形 4617 So Izt Geistliches Liederbuch aus dem Schat der Kirche alter und neuer Zeit geſammelt. Herausgegeben vom christlichen Verein im nördlichen Deutschland. 1878. Verlegt durch den christlichen Verein und zu haben in der Niederlage seiner Schriften bei A. Klöppel in Eisleben, wie auch bei G. E. Schulze in Leipzig. Gb 46 17 Univ.- Bibl. Giessen „ Werdet voll Geistes und redet unter, einander von Psalmen und Lobgesängen ,, und geistlichen Liedern, singet und spielet „ dem Herrn in eurem Herzen." Epheser 5, 18. 19. „ Singet dem Herrn ein neues Lied", das Lied des Evangeliums, daß verlorene Sünder ohne Verdienst gerecht werden aus Gottes Gnade durch die Erlösung, so durch Jesum Christum geschehen ist. So laß uns, lieber Christ, fleißig singen und von Herzen, dies Büchlein soll dazu behilflich sein; es ist so klein, daß du es auf allen deinen Wegen bei dir tragen und überall gebrauchen kannst, wohin du das große Kirchengesangbuch nicht mitnehmen magst, in christlichen Vereinen, in Sonntagsversammlungen, auf den Wanderungen zu christlichen Volks- und Missionsfesten, bei der Arbeit und auf Reisen; und es ist so billig, daß seine Anschaffung sehr leicht ist. Es enthält außer eigentlichen Kirchenliedern eine große Anzahl von neueren geistlichen lieblichen Liedern, welche sich in unserem evangelischen Volke eingebürgert haben. In der Aufeinanderfolge der Lieder ist die in den Gesangbüchern übliche Ordnung innegehalten, an welche die Gemeinden gewöhnt sind. Als eine dankenswerthe Zugabe wird das alphabetische Verzeichniß der Liederdichter aufgenommen werden mit kurzen Nachrichten über ihr Leben; die jedesmal am Schlussfe Vorrede. stehenden Ziffern bezeichnen die Lieder, welche von ihnen in unserem Liederbuche enthalten sind. Was den Tert der Lieder betrifft, so sind dabei die conservativen Grundsätze befolgt, welche sich in den funfziger und sechsziger Jahren bei der Bearbeitung und Wiederherstellung zahlreicher guter Gesangbücher ziemlich übereinstimmend gebildet haben; es sind die ursprünglichen Texte möglichst beibehalten und nur in wenigen Fällen geändert. Vielleicht sind Manchem auch diese Veränderungen schon zu viel, während Andere mehr gewünscht hätten. IV - So singe denn fleißig mit Herz und Mund, und du wirst voll Geistes werden und voll heiliger Freude, daß das Reich Gottes in dir ist, bis wir droben in der Herrlichkeit das Hohelied anstimmen; dazu helfe uns allen der Herr Jesus Chriftus, hochgelobt in Ewigkeit. Amen. Advent Weihnachten Neujahr Epiphanias Passion Ostern Himmelfahrt Pfingsten Trinitatis. Johannis Marientage Michaelis Sonntag Kirche Mission Wort Gottes Taufe. Abendmahl Buße Glaube Liebe zu Jesu. Gebetsleben Inhalts- Ueberficht. Allgemeine Betlieder Lob- und Danklieder Morgenlieder. Abendlieder Reiselieder Jahreszeiten Friedenslied . . Seite 1 10 26 29 31 51 64 72 87 90 92 97 100 106 114 124 130 136 147 160 . 177 214 214 224 239 . 254 . 268 . 273 277 VI Heiligungslieder Hausstand Vertrauen und Trost Die letzten Dinge. Inhalts- Uebersicht. ( Tod, Auferstehung, Gericht, Ewigkeit.) Anhang. Verzeichniß der Liederdichter. Alphabetisches Liederregister. 279 304 309 333 362 382 Advent. Weise: Von Gott will ich nicht lassen oder: Aus meines Herzens Grunde. 1. Auf, auf! ihr Reichsgenosſen, Eur König kommt heran, Empfanget unverdrossen Den großen Wundermann; Ihr Christen, geht herfür, Laßt uns vor allen Dingen Ihm Hosianna singen Mit heiliger Begier. 2. Auf! ihr betrübten Herzen, Der König ist gar nah; Hinweg all Angst und Schmerzen, Der Helfer ist schon da; Seht, wie so mancher Ort Hochtröstlich ist zu nennen, Da wir ihn finden können Im Nachtmahl, Tauf und Wort. 3. Auf, auf! ihr Vielgeplagten, Der König ist nicht fern; Seid fröhlich, ihr Verzagten, Dort kommt der Morgenstern; Der Herr will in der Noth Mit reichem Trost euch speisen, Gr will euch Hilf erweisen, Ja dämpfen gar den Tod. 4. Nun hört, ihr frechen Sünder, Der König merket drauf, Wenn ihr verlorne Kinder Im vollen Lasterlauf Auf Arges seid bedacht; Ja thut es ohne Sorgen, Gar nichts ist ihm verborgen, Er giebt auf alles Acht. 5. Seid fromm, ihr Unterthanen, Der König ist gerecht; Laßt uns den Weg ihm bahnen Und alles machen schlecht;* Fürwahr er meint es gut, Drum lasset uns die Plagen, Die er uns schickt, ertragen Mit unerschrocknem Muth. 6. Und wenn gleich Krieg und Flammen Uns alles rauben hin, Geduld! weil ihm zusammen Gehört doch der Gewinn; Wenn gleich ein früher Tod Die Kinder uns genommen, Wohlan, so sind sie kommen Ins Leben aus der Noth. * schlicht. Geistl. Liederbuch. 1 Advent. 7. Frisch auf in Gott, ihr Armen, Der König sorgt für euch, Er will durch sein Erbarmen Guch machen groß und reich; Der an ein Thier gedacht, Der wird euch auch ernähren; Was Menschen nur begehren. Das steht in seiner Macht. 2 8. Hat endlich uns betroffen Viel Kreuz, läßt er doch nicht Die, welch auf ihn stets hoffen Mit rechter Zuversicht; Von Gott kommt alles her, Der läsfet auch im Sterben Die Seinen nicht verderben, Sein Hand ist nicht zu schwer. 9. Frisch auf, ihr Hochbetrübten, Der König kommt mit Macht, An uns, sein Herzgeliebten, Hat er schon längst gedacht; nun wird kein Angst und Pein, Noch Zorn hinfort uns schaden, Dieweil uns Gott aus Gnaden Läßt seine Kinder sein. 10. So lauft mit schnellen Schritten, Den König zu befehn, Dieweil er kommt geritten Stark, herrlich, sanft und schön; Nun tretet all heran, Den Heiland zu begrüßen, Der alles Kreuz versüßen Und uns erlösen kann. 11. Der König will bedenken Die, so er herzlich liebt, Mit föstlichen Geschenken, Als der sich selbst uns giebt Durch seine Gnad und Wort; Ja, König hoch erhoben, Wir alle wollen loben Dich freudig hier und dort. 12. Nun, Herr, du giebst uns reichlich, Wirst ſelbst doch arm und schwach; Du liebest unvergleichlich, Du jagst den Sündern nach; Drum wolln wir all in ein Die Stimmen hoch erschwingen, Ein Hostanna singen Und ewig dankbar sein. Joh. Rist. Weise: Nun komm der Heiden Heiland. 2. Gott sei Dank durch alle Welt, Der sein Wort beständig hält Und der Sünder Trost und Rath Zu uns hergesendet hat. 2. Was der alten Väter Schaar Höchster Wunsch und Sehnen war, Und was sie geprophezeit, Ist erfüllt nach Herrlichkeit. Advent. 3 3. Zions Hilf und Abrams Lohn, Jakobs Heil, der Jungfrau Sohn, Der wohl zweigestammte Held Hat sich treulich eingestellt. 4. Sei willkommen, o mein Heil! Hostanna, o mein Theil! Richte du auch eine Bahn Dir in meinem Herzen an. 5. 3euch, du hrenkönig, ein, Es gehöret dir allein; Mach es wie du gerne thust, Rein von aller Sünden Wust. 6. Und gleichwie dein Zukunft war Voller Sanftmuth ohn Gefahr; Also sei auch jederzeit Deine Sanftmuth mir bereit. 7. Tröste, tröste meinen Sinn, Weil ich schwach und blöde bin, Und des Satans schlaue List Sich zu hoch für mich vermißt. 8. Tritt der Schlangen Kopf entzwei, Daß ich, aller Aengsten frei, Dir im Glauben um und an Selig bleibe zugethan. 9. Daß, wenn du, o Lebensfürst, Prächtig wiederkommen wirst, Ich dir mög entgegen gehn Und vor dir gerecht bestehn. Heinr. Held. Weise: Meinen Jesum laß ich nicht. 3. Hosanna! Davids Sohn Kommt in Zion eingezogen, Ach, bereitet ihm den Thron, Sept tausend Ehrenbogen. Streuet Palmen, machet Bahn, Daß er Einzug halten kann. 2. Hosianna! sei gegrüßt! Komm, wir gehen dir entgegen: Unser Herz ist schon gerüst, Will sich dir zu Füßen legen. Zeuch zu unsern Thoren ein, Du sollst uns willkommen sein! 3. Hosianna! Friedensfürst, Ehrenkönig, Held im Streite! Alles, was du schaffen wirst. Das ist unsre Siegesbeute. Deine Rechte bleibt erhöht Und dein Reich allein besteht. 4. Hostanna! lieber Gast, Wir sind deine Reichsgenoffen, Die du dir erwählet hast; Ach so laß uns unver 4 Advent. droffen Deinem Scepter dienstbar sein: Herrsche du in uns allein. 5. Hosianna! komme bald, Laß uns deine Sanftmuth küssen; Wollte gleich die Knechtsgestalt Deine Majestät verschließen, Ei, so kennet Zion schon Gottes und auch Davids Sohn. 6. Hostanna! steh uns bei! O Herr hilf, laß wohl gelingen, Daß wir ohne Heuchelei Dir das Herz zum Opfer bringen. Du nimmst keinen Jünger an, Der dir nicht gehorchen kann. 7. Hostanna! laß uns hier An den Delberg dich begleiten, Bis wir einstens für und für Dir ein Psalmenlied bereiten; Dort ist unser Bethphage: Hostanna in der Höh! 8. Hosianna nah und fern! Eile bei uns einzugehen. Du Gesegneter des Herrn, Warum willst du draußen stehen? Hostanna! bist du da? Ja du kommst, Halleluja! Benj. Schmolck. 4. die die macht weit! Es kommt der Herr der Herrlichkeit, Ein König aller Königreich, Gin Heiland aller Welt zugleich, Der Heil und Leben mit sich bringt; Derhalben jauchzt, mit Freuden singt: Gelobet sei mein Gott, Mein Schöpfer, reich von Rath. gerecht, ein Helfer werth, Sanftmüthigkeit ist sein Gefährt, Sein Königskron ist Heiligkeit, Sein Scepter ist Barmherzigkeit, All unsre Noth zum End er bringt; Derhalben jauchzt, mit Freuden singt: Gelobet fei mein Gott, Mein Heiland, groß von That! 2. Gr 3. O wohl dem Land, o wohl der Stadt, So diesen König bei sich hat! Wohl allen Herzen insgemein, Da dieser König ziehet ein! Er ist die rechte Freudensonn, Bringt mit sich lauter Freud und Wonn: Gelobet sei mein Gott, Mein Tröster, früh und spat! 4. Macht hoch die Thür, die Thor macht weit, Guer Herz zum Tempel zubereit, Die Zweiglein der Gottseligkeit Advent. Steckt auf mit Andacht, Lust und Freud, So kommt der König auch zu euch, Ja Heil und Leben mit zugleich: Gelobet sei mein Gott, Voll Rath, voll That, voll Gnad! 5. Komm, o mein Heiland Jesu Christ, Meins Herzens Thür dir offen ist; Ach zeuch mit deiner Gnade ein, Dein Freundlichkeit auch uns erschein, Dein heilger Geist uns führ und leit Den Weg zur ewgen Seligkeit: Dem Namen dein, o Herr, Sei ewig Preis und Ehr! G. Weissel. Weise: Von Gott will ich nicht lassen. it Ernst, o Menschenkinder, Das Herz in euch be5. Wunderheld, Den Gott aus Gnad allein Der Welt zum Licht und Leben Gesendet und gegeben Bei euch auch kehre ein. 2. Bereitet doch fein tüchtig Den Weg dem großen Gast, Macht seine Steige richtig, Laßt alles, was er haft; Macht alle Bahnen recht, Die Thal laßt sein erhöhet, Macht niedrig, was hoch stehet, Was krumm ist, gleich und schlecht. 3. Ein Herz, das Demuth übet, Bei Gott am höchsten steht; Ein Herz, das Hochmuth liebet, Mit Angst zu Grunde geht; Ein Herz, das richtig ist und folget Gottes Leiten, Das kann sich recht bereiten, Zu dem kommt Jesus Christ. 4. Ach mache du mich Armen Zu dieser heilgen Zeit Aus Güte und Erbarmen, Herr Jesu, selbst bereit; Zeuch in mein Herz hinein Vom Stall und von der Krippen, So werden Herz und Lippen Dir allzeit dankbar sein! Val. Thilo. 6. Weise: Von Gott will ich nicht oder: Aus meines Herzens Grunde. Jun jauchzet all, ihr Frommen! In dieser Gnadenzeit, Weil unser Heil ist kommen, Der Herr der Herrlichkeit; Zwar ohne stolze Pracht, Doch mächtig, zu verheeren Und gänzlich zu zerstören Des Teufels Reich und Macht. Advent. 2. Er kommt zu uns geritten Auf einem& felein Und stellt sich in die Mitten Für uns zum Opfer ein; Gr bringt kein zeitlich Gut, Er will allein erwerben Durch seinen Tod und Sterben, Was ewig währen thut. 6 3. Kein Scepter, keine Krone Sucht er in dieser Welt, Im hohen Himmelsthrone Ist ihm sein Reich bestellt; Gr will hier seine Macht Und Majestät verhüllen, Bis er des Vaters Willen Im Leiden hat vollbracht. 4. Ihr großen Potentaten, Nehmt diesen König an, Wenn ihr euch wollet rathen Und gehn die rechte Bahn, Die zu dem Himmel führt; Sonst, wo ihr ihn verachtet Und nur nach Hoheit trachtet, Euch Gottes Zorn einst rührt. 5. Ihr Armen und Glenden In dieser bösen Zeit, Die ihr an allen Enden Müßt haben Angst und Leid, Seid dennoch wohlgemuth! Laßt eure Lieder klingen Und thut dem König singen, Der ist euer höchstes Gut. 6. Er wird nun bald erscheinen In seiner Herrlichkeit Und all euer Klag und Weinen Verwandelen in Freud; Er ist, der helfen kann; Halt eure Lampen fertig Und seid stets sein gewärtig, Er ist schon auf der Bahn. Mich. Schirmer.. Weise: Erschienen ist der herrlich Tag. 7. Jun kommt das neue Kirchenjahr, Des freut sich alle Christenschaar. Dein König kommt, drum freue dich, Du werthes Zion ewiglich. Halleluja! 2. Wir hören noch das Gnadenwort, Vom Anfang immer wieder fort, Das uns den Weg zum Leben weist. Gott fei für seine Gnad gepreist! Halleluja! 3. Gott, was uns deine Wahrheit lehrt, Die unsern Glauben stets vermehrt, Laß in uns bleiben, daß wir dir Lob und Preis sagen für und für! Halleluja! Joh. Olearius. Advent. 7 Tochter Zion, freue dich!- Jauchze laut, Jeruſalem! Sieh, dein König kommt zu dir, Ja er kommt, - 8. der Friedefürst! L 2. Hostanna, Davids Sohn! Sei gefegnet deinem Volk! Gründe nun dein ewig Reich. Hostanna in der Höh! 3. Hosianna, Friedefürst! Sei gegrüßet, König mild! Ewig steht dein Friedensthron, Du des ewgen Vaters Kind. Weise: Werde munter mein Gemüthe. 9. Marum willst du draußen stehen, Du Gesegneter des Herrn? Laß dir, bei mir einzugehen, Wohlgefallen, du mein Stern! Du mein Jesu, meine Freud, Helfer in der rechten Zeit, Hilf, o Heiland, meinem Herzen Von den Wunden, die mich schmerzen. 2. Meine Wunden sind der Jammer, Welchen oftmals Tag und Nacht Des Gesetzes starker Hammer Mir mit seinem Schrecken macht. O der schweren Donnerstimm, Die mir Gottes Zorn und Grimm Also tief ins Herze schläget, Daß sich all mein Blut beweget. 3. Dazu kommt des Teufels Lügen, Der mir alle Gnad absagt, als müßt ich nun ewig liegen In der Höllen, die ihn plagt; Ja auch, das noch ärger ist, So zermartert und zerfrißt Mich mein eigenes Gewissen Mit vergiften Schlangenbissen. 4. Will ich denn mein Glend lindern Und erleichtern meine Noth Bei der Welt und ihren Kindern, Fall ich vollends in den Koth; Da ist Trost, der mich betrübt, Freude, die mein Unglück liebt, Helfer, die mir Herzleid machen, Gute Freunde, die mein lachen. 5. In der Welt ist alles nichtig, Nichts ist, das nicht kraftlos wär: Hab ich Hoheit, die ist flüchtig; Hab ich Reichthum, was ists mehr, Als ein Stäublein armer Erd? Hab ich Lust, was ist sie werth? Was ist, das mich heut erfreue, Das mich morgen nicht gereue? Advent. 6. Aller Trost und alle Freude Ruht in dir, Herr Jeſu Christ, Dein Erfreuen ist die Weide, Da man sich recht fröhlich ist; Leuchte mir, o Freudenlicht, Ehe mir mein Herze bricht, Laß mich, Herr, an dir erquicken, Jesu, komm, laß dich erblicken! 7. Freu dich, Herz, du bist erhöret, Jezzo kommt und zeucht er ein, Sein Gang ist zu dir gekehret, Heiß ihn nur willkommen sein, Und bereite dich ihm zu, Gieb dich ganz zu seiner Ruh, Deffne dein Gemüth und Seele, Klag ihm, was dich drück und fehle. 8. Sichst du, wie sich alles setzet, Was dir vor zuwiderstund? Hörst du, wie er dich ergößet Mit dem zuckersüßen Mund? Ei, wie läßt der große Drach All sein Thun und Toben nach; Er muß aus dem Vortheil ziehen Und in seinen Abgrund fliehen. 9. Nun, du hast ein süßes Leben, Alles, was du willst ist dein; Christus, der sich dir ergeben, Legt sein Reichthum bei dir ein; Seine Gnad ist deine Kron, Und du bist sein Stuhl und Thron, Er hat dich in sich geschlossen, Nennt dich seinen Hausgenossen. 10. Seines Himmels güldne Decke Spannt er rings um dich herum, Daß dich fort nicht mehr erschrecke Deines Feindes Ungestüm; Seine Engel stellen sich Dir zur Seiten, wenn du dich Hier willst oder dort hinwenden, Tragen ste dich auf den Händen. 11. Was du Böses hast begangen, Das ist alles abgeschafft; Gottes Liebe nimmt gefangen Deiner Sünden Macht und Kraft; Christi Sieg behält das Feld, Und was Böses in der Welt Sich will wider dich erregen, Wird zu lauter Glück und Segen. 12. Alles dient zu deinem Frommen, Was dir bös und schädlich scheint, Weil dich Christus angenommen Und es treulich mit dir meint; Bleibest du dem wieder treu, Ists gewiß und bleibt dabei, Daß du mit den Engeln droben Ihn dort ewig werdest loben. P. Gerhardt. Advent. Weise: Valet will ich dir geben. 10. Wie soll ich dich empfangen? Und wie begegn ich dir? O aller Welt Verlangen, O meiner Seelen 3ier! Jesu, Jesu, sebze Mir selbst die Fackel bei, Damit, was dich ergöße, Mir kund und wissend sei. 9 2. Dein Zion streut dir Palmen Und grüne Zweige hin; Und ich will dir in Psalmen Ermuntern meinen Sinn, Mein Herze soll dir grünen In stetem Lob und Preis Und deinem Namen dienen, So gut es kann und weiß. 3. Was hast du unterlassen Zu meinem Trost und Freud? Als Leib und Seele saßen In ihrem größten Leid, Als mir das Reich genommen, Da Fried und Freude lacht, Da bist du, mein Heil, kommen Und hast mich froh gemacht. 4. Ich lag in schweren Banden, Du kommst und machst mich los; Ich stand in Spott und Schanden, Du kommst und machst mich groß Und hebst mich hoch zu Ehren Und schenkst mir großes Gut, Das sich nicht läßt verzehren, Wie irdisch Reichthum thut. 5. Nichts, nichts hat dich getrieben Zu mir vom Himmelszelt, Als das geliebte Lieben, Damit du alle Welt In ihren tausend Plagen Und großem Jammerlast, Die kein Mensch kann aussagen, So fest umfangen hast. 6. Das schreib dir in dein Herze, Du hochbetrübtes Heer, Bei denen Gram und Schmerze Sich häuft je mehr und mehr; Seid unverzagt, ihr habet Die Hilfe vor der Thür, Der eure Herzen labet Und tröstet, steht allhier. 7. Ihr dürft euch nicht bemühen, Noch sorgen Tag und Nacht, Wie ihr ihn wollet ziehen Mit eures Armes Macht; Er kommt, er kommt mit Willen, Ist voller Lieb und Lust, All Angst und Noth zu stillen. Die ihm an euch bewußt. 8. Auch dürft ihr nicht erschrecken Vor eurer Sündenschuld; Nein, Jesus will sie decken Mit seiner Lieb und Huld! Er kommt, er kommt den Sündern Zum Trost und wahren Heil, Schafft, daß bei Gottes Kindern Verbleib ihr Erb und Theil. 1** Weihnachten. 9. Was fragt ihr nach dem Schreien Der Feind und ihrer Tück? Ihr Herr wird ste zerstreuen In einem Augenblick; Er kommt, er kommt ein König, Dem wahrlich alle Feind Auf Erden viel zu wenig Zum Widerstande seind. 10 10. Er kommt zum Weltgerichte, Zum Fluch dem, der ihm flucht; Mit Gnad und süßem Lichte Dem, der ihn liebt und sucht. Ach komm, ach komm, o Sonne! Und hol uns allzumal zum ewgen Licht und Wonne In deinen Freudensaal. P. Gerhardt. Beihnachten. Dies est laetitiae. 11. Der Tag, der ist so freudenreich Aller Creature, Denn Gottes Sohn vom Ueber die Nature Von einer Jungfrau ist geborn: Maria, du bist auserforn, Daß du Mutter wärest. Was geschah so wunderlich? Gottes Sohn vom Himmelreich, Der ist Mensch geboren. 2. Ein Kindelein so löbelich Ist uns geboren heute Von einer Jungfrau säuberlich, Zu Trost uns armen Leuten. War uns das Kindlein nicht geborn, So wärn wir allzus mal verlorn; Das Heil ist unser aller. Ei, du süßer Jesu Christ! Der du Mensch geboren bist, Behüt uns vor der Hölle! 3. Als die Sonn durchscheint das Glas Mit ihrem klaren Scheine, Und doch nicht versehret das, So merket allges meine: In gleicher Weis geboren ward Von einer Jungs frau rein und zart Gottes Sohn der werthe; In ein Kripp mard er gelegt, Große Warter für uns trägt Hie auf dieser Erde. 4. Die Hirten auf dem Felde warn, Erfuhren neue Mähre Ben den engelischen Schaarn, Wie Christ geboren wäre, Weihnachten. 11 Ein König über alle Könige groß; Herod die Red gar sehr verdroß, Aussfandt er seine Boten: Ei! wie gar ein falsche List Erdacht er wider Jesum Christ! Die Kindlein ließ er tödten. Weise: O daß ich tausend Zungen hätte. 12. Dies ist die Nacht, da mir erschienen Des großen Gottes dem Engel dienen, Bringt Licht in meine Dunkelheit, Und dieses Weltund Himmelslicht Weicht hunderttausend Sonnen nicht. 2. Laß dich erleuchten, meine Seele, Versäume nicht den Gnadenschein! Der Glanz in dieser kleinen Höhle Streckt sich in alle Welt hinein, Er treibet weg der Höllen Macht, Die Sünden-, Kreuz- und Todesnacht. 3. In diesem Lichte kannst du sehen Das Licht der klaren Seligkeit; Wenn Sonn und Mond und Stern vergehen Vielleicht noch in gar kurzer Zeit, Wird dieses Licht mit seinem Schein Dein Himmel und dein Alles sein. 4. Laß nur indessen helle scheinen Dein Glaubens- und dein Liebeslicht; Mit Gott mußt du es treulich meinen, Sonst hilft dir diese Sonne nicht; Willst du genießen diesen Schein, So darfst du nicht mehr dunkel sein. 5. Drum, Jesu, schöne Weihnachtssonne, Bestrahle mich mit deiner Gunst! Dein Licht sei meine Weihnachtswonne Und lehre mich die Weihnachtskunst, Wie ich im Lichte wandeln soll Und sei des Weihnachtsglanzes voll. Casp. Fr. Nachtenhöfer. Geistliche Volksweise. Es ist ein Ros entsprungen Aus einer Wurzel zart, 13. Wie uns die Alten fungen, Von Jeſſe kam die Art, Und hat ein Blümlein bracht Mitten im kalten Winter Wohl zu der halben Nacht. 2. Das Röslein, das ich meine, Davon Jesaia sagt, hat uns gebracht alleine Marie, die reine Magd. Aus Weihnachten. Gottes ewgem Rath Hat sie ein Kind geboren Wohl zu der halben Nacht. 3. Das Blümelein so kleine, Das duftet uns so süß. Mit seinem hellen Scheine Vertreibts die Finsterniß; Wahr Mensch und wahrer Gott, Hilft uns aus allem Leide, Rettet von Sünd und Tod. 12 4. Lob, Ehr sei Gott dem Vater, Dem Sohn und heilgen Geist! Maria, Gottesmutter, Sei hochgebenedeit! Der in der Krippe lag, Der wendet Gottes Zorne, Wandelt die Nacht in Tag. 5. O Jesu, bis zum Scheiden Aus diesem Jammerthal, Laß deine Hilf uns leiten Hin in den Freudensaal, In deines Vaters Reich, da wir dich ewig loben. O Gott, uns das verleih! 14. Freuet euch, ihr Christen alle! Freue sich, wer immer kann! Gott hat viel an uns gethan; Freuet euch mit großem Schalle! Daß er uns so hoch geacht, Sich mit uns befreundt gemacht. Freude, Freude über Freude! Christus wehret allem Leide; Wonne, Wonne über Wonne! Er ist die Genadensonne. 2. Siehe, stehe, meine Seele, Wie dein Heiland kommt zu dir, Brennt in Liebe für und für, Daß er in der Krippen Höhle Harte lieget dir zu gut, Dich zu lösen durch sein Blut. Freude, Freude über Freude! Christus wehret allem Leide; Wonne, Wonne über Wonne! Er ist die Genadensonne. 3. Jesu, wie soll ich dir danken? Ich bekenne, daß von dir Meine Seligkeit herrühr. Ach laß mich von dir nicht wanken, Nimm mich dir zu eigen hin, So empfindet Herz und Sinn Freude, Freude über Freude! Christus wehret allem Leide; Wonne, Wonne über Wonne! Er ist die Genadensonne. 4. Jesu, nimm dich deiner Glieder Ferner doch in Gnaden an; Schenke, was man bitten kann, Zu erquicken deine 13 Brüder; Gieb der ganzen Christenschaar Frieden und ein selig Jahr! Freude, Freude über Freude; Christus wehret allem Leide! Wonne, Wonne über Wonne! Er ist die Genadensonne. Chr. Kehmann. Weihnachten. 15. Fröhlich soll mein Herze springen Dieser Zeit, Da vor Freud Alle Engel singen. Hört, hört, wie mit vollen Chören Alle Luft Laute ruft: Christus ist geboren! 2. Heute geht aus seiner Kammer Gottes Held, Der die Welt Reißt aus allem Jammer; Gott wird Mensch dir, Mensch, zu gute, Gottes Kind Das verbindt Sich mit unserm Blute. 3. Sollt uns Gott nun können hassen, Der uns giebt, Was er liebt Ueber alle Maßen? Gott giebt, unserm Leid zu wehren, Seinen Sohn Aus dem Thron Seiner Macht und Ehren. 