dieser aber nur gegeben wird denen, welche dürften nach dem lebendigen Gott, wie der Hirsch schreiet nach frischem Wasser, so ist's deutlich genug bekundet, welches die rechte Zurüstung auf dieses Fest des Herrn sein soll: Es ist einmüthiges Gebet und Flehen: Komm, heiliger Geist, Herre Gott! Mag man sonst auseinander gehen in Wünschen, Erwartungen, Hoffnungen; in dieser Einen Bitte sollte Einmüthigkeit sein. Soll Pfingsten auch in Deinem Hause erfüllet sein, so sammele die Herzen aller Familienglieder zu diesem Einen, was Noth ist, zu dieser Einmüthigkeit. Dem Herrn wird wohl gefallen solche Rede deines Mundes, und das Gespräch deines Herzens vor Ihm. Wären es auch arme Worte, genügen sie dir nicht, spürst du, daß der Durst bei dir noch nicht brennend, das Verlangen noch nicht brünstig genug ist, sag es Ihm, tlag es Ihm, wäre es auch nur Ein Seufzer aus redlichem Herzen: Herr, errette meine Seele! Du würdest erfahren, daß dir der morgende Tag nicht zum Gerichtstag werden würde, wie jenen Spöttern. Diese sagen: Sie sind voll süßen Weines; nein, es würde dir ein Gnadentag werden durch die selige Erfahrung des Wortes: Wer da hat, dem wird gegeben, daß er die Fülle habe. Gebet. O Herr Jesu Christe, Du Sohn des allmächtigen Gottes, wir bitten Dich, Du wollest durch Dein Wort Deinen heiligen Geist in unsere Herzen geben, daß derselbe in uns schaffe durch Seine Gottestraft die rechtschaffene Gerechtigkeit und Heiligkeit, wie sie Dir allein gefällig ist; haben wir Gnade gefunden, so gehe nicht mit Deinem Geist und Gaben an uns vorüber, daß auch wir mit neuen Zungen Deine großen Thaten verkündigen, der Du lebeft mit dem Bater und heiligen Geist, der alleinige ewige Gott, hochgelobet in Ewigkeit. Amen. Bater Unser. 23* 356 Am ersten heiligen Pfingsttage. Eigene Melodie. Komm Heiliger Geist, Herre Gott, Erfüll mit Deiner Gnaden Gut Dein'r Gläubigen Herz, Muth und Sinn, Dein brünstig Lieb entzünd in ihn. O Herr durch Deines Lichtes Glanz Zu dem Glauben versammelt hast Das Volk aus aller Welt Zungen: Das sei Dir, Herr, zu Lob gesungen. Hallelujah, Hallelujah! Du heiliges Licht, edler Hort, Laß uns leuchten des Lebens Wort Und lehr uns Gott recht erkennen, Von Herzen Vater Ihn nennen. D Herr, behüt vor fremder Lehr, Daß wir nicht Meister suchen mehrDenn Jesum mit rechtem Glauben Und Ihm aus ganzer Macht vertrauen.. Hallelujah, Hallelujah! ( Vers 1 und 2 aus: Komm Heiliger Geift.) Joh. 14, 23-31. Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wer mich liebet, der wird mein Wort halten; und mein Vater wird ibn lieben, und wir werden zu ihm kommen, und Wohnung bei ihm machen. Wer aber mich nicht liebet, der hålt meine Worte nicht. Und das Wort, das ihr böret, ist nicht mein, sondern des Vaters, der mich gesandt hat. Solches habe ich zu euch geredet, weil ich bei euch gewesen bin. Aber der Tröster, der heilige Geist, welchen mein Vater senden wird in meinem Tamen, derselbige wird es euch alles lehren, und euch erinnern alles deß, das ich euch gesagt habe. Den Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. 7icht gebe Ich euch, wie die welt giebt. Euer Herz erschrecke nicht, und fürchte sich nicht. Ihr habt gehöret, daß Ich euch gesagt habe: ,, Ich gehe hin, und komme wieder zu euch." Såttet ihr mich lieb, so würdet ihr euch freuen, daß ich gesagt habe: Ich gehe zum Vater;" denn der Vater ist größer, denn ich. Und nun babe ich es euch gesagt, ehe denn es ge schiehet, auf daß, wenn es nun geschehen wird, daß ihr glaubet. Ich werde hinfort nicht mehr viel mit euch reden, denn es kommt der Sürft dieser Welt, und hat nichts an mir. Aber auf daß die Welt erkenne, daß ich den Vater liebe, und ich also thue, wie mir der Vater geboten hat, stebet auf, und lasset uns von hinnen gehen. Hier lernen wir, welches, abgesehen von den gewaltigen sichtbaren Zeichen des ersten Pfingsttages, das bleibende Pfingsten ist. Das ist's, daß der heilige Geist die Herzen schmückt und ziert mit den Gaben und Gnaden Christi. Dieser Pfingstgeist bringt es in unsern Herzen zu einer rechtschaffenen Liebe Christi. Wer Mich liebet spricht der Herr; Er weiß, daß Etliche immer sein w pen, die Ihn lieben und es mit dem Könige David Herzlich meinen. Welche sind's? Die, denen viel vergeben ist. Der Heilige Geist erweckt, macht demüthig, arm, zerschlagen, führt zum Glauben an Christum und zur Liebe. Das ist keine müßige, träumerische Liebe, sondern kräftig und lebendig. Man kennt die Liebe daran, daß sie das Wort Jesu hält. 357 Solcher Liebe ist Gottes Wort nicht ein Buch voll Pflichten und Ge setze, sondern ein einig Wort, ein steter Lebensquell, aus dem man trinkt, die Luft, worin die Seele athmet; man läßt sich auf evangelische Weise von dem Worte beleben, erquicken, durchdringen und wird durch solche innige Verbindung und Gemeinschaft im Worte mit dem lebendigen, dreieinigen Gott selbst vereinigt. Die Taufe in den Namen des dreieinigen Gottes kommt zu ihrem rechten Ziele, daß das menschliche Herz eine Wohnung Gottes wird. Wie soll ich armer Mensch, fragst du, dazu kommen? Dadurch, daß du dich dem Geiste Christi hingiebst und denselben in dir eine Lebensmacht werden läßt. Su dir muß die Kirche sein, in welcher der Geist Jesu lehren und Alles, was der Herr gesagt hat, erinnern kann. Das ist ein untrügliches Zeichen, daß du den Geist hast, wenn Christus dir nicht unbekannt bleibt, sondern bekannt wird in Seinem rechten Namen; da ist Er nicht Einer unter Bielen, sondern der Einzige, die Weisheit, Gerechtigkeit, Heiligung und Erlösung. Das giebt vollen, ausreichenden Troft, wenn der Heilige Geist uns Christum also vorstellen und einbilden kann. So wird es mit einem Pfingstherzen gar ein Anderes, als es vorhin gewesen ist. Man bekommt Frieden, nicht Frieden, wie die Welt hat, die sich die Ewigkeit, das jüngste Gericht, die Schwere und Schuld der Sünde aus dem Sinne schlagen will und kann's doch nicht. Sondern Christus giebt Seinen Frieden, der ein Friede ist, den Er in dem göttlichen Gerichte gemacht hat durch Ueberwindung aller Feinde. Wie mag Solches zugehen, daß der große, heilige Gott Sich den Sündern so nahe thut? Das kommt allein dadurch, daß Christus den Willen des Vaters vollbracht und an Seinem Kreuze die Sünde der Welt gebüßt hat. Christi Kreuz ist die Ursache und der Springbrunnen, aus welchem der Heilige Geist zu uns kommt. Gebet. O Gott, Heiliger Geist, Du Tröster und Beistand aller Elenden, Dich bitten wir arme Sünder, Du wollest Deine Wohnung in uns zurichten, unsere Herzen reinigen und erleuchten, daß wir im Glauben und Erkenntniß Christi wachsen und zunehmen, in der Liebe brünstig, im Leiden gedulbig, allezeit nach Deiner Leitung und Regierung leben und wandeln, und durch Dich zur ewigen Seligkeit geheiligt und erhalten werden, der Du mit dem Vater und dem Sohne, wahrer Gott, lebeft und regierest immer und ewiglich. Amen. Bater Unser. 358 Am Pfingstmontage. Mel.: Wie schön leuchtet der Morgenstern. D Heil'ger Geist, kehr' bei uns ein Und laß uns Deine Wohnung sein, O komm, Du Herzenssonne! Du Himmelslicht! laß Deinen Schein Bei uns und in uns träftig sein Zu steter Freud und Wonne! Sonne, Bonne, Fließe, Gieße Himmlisch Leben wirst Du geben, wenn wir beten; Deine Güte in's Gemüthe, daß wir D können Christum unsern Heiland nennen. Zu Dir kommen wir getreten. ( Bers 1 und 5 aus: O Heil'ger Geift, fehr bei uns ein.) O starter Fels und Lebenshort, Laß uns Dein himmelfüßes Wort In unsern Herzen brennen, Daß wir uns mögen nimmermehr d Von Deiner weisheitsreichen Lehr Und treuen Liebe trennen. Joh. 3, 16-21. Thin 10 Also hat Gott die Welt geliebet, daß er seinen eingebornen Sohn gab, auf daß Alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Denn Gott hat seinen Sohn nicht gesandt in die Welt, daß er die Welt richte; fondern, daß die Welt durch ihn selig werde. Wer an ihn glaubet, der wird nicht gerichtet; wer aber nicht glaubet, der ist schon gerichtet; denn er glaubet nicht an den Tamen des eingebornen Sohnes Gottes. Das ist aber das Gericht, daß das Licht in die Welt gekommen ift; und die Menschen liebten die Sinsterniß mehr, denn das Licht, denn ihre Werke waren böse. Wer Arges thut, der haffet das Licht, und kommt nicht an das Licht, auf daß seine Werke nicht geffraft werden. Wer aber die Wahrheit thut, der kommt an das Licht, daß seine Werke offenbar werden; denn sie sind in Gott gethan. Da a ist Pfingsten in unsern Herzen, wo solche hohe Worte von der Liebe Gottes unser Herz erfüllen und die Liebe Gottes in uns ausgegossen ist. O, welche Liebe! Gold und Kupfer mag ich noch vergleichen; denn Beides ist Metall. Aber Gott und die Welt sind in gar keinen Bergleich zu bringen. Denn Gott ist der einige, lebendige Gott, der Wahrhaftige und Wesentliche, von dessen starker Hand und großer Majestät die heilige Schrift viele Thaten erzählt. Und nun die Welt, d. h. hier die ganze Menschheit, wie sie zwar von Gott erschaffen, aber durch den Sündenfall Adams in den tiefsten Verfall gerathen ist, so daß durch Adams Fall ganz verderbt ist menschlich Natur und Wesen. Wem die Augen aufgehen über die Herrlichkeit Gottes und das gottlose Wesen der Welt, davon Jeder ein Theil ist, muß sich billig über die geringste Wohlthat wundern, die Gott dem Menschen erzeigt. Ein von Gott erleuchteter Mensch hält sich aller Wohlthat in aufrichtiger Demuth unwerth. Nun aber hat Gott die Welt geliebet, herzlich, gründlich, wahrhaftig, unbegreiflich geliebet, nicht 359 gehaffet. Er hat geliebet, nicht wie Menschen diejenigen lieben, von denen sie geliebt werden. Sondern Gott hat die gottlose Welt geliebet. Bethlehem Nazareth Gethsemane Golgatha sagen es uns, wie Gott geliebet hat. Durch Christum ist die Rechtfertigung des Lebens über Alle gekommen. Röm 5, 18. Es kommt nun auf den Glauben an Christum an. Denn wer nicht glaubet, der bleibt, was er ist, in der Sünde und Ungerechtigkeit, unter dem gerechten Zorne Gottes, ist schon gerichtet, liegt in seinem Gewissen unter lauter Anflage, Unruhe und Angst. Nur der lebendige Glaube an Christum bringt zum Leben. Glauben heißt Hungern und Dürsten, heißt die Sünde fühlen und Gnade suchen; glauben heißt Jesum Christum begehren, bedürfen, bekommen. Im Worte nämlich läßt Gott diesen Seinen Sohn der Welt, uns Allen anbieten. Diese Predigt von Christo ist lebendig und kräftig, straft aller Menschen Leben, verwirft alle unsere Herrlichkeit, wie der Wind den Staub jagt und preist nichts, denn alleine Christum. Wer sich nicht ernstlich davon strafen lassen will, und will lieber in den Schlangenwegen seines Herzens fortwandeln, der muß dieses Licht hassen und geht tiefer in die Sünde, in Weltdienst, Lüge und Hoffart. Wer aber die Wahrheit thut, d. h. von Herzen nach Wahrheit dürftet, dem wird die Wahrheit kund, daß er ein armer Sünder ist, wirklich arm, der nichts hat, ein verlorener und verdammter Sünder; nur die Eigenliebe und die Hoffart und Lüge haben's Einem so lange verdeckt. Da läßt man sich den gekreuzigten Christum gerne gefallen. Wie gerne glaubte man! Man glaubt auch wohl, aber man zweifelt. Man möchte viel fester glauben; aber Got tes Wort wahrhaftig glauben ist so schwer. Und doch muß geglaubet sein; denn nicht glauben heißt Gott zum Lügner machen. Aber Gott ist treu. Er schafft Wollen und Vollbringen. Man hat ja schon kraft der heiligen Taufe Christum zu eigen bekommen, man hat auch in der Taufe das Vermögen des Glaubens empfangen. Der heilige Geist bezeugt Einem auch durch das Wort immer deutlicher Christum den Sünderheiland. Und endlich geht, wie nach dem Kampfe Jakobs, die Sonne auf, und das Herz glaubt und der Mund bekennt: ich glaube an meinen lieben Herrn Jesum Christum.-Wer da glaubet und getauft wird, wird selig werden. - 1 200 - 19 Gebet. Herr Jesu Christe, Du Sohn des allmächtigen Gottes, wir bitten Dich, Du wollest durch Dein liebes Wort Deinen heiligen Geist in unsere Herzen geben, daß derselbe uns regiere und führe, nach Deinem Willen in allerlei Anfechtung uns tröste und in Deiner Wahrheit wider allen Irrthum leite, auf daß wir im Glauben fest bestehen und durch eine gewisse Hoffnung Deiner Gnade, so Du uns mit Deinem Sterben erworben hast, ewig selig werden. Amen. Vater Unser. 360 Dienstag nach Pfingsten. Mel.: Erhalt' uns, Herr, bei Deinem Wort. Beweis Dein' Macht, Herr Jesu Christ, Der Du Herr aller Herren bist; Beschirm' Dein' arme Christenheit, Daß sie Dich lob' in Ewigkeit. Gott Heil'ger Geist, Du Tröster werth, Gib Dein'm Volk einerlei Sinn auf Erd; Steh bei uns in der letzten Noth, G'leit uns in's Leben aus dem Tod. ( Vers 2 und 3 aus: Erhalt uns, Herr, bei Deinem Wort.) 1 Mof. 11, 1-9. Es hatte aber alle Welt einerlei Junge und Sprache. Da sie nun sogen gegen Morgen, fanden sie ein eben Land, im Lande Sinear, und wohneten daselbst, und sprachen unter einander: Woblauf, laffet uns 3iegel ftreichen, und brennen! Und nahmen Biegel zu Stein, und Thon zu Kalk, und sprachen: Wohlauf, laffet uns eine Stadt und Thurm bauen, deß Spite bis an den Simmel reiche, daß wir uns einen Tamen machen; denn wir werden vielleicht zerstreuet in alle Länder! Da fuhr der Herr hernieder, daß er såbe die Stadt und den Thurm, die die Menschenkinder baueten. Und der Herr sprach: Siebe, es ist einerlei Volk, und einerlei Sprache unter ihnen allen, und haben das angefangen zu thun, fie werden nicht ablaffen von Allem, das sie vorgenommen haben zu thun. Woblauf, laffet uns bernieder fahren, und ihre Sprache daselbst verwirren, daß Keiner des Andern Sprache vernehme! Also zerftreuete sie der Herr von dannen in alle Lånder, daß sie mußten aufhören die Stadt zu bauen. Daber beißet ihr ame Babel, daß der Herr daselbst verwirret hatte aller Lånder Sprache, und sie zerfireuet von dannen in alle Lånder. Hier ist das gerade Gegentheil von Pfingsten, keine Sammlung, sondern Zerstreuung, keine Kirche, sondern ein Thurm, kein Lob Gottes, sondern menschliche Hoffart und Eitelkeit. Diesen Babelsthurm bauen jetzt noch alle Weltkinder; aber er wird nimmer. fertig. Die Hoffart derer in Babel ist groß genug, ganz geartet nach dem alten Lügenworte: ihr werdet sein wie Gott. Bis an den Himmel wollen sie den Thurm bauen und sich einen Namen machen. An Muth und Rührigkeit fehlt es auch nicht. Wohlauf! sprechen sie. Und es geht an den Bau, alle Hände und Gedanken rühren sich. Der Himmel genügt ihnen nicht, der uns armen Sündern allein ein Himmel ist, wie er geweisfaget ist in dem Worte Gottes, daß Jesus Christus der Schlange den Kopf zertreten soll. Aber Gott schläft nicht, sondern Er wacht und ist bereit, die Menschenkinder auf Erden zu strafen. Wollen diese freventlich hinaufsteigen, so spricht Gott: wohlauf! laffet uns hernieder fahren und ihre Sprache verwirren. Der Größe und Stärke der Missethat entspricht die Kraft Seiner Strafe. Da verstand Einer den Ändern nicht mehr und seitdem sind die Menschen zerstreut und sind nicht Zwei, die Eines Sinnes sind. - 361 Verwirrt, zerstreut, unstät und flüchtig, ohne Gott und doch unter Gottes Fluche ist nun jedes Herz in diesem Jammerthale. Erst Jesus Christus, wahrer Gott und Mensch, der die Missethat der Welt gebüßt hat, ist der Weg zum Himmel, die Thür, durch welche himmlisches Wesen zu uns gelangt und wir zu Gott kommen. Was sich zu Ihm sammelt, kommt aus aller Verwirrung und Zerstreuung zurecht und findet Ruhe vor dem Zorne Gottes. Er ist der rechte Mittler zwischen Gott und den Menschen denn weil Er Gott ist, so reicht Er in den höchsten Himmel, an Gottes Vaterherz und Liebe, und weil Er Mensch ist, so ist Er der Unsere. Wer an Ihn glaubet und in Ihn getauft wird, wird selig werden. Christi Wohlthatent und Gnaden sind die Stufen, auf welchen der Glaube in den Himmel steigt. Sein Name ist den Seelen ein festes Schloß. Noch Eins. Er rettet nicht die Einzelnen allein, sondern alle Glieder fügt Er zusammen zu Einem heiligen Leibe, da Er der Grund und das Haupt ist und Alles erfüllet. Wer sich also als ein Glied am Leibe Christi ansieht, muß Gliedes Pflicht thun, muß dienen den andern Gliedern und darf nirgend schaden. Der Pfingstgeist ist ein Liebesgeist, der uns mit Gott in brünstiger Liebe zusammenführt und unsere Unheiligkeit erstickt in dem Opferblute Christi, der aber auch mit allen Christen uns sammelt in Einigkeit des Glaubens, der Liebe und der Hoffnung. Gebet. Herzliebster Jesu, meine Herzens- Ehr und Zierde, mein Thurm und festes Schloß, dahin ich fliehen mag. Jch bitte Dich, laß mir durch den Geist der Pfingsten Deinen Namen köstlich und theuer werden und füge mich durch denselben Geist mit Dir innig zusammen und mit all den Deinen, die je auf Erden Dein gewesen sind, noch sind und sein werden. Amen. Vater Unser. Helles Licht, erleuchte, Klarer Brunn befeuchte Unser Herz und Sinn; Gnadenöl, erquicke, D Magnet, entzücke Uns zum Himmel hin. Baue Dir - Mittwoch nach Pfingsten. Mel.: Jesu, meine Freude. Den Tempel hier, Daß Dein Herd und Feuer brennet, Wo man Gott bekennet. Goldner Himmelsregen, Schütte Deinen Segen Auf das Kirchenfeld. Laffe Ströme fließen, Die das Land begießen, Wo Dein Wort hinfällt; Und verleih, Daß es gedeih, Hundertfältig Früchte bringe Und ihm stets gelinge. ( Vers 4 und 5 aus: Schmückt das Feft mit Maien.) emp 362 Apoftelges. 2, 37-42. Da sie aber das höreten, ging es ihnen durch's Herz, und spras chen zu Petro, und zu den andern Apofteln: Ihr Månner, lieben Brüder, was sollen wir thun? Petrus sprach zu ihnen: thut Buße, und laffe sich ein jeglicher taufen auf den Namen Jefu Chrifti zur Vergebung der Sünden; so werdet ihr empfangen die Gabe des heis ligen Geistes. Denn euer und eurer Kinder ist diese Verheißung, und Aller, die ferne find, welche Gott, unser Herr, berzu rufen wird. Auch mit vielen anderen Worten bezeugete er, und ermahnete, und sprach: Laßt euch belfen von diesen unartigen Leuten. Die nun sein Wort gerne annahmen, ließen sich taufen; und wurden hinzu gethan an dem Tage bei drei tausend Seelen. Sie blieben aber beständig in der Apostel Lehre, und in der Gemeinschaft, und im Brodbrechen, und im Gebet. Ohne den Heiligen Geist kann Niemand ein Christ sein. Bibel und Andacht, Weihnachten und Ostern, ohne den Heiligen Geist ist Alles umsonst. Christi ganze Erscheinung kann uns nicht nützen ohne diesen Geist. Darum ist der Heilige Geist so nöthig, weil Niemand aus eigener Vernunft und Kraft zu Jesu kommen kann, weil Gottes Wort, ob es wohl schöpferisch ist und allmächtig in ihm selber, ohne den Geist Gottes dem Menschen verschlossen ist. Keine Wahrheit des göttlichen Wortes kann man ohne diesen Geist faffen, z. B. die Wahrheit nicht: ich bin verloren. Und weil es so ohne den Heiligen Geist nicht angeht, darum heißen so viele Christen und sind doch keine Christen, weil sie ohne den Geist Gottes sind; ihr christliches Wesen gleicht einer Leiche, die alle Glieder hat, aber kein Leben. Darum war es für Petrus sehr erwünscht, daß, als er am Pfingsttage eine Predigt von Jesu Christo hielt, es den Leuten durchs Herz ging und sie sprachen: was sollen wir thun? Diese Frage ist die erste Wirkung des Geistes in den Herzen. Wer durch Gottes Wort in ernstliche Verlegenheit und Heilsverlangen kömmt, sehe darin eine gnadenreiche Wirkung des göttlichen Geistes. ,, Thut Buße" ist die Antwort des Apostels. Rechte Buße kommt dadurch, daß man sich die Pfeile der göttlichen Wahrheit von Tod und Gericht, Sündenschuld und Sündenelend läßt ins Herz dringen, tiefer und tiefer. Da entsteht Hunger und Durst nach Gott, dem Heiligen Geiste und diesen Geist haben wir bereits in der Taufe empfangen. Aber nur in einem bußfertigen Herzen, das sich Gott ganz hingiebt, kann Er wirken und da wirkt Er auch und bringt hervor die mannigfachen Kräfte und Gaben, besonders lebendigen Glauben an Christum, herzliche Liebe zu Gott. Wie lieblich blühete es in der jungen Gemeine zu Jerusalem doch auf; sie blieben beständig in der Apostellehre, in der Gemeinschaft, im Brodbrechen und im Gebet. Da war Liebe zu den Brü 363 dern und Lob des lebendigen Gottes. O wie arm sind wir dagegen in dieser Abendzeit der Welt! Es giebt so viel Christenthum ohne den lebendigen persönlichen Christum, weil ohne den Heiligen Geist. Und weil das fehlt, so fehlt Alles, rechter Gottesdienst in der Kirche und im täglichen Leben rechte Liebe, Demuth, Geduld und Sanftmuth. Wer nur erst den Schaden lebendig erkennt und fühlt! Und dann betet; denn der Himmel ist nicht verschlossen, sondern um Jesu willen giebt Gott Seinen Geist denen, die Ihn darum bitten. Gebet. Herr Gott, lieber Vater, der Du zu Pfingsten die Herzen Deiner Gläubigen erleuchtet und gelehret und in dem Glauben an Christum vereinigt haft, gieb uns, daß wir durch denselben Geift zur Erkenntniß Deiner Wahrheit kommen und uns herzlich unseres lieben Herrn Jesu Christi getrösten können. Du wollest auch durch Deinen Geist die Früchte des Geistes in uns hervorbringen, nämlich Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Gütigkeit, Glaube, Sanftmuth, Keuschheit. Amen. 453 Vater Unser. de fum Donnerstag nach Pfingsten. Mel.: Aus meines Herzens Grunde. Ich war ein wilder Reben, Du hast mich gut gemacht. Der Tod durchdrang mein Leben, Du hast ihn umgebracht Und in der Tauf' erstickt, Als wie in einer Fluthe, Mit dessen Tod und Blute, Der uns im Tod erquickt. Du bist ein Geift der Liebe, Ein Freund der Freundlichkeit, Willst nicht, daß uns betrübe Zorn, Zant, Haß, Neid und Streit. Der Feindschaft bist Du feind, co Willst, daß durch Liebesflammen. 10091 Sich wieder thun zusammen, Die voller Zwietracht seind. ( Vers 3 und 7 aus: Zeuch ein zu meinen Thoren.) Apostelgesch. 4, 31-37. Und da sie gebetet hatten, bewegte sich die Stätte, da sie vers fammelt waren; und wurden alle des heiligen Geistes voll, und redeten das Wort Gottes mit Freudigkeit. Die Menge aber der Gläubigen war Ein Herz und Eine Seele; auch keiner sagte von seinen Gütern, daß sie seine wären, sondern es war ihnen alles gemein. Und mit großer Kraft gaben die Apostel Jeugniß von der Auferstehung des Herrn Jesu, und war große Gnade bei ihnen allen. Es war auch keiner unter ihnen, der Mangel batte; denn wie viele ihrer was ren, die da Aecker oder Häufer hatten, verkauften sie diefelben, und brachten das Geld des verkauften Guts, und legten es zu der Apostel Süßen; und man gab einem jeglichen, was ihm noth war. Joses aber, mit dem Junamen von den Aposteln genannt Barnabas( das 364 heißt ein Sohn des Troffs), vom Geschlecht ein Levit aus Cypern, der hatte einen Acker, und verkaufte ihn, und brachte das Geld, und legte es zu der Apoftel Süßen. Unseren Glauben können wir der Welt nicht zeigen, aber wohl soll fie unsere Werke sehen, welche die Frucht des Glaubens sind. Ohne den lebendigen Glauben giebt es kein wahrhaftiges christliches Wesen. An der Pfingstgemeine in Jerusalem siehst du Beides, die innere Kraft, nämlich den Glauben und die Liebe zu Christo und die hervorbrechende Gestalt und Schönheit des christlichen Wesens. Welch ein Bild bietet diese Gemeine. Erstens leidet sie Druck von der Welt; sind wir wirklich nicht von der Welt, so Hasset uns die Welt auch. Wir sind ihr im Innersten fremd, sie uns, man paßt nicht zusammen. Aber solcher Druck ist heilsam, macht das Gebet ernstlich wie zu Jerusalem und ernstlich Gebet bewegt Gott, und Gott bewegt dann Alles auf Erden, daß es uns helfen muß. Zweitens wo ernstlich in den Häusern und in der Gemeine gebetet wird, wird in den Kirchen auch ernstlich gepredigt werden; die Apostel gaben mit großer Kraft Zeugniß von der Auferstehung Christi. Gottes Wort soll nachdrücklich gepredigt werden. Drittens wo Gottes Wort und Gebet im Schwange gehen, wächst auch der Glaube und die Gnade den Herzen; die Herzen fangen an zu fließen in der Liebe Gottes und in der Liebe zu einander. Ein Herz und Eine Seele. Ernstliches Christenthum erstickt wie von selbst Hader und Neid und hilft über allerlei Berdrießlichkeiten hinweg. Viertens ist das Leben im heiligen Geiste, in der Liebe Chrifti kein müßiges, das sich eitlen Gefühlen hingiebt; sondern man liebt in der That und in der Wahrheit. Die Herzen werden von den Banden der Selbstsucht entledigt; betet man ernstlich, hört man Gottes Wort ernstlich, so wird man auch ernstlich lieben auch mit Hingabe von Geld und Gut. So wenig wir durch Werke selig werden wollen, so anrüchig ist aller Glaube, der ohne Werke ist und nicht in eine Verleugnung unsrer selbst führt. Dort in Jerusalem war Einer, der seinen Acker verkaufte und brachte das Geld und legte es zu der Apostel Füßen. Der hieß Barnabas d. h. ein Sohn des Trostes. So ist jeder rechtschaffne Christ ein Sohn des Trostes, eine verborgene Trostquelle für seine Hausgenossen, der zu allem Guten willig und geschickt ist. In Summa: Die christ liche Kirche, wo sie grünt und blüht und die Herzen durch Glauben und Liebe in Christum hineinzieht und durch den Geist Gottes die Früchte folchen Glaubens und solcher Liebe hervorbringt, ist die rechte einige Eva auf der ganzen Welt v. h. die Mutter aller Lebendigen. Gebet. Herr Jesu Christe, Du Sohn des allmächtigen Gottes, wir bitten Dich, Du wollest durch Dein Wort Deinen heiligen Geist in unsre Herzen geben, daß derselbe uns regiere und führe nach Deinem Willen, in allerlei Anfechtung und Unglück tröste, in Deiner 11 365 Wahrheit wider allen Irrthum leite und erhalte, auf daß wir im Glauben feststehen mögen, in der Liebe und guten Werken zunehmen, und durch gewisse Hoffnung Deiner erworbenen und geschenkten Gnade ewig felig werden, der Du mit dem Vater und dem Heiligen Geiſte lebest und regierest von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Vater Unser. Freitag nach Pfingsten. Mel.: Aus meines Herzens Grunde. O lak Dein Volk erkennen Die Vielheit seiner Sünd', Auch Gottes Grimm so brennen, Daß er bei uns entzünd' Den ernsten bittern Schmerz Und Buße, die bereuet, Deß sich zuerst erfreuet Ein weltergebenes Herz. Erfülle die Gemüther Mit reiner Glaubenszier, Die Häuser und die Güter Mit Segen für und für. Vertreib den bösen Geist, Der Dir fich widersetzet Und was Dein Herz ergößet, Aus unsern Herzen reißt. ( Vers 10 und 14 aus: Zeuch ein zu meinen Thoren.) Apostelgesch. 5, 1-11. Ein Mann aber, mit Namen Ananias, sammt seinem Weibe Sapphira, verkaufte seine Güter, und entwandte etwas vom Gelde, mit Wiffen seines Weibes, und brachte einen Theil, und legte es zu der Apostel Süßen. Petrus aber sprach: Anania, warum bat der Satan dein Herz erfüllet, daß du dem heiligen Geist lögeft, und entwendeteft etwas vom Gelde des Ackers? Sättest du ihn doch wohl mögen behalten, da du ihn battest; und da er verkauft war, war es auch in deiner Gewalt. Warum haft du denn solches in deinem Hersen vorgenommen? Du haft nicht Menschen, sondern Gott gelogen. Da aber Ananias diese Worte hörete, fiel er nieder, und gab den Geist auf. Und es kam eine große Surcht über alle, die dies hores Es standen aber die Jünglinge auf, und thaten ihn beiseits, und trugen ihn hinaus, und begruben ihn. Lind es begab sich über eine Weile, bei dreien Stunden, kam sein Weib binein, und wußte nicht, was geschehen war. Petrus aber sprach zu ihr: Sage mir, habt ihr den Acker so theuer verkauft? Sie sprach: Ja, so theuer. Petrus aber sprach zu ihr: Warum seid ihr denn eins geworden, zu versuchen den Geift des Herrn? Siebe, die Süße derer, die deinen Mann begraben haben, sind vor der Thür, und werden dich hinaus tragen. Llnd alsobald fiel sie zu seinen Süßen, und gab den Geist auf. Da kamen die Jünglinge, und fanden sie todt, trugen sie hinaus, und begruben fie bei ihrem Manne. Und es kam eine große Surcht über die ganze Gemeine, und über alle, die solches höreten. ten. Wie unnöthig ist doch die Sorge der Welt, das Chriſtenthum führe zur Heuchelei! Gott ist es Selbst, der in Seiner untrüglichen. 366 Allwissenheit und Gerechtigkeit die Heuchelei und Ungerechtigkeit straft. Deß zum Zeugniß finden wir in der apostolischen Kirche die Geschichte des Ananias und der Sapphira. Nicht in Einem Tage wird man solch ein Gefäß des göttlichen Zornes. Ananias und Sapphira hatten einen Bann auf sich; denn sie wollten vor den Aposteln und der Gemeine den Schein der christlichen Liebe haben und ihre Herzen steckten im Betruge und in der Heuchelei. Wie wird Gott der Heilige Geist ihre Herzen beunruhigt und gestraft haben! Aber sie wollten, wie es so oft geschieht, nicht wahrhaftig und lauter werden; die Heuchelei wurde in ihren Herzen befestigt. Sie dachten: wer siehet uns? Kann man Menschen, ja sich selbst täuschen, Gottes Auge siehet Alles. Und was wird daraus? Ein wenig Sauerteig versäuert immer den ganzen Teig. In einem durch Sündenliebe gebundenen Herzen erlischt das Vertrauen zu Gott und das ernstliche Gebet; Unruhe ist der saure Lohn solcher Seelen. Betet man auch mit dem Munde, so widerstrebt man im Herzen. Und ob nach des Ananias Tode Petrus der Sapphira so ernstlich in's Gewissen redet, sie beharrt in der Lüge. Da ergeht Gottes unbarmherziges Gericht über sie und wir lernen, daß Gott nicht ein Gott ist, dem gottloses Wesen gefällt; wer böse ist und welche Bosheit ist doch alle Heuchelei und Unlauterkeit vor Gott und Menschen bleibet nicht vor Ihm. - 1 Diese furchtbare Geschichte ist die dringendste Ermahnung, obwohl sie mit feiner ausdrücklichen Ermahmung schließt. Es kam eine große Furcht über die ganze Gemeine und über Alle, die solches hörten. Siehe, so ist Gott. Will man sich nicht bekehren, so hat Er Sein Schwert geweet. Furcht muß man vor Ihm haben, denn Er kann mit Leib und Seele uns verderben. Was sollst du thun? Halte ein mit aller bewußten Sünde; achte auf den Zuspruch des Geistes der Wahrheit in deinem Gewissen; sprich: wehe mir, daß ich gesündigt habe. Fühle deine Krankheit, erkenne das Verdammliche aller Ungerechtigkeit, den Ernst Gottes über unsere Verstellung. Vor Allem aber thue dein Herz auf gegen den Heiland, dessen Gnade bei allen wahrhaftigen Herzen größer ist als unsere Miffethat. Willst du leben und nicht sterben, Er will es schon, ehe du es wolltest und schwört dir eidlich, daß du leben sollst. Bußfertige finden bei Jesu, der um unsrer Sünden willen gekreuzigt ist, einen unerschöpflichen Brunnen der Barmherzigkeit. Dessen dürfen sie gewiß sein. Gebet. Herr, mein Gott, da ich es wollte verschweigen, verschmachteten meine Gebeine durch mein täglich Heulen. Denn Deine Hand war Tag und Nacht schwer auf mir. Nun will ich Dir meine Missethat bekennen und bitte Dich, Du wollest mir vergeben die Missethat meiner Sünde. Schlicht und recht, das behüte mich, Herr, Denn ich harre Dein. Amen. Vater Unser. 367 Sonnabend nach Pfingsten. Mel.: Herr Jesu Christ, Dich zu uns wend'. Herr, segne und behüte mich! Erleuchte mich, Herr, gnädiglich! Herr, heb' auf mich Dein Angesicht Und Deinen Frieden auf mich richt'! ( Vers 4 und 5 aus: O Heilige Dreifaltigkeit.) Mein Schöpfer, steh' mir kräftig bei! O mein Erlöser, hilf mir frei! O Tröster werth, weich nicht von mir; Mein Herz mit Deinen Gaben zier'! Röm. 11, 33-36. welch eine Tiefe des Reichthums, beides, der Weisheit und Erkenntniß Gottes! wie gar unbegreiflich sind seine Gerichte, und unerforschlich sind seine Wege! Denn wer bat des Herrn Sinn erkannt? Oder, wer ist sein Rathgeber gewesen? Oder, wer hat ihm etwas zuvor gegeben, das ihm werde wieder vergolten? Denn von ihm, und durch ihn, und in ihm sind alle Dinge. Ihm sei ehre in Ewigkeit! Amen. - welch eine Tiefe des Reichthums, beides der Weisheit und der Erkenntniß Gottes!" so muß man wohl mit Paulus ausrufen, wenn man vor dem Geheimnisse der heiligen Dreieinigkeit stehet, deren Fest die Kirche morgen feiert. Gewiß, es ist eine unergründliche Tiefe, ein Geheimniß, von welchem sonderlich gilt: ,, Das Geheimniß des Herrn ist nur bei denen, so ihn fürchten." Der Sohn Gottes spricht zu Seinem Vater: Gerechter Bater, die Welt kennet Dich nicht. Joh. 17. Die Welt kennt weder. den Vater, noch den Sohn, noch den Heiligen Geist. In der Mitte der Christenheit ist's die große Schuld ach! so Vieler, daß sie den wahren, dreieinigen Gott nicht fennen und sich statt dessen nichtige Gedanken und Bilder von Gott machen. Wenden wir uns ja immer von Neuem zu den Zeugnissen des Heiligen Geistes, die Er uns in der heiligen Schrift über Gott, Gottes Wesen, Wunder und Wege gegeben hat! Der Geist nämlich Gottes Geist erforschet alle Dinge, auch die Tiefen der Gottheit. Der Heilige Geist ist der Quell, daraus alle Weisheit fleußt, die sich in fromme Seelen geußt merke wohl: Fromme Seelen. Gottesfürchtigen Seelen bleibt die heilige Dreieinigkeit auch ein Geheimniß, vor welchem sie ihr Angesicht verhüllen, eine unergründliche Meerestiefe, aber es strahlt ihnen aus dieser Tiefe des göttlichen Wesens ein blauer Himmel entgegen mit hellschimmernden Hoffnungsfternen und strahlenden Lebenssonnen. Gewiß, der rechte Gott ist in Zion. Und wohl dem Volk, das jauchzen kann: Ich weiß, an wen mein Glaub sich hält! Ich bin getauft auf Deinen Namen, Gott, Bater, Sohn und Heiliger Geist. Was hat's nun für Noth! Nun darf ich ja die Hände aufheben zu dem, der der rechte Vater ist über alles, was Kinder heißt im Himmel und auf 1 1 368 Erden, und beten: Abba, lieber Vater. Ist der, welcher am Kreuz ge= storben ist und mich erlöset und erworben hat von allen Sünden, vom Tode und von der Gewalt des Teufels, derselbe, durch welchen alle Dinge gemacht, und ohne denselben nichts gemacht ist, was gemacht ist, so hat die Erlösung einen ewigen Grund, und Sein Blut schreiet beffer denn Abels Blut; ist Gottes Heiliger Geist, welcher über uns ausgegoffen, Gott mit dem Vater und dem Sohne, wie die Kirche fingt, so ist Er der allerheilsamste Tröster, und ich habe Ihn nun zu bitten, daß Er als Gott des Friedens mich heilige durch und durch, den Leib ganz, sammt Seel' und Geist, daß wir, erneuert in Sein Bild auch zeugen durch Wort und Wandel, daß wir Gefäße zur Ehre dessen geworden sind, von Dem, durch Den und in dem alle Dinge sind. Ihm sei Ehre in Ewigkeit. Gebet. Allmächtiger, ewiger Gott, der Du uns gelehrt hast, im rechten Glauben zu wissen und zu bekennen, daß Du in drei Personen, gleicher Macht und Ehren, ein ewiger, einiger Gott und dafür anzubeten bist, wir bitten Dich, Du wollest uns bei solchem Glauben allezeit fest erhalten wider Alles, was uns mag anfechten, der Du lebest und regierest von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Bater Unser. - Trinitatis, d. i. Dreieinigkeitsfest. Mel: Es ist das Heil uns kommen her. O großes Wert! o heilges Bad! D Wasser, beffen gleichen Man in der ganzen Welt nicht hat! Kein Sinn kann dich erreichen. Du hast recht eine Wunderkraft; Und die hat der, so Alles schafft, Dir durch Sein Wort geschentet. Du bist kein schlechtes Waffer nicht, Wie's unfre Brunnen geben. Was Gott mit Seinem Munde spricht, Das hast du in dir leben. Du bist ein Waffer, das den Geist Des Allerhöchsten in sich schleußt Und Seinen großen Namen. ( Vers 9 und 10 aus: Du Bolt, daß du getaufet bift.) Joh. 3, 1-15. Es war aber ein Mensch unter den Pharisäern, mit amen Ticodemus, ein Oberfter unter den Juden; der kam zu Jesu bei der Tacht, und sprach zu ihm: Meister, wir wissen, daß du bist ein Lehrer von Gott gekommen; denn iemand kann die Jeichen thun, die Du thust, es sei denn Gott mit ihm. Jesus antwortete, und sprach zu ihm: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Es sei denn, daß Jemand von 7euem geboren werde, kann er das Reich Gottes nicht sehen. Ticodemus spricht zu ihm: Wie kann ein Mensch geboren werden, wenn er alt ift? Kann er auch wiederum in seiner Mutter Leib geben, 369 und geboren werden? Jesus antwortete: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Es sei denn, daß Jemand geboren werde aus dem Wasser und Geift, so kann er nicht in das Reich Gottes kommen. Was vom Sleisch geboren wird, das ist Fleisch; und was vom Geist geboren wird, das ist Geift. Laß dich's nicht wundern, daß ich dir gesagt babe: Jbr müffet von neuem geboren werden. Der Wind blåset, wo er will, und du höreft sein Saufen wohl; aber du weißt nicht, von wannen er kommt, und wohin er fährt. Also ist ein Jeglicher, der aus dem Geist geboren ist. Nicodemus antwortete, und sprach zu ihm: Wie mag folches zugeben? Jesus antwortete, und sprach zu ihm: Bist du ein Meister in Israel, und weißt das nicht? wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wir reden, das wir wissen, und zeugen, das wir gesehen haben; und ihr nehmet unser Jeugniß nicht an. Glauber ihr nicht, wenn ich euch von irdischen Dingen sage; wie würdet ihr glauben, wenn ich euch von himmlischen Dingen sagen würde? Und Niemand fährt gen Simmel, denn der vom Himmel hernieder gekommen ift, nämlich des Menschen Sohn, der im Simmel ist. Und wie Moses in der Wüste eine Schlange erhöhet bat: also muß des Menschen Sohn erhöhet werden, auf daß Alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Nicodemus kommt zu Jesu, wie erfreulich! Ein Oberster unter den Juden also doch dann und wann auch ein Edler, deren sonst nicht viele den Heiland suchen. Nicodemus ist aber auch ein Pharisäer, und daß ein Pharisäer zu Jesu kommt, ist gar erstaunlich; denn die Pharisäer als selbstfromme Leute Haffen den, der allein fromm macht. Nicodemus will auf die Werke hinaus, aber alsobald bezeugt ihm der Herr, es komme auf ganz etwas Anderes an, als auf Werke, nämlich auf eine neue Geburt. Erst durch diese kommt man in das Reich Gottes. Und wie sehr Nicodemus sich entsetzt, es bleibt bei der Wahrheit, der Mensch müsse von Neuem geboren werden. Der Sündenfall macht diese neue Geburt nöthig, weil der Mensch nach Leib und Seele Fleisch ist, ungöttlich, von ihm selber nicht einmal tüchtig, etwas Gutes zu denken. Nicodemus hätte als Meister in Israel diese Wahrheit wissen sollen; denn schon das alte Testament lehrt deutlich von des Menschen völligem Verderben und von dem reinen Wasser, das der allmächtige Gott Selbst sprengen will über uns. Daß diese Wiedergeburt nun aus Wasser und Geist in der heiligen Taufe geschieht, ist Gottes gar würdig, der unsere Weisheit zu Schanden macht und durch kleine Mittel große Dinge thut. So ist das Taufwaffer ein unbegreifliches Wasser; Gott der Vater ist darin mit Seiner Macht und Heiligkeit, Gott der Sohn mit Seinem erlösenden Blut, der Heilige Geist mit Seinem Troste. Dies Waffer der lebendige, dreieinige Gott im Wasser macht uns selig. 1. Petri 3, 21. Menschenvernunft, rede nicht darein! Dies ist der Felsen, den Gott uns gemacht hat; dies ist Gottes Wort und Gottes 24 - - - 370 - That. Aber was Gott in der Taufe anfängt, will Er auch vollführen; die neue, in der heiligen Taufe geschaffene Creatur soll wachsen und der Wind, nämlich der in der Taufe empfangene Geist, soll wehen im Menschen. Ach, er weht so wenig; das kommt, weil die Seele und in den Seelen das verborgene Weizenkorn des göttlichen Wesens meist eingefargt liegt in den tausend Weltdingen und Lüsten und Begierden. Da bedarf es einer Erweckung, eines wachwerdenden, empfundenen Verlangens nach Gott, nach Jesu. Die lebendige Erkenntniß der Sünde macht den am Kreuze erhöheten Heiland lieb, wie dort in der Wüste die Bisse der feurigen Schlangen zu Mose flüchten lehrten. Einem armen Sünder kann der früher so unbekannte, gleichgültige Heiland sehr lieb werden. Das ist schon oft geschehen. Und wer diesem Jesu lernt anhangen, an Ihn glauben und seine Zuversicht allein auf Ihn setzt, wozu die heilige Taufe Vermögen gibt, bei dem saust der Wind von oben. Da entstehen göttliche Bewegungen im Menschen, da sind göttliche Kräfte vorhanden, göttliche Liebe und göttlicher Haß. Man empfängt Muth und Freiheit Gott zu lieben und zu dienen und Seinen Willen zu thun und weil man mit Christo zusammen ist, so kommt man mit diesem, der allein gen Himmel führt, ins himmlische Wesen, hier zeitlich, dort ewiglich. Wer da glaubet und getauft wird, der wird selig werden. - Gebet. Deiniger Gott, Du heilige, hohe Dreieinigkeit, Vater, Sohn und Heiliger Geist, Du hast uns überschwenglich gesegnet in dem unbegreiflichen Wasser der heiligen Taufe. Seitdem hast Du nicht von uns gelassen, aber wir sind Dir oft und viel ungehorsam gewesen, haben Dein Wort nicht geachtet. Herr, Du dreieiniger Gott, segne uns doch, daß wir an Dich beständig und mit ganzer Macht glauben und zubereitet werden zu Wohnungen Deiner Majeſtät. Amen. Bater Unser. Montag nach Trinitatis. Mel.: Herr Jesu Christ, Dich zu uns wend'. Des Vaters Huld mich heut anblick, Herr, segne und behüte mich! Des Sohnes Weisheit mich erquick; Erleuchte mich, Herr, gnädiglich! Des Heil'gen Geistes Glanz und Schein Herr, heb' auf mich Dein Angesicht Erleucht mein's finstern Herzens Schrein. Und Deinen Frieden auf mich richt'! ( Vers 3 und 5 aus: O Heilige Dreifaltigkeit.) 4 Mof. 6, 22-27. Und der Herr redete mit Mose, und sprach: Sage Aaron und seinen Söhnen, und sprich: So sollt ihr sagen zu den Kindern Israel, 371 wenn ihr sie segnet: Der Herr segne dich, und behåte dich; der Herr laffe sein Angesicht leuchten über dir, und sei dir gnådig; der Herr bebe sein Angesicht über dich, und gebe dir Frieden. Denn ihr sollt meinen Namen auf die Kinder Israel legen, daß Ich sie segne. In diesem Segen ist's der dreieinige Gott, der da segnet. Gott allein ist die Quelle aller irdischen und ewigen Güter. Menschen, Sünder sind es, welche Gott segnet. Aber müßte denn der heilige Gott den Sündern nicht fluchen? Ja wohl, aber dieser Segen wird durch den Hohenpriester ausgetheilt, der ein Opfer gebracht hat für die Sünde der Welt und um dieses Opfers willen segnet Gott die Sünder. Nachdem Jesus die Reinigung unserer Sünden gemacht hat durch Sich selbst, hat Er Sich gesetzt zur Rechten der Majestät Gottes und ist ein Pfleger und Austheiler der himmlischen Güter. Verklärt uns der Heilige Geist das Opfer Christi, so werden wir im Gewissen gereinigt von Furcht und Mißtrauen, daß wir nur Gutes, nur Segen von Gott erwarten dürfen. Sechsmal heißt es ,, Dich, Dir" in diesem Segen. Ob also der Unglaube immer wieder seine Zweifel erhebt, so soll der Glaube, wenn er sechsmal hört: ,, Dich" endlich in Freuden ausbrechen und rufen: mich, ja mich hat Gott gesegnet und will Er ferner segnen. Es sind sechs Güter, die in diesem Segenswunsche angezeigt werden. Der Herr segne Dich an Gottes Segen ist Alles gelegen; so wolle Er uns segnen in allen Dingen, besonders in den geistlichen, mit Hunger und Durst nach dem lebendigen Gott, mit Speise und Brod für diesen Hunger, mit Glauben an Christum. Es ist ein Meer voll Gnade und Gabe, das Gott uns durch Christum zutheilen will. Weil aber in dieser Welt lauter Gefahr ist, Alles zu verlieren, auch die theure Seele, weil Gefahr außer uns und in uns liegt, daß wir alle Gaben durch die Sünde verderben, so ist es gut, daß es heißt: der Herr behüte dich, Er behüte deine Seele. Gottes Wort und Sacrament, Beichte und Zucht, Kreuz und Leiden sind die Mittel, die Gott anwendet, daß Er uns segnet und behütet. Der Herr laffe Sein Angesicht leuchten über dir. Dieses Angesicht leuchtet in der Erscheinung Christi: in Bethlehem, auf Golgatha. Dieses Angesicht voll Gnade und Wahrheit begehrt der bußfertige Sünder zu sehen. Und wo es ihm leuchtet, so genest er und spricht: ich habe genug, mir ist Barmherzigkeit widerfahren. Denn Gnade, lautere Gnade leuchtet in Christi Angesicht. Der Herr sei dir gnädig. Ist es Gnade, so ist es kein Werk und Verdienst; ist es Gnade, so kann mich meine Schuld nicht ausschließen, sondern die Gnade wird die Schuld aufheben. Ja Gott sei mir gnädig! O herrliche, ewige, freie Gnade von dem Gott aller Gnade; eine wirksame, erleuchtende, errettende, bekehrende, heiligende Gnade. Sind es solche hohe, unschätzbare Güter, die uns der Vater und Sohn geben wollen, so erhebe denn Gott der Heilige Geist Sein Angesicht über uns und theile diese 24* - 372 Güter mit. Wehe mir, wenn ich bloß Himmel und Erde verlange. Was soll einem Sünder, einer von Gott erschaffenen Seele alle Creatur nüßen. Darum begehrt die Seele nach den vollkommenen Gütern. Der Geist Gottes gebe, daß ich im Glauben Gott meinen liebsten Vater, Christum meinen vollkommenen Heiland nenne und spreche: Dieser Gott ist mein Gott, der mich in der Taufe wiedergeboren hat und stärkt und vollbereitet. Der Herr gebe dir Frieden damit schließt der Segen. Nicht Frieden mit der Sünde, aber Frieden mit dem lebendigen Gott in dem Blute Christi, Frieden im Gewissen, Frieden, den alle sündlichen Kräfte in mir nicht umstoßen können, Frieden meiner Seele den gebe dir und mir der ewige Gott. Mich, ja mich, Herr, segne durch Christum! - Gebet. Herr, segne uns und behüte uns! Herr, laß Dein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig! Herr, erhebe Dein Angesicht über uns und gib uns Frieden. Amen. Vater Unser. Dienstag nach Trinitatis. Mel.: Bom Himmel hoch. Gott's Wort, du bist der Morgenstern; Leucht uns mit deinem Glänzen flar Und Jesum Christum offenbar; Jag aus der Finsterniß Gewalt, Daß nicht die Lieb in uns erfalt! Wir können dein gar nicht entbehrn; Du mußt uns leuchten immerdar, Sonst figen wir im Finstern gar. Du bist die liebe Sonne klar; Wer an Dich glaubt, der ist fürwahr Ein Kind der ew'gen Seligkeit, Die Deinen Christen ist bereit. 107 ( Vers 4, 5 und 8 aus: Steht auf, ihr lieben.) Marc. 10, 17-25. Und da er hinaus gegangen war auf den Weg, lief einer vorne vor, knieete vor ihm, und fragte ihn: Guter Meister, was soll ich thun, daß ich das ewige Leben ererbe? Aber Jesus sprach zu ihm. was heißest du mich gut? Tiemand ist gut, denn der einige Gott. Du weißt ja die Gebote wohl: Du sollst nicht ehebrechen. Du sollst nicht tödten. Du sollst nicht fehlen. Du sollst nicht falsch Jeugniß reden. Du follft iemand tauschen. Ehre deinen Vater und MutEr antwortete aber und sprach zu ihm: Meister, das habe ich alles gehalten von meiner Jugend auf. Und Jesus fabe ihn an, und liebte ihn, und sprach zu ihm: Eins fehlt dir. Gehe hin, verkaufe ter. Hes, was du haft, und gib es den Armen, so wirst du einen Schar im Simmel haben; und komm, folge mir nach, und nimm das Kreuz auf dich. Er aber ward anmuthes über der Rede, und ging traurig davon; denn er hatte viele Güter. Und Jesus sabe um sich, und sprach zu seinen Jüngern: Wie schwerlich werden die Reichen in das Reich Gottes Fommen! Die Jünger aber entferten sich über seiner Rede. Aber Jesus antwortete wiederum, und sprach zu ihnen; Lie ben Kinder, wie schwer ist es, daß die, so ihr Vertrauen auf Reichthum feren, in's Reich Gottes kommen! Es ift leichter, daß ein Rameel durch ein Zadelöhr gehe, denn daß ein Reicher in's Reich Gottes komme. 2 373 Jesus liebte diesen Jüngling. Warum? Weil er nicht mit Opfern und selbsterwähltem Gottesdienst umging, sondern die zehn Gebote Höher hielt, denn alles Andere. Es ist schon Etwas, wenn Einer die heiligen zehn Gebote über alle Menschensagung stellt. Aber dies geringe Erkenntniß ist in dem Jünglinge von viel Irrthum umwickelt. Guter Meister nennt er den Heiland; das Wort ist wohl recht, aber der Sinn ist bei dem Jünglinge nicht richtig, weil er Christum für einen Menschen hält, der nicht wahrhaftiger Gott ist. Darum will der Herr in dem Sinne des Jünglings nicht gut heißen; denn Er ist Gott. Willst du aber zum Leben eingehen, so halte die Gebote spricht der Herr Matth. 19, 17. So fönnte Einer durch sein Thun selig werden? Ja, wenn er wirklich die zehn Gebote halten könnte; aber das ist's gerade, das Gesetz ist gut und geistlich, und der Mensch steckt voll Unvermögen und Unlust gegen Gottes Gebot. Meinen kann es wohl Jemand, er sei nicht schuldig an den Geboten: Du sollst nicht tödten, nicht stehlen u. s. w. Blinden ist's ja eigen, daß sie nicht sehen können. Der Jüngling meinte es auch; er antwortet, wie er es meint: Meister, das habe ich Alles gehalten von meiner Jugend auf. Da legt ihm aber Jesus einen Balken in den Weg, der Jüngling soll sein Hab und Gut verkaufen und den Armen geben. Wie nun? Da sieht man bald, wer der Gott und Schatz des Jünglings ist, nämlich nicht der lebendige Gott, dem zur Liebe man allein leben soll, sondern das Geld ist die Liebe des Jünglings. Und wer nicht sein Vertrauen und Trost nach dem ersten Gebote allein auf Gott stehen hat, kann unmöglich in den übrigen Geboten wahrhaftig wandeln. Ob Einer viel oder wenig hat, ist nicht die Frage, sondern ob Einer mit den Fasern und Kräften seiner Seele am Mammon, am Zeitlichen oder am lebendigen Gott hängt; wer ein Reicher ist, d. h. am Geschöpfe klebt und nicht am Schöpfer, kommt nie in das Himmelreich, weil er nie die Gebote herzlich, willig, völlig gehalten hat und halten kann. Fleisch bleibt Fleisch, auch wo es einen geistlichen Schein hat. Hier bedarf es des in Wahrheit guten Heilandes, der uns neu gebiert in der Taufe und Seinen heiligen Geist gibt, daß wir an Ihn glauben und im Glauben an Ihn ein fröhlich Herz erlangen, das sich freuet an dem lebendigen Gott, und ohne Unterlaß Gott zu gefallen sucht in reiner Liebe. Eins fehlte dent - - Jünglinge, und Eins ist noth liebsten Schatz. nämlich Jesum gewinnen als seinen Gebet. O Du lieblicher, reicher Herr Jesu, ich bitte Dich, Du wollest mein Herz erfüllen, auf daß ich wie eine glühende Kohle ganz und gar brenne in Deiner Liebe. Herr, laß mich Dich lieben, daß ich vor großer Liebe die große Last, dadurch die Seele hart beschwert wird, die fleischliche Lust und Begierlichkeit dieses Lebens möge ablegen, und durch Deine Leitung Dir nachfolgen möge ohne alles Hinderniß zur ewigen Herrlichkeit. Amen. Bater Unser. 374 - Mittwoch nach Trinitatis. Lehre mich Dein Wort betrachten, Mit Begierde darauf achten. Lehre mich's im Geist verstehen; Laß es mir zu Herzen gehen. Mache, daß ich's fröhlich glaube, Mir den Zweifel nie erlaube; Daß ich's mit Gehorsam ehre Und sonst keine Stimme höre. Mel.: Schmücke dich, o liebe Seele. Laß Dein Wort mich kräftig laben, Fest es in der Seele haben; Deine Wahrheit nicht zerrütten, Keine Kraft davon verschütten; Fest an der Verheißung bleiben, Die Gebote willig treiben; Keinen Schritt vom Worte weichen, Deines Weges Ziel erreichen. ( Vers 5 und 6 aus: Prediger der süßen Lehre.) Psalm 119, 32-40. Wenn du mein Herz tröstest, so laufe ich den weg deiner Gebote. Jeige mir, Herr, den Weg deiner Rechte, daß ich sie bewahre bis an's Ende. Unterweise mich, daß ich bewahre dein Geset, und balte es von ganzem Herzen. Sühre mich auf dem Steige deiner Gebote; denn ich habe Luft dazu. Teige mein Herz zu deinen Jeugniffen, und nicht zum Geiz. Wende meine Augen ab, daß sie nicht seben nach unnützer Lebre; sondern erquide mich auf deinem Wege. Laß deinen Knecht dein Gebot feftiglich für dein Wort halten, daß ich dich fürchte. Wende von mir die Schmach, die ich scheue; denn deine Rechte fino lieblich. Siehe, ich begehre deiner Befehle, erquicke mich mit deiner Gerechtigkeit. Hier siehest du das Verlangen eines chriſtlichen Herzens, das Gott ernstlich dienen will. Dazu bedarf es vor Allem, daß Gott Selbst Einem Sein Wort tief in die Seele schreibt und den Weg des Lebens fund thue in Seinem Worte. Denn dieser Weg ist, ob man die Bibel in der Hand hält, doch verborgen, wo Gott ihn uns nicht inwendig in unserm Herzen offenbart. Aber die göttliche Wahrheit soll Ja, unserm Herzen dann auch nicht fremb uno gleichgültig sein, sondern von ganzem Herzen, mit inniger, beständiger Liebe soll man der Wahrheit Gottes sich ergeben. Und da Gottes Wege allesammt eitel Güte und Wahrheit sind, wogegen die Wege unserer Wahl ins Verderben führen, so ist das sehnliche Verlangen, auf dem Steige der Gebote Gottes geführt zu werden. Herr, neige mein Herz zu Deinen Zeugnissen, und nicht zum Geiz. Denn Geiz ist eine Wurzel alles Uebels. Geiz ist Gözendienst, führt durchaus von Gott ab und gebiert Angst und Unruhe. Alles aber ist Geiz, was in unserm Herzen dem Zeitlichen mehr ergeben ist als Gott. So soll man denn die unnütze Lehre fliehen, die unser Herz nicht ernstlich von der Hoffart, Augenlust und Fleischeslust abtreibt, sondern uns auf halbemt Wege stehen läßt, als könnten wir Gott dienen und dem Mammon, was doch unmöglich ist. Wehe, wo das Herz unnützer Lehre ergeben ist; gewißlich findet man da keine Erquickung für die Seele, welche Gott nur denen gibt, die Ihn von Herzen suchen. Ach, so lasset uns mit David bitten: laß Deinen Knecht Dein Gebot festiglich für Dein Wort halten. Man soll doch ja bedenken, wer der ist, der Gottes Wort geredet hat, das Wort z. B., daß Alle, die in Christum getauft sind, bereits mit Ihm begraben und gekreuzigt und zu gleichem Leben gesegt sind. Wer das festiglich glaubt, wird's wohl erfahren, ob diese Rede von Gott ist, oder nicht. Gelten aber alle Worte und Rechte des großen, heiligen Gottes, so ist die Frage: wie soll ich vor Gott bestehen, ich armer Sünder? Nicht anders als durch Gottes Gerechtigkeit, welche in Christo ist. Herr, erquicke mich denn nach dieser Deiner Gerechtigkeit, die Du mir in der Taufe beigelegt haft und mir predigen läsfest in Deinem Worte. 375 Gebet. Lieber Gott und Vater, schreibe durch Deinen lieben Heiligen Geist in unsere Herzen dasjenige, was so reichlich in der Schrift gefunden wird und laß uns stetig daran gedenken und uns viel tiefer zu Herzen gehen, denn unser eignes Leben und was uns mag lieb sein auf Erden. Amen. Vater Unser. Donnerstag nach Trinitatis. Mel.: Nun ruhen alle Wälder. Mein Alles, was ich liebe, Mein Alles, was ich übe, Sei mein Herr Jesu Christ, Weil ich in Ihm besige, Was einer Seele nüße, Was einem Menschen föstlich ist. Das Herz kann nichts ergründen, Was nicht in Ihm zu finden; Da wird es satt und voll. Denn dies ist Gottes Wille, Daß alle Gottesfülle In Ihm leibhaftig wohnen soll. ( Vers 1 und 2 aus: Mein Alles, was ich liebe? 376 Col. 1, 15-23. Christus ist das Ebenbild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborene vor allen Creaturen. Denn durch ihn ist Alles geschaffen, das im Himmel und auf Erden ist, das Sichtbare und Unsichtbare, beide, die Thronen, und Herrschaften, und Sürstenthümer, und ObrigFeiten; es ift Alles durch ihn und zu ihm geschaffen. Und Er ist vor Allen, und es beftehet Alles in ihm. Und Er ist das Haupt des Leibes, nåmlich der Gemeine; welcher ist der Anfang und der Erstgeborene von den Todten, auf daß Er in allen Dingen den Vorgang habe. Denn es ist das Wohlgefallen gewesen, daß in ihm alle Sülle wohnen follte, und Alles durch ihn verföhnet würde zu ihm felbft, es sei auf Erden oder im Simmel, damit daß er Frieden machte durch das Blut an seinem Kreuz durch sich selbst. Und euch, die ihr weiland Fremde und Seinde waret, durch die Vernunft in bösen Werken; nun aber hat er euch verföhnet mit dem Leibe seines Fleisches, durch den Tod, auf daß er euch darstellete heilig und unffråflich, und obne Tadel vor ihm selbst; so ihr anders bleibet im Glauben gegründet und feft, und unbeweglich von der Hoffnung des Evangelii, welches ihr gehöret habt, welches gepredigt ist unter aller Creatur, die unter dem Himmel ist, welches ich Paulus Diener ges worden bin. Welch einen großen, wunderbaren Heiland haben wir doch! Welche Hoheit ist in Ihm! Er ist wahrer Mensch, aber es ist das Wohlgefallen Gottes, daß in Seiner Menschheit vie Fülle der Gottheit wohnen sollte; Er ist das vollkommene Ebenbild des unsichtbaren Gottes. Alle Creatur ist von Ihm erschaffen, der Selbst vor aller Creatur ist; Alles ist Ihm unterthan. Ist Er mein Herr, so darf ich nichts fürchten; denn auch Teufel, Tod und Gericht sind Jesu unter die Füße gethan. Rechten Jüngern Jesu ziemt es, daß sie Frieden haben über alle Vernunft, weil Jesus eben ihr Herr ist. Da dieſer Jesus das Werk unsrer Versöhnung auf Seine Schultern genommen hat, so hat es Ihm nicht fehlen können. Es ist Alles durch Ihn versöhnt; durch Sein Blut hat Er am Kreuze Frieden gemacht. Man lasse nur die armselige Menschenvernunft in diesen hohen Sachen nicht herrschen. Denn die Vernunft verdirbts mit ihren bösen Werken, mit Hoffart wider den lebendigen Gott, daß sie Gott meistern und erst nech fragen will, ob denn die Sünde wirklich so gefährlich sei, daß sie einen solchen Heiland und Sühner nöthig gemacht habe, ob man denn nicht auch ohne Christum glücklich sein könne und ob Jesus Christus eben der sei, als welchen Ihn die heilige Schrift zeigt. Und was dergleichen böse Werke der Vernunft mehr sind, wirklich böse Werke, die Einen in die Nacht des Todes bannen. Nein, laß dir die Sonne der göttlichen Wahrheit ins Angesicht leuchten. Was Jesus Christus am Kreuze gethan hat, das hat Er dir in der Taufe zugeschrieben, Gerechtigkeit und Wahrheit, Gottes Liebe und Gnade. Aber wie ist's 377 mit dem Glasken? Meinung ist kein Glaube, Menschensatzung kein Felsen: Glaube ift Gottes Wert, das Gott in den wahrhaftigen Herzen wirkt durch die Predigt des Evangeliums. Warum glaubst du nun nicht, daß Jesus Christus dein Herr ist, der dich verlornen Menschen mit Seinem Blute erkauft und gewonnen hat? Deine Vernunft in bösen Werken hindert's. Aber Gott befiehlt zu glauben, fest und unbeweglich und was Gott von dir fordert, will Er dir geben, so du es haben willst. Gebet. Herr Jesu Christe, ich weiß ja, daß der wahre christliche Glaube und das herzliche Vertrauen auf Deinen Namen eine edle, freie Gabe Gottes ist, die gegeben wird denen, die Deinem Worte gehorchen. Ich danke Dir, daß Du dies heilige Licht auch in meinem Herzen angezündet und mir gegeben hast, daß auch ich, obwohl noch mit großer Schwachheit, jedoch mit herzlichem Glauben all meine Zuversicht auf Dich allein setze. Mein Heiland, erhalte in mir den Glauben, auf daß ich mit herzlicher Zuversicht auf Dich traue, mich an Deinen himmlischen Gnadenschätzen allezeit ergöze und meine Lust an Dir haben möge. Amen. Vater Unser. Freitag nach Trinitatis. Mel.: Mach's mit mir, Gott, nach Deiner Gült'. Wer seine Seel' zu finden meint, Wird sie ohn' Mich verlieren; Wer sie hier zu verlieren scheint, Wird sie in Gott einführen. Wer nicht sein Kreuz nimmt und folgt Mir Ist Mein nicht werth und Meiner Zier. FLAT So laßt uns denn dem lieben Herrn Mit Leib und Seel' nachgehen Und wohlgemuth, getrost und gern Bei Ihm im Leiden stehen; Denn wer nicht kämpft, trägt auch die Kron Des ew'gen Lebens nicht davon. ( Vers 6 und 7 aus: Mir nach, spricht Christus.) Luc. 9, 57-62. Und sie gingen in einen andern Markt. Es begab sich aber, da sie auf dem Wege waren, sprach einer zu ihm: Ich will dir folgen, wo du hingeheft. Und Jesus sprach zu ihm: Die Süchse haben Gruben, und die Vögel unter dem Himmel haben efter; aber des Menschen Sohn hat nicht, da er sein Saupt hinlege. Und er sprach zu einem Andern: Solge mir nach. Der sprach aber: Serr, erlaube mir, daß ich zuvor hingehe und meinen Vater begrabe. Aber Jesus sprach zu ihm: Laß die Todten ihre Todten begraben; gebe du aber bin, und verkündige das Reich Gottes. Und ein Anderer sprach: Herr, ich will dir nachfolgen; aber erlaube mir zuvor, daß ich einen 378 Abschied mache mit denen, die in meinem Hause sind. Jefus aber sprach zu ihm: Wer seine Hand an den Pflug legt, und siehet zurück, der ist nicht geschickt zum Reich Gottes. Niemand fährt gen Himmel, als allein Christus, der vom Himmel ist. Joh. 3, 13. Er und sonst kein Mensch auf Erden; und darum wer in den Himmel kommen will, hat keinen andern Weg, als den, daß er sich in Christum versenkt, Christi Wesen und Leben in sich aufnimmt; nur so kann ein Mensch hinimlisch werden und gen Himmel fahren. Darum heißt es mit großen Ernste: folge Mir nach. Das ist so ernstlich gemeint, daß dort der Eine nicht einmal seinen Vater begraben und der Andere keinen Abschied machen darf. Selbst das hohe 4. Gebot und kein Ding auf Erden kann dem Gebote Jesu, Ihm nachzufolgen, etwas abbrechen. Aber was heißt denn, Jefu nachfolgen? Er hat auf Erden nicht gehabt und begehrt, wo Er Sein Haupt hinlegte. Arm ist Er geboren, arm gestorben, selbſt Sein einziges Kleid wurde Ihm genommen, Seinen Jüngern hinterließ Er nichts als das Kreuz und Seinen heiligen Leichnam mit den fünf Wunden. Aber Jesu Herz, ob Er wohl arm war, braunte von Liebe zu Gott und zu Seinen Brüdern. Gottes ewiges Reich das war Sein Thun und Treiben. Hierin, nämlich auf alle Scheingüter der Welt, auf Ehre und Wohlleben zu verzichten, dagegen Gott von ganzem Herzen zu lieben und Jedermann zu dienen sollen wir Jesu nachfolgen. O Seele, kannst du das, thust du das? Es ifst dir befohlen von Ihm Selber: folge Mir nach; siehe nicht zurück. Ach, es ist so wenig Zug in der Christenheit zu Jesu und nach Jesu. Man trägt in seinem Herzen so viele Banden, Augenlust, Fleischeslust und Hoffart. Schande, daß man sie so lange trägt; es sind doch Ketten und Bande, obwohl Viele sie für goldene Spangen achten. Man ist so eitel, so selbstliebig, so kleinlich, so lahm Gott zu lieben und nicht sich selbst, sondern dem Nächsten zu leben. Aber bedenke, was auf dem Spiele steht; dienst du der Sünde, so wird sie dir lohnen; bist du Jesu ergeben, so wirst du mit Ihm auffahren. Darum gehe in dich, besinne dich recht, wie Einer, der aus langem Schlafe endlich erwacht. Du bist getauft; da bist du mit Christo in Ein Wesen gekommen, der Geist der Herrlichkeit schwebt seitdem über dir und will einen Christenmenschen aus dir machen. So entschuldige nicht mehr an dir, was nicht zu entschuldigen ist. Folge und glaube dem Geiste Gottes, der dir das Elend deines Lebens und Sterbens aufdeckt. Bist du Ohr, dieser Geist redet in dir; bist du Auge, dieser Geist im Worte Gottes zeigt dir deinen einigen Heiland und Bräutigam der Seelen, der Seine Gnade im Schwachen mächtig macht und Seine Gläubigen anthut mit Kraft aus der Höhe, daß sie Ihm nachfolgen in der Liebe Gottes, in Geduld, in Demuth - 379 und Sanftmuth, in Lauterkeit und Weltverachtung. Jesus Christus ist es werth, daß man Ihm jeden Isaak opfert. Gebet. Barmherziger Gott, der Du uns wiederum Deiner Gnaden Licht hast lassen aufgehen, durch Jesum Christum unsern Herrn, erleuchte, ermahne und stärke unsre Herzen mit der Kraft Deines Heiligen Geistes, in festem Glauben und feuriger Liebe in allen Dingen zu thun, was Dein väterliches, gnädiges Wohlgefallen ist, zu Ehr und Lob Deines heiligen Evangelii, zu Trost und Nutz aller Gläutbigen in Christo. Dir sei Dank, Lob und Preis ewiglich. Amen. Vater Unser. Sonnabend nach Trinitatis. Mel.: Gott des Himmels und der Erben. Liebe, die Du mich zum Bilde Deiner Gottheit hast gemacht; Liebe, die Du mich so milde Nach dem Fall hast wiederbracht; Liebe, Dir ergeb' ich mich, Dein zu bleiben ewiglich. Liebe, die Du mich erkoren, Eh' als ich geschaffen war; Liebe, die Du Mensch geboren Und mir gleich wardst ganz und gar; Liebe, Dir ergeb' ich mich, Dein zu bleiben ewiglich. ( Vers 1 und 2 aus: Liebe, die Du mich zum Bilde.) 1 Joh. 4, 16-21. Gott ist die Liebe; und wer in der Liebe bleibet, der bleibet in Gott, und Gott in ihm. Daran ist die Liebe völlig bei uns, auf daß wir eine Freudigkeit haben am Tage des Gerichts; denn gleichwie Er ist, so sind auch wir in dieser Welt. Surcht ist nicht in der Liebe, sondern die völlige Liebe treibet die Surcht aus; denn die Surcht hat Pein. Wer sich aber fürchtet, der ist nicht völlig in der Liebe. Laffet uns ihn lieben; denn Er hat uns erst geliebet. So Jemand spricht: Ich liebe Gott," und baffer seinen Bruder, der ist ein Lügner. Denn wer seinen Bruder nicht liebet, den er siehet, wie kann er Gott lieben, den er nicht siehet? Und dies Gebot haben wir von ihm, daß, wer Gott liebet, daß der auch seinen Bruder liebe. Sott ott ist die Liebe, und wer in der Liebe bleibet, der bleibet in Gott und Gott in ihm." Gott ist die Liebe, so ertönt es durch alle Höhen und Tiefen der geschaffenen Welten. Das ist der Lobgefang, den die Seraphim vor Seinem Throne anstimmen, das ist der Jubelton, der sonderlich in dieser Frühlings- und Sommerpracht die ganze Schöpfung durchtönt. Und der Mensch, die Krone der Schöpfung Gott hat ihm Leib und Seele, Augen und Ohren, Vernunft und alle Sinne gegeben, und erhält und versorget ihn mit 380 aller Nothdurft und Nahrung des Leibes und Lebens, reichlich und gibt es für ihn eine andere Antwort auf das: Warum täglich das alles? als: Gott ist die Liebe. Und doch, wie sollte das Preisen der Liebe Gottes erst da recht anheben, wo die Sinne am Ende sind, wo der ,, neue Sinn," der Glaube anhebt! Gott ist die Liebe. Das haben uns alle bisher gefeierten Feiertage gepredigt. Das Grundthema aller Festgedanken vom Advent bis zum Dreieinigkeitsfest bleibt: Gott ist die Liebe. - Es gibt viele und große Uebel und Leiden in der Welt. Aber auch im Leiden ist Gott die Liebe, die heilige Liebe; denn Sein Wort sagt: wen der Herr lieb hat, den züchtigt Er. Er will nicht das Leiden, sondern die Frucht der Gerechtigkeit, die dadurch für den Himmel reifen soll. Gott schuf den Menschen Ihm zum Bilde; auch im Menschen ist Liebe. Der Mensch muß lieben, er kann nicht anders. Über die Liebe verirrt sich zur Kreatur, fie bleibt nicht in Gott; sie eilt zu dem, was in der Welt ist. Da schickt Gott in Seiner heiligen Liebe mancherlei Trübsal, die soll bei uns ausrichten, was ein Mann thun muß, der einen Luftball in die Höhe steigen lassen will; er muß die niedere, schwere Erdenluft darin durch Feuer so rein und dünn machen, daß sie der obern Himmelsluft gleich leicht ist; er muß die Stricke, die den Ball am Boden heften, alle losmachen, und so wie der letzte los ist, fliegt der Ball rasch in die höhere, reinere Luft. So soll das Leiden als ein Feuer die ErdenLuft in unserer Seele verdünnen, eitle, irdische, unreine Gedanken vertreiben, und die Bande lösen, mit denen wir im Dienst der Eitelkeit gefettet sind, damit der Geist nach Gott geschaffen in seinen Ursprung, in sein Element zurückkehrt, und wir in der Liebe Gottes bleiben, und Gott in uns. Gebet. Vertreibe, du dreieiniger Gott, alle Liebe zur Welt und zu dem, was in dieser Welt ist, aus unseren Herzen; gib uns mmer völliger Deine Liebe zu genießen, daß wir begreifen ihre Länge und Breite, Höhe und Tiefe, und wenn in uns die Sinne verzagen, und der Feind wird das Leben verklagen, so sprich durch Deinen heiligen Geist der verzagten Seele tröstlich zu: Ich habe dich je und je geliebet und aus lauter Gnade zu mir gezogen, daß wir einen gewissen, neuen Anlauf nehmen mit unserm: Liebe, Dir ergeb ich mich, Dein zu bleiben ewiglich. Amen. Vater Unser. dan 381 1. Sonntag nach Trinitatis. Mel.: Jesus, meine Zuversicht. Ewig wird das Erbe sein Derer, die an Christum gläuben Und ohn' allen Heuchelschein Treu in Seiner Liebe bleiben. Für das Leiden dieser Zeit Krönet sie die Ewigkeit. Ewig aber ist verflucht, Wer die Zeit in seinem Leben Zu verschwenden hat gesucht Und sich eitler Luft ergeben. Diesem bringt die Ewigkeit Endlich ein unendlich Leid. ( Vers 3 und 4 aus: Ewig, ewig! heißt tas Wort.) Luc. 16, 19-31. Es war aber ein reicher Mann, der leidete sich mit Purpur und köstlicher Leinwand, und lebte alle Tage herrlich und in Freuden. Es war aber ein Armer, mit Namen Lazarus, der lag vor feiner Thür voller Schwåren; und begebrete sich zu sättigen von den Brosamen, die von des Reichen Tische fielen; doch famen die Hunde, und leckten ihm seine Schwären. Es begab sich aber, daß der Arme starb, und ward getragen von den Engeln in Abrahams Schook. Der Reiche aber ftarb auch, und ward begraben. Als er nun in der Sölle und in der Qual war, hob er seine Augen auf, und sabe Abraham von ferne, und Lazarum in seinem Schooß. Rief, und sprach: Vater Abraham, erbarme dich meiner, und sende Lazarum, daß er das Neußerste seines Singers in's Waffer tauche, und kühle meine Junge, denn ich leide Pein in dieser Slamme. Abraham aber ſprach: Gedenke, Sohn, daß du dein Gutes empfangen haft in deinem Leben, und Lazarus dagegen hat Böses empfangen; nun aber wird er getroffet, und du wirst gepeiniget. Und über das alles ist zwischen uns und euch eine große Kluft befeftiget, daß die da wollten von binnen binabfahren zu euch, können nicht; und auch nicht von dannen zu uns herüberfahren. Da sprach er: sprach er: So bitte ich dich, Vater, daß du ihn sendeft in meines Vaters Saus; denn ich habe noch fünf Brüder, daß er ihnen bezeuge, auf daß sie nicht auch kommen an diesen Ort der Qual. Abrabam sprach zu ihm: Sie haben Mosen und die Propheten; laß sie dieselbigen bören. Er aber sprach: Nein, Vater Abrabam; sondern wenn einer von den Todten zu ihnen ginge, so würden sie Buße thun. Er sprach zu ihm: Sören sie Mosen und die Propheten nicht, so werden sie auch nicht glauben, ob jemand von den Todten auferstånde. Weil er sich für die Hölle eignet, darum kommt der reiche Mann hinein, und weil Lazarus ein Kind der Gnade und Wahrheit ist. darum geht er in das ewige Reich Gottes. Es kommt jeder endlich an seinen Ort. In diesem Leben war der reiche Mann besser als ihrer viele sind; denn man liest nicht, daß er sich besonderer Missethaten um des Mammons willen schuldig gemacht hat. Doch er war cin reicher Mann das ist das Vorzüglichste, was von ihm zu sagen 382 ist. Ein üppiges Leben ist im Gefolge seines Reichthums, Zeit und Luft zu göttlichen Geschäften finden sich nicht bei ihm. Und weil er nicht sammelt aus den göttlichen Gnadenschätzen, so hat er nicht. Noch in der Ewigkeit bricht der böse Grund seines Herzens hervor; er sagt: nein, Vater Abraham. Dieses Nein, das er dem Vater der Gläubigen entgegengesetzt, fennzeichnet allein schon den reichen Mann als ein ungebrochenes, hoffärtiges, widerstrebendes Herz, und wie sollte solch Herz in den Himmel kommen, wo man in Einigkeit lebt mit allen Auserwählten. Der reiche Mann hat in diesem Leben keinen Eingang in Gott gehabt durch einen herzlichen, völligen Glauben; darum hat er auch keinen Ausgang aus Gott in barmherziger Liebe gefunden. Weil bei dem reichen Manne die Seligpreisung: ,, selig sind die geistlich arm sind, denn das Himmelreich ist ihr" nicht stattfindet, findet sich auch die andere nicht: selig sind die Barmherzigen, denn sie wer= den Barmherzigkeit erlangen. Solche todte kalte Herzen gehören in die Hölle. Lazarus, weil er ist, was er heißt, ein Gotthilf, kommt in den Schooß Abrahams. Hier gilt nicht Mann noch Weib, nicht Herr noch Knecht, sondern ob Jemand ein Lazarus, ein Gotthilf ist. David im königlichen Purpur ist solch ein Lazarus gewesen. Gott, der lebendige Gott ist die Zuversicht und Hülfe des Lazarus. Das ist der Heilige Geist, der uns erleuchtet, daß wir Alles für Staub und Asche erkennen, dagegen von Gottes Gericht, Gottes Gnade, Gottes Willen, Gottes Wort völlig eingenommen sind. Bei Abraham ist es auch so gewesen. Darum ist auch die Spitze dieser Geschichte, daß man Gottes Wort hören soll. Dasselbe soll ernstlich gepredigt und ernstlich angenommen werden. So zerstört es alle Einbildungen und führt in eine demüthigende Selbstprüfung und in ein vernichtendes Selbstgericht. Man wird ein Lazarus und muß das Thränenbrod wahrer Selbsterkenntniß effen. Dann ist Gott aber auch nicht wie die Welt, die nur Hunde hat, um Barmherzigkeit zu üben. Gott ist barmherzig und offenbart den Elenden und Betrübten Seinen lieben Sohn, an welchem man Gerechtigkeit, Weisheit, Heiligung und Erlösung findet. Gebet. Hilf lieber Herr Gott, daß wir in Armuth nicht verzagen, noch in Wohlfahrt Deine Gaben mißbrauchen und das Herz an das Zeitliche hängen, sondern im rechten Glauben, Liebe und Ge duld warten auf ein ander Leben, welches Du nach diesem Elend Deinen Gläubigen geben wirst durch Christum Deinen Sohn unsern Herrn. Amen. Vater Unser. 383 Montag nach dem 1. nach Trinitatis. Eigene Melodie. Eins ist noth! Ach Herr, dies Eine Seele, willst du dieses finden, Lehre mich erkennen doch! Such's bei feiner Creatur; Alles Andre, wie's auch scheine, Ist ja nur ein schweres Joch, Laß, was irdisch ist, dahinten, Schwing dich über die Natur, Darunter das Herze sich naget und Wo Gott und die Menschheit in Einem vereinet, plaget Und dennoch kein wahres Bergnügen erjaget. Wo alle vollkommene Fülle erscheinet; Erlang' ich dies Eine, das Alles ersetzt, So werd' ich mit Einem in Allem er götzt. Da, da ist das beste, nothwendigste Theil, Mein Ein und mein Alles, mein seligstes Heil. ( Vers 1 und 2 aus: Eins ist noth! ach Herr.) Ezech. 33, 7-12. errettet. Und nun, du Menschenkind, ich habe dich zu einem wächter gesetzt über das Saus Israel: wenn du etwas aus meinem Munde höreft, daß du sie von meinetwegen warnen follst. Wenn ich nun zu dem Gottlosen sage: ,, Du Gottloser mußt des Todes sterben;" und du sagst ihm folches nicht, daß sich der Gottlose warnen laffe vor seinem wesen: so wird wohl der Gottlofe um seines gottlosen wesens willen sterben, aber sein Blut will ich von deiner Sand for dern. Warneft du aber den Gottlosen vor seinem Wesen, daß er sich davon bekehre; und er sich nicht will von seinem Wesen bekehren: so wird er um seiner Sünde willen sterben; und du haft deine Seele Darum, du Menschenkind, fage dem Hause Israel: Ibr ſprechet also: Unsere Sünden und Missethat liegen auf uns, daß wir darunter vergehen; wie können wir denn leben?" So sprich zu ihnen: So wahr als ich lebe, spricht der Herr Herr, Ich habe keinen Gefallen am Tode des Gottlofen, sondern daß sich der Gottlose bes Fehre von seinem Wesen und lebe. So bekehret euch doch nun von eurem bösen Wesen. Warum wollt ihr sterben, ihr vom Bause Israel? Und du, Menschenkind, sprich zu deinem Volk: Wenn ein Gerechter Böses thut, so wird es ihm nicht helfen, daß er fromm gewesen ist; und wenn ein Gottloser fromm wird, so soll es ihm nicht schaden, daß er gottlos gewesen ist. So kann auch der Gerechte nicht leben, wenn er fündiget. Prediger sind Haushalter über Gottes Geheimnisse und Diener Christi. Darum sollen es treue und, weil in diesem Leben viel Anfechtung ist, tapfere Leute sein. Jhr Auftrag betrifft die allerwichtigsten Angelegenheiten, Tod oder Leben der unsterblichen Menschenseelen. Gottlose sollen sich bekehren, Bekehrte sollen nicht rückfällig werden. Daß sich der Mensch sowohl bekehren muß, als auch kann, versichert Gott eidlich. Beides wird in der Welt geleugnet. Man ist geneigt, bei lasterhaften Menschen eine Besserung gutzuheißen; aber 384 daß jeder Mensch sich von seinem Wesen bekehren müsse, will man nicht. Warum nicht? Weil man aus Hoffart nicht erkennen will, daß man böse ist; wer aber böse ist, bleibet nicht vor Gott. Oder sagt man, es sei unmöglich für einen Menschen, wirklich nach Gottes Willen zu leben. Wie sollte das aber unmöglich sein, was Gott will, was Gott so ernstlich fordert: bekehrt euch doch von eurem bösen Wesen! Es ist auch die schrecklichste Unbesonnenheit, sich nicht zu be= kehren, wie Gott klagend spricht: Warum wollt ihr sterben, ihr vor Hause Ifrael? Also nöthig, möglich, dringlich ist es, daß wir uns zu Gott bekehren. Wie soll es denn geschehen? Abraham hat dem reichen Manne den Weg angezeigt. Gottes heiliges Wort ist das Mittel. Daffelbe soll man hören, d. h. glauben, demselben beifallen, gehorchen, jetzt und immer. Thut das deine Seele, so wird sich alles Andere finden. Suchende finden, Bittenden wird gegeben, Anklopfenden wird aufgethan. Eins beachte aber noch: gottlos gewesen, schadet nicht; fromm gewesen, nüßt nicht. Aber das führt zum Leben: heute sich herzlich zu dem ewigen Gott wenden und morgen wieder und nimmer aufhören. Jede Wendung zu Gott schließt aber Abwendung vom Bösen in sich; je kräftiger Einer sich wendet zu dem lebendigen Gott, um so kräftiger wird und muß er sich von dem bösen Wesen abwenden. Wer Ja sagt zu den Geboten und Rechten Gottes, sagt Nein zu allen Lüsten und Begierden des eigenen Herzens, zu dem argen, falschen Wesen der Welt! Gebet. Lieber Gott und Herr, wir empfinden, daß unsere Gliedmaßen zur Sünde geneigt sind und daß Welt, Fleisch und Teufel in uns regieren wollen und also Deine Ehre und Namen austreiben. Darum bitten wir: hilf uns aus diesem Elende, laß Dein Reich kommen, daß die Sünde vertrieben und wir fromm werden. Regiere Du allein in uns und über uns und laß uns in Dein Reich kommen durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. Vater Unser. Dienstag nach dem 1. nach Trinitatis. Mel.: Gott des Himmels und der Erde. Ehr ist Rauch, willst du den fangen? Golb ist nichts, denn rothe Erd, Trägest du danach Verlangen? Lust ist ganz und gar nichts werth, So bie Erde uns erzeiget, Wenn sie nicht vom Himmel steiget. Wirf doch hin, was dich beschweret, Christus will dein eigen sein, Der Sich gnädig zu dir kehret Und dich zu Sich ladet ein; Freundlich will Er den umfangen, Der nach Ihm nur trägt Verlangen. ( Bers 3 und 12 aus: Steh boch, Seele, fteh boch stille.) 385 5 Mose 9, 13-21. Und der Herr sprach zu Mose: Ich sehe, daß dies Volk ein balsstarrig Volk ift; laß ab von mir, daß ich sie vertilge, und ihren Tamen austilge unter dem Simmel; ich will aus dir ein stärker und größer Volk machen, denn dies ist. Und als ich mich wandte, und von dem Berge ging, der mit Seuer brannte, und die zwo Tafeln des Bundes auf meinen beiden Sånden batte; da sabe ich, und siebe, da battet ihr euch an dem Serrn, eurem Gott, verfündiget, daß ihr euch ein gegoffen Kalb gemacht, und bald von dem Wege getreten waret, den euch der Herr geboten hatte. Da faffete ich beide Tafeln, und warf sie aus beiden Sånden, und zerbrach sie vor euren Augen, und fiel vor dem Herrn, wie zuerst, vierzig Tage und vierzig Mächte, und aß kein Brod, und trank kein Wasser, um aller eurer Sünden willen, die ihr getban battet, da ihr solches Llebel thatet vor dem Herrn, ihn zu erzärnen. Denn ich fürchtete mich vor dem Jorn und Grimm, damit der Herr über euch erzúrnet war, daß er euch vertilgen wollte. Aber der Serr erhörete mich dies Mal auch. Auch war der Herr sehr zornig über Aaron, daß er ihn vertilgen wollte; aber ich bat auch für Aaron zur felbigen Seit. Aber eure Sünde, das Kalb, das ihr gemacht hattet, nahm ich, und verbrannte es mit Seuer, und zerschlug es, und zermalmete es, bis es Staub ward, und warf den Staub in den Bach, der vom Berge fließet. Noch vor kaum sechs Wochen hatte das Volk Israel am Berge Sinai die augenscheinlichsten Beweise von der Macht und Herrlichkeit des lebendigen Gottes erhalten. Das Volk war auf das Höchste erschrocken; man sollte denken, das Volk hätte sich nun von Herzen zu dem lebendigen Gott bekehrt. Aber nach 40 Tagen mach)ten sie ein golden Kalb. Was geht doch aus dem menschlichen Herzen! Unvernunft, Gotteslästerung, Undankbarkeit, List und Schalksauge. Ja, Schalksauge, wie bei Aaron, der, statt ernstlich zu widerstehen, einen Ausweg zu finden hoffte, indem er das goldene Kalb machen ließ und dachte, man solle darin ein Bild des wahren Gottes verehren. Aber ein goldenes Kalb ist nun einmal nicht der wahre Gott; mit Götzendienst fingen sie an, mit Fleischesluft hörten sie auf. Als Mose, der Mann Gottes, zum Volfe zurückkam, zerschlug er das goldene Kalb und rief: Her zu mir, wer dem Herrn angehört! Was willst du daraus lernen? Erstens deine Unbeständigkeit im Guten; heute erschrocken vor dem lebendigen Gott und zu Ihm hingezogen und morgen der elendeste Götzendiener. Wer sich auf solch ein Herz verläßt, ist wirklich ein Narr. Zweitens lerne dich selbst kennen. Abgötterei ist eine schändliche Sünde. Und ist nicht Geiz Abgötterei? Und ist nicht jeder Mensch, der den eigenen Willen, eigene Ehre, eigene Vernunft mehr liebt, als den dreieinigen Gott, ein Götzendiener? Sollte nicht bei uns Allen große Gefahr des Gözendienstes sein, da die Schrift so vielfach davor warnt? Drittens aber, wenn 25 - Mofe so sehr eifert gegen das goldene Kalb, so laßt uns bedenken, daß Mose ein treuer Diener Gottes ist; Gott Selbst, der ein eifriger, starter Gott ist, will Seinen Ruhm nicht den Gözen lassen. Ich der Herr spricht Er- das ist Mein Name. Endlich viertens sollen wir keine Entschuldigungen und Ausflüchte suchen wegen unseres Herzens, sondern dem strafenden Geiste Gottes Naum geben, der uns die falschen Götter aufdeckt. Wer seine Missethat leugnet, dem gelingt es nicht. Es ist ein Großes um ein wahrhaftiges Herz, um ein Auge, das einfältig ist und die Sachen sieht, wie sie sind. Und wer so sich selber kennen lernt, wird sich auf fromme Empfindun gen nicht verlassen, weil dieselben nicht beständig sind, sondern sich flammern allein an den lebendigen Sünderheiland und sich von dem Lichte Seines Wortes erleuchten lassen. Bin ich ohne Sein Wort, so bin ich ohne Seinen Geist. 386 Gebet. Ewiger Gott, es ist Dein hoher Ernst, daß Du willst mein Gott sein. Dafür soll ich Dich allein in Furcht, Liebe und Vertrauen bei Verlust meiner ewigen Seligkeit erkennen und soll mein Herz auf sonst nichts bauen, es sei Gut, Gewalt, Ehre oder eine einige Creatur. Ich danke Dir für solche schöne Lehre und bitte Dich, laß mich Deiner nie vergessen, keine andern Götter auf Erden suchen, sondern allein an Dir bleiben. Amen. Bater Unser. 1766 Mittwoch nach dem 1. nach Trinitatis. Ringe recht, wenn Gottes Gnade Dich nun ziehet und bekehrt, Daß dein Geist sich recht entlade Von der Laft, die ihn beschwert. Eigene Melodie. Nimm mit Furcht ja beiner Seele, Deines Heils mit Zittern wahr. Hier in dieser Leibeshöhle Schwebst du täglich in Gefahr. ( Vers 1 und 7 aus: Ringe recht, wenn Gottes Gnabe) Jerem. 8, 4-9. Darum sprich zu ihnen: So spricht der Herr: Wo ist Jemand, fo er fällt, der nicht gerne wieder aufstånde? Wo ist Jemand, so et irre gehet, der nicht gerne wieder zurechtkame? Toch will ja dies Volk zu Jerusalem irregeben für und für. Sie halten so hart an dem falschen Gottesdienst, daß sie sich nicht wollen abwenden laffen. Ich sehe und böre, daß sie nichts Rechtes lehren. Keiner ist, dem feine Bosheit leid wäre, und sprache: Was mache ich doch?" Sie laufen alle ihren Lauf, wie ein grimmiger Hengst im Streit. Ein Storch unter dem Simmel weiß seine Zeit, eine Curteltaube, Kranich " 1 387 und Schwalbe merken ihre Jeit, wenn sie wiederkommen sollen; aber mein Volk will das Recht des Herrn nicht wissen. Wie möget ibr doch sagen: ,, wir wisfen, was recht ist, und haben die heilige Schrift vor uns?" Jft es doch eitel Lügen, was die Schriftgelehrten setzen. Darum müffen solche Lehrer zu Schanden, erschreckt und gefangen werden; denn was können sie Gutes lehren, weil sie des Herrn Wort verwerfen? Ist es nicht so in dem es nicht so in dem gewöhnlichen Leben, wie der Herr spricht, daß Einer, der da fällt, gerne wieder aufsteht, und daß ein irre Gehender gerne wieder zurechtkommt? Wenn das in dem leiblichen Leben so ist, warum ist es nicht ebenso in der Hauptsache, in unserm Verhältnisse zu Gott? Wahrlich, es bringt doch jedem Menschen Jammer und Herzeleid, den Herrn unsern Gott verlaffen. Es gibt gar keinen sauerern Dienst, teine bitterere Tyrannei als die Sünde und den gottlosen, eigenen Willen. Ist Hader und Zant, Lüge und Heuchelei, Weltliebe und Ehrgeiz nicht ein saures Brod? So sollte man denken, es werde jeder Frrende gern zurechtkommen und ein Gefallener gerne aufstehen. Aber dem ist nicht so; Thiere wissen die Zeit, die ihnen bequem ist, wiederzukehren, Menschen nicht. Warum ist es denn so schwer, daß ein Menschenkind von ganzem Herzen und beständig zu dem großen, reichen Gott umkehrt? Das hat viele Ursachen, sei es, daß man einen falschen Gottesdienst treibt und sich theilt zwischen Gott und der Welt, sei es, daß man in allerlei Vorurtheilen gegen den wahren Glauben steht, als sei derselbe unmöglich und unnöthig, erzeuge Heuchelei, mache für dieses Leben unbrauchbar, bringe um Ehre und Ansehen; von dem Allen ist das gerade Gegentheil wahr. Aber die Hauptursache, warum man auch alle Hindernisse nicht überwindet, ist die, daß das Herz stolz ist und will sich nicht beugen. Und ohne Beugung geht es nicht ab. Die heilige Schrift leitet den, der feinen Scherz mit ihr treibt, zur Selbstprüfung an; das führt in Unruhe und Angst, in Niedrigkeit und Beugung des Geistes. D, wer diesen Weg ginge! Gott bietet eine Fülle von Trost und Hülfe; aber was soll Sicheren der Trost, was soll dem Dünkelhaften die Hülfe Gottes? Mensch, bedenke das Ende, den Tod, das Gericht. Gottes Wort lehrt dich Alles. Wirst du dieses Wort verwerfen, so verwirft Gott dich. Wirst du aber Gott suchen, so soll dein Herz leben. Bedenke, du sollst aufstehen, nicht hinuntergestoßen werden; du sollst zurechtkommen, nicht in die Wüste gejagt werden. Das will Gott; warun willst du es nicht? Ach, wüßten wir es also recht, was zu unferm Frieden dient! - Gebet. Allmächtiger Gott, der Du bist ein Helfer aller Elendent, ohne dessen Gnade Niemand Etwas vermag, laß uns Deine Barmherzigkeit reichlich widerfahren, auf daß wir durch Dein heilig Ein25* geben denken, was recht ist, und durch Deine Wirkung dasselbe vollbringen um Jesu Christi Deines Sohnes, unseres Heilandes, willen. Amen. 2009 Vater Unser. 388 Donnerstag nach dem 1. nach Trinitatis. JIDO E and Mel.: Wie nach einer Wasserquelle. Schaffet, schaffet Menschenkinder, Schaffet eure Seligkeit! Bauet nicht wie freche Sünder Nur auf gegenwärt'ge Zeit, Sondern schauet über euch, Ringet nach dem Himmelreich Und bemühet euch auf Erden, Wie ihr möget felig werden. 13) 1 Daß nun dieses mög' geschehen, Dürft ihr nicht nach Fleisch und Blut Und desselben Neigung gehen; Sondern was Gott will und thut, Das muß ewig und allein Eures Lebens Richtschnur sein, Es mag Fleisch und Blut in allem Uebel oder wohl gefallen. ( Vers 1 und 2 aus: Schaffet, schaffet Menschenkinder.) Phil. 2, 12-18. Also, meine Liebsten, wie ihr allezeit seid geborsam gewesen, nicht allein in meiner Gegenwärtigkeit, sondern auch nun viel mehr in meinem Abwesen; schaffet, daß ihr selig werdet mit Surcht und Jittern. Denn Gott ist es, der in euch wirket beides, das wollen und das Vollbringen, nach seinem Wohlgefallen. Thut Alles ohne Murs ren, und ohne Zweifel, auf daß ihr seid ohne Tadel, und lauter, und Gottes Kinder, unstråflich mitten unter dem unschlachtigen und vers kehrten Geschlecht, unter welchem ihr scheinet, als Lichter in der Welt; damit, daß ihr baltet ob dem Wort des Lebens, mir zu einem Ruhm an dem Tage Chrifti, als der ich nicht vergeblich gelaufen, noch vergeblich gearbeitet habe. Und ob ich geopfert werde über dem Opfer und Gottesdienst eures Glaubens, so freue ich mich, und freue mich mit euch allen. Deffelbigen follt ihr euch auch freuen, und sollt euch mit mir freuen. In dem irdischen Leben ist es so, daß Gott das Brod gibt, der Mensch aber darum arbeiten muß, und bei aller Arbeit ist es doch Gott allein, der segnet, speist und erhält. So ist's auch in den göttlichen Dingen. Gott allein ist es, der Wollen und Vollbringen wirket; der Mensch ist von sich selber nicht einmal tüchtig, etwas Gutes zu denken. Sieh, so wirket Gott in dir; Er erinnert dich an die Missethat deiner Sünde, Er läßt dich keine Ruhe finden in der ganzen Welt, Er läßt Furcht und Scham in deine Seele kommen, Er gibt einem bußfertigen Menschenherzen Kraft und Freiheit, an Jesum Christum zu glauben. Du sprichst: ich merke nichts davon, daß Gott wirklich 389 in mir wirket. Warum merkst du es nicht? Weil du es nicht willst, weil du auf dein Gewissen, auf die Geheimnisse deines Herzens nicht achtest. Würdest du stille und aufmerksam sein auf das, was in dir ist, du würdest den schaffenden Gott in dir spüren. Dahin aber gehen alle Wirkungen Gottes, daß du deine Sünden rechtschaffen erkennen und Christum, den einigen Heiland, in wahrem Glauben ergreifen follst. Da siehe denn zu, weil du nur einmal lebst, und, dafern du dir die Gnade Gottes nicht aneignest, im Zorne Gottes umkommen mußt, daß du das Werk Gottes in dir nicht verdirbst. Mit Furcht und Zittern schaffe doch, daß du die Einwirkungen Gottes, die Er auf dich durch Sein Wort vollbringt, nicht verdirbst und zerstörst. Und fragst du, wie soll ich das machen, so ist die Antwort: gib dich ganz und ungetheilt, beständig dem Worte des lebendigen Gottes hin; dieses Wortes Geist laß in dir walten und wirken, so wirkt Gott in dir, was zu deinem Leben nöthig ist, Licht, Erkenntniß, Weisheit, Stärke. Haltet ob dem Worte des Lebens. Dieses Wort führt in eine tiefe Furcht vor dem allwissenden und allgegenwärtigen Gott, in einen findlichen Glauben an den wahrhaftigen Gott. Ohne Murren, d. h. fröhlich und findlich müsse das von Statten gehen, wie ein Durstiger ohne Murren immer wieder die frische Wasserquelle sucht; ohne Zweifel, d. h. mit wahrhaftigem Glauben an den unsichtbaren, gnädigen Gott sei es auch. Denn warum zweifeln, wo man lauter Wahrheiten in Händen hat? Der Gewinn und Ertrag solch eines Geheimlebens des Herzens mit und in dem lebendigen Gott wird nicht auf sich warten lassen. Man wird angethan werden mit göttlichen, heiligenden, überwindenden Lebenskräften, stärker sein wie ein Riese, indem man alle Tücke des eigenen Herzens niedertritt, alle Bitterfeiten dieses Erdenlebens, die uns Gott so häufig auch in dem Häuslichen Leben zu schmecken gibt, mit Geduld täglich trägt. Ja als ein Wunder der Welt werden rechtschaffene Jünger Jesu, die geheiligt sind durch Sein Wort, scheinen als Lichter in der Welt, lauter und unsträflich unter dem unschlachtigen und verkehrten Geschlechte. Ein Licht hat oft etwas lästiges und Durchdringendes, oft und meist aber etwas Wohlthuendes. So ist ein Christenmensch in dieser Welt. Gebet. Gerechter Gott, richte meinen Muth und Sinn dahin, daß ich Dich fürchte und Dir allein diene aus Liebe, von ganzer Seele. Mache mich fromm von inwendig heraus in's Auswendige; tehre ab von mir, was nicht ganz Dein ist. Senke mich in Dich, daß ich meinen Willen Dir überlasse, auf daß ich von Dir regiert werde; denn meine und aller Creaturen Hülfe kann mir nicht rathen. Schaffe, daß ich nicht in Sünden gerathe oder darin verharre. Sammile meine Seele zu Dir und erhalte mich bis an mein letztes Seufzen in einem friedlichen Gewissen. Amen. Vater Unser. 390 Freitag nach dem 1. nach Trinitatis. Mel.: Freu' bich sehr, o meine Seele. Rein See kann sich so ergießen, Rein Grund kann so grundlos sein, Rein Strom so gewaltig fließen, Gegen Gott ist Alles klein; Gegen Gott und Seine Huld, Die Er über unsre Schuld Alle Tage läsfet schweben Durch das ganze Sündenleben. Mein Gott, öffne mir die Pforten Solcher Wohlgewogenheit; Laß mich allzeit aller Orten Schmecken Deine Süßigkeit! Liebe mich und treib mich an, Daß ich Dich, so gut ich kann, Wiederum umfang und liebe Und ja nun nicht mehr betrübe. ( Vers 9 und 12 aus: Weg, mein Herz, mit den Gedanken.) Hebr. 11, 23-29. Durch den Glauben ward Moses, da er geboren war, drei Mo nate verborgen von seinen Eltern, darum, daß sie sahen, wie er ein schon Kind war; und fürchteten sich nicht vor des Königs Gebot. Durch den Glauben wollte Moses, da er groß ward, nicht mehr ein Sohn beißen der Tochter Pharao's. Lnd erwählete viel lieber, mit dem Volk Gottes Ungemach zu leiden, denn die zeitliche Ergonung der Sünde zu baben; und achtete die Schmach Chrifti für größern Reichthum, denn die Schårze Egyptens: denn er sabe an die Belohnung. Durch den Glauben verließ er Egypten, und fürchtete nicht des Königs Grimm; denn er hielt sich an den, den er nicht sabe, als fabe er ihn. Durch den Glauben hielt er die Offern und das Blutvergießen, auf daß, der die Erftgeburten würgete, sie nicht tråfe. Durch den Glauben gingen sie durch das rothe Meer, als durch trocken Land; welches die Egypter auch versuchten und erfoffen. Durch den Glauben so hebt jedesmal die Erzählung der großen Thaten an, die Moses vollbracht hat. Der Glaube Mosis war fein müßiges, todtes Fürwahrhalten. Denn mit allem Wissen und Begreifen kann man weder sein Herz noch die Welt bezwingen. Der Glaube, den Gottes Wort lehrt, und der allein dieses Namens würdig ist, wird allein von Gott Selbst in unseren Herzen gezeugt, nicht ohite Mittel sondern durch die Mittel des Wortes und der heiligen Sacramente. Da entsteht der Glaube, wo ein Herz wie ein zubereiteter Acker das Wort Gottes als einen Samen empfängt und diesen Samen sowohl in der Tiefe wurzeln, als in die Breite und Höhe wachsen läßt. Es ist ein Wachsthum, d. h. etwas Allmähliges. Bei diesem Glauben ist es unmöglich, daß der Mensch sollte unfruchtbar sein, son dern es ist ein Leben und Weben im Herzen, ein Ringen und Streiten, daß man im Glauben stark werde. Biermal hebt die Heilige Schrift über Mofe an: durch den Glauben. Und nun sieh hin auf die 391 Thaten, die Mose that. Sein Glaube war ein Licht, darum konnte er den Unwerth der Dinge, nämlich die zeitliche, erbärmliche Ergötzung der Sünde, den Reichthum Egyptens, der doch noch kein Herz glücklich gemacht hat, erkennen; darum konnte er den Werth und die Herrlichkeit des ewigen Lebens, die starke Gotteshand ansehen, die durch's rothe Meer führt so leicht, als ein Riese einen Faden zerreißt. Sein Glaube war Leben und Kraft; darum konnte er sich in dem Worte Gottes an Gott Selbst, den er nicht sahe, halten, als sähe er Ihn; darum führete er kein kümmerliches Klageleben, sondern stärkte sich in Gott. Wie viel mehr sollen Gläubige des neuen Bundes ein völliges Vertranen zu Gott haben, nachdem Christus durch Sein einmaliges Opfer uns das ewige Wohlgefallen Gottes erworben hat! Freilich hat Mose die großen Glaubensthaten nicht hintereinander fort verrichtet, sondern nach und nach. Was that er in der Zwischenzeit? Er sammelte Kräfte und übte sich, wie ein Streiter vor der Schlacht, So damit er, wo es sich darum handelt, Widerstand thun kann. sollen wir auch thun; wir dürfen nicht laß werden im Guten, sondern sollen täglich durch Gottes Wort und Gebet unsern Glauben stärken und in den kleinen Dingen tren sein als Diener Gottes. Es kommen dann auch besondere Proben, wo es gilt, das Irdische zu verachten und durch ein Meer von Sorgen und Zweifeln und Sünden hindurchzuschreiten wie durch trocken Land dort am rothen Meere; denn Gott ist herrlich mit uns, so wir vor Ihm erfunden werden als rechtschaffene Hörer und Thäter Seines ewigen Wortes. Sammle du fleißig, Gott wird deinen Reichthum im Glauben mehren. Gebet. Herr Jesu Christe, ich weiß ja, daß der wahre christliche Glaube und das Herzliche Vertrauen auf Deinen Namen eine Gabe Gottes ist, die gegeben wird denen, die Deinem Worte gehorchen. Ich danke Dir, daß Du dieses heilige Licht auch in meinem Herzen angezündet hast und bitte Dich, Du wolleft in mir und allen Gläubigen solchen Glauben mehren, läutern und siegreich werden lassen. Amen. Vater Unser. SIRS and rich Ho 2012 300 Mil mmel 3 st Citra 392 Sonnabend nach dem 1. nach Trinitatis. Eigene Melodie. Herzlich lieb hab' ich Dich, o Herr, Ich bitt', wollst sein von mir nicht fern Mit Deiner Hülf' und Gnaden. Die ganze Welt nicht freuet mich, Nach Himmel und Erde nicht frag' ich, Wenn ich nur Dich kann haben; Und wenn mir gleich mein Herz zerbricht, So bist Du doch mein' Zuversicht, Mein Theil und meines Herzens Trost, Der mich durch Sein Blut hat erlöst. Herr Jesu Christ, Mein Gott und Herr, Mein Gott und Herr, In Schanden laß mich nimmermehr. Es ist ja, Herr, Dein G'schenk und Gab', Mein Leib und Seel' und was ich hab' In diesem armen Leben. Zum Nutz und Dienst des Nächsten mein, Damit ich's brauch' zum Lobe Dein, Wollst mir Dein Gnade geben. Behüt' mich Herr vor falscher Lehr', Des Satans Mord und Lügen wehr; In allem Kreuz erhalte mich, Auf daß ich's trag' geduldiglich. Herr Jesu Christ, Mein Herr und Gott, Mein Herr und Gott, Tröst mir mein Seel' in Todesnoth! ( Vers 1 und 2 aus: Herzlich lieb hab ich Dich, o Herr.) 1 Joh. 3, 13-18. Verwundert euch nicht, meine Brüder, ob euch die Welt baffet. wir wissen, daß wir aus dem Tode in das Leben gekommen sind; denn wir lieben die Brüder. Wer den Bruder nicht lieber, der blei bet im Tode. Wer seinen Bruder haffet, der ist ein Todtschlåger; und ihr wisset, daß ein Todtschläger nicht hat das ewige Leben bei ihm bleibend. Daran aber baben wir erfkannt die Liebe, daß Er sein Leben für uns gelaffen bat; und wir sollen auch das Leben für die Brüder laffen. Wenn aber Jemand dieser Welt Güter hat, und siehet seinen Bruder darben, und schließt sein Herz vor ihm zu: wie bleibt die Liebe Gottes bei ihm? Meine Kindlein, laffet uns nicht lieben mit Worten, noch mit der Junge; sondern mit der That und mit der Wahrheit. 197 Wenn der Herr zu den Zeichen der letzten Zeit rechnet, daß die Liebe wird in vielen erkalten," so stehen wir jetzt wohl am Anfange des Endes. Wo ist noch Liebe, brünstige Bruderliebe? Liebe in Worten, Heucheln, Händedrücken genug; Liebe aber in der That und Wahrheit, wozu die Epistel ermahnet, wo ist diese zu finden? Gott ist die Liebe, so hieß es in der Epistel des letzten Sonntags. Gott aber hat nicht mit Worten geliebt, sondern in der That und Wahrheit. Das bekundet sein weihnachtliches Erbarmen, deß ist Zeuge das Kreuz auf Golgatha. Wie feurige Koblen sollte solch' unermeslich großes Lieben schon unsere kalten Herzen in heilsamen Brand segen. Dazu kommt nun Johannes mit seinem geistlichen Liebeswecker in unserer Epistel. Man wendet gegen die Bruderliebe ein mit David: ,, Dafür, daß ich sie liebe, sind sie wider mich." Die Welt lohnt mit Undant. Man wärmt viel Schlangen am Busen. Da kommt Johannes mit seinem Liebeswecker und spricht: Verwundert euch nicht, ob euch 393 bie Welt haffet. Die Welt hat nur das Ihre Lieb. Gott hat die Ehre Sich vorbehalten, treuer Liebe zu lohnen. Es soll euch im Himmel wohl belohnet werden. Sehet varum nicht auf der Welt Undank sondern auf Gottes Befehl und Lohn, das heißt feurige Kohlen auf das Haupt des Feindes sammeln. Höret doch Gott nicht auf, uns Gutes zu thun, obschon wir es lange nicht immer mit Dank hinnehmen. Den Nächsten zu lieben, sagt Johannes weiter, birgt in sich einen unvergleichlichen Trost. Wir wissen, daß wir aus dem Tode zum Leben gekommen sind, denn wir lieben die Brüder. Denn das ist der unfehlbare Beweis des seligmachenden Glaubens, daß er in der Liebe thätig ist( Gal. 5, 6.), Der Glaube und die Liebe der Christen gehören zusammen. Ihr Glaube ist richtig, dem er ist durch Liebe sichtig. Sie dürfen nicht erschrecken, wenn Jacobus sagt: Zeige mir deinen Glauben mit deinen Werken. Nicht Todtschläger sollen wir sein durch Bruderhaß, schreibt Johannes weiter. Nicht blos Kain's Keule, Saul's Spieß, Joab's Schwert sind Mordwaffen, schon Kain's Verstellen der Geberde, Laban's Gesicht, das nicht war wie gestern und ehegestern, und Saul's Neiden führte von der verborgenen Lust des Herzens zum Verbrechen am Bruder. Vor allem aber soll uns das Erempel des Herzogs unserer Seligkeit zur Nachfolge reizen. Denn daran haben wir erkannt die Liebe, daß Er Sein Leben für uns gelassen hat, und wir sollen auch das Leben für die Brüder lassen. Zu Johannes, dem Bischof zu Jerusalem, tam einmal einer, der ihm dankte für seine Wohlthaten. Darüber ward der Bischof zornig, fuhr ihn an und sprach: Was dankest du viel? Ich habe noch lange nicht mein Blut für dich vergoffen, wie mein Herr Jesus mir geboten hat. Stände es also bei uns, und das walte Gott, daß es so sei, dann würden wir das Geringere gern opfern, der Welt Güter dahin geben mit offenem Herzen und lieben nicht nur mit Worten sondern mit der That und mit der Wahrheit. - Gebet. Herr Jesu hilf dazu; sieh' ich schäme mich vor Deinem Angesicht ob meines kalten und liebeleeren Herzens. Entzünde das Feuer Deiner göttlichen Liebe in meiner Seele, und laß Deinen Geist Zeugniß geben meinem Geist, daß ich vom Tode zum Leben hindurchgedrungen bin, dieweil ich die Brüder liebe zu Deinem Preis und meinem Heil! Amen. Bater Unser. $ 1 dins 394 2. Sonntag nach Trinitatis. Mel.: Jesus, meine Zuversicht. Das ist je gewißlich wahr Und ein Wort voll Heil und Leben, Daß Sich Jesus ganz und gar Für die Sünder hingegeben, Und daß durch Ihn Jedermann Ewig selig werden kann. Dein theuer werthes Wort, Das der Geist nicht nur anpreifet, Sondern sich auch immerfort Noch bei dem als wahr beweiset, Der sich ganz verloren sieht Und zu Jesu gläubig flieht. ( Vers 1 und 2 aus: Das ist je gewißlich.) Luc. 14, 16-24. Er aber sprach zu ihm: Es war ein Mensch, der machte ein groß Abendmahl, und lud Viele dazu. Und sandte seinen Knecht aus zur Stunde des Abendmahls, zu sagen den Geladenen: Kommt, denn es ist alles bereit. Und sie fingen an alle nach einander sich zu entschuldigen. Der erste sprach zu ihm: Ich habe einen Acer gekauft, und muß hinausgehen und ihn besehen; ich bitte dich, entschuldige mich. Und der andere sprach: Ich habe fünf Joch Ochsen gekauft, und ich gehe jest bin, sie zu besehen; ich bitte dich, entschuldige mich. Und der dritte sprach: Jch habe ein Weib genommen, darum kann ich nicht kommen. Und der Knecht kam, und sagte das seinem Herrn wieder. Da ward der Hausherr zornig, und sprach zu seinem Knechte: Gehe aus bald auf die Straßen und Gaffen der Stadt, und führe die Armen, und Krüppel, und Lahmen, und Blinden herein. Und der Knecht sprach: Herr, es ist geschehen, was du befohlen bast; es ist aber noch Raum da. Und der Herr sprach zu dem Knechte: Gehe aus auf die Landstraßen, und an die Jaune, und nöthige sie, herein zu kommen, auf daß mein Haus voll werde! Ich fage euch aber, daß der Männer keiner, die geladen sind, mein Abendmahl schmecken wird. Ein Mahl nennt der Heiland hier Sein Neich, das wahre Christenthum. Ein Mahl ist aber nichts Finsteres, Trübes, sondern etwas gar Angenehmes und für Hungrige sehr Erwünschtes. Die Speise, welche uns bei diesem Mahle geboten wird, ist Gott Selbst, der in Christo Jesu Mensch gewordene Gott. Das Herz kann nichts ergründen, was nicht in Ihm zu finden; es sei Leben oder Licht oder Weisheit oder Gerechtigkeit oder Heiligung, es ist Alles in Christo. Der Knecht ladet zum Mahle; das ist zuerst Johannes der Täufer und mit ihm Alle, die von Jesu Christo, dem einigen Herrn und Bräutigam unserer Seele zeugen. Johannes der Täufer schlug den Menschen alle Stüten entzwei, die sich ein Mensch macht und predigte ernstlich die Buße, daß man sein Leben anders ansehen, arm im Geiste, bekümmert um die Wahrheit werden solle. Die sich so weit bringen ließen, wies Johannes an Christum, das Lamm Gottes, und ermahnte 395 fie, sich in Christi Schule und Nachfolge zu begeben. Bei dem Herrn, der uns jetzt noch in der Predigt Seines Wortes und den hochwürdigen Sakramenten vorgetragen wird, findet man Gnade und viel Erlösung. Aber nur Suchende finden. und während die, welche nach dem lebendigen Gott hungern und dürften, satt werden, bleiben die selbstzufriedenen, satten Herzen leer, unbefriedigt. Schrecklich, wer nicht zu diesem Mahle kommt und, wie die im Evangelium, allerlei vorwendet. Man treibe seinen irdischen Beruf fleißig und tren, denn das will Gott; aber man wisse, daß dieses mühselige Erdenleben das Joch ist, worin Gott uns spannt, damit wir mürbe werden. Hingegen das Geistliche, die Einkehr in Gott, die Betrachtung des göttlichen Wortes, der Umgang mit dem Heilande sei einem kein Joch, sondern das hochtröstliche Mahl. Wer darf denn nun aber aus dem Joch der zeitlichen Dinge seinen Gott machen? Das ist Abgötterei. Und man hat doch nun einmal eine unsterbliche Seele, und die kann man mit allen Sachen nicht befriedigen sondern allein durch die Erkenntniß Christi, des Sohnes Gottes. Wie schrecklich darum, wer diese Speise, die einzige, nicht schmeckt, also in Ewigkeit hungern muß. Wie sehr soll es uns darum freuen, daß wir heute noch berufen werden mit dem Nufe: kommt, denn es ist Alles bereit. Seien es auch Krüppel over Lahme, oder wer es sei, sie sollen nur kommen und sich von nichts abhalten lassen. Es glaube nur ein Jeder, er habe es recht nöthig, zu Jesu zu kommen; es komme nur ein Jeder und bleibe nicht bei falten Wünschen steben, sondern lasse das Wenige von Licht und Bedürfniß und Aufrichtigkeit in seinem Herzen mehren. An Speise und Trant, an hohen Guaden fehlt cs nicht. Denn: Sein Wort, Sein Tauf', Sein Nachtmahl dient wider allen Unfall; der Heilge Geist im Glautben lehrt uns darauf vertrauen. 192 Gebet. O reicher gütiger Gott, wir danken Dir von ganzem Herzen, daß Du das unschuldige Lämmlein, Deinen liebsten Sohn, um unsertwillen geopfert und in Deinem Wort vortragen läsfest und nöthigst uns täglich zu solch großem Abendmahl. Wir bitten Deine Barmherzigkeit, Du wollest Gnade und Geist verleihen, daß wir solch' Dein theuer Mahl nicht verachten noch um des Zeitlichen willen versäumen sondern uns allezeit im geistlichen Hunger und Durst dabei finden lassen, auf daß wir dadurch ewig satt und selig seien um desselben Deines lieben Sohnes, unseres Herrn, willen. Amen. Vater Unser. nd 396 Montag nach dem 2. nach Trinitatis. Mel.: Herr Jesu Christ, Dich zu uns wend'. Erkenne nur, was dir gebricht. Geh heim, thu Buß und säum dich nicht; Säumest du aber bis zum Tod, So kommst du schwerlich zu Genad. D Gott, Vater im höchsten Thron, Nimm an Deinen verlornen Sohn, Und den einheimischen behüt Durch Dein unaussprechliche Güt. 1( Vers 10 und 11 aus: Kehr um, fehr um.) Jes. 1, 2-9. Boret, ibr Simmel, und Erde, nimm zu Ohren! Denn der Herr redet: Ich habe Kinder auferzogen, und erhöhet, und sie sind von mir abgefallen. Ein Ochse Kennet feinen Serrn, und ein Esel die Krippe seines Herrn; aber Israel tennet es nicht, und mein Volk vernimmt es nicht." webe des fündigen Volks, des Volks von großer Miffetbat, des boshaftigen Samens, der schädlichen Kinder, die den Herrn, den Seiligen in Israel låstern, weichen zurück! Was foll man weiter an euch schlagen, so ihr des Abweichens nur desto mehr machet? Das ganze Haupt ist krant, das ganze Serz ist matt. Von der Sußsohle an bis auf's Saupt ist nichts Gesundes an ihm, fondern Wunden, und Striemen, und Eiterbeulen, die nicht geheftet, noch verbunden, noch mit Gel gelindert sind. Euer Land ist wüste, eure Stådte fsind mit Seuer verbrannt; Fremde verzehren eure Necker vor euren Augen, und ist wüste, als das, so durch Fremde verheeret ist. Was aber noch übrig ist von der Tochter 3ion, ist wie ein Hauslein im Weinberge, wie eine Nachthütte in den Kürbisgårten, wie eine verheerte Stadt. Wenn uns der Herr Jebaoth nicht ein weniges ließe überbleiben; so wåren wir wie Sodom und Gomorra! Das ist ein Bild unserer Zeit. Denn alles Gute, was wir, deren Vorfahren Heiden gewesen sind, haben, es sei Sitte, Zucht, Obrigkeit, haben wir allein von Jesu Christo, aus dessen Kirche aller Segen in's Land fließt. Aber siehe! man will Ihn nicht mehr; es ist ein Volk von großer Missethat, schädliche Kinder, die den Heiligen lästern. Man tastet Jefu an Seine Krone, daß Er wahrer Gott ist und allein der Herr aller Dinge. Die Christenheit, die nach Gottes Willen und Beruf sich durch den Heiligen Geist in herzlichem Glauben zu Christo sammeln soll, fällt jetzt ab von Gott und allem Göttlichen. Und da nirgends ein Stillstand ist, so muß ja wohl der Frevel der Herzen an dem lebendigen Gott auch sonst allerlei Böses hervorbringen-Wunden, Striemen, Eiterbeulen; es geht Alles aus den Fugen, Zucht, Ehrfurcht, Treue schwinden aus den Häusern. Ach, sprichst du, das fei Gott geklagt. Aber was soll ich thun? Nun, thue du alle Heuchelei zwischen dir und Gott aus dem Wege. Nimm zu Herzen 397 die bewegliche Klage Gottes, daß das unvernünftige Vich verständiger ist als der Mensch, und daß, als wollte kein Mensch mehr hören, Gott Erde und Himmel zu Zengen nimmt darüber, daß die Kinder, die Er auferzogen hat, von Ihm abgefallen sind. Also laß dir bie Wahrheit einfältig und ernstlich zu Herzen gehen: Gott ist dein Herr. Er hat dich erschaffen, erlöset, geheiligt in der Taufe und will dich in Ewigkeit segnen. Was bist du Ihm schuldig? Dein Herz und mit deinem Herzen Alles. Also soll dein ganzer Gottesdienst herzlich sein Herzlich sei dein Gebet, herzlich dein Glaube, herzlich deine Sündenerkenntniß, herzlich deine Liebe, herzlich deine Geduld, herzlich all dein Wesen vor dem großen lebendigen Gott. So ein Weniges von herzlicher Gottesfurcht, ein Häuflein von geraden, aufrichtigen, entschlossenen Seelen ist doch bei uns für Christum noch übrig wie eine Nachthütte im Kürbisgarten. Dies Wenige hat uns der Herr Zebaoth noch übrig bleiben lassen. Da sei nun an deinem Theil wacker, nicht lau, munter, nicht träge, innig, nicht zerstreut, und so kann Gott noch wieder Segen geben, unsern Familien, unserm Volfe, wie Er Sodom wollte stehen lassen um der Zehn willen, wenn Er sie gefunden hätte. 1 Gebet. Herr Gott, Vater aller Gaben und Stärke, bestätige und stärke uns gnädiglich in Deinem angefangenen Werke durch Deinen heiligen Geist, auf daß der Satan durch keine Gewalt oder List uns schwäche noch müde mache, Dein Wort und Reich zu verlassen. Denn es ist jetzt gefährliche Zeit, weil Viele verführet werden und abfallen und der Gnaden Gottes überdrüssig werden, daß sie sich bünken lassen, sie seien satt, können nun alles und haben keine Noth. Darum laß Du uns bleiben in der Brunst des Glaubens, daß wir darinnen täglich zunehmen in Christo Jesu, unserm rechten und einis gen Helfer. Amen. Bater Unser. Dienstag nach dem 2. nach Trinitatis. Mel.: Jesus meine Zuversicht. Seele, was ermüld'st du dich In den Dingen dieser Erden, Die doch bald verzehren sich Und zu lauter nichtes werden? Suche Jesum und Sein Licht, Alles Andre hilft dir nicht. Weißt du nicht, daß diese Welt Ein ganz ander Wesen heget, Als dem Höchsten wohlgefällt Und dein Ursprung dir vorleget? Suche Jesum und Sein Licht, Alles Andre hilft dir nicht. ( Bers 1 und 7 aus: Seele, was ermitbst du dich) 398 1 Timoth. 6, 6-11. Es ist aber ein großer Gewinn, wer gottfelig ist, und läßt ihm genügen. Denn wir haben nichts in die Welt gebracht; darum offenbar ist, wir werden auch nichts hinausbringen. Wenn wir aber Tabrung und Kleider baben, so laffet uns begnügen: Denn die da reich werden wollen, die fallen in Versuchung und Stricke, und viele thörichte und schädliche Lüfte, welche versenken die Menschen in's Verderben und Verdammniß. Denn Geis ist eine Wurzel alles Llebels, welches bat etliche gelüftet, und sind vom Glauben irregegangen, und machen ihnen selbst viele Schmerzen. Aber, du Gottesmensch, fliebe folches! Jage aber nach der Gerechtigkeit, der Gott feligkeit, dem Glauben, der Liebe, der Geduld, der Sanftmuth. Der er Geiz ist eine Wurzel alles Uebels, eine Mutter vieler Sünden. Gottesverachtung, Unbarmherzigkeit, Betrug, Wucher, Diebstahl, Hader und Zank und alles Böse entsteht aus dem Geiz, aus der un ordentlichen Liebe zu dem Geschaffenen. Solch eine Gewalt hat der Geiz, daß er die Ohren taub, die Augen blind, die Herzen hart macht. Es ist um das Glück einer ganzen Familie völlig gethan, wenn die Herzen dem Geize, welcher eine Abgötterei ist, ergeben sind. Die reich werden wollen, fallen in Versuchung und Stricke und viele thörichte und schädliche Lüste. Besonders ist darum der Geiz so gefährlich, weil er das Herz unfähig macht, das göttliche, heilsame Wort aufzunehmen; ja die einfachsten Wahrheiten, die uns, so oft Einer begraben wird, vor Augen treten, daß nämlich der Mensch nackend, wie er in die Welt gekommen ist, auch wieder dahinfährt, werden von dem geizigen Herzen übersehen und nicht erkannt. Man lebt, als sollte man ewig Hier sein; man lebt, als hätte man mehr nöthig, als Nahrung und Kleidung; man ist unzufrieden, wenn man hat, und unzufrieden, daß man nicht hat. So ist der Mammon, das irdische Gut, ein schrecklicher Tyrann. Der Geizige hat den Mammon nicht, sondern der Mammon hat den Geizigen. So siehe doch ja zu, ob du der Herr oder der Knecht des Zeitlichen bist. Du sprichst, wie soll ich denn des Geizes ledig werden und aller Sünden, die aus dem Geize fließen? Nur so, daß du etwas Besseres an die Stelle aller Weltliebe setest, nämlich die wahre Gottesliebe, welche der einzig große Gewinn ist. Ein gottseliger Mensch ist ein sehr glücklicher Mensch, weil er Gott und damit genug hat. Die Furcht des lebendigen Gottes, die Liebe Christi, die Kraft Seines heiligen Wortes kann allein ein Menschenherz wahrhaft befriedigen und in die rechte Bahn bringen. Darum follen wir kein sauer Gesicht machen zu der Aufforderung: du Gottesmensch, fliehe solches; jage aber nach der Gerechtigkeit, der Gottfeligkeit, dem Glauben, der Liebe, der Geduld, der Sanftmuth. Wer will denn nun sein Unglück nicht fliehen? Wer will sein Heil von sich stoßen? Und dieses Heil ist erreichbar, weil Gott alle Heilsbegierigen 399 reichlich segnen will durch Jesum Christum mit himmlischen Gütern. Man bitte mur, man forsche nur nach der Wahrheit, man suche nur Christum, der unserm Geiste nahe ist, wenn wir Ihm nicht aus dem Wege gehen. Gebet. Herr Jesu, nimm mir, was Dich betrübt, ob's mir gleich lieb; hilf, daß ich's frei mag lassen. Gib mir, was Dir beliebt, ob's mich schon trübt; schaff, daß ich's recht kann fassen. Ja, mein Herr und mein Gott, ich bitte Dich, gieb mir Gnade, Dich recht zu lieben und ohne Sünde mit dem Zeitlichen umzugehen, es sei viel oder wenig. Amen. Vater Unser. Mittwoch nach dem 2. nach Trinitatis. Mel.: Es ist gewißlich an der Zeit. Der Herr ist mein getreuer Hirt, Hält mich in Hut und Weide. Darum mir nie es mangeln wird An irgend einer Freude. Jetzt bin ich aller Sorgen frei, Weil Gottes Sohn mir stehet bei, Mich schützet und regieret. In Angst und Noth Er mich erquickt Mit Seinem wahren Munde Und mir von oben Hülfe schickt Zur rechten Zeit und Stunde. Er führet mich ohn' Unterlaß An Seiner Hand auf rechter Straß Um Seines Namens willen. ( Vers 1 und 2 aus: Der Herr ist mein getreuer Hirt.) 1 Rön. 17, 8-16. Da kam das Wort des Herrn zu Elias, und sprach: Mache dich auf, und gehe gen Jarpath, welche bei 3idon liegt, und bleibe das felbft: denn ich habe daselbst einer Wittwe geboten, daß sie dich versorge. Und er machte sich auf, und ging gen 3arpath. Und da er kam an die Thür der Stadt; siebe, da war eine Wittwe und las Solz auf. Und er rief sie, und sprach: Sole mir ein wenig Waffer im Gefäß, daß ich trinke. Da sie aber hinging zu holen, rief er sie und sprach: Bringe mir auch einen Bissen Brodts mit. Sie sprach: So wahr der Herr, dein Gott, lebet, ich habe nichts Gebackenes, ohne eine Handvoll Mehls im Cad und ein wenig Gel im Kruge. Und siebe, ich habe ein Solz oder zwei aufgelesen, und gebe binein und will mir und meinem Sohne zurichten, daß wir effen und sterben. Elia sprach zu ihr: Sürchte dich nicht, gehe hin und mache es, wie du gesagt baft; doch mache mir am ersten ein kleines Ge backenes davon und bringe mir's beraus, dir aber und deinem Sohne follst du darnach auch machen. Denn also spricht der Herr, der Gott Jsraels: Das Mehl im Cao foll nicht verzehret werden und dem Velkruge foll nichts mangeln, bis auf den Tag, da der Herr regnen laffen wird auf Erden." Sie ging bin, und machte, wie Elia gesagt batte. Und er aß, und sie auch und ihr Saus, eine Seitlang. 400 Das Mehl im Cad ward nicht verzehret, und dem Oelkruge man gelte nichts, nach dem Wort des Herrn, das er geredet hatte durch Elia. In dieser Geschichte ist Gott im Spiele. Das Mehl im Cad ward nicht verzehret, obwohl es nur eine Handvoll war und dem Delfruge mangelte nichts, obwohl es nur wenig war. Die Wittwe, ihr Sohn und Elias aßen davon, und es ward nimmer verzehrt. Das ist ein handgreifliches Wunder und ein Zeichen vom Herrn, dem Gott Israels. Gott forget also wirklich für die Seinen und diese Sorge faffet der Glaube. Die Wittwe darf nur sehen, wie sie im Glauben Gott sorgen läßt und in der Liebe recht austheilet. Was sollen wir aus dieser Geschichte lernen? Einmal, daß es einen lebendigen Gott gibt, der Augen zu sehen und eine Hand zu helfen hat. Das ist der Hauptsak. Sodann gibt dieser Gott Noth und Verlegenheit in unserm Leben, daß wir Ihn suchen sollen. Unserer Sünde und Hoffart nach wollten wir lieber Alles so vollauf an Glück und Heil vor Augen haben, daß wir die Augen nie dürften nach dem lebendigen, unsichtbaren Gott aufschlagen. Aber Gott führt es anders; des Dels und Mehls wird wenig, man denkt, man müsse sterben. Diese Noth ist auch von Gott. Denn wenn Einem in solcher Noth ein Wort von dem Herrn, dem Gott Israels, in die Ohren und in's Herz fällt, so achtet man es anders, als vorhin, da man sicher und zufrieden war. Gott aber, wo Er Glauben findet, thut Sich kund und vermehrt das Wenige, stärkt das Herz, macht es fröhlich und munter im Glauben an die Barmherzigkeit Gottes. Und endlich: Himmel und Erde erfreuen nicht und alle Menschen, die nur Sachen und Geschöpfe haben, sind unruhig und unzufrieden, verdrossen und verdrießlich. Aber wo das Herz seine Ruhe hat im Glauben an den lebendigen und in Chrifto versöhnten Gott, da hat der ganze Mensch Ruhe und Frieden und kann auch in Unglück und Noth, in den mancherlei Vorfällen dieses Lebens sich der Güte Gottes trösten. Gottes Güte ist jeden Morgen neu und Seine Barmherzigkeit hat noch kein Ende. Aber man muß eben ein Auge haben, solches zu sehen, und ein Herz, es zu faffen. Darum Herr, Du Gott Israels, tritt her zu mir in den Raum meines Herzens, so will ich stille sein, und mir an Deiner Güte genügen lassen mit offenen, aber auch mit verbundenen Augen. Gebet. Herr, unser Gott, der Du alle Dinge geschaffen haft und erhältst, Deine Güte währet ewiglich. Du gibst dem Vieh sein Futter, den jungen Raben, die Dich anrufen. Ich bitte Dich auch um das tägliche Brod, um das Brod Deiner fröhlichen Erkenntniß, der Du aller Dinge Herr bist und mit Gutem segnest Alle, die Dich fürchten und auf Deine Güte hoffen. Amen. * Vater Unser. Vater Unser. Tus g da 19 Outl Donnerstag nach dem 2. nach Trinitatis. Mel.: Herr Jesu Christ, Dich zu uns wend'. Gelobet fei'ft Du, Jesus Christ, Daß Du der Sünder Heiland bist, Und daß Dein unschäßbares Blut An armen Sündern Wunder thut. 401 Gelobet sei des Vaters Rath, Der Dich der Welt geschenket hat, Und weil Er viel Erbarmen hegt, Dir alle Schulden auferlegt. - Gelobet sei der Heil'ge Geist, Der uns zu Dir, o Jesu, weist; Zu Dir, o Arzt, der Jedermann Durch Seine Wunden heilen kann. ( Vers 1 bis 3 aus: Gelobet sei'st Du, Jesus Chrift.) Matth. 11, 25-30. Ju derselbigen Zeit antwortete Jesus, und sprach: Ich preife dich, Vater und Herr Simmels und der Erde, daß du solches den Weisen und Klugen verborgen hast, und hast es den Unmündigen offenbaret. Ja, Vater, denn es ist also wohlgefällig gewesen vor dir. Alle Dinge sind mir übergeben von meinem Vater. Und Tiemand kennet den Sohn, denn nur der Vater; und Tiemand kennet den Vater, denn nur der Sohn, und wem es der Sohn will offenbaren. Rommet ber zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken. Tehmet auf euch mein Joch, und lernet von mir; denn ich bin fanftmüthig und von Herzen demüthig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. Denn mein Joch ist sanft, und meine Laft ist leicht. Menschliche Weisheit und Verstand find in menschlichen Dingen wohl zu brauchen. Aber wer sie in göttlichen Dingen will gelten lassen, ist wie Einer, der etwa am hellen Mittage aus Mangel an Licht wollte ein Licht anzünden. Gottes Wort und Offenbarung gilt hier allein. Aber Gottes Wort, das vom heiligen Geiste eingegeben ist, ist ein verschlossenes Buch, das nur durch den Geist Gottes gedeutet werden kann. Sonst sieht man nichts von all den großen Dingen, die Gott uns in der Schrift vor die Augen stellt. Nur der Herr Himmels und der Erde, der alle Dinge allein schafft und macht, kann Einem hier die Augen und das Herz aufthun. Ob Er sie dir gerade aufthun will, daran brauchst du nicht zu zweifeln, wenn du solche Wohlthat von Ihm begehrst; du darfst nur nicht deiner Eigenliebe glauben, die es nicht zugeben will, daß du dich für einen Blinden ansehen sollst. Wie eine zarte Blume zur Sonne soll deine Seele sich zu Gott wenden, und du wirst lebendig erfahren, daß Gott es dir offenbart. Wohl dem, der sehen lernt! denn ob man an sich selber eben nichts Erfreuliches sieht, sondern nur einen Mühseligen und Belabenen, der keine Ruhe hat und findet in der ganzen Welt und je mehr man sich selber in der Wahrheit sieht, um so mehr wird man 26 - eben einen solchen in sich entdecken so wird man dagegen in Jesu Christo den Heiland erkennen, der freundlicher ist als unsere Mutter, und tröstlicher als unser Vater. Sanftmüthig und von Herzen demüthig ist Er ach! daß Gott so gegen uns ist, das ist noch in feines Menschen Herz gekommen. Ich will euch erquicken spricht Er. Was ist das für eine Zusage! Und Er kann es, Er kann unser unruhiges, von Lust und Angst und Noth so unruhiges und krankes Herz zurechtbringen. Es sind Heilandskräfte, Lebensströme, die von Ihm ausfließen. Man versuche es nur, man dringe sich nur durch alle Bedenklichkeiten hindurch zu Ihm, und man wird Ruhe finden, nämlich vollkommene Vergebung der Sünden, Frieden mit Gott und auch ein Joch. Aber das ist Sein Joch. Das ist nicht das schwere Joch der Hoffart und Ungeduld, der Weltlust und Eigenliebe, sondern das Joch des Gehorsams, der Liebe zu dem lebendigen Gott. Christi Joch ist sanft, Seine Last ist leicht. Gebet. O Herr Gott, himmlischer Vater, wir danken Dir für Deine unaussprechliche Gnade, daß Du uns arme Sünder bedacht und Deinen Sohn in unser Fleisch geschickt und um unsertwillen hast lassen Mensch werden. Wir bitten Dich, Du wollest durch Deinen heiligen Geist unsere Herzen also erleuchten, daß wir uns Seiner Menschwerdung, Seines Leidens und Sterbens getrösten, Ihn für unsern Herrn und ewigen König annehmen und durch Ihn ewig leben. Amen. Vater Unser. - - 402 - Freitag nach dem 2. nach Trinitatis. Der Grund, da ich mich gründe, Ist Christus und Sein Blut, Das machet, daß ich finde Das ew'ge, wahre Gut. An mir und meinem Leben 3st nichts auf dieser Erd'; Was Christus mir gegeben, Das ist der Liebe werth. Mel.: Valet will ich dir geben. - Mein Jesus ist mein' Ehre, Mein Glanz und helles Licht; Wenn der nicht in mir wäre, So dürft' und könnt' ich nicht Vor Gottes Augen stehen Und vor dem strengen Sit; Ich müßte strads vergehen Wie Wachs in Feuershitz'. ( Vers 3 und 4 aus: 3ft Gott für mich, so trete.) Matth. 