4. Sollte von uns sein gekehret, Der sein Reich Und zugleich Sich selbst uns verehret? Sollt uns Gottes Sohn nicht lieben, Der jetzt kommt, Von uns nimmt, Was uns will betrüben? 5. Hätte vor der Menschen Orden Unser Heil Ginen Gräul, Wär er nicht Mensch worden; Hätt er Lust zu unserm Schaden, Gi, so würd Unsre Bürd Er nicht auf sich laden. 6. Er nimmt auf sich, was auf Erden Wir gethan, Giebt sich an, Unser Lamm zu werden, Unser Lamm, das für uns stirbet Und bei Gott Für den Tod Heil und Fried erwirbet. 7. Nun er liegt in seiner Krippen, Ruft zu sich Mich und dich, Spricht mit süßen Lippen: Lasset fahrn, o lieben Brüder, Was euch fehlt, Was euch quält, Ich bring alles wieder. 8. Ei, so kommt und laßt uns laufen, Stellt euch ein, Groß und Klein, Kommt mit großen Haufen! Liebt den, 14 Weihnachten. der vor Liebe brennt, Schaut den Stern, Der uns gern Licht und Labsal gönnet. 9. Die ihr schwebt in großen Leiden, Sehet, hier Ist die Thür Zu den wahren Freuden; Faßt ihn wohl, er wird euch führen An den Ort, Da hinfort Euch kein Kreuz wird rühren. 10. Wer sich findt beschwert im Herzen, Wer empfindt Seine Sünd Und Gewissensschmerzen: Sei getrost! hier wird gefunden, Der in Eil Machet heil Die vergiften Wunden. 11. Die ihr arm seid und elende, Kommt herbei, Füllet frei Eures Glaubens Hände: Hier sind alle guten Gaben Und das Gold, Da ihr sollt Euer Herz mit laben. 12. Süßes Heil, laß dich umfangen, Laß mich dir, Meine Zier, Unverrückt anhangen, Du bist meines Lebens Leben; Nun kann ich mich durch dich Wohl zufrieden geben. 13. Meine Schuld kann mich nicht drücken, Denn du hast Meine Last All auf deinem Rücken; Kein Fleck ist an mir zu finden, Ich bin gar Rein und klar Aller meiner Sünden. 14. Ich bin rein um deinetwillen, Du giebst gnug Ehr und Schmuck, Mich drein einzuhüllen; Ich will dich ins Herze schließen, O mein Ruhm, Edle Blum, Laß dich recht genießen. 15. Ich will dich mit Fleiß bewahren, Ich will dir Leben hier, Dir will ich abfahren; Mit dir will ich endlich schweben Voller Freud Ohne Zeit Dort im andern Leben. P. Gerhardt. 16. Gelobet feist du, Jefu Chrift! Daß du Mensch g boren bist Von einer Jungfrau, das ist wahr, Deß freuet sich der Engel Schaar. Kyrieleis! 2. Des ewgen Vaters einig Kind Jetzt man in der Krippen findt, In unser armes Fleisch und Blut Verkleidet sich das ewge Gut. Kyrieleis! Weihnachten. 15 3. Den aller Welt Kreis nie beschloß, Der liegt in Mariens Schooß; Er ist ein Kindlein worden klein, Der alle Ding erhält allein. Kyrieleis! 4. Das ewge Licht geht da herein, Giebt der Welt ein neuen Schein, Es leucht wohl mitten in der Nacht Und uns des Lichtes Kinder macht. Kyrieleis! 5. Der Sohn des Vaters, Gott von Art, Ein Gast in der Welt hier ward Und führt uns aus dem Jammerthal, Er macht uns Erben in seinem Saal. Kyrieleis! 6. Er ist auf Erden kommen arm, Daß er unser sich erbarm Und in dem Himmel mache reich Und seinen lieben Engeln gleich. Kyrieleis! 7. Das hat er alles uns gethan, Sein groß Lieb zu zeigen an. Deß freu sich alle Christenheit Und dank ihm deß in Ewigkeit. Kyrieleis! M. Luther. Herbei, o ihr Gläubigen, fröhlich triumphirend, O 17.& fommet, o tommet nach Bethlehem! Sehet das Kindlein, uns zum Heil geboren! O lasset uns anbeten, Olasset uns anbeten, Olaffet uns anbeten den König! 2. König der Ehren, du Herrscher der Heerschaaren, Verschmähst nicht zu ruhen in Mariens Schooß. Du wahrer Gott, von Ewigkeit geboren. O laffet uns anbeten 2c. 3. Kommt, singet dem Herrn, o singt ihm, Engelchöre! Frohlocket, frohlocket, ihr Seligen: Ehre sei Gott im Himmel und auf Erden! O lasset uns anbeten sc. 4. Dir, der du heute bist ein Mensch für uns geboren, Jesu, dir sei Ehre, Preis und Ruhm, Dir Fleisch gewordnes Wort des ewgen Vaters! O lasset uns anbeten ic. Weise: Es ist gewißlich an der Zeit oder: Nun freut euch lieben Christen. 18. Ich steh an deiner Krippen hier, O Jeſulein, mein Leben, Ich stehe, bring und schenke dir, Was du mir hast gegeben; Nimm hin, es ist mein Geist und 16 Weihnachten. Sinn, Herz, Seel und Muth, nimm alles hin Und laß dirs wohlgefallen. 2. Du hast mit deiner Lieb erfüllt Mein Adern und Geblüte; Dein schöner Glanz, dein süßes Bild Liegt mir stets im Gemüthe; Und wie mag es auch anders sein, Wie könnt ich dich, mein Herzelein, Aus meinem Herzen lassen? 3. Da ich noch nicht geboren war, Da bist du mir geboren, Und hast mich dir zu eigen gar, Ch ich dich kannt, erkoren; Eh ich durch deine Hand gemacht. Da hat dein Herze schon bedacht, Wie du mein wolltest werden. 4. Ich lag in tiefer Todesnacht, Du wurdest meine Sonne, Die Sonne, die mir zugebracht Licht, Leben, Freud und Wonne; O Sonne, die das werthe Licht Des Glaubens in mir zugericht, Wie schön sind deine Strahlen! 5. Ich sehe dich mit Freuden an Und kann mich nicht satt sehen, Und weil ich nun nicht weiter kann, So thu ich, was geschehen; O daß mein Sinn ein Abgrund wär, Und meine Seel ein weites Meer, Daß ich dich möchte fasſen! 6. Vergönne mir, o Jesulein, Daß ich im Geiste küſſe Dein Mündlein, das den süßen Wein, Auch Milch und Honigflüsse Weit übertrifft in seiner Kraft, Es ist voll Labsal, Stärk und Saft, Der Mark und Bein erquicket. 7. Wenn oft mein Herz im Leibe weint Und keinen Trost kann finden, Da ruft mirs zu: ich bin dein Freund, Ein Tilger deiner Sünden; Was trauerst du, mein Fleisch und Bein? Du sollst ja guter Dinge sein, Ich zahle deine Schulden. 8. Wer ist der Meister, der allhier Nach Würdigkeit ausstreichet Die Händlein, so das Kindlein mir Anlachende zureichet? Der Schnee ist hell, die Milch ist weiß, Verlieren doch bald ihren Preis, Wenn diese Händlein blinken. 9. Wo nehm ich Weisheit und Verstand, Mit Lobe zu erhöhen Die Aeuglein, die so unverwandt Nach mir gerichtet stehen? Der volle Mond ist schön und klar, Schön 17 Weihnachten. ist der güldnen Sterne Schaar, Diese Aeuglein sind viel schöner. 10. O daß doch ein so lieber Stern Soll in der Krippen liegen! Für edle Kinder großer Herrn Gehören güldne Wiegen. Ach! Heu und Stroh sind viel zu schlecht; Sammt, Seiden, Purpur wären recht, Dich, Kindlein drauf zu legen. 11. Nehmt weg das Stroh, nehmt weg das Heu, Ich will mir Blumen holen, Daß meines Heilands Lager sei Auf Rosen und Violen; Mit Tulpen, Nelken, Rosmarin Aus frischen Gärten will ich ihn Von oben her bestreuen. 12. 3ur Seiten will ich hier und da Viel weiße Lilien stecken, Die sollen seiner Aeuglein Paar Im Schlafe sanft bedecken. Doch liebt* vielleicht das dürre Gras Dir, Kindlein, mehr als alles das, Was ich hier nenn und denke. 13. Du fragest nicht nach Lust der Welt, Noch nach des Leibes Freuden; Du hast dich bei uns eingestellt, An unsrer Statt zu leiden, Suchst meiner Seelen Trost und Freud Durch allerhand Beschwerlichkeit, Das will ich dir nicht wehren. 14. Gins aber, hoff ich, wirst, du mir, Mein Heiland, nicht versagen, Daß ich dich möge für und für In, bei und an mir tragen; So laß mich doch dein Kripplein sein, Komm, komm und lege bei mir ein Dich und all deine Freuden. 15. Zwar sollt ich denken, wie gering Ich dich bewirthen werde, Du bist der Schöpfer aller Ding, Ich bin nur Staub und Erde; Doch bist du so ein lieber Gast, Daß du noch nie verschmähest hast Den, der dich gerne siehet. P. Gerhardt. Weise: Wie reizend und wonnig. 19. Ihr Kinderlein, kommet, o kommet doch all Zur Krippe her, kommet in Bethlehems Stall, Und seht, was in dieser hochheiligen Nacht Der Vater im Himmel für Freude uns macht! * beliebt. Weihnachten. 2. seht in der Krippe, im nächtlichen Stall, Seht hier bei des Lichtleins hellglänzendem Strahl In reinlichen Windeln das himmlische Kind Viel schöner und holder, als Engel es sind. 18 3. Da liegt es, ach Kinder, auf heu und auf Stroh. Maria und Joseph betrachten es froh; Die redlichen Hirten knien betend davor; Hoch oben schwebt jubelnd der Engelein Chor. 4. O beugt wie die Hirten anbetend die Knie; Erhebet die Hände und danket wie sie! Stimmt freudig ihr Kinder, wer soll sich nicht freun? Stimmt freudig zum Jubel der Engel mit ein. - 5.betet: Du liebes, du göttliches Kind, Was leidest du Alles für unsere Sünd! Ach, hier in der Krippe schon Armuth und Noth! Am Kreuze dort gar noch den bittern Tod. 6. Was geben wir Kinder, was schenken wir dir, Du bestes und liebstes der Kinder, dafür? Nichts willst du von Reichthum und Schäßen der Welt, Ein Herz nur voll Unschuld allein dir gefällt. 7. So nimm unsre Herzen zum Opfer denn hin; Wir geben sie gerne mit fröhlichem Sinn, Und mache sie heilig und selig wie deins, Und mach sie auch ewig mit deinem in eins. Chr. v. Schmid. 20. Weise: Lobe den Herren, den mächtigen. Hommst du nun, Jesu, vom Himmel herunter auf Erden? Soll nun der Himmel und Erde vereiniget werden? Ewiger Gott, Kann dich mein Jammer und Noth Bringen zu Menschengeberden? 2. Was ich in Adam und Eva durch Sterben verloren, Hast du mir, Jesu, durch Leben und Leiden erkoren. Gütiger Gott, Alle mein Jammer und Noth Enden sich, da du geboren. 3. Teufel, Tod, Hölle die zürnen und halten zusammen, 19 Weihnachten Wollen mich Sünder verschlingen und gänzlich verdammen. Mächtiger Gott, Wende den Jammer und Noth, Tilge die höllischen Flammen. 4. Gieb mir, o Jesu, nur heilige gute Gedanken, Halte die Glieder des Leibes in heilige Schranken. Heiliger Gott, Laß mich nach deinem Gebot Herzlich im Glauben dir danken. 5. Führe mich endlich, o Jefu, ins ewige Leben, Welches du allen, die glauben, versprochen zu geben. Da ich bei Gott Ohne Noth, Jammer und Tod Ewig in Freuden kann schweben. Casp. Fr. Nachtenhöfer. 21. on ommt und laßt uns Christum ehren, Herz und Sinnen zu ihm fehren, Singet fröhlich, laßt euch hören, Werthes Volk der Christenheit. 2. Sünd und Hölle mag sich grämen, Tod und Teufel mag sich schämen; Wir, die unser Heil annehmen, Werfen allen Kummer hin. 3. Sehet, was Gott hat gegeben, Seinen Sohn zum ewgen Leben! Dieser kann und will uns heben Aus dem Leid ins Himmels Freud. 4. Seine Seel ist uns gewogen, Lieb und Gunst hat ihn gezogen, Uns, die Satanas betrogen, zu besuchen aus der Höh. 5. Jakobs Stern ist aufgegangen Stillt das sehnliche Verlangen, Bricht den Kopf der alten Schlangen Und zerstört der Höllen Reich. 6. Unser Kerker, da wir saßen, Wo die Sünden ohne Maßen Uns das Herze selbst zerfraßen, Ist entzwei und wir sind frei. 7. O du hochgesegnte Stunde, Da wir das von Herzensgrunde Glauben und mit unserm Munde Danken dir, o Jefulein! 8. Schönstes Kindlein in dem Stalle, Sei uns freund 20 Weihnachten. lich, bring uns alle Dahin, da mit süßem Schalle Dich der Engel Heer erhöht. P. Gerhardt. 22. Tobt Gott, ihr Christen alle gleich In seinem reich Und schenkt uns seinen Sohn! 2. Er fommt aus seines Vaters Schooß Und wird ein Kindlein klein; Er liegt dort elend, nackt und bloß In einem Krippelein. 3. Er äußert sich all seiner Gewalt, Wird niedrig und gering, Und nimmt an sich eins Knechts Gestalt, Der Schöpfer aller Ding. 4. Er liegt an seiner Mutter Brust, Ihr Milch die ist sein Speis, An dem die Engel sehn ihr Lust, Denn er ist Davids Reis, 5. Das aus seinm Stamm entsprießen sollt In dieser leßten Zeit, Durch welchen Gott aufrichten wollt Sein Reich, die Christenheit. 6. Er wechselt mit uns wunderlich: Fleisch und Blut nimmt er an, Und giebt uns in seins Vaters Reich Die klare Gottheit dran. 7. Er wird ein Knecht, und ich ein Herr, Das mag ein Wechsel sein! Wie könnt es doch sein freundlicher Das Herze- Jesulein? 8. Heut schleust er wieder auf die Thür Zum schönen Paradeis, Der Cherub steht nicht mehr dafür; Gott ſei Lob, Ehr und Preis! Nicol. Herman. In dulci jubilo. 23. Jun singet und seid froh, Jauchzt alle und sagt so: Unsers Herzens Wonne Liegt in der Krippen bloß Und leuchtet als die Sonne In seiner Mutter Schooß. Du bist A und O. 2. Sohn Gottes in der Höh, Nach dir ist mir so weh! Tröst mir mein Gemüthe, O Kindlein zart und rein, Und Weihnachten. 21 durch deine Güte, O liebstes Jesulein! Zeuch mich hin nach dir. 3. Groß ist des Vaters Huld, Der Sohn trägt unfre Schuld. Da wir ganz verdorben Durch Sünd und Sitelkeit, Hat er uns erworben Die ewge Himmelsfreud. Gia, wärn wir da! 4. Wo ist der Freuden Ort? Nirgend mehr denn dort, Da die Engel singen Dem lieben Jesulein, Und die Psalmen klingen Im Himmel hell und rein. Gia, wärn wir da! Nach Petrus Dresdensis. Weise: Mein Freund zerschmelzt. 24. Liebe, die den Himmel hat zerrissen, Die sich zu mir ins Elend niederließ! Was für ein Trieb hat dich bewegen müssen, Der dich zu mir ins Jammerthal verwies? Die Liebe hat es selbst gethan, Sie schaut als Mutter mich in meinem Jammer an. 2. Die Liebe ist so groß in deinem Herzen, Daß du für mich das größte Wunder thust; Die Liebe macht dir meinetwegen Schmerzen, Daß mir zu gut du unter Dornen ruhst. unerhörter Liebesgrad, Der selbst des Vaters Wort ins Fleisch gesenket hat. 3. Die Liebe ist mein Anverwandter worden, Mein Bruder ist selbst die Barmherzigkeit; Der Gottheit Quell lebt nun in meinem Orden, Die Ewigkeit vermählt sich mit der Zeit; Das Leben selbst ist Mensch geborn, Der Glanz der Herrlichkeit, das Licht, das wir verlorn. 4. In ihm wird nun die Menschheit ausgeföhnet, Die Reinigkeit der Seelen wiederbracht; Sie wird als Braut der Gottheit nun gekrönet, Da sie der Himmel selbst so angelacht; Die Menschheit wird nun ganz erneut Und als ein reiner Thron der Gottheit eingeweiht. 5. Die Weisheit spielt nun wieder auf der Erden, Dadurch das Paradies im Menschen grünt; Nun können wir aus Gott geboren werden, Weil die Geburt des Herren Weihnachten. 22 dazu dient; Die wohlgeborne Seele spürt, Daß sie ein andrer Geist aus ihrem Ursprung rührt. 6. Kein Elend kann nun unser Herz besiegen, Immanuel ist bei uns in der Noth; Ich darf ja nur die Gnadenquelle rügen, So dient mir selbst das Elend und der Tod; Der Jammer hängt mir nur noch an, Der mir in Christo doch nicht schädlich werden kann. 7. Die Sünde kann mich auch nicht mehr verdammen, Dieweil sie selbst durch ihn verdammet ist; Was schaden nun der Seele ihre Flammen, Weil Christi Blut und Wasser in sie fließt? Immanuel löscht ihren Trieb, Er läßt die Seele nicht, er hat sie viel zu lieb. 8. Ich habe nun ein ewig Leben funden, Viel Reichthum, Ehr und Wollust schenkt er mir, Ich bin mit ihm, er ist mit mir verbunden, Den ich in mir mit Liebeswirkung spür; Ich bin vergnügt und ganz gestillt, Weil mich der lautre Etrom aus seiner Lieb erfüllt. 9. Auf, auf, mein Geist! vergiß die Trauerlieder, Grfreue dich in dieser Liebesmacht, Des Himmels Kraft und Glanz bestrahlt dich wieder, Und der Verlust ist völlig wiederbracht. O ewig, ewig wohl ist mir, Daß ich in Christo nun ein Wohlgefallen spür! Chr. Fr. Richter. Geistliche Volksweise. 25. tille Nacht! Heilige Nacht! Alles schläft, einsam wacht Nur das traute, hochheilige Paar. Holder Knabe im lockigen Haar, Schlaf in himmlischer Ruh!:,: 2. Stille Nacht! Heilige Nacht! Hirten erst kund gemacht, Durch der Engel Halleluja Tönt es laut von fern und nah: Christ der Retter ist da!:,: 3. Stille Nacht! Heilige Nacht! Gottes Sohn, o wie lacht Lieb aus deinem göttlichen Mund, Da uns schlägt die rettende Stund, Christ, in deiner Geburt.:,: Weihnachten. 23 26. om Himmel hoch da komm ich her, Ich bring euch gute neue Mär; Der guten Mär bring ich so viel, Davon ich singn und sagen will. 2. Guch ist ein Kindlein heut geborn Bon einer Jungfrau auserkorn, Ein Kindelein so zart und fein, Das soll euer Freud und Wonne sein. 3. Es ist der Herr Christ unser Gott, Der will euch führn aus aller Noth, Er will euer Heiland selber sein, Von allen Sünden machen rein. 4. Er bringt euch alle Seligkeit, Die Gott der Vater hat bereit, Daß ihr mit uns im Himmelreich Sollt leben nun und ewiglich. 5. So merket nun das Zeichen recht, Die Krippen, Windelein so schlecht, Da findet ihr das Kind gelegt, Das alle Welt erhält und trägt. 6. Deß laßt uns alle fröhlich sein Und mit den Hirten gehn hinein, Zu sehn, was Gott uns hat beschert, Mit seinem lieben Sohn verehrt. 7. Merk auf, mein Herz, und sich dort hin: Was liegt doch in dem Krippelein? Weß ist das schöne Kindelein? Es ist das liebe Jesulein. 8. Bis willkommen, du edler Gast, Den Sünder nicht verschmähet hast, Und kommst ins Elend her zu mir, Wie soll ich immer danken dir? 9. Ach Herr, du Schöpfer aller Ding, Wie bist du worden so gering, Daß du da liegst auf dürrem Gras, Davon ein Rind und Esel fraß? 10. Und wär die Welt vielmal so weit, Von Edelstein und Gold bereit, So war sie doch dir viel zu klein, 3u sein ein enges Wiegelein. 11. Der Sammet und die Seiden dein Das ist grob Heu und Windelein, Darauf du König groß und reich Herprangst, als wärs dein Himmelreich. 12. Das hat also gefallen dir, Die Wahrheit anzuzeigen 24 Weihnachten. mir: Wie aller Welt Macht, Ehr und Gut Vor dir nichts gilt, nichts hilft, noch thut. 13. Ach, mein herzliebes Jesulein, Mach dir ein rein sanft Bettelein, Zu rubn in meines Herzens Schrein, Daß ich nimmer vergesse dein. 14. Davon ich allzeit fröhlich sei, Zu springen, singen immer frei Das rechte Susaninne* schon, Mit Herzenslust den süßen Ton. * Schlaf Kindlein. 15. Lob, Chr sei Gott im höchsten Thron, Der uns schenkt seinen eingen Sohn! Deß freuen sich der Engel Schaar Und singen uns solch neues Jahr. M. Luther. Weise: Erschienen ist der herrlich Tag. 27. Mir singen dir Immanuel, Du Lebensfürst und Gnadenquell, Du Himmelsblum und Morgenstern, Du Jungfraun Sohn, Herr aller Herrn. Halleluja. 2. Wir singen dir mit deinem Heer Aus aller Kraft Lob, Preis und Ehr, Daß du, o längst gewünschter Gast, Dich nunmehr eingestellet hast. Halleluja. 3. Von Anfang, da die Welt gemacht, hat so manch Herz nach dir gewacht; Dich hat gehofft so lange Jahr Der Väter und Propheten Schaar. Halleluja. 4. Vor andern hat dein hoch begehrt Der Hirt und König deiner Herd, Der Mann, der dir so wohl geftel, Wenn er dir sang auf Saitenspiel: Halleluja. 5. Ach! daß der Herr aus Zion käm Und unsre Bande von uns nähm! Ach daß die Hilfe bräch herein, So würde Jakob fröhlich sein. Halleluja. 6. Nun, du bist hier, da liegest du, hältst in dem Kripplein deine Ruh; Bist klein, und machst doch alles groß, Bekleidst die Welt, und kommst doch bloß. Halleluja. 7. Du kehrst in fremder Hausung ein, Und sind doch alle Himmel dein; Trinkst Milch aus einer Menschenbrust, Und bist doch aller Engel Lust. Halleluja. Weihnachten. 25 8. Du hast dem Meer sein Ziel gesteckt, Und wirst mit Windeln zugedeckt; Bist Gott und liegst auf Heu und Stroh, Wirst Mensch, und bist doch A und O. Halleluja. 9. Du bist der Ursprung aller Freud, Und duldest so viel Herzeleid; Bist aller Heiden Trost und Licht, Suchst selber Trost und findst ihn nicht. Halleluja. 10. Du bist der süßste Menschenfreund, Doch sind dir so viel Menschen feind; Herodis Herz hält dich für Greul, Und bist doch nichts als lauter Heil. Halleluja. 11. Ich aber, dein geringster Knecht, Ich sag es frei und mein es recht: Ich liebe dich, doch nicht so viel, Als ich dich gerne lieben will. Halleluja. 12. Der Will ist da, die Kraft ist klein, Doch wird dir nicht zuwider sein Mein armes Herz, und was es kann, Wirst du in Gnaden nehmen an. Halleluja. 13. Hast du doch selbst dich schwach gemacht, Erwähltest, was die Welt veracht; Warst arm und dürftig, nahmst vorlieb, Da, wo der Mangel dich hintrieb. Halleluja. 14. Du schliefst ja auf der Erden Schooß, So war dein Kripplein auch nicht groß; Der Stall, das Heu, das dich umfing, War alles schlecht und sehr gering. Halleluja. 15. Darum hab ich so guten Muth, Du wirst auch halten mich für gut. O Jesulein, dein frommer Sinn, Macht, daß ich so voll Trostes bin. Halleluja. 16. Bin ich gleich Sünd und Laster voll, Hab ich gelebt nicht, wie ich soll; Ei, kommst du doch deswegen her, Daß sich der Sünder zu dir kehr. Halleluja. 17. Hätt ich nicht auf mir Sündenschuld, Hätt ich kein Theil an deiner Huld; Vergeblich wärst du mir geborn Wenn ich nicht wär in Gottes Zorn. Halleluja. 18. So faß ich dich nun ohne Scheu, Du machst mich alles Jammers frei, Du trägst den Zorn, du würgst den Tod, Verkehrst in Freud all Ängst und Noth. Halleluja. 19. Du bist mein Haupt, hinwiederum Bin ich dein Geistl. Liederbuch, 2 Neujahr. Glied und Eigenthum, Und will, so viel dein Geist mir giebt, Stets dienen dir, wie dirs beliebt. Halleluja. di 26 20. Ich will dein Halleluja hier Mit Freuden singen für und für, Und dort in deinem Ehrensaal Solls schallen ohne Zeit und Zahl. Halleluja. P. Gerhardt. Neujahr. Weise: Erhalt uns, Herr, bei deinem Wort. 28. as alte Jahr vergangen ist, Wir danken dir, Herr Jesu Christ, Daß du uns in so großr Gefahr Behütet hast lang Zeit und Jahr. 2. Wir bitten dich, ewigen Sohn Des Vaters in dem höchsten Thron, Du wollst dein arme Christenheit Bewahren ferner allezeit. 3. Entzeuch uns nicht dein heilsam Wort, Welchs ist der Seele höchster Hort, Vor falscher Lehr, Abgötterei Behüt uns, Herr, und steh uns bei. 4. Hilf, daß wir von der Sünd ablan Und fromm zu werden fahen an, Keinr Sünd im alten Jahr gedenk, Ein gnadenreich neu Jahr uns schenk. 5. Christlich zu leben, feliglich zu sterben und hernach fröhlich Am jüngsten Tag wiedr aufzustehn, Mit dir in Himmel einzugehn. 6. Zu danken und zu loben dich Mit allen Engeln ewiglich; Jesu, unsern Glauben mehr zu deines Namens Lob und Ehr. Joh. Steuerlein. Weise: Vom Himmel hoch da komm ich her. 29. Jas neugeborne Kindelein, Das Herzeliebe Jefulein, Bringt abermal ein neues Jahr Der ausgewählten Christenschaar. 2. Deß freuen sich die Engelein, Die gerne um und bei Univ.- Bibl. Giessen Neujahr. 27 uns sein; Sie singen in den Lüften frei, Daß Gott mit uns versöhnet sei. 3. Ist Gott versöhnt und unser Freund: Was kann uns thun der arge Feind? Troß Teufel und der Höllen Pfort! Das Jesulein ist unser Hort. 4. Er bringt das rechte Jubeljahr; Was trauern wir denn immerdar? Frisch auf, jeßt ist es Singens Zeit, Das Jesulein wendt alles Leid. Cyriacus Schneegaß. ORI Weise: Machs mit mir Gott nach deiner Güt. maite ma 30. Ein Jahr geht nach dem andern hin, Der Ewigfeit entgegen, Ach, möchte doch der träge Sinn Dies fleißiger erwägen. Ach, brächte doch ein jedes Jahr Viel neue gute Früchte dar. 2. Allein wo ist, wo ist die Frucht, Die wir bisher getragen? Wie oft hat Gott umsonst gesucht, Wie hat er müssen klagen! Gs that ihm weh, wenn seine Hand Anstatt der Frucht nur Blätter fand. 3. Haut ab, spricht er, den kahlen Baum, Der keine Früchte träget! Was nimmt er andern Saft und Raum? Komm, Tod! der alles schläget, Komm, leg die Art der Wurzel an, Thu einen Streich, so ists gethan. 4. Allein der treue Heiland spricht: Laß ihn dies Jahr noch stehen! Trägt er noch keine Früchte nicht, Ich hoff sie noch zu sehen. Ach, halt des strengen Urtheils Lauf Doch dies Jahr noch, mein Vater, auf. 5. So gieb denn, lieber Heiland, Kraft, Dies Jahr viel Frucht zu bringen. Ach, laß doch deines Geistes Saft In unsre Zweige dringen. Schütt auch auf unsrer Eltern Haus Viel Gnade, Kraft und Segen aus. 110 Joh. Jac. Rambach. Weise: Meinen Jesum laß ich nicht. 31. Jesus soll die Losung sein, Da ein neues Jahr erschienen; Jesu Name soll allein Denen zum 2* 28 Neujahr. Paniere dienen, Die in seinem Bunde stehn Und auf seinem Wege gehn. 2. Jesu Name, Jesu Wort Soll bei uns in Zion schallen; Und so oft wir nach dem Ort. Der nach ihm genannt ist, wallen, Mache seines Namens Ruhm Unser Herz zum Heiligthum. 3. Sein Verfühnen und sein Heil Wollen wir im Glauben ehren; Also wird es uns zu Theil, Wird sich täglich bei uns mehren, Auch fürs neue Jahr uns beut Jesu Name Seligkeit. 4. Unsre Wege wollen wir nun in Jesu Namen gehen; Geht uns dieser Leitstern für, So wird alles wohl bestehen, Und durch diesen Gnadenschein Alles voller Segen ſein. 5. Alle Sorgen, alles Leid Soll sein Name uns versüßen; So wird alle Bitterkeit Uns zu Honig werden müssen. Jesu Nam sei Sonn und Schild, Welcher allen Kummer stillt. Benj. Schmolck. Weise: Nun laßt uns Gott dem Herren. 32. un laßt uns gehn und treten Mit Singen und mit Beten Zum Herrn, der unserm Leben Bis hieher Kraft gegeben. 2. Wir gehn dahin und wandern Von einem Jahr zum andern, Wir leben und gedeihen Vom alten zu dem neuen. 3. Durch so viel Angst und Plagen, Durch Zittern und durch Zagen, Durch Krieg und große Schrecken, Die alle Welt bedecken. 4. Denn wie von treuen Müttern In schweren Ungewittern Die Kindlein hier auf Erden Mit Fleiß bewahret werden, 5. Also auch, und nichts minder, Läßt Gott ihm seine Kinder, Wenn Noth und Trübsal blizen, In seinem Schooße sigen. 6. Ach, Hüter unsers Lebens, Führwahr, es ist vergebens Epiphanias. Mit unserm Thun und Machen, Wo nicht dein Augen wachen. 29 7. Gelobt ſei deine Treue, Die alle Morgen neue! Lob sei den starken Händen, Die alles Herzleid wenden. 8. Laß ferner dich erbitten, O Vater, und bleib mitten In unserm Kreuz und Leiden Ein Brunnen unsrer Freuden. 9. Gieb mir und allen denen, Die sich von Herzen sehnen Nach dir und deiner Hulde, Ein Herz, das sich gedulde. 10. Schleuß zu die Jammerpforten Und laß an allen Orten Auf so viel Blutvergießen Die Friedensströme fließen. 11. Sprich deinen milden Segen Zu allen unsern Wegen, Laß Großen und auch Kleinen Die Gnadensonne scheinen. 12. Sei der Verlaßnen Vater, Der Irrenden Berather, Der Unversorgten Gabe, Der Armen Gut und Habe. 13. Hilf gnädig allen Kranken, Gieb fröhliche Gedanken Den hochbetrübten Seelen, Die sich mit Schwermuth quälen. 14. Und endlich, was das Meiste, Füll uns mit deinem Geiste, Der uns hier herrlich ziere Und dort zum Himmel führe. 15. Dies alles wollst du geben, O meines Lebens Leben, Mir und der Christenschaare Zum selgen neuen Jahre. P. Gerhardt. Epiphanias. Weise: Meinen Jesum laß ich nicht. 33. Yesu, großer Wunderstern, Der aus Jakob ist erschienen, Meine Seele will so gern Dir an deinem Feste dienen, Nimm doch, nimm doch gnädig an, Was ich Armer schenken kann. 30 Epiphanias. 2. Nimm das Gold des Glaubens hin. Wie ichs von dir selber habe Und damit beschenket bin, So ist dirs die liebste Gabe. Laß es auch bewährt und rein In des Kreuzes Ofen sein. 3. Nimm den Weihrauch des Gebets, Laß denselben vor dir tügen. Herz und Lippen sollen stets, Ihn zu opfern, vor dir liegen. Wenn ich bete, nimm es auf Und sprich Ja und Amen drauf. * taugen. 4. Nimm die Myrrhen bittrer Reu. Ach, mich schmerzet meine Sünde, Aber du bist fromm und treu, Daß ich Trost und Gnade finde Und nun fröhlich sprechen kann: Jesus nimmt mein Opfer an. Erdm. Neumeister. Weise: Valet will ich dir geben. 34. aller Jesu, Davids Dein Reich soll ewig währen, Im Himmel ist dein Thron: Hilf, daß allhier auf Erden Den Menschen weit und breit Dein Reich bekannt mag werden zur ewgen Seligkeit. 2. Von deinem Reich auch zeugen Die Leut aus Morgenland, Die Knie sie vor dir beugen, Weil du ihn bist bekannt. Der neu Stern auf dich weiset, Dazu das göttlich Wort, Drum man dich billig preiset, Daß du bist unser Hort. 3. Du bist ein großer König, Wie uns die Schrift gemeldt, Doch achtest du gar wenig Vergänglich Glück und Geld, Prangst nicht auf einem Rosse, Trägst keine güldne Kron, Sigst nicht im festen Schlosse, Hier hast du Spott und Hohn. 4. Doch bist du schön gezieret, Dein Glanz erstreckt sich weit, Dein Güt allein floriret Um dein Gerechtigkeit. Du wollst die Frommen schüßen Durch dein Macht und Gewalt, Daß sie im Frieden sißen, Die Bösen stürzen bald. 5. Du wollst dich mein erbarmen, In dein Reich nimm mich auf; Dein Güte schenk mir Armen Und segne meinen Lauf. Mein Feinden wollst du wehren, Dem Teufel, Sünd Passion. 31 und Tod, Daß sie mich nicht verzehren: Rett mich aus aller Noth. 6. Du wollst in mir entzünden Dein Wort, den schönsten Stern; Laß falsche Lehr und Sünden Sein von meinm Herzen fern. Hilf, daß ich dich erkenne Und mit der Christenheit Dich meinen König nenne Jetzt und in Ewigkeit. M. Böhme. Passion. 5 000- dine Geistliche Volksweise. 35. Als Jesus von seiner Mutter ging, Und die große heilge Woch anfing, Da hatte Maria viel Herzeleid, Sie fragte den Sohn mit Traurigkeit: 2. Ach Sohn, du liebster Jefu mèin, Was wirst du am heilgen Sonntag sein? ,, Am Sonntag werd ich ein König sein, Da wird man mir Kleider und Palmen streun." 3. Ach Sohn, du liebster Jesu mein, Was wirst du am heilgen Montag sein? ,, Am Montag bin ich ein Wandersmann, Der nirgend ein Obdach finden kann." 4. Ach Sohn, du liebster Jefu mein, Was wirst du am heilgen Dienstag sein? ,, Am Dienstag bin ich der Welt ein Prophet, Verkünde, wie Himmel und Erde vergeht." 5. Ach Sohn, du liebster Jesu mein, Was wirst du am heilgen Mittwoch sein? Am Mittwoch bin ich gar arm und gering, Verkauft um dreißig Silberling." 6. Ach Sohn, du liebster Jesu mein, Was wirst du am heilgen Donnerstag sein? ,, Am Donnerstag bin ich im Speisesaal Das Osterlamm bei dem Abendmahl.“ 7. Ach Sohn, du liebster Jesu mein, Was wirst du am heilgen Freitag sein? Ach Mutter, liebste Mutter mein, Könnt dir der Freitag verborgen sein?" 8. ,, Am Freitag, liebste Mutter mein, Dann werd ich 32 Passion. ans Kreuz genagelt sein; Drei Nägel die gehn mir durch Händ und Füß; Verzage nicht, Mutter, das End ist süß!" 9. Ach Sohn, du liebster Jesu mein, Was wirst du am heilgen Samstag sein? ,, Am Samstag bin ich ein Waizenforn, Das in der Erde wird neu geborn." 10. Und am Sonntag freu dich, o Mutter mein, Dann werd ich vom Tod erstanden sein; dann trag ich das Kreuz mit der Fahn in der Hand, Dann stehst du mich wieder im Glorienstand." Weise: Aus tiefer Noth schrei ich zu dir. 36. vorhanden iſt; m Freitag muß ein jeder Christ Sein Kreuz mit Dann ruht er in seim Grabe, Bis kommt der fröhlich Ostertag, Dann ihn das Grab nicht halten mag, Mit Freuden er aufwachet. 2. Der Freitag währt die kleine Zeit, Weil wir leben auf Erden, Mit Jammer, Angst und Herzeleid Daran betrübet werden; Das macht Adams und unsre Schuld, Wohl dem, der sein Kreuz mit Geduld Dem Herrn Christo nachträget. 3. Am Sabbath kommen wir zu Ruh, All Kreuz wird weggenommen; Wenn uns jetzt gehn die Augen zu, Und unser Stund ist kommen, Dann trägt man uns ins Ruhbettlein, Darin gar sanft wir schlafen ein, Bis uns der Herr aufwecket. 4. Dann kommt der fröhlich Ostertag, So werden wir all aufstehen, Der Tod uns dann nicht halten mag; Entgegen werden wir gehen Christo und mit ihm in seim Reich Leben in Freuden ewiglich. Herr Christ, das hilf uns! Amen. Nik. Herman. Weise: Herr Jesu Christ, meins Lebens Licht. 37. er du, Herr Jeſu, Ruh und Rast In deinem Grab gehalten hast, Gieb, daß wir in dir ruhen all, Und unser Leben dir gefall. Passion. 33 2. Verleih, o Herr, uns Stärk und Muth, Die du erkauft mit deinem Blut, Und führ uns in des Himmels Licht zu deines Vaters Angesicht. 3. Wir danken dir, o Gotteslamm, Getödtet an des Kreuzes Stamm, Laß ja uns Sündern deine Pein Ein Eingang in das Leben sein. Werner. Weise: Nun laßt uns den Leib begraben. 38. ie Mie Seele Christi heilge mich, Sein Geist verseße mich in sich, Sein Leichnam, der für mich verwundt, Der mach mir Leib und Seel gesund. 2. Das Wasser, welches auf den Stoß Des Speers aus seiner Seiten floß, Das sei mein Bad, und all sein Blut Erquicke mir Herz, Sinn und Muth. 3. Der Schweiß von seinem Angesicht Laß mich nicht kommen ins Gericht, Sein ganzes Leiden, Kreuz und Pein Das wolle meine Stärke sein. 4. O Jesu Christ, erhöre mich! Nimm und verbirg mich ganz in dich, Laß mich in deine Wunden ein, Daß ich vorm Feind kann sicher sein. 5. Ruf mir in meiner letzten Noth Und seß mich neben dich, mein Gott, Daß ich mit deinen Heilgen alln Mög ewiglich dein Lob erschalln. Angelus. Weise: An Wasserflüssen Babylon. 39. in Lämmlein geht und trägt die Schuld Der Welt und ihrer Kinder; Es geht und büßet in Geduld Die Sünden aller Sünder; Es geht dahin, wird matt und frank, Ergiebt sich auf die Würgebank, Verzeiht sich aller Freuden. Es nimmet an Schmach, Hohn und Spott, Angst, Wunden, Striemen, Kreuz und Tod, Und spricht: Ich wills gern leiden. 2. Das Lämmlein ist der große Freund Und Heiland meiner Seelen, Den, den hat Gott zum Sündenfeind Und Sühner wollen wählen: Geh hin, mein Kind, und nimm 2** 34 Passion. dich an der Kinder, die ich ausgethan Zur Straf und Zornesruthen; Die Straf ist schwer, der Zorn ist groß, Du kannst und sollst sie machen los Durch Sterben und durch Bluten. 3. Ja, Vater, ja von Herzensgrund Leg auf, ich will dirs tragen, Mein Wollen hangt an deinem Mund, Mein Wirken ist dein Sagen. Wunderlieb, o Liebesmacht! Du kannst, was nie kein Mensch gedacht, Gott seinen Sohn abzwingen. Liebe, Liebe, du bist stark, Du streckest den ins Grab und Sarg, Vor dem die Felsen springen! 4. Du marterst ihn am Kreuzesstamm Mit Nägeln und mit Spießen, Du schlachtest ihn als wie ein Lamm, Machst Herz und Adern fließen, Das Herze mit der Seufzer Kraft, Die Adern mit dem edlen Saft Des purpurrothen Blutes. O süßes Lamm, was soll ich dir Erweisen dafür, daß du mir Erzeiget so viel Gutes? 5. Mein Lebetage will ich dich Aus meinem Sinn nicht lassen, Dich will ich stets, gleichwie du mich, Mit Liebesarmen fassen; Du sollst sein meines Herzens Licht, Und wenn mein Herz in Stücke bricht, Sollst du mein Herze bleiben; Ich will mich dir, mein höchster Ruhm, Hiermit zu deinem Gigenthum Beständiglich verschreiben. 6. Ich will von deiner Lieblichkeit Bei Nacht und Tage singen, Mich selbst auch dir zu aller Zeit Zum Freudenopfer bringen; Mein Bach des Lebens soll sich dir Und deinem Namen für und für In Dankbarkeit ergießen, Und was du mir zu gut gethan, Das will ich stets, so tief ich kann, In mein Gedächtniß schließen. 7. Erweitre dich, mein Herzensschrein, Du sollst ein Schaßhaus werden Der Schäße, die viel größer sein Als Himmel, Meer und Erden. Weg mit dem Gold Arabia, Weg Kalmus, Myrrhen, Kasia, Ich hab ein Bessers funden! Mein großer Schaß, Herr Jesu Christ, Ist dieses, das geflossen ist Aus deines Leibes Wunden. 8. Das soll und will ich mir zu Nuß Zu allen Zeiten 35 Passion. machen; Im Streite soll es sein mein Schuß, In Traurigkeit mein Lachen, In Fröhlichkeit mein Saitenspiel, Und wann mir nichts mehr schmecken will, Soll mich dies Manna speisen; Im Durst solls sein mein Wasserquell, In Einsamkeit mein Sprachgesell Zu Haus und auch auf Reisen. 9. Was schadet mir des Todes Gift? Dein Blut das ist mein Leben; Wann mich der Sonnen Hiße trifft, So kann mirs Schatten geben; Seßt mir der Wehmuth Schmerzen zu, So find ich bei dir meine Ruh, Als auf dem Bett ein Kranker; Und wenn des Kreuzes Ungestüm Mein Schifflein treibet um und um, So bist du dann mein Anker. 10. Wann endlich ich soll treten ein In deines Reiches Freuden, So soll dies Blut mein Purpur sein, Ich will mich darein fleiden; Es soll sein meines Hauptes Kron, In welcher ich will vor den Thron Des höchsten Vaters gehen, Und dir, dem er mich anvertraut, Als eine wohlgeschmückte Braut An deiner Seiten stehen. P. Gerhardt. Weise: Herr und Aeltster deiner Kreuzgemeinde. 40. Fines wünsch ich mir vor allem Andern, Eine Speise früh und spät. Selig läßts im Thränenthal sich wandern, Wenn dies Eine mit uns geht: Unverrückt auf einen Mann zu schauen, Der mit blutgem Schweiß und Todesgrauen Auf sein Antlig niedersank Und den Kelch des Vaters trank. 2. Ewig soll er mir vor Augen stehen, Wie er als ein stilles Lamm Dort so blutig und so bleich zu sehen, Hangend an des Kreuzes Stamm; Wie er dürstend rang um meine Seele, Daß sie ihm zu seinem Lohn nicht fehle, Und dann auch an mich gedacht, Als er rief: es ist vollbracht! 3. Ja, mein Jesu, laß mich nie vergessen Meine Schuld und deine Huld. Als ich in der Finsterniß gefessen, Trugest du mit mir Geduld; Hattest längst nach deinem Schaf getrachtet, h es auf des Hirten Ruf geachtet, Und mit theurem Lösegeld Mich erkauft von dieser Welt. 36 Passion. 4. Ich bin dein! sprich du darauf ein Amen! Treuster Jesu, du bist mein! Drücke deinen süßen Jesus- Namen Brennend in mein Herz hinein! Mit dir alles thun und alles lassen, In dir leben und in dir erblassen, Das sei bis zur leßten Stund Unser Wandel, unser Bund. Alb. Knapp. Weise: Ach Gott und Herr. 41. Fünf Brünnlein sind, Daraus mir rinnt Fried, Freud, Heil, Trost und Leben; In Noth Bis in den Tod Solche mir Labsal geben. 2. Der Quell du bist, Herr Jesu Christ! Die Brünnlein deine Wunden, Daraus ich mich Lab inniglich In heißen Kreuzesstunden. 3. Laß mir stets sein Das Leiden dein Ein Spiegel, Regel, Riegel, Daß ich nach dir Mein Fleisch regier Und laß ihm nicht den Zügel. 4. Gotteslamm, D Liebesflamm, O meiner Seelen Freude! Nimm hin die Sünd, Das Herz entzünd, Daß mich von dir nichts scheide. 5. So werde ich Recht seliglich Den Lebenslauf vollbringen, Und fröhlich hier, O Gott, mit dir Das Vollbracht gläubig singen.* * oder: Das Consummatum singen. Weise: Nun laßt uns den Leib begraben. 42. 1 Seele höchſtes Gut, Das stärkt, das labt, das macht allein Mein Herz von allen Sünden rein. 2. Dein Blut, mein Schmuck, mein Ehrenkleid, Dein Unschuld und Gerechtigkeit Macht, daß ich kann vor Gott bestehn Und zu der Himmelsfreud eingehn. 3. O Jesu Christe, Gottes Sohn, Mein Trost, mein Heil, mein Gnadenthron, Dein theures Blut, Dein Lebenssaft Giebt mir stets neue Lebenskraft. Passion. 37 4. Herr Jesu, in der letzten Noth, Wenn mich schreckt Teufel, Höll und Tod, So laß ja dies mein Labsal sein: Dein Blut macht mich von Sünden rein. Joh. Olearius. Weise: Christus, der uns selig macht. 43. Jesu, deine Passion Will ich jetzt bedenken, Wollest mir vom Himmelsthron Geist und Andacht schenken. In dem Bilde jetzt erschein, Jesu, meinem Herzen, Wie du, unser Heil zu sein, Littest große Schmerzen. 2. Meine Seele sehen mag Deine Angst und Bande, Deine Speichel, Schläg und Schmach, Deine Kreuzesschande, Deine Geißel, Dornenkron, Speer- und Nägelwunden, Deinen Tod, o Gottessohn, Und den Leib voll Schrunden. 3. Doch laß mich ja nicht allein Deine Marter sehen; Laß mich auch die Ursach fein Und die Frucht verstehen. Ach! die Ursach war auch ich, Ich und meine Sünde, Diese hat gemartert dich, Nicht das Heidn- Gesinde. 4. Jesu, lehr bedenken mich Dies mit Buß und Reue; Hilf, daß ich mit Sünden dich Martre nicht aufs neue. Sollt ich dazu haben Lust Und nicht wollen meiden, Was Gott selber büßen mußt Mit so großen Leiden? 5. Wenn mir meine Sünde will Machen heiß die Hölle, Jesu, mein Gewissen still, Dich ins Mittel stelle; Dich und Deine Passion Laß mich gläubig faffen; Liebet mich sein lieber Sohn, Wie kann Gott mich haffen? 6. Gieb auch, Jesu, daß ich gern Dir das Kreuz nachtrage, Daß ich Demuth von dir lern. Und Geduld in Plage, Daß ich dir geb Lieb um Lieb; Indeß laß dies Lallen, Bessern Dank ich dorten geb, Jesu, dir gefallen. von Birken. 44. Jesu, meines Lebens Leben, Jesu meines Todes Tod, Der du dich für mich gegeben In die tiefste -Seelennoth, In das äußerste Verderben, Nur daß ich nicht möchte sterben. Tausend, tausendmal sei dir, Liebster Jesu, Dank dafür. 38 Passion. 2. Du, ach du haft ausgestanden Lästerreden, Spott und Hohn, Speichel, Schläge, Strick und Banden, Du gerechter Gottessohn! Nur mich Armen zu erretten Von des Teufels Sündenketten. Tausend, tausendmal sei dir, Liebster Jesu, Dank dafür. 3. Du hast lassen Wunden schlagen, Dich erbärmlich richten zu, Um zu heilen meine Plagen, Um zu sezzen mich in Ruh. Ach, du hast zu meinem Segen Lassen dich mit Fluch belegen. Tausend, tausendmal sei dir, Liebster Jesu, Dank dafür. 4. Man hat dich sehr hart verhöhnet, Dich mit großem Schimpf belegt Und mit Dornen gar gekrönet; Was hat dich dazu bewegt? Daß du möchtest mich ergößzen, Mir die Ehrenkron aufseßen. Tausend, tausendmal sei dir, Liebster Jesu, Dank dafür. 5. Du hast wollen sein geschlagen Zur Befreiung meiner Pein, Fälschlich lassen dich anklagen, Daß ich könnte sicher sein. Daß ich möchte trostreich prangen, Hast du sonder Trost gehangen. Tausend, tausendmal sei dir, Liebster Jesu, Dank dafür. 6. Du hast dich in Noth gestecket, Hast gelitten mit Geduld, Gar den herben Tod geschmecket, um zu büßen meine Schuld. Daß ich würde losgezählet, Hast du wollen ſein gequälet. Tausend, tausendmal sei dir, Liebster Jeſu, Dank dafür. 7. Deine Demuth hat gebüßet Meinen Stolz und Uebermuth, Dein Tod meinen Tod versüßet;& s kommt alles mir zu gut. Dein Verspotten, dein Verspeien Muß zu Ehren mir gedeihen. Tausend, tausendmal sei dir, Liebster Jesu, Dank dafür. 8. Nun, ich danke dir von Herzen, Jesu, für gesamte Noth, Für die Wunden, für die Schmerzen, Für den herben bittern Tod; Für dein Zittern, für dein Zagen, Für dein tausendfaches Plagen, Für dein Angst und tiefe Pein Will ich ewig dankbar sein. E. Christ. Homburg. 39 Passion. Weise: Stabat mater dolorosa. 45. Jesu Mutter stand voll Schmerzen, Tiefen Gram im wunden Herzen, Wo der Sohn am Kreuze litt. 2. Ach, wer faßt die schwere Trauer, Als das Schwert mit Todesschauer Ihre Liebesbrust durchschnitt! 3. Wessen Auge kann der Zähren Bei dem Jammer sich erwehren, Der des Heilands Mutter drückt? 4. Wer nicht innig sich betrüben, Der die Mutter mit dem lieben Sohn in solcher Noth erblickt? 5. Ach sie sieht, wie seine Glieder Für die Miſſethat der Brüder Unnennbare Qual zerreißt. 6. Sieht den theuren Sohn erblassen, Trostberaubt, von Gott verlassen, Still verathmen seinen Geist. Geistliche Volksweise. 46. Jesu Wunden, Alle Stunden Seid verehret tausendmal!- Seid gegrüßet, Seid geküsset Meiner Seelen Lebensquell. 2. Bei den Füßen Will ich büßen Alle meine Missethat, Will beweinen Deine Peinen, Die mein Herz verschuldet hat. 3. In die Hände Ich absende Meine Seel in Todesnoth; Laß sie schreiben In die Seiten, Die dein Blut gefärbet roth. 47. In jener letzten der Nächte, Da ich am Delberg gebetet, War ich vom Blutschweiß geröthet, Goß ihn in Strömen für dich: Weh! und wer weiß, ob wohl je Du auch nur denkest an mich! 2. Laß es die Engel dir sagen, Wie viele Streiche und Wunden, An eine Säule gebunden, Schweigend ich litte für dich: Weh! und wer weiß, ob wohl je Du auch nur denkest an mich! 3. Da ich als König verspottet, Schmerzlich mit Dornen Passion. gekrönet, Angespien ward und verhöhnet, Dacht ich nur immer an dich: Weh! und wer weiß, ob wohl je Du auch nur denkest an mich! 40 4. Schmählich zum Tode verdammet, Hart mit der Kreuzlast beschweret, Blutig vom Dornkranz versehret, Schleppt ich zum Berg mich für dich: Weh! und wer weiß, ob wohl je Du auch nur denkest an mich! 5. Ach! an das Kreuzholz geheftet, Nägel in Armen und Beinen, Leidend, wie du noch sahst keinen, Wollte ich sterben für dich: Weh! und wer weiß, ob wohl je Du auch nur denkest an mich! 6. Als grimmer Speer in der Seite Weit mir das Herz hat gespalten, Quoll draus mit Liebesgewalten Wasser des Lebens für dich: Weh!. und wer weiß, ob wohl je Du auch nur denkest an mich! 7. Schau all die Striemen und Wunden!- Siehe nun, ob ich dich liebe, Wenn mir kein Blutströpflein bliebe, Das ich nicht hingab für dich! Weh! und wer weiß, ob wohl je Du auch nur denkest an mich! 8. Sterbend noch fleht ich zum Vater, Dir deine Schuld zu vergeben; Mutter und Freude und Leben, Ließ ich aus Liebe für dich: Weh! und wer weiß, ob wohl je Du auch nur denkest an mich! 9. Himmel und Erde voll Schrecken Haben den Schmerz mit empfunden, Als in den dunkelen Stunden Ich bin verschieden für dich: Weh! und wer weiß, ob wohl je Du auch nur denkest an mich! 10. Was blieb zu thun mir noch übrig, Wenn ich aus Lieb ohne Schranken Selber mich gab ohne Wanken, Ganz mich dahingab für dich: Weh! und wer weiß, ob wohl je Du auch nur denkest an mich! 11. Ward dir Genosse und Bruder, Da mich Maria geboren; Und auf dem heilgen Altare Ward ich auch Speise für dich: Weh! und wer weiß, ob wohl je Du auch nur denkest an mich! Passion. 41 12. Wenn ich zum Lösgeld am Kreuze Für deine Schuld mich gegeben, Will ich im ewigen Leben Selber der Lohn sein für dich: Weh! und wer weiß, ob wohl je Du auch nur denkest an mich! 13. Dacht ich im Sterben noch deiner, Werd ich im Himmel nicht minder, Herrschend als Weltüberwinder, Immer noch denken an dich: Weh! und wer weiß, ob wohl je Du auch nur denkest an mich! M. Diepenbrok. Weise: Herr und Weltster deiner Kreuzgemeinde. 48. wünscht arter Gottes, wer kann dein vergessen, Der in sich unterdessen Nur noch mehr zum Dank entzündt. Unfre Seele soll sich daran nähren, Unsre Ohren nie was Liebers hören. Alle Tage kommt er mir Schöner in dem Bilde für. 2. Tausend Dank, du unser treues Herze! Leib und Geist bet drüber an, Daß du unter Martern, Angst und Schmerze Hast genug für uns gethan. Laß dich Jedes um so heißer lieben, Als es noch im Glauben sich muß üben, Bis es einst als deine Braut Dich von Angesichte schaut. 3. Meine franke und bedürftge Seele Gilet deinen Wunden zu. Da, da findet sie die sichre Höhle, Wo ihr fließen Fried und Ruh. Auf dein Kreuz laß, Herr, mich gläubig sehen; Laß dein Marterbild stets vor mir stehen; So geht mir bis in mein Grab Nichts von deinem Frieden ab. 4. Die wir uns allhier beisammen finden, Schlagen unfre Hände ein, Uns auf deine Marter zu verbinden, Dir auf ewig treu zu sein; Und zum Zeichen, daß dieß Lobgetöne Deinem Herzen angenehm und schöne, Sage Amen und zugleich: Friede, Friede sei mit euch! Nik. Ludw. v. Zinzendorf. 49. du Liebe meiner Liebe, Du erwünschte Seligkeit, Die du dich aus höchstem Triebe In das jammervolle Leid Deines Leidens, mir zu gute, Als ein Passion. Schlachtschaf eingestellt, Und bezahlt mit deinem Blute Alle Missethat der Welt! 2. Liebe, die mit Schweiß und Thränen An dem Delberg sich betrübt; Liebe, die mit Blut und Sehnen Unaufhörlich fest geliebt; Liebe, die mit allem Willen Gottes Zorn und Eifer trägt! Den, so Niemand konnte stillen, Hat dein Sterben hingelegt. 42 3. Liebe, die mit starkem Herzen Alle Schmach und Hohn gehört; Liebe, die mit Angst und Schmerzen Nicht der strengste Tod versehrt; Liebe, die sich liebend zeiget, Als sich Kraft und Athem endt; Liebe, die sich liebend neiget, Als sich Leib und Seele trennt! 