5, 1-9. Da er aber das Volk fabe, ging er auf einen Berg, und setzte sich, und seine Jünger traten zu ihm. Und er that seinen Mund auf, lebrete sie, und sprach: Selig sind, die da geiftlich arm sind; denn das Simmelreich ist ihr. Selig sind, die da Leid tragen; denn 403 sie sollen getrofstet werden. Selig sind die Sanftmüthigen; denn sie werden das Erdreich besitzen. Selig sind, die da hungert und dirstet nach der Gerechtigkeit; denn sie sollen fatt werden. Selig sind die Barmherzigen; denn sie werden Barmherzigkeit erlangen. Selig sind, die reines Herzens sind; denn sie werden Gott schauen. Selig find die Friedfertigen; denn sie werden Gottes Kinder heißen. Dem Heilande ging Johannes der Täufer voraus der alle Selbstzufriedenheit und Selbstherrlichkeit der Menschen angriff und sprach: thut Buße, d. i. sebet euch selbst anders an denn vorhin; ändert den Sinn. Und Johannes schlug gewaltig auf die Herzen los und stellte das Gericht des eifrigen Gottes in Aussicht. Als nun der Heiland kam, durfte Er wohl erwarten, daß wenn auch nicht alle so doch etliche Herzen um ihr Seelenheil ernstlich bekümmert sein würden. Wir dürfen es nicht als einen Fehlweg ansehen, sondern es ist der rechte Weg, wenn man in Verlegenheit geräth und sich in der sicheren zufriedenen Weise der Welt nicht mehr wohlgefällt. das Alles ist keine Arm sein, Leid tragen, hungern und dürsten angenehme Empfindung im Herzen. Es wird Einem da oft recht weh um's Herz. Aber die bittern Kräuter sind in Krankheit oft die ge= sundesten. Man bekommt nicht eher ein Auge und ein Ohr für die wunderbare Erscheinung Jefu in unserm Fleische, für Seine Schönheit in der Dornenkrone, für die hohe Herrlichkeit der heiligen Taufe, für die Köstlichkeit der wahrhaftigen Gottesverheißungen, für das heilige Abendmahl, bis man arm im Geiste, hungernd und Leid tragend davorsteht. Dann fangen diese Brunnen, die Einem bis dahin ohne Wasser zu sein schienen, an zu fließen; das Himmelreich, der Trost, die Gerechtigkeit leuchten Einem aus Jesu hervor, und man ist ordentlich erstaunt, daß Gott Selbst sagt, man möge nur glauben, dieser Reichthum sei Einem geschenkt. Es ist ein Wundergott! Die Armen macht Er reich und die Traurigen fröhlich. diesen Seligpreisungen merke noch Eins, wie nämlich das Innerliche und Neußerliche bei einem Christen zusammenstimmt. Ist man inner= lich geistlich arm und Leid tragend, so soll und wird die äußere Gestalt nicht bitter und sauer sein sondern sanftmüthig. Und ein Sanftmüthiger, der nicht blos aus Laune und zeitweilig, sondern in Folge der erkannten eigenen Sünde sanftmüthig ist, ist der König im Hause; alle Herzen, ohne daß er es will, fügen sich ihm. Und ferner! wenn das Geschäft des Geistes ist, daß er nach Gott fragt und an Gottes Wort gebunden ist, so wird das äußere Leben fruchtbar sein in Barmherzigkeit. Und zur Barmherzigkeit hat Jeder Gelegenheit, der mit andern Menschen zusammenlebt, wäre es auch nur die Barmherzigkeit im Urtheil, in der freundlichen Gesinnung. Endlich aber ist das Herz rein und einfältig auf Gottes Gericht und Wohlgefallen gerich tet, so wird die Frucht die Friedfertigkeit sein. Meinst du nicht, daß An 26* - 404 solch ein Herz, das nach diesen Seligpreisungen geartet ist, inwendig ein Tempel des dreieinigen Gottes ist und auswendig eine duftende Blume? Sich, und dazu bist du in der heiligen Taufe geweiht. Warum bist du es denn nicht? Gott mache uns zu solchen Heiligen zu solchen armen Sündern, an denen die Gnade nicht vergeblich ist. Unsere Kirche hat auch Heilige. Ihre Heiligen sind arme Sünder, welche Gottes Gnade reich, fröhlich, rein und eifrig ge= macht hat. Gebet. O Vater aller Barmherzigkeit, der Du Dir eine heilige Kirche durch Dein Wort und heiligen Geist auf Erden sammelst und erhältst, ich bitte Dich, Du wollest Deine kleine Heerde, die Dein Wort durch Deine Gnade angenommen hat und ehrt, bei dieser allein feligmachenden Lehre und bei den hochwürdigen Sacramenten fest erhalten und mit Glauben, Liebe, Geduld, Barmherzigkeit und Allem, was Dir wohlgefällt, schmücken und zieren. Amen. Vater Unser. Sonnabend nach dem 2. nach Trinitatis. Mel.: Mach's mit mir, Gott, nach Deiner Gült'. Mir nech! spricht Christus, unser Held, Mir nach! ihr Christen alle; Verleugnet euch, verlaßt die Welt, Folgt Meinem Ruf und Schalle; Nehmt euer Kreuz und Ungemach Auf euch, folgt Meinem Wandel nach. Mein Herz ist voll Demäthigkeit, Voll Liebe Meine Seele. Mein Mund der fleußt zu jeder Zeit Von süßem Sanftmuthsöle; Mein Geist, Gemüthe, Kraft und Sinn Ist Gott ergeben, schaut auf Ihn. ( Bers 1 und 3 aus: Mir nach, spricht Chriftus.) 1 Petr. 5, 6-11. So demüthiget euch nun unter die gewaltige Sand Gottes, daß er euch erhöhe zu seiner Zeit. Alle eure Sorge werfet auf ihn; denn er forget für euch. Seid nüchtern und wachet; denn euer widerfacher, der Teufel, gebet umber wie ein brullender Lowe, und suchet, welchen er verschlinge. Dem widerstehet fest im Glauben, und wisset, daß eben diefelbigen Leiden über eure Brüder in der Welt gehen. Der Gott aber aller Gnade, der uns berufen hat zu seiner ewigen Herrlichkeit in Chrifto Iefu, derselbige wird euch, die ihr eine kleine Jeit leidet, vollbereiten, stårken, kräftigen, gründen. Demselbigen fei Ehre und Macht von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen. Unserer Epistel voraus geht das Wort: Gott widerstehet den Hoffärtigen, aber den Demüthigen gibt Er Gnade! Daran schließet sich die Mahnung: So demüthiget euch unter die gewaltige Hand Gottes! Es bleibt dabei, was David erfahren: Ehe ich gedemüthigt 405 war, irrte ich; irrte ich; und wenn Du mich demüthigst, so machst Du mich groß. Wie von Liebe, so wird von Demuth viel gesprochen, aber sie wird wenig geübt, und die dem äußern Scheine nach Demüthigsten sind oft so anmaßend, daß man an ihrem Christenthum ganz irre werden möchte. Wir hätten ja schon nach der Natur alle Ursache uns zu demüthigen unter die gewaltige Hand Gottes, denn Er sitzet über dem Kreis der Erde, und die darauf wohnen sind wie Heuschrecken. Ja, die Völker sind vor Ihm geachtet wie ein Tropfen, so am Eimer ist, und wie ein Scherflein, so in der Waage bleibt. Macht schon das uns klein vor Gott, so müssen ja tausendfache Uebertretungen uns noch viel mehr niederbeugen. Wenn selbst die Seraphim vor Seiner Majestät ihr Antlitz und ihre Füße verhüllen, wie dürfen wir sündige Erdenwürmer vor Ihm erscheinen? Sollte es da nicht heißen: Ich fürchte mich vor Dir, daß mir die Haut schaudert, und entsetze mich vor Deinen Rechten. Gott widerstehet den Hoffärtigen, deß ist Zeugniß Pharao, dessen Herz vor Hochmuth schwillt; er ist ersäuft in der Tiefe des Meeres; deß ist Zeugniß Sanherib, als er die hochtrabenden Worte hören ließ: Wo ist ein Gott unter aller Landen Göttern, die ihr Land haben von meiner Hand errettet? Der Engel des Herrn fährt aus und schlägt im Lager von Affyrien 185,000 Mann. Deß ist Zeugniß Nebukadnezar, der sich in Hoffart blähete und sprach: Das ist die große Babel, die ich erbaut habe durch meine große Macht zu Ehren meiner Herrlichkeit. Da fiel eine Stimme vom Himmel: Dein Königreich wird dir genommen werden. Das mögen sich alle hochmüthigen Geister zur Warnung gesagt sein lassen. Viel anders geht Gott mit demüthigen Herzen um, Gott gibt ihnen Gnade. Denn der Herr siehet auf das, was niedrig ist, im Himmel und auf Erden. Er erhöhet, die sich demüthigen unter Seine gewaltige Hand, sagt unser Tert. Er erhöhet. Die höchste Erhöhung ist die, daß Er die Gerechtigkeit Chrifti uns zurechnet, Seinen heiligen Geist uns mittheilt und dadurch uns zu Seinen lieben Kindern macht. Eine höhere Würde gibt es auf der ganzen Erde nicht. Eine solche Erhöhung ist alle Gebetserhöhung, alle Hülfe aus Nöthen und Trübfalen, die wir als wohlverdiente Züchtigung annehmen, alles Aufhören der äußern und innern Gerichte, deren wir uns schuldig geben, aller Genuß des göttlichen Friedens, alle Ruhe und Seligkeit nach Kampf, Sorge und Noth. Nur merke, liebe Seele, daß da stehet: zu seiner Zeit. Gott rechnet nach einer andern Uhr als wir Menschenkinder. Der Goldschmid weiß, wann er das Gold soll aus dem Feuer nehmen. Joseph muß dreizehn Jahre warten, ehe ihn Gott erhöhet; Hiob sieben Jahre harren, ehe er Luft bekam von Seiner Noth; der tranke Mann Joh. 5, 5 muß acht und dreißig Jahre harren und wird doch nicht zu Schanden, und das kranke Weib zwölf Jahre auf Hülfe hoffen, bis Gottes Zeit kam. harrt acht Jahre und hat gar wohl gebetet Darum auch du, liebe Seele, demüthige dich Aeneas Apostelgesch. 9, 33. 406 unter die gewaltige Hand Gottes es ist ja eine Baterhand so wird Er dich erhöhen zu seiner Zeit. Gebet. Gott Bater, Sohn und Heiliger Geist, hilf mir dazu, daß ich im Kreuz und Elend demüthig und geduldig Deiner harren lerne. Laß mich aber auch im Glücke nüchtern und wacker sein, daß der Teufel mich nicht in Sicherheit bringe und meine arme Seele ewiglich verderbe! Laß mich in Lieb und Leid das schöne Liedlein singen: Dem Gott aller Gnade, der uns berufen hat zu Seiner ewigen Herrlichkeit in Christo Jesu, demselbigen sei Ehre und Macht von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Vater Unfer. C Jesus nimmt die Sünder an! Saget doch dies Trostwort Allen, Welche von der rechten Bahn Auf verkehrten Weg verfallen. Hier ist, was sie retten kann: Jesus nimmt die Sünder an. - 3. Sonntag nach Trinitatis. eslin Mel.: Jesus, meine Zuversicht. - Ich Betrübter komme hier Und bekenne meine Sünden; Laß, mein Heiland, mich bei Dir Gnade und Vergebung finden, Daß dies Wort mich trösten kann: Jesus nimmt die Sünder an. ( Vers 1 und 5 aus: Jesus, nimmt.) Luc. 15, 1-10. s nabeten aber zu ihm allerlei 38llner und Sünder, daß sie ihn höreten. Und die Pharisäer und Schriftgelehrten murreten, und sprachen: Dieser nimmt die Sünder an, und iffet mit ihnen. Er fagte aber zu ihnen dies Gleichniß, und sprach: Welcher Mensch ist unter euch, der hundert Schafe hat, und so er deren Eins verlieret, der nicht laffe die neun und neunzig in der Wüste, und hingebe nach dem verlorenen, bis daß er es finde? Und wenn er es gefunden bat, fo legt er es auf seine Achseln mit Freuden. Und wenn er beimkommt, ruft er seine Freunde und Nachbarn, und spricht zu ihnen: Sreuet euch mit mir; denn ich habe mein Schaf gefunden, das verloren war. Ich sage euch: Also wird auch Freude im Simmel sein über einen Sünder, der Buße thut, vor neun und neunzig Gerechten, die der Buße nicht bedürfen. Oder, welches Weib ift, die zehn Groschen hat, so sie deren Einen verlieret, die nicht ein Licht anzünde, und kehre das Saus, und suche mit Sleiß, bis daß sie ihn finde? Und wenn sie ihn gefunden bat, ruft sie ihre Sreundinnen und 7achbarinnen, und spricht: Sreuet euch mit mir; denn ich habe meinen Groschen gefunden, den ich verloren hatte. Also auch, sage ich euch, wird Freude sein vor den Engeln Gottes über Einen Sünder, der Buße thut. 407 Allerlei Zöllner und Sünder dürfen sich zu Jesu nahen, daß sie Ihn hören. Jesus schließt Keinen aus, der sich nur nicht selbst ausschließt. Und so wenig geht der Heiland von Seinem Vorhaben ab um des Murrens willen der Pharisäer, daß Er im Gegentheil Seine Sünderliebe durch schöne Gleichnisse anpreist. In dem Bilde eines suchenden Hirten und Weibes stellt der Herr Sich dar. Wie nöthig haben das verlorene Schaf und der verlorene Groschen, daß sie gesucht werden! Denn weder das Schaf noch der Groschen haben ein Bewußtsein davon, daß sie verloren sind, noch weniger fehren sie von selber zurück. So ist der Sünder in seinem Zustande ohne eigentliches Bewußtsein seiner selbst. Der Hirte geht hin nach dem verlorenen Schafe; Jesus Christus sucht uns auch in unsern Sündenwegen, Er ruft in's Gewisfen, in's Herz: Du Unglücklicher und Verirrter, kehre wieder, du bringst dich in Herzeleid. Nicht der Prediger trifft die Herzen sondern der Hirte Christus, der da ruft. Das Weib zündet ein Licht an und kehrt das Haus. Da gibt's Unruhe, und man spürt, daß was vorgeht. So reiben die ernsten Drohungen Gottes an unsern Gewissen herum; das göttliche Gesetz fällt wie ein strafendes Licht auf die Finsterniß unseres Lebens. Man darf nur der Gnade nicht muthwillig widerstreben, sondern lasse es zur Ueberzeugung kommen, daß man eine verlorene und verdammte Creatur ist. Da ist es denn eine gar fröhliche Sache, wenn der Hirt endlich sein Schaf findet; denn Er schimpft und schilt nicht über das Verirrte, sondern legt es auf Seine Achseln. Diese Achseln Jesu sind die mannigfachen Verheißungen, die Er den bußfertigen Sündern gibt; die eine ist noch tröstlicher als die andere. Wie gar erfreulich ist dem Schäflein zu Muthe, wenn es inne wird, daß es nicht zu dem Wolfe sondern zu dem Hirten gekommen ist und wirklich auf deffen Schultern liegt. So ist uns zu Muthe, wenn unser Glaube an Gottes Wort gewiß wird, daß wir durch das Blut Christi erkauft und bereits in der Taufe in den felfenfesten Gottesbund eingetreten sind. Demnach ist die Buße zu Gott nichts Finsteres und Trauriges. Wohl drückt die erkannte Missethat sehr hart. Wer dessen inne wird, daß er ge. sündigt hat, hat bittere Empfindungen; aber da diese Buße zu Jesu bringt und Jesus Christus das Herz mit Seinem Worte und Troste erquickt, so kommt nach der Trauer reiche Freude. Auch die Engel Gottes freuen sich; denn diese, die ohne Neid sind, gönnen uns die Freuden des Himmelreichs und sehen in jedem bußfertigen Sünder einen Lohn der Schmerzen und der Liebe Chrifti. Jesus nimmt die Sünder an- das ist mir ein Amen, d. h. je gewißlich wahr; das ist mir ein Hosianna, d. H. Herr, hilf es mir; das ist mir ein Hallelujah, d. h. diesen Jesum will ich lieben und loben. Gebet. Q freundlicher, lieber Herr Jesu Christe, der Du gekommen bist in die Welt zu suchen und selig zu machen, was verloren 408 ist und läsfest Dich mitten unter den armen Sündern finden, wir danken Deiner großen Gnade und bitten Dich, Du wollest uns wahre Buße verleihen und täglich darin zu wandeln geben, auf daß Freude im Himmel und Friede auf Erden sei um Deines Namens willen Amen. Vater Unser. Montag nach dem 3. nach Trinitatis. Mel.: Es ist das Heil uns kommen her. Es ist das Heil uns kommen her Von Gnad' und lauter Güte. Die Werke helfen nimmermehr; Sie mögen nicht behüten. Der Glaub' sieht Jesum Christum an, Der hat g'nug für uns all' gethan; Er ist der Mittler worden. Es war ein falscher Wahn dabei, Gott hätt' Sein G'setz drum geben, Als ob wir möchten selber frei Nach Seinem Willen leben. So ist es nur ein Spiegel zart, Der uns anzeigt die fündig' Art, In unserm Fleisch verborgen. ( Vers 1 und 3 aus: Es ist das Heil.) Röm. 3, 10-20. wie denn geschrieben stehet: Da ist nicht, der gerecht sei, auch nicht Einer; da ist nicht, der verständig sei; da ist nicht, der nach Gott frage; sie sind alle abgewichen, und allesammt untüchtig gewor den; da ist nicht, der Gutes thue, auch nicht Einer; ihr Schlund ist ein offen Grab, mit ihren Jungen reden sie trüglich, Otterngift ist unter ihren Lippen; ihr Mund ist voll Sluchens und Bitterkeit; ihre Süße sind eilend, Blut zu vergießen; in ihren wegen ist eitel Unfall und Herzeleid; und den Weg des Friedens wissen sie nicht; es ift Feine Surcht Gottes vor ihren Augen. wir wissen aber, daß, was das Gesetz sagt, das sagt es denen, die unter dem Gesetz sind; auf daß aller Mund verstopfet werde, und alle Welt Gott schuldig sei; darum, daß kein Fleisch durch des Gesetzes Werke vor ihm gerecht fein mag; denn durch das Gesetz kommt Erkenntniß der Sünde. Das as ist wahrlich kein Ruhm, was hier von uns geschrieben steht. Es müssen sehr widerwärtige Creaturen sein, die Paulus hier abmalt. Und was da geschrieben steht, bleibt nicht unter der Wahrheit. Von wem redet denn nun der heilige Apostel? Etwa von den wilden Heiden, oder von einigen besonderen unter den Sündern? Keineswegs, sondern er redet von Jedem, der ein Mensch ist, also von dir und mir. Und willst du etwa sagen, daß es doch sehr bittere Wahrheiten sind, die uns hier vorgehalten werden, so ist die Antwort, daß es eben Wahrheiten sind; Gottes Wort gibt unserer Missethat den rechten Namen. Da heißt es z. B., es sei Niemand da, der nach 409 Gott frage. Ist so nicht unser Herz beschaffen, sofern es keine Gnadenkräfte von dem dreieinigen Gott in sich hat, daß es lebt und sinnet, als wäre kein Gott? Der eigene Wille geht über Gottes Willen, die eigene Vernunft hält sich für flüger als Gottes Wort. Ja man fragt nicht nur nicht nach Gott, sondern der einige wahre Gott, der in Seinem Worte zu uns redet, ist Einem zuwider; man lebt in Widerstreit gegen den Gott, der Seinen heiligen Willen in den zehn Geboten geoffenbart hat. Das kommt, weil der Mensch durch den Sündenfall sich selbst zu seinem Gott gemacht hat. Wo nun aber die Herzensquelle also vergiftet ist, wie sollte da nicht das gesammte Leben auch von dieser Unreinigkeit durchflossen sein? Und liefern nicht unsere Worte und Gedanken, unsere Häuser und Gemeinen den Beweis, daß das wahr ist, was hier geschrieben steht?- Gott hat uns nun Seine heiligen zehn Gebote gegeben; die gehen auf jeden Menschen. Dies Gesetz ist heilig, geistlich und gut. Jedes der zehn Gebote ist eine Sonne, und wer in dieses Sonnenlicht hineintritt, dem geht aller Ruhm aus; verflucht ist Jedermann, der übertritt. Aber das will Gott auch, daß Einem der Mund verstopft werde. Das will Gott, nicht daß wir uns fromm und selig sprechen vor Seinem Gesetze, sondern daß die Sünde dadurch erkannt werde. Denn die Erkenntniß der Sünde kommt durch das Gesetz, nicht die Vergebung der Sünde. Diese kommt allein durch den Glauben an Christum, der unsere Sünde getragen hat. Damit diesem Glauben in unsern Herzen ein Haus bereitet werde, muß das Gesetz Gottes die Sicherheit, den Stolz, die Täuschung wegräumen. Bist du ein Sünder, quält es dich, drückt es dich, so säume keinen Augenblick, zu Christo dich zu wenden und Gott um den Glauben zu bitten, daß Christus dir von Gott gemacht iſt zur Gerechtigkeit und Erlösung. Gebet. Allmächtiger Gott, ich armer sündiger Mensch bekenne vor Dir, nicht allein daß ich gefündigt habe in Gedanken, Worten und Werken, sondern auch daß meine Natur und mein Wesen vor Deiner Gerechtigkeit sträflich und verdammlich ist. Darum flehe ich zu Deiner grundlosen Barmherzigkeit und bitte um Gnade: Herr, sei gnädig mir armen Sünder! Der barmherzige Gott wolle Sich unser erbarmen, uns unsere Sünden vergeben und uns Seinen heiligen Geist verleihen, daß wir durch 3hn Seinen göttlichen Willen erfüllen und das ewige Leben empfangen. Amen. Bater Unser. 410 Dienstag nach dem 3. nach Trinitatis. Mel.: Aus tiefer Noth schrei' ich zu Dir. Fürwahr, wenn mir das kommet ein, Was ich mein' Tag' begangen, So fällt mir auf das Herz ein Stein, Und bin mit Furcht umfangen. Ja, ich weiß weder aus noch ein und müßte stracks verloren sein, Wenn ich Dein Wort nicht hätte. Aber Dein heilsam Wort das macht Mit seinem süßen Singen, Daß mir das Herze wieder lacht Und schon beginnt zu springen, Dieweil es alle Gnad' verheißt Denen, die mit zerknirschtem Geist Zu Dir, o Jesu, kommen. ( Vers 3 und 4 aus: Herr Jesu Christ, du höchstes Gut.) Luc. 15, 11-16. Und er sprach: Ein Mensch hatte zween Söhne; und der jüngste unter ihnen sprach zum Vater: Gib mir, Vater, das Theil der Güter, das mir gehöret. Und er theilte ihnen das Gut. Und nicht lange darnach sammelte der jüngste Sohn Alles zusammen, und zog ferne über Land; und daselbst brachte er sein Gut um mit Praffen. Da er nun all das Seine verzehret hatte, ward eine große Theurung durch daffelbige ganze Land, und er fing an zu darben; und ging bin, und bångete sich an einen Bürger desselbigen Landes, der schickte ihn auf seinen Acker, die Saue zu hüten. Lind er begehrete seinen Bauch zu füllen mit Tråbern, die die Såue aßen; und Tiemand gab jie ibm. In Luc. 15. stellt der Herr den Sünder unter dreifachem Bilde dar. Das verlorene Schaf bezeichnet den Sünder in seiner Thorheit und Unwissenheit, der verlorene Groschen in seiner Bewußtlosigkeit über sich selbst, der verlorene Sohn in seiner bewußten Ungerechtigkeit. In diesem dreifachen Sinne ist Jeder ein Sünder. Der Sohn hebt die Sünde damit an, daß er das ihm gehörende Theil der Güter haben will, um darüber nach Willkür zu schalten. Und ist nicht dieses der Ursprung der Sünde, daß Adam sein wollte wie Gott, d. h. felbstherrlich, selbständig? Und ist nicht diese Eigenheit und Hoffart des Geistes bis auf diese Stunde der Quell aller Sünde? Alle Sünder sind darin gleich, daß sie leben, als wären sie Herr, da es doch Gott ist. Der Sohn zieht also aus dem Vaterhause, er zerreißt das Verhältniß der Liebe und des Gehorsams, darin er zu seinem Vater stand und gebraucht alle Güter, die er hat an Leib und Seele, wie ein verschwenderischer Herr. Er zieht ferne über Land, und so kann man ferne von Gott sein, obwohl man die Bibel im Hause und die Kirche nahe vor der Thür hat. Alle muthwillige Sünde und Ungerechtigkeit scheidet von Gott. Aber dem Sohne widerfährt zweierlei, was er nicht gewollt hat. Ein Herr und ein Gott wollte er sein und werden- so stand es ihm vor Augen. Aber auf einmal kommt es dahin, daß er die Säue hüten muß. Und sind nicht alle Freuden dieser Welt, die wir für unsern Geist suchen, nur Träber? Der dreieinige Gott hat es Seiner Macht vorbehalten, unsern Seelen, so sie Ihn fürchten und suchen, Speise und Freude zu geben. Wer Gott nicht will, muß mit dem verlorenen Sohne Säue hüten, er bringe es nun in dieser Welt noch so weit. Die Sünde ist der Leute Ver411 - derben sagt Gott; daß sie des Menschen Wohl und Freude sei, ist Lüge. Sodann überfiel den verlorenen Sohn eine große Theuerung; da ist sein Muth so schwach, sein Herz so leer, und alle Mittel Angst, sich zu helfen, wollen nicht ausreichen. Es ist Theurung Noth, Brodlosigkeit, Jammer. Es kommt so gar anders auf den Sündenwegen, als man sich gedacht hat. Wer mag dieſe Theuerung jetzt noch in's Land kommen lassen? Der allmächtige Gott, der, wenn wir Ihn in Seinem Worte nicht hören wollen, noch ein ander Mittel hat, daß Er nämlich schlägt. Und oft fühlt noch, wer nicht hören will. Theurung und Träber, die man auch noch nicht in Fülle hat, sind oft die Glocken, die uns zu Beichte und Gebet rufen müssen. Wer mur endlich hört und kommt! ( 97) Gebet. Herr, harmherziger, ewiger Vater unsers Herrn Jesu Christi, der Du vormals gnädig warest Deinem Volk und vergabst ihnen ihre Sünde; sei auch jetzt gnädig den Deinen, welche die Last ihrer Sünden und Deine strafende Hand fühlen und zu Dir flehen. Herr, wir bitten Dich, kehre Dich wieder zu uns. Du hast billig nicht verschont, denn wir haben gesündigt. So nimm uns wieder auf und vergib alle Missethat; schenke ein reines Herz und einer neuen gewissen Geist. Amen. Vater Unser. - Mittwoch nach dem 3. nach Trinitatis. Mel: Herr Jesu Chrift, Dich zu uns wend'. Geh wieder heim in Reuigkeit Und suche Gottes Gütigkeit; Eröffne dein Herz durch dein'n Mund Und gib dich wieder in Sein'n Bund. Dein Vater hat für bich bereit Ein Fingerreif und neues Kleid, Dazu ein gutes Kalb gemäst; Er wird dir thun das Allerbest. ( Vers 6 und 8 aus: Sehr um, fehr um) Luc. 15, 17-24. Da schlug er in sich, und sprach: Wie viele Tagelöbner bat mein Vater, die Brod die Fülle haben, und ich verderbe im Sunger. Ich will mich aufmachen, und zu meinem Vater gehen, und zu ihm agen: Vater, ich habe gefündiget in den Himmel und vor dir; und 412 bin hinfort nicht mehr werth, daß ich dein Sohn beiße; mache mich als einen deiner Tagelöhner. Und er machte sich auf, und kam zu seinem Vater. Da er aber noch ferne von dannen war, sah ihn sein Vater, und jammerte ihn, lief und fiel ihm um seinen Sals, und füffete ihn. Der Sohn aber sprach zu ihm: Vater, ich babe gesündiget in den Himmel und vor dir; ich bin hinfort nicht mehr werth, daß ich dein Sohn heiße. Aber der Vater sprach zu seinen Knechten: Bringet das befte Kleid hervor, und thut ihn an, und gebet ihm einen Singerreif an seine Sand, und Schuhe an seine Süße; und bringet ein gemåffet Ralb ber, und schlachtet es, und laßt uns effen und fröhlich sein; denn dieser mein Sohn war todt, und ist wieder lebendig geworden; er war verloren, und ist gefunden worden. Und fingen an fröhlich zu sein. Jetzt schlägt der verlorene Sohn in sich, und von aller Noth ſucht er die Ursache nicht mehr wie vorhin außer sich sondern in sich selber. Als er den gesegneten Entschluß faßt, zu seinem Vater umkehren zu wollen, läßt er es bei diesem Entschlusse nicht bewenden, sondern kehrt wirklich um. Der Sünder greift also nach der Jahre lang nicht mehr gebrauchten Bibel, besucht die Kirche, betet aber unter dem Allen hat er ein Herz, das von Reue und Scham erfüllt ist und andererseits durch eine leise Hoffnung auf die Barmherzigkeit des Vaters, der allen Creaturen Brodes die Fülle gibt, gestärkt und getragen wird. Der Vater macht den Namen, den Ihm der heilige Geist gibt, nämlich Vater der Barmherzigkeit, an dem verlorenen Sohne wahr. Denn Er zieht Sich nicht zurück, sondern läuft dem Sohne entgegen und gibt ihm die erste Versicherung Seiner Liebe; denn Er fällt dem Sohne um den Hals und küßt ihn. So läßzt Gott einem bußfertigen Menschen sehr bald einen Blick Seiner Huld und Liebe zukommen, damit man Muth und Freudigkeit gewinne, sich Gott ganz zu ergeben. Aber der Sohn findet keine Ruhe, bis er sein Herz ausgeschüttet und das Bekenntniß gethan hat: Ich habe gefündigt. Der Sohn erkennt und bekennt damit seinen eigentlichen Nothstand, daß er nämlich von dem lebendigen Gott in seinem Herzen abgefallen sei. Erst damit sind wir zur rechten Sündenerkenntniß gekommen, daß wir nicht mehr Zeit, Umstände, Menschen anklagen sondern uns selber, und uns nicht einiger Fehler schuldig geben sondern des Abfalls von dem dreieinigen Gott. Der Herzens- Unglaube und Ungehorsam gegen Gott ist die Quelle aller übrigen Missethat, wie unter den zehn Geboten das erste eben das erste ist. Wie wohl geschieht nun dem reumüthigen Sohne! Es bleibt nicht bei jenem ersten Kusse des Vaters; Gott hat uns mehr zu geben als einige freudige Empfindungen und vereinzelte Zusprüche in dem erschrockenen Gewissen. Ein Kleid Fingerreif- Schuhe und ein gemästet Kalb werden dem verlorenen Sohne zu Theil. Ein Kleid das ist der - 413 Glaube, der Christum an- und aufnimmt und damit die Gerechtigkeit hat, die vor Gott gilt; der Fingerreif ist die Treue, womit Gott den Gläubigen ausstattet; die Schuhe bedeuten die Kraft zum neuen Leben in der Furcht und Liebe Gottes. Das gemästete Kalb zeigt die Fülle all' des Guten, der Lebenskräfte an, die Gott uns in Seinem Worte und Sacramente darreicht. Da hat man Ursache fröhlich zu sein. Gebet. Herr Jesu, in Dir ist Freude in allem Leide; durch Dich wir haben himmlische Gaben, Du bist der wahre Heiland. Hilf uns armen Sündern, daß wir uns zu Dir bekehren und in Dir Alles das finden, was uns so nöthig ist und doch nicht zu finden ist als allein in Dir. Amen. Vater Unser. Donnerstag nach dem 3. nach Trinitatis. Mel.: Wie schön leuchtet der Morgenstern. Wo ist ein solcher Gott wie du! Du schaffst den Müden süße Ruh, Ruh, die nicht zu ergründen. Ein Abgrund der Barmherzigkeit Verschlingt ein Meer von Herzeleid: Du, Herr, vergibst die Sünden. Ja Du, Die Gnade führt das Regiment, Sie macht der Sklaverei ein End', Besiegt Gesetz und Sünden. Soll dein Herz frei und fröhlich sein, So räum' es ganz der Gnade ein; So kannst du überwinden. Wenn dich Mächtig Jesu, Läßt Dich würgen als den Bürgen, aller Sündenliebe, Sünden Mich auf ewig zu entbinden. Fleischestriebe oft bestürmen, Wird die Gnade bich beschirmen. ( Vers 1 und 6 aus: Wo ist ein solcher Gott wie Du.) Jef. 57, 15-22. Denn also spricht der Sohe und Erhabene, der ewiglich wohnet, deß Mame beilig ist; der ich in der Höhe und im Seiligthume wohne. und bei denen, so zerschlagenen und demüthigen Geistes sind, auf daß ich erquicke den Geist der Gedemüthigten, und das Herz der 3erschlagenen: Ich will nicht immerdar hadern, und nicht ewiglich zürnen fondern es foll von meinem Angesicht ein Geift weben, und ich will Odem machen. Ich war zornig über die Untugend ihres Geizes, und schlug sie, verbarg mich, und zürnete; da gingen sie bin und her im Wege ihres Serzens. Aber da ich ihre Wege ansabe, beilete ich fie, und leitete sie, und gab ihnen wieder Troft, und denen, die über jene Leid trugen. Ich will Srucht der Lippen schaffen, die da predigen: Friede, Sriede, beides, denen in der Serne und denen in der Tàbe, spricht der Herr, und will sie heilen. Aber die Gottlofen sind 414 wie ein ungestüm Meer, das nicht stille sein kann, und seine Wellen Roth und Unflath auswerfen. Die Gottlofen haben nicht Srieden, spricht mein Gott. Wo die Schrift von Gottlosen redet, dürfen wir nicht blos an die viele. groben Lastermenschen denken. Was sind Laster anders als die ausgeborenen Lüste des menschlichen Herzens? Gottlos ist jedes Herz, das von dem lebendigen Gott los und ohne Gemeinschaft mit dem dreieinigen Gott ist. Gib mir, Bater, das Theil der Güter, das mir gehört das ist die Quelle und Wurzel aller, auch der verborgenen und dem Menschen selbst unbewußten Gottlosigkeit. Solcher Gottlosen gibt es unter den ehrbaren, stillen Leuten gar Und welch ein schrecklich Urtheil haben sie! Sie haben nicht Frieden spricht mein Gott; sie sind wie ein ungestüm Meer, das nicht stille sein kann. Das ist schon übel genug, wenn man auch noch gar nicht von Ewigkeit und Gericht sprechen will. Mag also ein Gottloser vieles Saben, er hat doch keinen Frieden, es ist ihm herzlich, innerlich nicht wohl; mag er auch vor Andern und vor sich selber sich verbergen können, er ist doch ein ungestümes Meer. Was sollen wir denn nun thun? Wo keine Quelle ist, muß man eine graben. Und wir haben eine Quelle, nämlich das lebendige Wort des höchsten Gottes. Gott Selbst ist mit und in Seinem Worte. So kommt es nur darauf an, daß wir aus dieser Quelle trinken und vorher schon, daß wir darnach dürften. Sieh, und da ist was in unserm Herzen, was nach Gott schreit und mit nichts kann gestillt werden. So sollen wir die Steine fortschaffen, die uns als Vorurtheile des Kopfes und noch mehr als widergöttliche Begierden der Seele die Quelle verdecken. És kommt mithin auf Erkenntniß der Sünden an. Ich heilete sie spricht ja der Herr; heilen ist nöthig, weil Wunden da sind. Seine Wunden fühlen, seine Gebrechen vor Gott erkennen, die bittere Frucht der Ungerechtigkeit eingestehen- das Alles ist sehr demüthigend. Man bekommt dabei einen zerschlagenen und demüthigen Geist zerschlagen, weil man die Thorheit seines Lebens einsieht, demüthig, weil man inne wird, daß man ohne die Gnade Jesu Christi eine fümmerliche Hand voll Staub ist. Aber man lasse sich diesen Weg nicht verdrießen. Denn Gott ist anders, wie diese Welt gesinnet, die nur ein Auge für das Stolze hat; Gott aber, der im Himmel wohnt und gegenwärtig ist in dem Heiligthume Seiner Sacramente und Seines Wortes, hat noch einen dritten Ort, wo Er wohnen und erquicken will: das sind die zerbrochenen Herzen. Für solche fließt ein Strom der Liebe und des Friedens im Worte Gottes. Für alle Sünden, die uns drücken, erbietet Sich uns Jesus Christus, auf dem die Strafe lag, auf daß wir Frieden hätten. Gebet. Herr Jesu, Du Lamm Gottes, das die Sünden der Welt trägt, erbarme Dich unfer! Du haft allez betrübten Herzen, T - Cent 415 die an Dich glauben, Erquickung verheißen durch Erkenntniß Deines süßen Namens; so bitten wir Dich, Herr Jesu, erbarm Dich unser und gib uns Deinen Frieden. Amen. Vater Unser. Freitag nach dem 3. nach Trinitatis. Mel.: Jesus, meine Zuversicht. Keinen schließt nun Jesus aus, Der sich nur nicht selbst will hindern. Seines Vaters Herz und Haus Hat Er allen, allen Sündern, Die nur kommen, aufgethan, Er nimmt Alle willig an. Hört es, Menschen, hört es doch! Machet Jesu diese Freude Und verlaßt das Sündenjoch! Kommt zur Freiheit und zur Weide, Kommt zum Lebenswasser her, Kommt zum vollen Gnadenmeer! ( Vers 4 und 5 aus: Jesus nimmt die Sünder an.) 1 Timoth. 1, 12-17. Ich danke unserm Herrn Chrifto Jesu, der mich stark gemacht, und treu geachtet hat, und geseret in das Amt; der ich zuvor war ein Låsterer und ein Verfolger, und ein Schmåber; aber mir ist Barmberzigkeit widerfahren, denn ich habe es unwissend gethan, im Unglauben. Es ist aber defto reicher gewesen die Gnade unsers Herrn, fammt dem Glauben und der Liebe, die in Chrifto Jesu ist. Denn das ist je gewißlich wahr und ein theuer werthes Wort, daß Chris ftus Jesus gekommen ist in die Welt, die Sünder selig zu machen, Aber darum ift mir Barmunter welchen ich der vornehmste bin. berzigkeit widerfahren, auf daß an mir vornåmlich Jesus Christus erzeigete alle Geduld, zum Exempel denen, die an ihn glauben sollten zum ewigen Leben. Aber Gott, dem ewigen Könige, dem Unvergånglichen, und Unsichtbaren, und allein weisen, sei Ebre und Preis in Ewigkeit! Amen. Was das Evangelium am vergangenen Sonntage in Lehre und Gleichniß darstellt, wird uns hier an der Person des Apostels Paulus als Geschichte gezeigt zum Erempel und tröstlichen Beispiel für Alle, die an Christum glauben sollten zum ewigen Leben. Es ist merkwürdig, daß derselbe Mann, der ein Muster war in der geſetzlichen Gerechtigkeit, dafür von Andern gehalten wurde und sich selbst hielt, jetzt solch ein Urtheil über sich spricht, er sei ein Lästerer und Verfolger und Schmäher gewesen und sei der vornehmste unter den Sündern. So erleuchtet die Gnade Gottes unsere Augen, daß wir, wenn wir auch einen allgemeinen Gott und eine allgemeine Religion und Sittlichkeit leiben mögen, dennoch in dem Widerspruche unseres Herzens 416 gegen den Namen, die Person Jesu etwas überaus Sündliches, ja eine Feindschaft wider den lebendigen Gott sehen; denn es ist ja kein Gott außer in Christo. Welch' ein Irrsal! Meinen, wie Paulus vordem meinte, man eifere um Gott und strebe für das Gute, und doch in Bitterfeit und Widerspruch wider das Gute, wider Christum leben! Daran spüren wir, daß Gott uns erleuchtet, so wir uns für rechte Sünder achten, ein Jeder sich für den vornehmsten, weil Jeder mur an sich selbst das eigentliche Wesen der Sünde erfahren kann. Wo Einem die Sünde aber als Verdammniß offenbar geworden ist, da schmeckt man die Gnade Christi als Gnade; wo Einem die Sünde als das Elend kund wird, weiß man die Barmherzigkeit als solche zu erkennen. Welch' einen Klang hat da der Spruch: Das ist je gewißlich wahr und ein theuer werthes, d. h. der Annahme würdiges Wort, daß Christus Jesus gekommen ist in die Welt, die Sünder selig zu machen! Ja, es sind Sünder; Er macht sie selig, Er macht sie felig; sie sind es in sich selber nicht. So haben wir Christum in Seinem Worte, in dem facramentlichen Worte und in dem mündlichen der Predigt. Und ob es nur ein Wort ist, so ist es doch Gottes Wort, also ein schöpferisches, allmächtiges. Wer sich diesem Worte hingibt und das Wort von Christo in sich walten läßt, wird Wunder an sich erfahren. Aus dem Worte wird ihm Jesus Christus Selbst entgegentreten, nicht ein Gedanke oder Bild von Ihm sondern Er Selbst, der Paulum bekehrt und zum Glauben geführt hat. Aber dieses Werk Christi beschränkt sich nicht auf Einen Tag, sondern Chriftus erzeiget Geduld, und eben diese Geduld, daß Er unserer nicht müde wird, sondern ein täglicher Heiland für uns ist, ist den Gläubigen sehr föstlich. Denn obwohl die Kraft der Sünde bei einem Gläubigen gebrochen ist, so geht die Erkenntniß der Sünde tiefer; je heiliger man lebt, und je mehr die Gnade Jesu sammt dem Glauben und der Liebe bei uns ist, um so ärmer fühlt sich der Mensch in sich selber. Die in Wahrheit Heiligsten sind in ihren eigenen Augen die größten Sünder. So ist die Demuth ein Grundzug aller wahren Christen. Und es soll so sein. Denn Hoffart verdirbt Alles, auch den Glauben. Hier ist kein Ruhm als allein des ewigen Gottes, dem sei Ehre und Preis! Uns gebührt allein Lob und Dank zu sagen, daß Jesus Christus in die Welt gekommen ist, die Sünder selig zu machen. 110 Gebet. O mein Herr Jesu Christe, mein Gott und Herr, Dir sage ich von Herzen Dank, so viel ich kann, daß Du in die Welt gekommen bist, die Sünder selig zu machen. Gib, daß ich Deine Liebe zu mir recht erkenne und für meinen höchsten Schatz halte und zu einer brünstigen Gegenliebe zu Dir entzündet werde. Amen. Vater Unser. 417 Sonnabend nach dem 3. nach Trinitatis. Mel.: Was Gott thut, das ist wohlgethan. Ein Christ kann ohne Kreuz nicht sein. Auch ich will ohne Kreuz nicht seur. Drum laß dich's nicht betrüben, Was Gott schickt, will ich tragen. Schickt's doch der liebste Vater mein Sind's doch nur kurze Plagen Und wohl gemeint. Wer gläubig weint, Lebt dort in steten Freuden. Ich will mit Christo leiden. ( Vers 1 und 6 aus: Ein Christ kann ohne Kreuz nicht sein.; Wenn Gott versucht mit Kreuz und Pein Die Kinder, die Ihn lieben. Je lieber Kind, Je ernster sind Des frommen Vaters Schläge. Schau, das sind Gottes Wege! Röm. 8, 18-23. Denn ich halte es dafür, daß dieser Zeit Leiden der Herrlichkeit nicht werth sei, die an uns soll geoffenbaret werden. Denn das ångstliche Sarren der Creatur wartet auf die Offenbarung der Kinder Gottes. Sintemal die Creatur unterworfen ist der Eitelkeit, ohne ihren willen, sondern um deßwillen, der sie unterworfen hat, auf Soffnung. Denn auch die Creatur frei werden wird von dem Dienst des vergånglichen Wesens, zu der herrlichen Freiheit der Kinder Gottes. Denn wir wissen, daß alle Creatur sehnet sich mit uns, und ångstet sich noch immerdar. Nicht allein aber sie, sondern auch wir selbst, die wir haben des Geistes Erstlinge, sehnen uns auch bei uns selbst nach der Kindschaft, und warten auf unsers Leibes Erlösung. Kurz vor diesen verlesenen Worten spricht Paulus, daß der heilige Geist unserm Geiste Zeugniß gibt, daß wir Gottes Kinder sind. Welch hohe Gnade, welche Ehre, daß wir dürfen Gott im Himmel unsern Vater nennen! Der alte 91 jährige Johannes bricht darum auch in die Lobpreisung aus: Sehet, welch' eine Liebe hat uns der Vater erzeiget, daß wir Gottes Kinder sind; und der hocherleuchtete Paulus schließt daraus weiter: Sind wir Kinder, so sind wir auch Erben, nämlich Gottes Erben und Miterben Christi. Der Himmel gebühret uns dann von Rechtswegen. Vorbedingung aber ist: ,, So wir anders mit leiden," nämlich mit Christo. Wer mit Christo will den Himmel erben, der muß zuvor mit Ihm leiden und sterben. Durch Drangsal zum Labsal. Das ist je gewißlich wahr, sterben wir mit, so werden wir leben, dulden wir, so werden wir mit herrschen. Davon wird nun in obiger Epistel weiter Bericht gethan. darin zeigt der Apostel der Christen Kreuz und Trostschule, oder ihr Drangsal und Labsal. mache mir den Schluß, beides geschmeckt das Denn Ich halte es dafür, sagt Paulus, d. h. ich wie ein Rechenmeister. Ich habe reichlich Leiden dieser Zeit und die zukünftige Herr27 — 418 lichkeit; ich kann von dem Leiden dieser Zeit ein Liedlein singen: ich bin vielmal gefangen, oft in Todesnöthen gewesen, ich habe viel Schläge erlitten. Leset nur, was 2. Cor. 11, 23 ff. steht, und ihr werdet verstehen, daß ich die Malzeichen des Herrn Jesu an meinem Leibe trage. Aber auch von der Herrlichkeit des ewigen Lebens, die an uns soll offenbar werden, habe ich auch einen guten Vorgeschmack gehabt, als ich entzückt ward in's Paradies und hörte unaussprechliche Worte, welche kein Mensch sagen kann. Daher, wenn ich beides zusammenhalte, so mache ich mir den Schluß, daß das Leiden dieser Zeit nicht werth sei der himmlischen Herrlichkeit. Freilich sehen wir hier die Herrlichkeit nur durch einen Spiegel in einem dunkeln Wort, dann aber von Angesicht zu Angesicht; es ist noch nicht erschienen, was wir sein werden. Das bezeugt auch die uns umgebende seufzende Creatur, welche auch wartet auf die Offenbarung der Kinder Gottes und auf Freiheit vom Dienst des vergänglichen Wesens. Ja, wir haben viele Genossen im Leiden und eine ganze Welt voll Märtyrer um uns, die zum Theil geduldiger sind in ihrer Trübsal als du. Schäme dich deiner Ungeduld! An zweierlei gedenke: Hinter den Leiden der Zeit ist Köstliches verborgen; auf den rauhen und kalten Winter soll ein lieblicher Sommer und auf die finstere Nacht ein schöner Tag folgen. Darnach gedenke: ich bin nicht allein, der Kreuz und Beiden hat, sondern alle Creatur mit mir, ja alle, welche wollen gottselig leben, müssen Verfolgung leiden. Wie Mose das bittere Waffer süß machte, da er einen Baum, den ihm der Herr wies, hinein that, so versüße du dein bitteres Kreuzwasser mit dem süßen Trost der heutigen Epistel und harre in aller Geduld desto sehnsüchtiger auf die Erlösung von allem Uebel und auf die Aushülfe zu Gottes himmlischem Reiche. - Gebet. Herr Jesu hilf, daß ich unter allen Creaturen, die da leiden müssen, nicht als die allerungeduldigste erfunden werde, sondern daß ich nach dem Beispiel aller Kinder Gottes mich mit christlicher Geduld fasse und mit Paulus sagen lerne: Ich halte es dafür, daß dieser Zeit Leiden nicht werth sei der zukünftigen Herrlichkeit, die an uns soll geoffenbaret werden. Amen. Vater Unser. 419 4. Sonntag nach Trinitatis. Mel.: Freu' dich sehr, o meine Seele. Pinder, die ihr Christi Glieder Und nach Gottes Bilde seid, Uebet gegen eure Brüder Christliche Gerechtigkeit. Meint es mit dem Nächsten gut, Wie ihr wollt, daß man euch thut. Diese Lehre, so zu leben, Hat der Heiland uns gegeben. Dient einander mit den Gaben, Welche Gott in euch gelegt; Denn den Baum will Gott nicht haben, Welcher keine Früchte trägt. Helft einander aus dem Kreuz Sonder Eigennuß und Geiz. Gebt und rathet und gedenket, Daß euch Alles Gott geschenket. ( Vers 1 und 2 aus: Rinder, die ihr Chrifti.) Luc. 6, 36-42. Darum seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist. Richtet nicht, so werdet ihr auch nicht gerichtet. Verdammet nicht, so werdet ihr auch nicht verdammet. Vergebet, so wird euch vergeben. Gebet, so wird euch gegeben. Ein voll, gedrückt, gerüttelt und überflüssig Maaß wird man in euren Schooß geben; denn eben mit dem Maaß, da ihr mit meffet, wird man euch wieder meffen. Lind er sagte ihnen ein Gleichniß: Mag auch ein Blinder einem Blinden den Weg weisen? Werden sie nicht alle beide in die Grube fallen? Der Jünger ist nicht über seinen Meister; wenn der Jünger ist wie sein Meister, so ist er vollkommen. Was siebest du aber einen Splitter in deines Bruders Auge, und des Balkens in deinem Auge wirst du nicht gewahr? Oder wie kannst du sagen zu deinem Bruder: „ Balt stille, Bruder, ich will den Splitter aus deinem Auge ziehen;" und du siebest selbst nicht den Balken in deinem Auge? Du Seuchler, ziehe zuvor den Balken aus deinem Auge; und besiehe dann, daß du den Splitter aus deines Bruders Auge ziehest. Von der Wiedergeburt war in dem Evangelium des Trinitatis- Sonntages die Rede. Am ersten Sonntage nach Trinitatis wurde das hohe Gnadenmittel des Wortes Gottes, wodurch ein Wiedergeborener allein leben kann, aus der Ewigkeit heraus uns auf das Dringendste empfohlen. Am zweiten Trinitatis- Sonntage wurde uns Gottes Reich als ein herrliches Mahl vorgestellt. Am vorigen Sonntage die Nothwendigkeit und Kraft der Buße und Bekehrung. Heute haben wir die Frucht, die ein wiedergeborener, nach Gottes Wort hungernder und aus Gottes Mahl gestärkter, in der Buße stehender Christ bringen soll. Diese Frucht ist die Barmherzigkeit. Die rechte christliche Barmherzigkeit ist nicht die Laune des Augenblicks, noch die Tünche einiger Werke, die über das falte, harte Herz gezogen wird, die Barmherzigfeit ist kein zufälliger Umstand, vielmehr ein Zustand. Seid barmherzig heißt es. Man ist barmherzig, weil man Barmherzigkeit erfahren hat. Elenden thut Barmherzigkeit noth, und wie elend sind wir in uns selber vor dem heutigen Texte. Richtet nicht - ver27* 420 - gebet gebet spricht der Herr. Aber unsere Natur ist voll Eigenliebe, Kälte, Härte gegen den Nächsten, voll Mißgunst, Zorn, Zank, Lieblosigkeit und Vermessenheit, in welcher wir trotz des ersten Gebotes richten, was wir nicht wissen. Da kann allein der Vater der Barmherzigkeit eine wirklich neue Creatur, ein barmherziges Wesen in uns schaffen. Und wer Vergebung der Sünden und Gnade in dem Erbarmen Christi findet, wie der verlorene Sohn, lasse sich auch anthun mit den Schuhen an den Füßen, worin man in den Wegen der Barmherzigkeit wandelt. Es ist unmöglich, mit dem barmherzigen Gott bekannt zu sein, mit Ihm umzugehen, ohne daß man nicht dieses Vaters Sitte und Gebrauch lerne, nämlich die Barmherzigkeit. Die Barmherzigkeit ist die Probe unseres Christenthums. Ist man ein Kind des göttlichen Lichtes und Wortes, so wird man in diesem Lichte und Worte wandeln; so wird man darin die Heuchelei erkennen, daß man seines Bruders Splitter richtet. Das Wort zeigt mir den Balken in meinem Auge, daß ich durch das Richten über meinen Bruder eine schwere Sünde begehe an Gott, der allein Richter ist. Ebenso kann ich nicht über die schweren Drohungen hinfort, die Gott ausgesprochen hat von dem Gegenmaaß, mit dem gemessen wird. Während so die alte Natur an's Licht gezogen, eingeschränkt und getödtet wird durch den göttlichen Ernst, soll die neue Natur Spielraum haben, daß sie wachse. Da gibt es täglich Gelegenheit, besonders im Hause, dem Nächsten das Seine an Ehre und gutem Gerüchte zu lassen, zu geben, zu vergeben, nicht zu richten. Wir dürfen nicht nach großen Gelegenheiten suchen, um unsern Glauben zu beweisen und unsere Liebe zu Gott, daß wir Seine Gebote halten. Diese Gelegenheit ist jeden Tag, wer nun mit wachem Geiste und offenen Augen wandelt. Seid barmherzig! Wie könnten zwei Menschen zusammen sein, wo keine Gelegenheit zur Barmherzigkeit wäre? Und die Treue im Kleinen, Wer kann auch in der Barmherzigkeit, sieht Gott besonders an. den Heiland in diesem Evangelium reden hören, ohne daß er aus demselben eine Beichte machen müßte und ein herzliches Hilf Gott! seufzen follte. Und das ist allezeit Gewinn für die Seele, wenn man seine Sünde erkennt und Icfu entgegeneilt, der da gibt, was Er befiehlt. Der Herr ist's, der uns hilft. Gebet. Ach Herr, barmherziger Vater, der Du Deine Sonne scheinen lässest über Gute und Böse und bist gütig auch über die Undankbaren und Boshastigen und hast mit uns Allen großze Geduld nach dem Reichthum Deiner Barmherzigkeit, die von der Welt her gewesen ist, hilf, daß wir nach Deinem und Deines lieben Sohnes Exempel gegen Freund und Feind lernen barmherzig sein, unseres Nächsten Gebrechen zudecken, ohne Heuchelei von Herzen vergeben, jedermann gerne dienen und die Früchte des Glaubens allenthalben beweisen durch unsern Herrn Jesum Christum. Amen. Vater Unser. 1 800 421 Montag nach dem 4. nach Trinitatis. 631 Mel.: Chriftus, der ist mein Leben. Ach, bleib mit Deiner Gnade Bei uns, Herr Jesu Christ, Daß uns hinfort nicht schade Des bösen Feindes List. Ach, bleib mit Deinem Glanze Bei uns, Du werthes Licht; Dein Wahrheit uns umschanze, Damit wir irren nicht. ( Vers 1 und 3 aus: Ach, bleib mit Deiner Gnade.) 910 Psalm 103, 8-14. Barmherzig und gnådig ist der Herr, geduldig und von großer Güte. Er wird nicht immer hadern, noch ewiglich 3orn halten. Er handelt nicht mit uns nach unsern Sünden, und vergilt uns nicht nach unserer Missethat. Denn so hoch der Simmel über der Erde ist, läßt er seine Gnade walten über die, so ihn fürchten. So fern der Morgen ist vom Abend, låßt er unsere Llebertretung von uns sein. Wie sich ein Vater über Kinder erbarmet, so erbarmet sich der Herr über die, so ihn fürchten. Denn Er kennet, was für ein Gemachte wir sind; er gedenket daran, daß wir Staub sind. d Keine Wahrheit ist in der Schrift so vielfach und auf ſo mancherlei Art bezeugt, als daß Gott barmherzig ist und Sünden vergibt. Warum das? Weil keine Wahrheit so sehr zu dem täglichen Brode unserer Seele gehört als diese, und weil unter allen Glaubensartikeln keiner so schwer eingeht als dieser, daß Gott wirklich Sünden, alle Sünden vergibt. Die auserwählten Männer Gottes haben keine Löwen und Teufel gefürchtet; aber diese Wahrheit von der göttlichen Barmherzigkeit und Gnade recht zu glauben, ist ihnen sauer geworden. Sie haben umkehren und Kinder werden müssen; denn Kinder können, was Männer oft nicht können, nämlich die Wahrheit glauben. Und die Wahrheit steht hier wieder vor dir, daß Gott nicht handelt mit uns nach unsern Sünden und nicht vergilt nach unserer Missethat. Hätte Gott das thun wollen, wo wären wir dann? Nur an Einem hat Er nach unserer Missethat vergolten das ist Jesus Christus, der ein Fluch geworden ist für uns. Um dieses Einen willen steht nun Seine Barmherzigkeit, Gnade, Geduld und große Güte fest; fester als Himmel und Erde, die zerbrochen werden, weiter und breiter über uns, als der weite Himmel sich ausdehnt über die Erde, groß und siegreich über unsere Sünde und Elend; denn so wenig je der Morgen mit dem Abend zusammenkommt, so wenig kann die Sünde denen schaden, die auf Gottes Barmherzigkeit gebettet sind. Warum beleben und erquicken uns diese hohen Wahrheiten nicht täglich? Einmal darum nicht, weil unsere Augen von dem Dunste der Hoffart geblendet sind, so daß wir unser Elend nicht sehen können. Kännten wir uns wie Gott uns kennt nach der Wahrheit, daß wir Staub sind und durch 422 alle Creaturen nicht Hülfe finden, wie würde uns das Wort und die Gnade des wesentlichen Gottes als das rechte Wesen und die WahrHeit lieb werden! So ist das trogige Herz, das Gott nicht finden kann. Aber das verzagte Herz findet Ihn auch nicht. Warum nun aber verzagen? Sieh, hier ist Hülfe auch für die Elendesten, Gnade auch für die Blutrothen Sünden. Es fließt ein Strom der lauteren Barmherzigkeit und Güte Gottes in Jesu Namen auf uns nieder; in diesem Strome ist kein Gift und kein Tod. Und täglich neu, jeden Morgen neu ist diese Barmherzigkeit. Mögen wir es denn auf das Erbarmen Gottes recht wagen! Sei Niemand bange und schüchtern davor, die Eitelkeit der sichtbaren Dinge und die Troftlosigkeit und den Jammer seiner eigenen Seele recht zu erkennen. Je mehr wir uns hierfür das Auge von Gott öffnen lassen, um so heller kann der Herr uns blicken lassen in Sein Erbarmen, das eben Erbarmen ist, in Seine Kraft, die eben Kraft und in Schwachen mächtig ist. Gebet. D Du Vater aller Barmherzigkeit und Gott alles Trostes, deß Zorn einen Augenblick währet, der Du Lust hast zum Leben und die Menschen sehr liebest, bei welchem Seine Heiligen in Gnade sind, deß Thun lauter Güte und Treue ist; siehe, ich bin in großen Nengsten, Traurigkeit hat mich überfallen und Leiden ohne Zahl nicht allein äußerlich sondern auch in meinem Geiste innerlich; es wäre nicht Wunder, daß ich vor Leid verginge. Ach siehe, um Trost ist mir sehr bange, nimmi Dich meiner Seele herzlich an, daß sie nicht verderbe, daß der böse Feind Dein Wort nicht aus meinem Herzen reiße und mich nicht überrede, an Deiner Liebe und Gnade zu zweifeln oder Dir nicht zu vertrauen. Ach, meine Seele ist voll Schrecken, daß ich schier verzage; ach Herr, ich leide Noth, lindere mir's. Erleuchte mich mit Deinem Licht und Trost, daß ich in Deinem Lichte sehen möge das Licht und Dein freundlich Angesicht. Laß mich saugen und satt werden von den Kräften Deines Trostes und erquicke mich, ehe ich hinfahre und nicht mehr hier bin. Ach Herr Jesu Christe, Du hast alle müden Seelen zu Dir gerufen, sie zu erquicken; ach, ich bin mühselig und beschweret, äußerlich und innerlich. Mache mich Deines Trostes theilhaftig und laß mich nicht verzagen. Der Du ein Heiland der Sünder, ein Hirte der Verlornen bist und vielen Menschen, die gleich mir bekümmert gewesen sind, geholfen haft, erbarme Dich auch meiner. Du hast den bekümmerten Petrus und den ungläubigen Thomas durch Deine große Barmherzigfeit gerettet, rette auch mich durch eben diese große Barmherzigkeit. Sei Du meine Stärke, mein Sieg, meine Krast, mein Licht, mein Heil, daß ich durch Dich überwinde und die Krone des Lebens davonbringe. Amen. Vater Unser. 423 Dienstag nach dem 4. nach Trinitatis. Mel.: O Gott, Du frommer Gott. D Gott, Du frommer Gott, Du Brunnquell aller Gaben, Ohn' den nichts ist, was ist, Von dem wir Alles haben: Gefunden Leib gib mir, Und daß in solchem Leib Ein' unverletzte Seel' Und rein Gewissen bleib. Laß mich mit Jedermann In Fried' und Freundschaft leben, So weit es christlich ist. Willst Du mir etwas geben An Reichthum, Gut und Geld, So gib auch dies dabei, Daß von unrechtem Gut Nichts untermenget fei. ( Vers 1 und 5 aus: O Gott, Du frommer Gott.) Jef. 58, 1-8. Rufe getroff, schone nicht, erhebe deine Stimme wie eine Pos saune; und verkündige meinem Volk ihr Lebertreten, und dem Hause Jakobs ihre Sünde. Sie suchen mich tåglich, und wollen meine Wege wiffen, als ein Volk, das Gerechtigkeit schon gethan, und das Recht ihres Gottes nicht verlaffen båtte. Sie fordern mich zum Recht, und wollen mit ihrem Gott rechten. ,, Warum faften wir, und du siebest es nicht an? Warum thun wir unserm Leibe wehe, und du willst es nicht wissen?" Siebe, wenn ihr faftet, so übet ihr euren willen, und treibet alle eure Schuldiger. Siehe, ihr fastet, daß ihr badert, und zanket, und schlaget mit der Sauft ungöttlich. Saffet nicht also, wie ihr jett thut, daß ein Geschrei von euch in der Höhe gehöret wird. Sollte das ein Saften sein, das ich erwählen soll, daß ein Mensch seinem Leibe des Tages übel thue, oder seinen Kopf hange wie ein Schilf, oder auf einem Sack und in der Asche liege? wollt ihr das ein Saften nennen, und einen Tag dem Herrn angenehm? Das ist aber ein Saften, das ich erwähle: Laß los, welche du mit Unrecht verbunden haft; laß ledig, welche du beschwerest; gib frei, welche du drångest; reiß weg allerlei Laft; brich dem Sungrigen dein Brodt, und die, so im Elend sind, führe in das Haus; so du einen nackend siebeft, so kleide ihn, und entziehe dich nicht von deinem Fleisch. Alsdann wird dein Licht hervorbrechen, wie die Morgenrothe, und deine Besserung wird schnell wachsen, und deine Gerechtigkeit wird vor dir hergehen, und die Herrlichkeit des Herrn wird dich zu Sich nehmen. Wir dürfen nicht vergessen, daß die bittersten Feinde unseres Heilandes die Schriftgelehrten und Pharisäer waren, d. h. Leute, die fromm waren, aber nicht rechtschaffen fromm. Nicht ohne Ursache lesen wir so viel von denselben in den heiligen Evangelien, weil der Pharisäersinn so sehr verbreitet ist und nicht vor dem jüngsten Tage aufhören wird. Falscher Gottesdienst ist eine große Plage; da gibt es eine Neußerlichkeit ohne Innerlichkeit und Junerlichkeit ohne Neußerlichkeit, Buße ohne Glauben und Glauben ohne Buße, was Alles falsch ist. Gegen falschen Gottesdienst soll Jesaias und jeder Prediger seive Stimme erheben und zwar wie eine Posaune, die laut und deutlich schallt. Da gab es Leute, die mit sauren Mienen einhergingen und den Kopf wie ein Schilf hangen ließen; aber es war ein trügerisches Wesen, weil der böse Grund des Herzens und der eigene, arge Wille ungebrochen dahinter lag und in unbarmherzigen Werken gegen die Armen und Elenden hervorbrach. Nicht also; man soll rechtschaffene Früchte der Buße bringen. Buße ist die innerliche Erneuerung des Menschen, daß man Alles anders ansieht, Gottes hohe Majestät demüthig erkennt und sein begangenes Unrecht nach den zehn Geboten bereut in herzlichem Glauben an Christum. Wo diese aus Gottes Wort gezeugte Buße im Herzen als eine gnädige Schöpfung Gottes und Wirkung des heiligen Geistes vorhanden ist, kommt es auch zu rechtschaffenen Früchten, zu einem gerechten, barmherzigen Leben. Dieses heilige Leben der Christen ist kein Verdienst, kein Schattenwerk, keine Tünche, sondern die nothwendige Frucht. Also: bist du ein Christ, laß los, die du mit Unrecht gebunden hast, brich dem Hungrigen dein Brod, und so du Einen nackend siehst, so kleide ihn. Ruhe vor Gott allein in dem Verdienste Christi, die Welt aber mag von dir glauben, du wollest durch dein heilig Leben in den Himmel komDer Segen der rechtschaffenen Umkehr zu dem lebendigen Gott wird dir schon zukommen. Du darfst Gott und dich nicht mehr qualen mit sauren Mienen und ängstlichem Wesen; sondern Gott wird dein lauteres Herz ansehen und es auch dir, dem Aufrichtigen, gelingen lassen. Dein Licht bricht hervor wie die Morgenröthe, und deine Besserung wird schnell wachsen, und deine Gerechtigkeit wird vor dir hergehen. Mithin versuche es nur mit dem ernstlichen Gehorsam gegen das heilige Wort Gottes; bitte und Gott wird dir geben, was nöthig ist an Licht und Erkenntniß. Den großen Gewinn hast du selber davon. Denn es ist ein großer Gewinn, wer gottselig ist. men. Gebet. Allmächtiger, ewiger, gütiger Gott, verleihe mir und allen Christen ein Herz, welches täglich möge begreifen das göttliche Werk des heiligen Geistes, und das sich unterwerfe dem süßen Joche Jesu Christi und dem Gehorsam Seiner heiligen Gebote. mein Gott, wie groß und mannigfach sind die Gefahren meiner Seele. Zeige mir die richtige Straße zum ewigen Leben und gib, daß ich nicht irren möge von Deiner Wahrheit, die mich frei macht, daß ich Dich von ganzem Herzen und ohne alle Heuchelei liebe und Dir diene. Amen. Vater Unser. Airmail onl 424 - 425 Mittwoch nach dem 4. nach Trinitatis. Mel.: Ringe recht, wenn Gottes Gnade. Wahre Treu führt mit der Sünde Bis ins Grab beständig Krieg, Richtet sich nach feinem Winde Sucht in jedem Kampf den Sieg. Wahre Treu liebt Christi Wege, Steht beherzt auf ihrer Hut, Weiß von keiner Wollustpflege, Hält sich selber nichts zu gut. ( Bers 12 und 13 aus: Ringe recht.) Psalm 15. Herr, wer wird wohnen in deiner Hütte? Wer wird bleiben auf deinem heiligen Berge? Wer ohne Wandel einhergehet, und recht thut, und redet die Wahrheit von Herzen; wer mit seiner Junge nicht verleumdet, und seinem Tächsten kein Arges thut, und seinen Tächfren nicht schmåhet, wer die Gottlosen nichts achtet, sondern ehret die Gottesfürchtigen; wer seinem Nachften schwöret, und hålt es; wer sein Geld nicht auf Wucher gibt, und nimmt nicht Geschenk über den Unschuldigen. Wer das thut, der wird wohl bleiben. Wer wird wohnen in der Hütte Gottes und auf Seinem heiligen Berge bleiben?- Das ist nicht eine Frage, sondern die Frage, die die heiligsten Menschen gestellt haben und noch stellen. Wer hier als ein wahres Glied in der Hütte der Kirche wohnt, wird ewiglich bleiben auf dem Berge Gottes. Doch wer soll Antwort geben auf eine solche Frage? Der Psalmist sucht nicht bei Menschen nach Antwort, sondern er wendet sich zu Gott Selbst. Der Herr kann allein den Weg des Lebens kund thun. Und siehe, David findet durch der heiligen Geist die rechte Antwort. Wir wissen, daß aus dem Munde Jesu geschrieben steht: Wer da glaubet und getauft wird, der wird selig werden. Bei diesen Testamentsworten bleibt es, und was in unserm Pfalm steht, das stimmt zu diesen Worten. Denn obwohl mit ausdrücklichen Worten weder die Taufe noch der Glaube genannt ist, so liegt ja in der Taufe die Entsagung von allem bösen Werk und Wesen, und der Glaube an Christum ist die fruchtbare Quelle des heiligen Lebens. Ein im Glauben stehender Getaufter wäscht täglich sein Kleid, daß es ohne Wandel, d. i. ohne Flecken ist, und ziert seinen Glauben mit rechtschaffenem Leben. Ein wahrhaft Gläubiger unterscheidet sich dadurch von einem Weltmenschen, daß er dem Herrn auch die Herrschaft der Zunge überläßt, mithin mit seiner Zunge nicht verleumdet und seinen Nächsten nicht schmähet. Sagt Jacobus: die Zunge kann kein Mensch zähmen, das unruhige Uebel voll tödtlichen Giftes, so sagen wir mit: ja, kein Mensch kann von der Zunge das tödtliche Gift entfernen, weil fein Mensch den giftigen Quell im Herzen stopfen kann. Aber wir setzen hinzu: Gott, der unsere Herzen reinigt durch den Glauben, heiligt auch unsere Zunge zu Seinem Dienste. Und Er 426 heiligt überhaupt alle Glieder, auch die Gedanken und Begierden der Seele. Die heilige Taufe fordert eben und wirkt eine tägliche Entsagung von allem bösen Wesen von allem. Darum müssen es die Unsern, ohne daß wir es sagen, wohl an uns spüren können, daß wir beten und dem Herrn anhangen. Das können sie spüren an dem stillen, vorsichtigen Wandel. Wer so dem Herrn anhängt im Geiste und Ihm dient in Einfalt und Lauterkeit, wird wohl bleiben nicht blos in Ewigkeit, sondern auch in der Zeit wird es kommen, daß rechte Christen für Lichter, die scheinen und wärmen, erkannt werden. Gebet. Herr Gott, Du bist heilig und wir sollen auch heilig sein. Heilige Du uns durch das Wort Deiner Wahrheit. Wir danken Deiner grundlosen Barmherzigkeit, daß Du uns Christum zur Heiligung gemacht hast und bitten Dich, Du wolleft uns uus Christi Fülle schenken, was noth ist. Heilige also Herz, Sinn und Gemüth, reinige die Zunge von allen bösen Worten und alle Glieder von der Ungerechtigkeit. Amen. ber Vater Unser. M - Donnerstag nach dem 4. nach Trinitatis. Mel.: Aus meines Herzens Grunde. Kommt Kinder, laßt uns gehen: Der Vater gehet mit! Er Selbst will bei uns stehen In jedem sauren Tritt. Er will uns machen Muth, Mit süßen Sonnenblicken Uns locken und erquicken. Ach ja, wir haben's gut. - Sollt' wo ein Schwacher fallen, So greif' der Stärkre zu. Man trag', man helfe Allen, aspind Man pflanze Fried' und Ruh. Kommt, bindet fester an! Ein Jeder sei der Kleinste Doch auch wohl gar der Reinste Auf uns'rer Pilgerbahn. ( Vers 11 und 15 aus: Rommt Kinder.) 1 Mof. 18, 22-32. Und die Männer wandten ihr Angesicht, und gingen gen Sodom; aber Abraham blieb ftehen vor dem Herrn, und trat zu ihm, und sprach: willst du denn den Gerechten mit dem Gottlosen umbringen? Es mochten vielleicht funfzig Gerechte in der Stadt sein; wolltest du die umbringen, und dem Ort nicht vergeben um funfzig Gerechter willen, die darinnen wåren? Das sei ferne von dir, daß du das thuft, und tödteft den Gerechten mit dem Gottlosen, daß der Gerechte fei gleichwie der Gottlose! Das sei ferne von dir, der du aller Welt Richter bist! Du wirst so nicht richten. Der Herr sprach: Sinde ich funfzig Gerechte zu Sodom in der Stadt, so will ich um ihrer willen allen den Orten vergeben. Abrabam antwortete, und sprach: Ach 427 siebe, ich habe mich unterwunden zu reden mit dem Herrn, wiewohl ich Erde und Asche bin. Es möchten vielleicht fünf weniger denn funfzig Gerechte darinnen sein; wolltest du denn die ganze Stadt verderben um der fünfe willen? Er sprach: Sinde ich darinnen fünf und vierzig, so will ich sie nicht verderben. Und er fuhr fort mit ihm zu reden, und sprach: Man möchte vielleicht vierzig darinnen finden. Er aber sprach: Jch will ihnen nichts thun um der vierzig willen. Abraham sprach: 3ůrne nicht, Herr, daß ich noch mehr rede. Man möchte vielleicht dreißig darinnen finden. Er aber sprach: Sinde ich dreißig darinnen, so will ich ihnen nichts thun. Und er sprach: Ach siehe, ich habe mich unterwunden mit dem Herrn zu reden. Man möchte vielleicht zwanzig darinnen finden. Er antwortete: Ich will fie nicht verderben um der zwanzig willen. Und er sprach: Ach zurne nicht, Herr, daß ich nur noch einmal rede. Man mochte vielleicht zehn darinnen finden. Er aber sprach: Ich will sie nicht verderben um der zehn willen. Wie Sie thöricht ist doch das Gerede, daß der Glaube den Menschen unfruchtbar lasse. Ein gemaltes Feuer brennt freilich nicht; ein wirkliches Fener müßte seine ganze Natur verleugnen, wenn es nicht brennen wollte. Abraham, der Vater der Gläubigen, ist ein deutliches Beispiel, daß sich der lebendige Glaube fruchtbar erzeigt in allerlei guten Werken. Welch ein helles, erquickliches Licht leuchtet uns aus Abraham entgegen! Es ist Alles so herrlich an ihm. Einmal seine tiefe Demuth, in der er vor Gott steht. Da ist kein Wein der Hoffart und des Stolzes, der ihn übernommen hätte; sondern schlicht und recht nennt er sich Erde und Asche. Demuth ist eine Grundtugend aller wahren Christen. Dabei aber eine tiefe Zuversicht zu dem lebendigen Gott; sein Glaube ist stark, weil er so kindlich ist. Hier ist's wirklich wahr: ,, wie die lieben Kinder ihren lieben Vater bitten." Und wie freundlich und barmherzig steht Abraham fürbittend für Sodom und Gomorrha da! In Abraham ist ein göttlicher Haß wider die Sünde; er kann Gott nicht widerstreiten, der die Missethat haßt; dabei aber hat Abraham weder Kains Sinn, der fragt: soll ich meines Bruders Hüter sein? noch spricht er übermüthig: ich danke Dir, Gott, daß ich nicht bin wie andere Leute. Da ist eine Liebe, die Alles hofft und in herzlicher Barmherzigkeit das Elende umfaßt. O es ist eine große Sache um ein in Wahrheit bußfertiges und gläubiges Herz! Keine Salbe wirkt so wohlthätig, als solch ein einig Herz in einem Hause. Wären nur zehn Gerechte in der Stadt gewesen, Abraham hätte um der Zehn willen die ganze Stadt gerettet, ohne daß es ein Mensch erfahren hätte. Aber es waren keine zehn Gerechte drin; es war nur schauberhafte Sünde da, verknüpft mit Unbußfertigkeit. So kann die Ungerechtigkeit ein Herz und Haus und Volk ganz überwuchern. Und dann kommt das Gericht. Dieses göttliche Gericht sollen wir ernstlich über uns kommen lassen, ehe es kommt; 428 das geschieht, wenn wir uns dem Geiste des wahrhaftigen, heiligen Gotteswortes hingeben. Wo wir dies Gericht von dem Angesichte Gottes an uns lassen, kommt die Gnade darnach. Denn vor Gottes Angesicht liegt Beides für uns bereit: Gericht und Gnade, nicht Eins ohne das Andere. Gebet. Herr Gott, heiliger Herr, barmherzig und guädig, geduldig und von großer Güte. Siehe an etliche fromme Leute unter uns, die beten können; siehe an unsere unmündigen Kinder, die Dich mit ihren Zungen preisen; siehe an Dein erbarmungsreiches Herz und schone unser, daß wir nicht verderben. Verleihe uns, daß wir uns ebenso sehr vor Deinen Drohungen fürchten als auf Deine Verheißungen trauen und gib, daß wir uns von ganzem Herzen zu Dir bekehren. Amen. son de COPE Vater Unser. aps Freitag nach dem 4. nach Trinitatis. Mel.: Balet will ich dir geben. Laßt ab von Sünden Alle! Laßt ab und zweifelt nicht, Daß Christus wird mit Schalle Bald kommen zum Gericht! Sein Stuhl ist schon bereitet, Der Herr kommt offenbar; Er kommt und wird begleitet Von einer Engelschaar. bicik Herr, lehre mich bedenken D Doch diesen großen Tag, Daß ich zu Dir mich lenken Und christlich leben mag. Und wenn ich dort soll stehen Vor Deinem Angesicht, So laß mich alsdann sehen Dein klares Himmelslicht. ( Vers 1 und 10 aus: Laßt ab von Sünden alle.) Röm. 2, 1-10. Darum, o Mensch, kannst du dich nicht entschuldigen, wer du bist, der da richtet: denn worinnen du einen Andern richteft, verdammest du dich felbft; fintemal du eben daffelbige thuff, das du richteft. Denn wir wissen, daß Gottes Urtheil ist recht über die, so folches thun. Denkest du aber, o Mensch, der du richteft die, so folches thun, und thuft auch daffelbige, daß du dem Urtheil Gottes entrinnen werdest? Oder verachtest du den Reichthum seiner Güte, Geduld und Langmüthigkeit? Weißt du nicht, daß dich Gottes Gute zur Buße leitet? Du aber nach deinem verstockten und unbußfertigen Herzen haufest dir selbst den Jorn auf den Tag des Jorns und der Offenbarung des gerechten Gerichtes Gottes, welcher geben wird einem Jeglichen nach seinen Werken: nåmlich Preis, und Ehre, und unvergångliches Wesen denen, die mit Geduld in guten Werken trachten nach dem ewigen Leben; aber denen, die da zankisch sind, und der Wahrheit nicht gehorchen, gehorchen aber dem Ungerechten, Ungnade 429 und Jorn; Trabsal und Angst über alle Seelen der Menschen, die da Böses thun, vornehmlich der Juden und auch der Griechen; Preis aber, und Ehre, und Friede, allen denen, die da Gutes thun, vornehmlich den Juden und auch den Griechen. Das as Wort Gottes ist angefüllt mit Verheißungen und Drohungen So lieblich jene sind, so drohend sind diese. Jene verheißen den Gläubigen in diesem und dem zukünftigen Leben viel Gutes, diese stellen für Zeit und Ewigkeit die schwersten göttlichen Gerichte und Strafen in Aussicht. Wie Gott uns durch die Drohungen aufhalten und von der Sündenliebe abführen will, so will Er uns durch die Verheißungen Muth und Lust zu Sich machen, daß wir es angreifen und mit Geduld ausführen sollen. So greift denn in diesem Schriftworte Gott eine allgemein verbreitete und doch wenig in ihrer Schwere erkannte Sünde an nämlich das Richten. Wer bist du, der du Andere richtest? Hat Gott dir nicht durch Predigt, Eltern- oder Obrigkeitsamt Etwas von richterlichem Amte verliehen, in welchem Amte ein gewisses Nichten nicht nur erlaubt sondern geboten ist, so bist du jedenWas falls kein Richter über deinen Nächsten, weil du nicht Gott bist. kann nun verwegener und verwerflicher sein, als Gott, der der alleinige Richter ist über alle Menschen, in's Amt greifen? Ist das nicht, Gott die Ehre nehmen und sich selbst, also einem Götzen, geben? Darum: richtet nicht, so werdet ihr nicht gerichtet. Wenn du nun aber noch gar eben dasselbige thust, was du an Ändern richtest, z. B. Hoffart, Geiz, bist du da nicht ein Heuchler, und siehe, weil Gott wunderbarlich regiert, so läßt Er das Urtheil, das du über Andere sprichst, auf deinen Kopf fallen.- Ach darum sollten wir an der lieblofen, eigenmächtigen Zunge das unartige Herz merken und mit dem alten Leben brechen. Und wird das freilich schwer, geht es durch harte Kämpfe, so sollen wir die Augen fleißig ridchten auf den Tag der großen Vergeltung. Die Trübsal und Angst des zukünftigen Tages ist brennendes Feuer wider alle Sündenliebe, Preis und Ehre aber, die Gott Seinen Kindern in unerschöpflichem Maaße geben wird, ist Reiz zum Guten. Und so unmöglich ist es doch nicht, nach dem Willen Gottes zu leben! Man laffe sich nur zur rechten Buße leiten d. i. zu einer inneren Umänderung des Herzens und Sinnes. Merke, Gott durch Seine Güte leitet dazu; so brauchst du blos zu folgen, der Heilige Geist wird dich zu dem Heilande bringen, der alle Sünden vergibt und alle Gebrechen heilt, und Stärke gibt den Unvermögenden. Nur wirst du freilich in Einem Tage kein Vollkommener sein, was auch bei der großen Gefahr der menschlichen Hoffart nicht gut wäre. Aber mit Geduld geht's. Und das ist die Geduld, daß man täglich sein Herz Gott darstellt und täglich Gott bittet um Vergebung und täglich Jesum Christum in's Auge fast in Seinem versöhnenden Leiden und wunderbaren, vorbildlichen Leiden. 430 Gebet. Lieber Herr Christe, ich bin ein armer Sünder und habe den Tod verdient; aber über die Sünde und Tod halte ich mich an Dich und will von Dir nicht weichen. Ich habe Dich, lieber Herr Christe, ergriffen, Du bist mein Leben; und das ist des Vaters Wille, daß, die an Dir hangen, das ewige Leben haben und von den Todten sollen auferstehen oder auferwecket werden, es gehe mir darüber, wie es wolle. Denn wenn sonst alles nicht Stich hält, der Glaube an Dich muß aushelfen. Amen. Vater Unser. Sonnabend nach dem 4. nach Trinitatis. Mel.: Mach's mit mir, Gott, nach Deiner Gült'. Mir nach! spricht Christus, unser Held, Mir nach! ihr Christen alle; Verleugnet euch, verlaßt die Welt, Folgt Meinem Ruf und Schalle; Nehmt euer Kreuz und Ungemach Auf euch, folgt Meinem Wandel nach. Ich zeig' euch das, was schädlich ist, Zu fliehen und zu meiden Und euer Herz von arger List zu rein'gen und zu scheiden; Ich bin der Seelen Fels und Hort Und führ' euch zu der Himmelspfort'. ( Vers 1 und 4 aus: Mir nach, spricht Christus.) 1 Petri 3, 8-15. Endlich aber feid allesammt gleich gesinnet, mitleidig, brüderlich, barmherzig, freundlich. Vergeltet nicht Böses mit Bösem, oder Schelt. wort mit Scheltwort; sondern dagegen segnet, und wisset, daß ibr dazu berufen seid, daß ihr den Segen ererbet. Denn wer leben will, und gute Tage sehen, der schweige seine Junge, daß sie nicht Böses rede, und seine Lippen, daß sie nicht trügen. Er wende sich vom Bösen, und thue Gutes; er suche Frieden, und jage ihm nach. Denn die Augen des Herrn sehen auf die Gerechten, und seine Ohren auf ihr Gebet; das Angesicht aber des Herrn siehet auf die, so Böses thun. Und wer ist, der euch schaden könnte, so ihr dem Guten nachkommet? Und ob ihr auch leidet um der Gerechtigkeit willen, so seid ihr doch felig. Sürchtet euch aber vor ihrem Troten nicht, und erschrecket nicht. Seiliget aber Gott den Herrn in euren Herzen. Diese Epistel ist eine Erklärung des letzten Verses in dem Evangelium von morgen. Da heißzt es: Sie verließen Alles und folgten Ihm nach. Was nun dazu gehört, wenn man Christo recht nachfolgen will, wird in dieser Epistel ausführlich dargelegt. Denn Christo nachfolgen besteht nicht in bloßen Worten sondern in einem ganz nener 431 Leben. Denn es werden nicht Alle, welche zu Christo sagen: Herr, Herr, in das Himmelreich kommen, sondern die den Willen thun des Vaters im Himmel. Daher klagt ein alter Kirchenlehrer: Mein Herr Jesu, sie wollen alle gern zu Dir kommen, aber Niemand will Dir nachfolgen. Da gehört viel dazu. Thomas von Kempis hat ein ganzes, schönes Büchlein davon geschrieben. Petrus summirt hier das Allervornehmste. Christo nachfolgen heißt nicht allein den Herrn Jesum kennen und an Ihn glauben. Das ist der Grund, der muß freilich vor allen Dingen richtig sein. Denn ohne Glauben ist es unmöglich, Gott zu gefallen. So mußt du Chrifto nachfolgen im Delgarten, dich Seines Blutschweißes getrösten, im Richthause, auf dem Berge Golgatha, und da überall Trost zum Gebet, für Kreuz, Anfechtung und Todesnoth holen. Aber es gehören noch andere vornehme Stücke dazu. Allesammt gleich gesinnet sein und Friede untereinander haben. Denn Christus ist ein Friedefürst. Die Menge der Gläubigen war Ein Herz und Eine Seele. Augustinus sagt: So anmuthig eine wohlklingende und zusammenstimmende Musik ist, so ein anmuthiges Ding ist es in der Kirche um die Einigkeit. Wer Chriſto nachfolgen will, der sei ferner kein Schadenfroh, sondern sei mitleidig. Der Samariter ist mitleidig gegen den wundgeschlagenen, Halbtodten Menschen; sein wird nicht vergessen, so lange das Evangefium wird gepredigt werden. Der Herr Jesus sagt am Schluß: Gehe hin, thue desgleichen. Seid brüderlich. Wir Christen sollen uns unter einander als Brüder ansehen, als Kinder Eines Vaters im Himmel, es ist unter uns Ein Herr, Ein Glaube, Eine Taufe, Ein Gott und Vater unser aller, der da ist über euch alle, und durch euch alle und in euch allen. Barmherzig. Denn barmherzig und gnädig ist der Herr, Dem folget nach. Dazu gehört ein vernünftiger Mund, ein versöhnliches Herz und eine milde Hand. Wer es hat, der wird Barmherzigkeit erlangen. Freundlich. Jesaias hat den Herrn beschrieben: er wird nicht mürrisch noch greulich sein. Sein Leben hat's bewiesen; und auch du kannst schmecken und sehen, wie freundlich der Herr ist. Endlich: Bergeltet nicht Böses mit Bösem. Dein Herr hat es auch nicht gethan. Das wird dein Herz bezeugen. Drücke Sein Bild dir in die Seele, und das wird dir Kraft geben zu bezeugen, daß dein alter Mensch nicht lebet, sondern der neue, Christus in dir. Und machst du in solcher Nachfolge traurige Erfahrungen, mußt du erfahren: Nicht daß ich's schon ergriffen hätte, oder vollfommen bin- so jage ihm doch nach, daß du es ergreifen möchtest; und Gott wird geheiliget werden nicht bloß im Himmel sondern auch auf Erden, auch in deinem Herzen. Gebet. Herr hilf, daß wir Deinem lieben Sohne auch jetzt und alle Zeit nachfolgen und unsern Christenstand zieren mit heiligem Wandel. Mache Du uns gleich gesinnet, mitleidig, brüderlich, barmherzig, freundlich, damit Dein Angesicht nicht im Zorn auf uns falle, - 432 sondern Du die Augen Deiner Barmherzigkeit uns zuwenden, Deine Ohren uns zuneigen kannst. Höre, rette, tröste und erhalte uns zum ewigen Leben in Christo Jesu unserm Herrn! Amen. Vater Unser. 5. Sonntag nach Trinitatis. Mel.: Seelenbräutigam. Höchste Majestät, König und Prophet! Deinen Scepter will ich küssen, Ich will sizen Dir zu Füßen, Wie Maria thät, Höchste Majestät. Zeuch mich ganz in Dich, Daß vor Liebe ich Ganz zerrinne und zerschmelze Und auf Dich mein Elend wälze, Das stets drücket mich; Zeuch mich ganz in Dich. ( Vers 5 und 7 aus: Wer ist wohl, wie Du.) Luc. 5, 1-11. Es begab sich aber, da sich das Volk zu ihm drang, zu hören das Wort Gottes; und Er stand am See Genezareth, und sabe zwei Schiffe am See stehen; die Sischer aber waren ausgetreten, und wuschen ihre Tege: Trat er in der Schiffe eines, welches Simonis war, und bat ihn, daß er es ein wenig vom Lande führete. Und er ferte sich, und lebrete das Volk aus dem Schiff. Und als er batte aufgehöret zu reden, sprach er zu Simon: Sabre auf die Höhe, und werfet eure Netze aus, daß ihr einen Jug thut. Und Simon antwortete und sprach zu ihm: Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet, und nichts gefangen; aber auf dein Wort will ch das Ter auswerfen. Und da sie das thaten, beschloffen sie eine große Menge Sische, und ihr er zerriß. Und sie winkten ihren Gesellen, die im andern Schiff waren, daß sie kämen, und bülfen ihnen ziehen. Und sie kamen, und fülleten beide Schiffe voll, also, daß fie sanken. Da das Simon Petrus fabe, fiel er Jesu zu den Knieen, und sprach: Herr, gehe von mir hinaus; ich bin ein fündiger Mensch. Denn es war ibn ein Schrecken angekommen, und Alle, die mit ihm waren, über diesen Sischzug, den sie mit einander gethan batten; deffelbigen gleichen auch Jacobum und Johannem, die Söhne Jebedai, Simonis Gesellen. Und Jesus sprach zu Simon: Sürchte dich nicht; denn von nun an wirst du Menschen fangen. Und sie führeten die Schiffe zu Lande, und verließen Alles, und folgten ihm nach. In der sauren Berufsarbeit trifft der Herr hier den Petrus und seine Genossen. Chrliche Arbeit im Schweiße des Angesichts ist denen, die Christi Jünger sind und werden sollen, nicht bloß gestattet sondern geboten. Da gibt es in solcher Arbeit müde Glieder, viel 433 Mühe und oft will es doch nicht recht fortgehen, in welchem Allen die erziehende Hand Gottes sich spüren läßt. Als Christus hinzukommt, läßt Er das Neußerliche zunächst, wie es ist; aber Er hebt an zu lehren und während bei der Lehre Chrifti nur das Auge den Buchstaben der Lehre zu sehen und das Ohr nur den Schall des Wortes zu hören scheint, ist der Geist des Herrn über den Seelen und führt dieselben allgemach auf andere Einsichten und Gedanken wie dort am See Genezareth. Als nun der Herr den Befehl gab: ,, fahre auf die Höhe," war dies freilich ein ungereimter und allen Fischerregeln zuwiderlaufender Befehl. Denn weder fängt man in der offenen See gewöhnlich die Fische sondern lieber am Ufer, noch ist der Tag zum Fischen geeignet, die Nacht ist die gewöhnliche Fischerzeit. So war es eine nicht geringe Versuchung für Petrus. Er hätte fast denken mögen, der Heiland könne wohl predigen, aber um das Fischen wisse Er doch nicht ganzen Bescheid. Aber Petrus windet sich durch alle Bedenklichkeiten und Einwürfe, welche Vernunft und Welt gegen Gottes Wort machen, hindurch und spricht: aber auf Dein Wort will ich das Netz auswerfen. Das ist Glaube, wenn das Herz so schließt, und das führt zum Glauben, weil das Wort Gottes, die ihm glauben, nie im Stiche läßt. Es dauert nur einen Augenblick, so macht Petrus die herrlichste Erfahrung von seinem Glauben an das Wort Gottes. Dabei ist merkwürdig, daß, als die Fische kaum gefangen sind, die Netze zerreißen und große Gefahr ist, es möchte doch kein Fisch gefangen werden. Warum? Petrus soll nicht in dem Erfolge ruhen, er soll an dieser Stelle lernen, daß Alles in der Welt schlüpfrig und unsicher ist, wie Fische im zerrissenen Netze. Diese Erkenntniß, wo sie dem Herzen tief eingebildet ist, macht es leicht, die Welt zu verleugnen. Aber auch in den etwaigen Erfolgen und Wirkungen unseres Glaubens sollen wir nicht ruhen; denn Gott kann uns alle Gaben auch die geistlichen wieder entziehen. Wohin denn nun? Die wunderbare Person Christi ist's für Petrus allein und soll es auch für uns sein. Hier fällt er nieder und nennt sich einen sündigen Menschen. Niemand hat ihn dazu aufgefordert. Aber die Gnade Gottes demüthigt tief; es sind eitle Herzen, die, wo sie meinen, etwas ausgerichtet zu haben, sich aufblähen. Schrecken und Entsegen ist Petrum angekommen. Die Gemeinschaft des Heiligen Herrn mit dem unheiligen Menschen bringt das hervor, wie Wasser auf glühendem Eisen sich fürchtet. Aber es heißt: fürchte dich nicht. Welch ein Wort! Denn der allmächtige schaffende Gott gebietet der Creatur Furchtlosigkeit. Das war ein gutes Handgeld für den lieben Petrus, der von nun an Menschen fangen sollte, wobei auch allerlei Furcht und Fährlichkeit sich findet. So verließen sie Alles. Willst du sagen, die hatten nicht viel zu verlassen, so antworte ich, daß kein Mensch mehr hat. Denn dem inwendigen Menschen kann die ganze Welt so wenig helfen mit all ihrem Wust wie Petri Fische und Schiffe. Und daß sie 28 Alles verließen, war kein theurer Preis; denn sie folgten Jesu nach. Dahin führen alle Worte und Wege Gottes. Engel dienen Jesu; aber gläubige Sünder dürfen Ihm nachfolgen. Herr, Du Liebster und Schönster, zeuch mich ganz zu Dir! Gebet. Allmächtiger Gott und Vater, ohne dessen Segen alle Mühe umsonst ist, segne uns im Schweiß unseres Angesichts, daß wir in Deinem Namen unsern Beruf in Geduld fröhlich verrichten, Dein Wort und Deinen Dienst ehren und fördern und durch Dein Wort zubereitet werden zu Deinen lieben Kindern um Deines lieben Sohnes unseres Herrn Jesu Christi willen. Amen. Vater Unser. 434 Montag nach dem 5. nach Trinitatis. Mel: Es ist das Heil uns kommen her. Sei Lob und Ehr' dem höchsten Gut, Dem Vater aller Güte; Dem Gott, der alle Wunder thut, Dem Gott, der mein Gemüthe Mit Seinem reichen Trost erfüllt, Dem Gott, der allen Jammer stillt! Gebt unserm Gott die Ehre! Der Herr ist noch und nimmer nicht Von Seinem Volk geschieden; Er bleibet ihre Zuversicht, Ihr Segen, Heil und Frieden. Mit Mutterhänden leitet Er Die Seinen stetig hin und her. Gebt unserm Gott die Ehre! ( Vers 1 und 5 aus: Sei Lob und Ehr.) Psalm 111. Salleluja. Jch danke dem Herrn von ganzem Herzen, im Rath der Frommen und in der Gemeine. Groß sind die werke des Herrn; wer ihrer achtet, der hat eitel Luft daran. Was er ordnet, das ist löblich und herrlich; und seine Gerechtigkeit bleibet ewiglich. Er hat ein Gedächtniß geftiftet seiner Wunder, der gnådige und barmherzige Herr. Er gibt Speise denen, fo ihn fürchten; er gedenket ewiglich an seinen Bund. Er läßt terkandigen seine gewaltigen Thaten seinem Volk, daß er ihnen gebe das Erbe der Seiden. Die Werke seiner Hände sind Wahrheit und Recht; alle seine Gebote sind rechtschaffen. Sie werden erhalten immer und ewiglich, und geschehen treulich und redlich. Er fendet eine Erlösung seinem Volk; er ver. beißet, daß sein Bund ewiglich bleiben soll. Seilig und behr ist sein ame. Die Surcht des Herrn ist der Weisheit Anfang; das ist eine feine Klugheit; wer darnach thut, deß Lob bleibet ewiglich. Der Der Lydia in Philippi that der Herr das Herz auf. So muß der Herr, der dazu bereit ist, uns die Augen aufthun, daß wir Seine Werke sehen und die Ohren, daß wir Seine wundervollen Offen 435 barungen verstehen, und das Herz, daß wir auf Ihn und Sein Thun merken können. Sind so die Kräfte unseres Geistes offen und empfänglich, so bleibt der Dank von ganzem Herzen sowohl im Kämmerlein, als in der öffentlichen Gemeine nicht aus. Denn wie große Dinge stellt Er unsern Augen vor! Nämlich Seine Werke, Seine Ordnungen sowohl in dem Reiche der Schöpfung als auch der Erlösung und Heiligung und der Welt- und Kirchenregierung. Und darum findet an diesen Werken Gottes, wer ihrer achtet, eitel Luſt, weil Gottes Werke nicht ein Schauspiel für die Neugierde sind, sondern die eigentlichen Bedürfnisse unseres Herzens stillen. Gott gibt uns Speise in der Betrachtung Seiner Liebesmerke. Es ist ein gnädiger und barmherziger Herr, der uns entgegenkommt und ein Gedächtniß Seiner Wunder in den hochheiligen Sacramenten geſtiftet hat. Wer das achtet, hat eitel Lust daran. Denn die heilige Taufe ist das Bad der Wiedergeburt und das Abendmahl ist der Leib und das Blut Christi.- Unsern Ohren läßt Gott die erstaunlichsten Wahrheiten predigen von Seiner Liebe, davon Bater- und Mutterliebe nur ein Schatten ist, von Seinen gewaltigen Thaten, die Gott als Schöpfer und Erlöser, als Heiland und als Richter thut; und unter Seinen gewaltigen Thaten ist es die größeste, daß Er mich verlornen und verdammten Menschen erlöset hat, erworben und gewonnen von allen Sünden, vom Tode und von der Gewalt des Teufels. Er läffset predigen von Seinem Bunde, der ein Gnadenund Ewigkeitsbund ist und die unermeßlichsten Vortheile gewährt. Denn wer kann den Vortheil beschreiben, der darin liegt, mit dem höchsten, allmächtigen, gegenwärtigen, allein großen Gott im Bunde zu stehen? Die Sünde hebt diesen Bund nicht auf, da es ein Gnadenbund ist, und die Gnade ist bei Allen, die sich ihr ergeben, mächtiger als die Sünde. Eia, wären wir da! fingt Luther von dieser seligen Gemeinschaft Gottes. Der Weg ist nicht so weit. Denn die Furcht des Herrn ist aller Weisheit Anfang und besonders der Anfang der Höchsten Weisheit, selig zu werden. Man stehe also still auf seinem Wege und prüfe sich, ob nicht von dieser Furcht des Herrn Etwas bereits im Herzen ist. Um diese Furcht ist es etwas Feines und Zartes; sie liegt still hinten zurück im Gewissen, daß man erst das Getöse der Sinne muß vorüberrauschen lassen, um an diese feine Weisheit, den Anfang der Klugheit, zu gelangen. Das ist's, daß in dem Gewissen des Menschen eine Scheu liegt vor dem Bösen, eine Angst vor dem Gerichte Gottes. Der Heilige Geist, so oft wir Sein Wort hören, will an diese feine Furcht Gottes in uns heran, will auf eine feine Art uns überreden, daß wir von Sünden lassen, Gott herzlich bitten, Sein Wort im Herzen walten lassen sollen. O wohl dem, der das thut! Sein Lob bleibet ewiglich. Mit der Zeit muß es auch die Welt wenigstens anerkennen, wenn sie es auch nicht immer lobt, daß die frommen Herzen das beste Theil haben. - - 28* Gebet. Lieber Gott, regiere Du mich, daß ich mit geistlichen Augen meine angeborene Sünde und Schwachheit erkenne und bekenne und also zur rechten Erkenntniß Christi geführet und durch Deinen heiligen Geist regieret, gereiniget und geheiliget werde. Amen. Bater Unser. El 436 Dienstag nach dem 5. nach Trinitatis. Eigene Melodie, wenn die letzte Beile, wie sie eingeflammert ist, gesungen wird, sonst: Odaß ich tausend Zungen hätte. Ich lief verirrt und war verblendet, Ich suchte Dich und fand Dich nicht; Ich hatte mich von Dir gewendet Und liebte das geschaff'ne Licht; Nun aber ist's durch Dich geschehn, Daß ich Dich hab' mir ausersehn, ( Daß ich Dich hab' ersehn.) Ich danke Dir, Du wahre Sonne, Daß mir Dein Glanz hat Licht gebracht Ich danke Dir, Du Himmelswonne, Daß Du mich frei und froh gemacht; Ich danke Dir, Du süßer Mund, Daß Du mich machest ganz gesund. ( Daß Du mich machst gesund.) ( Vers 4 und 5 aus: Ich will Dich lieben, meine Stärke.) Apostelgesch. 9, 1-9. Saulus aber schnaubte noch mit Droben und Morden wider die Jünger des Herrn, und ging zum Sobenpriester, und bat ihn um Briefe gen Damaskus an die Schulen, auf daß, so er Etliche dieses Weges fånde, Männer und Weiber, er sie gebunden führete gen Jerusalem. Und da er auf dem Wege war, und nahe bei Damaskus fam, umleuchtete ihn plönlich ein Licht vom Simmel. Und er fiel auf die Erde und hörete eine Stimme, die sprach zu ihm: Saul, Saul, was verfolgest du mich? Er aber sprach: Serr, wer bist du? Der Herr sprach: Ich bin Jesus, den du verfolgest. Es wird dir schwer werden, wider den Stachel zu löcken. Und er sprach mit Jittern und 3agen: Herr, was willst du, daß ich thun foll? Der Herr sprach zu ihm: Stebe auf, und gehe in die Stadt; da wird man dir sagen, was du thun follft. Die Männer aber, die seine Gefährten waren, standen und waren erstarret; denn sie höreten eine Stimme, und sahen Tiemand. Saulus aber richtete sich auf von der Erde, und als er seine Augen aufthat, sabe er iemand. Sie nahmen ihn aber bei der Hand, und führeten ihn gen Damaskus. Und war drei Tage nicht sehend, und aß nicht, und trank nicht. Die Begegnung des Apostels Petrus mit dem Herrn in dem Schiffe auf dem See Genezareth und ebenso die Bekehrung des Paulus auf dem Wege nach Damascus haben Gemeinsames. Gemeinsam ist die unsichtbare Hand Gottes, die dort die Fische in's Netz treibt und hier Paulum schon einige Zeit vorher Zenge sein läßt von dem wunderbaren Märtyrertode des Stephanus. In beiden Fällen ist es der 437 Herr, der die Starken zum Raube nimmt. Und so ist es derselbe Herr, der auch über uns waltet und den Augenblick, so er noch nicht gekommen ist, über uns kommen lassen will, da wir vor Ihm niederfallen und sprechen: Herr, Du hast mich überwunden; ich bin ein sündiger Mensch, der ohne Dich nicht mehr leben kann. Pauli Bekehrung, wie der heilige Apostel dieselbe wiederholt selbst hinstellt, ist ein besonderes Wunder der ebenso starken, als gnädigen Hand Jeſu. Paulus wohnte in einem festen Schlosse, nämlich als vorzüglicher Pharisäer in der festen Meinung von seiner Gerechtigkeit nach dem Gesetze. Die Grundwahrheiten unseres Glaubens von Sünde, Guade, Erlösung durch Christi Blut, Wiedergeburt aus Gott waren ihm ein Dorn im Auge und er verfolgte die Jünger Jesu, die sich zu der Lehre Christi bekannten. Denn seitdem Christus gen Himmel gefahren ist und also der Haß der Finsterniß Ihn Selber in Seiner Person nicht mehr treffen kann, richtet sich der Haß des Satans auf die Gläubigen Christi. Deßhalb, obwohl Paulus nur Menschen, Christi Jünger verfolgt, spricht der Herr: Was verfolgst du Mich? Du- Mich!- welch ein Beginnen! Was ist größer, der Unverstand oder der Frevel bei dieser Verfolgung? O furchtbare Sünde, in der wir Feinde Gottes, des in Christo geoffenbarten Gottes sind! Zittern und Zagen überfällt den Apostel, als ihm diese Erkenntniß seines vergangenen Lebens aufgeht. Alle wahre Sündenerkenntniß demüthigt auf das Tiefste. Es kommt von der verborgenen Gnade Gottes in unsern Herzen, daß wir bei der erkannten Sünde nicht verzagen, wenn auch wohl zagen, sondern noch fragen mögen: Herr, was willst Du, daß ich thun soll? Paulus, der also innerlich empfänglich gemacht und zerbrochen war, wird nun auf die ordentlichen Gnadenmittel hingewiesen. Er ließ sich taufen, Vers 19. Er wurde mit dem heiligen Geiste erfüllt. Solchen Herzen, die da beten, wie es von Paulo so bezeichnend heißt: siehe, er betet( Vers 11), gelten die drei Gnadenmittel Taufe, Wort und Nachtmahl dasselbe, was dem lieben Abraham schon vor Zeiten die Brunnen in der Wüste galten. Selig sind, die da hungert und dürftet! In den Gnadenmitteln ist Speise und Trank für die elendesten und bekümmertsten Herzen. - 1 Gebet. Allmächtiger Gott, wir danken Dir, daß Du uns zu der Erkenntniß Deines Sohnes, unseres lieben Heilandes berufen hast. Weil aber der Satan uns nicht dazu will kommen lassen, so bitten wir Dich, Du wollest Selbst solche hohe Gnade der Erkenntniß Christi in uns wirken und uns darin bis an unser Ende erhalten. Amen. Vater Unser. 438 Mittwoch nach dem 5. nach Trinitatis. MeL: Lob sei bem allmächtigen Gott, ober: Bom Himmel hoch, da komm' ich her. Jesu, Du höchste Gütigkeit, Mein's Herzens Luft und beste Freub Du bist die unbegreiflich Güt, Dein Lieb umfäht all mein Gemüth. ( Vers 2 und 5 aus: O Jesu süß, wer Dein gebenkt.) Jefu, des Herzens Freud unb Wonn', Des Lebens Brunn, Du wahre Sonn, Dir gleichet nichts auf dieser Erd; In Dir ist, was man je begehrt. Apoftelgesch. 10, 42-48. Und er hat uns geboten zu predigen dem Volk und zu zeugen, daß Er ist verordnet von Gott ein Richter der Lebendigen und der Todten. Von diesem zeugen alle Propheten, daß durch seinen Namen Alle, die an ihn glauben, Vergebung der Sünden empfangen sollen. Da Petrus noch diese Worte redete, fiel der heilige Geist auf Alle, die dem Worte zuhöreten. Und die Gläubigen aus der Beschneidung, die mit Petro gekommen waren, entserten sich, daß auch auf die Heis den die Gabe des heiligen Geiftes ausgegoffen ward. Denn sie höreten, daß sie mit Jungen redeten und Gott boch priesen. Da antwortete Petrus: Mag auch Jemand das Wasser wehren, daß diese nicht getaufet werden, die den heiligen Geift empfangen haben, gleichwie auch wir? Und er befahl, sie zu taufen in dem Namen des Herrn. Hunger macht das Brod lieb und werth. Die Vergebung der Sünden ist das rechte Brod für die armen Sünder. Alle Propheten im alten und alle Apostel im neuen Bunde preisen den Menschen auf Erden eben diese Vergebung der Sünden als das unschätzbarste Gut. Die Vergebung der Sünden ist ein ebenso großes Gut, als die Sünde selbst ein großes Ulebel ist. Nun lehrt aber die Schrift und das ist eine wichtige Lehre, daß keine Sünde vergeben wird ohne Blutvergießen. Ebr. 9, 22. Denn die Sünde ist Blutschuld. Darum verbinden die heiligen Propheten die Vergebung der Sünden allezeit mit dem Namen, mit dem Blute Jesu. Der Hunger aber, der uns dieses Brod lieb macht, wird geweckt durch den Hinblick auf den jüngsten Tag, an welchem der von Gott verordnete Richter aller Lebendigen und Todten alle Schulden bis auf den Heller einfordern wird. Wer dieses Gericht, das gewiß ist, auf seine Seele wirken und eindringen läßt, wird je länger je mehr das, was Noth thut, erkennen nämlich die Vergebung aller Sünden und seine Hände danach ausstrecken. Dieses herzliche Sehnen nach der Vergebung ist der Hunger, den Gott in unsern Herzen wecken muß durch die Predigt Seines Wortes, wie Er dort in Cäsarea an Cornelius und seinen Hausgenossen that. Denn durch die Predigt des göttlichen Wortes wirkt der Heilige Geist und macht Auge und Ohr und Verlangen für die himmlischen Dinge, die uns sonst verborgen sind. Der Beist Gottes schafft den Glauben. Dort in Cäsarea wirkte der 439 Geist diesen Glauben an Christum, und darnach wurde die Gnade Gottes den vom Geiste der Predigt des Wortes Erleuchteten facramentlich durch die Taufe versiegelt als ein verbrieftes Eigenthum. Wir sind getauft in der Kindheit, und seit der Taufe schwebt der Geist Gottes über unseren Seelen und sucht sie zu Tempeln Gottes zu heiligen. Das gelingt demselben auch, wenn wir die Quellen des Geistes, nämlich die Zeugnisse der Propheten und Apostel an und in unser Herz lassen in ihrer Schärfe und in ihrer himmlischen Milde und Gütigteit. Wer da glaubet, wie die Schrift sagt, und getaufet wird, wird selig werden. Er wird auch mit den Christen in Cäsarea Gott hoch preisen wegen des Reichthums Seiner Gnade und Wahrheit und wird gleich jenen, die Petrum baten, er möchte einige Tage dort bleiben, Gemeinschaft haben mit den heiligen Aposteln im Worte Gottes, im Glauben, in der Liebe, in der Geduld. Gebet. Christe, lieber Herr und Meister, Du hast uns den rechten Sinn Deines Wortes aufgethan, mehre und stärke uns denselbigen, und hilf dazu, daß wir auch darnach leben und thun; Dir sei Lob und Dank sammt Vater und heiligem Geist in Ewigkeit. Amen. Bater Unser. 3 mestia in th Donnerstag nach dem 5. nach Trinitatis. Der Glaub' ist eine Zuversicht Zu Gottes Gnad' und Güte; Der bloße Beifall thut es nicht, Es muß Herz und Gemüthe Zu Gott völlig gerichtet sein Und gründen sich auf Ihn allein Ohn' Wanken und ohn' Zweifel. Mel: Es ist das Heil uns kommen her. har Wer sein Herz also stärkt und steift In völligem Vertrauen Und Jesum Christum recht ergreift, Auf Sein Verdienst thut bauen: Der hat des Glaubens rechte Art Und kann zur seligen Hinfahrt Sich schicken ohne Grauen. ( Vers 1 und 2 aus: Der Glaub' ist eine Zuversicht.) Ebr. 11, 1-7. Es ist aber der Glaube eine gewisse Juversicht deß, das man hoffet, und ichtzweifeln an dem, das man nicht siehet. Durch den baben die Alten Jeugniß über kommen. Durch den Glauben merken wir, daß die Welt durch Gottes Wort fertig ist; daß Alles, was man fiehet, aus nichts geworden ist. Durch den Glauben bat Abel Gott ein größer Opfer gethan, denn Rain; durch welchen er Zeugniß überkommen hat, daß er gerecht sei, da Gott zeugete von seiner Gabe; und durch denselbigen redet er noch, wiewohi er geftorben ist. Durch den Glauben ward Enoch weggenommen, daß er den Tod nicht sabe 440 and ward nicht erfunden, darum, daß ihn Gott wegnahm; denn vor feinem Wegnehmen bat er Jeugniß gehabt, daß er Gott gefallen habe. Aber ohne Glauben ist es unmöglich Gott gefallen; denn wer zu Gott kommen will, der muß glauben, daß er sei, und denen, die ihn suchen, ein Vergelter sein werde. Durch den Glauben bat Moab Gott geehret, und die Arche zubereitet zum Heil seines Hauses, da er einen göttlichen Befehl empfing von dem, das man noch nicht sabe; durch welchen er verdammete die Welt, und hat ererbet die Gerechtigkeit, die durch den Glauben kommt. Es wird kein Meister geboren; das gilt auch in Betreff des Glaubens. Petrus glaubte freilich, als er nach vergeblicher Nachtarbeit das Netz auswarf mit den Worten: aber auf Dein Wort will ich das Netz auswerfen. Mit dem Aber schlägt er die eigene Weisheit und Meinung zu Boden. Sein Glaube rang sich los von den Einwürfen seines Verstandes, die ihren eigentlichen Grund in dem Herzen haben. So glaubte er denn. Wenn mithin der Glaube eine gewisse Zuversicht ist deß, das man hoffet, und Nichtzweifeln an dem, das man nicht siehet, so darf solche Wahrheit unser Herz nicht erschrecken und von Gott abtreiben, als sei es für uns unmöglich, dahin zu kommen, sondern wir sollen uns nur Gott ununterbrochen hingeben und Sein Wort an uns lassen, so wird Der, Der den sichtbaren Himmel über uns gebaut hat durch Sein Wort, den Himmel auch in uns bauen; Gott Selbst, der es allein kann, schafft in willigen Herzen das sehnliche Verlangen zu glauben und den Glauben selbst. Man ängstige sich also nicht mit verzweifelten Gedanken sondern fange sogleich an zu glauben die allereinfachste, aber herrlichste Wahrheit, daß ein lebendiger Gott ist. Warum soll ich das nicht herzlich, fest glauben? Es ist ja die Wahrheit, die ich so wenig Ursache habe zu bezweifeln, als daß eine Sonne am Himmel steht. Aber man bleibe in der Uebung des Glaubens. Man glaube herzlich diesem Gott auf Sein Wort ein Weiteres und lasse sich nicht immer wieder von den Einwürfen des Kopfes und des Herzens lahmlegen; man wird bei ernstlichem Suchen nicht bloß suchen sondern auch finden. Ja, man lebt sich mit der Zeit in die unsichtbare Welt hinein, die Zweifel werden als Zweifel erkannt und dürfen doch die Wahrheit nicht mehr aus dem Herzen verdrängen. Die Erfahrungen, die der gnädige Gott Einen machen läßt von Seiner im Glauben ergriffenen Kraft und Wahrheit, demüthigen wohl, aber sie machen auch williger, sich ganz Gott zu ergeben und ohne Zweifel an Seine Gnade und Treue zu glauben. Haben nun auch Abel, Enoch, Noah und Andere besondere Thaten des Glaubens gethan, so weiß man, daß in dem Hause Gottes verschiedene Gefäße sind, eins größer als das andere. Aber sein Maaß von Glauben empfängt jeber Gläubige, daß er endlich mit gewisser Zuversicht und ohne Zweifel Christum als sein Eigenthum ansehen und zu Gott sprechen kann: Lieber Vater, ich bin Dein gehorsames, dankbares 441 Kind. Kannst du das sagen, dann ist dir reichlich vergolten, was bu an Mühen und Kämpfen um des Glaubens willen ertragen haſt. Gebet. Herr Jesu Christe, ich weiß ja, daß der wahre christliche Glaube und das Herzliche Vertrauen auf Deinen Namen eine edle, freie Gabe Gottes ist, die gegeben wird denen, die Deinem Worte gehorchen. Ich danke Dir, daß Du dies heilige Licht auch in meinem Herzen angezündet und mir gegeben hast, daß auch ich obwohl noch mit großer Schwachheit jedoch mit solchem schwachen Glauben all meine Zuversicht auf Dich allein setze. Mein Heiland, erhalte und mehre in mir den Glauben bis an mein seliges Ende. Amen. Vater Unser. Freitag nach dem 5. nach Trinitatis. Meinen Jesum laß ich nicht; Weil Er Sich für mich gegeben, So erfordert meine Pflicht, Klettenweis an Ihm zu kleben. Er ist meines Lebens Licht, Meinen Jesum laß ich nicht. Eigene Melodie. Nicht nach Welt, nach Himmel nicht Meine Seele wünscht und stöhnet; Jesum wünscht sie und Sein Licht, Der mich hat mit Gott verföhnet, Der mich freiet vom Gericht; Meinen Jesum laß ich nicht. ( Vers 1 und 5 aus: Meinen Jesum laß ich nicht.) Marc. 1, 16-22. Da er aber an dem galiläischen Meer ging; sabe er Simon und Andreas, seinen Bruder, daß sie ihre Nene in's Meer warfen, denn sie waren Sischer. Und Jesus sprach zu ihnen: Solget mir nach; ich will euch zu Menschenfischern machen. Alsobald verließen sie ihre ene, und folgten ihm nach. Und da er von dannen ein wenig fürbaß ging, fabe er Jacobum, den Sohn Jebedåí, und Johannem, feinen Bruder, daß sie die Netze im Schiff flickten; und bald rief er sie. Und sie ließen ihren Vater Jebedaus im Schiff mit den Tagelöhnern, und folgten ihm nach. Lind sie gingen nach Capernaum; und bald an den Sabbathen ging er in die Schule, und lehrete. Und fie entsetzten sich über seine Lebre; denn er lehrete gewaltiglich, und nicht wie die Schriftgelehrten. Zu dem mannigfachen Unterschiede zwischen der Schule Jesu und der Pharifäer gehört auch das, daß die Pharisäer für Andere Lasten binden, die sie selbst nicht mit einem Finger anrühren; hingegen in der Schule Jefu muß man selbst vorwandeln; man darf da von keinem Andern fordern, was man selbst nicht thut. Darum haben auch die heiligen Apostel, ehe sie den Andern predigen konnten, selbst hören müssen. Und wie willig ließen sie sich bald finden, Jesu Wort zu 442 hören! Zwei Brüderpaare werden von dem Herrn berufen und das ist besonders köstlich, wenn die Bande der Natur geheiligt werden durch das Wort des Lebens und das Werk der Gnade. Christi Beruf und Wort bewies sich an diesen gar kräftig und feurig; denn sie verließen Alles und folgten Jesu nach, und weder die eine noch die andere Entschuldigung bringen sie vor. Hier sind es Netze und Fische, bei Mose waren es Reichthümer und Wohlleben, die es zu verlassen galt. Nur die Finsterniß unsrer Augen läßt uns das Sichtbare so groß und hoch ansehen; wo Christi Wort und Geist Licht und Feuer im Herzen werden, bekommen die irdischen Dinge ihre rechte Gestalt, daß sie nämlich Staub sind und darum, wo Gott es fordert, nicht mit Unluſt müssen verleugnet werden. Alles verlassen und Alles finden liegt ohnedem nahe bei einander. Denn Jesus ist es, Jesus Christus Selbst, dem wir folgen sollen. Die Engel wünschen Jedem Glück, der Christo folgt; denn sie sehen auf diesem Wege den Menschen ein zeitliches und ewiges Glück erlangen. Darum nämlich, weil wer Christo folgt, keine Zeit, Lust und Freiheit mehr hat, seinen Lüsten, nämlich der Hoffart, Augenlust und Fleischeslust zu folgen, welche Lüste doch nur die Mörder der Seele sind. Dagegen findet man bei Christo die gewaltige Lehre, das Evangelium von der Gnade und Liebe Gottes und alle Schätze der Weisheit und der Erkenntniß. Wie also nun? Man soll nicht als eine verdrießliche Sache ansehen, dies und das zu verlassen und in seinem Leben und Herzen abzuthun; sondern man soll Gott herzlich bitten um den fröhlichen Geist, der Jesu sich ganz zu eigen gibt und bald erfährt, daß je mehr man verläßt, je mehr man gewinnt. Bei der Erkenntniß Jesu des Gekreuzigten stirbt Alles in unserm Herzen, was uns den Frieden stört; dagegen finden wir in Christo die allein wahren Schätze. Also gilt es Ihm nachzufolgen! Gebet. Herr, der Du den Müden Kraft gibst und Stärke genug den Unvermögenden, gib auch mir neue Kraft, Muth und Stärke durch Deinen Heiligen Geist, daß ich auffahre mit Flügeln wie ein Adler, daß ich laufe und nicht matt werde, wandele und nicht müde werde. Hilf mir, o mein Gott, daß ich Deines lieben Sohnes Jünger und Nachfolger sei. Amen. Ont dol Vater Unser. 100 201 A 443 Sonnabend nach dem 5. nach Trinitatis. Mel.: Wer nur den lieben Gott läßt walten. Ich bin getauft auf Deinen Namen, Gott Vater, Sohn und Heil'ger Geist. Ich bin gezählt zu Deinem Samen, Zum Volk, das Dir geheiligt heißt. Ich bin in Christi Tod gesenkt, Ich bin mit einem Geist beschenkt. Mein treuer Gott, auf Deiner Seite Bleibt dieser Bund wohl feste steh'n; Wenn aber ich ihn überschreite, So laß mich nicht verloren geh'n. Nimm mich, Dein Kind, zu Gnaben an, Wenn ich hab' einen Fall gethan. ( Vers 1 und 4 aus: Ich bin getauft auf Deinen Namen.) Röm. 6, 3-11. Wisset ihr nicht, daß Alle, die wir in Jefum Chrift getaufet sind, die sind in seinen Tod getauft? So sind wir je mit ihm begraben durch die Taufe in den Tod, auf daß, gleichwie Chriftus ist auferwecket von den Todten, durch die Serrlichkeit des Vaters, also sollen auch wir in einem neuen Leben wandeln. So wir aber sammt ihm gepflanzet werden zu gleichem Tode, so werden wir auch der Auferstehung gleich sein: Dieweil wir wissen, daß unser alter Mensch fammt ihm gekreuziget ist, auf daß der sündliche Leib aufhöre, daß wir hinfort der Sünde nicht dienen. Denn wer gestorben ist, der ift gerechtfertiget von der Sünde. Sind wir aber mit Chrifto geftorben, so glauben wir, daß wir auch mit ihm leben werden; und wissen, daß Christus, von den Todten erweckt, hinfort nicht stirbt; der Tod wird hinfort über ihn nicht herrschen. Denn das er gefforben ist, das ist er der Sünde gestorben zu Einem Mal; das er aber lebet, das lebet er Gott. Also auch ihr, haltet euch dafür, daß ihr der Sünde gestorben seid, und lebet Gott in Christo Jesu, unserm Herrn. Damit Niemand in seinen Sünden verzweifele und in Anfechtung und Tod trostlos sei, so ist es billig und nöthig, daß man die Leute öffentlich berichte, daß unsere Seligkeit nicht bestehe in guten Werken, sondern allein in dem theuren Verdienste Jesu Christi, unseres Herrn. So schreibt Paulus: So halten wir es nun( das ist die Schlußmeinung, darauf wir leben und sterben und gedenken selig zu werden), daß der Mensch gerecht werde ohne des Gesetzes Werke allein durch den Glauben. Aus Gnaden seid ihr selig worden durch den Glauben, und dasselbe nicht aus euch; Gottes Gabe ist es, nicht aus den Werken, auf daß sich nicht Jemand rühme. Denn wenn wir alles gethan haben, was uns befohlen ist, so müssen wir sprechen: Wir sind unnütze Knechte, wir haben gethan, was wir zu thun schuldig waren; und dazu sind alle unsere guten Werke so mit Sünde befleckt, gefärbt und durchwachsen, daß Luther recht hat, wenn er singt: Es ist doch unser Thun umsonst auch in dem besten Leben. Es muß bei dem täglichen, ja stündlichen Kyrie Eleison, oder Herr erbarme 444 Dich unser verbleiben. Das Gesetz ist unser Zuchtmeister auf Christum; Christus ist des Gesetzes Ende und unsere Gerechtigkeit, die vor Gott gilt. Aber dieser theure Schatz, der im Acker unserer Kirche verborgen liegt und gehoben wird, soll nicht lasse Hände und träge Kniee machen. Dies Heiligthum soll nicht vor die Hunde geworfen werden. Der Leichtfertige könnte dieses seligen evangelischen Trostes mißbrauchen und Gift aus der schönsten Blume saugen und denken: hat es diese Meinung, daß ich doch nur aus Gnaden selig werden kann, so will ich das Frommsein nicht so eifrig treiben, ich will mein Leben erst genießen; das Kyrie Eleison kann zuletzt kommen. Und es gibt heut zu Tage der rechten Thatchristen so wenig, daß man jetzt wohl von evangelischen Leuten sagen möchte, was Jes. 13, 12 stehet: daß ein Mann theurer sei denn fein Gold, und ein Mensch werther denn ein Goldstück aus Ophir. Obigen leichtfertigen Christen, welche die Gnade Gottes auf Muthwillen ziehen, antwortet Paulus scharf in dieser Epistel und will ihnen gleichsam das in's Ohr gesagt haben: Nimm dich in Acht, es kostet Leib und Leben. Er führt aus in der Epistel: Wir sind getaufte Christen, darum sollen wir auch so leben, daß ein Unterschied sei zwischen uns und ungetauften Juden und Heiden. Wir sind in Jesum Christ getauft, in Sein Kreuz, Tod, Begräbniß, Auferstehung und Leben. Deswegen sollen wir leben, daß sich's mit diesem reime. Wir sollen gleich und ähnlich werden dem Ebenbilde des Sohnes Gottes bei Leibesleben: die Malzeichen des Todes des alten Menschen an uns tragen und im neuen Menschen auferwecket, täglich erneuert im Geiste des Gemüthes unsres Glaubens leben, wenn wir Ihm wollen ähnlich werden in der Herrlichkeit. Liegt in dem Getauftsein auf und in Christi Tod der heilige Trost: nicht mehr, denn lieber Herre mein, Dein Tod soll mir das Leben sein, Du haft für mich bezablet, so liegt auch eine hochwichtige Bedeutung und Verpflichtung für den Christen in der heiligen Taufe: Sie bedeutet, daß der alte Adam in uns durch tägliche Reue und Buße soll ersäuft werden und sterben mit allen Sünden und bösen Lüsten, und wiederum täglich heraus= kommen und auferstehen ein neuer Mensch, der in Gerechtigkeit und Reinigkeit vor Gott ewiglich lebe. Gebet. Das walt unser Erlöser Jesus Christus, mit welchem wir Alle durch die Taufe begraben sind in den Tod, auf daß, gleichwie Er auferwecket ist von den Todten durch die Herrlichkeit des Vas ters, wir auch also in einem neuen Leben wandeln. Hochgelobt sammit Gott Seinem himmlischen Vater und Heiligem Geiste in Ewigkeit sei Sein heiliger Name! Amen. Vater Unser. Bin 445 6. Sonntag nach Trinitatis. Mel.: Es ist das Heil uns kommen her. Es wird die Sünd' durch's G'setz erkannt Die Werk die kommen g'wißlich her Und schlägt das G'wissen nieder; Aus einem rechten Glauben; Das Evangelium kommt zu Hand Und stärkt den Sünder wieder; Denn das nicht rechter Glaube wär', Wolltst ihn der Werk berauben. Doch macht allein der Glaub' gerecht, Die Werk die sind des Nächsten Knecht, Dabei wir'n Glauben merken. ( Vers 9 und 10 aus: Es ist das Heil.) Es spricht: Nur kreuch zum Kreuz herzu; Im G'setz ist weder Rast noch Ruh Mit allen seinen Werken. Matth. 5, 20-26. Denn ich sage euch: Es sei denn eure Gerechtigkeit beffer, denn der Schriftgelehrten und Pharifåer, so werdet ihr nicht in das Simmelreich kommen. Ihr habt gehöret, daß zu den Alten gesagt ift: Du sollst nicht tödten; wer aber tödtet, der soll des Gerichts schuldig sein. Ich aber fage euch: Wer mit seinem Bruder zürnet, der ist des Gerichts schuldig; wer aber zu seinem Bruder sagt: Racha, der ist des Raths schuldig; wer aber sagt: Du Marr, der ist des höllischen Seuers schuldig. Darum, wenn du deine Gabe auf dem Altar opferst, und wirft allda eindenken, daß dein Bruder etwas wider dich habe; so laß allda vor dem Altar deine Gabe, und gehe zuvor hin, und versöhne dich mit deinem Bruder; und alsdann komm, und opfere deine Gabe. Sei will fårtig deinem Widersacher bald, dieweil du noch bei ihm auf dem Wege bist, auf daß dich der Widersacher nicht dermaleinft überantworte dem Richter, und der Richter überantworte dich dem Diener, und werdest in den Kerker geworfen. Ich sage dir: wahrlich, du wirst nicht von dannen herauskommen, bis du auch den letzten Seller bezahlest. Wenn auch nach Gottes Wort mit Recht zwischen der Gerechtigkeit des Glaubens und der Lebensgerechtigkeit unterschieden wird, so darf man doch beiderlei Gerechtigkeit nicht trennen. Denn die Lebensgerechtigkeit kann nicht sein ohne die Gerechtigkeit durch den Glauben an Christum, und diese kann man nicht haben, ohne den Schein und die Kraft des Glaubens von sich zu geben. Der Herr verwirft die Gerechtigkeit der Pharisäer. Die Pharisäer machten einmal einen bösen Unterschied zwischen den Geboten Gottes. Um Einiges wie um die Ruhe am Sabbath eiferten sie, Anderes ließen sie dahinten. Sodann legten sie ihren eigenen, menschlichen Sinn in das Gebot Gottes, z. B. in das fünfte, statt demüthig nach dem göttlichen Sinne zu forschen. Den Schaden hatten sie selbst davon; denn statt durch die Gebote Gottes in eine ernſtliche, demüthigende Sündenerkenntniß geführt zu werden, waren und blieben sie selbstzufrieden und verlangten nicht nach dem Heile Gottes, 446 nämlich nach Vergebung der Sünden. Wenn solcher Irrthum durch die Länge der Zeit und das Ansehen der Menschen gefördert wird, kann er Viele betrügen. Der Herr Jesus mun offenbart den eigentlichen, dem Gesetze Gottes innewohnenden Sinn und verfolgt die Sünde bis in die Lust und die Gedanken des Herzens. Wer mit seinem Bruder zürnet, ist des Gerichtes schuldig, und wer schuldig ist, wär's auch nur einen Heller, kommt nicht los, bis er bezahlt hat. Wo solche göttliche Wahrheiten unser Herz erfassen, wird man sich nicht mehr mit einem äußeren ehrbaren Leben zufrieden geben können; alle Versuche, dem göttlichen Gesetze gerecht zu werden, mißglücken an der bösen Lust des Herzens. Und das soll so sein; das Geset muß uns arm machen, damit uns das Evangelium süß werde. Da dankt man es Gott mit Freuden, daß das erste Wort Jesu an uns ist: selig sind, die da geistlich arm sind, denn das Himmelreich ist ihr; selig sind, die da hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit. Das sind Leute, die einerseits ganz gewiß die Gerechtigkeit nicht im eigenen Besige haben, andererseits darnach hungern und dürften also sehr verlangen. Sie finden die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, in dem Glauben an Christum. Und mit diesem Glauben kommt ein neues Wesen und ein neuer Geist; man empfängt Kräfte, die Sünde zu tödten und nach dem Worte Gottes zu leben auch in Willfärtigkeit und Versöhnlichkeit. - Die Epistel des heutigen Sonntages redet von der heiligen Taufe, in der uns Christus mit Seiner Gerechtigkeit geschenkt ist. Nur auf diese Weise als ein frei und umsonst geschenktes Gut können wir die Gerechtigkeit Gottes empfangen; aber durch aufrichtige Buße sollen wir sie rein bewahren, durch wahrhaftigen Glauben uns an Christum hängen und durch die Liebe in Ihn versenken. Damit ist die heilige Taufe zu ihrer rechten Kraft gekommen und wir zu dem rechtschaffenen Wesen in Christo. Gebet. Ach, lieber Herr Gott, gehe nicht in's Gericht mit uns armen Sündern. Siehe an das theure Verdienst Christi und laß uns Seine Gerechtigkeit ewig genießen. Regiere auch unsere Herzen mit Deinem heiligen Geiste, daß wir in Deiner Furcht, rechtem Glauben und christlicher Liebe wandeln, vor Vermessenheit und Sicherheit uns hüten und also die Qual des ewigen Kerkers nicht sehen mögen um Jesu Christi, Deines Sohnes, unseres Mittlers willen. Amen. Bater Unser. 447 Montag nach dem 6. nach Trinitatis. Mel.: Nun laßt uns Gott, dem Herrn. Sprich: Ja, zu meinen Thaten, Hilf selbst das Beste rathen; Den Anfang, Mitt'l und Ende Ach, Herr, zum Besten wende. Mit Segen mich beschütte, Mein Herz sei Deine Hütte; Dein Wort jei meine Speise, Bis ich gen Himmel reise. ( Vers 9 und 10 aus: Wach auf, mein Herz, unb finge.) Jef. 43, 21-28. Dies Volk habe ich mir zugerichtet, es foll meinen Ruhm erzäh. len. Nicht, daß du mich båtteft gerufen, Jakob, oder, daß du um mich gearbeitet båtteft, Jsrael. Mir zwar haft du nicht gebracht Schafe deines Brandopfers, noch mich geehret mit deinen Opfern; mich hat deines Dienftes nicht gelüftet im Speisopfer, babe auch nicht Luft an deiner Arbeit im Weihrauch; mir haft du nicht um Geld Kalmus gekauft; mich hast du mit dem Setten deiner Opfer nicht erfüllet. Ja, mir haft du Arbeit gemacht in deinen Sünden, und haft mir Mühe gemacht in deinen Missethaten. Ich, Ich tilge deine Lebertretung um meinetwillen, und gedente deiner Sånden nicht. Erinnere mich, laß uns mit einander rechten; fage an, wie du gerecht willst sein. Deine Voråltern baben gefündiget, und deine Lehrer haben wider mich mißgehandelt. Darum habe ich die Sürsten des Heiligthums entheiliget, und habe Jakob zum Bann gemacht, und Israel zum Sohn.. Die Die Pharisäer, von denen die heiligen Evangelien so oft erzählen, als von den Widersachern Christi, darf man nicht so weit suchen. Der Pharisäer steckt in jedem Menschenherzen, und es ist die Unart des uns von Adam angeerbten Bösen, daß wir eigenen Ruhm und Verdienst suchen. Als ob wir mit unsern Gebeten und Werken die Barmherzigkeit Gottes verdienen könnten! Als ob wir zum größten Theil doch durch unsern eigenen Willen und Vortrefflichkeit und nur in etwas durch Gottes Gnade könnten gerecht werden! Sage an, wie willst du gerecht sein? Der Mensch hat ein unüberwindliches Bedürfniß, gerechtfertigt und gerecht zu sein; auch der gottlose Mensch sucht seine Rechtfertigung, und kann er sich nicht anders aus der Schlinge ziehen, so leugnet er zuletzt den persönlichen Gott und die Ewigkeit. Die Wahrheit ist allein diese, daß wir Gott auf tausend nicht eins antworten können, und daß vor Gott kein Lebendiger gerecht ist. So wenig können wir uns aus dem Unsrigen rechtfertigen, daß vielmehr allein die Mühe und Arbeit Jesu Christi uns retten kann. Jedes der heiligen zehn Gebote findet an uns einen Schuldigen, und eben das Bewußtsein der Schuld ist es, was uns nimmer zur Ruhe kommen läßt. Nur die Erkenntniß Chrifti, wie Er gestorben ist für unsere Sünde nach der Schrift, d. h. indem Er die gesammte Sünde der Welt auf 448 Sich nahm und mit viel Gebet und Mühe und Arbeit getilgt hat, tann ein erleuchtetes Herz trösten und erquicken. Die Frucht dieses wunderbaren Leidens Christi ist die Vergebung aller Sünden und das Woblgefallen Gottes über die, die da glauben. Aber auch dieser Glaube ist Gottes Werk; nur durch die fortwährenden Einwirkungen Gottes des Heiligen Geistes ist es uns möglich, daß wir Christum suchen und im Glauben an Sein Wort finden. Ohne diesen Geist siechen und tränkeln die Seelen in Unmuth und Luft dem Tode entgegen. Darum muß auch die letzte Faser unseres Herzens, mit der wir in pharisäischer Art hochmüthig und selbstherrlich sind, zerschnitten werden, damit wir auf die Stimme Gottes: Dies Volk habe Ich Mir zugerichtet, es soll Meinen Ruhm verkündigen", antworten mögen: Ja, Gott allein die Ehre. Du bist der Herr und außer Dir ist kein Heiland. Du hast uns erkauft, erworben und gewonnen. 11 Gebet. Herr Jesu Christe, Du hast mich verlorenen und verdammten Menschen erworben und gewonnen von allen Sünden, vom Tode und von der Gewalt des Teufels. Dir leb ich und Dir sterb ich, Dein bin ich todt und lebendig, mach mich nur selig. Amen. Vater Unser. Dienstag nach dem 6. nach Trinitatis. Mel.: Es ist gewißlich an der Zeit. Schaff' in mir, Gott, ein reines Herz, Mein Herz ist ganz verderbet; Es fühlt von Sünden großen Schmerz, Die ihm sind angeerbet, Und die es noch thut ohne Scheu. Ach! mache, daß es wieder sei, Wie Du es haft erschaffen. Gib mir auch einen neuen Geist, Der wie Du sei gefinnet; Der stets Dir anhang allermeist Und, was Du willst, beginnet. Gib, daß er hafse Fleisch und Blut, Den Glauben üb' in sanftem Muth, Zucht, Demuth, Hoffnung, Liebe. ( Vers 1 und 2 aus. Schaff in mir, Gott.) Matth. 5, 27-30. und 3. Mose 11, 45. Ihr habt gehöret, daß zu den Alten gesagt ift: Du sollst nicht ehebrechen. Ich aber fage euch: Wer ein Weib ansiehet, ihrer zu begehren, der hat schon mit ihr die Ehe gebrochen in seinem Herzen. Nergert dich aber dein rechtes Auge; so reiß es aus, und wirf es von dir. Es ist dir besfer, daß eins deiner Glieder verderbe, und nicht der ganze Leib in die Hölle geworfen werde. Nergert dich deine rechte Sand; so baue sie ab, und wirf sie von dir. Es ist dir besser, daß eins deiner Glieder verderbe, und nicht der ganze Leib in die Sölle geworfen werde. Denn Ich bin der Herr, der euch aus Egyptenland geführet hat, daß ich euer Gott sei. Darum follt ihr heilig sein, denn Ich bin beilig. 449 s ist ein ebenso schönes als nothwendiges Gebet, das der Pfalmist vor Gott bringt: laß meinen Gang gewiß sein in Deinem Worte. Zu diesem gewissen Gange im Worte Gottes gehört auch, daß man jede der göttlichen Wahrheiten in ihrer ganzen Kraft und an ihrem besonderen Orte erkenne. So muß uns die Gnade Gottes eben die Gnade sein d. i. Etwas, das uns ganz umsonst und frei geschenkt wird. So muß uns das Gesetz Gottes eben Gesetz sein d. i. etwas unabänderlich von Gott Festgestelltes, das man nur mit höchster Seelengefahr verletzt. Und ist Jemand durch das Gesetz als einen Zuchtmeister zu Christo gekommen, der den Fluch des Gesetzes denen, die an Ihn glauben, abnimmt, so ist er wohl von diesem Fluche aber nicht von der Erfüllung des Gesetzes entbunden. Vielmehr soll und wird ein gläubiger Christ sich dem buchstäblichen und geistlichen Sinne des göttlichen Gesetzes nicht blos unterwerfen sondern demselben sich mit Leib und Seel entgegenstrecken. Das sechste Gebot, wie es der Heiland hier auslegt, schärft uns den Ernst und die heilige Allgegenwart und Allwissenheit Gottes in's Herz hinein. So muthwillig und frech die Welt urtheilt und siunt, so heilig ist der Geist des Wortes, dem wir offenbar sind. So herzlich wir glauben und singen von Jesu: All' Sünd' hast Du getragen, sonst müßten wir verzagen, ebenso herzlich begehren wir Ihm zu Liebe und zu Gefallen zu sein. Das ist auch die höchste Noth. Denn wir denken Heimwärts an die ewige Gemeinschaft des dreieinigen, heiligen Gottes. Gott ist heilig, ein Licht und ein Fener. Da wäre es ja die Hoffnung des Gottlosen, die verloren ist, wenn wir auf die ewige Herrlichkeit hoffen und in Finsterniß wandeln wollten. Schon in dieser Zeit, da das Reich Gottes noch in Hüllen ist, kann der reine Geist Gottes nicht bei frechen Herzen und losen Zungen wohnen. Und ob wir darum arme Sünder sind, denen die Sünde angeerbt ist, so freuen wir uns doch der vorhandenen neuen Creatur in uns, die wider das Fleisch gelüſtet und begehrt, nach dem schönen Bilde Christi ausgebildet zu werden. Es ist uns mithin keine mosaische sondern eine evangelische, wenn auch sehr ernste Ermahnung, das ärgernde Auge auszureißen und die ärgernde Hand abzuhauen. Wer die Sünde nicht will, ernstlich nicht will, darf auch die Sündenlust und Sündengelegenheit nicht wollen. Es soll uns unvergessen sein, daß unser Herr diese Ermahnung in unmittelbarer Verbindung mit dem sechsten Gebot gesprochen hat. Gebet. Lieber Herr Gott, Du bist heilig und wir sollen heilig sein durch Christum, unsern Heiland. Ich bitte Dich für mich und alle Welt, Du wolleft uns Gnade geben, Dein Gebot mit Lust und Liebe zu halten, daß wir kensch und züchtig leben in Worten und Werken und auch Andern dazu helfen und rathen. Amen. Vater Unser. 