4. Liebe, die mit ihren Armen Mich zuletzt umfangen wollt; Liebe, die aus Liebserbarmen Mich zuletzt in höchster Huld Ihrem Vater überlassen, Die selbst starb und für mich bat, Daß mich nicht der Zorn sollt fassen, Weil mich ihr Verdienst vertrat! 5. Liebe, die mit so viel Wunden Gegen mich, als seine Braut, Unauflöslich sich verbunden Und auf ewig anvertraut! Liebe, laß auch meine Schmerzen, Meines Lebens Jammerpein In dem blutverwundten Herzen Sanft in dir gestillet sein. 6. Liebe, die für mich gestorben Und ein immerwährend Gut An dem Kreuzesholz erworben. Ach, wie denk ich an dein Blut! Ach, wie dank ich deinen Wunden, Du verwundte Liebe du, Wenn ich in den letzten Stunden Sanft in deiner Seiten ruh! 7. Liebe, die sich todt gekränket Und für mein erkaltes Herz In ein kaltes Grab gesenket, Ach, wie dank ich deinem Schmerz! Habe Dank, daß du gestorben, Daß ich ewig leben kann, Und der Seelen Heil erworben! Nimm mich ewig liebend an! Angelus. 50. Weise: Herzlich thut mich verlangen. Haupt voll Blut und Wunden, Voll Schmerz und voller Hohn! O Haupt zum Spott gebunden Passion. 43 Mit einer Dornenkron! O Haupt, sonst schön gezieret Mit höchster Ehr und Zier, Jegt aber höchst schimpfiret, Gegrüßet seist du mir! 2. Du edles Angesichte, Davor sonst schrickt und scheut Das große Weltgewichte, Wie bist du so bespeit! Wie bist du so erbleichet! Wer hat dein Augenlicht, Dem sonst kein Licht nicht gleichet, So schändlich zugericht? 3. Die Farbe deiner Wangen, Der rothen Lippen Pracht Ist hin und ganz vergangen; Des blaffen Todes Macht Hat alles hingenommen, Hat alles hingerafft, Und daher bist du kommen Von deines Leibes Kraft. 4. Nun, was du, Herr, erduldet, Ist alles meine Last; Ich hab es selbst verschuldet, Was du getragen hast. Schau her, hier steh ich Armer, Der Zorn verdienet hat: Gieb mir, o mein Erbarmer, Den Anblick deiner Gnad! 5. Erkenne mich, mein Hüter, Mein Hirte, nimm mich an! Von dir, Quell aller Güter, Ist mir viel Guts gethan! Dein Mund hat mich gelabet Mit Milch und süßer Kost, Dein Geist hat mich begabet Mit mancher Himmelsluft. 6. Ich will hier bei dir stehen, Verachte mich doch nicht! Von dir will ich nicht gehen, Wenn dir dein Herze bricht; Wenn dein Haupt wird erblassen Im lezten Todesstoß, Alsdann will ich dich faffen In meinen Arm und Schooß. 8 dient zu meinen Freuden Und kommt mir herzlich wohl, Wenn ich in deinem Leiden, Mein Heil, mich finden soll; Ach, möcht ich, o mein Leben, An deinem Kreuze hier Mein Leben von mir geben, Wie wohl geschähe mir! 7. 8. Ich danke dir von Herzen, O Jesu, liebster Freund, Für deine Todesschmerzen, Da dus so gut gemeint; Ach, gieb, daß ich mich halte zu dir und deiner Treu, Und wenn ich nun erkalte, In dir mein Ende sei! 9. Wenn ich einmal soll scheiden, So scheide nicht von mir; Wenn ich den Tod soll leiden, So tritt du dann her 44 Passion. für; Wenn mir am allerbängsten Wird um das Herze sein, So reiß mich aus den Aengsten Kraft deiner Angst und Pein. 10. Erscheine mir zum Schilde, Zum Trost in meinem Tod, Und laß mich sehn dein Bilde In deiner Kreuzesnoth; Da will ich nach dir blicken, Da will ich glaubensvoll Dich fest an mein Herz drücken; Wer so stirbt, der stirbt wohl. P. Gerhardt. 51. Lamm Gottes, unschuldig Am Stamm des Kreuzes geschlachtet, Allzeit erfunden geduldig, Wiewohl du warest verachtet! All Sünd hast du getragen, Sonst müßten wir verzagen, Erbarm dich unser, o Jesu, o Jesu! 2. O Lamm Gottes, unschuldig Am Stamm des Kreuzes geschlachtet, Allzeit erfunden geduldig, Wiewohl du warest verachtet! All Sünd hast du getragen, Sonst müßten wir verzagen, Erbarm dich unser, o Jesu, o Jesu! 3. O Lamm Gottes, unschuldig Am Stamm des Kreuzes geschlachtet! Allzeit erfunden geduldig, Wiewohl du warest verachtet! All Sünd hast du getragen, Sonst müßten wir verzagen, Gieb uns dein Frieden, o Jesu, o Jesu! 52. Traurigkeit! Herzeleid! Ist das nicht zu beklagen: Gott des Vaters einig Kind Wird ins Grab getragen? 2. O große Noth! Gott selbst liegt todt! Am Kreuz ist er gestorben, hat dadurch das Himmelreich Uns aus Lieb erworben. 3. Menschenkind! Nur deine Sünd Hat dieses ausgerichtet, Da du durch die Missethat Warest ganz vernichtet. 4. Dein Bräutigam, Das Gotteslamm, Liegt hier mit Blut beflossen, Welches er ganz mildiglich Hat für dich vergossen. 5. O süßer Mund! O Glaubensgrund! Wie bist du so Passion. 45 zerschlagen! Alles, was auf Erden lebt, Muß dich ja beklagen. 6. O lieblich Bild, Schön, zart und mild, Du Söhnlein der Jungfrauen! Niemand kann dein heißes Blut Ohne Reu anschauen. 7. Ofelig ist Zu jeder Frist, Der dieses recht bedenket, Wie der Herr der Herrlichkeit Wird ins Grab geſenket. 8. O Jesu du, Mein Hilf und Ruh! Ich bitte dich mit Thränen: Hilf, daß ich mich bis ins Grab Nach dir möge sehnen. Joh. Rist. Weise: Nun ruhen alle Wälder. 53. Welt, sieh hier dein Leben Am Stamm des Kreuzes schweben, Dein Heil sinkt in den Tod! Der große Fürst der Ehren Läßt willig sich beschweren Mit Schlägen, Hohn und großem Spott. 2. Tritt her und schau mit Fleiße, Sein Leib ist ganz mit Schweiße Des Blutes überfüllt; Aus seinem edlen Herzen Vor unerschöpften Schmerzen Ein Seufzer nach dem andern quillt. 3. Wer hat dich so geschlagen, Mein Heil! und dich mit Plagen So übel zugericht? Du bist ja nicht ein Sünder, Wie wir und unsre Kinder, Von Missethaten weißt du nicht. 4. Ich, ich und meine Sünden, Die sich wie Körnlein finden Des Sandes an dem Meer, Die haben dir erreget Das Elend, das dich schläget, Und das betrübte Marterheer. 5. Ich bins, ich sollte büßen An Händen und an Füßen Gebunden in der Höll; Die Geißeln und die Banden, Und was du ausgestanden, Das hat verdienet meine Seel. 6. Du nimmst auf deinen Rücken Die Lasten, die mich drücken Viel schwerer als ein Stein; Du wirst ein Fluch, dagegen Verehrst du mir den Segen, Dein Schmerzen muß mein Labsal sein. 7. Du sezest dich zum Bürgen, Ja läsfest dich erwürgen 46 Passion. Für mich und meine Schuld; Mir läsfest du dich frönen Mit Dornen, die dich höhnen, Und leidest alles mit Geduld. 8. Du springst ins Todes Rachen, Mich frei und los zu machen Von solchem Ungeheur; Mein Sterben nimmst du abe, Vergräbst es in dem Grabe, O unerhörtes Liebesfeur! 9. Ich bin, mein Heil, verbunden All Augenblick und Stunden Dir überhoch und sehr; Was Leib und Seel vermögen, Das soll ich billig legen Allzeit an deinen Dienst und Ehr. 10. Nun ich kann nicht viel geben In diesem armen Leben; Eins aber will ich thun: Es soll dein Tod und Leiden, Bis Leib und Seele scheiden, Mir stets in meinem Herzen ruhn. 11. Ich wills vor Augen sezen, Mich stets daran ergößzen, Ich sei auch, wo ich sei; Es soll mir sein ein Spiegel Der Unschuld und ein Siegel Der Lieb und unverfälschten Treu. 12. Wie heftig unsre Sünden Den frommen Gott entzünden, Wie Rach und Eifer gehn, Wie grausam seine Ruthen, Wie zornig seine Fluthen, Will ich aus deinem Leiden sehn. 13. Ich will daraus studiren, Wie ich mein Herz soll zieren Mit stillem sanftem Muth, Und wie ich die soll lieben, Die mich doch sehr betrüben Mit Werken, so die Bosheit thut. 14. Wenn böse Zungen stechen, Mir Glimpf und Namen brechen, So will ich zähmen mich; Das Unrecht will ich dulden, Dem Nächsten seine Schulden Verzeihen gern und williglich. 15. Ich will mich mit dir schlagen Ans Kreuz und dem absagen, Was meinem Fleisch gelüst; Was deine Augen haffen, Das will ich fliehn und lassen, So viel mir immer möglich ist. Passion. 47 16. Dein Seufzen und dein Stöhnen Und die viel tausend Thränen, Die dir geflossen zu, Die sollen mich am Ende In deinen Schooß und Hände Begleiten zu der ewgen Ruh. P. Gerhardt. Weise: Christus, der uns selig macht. 54. Jeſum zu Gen Jerusalem hinauf, Tritt ihm an die Seiten; In der Andacht folg ihm nach Zu dem bittern Leiden, Bis du aus dem Ungemach Zu ihm wirst verscheiden. 2. Seele, stehe, Gottes Lamm Gehet zu dem Leiden, Deiner Seelen Bräutigam, Als zur Hochzeitsfreuden. Geht, ihr Töchter von zion, Jesum zu empfangen, Sehet ihn in seiner Kron Unter Dornen prangen. 3. Du zeuchst als ein König ein, Wirst dafür empfangen; Aber Bande warten dein, Dich damit zu fangen; Für die Ehre Hohn und Spott Wird man dir, Herr, geben, Bis du durch des Kreuzes Tod Schließen wirst dein Leben. 4. Das Kreuz ist der Königsthron, Drauf man dich wird seßen, Dein Haupt mit der Dornenkron Bis in Tod verleßen; Jesu, Dein Reich auf der Welt Ist in lauter Leiden; So ist es von dir bestellt Bis zum letzten Scheiden. 5. Du wirst, Herr der Herrlichkeit, Ja wohl müsſen sterben, Daß des Himmels Ewigkeit Ich dadurch mög erben; Aber ach, wie herrlich glänzt Deine Kron von ferne, Die dein stegreich Haupt bekränzt, Schöner als die Sterne. 6. Liebster Jesu, nun Glück zu! Es muß dir gelingen; Nach der Guten- Freitags Ruh Wirst du Freude bringen; Tritt nur auf die Todesbahn, Die gestreuten Palmen Bilden dir den Sieg voran Aus den Osterpsalmen. 7. Laß mich diese Leidenszeit Fruchtbarlich bedenken, Voller Andacht, Reu und Leid, Und darüber kränken; Auch dein Leiden tröste mich Bei so vielem Jammer, Bis nach allem Leiden ich Geh zur Ruhekammer. Klefel. Univ.- Bibl. Giessen 48 Passion. Weise: Zion klagt mit Angst und Schmerzen oder: Freu dich sehr, o meine Seele. 55. ei mir tausendmal gegrüßet, Der mich je und je geliebt, Jesu, der du selbst gebüßet Das, womit ich dich betrübt! Ach, wie ist mir doch so wohl, Wenn ich knien und liegen soll An dem Kreuze, da du stirbest Und um meine Seele wirbest. 2. Ich umfange, herz und küsse Der gekränkten Wunden Zahl Und die purpurrothen Flüsse Deiner Füß und Nägelmal. O wer kann doch, schönster Fürst! Den so hoch nach uns gedürst, Deinen Durst und Liebsverlangen Völlig faffen und umfangen. 3. Heile mich, o Heil der Seelen, Wo ich krank und traurig bin; Nimm die Schmerzen, die mich quälen, Und den ganzen Schaden hin, Den mir Adams Fall gebracht, Und ich selbsten mir gemacht; Wird, o Arzt, dein Blut mich neßen, Wird sich all mein Jammer setzen. 4. Schreibe deine blutgen Wunden Mir, Herr, in das Herz hinein, Daß sie mögen alle Stunden Bei mir unvergeffen sein; Du bist doch mein schönstes Gut. Da mein ganzes Herze ruht; Laß mich hier zu deinen Füßen Deiner Lieb und Gunst genießen. 5. Diese Füße will ich halten Auf das best ich immer kann; Schaue meiner Hände Falten Und mich selbsten freundlich an Von des hohen Kreuzes Baum, Und gieb meiner Bitte Raum, Sprich: Laß all dein Trauern schwinden, Ich, ich tilg all deine Sünden. B. Gerhardt. Weise: O Traurigkeit! o Herzeleid. go ruhest du, O meine Ruh, In deines Grabes Höhle, Und erweckest durch den Tod Meine todte 56. Seele. 2. Man senkt dich ein Nach vieler Vein, Du meines Lebens Leben! Dich hat jetzt ein Felsengrab, Fels des Heils, umgeben. Passion. 49 3. Ach, bist du kalt, Mein Aufenthalt? Das macht die heiße Liebe, Die dich in das kalte Grab Durch ihr Feuer triebe. 4. O Lebensfürst, Ich weiß, du wirst Mich wieder auferwecken, Sollte denn mein gläubig Herz Vor der Gruft erschrecken? 5. Sie wird mir sein Ein Kämmerlein, Da ich auf Rofen liege, Weil ich nun durch deinen Tod Tod und Grab bestege. 6. Gar nichts verdirbt, Der Leib nur stirbt; Doch wird er auferstehen Und in ganz verklärter Zier Aus dem Grabe gehen. 7. Indeß will ich, Mein Jesu, dich In meine Seele senken Und an Deinen bittern Tod Bis in Tod gedenken. Sal. Franck. 57. Wenn meine Sünd mich kränken, mein Herr Jesu Christ, So laß mich wohl bedenken, Wie du gestorben bist Und alle meine Schuldenlast Am Stamm des heilgen Kreuzes Auf dich genommen hast. 2. Wunder ohne Maßen, Wer es betrachtet recht: Es hat sich martern lassen Der Herr für seinen Knecht! Es hat sich selbst der wahre Gott Für mich verlornen Menschen Gegeben in den Tod. 3. Was kann mir denn nun schaden Der Sünden große Zahl? Ich bin bei Gott in Gnaden, Die Schuld ist allzumal Bezahlt durch Christi theures Blut, Daß ich nicht mehr darf fürchten Der Hölle Qual und Gluth. 4. Drum fag ich dir von Herzen Jetzt und mein Lebenlang Für deine Pein und Schmerzen, O Jesu, Lob und Dank, Für deine Noth und Angstgeschrei, Für dein unschuldig Sterben, Für deine Lieb und Treu. 5. Herr, laß dein bitter Leiden Mich reizen für und für, Mit allem Ernst zu meiden Die fündliche Begier; Geistl. Liederbuch. 3 Bassion. 50 Daß mir nie komme aus dem Sinn, Wie viel es dich gekostet, Daß ich erlöset bin.ni 6. Mein Kreuz und meine Plagen, Sollts auch sein Schmach und Spott, Hilf mir geduldig tragen; Gieb, o mein Herr und Gott, Daß ich verleugne diese Welt Und følge dem Erempel, Das du mir fürgestellt. 7. Laß mich an andern üben, Was du an mir gethan, Und meinen Nächsten lieben, Gern dienen jedermann Ohn igennuß und Heuchelschein, Und wie du mir erwiesen, Aus reiner Lieb allein. 8. Laß endlich deine Wunden Mich trösten kräftiglich In meiner letzten Stunden, Und deß versichern mich, Weil ich auf dein Verdienst nur trau, Du werdest mich annehmen, Daß ich dich ewig schau. Gesenius. Weise: Herr Jesu Christ, wahr Mensch und Gott. 58. Wir danken dir, Herr Jeſu Christ, Daß du für uns gestorben bist Und hast uns durch dein theures Blut Gemacht vor Gott gerecht und gut. 2. Wir bitten dich, wahr Mensch und Gott, Durch dein heilge fünf Wunden roth, Erlös uns von dem ewgen Tod Und tröst uns in der letzten Noth. 3. Behüt uns auch vor Sünd und Schand, Reich uns dein allmächtige Hand, Daß wir im Kreuz geduldig sein Und trösten deiner schweren Pein; 4. Und draus schöpfen die Zuversicht, Daß du uns werdst verlassen nicht, Sondern ganz treulich bei uns stehn, Daß wir durchs Kreuz ins Leben gehn. Vischer. 59. Wollt ihr wissen, was mein Preis? Wollt ihr lernen, was ich weiß? Wollt ihr sehn mein Eigenthum? Wollt ihr hören, was mein Ruhm? Jesus, der Gefreuzigte! 2. Was ist meines Glaubens Grund? Wer stärkt und erweckt den Mund? Wer trägt meine Straf und Schuld? Wer schafft mir des Vaters Huld? Jesus, der Gekreuzigte! Ostern. 3. Wer ist meines Lebens Kraft? Wer ist meines Geistes Saft? Wer macht fromm mich und gerecht? Wer macht mich zu Gottes Knecht? Jesus, der Gekreuzigte! 51 4. Wer ist meines Leidens Trost? Wer schützt, wenn der Feind erbost? Wer erquickt mein mattes Herz? Wer verhindert meinen Schmerz? Jesus, der Gekreuzigte! 5. Wer ist meines Todes Tod? Wer hilft in der letzten Noth? Wer verseßt mich in sein Reich? Wer macht mich den Engeln gleich? Jesus, der Gekreuzigte! 6. Und so wißt Zweck und Preis. ihr, was ich weiß. Ihr wißt meinen Glaubt, lebt, duldt, sterbt aber wem? So sind wir recht angenehm Jesu, dem Gekreuzigten! Joh. Christ. Schwedler. - Offern. 60. Auf, auf, mein Herz, mit Freuden! Nimm wahr, Leiden Nun ein so großes Licht? Mein Heiland war gelegt Da, wo man uns hinträgt, Wenn von uns unser Geist Gen Himmel ist gereiſt. 2. Er war ins Grab gesenket, Der Feind trieb groß Geschrei; Sh ers vermeint und denket, Ist Christus wieder frei und ruft Victoria! Schwingt fröhlich hier und da Sein Fähnlein als ein Held, Der Feld und Muth behält. 3. Der Held steht auf dem Grabe Und sieht sich munter um; Der Feind liegt und legt abe Gift, Gall und Ungestüm, Er wirft zu Christi Fuß Sein Höllenreich und muß Selbst in des Siegers Band Ergeben Fuß und Hand. 4. Das ist mir anzuschauen Ein rechtes Freudenspiel; Nun soll mir nicht mehr grauen Vor allem, was mir will Entnehmen meinen Muth Zusamt dem edlen Gut, So mir durch Jesum Christ Aus Lieb erworben ist. 3* Ostern. 5. Die Höll und ihre Rotten Die krümmen mir kein Haar, Der Sünden kann ich spotten, Bleib allzeit ohn Gefahr; Der Tod mit seiner Macht Wird schlecht bei mir geacht, Er bleibt ein todtes Bild Und wär er noch so wild. 52 6. Die Welt ist mir ein Lachen Mit ihrem großen Zorn; Sie zürnt und kann nichts machen, All Arbeit ist verlorn. Die Trübsal trübt mir nicht mein Herz und Angesicht; Das Unglück ist mein Glück, Die Nacht mein Sonnenblick. 7. Ich hang und bleib auch hangen An Christo als ein Glied; Wo mein Haupt durch ist gangen, Da nimmt er mich auch mit; Er reißet durch den Tod, Durch Welt, durch Sünd und Noth, Er reißet durch die Höll, Ich bin stets sein Gesell. 8. Er dringt zum Saal der Ehren, Ich folg ihm immer nach Und darf mich gar nicht kehren An einzig Ungemach; s tobe, was da kann, Mein Haupt nimmt sich mein an, Mein Heiland ist mein Schild, Der alles Toben stillt. 9. Er bringt mich an die Pforten, Die in den Himmel führt, Daran mit güldnen Worten Der Reim gelesen wird: Wer dort wird mit verhöhnt, Wird hier auch mit gekrönt; Wer dort mit sterben geht, Wird hier auch mit erhöht. P. Gerhardt. 61. Christ ist erstanden Von der Marter alle, Deß solln wir alle froh sein, Christ will unser Trost sein. Kyrie eleis. 2. Wär er nicht erstanden, Die Welt die wär vergangen; Seit daß er erstanden ist, So lobn wir den Vater Jesu Christ. Kyrie eleis. 3. Halleluja, Halleluja, Halleluja! Deß solln wir alle froh sein, Christ will unser Trost sein. Kyrie eleis. Weise: O daß ich tausend Zungen hätte. 62. er Tod ist todt, das Leben lebet, Das Grab ist selbst begraben nun. Mein Jesus, der sein Haupt erhebet, Will ferner nicht im Kerker ruhn Und stellt mir diese Losung für: Ich leb, und ihr lebt auch mit mir. Ostern. 2. Nun liegt der Tod zu meinen Füßen, Der Lebensfürste stirbt nicht mehr, Er weiß die Gräber aufzuschließen, Er stürzt das blafse Todtenheer. Das Siegeslied klingt herrlich hier: Ich leb, und ihr lebt auch mit mir. 53 3. Mein Jesu, Wahrheit, Weg und Leben, Der Leben hat und Leben giebt! Wie soll ich den Triumph erheben, Der Rach an meinen Feinden übt? Sie liegen dort, du rufest hier: Ich leb, und ihr lebt auch mit mir. 4. Das Haupt belebet seine Glieder, Wer wollte denn gestorben sein? Die Lebenssonne scheint uns wieder Und leuchtet bis ins Grab hinein. Da lesen wir die Grabschrift hier: Ich leb, und ihr lebt auch mit mir. 5. O todter Tod, wie kannst du schrecken? Mein Jesus nimmt das Schrecken hin; Wie er sich selber konnt erwecken, So werden wir erweckt durch ihn. Wenn Jesus lebt, so leben wir: Ich leb, und ihr lebt auch mit mir. Benj. Schmold. 63. Erschienen ist der herrlich Tag, Dran sich niemand gnug freuen mag! Christ, unser Herr, heut triumphirt, All sein Feind er gefangen führt. Halleluja! 2. Die alte Schlang, die Sünd und Tod, Die Höll, all Jammer, Angst und Noth Hat überwunden Jesus Christ, Der heut vom Tod erstanden ist. Halleluja! 3. Am Sabbath früh mit Spezerei Kamen zum Grab der Weiber drei, Daß sie salbten Marien Sohn, Der vom Tod war erstanden schon. Halleluja! 4. Wen sucht ihr da, der Engel sprach, Chrift ist erstanden, der hier lag; Hier seht ihr die Schweißtücherlein; Geht hin, sagts bald den Jüngern sein. Halleluja! 5. Der Jünger Furcht und Herzeleid Heut wird verkehrt in lauter Freud; Sobald sie nur den Herren sahn, Verschwand ihr Trauern, Furcht und Zagn. Halleluja! 6. Der Herr hielt ein sehr freundlich Gespräch mit zween Jüngern auf dem Weg; Vor Freud das Herz im 54 Ostern. Leib ihn brannt, Im Brotbrechen ward er erkannt. Halleluja! 7. Unser Simson. der treue Held, Christus den starken Löwen fällt, Der Höllen Pforten er hinträgt, Dem Teufel all sein Gwalt erlegt. Halleluja! 8. Jonas im Wallfisch war drei Tag, So lang Christus im Grab auch lag; Denn länger ihn der Tod kein Stund In seim Rachen behalten konnt. Halleluja! 9. Sein Raub der Tod mußt fahren lan, Das Leben siegt und gewann ihm an; Zerstört ist nun all ſeine Macht, Christ hat das Leben wiederbracht. Halleluja! 10. Heut gehn wir aus Egyptenland, Aus Pharaonis Dienst und Band, Und das recht Osterlämmelein Wir essen heut im Brot und Wein. Halleluja! 11. Auch effen wir die süßen Brot, Die Moses Gottes Volk gebot; Kein Sauerteig soll bei uns sein, Daß wir von Sünden leben rein. Halleluja! 12. Der schlagend Engel vorüber geht, Kein Erstgeburt er bei uns schlägt: Unser Thürschwell hat Christi Blut Bestrichen, das hält uns in Hut. Halleluja! 13. Die Sonn, die Erd, all Kreatur, Alls, was betrübet war zuvor, Das freut sich heut an diesem Tag, Da der Welt Fürst daniederlag. Halleluja! 14. Drum wir auch billig fröhlich sein, Singen das Halleluja fein Und loben dich, Herr Jesu Christ; Zu Trost du uns erstanden bist. Halleluja! Nik. Herman. Weise: Heut triumphiret Gottes Sohn. 64. Früh morgens, da die Sonn aufgeht, Mein Heiland Christus aufersteht. Halleluja, Halleluja! Vertrieben ist der Sünden Nacht, Licht, Heil und Leben wiederbracht. Halleluja, Halleluja! 2. Wenn ich des Nachts oft lieg in Noth Verschlossen, gleich als w ich todt, Halleluja, Halleluja! Läßt du 55 Ostern. mir früh die Gnadensonn Aufgehn, nach Trauern, Freud und Wonn. Halleluja, Halleluja! Am 3. Nicht mehr als nur drei Tage lang Bleibt mein Heiland in Todeszwang. Halleluja, Halleluja! dritten Tag durchs Grab er dringt, Mit Ehren sein Siegsfähnlein schwingt. Halleluja, Halleluja! 4. Jetzt ist der Tag, da mich die Welt Mit Schmach am Kreuz gefangen hält, Halleluja, Halleluja! Drauf folgt der Sabbath in dem Grab, Darin ich Ruh und Frieden hab. Halleluja, Halleluja! 5. In Kurzem wach ich fröhlich auf, Mein Ostertag ist schon im Lauf; Halleluja, Halleluja! Ich wach auf durch des Herren Stimm, Veracht den Tod mit seinem Grimm. Halleluja, Halleluja! 6. Am Kreuz läßt Christus öffentlich Vor allem Volke tödten sich; Halleluja, Halleluja! Da er durchs Todes Kerker bricht, Läßt ers die Menschen sehen nicht. Halleluja, Halleluja! 7. Sein Reich ist nicht von dieser Welt, Kein groß Gepräng ihm hier gefällt, Halleluja, Halleluja! Was schlecht und niedrig geht herein, Soll ihm das allerliebste sein. Halleluja, Halleluja! 8. Hier ist noch nicht ganz kund gemacht, Was er aus seinem Grab gebracht, Halleluja, Halleluja! Der große Schaß, die reiche Beut, Drauf sich ein Christ so herzlich freut. Halleluja, Halleluja! 9. Der jüngste Tag wirds zeigen an, Was er für Thaten hat gethan, Halleluja, Halleluja! Wie er der Schlange Kopf zertritt, Die Höll zerstört, den Tod erdrückt. Halleluja, Halleluja! 10. Da werd ich Christi Herrlichkeit Anschauen ewig voller Freud, Halleluja, Halleluja! Ich werde sehn, wie alle Feind Zur Höllenpein gestürzet sein. Halleluja, Halleluja! 11. Der Herr den Tod zu Boden schlägt, Da er selbst Ostern. 56 tødt und sich nichts regt, Halleluja, Halleluja! Geht aus dem Grab in eigner Kraft; Tod, Teufel, Höll nichts an ihm schafft. Halleluja, Halleluja! 12. Wunder groß! o starker Held! Wo ist ein Feind, den er nicht fällt? Halleluja, Halleluja! Kein Angststein liegt so schwer auf mir, Er wälzt ihn von des Herzens Thür. Halleluja, Halleluja! 13. Kein Kreuz und Trübsal ist so tief, Mein Heiland thut darein ein Griff, Halleluja, Halleluja! Führt mich heraus mit seiner Hand; Wer mich will halten, wird zu Schand. Halleluja, Halleluja! 14. Und daß der Herr erstanden sei, Das ist von allem Zweifel frei, Halleluja, Halleluja! Der Engel selbst bezeugets klar, Das leere Grab machts offenbar. Halleluja, Halleluja! 15. Lebt Christus, was bin ich betrübt? Ich weiß, daß er mich herzlich liebt, Halleluja, Halleluja! Wenn mir gleich alle Welt stürb ab, Gnug, daß ich Christum bei mir hab. Halleluja, Halleluja! 16. Er nährt, er schützt, er tröstet mich; Sterb ich, so nimmt er mich zu sich. Halleluja, Halleluja! Wo er jeßt lebt, da muß ich hin, Weil ich ein Glied seins Leibes bin. Halleluja, Halleluja! 17. Durch seiner Auferstehung Kraft Komm ich zur Engelbrüderschaft, Halleluja, Halleluja! Durch ihn bin ich mit Gott versöhnt, Die Feindschaft ist ganz abgelehnt. Halleluja, Halleluja! 18. Mein Herz darf nicht entseßen sich, Gott und die Engel lieben mich; Halleluja, Halleluja! Die Freude, die mir ist bereit, Vertreibet Furcht und Traurigkeit. Halleluja, Halleluja! 19. Für diesen Trost, o großer Held, Herr Jesu, dankt dir alle Welt; Halleluja, Halleluja! Dort wollen wir mit größerm Fleiß Erheben deinen Ruhm und Preis. Halleluja, Halleluja! Joh. Heermann. Ostern. 57 65. Heut triumphiret Gottes Sohn, Der vom Tod ist erstanden schon, Halleluja, Halleluja! Mit großer Pracht und Herrlichkeit;. Deß dankn wir ihm in Ewigkeit. Halleluja, Halleluja! 2. Dem Teufel hat er sein Gewalt Zerstreut, verheert ihm all Gestalt, Halleluja, Halleluja! Wie pflegt zu thun ein starker Held, Der seinen Feind gewaltig fällt. Halleluja, Halleluja! 3. O süßer Herre Jesus Christ. Der du der Sünder Heiland bist, Halleluja, Halleluja! Führ uns durch dein Barmherzigkeit, Mit Freuden in dein Herrlichkeit! Halleluja, Halleluja! 4. Nun kann uns kein Feind schaden mehr; Ob er gleich murrt, ists ohn Gefahr, Halleluja, Halleluja! Er liegt im Koth, der arge Feind, Dagegn wir Gottes Kinder sein. Halleluja, Halleluja! 5. Dafür dankn wir ihm allzugleich Und sehnen uns ins Himmelreich. Halleluja, Halleluja! Es ist am End, Gott half uns alln, So singen wir mit großem Schalln: Halleluja, Halleluja! 6. Gott dem Vater im höchsten Thron Samt seinem eingebornen Sohn, Halleluja, Halleluja! Dem heiligen Geist gleicher Weis Sei Lob und Preis in Ewigkeit! Halleluja, Halleluja! Gesius. Weise: Valet will ich dir geben. 66. Ich geh zu deinem Grabe, Du großer Osterfürst, Weil ich die Hoffnung habe, Daß du mir zeigen wirst, Wie man kann fröhlich sterben Und fröhlich auferstehn, Auch mit des Himmels Erben Ins Land des Lebens gehn. 2. Du liegest in der Erde Und hast sie eingeweiht, Wenn ich begraben werde, Daß sich mein Herz nicht scheut, Auch in den Staub zu legen, Was Asch und Staub vermehrt, Weil dir doch allerwegen Die Erde zugehört. 3** Ostern. 3. Du schläfft in deinem Grabe, Daß ich auch meine Ruh An diesem Orte habe, Drückst mir die Augen zu; So soll mir gar nicht grauen, Wenn mein Gesicht vergeht, Ich werde den wohl schauen, Der mir zur Seite steht. 58 4. Dein Grab war wohl versiegelt, Doch brichst du es entzwei, Wenn mich der Tod verriegelt, So bin ich dennoch fret. Du wirst den Stein schon rücken, Der auch mein Grab bedeckt; Da werd ich den erblicken, Der mich vom Tod erweckt. 5. Du fähreft in die Höhe Und zeigest mir die Bahn, Wohin ich endlich gehe, Da ich dich finden kann. Dort ist es sicher wohnen, Wo lauter Glanz um dich, Da warten lauter Kronen In deiner Hand auf mich. 6. O meines Lebens Leben, O meines Todes Tod! Ich will mich dir ergeben In meiner letzten Noth. Ich will mein Bette machen In deine liebe Gruft, Da werd ich schon erwachen, Wenn deine Stimme ruft. 7. Du wirst den Delberg zeigen, Wo man gen Himmel fährt, Da will ich fröhlich steigen, Bis daß ich eingekehrt In Salems Friedenshäuser, Da heißts: Halleluja! Da trägt man Siegesreiser, Ach, wär ich nur schon da! Benj. Schmolck. 67. ch sag es Jedem, daß er lebt Und auferstanden ist, Daß er in unsrer Mitte schwebt Und ewig bei uns ist. 2. Der dunkle Weg, den er betrat, Geht in den Himmel aus, Und wer nur hört auf seinen Rath, Kommt auch ins Vaters Haus. 3. Er lebt und wird nun bei uns sein, Wenn Alles uns verläßt! Und so soll dieser Tag uns sein, Ein Welt- Verjüngungs- Fest. Novalis. - Ostern. 59 Geistliche Volksweise. 68. stern, Ostern, Frühlingswehen!- Ostern, Ostern, Auferstehen Aus der tiefen Grabesnacht! Blumen sollen fröhlich blühen, Herzen sollen heimlich glühen, Denn der Heiland ist erwacht. 2. Troß euch, höllische Gewalten! Hättet ihn wohl gern behalten, Der euch in den Abgrund zwang. Mochtet ihr das Leben binden? Aus des Todes düstern Gründen Dringt hinan sein ewger Gang. - 3. Der im Grabe lag gebunden Hat den Satan überwunden, Und der lange Kerker bricht. Frühling spielet auf der Erden, Frühling solls im Herzen werden; Herrschen soll das ewge Licht. 4. Alle Schranken sind entriegelt, Alle Hoffnung ist versiegelt Und beflügelt jedes Herz, Und es klagt bei keiner Leiche Nimmermehr der falte, bleiche, Gottverlaffne Heidenschmerz. Schenkendorf. Weise: Nun freut euch, lieben Christen. 69. Tod, wo ist dein Stachel nun? Wo ist dein Sieg, o Hölle? Was kann uns jetzt der Teufel thun, Wie grausam er sich stelle? Gott sei gedankt, der uns den Sieg So herrlich hat nach diesem Krieg Durch Jesum Christ gegeben! 2. Wie sträubte sich die alte Schlang, Da Christus mit ihr kämpfte! Mit List und Macht sie auf ihn drang; Jedennoch er sie dämpfte. Ob sie ihn in die Ferse sticht, So steget sie doch darum nicht, Der Kopf ist ihr zertreten. 3. Lebendig Christus kommt herfür; Die Feind nimmt er gefangen, Zerbricht der Höllen Schloß und Thür, Trägt weg den Raub mit Prangen. Nichts ist, das in dem Siegeslauf Den starken Held kann halten auf, Alls liegt da überwunden. 4. Des Todes Gift, der Höllen Pest Ist unser Heiland worden; Wenn Satan auch noch ungern läßt Vom Wüthen 60 Ostern. und vom Morden, Und, da er sonst nichts schaffen kann, Nur Tag und Nacht uns klaget an, So ist er doch verworfen. 5. Des Herren Rechte die behält Den Sieg und ist er höhet; Des Herren Rechte mächtig fällt, Was ihr entgegen stehet. Tod, Teufel, Höll und alle Feind Durch Christi Sieg gedämpfet seind, Ihr Zorn ist kraftlos worden. 6. Es war getödtet Jesus Christ, Und sieh, er lebet wieder. Weil nun das Haupt erstanden ist, Stehn wir auch auf, die Glieder. So jemand Christi Worten gläubt, Im Tod und Grabe der nicht bleibt, Er lebt, ob er gleich stirbet. 7. Wer täglich hier durch wahre Reu Mit Christo auferstehet, Ist dort vom andern Tode frei, Derselb ihn nicht angehet. Genommen ist dem Tod die Macht, Unschuld und Leben wiederbracht Und unvergänglich Wesen. 8. Das ist die rechte Osterbeut, Der wir theilhaftig werden: Fried, Freude, Heil, Gerechtigkeit Im Himmel und auf Erden. Hier sind wir still und warten fort, Bis unser Leib wird ähnlich dort Christi verklärtem Leibe. 9. Der alte Drach und seine Rott Hingegen wird zu Schanden; Erlegt ist er mit Schimpf und Spott, Da Christus ist erstanden. Des Hauptes Sieg der Glieder ist, Drum kann mit aller Macht und List Uns Satan nicht mehr schaden. 10. O Tod, wo ist dein Stachel nun? Wo ist dein Sieg, o Hölle? Was kann uns jetzt der Teufel thun, Wie grausam er sich stelle? Sott sei gedankt, der uns den Sieg So herrlich hat in diesem Krieg Durch Jesum Christ gegeben! Just. Gesenius. Weise: Es ist das Heil uns kommen her. 70. ket fröhlich alles weit und breit, Was vormals war verloren, Weil heut der Herr der Herrlichfeit, Den Gott selbst auserkoren Zum Sündenbüßer, der Ostern. 61 sein Blut Am Kreuz vergoffen uns zu gut, Vom Tod ist auferstanden. 2. Wie schön hast du durch deine Macht, Du wilder Feind des Lebens, Den Lebensfürsten umgebracht, Dein Stachel ist vergebens Durch ihn geschossen, schnöder Feind; Du hättest wahrlich wohl gemeint, Er würd im Štaube bleiben. 3. Nein, nein! er trägt sein Haupt empor, Ist mächtig durchgedrungen Durch deine Bande, durch dein Thor, Ja hat im Sieg verschlungen Dich selbst, daß, wer an ihn nur gläubt, Von dir jetzt ein Gespötte treibt, Und spricht: wo ist dein Stachel? 4. Denn deine Macht die ist dahin Und keinen Schaden bringet Dem, der sich stets mit Herz und Sinn Zu diesem Fürsten schwinget, Der fröhlich spricht: ich leb, und ihr Sollt mit mir leben für und für, Weil ich es euch erworben. 5. Der Tod hat keine Kraft nicht mehr, Wir dürfen ihn nicht scheuen; Ich bin sein Siegsfürst und sein Herr, Deß sollt ihr euch erfreuen. Dazu so bin ich euer Haupt; Drum werdet ihr, wenn ihr mir glaubt, Als Glieder mit mir leben. 6. Der Höllen Sieg der ist auch mein, Ich habe ste zerstöret, Es darf nicht fürchten ihre Pein, Wer mich und mein Wort höret; Und weil des Teufels Macht und List, Gedämpft, sein Kopf zertreten ist, Mag er ihm auch nicht schaden. 7. Nun, Gott sei Dank, der uns den Sieg Durch Jesum hat gegeben, Und uns den Frieden für den Krieg Und für den Tod das Leben Erworben, der die Sünd und Tod, Welt, Teufel, Höll und was in Noth Uns stürzet, überwunden. P. Gerhardt. 71. Triumph! Triumph! es kommt mit Pracht Der Siegesfürst heut aus der Schlacht. Wer seines Reiches Unterthan, Schau heute sein Triumphfest an! Ostern. Triumph, Triumph, Triumph, Triumph, Victoria! Und ewiges Halleluja! 2. Vor Freuden Thal und Wald erklingt, Die Erde schönes Blumwerk bringt; Die Zierrath und Tapezerei Zeigt, daß ihr Schöpfer Sieger sei. Triumph 2c. 62 3. Die Sonne sich aufs schönste schmückt Und wieder durch das Blaue blickt, Die vor pechschwarz im Trauerkleid Beschaut den Blut- und Todesstreit. Triumph c. 4. Das stille Lamm jetzt nicht mehr schweigt, Sich muthig als ein Löw erzeigt. Kein harter Fels ihn hält und zwingt, Grab, Siegel, Riegel vor ihm springt. Triumph 2c. 5. Der andre Adam heut erwacht Nach seiner harten Todesnacht, Aus seiner Seiten er erbaut Uns seine theur erlöste Braut. Triumph zc. 6. Wie Aarons Ruthe schön ausschlug, Am Morgen blüht und Mandeln trug, So träget Frucht der Seligkeit Des Hohenpriesters Leichnam heut. Triumph c. 7. Nun ist die Herrlichkeit erkämpft, Der Sünden Pest und Gift gedämpft, Der schweren Handschrift Fluch und Bann Vertritt hier mein Erlösers- Mann. Triumph 2c. 8. Du, liebe Seel, bist ausgebürgt, Der höllische Tyrann erwürgt; Sein Raubschloß und geschworne Rott Ist ganz verstört, der Tod ein Spott. Triumph 2c. 9. Hier liegt der stolze Belial! Die Höllenbürger allzumal Sind samt der Schwefelburg zerstört, Kein Feind sich wider uns empört. Triumph 2c. 10. Herr Jesu, wahrer Siegesfürst! Wir glauben, daß du schenken wirst Uns deinen Frieden, den du bracht Mit aus dem Grab und aus der Schlacht. Triumph sc. 11. Triumph! Triumph! Dich ehren wir Und wollen durch dich kämpfen hier, Daß wir als Reichsgenoffen dort Dir folgen durch die Siegespfort. Triumph C. Ammersbach. Ostern. Weise: Nun freut euch, lieben Christen gemein. 72. Hach auf, mein Herz, die Nacht ist hin, Die Sonn ist aufgegangen! Grmuntre deinen Geist und Sinn, Den Heiland zu empfangen, Der heute durch des Todes Thür Gebrochen aus dem Grab herfür Der ganzen Welt zur Wonne. 63 2. Steh aus dem Grab der Sünden auf Und such ein neues Leben; Vollführe deinen Glaubenslauf Und laß dein Herz sich heben Gen Himmel, da dein Jesus ist, Und such, was droben, als ein Christ, Der geistlich auferstanden. 3. Vergiß nun, was dahinten ist, Und tracht nach dem, was droben, Damit dein Herz zu jeder Frist Zu Jesu sei erhoben; Tritt unter dich die böse Welt Und strebe nach dem Himmelszelt, Wo Jesus ist zu finden. 4. Quält dich ein schwerer Sorgenstein, Dein Jesus wird ihn heben; Es kann ein Christ bei Kreuzespein In Freud und Wonne leben; Wirf dein Anliegen auf den Herrn Und sorge nicht, er ist nicht fern, Weil er ist auferstanden. 5. Geh mit Maria Magdalen Und Salome zum Grabe, Die früh dahin aus Liebe gehn Mit ihrer Salbungsgabe: So wirst du sehn, daß Jesus Christ Vom Tod heut auferstanden ist Und nicht im Grab zu finden. 6. Es hat der Löw aus Juda Stamm Heut siegreich überwunden, Und das erwürgte Gotteslamm Hat, uns zum Heil, erfunden Das Leben und Gerechtigkeit, Weil er nach überwundnem Streit Die Feinde Schau getragen. 7. Drum auf, mein Herz, fang an den Streit, Weil Jesus überwunden; Er wird auch überwinden weit In dir, weil er gebunden Der Feinde Macht, daß du aufstehst Und in ein neues Leben gehst Und Gott im Glauben dienest. 8. Scheu weder Teufel, Welt, noch Tod, Noch gar der Hölle Nachen; Denn Jesus lebt, es hat nicht Noth, Er ist noch bei den Schwachen Und den Geringen in der Welt Als ein gekrönter Siegesheld; Drum wirst du überwinden. 64 Himmelfahrt. 9. Ach, mein Herr Jesu, der du bist Von Todten auferstanden, Rett uns aus Satans Macht und List Und aus des Todes Banden, Daß wir zusammen insgemein Zum neuen Leben gehen ein, Das du uns hast erworben. 10. Sei hochgelobt in dieser Zeit Von allen Gotteskindern Und ewig in der Herrlichkeit Von allen Ueberwindern, Die überwunden durch dein Blut! Herr Jesu, gieb uns Kraft und Muth, Daß wir auch überwinden! Laur. Laurenti. Weise: Erschienen ist der herrlich Tag. 73. Wir zerstört danken dir, Herr Jesu Christ, Daß du vom sein Macht Und uns das Leben wiederbracht. Halleluja! 2. Wir bitten dich durch deine Gnad Nimm von uns unsre Missethat, Und hilf uns durch die Güte dein, Daß wir dein treue Diener sein. Halleluja! 3. Gott dem Vater im höchsten Thron Samt seinem eingebornen Sohn, Dem heilgen Geist in gleicher Weis In Ewigkeit sei Lob und Preis! Halleluja! Himmelfahrt. Weise: Wie schön leuchtet der Morgenstern. 74. Ach wundergroßer Siegesbeld! Du Sündenträger aller Welt! Heut hast du dich gesetzet Zur Rechten deines Vaters Kraft, Der Feinde Schaar gebracht zur Haft, Bis auf den Tod verlezzet; Mächtig, Prächtig, Triumphirest, jubilirest; Tod und Leben, Dir ist alles untergeben. 2. Dir dienen alle Cherubim, Viel tausend hohe Seraphim Dich großen Siegsmann loben, Weil du den Segen wiederbracht, Mit Majestät und großer Pracht Zur Glorie Himmelfahrt. 65 bist erhoben: Singet, Klinget, Rühmt und ehret den, so fähret auf gen Himmel Mit Posaunen und Getümmel. 3. Du bist das Haupt, hingegen wir Sind Glieder, ja es kommt von dir Auf uns Licht, Trost und Leben, Heil, Fried und Freude, Stärk und Kraft, Erquickung, Labsal, Herzenssaft Wird uns von dir gegeben: Bringe, Zwinge, Mein Gemüthe, mein Geblüte, daß es preise, Dir als Siegsherrn Ehr erweise. 4. 3euch, Jesu, uns, zeuch uns nach dir, Hilf, daß wir forthin für und für Nach deinem Reiche trachten; Laß unser Thun und Wandel sein, Wo Zucht und Demuth tritt herein, All Ueppigkeit verachten; Unart, Hoffahrt Laß uns meiden, christlich leiden, wohl ergründen, Wo die Gnade sei zu finden. 5. Sei, Jesu, unser Schuß und Schaß, Sei unser Ruhm und fester Plaß, Darauf wir uns verlassen; Laß suchen uns, was droben ist. Auf Erden wohnet Trug und List, Es ist auf allen Straßen Lügen, Trügen, Angst und Plagen, die da nagen, die da quälen Stündlich arme Christenseelen. 6. Herr Jesu, komm, du Gnadenthron, Du Siegesfürst, Held, Davids Sohn, Komm, stille das Verlangen; Du, du bist allen uns zu gut, O Jesu, durch dein theures Blut Ins Heiligthum gegangen: Komm schier, Hilf mir! Dann so sollen, dann so wollen wir ohn Ende Fröhlich klopfen in die Hände. Homburg. Weise: Nun freut euch, lieben Christen gemein. 75. Auf Christi Himmelfahrt allein Ich meine Nachfahrt gründe Angst und Hiermit stets überwinde; Denn weil das Haupt im Himmel ist, Wird seine Glieder Jesus Christ Zur rechten Zeit nachholen. 2. Weil er gezogen himmelan Und große Gab empfangen, Mein Herz auch nur im Himmel kann, Sonst nirgends 66 Himmelfahrt. Ruh erlangen; Denn wo mein Schaß gekommen hin, Da ist auch stets mein Herz und Sinn, Nach ihm mich sehr verlanget. 3. Ach Herr, laß diese Gnade mich Von deiner Auffahrt spüren, Daß mit dem wahren Glauben ich Mag meine Nachfahrt zieren Und dann einmal, wenns dir gefällt, Mit Freuden scheiden aus der Welt. Herr, höre dies mein Flehen! Jos. Wegelin. Coelos ascendit hodie. 76. Gen Himmel aufgefahren ist, Halleluja, Halleluja! Halleluja! 2. Er sitzt zur rechten Gotteshand, Halleluja, Halleluja! Herrscht über Himmel und alle Land. Halleluja, Halleluja! 3. Nun ist erfüllt, was geschrieben ist, Halleluja, Halleluja! In Psalmen von dem Herren Christ. Halleluja, Halleluja! 4. Nun sigt beim Herren Davids Herr, Halleluja, Halleluja! Wie ihm gesprochen hat der Herr. Halleluja, Halleluja! 5. Drum jauchzen wir mit großem Schall, Halleluja, Halleluja! Dem Herren Christ zum Wohlgefalln. Halleluja, Halleluja! 6. Lob sei der heilgen Dreieinigkeit, Halleluja, Halleluja! Von nun an bis in Ewigkeit. Halleluja, hHalleluja! Melch. Franck. Weise: Aus meines Herzens Grunde. 77. Gott fähret auf gen Himmel Mit frohem Jubelschall, Mit prächtigem Getümmel Und mit Posaunenhall. Lobsingt, lobsinget Gott; Lobsingt, lobsingt mit Freuden Dem Könige der Heiden, Dem Herren Zebaoth! 2. Der Herr wird aufgenommen, Der ganze Himmel 67 Himmelfahrt. lacht; Um ihn gehn alle Frommen, Die er hat frei gemacht. Es holen Jesum ein Die lautern Cherubinen; Den hellen Seraphinen Muß er willkommen ſein. 3. Wir wissen nun die Stiege, Die unser Haupt erhöht! Wir wissen zur Genüge, Wie man zum Himmel geht. Der Heiland geht voran, Will uns nicht nach sich lassen; Er zeiget uns die Straßen, Er bricht uns sichre Bahn. 4. Wir sollen himmlisch werden, Der Herre macht uns Plaß. Wir gehen von der Erden Dort hin, wo unser Schaß. Ihr Herzen, macht euch auf! Wo Jesus hingegangen, Dahin sei das Verlangen, Dahin sei euer Lauf. 5. Laßt uns zum Himmel springen Mit herzlicher Begier; Laßt uns zugleich auch singen: Dich, Jesu, suchen wir; Dich, o du Gottes Sohn, Dich Weg, dich wahres Leben, Dem alle Macht gegeben, Dich, unsers Hauptes Kron! 6. Ade mit deinen Schäßzen, Du Truges volle Welt! Du kannst uns nicht ergößzen. Weißt du, was uns gefällt? Der Herr ist unser Preis, Der Herr ist unsre Freude Und köstliches Geschmeide, Zu ihm gilt unsre Reif. 7. Wann soll es doch geschehen? Wann kommt die liebe Zeit, Daß wir ihn werden sehen In seiner Herrlichfeit? Du Tag, wann wirst du sein, Daß wir den Heiland grüßen, Daß wir den Heiland küssen? Komm, stelle dich doch ein! Gottfr. Wilh. Sacer. Weise: Erschienen ist der herrlich Tag. 78. un un freut euch Gottes Kinder all, Der Herr fährt auf mit großem Schall. Lobsinget ihm, lobsinget ihm, Lobsinget ihm mit lauter Etimm! Halleluja! 2. Die Engel und all Himmelsheer Erzeigen Christo göttlich Chr Und jauchzen ihm mit frohem Schall, Das thun die lieben Engel all. Halleluja! 3. Daß unser Heiland Jesus Christ, Wahr Gottes Sohn, Mensch worden ist, Deß freuen sich die Engel sehr Und gönnen uns gern solche Ehr. Halleluja! 68 Himmelfahrt. 4. Der Herr hat uns die Stätt bereit, Da wir folln bleibn in Ewigkeit; Lobsinget ihm, lobsinget ihm, Lobsinget ihm mit lauter Stimm! Halleluja! 5. Wir sind Erben im Himmelreich, Wir sind den lieben Engeln gleich. Das sehn die lieben Engel gern Und danken mit uns Gott dem Herrn. Halleluja! 6. 8 hat mit uns nun nimmer Noth, Der Satan, Sünd und ewger Tod Allsamt zu Schanden worden sind Durch Gottes und Marien Kind. Halleluja! 7. Den heilgen Geist sendt er herab, Auf daß er unsre Herzen lab Und tröst uns durch sein göttlich Wort Und uns behüt vors Teufels Mord. Halleluja! 8. Also baut er die Christenheit Zur ewgen Freud und Seligkeit. Allein der Glaub an Jesum Christ Die recht Erkenntniß Gottes ist. Halleluja! 9. Der heilge Geist den Glauben stärkt, Geduld und Hoffnung in uns wirkt, Erleucht und macht die Herzen fest Und uns in Trübsal nicht verläßt. Halleluja! 10. Was uns die göttlich Majestät Am heilgen Kreuz erworben hat, Das theilet aus der heilge Geist, Darum er unser Lehrer heißt. Halleluja! 11. Der Vater hat den Sohn gesandt, Der Sohn wird anders nicht erkannt Ohn durch den heilgen Geist allein Der muß die Herzen machen rein. Halleluja! 12. So manche schöne Gottesgab Bringt uns der heilge Geist herab Und uns vorm Satan wohl bewahrt; Solchs schafft des Herren Himmelfahrt. Halleluja! 13. So danket nun dem lieben Herrn Und lobet ihn von Herzen gern, Lobsinget mit der Engel Chör, Daß man es in dem Himmel hör. Halleluja! 14. Gott Vater in der Ewigkeit, Es sagt dir deine Christenheit Groß Ehr und Dank mit höchstem Fleiß, Zu allen Zeiten Lob und Preis. Halleluja! 15. Herr Jesu Christe, Gottes Sohn, Gewaltig, herrlich, Himmelfahrt. 69 prächtig, schön, Es dankt dir deine Christenheit Von nun an bis in Ewigkeit. Halleluja! 16. Oheilger Geist, du wahrer Gott, Der du uns tröst in aller Noth, Wir rühmen dich, wir loben dich Und sagen dir Dank ewiglich. Halleluja! Erasm. Alberus. 79. Weise: Alle Menschen müssen sterben. iegesfürste, Ehrenkönig, Höchst verklärte Majeſtät! Alle Himmel sind zu wenig, Du bist drüber hoch erhöht; Sollt ich nicht zu Füßen fallen, Und mein Herz vor Freude wallen, Wenn mein Glaubensaug betracht Deine Herrlichkeit und Macht! 2. Seh ich dich gen Himmel fahren, Seh ich dich zur Rechten da, Seh ich, wie der Engel Schaaren Alle rufen: Gloria! Sollt ich nicht zu Füßen fallen, Und mein Herz vor Freude wallen, Da der Himmel jubilirt, Weil mein König triumphirt! 3. Weit und breit, du Himmelssonne, Deine Klarheit sich ergenßt Und mit neuem Glanz und Wonne Alle Himmelsgeister speist; Prächtig wirst du eingenommen, Freudig heißt man dich willkommen! Schau, ich armes Kindlein hier Ruf auch Hosanna dir. 4. Sollt ich deinen Kelch nicht trinken, Da ich deine Glorie seh? Sollt mein Muth auch wollen sinken, Da ich deine Macht versteh! Meinem König will ich trauen, Nicht vor Welt und Teufel grauen, Nur in Jesu Namen mich Beugen hier und ewiglich. 5. Geist und Kraft nun überfließen; Drum wirk in mir kräftiglich Bis zum Schemel deiner Füßen Alle Feinde legen sich. Aus Zion den Scepter fende Weit und breit bis zum Weltende, Mache dir auf Erden Bahn, Alle Herzen unterthan. 6. Du kannst Alles aller Orten Neu erfülln und nahe sein; Meines armen Herzens Pforte Stell ich offen, komm herein! Komm, du König aller Ehren, Du mußt auch bei 70 Himmelfahrt. mir einkehren; Ewig in mir leb und wohn, Als in deinem Himmelsthron. 7. Deine Auffahrt bringt mir eben Gott und Himmel innig nah, Lehr mich nur im Geiste leben Als vor deinen Augen da; Fremd der Welt, der Zeit, den Sinnen, Bei dir abgeschieden drinnen In das Himmelreich verseßt, Da mich Jesus nur ergößt. Gerh. Tersteegen. Weise: Erschienen ist der herrlich Tag. 80. ir danken dir, Herr Jesu Christ, Daß du gen Himmel gefahren bist; O starker Gott, Imma nuel! Stärk uns an Leib, stärk uns an Seel. Halleluja! 2. Nun freut sich alle Christenheit Und singt und springt ohn alles Leid; Gott Lob und Dank im höchsten Thron! Unser Bruder ist Gottes Sohn. Halleluja! 3. Gen Himmel ist er gefahren hoch Und ist doch bei uns allzeit noch; Sein Macht und Gwalt unendlich ist, Wahr Gott und Mensch zu aller Frist. Halleluja! 4. Ueber all Himmel hoch erhebt, Ueber all Engel mächtig schwebt; Ueber all Menschen er regiert Und alle Creaturen führt. Halleluja! 5. Zur Rechten Gotts des Vaters groß Hat er all Macht ohn alle Maß, All Dinge sind ihm unterthan, Gottes und der Marien Sohn. Halleluja! 6. All Teufel, Welt, Sünd, Höll und Tod Er alles überwunden hat; Troß wer da will, es liegt nichts dran, Den Sieg muß er doch allzeit han. Halleluja! 7. Wohl dem, der ihm vertrauen thut Und hat in ihm nur frischen Muth; Welt, wie du willst, wer fragt nach dir? Nach Christo steht unser Begier. Halleluja! 