29 450 Mittwoch nach dem 6. nach Trinitatis. Mel.: Herr Jesu Christ, Dich zu uns wend'. Erneure mich, o ew'ges Licht, Und laß von Deinem Angesicht Mein Herz und Seel' mit Deinem Schein Und nichts sonst, als was Du willst, will. Durchleuchtet und erfüllet sein. Ach, Herr, mit ihm mein Herz erfüll'. ( Vers 1 und 8 aus: Erneure mich.) Schaff in mir, Herr, den neuen Geist, Der Dir mit Lust Gehorsam leist' Sprüche Sal. 4, 13-24. Saffe die Sucht, laß nicht davon; bewahre sie, denn sie ist dein Leben. Komm nicht auf der Gottlosen Pfad, und tritt nicht auf den Weg der Bösen. Laß ihn fahren, und gehe nicht darinnen; weiche von ihm, und gehe vorüber. Denn sie schlafen nicht, sie haben denn übel gethan; und sie ruhen nicht, sie haben denn Schaden gethan. Denn sie nähren sich von gottlosem Brodte, und trinken vom Wein des Srevels. Aber der Gerechten Pfad glänzet wie ein Licht, das da fortgeht, und leuchtet bis auf den vollen Tag. Der Gottlosen Weg aber ist wie Dunkel, und wissen nicht, wo sie fallen werden. Mein Sohn, merke auf mein Wort, und neige dein Ohr zu meiner Rede. Laß sie nicht von deinen Augen fahren, behalte sie in deinem Herzen. Denn sie sind das Leben denen, die sie finden, und gesund ihrem ganzen Leibe. Behüte dein Herz mit allem Sleiß; denn daraus gehet das Leben. Thue von dir den verkehrten Mund, und laß das Lästermaul fern von dir sein. Die sehr zahlreichen Ermunterungen, die wir in der heiligen Schrift finden, offenbaren uns ebenso sehr die zärtliche Vaterliebe Gottes, der Seine Kinder aus göttlicher Macht in dieser argen Welt zu bewahren trachtet, als sie uns auch die höchste Bedürftigkeit und Gebrechlichkeit des menschlichen Herzens anzeigen, das täglich guter Lehren und eines Stachels zur Gottseligkeit bedarf. Von den Gottlosen nicht zu reden, die eben gottlos sind und die Zucht Gottes von sich werfen, so sind es die gläubigen Christen, welche die göttliche Lehre zu fassen vermögen, eben weil sie gläubig sind, die aber auch dieser Ermahnungen gar sehr bedürfen, weil sie Fleisch und Blut haben und nicht lauter Geist sind sondern im Geiste die Geschäfte des Fleisches tödten. Da spricht denn die ewige Weisheit gar lieblich: merke auf Mein Wort, neige dein Ohr zu Meiner Rede. Wir müssen eine zarte, innige Luft zu Gottes Wort haben. Es gilt hier, den Weg der Bösen, den Pfad der Gottlosen, der sich durch alle Berhältnisse des menschlichen Lebens wie eine Schlange hindurchzieht, zu erkennen und fahren zu lassen mit ganzem Ernste. Ja mit ganzem Ernste, denn die Sünde ist überall der Menschen Verderben; Dunkel und Finsterniß ist das häßliche Wesen der Sünde, auch der geschminkten Sünde, Unruhe und Qual ist der saure Lohn aller Seelen, die Böses thun. Gottes Reich 451 dagegen ist lauter Licht und Wahrheit, Gerechtigkeit und Friede; Gottes Rechte sind lauter Leben denen, die sie finden. Und sie lassen sich wohl von uns Menschen finden, wer nur sein Herz behütet mit allem Fleiß und in geistlicher Wachsamkeit einhergeht, daß er auch die böſe Lust des Herzens nicht will. Sein Herz behüten- das macht freilich Arbeit; denn der Wächter darf nicht schlafen und muß sehen, wie es drinnen zugeht, ob der Glaube lebendig, die Buße ernstlich, die Liebe beständig ist. Aber keine Arbeit ist so lohnend wie diese; denn weil aus dem Herzen das Leben geht, so wird aus einem bewachten, in der Zucht Gottes stehenden Herzen keine muthwillige Sünde hervorgehen können; verkehrter Mund muß ferne sein, und die Ungerechtigkeit hat keinen Boden mehr, worauf sie wuchern kann. Und Gott spricht: daß du auf Meine Gebote merktest, so würde dein Friede sein wie ein Wasserstrom und deine Gerechtigkeit wie Meereswellen. Was Er aber sagt, das hält Er gewiß. Gebet. Ach, Du starker, unwandelbarer Gott, treu und wahrhaftig, ich klage Dir meines Herzens Unbeständigkeit. Mein Geist ist willig, aber mein Fleisch ist schwach. Darum sagst Du mir, daß ich wachen und beten soll. O Herr, ich bin bereit. So wollest Du mein Herz befestigen, mir einen starken Muth geben, daß ich die Welt und die bösen Lüste meines Fleisches dämpfe. Mit allen Deinen Kindern vollbereite, stärke, kräftige und gründe mich. Amen. Vater Unser. Donnerstag nach dem 6. nach Trinitatis. Mel.: Wachet uuf, ruft uns bie Stimme. Jesu, stärke Deine Kinder Und mach aus denen Ueberwinder, Die Du erkauft mit Deinem Blut. Schaff' in uns ein neues Leben, Daß wir uns stets zu Dir erheben, Wenn uns entfallen will der Muth. Geuß aus auf uns den Geist, Dadurch die Liebe fleußt Reinigt euch von euren Lüsten; Besieget fie, die ihr seid Christen, Und stehet in des Herren Kraft. Stärket euch in Jesu Namen, Daß ihr nicht strauchelt wie die Lahmen. Wo ist des Glaubens Eigenschaft? Wer hier ermüden will, Der schaue auf das Ziel; Da ist Freude. Wohlan, so seid Zum Kampf bereit! So frönet euch die Ewigteit. In die Herzen, So halten wir Getreu an Dir In Tod und Leben für und für. ( Vers 2 und 4 aus: Rüstet euch, ihr Christenleute.) Apostelgesch. 24, 24-26. Nach etlichen Tagen aber kam Selix mit seinem Weibe Drusilla, die eine Jüdin war, und forderte Paulum, und hörete ihn von dem 29* 452 Glauben an Chriftum. Ta aber Paulus redete von der Gerechtigs keit, und von der Keuschheit, und von dem zukünftigen Gericht, erschrak Selix und antwortete: Gehe hin auf dies Mal; wenn ich gelegene Jeit babe, will ich dich ver laffen rufen. Er hoffte aber daneben, daß ihm von Paulo follte Gelo gegeben werden, daß er ihn los gåbe; darum er ihn auch oft fordern ließ und besprach sich mit ihm. Ein ergreifender Abschnitt aus der Geschichte der Kirche Chriſti! Einer von vielen tausenden! Paulus, der gebundene Apostel, predigt vor dem Landpfleger Felir und vor Drusilla, die eine Geschiedene jetzt des Felix Weib war. Wie immer predigt Paulus den Glauben an Christum. Aber die Predigt des göttlichen Wortes ist nie ohne Salz, es sei denn, daß sie dumm geworden wäre. So lange Paulus die Glaubenswahrheiten im Großen verhandelt, ist's dem Felix erträglich. Aber als er auf die einzelnen Punkte, die mit dem Glauben an Christum eng in Verbindung stehen, kommt nämlich auf die Gerechtigkeit, Keuschheit und das zukünftige Gericht, da erschrickt Felir. Und er hatte alle Ursache; denn obgleich Richter und Landpfleger war er doch ein Uebelthäter. Das wußte Gott, und jetzt, da Gottes Wort an ihn kommt, bricht sein Gewissen wie ein Geschwür auf. Wunderbare Welt der gebundene Apostel greift seinen Richter auf's Empfindlichste an; die Wahrheit läßt sich nicht binden! Große Freimüthigkeit des Apostels, der die Wahrheit nicht verhüllt in eitler Worte Schwall, sondern die Wahrheit, auch die bittere Wahrheit, vorbringt. Felix mag wohl erschrecken, und das Gewissen soll und muß eben bei uns Allen Gewissen, erschrockenes Gewissen, werden. Aber was nun weiter? Nicht zurück sondern hindurch bis in die Rene und das Bekenntniß der Sünden und zum Glauben an Christum, der bußfertige Sünder allezeit annimmt. Über nicht wie Felix. Felix heißt der Glückliche; aber jetzt wird.er der Unglückliche, denn ,, auf dies Mal" heißt er den Apostel gehen. Aber die Wahrheit läßt sich nicht fortschicken, wenn man auch die Apostel Christi in den Kerker legt. Die gelegene Zeit ist für Felir nicht gekommen; er bleibt in der Ungerechtigkeit liegen, wartet auf Bestechung, und als diese nicht erfolgt, läßt er den Apostel nach dem Willen der Juden gefangen zurück. Er behandelt den auserwählten Knecht Gottes wie eine Sache, die er gebraucht, um ein geneigtes Andenken bei den Juden zu hinterlassen. In diesem Sinne könnte Felix wohl ein Sohn des Pontius Pilatus sein. Aber unglücklicher Felir! Trübsal und Angst über alle Seelen der Menschen die da Böses thun. So bezahlt man ja den letzten Heller nicht. So findet man keine Ruhe. Thut Buße, das Himmelreich ist nahe herbeigekommen. Und wer sich zur Buße schickt, dem ist das Himmelreich vor der Thür. Nur Ein Schritt und er ist darin, und dieser Schritt ist dann: glaube an den Herrn Jesum Christum. - - 453 Gebet. Das willst Du, lieber Herr, daß sich der Mensch ernstlich für einen Sünder erkenne und sein ganzes Leben nicht anders halte denn ein Gebet, Begierde und Seufzen nach Deiner Barmherzigkeit. Darum, o Herr, vernimm und habe Acht auf die Stimme meines Gebets, verachte nicht meine Worte, die Du hörest und merkest. Amen. Vater Unser. Freitag nach dem 6. nach Trinitatis. Mel.: Es ist gewißlich an der Zeit. Der Herr ist mein getreuer Hirt, Hält mich in Hut und Weide. Darum mir nie es mangeln wird An irgend einer Freude. Jetzt bin ich aller Sorgen frei, Weil Gottes Sohn mir stehet bei, Mich schützet und regieret. Viel Gutes und Barmherzigkeit Wird über mir stets schweben, Und große Gnade jederzeit Nachfolgen in dem Leben; Und werd' also ganz offenbar Im Hause Gottes immerdar Hier und dort ewig bleiben. ( Vers 1 und 5 aus: Der Herr ist mein getreuer Hirt.) Psalm 25, 4-13. Herr, zeige mir deine Wege, und lehre mich deine Steige! Leite mich in deiner Wahrheit und lehre mich; denn Du bist der Gott, der mir bilft; tåglich barre ich deiner. Gedenke, Serr, an deine Barmberzigkeit und an deine Güte, die von der Welt ber gewesen ist. Gedenke nicht der Sünden meiner Jugend, und meiner Lebertretung; gedenke aber meiner nach deiner Barmherzigkeit, um deiner Güte willen! Der Herr ist gut und fromm, darum unterweiset er die Sünder auf dem Wege; er leitet die Elenden recht und lehret die Elenden seinen Weg. Die Wege des Herrn sind eitel Güte und Wahrbeit, denen, die seinen Bund und Jeugniß balten. Um deines 7amens willen, Herr, sei gnådig meiner Miffethat, die da groß ist. Wer ist der, der den Herrn fürchtet? Er wird ihn unterweisen den besten Weg. Seine Seele wird im Guten wohnen, und sein Same wird das Land besigen. Wie so oft in den Pfalmen erschließt sich uns hier das Herz Davids in seinen Geheimnissen, in seinen Bekümmernissen und Freuden, in seinem Bitten und Danken. Gottes Wege sind es, die David gehen will; denn David weiß, daß eines Menschen Wege nur heilsam sind, wenn er in Gottes Wegen wandelt. Da nun aber Gott ein verborgener Gott ist und Ihm allein Seine Wege bekannt sind, so erbittet sich David diese Gnade, der Herr wolle ihn Seine Wege lehren. O darnach verlangt seine Seele, täglich harret er ja Gottes; 454 dreimal bringt er diefelbe Bitte vor, Gott wolle ihm Seine Wege zeigen. Und wie sollte David nicht sehnlich nach den Wegen des Herrn verlangen, da er ja weiß, daß dieselben allesammt eitel Güte und Wahrheit sind. Jedes göttliche Wort, auch das einschneidendste, hat des Menschen Heil allein zum Ziele; jeder Weg des Herrn, auch der demüthigendste, ist ein Heilsweg. Aber David ist ein Sünder, und dieses Mal sind es die Sünden der Jugend, dieser bei den meisten Menschen an Sünden fruchtbarsten Lebenszeit, welche Gott mit besonderer Deutlichkeit dem Herzen Davids vor die Augen rückt. Tausend Thränen machen die Sünde nicht ungeschehen, alles Wünschen, es möchte dieser oder jener Fleck nicht im Leben sein, ändert es nicht. Erkennen, bereuen ist der einzige Ausweg; aber dabei soll man nicht stehen bleiben sondern sich zum Glauben ermuntern, welcher die Gnade Gottes für größer erkennt als die Sünde. Nur der Aufblick zu Christo, der die Sünde der Welt trägt, kann ein zerschlagenes Gewissen heilen. Jeder Freitag sei uns willkommen um des einigen Freitags willen, an welchem unser Herr für uns gestorben ist. Aber es ist, als ob es David Mühe machte, diesen Trost zu glauben und zu fassen. Denn einmal ruft er: gedenke nicht der Sünden meiner Jugend! Aber, als ob er den Faden des Vertrauens zu dem barmherzigen Gott zu dünn gesponnen hätte, ruft er noch einmal: gedenke aber meiner nach Deiner Barmherzigkeit um Deiner Güte willen. Und zum dritten Male spricht er: um Deines Namens d. i. um Christi willen, Herr, sei gnädig meiner Miffethat, die da groß ist. Darnach kommt ein Freudenstrahl in seine Seele; denn er trauet Gott nicht blos zu, daß Er ihm alle Sünde vergibt, sondern auch noch ein Weiteres, daß Er ihn heiligen, den besten Weg unterweisen, und daß Kindeskindern noch Gutes folgen werde. So sind es Seligkeitswege, welche Gott die Seinen führt, wenn es auch und das kann nicht anders sein aus Tiefen und durch Tiefen geht. Wir dürfen uns also Gott ohne Vorbehalt ergeben und bitten: Herr, zeige mir Deine Wege. Der beste Weg wird Einem da schon befannt werden. 12 - Gebet. Herr, Du lebendiger Gott, vor welchem Niemand unschuldig ist, sei gnädig unserer Missethat, die groß ist. Gedenke nicht der Sünden unserer Jugend und unseres ganzen Lebens; gedente unserer nach Deiner großen, freien Gnade in Christo Jesu. Um deffelbigen willen vergib und tröste uns. Amen. Vater Unser. 455 Sonnabend nach dem 6. nach Trinitatis. Mel.: Nun freut euch, lieben Chriften g'mein. Ich steh im Kampfe wider mich, Mein Fleisch und Blut zu zwingen; Der Geist lämpft in mir ritterlich, Wenn Lüste auf mich bringen. Läßt mir der Satan keine Ruh, Das ganz durchglühet meinen Sinn, Ist mir sehr werth und theuer Dein göttlich Wort; das weiset mir, Stürmt auch die Welt mit auf mich zu, Wie ich soll fliehen für und für, So geb ich nicht gewonnen. Was Dir nicht wohlgefället. ( Bers 14 und 15 aus: Herr Jesu Christ, ich preise Dich.) Denn weil ich nun getaufet bin Mit Deinem Liebesfeuer, Röm. 6, 19-23. Ich muß menschlich davon reden, um der Schwachheit willen eures Sleisches. Gleichwie ihr eure Glieder begeben habt zum Dienst der Unreinigkeit, und von einer Ungerechtigkeit zu der andern: also begebet nun auch eure Glieder zum Dienst der Gerechtigkeit, daß sie heilig werden. Denn da ihr der Sünde Knechte waret, da waret ihr frei von der Gerechtigkeit. Was hattet ihr nun zu der Jeit für Frucht? Welcher ihr euch jest schåmet; denn das Ende derselbigen ist der Tod. Kun ihr aber seid von der Sünde frei, und Gottes Knechte geworden, habt ihr eure Frucht, daß ihr heilig werdet, das Ende aber das ewige Leben. Denn der Tod ist der Sünden Sold; aber die Gabe Gottes ist das ewige Leben in Chrifto Jesu, unserm Herrn. Gottes Wort scheidet scharf und klar zwischen Licht und Finsterniß, Wahrheit und Lüge, Leben und Tod, Segen und Fluch, Kalt und Warm, Rechts und Links, Himmel und Hölle, Gott und Mammon, Christus und Belial, schmaler Weg und breiter Weg; und Gott, der Herzenskündiger, weiß, was du und ich erwählt haben, und ob wir auf dem Wege zum Himmel oder zur Hölle sind. Für uns sind in der Beurtheilung Anderer die Grenzen oft fließend und das Richten des Bruders ist uns verboten, weil wir nach beiden Seiten uns täuschen können, und es darum dabei sein Bewenden haben muß: Der feste Grund Gottes besteht und hat dies Siegel: Der Herr kennet die Seinen. Du aber, liebe Seele, mußt im Klaren über dich selbst sein und hast Gott anzurufen: Prüfe Du mich, mein Gott, und erfahre, wie ich es meine; siehe, ob ich auf verkehrtem Wege bin und führe Du mich auf ewigem Wege. Die vorgelesene Epistel von morgen tritt auch an dich heran und fordert zur Entscheidung auf. Sie handelt von einem zwiefachen Dienste mit seinen Folgen, dem Dienste der Sünde und dem Dienste der Gerechtigkeit. Durch Adam's Fall ist ganz verderbt menschlich Natur und Wesen. Diese Erbfünde wird bald zur wirklichen Sünde, so daß von den ersten Jahren der Kindbeit an der dunkle Faden der Schuld sich durch unser Leben hindurch-- zieht, bis der Faden sich verdichtet zu Stricken und Banden, die uns an die Erde und an die Hölle fesseln. Das geschieht dann, wenn wir nicht blos Sünde haben in unserer vom Fleisch geborenen Natur, sondern wenn wir in die Sünde willigen, wenn sie uns beherrscht, wenn wir der Sünde dienen und unsere Glieder mit Willen begebent zu Dienst der Unreinigkeit und von einer Ungerechtigkeit zur andern. In diesem Sündendienst ist kein Stillstand, sie ist wie ein Rad im Schwunge, eine Kugel im Fluge. Es geht da vom Kleinen zum Großen, wie die Bäche zu Flüssen, die Flüsse zu Strömen heranwachsen. Vom Weltsinn zur Gottlosigkeit, von dieser zur Gotteslästerung; vom Neide zum Haß, von diesem zu Mord und Todtschlag; von lüsternen Blicken zu schmutziger Rede, von dieser zur Unzucht; von einem Glase zur Flasche, zur wüsten Völlerei, ein grauenvoller Fortschritt. Und was ist die Frucht von solchem Sündendienst? ,, Welcher ihr euch jetzt schämt" schreibt der Apostel. Darum sucht das Fleisch in uns, wie ein Advokat auch eine schlechte Sache vertheidigt, die Sünde zu schmücken, nennt Knechtschaft Freiheit, Stolz vernünftige Ehrliebe, Geiz weise Sparsamkeit, tolle Lust erlaubtes Vergnügen. Aber— das Ende bleibt nicht aus der Sünde Sold, das ist der Tod. Gott straft die Sünde mit Sünde, indem er das Gemüth, das von ihm sich abwendet, sich selbst überläßt, und es so dem Verderben der Sünde Preis gibt, das immer mehr zunimmt, wie ein Stein, der von einem Thurm herabfällt, in jeder Secunde schneller fällt. Diese zunehmende Verfinsterung des Herzens ist der geistliche Tod, der an sich schon eine Hölle wäre, wenn man ihn nicht durch äußere Zerstreuung und Lustbarkeit überdeckte. Aber bald ist auch das nicht mehr möglich; denn der andere Tod folgt darauf die Verdammniß mit ihren unaussprechlichen Schrecken. Wie ganz anders, wie lichtvoll ist der andere Weg, der Dienst der Gerechtigkeit. Da haben wir die Frucht, daß wir heilig werden; das Ende aber das ewige Leben. Dies ist nicht der Lohn unserer Heiligkeit; ,, es ist doch unser Thun umsonst auch in dem besten Leben" es ist eine Gabe Gottes. Gott aber sei Dank für diese unaussprechliche Gabe. Er lehre uns thun nach Seinem Wohlgefallen, Sein guter Geist führe uns auf dieser Bahn, und richte unsere Füße auf diesen Weg des Friedens an dessen Ziele diese herrliche Gabe Gottes winkt allen, die da beharren in Trene bis an das Ende. - - 456 — - - Gebet. Ach Herr, Du barmherziger Gott, Du hast keinen Ges fallen an unserm Tode sondern willst, daß wir leben sollen. Darum hast Du Deinen lieben Sohn für uns dahingegeben und uns die große Gnadengabe, das ewige Leben, in Christo bereitet. Wir bitten Deine herzliche Barmherzigkeit, Du wollest uns der Gnade Jesu Christi theilhaftig machen, uns erneuern, heiligen, bewahren und helfen, daß wir das ewige Leben erlangen. Amen. Vater Unser. 457 7. Sonntag nach Trinitatis. Mel.: Jesu, meine Freude. Meine Seel' ist stille Zu Gott, dessen Wille Mir zu helfen steht. Mein Herz ist vergnüget Mit dem, wie's Gott füget, Nimmt an, wie es geht. Geht es nur dem Himmel zu Und bleibt Jesus ungeschieden, So bin ich zufrieden. Meine Seele harret Und sich ganz verscharret Tief in Jesu Brust. Sie wird start durch Hoffen; Was fie je betroffen, Träget sie mit Lust; Fasset sich ganz männiglich Durch Geduld und Glauben feste: Kommt am End' das Beste. ( Vers 1 und 5 aus: Meine Seel ift stille.) Marc. 8, 1-9. Ju der Zeit, da viel Volks da war, und hatten nichts zu effen, rief Jesus seine Jünger zu sich, und sprach zu ihnen: Mich jammert des Volks, denn sie haben nun drei Tage bei mir verbarret, und baben nichts zu essen; und wenn ich sie ungegessen von mir beim ließe gehen, würden sie auf dem Wege verschmachten. Denn etliche waren von ferne gekommen. Seine Jünger antworteten ihm: Woher nehmen wir Brod hier in der Wüste, daß wir sie sättigen? Und er fragte sie: Wie viel habt ihr Brode? Sie sprachen: Sieben. Und er gebot dem Volk, daß sie sich auf die Erde lagerten. Und er nahm die sieben Brode, dankte, und brach sie, und gab sie seinen Jüngern, daß sie dieselbigen vorlegten; und sie legten dem Volk vor. Und batten ein wenig Sischlein; und er dankte, und hieß dieselbigen auch vortragen. Sie aßen aber und wurden satt; und hoben die übrigen Brocken auf, fieben Körbe. Und ihrer waren bei viertausend, die da gegessen hatten; und er ließ sie von sich. Wie Die gar freundlich steht der Herr im Evangelium vor uns. Mit einem zarten, warmen Herzen, aus welchem Er spricht: Mich jammert des Volks. In jedem Seiner Worte, also auch in diesem liegt Sein Herz; denn Er ist wahrhaftig. Und wie Er damals war, so ist Er heute noch. Niemand hat Ihm mit beweglichen Worten die Noth des Volkes vorgestellt, sondern von Ihm Selber jammert's Ihn um das Volk. O, wer diese Worte fassen könnte! Alles Mitleid, das gläubige Christen zu allen Zeiten und zu dieser Zeit mit der Noth des Nächsten empfunden haben, ist nur ein Tröpflein der Liebe und des Erbarmens aus dem Herzen Jesu, welches aller Liebe und Freundlichkeit Quell ist. Und wenn nun der Herr so mitleidig unsere leibliche Noth empfindet, wie vielmehr wird Ihm die Noth unserer Seelen und Herzen anliegen; denn Er ist doch vor Allem der Seelen- Heiland. Freilich auch, in welch' elendem Zustande müssen wir vor Seinen Augen daliegen, daß Er so beweglich spricht: Mich jammert des Volkes! Und das ist die Lüge und Hoffart, die seit dem Sündenfalle 458 auf uns liegt, daß wir unser Elend nicht sehen und fühlen wollen; denn wir sind doch elend. Denk ernstlich an deinen Tod, an das jüngste Gericht, an die göttliche Gerechtigkeit und sag, ob du nicht alle Ursache hast, dich elend zu fühlen. Und selig sind die geistlich arm sind, denn das Himmelreich ist ihr. Jesus mit Seinem warmen Herzen und Seinem theuren Worte ist allen erschrockenen Gewissen überaus köstlich. Köstlich Köstlich ist auch die allmächtige Hand, mit welcher Er die sieben Brode segnete, daß 4000 daran satt hatten. Das ist die Wunderhand, die kleine Mittel Wasser in der Taufe, das Wort in der Predigt, Brod und Wein im Abendmahle so heilkräftig macht. Das ist die Segenshand, die am Kreuze ausgestreckt und durchnagelt ist und seitdem auch die ärmsten Sünder segnet. Diese Hand will nicht verderben sondern segnen. Daß sie nur am jüngsten Tage uns nicht zur Linken stößt! Darum sollen wir uns jetzt mit unserm ganzen Gewissen unter diese Hand stellen, wie sich dort das Volk lagerte. Das Herz muß auf Ihn gerichtet sein; da segnet Er und macht uns reich an allerlei himmlischen Gütern, segnet mit einem demüthigen Geiste, mit festem Glauben, mit brünstiger Liebe, mit fröhlichem Vertrauen. Er segnet so gern. Begehren wir es denn? Selig sind die da hungert und dürftet nach der Gerechtigkeit; denn sie sollen satt werden. 11 - Gebet. O gütiger Menschenfreund, Herr Jesu Christe, der Du mit sieben Broden vier tausend Deiner Zuhörer gespeiset und läsfeſt Dir auch unser Elend noch täglich zu Herzen gehen, gib fortan Deinen Segen, daß unser Land sein Gewächs gebe, und verleihe uns gnädiglich, daß wir Deiner milden Hand uns allezeit freuen und trösten und Deine Gaben christlich gebrauchen um Deines gütigen Herzens und theuren Namens willen. Amen. Vater Unser. Eigere Melobie. - Montag nach dem 7. nach Trinitatis. Allein Gott in der Höh' sei Ehr' Und Dank für Seine Gnade, Darum, daß nun und nimmermehr Uns rühren kann kein Schade. Ein Wohlgefalln Gott an uns hat; Nun ist groß' Fried' ohn' Unterlaß, Al' Fehd' hat nun ein Ende. Wir loben, preis'n, anbeten Dich Für Deine Ehr', wir danken, Daß Du, Gott Vater, ewiglich Regierst ohn' alles Wanken. Ganz ungemessen ist Dein' Macht, Fort g'schieht, was Dein Will' hat bedacht, Wohl uns des feinen Herren! ( Vers 1 und 2 aus: Allein Gott in der Höh.) 459 Psalm 46, 2-8. Gott ist unsere Juversicht und Stärke, eine Sülfe in den großen 7öthen, die uns betroffen baben. Darum fürchten wir uns nicht, wenn gleich die Welt unterginge, und die Berge mitten in's Meer fanken, wenn gleich das Meer wüthete und wallete und von seinem Ungestüm die Berge einfielen. Sela. Dennoch foll die Stadt Gottes fein luftig bleiben mit ihren Brünnlein, da die beiligen Wohnungen des Höchften sind. Gott ist bei ihr darinnen, darum wird sie wohl bleiben; Gott hilft ihr frühe. Die Heiden müssen verzagen, und die Königreiche fallen; das Erdreich muß vergeben, wenn er sich hören läßt. Der Herr Jebaoth ist mit uns, der Gott Jakobs ist unser Schus. Sela. Wir leben auf der Erde, auf welcher himmlische und höllische Kräfte mit einander ringen. Christi Kirche, deren Haupt und König Jesus Christus ist, ist die Inhaberin und Spenderin aller himmlischen Gnaden. Soweit der im Worte und Sakramente Gottes wirkende Geist Raum gewinnt, so weit werden die menschlichen Herzen mit göttlichem Leben erfüllt. Diese heilige Kirche mun leidet viel Anfechtung von dem, der unsern Herrn in die Ferse sticht. Wer ein lebendiges Glied Christi ist, bekommt sein Theil von Angst und Noth. Die ungestümen Wogen bleiben nicht aus, mögen sie nun auf dem Boden des eigenen Herzens erstehen als Zweifel, böse Lust und der= gleichen oder von ungöttlichen Menschen ausgehen oder geraden Weges den Satan zum Urheber haben. Christi Jünger in dem Sturme auf dem Meere, im Sinken aber nicht Ertrinken das ist das Bild der christlichen Kirche und jedes christlichen Herzens. Davon handelt auch der 46. Pfalm. Große Nöthe haben uns getroffen so muß es kommen und so kommt es sowohl in dem Einzelleben des Christen bei lebendiger Erkenntniß der Sünde, bei dem Anblicke des Gerichtes, als auch in dem Leben der ganzen Kirche. Diese großen Nöthe haben ihren reichen Segen schon dadurch, daß sie die Herzen von allem Sichtbaren, das unbeständig ist, abreißen; besonders aber dadurch, daß man also ernstlich beten lernt und ernstlich den ewigen Gott um Seine Hülfe angeht. Nur dies Eine ist noth, daß man mit seinem Herzen festwurzelt in dem Glauben an den lebendigen und barmherzigen Gott; dieses Eine ist auch wohl zu erlangen, weil Gottes Brünnlein Wassers die Fülle hat. Die beiden hochwürdigen Sakramente und das Wort Gottes sind unversiegliche Trostquellen. Aber irdischen Herzen sind sie nichts; darum sind die großen Nöthe und Stöße gut, damit wir unsere eigentlichen Schätze achten lernen. Es ist eine unaussprechliche Barmherzigkeit Gottes, daß Gott bis an's Ende der Tage die lautere Lehre des göttlichen Wortes und den unverfälschten Gebrauch der Sakramente erhalten will. Gott ist bei ihr drinnen; darum wird sie wohl bleiben. Nicht als ob das schon - 7 der Herzensglaube an den Herrn wäre; aber er wird dadurch als durch Mittel gewirkt. Die großen Nöthe müssen dazu mitwirken. Dem wahren Glauben aber sind alle Dinge möglich und weil der Glaube ebensowohl Gott den Herrn, sofern Er Jacobs- d. H. Bundes- und Gnaden- Gott ist, ergreift, als auch, sofern Er der Herr Zebaoth d. i. Allmachts- Gott ist, so ist im Anblicke dieses Gottes die Sprache gerechtfertigt: Wir fürchten uns nicht, die Heiden müssen verzagen, die Königreiche fallen. O wohl, wohl dem Menschen, deß Hülfe der Gott Jacobs ist. = 460 Gebet. Herr Gott, Vater aller Gaben und Stärke, bestätige und stärke uns in Deinem angefangenen Werke durch Deinen Heiligen Geist. Es ist jetzt gefährliche Zeit, weil Viele durch die Rottengeister verführt werden und Viele der Gnaden Gottes überdrüßig sind. Darum laß Du uns bleiben im eifrigen Glauben und täglich darin zunehmen um Christi willen, der unsere Hülfe ist. Amen. Vater Unser. Dienstag nach dem 7. nach Trinitatis. Mel.: Wachet auf, ruft uns die Stimme. Selig sind die geistlich Armen! Sie finden leichtlich Dein Erbarmen, Das Land der Himmel bleibet ihr; Da im Gegentheil die Reichen Und die gar satt sind ferne weichen Von Deines Königreiches Zier. Ach, mach' uns Arme reich, Doch Deiner Armuth gleich! Gib uns, Jesu, Den reichen Muth, Der einzig ruht In Dir, dem höchsten, ew'gen Gut. Selig, gleich dem Lebensfürsten, Sind alle Seelen, welche dürften Und hungern nach Gerechtigkeit! Sättigung soll ihnen werden, Wie einst ihr Heiland hier auf Erden Gebürstet in der Leidenszeit, Dann nach der Himmelfahrt Vollauf gesättigt ward Bei dem Vater Wer in der That So Hunger hat Und also dürstet, der wird satt. ( Vers 2 und 6 aus: kron und Lohn beherzter Ringer.) Joh. 6, 47-54. wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer an mich glaubt, der hat das ewige Leben. Ich bin das Brod des Lebens. Eure Våter baben Manna gegessen in der Wüste, und sind gestorben. Dies ist das Brod, das vom Simmel kommt, auf daß, wer davon iffet, nicht fierbe. Ich bin das lebendige Brod, vom Himmel gekommen. Wer von diesem Brod effen wird, der wird leben in Ewigkeit. Und das Brod, das Ich geben werde, ist mein Sleisch, welches Ich geben werde für das Leben der Welt. Da zankten die Juden unter eins ander und sprachen: wie kann dieser uns sein Sleisch zu essen ge 461 ben? Jesus sprach zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Werder ihr nicht effen das Fleisch des Menschen Sohnes, und trinken sein Blut, so habt ihr kein Leben in euch. Wer mein Fleisch iffet, und trinket mein Blut, der hat das ewige Leben, und Ich werde ihn am jüngsten Tage auferwecken. Die menschliche Seele ist kein Schatten und kein Gedanke sondern eine wirkliche Creatur so gut wie der Leib. Sie hat darum auch 11 ihre Bedürfnisse, begehrt Nahrung und Kleidung. Das tiefste Trachten jedes Menschen geht nach Befriedigung des inwendigen Hungers, auch wenn man diese Befriedigung in den elendesten Träbern sucht. Hinter der Lust, was Neues zu sehen, zu hören, zu haben, steht der schmachtende Geist, der Augen und Ohren nach Brod ausschickt. Dwie sollte man darum Sinnen und Begier zu dem wenden, der da spricht: Ich bin das Brod des Lebens. Wer ist's? Jesus Christus, wahrer Gott und Mensch. Auch die tiefsten Bedürfnisse unseres Herzens weiß Er zu befriedigen; Er ist in jeder Beziehung das Brod, alle Geisteskräfte finden ihr Genüge bei Ihm und bei Ihm allein. Mithin welch eine dringende Aufforderung liegt in diesen Worten, den Herrn zu suchen! Welch ein her zu Mir, aller Welt Ende" ist darin enthalten! Brod will gegessen sein, und wer Brod ist, nimmt das Brod in sich auf und zieht Kräfte daraus. Christi Fleisch ist das rechte Brod, Christi Blut iſt der rechte Trant. Es ist eben Sein Fleisch, Sein Blut, worin Gott wohnt, der in Christo Mensch geworden ist. Wir werden hier also auf die innigste Lebens- und Herzensgemeinschaft mit dem Heilande hingewiesen. Wahrhaftig an Christum glauben ist nichts Anderes als Sein Fleisch essen und Sein Blut trinken. Und wie der Herr in den Tagen Seines Erdenwandels Seine Gottheit verborgen Hatte in der sehr geringen Menschengestalt, so verbirgt Er Sich jetzt in Seinem Wort, in Taufe und Nachtmahl. Da ist Er, aber in Hüllen. Sehen kann man die Herrlichkeit nicht; aber wer glaubt d. i. sich von dem Vater im Himmel durch das gütige Wort Gottes lehren, erleuchten läßt und des Wüstenlebens auf Erden und des eigenen Elendes inne wird, der findet in Christo, eben in dem Jungfrauensohne, der wahrer Gott ist, Brod des Lebens und findet eben diesen Christum in Nachtmahl, Tauf und Wort. Selig sind die hungert und dürstet nun werden sie, da Gott das Brod dargibt, satt werden. Und ob man noch eine bittere Empfindung der Sünde und des Todes auch beim Glauben an Christum behält zur fortwährenden Demüthigung, so kann bei solchem Brode die Wirkung doch nur sein: der hat das ewige Leben; der wird leben in Ewigkeit. Man wird die Lebenskräfte hier schon gewahr, die aus dem Glauben an Christum fließen, und je länger man von diesem Brode isset, um so fröhlicher wird der Blick in die Ewigkeit. - 462 Gebet. Jesu Christe, Du Brod des Lebens, Dein Fleisch ist die rechte Speise und Dein Blut ist der rechte Trank. Wir bitten Dich, gib uns, daß wir Dich herzinniglich begehren und unsere ganze Freude in Dir finden. Gib auch, daß wir uns an Deinem Reiche und an Deiner Weise nicht ärgern sondern Deinem Worte fest und kindlich glauben. Amen. Vater Unser. Mittwoch nach dem 7. nach Trinitatis. Mel.: Herr Jesu Christ, Dich zu uns wend'. In dieser letzten betrübten Zeit Verleih' uns All'n Beständigkeit, Daß wir Dein Wort und Sakrament Rein behalt'n bis an unser End'. Dein Wort ist unsers Herzens Truß Und Deiner Kirchen wahrer Schuß; Dabei erhalt' uns, lieber Herr, Daß wir nichts anders suchen mehr. ( Vers 2 und 9 aus: Ach bleib bei uns, Herr Jesu Christ.) Matth. 16, 5-12 Und da seine Jünger waren hinübergefahren, hatten sie vergeffen, Broo mit sich zu nehmen. Jesus aber sprach zu ihnen: Sebet zu, und båtet euch vor dem Sauerteige der Pharisäer und Sadducåer. Da dachten sie bei sich selbst und sprachen: Das wird es sein, daß wir nicht haben Brod mit uns genommen. Da das Jesus vernahm, ſprach er zu ihnen: Ihr Kleingläubigen, was bekümmert ihr euch doch, daß ihr nicht habt Brod mit euch genommen? Vernehmet ihr noch nichts? Gedenket ihr nicht an die fünf Brode unter die fünftausend, und wie viele Körbe ihr da aufhobet? Auch nicht an die sieben Brode unter die viertausend, und wie viele Körbe ihr da aufbobet? Wie verstehet ihr denn nicht, daß ich euch nicht sage vom Brod, wenn ich sage: Sütet euch vor dem Sauerteige der Pharisäer und Sadducåer. Da verstanden sie, daß er nicht gesagt hatte, daß sie sich bůten sollten vor dem Sauerteige des Brods, sondern vor der Lehre der Pharisäer und Sadducåer. Es ist eine nöthige Aufforderung, die David seiner Seele zukommen läßt: vergiß nicht, was der Herr dir Gutes gethan hat Ps. 103, 2. Die lieben Jünger sind unser Spiegel wie in Allem so auch in demjenigen, was nicht sein sollte. Sie haben es vergessen, daß der Herr mit fünf Broden fünftausend und mit sieben Broden viertausend Menschen gespeist hat. Ach, das sollte nicht sobald vergessen sein. So vergiß doch nicht, was der Herr dir Gutes gethan hat. Hat uns ber Herr nicht viele Wunder Seiner Güte erzeigt? Hat Er uns nicht aus lauter Güte zu Sich gezogen? Hat Er nicht manchmal Sein Wort in uns kräftig werden lassen wie ein brennendes Licht und wär 463 mendes Feuer? Hat Er nicht durch mancherlei Noth hindurchgeholfen? Diesem Herrn, der da ewiglich lebt als unser trener Hüter, sollte man vertrauen, Alles vertrauen und nur noch Eine Sorge haben, dent Herrn zu gefallen. Das sollte so sein; das könnte so sein vergiß darum nicht, was der Herr dir Gutes gethan hat. Eine ernstliche Warnung für's Zukünftige sollen wir dazu nehmen, daß wir uns vor dem Sauerteige nämlich vor der Lehre der Pharisäer und Sadducäer hüten. Der Sauerteig hat es an sich, daß er den übrigen Teig versäuert, und so verdirbt eine einzige falsche Lehre alle übrigen. Die Heilige, reine Lehre des göttlichen Wortes ist der Same des ewigen Lebens; wer ernstlich und herzlich dieser Lehre ergeben ist, wird dadurch gewißlich geheiligt. Dagegen entspringt die Neigung zu falscher Lehre aus einer fündhaften Beschaffenheit des menschlichen Herzens, wie die Verachtung des Taufsakramentes z. B. aus dem menschlichen Hochmuth kommt, und umgekehrt befleckt und vernichtet die falsche Lehre das wahre Christenthum. Wie es deßhalb ein besonderes Zeichen der jetzigen Gottlosigkeit ist, daß man gegen die reine Lehre so gleichgültig ist, so sollen rechtschaffene Christen sich ernstlich hüten vor diesem Sauerteige und Gott bitten, daß sie die heilige Lehre Seines Wortes lauter und rein behalten und dieselbe von ganzem Herzen lieben. Hütet euch vor dem Sauerteige der Pharisäer und Sadducäer." Jesus, unser Heiland und Herr, redet aber von der Lehre der Sadducäer und Pharisäer. Gebet. Herr Jesu, Du Quell aller Wahrheit, wende Dich zu uns und segne uns mit Deinem Geiste. Durch denselben Deinen Geist mehre den Glauben und stärke den Verstand, daß uns der allein heilige, vollkommene Wille Gottes wohlbekannt werde. Bewahre unsre Seelen vor dem Greuel falscher Lehre und vor Lieblosigkeit. Amen Vater Unser. Donnerstag nach dem 7. nach Trinitatis. Mel.: Jefu, meines Lebens Leben. Womit soll ich Dich wohl loben, Mächtiger Herr Zebaoth! Sende mir dazu von oben Deines Geistes Kraft, mein Gott! Denn ich fann mit nichts erreichen Deine Gnad' und Liebeszeichen. Tausend, tausendmal sei Dir, Großer König, Dank dafür! - - Herr, entzünde mein Gemüthe, Daß ich Deine Wundermacht, Deine Gnade, Treu' und Güte Stets erhebe Tag und Nacht. Denn von Deinen Gnadengüssen Leib und Seele zeugen müssen. Tausend, tausendmal sei Dir, Großer König, Dank dafür. ( Vers 1 und 2 aus: Womit soll ich Dich.) 464 5 Mofe 8, 1-7. Alle Gebote, die ich dir heute gebiete, follt ihr halten, daß ibr darnach thut, auf daß ihr lebet, und gemehret werdet, und einkommet, und einnehmet das Land, das der Herr euren Våtern geschworen bat. Und gedenkest alle des weges, durch den dich der Herr, dein Gott, geleitet hat, diese vierzig Jahre in der Wüste, auf daß er dich demüthigte, und versuchte, daß kund würde, was in deinem Herzen wäre, ob du seine Gebote halten würdest oder nicht. Er demüthigte dich, und ließ dich hungern, und speisete dich mit Man, das du und deine Väter nicht erkannt hatteft; auf daß er dir kund thate, daß der Mensch nicht lebe vom Brod allein, sondern von Allem, das aus dem Munde des Herrn gehet. Deine Kleider sind nicht veraltet an dir, und deine Süße sind nicht geschwollen diese vierzig Jabre. So erkennest du ja in deinem Herzen, daß der Herr, dein Gott, dich gezogen hat, wie ein Mann feinen Sohn ziehet. So halte nun die Gebote des Herrn, deines Gottes, daß du in seinen Wegen wandelst und fürchtest ihn. Denn der Herr, dein Gott, führet dich in ein gut Land, ein Land, da Bache, und Brunnen, und Seen innen sind, die an den Bergen und in den Auen fließen. Das Das Ziel der Erziehung Gottes ist bei uns dasselbe wie es bei den Kindern Israel war, daß wir nämlich gehorsame Kinder Gottes werden sollen, die ewig mit Gott in Seinem Reiche leben. Um uns dazu zu machen, bedarf es großer göttlicher Kraft und Geduld. Denn wer sind wir?' Abgefallene Geister, verstrickt in die Schlangenlüge: ihr werdet sein wie Gott. Darum bedürfen wir dessen immerdar, daß wir von Gott gedemüthigt werden. Erst wenn wir gedemüthigt werden von Gott, sind wir demüthig. Vierzig Jahre führte Gott das Volk Israel durch allerlei Lagen, um es zu demüthigen. Auf doppeltem Wege pflegt Gott dies zu thun; einmal damit, daß Er uns in allerlei Verhältnisse hineinbringt, in welchen, was in unserm Herzen ist, fund wird; der abgöttische, widerspenstige Sinn zeigte sich nur zu häufig, wo Gott Spielraum ließ. Sodann bringt uns Gott auf eine empfindliche Weise unsere bloß eingebildete Herrlichkeit und eigentliche Nichtigkeit nahe. Israel mußte hungern und seine Augen aufHeben lernen zu Gott, der im Himmel ist. Das sind empfindliche aber heilsame weil Demüthigungswege. Aber was schadet ein mühsamer Weg, wenn nur das Ziel gut ist, und das ist Gottes Zweck, daß wir demüthig werden und herzlich dankbar für das Brod, das aus dem Munde des Herrn geht. So sollen wir ein fleißig Augenmerk haben auf unsern Lebensweg; gegen und neben dem sündlichen Begehren unseres Herzens nach Ehre und Eitelkeit steht die gewaltige Hand Gottes, die uns öffentlich oder heimlich erniedrigt. Daß wir nur nicht in Bitterfeit fallen oder in Verzweiflung, wogegen uns Luther in der sechsten Bitte bitten lehrt! Daß wir vielmehr die unbegreifliche Schöpfertrene und Heilandsgeduld Gottes erkennen, die 465 in uns ihr armes Geschöpf und Eigenthum nicht lassen will, damit Gott endlich, wenn Er spricht: ,, so erkennst du ja in deinem Herzen, daß der Herr, dein Gott, dich gezogen hat; so halte nun die Gebote des Herrn, deines Gottes" die dankbare Antwort in unsern Herzen finde: Ja, Herr, Du bist mein Gott; Deinen Willen, mein Gott, thue ich gern. Deine Rechte sind mein Lied in dem Haufe meiner Wallfahrt. Gebet. Lieber Vater, schlage nur zu; ich habe es wohl verschuldet, doch laß es eine Baterruthe sein. Wie Du denn alle Deine Kinder, die Du lieb hast, züchtigest, so mögest Du auch an uns thun, doch also daß Du Dein göttlich Vaterherz nicht von uns wendest, auf daß wir Dich hier und dort ewiglich loben und preisen mögen. Amen. Vater Unser. Freitag nach dem 7. nach Trinitatis. Met Jesu, meines Lebens Leben. Bater, Du hast mir erzeiget Lauter Gnad' und Gütigkeit, Und Du haft zu mir geneiget, Jesu, Deine Freundlichkeit, Und durch Dich, o Geist der Gnaden, Werd ich stets noch eingeladen. Tausend, tausendmal sei Dir, Großer König, Dank dafür. Tausendmal sei Dir gefungen, Herr, mein Gott, Preis, Lob und Dank, Daß es mir bisher gelungen! Ach, laß meines Lebens Gang Ferner doch durch Jesu Leiten Nur gehn in die Ewigkeiten. Da will ich, Herr, für und für Ewig, ewig danken Dir. ( Vers 13 und 14 aus: Womit soll ich Dich.) Jofua 21, 43-45; Psalm146, 2. 5. Also gab der Herr dem Israel alles Land, das er geschworen batte ihren Vätern zu geben; und sie nahmen es ein, und wohneten darinnen. Und der Herr gab ihnen Ruhe von Allen umber; wie er ihren Våtern geschworen batte; und stand ihrer Seinde keiner wider sie, sondern alle ihre Seinde gab er in ihre Sånde. Und es fehlte nichts an allem Guten, das der Herr dem Sause Israel geredet hatte. Es kam alles. Ich will den Herrn loben, so lange ich lebe, und meinem Gott lobsingen, weil ich hier bin. Wohl dem, deß Hülfe der Gott Jakobs ift, deß Hoffnung auf den Herrn, seinen Gott, stehet. David beschließt den hochberühmten 23. Psalm mit den Worten: Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Lebenlang. Angesichts des großen Gottes, welchen David ein Recht und Muth hat, seinen Hirten zu nennen, ist er im Glauben gewiß, daß er sein 30 466 Lebenlang Gutes erfahren werde. Hier im Josua hören wir die geschichtliche Nachricht, daß nichts an allem Guten fehlte; es kam Alles. Welch ein großer Unterschied ist somit zwischen den Gottlosen und Gerechten! Während Jene ihr Gutes in diesem Leben empfangen und am Ende von all ihrer Herrlichkeit keinen Tropfen Wasser für die lechzende Zunge mehr haben, kommen die Gerechten zur Ruhe und zum Leben. Da gilt es mun freilich, daß man wahrhaftiglich mit Gott in dem Abraham durch einen Eid beschworenen Gnadenbunde lebe. Dieser Bund lautet auf Christum, daß Gott alle Sünder, die in Christum getauft sind und wahrhaftig an Ihn glauben, segnen will und immer wieder segnen. Nur durch diese herzliche, innige Herzensgemeins schaft mit dem Heilande findet man Ruhe, nur hier, nur so und sonst nirgends in der ganzen Welt. Bei Christo findet man Ruhe vor den Anklagen des Gesetzes, vor dem Fluche des Allmächtigen, wovor sonst kein Mensch Ruhe hat. Ferner findet man Ruhe vor allen Feinden erst freilich Kampf mit den Feinden, die außer uns sind als Gewaltige in der Luft, als Sündenmächte im Weltwesen, die in uns sind als mancherlei Lüste, als Unglaube und Ungehorsam. Es sind viele Feinde, die unserer Seele nachstehen. Viel gewonnen, wer sie eben als Feinde erkennt. Darum erst Kampf dann aber Sieg bald über diesen, bald über jenen Feind. Endlich gibt der Herr Ruhe, oft schon hier Zeiten der Erquickung. Aber das ist noch nicht Alles es fehlt auch nichts an allem Guten; je lebendiger die Erkenntniß Christi in unsern Herzen ist und je zuversichtlicher der Glaube, um so mehr findet man, daß Paulus gar klüglich that, Alles für Schaden zu achten gegen die Erkenntniß Jesu. Warum sollte er nicht? Alles Gute, aller Bedürfnisse Befriedigung liegt ja in Christo verborgen. So können wir es hier schon auf dem Wege des gottgewirkten Glaubens inne werden. Und das Beste kommt zuletzt; denn wir schließen im Glaubensbekenntniffe mit dem ewigen Leben, da Freude die Fülle ist und liebliches Wesen immer und ewiglich. O wohl dem, deß Hülfe der Gott Jacobs ist, deß Hoffnung auf dem Herrn, seinem Gott steht. Gelobet sei Jesus Christus für Alles, was Er uns mit Seinem bittern Kreuzestode erworben hat! Gebet. Allmächtiger Gott, Dir sei Dank, daß Du Dich unse res Jammers angenommen und Deinen lieben Sohn hast lassen Mensch werden. Wir bitten Dich, Du wollest unsere Herzen gnädiglich erleuchten, daß wir an solchem Trost festhalten, uns Deines lieben Sohnes herzlich erfreuen und durch den Glauben an Ihn alle unsere Feinde ritterlich besiegen und also in die Ruhe des Volkes Gottes eindringen. Amen. Bater Unser. - - 467 Sonnabend nach dem 7. nach Trinitatis. Mel.: Nun dantet All' und bringet Ehr'. Ich finge Dir mit Herz und Mund, Herr, meines Herzens Lust. Ich fing' und mach' auf Erden fund, Was mir von Dir bewußt. Ich weiß, daß Du der Brunn der Gnad' Und ew'ge Quelle sei'st, Daraus uns Allen früh und spat Viel Heil und Segen fleußt. Ach, Herr, mein Gott! das kommt von Dir; Du, Du must Alles thun. Du hältst die Wach' an unsrer Thür Und läßt uns sicher ruh'n. ( Bers 1, 2 und 7 aus: Ich finge Dir.) Röm. 8, 12-17. So sind wir nun, lieben Brüder, Schuldner, nicht dem Sleisch, daß wir nach dem Sleisch leben. Denn wo ihr nach dem Fleisch lebet, so werdet ihr sterben müssen; wo ihr aber durch den Geist des Fleisches Geschäfte tödtet, so werdet ihr leben. Denn welche der Geift Gottes treibet, die sind Gottes Kinder. Denn ihr habt nicht einen Enechtischen Geift empfangen, daß ihr euch abermal fürchten müßtet; sondern ihr babt einen kindlichen Geift empfangen, durch welchen wir rufen: Abba, lieber Vater! Derselbige Geift gibt 3eugniß unserm Geist, daß wir Gottes Kinder sind. Sind wir denn Kinder, so sind wir auch Erben, nämlich Gottes Erben, und Miterben Chrifti; so wir anders mit leiden, auf daß wir auch mit zur Serrlichkeit erhoben werden. Welch' herrliche Aussicht eröffnet sich uns da! Erben Gottes und Miterben Christi sollen wir sein. Ja, so ist es; Er hat solch Erbe Seinen Kindern zugedacht. Sind wir denn aber Kinder? Nun, der welcher uns beten gelehrt: ,, unser Vater, der Du bist im Himmel," meint es ernst damit; Er will unser Vater sein und hat uns zu Seinen Kindern und Erben seit dem Empfang der heiligen Taufe angenommen. Sind wir es aber auch geblieben? Prüfe deinen Stand nach dieser herrlichen Epistel. nicht zu Hause: leben in Feindes Land, wo der Kampf zwischen Licht und Finsterniß, Christus und Belial ausgekämpft werden muß. Auch wir sind zu solchem Kampfe berufen, Geist und Fleisch liegen bei einem Kinde Gottes täglich im Streite. Es gilt des Fleisches Geschäfte tödten- wo nicht, so werden wir sterben müssen, so haben wir das Kindschaftsrecht verwirkt. Kinder Gottes werden getrieben vom heiligen Geiste: und zwar nach zwei Seiten. Es soll täglich heißen: es trete ab von der Ungerechtigkeit, wer den Namen Christi nennt; der heilige Geist soll hinaustreiben, was vom Fleisch in uns noch übrig ist; der Geist soll aber auch die Kinder Gottes treiben zu 30* Das ist die Frage? Wir sind hier - S verkündigen die Tugenden deß, der sie berufen hat von der Finsterniß zu Seinem wunderbaren Licht, treiben zur Andacht, treiben zum Worte Gottes aus Anregen des Geistes sollen sie zum Tempel kommen treiben zur Bruderliebe, Versöhnlichkeit, Barmherzigkeit, Sanftmuth und Demuth. Fehlt es daran, muß der Stecken Moses, die Furcht vor der Hölle dich erst zu dem Allen treiben, so ist das keine Kindesart, und du bist in großer Gefahr aus der Kindschaft zu fallen und des Erbes verlustig zu gehen. In Kindern Gottes ist aber auch ein Wellenschlagen des Herzens, Gebets Leben, ein Abba rufen; und das nicht nur, wenn der Herr dein Haus wohl verwahret hat, und alles nach Wunsche geht. Sondern wenn auch eine Hiobspost nach der andern kommt, sollst du, wenn auch mit Thränen in den Augen, dein Abba beten denn Gott will uns damit locken, daß wir glauben sollen, Er sei unser rechter Vater. Dann gibt der Geist Zeugniß deinem Geist, daß du ein Gottes- Kind bist. Bezeugt dir aber der Geist heute, daß du nicht werth bist, Sein Kind zu heißen, so schlage in dich, und fage es deinem Vater wie der verlorene Sohn; der Vater hat Mitleiden, wo Er auf heilige Thränen, zerrissene Schuhe und Kleider sieht; Er nimmt dich wieder zu Seinem Sohne auf und freut Sich deiner Umkehr. Weigere dich aber dann des rechten Kennzeichens Seiner Kinder nicht, wenn Er dir das Ordenskreuz der Kindschaft anheftet, das liebe Kreuz lerne mit leiden mit Christo. Denn wo Er ist, da sollen wir auch sein. Das gilt von Gethsemane und Golgatha lernest du da mit Ihm leiden so sollst du auch mit zur Herrlichkeit erhoben werden. Und dann? Ja, wer kann wissen, was dann geschieht, wenn wir Ihn endlich in der Nähe sehen, so wie Er ist. Gebet. Lieber Vater, hilf uns fröhlich glauben an Deinen Sohn Jesum Christum, der uns die Kindschaft erstritten, treibe uns durch Deinen heiligen Geist aus jeder Ungerechtigkeit, von einer Tugend zu der anderen, mache uns geschickt mit Jesu zu leiden, so lange und wie es Deiner weisen Vaterliebe gut däucht; vor allem aber laß uns nicht ausgeschlossen sein vom herrlichen Erbe Deiner Kinder in der Herrlichkeit darnach! Amen. Vater Unser. 468 giat dic IN 101 - Mg 469 8. Sonntag nach Trinitatis. Mel.: Fabre fort. Dringe ein, bringe ein, der Zion, dringe ein in Gott; Stärke dich mit Geist und Leben, Sei nicht wie die Andern todt, Sei du gleich den grünen Reben. Zion, in die Kraft für Heuchelschein Dringe ein. ( Vers 4 und 5 aus: Fahre fort.) Prüfe recht, prüfe recht, Zion, prüfe recht den Geist, Der dir ruft zu beiden Seiten, Thue nicht, was er dich heißt, Laß nur deinen Stern dich leiten. Zion, beide das, was krumm und schlecht, Prüfe recht. Matth. 7, 15-23. Sehet euch vor vor den falschen Propheten, die in Schafskleidern zu euch kommen, inwendig aber sind sie reißende wölfe. An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen. Kann man auch Trauben lesen von den Dornen, oder Seigen von den Difteln? Also ein jeglicher guter Baum bringet gute Früchte; aber ein fauler Baum bringet arge Früchte. Ein guter Baum kann nicht arge Früchte bringen, und ein fauler Baum kann nicht gute Früchte bringen. Ein jeglicher Baum, der nicht gute Früchte bringet, wird abgebauen, und in's Seuer geworfen werden. Darum an ihren Früchten sollt ihr sie erkennen. Es werden nicht alle, die zu mir sagen: Serr, Herr, in das Simmelreich Fkommen; sondern die den Willen thun meines Vaters im Himmel. Es werden Viele zu mir sagen an jenem Tage: Herr, Herr, haben wir nicht in deinem 7amen geweisfaget? Saben wir nicht in deinem Namen Teufel ausgetrieben? Haben wir nicht in deinem amen viele Thaten gethan? Dann werde ich ihnen bekennen: Ich habe euch noch nie erkannt, weichet alle von mir, ihr Llebelthäter. Es s gibt diesen Worten eine besondere Bedeutung, daß sie zum Schlusse der Bergpredigt stehen, unmittelbar nach den eindringlichen Worten: gehet ein durch die enge Pforte. Wir haben hier Christi Warnung vor falschen Propheten, die Er an andern Orten oft wiederholt hat. Das ist keine müßige Warnung, vielmehr gibt es falsche Propheten. Wer ihnen folgt, ist auf falschem Wege und kommt zum falschen Ziele. An den falschen Propheten ist dreierlei zu unterscheiden: Das Inwendige nämlich der reißende Wolf, das Neußere nämlich die Schafskleider, und die Frucht nämlich ihre Lehre und ihr Leben. Das Erstere können wir nicht sehen, der Herr weiß es. Durch das zweite, was gleißt als glatte Rede und angenehme Sache, sollen wir uns nicht täuschen lassen. Am dritten können wir es merken nämlich an der Lehre und dem damit zusammenhängenden Leben; denn das ist offenbar. Falsche Lehre zeigt sich kenntlich in der völligen oder theilweisen Leugnung und Verdrehung der Hauptwahrheiten. Grundwahrheiten sind: die Dreieinigkeit Gottes, die Lehre von der 470 1 1 Verderbtheit des Menschen, da durch Adams Fall ganz verderbt ist menschlich Natur und Wesen; ferner die Lehre von dem göttlichen Gefeße, das geistlich ist und vollkommene Gerechtigkeit fordert. Eine Grundwahrheit ist sodann die Lehre von der Person des Heilandes, der wahrer Gott und Mensch ist und an Seinem Kreuze das einzige Opfer gebracht hat für der Welt Sünde. Damit hängt zusammen die Heilsordnung nämlich die Lehre von der Wirksamkeit des Heiligen Geistes durch die Gnadenmittel, welcher wahre Buße und Glauben an Christum und Heiligung in uns wirkt. Falsche Propheten werden eine oder auch alle diese geoffenbarten Wahrheiten verdunkeln, leugnen, entstellen. Hier soll man sich ja hüten; denn die Lehre, der wir ergeben sind von Herzen, ist ein gewisses Anzeichen, wer wir selber sind. Wie es aber von den falschen Propheten heißt: an ihren Früchten sollt ihr sie erkennen der Herr kennt sie mit Seinen durchbringenden Augen schon an dem verborgenen Inwendigen so sollen wir für die eigene Person Beides wohl fassen, daß der Herr uns kennt nach dem Grunde des Herzens, die Nebenmenschen uns aber an den Früchten erkennen sollen. Jeder Mensch hat ein Verborgenes an sich und ist wie ein Baum, der einen hervorbringenden Saft in sich hat. Was für ein Baum und Pflanze bist du vor Gott, dem Nichter des letzten Tages? Jedenfalls trotz aller Außenseiten, die dich und Andere täuschen mögen, ein arger, wenn nicht die Grundtriebe deines Wesens nämlich Augenlust, Fleischeslust und hoffärtiges Leben zerbrochen und die Gnaden- und Lebenskräfte des dreieinigen Gottes in dir zur Lebensmacht geworden sind. So könnte es sein; denn du bist getauft und damit ein Glied Christi geworden und könntest ein ge sundes Glied sein, wenn du dich in die göttliche Ordnung fügteft. Ein arger Baum aber hat arge Früchte, die durch keine Feigenblätter verdeckt werden können. Offenbar sind die Werke des Fleisches. Wer nun aber ein guter Baum ist durch herzlichen Glauben an Christum, sehe zu, daß er auch ein fruchtbarer Baum ist und die Früchte des Geistes bringe, daß es die Leute im Hause wohl spüren können, daß man ernstlich und herzlich fromm ist. Gottes ewige Wahrheiten und Gnaden sind der Boden, in welchem gute Bäume ihren Ursprung, Pflege und Nahrung haben. Gebet. O Herr Jesu Christe, der Du uns ein getreuer Lehrer und der wahre Erzhirte und Bischof unserer Seelen vom Himmel herab so theuer befohlen bist, wie treulich hast Du uns vor falschen Propheten und ihrem großen Ansehen, vor aller Heuchelei und allem unfruchtbaren Glauben gewarnt. Gib uns Deinen heiligen Geist, daß wir alle Geister nach Deinem Worte prüfen, Deiner Lehre allein glauben und folgen und unseres Glaubens Früchte in einem bußfertigen Leben beweisen mögen. Amen. Vater Unser. 471 Montag nach dem 8. nach Trinitatis. Mel: Herr Jesu Chrift, Dich zu uns wend? Den stolzen Geistern wehre doch, Die sich mit G'walt erheben hoch Und bringen stets was Neues her, Zu fälschen Deine rechte Lehr'. Dein Wort ist unsers Herzens Truß, Und Deiner Kirchen wahrer Schutz; Dabei erhalt' uns, lieber Herr, Daß wir nichts anders suchen mehr. ( Vers 7 und 9 aus: Ach, bleib bei uns, Herr Jesu Chrift.) 1 Joh. 4, 1-8. Ihr Lieben, glaubet nicht einem jeglichen Geift, sondern prüfet die Geister, ob sie von Gott sind; denn es sind viele falsche Propheten ausgegangen in die Welt. Daran sollt ihr den Geist Gottes erkennen: Ein jeglicher Geist, der da bekennet, daß Jesus Christus ist in das Fleisch gekommen, der ist von Gott; und ein jeglicher Geift, der da nicht bekennet, daß Jesus Christus ist in das Fleisch gekommen, der ist nicht von Gott. Und das ist der Geift des Widerchrists, von welchem ihr habt gehöret, daß er kommen werde, und ist jest schon in der Welt. Kindlein, ihr seid von Gott, und habt jene überwunden; denn der in euch ist, ift größer, denn der in der Welt ist. Sie sind von der Welt; darum reden sie von der Welt, und die Welt höret sie. Wir sind von Gott, und wer Gott erkennet, der höret uns; welcher nicht von Gott ist, der höret uns nicht. Daran erkennen wir den Geist der Wahrheit und den Geift des Irrthums. Ihr Lieben, laffet uns unter einander lieb haben; denn die Liebe ist von Gott; und wer lieb hat, der ist von Gott geboren und kennet Gott. Wer nicht lieb bat, der kennet Gott nicht; denn Gott ist die Liebe. Man muß die heilige Schrift durch die Schrift selbst auslegen und man wird finden, daß sie nicht an einer Stelle aufhebt, was sie an einer andern sagt, sondern daß vielmehr Eins das Ändere erklärt. Was heißt nun nach dieser Regel, daß Jesus Christus ist in das Fleisch gekommen? Einfach nichts Anderes, als daß Gott in dem Jungfrausohn Mensch geworden ist und gekreuzigt, gestorben, begraben und auferstanden ist nach der Lehre der Schrift, wie uns Luther auf unver= gleichliche Weise dieses im zweiten Artikel erklärt hat. Der Geist des Widerchrists in den falschen Propheten leugnet diesen einzigen, wirklichen, thatsächlichen Christus, den es gibt. Der Geist von Gott bekennt den einigen Christum bekennt. Das ist ein Bekenntniß, das der Mund ausspricht und das man von Herzen glaubt. Durch das ungetheilte, wahrhaftige Zeugniß von Christo, so wir es im Glauben annehmen, werden wir selig; Gottes Wahrheit, Gottes Gnade, Gottes Erkenntniß breiten sich dadurch in dem Herzen aus. Man wird dadurch vergöttlicht, erkennt Gott und wird lustig und munter, Gott zu lieben, den großen, heiligen Gott, der die Liebe ist. Und das ist keine 472 müßige, stumme Liebe, sondern eine reiche und fruchtbare, die genährt wird durch das Wort der Wahrheit und sich als Liebe erweist nämlich als lautere Erfüllung der heiligen zehn Gebote. So wird der Mensch durch das lautere Zeugniß von Christo, was er seiner Bestimmung nach werden soll, ein Tempel und Ebenbild Gottes. Und eben daraus, daß solche herrlichen Wirkungen aus der Annahme des Zeugnisses von dem wahrhaftigen Christus hervorgehen, ist ersichtlich, warum der Geist des Widerchrists durch die falschen Propheten in die Welt ausgeht. Der Geist des Widerchrists geht von dem Satan, dem Gott dieser Welt, aus, der die Herzen Christo entziehen und in Finsterniß erhalten will. Gelingt das nicht durch grobe Laster, so. gelingt's durch ein Nebelbild, das von Jesu gemacht wird. Und solch einen Heiland läßzt sich die Welt wohl gefallen, der die Sünde nicht straft, keine Buße fordert und kein zerbrochenes Herz. Aber das ist auch nicht der wahre Heiland, der freilich nichts fordert aber auch nichts gibt. Dagegen spüren wir den lebendigen Heiland daran sehr wohl, daß Er uns lebendig macht, die Ketten und Grabtücher von uns nimmt und Sein Leben in uns ausgießt. Die Welt, die im Argen liegt, kann diesen wahrhaftigen Christus nicht leiden; die Jesu Jünger sind, sollen fest und wacker sein in dem Glauben und Bekenntnisse, daß Er in die Welt gekommen ist, und unser einiger Trost im Leben und Sterben bei Ihm steht. Gebet. Lieber himmlischer Vater, ich bitte Dich von Herzensgrund, daß Du mich nach Deiner grundlosen Güte wollest stärken und mit Deinem Geist erleuchten und bewahren, damit ich erkenne mit Freuden und Danksagung die selige Lehre von Deinem Sohne, unserm Herrn Jesu Christo, zu welcher ich durch Deine Gnade berufen bin. Solche Erkenntniß, die Du mir gegeben hast, wollest Du auch bis in jenes Leben und auf die fröhliche Zukunft unsers Herrn Jesu Christi mir bewahren. Amen. Vater Unser. Dienstag nach dem 8. nach Trinitatis. Mel.: O du Liebe meiner Liebe. Herr, Dein Wort, die edle Gabe, Diesen Schatz erhalte mir, Denn ich zieh' es aller Habe Und dem größten Reichthum für. Wenn Dein Wort nicht mehr soll gelten, Worauf soll der Glaube ruh'n? Mir ist's nicht um tausend Welten Aber um Dein Wort zu thun. Hallelujah, Ja und Amen, Herr, Du wollest auf mich sehn, Daß ich mög' in Deinem Namen Fest bei Deinem Worte steh'n. Laß mich eifrig sein beslissen, Dir zu dienen früh und spat Und mich stets zu Deinen Füßen Siten, wie Maria that. ( Vers 1 und 2 aus: Herr, Dein Wort.) 473 5 Moj. 6, 3-9. Israel, du sollst bören und behalten, daß du es thust, daß dir's wohl gehe, und sehr vermehret werdeft; wie der Herr, deiner Våter Gott, dir geredet hat, ein Land, da Milch und Honig innen fließet. Söre, Israel, der Herr, unser Gott, ist ein einiger Herr. Und du follft den Herrn, deinen Gott, liebhaben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von allem Vermögen. Und diese Worte, die ich dir heute gebiete, sollst du zu Herzen nehmen. Und sollft fie deinen Kindern schårfen, und davon reden, wenn du in deinem Hause sisest, oder auf dem Wege gehest, wenn du dich niederlegeft, oder aufsteheft; und follft fie binden zum Zeichen auf deine Hand, und sollen dir ein Denkmal vor deinen Augen sein; und sollft sie über deines Hauses Pfoften schreiben, und an die Thore. A Der Herr unser Gott ist ein einiger Herr; du sollst den Herrn, deinen Gott, liebhaben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von ganzem Vermögen ach, warum sollen uns denn diese Worte wie Donnerschlag und Blitz in's Herz schallen, warum nicht wie die freundlichste Einladung der herzlichsten Liebe? Warum wollen wir die Augen verschlossen halten oder nur halb aufthun, warum nicht erkennen, daß alle Liebe und Neigung unseres Herzens zum Argen, unser Unglück, Disteln und Dornen sind, daß dagegen unser Weg Friede und Gerechtigkeit ist, wenn wir lauter und wahrhaftig in den Geboten des Herrn wandeln? Es ist doch so, daß Alles, was der Herr fordert, eben dasselbe ist, was uns heilsam ist. Ja wohl, das ist unwidersprechlich. Wir sollen Gott lieben und zwar von ganzem Herzen, aber das Herz ist unlustig gegen Gott, ja, es ist Gott seind, wenn es ein bloß menschliches Herz ist. Das ist hart, aber wahr. Die eindringlichen Gottesworte wollen nicht anschlagen, weil Liebe sich nicht befehlen läßt, weil Lust und herzlicher Ernst zu den Geboten Gottes nicht auf bloße Forderung hin schon da sind. Und doch stehen die Worte da, still und groß, laut und majestätisch: Höre, unser Gott ist ein einiger Herr. Wie mun? Wir müssen zu Jesu gehen, wir müssen es in unser Herz lassen und drin erwägen, daß wir einen Heiland haben, nahe Allen, die Ihn anrufen; ein Heiland ist Einer, der heilt, Seelenschäden heilt. Er ist Christus, der von Seinem Lebens- und Liebesgeiste in alle Herzen eingießt, die sich Ihm bleibend ergeben. Wo aber Liebesgeist, wo die Liebe selbst ist, da ist es die freundliche Erinnerung einer Mutter, daß man von ganzem Herzen lieben und Beides in Einen Punkt zusammenziehen soll, was der Herr befiehlt und was mir gut ist. Herr, solche Augen, solch ein Herz, solche Liebe gib uns. - Gebet. Herr, ich weiß von keiner Frömmigkeit in mir selber, der ich ein armer Sünder bin. Aber, das ist mein fester Trost, daß 474 Du mir alle meine Sünden vergibst und heilest alle meine Gebrechen. Erquicke mich mit allen Deinen Kindern nach Deinem Worte, daß ich laufe den Weg Deiner Gebote. Amen. Vater Unser. Mittwoch nach dem 8. nach Trinitatis. Mel.: Komm, o tomm, Du Geift des Lebens ober: Gott des Himmels und der Erben. Liebe, die mich hat gebunden Liebe, die Du mich zum Bilde Deiner Gottheit hast gemacht; Liebe, die Du mich so milde An ihr Joch mit Leib und Sinn; Liebe, die mich überwunden Und mein Herz hat ganz dahin; Liebe, Dir ergeb' ich mich, Dein zu bleiben ewiglich. ( Vers 1 und 5 aus: Liebe, die Du mich zum Bilde.) Nach dem Fall hast wiederbracht; Liebe, Dir ergeb' ich mich, Dein zu bleiben ewiglich. Joh. 15, 1-8. Ich bin ein rechter Weinstock, und mein Vater ein Weingärtner. Einen jeglichen Reben an mir, der nicht Srucht bringet, wird er wegnehmen; und einen jeglichen, der da Srucht bringet, wird er reinigen, daß er mehr Srucht bringe. Jhr seid jetzt rein um des Worts willen, das ich zu euch geredet habe. Bleibet in mir und Ich in euch. Gleichwie der Rebe kann keine Srucht bringen von ihm selber, er bleibe denn am Weinstock: also auch ihr nicht, ihr bleibet denn in mir. Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleis bet, und Ich in ihm, der bringet viele Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts thun. Wer nicht in mir bleibet, der wird weggeworfen, wie ein Rebe, und verdorret, und man sammelt sie, und wirft sie in's Seuer, und muß brennen. So ihr in mir bleibet, und meine Worte in euch bleiben, werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch widerfahren. Darinnen wird mein Vater geehret, daß ihr viele Srucht bringet, und werdet meine Jünger. Sie einfach ist doch das Christenthum! Man sehe nur einen Weinstock mit seinen Reben an, so hat man das treue Bild des christlichen Glaubens und Wesens. Daß man so vielfach hinsiecht und untüchtig ist zu einem gottseligen Wandel, rührt davon, daß man ein Rebe sein will ohne den Weinstock Christum und ohne lebendige Gemeinschaft mit Ihm. Und der Rebe kann doch keine Frucht bringen von ihm selber. Ohne mich könnt ihr nichts thun spricht der Herr; wir können nämlich ohne Christum nichts thun, was Bestand, Segen, Frucht für die Ewigkeit abgibt. Es kommt mithin auf die allergenaueste Verbindung mit Christo an, wie die heilige — 475 Schrift dieses Herzensverhältniß zu Jesu durch das Bild der Ehe darstellt. Wie soll man denn in diese Verbindung kommen? Kann man doch Christum nicht vom Himmel holen! Gott ist es, der den Weinstock mit seinen Reben werden läßt; Gott ist es auch, der auf eine uns unbegreifliche aber wahrhaftige Weise durch die heilige Taufe uns in Christum pflanzt. Nicht als ob damit Alles gemacht wäre; es gibt auch absterbende, abgestorbene, verdorrte Reben. Aber der Anfang, das Verbundenwerden mit Christo, geschieht durch die Taufe. Nun kommt es auf Pflege, Wachsthum, Gedeihen der Reben an. Das Theil haben an Christo muß zu einem Theilnehmen an Jhm werden. Wir haben ja Worte von Ihm, welche Geist und Leben sind und uns mit der Person Jesu in Verbindung seßen, so daß Er, der Weinstock, Sein Leben und Wesen immer mehr in uns ergießen kann. Hier ist aber keine Ueberstürzung, sondern ein Wachsen nach innen und nach außen. Und wo die Reben mit dem fruchtbaren Weinstocke verbunden sind, wie sollte die Frucht fehlen? Wie sollen gläubige Christen, die mit Christo vereinigt find, nicht in ihrem Leben die Tugenden Christi hervorbrechen lassen nämlich die Demuth, Sanftmuth, Barmherzigkeit, Geduld Jesu Christi! Und da es an dem Weingärtner nicht mangelt nämlich an dem treuen Gott, der die Reben durch Sein Meffer reinigt d. i. die rechtschaffenen Christen durch allerlei Kreuz züchtigt, so wird es nicht fehlen, daß der Saft der Reben nun nicht nuglose wenn auch prächtige Blätter sondern vielmehr viele Frucht bringt. Da erschließt sich Einem immer mehr der Reichthum Christi: man wird immer mehr, was man ist, ein Christ, ein mit dem Geiste Jesu Gesalbter, ein Jünger Jesu, der Ihm nachfolgt. Gebet. Lieber Herr Jesu Christe, der Du Dein Werk in uns angefangen hast, mehre und vollführe dasselbe in Gnaden auf den Tag Deiner herrlichen Zukunft, daß wir mit Freuden Dir entgegengehen und ewiglich bei Dir bleiben mögen. Ach, lieber Herr, Du hast uns und unsere Kinder zu Reben an Dir, dem Weinstock, berufen und ge= macht. Du wollest nach Deiner Barmherzigkeit diesen Deinen Weinberg unter uns erhalten und fördern, es auch an der Frucht nicht fehlen lassen. Amen. Vater Unser. pow 476 Donnerstag nach dem 8. nach Trinitatis. MeL: Alle Menschen müssen sterben. Jesus schwebt mir in Gedanken, Jesus liegt mir stets im Sinn, Von Ihm will ich nimmer wanken, Weil ich hier im Leben bin. Er ist meiner Augen Weide, Meines Herzens höchste Freude, Meiner Seele schönste Zier; Jesum lieb ich für und für. Jesu leben, Jesu sterben, Jesu einzig eigen sein Und mit Jesu dorten erben, Das ist mein Gewinn allein. Jesu will ich sein und bleiben, Nichts, nichts soll mich von Ihm treiben, Laß ich gleich Gut, Blut und Ehr, Jejum laß ich nimmermehr. ( Vers 1 und 8 aus: Jesus schroebt mir.) 1 Petri 2, 6-10. 11 Darum fiehet in der Schrift: Siehe da, ich lege einen auserwählten köstlichen Eftein in 3ion; und wer an ihn glaubt, der foll nicht zu Schanden werden." Euch nun, die ihr glaubet, ist er köftlich; den Ungläubigen aber ist der Stein, den die Bauleute verwor fen haben, und zum Edstein geworden ist, ein Stein des Anstoßens, und ein Sels der Aergerniß; die sich stoßen an dem Wort, und glauben nicht daran, darauf sie gesetet sind. Ihr aber seid das auserwählte Geschlecht, das königliche Priesterthum, das beilige Volk, das Volk des Eigenthums, daß ihr verkündigen sollt die Tugenden deß, der euch berufen bat von der Sinsterniß zu seinem wunderbaren Licht. Die ihr weiland nicht ein Volk waret, nun aber Gottes Volk seid, und weiland nicht in Gnaden waret, nun aber in Gnaden seid. Die ie heilige Schrift handelt nicht in abgesonderten Theilen vom Glauben und vom Leben der Christen, sondern diejenigen Wahrheiten, welche die Geheimnisse des Glaubens betreffen, sind mit denjenigen, welche das christliche Leben behandeln, meist eng verknüpft wie in dent obigen Schriftworte. Die heilige Schrift kennt keine böse Trennung von Glauben und Leben sondern sieht eins bei dem anderen. Darum sollen wir als rechte Bibelchristen auch dahin sehen, daß unser Glaube lebendig sei und unser Leben im Glauben geführt werde. Gott hat Christum zu dem auserwählten Eckstein gelegt. Christi Person, Christi Leiden und Auferstehen ist der einige Heilsgrund. Dieser Felsen wird für einen Jeden hingelegt in der Taufe, im Worte und Sakramente. Derselbe Christus ist den Einen köstlich, den Andern ein Stein des Anstoßes und ein Fels des Aergernisses. Ja, wie köstlich ist Christus dem Glauben, nämlich dem Hunger und Durst nach der Gerechtigkeit und Wahrheit! Christus ist die Fülle aller Liebe, Gnade und Wahrheit; jeder Umstand Seines heiligen Lebens, jedes Wort Seines Mundes hat die Absicht auf unserer Seelen Heil und Frieden. Der Glaube, der durch das Wort Gottes erweckt und erhalten wird, findet immer neue Schönheiten an Christo auf. Wie 477 schön, wie tröstlich ist es dem Glauben, an Jesu je länger je mehr den Mann zu finden, der alle Sünde getragen hat, auf den Gott uns gestellt hat als auf einen Felsen in der heiligen Taufe, der nicht blos Anfänger sondern auch Vollender des Glaubens ist. Du bist der Schönste unter den Menschenkindern das ist die Erkenntniß und - das Bekenntniß des Glaubens. Die Ungläubigen, die eben als Ungläubige von Gott abgewandt und der Welt zugekehrt sind, wissen entweder nichts mit Christo zu machen oder, wo Er ihnen kräftig entgegen tritt, stoßen und ärgern sie sich an Ihm.- Nur durch Christum, nur in Chrifto führen die Gläubigen solche Ehrentitel, daß sie ein auserwähltes Geschlecht, ein königliches Priesterthum und heiliges Volk heißen. Das ist thatsächliche Wahrheit bei ihnen, weil sie wahrhaftig glauben. Aber daß sie ein heiliges Volk sind, bleibt auch das vorgesteckte Ziel, weil auch die Gläubigen noch im Fleische sind und nur durch Tödtung des Fleisches und seiner Begierden dahin kommen, daß sie im Glauben leben und im Leben den Grund und den Schatz ihres Herzens hervorbrechen lassen und die Tugenden Jesu verkündigen. Der gute Baum soll auch ein fruchtbarer Baum sein, was nicht immer der Fall ist. Gebet. Lieber Herr Jesu Christe, der Du Dein Werk in uns angefangen hast, mehre und vollführe dasselbe in Gnaden auf den Tag Deiner herrlichen Zukunft, daß wir mit Freuden Dir entgegengeher und ewiglich bei Dir bleiben mögen. Amen. Vater Unser. Freitag nach dem 8. nach Trinitatis. Mel.: Meinen Jesum laß ich nicht. Jesus ist der schönste Nam' Aller, die vom Himmel kommen, Huldreich, prächtig, tugendsam, Den Gott Selber angenommen. Seiner großen Lieblichkeit Gleicht kein Name weit und breit. Jesus ist der Lebensbaum Voller edler Tugendfrüchte. Wenn Er find't im Herzen Raum, Wird das Unkraut ganz zu nichte; Alles Gift und Unheil weicht, Das Sein Schatten nur erreicht. ( Vers 1 und 8 aus: Jesus ist der schönste Nam'.) Joh. 6, 38-40. Denn ich bin vom Himmel gekommen, nicht, daß ich meinen willen thue, sondern den willen deß, der mich gesandt hat. Das ist aber der wille des Vaters, der mich gesandt ha daß ich nichts verliere von Allem, das er mir gegeben bat, sondern daß ich es auf erwecke am jüngsten Tage. Das ist aber der Wille deß, der mich gesandt hat, daß, wer den Sohn siehet und glaubet an ihn, babe das ewige Leben; und Ich werde ihn auferwecken am jüngsten Tage. 478 Die ie Grundlehre unseres Glaubens ist, daß Christus wahrer Gott ist, mit dem Vater gleichen Wesens und gleicher Ehre. Ist der Hei land aber Eines Wesens mit dem Vater, so ist Er auch Eines Willens mit Ihm; es ist kein Widerwille gegen uns im Himmel mehr, wenn wir in dem Willen Christi ruhen, Chrifti Wille ist Gottes Wille. Und wie gnädig ist der göttliche Wille gegen uns! Der Heiland stellt uns den Willen des Vaters in dieser Schriftstelle dar, frei von allem Donner, Blitz und Schrecken. Wer den Sohn Gottes sieht und glaubet an Ihn, hat das ewige Leben das ist der Wille des Vaters; dieser Wille Gottes ist der höchste und steht über allen andern Geboten und Werken. Christi Person ist's, an der wir hängen sollen. Willst du selig werden, du darfst es nicht bei dir oder irgend einer andern Creatur suchen; allein Jesus, der Sohn Gottes und der Jungfrau, muß dir vor Augen stehen, daß du von Allem ab- und auf Ihn Hinsehen kannst. Anfechtung lehrt hier auf's Wort merken. Wenn das Herz die Sünde fühlt und von dem Ernste der Ewigkeit ergriffent ist, so daß Einem Himmel und Erde zu enge werden, bleibt kein anderer übrig als allein Jesus Christus, der die Mühseligen und Beladenen zu Sich ladet, daß Er sie erquicke. Daran liegt's, Ihn zu sehen; je länger und unverrückter und einfältiger Jemand Ihn ansieht, wie Ihn die heiligen Apostel vor unsere Augen malen, um so mehr wird das Vertrauen zu 3hm erweckt. Und ob die Furcht im Gewissen spricht von Verlorenwerden, Jesus spricht dagegen: Ich verliere nichts von Allem, was mir der Vater gegeben hat; und ob man die Gunst und Gnade Gottes zu groß ansieht, als daß man sie fassen könnte, Jesus spricht, man solle das ewige Leben haben. Man sehe einfältig den Gekreuzigten an und höre Sein Wort: Des Menschen Sohn muß erhöhet werden, auf daß Alle, die an Ihn glauben, nicht verLoren werden sondern das ewige Leben haben. Wer aber solche goldenen Worte des Herrn wie Samen im Herzen bewahrt, der wird auch je länger je zuversichtlicher glauben d. i. von allem Fühlen und Erschrecken absehen und dem Herrn in Allem trauen können auch darin, daß Er sagt: Ich werde ihn auferwecken am jüngsten Tage. Um des Wortes willen darf man Sarg und Grab nicht hoch ansehen sondern mit Freuden singen: Lässet auch ein Haupt sein Glied, welches es nicht nach sich zieht? - Gebet. Lieber Herr Christe, ob ich gleich nicht das Gesetz erfülle und ob noch wohl Sünde vorhanden ist, und ich mich vor dem Tod und der Hölle fürchte, so weiß ich doch dies aus dem Evangelio, daß Du mir alle Deine Werke geschenfet und gegeben hast. Deß bin ich gewiß, Du ligest nicht, Deine Zusagen wirst Du wahrhaftig halten, und deß zum Siegel und Unterpfand habe ich die Taufe empfangen. Weil Du denn, lieber Gott, mein bist, will ich gern sterben; denn also gefällt es Dir, mein Vater, und der Tod tann mir nicht 479 schaden, er ist verschlungen in den Sieg. Und Dir, lieber Herr Gott, sei Dant, der Du uns den Sieg gegeben hast, durch unsern Herrn Jesum Christum. Amen. Bater Unser. Sonnabend nach dem 8. nach Trinitatis. Mel.: Mach's mit mir, Gott, nach Deiner Güt Auf, Christenmensch, auf, auf zum Streit! Gedenke, daß du zu der Fahn' Auf, auf, zum Ueberwinden! Dein's Feldherrn hast geschworen; Dent ferner, daß du als ein Mann Zum Streit bist auserkoren; Wer nicht will streiten, trägt die Kron' Ja denke, daß ohn' Streit und Sieg Des ew'gen Lebens nicht davon. Nie keiner zum Triumph aufstieg. In dieser Welt, in dieser Zeit Ift leine Ruh zu finden. ( Vers 1 und 3 aus: Auf, Christenmensch.) 1. Cor. 10, 6-14. Das ist aber uns zum Vorbilde geschehen, daß wir uns nicht gelüften laffen des Bösen, gleichwie jene gelüftet hat. Werdet auch nicht Abgöttische, gleichwie jener etliche wurden; als geschrieben stehet: Das Volk ferte sich nieder zu essen und zu trinken, und stand auf zu spielen." Auch laßt uns nicht Surerei treiben wie etliche unter jenen Surerei trieben, und fielen auf einen Tag drei und zwanzig tausend. Laßt uns aber auch Chriftum nicht versuchen, wie etliche von jenen ihn versuchten, und wurden von den Schlangen umgebracht. Murret auch nicht, gleichwie jener etliche murreten, und wurden umgebracht durch den Verderber. Solches alles widerfuhr ihnen zum Vorbilde; es ist aber geschrieben uns zur Warnung, auf welche das Ende der Welt gekommen ist. Darum, wer sich låßt dunken, er ftebe, mag wohl zusehen, daß er nicht falle. Es bat euch noch keine, denn menschliche Versuchung betreten; aber Gott ift getreu, der euch nicht läßt versuchen über euer Vermögen, sondern macht, daß die Versuchung so ein Ende gewinne, daß ihr es könnet ertragen. Darum, meine Liebften, fliehet von dem Gözendienst. Das ist uns zum Vorbilde geschehen." So beginnt der Tert. Wir fragen: was denn? Der Apostel hat vorher den Corinthern die herrlichen Gnadengüter vor die Seele geführt, mit welchen das Volk Ifrael gesegnet war als das auserwählte Bundesvolk Gottes; er erinnert sie an die Errettung aus dem Meere, an die Wolkensäule, in welcher der Herr der Herrlichkeit stündlich mit ihnen zog, an Mose, der sie bis an die Grenze des gelobten Landes in Treue geleitet, an die wunderbare Art, wie Manna und Wasser und damit auch geistliche Speise und Trank ihnen zu Theil wurde. Und bei allen diesen 480 Gnadenwundern ließen sie doch dem Fleische so viel Macht, daß Paus lus von ihnen sagen muß: An ihrer Vielen hatte Gott keinen Gefallen; denn sie sind niedergeschlagen in der Wüste. Und daran knüpfet der Apostel die Warzung: das ist uns zum Vorbilde geschehen, daß wir uns nicht gelüsten lassen des Bösen, gleich wie jene gelüstet hat. Und solche Warnung läßt Paulus an solche ergehen, welche durch Bekehrung Kinder Gottes geworden waren, zu denen er noch im ersten Kapitel sagen konnte, daß sie in allen Stücken reich gemacht seien an aller Lehre und in aller Erkenntniß, also daß sie keinen Mangel haben an irgend einer Gabe. Wenn selbst noch solche so ernstlich gewarnt werden müssen, wie vielmehr gilt dann uns das Wort der Epistel: Wer sich lässet dünken, er stehe, mag wohl zusehen, daß er nicht falle. Die Versuchungen an dem Wege auf unserer Reise durch die Wüste laffen nicht auf sich warten; wir stehen in täglicher Gefahr zu fallen. Bist du der einen Versuchung entronnen und hältst du am ersten Gebote fest, daß Abgötterei in grober Weise dich nicht zu Falle bringt vergiß nicht, daß Johannes seinen Brief schließt mit dem Worte Kindlein, hütet Euch vor den Abgöttern! Glaubst du an das Wort daß Hurer und Ehebrecher Gott richten wird, und fliehest du vor diesen Greueln und Scheueln wie vor der Pestilenz, die im Finstern schleicht, kommst du nicht im Herzen zum Falle und befleckst da den Tempel des heiligen Geistes mit Unreinigkeit? Oder wärest du auch da entronnen, hältst du dich frei von der Sünde, daß du deinen Herrn versuchest, wenn du von Ihm verlängst, was Seinem heiligen Willen stracks entgegenläuft; murrest du nicht und läßt du dir von dem ge= lobten Lande nicht oft ein Geschrei machen, daß du muthlos die Arme sinken läßt im Ringen durch die enge Pforte einzugehen? Prüfe dich in diesen und noch viel andern Stücken. Es sind schon andere Helden gefallen denn du bist, und wisse, daß der Fall Todesgefahr bringt für Leib und Seele. Das Gewissen wird durch Straucheln und Fallen immer stumpfer und endlich läßt es dich ganz in dem geistlichen Tode, der zum ewigen Tode führt. Der treue Gott walte in Gnaden, daß du nicht über Vermögen versuchet werdest, und Er mache, daß die Versuchung also ein Ende gewinne, daß du es kannst ertragen. Gebet. O Herr, Du versuchst zwar Niemand; aber wir bitten in diesem Gebet, daß Du uns wollest behüten und erhalten, auf daß uns der Teufel, die Welt und unser Fleisch nicht betrüge noch ver= führe; und ob wir damit angefochten würden, daß wir doch endlich gewinnen und den Sieg behalten! Amen. Vater Unser. 481 9. Sonntag nach Trinitatis. fid STR Christus, der sie hat erwählet Und als Braut Mel.: Warum sollt ich mich denn grämen. Wenn die Seel' sich von der Erden Ganz losreißt, Durch den Geist Heilig hier zu werden; So ist das ihr hoher Adel, Welchen sie Je und je Findet ohne Tadel. Ihm vertraut, Der sieht, was ihr fehlet; Er tröst't fie im bittren Leiden, Führt sie dann Auf die Bahn Der vergnügt'sten Freuden. ( Vers 2 und 7 aus: O was für ein herrlich Wesen.) Luc. 16, 1-9. Er sprach aber zu seinen Jüngern: Es war ein reicher Mann der hatte einen Haushalter; der ward vor ihm berüchtiget, als hätte er ihm seine Güter umgebracht. Und er forderte ihn, und sprach zu ihm: wie höre ich das von dir? Thue Rechnung von deinem Saushalten; denn du kannst binfort nicht mehr Saushalter sein. Der Saushalter sprach bei sich selbsft: Was soll ich thun? Mein Serr nimmt das Amt von mir; graben mag ich nicht, so schåme ich mich zu betteln. Ich weiß wohl, was ich thun will, wenn ich nun von Und dem Amt gefert werde, daß sie mich in ihre Säuser nehmen. er rief zu sich alle Schuldner seines Serrn, und sprach zu dem ersten: wie viel bist du meinem Herrn schuldig? Er sprach: Sundert Cons nen Oels. Und er sprach zu ihm: imm deinen Brief, setze dich, und schreibe flugs funfzig. Darnach sprach er zu dem andern: Du aber, wie viel bist du schuldig? Er sprach: Sundert Malter Weizen. Und er sprach zu ihm: Timm deinen Brief, und schreib achtzig. Und der Herr lobte den ungerechten Saushalter, daß er Flüglich ges than hatte. Denn die Kinder dieser Welt sind kluger, denn die Kinder des Lichts in ihrem Geschlecht. Und Ich sage euch auch: Macht euch Freunde mit dem ungerechten Mammon, auf daß, wenn ihr nun darbet, sie euch aufnehmen in die ewigen Hütten. Per Herr weiß allen Dingen eine heilsame Lehre für das ewige Leben abzugewinnen. Da ist ein ungerechter Haushalter, ein Mann von dieser Welt; in seiner Art ein kluger, geschickter Mann. Denselben stellt der Herr den Kindern des Lichtes vor Augen, daß sie in ihrer Art auch hurtig, klug und geschickt handeln sollen. Dies folgt auf Luc. 15, wo die drei Gleichnisse von der Bekehrung des Sünders zu Gott und von der herzlichen Liebe Gottes gegen bußfertige Sünder stehen. Ist die Bekehrung richtig, so soll auch ein richtiger Wandel folgen. Der verlorene Sohn wurde nicht blos begnadigt sondern bekam auch Schuhe an die Füße. Wozu anders, als um in den Wegen Gottes zu wandeln. Der Haushalter kam endlich zum richtigen Verstande, daß er nur Haushalter über die Güter nicht Herr derselben war. Ein glän31 482 biger Christ ist von der Grundlige frei, nach welcher der Mensch lebt und urtheilt, als wäre er selber Gott. Daß das eigene, erdichtete Königreich und Herrlichkeit eine Lüge ist, diese Erkenntniß gibt uns der barmherzige Gott. Man sieht sich also als Haushalter an Gaben und Güter insgesammt sind nichts Eigenes sondern Anvertrautes, Geliehenes. Sünde ist aller selbstherrliche Gebrauch der Glieder des Leibes, der Kräfte der Seele und aller Dinge. Aber, o Gott, wie sind meiner Missethaten so viel, wenn Du allein Herr bist und ich blos Dein Knecht? Wie viel tausendmal habe ich Deinen Willen nicht gethan! Was soll ich thun? Der, ungerechte Haushalter weiß, was er thun will. So weiß ein gläubiger Christ, was er will. Und das ist ein Großzes. Ein Christ sucht etwas Gewisses wie der Haushalter in seiner Art. Wünsche, Gefühle, Vorsätze sind nicht genug. Man muß gewiß sein und werden, daß man bei Gott in Gnaden ist, wirklichen Glauben und wahre Liebe hat. Dieses sucht man heute schon und für's Zukünftige einen Platz in den ewigen Hütten. Was sucht ihr? fragt der Herr Joh. 1, 38. Wir antworten: Herr, Dich und Deine Gemeinschaft. Wir wissen also, was wir suchen, keinen Staub sondern das ewige Leben. Und wie der ungerechte Haushalter weiß, was er will, und will, was er weiß, so ist ein Christ entschlossen, seinem Ziele nachzujagen. Unentschlossenheit, Lauheit, Halbheit ist ein lähmender Krampf der Seele. So müssen wir dabei sein, das zu thun, was wir als heilsam erkannt haben. Gibt es Schätze im Himmel, nämlich Sündenhaß und Sündenvergebung, Gnade und Frieden, wohlan! so wollen wir sie sammeln heute noch. Die Mittel sind uns zur Hand, wie dem ungerechten Haushalter feine Mittel. Man brauche nur ernstlich die alten Mittel das Wort Gottes, das ernstliche Gebet, und Gott wird es gelingen lassen. Da sind Arme, Hülfloſe vielleicht vor der Thür. Der Herr hat sie hingelegt. Sie sollen willkommen sein, weil sie uns Gelegenheit geben, zu zeigen, ob unser Glaube lebendig und unsere Liebe wahr, und ob wir Herren auch des Geldes sind, oder ob das Geld unser Herr ist. In Allem aber recht wacker sein. Der ungerechte Haushalter kam in ſeiner Art zum Ziele und überwand die Schwierigkeiten. So dürfen wir nicht denken im Sturme den Himmel zu ersteigen, aber durch Geduld in guten Werken bringt man hindurch. Gebet. Himmlischer Vater, der Du uns durch Christum zu Kindern des Lichts berufen hast, wir bitten Dich demüthiglich, Du wollest durch Deinen heiligen Geist unsere Herzen läutern, daß wir auch so klug sind auf das Ewige, wie die Welt ist auf das Bergängliche. Wollest uns auch in unserm Berufe treu, fleißig und milde zu ein verleihen, auf daß wir an jenem Tage ein gutes Zeugniß unseres Christenthums haben mögen. Amen. Vater Unser. - - 483 Montag nach dem 9. nach Trinitatis. Mel.: Erhalt uns, Herr, bei Deinem Wort. Wir danken Dir, Herr Jesu Christ, Daß Du für uns gestorben bist Und hast uns durch Dein theures Blut Gemacht vor Gott gerecht und gut. Wir bitten Dich, wahr'r Mensch und Gott, Durch Dein' heilig' fünf Wunden roth, Erlös uns vom ewigen Tod Und tröst' uns in der letzten Noth. ( Vers 1 und 2 aus: Wir banken Dir, Herr Jefu Chrift.) 1 Petr. 1, 17-25. Und sintemal ihr den zum Vater anrufet, der ohne Ansehen der Person richtet, nach eines Jeglichen Werk; so führet euren Wandel, so lange ihr hier wallet, mit Surcht; und wisset, daß ihr nicht mit vergånglichem Silber oder Gold erlöset seid von eurem eitlen Wandel nach våterlicher Weise; sondern mit dem theuren Blate Chrifti, als eines unschuldigen und unbefleckten Lammes; der zwar zuvor verfeben ist, ehe der Welt Grund geleget ward, aber geoffenbaret zu den letzten Seiten um euret willen, die ihr durch ihn glaubet an Gott, der ihn auferwecket hat von den Todten, und ihm die Herrlichkeit gegeben, auf daß ihr Glauben und Hoffnung zu Gott baben möchtet. Und machet keusch eure Seelen im Gehorsam der Wahrheit durch den Geift, zu ungefärbter Bruderliebe, und habt ench unter einander brünftig lieb aus reinem Herzen, als die da wiederum geboren sind, nicht aus vergånglichem, sondern aus unvergånglichem Samen, nămlich aus dem lebendigen Wort Gottes, das da ewiglich bleibet. Denn alles Sleisch ist wie Gras, und alle Herrlichkeit der Menschen wie des Grases Blume. Das Gras ist verdorret, und die Blume abgefallen; aber des Herrn Wort bleibet in Ewigkeit. Das ist aber das Wort, welches unter euch verkündiget ift. Eben das, was die Welt widerwärtig oder doch überflüssig findet an Christo nämlich die Versöhnung in dem Blute Jesu, ist einem gläubigen Christen die Hauptsache. Nicht vergängliches Silber oder Gold sondern das theure Blut Christi ist es, wodurch unsere Erlösung geschehen ist. Dieses Blut, worin begriffen ist die ganze Arbeit Jesu, jeder Seufzer Seiner Seele, jeder Kampf mit dem Fürsten der Welt ist theuer und werth genug, um unsere Sünde vor Gott zu bedecken. Fühlt Jemand die Sünde, der nahe sich nur gläubig dem Opferblute Jesu, und je tiefer Einem das sündliche Wesen offenbar wird, um ſo mehr fasse man, wie theuer und werth Christi Blut vor Gott ist. Es macht uns rein von aller Sünde. Wir finden Beides in dem Blute Jesu die Vergebung wie die Reinigung. Der Herzensglaube an Chriftum ist nicht blos ein Balsam für den inwendigen Menschen sondern auch ein Scheidewasser für die vielen Unreinigkeiten der Seele. So finden wir nicht blos in den Worten des Apoftels den Glauben an Christi Blut und das heilige Leben mit einander verbunden son31* 484 - dern auch in unsern eigenen Herzen und Leben. Glauben wir, so folgen wir auch willig den Ermahnungen: führet euren Wandel mit Furcht, macht eure Seelen keusch im Gehorsam der Wahrheit. Auf daß ich Sein eigen sei und in Seinem Reiche unter Ihm lebe und Ihm diene in ewiger Gerechtigkeit, Unschuld und Seligkeit nur dieses kann die Folge und das Ziel sein des Glaubens an Christum. Weil aber also alle unsere Hülfe liegt in dem Namen des Herrn, weil in Christo ist sowohl die Gerechtigkeit als auch die Heiligung, wie wichtig muß uns dann auch das apostolische, unverfälschte Wort des Herrn sein, das uns verkündigt ist, da es Gott gefällt, uns auf diesem Wege durch die thörichte Predigt selig zu machen. Sonst ist alle Herrlichkeit wie die abfallende Blume, aber Gottes Wort hat Gottes Art, ist ewig schön, ewig wahr, und die wir Staub sind, werden wie Sterne am Himmel rein und schön, so wir die schaffenden, erlösenden, heiligenden Kräfte des Wortes Gottes in uns walten laffen. Gebet. Herr Jesu Christe, ich weiß keinen andern Trost, Hülfe und Rath meiner Seele, denn daß Du mein Gnadenstuhl bist, der Du keine Sünde noch Böses gethan haft und für mich gestorben und auferstanden bist. Nun habe ich keinen Zweifel, daß ich dadurch vor allem Zorn und Schrecken sicher bin und ewig selig werde. Amen. Bater Unser. Dienstag nach dem 9. nach Trinitatis. MeL: Einer ist König, 3mmanuel fieget. Denken mit brennendem Eifer an Dich; Großer Prophete, mein Herze begehret Priester in Ewigkeit: meine Gedanken Von Dir inwendig gelehret zu sein. Du, aus des Vaters Schooß zu uns gekehret Bringe mein Seufzen in heilige Schranten, Haft offenbaret, wie Du und ich Ein; Der Du ein Opfer geworden für mich; Du haft als Mittler den Teufel be- Du bist als Fürsprach zum Himmel ges fahren, Dir ist das Schlangenkopftreten gelungen. Kannst auch Dein Eigenthum ewig bewahren. zwungen, ( Vers 1 und 2 aus: Großer Prophete.) Sprüche Sal. 6, 16-23. Diese sechs Stücke haffet der Herr, und am siebenten hat er einen Greuel: Hobe Augen, falsche Jungen, Hånde, die unschuldig Blut vers gießen; Herz, das mit bösen Tücken umgebet; Süße, die behende sind, Schaden zu thun; falscher Jeuge, der frech Lügen redet; und der Sader zwischen Brüdern anrichtet. Mein Kind, bewahre die Gebote deines Vaters, und laß nicht fahren das Geser deiner Mutter. Binde 485 sie zusammen auf dein Ser; allewege, und hånge sie an deinen Hals, wenn du geheft, daß sie dich geleiten; wenn du dich legeft, daß fie dich bewahren; wenn du aufwacheft, daß sie dein Gespräch seien. Denn das Gebot ist eine Leuchte, und das Geser ein Licht; und die Strafe der Jucht ist ein Weg des Lebens. Gott ist in all Seinem Wesen vollkommen auch im Hasse des Bösen. Wer bei Ihm wohnen will, muß sich heiligen lassen durch und durch an Leib, Seel' und Geist. Wir sollen es tief zu Herzen fassen, daß Gott, der die Liebe ist, der allergetreueste Liebhaber unserer Seele ist. Sein Herz ist gegen uns keine Stunde kalt und karg. Aber ebenso vollkommen, wie Er uns liebt, haßt Er das Arge in allen genannten sechs Stücken sammt dem siebenten. Das Herz ist die Quelle der Bosheit, aus ihm geht das Leben. Ist das Herz angefüllt mit bösen Tücken, so wird es sehr bald alle übrigen Glieder und Kräfte zur Ungerechtigkeit verführen. Ein Strom läßt auf eine Quelle schließen und die Ausbrüche der Sünde verrathen das unreine Herz. Der Herr baffet's, ob's die Welt lobt und ob es uns selbst nicht zur Last iſt. Aber wehe dem, wider den Gott ist. Besser mit aller Creatur im Streit als mit Gott. Darum ist es eine lockende, tief andringende Rede, daß es heißt aus Gottes Munde: Mein Kind. Da gilt es merken, bewahren, folgen. D, wahrlich nicht umsonst hat uns Gott Sein theures Wort gegeben; es ist eine Leuchte und ein Licht und hat Lichtes Art, daß es erleuchtet und unser Auge sehen kann. So dürfen wir das Licht uns nicht entziehen noch uns dem Lichte. Hier gilt es Fleiß, Gottes Gebote auf's Herz zu binden, sie überall bei sich zu tragen, daß sie das Gespräch des Herzens und die täglichen Rathsleute sind. Keine Arbeit ist so lohnend als diese. Denn selig, ja selig sind, die Gottes Wort hören und bewahren. Gebet. Ach mein Gott, ich armer Mensch, voll aller Sünde, muß an mir, meinen Werken und Kräften gänzlich verzweifeln, weiß nichts anders vorzunehmen, denn daß ich bitte und seufze nach Deiner großen Barmherzigkeit, die da allein gerecht und fromm macht. Das willst Du, lieber Herr, daß sich der Mensch für einen Sünder erkenne, und sein ganzes Leben nicht anders halte denn ein Gebet, eine Begierde, ein Seufzen nach Deiner Barmherzigkeit; darum, o Herr, vernimm und habe Acht auf die Stimme meines Gebets, verachte nicht meine Worte, die Du hörest und merkest. Amen. Vater Unser. 486 Mittwoch nach dem 9. nach Trinitatis. Was dir ewiglich kann dauern, Das ist dein und sonst nichts mehr. Warum wollt'st du denn viel trauern Um vergänglich Gut und Ehr, Das dich heute kann erfreuen Und sich morgen muß zerstreuen? Mel.: Gott bes Himmels unb ber Erben. 1 Oso hilf, Du höchste Stärke, Und mich also richte zu1 Daß ich Deine Kraft vermerke, Daß ich Dein Gefallen thu, Daß ich Dich allein betrachte Und die Erde nichts mehr achte. ( Bers 8 und 13 aus: Steh doch, Seele, fteh boch stille.) Matth. 6, 19-23. Jhr sollt euch nicht Schåge sammeln auf Erden, da sie die Motten und der Rost freffen, und da die Diebe nach graben und steblen. Sammelt euch aber Schåge im Himmel, da sie weder Mots ten noch Roft freffen, und da die Diebe nicht nach graben, noch stehlen. Denn wo euer Schatz ist, da ist auch euer Herz. Das Auge ist des Leibes Licht. Wenn dein Auge einfältig ist, so wird dein ganzer Leib Licht sein. Wenn aber dein Auge ein Schalk ift, fo wird dein ganzer Leib finsfer sein. Wenn aber das Licht, das in dir ift, Sinfterniß ist, wie groß wird dann die Sinfterniß selber sein! Jedes Herz muß Etwas lieben. Da ist nur ein Doppeltes, dem wir nachgehen können, Gott oder die Welt. Seitdem Adam den Apfel genommen, ist es aller Menschen Art, daß sie die Welt d. i. das Geschaffene lieben, als wäre es Gott. Und ob die ernstesten Worte in der Schrift stehen gegen die Weltliebe und über die Nichtigkeit des Irdischen, so sind doch Ehre, Geld, Gut und dergleichen die Götter auf Erden. Und doch, o Jämmerlichkeit, sein Herz mit Staub füllen und die Augen mit Rauch! Man kann ja doch was Besseres haben Schäße im Himmel. Gott hat Sich uns in Seinem Worte geoffenbart und will Seine Gaben geben. Welche? Die lebendige Erkenntniß Gottes ist solch ein Himmelsschatz, der Glaube an Christum, die Früchte dieses Glaubens wie Demuth, Sanftmuth, Liebe, Treue sind ebenfalls himmlische, wahrhaftige Schätze. Wie gnädig von Gott, daß wir solche Schätze erlangen können! Und wir können's; denn der da spricht, daß wir uns die Schätze im Himmel sammeln sollen, will nicht karg sein im Geben. Welch' ein gar ander Leben wird's, wenn man aus der milden Hand Jefu einen Schatz um den andern einsammelt. Dazu ist freilich Eins unerläßlich nöthig nämlich der Kenner- blick, das erleuchtete Auge. Ein blindes Auge kann ja die mottenfräßigen Schäße in ihrer Nichtigkeit und die himmlischen in ihrer Herrlichkeit nicht erkennen. Wie klein das Auge, so nöthig ist es. Darum sei Gott hochgelobt, der die Blinden sehend macht Pf. 146. Es ist ein hohes Heilandswerk Jesu, daß Er wie vor Zeiten so auch jezt unsere Augen aufthut. Da wird denn bei treuem Gebrauch des Wortes 487 Gottes und bei anhaltendem Hinsehen auf den Herrn das franke Auge einfältig und gesund. Ist das erst, wie einfach macht sich dann alles Andere. Es wird Einem so selbstverständlich, Schätze im Himmel zu suchen; es findet sich, daß der ganze Leib d. i. der ganze Mensch mit all seinem Dichten und Trachten der göttlichen, heiligenden Wahrheit unterworfen und die Finsterniß ausgeschieden wird. Man wird es lesen, daß dann auch an unserm Wandel- im Hause besonders wir rechtschaffene Jünger Jefu find. —— Gebet. Lieber Gott und Vater, schreibe durch Deinen heiligen Geist in unsere Herzen dasjenige, was so reichlich in der Schrift gefunden wird, und laß uns stetig daran gedenken und es uns viel tiefer zu Herzen gehen denn unser eigenes Leben und was uns mag lieb sein auf Erden. Amen. dol Vater Unser. Man muß wie Pilger wandeln Frei, bloß und wahrlich leer. Viel sammeln, halten, handeln Macht unsern Gang nur schwer. Wer will, der trag' fich todt! Wir reisen abgeschieden, Mit Wenigem zufrieden, Wir brauchen's nur zur Noth. Donnerstag nach dem 9. nach Trinitatis. MeL: Aus meines Herzens Grunde. bad Schmückt euer Herz auf's Beste Sonst weder Leib noch Haus. Wir sind hier fremde Gäste Und ziehen bald hinaus. Gemach bringt Ungemach. Ein Pilger muß sich schicken, Sich dulden und sich bücken Den kurzen Pilgertag. ( Vers 5 und 6 aus: Kommt, Rinder, laßt uns gehen.) Marc. 12, 41-44. Und Jesus serte sich gegen den Gotteskaften, und schauete, wie das Volk Geld einlegte in den Gotteskaften. Und viele Reiche legten viel ein. Und es kam eine arme Wittwe, die legte zwei Scherflein ein; die machen einen Seller. Und er rief seine Jünger zu sich, und sprach zu ihnen: wahrlich, ich sage euch: Diese arme Wittwe hat mehr in den Gotteskaften gelegt, denn Alle, die eingelegt haben. Denn sie haben alle von ihrem Llebrigen eingelegt; diese aber hat von ihrer Armuth, Alles was sie hat, ihre ganze Tabrung eingelegt. Ein Gotteskasten war da d. h. Gelegenheit Gutes zu thun. Solche Gelegenheit haben wir auch. Der am jüngsten Tage in Seinem Urtheil sprechen wird: Ich bin frank gewesen, und ihr habt Mich besucht, gibt uns in dieser Zeit reichlich Gelegenheit, Liebe zu üben. Da muß denn ein Jeder aufmerken, wenn ihm der Herr irgend einen Vorfall im Leben anzeigt, wo er Liebe und Barmherzigkeit üben soll. Nein Wir dürfen also, wenn uns Arme kommen, oder Geld für den Bau des Reiches Gottes von uns gefordert wird, nicht ärgerlich und verbrießlich im Herzen werden und denken: ach, schon wieder geben. das ist der Gotteskasten, an welchen Jesus sich setzt und schaut, wie das Volk hineinlegt. Und so schafft uns der Herr allezeit einen Ort und Gelegenheit, wo wir den Glauben in guten Werken zeigen können. Das eigene Haus ist ganz besonders der Ort, wo die Kraft der Liebe zum Herrn sich offenbaren kann in Geduld, Treue, Barmherzigkeit und Friedfertigkeit. Wir dürfen es nicht so weit suchen, um zu beweisen, daß wir Jünger Jesu sind. Der Herr hat ein genaues Auge, wie man in den Gotteskasten legt. Vor Seinen Augen ist Manches blos Dunst, was in unsern Augen glänzt, und Manches ist vor Ihm Gold, was wir gar nicht sehen. Es muß uns auf Seine Augen und Urtheil ankommen nicht auf der Welt Lob und Beifall. Seine Augen sehen in der Gabe der Hand den Sinn und den Trieb unseres Herzens, weshalb vor Ihm die Pharisäer mit all' ihren Almosen Heuchler sind, weil sie nur um eigener Ehre willen geben, während die arme Wittwe vor Ihm so wohl besteht; denn sie gibt's als ein Opfer aus gehorsamem, findlichem Herzen. Wir müssen vor Allem Gott bitten um ein aufrichtiges, gebeugtes, im Glauben an Christum gottinniges Herz; aus solchem verborgenen Schazze fließen Werke, die der Herr gnädig ansieht und nach Seiner Barmherzigkeit mit Lob krönt. Gebet. Herr, Du allmächtiger Gott, Arme und Reiche müssen sein, Du hast Beide für einander gemacht und willst, daß die Deinen in der Armuth nicht verzagen, sondern Dich anrufen sollen. Erwecke unsere Herzen zu einem lebendigen Glauben und brünstiger Liebe zu Dir und gib, daß wir nach Deinem Willen fruchtbar seien in guten Werken. Amen. Vater Unser. — 488 Freitag nach dem 9. nach Trinitatis. Mel. O Gott, Du frommer Gott. Gib, daß ich thu' mit Fleiß, Was mir zu thun gebühret, Wozu mich Dein Befehl In meinem Stande führet. Gib, daß ich's thue bald Zu der Zeit, da ich soll, Und wenn ich's thu', so gib, Daß es gerathe wohl. -- Laß mich mit Jedermann In Fried' und Freundschaft leben, So weit es christlich ist. Willst Du mir etwas geben An Reichthum, Gut und Geld, So gib auch dies dabei, Daß von unrechtem Gut Nichts untermenget fei. ( Vers 2 und 5 aus: O Gott, Du frommer Gett.) 489 and lifes Matth. 17, 24-27. Da sie nun gen Capernaum famen, gingen zu Petro, die den Jinsgroschen einnahmen, und sprachen: Pflegt euer Meister nicht den 3insgroschen zu geben? Er sprach: Ja. Und als er beimkam, kam ihm Jesus zuvor, und sprach: Was důnkt dich, Simon? Von wem nehmen die Könige auf Erden den Joll oder 3infe? Von ihren Kindern, oder von Sremden? Da sprach zu ihm Perrus: Von den Fremden. Jesus sprach zu ihm: So sind die Kinder frei. Auf daß aber wir sie nicht ärgern, so gebe bin an das Meer, und wirf die Angel, und den ersten Sisch, der berauffährt, den nimm; und wenn du sei nen Mund aufthuft, wirst du einen Stater finden; denselben nimm, und gib ihn für mich und dich. Die allerheiligste Person Jesu ist nach ihrer Herrlichkeit wie die Cedern auf dem Libanon und nach ihrer Niedrigkeit wie der Ysop, der als ein geringes Gewächs an der Wand wächst. Beides, die Herrlichkeit Jesu als des wahrhaftigen Gottes und Seine menschliche Niedrigkeit leuchtet überall in den Evangelien hervor; ein klares, stilles Auge nimmt's wohl wahr. Jene, die Herrlichkeit, drückt uns in den Staub, diese lockt und reizt zur Annäherung an Christum. Wie tief erniedrigt der Heiland dasteht! Er, der Sohn des Hauses und Schöpfer aller Dinge ist dem römischen Kaiser unterthan und gibt Zins; aber der Sohn Gottes sammt Petrus hat auch dieses wenige Geld nicht in Vorrath. O wie niedrig, wie arm! Aber sofort leuchtet unzweideutig Seine Gottheit in dieser Armuth Hervor. Wie Er es will, so nimmt der Herr das Geld dieses Mal aus dem Munde des Fisches. Vor Ihm sei doch stille alle Welt! Der so hoch ist über alle Creatur, den muß Leib und Seele fürchten mit allen Fasern; aber Gottlob, wir dürfen Ihm auch vertrauen. Jesus ist der rechte Vertrauensmann. Der so niedrig ist, so voll Zartheit und Rücksicht selbst auf die Landesgesetze, wie sollte man dem nicht nahen? Wie sollte dieser Jesus nicht den sorgsamsten Bedacht auf unsere Seelen und deren Angelegenheiten nehmen! O der wunderbare Herr! Lasset uns Ihm nachfolgen in vier Stücken; erstens darin, daß Er kein Aergerniß gibt in all Seinem Thun; zweitens darin, daß Er keine Lasten auflegt z. B. nicht durch die Apostel vermahnen läßt, Zoll und Steuer zu geben, ohne daß Er auch hierin vorginge, und so ist überall ein Unterschied zwischen Jesu und den Pharisäern, die Bürden binden und rühren sie selbst mit keinem Finger an. Sind wir Jesu Jünger, so dürfen wir von dem Nächsten nichts fordern, was wir nicht selber thun. Drittens sollen wir den Herrn sammt Seinem Apostel noch einmal darauf ansehen, daß sie gar kein Geld haben, auch nicht haben wollen. Unser Herr ist arm und bloß aus der Welt gegangen, war in fremde Leinen gewickelt und in ein fremdes Grab gelegt. Denselben Sinn müssen wir nothwendig auch haben, wir haben Geld und Gut oder nicht. - 490 Endlich gebe uns der barmherzige Gott offene Augen dafür, daß es ein Geringes ist, der Obrigkeit Ehre, Gehorsam und Geld zu leisten; darum ist's ein Geringes, weil die Obrigkeit solch eine heilsame, nöthige Gottesordnung ist. Christen sind schuldig, Fürbitte zu thun für die Könige und Obrigkeit, und wer regieren soll, hat's hoch nöthig, daß er selbst betet und daß für ihn gebetet wird. Gebet. Ach Vater aller Gnaden und König aller Könige, von Dir ist alle Obrigkeit. Gib uns, daß wir die Obrigkeit für Deine Ordnung erkennen, dieselbe fürchten und ehren. Gib unserm Landesfürsten ein weises Herz, verständige Räthe und gehorsame Unterthanen. Laß Alles bei uns ordentlich hergehen zu unserm Heile und Deiner Ehre. Amen. Vater Unser. Sonnabend nach dem 9. nach Trinitatis. Eigene Melodie. Nun bitten wir den Heiligen Geist Um den rechten Glauben allermeiſt, Daß Er uns behüte Du werthes Licht, gib uns Deinen Schein, Lehr' uns Jesum Christ tennen allein, Daß wir an Ihm bleiben, Dem treuen Heiland, An unserm Ende, Wenn wir heimfahrn aus diesem Elende. Der uns bracht hat zum rechten Vaterland. Kyrieleis! Kyrieleis! ( Vers 1 und 2 aus: Nun bitten wir den Heiligen Geift.) 1 Cor. 12, 1-11. Darum Von den geistlichen Gaben aber will ich euch, lieben Brüder, nicht verhalten. Ihr wisset, daß ihr seiden seid gewesen, und hingegangen zu den stummen Gögen, wie ihr geführet wurdet. thue ich euch fund, daß iemand Jesum verfluchet, der durch den Geift Gottes redet; und Tiemand kann Jesum einen Serrn beißen, ohne durch den heiligen Geist. Es sind mancherlei Gaben; aber es ift Ein Geist. Und es sind mancherlei Nemter; aber es ist Ein Herr. Und es sind mancherlei Kräfte; aber es ist Ein Gott, der da wirket Alles in Allen. In einem Jeglichen erzeigen sich die Gaben des Geiftes zum gemeinen uten. Einem wird gegeben, durch den Geist zu reden von der Weisheit; dem Andern wird gegeben, zu reden von der Erkenntniß, nach demselbigen Geist; einem Andern der Glaube, in demselbigen Geift; einem Andern die Gabe, gesund zu machen, in demselbigen Geist; einem Andern, Wunder zu thun; einem Andern, Weisfagung; einem Andern, Geifter zu unterscheiden; einem Andern, mancherlei Sprachen; einem Andern, die Sprachen auszulegen. Dies aber alles wirkt derselbige einige Geift, und theilt einem Jeglichen seines zu, nachdem er will. 491 Man an predigt morgen, als am 10. Sonntage nach dem Feste der heiligen Dreieinigkeit in der ganzen Welt, wo Christen wohnen, von der erschrecklichen Zerstörung der Gottesstadt Jerusalem, weil nicht nur der Herr Jesus in dem Evangelio klärlich davon weifsagt, sondern weil auch das geweifsagte Unglück um diese Jahreszeit über die ge richtsreife Stadt gekommen ist. Da heißt es mit Furcht und Zittern aufmerken, ein: Kommt her und schaut die Werke des Herrn, der auf Erden solches Zerstören anrichtet( Pfalm 46, 9.) Da sollen wir billig fragen und forschen: warum ein solch furchtbares Gottes- Gericht? Die Antwort ist diese. Jerusalem hat die Zeit nicht erkannt, darinnen es heimgesucht ist; es hat die Gnade versäumt, das Evangelium verachtet. Ein solches Nichtachten der Seligkeit zieht den heiligen Zorn Gottes nach sich. Die Stadt ist wüste gelassen; das Heil ist dadurch zu den Heiden gekommen, auch auf uns übergegangen, die wir ja in unseren Vorfahren ferne fein mußten von den Testamenten Seiner Verheißung. Der Apostel erinnert die Christen zu Corinth daran mit den Worten der Epistel: Ihr wisset, daß ihr Heiden seid gewesen und hingegangen zu den stummen Gögen, wie ihr geführt wurdet. Deß sollten wir mit jedem neuen Morgen in tiefer Beugung und herzlicher Dankbarkeit eingedenk sein; uns sonderlich gilt das Wort: Nicht ihr habt Mich erwählet, Ich habe euch erwählet. Aber es gilt nun auch Frucht schaffen, die da bleibet in's ewige Leben. Solche wirket und schaffet allein der Heilige Geist, durch den wir erst Jesum unsern Herrn heißen. Israel hat dem Heiligen Geist widerstrebet, es hat seinen Herrn verfluchet; darüber mußte sich erfüllen: Ich suche nicht Meine Ehre, es ist aber Einer, der sie suchet und richtet. Das Gericht ist vollzogen der brennende Schutthaufen Jerusalem's eine helllodernde Flamme mit der erschütternden Predigt: Allen wird es auch so ergehen, welche dem Heiligen Geiste widerstreben und damit Christum verfluchen. Hier gilt nur entweder oder: Jesum einen Herrn - oder heißen Ihn bekennen als wahrhaftigen Gott vom Vater in Ewigfeit geboren und wahrhaftigen Menschen von der Jungfrau Maria; bekennen vor Gott und aller Welt, bekennen durch Wort und Wandel, daß Er in Wahrheit auch unser Herr ist, dem wir nun in Seinem Reiche dienen in rechtschaffener Gerechtigkeit und Heiligkeit Ihn verfluchen, d. h. durch Wort und Wandel bezeugen: Wir wollen nicht, daß dieser über uns Herr sei. Davor behüte uns, lieber Vater im Himmel; nimm Deinen Heiligen Geist nicht von uns sern Kindern; verkläre uns denselben Deinen lieben Sohn, daß wir zu denen gehören, welche in Demuth die Kniee vor Ihm beugen, und bekennen, daß Jesus Christus der Herr sei, zur Ehre Gottes des Vaters! und un- Gebet. Wir rühmen Deinen Namen, Herr, barmherziger Gott, daß Du auch uns, die wir in unsern Voreltern Heiden gewesen sind, das selige Evangelium von Chrifto gegeben hast. Wie groß ist die Fülle aller Gaben und Gnaden, die wir durch Christum empfangen haben! Ach Herr, öffne uns die Augen für Deine Wohlthaten und bewahre uns vor Undankbarkeit und Verachtung Deines heilsamen Wortes. Gib uns und unsern Kindern, daß vir Jesum Christum von Herzen lieben und loben. Amen. Vater Unser. 492 10. Sonntag nach Trinitatis. Mel.: Aus tiefer Noth schrei' ich zu Dir. Herr Jesu Christ, Du höchstes Gut, Du Quell aller Genaden, Sieh, wie ich nach des Geistes Muth Mit Schmerzen bin beladen Und in mir hab' der Pfeile viel, Die im Gewissen ohne Ziel Mich armen Sünder drücken. Erbarm' Dich mein in solcher Last; Nimm sie aus meinem Herzen, Dieweil Du sie gebüßet haft Am Holz mit Todesschmerzen, Auf daß ich nicht mit großem Weh In meinen Sünden untergeh', Und ewiglichen sterbe. ( Vers 1 und 2 aus: Heir Jesu Chrift, du höchstes Gut.) Luc. 19, 41-48. Und als er nahe hinzukam, sabe er die Stadt an, und weinete über sie. Und sprach: Wenn du es wüßtest, so würdest du auch bedenken zu dieser deiner Zeit, was zu deinem Frieden dienet. Aber nun ist es vor deinen Augen verborgen. Denn es wird die Jeit über dich kommen, daß deine Seinde werden um dich und deine Kinder mit dir eine Wagenburg schlagen, dich belagern und an allen Orten ångsten: und werden dich schleifen und keinen Stein auf dem andern laffen; darum, daß du nicht erkannt haft die Zeit, darinnen du beimgefuchet bift. Und er ging in den Tempel, und fing an auszutreiben, die darinnen verkauften und kauften, und sprach zu ihnen: Es stebet geschrieben: Mein Saus ist ein Bethaus; ihr aber habt es gemacht zur Mördergrube. Und er lehrete tåglich im Tempel. Aber die Sobenpriester und Schriftgelehrten, und die Vornehmsten im Volk, trachteten ihm nach, daß sie ihn umbråchten; und fanden nicht, wie fie ihm thun sollten; denn alles Volk hing ihm an, und börete ihn. Thränen sind der Ausfluß und Ausbruch eines Feuers im Herzen. Es kann auch ein recht unheiliges Feuer sein, das die Thränen auspreßt. Bei Jesu ist es das Feuer der göttlichen Liebe und Wahrheit, welches Ihn beim Anblick der Stadt zum Weinen treibt. Nicht Dinge, worüber Menschen weinen wie Armuth, Verachtung sind es, die den Herrn weinen machen sondern das Heil und Unheil der Menschenseelen bewegt Sein Herz und füllt Seine Augen mit Thränen. Wie so denn? 493 Vor Ihm liegt die alte Königsstadt; die Leute sind guter Dinge, der Tempel steht offen, an Opfern und Gottesdienst fehlt es nicht. Aber Gottes Augen haften nicht an dem Schein, sondern sehen das Wesen und das Herz an. Und die Herzen, obwohl Jesus drei Jahre lang gelehrt und gewirkt hatte, waren dem Herrn verschlossen. Ob man Ihm mit dem Munde sang, die Herzen erkannten Ihn nicht. Sie glaubten nicht sie wollten nicht glauben sie konnten nicht glauben; denn der Unglaube steigert sich. Darüber weint der Herr, daß man die Zeit der Heimsuchung, die gnadenreiche Erscheinung Gottes in der Niedrigkeit nicht erkennt. Ob wir sie erkennen? Diese Zeit ist für uns da; Gottes Wort, Tauf und Nachtmahl dient wider allen Unfall; dieses sind die einzigen Quellen in der Wüste dieses Lebens. Sind es uns denn Quellen? Sind wir hungrig und durstig nach den Gaben Jesu? Nur solchen ist verheißen, daß sie satt werden. Sind wir rechtschaffne Liebhaber Jesu? Das können wir nur sein, wenn alle andere Liebe uns nicht genügt. Wie wichtig müssen dieſe Fragen sein, da der Schöpfer Himmels und der Erde so beweglich darüber weint! Ja sehr wichtig; denn weil Jerusalem die Gnadenheimsuchung nicht erkennt und sich der Gnade Gottes nicht theilhaftig macht, so bleibt ihm nur der Zorn Gottes übrig. Alle Creatur muß von der Herrlichkeit Gottes erfüllt werden; wird man nicht ein Gefäß der Gnade, so muß man ein Gefäß des göttlichen Zornes werden. So ging es damals, so jetzt. Jesus weiß, wie schwer und schrecklich der göttliche Zorn wiegt; und daß eben dieselben Herzen, die sich des Heiles Gottes freuen könnten, muthwillig verderben, das ist's, was Ihn so heftig weinen macht. - - Jesus weint. Könnten wir Ihn denn nicht erfreuen? Wir könnens. Wundersam aber wahr, daß wir fündige Menschen das Herz Gottes erquicken können. Der verlorne Sohn, Maria in Bethanien, der Hauptmann in Capernaum haben den Geist Jefu erfreut. Damit trocknen wir die Thränen Jesu, daß wir bedenken, was zu unserm Frieden dient. Und das dient zu unserm Frieden, daß wir uns die Augen aufthun lassen und sehen, daß wir Jesum Christum bedürfen, Ihn begehren, wie ein Hirsch nach Wasser lechzt, Ihn finden und in 3hm Gerechtigkeit, Leben und Seligkeit. Gebet. Herr Jesu Christe, Du getreuer Liebhaber der Menschen, der Du heilige, heiße Thränen über Deine Stadt geweint, wir danken Dir, daß Du Deine christliche Kirche mit dem Worte der Wahrheit in dieser letzten Zeit heimgesucht hast. Wir bitten Dich, Du wollest uns Deine Heimsuchung mit dankbarem Herzen erkennen lassen und uns vor Sicherheit und Verachtung Deines Wortes gnädiglich behüten. Amen. Vater Unser. 494 Montag nach dem 10. nach Trinitatis. Mel.: Aus tiefer Noth schrei' ich zu Dir. Natürlich kann ein Mensch doch nicht Sein Elend selbst empfinden; Er ist ohn' Deines Geistes Licht Blind, taub und todt in Sünden; Verkehrt ist Will', Verstand und Thun, Des großen Jammers komm mich nun, O Vater, zu entbinden. Klopf durch Erkenntniß bei mir an Und führ' mir wohl zu Sinnen, Was Böses ich vor Dir gethan; Du kannst mein Herz gewinnen, Daß ich aus Kummer und Beschwer Laß über meine Wangen her Viel heiße Thränen rinnen. ( Vers 2 und 3 aus: Ich will von meiner Missethat.) Jerem. 9, 1-7; 11 u. 12. Ach, daß ich waffer genug hätte in meinem Haupt, und meine Augen Thranenquellen wären, daß ich Tag und Nacht beweinen möchte die Erschlagenen in meinem Volk! Ach, daß ich eine Herberge båtte in der Wüste; so wollte ich mein Volk verlassen, und von ihnen ziehen. Denn es sind eitel hebrecher, und ein frecher Saufe. Sie fchießen mit ihren Jungen eitel Lügen und keine wahrheit, und treiben es mit Gewalt im Lande, und gehen von einer Bosheit zur andern, und achten mich nicht, spricht der Herr. Ein Jeglicher hüte sich vor seinem Freunde, und traue auch seinem Bruder nicht; denn ein Bruder unterdrückt den andern, und ein Freund verrath den andern. Ein Freund tauscht den andern, und redet kein wahr Wort; fie fleißigen sich darauf, wie Einer den Andern betrüge, und ist ihnen leid, daß sie es nicht årger machen können. Es ist allenthalben eitel Trügerei unter ihnen, und vor Trugerei wollen sie mich nicht kennen, spricht der Herr. Darum spricht der Herr Jebaoth also: Siehe, ich will sie schmelzen und prüfen. Und ich will Jerusalem zum Steins baufen und zur Drachenwohnung machen, und will die Städte Juda's wüste machen, daß iemand darinnen wohnen soll. Wer nun weise wäre, und ließe es ihm zu Herzen gehen, und verkündigte, was des Serrn Mund zu ihm sagt, warum das Land verderbet und verheeret wird, wie eine Wüste, da Tiemand wandelt. Auf 1. Mos. 3 folgt 1. Moſ. 4 d. b. auf den Abfall von dem lebendigen Gott folgt der Brudermord. So nahe hing damals die Sünde gegen Gott mit allem Greuelwesen zusammen; zu Jeremias Zeiten war es ebenso und jetzt ist es noch so. Gott hat Sünde und Sünde aber auch Sünde und Strafe im Leben des Einzelnen, der Familien und Völker verfettet. Welch ein Bild des Elends malt Jeremias von diesem Volke! Selbst Freunde täuschen sich; es ist Alles in Unlauterkeit und Schamlosigkeit verkommen. Aber wundere sich Niemand, daß das Wasser im Flusse schmutig ist, wenn die Quelle unrein ist. Da lag es und da liegt es. Wenn die Herzen von dem lebendigen Gott abgekehrt sind, sei es unter der Maske der 495 Frömmigkeit oder ohne diese Maske, wie wir in unsern Tagen Beides haben, dann ist die gottgeordnete Folge, daß Alles in Fäulniß über geht. Diesen Schaden fühlen die Treuen im Lande und haben ein gedrücktes Herz darüber. Und bei diesem schon vorhandenen Elende bleibt es nicht. Denn wenn Gott uns nicht mehr segnen und heilen kann, so wird Er uns verderben. Er ist ein heiliger Gott, dem Beides ein Ernst ist, zu segnen und zu strafen. Die Strafen sind zunächst innerlich, nämlich eine völlige Verblendung des Verstandes und Verstocktheit gegen Gott; danach auch äußerliche Jerusalem wurde ein Steinhaufe. An Strafmitteln fehlt es Gott nicht; will Er es nicht durch Krieg, so kann Er es durch Hunger, oder will Er es gar arg machen, so läßt Er den Hader- und Empörungs- und Frevelgeist in die Herzen der Menschen kommen. Wer nun weise wäre! Wer es sich je ließe zu Herzen gehen! Was dann? Keine neuen Mittel, keine neue Lehre, sondern die alte Wahrheit, die des Herrn Mund redet. Es ist so ein Geringes, daß man auf des Herrn Wort achtet. Aber dieses Eine, wo es treulich und beständig geschieht, ist genug, um dem Zorne Gottes zu entfliehen und in dem rechtschaffnen Glauben an Jesum Christum allerlei zeitlichen und ewigen Segen von Gott zu erlangen. Achten wir denn des Herrn Wort? Glauben wir wirklich an den lebendigen Gott? Jedenfalls müssen wir ernstlich um diesen Glauben bitten. Und wer ernstlich bittet, nimmt auch je länger je mehr. Ach, daß wir's recht zu Herzen nähmen! Gebet. Lieber Gott und Vater, schreibe durch Deinen Heiligen Geist in unsere Herzen die gewisse und wahrhaftige Lehre Deines Wortes, daß wir Dich über alle Dinge fürchten, lieben und vertrauen sollen. Siehe an unsern und unseres Volkes Jammer, daß wir Dich verlassen haben und darum alles Elendes voll sind. Erfülle unsere Herzen mit Deinem Heiligen Geiste, segne alle Stände im Volke, daß sie Dein Wort ehren und Dir dienen. Amen. Vater Unser. Dienstag nach dem 10. nach Trinitatis. Mel.: Freu' dich sehr, o meine Seele. Dwie bist du, Sünde, Sünde! Eine Last, wie Felsen schwer! An mir ich nichts Reines finde, Wie fränkt mich doch das so sehr! Gott, Dein Zorn hat mich geschredt, Ach, wer ist, der mich versteckt? Steine Creatur fann rathen Meinen schweren Missethaten. Herr, es steht in Deinen Händen; Du alleine hilfft aus Noth; Du kannst meinen Jammer wenden, Du kannst retten aus dem Tod. Es steht nur allein bei Dir, Niemand kann sonst helfen mir; Du kannst gnädig mich verneuen Und in Ewigkeit erfreuen. ( Vers 7 und 8 aus: Ach was hab ich ausgerichtet.) 496 Jerem. 17, 1-9. Die Sünde Juda's ist geschrieben mit eisernen Griffeln, und mit spitzigen Demanten geschrieben, und auf die Tafel ihres Herzens ges graben, und auf die Hörner an ihren Altåren; daß ihre Kinder ges denken sollen derselben Altåre und Saine, bei den grünen Bäumen, auf den hohen Bergen. Aber ich will deine Söhen, beide, auf Bergen und Seldern, sammt deiner Sabe und allen deinen Schågen, in die Rappuse geben, um der Sünde willen, in allen deinen Grenzen begangen. Und du sollst aus deinem Erbe verstoßen werden, das ich dir gegeben habe; und ich will dich zu Knechten deiner Seinde machen, in einem Lande, das du nicht kennft; denn ihr habt ein Seuer meines Jorns angezündet, das ewiglich brennen wird. So spricht der Herr: Verflucht ist der Mann, der sich auf Menschen vers läßt, und bålt Sleisch für seinen Arm, und mit seinem Herzen vom Serrn weicht. Der wird sein wie die Saide in der Wüste, und wird nicht sehen den zukünftigen Troff; sondern wird bleiben in der Wüste, in einem unfruchtbaren Lande, da Tiemand wohnet. Gesegnet aber ist der Mann, der sich auf den Herrn verläßt; und der Herr seine Juversicht ift. Der ist wie ein Baum am waffer gepflanzet, und am Bach gewurzelt. Denn obgleich eine Sise kommt, fürchtet er sich doch nicht, sondern seine Blätter bleiben grün; und forget nicht, wenn ein durres Jabr kommt, sondern er bringet ohne Aufhören Früchte. Es ist das Herz ein trocig und verzagt Ding; wer kann es ergründen? Auf dreierlei Art schreibt Gott mit eisernem Griffel die Missethat Seines Volkes, nämlich erstens in unser Herz und Gewissen, zweitens in das Gedächtniß vor Seinem Angesichte, drittens in den Thaten Seiner Strafen auf Erden. Wir dürfen nie vergessen, daß unsere Sünde ein- und angeschriebene Schuld ist. Der Lügengeist kann wohl wider die Wahrheit streiten, aber diesen eisernen Griffel kann man nicht mit einer weichen Feder zerschmeißen. Und ob das Gewissen übertäubt wird, Gottes Gedächtniß ist unbestechlich, und will man den lebendigen Gott nicht herzlich suchen und sich vor Ihm nicht demüthigen, so macht sich der Herr Herr schon bemerkbar auf Erden in den Thaten Seines Zornes. Sodoms Untergang, die Sündfluth, der Untergang im rothen Meere, der Fall Jerusalems sind die stummen und doch so laut rufenden Zeugen der Strafgerechtigkeit Gottes. Darum sollen wir uns fürchten vor Seinem Zorn und glaaben, daß der Herr so sehr zürnet. Und noch etwas mehr nämlich keinen falschen, herzlosen Gottesdienst treiben; denn wie sollte dem herzlich trenen und liebreichen Gott ein herzloses Wesen gefallen? Vielmehr sollen wir unser Herz vor Gottes Angesicht bringen und Ihn bitten, daß Er durch den Geist Seines Mundes alle Ünlauterkeit und Abgötterei daraus tilge und wahre Liebe und wahres Vertrauen zu Ihm in uns erwecke. Große Bitten- aber wir dürfen dem Herrn schon 497 was zutrauen, der den Lazarus aus dem Tode auferweckt und ruft dem, was nicht ist, daß es sei. Nur dürfen wir nicht denken, es werde Alles in einem Sprunge gehen; nein, man muß beständig sein, wie ein Baum auch ständig ist Tag für Tag und nicht bloß wurzelt, sondern fester wurzelt. Unsere heilige Taufe hat eine stündlich wirkende Kraft und so müssen wir ihre stillen, aber heilfräftigen Wasser wirken lassen, nämlich mit den Wurzeln der Seele glauben, daß wir durch die Taufe mit Christo der Sünde gestorben und mit Christo zu gleichem Leben gepflanzt sind. Gebet. Vater aller Barmherzigkeit, der Du Dein Werk in uns angefangen hast, wollest uns weiter begaben mit allerlei Fülle der Weisheit und Erkenntniß, daß wir gewiß werden in unsern Herzen, wie derselbe Geist, der Jesum auferweckt hat, auch mit gleicher Kraft und Macht in uns den Glauben wirkt. So werden wir auch von den Todten auferstehn und durch Deine Barmherzigkeit im wahren Glanben und brünstiger Liebe verharren. Amen. Vater Unser. Mittwoch nach dem 10. nach Trinitatis. Mel.: Nun freut euch, lieben Christen g'mein. Gen Himmel zu dem Vater Mein Fahr Ich aus diesem Leben. Da will Ich sein der Meister dein, Den Geist will Ich dir geben, Der dich in Trübniß trösten joll Und lehren Mich erkennen wohl Und in die Wahrheit leiten. Was Ich gethan hab' und gelehrt, Das sollst du thun und lehren, Damit das Reich Gott's werd' gemehrt Zu Lob und Seinen Ehren. Und hüt' dich vor der Menschen Sat, Davon verdirbt der eble Schatz. Das laß Ich dir zuletze. ( Vers 9 und 10 aus: Nun freut euch, lieben.) Matth. 15, 1-9. Da kamen zu ihm die Schriftgelehrten und Pharisser von Jerus falem, und sprachen: Warum übertreten deine Jünger der Aeltesten Aufsätze? Sie waschen ihre Hånde nicht, wenn sie Brod effen. Er antwortete, und sprach zu ihnen: Warum übertretet denn ihr Got tes Gebot, um eurer Aufsätze willen? Gott hat geboten: Du sollst Vater und Mutter ehren; wer aber Vater und Mutter flucht, der soll des Todes sterben. Aber ihr lehret: Wer zum Vater oder zur Mutter spricht: Wenn ich's opfere, so ift dir's viel niger; der thut wohl. Damit geschiehet es, daß iemand hinfort seinen Vater oder seine Mutter ehret; und babt also Gottes Gebot aufgehoben, um eurer Auffage willen. Ihr Heuchler, es hat wohl Jesaias von euch geweisfaget, und gesprochen: Dies Volk nahet sich zu mir mit seinem 32 498 Munde, und mit seinen Lippen, aber ihr Herz ist ferne von mir; aber vergeblich dienen sie mir, dieweil sie lebren solche Lehren, die nichts denn Menschengebote sind. Der Pharisäismus ist die alte, unreine Quelle der falschen Religion. Die Pharisäische Lehre und Weise lag zu den Zeiten des Herrn wie eine Bleidecke auf dem Volke, und daß man nicht bedenken konnte und wollte, was zum Frieden diente, kam hauptsächlich her aus der pharisäischen Selbstgefälligkeit. Es muß Jedem billig recht auf's Herz fallen, daß gerade die Pharisäer, die nach ihrer Meinung Frommen, die bittersten Feinde Jesu waren. Auch darf man die Pharisäer nicht so sehr unter den groben Weltleuten suchen; diese sind meiſt Sadducäer d. h. Lebemenschen, die alles Himmlische verspotten oder doch verachten. Wir sehen hier einen scharfen, recht zu beachtenden Unterschied zwischen unserm Heilande und den Pharisäern. Die Pharisäer halten die Auffäße der Menschen; sie essen nicht eher, bis sie die Hände gewaschen haben. Sie können es nicht leiden, von diesen Aufsätzen abzugehen. Jesus dagegen stellt allein das Wort Gottes in ein hohes Ansehen und wirft den Pharisäern vor warum übertretet ihr Gottes Gebot um eurer Aufsätze willen? O merken wir uns doch ja diesen Unterschied; wir sollen weder uns noch Andern ein Gewissen machen, worin Gott uns keins macht; wir sollen nie menschliche Auffätze und Gebräuche den klaren Worten Gottes vorziehen und bedenken, daß es Heuchelei ist, in kleinen selbsterwählten Dingen gewissenhaft sein, dagegen Gottes ewige Gebote bei Seite stellen. Es bedarf wahrlich keiner neuen Gebote und Auffäßze; die alten einfältigen zehn Gebote vom Sinai sind so inhaltreich, so schwer, so heilig, daß sie uns bis in den Staub drücken. Und man lasse sich nur ernstlich mit diesen Gottes geboten ein, so wird man reichen Gewinn davon haben. Einmal wird man inne werden, daß wir Gott nicht mit unsern Lippen und Geberden abfinden können, daß Er vielmehr unser Herz verlangt; sodann wird Einem die Armuth des Herzens an wahrer Liebe zu Gott und zu dem Nächsten offenbar werden und man wird erkennen, daß alle unsere Werke nur Leichenschmuck sind, wenn nicht die Herzensliebe zu Gott wie ein Lebensstrom hindurchgeht. Und noch mehr: den Armen wird das Evangelium gepredigt; Sündenerkenntniß und Sündennoth führt uns dem Heilande in die Arme und wir werden so eine Ursache Seiner Freude Luc. 10, 21. Und endlich: aus solcher Herzensfassung fließt ein heilig Leben und das ist allein ein heilig Leben, das nach der Regel der heiligen zehn Gebote einhergeht, wobei Menschen- Auffäße in ihren Werth oder Unwerth zu stehen kommen. Gebet. Lieber Gott und Vater, schreibe durch Deinen lieben Heiligen Geist in unsere Herzen dasjenige, was so reichlich in der 499 Schrift gefunden wird und laß uns stetig daran gedenken und viel tiefer zu Herzen gehen denn unser eigenes Leben und was uns mag lieb sein auf Erden. Amen. Vater Unser. Donnerstag nach dem 10. nach Trinitatis. Mel.: Herr Jefu Chrift, Dich zu uns wend'. Herr Jesu Christe, mein Prophet, Der aus des Vaters Schooße geht: Mach' mir den Vater offenbar Und Seinen heil'gen Willen klar. Hilf mir im königlichen Geist Mich selbst beherrschen allermeist, Begierden, Willen, Lust und Sünd', Und daß mich nichts Geschaffnes bind' ( Vers 1 und 9 aus: Herr Jesu Chrifte, mein Prophet.) Matth. 12, 46-50. Da er noch also zu dem Volk redete; fiebe, da standen seine Mutter und seine Brüder draußen, die wollten mit ihm reden. Da sprach einer zu ihm: Siehe, deine Mutter und deine Brüder stehen draußen, und wollen mit dir reden. Er antwortete aber, und sprach zu dem, der es ihm ansagte: Wer ist meine Mutter? Und wer sind meine Brüder? Und reckte die Hand aus über seine Jünger, und sprach: Siehe da, das ist meine Mutter und meine Brüder. Denn wer den Willen thut meines Vaters im Simmel, derselbige ist mein Bruder, Schwester und Mutter. Gottes Wort ist die Wahrheit. Was uns dieses Wort überall als die Hauptsache hinstellt, muß uns billig die Hauptsache sein und werden, wenn wir anders in der Wahrheit stehen. Nun zeigt aber die heilige Schrift überall dieses Eine und als das Höchste und Nothwendigste, daß wir rechte Jünger Jefu sind. In Geschichte und Gleichniß, in Lehre und Vermahnung wird dieses Eine immer wieder vorgehalten. Jesu Jünger sein, den Willen des Vaters im Himmel thun, ein Bruder und Schwester Christi sein, an Christum glauben- alle diese Ausdrücke zeigen dieselbe Sache an, worauf es ankommt. Als der Herr über Jerusalem weinte, fehlte es nicht am schönen Temaber an pel, an Opfern und Priestern, am Wissen und am Thun diesem Einen fehlte es; man glaubte nicht an Ihn. Was könnte wohl erwünschter sein, als mit Jesu innig nahe bekannt und vertraut, Seine Mutter und Bruder zu sein? Indessen ist auch die leibliche Mutter des Herrn nicht darum selig geworden, weil sie Seine Mutter, sondern weil sie gläubig war; sie sagt: mein Geist freuet sich Gottes meines Heilandes. Unser Geist und Seele müssen aus der fleischlichen Verwandtschaft mit dem ungöttlichen Wesen 32* - 500 herausgehoben und in die Gemeinschaft Jesu gestellt werden. Dazu haben wir das Wort Gottes, den Samen der Wiedergeburt. Selig sind, die das Wort Gottes hören und bewahren, darum felig, weil Niemand das Wort hören und bewahren kann, ohne von den Geistesund Wahrheitskräften des Wortes erweckt, erneuert und geheiligt zu werden im Glauben an Christum. Christus liegt im Worte und Sacramente und wo ein Herz das Wort umfaßt, da umfängt es Christum, der in dem Menschen eine Gestalt gewinnt. Das heißt an Ihn glauben, den Willen des Vaters thun; der Glaube ist ein Thun, ein Ergreifen, ein Suchen und Annehmen. Sind Kinder und Eltern, Brüder und Schwestern nahe verbunden durch Ein Blut, so werden wir auf diese Weise dem Heilande ebenso nahe verbunden und befreundet; wir werden Christen, wie Er Christus d. i. der Gesalbte ist. Das ist unsere Freude, wenn Jesus uns dafür kennt und jetzt und am jüngsten Tage Seine Hand ausreckt und spricht: siehe da, das ist Meine Mutter und Meine Brüder. Gebet. Ach lieber Gott und Herr, wie freundlich und barmherzig bist Du in Christo gegen uns gesinnet, daß wir Christi, Deines lieben Sohnes Genossen sein sollen. Gib uns diese unsere große und einige Ehre recht zu erkennen und hilf, daß wir Dein theures Wort von Herzensgrund annehmen. Verleihe uns auch, daß wir Jesu, dem Erstgebornen nachfolgen und Seine Tugenden in all unserm Thun verkündigen. Amen. Vater Unser. Freitag nach dem 10. nach Trinitatis. Mel.: Vom Himmel hoch, da komm' ich her. Wohl dem, der in Gottes Furcht steht Und auch auf Seinem Wege geht! Dein eigen Hand dich nähren soll, So lebst du recht und geht dir wohl. Fristen wird Er das Leben bein Und mit Güte stets bei dir sein, Daß du sehen wirst Kindeskind Und daß Israel Friede find. ( Vers 1 und 5 aus: Wohl dem, der in Gottes.) Titus 2, 1-10. Du aber rede, wie sich's ziemet nach der heilsamen Lebre. Den Alten, daß sie nüchtern seien, ehrbar, züchtig, gesund im Glauben, in der Liebe, in der Geduld; den alten Weibern deffelbigen gleichen, daß sie sich ftellen, wie den Heiligen ziemet, nicht Låfferinnen sein, nicht weinfauferinnen, gute Lehrerinnen; daß sie die jungen Weiber lebren züchtig sein, ihre Männer lieben, Kinder lieben, sittig sein, Feusch, häuslich, gütig, ihren Männern unterthan, auf daß nicht das Wort Gottes verläffert werde. Deffelbigen gleichen die jungen Mån 501 ner ermahne, daß sie züchtig seien. Allenthalben aber stelle dich selbst zum Vorbilde guter Werke, mit unverfälschter Lehre, mit Ehrbarkeit, mit beilsamem und untadeligem Wort, auf daß der Widerwärtige sich schåme, und nichts babe, daß er von uns möge Böses fagen. Den Knechten, daß sie ihren Herren unterthänig seien, in allen Dingen zu Gefallen thun, nicht widerbellen, nicht veruntreuen, sondern alle gute Treue erzeigen, auf daß sie die Lehre Gottes, unseres Heilandes, sieren in allen Stücken. Nichts ist in dem Leben Jesu ohne tiefe Bedeutung; so hat auch der Umstand, daß der Herr Sein erstes Zeichen auf einer Hochzeit gethan hat, seine besondere Ursache nämlich diese, daß besonders auch die Familie, das Haus durch die Sünde zerrüttet ist, Christus dagegen nicht bloß will in den Kirchen von Sich predigen lassen sondern auch in den Häusern die Sünde aufheben und Alles in die göttliche Ordnung bringen. Darum sollen wir uns ja nicht der Welt gleichstellen, in welcher Einer den Andern tadelt, aber keiner sich selbst ernstlich bessert, noch sollen wir von links und rechts Hütlfe erwarten, wie's besonders jetzt der Welt Brauch ist; vielmehr sollen wir unser Herz züchtigen und heiligen lassen durch die heilsame, gesunde Lehre. Vater und Mutter besonders sollen nicht bloß zu sagen wissen, wie Kind, Knecht und Magd sich halten sollen; andern Leuten Bürden binden ist Sache der Pharisäer, aber nicht der Jünger und Jüngerinnen Jesu, die sich selbst merke! sich selbst zum Vorbilde guter Werke mit unverfälschter Lehre und Ehrbarkeit stellen. Unser Haus ist ein kleines Volk, da Einer neben und unter und über dem Andern steht. Jeder in seinem Stande- Mann, Weib, Knecht, Magd hat seine besonderen Versuchungen, Sünden und Gefahren, den allein guten und gnädigen Willen Gottes zu verletzen. Eheleute zerreißen leicht das heilige Band, wenn der Mann ungestüm, das Weib nicht unterthan und ihrer Zunge Herr ist, Knechte und Mägde kommen in große Gefahr zu veruntreuen, oder mit verdrossenem Herzen zu dienen. Unsere Zeit ist so voll des Giftes der Auflehnung. Da wird das Haus eine Hölle und sollte und könnte eine Hütte Gottes sein. D die bittere böse Sünde! Wie ist zu helfen? Nicht durch viele Mittel, sondern durch Ein Mittel, daß man Jesum einläßt ins Haus und in's Herz. Derselbe erscheint noch immer, wozu Er erschienen ist, daß Er die Werke des Teufels zerstöre. Lernen wir also von den Hochzeitsleuten in Cana. Das steht geschrieben, daß der Herr auf diese Hochzeit geladen war; das steht nicht geschrieben, daß Er die Einladung angenommen habe, weil es sich von selbst versteht, daß Er, wo Er geladen wird, kommt. Aber einladen müssen wir Ihn; es muß uns ein herzlicher Ernst sein, daß Er komme. Geben wir Ihm, was wir haben unsere Noth, unsere Armuth. Das ist ein einfaches, ja thörichtes Mittel, daß wir die Kirche im Hause haben sollen. Aber - - -- 502 man versuche es doch, so wird Christus Seine Herrlichkeit offenbaren, und es wird ein Geist der Zucht, Demuth und Geduld, der Treue und Liebe in die Herzen kommen, der besser ist als alle Gebote und Verbote. Wollen wir das nicht, so müffen wir uns jämmerlich weiterschleppen mit unserer Noth und mit Zorn und Zank und Zwies tracht und Aerger, der auch aus der Hölle ist. Gebet. Lieber Herr, ich habe ja Dein Wort und bin in dem Stande, der Dir gefällt, das weiß ich. Nun siehest Du, wie es allenthalben mangelt, daß ich keine Hülfe weiß ohne bei Dir; darum hilf Du, weil Du gesagt und befohlen hast, daß wir sollen bitten, suchen und klopfen, so sollen wir's gewißlich empfahen, finden und haben, was wir begehren. Amen. Vater Unser. Sonnabend nach dem 10. nach Trinitatis. 101515 Mel.: O daß ich tausend Zungen hätte. Mir ist Erbarmung widerfahren, Erbarmung deren ich nicht werth; Das zähl' ich zu dem Wunderbaren, Mein stolzes Herz hat's nicht begehrt. Nun weiß ich das und bin erfreut Und rühme die Barmherzigkeit. Das muß ich Dir, mein Gott, bekennen; Das rühm' ich, wenn ein Mensch mich fragt, Ich kann es nur Erbarmung nennen, So ist mein ganzes Herz gesagt. Ich beuge mich und bin erfreut Und rühme die Barmherzigkeit. ( Vers 1 und 3 aus: Mir ist Erbarmung widerfahren.) 1 Cor. 15, 1-10. Ich erinnere euch aber, lieben Brüder, des Evangelii, das ich euch verkündiget habe, welches ihr auch angenommen habt, in wel chem ihr auch stehet, durch welches ihr auch selig werdet, welcher Gestalt ich es euch verkündiget habe, so ihr es behalten habt; es wäre denn, daß ihr es umsonst geglaubet håttet. Denn ich habe euch zuvorderst gegeben, welches ich auch empfangen habe, daß Chriftus gestorben sei für unsere Sünden, nach der Schrift; und daß er begraben sei, und daß er auferstanden sei am dritten Cage, nach der Schrift; und daß er gesehen worden ist von Kephas, darnach von den 3wölfen; darnach ift er gesehen worden von mehr denn fünf hundert Brudern auf ein Mal, derer noch viele leben, etliche aber sind entschlafen. Darnach ist er gesehen worden von Jacobus, darnach von den Aposteln; am letten nach allen ist er auch von mir, als einer unzeitigen Geburt, gesehen worden. Denn ich bin der geringfte unter den Apoffeln, als der ich nicht werth bin, daß ich ein Apoftel heiße, darum, daß ich die Gemeine Gottes verfolget habe. Aber von Gottes Gnade bin ich, das ich bin, und seine Gnade an mir ist nicht vergeblich gewesen, sondern ich habe viel mehr gearbeitet, denn sie alle; nicht aber ich, sondern Gottes Gnade, die mit mir ift. Auch wir dürfen ja sagen: ,, Von Gottes Gnaden bin ich, was ich bin," schon wenn wir an den ersten Artikel denken. Denn alles, was ich darin zur Ehre des Vaters bekenne, meines Schöpfers und Erhalters: der mir Leib und Seele, Augen, Ohren und alle Glieder, Vernunft und alle Sinne gegeben hat, und noch erhält, dazu: Kleider und Schuh bis zu dem: und vor allem Uebel behütet und bewahret- es schließt ab mit: das alles aus lauter väterlicher, göttlicher Güte und Barmherzigkeit; oder, was dasselbe ist: von Gottes Gnaden bin ich, was ich bin. Doch noch mehr. Ich bin nicht nur ein Mensch von Gottes Gnaden ich bin ein Christ auch von Gottes Gnaden und habe in Demuth zu fragen: Was hat Dich, Herr, bewogen, daß Du mich vorgezogen? und in schuldiger Dankbarkeit zu bekennen: Aus Gnaden hast Du mich erwählt, und, Herr, zu Deinem Volke gezählt. Bis so weit sind wir mit dem Apostel auf gleicher Stufe; wir müssen und können ihm nach bezeugen: Von Gottes Gnaden bin ich, was ich bin. Die weitere und ernstere Frage ist nur die, ob wir mit ihm fortfahren können: Seine Gnade ist an mir nicht vergeblich gewesen. Wer darf so sagen? Der Apostel konnte es in Herzensdemuth; denn er hatte die Gnade Gottes so an sich mächtig werden lassen, daß er aus einem Saulus ein Paulus geworden. Der Herr war ihm zu stark geworden, er hatte ihn überwunden, und Paulus hat sich überwinden lassen, daß aus der unzeitigen Geburt das auserwählte Rüstzeug geworden war, von dem Ströme des Wassers in's ewige Leben ausgegangen sind. Können nun nicht alle auch lauter Paulus werden, solche Helden, Säulen und Fürsten in der Gemeinde Gottes Evangelium soll doch eine Kraft Gottes in uns geworden sein, die uns felig gemacht hat, wie Paulus von den Corinthern rühmen kann. Kennst du dies Evangelium, an welches die Corinther in dieser Epistel erinnert werden: daß Christus gestorben sei für unsere Sünden, daß Er begraben sei, daß Er auferstanden sei am dritten Tage, das ist ja das einzige und ewige Evangelium, glaubst du von Herzen an diesen für dich gestorbenen, begrabenen aber wieder auferstandenen, lebendigen Heiland; glaubst du, daß du durch Seine Wunden auch heil geworden? Hast du mit den Corinthern dies Evangelium angenommen nicht bloß mit dem Kopfe sondern mit dem Herzen? Stehst du auch in diesem Evangelium? Stehst du darin fest im Glauben, biſt du männlich und stark? Hast du Vergebung deiner Sünden darin gefunden und damit Leben und Seligkeit oder hast du es umsonsi geglaubt? Läßt es dich unfruchtbar in guten Früchten bleiben, oder beweisest du seine Aufnahme durch gute Werke vor aller Welt? Prüfe dich vor dem Herzenskündiger. Fällt die Prüfung gut aus, dann frene dich; und nimm in Herzensdemuth nicht den halben, nein den ganzen Spruch zu deiner Losung: ,, Von Gottes Gnaden bin ich, was ich bin, und Seine Gnade an mir ist nicht vergeblich ge= das 1 503 - - 11 - wesen-" und lebe als ein Christ; das wird dich selig machen im Glauben und überschwänglich selig machen dereinst im Schauen. Gebet. Herr Jesu, der Du für uns gestorben bist nach der Schrift, der Du für uns begraben und auferstanden bist nach der Schrift, laß uns täglich mehr inne werden im Glauben, daß Du dies alles uns gethan Deine große Lieb zu zeigen an; laß uns Dein Nahesein verspüren, daß wir durch dasselbige frei von der Sünden- Schuld -Noth und-Macht des ewigen Lebens gewiß werden im Glauben, allein aus Gnaden. Amen. Bater Unser. -- 504 11. Sonntag nach Trinitatis. Mel.: Aus tiefer Noth schrei' ich zu Dir. Bei Dir gilt nichts denn Gnad' und Gunst, Darum auf Gott will hoffen ich, Die Sünde zu vergeben. Es ist doch unser Thun umsonst Auf mein Verdienst nicht bauen; Auf Ihn will ich verlassen mich Und Seiner Güte trauen, Auch in dem besten Leben. Vor Dir sich Niemand rühmen kann; Deß muß Dich fürchten Jedermann Und Deiner Gnaden leben. Die mir zusagt Sein werthes Wort, Das ist mein Trost und treuer Hort, Deß will ich allzeit harren. ( Vers 2 und 3 aus: Aus tiefer Noth schrei ich zu Dir.) Luc. 18, 9-14. Er sagte aber zu Etlichen, die sich selbst vermaßen, daß sie fromm waren und verachteten die Andern, ein solches Gleichniß: Es gingen zween Menschen hinauf in den Tempel, zu beten: einer ein Pharifåer, der andere ein 3öllner. Der Pharisäer stand, und betete bei sich felbft alfo: Ich danke dir, Gott, daß ich nicht bin wie andere Leute, Räuber, Ungerechte, Ehebrecher, oder auch wie dieser Zöllner; ich fafte zwei Mal in der Woche, und gebe den Zehnten von Allem, das ich habe. Und der 3öllner stand von ferne, wollte auch seine Augen nicht aufheben gen Simmel; fondern schlug an seine Brust, und sprach: Gott, sei mir Sünder gnådig! Ich sage euch: Dieser ging hinab gerechtfertiget in sein Haus vor jenem. Denn wer sich selbst erhöhet, der wird erniedriget werden; und wer sich selbst erniedriget, der wird erhöhet werden. Vor den Augen der menschlichen Vernunft steht ohne Zweifel der Pharisäer dem Zöllner weit voran. Aber lassen wir vom Urtheilen, wo der Herr das Urtheil spricht. Wo liegt die Verwerflichkeit des Pharisäers und aller seiner Sinnesverwandten? Darin daß er Gott 505 Seine Ehre stiehlt. Kein Ton von Sündenerkenntniß geht aus dem Munde des Pharisäers; damit nimmt er dem wahrhaftigen Gott die Ehre, der bezeugt, daß vor Ihm Niemand gerecht ist. Der Pharisäer beurtheilt den Zöllner und behauptet, besser zu sein. Damit nimmt er dem majestätischen Gott die Ehre, der allein aller Herzen Richter ist, und widerspricht Gott, der den Zöllner über den Pharisäer setzt. Das heißt billig Sünde, scheinbar mit einer Wolke guter Werke umgeben zu sein, in Wahrheit aber den schwersten Diebstahl zu begehen, nämlich an Gott und Seiner Majestät. Damit ist verknüpft, daß sich der Pharisäer selbst erhöht; die Eigenheit und Selbstherrlichkeit leuchtet überall heraus; das Selbstlob ist Lüge; denn freilich ist der Pharisäer wie andere Leute, ist ein Dieb, der andern Leuten die Ehre nimmt, ist ein Ungerechter, der ein falsch Urtheil spricht. Er ist ein Feind Christi, der das Verlorne zu suchen gekommen ist; hier ist ja nichts von Empfindung des Elendes und Verderbens, und bei solchem Sinne ist Christus dem Menschen widerwärtig. Dabei laßt uns ja bedenken, daß die Pharisäer im Volke Gottes lebten, ja sich die Auswahl dieses Volkes zu sein dünkten. Das zu bedenken ist so gar wichtig und legt uns die Frage vor, ob wir in selbstgemachter, pharisäischer Frömmigkeit und Eitelkeit leben, oder ob wir auf dem Wege geistlicher Armuth zu Christo gekommen sind. Der Zöllner steht so ganz anders da. Gott, der große, allwissende, heilige Gott ist's, vor dessen Augen er dasteht. Da ist weder Lust noch Zeit sich mit Andern zu vergleichen, wenn man selbst mitten im Feuer steht. Uleber sich das helle Auge Gottes, vor sich die zahllose Menge da der Missethat, in sich die lebendigste Empfindung der Schuld, ist es gar kein Wunder, daß der Zöllner von ferne tritt, an seine Brust schlägt und die Augen nicht aufheben mag; diese Geberden verbergen nicht, sondern entdecken den inneren Menschen. Hier ist das - erschrockene Gewissen", von dem Luther aus Erfahrung so oft redet. Und darum ist auch gar kein Rath als allein den Rath Gottes zu unserer Seligkeit annehmen, und das ist Gottes Rath, daß wir im Glauben die Gnade Gottes und unsere Versöhnung im Blute Jesu ergreifen. Es ist eine göttliche Kraft, daß der Zöllner, ob er wohl ein armer Sünder ist, zuversichtlich zu Gott sprechen kann: sei mir gnädig. Und Gott handelt ernstlich mit uns; es sind wahre Guaden und Gaben, die Er uns im Nachtmahl, Tauf und Wort schenkt. Nach dem Worte: ,, selig sind, die da geistlich arm sind, denn das Himmelreich ist ihr," konnte es nicht anders sein, als daß der Zöllner gerechtfertigt in sein Haus ging. So widerstehet Gott dem Hoffärtigen und dem Demüthigen gibt Er Gnade. Aber o Demuth, wie schwer bist du mir! Wahre Sündenerkenntniß macht demüthig und gewisse Sündenvergebung macht noch demüthiger. Diesen Weg führe uns Gott! Gebet. Gerechter Gott, barmherziger Vater, vor welchem nichts 506 in aller Welt bestehen kann als allein Deines lieben Sohnes Blut und Tod, dadurch Du allen Menschen eine ewige Gerechtigkeit zugerichtet hast, und hasfest Alle, die auf ihre eigenen Werke vertrauen, wir danken Dir dafür herzlich und bitten Dich, Du wollest uns vor Unglauben, Hoffart und Vermessenheit, auch vor Verzweiflung und andern Lastern gnädiglich behüten, damit wir unser Gebet vor Dir nicht zum Greuel machen sondern uns Deines Sohnes Verdienstes allein getrösten und Ihm zu Ehren christlich leben. Bater Unser. Montag nach dem 11. nach Trinitatis. Mel.: Dir, Dir Jehova will ich singen Zeuch mich, o Vater, zu dem Sohne, Damit Dein Sohn mich wieder zieh zu Dir; Dein Geist in meinem Herzen wohne Und meine Sinnen und Verstand regier', Daß ich den Frieden Gottes schmeck' und fühl' Und Dir darob im Herzen sing' und spiel'. Verleih mir, Höchster, solche Güte, So wird gewiß mein Singen recht gethan, So klingt es schön in meinem Liede, Und ich bet' Dich im Geist und Wahrheit an; So hebt Dein Geist mein Herz zu Dir empor, Daß ich Dir Psalmen sing' im höhern Chor. ( Vers 2 und 3 aus: Dir, Dir Jehova will ich singen.) Matth. 6, 1-7. Sabt Acht auf eure Almosen, daß ihr die nicht gebet vor den Leuten, daß ihr von ihnen gesehen werdet; ihr habt anders keinen Lohn bei eurem Vater im Simmel. Wenn du nun Almosen gibst, follst du nicht laffen vor dir posaunen, wie die Seuchler thun in den Schulen und auf den Gaffen, auf daß sie von den Leuten gepriesen werden. Wahrlich, ich sage euch: sie haben ihren Lohn dahin. Wenn du aber Almosen gibst, so laß deine linke Sand nicht wissen, was die rechte thut, auf daß dein Almosen verborgen sei; und dein Vater, der in das Verborgene siehet, wird dir's vergelten öffentlich. Und wenn du beteft, sollst du nicht sein wie die Seuchler, die da gerne stehen und beten in den Schulen, und an den Ecken auf den Gaffen, auf daß sie von den Leuten gesehen werden. Wahrlich, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn dabin. Wenn du aber beteft, fo gebe in dein Råmmerlein, und schließe die Thür zu, und bete zu deinem Vater im Verborgenen; und dein Vater, der in das Verborgene siehet, wird dir's vergelten öffentlich. Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht viel plappern, wie die Seiden; denn sie meinen, sie werden erhöret, wenn fie viele Worte machen. Einem aufmerksamen Bibelleser wird es je länger je mehr wichtig werden, daß der Herr so sehr oft den Pharisäern entgegentritt und diese wiederum den Herrn lästern und verfolgen. Was sagt uns das? Einmal, daß ein unversöhnlicher Gegensatz zwischen Jesu und allem 507 pharisäischen Wesen ist, und sodann, daß der pharisäische Sauerteig gar gemein auf Erden sein muß, weil Gott denselben so nachhaltig offenbart und blosstellt. In der Bergpredigt In der Bergpredigt- Matth. 5, 6 n. 7 u.- finden sich sehr viele theils offenkundige, theils verborgene Warnungen vor der Lehre und Unart der Pharisäer. Offenbarlich straft der Herr in dem heutigen Schriftworte das Almosengeben und Beten der Pharisäer, wie Er bereits in dem vorigen Kapitel die flache und matte Gesetzesauslegung der Feinde bekämpft hat. Unser lieber Herr ist ja freilich der rechte Schirmherr aller Elenden und Dürftigen. Der selbst vom Himmel gekommen ist, bloß um zu geben, will, daß Alle, die an Ihn glauben und die Liebe Gottes geschmeckt haben, ein mildes Herz und offene Hand haben. Gebet- spricht Er und legt solch Wort wie ein Feuer auf unser Gewissen. Ja wir sollen nicht bloß einmal und aus Laune geben sondern fruchtbar werden wie in allen guten Werken so auch im Geben. Ein todter Glaube ist kein Glaube und jeder Glaube ist todt, der nicht durch die Liebe thätig ist. Das ist ohne allen Zweifel. Ebenso ist der Herr ein sonderlicher Freund des Gebetes. Der Selbst viel gebetet hat in den Tagen Seines Erdenwallens, der lange, uns unbegreifliche Nächte im Gebete verharrt hat, hat wohl kaum ein Anderes so oft Seinen Jüngern befohlen als das Gebet. Denn wer da bittet, der nimmt; wie nöthig ist also das Gebet für Leute, die von sich selber nichts haben, als Noth und Armuth und Elend! Das ist der Satz im Christenthum. Aber nun kommt auch der Gegensatz- nämlich gegen alles Heuchelwesen, gegen den elenden Schein vor den Leuten, gegen jedes falsche Vertrauen auf Almosen und Gebet. Um so wichtiger es ist, daß ein Gläubiger Almosen gibt und ein ernstlicher Beter ist, um so sorglicher soll er dahinsehen, daß er, was vor Gottes Augen und zu Gottes Ehren sein soll, nicht in den niedrigen Dienst der menschlichen Eitelkeit und Hoffart stelle. Wehe den goldenen Kälbern nämlich unserm Ehrgeiz und unsrer Hoffart! Das Urtheil aller goldenen Kälber ist gesprochen, daß sie mit ihren Anbetern vernichtet werden. Ob wir solche dringenden Worte Jesu nöthig haben? Ohne Zweifel; denn der Herr kennt uns besser, als wir uns selbst kennen, und wer in sich selber den werkheiligen und scheinheiligen und hoffärtigen Pharisäer noch nicht entdeckt hat, darf nicht sagen, daß er sich selbst und sein Fleisch kennt, zu geschweigen der Ueberwindung des Fleisches durch den Geist, wozu wir doch als Glieder Jesu gesetzt sind. - Gebet. Lieber Herr Gott, Du reizest, lockst, gebietest, nöthigst zum Gebet und wahren Gottesdienst. So will ich zu Dir kommen. Was mich hindern könnte nämlich meine Sünde soll mich nicht hindern: ich bringe sie Dir, bitte Dich um Deine gnädige Vergebung und Verleihung Deines Heiligen Geistes. Amen. Bater Unser. 508 Dienstag nach dem 11. nach Trinitatis. Mel.: Aus tiefer Noth schrei' ich zu Dir. Klopf durch Erkenntniß bei mir an Und führ' mir wohl zu Sinnen, Was Böses ich vor Dir gethan; Du kannst mein Herz gewinnen, Daß ich aus Kummer und Beschwer Laß über meine Wangen her Viel heiße Thränen rinnen. Die Thorheit meiner jungen Jahr Und alle schnöden Sachen Verklagen mich zu offenbar. Was soll ich Armer machen? Sie stellen, Herr, mir vor's Gesicht Dein unerträglich Zorngericht Und Deiner Höllen Rachen. ( Vers 3 und 7 aus: Ich will von meiner Missethat.) Luc. 3, 7-14. Da sprach er zu dem Volk, das hinausging, daß es sich von ihm taufen ließe: Ihr Otterngezüchte, wer hat denn euch gewiesen, daß ihr dem zukünftigen Jorn entrinnen werdet? Sehet zu, thut rechtschaffene Srüchte der Buße, und nehmet euch nicht vor, zu sagen: wir haben Abraham zum Vater. Denn ich sage euch: Gott kann dem Abraham aus diesen Steinen Kinder erwecken. Es ist schon die Art den Bäumen an die Wurzel gelegt; welcher Baum nicht gute Früchte bringet, wird abgehauen und in das Seuer geworfen. Und das Volk fragte ihn, und sprach: Was sollen wir denn thun? Er antwortete, und sprach zu ihnen: Wer zween Rocke hat, der gebe dem, der keinen bat; und wer Speise bat, thue auch also. Es kamen auch die 3öllner, daß sie sich taufen ließen, und sprachen zu ihm: Meister, was follen denn wir thun? Er sprach zu ihnen: Sordert nicht mehr, denn gefert ist. Da fragten ihn auch die Kriegsleute, und sprachen: Was sollen denn wir thun? Lnd er sprach zu ihnen: Thut Tiemand Gewalt noch Unrecht, und laßt euch begnügen an eurem Solde. So viel Ausflüchte der Mensch hat, sich die wahre Buße zu sparen, so nöthig ist die Buße. Johannes der Täufer, der dem Herrn vorangeht, um Ihm den Weg zu bereiten, dringt auf wahre, ernste Buße, die, wo sie geschieht, auch Früchte trägt. Die Predigten des Täufers sind sehr merkwürdig. Denn die Windungen des menschlichen Herzens, vor der Beugung und Demüthigung vorbeizukommen, schneidet er rundweg ab, da er zu den Juden spricht: nehmet euch nicht vor, zu sagen, wir sind Abrahams Kinder. Nichts in der Welt dürfen wir dazu brauchen, um uns die Buße zu Gott zu erlassen. Wo keine Buße, da ist kein Heil, weil Jesus mit Seinem Heil von keinem unbußfertigen Herzen erkannt und aufgenommen werden kann. Wo keine Buße, da bleibt der Fluch des Allmächtigen über uns und kann jeden Augenblick hereinbrechen. So ist nichts nöthiger als die Buße und nichts ist in Wahrheit heilsamer; so wenig dürfen wir der Herz 509 lichen Buße aus dem Wege gehen, daß wir vielmehr Gott, den Geber aller guten Gaben bitten sollen, Er wolle uns Gnade hierzu verleihen. Freilich bringt der Bote Gottes auf rechtschaffne Früchte der Buße. Die Buße ist eine Veränderung des Herzens, da das Herz aus seinem alten Geleise herausgehoben wird; die Stumpfheit gegen den lebendigen Gott weicht dem Fragen und Seufzen nach Gott, die Gleichgültigkeit gegen die eigene Seele und deren Schäden und Sünden wird vertrieben, und es kehrt eine innige Verlegenheit ein um Gnade und Frieden vor Gott. Die Buße ist weit mehr als eine flüchtige Thräne und Aufregung des Gefühls, wobei das Herz hart und steif bleibt; sie schneidet in den Diamant des inneren Menschen und zerbricht den ungöttlichen Willen. Aber lernen wir von Johannes; er greift Jeden bei der empfindlichsten Stelle an, die Pharisäer bei ihrer Hoffart, die Zöllner bei ihrer Ungerechtigkeit, die Soldaten bei der Rohheit und Raublust. Ob uns die Buße mithin ein Ernst ist, wird sich darin zeigen, daß wir es bei den offenbaren Schäden unseres Lebens zuerst angreifen und hierbei nicht wie ein Fauler über unsern Wünschen sterben. Und so man nicht nur eine gesetzliche Besserung des Lebens anstrebt sondern Buße thut d. i. von Herzen das Arge erkennt und bereut und sich des heilsamen Namens Jesu getröstet, so wird dieses Herzensgeheimniß, je tiefer es in uns zum Bestand kommt, rechtschaffene Früchte im Leben zeigen. Wahre Buße bessert Alles, lockt Christum an, ändert das Herz und mit dem Herzen den ganzen Menschen. Gott sei Dank für die heilsame Gabe der Buße. Gebet. Gott, mein Herr, ich erkenne meine Missethat und meine Sünde ist immer vor mir; an Dir allein habe ich mit all meiner Uebertretung gesündigt und übel vor Dir gethan, auf daß Du Recht behaltest in Deinen Worten und rein bleibst, wenn Du gerichtet wirst. Verbirg Dein Antlitz vor meinen Sünden und tilge alle meine Missethat. Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz und gib mir einen neuen, gewissen Geist. Amen. Vater Unser. Mittwoch nach dem 11. nach Trinitatis. Mel.: Herr Jesu Christ, Dich zu uns wend'. Dir öffn' ich, Jesu, meine Thür, Ach! komm und wohne Du bei mir, Treib all Unreinigkeit hinaus Aus Deinem Tempel und Wohnhaus. Laß Deines guten Geistes Licht Und Dein hellglänzend Angesicht Erleuchten mein Herz und Gemüth, O Brunnen unerschöpfter Güt! ( Vers 2 und 3 aus: Ein reines Herz, Herr, schaff in mir.) 510 Psalm 51, 3-13. Gott, sei mir gnådig nach deiner Güte, und tilge meine Sünden nach deiner großen Barmherzigkeit. Wasche mich wohl von meiner Misfethat, und reinige mich von meiner Sånde. Denn ich erkenne meine Misfethat, und meine Sünde ist immer vor mir. An dir allein habe ich gesündiget, und übel vor dir gethan, auf daß du Recht bea balteft in deinen Worten, und rein bleibeft, wenn du gerichtet wirst. Siehe, ich bin aus sündlichem Samen gezeuget, und meine Mutter hat mich in Sünden empfangen. Siehe, du haft Luft zur Wahrbeit, die im Verborgenen liegt; du låffest mich wissen die heimliche Weisheit. Entfündige mich mit 2sop, daß ich rein werde; wasche mich, daß ich schneeweiß werde. Laß mich hören Freude und Wonne, daß die Gebeine fröhlich werden, die du zerschlagen baft. Verbirg dein Antlig vor meinen Sünden, und tilge alle meine Missethat. Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz, und gib mir einen neuen gewiffen Geift. Verwirf mich nicht von deinem Angesicht, und nimm deinen heiligen Geist nicht von mir. Man beruft sich darauf, daß auch David nach seinem tiefen Falle noch wieder zu Gnaden gekommen ist. Ist richtig, aber man vergeffe nicht, daß David, ob er wohl König war, auch aufrichtige Buße gethan hat. Unter Schlägen des Gewissens mag David vorher manche Stunde hingegangen sein; aber zu einer eingreifenden, erneuernden Buße kam er erst, als Nathan zu ihm kam- durch Gottes Wort. In Gottes Wort waltet Gottes Heiliger Geist. Und erst durch die göttlichen Kräfte des Heiligen Geistes wird dem Menschen Beides bewußt, die Tiefe und Verdammlichkeit der Sünde wie der heimliche Weg zur Vergebung. Da brennt's in David wie glühendes Feuer; das Angesicht des heiligen Gottes blickt ihm nun auf seine Missethat, die er vordem hoffte unter Decken verborgen zu behalten. Wollte er das Gedächtniß seiner Uebertretung hinter sich werfen, mun ist es vor ihm, daß er seine Missethat immer sehen muß. An Bathseba und Urias hat er übel gethan; aber wer sind die Beiden? Creaturen Gottes sind sie, an Gott Selbst hat sich David vergriffen; alle Sünde das ist ihre Schwere ist Unrecht an Gott, dem heiligen Gesetzgeber. Hätte David gewacht und gebetet, was bei dem erbsündlichen Verderben nöthig ist und auch den Heiligen Gottes nöthig bleibt, es wäre nimmer so weit gekommen. Wohin nun? Entweder in die Verzweiflung oder zu Gott. Aber nein, nein, nicht in die Verzweiflung sondern zu Gott, dem ewigen und Dreieinigen. David nimmt einen festen Ansatz zu Gott hin mit den Worten: Gott, sei mir gnädig. Aber er spürt, was wir auch empfinden, daß ein zerschlagenes Herz schwer sich der Gnade und Barmherzigkeit Gottes trösten kann. Darum fleht er um den Heiligen Geist, daß dieser Geist ihm einen gerader, festen Blick öffne auf das einige Opfer für unsere Sünden. Und es 1 511 ist David ein hoher Ernst mit der Buße. Denn es liegt ihm nicht an einer flüchtigen, verrinnenden Gewissenskühlung, sondern er legt es an auf schneeweiße Reinigung ein reines Herz einen neuen ges wissen Geist. Wer aber den Worten für euch gegeben" glaubet, der hat, was sie sagen nämlich Vergebung der Sünden; wo aber Vergebung der Sünden ist, da ist Leben und Seligkeit. Gebet. Lieber Gott, ich bekenne mich vor Dir einen großen Sünder an Deinen heiligen zehn Geboten; aber Dein süßes Evangelium lehrt mich, daß Du durch Christum mir willst gnädig sein. Herr, so knüpfe ich aneinander mein demüthiges Bekenntniß meiner Miſsethat und Uebertretung und die herzliche Zuversicht zu Deiner Barmherzigkeit in Christo, welche ernstlich zu glauben Du mir predigen läsfest. Amen. Vater Unser. T Donnerstag nach dem 11. nach Trinitatis. Mel.: O Gott, Du frommer Gott. Der Glaube ist ein Licht Im Herzen tief verborgen, Bricht als ein Glanz hervor, Scheint als der helle Morgen, Erweiset seine Kraft, Macht Christo gleichgesinnt, Erneuert Herz und Muth, Macht uns zu Gottes Kind. - Setzt uns Gott auf die Prob', Ein schweres Kreuz zu tragen, Der Glaube bringt Geduld, Macht leichter alle Plagen: Statt Murren, Ungeberd' Wird das Gebet erweckt, Weil aller Angst und Noth Von Gott ein Ziel gesteckt. ( Vers 2 und 8 aus: Versuchet euch doch selbst, ob.) Phil. 4, 10-13. Ich bin aber böchlich erfreuet in dem Serrn, daß ihr wieder wacker geworden seid, für mich zu sorgen; wiewohl ihr allewege geforget habt, aber die Zeit hat es nicht wollen leiden. Ticht sage ich das des Mangels balben; denn ich habe gelernet, bei welchen ich bin, mir genügen zu lassen. Ich kann niedrig sein, und kann boch sein; ich bin in allen Dingen und bei allen geschickt, beides, satt sein und hungern, beides, übrig baben, und Mangel leiden. Ich vermag Alles durch den, der mich machtig macht, Christus. Aehnlich dem Ausspruche in der Epistel des vergangenen Sonntags spricht Paulus hier den Ruhm der Gnade Gottes aus, die nicht vergeblich an ihm gewesen ist. Das ist die große Kunst des Apostels, 512 sowohl daß er sich genügen lassen kann, als daß er Alles vermag. Das tägliche Leben des Apostels bezeugte bei Allen, die ihn kannten, daß Paulus diese Kunst verstand. Wir müssen uns danach den Apoftel vorstellen als einen Mann, der bei aller geringen Meinung, die er von sich selber hat, einhergeht in der Einfalt eines Kindes und eines Pilgers, der sich die Unwegsamkeit der Wüste nicht anfechten läßt, sondern still darüber hin der Heimath zuschreitet. Nicht als ob der Apostel von sich selber ein ander Herz gehabt hätte wie andere Menschen; aber die Gnade Gottes hatte ihn so verändert. Seit der Zeit Gott ihm Seinen Sohn offenbarte und Paulus solch eine Herrlichkeit in Christo fand, gegen welche er Alles für Schaden achten konnte, und sein ganzer innerer Mensch Ruhe und Genüge fand in Jesu Christo, stimmten sich alle Ansprüche, die man sonst in diesem Leben macht, herab; er lernte die Kunst sich genügen lassen. Man merke, daß der Apostel sagt: ich habe gelernt, er ist also in der Schule gewesen. Zwischen der Zeit, daß Christus ihn ergriffen hat und daß er den Brief nach Philippi schreibt, mögen etwa zwanzig Jahre liegen. Das war ihm eine lange Zeit zum Lernen gewesen. Bald hielten ihn die Leute für einen Gott, bald hielten sie ihn für einen Lotterbuben; an der einen Stelle war die Liebe so groß, daß sie, wo es möglich gewesen wäre, sich hätten die Augen für ihn ausreißen lassen, an einem andern Orte kam er in den Kerker. Wie sollte ein Mann, wie der Apostel Paulus, bei so reichem Leben nicht gelernt haben! Und er lernte, sich genügen lassen. Ist das nun nicht ein Triumph der Gnade Gottes, daß ein Mensch, den sonst das Glück stolz und die Trübsal mißmuthig macht, so sich zufrieden stellet in allen Dingen? O wer doch mit dem theuren Apostel so gar desselben Sinnes wäre wie sein Schüler Timotheus( Phil. 2, 20)! Besser wie Gold und Silber käme uns diese Kunst in diesem armen Leben zu Statten! Wir würden wie Balsam sein an den vielen wunden Stellen, die sich in unsern Häusern und Gemeinen finden. Wer will, der lerne nun doch. 1) Besinne er sich täglich, daß er mit PauIus dieselbe gnadenreiche Taufe empfangen und um deretwillen täglich das Recht hat, zu dem Vater der unergründlichen Barmherzigkeit zu flehen um Hülfe und Gnade. Welch ein Vorzug für uns, die wir die Stelle nicht werth sind, wo wir stehen. 2) Betrachte er die Gestalt des gekreuzigten Heilandes, der arm gekommen ist und arm von hinnen schied; aller Welt Glück und Ehre hat Ihn so gar nichts angefochten. Glauben wir an Ihn, so fällt die tiefste Ursache aller Unzufriedenheit dahin nämlich der Zorn Gottes; denn Christus trägt unsere Sünde. 3) Lasse man seine Seele doch leben- der Mensch lebt aber allein von jedem Worte, das durch den Mund Got tes geht. 1 Gebet. Herr Jesu, Du hast auf Erden nicht gehabt, wohin Du Dein Haupt legen mochtest. Aber Du hast Arme, die unsere müden Herzen aufnehmen, Du hast Frieden für die ruhelose Seele 513 Dein Friede kann unsere Herzen und Sinne bewahren. So bitten wir Dich bei Deiner großen Barmherzigkeit, Du wolleft unsere Seelen zu Dir ziehen, mit Deinem Geiste erfüllen und uns lehren Alles zu vermögen. Amen. 1910 Vater Unser. Freitag nach dem 11. nach Trinitatis. Mel.: Einer ift König, Immanuel fieget. Jesu, hilf siegen! Wenn in mir die Sünde, Jesu, hilf siegen! und lege gefangen Eigenlieb, Hoffart und Mißgunst sich regt; In mir die Lüste des Fleisches und gib, Wenn ich die Last der Begierden empfinde Daß bei mir lebe des Geistes Verlangen, Und sich mein tiefes Verderben dar- Aufwärts sich schwingend durch heiligen legt, Trieb: 1193 So hilf, daß ich vor mir selbst mag erröthen Laß mich eindringen in's himmlische Wesen, Und durch Dein Leiden mein sündlich So wird mein Geist, Leib und Seele geFleisch tödten. nesen. ( Vers 4 und 5 aus: Jefu, hilf fiegen.) Marc. 9, 31-35. Er lebrete aber seine Jünger, und sprach zu ihnen; Des Menfchen Sohn wird überantwortet werden in der Menschen Sånde, und sie werden ihn tödten, und wenn er getödtet ist, so wird er am drite ten Tage auferstehen. Sie aber vernahmen das Wort nicht, und fürchteten sich, ihn zu fragen. Und er kam gen Rapernaum. Und da er daheim war, fragte er sie: Was handeltet ihr mit einander auf dem Wege? Sie aber schwiegen; denn sie batten mit einander auf dem Wege gehandelt, welcher der Größefte wäre. Und er setzte sich, und rief die 3wölfe, und sprach zu ihnen: So Jemand will der Erfte sein, der soll der Lerte sein vor Allen, und Aller Knecht. 1030 Geschiehet auch Etwas, davon man sagen möchte: siehe, das ist neu? Preb. Sal. 1, 10. Nein, es ist Alles schon vorher geschehen. Es ist nichts Neues, daß das Menschenherz so gar hoffärtig ist; das ist seit Adams Falle so gewesen. Aber das ist merkwürdig, daß auch die bereits Gottes Wort hören und lieben von der Plage des Hochmuths leiden. Es findet sich, daß selbst in Häusern, wo Gottes Wort wohnt, die Hoffart noch viel Unheil anrichtet; sie gebiert Hader und Zant. Die ersten Jünger waren bereits drei Jahre mit dem Herrn umgegangen und hatten Jesu wunderbare Demuth gesehen. Und nun doch noch dieser Zank, wer der Größeste wäre! Weil aber nichts mit dem Christenthume so unverträglich ist, als der Hochmuth, so läßt der Herr diesen Flecken nicht an den Jüngern kleben. Er fragt die Jünger, was sie gehandelt haben auf dem Wege. Er weiß es, ohne daß 33 514 es Ihm Einer gesagt hat; denn Er hat durchdringende Augen und unsere Gedanken sind Ihm nicht verborgen und wir müssen uns deßhalb gewöhnen, die Allwissenheit Jesu stetig uns in's Gedächtniß zu rufen. Die Jünger schweigen auf die Frage des Herrn, weil sie die Empfindung des Sündlichen an ihrer Hoffart haben. Haben wir diese nicht auch? Müssen wir nicht zugestehen, daß Hoffart eine schändliche Sünde ist, vor Gott verdammlicher als andere Sünden, weil sie gegen Gott geradezu streitet? Was sollen wir thun? Erstens uns recht aufrichtig eingestehen, wie viel Unheil uns schon die Hoffart bereitet und wie viel heimlichen Neid, Aerger, Verbruß sie in unserm Herzen erzeugt hat, und wie wir Andere damit geplagt haben. Zweitens sollen wir der beschämenden Empfindung des Bösen in unserer Hoffart, des Widerwärtigen vor Gott, des Lieblofen vor Menschen recht nachgeben, und es mit aller Macht in unser Gewissen und Bewußtsein aufnehmen, daß Hochmuth Sünde, ja nebst der Lüge die Wurzelfünde ist. Drittens sollen wir die Gestalt des mit Dornen gekrönten Heilandes uns fleißig vor die Seele bilden lassen. Die Jünger mochten davon nicht hören und vernahmen das Wort vom Leiden nicht. Das ist eben das Seelengefährliche am Hochmuth und Stolz, daß dadurch unserer Seele die Augen ausgestochen werden für den allerlehrreichsten, tröstlichsten Anblick des gekreuzigten Jefu. Wer hier aber nicht sehen kann, bleibt im Tode. Darum möge uns doch der Weg recht sein: so Jemand will der Erste sein, der soll der Letzte sein vor Allen und Aller Knecht. Nichts empfiehlt uns so sehr und macht uns dem Nächsten so werth, als die ungeheuchelte Herzensdemüth, um mehr, wenn sie mit großen Gaben verbunden ist. Der Demüthige erreicht, was der Hoffärtige rastlos aber umsonst sucht nämlich der Erste zu sein. Gebet. Ach, lieber Herr und Heiland, der Du selbst in großer Demuth gewandelt hast, gib mir ein friedliches, freundliches, sanftes Herz gegen Jedermann und reinige mich um Christi willen von allen meinen Sünden. Siehe, lieber Herr, unsere Hoffart gebiert lauter Unheil und macht uns Dir so unähnlich. Ach, erbarme Dich unser und tödte in uns das Leben Adams, damit Dein Leben in uns erstehe und gedeihe. Amen. Vater Unser. Sonnabend nach dem 11. nach Trinitatis. Liebster Jesu, wir sind hier, Dich und Dein Wort anzuhören; Lente Sinnen und Begier Auf die süßen Himmelslehren, Daß die Herzen von der Erden Ganz zu Dir gezogen werden. 515 Eigene Melodie. - Unser Wissen und Verstand Ist mit Finsterniß umhüllet, Wo nicht Deines Geistes Hand Uns mit hellem Licht erfüllet; Gutes denken, thun und dichten Mußt Du Selbst in uns verrichten. ( Vers 1 und 2 aus: Liebster Jesu, wir find hier.) 2 Cor. 3, 4-9. Ein folch Vertrauen aber haben wir durch Chriftum zu Gott. licht, daß wir tüchtig sind von uns selber, etwas zu denken, als von uns selber; sondern daß wir tüchtig sind, ist von Gott, welcher auch uns tüchtig gemacht hat, das Amt zu führen des neuen Testaments, nicht des Buchstabens, sondern des Geiftes. Denn der Buchftabe tödtet, aber der Geift macht lebendig. So aber das Amt, das durch die Buchstaben tödtet und in die Steine ist gebildet, Klarheit hatte, also, daß die Kinder Jsraels nicht konnten ansehen das Angeficht Mofis, um der Klarheit willen seines Angesichts, die doch auf böret: Wie sollte nicht viel mehr das Amt, das den Geist gibt, Klarbeit haben! Denn so das Amt, das die Verdammniß prediget, Klarheit hat; viel mehr hat das Amt, das die Gerechtigkeit prediget, überschwängliche Klarheit. Wenn der Wenn der Apostel in dieser reichen und tiefen Epistel das Amt des neuen Testamentes, das Predigt- und Evangelisten- Amt, so hoch preist, so ist's ihm etwa nicht darum zu thun gewesen, dasselbe mit einem besondern Heiligenscheine zu umgeben und die Personen zu schmücken, welche damit bekleidet sind. Onein. Es ist faum eine Stelle im Worte Gottes, welche die Diener am Wort mehr demüthigen sollte als die verlesene. Wo bleibt da alles persönliche Rühmen, wenn ihnen selbst nicht einmal ein lebenskräftiger und lebenweckender Gedanke zugeschrieben wird; wir sind nicht tüchtig von uns selber, etwas zu denken als von uns selber. Und jeder rechtschaffene Diener am Wort, dem es wirklich darum zu thun ist, nicht das Amt des Buchstabens sondern des Geistes zu führen, fühlt die drückende Bürde der Verantwortlichkeit und seiner eigenen Üntüchtigkeit so, daß er des Rühmens von selbst vergißt, sich auf das unterste Bänkchen setzt und an seine Brust schlägt mit dem Zöllner- Bekenntniß: Gott sei mir Sünder gnädig! Nein, gewiß nicht den Hochmuth will der Apostel stacheln; er will zur Demuth reizen und damit den rechten Muth erwecken, ein herzliches Vertrauen auf den, welcher uns das Amt übertragen, durch welches so herrliche Dinge ausgerichtet werden sollen, wie die Epistel sie weiter darlegt. Das Vertrauen wurzelt nicht in ihnen, = 33* nimmer in ihrer Person; es gründet sich auf den, durch den wir überhaupt erst zum Vater kommen können: auf Christum. Ein solches Vertrauen haben wir durch Christum zu Gott." Ein solches Vertrauen aber kann auch nur das priesterliche Geschlecht, jeder wirklich geistliche Christenmensch haben. Wem durch Christum seine Sünde noch nicht bedecket, wer noch nicht durch Seine Wunden geheilet ist, den muß die Furcht regieren, der kann nimmer fröhlich in Hoffnung noch geduldig in Trübsal sein; er muß der Strafe und des Zornes Gottes gewärtig sein. Wer aber im Glauben singen darf: Gott Lob, nun ist auch Rath für mich, mein Gott und Herr, ich glaub an Dich, an Dich, der alles hingezählt, was mir an meiner Rechnung fehlt ein Solcher sage nicht: Ich bin schwach; die darinnen sind, haben Vergebung der Sünden und können Vertrauen haben durch Christum zu Gott bei ihrem Tagewerke, ihrem Berufe, wenn derselbe nur in Gottes Wort gefaßt und mit Gottes Wort verbunden ist. Ein solches Vertrauen hat einen unbeweglichen Grund; es verschafft Gerechtigkeit und Stärke zu allem nöthigen Werk und gibt die tägliche Erfahrung, daß ein solches Vertrauen große Belohnung hat. Da wird man mit viel Segen geschmücket, daß man sehen wird, der rechte Gott ist in Zion. 516 - OR Gebet. Lieber Herr, der Du das Amt verordnet, das die Versöhnung predigt, bekleide Deine Diener mit Gerechtigkeit und Wahrheit und schmücke sie mit vielem Segen; laß sie führen ihr Amt, als ein Amt nicht des Buchstabens, sondern des Geistes; laß Deinen hochheiligen Namen überall durch sie verkläret werden, und wo sie zagen und klagen, erwecke ihnen ein herzliches Vertrauen durch Dein allmächtig wirkendes Nahesein, daß vieler Herzen durch sie gestärket werden und Dir mit aller Macht vertrauen lernen. Amen. Vater Unser. 0774 11 12. Sonntag nach Trinitatis. sillot Bae RSG and in Eigene Melodie. Lobe den Herren, o meine Seele! Selig, ja selig ist der zu nennen, Deß Hülfe der Gott Jakobs ist; Weil ich noch Stunden auf Erden zähle, Welcher vom Glauben sich nicht läßt trennen Ich will Ihn loben bis in Tod; Will ich lobsingen meinem Gott. Der Leib und Seel' gegeben hat, Werde gepriesen früh und spat. Hallelujah! Hallelujah! Und hofft getroft auf Jesum Chrift. Wer diesen Herrn zum Beistand hat, Findet am besten Rath und That. Hallelujah! Hallelujah! ( Vers 1 und 5 aus: Lobe den Herren, o meine Seele.) O 517 Marc. 7, 31-37. Und da er wieder ausging von den Grenzen Tyrus und Sidons, kam er an das galiläische Meer, mitten unter die Grenze der zehn Städte. Und sie brachten zu ihm einen Tauben, der stumm war, und sie baten ihn, daß er die Sand auf ibn legte. Und er nahm ihn von dem Volk besonders, und legte ihm die Singer in die Ohren, und spürete und rührete seine Junge. Uno sabe auf gen Simmel, seufzete und sprach zu ihm: Sephatha! das ist, thue dich auf! Und alsobald thaten sich seine Ohren auf, und das Band seiner Junge ward los, und redete recht. Und er verbot ihnen, sie sollten es iemand sagen. Je mebr Er aber verbot, je mehr sie es ausbreiteten, und verwunderten sich über die Maaße, und sprachen: Er hat Alles wohl gemacht; die Tauben macht er börend, und die Sprachlosen redend. Die gefunden fünf Sinne sind bloß eben die Sinne. Gott hat sie uns gegeben, und was Er uns darin für Wohlthaten erzeigt hat, würde Jeder in dem Augenblicke inne werden, wenn ihm etwa das Gehör oder das Augenlicht genommen würde. Wir Undankbaren, daß wir täglich in einem Meere göttlicher Wohlthaten schwimmen, wir, die wir nichts verdient haben, und wie selten hört Gott aus unserm Munde einen Dank oder gar ein Lob! Zum Bitten bringen wir's wohl; aber loben ist so selten, und doch ist keine Freude der Seele so süß als Gott leben mit den Engeln im Himmel. Man versenke sich doch in das Elend des Taubstummen und male es sich vor Augen, selbst taub und stumm zu sein, so wird man das Elend dieses Unglücklichen, wenn auch nicht begreifen, in etwa aber ahnen. Ein Tauber hört ja nicht, auch wenn ihm die Engel vor den Ohren singen; ein Stummer kann keinen Laut sagen, auch wenn ihm das Herz übervoll ist. Doch was nügen Ohren und Zungen, wenn man den nicht hören kann, der unser Herr und am jüngsten Tage unser Richter ist und kann Den nicht anrufen, dessen Name allein Hülfe ist? Die sind nicht zu zählen, die in diesem Sinne taubstumm sind. Sie sind in hellen Haufen unter denen, die noch in die Kirche gehen, von den Andern gar nicht zu sprechen. Hören und sprechen konnte der Unglückliche im Evangelium nicht; aber Eins war ihm noch geblieben. Er hatte gute Freunde und gute Freunde sind wie Stäbe, da der Menschen Gang sich hält. Gute Freunde find solch eine unschäßbare Gabe, daß sie Luther in der vierten Bitte zum täglichen Brode zählt. Der reiche Mann hatte auch fünf Brüder und Freunde; aber keiner war gut, denn Alle halfen ihm zu einem ungöttlichen Leben. Die Freunde bringen den Taubstummen zu Jesu, der ihn besonders nimmt. Das ist die ganz besondere und in's Einzelne gehende Seelsorge. Es hat seinen tiefen Grund, daß der Herr, der alle Krankheiten geheilt hat, den Einen so, den Andern so heilt; diefen heilt er durch ein Wort, jener muß sich im Teiche waschen, dem Taubstummen legt Er den Finger in's Ohr. Aber überall kleine Mittel, wodurch Er Seine großen Wunder thut, und so haben wir überall ein Bild der thörichten und doch so reichen und heilsamen Gnadenmittel, wodurch Gott bis an den jüngsten Tag Seine größten Wunder thut nämlich geistliches Leben schafft und erhält. ,, Hephatha, d. i. thue dich auf' spricht der Herr, indem Er gen Himmel seufzt. Nun mögen wir sinnen, ob die Güte oder die Barmherzigkeit oder die Macht Jesu am größten in diesem Worte ist. groß an dem Herrn. Kein Wunder, daß der Taubstumme reden und sprechen kann; ein unmögliches Wunder wäre es, wenn es anders ge= wesen wäre. Der Ruhm: ,, Er hat Alles wohlgemacht" liegt so nahe. Was sollen wir denn nun thun? Sollen wir stehen oder knieen, schweigen oder reden, bitten oder danken vor diesem Jesu, der unser Heiland ist? Ach, man thue, wie es Einem von oben gegeben wird. Aber in Einem laffet uns Eins werden nämlich in dem Beschlusse: Meinen Jesum laß ich nicht. Es ist Alles Gebet. Barmherziger Herr Jesu Christe, der Du Alles wohl gemacht und durch Dein allmächtiges Hephatha das Werk des Satans zerstört hast, hilf uns auch und gib, daß unsere Herzen, Ohren und Zungen allezeit zu Deiner Ehre und Erkenntniß bereit und fertig ſein mögen, damit wir Dir fammt dem Vater und Heiligen Geist ungehindert dienen und Deinem großen Namen danken mögen. Amen. Vater Unser. 9156 204 518 Ind 20 Montag nach dem 12. nach Trinitatis. Eigene Melodie. Sollt ich meinem Gott nicht fingen? Sollt ich Ihm nicht fröhlich sein? Denn ich seh in allen Dingen, Wie so gut Er's mit mir mein, Ift's doch nichts als lauter Lieben, Das sein treues Herze regt, Das ohn' Ende hebt und trägt, Die in Seinem Dienst sich üben. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit. Seinen Geist, den edlen Führer, Gibt Er mir in Seinem Wort, Daß Er werde mein Regierer Durch die Welt zur Himmelspfort; Daß Er mir mein Herz erfülle Mit dem hellen Glaubenslicht, Das des Todes Reich zerbricht Und die Hölle selbst macht stille. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit. ( Vers 1 und 4 aus: Sollt ich meinem Gott.) Psalm 146. Salleluja. Lobe den Herrn, meine Seele! Ich will den Herrn loben, so lange ich lebe, und meinem Gott lobsingen, weil ich hier bin. Verlaffet euch nicht auf Fürsten; sie sind Menschen, die können 519 ja nicht helfen. Denn des Menschen Geist muß davon und er muß. wieder zur Erde werden; alsdann sind verloren alle seine Anschläge. Wohl dem, deß Hülfe der Gott Jakobs ift, deß Hoffnung auf den Serrn, seinen Gott, fiehet, der Himmel, Erde, Meer, und Alles, was darinnen ist, gemacht hat; der Glauben hält ewiglich; der Recht schaffet denen, fo Gewalt leiden; der die Sungrigen speiset. Der Herr löset die Gefangenen. Der Herr macht die Blinden sehend. Der Serr richtet auf, die niedergeschlagen sind. Der Herr liebet die Ges rechten. Der Herr behütet die Sremolinge und Waisen, und erhält die Wittwen; und kehret zurück den Weg der Gottlosen. Der Herr ift König ewiglich, dein Gott, 3ion, für und für. Salleluja. Ich will den Herrn loben. Das scheint nicht so schwer zu sein und ist doch den Meisten unmöglich. Möchten sie vieles können, das können sie nicht, Gott loben. Denn zum Lobe Gottes gehört das Herz, und wie soll das Herz loben d. i. fröhlich sein und sich freuen, wenn es gebunden und gefangen liegt? Aber der Pfalmist ist bereit, Gott zu loben, so lange er lebt, und Gott zu lobsingen, weil er hier ist. Warum? Gott der Lebendige und Dreieinige steht vor ihm; er sieht Gott in Seiner unerschaffenen Herrlichkeit, wogegen die Sonne nur Staub ist und alle Fürsten auf Erden nur ein Štrohhalm; er sieht Gott in Seinen herrlichen Thaten, in den Schöpfungs- und Erlösungsthaten, und all diese Herrlichkeit Gottes voll Gnade und Wahrheit ergießt sich wie ein Lebensstrom durch Seele und Gebein. Da wird das Herz voll, ganz voll und das erste Wort ist: Halleluja, d. i. Lobet den Herrn und das letzte Wort lautet ebenso. Es sind zehn füße Wahrheiten, die der Pfalmist aufzählt, 1) der Herr hat Himmel, Erde, Meer und Alles, was darinnen ist, gemacht, 2) Er hält Glanben, d. i. Treue ewiglich, so daß man sich wirklich auf Ihn verlassen kann, 3) Er schaffet Recht, 4) Er speist die Hungrigen, 5) Er löset die Gefangenen, 6) Er macht die Blinden sehend, 7) Er richtet auf, die niedergeschlagen sind, 8) Er liebet die Gerechten, auch wenn man's nicht immer fühlt, 9) Er behütet die Fremdlinge, Wittwen und Waisen, 10) Er kehret zurück den Weg der Gottlosen. Diese zehn Wohl= thaten kann man wie zehn helle Sonnen auf die Finger stellen und über dem Allen ist Gott König für und für. Was soll ich denn nun thun, wenn ich Wurm im Staube solche Herrlichkeit in Gott und solche Güte und Barmherzigkeit über mir sehe? Das reißt ja Alles am Menschen hin; das Herz bricht aus in Freud und Wonne, und es ist nicht anders mehr möglich, als mit dem Psalm zu rufen: ich will den Herrn loben. Und solches Lob ist nicht müßig. Es heiligt die Seele, es wirkt Geduld und Hoffnung, es macht fröhlich in Trübsal und den Geist vorsichtig, daß er sich nicht durch muthwillige Sünde und Abweichen aus der Furcht des großen Gottes sein Lebensmark nämlich Gottes Liebe und Gottes Lob verdirbt. 520 Gebet. Dreieiniger Gott, ich lobe Dich, so viel ich kann. Gott Vater, Du hast mich mit Leib und Seele erschaffen. Gott Sohn, Du hast mich mit Deinem unschuldigen Blut erlöst von allen Sünden, vom Tode und von der Gewalt des Teufels. Gott Heiliger Geist, Du hast mich durch die heilige Taufe zu Chrifto gebracht und mich erleuchtet und zu Gott bekehrt. Heiliger, barmherziger Gott, verleihe mir von dieser Stunde an nach Deinem göttlichen Willen zu leben und endlich selig zu sterben. Amen. Vater Unser. oluoto Dienstag nach dem 12. nach Trinitatis. Mel: Romm, o komm, Du Geift des Lebens obet: Gott des Himmels und der Erben. Liebe, die für mich gelitten Und gestorben in der Zeit; Liebe, die mir hat erstritten Ew'ge Lust und Seligkeit; Liebe, bir ergeb' ich mich, Dein zu bleiben ewiglich. ( Vers 1 und 3 aus: Liebe, die Du mich zum Bilde.) Liebe, die Du mich zum Bilde Deiner Gottheit hast gemacht; Liebe, die Du mich so milde Nach dem Fall hast wiederbracht; Liebe, Dir ergeb' ich mich, Dein zu bleiben ewiglich. Ebr. 2, 1-8. Darum sollen wir desto mehr wahrnehmen des Worts, das wir hören, daß wir nicht dahin fahren. Denn so das Wort feft geworden ist, das durch die Engel geredet ist; und eine jegliche Lebertretung und Lingeborsam bat empfangen seinen rechten Lohn: Wie wollen wir entflieben, so wir eine solche Seligkeit nicht achten? welche, nachdem sie erftlich geprediget ift durch den Herrn, ist sie auf uns gekommen durch die, so es gehöret baben; und Gott hat ihr Jeugs niß gegeben mit 3eichen, Wundern und mancherlei Kräften, und mit Austheilung des heiligen Geistes, nach seinem willen. Denn er hat nicht den Engeln untergethan die zukünftige Welt, davon wir reden. Es bezeuget aber einer an einem Ort, und spricht: Was ist der Mensch, daß du seiner gedenkest, und des Menschen Sohn, daß du ihn beimsucheft? Du haft ihn eine kleine Zeit der Engel mangeln laffen: mit Preis und Ehre haft du ihn gekrönet, und baft ihn gesetzt über die Werke deiner Sånde; alles haft du untergethan zu seinen Süßen. In dem, daß er ihm Alles bat untergethan, bat er nichts gelaffen, das ihm nicht unterthan sei; jetzt aber sehen wir noch nicht, daß ihm Alles untertban fei. Die Zauben hören das ist eins der hohen Werke Christi, die Er an uns thut. Ist es auch nicht Alles, so ist es doch ein sehr Großes, daß die Tauben hören. Denn als der Satan die ganze - 521 Creatur Gottes verderben wollte, fing er damit an, das menschliche Ohr zu betäuben gegen die Stimme Gottes und mit Lügen zu umstricken. Und so ist denn der Mensch durch die Erbsünde taub gegen Gottes Liebe, und wir bitten unsern Heiland, daß Er uns die Ohren aufthue und freuen uns sowohl, daß Er es kann, als auch daß Er es will. Der Herr macht die Tauben hörend. Kannst du hören? Hören ist bloß hören und ist doch sehr viel; alles Andere folgt, wenn wir den Herrn erst hören und verstehen können. An dem Hören liegt so viel, auf dem Hören ruht so große Verheißung. Die ganze Seligkeit, die mit Nachdruck heißt eine solche, nämlich die Seligkeit Gottes, des allein Seligen, ist uns bereitet. Es ist der herrliche Bille Gottes, daß wir, wie alle Creatur Jesu unterthan ist, Ihm auch sollen untergeben sein und anhangen. Wie sollte ich nicht ein Unterthan meines Heilandes sein wollen? Ist er doch nicht um der Engel willen sondern um meinetwillen erniedrigt? Trägt Er doch mir zu lieb die Königs- nämlich die Dornenkrone! Eine solche Seligkeit hat mir Gott durch das bittere Leiden und Sterben Christi erworben, daß ich soll mit Gott ewig leben. Wie soll ich aber zu dieser Seligkeit kommen? Sie wird mir verkündigt. Die Propheten des alten, die zwölf Apostel des neuen Testamentes verkündigen diese Seligkeit, nachdem die Apostel den Herzog der Seligkeit haben auf Erden wandeln, leiden, sterben und auferstehen gesehen. Es wird auch einmal dieses Reich Christi, das annoch verborgen ist, offenbar werden und hervorbrechen wie die Sonne am hellen Mittage. Wir aber können nur dazu kommen durch den Glauben an die gepredigte, ganze Wahrheit Gottes. Was nüßt sonst die beste Botschaft, wenn der Glaube fehlt! Wie sollen sie aber glauben, wenn sie nicht hören? Also am Hören liegt's. Darum, wenn ich meine Augen aufhebe auf Jesum, den König aller Könige, dem Alles unterthan ist, den Herzog der ewigen Seligkeit, und sehe um Ihn der heiligen zwölf Boten Zahl, die von Ihm zeugen, so vergeffe ich Eins zu Seinem Lobe nicht, was mir Sünder so unschäßbar ist, daß Er nämlich die Tauben hörend macht. Höre ich, höre ich wie ein Jünger hört, so wird Gott hinzuthun, daß ich glaube. Glaube ich, so lebe ich. Nun wollen wir desto mehr wahrnehmen des Wortes, das wir hören, auf daß wir nicht dahinfahren. Gebet. Barmherziger Gott, Du hast uns armen Sündern durch Christum eine unaussprechliche Seligkeit bereitet, welche uns im Evangelium verkündigt wird. Gib Gnade, daß wir Dein Wort durch den Heiligen Geist glauben und also selig werden. Dein Reich komme zu Allen, auch Heiden und Juden, welche die Predigt Deines Wortes hören. Amen. Bater Unser. 522 Mittwoch nach dem 12. nach Trinitatis. Mel.: Nun freut euch, lieben Chriften gmein. Gott ist's, der dich von Herzen liebt Und Sein Gut mit dir theilet, Dir deine Missethat vergibt Und deine Wunden heilet, Dich waffnet zum geistlichen Krieg, Daß dir der Feind nicht oben lieg Und deinen Schatz zertheile. Er ist sehr barmherzig und gut Den Armen und Elenden, Die sich von allem Uebermuth Bu Seiner Wahrheit wenden; Er nimmt sie als ein Vater auf Und gibt, daß sie den rechten Lauf Zur Seligkeit vollenden. ( Vers 2 und 3 aus: O gläubig Herz gebenebeit.) Jonas 3, 1-10. Und es geschabe das Wort des Herrn zum andern Mal zu Jona, and sprach: Mache dich auf, gebe in die große Stadt Tinive, und predige ihr die Predigt, die ich dir sage. Da machte sich Jona auf, und ging hin gen Minive, wie der Herr gesagt hatte. Minive aber war eine große Stadt Gottes, drei Tagereisen groß. Und da Jona anfing binein zu geben eine Cagereise in die Stadt, predigte er, und sprach: Es sind noch vierzig Tage, so wird Minive untergehen. Da glaubten die Leute zu Minive an Gott, und ließen predigen, man follte fasten, und zogen Sådke an, beide, Groß und Klein. Und da das vor den König zu Minive kam; stand er auf von seinem Thron, und legte seinen Purpur ab, und hållete einen Sad um sich, und ferte sich in die Asche; und ließ ausschreien und sagen zu Ninive, aus Befehl des Königs und seiner Gewaltigen, also: Es soll weder Mensch noch Thier, weder Ochsen noch Schafe etwas koften, und man soll sie nicht weiden, noch waffer trinken lassen; und sollen Såcke um sich hållen beide, Menschen und Thier, und zu Gott rufen heftig; und ein Jeglicher bekehre sich von seinem bösen Wege, und von dem Srevel seiner Sånde. Wer weiß, Gott möchte sich kehren, und ihn reuen, und sich wenden von seinem grimmigen Jorn, daß wir nicht verderben. Da aber Gott sahe ihre Werke, daß sie sich bekehreten von ihrem bösen Wege; reuete ihn des Lebels, das er geredet hatte ihnen zu thun, und that's nicht. Der Prophet Jonas hat's erfahren, daß man Gott nicht entlaufen kann. Er wollte fahren an das äußerste Meer, aber siehe! Gott war auch auf dem Meere. Daß der Fisch Jonas verschlungen und Jonas im Leibe des Fisches drei Tage und drei Nächte war, ist dem Unglauben natürlich ärgerlich, weil es zu deutlich von dem lebendigen Gott zeugt; dem Glauben ist es köstlich, weil er die Allmacht Gottes fennt, die eben als Allmacht nicht durch das Gehirn unſeres Kopfes sondern allein durch den heiligen Willen Gottes beschränkt ist. Will es Gott so, wie Er es wollte über Jonas, wer will Ihn hindern? Nun ist Jonas willig, Ninive Buße zu predigen. Jonas gibt einen deutlichen Ton: es sind noch vierzig Tage, so wird Ninive unter 523 gehen. Jonas hat wohl gelernt, daß man mit den göttlichen Wahrheiten nicht markten darf; darum predigt er, wie es sein soll, lauter, rein, kräftig. Der Erfolg der Predigt ist außerordentlich. Der König schreibt Buße aus für's ganze Volk, und es ist so schön, daß er das Innerliche und Aeußerliche so weise verknüpft; man soll sich im Herzen zu Gott wenden und heftig rufen zu dem Allerhöchsten. Aber es soll auch eine Lebensbuße sein, daß sich ein Jeglicher bekehre von seinem bösen Wege und von dem Frevel seiner Hände." Innere Gottseligkeit ohne Erweifung nach außen ist siech und schief; äußere ohne innere ist hinfällig oder gar Heuchelei. Lernen wir also Weisheit von dem Könige zu Ninive. Aber besonders muß uns zweierlei wichtig in dieser Geschichte werden. Erstens die willigen, offenen Ohren, mit welchen die Niniviten die kurze, aber nachdrückliche Predigt des Propheten aufnehmen. Diese Leute von Ninive werden auftreten am jüngsten Gerichte mit diesem Geschlechte und werden es verdammen; denn sie thaten Buße nach der Predigt Jonas und siehe! hier ist mehr denn Ionas. Wir haben den Sohn Gottes Selber, der uns mit vielen Worten und auf mancherlei Art den Willen Gottes kund thut. Zweitens ist die sich aus dem Staube herauswindende Zuversicht des sagt er Gott Königs zu Ninive sehr köstlich. Wer weiß möchte sich kehren. Wer weiß darin liegt Zweifel und Zuversicht; aber die Zuversicht zu Gottes Barmherzigkeit überwiegt. Wer weiß. Siehe, dieser König hat seine Ohren. Jonas hat gepredigt: es sind noch vierzig Tage, so wird Ninive untergehen. Von Gnade kein Wort, von Vergebung kein Klang. Aber daß es noch nicht im Augenblicke sein soll, sondern erst nach vierzig Tagen darin liegt ein Lichtschimmer, den der König sieht. Wer weiß, ob nicht noch mehr Licht hinter dieser Drohung verborgen liegt. Woher etwas Licht kommt, daselbst ist wohl noch mehr. Und es war so. Die Gnade war mächtiger als die Sünde. Thun wir auch so, daß wir uns hineinbohren in die göttlichen Worte; gewißlich so quillt darin ein labender Strom von reiner Barmherzigkeit. Thun wir auch so, daß wir uns dem Worte innig ergeben, gewißlich werden wir dann tief erleuchtet über die Majestät und Heiligkeit Gottes, dem wir ernstlich leben sollen, aber auch herzlich erquickt mit einer Speise, davon die Welt nichts weiß, nämlich mit der Liebe Gottes. - - - Gebet. Lieber Gott, ich bekenne mich vor Dir einen großen Sünder, und die zehn Gebote treiben mich und stoßen mich zur Hölle; aber das lehret mich das liebe Evangelium, daß dieses für die höchste Weisheit zu achten sei, wissen und glauben, daß Du also gesonnen seist und ein solch Reich durch Christum gestiftet habest, daß Du wollest gnädig sein und helfen den armen verdammten Sündern. So knüpfe ich nun an einander in ein Wort und Bekenntniß: ich bin ja ein Sünder, aber doch ist mir Gott gnädig; ich bin Dein Feind, aber Du bist mein Freund; billig würde ich verdammt, aber doch weiß ich, 524 daß Du mich nicht willst verdammen, sondern selig und zu einem Erben im Himmel haben. Ja, das willst Du, das hast Du mir predigen lassen und befohlen zu glauben um Deines lieben Sohnes willen, den Du für mich gegeben hast. Amen. Vater Unser. Donnerstag nach dem 12. nach Trinitatis. Mel: O Gott, Du frommer Gott. Hilf, daß ich rede stets, Womit ich kann bestehen; Laß kein unnützes Wort Aus meinem Munde gehen, Und wenn in meinem Amt Ich reden soll und muß, So gib den Worten Kraft Und Nachdruck ohn' Verdruß. Soll ich auf dieser Welt Mein Leben höher bringen, Durch manchen sauren Tritt Hindurch in's Alter dringen, So gib Geduld; vor Sünd Und Schanden mich bewahr, Daß ich mit Ehren trag All meine graue Haar. ( Vers 3 und 6 aus: O Gott, Du frommer Gott.) Jacob. 3, 3-10. Siebe, die Pferde halten wir in Jäumen, daß sie uns gehorchen, und lenken den ganzen Leib. Siehe, die Schiffe, ob sie wohl so groß sind und von starken Winden getrieben werden, werden sie doch gelenlet mit einem kleinen Ruder, wo der hin will, der es regieret. Also ist auch die Junge ein klein Glied, und richtet große Dinge an. Siebe, ein klein Seuer, welch einen Wald zündet es an! Und die Junge ist auch ein Seuer, eine Welt voll Ungerechtigkeit. Also ist die Junge unter unsern Gliedern, und befleckt den ganzen Leib, und zündet an allen unsern Wandel, wenn sie von der Sölle entzündet ist. Denn alle atur der Thiere, und der Vogel, und der Schlangen, und der Meerwunder werden gezähmet, und sind gezähmet von der menschlichen Matur; aber die Junge kann kein Mensch zähmen, das unrubige Llebel voll tödtlichen Gifts. Durch sie loben wir Gott den Vater; und durch sie fluchen wir den Menschen, nach dem Bilde Gottes gemacht. Aus Einem Munde gebet Loben und Sluchen. Es soll nicht, lieben Brüder, also sein. Unsere Missethat stellest Du vor Dich, unsere unerkannte Sünde in das Licht vor Deinem Angesichte Pf. 90. Zu diesen unerkannten Sünden, die uns Gott durch Seinen Geist nach und nach offenbart, gehören besonders auch die Zungensünden. Mit welchem gewaltigen Ernste straft der Apostel in dieser berühmten Stelle diese Sünden! Man fasse doch so große ernsthafte Reden der heiligen Apostel recht ernstlich zu Herzen. Eine böse, Eine böse, giftige Zunge ist unbändiger als ein 525 wildes Pferd, als Schlangen- und Meerwunder, die sich von Menschen zähmen lassen; eine böse Zunge richtet mehr Unheil an als ein Feuer, das im Walde sengt und brennt. Sie ist eine Welt voll Ungerechtigkeit, wenn sie von der Hölle entzündet ist, giftiger als Gift, tödtlicher und grausamer als ein Richtschwert. Sie befleckt den ganzen Wandel des Menschen, so daß auch der ganze Gottesdienst eines Menschen, der seine Zunge nicht im Zaume hält; eitel ist. Die Zunge fördert den ganzen Schmutz des Herzens zu Tage und alle Sünde, die in dem Herzen lebt, kommt durch die Zunge an das Tageslicht. Am Grauenhaftesten wird dieser Greuel dadurch, daß dieselbe Zunge, welche so in Missethat sich verunreinigt, dazu gebraucht wird, um Gott zu loben. Wo wäre nun solcher Greuel in der ganzen Natur, als er am Menschen ist? Wo ein Brunnen, der aus einem Loch süß und bitter quillt? So heuchlerisch ist kein Brunnen auf der ganzen Erde. Wie sehr wird ein Ohr verletzt, wenn es die Musik einer ganz verstimmten Orgel anhören soll; aber wie viel mehr ist es dem heiligen, reinen Gott ein Greuel, Seinen Namen von bösen Zungen loben und preisen zu hören! O Missethat! Verborgene Ursache so vielen Jammers, den wir unserm eigenen Gewissen und den Unsrigen im Hause anthun! Kann denn nun kein Mensch die Zunge, das unruhige Ulebel voll tödtlichen Giftes, zähmen, so sollen unsere Augen um so fröhlicher sich richten auf Jesum, der den Taubstummen heilte. Erst that Er allerdings dem Manne die Ohren auf, und danach wurde ihm das Band der Zunge los, daß er recht redete. Wir müssen den gleichen Gang innehalten. Erst muß der Herr die Ohren aufthun für Seine Wahrheit, auch für die ganze Wucht dieser Jacobusstelle. Ist das geschehen, so wird die Zunge lernen recht reden. Der Glaube an Christum beffert Alles und führt zu einer rechtschaffenen Heiligkeit auch darum, daß er die Zunge heiligt, bewahrt, stillt, bindet und löst. Lasset uns doch mit Paulus rechtschaffen wollen, daß wir gesund sind im Glauben( Tit. 2, 2), wozu auch gehört, daß der Geist Gottes unsere Bunge regiert; lasset uns wirklich der Welt uns nicht gleichstellen, auch nicht in den Zungensünden; lasset uns Jesu auch hierin nachfolgen! Gebet. Allmächtiger Gott, gerechter Bater im Himmel, wir sind alle untüchtig vor Dir und ist Keiner, der Gutes thue, auch nicht einer. Wer kann merken, wie oft er fehlet! Aber, Herr, tilge unsere Missethat um des unschuldigen Leidens Christi willen und gib uns Deinen Heiligen Geist, daß Er unser Herz und Zunge nach Deinem Willen regiere, damit wir hassen, was Dir mißfällt, und lieben, was Dir angenehm ist. Amen. Vater Unser. C G 526 Freitag nach dem 12. nach Trinitatis.ig Mel.: Es ift das Ich rief dem Herrn in meiner Noth: Ach, Gott, vernimm mein Schreien! Da half mein Helfer mir vom Tod Und ließ mir Trost gedeihen. Drum dank, ach Gott, drum dank ich Dir, Ach, danket, danket Gott mit mir! Gebt unserm Gott die Ehre! THE Obor 8 - Heil uns tommen her. Der Herr ist noch und nimmer nicht Von Seinem Volk geschieden; Er bleibet ihre Zuversicht, Ihr Segen, Heil und Frieden. Mit Mutterhänden leitet Er Die Seinen stetig hin und her. Gebt unserm Gott die Ehre! ( Vers 4 und 5 aus: Sei Lob und Ehr dem höchsten Gut.) 1 91101 03 Psalm 34, 2-9. Ich will den Herrn loben allezeit; sein Lob foll immerdar in meinem Munde sein. Meine Seele soll sich rühmen des Herrn, daß die Elenden horen, und sich freuen. Preiset mit mir den Herrn, und laffet uns mit einander seinen Tamen erhöhen. Da ich den Herrn suchte, antwortete er mir, und errettete mich aus aller meiner Surcht. Welche ihn ansehen und anlaufen, deren Angesicht wird nicht zu Schanden. Da dieser Klende rief, hörete der Herr, und half ihm aus allen seinen öthen. Der Engel des Herrn lagert sich um die ber, so ihn fürchten, und hilft ihnen aus. Schmecket und sehet, wie freundlich der Herr ist. Wohl dem, der auf ihn trauet! Stahl und Stein, wenn sie still zusammen daliegen, geben kein Feuer. So würde unser Herz zu vielem Guten nicht kommen, wenn es nicht geschlagen und von der Noth aufgejagt würde. Mancher Pfalm Davids wäre nicht gesungen, wenn ihn die Noth nicht verursacht hätte. Wo kämen Davids Psalmen her, wenn er nicht auch versuchet wär'? David singt in den Psalmen die ihm widerfahrene Noth und Rettung; aber er ist nicht ein Einzelner, sondern er ist Glied an dem heiligen Leibe Christi. Sein Psalter ist aller Heiligen Büchlein; die Elenden sollen es hören und sich freuen. Gott hatte Sich David in der Noth verborgen; daß die Sonne so hell und wohlthuend scheint, wird uns durch die unheimliche Nacht erst recht deutlich und bewußt. Gottes Hülfe und Gnade wird uns dadurch so kostbar, wenn Gott uns diese nicht bloß entzieht, sondern uns auch in keinem Dinge Friede und Freude finden läßt. So wird man elend, empfindet, daß man bloß Creatur ist, die nichts hat, was ihr Gott nicht gibt, auch keinen Tropfen Trost. So ging es David. Da konnte er den Herrn suchen ansehen anlaufen. Als er den Herrn im Suchen nicht gleich fand, wurde er still und beständig, daß er Ihn ansah, und als es mit dem Ansehen auch nicht genug war, kam's zum Anlaufen. Da rief ein Elender zum Herrn, und ob David selbst nicht hohe Andacht in seinem Gebete fühlte, so war doch Andacht, Ernst darin. Der Herr - 527 half ihm; denn der Herr hört und erhört. Wie sollte der nicht hören, der uns wieder Hörend macht? Nun will David den Herrn loben; nun schmeckt er die Güte des Herrn. Süßer ist nichts als Gottes Güte, wenn wir dieselbe schmecken und zwar nicht blos in den goldenen Quellen des Heiligthums sondern auch in allen Dingen, in dem Licht der Sonne, in der Freundlichkeit der Unsern, in der Bitterfeit der Leiden, die so sehr gesegnet sind, in dem Tode, der, ob er Tod ist, doch den Gläubigen eine fröhliche Himmelsthür ist. Ach, wär ich wie ein stilles Meer voll von Gottes Preis und Ehr! Gebet. Barmherziger Gott, der Du uns wiederum Deiner Gnade Licht hast lassen aufgehen durch Jesum Christum unsern Herrn, erleuchte, ermahne und stärke unfre Herzen mit der Kraft Deines Heiligen Geistes in festem Glauben und feuriger Liebe, in allen Dingen zu thun, was Dein väterliches, gnädiges Wohlgefallen ist, zu Ehr und Lob Deines heiligen Evangelii, zu Trost und Nutz aller Gläubigen in Christo. Dir sei Dank, Lob und Preis ewiglich. Amen. Vater Unser. Sonnabend nach dem 12. nach Trinitatis. Mel.: Allein Gott in der Höh sei Ehr. Such, wer da will, ein ander Ziel, Die Seligkeit zu finden; Mein Herz allein bedacht soll sein, Auf Christum sich zu gründen. Sein Wort ist wahr; Sein' Werk sind klar; Sein heil'ger Mund hat Kraft und Grund, All' Feind' zu überwinden. Mein's Herzens Kron', mein' Freudensonn' Sollft Du, Herr Jesu bleiben. Laß mich doch nicht von Deinem Licht Durch Eitelkeit vertreiben. Bleib Du mein Preis; Dein Wort mich speis; Bleib Du mein Ehr, Dein Wort mich lehr', An Dich stets fest zu gläuben. ( Vers 1 und 4 aus: Such, wer da will.) Gal.. 3, 15-22. Lieben Brüder, ich will nach menschlicher Weise reden: verachtet man doch eines Menschen Testament nicht, wenn es bestätigt ist, und thut auch nichts dazu. Nun ist je die Verheißung Abraham und seinem Samen zugesagt. Er spricht nicht: durch die Samen," als durch viele, sondern als durch Einen durch deinen Samen," welcher ist Christus. Ich sage aber davon: das Teftament, das von Gott zuvor bestätiget ist auf Christum, wird nicht aufgehoben, daß die Verbeißung sollte durch das Geser aufhören, welches gegeben ist über vier hundert und dreißig Jahre bernach. Denn so das Erbe durch das Geser erworben würde, so würde es nicht durch Verheißung gegeben. Gott aber hat es Abraham durch Verheißung frei geschenkt. Was soll denn das Gesetz? Es ist dazu gekommen um der Sünde willen, bis der Same kame, dem die Verbeißung geschehen ist, und 528 ist geftellet von den Engeln durch die Hand des Mittlers. Ein Mittler aber ist nicht eines einigen Mittler; Gott aber ist einig. wie? Jft denn das Geser wider Gottes Verbeißungen? Das fei ferne! Wenn aber ein Geses gegeben wäre, das da könnte lebendig machen, so kame die Gerechtigkeit wahrhaftig aus dem Gesen. Aber die Schrift hat es alles beschloffen unter die Sünde, auf daß die Verheißung kame durch den Glauben an Jesum Christum, gegeben denen, die da glauben. In dieser theuren goldenen Epistel, welche ein kurzer Begriff der ganzen heiligen Schrift alten und neuen Testaments ist, treibt der Apostel, sowie im ganzen Galaterbriefe, sonderlich den hochherrlichen Artikel der Rechtfertigung des Sünders nicht aus des Gesetzes Werk sondern aus dem Glauben allein. Er redet darüber ,, nach menschlicher Weise" d. h. in einem Gleichniß, das von menschlichen Verhältniffen entlehnt ist, um recht anschaulich und verständlich dieses Evangelium, wie kein Engel ein besseres und seligeres predigen kann, seinen Galatern anzupreisen. Er rebet von einem Testamente, das ein Mensch macht, und vergleicht diesem den Rath Gottes von unserer Seligkeit. Es ist das Testament Gottes, davon er redet; denn gleich wie man in einem Testamente seinen letzten Willen kund thut, also hat auch Gott hier Seinen letzten Beschluß über unser Seelenheil geoffenbaret. Das Erbe, welches uns da in Aussicht gestellt ist, be= steht nicht in Gold und Silber. Was hälfe es dem, der die ganze Welt gewönne und nähme Schaden an seiner Seele? O nein, es besteht dies Erbe in hochherrlichen geistlichen Gaben und Schäßen, welche den, der sie erlangt, so selig machen, daß er aller Welt Ehre, Lust und Herrlichkeit dagegen verlachet, ja lieber den Tod litte, ehe er sie misfete, als da sind die Gnade Gottes, der Trost der Vergebung der Sünden, Gerechtigkeit, Friede und Freude im Heiligen Geist. Das nenne ich ein königliches Erbe, dadurch wir zu Herren über die Welt, über Sünde, Tod und Teufel gesetzt werden und nichts Geringeres empfangen denn das Himmelreich. Solch ein Erbe kann aber nicht verdient werden, es wird uns frei geschenkt ,, durch den Einen Samen," welcher Abraham verheißen, durch unsern Herrn Jesum, wel cher, als die Zeit erfüllet war, von der Jungfrau Maria geboren, unter Pontio Pilato allen armen Sündern zu Gute gestorben, gekreuzigt und begraben ist. Die Verheißung aber auf solch ein theuer erworbenes Erbe ist dem Abraham nur zugesagt. Dem Abraham, welcher gläubig war, welcher auf Gottes Wort auszog aus dem Lande seiner Freundschaft und aus seines Vaters Hause; dem Abraham, welcher das 3saaksopfer nicht scheute, dem Abraham, welcher glaubte, wo er nichts sahe, aber an Gottes Verheißung festhielt. Sind wir nun die rechten Abrahams Kinder, welche in Abrahams Glauben den aufnehmen, durch den uns Gott allein Erlösung von allen Sünden, vom Tode - und der Gewalt des Teufels zugedacht hat, so werden wir auch durch Ihn gerecht gemacht des Glaubens leben und das Erbe ist unser, das unvergängliche, unbefleckte, unverwelkliche wir sind die Kinder, welche Erben sind und werden ohne Zweifel das Ende unseres Glaubens davontragen, nämlich der Seelen Seligkeit. Gebet. Herr, Du Gott Abraham's, Isaak's und Jakob's, gib uns Deinen Heiligen Geist, daß Er Zeugniß gebe unserm Geist, daß wir Deine Kinder sind. Herr Jesu, Du unsere einzige Hoffnung, der Du Anfänger und Vollender des Glaubens bist, schaffe solch' hohes Gut auch in unseren Seelen! Bitte für uns, daß der Glaube nicht aufhöre, vielmehr jeden Morgen neu anfange, damit wir uns solch herrlichen Erbes in aller Anfechtung, in Tod und Noth getrösten können. Amen. Vater Unser. - 529 Es war ein falscher Wahn dabei, Gott hätt' Sein G'seg brum geben, Als ob wir möchten selber frei Nach Seinem Willen leben: So ist es nur ein Spiegel zart, Der uns anzeigt die fündig' Art, In unserm Fleisch verborgen. - 1 13. Sonntag nach Trinitatis. Mel.: Es ist das Heil uns kommen her. Es wird die Sünd' durch's G'setz erkannt Und schlägt das G'wissen nieder; Das Evangelium kommt zu Hand Und stärkt den Sünder wieder; Es spricht: Nur kreuch zum Kreuz herzu; Im G'setz ist weder Rast noch Ruh Mit allen seinen Werken. ( Vers 3 und 9 aus: Es ist das Heil.) Luc. 10, 23-37. Und er wandte sich zu seinen Jüngern, und sprach insonderheit: Selig sind die Augen, die da sehen, das ihr sehet. Denn ich sage euch: Viele Propbeten und Könige wollten sehen, das ihr sehet, and haben es nicht gesehen; und hören, das ihr höret, und haben es nicht gehöret. Und siebe, da stand ein Schriftgelehrter auf, versuchte ihn, und sprach: Meister, was muß ich thun, daß ich das ewige Leben ererbe? Er aber sprach zu ihm: wie frebet im Geser geschrieben? wie liefest du? Er antwortete, und sprach: Du sollst Gott, deinen Serrn, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von allen Bråften, und von ganzem Gemüth; und deinen Tächsten als dich selbst. Er aber sprach zu ihm: Du baft recht geantwortet; thue das, so wirft du leben. Er aber wollte sich selbst rechtfertigen, und sprach zu Jesu: Wer ist denn mein Tächster? Da antwortete Jesus, und sprach: Es war ein Mensch, der ging von Jerusalem hinab gen Jericho, und fiel unter die Mörder; die zogen ihn aus, und schlugen ihn, und gingen davon, und ließen ibn balbtodt liegen. Es begab sich aber ohngefähr, daß ein Priester dieselbige Straße hinab 30g; und da er ihn 34 530 sabe, ging er vorüber. Desselbigen gleichen auch ein Levit, da er kam an die Stätte, und sahe ihn, ging er vorüber. Ein Samariter aber reisete, und kam dahin; und da er ihn sabe, jammerte ihn sein, ging zu ihm, verband ihm seine Wunden, und goß drein Gel und Wein; und hob ibn auf sein Thier, und führete ihn in die Herberge, und pflegte sein. Des andern Tages reisete er, und zog heraus zween Groschen, und gab sie dem Wirth, und sprach zu ihm: Pflege sein; und so du was mehr wirst darthun, will ich dir's bezahlen, wenn ich wiederkomme. Welcher důnkt dich, der unter diesen dreien der Tächste sei gewesen dem, der unter die Mörder gefallen war? Er sprach: Der die Barmherzigkeit an ihm that. Da sprach Jesus zu ihm: So gehe hin, und thue desgleichen. Du u sollst nicht ackern zugleich mit einem Ochsen und Esel 5. Mos. 22, 10. So soll man auch Gesetz und Evangelium nicht durcheinander mischen. Es sind beide Gottes Gaben, die wir zu unserm Christenthum beständig nöthig haben. Aber Gesetz soll Gesetz sein und Evangelium muß Evangelium sein. Der Herr lehrt uns, was Evangelium ist nämlich Jesum sehen. Selig sind die Augen, die Ihn sehen. Dem Schriftgelehrten und Vielen dünkt dieser Weg doch zu leicht und gar zu thöricht; so fragt er: was muß ich thun? Will man nach dem Thun fragen, wohl, das Gesetz gibt Antwort. Der Schriftgelehrte gibt richtig an, wie geschrieben steht. Aber nun ist noch die Frage: wie liefest du, welchen Sinn findest du in diesem göttlichen Gesetze? Bekanntlich lasen und lesen Biele das göttliche Gesetz in der Meinung, daß sie es so ziemlich erfüllt haben. Aber man täusche sich doch nicht. Es heißt aus Gottes Munde: thue das! Man soll also seinen Nächsten wirklich lieben. Thust du das? Dem Nächsten können wir leicht zürnen, uns selber auch? Dem Nächsten wird es uns leicht wehe zu thun, können wir uns denn selbst auch wehe thun? Uns selbst lieben wir mit täglicher Sorgfalt und behandeln uns mit vieler Rücksicht hat sich der Nächste, der Hausgenosse einer gleichen Rücksicht bei uns zu erfreuen? Das Gesetz will ja nicht, daß wir es auswendig zu sagen wissen, sondern es will gethan sein. Man sehe doch den Samariter an. Vielleicht oder jedenfalls wußten Priester und Levit besser im Gesetz Bescheid als der Samariter. Aber durch das kahle Wissen dieser Beiden wurde dem unter die Mörder Gefallenen keine einzige Wunde geheilt. Dagegen leuchtet die Nächstenliebe des Samariters in hellen Strahlen. 1) Er sah den Unglücklichen dort am Wege mit barmherzigem Blicke an, 2) es jammerte ihn seiner, 3) er ging zu ihm, gab ihm nicht noch einen Stoß und sprach nicht: er hat's nicht besser verdient, 4) er verbindet die Wunden, 5) gießt Del und Wein hinein, 6) hebt ihn auf sein Thier und geht selbst zu Fuße, 7) führt ihn in die Herberge, 8) pflegt sein, 9) läßt ihn für sein Geld pflegen. Ei, wie der Herr Jesus das Gesetz und das Thun herausstreichen kann! Da ist der Schriftgelehrte vielleicht 531 nüchtern geworden; denn er war trumken von dem Weine der Einbildung und Selbstliebe. So müssen wir auch am Gesege nüchtern werden, das in ganzem Ernste fordert, daß wir Gott von ganzem Herzen und den Nächsten wie uns selbst lieben. So wird die Sünde durch's Gesetz erkannt. Welch einen Wust von Sünde entdeckt uns allein das 1. oder 9. und 10. Gebot! Ja, wäre es nur Ein Gebot, ſo wäre es genug an dieser Einen Sonne, um unsere Nachtgestalt zu offenbaren; aber es sind zehn Gebote, zehn Sonnen. Die schlagen das Gewissen nieder. Das soll so sein. Denn das Evangelium in seiner Süßigkeit kann bloß von erschrockenen Gewissen gewürdigt werden. Das Evangelium ist Jesus Selbst, der vom Himmel gekommen ist und den Johannes wandeln sah als das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt trägt. Jefus ist der barmherzige Samariter, der alles das wirklich thut, was da geschrieben steht. Selig sind die Augen, die Ihn dafür erkennen. So wird Er uns im Evangelium vorgestellt; der Glaube sieht Ihn wohl und sieht Ihn je länger je deutlicher und freut sich aller Wohlthaten Jesu und spricht: für mich, für mich! Wo folcher Glaube an Christum ist, kommt die Liebe gleich mit, daß man Gott innig liebt und den Nächsten herzlich meint, ihm kein Böses sondern Gutes thut. Gebet. Lieber himmlischer Vater, wir danken Dir, daß Du uns im Evangelium Deinen lieben Sohn, den liebreichen Samariter, zu erkennen gibst, der unsere tödtlichen Wunden durch Seine Wunden heilt und uns in Seine liebe Kirche gebracht hat, da wir noch täglich mit Seinem Wort und Sacrament gepflegt werden. Wir bitten Dich, Du wollest uns dabei gnädiglich erhalten, im rechten Glauben und Herzlicher Liebe gegen Gott und Menschen stark werden lassen, bis wir endlich zu vollkommener Gesundheit aus dem Siechenhause dieser Welt erlöst und selig werden durch die tröstliche Wiederkunft Deines lieben Sohnes. Amen. Vater Unser. Montag nach dem 13. nach Trinitatis. Mel.: Es ist das Heil uns kommen her. Und wenn es nun erfüllet ist Durch den, der es konnt' halten, So lerne jetzt ein frommer Christ, Des Glaubens recht' Gestalten: Nicht mehr denn: Lieber Herre mein, Dein Tod wird mir das Leben sein, Du haft für mich bezahlet. ( Ders 5 und 6 aus: Es ist das Heil uns kommen her.) 34* Noch mußt' das G'setz erfüllet sein, Sonst wär'n wir all' verdorben. Drum schickt Gott Seinen Sohn herein, Der Selber Mensch ist worden; Das ganz' Gesetz hat Er erfüllt, Damit Sein's Baters Zorn gestillt, Der über uns ging alle. 532 Röm. 3, 23-28. Denn es ist hier kein Unterschied; sie sind allzumal Sånder, und mangeln des Ruhms, den sie an Gott haben sollten; und werden ohne Verdienst gerecht aus seiner Gnade, durch die Erlösung, so durch Chriftum Jesum geschehen ift, welchen Gott hat vorgestellt zu einem Gnadenstuhl, durch den Glauben in seinem Blut, damit er die Gerechtigkeit, die vor ihm gilt, darbiete, in dem, daß er Sünde vergibt, welche bis anhero geblieben war unter göttlicher Geduld; auf daß er zu diesen Seiten darbôte die Gerechtigkeit, die vor ihm gilt; auf daß Er allein gerecht sei, und gerecht mache den, der da iff des Glaubens an Jesu. Wo bleibt nun der Ruhm? Er ist aus. Durch welches Gefer? Durch der Werke Geser? 7icht also, fondern durch des Glaubens Gefen. So balten wir es nun, daß der Mensch gerecht werde ohne des Gesetzes Werke, allein durch den Glauben. Es s ist eine thörichte Predigt, wodurch es Gott gefällt uns selig zu machen 1. Cor. 1, 21. Oder ist es nicht eine thörichte Sache, daß wir einestheils sehr nachdrücklich darüber unterwiesen werden, daß wir schuldig sind, das ganze Gesetz ganz zu halten, und wissen sollen, daß kein Heller unsrer Schuld unbezahlt bleibt; anderntheils heißen wir verflucht, wenn wir mit Gesetzes Werken umgehen, und werden wir gelehrt, daß wir allzumal Sünder sind und des Ruhmes mangeln, den wir an Gott haben sollen. Ist das nicht thöricht, daß das Gesetz eben an uns seine Forderungen in's Unglaubliche treibt und uns Gottes Fluch für jede Uebertretung zuerkennt und daß dann uns felben Leuten gesagt wird, daß wir auch nicht den Anfang wahrer Gerechtigkeit machen können? Das ist thöricht und ist doch richtig. Denn dazu sollen wir kommen, daß wir die Unmöglichkeit erkennen und empfinden, Gott aus eigener Macht zu gefallen. Unser Herz wird unter dem Ernste des unerbittlichen Gesetzes empfänglich gemacht für ein Anderes in der thörichten Predigt nämlich dafür, daß Gott uns die Gerechtigkeit, die vor Ihm gilt, darbietet in Christo, dent Throne aller Gnade und Barmherzigkeit. Das ist thöricht, aber je gewißlich wahr, daß alle unsere Strafe auf Christo liegt und Er das Lamm ist, das die Sünde der Welt trägt, und daß das Gesetz keine einzige Strafe verhängt, die Er nicht gebüßt hätte. Ob uns diese thörichte Predigt gefällt? Wo nicht, so bleiben wir unter dem Gesetze und das Herz wird nimmer froh sein zu dem heiligen Gott. Nun heißt es: allein durch den Glauben, der Christum ergreift und auf Ihn alle Hoffnung und das ganze Bertrauen setzt. Auf diesem Artikel steht Alles, was wir lehren und leben. Darum müssen wir deß gar gewiß sein und nicht zweifeln, sonst ist Alles verloren." Es geht nicht ab ohne tiefe Furcht vor Gott und es thut sich nicht ohne manchen Zweifel, bis wir dieses Glaubens leben. Der Pharisäersinn, der es selbst sein will, steckt zu tief in uns. Es gehört lautere Demuth dazu 533 bie wir zufrieden sind, daß wir einen Andern, Christum für unsere einige Gerechtigkeit im Glauben erkennen und annehmen. Thun wir diesen Sprung, so ist freilich unser Ruhm aus, wir leben wie arme Sünder bloß der reinen und reichen Gnade Gottes. Aber es geht ein neuer Ruhm an, daß wir Gott loben für Seine Liebe, Christum preisen für Seine Gnade, daß Er Sich für uns geopfert hat und wir Ihm hinfort leben und anhangen. So ist es eine thörichte Predigt von Christo; aber sie ist doch die einzige Weisheit und macht selig Alle, die daran glauben. Gebet. Herr Jesu Christe, ob ich wohl vor den Leuten rühmlich lebe, so weiß und habe ich doch vor Gott in meinem Herzen keinen andern Trost, Rath oder Hülfe, denn daß Du mein Gnadenstuhl bist, der Du keine Sünde gethan haft und für mich gestorben und auferstanden bist und zur Rechten Gottes mich vertrittst. Daran trage ich keinen Zweifel, daß ich durch Dich sicher bin vor allem Zorn und Schrecken. Amen. Bater Unser. Dienstag nach dem 13. nach Trinitatis. Mel.: Valet will ich dir geben. Laß And're wankend fragen, Ob Gott ihr Vater sei; Ein Christ kann muthig sagen Und schwöret noch dabei: Ich habe Gnade funden, Die Seligkeit ist mein, Und durch des Lammes Wunden Geh ich zum Himmel ein. Ein wahrer Christ ist selig, Der Christum recht erkennt, Der seine Schuld unzählig Und sich verloren nennt; Der Alles herzlich haffet, Was sonst dem Fleisch gefällt, Der Jesum gläubig faffet Und über Alles hält. ( Vers 2 und 3 aus: Sie jauchzet doch mit Freuden.) Gal. 2, 16-21. Doch, weil wir wissen, daß der Mensch durch des Gesetzes Werke nicht gerecht wird, sondern durch den Glauben an Jesum Chriftum: so glauben wir auch an Chriftum Jesum, auf daß wir gerecht werden durch den Glauben an Chriftum, und nicht durch Gesetzes Werke; denn durch des Geseres Werke wird Fein Fleisch gerecht. Sollten wir aber, die da suchen durch Chriftum gerecht zu werden, auch noch selbst Sünder erfunden werden; so wäre Christus ein Sündendiener. Das sei ferne! Wenn ich aber das, so ich zerbrochen habe, wiederum baue, so mache ich mich selbst zu einem Lebertreter. Ich bin aber durch's Geser dem Gesetz geftorben, auf daß ich Gott lebe; ich bin mit Chrifto gekreuziger. Jch lebe aber; doch nun nicht ich, sondern Chriftus lebet in mir. Denn was ich jert lebe im Sleisch, das lebe ich in dem Glauben des Sohnes Gottes, der mich geliebet hat, und sich felbft für mich dargegeben. Ich werfe nicht weg die Gnade Gottes; denn, so durch das Geser, die Gerechtigkeit kommt, so ift Chriftus vergeblich gestorben. 534 Paulus sagt an dieser Stelle nicht einfach: ich glaube! sondern: ich lebe in dem Glauben des Sohnes Gottes. Bei ihm steht also der Glaube und das Leben nicht in Widerspruch; nicht einmal laufen Glaube und Leben wie getrennte Wege nebeneinander her, sondern das Leben hat Theil am Glauben und der Glaube ist die Macht im Leben. Das drückt er mit den Worten aus: ich lebe in dem Glauben. In der apostolischen Zeit lag man nicht seufzend und klagend und flügellahm am Boden, sondern man hatte ein von den göttlichen Dingen eingenommenes Herz und Sinn. Die Welt lohnte das Bekenntniß zum Namen Jesu mit Spott, Haß und Verfolgung und so konnte sich ein schlaffes, herzloses Christenthum nicht halten.- Der Glaube nun, worin Paulus lebte, war kein anderer als der Glaube, auf welchen wir getauft, in welchem wir unser einiges Vertrauen und Zuflucht allein stellen auf Christum, der mit Seinem unschuldigen Leiden und Sterben unsere Sünde getilgt und ein ewiges Leben hervorgebracht hat. Christus, den wir im zweiten Glaubensartikel bekennen, welchen Gott uns geschenkt hat in der heiligen Taufe und welchen wir uns mit allen Seinen Wohlthaten im Glauben zueignen, war es damals, wie Er es ist gestern und heute und in alle Ewigkeit. Der Unterschied zwischen jetzt und damals ist nur der, daß die Apostel und Gemeinen in solchem Glauben lebten und Alles aus dem Herzen und Leben ausschieden, was diesen Glauben hindern wollte; wir hingegen stehen bald in einem Widerspruche von Glauben und Leben, oder lassen Glauben und Leben unverbunden nebeneinander herlaufen. Es ist eine kümmerliche Zeit, worin wir sind; wir müssen uns ein Stück der Erkenntniß und des Glaubens nach dem andern wieder erobern. Wir athmen so wenig in der Luft, die aus der Ewigkeit herüberweht. Und doch stehen die Worte fragend und klagend da, daß Paulus sagt: Ich lebe, doch nun nicht ich, sondern Christus lebet in mir. Denn was ich jetzt lebe im Fleische, das lebe ich in dem Glauben des Sohnes Gottes. Wir fragen billig: ist denn nun Christus nicht mehr kräftig, lebendige Christen aus uns zu machen? Oder lohnt es sich, ume etwas Anderes zu leben als dazu, daß wir zur Erkenntniß des Sohnes Gottes gelangen? Ist es nicht das Himmelreich, danach wir trachten sollen? es nicht die kostbaren Gnaden und Gaben wie Gerechtigkeit, Freiheit, Friede und Freude, die allen Gläubigen aus der Fülle Christi dargeboten werden? Nun wohlan, warum wollen wir lahm bleiben, da wir gesund werden können? Die Gewalt thun so steht geschrieben die reißen das Himmelreich zu sich. Es ist uns nahe im Wort, es wird uns gepredigt. Thun wir denn Sind in Gottes Namen Gewalt in dieser Sache, daß wir unsere Mattigkeit - - 535 und Halbherzigkeit nicht zum Maaßstabe machen, sondern Gottes Wort, das sich in seiner Kraft und Wahrheit unsern Gewissen bezeugt. Wir sollen uns dazu jeden Morgen ermuntern und jeden Abend erwecken. Wir müssen danach ringen, daß unser Glaube, der ein unsichtbares Gut im Herzen ist, sich in unserm täglichen Leben offenbare und ungesucht durchblicken lasse in unserm ganzen Wesen. Gebet. Barmherziger Gott, der Du die Herzen der Apostel durch Deinen Geist kräftig und fest gemacht hast im Glauben des Sohnes Gottes, hilf auch uns, daß wir den Fußstapfen der Apostel nachwandeln und mit ernstlichem Gebete und wackerem Geiste Christum Deinen lieben Sohn in uns aufnehmen. Amen. Vater Unser. Mittwoch nach dem 13. nach Trinitatis. Mel.: Aus meines Herzens Grunde. Kommt, Kinder, laßt uns gehen; Der Vater gehet mit! Er Selbst will bei uns stehen In jedem sauren Tritt; Er will uns machen Muth, Mit süßen Sonnenblicken Uns loden und erquicken; Ach ja, wir haben's gut. Sollt' wo ein Schwacher fallen, So greif der Stärkre zu. Man trag', man helfe Allen, Man pflanze Fried' und Ruh. Kommt, bindet fester an! Ein Jeder sei der Kleinste, Doch auch wohl gar der Reinste Auf unserer Pilgerbahn. ( Vers 11 und 15 aus: Kommt, Kinder.) Apostelgesch. 9, 36-42. Ju Joppe aber war eine Jüngerin mit 7amen Tabea( welches verdolmetschet heißt ein Rehe), die war voll guter Werke und Almofen, die sie that. Es begab sich aber zu derselbigen Jeit, daß sie Frank ward, und starb. Da wuschen sie dieselbige, und legten sie auf den Söller. Nun aber Lydda nahe bei Joppe ist, da die Jünger böreten, daß Petrus dafelbft war, sandten sie zween Männer zu ihm, und ermahneten ihn, daß er sich's nicht ließe verdrießen, zu ihnen zu kommen. Petrus aber stand auf, und kam mit ihnen. Lind als er dargekommen war, führeten sie ihn auf den Söller, und traten um ibn alle Wittwen, weineten, und zeigten ihm die Rocke und Kleider, Und da Petrus welche die Rehe machte, weil sie bei ihnen war. fie alle hinausgetrieben hatte, knieete er nieder, betete, und wandte sich zu dem Leichnam, und sprach: Tabea, stehe auf! Und sie that ihre Augen auf; und da sie Petrum sabe, setzte sie sich nieder. Er aber gab ihr die Hand, und richtete sie auf, und rief die Heiligen, und die Wittwen, und stellete fie lebendig dar. Und es ward kund durch ganz Joppe, und Viele wurden gläubig an den Herrn. 536 Warum Darum weckt Petrus die Tabea auf, die doch selig entschlafen war? Aus zwei Gründen. Diese Auferweckung reizte Viele zum Glauben an Christum, den lebendigen Heiland, in dessen Namen Petrus Tabea auferweckte. Sodann war Tabea eine rechte Armen- und Wittwen- Mutter. Weil solche Armenpflegerinnen ein großer Schatz sind, der sich nicht so leicht findet, so weckt Petrus diese von den Todten auf. Tabea war gläubig an den Herrn und ihre Geschichte ist ein deutlicher Beweis, daß der Glaube durch die Liebe thätig ist. Vor Gott ist der Glaube empfangend, bittend, verlangend; wir werden da selig aus Gnaden ohne alles und jedes Verdienst allein durch den Glauben an Jesum, dessen Verdienst uns zugerechnet wird, als wäre es unser eigenes. Aber das ist eine gar feine Lehre und die Schrift hat auf das Reichlichste dafür gesorgt, daß sie nicht zum Deckel der Bosheit gebraucht werde. Denn vor Menschen soll der Glaube die Probe ablegen, daß er da ist als wirklicher Glaube und Schatz des Herzens, und das thut er durch die Liebe, wie an Tabea zu sehen ist. Die Schrift hat mit besonderem Fleiße angemerkt, daß aller Glaube, besonders auch der Glaube des weiblichen Geschlechtes wie ein Licht sich zeigt in den Werken und mannigfachen Erweisungen der Liebe. Man liest nicht, daß Tabea selbst ihren Glauben mit einem einzigen Worte gerühmt hat; aber die Wittwen thun's, indem sie die Röcke zeigen, welche Tabea genäht hat; man liest ebenso nicht von Maria in Bethanien, daß sie mit einem einzigen Worte von ihrem Glauben und ihrer Liebe gesagt hat; aber sie liebt und wie herzlich und thatkräftig! So sollen wir denn vor Gottes Augen untersuchen, ob wir im Glauben an Christo festhangen und halten, und Gott bitten, daß Er unsern Glauben fruchtbar mache. So sind wir ein Licht im Herrn und es wird die Anerkennung nicht ausbleiben, daß der evangelische Glaube, der aus Gnaden die Seligkeit erlangt, ein gar fruchtbarer und guter Glaube ist. Wir werden in unsern Häusern viele warme Sonnenstrahlen haben, wenn die Herzen aufthauen in der Liebe Gottes, die in Chrifto ist. Da wird die Art des Schriftgelehrten aufhören, der bloß schön zu sagen und zu fragen weiß, und der Samariter kommt an die Reihe, der rechtschaffen barmherzig ist gegen den Nächsten. Zur Barmherzigkeit hat aber Jeder Gelegenheit, dem ein Mensch begegnet. Gebet. Treuer und liebreicher Gott, Du Schöpfer aller Dinge, der Du nach Deinem Wohlgefallen alles Gute in uns hervorbringst, wir danken Dir, daß Du auch unsere Herzen nicht unbesuchet läsfeſt und bitten Dich, Du wollest uns den wahren Glauben an Christum verleihen und Gnade geben, daß wir in solchem Glauben fruchtbar seien in allen guten Werken. Amen. Vater Unser. 537 Donnerstag nach dem 13. nach Trinitatis. Mel.: Herr Jesu Chrift, Dich zu uns wend' Gesalbter Heiland, segne mich Mit Geist und Gnaden kräftiglich; Schließz mich in Deine Fürbitt' ein, Bis ich werd' ganz vollendet sein. Hilf mir, im königlichen Geist Mich selbst beherrschen allermeist, Begierden, Willen, Lust und Sünd', Und daß mich nichts Geschaffnes bind'. ( Vers 5 und 9 aus: Herr Jesu Chrifte, mein Prophet.) Luc. 6, 27-35. Aber ich sage euch, die ihr zuhöret: Liebet eure Sende; thut denen wohl, die euch baffen; segnet die, so euch verfluchen; bittet für die, so euch beleidigen. Und wer dich schlägt auf einen Backen, dem biete den andern auch dar; und wer dir den Mantel nimmt, dem webre nicht auch den Rock. Wer dich bittet, dem gib, und wer dir das Deine nimmt, da fordere es nicht wieder. Und wie ihr wollt, daß euch die Leute thun sollen; so thut ihnen gleich auch ihr. Und so ihr liebet, die euch lieben, was Dankes habt ihr davon? Denn die Sünder lieben auch ihre Liebhaber. Und wenn ihr euren Wohlthätern wohl thut; was Danks habt ihr davon? Denn die Sünder thun daffelbige auch. Und wenn ihr leihet, von denen ihr hoffet zu nehmen; was Danks habt ihr davon? Denn die Sünder leihen den Sündern auch, auf daß sie Gleiches wiedernehmen. Doch aber liebet eure Seinde; thut wohl und leibet, daß ihr nichts dafür hoffet: so wird euer Lobn groß sein, und werdet Kinder des Allerhöchsten sein. Denn Er ist gütig über die Undankbaren und Boshaftigen. Nichts schreibt sich der Mensch so leicht zu als die Liebe. Mancher denkt, ob er wohl vom Glauben wenig halte, so ersetze er diesen Mangel durch die Liebe. Aber man täusche sich ja nicht und sehe nur an, wie meist die sogenannte Liebe selbst in dem engen Kreise der Familie nur übertünchte Selbstsucht ist, die scheinbar den Andern, im Grunde aber nur sich selbst sucht. Man täusche sich auch damit nicht, daß man eine matte, kahle Wissenschaft von der Liebe für die Liebe selbst hält. Und auch darin thue man die Augen auf, daß die wahre Liebe zum Nächsten nicht das heilige göttliche Gesetz in den sieben lezzten Geboten umstößt sondern erfüllt. Alles nun, was der Herr in dem heutigen Schriftworte sagt, ist zusammengefaßt in das Eine, daß wir den Nächsten lieben sollen, es sei Freund oder Feind. Ich kann nun die Worte des Herrn als einen hellen Spiegel betrachten, der mir meine Sünde anzeigt; aber der Herr fordert doch ganz bestimmt, daß die Liebe in allerlei Gestalt auch wirklich geübt werde. Unsern Glauben können wir der Welt nicht zeigen, denn er ist unsichtbar; unsere Liebe soll sie sehen. Und sie wird unsere Liebe sehen, wenn wir an 538 ders Jünger Christi und gewurzelt sind in der Liebe, welche für ihre Feinde sich selbst hingegeben hat. In Jesu quillt ein Liebesstrom; kommt der in unser Herz, so wird er auch aus unserm Herzen hervor= brechen. Wobei wir zweierlei bemerken, erstens daß wir von Christo, dem großen Liebhaber Seiner Feinde ergriffen, danach jagen, daß wir Christum und Sein Wesen ergreifen, und es noch nicht ergriffen haben, wie wir sollten, und sodann, daß es keine blinde Liebe sondern eine mit Weisheit gepaarte ist, welche nicht unweise gibt und wohlthut, sondern nach dem gnädigen Willen Gottes. Lasset uns ernst und treu sein im Glauben und in der Buße, so wird Gott uns auch Kraft und Vermögen geben zur Liebe, daß sie wie ein Feuer uns und Andere erwärmt. Gebet. Herr Jesu, Du Brunnquell aller Gnaden, Du gibst Vermögen zu allen Dingen. O gib uns, daß wir mit offenen Augen unseren Mangel an wahrer Liebe recht erkennen und dadurch ernstlich bewogen werden, Dir beständig im Geiste und in der Wahrheit anzuhangen, damit Deine Liebe in unser Herz fließe und wir geschickt werden, Dir nachzufolgen in Deinen wunderbaren Tugenden. Amen. Vater Unser. Freitag nach dem 13. nach Trinitatis. Mel: O Gott, Du frommer Gott. Dich, Vater, Sohn und Geist Begehr' ich recht zu kennen Und gläubig, Dir zum Ruhm, Dich meinen Gott zu nennen. Ist mir der Taufe Schatz Durch Satans List geraubt, Gib, daß mein Herz zerknirscht Sich wieder selig glaubt. Auf Dein Verheißungswort, In Jesu Blut und Namen Und durch des Geistes Kraft Spricht Herz und Zunge: Amen. Ja, Amen! ja gewiß, Fürwahr, es wird geschehn! Wer Deinem Worte glaubt, Der wird's mit Augen sehn. ( Vers 3 und 7 aus: O Batec, der Du mich.) 4 Mof. 6, 23-27. Sage Aaron und seinen Söhnen, und sprich: Also sollt ihr sagen zu den Kindern Israel, wenn ihr sie segnet: Der Herr segne dich, und behüte dich; der Herr laffe sein Angesicht leuchten über dir, und fei dir gnådig; der Herr bebe sein Angesicht über dich, und gebe dir Frieden. Denn ihr follt meinen Namen auf die Kinder Israel legen, daß Ich sie segne. Wie Gott spricht, so geschieht es, wie Er gebeut, so steht es da. Das haben wir besonders bei den wunderbaren Worten des 539 Segens zu bedenken, welche bei jedem Gottesdienst über uns ausgesprochen werden. Es sind seit Moses und Aarons Zeiten schon über 3000 Jahre, aber so oft sich die Gemeinde Gottes in diesen vierthalbtausend Jahren versammelt hat, so oft haben sich alle Häupter andächtig geneigt, wenn die Hände der Diener Gottes segnend ausgebreitet wurden über Seinem Volke und ihr Mund die heilbringenden Worte sprach, welche Gott Selber ihnen befohlen hatte. ,, Siehe zu segnen bin ich hergesandt und Er segnet und ich kann es nicht wenden"; so mußte selbst Bileam bekennen. Wie vielmehr gilt dies von dem Segen, den wir sonntäglich in der Kirche hören. Weil es Gottes Worte sind, so kann kein Mensch ihnen die Kraft nehmen, sie sind allmächtig. Durch diesen allmächtigen Segen, den die Kirche ausspricht, wird die Welt erhalten, denn sobald es kein Volk Gottes mehr auf Erden gäbe, über welches diese Worte ausgesprochen werden könnten, würde die Welt untergeben müssen. Darum blickt Gott der allmächtige Schöpfer Himmels und der Erden jedesmal gnadenströmend auf Seine Creatur Herab, so oft in Seinem Namen ausgesprochen wird: ,, der Herr segne dich", und Seine heiligen Engel hören es nicht vergeblich, daß hinzugefügt wird: ,, und Er behüte dich!" Dies Wort ist ihnen ein Befehl und wenn wir sehen könnten, was Elisa sahe, so würden wir jeden Christen, über welchen der Segen ausgesprochen ist, von starken Helden und Hütern auf allen Wegen und Stegen begleitet finden, welche alle das allmächtige Segenswort wahrzumachen streben: der Herr behüte dich, du Menschenkind! Es geschah aber etwas Wunderbares zu Aarons Zeit. Wenn es Abend wurde und Aaron vor der Hütte des Stifts stand und mit ausgebreiteten Händen den zweiten Satz des Segens sprach:„ der Herr erleuchte Sein Angesicht über dir und sei dir gnädig!" dann verwandelte sich die Wolkensäule, welche hinter ihm stand, in eine leuchtende Feuersäule und das Angesicht des Herrn schaute im Bilde leuchtend auf das Volk hernieder. So leuchtet und strahlt auch das Angesicht des Sohnes Gottes, unsers auferstandenen verklärten Heilandes, so oft gesprochen wird: der Herr erleuchte Sein Angesicht über dir! Es ahnen und fühlen aber nur die Herzen dieses selige Strahlen und Leuchten, welche etwas von der Gnade Gottes wissen und erfahren, was durch die Worte angedeutet ist: und sei dir gnädig. Wie endlich Sich das Angesicht des Herrn erhob, wenn durch den Dy Gottes die Feuersäule dem Volke vorangetragen wurde durch die Wüste, so wird auch über uns gesprochen: ,, der Herr erhebe Sein Angesicht üb bir!" Und der Herr, der Heilige Geist läßt dies Wort nicht vergeble fein; Er malt vor unsere Augen das Angesicht unseres hochgelobten Jesus Christus, Er zeigt Ihn, wie Er uns voran= zieht durch die W dieser Welt, Er hebt das trost- und friedebringende Jefusangesicht augen, und wer 3hm seben und Sterben hoch vor unsere Glaubensaugen, und wer Ihm so dem gibt Er Frieden immerdar. Gebet. O Herr, Herr, dreieiniger Gott, segne uns und behüte uns. Dein Angesicht laß uns leuchten und sei uns gnädig. Dein Angesicht erhebe über uns und gib uns Frieden. Amen. Vater Unser. 540 Laß uns Dein' edle Balfamkraft Empfinden und zur Ritterschaft Dadurch gestärket werden, Auf daß wir unter Deinem Schutz Begegnen aller Feinde Truß Mit freudigen Geberden; Laß Dich Reichlich Sonnabend nach dem 13. nach Trinitatis. Mel.: Wie schön Leuchtet der Morgenstern. Auf uns nieder, daß wir wieder Trost empfinden, Alles Unglück überwinden. 150/17 Gib, daß in reiner Heiligkeit Wir führen uns're Lebenszeit. Sei unsers Geistes Stärke; Daß uns forthin sei unbewußt Die Eitelkeit, des Fleisches Lust Und seine todten Werke. Rühre, Führe Uns're Sinnen und Beginnen von der Erden, Daß wir Himmelserben werden. ( Vers 4 und 7 aus: O Heilger Geist, kehr.) Gal. 5, 16-24. Ich sage aber: Wandelt im Geift, so werdet ihr die Lüfte des Fleisches nicht vollbringen. Denn das Sleisch gelüftet wider den Geist, und den Geist wider das Sleisch. Dieselbigen sind wider einander, daß ihr nicht thut, was ihr wollt. Regieret euch aber der Geist, fo seid ihr nicht unter dem Geses. Offenbar sind aber die werke des Sleisches, als da sind Ehebruch, Surerei, Unreinigkeit, Unzucht, Abgötterei, Jauberei, Seindschaft, Sader, Neid, 3orn, Jank, 3wietracht, Rotten, Saß, Mord, Saufen, Sreffen, und dergleichen; von welchen ich euch habe zuvor gesagt und sage noch zuvor, daß, die solches thun, werden das Reich Gottes nicht ererben. Die Frucht aber des Geistes ift Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Gütigkeit, Glaube, Sanftmuth, Reuschheit. wider solche ist das Geser nicht. welche aber Christo angehören, die Freuzigen ihr Sleisch, sammt den Lüften und Begierden. Wandelt im Gerst!" Das sei des Christen Løſung. Chriszen ſollen bedenken, daß sie geistliche Leute sind, ein auserwähltes Geschlecht, ein königliches Priesterthum, ein heiliges Volk, a Volk des Eigenthums. Wir haben den Heiligen Geist empfanger der Taufe; ſie ist ein Bad der Wiedergeburt und Erneuerung de Peiligen Geistes, Surch unsern Herrn welchen Er ausgegossen hat über uns reichlichk ir im Geist wandeln. Jesum Christum. Ist dem so, so müsser Wir sind nicht wohlfeil, sind theuer er; darum sollen wir uns 541 nicht wegwerfen an die Welt und unter das Fleisch verkaufen lassen. Augustinus sagt: ,, Ein jeder Gläubiger sage: Ich bin heilig. Das ist nicht der Hochmuth eines Aufgeblasenen sondern das Bekenntniß eines Dankbaren. Sage zu deinem Gott: Ich bin heilig, denn Du haſt mich geheiligt, weil ich es hab empfangen, nicht daß ich es hab gehabt; denn Du hast es mir gegeben, nicht daß ich es gehabt habe." Darum bezeuge dich als einen Heiligen und wandele im Geist! Damit ist das Fleisch freilich nicht in uns getödtet. Das Fleisch gelüftet fort und fort wider den Geist. Es ist nicht wie eine todte Hand in uns sondern wie ein sprudelnder Quell, wie ein loderndes Feuer. Darum auf, Christenmensch, auf, auf zum Streit, auf, auf zum Üeberwinden! Auch der natürliche Mensch, welcher nichts versteht vom Geist Gottes, kennt einen inwendigen Streit der Gedanken und Empfindungen des Herzens. Herauslügen möchte man sich wohl, aber man fürchtet die Entdeckung, stehlen gelüftet dem Fleische, aber man fürchtet die Strafe; volltrinken möchte man sich, aber man fürchtet die Schande; auffahren im Zorn möchte man, aber man fürchtet das Unheil, das daraus entsteht. Das ist auch ein Streit, aber zwischen Fleisch und Fleisch und nicht zwischen Geist und Fleisch, zu welchem Kampfe wir verordnet sind. Blicken wir in den schwarzen Abgrund der Werke des Fleisches, welche der Apostel uns vorführt, so muß uns grauen vor solchen heidnischen Gräueln, welchen das ewige Verderben folgen muß, so wahr Gott nicht ist ein Gott, dem gottloses Wesen gefällt, und wer böse ist, nicht vor Ihm bleibt. Schaue aber an die Früchte des Geistes, welche nicht Werke, sondern Früchte sind, gezeugt aus der Kraft und dem Marke des Heiligen Geistes, der dazu treibet, und suche dem Baume zu gleichen, der gepflanzet ist an den Wafferbächen, der feine Früchte bringt zu seiner Zeit und seine Blätter verwelken nicht. Wohlan, bist du Sein eigen, willst du in Wahrheit Christo angehören, so fasse Anfang und Schluß der Epistel zusammen, wandele im Geiſt - und freuzige dein Fleisch sammt den Lüften und Begierden! Gebet. Herr, Du allmächtiger Gott, es steht nicht in eines Menschen Kraft, sein Fleisch mit allen seinen Lüften und Begierden zu überwinden. So danken wir Dir, daß Du uns Christum gegeben hast, der unsere Feinde überwunden hat, und bitten Dich, Du wollest Christi Geist in uns wirksam sein lassen, daß wir unser Fleisch und Blut tödten, im Geiste wandeln und fruchtbar sein mögen in allen guten Werken. Amen. Vater Unser. - 75091 542 14. Sonntag nach Trinitatis. Ringe recht, wenn Gottes Gnade Dich nun ziehet und bekehrt, Daß dein Geist sich recht entlade Von der Last, die ihn beschwert. Eigene Melodie. Ringe, daß dein Eifer glühe Und die erste Liebe dich Von der ganzen Welt abziehe; Halbe Liebe hält nicht Stich. Halt' ja deine Krone feste, Halte männlich, was du hast. Recht beharren ist das Beste, Rückfall ist ein böser Gast. ( Vers 1, 4 und 8 aus: Ringe recht, wenn Gottes Gnade.) Luc. 17, 11-19. Und es begab sich, da er reisete gen Jerusalem, zog er mitten durch Samaria und Galilåa. Llnd als er in einen Markt kam, bes gegneten ihm zebn aussårige Männer, die standen von ferne, und erhoben ihre Stimme, und sprachen: Jesu, lieber Meister, erbarme dich unser! Und da er sie sabe, sprach er zu ihnen: Gehet bin, und zeiget euch den Prieffern. Und es geschah, da sie bingingen, wurden fie rein. Einer aber unter ihnen, da er sabe, daß er gesund gewor den war, kehrete er um, und pries Gott mit lauter Stimme, und fiel auf sein Angesicht zu seinen Süßen, und dankte ihm. Und das war ein Samariter. Jefus aber antwortete, und sprach: Sind ihrer nicht Jehn rein geworden? Wo sind aber die Seune? Sat sich sonst keiner gefunden, der wieder umkebrete, und gåbe Gott die Ehre, denn dieser Fremdling? Und er sprach zu ihm: Stebe auf, gehe hin, dein Glaube hat dir geholfen. Wer weiß, ob die zehn Aussätzigen, wenn sie gesund gewesen wären, so ernstlich den Herrn angerufen hätten. Weil wir uns die Noth der Seele selten pflegen zu Gott treiben zu lassen, tastet Gott häufig den Leib an, damit wir überhaupt die Noth erst fühlen. Der Aussatz war eine bittere Noth und ist doch nur ein Bild unserer Noth. Wie der Aussatz sich in geringen Anfängen zeigte und nach und nach um fich griff, so ist auch die ganze Sünde der Menschheit aus dem Samen, welchen die Schlange ausgestreut hat, erwachsen. Wie der Aussatz sehr häßlich machte, so verunstaltet uns die Sünde. Zorn und Neid verstellen das Angesicht wie bei Cain; Undankbarkeit gegen den lebendigen Gott macht den Menschen niedriger als das Thier Jesaj. 1. Rein Brunnen ist nach der Lehre des Apostels Jacobus so elend wie ein Mund, aus dem Fluchen und Beten zugleich geht. Und wie der Aussatz ausschloß, so schließt uns alle unvergebene Sünde ewig von Gott und Seinem Lichte aus. Die Aussätzigen waren durch ihre Noth mürbe gemacht, daß Juden selbst mit Samaritern zusammenstanden, während sonst die Juden stolz anf Andere Herabsahen. Sie fühlen 543 ihre Noth, und wenn sie so sehnlich schreien: Jesu, lieber Meister, erbarme Dich unser!- wie sehr werden wir bei der erst empfundenen Noth rufen lernen. Je ferner wir uns fühlen, desto lauter rufen wir. Die ganze Zuversicht steht indessen bei aller Gläubigen allein auf Christum. Daran merken wir den Heiligen Geist in unsern Herzen, daß Er uns ein wachsendes Vertrauen zu Jesu einfläßt. Dies Vertrauen, das sich in ernstlichem Gebete kundgibt, täuscht nicht. ,, Gehet hin, zeigt euch den Priestern" darin liegt die Gewährung der Bitte. So sind wir fröhlich, wenn unser Herz das Wort und die Verheißung Gottes faffen und ergreifen kann. Da berühren wir im Glauben Christi Person und Herz, und Er gibt Hülfe über Bitten und Verstehen. Sie wurden rein. 11 Aber vergiß nicht, was der Herr dir Gutes gethan hat. Wir müssen von Christo Gnade um Gnade nehmen, sonst verlieren wir, was wir erarbeitet haben. Das Manna in der Wüste mußte jeden Morgen gesammelt werden; das alte wurde schimmlicht. Neune unter den Zehnen fehrten nicht um; bei denen ist der Glaube erstorben in Undankbarkeit, Eigenwillen, Halbheit, Einer hat den Andern aufgehalten. Nur Einer, von dem es sich am wenigsten erwarten ließ, kehrte um. Bei diesem wirkt sich der Glaube aus; nicht Gaben, sondern den Herrn Selbst sucht der Samariter. Christo will er zu Füßzen liegen, Ihn anbeten und Ihm dienen. Die empfangene Wohlthat ist Ihm ein Angeld auf größere, und wir achten es billig für große Wohlthat, wenn uns Gott ein Herz gibt, Ihn zu loben, und einen willigen, entschlossenen Geist, Jesu zu leben und zu sterben. Denn sterben kann Ihm Keiner, der Ihm nicht lebt; leben kann aber auch Keiner, der Ihm nicht stirbt. Dieser Eine, der umkehrt und Gott lobt, ist mit besonderem Fleiße in der Bibel angemerkt. Warum? Weil Gott selten Sein Lob von unsern Lippen hört. Zum Bitten bringen wir's noch; aber wer lobt Ihn? Und dazu hätten wir keine Ursache? Haben wir nicht fünf Hauptstücke im Katechismus? Sollten uns diese fünfe nicht lebendige Quellen im Herzen sein? Können wir auch nur ein wenig die Größe und den Reichthum der Wohlthaten Gottes überblicken? Ihrer ist eine große Zahl. Währt nicht bis zu diesem Augenblick Seine Barmherzigkeit und Geduld? Spricht nicht Christi heiliger Mund zu uns, strecken sich Seine Arme nicht nach uns aus? O warum loben wir denn Gott nicht? Gott nicht lieben, Gott nicht loben- das muß uns eine drückende Missethat werden. Wir müssen heute noch anfangen und nicht wieder aufhören, den Herrn zu suchen und zu loben. Gott will dazu gerne Geist und Gnade geben. Gebet. O Jesu, lieber Meister und Erbarmer, der Du uns von dem Aussatz unserer Sünde durch Dein Blut gereinigt hast, und nimmst Dich unserer Noth noch täglich an, hilf uns, daß wir unsere Sünde und Deine Güte recht erkennen und mit den neun Undank 544 baren nicht wieder von Dir abfallen sondern von aller Unreinigkeit in wahrer Buße umkehren und mit ewigem Lob und Preis bei Dir wohnen, der Du lebest und wohlthust von nun an bis in Ewigkeit. Amen. Vater Unser. Montag nach dem 14. nach Trinitatis. Mel.: Wie schön leuchtet der Morgenstern. Herr, unsere Gerechtigkeit, Wie hoch wird dessen Geist erfreut, Der Dich im Glauben kennet! Du bist sein Schmuck vor Gottes Thron; Er wird zum Erben und zum Sohn Vom Vater Selbst ernennet. Laß mich Ewig Süße Mit Berlangen an Dir hangen und mit Fluth der Gnaden heilt den Schaden. Freuben Durch die Wunden Nur in Dein Verdienst mich kleiden. Hab' ich Heil und Frieden funden. ( Vers 2 und 4 aus: Wo ist ein solcher Gott, wie Du.) O Jesu Christ, Dein treuer Sinn Nimmt Schuld und Strafe von mir hin; Sie liegt auf Deinem Rücken. Du blutest an des Kreuzes Pfahl, Da muß Dich unerhörte Qual Nach Leib und Seele drücken. Diese 2 Kön. 5, 9-15. Also Fam aeman mit Roffen und Wagen, und hielt vor der Thir am Saufe Elisa's. Da sandte Elisa einen Boten zu ihm, und ließ ihm sagen: Gehe hin, und wasche dich sieben Mal im Jordan; so wird dir dein Fleisch wieder erstattet und rein werden. Da erzürnete Taeman, und zog weg, und sprach: Ich meinte, er sollte zu mir herauskommen, und hertreten, und den Namen des Herrn, seines Gottes anrufen, und mit seiner Sand über die Ståtte fahren, und den Aussag also abthun. Sind nicht die Waffer Amana und Phar= phar zu Damaskus beffer, denn alle Waffer in Israel, daß ich mich darinnen wüsche und rein würde? Und wandte sich, und zog weg mit Jorn. Da machten sich seine Knechte zu ihm, redeten mit ihm, und sprachen: Lieber Vater, wenn dir der Prophet etwas Großes båtte geheißen, solltest du es nicht thun? Wie vielmehr, so er zu dir sagt: ,, wasche dich, so wirst du rein." Da stieg er ab, und taufte sich im Jordan sieben Mal, wie der Mann Gottes geredet hatte; und sein Sleisch ward wieder erstattet, wie ein Fleisch eines jungen Knaben, und ward rein. Und er Febrete wieder zu dem Manne Gottes, fammt feinem ganzen Seer. Und da er bineinkam, trat er vor ihn, und sprach: Siehe, ich weiß, daß kein Gott ist in allen Landen, ohne in Israel. Viele Aussätzige waren in Israel zu des Propheten Elisa Zeiten und deren keiner ward gereinigt als allein Naeman aus Syrien 545 Das that er int Denn die Luc. 4, 27. Naeman war gereinigt, weil er Glauben faßte an die Hülfe des lebendigen Gottes. Doch wie sollen sie glauben, so sie nicht hören, so ihnen nicht gepredigt wird? Gott sorgt dafür, daß Naeman hört. Eine kleine Dirne, welche, wie die Schrift erzählt, aus dem Lande Israel nach Syrien weggeführt war, erzählt von Elisa dem Manne Gottes und Naeman zieht zu ihm. Glauben. Allein die Vernunft fährt ihm dazwischen. Waschung im Jordan kommt Naeman sinnlos vor. Er hat sich die Weise der Hülfe Gottes ganz anders gedacht und meint, die Waffer in Damaskus seien besser, als die Wasser in Israel. Die Knechte stellen indessen dem Naeman nicht übel vor, warum er dies Geringe nicht thun wolle, da er, wenn ihm der Prophet Großes aufgelegt hätte, es thun würde. So ist der Mensch; er will große Dinge sehen und glauben wird ihm so schwer, daß es eben glauben ist, wo man nicht sieht. Naeman aber stärkte sich im Glauben und ließ die Vernunft fahren; er wusch sich, wurde rein und sprach das herrliche Wort: siehe, ich weiß, daß kein Gott ist in allen Landen ohne in Israel. Ja wohl, Eins ist nur in Israel, nämlich der Name des lebendigen Gottes mit und bei dem Wasser. In diesem Namen steht unsere Hülfe. Mit diesem Namen müssen wir es probiren. Wollen wir Gott gefallen und gesund und geheilt werden von allen Plagen? Der Name Gottes muß es thun. Diesen Namen hat Gott auf uns gelegt in der Taufe. Nun dürfen wir nicht von hinten anfangen wollen und erst versuchen, fromm und heilig zu werden und darnach dafür halten zu wollen, daß wir Gottes Kinder sind. Diese Wasser unserer Vernunftgedanken machen nicht rein. Sondern erst müssen wir glauben an die Liebe Gottes und Gnade Jesu Christi und Gemeinschaft des Heiligen Geistes, wozu wir durch die Taufe gekommen sind; hier heißt es glauben, glauben und nicht den Aussatz ansehen. Glauben wir und tauchen wir uns mit allen Kräften in diese Tiefen göttlicher Erbarmung und Wahrheit, so werden wir Wunderdinge erleben; unsere Besserung wird wachsen, unsere Liebe wird rein und innig, unser Gang gewiß werden. Sind wir in diesem Glauben gerecht geworden, so haben wir Frieden mit Gott und rühmen uns Gottes. Gebet. Allmächtiger, ewiger Gott, der Du uns Deinen hülfreichen Namen in der heiligen Taufe geschenft hast und willst, daß wir mit aller Macht darauf vertrauen sollen, laß uns das wohlgelingen, daß wir fest im Glauben, brünstig im Geiste und fröhlich in Hoffnung werden, Deinem Namen willig dienen und Deiner Verheißung, das ewige Leben zu erlangen, mit allen Gläubigen würdig werden durch Jesum Christum unsern Herrn. Amen. Vater Unser. 