8. Er ist der Herr und unser Trost, Der uns durch sein Blut hat erlöst; Das Gefängniß er gefangen hat, Daß uns nicht schad der bittre Tod. Halleluja! 9. Wir freuen uns aus Herzens Grund Und singen Himmelfahrt. 71 fröhlich mit dem Mund: Unser Bruder Fleisch, Bein und Blut Ist unser allerhöchstes Gut. Halleluja! 10. Durch ihn der Himmel unser ist; Hilf uns, o Bruder Jesu Christ, Daß wir nur fest trauen auf dich Und durch dich leben ewiglich. Halleluja! 11. Amen! Amen, Herr Jesu Christ, Der du gen Himmel gefahren bist: Erhalt uns, Herr, bei reiner Lehr, Des Teufels Trug und Listen wehr! Halleluja! 12. Komm, lieber, Herr, komm, es ist Zeit, Zum letzten Gricht in Herrlichkeit, Führ uns aus diesem Jammerthal In den ewigen Freudensaal. Halleluja! 13. Amen! wir singen noch einmal, Wir sehnen uns ins Himmels Saal, Da wir mit deinen Engelein Das Amen wollen singen fein. Halleluja! Weise: Ach Gott und Herr, wie groß und schwer. 81. euch uns nach dir, So laufen wir mit herzlichem Verlangen Hin, da du bist, Herr Jesu Christ, Aus dieser Welt gegangen. 2. Zeuch uns nach dir In Liebsbegier, Ach reiß uns doch von hinnen, So dürfen wir nicht länger hier Den Kummerfaden spinnen. 3. Zeuch uns nach dir, Herr Christ und führ Uns deine Himmelsstege; Wir irrn sonst leicht Und sind verscheucht Vom rechten Lebenswege. 4. Zeuch uns nach dir, So folgen wir Dir nach in deinen Himmel, Daß uns nicht mehr Allhier beschwer Das böse Weltgetümmel. 5. Zeuch uns nach die Nur für und für, Und gieb, daß wir nachfahren Dir in dein Reich Und mach uns gleich Den auserwählten Schaaren. Ludämilia Elisabeth, Gräf. v. Schwarzb.- Rudolst. 72 Pfingsten. Pfingsten. 82. Brunnquell aller Güter, Herrscher der Gemüther, Lebendiger Wind, Stiller aller Schmerzen, Dessen Glanz und Kerzen Mein Gemüth entzündt, Lehre meine schwache Saiten Deine Kraft und Lob ausbreiten. 2. Starker Gottesfinger, Fremder Sprachen Bringer, Süßer Herzenssaft, Tröster der Betrübten, Flamme der Verliebten, Alles Odems Kraft, Gieb mir deine Brunst und Gaben, Dich von Herzen lieb zu haben. 3. Bräutigam der Seelen, Laß mich in der Höhlen Deiner Lieblichkeit Ruh und Zuflucht finden, Laß mich von den Winden Trüber Noth befreit; Komm hervor, o Gnadensonne, Küsse mich mit Trost und Wonne. 4. Theure Gottesgabe, Komm, o komm, mich labe, Sieh, ich bin verschmacht; Komm, o mein Verlangen, Komm, mein Trost, gegangen, Denn mein Herze lacht, Wird von neuem ganz erquicket, Wenn es, Labsal, dich erblicket. 5. Wie ein Hirschlein gähnet, Sich nach Wasser sehnet, Wenn es wird gejagt; So pflegt mein Gemüthe, Herr, nach deiner Güte, Wenn es wird geplagt, Tief zu seufzen und im Dürren, Nach dir reichem Strom zu girren. 6. Wahrer Menschenschöpfer, Unsers Thones Töpfer, Gott von Ewigkeit; Zunder keuscher Liebe, Gieb, daß ich mich übe, Auch im Kreuz und Leid Alles dir anheim zu stellen und mich tröst in allen Fällen. 7. Führe meine Sachen, Meinen Schlaf und Wachen, Meinen Tritt und Gang, Glieder und Gesichte, Daß mein arm Gedichte, Daß mein schlecht Gesang, Wandel, Wort und Stand vor allen Dir, o Vater, mag gefallen. 8. Laß den Fürst der Höllen Nicht mit Listen fällen Meiner Tage Lauf; Nimm nach diesem Leiden Mich zu Pfingsten. Himmelsfreuden Deinen Diener auf; Da Mund erheben, Dir ein Halleluja geben. 73 soll sich mein Joh. Frand. Weise: Aus meines Herzens Grunde. schenkt uns 83. Freut euch ihr Christen alle, Gott seinen Sohn; Lobt ihn mit großem Schalle, Er schickt vom Himmelsthron Uns seinen werthen Geist, Der uns durchs Wort recht lehret, Des Glaubenslicht vermehret Und uns auf Christum weist. 2. Es läffet offenbaren Gott, unser höchster Hort, Uns, die wir unweis waren, Das himmelische Wort. Wie groß ist seine Güt! Nun können wir ihn kennen Und unsern Vater nennen, Der uns allzeit behüt. 3. Verleih, daß wir dich lieben, O Gott von großer Huld, Durch Sünd dich nicht betrüben, Vergieb uns unfre Schuld; Führ uns auf ebner Bahn, Hilf, daß wir dein Wort hören Und thun nach deinen Lehren, Das ist recht wohl gethan. 4. Von oben her uns sende Den Geist, den edlen Gast, Der stärke uns behende, Wenn uns drückt Kreuzeslast. Tröst uns in Todespein, Mach auf die Himmelsthüre, Uns mit einander führe Zu deinem Freudenschein. Georg Werner. Weise: Werde munter mein Gemüthe. 84. Gott, gieb einen milden Regen, Denn mein Herz ist dürr wie Sand; Bater, gieb vom Himmel Segen, Tränke du dein durstig Land. Laß des heilgen Geistes Gab Ueber mich von oben ab Wie die starken Ströme fließen Und mein ganzes Herz durchgießen. 2. Kann ein Vater hier auf Erden, Der doch bös ist von Natur, Seinen lieben Kindern geben Nichts als gute Gaben nur; Solltest du denn, der du heißt Guter Vater, deinen Geist Mir nicht geben, und mich laben Mit den guten Himmelsgaben? Geistl. Biederbuch. Pfingsten. 3. Jesu, der du hingegangen Zu dem Vater, sende mir Deinen Geist, den mit Verlangen Ich erwarte, Herr, von dir. Laß den Tröster ewiglich Bei mir sein und lehren mich, In der Wahrheit fest zu stehen Und auf dich im Glauben sehen. 74 4. Heilger Geist, du Kraft der Frommen, Kehre bei mir Armen ein Und sei tausendmal willkommen, Laß mich deinen Tempel sein. Säubre du nur selbst das Haus Meines Herzens; wirf hinaus Alles, was mich hier kann scheiden Von den süßen Himmelsfreuden. 5. Schmücke mich mit deinen Gaben, Mache mich neu, rein und schön, Laß mich wahre Liebe haben Und in deiner Gnade stehn. Gieb mir einen starken Muth, Heilige mein Fleisch und Blut; Lehre mich vor Gott hintreten Und im Geist und Wahrheit beten. 6. So will ich mich dir ergeben; Dir zu Ehren foll mein Sinn Dem, was himmlisch ist, nachstreben, Bis ich werde kommen hin, Da mit Vater und dem Sohn Dich im höchsten Himmelsthron Ich erheben kann und preifen, Mit den süßen Engelweisen. Kramer. Weise: Herr, ich habe mißgehandelt. 85. El der Herrlichkeit, Komm, du Segen aller Segen, Mache du mich selbst bereit, Dich mit wartendem Verlangen Hier begierig zu empfangen. 2. Fülle mich mit deinen Gaben, Ach komm selbst zu mir herein, Denn ich muß dich selber haben, Laß mich deine Wohnung sein; Laß in deinem Licht mich stehen Und aus Kraft in Kräfte gehen. 3. So kann ich den Herrn erkennen, Der mein Gottverföhner ist, Und ihn freudig Heiland nennen, Meinen Herrn und meinen Christ; Ja, so darf ich Abba beten Und als Kind zum Vater treten. Weihe. Pfingsten. Tas Weise: O Ursprung des Lebens. 75 86. Homm, Geist der Genaden, Komm, Geiſt des Gebets, Komm, heile den Schaden, In deiner Hand stehts; Nur du kannst ergründen Den Abgrund der Sünden Und was in dem menschlichen Herzen versteckt. 2. Dein kräftiges Zeugen Dringt Sündern ins Herz, Sie müssen sich beugen In Reue und Schmerz; Ein mächtiges Sehnen, Begleitet mit Thränen, Quillt aus dem geängsteten Herzen Herfür: Nur Gnade! nur Gnade! schreit ihre Begier. 3. Du führst sie zur Weide Zur seligen Fluth. Immanuels Seite Quillt Wasser und Blut; Darinnen sie finden Vergebung der Sünden; Gerechtigkeit, Stärke, unendliches Heil Wird ihnen bei dieser Blutquelle zu Theil. 4. Hier findt das Verdienen Und Zahlen nicht statt, Nein, es ist erschienen Die freie Genad; Umsonst soll man haben Die herrlichen Gaben. Ihr Elende, effet und trinket euch satt, Laßt euer Herz leben in freier Genad! 5. Den Heiland nur schauen, Nichts außer ihm thun, Auf Gnade nur bauen, In Gnade nur ruhn, Ists Schäfleins Geschäfte, Das giebet ihm Kräfte, In welchen es munter durchs Jammerthal reist, Doch alles dies wirkst du, lebendiger Geist. 6. Dein ewiges Bleiben Giebt ewigen Trost; Dein seliges Treiben Die süßeste Kost. O Tröster in Nöthen! Dein kräftig Vertreten Hilft unserer Schwachheit recht mütterlich auf, Versüßt uns des Lebens mühseligen Lauf. 7. Sich, wie sich dein Lieben Noch ferner erweist: Wir werden getrieben Im findlichen Geist, Das Abba zu schreien, Uns seiner zu freuen; Auch kommt uns bei blödem, erschrockenem Muth Dein ganz unaussprechliches Seufzen zu gut. 8. Komm, heiliges Dele, Balsamische Kraft! Durchdringe die Seele Mit himmlischem Saft, Im Glauben zu leben, 4* 76 Pfingsten. In Liebe zu schweben, In Hoffnung des ewigen Lebens zu stehn Und fröhlich durch Trübsal zum Vater zu gehn. 9. Da wird die Verklärung Im höchsten Grad stehn Und unsre Verehrung Vollkommen geschehn, Wenn du auf dem Throne, Nebst Vater und Sohne, Dich mit uns im völligen Lichte vereinst Und in uns mit ewiger Liebe ererscheinst. Allendorf. Eigene Weise oder: Herr Jesu Christ, meins Lebens Licht. 87. Homm, Gott Schöpfer, heiliger Geiſt, Beſuch das Herz der Gnaden füll, wie du weißt, Daß dein Geschöpfe vorhin sein. 2. Denn du bist der Tröster genannt, Des Allerhöchsten Gabe theur, Sein geistlich Salb an uns gewandt, Ein lebend Brunn, Lieb und Feur. 3. Zünd uns ein Licht an im Verstand, Gieb uns ins Herz der Liebe Brunst; Das schwach Fleisch in uns, dir bekannt, Erhalt fest dein Kraft und Gunst. 4. Du bist mit Gaben siebenfalt Der Finger an Gotts rechter Hand, Des Vaters Wort giebst du gar bald Mit Zungen in alle Land. 5. Des Feindes List treib von uns fern, Den Frieden schaff bei uns dein Gnad, Daß wir deim Leiten folgen gern Und meiden der Seelen Schad. 6. Lehr uns den Vater kennen wohl, Dazu Jesum Christ, seinen Sohn, Daß wir des Glaubens werden voll, Dich, Beider Geist, zu verstehn. 7. Gott Vater sei Lob und dem Sohn, Der von den Todten auferstund, Dem Tröster sei dasselb gethan, In Ewigkeit, alle Stund. M. Luther. 88. homm, heiliger Geist, Herre Gott, Erfüll mit deiner Gnaden Gut Deiner Gläubigen Herz, Muth und Sinn, Dein brünstig Lieb entzünd in ihn. O Herr, durch deines Lichtes Glanz Zu dem Glauben ver Pfingsten. 77 sammelt haft Das Volk aus aller Welt Zungen, Das sei dir, Herr, zu Lob gefungen. Halleluja, Halleluja! 2. Du heiliges Licht, edler Hort, Laß uns leuchten des Lebens Wort Und lehr uns Gott recht erkennen, Von Herzen Vater ihn nennen. Herr, behüt vor fremder Lehr, Daß wir nicht Meister suchen mehr, Denn Jeſum, mit rechtem Glauben Und ihm aus ganzer Macht vertrauen. Halleluja, Halleluja! 3. Du heilige Brunst, süßer Trost, Nun hilf uns fröhlich und getrost In deinem Dienst beständig bleiben, Die Trübsal uns nicht abtreiben. Herr, durch dein Kraft uns bereit Und stärk des Fleisches Blödigkeit, Daß wir hier ritterlich ringen, Durch Tod und Leben zu dir dringen. Halleluja, Halleluja! M. Luther. Komm, o komm, du Geist des Lebens, Wahrer 89. Gott von Gwigkeit! Deine Kraft ſei nicht vergebens, Sie erfüll uns jederzeit; So wird Geist und Licht und Schein In dem dunkeln Herzen sein. 2. Gieb in unser Herz und Sinnen Weisheit, Rath, Verstand und Zucht, Daß wir anders nichts beginnen, Denn was nur dein Wille sucht; Dein Erkenntniß werde groß Und mach uns vom Irrthum los. 3. Zeige, Herr, die Wohlfahrtsstege; Das, was hinter uns gethan, Räume ferner aus dem Wege, Schlecht und recht sei um und an, Wirke Reu an Sünden Statt, Wenn der Fuß gestrauchelt hat. 4. Laß uns stets dein Zeugniß fühlen, Daß wir Gottes Kinder sind, Die auf ihn alleine zielen, Wenn sich Noth und Drangsal findt; Denn des Vaters liebe Ruth Thut uns allewege gut. 5. Reiz uns, daß wir zu ihm treten Frei mit aller Freudigkeit; Seufz auch in uns, wenn wir beten, Und vertritt uns allezeit, So wird unsre Bitt erhört Und die Zuversicht vermehrt. Pfingsten. 6. Wird uns auch nach Troste bange, Daß das Herz oft rufen muß: Ach, mein Gott, mein Gott, wie lange! Ei, so mache den Beschluß, Sprich der Seele tröstlich zu Und gieb Muth, Geduld und Ruh. 78 7. O du Geist der Kraft und Stärke, Du gewisser, neuer Geist! Fördre in uns deine Werke, Wenn der Satan Macht beweist; Schenk uns Waffen in dem Krieg Und erhalt in uns den Sieg. 8. Herr, bewahr auch unsern Glauben, Daß kein Teufel, Tod, noch Spott Uns denselben möge rauben, Du bist unser Schuß und Gott; Sagt das Fleisch gleich immer nein, Laß dein Wort gewisser sein. 9. Wenn wir endlich sollen sterben, So versichre uns je mehr, Als des Himmelreiches Erben, Jener Herrlichkeit und Ehr, Die uns unser Gott erkiest Und nicht auszusprechen ist. J. Neander. Weise: Von Gott will ich nicht lassen, oder: Aus meines Herzens Grunde. 90. Vom melsthron Auf Christi Freund und Brüder, Komm eilig, fomm und wohn Im Herzen allermeist, Mit deinem Licht und Gaben Und Freudenöl zu laben, Komm, werther heilger Geist. 2. Du bist ein Trost der Frommen, Gieß aus dein heilges Del, Und laß es zu mir kommen, Daß sich mein Herz und Seel Erfreue ewiglich; Komm, Tröster, zu erquicken Die Seelen, die sich bücken Im Geist demüthiglich. 3. Laß allen Trost verschwinden, Den mir die Welt verspricht. Bei ihrem Dienst der Sünden, Der mich doch tröstet nicht; Was Jesus mir anpreist, Dem will ich feste gläuben, Du sollst mein Tröster bleiben, Du, o Gott heilger Geist. 4. Du kannst mein Herz erfreuen Und kräftig rüsten aus, Ja ganz und gar erneuen Mein armes Herzenshaus; Drum komm, mein schönster Gast, Und bleib im Tod und Leben Als Tröster mir ergeben, Bis mein Gesicht erblaßt. Pfingsten. 79 5. Der du als Gott ausgehest Vom Vater und dem Sohn Und mich im Geist erhöheft Zu Gottes Stuhl und Thron, Kehr ewig bei mir ein, Und lehr mich Jeſum kennen, Ihn meinen Herren nennen Mit Wahrheit, nicht zum Schein. 6. Du kommst ja von dem Vater, Der meine Seele liebt, Drum sei auch mein Berather; Wenn mich die Welt betrübt, So komm und tröste mich Und stärk im Kreuz und Leiden Mein Herz mit vielen Freuden, Daß es erquicke sich. 7. Ja, zeug in meinem Herzen Von Jesu ganz allein, Von seinem Tod und Schmerzen Und seiner Wahrheit Schein, Daß ich, ganz überzeugt, Kein Bild in meiner Seelen, Als Jesum, mög erwählen, Bis sich mein Herz ihm gleicht. 8. Leit mich mit deinem Finger, Geist von Gottes Thron, Und sei mein Herz- Bezwinger, Daß mich kein Schmach, noch Hohn, Kein Trübsal, keine Noth Von meinem Jefu scheide, Im Kreuz sei meine Freude Und Trost bis in den Tod. Laurentius Laurenti. 91. un bitten wir den heilgen Geist Um den rechten Glauben allermeist, Daß er uns behüte an unserm Ende, Wenn wir heimfahrn aus diesem Glende. Kyrieleis. 2. Du werthes Licht, gieb uns deinen Schein, Lehr uns Jesum Christ kennen allein, Daß wir an ihm bleiben, dem treuen Heiland, Der uns bracht hat zum rechten Vaterland. Kyrieleis. 3. Du süße Lieb, schenk uns deine Gunst, Laß uns empfinden der Liebe Brunst, Daß wir uns von Herzen einander lieben Und in Frieden auf einem Sinn bleiben. Kyrieleis. 4. Du höchster Tröster in aller Noth, nicht fürchten Schand noch Tod, Daß in nicht gar verzagen, Wenn der Feind wird klagen. Kyrieleis. Hilf, daß wir uns die Sinne das Leben verM. Luther. Pfingsten. Weise: Freu dich sehr, o meine Seele. 92. du allersüßte Freude, O du allerschönstes Licht, Der du uns in Lieb und Freude Unbesuchet läsfest nicht, Geist des Höchsten, höchster Fürst, Der du hältst und halten wirst Ohn Aufhören alle Dinge, Höre, höre, was ich singe. 80 2. Du bist ja die beste Gabe, Die ein Mensch nur nennen kann, Wenn ich dich erwünsch und habe, Geb ich alles Wünschen dran; Ach! ergieb Dich, komm zu mir In mein Herze, das du dir, Da ich in die Welt geboren, Selbst zum Tempel auserkoren. 3. Du wirst aus des Himmels Throne Wie ein Regen ausgeschütt, Bringst vom Vater und vom Sohne Nichts als lauter Segen mit; Laß doch, o du werther Gast, Gottes Segen, den du hast Und verwaltst nach deinem Willen, Mich an Leib und Seele füllen! 4. Du bist weis und voll Verstandes, Was geheim ist, ist dir fund; Zählst den Staub des kleinsten Sandes, Gründst des tiefen Meeres Grund; Nun du weißt auch zweifelsfrei, Wie verderbt und blind ich sei, Drum gieb Weisheit und vor allen, Wie ich möge Gott gefallen. 5. Du bist heilig, läßt dich finden, Wo man rein und sauber ist; Fleuchst hingegen Schand und Sünden, Wie die Tauben Stank und Mist: Mache mich, o Gnadenquell, Durch dein Waschen rein und hell, Laß mich fliehen, was du fliehest, Gieb mir, was du gerne siehest. 6. Du bist, wie ein Schäflein pfleget, Frommes Herzens, sanftes Muths, Bleibst im Lieben unbeweget, Thust uns Bösen alles Guts: Ach, verleih und gieb mir auch Diesen edlen Sinn und Brauch, Daß ich Freund und Feinde liebe, Keinen, den du liebst, betrübe. 7. Mein Hort, ich bin wohl zufrieden, Wenn du mich nur nicht verstößt; Bleib ich von Dir ungeschieden, i, so bin ich gnug getröst; Laß mich sein dein Eigenthum, Ich versprech hinwiederum, Hier und dort all mein Vermögen Dir zu Ehren anzulegen. Pfingsten. 81 8. Ich entfage alle deme, Was dir deinen Ruhm benimmt; Ich will, daß mein Herz annehme Nur allein, was von dir kommt; Was der Satan will und sucht, Will ich halten als verflucht, Ich will seinen schnöden Wegen Mich mit Ernst zuwider legen. 9. Nur allein, daß du mich stärkest Und mir treulich stehest bei; Hilf, mein Helfer, wo du merkest, Daß mir Hilfe nöthig sei; Brich des bösen Fleisches Sinn, Nimm den alten Willen hin, Mach ihn allerdinges neue, Daß sich mein Gott meiner freue. 10. Sei mein Retter, halt mich oben; Wenn ich sinke, sei mein Stab; Wenn ich sterbe, sei mein Leben; Wenn ich liege, sei mein Grab; Wenn ich wieder aufersteh, i, so hilf mir, daß ich geh Hin, da du in ewgen Freuden Wirst dein Auserwählten weiden. P. Gerhardt. Weise: Wie schön leuchtet der Morgenstern. 93. heilger Geist, fehr bei uns ein Und laß uns deine Wohnung sein, O komm, du herzenssonne! Du Himmelslicht, laß deinen Schein Bei uns und in uns kräftig sein Zu steter Freud und Wonne. Sonne, Wonne, Himmlisch Leben wirst du geben, wenn wir beten, Zu dir kommen wir getreten. 2. Du Quell, draus alle Weisheit fließt, Die sich in fromme Seelen gießt, Laß deinen Trost uns hören, Daß wir in Glaubenseinigkeit Auch können alle Christenheit Dein wahres Zeugniß lehren, Höre, Lehre, Daß wir können, Herz und Sinnen dir ergeben, Dir zum Lob und uns zum Leben. 3. Steh uns stets bei mit deinem Rath Und führ uns selbst den rechten Pfad, Die wir den Weg nicht wissen; Gieb uns Beständigkeit, daß wir Getreu dir bleiben für und für, Wenn wir uns leiden müssen; Schaue, Baue, Was zerrissen und geflissen, dich zu schauen, Und auf deinen Trost zu bauen. 4** Pfingsten. 4. Laß uns dein edle Balsamskraft Empfinden und zur Ritterschaft Dadurch gestärket werden, Auf daß wir unter deinem Schuß Begegnen aller Feinde Truß Mit freudigen Geberden, Laß dich Reichlich Auf uns nieder, daß wir wieder Trost empfinden, Alles Unglück überwinden. 82 5. O starker Fels und Lebenshort, Laß uns dein himmelsüßes Wort In unsern Herzen brennen, Daß wir uns mögen nimmermehr Von deiner weisheitsreichen Lehr Und treuen Liebe trennen; Fließe, Gieße Deine Güte ins Gemüthe, daß wir können Christum unsern Heiland nennen. 6. Du süßer Himmelsthau, laß dich In unsre Herzen kräftiglich Und schenk uns deine Liebe, Daß unser Sinn verbunden sei Dem Nächsten stets mit Liebestreu Und sich darinnen übe. Kein Neid, Kein Streit. Dich betrübe! Fried und Liebe müssen schweben, Fried und Freude wirst du geben. 7. Gieb, daß in reiner Heiligkeit Wir führen unsre Lebenszeit; Sei unsers Geistes Stärke, Daß uns hinfort sei unbewußt, Die Eitelkeit, des Fleisches Lust Und seine tødten Werke; Rühre, Führe Unser Sinnen und Beginnen von der Erden, Daß wir Himmelserben werden. Michael Schirmer. Weise: Jesu, meine Freude. 94. chmückt das Fest mit Maien, Laffet Blumen streuen, Zündet Opfer an! Denn der Geist der Gnaden hat sich eingeladen; Machet ihm die Bahn, Nehmt ihn ein, so wird sein Schein Euch mit Licht und Heil erfüllen Und den Kummer stillen. 2. Tröster der Betrübten, Siegel der Geliebten, Geist voll Rath und That, Starker Gottesfinger, Friedensüberbringer, Licht auf unserm Pfad! Gieb uns Kraft und Lebenssaft, Laß uns deine theuern Gaben Nach Vergnügen laben. 3. Laß die Zungen brennen, Wenn wir Jesum nennen, Führ den Geist empor, Gieb uns Kraft zu beten Und Pfingsten. 83 vor Gott zu treten, Sprich du selbst uns vor; Gieb uns Muth, du höchstes Gut, Tröst uns kräftiglich von oben Bei der Feinde Toben. 4. Helles Licht, erleuchte, Klarer Brunn, befeuchte Unser Herz und Sinn. Gnadenöl, erquicke, O Magnet, entzücke Uns zum Himmel hin; Baue dir den Tempel hier, Daß dein Herd und Feuer brennet, Wo man Gott bekennet. 5. Goldner Himmelsregen, Schütte deinen Segen Auf das Kirchenfeld, Lasse Ströme fließen, Die das Land be: gießen, Wo dein Wort hinfällt; Und verleih, daß es gedeih, Hundertfältig Früchte bringe, Und ihm stets gelinge. 6. Schlage deine Flammen Ueber uns zusammen, Wahre Liebesgluth, Laß dein sanftes Wehen Auch bei uns geschehen, Dämpfe Fleisch und Blut; Laß uns doch das Sündenjoch Nicht mehr wie vor diesem ziehen Und das Böse fliehen. 7. Gieb zu allen Dingen Wollen und Vollbringen, Führ uns ein und aus; Wohn in unsrer Seele, Und des Herzens Höhle Sei dein eigen Haus. Werthes Pfand, mach uns bekannt, Wie wir Jesum recht erkennen Und Gott Vater nennen. 8. Mach das Kreuze süße Und in Finsternisse Sei du unser Licht; Trag nach Zions Hügeln Uns mit Glaubensflügeln Und verlaß uns nicht, Wenn der Tod, die legte Noth, Mit uns will zu Felde liegen, Daß wir fröhlich stegen. 9. Laß uns hier indessen Nimmermehr vergessen, Daß wir Gott verwandt. Dem laß uns stets dienen Und im Guten grünen Als ein fruchtbar Land, Bis wir dort, du werther Hort, Bei den grünen Himmelsmaien Ewig uns erfreuen. Benj. Schmolck. Weise: Herr, ich habe mißgehandelt. 95. trahl der Gottheit, Kraft der Höhe, Geist der Gnaden, wahrer Gott! Höre, wie ich Armer flehe, Das zu geben, was mir noth; Laß den Ausfluß deiner Gaben Auch mein dürres Herze laben. Pfingsten. 2. Glaube, Weisheit, Rath und Stärke, Furcht, Erkenntniß und Verstand, Das sind deiner Gottheit Werke, Dadurch wirst du uns bekannt; Dadurch weißt du recht zu lehren, Wie wir sollen Jesum ehren. 84 3. Theurer Lehrer, Gottes Finger! Lehr und schreibe deinen Sinn Auch ins Herz mir, deinem Jünger; Seße dich auf mich auch hin, Daß ich stets von deiner Fülle Reichlich lern, was sei dein Wille. 4. Laß das Feuer deiner Liebe Rühren meine Zung und Mund, Daß ich noch mit heißrem Triebe Gottes Thaten mache kund; Laß es Seel und Herz entzünden Und verzehren alle Sünden. 5. Leg hingegen meiner Seele Deine heilge Salbung bei, Daß mein Leib auch von dem Dele Dein geweihter Tempel sei; Bleib auch bei mir, wenn ich sterbe, Daß ich Christi Reich ererbe. 6. Strahl der Gottheit, Kraft der Höhe, Geist der Gnaden, wahrer Gott! Höre, wie ich Armer flehe, Das zu geben, was mir noth; Laß den Ausfluß deiner Gaben Auch mein dürres Herze laben. Weise: Brunnquell aller Güter. 96. Tröster blöder Herzen, Der die bangen Schmerzen sich ängstlich quälen, Ganz mit Trost erfüllt: Laß mich trauern hier auf Erden, Aber dort getröstet werden. 2. Wenn ich an der Sünde Noch Vergnügen finde, So zerstör die Lust; Laß nach ihrem Prangen Gar nicht mehr verlangen Die zerschlagne Brust; Lenk vom Trost der Creaturen Mich auf deines Trostes Spuren. 3. In vernünftgen Gründen Ist kein Trost zu finden, Der das Glend hebt; Nur das Wort der Gnaden Heilet meinen Schaden, Wenn es in mir lebt; Gieb aus diesen Trostesquellen Kraft und Trost in allen Fällen. Pfingsten. 