35 546 Dienstag nach dem 14. nach Trinitatis. Mel.: Wer nur den lieben Gott läßt walten. Im Himmel wird das Kreuz der Erden Und was uns sonst zu Boden drückt Zu lauter güldnen Kronen werden, Ach wär' ich nur schon hingerückt! Die liebe Noth ist ziemlich schwer, Ach, wenn ich nur im Himmel wär'! Hier ist der Mensch in stetem Jammer; Mit Jammer kommt die Abendruh, Mit Jammer geht er aus der Kammer, Mit Jammer bringt er alles zu. Das macht das Leben ziemlich schwer, Ach, wenn ich nur im Himmel wär'! ( Vers 3 und 6 aus: Ach! wie betrübt sind fromme Seelen.) Luc. 8, 22-25. Und es begab sich auf der Tage einen, daß Er in ein Schiff trat fammt seinen Jüngern. Und er sprach zu ihnen: Laßt uns über den See fahren. Sie stießen vom Lande. Und da sie schifften, entschlief er. Und es kam ein Windwirbel auf den See, und die Wellen überfielen sie, und standen in großer Gefahr. Da traten sie zu ihm und weckten ihn auf, und sprachen: Meister, Meister, wir verderben! Da stand er auf und bedrohete den Wind, und die Woge des Wassers; und es ließ ab, und ward eine Stille. Er sprach aber zu ihnen: Wo ist euer Glaube? Sie fürchteten sich aber, und verwunderten sich, und sprachen unter einander: Wer ist dieser? Denn er gebietet dem Wind und dem Wasser, und sie sind ihm gehorsam. - Wie sehr angenehm mußte es den Jüngern sein, mit Jeſu zuſammen in das Schiff zu treten und die Fahrt auf dem Meere anzutreten. So ist es uns über die Maaßen freudenreich, wenn wir uns zum ersten Male und auch später wieder mit Jefu Eins fühlen und uns Seiner Gnade und Freundschaft im Herzen versichert halten dürfen. Welch ein fröhlicher Geist gewinnt da Plazz! Wie geht man so eifrig zum Gebet, wie begierig liest man in der Bibel! Es ist Alles in uns wie eine treibende Knospe. Aber machen wir doch keine Rechnung nach unsern Gedanken; denn es geht doch nun einmal nach Gottes Gedanken. Gerade das Schiff, in welchem Jesus Christus ist, leidet den meisten Sturm auf dem Meere. Wir können nicht gottselig leben ohne Trübsal. Bestehen nun die Trübsale in inneren Anfechtungen, in Zweifeln über unserer Seelen Seligkeit oder in äußeren Bedrückungen oder in Kämpfen, die uns die angeborne Sünde und der Fürst der Finsterniß bereiten genug, eben in dem Schiffe, wo Jesus ist, hört man den Klageruf: wir verderben. Die Jünger standen auch wirklich in großer Gefahr; aber daß sie zu verderben fürchten, liegt doch mehr in ihrem Gefühle, als in der Wahrheit. Unser Gefühl kann uns sehr täuschen.- Wie gut ihnen diese Noth ist! Da lernen sie, was ein Mensch ist, auch ein gläubiger Mensch, wenn Gott die Roth über uns kommen läßt. Da lernen sie Demuth. Und sie - lernen beten. Ihr Gebet bekommit Flügel und Kraft. Luther behauptet, daß er es nächst Gott seinen Feinden zu verdanken habe, daß er ein guter Christ geworden; die hätten ihn genöthigt, in die Schrift zu gehen und Gott anzurufen. So müssen wir die mancherlei Noth, die uns trifft, obwohl Noth immerhin Noth ist, doch als den richtigen Wind ansehen lernen, der die Segel unseres Schiffleins treiben muß. Der Herr ist noch da mit dem Verderben ist's noch nicht ſo gefährlich. Er steht auf. Was soll Er stillen? Er nennt Seine Jünger Kleingläubige, nicht Ungläubige, weil Kleinglaube und Unglaube ein großer Unterschied im Wesen und in der Art ist. Ehe Er das Meer stillt, stillt Er die Herzen. Die haben's auch am Nöthigsten. Sagen die Leute Ihm zum Ruhme, daß Er dem Winde und den Waffern befiehlt, so stimme ich dem Lobe zu. Aber des Herrn Lob soll in meinem Munde noch größer sein, daß Er nämlich das Herz, mein Herz, das in sich selbst ungewiß, schwankend, unruhig ist, stillt durch den Glauben an Seinen Hülfreichen Namen. Er ist es gar, der Himmel und Erde, Ewigkeit und Gericht, Gnade und Barmhergigkeit und mein ganzes Herz in der Hand hat. O wohl uns des feinen Herrn! Solchem Herrn vertrauen wir billig und loben Ihn, so lange wir leben. 547 Gebet. O wahrer Mensch und großer Gott Jesu Christe, dem Wind und Meer gehorsam sind, wir erkennen unsere Schwachheit und Blödigkeit. Hilf uns, daß wir nicht verderben. Tröste unsere furchtsamen Herzen und zeige uns im Glauben Deine große Kraft und Gewalt, der Du ein allmächtiger Helfer bist. Gib, daß wir die Angststunden dieses Lebens durchharren im Gebete zu Dir und in der Geduld und laß danach Deine Hülfe uns erfahren hier zeitlich und dort ewiglich. Amen. Bater Unser. Mittwoch nach dem 14. nach Trinitatis. Eigene Melodie. Allein Gott in der Höh' sei Ehr' Und Dank für Seine Gnade, Darum, daß nun und nimmermehr Uns rühren kann kein Schade: Ein Wohlgefalln Gott an uns hat, Nun ist groß' Fried' ohn' Unterlaß, Al' Fehd' hat nun ein Ende. Wir loben, preis'n, anbeten Dich, Für Deine Ehr', wir danken, Daß Du, Gott Vater, ewiglich, Regierst ohn' alles Wanken. Ganz ungemessen ist Dein' Macht, Fort g'schieht, was Dein Will' hat bedacht; Wohl uns des feinen Herren! ( Vers 1 und 2 aus: Allein Gott in der Höh.) 10-20. 2 Moj. 14, Und da Pharao nabe zu ihnen kam, hoben die Kinder Israels ihre Augen auf; und siebel die Egypter zogen hinter ihnen ber; und 35* 548 fie fürchteten fich sehr, und schrieen zu dem Herrn, und sprachen zu Mose: Waren nicht Gråber in Egypten, daß du uns mußteft wegführen, daß wir in der Wüste sterben? Warum hast du uns das gethan, daß du uns aus Egypten geführet haft? Jft es nicht das, das wir dir sagten in Egypten: Söre auf, und laß uns den Egyptern dienen? Denn es wäre uns ja beffer, den Egyptern zu dienen, denn in der Wüste sterben. Mose sprach zum Volk: Sürchtet euch nicht, fiehet feft, und sehet zu, was für ein Heil der Herr heute an euch thun wird. Denn diese Egypter, die ihr heute sehet, werdet ihr nimmermehr sehen ewiglich. Der Herr wird für euch ftreiten, und ihr werdet stille sein. Der Herr sprach zu Mose: Was schreiest du zu mir? Sage den Kindern Israel, daß sie ziehen. Du aber bebe deinen Stab auf, und recke deine Sand über das Meer, und theile es von einander, daß die Kinder Israel bineingeben, mitten hindurch auf dem Trockenen. Siehe, ich will das Herz der Egypter verstocken, daß sie euch nachfolgen. So will ich Ehre einlegen an dem Pharao, und an aller seiner Macht, an seinen Wagen und Reitern. Und die Egypter follen es inne werden, daß Ich der Herr bin, wenn ich Ehre eingeleget babe an Pharao, und an seinen Wagen und Reitern. Da erbob sich der Engel Gottes, der vor dem Heer Israels her 30g, und machte sich hinter sie; und die Wolkensäule machte sich auch von ihrem Angesicht, und trat hinter sie, und kam zwischen das Seer der Egypter und das Heer Israels. Es war aber eine finstere Wolke, und erleuchtete die Tacht, daß sie die ganze Tacht, diese und jene, nicht zu sammen kommen konnten. Die Kinder Israel auf ihrem Wüstenzuge befinden sich in einer ſehr mißlichen Lage. Vor ihnen liegt das tiefe, rothe Meer; zu beiden Seiten waren hohe, steile Berge, im Rücken befand sich Pharao mit seinen Reisigen. Als sie das sehen, denken sie nicht anders, als daß sie nun sterben müssen, wie sie denn auch sehr unwillig zu Mose sprechen: warum hast du uns aus Egypten geführt? Wer hätte das auch denken sollen bei dem Auszuge aus Egypten, daß es ihnen so gehen sollte! Wir dürfen ja nicht denken, daß wir mit einem guten, aufrichtigen Anfange im Christenthume alle Schwierigkeiten überwunden haben. Der ängstigende Pharao wird schon noch kommen. Es war der wirkliche Teufel, der Hiob und Paulus plagte und selbst Christum versuchte. Mit demselben haben auch wir zu kämpfen. Ohne dem gibt es gerade für ein lauteres und erwecktes Gewissen viele Mark und Bein durchdringende Zweifel und Bedenken. Wärest du ein Kind Gottes, wie könnte so schweres Leiden auf dir liegen; wärest du bei Gott in Gnaden, wie könnte sich die Sünde so kräftig noch in deinem Herzen regen und wie die Fragen weiter lauten. Aber warum nun diese mißliche Lage am rothen Meere? Offenbar, um das Volk Israel zu demüthigen und zu der Erfahrung zu bringen, daß Menschenhülfe keine Stütze ist. Und müssen wir nicht dasselbe erfahren? Wie sollen wir aber erfahren, daß alle Hülfe keine Hülfe ist, wenn uns nicht alle - - 549 Nun und jede Hülfe versagt wird! Mose, wie so oft, steht fest. Es ist merkwürdig, daß er öffentlich das Volk zum Glauben reizt und spricht: der Herr wird für euch streiten und ihr werdet stille sein," während er heimlich ernstlich betet und sein Gebet war so laut vor Gott, daß Er zu ihm sagt: was schreiest du zu mir? So findet Mose, weil die Herzen zerschlagen sind, offene Ohren. Ein zerschlagenes Herz gibt ein offenes Ohr für Gottes Wort, daß man nun erst inne wird, wer da redet und was da gesagt ist. heißt es zu Mose: theile das Meer. Mose sagt nicht: das kann ich nicht. Das hätte sich ihm nicht geziemt. Das thut nur der Unglaube, daß er Gott dreinredet. Mose bringt sein Vermögen gar nicht in Betracht, sondern er hört im Glauben, was Gott sagt, und weiß auf's Allergewisseste, daß Gott thun kann, was Er will. Es kommt eben auf ein Wunder Gottes heraus beim Durchgange durch's rothe Meer. Und ist nicht das ganze Christenthum ein Wunder Gottes in uns? Ist's nicht ein Wunder, daß wir glauben und wenn wir glauben? Ist's nicht ein Wunder, daß wir, die wir in Sünden empfangen und geboren sind, doch nicht der Sünde sondern dem Herrn leben? Trauen wir also Gott viel zu. Lernen wir glauben und trauen, so werden wir auch Meere theilen, durch Zweifelmeere und Sorgen- und Angsttiefen hindurchschreiten. Der Herr hat für uns gestritten und streitet für uns. Wir müssen stille sein vor Ihm. Gebet. Gütiger, himmlischer Vater, der Du der Elenden Seufzen nicht verschmähest und der betrübten Herzen Verlangen nicht verachtest, siehe doch mein Gebet an, welches ich in meiner Noth vor Dich bringe, und gib gnädiglich, daß Alles, was vom Teufel und von Menschen wider mich strebt, nach dem Rath Deiner Güte zu nichte werde, auf daß ich von aller Anfechtung unversehrt Dir in Deiner Gemeine danke und Dich allezeit lobe und preise durch Deinen lieben Sohn Jesum Christum unsern Herrn. Amen. Vater Unser. Donnerstag nach dem 14. nach Trinitatis. Mel.: Allein Gott in der Höh' sei Ehr'. D Jesu Christ, Sohn eingebor'n Deines himmlischen Vaters, Versöhner der'r, die war'n verlor'n, Du Stiller unsers Haders, Lamm Gottes, heil'ger Herr und Gott, Nimm an die Bitt' von uns'rer Noth: Erbarm' Dich unser Aller! O Heil'ger Geist, Du größtes Gut, Du all'rheilsamster Tröster, Vor's Teufels G'walt fortan behüt', Die Jesus Christ erlöset Durch große Mart'r und bittern Tod; Abwend all' unsern Jammer und Noth! Dazu wir uns verlassen. ( Vers 3 und 4 aus: Allein Gott in der Höh'.) 550 2 Mof. 14, 21-31. Da nun Mose feine Sand recte über das Meer, ließ es der Serr hinwegfabren durch einen starken Ostwind die ganze Nacht, und machte das Meer trocken; und die Waffer theilten sich von einander. Und die Kinder Israels gingen hinein, mitten in's Meer auf dem Trockenen; und das Wasser war ihnen für Mauern, zur Rechten und zur Linken. Und die Egypter folgten, und gingen hinein ihnen nach, alle Roffe Pharao's, und wagen, und Reiter, mitten in's Meer. Als nun die Morgenwache tam, schauete der Herr auf der Egypter Seer, aus der Seuersäule und Wolke, und machte ein Schrecken in ihrem Seer; und stieß die Räder von ihren Wagen, stürzte sie mit Ungestům. Da sprachen die Egypter: Laffet uns fliehen von Israel; der Herr streitet für sie wider die Egypter. Aber der Herr ſprach zu Mose: Recke deine Hand aus über das Meer, daß das Wasser wieder herfalle über die Egypter, über ihre Wagen und Reiter. Da reckte Mose seine Band aus über das Meer; und das Meer kam wieder vor Morgens in seinen Strom, und die Egypter floben ihm entgegen. Also stürzte sie der Herr mitten in's Meer, daß das Wasser wieder kam, und bedeckte Wagen und Reiter, und alle Macht des Pharao, die ihnen nachgefolget waren in's Meer, daß nicht Einer aus ihnen überblieb. Aber die Kinder Israel gingen trocken mitten durch das Meer; und das Wasser war ihnen für Mauern, zur Rechten und zur Linken. Also half der Herr Israel an dem Tage von der Egypter Hand. Und sie saben die Egypter todt am Ufer des Meers, und die große Sand, die der Herr an den Egyptern erzeiget batte. Und das Volk fürchtete den Herrn, und glaubte ihm und sei nem Knechte Mose. Die begleitende Wolkensäule trat zwischen Israel und die Egypter, so daß diese Israel nicht sehen konnten. Nun soll Ifrael trocken durch's Meer gehen. Mose reckt seine Hand aus, wie Gott zu ihm gesagt hat, und das Meer steht wie Mauern zu beiden Seiten. Ifrael geht trocken hindurch, und als die Egypter dieselbe Straße ziehen wollen, reckt Mose abermals seine Hand aus, und die Wasser verschlingen Pharao und all sein Heer. Das ist die Hand des Herrn. Im folgenden Capitel lesen wir ein neues Lied, das Mose gedichtet hat auf diese That Gottes. Herr ist Sein Name. Er hat eine herrliche That gethan. Hier hört unser Verstand auf. Es ist ein Wunder, es ist ein großer lebendiger Gott, der Sich hier offenbart. Wie Israel nicht mit seinem Verstande klügelte sondern im Glauben durch's Meer ging, so sollen auch wir uns versenken in die Fülle von Macht und Gnade des allmächtigen Gottes, die hier sich zeigt. Achten wir auf den geringen Stab Mosis, ohne welchen dies Bunder nicht geschah. So ist Gott, daß Er uns geringe Mittel gibt Seiner Hülfe und Gnade, um unsern Glauben daran zu prüfen und zu stärken. Wir dürfen kein Mittel, das auf göttlicher Anordnung beruht und mit Gottes Verheißung verknüpft ist, geringe achten, wäre 551 es auch so geringe wie das Taufwasser. Wir sollen es tief zu Herzen faffen, daß die beiden erhabensten Thaten Gottes im alten Testamente, nämlich die Sündfluth und der Durchgang durch's rothe Meer als Vorbilder der heiligen Taufe von den Aposteln gedeutet sind. Bei dem Durchgange durch's rothe Meer zeigen sich lauter Kräfte und Wirkungen Gottes es ist die wunderbare Wolken- und Feuersäule zugegen; ein gewaltiger Wind läßt sich spüren. Ist nicht das Alles denen verheißen, die mit ganzem Vertrauen sich stüßen auf den Namen des Dreieinigen, in welchen wir getauft sind? Finden wir da nicht ein Grab, worin wir mit Christo in der Taufe begraben sind? Gibt es nicht einen Geist, der da lebendig macht? Wird nicht der alte Mensch wie dort Pharao im rothen Meere getödtet und seiner Lebensluft beraubt, wenn wir uns täglich hinabsenken im Glauben in die Gemeinschaft Jesu? Gott sei Lob und Dank, daß es nicht ein fremder Gott sondern unser Gott ist, der Israel trocken durchs rothe Meer gehen läßt. So ist es unsere eigene Geschichte, die wir hier im Vorbilde lesen. Wir sind es, die den Trost der Schrift haben. Herr, fei unser Hirte, daß wir auf Deinen Wegen wandeln. Gebet. Allmächtiger, ewiger Gott, der Du uns Deinen hülfreichen Namen in der heiligen Taufe geschenkt haft und willst, daß wir mit aller Macht darauf vertrauen sollen, laß uns das wohl gelingen, daß wir fest im Glauben, brünstig im Geiste, fröhlich in Hoffnung werden, Deinem Namen willig dienen und Deiner Verheißung, das ewige Leben zu erlangen, mit allen Gläubigen würdig werden durch unsern Herrn Jesum Christum. Amen. Vater Unser. Freitag nach dem 14. nach Trinitatis. Mel.: Jesus, meine Zuversicht. Meine Seele senket sich Hin in Gottes Herz und Hände Und erwartet ruhiglich Seiner Wege Ziel und Ende, Liegt fein stille nackt und bloß In des liebsten Vaters Schooß. Meine Seel' ist still zu Gott, Und die Zunge bleibt gebunden Also hab' ich allen Spott, Alle Marter überwunden, Bin gleich wie ein stilles Meer, Voll von Gottes Preis und Ehr. ( Vers 1 und 6 aus: Meine Seele senket sich.) Psalm 116, 1-14. Das ist mir lieb, daß der Herr meine Stimme und mein Flehen bôret, daß er sein Obr zu mir neiget; darum will ich mein Lebenlang ihn anrufen. Stricke des Todes batten mich umfangen, und Angst der Hölle hatte mich getroffen; ich kam in Jammer und Moth 552 Aber ich rief an den Tamen des Herrn: Herr, errette meine Seele! Der Herr ist gnädig und gerecht; und unser Gott ist barmherzig. Der Herr behütet die Einfältigen. Wenn ich unterliege, so bilft er mir. Sei nun wieder zufrieden, meine Seele; denn der Herr thut dir Gutes. Denn du hast meine Seele aus dem Tode geriffen, mein Auge von den Thränen, meinen Suß vom Gleiten. Ich will wandeln vor dem Serrn, im Lande der Lebendigen. Ich glaube, darum rede ich. Ich werde aber sehr geplaget. Ich sprach in meinem Jagen: Alle Menschen sind Lügner. Wie soll ich dem Serrn vergelten alle seine Wohlthat, die er an mir thut? Ich will den heilsamen Kelch nehmen, und des Herrn Tamen predigen. Ich will meine Gelübde dem Herrn bezahlen, vor all seinem Volk. thut Wie soll ich dem Herrn vergelten alle Wohlthat, die Er an mir diese Frage haben die neun Undankbaren nicht an sich kommen lassen. Bei ihnen ist der Strom des neuen Lebens vertrocknet. Wie ganz anders klingt es in diesem Psalme! Wie verspricht der Pfalmist mit vielen Worten, daß er dem Herrn danken und seine Gelübde bezahlen will. Welch ein williger Geist ist in ihm vorhanden, den Willen Gottes zu thun und Alles, was Gott auflegt, zu tragen! Danken mit dem Munde, gehorchen mit dem Herzen, dienen im Leben-- von solchen Empfindungen ist das ganze Herz bewegt. Warum? Weil die Liebe Gottes gar groß und Seine Hülfe sehr deutlich gewesen ist. Und warum nun ist in uns kein williger und fröhlicher Geist, Gottes Wege zu gehen und Seinen Willen zu thun? Darum nicht, weil wir uns nicht von Gott in die Noth und nicht aus der Noth führen lassen und darum kein bewegtes und fertiges Herz haben, Gott zu loben. Leben wir ohne Gott, so wird uns freilich manche Noth erspart; aber dafür mangelt uns auch Seine Hülfe und ein kindliches und gehorsames Herz. Ergeben wir uns dem lebendigen Gott, so wird uns neben äußeren Kümmernissen, die Gott uns vielleicht zuschickt, die Noth der Seele sicherlich nicht fehlen. Meinen wir es ernstlich mit Gott, so fühlen wir je länger je mehr unsere Schuld, die Stricke des Todes, die Angst der Hölle. Die irdischen Güter verlieren dann, wenn auch nicht allen Werth, so doch ihre frühere Bedeutung und Wichtigkeit. Dagegen hört man uns rufen: o Herr, errette meine Seele! Und wenn der Herr Glauben schenkt und Gewißheit, daß Er uns nicht verstößt, wie lieb ist's Cinem, wie weiß man Seine Eigenschaften, daß Er gerecht und gnädig zugleich ist, zu erkennen! Man kann zu seiner Seele sagen: sei nun wieder zufrieden! und ist damit, daß man im Glauben an Christum alle Schult vergeben und des allmächtigen Gottes Gnade über sich weiß, einer lieblichen Ruhe theilhaftig geworden. Es gilt dann weiter, sich im Herrn zu stärken und nicht bloß gute, heilsame Gedanken zu haben, sondern auch zu wandeln vor dem Herrn. Zu solchem unausgesetzten - 553 Gottesdienste hat uns Gott sieben Tage in der Woche geschenkt. Wir müssen es durchaus dahin bringen, daß wir in dem Reiche Gottes unter Christo leben und Ihm dienen in ewiger Gerechtigkeit, Unschuld und Seligkeit. Gebet. Ach großer, barmherziger, wahrhaftiger Gott und Vater, ich erfahre, daß Du nahe bist denen, die Dich mit Ernst anrufen und ihnen Kraft gibst, ihr Kreuz zu tragen. Dafür sage ich Dir herzlich Lob und Dank und bitte Dich, Du wollest mich fortan in Deiner Gnade erhalten und wachsen lassen. Amen. Bater Unser. Sonnabend nach dem 14. nach Trinitatis. Mel.: Freu' dich sehr o meine Seele. Kommt, laßt euch den Herren lehren, Kommt und Lernet allzumal, Welche die sind, die gehören Zu der rechten Christenzahl; Die bekennen mit dem Mund', Glauben fest von Herzensgrund Und bemühen sich daneben, Gut's zu thun, so lang sie leben. Selig sind, die Demuth haben Und sind allzeit arm in Geist, Rühmen sich gar keiner Gaben, Daß Gott werd' allein gepreist, Danken dem auch für und für; Denn das Himmelreich ist ihr. Gott wird dort zu Ehren setzen, Die sich selbst gering hier schätzen. ( Vers 1 und 2 aus: Kommt, laßt euch.) Gal. 5, 25 bis 6, 9. So wir im Geist leben, so laffet uns auch im Geist wandeln. Laffet uns nicht eitler Ehre geizig sein, unter einander zu entrüften und zu haffen. Lieben Brüder, so ein Mensch etwa von einem Sebler übereilet würde; so belfet ihm wieder zurecht mit sanftmüthigem Geift, die ihr geiftlich seid. Lnd siebe auf dich selbst, daß du nicht auch versucher werdest. Einer trage des Andern Laft, so werdet ihr das Gesetz Chrifti erfüllen. So aber sich Jemand läßt dunken, er sei etwas, so er doch nichts ist, der betrügt sich selbst. Ein Jeglicher aber prüfe fein selbst werk; und alsdann wird er an ihm selber Ruhm haben, und nicht an einem Andern. Denn ein Jeglicher wird seine Laft tragen. Der aber unterrichtet wird mit dem Wort, der theile mit allerlei Gutes dem, der ihn unterrichtet. Jrret euch nicht, Gott läßt sich nicht spotten. Denn was der Mensch sået, das wird er ernten. Wer auf sein Fleisch fået, der wird von dem Sleisch das Verderben ernten. Wer aber auf den Geift sået, der wird von dem Geist das ewige Leben ernten. Laffet uns aber Gutes thun, und nicht müde werden; denn zu seiner Zeit werden wir auch ernten ohne Aufhören. 554 Die Die Summa dieser Epistel ist ihr Anfang: So wir im Geiste leben, so lasset uns auch im Geiste wandeln. Unter dem Geiste ist aber nicht des Menschen Geist zu verstehen sondern der Heilige Geist, welcher in der Taufe empfangen, zur Herrschaft in den Gläubigen kommen soll. Geschieht das, ist ein Leben im Geiste da, so soll der Wandel im Geiste folgen, wie der Schein dem Lichte, die Frucht der Saat. Der Wandel im Geist soll sich aber sonderlich bethätigen in der Demuth und Sanftmuth, was vorab in der Epistel betont wird. Unmittelbar nach dem: lasset uns im Geiste wandeln, folgt: lasset uns nicht eitler Ehre geizig sein. Der Apostel sagt nicht: Lasset uns nicht stehlen, nicht ehebrechen, nicht tödten u. s. w., noch erwähnt er anderer dergleichen groben Lastern, sondern er ermahnt: lasset uns nicht eitler Ehre geizig sein. Ehrbarlich vor der Welt und im Geiste wandeln, sind zweierlei Dinge. Mord und Diebstahl verdammet die Welt wohl nicht aber den Ehrgeiz; den lobet sie vielmehr, fie preiset ihn als die Quelle großer Tugenden und Thaten. Sie tränket damit ihre Kinder wie mit der Muttermilch. Wenn ein Kind unartig ist, heißt es nicht: Was wird Gott, sondern was werden die Leute dazu sagen? Und wenn die Kinder größer werden, lehrt man sie nicht die Ehre bei Gott, sondern die Ehre bei Menschen durch glänzende Kenntnisse, Manieren und gleißende Tugenden suchen. Gott aber will einmal Seine Ehre keinem andern geben noch Seinen Ruhm den Götzen. Ich suche nicht meine Ehre, sagt der Herr Jesus. Er warnt: Wie könnet ihr glauben, wenn ihr Ehre von Andern nehmet? Schon der Ehrgeiz macht einen Strich durch alle übrigen Tugenden der Gläubigen. Ein gleiches gilt, wo die Sanftmuth nicht regieret. Lieben Brüder, schreibt der Apostel, so ein Mensch etwa von einem Fehler übereilet würde, so helfet ihm wieder zurecht mit sanftmüthigem Geiſt, ihr die ihr geistlich seid. Wer würde nicht manchmal von einem Fehler übereilet? Unter Seinen Heiligen ist keiner ohne Tadel, und selbst ein Gerechter fällt des Tages wohl sieben mal. Was thut die Welt in solchem Fall? Sie ist es, die da ruft: Da, da und reibt sich die Hände vor Freude, namentlich wenn ein Gläubiger von einem Fehler übereilet wird. So nicht, der im Geiste wandelt. Wiffet ihr nicht, wes Geistes Kinder ihr seid, fragt der Herr Seine Jünger. Der Christ darf nicht schwarz weiß, sauer süß nennen, er darf aber auch das achte Gebot nicht vergessen das Entschuldigen, Gutes reden und zum Besten kehren. Wie oft ist dadurch dem irrenden und fehlenden Bruder zurechtgeholfen! Und das ist doch die Hauptsache. Denn darin liegt die theure Verheißung: Wer den Sünder bekehret von dem Irrthume seines Weges, wird bedecken die Menge seiner Sünden. In diesen beiden Stücken soll sich der Wandel im Geist bewähren; über ihnen, so wie über den andern, welche die Epistel noch enthält, bete und seufze noch zum Herrn: Herr, lehre mich thun - C 555 nach Deinem Wohlgefallen, Dein guter Geist führe mich auf ebener Bahn! Gebet. Allmächtiger Gott, der Du nach Deinem Wohlgefallen in uns Wollen und Vollbringen wirkest, wir sagen Dir von Herzen Dank, daß Du uns den Geist Jefu Deines lieben Sohnes gegeben hast. Weil aber große Gefahr ist, daß wir um der innewohnenden Sünde willen matt und schwach werden und nachlassen in der Inbrunst des Geistes, so bitten wir Dich, Du wollest Dein angefangenes Werk in uns befestigen, stärken und zum Siege führen. Amen. Vater Unser. 15. Sonntag nach Trinitatis. Mel.: Herzlich thut mich verlangen. So will ich zwar nun treiben Mein Leben durch die Welt, Doch denk ich nicht zu bleiben In diesem fremden Zelt; Ich wandre meine Straßen, Die zu der Heimath führt, Da mich ohn alle Maaßen Mein Vater trösten wird. Zu dem steht mein Verlangen, Da wollt' ich gerne hin; Die Welt bin ich durchgangen, Daß ich fast müde bin. Je länger ich hier walle, Je wen'ger find ich Freud', Die meinem Geist gefalle, Das Meist' ist Herzeleid. ( Vers 8 und 10 aus: Ich bin ein Gaft auf Erden.) Matth. 6, 24-34. Niemand kann zween Herrn dienen. Entweder er wird einen haffen, und den andern lieben; oder wird einem anhangen, und den andern verachten. Ihr könnet nicht Gott dienen und dem Mammon. Darum sage ich euch: Sorget nicht für euer Leben, was ihr effen und trinken werdet; auch nicht für euren Leib, was ihr anzieben werdet. Ift nicht das Leben mehr, denn die Speise? Und der Leib mehr, denn die Kleidung? Sehet die Vögel unter dem Simmel an: fie faen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater nåhret sie doch. Seid ihr denn nicht viel mehr, denn sie? Wer ist unter euch, der seiner Långe eine Elle zusetzen möge, ob er gleich darum forget? Lnd warum forget ihr für die Kleidung? Schauer die Lilien auf dem Selde, wie sie wachsen: fie arbeiten nicht, auch spinnen sie nicht. Ich fage euch, daß auch Salomo in aller seiner Serrlichkeit nicht bekleidet gewesen ist, als derselben Kine. So denn Gott das Gras auf dem Felde also kleidet, das doch heute ftebet, und morgen in den Ofen geworfen wird: sollte er das nicht viel mehr euch thun? ihr Kleingläubigen! Darum sollt ihr nicht forgen und sagen: Was werden wir effen? Was werden wir trinken? Womit werden wir uns kleiden? 27ach solchem allen trachten die Heiden. Denn euer himmlischer Vater 556 weiß, daß ihr deß alles bedürfet. Trachtet am ersten nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit; so wird euch solches alles zufallen. Darum forget nicht für den andern Morgen, denn der morgende Tag wird für das Seine forgen. Es ist genug, daß ein jeglicher Tag seine eigene Plage babe. Wie schön und klar ist dieses Schriftwort! Wie lichtvoll und wahrhaftig ist das Beispiel der Vögel unter dem Himmel, die nicht säen und ernten und doch von Gott ernährt werden und der Lilien auf dem Felde, die nicht arbeiten und spinnen und doch Salomo in seiner Herrlichkeit übertreffen! Wie still macht uns die Frage: seid ihr denn nicht viel mehr denn sie? Wie entscheidend ist die Behauptung des Herrn: Niemand kann zweien Herrn dienen. Der lebendige Gott und der in dieser Welt hochgeachtete Mammon sind diese beiden Herren, denen Niemand zugleich dienen kann, darum nicht, weil es zwei ganz verschiedene Herren sind. Der Dienst eines jeden erfordert einen ganzen Menschen, ein ungetheiltes Herz. Und jeder Mensch hat doch nur Ein Herz. Wie vernichtend für allen Selbstbetrug und Täuschung und alle Vermittlung von Weltdienst und Gottesdienst ist das Wort, daß wir entweder den einen Hafssen und den andern lieben, oder dem einen anhangen und den andern verachten müssen. Und wehe, wehe, wenn wir mitten in der Christenheit als Verächter des lebendigen Gottes erfunden werden! Wie angenehm dagegen ist es, in Stille und Frieden an dem himmlischen Vater zu hangen und dessen Willen gemäß redlich und treulich sein täglich Brod zu suchen, alle Sorge Hingegen Ihm heimzustellen, der die Vögel und Lilien unterhält. Man muß dem lieben Heilande ganz beipflichten; denn er sagt uns die ganze Wahrheit. Und doch! Wie wir's gelesen und gehört steht's in der Bibel gefchrieben, aber wir haben ein Herz, in dem es anders steht. Unſer natürliches Herz hat tausend Begierden auf die Welt und keine einzige zu dem lebendigen Gott. Man täusche sich nicht über den Sündenfall Adams, in den wir verwickelt sind. Wir sollen und müssen Gott dienen; Sorgen und Weltdienst sind ebenso mußlos als gottlos. Wie sollen wir es denn machen, daß wir Gott mit ganzem Herzen dienen? Ein paar fromme Gedanken und Empfindungen sind wahrlich viel zu geringe, um ein Herz gottselig zu machen. Es ist schon gut, daß uns die Wahrheit hell vor die Augen tritt, wie in dieser Schriftstelle. Aber die Frage bleibt immer, wie soll ich mich meines himmlischen Vaters recht freuen und Ihm dienen herzlich und willig? In dieser Kunst, der höchsten, die es gibt, wird kein Meister geboren, und wir werden nie den Anfang in der Gottfeligkeit machen, so lange wir nicht ernstlich anfangen Schüler zu werden. Der Schlüssel zu dem wahren Gottesdienste liegt in dem Worte: trachtet am ersten nach dem Reiche Gottes und nach Seiner Gerechtigkeit, so wird euch solches Alles zufallen. 557 Das Reich Gottes in seiner großen Herrlichkeit und mit seinen wahrhaftigen wenn auch unsichtbaren Gütern der Liebe Gottes der Gnade Jesu Christi und der Gemeinschaft des Heiligen Geistes, Gerechtigkeit und Freiheit muß uns wie eine Braut vom Himmel in die Augen leuchten. Wenn der Herr sagt: trachtet am ersten nach dem Reiche Gottes, so muß uns das nicht als ein lästiges Joch dünken, sondern uns anblicken wie eine gnadenreiche, evangelische Lockung; wir müssen daraus die Gewißheit hören, daß auch uns ein Weg zum Himmel offensteht und die Möglichkeit, daß wir ihn wandeln können. Dieser Weg ist Christus; durch den Glauben an Seinen Namen werden wir fröhlich zu Gott und erwarten von Ihm als dem himmlischen Vater unser ganzes zeitliches und ewiges Heil der Seelen. Habe ich aber solch Vertrauen zu Gott, wie sollte es mir nicht möglich sein, dann in allen Sachen ein unbedingtes Vertrauen zu Ihm zu faffen? Und siehe! es fällt Einem, der so ständig und treulich auf Christum gerichtet ist, alles zu an geistlichen und irdischen Gaben. Gebet. Gott, Schöpfer und Vater, wie herzlich trösteft Du Deine armen Kinder. Der Du alle Vögel des Himmels speiseft, weißt, was Du uns für einen dürftigen Leib gegeben hast. Der Du des Grases auf dem Felde nicht vergissest, wirst unserer noch weniger vergessen. Lieber Vater, gib uns also Glauben zu Dir am Jefu willen, in welchem wir Dir angenehm sind und Du uns segnen und wohlthun willst. Amen. Vater Unser. Montag nach dem 15. nach Trinitatis. Mel.: O daß ich tausend Jungen hätte. Die Welt vergeht mit ihren Lüften, Des Fleisches Schönheit dauert nicht; Die Zeit kann alles das verwüsten, Was Menschenhände zugericht't. Drum lieb ein Jeder, was er will, Nur Jesus ist allein mein Ziel. Sein Reichthum ist nicht zu ergründen, Sein allerschönstes Angesicht Und was von Schmuck um ihn zu finden, Verbleichet und veraltet nicht. Ein Jeder liebe, was er will, Denn Jesus ist und bleibt mein Ziel. ( Vers 3 und 7 aus: Ach, sagt mir nichts von Gold und Schätzen.) Pred. Sal. 2, 4-11. Ich that große Dinge; ich bauete Säuser, pflanzte Weinberge; ich machte mir Gårten und Lustgårten, und pflanzte allerlei fruchtbare Baume darein; ich machte mir Teiche, daraus zu wässern den Wald der grünenden Bäume; ich hatte Knechte und Mägde, und Gefinde; ich hatte eine größere Sabe an Rindern und Schafen, denn Alle, die vor mir zu Jerusalem gewesen waren; ich sammelte mir auch Silber und Gold, und von den Königen und Låndern einen 558 Schan; ich schaffte mir Sånger und Sångerinnen, und wollust der Menschen, allerlei Saitenspiel; und nahm zu über Alle, die vor mir zu Jerusalem gewesen waren; auch blieb weisheit bei mir; und Alles, was meine Augen wünschten, das ließ ich ihnen, und wehrete meinem Herzen keine Freude, daß es fröhlich war von aller meiner Arbeit; und das hielt ich für mein Theil von aller meiner Arbeit. Da ich aber ansabe alle meine Werke, die meine Sand gethan batte, und Mühe, die ich gehabt batte; siebe, da war es alles eitel und Jammer, und nichts mehr unter der Sonne. Wir haben schon viel gewonnen, wenn wir die Aufforderung des Herrn, daß wir am ersten nach dem Reiche Gottes trachten sollen, nicht als eine lästige und drückende Vorschrift sondern als eine freundliche Einladung und Güte des barmherzigen Gottes betrachten. Daß uns der ernstliche und herzliche Dienst Gottes vielfach als eine Qual erscheint, kommt aus der Verblendung, in welcher unser Herz über die geschaffenen Dinge lebt. Wem wird die Wahl schwer, der weiß, daß er die Wahl hat zwischen Gold und Staub? Freilich wer so blind ist, daß er zweifelhaft ist, ob Gold Gold und Staub Staub ist, wird schwanken und unschlüssig sein, wenn er nicht gar völlig fehlgreift. Weil Gott nun eine herzliche Liebe zu unsern Seelen hat, so stellt er uns in Lehre und Beispiel sowohl die Nichtigkeit der zeitlichen als die Herrlichkeit der himmlischen Dinge vor Augen, ob wir nicht endlich mit ganzem Herzen uns entschließen könnten, Gott zu lieben und Ihm zu dienen. Häuser, Weinberge, Gärten, Teiche, Knechte, Mägde, Silber, Gold, Sänger, Sängerinnen, Wohlleben und was es nun sonst auf Erden noch gibt, Alles hat der Prediger probirt; ohne viel Mühe und Unruhe ist's nicht abgegangen. Und, wenn er sich nun noch hätte sein Herz damit stillen können! Aber es befand sich Alles als eitel und Jammer und nichts mehr unter der Sonne. Nach langen Irrfahrten kommt der Prediger am Ziele dieser Erkenntniß an. Aus der Schrift mögen wir diese heilsamen Lehren schöpfen; in eigener Erfahrung werden wir sie bestätigt finden. Was denn nun? Nicht hinsinken in Mißmuth und Verzweiflung, in müßige Klagen, sondern die Herzen in die Höhe! Denn es gibt einen lebendigen Gott, vor dem Freude die Fülle ist. Von Ihm herab kommen gute und vollkommene Gaben Jacob. 1, 17. Haben wir eine Stelle im Herzen, wo ein Brünnlein sein könnte von Leben und Freude, Gott kann Wasser in der Einöde quillen lassen; haben wir eine Hand zu nehmen, Gott hat eine Hand zu geben und Seine Hand bleibt nicht hinter unserm Wünschen zurück, sondern Er thut über Bitten und Verstehen. Er salbe nur vor Allem unsere Augen, daß sie sehen können und mehre den Glauben und stärke den Verstand. Gottes Reich ist nicht Jammer und Herzeleid sondern Gerechtigkeit und Friede; wir dürfen zufrieden sein, wenn wir in Gottes Hause nur Wafferträger und Thürhüter sein können. Denn bei Ihm haben schon die Tagelöhner Brod die Fülle. Wir sollen aber gar Seine Kinder, Kinder des allmächtigen, ewig reichen Gottes sein. Das gibt Lebensmuth. 559 Gebet. Heiliger und barmherziger Gott, der Du in allen Landen um unserer Sünden willen Dornen und Disteln wachsen läsfeſt, wir danken Dir, daß Du uns in Christo den Lebensbaum geschenkt haft und bitten Dich, liebreicher Vater, Du wollest unsere Herzen in eine beständige Erkenntniß und Gemeinschaft Jesu einführen, daß wir bei Ihm leben und volles Genüge finden. Amen. Vater Unser. Dienstag nach dem 15. nach Trinitatis. Alles ist an Gottes Segen Und an Seiner Gnad' gelegen Ueber alles Geld und Gut. Wer auf Gott sein' Hoffnung setzet, Der behält ganz unverleget Einen freien Heldenmuth. Eigene Melodie. - Der mich hat bisher ernähret Und so manches Glück bescheret, Ist und bleibet ewig mein; Der mich wunderlich geführet Und noch leitet und regieret, Wird forthin mein Helfer sein. ( Vers 1 und 2 aus: Alles ist an Gottes Segen.) Psalm 128. wohl dem, der den Herrn fürchtet, und auf seinen Wegen gehet! Du wirst dich nähren deiner Sånde Arbeit; wohl dir, du haft es gut. Dein Weib wird sein wie ein fruchtbarer Weinstock um ein Haus berum, deine Kinder wie die Oelzweige um deinen Tisch ber. Siebe, also wird gesegnet der Mann, der den Herrn fürchtet. Der Herr wird dich segnen aus 3ion, daß du sebeft das Glück Jerufalems dein Lebenlang. Und sebeft deiner Kinder Kinder. Friede über Israel! Fins ist noth sagt der Herr im Hause zu Bethanien. Der Dichter setzt in dem bekannten Liede hinzu: ach, Herr, dies Eine lehre mich erkennen doch! Wenn dies Eine, was noth ist, fehlt, dann vertrocknen die Herzen wie abgehauenes Gras an der Sonne und die Häuser sind wüste und leer. Wo aber dieses Eine vorhanden ist, heißt es: wohl dir, du hast es gut. Nicht als ob wir bei rechtschaffener Gottseligkeit die Hände in den Schooß legten; das kann nur Bosheit oder Narrheit meinen und sagen. Vielmehr gehört es zur wahren Gottesfurcht, daß wir, wie überall, so auch darin in göttlicher Ordnung stehen, daß wir im Schweiße des Angesichts unser Brød er 560 werben und es für Glückseligkeit achten, durch Gottes Segen und unfere Arbeit unser Brod zu haben. Aber von solchem Brode lebt noch Keiner, wenn nicht die Güte Gottes unsere Herzen umfaßt, wie der Nebel die Berge einhüllt. Gottes ewige und reiche Güte ist uns nahe; wir können sie auch bald finden und bedarf es dazu nur dessen, daß wir den Herrn fürchten und auf Seinen Wegen wandeln. Wir rechnen mit lauter Nullen, so lange wir nicht die große Eins in Anschlag bringen, das ist die Furcht Gottes. Es ist der gefährlichste Irrthum des Herzens, den lebendigen Gott außer Acht zu lassen; denn Er ist da für alle Seine Creatur, zu fluchen oder zu segnen in dem Hause oder außer dem Hause. Darum ist Eins noth, daß wir nämlich den Herrn fürchten und auf Seinen Wegen gehen. Dann werden sich überall Segensquellen öffnen. Gesegnet ist der Mann, der den Herrn fürchtet, es ist Friede über Israel. Es werden aus der Furcht Gottes im eigenen Herzen allerlei Lebensbächlein quillen, ein stiller, sanfter Geist wird walten. Im Hause, wo Menschen d. h. Sünder zusammen wohnen und wo darum manches Gebrechen sich findet an Eltern und Kindern und Gesinde, werden die Dornen ihren scharfen Stachel verlieren; es wird Del in die Herzen fließen. Del ist weich. Aber weicher und zarter noch find Liebe und Gütigkeit, Geduld und Demuth, Sanftmuth und Friedfertigkeit. So stehts geschrieben, daß der Mann gesegnet ist, der den Herrn fürchtet; und oft läßt sich's auch mit Augen sehen. Gebet. O Herr Jesu Christe, Du hast meine Augen mir aufgethan, daß ich sehe, wie Du mich durch Deinen Tod von Sünden erlöset und durch Deine Auferstehung zu einem Erben des Himmels und ewigen Lebens gemacht hast. Nun, lieber Herr, ich danke Dir für solche große unaussprechliche Gnade, will wiederum auch gerne thun, was ich weiß, das Du von mir haben willst. Du hast mich geheißen, Vater und Mutter ehren; ich will's mit allem Willen gern thun. Du hast mich geheißen, ich soll meiner Herrschaft treulich dienen, fleißig arbeiten und gehorsam sein; ich will's auch gerne thun; du hast mich geschaffen zum Hausvater( zur Hausmutter), lieber Gott, ich will fromm sein, will thun mit Lust und Liebe, was ich soll, und eher das Leben darüber lassen, denn daß ich Dir nicht sollte folgen, meinen Kindern und Gesinde sollte nicht treulich vorstehen oder sie ärgern. Amen. Vater Unser. 561 Mittwoch nach dem 15. nach Trinitatis. Mel.: Wie soll ich Dich empfangen. Vergleiche dieses Leben Mit dem, was Gottes Geist Aus Gnaden uns gegeben, In Seinem Wort verheißt: So wirst du bald erkennen, Daß jenes in der That Kein Leben sei zu nennen, Wie viel's auch Gönner hat. Drum auf! mein Geist, laß fahren, Was Gott nicht Selber heißt, Weil Alles mit den Jahren Sich deinem Brauch entreißt. Gott aber bleibet stehen, Wenn Alles in der Welt Wird fallen und vergehen, Was jetzo dir gefällt. ( Vers 4 und 9 aus: Auf, auf! mein Geist betrachte.) Apostelgesch. 19, 23-29. Es erhob sich aber um dieselbige Zeit nicht eine kleine Bewegung über diesem Wege. Denn einer, mit amen Demetrius, ein Goldschmied, der machte der Diana silberne Tempel, und wandte denen vom Handwerk nicht geringen Gewinnst zu. Dieselbigen verfammelte er, und die Beiarbeiter deffelbigen Handwerks, und sprach: Lieben Männer, ihr wisfet, daß wir großen Jugang von diesem Sandel haben. Und ihr sehet und höret, daß nicht allein zu Ephesus, sondern auch fast in ganz Asien, dieser Paulus viel Volks abfällig macht, überredet, und spricht: Es sind nicht Götter, welche von Sånden gemacht sind. Alber es will nicht allein unser Handel dahin gerathen, daß er nichts gelte; fondern auch der Tempel der großen Göttin Diana wird für nichts geachtet, und wird dazu ihre Majestät untergeben, welcher doch ganz Asien und der Weltkreis Gottesdienst erzeigt. Als sie das höreten, wurden sie voll Jorns, schrieen und sprachen: Groß ist die Diana der Epheser! Und die ganze Stadt ward voll Getümmels. Es ist ein Großes um die Kraft des gepredigten Wortes Gottes. Die Predigt in dem öffentlichen Gottesdienste muß mit dem stillen Suchen des Einzelnen in der Schrift verbunden sein. Der gesagt hat: predigt das Evangelium, und das Amt der Predigt gestiftet, will das Wort mit Seiner Kraft begleiten. So that der Herr in Ephesus. Das Wort des Herrn wuchs so mächtig und nahm also überhand, daß die Leute ihre Zauberbücher im Werthe von fünfzig tausend Groschen verbrannten. Aber Satz bringt Gegensatz, wo Zuspruch zum Worte ist, ist insgemein auch Widerspruch. Es rumort gewaltig in der Stadt. Demetrius der Goldschmied hat einen außerordentlich platten Grund, warum er dem Wege zum Leben, den Paulus predigt von dem Glanben an Christum, entgegentritt. Der Glaube an Christum macht nämlich alle Götzen überflüssig, sowohl die Diana der Epheser als was sonst Gott und Götze ist für das menschliche Herz. Weil nun aber Demetrius seinen Gewinn hat von den Götzenbildern und diesen Ge36 562 winn nicht will fahren lassen, widerstreitet er der Predigt. Demetrius ist bloß Einer; aber ein einiger Bube verdirbt viel Gutes Pred. Sal. 9, 18. Ein Einziger kann in einer Gemeine und in einem Hause eine Giftpflanze und Eiterbeule sein, welche viele Kräfte mitverdirbt. Nach Art der menschlichen Sünde, die ohne Namen sein will, hebt Demetrius die große Majestät der Diana hervor; die Heuchelei ist das gemeinste Lafter, das es gibt. So ist das Geschrei fertig: groß ist die Diana der Epheser. Die Meisten wissen gar nicht, warum es sich handelt; aber darum schreien sie doch zwei Stunden lang mit. Es ist ja selbstverständlich, daß die Lüge dadurch nicht Wahrheit wird, daß Viele dieselbe Lüge aussprechen. Aber was liegt dem Haufen an der Wahrheit? Das ist ein Stück aus unserer Welt, in welcher das Tagesgeschrei die Herzen so Vieler wie eine Bleidecke drückt. Es ist die große Kunst des Teufels, unser Herz auf irgend eine Art gegen die Wahrheit einzunehmen. Am Sichersten geschieht das, wenn wir wie todte Fische in dem breiten Strome mitschwimmen und mitsprechen, was uns in den Mund gelegt wird. Bequem ist das dem Fleische, weil man auf diese Art sich die Buße sparen kann. Aber nicht die Diana der Epheser ist groß und nichts in der Welt ist groß; nichts ist, das nicht nichtig wäre. Gott hat ein Wort geredet, das habe ich etliche Male gehöret: daß Gott allein mächtig ist Pf. 62, 12. Diesen allein mächtigen Gott sollen wir um Muth und ein göttliches Gemüth bitten. Seine Wahrheit soll uns süßer sein als aller Welt Geschrei und Seine Gnade tröftlicher als all unser Geld und Gut. So mächtig ist Gott, daß Er uns Staubgeborne zu Seinen Anbetern im Geiste und in der Wahrheit machen kann. - - Gebet. Herr Jesu, ich will Abschied geben der argen falschen Welt; ihr sündlich böses Leben durchaus mir nicht gefällt. Herr meines Lebens, ich bitte Dich inniglich, errette meine Seele von allem Irrfal und zünde in mir eine beständige Flamme Deiner Liebe an. Erhalte mich bei dem lebendigen Glauben an Dein allein gewisses Wort. Amen. Vater Unser. Donnerstag nach dem 15. nach Trinitatis. Mel.: Warum jollt ich mich denn grämen. Was sind dieses Lebens Güter? Eine Hand 563 Voller Sand, Kummer der Gemüther. Dort, dort sind die edlen Gaben, Da mein Hirt Christus wird Mich ohn' Ende laben. Herr, mein Hirt, Brunn aller Freudent Du bist mein, Ich bin Dein; 1 Niemand kann uns scheiden. Ich bin Dein, weil Du Dein Leben Und Dein Blut Mir zu Gut In den Tod gegeben. ( Bers 10 und 11 aus: Warum sollt ich mich denn grämen.) Luc. 12, 13-21. Es sprach aber einer aus dem Volk zu ibm: Meister, fage meis nem Bruder, daß er mit mir das Erbe theile. Er aber sprach zu ihm: Mensch, wer hat mich zum Richter oder Erbschichter über euch gefert? Und sprach zu ihnen: Sebet zu, und båtet euch vor dem Geiz; denn iemand lebet davon, daß er viele Güter bat. Und er fagte ihnen ein Gleichniß, und sprach: Es war ein reicher Mensch, deß Seld hatte wohl getragen. Und er gedachte bei sich selbst, und sprach: Was soll ich thun? Ich babe nicht, da ich meine Früchte hinsammle. Und sprach: Das will ich thun; ich will meine Scheunen abbrechen, und größere bauen, und will darein fammeln Alles, was mir gewachsen ist, und meine Güter; und will sagen zu meiner Seele: Liebe Seele, du haft einen großen Vorrath auf viele Jahre; babe nun Rube, iß, trint, und habe guten Muth. Aber Gott sprach zu ihm: Du Marr, diese Nacht wird man deine Seele von dir fordern; und weß wird es sein, das du bereitet haft? Also gebet es, wer ihm Schåre sammelt, und ist nicht reich in Gott. CHIC, DUIZE Wie ist doch der Geiz eine Wurzel alles Uebels! Jener Mensch entzweit sich mit seinem Bruder um des Erbes willen. Nicht das Erbe ist der Grund des Zwiespaltes sondern der Geiz. Darum lehnt der Herr, der ein Heiland der Seelen und nicht ein Erbschichter ist, es auch ab, das Erbe zu schichten; vielmehr greift Er den eigentlichen Grund des Zwiespaltes nämlich den Geiz an. Sehet zu spricht Gottes Mund hütet euch vor dem Geiz. So wir uns nicht davor hüten und davon reinigen, wird der Geiz seine blutigen Spuren in unser Leben und Wesen drücken; Hader und Neid und allerlei Missethat wird hervorwachsen. Und die eigene Seele wird fahren in Verderben und Verdammniß wie dort bei dem reichen Manne, dessen Feld wohl getragen hatte. Von diesem gilt auch, was von jedem geizigen Reichen gilt, daß er erst nützt, wenn er stirbt und das Geld etwa in barmherzige Hände fließt. Es ist ein reicher Mensch und doch ein armer, friedeloser Mensch. Als sein Feld wohl getragen 36* - 564 hat, spricht er in großer Unruhe: was soll ich thun? Will er etwa Gott danken und preisen als den Geber aller Gaben? Oder will er Dank opfern, Silberdank und Golddank, nämlich den Armen geben? Daran denkt kein Geiziger. Er baut neue Scheunen, sammelt das Seine zusammen und will zu seiner Seele sagen: liebe Seele, du hast einen guten Vorrath; iß und trink. Als ob die Seele mit Heu und Stroh könnte genährt werden? Als ob die Seele nicht ein unsterblicher Geist wäre? Aber so ist der Geiz, daß er die Seele in die irdischen Sachen vergräbt. Aber siehe, es spricht Einer zu ihm: Du Narr. Ein Narr ist, ohne allen Verstand, der sich etwa einbildet, Bettellumpen seien königlicher Purpur. O wie sollten wir mit Sinn und Gemüth diesem vernichtenden Worte Jesu nachdenken! Welche Thorheit, eine Seele haben und in die Ewigkeit wandern müssen ohne den lebendigen Gott! Leben ohne Gott, welches Kind der Gnade wüßte nicht, daß das eine namenlose Qual ist; aber sterben ohne Gott dabei hören alle unsere Gedanken auf. Du Narr spricht der Herr. Darum gilt es reich in Gott sein. Darum gilt es, die eigene Armuth der Seele erkennen, Gott bitten um Seine Gnade und Vergebung aller Sünden, um Seinen Geist zu einem neuen Leben. Ein Jubel soll noch darüber durch unsere Seelen gehen, daß der Herr zu uns, ja zu uns sagt: trachtet am ersten nach dem Reiche Gottes. Denn was heißt das anders als daß Er, der treue Heiland, Suchende will finden lassen und Bittende erhören? Was heißt das anders, als daß uns die mütterliche Liebe zu sich ruft, alle Sünden vergeben, alle Gebrechen heilen und mit Gnade krönen will? Gebet. Herzens- Heiland, Du hast unsere Seelen so innig lieb. Darum warnest Du uns so treulich vor der Narrheit des Geizes und der Weltliebe. Hilf, daß wir Deinem Worte durch Deine Gnade glauben und unsere Armuth durch Deinen Reichthum an Leben, Friede und Freude täglich ergänzen. Amen. Vater Unser. Valet will ich dir geben, Du arge, falsche Welt! Dein fündlich böses Leben Durchaus mir nicht gefällt. Im Himmel ist gut wohnen; Hinauf steht mein Begier; Da wird Gott ehrlich lohnen Dem, der Ihm dient allhier. - Freitag nach dem 15. nach Trinitatis. Eigene Dielodie. In meines Herzens Grunde Dein' Nam' und Kreuz allein Funkelt all' Zeit und Stunde, Drauf kann ich fröhlich sein. Erschein' mir in dem Bilde Zum Trost in meiner Noth, Wie Du, Herr Christ, so milde Dich haft geblut't zu Tod. ( Vers 1 und 3 aus: Balet will ich dir geben) 565 Pfalm 39, 5-9. Aber, Herr, lebre mich doch, daß es ein Ende mit mir haben muß, und mein Leben ein 3iel bat, und ich davon muß. Siebe, meine Tage sind einer Hand breit bei dir, und mein Leben ist wie nichts vor dir. wie gar nichts sind alle Menschen, die doch so ficher leben! Sela. Sie gehen daber wie ein Schemen, und machen ihnen viel vergebliche Unrube; sie sammeln, und wiffen nicht, wer es triegen wird. Nun, Serr, weß soll ich mich tröffen? Ich hoffe auf dich. Errette mich von aller meiner Sünde, und laß mich nicht den Tarren ein Spott werden. Es gibt eine Weise in der Arzneikunst, daß man durch kleine Mittel große Krankheiten heilt, indem man die Ursache der Krankheit aufhebt, womit dann die Aeußerungen derselben von selbst wegfallen. Die große Krankheit, an der wir leiden, ist die Weltliebe. Diefelbe macht uns so viele vergebliche Unruhe und obwohl noch Niemand aus der ganzen Welt Etwas mehr mitbekommen hat als einen Sarg, und obwohl wir das in täglicher Erfahrung mit Augen sehen, so ist und bleibt es doch gerade die grobe oder feine Weltliebe, welche uns häufig nicht zu einem redlichen Gottesdienste kommen läßt. Möchten wir immerhin das Geld in die Hand nehmen, wenn es nur das Herz nicht kalt machte gegen Gott und den Nächsten. Möchte der Leib doch sich müde arbeiten, wenn die Seele nur ihre Lebenspfade wandelte! Und gibt es denn kein Mittel gegen die Welt? Es gibt eins, ein kleines aber ein bheilkräftiges. Herr, lehre doch mich, daß es ein Ende mit mir haben muß da liegt die Heilung. Es handelt sich nicht um ein kahles, todtes Wissen, daß wir sterben müssen. Wer wüßte das nicht? Aber unser Herz kümmert sich nicht um das Wissen des Kopfes. Darum ruft der Psalmist Gott den Herrn an, Er möge ihn lehren, daß er sterben müsse. Etwas hat David schon hiervon gelernt nämlich dieses, daß es ein gar jämmerliches Ding um unser Leben ist, wenn wir so bange sein müssen vor dem Gewissesten nämlich vor dem Tode, daß wir nicht einmal ernstlich daran denken mögen. David ist bereit, rechtschaffen an sein Ende zu denken, er wünscht der Wahrheit in's Auge zu sehen, will sich mit dem Tode vertraut machen, damit er nicht wie ein Feigling davonlaufe. Wie wenig ausreichend erscheint da aller Welt Macht und Gut! Wie verschwindend und nichtig erscheinen alle Menschen vor dieser einfachen Wahrheit, daß sie sterben müsfen! Nun, Herr fragt David wes soll ich mich trösten? Wo wäre ein Trost, den der Tod nicht wegwischt? David weiß keinen, es gibt auch keinen außer dem lebendigen Gott. Ich hoffe auf Dich. Darf ich's? Ist es mir erlaubt, mit ganzem Bertrauen auf Gott zu hoffen, daß Er meine Seele nicht im Tode läßt? Ja nur daß diese Hoffnung einen stetigen Begleiter haben muß und einen festen Grund nämlich die Vergebung der Sünden. Stolz -- - - - 566 dürfen wir nicht sein, aber fröhlich sollen wir sein, daß wir Gerechtigkeit und Gnade bei Gott haben durch unsern lieben Jesum Christumi. Gebet. Hilf mir, mein Herr Jesu Christe, daß ich alle Güter und Herrlichkeiten dieser Welt gebrauche als ein Pilgersmann, der morgen wandern soll. Laß mein Herz nicht mehr begehren als das liebe tägliche Brod zu meiner Nothdurft. Gib, daß ich genügsam sei und wie ein Schäflein mit Geringem und Wenigem fürlieb nehme. Behüte mich, daß ich mir ja keinen Mammon mache und mein Vertrauen auf nichts Vergängliches setze, damit es mir nicht hinderlich sei in meiner Sterbestunde. Hilf aber, mein Herr, und neige mein Herz, daß ich erwähle das rechte, gute Theil nämlich Dich, meinen Erlöser, meinen Seligmacher, und an Dir alle meine Lust und Freude habe. Verleihe mir, daß ich nur an meiner Seele reich und im Glauben herrlich und in Dir fröhlich sei, so habe ich genug, hier zeitlich und dort ewiglich, kann willig die Welt segnen und fröhlich und ungehindert von hinnen scheiden. Amen. Vater Unser. Sonnabend nach dem 15. nach Trinitatis. Schache ein Ghenſt barri Mel.: Straf' mich nicht in Deinem Zorn. Betgemeine, heil'ge dich Mit dem heil'gen Dele. Jesu Geist ergieße sich Dir in Herz und Seele! Laß den Mund Alle Stund' Vom Gebet und Flehen Heilig übergehen. D, der unerkannten Macht Von der Heil'gen Beten! Ohne das wird nichts vollbracht So in Freud' als Nöthen: Schritt für Schritt Wirkt es mit Wie zum Sieg der Freunde So zum End' der Feinde. ( Vers 1 und 6 aus: Betgemeine, Heil'ge dich.) Ephef. 3, 13-21. Darum bitte ich, daß ihr nicht müde werdet um meiner Trübfalen willen, die ich für euch leide, welche euch eine Ehre sind. Derhalben beuge ich meine Kniee gegen den Vater unsers Herrn Jesu Christi, der der rechte Vater ist über Alles, was da Kinder heißt im Simmel und auf Erden, daß er euch Kraft gebe nach dem Reichthum seiner Serrlichkeit, stark zu werden durch seinen Geist an dem inwendigen Menschen, und Chriftum zu wohnen durch den Glauben in euren Herzen, und durch die Liebe eingewurzelt und gegründet zu werden; auf daß ihr begreen moget mit allen Seiligen, welches da sei die Breite, und die Länge, und die Tiefe, und die Söhe; und erkennen, daß Chriftum lieb haben, viel besser ist, denn alles wissen, auf daß ihr erfüllet werdet mit allerlei Gottesfülle. Dem 567 aber, der überschwinglich thun kann über Alles, das wir bitten oder verstehen, nach der Kraft, die da in uns wirket, dem sei Ebre in der Gemeine, die in Chrifto Jesu ist, zu aller Zeit, von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen. Welch ein Gebet ist das, welche Fürbitte! Sie geht an die rechte Thür, bittet um die besten Gaben und wurzelt auf dem rechten Grunde. Es wird ja viel gebetet aber wie! 3hr bittet aber krieget nichts, weil ihr übel bittet, schreibt Jacobus. Wir brauchen dabei nicht an das Plappern der Heiden und das nur im Dienst der Eitelkeit stehende Lippenwerk so vieler Christenheiden zu denken; wie viele Gebete kommen nicht vor Gottes Thron, weil sie nicht im Glau- — geschehen, oder weil die Rauchopfer dargebracht werden vor einem Gott, den man nicht kennt, oder den man sich mit den Gedanken seines Herzens zu einem Bilde geschnitt hat, das uns gleich ist. Der Gott, welcher Gebet erhöret, ist der Vater unseres Herrn Jesu Christi. Durch Jesum kommen wir erst zum Bater, und wer den Sohn nicht hat, hat auch den Vater nicht. Der aber ist reich über alle, die ihn anrufen; ein rechter Vater, kein Stiefvater, kein armer irdischer Vater, der nicht helfen kann, nein ein rechter Vater, der Gebete erhören kann, der sie aber auch erhören will; er ist unser Vater in dem Himmel und auf Erden, und der uns so beten gelehret, will uns damit locken, daß wir glauben sollen, Er sei unser rechter Vater und wir Seine rechten Kinder, daß wir getrost und mit aller Zuversicht Ihn bitten sollen, wie die lieben Kinder ihren lieben Vater bitten. Hat man den rechten Gott, so kommt man auch mit Gebet und Fürbitte um die rechten Gaben, nicht um Geld und Gut, nicht vorab um Dinge dieser Welt, welche vergeht mit ihrer Lust und ihrem Weh, sondern um geistliche Güter, daß Er uns Kraft gebe, stark zu werden durch Seinen Geist an dem inwendigen Menschen. Nicht der alte Mensch soll stark werden; der soll abnehmen, muß täglich getödtet werden, nein, der neue, der inwendige Mensch soll wachsen nach allen Seiten daß Christus wohne durch den Glauben im Herzen, daß wir durch die Liebe gegründet und eingewurzelt werden, daß wir durch die alle Erkenntniß übertreffende Liebe Christi erfüllet werden mit allerlei Gottesfülle. Das ist ein Reichthum, dem die Diebe nicht nachgraben, den Motten und Rost nicht verzehren. Wie reich, wie selig kann ein armer Mensch dadurch werden, daß er, der nichts hat, doch alles hat, daß er, der arm ist, doch Viele reich macht. Und nun sich an, worauf der Apostel die Erhörung stützt! Auf den Reichthum Seiner Herrlichkeit, auf den, welcher überschwänglich thun kann über alles, was wir bitten und verstehen. Da wurzelt das Gebet, die Fürbitte fürwahr auf rechtem Grunde. O, so betet alle drauf, betet immer wieder! Heilge Hände hebet auf, heilget eure Glieder! Heiliget das Gebet, das zu Gott sich schwinget, betet, daß es dringet! 1 568 Gebet. Du aber, Herr Jesu, Du Priester in Ewigkeit, bitte für uns, daß wir das„ Abba" lieber Vater lernen. Heilige Du unsere Lippen, reinige Du unsere Herzen und Hände, daß das Gebet nicht verhindert werde sondern als ein Gott wohlgefälliges Rauchopfer allewege aus unseren Herzen und Häusern aufsteige zur Verherrlichung Deines Namens und zum Heil unserer Seelen. Amen. Bater Unser. 16. Sonntag nach Trinitatis. Leben, das den Tod, Mich aus aller Noth Zu erlösen, hat geschmecket, Meine Sünden zugedecket Und mich aus der Noth Hat geführt zu Gott. Mel.: Seelenbräutigam. Großer Siegesheld! Tod, Sünd', Höll' und Welt, Alle Kraft des großen Drachen Hast Du woll'n zu Schanden machen Durch das Lösegeld Deines Blut's, o Held! ( Vers 2 und 4 aus: Wer ist wohl, wie Du.) Luc. 7, 11-17. Und es begab sich darnach, daß er in eine Stadt mit Namen 27ain ging; und seiner Jünger gingen viele mit ihm, und viel Volks. Als er aber nahe an das Stadtthor kam, siehe, da trug man einen Todten heraus, der ein einiger Sohn war seiner Mutter; und sie war eine Wittwe, und viel Volks aus der Stadt ging mit ihr. Und da sie der Herr sabe, jammerte ihn derselbigen, und sprach zu ihr: Weine nicht! Und trat hinzu, und rührete den Šarg an; und die Träger standen. Und er sprach: Jungling, ich sage dir, stebe auf! Und der Todte richtete sich auf, und fing an zu reden. Und er gab ihn seiner Mutter. Und es kam sie alle eine Surcht an, und priesen Gott, und sprachen: Es ift ein großer Prophet unter uns aufgestanden, und Gott hat sein Volk beimgesucht. Und diese Rede von ihm er scholl in das ganze jüdische Land, und in alle umliegenden Länder. Nain heißt die Schöne. Aber in der Welt ist alles nichtig, auch die Schönheit. Es geht ein Leichenzug aus der Stadt, der einige Sohn einer Wittwe wird begraben. Ach dieses betrübte Leben, in welchem Eltern ihre Kinder und Kinder die Eltern begraben müssen! Der Tod ist etwas so Bitteres, Unnatürliches; wir sind so gar nicht zum Tode geschaffen und müssen doch sterben. Denn der Tod ist über uns gekommen als ein Lohn; er ist der Sünde Sold. Wir tragen in der Sterblichkeit unseres Leibes die Wahrheit der heiligen Schrift täglich an uns herum. 569 Der Jüngling war todt. Einen Torten erkennt man daran, daß keine Spur des Lebens an ihm zu finden ist. Die Augen sehen nicht, die Ohren hören nicht, die Füße gehen nicht, das Herz steht still. So ist der Tod. Er ist grausig. Und dieser Tod ist doch nur das Bild des Todes, in welchem die Seele ist ohne Gemeinschaft mit dem lebendigen Gott. An dem Jünglinge ist der Tod unverkennbar dadurch, daß er getragen wird. D merken wir den Tod daran, wenn wir getragen werden. Es gibt Träger, welche die Menschen in allen Lebensaltern hintragen. Gerade die Jugend, welche den Anspruch macht zu leben, soll sich ernstlich darauf ansehen, ob ihr Leben nicht vielmehr ein Tod ist, ob nicht Hoffart und Ungehorsam und Lüge und Unreinigkeit das sind die gewöhnlichsten Leichenträger der jungen Leute bereits zugefaßt haben. Die Mutter weint. Das Herz ist ihr übervoll, daß es in Thränen aus den Augen läuft. Wie wenig Inhalt hat also der Name Nain, d. i. die Schöne! Vielmehr ist es ein Jammerthal. - Da tritt der Herr Jesus an den Sarg. Stille vor Ihm, alle Welt! Weine nicht- spricht Er. Es gibt bei Christo wirklich Trost, nicht scheinbaren, sondern wirklichen, nicht Trost, der doch nicht tröstet, wie der Welttrost ist, sondern gründlichen, herzlichen Trost. Den Sarg rührt der Herr an; die Träger stehen still das ist das Erste. Dann ergeht das Allmachtswort: Jüngling, Ich sage dir, stehe auf! Und der Todte richtete sich auf und sing an zu reden. Offenbar ist das ein Wunder. Wunder ziemen dem, der wunderbar ist. Das Volk sagt recht: es ist ein großer Prophet unter uns aufgestanden. Wir pflichten billig bei und erzählen die Wunder des Herrn: 1) daß Er unseren Seelen noch jetzt Leben einhaucht durch den Geist Seines Mundes, 2) daß Er unsere Leiber auferwecken wird aus der Erde, nachdem Er von den Todten auferstanden ist. Bei ihm ist's zu Ende mit dem Tode, mit dem Weinen, mit den Leichenträgern. Seine heilige christliche Kirche ist in Wahrheit ein Nain, worin Er uns begegnet in Gnade und Wahrheit. Sein Lob soll immerdar in meinem Munde sein und ich will rühmen von der herrlichen Pracht Seines Königreiches. 1 Gebet. Allmächtiger Herr Jesu Christe, der Du bist die Auferstehung und das Leben, gib, daß wir Dich allezeit in diesem Jammerthale mit fröhlichem Glauben erkennen, der Du am jüngsten Tage uns und alle Deine Gläubigen zu ewiger Freude und Herrlichkeit auf erwecken wirst. Amen. Vater Unser. 570 Montag nach dem 16. nach Trinitatis. Mel.: Wachet auf, ruft uns die Stimme. Streitet recht die wen'gen Jahre, Eh' ihr kommt auf die Todtenbahre; Kurz, turz ist unser Lebenslauf. Wenn Gott wird die Todten wecken, Und Christus wird die Welt erschrecken, So stehen wir mit Freuden auf. Gott Lob! wir sind versöhnt! Daß uns die Welt noch höhnt, Währt nicht lange; Und Gottes Sohn Hat längstens schon Uns beigelegt die Ehrenkron'. Jesu, stärke Deine Kinder Und mach' aus denen Ueberwinder, Die Du erkauft mit Deinem Blut. Schaffe in uns neues Leben, Daß wir uns stets zu Dir erheben, Wenn uns entfallen will der Muth. Geuß aus auf uns den Geist, Dadurch die Liebe fleußt In die Herzen So halten wir Getreu an Dir Im Tod und Leben für und für. ( Vers 3 und 4 aus: Rüstet euch, thr Christenleute.) Apostelgesch. 3, 1-11. Petrus aber und Johannes gingen mit einander hinauf in den Tempel, um die neunte Stunde, da man pflegte zu beten. Und es war ein Mann, lahm von Mutterleibe, der ließ sich tragen; und sie serten ihn tåglich vor des Tempels Thür, die da heißt die schöne, daß er bettelte das Almosen von denen, die in den Tempel gingen. Da er nun sabe Petrum und Jobannem, daß sie wollten zum Tempel hineingehen, bat er um ein Almosen. Petrus aber sabe ihn an mit Jobanne, und sprach: Siebe uns an! Und er sabe sie an, wartete, daß er etwas von ihnen empfinge. Petrus aber sprach: Silber und Gold habe ich nicht; was ich aber habe, das gebe ich dir; im Namen Jesu Christi von Nazareth stehe auf und wandele! Und griff ihn bei der rechten Hand, und richtete ihn auf. Alsobald standen seine Schenkel und Knöchel feft; sprang auf, konnte geben und stehen, und ging mit ihnen in den Tempel, wandelte und sprang, und lobte Gott. Und es sabe ihn alles Volk wandeln, und Gott loben. Sie kannten ihn auch, daß er es war, der um das Almofen geseffen hatte vor der schönen Thur des Tempels; und sie wurden voll Wunderns und Entsetzens über dem, das ihm widerfahren war. Als aber dieser Lahme, der nun gesund war, sich zu Petro und Johanne hielt, lief alles Volk zu ihnen in die alle, die da heißt Salomo's und wunderten sich. Es ist nicht eine Ausrede der Verlegenheit, wenn wir sagen, der Herr thue jetzt nur selten solche leibliche, augenblickliche Wunder, dagegen wirke Er von dem Throne Seiner Herrlichkeit die rechten, hehen Werke, und jene leiblichen Heilungen und Erweckungen, von welchen die Schrift erzählt, seien deßhalb als die Vorbilder der fortlaufenden Wirksamkeit Jesu zu betrachten. So reden wir nicht aus Verlegenheit sondern mit Bedacht und fröhlichem Danke gegen Gott. Daß der Herr unsere Seelen erweckt und heilt, ist uns die Haupt 571 sache, weil wir gelernt haben, daß die Seele unser edelster Theil und alle Wohlfahrt des Leibes ohne die Hülfe der Seele nur ein gleißendes Glück ist. Wo sind denn nun die Wunderkräfte, die heilend in dieſe lahme Welt Herniederfließen? Vielfach gilt von der Christenheit dieser Tage: Glauben und Liebe hat sie nicht; Silber und Gold, das sie hat, gibt sie nicht. Aber überall werden Segenspuren und Lebenskräfte des auferstandenen Jesu sich äußern, wo apostolischer Geist und ernstliches Gebet wie dort bei Petrus und Johannes sich finden. Ernstliches Gebet holt noch immer die Hülfe Jesu hernieder. Dort der Lahme, der an des Tempels Thür bettelte, bedurfte der Hülfe so sehr. Aber wo wäre ein Ort und ein Mensch in der Welt, da die Hülfe des hülfreichen Jesu nicht nöthig wäre? Meist fühlt man seine Noth nicht; aber um so größer ist sie. Gottes Gnade muß so gar Alles an uns thun, auch dieses, daß wir dir Noth fühlen. Da heißt es denn: siehe uns an! Man soll die ansehen, die in Jesu Namen kommen; man soll lernen, was es mit dem Namen Jesu Christi von Nazareth auf sich habe, welche Kraft in diesem Namen liegt, welches Heil Gott uns durch denselben bereitet. Wurde nicht der Lahme gefund durch diesen Namen, daß er springen und Gott loben und zur Verwunderung Aller umhergehen konnte? Wir sagen billig: das haben nicht Petrus und Johannes gethan sondern der Herr selbst; wir nennen den gefund gewordenen Mann ein wandelndes Zeugniß für den Namen Jesu. Und weiter ermuntern wir unsere schläfrigen Augen, daß sie sich aufthun, um die zahllosen Wunder der Bekehrung, des Glaubens und der Liebe zu betrachten, die der Herr seit der Apostel Zeiten gewirkt hat. Warum wollen wir selbst nun den Zug des Vaters zum Sohne nicht kräftig in uns werden lassen? Warum laffen wir uns nicht erfüllen von dem Geiste und der Kraft Jesu? So würden wir selbst Friede und Freude haben in der Erkenntniß Gottes und würden für die Unsrigen segens- und lebensreiche Quellen sein. Gelobt sei der große, heilkräftige Name Jesu, der uns bekannt werden und in Seiner Kraft sich an uns erweisen müsse! Gebet. Herr Jesu, Dein Name ist ein festes Schloß und durch Deinen Namen sind Lahme und Kranke gesund geworden; Dein Name ist auch eine ausgeschüttete Salbe. Zu Deinem Namen, lieber Herr, steht all unsere Hoffnung. Mache uns denselben bekannt, kräftig und groß, daß wir in demselben wandeln und nicht müde werden. Amen. Vater Unser. 572 Dienstag nach dem 16. nach Trinitatis. Mel.: Jesu, meine Freude. Meine Seele hanget An Dir und verlanget, Gott, bei Dir zu sein Aller Ort und Zeiten Und mag Keinen leiden, Der ihr redet ein. Von der Welt Ehr', Lust und Geld, Wonach sind so viel beflissen, Mag sie gar nichts wissen. Gottes Güt' erwäge Und dich gläubig lege Sanft in Seinen Schooß. Lerne Ihm vertrauen, So wirst du bald schauen, Wie die Ruh so groß, Die da fleußt Aus stillem Geist. Wer sich weiß in Gott zu schicken, Den fann Er erquicken. ( Vers 2 und 4 aus: Meine Seel ist stille.) Luc. 6, 17-23. Und er ging hernieder mit ihnen, und trat auf einen Platz im Selde, und der Haufe seiner Jünger, und eine große Menge des Volks von allem jüdischen Lande, und Jerusalem, und Tyrus und am Meer gelegen, die da gekommen waren, ihn zu bören, und daß sie gebeilet würden von ihren Seuchen, und die von unsaubern Geistern umgetrieben wurden, die wurden gesund. Und alles Volk begebrete ihn anzurühren; denn es ging Kraft von ihm, und heilete sie alle. Und Er bob feine Augen auf über seine Jünger, und sprach: Selig seid ihr Armen; denn das Reich Gottes ift euer. Selig seid ihr, die ihr hier hungert; denn ihr sollt satt werden. Selig seid ihr, die ihr hier weinet; denn ihr werdet lachen. Selig seid ihr, so euch die Menschen baffen, und euch absondern, und schelten euch, und verwerfen euren amen, als einen boshaftigen, um des Menschen Sohnes willen. Freuet euch alsdann, und hüpfet; denn siebe, euer Lohn ist groß im Himmel. Deßgleichen thaten ihre Våter den Propheten auch. Es wäre Unverstand, sich am hellen Mittage unter die Erde verkriechen und die Sonne anklagen zu wollen, daß sie nicht scheine. Man probire es doch einfach, ob das Sonnenlicht hell und klar ist. So dürfen wir uns nicht allerlei Gedanken über Gott machen, hingegen unser Herz abwärts den Dingen der Welt zugeneigt sein lassen. Jene, von denen uns erzählt wird, gingen einen bessern Weg; sie machten, so viel sie konnten, sich an den Heiland heran und begehrten Ihn anzurühren. Sie fühlten durch das Wort, das ihnen der Herr sagte, einen wunderbaren Zug zu Jesu selbst; so ist es recht, daß auch wir das Wort fleißig und aufmerksam hören und uns von dem Geiste des Wortes ein Herz und Vertrauen zu der lebendigen Person des Heilands machen lassen. Dieses Herzensverlangen ist von Gott und führt zu Gott. Und wie gut, daß Gott einen Nachdruck auf unsern Hang zu Jesu legt. Sonst bliebe trotz aller guten Eindrücke 573 doch vielleicht der tief innewohnende Hang zur Eitelkeit und Creatur in uns. Nun aber weiß Gott auf eine wunderbare Art unsern Herzenszug zum Heilande zu stärken, indem Er die oft bittere aber doch liebe Noth uns zuschickt. Die Seuchen und unsaubern Geister thaten das Ihrige dazu, daß die lieben Leute so munter dabei blieben, den Herrn zu umringen, wie ein guter Schäfer den Hund braucht um die Schaafe an sich zu halten. Willkommen sei uns beides, sowohl der gute Geist vom Vater, der uns zu Jesu führt, als auch die Sonnenhitze der Noth, welche die Knospen des Glaubens und der Liebe zeitigt. Von Jesu geht eine Kraft aus, auch jetzt noch. O wie bin ich deß so herzlich froh. Kann mich am frischen Morgen die Sonne mit ihren Strahlen erfreuen, so ist meines Jesu unerschaffne Liebe und Gütigkeit wie Paradiesesluft für meine erstorbenen Gebeine und mein zerschlagenes Herz. Zwar, Seine Gedanken sind nicht meine Gedanken. Meine Gedanken sind eitel, sind zerstreut, möchten Himmel und Erde aussaugen und ausbetteln, um das kleine Herz zu stillen. Er führt einen andern Weg- in die geistliche Armuth, in die em pfindliche Noth des Hungerns und Dürstens, in Weinen über so viel bis dahin unerkannte Missethat. Aber darum soll ich nicht dem übeln Rathe folgen: segne Gott und stirb; sondern über aller Armuth und Noth und Mühe bricht ja doch der Morgenglanz der Ewigkeit hervor. Es heißt: das Reich Gottes ist euer; ihr sollt satt werden, ihr werdet lachen; freuet euch. Jacob diente sieben Jahre um Rahel und es dünkte ihm, als wären es Tage, so lieb hatte er sie, und es war doch bloß Rahel. Uns müsse Gott Seinen Heiligen Geist verleihen, daß wir Alles für Schaden achten gegen die überschwängliche Erkenntniß Chrifti Jefu. Gebet. Herr Jesu, Licht und Kraft unsrer Seelen, der Du hoch erhöhet bist auf den Stuhl der Majestät Gottes und nahe bift den zerschlagenen Herzen, unseres Herzens Begierde steht zu Dir. Laß Deine große Kraft und Gnade in uns sich offenbaren und führe uns die niedrigen Wege, auf welchen wir Dich finden. In unserm Haufe müffe Deine Ehre wohnen. Amen. Vater Unser. 574 Mittwoch nach dem 16. nach Trinitatis. Eigene Melebie, ober: Nun laßt uns den Leib begraben. Ich hab' vor mir ein schwere Reif Zu Dir in's himmlisch' Paradeis; Da ist mein rechtes Baterland, D Jesu Christ, mein's Lebens Licht, Mein höchster Trost, mein' Zuversicht! Auf Erden bin ich nur ein Gaft Und drückt mich schwer der Sünden Last. Daran Du hast Dein Blut gewandt. Zur Reis' ist mir mein Herz sehr matt, Der Leib gar wenig Kräfte hat; Allein mein' Seele schreit in mir: Herr, hol' mich heim, nimm mich zu Dir! ( Vers 1 bis 3 aus: O Jesu Christ, mein's Lebens Licht.) 2 Cor. 5, 6-11. Wir sind aber getroft allezeit, und wissen, daß, dieweil wir im Leibe wohnen, so wallen wir dem Herrn. Denn wir wandeln im Glauben, und nicht im Schauen. Wir sind aber getroft, und haben vielmehr Luft, außer dem Leibe zu wallen, und dabeim zu sein bei dem Herrn. Darum fleißigen wir uns auch, wir sind daheim, oder wallen, daß wir ihm woblgefallen. Denn wir müssen alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Chriffi, auf daß ein Jeglicher empfange, nachdem er gehandelt hat bei Leibes Leben, es sei gut oder böse. Dieweil wir denn wissen, daß der Herr zu fürchten ift, fahren wir schon mit den Leuten, aber Gott sind wir offenbar. Wir fleißigen uns, daß wir dem Herrn wohlgefallen, wir haben Luſt daheim zu sein bei dem Herrn. Wann ist das bei uns der Fall? Nur dann, wenn wir durch die Erkenntniß Christi, der unsere Sünden ganz und vollkommen gebüßt hat, gewiß sind, daß wir einen gnädigen Gott haben. Sonst ist Unlust zu Gott, Furcht und Angst in unsern Seelen; aber durch die Versenkung in den Werth und die Kraft der Leiden Christi wächst unser Vertrauen zu Gott; und Seine Liebe, daß Er Seinen Sohn uns gegeben, durchdringt uns wie ein stiller, sanfter Strom. Nun ist es uns die Hauptsache, daß wir im Glauben leben und eben denselben dreieinigen Gott, dessen Gegenwart uns in Ewigkeit im Schauen erfreuen wird, jetzt im Glauben umfassen. Und in diesem Glauben sollen wir wacker sein. Ob uns viele Dinge abreißen wollen und Gott manchmal, unsern Ernst und Lauterkeit zu prüfen, Sich uns verbirgt, so bleiben wir doch im Glauben. Wir haben Sein Wort und gnädige Verheißung. Dann aber weiter. Wir sind getroft allezeit. Warum nicht? Ist Gott für uns und das ist Er, so wir anders Christum festhalten, wer will und mag wider uns sein? Also getrost, obwohl allerlei Anwandlungen von Furcht kommen mögen. Und noch weiter. Seitdem wir glauben und uns mit allem Willen Dem ergeben haben, der zur Rechten Gottes sigt und von dannen wallen wiederkommen wird, zu richten die Lebendigen und die Todten, stehen unsere Füße aufrecht und unsere Augen sehen auf Seine große Majestät und unser Herz geht heimwärts zum Vater. Pilgrim, Herberge, diese Schriftausdrücke kommen uns als Wahrheit zum Bewußtsein. Aber dort vor Seinem Angesichte liegt auch unser Gericht. Es ist ein Richterstuhl, vor dem wir Alle offenbar werden müssen. Die Freiwilligkeit ist dann ausgeschlossen. Da wird dann Recht ge= sprochen, wirkliches in Gottes Rechten gegründetes Recht darüber, wie unsere Thaten Werth oder Unwerth haben, sofern sie ein Ausfluß des verborgenen Menschen sind, seines Glaubens oder Unglaubens. Das Recht vor dem Richterstuhle Christi beruht auf göttlicher Allwissenheit und Gerechtigkeit. Dann werden wir offenbar. Wir sind jetzt noch verborgen. Aber darin sollen wir uns gründlich und wesentlich als Christen von der ganzen Welt unterscheiden, daß wir jetzt schon offenbar werden in einer gründlichen Beichte vor dem allwissenden Gott und beichtend leben und sterben. Dann hat der zukünftige Richterstuhl keine Schrecken mehr. Denn wo Beichte ist, ist auch Vergebung der Sünden. Dann mögen wir auch schön mit den Leuten fahren d. i. in tiefer Furcht Gottes alle Liebe und Freundlichkeit in unserm Leben zeigen, damit die Menschen sehen, daß unser Gott ebenso heilig, als auch gnädig und freundlich ist. - 575 Gebet. Herr Jesu Christe, unser Heiland, sei uns gnädig; erhalte uns rein, unsträflich, einfältig, im rechten Glauben und erlöse uns von aller Sünde, Schuld und Furcht des Todes. Schenke uns Deinen Heiligen Geist, daß wir Dir, dem zukünftigen Nichter allein zu gefallen suchen in allem Thun und Lassen. Amen. Vater Unser. Donnerstag nach dem 16. nach Trinitatis. Mel.: Jesus, meine Zuversicht. Meine Seele murret nicht, Ist mit allem wohl zufrieden; Was der eigne Wille spricht, Ift zum Tode schon beschieden; Was die Ungeduld erregt, Ift in Christi Grab gelegt. Meine Seele klaget nicht, Denn sie weiß von keinen Nöthen, Hangt an Gottes Angesicht Auch alsdann, wenn Er will tödten; Wo sich Fleisch und Blut beklagt, Wird das Freudenlicht verjagt. ( Vers 2 und 5 aus: Meine Seele sentet fich.) 2 Cor. 4, 13-18. Dieweil wir aber denfelbigen Geift des Glaubens baben,( nachdem geschrieben stehet: Jch glaube, darum rede ich,") so glauben wir auch, darum so reden wir auch, und wissen, daß der, so den 576 Herrn Jesum bat auferwecket, wird auch uns auferwecken durch Jesum, und wird uns darstellen sammt euch. Denn es geschiehet alles um euretwillen, auf daß die überschwängliche Gnade durch vieler Danksagen Gott reichlich preise. Darum werden wir nicht müde; sondern, ob unser äußerlicher Mensch verweset, so wird doch der innerliche von Tage zu Tage erneuert. Denn unsere Trübsal, die zeitlich und leicht ist, schaffet eine ewige und über alle Maaße wichtige Herrlichkeit, uns, die wir nicht sehen auf das Sichtbare, sondern auf das Unsichtbare. Denn was sichtbar ist, das ist zeitlich; was aber unsichtbar ist, das ist ewig. Es ist ein herrliches Zeichen, das Jesus, unser lieber Herr, durch die Auserweckung des Jünglings zu Nain vollbracht hat. Zu der Mutter sprach der Herr: weine nicht. Sie weinte nämlich so bitterlich. Ostarke Hand Jesu, süßer, kräftiger Mund Jesu, der so kräftig trösten kann und Thaten des Trostes thut! Wir Spätgeborne dürfen, dafür sei Gott ewiglich gepriesen, desselben Herrn Jesu auch noch herzlich froh werden, weil Er so thatenreich und kräftig uns tröstet. Es gibt nämlich eine ewige und über alle Maaßen wichtige Herrlichkeit. Wichtig steht hier in seiner eigentlichsten Bedeutung; die Herrlichkeit hat ein ewiges Gewicht in sich, sie wiegt Alles auf, so daß Einer, der diese Herrlichkeit überschauen und nehmen und auf eine Waagschaale legen könnte und auf die andere Waagschaale aller Welt Schönheit, sehen würde, wie das Gewicht der zukünftigen Herrlichkeit die ganze Weltherrlichkeit wie eine leichte Feder aufwiegen würde. Gottes Augen sehen diese uns bereitete Herrlichkeit; darum wird Sein Mund nicht müde, sie uns anzupreisen, Seine Hand nicht matt, uns dahin zu leiten. Nur die Herzen in die Höhe! Und ob sie wie Blei so schwer sind, sie müssen in die Höhe. Wer Flügel hätte, denkst du. Das ist nicht nöthig. Aber Jesus Christus ist vom Himmel gekommen und hat durch Sein Sterben und Auferstehen ein himmlisches Wesen in die Welt gebracht. Von Ihm müssen unsere Herzen berührt werden, Sein Wort und in Seinem Worte Sein Geist muß die Herrschende Macht in uns werden. Wir müssen glauben in demselben Geiste des Glaubens, den die Apostel empfangen haben. Damit tragen wir die Kräfte der zukünftigen Welt in uns. Sind wir solche Menschen, so mögen wir es mit tiefem Danke gegen Gott erkennen, daß Jesus Christus in uns ist 2. Cor. 13, 5. Die überschwängliche Gnade Gottes muß auch durch uns gepriesen werden. Gott ist treu und Läsfet sein angefangen Werk nicht liegen. Weil wir nämlich solchen Schatz des Glaubens an den lebendigen Heiland in einem Herzen tragen, dessen Dichten und Trachten von ihm selbst nur böse iſt, eine Wahrheit, die wir bei Gefahr unsrer Seelen keinen Tag übersehen dürfen, so eilt die mütterliche Liebe Gottes zu Hülse und sucht unser neues Leben auszubilden und zu entfesseln. Das thut - 577 sie damit, daß sie uns Leiden auflegt, Wünsche versagt, Hoffnungen zerstört, Wege verlegt. Das dürfen wir nicht von uns fortbeten wollen sondern müssen vielmehr lernen, daß in dem Allen die Liebeshand Gottes uns leitet und unsern äußerlichen Menschen zum Tode bescheidet. Wir rühmen uns auch der Trübsale und sind keine Thoren sondern Leute, welchen die Eine köstliche Perle so werth ist, daß sie zu jedem Opfer willig sind, diese zu erlangen. Es ist wirklich eine wichtige Herrlichkeit. Sehen wir sie doch ja recht an. Gebet. Liebster Jesu, Herzog des Lebens, Du bist auch für mich gestorben. Das ist Deine Liebe, um deretwillen ich ein kindliches Zutrauen zu Dir habe und Dich freimüthig bitte. Reiche mir Deine Hand, damit ich auffahre zu Dir. Mein Leben nimmt ab und meiner Tage sind wenige. Hitze und Kälte thun mir ein Leides. O Jesu, Jesu, ber Du dies Gebet Deinem Knechte in's Herz gegeben, erquicke meinen Geist, daß ich glaube und Lobsinge und endlich mit Dir in's ewige Leben gehe. Amen. Vater Unser. Freitag nach dem 16. nach Trinitatis. Mel: Lobe den Herren, den mächtigen 2c. Lobe den Herren, Lobe den Herren, der Alles so herrlich regieret, Der dich auf Adelers Fittigen sicher geführet, Der dich erhält, Wie es dir selber gefällt, Hast du nicht dieses verspüret? der fünstlich und fein dich bereitet, Der dir Gesundheit verliehen, dich freundlich geleitet. In wie viel Noth Hat nicht der gnädige Gott Ueber vir Flügel gebreitet. ( Vers 2 und 3 aus: Lobe den Herren, ben.) Jef. 38, 9-20. Dies ist die Schrift Siskia's, des Königs Juda's, da er krank gewesen, und von der Krankheit gesund geworden war. Ich sprach: Tun muß ich zur Söllen Pforten fahren, da meine Zeit aus, war, da ich gedachte noch långer zu leben. Ich sprach: un muß ich nicht mehr seben den Herrn, ja den Herrn im Lande der Lebendigen; nun muß ich nicht mehr schauen die Menschen bei denen, die ihre Zeit leben. Meine Jeit ist dabin, und von mir aufgerådumet, wie eines Sirten Hütte; und reiße mein Leben ab, wie ein Weber. Er saugt mich durre aus. Du machst es mit mir ein Ende, den Tag vor Abend. Ich dachte: möchte ich bis morgen leben! Aber er zerbrach mir alle meine Gebeine, wie ein Lowe; denn du macheft es mit mir aus, den Tag vor Abend. Ich winselte wie ein Kranich und Schwalbe, und girrete wie eine Taube; meine Augen wollten mir brechen: Herr, 37 578 ich leide Toth, lindre mir's! wie will ich noch reden, daß er mir sugesagt hat, und thut es auch! Ich werde mich scheuen alle mein Lebtage vor solcher Betrübniß meiner Seele. Herr, davon lebet man, und das Leben meines Geistes stehet gar in demselbigen; denn du ließeft mich entschlafen, und machteft mich leben. Siebe, um Troft war mir sehr bange. Du aber haft dich meiner Seele berzlich ans genommen, daß sie nicht verdürbe; denn du wirfft alle meine Sünde hinter dich zurück. Denn die Hölle lobt dich nicht, so růhmt dich der Tod nicht, und die in die Grube fahren, warten nicht auf deine Wahrbeit; sondern allein, die da leben, loben dich, wie ich jetzt thue. Der Vater wird den Kindern deine Wahrheit kund thun. Serr, bilf mir, so wollen wir meine Lieder singen, so lange wir leben. im Sauſe des Herrn. Hiskia, der König war krank zum Sterben. Denn auch Könige find ue sterblich. Er rief Gott innig an; wenn uns kein Mensch mehr helfen kann, Gott kann immer helfen auch den Königen und Großen, wenn sie sich wollen helfen lassen und nicht mehr in der lügenhaften, hochmüthigen Meinung beharren, als hätten sie Gott und Seine Hülfe nicht nöthig. Hiskia wurde wieder gesund; er feiert die Stunde seiner Genesung. Aber wie? Das lesen wir hier. Er zählt es Gott zu Ehren auf, was er in der Krankheit gelernt hat. Erstens, daß alle Menschen nichts sind, denn auch ein König muß unter der Hand Gottes winseln wie ein Kranich. Zweitens, daß Kreuz und Unglück uns Sündern eine große Wohlthat ist; da spüren wir, daß ein lebendiger Gott ist, der unsrer Missethat zürnt und uns wie ein Löwe die Gebeine zerbricht. Der Heiligste ist derjenige, der die tiefste Erkenntniß seiner Sünde und des Ernstes Gottes hat, der die Missethat heimsucht. Drittens, daß das Leben nichtig ist, wie der Faden auf dem Weberstuhle. Keiner ist sicher. Was gethan werden muß, man noch heute. Viertens, daß der öffentliche Gottesdienst eine der größten Wohlthaten im Leben ist. Als Hiskia krank war, wie gerne wäre er in dem Hause Gottes gewesen und hätte den Herrn im Lande der Lebendigen angebetet. Der reiche Mann hat's zu spät erfahren und noch nicht verstanden, daß man Gottes Wort hören muß, um zum Glauben zu kommen. Fünftens lernte Hiskia, daß alle Welt keine einzige Menschenseele trösten kann. Aber Einen Trost gibt es, die gewisse Vergebung aller Sünden, weil es ein Lamm Gottes gibt, das unsere Sünden trägt. Da nimmt sich Gott unfrer herzlich an, wenn wir im Glauben sagen lernen: lieber Vater, mein in Christo versöhnter Vater. Darüber geht nichts im Himmel und auf Erden. Sechstens hat Hiskia gute Vorsätze, die billig mit der Buße und dem Glauben verbunden und auch bei trenem Gebete ausführbar sind. ,, Ich werde mich scheuen all mein Lebetage vor solcher Betrübniß meiner Seele. Der Vater wird den Kindern Deine Wahrheit kund thun." Heil dem T 579 Könige, der so beschließt. Und Heil allen armen Sündern, die also frank und gesund sind. Gebet. O allmächtiger, barmherziger Gott, in dessen Gnade das Leben und der Tod stehet, der Du tödtest und machest wieder lebendig, wie Du dem kranken König Hiskias auf seine Bitte sein Leben verlängert hast, dem doch alsbald zu sterben von Dir gefezet ward; ich bitte Dich durch Jesum Christum, Deinen geliebten Sohn, der das Leben selbst ist, Du wollest mir, der ich in so großer Schwachheit liege, meine Gesundheit und Vermögen wiederum gnädig verleihen, daß ich hinfort mein Leben möge durch deine Gnade bessern, und Dir in allen Dingen gefällig sein. Amen. Vater Unser. Sonnabend nach dem 16. nach Trinitatis. Mel.: O du Liebe meiner Liebe. Herz und Herz vereint zusammen Sucht in Gottes Herzen Ruh'. Laffet eure Liebesflammen Lodern auf den Heiland zu! Er das Haupt, wir Seine Glieder, Er das Licht und wir der Schein; Er der Meister, wir die Brüder; Er ist unser, wir sind Sein. Ach, Du holder Freund, vereine Deine Dir geweihte Schaar, Daß sie sich so herzlich meine, Wie's Dein letzter Wille war. Ja, verbinde in der Wahrheit, Die Du Selbst im Wesen bist, Alles, was von Deiner Klarheit In der That erleuchtet ist. ( Vers 1 und 7 aus: Herz und Herz.) Ephef. 4, 1-6. So ermahne nun euch ich Gefangener in dem Herrn, daß ihr wandelt, wie sich's gebühret eurem Beruf, darinnen ihr berufen seid, mit aller Demuth und Sanftmuth, mit Geduld, und vertraget einer den andern in der Liebe, und seid fleißig, zu halten die Einigkeit im Geift, durch das Band des Friedens. Ein Leib und Ein Geist, wie ihr auch berufen seid auf einerlei Hoffnung eures Berufs. Ein Herr Ein Glaube, Eine Taufe, Ein Gott und Vater( unser) aller, der da ift über euch alle, und durch euch alle, und in euch allen. Zanket nicht auf dem Wege miteinander" sagt Joseph beim Abschiede von seinen Brüdern. Paulus, der Gefangene in dem Herrn" nimmt kurz vor seinem Märtyrertode auch Abschied von seiner Gemeinde in dieser Epistel; und welches ist der Kern seiner Worte? Es ist derselbe: Zanket nicht auf dem Wege mit einander; oder mit seinen Worten: feid fleißig zu halten die Einigkeit im Geist durch das Band des Friedens. Um diese Einigkeit hat der Herr im hohenpriesterlichen Gebete Seinen Vater angefleht, und es ist wahr, wie David sie besingt: Wie lieblich ist es, wenn Brüder einträchtig 37* 580 bei einander wohnen. nung. und Aber wo diese Einigkeit finden? Die Häuser und Gemeinden hallen wieder von Zank und Streit- und das Haus des Herrn Seine Kirche? O die Zeiten sind gewesen, wo die Gemeinde Ein Herz und Eine Seele war. Die Einigkeit fehlt, das Wort: Eine heilige Kirche ist ein Artikel des Glaubens und der HoffEs gibt zwar noch Einigkeiten, die aber aus dem Fleische stammen, Einigkeiten der bösen Buben, die durch Lug und Betrug und Diebstahl und Meineid sich zusammenkoppeln; Einigkeit und Einigungen in dem: Lasset uns essen und trinken, denn morgen sind wir todt; Vereinigungen zwischen Herodes und Pilatus, Schriftgelehrten und Pharisäern in dem wüsten Geschrei: Hinweg mit diesem; auch Einigkeit aus Klugheit um dem Sprüchworte nach zu leben: Friede ernährt, Unfrieden zerstört. Die letztern sind ja besser, als die erstern, kommen aber auch nur aus Fleisch und Blut und bestehen die Feuerprobe nicht. Die Einigkeit im Geist hat nichts mit Fleisch zu thun noch mit fluger Berechnung; sie ist da, wo Gottes Geist ist waltet, wo man ihn walten läßt. Wer diesem Geiste Raum gibt, wer sich durch ihn zur Buße und Glauben bringen, von der Finsterniß zum Licht, von der Gewalt des Satans zu Gott sich bekehren läßt, und wer in Folge dessen nicht nach dem Fleische sondern nach dem Geiste zu leben sich befleißigt, der lernt dies selige Geheimniß der Kindschaft Gottes kennen. Diese Einigkeit trennt manch Mal, was das Blut vereinigt hat, sagt ja auch der Herr: ich bin nicht gekommen Frieden zu bringen sondern das Schwert. Aber sie einigt auch, was nach Geschlecht, Alter, Stand und Vermögen, Bildung und Sitte und Volk verschieden zu sein scheint und ist ein Vorschmack der Gemeinschaft aller Heiligen im feligen Licht. Aber kommt sie schon schwer zu Stande, noch schwerer wird sie erhalten. Denn neben dem Herrn, der da sammelt, ist noch Einer, der gern zerstreut und die zerstreuten Schafe erhascht. Darum ermahnt der Apostel: Seid fleißig, die Einigkeit im Geist zu erhalten, und gibt erst ein allgemeines Mittel- unsern Christenberuf sodann besondere Mittel an, durch welche jene Einigkeit erhalten werden soll: Demuth, Sanftmuth, Geduld und Liebe. Er fügt auch sieben Gründe hinzu, durch welche wir uns zur Einigkeit im Geiste ermahnen lassen sollen; von denen jeder einzelne schon so schwer wiegt, daß, wo noch Zwietracht wäre, sie gänzlich dadurch vernichtet werden sollte. Ein Leib, Ein Geist, einerlei Hoffnung des Berufs, Ein Herr, Ein Glaube, Eine Taufe, Ein Gott und Vater- Einigkeit! 1 -- - - - - — - Gebet. Gnädiger Gott, barmherziger Vater, verleihe uns Deinen Heiligen Geist, damit wir durch denselben mit Christo Jesu Deinem lieben Sohne recht vereinigt und tüchtig gemacht werden, alle fleischlichen Werke abzulegen. Erhalte und stärke uns in Deinem Wort und Glauben bis an unser Ende. Amen. Bater Unser. 581. 17. Sonntag nach Trinitatis. Mel.: Gott bes Himmels und der Erden. Süßer Ruhetag der Seelen, Sonntag, der voll Lichtes ist, Heller Tag der dunkeln Höhlen, Zeit, in der der Segen fließt, Stunde voller Seligkeit: Du vertreibst mir alles Leid. Ruht nur, meine Weltgeschäfte! Heute hab' ich sonst zu thun; Denn ich brauche alle Kräfte, In dem höchsten Gott zu ruhn. Heut' schickt feine Arbeit sich Als nur Gotteswerk für mich. ( Vers 2 und 4 aus: Hallelujah schöner Morgen.) Luc. 14, 1-11. Und es begab sich, daß er kam in ein Haus eines Obersten der Pharifaer, auf einen Sabbath, das Brod zu effen; und sie hielten auf ihn. Und siebe, da war ein Mensch vor ihm, der war wafferfüchtig. Und Jesus antwortete, und sagte zu den Schriftgelehrten und Pharifåern, und sprach: Jft es auch recht, auf den Sabbath beilen? Sie aber schwiegen still. Und er griff ihn an, und heilete ihn, und ließ ihn geben. Und antwortete, und sprach zu ihnen: welcher ist unter euch, dem sein Ochse oder Esel in den Brunnen fällt, und er nicht alsobald ihn herausziehet am Sabbathtage? Lind sie konnten ihm darauf nicht wieder Antwort geben. Er sagte aber ein Gleichniß zu den Gästen, da er merkte, wie sie erwählten obenan zu sitzen, und sprach zu ihnen: Wenn du von Jemand geladen wirst zur Hochzeit, so sete dich nicht obenan, daß nicht etwa ein Ehrlicherer, denn du, von ihm geladen sei; und so dann kommt, der dich und ihn geladen bat, spreche zu dir: ,, Weiche diesem;" und du müffest dann mit Scham untenan siten; sondern wenn du geladen wirft, so gebe bin, und sere dich untenan, auf daß, wenn da kommt, der dich geladen bat, spreche zu dir: Freund, rücke hinauf." Dann wirst du Ehre haben vor denen, die mit dir zu Tische sitzen. Denn wer sich felbft erhöhet, der soll erniedrigt werden; und wer sich selbst erniedriget, der soll erhöhet werden. Die Die Pharifäer wollen hier, wie immer, frömmer sein als der Heiland. Aber es gelingt ihnen nicht, wie es Keinem gelingt wider den Herrn. Es handelt sich um den Sabbath, jetzt um den Sonntag. Das ist ein Ruhetag. Sechs Tage möge man arbeiten, am siebenten ruhen. Wer hierin nicht eine hohe Wohlthat und Gabe erkennt, darf nicht meinen, daß er irgend rechten Verstand habe. Aber mit dem Ruhen ist es allein nicht gethan. Es ist der Tag des Herrn. Der Herr ist groß von Rath und mächtig von That; man achte nur auf das Evangelium. Dieser selbige Herr will uns den Sonntag segnen; der Sonntag ist mithin kein Mantel ohne König, kein Roß ohne Reiter der Herr, der liebe, reiche Herr 582 segnet uns da. Das thut Er durch Sein Wort. Er hat unter uns aufgerichtet das Wort, das die Versöhnung predigt; Sein Wort ist das Heiligthum über alle Heiligthümer, Sein Wort segnet und heiligt Alles. Abraham war ein Mensch wie wir; weil er aber aus dem Worte Gottes lebte, wie ein Durstiger aus dem Brunnen trinkt, so hatte er Gnade und Frieden in seinem Leben. Selig sind, die das Wort Gottes hören und bewahren das macht erst den Sonntag und der Sonntag macht dann die Woche. Entweder ist uns der Sonntag der, gesegnetste unter allen Tagen oder der verfluchteste. Eins muß sein. - - Wo liegt denn nun der Fehler bei den Pharisäern? Sie halten ja Sonntag, sie laden sogar den Heiland zu Tische. Wohl, mur daß nicht das äußere Werk es thut. Nicht die Werke machen die Person fromm, sondern die Person muß erst die Werke gut machen. Und an der Person, an dem inwendigen Herzen mangelt's hier. Sie stecken voll Bosheit und Gift; ihr Werk feiert den Sonntag, ihr Herz ist eine Mördergrube; sie laden Christum zu sich, aber sie sind Seiner heilsamen Lehre gram und böse. Sie gewinnen aber nicht; vielmehr macht der Herr durch das Gleichniß vom Ochsen und Esel alle ihre Gedanken zu nichte, und als nachher der erbärmlichste Hochmuth ihnen aus den Augen sieht, stehen sie vor dem demüthigen Heilande und Seinem Worte ganz vernichtet da. Aber betrachten wir nun noch dieses. Erstens: wenn der Herr Selbst Seine Feinde so liebreich behandelt, wie vielmehr wird Er uns segnen, wenn wir mit aufrichtigen und heilsbegierigem Herzen an Sein Wort gehen! Wollen wir Ihn bewirthen mit dem Verlangen der Seele, mit Glauben und Liebe, wohlan! Er wird es annehmen. Zweitens: danken wir Gott, daß wir noch einen Sonntag haben, noch eine Kirche, in welcher uns Gottes Wort gepredigt wird. Wir haben wirklich eine Seele, die auch leben will; der Mensch lebet aber nur von einem jeglichen Worte, das aus dem Mund Gottes geht. Drittens: der Herr hat einen Greuel an den Hoffärtigen. Wenn David die Versammlung der Boshaftigen haft( Psalm 26), der Herr noch viel mehr; Er ist nicht bei eitlen Leuten und hat nicht Gemeinschaft mit den Falschen. Lauterkeit und Demuth sind aber die Grundzüge des Bildes Gottes auch in uns. Aber eben Demuth! Luther meint, die Demuth sei solch eine wunderbare Sache, daß Keiner, der sie habe, darum wisse, sonst würde er sicher stolz darauf sein. Ob wir sie haben? Gott weiß es. Ob wir danach ringen? Gott sieht es. Jedenfalls sollen wir uns selbst demüthigen und erniedrigen denn Gott widersteht den Hoffärtigen und gibt den Demüthigen Gnade. Gebet. Gott und Heiland, Herr Jesu Christe, der Du bist ein allmächtiger Arzt des Leibes und der Seele; wir danken Dir von ganzem Herzen, daß Du Leib und Seele uns gegeben hast und erhalten willst. Laß uns Deine vielen und großen Wohlthaten 583 erkennen und segne uns Sonntag und Alltag Dein heilsames Wort, daß wir dadurch geheiligt und zum ewigen Leben bereitet werden. Amen. Vater Unser. Montag nach dem 17. nach Trinitatis. Mel.: Gott des Himmels und der Erden. Mache mich zum guten Lande, Wenn Dein Samkorn auf mich fällt; Gib mir Licht in dem Verstande Und was mir wird vorgestellt, Präge meinem Herzen ein, Laß es mir zur Frucht gedeihn. Stärk' in mir den schwachen Glauben; Laß Dein theures Kleinod mir Nimmer aus dem Herzen rauben; Halte stets Dein Wort mir für, Daß es mir zum Leitstern dient Und zum Trost im Herzen grünt. ( Vers 4 und 5 aus: Thut mir auf die schöne Pforte.) Jerem. 17, 21-27. So spricht der Herr: Hütet euch, und traget keine Laft am Sabbathtage durch die Thore binein zu Jerufalem. Und führet keine Laft am Sabbathtage aus euren Häusern, und thut keine Arbeit; fondern heiliget den Sabbathtag, wie ich euren Våtern geboten habe. Aber sie hören nicht, und neigen ihre Ohren nicht; sondern bleiben balsftarrig, daß sie mich ja nicht hören, noch sich ziehen laffen. So ihr mich hören werdet, spricht der Herr, daß ihr keine Laft traget des Sabbathtages durch dieser Stadt Thore ein, sondern denselbigen heiliget, daß ihre keine Arbeit an demselbigen Tage thut: So sollen auch durch dieser Stadt Thore aus- und eingehen Könige und Fürsten, die auf dem Stuhl Davids siten, und reiten und fahren, beides, auf Wagen und Roffen, sie und ihre Sürften, sammt Allen, die in Juda und Jerusalem wohnen; und soll diese Stadt ewiglich bewohnet werden, und sollen kommen aus den Städten Juda's, und die um Jerusalem ber liegen, und aus dem Lande Benjamin, aus den Gründen, und von den Gebirgen, und vom Mittag, die da bringen Brandopfer, Opfer, Speisopfer, und Weihrauch, zum Hause des Herrn. werdet ihr mich aber nicht hören, daß ihr den Sabbathtag heiliget, und keine Last traget durch die Thore zu Jerusalem ein am Sabbathtage: so will ich ein Seuer unter ihren Thoren anstecken, das die Häuser zu Jerusalem verzehren und nicht gelöschet werden soll. Wenn uns ein Bösewicht das Haus anstecken will, wird er es uns gewiß bei einiger Geschicklichkeit nicht sehen und merken laffen. Nachher aber wenn das Haus in Hellen Flammen steht, spüren wir es wohl und merken es, selbst wenn wir tief schliefen, daß es brennt. Wie viel Unheil ist jetzt in der Welt, in den Häusern! Die Herren klagen über die Diener und die Diener über die Herren. Es ist so unheim 584 lich auf Erden; wie von einem unsichtbaren Engel des Mißmuths sind die Herzen belastet. Wie selten findet sich ein herzensfröhlicher, stiller, gelassener Geist! Woher das? Da muß ja eine Ursache sein, woher das kommt. Rathen wir nicht hin und her; der allwissende Gott sagt es ja so deutlich. Er ist es, der das Feuer Seines Grimmes angesteckt hat; darum brennt all unser Muth und Lust dahin wie Stroh im Feuer. Und warum hat Er das gethan? Weil der Sonntag entheiligt wird in unserm Volke. Einzelne machen eine Ausnahme; aber das Volk im Großen hat nichts mehr am Sonntage, als daß es den heiligen Tag zum Sündentage macht. Was sollen wir thun? Zunächst und vor Allem von ganzem Herzen glauben, daß wir unter Gott stehen; Sein Segen ist unser Glück, Sein Fluch unser Verderben. Sodann sollen wir für die eigene Person und das eigene Haus keine Last tragen am Sabbathtage durch die Thore zu Jerusalem d. h. wir sollen wirklich Sonntag halten und die Thore Jerusalems d. i. alle Glieder unfres Leibes, welche der Seele dienen, am Sonntage stille sein lassen, damit die Seele selbst Zeit und Ruhe habe zur Anhörung und Betrachtung des göttlichen Wortes. Wir müssen auch in diesem Stücke die rechtschaffnen Früchte der Buße bringen, nämlich alle Unruhe und Entheiligung des Sonntages abstellen. Sind wir Christen, wohlan so stellen wir uns auch der Welt nicht gleich, die den Sonntag zum Tage der Lust macht. Endlich sollen wir Gott herzlich bitten, daß Er unserm Volke Seine heilige Kirche mit all ihren Wohlthaten nicht nehme, sondern daß die Herzen sich wieder neigen zu Ihm, der Friede und Gerechtigkeit auf die Erde träufeln läßt. Das sollen wir bitten und nicht zweifeln, sondern wenn wir beten und ehe wir beten, gewißlich glauben, daß Gott solch Flehen um die Zukunft Seines Reiches um Christi willen gnädiglich erhöre. Gebet. Lieber Gott, Du sprichst durch Deinen lieben Sohn die selig, so Dein Wort hören. Wie viel billiger wäre es, daß wir Dich, o ewiger barmherziger Bater, ohne Unterlaß mit fröhlichem Herzen selig preiseten, Dir dankten und Dich lobten, daß Du Dich so freundlich, ja väterlich gegen uns arme Würmlein erzeigest und mit uns von der größten und höchsten Sache nämlich vom ewigen Leben und Seligkeit redest. Gleichwohl unterläsfest Du es nicht, uns freundlich zu locken durch Deinen Sohn, Dein Wort zu hören, da Er spricht: Selig sind, die Gottes Wort hören und bewahren; als könntest Du unsers Gehörs nicht entbehren, und als ob wir, die wir Erd und Asche sind, nicht viel tausendmal mehr Deines seligen Wortes bedürften. Owie unaussprechlich groß und wundersam ist Deine Güte und Geduld. Gib uns Deinen Heiligen Geist, der das Wort Gottes in unsere Herzen schreibe, also daß wir es annehmen, glauben und uns deffen in Ewigkeit erfreuen und trösten mögen. Amen. Vater Unser. Dienstag nach dem 17. nach Trinitatis. 585 Mel.: Christus, der ist mein Leben. Ach, bleib' mit Deinem Worte Bei uns, Erlöser werth, Daß uns beid', hier und dorte, Sei Güt und Heil beschert. Ach, bleib' mit Deinem Glanze Bei uns, Du werthes Licht; Dein Wahrheit uns umschanze, Damit wir irren nicht. ( Vers 2 und 3 aus: Ach, bleib mit Deiner Gnade.) Matth. 12, 1-8. Ju der Zeit ging Jesus durch die Saat am Sabbath; und seine Jünger waren hungrig, fingen an Aehren auszuraufen, und aßen. Da das die Pharisäer saben, sprachen sie zu ihm: Siehe, deine Junger thun, das sich nicht ziemet am Sabbath zu thun. Kr aber sprach zu ihnen: Sabt ihr nicht gelesen, was David that, da ihn und die mit ihm waren, bungerte? Wie er in das Gotteshaus ging, und a die Schaubrode, die ihm doch nicht ziemeten zu effen, noch denen, die mit ihm waren, sondern allein den Priestern? Oder habt ihr nicht gelesen im Gesetz, wie die Priester am Sabbath im Tempel den Sabbath brechen, und sind doch obne Schuld? Ich sage aber euch, daß hier der ist, der auch größer ist, denn der Tempel. Wenn ihr aber wüstet, was das sei: Jch babe Wohlgefallen an der Warmherzigkeit, und nicht am Opfer; båttet ihr die Unschuldigen nicht verdammet. Des Menschen Sohn ist ein Herr auch über den Sabbath. - Die Pharifäer verstehen sich nun einmal nicht mit dem Heilande. So ist es kein Wunder, daß sie sich an Seinem Thun und lassen stoßen, ja darauf bedacht sind, sich daran zu stoßen. Daß die Jünger durch das Ausraufen der Aehren einen Diebstahl begangen haben, dürfen die Pharisäer nicht sagen, weil es im alten Testamente erlaubt war 5 Mose 23, 25. So müssen sie die Steine, die sie auf den Herrn werfen, anderwärts suchen. Bei unlauterm, heuchlerischem Wesen steht dem Menschen eine schreckliche Freiheit zu Gebote, und es ist ein gar übeles Zeichen, wenn wir noch sagen und denken dürfen, was und wie wir wollen. Sehen wir, wie die Pharisäer bei ihrem scheinbaren Eifer für das Gute Feinde alles Guten sind, wie sie in Einem Athem damit, daß sie die Jünger der Sabbathsschändung an. klagen, viele Sünden begehen Lieblosigkeit, Heuchelei, Ungerechtigkeit und Unvernunft! Fassen wir doch ja die doppelte Quelle in's Auge, woraus allezeit das pharisäische Wesen entspringt, nämlich erstens eine falsche Schriftauslegung und sodann Unkenntniß der menschlichen Sünde. Eine Quelle vermehrt die andere und beide zusammen erzeugen die entsetzliche Mißgestalt der unfrommen Frömmigkeit. Dagegen bitten wir: bekehre Du mich, Herr, so werde ich bekehrt. Wie heilig ist der Herr! Er ist auch ein Herr des Sabbaths und will freilich,-ja Er, der Herr will es, daß wir die kirchliche Ordnung, den Sonntag in hehen Ehren halten; aber Er will auch, daß wir nicht in knechtischem, bitterfaurem, liebe- und lebelosem Wesen leben sondern wie Kinder in der Furcht Gottes und ungefälschter Nächstenliebe aus demüthigem, lauterm Herzen ihm dienen. Gebet. Gott, Vater aller Barmherzigkeit, wir danken Dir herzlich und allezeit, daß Du uns nach dem überschwänglichen Reichthum Deiner Guaden hast gebracht zu dem Schatz Deines Wortes, darinnen wir haben Erkenntniß Deines lieben Sohnes, das ist ein sicher Pfand unsers Lebens und Seligkeit, die im Himmel zukünftig ist, und bereitet allen, die in reinem Glauben und brünstiger Liebe beständig bis an's Ende beharren; wie wir denn hoffen und bitten, Du werdest uns, barmherziger Vater, erhalten und vollkommen machen mit allen Auserwählten, in einem Sinne, zu gleichem Bilde Deines lieben Sohnes Jesu Christi, unsers Herrn. Amen. Vater Unser. Heilig, Selig, 586 Mittwoch nach dem 17. nach Trinitatis. Hallelujah! Preis, Ehr' und Macht Sei auch dem Gotteslamm gebracht, In dem wir sind erwählet, Der uns mit Seinem Blut erkauft, Damit gesprenget und getauft Und sich mit uns vermählet. Mel.: Wie schön leuchtet der Morgenstern. Ist die Freundschaft und Gemeinschaft, die wir haben Und darinnen uns erlaben. Hallelujah! Gott Heil'ger Geist, Sei ewiglich von uns gepreist, Durch den wir neu geboren, Der uns mit Glauben ausgeziert, Dem Bräutigam uns zugeführt, Den Hochzeitstag erforen. Eia! Eia! Da ist Freude, da ist Weide, da ist Manna Und ein ewig Hosianna! ( Vers 2 und 3 aus: Hallelujah! kob, Preis und Ehr.) Col. 1, 2-8. Gnade sei mit euch, und Sriede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesu Chrifto! Wir danken Gott, und dem Vater unsers Herrn Jesu Chrifti, und beten allezeit für euch, nachdem wir gehöret haben von eurem Glauben an Christum Jesum, und von der Liebe zu allen Heiligen; um der Hoffnnng willen, die euch beigelegt ist im Himmel, von welcher ihr zuvor geboret habt, durch das Wort der Wahrheit im Evangelio, das zu euch gekommen ist, wie auch in alle Welt, und ist fruchtbar, wie auch in euch, von dem Tage an, da ibr es gehöret habt, und erkannt die Gnade Gottes in der Wahrheit. 587 wie ihr denn gelernet habt von Epapbra, unferm Leben Mitdiener, welcher ist ein treuer Diener Chrifti für euch, der uns auch eröffnet bat eure Liebe im Geift. Paulus als ein auserwähltes Rüstzeug hatte der Leiden viel in Christo, aber auch viel Freude und Trost. Gott schüttet bei Seinen Kindern weder alles Glück noch alles Unglück auf einen Haufen sondern gibt es in weiser Abwechselung. Neben den schweren, täglichen Apostelleiden gab es auch hohe Apostelfreuden. Einmal war es dem Apostel Paulus eine Ursache täglicher Freude und täglichen Dankes, daß Gott ihn selbst zur Erkenntniß Christi gebracht hatte. Wie dürr war ihm nun die Pharisäerlehre, wie war sein Geist erfreut durch die Erkenntniß der Wahrheit! Denn nur die Wahrheit in Christo macht frei. Wie war der Apostel nach Geist, Sinn und Gemüth befriedigt und erquickt, seitdem er Christum kannte! Sodann aber war es doch eine nicht geringe Apostelfreude, daß er an Gemeinen wie an die zu Colossä schreiben konnte, wie wir hier hören. Welch ein herzlicher Dank kam aus der Seele des Apostels über diese Gemeine! Das Wort der Wahrheit, das ihnen verkündigt war, hatte reiche Frucht getragen. Es ist so gar betrübt, wenn das Predigen nichts hilft; immerhin betrübt, es liege an dem Prediger oder an den Zuhörern. Denn nicht zum Tand haben wir Gottes Wort, sondern es soll etwas schaffen; es soll ein Same sein bei uns, der seine Frucht trägt. Frucht ohne Gleichen nämlich Glauben, wahrhaftigen Glauben an Christum, welcher Glaube ein Auge in der Seele ist, in welchem sich Christus abspiegelt, oder man mag den Glauben auch eine Hand nennen, die Christum ergreift und mit ihm Gerechtigkeit und Leben. Und wo Glaube ist, evangelischer, aus dem Wort der Wahrheit in einem gedemüthigten Herzen gezeugter Glaube, da ist auch Liebe. Durch den Glauben hangen wir Gott an und durch die Liebe geben wir den Schein des Glaubens von uns. Wir mögen Glauben und Liebe wohl unterscheiden, weil sie unterschieden sind, aber wir dürfen sie nicht trennen; sonst ist der Glaube krank und todt und die Liebe hat keine sprudelnde Quelle im Herzen. Da nun aber der Glaube in diesem Leben nicht den ganzen Reichthum, der in Christo uns geschenkt ist, fassen kann, so tritt die Hoffnung als dritte Frucht des göttlichen Wortes hinzu und die Hoffnung sieht auf das einstweilen noch vorbehaltene Erbe im Himmel. Aber es ist doch für Kinder dieses Erbe da, ein unverwelkliches, unvergängliches Erbe. Kennen wir den Reichthum der Liebe Gottes, den Er in Christo also in unsere Herzen gibt, so können wir auch wohl begreifen, daß die Apostel, die Säulen aller Wahrheitserkenntniß, bei all ihren sauren Tagen voll Lob und Dank sind gegen Gott, daß Er durch das so hohe Barmherzigkeit an uns nichtigen Menschen thut- apostolische Wort der Wahrheit. Wie können wir denn nun so träge sein, daß wir den ewig reichen Gott nicht bitten um apostolischen 588 Glauben, apostolische Liebe, apostolische Hoffnung? Es ist doch nicht gesagt, daß wir Spätgeborne weniger fröhlich glauben und weniger innig lieben sollen. Es müsse unser Wunsch, unser Bitten, unser Flehen sein: Gnade sei mit uns und Friede von Gott unserm Vater und dem Herrn Jesu Christo. Gebet. Gebenedeit und gelobt seist Du Gott, der Vater unseres Herrn Jesu Christi, der Du auch zu diesen lezten Zeiten so viel Herzen erleuchtest und christlichen Verstand erweckst, daß wir unsern einigen Trost nämlich Deinen lieben Sohn Jesum Christum erkennen können. Vollführe nun, Du grundgütiger Gott, Dein Werk und gib, daß die Gnade unseres Herrn Jesu Christi sich immer reichlicher an uns offenbare und wir in herzlichem Glauben und brünstiger Liebe Ihm dienen unser Leben lang. Amen. Vater Unser. Donnerstag nach dem 17. nach Trinitatis. Mel.: Mein Herzens- Jesu, meine Lust, oder: Es ist gewißlich an der Zeit. Zeuch, Israel, zu deiner Ruh, Dein Erbtheil ist dort oben; Dein Jesus schwöret es dir zu, Es sei dir aufgehoben, Er gehet Selber gar voran Und bricht die rauhe Pilgerbahn; Zeuch, Ifrael, in Frieden. Wir seh'n auf Dich, Du A und D, Mit unverwandten Blicken. Dein Dasein macht uns immer froh, Dein Wort kann uns erquicken, Dein Kreuz ist unser Siegspanier. Wir schwören Treu' und folgen Dir Durch diese öden Wüsten. ( Vers 1 und 3 aus: Zeuch, Ifrael, zu deiner Ruh.) Hebr. 4, 1-11. ten. So laffet uns nun fürchten, daß wir die Verheißung, einzukommen zu seiner Ruhe, nicht versäumen, und unser keiner dahinten bleibe. Denn es ist uns auch verkündiget, gleichwie jenen; aber das Wort der Predigt half jenen nichts, da nicht glaubten die, so es horeDenn wir, die wir glauben, gehen in die Rube, wie er spricht: ,, Daß ich schwur in meinem 3orn, sie sollten zu meiner Ruhe nicht kommen." Und zwar da die Werke von Anbeginn der Welt waren gemacht, sprach er an einem Ort von dem siebenten Tage also: ,, Und Gott ruhete am siebenten Tage von allen seinen werken." Und hier an diesem Ort abermal: ,, Sie follen nicht kommen zu meiner Ruhe." Tachdem es nun noch vorhanden ist, daß Etliche sollen zu derselbigen kommen; und die, denen es zuerst verkündiget ist, sind nicht dazu gekommen, um des Unglaubens willen: bestimmte er abermal einen Tag nach solcher langen Jeit, und sagte durch David: ,, Heute, wie gesagt ift, beute, so ihr seine Stimme hören werdet, so verstocker eure Herzen nicht." Denn, so Jofua sie båtte zur Ruhe gebracht, würde er nicht hernach von einem andern Tage gesagt haben. Darum 589 ist noch eine Ruhe vorhanden dem Volk Gottes. Denn wer zu sei ner Ruhe gekommen ist, der ruhet auch von seinen Werken, gleichwie Gott von seinen. So laffet uns nun Sleiß thun, einzukommen zu dieser Ruhe, auf daß nicht Jemand falle in daffelbige Exempel des Unglaubens. Der Der Mensch kann nicht ruhen, bis er zur wahrhaftigen Ruhe gekommen ist. Gott in Seiner großen Barmherzigkeit hat uns eine Ruhe gemacht. So ist denn eine Ruhe vorhanden dem Volke Gottes. Wäre keine Ruhe vorhanden, so wäre es vergeblich, sie zu suchen, so gewiß es der Taube Noah's nicht gelang einen Ort zu finden, da ihr Fuß ruhen konnte. Dank deßhalb der großen göttlichen Barmherzigkeit, der Liebe und der Mühe Jesu, der uns diese Ruhe gemacht hat. Das sagte Er auch, als Er rief: es ist vollbracht. Solche große Worte von der Ruhe Gottes sollen wir billig nicht anders anhören als die süße Mutterstimme Gottes. Israel im alten Bunde kam nicht zur Ruhe. Gott schwur in Seinem Zorn, sie sollten nicht zur Ruhe kommen. Warum nicht? Darum nicht, weil das Wort der Predigt jenen nicht half, da nicht glaubten, die es hörten, d. i. das Wort der Predigt vermischte und vereinigte sich nicht durch den Glauben mit denen, die es hörten. Und dieses Vermischen ist eben nöthig. Der Mensch muß mit der göttlichen Wahrheit, mit Christo Selber Eins werden. So geschieht's durch wahren Glauben, daß Christus im Menschen und der Mensch in Christo ist. Die Frucht dieses Glaubens ist gar herrlich. Denn wir, die wir glauben, gehen in die Ruhe. Und wohin gehen Alle, die nicht glauben? In die Unruhe, welche sie sich selbst, die ihnen die Welt, die ihnen der Teufel, ja die ihnen der lebendige Gott macht. Die Gläubigen gehen in die Ruhe, in die Gewißheit überhaupt; Gewißheit gibt Ruhe. Sie gehen in die Ruhe, welche ist der Frieden mit dem lebendigen Gott durch Christum; in die Ruhe, daß sie durch das fortwährende Empfangen der göttlichen Gnade tüchtig werden, der Sünde die Macht zu nehmen und die Begierden zu tödten. Weil es sich um diese allertheuersten Wahrheiten handelt, wie soll unser Herz bereit sein, die Vermahnung zu hören: so lasset uns nun Fleiß thun, einzukommen zu dieser Ruhe, auf daß nicht Jemand falle in dasselbe Erempel des Unglaubens. Gebet. Herr Jesu Christe, ich weiß ja, daß der wahre, christliche Glaube und das herzliche Vertrauen auf Deinen Namen eine lautere Gabe Gottes ist, die gegeben wird denen, die Deinem Worte gehorchen. Ich danke Dir, daß Du dieses heilige Licht auch in meinem Herzen angezündet hast, daß auch ich, obwohl noch mit großer Schwachheit, jedoch mit solchem schwachen Glauben alle meine Zuversicht auf Dich allein setze. Solchen Glauben erhalte und stärke mir. Amen. Vater Unser. 590 Freitag nach dem 17. nach Trinitatis. MeL: Wie soll ich Dich empfangen. Du, meine Seele, singe, Wohlauf und singe schön Dem, welchem alle Dinge Zu Dienst und Willen stehn! Ich will den Herrn droben Hier preisen auf der Erd'; Ich will Ihn herzlich loben, So lang' ich leben werd'. Ach, ich bin viel zu wenig, Zu rühmen Seinen Ruhm; Der Herr allein ist König, Ich eine welke Blum. Jedoch weil ich gehöre Gen Zion, in Sein Zelt, Ist's billig, daß ich mehre Sein Lob vor aller Welt. ( Vers 1 und 10 aus: Du, meine Seele finge.) Psalm 25, 1-10. Nach dir, Herr, verlanger mich. Mein Gott, ich hoffe auf dich. Laß mich nicht zu Schanden werden, daß sich meine Seinde nicht freuen über mich. Denn Reiner wird zu Schanden, der deiner barret; aber zu Schanden müssen sie werden, die lofen Veråchter. Herr, zeige mir deine Wege, und lehre mich deine Steige! Leite mich in deiner Wahrheit, und lehre mich; denn Du bist der Gott, der mir hilft; tåglich barre ich deiner. Gedenke, Serr, an deine Barmherzigkeit, und an deine Güte, die von der Welt her gewesen ist. Gedenke nicht der Sünden meiner Jugend, und meiner Lebertretung; gedenke aber meiner nach deiner Barmherzigkeit, um deiner Güte willen! Der Herr ift gut und fromm, darum unterweiset er die Sünder auf dem Wege; er leitet die Elenden recht, und lehret die Elenden seinen Weg. Die Wege des Herrn sind eitel Güte und Wahrheit, denen, die seinen Bund und Jeugniß halten. Unser Herz ist meist als wie ein Feldhuhn; wenn es getrieben wird, so läuft es an der Erde immerhin, so lange es einen freien Gang findet. Wo es aber merkt, daß man es allenthalben umgeben hat und jetzt fangen will, so schwingt sich's auf gen Himmel. Wenn wir auf Erden noch einigen Ausgang wissen oder hoffen, so bleiben wir meist an der Erde und vergnügen uns mit dem irdischen Trost. Wenn uns aber die Noth oder die Bosheit ganz umringet hat, wie David, so lernen wir meist den Weg zum Himmel treffen und sind froh, daß uns derselbe noch offen steht. Da uns täglich Noth und Bosheit umringen, so sollten wir billig alle Morgen von der Erde zu Gott hinaufflüchten und sprechen: Mein Gott, ich hoffe auch für diesen Tag auf Dich, laß mich nicht zu Schanden werden, denn keiner wird zu Schanden, der Deiner harret. Das aber hilft nur dem etwas, der sich an die rechte Stelle begibt, um aufzumerken. Wenn ein Bettler sich an eine Straße stellt, welche von Menschen nie betreten wird, so darf er sich nicht wundern, wenn ihm kein Wohlthäter be gegnet. Und wenn ein Mensch auf Wegen wandeln will, die Gott 591 verabscheut, so wird ihm Gottes Gnade nicht begegnen können. Darum Herr, zeige mir heute Deine Wege, leite mich in Deiner Wahrheit und lehre mich. Wenn Jemand fleißig und treu an seiner Arbeit und dabei aufrichtigen Herzens ist, so ist Gottes Güte nicht ferne von ihm. Das zeigt die Erfahrung von der Welt Her, so lange die Erde steht. Alte Sünden von der Jugendzeit her haben sich bei den meisten Menschen so lange zwischen Gott und das Herz gedrängt, daß das Herz den vollen Frieden Gottes nicht hat finden und genießen können. Aber die Begierde nach dem vollen Frieden kann in keiner aufrichtigen Seele ausgelöscht werden. Täglich muß sie rufen: Ach, wäre doch vor Gott das Gedächtniß meiner verstockten, unsinnigen und verblendeten Stunden ausgestrichen. Und der Herr ist gut und fromm, unterweiset den Sünder auf dem Wege der Bekehrung und dann thut Er mehr, als wir begehren. Er läßt dem bekehrten Menschen seine früheren Sünden noch zum Segen werden. Denn die Wege des Herrn sind eitel Güte und Wahrheit denen, die Seinen Bund halten. Mit Lügen konnte Gott Seinen Knecht David nicht weißbrennen. Seine Wege sind Wahrheit. Er konnte nicht leugnen, daß David eine schwere Sünde gethan Hatte. Aber Er hat ihm die Sünde vergeben und zum Segen werden lassen. So werden alle Bundesgenossen Gottes, wenn sie am letzten Tage ihres Lebens auf die Vergangenheit zurückschauen, lobpreisend von jedem Tage bekennen müssen, daß Gottes Wege mit ihnen eitel Güte und Wahrheit gewesen sind. Gebet. Herr, Du erhöreft die Stimme meines Flehens. Du bist mir Stärke und Schild. Auf Dich hofft mein Herz. Wenn ich Dich anrufe in der Noth, hilfst Du mir. Habe ich viele Bekümmernisse in meinem Herzen, so ergötzen Deine Tröstungen meine Seele. Ich will Dir lobsingen um Deiner Güte willen. Erhalte Du mein Herz in Deiner Wahrheit. Amen. Vater Unser. Sonnabend nach dem 17. nach Trinitatis. Mel.: Dir, Dir Jehova will ich fingen. Herr, gib Dein Wort mit großen Schaaren, Ach, laß Dein Wort recht schnelle laufen Die in der Kraft Evangelisten sein! Es sei tein Ort ohn' dessen Glanz und Schein. Laß eilend Hülf' uns widerfahren Und brich in Satans Reich mit Macht hinein. D, breite, Herr, auf weitem Erdenkreis Dein Reich bald aus zu Deines Namens Preis. Ach, führe bald dadurch mit Haufen Der Heiden Füll' in alle Thore ein! Ja, wecke doch auch Israel bald auf! Und also seg'ne Deines Wortes Lauf! ( Vers 5 und 7 aus: Wach auf, Du Geist) 592 1 Cor. 1, 4-9. Ich danke meinem Gott allezeit eurethalben, für die Gnade Gottes, die euch gegeben ist in Chrifto Jesu, daß ihr seid durch ihn an allen Stücken reich gemacht, an aller Lehre, und in aller Erkenntniß. wie denn die Predigt von Chrifto in euch fråftig geworden ist, also, daß ihr keinen Mangel babt an irgend einer Gabe, und wartet nur auf die Offenbarung unsers Herrn Jesu Christi; welcher auch wird euch feft behalten bis an's Ende, daß ihr unstråflich seid auf den Tag unsers Herrn Jesu Christi. Denn Gott ift treu, durch welchen ihr berufen seid zur Gemeinschaft seines Sohnes Jefu Chrifti, unsers Herrn. Als die siebenzig Jünger, welche der Herr aussandte, das Evangelium zu predigen, mit Freuden wiederkommen und berichten können: Herr, es sind uns auch die Teufel unterthan in Deinem Namen: da freute Sich Jesus im Geist, wie Lucas im 10. Capitel berichtet und sprach: Ich preise Dich, Vater und Herr Himmels und der Erden, daß Du solches den Weifen und Klugen verborgen hast, und hast es geoffenbaret den Unmündigen. Worüber freut Sich da der liebe Herr, wofür dankt Er so herzlich? Etwa dafür, daß Sein himmlischer Vater es den Klugen und Weisen verborgen hat? Gott hat nach Seinem Liebesrath Seinen Sohn der ganzen Welt geschenket, so daß alle Menschen frohlocken dürfen: Uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben. Er ist die Versöhnung für der ganzen Welt Sünde; es ist nicht des heiligen Gottes Wille, daß Jemand verloren gehe. Er will, daß allen Menschen geholfen werde, und daß sie Alle, Alle zur Erkenntniß der Wahrheit kommen. Darum geht auch der Apostel Wort aus in alle Lande und ihre Rede bis an der Welt Ende. Die Weisen aber und Klugen, welchen der Rath Gottes zu unserer Seligkeit verborgen bleibt, das sind die, welche in ihrer eigenen Klugheit weise sein und Gott in Seiner Weisheit nicht erkennen wollen, wie die Pharisäer und Schriftgelehrten, welche Gottes Rath wider sich selbst verachteten. Ueber solches Widerstreben, über solche Blindheit und Verstockung freut Sich der Herr nicht, es jammert Ihn vielmehr; wie Er über Jerusalem Thränen weint, so hat Er gewiß mit Thränen in den Augen und tiefster Betrübniß Seiner Seele das Urtheilswort gesprochen, was alle Schuld den Menschen zuschreibt: Ihr habt nicht gewollt!" Der Herr dankt nicht für die Blindheit der Weisen und Klugen, daß sie Sein Evangelium nicht haben annehmen wollen, sondern Er dankt dafür, daß Gott die Unmündigen erleuchtet, die sich wie Kinder, von Gott noch gerne lehren lassen. Wie der liebe Herr nun über den fröhlichen Fortgang des Evangelii froh ist und Gott dankt, eben so macht es der treue Apostel in dem vorgelesenen Worte; er danket Gott, daß die Corinther das Evangelium haben angenommen, und durch dasselbe in allen Stücken reich gemacht sind. Er tröstet auch die Christen, Gott werde sie bei solcher erkannten Wahrheit bis an's Ende zur Seligkeit halten. Darf das auch von dir gehofft werden? Prüfe Du mich, mein Gott, und erfahre, wie ich es meine, und siehe, ob ich auf verkehrtem Wege bin, und führe Du mich auf ewigem Wege. Gebet. Herr Gott, Vater, Sohn und Heiliger Geist, behalte mich und mein Haus doch fest in wahrem Glauben und christlichem Leben bis an das Ende, damit wir unsträflich seien auf den Tag unseres Herrn Jesu Chrifti, hochgelobet in Ewigkeit. Amen. Vater Unser. - 593 18. Sonntag nach Trinitatis. Eigene Melodie. Wie schön leuchtet der Morgenstern Von Gott kommt mir ein Freudenschein, Voll Gnad' und Wahrheit von dem Herrn, Wenn Du mit Deinen Neugelein Die süße Wurzel Jesse! Mich freundlich thust anblicken. Du, Sohn Davids aus Jacobs Stamm, Mein König und mein Bräutigam, Haft mir mein Herz besessen! Lieblich, Freundlich, D Herr Jesu, mein trautes Gut! Dein Wort, Dein Geist, Dein Leib und Blut Mich innerlich erquicken. Nimm mich Freundlich Schön und herrlich, groß und ehrlich, In Dein' Arme, daß ich warme werd' reich von Gaben, von Gnaden, Hoch und sehr prächtig erhaben. Auf Dein Wort komm ich geladen. ( Vers 1 und 4 aus: Wie schön leuchtet der Morgenstern.) Matth. 22, 34-46. Da aber die Pharisäer höreten, daß er den Sadducåern das Maul geftopfet batte, versammelten sie sich. Und Einer unter ihnen, ein Schriftgelehrter, versuchte ihn, und sprach: Meister, welches ist das vornehmste Gebot im Gefer? Jesus aber sprach zu ihm: Du sollst lieben Gott, deinen Herrn, von ganzem Herzen, von ganzer Seele, und von ganzem Gemüth. Dies ist das vornehmste und größefte Gebot. Das andere aber ist dem gleich: Du sollst deinen Tächsten lieben als dich selbst. In diesen zweien Geboten banget das ganze Gesetz und die Propheten. Da nun die Pharifaer bei einander waren, fragte sie Jesus, und sprach: Wie důnkt euch von Chrifto? Weß Sohn ist er? Sie sprachen: Davids. Er sprach zu ihnen: Wie nennet ihn denn David im Geist einen Herrn, da er sagt: ,, Der Herr hat gesagt zu meinem Herrn: Sege dich zu meiner Rechten, bis daß ich lege deine Seinde zum Schemel deiner Süße?" So nun David ihn einen Serrn nennet, wie ist er denn sein Sohn? Und iemand konnte ihm ein Wort antworten, und durfte auch Tiemand von dem Tage an binfort ihn fragen. 38 594 Das Gesetz, dessen ganzen Inhalt unser Herr hier zusammenfaßt, nennt der Apostel heilig, recht und gut Röm. 7, 12. Wie sollte es nicht heilig sein, da es ja von Gott stammt, göttlicher Natur und Art ist? Daß das Gesetz von Gott ist, gibt demselben solch hohes Ansehen; ob es vor tausenden von Jahren gegeben ist, so hat es heute noch dieselbe Gewalt. Als ein heiliges Gesetz fordert es ganzen Gehorsam; wer hier an Einem sündigt und wäre es auch nur in Gedanken, ist des Ganzen schuldig. Und wer übertritt, muß die Heiligfeit des Gesetzes erfahren in dem Fluche, welchen Gott auf alle Uebertreter legt. Was Wunder, daß dieses Gesetz, wo es Einem so nahe kommt wie dort am Sinai dem Volke Israel, Furcht und Schrecken anrichtet. Man laffe nur irgend eins der zehn Gebote wie eine Sonne auf sich scheinen und nehme demselben seine Schärfe nicht, so wird daraus ein gewaltiger Rumor in unserm Innern entstehen. Auch die geringste böse Lust wird von dem Gesetze gestraft. Recht ist das Gesetz auch. Oder wäre es nicht recht, daß man den nächsten lieben soll wie sich selbst? So weit auch unser natürliches Herz in Neid, Schadenfreude, hartem Urtheil, falschem Zeugnisse, Lieblosigkeit von der Nächstenliebe entfernt ist, so gewiß bleibt das Gesetz Gottes recht. Und wie recht ist das Gesetz, daß wir Gott von ganzem Herzen lieben sollen! Ist Gott doch so gut und gnädig und schön, von dem wir jeden Augenblick Gutes empfangen! Kann doch kein Theil unseres Herzens Ruhe finden, so lange nicht das ganze Herz den ewigen, dreieinigen Gott umfaßt! Ebenso ist das Gesetz auch gut. Welches Gute fehlte einem Menschen noch, dessen Herz diesen Schatz hat, nämlich wahrhaftige, innige Liebe zu Gott und ungefärbte Liebe zum Nächsten? Wäre es nicht wie ein Vorgeschmack des Paradieses, wenn in unsern Häusern, in Aller Herzen das gute Gottesgesetz die herrschende Lebensmacht wäre? Da wäre kein Raum für Lüge und Untreue, kein Raum für ein böses Wort und bittern Zorn. Mithin wer will es bei richtiger Erkenntniß dem göttlichen Gesetze abstreiten, daß es heilig, recht und gut ist? Als aber Gott dieses Gesetz gab, schrieb Er es in Stein. Damit ist nicht bloß die Dauer des Gesetzes angedeutet, sondern es ge= schah auch darum, weil Gott keinen andern Raum fand für Sein Gesetz. Die Herzen der Menschen, in welche Er das Gesetz hätte schreiben mögen, waren bereits von dem Gesetz der Sünde eingenommen. Da war kein Raum für das gute Gesetz: liebe Gott und liebe den Nächsten, weil die Welt- und Selbstliebe bereits alle Winkel der Herzen erfüllt hatten. Darum freuen wir uns nun unseres Heilandes von ganzem Herzen, der wahrer Gott und wahrer Mensch und deß Name uns eine ausgeschüttete Salbe ist. Nicht von unserm Dünken oder von dem Widerspruche der Hölle hängt es ab, wer Christus ist; die Sonne bleibt Sonne, ob Menschen in ihrer Thorheit sie auch für 595 einen schwarzen Punkt erklärten. So ist Christus, der Er ist, nämlicher wahrer Gott und wahrer Mensch. Uns Sündern hat Er ein Testament gemacht in Seinem Blute zur Vergebung aller Sünden, die wir am Gesetze gethan haben. So lange das in unsern Kirchen gepredigt wird, sollte man die Kirchen fast von Gold bauen. Wo aber Christus Glauben findet mit Seinen hohen Wohlthaten, und wo das menschliche Herz in bußfertiger Sündenerkenntniß dem Worte Gottes glauben und still oder laut bekennen kann: ich glaube die Vergebung aller Sünden, da fließt auch durch Gottes Gnade ein neuer Lebensstrom in unser Herz, nämlich die Liebe zu dem lebendigen Gott und zu dem Nächsten bricht wie ein scheinendes Licht hervor. Es sei uns recht merkwürdig, daß dasselbe neue Testament, welches durch das Blut Christi uns Vergebung der Sünden gibt, nach Ebräer 8 zugleich darin besteht, daß Gott Seine Gesetze in unsern Sinn und in unser Herz, also nicht mehr in die Steine schreibt. Dasselbe Gesetz, das uns außer Christo ein heller Spiegel der Sünde ist, wird uns durch Christum eine Regel des neuen Lebens. So dünket uns von Christo, daß Er unser allertheuerster Heiland ist, Gott von Gott und Mensch von Maria der Jungfrau, gelobet über Alles! Gebet. O Herr Jesu, Davids Herr und Sohn, der Du das Gesetz für uns erfüllt hast und willst, daß wir nach Dir allein fragen sollen, um Vergebung der Sünden und ewiges Leben zu erlangen, wir bitten Dich, lehre uns die zwei großen Fragen vom Gesetz und Evangelium recht zu unterscheiden, Dich mit festem Glauben für unser Heil zu erkennen und aus herzlicher Dankbarkeit in Liebe zu Gott und dem Nächsten zu leben. Dazu hilf uns und tritt alle unsere Feinde unter unsere Füße. Amen. Vater Unser. Montag nach dem 18. nach Trinitatis. Mel.: Schmücke bich, o liebe Seele. König, dem kein König gleichet, Dessen Ruhm kein Mensch erreichet, Dem als Gott das Reich gebühret, Der als Mensch das Scepter führet, Dem das Recht gehört zum Throne Als des Vaters ew'gem Sohne, Den so viel Vollkommenheiten Krönen, zieren und begleiten. Herrsche auch in meinem Herzen Ueber Zorn, Furcht, Lust und Schmerzen. Laß mich Deinen Schuß genießen, Laß mich Dich im Glauben küssen, Ehren, fürchten, loben, lieben Und mich in Gehorsam üben; Hier mit leiden, hier mit streiten, Dort mit herrschen Dir zur Seiten. ( Vers 1 und 6 aus: König, dem kein König gleichet.) 38* 596 4 Mof. 9, 15-23. Und des Tages, da die Wohnung aufgerichtet ward, bedecte fie eine Wolke auf der Hütte des Jeugnisfes; und des Abends bis an den Morgen war über der Wohnung eine Gestalt des Seuers. Also geschab es immerdar, daß die wolke sie bedeckte, und des Nachts die Gestalt des Seuers. Und nachdem sich die wolke aufhob von der Hütte, so zogen die Kinder Israel; und an welchem Ort die Wolke blieb, da lagerten sich die Kinder Israel. Nach dem Wort des Herrn zogen die Kinder Israel, und nach seinem Wort lagerten fie fich. So lange die Wolke auf der Wohnung blieb, so lange lagen fie stille. Und wenn die wolke viele Tage verzog auf der Wohnung, so warteten die Kinder Ifrael auf die Sut des Herrn, und zogen nicht. Und wenn es war, daß die Wolke auf der Wohnung war etliche Anzahl der Tage; so lagerten sie sich nach dem Wort des Herrn, und zogen nach dem Wort des Herrn. Wenn die Wolke da war von Abend bis an den Morgen, und sich dann erhob, so zogen fie; oder wenn sie sich des Tages oder des achts erhob, so zogen sie auch. Wenn sie aber zween Tage oder einen Monat, oder etwa lange auf der Wohnung blieb, so lagen die Kinder Israel, und zogen nicht; und wenn sie sich dann erhob, so zogen sie. Denn nach des Herrn Munde lagen sie, und nach des Herrn Munde zogen sie; daß sie auf des Herrn Hut warteten, nach des Herrn Wort durch Mose. Ifrael zieht die lange Straße durch die Wüste. Dieſe Wüstenreife in ihrer langen Dauer und Schwierigkeit wird mit Recht als ein sehr treffendes Vorbild des Christenlebens betrachtet. Wie hätte Israel reifen mögen, wenn nicht Gott dafür gesorgt hätte, daß das Volk auch in der Wüste einen hinreichenden Schutz und Führer gehabt hätte? Dazu diente dem Volke jene merkwürdige Säule, die des Tages eine Wolke war und des Nachts Fener. Diese Wolke deckte und leitete. das Volk. Ruhte die Wolke, so ruhte auch das Volk; erhob sich die Wolke, so zog das Volk von dannen. Offenbar eine gar wunderbare Sache. Eben das müssen wir lernen, daß unser Gott wunderbar ist. Haben wir Ihn dafür noch nicht erkannt, so kennen wir Ihn überhaupt nicht. In der das Volk begleitenden Wolke ist uns die Wahrheit vorgebildet, daß Christus, wahrer Gott und wahrer Mensch, Seiner Gemeine gegenwärtig ist. War jene Wolke wunderbar, Christus ist viel mehr wunderbar. Er heißt geradezu, Wunderbar." Ohne jene Säule wußte Israel nicht Weg und Steg; auf die Wolke mußten sie sehen, um sich zurecht zu finden. Und so bekennen wir gern, daß wir ohne Christum keinen Weg wissen, um mit Gott versöhnt zu werden, um Gerechtigkeit und Frieden zu erlangen. Wäre Er uns nicht erschienen, wir säßen noch in Finsterniß und Schatten des Todes. Unter der Leitung der Wolke ging die Reise gut. Wenn sich die Wolke erhob, wurden alle Feinde flüchtig und zerstreut; wenn die Wolke ruhte, kam der Herr zu der Menge der Tausende in Israel. 597 In solcher Abhängigkeit sollen wir uns auch befinden; wir sollen Glieder Christi sein, die Er, das Haupt, regiert und nach Sich zieht; wir sollen Seine Jünger sein, die täglich von Ihm lernen und mit Ihm umgehen. Herr, bleibe bei uns. Wir müssen es lernen, unausgesetzt aufzusehen auf Jesum den Anfänger und Vollender des Glaubens. Wie das Volk sich bei der Wolken- und Feuersäule wohl befand, so werden wir durch eine genaue und innige Vereinigung mit Christo Gnade um Gnade, allerlei geistliche Gaben der Erkenntniß und Weisheit, der Gerechtigkeit und Stärke von Ihm empfangen. Wohl uns dieses feinen Herrn! Gebet. Herr Jesu, siegreicher Held über alle Feinde, gesegnetes Haupt, das alle Glieder segnet, habe zu allen Zeiten und auch jetzt inbrünstigen Dank, daß Du Dich unserer so treulich erbarmet haſt. Ach, laß unsrer Keinen unter Deinen elenden Feinden erfunden werden, die Dein Wort nicht wollen wahr sein lassen und Deine große Herrlichkeit, weil sie dieselbe nicht erkennen, lästern. Gib, daß wir wachsen in Deiner Gnade und Erkenntniß bis an ein seliges Ende. Amen. Vater Unser. Dienstag nach dem 18. nach Trinitatis. Mel.: Nun ruhen alle Wälder. Mein Alles, was ich liebe, Mein Alles, was ich übe, Sei mein Herr Jesus Christ, Weil ich in Ihm besitze, Was einer Seele nütze, Was einem Menschen köstlich ist. Das Herz kann nichts ergründen, Was nicht in Ihm zu finden: Da wird es satt und voll. Denn das ist Gottes Wille, Daß alle Gottesfülle In Ihm leibhaftig wohnen soll. ( Vers 1 und 2 aus: Mein Alles, was ich liebe.) Phil. 3, 3-11. wir dienen Gott im Geist und rühmen uns von Christo Jesu, und verlaffen uns nicht auf Fleisch, wiewohl ich auch babe, daß ich mich Sleisches rühmen möchte. So ein Anderer sich důnken låßt, er moge sich Sleisches rühmen; ich viel mehr, der ich am achten Tage beschnitten bin, einer aus dem Volk von IJsrael, des Geschlechtes Benjamin, ein bråer aus den Ebråern, und nach dem Geset ein Pharifåer, nach dem Eifer ein Verfolger der Gemeine, nach der Gerechtigkeit im Geser gewesen unstråflich. Aber was mir Gewinn war, das habe ich um Chrifti willen für Schaden geachtet. Denn ich achte es alles für Schaden gegen der überschwänglichen Erkenntniß Chrifti Jefu, meines Herrn, um welches willen ich alles habe für Schaden gerechnet, und achte es für Dreck, auf daß ich Chriftum gewinne, und in ihm erfunden werde daß ich nicht habe meine Gerechtigkeit, die aus 598 dem Geser, sondern die durch den Glauben an Christum kommt, nämlich die Gerechtigkeit, die von Gott dem Glauben zugerechnet wird; zu erkennen ihn, und die Kraft seiner Auferstehung, und die Gemeinschaft seiner Leiden, daß ich seinem Tode ähnlich werde; da= mit ich entgegegen komme, zur Auferstehung der Todten. Hier hören wir Einen reden, der eine hohe Meinung von Christo hat. Es war auch einmal eine Zeit in dem Leben des Apostels, da er anders stand. Die Lehre der Pharisäer, die lange eingesogene Meinung und die natürliche Hoffart des Herzens machten ihn zu einem besondern Feinde Jesu, dieses Heilandes der Armen. Paulus hatte es weit in der pharisäischen Weise gebracht, er war ein Eiferer. Um so sichtbarer und größer ist das Werk der Gnade Gottes in ihm. Seitdem ihm das geistliche Wesen des göttlichen Gesetzes und die tiefe Verderbniß des menschlichen Herzens aufgeschlossen worden ist, sieht er Christum mit ganz andern Augen an. Es ist eine überschwängliche Erkenntniß, die er von Christo hat. Alles Andere mag er gar nicht mit Christo vergleichen er nennt es Schaden. Seine eigene Gerechtigkeit sieht er wie ein tausendfach durchlöchertes Kleid an; da findet er keine wahre Liebe zu Gott und keine wahre Liebe zum Nächsten sondern nur Selbstsucht, und Selbstsucht war's, daß er sich selbst ſo lange nicht erkennen konnte. Dagegen leuchtet ihm Christi heiliges Leiden und Auferstehung wie die helle Morgenfonne in's Angesicht. Ist es Gerechtigkeit, so sieht er sie nur in Christo; ist es Weisheit und Stärke, so liegt sie in Chrifto verborgen; ist es Heiligung und Erlösung und es sei, was es sei, wonach die menschliche Seele dürftet, es liegt Alles in Christo. Wie sollte bei solcher überschwänglichen Erkenntniß Christi nicht ein Doppeltes statthaben, nämlich einmal die tägliche, dankbare Freude, mit Christo durch das Taufsacrament gliedlich und wahrhaftig verbunden zu sein, und sodann die tägliche, tiefe Sehnsucht des Herzens, immer völliger mit dem Freunde der Seele bekannt zu werden, immer tiefer durch den Glauben einzubringen in die gnadenreichen Quellen des Leidens und der Auferstehung Jesu. Seine Leiden, wenn sie vor unserer Seele stehen, erwecken zur Buße, Seine Auferstehung erquickt die matten Kräfte und bewegt das Herz zu einem tapferen Muthe. Er lebt ja und wie sollte Er Seine Glieder lassen? Darum können wir es nicht ändern, daß wir laut und fröhlich halten zu dem Namen Jefu, der unseres Angesichtes Hülfe ist, man fegne oder fluche uns darüber. - - Gebet. Herr Jesu, wie soll ich Dich genugsam loben! Du bist meine Gerechtigkeit. Meine Sünde wird Deine Gerechtigkeit nicht unterdrücken und Deine Gerechtigkeit wird mich keinen Sünder bleiben lassen. Gelobet seist Du, o mein Erbarmer. Dein Name müsse mir eine ausgeschüttete Salbe und ein festes Schloß sein. Amen. Vater Unser. 599 Mittwoch nach dem 18. nach Trinitatis. Mel.: Komm, o komm, Du Geift des Lebens, ober: Gott bes Himmels und der Liebe, die mich hat gebunden An ihr Joch mit Leib und Sinn; Liebe, die mich überwunden Und mein Herz hat ganz dabin; Liebe, Dir ergeb' ich mich, Dein zu bleiben ewiglich. ( Vers 1 und 5 aus: Liebe, bie Du mich zum Bilde.) Liebe, die Du mich zum Bilde Deiner Gottheit hast gemacht; Liebe, die Du mich so milde Nach dem Fall hast wiederbracht; Liebe, Dir ergeb' ich mich, Dein zu bleiben ewiglich. en. 1 Theff. 4, 9-12. Von der brüderlichen Liebe aber ist nicht noth euch zu schreiben; denn ihr seid selbst von Gott gelehret, euch unter einander zu lieben. Und das thut ihr auch an allen Brüdern, die in ganz Macedonien find. Wir ermahnen euch aber, lieben Brüder, daß ihr noch völliger werdet; und ringet darnach, daß ihr stille seid, und das eure schaffet, und arbeitet mit euren eigenen Händen, wie wir euch geboten haben; auf daß ihr ehrbarlich wandelt gegen die, die draußen sind, und ihrer Feines bedürfet. Das ganze Reich Gottes ist ein Geheimniß, und die Liebe sowohl die brüderliche Liebe als die allgemeine ist nicht das geringste der Geheimnisse. Auf nichts macht der Mensch so leicht Anspruch, als daß er Liebe habe. Freilich liebt der Mensch auch wohl, und wie es scheint auch den Nächsten. Aber seien wir gewiß, daß Gottes Wort nie falsch ist, und daß von dem bösen Dichten und Trachten des menschlichen Herzens unsere Liebe auch krank und vergiftet ist. Bei wahrer Selbsterkenntniß wird sich uns zeigen, daß unsere Liebe zum Nächsten ihren Quellgrund in der Selbstliebe hat und nur so lange Stich hält und unverdrossen ist, als die Selbstliebe ungekränkt bleibt. Wird diese auf die Probe gestellt, so welkt die Liebe zum Nächsten gar bald dahin wie eine wurzellose Pflanze. Mißmuth, Klage, Verdrosfen= heit kommen an's Tageslicht. So ergeht's unsrer natürlichen Liebe oft schon den eigenen Hausgenossen gegenüber. Und doch sollen wir lieben, wahrhaftig lieben, ja den Nächsten lieben wie uns selbst, nicht mit Worten sondern mit der That und Wahrheit. Die in Thessalonich übten solche Liebe. Aber das ist ein Geheimniß, wie man zu solchem Liebesleben kommt. Durch die Liebe geht der Mensch nämlich aus sich heraus in Langmuth, Freundlichkeit, Wahrheit, Geduld, Barmherzigkeit. Wie soll das aber aus uns herausfließen täglich, wenn wir nicht die Quelle im Herzen haben? Und wie sollen wir diese Quelle der Liebe in uns haben, wenn Gott sie nicht hineinschafft? Das thut Er aber, wenn wir, ehe wir in der Liebe zum Nächsten ausgehen wollen, zuerst in Gott, der die Liebe ist 600 hineingehen. Da gilt es freilich die Sparren und Balken, die unt sern Weg versperren, hinwegthun, nämlich in aufrichtiger Buße die vielen Verkehrtheiten unseres Lebens und Wesens abthun; da gilt es täglich stille sein, ganz stille und sich versenken in den Reichthum des göttlichen Wortes, in die unergründliche Liebe Jesu, der für uns ge= storben ist; da gilt es, sich in dieses Meer göttlicher Gnade und Erbarmung eintauchen lassen durch innigen Glauben, damit daraus hervorkomme ein liebefertiger Geist. Wobei wir noch zweierlei in Acht nehmen wollen, erstens daß das Reich Gottes wie ein Senfkorn iſt und schon der Anfang der Liebe in unsern Herzen uns zu Gottes Lobe erwecken muß und sodann, daß wir die Erweisungen der Liebe nicht in großen Dingen suchen dürfen sondern in täglicher Demuth, Freundlichkeit, Treue, Fleiß, Lauterkeit im eigenen Hause und in dem verborgenen Berufe. Gebet. Herr Jesu, Dein Wort ist eine rechte Lehre. Du offenbarst uns, daß Du die einige Quelle aller Liebe bist. Herr hilf doch, daß wir Dich im Glauben recht erkennen und Dich mit all Deinen Tugenden der Demuth, Geduld und Leutfeligkeit umfassen, damit solcher Glaube dann aus uns hervorbreche wie ein stilles, freundliches Licht der Liebe, das Allen leuchtet, die in unserm Hause sind. Amen. Vater Unser. Donnerstag nach dem 18. nach Trinitatis. Tea dichselno mein Feele Mel.: Wie nach einer Wasserquelle. Selig, wer im Glauben kämpfet! Selig, wer den Kampf besteht Und die Sünden in sich dämpfet Selig, wer die Welt verschmäht! Unter Christi Kreuzesschmach Jaget man dem Frieden nach. Wer den Himmel will ererben, Muß zuvor mit Christo sterben. Werdet ihr nicht treulich ringen Sondern träg' und lässig sein, Eure Neigung zu bezwingen, So bricht eure Hoffnung ein; Ohne tapfern Streit und Krieg Folget niemals rechter Sieg; Wahren Siegern wird die Krone Nur zum beigelegten Lohne. ( Vers 4 und 5 aus: Schaffet, schaffet Menschenkinder.) Coloff. 2, 5-10. Denn ob ich wohl nach dem Fleisch nicht da bin, so bin ich aber im Geist bei euch, freue mich, und sehe eure Ordnung, und euren festen Glauben an Christum. wie ihr nun angenommen habt den Herrn Chriftum Jesum, so wandelt in ihm; und seid gewurzelt und erbauet in ihm, und seid fest im Glauben, wie ihr gelehret seid, und seid in demselbigen reichlich dankbar. Sebet zu, daß euch Tiemand beraube durch die Philosophie und lose Verführung nach der Menschen Lehre, und nach der Welt Sagungen, und nicht nach 601 Chrifto. Denn in ihm wohnet die ganze Sülle der Gottheit leibhaf tig. Und ihr seid vollkommen in ihm, welcher ist das Haupt aller Fürstenthümer und Obrigkeit. Der Glaube soll in einem Christen sein nicht wie eine eingegebene Arznei, welche bloß eine bestimmte Zeit wirket und darnach mit ihrer Kraft zu Ende ist, sondern der Glaube soll in einem Christen sein wie ein aus der Ohnmacht oder aus dem Tode erwecktes Herz, welches darnach nicht mehr abläßt zu schlagen. Und das neue Leben soll in einem Christen sein nicht wie die Bewegung einer Kugel, welche nur so lange läuft, wie sie geschoben ist, und darnach stille steht, sondern das neue Leben soll in einem Christen sein wie die Bewegung und Regung eines Menschen, der vom Schlafe aufgeweckt ist und nun wach bleibt und arbeitet. Die Gläubigen, welche den Herrn Jesum zu ihrem König, Hirten und Heiland angenommen haben, sollen auch in Ihm zu wandeln wissen; denn was hilft es, daß ein Mensch eine Herrliche Rüstung und stattliches Königsgewand zu Hause hinter verschlossenen Thüren einmal angezogen hat, wenn er nicht auch auf den Kampfplatz damit treten, seine Waffe führen und sich zu der Fahne seines Landesherrn bekennen kann? Was hilft es, daß Jemand in seiner Kammer ein Vaterunser betet, und hernach den Namen Gottes entheiliget, Sein Reich verhindert und aufhält und sein Brod mit Sünden isset? Was hilft es, wenn Jemand an seinem Tische ſagt: Komm Herr Jesu, sei unser Gast! und hernach für den Herrn Jeſum kein Auge hat, wenn dieser ihm bittend entgegentritt, kein Ohr, wo Er ihm Etwas verbietet. Wer die Liebe Jesu sich erbittet, der soll auch die Liebe und Freundlichkeit Jefu seinen Schmuck sein lassen sein Leben lang. Es ist aber offenbar, daß der Apostel die Christen nicht nur ermahnt, in der Nachfolge Jesu zu wandeln, sondern auch mehr und mehr in Ihm sich zu befestigen. Sie sollen tiefer Wurzel in Ihm schlagen und sich also auf Ihn gründen, daß auch weder Noth noch Tod sie von Ihm abreißen kann. Dies ist nun die Glaubensübung, welche zugleich eine tägliche Vorbereitung zum seligen Sterben ist. Solchen Christen ist es nicht genug, Christum nur obenhin zu erkennen, und Ihn mit einem schwachen, unklaren, ungläubigen Glauben zu ergreifen, sondern sie verlangen einen sichern, trotzenden, unbeweglichen Glauben. Sie treiben ihre Seelenkräfte immer tiefer in den Grund der Liebe Jesut, sie suchen ihr Haus auf den Felsen zu bauen und zu verwehren, daß das Gewässer es nicht umreißen möge. Dies geschieht aber durch die Mittel, die der Herr dazu verordnet hat. Sie streichen an dem Magnetstein des göttlichen Wortes die beweglichen Gedanken ihres Herzens, damit sie die rechte Richtung halten lernen. Sie überdenken fleißig ihren Taufbund. Sie gehen zurück in ihr vergangenes Leben und betrachten die mancherlei Güte und helfende Gnade Gottes. Sie genießen das hochwürdige Liebesmahl mit solcher Begierde, als ob sie es zum letzten Mal nehmen wollten. Sie reden mit dem Herrn und fangen immer von vorne an ihren Bund mit Ihm zu machen: O Jesu, ich bin Dein, ich lasse Dich nicht, Du segnest mich denn. Sie üben sich in Seinem Gehorsam und in der Zucht der Wahrheit. So sammelt man in gesunden Tagen, wie die Bienen bei schönem Wetter, viel Honig. So wird man im Glauben fest und wohlgerüst durch des Heiligen Geistes Trost. Gebet. Herr Jesu, Du Herr aller Dinge und Haupt der Gemeine, der Du allein den wahren Glauben an Dich in unsern Herzen erweckst, anfängst und zum ewigen Leben vollendest, wir bitten Dich auch jetzt, daß Du Deine Gnade in uns vermehren wollest, damit wir reich werden an Erkenntniß, Glauben und Liebe. Amen. Vater Unser. 602 Freitag nach dem 18. nach Trinitatis. Mel.: Mir nach! spricht Christus. Ach, läut're doch noch in der Zeit, Was Deinen Flammenaugen Im klaren Licht der Ewigkeit An mir noch nicht kann taugen! Mach mich auch von dem Liebsten frei, Daß ich Dein reines Opfer sei. Ja, werde mir, mein theures Lamm, In meiner Seele größer. Entzünde Deine reine Flamm' In meinem Herzen besser, Vis mir Dein Geist durchaus verklärt, Du seist allein nur liebenswerth. Gr Und dem Engel der Gemeine zu Ephesus schreibe: Das sagt, der da hålt die sieben Sterne in seiner Rechten, der da wandelt mitten unter den sieben goldenen Leuchtern: Ich weiß deine Werke, und deine Arbeit, und deine Geduld, und daß du die Bösen nicht tragen Fannst; und haft versucht die, so da sagen, sie seien Apoftel, und sind es nicht, und haft sie Lügner erfunden; und vertrågst, und hast Geduld, und um meines Tamens willen arbeitest du, und bift nicht můde geworden. Aber ich habe wider dich, daß du die erste Liebe verläsfest. Gedenke, wovon ou gefallen bift; und thue Buße, und thue die ersten Werke. Wo aber nicht, werde ich dir kommen bald, und deinen Leuchter wegstoßen von seiner Ståtte, wo du nicht Buße thuft. Aber das hast du, daß du die werke der Nicolaiten baffeft, welche ich auch haffe. Wer Ohren hat, der höre, was der Geist den Gemeinen fagt: Wer überwindet, dem will ich zu effen geben von dem Solz des Lebens, das im Paradies Gottes ift. ( Bers 5 und 7 aus: Du bist allein nur liebenswerth.) Mal. Mochs mit me Gate nach deine Offenb. Joh. 2, Wie gefährlich und verantwortungsvoll ist doch das Amt der Seelenhirten und Geistlichen in der Gemeinde. Sie werden hier zwar 603 mit einem hohen Namen geehret. Sie heißen Engel oder Gesandte Gottes, wie auch der Prophet Maleachi 2, 7 von ihnen schreibet: des Priesters Lippen sollen die Lehre bewahren, daß man von seinem Munde das Gesetz suche, denn er ist ein Engel des Herrn Zebaoth. Sie werden mit den Sternen des Himmels verglichen, wie schon Daniel 12, 3 ihnen verheißt: die Lehrer werden leuchten wie des Himmels Glanz, und die Viele zur Gerechtigkeit weisen, wie die Sterne immer und ewiglich. Aber wie die Sterne des Himmels in die allmächtige Hand Gottes gegeben sind, daß Er sie leuchten läßt nach oder daß Seinem Willen und führet ihr Heer bei der Zahl heraus Er sie auslöscht am Firmament und läßt sie verschwinden in der Finsterniß, so sind die Seelen aller Prediger und Hirten der Gemeinde dem Sohne Gottes in die rechte Hand gegeben, daß Er sie auslöschen kann mit ewiger Finsterniß, wenn sie ihren Dienst nicht treu und redlich thun, dazu Er sie bestellt hat. Ihr Dienst ist aber dieser, daß von ihrem Hirtenamte aus die Strahlen des himmlischen Lichtes in die Seelen der Gemeindeglieder hineinstrahlen sollen, gleichwie der fiebenarmige Leuchter im Tempel des Herrn das heilige Del und das heilige Licht durch den Dienst des Priesters empfing, der ihn erst anzünden mußte. Ach, wie sehr sollten daher christliche Gemeinden für ihre Seelsorger beten, denn alle Finsterniß und Untreue, welche in der Seele des Predigers verbleibt, wird der Gemeinde zum Schaden, weil das Licht des Herrn nicht rein und helle von ihm ausstrahlen kann, und alle Sünden und Gottlosigkeiten, welche in der Gemeinde geduldet werden, die werden von dem Geistlichen und von der Gemeinde gefordert, weil sie das reine heilige Licht, welches in allen Häusern und Herzen leuchten sollte, so schmachvoll verdunkeln. Hierüber schreibt der Herr vom Himmel an den Seelenhirten von Ephesus ein ernstes Wort. Wir wissen von dem Manne, daß er ohne müde zu werden gearbeitet hat um des Namens Jefu willen. Er konnte die Bösen und die Seelenverführer nicht ertragen, und das wird an ihm gelobt. Er ließ sich auch persönliche Mühe nicht verdrießen. Als ihm einst der Apostel Johannes einen Jüngling übergab, dessen Seele er bewahren möchte, da nahm er ihn in sein eigenes Haus und hegte und pflegte ihn, belehrte und ermahnte ihn und betrübte sich sehr, als derselbe dennoch wieder in die Welt und ein wildes Sündenleben hineinlief. Aber damit fand er nicht einmal Gnade vor einem menschlichen Vorgesetzten. Schon der Apostel Johannes hatte ihm gesagt, die wahre treue Liebe müßte noch weiter gehen, und hier schreibt ihm der Herr: eines habe Ich wider dich, daß du die erste Liebe verläsfest. Ach, wie könnte dein Leben und das Leben deiner Gemeinde so anders sein, wenn ihr die Herzlichkeit und Innigkeit, die Einfalt und Wahrhaftigkeit, die ihr in der ersten Zeit eurer Bekehrung hattet, jetzt auch noch besäßet. Ift denn Seine Liebe während dieser Zeit älter und fälter geworden? Wie ist sie alle Morgen frisch und neu. Aber ihr habt euch jetzt an die - Sprache Canaans gewöhnt, ihr habt in der Welt Widerstand gefunden und auch an Christen böse Erfahrungen gemacht. Nun ist eure Liebe in Gefahr zu erfalten und man merkt nicht mehr an euch die stille selige Freude wie am Anfang, nicht mehr die Freundlichkeit und das zutrauliche Wesen wie früher, sondern ihr seid hart geworden und von der ersten Liebe gefallen. Darum thue Buße, du ganze Gemeinde, thue Buße, du einzelne Seele, kehre zur ersten Liebe zurück, sonst gehst du verloren. Ueberwinde die Schläfrigkeit, überwinde die Gleichgültigkeit und Herzenshärtigkeit; wer überwindet, der wird essen vom Baum des Lebens im Paradiese. 604 Gebet. Herr Jesu, Deine Liebe ist jeden Morgen neu und Deine Barmherzigkeit währet für und für. Du bist gestern und heute und in Ewigkeit derselbe in Deiner Liebe und Treue. O Herr, thue uns an mit Deiner Wahrheit, stärke die müden Kniee, die lahmen Herzen, die matten Hände, und ob wir der Hindernisse und Feinde viel haben in unserm Pilgerlauf, so wollest Du uns doch stärken und festbehalten in Deinem Worte und Glauben und uns Alles überwinden helfen. Amen. Bater Unser. Sonnabend nach dem 18. nach Trinitatis. Mel.: Wer weiß, wie nahe mir mein Ende. Mein Gott, ach, lehre mich erkennen Den Selbstbetrug und Heuchelschein, Daß viele, die sich Christen nennen, Mit nichten Christi Jünger sein. Mein Gott, Mein Gott, Ach wirk' zu Deinem Ruhm In mir das wahre Christenthum. Hilf, daß ich Dir allein ergeben Und mir ganz abgefaget sei. Laß mich mir sterben, Dir zu leben; Ach, mach' in mir, Herr, alles neu. Mein Gott, Mein Gott, Ach wirk' zu Deinem Ruhm In mir das wahre Christenthum. ( Vers 1 und 2 aus: Mein Gott, ach, lebre mich erkennen.) Ephef. 4, 22-28. So leget nun von euch ab, nach dem vorigen Wandel, den alten Menschen, der durch Lüfte in Irrthum sich verderbet. Erneuert euch aber im Geiste eures Gemüths; und ziehet den neuen Menschen an, der nach Gott geschaffen ist in rechtschaffener Gerechtigkeit und Heilige keit. Darum leget die Lügen ab, und redet die Wahrheit, ein Jeglicher mit seinem Tächften, sintemal wir unter einander Glieder sind. Jürnet und fündiget nicht; laffet die Sonne nicht über eurem Jorn untergeben. Gebet auch nicht Raum dem Låfferer. Wer gestohlen bat, der steble nicht mehr; fondern arbeite, und schaffe mit den Sånden etwas Gutes, auf daß er babe zu geben dem Dürftigen. 605 In Griechenland hielt man dem Hercules zu Ehren einen Spieltag von Fechten, Springen und Ringen. Ein ehrbarer Mann kam und wollte auch zusehen, fand aber keinen Platz zum Sißen, er mochte sich darnach umsehen, wie er wollte, ja etliche spotteten seiner und Höhneten ihn. Als er aber unter die von Sparta kam, da standen Alle sofort auf und machten aus Ehrerbietung vor dem Alter Platz, Knaben, Jünglinge, Männer. Da nun die Griechen dieses an den Spartanern selbst loben mußten, gingen dem alten Manne die Augen über, er konnte es aber nicht lassen die Bemerkung zu machen: Alle Griechen wissen wohl, was ehrlich sei und was sich schickt, aber nur die von Sparta thun, was sie wissen, das gerecht und gut sei. Nimm daran ein Erempel, mein Lieber. Wie viele Christen wissen es wohl und können auch gar davon reden, was ein Christ thun soll, aber fie thun es nicht. Der Herr Jesus klagt Selber darüber: Es werden nicht Alle, die zu mir sagen: Herr, Herr, in das Himmelreich kommen, sondern die den Willen thun Meines Vaters im Himmel. Ehe du weiter liefest und hörst, frage erst den Herrn, wie die Jünger thaten: Herr, bin ich's? Und dann laß von Paulus durch diese Epistel dich ermahnen, daß du es fernerhin besser machst. Ein Christ soll ein Christ sein und kein Heide und zwar allewege. Ein Christ sein am Sonntage, am Festtage, in der Kirche, wenn Glaubenslieder gesungen und das Glaubensbekenntniß vorgelesen wird, oder auch nur des Morgens und Abends, wenn du deine Morgen- und Abendgebete hältſt, das ist gar wenig. Wahrlich, um dieser armen Minuten, armer Andacht willen hat der Herr Christus nicht in der Krippe gelegen und am Kreuz gehangen. Nein, wenn du gräbst und arbeitest, wenn dich hungert und dürstet, wenn du isfest und trinkst, wenn du handelst und wandelst, wenn du lebst und stirbst, sollst du ein Christ sein. Das Bekenntniß im Leben ist die Feuerprobe für alles Bekenntniß. Hält es hier nicht Stich, so ist es Schlacke und Stroh gewesen. Es gilt täglich: Ablegen nach dem vorigen Wandel den alten Menschen, der durch Lüste in Irrthum sich verderbet; es gilt täglich: erneuert euch im Geiste eures Gemüthes und ziehet den neuen Menschen an, der nach Gott geschaffen ist in rechtschaffener Gerechtigkeit und Heiligkeit. Das ist eine saure Arbeit. Man zieht den alten Menschen nicht so leicht aus, wie man einen Rock ablegt und in den Schrank hängt, und den neuen Menschen nicht so leicht an, wie man den Sonntagsrock anzieht. Aber im Herrn haben wir Gerechtigkeit und Stärke, mit und in Ihm können wir Thaten thun. Und selig sind Seine Knechte, welche der Herr findet also thun. Wahrlich, Er wird solche Treue segnen und frönen nach Seiner Verheißung. Gebet. Herr Hilf, daß wir Dir alle dienen lernen in rechtschaffener Gerechtigkeit und Heiligkeit. Herr hilf, daß wir Deinen Heiligen Geist, damit wir versiegelt sind auf den Tag der Erlösung, nicht - — 606 betrüben, sondern mit Freuden des jüngsten Tages warten, wo wir in vollkommener Heiligkeit Dich ewig loben wollen, daß Du uns erlöset baft, Du getreuer Gott. Amen. Vater Unser. Nun kaust mn De 19. 19. Sonntag nach Trinitatis. Hom Mel.: Wach' auf, mein Herz, und finge. Ein Arzt ist uns gegeben, Der selber ist das Leben; Christus für uns gestorben Hat uns das Heil erworben. Sein Wort, Sein' Tauf', Sein Nachtmahl Dient wider allen Unfall; Der Heil'ge Geist im Glauben Lehrt uns darauf vertrauen. Durch Ihn ist uns vergeben Die Sünd', geschenkt das Leben; Den Himmel soll'n wir haben, O Gott, wie große Gaben! ( Vers 4 bis 6 aus: Nun laßt uns Gott dem Herrn.) Matth. 9, 1-8. Da trat er in das Schiff, und fuhr wieder berüber und kam in feine Stadt. Und siehe, da brachten sie zu ihm einen Gichtbrüchigen, der lag auf einem Bette. Da nun Jesus ihren Glauben sabe, sprach er zu dem Gichtbrüchigen: Sei getroft, mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben. Und siehe, etliche unter den Schriftgelehrten sprachen bei sich selbst: Dieser låstert Gott. Da aber Jesus ihre Gedanken sabe, sprach er: Warum denket ihr so Arges in euren Serzen? Welches ist leichter, zu sagen: Dir sind deine Sünden vergeben; oder zu sagen: Stebe auf und wandele? Auf daß ihr aber wiffet, daß des Menschen Sohn Macht habe auf Erden, die Sünden zu vergeben( sprach er zu dem Gichtbrüchigen): Stebe auf, bebe dein Bette auf, und gehe beim! Lind er stand auf, und ging beim. Da das Volk das sahe, verwunderte es sich, und pries Gott, der solche Macht den Menschen gegeben hat. Das Heil des Sünders steht in Vergebung der Sünden. Wo diese ist, da ist auch Leben und Seligkeit. Es sind vier Ursachen, durch welche wir allein die Vergebung der Sünden haben können; die bewirkende Ursache ist die Barmherzigkeit und freie Gnade Gottes; die verdienstliche Ursache ist das Leiden und Sterben Christi; die Mittelursache ist der Glaube, die Hand, die solches Gut ergreift, die darbietende Ursache ist Gottes Wort und Sacrament. Wo diese vier Ursachen in einem Herzen zusammenwirken, wird und darf das Herz glauben und der Mund bekennen: ich glaube an die Vergebung der Sünden. 607 Bei Gott allein ist die Bergebung Pf. 130. Man kann sie weder in Rom noch in Jerusalem noch an irgend einem Orte der Welt finden, wenn man sie nicht bei dem dreieinigen Gott sucht. Gott will vergeben; das beschwört Er Jesaias 45. D welch eine Trostesfille liegt in diesem beschwornen Liebeswillen des höchsten Gottes! Und der Mensch soll zu einer solchen Gewißheit der Vergebung kommen, daß er auch schwören kann: mir ist vergeben. Gott kann vergeben, weil all Seine Rechte und Gerechtigkeiten darunter nicht leiden, indem Er die Sünde geſtraft hat in dem Leiden und Sterben Christi. Und Unvergibt wie dem recht gethan hätte, wenn er das wahrhaftige Wort Jesu auch nur einen Augenblick hätte bezweifeln wollen. 1 Ist dir vergeben? Wem vergibt Gott? Nur Einem Herzen, dem zerbrochenen und zerschlagenen. Selig sind die geistlich Armen die bekommen's. denen gilt's. Selig sind die Leidtragenden Selig sind die Hungernden und Dürstenden- denen wird Vergebung zu Theil. Man muß dahin kommen, daß man zu dieser Klasse gehört. Kann ich dazu kommen? Ohne Zweifel. David kam an dem Tage dazu, als Nathan ihm bezeugte: Du bist der Mann- des Todes, der Schuld. Dieser Nathansspruch liegt in jedem der zehn Gebote. Man nehme nur die göttliche Wahrheit ins Gewissen, und der Weg auf die Armesünderbank ist nicht weit. Aber kann ich denn von mir wissen, ob ich ein zerbrochenes Herz habe? Ohne Zweifel; denn Armuth macht sich fühlbar, Neue und Leid nagen am Herzen. Und wo das ist, gehört Einem das Himmelreich, Brod und Speise muß Einem werden. Zeit und Stunde ist dem Herrn vorbehalten, der den Einen bald, den Andern später durchblicken läßt in das Geheimniß der Gnade Gottes. Für den Gichtbrüchigen war diese Stunde da; er mag schon lange darauf gewartet haben. Unter allen Schrecken des Gewissens sah der Herr ein Senfkorn von Glauben, von inniger Sehnsucht nach Gott. Diesen Glauben entzündet Er durch das Wort: Deine Sünden sind dir vergeben. Sie sind's will widersprechen, wo Gott spricht? Das kann nur der Teufel sein und was mit dem Teufel zusammenhängt. So spricht Gott jetzt noch im Nachtmahl, Tauf und Wort zu dir. Hast du Ihn nicht gehört, so bitte um Ohren, die Gott hören, eben Gott, auch wenn Er durch Menschenmund spricht. Und dann glaube, so gut du kannſt; glaube mit Zweifel, glaube ohne Zweifel; glaube trotz Zweifel, glaube, bis du schwören kannst: alle meine Sünden sind mir vergeben. Uebung macht auch hier den Meiſter. wer 14 - Und wer glauben kann, denke nicht, daß er ohne den Heiland leben könne und dürfe. Der Heiland bleibt der Heiland auch der Gläubigen, der zu heilen hat, wie dort der Gichtbrüchige nach der Vergebung Befehl bekommt zu wandeln. Je kindlicher im Gehorsam, je treuer im Aufsehen auf Christum, um so fester wird der Glaube. 608 Je gewisser aber der Glaube, um so ernster die Heiligung. Gläubig und heilig läßt sich wohl unterscheiden, aber nimmermehr trennen. Gott hat's zusammengefügt. Gebet. Ach gnädiger Herr Jesu, der Du uns in Deinem Wort die tröstliche Stimme hören läsfest: Dir sind deine Sünden vergeben, wir danken Dir, daß Du durch Deine Wunden allen unsern Schaden geheilt und uns solche große Gnade gegeben hast. Wir bitten Dich, laß uns nicht mit den Heuchlern dawider murren sondern Deine große Gnade recht erkennen und fest dabei beharren, Du Heiland der armen Sünder. Amen. Vater Unser. - Montag nach dem 19. nach Trinitatis. Mel.: Wie schön leuchtet der Morgenstern. Wo ist ein solcher Gott wie Du! Du schaffst den Müden süße Ruh, Ruh, die nicht zu ergründen. Ein Abgrund der Barmherzigkeit Verschlingt ein Meer von Herzeleid! Du, Herr, vergibst die Sünden. Ja Du, Herr, unsere Gerechtigkeit, Wie hoch wird dessen Geist erfreut, Der Dich im Glauben kennet! Du bist sein Schmuck vor Gottes Thron; Er wird zum Erben und zum Sohn Vom Vater Selbst ernennet. Laß mich Ewig Jesu, Läst Dich würgen als den Bürgen, aller Mit Verlangen an Dir hangen und mit Sünden Freuden Mich auf ewig zu entbinden. Nur in Dein Verdienst mich kleiden. ( Vers 1 und 2 aus: Wo ist ein solcher Gott wie Du.) Psalm 32. wohl dem, dem die Lebertretungen vergeben sind, dem die Sünde bedecktet ist. wohl dem Menschen, dem der Herr die Miffethat nicht zurechnet, in deß Geist kein Salsch ist. Denn da ich es wollte verschweigen, verschmachteten meine Gebeine durch mein täglich Seulen. Denn deine Hand war Tag und Nacht schwer auf mir, daß mein Saft vertrocknete, wie es im Sommer dürre wird. Sela. Darum bekenne ich dir meine Sünde, und verbeble meine Miffetbat nicht. Ich sprach: Ich will dem Herrn meine Lebertretung bekennen. Da vergabeft du mir die Miffethat meiner Sünde. Sela. Dafür werden dich alle Seiligen bitten zur rechten Beit; darum, wenn große Wasserfluthen kommen, werden sie nicht an dieselbigen gelangen. Du bist mein Schirm; du wollest mich vor Angst behüten, daß ich errettet ganz fröhlich rühmen könne. Sela. Ich will dich unterweisen, und dir den Weg zeigen, den du wandeln sollst; ich will dich mit meinen Augen leiten. Seid nicht wie Roffe und Maulthiere, die nicht verständig sind, welchen man Jaum und Gebiß muß Maul legen, wenn sie nicht zu dir wollen. Der Gottlose hat viele 609 Plage; wer aber auf den Herrn hoffet, den wird die Güte umfangen. Sreuet euch des Herrn, und seid fröhlich, ihr Gerechten, und rühmet alle, ihr Srommen. 116) Solch eine Unterweisung über die Vergebung der Sünden ist uns immer noth und gut. Denn die Vergebung der Sünden ist für jeden Menschen das allernothwendigste Gut. Wo diese Vergebung nicht ist, da ist die Sünde mit ihren Folgen, Schuld, Strafe und Herrschaft. David bezeugt, daß unvergebene Sünde die Ursache seiner körperlichen Leiden und Schmerzen gewesen sei; seine Gebeine verschmachteten, sein Lebensmuth versiegte, wie es im Sommer dürre wird. Der Zorn des Allmächtigen drückt hart und alle menschliche Leichtfertigkeit kann dieses innerliche Grauen und die innere Dede, welche auch ein Gottloser spüren muß, nicht fortschaffen. Unvergebene Sünde ist die Ursache der göttlichen Strafen und des menschlichen Unmuths, der Unlust, der Verdrossenheit. Also Vergebung der Sünden müssen wir haben. Sie muß uns wichtig, nothwendig werden. Das wird sie, wenn das Gewissen an dem Worte Gottes erwacht, was ein Anfang im Guten aber nicht genug ist. Wir müssen es zu einer wahren Rene in unserm Herzen kommen lassen; es muß ein Geist ohne Falsch in uns sein, der nicht bloß Gaben Gottes, den Troft Gottes sucht sondern den heiligen, lebendigen Gott Selbst und Seine Gemeinschaft. Bei solcher inneren Verfassung wird das Bekenntniß der Sünde nicht ausbleiben, die Beichte, worin der Mensch sich von der Sünde losfagt und Gottes Gnade, die größer ist als unsere Sünde, anruft. Nur durch diese Gnade Gottes in Chrifto, der für unsere Sünde gestorben ist, können wir Bergebung erlangen. Hierbei wird die Sünde nicht bemäntelt, nicht verkleinert sondern in ihrer Verdammlichkeit anerkannt und bekannt; aber Gott versichert dem auf den gekreuzigten Christum blickenden Sünder durch irgend ein Wort aus Seinem Munde, Er wolle die Sünde bedecken, um Christi willen nicht zurechnen. Selig ist der Mensch, dem Gott die Sünde nicht zurechnet! Schuld, Strafe und Herrschaft der Sünde ist im Menschen abgethan und ein Geist des Friedens und der Liebe erquickt die matte Seele und lahmen Gebeine. Es ist wie Morgensonne nach langer, qualvoller Nacht, wie Frühling nach dem kalten Winter. Alle Heiligen d. i. alle Menschen, die sich durch den Geist des göttlichen Wortes lehren und unterweisen lassen, wissen diese hohe Wohlthat der Vergebung der Sünden zu schätzen; sie bitten Gott bis an ein seliges Ende: vergib uns unsere Schuld. Sie bedürfen nicht eines Harten Zaumes und Gebisses, um die Hand des lebendigen Gottes dadurch fennen zu lernen. Vielmehr empfinden sie eine Freude an Gott; der Herr ist ihr Lied und ihr Psalm; Gottes Heiligkeit sowohl als Seine große Barmherzigkeit macht die Augen helle und das Herz verständig. Das Gedächtniß ihrer Sünden, auch der vergebenen Sünden und die 39 täglich zu überwindende, im Herzen zurückbleibende Wurzel der Sünde erhalten in der Demuth. So ziehen Gottes Kinder gedemüthigt aber auch getröstet, gerichtet aber auch gerettet dem ewigen Vaterlande zu. Gebet. Ach mein Gott, ich armer Mensch voll Sünde muß an mir, meinen Werken und Kräften gänzlich verzweifeln und weiß nichts anderes, als daß ich bitte und seufze nach Deiner großen Barmherzigkeit, die da allein gerecht und fromm macht. Mein Leben und Begierde ist ein Seufzer nach Deiner großen Barmherzigkeit, die Du mir um Christi willen verheißen hast und gewiß wirst widerfahren lassen. Amen. Vater Unser. 610 Dienstag nach dem 19. nach Trinitatis. Mel.: Warum sollt ich mich denn grämen. Sout Herr, mein Hirt, Brunn aller Freuden, Du bist mein, Ich bin Dein, d Niemand kann uns scheiden. Ich bin Dein, weil Du Dein Leben Und Dein Blut Mir zu gut In den Tod gegeben. Du bist mein, weil ich Dich faffe Und Dich nicht, O mein Licht, Aus dem Herzen lasse. Laß mich, laß mich hingelangen, Da Du mich Und ich Dich Leiblich werd' umfangen. ( Vers 11 unb 12 aus: Warum sollt ich mich denn grämen.) Luc. 7, 36-50. Es bat ihn aber der Pharifåer einer, daß er mit ihm åße. Und er ging binein in des Pharifaers Saus, und ferte sich zu Tische. Und siebe, ein Weib war in der Stadt, die war eine Sünderin. Da die vernahm, daß er zu Tische saß in des Pharifaers Sause, brachte sie ein Glas mit Salben, und trat binten zu seinen Süßen, und weis nete, und fing an seine Süße zu negen mit Thrånen, und mit den Saaren ihren Hauptes zu trocknen, und küffete seine Süße, und falbete fie mit Salben. Da aber das der Pharifåer sabe, der ihn geladen batte, sprach er bei sich selbst, und sagte: wenn dieser ein Propbet wäre, so wüßte er, wer und welch ein Weib das ist, die ihn anrübret; denn sie ist eine Sünderin. Jesus antwortete und sprach zu ihm: Simon, ich habe dir etwas zu sagen. Er aber sprach: Meister, fage an. Es hatte ein Wucherer zween Schuldner. Einer war schuldig fünfhundert Groschen, der andere funfzig. Da sie aber nicht batten zu bezahlen, schenkte er es beiden. Sage an, welcher unter denen wird ihn am meisten lieben? Simon antwortete und sprach: Ich achte, dem er am meisten geschenket bat. Er aber sprach zu ibm: Du haft recht gerichtet. Und er wandte sich zu dem Weibe, und sprach zu Simon: Siebeft du dies Weib? Jch bin gekommen 611 in dein Haus, du haft mir nicht Waffer gegeben zu meinen Süßen diese aber bat meine Süße mit Thrånen genezet, und mit den Saaren ibres Sauptes getrock'net. Du baft mir keinen Kuß gegeben; diese aber, nachdem sie bereingekommen ift, bat sie nicht abgelaffen, meine Süße zu küssen. Du haft mein Haupt nicht mit Oel gesalber; sie aber hat meine Süße mit Salben gesalbet. Derhalben sage ich dir: Ihr sind viele Sünden vergeben, denn sie hat viel gelieber; welchem aber wenig vergeben wird, der lieber wenig. Und er sprach zu ihr: Dir sind deine Sünden vergeben. Da fingen an, die mit zu Tische saßen, und sprachen bei sich felbft: Wer ist dieser, der auch die Sün den vergibt? Er aber sprach zu dem Weibe: Dein Glaube bat dir geholfen; gebe bin in Srieden. Der er liebt den er Pharisäer ladet Jesum in sein Haus, aber Wasser die Füße zu waschen gibt er dem Heilande nicht. Er begrüßt den Herrn etwa, aber einen Kuß gibt er Ihm nicht. Er läßt Jesum an seinem Tische effen, aber er gibt Ihm kein Del für Sein Haupt. So thut der Pharisäer dies und das; aber Eins ist nicht der Fall Heiland nicht. So können wir mancherlei thun und es fehlt die Seele in Allem, nämlich die Liebe zum Herrn. Wie anders dieses Weib! Sie neht die Füße Jesu mit ihren Thränen und trocknet sie mit den Haaren ihres Hauptes; sie läßt nicht ab, Jesu die Füßze zu küssen und salbt sie mit Salben. Und das Alles achtet sie nicht für große Dinge, mit welchen sie sich gleichsam abfinden will, sondern die Liebe zum Herrn erweist sich einfältig in diesen Zeichen. Auch die Werke dieses Weibes hätten noch ohne Liebe gescheben können, wie Judas z. B. mit einem argen Herzen den Herrn füßte; aber der Herzenskündiger gibt ihr Zeugniß: sie hat viel geliebt. Und eben darauf kommt es an. Hast du Mich lieb? in diese einzige Frage hat der Herr das ganze Christenthum gefaßt. - - Haben wir also Jesum Christum lieb? Schrecklich, wenn wir es nicht haben; denn dann haben wir kein Theil an Gott. Großer Schade, Ihn nicht zu lieben von ganzem Herzen, denn wo ist etwas Schöneres, Besseres, Werthvolleres, Kostbareres als Er, gegen den Himmel und Erde nur Staub sind! Unglück ohne Maaßen, den Heiland nicht zu lieben! Kaum glaublich, daß ein einziger Mensch, der von Ihm weiß, Ihn nicht liebt. Ist Er doch um unsretwillen arm geworden, ist Er doch für uns gestorben, ist Er doch nicht bloß reich an Liebe sondern die Liebe selbst! Jenes Weib liebte Ihn. Wir denn auch? Die Liebe des Weibes war Gegenliebe; sie gab in ihrer Liebe zurück, was sie empfangen hatte. Empfangen hatte sie unaussprechliche Woblthaten von Jesu. Der Herr hatte ihr die Sünden vergeben. Er sagt zu ihr: dir sind deine Sünden vergeben; gehe hin in Frieden. Diese Sündenvergebung ist ein ebenso großes Gut, als die Sünde selbst ein Uebel ist. Da liegt's, wenn wir Jesum herzlich wollen 39* 612 lieben lernen, dann müssen wir erst dem Gedanken unsrer blinden Vernunft entsagen, als ob die Sünde nur ein geringer Fehler sei; wir müssen glauben, daß die Sünde eine Empörung wider den lebendigen Gott ist und Gottes Fluch auf uns bringt. Wir müssen dem Hochmuth entsagen, als wären wir Leute, mit denen Gott allenfalls zufrieden sein könnte. Wir müssen glauben lernen, daß wir Schuld haben, solche Schuld vor Gott, die nur durch das Blut Christi hat getilgt werden können. Da wird Einem Jesus Christus lieb und herrlich; man bittet: Herr, vergib mir meine Sünde. Und wer da bittet, nimmt. Und wer hier nimmt und in Frieden hingehen kann um des Wortes willen: dir sind deine Sünden vergeben, der weiß auch, was er zu thun hat, nämlich Jesum von ganzem Herzen zu lieben und diese Liebe in den geringsten Dingen zu beweisen und täglich darin völliger zu werden. Gebet. Herr Jesu, habe Dank, daß wir von Dir wissen. Aber Du willst mehr, Du willst, daß wir Dich lieben, denn Deine Liebe allein kann uns erfreuen. Heiliger Herr und Heiland, hilf uns, daß wir unsere Missethat, die groß ist, erkennen. Laß uns aber nicht vor Dir fliehen sondern zu Dir kommen und Deine Freudenstimme hören: dir sind deine Sünden vergeben. Amen. Vater Unser. Mittwoch nach dem 19. nach Trinitatis. 150 148 MeL: Herr Jesu Chrift, mein's Lebens, ober: Nun laßt uns den Selb. Die Seele Christi heil'ge mich, Sein Geist versenke mich in Sich; Sein Leichnam, der für mich verwund't, Der mach' mir Leib und Seel gesund. Das Wasser, welches auf den Stoß Des Speers aus Seiner Seiten floß, Das sei mein Bad, und all' Sein Blut Erquidke mir Herz, Sinn und Muth. ( Vers 1 und 2 aus: Die Seele Chrifti heil'ge mich.) Joh. 19, 33-35 und 1. Soh. 5, 8-10. Als sie aber zu Jesu kamen, da fie faben, daß er schon gestorben war, brachen sie ihm die Beine nicht; sondern der Kriegsknechte einer öffnete feine Seite mit einem Speer, und alsobalo ging Blut und Waffer heraus. Lind der das gesehen hat, der hat es bezeuget, and sein Jeugniß ist wahr; und derselbige weiß, daß er die Wahrheit faget, auf daß auch ihr glaubet. Und drei sind, die da zeugen auf Erden: der Geist, und das waffer, und das Blut; und die drei sind beisammen. So wir der Menschen Jeugniß annehmen, so ist Gottes Jeugniß größer; denn Gottes Jeugniß ist das, das er gezeuget bat von seinem Sohne 613 Wer da glaubet an den Sohn Gottes, der bat folches Jeugniß bei ibm. Wer Gott nicht glaubet, der macht ihn zum Lügner; denn er glaubet nicht dem Jeugniß, das Gott zeuget von seinem Sohne. Der er Gichtbrüchige empfing die Vergebung der Sünden. Jesus Christus gab sie ihm nur Jesus kann Sünden vergeben. Der Gichtbrüchige empfing sie im Glauben, der Herr reichte sie ihm dar im Worte. Das müssen wir beachten, daß der Herr durch das Mittel des Wortes wirkt. Auf das Wort muß der Gichtbrüchige bauen; thut er's, so hat er, thut er's nicht, so hat er nicht. Welch eine schmähliche Berunehrung des Herrn wäre es doch gewesen, wenn der Gichtbrüchige hätte weitere Gründe und Gewißheiten für die Vergebung der Sünden fordern wollen! Wo der Herr spricht, der treue und wahrhaftige Zenge, ziemt es sich zu glauben, oder man macht Gott zum Lügner. Also im Worte Jesu, das Geist und Leben ist, soll ein Mensch das glaubwürdige Zeugniß Gottes suchen. Aber es sind drei, die auf Erden zeugen, der Geist nämlich im Worte Gottes, das Wasser und das Blut. Diese drei sind beisammen; sie stammen aus Einer Quelle, führen Ein Zeugniß von Gottes Gnade, haben Einen Zweck, daß der Mensch glauben soll. Hierbei muß uns auffallen, daß derselbe Johannes, der in der Epistel von diesem dreifachen Zeugnisse in Geist, Wasser und Blut schreibt, in seinem Evangelium mit besondrer Geflissentlichkeit erzählt, es sei aus der geöffneten Seite Jesu Wasser und Blut gefloffen. Nur an dieser Stelle macht er den Zusaß, daß er es selbst gesehen habe und wisse, daß sein Zeugniß wahr sei. In dem Tode ist das Herz Jesu vor lauter Liebe gebrochen. Die Seite wurde dem Heilande aufgeschlagen und Blut und Wasser flossen heraus. Diese Seitenwunde Christi ist der Quell, der Leben in diese Todeswelt fließen läßt. Wasser reinigt, und das Wasser aus Christi Seite gibt dem Wasserbade der heiligen Taufe die unbegreifliche Macht, daß es von Sünden reinigt. Im Taufwasser ist der Name Jesu und zu diesem Namen Jesu gehört nothwendig auch das Wasser aus Seiner Seite. Jm Blute ist das Leben; in unserm Blute, in jedem Tropfen die Sünde und der Tod, in dem Blute Christi das göttliche Leben in Gerechtigkeit und Wahrheit. Dies Blut macht rein von aller Sünde. So sind wir mit Wasser gereinigt, mit dem Geiste des Wortes heimgesucht, mit dem Blute Chrifti im Sacramente begabt. Das sind Gottes Zeugnisse, die Er uns von Seinem Sohne zeugt. Nun sollen wir diesen Zeugnissen glauben; nicht ob wir etwas fühlen davon, sondern ob wir glauben und täglich uns mit den Kräften der Seele gründen auf diese empfangenen Zeugnisse, darum handelt es sich. Glauben wir diesen Zeugnissen von ganzem Herzen, daß wir unt Christi willen einen gnädigen Gott haben, so werden wir auch erfahren, daß Christi Leben noch in Seinem uns gegebenen Blute ist, 614 daß Sein Herz voll Liebe uns nun bewegen kann und Seine Lebensträfte in uns sich regen. Es wird sich durch den Glauben eine persönliche Gemeinschaft mit Jesu herausbilden. Glauben wir denn? Herr, stärke uns den Glauben an Dich und gib, daß uns Deine Zeugniffe wohlgefallen. Gebet. Herr Jesu, aus dessen durchstochener Seite Waffer zur Reinigung und Blut zur Lebendigmachung geflossen ist, damit wir lebendig und rein werden könnten, gib doch, daß wir von Deiner Herzlichen Liebe inniglich bewegt werden und uns des Wassers und Blutes aus Deiner Seite in wahrem Glauben theilhaftig machen mögen. Amen. Bater Unser. Donnerstag nach dem 19. nach Trinitatis. Mel.: Herr Jesu Chrift, Dich zu uns wend'. Mein Hoherpriester, der für mich Am Kreuzesstamm geopfert Sich, Mach mein Gewissen still und frei, Mein ewiger Erlöser sei. Ich opf're auch als Priester Dir Mich selbst und Alles für und für. Schent' mir viel Räuchwerk zum Gebet, Das stets im Geist zu Dir aufgeht. Mein Himmelskönig mich regier'; Mein Alles unterwerf' ich Dir. Rett' mich vom Satan, Welt und Sünd', Die mir sonst gar zu mächtig sind. ( Vers 4, 6 und 7 aus: Herr Jesu Chrifte, mein Prophet.) 1 Petr. 2, 5-10. Und auch ihr, als die lebendigen Steine, bauet euch zum geifilichen Sause und zum heiligen Priesterthum, zu opfern geistliche Opfer, die Gott angenehm find, durch Jefum Chriftum. Darum stehet in der Schrift: Siehe da, ich lege einen auserwählten köftlichen Eftein in 3ion; und wer an ihn glaubt, der soll nicht zu Schanden werden." Euch nun, die ihr glaubet, ist er köftlich; den Ungläubigen aber ist der Stein, den die Bauleute verworfen haben, und zum Eckstein geworden ist, ein Stein des Anstoßens, und ein Sels der Aergerniß; die sich stoßen an dem Wort, und glauben nicht daran, darauf sie gesetzet find. Ihr aber seid das auserwählte Geschlecht, das königliche Priesterthum, das heilige Volk, das Volk des Eigenthums, daß ihr verkündigen sollt die Tugenden deß, der euch berufen hat von der Sinsferniß zu seinem wunderbaren Licht. Die ihr weiland nicht ein Volk waret, nun aber Gottes Volk seid, und weiland nicht in Gnaden waret, nun aber in Gnaden seid. Die Engel im Himmel können kein würdigeres und freundlicheres Wort finden, um die verklärten und vollendeten Seelen der Seli 615 gen zu begrüßen und willkommen zu heißen, als wenn sie ihnen am Eingange des Himmelreiches zurufen: 3hr seid das auserwählte Geschlecht, das königliche Priesterthum, das heilige Volk, das Volk des Eigenthums, daß ihr sollt verkündigen die Tugenden deß, der euch berufen hat von der Finsterniß zu Seinem wunderbaren Licht. Wie selig werden sich die Seelen preisen, welche diesen Gruß vernehmen dürfen! Sie erkennen, daß sie vor Hunderten auserwählt sind, welche das schreckliche Loos getroffen hat, ewig verstoßen zu werden. Sie ziehen triumphirend wie Könige und Sieger in die Stadt und treten als Priester mit ihren geistlichen Opfern in das Allerheiligste. Sie stehen dem Sohne Gottes am Nächsten als das Volk des Eigenthums und verkündigen Seine Tugenden und lobpreisen Ihn in seliger Freude über das wunderbare und unverwesliche Licht, welches ihre Augen erleuchtet. Glücklich aber sind wir, daß uns schon auf Erden der Gruß zugerufen wird, welchen alle Menschen an jenem Tage so sehnlich zu Hören begehren. Möchten wir jetzt und alle Tage diese Titel, welche uns hier beigelegt werden, mit Ehren tragen. Gott hat uns vor vielen Tausenden auserwählt, daß Er uns Seinen Sohn offenbarete, daß Er uns Seinen Heiligen Geist durch die Taufe und das Wort Gottes mittheilte und uns durch Leiden und Freuden zur Buße und Bekehrung leitete. Alles, was Gott an uns und für uns thut, ift ein Zeichen, daß Er uns auserwählet hat. Möchte auch alles, was wir thun und reden, ein Zeichen unserer Erwählung sein. Alle unsere Lust und all unseren Schmerz sollen wir Gott aufopfern, dann sind wir Priester, und alle unsere Sorgen sollen wir auf Gott werfen, dagegen von keiner Creatur uns beherrschen lassen, dann sind wir Könige. Und dieses königliche Priesterthum soll allgemein werden unter allen Christen, so daß ein ganzes heiliges Volk die Tugenden des Herrn Jesu auf Erden verkündigt. In dem Eifer für die Verherrlichung Jesu müssen alle einig werden, daran erkennt man, daß die, welche weiland nicht in Gnaden waren, nun in Gnaden sind. Gebet. Herr Jesu, wie sollten wir Dich lieben und Dir dienen mit willigem Geiste! Du hast Dein kostbares Leben für uns gegeben und gibst uns vom Himmel Herab den Geist, daß wir an Dich glauben und im Glauben stark und fröhlich, Priester und Könige sein sollen. O Herr, hilf und laß wohlgelingen, daß wir Dich in wahrem Glauben erkennen und den Fußstapfen Deines priesterlichen und königlichen Lebens recht folgen. Amen. Vater Unser. mun Spith Barbier 616 Freitag nach dem 19. nach Trinitatis. Lasse dich kein Ungemach Mel.: Freu' dich sehr, o meine Seele, oder: Wie nach einer Wasserquelle. Sei getreu bis an das Ende! nisSei getreu in deinem Leiden! Daure redlich aus den Kampf! Leidest du gleich harte Stände, Duldest du gleich manchen Dampf, Ach, das Leiden dieser Zeit 3st nicht werth der Herrlichkeit, So dir wird dein Jesus geben Dort in jenem Freudenleben. Von der Liebe Jesu scheiden; Murre nicht in Weh und Ach! Hilft denn was die Ungeduld? Ach, sie häufet nur die Schuld. Der trägt leichter, der da träget Mit Geduld, was Gott aufleget. ( Vers 1 und 4 aus: Sei getreu bis an das Ende.) t do nguy andi og Offenb. Joh. 2, 8-11.indesdner and Und dem Engel der Gemeine zu Smyrna schreibe: Das sagt der Erste und der Letzte, der todt war, und ift lebendig geworden: Ich weiß deine Werke, und deine Trůbsal, und deine Armuth,( du bist aber reich,) und die Låsterung von denen, die da sagen, sie sind Juden, und sind es nicht, sondern sind des Satans Schule. Sürchte dich vor deren keinem, was du leiden wirft. Siebe, der Teufel wird etliche von euch in's Gefängniß werfen, auf daß ihr versuchet werdet; und werdet Trůbsal baben zehn Tage. Sei getreu bis an den Tod, so will ich dir die Krone des Lebens geben. Wer Ohren hat, der höre, was der Geist den Gemeinen sagt: Wer überwindet, dem soll kein Leid geschehen von dem andern Tode. Chollal#pro Hier schreibt der auferstandene Heiland einen Brief vom Himmel an einen treuen und begnadigten Knecht, welcher Seelsorger an der Gemeinde zu Smyrna war. Er hieß Polycarpus, und wir wissen von ihm, daß er als ehrwürdiger Greis im hohen Alter von den tückischen Juden verklagt und von den wüthenden Heiden zum Feuertode verurtheilt worden ist. Als der Scheiterhaufen angezündet werden sollte, ermahnte ihn der Richter, er möge Jesum verfluchen, dann könne er sein Leben retten. Hierauf erwiederte der treue Zeuge des Herrn mit lauter Stimme: 86 Jahre diene ich Ihm, und Er hat mir nie etwas zu Leide gethan! Wie sollte ich meinem Könige fluchen?" Getrost ließ er sich an den Pfahl binden, aber die Flammen wollten ihn nicht verzehren, so daß zuletzt ein Kriegsknecht kommen und ihn mit der Lanze durchbohren mußte. Er ist getreu gewesen bis zum Tode, darum hat ihm auch der Herr die Krone der Blutzeugen verliehen. Wie stand in seinem letzten Kampse wohl vor seinen Glaubensaugen der Mann, von dem er diesen Brief erhalten hatte; der Erste und der Letzte, der todt war und ist lebendig geworden, der konnte ihn in der letzten Stunde, im Angesichte des Todes am besten trösten. Wie tönten wohl in seinem Herzen die Worte des Briefes wieder: Fürchte dich vor derer keinem, das du leiden wirst. Wenn die Feinde drohten und mit ihrem wüthenden Geschrei, mit Qual und Marter ihn bange zu machen suchten, dann hieß es bei ihm: der Herr hat mir geschrieben: Fürchte dich vor derer feinem, das du leiden wirst.- Wunderbar ist diese Hirtentreue des Heilandes. Er sieht die große Versuchung vorher, in welche Sein Knecht gerathen wird. Darum ruft Er ihm zu: Denke nur nicht, daß Ich nicht auf dich achte, wenn du arm, alt und hülflos deinen Feinden preisgegeben wirst. Nein, Ich weiß deine Werke, deine Armuth und Trübsal, Ich kenne die tückischen Feinde, sie sagen, sie seien Juden, haben aber einen satanischen Haß gegen die Kinder Gottes in Herzen. Ich weiß, daß Hier der Satan im Spiel ist; aber Ich lasse ihn nicht weiter kommen, als er kommen soll, sondern halte ihn an einer Kette. Ich will nur deine Treue prüfen und die Gelegenheit geben, sie bis zum Tode zu beweisen. So kennt der Herr auch deine Versuchungen, lieber Christ, auch deine Widersacher und bittersten Feinde sind ihm bekannt. Fürchte dich nicht vor ihren verläumderischen Worten, verzage nicht, wenn du in Trübsal oder Armuth kommst, erschrick nicht, wenn der Satan dich anfechten will, sei nur getreu! getreu in der Anklammerung an den Ersten und den Letzten, der todt war und lebendig geworden ist, ge= treu im Leben, getreu bis an den Tod, so wird Er dir die Krone des Lebens geben. Und wenn es bis an das Sterben gehen sollte, fürchte in der Nachfolge Jesu den leiblichen Tod nicht, dann wird dir kein Leid geschehen von dem andern Tode. Gebet. Herr Jesu Christe, getreuer Heiland, Du hast den Tod, die Sünde und den Teufel überwunden und lebest und regierst nun ewiglich in der Kraft Gottes. Siehe, Herr, wie wir, Deine Glieder, mancherlei Unfall in diesem Leben leiden und versucht werden; Du wolleft uns beiwohnen mit der Kraft Deines Wortes und Geduld und Kraft verleihen, im Glauben an Dich mit gutem Gewissen und Beständigkeit zu verharren bis an unser Ende. Amen. Vater Unser. Bodelo thun 617 Sonnabend nach dem 19. nach Trinitatis. Mode Mel.: Straf mich nicht in Deinem Zorn. Mache dich, mein Geist, bereit; Wache, fleh' und bete, Daß dich nicht die böse Zeit Unverhofft betrete; Denn es ist Satans List Ueber viele Frommen Zur Versuchung kommen. Bete aber auch dabei Mitten in dem Wachen; Denn der Herre muß dich frei Von dem allen machen, Was dich drückt Und bestrickt, Daß du schläfrig bleibest Und Sein Werk nicht treibest. ( Vers 1 und 7 aus: Mache dich, mein Geift, bereit.) Ephef. 5, 15-21. So sehet nun zu, wie ihr vorsichtiglich wandelt, nicht als die Unweisen, sondern als die weisen. Und schicket euch in die Zeit, denn es ist böse Jeit. Darum werdet nicht unverständig, fondern verständig, was da sei des Herrn Wille. Und faufet euch nicht voll Weins, daraus ein unordentlich wesen folgt; sondern werdet voll Geistes, und redet unter einander von Psalmen und Lobgesängen und geistlichen Liedern, singet und spielet dem Serrn in euren Serzen; und saget Dank allezeit für Alles, Gott und dem Vater, in dem Tamen unseres Herrn Jesu Chrifti; und seid unter einander unterthan in der Surcht Gottes. 618 Senn der Apostel Paulus sagt: Jetzt ist die angenehme Zeit, jetzt ist der Tag des Heils, und in dieser Epistel schreibt: Es ist böse Zeit, so ist das kein Widerspruch. Gut und angenehm war die Zeit, sofern die Predigt des Evangeliums damals angefangen, und das Heil für Alle in Jesu erschienen war. Böse Zeit aber war es, sofern die Welt dabei doch böse war und blieb, auch denen, welche gläubig geworden, bitteres Herzleid anthat. Und so ist es geblieben. Luther hat reichen Segen von seiner Arbeit am Evangelio gesehen, und doch ist er der Klagen voll über seine Zeit. Ausgenommen wenige, schreibt er, die es mit Ernst meinen, und das Evangelium dankbarlichst annehmen, ist der übrige Haufe so undankbar, frech und muthwillig, leben nicht anders, als hätte Gott Sein Wort darum gegeben und vom Papstthum erlöset, daß wir möchten frei thun und lassen, was uns gelüftet. Ja er ist gegen das Ende seines Lebens so voll Verdruß über sein Wittenberg, daß er sagt: ,, ich bin müde und will nicht wiederkommen, sondern umherschweifen und lieber Bettelbrød effen, ehe ich meine alten Tage mit dem ärgerlichen Wesen martern will." Nun es ist das kein Wunder; wo der Herr Seinen Tempel baut, baut der Teufel seine Kapellen daneben, und wo Christus, der lebendige Christus gepredigt wird, ist auch Kaiphas, Hannas, Herodes und Pontius Pilatus. Das soll und darf den Christen nicht befremden. Wenn nun aber der Apostel in den verlesenen Worten schreibt: Schicket euch in die Zeit, so ist damit gewiß nicht gemeint, daß wir, da es böse Zeit ist, es nun so gehen lassen, oder daß wir unſerm Unmuthe in unnützen Klagen Luft machen sollten; vielmehr zeigt der Apostel den rechten Weg, wie wir als Christen dem Uebel begegnen und als Männer mit unbeflecktem Gewissen aus dem Kampfe siegreich hervorgehen sollen. Gerade, weil die Zeit böse ist, so ermahnt er die Christen zur Vorsicht: sehet zu, daß ihr vorsichtiglich wandelt nicht als die Unweisen sondern als die Weisen; gerade weil die Welt so unverständig ist und ihr alleiniges Heil verscherzt, reizt er zur rechten Weisheit: werdet nicht unverständig sondern verständig, was da sei des Herrn Wille; weil die Welt so trunken ist und berauscht in sich 14 - 619 und in dem, was dem Fleische gelüstet, ermahnet er zur christlichen Nüchternheit: saufet euch nicht voll Weins, daraus ein unordentlich Wesen folgt, sondern werdet voll Geistes. Dazu bringt er auf fleißigen und treuen Gebrauch der Gnadenmittel und des Gebetes und spricht: redet unter einander von Psalmen und Lobgesängen und geistlichen Liedern, singet und spielet dem Herrn in euren Herzen - und saget Dank allezeit für alles Gott und dem Vater in dem Namen unseres Herrn Jesu Christi. Wenn für solche herzliche Ermahnung noch ein Eingang bei dir ist, so laß die Zeit immerhin böse sein. Du hast Theil an der Verheißung: In der Welt habt ihr Angst, aber seid getrost, Ich habe die Welt überwunden. Und mit Ihm auch wir, so wir treu in solchem Kampfe beharren bis an unser Ende. Gebet. Lieber Herr Jesu Christe, Du hast uns in Deinem Worte deutlich gesagt, wie wir uns als Deine Jünger in dieser bösen Zeit halten sollen; Du willst uns alle nöthige Weisheit und Kraft gerne schenken. O Herr, so hilf uns denn durch die Kraft eben des Geistes, der ohne Maßen in Dir ist, und gib, daß wir als Deine Dir ergebenen Nachfolger willig und fröhlich unsern Lauf vollenden. Amen. Vater Unser. 20. Sonntag nach Trinitatis. Mel.: Herr Jesu Christ, mein's Lebens Licht. Herr Jesu Christ, Dein theures Blut Ist meiner Seele höchstes Gut; Das stärkt, das labt, das macht allein Mein Herz von allen Sünden rein. Dein Blut, mein Schmuck, mein Ehrenkleid, Dein' Unschuld und Gerechtigkeit Macht, daß ich kann vor Gott besteh'n Und zu der Himmelsfreud' eingeh'n. ( Vers 1 und 2 aus: Herr Jesu Christ, Dein theures Blut, Matth. 22, 1-14. Und Jesus antwortete, und redete abermal durch Gleichniffe mit ihnen, und sprach: Das Simmelreich ist gleich einem Könige, der seinem Sohne Hochzeit machte; und fandte seine Knechte aus, daß sie die Gäste zur Sochzeit riefen; und sie wollten nicht kommen. Abers mal fandte er andere Knechte aus, und sprach: Saget den Gästen: Siebe, meine Mahlzeit habe ich bereitet, meine Ochsen und mein Mastvieb ist geschlachtet, und Alles bereit; kommet zur Hochzeit! Aber sie verachteten das, und gingen bin, einer auf seinen Acker, der andere zu seiner Sandthierung. Etliche aber griffen seine Knechte, höhneten und tödteten fie. Da das der König börete, ward er zor= nig, und schickte seine Seere aus, und brachte diese Mörder um, und zündete ihre Stadt an. Da sprach er zu seinen Knechten: Die Hoch 620 zeit ist zwar bereitet, aber die Gäste waren es nicht werth. Darum gebet hin auf die Straßen, und ladet zur Hochzeit, wen ihr findet. Und die Knechte gingen aus auf die Straßen, und brachten zusammen, wen sie fanden, Böse und Gute. Und die Tische wurden alle voll. Da ging der König hinein, die Gäste zu besehen; und sahe alloa einen Menschen, der hatte kein hochzeitlich Kleid an, und sprach zu ihm: Sreund, wie bist du bereingekommen, und hast doch kein bochzeitlich Kleid an? Er aber verstummete. Da sprach der König zu seinen Dienern: Bindet ihm Hände und Süße, und werfet ibn in die äußerste Sinsterniß hinaus, da wird sein Heulen und Jahnklappen; denn Viele sind berufen, aber wenige sind auserwählet. Das Himmelreich heißt hier eine Hochzeit, die Gott Seinem Sohne macht. Darum fort mit aller Unlust, die wir zum Reiche Gottes in uns spüren. Hierfür müssen uns die Augen aufgethan werden, daß es eine Hochzeit ist, und die Herzen müssen in die Höhe. Aber ob man zeitlich und ewig ein Theilnehmer an dieser Hochzeit ist, hängt davon ab, daß man das hochzeitliche Kleid hat. Das ist ein theures Kleid, gewoben aus den mehr als goldenen Fäden des Lebens und Leidens Christi. Seide und Purpur sind Staub gegen dieses Kleid; in allen Bergwerksgründen ist kein Kleinod, das man auch nur mit diesem Kleide vergleichen könnte. Es ist das ganze theure Verdienſt Christi. Nur dieses gibt ein Kleid für die menschliche Seele, seitdem wir das Kleid der anerschaffenen Gerechtigkeit verloren haben. Ob so das hochzeitliche Kleid werth ist, Tag und Nacht von uns mit Thränen gesucht zu werden, so wird es doch allein umsonst gegeben. Das Licht der Sonne, das Wasser des Brunnens und alle Gaben Gottes können wir nicht bezahlen, sondern nur dankend hinnehmen; dieses Hochzeitskleid ist aber vor allen Gaben Gottes unbezahlbar man muß es sich durchaus schenken lassen. Mögen Reiche zu stolz sein, um etwas Geschenktes zu nehmen; Arme, die es wirklich sind, nehmen mit Dank Geschenktes hin. Gott in Seiner großen Liebe möchte sich aller Menschen erbarmen. ,, Wen ihr findet" so werden die einladenden Knechte berichtet, sollen sie einladen. Wen ihr findet! Wer ist da ausgeschlossen? Niemand, es sei denn, daß sich Jemand selbst ausschließt. Die Gnade Gottes, sagt die Schrift, ist allen Menschen erschienen. Stünde dabei, daß einigen oder nur Einem Menschen Gottes Gnade nicht erschienen wäre, so dürfte Jeder anfangen zu zweifeln, ob er dieser Unglückliche unter den Unglücklichen sei. Aber es heißt: allen Menschen. Das ist ein Grundstein für den Glauben. Ich will sie Alle zu Mir ziehen, spricht der Herr. Es ist ein Ziehen, fein Reißen und Treiben sondern ein Ziehen, wobei es still aber doch kräftig hergeht, dem freilich auch ein Folgen und sich ziehen lassen entsprechen muß. Aber hier lag bei den Juden der Fehler und hier liegt er noch immer. Sie verachteten das und was sie Alles - — beginnen! Schrecklich denn lassen wir uns von Gottes Liebe und Christi Gnade nicht das Herz füllen, so wird es voll werden von Seinem Zorn. Leer ist und bleibt kein einziges Herz. Ich will ja- sprichst Du. Wer will, danke es Gott, der allein das ernstliche, lautere, thatkräftige Wollen schafft. Aber in diesem Einen müssen wir ja dem Heilande genau auf's Wort folgen. Er nennt's ein Kleid. Ein Kleid ist nicht zum Anschauen und Hinlegen oder Spielen. Ein Kleid will angezogen, getragen, bewahrt, gereinigt sein. So soll die Seele in Christum eindringen, wie der Leib im Kleide ist. Wir haben Christum bereits angezogen in der Taufe; aber wir müssen Ihn jeden Morgen anziehen und unsere ganze Seele hineinsenken in Christi Wort und Verdienst und Geist. Da ist sie wohl verwahrt. Der König aber wird solche Glaubensarbeit segnen und dereinst wird die Seele, was ihr hier oft aus Traurigkeit verborgen ist, sehen und schauen, nämlich sich selbst in der Herrlichkeit Christi stehen vor Jesu, dem Bräutigam und Könige. Gebet. Barmherziger Gott, wir preisen Deine große Güte, daß Du Deinen einigen geliebten Sohn mit Deiner Kirche in ewiger Liebe und Gnade vertrauet hast und willst, daß Er Selbst die Hochzeitliche Speise und das Kleid sei. D Wundergott, gib uns Deinen Heiligen Geist, daß wir solche große Dinge von Herzen mögen erkennen und in dieser Welt nichts theurer achten als Deinen lieben Sohn und Sein heiliges Evangelium, auf daß wir, mit Seiner Gerechtigkeit bekleidet, in wahrem Glauben allzeit erfunden werden. Amen. Vater Unser. 621 Wie hast Du doch auf mich gewandt Den Reichthum Deiner Gnaden! Mein Leben dank' ich Deiner Hand; Du hast mich überladen Mit Ruh, Gesundheit, Ehr' und Brod; Du machst, daß mir noch keine Noth Bis hieher können schaden. Montag nach dem 20. nach Trinitatis. Mel.: Aus tiefer Noth schrei' ich zu Dir. 23110 Het matends Hast auch in Christo mich erwählt Tief aus der Höllen Fluthen, So daß es niemals hat gefehlt An irgend einem Guten; Und daß ich ja Dein eigen sei, Hast Du mich auch aus bloßer Treu Gestäupt mit Vaterruthen. ( Vers 4 und 6 aus: 3ch will von meiner Missethat.) Psalm 78, 23-37. rapp Gott gebot den Wolken droben, und that auf die Thür des Simmels, und ließ das man auf fie regnen, zu essen, und gab ihnen Simmelsbrod. Sie aßen Engelbrod, er fandte ihnen Speise die Sülle. Er ließ weben den Ostwind unter dem Simmel, und erregte durch 622 feine Stärke den Südwind. Und ließ Sleisch auf fie regnen, wie Staub, und Vögel, wie Sand am Meer, und ließ fie fallen unter ibr Lager allenthalben, da sie wohneten. Da aßen sie, und wurden allzu fatt; er ließ sie ihre Luft büßen. Da sie nun ibre Luft gebüßet hatten, und sie noch davon aßen, da kam der Jorn Gottes über sie, und erwürgete die Vornehmsten unter ihnen, und schlug darnieder die Besten in Israel. Aber über dies alles fündigten sie noch mehr, und glaubten nicht an seine Wunder. Darum ließ er sie dabinsterben, daß sie nichts erlangeten und mußten ihr Lebenlang geplaget sein. Wenn er sie erwürgete, suchten sie ihn, und kehreten sich frühe zu Gott, und gedachten, daß Gott ibr Sort ift, und Gott der Höchfte ihr Erlöser ist, und beuchelten ihm mit ihrem Munde, und logen ihm mit ihrer Junge; aber ihr Herz war nicht fest an ihm, und hielten nicht treulich an seinem Bunde. Sie verachteten das nämlich die königliche Hochzeit und gingen hin, einer auf seinen Acker, der andere zu seiner Handthierung. Etliche aber griffen Seine Knechte, höhneten und tödteten sie. So nahm das Voll im Großen und Ganzen die Erscheinung des Herrn auf. Dafür kamen andere Boten Gottes nämlich die schweren, vernichtenden Strafgerichte. Der ganze 78. Psalm erzählt die große Reihe der wunderbarsten Wohlthaten, die Gott seinem alttestamentlichen Volke erwies. Aber daneben her geht die Kette der unzähligen Missethaten, womit sich das Volk an dem Herrn verfündigte. Ging auch wohl in Zeiten der Noth ein Zug der Buße durch das Volk, so kam es doch zu keinem beharrlich bußfertigen Leben in der Furcht und Zucht Gottes; ihr Herz war und blieb nicht fest an dem einigen, lebendigen Gott. Das ist uns sowohl zur Lehre, als zur Warnung geschrieben. Zur Lehre, daß wir es je länger je besser zu Herzen fassen, wie all unser Gottesdienst vergeblich ist, wenn er mur in sprungweisen Anfängen und Ansätzen geschieht und in heiligen Anwandlungen, Schauern und Empfindungen besteht und unser Herz nicht fest und gegründet wird in der Wahrheit und Gnade Gottes. Wie soll das aber geschehen, wenn wir nicht durch eine tiefe, stetige Buße die wilden Schößzlinge unseres Herzens, welche uns die Glaubens- und Gebetskräfte verzehren, abschneiden und unschädlich machen? Im Sturme dringen wir nicht in den Himmel sondern durch Ernst, Geduld und Treue. Die alten Mittel des Worts und der Sacramente sind gut und kräftig genug, wenn wir sie nur treulich brauchen. Zur Warnung lesen wir diesen 78. Psalm, indem wir mit Leidwesen bekennen, daß Ostwind und Südwind, wie alle andern Kreaturen Gott gehorchen, der Mensch aber so widerspenstig ist. Zur Warnung auch, indem wir uns sagen müssen, daß wir nicht blos Engelbrod haben sondern das Brod des Lebens selbst( Joh. 6, 48), Christum unsern Herrn, gleichwohl um der bösen Lust des Herzens willen in großer Gefahr stehen, unseres lieben 623 Herrn Jefu Chrifti überbrüssig zu werden und andere Götter und Špeisen für die unsterbliche Seele zu begehren, während doch kein Brod ist für uns als allein Jesus Christus. Ist Er das Brod, wie sollen wir Ihn doch verlangen, mit allen Kräften der Seele uns nach Ihm strecken, Gott loben und danken für Seine große Gnade, daß Er uns Brod gegeben hat und geduldig ist, bis wir Seine Weisheit und unser Heil verstehen lernen! Gebet. Herr, Du gnädiger und barmherziger Gott, wir bekennen Dir unsern großen Unverstand und Kraftlosigkeit im Guten. Wäre Deine Geduld zu Ende, so wären wir längst durch Deinen Zorn dahin. Herr, Herr, barmherziger Gott, stehe auf, uns zu erretten; salbe unsere Augen, heilige unsere Begierden, schente feste Tritte auf dem Wege der täglichen Buße und des Glaubens an Jesum Chriftum, Deinen lieben Sohn. Amen. Vater Unser. tine rotibody! Dienstag nach dem 20. nach Trinitatis. Mel.: O Gott, Du frommer Gott. O große Seligkeit, Wenn man den Heiland kennet; Wenn Ihn die Seel' ihr Theil, Ihr Ein und Alles nennet! Versöhnung ist ihr Grund, Des Lammes Blut ihr Kleid, Sie schmecket Fried' und Ruh; Sie spüret Luft und Freud'. Sie kann in Zuversicht Zu Gottes Throne treten Und als ein liebes Kind Vor ihrem Vater beten; CHIL un tig 25 of an Ihr Heiland nimmt ihr Herz Zu Seiner Wohnung ein, Und sie muß Gottes Ruh' Und heil'ger Tempel sein. ( Vers 1 und 2 aus: D große Seligkeit) MUNICA DIRBUCK weh Ephes. 1, 17-23. Der Gott unsers Herrn Jesu Chrifti, der Vater der Herrlichkeit, gebe euch den Geift der Weisheit und der Offenbarung, zu seiner felbft Erkenntniß, und erleuchtete Augen eures Verständnisses, daß ihr erkennen möger, welche da sei die Hoffnung eures Berufs, und welcher da sei der Reichthum seines herrlichen Erbes an seinen Seilis gen, und welche da sei die überschwängliche Größe seiner Kraft an uns, die wir glauben, nach der Wirkung seiner mächtigen Stärke, welche er gewirket hat in Chrifto, da er ihn von den Todten auferwecket hat und gesetzt zu seiner Rechten im Simmel, über alle Sürstenthümer, Gewalt, Macht, Herrschaft, und alles, was genannt mag werden, nicht allein in dieser Welt, sondern auch in der zukünftigen. Und bat alle Dinge unter seine Süße gethan, und hat ihn gesetzt zum Saupt der Gemeine über Alles, welche da ist sein Leib, nämlich die Salle deß, der Alles in allem erfüllet. 624 Sott ott heißt hier der Gott unseres Herrn Jesu Christi, wie Er sonst ein Gott Himmels und der Erden genannt wird, weil Er Seine Herrlichkeit d. i. Seine Liebe und Güte mehr in der theuersten Erlösung und dem Mittleramte Seines Sohnes als in der Schöpfung Himmels und der Erden geoffenbaret hat. Zweierlei aber wünscht und bittet der Apostel 1) daß die Ephefer den glorwürdigsten und gütigen Gott mögen immer besser kennen lernen, damit sie Ihn desto mehr lieben, 2) daß sie mit erleuchteten Augen mögen einen Blick nach dem andern in die himmlische Herrlichkeit thun und verstehen lernen die felige Hoffnung, dazu sie berufen sind. Sie sollen nicht bloß wissen, daß ein himmlisches Freudenleben als ein reiches Erbe für die Kinder Gottes im Himmel bereitet sei, denn das hatten sie schon vorhin aus seinem Unterricht gelernt, sondern sie sollen es mit erleuchteten Augen betrachten und einen Vorschmack davon in ihrem Geiste haben. Es gibt Kräfte der zukünftigen Welt, es gibt einen Geruch des Lebens, es gibt ein Zeugniß des Geistes, welcher auch die Tiefen der Gottheit erforscht und gesehen hat, was von Gott bereitet ist denen, die Ihn lieben. Dieses ist es, was Paulus den Christen wünscht und erbittet, und wir sehen aus den Worten des Apostels, daß man durch eifriges Gebet wahrhaftig solche Kraft und Gewißheit, ja wohl einen Vorschmack des ewigen Lebens erlangen kann. O wie klein und ge= ringe denken selbst viele Christen von der Kraft und Herrlichkeit Gottes und von dem Wunder, was Er an uns wirken will, weil sie nur die Nichtigkeit, Gebrechlichkeit und Ohnmacht des menschlichen Wesens in's Auge faffen, wie sie es jegt vor sich sehen. Was aber Gott aus Seinen Gläubigen machen will, das können wir allein lernen an Christo, wenn wir im Glauben durch unser Herz ziehen lassen die Wirkung Seiner mächtigen Stärke, welche Er gewirkt hat in Christo, da Er Ihn von den Todten auferwecket und gesetzt hat zu Seiner Rechten im Himmel. Diese Wirkung haben jetzt schon die Fürstenthümer im Himmel anbetend erfahren, verehrt und bewundert; die Fürstenthümer in der Hölle, ja alle Creaturen werden dieselbige noch erfahren, aber in der Gemeinde der Gläubigen sollen alle Herzen voll davon sein und die Kräfte des Auferstandenen sollen unsichtbar herniedertriefen und durch alle Glieder Jesu rieseln, denn sie ist ja Sein Leib nämlich die Fülle deß, der alles in allem erfüllet. Eine Menschenseele kann man nicht sehen, sondern nur die Wirkungen an dem Leibe, in dem sie lebt, wahrnehmen. So kann man auch in dieser Welt den Herrn Jesum nicht sehen, aber in Seinen Gläubigen lebt und erscheint Er auf Erden. In ihnen wirkt Er Himmelssehnsucht, Himmelsfrieden und Himmelsliebe. O möchte jedes Glied auch bereit sein, aufzunehmen, was das Haupt vom Himmel herab wirkt, und zu thun und auszuführen, was das Haupt befiehlt! Gebet. Allmächtiger, gnädiger Gott, der Du uns nach Deinem Bilde geschaffen und durch Christum erlöset hast und durch das Evangelium gläubig und heilig machst, wir bitten Dich demüthiglich, Du wollest Selbst uns den großen Reichthum Deiner Liebe zu erkennen geben, im rechten Glauben an Christum uns bewahren und durch denselbigen Deinen lieben Sohn uns zieren mit den mancherlei Gaben Deines Heiligen Geistes. Amen. Bater Unser. 625 Mittwoch nach dem 20. nach Trinitatis. Mel.: Wachet auf, ruft uns die Stimme. Rüstet euch, ihr Christenleute! Die Feinde suchen euch zur Beute; Ja, Satan selbst hat eu'r begehrt. Wappnet euch mit Gottes Worte Und kämpfet frisch an jedem Orte, Damit ihr bleibet unversehrt. Ist euch der Feind zu schnell? Hier ist Immanuel! Hosiannah! Der Starke fällt Durch diesen Held, Und wir behalten mit das Feld. Jesu, stärke Deine Kinder, Und mach' aus denen Ueberwinder, Die Du erkauft mit Deinem Blut. Schaffe in uns neues Leben, Daß wir uns stets zu Dir erheben, Wenn uns entfallen will der Muth. Geuß aus auf uns den Geist, Dadurch die Liebe fleußt In die Herzen So halten wir Getreu an Dir Im Tod und Leben für und für. ( Vers 1 und 4 aus: Rüftet euch, ihr Christenleute.) 1. Petri 1, 12-17. Die Propheten haben es nicht ihnen selbst, sondern uns darges than, welches euch nun verkündiget ist durch die, so euch das Evangelium verkündiget haben, durch den heiligen Geist vom Himmel gefandt; welches auch die Engel gelüftet zu schauen. Darum so begürtet die Lenden eures Gemüths, seid nüchtern, und setzet eure Hoff nung ganz auf die Gnade, die euch angeboten wird durch die Offens barung Jesu Christi, als geborsame Kinder, und stellet euch nicht gleichwie vorhin, da ihr in Lnwissenbeit nach den Lüften lebtet; fondern nach dem, der euch berufen hat, und heilig ist, seid auch ihr beilig in allem eurem Wandel. Denn es ftehet geschrieben: ,, Jhr sollt beilig sein, denn ich bin heilig." Und sintemal ihr den zum Vater anrufet, der ohne Ansehen der Person richtet, nach eines Jeglichen werk; so führet euren Wandel, so lange ihr hier wallet, mit Surcht. Wir müssen uns hüten, daß wir die Wahrheiten der heiligen Schrift nicht aus der Verbindung reißen, worin Gott sie gesetzt hat, noch Schlüsse ziehen, die wohl nach unsrer Vernunft und dem die Vernunft blendenden bösen Herzen sind aber nicht nach dem Worte Gottes. Weil wir keinen andern Weg zum Himmel haben als allein 40 626 den durch die Gnade Gottes, so folgt nicht, daß wir es nun mit der Sünde etwa leicht nehmen dürfen, sondern es folgt, daß wir heilig sein sollen in allem unserm Wandel. Weil wir Gott mit dem süßen Vaternamen anrufen, so folgt nicht, daß wir mit der Ungerechtigkeit spielen sondern unsern Wandel mit Furcht führen sollen. Wie die göttlichen Eigenschaften, Seine Heiligkeit und Barmherzigkeit, Seine Gerechtigkeit und Gnade in Gott Selbst sich nicht stören und aufheben, so sollen sie allesammt auf unsere Seele einen gebührenden Eindruck machen. Nicht ein entstelltes sondern ein wirkliches Ebenbild Gottes war Adam, und ebenso will der Heilige Geist jetzt die Herrlichkeit des ewigen Gottes durch Christum in uns offenbaren. Wir können gewiß kein einzig Haar schwarz oder weiß machen; aber ebenſo gewiß ist, daß wir, wollen wir zeitlich und ewig in der Gemeinschaft Gottes leben, heilig werden und sein müssen. Das ist unsere Seligkeit, daß wir nicht, wie wir sind, bleiben und so in den Himmel kommen, sondern daß wir vergöttlicht, geheiligt werden sollen durch die felbsteigene Herrlichkeit Gottes. Deßhalb müssen wir ganz aus uns heraus und ganz auf die Gnade Gottes unsere Hoffnung stellen. Diese wird uns angeboten im Evangelium, in jedem Worte der Schrift liegt etwas von Gottes Gnade für unser Herz. Christi unschuldiges Blut, das besser redet, denn Abels Blut, so wir es im Glauben ergreifen, bedeckt unsere ganze Missethat ganz. Wer an Christum glaubt, ist gerecht; Gott sieht den Gläubigen in Chrifto für ganz rein und gerechtfertigt an. So gewiß das ist, so wenig dürfen wir irgend einem Trugbilde über die in uns wohnende Sünde Raum geben. Diese erfordert, um überwunden zu werden, eine tägliche Nüchternheit, eine Aktödtung bis in die verborgenen Gedanken, ein sich richten lassen von dem allwissenden Auge Gottes. Wie sich die Sünde in all unserm Wandel festgesetzt hat und hineinschleicht in unser verborgenstes Leben, in die Liebe zu Weib und Kind, in Lust und Schmerz, so verfolgt der Geist der Wahrheit sie und entdeckt sie uns. Ach, wie mühselig, so bis an's Ende streiten zu müssen; wie empfindlich, die Sünde tödten zu sollen immerdar! Ja wohl aber es ist ja doch die Sünde, unsere größte Feindin, die uns unsern himmlischen Beruf gleichgültig machen, das trostreiche Anrufen Gottes stören, die Gnade Christi unkräftig, den Glanben wurmstichig machen will. Gelobet sei von Herzen Gott, der unsere schläfrigen Herzen erweckt, die müden Kniee aufrichtet, die lässigen Hände stärkt zu solchem Kampfe. - Gebet. Lieber Heiland Jesu Christe, gib Gnade, daß Deine Gnade unsere Zuflucht sei und Zuversicht in dem göttlichen Gerichte. Hilf Herr, Du Hirte Deiner Schafe, daß wir Dir folgen und Deinem Worte in wahrem Gehorsam uns ergeben, die Sünde täglich ablegen und uns heiligen lassen von Dir nach Leib, Seel und Geist. Amen. Vater Unser. Donnerstag nach dem 20. nach Trinitatis. Mache Dich main geist hene Mel.: Straf mich nicht in Deinem Zorn. Menschenfreund, Immanuel, Dich mit mir vermähle; D Du sanfter Liebesquell, Salbe Geist und Seele Daß mein Will' Sanft und still, 627 Ohne Widerstreben Dir sich mag ergeben. Was noch flüchtig, sammle Du; Was noch stolz ist, beuge; Was verwirret, bring' zur Ruh; Was noch hart, erweiche; Daß in mir Nichts hinfür Lebe noch erscheine Als mein Freund alleine. ( Vers 4 und 7 aus: Liebster Heiland, nahe Dich) Ephef. 4, 29-32. Laffet kein faul Geschwät aus eurem Munde gehen; sondern was nüglich zur Besserung ist, da es noth thut, daß es holdselig sei zu hören. Und betrübet nicht den heiligen Geist Gottes, damit ihr versiegelt seid auf den Tag der Erlösung. Alle Bitterkeit, und Grimm, und Jorn, und Geschrei, und Låsterung, sei ferne von euch, fammt aller Bosheit. Seid aber unter einander freundlich, herzlich, und vergebet einer dem andern, gleichwie Gott euch vergeben hat in Chrifto. Das as hochzeitliche Kleid ist das wounderbarste aller Kleider. Während andere Kleider, die wir tragen, weder unsern Leib noch viel weniger unsern inwendigen Menschen schöner machen, so bleibt Keiner, der das hochzeitliche Kleid trägt, unverändert; heilende, erleuchtende, bewahrende, heiligende Kräfte werden dem Menschen mit dem hochzeitlichen Kleide geschenkt. Die Apostel zeigen in ihren Briefen, wie auch in der gegenwärtigen Schriftstelle, wie Christen, die dieses Kleid einmal angezogen haben, dasselbe ebensowohl von dem täglichen Staube, der bei dem Erdenwandel im Staube unvermeidlich ist, reinigen als auch das Kleid ordentlich tragen und die mannigfachen Herrlichkeiten dieses Kleides in ihrem ganzen Wandel hervorleuchten lassen sollen. Welche Tiefen des Friedens Gottes könnten unsere Seele bedecken, welche Hellscheinende und erquickende Sterne könnten wir durch die große Barmherzigkeit Gottes in diesem wilden und öden Erdenleben für die Unsrigen sein, wenn wir allezeit in dem hochzeitlichen Kleide unser Leben führen wollten! Schmach und Schande, daß uns unſer himmlischer Beruf so wenig anliegt, und daß Gottes Ernst und Gnade so wenig über uns vermögen! Wann wollen wir dem Himmelreiche Gewalt anthun? In der Hölle lobt man Gott doch nicht. Grimm, Zorn, Geschrei, Lästerung, Unfreundlichkeit und Unversöhnlichkeit sowie alle Bosheit, wie wenig schicken sie sich für das geringste Glied dessen, der sanftmüthig und von Herzen demüthig ist! Würde nicht die ganze himmlische Gemeine der Auserwählten betrübt und beunruhigt werden, 40* 628 wenn ein einzig bitteres, unfreundliches Herz in sie hineinschliche? Der König that Jenen, der kein Hochzeitliches Kleid anhatte, schonungslos hinaus. Darum dürfen wir uns der pharisäischen Welt, die nur lofen Schein sucht, nicht gleichstellen; wir müssen vor Gottes Augen wandeln und auch die Sündentriebe der Seele tödten. Wir müssen durchaus Ernst machen mit unserm Christenthum und noch heute anfangen, in irgend einem Stüce unserm Herzen herzhaften Widerstand zu leisten. Gott wird solch Beginnen segnen. Nicht als ob wir Trauben von den Dornen lesen und ohne Christum Gutes thun wollten; wir wollen eben auf eine evangelische Weise uns heiligen. Der Heilige Geist besucht uns in stillen Negungen in unserm Gewissen, in leisen Erinnerungen an dieses oder jenes Wort der Schrift, in Hinweisungen auf die hohe Würde und Kraft unserer Taufe, die eine freie, völlige Entsagung von allem Bösen in sich schließt. Darum gilt es, stille sein, kein loses Geschwätz führen; denn wer lose spricht, hört schwerlich, auch wenn der Heilige Geist im Innern redet. Gewißlich können wir auf diese Art noch erfahren, daß unser Herr Jesus Christus, ob Er wohl zur Rechten Gottes ist, uns nicht Waisen läßt, sondern zu uns kommt( Joh. 14, 18). Gebet. Num Herr, ich bin bereit mit Dir zu gehen. Mein Herz, Gott, ist bereit Dir zu dienen. Aber Anfang und Ende steht nicht in meinem Vermögen. Darum bitte ich Dich, Du lebendiges Haupt der Gemeine, Herr Jesu, segne mich Dein armes Glied und gib mir die Kräfte Deines Geistes, daß ich Dir lebe und in solchem Leben die zum Tode beschiedenen sündlichen Kräfte von mir abthue. Amen. Vater Unser. Freitag nach dem 20. nach Trinitatis. MeL: Ringe recht, wenn Gottes Gnade. Ringe, daß dein Eifer glühe Und die erste Liebe dich Von der ganzen Welt abziehe; Halbe Liebe hält nicht Stich. Nimm mit Furcht ja deiner Seele, Deines Heils mit Zittern wahr; Hier in dieser Leibeshöhle Schwebst du täglich in Gefahr. ( Vers 4 und 7 aus: Ringe recht, wenn Gottes Gnade.) Offenb. Joh. 2, 12-17. Und dem Engel der Gemeine zu Pergamus schreibe: Das sagt, der da bat das scharfe zweischneidige Schwerdt: Ich weiß, was du thust, und wo du wohneft, da des Satans Stuhl ist; und hältst an meinem 17amen, und haft meinen Glauben nicht verleugnet, auch in den Tagen, in welchen Antipas, mein trener Jeuge bei euch getödtet ist 629 da der Satan wohnet. Aber ich habe ein Kleines wider dich, daß du daselbst haft, die an der Lehre Balaams balten, welcher lehrete durch den Balak ein Aergerniß aufrichten vor den Kindern Israel, zu essen der Götzen Opfer, und Surerei treiben. Also hast du auch, die an der Lehre der Ticolaiten balten; das baffe ich. Thue Buße; wo aber nicht, so werde ich dir bald kommen, und mit ihnen kriegen durch das Schwert meines Mundes. Wer Ohren hat, der höre, was der Geist den Gemeinen sagt: Wer überwindet, dem will ich zu effen geben von dem verborgenen Manna, und will ihm geben ein gut Jeugniß, und mit dem Jeugniß einen neuen amen geschrieben, wel, chen Tiemand kennet, denn der ihn empfängt. Wie dankbar sollten billig unsere christlichen Gemeinden sein, wenn der Herr ihnen Schutz und Frieden gibt, ein ruhiges und stilles Leben führen zu können auf dieser armen Erde. Die Gemeinde, gegent welche der Herr hier so gewaltig ernst redet, hatte es nicht so gut. Sie wohnte in einer Stadt, wo des Satans Stuhl war. Da muß wohl ein gefährliches Wohnen sein, wo der böse Feind und Widersacher Christi sich der Obrigkeit bemächtigt hat und zur Verfolgung aller wahren Christen und Zeugen Gottes treibt. So hatten sie es denn erleben müssen, daß vor ihren Augen ein treuer Knecht des Herrn bloß um des Evangeliums willen getödtet wurde. Aber sie hatten darum doch den Glauben nicht verleugnet sondern festgehalten an dem seligmachenden Namen Jesu. Nur einige von ihnen ließen sich von dem Weltgeist betrügen und fingen an, der Versuchung zum ungöttlichen Wesen und zu weltlichen Lüsten nachzugeben. Sie sagten, man brauche sich von den Heiden und unchristlichen Leuten nicht so vorsichtig zurückzuziehen, ja wenn man unter diesen wäre, so sei es wohl erlaubt, ihr weltliches Wesen mitzumachen, innerlich könnte man dasselbe ja verachten und an dem Christenthum festhalten. Gerade so hatte aber schon im alten Testamente Bileam geredet und das arme Volk Israel in schreckliches Verderben gestürzt. Denn als sie sich von ihm dazu verführen ließen, nur ein wenig von den Sitten und Sünden der Heiden unter sich aufzunehmen, da wich der Herr von ihnen, und sie fielen in greuliche Laster und kamen auf eine furchtbare Weise durch den Zorn Gottes um das Leben. Deshalb, o Menschenherz, wenn auch du noch eine innerliche Luft empfindest, der Welt und ihren Sünden nachzugeben, wenn du dem Fleische heimlich seinen Willen thun möchtest laß dich heute warnen. Das sagt der, welcher das scharfe zweischneidige Schwert hat: Thue Buße! Thue Buße für das Aergerniß, welches du Andern durch dein halbes, unentschiedenes und weltförmiges Christenthum gegeben hast, thue Buße für deine heimliche Sündenliebe. Wie oft folgst du im Reden und Handeln dem natürlichen Menschen und nicht dem geistlichen; ach und wie oft in deinen Gedanken und Urtheilen! Das Wort Jesu will deine heimliche Sünden 630 liebe richten. Laß dich warnen, o Christenheit und du einzelner Christenmensch, thue Buße! Das Wort Jesu ist ein scharfes zweischneidiges Schwert und scheidet Mark und Bein, auch Seele und Geist. O wehe denen, welchen erst in der Todesstunde die Unlauterkeit ihres Herzens durch das Wort Jesu aufgedeckt wird, wie zerschneidend wird es denen durch Mark und Bein und durch die Seele fahren! Da wird Er kein äußeres Schwert mehr brauchen, um sie zu zerschlagen, sondern das Schwert Seines Mundes wird alle ihre Kräfte und ihr Leben auseinanderscheiden, darum daß sie diesem Worte widerstanden haben mit einem unlautern, harten und weltlustigen Herzen ihr Leben lang. Wer aber vor Gott lauter wird und sich von Gott erforschen, richten und erkennen läßt im Herzensgrunde, derselbe genießt auf Erden schon eine verborgene Lebensspeise und wird dereinst in jenem Heiligthum von dem verborgenen Lebensmanna zehren, und Gott Selbst wird ihm das Zeugniß geben, daß in seiner Seele ein neues Wesen, das Wesen des Geistes angefangen hat, welches in der seligen Ewigkeit auch einen neuen Namen empfängt. Und bei diesem neuen, herrlichen und ehrenvollen, lieblichen Namen wird Gott Selbst uns rufen als Seine wahrhaftigen von Ihm erkannten Kinder in Seinem ewigen Vaterhauſe. Gebet. O Vater aller Barmherzigkeit, der Du Dein Werk bei uns angefangen hast, wollest uns weiter begaben mit allerlei Fülle der Weisheit und Erkenntniß, daß wir gewiß werden in unserm Herzen, wie derselbe Geist, der unsern Herrn von den Todten auferweckt hat, auch mit gleicher Macht und Kraft in uns wirke, daß auch wir von den Todten auferstanden sind nach Deiner allmächtigen Stärke, die in uns wirket durch Dein heiliges Wort. Gib, daß wir uns vor dem Widerwärtigen nicht fürchten, und hilf, daß uns die Anfechtungen zum Siege ausschlagen um des bittern Leidens und Sterbens unseres Herrn Jesu Christi willen. Amen. Vater Unser. Sonnabend nach dem 20. nach Trinitatis. Mel: O bu Liebe meiner Liebe. Wir verlangen keine Ruhe Für das Fleisch in Ewigkeit. Wie Du's nöthig findst, so thue Noch vor unsrer Abschiebszeit. Aber unser Geist der bindet Dich im Glauben, läßt Dich nicht, Bis er die Erlösung findet, Da ihm Zeit und Maaß gebricht. Herrscher, herrsche! Sieger, siege! König, brauch' Dein Regiment! Führe Deines Reiches Kriege, Mach' der Sclaverei ein End'! Laß doch aus der Grub' die Seelen Durch des neuen Bundes Blut! Laß uns länger nicht so quälen; Denn Du meinst's mit uns ja gut. ( Vers 7 und 8 aus: D Durchbrecher aller Bande) Ephef. 6, 10-17. Julegt, meine Brüder, seid ftark in dem Serrn, und in der Macht seiner Stårke. Jieber an den Harnisch Gottes, daß ihr befiehen könnet gegen die liftigen Anläufe des Teufels. Denn wir haben nicht mit Sleisch und Blut zu kåmpfen, sondern mit Sürsten und Gewaltigen, nämlich mit den Herren der Welt, die in der Sinsterniß dieser welt herrschen, mit den bösen Geiffern unter dem Himmel. Um des willen, so ergreifet den Harnisch Gottes, auf daß ihr an dem bösen Tage Widerstand thun, und alles wohl ausrichten, und das Seld bebalten möget. So ftehet nun, umgürtet eure Lenden mit Wahrheit, und angezogen mit dem Krebs der Gerechtigkeit, und an Beinen geftiefelt, als fertig, zu treiben das Evangelium des Friedens, damit ihr bereitet seid. Vor allen Dingen aber ergreifet den Schild des Glaubens, mit welchem ihr auslöschen könnet alle feurigen Pfeile des Bösewichts. Und nehmet den Helm des Heils, und das Schwert des Geiftes, welches ist das Wort Gottes. 631 Das ist ein gewaltiger Trompetenstoß und Aufruf zum Kampf für 11 und des Apostels Brüder." In der Finsterniß dieser Welt herrscht der Teufel es wird ihm nicht einmal Widerstand entgegengesetzt. Nur die Brüder d. h. die Blutsverwandten des Apostels, welche hoffen durch das Blut Chrifti rein zu werden von ihren Sünden, haben es mit diesen Fürsten und Gewaltigen zu thun. Nicht nur mit Fleisch und Blut haben sie täglich zu kämpfen das ist schon ein Riese Goliath, gegen den man mit David zu Felde liegen muß sondern mit Fürsten und Gewaltigen. Unterschäge ihre Majestät nicht; es sind liftige Anläufe, feurige Pfeile des Bösewichts, gegen welche du gewappnet sein sollst. Geringschägung der Feinde hat manchmal schon ganzen Völkern eine schwere Niederlage beigebracht, Unterschägung der Macht der Herren der Welt, der bösen Geister unter dem Himmel, hat den Sichern oft schon zum Falle Nimmeraufstehen gebracht. Luther singt aus tiefer Erfahrung: Mit unsrer Macht ist nichts gethan, wir sind gar bald verloren. Aber: Ueberschätze auch nicht des Teufels Macht. Denn er ist wirklich ein gerichteter Geist; der Schlange ist der Kopf zertreten durch den Stärfern, der über sie gekommen, und in der Macht Seiner Stärke können auch wir gewinnen und den Sieg behalten. Eile täglich zur Rüstkammer und bekleide dich mit dem Harnisch Gottes. Die KriegsHelden der Griechen und Römer rühmten sich oft, ihre Waffen von Göttern zu haben, und hielten sich darum für unüberwindlich. Solcher Ruhm aber kommt nur der Rüstung zu, die der allein wahre Gott für den geistlichen Streit gegen den gefährlichsten aller Feinde uns gibt. Bei Ihm findest du den ganzen Harnisch mit seinen einzelnen Stücken. Da ist der Gurt der Lenden die Wahrheit, sie ist dem, der ein Lügner ist vom Anfang, Gift und Pestilenz; da ist der Krebs der Gerechtigkeit, hülle Herz und Gewissen damit ein, daß du - -- - - 632 sprechen kannst: Wer will verdammen, Christus" ist hier, der gerecht macht; sei an den Beinen gestiefelt, schlafe nicht, sei munter und wach und halte ihm die Kraft Gottes, selig zu machen, was verloren ist, entgegen. Vor allem aber ergreife den Schild des Glaubens; er ist der Sieg, der die Welt, auch den Fürsten der Welt überwindet: setze den Helm des Heils, der Hoffnung auf, daß der treue Kämpfer gekrönet wird, und ergreif das Schwert des Geistes: mit dem hat dein Jesus ihn aus dem Felde geschlagen, und es kamen Engel und dienten Ihm. Wohlan denn auch für heute sei die Losung: Ich entsage dem Teufel mit allen seinen Werken und Wesen, und übergebe mich Dir, Du dreieiniger Gott, im Gehorsam des Glaubens Dir treu zu sein bis an mein Ende. Gebet. Dich aber, Herr Jesu, bitten wir, Du wollest mit Deinem Schutze bei uns bleiben, die Augen erleuchten, das Herz stärken durch Deine Wahrheit und Gnade, einen stillen, festen Muth wider alle Feinde verleihen, der Du der allmächtige Gott bist und unser Heiland. Amen. Bater Unser. 21. Sonntag nach Trinitatis. - Mel.: Dir, Dir Jehova will ich fingen. Zu Dir ist meine Seele stille, Mein Herr, mein Gott, auf den mein Glaube blickt. Aus Deiner Gnaden reicher Fülle Fließt mir der Trost, der meinen Geist erquickt. Da alle Welt nicht rathen, helfen kann, Treff' ich bei Dir, was mich beruhigt, an. Mein Hoffnungsgrund ist Dein Erbarmen. Ich weiß, Dein Herz neigt gerne sich zu mir. Versöhner, Freund der geistlich Armen, Wer zu Dir kommt, den stöß'st Du nicht von Dir. Dies hast Du ja an keinem noch gethan: Ich bin gewiß, an mir fängst Du's nicht an. ( Vers 1 und 5 aus: Zu Dir ist meine Seele stille.) Joh. 4, 47-54. Und es war ein Königischer, des Sohn lag trank zu Capernaum. Dieser hörete, daß Jesus kam aus Judia in Galilaam, und ging hin zu ihm, und bat ibn, daß er binab kåme, und hülfe seinem Sohne; denn er war tootkrank. Lind Jesus sprach zu ihm: wenn ihr nicht Jeichen und Wunder sehet, so glaubet ihr nicht. Der Königische sprach zu ihm: Serr, komm hinab, ehe denn mein Kind stirbt. Jesus ſpricht zu ihm: Gehe hin, dein Sohn lebet. Der Mensch glaubte dem Wort, das Jesus zu ihm sagte, und ging bin. Und indem er binabging, begegneten ihm seine Knechte, verkündigten ihm, und ſprachen: Dein Kind lebet. Da forschte er von ihnen die Stunde, in welcher es beffer mit ihm geworden war. Und sie sprachen zu 633 ihm: Gestern um die siebente Stunde verließ ihn das Sieber. Da merkte der Vater, daß es um die Stunde wäre, in welcher Jesus zu ihm gesagt batte: Dein Sohn lebet. Und er glaubte mit seinem ganzem Hause. Das ist nun das andere Jeichen, das Jesus that, da er aus Judåa in Galilåa kam. Ein Mensch kann sich nichts nehmen, es werde ihm denn gegeben vom Himmel. So hat es sich der Königische auch nicht selbst gegeben, daß er im Glauben und Vertrauen zum Heilande ging. Das ist ihm von oben gegeben. Jesu Person, Jesu Wort, Jesu Wunder, diese sind es, die einen himmlischen Funken von Glauben in die Seele des Königischen gelegt haben. Woher und wann diese ersten Eindrücke von der Gnade und Macht Jesu in die Seele des Königischen gekommen sind, wissen wir nicht; genug, Gott hat dazu Mittel und Wege gewußt. Wer weiß, ob diese Samenkörner in der Seele des Mannes wären zum Grünen und Fruchttragen gekommen, wenn nicht ein besonderer Umstand hinzugekommen wäre. Sein Sohn wurde frank. Wie so oft, wenn auch nicht immer, lehrt die Noth beten. Etwaige Scham, Bedenklichfkeiten, Rücksicht auf Stand werden in der Noth nicht mehr in Anschlag gebracht. Wie anders aber geht mit diesem Könischen der Herr um als mit dem Hauptmann von Capernaum! Zu dem Hauptmann sagt der Herr, Er wolle hinabkommen zu ihm, aber der Hauptmann begehrt das nicht sondern nur ein Wort Jesu. Der Königische bittet, der Herr möge kommen, aber der Herr straft ihn darüber, daß er Zeichen und Wunder sehen und nicht glauben wolle. Darin ist der Glaube des Königischen richtig, daß er zu Jesu ein ganzes Vertrauen hat; aber darin ist der Glaube unvollkommen, daß er dem Herrn Art und Weise der Hülfe vorschreiben will. Er will bei seinem Glauben sehen. Der Herr aber fordert, daß wir glauben sollen, wie jener Hauptmann einen unbedingten Glauben an das Wort des Herrn kundgibt. So müssen wir uns denn mit dem Königischen gefallen lassen, daß unser Glaube in den Schmelztiegel kommt, in welchem er von den Schlacken der eigenen Meinung und des Eigenwillens gereinigt wird, damit er aus dem Feuer der göttlichen Zucht und Wahrheit hervorgehe als Glaube. So ging's bei dem Königischen. Als er das Wort hört: Dein Sohn lebet, brach sein Glaube durch und hing sich mit aller Macht an dieses Wort. Und was in aller Welt kann gewisser, fester sein als das Wort Gottes? Wo kann der Glaube eine festere Stütze finden als in dem Worte der Macht und Gnade Jesu! Es steht da in der Schrift, daß der Sohn des Königischen in eben derselben Stunde gesund geworden ist, in welcher der Herr das Wort sprach; der Königische merkte so die Kraft und Untrüglichkeit des Glaubens durch die nachfolgende Erfahrung. Aber wenn es auch nicht dastünde, so wüßten wir auf das Gewisseste, daß der Sohn gefund geworden ist. Es ist unseres Heilandes Ehre viel 634 zu nahe, daß Er ein einziges kraftloses Wort sollte sprechen können. Der Königische glaubte mit seinem ganzen Hause; das ist die Regel, daß, wenn der Vater gläubig ist, die Kinder ihm nachfolgen. Umge= kehrt, wenn der Vater ungläubig ist, sind es in der Regel auch die Kinder. Jedoch ist diese Regel auch nicht ohne Ausnahme. Gebet. Allmächtiger Gott, der Du durch Deinen Sohn Vergebung der Sünden, Leben und alles Gute uns verheißen hast, wir bitten Dich, Du wollest durch Deinen Heiligen Geist unsere Herzen also führen, daß wir solche Hülfe durch tägliches Gebet und sonderlich in aller Anfechtung bei 3hm suchen und durch feften Glauben an Sein Wort gewiß finden und erlangen. Amen. Bater Unser. Montag nach dem 21. nach Trinitatis. Mel.: Balet will ich dir geben. Wer von Dir möchte sehen Nur einen Blick, o Gott, Wie wohl würd' ihm geschehen! Die Welt wär' ihm ein Spett Mit allem ihrem Wesen; So herrlich und so rein, So lieblich, so erlesen Ist Deiner Augen Schein. Den wahren Gott zu schauen, Das ist die Seligkeit Und aller Himmelsauen 3hr schönstes Blumenkleid; Wie war nach Deinen Blicken Doch Abraham so froh, Wie wünscht er zu erquicken Sich an Dir, A und O! ( Bers 2 und 3 aus: Ein Tröpflein von den Neben.) Ebr. 11, 13-19. Diese alle sind geftorben im Glauben, und haben die Verbeißung nicht empfangen; sondern sie von ferne gesehen, und sich deß vertröffet, und wohl begnügen lassen, und bekannt, daß sie Gäste und Sremdlinge auf Erden sind. Denn die solches sagen, die geben zu verstehen, daß sie ein Vaterland suchen. Und zwar, wo sie das gemeint håtten, von welchem sie waren ausgezogen, hatten sie ja Jeit, wieder umzukehren. Nun aber begehren sie eines bessern, nämlich eines himmlischen. Darum schämet sich Gott ihrer nicht, zu heißen ihr Gott; denn er hat ihnen eine Stadt zubereitet. Durch den Glauben opferte Abraham den Isaak, da er versucht ward; und gab dabin den Eingebornen, da er schon die Verheißung empfangen hatte, von welchem gesagt war: In Isaak wird dir dein Same gebeißen werden;" und dachte, Gott kann auch wohl von den Todten erwecken, daher er auch ihn zum Vorbilde wieder nahm. Der Glaube ist wie ein Edelstein, der viele Strahlen von sich ausgehen läßt, aber so hell und mannigfach strahlen könnte er nicht, wenn er nicht in Wahrheit ein Edelstein wäre. Unächte Steine sind 635 werthlos. Die Kraft und Wurzel des Glaubens ist sein Geheimleben in Gott und mit Gott. Gott möchte Bedenken tragen, uns noch das Sonnenlicht zu gönnen; aber Er schämt sich sogar nicht zu heißen der Gott und das Gut der Gläubigen, und der Glaube erkennt mit Verwunderung die hohe Herablassung Gottes in Seinem Worte, in dem Leiden und Sterben Christi; er ergreift täglich, da er soust keine Ruhe findet, diesen Gott und spricht: mein Gott. Dann ist ein Gläubiger wohl daran, wenn er, es sei mit Kleinmuth oder Freimuth, sein ganzes Vertrauen auf die Gnade Jesu Christi und die Liebe Gottes setzen kann. Die Glaubensväter im alten Bunde ließen sich, ehe Christus im Fleische erschienen war, an der göttlichen Verheißung wohl genügen, d. h. eigentlich sie umarmten und umschlossen mit allen Seelenkräften die Verheißzung und wußten auf's Allergewisseste, daß sie Gott Selbst darin ergriffen. Glauben wir so, wie die Schrift sagt, so werden wir erstens bereit sein, unser Vaterland nämlich die ganze angeborne Weise zu denken, zu handeln, zu lieben und zu sein zu verlassen und das rechte Vaterland zu suchen, nämlich dahin zu ringen, völlig mit Leib und Seele in die Gemeinschaft des lebendigen Gottes einzugehen. Den Staub liegen zu lassen aus herzlicher Willigkeit wird dem nicht schwer, der bereits Gold in Händen hat und in der Lage ist, immer mehr davon zu sammeln. Glauben wir so, so werden wir in der Erkenntniß Gottes weiter fruchtbar sein, indem wir zweitens Gott gehorsam sind. Der Glaube erkennt die ewige Majestät und Herrlichkeit Gottes und kann nicht ruhen, er lebe denn in der göttlichen Ordnung, im Gehorsam. Endlich drittens wird Gott Gelegenheiten genug schicken, wo wir Ihm vertrauen und uns lediglich auf Seine Zusage verlassen sollen, wie Abraham in solchem Falle war bei der Hingabe Isaaks. Ist der Glaube solch eine herrliche Creatur und Wesen in uns, wie sehr dankbar sollen wir doch sein, daß Gott Selbst ihn wirken will, wie nahe sollen wir uns zu Seinem schaffenden Worte halten, wie inniglich zu Gott rufen: Herr ich glaube; hilf meinem Unglauben! Gebet. Herr Jesu, Du Anfänger und Vollender des Glaubens in allen Gläubigen, der Du die Väter, die auch Menschen gewesen sind wie wir, so herrlich mit Deinen Gaben ausgerüstet und im Glauben stark gemacht hast, wir bitten Dich, erwecke auch unsere Herzen, daß sie Dich suchen; gib, daß Dein Wort wie eine Krast uns stärke, wie ein Licht erleuchte und wie ein Stab uns halte. Amen. Bater Unser. 636 Dienstag nach dem 21. nach Trinitatis. Mel.: Es ist gewißlich an der Zeit. Dein'n Heil'gen Geist nimm nicht von mir; Dein Freudengeist erhalt' mich doch Den bösen Geist vertreibe, Mit Seinem Freudenöle, Damit nicht das Verzweiflunigsjoch Verderbe meine Seele. Daß ich, als nie entführt von Dir, Stets Deine sei und bleibe; Beherrsche mein Herz, Sinn und Muth Durch Deinen Geist, so ist es gut Im Leben und im Sterben. Sei Du mein Freund, o Herr, allein, Ach, laß mich ganz Dein eigen sein Und führe mich zur Freude. ( Vers 4 und 6 aus: Schaff in mir, Gott, ein reines Herz.) Luc. 5, 33-39. Sie aber sprachen zu ihm: Warum faften Johannis Jünger fo oft, und beten so viel, deffelbigen gleichen der Pharifäer Jünger; aber deine Jünger effen und trinken? Er sprach aber zu ihnen: Ibr möget die Hochzeitleute nicht zum Saften treiben, so lange der Brautigam bei ihnen ist; es wird aber die Zeit kommen, daß der Brautigam von ihnen genommen wird; dann werden sie faften. Und er sagte zu ihnen ein Gleichniß. Tiemand flickt einen Lappen vom neuen Kleide auf ein alt Kleid; wo anders, so reißt das Teue, und der Lappe vom Teuen reimet sich nicht auf das Alte. Und iemand faffet Most in alte Schläuche; wo anders, so zerreißt der Moft die Schläuche, und wird verschüttet, und die Schläuche Fommen um. Sondern den Moft soll man in neue Schläuche faffen, so werden sie beide behalten. Und iemand ist, der vom alten trinkt, und wolle bald des neuen; denn er spricht: Der alte ist milder. Statt sich in des Herrn Wege, Wort und Weise zu finden, sehen wir hier wieder die alte böse Unart des menschlichen Herzens, die Wege und das Wort des Herrn zu bemäkeln und zu tadeln. Fassen wir es doch, daß der Herr gut und fromm und Alles, was er ordnet, löblich ist! Daß die Jünger Jesu nun gerade in der Zeit, da der Heiland noch bei ihnen ist, nicht fasten und in äußerlichen Satzungen sich abmühen sollen wie die Jünger Johannis und der Pharisäer, stellt der Herr in zwei Gleichnissen an's Licht. Wer flickt denn nun auf ein altes Kleid einen neuen, großen Lappen? Wer faßt jungen, gährenden Wein in alte Schläuche, daß die Schläuche zerreißen und der Wein verschüttet wird? Das thut Niemand, und es wäre auch gegen die Vermunft. Von diesen Gleichnissen mögen wir eine vielfache Anwendung machen und den Sinn in Allem richtig treffen. Die Erkenntniß Jesu Christi des Herrn, der die Sünde, den Tod und die Hölle siegreich überwunden hat, macht die Gläubigen fröhlich und frei in solchem Geiste des Glaubens. Wie sehr wir dadurch nach Gottes Wort an Christum unsern einigen Herrn gebunden sind, so wenig dürfen wir uns einem ängstlichen, trüben Wesen ergeben, weder uns noch Andere durch unnöthige Sagungen drücken und quälen. Sonst käme doch ein alter Flicken auf ein neues Kleid, und der Most sollte in die alten Schläuche menschlicher Satzungen gefaßt werden. Sodann müssen wir lernen, das Zusammengehörige zusammenzubringen, wir dürfen aber nicht unter sich Zwiespältiges verbinden. So müssen wir die Flicken des Gesetzes nicht auf das Evangelium legen. Das Gesetz hat seine große, heilige Bedeutung. Durch das Geset kommt die Erkenntniß der Sünde Röm. 3. Diesen Brauch sollen wir fleißig von dem Gesetze machen und immer wieder vor diesen klaren Spiegel treten. Aber weiter als bis zur Erkenntniß der Sünde bringt uns das Gesetz nicht; es richtet Fluch an über uns. Die Vergebung der Sünden kommt allein durch den Glauben an Christum. Allein durch den Glauben gerecht heißt es Röm. 3. So flicke man nicht hinzu von diesen oder jenen Lappen. Vielmehr sollen wir den süßen Wein der seligmachenden Erkenntniß Christi uns beleben und durchdringen laffen und gewiß sein, wo wahrer Glaube ist, wird auch das Gesetz recht erfüllt und zeigt sich eine Fruchtbarkeit in allen guten Werken. Dieser gute Wein der Gnade Gottes in Christo, wie ihn unsere Glaubensväter getrunken haben, ist der eigentlich alte Wein, auch wenn er uns neu vorkommt. Die Pharisäer waren an den alten Wein ihrer Satzungen und selbsterwählter Geistlichkeit so gewöhnt, daß sie die heilsame Lehre Jesu von der Vergebung der Sünden neu und herbe fanden. So wird die alte, ewige Wahrheit immer wieder verschrieen als eine neue, die nicht gewesen sei. Aber lassen wir uns nicht irren. Sie ist alt und neu, wie man es verstehen will; jedenfalls ist sie allein wahr. Denn nur wer da glaubt an den Sohn Gottes, hat das ewige Leben; wer dem Sohne nicht glaubet, der wird das Leben nicht sehen, sondern der Zorn Gottes bleibet über ihm Joh. 3, 36. - 637 Gebet. Lieber Gott und Vater, wir bitten Dich um die Gaben der Himmlischen Weisheit, daß wir die hohen Wahrheiten der Schrift von dem Gesetze und Evangelium, von Christi Person und Werk, vom Glauben und von der Liebe recht fassen und Gottes Wort allein unser Licht sein lassen. Pflanze uns zu gesunden, fruchtbaren Bäumen der Gerechtigkeit in Deinem Hause. Amen. Vater Unser. disdados atle Mittwoch nach dem 21. nach Trinitatis. 638 Wohl auf! mein Geist laß fahren, Was Gott nicht selber heißt, Weil Alles mit den Jahren Sich deinem Brauch entreißt; Gott aber bleibet stehen, Wenn Alles in der Welt Wird fallen und vergehen, Was jetzo dir gefällt. Mel.: Bakt will ich dir geben. Ach, mache Herz und Sinnen, O Gott, von Allem frei Und gib, daß mein Beginnen Aufwärts gerichtet ſei! Die Welt fann doch nichts geben, Das wahre Ruhe brächt'; Wer Dich zur Ruh und Leben Erwählet, der trifft's recht. ( Vers 9 und 10 aus: Auf, auf! mein Geift, betrachte.) Phil. 3, 12-15. Ticht, daß ich es schon ergriffen habe, oder schon vollkommen sei; ich jage ihm aber nach, ob ich es auch ergreifen möchte, nachdem ich von Christo Jesu ergriffen bin. Meine Brüder, ich schätze mich felbft noch nicht, daß ich es ergriffen habe. Eins aber sage ich, ich vergesse, was dahinten ist, und ftrede mich zu dem, das da vorne ist; und jage nach dem vorgesteckten 3iel, nach dem Kleinod, welches vorhålt die himmlische Berufung Gottes in Christo Jesu. Wie Viele nun unserer vollkommen sind, die laffet uns also gesinnet sein. Es ist eine selige Stunde, in welcher wir mit dem Apostel sagen können: ich bin von Christo Jesu ergriffen. Jammer und Weh, wenn diese Stunde noch nicht über uns gekommen ist und wir sie nicht wollen kommen lassen! Wie lange schon greift die Hand Jesu nach unserm Herzen! Dann sind wir von Ihm ergriffen, wenn wir vor Ihm hinfallen und sprechen: Herr, ich bin ein fündiger Mensch, aber Du bist meine Hülfe. Ich mag nicht ohne Dich leben und noch weniger ohne Dich sterben. Diefe tröstlichste aller Wahrheiten und Gewißheiten müssen wir erlangen, daß es als eine Gottesthat und Thatsache in unserm Leben dasteht: ich bin von Christo ergriffen, Christi Hand hat mich ergriffen, Christi Herz hat mich getröſtet, Christi Mund hat zu mir gesagt, daß ich in Frieden hingehen soll. Das ist der Eintritt und Rücktritt in die ewige, felfenfeste Gnade der heiligen Taufe. Damit ist dann auch ein neues Leben im Menschen gesetzt und geschaffen. Wie ein Reim hervorbricht und den Trieb zum Wachsen in sich hat, so ist das Leben Christi in unsern Seelen; es ist ein lebendiges Leben, das sich entwickeln und vollenden will. Je ernster und vielfacher die Hindernisse sind, um so fester wird der Entschluß: ich jage ihm nach, ob ich es auch ergreifen möchte. Je deutlicher das Bild Christi voll Herrlichkeit, voll aller Wahrheit vor unsrer Seele steht, um so tiefer fühlen wir den Verfall aller unsrer Kräfte, um so sehnsüchtiger streckt sich der Geist Jesu Christo entgegen, 639 dem gnädigen Durchbrecher aller Bande. Gott segnet gewiß alle trenen Beter und ernsten Kämpfer; es gelingt uns doch durch Gottes Gnade, bald dieses bald jenes arge Stück aus unserm Leben abzuthun und in unserm Herzen bis auf die Wurzel dem Tode zu weihen. So gut und nöthig es ist, daß unsere Nächsten, besonders die Hausgenossen unser Wachsthum im Glauben und in der Liebe spüren, so wenig wird der Geist des göttlichen Wortes uns mit uns selber zufrieden machen. Vielmehr heißt es: Gott sei Dank, ich bin von Christo Jesu ergriffen: aber ich vergesse, was dahinten ist, ruhe und raste nicht auf erlebten Erfahrungen oder auf vollbrachten Werken. Wir sind Christen, sagt Luther; aber er setzt hinzu: im Werden. Beides muß seine volle Wahrheit haben. Daß wir es sind, darüber loben wir den dreieinigen Gott billig täglich von Herzensgrund; daß wir es werden, darum bitten, ringen und arbeiten wir. Gebet. Ach Herr Jesu, meine Freude ist, daß ich mich zu Dir halte, der Du Deine Hände Tag und Nacht nach mir ausstreckst. Meine Bitte und Gebet ist zu Deinem hülfreichen Namen, daß Du Deine Hand nicht von mir abthun sondern mich leiten, heben, tragen und festhehalten wollest in Deinem ewigen Worte. Amen. Vater Unser. Donnerstag nach dem 21. nach Trinitatis. Mel.: O Gott, Du frommer Gott. Ach siehe doch mein Gott, Da hast Du meine Seele, Sie sei Dein Eigenthum, Mit ihr Dich heut' vermähle, In Deiner Liebeskraft; Da hast Du meinen Geist, Darinnen wollst Du Dich Verklären allermeiſt. Laß mir doch diesen Tag Stets vor den Augen schweben, Daß Dein Allgegenwart Mich wie die Luft umgeben, Auf daß mein ganzes Thun Durch Herz, durch Sinn und Mund Dich lobe inniglich, Mein Gott, zu aller Stund. ( Vers 3 bis 7 aus: O Jesu, süßes Licht) Psalm 5. Berr, bore meine Worte, merke auf meine Rede, vernimm mein Schreien, mein König und mein Gott; denn ich will vor dir beten. Herr, frühe wolleft du meine Stimme hören; frühe will ich mich zu dir schicken, und darauf merken. Denn du bist nicht ein Gott, dem gottlos Wesen gefällt; wer böfe ift, bleibet nicht vor dir. Die Ruhmredigen bestehen nicht vor deinen Augen; du bist feind allen Ulebelthätern; du bringest die Lügner um; der Herr hat Greuel an den Blutgierigen und Salschen. Ich aber will in dein Haus gehen auf deine große Güte, und anbeten gegen deinem beiligen Tempel in deiner 640 Furcht. Herr, leite mich in deiner Gerechtigkeit um meiner Seinde willen; richte deinen Weg vor mir her. Denn in ihrem Munde ist nichts Gewiffes, ihr Inwendiges ift Herzeleid, ihr Rachen ist ein offenes Grab, mit ihren Jungen heucheln sie. Schuldige sie, Gott, daß fie fallen von ihrem Vornehmen, froße sie aus um ihrer großen Llebertretung willen; denn sie sind dir widerspenstig. Laß sich freuen Alle, die auf dich trauen; ewiglich laß sie rühmen, denn du beschirmest sie; fröhlich laß sein in dir, die deinen Tamen lieben. Denn Du, Serr, segneft die Gerechten; du kroneft sie mit Gnade, wie mit einem Schilde. In diesem Psalm gibt uns David einen Beweis seiner Vertraulichkeit mit Gott. Es ist merkwürdig, daß er in seiner Noth gleichsam mit Ungestüm Gehör von seinem Gott begehrt. Er klopft mit den gehäuften Worten: ,, Höre, merke, vernimm" vor der Himinels= thür hart und geschwinde an wie die, welche gern bald wollen eingelaffen sein. Er gebraucht solche Wörter, welche heißen: gar genau und scharf auf eine Rede Acht haben, mit geneigtem Haupte zuhören, wie er anderswo spricht: ,, Neige Deine Ohren zu mir." Siehe das thut der Glaube und die findliche Zuversicht, und die Liebe fällt Gott um den Hals. Ach Gott," sagt sie, Dir allein will ich es klagen und gleichsam heimlich in das Ohr sagen, daß es der Teufel und die Böse Welt nicht hört, sie möchten sonst meiner spotten." Dabei muß man sich im Geist ergözen über die Ursache, welche das gläubige Herz anführt, warum Gott es hören solle: ,, Denn ich will vor Dir beten. Frühe wollest Du auch hören, denn frühe will ich mich zu Dir schicken." 