85 4. Gieß des Vaters Liebe Durch die reinsten Triebe In dem Herzen aus; Zeuge seiner Güte! Treib aus dem Ge müthe Alle Furcht hinaus; Laß mich an des Sohnes Sterben Auch mein Antheil gläubig erben. 5. Zeige dem Gewissen, Daß der Brief zerrissen, Der von Schulden sagt, Und daß meine Sünden Nirgends mehr zu finden, Wenn man danach fragt; Laß mich die Versichrung schmecken, Daß sie mich nicht weiter schrecken. 6. Laß im Blut der Gnaden Sich mein Herze baden, Wenn es dürr und matt; Laß es sich ergößzen An den theuren Schäßzen, Die der Himmel hat, Die das Gnadenwort verheißet, Und der Glaube zu sich reißet. 7. Wenn mein Geist sich bucket, Weil die Last ihn drücket, Hilf der Schwachheit auf; Stärk die matten Kniee Unter aller Mühe In dem Kampf und Lauf; Stärke Muth, Geduld und Glauben, Wenn die Feinde grimmig schnauben. 8. Laß mich meinen Namen Bei der Frommen Samen Angeschrieben sehn. Ist der Tod was Herbes, Mach ihn, Pfand des Erbes! Mir recht süß und schön; Gieb mir in dem letzten Leiden Einen Vorschmack jener Freuden! Rambach. Weise: Aus meines Herzens Grunde. 97. euch ein zu meinen Thoren, Sei meines Herzens Gast, Der du, da ich geboren, Mich neu geboren haft: hochgeliebter Geist Des Vaters und des Sohnes, Mit beiden gleichen Thrones, Mit beiden gleich gepreist. 2. Zeuch ein, laß mich empfinden Und schmecken deine Kraft, Die Kraft, die uns von Sünden Hilf und Errettung schafft. Entsündge meinen Sinn, Daß ich mit reinem Geiste Dir Ehr und Dienste leiste, Die ich dir schuldig bin. 3. Ich war ein wilder Reben, Du hast mich gut gemacht; Der Tod durchdrang mein Leben, Du hast ihn umgebracht Und in der Tauf erstickt, Als wie in einer Fluthe, Mit dessen Tod und Blute, Der uns im Tod erquickt. Pfingsten. 4. Du bist das heilge Dele, Damit gesalbet ist Leib und meine Seele Dem Herren Jesu Christ wahren Eigenthum, Zum Priester und Propheten, Zum König, den in Nöthen Gott schützt vom Heiligthum. Mein Zum 86 5. Du bist ein Geist, der lehret, Wie man recht beten soll, Dein Beten wird erhöret, Dein Singen klinget wohl; Es steigt zum Himmel an, Es steigt und läßt nicht abe, Bis der geholfen habe, Der allen helfen kann. 6. Du bist ein Geist der Freuden, Vom Trauern hältst du nicht, Erleuchtest uns im Leiden Mit deines Trostes Licht. Ach ja, wie manches Mal Hast du mit süßen Worten Mir aufgethan die Pforten 3um güldnen Freudensaal. 7. Du bist ein Geist der Liebe, Ein Freund der Freundlichkeit, Willst nicht, daß uns betrübe Zorn, Zank, Haß, Neid und Streit. Der Feindschaft bist du feind, Willst, daß durch Liebesflammen, Sich wieder thun zuſammen, Die voller Zwietracht seind. 8. Du, Herr, haft selbst in Händen Die ganze weite Welt, Kannst Menschenherzen wenden, Wie dir es wohlgefällt; So gieb doch deine Gnad Zum Fried und Liebesbanden, Verknüpf in allen Landen, Was sich getrennet hat. 9. Ach, edle Friedensquelle, Schleuß deinen Abgrund auf, Und gieb dem Frieden schnelle Hier wieder seinen Lauf! Halt ein die große Fluth, Die Fluth, die eingerissen, So daß man siehet fließen Wie Wasser Menschenblut. 10. O laß dein Volk erkennen Die Vielheit ihrer Sünd, auch Gottes Grimm so brennen, Daß er bei uns entzünd Den ernsten bittern Schmerz Und Buße, die bereuet, Deß sich zuerst erfreuet Ein weltergebnes Herz. 11. Auf Buße folgt der Gnaden-, Auf Neu der Freudenblick; Sich bessern heilt den Schaden, Fromm werden bringet Glück. Herr! thus zu deiner Ehr, Erweiche Stahl und Steine, Auf daß das Herze weine, Der Böse sich bekehr. Trinitatisfest. 87 12. Erhebe dich und steure Dem Herzleid auf der Erd, Bring wieder und erneure Die Wohlfahrt deiner Heerd! Laß blühen wie zuvorn Die Länder, so verheeret, Die Kirchen, so zerstöret Durch Krieg und Feuerszorn. 13. Beschirm die Polizeien, Bau unsers Fürsten Thron, Daß sie und wir gedeihen; Schmück, als mit einer Kron, Die Alten mit Verstand, Mit Frömmigkeit die Jugend, Mit Gottesfurcht und Tugend Das Volk im ganzen Land. 14. Erfülle die Gemüther Mit reiner Glaubenszier, Die Häuser und die Güter Mit Segen für und für. Vertreib den bösen Geist, Der dir sich widerfeßzet Und, was dein Herz ergößet, Aus unsern Herzen reißt. 15. Gieb Freudigkeit und Stärke, zu stehen in dem Streit, Den Satans Reich und Werke Uns täglich anerbeut. Hilf kämpfen ritterlich, Damit wir überwinden Und ja zum Dienst der Sünden Kein Christ ergebe sich. 16. Richt unser ganzes Leben Allzeit nach deinem Sinn, Und wenn wirs follen geben Ins Todes Hände hin, Wenns mit uns hie wird aus, So hilf uns fröhlich sterben Und nach dem Tod ererben Des ewgen Lebens Haus! P. Gerhardt. Trinitatisfeft. Gloria in excelsis. llein Gott in der Höh sei Ehr! Und Dank für 98. A feine Gnade, Darum, daß nun und nimmermehr Uns rühren kann kein Schade. Ein Wohlgefalln Gott an uns hat, Nun ist groß Fried ohn Unterlaß, All Fehd hat nun ein Ende. 2. Wir loben, preisn, anbeten dich, Für deine Ehr wir danken, Daß du, Gott Vater, ewiglich Regierst ohn alles Wanken. Ganz ungemessn ist deine Macht, Fort gschieht, was dein Will hat bedacht; Wohl uns des feinen Herren! Trinitatisfest. 3. Jesu Christ, Sohn eingeborn Deines himmlischen Vaters, Versöhner der, die warn verlorn, Du Stiller unsers Haders: Lamm Gottes, heilger Herr und Gott, Nimm an die Bitt von unsrer Noth, Erbarm dich unser aller. 88 4. O heilger Geist, du höchstes Gut, Du allrheilsamster Tröster! Vors Teufels Gwalt fortan behüt Die Jesus Christ erlöset Durch große Martr und bittern Tod; Abwend all unsern Jammr und Noth! Dazu wir uns verlasſen. Nikol. Decius. 0 lux beata. Weise: Komm, Gott Schöpfer, heilger Geist. 99. er er du bist drei in Einigkeit, Ein wahrer Gott von Ewigkeit, Die Sonn mit dem Tag von uns weicht, Laß uns leuchten dein göttlich Licht. 2. Des Morgens, Gott, dich loben wir, Des Abends auch beten vor dir, Unser armes Lied rühmet dich Jehund, immer und ewiglich. 3. Gott Vater dem sei ewig Ehr, Gott Sohn, der ist der einge Herr, Und dem Tröster heiligen Geist, nun an bis in Ewigkeit. Amen. Von M. Luther. Weise: O Gott, du frommer Gott. 100. Gelobet sei der Herr, Mein Gott, mein Licht, mein Leben, Mein Schöpfer, der mir hat Mein Leib und Seel gegeben, Mein Vater, der mich schüßt Von Mutterleibe an, Der alle Augenblick Viel Guts an mir gethan. 2. Gelobet fei der Herr, Mein Gott, mein Heil, mein Leben, Des Vaters liebster Sohn, Der sich für mich gegeben, Der mich erlöset hat Mit seinem theuern Blut, Der mir im Glauben schenkt Sich selbst, das höchste Gut. 3. Gelobet sei der Herr, Mein Gott, mein Trost, mein Leben, Des Vaters werther Geist, Den mir der Sohn Trinitatisfest. 89 gegeben, Der mir mein Herz erquickt, Der mir giebt neue Kraft, Der mir in aller Noth Rath, Trost und Hilfe schafft. 4. Gelobet sei der Herr, Mein Gott, der ewig lebet, Den alles lobet, was In allen Lüften schwebet; Gelobet sei der Herr, Deß Name heilig heißt, Gott Vater, Gott der Sohn Und Gott der werthe Geist. 5. Dem wir das Heilig jetzt mit Freuden lassen klingen, Und mit der Engel Schaar, Das Heilig! Heilig! singen; Den herzlich lobt und preist Die ganze Christenheit, Gelobet sei mein Gott In alle Ewigkeit. Joh. Olearius. Weise: Wie schön leuchtet der Morgenstern. 101. Halleluja, Lob, Breis und Ehr Sei unserm Gott je mehr und mehr Für alle seine Werke! Von Ewigkeit zu Ewigkeit Sei in uns allen ihm bereit Dank, Weisheit, Kraft und Stärke! Klinget, Singet: Heilig! heilig! Freilich, freilich: Heilig ist Gott, Unser Gott, der Herr Zebaoth! 2. Halleluja, Preis, Ehr und Macht Sei auch dem Gotteslamm gebracht, In dem wir sind erwählet, Der uns mit seinem Blut erkauft, Damit besprenget und getauft Und sich mit uns vermählet! Heilig, Selig Ist die Freundschaft und Gemeinschaft, die wir haben Und darinnen uns erlaben. 3. Halleluja, Gott heilger Geist, Sei ewiglich von uns gepreist, Durch den wir neu geboren, Der uns mit Glauben ausgeziert, Den Bräutigam uns zugeführt, Den Hochzeittag erforen! ia! Ei da, Da ist Freude, da ist Weide, da ist Manna Und ein ewig Hostanna. 4. Halleluja, Lob, Preis und Ehr Sei unserm Gott je mehr und mehr Und seinem großen Namen! Stimmt an mit aller Himmelsschaar Und singet nun und immerdar Mit Freuden: Amen! Amen! Klinget, Singet: Heilig! heilig! Freilich, freilich: Heilig ist Gott, Unser Gott, der Herr Zebaoth! Barthol. Crasselius. 90 Johannisfest. Credo. 102. Wir glauben all an einen Gott, Schöpfer Himmels und der Erden, Der sich zum Vater geben hat, Daß wir seine Kinder werden. Er will uns allzeit ernähren, Leib und Seel auch wohl bewahren; Allem Ünfall will er wehren, Kein Leid soll uns widerfahren. Er forget für uns, hüt und wacht, Es steht alles in seiner Macht. 2. Wir glauben auch an Jesum Christ, Seinen Sohn und unfern Herren, Der ewig bei dem Vater ist, Gleicher Gott von Macht und Ehren; Von Maria der Jungfrauen Ist ein wahrer Mensch geboren Durch den heilgen Geist im Glauben, Für uns, die wir warn verloren, Am Kreuz gestorben, und vom Tod Wieder auferstanden durch Gott. 3. Wir glauben an den heilgen Geist, Gott mit Vater und dem Sohne, Der aller Blöden Tröster heißt Und mit Gaben zieret schöne. Die ganz Christenheit auf Erden Hält in einem Sinn gar eben, Hie all Sünd vergeben werden, Das Fleisch soll auch wieder leben; Nach diesem Elend ist bereit Uns ein Leben in Ewigkeit. Amen. M. Luther. Johannisfest( 24. Juni). Weise: Herr Jesu Christ, meins Lebens Licht. 103. elobet sei Israels Gott, Der Herr, der sein Volk in der Noth Und, da es gänzlich war verflucht, Mit großen Gnaden hat besucht. 2. Er hat uns seinen Sohn gesandt, Der allen Zorn ganz abgewandt Und uns erlöset kräftiglich, Deß wird Israel freuen sich. 3. Da mit uns schon war alles aus, In seines Dieners Davids Haus hat er ein Horn der Seligkeit Gesetzt zum Trost der Christenheit. Johannisfest. 91 4. Als uns vor Zeiten machte kund Der heiligen Propheten Mund, Dadurch er uns hat angemeldt, Er will uns retten als ein Held. 5. Der Feinde Troß, des Haffers Hand, Ob sie vor Zorn gleich sind entbrannt, Wollt er zerbrechen als der Mann, Der Tod und Teufel zwingen kann. 6. Hierzu hat ihn sein Herz bewegt, Das sie mit Gnad und Güte trägt; Er hat an seinen Bund gedacht, Vorlängst mit Abraham gemacht. 7. Wie auch an dieses, was er hat Geschworen ihm an Gides Statt, Zu geben denen, die da sind Von ihm gezeugt, auch Kindes Kind. 8. Auf daß, wenn wir erlöset sein Vom Teufel, Tod und Höllenpein, Ihm dienete sein Leben lang Ein Jeder ohne Furcht und Zwang. 9. Gerecht und heilig in der Welt, Nach solcher Art, die ihm gefällt, Nicht, wenn es Menschen Wiß erdenkt, Womit man sich vergebens fränkt. 10. Du Kindlein, du wirst ein Prophet Des Höchsten heißen, der da geht Vor seinem Herren fein voran Und macht ihm richtig seine Bahn. 11. Aus herzlicher Barmherzigkeit, Kraft deren uns in unserm Leid Der Aufgang aus der Höhe sucht, Das ist der Liebe Gab und Frucht. 12. Auf daß, die er im Finstern findt, Und die ins Todes Schatten sind, Des Lichtes Kinder können sein Durch seinen hellen Glanz und Schein. 13. Daß ihre Füße richtig stehn Und auf dem Weg des Friedens gehn, Ja endlich allesamt zugleich Mit Freuden gehn ins Himmelreich. Joh. Heermann. Weise: Freu dich sehr, o meine Seele. 104. Fr röstet, tröstet meine Lieben, Tröstet mein Volk! spricht mein Gott. Tröstet, die sich jetzt betrüben Ueber Feindes Hohn und Spott! Weil Jerusalem 92 Marientage( Maria Verkündigung). wohl dran, Redet sie gar freundlich an, Denn ihr Leiden hat ein Ende, Ihre Ritterschaft ich wende. 2. Ich vergeb all ihre Sünden, Ich tilg ihre Missethat, Ich will nicht mehr sehn, noch finden, Was die Straf erwecket hat; Sie hat ja zweifältig Leid Schon empfangen, ihre Freud Soll sich täglich neu vermehren Und ihr Leid in Freud verkehren. 3. Eine Stimme läßt sich hören In der Wüsten weit und breit, Alle Menschen zu bekehren: Macht dem Herrn den Weg bereit! Machet Gott ein ebne Bahn! Alle Welt soll heben an, Alle Thäler zu erhöhen, Daß die Berge niedrig stehen! 4. Ungleich soll nun eben werden, Und was höckricht, werden schlecht, Alle Menschen hier auf Erden Sollen leben schlecht und recht; Denn des Herren Herrlichkeit, Offenbar zu seiner Zeit, Macht, daß alles Fleisch kann sehen, Wie, was Gott spricht, muß geschehen. Joh. Olearius. Marientage. Mariä Verkündigung( 25. März). 105. Weise: Was mein Gott will, das gscheh allzeit. Freu dich, du werthe Christenheit, Dies ist der 24 Tag des Herren, Der Anfang unsrer Seligkeit, Den Gott zu seinen Ehren Nach seinem Rath erwählet hat, Gott, laß wohl gelingen. Hilf uns mit Fleiß, zu deinem Preis Ein fröhlichs Lied zu singen. 2. Gott ist gerecht in seinem Wort, Was er einmal zusaget, Das ist gewiß an allem Ort. Ob schon die Welt verzaget, Heut Gottes Sohn, der Gnadenthron, Zu uns auf Erd gelanget. D Wunder groß! Marien Schooß Den großen Herrn empfanget. Marientage( Maria Verkündigung). 93 3. Sie hört vom Engel Gabriel, Sie sollt Jesum gebären, Der ganzen Welt Immanuel, Den mächtig großen Herren. Das Jungfräulein, so keusch und rein, Erschrak ob den Geschichten, Doch glaubt dem Wort, wie sie gehört, Gott würd es wohl verrichten. 4. Wohl uns der gnadenreichen Zeit, Daß wir erlangt den Orden, Daß du, o Gott von Ewigkeit, Bist unser Bruder worden. Wir bitten dich demüthiglich, Lehr uns deinm Wort vertrauen, Bis wir zugleich im Himmelreich Das Wunderwerk anschauen. Peter Hagius. Weise: Es ist das Heil uns kommen her. Der du vom 106. großer König Jesus Christ! Geist empfangen In der Jungfrauen Leibe bist, Ach, laß mich Gnad erlangen, Daß ich geboren werd im Geist, Und was der Name Jesus heißt Im Herzen wohl erwäge. 2. Du heißest Jesus, weil du mich Machst selig von den Sünden, Und ich als meinen Heiland dich In Nöthen möge finden. Kein Nam ist sonst zum Heil der Welt Von Gott im hohen Himmelszelt Als Jesus auserkoren. 3. Er ist des Allerhöchsten Sohn, Den Gott will hoch erheben Auf seines Vaters Davids Thron; Das Reich will er ihm geben und ihn zum König segzen ein, Deß Königreich kein End wird sein, Dazu wird er empfangen. 4. O Jesu, laß dein Reich in mir Ganz fest gepflanzet werden, Daß du in mir und ich in dir So leben mög auf Erden, Daß dieses Reich in Heiligkeit, An Glauben und Gerechtigkeit Mög unverstöret bleiben. 5. Es ist ja doch in uns dein Reich, Wills gleich die Welt nicht wissen, Und wird das Reich gehaffet gleich Vom Reich der Finsternissen; So wird es dennoch feste stehn Und nicht im Herzen untergehn, Wenn gleich die Feinde toben. 6. Bald wird es wieder offenbar, Wenn Jesus wird Marientage( Mariä Heimsuchung). einbrechen Und sich als Richter stellen dar, Sich wider die zu rächen, Die hier sein Reich gefochten an Und mit Verfolgung, Fluch und Bann Verfolgt die Reichsgenossen. 94 7. Herr Jeſu, mache mich bereit Und hilf mir überwinden, Daß ich dein Gnadenreich ausbreit Und dort bald möge finden Das Reich der frohen Ewigkeit, Das man dort erbet nach dem Streit. Ach! laß es bald erscheinen. Laurentius Laurenti. Mariä Heimsuchung( 2. Juli). Weise: Kommt her zu mir, spricht Gottes Sohn. 107. Den en Herren meine Seel erhebt, Der herzlich liebt und ewig lebt. Mein Geist ist voller Freude, Daß Gott mein Gott und Heiland ist, Der mich ihm selbst hat auserkiest, Die ich hie Armuth leide. 2. Er hat mit Gnaden angeblickt Mich, seine Magd, und recht erquickt; Nun wird mich selig preisen Auch Kindeskind und jedermann; Denn Gott hat viel an mir gethan, Das wird sich kürzlich weiſen. 3. Sein Nam ist heilig, seine Macht Wird hoch in aller Welt geacht; Er bleibet allzeit allen Reich an Güt und Barmherzigkeit, Die ihn zu fürchten sind bereit, Nach seinem Wohlgefallen. 4. Mit seinem Arm übt er Gewalt, Stürzt und zerstreuet alles bald, Was sich mit Stolz aufschwellet. Die Mächtigen stößt er vom Thron Und giebt den Feinden ihren Lohn, Die er zu Boden fället. 5. Er sett die Niedrigen hinauf, Die seines reinen Wortes Lauf Befördern und groß achten; Den Hungrigen giebt er ihr Brot, Die. Reichen müssen leiden Noth, Ihr Leben muß verschmachten. 6. Er denket der Barmherzigkeit Und nimmt hinweg das große Leid, Das Israel mit Schmerzen Ausstehen mußt in dieser Welt; Dem hilft er auf, wenns ihm gefällt, Und trägt ihn stets im Herzen. Marientage( Maria Reinigung). 95 7. Wie er denn hat mit Abraham, Zu dem er in die Hütte kam, Und seinen Kindeskindern Durch einen Eid verbunden sich, Das wird er halten ewiglich, Er läßt sich nichts verhindern. 8. Ich dank dir auch von Herzensgrund, O Gott, für das, was mir dein Mund Versprochen hat zu geben. Es ist gewiß, hie wirst du mich Erretten, und dort ewiglich In Freuden lassen schweben. Joh. Heermann. Mariä Reinigung( 2. Februar). 108. err Gott, nun schleuß den Himmel auf, Mein Zeit zum End sich neiget: Ich hab vollendet meinen Lauf, Deß sich mein Seel sehr freuet. Hab gnug gelitten, Mich müd gestritten, Schick mich fein zu Zur ewgen Ruh; Laß fahren, was auf Erden: Will lieber selig werden. 2. Wie du mir, Herr, befohlen hast, hab ich mit wahrem Glauben Mein lieben Heiland aufgefaßt In mein Arm, dich zu schauen. Hoff zu bestehen, Will frisch eingehen Ausm Thränenthal In Freudensaal; Laß fahren, was auf Erden: Will lieber selig werden. 3. Laß mich nur, Herr, wie Simeon, In Frieden zu dir fahren. Befiehl mich Christo, deinem Sohn, Der wird mich wohl bewahren, Wird mich recht führen, Im Himmel zieren Mit Ehr und Kron: Fahr drauf davon, Laß fahren, was auf Erden: Will lieber selig werden. Michael Altenburg. Weise: Herzlich thut mich verlangen. 109. Herr Jefu, Licht der Heiden, Der Frommen Schaßz und Lieb, Wir kommen jetzt mit Freuden, Durch deines Geistes Trieb, In diesen deinen Tempel Und suchen mit Begier, Nach Simeons Erempel, Dich, großer Gott, allhier. 96 Marientage( Mariá Reinigung). 2. Du wirst durch uns gefunden, O Herr, an jedem Ort, Dahin du dich verbunden Durch dein Verheißungswort, Vergönnst noch heut zu Tage, Daß man dich gleicher Weis Auf Glaubensarmen trage, Wie hier der alte Greis. 3. Sei unser Glanz und Wonne, Ein helles Licht in Pein, Im Schrecken unsre Sonne, Im Kreuz ein Gnadenschein, Sn Zagheit Gluth und Flamme, In Noth ein Freudenstrahl, In Krankheit Arzt und Amme, Ein Stern in Todesqual. 4. Herr, laß uns auch gelingen, Daß leßt, wie Simeon, Ein jeder Christ kann singen Den schönen Schwanenton: Mir werden nun mit Frieden Mein Augen zugedrückt, Nachdem ich schon hienieden Den Heiland hab erblickt. 5. Ja, ja, ich hab im Glauben, Mein Jesu, dich geschaut. Kein Feind kann dich mir rauben, Wie heftig er auch dräut. Ich wohn in deinem Herzen Und in dem meinen du; Uns scheiden keine Schmerzen, Kein Angst, kein Tod dazu. 6. Hier blickst du zwar zuweilen So fremd und schwül mich an, Daß oft vor Angst und Heulen Ich dich nicht nennen kann; Dort aber wirds geschehen, Daß ich von Angesicht Zu Angesicht soll sehen Dein immer klares Licht. Joh. Frank. it Fried und Freud ich fahr dahin In Gottes 110. Willen; Getrost ist mir mein Herz und Sinn, Sanft und stille, Wie Gott mir verheißen hat! Der Tod ist mein Schlaf worden. 2. Das macht Christus, wahr Gottessohn, Der treue Heiland, Den du mich, Herr, haft sehen lan, Und machst bekannt, Daß er sei das Leben und Heil In Noth und auch im Sterben. 3. Den hast du allen vorgestellt Mit großen Gnaden; Zu seinem Reich die ganze Welt Heißen laden Durch dein theur heilsam Wort, An allem Ort erschollen. Michaelisfest. 97 4. Er ist das Heil und selge Licht Für alle Heiden, Zu erleuchten, die dich kennen nicht, Und zu weiden. Er ist deins Volks Israel Preis, Ehr, Freude und Wonne. M. Luther. Michaelisfest. Engelfest( 29. September.) 20161 Weise: Nun freut euch, lieben Christen gemein. 111. Å us Lieb läßt Gott der Christenheit Viel Gutes widerfahren, Aus Lieb hat er ihr zubereit Viel tausend Engelschaaren; Darum man fröhlich singen mag: Heut ist der lieben Engel Tag, Die uns gar wohl bewahren. 2. Sie lagern sich, wenn kommt die Noth, In Gil gefaßt sich machen, Und reißen die, so fürchten Gott, Aus ihrer Feinde Rachen. Darum man fröhlich singen mag: Heut ist der lieben Engel Tag, Die immer für uns wachen. 3. Sie führen auf den Straßen wohl Die Großen samt den Kleinen, Daß keiner Schaden leiden soll An Füßen oder Beinen. Darum man fröhlich singen mag: Heut ist der lieben Engel Tag, Die uns mit Treuen meinen. 4. Solch Wohlthat denen wird erzeigt, Die nach dem Herren fragen, Die Engel ihnen sind geneigt, Den Satan ste verjagen. Darum man fröhlich singen mag: Heut ist der lieben Engel Tag, Die uns gen Himmel tragen. Georg Reimann. Weise: Es ist das Heil uns kommen her. 112. Die Engel, die im Himmelslicht Jehova fröhlich loben Und schauen Gottes Angesicht, Die sind wohl hoch erhoben; Doch sind sie von dem Herrn bestellt, Daß sie die Kinder auf der Welt Behüten und bewahren. Geistl. Liederbuch. 5 98 Michaelisfest. 2. O große Lieb, v große Güt, Die Gott uns Armen zeiget, Daß auch ein englisches Gemüth Sich zu den Kindern neiget, Die Gott im Glauben hangen an; Drum lobe, was nur fallen kann, Gott mit den Engelschaaren. 3. Ach werdet doch den Engeln gleich, Ihr Sterblichen auf Erden, Auch hier in diesem Gnadenreich An Herzen und Geberden. Es ist der Engel Amt und Pflicht, Daß Gottes Will allein geschicht Im Himmel und auf Erden. Laurent. Laurenti. Weise: Herr Christ, der einig Gotts Sohn. fatta 113. Es stehn vor Gottes Chrone, Die unsre Diener sind, Der in seinm lieben Sohne Liebt aller Menschen Kind, Daß er auch nicht der eines Veracht will habn, so kleines, Als jemals ist geborn. 2. Sie sehn sein Angesichte Und haben fleißig Acht, Was er ihn'n auszurichten Befiehlet Tag und Nacht; Da sind die lieben Engel Geschwind, regen die Flügel, Zu fahren hin und her. 3. Wo Christenleute wohnen In Häusern groß und klein, Da sie selber nicht können Vor Feinden sicher sein, Wo nicht ein englisch Lager Umher wird aufgeschlagen In steter Hut und Wach. 4. Solches hat Lot erfahren, Auch Abram mit seinm Knecht, Isaak bei vierzig Jahren Nahm so Rebeccam recht; Jakob sah auf der Leiter Die Boten Gottes klettern Auf und ab alle voll. 5. Elias war entschlafen, Ein Engel weckt ihn auf, Elisa kriegt zu schaffen, Biel Engel warten drauf; Erschienen auch den Hirten Und große Freude lehrten, Wie Christ geboren wär. 6. Bei dieses Kindes Wiegen Der Joseph schlafen lag, Ein Feind wollt ihn betrügen, Ein Engel es ihm ſagt, 3og fern in fremde Lande; Das soll in seinem Stande Glauben ein jeder Christ. Michaelisfest. 7. Auch Lazarus der Arme, Wenns gleich zum Sterben kömmt, Gott, der sich sein erbarmet, hat sein Engel bestimmt, Die ihn gen Himmel bringen: Dem laßt uns alle singen Ewiges Lob und Preis. Ludw. Helmbold. 99 Herr err Gott, dich loben alle wir Und sollen 114. danken dir Für dein Geschöpf der Engel schön, Die um dich schweben in deinm Thron. 2. Sie glänzen hell und leuchten klar Und sehen dich ganz offenbar, Dein Stimm ste hören allezeit Und sind voll göttlicher Weisheit. 3. Sie feiern auch und schlafen nicht, Ihr Fleiß ist ganz dahin gericht, Daß sie, Herr Christe, um dich sein Und um dein armes Häufelein. 