11 Es ist aber, als wenn ein Bauersmann seinem Fürsten nachrief: " Herr, haltet stille und höret mich, denn ich bin frühe ausgegangen und habe euch etwas vorzutragen"- oder als wenn ein Bettler ungestüm an ein Haus anklopfte und sagte: ,, Macht geschwind auf, denn ich will hier betteln." ,, Frühe wollest Du meine Stimme hören!" Woher kommt doch diese heilige Vertraulichkeit? Sie hat ihren Grund darin, daß der Knecht Gottes aus einem aufrichtigen Herzen sein Gebet spricht. Er weiß 1) daß Gott die Sünder nicht höret und daß ihm gottlos Wesen nicht gefällt, darum hat er sein Herz abgekehret von bösen Anschlägen und weltlichen Wünschen. Er weiß 2) daß die Ruhmredigen nicht bestehen vor seinen Augen, darum fängt er sein Tagewerk in wahrer Demuth an. Er weiß 3) daß Gott einen Gräuel hat an den Blutgierigen und Falschen, und hat deßhalb allen Haß und alle Verstellung bei Seite gethan. Dagegen brennt seine Seele vor Verlangen nach der Ehre Gottes. Er möchte den ganzen Tag wie ein brennendes und scheinendes Licht im Heiligthum zur Anbetung des großen Gottes reizen. ,, Ich will in Dein Haus gehen auf Deine große Güte und anbeten gegen Deinem heiligen Tempel in Deiner Furcht." Er möchte so gerne die Feinde des Herrn beschämen und einfältig durch die Menge der verkehrten, falschen und widerspenstigen Menschen 641 gehen. Siehe, dieser Sinn gibt ihm Freudigkeit zum Bitten und Gewißheit der Erhörung, so daß er sich am Ende des Gebets den Segen spricht, als ob ihm in dem Gotteshause der Segen gesprochen würde, ja daß er als Unterpfand der Himmelskrone die Gnadenkrone über sich glänzen sieht. Denn der Herr segnet die Gerechten," sagt er, ,, und frönet sie mit Gnade wie mit einem Schilde." " 1 Gebet. Herr Jesu, merke, vernimm auch unsere Stimme, denn wir wollen vor Dir beten. Prüfe, erfahre unsere Herzen und siehe, wie wir es meinen, denn Du gerechter Gott prüfest ja Herzen und Sinnen. Reinige uns von allen weltlichen Wünschen und sündhaften Anschlägen, von aller Falschheit und von aller Hoffart, damit wir nicht zu Deiner Schande leben in dieser argen und verkehrten Welt. Be= schäme alle Deine Feinde und laß sich freuen alle, die auf Dich vertrauen und Deinen Namen lieben, der Du mit dem Vater und dem Heiligen Geiste lebest und herrschest in göttlicher Majestät immer und ewiglich. Amen. Vater Unser. Freitag nach dem 21. nach Trinitatis. munfer Mesn, mein Genthe:& Mel.: Wie nach einer Wafferquelle. McWerde mund Werdet ihr nicht treulich ringen Sondern träg' und lässig sein, Eure Neigung zu bezwingen, So bricht eure Hoffnung ein. Ohne tapfern Streit und Krieg Folget niemals rechter Sieg. Wahren Kriegern wird die Krone Nur zum beigelegten Lohne. Furcht muß man vor Gott stets tragen, Denn Er kann mit Leib und Seel' Uns zur Hölle niederschlagen. Er ist's, der des Geistes Del Und, nachdem es Ihm beliebt, Wollen und Vollbringen gibt. D, so laßt uns zu Ihm gehen, Ihn um Gnade anzuflehen. ( Vers 5 und 7 aus: Schaffet, schaffet Menschenkinder.) Offenb. Joh. 2, 18-29. Lind dem Engel der Gemeine zu Thyatira schreibe: Das sagt der Sohn Gottes, der Augen hat wie Seuerflammen, und seine Süße gleichwie Messing; ich weiß deine Werke, und deine Liebe, und deinen Dienst, und deinen Glauben, und deine Geduld, und daß du je långer je mehr thuft. Aber ich habe ein Kleines wider dich, daß du läsfest das Weib Jesabel, die da spricht, sie sei eine Prophetin, lehren, und verführen meine Knechte, Surerei treiben und Götenopfer effen. Und ich habe ihr Zeit gegeben, daß sie sollte Buße thun für ihre Surerei; und sie thut nicht Buße. Siehe, Jch werfe fie in ein Bette, und die mit ihr die Ehe gebrochen haben, in große Trübsal; wo sie nicht Buße thun für ihre Werke. Und ihre Kinder will ich zu Tode schlagen. Und follen erkennen alle Gemeinen, daß Ich bin, der die Tieren und Herzen erforschet; und werde geben einem Jeglichen unter 41 642 euch nach euren Werken. Euch aber sage ich und den 4ndern, die zu Thyatira sind, die nicht haben solche Lebre, und die nicht erkannt baben die Tiefen des Satans( als fie sagen): Ich will nicht auf euch werfen eine andere Last. Doch was ihr habt, das haltet, bis daß ich komme. Und wer da überwindet, und bålt meine Werke bis an das Ende, dem will ich Macht geben über die Seiden. Llnd er soll sie weiden mit einer eisernen Ruthe, und wie eines Topfers Gefäße foll er sie zerschmeißen, wie ich von meinem Vater empfangen babe; und will ihm geben den Morgenstern. Wer Ohren bat, der höre, was der Geist den Gemeinen sagt. Erschrecklich war es, als das unselige Weib des Königs Ahab, Isabel, das ganze Volk verführte, dem Baal zu dienen mit Freffen und Saufen, mit Unzucht und Schwelgerei. Aber es ist noch viel schrecklicher, wenn in der Christenheit sich die geschminkte Welt, die Verführerin, einen Anhang sammelt und getaufte Seelen verleitet, die Werke des Fleisches zu thun und den Willen des Satans zu vollführen. Ach, wie geneigt ist das Menschenherz, dieser Verführung nachzugeben, wie erfinderisch ist es, um seine heimlichen Greuel und Sünden zu entschuldigen. Darum tritt der Herr hier vor unsere Augen als der allwissende Richter. Er hat Augen wie Feuerflammen, denn Er erforschet Herzen und Sinnen, und wo Seine Augen einem Sünder in das Gewissen leuchten, da fängt dasselbe an, ihm zu brennen, ihn zu verklagen und zu überführen. Er hat Füße wie von Erz, denn Er kann Seine widerspenstigen Feinde unter Seine Füße treten. Wie furchtbar müssen Seine Gerichte zuweilen werden in der Christenheit! Wenn Er tausende von Sündern auf das Krankenlager wirft, wenn Er die jungen Kinder zu Tode schlägt, dann geht ein Schrecken durch alle Gemeinden, dann erkennen Viele, daß Er Herzen und Nieren erforscht und einem Jeglichen geben wird nach seinen Werken. Heiliger Herre Gott, heiliger starker Gott, heiliger barmherziger Heiland! so rusen täglich Seine Gläubigen zu Ihm und Er antwortet ihnen: Ja heilig und stark stehe Ich jetzt unsichtbar in eurer Mitte, heilig und stark werde Ich dereinst sichtbar kommen. Darum haltet, was ihr habt, bis daß Ich komme. Dann will Ich eure und Meine Feinde mit einem Stabe schlagen und die Widersacher des Reiches Gottes mit Meiner Zukunft zu Schanden machen. Fürchtet euch vor ihrem Trotzen nicht, erschrecket nicht in dieser finstern und bösen Welt, selbst nicht in dem Thal der Todesschatten. Wer überwindet, dem will Ich geben den Morgenstern. Welche achten auf das feste prophetische Wort, denen soll der ewige Tag anbrechen und der Morgenstern in ihrem Herzen aufgehen. Kennst du den Namen dieses Morgensterns, der das ewige Licht uns leuchten läßt und wie vom Himmel fällt? Er heißt Jesus, die Wurzel des Geschlechtes Davids, ein heller Morgenstern. Der leuchte uns vom Morgen bis zum Abend. 643 Gebet. Herr, Du heiliger und großer Gott, ein Licht ohne Finsterniß, wir rufen zu Dir. Siehe an die Noth und Gefahr, worin wir täglich leben. Der Geist ist willig zu Dir; aber das Fleisch ist durch die Sünde schwach und zum Bösen geneigt. Barmherziger, gnädiger Gott, laß uns nicht umkommen auf unserm Wege sondern gib vielmehr, daß unsere Seelen angethan werden mit Herzlicher Furcht vor Dir und mit Glauben an Christum in reinem Gewissen, damit wir also alle unsere und Deine Feinde überwinden mögen. Amen. Bater Unser. Sonnabend nach dem 21. nach Trinitatis. Mel.: Jesus, meine Zuversicht. Start ist meines Jesu Hand, Und Er wird mich ewig faffen; Hat zu viel an mich gewandt, Um mich wieder los zu lassen. Mein Erbarmer läßt mich nicht; Das ist meine Zuversicht. Sieht mein Kleinmuth auch Gefahr, Fürcht' ich auch zu unterliegen: Christus beut bie Hand mir dar, Christus hilft dem Schwachen siegen. Daß mich Gottes Held versicht, Das ist meine Zuversicht. ( Bers 1 und 2 aus: Start ist meines Jesu Hand.) Phil. 1, 3-11. Ich danke meinem Gott, so oft ich eurer gedenke,( welches ich allezeit thue in allem meinem Gebet für euch alle, und thue das Gebet mit Freuden,) über eurer Gemeinschaft am Evangelio, vom ersten Tage an bisher. Und bin deffelbigen in guter Juversicht, daß, der in euch angefangen bat das gute Werk, der wird es auch vollführen, bis an den Tag Jesu Christi. Wie es denn mir billig ist, daß ich dermaßen von euch allen balte; darum, daß ich euch in meinem Herzen babe, in diesem meinem Gefängniß, darinnen ich das Evangelium verantworte und bekräftige, als die ihr alle mit mir der Gnade theilbaftig seid. Denn Gott ist mein Jeuge, wie mich nach euch allen verlanget von Herzensgrund in Jesu Chrifto. Und darum bete ich, daß eure Liebe je mehr und mehr reich werde in allerlei Erkenntniß und Erfahrung, daß ihr prüfen möget, was das Beste sei; auf daß ihr seid lauter und unanstößig bis auf den Tag Chrifti, erfüllet mit Früchten der Gerechtigkeit, die durch Jesum Christum geschehen( in euch) zur Ehre und Lobe Gottes. Der Apostel schreibt hier seinen Philippern: Ich bin desselben in guter Zuversicht, daß, der in euch angefangen hat das gute Werk, der wird es auch vollführen bis an den Tag Jesu Christi. Was gibt dem lieben Apostel solche Zuversicht? Weiß er es denn nicht, daß 41* 644 der Herr auch gesagt, daß es Erste gäbe, welche die Letzten werden würden, welche die Hand an den Pflug legten, aber zurückschauten. Woher also die Zuversicht, daß die Philipper bis an's Ende beharren würden? Des Apostels Hoffnung beruht nicht auf Menschen Treue, sondern auf Gottes Treue; er redet von dem Werke, das Gott in ihnen angefangen und auch vollführen würde. Bei denen, welche abfallen und mit Lot's Weib zurückschauen, oder die sich zurücksehnen nach den Fleischtöpfen Aegyptens, ist der Anfang des Christenlebens und Wandels vielleicht weniger Gottes Werk gewesen, sondern er hat mehr von außen statt von innen begonnen; das Christenthum war vielleicht nur angepredigt, war durch Sitte, Erziehung angewöhnt; der Schein der Gottseligkeit war da, aber die Kraft- die innerliche Erneuerung im Geiste des Gemüths fehlte, es ruhte nur auf den losen Sandkörnern nachgesprochener Worte aber nicht auch auf dem tief gegrabenen Grunde wahrhaftiger Bekehrung; wie bei einer Lydia, welcher der Herr das Herz aufthat, wie bei einem Kerkermeister, dem die Frage: Was muß ich thun, daß ich selig werde? brennend heiß aus dem Gewissen kam. Das waren die Anfänge der Philippischen Gemeinde, Anfänge, welche in Gott und durch Gott geschehen. Von einem solchen Werke gilt das Wort: Gott ist treu, der euch berufen hat, welcher es auch wird thun. Dazu kam die tiefe und reiche Fürbitte des Apostels für seine liebe Gemeinde. Allezeit betet er für sie, für Alle, er thut das Gebet mit Freuden; Gott ist mein Zeuge, wie mich nach Euch Allen verlangt von Herzensgrund. Die Gebete meines Vaters haben mich umgeben wie Mauern, bezeugt der Sohn des seligen Spener. Und vermag nicht das Gebet des Gerechten viel, wenn es ernstlich ist? Freilich foll und darf das die, für welche gebetet wird, nicht faul und lässig machen; die erfahrene Gnade uitd täglich neu werdende Treue Gottes, wie sie vermittelt wird durch so innige Fürbitte muß reich und reicher machen an allerlei Erkenntniß und Erfahrung, muß lauter und unanstößig erhalten bis auf den Tag Jefu Chrifti, erfüllen mit Früchten der Gerechtigkeit, die durch Jesum Christum geschehen zur Ehre und Lobe Gottes. Gebet. Lieber Herr, es ist mein großer Trost, daß ich durch Deine Macht allein im Glauben bewahret bleiben kann; Dein Blut redet besser wie Abels Blut; deß getröste ich mich von Herzen, wenn der Feind mein Leben verklaget und die Sinne in mir verzagen. Du bist Herzenskündiger, und es ist Dir nicht verborgen, wie meine Seele nur nach dem Einigen verlangt, dereinst des Glaubens Ende davon zu tragen, meiner Seelen Seligkeit; bitte für mich, daß mein Glaube nicht aufhöre sondern mit jedem Morgen neu anfange und gereinigt und geläutert werde bis ich Dich schaue von Angesicht zu Angesicht in ewiger Freud und seligem Licht. Amen. Vater Unser. - 645 22. Sonntag nach Trinitatis. Mel.: Aus tiefer Noth schrei' ich zu Dir. Fürwahr, wenn mir das kommet ein, Was ich mein Tag' begangen, So fällt mir auf das Herz ein Stein Und bin mit Furcht umfangen. Ja, ich weiß weder aus noch ein Und müßte stracks verloren sein, Wenn ich Dein Wort nicht hätte. Aber Dein heilsam Wort, das macht Mit seinem süßen Singen, Daß mir das Herze wieder lacht Und schon beginnt zu springen, Dieweil es alle Gnad' verheißt Denen, die mit zerknirschtem Geist Zu Dir, o Jesu, kommen. ( Vers 3 und 4 aus: Herr Jesu Christ, Du höchftes Gut, Du Quell.) Matth. 18, 23-35. Darum ist das Simmelreich gleich einem Könige, der mit seinen Knechten rechnen wollte. Und als er anfing zu rechnen, kam ihm Einer vor, der war ihm zehn tausend Pfund schuldig. Da er es nun nicht hatte zu bezahlen, hieß der Herr verkaufen ihn, und sein Weib, und seine Kinder, und alles, was er hatte, und bezahlen. Da fiel der Knecht nieder, und betete ihn an, und sprach: Serr, habe Geduld mit mir, ich will dir Alles bezahlen. Da jammerte den Herrn deffelbigen Knechts, und ließ ihn los, und die Schuld erließ er ihm auch. Da ging derselbige Knecht hinaus, und fand einen seiner Mitknechte, der war ihm hundert Groschen schuldig; und er griff ihn an, und würgete ihn, und sprach: Bezable mir, was du mir schuldig bift! Da fiel sein Mitknecht nieder und bat ihn, und sprach: Sabe Geduld mit mir, ich will dir Alles bezahlen. Er wollte aber nicht; sondern ging bin, und warf ihn in's Gefängniß, bis daß er bezahlete, was er schuldig war. Da aber seine Mitknechte solches saben, wurden sie sehr betrübt, und kamen, und brachten vor ihren Herrn Alles, was sich begeben hatte. Da forderte ihn sein Herr vor sich, und sprach zu ihm: Du Schalksknecht, alle diese Schuld habe ich dir erlaffen, dieweil du mich bateft; solltest du denn dich nicht auch erbarmen über deinen Mitknecht, wie ich mich über dich erbarmet habe? Und sein Herr ward zornig, und überantwortete ihn den Peinigern, bis daß er bezablete Alles, was er ihm schuldig war. Also wird euch mein himmlischer Vater auch thun, so ihr nicht vergebet von euren Herzen, ein jeglicher seinem Bruder seine Seble. Schon lange Zeit war der Knecht dem Könige die zehntausend Pfund schuldig; aber es war dem Knechte verborgen, bis er in's Gericht kam. Die heilige Schrift, welche mit großer Macht lehrt, daß der lebendige Gott unser Herr ist, lehrt auch, daß alle unsere Sünde Schuld an Gott ist, Missethat und Uebertretung. Gott will dieses Schuldbewußtsein wecken, welches die natürliche Hoffart des Menschen nicht aufkommen lassen mag. Die Schuld beträgt zehntausend Pfund Gott rechnet eben genan unsere Uebertretung nach allen zehn Geboten zusammen in Gedanken, Worten und Werken. Welche Schuld 646 tragen wir beispielsweise allein durch die Zungenfünden oder die ungöttlichen Gedanken. Das sind Pfunde, große, schwere Sachen, zehntausend an der Zahl und sind Schulden, die bezahlt werden müssen. Wir erinnern uns jenes bekannten Pharisäers im Tempel, der seine guten Werke aufzählt, und wir erkennen angesichts der zehntausend Pfund Schulden, wie völlig dieser und alle Pharisäer der Wahrheit fehlen. Welch ein begreiflicher Schrecken überfällt den Knecht, als ihm diese Lage bekannt wird. Es gibt einen wirklichen Bußschmerz voll Angst und Schrecken. Warum ist es nun so schwer, seine Schuld, die doch so groß ist, zu erkennen? Das kommt durch den Betrug der Lüge und durch die menschliche, große Hoffart, die eben hochfährt. Nur der allmächtige Gott durch das Wort Seiner Wahrheit kann uns unsere tiefe Verschuldung zum Bewußtsein bringen. Als der König selbst dem Knechte vorrechnete, fand sich die Schuld; da fand sich auch eine große Verlegenheit, da geschah es auch, daß der Knecht niederfiel und hinsant vor dem großen Ernste Gottes, der die Sünde nicht will ungestraft lassen. Es ist gut gemeint aber unmöglich, daß der Knecht spricht: ich will Dir Alles bezahlen. Wir können mit nichts unsere Schuld tilgen. Es ist genug, wenn wir sie fühlen und anerkennen; getilgt ist die Schuld ein für alle Mal durch Christi heiliges Leiden und Sterben. Um Christi willen allein vergibt Gott dem Sünder und spricht ihn frei, los und ledig von aller Schuld, als hätte der Mensch nie eine Sünde gethan. Das ist Gnade versteht sich nur für Verdammte, denn nur solche bedürfen der Gnade als Gnade. Der Knecht konnte nur nehmen und danken. Er hätte solche große Barmherzigkeit nimmermehr vergessen sondern je länger je mehr erkennen sollen. Aber er vergaß, er ging hinaus. Dieses unglückliche Hinaus; er ging hinaus aus dem Bereiche der göttlichen Wahrheit, des Gerichts und der Gnade. Es geschieht ein kläglicher Rückfall; statt hineinzuwachsen in die Gnade Gottes und sich zu versenken in den Reichthum der Liebe Gottes, statt fruchtbar zu werden in Sanftmuth, Geduld und Freundlichkeit, läßt er der bösen Wurzel im Herzen Raum und verliert, was er bekommen hat. Wir müssen die Gnade Gottes nicht bloß erlangen sondern auch bewahren und in einem heiligen Leben fruchtbar werden lassen. Gebet. Ewiger, gerechter Gott, wir bekennen unsere große, große Schuld und können uns selbst nicht helfen, wenn wir gleich Alles dargeben wollen. Erbarme Dich unseres Jammers und siehe an das Opfer Christi, der so theuer für uns bezahlt hat. Hilf auch, daß wir allen unsern Schuldigern gern vergeben und von Dir nicht als Heuchler verstoßen werden. Amen. Bater Unser. 647 Montag nach dem 22. nach Trinitatis. Mel.: Herr Jesu Christ, Dich zu uns wend'. Geh wieder heim in Reuigkeit Und suche Gottes Gütigkeit; Eröffne dein Herz durch dein Mund Und gib dich wieder in Sein'n Bund. Erkenne nur, was dir gebricht. Geh heim, thu' Buß und säume nicht; Säumest du aber bis zum Tod, So kommst du schwerlich zu Genad. ( Vers 6 und 10 aus: Kehr um, kehr um.) Psalm 33, 1-10. Serr, trafe mich nicht in deinem Jorn, und züchtige mich nicht in deinem Grimm. Denn deine Pfeile ftecken in mir, und deine Sand drůcket mich. Es ist nichts Gesundes an meinem Leibe vor deinem Droben und ist kein Sriede in meinen Gebeinen vor meiner Sünde. Denn meine Sünden gehen über mein Haupt, wie eine schwere Last sind sie mir zu schwer geworden. Meine wunden stinken und eitern vor meiner Thorheit. Ich gehe Frumm und sehr gebückt; den ganzen Tag gehe ich traurig. Denn meine Lenden verdorren ganz, und ist nichts Gesundes an meinem Leibe. Es ist mit mir gar anders, und bin sehr zerstoßen. Ich heule vor Unruhe meines Herzens. Herr, vor dir ist alle meine Begierde, und mein Seufzen ist dir nicht verborgen. In diesem Psalm schüttet Einer sein Herz aus, welcher die Laft der zehntausend Pfund Schulden fühlt. Der vielfache Ausdruck bezeugt das tiefe und lebendige Schuldbewußtsein Davids. Mag David weinen und klagen, die Engel Gottes freuen sich über ihn und über jeden Sünder, der in gleicher Lage ist. Gottes Zorn ist's, den David fühlt. Die Pfeile des Allmächtigen nämlich die ernsten Drohungen Gottes und empfindliche Züchtigungen im Leben haben sein Herz tief verwundet; Gottes Drohungen, obwohl in Worte gefaßt, sind keineswegs bloße Worte sondern Aeußerungen und Offenbarungen der ewigen Heiligkeit Gottes. Wie sollte ein sündiges Menschenherz, das sich von diesen Pfeilen umringt sieht, dem die frühere Leichtfertigkeit wie ein Nebel vor der Sonne der Wahrheit verschwunden ist, nicht unruhig und ängstlich werden! Es ist David unmöglich, noch ferner die Last der Schuld zu tragen; zu schwer ist sie ihm. Seine Gestalt verfällt, wie alle tiefen und tieferen Empfindungen der Seele sich deni Leibe mittheilen. So widerwärtig alle Geberden sind, die den argen Grund des Herzens verhüllen sollen, so erklärlich ist es, daß ein innerlich gebeugter Mensch auch in seinem ganzen Wesen etwas Demüthiges, Sanftes bekommt. Ach, es ist mit David so ganz anders als es in aller Welt ist. Er ist sehr zerstoßen er fühlt nichts als Feuer und Brand und Angst und Unruhe in seinem Gewissen. Armer David mögen die Leute denken. O, der Welt ist ein bußfertiger - 648 Mensch ein widerlicher Anblick, weil jeder Mensch, der einen buffertigen Menschen sieht, sich im Geheimen sagt, daß er selbst auch so sein müsse und nur durch allerlei Künste sich die innerliche Angst fernhalte. Ein wahrer Christ ist das wandelnde Gewissen für seine Mitmenschen. Doch urtheile man, wie man will über David und alle reuigen Herzen Gott sieht solche gnädig an, und an dem Holze des Fluches, woran Christus hängt, offenbart Gott einem armen Sünder die trostreichste Wahrheit, daß wir nämlich an Christo wahrhaftig haben die Erlösung durch Sein Blut nämlich die Vergebung aller Sünden. Wo aber Vergebung der Sünden ist, da ist Leben, wirkliches Leben, nämlich Gerechtigkeit, Friede und Freude, Geduld und Demuth. Gebet. Ach Gott, kein Mensch noch Creatur mag mir helfen und mich trösten, so groß ist mein Elend; mein Schaden ist nicht leiblich oder zeitlich sondern geistlich und ewig. Darum, der Du Gott bist und ewig und allein mir helfen kannst, erbarme Dich meiner; denn ohne Dein Erbarmen sind alle Dinge mir schrecklich und bitter. Nun bitte ich Deine Güte, Du wollest Dich nach Deiner großen Barmherzigkeit über meine Seelennoth erbarmen und mir um des theuren Verdienstes Christi willen alle meine Sünden vergeben. Amen. Vater Unser. J Dienstag nach dem 22. nach Trinitatis. Mel.: Seelenbräutigam. Wer der Welt abstirbt, Emsig sich bewirbt Um den lebendigen Glauben, Der wird bald empfindlich schauen, Daß Niemand verdirbt, Der der Welt abstirbt. Stun ergreif idy Didy, Du, mein ganzes Ich. Ich will nimmermehr Dich lassen Sondern gläubig Dich umfassen, Weil im Glauben ich Nun ergreife Dich. ( Vers 9 und 10 aus: Seelenbräutigam.) Joh. 8, 31-40. Da sprach nun Jesus zu den Juden, die an ibn glaubten: So ihr bleiben werdet an meiner Rede, so seid ihr meine rechten Jünger, und werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen. Da antworteten sie ihm: Wir sind Abrabams Samen, sind nie kein Mal Jemandes Anechte gewesen; wie sprichst du denn: ,, Jhr follt frei werden?" Jesus antwortete ihnen, und sprach: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer Sünde thut, der ist der Sünde Knecht. Der Knecht aber bleibet nicht ewiglich im Sause; der Sohn bleibet ewiglich. So euch nun der Sohn frei macht, so seid ihr recht frei. Ich weiß wohl, daß ihr Abrahams Samen seid; aber ihr sucht mich 649 zu tödten; denn meine Rede fäbet nicht unter euch. Ich rede, was ich von meinem Vater gesehen habe; so thut ihr, was ihr von eurem Vater gesehen habt. Sie antworteten, und sprachen zu ihm: Abraham ist unser Vater. Spricht Jesus zu ihnen: Wenn ihr Abrahams Kinder wåret, so thåtet ihr Abrahams Werke. Nun aber sucht ihr mich zu tödten, einen solchen Menschen, der ich euch die Wahrheit gesagt habe, die ich von Gott gehöret habe; das hat Abraham nicht gethan. Was machst Du aus Dir selbst? sagen die Juden zu dem Heilande Joh. 8, 53. Das lautet, als ob der Herr wäre wie andere Menschen, die Etwas aus sich machen, was sie nicht sind. Man kann den Juden und Allen, die Christo Seine Ehre nehmen, Gottes Wort meistern und dem Heilande irgend eine erdichtete Gestalt geben wollen, füglich die Frage zurückgeben: was macht ihr aus euch selbst? Denn sie machen in unserm Texte und sonst aus sich Etwas, was sie nicht sind. Sie wollen Freie heißen, die nie Jemandes Knechte gewesen sind, und rühmen sich Abrahams Same zu sein. Und in demselben Augenblicke, in welchem sie das sagen, beweisen sie, daß sie Knechte sind, Knechte des gefährlichsten Herrn, der Lüge, des Vaters der Lüge. Denn das ist Lüge genug, daß sie dem Sohne Gottes widersprechen, Abrahams Kinder heißen wollen, da sie das gerade Gegentheil von Allem sind und thun, was Abraham je gethan hat. Nur bei Einem empfangen wir die Freiheit. Der Sohn macht recht frei. Jesus macht frei, recht frei nämlich von jeder Sünde, vom Tode, von der ewigen Verdammniß. Das ist ein wirklich freimachen, dem vorangeht, daß man seine Fesseln, die schweren Bande, den Geist der Unwahrheit und Lüge fühlt. Wir sollen deshalb die Wahrheit erkennen, daß wir eine edle, aber tief verderbte Creatur Gottes sind. Und wie verderbt! Daß wir uns gelüsten lassen gegen die Gebote, von denen wir sagen müssen, daß sie heilig sind, daß wir nicht lengnen, die Welt sei eitel, und gleichwohl die eitle Welt lieben. Was ist das? Das ist die Gefangenschaft und Sclaverei. Darum sollte Jesus unsere höchste Freude sein, weil Er frei macht; Er sollte die Perle unserer Seele sein, weil Er die Seele durch das Wort Seiner Wahrheit heiligt, erleuchtet und errettet. Gebet. Herr Jesu, Du Sohn des lebendigen Gottes, wir danken Dir, daß Du in diese Welt gekommen bist und ein Reich ange= fangen hast und erhältst, in welchem die selige Freiheit ist. Gib uns aus Deiner Macht ein wahrhaftiges Herz, das Dir in seiner Angst und Noth offenbar ist und an Dir seine Freude hat, der Du die Gebundenen frei und die Blinden sehend machst. Amen. Bater Unser. Mittwoch nach dem 22. nach Trinitatis. 650 Mel.: Fahre fort. Fahre fort, fahre fort, Zion, fahre fort im Licht! Mache deinen Leuchter helle, Laß die erste Liebe nicht, Suche stets die Lebensqelle! Zion, bringe durch die enge Pfort'! Fahre fort, fahre fort. Dringe ein, dringe ein, Zion, bringe ein in Gott! Stärfe dich) mit Geist und Leben, Sei nicht wie die Andern todt; Sei du gleich den grünen Reben. Zion, in die Kraft für Heuchelschein Dringe ein, dringe ein! ( Vers 1 und 5 aus: Fahre fort.) Luc. 13, 22-30. Und er ging durch Städte und Märkte, und lebrete, und nahm seinen Weg gen Jerusalem. Es sprach aber einer zu ihm: Herr, meinest du, daß wenige selig werden? Er aber ſprach zu ihnen: Ringet darnach, daß ihr durch die enge Pforte eingebet; denn Viele werden, das sage ich euch, darnach trachten, wie sie hinein kommen und werden es nicht thun können. Von dem an, wenn der Hauswirth aufgeftanden ist und die Thür verschloffen bat, da werdet ihr dann anfangen draußen zu stehen, und an die Thür klopfen, und sagen: ,, Herr, Herr, thue uns auf!" Und er wird antworten, und zu euch sagen:„ Ich kenne euch nicht, wo ihr her seid." So werdet ihr dann anfangen zu sagen: ,, Wir haben vor dir gegessen und getrunken, und auf den Gaffen bast du uns gelehret." Lind er wird sagen: ,, Ich sage euch, ich kenne euch nicht, wo ihr her seid; weichet alle von mir, ihr Llebelthäter!" Da wird sein Heulen und Jahnklappen, wenn ihr sehen werdet Abraham, und Ifaat und Jacob, und alle Propheten im Reich Gottes, euch aber hinausgestoßen. Und es werden kommen vom Morgen und vom Abend, von Mitternacht und vom Mittag, die zu Tische sigen werden im Reich Gottes. Und siebe, es sind Lette, die werden die Erften sein; und sind Erfte, die werden die Letzten sein. - Wenn Neugier Heilsbegier wäre, so wäre der hier Fragende wohl daran. Aber nicht aus dem Gewissen sondern aus der Vernunft war diese Frage geboren. Der Herr läßt bald merken, daß solch müßiges Fragen noch lange nicht zur Seligkeit führt. Ringet darnach ist Sein andringliches Wort daß ihr durch die enge Pforte eingehet; denn Viele werden, das sage ich euch, darnach trachten, wie sie hineinkommen und werden es nicht thun können. Wenn Viele, die nach dem Reiche Gottes trachten, nicht hineinkommen, wie viel weniger werden all die Vielen, die nicht einmal danach trachten sondern nur suchen, was zeitlich und irdisch ist, das Reich Gottes erlangen! Es ist klar, daß irgend ein äußerlich Bekenntniß zum Herrn und für 651 weder den Herrn nicht ausreicht. Nicht daß wir vor Ihm effen und trinken, von Ihm uns Lehren nehmen und Andern mittheilen, macht's aus. Was wir thun- daran liegt's; ihr Uebelthäter, redet Er Viele an. Was sollen wir denn thun? Nichts Uebeles, gar nichts mit Gedanken noch mit Worten noch mit Werken. Dagegen sollen wir Gutes thun, nur Gutes, Gott von Herzen fürchten, den Nächsten lieben, und ist irgend etwas Gutes, wir sollen demselben nachjagen. Das ist leicht gesagt. Aber wer mag denn Trauben von den Dornen lesen? Sind wir denn nicht durch die Sünde bis in unsere innersten Kräfte befleckt und verunreinigt? Freilich. So lehrt die ganze heilige Schrift und es ist die Wahrheit. Diese Wahrheit sollen wir thun, aller eitlen Einbildung über uns selbst entsagen, die Sünde und Schuld anerkennen und die guten, göttlichen Kräfte, welche Gott durch Sein Wort in uns gelegt, gebrauchen und vermehren. Und ob wir darin tren sind, diesem Willen Gottes nachzuleben und wahrhaftig an Christum zu glauben, das können wir daran merken, wenn wir darum ringen müssen wie ein Mann, der durch eine enge Pforte eingehet und, um hindurchzudringen, dies und das abwerfen muß. Bald müssen wir uns eines Vorurtheils, bald eigener Weisheit, bald auftauchender Lüste, bald langgepflegter Gewohnheiten entledigen. Das geht in Wirklichkeit nicht ohne Ringen ab. So haben auch unsere Väter Abraham, Isaak und Jacob, Luther und Andere das Reich Gottes aus lauter Gnade durch den Glauben an Christum empfangen; aber daß sie es fest ergriffen und fest behielten gegen alle menschliche und teuflische Gewalt der Bosheit- darum haben sie ringen müssen bis an ihr Ende. Deren Kinder müssen wir sein. - Gebet. Lieber himmlischer Vater, öffne unsere Ohren und Herzen für das Wort Deiner Wahrheit. Und wie Dein lieber Sohn selig preist, die Dein Wort hören und bewahren, so wolleft Du uns zu empfänglichen, fruchtbaren Hörern Deines allein jeligmachenden Wortes machen und Gnade geben, daß wir im Glauben an Christum unserm Fleisch, der Welt und dem Teufel den Sieg abringen. Amen. Bater Unser. Donnerstag nach dem 22. nach Trinitatis. Mel.: Freu' dich sehr, o meine Seele. Kinder, die ihr Christi Glieder Und nach Gottes Bilde seid, Ulebet gegen eure Brüder Christliche Gerechtigkeit. Meint es mit dem Nächsten gut, Wie ihr wollt, daß man euch thut. Diese Lehre, so zu leben, Hat der Heiland uns gegeben. 652 Lasset über euch nicht schreien, Daß ihr unversöhnlich seid; Seid begierig zum Verzeihen, Langsam zu der Bitterfeit. Sprecht den nächsten freundlich an, Hat er was nicht recht gethan, Und gewinnet sein Gemüthe Selbst mit Freundlichkeit und Güte. ( Vers 1 und 4 aus: Rinder, die ihr Christi Glieder.) Matth. 18, 21. 22. und Psalm 133. Da trat Petrus zu ihm, und sprach: Serr, wie oft muß ich denn meinem Bruder, der an mir fündiget, vergeben? It's genug sieben Mal? Jesus sprach zu ihm: Ich sage dir, nicht sieben Mal, sondern fiebenzig Mal sieben Mal. Siehe, wie fein und lieblich ist es, daß Brüder einträchtig bei einander wohnen. Wie der köftliche Balsam ist, der vom Haupt Aarons herabfließt in seinen ganzen Bart, der herabfließt in sein Kleid. wie der Thau, der von Sermon berabfällt auf die Berge 3ion. Denn daselbst verheißt der Herr Segen und Leben immer und ewiglich. - Warum legt Petrus dem Herrn diese Frage vor? Wir wissen seinen innersten Beweggrund nicht. Sonst wird in Gewissenssachen oft gefragt nicht um denn das menschliche Herz ist voll Tücke wirklich nach dem Worte und Willen Gottes zu handeln, sondern um womöglich irgend einer ungöttlichen Begierde im Herzen Raum zu schaffen. So wissen wir nicht, ob Petrus in diesem Falle sich selbst schonen oder abtödten will. Genug, er fragt. Wir freuen uns billig des guten, göttlichen Geistes, der auch diese Frage und ihre Beantwortung uns aufbewahrt hat. Wie hochtröstlich ist die Antwort unseres Herrn. Denn siebenzig Mal sieben Mal soll Sein Jünger vergeben. Nun wohlan; aber der Jünger ist auch hier nicht größer als der Meister; der Herr Selber will zuvor siebenzig Mal sieben Mal vergeben. Wohl uns dieser reichen Vergebung. Wo sollte sonst auch ein Mensch selig werden, wenn nicht der Herr täglich und reichlich vergäbe? Wie fein leuchtet uns also Sein erbarmungsreiches Herz aus dieser Antwort hervor! Aber nun soll doch auch Petrus und jeder Jünger Christi zur Vergebung bereit sein. Wir wissen das schreckliche Ende des Schalksknechtes, der seinem Mitbruder nicht vergab. Haß und Unversöhnlichkeit sind bittere Kräfte, welche die götts lichen Gnaden und Gaben in unserer Seele stören und verscheuchen. Darum, so wir im Glauben und Worte Gottes bleiben wollen, müſsen - 653 wir ringen, daß wir Herr über die Unversöhnlichkeit werden. Wie ist das aber möglich? Erstens müssen wir die Bitterfeit und den Haß für wahrhaftige Sünde und Schuld erkennen, das Auge nicht auf die Beleidigung des Nächsten sondern auf Gottes Wort richten. Zweitens, je eher wir diesen Feind angreifen und je weniger wir ihm Zeit zum Wachsthum gönnen, desto eher besiegen wir ihn. Drittens leben wir selbst von Vergebung der Sünden, und endlich nimmt, wer da bittet. Gott gibt wahrhaftig Gnade, die mächtiger ist als unsere Sünde. Uebung macht den Meister. Es ist ein gar friedlich Leben, gegen alle Menschen sanft und versöhnlich zu sein und seine Ruhe in Gott zu haben, während Haß und Bitterfeit und Hoffart Eiter in den Gebeinen sind. Gebet. Ach lieber Herr und Gott, wir armen Sünder haben doch gar keinen Trost, als daß Du uns um Christi willen reichlich und täglich alle unsere Sünden vergibst. Hilf, daß wir solch Deiner unaussprechlichen Barmherzigkeit uns herzlich und fest trösten und dadurch ein sanftes, liebreiches und versöhnliches Herz gegen alle Menschen erlangen mögen. Amen. Vater Unser. Freitag nach dem 22. nach Trinitatis. Mel.: Freu' dich sehr, o meine Seele. Will die Welt mein Herze führen Auf die breite Wollustbahn, Da nichts ist als jubiliren, Alsdann schau ich emsig an Deiner Marter Centnerlast, Die Du ausgestanden hast; So kann ich in Andacht bleiben, Alle böse Lust abtreiben. Auf Dich set' ich mein Vertrauen, Du bist meine Zuversicht. Dein Tod hat den Tod zerhauen, Daß er mich kann tödten nicht. Daß ich an Dir habe Theil, Bringet mir Trost, Schutz und Heil Deine Gnade wird mir geben Auferstehung, Licht und Leben. ( Vers 3 und 5 aus: Jesu, Deine tiefen Wunden.) Offenb. Joh. 3, 1-6. Und dem Engel der Gemeine zu Sardes schreibe: Das fagt, der die Geister Gottes hat, und die sieben Sterne: Ich weiß deine werke; denn du bast den 7amen, daß du lebeft, und biff todt. Sei wacker und stärke das Andere, das sterben will; denn ich habe deine werke nicht völlig erfunden vor Gott. So gedenke nun, wie du empfangen und gehöret haft, und halte es, und thue Buße. So du nicht wirst wachen, werde ich über dich kommen, wie ein Dieb, und wirst nicht wissen, welche Stunde ich über dich kommen werde. Du baft auch wenige Tamen zu Sardes, die nicht ihre Kleider besudelt haben; und sie werden mit mir wandeln in weißen Kleidern, denn sie 654 sind es werth. Wer überwindet, der soll mit weißen Kleidern ange legt werden, und ich werde seinen Tamen nicht austilgen aus dem Buch des Lebens, und ich will seinen Tamen bekennen vor meinem Vater und vor seinen Engeln. Wer Ohren hat, der höre, was der Geift den Gemeinen fagt. Der er verlorene Sohn hatte den Namen, daß er todt sei; aber sein Bater erklärte: er ist wieder lebendig geworden. Joseph hatte den Namen, daß er tobt sei, aber wie groß war die Freude, als sein Vater ausrufen konnte: Nun habe ich genug, daß mein Sohn Joseph noch lebet! In diesem Jubel ward der Geist seines Vaters wieder lebendig. Schrecklich dagegen ist es, wenn der himmlische Vater von Seinen Kindern das Ungekehrte erklären muß: Sie haben den Namen, daß sie leben, aber sie sind todt. Christen dürfen wohl einen schlechteren Namen haben, als sie verdienen, denn das ist die Schuld der Welt, wenn sie gegen die Christen lügt. Aber Christen dürfen keinen bessern Namen haben, als sie verdienen, denn das wäre ihre eigene Schuld und eine Lüge.+ Darum sollen wir uns prüfen, so oft wir gelobt werden, so oft wir merken, daß die Leute von Achtung oder Zutrauen gegen uns erfüllt sind, so oft wir hören, daß wir ein gutes Gerücht bei den Menschen haben, und sollen uns fragen, ob wir dasselbe auch verdienen, oder ob der allwissende und unbestechliche Gott anders von uns redet. Wie mancher wird dann klein werden, der sich jetzt stolz in die Brust wirft, weil er vor den Leuten etwas gilt. In wie viele Christenhäuser wird die Stimme des Herrn hineinrufen müssen: Dut haft den Namen, daß du lebest, aber du bist todt! Zu wie vielen Knechten muß Er sprechen: Ich habe deine Werke nicht völlig erfunden vor Gott! Ich sage ja nicht, daß du träge und müßig bist in deinem gewöhnlichen Beruf und Tagewerk; aber es fehlt etwas in deinen Werken; weißt du, was das ist? Das wahre geistliche Leben, die volle ernste heilige Liebe, die aus Gott kommt und durch den Heiligen Geist gewirkt werden muß, die fehlt dir. Darum kannst du auch die Sünden so schlecht überwinden in deiner Umgebung und in deinem / Herzen. Ach, es sind wenige Namen, welche ihre Kleider nicht besudelt Haben in der Christenheit. Wache darum auf, in Sünden erstorbenes Menschenherz, wache auf, Christengemeinde, und verlaß dich nicht auf deinen Namen, denn er könnte dir zum Gerichte werden. Prüfe dein geistliches Leben, frage dich, ob Gott der Heilige Geist, ob Christi reine und lautere Liebe in deinem Herzen lebt, denn dann allein lebst auch du. Wende dich zu dem, der siebenfache und mannigfaltige Gabe des Heiligen Geistes auszutheilen hat und mit dem Feuer Seiner Liebe die Menschenherzen so gewiß entzünden will, wie Er die Sterne am Himmel entzündet! thue Buße vor Seinem Angesichte, ehe es zu spät ist. Wahrhaftig und gewiß, Er wird die Kraft des Heiligen Geistes auf deine Bitte in dir erneuern, also daß du den Todesschlaf und die 655 Trägheit der Sünde überwinden fannst. Ueberwinde, überwinde deines Fleisches Gleichgültigkeit und Sicherheit! Dann wirst du einen bessern Namen bekommen, als den dir Menschen geben. Christus wird deinen Namen bekennen vor den Engeln Gottes; mit allen, die im Lichte wandeln, wirst du, rein gemacht in dem Blut des Sohnes Gottes, vor Seinem Thron in weißen Kleidern stehen. Gebet. Lieber Herr und Heiland Jesu Christe, der Du von Deinem himmlischen Vater verordnet bist zum Richter der Lebendigen und Todten, wir bitten Dich demüthig, Du wollest uns mit Deinem Heiligen Geiste also regieren, daß wir täglich in guter Bereitschaft stehen und zu Deiner Zukunft mit heiligem Wandel und gottseligem Wesen geschmückt seien. Gib, daß wir in Deinem Lichte wandeln, Dir brünstig anhangen, den Tod und die Unreinigkeit der Sünde fliehen mögen. O Jesu, der Du bis in den letzten Hauch geliebt hast, entzünde durch Deine himmlische, am Kreuze geoffenbarte Liebe alle unsere Kräfte, damit wir Dich in wahrer, beständiger Liebe umfassen und festbehalten. Amen. Vater Unser. Sonnabend nach dem 22. nach Trinitatis. Mel.: Jesus, meine Zuversicht. Steil und dornig ist der Pfad, Der uns zur Vollendung leitet. Selig ist, wer ihn betrat Und in Jesu Namen streitet! Selig, wer den Lauf vollbringt Und nicht kraftlos niedersinkt! Ueberschwänglich ist der Lohn Der bis in den Tod Getreuen, Die, der Lust der Welt entfloh'n, Ihrem Heiland ganz sich weihen; Deren Hoffnung unverrückt Auf die Siegeskrone blickt. ( Vers 1 und 2 aus: Steil und dornig ist der Pfab.) Phil. 3, 17-21. Solget mir, lieben Brüder, und sebet auf die, die also wandeln, wie ihr uns habt zum Vorbilde. Denn Viele wandeln, von welchen ich euch oft gesagt babe, nun aber sage ich auch mit weinen, die Seinde des Kreuzes Chrifti; welcher Ende ist die Verdammniß, welchen der Bauch ihr Gott ist, und ihre Ehre zu Schanden wird, derer, die irdisch gesinnet sind. Unser Wandel aber ift im Simmel, von dans nen wir auch warten des Heilandes Jesu Chriffi, des Herrn, welcher unfern nichtigen Leib verklåren wird, daß er ähnlich werde seinem verklärten Leibe, nach der Wirkung, damit er kann auch alle Dinge ihm unterthänig machen. Im Evangelio des morgenden Sonntages reden die Pharisäer ein sehr gutes, föstliches Wort, freilich aus falschem Herzen; sie sagen zum Herrn Jesu: Meister, wir wissen, daß Du wahrhaftig bist, und 656 lehrest den Weg Gottes recht. Dazu sagt der erfahrene Chrift: Ja und Amen. Fragst du aber aus wahrhaftigem Herzen: Welches ist denn derselbe rechte Weg Gottes, darauf es zu Gott hingeht? so gibt dir Paulus in dieser Epistel die richtige Antwort, er stellt dir ein untrügliches Reifebüchlein vor, woraus wir die rechte Himmelsstraße können erlernen, und in welchem wir hingegen vor allen krummen Irrgängen und unsichern Nebenwegen treulich gewarnt werden.- Der Apostel schreibt: Folget mir, liebe Brüder! Wie, ist nicht Einer, Jesus, unser Meister? Wenn aber einer, so ist es Paulus, der Christum den Meister läffet bleiben; er hätte wohl Ursache gehabt, sich des Fleisches zu rühmen, der nach der Gerechtigkeit im Gesetz gewesen unsträflich; aber was ihm Gewinn war, das hat er um Christi willen für Schaden geachtet, auf daß er Christum gewinne und erlange die Gerechtigkeit, die nicht aus dem Gesetz sondern aus dem Glauben an Christum kommt. Auf diesem Wege sollen wir Seine Nachfolger sein. Wenn der Herr spricht: wer Mein Jünger sein will, der folge Mir nach so hat der Mensch allerlei Entschuldigung und versteckt seine Trägheit leicht in die Entschuldigung: Wer kann dem Herrn nachfolgen, der vom Heiligen Geist empfangen und von der Jungfrau Maria geboren ist? Hier aber ist ein Mann, der auch in Sünden empfangen ist wie du und ich und doch sagen kann: Christus ist mein Leben; nicht ich lebe, sondern Christus lebt in mir, denn, was ich jetzt lebe, das lebe ich im Glauben des Sohnes Gottes; und spricht er auch in Herzensdemuth: Nicht, daß ich es schon ergriffen habe oder schon vollkommen sei, so kann er doch hinzufügen: ich jage ihm aber nach, ob ich es ergreifen möchte, nachdem ich von Christo Jesu ergriffen bin. Wohlan, hat der Herr Jesus auch einen solchen Griff an dein Herz gethan, so laß Ihn auch setzen deine Füße auf den Weg des Friedens. Dies ist der schmale Weg. Und Viele der Apostel sagt es mit Thränen wandeln den brei wandeln den breiten Weg als Feinde des Kreuzes Christi, welcher Ende aber ist die Verdammniß, welchen der Bauch ihr Gott ist, und ihre Ehre zu Schanden wird, die irdisch gesinnt sind. Siehe du dagegen auf das Ende des Wandels derer, deren Wandel im Himmel ist sie dürfen hoffen, daß der Herr Jesus endlich auch ihren nichtigen Leib verklären werde, so daß er ähnlich werde Seinem verklärten Leibe nach der Wirkung, damit Er kann auch alle Dinge Ihm unterthänig machen.- Das ist die Straße, welche heißt die richtige." Diesen Weg gehe, sonst weder zur Rechten noch zur Linken. Gebet. Du, Herr Jesu, bist der Weg, die Wahrheit und das Leben. Du führst auch alle Deine Jünger auf den Weg des Lebens. O Herr, laß uns leuchten Dein heiliges Wort und einen gewissen Unterschied von Leben und Tod fassen. Wirke und schaffe es in unsern Herzen, daß wir Dir und Deinen lieben Aposteln nachfolgen und also endlich das ewige Leben ererben. Amen. Vater Unser. - - - 1 23. Sonntag nach Trinitatis. 657 Mel.: Wie nach einer Wafferquelle. Freudi de schro Laß uns recht und redlich handeln Und in Taubeneinfalt Dir Ganz gelassen heilig wandeln, Auch dabei uns klüglich hier Schicken in die böse Zeit Und vor falscher Heiligkeit, Vor der Feinde List und Wüthen Uns mit Schlangenklugheit hüten. ( Vers 1 und 7 aus: Treuer Hirte Deiner Heerde.) Treuer Hirte Deiner Heerde, Deiner Glieder starker Schuß, Sieh doch, wie die Asch und Erde, Großer Gott, mit Grimm und Truß Tobt und wüthet wider Dich Und vermißt sich freventlich, Deine Kirche zu zerstören Und Dein Erbtheil zu verheeren. Matth. 22, 15-22. Da gingen die Pharifåer hin, und hielten einen Rath, wie sie ihn fingen in seiner Rede; und sandten zu ihm ihre Jünger, sammt Herodis Dienern, und sprachen: Meister, wir wissen, daß du wahrbaftig bist, und lebreft den Weg Gottes recht, und du frageft nach iemand, denn du achteft nicht das Ansehen der Menschen. Darum sage uns, was dünkt dich? Jft es recht, daß man dem Kaiser Jins gebe, oder nicht? Da nun Jesus merkte ihre Schalkheit, sprach er. Ihr Heuchler, was versucht ihr mich? Weiset mir die Jinsmünze! Und sie reichten ihm einen Groschen dar. Und er sprach zu ihnen: Weß ist das Bild und die Leberschrift? Sie sprachen zu ihm: Des Raisers. Da sprach er zu ihnen: So gebet dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gotte, was Gottes ift! Da sie das höreten, verwunderten sie sich, und ließen ihn, und gingen davon. Herrsche unter Deinen Feinden diese Verheißung und Macht hat der Vater dem Sohne gegeben Pf. 110. Dabei bleibt's jetzt und immerdar. Hier sind Feinde. Eben hat der Herr das Gleichniß vom hochzeitlichen Kleide geredet ebenso ernst als tröstlich. Und der Erfolg dieser Predigt ist, daß die Pharisäer hingehen und einen Rath halten, wie sie Jesum fangen. So ist Gottes Wort, wo es kein Geruch des Lebens ist, ein Geruch des Todes zum Tode. Einstweilen hat die Bosheit eine schreckliche Freiheit, wie der Herr spricht: Wer böse ist, sei immerhin böse Offenb. 22, 11. Und die Bosheit bleibt nicht einfach Bosheit sondern wird immer stärker. Jünger der Pharisäer und Diener Herodis, die doch sonst unter einander sich haften, rotten sich zusammen wider den Herrn, der Haß gegen das Gute macht die Uneinigen einig, und wie mancherlei die Sünde ist, Geiz und Verschwendung, Hoffart und Lüge, darin läuft alle Sünde in Eins zusammen, daß sie dem Heilande entgegensteht, und wer in der Sünde bleibt, kann nicht anders, als daß er ein Feind des Herrn Jesus wird. - Jedoch, selbst die Feinde müssen Jesu Lob vermehren; Er herrschet auf wunderliche Weise unter ihnen. Meister, müssen sie sagen, 42 658 wir wissen, daß Du wahrhaftig bist und lehrest den Weg Gottes recht, und Du fragest nach Niemand, denn Du achtest nicht das Ansehen der Person." Da sprechen Heuchler und Böse die Wahrheit. Jesus ist wahrhaftig und lehret den Weg Gottes recht. Nöthigere, gründlichere, heilsamere Lehre gibt es nirgend als bei dem Heilande. Sind wir denn Seine Schüler? Lernen wir wirklich bei Ihm für Herz und Gewissen? Lernen wir es von Ihm, wer wir sind und wer Gott ist, welch' große Sünde in uns und welche größere Gnade in Gott ist? Das Lob, das die Feinde dem Herrn geben, soll nach ihrem bösen Herzen nur dazu dienen, die Schlinge zu verdecken, die sie Ihm legen in den Worten: ist es recht, daß man dem Kaiser Zins gebe oder nicht? Ihre Bosheit ist schlau wie der Dieb, der in der Nacht und auf heimlichen Wegen geht. Sie meinen, der Herr sei mun gefangen; antworte Er nein, so könne Er als Aufrührer verklagt werden, sage Er ja, so sei Er um alle Gunst beim Volke; antworte Er nichts, so schade es Seinem Ansehen. Aber siehe, Er herrscht unter den Feinden. Heuchler nennt Er fie, als der kein Ansehen der Person achtet; Versucher heißt Er sie, also ist Er der Wahrhaftige, der des Herzens Grund entdeckt. Den Weg Gottes lehrt der Herr recht; denn Er sagt, man solle Gott geben, was Gottes ist, und dem Kaiser, was des Kaifers ist. Das ist die ganze Religion, daß wir Gott das Seine geben, Ehre und Anbetung, Furcht und Liebe; das ist unser bürgerlicher Wandel, der Obrigkeit zu geben, was ihr gebührt. So haben die Feinde dem Herrn Gelegenheit geben müssen, uns diese wichtige, tiefgehende und tiefgreifende Wahrheit zu offenbaren: gebet dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gotte, was Gottes ist. Sie verwunderten sich. Das ist auch zum BVerwundern. Wir wundern uns auch billig all der Bosheit und Heuchelei, deren wir Menschen fähig sind. Aber mehr noch wundern wir uns des lieben, frommen Herrn, der unter Seinen Feinden herrscht, die Sünde an's Licht zieht und überall, wo Er Erkenntniß und Bekenntniß der Sünde sieht, vergibt und von allen Gebrechen heilt, auch von dem Ungehorsam gegen Gott und gegen Menschen. Gebet. Herr Gott, Du allerhöchste Majestät, der Du alle Gewalt haft über die Reiche der ganzen Welt, gibst und erhältst alle Obrigkeiten und willst, daß wir solche Deine Ordnung als Wohlthat dankbar erkennen und Dir und der Obrigkeit geben sollen, was wir schuldig sind, wir bitten Dich, Ju wollest unser und alles christliche Regiment segnen und behüten, und Dein heiliges Wort zu unserer zeitlichen und ewigen Wohlfahrt unter uns gnädiglich erhalten. Amen. Vater Unser. Montag nach dem 23. nach Trinitatis. 659 Herr, höre, Herr erhöre! Breit Deines Namens Ehre An allen Orten aus. Behüte alle Stände Durch Deiner Allmacht Hände, Schütz' Kirche, Obrigkeit und Haus. MeL: Nun ruhen alle Wälder. - Laß Alle, die regieren, Ihr Amt getreulich führen Und schaffe Jedem Recht, Daß Fried' und Treu sich tüssen, Wir nichts als Gnade wissen; Segn' uns als Dein erwählt' Geschlecht. ( Vers 1 und 5 aus: Herr, höre, Herr erhöre.) Röm. 13, 1-7. Jedermann sei unterthan der Obrigkeit, die Gewalt über ihn hat. Denn es ist keine Obrigkeit, ohne von Gott; wo aber übrigkeit ist, die ist von Gott verordnet. Wer sich nun wider die Obrigkeit setzet, der widerstrebet Gottes Ordnung; die aber widerstreben, werden über fich ein Urtheil empfangen. Denn die Gewaltigen sind nicht den guten Werken, sondern den bösen zu fürchten. Willst du dich aber nicht fürchten vor der Obrigkeit, fo thue Gutes; so wirst du Lob von derselbigen baben. Denn sie ift Gottes Dienerin, dir zu gut. Thust du aber Böses, so fürchte dich; denn sie trågt das Schwerdt nicht umsonft, sie ist Gottes Dienerin, eine Rächerin zur Strafe über den, der Böses thut. So seid nun aus Toth unterthan, nicht allein um der Strafe willen, sondern auch um des Gewiffens willen. Der= halben måsfet ihr auch Schoß geben, denn sie sind Gottes Diener, die folchen Schur sollen handhaben. So gebet nun Jedermann, was ihr schuldig seid: Schoß, dem der Schoß gebühret; Joll, dem der Joll gebühret; Surcht, dem die Surcht gebühret; Ehre, dem die Ehre gebühret. Die Obrigkeit zu ehren, ist uns im vierten Gebote befohlen. Es ist ein Zeichen der tiefen Verderbniß des menschlichen Herzens, daß es überall, wo ihm Macht und Ansehen von oben entgegentritt, die Lust empfindet, sich aufzulehnen. Dagegen ist es etwas gar Wunderbares um die Lehre der heiligen Apostel, welche die damaligen Christen vermahnen, der Obrigkeit auch der heidnischen und christenfeindlichen unterthänig zu sein. So lehrt der Heilige Geist, der überall ein Geist der Zucht ist. ,, Von Gott" ist alle Obrigkeit, das ist für einen Christen genug gesagt; so bleibt er nicht bei den schwachen Personen und deren Mängeln stehen sondern sieht die Ordnung Gottes in der Obrigkeit an; ,, von Gott" mit diesen Worten schlägt er alle Einreden seiner Vernunft und seines Fleisches todt. Darum iſt alle Empörung wider die Obrigkeit, und bestünde die Auflehnung auch nur in verächtlichen Worten, Sünde. Aber, wenn die Obrigkeit schlecht regiert? Wenn sie das Böse nicht straft und das Gute unterdrückt? Dann wehe ihr aber dies Wehe auszuführen, überlassen wir Gott; wir seufzen darunter und beten zu Gott, und vor Allem suchen wir 42* 660 Gott in wahrhaftiger Buße, daß Er Sich in Gnaden zu uns wende. Gibt uns Gott, von dem alle gute und vollkommene Gabe kommt, eine gerechte Obrigkeit, die auch darin gerecht ist, daß sie Jesu Christo Seine Herrschaft, die Er in der Kirche durch Sein Wort und Sakrament über die Herzen und Gemüther der Menschen führt, nicht antastet, so haben wir auf das Herzlichste zu danken und zu bitten, daß Er der Obrigkeit je mehr und mehr ein in Gottes Wort gegründetes und erleuchtetes Herz gebe, damit sie in Gottes Namen regiere und sich nicht beirren laffe. Es sei aber die Obrigkeit, wie sie wolle, in jedem Falle sollen wir um des Gewissens und des Gehorsams willen gegen Gottes Wort geben, was ihr zukommt Zoll, Furcht, Ehre. So arbeiten wir billig dahin, wir ringen darum, daß wir in alle göttliche Ordnung eindringen, es sei die Heilsordnung zum Besten der Seele, es sei die Hausordnung oder die Ordnung im Staate. Im Himmel ist Alles Ordnung; wollen wir in den Himmel, fo müssen wir alle Unordnung, die vom Argen ist, drangeben und auf dem Grunde des göttlichen Wortes in die Ordnungen Gottes eindringen. Dazu helfe Gott! Gebet. Ach Gott, Du Herr aller Herren und König aller Könige, Du Herrscher über den ganzen Erdkreis, der Du alle Obrigkeit eingesetzt hast, gib, daß wir die Obrigkeit für Deine Ordnung erkennen, dieselbe fürchten, lieben und ehren. Verleihe Gnade, daß alle Unterthanen durch sie mit Gerechtigkeit regiert werden und in aller Gottseligkeit und Ehrbarkeit ein stilles, ruhiges Leben führen mögen. Du wollest auch unsern Landesvater erleuchten und in der Erkenntniß Deines Wortes fördern, Deine heilige Kirche durch ihn beschützen loffen zum Preise Deines heiligen Namens. Amen. Vater Unser. Dienstag nach dem 23. nach Trinitatis. Mel.: Allein Gott in der Höh' sei Ehr'. Gott ist der Frommen Schild und Lohn, Ach, mein Herr Jesu, stärke mich, Er frönet sie mit Gnaden. Der bösen Welt Haß, Neid und Hohn Kann ihnen gar nicht schaden. Gott decet sie mit Seiner Hand, Er segnet ihre Stadt, ihr Land Und füllet sie mit Freuden. Hilf mir in meinen Werken; Laß Du mit Deiner Gnade Dich Bei meiner Arbeit merken. Gib Dein Gedeihen selbst dazu, Daß ich in Allem, was ich thu', Erwerbe Deinen Segen. ( Vers 4 und 5 aus: In Gottes Namen fang ich an.) Coloff. 3, 16-25. Laffet das Wort Chrifti unter euch reichlich wohnen, in aller Weisheit; lehret und vermahnet euch selbst mit Psalmen und Lob gefangen und geiftlichen lieblichen Liedern, und singet dem Herrn in eurem Herzen. Und Alles, was ihr that mit Worten oder mit Werfen, das thut alles in dem Namen des Herrn Jesu, und danket Gott und dem Vater durch ihn. Ihr Weiber, seid unterthan euren Månnern in dem Herrn, wie fich's gebühret. Ihr Månner, liebet eure Weiber, und seid nicht bitter gegen sie. Ihr Kinder, seid gehorsam den Eltern in allen Dingen; denn das ist dem Serrn gefällig. Ihr Våter, erbittert eure Kinder nicht, auf daß sie nicht scheu werden. Ihr Knechte, seid gehorsam in allen Dingen euren leiblichen Herren, nicht mit Dienst vor Augen, als den Menschen zu gefallen, sondern mit Einfåltigkeit des Herzens und mit Gottesfurcht. Alles, was ihr thut, das thut von Herzen, als dem Herrn, und nicht den Menschen; und wiffet, daß ihr von dem Serrn empfangen werdet die Vergeltung des Erbes; denn ihr dienet dem Herrn Chrifto. Wer aber Unrecht thut, der wird empfangen, was er Unrecht gethan bat; und gilt kein Ansehen der Person. 661 Das Haus ist ein kleines Königreich, wo regiert wird und wo welche sind, die sich regieren lassen. Die Kirche in der Gemeine ist der gemeinsame Lebensbrunnen, aus welchem Gott das Wasser fließen läßt und durch die einzelnen Häuser leiten will. So lange die Wahrheit, die in der Kirche gepredigt wird, nicht über die Kirchenmauern hinauskommt, steht es übel. In den Häusern muß die Saat des Wortes Gottes anfangen zu keimen und zu grünen. Wie denn? Vor Allem muß das Wort Christi es ist eben des ewigen, wahrhaftigen, lebendigen Herrn Christi Wort reichlich in unsern Häusern wohnen. Kein Buch ist so bekannt und keins ist so unbekannt als die Bibel. Sie muß unser Hausbuch sein. Sie wohne unter uns- nicht gastweise sondern als ein täglicher Genosse im Hause. Lied und Lobgesang gehen ihr zur Seite. Luther meint, es solle Niemand ein Hausvater werden, der die Seinen nicht Gottes Wort lehren könne. Kein Dach deckt so sicher als Gottes Wort, reichlich unter uns wohnend. Da ist Licht für alle Tage, da ist Strafe für alle Untugend, da ist Lehre und Ermahnung. Brauchen wir fleißig Christi Wort in unsern Häusern, so wird Gott eine feurige Mauer um uns bauen und den Himmel Gerechtigkeit über uns regnen lassen. Wo Gottes Wort seine Kraft entfaltet, reißt es die Herzen Aller im Hause aus aller sündlichen Unart heraus und zieht sie je länger je mehr in den gnädigen Willen und die heilsame Ordnung Gottes. Was da an die Colosser geschrieben steht, geschieht wirklich durch die Kraft des heiligenden Wortes Gottes; die Weiber werden nach göttlicher Gebühr den Männern unterthan, die Männer legen alle Bitterkeit ab vor dem Vater, der in's Verborgene sieht, und lieben ihre Weiber; die lieben Kinder werden durch Gottes Segen gehorsam und erben die unermeßliche Verheißung des Gebotes, das solche Verheißung hat; Knechte und Mägde können sich den Himmelskräften der Wahrheit, Zucht und - - 662 Liebe nicht verschließen, und ob auch solche gläubige Glieder Christi immerhin Sünder bleiben und die Sünde sich regt, so läßt die tägliche Buße sie nicht zum Wachsthum kommen; das Schwert des Geistes welches ist das Wort Gottes, liegt ja nicht müßig in der Scheide sondern thut seinen Dienst, denn es scheidet Herzen und Sünde. Solcher Häuser gebe Gott uns viele! Durch nichts wird so sicher die Welt verbessert. Gebet. O allmächtiger, ewiger und barmherziger Gott, dieweil Du mit Worten und Werken genugsam bewiesen hast, daß Du als ein getreuer Vater für uns sorgest, und einem Jeden seinen Beruf gegeben, darin er Dir und dem Nächsten dienen soll, so bitten wir Dich, gib Gnade, daß wir unseres Berufs fleißig wahrnehmen und im Gehorsam als Deine treuen Kinder allezeit erfunden werden. Amen. Vater Unser. Mittwoch nach dem 23. nach Trinitatis. Eins ist noth! Ach Herr, dies Eine Lehre mich erkennen doch! Alles Andre, wie's auch scheine, Eigene Melodie. Seele, willst du dieses finden, Such's bei keiner Creatur. Laß, was irdisch ist, dahinten; Schwing' dich über die Natur. Ist ja nur ein schweres Joch, Darunter das Herze fich naget und Wo Gott und die Menschheit in Einem plaget Und dennoch kein wahres Vergnügen erjaget. Erlang' ich dies Eine, das Alles ersetzt, So werd' ich mit Einem in Allem ergötzt. vereinet, Wo alle vollkommene Fülle erscheinet, Da, da ist das beste, nothwendigste Theil, Mein Ein und mein Alles, mein seligstes Heil. ( Vers 1 und 2 aus: Eins ist noth!) Micha 6, 1-8. Höret doch, was der Herr sagt: Mache dich auf, und schilt die Berge, und laß die Sügel deine Stimme hören! Höret ihr Berge, wie der Herr strafen will, sammt den starken Grundvesten der Erde; denn der Herr will sein Volk schelten, und will Israel ftrafen. Was habe ich dir gethan, mein Volk? Und womit babe ich dich beleidiget? Das sage mir! Sabe ich dich doch aus Egyptenland geführet, und aus dem Diensthaufe erlöset, und vor dir hergesandt Mose, Aaron und Mirjam. Mein Volk, denke doch daran, was Balak, der König in Moab, vorhatte, und was ihm Bileam, der Sobn Beors, antwor tete, von Sittim an bis gen Gilgal; darin ihr ja merken solltet, wie der Herr euch alles Gute gethan hat. Womit soll ich den Herrn verföhnen? Mit Bücken vor dem hohen Gott? Soll ich mit Brandopfern und jährigen Kälbern ihn verföhnen? Meineft du, der Herr 663 babe Gefallen an viel tausend Widdern? oder am Oel, wenn es gleich unzählige Strome voll wåren? Oder soll ich meinen ersten Sohn für meine Lebertretung geben? oder meines Leibes Srucht für die Sünde meiner Seele? Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist, und was der Herr von dir fordert, nämlich Gottes Wort halten, und Liebe üben, und demüthig sein vor deinem Gott. Cs 8 ist wahr, Gott straft uns oft und vielfach in Seinem Worte.. Aber wie Gott in Allem die ewige Weisheit ist und nichts zum Ueberflusse thut, so hat Er auch reichliche Ursache zu solcher Strafe. Wie einfach, wie wahr ist die Lehre, die der Herr uns gibt: gebt Gott, was Gottes ist! Je heilsamer und gerechter diese Lehre ist, um so verwerflicher sind wir, wenn wir nicht danach leben. Aber wer gibt nun Gott, was Gottes ist? Daß es nicht geschieht, von Seinem Volke nicht geschieht, das ist die Ursache so vieler und ernster Klagen Gottes. Alles, was Gott an Israel gethan hatte seit Abraham, war Gutes, nur Gutes. Und der Lohn dafür? Der ist leider kein anderer, als daß sie den Herrn verachten und lästern. Der Lohn für alle Wohlthaten Gottes wird uns in ergreifender Weise oft in den vier Evangelien vor die Augen gestellt, daß sie den Herrn von sich stoßen, lästern, mit Steinen werfen, ja kreuzigen. O unermeßlich böses Menschenherz! Und hat nicht Gott große Güte an uns Allen gethan? In wie vieler Noth hat Er geholfen, mit wie vielen Wohlthaten uns gesegnet! Was ist unser Dank? Vielleicht einige geringe Opfer, die wir es uns kosten lassen; vielleicht sieht Er einige falte Gebete auf unsern Lippen und sieht uns unter den Gewohnheitskirchengängern; vielleicht auch das nicht einmal. Ist das nun der rechte Dank? Heißt das, Gott geben, was Gottes ist, oder ist es nicht vielmehr, daß wir Ihm das Seine vorenthalten? Gott will das Seine haben. Es ist Dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der Herr Dein Gott von Dir fordert nämlich Gottes Wort halten und Liebe üben und demüthig sein vor Deinem Gott. Gott stellt ernstliche Forderungen an uns; Er will, daß wir Ihm dienen sollen und zwar nicht als Sclaven sondern als Kinder. Wer kann aber Gott fröhlich dienen und Sein Wort halten als allein derjenige, der sich aus dem Worte ein zerschlagenes Herz herausliest und wer aus dem Worte sich anblicken läßt von Jesu, der da spricht: Dir sind deine Sünden vergeben? Welche Luft sollte uns das sein, da Gott durch Sein Wort all unsern Mangel und Armuth ersetzen will! So würde es uns durch den stillen Geist des Wortes, welchen Gott gibt denen, die an Christum glauben, nicht so schwer sein, Liebe zu üben und demüthig zu sein vor Gott. Denn bei einem gefunden Baume finden sich die Früchte, wenn auch nicht von selbst so doch zu seiner Zeit naturgemäß durch die wirkende Kraft Gottes. So sollen wir Gott geben, nicht was uns in den Sinn kommt, sondern was Gottes ist. 664 Gebet. Liebster Herr Jesu Christe, Du bist der einige Hirte. Suche mich, Herr, Dein verirrtes Schaf, damit ich Dich suche von ganzem Herzen. Dein Wort heilige mein Gemüth, erleuchte meine Augen, stärke mein Vornehmen, Dein guter, freudiger Geist enthalte mich, daß ich an Dir bleibe und ewig selig werde. Amen. Vater Unser. Donnerstag nach dem 23. nach Trinitatis. Mel.: Es ift gewißlich an der Zeit. Ein neugebornes Gotteskind Schmeckt seines Vaters Liebe, Der ihm in Christo alle Sünd' Geschenkt aus reinem Triebe, Der es in seinen Gnadenbund, In welchem es vor diesem stund', Von neuem aufgenommen. Ein neugebornes Gotteskind Ist brünstig im Verlangen, Die Milch, die aus dem Worte rinnt, Zur Nahrung zu empfangen. Durch dieses süße Lebenswort Wächst es im Glauben fort und fort Und wird am Geist gestärket. ( Vers 1 und 6 aus: Ein neugebornes Gottestind.) Joh. 1, 43-49. Des andern Tages wollte Jesus wieder in Galiläa ziehen, und findet Philippum, und spricht zu ihm: Solge mir nach. Philippus aber war von Bethsaida, aus der Stadt Andreas und Petrus. Philippus findet athanael, und spricht zu ihm: Wir haben den gefun den, von welchem Moses im Geser, und die Propheten geschrieben baben, Jesum, Josephs Sohn von Mazareth. Und Nathanael sprach zu ihm: was kann von 7azareth Gutes kommen? Philippus spricht zu ihm: Komm und siehe es. Jesus sahe Nathanael zu sich kommen, und spricht zu ihm: Siehe, ein rechter Israeliter, in welchem kein Salsch ist. Nathanael spricht zu ihm: Woher kennest du mich? Jesus antwortete, und sprach zu ihm: Ehe denn dich Philippus rief, da du unter dem Seigenbaum wareft, sabe ich dich. Nathanael antwortete, und spricht zu ihm: Rabbi, Du bist Gottes Sohn, Du bist der König von Israel. Nathanael ist ein Ifraelit, aber ein rechter. Jene Pharisäer, die mit dem Herrn über den Zinsgroschen verhandeln, sind ausgeartete, unlautere, heuchlerische Menschen. Welch ein Gegensatz zwischen den Pharisäern und Nathanael! Dem Herrn ist alle Falschheit ein Greuel, die Lauterkeit und Aufrichtigkeit ist Ihm angenehm. Nathanael iſt ohne Falsch, wie der Herzenskündiger spricht. Es heißt nicht, daß Nathanael ohne Sünde ist, wie kein Reiner untec den Unreinen ist. Aber er ist ohne Falsch, und wer ohne Falsch ist, wird's eben darin 665 zeigen, daß er, wie damals die rechten Ifraeliten durch die Predigt des Täufers, durch das Wort Gottes sich zu einer demüthigenden, aufrichtigen Erkenntniß der Sünde führen läßt. Der Trug des Herzens besteht darin, daß man seine Missethat verleugnet und verkleinert. Wo aber die rechte Lauterkeit in der Erkenntniß der Sünde und Empfindung der Schuld anhebt, geht auch das Verlangen nach Jesu Christo an, wie dort Philippus und Nathanael warten auf den, von welchem Mose und die Propheten geschrieben haben. Ob auch noch mancherlei Unwissenheit mit unterläuft wie bei Nathanael, der in der Meinung steht, aus Nazareth könne nichts Gutes kommen, was ja freilich eine Unwissenheit ist, da der Heiland der Welt eben in Nazareth dreißig Jahre gewohnt hat und von dort auftrat, so wird bei einem aufrichtigen und in Nathanaels Art lautern Wesen aller Zweifel schwinden, wie die Sonne vor dem Nebel weicht. Als der Heiland sich dem lautern Nathanael naht und Strahlen der ewigen Gottesherrlichkeit von Christo auf Nathanael fallen, indem der Herr den Nathanael merken läßt, daß Er alle Dinge weiß, da findet sich Nathanael bald zum Glauben geschickt, den er mit den Worten ausspricht: Du bist Gottes Sohn, Du bist der König von Israel. Wie sollte es anders sein? Ist unser Auge gesund, so muß es ja das Licht sehen. Ist Wahrheit, ist Lauterkeit in uns, wohin wollen wir anders uns wenden als zu Jesu Christo, dem Herrn der Herrlichkeit, der das Licht ist und die Wahrheit? Wohl uns, wenn wir mit ganzem Glauben uns zu Ihm wenden. Da finden wir Alles, und je besser wir Ihn ansehen, je bereitwilliger und fröhlicher werden wir sagen: Du bist es. Gebet. Lieber himmlischer Vater, ich bitte Dich von Herzensgrund, daß Du mich nach Deiner unergründlichen Güte wollest stärken und mit Deinem Geiste erleuchten und bewahren, damit ich erkenne mit Freuden und Danksagung die selige Lehre von Deinem Sohne, unserm Herrn Jesu Christo, zu welcher ich durch Deine Gnade berufen und gekommen bin aus der Finsterniß. Solche Erkenntniß, die Du mir gegeben und Dein Werk, das Du in mir angefangen hast, wollest Du auch bis in jenes Leben bewahren und vollbringen. Amen. Bater Unser. 666 Freitag nach dem 23. nach Trinitatis. Mel.: Alles ist an Gottes Segen. Laß die Deinen noch auf Erden Ganz nach Deinem Herzen werden, Mache Deine Kinder schön, Abgeschieden, klein und stille, Sanft, einfältig wie Dein Wille Und wie Du sie gern willst sehn. Ach, Du hast uns theu'r erworben, Da Du bist am Kreuz gestorben, Denke, Jesu, wir sind Dein. Halt uns fest, so lang' wir leben Und in dieser Wüste schweben; Laß uns nimmermehr allein. ( Vers 7 und 10 aus: Jesu, der Du bist alleine.) Offenb. Joh. 3, 7-13. Und dem Engel der Gemeine zu Philadelphia schreibe: Das sagt der Heilige, der wahrhaftige, der da hat den Schlüssel Davids, der aufthut, und iemand zuschließet; der zuschließet, und Tiemand aufthut: Ich weiß deine Werke. Siehe, ich habe vor dir gegeben eine offene Thür, und Tiemand kann sie zuschließen; denn du haft eine kleine Kraft, und hast mein Wort behalten, und bast meinen Namen nicht verleugnet. Siehe, ich werde geben aus Satanas Schule, die da sagen, sie sind Juden, und sind es nicht, sondern lågen. Siehe, ich will sie machen, daß sie kommen sollen und anbeten zu deinen Süßen, und erkennen, daß Ich dich geliebet babe. Dieweil du haft behalten das Wort meiner Geduld, will Ich auch dich behalten vor der Stunde der Versuchung, die kommen wird über der ganzen Welt Kreis, zu versuchen, die da wohnen auf Erden. Siehe, ich komme bald. Salte, was du hast, daß Tiemand deine Krone nehme. Wer überwindet, den will ich machen zum Pfeiler in dem Tempel meines Gottes, und soll nicht mehr hinausgehen. Und will auf ihn schreiben den 7amen meines Gottes, und den Namen des neuen Jerusalem, der Stadt meines Gottes, die vom Himmel berniederkommt, von meinem Gott, und meinen Tamen den neuen. Wer Ohren hat, der höre, was der Geist den Gemeinen sagt. Wer die Schlüffel zu dem Hause Davids verwaltete, der konnte alle Schatzkammern des Königs aufthun und den Knechten die Erlaubniß geben, hineinzugehen und hervorzuholen, was sie zum Bedarf des Hauses und zur eigenen Bekleidung und Ernährung nöthig hatten. Natürlich wurden hierzu aber nur treue und bewährte Knechte auser= lesen, während vor dem gewöhnlichen Volke und vor den untreuen Dienern die Thüren sorgfältig verschlossen blieben. So macht es auch der Heiland mit den Schlüsseln des Hauses Gottes, welche in Seine Hand gelegt worden sind, seitdem Er auferstanden ist von den Todten. Er erklärt hier einem treuen und bewährten Diener, daß Er vor seinem 667 Angesichte die Thür aufschließen wolle, welche sonst verschlossen bleiben müßte. O, wie selig ist der Knecht, welchem der Herr ein so großes Vertrauen beweisen kann! Das macht die Treue im Kleinen. Er hat zwar eine kleine Kraft, aber er hat das Wort Jesu behalten im Herzen, im Munde und im Leben, er hat den Namen Jesu nicht verleugnet und hat Geduld gehabt, wenn es auch nicht immer nach seinem Sinne ging. Darum will ihm jetzt der Herr eine offene Thür aufthun sogar zu den Herzen der verstocktesten Feinde des Christenthums. Er soll selbst von den bittersten Juden, welche weder Christus Selbſt noch der Apostel Paulus zu dem Herrn bekehren konnte, einige mit der Liebe Christi überwinden und zu dem Messias, dem alleinigen Seligmacher bekehren. Das ist eine große Ehre und Gnade, wenn auch unsern Feinden das Herz aufgeht, daß sie bekennen müffen: ,, wahrlich, in jenem Hause, in jenem Herzen wohnt Gott der Herr, man muß sich vor dieser Frömmigkeit und Demuth schämen und beugen, man muß erkennen, daß die Liebe Gottes in diesen Menschen wohnt." O meine Seele, haft du nicht auch genug Feinde des Evangeliums um dich herum? Sind nicht zu deinem Schmerze viele Herzen verschlossen, wie mit einem eifernen unzerbrechlichen Riegel, so daß du keinen Eingang zu ihnen finden kannst? Ist dir das Herzlich leid, so höre die Stimme des Heiligen und Wahrhaftigen: sei du selbst mur recht getren im Kleinen, wenn du auch nur eine kleine Kraft besitzest. Fasse das Wort von der Geduld Jesu, bewahre deinen Glauben und bewähre ihn in deinem Wandel. Bitte den Heiligen und Wahrhaftigen um ein heiliges, wahrhaftiges und festes Herz. Das ist ein köstlich Ding, daß das Herz fest werde, welches geschieht durch Gnade. Und dann warte, ob Er, welcher die Schlüssel Davids hat, dir nicht auch eine offene Thür aufthut zu den Herzen deiner Feinde. Verzage nicht, wenn du nichts ausrichtest, vielleicht werden sie doch später, vielleicht erst nach deinem Tode erkennen, daß die Liebe Chrifti in dir wohnte. Siehe, der Herr kommt bald. Hast du nur deine Seligkeit nicht auf zweifelhafte Schrauben gesetzt sondern um ein festes Herz gebetet und dem Heiligen Geiste aufrichtig Naum gegeben, so wird Er dir überwinden helfen, und wer überwindet, der wird als eine feſtgegründete Säule in dem ewigen Tempel Gottes stehen so verwachsen und hineingebaut in die himmlische Gemeinschaft, daß ihn Niemand von derselben scheiden kann, denn das Wesen des Himmels, der Name der ewigen Liebe leuchtet aus seinen Augen, steht an seiner Stirn geschrieben. Dies geistliche Wesen, diese Liebe leuchte denn auch aus unserm Wandel. Gebet. Treuer und barmherziger Gott, wie trägest Du doch so herzliche Liebe zu uns armen Sündern, daß Du uns nicht wegwerfen sondern in Deiner Wahrheit und Gnade festbehalten willst. Habe Dank für den Reichthum aller Deiner Geduld und Gnade und vermehre Deine Kraft und Stärke in uns, daß wir uns die Hize und Anfechtung des gegenwärtigen Lebens nicht befremden laffen, vielmehr in der Kraft Deiner Stärke wandeln und nicht müde werden. Amen. Vater Unser. Sonnabend nach dem 23. nach Trinitatis. 668 Wachet auf! ruft uns die Stimme Der Wächter sehr hoch auf der Zinne: Wach auf, du Stadt Jerusalem! Mitternacht heißt diese Stunde! Sie rufen uns mit hellem Munde: Wo seid ihr klugen Jungfrauen? Wohlauf, der Bräutigam fömmt! Steht auf, die Lampen nehmt! Hallelujah! Macht euch bereit. Zu der Hochzeit! Ihr müsset Ihm entgegengeh'n. Eigene Melodie. - Zion hört die Wächter singen, Das Herz thut ihr vor Freude springen; Sie wachet und steht eilend auf. Ihr Freund kommt vom Himmel prächtig, Von Gnaden stark, von Wahrheit mächtig, Ihr Licht wird hell, ihr Stern geht auf. Nun komm, Du werthe Kron', Herr Jesu, Gottes Sohn Hosianna! Wir folgen all Zum Freudensaal Und halten mit das Abendmahl. ( Vers 1 und 2 aus: Wachet auf.) Col. 1, 9-14. Derhalben auch wir, von dem Tage an, da wir es gehöret haben, hören wir nicht auf, für euch zu beten, und zu bitten, daß ihr erfüller werdet mit Erkenntniß seines Willens, in allerlei geistlicher Weisheit und Verstand; daß ihr wandelt würdiglich dem Herrn zu allem Gefallen, und fruchtbar seid in allen guten Werken, und wachset in der Erkenntniß Gottes, und gestårket werdet mit aller Kraft, nach seiner herrlichen Macht, in aller Geduld und Langmüthigkeit mit Freuden; und dankfaget dem Vater, der uns tüchtig gemacht hat zu dem Erbtheil der Heiligen im Licht; welcher uns errettet hat von der Obrigkeit der Sinsterniß, und hat uns versetzet in das Reich seines lieben Sohnes; an welchem wir haben die Erlösung durch sein Blut, nämlich die Vergebung der Sünden. ,, Der uns tüchtig gemacht hat zu dem Erbtheil der Heiligen im Licht" dahin lasset Herz und Gedanken uns richten, in die seligen Wohnungen des Lichts und des Friedens, da ein unvergängliches, unbeflecktes und unverwelfliches Erbe uns behalten wird im Himmel. Da harret unserer die vollkommene Erlösung. Gott Lob, wir sind erlöst Schuld und Strafe der Sünde ist zwar von uns genommen, Macht und Kraft der Sünde ja auch gebrochen, daß die Sünde nicht mehr herrscht in unserm sterblichen Leibe, und doch wie sind wir beschwert, wie sehnen wir uns nach der vollkommenen Kind 669 schaft und warten auf unseres Leibes Erlösung! Wie manche Thräne gibt es doch, die Niemand sieht, wie manche drückenden Umstände, die man keinem Menschen sagen kann, wie viele bittere Mißverständnisse und Störungen der Liebe, wie viele erfolglose Bemühungen, wie viele Hindernisse der Gemeinschaft, Verkanntwerden der besten Absichten, Mißtrauen, Aergernisse, Verstimmungen, Zeiten, da wir in herzlichem Heimweh uns aus der Hütte heraussehnen und bei dem Herrn zu sein wünschen! Nimm hinzu die noch tiefer gehenden inneren Schmerzen, über die auch Gläubigen noch anklebenden Ueberreste der Sünde. Wie viel Noth macht das Fleisch einem gottverlangenden Geiste. Zwar hat uns unser Herr Jesus von der Obrigkeit der Finsterniß errettet, wir können das Fleisch kreuzigen, können im Geiste leben; aber doch wie schwer wird der Kampf, wie viel vergebliche Luftstreiche werden gemacht, daß man oft mit dem Dichter seufzen muß: Zeig' doch nur die ersten Stufen der gebrochenen Freiheitsbahn! Wie schwer wird es doch, sich rein und unbefleckt von der Welt zu halten, wie selten ist der unbefleckte Gottesdienst vor Gott dem Vater, wo ist die ungefärbte, selbstlose Bruderliebe, wo die Anbetung Gottes im Geiste und in der Wahrheit, nach welcher die nach Gott geschaffene Seele strebt? O, wenn Jesus erst das ganze Herz erfüllt, wenn der Satan nicht mehr versuchen, die Welt nicht mehr locken, das Fleisch nicht mehr beflecken kann, so ist das schon ein Himmel, auch wenn zu dieser inneren Seligkeit feine äußere hinzukäme. Und doch auch sie ist uns beschieden als ein Erbtheil der Heiligen im Licht, unser verklärter Auferstehungsund zwar ewig, leib soll Dinge schauen, besitzen, genießen kein Auge sonst gesehen, kein Ohr gehört hat, und die in keines Menschen Sinn gekommen sind. Ja, wir werden unsern Heiland sehen, der wird am Brunnen uns erfrischen, die Thränen uns vom Auge wischen; wer weiß, was sonst noch wird geschehn! Nur, daß wir uns tüchtig machen zu diesem Erbtheil der Heiligen im Licht. Nur, daß wir den Geist erheben von den Dingen dieser Erde und uns Jesu Christo ganz und beständig ergeben. Dies Eine ist Noth. die Gebet. O treuer Gott und Heiland, gedenke unserer nach Deiner Barmherzigkeit, behalte uns fest in Deinem Wort und Glauben, verleihe uns in solcher lebendigen Hoffnung der zukünftigen Herrlichkeit ein seliges Ende, daß wir auch in unserm letzten Stündlein getroft und freudig sprechen mögen: Herr Jesu, Dir leb' ich, Herr Jesu, Dir sterb' ich, Herr Jesu, Dein bin ich todt und lebendig. Amen. Vater Unser. — - ― 670 24. Sonntag nach Trinitatis. Mel.: Lobe den Herren, o meine Seele. Selig, ja selig ist der zu nennen, Deß Hülfe der Gott Jacobs ist; Welcher vom Glauben sich nichts läßt trennen Und hofft getroft auf Jesum Christ. Wer diesen Herrn zum Beistand hat, Findet am besten Rath und That. Hallelujah! Hallelujah! Sehende Augen gibt Er den Blinden, Erhebt, die tief gebeuget geh'n. Wo Er kann einige Fromme finden, Die läßt Er Seine Liebe seh'n. Sein Aufsicht ist der Fremden Truß; Wittwen und Wais'n hält Er in Schuß. Hallelujah! Hallelujah! ( Vers 3 und 6 aus: Lobe den Herren, o meine Seele.) Matth. 9, 18-26. Da er solches mit ihnen redete, siehe, da kam der Obersten einer, und fiel vor ihm nieder, und sprach: Serr, meine Tochter ist jetzt ges fforben; aber komm, und lege deine Sand auf sie, so wird sie lebendig. Und Jesus ftand auf, und folgte ihm nach, und seine Jünger. Und siehe, ein Weib, das zwölf Jahre den Blutgang gehabt, trat von binten zu ihm, und rührete seines Kleides Saum an. Denn sie sprach bei sich selbst: Möchte ich nur sein Kleid anrühren, so würde ich gesund. Da wandte sich Jesus um, und sabe sie, und sprach: Sei getroft, meine Tochter, dein Glaube hat dir geholfen. Und das Weib ward gesund zu derselbigen Stunde. Lind als er in des Obersten Haus kam, und sabe die Pfeifer und das Getümmel des Volks, sprach er zu ihnen: Weichet! denn das Mägolein ist nicht todt, sondern es schläft. Und sie verlachten ihn. Als aber das Volk ausgetrieben war, ging er hinein, und er ergriff sie bei der Hand; da stand das Mågolein auf. Und das Gerücht erscholl in dasselbige ganze Land. In wie bittrer Noth leben diese Beiden Jairus und das blutflüssige Weib! Sie leiden wahre Plage, das Weib schon zwölf lange Jahre. Und ob die Pfeifer und das Getümmel des Volkes in des Jairus Hause viel Lärm machen, die Noth läßt sich nicht davon forttreiben; so bleibt aller Jammer auf Erden, wie er ist, man mag alle Künste versuchen, seinen Jammer und sich selbst in dem Jammer zu vergeffen. Weiß denn nun Gott nicht um die Noth dieser Beiden, die so groß ist, daß sich ein Stein darüber erbarmen sollte? Gewiß weiß Gott davon, denn es ist ja kein Wort auf meiner Zunge, das Du, Herr, nicht alles wissest. Und wäre die Noth bloß durch Zufall gekommen? Einen Zufall gibt es nicht, es ist kein Unglück in der Stadt, das der Herr nicht thue. Es liegen hier wie immer in unserm Leben Gottes weise Absichten vor, warum Er solch Elend über uns kommen läßt. Der Oberste mag wohl ein Mann gewesen sein bis dahin, der die Wahrheit stehen ließ, wie Viele; aber er selbst stand noch nicht in der Wahrheit. Dies und das in seinem Leben 671 und Herzen hinderte ihn; da treibt ihn der Tod seiner lieben Tochter voran. Das Weib hat all ihr Gut in den zwölf Jahren an die Aerzte gewandt und es ist nur ärger geworden Mrc. 5, 26. Darüber ist sie auch klein und mürbe geworden und ihr Herz ist wie ein zubereiteter Acker, worin die Pflanze des Glaubens gedeihen kann. So treten sie an Christum Heran sie suchen fie vertrauen fie bitten sie begehren. Und die Schrift sagt doch: Wer da bittet, der nimmt; wer da suchet, der findet; wer da anklopfet, dem wird aufgethan. Es ist unmöglich, daß Christus Sich suchenden Menschenseelen verbergen sollte, weil Er Selbst vielmehr sagt: Ich bin gekommen zu suchen, was verloren ist. Wenn wir Ihn suchen, hat Er uns schon vorher gesucht. Wohl mag Er Sich eine Zeit lang verbergen, weil wir Ihn nicht lauter, nicht ernstlich suchen. Das Weib mußte erst 12 Jahre krank sein, Jairus Töchterlein mußte erst gestorben sein, ehe es mit dem Suchen Ernst wurde. Da brach die Hülfe herein. Jesus ist wirklich der Heiland, ja unsere ganze Hülfe steht allein in Seinem Namen. Wie köstlich ist die Hülfe des Herrn damals und jetzt! Die Pfeifer und das Volksgetümmel treibt der Herr fort; sie lachen, weil sie nichts von göttlichen Dingen verstehen. Treiben wir doch Alles aus unserm Herzen, was ein Widerspruch gegen Jesum und Sein Wort ist, und seien wir gewiß, daß der Herr einst in Seinem Zorn mit denen reden wird, die jetzt Sein Wort verlachen. Dann ergreift Er die Hand des Mägdleins und sie steht auf. Das ist der Herr Jesus gestern und heute und in Ewigkeit derselbe. Möchte ich nur Sein Kleid anrühren, so würde ich gesund. Gebet. Herr Jesu Christe, Du einiger Baum des Lebens und aller Gesundheit, der Du mit Deinem Blut alle unsere Sünde getilgt und den bittern Tod in einen sanften Schlaf verwandelt hast, hilf, daß uns das Getümmel unserer Vernunft und der Spötter dieser Welt nicht hindere, noch irre mache, sondern daß wir Dich bei Deinem Wort ergreifen, im Glauben festfaffen und Deine Kraft, die noch täglich im Gotteswort ausgeht, empfinden und durch Dich ewig gesund und selig werden um Deines Namens willen. Amen. Vater Unser. - 672 Montag nach dem 24. nach Trinitatis. Mel.: O bu Liebe meiner Liebe. Einmal ist die Schuld entrichtet, Und das gilt auf immerhin. Mosis Opfer stehn vernichtet, Da ich nun vollendet bin. Einer hat's auf sich genommen, Einer bringt sich für uns dar, Er, auf den beim Dienst der Frommen Schon vorlängst gebeutet war. Alle unsere Schuldigkeiten, Die Gott von uns fordern kann, Sind hinaus auf alle Zeiten Schon auf einmal abgethan; Einer hat sie übernommen, Alles steht in Richtigkeit, Und seitdem der Bürg' gekommen, Ist es nicht mehr Zahlungszeit. ( Vers 1 und 4 aus: Einmal ist die Schulb entrichtet.) Hebr. 9, 22-28. Ohne Blutvergießen geschieht keine Vergebung. So mußten nun der himmlischen Dinge Vorbilder mit solchem gereiniget werden aber sie selbst, die himmlischen, müffen beffere Opfer haben, denn jene waren. Denn Christus ist nicht eingegangen in das Seilige, so mit Sånden gemacht ist( welches ist ein Gegenbild der Rechtschaffenen); sondern in den Himmel selbst, nun zu erscheinen vor dem Angesicht Gottes für uns. Auch nicht, daß er sich oftmals opfere, gleichwie der Hohepriefter gehet alle Jahre in das Heilige mit fremdem Blut. Sonst båtte er oft müffen leiden vom Anfang der Welt her. un aber am Ende der Welt ist er in Mal erschienen, durch sein eigen Opfer die Sünde aufzuheben. Und wie den Menschen ist gefert, Ein Mal zu fterben, darnach aber das Gericht: Also ist Chriftus Ein Mal geopfert, wegzunehmen Vieler Sünden. 3um andern Mal aber wird er ohne Sünde erscheinen denen, die auf ibn warten, zur Seligkeit. Es ist der hohe Hauptartikel unseres Glaubens, daß unser Herr Jesus Christus alle unsere Sünden getragen und bezahlt hat. In dieser Wahrheit steht unser ganzer Trost. Der alttestamentliche Opferdienst und besonders das jährliche Opfer des Hohenpriesters am großen Versöhnungstage bilden das einzige, vollkommene Opfer, das Christus für unsere Sünden gebracht hat, ab. Es ist erstens ein ganz vorzügliches Opfer, weil es der fündlose Herr, wahrer Gott und Mensch gebracht hat, indem Er Sich Selbst dahingab. Es ist zweitens ein einmaliges Opfer, das nur einmal gebracht ist und nicht wiederholt wird. Es ist drittens ein vollkommenes Opfer, indem sowohl alle Sünde dadurch gebüßt ist, als auch nichts mangelt an der vollgültigen Bezahlung für alle Missethat. Es ist viertens ein ewig gültiges Opfer; Christus ist mit der Kraft Seiner Leiden vor Gott erschienen und Gott hat keinen Makel an Seinem Opfer gesehen; es gilt vor Ihm in Ewigkeit als das wahrhaftige Sühnopfer; alle Gewissen, die sich in ihrem Kummer darunter stellen, finden Frieden. ist endlich fünftens ein wirksames Opfer. Der Hohepriester im alten Es 673 Bunde, nachdem er das Opfer am Versöhnungstage gebracht hatte, verkündigte den Segen Gottes. So ftillt Christi Opfer im Himmel den gerechten Zorn Gottes, in unserm Gewissen werden wir gereinigt durch die Kraft Seines Opfers. Warum ist nun dieses herrliche Opfer Jesu nicht der einzige Gegenstand unseres Glaubens, die Ursache unserer Liebe und Dankbarkeit gegen Gott, die Kraft unserer Seele und unserer Gebeine? Vielfach darum nicht, weil wir nach unserer Vernunft wandeln und nicht an den ganzen Fluch Gottes über unsere Sünde glauben: weil wir hinweghüpfen über die Gewißheit unseres Todes und über die Strenge des jüngsten Gerichtes, in welchem der letzte Heller bezahlt wird. Stehen wir in der unverkürzten Kraft der göttlichen Wahrheit und dem Ernste Seines heiligen Gesetzes, so werden unsere Augen und Herzen nicht ruhen können, bis sie ausruhen in der gläubigen Ergreifung des Verdienstes Christi, so wird Sein Opfer allein unser Trost werden. Dann werden wir auch erstarken in dem Vertrauen auf die Liebe Gottes und werden mit Freuden uns entgegenstrecken dem jüngsten Tage, an welchem Christus ohne Sünde erscheinen wird als der Bräutigam Seiner an Ihn gläubigen und durch Sein Blut gereinigten Gemeine. Das verleihe uns Gott. Gebet. Lieber Herr Jesu Christe, stärke und vollbringe Dein Werk, das Du in uns angefangen hast, und eile ja herzu mit dem herrlichen Tage Deiner Erlösung, des wir durch Gottes Gnade herzlich begehren. Herr, hilf, daß wir Dich in rechtem Glauben ergreifen, mit gutem Gewissen an Dir bleiben und also von dem Zorne Gottes und unserer Miffethat entledigt mit Freuden auf Dich warten. Amen. Bater Unser. Dienstag nach dem 24. nach Trinitatis. Mel.: Balet will ich bir geben. Wohl dir, wenn du geschmücket In wahrem Glauben bist! Alsdann wirst du gerücket pinauf zu Jesus Christ. Weh' aber deinem Herzen, Wo du bist unbereit! Du mußt erleiden Schmerzen Und Bein in Ewigkeit. Herr, lehre mich bedenken Doch jenen großen Tag, Daß ich zu Dir mich lenken Und christlich leben mag. Und wenn ich dort soll stehen Vor Deinem Angesicht, So laß mich alsdann sehen Dein flares Angesicht. ( Vers 3 und 10 aus: Laßt ab von Sünden alle) 1 Timoth. 6, 12-16. Kämpfe den guten Kampf des Glaubens; ergreife das ewige Leben, dazu du auch berufen biff, und bekannt haft ein gut Bekenntniß 43 674 vor vielen Jeugen. Ich gebiete dir vor Gott, der alle Dinge lebendig macht, und vor Christo Jesu, der unter Pontio Pilato bezeuget hat ein gut Bekenntniß, daß du haltest das Gebot obne Slecken, untadelig, bis auf die Erscheinung unsers Herrn Jesu Chrifti; welche wird zeigen zu seiner Zeit der Selige und allein Gewaltige, der König aller Könige, und Herr aller Herren; der allein Unsterblichkeit hat; der da wobnet in einem Licht, da Tiemand zukommen Fann; welchen kein Mensch gesehen hat, noch sehen kann; dem sei Ehre und ewiges Reich; Amen. Das ist der rechte Glaube, so wir glauben, daß wir allein um Chriſti willen einen gnädigen Gott haben. In solchem Glauben sehen wir uns selber für nichts an, bauen auf nichts anderes als auf Gottes ewige Gnade, die Er in Christo geoffenbart hat, suchen auch durch eben diese Gnade allein gerecht und selig zu werden. Daß wir zu diesem Glauben kommen, fostet Gott, der allein den Geist dazu geben kann, und kostet uns, die wir eben glauben sollen und müssen, Arbeit und Geduld. Haben wir den Glauben erlangt, so müssen wir auf Feinde, die uns vom Glauben und den Glauben von uns abwenden wollen, gefaßt sein. Schon die eigene Bernunft, die sich an den Geheimnissen Gottes und Seinem ewigen Worte stößt, ist von allen anderen Feinden abgesehen ein nicht geringer Feind unseres Glaubens. So gibt es einen Kampf des Glaubens; noch auf unserem Sterbebette müssen wir kämpfen. Es heißt: Kämpfe den guten Kampf des Glaubens. Darum kämpfen wir, daß wir das Gebot Gottes vom Glauben und vom Leben eines Christen untadelig halten; wir werden hingewieſen auf unsern Herrn Jesum Christum, der Selbst ein Kämpfer gewesen iſt und unter Pontio Pilato ein helles, festes Bekenntniß abgelegt hat. Seien es Pharisäer oder Sadducäer, seien es grobe oder feine Angriffe, seien es Angriffe von innen oder von außen, wir müssen kämpfen. Laffet uns nicht müde werden. Ermüdung im Guten ist solch eine große Gefahr. Aber wir sollen nicht müde werden sondern wie gute Kämpfer neue Kräfte sammeln täglich, indem wir uns gründen auf Gottes gewisse Gnaden und uns im Gebete neue Kraft von Gott erbitten. So gehen wir zum Kampfe, und je deutlicher es unsern Augen wird, daß wir in dieser Welt keine Ruhe finden sondern vielfach Verkennung, Undank, Untreue, wie unser Heiland Selbst es gefunden, um so williger richten sich die Augen aufwärts und heimwärts zu der Erscheinung unseres Herrn Jesu Christi, welche wird zeigen zu seiner Zeit der Selige, der König aller Könige und Herr aller Herren, der allein Unsterblichkeit hat, der da wohnet in einem Lichte, da Niemand zukommen kann, welchen kein Mensch gesehen hat noch sehen kann. Wir Glücklichen, daß wir Sein untrügliches Wort und durch den Glauben an Christum Leben und Seligkeit haben. Demfelbigen sei Ehre und ewiges Reich. 675 Gebet. Lieber Herr Jesu Christe, stärke und vollbringe Deir Werk, das Du in uns angefangen hast, und eile ja herzu mit dem herrlichen Tage Deiner Erlösung, des wir durch Gottes Gnade herzlich begehren. Herr, hilf, daß wir Dich in rechtem Glauben ergreifen, mit gutem Gewissen an Dir bleiben und also von dem Zorne Gottes und unserer Missethat entledigt mit Freuden auf Dich warten. Amen. Bater Unser. Mittwoch nach dem 24. nach Trinitatis. Eigene Melobie. Es ist gewißlich an der Zeit, Daß Gottes Sohn wird kommen In Seiner großen Herrlichkeit, Zu richten Bös und Frommen. Da wird das Lachen werden theu'r, Wenn Alles wird vergeh'n im Feu'r, Wie Petrus davon schreibet. Was werd' ich armer Sünder daun Vor Deinem Richtstuhl sagen? Was werd' ich für ein' Fürsprech' han, Der mein' Sach wird austragen? Das wirst Du thun, Herr Jesu Christ, Dieweil daß Du gekommen bist, All' Sünder zu erlösen. ( Vers 1 und 5 aus: Es ist gewißlich an der Zeit.) Joh. 5, 24-30. wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer mein Wort höret, und glaubet dem, der mich gefandt hat, der hat das ewige Leben, und Pommt nicht in das Gericht, sondern er ist vom Tode zum Leben hindurchgedrungen. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Es kommt die Stunde, und ist schon jetzt, daß die Todten werden die Stimme des Sohnes Gottes hören; und die sie hören werden, die werden leben. Denn wie der Vater das Leben hat in ihm selber: also hat er dem Sohne gegeben das Leben zu haben in ihm selber. Und hat ihm Macht gegeben, auch das Gericht zu halten, darum, daß er des Menschen Sohn ist. Verwundert euch deß nicht. Denn es kommt die Stunde, in welcher Alle, die in den Gråbern sind, werden seine Stimme bören; und werden bervorgeben, die da Gutes gethan baben, zur Auferftehung des Lebens, die aber Llebels gethan haben, zur Auferstehung des Gerichts. Ich kann nichts von mir selber thun. Wie ich höre, so richte ich, und mein Gericht ist recht; denn ich suche nicht meinen willen, sondern des Vaters Willen, der mich gesandt hat. Dieses Schriftwort versetzt uns in die entscheidende Stunde des jüngsten Gerichtes. Da schweigt Alles. Endlich muß Alles schweigen, wie viel Getümmel auch in der Welt gewesen ist. Da hat nur Einer das Wort nämlich der Herr, dem als Herrn das Wort zusteht. In diese Gerichtsstunde sollen wir uns fleißig versenken, welch eine ganz andere Ansicht gewinnen wir dann von Allem! Es ist ein Gericht, ein rechtes Gericht, weil es von Christo mit göttlicher Allwissenheit 43* 676 und Gerechtigkeit gehalten wird. Es kommt auf Gutes oder Böses gethan haben an. Pocht die Welt in Bosheit oder Unverstand auf ihre Werke, um unsern Glauben zu schmähen, so warte man doch auf das Urtheil Jesu Christi, der einen gewissen, großen Unterschied setzen wird zwischen denen, die Gutes, und denen, die Böses gethan haben. Da handelt es sich nicht um eine flüchtige Anwandlung zum Guten, die wir gespürt, oder um einzelne Thaten, die uns das Lob der Menschen eingebracht haben. Das kann Alles sein, ohne daß wir im rechten Sinne Gutes thun. Thun ist ein Fluß aus einer Quelle, die ihr Wasser immer und für Jeden fließen läßt. Wie sollen wir es dazu bringen, wir, die unter dem Urtheil stehen, daß das Dichten und Trachten unseres Herzens nur böse ist von Jugend auf? Wohl uns, wenn uns diese Erkenntniß lebendig, kräftig, demüthigend durchdringt. Auf diesem Wege werden wir durch Gottes Gnade bewahrt bleiben vor dem entsetzlichen Beginnen der Juden, die Jesum tödten wollten Joh. 5, 16. Da sei Gott vor; vielmehr müsse uns dieser Jesus noch sehr lieb werden, weil Er ganz allein die Fülle alles Guten, aller Kraft, alles Lebens ist, denn Er ist der wahrhaftige Gott. Und für uns will Er der Heiland sein, der uns hilft, wirklich hilft, daß wir vom Tode der Bosheit und Unfruchtbarkeit zum Leben kommen. Dazu haben wir einen ganz geraden Weg. Wer Mein Wort hört, spricht Er, und glaubet dem, der Mich gesandt hat, der hat das ewige Leben. Wie sollte es anders sein! Es ist ja Sein Wort, voll Geist und Leben, voll schöpferischer Kraft. Wer diesem Worte lauschet, es wie Milch in seine Seele aufnimmit, kommt auch weiter; er fängt an zu glauben, ergreift mit Reue und Liebe Christum Selbst in Seinem Worte. Da findet ein Ulebergang Statt, aus dem Tode in's Leben, von der Bosheit in die Lauterkeit, vom Bösen zum Guten. Man wird ein guter Baum und trägt die Zeichen eines guten Baumes nämlich gute Früchte. Wie leicht wird dieser Weg, wie still wird da das Herz, wie fröhlich werden die Gebeine, wie tröstlich der liebe jüngste Tag. Wohlan, es müsse dem Herrn und uns gelingen! Gebet. Herr Gott, himmlischer Vater, der Du uns Deinen eingebornen Sohn zu unserm Heilande geschenkt und Ihn um unsrer Sünden willen dahingegeben und um unserer Gerechtigkeit willen auferwecket hast, wir bitten Dich, Du wolleft unsere erstorbenen Herzen zum neuen Leben erwecken und durch Christum aus dem Tode in's Leben bringen, damit wir endlich ewig mit Freuden vor Ihm stehen mögen. Amen. Vater Unser. 677 Donnerstag nach dem 24. nach Trinitatis. Mel.: O Gott, Du frommer Gott. Daß ich nun bin bekehrt, Hast Du allein verrichtet; Du haft des Satans Reich Und Werk in mir vernichtet. Herr, Deine Gült und Treu, Die an die Wolken reicht, Hat auch mein steinern Herz Zerbrochen und erweicht. Ach! leit und führe mich, So lang ich leb auf Erden; Laß mich nicht ohne Dich Durch mich geführet werden. Führ ich mich ohne Dich, So werd ich bald verführt. Wenn Du mich führest selbst, Thu ich, was mir gebührt. ( Vers 3 und 7 aus: Was kann ich doch für Dant.) Joh. 8, 28-32. Da sprach Jesus zu ihnen: Wenn ihr des Menschen Sohn er. höhen werdet, dann werdet ihr erkennen, daß Ich's sei, und nichts von mir selber thue, sondern, wie mich mein Vater gelehret Der Vater bat, so rede ich. Und der mich gesandt hat, ist mit mir. läßt mich nicht allein; denn Ich thue allezeit, was ihm gefällt. Da er solches redete, glaubten viele an ihn. Da sprach nun Jesus zu den Juden, die an ihn glaubten: So ihr bleiben werdet an meiner Rede, so seid ihr meine rechten Jünger, und werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen. Es glaubten Viele an Ihn schon damals, als der Herr dieſe Worte redete. Sie glaubten, daß Er es sei der eingeborne Sohn vom Vater voll Gnade und Wahrheit und der Heiland der Welt. Aber dieser Glaube war erst ein zarter Keim. Den rechten Durchschlag bekam es erst, als Jesus an's Kreuz erhöhet wurde. Das war des Herrn tiefe Erniedrigung; denn das Kreuz ist so viel gewesen, als jetzt der Galgen ist. Doch eben das Krenz ist Christi Ruhm; denn am Kreuze hat Er den Tod getödtet und die Sünde gebüßt und der Schlange den Kopf zertreten. Das sind große göttliche Werke. Und Er ist danach weiter erhöht zur Rechten Gottes und hat von dort Seinen Geist gesandt. Dieser Geist hat Jesu Worte erinnert und hat sie zu Spießen und Nägeln, zu Geist und Leben gemacht. Und das thut Gottes Geist noch immer. Da empfängt denn der feimende Glaube neues Licht, neue Zuflüsse, neue Kraft, so daß es ein gegründeter, siegreicher Glaube wird und der Mensch von Herzen glaubt und mit dem Munde bekennt, daß Jesus Christus, wahrer Gott und wahrer Mensch, der Sünderheiland ist. Also der Geist thut's. Wir müssen vom Geiste erfüllt, getrieben und geleitet werden. Aber wir müssen keine Schwärmer werden sondern genau bei Jesu Worten bleiben. Rechte Jünger bleiben an Seiner Rede. Da mag denn im Anfange Bieles dunkel, räthfelhaft, ja thöricht erscheinen, wie es denn eine thörichte Predigt ist, die uns 678 felig macht. Aber man bleibe nur recht einfältig, aufrichtig und beständig an der Rede Jesu. So wird einem die Wahrheit eben in aller Rede Jefu immer mehr anleuchten und erleuchten und durchleuchten die große selige Wahrheit, daß in Jesu der wahrhaftige Gott Mensch geworden und für uns gestorben ist und nun Alle, die an Ihn glauben, das ewige Leben haben, weil sie haben die Erlösung von allen Sünden, vom Tode und von der Gewalt des Teufels. Die Erkenntniß dieser Wahrheit, die Wahrheit ist und nicht Täuschung und Lüge, macht frei. Gebet. Herr Jesu Christe, Du großer Heiland der Sünder, der Du erhöhet worden bist an's Kreuz und nach dem zur Rechten Gottes, sende uns den so gewiß versprochenen Geist, daß uns derselbe Dein Wort zum Licht und zur Flamme im Herzen mache zu einer Flamme des Glaubens und der Liebe. Gib auch, daß eben derselbe Geist uns an Deiner Rede erhalte, damit wir Deine rechten Jünger feien. Amen. Bater Unser. - - Freitag nach dem 24. nach Trinitatis. Mel: Ringe recht, wenn Gottes Gnabe. Ringe, daß dein Eifer glühe Und die erste Liebe dich Von der ganzen Welt abziehe; Halbe Liebe hält nicht Stich. Nimm mit Furcht ja deiner Seele, Deines Heils mit Zittern wahr. Hier in dieser Leibeshöhle Schwebst du täglich in Gefahr. ( Vers 4 und 7 aus: Ringe recht, wenn Gottes Gnabe.) Offenb. Joh. 3, 14-22. Und dem Engel der Gemeine zu Laodicea schreibe: Das sagt Amen, der treue und wahrhaftige Jeuge, der Anfang der Creatur Gottes: Ich weiß deine werke, daß du weder kalt noch warm bist. Ach, daß du kalt oder warm wärest! Weil du aber lau bist, und weder kalt noch warm, werde ich dich ausspeien aus meinem Munde. Du sprichft: Ich bin reich, und habe gar satt, und bedarf nichts; und weißt nicht, daß du elend bist und jammerlich, arm, blind und bloß. Ich rathe dir, daß du Gold von mir kaufeft, das mit Seuer durchläutert ist, daß du reich werdest; und weiße Kleider, daß du dich anthust, und nicht offenbar werde die Schande deiner Blöße; und falbe deine Augen mit Augensalbe, daß du sehen mögeft. welche Ich lieb babe, die strafe und züchtige ich. So sei nun fleißig, und So Jes thue Buße. Siebe, ich ftebe vor der Thür und klopfe an. mand meine Stimme hören wird, und die Thür aufthun, zu dem werde ich eingeben, und das Abendmahl mit ihm halten, und er mit 679 mir. wer überwindet, dem will ich geben, mit mir auf meinem Stubl zu figen; wie Ich überwunden habe, und bin geseffen mit meinem Vater auf seinem Stuhl. Wer Ohren hat, der höre, was der Geist den Gemeinen fagt. Nicht jeder kann es hören, was der Geist den Gemeinden sagt, sondern nur derjenige, welcher noch ein Ohr d. i. Sinn für die geheime und verborgene Stimme Gottes hat. Die Menschenseele, welche vom frühen Morgen an ihr Gehör mit dem Geräusch der äußeren Geschäfte und Sorgen erfüllen läßt, ist unglücklich und taub, denn sie hört die Stimme dessen nicht, welcher ist der Anfang aller Creatur Gottes, und in dem wir leben, weben und sind. Aber verborgen im Hintergrunde aller Christenherzen wachet Er, der treue Zeuge, Jesus, oder wie Er hier Sich nennet, Amen d. h. gewiß und wahrhaftig; siehe Er tritt aus der Verborgenheit hervor mit Seinem lauten unumstößlichen Zeugniß gegen die lauen Christen und seufzet über sie. Ach, daß du kalt oder warm wärest, daß Mich doch vor dir nicht ekeln brauchte, du getaufte Menschenseele. Wenn du denn nicht brennest in wahrer herzlicher Liebe zu Mir, dem Herrn, so lüge doch wenigstens nicht, du ständest im rechten Stande, sondern fühle deine Gottentfrembung und deine Herzenstälte. Nichts ist gefährlicher, als sich zu betrügen mit einem heuchlerischen Christenthum. Schon die Menschen wenden sich mit Ekel und Verachtung von den halben Christen, welche das Opfer des Herrn fleißig im Munde führen und doch kein einziges Opfer für den Herrn zu bringen vermögen, weil sie Knechte des Geldes und geizig sind.. Einen eitlen, einen prahlerischen Christen zu sehen, ist etwas Abscheuliches, einen lieblosen, jähzornigen, weltluftigen Christen zu sehen, der Anblick ist schon den Menschen zuwider. Wie viel mehr muß es der ewigen Wahrheit, der wahrhaftigen Liebe unerträglich sein, wenn die Eitelkeit und Hoffart, die Lieblosigkeit und Weltlust des fleischlichen Herzens sich mit dem Deckmantel eines gleißnerischen und eingebildeten Christenthums zudecken und schmücken möchte, also daß jeder, der nicht klare, offene Augen hat, betrogen wird und nur das unangenehme Gefühl mit sich umherträgt, daß etwas faul sein muß an diesem Chriſtenthum. Ich rathe dir, daß du Augensalbe kaufest, sie heißt Selbsterkenntniß und ist allein echt und unverfälscht zu haben aus der Hand des Heiligen Geistes, welcher sie verabreicht auf die Bitte: erförsche mich, Gott, und erfahre mein Herz, prüfe mich und erfahre, wie ich es meine. Er gibt denen, welche ihr unechtes und verfälschtes Wesen von sich werfen, das Gold der Wahrheit, Er läutert ihren Glauben in dem Feuer der Leiden, und wenn sie haffen den befleckten Rock des Fleisches, so thut Er sie an mit dem weißen Kleide der Gerechtigkeit Jesu Christi. Diese Arbeit will Er täglich an uns üben, möchte keiner Ihm sein Herz verschließen. Siehe, spricht Er: Ich stehe vor 680 der Thür und klopfe an. Lege die Hand auf dein Herz, Er klopft an deine Thür auch in diesem Augenblick. Laß Ihn nicht vor einer verriegelten Pforte stehen. Hattest du den Vorsatz, heute eine Sünde auszuüben, wirf ihn in diesem Augenblicke weg, denn er würde ein Riegel sein, daß der Herr nicht zu dir nahen könnte. Hast du Ihm bis dahin etwas verbergen, entziehen wollen, bekenne es Ihm heute, denn sonst würde es ein Riegel sein, der den König des Himmels von deinem Herzen ausschließt. Ach reiche Ihm den Schlüssel hin, bete andächtig zu Ihm, siehe den Sohn Gottes mit sehnsüchtigem Auge, und das Herz wird dir aufgehen und die Thür wird sich von selbst aufthun, und Er wird eintreten können in dein Gemüth. Was Er dort will, das ist ein Geheimniß, aber ein so seliges Geheimniß, daß man es aus deinem friedevollen Angesicht und aus deinen liebestrahlenden Augen wird lesen können, da drinnen in deinem Herzen werde ein Gottesdienst gehalten, in welchem deine Seele gespeist wird mit der wahrhaftigen Speise, in welchem dein Mark und Gebein sich durch Gott mit Gott vereint, weil der Herr das Abendmahl mit dir hält. Gebet. Herr, mein Gott, Du bist auf diese Erde gekommen, ein Feuer anzuzünden, und wolltest nichts lieber, als daß es schon brennte. Du allein kannst solches Feuer Deiner seligen Erkenntniß in uns anzünden und erhalten. So bitte ich Dich, Du wollest mir alles unlautere, falsche und halbe Wesen zu einem Greuel machen, wie es Dir ein Greuel ist, dagegen durch das Feuer Deiner himmlischen, reinen Liebe mein Herz und Gemüth gegen Dich entzünden, auch Gnade geben, daß ich in solchem Gottesdienste all den Meinigen ein scheinendes Licht sein möge. Amen. Vater Unser. Sonnabend nach dem 24. nach Trinitatis. Mel.: Nun laßt uns Gott, dem Herrn. Der Hirt am Kreuz gestorben Hat Fried und Heil erworben; Nun heißt bei Seinen Schafen Das Sterben ein Entschlafen. Auf göttliches Erbarmen In des Erlösers Armen Erwählt zu Gottes Erben Läßt sich's gar sanft hinsterben. O Jesu, Deine Gnade Macht, daß kein Sterben schade. Laß auf Dein Todesleiden Mich einst im Frieden scheiden. ( Vers 1, 5 und 6 aus: Der Hirt am Kreuz.) 681 1 Theff. 4, 13-18. Wir wollen euch aber, lieben Brüder, nicht verbalten von denen, die da schlafen, auf daß ihr nicht traurig seid, wie die Andern, die keine Soffnung haben. Denn so wir glauben, daß Jesus geftorben und auferstanden ist, also wird Gott auch, die da entschlafen sind durch Jesum, mit ihm fübren. Denn das sagen wir euch als ein Wort des Herrn, daß wir, die wir leben und überbleiben in der Jukunft des Serrn, werden denen nicht vorkommen, die da schlafen. Denn er selbff, der Herr, wird mit einem Selogeschrei und Stimme des Erzengels, und mit der Posaune Gottes herniederkommen vom Simmel, und die Todten in Chrifto werden auferstehen zuerst. Dars nach wir, die wir leben und überbleiben, werden zugleich mit den= felbigen bingerückt werden in den Wolken, dem Serrn entgegen in der Luft, und werden also bei dem Herrn fein allezeit. So tröffet ruch nun mit diesen Worten untereinander. Der heilige Paulus macht keine umständlichen Beweise von der Auferstehung des Leibes und der Unsterblichkeit der Seele; der Apostel redet zu den Gläubigen, welche die Wahrheit nicht bestreiten sondern annehmen. Bei rechten Kindern ist es genug, einfach die Wahrheit zu sagen, so glauben sie, und es bedarf nicht vieler Beweisgründe. So müssen wir unsere tausend Zweifel in göttlichen Dingen nicht als Tugend sondern als ein trauriges Erbtheil aus dem Sündenfall ansehen. Die Wahrheit ist groß, heilig und gewiß. Der Herr wird kommen; Er kommt jetzt schon in Wasser, Geist und Blut ( 1 Joh. 5), nur dem Glauben faßbar, aber in solcher Gestalt Seiner Armuth und Sanftmüthigkeit den erweckten Sündern überaus köstlich. Er wird kommen vom Himmel hernieder mit einem Feldgeschrei und Stimme des Erzengels und mit der Posaune Gottes. Dann braucht kein Prediger mehr zu rufen; alle Creatur wird Ihn schon hören und sehen. Seine Stimme wird durch die Gräber klingen, daß auch die Todten aufstehen. Auch die im Unglauben gestorben sind? Auch diese; sie werden mit der Angst aufstehen, die sie mit in's Grab genommen, und ihres Jammers wird kein Ende sein. Aber in unserm Schriftworte ist nur von Solchen die Rede, die im Herrn heimgegangen sind, die wie die Erzväter im Glauben, bei dem Glauben entschliefen Ebr. 11, 13. Eben im Glauben, bei dem Glauben lassen sich rechte Christen finden; sie bleiben auch in dem wunderbaren Glauben, daß die Strafe auf Jesu liegt, auf daß wir Frieden hätten, und durch Seine Wunden sind wir geheilt. Erst dünft dieser Glaube für Kinder zu gering; aber dann geht's Einem wie Abraham, der 75 Jahre alt zu solchem Glauben kam und 100 Jahre später noch bei eben demselben Glauben war. In diesem Glauben entschlief er und sah den Tod nicht. Die so im Glauben an Jesum entschlafen sind, wird Gott leiblich auferwecken, wenn der Herr Jesus vom Him mel herniederkommt. Diese stehen zuerst auf; die dann aber noch auf Erden lebenden Christen denn bis an das Ende der Welt werden gläubige Christen sein- werden mit den Auferstandenen hingerückt in den Wolken dem Herrn entgegen in der Luft. Das ist kein süßer Traum, sondern gewiß und wahrhaftig. Die ganze Welt wird Zeuge sein. 1 682 O Chrift, stehe auf und hebe dein Angesicht empor. Das ist tein so großer Unterschied und mag Gottes Wohlgefallen heimgestellt sein, ob man von den Todten erweckt oder in diesem Leibe verwandelt ( 1 Cor. 15, 51) und so dem Herrn entgegengerückt wird. Nur das ist die Frage, ob man in Jesu lebt oder stirbt, ob man glaubt, daß Jesus gestorben und auferstanden ist. Ach, ist es denn so schwer zu glauben? Ist nicht nöthigung genug da, um den lebendigen Glauben zu bitten? Rückt nicht das Ende immer näher? Und Sünder können glauben; das wirkt Gottes Macht in uns, der Jesum von den Todten auferweckt hat. Sünder dürfen glauben, daß sie in Jesu versöhnt, erlöst, gerettet sind und offenen Zugang zu Gott baben. Solchen Glauben schenke uns Gott. Dann werden wir Dich sehen in aller Freud, o Gottes Sohn, an Deinem großen Tage. Gebet. Herr Jesu, lieber Heiland, der Du sitzest zur Rechten Gottes und wieder kommen wirst mit großer Herrlichkeit und Kraft, wir danken Dir, daß Du uns in allen Dingen gewisse, klare Zeugniffe gegeben haſt. O Herr, Du Anfänger und Vollender des Glaubens, stärke uns den Glauben und schenke es uns, daß wir bei dem Glauben an Dich entschlafen, den Tod nicht sehen, Dir aber in aller Freude an dem lieben jüngsten Tage entgegenkommen. Amen. Vater Unser. 25. Sonntag nach Trinitatis. Mel.: Herr Jefu Chrift, Dich zu uns wend'. Ach, bleib' bei uns, Herr Jesu Christ, Weil es nun Abend worden ist; Dein Wort, o Herr, das ewig licht, Laß ja bei uns auslöschen nicht. In dieser letzt'n betrübten Zeit Berleih uns All'n Beständigkeit, Daß wir Dein Wort und Sacrament Rein behalt'n bis an unser End'. Herr Jesu, hilf, Dein' Kirch' erhalt', Wir sind sicher, arg, faul und falt; Gib Glüld und Heil zu Deinem Wort, Damit es schall' an allem Ort. ( Vers 1, 2 und 4 aus: As, bleib bei uns Herr.) 683 Matth. 24, 15-28. Wenn ihr nun sehen werdet den Greuel der Verwüstung, davon gesagt ist durch den Propheten Daniel, daß er fiebe an der heiligen Stätte,( wer das liefet, der merke darauf!) Alsdann fliehe auf die Berge, wer im jüdischen Lande ist. Und wer auf dem Dache ist, der steige nicht bernieder, etwas aus seinem Sause zu holen. Und wer auf dem Selde ist, der febre nicht um, seine Kleider zu holen. wehe aber den Schwangern und Säugern zu der Zeit. Bittet aber, daß eure Slucht nicht geschebe im Winter, oder am Sabbath. Denn es wird alsdann eine große Trůbsal sein, als nicht gewesen ist, von Anfang der Welt bisher, und als auch nicht werden wird. Und wo diese Tage nicht würden verkürzet, so würde fein Mensch selig; aber um der Auserwählten willen werden die Tage verkürzet. So alsdann jemand zu euch wird sagen: Siebe, bier ift Chriftus, oder da; fo follt ihr es nicht glauben. Denn es werden falsche Chrifti und falsche Propheten auffiehen, und große Jeichen und wunder thun, daß verführet werden in den Irrthum( wo es möglich wäre) auch die Auserwählten. Siebe, ich babe es euch zuvor gesagt. Darum, wenn sie zu euch sagen werden: Siehe, er ist in der Wüste; so gebet nicht hinaus: Siehe, er ist in der Kammer; so glaubet es nicht. Denn gleichwie der Blig ausgehet vom Aufgang, und scheinet bis zum 7iedergang; also wird auch sein die Jukunft des Menschen Sohnes. Wo aber ein Aas ist, da sammeln sich die Adler. Was ist die heilige Stätte? Was ist der Greuel der Verwüstung an heiliger Stätte? In dem Sündenfalle ist alle Creatur unheilig geworden; Gott gab der gefallenen Creatur ein Heiligthum, das ist Sein Wort, welches uns allein heiligt. Greuel an heiliger Stätte ist nichts anderes, als daß das Heiligthum des Wortes und der Sacramente Gottes verunreinigt und dadurch alle wahre Heiligung unmöglich wird. Leib und Seele, Haus und Familie sind auch heilige Stätten; aber die oberste heilige Stätte ist die christliche Kirche, in welcher Gottes Wort und Sacrament rein und lauter ist. Von ihr haben die übrigen heiligen Stätten erst ihr Wesen und Bestand. Der Grenel an Heiliger Stätte war schon zu Christi Zeiten im Anzuge, wie der Herr spricht: ihr habt Mein Haus zur Mördergrube gemacht. Dieser Grenel der falschen Lehre, der zerrütteten und zerstörten Sacramente wird wiederkommen, so daß die Kirche nicht mehr die Kirche des Herrn sondern der Spielball der vornehmen und rohen Horden ist. Zu solchen Zeiten wird es auf Erden voll von Irrthum sein; denn wo die Wahrheit nicht ist, ist die Lüge. Es werden falsche Christi aufstehen, wie sie schon aufgestanden sind Apostelgesch. 5, 36. 37. Der Teufel ist kein bloß gemalter sondern ein wirklicher mit großer Macht und kann mehr an Irrthum und Grenel zu Wege bringen, als wir für möglich halten. Der Herr sagt es uns. Wer das lieset, der merke darauf! 684 Nur die Auserwählten werden nicht in den Irrthum verführt. Wir dürfen nur ja nicht mit unsrer Vernunft hineinfallen und denken: wer mag so glücklich sein, daß er auserwählt ist. Hier ist kein blinder, dunkler Rath Gottes, der uns nicht aufleben ließe. Hast du den Herrn Jesum Christum aufrichtig und herzlich lieb? Dann bist du gewiß ein Auserwählter, hast Etwas vor der Welt voraus. Wisſe, wem viel vergeben ist, der liebt Ihn viel. Laß dir vergeben, erkenne, daß reiche und tägliche Vergebung der Sünden dein nothwendigstes Theil ist. Nimm die Vergebung von Jesu hin, und es entspringt' ein Quell der Liebe in deinem Herzen. Womit soll man solche Liebe beweisen? Wer Mich liebet, wird Mein Wort halten, sagt der Herr Joh. 14. Auserwählte haben und behalten Jesu Christi reines und lauteres Wort. Sei das Geschrei noch so laut: hier ist Christus, da ist Christus fie gehen und sehen nicht hin; denn Seine Auserwählten finden Ihn mit den Bethlehemitischen Hirten in den Windeln Seines Wortes und Seiner Sacramente. Da liegt der wahre Christus. Nämlich der wahre ist allein derjenige, den wir im zweiten Glaubensartikel bekennen. So du mit deinem Munde bekennest Jeſum, daß Er der Herr sei, und glaubest in deinem Herzen, daß Gott Ihn von den Todten auferweckt hat, so wirst du selig, bist also auserwählt Röm. 10, 9. Freilich ohne Ernst und Bitte werden wir es nicht ausrichten. Darum spricht unser Haupt so oft: bittet- auch heute. Dem Gebete sind die größesten Verheißungen gegeben. Wer aber betet und nimmt, sieht die Gefahren und Greuel der Zeit; aber er darf sich gewiß getrösten, daß er nicht soll in den Irrthum verführt werden, so er anders Christum und Seine Erscheinung herzlich lieb behält und im Worte und Glauben bleibt. - Gebet. Wir danken Dir, wahrhaftiger Gott, Herr Jesu Christe, daß Du uns so treulich warust, wie wir uns hüten sollen vor aller selbsterwählten Weise in Wüsten und Kammern. Wir bitten Dich, Herr, Du wollest die Tage der Trübsal verkürzen, uns vor allem Frrthum gnädiglich behüten und durch Deinen Heiligen Geist regieren, daß wir uns allein zu Dir halten und in Dir alle unsere Hülfe und Seligkeit suchen. Amen. Vater Unser. Montag nach dem 25. nach Trinitatis. Mel.: Herr Jefu Chrift, Dich zu uns wend' 685 Gib uns in's Herz die zehn Gebot', Daß wir beweinen Sünd' und Noth Und doch an Dich und Deinen Sohn Gläuben im Geist erleuchtet schon. Dich, unsern Vater, rufen an, Der uns nur helfen will und kann, Daß wir als Kinder nach der Tauf Christlich vollbringen unsern Lauf. ( Vers 2 und 3 aus: Herr Gott, erhalt' uns für und für.) Marc. 12, 1-9. Und er fing an zu ihnen durch Gleichnisse zu reden: Ein Mensch pflanzte einen Weinberg, und führete einen Jaun darum, und grub eine Kelter, und bauete einen Thurm, und that ihn aus den Weingårtnern, und zog über Land. Lind sandte einen Knecht, da die Zeit kam, zu den Weingärtnern, daß er von den Weingartnern nahme von der Frucht des Weinberges. Sie nabmen ihn aber, und staupten ihn, und ließen ihn leer von sich. Abermal sandte er zu ihnen einen andern Knecht; demselben zerwarfen sie den Kopf mit Steinen, und ließen ibn geschmåhet von sich. Abermal sandte er einen andern; denselben todteten sie: und viele andere, etliche ståupten sie, etliche tödteten sie. Da hatte er noch einen einzigen Sohn, der war ihm lieb; den fandte er zum letzten auch zu ihnen, und sprach: Sie werden sich vor meinem Sohne scheuen. Aber dieselbigen Weingärtner sprachen unters einander: Dies ist der Erbe; kommt, laßt uns ihn todten, so wird das Erbe unser sein! Und sie nahmen ihn, und tödteten ihn, und warfen ihn heraus vor den Weinberg. Was wird nun der Herr des Weinberges thun? Er wird kommen, und die Weingärtner umbrin gen, und den Weinberg andern geben. --Das ist und bleibt so, daß das wahre Christenthum der Welt ärgerlich ist. Beſteht unser Christenthum darin, daß wir durch Erkennt niß unseres Elendes demüthig geworden sind und Christum im Glauben ergriffen haben, Ihm in der Liebe anhangen und im Leben dienen, wie sollten wir damit der Welt gefallen können, die nicht im Ernste einmal von dem lebendigen Gott hören mag? Lassen wir uns die Feindschaft der Welt deshalb nicht anfechten, als widerführe uns etwas Sonderliches. Bemühen wir uns auch nicht den Gottesgeist und Weltgeist auszuföhnen das ist unmöglich. Aber das ist höchst merkwürdig, daß es nach dem Worte des Herrn nicht Weltleute sondern die Weingärtner sind, welche die Knechte, ja den Sohn Gottes Selber Haffen und tödten. Wer sind die Weingärtner zunächst anders als die Priester und Geistlichen des jüdischen Volkes? Eben diese haßten Christum am meisten; die Baulente gerade verwarfen den Eckstein. Das war der schreckliche Verfall des alttestamentlichen Volkes Gottes. So wird es zu den bedenklichsten Zeichen der letzten Zeit gehören, wenn das Lehramt in der christlichen 686 Kirche statt zu bauen niederreißt, und wenn die Getauften den lästern, der sie erlöst hat und den sie preisen sollten. Dieses jammervolle Wesen ist jetzt in der alten Christenheit vorhanden und nimmt zu. Den Erben, den Sohn des Hauses hassen sie. O Blindheit! O grausiger Weg der Hölle! Aber wir sollen darüber nicht verzagen. Denn nicht den Verzagten ist Hülfe verheißen. Wir sollen nicht von denen sein, die da weichen und verdammt werden, sondern von denen, die da glauben und die Seele erretten. Die Auserwählten, welche Jesu treu bleiben, haben drei Kennzeichen: 1) sie überwinden durch das Blut des Lammes; ihr Grund ist die ewige Gnade der Versöhmung in Christo; 2) sie überwinden durch das Wort ihres Zeugnisses; 3) sie lieben ihr Leben nicht bis an den Tod Offenb. 12, 11. Merken wir uns das, damit wir nicht in dem allgemeinen Verfall auch dahinsterben sondern Jesu dem Hochgelobten Ehre und Anbetung geben immerdar. Gebet. Ach mein Herr Jesu, der Du mit Deinem wahrhaftigen Munde Deinen Kreuzestod durch die Hände der Obersten des Volkes oft geweifsagt und uns das Ende der Welt sammt dem Abfall der Christenheit vor Augen gestellt hast, wir bitten Dich, Du wolleft unsere Seelen ermuntern, mit Kraft aus der Höhe anthun und Gnade verleihen, Dir im Glauben und Gehorsam treu zu sein bis an das Ende. Amen. Vater Unser. Dienstag nach dem 25. nach Trinitatis. Mel: Freu' bich sehr, o meine Seele. Es ist Alles fast verdorben In der ganzen Christenheit; Glaub' und Liebe sind erstorben, Alles lebt in Eitelkeit. Wie es war zu Noä Zeit, So lebt jetzt in Sicherheit Der gemeine Hauf' der Christen, Die in Sündenkoth fich brüsten. Unverstand und Sündenleben Herrschet und nimmt überhand; Die dem Unheil widerstreben, Sind als Fremdling unbekannt Und wie Jesus Selbst veracht; Ja ihr Thun steht im Verdacht. Wie ist denn der Welt zu rathen Bei dergleichen Frevelthaten? ( Vers 2 und 3 aus: Es sind schon die letzten Zeiten.) Matth. 24, 36-42. Von dem Tage aber, und von der Stunde, weiß niemand, auch die Engel nicht im Simmel, sondern allein mein Vater. Gleich aber, wie es zu der Zeit Noahs war, also wird auch sein die Zukunft des Menschen Sohnes. Denn gleich wie sie waren in den Tagen vor der Såndfluth; fie aßen, sie tranken, sie freieten und ließen sich freien, bis an den Tag, da Toah zu der Arche einging; und sie achteten es 687 nicht, bis die Såndfluth kam, und nahm sie alle dabin: also wird auch sein die Zukunft des Menschen Sohnes. Dann werden zween auf dem Selde sein; einer wird angenommen, und der andere wird verlaffen werden. 3wo werden mablen auf der Mühle; eine wird angenommen, und die andere wird verlaffen werden. Darum wachet; denn ihr wiffet nicht, welche Stunde euer Herr kommen wird. Mitten unter seinen Zeitgenossen stand Noah als ein Vereinzelter da Denn ging deren Leben darin auf, daß sie aßen und tranken, freieten und sich freien ließen, so führte Noah ein göttliches Leben. Die Wurzel seines göttlichen Lebens war keine andere, als daß er das Wort Gottes in seinen Drohungen und Verheißungen ernstlich glaubte. Dieser Glaube im Herzen, der sich an die unsichtbaren Dinge, welche man nicht sieht, hält, als sähe man sie, ist noch immer die gewisse, fruchtbare Wurzel eines göttlichen, Gott gehorsamen Lebens. So war Noah ein Auserwählter innerlich durch seinen Glauben, äußerlich durch seinen Wandel. Ach gebe uns der barmherzige Gott, daß wir Noah hierin nachfolgen und nicht ermüden und erschlaffen in der gegenwärtigen Zeit. Denn es ist böse Zeit und wird's immer mehr; die Regungen des göttlichen Geistes werden seltener und matter, der unruhige Weltgeist regiert je länger je träftiger. Man achtet es so wenig, was Gott sagt, hat auch am Ende gar kein Auge mehr für die ewigen unsichtbaren Güter und kein Ohr für all die großen Dinge, die da kommen. Denn wissen wir auch nicht Zeit und Stunde, wann der Herr kommt, so wissen wir doch, daß Er kommt und wir davon müssen. Wir müssen uns den Muth fassen, solch ernste Dinge ernst zu nehmen. Lauheit, Schläfrigkeit, Mattigkeit sind keine augenfällige, aber sehr gefährliche Sünden. Damit dringt man nicht in's ewige Leben. Dazu gehört vielmehr ein Herz, das Jeſum Christum in sich wohnen hat und durch Glauben und Liebe in Ihn eingewurzelt ist. Da mag denn die Hand mahlen und der Fuß wandeln Herz des Menschen lebt Christo, dem himmlischen Bräutigam im Glauben und in der Liebe. das So soll es sein und so kann es sein. Mit Lauheit und Lahmheit bessern wir's nicht; aber ernstlich Bittenden wird gegeben, Suchenden wird aufgethan, Wachenden dringt das Licht der Ewigkeit in die Augen und in den Geist. Gebet. O Herr, Du großer Gott, Du hast uns berufen zu Erben Deiner ewigen Freuden. Herr, welch ein Beruf ist das! Ewiger Jammer und Herzeleid, wenn wir durch die thörichte Liebe dieser Welt um unser Erbe betrogen würden. Das wollest Du, ge= treuer Vater, abwenden, unsere Augen aufthun, daß wir sehen, und uns ein weises Herz geben, daß wir achten auf Deine Worte und Werke und also bereit sein mögen, Christum in Seiner Wiederkunft zum jüngsten Gericht mit Freuden zu empfangen. Amen. 688 Mittwoch nach dem 25. nach Trinitatis. Mel.: Bom Himmel hoch, ba tomm' ich her. Dein lieben Kinder warten all, Wenn doch einmal die Welt zerfall Und wenn des Teufels Reich zergeh' Und er in ew'gen Schanden steh'. Ei, lieber Herr, eil' zum Gericht! Laß sehn Dein herrlich Angesicht, Das Wesen der Dreifaltigkeit: Deß helf uns Gott in Ewigkeit. ( Vers 9 unb 18 aus: Ihr lieben Chriften freut euch nun.) Luc. 12, 54-57. Er sprach aber zu dem Volk: Wenn ihr eine Wolke sehet auf. geben vom Abend, so sprecht ihr bald: Es kommt ein Regen; und es geschiehet also. Und wenn ihr fehet den Südwind wehen, so fprecht ihr: Es wird beiß werden, und es geschiehet also. Ihr Seuchler, die Gestalt der Erde und des Himmels könnet ihr prüfen; wie prüfet ihr aber diese Zeit nicht? Warum richtet ihr aber nicht an euch selber, was recht ist? Wir halten die Vernunft in Ehren und bekennen, daß Gott ims nebst Augen und Ohren und allen Gliedern auch die Vernunft gegeben hat. Wie sollte Gottes Gabe nicht gut sein? Die Vernunft mag urtheilen, wo es ihr zusteht, mag aus den Wolken am Abend urtheilen, daß ein Regen kommt, und aus dem Südwinde, daß es heiß wird. Nur halte die Vernunft nicht höher von sich, als es ihr zukommt. In göttlichen Dingen ist die Vernunft blind, und wo sie über dieselben urtheilen will, geschieht es, daß sie die Luft mit Löffeln messen und das Licht mit Scheffeln in den Keller tragen will. Wer hier seiner Vernunft folgt, muß es erfahren, daß Gott die Weisheit der Weisen zu nichte macht und den Verstand der Verständigen verwirft. So geschieht es, daß die Weisen zu Narren werden. Vielmehr muß es der Geist Gottes sein, durch welchen wir die himmlischen Dinge urtheilen. Es weiß sonst Niemand, was in Gott ist ohne der Geist Gottes. Weil die Pharisäer und Sadducäer diesem Geiste widerstrebten, waren und blieben sie bei aller Klugheit unfähig, die Zeichen der Zeit und den Stand des Reiches Gottes zu prüfen. Denn das Reich Gottes war und ist ein Geheimniß, dessen Thüren sich nicht der menschlichen Hoffart, wohl aber dem bittenden, suchenden, verlangenden Gemüthe öffnen. Welch ein Jammer war das, daß man nicht die Zeichen der Zeit prüfen kounte! So konnte man nicht aus allen Werken und Worten Jesu prüfen, wer dieser Jesus sei, und welch herrliche Zeit mun hereingebrochen sei. Auch unsere Zeit hat der Zeichen viele. Es sind einestheils Zeichen, welche die Macht und Kraft des Abgrundes über die Herzen der Menschheit andeuten und anderntheils sind es Zeichen, welche die ewige und unüberwindliche - 689 Gewalt Jesu des Sünderfreundes und Sünderkönigs darthun. Die tiefe Zerrissenheit aller menschlichen Verhältnisse, die Zerriffenheit, Friedelosigkeit und Unruhe der menschlichen Herzen welche Zeichen der Zeit! Diese Zeichen soll man prüfen. Das bringt dem Menschen Gewinn und soll ihm den Gewinn eintragen, daß er sich mit allem Willen und aller Liebe zu Jesu dem Gefreuzigten, dem großen und wahrhaftigen Heilande der Welt sammeln und die allein errettenden Kräfte des Wortes und der Sacramente Jesu über sich walten läßt. Zu folcher Aufmerksamkeit und Prüfung ermuntere Gott auch jetzt unsern Geist. - Gebet. Herr Jesu Christe, Du Licht der Blinden, Du gibst alle Zeiten und gibst allen Zeiten ihre Zeichen, bewahre uns davor, daß wir die Zeichen unsrer Zeit nicht erkennen sollten. Vielmehr gib uns das Auge, welches des Leibes Licht ist, und laß uns die bösen Zeichen der Zeit dazu dienen, daß wir das Arge hassen; die guten Zeichen laß uns allezeit eine Ermunterung sein, Dich den Urquell alles Guten zu suchen und von Dir Gnade um Gnade zu nehmen. Amen. Vater Unser. Donnerstag nach dem 25. nach Trinitatis. Mel.: Herr Jesu Chrift, Dich zu uns wend'. Erneure mich, o ewig's Licht! Ertöbt in mir die schnöde Lust, Und laß von Deinem Angesicht Feg' aus den alten Sündenwust; Mein Herz und Seel' mit Deinem Schein Ach rüst mich aus mit Kraft und Muth, Durchleuchtet und erfüllet sein. 3u streiten wider Fleisch und Blut. ( Vers 1 und 2 aus: Erneure mich.) 1 Joh. 2, 15-17. Sabt nicht lieb die Welt, noch was in der Welt ist. So jemand die Welt liebbat, in dem ist nicht die Liebe des Vaters. Denn alles, was in der Welt ist( nämlich des Fleisches Luft, und der Augen Luft, und hoffartiges Leben), ist nicht vom Vater, sondern von der Welt. Und die Welt vergehet mit ihrer Luft; wer aber den Willen Gottes thut, der bleibet in Ewigkeit. Das ist eine ganz unzweideutige Rede: so Jemand die Welt lieb hat, in dem ist nicht die Liebe des Vaters. Keinem Stande und feinem Alter ist es möglich und gestattet, die Welt und Gott zusammen zu lieben oder in gewissem Maaße die Welt lieben zu können und doch auch Gott. Nein Weltliebe tödtet bei Jedermann die Liebe Gottes und die Liebe zu Gott hebt die Weltliebe auf. Da darf 44 690 also nicht Jemand, er sei, wer er sei, einen Trugschluß zum Besten des falschen Herzens machen und denken, für ihn werde die Scheidung zwischen Welt- und Gottesliebe nicht so scharf sein. Habt nicht lieb die Welt. Man ist's sonst an dem Apostel Johannes gewohnt, daß er sehr auf die Liebe dringt und den lebendigen Glauben an Christum eng mit der Liebe verbindet. Hier dringt er sehr nachdrücklich auf nicht lieben. Was ist denn nun die Welt, vor deren Liebe ein Jünger Jefu sich wie vor tödtlichem Gift hüten soll? Besteht die Welt aus Sachen oder Personen oder aus beiden zugleich? Welt ist Alles, was außer Gott da ist und was durch Kräfte der Finsterniß uns Menschen zum Strick des Verderbens werden kann. Denn es liegt eine böse Macht in unserm Herzen, welche alle Creatur zur Fleischeslust, Augenlust und zu hoffärtigem Leben an sich reißen und ausbeuten will. Gegen diese finstern Gewalten in und außer uns helfen keine äußeren Mittel, sondern allein der von Gott in unserm Herzen erweckte Glaube an Jesum den großen Ueberwinder der Welt. Jesus ging von Sieg zu Sieg über die Welt und war der Welt ge= freuzigt. Das ist nun der Wille Gottes, daß in uns entstehe und bez stehe der Glaube an Christum und mit diesem Glauben der Sinn, Gott zu leben und Ihm zu dienen, die Zufriedenheit mit Wenigem, der Verzicht auf alle Freuden, die den Tod mit sich bringen. Wo das Gewissen, die Furcht Gottes, die Sorge für unser Heil, der Gebetsgeist zu kurz kommen könnten, entsagt der Christ der Welt. So geht es durch Reue und Schmerz, durch Suchen und Finden der Gnade, durch Anhalten am Gebete in die Liebe Gottes hinein, und man gewinnt den apostolischen Verstand, daß die Liebe Gottes nicht in uns sein und bleiben kann, so wir die Welt lieben. Und mehr noch; man bekommt den Geist, Gott über Alles zu lieben und in Seiner Furcht zu meiden, zu haben, zu genießen, zu fliehen und zu leben. Diesen seinen vollkommenen Willen offenbare uns Gott. Wer aber den Willen Gottes thut, der bleibet in Ewigkeit. Gebet. Herr Jesu Christe, Du großer Ueberwinder der Welt, der Du wohl hättest mögen Freude haben, hast aber das Kreuz ers duldet, wir bitten Dich herzlich, Du wollest unser Herz von der Liebe der Welt, die Gott so mißfällig und uns so schädlich ist, entledigen. O Herr, wir wissen, daß Du alle Bande, womit der Fürst der Finsterniß uns gebunden hat, auflösen fannst; wir bitten Dich, uns die Freiheit zu geben, daß wir Gott dienen und in einem stillen, gottesfürchtigen Leben unsern Glauben an Dich offenbar werden lassen. Höre und erhöre uns um Deines hülfreichen Namens willen. Amen. Vater Unser. 691 Freitag nach dem 25. nach Trinitatis. Mel.: Gott des Himmels und der Erben. Geist der Gnaden, der im Worte Mich an Gottes Herze legt, Deffne mir des Himmels Pforte, Daß mein Geist hier recht erwägt, Was für Schäße Gottes Hand Durch Sein Wort ihm zugesandt. Hilf, daß alle meine Wege Nur nach dieser Richtschnur gehn. Was ich hier zum Grunde lege, Müsse wie ein Felsen stehn, Daß mein Geist auch Rath und That In den größten Nöthen hat. ( Vers 4 und 8 aus: Theures Wort aus Gottes Munde.) 2 Timoth 4, 1-4. So bezeuge Ich nun vor Gott und dem Herrn Jesu Chrifto, der da zukünftig ist, zu richten die Lebendigen und die Todten mit feiner Erscheinung und mit seinem Reich: Predige das Wort, halte an, es sei zu rechter Zeit, oder zur Linzeit; ftrafe, drobe, ermahne mit aller Geduld und Lehre. Denn es wird eine Zeit sein, da sie die heilsame Lehre nicht leiden werden, sondern nach ihren eigenen Lüften werden sie ihnen selbft Lehrer aufladen, nachdem ihnen die Obren jücken, und werden die Ohren von der Wahrheit wenden, und sich zu den Sabeln kehren. Die heilsame Lehre nicht leiden mögen wer sollte das für möglich halten! Man sollte denken, Jedermann werde die heilsame Lehre willkommen heißen und mit Dank aufnehmen. Aber es ist nicht so. Daß eine Zeit kommt, in welcher man die heilsame Lehre nicht leiden mag und sich nach eigenen Lüften Lehrer aufladet, nachdem den Leuten die Ohren jücken, sagt das Wort Gottes und die Erfahrung bestätigt es. Und zwar mag man die heilsame Lehre darum nicht leiden, weil sie zur Erkenntniß unseres großen Schadens führt und all unser Heil allein in dem Namen Jesu des Gekreuzigten suchen lehrt. Was aber an dem Kreuze Christi uns vorbeiführt, gehört unter die Fabeln, hat keinen Bestand in der Wahrheit. Denn das ist die Summe des Wortes, das Gott zu predigen befohlen hat, die Buße zu Gott und die Vergebung der Sünden in dem Namen Jesu. Um dieses Wort und die lautere, nachdrückliche Predigt desselben ist es ein so Großes, daß Paulus in sehr feierlichem Tone vor Gott und dem Herrn Jesu Christo, dem zukünftigen Richter der Todten und Lebendigen die Aufforderung stellt, das Wort zu predigen. War doch eben dieses Wort auch die Macht, durch welche der Herr Selbst in Seinem Erdenwandel die Menschen zum ewigen Leben erweckte und erleuchtete; kennzeichneten sich doch Seine Jünger vor den andern Menschen eben dadurch, daß sie das Wort annahmen und Gott erkannten! Gleichermaßen ist es bis an den jüngsten Tag Gottes Wohlgefallen, durch die thörichte Predigt von dem Leiden und Auf44* - 692 ersteher Christi selig zu machen Alle, die daran glauben. Welch ein Grund für alle Prediger, daß sie danach ringen, rechte Prediger des Wortes zu sein, anzuhalten, zu drohen, zu strafen, zu ermahnen mit aller Geduld und Lehre! Man mache keine neue Weise, Gott zu erkennen und Ihm zu dienen. Man gebe allen menschlichen Gedanken Abschied und lerne die heiligen Apostel verstehen. So wird man die Versuchungen und Verführungen der letzten Zeit erkennen und wird sich auf dem Wege evangelischer Buße, lebendigen Glaubens und herzlicher Liebe Christi und Seines himmlischen Reiches freuen lernen. Gebet. Herr Gott Heiliger Geist, der Du durch die heiligen Propheten und Apostel geredet haft und Dein Wort als Wahrheit immerdar in unserm Gewissen bezeugst, wir bitten Dich, Du wolleft uns recht erleuchten, mit wahrer Erkenntniß Christi Jesu zieren, Gottes Wort unsern Schatz und Christum unsern Trost sein laffen. Vereinige unsere Herzen mit Jesu und mit Allen, die Ihn und Seine Erscheinung liebhaben unverrückt. Amen. Vater Unser. Sonnabend nach dem 25. nach Trinitatis. Eigene Melodie. Wenn endlich, eh es Zion meint, Die sehr erwünschte Stund erscheint, Da Gott wird die Erlösung geben, Die unsern Kerker bricht entzwei Und machet die Gefangnen frei, Was Freude wird man da erleben. Das Volt, das jetzt uns nur verlacht Und unsre Hoffnung gar nicht acht, Wird dann voll Reu bekennen müssen, Daß Zions Reich nicht Narrenthei, Kein süßer Traum gewesen sei, Wie sie es jetzt zu lästern wissen. ( Vers 1 und 3 aus: Wenn endlich, eh es Zion meint.) 2 Petri 3, 3-14. Und wiffet das auf's erste, daß in den letzten Tagen kommen werden Spotter, die nach ihren eigenen Lüften wandeln, und sagen: Wo ist die Verheißung seiner Jukunft? Denn nachdem die Våter entschlafen sind, bleibt es alles, wie es von Anfang der Creatur gewesen ist. Aber muthwillens wollen sie nicht wissen, daß der Simmel vor Jeiten auch war, dazu die Erde aus Waffer, und im Wasser bestanden durch Gottes Wort; dennoch ward zu der Zeit die Welt durch dieselbigen mit der Sündfluth verderbet. Also auch der Simmel jerund und die Erde werden durch sein Wort gesparet, daß sie zum Seuer behalten werden an dem Tage des Gerichts und Verdammniß der gottlosen Menschen. Eins aber sei euch unverhalten, ihr Lieben, daß Ein Tag vor dem Herrn ist wie tausend Jahre, und tausend Jahre wie Ein Tag. Der Herr verziehet nicht die Verheis Bung, wie es etliche für einen Verzug achten; sondern er hat Geduld 693 mit uns, und will nicht, daß jemand verloren werde, sondern daß sich jedermann zur Buße kehre. Es wird aber des Herrn Tag kommen als ein Dieb in der Tacht; in welchem die Simmel sergeben werden mit großem Krachen, die Elemente aber werden vor Site zerschmelzen, und die Erde und die Werke, die darinnen sind, werden verbrennen. So nun das alles soll zergeben, wie sollt ihr denn geschickt sein mit heiligem Wandel und gottseligem Wesen, daß ihr wartet und eilet zu der Zukunft des Tages des Herrn, in welchem die Simmel vom Seuer zergeben und die Elemente vor size zerschmelzen werden. Wir warten aber eines neuen Himmels und einer neuen Erde, nach seiner Verbeißung, in welchen Gerechtigkeit wohnet. Darum, meine Lieben, dieweil ihr darauf warten sollet, so thut Sleiß, daß ihr vor ihm anbefleckt und unstråflich im Frieden erfunden werdet. Christus der Herr ist ein Mann, der viele Feinde auf Erden hat. Er hat auch Freunde, warme Freunde; aber keiner ist Sein Freund, er sei denn von Ihm Selbst dazu gemacht. Seiner Feinde ist eine Unzahl. Etliche derselben sind sogar Spötter; das sind die Anführer unter Seinen Feinden. Solche Spötter werden in den letzten Tagen kommen sagt der heilige Petrus. Wir sagen zu unsern Zeiten: sie sind gekommen. Sie verspotten Alles, was einem ChriſtenHerzen theuer ist, das ganze Zionsreich ist ihnen Narrentheiding; rechtschaffene Prediger heißen Betrüger und Betrogene, der Teufel ist ihnen ein leeres Wort, der jüngste Tag ein Märchen; selbst Chriſti allerheiligste Person und hochwürdiges Sacrament lästern sie. Aber wie zu Noahs Zeiten den Verächtern der Glaube in die Hand gegeben wurde, als es mit Strömen vom Himmel regnete, so wird es auch am Ende der Welt gehen. Es wird schon Feuer genug kommen, um Himmel und Erde und alle Spötter zu verderben. Wo bist du, o Christ? Wohl dir, wenn du nicht sizest, wo die Spötter sitzen. Aber das ist nicht genug. Gedenke an die Worte aller Propheten und Apostel. Was sagen sie dir? Daß Gott Geduld mit uns hat und will, daß Jedermann sich zur Buße kehre. Bist du schon so weit oder gehst du doch mindestens dieses Weges und findest du dich in dem Gebete zu Gott, der in uns wirket Wollen und Vollbringen? Jeder andere Lebensweg ist ein Irrweg; mur Buße zu Gott und Herzensglaube an Christum ist der richtige Weg. Auf diesem Wege geht es weiter; denn man soll sich mit heiligem Wandel und gottseligem Wesen schicken und suchen, unbefleckt und unsträflich vor Gott im Frieden erfunden zu werden. Wie sollen Sünder, auch wenn sie bereits glauben an den Namen Jesu, anders zu solchem Ziele gelangen als durch tägliche Reue und Buße? Ach, sagst du vielleicht, gibt's denn keinen andern Weg, wäre Gott nicht zufrieden, wenn man sich einigermaßen schickt? wir Armen in unsrer Blindheit und Verkehrtheit! Vielmehr sollen wir die Geduld des Herrn 694 preisen, der uns Raum in diesem Leben gibt, die fündlichen Glieder zu tödten, mit Ernst einem heiligen Wandel und gottseligen Leben nachzutrachten. Wir warten eines neuen Himmels und einer neuen Erde, in welchen Gerechtigkeit wohnt. Da dürfen und können wir ja nicht schwarze, unreine Punkte sein wollen auf der neuen schönen Erde sondern müssen hell und rein, klar und schön werden durch die Kraft Christi, der in uns lebt. Das schenke uns Gott! Gebet. Herr Jesu, Du kommst gewißlich zum Ende der Welt und wirst nicht zurückbleiben. Siehe an die Noth, die wir leiden. Wir glauben wohl; aber Du willst doch ein Feuer des Glaubens und der Liebe in unsern Herzen anzünden. Wir bitten Deine Geduld und Güte, Du wollest uns in diesen letzten Tagen stärken, daß wir nicht bloß von den Spöttern uns scheiden sondern auch bei Deinem heiligen Worte und in einem heiligen Leben vor Dir erfunden werden. Amen. Bater Unser. 26. Sonntag nach Trinitatis. Eigene Melodie. Es ist gewißlich an der Zeit, Daß Gottes Sohn wird kommen In Seiner großen Herrlichkeit, Zu richten Bös' und Frommen. Da wird das Lachen werden theur', Wenn Alles wird vergehn im Feur', Wie Petrus davon schreibet. Was werd' ich armer Sünder dann Vor Deinem Richtstuhl sagen? Was werd' ich für ein Fürsprech' han, Der mein Sach' wird austragen? Das wirst Du thun, Herr Jesu Chrift, Dieweil daß Du gekommen bist, Al' Sünder zu erlösen! ( Bers 1 und 5 aus: Es ist gewißlich an der Zeit.) Matth. 25, 31-46. Wenn aber des Menschen Sohn kommen wird in seiner Serrlichkeit, und alle heiligen Engel mit ihm, dann wird er sitzen auf dem Stuhl seiner Herrlichkeit; und werden vor ihm alle Völker versammelt werden. Und er wird sie von einander scheiden, gleich als ein Sirte die Schafe von den Böcken scheidet; und wird die Schafe zu seiner Rechten stellen, und die Böcke zur Linken. Da wird denn der König fagen zu denen zu seiner Rechten: Kommt ber, ihr Gesegneten meines Vaters, ererbet das Reich, das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt. Denn ich bin hungrig gewesen, und ihr habt mich gespeiset. Ich bin durftig gewesen, und ihr habt mich getrånket. Ich bin ein Gast gewesen, und ihr habt mich beherberget. Ich bin nackend gewesen, und ihr babt mich bekleidet. Jch bin Frank gewesen, und ihr babt mich besuchet. Jch bin gefangen gewesen, und ihr seid zu mir gekommen. Dann werden ihm die Gerechten antworten, und 695 fagen: Herr, wann haben wir dich hungrig gesehen, und haben dich gespeiset? Oder durstig, und haben dich getrånket? wann haben wir dich einen Gast gesehen, und beherberget? Oder nackend, und baben dich bekleidet? Wann haben wir dich frank oder gefangen gesehen, und sind zu dir gekommen? Und der König wird antworten und sagen zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch: Was ihr gethan habt Einem unter diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir gethan. Dann wird er auch sagen zu denen zur Linken: Gehet hin von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Seuer, das bereitet ist dem Teufel und seinen Engeln. Ich bin hungrig gewesen, und ihr habt mich nicht gespeiset. Ich bin durstig gewesen, und ihr habt mich nicht getränket. Jch bin ein Gast gewesen, und ihr habt mich nicht beherberget. Ich bin nackend gewesen, und ihr babt mich nicht beFleidet. Ich bin krank und gefangen gewesen, und ihr habt mich nicht besuchet. Da werden sie ihm auch antworten und sagen: Herr, wann haben wir dich gesehen hungrig, oder durftig, oder einen Gast, oder nackend, oder krank, oder gefangen, und haben dir nicht gedienet? Dann wird er ihnen antworten und sagen: wahrlich, ich sage euch: was ihr nicht gethan habt Einem unter diesen Geringsten, das habr ihr mir auch nicht gethan. Und sie werden in die ewige Pein gehen, aber die Gerechten in das ewige Leben. Bis zum jüngsten Tage steht das Unkraut zwischen dem Weizen, die Kinder der Bosheit und die Kinder des Reiches wachsen nebeneinander groß Matth. 13, 30. Das darf so sein, Gottes Geduld will es so tragen. Eine Kirche von lauter Heiligen, von der etliche Secten träumen, ist eben ein Traum. Aber am jüngsten Tage dann scheidet der Sohn Gottes, dem der Vater alles Gericht gegeben hat, die Menschen von einander. Dann spricht der allein, dem hier so viel widersprochen ist; dann richtet der, an dessen Macht und Majestät wir uns so oft verfündigt haben durch unser unnützes Richten. Wonach richtet Er? Auch nach den Werken, wie das Evangelium klar lehrt. Aber zuerst nach den Personen; denn nicht machen die Werke die Person, sondern die Person macht die Werke. Verfluchte Gesegnete, Böcke Schafe, in diese Theile scheidet Er Alle. Eine dritte Klafse gibt es nicht. Wer ist verflucht? Wer in Adams Sünde geboren und darin geblieben, also nie übergegangen ist in ein neues Leben. Ihrer sind Viele, die auf diesem breiten Wege wandeln, sei es als Kirchen- und Sakramentsverächter oder als todte Kirchgänger. Die Gesegneten haben's allein von Jesu, daß sie gefegnet sind. Christi Gottheit und Menschheit ist der einzige Segensbrunnen für diese arme Welt. Es sei Glaube, es sei Friede, es sei Gerechtigkeit, es sei ein neuer, gewisser Geist wir dürfen und können allen Segen nur bei Jesu dem Gekreuzigten suchen. Sein Wort und theuere Sakramente sind die Kanäle, durch welche uns der Segen von dem Gefreuzigten zufließt. Nun preisen wir mit Gottes - - - 696 Munde felig, die da hungert und dürftet. Den Hungrigen soll es wohlgehen; denn der Herr füllet sie mit Seinen Gütern. Deine wunderbare Sache um die Gnade und Kraft des Gekreuzigten! Dadurch werden wir erneuert in Gottes Bild, werden fromme, friedfertige, stille, müzliche Schafe. In Wahrheit die Gnade Gottes ift eine heilsame und Heiligende, die den Geist sammt Seel und Leib erneuert. Aber auch nach den Werken wird Christus der Herr richten. Denn so wenig Werke Ursache und Grund unseres Heiles sind, so gewiß sind sie die Frucht und Folge des Glaubens. Bei den Verfluchten fehlen die Werke der Barmherzigkeit, besonders aber auch der Sinn der Barmherzigkeit. Wie sollte es auch anders sein? Im Sündenfalle ist uns Gottes Ebenbild, auch die Barmherzigkeit verloren gegangen. Wir von uns sind nur gegen Eine Creatur in der ganzen Schöpfung rücksichts- und liebevoll und theilnehmend nämlich gegen uns selbst. Wenn dieser eisige, kalte, harte, liebeleere Sinn bleibt, wie sollen da Werke der Barmherzigkeit entstehen? Es ist nur lose Tünche über eine zerrissene Mauer, daß die Verfluchten Werke der Barmherzigkeit vorgeben. Das Einzige, was uns den Sinn und Trieb der wahren Barmherzigkeit gibt und eine Kraft guter Werke in uns wird, ist die Liebe Gottes in Christo. Wem viel vergeben ist, liebt auch viel, Gott und die leidenden Brüder. Da ist es etwas Köstliches fein Anblick in der Welt ist so schön wenn ein Mensch im Glauben an Christum gesund und dabei im Leben voll guter Werke ist wie Tabea in Joppe Apostg. 9. Wobei wir eine Tugend wahrer Christent nicht verschweigen wollen Es ist ihnen selbst verborgen, daß sie den Herrn gekleidet und gespeist und getränkt haben. Sie haben's vergessen. Denn wer Wichtiges zu behalten hat, vergißt das Uebrige. Nun behält aber ein Christ zweierlei vor Augen und im Gedächtnisse nämlich seine Sünde( Ps. 51, 5) und die Liebe und Gnade Jesu. Dies ist ihm so groß, daß er alles Andere, auch seine guten Werke vergißt. Schadet auch nicht; denn der Herr vergißt es nicht und kennt auch die Wittwen mit ihren Scherflein. nämlich ihre wahre Demuth. - Gebet. O Gott, Du allerhöchste Majestät, der Du einen großen Tag gesetzet hast, daran Du richten willst den Kreis des Erdbodens durch Jesum Christum Deinen lieben Sohn, vor welchem alle Völker, tødte und lebendige, die je gewesen sind, versammelt werden müssen. Wir bitten Dich demüthiglich, Du wollest uns vor aller Heuchelei gnädiglich behüten und im rechten Glauben und christlicher Liebe zu wandeln verleihen, damit wir ein fröhlich Urtheil zu erlangen und in Dein ewiges Reich einzugehen würdig sein mögen um des theuern Blutes Deines lieben Sohnes willen. Amen. Vater Unser. Montag nach dem 26. nach Trinitatis. 697 Laß Deines guten Geistes Licht Und Dein hellglänzend Angesicht Erleuchten mein Herz und Gemüth, O Brunnen unerschöpfter Güt'! Mel.: Herr Jesu Christ, Dich zu uns wend' - Und mache denn mein Herz zugleich An Himmels Gut und Segen reich; Gib Weisheit, Stärke, Rath, Verstand Aus Deiner milden Gnadenhand. ( Vers 3 und 4 aus: Ein reines Herz, Herr, schaff in mir.) Ephef. 6, 1-9, Ihr Kinder, seid gehorsam euren Eltern in dem Serrn; denn das ist billig. Ebre Vater und Mutter, das ist das erste Gebot, das Verbeißung bat: Auf daß dir's wohlgebe, und lange lebeft auf Erden. Und ihr Våter, reizet eure Kinder nicht zum Jorn; sondern Jbr zieher sie auf in der Jucht und Vermahnung zum Herrn. Knechte, seid geborsam euren leiblichen Herren, mit Surcht und Sittern, in Einfältigkeit eures Herzens, als Chrifto; nicht mit Dienst allein vor Augen, als den Menschen zu gefallen, sondern als die Knechte Chrifti, daß ihr solchen willen Gottes thut von Herzen, mit gutem willen. Laffet euch důnken, daß ihr dem Herrn dienet, und nicht den Menschen; und wisset, was ein jeglicher Gutes thun wird, das wird er von dem Herrn empfangen, er sei ein Knecht oder ein Freier. Und ihr Herren, thut auch daffelbige gegen sie, und laffet das Drohen, und wisset, daß auch euer Herr im Simmel ist, und ist bei ihm kein Ansehen der Person. Dem kleinen Katechismus Luthers ist die Haustafel beigefügt. Nicht ohne tiefe Ursache; denn ein wahrer Christ soll gute Werke thun und nicht denken, das seien absonderliche Sachen, sondern die guten Werke übe Jeder in seinem Stande. Nachdem vorhin den Weibern gesagt ist, daß sie ihren Männern unterthan, wie die Männer nicht Tyrannen sein sondern ihre Weiber lieben sollen, kommt der Apostel mun auf die Kinder, Väter und Knechte. Die Kinder sollen gehorchen; daß sie die Eltern lieben sollen, darf nicht erst gesagt werden und läßt sich auch nicht befehlen. Fromm ist ein Kind nur, wenn es seinen Eltern gehorcht. Das vierte Gebot bleibt das erste Gebot, das Verheißung hat. Der Heilige Geist sage es uns in's Herz, was Er so ernstlich in der Schrift vom vierten Gebote redet. Die Väter dürfen nicht weichlich sein und die Zucht mangeln lassen; aber ebenso wenig sollen sie launisch, gesetzlich hart und rauh sein, wodurch die Kinder erbittert werden. Hier will Gott gebeten sein, damit er den rechten Weg zwischen den Abwegen zeige. Die Knechte seien in allen Dingen gehorsam ohne Menschengefälligkeit und Menschenfurcht. Knechtsdienst ist kein schlechter Dienst, der mit Murren und Untreue verknüpft sein soll; dazu macht ihn die menschliche Sünde. Knechts 698 dienst ist Gottesdienst; Lohn und Strafe wird der Herr Chriftus geben. Sollen die Knechte dienen nach dem Willen Jesu, so sollen die Herrn befehlen und regieren, wie es recht ist, nicht wie harte Herrn, die ohne Verantwortung sind, sondern als solche, die über fich den Herrn im Himmel haben und neben sich miterlöste, mitberufene Knechte, die auch dem himmlischen Herrn gehören und anliegen. Ach wär' es so, wie es sein soll! Die Welt klagt und stöhnt und sucht es am Andern. Der christliche Katechismus sagt: Ein Jeder lern' sein Lection, so wird es wohl im Hause stohn. Kommt dann die Besserung auch nicht wie durch Zauberschlag, so kommt fie doch. Denn Suchende finden und Bittenden wird gegeben. Gebet. O allmächtiger, ewiger und barmherziger Gott, dieweil Du mit Worten und Werken genugsam bewiesen hast, daß Du als ein getreuer Vater für uns sorgest, und hast uns zu Kindern angenommen und Jedem seinen Beruf gegeben, darin er Dir und dem Nächsten dienen soll, so bitten wir Dich von Herzen, lieber Vater, gib Gnade, daß wir unseres Berufes fleißig wahrnehmen und im Gehorsam als Deine treuen Kinder allezeit erfunden werden und in allem unsern Thun Deinem Befehle nachgehen. Amen. Vater Unser. Dienstag nach dem 26. nach Trinitatis. Mel.: Alles ift an Gottes Segen. Jesu, der Du bist alleine Haupt und König der Gemeine, Segne mich, Dein armes Glied! Wollst mir neuen Einfluß geben Deines Geistes, Dir zu leben; Stärke mich durch Deine Güt'. Ach, Du hast uns theur' erworben, Da Du bist am Kreuz gestorben, Denke, Jesu, wir sind Dein. Halt uns fest, so lang' wir leben Und in dieser Wüste schweben, Laß uns nimmermehr allein. ( Vers 1 und 10 aus: Jesu, ber Dn bift alleine.) Ephef. 2, 4-10. Aber Gott, der da reich ist von Barmherzigkeit, durch seine große Liebe, damit er uns geliebet hat, da wir todt waren in den Sünden, hat er uns fammt Chriffo lebendig gemacht( denn aus Gnaden seid ihr selig geworden,) und hat uns fammt ibm auferwecket, und sammt ihm in das bimmlische Wesen versetzt, in Chrifto Jesu, auf daß er erzeigete in den zukünftigen Seiten den überschwånglichen Reichthum seiner Gnade, durch seine Güte über uns in Chrifto Jesu. Denn aus Gnaden seid ihr felig geworden, durch den Glauben; und daffelbige nicht aus euch, Gottes Gabe ift es; nicht aus den Werken 699 auf daß sich nicht jemand rühme. Denn wir sind sein Werk, geschaffen in Chrifto Jesu zu guten Werken, zu welchen Gott uns zuvor bereitet hat, daß wir darinnen wandeln sollen. Das wahre Christenthum ist im höchsten Sinne ein vernünftiger Gottesdienst. Denn es fordert weder Trauben von den Dornen noch Früchte ohne den Baum, nicht den Fluß ohne die Quelle, nicht das Neußere ohne das Innere. Gestern hörten wir von der reichen Frucht des christlichen Glaubens in unsern Häusern, heute wird uns die Quelle in unsern Herzen gezeigt und der Urquell alles Lebens nämlich das Erbarmen Gottes. Ja das Erbarmen Gottes, der den überschwänglichen Reichthum Seiner Gnade erzeigt hat. Wir waren wirklich todt in Sünden, nicht bloß schwach, als ob wir uns selbst hätten erholen können. Wer immer darauf bedacht ist, nicht bloß lose, matte Gedanken von Gott im Kopfe zu haben sondern mit Kraft und Willen, Geist und Wahrheit Gott zu lieben und Ihm zu dienen, wird's erfahren, daß er wirklich todt ist in Sünden, des lebendigen, göttlichen Wesens im Herzen baar und ledig. Der Teufel ist der Fürst in diesem weiten Todtenreiche. Daß die blinde Vernunft es leugnet und unser Fleisch anhält, manierlich zu sein, und daß das Fleisch sich zahm stellt und von der Vernunft rechtfertigen läßt und also Fleisch und Vermunft in uns einen unglückseligen Bund schließen, ändert nichts an unserm Jammerstande. Nur Christus, der für unsere Missethat gestorben und auferwecket ist, ist der Urheber eines neuen, göttlichen Lebens in uns. Auf Charfreitag und Ostern hat Er Alles gethan, was zu unserm ewigen Leben nöthig ist. Es kommt nunt darauf an, daß Gottes Erbarmungsrath an unsrer Person vollführt wird. Dazu wird uns das Geheimniß von dem Leiden und Auferstehen Jesu Christi im Worte vorgetragen, und in der heiligen Taufe sind wir bereits mit Ihm begraben und zum neuen Leben gepflanzt. Haben wir nur die Eine Sorge, daß wir den Geist des für uns geopferten und lebendig gemachten Christus in uns walten lassen! Dann wird uns die Barmherzigkeit Gottes in Christo wie die helle Sonne um so mehr anleuchten, als wir die Tiefe unseres Verderbens inne werden. Wir werden's sehen, daß wir nur von Gottes Gnade rühmen können und nichts von uns haben. Gott aber, der fort und fort reich ist an Barmherzigkeit, wird dazu thun und uns, Sein Werk in Christo Jesu, je mehr und mehr mit den Lebenskräften Jesu und Seines Geiftes salben und stärken zu guten Werken, zu welchen Gott uns zuvor bereitet hat, daß wir darinnen wandeln sollen. Gebet. Ach mein Gott, ich armer Mensch, voll aller Sünde, muß an mir, meinen Kräften und meinen Werken gänzlich verzweifeln und weiß nichts anderes vorzunehmen, denn daß ich bitte und seufze nach Deiner großen Barmherzigkeit, die da allein gerecht und fromm macht. Mein ganzes Leben, o Gott, ist nichts Anderes als ein 700 Seufzen nach Deiner Barmherzigkeit. Sei mir und all den Meinen gnädig und laß uns durch Christum gerecht, lebendig, selig und fröhlich sein, zu allen guten Werken bereit. Amen. Vater Unser. Mittwoch nach dem 26. nach Trinitatis. Mel.: Aus meines Herzens Grunde. Begegnet Ihm auf Erden, 3hr, die ihr Zion liebt, Mit freudigen Geberden Und seid nicht mehr betrübt. Es sind die Freudenstunden Gekommen und der Braut Wird, weil sie überwunden, Die Krone nun vertraut. O Jesu, meine Wonne, Komm bald und mach Dich auf: Geh auf, verlangte Sonne, Und fördre Deinen Lauf. Jesu, mach ein Ende Und führ' uns aus dem Streit; Wir haben Haupt und Hände Nach der Erlösungszeit. ( Vers 6 und 10 aus: Ermuntert euch, ihr Frommen.) Marc. 13, 31-37. Simmel und Erde werden vergeben; meine Worte aber werden nicht vergeben. Von dem Tage aber und der Stunde weiß niemand, auch die Engel nicht im Simmel, auch der Sohn nicht, sondern allein der Vater. Sehet zu, wachet und betet; denn ihr wisset nicht, wann es Zeit ist. Gleich als ein Mensch, der über Land 30g, und ließ sein Haus, und gab seinen Knechten Macht, einem jeglichen fein werk, und gebot dem Thürhüter, er follte wachen. So wachet nun, denn ihr wisset nicht, wann der Herr des Hauses kommt, ob er kommt am Abend, oder zu Mitternacht, oder um den Hahnenschrei, oder des Morgens; auf daß er nicht schnell komme, und finde euch schlafend. was ich aber euch sage, das sage ich allen: wachet. eit dem Tage Seiner Himmelfahrt ist der Herr über Land gezogen und hat Sein Haus d. i. Sein Reich auf Erden Seinen Knechten vertraut. Das ist ein großes Vertrauen, das der Herr in uns gesetzt hat; Er hat uns allerlei Gaben und Aemter zur treuen Verwaltung übergeben. So ist es nun an den Knechten ein Großes, daß sie treu sind. Die Treue hat großen Lohn. Der Herr kommt wieder; so wenig wir wissen, wann Er kommt, so gewiß ist es, daß Er kommt. Der Herr Selbst hat mit besondern Worten und Eiden die Gewißheit Seiner Wiederkunft versiegelt. Der aufgefahren ist gen Himmel und siket zur Rechten Gottes, wird wiederkommen in großer Kraft und Herrlichkeit. Schneidet mun schon die kräftige Erinnerung an unsern Tod scharf und tief in unser Fleisch, vielmehr thut's die 701 Gewißheit der Wiederkunft des Herrn. Kommt Er wieder, so ist keine Zeit mehr zu träumen und zu schlafen; so ist es die höchste Zeit, aufrichtig Jesu allwissende Augen auf sich wirken zu lassen und durch ungeheuchelte Buße dem Sündenleben, der Untreue, der Schläfrigkeit, dem irdischen Gesuche Abschied zu geben. Wenn Er kommt, wird Alles bloß und entdeckt sein; warum wollen wir da noch in der Finsterniß leben? Wenn Er kommt, werden die Elemente vergeben und alle Erdendinge zu Asche werden; warum wollen wir da noch um der Asche willen das ewige Leben versäumen? Aber mehr noch! Die Furcht mag unser Fleisch angreifen und die Eitelkeitsliebe zer= brechen. Warum wollen wir nicht viel lieber die Wiederkunft Christi als unsere selige Hoffnung und den jüngsten Tag als den lieben jüngsten Tag vor Augen haben? So soll es bei Chriften sein. So kann es sein, wenn sie wachen und beten. Wachet! Du willst schlafen und der Schlaf drückt deinen Geist. Aber Gottes Stimme kommt zu dir, wie Petrus den Hahnenschrei hörte. Ach so wache. doch, erwecke das Verlangen in dir nach Jesu, dem ewigen Bräutigam! Und bete! Dann wird Gott deine Seele stärken und du wirst wachend und betend deine Augen hell werden lassen in dem Lichte der Ewigkeit. Wachet und betet! sprichst Du, o Jesu; ich will Dich hören. Höre Du mich, wenn ich zu Dir bete um ein wachfames Herz und den Geist aller Gnaden. - Gebet. Herr Jesu Christe, Du wahres Licht, das da ewig leuchtet und nimmer kann verlöschen, der Du uns befohlen haft zu wachen und zu beten, wir bitten Dich, Du wollest die Schlaffucht unsrer Seelen vertreiben. Ach Herr, und wenn wir schlafen, dann wecke uns auf und laß Deine Stimme in unserm Herzen allezeit mehr vermögen als alle Kräfte, die sonst in uns und außer uns sind. Das gib um Deiner Barmherzigkeit willen. Amen. Bater Unser. Donnerstag nach dem 26. nach Trinitatis. Herzliebster Jesu Christ! Wir danken Deiner Güte, Daß Du so willig bist, In unsrer ersten Blüthe Zu schenken solchen Sinn, Der sich nach Deinem beugt; Ach nimm doch Alles hin, Was uns von Dir abzeucht. Mel.: Nun banket Alle Gott. Hab' Dank für Deine Lehr' Und allzugroße Treue; Erleucht' uns mehr und mehr Und unser Herz erfreue Durch Deinen Gnadenschein. Hilf, daß wir nehmen zu Im Guten, führ' uns ein Zuletzt in Deine Ruh'. ( Vers 1 und 2 aus: Herzliebster Jesu Chrift) 702 2 Petr. 1, 2-7. Gott gebe euch viel Gnade und Frieden durch die Erkenntniß Gottes und Jesu Chrifti, unsers Herrn. Nachdem allerlei seiner gött. lichen Kraft( was zum Leben und göttlichen Wandel dienet) uns geschenket ist, durch die Erkenntniß deß, der uns berufen bat durch feine Serrlichkeit und Tugend, durch welche uns die theuren und allergrößesten Verbeißungen geschenket sind, nämlich, daß ihr durch daffelbige theilhaftig werdet der göttlichen Natur, so ihr fliehet die vergångliche Luft der Welt: So wendet allen euren Sleiß daran, und reichet dar in eurem Glauben Tugend, und in der Tugend Bescheidenheit, und in der Bescheidenheit Mäßigkeit, und in der Mäßigkeit Geduld, und in der Geduld Gottseligkeit, und in der Gottseligkeit brüderliche Liebe, und in der bråderlichen Liebe gemeine Liebe. Gott gebe das ist ein gutes Wort. Wenn Gott Sonnenschein gibt, können wir uns drin wärmen. Wenn Er uns aber viel Gnade und Frieden gibt, so wächst unsere Besserung zusehends. Die Fülle aller Gnade Gottes ist in Jesu Christo unserm Herrn, der für unsere Sünden gekreuzigt und von den Todten auferweckt ist. An Christum sind die theuern und allergrößesten Verheißungen für uns geknüpst; Gottes Herrlichkeit und Kraft offenbart sich auf das Deutlichste in dem, was Christus für uns gethan hat und an uns thun will. Nehmen wir Christum im Glauben an, so sind wir an dem offnen, nie versiegenden Brunnen der göttlichen Barmherzigkeit. Wir empfangen allerlei göttliche Kraft, spüren Liebe zu dem in Christo gnädigen Gott, fommen zum Frieden, es regt sich in uns wie junges, frisches Leben und göttliche Natur; wir achten uns zu gut, um in der vergänglichen Lust der Welt uns selbst und Gottes Gemeinschaft zu verlieren. Wir empfangen ein Ohr dafür, daß wir, nachdem wir in Christo so hoch geliebt und von Jesu dem guten Hirten so treu gesucht und erweckt und zu Ihm gezogen sind, Fleiß anwenden sollen, den himmlischen Beruf seft zu machen. Wie denn? Im Glauben reiche man Tugend dar. Der Milchglaube soll Mannesglaube werden, Festigkeit und Stand bekommen; man muß wissen, was man glaubt und daß man glaubt. Das ist kein Trotz und Selbstruhm, sondern bei der Festigkeit ist Bescheidenheit; man weiß und wisse, wie klein und schwach man in sich ist und wie alle Hoffnung darin steht, daß Gott uns viel Gnade und Frieden gebe. In der Bescheidenheit Mäßigkeit Enthaltsamkeit von sündlichen Dingen, das richtige Maaß in allen Dingen. Bei der Mäßigkeit Geduld, damit man nicht bei den Wechselfällen dieses Lebens in Furcht und Verdroffenheit falle sondern einfältig auf Gott blicke, der die Haare auf dem Haupte gezählt hat. So geht's in der Geduld und durch die Geduld zur Gottseligkeit, in welcher man Gott ehrerbietig fbeut, findlich vertraut und immer besser auf Gottes Wege eingeht. In der - 703 Gottseligkeit findet sich die Macht zur Bruderliebe; sind es auch teine vollkommene Brüder, so weiß man sie doch zu lieben, da man durch Gottseligkeit an sich selber den Gott der Geduld und Barmherzigkeit erkannt hat. Und endlich darf die gemeine Liebe nicht fehlen. Denn wie Gott in besonderer Liebe Seine Kinder und in allgemeiner Liebe alle Menschen liebt, so thun es Seine Kinder auch. So haben wir hier eine lange Reihe nicht von mosaischen sondern von evangelischen Vorschriften. Wer Mangel bei sich spürt und ermüden will, denke an den Anfang: Gott gebe viel Gnade und Frieden und an den offenen Brunnen der Barmherzigkeit Jeſu. Gebet. Jesu, Du Anfänger und Vollender des Glaubens und Brunnquell aller Gnaden und Gaben, der Du Selbst zugenommen haft an Gnade und willst, daß auch wir durch Dich wachsen und zunehmen, wir bitten Dich, Du wollest uns Deinen unerschöpflichen Reichthum offenbaren und Gnade verleihen, daß wir fruchtbar seien in allen Dir wohlgefälligen Tugenden. Schenke uns viel Gnade und Frieden um Deines barmherzigen Namens willen. Amen. Bater Unser. Freitag nach dem 26. nach Trinitatis. Mel.: Komm, o tomm, Du Geift des Lebens, oder: Gott des Himmels und der Erben. Herr, bewahr auch unsern Glauben, Daß tein Teufel, Tod noch Spott Uns denselben möge rauben; Du bist unser Schuß und Gott. Sagt das Fleisch gleich immer nein, Laß Dein Wort gewisser sein. ( Vers 7 und 8 aus: Komm, o tomm, Du Geist des Lebens.) D Du Geist der Kraft und Stärke, Du gewisser neuer Geist! Fördre in uns Deine Werte, Wenn der Feind uns fliehen heißt! Schenk uns Waffen in dem Krieg Und erhalt in uns den Sieg. 2 Timoth. 1, 7-10. Denn Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Surcht, sondern der Kraft, und der Liebe, und der Jucht. Darum so schame dich nicht des Jeugnisfes unsers Herrn, noch meiner, der ich sein Gebundener bin; sondern leide dich mit dem" Evangelio, wie ich, nach der Kraft Gottes, der uns bat felig gemacht, und berufen mit einem heiligen Ruf, nicht nach unsern werken, sondern nach seinem Vorsats und Gnade, die uns gegeben ist in Chrifto Jefu vor der Seit der Welt, jetzt aber geoffenbaret durch die Erscheinung unsers Seilandes Jesu Christi, der dem Tode die Macht hat genommen, und das Leben und ein unvergångliches Wesen an das Licht gebracht durch das Evangelium. 704 Wie viel liegt doch an einem offenen Einblick in das Geheimniß Christi! Vor der Zeit der Welt war es Gottes Vorsatz und Gnade, daß Er uns Seinen Sohn geben wollte. Die Väter im alten Testamente hingen mit all ihrer Sehnsucht an der ihnen gegebenen Verheißung von Christo. Nun kam Christus- Er erschien in dieser Welt, um den Vorsatz Gottes auszuführen. Nur weil er wahrhaftiger Gott ist, vermochte Er in Seinem Erdenwandel solche erstaunliche Dinge auszuführen, daß Er dem Tode die Macht nahm und Leben und unvergängliches Wesen an's Licht brachte. Das ist geschehen es gibt ein großes seliges Reich des Herrn Jesu Christi, das Er mit Seinem Tode und Auferstehen hervorgebracht hat; das ist ein Reich voll Leben und Unvergänglichkeit, voll Wahrheit und Gerechtigkeit. Gott Selbst hat uns zu diesem Reiche berufen. Denn das Evangefium, das wir hören und lesen, ist nicht menschlich sondern göttlich; Gott ist es, der da ruft. Aber heißt es in unserm Herzen du bist doch ein Sünder; so fürchte dich und versteck dich vor Gott. Nicht doch. So ist's mit der Erscheinung unseres Heilandes Jeſu Chrifti nicht gemeint. Wahr ist's, wir sind Sünder und zwar in solchem Maße, daß nur der Sohn Gottes den Tod in dem unsere Sünde uns hielt zerbrechen konnte. Aber nun, nachdem dem Tode die Macht genommen und die große Versöhnung am Kreuze Christi gestiftet ist, gönnt uns Gott nicht bloß, daß wir unsere Seligkeit aus Gnaden um Chrifti willen auf das Evangelium hin glauben; sondern Er gönnt und gibt auch den Geist der Kraft, der Liebe und der Zucht. Wir sollen es empfinden, daß wir nicht in einem Sclavenreiche sondern in dem Reiche des Sohnes Gottes leben. Kraft macht fest und stark, Liebe macht innig und zart, Zucht gibt Demuth und Maaß. Paulus sagt, daß Gott uns diesen Geist gegeben hat. Es dürfen's vielleicht in dieser Abendzeit der Welt nicht Viele mit Wahrheit sagen, daß Gott ihnen den Geist der Kraft, der Liebe und der Zucht gegeben habe aber Eins dürfen wir auf alle Fälle, nämlich Gott um diese Gabe ernstlich bitten. Und wir dürfen auch fest in unserm Herzen glauben, daß der Herr die Krüppel gesund macht. Denn wer da bittet, der empfängt. Gebet. Freundlicher, holdseliger Herr Jesu, gib uns den Geist der Kraft und der Liebe und der Zucht. Dein Geist ist ein guter Geist, der Geist der Weisheit, des Verstandes, des Raths, der Stärke, der Erkenntniß und der Furcht des Herrn. Jesu, barmherziger Heiland, der Du uns durch Dein bitter Leiden und Sterben den lebendigmachenden Geist erworben, auch mit theuern Worten verheißen hast, diesen Geist zu senden, sende ihn uns und all den Deinen. Du Geist aus der Höhe, stärke uns in unsrer Schwachheit und Verzagtheit; zünde in uns die göttliche Liebe an und tödte in uns die unreinen Lüste, der Du der Geist der Kraft, der Liebe und der Zucht bist. Amen. Vater Unser. - -- 705 Sonnabend nach dem 26. nach Trinitatis. allt ged stati Sollt' ich in der letzten Zeit Auch noch träg' und lässig bleiben, Da der Tag des Herrn nicht weit, O wie sollt' mich dies nicht treiben? Herz, es muß noch besser gehn, Als bisher es ist geschehn. Mel.: Meinen Jesum 111 laß ich nicht. Nein, mein Herz, es thut's sich nicht, Denn die Zeit ist viel zu theuer. Werde doch der Gnade Licht Und der innern Zucht getreuer, Daß dich nicht der Herr ergreift Unvollendet und nicht reif. ( Vers 1 und 3 aus: Sollt' ich in der letzten Zeit.) 1 Theff. 5, 1-11. All Von den Seiten aber und Stunden, liebe Brüder, ist nicht noth euch zu schreiben. Denn ihr selbst wifet gewiß, daß der Tag des Herrn wird kommen, wie ein Dieb in der Macht. Denn, wenn sie werden sagen: Es ist Friede, es hat keine Gefahr; so wird sie das Verderben schnell überfallen, gleichwie der Schmerz ein schwangeres Weib, und werden nicht entfliehen. Ihr aber, liebe Brüder, seid nicht in der Sinsterniß, daß euch der Tag wie ein Dieb ergreife. Jbr seid allzumal Kinder des Lichts, und Kinder des Tages; wir sind nicht von der Nacht, noch von der Sinsterniß. So lassfet uns nun nicht schlafen, wie die andern; sondern laffet uns wachen und nichtern sein. Denn die da schlafen, die schlafen des achts, und die da trunken sind, die sind des 7achts trunken. wir aber, die wir des Tages sind, follen nüchtern sein, angethan mit dem Krebs des Glaubens und der Liebe, und mit dem Selm der Hoffnung zur Seligkeit. Denn Gott hat uns nicht gesetzt zum Jorn, sondern die Seligkeit zu besitzen, durch unsern Herrn Jesum Christum, der für uns geftorben ist, auf daß wir wachen oder schlafen, zugleich mit ihm leben sollen. Darum ermahnet euch unter einander, und bauet einer den andern, wie ihr denn thut. Sie die Andern, die keine Hoffnung haben. haben allen Grund, daß sie sagen: es ist Friede, es hat keine Gefahr. Denn sie ver= sehen sich nichts Gutes von der Wiederkunft des Herrn; sie möchtens lieber so forttreiben. Es ist nicht ohne Ursache, daß die Menschen bis zu der Thorheit fortschreiten, alle unsichtbaren Dinge, Gott und die Ewigkeit und den jüngsten Tag abzuleugnen. Das ist der verzweifelte Versuch, sich das Sünden- und Sinnenleben recht angenehm zu machen. Wenn wir es mun so grob auch nicht billigen, so dürfen wir ebenso wenig das Christenthum dazu brauchen wollen, um uns das gegenwärtige Leben zu versüßen und die eigentliche Kraft des Evangeliums darüber zu verderben. Es gilt vielmehr ein offenes Ohr und aufrichtiges Herz für das, was Gott sagt. Legen wir nur alles Mißtrauen gegen Gott ab. 45 - 706 Hat Gott uns doch nicht gesetzt zum Zorn sondern die Seligkeit zu besigen! Und zwar die wahre, vollkommene Seligkeit, das ist die Gemeinschaft des seligen Gottes. Diese ist uns erworben durch unsern Herrn Jesum Christum, der für uns gestorben ist, und eben diese wird uns im Worte Gottes vorgestellt und angetragen. Wir dürfen nicht zurückschrecken, wenn uns die himmlischen Dinge im Anfange ungereimt und ungewohnt vorkommen. Vielmehr sollen wir das geringe Licht in uns vermehren lasfen. Das will das gütige Wort Gottes an uns gewinnen. Es ist, weil ausgehend von Gott, der im Licht ist, ein Lichtwort; es straft die Finsterniß unseres Wandels und die Mißgestalt unseres Herzens, den Sitz der Furcht und der Luft, der Unwahrheit und Heuchelei. Aufrichtige Beugung und Beichte bringt uns Gott näher. Da geht denn auch die Sonne auf nämlich Christus der Herr, welcher beichtende Sünder absolvirt und ihnen gegen alle Schrecken von innen und von oben den Harnisch des Glaubens gibt nämlich des Glaubens: Christus ist hier, der gestorben ist, ja vielmehr der auch auferwecket ist. Lebendig glauben und herzlich lieben sind aber Zwillinge. Die Hoffnung auf das ewige Freudenleben kommt als drittes hinzu. Nun bedarf es dessen noch, daß man nicht wieder schlafe und trunken sei. Man trinke den reinen Wein der göttlichen Wahrheit. Die Wahrheit macht nüchtern, frei, offen, gewiß; der Wahn macht trunken. Wer aber durch Gottes Wahrheit nüchtern wird, sieht wohl, daß er nicht mehr schlafen darf. Denn schon ist der Tag des Heiles da, und gewiß kommt der Herr bald wieder in Seiner großen Herrlichkeit, uns heimzuholen. Da gilt es einfach bereit zu sein. Gebet. Herr Jesu Christe, die Woche geht wieder zu Ende und nichts ist, das nicht zu Ende ginge. Lehre uns, o liebreicher Herr, daß wir wachen und nüchtern sind. Segne das Wort Deines Geistes an uns, daß es seine erweckende, erleuchtende, heiligende Kraft jetzt und allezeit an uns offenbare und wir mit Glauben, Liebe und Hoffnung Deinen großen Tag erwarten. Amen. Vater Unser. 27. Sonntag nach Trinitatis. Eigene Melodie. Wachet auf! ruft uns die Stimme Der Wächter sehr hoch auf der Zinne: Wach auf, du Stadt Jerufalem! Mitternacht heißt diese Stunde! Sie rufen uns mit hellem Munde: Wo seid ihr klugen Jungfrauen? Wohlauf, der Bräutgam kömmt! Steht auf, die Lampen nehmt! Hallelujah! Macht euch bereit Zu der Hochzeit! DE Ihr müsset ihm entgegengeh'n. 707 Zion hört die Wächter singen, Das Herz thut ihr vor Freude springen; Sie wachet und steht eilend auf. Ihr Freund kommt vom Himmel prächtig, Von Gnaden stark, von Wahrheit mächtig, 3hr Licht wird hell, ihr Stern geht auf. Nun komm, Du werthe Kron', Herr Jesu, Gottes Sohn! Hoflanna! - Wir folgen all' Zum Freudensaal Und halten mit das Abendmabl. ( Vers 1 und 2 aus: Wachet auf.) Matth. 25, 1-13. Dann wird das Simmelreich gleich sein zehn Jungfrauen, die ibre Lampen nahmen, und gingen aus, dem Brautigam entgegen. Aber fünf unter ihnen waren thöricht, und fünf waren klug. Die thôrichten nahmen ihre Lampen, aber sie nahmen nicht Oel mit sich. Die Klugen aber nahmen Oel in ihren Gefåßen, sammt ihren Lampen. Da nun der Bräutigam verzog, wurden sie alle schläfrig und entschliefen. 3ur Mitternacht aber ward ein Geschrei: Siehe, der Brautigam kommt; gehet aus, ihm entgegen! Da standen diese Jungfrauen alle auf, und schmückten ihre Lampen. Die thôrichten aber sprachen zu den klugen: Gebt uns von eurem Oel, denn unsere Lampen verlöschen. Da antworteten die klugen, und sprachen: Nicht also; auf daß nicht uns und euch gebreche. Gehet aber hin zu den Krämern, und kauft für euch selbft. Und da fie bingingen zu kaufen, kam der Bräutigam; und welche bereit waren, gingen mit ihm binein zur Hochzeit; und die Thür ward verschlossen. Julegt kamen auch die andern Jungfrauen, und sprachen: Herr, Herr, thue uns auf! Er antwortete aber, und sprach: wahrlich, ich sage euch, ich Fenne euch nicht. Darum wachet; denn ihr wisfet weder Tag noch Stunde, in welcher des Menschen Sohn kommen wird. Nicht von Solchen und für Solche, welche noch draußen und in dem Unflath der Welt verwickelt sind, redet das Gleichniß von den zehn Jungfrauen. Es sind Jungfrauen d. H. Menschen, die durch den Namen des Herrn Jesu und durch den Geist unseres Gottes abgewaschen, geheiligt und gerecht geworden sind und nun in Liebe Christo anhangen. Sie nehmen ihre Lampen sie bekennen sich öffentlich und frei zu Jesu; denn wie die Lampe das Gefäß für das Del ist, so ist unser christliches Bekenntniß, Sitte und Wandel das erkennbare Gefäß für den rechten Inhalt den lebendigen Herzensglauben. Sie gehen aus sie lassen dahinten, was den Ernst und die Lauterkeit 45* 708 und Kraft des Christenthums stören kann. Ihr Wandel geht dem Bräutigam entgegen; denn wo Glaube und Liebe in Christo sind, ist auch Hoffnung auf Christum. Aber der Bräutigam verzieht, wie Er nun schon achtzehnhundert Jahre verzogen hat. Aber das thut Er darum, weil Er Gedulk mit uns hat 2 Petri 3, 9. Dieses Verziehen des Bräutigams oder vielmehr Seine Geduld, die Er mit uns hat, soll uns wohl zu Statten kommen, weil wir also Zeit haben, die uns im Anfange unfrer Erweckung anhaftenden Unlauterfeiten und Gebrechen und Schwächlichkeiten, deren so viele sind, abzulegen. Aber die Jungfrauen werden alle schläfrig, ja sogar sie entschlafen alle. Ihre Hoffnung auf Christum bleibt nicht munter und die Hoffnung ist doch eins von den dreien, die da bleiben sollen 1 Cor. 13. Da untersuche denn ein Jeder, was die Ursache ist, daß er die erste Frische und Munterkeit nicht mehr hat. Um Mitternacht kommt der Bräutigam. Es ist Mitternacht völlige Finsterniß, wie es zur Zeit der Zukunft Christi sein wird in dieser Welt. Da erwachen die Jungfrauen allesammt. Aber nun findet sich's, daß fünfe klug und fünfe thöricht waren. Die thörichten Jungfrauen haben Lampen wie die tlugen; aber die klugen haben Del und die thörichten nicht. Das war die Klugheit der Klugen, daß sie in der Wartezeit Del sammelten, was die thörichten nicht gethan haben. - An dem Dele liegt's also. Del ist aber nichts anderes als der Geist des lebendigen Gottes, der nns in Seinem Worte entgegenkommt. Die thörichten Jungfrauen waren mit etwas Del in den Lampen zufrieden, mit etwas Andacht und Liebe zu Gott. Die klugen dagegen haben in der Wartezeit reichlich Del, also himmlische Kräfte des Geistes Gottes in der Erkenntniß und im Glauben, eingesammelt. Man soll ja aus Christi Fülle nehmen Gnade um Gnade und soll bitten, daß man vollkommene Freude habe, und soll durch Christum nicht bloß einmal eingehen sondern allezeit und nicht bloß eingehen sondern auch ausgehen durch Ihn Joh. 10, 9. Wie wichtig ist es doch, in der Schrift zu forschen und durch den Geist der Schrift göttliche Erkenntniß, göttliche Uleberzeugung zu gewinnen und sich in allen Gefäßen auch des Verstandes, der Begierden, des Gedächtnisses von dem göttlichen Geiste durchdringen zu laſsen. Darum wachet d. h. schlaft nicht; erweckt die Hoffnung des ewigen Lebens in euch; stärkt den Glauben in dem Worte des Geistes und habt auf eine innige Liebe zu Christo euer Absehn. Dies Dreies muß uns bleiben: Glaube, Hoffnung, Liebe. Gebet. Herr Jesu Christe, Du werther Seelenbräutigam, der Du uns in Deinem Worte auf mancherlei Weise vermahust, wegen Deiner Zukunft in steter Bereitschaft zu sein, wir bitten Dich 709 verleihe uns Deine Gnade, daß wir ja nicht wandeln als die Unweisen sondern als die Weisen und des Wortes, das wir höreu, wahrnehmen, auf daß wenn Du kommst, wir von Dir erkannt und angenommen werden mögen. Amen. Vater Unser. Montag nach dem 27. nach Trinitatis. Mel.: Jesus meine Zuversicht. Jesus, Er mein Heiland lebt; Ich werd' auch das Leben schauen, Sein, wo mein Erlöser schwebt, Warum sollte mir denn grauen? Läfset auch ein Haupt sein Glied Welches es nicht nach sich zieht? Dieser meiner Augen Licht Wird Ihn, meinen Heiland, kennen Ich, ich selbst, ein Fremder nicht, Werd' in Seiner Liebe brennen; Nur die Schwachheit um und ar Wird von mir sein abgethan. ( Vers 2 und 6 aus: Jesus, meine Zuversicht.) Matth. 22, 23-33. An demselbigen Tage traten zu ihm die Sadducaer, die da balten, es sei keine Auferstehung, und fragten ihn, und sprachen: Meister, Moses hat gesagt: So einer stirbt, und hat nicht Kinder, fo foll sein Bruder sein Weib freien, und seinem Bruder Samen ers wecken. Nun sind bei uns gewesen sieben Brüder. Der erste freiete, und starb; und dieweil er nicht Samen hatte, ließ er sein Weib seinem Bruder. Desselbigen gleichen der andere, und der dritte, bis an den siebenten. Julegt nach allen starb auch das Weib. Tun in der Auferstebung, wessen Weib wird sie sein unter den sieben? Sie baben sie ja alle gehabt. Jesus aber antwortete, und sprach zu ihnen: Ihr irret, und wiffet die Schrift nicht, noch die Kraft Gottes. In der Auferstehung werden sie weder freien, noch sich freien lassen; sondern sie sind gleich wie die Engel Gottes im Simmel. Sabt ihr aber nicht gelesen von der Todten Auferstebung, das euch gesagt ist von Gott, da er spricht: Ich bin der Gott Abrahams, und der Gott Ifaats, und der Gott Jakobs? Gott aber ist nicht ein Gott der Todten, sondern der Lebendigen. Und da solches das Volk börete entsetzten sie sich über seiner Lehre. Wie wüste kann doch ein Menschenherz werden, daß es sich gar des thörichten Unglaubens nicht schämt! Um so schrecklicher, daß selbst die Genoffen des alttestamentlichen Bundesvolkes, wie es doch die Sadducäer waren, so tief zerrüttet sind! Und welch eine jämmerliche, magere Sache war es und ist es um allen Unglauben! Nichts wissen, nur leugnen, einigen Spott treiben, das sind die jämmerlichen Fetzen des Unglaubens. 710 Sie halten, es sei keine Auferstehung. Ob die Seele unsterblich fei, davon fragen und sagen sie nicht. Die ist gewiß unsterblich, wenn's eine Auferstehung gibt; ist aber keine Auferstehung, so ist's auch mit der Seele verloren; denn Leib und Seele sind eine einige Creatur Gottes. Ihr irret spricht der Mund der Wahrheit zu den Leugnern. Sie müssen nothwendig irren, denn sie wissen die Schrift nicht noch die Kraft Gottes. Gottes Kraft ist ewig und ungehindert, und es ziemt der Kraft Gottes wohl, die Todten aufzuerwecken. Was follte dem unmöglich sein, der schaffen kann, was Er will, und nicht erst zu fragen braucht, ob es so dem Unglauben gefalle. Die ganze Schrift ist Zeuge der Auferstehung. Gott sagt: ich bin der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs. Ist Gott aber ewig und lebendig, so werden auch die leben, deren Gott Er Sich nennt. Gott ist nicht unser Gott auf ein paar Jahre sondern immerhin. So müssen wir ja wohl immerhin leben- nicht bloß der Seele sondern auch dem Leibe nach; denn wir sind nicht bloß Seele sondern auch Leib. Die Todten leben Ihm Alle( Luc. 20, 38), mögen sie auch gestorben sein. Vor Gott ist der Todte nicht anders, als vor unsern Augen ein schlafendes Kind ist. Der Schächer wußte um die Kraft Gottes. Denn er sagt: gedenke an mich. Dieses Gedenken Christi ist ihm so kraftreich, daß er gewiß ist, dadurch ewig zu leben. Es wird auch keine Verlegenheit sein, wessen Weib jene sein wird unter den sieben. Denn in der Auferstehung wird man nicht freien noch sich freien lassen, sondern sie sind gleichwie die Engel Gottes im Himmel. Es wird überhaupt Alles sehr herrlich und heilig sein und allenthalben über unsre Sinnen gehen. -- - 480 Sorgen wir also nicht, wie Gutt alle Todten auferwecken kann. Gott bedarf unseres Rathes und unsrer Sorge nicht. Sein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit. Vielmehr soll es uns anliegen, die Schrift zu wissen und in die erweckende Kraft Gottes einzubringen. Dem wollen wir nachdenken, daß Gott in der Schrift sagt: Ich bin dein Gott. Welche Liebe, welche Gnade, welche Fülle von Erweckung liegt in dem Einen, daß Gott unsrer Leiber und Seelen Gott ist ewiglich. Wir bedürfen nothwendig der Ewigkeit, um das zu verstehen, daß Gott unser Gott ist. Gebet. Herr, Du lebendiger Gott, Du bist unsere Zuflucht für und für. Dein ist alle Gewalt und Majestät; vor Dir ist der Tod kein Tod und Dir leben die Todten. Du Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, der Lebendigen Gott, laß uns Deine große Kraft empfinden, dieselbe Kraft, in welcher Du unsern Herrn Jesum Christum von dem Tode erweckt hast. Gib auch, daß wir der Schrift, dem Zeugnisse Deiner Wahrheit nachsinnen und Deine Lebensworte in uns zum Leben werden lassen. Amen. Vater Unser. 711 Dienstag nach dem 27. nach Trinitatis. Mel.: Einer ift König, 3mmanuel fieget. nequita Jesu, hilf fiegen, damit auch mein Wille Dir, Herr, sei gänzlich zu eigen geschenkt, Und ich mich stets in Dein Wollen verhülle, Jefu, hilf fiegen! und lege gefangen In mir die Lüfte des Fleisches und gib, Daß bei mir lebe des Geistes Verlangen, Aufwärts sich schwingend durch heiligen Trieb; Wo sich die Seele zur Ruhe hinlenkt; Laß mich einbringen in's himmlische Wesen, Laß mich mir sterben und alle dem Meinen, So wird mein Geist, Leib und Seele ge- Daß ich mich zählen kann unter die nesen. Deinen. ( Vers 5 und 6 aus: Jesu, bilf siegen, Du Fürste des Lebens.) 1 Petr. 4, 1-5. Weil nun Chriftus im Sleisch für uns gelitten bat, so wappnet euch auch mit demselbigen Sinn; denn wer am Sleisch leidet, der bôret auf von Sünden, daß er binfort, was noch hinterftelliger Zeit im Sleisch ist, nicht der Menschen Lüften, sondern dem willen Gottes lebe. Denn es ist genug, daß wir die vergangene Jeit des Lebens sugebracht haben nach heidnischem Willen, da wir wandelten in Unsucht, Lüften, Trunkenheit, Frefferei, Sauferei, und greulichen Abgöttereien. Das befremdet sie, daß ihr nicht mit ihnen laufet in dasselbige wüste unordentliche Wesen, und lästern; welche werden Rechenschaft geben dem, der bereit ist zu richten die Lebendigen und die Todten. Chriftus unser Herr und Haupt sitzt zur Rechten Gottes des allmächtigen Vaters, von dannen Er wiederkommen wird zu richten die Lebendigen und die Todten. Das Haupt im Himmel zieht alle Glieder an und nach, und so ist der Zug nach oben allen Christen eigenthümlich. Es gibt einen Weg, auf welchem das Haupt nach sich zieht. So lange Christus unser Herr auf Erden wandelte, zeichnete Er Sich unter allen Menschen aus. Er ging durch lauter Leidenswege, der Herzog unsrer Seligkeit wurde durch Leiden vollkommen gemacht. Aber der Sinn Jesu in allen Leidenswegen ist besonders wunderbar. Er war nicht mürrisch noch greulich( Jesaj. 42, 4) sondern willig, gelaffen und gefaßt und blickte hinaus auf das siegreiche Ende Seiner Herrlichkeit. Hierin ist uns unser Weg vorgeschrieben. Wir leben im Fleische, das nimmer fromm wird, sondern voll böser Lüste steckt. Diesem Fleische kann nur abgeholfen werden, indem es getödtet und gefränkt wird. Darum läßt Gott, damit wir den Weg zur Herrlichkeit finden, nach und nach Leiden über unser Fleisch und seine vielfachen Begierden hereinbrechen. Da kommt es denn darauf an, daß wir Christi Sinn anziehen, leiden wollen, was Gott an öffentlichen und geheimen Leiden auflegt, von Sünden aufhören und über bem Allen das Ziel, die Vollendung im Auge behalten. Im Sinne 712 müssen wir vor Allem Christen sein, im Sinne uns dieser Welt nicht gleichstellen, welche keine Einbuße am Fleische haben sondern die Lüfte vollbringen will. Ist unser Sinn erneuert in der Gemeinschaft Jesu Christi, so wird's nicht fehlen, daß wir, was wir noch hinterstelliger Zeit im Fleische zu leben haben, nicht der Menschen Lüsten leben und aufrichtig und entschieden dem heidnischen Leben absagen und nicht weiter darin laufen. Darüber werden sie uns lästern, Heuchler nennen, Strenge und Harte, werden uns vorrücken, daß wir vorhin anders gedacht und gelebt haben. Mag sein wir halten die Buße nicht für unsere Schande und den Glauben an Christum nicht für bloße Worte und ein heiliges Leben nicht für ein Hirngespinnst. Auch das ist Fleischeslust, daß wir der Menschen Urtheil so sehr scheuen. Vielmehr erkennen wir nun, daß ein Andrer es ist, der bereit ist zu richten die Lebendigen und die Todten. Wenn wir Ihm nur gefallen mit unserm Leben und Ernste, so ist's genug. Gebet. Jesu, Du Anfänger und Vollender des Glaubens, der Du wohl hättest mögen Freude haben, das Kreuz aber erduldet und der Schande nicht geachtet hast und darnach zur Rechten auf den Stuhl Gottes gesetzt bist, wir bitten Dich herzlich, Du wollest uns Deinen Lebens- und Leidenssinn als eine starke Rüstung unter der vielfachen Anfechtung dieses Lebens schenken. O Jesu, alle unsere Hoffnung steht allein zu Dir, zu Deiner Macht und Barmherzigkeit. Du wirst uns nicht zu Schanden werden lassen. Amen. Bater Unser. Mittwoch nach dem 27. nach Trinitatis. Mel.: Herr Jesu Chrift, Dich zu uns wend'. R Herr Gott, der Du mein Vater bist, Ich schrei im Namen Jesu Christ Zu Dir auf Sein Wort, Eid und Tod, Hör', Helfer treu in Angst und Noth. 11 Errett' von Sünd', Teufel und Tod, Aus Leibes und der Seelen Noth; Ein selig Stündlein uns bescher. Dein ist das Reich, Kraft, Preis und Ehr'. ( Vers 1 und 3 aus: Herr Gott, der Du mein Vater bist.) Luc. 18, 1-8. Er sagte ihnen aber ein Gleichniß davon, daß man allezeit beten, und nicht laß werden sollte; und sprach: Es war ein Richter in einer Stadt, der fürchtete sich nicht vor Gott, und scheuete sich vor keinem Menschen. Es war aber eine Wittwe in derselbigen Stadt, die kam zu ihm, und sprach: Rette mich von meinem Widersacher. Und er wollte lange nicht. Darnach aber dachte er bei sich selbft: Ob ich mich schon vor Gott nicht fürchte, noch vor keinem Menschen scheue. dieweil aber mir diese Wittwe so viel Mübe macht, will ich fie retten, auf daß sie nicht zulegt komme, und übertaube mich. Da sprach der Serr: Söret hier, was der ungerechte Richter sagt. Sollte aber Gott nicht auch retten seine Auserwählten, die zu ihm Tag und Nacht rufen, und sollte Geduld darüber haben? Ich sage euch: Er wird sie erretten in einer Kürze. Doch wenn des Menschen Sohn kommen wird, meinest du, daß er auch werde Glauben finden auf Erden? 713 Den Wittwen und Waisen ist in dem Worte Gottes eine besondere Liebe und Fürsorge Gottes verheißen; das ist Grund genug für sie, ihrerseits mit herzlicher Furcht und Liebe an Gott zu hangen. Sie bedürfen der Hülfe Gottes auch gar sehr; sind sie doch eben Wittwen und Waisen! Selbst bei dem ungerechten Richter in der Stadt findet jene Wittwe Hülfe. Gott ist dabei freilich im Spiele; Gott konnte Laban wohl beikommen, daß er mit Jakob nicht anders, denn freundlich reden durfte 1 Mof. 31, 24. Er hat auch das Herz des ungerechten Richters gewandt, denn es ist Gottes Macht, die Herzen der Menschen zu lenken wie Wasserbäche. Den Wittwen und Waisen gleich sind die Jünger Jesu in dieser Welt. Sie gehen durch viel Noth, Anfechtung und Gefahr. Die Gefahr ist keine geringe, daß sie sicher und vermessen oder verzagt, mißmuthig und laß werden. Beides ist nicht der richtige Weg; Beides ist ein Hinderniß des Glaubens und des Gebetes. Darum bringt der Herr so oft besonders aber in Verbindung mit Seinen Reden von den letzten Dingen auf ernstliches und anhaltendes Gebei. Dem betenden Christen sind große Verheißungen gegeben. Und Gott iſt kein harter, ungerechter Richter. Er kann wohl aus väterlicher Absicht gegen uns eine Weile verziehen; aber nur um so herrlicher wird Seine Hülfe sich offenbaren. Und welche Hülfe gewährt Er uns, wenn Er uns den Glauben an Seinen eingebornen Sohn gibt und erhält! Belche Ruhe findet man da, welchen Frieden in der Erkenntniß aller Wahrheit, welche Freude in dem tiefer und tiefer gehenden Einblick in das einmalige Opfer Jefu für unsere Sünden! Darum: bittet, bittet!! Es soll auch jezt in diesem Augenblick ein Geist der Erwechung durch unsere Herzen gehen. Wir sollen allezeit beten und nicht laß werden. Gott schaffe es in uns! Gebet. Herr Jesu, barmherziger, freundlicher Heiland, der Du Selbst nicht laß geworden bist und noch im letzten Augenblick an dem Kreuze mit lauter Stimme Gott angerufen hast, wecke uns das Ohr, daß wir Deine Stimme hören. Neige und bewege unsere Herzen zu Deinem heiligen Worte und gib unserm Herzen eine gewisse und fröhliche Erkenntniß des grundgütigen, treuen BVaterherzens Gottes. Sende zu uns den Geist des Gebetes, des Glaubens, der Kraft und der - — 714 Geduld und laß uns mit allen Auserwählten durch den Glauben und die Liebe Dir anhangen, bis wir in Frieden dieses Jammerthal verlassen. Amen. Vater Unser. Donnerstag nach dem 27. nach Trinitatis. Mel.: Wie schön leuchtet der Morgenstern. Ich seh, Er machet Alles neu; Die Braut fährt zu Ihm ohne Scheu In reiner schöner Seide. Die Kleider sind mit Gold gestickt, Der Bräut'gam hat sie selbst geschmückt Mit theuerm Halsgeschmeide. Meister, Geister, Cherubimen, Seraphimen wünschen Glücke. Jesus gibt ihr Himmelsblicke. Wie heilig ist die neue Stadt, Die Gott und Lamm zum Tempel hat, Zum Grunde die zwölf Boten! Gar nichts Gemeines geht hinein; Wer greuelt, muß verbannet sein, Sein Theil ist bei den Tobten. Reine Feine Eble Steine sind gemeine; ihr Licht flimmert, Wie ein heller Jaspis schimmert. ( Vers 2 und 5 aus: Ift's? oder ist mein Geift entzückt.) Offenb. Job. 21. 1-5. Und ich sabe einen neuen Simmel und eine neue Erde. Denn der erste Simmel und die erste Erde verging, und das Meer ist nich mehr. Und ich Johannes sabe die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Simmel berabfahren, zubereitet als eine geschmůckte Braut ihrem Manne. Und börete eine große Stimme von dem Stuhl, die sprach: Siehe da, eine Sütte Gottes bei den Menschen; und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden sein Volk sein, und Er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein; und Gott wird abwischen alle Thrånen von ihren Augen; und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid, noch Geschrei, noch Schmerzen wird mehr sein; denn das erste ist vergangen. Und der auf dem Stuhl saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu. Und er spricht zu mir: Schreibe; denn diese Worte sind wahrhaftig und gewiß. Ich glaube an ein ewiges Leben- in diesen kurzen Worten ist ein unermeßlicher Inhalt beschlossen. Merke, was sich im ewigen Leben findet! 1) ein neuer Himmel und eine neue Erde. Schon auf dieser alten Erde und am alten Himmel breitet sich immerdar Gottes Macht und Güte aus; aber sie vergehen und sind der Eitelkeit unterworfen. Der neue Himmel und die neue Erde werden viel schöner sein; sie sind eben neu. 2) Im ewigen Leben ist das neue Jerusalem; schon das alte Jerusalem war schön, das neue aber ist ohne 715 Vergleich. Diese Stadt darf keiner Sonne noch des Mondes, daß sie ihr scheinen; denn die Herrlichkeit Gottes erleuchtet sie, und ihre Leuchte ist das Lamm Offenb. 21, 23. 3) 3m ewigen Leben wird Gott bei uns wohnen, es ist ein Hütte Gottes bei den Menschen. Wenn es nun hier schon so ist, daß, ob wir wohl Gottes freundliches Angesicht voll Huld und Gnade leiblich nicht sehen, Sein Gnadenanblick uns so felig macht, daß auch das Gebeine darüber fröhlich und dankbar wird, wie wird es erst im ewigen Leben sein, wenn alle Hinderniffe und Schranken gefallen sind und der Glaube zum Schauen geworden ist. Das mag Leben heißen, wenn die Creatur ganz und voll ihren Gott und Schöpfer wieder hat. 4) Jm ewigen Leben Im wischt Gott alle Thränen ab; kein Tod, kein Leid, kein Geschrei, keine Schmerzen werden mehr sein. Das gegenwärtige Leben ist ein Jammerthal, sei es daß wir mit verbundenen oder offenen Augen hindurchgehen. Wie viel Tod, wie viel Leid, welch Geschrei, welche Schmerzen immer neue Tiefen des Elendes, je länger man lebt und sieht! Welch ein Leben, wo das Alles nicht mehr ist und nie nie wiederkehrt. Alle, auch die letzten Thränen wischt Gott ab. Das Erste ist vergangen. Ewige Wenne über den Häuptern Aller, die in diefem gegenwärtigen Ersten so manchen sauern Tritt gethan und so manchen harten Stand ausgehalten haben! Ach ständ ich schon, Du süßer Gott, vor Deinem Thron und trüge meine Palmen! Ich elender Mensch, der ich fündig bin von Mutterleibe an und Gott auf tausend nicht Eins antworten kann und mit Cain vor Seinem Angesichte fliehen müßte! Und doch nicht flichen kann und will! Denn, der auf dem Stuhl sigt, spricht zu mir: Siehe, Ich mache Alles neu. Ja und Amen- das Blut Jesu Christi des Sohnes Gottes macht mich rein von allen Sünden. Da liegt, o Gott, meine und aller Deiner Kinder Hoffnung für das ewige Leben in dem Geiste und Blute Jesu Christi, der Alles neut macht. 1 Gebet. Herr Gott, wir loben Dich, wir danken Dir. Der heiligen zwölf Boten Zahl und die lieben Propheten all, die theuern Märtrer allzumal loben Dich. Du König der Ehren Jesu Christ, der Du dem Tod seine Macht zerstört hast und Alles nen machst, Dich loben wir, Dich bitten wir, o Jesu. Höre und erhöre uns und mache unsere Herzen zu Deiner Wohnung, damit sie ewig im Himmel bei Dir leben. Amen. Vater Unser. Spos 716 Freitag nach dem 27. nach Trinitatis. Mel.: Gott des Himmels und der Erben. Wer sind die, so Palmen tragen Wie ein Sieger in der Hand, Welcher seinen Feind geschlagen, Hingestrecket in den Sand? Welcher Streit und welcher Krieg Hat gezeuget diesen Sieg? Dahin streck' auch ich die Hände, D Herr Jesu, zu Dir aus. Mein Gebet ich zu Dir wende, Der ich noch in Deinem Haus Hier auf Erden steh' im Streit: Treibe, Herr, die Feinde weit. ( Vers 2 und 12 aus: Wer sind die vor Gottes Throne.) Gs Offenb. Joh. 22, 17-21. Und der Geist und die Braut sprechen: Komm! Und wer es böret, der spreche: Komm! Und wen dürftet, der komme; und wer da will, der nehme das Wasser des Lebens umsonst. Ich bezeuge aber allen, die da hören die Worte der Weisfagung in diesem Buch: So Jemand dazusent; so wird Gott zusetzen auf ihn die Plagen, die in diesem Buch geschrieben stehen. Und so Jemand davonthut von den Worten des Buchs dieser Weissfagung; so wird Gott abthun fein Theil vom Buch des Lebens, und von der heiligen Stadt, und von dem, was in diesem Buch geschrieben stehet. Es spricht, der folches zeuget: Ja, ich komme bald. Amen. Ja, komm, Serr Jesu, Die Gnade unsers Herrn Jesu Christi sei mit euch Allen! Amen. Die Braut trägt ein sehnlich Verlangen nach dem Bräutigam. Ist Christus unser Seelenbräutigam, so ist unser tiefstes Sehnen und Rufen zu Ihm: komm. Glauben wir an Ihn, so sind wir der Welt in unserm innersten Wesen fremd. Lebt die Welt nach eigener Wahl, handelt sie nach Lust und Unlust, so sind im Gegentheil die Rechte Gottes das tägliche Lied eines Christen in seiner Wallfahrt. Gottes Wort ist dem Christen die einzige und unverbrüchliche Regel des Glaubens. Daher kommt er in einen Kampf mit sich selbst, mit der Welt und ihrem Fürsten und wird es inne, daß er in einer argen Welt lebt, die ihm feine Ruhe und Erquickung gibt. Das soll so sein, damit der Ruf in dem Herzen lebendig werde: Herr, komm! Und siehe, Er kommt! Er kommt in diesem Leben zu uns mit Wasser, Geist und Blut 1 Joh. 5. Darin bietet Er Seinen Gläubigen reichlich und täglich Vergebung aller Sünden, dieses Hauptgut unserer Seelen. Darum ruft die Braut zu Ihm: komm. Er kommt zu erleuchten unsere Augen, zu sammeln in uns, was flüchtig ist, und zu beugen, was stolz ist, Er kommt immer, auch in Trübsalen, voll Gnade und Wahrheit. Darum ruft die Braut zu Ihm: komm. Er kommt endlich am jüngsten Tage, und dieser Tag soll Seinen Gliedern so wenig ein schrecklicher Tag sein, daß sie vielmehr ihre Häupter aufheben sollen, weil sich ihre Erlösung naht. Darum ruft die Braut zu Ihm: komm. Und der Herr spricht: Ja, Ja zu solchem Verlangen, Ich 717 komme Bald. Und die Braut, die im Glauben des Sohnes Gottes lebt, spricht auch hier im Glauben: Amen, ja, komm, Herr Jesu! Ach, wäre ich ein solches Brautherz im Glauben und in der Liebe Jesu Christi, stünde ich in solcher Inbrunst des Geistes vor Ihm, daß ich mit Verlangen und Freuden sagen möchte, wie die Braut spricht: komm! Wen darnach dürftet, der danke es Gott; denn auch das Verlangen nach Gott, nach dem lebendigen Gott ist Gottes Gnadengabe. Er wende sich sofort zu Jesu Christo, den wir zwar nicht sehen, der aber nahe ist Allen, die mit Ernst Ihn anrufen. Umsonst, umsonst gibt Er das Wasser des Lebens. Mögen wir denn trinken aus den frischen Quellen Seines Wortes! Haben wir Durst, Er kann ihn stillen; haben wir Bedürfnisse des Gewissens, der Seele, des Geistes, sind wir verlegen um Kraft, um Weisheit und Gerechtigkeit, oder was es sei, Er gibt für Alles das Wasser des Lebens umsonst. Diese Gnade unseres Herrn Jesu Christi sei mit uns Allen. Es ist Seine Gnade, die mit uns ist. Gebet. Herr Jesu Christe, unser Heiland, laß vor Dich kommen unser Flehen. Höre, daß wir zu Dir rufen um Deine gnadenreiche Zukunft. O komm, Herr, und schenke Eifer, Buße, Glauben, Liebe, Treue, damit wir Dich endlich am jüngsten Tage mit Freuden sehen mögen. Amen. Vater Unser. Sonnabend nach dem 27. nach Trinitatis. Mel.: Allein Gott in der Höh' sei Ehr'. Bis hieher hat mich Gott gebracht Durch Seine große Güte, Bis hieher hat Er Tag und Nacht Bewahrt Herz und Gemüthe; Bis hieher hat' Er mich geleit't, 19 Bis hieher hat Er mich erfreut, Bis hieher mir geholfen. MED HE Hilf fernerhin, mein treuer Hort! Hilf mir zu allen Stunden! Hilf mir an all' und jedem Ort! Hilf mir durch Jesu Wunden! Hilf mir im Leben, Tod und Noth Durch Christi Schmerzen, Blut und Tobl Hilf mir, wie Du geholfen! ( Vers 1 und 3 aus: Bis hieher hat mich Gott gebracht.) Röm. 13, 11-14. Und weil wir solches wissen, nämlich die Seit, daß die Stunde da ist, aufzuftehen vom Schlaf; fintemal unser Seil jent nåber ist, denn da wir es glaubten; die Tacht ist vergangen, der Tag aber herbeis gekommen: so laßt uns ablegen die werke der Sinsterniß, und anlegen die Waffen des Lichts. Laßt uns ehrbarlich wandeln, als am Tage; nicht in Sreffen und Saufen, nicht in Rammern und Unzucht, nicht in Sader und Teid; sondern ziebet an den Herrn Jesum Chriftum, und wartet des Leibes, doch also, daß er nicht geil werde. 718 Das 11 Das zu Ende gehende Kirchenjahr hat uns das Beste geboten, was es für einen armen Menschen gibt: Gottes Wort und Sakrament und damit einen Schatz, den Motten und Rost nicht fressen, ja den unausforschlichen Reichthum Jesu Christi, in welchem allein Heil ist für Zeit und Ewigkeit. Wenn aber der jüngste Tag kommt, wird das Kirchenjahr zeugen können für uns oder wider uns? Kann gerühmt werden, wie der Apostel Paulus den Thessalonichern das Zeugniß ausstellt: euer Glaube wächset sehr, und die Liebe eines Jeglichen unter euch nimmt zu gegen einander, und die Geduld in eurer Trübfal leuchtet unter allen Gemeinden? Die Hand auf's Herz; ist nicht die Antwort ein aus der Tiefe kommendes Ach, Herr, so Du willst Sünde anrechnen, wer kann vor Dir bestehen? Nieder in den Staub, was Sünder heißt, was Sünder ist, bei wem die Sünde mächtig d. h. lebendig zeugend, strafend, das Gewissen beschwerend geworden, damit die Gnade noch mächtiger werde. Denn mit dem Ausläuten des alten Kirchenjahres wird zugleich eingeläutet ein neues und damit eine neue Gnadenzeit. Ja, glaub' es nur, erschrockenes Herz und zage nicht! Noch einmal ist ein gnädiger Advent vor der Thür. Es ist wirklich wahr, was Luther gesungen: ,, Ob bei uns ist der Sünden viel, bei Gott ist vielmehr Gnade, Sein' Hand zu helfen hat kein Ziel, wie groß auch sei der Schade." Höre doch, und bete den Gott aller Geduld" an. Er will noch einmal kommen; ja, ,, unser Heil ist jetzt näher, denn da wir es glaubten" verkündigt die Epistel des morgenden Tages. Im alten Bunde konnte man wohl nach diesem Heil seufzen: Träufelt, ihr Himmel, von oben, und ihr Wolken regnet die Gerechtigkeit; oder: Ach, daß die Hülfe aus Zion käme, und der Herr Sein gefangen Volk erlösete; im alten Bunde wurde wohl die bange Frage aut: Wann werde ich dahin kommen, daß ich Gottes Angesicht schaue?- Aber die Antwort gibt der neue Bund, da ist das Heil uns so nahe, daß wir jauchzen dürfen: In unser armes Fleisch und Blut verkleidet sich das ewge Gut. Auch Sein Advent in's Herz ist näher. Jakob hatte den Glauben an das Heil wohl im Herzen, wenn er spricht: Herr, ich warte auf Dein Heil, Simeon aber hatte das Heil näher, er durfte sprechen: Meine Augen haben Deinen Heiland gesehen; und mit ihm alle, welche im neuen Kirchenjahre aus Anregung des Geistes in die Kirche kommen, Seines Kleides Saum in Wort und Sakrament im Glauben berühren, sie können in Frieden fahren. Auch Sein letzter Advent ist näher, der liebe" jüngste Tag, die Offenbarung des großen Gottes unseres Heilandes. Die Bäume schlagen aus der ewige Frühling winkt, und die Erlösung von allem Uebel ist vor der Thür für alle, bei welchen die Nacht vergangen, der Tag aber herbeigekommen; die Nacht der Sündenschuld, der Sünden noth, der Sünden macht, denen der helle Tag des neuen Lebens in Jesu erschienen ist, da wir nichts mehr zu fürchten, sondern - - Alles zu hoffen haben. Nur heißt es auch hier: Eins ist Noth! und das Eine? daß wir, um mit Valerius Herberger zu reden, das Bußglöcklein des Apostels Paulus in dieser Epistel hören, damit er auf's neue das Kirchenjahr einläutet, und alle Christen aufmuntert, daß sie die Adventszeit wohl feiern. Ablegen die Werke der Finsterniß, anlegen die Waffen des Lichts. Das ist die Summa gründlicher Buße. Mache dir zum Heile Freude im Himmel! Du kennst ja das Wort: Es wird Freude sein vor den Engeln Gottes über einen Sünder, der Buße thut. Aber lies recht: Nicht über den Sünder ist Freude im Himmel sondern über den Sünder, der Buße thut. Gebet. Darum, schenke Buße zum Leben, lieber Herr; laß uns im neuen Kirchenjahr vom Sündenschlafe auferstehen, laß uns ablegen alle und unsere besonderen Werke der Finsterniß und anlegen die Waffen des Lichts, laß uns ehrbarlich wandeln als am Tage, daß wir Dir wohlgefallen und Du zu uns und wir zu Dir kommen und einmal in Ewigkeit im Himmel bei Dir bleiben mögen. Amen. Vater Unser. is whus mondie ind #sinsbi 581 conigandaiped 719 1050 Chenna dan talo 10504 Suiss ON THE nuoti 796 516 sunt usoilaning nitur sid: Q od odril mub dit diff 3011 Fürbitten. 093 si comple tudi ofals ismae 30 1. Für alle Stände. Herr Gott, Schöpfer und Erhalter aller Dinge, wir bitten Dich für alle Stände, die Du auf Erden geschaffen hast, daß Du sie segnen und fördern wolleft. Segne die Diener Deiner heiligen Kirche, daß sie mit Heiliger Lehre und reinem Leben der Gemeine vorleuchten. Wir bitten Dich für die Könige und Fürsten, daß Du ihnen Weisheit und Verstand geben und ein richtiges Herz schenken wolleft. Erhöre unser Flehen für die Eheleute, daß sie in Deiner Furcht und im Gehorsam Deines Hülfreichen Wortes wandeln, einander lieben und gehorsame Kinder erziehen mögen. Wittwen und Waisen beschütze, schaffe ihnen Beschüßer und Berather und gib ihnen fröhliche Zuverficht zu Dir. Die Hungrigen erquicke, Kranke und Sterbende tröste. O Herr, wir bitten Dich für alle Menschen und bitten Dich für unfere eigenen Seelen, daß Du sie erquicken wolleft mit dem Trofte der Vergebung der Sünden. Erleuchte, heilige, errette uns, barmherziger Gott, durch Christi unschuldiges Leiden und Sterben. Amen. 2. Für alle Stände. Barmherziger Gott, Vater unseres Herrn Jesu Christi, Du erhörst Gebet, darum kommt alles Fleisch zu Dir, und auch wir bringen vor Dich das Flehen unseres Herzens. Wir rühmen und preisen Dich, daß Du uns ohne Unterlaß alle gute und vollkommene Gabe gibst, und bitten, Du wollest uns helfen und allen Mangel ausfüllen. Gib unserer Obrigkeit in Kirche und Staat ein weises Herz und heilsame Rathschläge, rüste unsere Prediger aus mit Deinem Heiligen Geiste. Segne alle Hausväter und Hausmütter, gib gehorsame Kinder, gute Freunde, treue Nachbarn und rechtschaffene Knechte und 721 Mägde. Das Gebet der Armen und Kranken erhöre, tröste die Traurigen, gib den Dürftigen Brod und befreie die schuldlos Gefangenen; geleite alle Reisenden und erbarme Dich aller Menschen in ihrer mannigfachen Noth. Herr, unser Gott, der Du die Herzen der Menschen lenkest wie Wasserbäche, richte unsere Herzen zu Deiner Wahrheit und Gerechtigkeit und schenke uns durch Christum ein geduldiges, sanftmüthiges, barmherziges Herz, das ohne Neid und Haß, Zorn und Bitterfeit sei. Segne unsere Wohlthäter, Eltern und Lehrer insonderheit; denen wir Böses gethan haben, vergilt Du mit Gutent und thue wohl auch unsern Feinden. Allermeist bitten wir Dich, Du wollest uns bei der seligmachenden Erkenntniß Jesu Christi, Deines lieben Sohnes, erhalten und solche Erkenntniß unter allen Menschen ausbreiten. Herr, hilf und erhöre uns um Christi willen. Amen. 3. Für die Kirche. O allmächtiger, gütiger Gott und Vater unseres Herrn Jesu Christi, der Du uns ernstlich befohlen hast, daß wir Dich bitten sollen um Arbeiter in Deine Ernte, das ist, um rechtschaffene Prediger Deines Wortes, wir bitten Deine grundlose Barmherzigkeit, Du wollest uns rechtschaffene Lehrer Deines göttlichen Wortes zuschicken und denselben Dein heilsames Wort in das Herz und in den Mund geben, daß sie Deinen Befehl treulich ausrichten, damit wir durch Dein himmlisches Wort ermahnt, gelehrt, getröstet und gestärkt werden. Gib Deiner Gemeine Deinen Geist, daß Dein Wort unter uns laufe und wachse und mit aller Freudigkeit, wie sich's gebührt, gepredigt und Deine Gemeine dadurch gebessert werde und in allen Stücken wachse und zunehme. Amen. 4. Für die Kirche. Herr, Du dreieiniger Gott, der Du alle Dinge durch Dein Wort geschaffen haft und nach Deiner Weisheit das göttliche Leben in uns nicht anders schaffen willst als eben durch dasselbe Wort, wir bitten Dich, Du wollest Deine heilsame Ordnung bei uns und überall seg= nen, die Prediger ausrüsten mit der Kraft Deines Wortes und ihnen geben ein freudiges Aufthun des Mundes. Die Zuhörer mache zu einem fruchtbaren Acker, gib ihnen offene Ohren, erleuchtete Sinne, aufmerksame und willige Herzen, damit sie Dich heilsamlich erkennen und fruchtbar seien im lebendigen Glauben und brünstiger Liebe gegen Dich und alle Menschen. Lieber Herr Gott, wehre allen Verführungen, die uns von der Kraft der Gottseligkeit abhalten, steure allen Nergernissen und laß Dein Reich zu uns kommen, damit wir zu Dir kommen. Amen. 46 722 5. Für die Kirche. O Vater aller Barmherzigkeit, der Du Dir eine heilige Gemeine und Kirche auf Erden durch Dein Wort und Deinen Heiligen Geist sammelst und erhältst, ich bitte Dich, Du wolleft Deine kleine Heerde, die Dein Wort durch Deine Gnade angenommen hat, ehrt und fördert, bei der rechten, reinen und allein seligmachenden Lehre und bei dem rechten Gebrauch der Hochwürdigen Sakramente fest erhalten wider die Pforten der Hölle und wider die Gewalt und List des Satans. O Herr Zebaoth, behüte uns vor allen denen, die da suchen Vertilgung rechter Lehre und Aufrichtung ihrer schändlichen Abgöttereien. Laß Dein liebes Wort, das helle und unwandelbare Licht, das uns jetzt scheint, nicht unterdrückt noch ausgelöscht werden sondern erzeige uns Deine Hülfe und erhalte Deine Kirche unter so vielen Anstößen. Ach Herr, strafe nicht unsere Sünden und laß ab von Deiner Ungnade über uns. Das thue um Deines Namens willen, lieber Vater im Himmel. Amen. 6. Für die Kirche. O Herr, barmherziger, ewiger Vater unseres Herrn Jesu Christi, der Du vormals gnädig gewesen bist Deinem Volke und vergabest ihnen ihre Sünde, sei auch uns gnädig, die wir die Last unserer Sünde fühlen. Die wir eheden einig waren in Wort und Bekenntniß, wir hören nun nicht mehr den einhelligen Schall Deines Wortes, der unsere Väter fest und treu gemacht hat in Deiner Wahrheit. Wie sollen wir nun Dich einmüthiglich loben, die wir nicht einerlei Glauben haben? Wie sollen wir Einen Glauben haben, da der Glaube aus der Predigt kommt und die Predigt nicht mehr einerlei Predigt aus Gottes Wort ist? So sind wir auch nicht Eins in der Liebe und sind zerrissen unter einander. Ach Herr, wie groß ist unser Elend. Erhöre uns darum, Du Gott und Vater der Barmherzigkeit, und baue die Mauern Jerusalems. Laß die Bauleute durch Deines Heiligen Geistes Kraft einig werden, und die einig sind, erhalte in der Wahrheit Deines Wortes. Wir bringen vor Dich Dein Wort, daß Eine Heerde und Ein Hirt sein soll, und bitten Dich, Du wollest um der Wahrheit Deines Wortes willen uns Deinen Heiligen Geist geben, daß uns derselbe führe zu einerlei Glauben und Bekenntniß. Verleihe Muth und Geduld, Demuth und Sanftmuth und erfülle unsere Herzen mit Deiner Liebe. Dein Name werde geheiligt und Dein Reich komme zu uns. Amen. 723 7. Für die lieben Kinder. Ich bitte Dich, mein allerliebster Vater durch Jesum Chriftum, unsern einigen Versöhner, Du wollest das seligmachende Evangelium Deiner Gnade unsern lieben Kindern durch Deinen Heiligen Geist eröffnen, daß sie durch die inwendige Lehre des Heiligen Geistes die Predigt Deines lieben Sohnes verstehen und glauben und in dem christlichen Glauben bis an's Ende beharren. Aller Welt Gut ist nichts gegen diesen christlichen Glauben; so begehre ich auch meinen Kindern fein ander väterliches Erbe zu hinterlassen als den wahren beständigen Glauben der christlichen Kirche. Haben sie denselben, so sind sie reich genug hier und ewig, ob sie schon hier in der Welt müßten arm sein. Denn durch den heiligen christlichen Glauben haben wir Dich, Gott Vater, Sohn und Geist, den wahren einigen Gott, zu eigen, durch das unermeßliche Verdienst Jesu Christi, der um unsertwillen Mensch ge= worden ist. Was Mangels sollten wir haben, wenn wir Dich einigen, wahren, lebendigen Gott Selbst zum Vater haben durch Jesum Christum unsern Herrn! Laß uns nur, o Herr, Deine Erkenntniß, so wollen wir Dir ewig danken. Amen. 8. Für die lieben Kinder. Lieber himmlischer Vater, der Du der rechte Vater bist über Alles, was Kinder heißt im Himmel und auf Erden, segne unsern ganzen Hausstand und unsere Kinder insonderheit. Was Du segnest, das ist gesegnet. So segne die lieben Kinder, gib ihnen unschuldige Hände und ein reines Herz, das nicht Lust hat zu loser Lebre. Segne sie, o Gott, daß sie Dich fürchten. Laß sie grünen wie den Palmbaum und wie die Cedern auf dem Libanon wachsen; in Deinen Vorhöfen laß sie blühen, frisch und fruchtbar sein, daß sie verkündigen mögen, wie Du, Herr, so fromm bist und kein Unrecht an Dir ist. Segne sie mit aller zeitlichen und ewigen Wohlfahrt, ja laß Kinder und Kindeskinder die Gesegneten sein des Herrn, der Himmel und Erde gemacht. Im Namen Jesu, Deines einigen Sohnes, erhöre solch Gebet, Du gnädiger und barmherziger Gott. Amen. 9. Für die Kranken. Barmherziger Gott, gnädiger Vater, wir bitten Dich für die Kranken, besonders für die uns bekannten, Du wolleft ihnen die Krankheit zu solchem Segen gereichen lassen, daß sie Deine züchtigende Hand darin erkennen. Du betrübest uns wohl, aber Du bist doch der barm46* 724 herzige Gott, der nicht Gedanken des Leides sondern des Friedens mit ihnen hat. So wollest du denn die Kranken auf den Weg des Friedens leiten, den Du uns in dem gefreuzigten Christo darbieteſt. Stärke alle Leidenden durch Deine verborgene Kraft, daß sie in Geduld ausharren, auf Dich hoffen und Dir danken, daß Du ihnen Hilfst. Amen. 10. Für Sterbende. O Herr, Du heiliger, dreieiniger Gott, der Du gesagt hast, daß wir Dich in der Noth anrufen sollen, siehe, unsere und unserer Sterbenden Noth ist groß. Wir rufen Dich an für die Sterbenden, Du wollest ihnen nicht das trostreiche Andenken des gekreuzigten Jesu entziehen. Herr Jesu, Du heller Morgenstern, leuchte in den Herzen der Sterbenden, daß sie den Tod nicht sehen. Herr Gott Heiliger Geist, der Du unserer Schwachheit hilfft, erbarme Dich unser und der Sterbenden und gib ihnen Zeugniß, daß sie Gottes Kinder sind. Heiliger, dreieiniger Gott, laß uns Alle, die wir leben und sterben, nicht im Tode dahinfahren sondern errette uns zum ewigen Leben. Amen. 11. Für das Haus, besonders am Montag geeignet. Gott Vater, Gott Sohn, Gott Heiliger Geist, Dir sei zum beständigen Eigenthum dies Haus und Alles, was darin ist, übergeben. Dein seien Aller Seelen, des Hausvaters und all der Seinigen; Dein ihre Leiber. Gott Vater, der Du uns erschaffen hast, erhalte uns Leib und Seele zum ewigen Leben. Gott Sohn, der Du uns erlöst haft, schenke uns alles Verdienst Deines Lebens und Deines Todes. Gott Heiliger Geist, der Du durch Wort und Sakrament uns sammelst in's Reich der Gnade, erhalte uns im Namen unsers Herrn Jesu Christi und in der Nachfolge Seiner Demuth bis an's Ende. Du Geist der Wahrheit und der Heiligung, bewahre uns vor allem Irrthum und heilige uns ganz und gar; schaffe es in uns, daß wir vor allen Dingen nach dem Reiche Gottes und seiner Gerechtigkeit trachten. Du hast verheißen, daß denen, die am ersten nach dem Reiche Gottes und seiner Gerechtigkeit trachten, alles andere zufallen soll. So gib uns auch dieses Andere, so weit es uns gut und nöthig ist. Gib fruchtbare Zeiten und bewahre uns vor Mißwachs, Hagel und Ungewitter. Segne Felder und Wiesen, bewahre vor Feuers- und Wassersnoth, Menschen und Vieh vor Seuchen und Unfall. Beschirme unser Eigenthum vor Dieben, auch vor Hausdieben. Wache über die Unschuld unserer Leiber, daß Niemand Ehr' und guten Namen verliere. 725 Laß die Alten in diesem Hause Ruhe finden wie Jakob bei Joseph; gib den Kindern das Himmelreich und kindlich gehorsame Herzen. Gib friedsame Nachbarn, und will ja der Streit entbrennen, fo schlichte Dein heiliges Wort unsern Zwiespalt. Laß böse Zungen uns nicht in Haß und Zwietracht theilen, gib uns Sanftmuth, wenn wir Unrecht leiden. Willst Du uns Kreuz auflegen, so sei das Hauskreuz unser Haussegen. Wenn wir alt und krank werden, so mache unser Herz in Glauben und Liebe zu Dir desto gesunder und jünger. Geht es Hinderlich und übel, so genüge uns Deine Gnade. In Krankheitsund Sterbefällen lehre uns, daß wir Gäste und Fremdlinge auf Erden sind, und laß uns sterben ohne falsches Vertrauen auf unsere Werke und unser Leben, aber voll Glaubens an Jesum, unsere Gerechtigkeit. Gönne uns in unserm Sterben das Labsal Deines heiligen Satramentes. Sei uns gnädig in der Auferstehung der Todten und im jüngsten Gerichte und führe uns ein in die ewigen Hütten. Solches Alles wollest Du uns geben, milder und reicher Gott, um Christi willen, der für unsere Sünden gestorben und um unserer Gerechtigkeit willen auferwecket ist. Amen. 12. Für das Vaterland. Olieber Herr Jesu Christe, laß unser Land allezeit sein und bleiben wie einen Garten, den der Herr segnet, und wie einen Weinberg, den Deine Hand gepflanzet und Dein Auge stets behütet. Das laß unsere Ehre sein, daß Du bei uns wohnest. Das ist unser Heil, wenn Du bei uns bist und wir bei Dir sind. Erhöre uns, Du König aller Welt, Herr Jesu Christe, und laß unser Gebet vor Dir nicht zu Schanden werden. 18. Für die Obrigkeit. O himmlischer Vater, schenke uns allezeit eine fromme, gottesfürchtige, christliche Obrigkeit im weltlichen wie geistlichen Regimente, die da geneigt sei, mit Leib, Chr' und Gut Dein Lob und Deine Ehre zu fördern, die mit gutem Gewissen möge regieren und endlich Dir, ihrem Gott und obersten Herrn Rechnung geben. Triff, o Gott und Vater, die Herzen unserer Obern mit dem gewaltigen Schwerte Deines Wortes, daß sie erkennen, welch' einen großen Befehl sie empfangen haben, nämlich Hirten und Bäter des Volkes zu sein. Hilf ihnen, daß sie nicht das Ihre sondern mit ganzem Ernste allein Deine Ehre und die Wohlfahrt des Volkes suchen. Gib, daß sie Gerechtigkeit und Gericht ohne Ansehen der Person üben, daß sie weder Geschenk noch Gabe achten, Tag und Nacht Deinem Gesetz und Willen nachtrachten und 726 weder zur Linken noch zur Rechten davon abtreten. Versichere fie, Gott und Vater, Deines göttlichen Beistandes, wie Du gethan haft an Mose und Josua. Gib ihnen zu erkennen, daß Du in all' ihrem Thun und Lassen gegénwärtig seiest, ein gerechter Richter der ganzen Welt. Leite sie zu rechter, herzlicher Gottesfurcht, daß sie Dein Volk zu aller Zucht und göttlichem Leben fördern durch Christum Jesum, unsern Herrn. Amen. 14. Für die Heiden. Allmächtiger, ewiger Gott, der Du nicht willst den Tod der Sünder, sondern daß sie sich bekehren und leben, nimm gnädiglich an unser Gebet und errette die Heiden von ihren gräulichen Abgöttereien und versammle sie zu Deiner heiligen christlichen Kirche, zu Lob und Ehren Deines Namens, durch unsern Herrn Jesum Christum, welcher mit Dir und dem Heiligen Geiste lebet und regieret, wahrer Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. 15. Für die Heiden. Allmächtiger, ewiger, gütiger Gott, der Du durch Deinen eingeborenen Sohn zu uns sprichst, daß allen Völkern nach Deiner Barmherzigkeit das Evangelium gepredigt werden soll, wir bitten Deine grundlose Güte, Du wollest Prediger erwecken, welche das Evangelium den Heiden verkündigen, und wollest den Boten unter den Heiden Muth, Kraft, Geduld und Treue verleihen, daß sie ihr Amt wohl ausrichten. Gieße in ihr und unser Herz durch Deinen Heiligen Geist Deine Liebe aus, daß uns die Noth der armen Heiden beständig am Herzen liege. Amen. 16. Für die Heiden. Herr Jesu Christe, der Du Selbst dem Volke Israel das Wort vom Reiche verkündigt und Deinen Aposteln Befehl gegeben hast, daß fie Deinen Namen bis an die Enden der Erde verkündigen sollen, mache uns durch Deinen Heiligen Geist zu diesem Werke tüchtig. Fördere das Werk unserer Hände, erwecke die alte Christenheit, daß sie selbst voll Glaubens werde an Deinen großen Namen und brünstig in der Liebe zu den armen Heiden. Segne alle Missionsanstalten und Lehrer in denselben zu rechter Pflege Deiner reinen evangelischen Lehre; segne Alle, die sich senden lassen unter die Heiden, und laß Dein Reich also bei uns und in aller Welt ausgebreitet werden. Amen. 727 17. Das allgemeine Gebet, für den Sonntag besonders geeignet. Allmächtiger, ewiger, barmherziger Gott und Vater unseres Herrn Jesu Christi, Du Herr Himmels und der Erden, wir bitten Dich herzlich, Du wolleft Deine heilige Kirche mit ihren Dienern, Wächtern und Hirten durch Deinen Heiligen Geist regieren, auf daß sie bei der rechtschaffenen Weide Deines allmächtigen, ewigen Wortes erhalten, der Glaube an Dich dadurch gestärkt werde und die Liebe gegen alle Menschen in uns erwachse und zunehme. Wollest auch der weltlichen Obrigkeit langes Leben, beständige Gesundheit sammit aller zeitlichen und ewigen Wohlfahrt, allen ihren Räthen und Amtleuten Gnade und Einigkeit verleihen, das Land nach Deinem göttlichen Willen und Wohlgefallen zu regieren, auf daß die Gerechtigkeit gefördert, die Bosheit verhindert und gestraft werde, damit wir in stiller Ruhe und gutem Frieden, wie Christen gebühret, unser Leben vollbringen mögen. Gib auch, daß unsere Feinde und Widersacher ablassen und sich mit uns friedlich und sanftmüthig zu leben begeben wollen. Alle, die in Trübfal, Armuth, Krankheit, Todesnöthen und andern Anfechtungen sind, auch die, so um Deines heiligen Namens und der Wahrheit willen angefochten, gefangen sind oder sonst Verfolgung leiden, tröste sie, o Gott, mit Deinem Heiligen Geiste, daß sie solches Alles für Deinen väterlichen Willen aufnehmen und erkennen. Und ob wir zwar mit unsern Sünden Deinen gerechten Zorn und allerlei Strafen wohl verdienet haben, so bitten wir doch, o treuer, barmherziger Vater, von Grund unserer Herzen, daß Du nicht gedenken wollest der Sünden unserer Jugend noch aller unserer Uebertretung sondern vielmehr eingedenk bleiben Deiner grundlosen Güte, Gnade und Barmherzigkeit und uns mit allerlei schweren Plagen Leibes und der Seele verschonen. Behüte uns gnädig vor fremder, verderblicher Lehre, vor Krieg und Blutvergießzen, vor Pestilenz und theurer Zeit, vor Feuers- und Wassersnoth, vor Hagel und Ungewitter, vor allem Herzeleid und sonderlich vor unleidlicher hoher Anfechtung der Seelen und einem bösen, schnellen Tode. Hilf allenthalben aus aller Noth und sei ein Heiland aller Menschen, sonderlich Deiner Gläubigen. . Wollest uns auch alle Früchte der Erde zu leiblicher Nothdurft gehörig mit fruchtbarem Wachsthum gerathen und gedeihen lassen; auch christliche Kinderzucht, alle ehrliche Nahrung und Handthierung zu Wasser und zu Lande, Künste und Wissenschaften mit Deinem Segen frönen. Endlich um Alles, darum Du, ewiger Gott, gebeten sein willst, bitten wir mit der ganzen heiligen Kirche auf Erden und mit allen 728 Deinen Anserwählten im Himmel. Vernimm, Du Herr Himmels und der Erden, das einmüthige Gebet aller der Deinigen dort und hier. Laß bald erfüllet werden die Zahl Deiner Auserwählten und das Maaß ihrer Plagen. Laß bald zu Ende gehen die Tage, da wir mit allen in Dir Entschlafenen auf die selige Freiheit der Kinder Gottes und unseres Leibes Erlösung sehnlich warten und vereinige in Deiner Zukunft alle Deine Kinder von der Welt her vor Deinem Angesichte. Solches Alles wollest Du uns gnädiglich verleihen durch das bittere Leiden und Sterben Christi Jesu, Deines einigen Sohnes, unferes geliebten Herrn und Heilandes, welcher mit Dir und dem Hei ligen Geiste lebt und herrschet, ein einiger Gott hochgelobet in Ewigkeit. Amen. 18. Dank und Bitte für alle Stände. Der Name des dreieinigen Gottes sei von uns gelobt immerdar! O Herr, heiliger Vater, allmächtiger Gott, Du hast uns nach Deinem Ebenbilde erschaffen, und da wir durch den Fall der ersten Eltern jämmerlich betrogen auch nicht durch aller Creaturen Hülfe konnten errettet werden, hast Du uns Deinen lieben Sohn aus wunderbarem Rath und unergründlicher Barmherzigkeit zu unserm Versöhner gegeben. Wir bitten Dich, sammle uns zu der seligen Erkenntniß Christi unseres Heilandes, fördere Dein Reich unter uns, segne alle Stände, die Du geschaffen hast. O Jesu, Du Sohn Gottes, wir loben und preisen Dich, daß Du, wie es den Vätern verheißen war, zur bestimmten Stunde in unser Fleisch gekommen bist, Gottes Zorn gesühnt, die Sünde getragen, den Tod erwürgt und den, der des Todes Gewalt hatte, das ist den Teufel überwunden hast. Vernimm, o Herr, unser Gebet und Flehen, wenn wir zu Dir rufen, daß Du uns seguen wollest mit dem Frieden, den Du gibst. Ja, Herr, gib Frieden im Gewissen, Frieden im Hause, Frieden in Deiner Kirche, Frieden im weltlichen Regimente; schenke uns den Frieden Gottes, der höher ist, als alle Vernunft. Heiliger Geist, wahrer Gott, der Du geredet hast durch die heiligen Propheten und Apostel, rede auch in unsern Herzen durch eben dasselbe Wort und verkläre uns Christum, unsern einigen Trost im Leben und im Sterben. Du bist der Geist großer Gnaden und mannigfacher Gaben; wir bitten Dich, erfülle unsere Herzen mit dem Lichte der Erkenntniß, mit der Kraft des Glaubens und des Gehorsams gegen Gott, entzünde uns zu einer wahren und brünstigen Liebe gegen Gott und unsern Nächsten und erhalte uns im Wort und Glauben bis an unser Ende. Großer und lebendiger, heiliger und gnädiger Gott, alle Dinge 729 sind von Dir erschaffen und werden erhalten durch Dein Wort und gedeihen durch Deinen Segen. Wir bitten Dich, segne alle Deine Ordnungen; die Obrigkeit, welche uns regiert, segne; Deine Kirche, welche ist die Mutter des göttlichen Lebens, segue. Stärke Deine Diener. Segne den Hausstand, gib den Eheleuten Frieden und Eintracht, verleihe uns gottselige Eltern und gottesfürchtige Kinder. Hilf den Kranken, erbarme Dich der Sterbenden, tröste Wittwen und Waisen, gib allen Bedrängten Geduld, erbarme Dich aller Menschen. Du wollest uns in Gnaden erhören um des theuern Namens Jesu, Deines lieben Sohnes willen. Amen. 19. Um Gottes Segen in geistlichen und irdischen Gütern. Herr, Du lebendiger Gott, Du hast gesagt: ihr sollt Mein Antlitz suchen. Darum suchen wir auch, Herr, Dein Antlitz. Wir loben. Dich, o Herr, daß Du unser Gebet nicht verwirfst und Deine Güte nicht von uns wendest. Groß und reich sind Deine Wohlthaten, die Du uns Menschen ohne alles Verdienst am Morgen und am Abend, in großen und kleinen Dingen, in Sichtbaren und Unsichtbaren erzeigst. Das ist der Reichthum Deiner Güte, wodurch Du uns zur Buße leitest. O Herr bilf, o Herr, laß wohlgelingen! Denn alle unsere Hülfe steht allein in Deinem Namen. Höre uns und er= höre uns. Wir bitten Dich, barmherziger Gott, Vater unseres Herrn Jesu Christi, erhalte uns die lautere Predigt Deines heiligen, seligmachenden Wortes und laß Dein Wort bleiben bei Allen, die es haben, und kommen zu denen, die noch ferne sind. Erfülle Deine heilige Kirche und die Herzen der Christenheit mit himmlischen Kräften. Gib allen Predigern Deines Wortes, auch denen unter Heiden und Juden, Deinen Geist und göttlichen Eifer. Und weil Du reich bist, o Jesu Gottes einiger Sohn, wie wir arm sind, so fahren wir fort mit Gebet und Flehen für uns und alle Menschen. Der Du in Deinem Erdenleben Jedermann geholfen haft, laß auf uns Alle unaufhörlich Deine heilende Kraft auch jetzt noch kommen. Wir tragen Dir vor die Noth unsrer Seelen und unsrer Häuser. Hilf uns Herr. Gib unserer Seele, daß sie der Sünde und Ungerechtigkeit müde Dir im Glauben und Geist anhange; bewahre unsern Leib rein und keusch und mache daraus ein Opfer, das lebendig, heilig und wohlgefällig sei. Segue uns in der Ruhe und in der Arbeit; segue die Alten und die Kinder, die Gesunden und die Kranfen. Gib uns unser täglich Brod und eine ehrliche Nahrung. Vers leihe unserm Landesherrn ein weises Herz, getreue Diener und gehorsame Unterthanen und laß allenthalben Güte und Treue sich begegnen, 730 Gerechtigkeit und Friede sich küssen. Steuere allen Versuchungen, da der Teufel uns abführen will von der Kraft der Gottseligkeit, und endlich, wenn unser Stündlein kommt, wollest Du uns ein seliges Ende bescheeren und mit Gnaden von diesem Jammerthal zu Dir in den Himmel nehmen. Amen. 20. Um Gottes Hülfe im Jammerthal. Herr, allmächtiger Gott, Deine Gerichte sind wahrhaftig und gerecht. Da wir Dich verließen, machtest Du dieses Leben zu einem Jammerthale, damit wir inne würden und erführen, was es für Jammer uns bringt, Dich, Herr, verlassen und nicht fürchten. Es ist wahr, Deine Hand liegt auf uns; aber wir wissen auch, daß Du Alle lieb hast, welche Du züchtigst, und denen, die Dich suchen und lieben, alle Dinge zum Besten dienen läsfest. Du hast Deines eigenen Sohnes nicht verschonet sondern Ihn für uns Alle dahingegeben; wie solltest Du uns mit Ihm nicht Alles schenken! Wahrlich, Deine Barmherzigkeit rühmet sich wider das Gericht; denn Christus ist gestorben, welcher auch auferwecket und zur Rechten Gottes ist und uns vertritt. Durch diesen Deinen lieben Sohn haben wir Zugang zu Dir und wissen, so wir Dich Etwas bitten in dem Namen Jesu, wirst Du es uns geben. So treten wir vor Dein Angesicht und bitten Dich um Deinen Segen. Mache unsere Seelen reich an Glauben und Liebe, und wie wir in der Taufe Glieder geworden sind an Christo, der das Haupt ist, Reben an Ihm, dem Weinstocke, so wollest Du uns durch Deinen Geist in dem angefangenen Wesen erhalten und stärken. Wir und unsere Kinder sind reich genug, wenn wir den wahren christlichen Glauben haben. Du wollest uns denselben geben, erhalten und mehren. Und weil es Deine Lust ist, uns wohlzuthun, und wir auch wohl wissen, daß Du alle Haare auf unserm Haupte zählst, so bitten wir Dich, behüte uns vor Unglück und Noth und befiehl Deinen heiligen Engeln, daß sie uns bewahren. Willst Du uns Kreuz und Krankheit auflegen, so entzieh uns um so weniger Deine heilsame Gnade und gib, daß wir in Geduld, Demuth und Vertrauen zu Dir darin ausharren, bis Du es änderst; denn Deine Hand kann Alles wenden. Wir bitten Dich für alle die Unsrigen, es seien Eltern, Brüder, Schwestern, Verwandte, Freunde, Nachbarn und Bekannte; hilf einem Jeden in seinem Anliegen. Wir bitten für unsere Feinde, daß Du ihnen wie uns ein mildes, versöhnliches Herz geben wolleft. Und weil wir nichts Gutes haben, was wir nicht von Dir empfangen, so wollest Du in Gnaden alle wohlverdienten Landplagen von uns abwenden, den Fürsten Friede und Einigkeit verleihen, unsern Landesherrn mit Deiner Gnade krönen und ihm verleihen, daß er sei 731 ein Schützer und Pfleger Deiner heiligen Kirche. Erhalte uns Deine liebe Kirche, den himmlischen Weinberg und laß alle Christen grünende und Frucht bringende Reben an Christo dem Weinstocke sein. Lieber Himmlischer Bater, siehe an das Wort Deines Sohnes, daß das Evange= fium aller Creatur soll gepredigt werden, und breite die Erkenntniß Jesu Christi an allen Orten aus. Das Alles wollest Du uns geben um Jesu Christi, Deines lieben Sohnes willen, welcher mit Dir in Einigkeit des Heiligen Geistes lebet und regieret, der einige wahre Gott, gelobet in Ewigkeit. Amen. 1 Mose. 3, 1-15... 3, 17-19 5, 28-29 11, 1-9. 12, 1-9. 12, 3-15. 14, 10-20. 14, 21-31. .. ● .. 2 Mose. 360 7 14, 18-24. 19 18, 1-10. 101 18, 17-21. 91 18, 22-32. 426 24, 1-9. 9 24, 58-67. 9 49, 8-12.... 21 1... .... .. .... • 5 Mose. 6, 3-9.. 8, 1-7 9, 13-21. ●• . ● ●. Josua. 21, 43-45.. 3 Mose. 11, 45....... 448 ● ● 4 Mose. 6, 22-27..... ... 370 6, 23-27. 538 9, 15-23. 596 21, 4-9. 183 ● ● ... 1 Sammelis. Verzeichniß der Bibelfstellen. Seite • er er cs 181 547 . 550 .... 3 5 5 473 464 385 465 92 Altes Testament. 2 Samuelis. 7, 4-16.... 23 17, 8-16. 18, 17-21. 1 Könige. 1. 3 5. 8. 15. 22, 13-14. 23. ● Psalmen. 2 Könige. 5, 9-15..... 544 87. 91. 93. .. 25, 4-13... 25, 1-10 32. 33, 1-8. 34, 2-9 38, 1-10. 39, 5-9 45. ... .... 45, 3 • ● 45, 10-18. 46, 2-8. 51, 3-13. 51, 14-21 73, 23-28. 78, 23-27. 84. ... ... •. ● ● A ● . ● ● ● ● ● ● Seite · . 399 126 174 138 639 112 425 214 71 453 590 608 311 526 647 565 11 258 82 459 510 307 130 621 163 84 68 70 Seite 103, 1-13..... 309 103, 8-14. 421 104, 1-5. 33. 34 146 110. 338 111. 434 116, 1-14. 551 119, 1-8. 176 119, 32-40. 374 121. 125 128 559 652, 251 133. 146, 2-5. 146. 518 465 .. ● 1, 2-9. 5, 1-8. 7, 10-16. Jesajas. 11, 1-9. 38, 9-20 40, 1-10. 42, 1-10. 43, 21-28 53, 3-5. 54, 7-10. 57, 15-21 58, 1- 8. 60, 1-6. 63, 2-3. ● .. Sprüche Salomonis. 4, 13-24... 450 484 6, 16-23. ● ● ● . .. .. ... Prediger Salomonis. 2, 4-11.. 557 ... 11, 9-12, 2... 94 ● .... • ●.. . • 396 157 32 35 577 17 24 447 258 128 413 423 73 216 8, 9, Jeremias. 4-9... 386 1-7. 11. 12 494 17, 1-9. 17, 21-27. 3, 13-17. 4, 1-11 5, 1-9. 5, 20-26 5, 27-30. 6, 1-7. Alagelieder Jeremias. 3, 24-27.... 89 Evangel. Matthäi. 1, 20-23. 2, 1-12. 6, 19-23. 6, 24-34. 7, 15-23 7, 24-29. 8, 1-13. 8, 23-27. 8, 28-34. 14, 34-36. 15, 1-9. 15, 21-28. .... 15, 29-31. 16, 5-12. 16, 13-20. 16, 21-26. 17, 1-9. 17, 24-27. 18, 21-22. 18, 23-35. 20, 1-16. 21, 1-9. .. .. ● ... ● 9, 1-8. •.. 9, 18-26. 670 10, 1. 5-15.... 158 11, 2-10. 11, 16-24. 28 118 401 11, 25-30. 12, 1-8. 585 123 12, 14-21. 12, 46-50. 13, 24-30. 499 133 13, 44-50. 162 14, 22-27 150 114 497 . ... Gette . ● ●. ● 496 583 Seite 46 15 77 75 191 402 445 448 506 486 555 469 173 110 122 106 606 202 149 462 117 135 144 489 652 645 155 1 734 Hefetiel. 33, 7-12. 36, 25-31. Jonas. 3, 1-10.... Joel 3, 1-5..... 350 21, 1-9... 22, 1-14. 22, 15-22. 22, 23-33. 22, 34-46. 24, 15-28. 24, 36-42. 25, 1-13. 25, 31-46. 26, 6-13. Neues Testament. 26, 47-48. 26, 49-54. 26, 21-25. 26, 26-29 26, 30-35. 26, 36-41. 26, 42-44.. 26, 63-68. 27, 3-10. 27, 15-22. 27, 27-30. 27, 33-34. 27, 45-49 27, 52-56. 27, 50 ... 1, 4-8. 1, 16-22. 4, 26-32 7, 31-37. 8, 1-9. .. 9, 31-35 10, 13-16. 10, 17-25. .. 12, 1-9. 12, 41-44. 13, 31-37. 14, 41-42. Evangel. Marci. ● ● 14, 50-52. 14, 55-61.. Seite . • 383 346 522 .683 686 707 694 186 196 193 199 203 Seite 249 619 657 709 593 • 205 207 209 227 229 238 240 243 254 256 258 45 441 171 517 457 513 96 372 675 487 700 206 216 225 Micha. 6, 1-8..... 662 Sacharja. 12, 8-10..... 348 Maleachi. 3, 1-4..... 30 Seite 242 260 16, 1-8.. 261 16, 14-20..... 336 15, 20 15, 47 ..... Evangel. Luca. 1, 5-17. 1, 26-38. 1, 39-56. .... 6, 27-35. 6, 36-42. 7, 11-17. Gette 2, 1-14. 2, 15-20. 2, 21 2, 25-32. 2, 33-40. 2, 41-52. 2,51 89 ... 3, 7-14.. 508 5, 1-11..... 432 5, 35-39. 636 6, 17-23. 572 .... 537 .... 419 568 610 168 546 377 529 7, 36-50... 8, 4-15.. ● 8, 22-25.. 9, 57-62. 10, 23-37. 10, 38-42.. 103 11, 14-28.... 212 12, 13-21. ... 563 43 33 37 54 56 66 58 59 37 ● .. 12, 54-57..... 668 13, 6-9.. 65 13, 22-30. 650 14, 1-11. 581 14, 16-24.... 394 15, 1-10. 407 15, 11-16.. 410 15, 17-24.. 411 16, 1-9..... 481 16, 19-31..... 381 Seite 712 504 179 17, 11-19.... 542 18, 1-8. 18, 9-14. 18, 31-43. 19, 1-10. 19, 41-48. 21, 25-36. 22, 7-16. 22, 24-30. 22, 43-44. 22, 45-46. 22, 52-53. 22, 54-61. 23, 4-12. 23, 26-31. 23, 34 • 23, 35-43. 23, 45-46. 24, 13-35. 24, 36-43. Evangel. Johannis. 1, 1-10.... 1, 11-18 1, 19-28. 1, 43-49. 6, 1-15. 6, 38-40. 6, 47-54. 7, 37-46. 8, 28-32. 8, 31-40. 8, 46-59. ● 2, 1-11. 3, 1-15.. 3, 16-21. 4, 24-34. 4, 47-54. 5, 1-16. 5, 24-30. 10, 12-16. 10, 23-31. 12, 1-8. 13, 4-15. 14, 1-11. 14, 12-18. 41 664 99 368 358 333 632 115 675 223 477 460 279 677 648 236 288 290 185 194 317 319 14, 23-31 356 15, 1-8.. 270. 474 291 15, 10-16. 15, 17-21. 345 342 315 301 329 293 295 297 207 217 ● 18, 4-9. 18, 12-16. . ● 15, 26-16, 4 16, 5-15. 16, 16-23. 16, 23-30. 17, 1-10. 17, 11-18. 17, 19-26. ● • .. ●•.. ... ● .. . . 104 . 492 15 188 197 205 206 214 220 233 242 245 252 256 263 268 . ● 48 50 735 18, 19-24. 18, 28-38. 19, 4-5. 19, 18-22. 19, 23-24. 19, 25-27. 19, 28-30 19, 33-35. 19, 38-42. 20, 1-10. 20, 11-16. 20, 17-18. 20, 19-23. 20, 24-31. · 1, 1-11. 2, 1-13. 2, 37-42. 3, 1-11. Apostelgeschichte. 4, 31-37. 5, i- ii 9, 1-9. 9, 36-42. 10, 36-40. 10, 42-48. 16, 9-15 19, 23-20. 24, 24-26.. 5, 1-8. 6, 3-11. Römer. 2, 1-10.. 3, 10-20. 3, 23-28. ● . .. .. 6, 19-23. 8, 12-17 8, 18-23. 8, 31-39. 10, 8-18. 11, 33-36. 12, 1-6. 12, 7-16. 12, 17-21. 13, 1-7. 13, 8-10. 13, 11-14.. 15, 4-13. . ... ●. .. ● . • 1 Corinther. 1, 4-9... 3, 7-15. 4, 1-5 5, 6-8. 9, 24-10, 5 10, 6-14. 12, 1-11.. . ● ● ● ● • • ● • . Seite 218 231 233 243 245 251 254 612 260 281 283 285 275 277 334 354 362 570 363 365 436 535 148 438 170 561 451 428 408 532 323 443 455 467 417 325 80 367 85 97 108 659 120 717 13 592 160 26 266 153 479 490 Seite 13........ 177 502 271 15, 1-10.. 15, 42-49.. 2 Corinther. 3, 4-9..... 515 4, 13-18. 575 5, 6-11.. 6, 1-10. 574 189 11, 19-12, 9... 165 Galater. 533 527 4, 21-31. 221 5, 16-24. 540 5, 25-6, 9.... 553 2, 16-21. 3, 15-22. Ephefer. 623 . 698 79 566 4, 1-6... 579 4, 22-28.... 604 4, 29-32. 627 5, 1-9. 210 5, 15-21. 618 6, 1-9... 697 6, 10-17.... 631 1, 17-23. 2, 4-10. 2, 13-22. 3, 13-21.. ... ● • Philipper. 1, 3-11. 2, 5-11.. 2, 12-18.. 3, 3-11.. 2, 5-10. 3, 3, 12-17. 3, 16-25. 3, 12-14. 3, 12-15. 3, 17-21. 4, 4-7.. 4, 10-13. ● 1-6.. •• .• ... Coloffer. 1, 2-8..... 586 1, 9-14. 1, 15-23. • . 1 Thessalonicher. • 643 247 388 597 305 638 655 39 511 668 376 600 303 131 660 4, 1-7.. 4, 9-12. 4, 13-18..... 681 5, 1-11..... 705 200 599 1 Timotheum. 1, 12-17. 6, 6-11. 6, 12-16. 2 Timotheum. 1, 7-10.. 2, 1-3. 2, 19-22. 3, 14-17. 4, 1-4. .... • Titum. 1, 1-10.. 2, 11-14. 3, 4-7. . ●• ● •. 1 Petri. 703 140 321 107 .. 691 Seite ●• 415 398 673 ..• 1, 12-17. 1, 17-25. 2, 6-10. 625 483 476 2, 5-10 614 ·•. ● 2, 11-19..... 299 500 52 61 736 2, 21-25. 3, 8-15. 4, 1-5. 4, 8-11. 5, 6-11. 2 Petri. 1, 2-7... 1, 16-21. 3, 3-14. 1, 1-4. 2, 15-17. 3, 7-12. .. 1 Johannis. 3, 13-18. 4, 1-8. 4, 2-8 4, 16-21. 5, 4-10. 5, 8-10. .. . Ebräer. 2, 1-8... 4, 1-11. .. Seite 286 430 711 341 404 702 143 692 63 639 137 392 471 352 379 273 612 520 588 9, 11-15.... 9, 22-28. 672 11, 1-7.. 439 11, 13-19. 634 11, 23-29. 390 11, 32-38..... 141 Jacobi. 1, 16-21..... 313 1, 22-27. 327 3, 1-10.. 524 5, 16-20..... 331 Seite 234 .. Druck und Stereotypie von Trowitsch und Sohn in Berlin. Offenbarung Johannis. 1, 12-18..... 151 2, 1-7..... 602 2, 8-11.. 616 2, 12-17. 628 2, 18-29.. 641 3, 1-6. 653 3, 7-13. 666 3, 14-22... 678 ● 21, 1-5..... 714 22, 17-24..... 716 • Verzeichnis der durch den Evangelischen Bücher- Verein zu Berlin S. W. verlegten Bücher. ( Niederlage Oranienstraße Nr. 105.) Luther's gr. und kl. Katechismus, ungeb. 30 Pf., in Pappbd. 50 Pf., in Halbfranzbd. 90 Pf. Hauspostille, ungeb. 2 Mark 50 Pf., in Pappbd. 3 Mark 25 Pf., in Halbfranzbd. 3 Mark 75 Pf., in Lederbd. 4 Mark 50 Pf., in gepr. Lederbd. 4 Mark 75 Pf. Dr. Philipp Jakob Spener's Erklärung der christl. Lehre nach der Ordnung des kleinen Katechismus Lutheri, ungeb. 80 Pf., in Pappbd. 1 Mark 10 Pf., in Halbfranzbd. 1 Mark 50 Pf. Dr. Heinrich Müller's geistliche Erquickflunden, ungeb. 1 Mark, in Pappbb. 1 Mark 30 Pf., in Halbfrzbb. 1 Mark 75 Pf., in gepr. drbd. mit Goldschnitt 3 Mark. Joh. Arnd's wahres Christenthum, ungeb. 1 Mt. 50 Pf., in Pappbd. 2 Mt., in Halbfranzbd. 2 mk. 50 Pf., in gepr. Zdrbd. mit Goldschnitt 3 ME. 75 Pf. Concordia oder die Bekenntnißschriften der evangel.- luth. Kirche, ungeb. 1 Mark 75 Pf., in Pappbb. 2 Mark 25 Pf., in Halbfranzb. 2 Mark 75 Pf. Gebetbuch, enth. sämmtl. Gebete Luthers, wie auch Gebete v. Melanchthon, Bugenhagen, Matthesius, Habermann, Arnd u. a. Gott- erleuchtet. Männern, auf Druckp. ungeb. 1 Mark 75 Pf., in Pappbd. 2 Mark 25 Pf., in Hbfrzb. 2 Mf. 75 Pf., auf Velin- Schreibp. ungeb. 3 ME., eleg. geb. 4 Mt. 50 Pf. Unverfälschter Liedersegen, Gesangbuch für Kirchen, Schulen und Häuser, auf Druckp. ungeb. 1 Mark, in Pappbb. 1 Mark 40 Pf., in Hbfrzb. 1 Mark 60 Pf., in Lederbd. 2 Mark, auf Velin- Schreibp. ungebd. 2 Mark, in gepr. Lederbd. 3 Mark 25 Pf., in gepr. Lederbd. mit Goldschnitt 3 Mark 75 Pf. John Bunyan, Reise eines Christen nach der seligen Ewigkeit( mit Vignetten), ungeb. 70 Pf., in Pappbd. 1 Mark, in Halbfranzbd. 1 Mark 30 Pf. Heinrich Jung's, genannt Stilling, Lebensbeschreibung, ungeb. 70 Pf., in Pappbd. 1 Mark, in Halbfranzbd. 1 Mark 40 Pf. Dr. Joh. Philipp Fresenius, Seicht- u. Communionbuch, ungeb. 1 Mark, in Ppbb. 1 Mark 30 Pf., in Hlbfrzbd. 1 Mark 75 Pf., in gepr. Ldrb. m. Goldschn. 3 Mark. Evangelienbuch, d. i. die Episteln und Evangelien mit den Summarien und Collecten auf alle Sonn- und Fest- Tage, 84 Bilder; auf Druckp. ungeb. 1 Mt. 25 Pf., in Pappbd. 1 Mt. 60 Pf., in Halbfranzbd. 2 Mt. 25 Pf., auf Velin- Kupferdruckp. ungeb. 3 mt., in gepr. Ledbb. mit Goldschn. 5 ME. 25 Pf. M. Christian Scriver's Seelenschap. I. Bd. ungeb. 2 Mark 50 Pf., in Pappbd. 3 Mark, in Halbfranzbd. 3 Mark 50 Pf., elegant 4 Mark. II. Bd. ungebd. 3 Mark, in Pappbd. 3 Mark 50 Pf., in Halbfranzbb. 4 Mark, elegant 4 Mark 50 Pf. III. Bd. ungebd. 2 Mark 75 Pf., in Pappbd. 3 Mark 25 Pf., in Halbfranzbd. 3 Mark 75 Pf., elegant 4 Mart 25 Pf. Detaillirtes Sachregister zu allen 3 Bänden 10 Pf. M. Christian Scriver's Sufällige Andachten Gottholds, ungebv. 1 Mark, in Pappbd. 1 Mark 30 Pf., in Halbfranzbd. 1 Mart 75 Pf. Matthesins, Leben Luthers, ungeb. 1 Mark, in Pappbb. 1 Mark 30 Pf., in Halbfranzbd. 1 Mark 75 Pf. Bibel, altes und neues Testament, mit 327 Bildern, auf Druckpapier ungeb. 6 Mark, in Halbfranzbd. 7 Mart 25 Pf., in Lederbd. 8 Mark, in Ledbd. mit Goldschn. 9 Mark 50 Pf., auf Velin- Kupferdruckp. ungebd. 9 Mark, in Ldbd. mit Goldschn. 13 Mart, in feinstem Chagrinleder mit Goldschn. 17 Mark. Mit illustr. Familienchronik 25 Pf. mehr, aber nur auf feste Rechnung. Dr. Johann Jakob Nambach, Betrachtungen über das ganze Leiden Chrifti und die sieben letzten Worte des gekreuzigten Jesu, ungebd. 2 Mark 50 Pf., in Pappbd. 3 Mark, in Halbfranzbb. 4 Mart. Evangelien Postille zam borlesen in Kirchen und zum häuslichen Gebrauch. Predigten auf alle Sonn- u. Festtage des Kirchenjahres aus Luther, Müller, Scriver, Braftberger, Rieger, Schubert; ungeb. 4 Mark, in Ppbd. 4 Mark 75 Pf., in Hibfrzbd. 5 Mark 25 Pf., in Zdrbd. 6 Mark, in gepr. Ldrbd. 6 Mark 25 Pf. Thomas a Kempis, Nachfolge Chrifti, mit 5 Holzschnitten; auf Druckpapier ungeb. 60 Pf., in Pappband 85 Pf., in Calico 1 M. 35 Pf., auf Velin- Kupferdruckpapier ungeb. 1 Mart 25 Pf., in eleg. Calico 2 Mark, in eleg. Calico mit Goldschnitt 2 Mark 25 Pf., in gepr. Ldrb. mit Goldschnitt 2 Mark 75 Pf. Die Holzschnitte zu Thomas a Kempis' Nachfolge Christi mit passenden BibelTerten und Liederversen werden auch besonders verkauft; sämmtliche 5 Stück 10 Pf. Luthers Evangelien- Auslegung, herausgegeben von Chr. G. Eberle.( Nur auf feste Bestellung); ungebd. 4 Mark 50 Pf., in eleg. Einb. 6 Mark. Luthers Episteln- Auslegung, herausgegeben von Chr. G. Eberle.( Nur auf feste Bestellung); ungebd. 6 Mark, in eleg. Einb. 7 Mark 50 Pf. Luthers Psalmen- Auslegung, 2 Bände, herausgegeben von Chr. G. Eberle. ( Nur auf feste Bestellung); ungeb. 10 Mark 80 Pf., eleg. Hlbfrzbd. 14 Mark. Joh. Friedr. Stark, tägliches Handbuch in guten und bösen Tagen m. Anh. in Hlbfrzbv. m. Futt. 1 Mark 60 Pf. Ohne Anh. Hlbfrzbd. 1 Mark 50 Pf. Benjamin Schmolke's güldenes Kleinad, ungeb. 30 Pf., in Pappband 60 Pf., in Hlbfrzbd. 75 Pf. ( Dies Gebetbuch ist mit besonders großem Druck ausgestattet.) Misfionsgeschichte, in Heften, 1. Heft: Grönland, mit Abbildungen und Karte, 15 Pf. 2. Heft: Ceylon, 15 Pf. 3. Heft: Der rothe Mann, 40 Pf. 4. Heft: Der große Ocean und die Mission. A. Allgemeines. Neuholland, mit Abbildungen und Karte, 25 Pf. 5. Heft: B. Neuseeland, 30 Pf. 6. Heft: Allen Gardiner, Nachtrag zum rothen Mann, 15 Pf. 7. Heft: Der große Ocean und die Mission. C. Polynesien, 80 Pf. 8. Heft: Labrador, 30 Pf. Die Hefte sind auch auf feinem Papier zu erhöhten Preisen zu haben. Hausbuch. Tägliche Andachten für die Hausgemeinde, mit Liederversen, Schrifts abschnitten, Andachten und Gebeten für alle Tage im Jahre; auf Druckpapier ungebd. 2 Mark, in Pappbd. 2 Mark 40 Pf., in Halbfranzbd. 3 Mark, in eleg. Hlbfrbd. 3 Mart 25 Pf., in gepr. Ldrb. 4 Mark, in Fdrb. mit Goldschn. 4 Mark 50 Pf., auf Belinpapier ungeb. 3 Mark, in Chagrinlederbd. mit Goldschn. 6 Mark 50 Pf. Lebensbilder aus der Kirchengeschichte: 1. Band, ungebd. 1 Mark 70 Pf., Pappband 2 Mark, in Hlbfrzbd. 2 Mark 50 Pf., in eleg. Hlbfrzbd. 3 Mark, auf Belinpapier ungeb. 2 Mark 50 Pf., eleg. geb. 3 Mark 75 Pf. 2. Band, ungebd. 1 Mark 70 Pf., in Pappbd. 2 Mark, in Hlbfrzbd. 2 Mark 50 Pf., in eleg. Hlbfrzbd. 3 Mark, auf Velinpapier ungebd. 2 Mark 50 Pf., eleg. geb. 3 Mark 75 Pf. M. Ludwig Hofacker, Predigten für alle Sonn-, Fest- und Feiertage; ( vollständige Steinkopf'sche Ausgabe; nur auf feste Betellung) ungeb. 2 Mark 75 Pf., Hlbfrzbd. 3 Mart 75 Pf., eleg. Hlbfrzbb. 4 Mark 25 Pf. M. Christ. Scriver, Gotthold's Biech- und Siegesbette, ungebdn. 2 Mark 50 Pf., Pappband 3 Mark, Hlbfrzbb. 3 Mark 50 Pf.( Nur auf feste Bestellung.) M. Immanuel Gottlieb Braftberger, Evangelische Beugnisse der Wahrheit, in Hlbfrzbd. 5 Mark 50 Pf.( Nur auf feste Rechnung). Joh. Andreas Grammlich, 40 Betrachtungen von Christi Leiden und Tod. ( Nur auf feste Bestellung); ungeb. 1 M. 70 Pf., in Hlbfranzbd. 2 M. 50 Pf. Johann Porst, göttliche Führung der Seelen, ungeb. 1 Mart 25 Pf., in Ppbd. 1 Mark 60 Pf., in Hlbfrzbd. 2 Mark. Friedrich Werner, der rechte und unbetrügliche Himmelsweg.( Nur auf feste Rechnung); broch. 2 Mark 40 Pf., Halbfranzbb. 3 Mark. Johannes Kreyher, Gotteswort und Dichterwort.( Nur auf feste Rechuung); eleg. geb. 4 Mark. Genannte Schriften sind auch aus dem Commissions- Berlage von Wiegandt& Grieben in Berlin, Hallesches User 26, zu beziehen. in Friedrich feste Rech Johannes Krei Rechnung); eleg. geb Genannte Schriften sind auch a Wiegandt& Grieben in Berlin, Ha Inches 1 Centimetres Blue 2 ¹3 4 Cyan 2 15 414 17 Farbkarte# 13 3 Green 8 Yellow 9 4 10 Red 11 12 LO 5 13 Magenta 14 6 15 White 16 17 3/ Color 18 19 B.I.G. Black