4. Der alte Drach und böse Feind Vor Neid, Haß und vor Zorne brennt, Und all sein Sinnen steht darauf, Wie von ihm werd zertrennt dein Hauf. 5. Und wie er vor hat bracht in Noth Die Welt, führt er sie noch in Tod; Kirch, Wort, Gesetz, all Chrbarkeit 3u tilgen ist er stets bereit. 6. Darum kein Rast noch Ruh er hat, Brüllt wie ein Löw, tracht früh und spat, Legt Garn und Strick, braucht falsche List, Daß er verderb, was christlich ist. 7. Indessen wacht der Engel Schaar, Die Christo folget immerdar, Und schüßzet deine Christenheit, Wehret des Teufels Listigkeit. 8. An Daniel wir lernen das, Da er unter den Löwen saß; Desgleichen auch dem frommen Lot Der Engel half aus aller Noth. 9. Dermaßen auch des Feuers Gluth Verschont und keinen Schaden thut Den Knaben in der heißen Flamm, Der Engel ihn'n zu Hilfe kam. 10. Also schützt Gott noch heut zu Tag Vorm Uebel und vor mancher Plag Uns durch die lieben Engelein, Die uns zu Wächtern geben ſein. 5* 100 3um Sonntag. 11. Darum wir billig loben dich Und danken dir, Gott, ewiglich, Wie auch der lieben Engel Schaar Dich preiset heut und immerdar. 12. Und bitten dich, wollst allezeit Dieselben heißen sein bereit, zu schüßzen deine kleine Heerd, So hält dein göttlich Wort in Werth. Paul Eber. Zum Sonntag. ( Siehe auch die Lieder vom Worte Gottes.) Blog Weise: Erschienen ist der herrlich Tag. 115. Gott Lob! der Sonntag kommt herbei; Die Woche wird nun wieder neu. Heut hat mein Gott das Licht gemacht, Mein Heil hat mir das Leben bracht. Halleluja. 2. Dies ist der Tag, da Jesus Christ Vom Tod für mich erstanden ist Und schenkt mir die Gerechtigkeit, Trost, Leben, Heil und Seligkeit. Halleluja. 3. Das ist der rechte Sonnentag, Da man sich nicht gnug freuen mag; Da wir mit Gott versöhnet sind, Daß nun ein Christ heißt Gottes Kind. Halleluja. 4. Mein Gott, laß mir dein Lebenswort, Führ mich zur Himmelsehrenpfort; Laß mich hier leben heiliglich Und dir lobsingen ewiglich. Halleluja. Joh. Olearius. Weise: Gott des Himmels und der Erden. 116. Halleluja, schöner Morgen! Schöner, als man denken mag: Heute fühl ich feine Sorgen; Denn das ist ein lieber Tag, Der durch seine Lieblichkeit Recht das Innerste erfreut. 2. Süßer Ruhetag der Seelen, Sonntag, der voll Lichtes ist, Heller Tag der dunkeln Höhlen! Zeit, in der der Segen fließt! Stunde voller Seligkeit: Du vertreibst mir alles Leid. Zum Sonntag. 101 3. Ach, wie schmeck ich Gottes Güte Recht als einen Morgenthau; Die mich führt aus meiner Hütte Zu des Vaters grüner Au; Da hat wohl die Morgenstund Edlen Schatz und Gold im Mund. 4. Ruht nur, meine Weltgeschäfte, Heute hab ich sonst zu thun; Denn ich brauche alle Kräfte, In dem höchsten Gott zu ruhn. Heut schickt keine Arbeit sich, Als nur Gotteswerk, für mich. 5. Wie soll ich mich heute schmücken, Daß ich Gott gefallen mag? Jesus wird die Kleider schicken, Die ich ihm zu Ehren trag. Sein Blut und Gerechtigkeit Ist das schönste Sonntagskleid. 6. Ich will in der Zionsstille Heute voller Arbeit sein; Denn da sammle ich die Fülle Von den höchsten Schäßen ein, Wenn mein Jesus meinen Geist Mit dem Wort des Lebens speist. 7. Herr, ermuntre meine Sinnen Und bereite selbst die Brust; Laß mich Lehr und Trost gewinnen, Gieb zu deinem Manna Lust, Daß mir deines Wortes Hall Recht tief in mein Herze fall. 8. Segne deiner Knechte Lehren, Deffne selber ihren Mund. Mach mit allen, die dich hören, Heute deinen Gnadenbund, Daß, wenn man hier bet und singt, Solches in dein Herze dringt. 9. Gieb, daß ich den Tag beschließe, Wie er angefangen ist. Segne, pflanze und begieße, Der du Herr des Sabbaths bist; Bis ich einst auf jenen Tag Ewig Sabbath halten mag. Jonath. Krauſe. Weise: Erschienen ist der herrlich Tag. 117. Heut ist des Herren Ruhetag: Vergesſet aller Sorg und Plag, Treibt eure Wochenarbeit nicht; Kommt vor des Höchsten Angesicht. Halleluja. 2. Tret her und fallt auf eure Knie Vor Gottes Majestät allhie; Es ist sein Heiligthum und Haus, Wer Sünde liebt, gehört hinaus. Halleluja. 102 Zum Sonntag. 3. Ganz unerträglich ist sein Grimm, Doch hört er gern der Armen Stimm; Deswegen lobt ihn allesamt, Das ist der Christen rechtes Amt. Halleluja. 4. Rühmt unsers Gottes Meisterthat, Da er aus nichts geschaffen hat Den Himmel und die ganze Welt, Und was dieselbe in sich hält. Halleluja. 5. Und als er sie genug geziert, Hat er den Menschen drauf formirt Und ihn nach seinem Ebenbild Mit Weisheit und Verstand erfüllt. Halleluja. 6. Erkennt mit dankbarem Gemüth, Wie er allein durch seine Güt Uns täglich schüßet und ernährt Und manches Unglück von uns kehrt. Halleluja. 7. Denkt auch, daß heut geschehen ist Die Auferstehung Jesu Christ, Dadurch die wahre Freudigkeit In aller Noth uns ist bereit. Halleluja. 8. Der von den Juden ward veracht, mit Mördern schändlich umgebracht, Daß seine Lehr hätt kurzen Lauf Und mit ihm müßte hören auf. Halleluja. 9. Der ist erstanden hell und klar Und hat erfreut sein kleine Schaar, Die bis ans Ende ihn geliebt Und seinethalben war betrübt. Halleluja. 10. Leibhaftig er sich ihnen wies, Sich sehen, hörn und fühlen ließ, Damit versichert wär ihr Sinn, Des Todes Macht sei nun dahin. Halleluja. 11. Drum wollen wir begehn mit Fleiß Den Tag nach recht christlicher Weis; Wir wollen aufthun unsern Mund Und sagen das von Herzensgrund, Halleluja: 12. Gott, der du den Erdenkreis Erschaffen hast zu deinem Preis, Uns auch bewahrt so manches Jahr In vieler Trübsal und Gefahr, Halleluja: 13. Hilf, daß wir alle deine Werk, Voll Weisheit, Güte, Kraft und Stärk, Erkennen und je mehr und mehr Ausbreiten deines Namens Chr. Halleluja. 14. O liebster Heiland, Jesu Christ, Der du vom Tod Zum Sonntag. 103 erstanden bist, Richt unsre Herzen auf zu dir, Daß sich der Sündenschlaf verlier. Halleluja. 15. Gieb deiner Auferstehung Kraft, Daß dieser Trost ja bei uns haft, Und wir uns drauf verlassen fest, Wenn uns nun alle Welt verläßt. Halleluja. 16. O heilger Geist, laß uns dein Wort So hören heut und immerfort, Daß sich in uns durch deine Lehr Glaub, Lieb und Hoffnung reichlich mehr! Halleluja. 17. Erleuchte uns, du wahres Licht; Entzeuch uns deine Gnaden nicht. All unser Thun also regier, Daß wir Gott preisen für und für. Halleluja. Nit. Selnecker. Weise: Gott des Himmels und der Erden. 118. Chut mir auf die schöne Pforte, Führet mich in Zion ein; Ach, wie wird an diesem Orte Meine Seele fröhlich sein! Hier ist Gottes Angesicht, Hier ist lauter Trost und Licht. 2. Ich bin, Herr, zu dir gekommen, Komme du nun auch zu mir. Wo du Wohnung hast genommen, Da ist lauter Himmel hier. Zieh doch in mein Herz hinein, Laß es deinen Tempel sein. 3. Laß in Furcht mich vor dich treten, Heilge du Leib, Seel und Geist, Daß mein Singen und mein Beten Ein gefällig Opfer heißt. Heilge du, Herr, Mund und Ohr, Zieh das Herze ganz empor. 4. Mache mich zum guten Lande, Wenn dein Samkorn auf mich fällt, Gieb mir Licht in dem Verstande; Und was mir wird vorgestellt, Präge meinem Herzen ein, Laß es mir zur Frucht gedeihn. 015 5. Stärk in mir den schwachen Glauben, Laß dein theures Kleinod mir Nimmer aus dem Herzen rauben; Halte stets dein Wort mir für, Daß es mir zum Leitstern dient Und zum Trost im Herzen grünt. 6. Rede, Herr, so will ich hören Und dein Wille werd erfüllt. Nichts laß meine Andacht stören, Wenn der 104 Zum Sonntag. Brunn des Lebens quillt; Speise mich mit Himmelsbrot, Tröste mich in aller Noth. 7. Deffne mir die grünen Auen, Daß dein Lamm sich weiden kann, Lasse mir dein Manna thauen, Zeige mir die rechte Bahn Hier in diesem Jammerthal Zu des Lammes Ehrensaal. Benj. Schmolck. Weise: Liebster Jesu, wir sind hier. 119. un Gott Lob, es ist vollbracht Singen, Beten, Lehren, Hören. Gott hat alles wohl gemacht, Drum laßt uns sein Lob vermehren; Unser Gott sei hoch gepreiset, Daß er uns so herrlich speiſet. 2. Weil der Gottesdienst ist aus, Uns auch mitgetheilt der Segen, So gehn wir mit Freud nach Haus, Wandeln fein auf Gottes Wegen. Gottes Geist uns ferner leite Und uns alle wohl bereite. 3. Unsern Ausgang segne Gott, Unsern Eingang gleichermaßen; Segne unser täglich Brot, Segne unser Thun und Lassen, Segne uns mit selgem Sterben Und mach uns zu Himmelserben! Hartmann Schenk. Weise: Nun ruhen alle Wälder. 120. Mer Sabbath ist vergangen, Ich habe mein Verlangen Nach Herzenswunsch erfüllt. Gott hat mich unterweiset, Mit Lebensbrot gespeiset Und meiner Seelen Durst gestillt. 2. Gott ruht durchs Wort im Herzen, Drum leg ich ohne Schmerzen Auch meinen Leib zur Ruh; Denn allen Sündenschaden Deckt Jesus nun in Gnaden Mit seinem Purpurmantel zu. 3. O du dreieinig Wesen! Mein Geist ist schon geneſen, Weil ich dein Tempel bin. Ich habe Licht vom Lichte, Dein leuchtend Angesichte Treibt alle Finsternisse hin. 4. Du wirst schon bei mir wachen Und eine Sonne machen Auch mitten in der Nacht, Bis bei den Cherubinen Zum Sonntag. Ein Sonntag ist erschienen, Der alle Nacht zu Schanden macht. 105 5. Ich schlafe ganz vergnüget, Denn wo mein Herze lieget, Da ist der Engel Heer; Mich stört kein Weltgetümmel, Es träumt mir nur vom Himmel. Ach, wer doch nur bald droben wär! Benj. Schmold. Weise: Nun sich der Tag geendet hat. 121. un bricht die finstre Nacht herein, Des Tages Glanz ist todt: Jedoch mein Herz schlaf noch nicht ein, Geh, rede vor mit Gott. 2. Gott, du großer Herr der Welt, Den niemand ſehen kann, Du stehst ja mich in deinem Zelt, Hör auch mein Seufzen an. 3. Der Tag, den ich nunmehr vollbracht, Der war besonders dein; Drum hätt er auch bis in die Nacht Dir sollen heilig sein. 4. Vielleicht ist dieses nicht geschehn; Denn ich bin Fleisch und Blut Und pfleg es öfters zu versehn, Wenn gleich der Wille gut. 5. Nun such ich deinen Gnadenthron: Sieh meine Schuld nicht an Und denke, daß dein lieber Sohn Für mich genuggethan. 6. Schreib alles, was man heut gelehrt, In unsre Herzen ein, Und lasse die, so es gehört, Dir auch gehorſam ſein. 7. Erhälte ferner noch dein Wort Und thu uns immer wohl, Damit man stets an diesem Ort Gott diene, wie man soll. 8. Indessen such ich meine Ruh; O Vater, steh mir bei Und gieb mir deinen Engel zu, Daß er mein Wächter sei. 9. Und endlich führe, wenn es Zeit, Mich in den Himmel ein; Da wird in deiner Herrlichkeit Sabbath ewig sein. Mein Casp. Neumann. 5** 106 Kirche. Kirche. Weise: Erhalt uns, Herr, bei deinem Wort. 122. Ah bleib bei uns, Herr Jeſu Chriſt, Weil es Wort, nun Abend worden ist; Dein das helle Licht, Laß ja bei uns auslöschen nicht. 2. In dieser letztn betrübten Zeit Verleih uns, Herr, Beständigkeit, Daß wir dein Wort und Sakrament Rein behalten bis an unser End. 3. Herr Jesu, hilf, dein Kirch erhalt, Wir sind gar sicher, faul und kalt; Gieb Glück und Heil zu deinem Wort, Damit es schall an allem Ort. 4. Erhalt uns nur bei deinem Wort, Und wehr des Teufels Trug und Mord. Gieb deiner Kirche Gnad und Huld, Fried, Einigkeit, Muth und Geduld. 5. Ach Gott, es geht gar übel zu, Auf dieser Erd ist keine Ruh, Viel Secten und viel Schwärmerei Auf einen Haufen kommt herbei. 6. Den stolzen Geistern wehre doch, Die sich mit Gwalt erheben hoch Ünd bringen stets was Neues her, Zu fälschen deine rechte Lehr. 7. Die Sach und Ehr, Herr Jesu Christ, Nicht unser, sondern dein ja ist, Darum so steh du denen bei, Die sich auf dich verlassen frei. 8. Dein Wort ist unsers Herzens Truß Und deiner Kirche wahrer Schuß, Dabei erhalt uns, lieber Herr, Daß wir nichts anders suchen mehr. 9. Gieb, daß wir lebn in deinem Wort, Und darauf ferner fahren fort Von hinnen aus dem Jammerthal Zu dir in deinen Himmelssaal. Nit. Selnecker. Weise: Christus, der ist mein Leben. 123. ch, bleib mit deiner Gnade, Bei uns, Herr Jesu Christ! Daß uns hinfort nicht schade Des bösen Feindes List. Kirche. 2. Ach, bleib mit deinem Worte Bei uns, Erlöser werth! Daß uns beid, hier und dorte, Sei Güt und Heil beschert. 107 3. Ach, bleib mit deinem Glanze Bei uns, du werthes Licht! Dein Wahrheit uns umschanze, Damit wir irren nicht. 4. Ach, bleib mit deinem Segen Bei uns, du reicher Herr! Dein Gnad und alls Vermögen In uns reichlich vermehr. 5. Ach, bleib mit deinem Schutze Bei uns, du starker Held! Daß uns der Feind nicht truße, Noch fäll die böse Welt. 6. Ach, bleib mit deiner Treue Bei uns, mein Herr und Gott! Beständigkeit verleihe, Hilf uns aus aller Noth! Josua Stegmann. Weise: Herzliebster Jesu, was hast du verbrochen. 124. Christe, du Beistand deiner Kreuzgemeine, Eile! mit Hilf und Rettung uns erscheine! Steure den Feinden, ihre Blutgedichte Mache zu nichte! 2. Streite doch selber für dein arme Kinder, Wehre dem Teufel, seine Macht verhinder, Alles, was kämpfet wider deine Glieder, Stürze darnieder! 3. Friede bei Kirch und Schulen uns beschere, Friede zugleich der Oberkeit verehre; Friede dem Herzen, Friede dem Gewissen Gieb zu genießen. 4. Also wird zeitlich deine Güt erhoben, Also wird ewig und ohn Ende loben Dich, o du Wächter deiner armen Heerde, Himmel und Erde. Matthäus Apelles v. Löwenstern. Psalm 46. 125. in feste Burg ist unser Gott, Ein gute Wehr und Waffen. Er hilft uns frei aus aller Noth, Die uns jetzt hat betroffen. Der alt böse Feind, Univ.- Bibl. Giessen Kirche. 108 Mit Ernst ers jeßt meint, Groß Macht und viel List Sein grausam Rüstung ist, Auf Grd ist nicht seins Gleichen. 2. Mit unsrer Macht ist nichts gethan, Wir sind gar bald verloren; Es streit für uns der rechte Mann, Den Gott hat selbst erforen. Fragst du, wer der ist? Er heißt Jesus Christ, Der Herr Zebaoth, Und ist kein andrer Gott, Das Feld muß er behalten. di 3. Und wenn die Welt voll Teufel wär Und wollt uns gar verschlingen, So fürchten wir uns nicht so sehr, Es soll uns doch gelingen. Der Fürst dieser Welt, Wie saur er sich stellt, Thut er uns doch nicht, Das macht, er ist gericht, Ein Wörtlein kann ihn fällen. 4. Das Wort sie sollen lassen stan Und kein Dank dazu haben; Er ist bei uns wohl auf dem Plan Mit seinem Geist und Gaben. Nehmen sie den Leib, Gut, Ehr, Kind und Weib; Laß fahren dahin, Sie habens kein Gewinn, Das Reich muß uns doch bleiben. M. Luther. 126. Erhalt uns, Herr, bei deinem Wort Und ſteure deiner Feinde Mord,* Die Jesum Christum, deinen Sohn, Wollen stürzen von deinem Thron. urspr. des Papst und Türken Mord. 2. Beweis dein Macht, Herr Jesu Christ, Der du Herr aller Herren bist, Beschirm dein arme Christenheit, Daß sie dich lob in Ewigkeit. 3 Gott, heilger Geist, du Tröster werth, Gieb deinm Volk einrlei Sinn auf Erd, Steh bei uns in der letzten Noth, Gleit uns ins Leben aus dem Tod. M. Luther. Psalm 67. 127. s wollt uns Gott genädig sein Und seinen H Segen geben; Sein Antlig uns mit hellem Schein Erleucht zum ewgen Leben, Daß wir erkennen seine Werk Und was ihm bliebt auf Erden, Und Jesus Christus Heil und Stärk Bekannt den Heiden werden Und sie zu Gott bekehren. Kirche. 109 2. So danken, Gott, und loben dich Die Heiden überalle, Und alle Welt die freue sich Und sing mit großem Schalle, Daß du auf Erden Richter bist Und läßt die Sünd nicht walten; Dein Wort die Hut und Weide ist, Die alles Volk erhalten, In rechter Bahn zu wallen. 3. Es danke, Gott, und lobe dich Das Volk in guten Thaten; Das Land bringt Frucht und bessert sich, Dein Wort ist wohl gerathen. Uns segne Vater und der Sohn, Uns segne Gott der heilge Geist, Dem alle Welt die Ehre thu, Vor ihm sich fürchte allermeist. Nun sprecht von Herzen: Amen. M. Luther. 128. Fahre fort Zion, fahre fort im Licht! Mache deinen Leuchter helle, Laß die erste Liebe nicht, Suche stets die Lebensquelle! Zion dringe durch die enge Pfort, Fahre fort:,:! 2. Leide dich:: Zion, leide ohne Scheu Trübsal, Angst mit Spott und Hohne, Sei bis in den Tod getreu, Siehe auf die Lebenskrone, Zion, fühlest du der Schlangen Stich, Leide dich:,:! 3. Folge nicht:: Zion, folge nicht der Welt, Die dich suchet groß zu machen, Achte nichts ihr Gut und Geld, Nimm nicht an den Stuhl des Drachen! Zion, wenn sie dir viel Lust verspricht, Folge nicht:,:! 4. Prüfe recht:: Zion, prüfe recht den Geist, Der dir ruft zu beiden Seiten; Thue nicht, was er dich heißt, Laß nur deinen Stern dich leiten! Zion, beide, das was krumm und schlecht,* Prüfe recht::! * schlicht. 5. Dringe ein:: Zion, dringe ein in Gott! Stärke dich mit Geist und Leben, Sei nicht, wie die andern todt, Sei du gleich den grünen Reben! Zion in die Kraft für Heuchelschein Dringe ein:,:! 6. Brich herfür:: Zion, brich herfür in Kraft, Weil die Bruderliebe brennet; Zeige, was der in dir schafft, Der 110 Kirche. als seine Braut dich kennet! Zion, durch die dir gegebne Thür Brich herfür:,:! 7. Halte aus:: Zion, halte deine Treu, Laß dich ja nicht laulich finden. Auf, das Kleinod rückt herbei! Auf, verlasse, was dahinten! Zion, in dem legten Kampf und Strauß Halte aus:,:! Joh. Euseb. Schmidt. Offenb. Joh. 12. 129. zie ist mir lieb, die werthe Magd, Und kann ihr nicht vergessen. Lob, Ehr und Zucht von ihr man sagt, Sie hat mein Herz beseffen. Ich bin ihr hold, Und wenn ich sollt Groß Unglück han, Da liegt nicht an, Sie will mich deß ergößen Mit ihrer Lieb und Treu an mir, Die sie zu mir will seßen Und thun all mein Begier. 2. Sie trägt von Gold so rein ein Kron, Da leuchten in zwölf Sterne, Ihr Kleid ist wie die Sonne schön, Das glänzet hell und ferne, Und auf dem Mond Ihr Füße stehn, Sie ist die Braut, Dem Herrn vertraut; Jhr ist so weh und muß gebären Ein schönes Kind, den edlen Sohn Und aller Welt ein Herren, Dem sie ist unterthan. 3. Das thut dem alten Drachen Zorn Und will das Kind verschlingen. Sein Toben ist doch ganz verlorn, 8 kann ihm nicht gelingen, Das Kind ist doch Gen Himmel hoch Genommen hin Und lässet ihn Auf Erden fast sehr wüthen. Die Mutter muß gar sein allein, Doch will sie Gott behüten Und der recht Vater sein. M. Luther. Weise: Herr Jesu Christ, meins Lebens Licht. go lange Jesus bleibt der Herr, Wirds alle Tage herrlicher; So wars, so ists, so wird es sein 130. Bei seiner Blut- und Kreuzgemein. 2.& s bleibt bei dem bekannten Wort, Von Zeit zu Zeit, von Ort zu Ort: Christi Blut und Gerechtigkeit Bleibt seiner Kirche Herrlichkeit. Kirche. 111 3. Wir sagen Ja mit Herz und Mund. O Herr, dein Blut ist unser Grund, Der fest und unbeweglich steht, Wenn Erd und Himmel untergeht. 4. Du bist und bleibest unser Herr, Der Leitstern deiner Wanderer, Der Kirche theures Oberhaupt, Woran ein jedes Herze glaubt. 5. Dein Geist, der Geist der Herrlichkeit, Mit dem der Vater dich geweiht, Der ruht nun auch auf der Gemein Und lehrt uns deine Zeugen sein. 6. Mach deine Boten herrlicher, Herr, dir und deinem Volk zu Ehr, Und gieb mit uns an deinem Heil Der ganzen Welt aus Gnaden Theil. Nicol. Ludw. Graf v. Zinzendorf. Gott mit uns! Gustav Adolfs Feldlied. 131. Weise: Kommt her zu mir, spricht Gottes Sohn. Berzage nicht, du Häuflein klein, Obschon die Feinde willens sein, Dich gänzlich zu verstören, Und suchen deinen Untergang, Davon dir wird recht angst und bang, Es wird nicht lange währen! 2. Tröste dich nur, daß deine Sach Ist Gottes, dem befiehl die Nach Und laß es ihn nur walten; Er wird durch seinen Gideon, Den er wohl weiß, dir helfen schon, Dich und sein Wort erhalten. 3. So wahr Gott Gott ist und sein Wort, Muß Papst, Teufel und Höllenpfort, Und was ihn'n thut anhangen, Endlich werden zu Schand und Spott. Gott ist mit uns und wir mit Gott, Den Sieg wolln wir erlangen. Jakob Fabricius. Psalm 124. Weise: Ach, Gott vom Himmel, sieh darein. 132. Mär Gott nicht mit uns diese Zeit, So soll Israel sagen, Wär Gott nicht mit uns diese Zeit, Wir hätten mußt verzagen, Die so ein armes Häuflein 112 Kirche. sind, Beracht von so viel Menschenkind, Die an uns ſetzen alle. 2. Auf uns ist so zornig ihr Sinn: Wo Gott hätt das zugeben, Verschlungen hätten sie uns hin Mit ganzem Leib und Leben; Wir wärn, als die ein Fluth ersäuft Und über die groß Wasser läuft Und mit Gewalt verschwemmet. 3. Gott Lob und Dank, der nicht zugab, Daß ihr Schlund uns möcht fangen. Wie ein Vogel des Stricks kommt ab, Ist unsre Seel entgangen. Strick ist entzwei und wir sind frei! Des Herren Name steht uns bei, Des Gottes Himmls und Erden. Amen. M. Luther. Weise: Werde munter, mein Gemüthe. 133. Zion! gieb dich nur zufrieden, Gott ist noch bei dir darin; Du bist nicht von ihm geschieden, Er hat einen Vatersinn. Wenn er straft, so liebt er auch, Dies ist sein beliebter Brauch; Zion, lerne dies bedenken, Warum willst du dich so kränken? 2. Treiben dich die Meereswellen In der wilden tiefen See, Wollen sie dich gar zerschellen, Mußt du rufen Ach und Weh; Schweigt dein Heiland still dazu Gleich als in der sanften Ruh, Zion! laß dich nicht bewegen, Dieſe Fluth wird sich bald legen. 3. Berg und Felsen mögen weichen, Ob sie noch so feste stehn, Ja, die ganze Welt desgleichen Möchte gar auch untergehn, Dennoch hat es keine Noth In dem Leben, in dem Tod; Zion! du kannst doch nicht wanken Aus des Bundes Gottes Schranken. 4. Müssen schon allhie die Thränen Deine schönsten Perlen sein, Muß das Seufzen und das Stöhnen Sein das beste Liedelein; Muß dein Purpur sein das Blut, Und der Mangel Hab und Gut: Zion! laß dir doch nicht grauen, Du kannst deinem Gott vertrauen. Kirche. 113 5. Droht man dir mit Schmach und Banden, Mit dem Tod und Herzeleid, Ei, du wirst doch nicht zu Schanden, Denk nur an die Ewigkeit. Sei nur fröhlich, wohlgemuth; Denn der Herr ists, der es thut: Zion! Gott wird dich schon stärken, Dieses mußt du eben merken. 6. Freue dich, es ist das Ende Und der Abend schon herbei; Gieb dich nur in Gottes Hände, Der dich nun will machen frei. Für die Trübsal, Spott und Hohn Giebt er dir die Freudenkron: Zion! du wirst wieder lachen; Drum so laß die Welt nur machen. 7. Halleluja! deine Wonne, Liebes Zion wird nun groß; Denn die schöne Gnadensonne Nimmt dich recht in ihren Schooß, Giebt dir einen Freudengruß Und den rechten Liebeskuß: Zion! wo ist nun dein Klagen? Jetzt kannst du von Freuden sagen. 8. ihr Engel, Himmelserben, Freuet euch mit Zion hier! Denn die jetzt hat wollen sterben, Soll nun leben für und für Und sich freuen ohne Zahl In dem schönen Himmelsfaal: Zion! wer will dich nun scheiden Von dem Lamm und ewgen Freuden? Joachim Pauli. ion flagt mit Angst und Schmerzen, Zion, 134.& Gottes werthe Stadt, Die er trägt in ſeinem Herzen, Die er sich erwählet hat. Ach, spricht sie, wie hat mein Gott Mich verlassen in der Noth Und läßt mich so harte pressen! Meiner hat er ganz vergessen. 2. Der Gott, der mir hat versprochen Seinen Beistand jederzeit, Der läßt sich vergebens suchen Jeßt in meiner Traurigkeit. Ach, will er denn für und für So gar grausam zürnen mir? Kann und will er sich der Armen Jetzt nicht, wie vorhin, erbarmen? 3. Zion, o du Vielgeliebte, Sprach zu ihr des Herren Mund, Zwar du bist jetzt die Betrübte, Seel und Geist ist dir verwundt; Doch stell alles Trauern ein! Wo mag eine Mutter sein, Die ihr eigen Kind fann hassen Und aus ihrer Sorge laffen? 114 Mission. 4. Ja, wenn du gleich möchtest finden Einen solchen Muttersinn, Da die Liebe kann verschwinden, So bleib ich doch, der ich bin. Meine Treu bleibt gegen dir, Zion, o du meine Zier; Mein Herz hast du mir besessen, Deiner kann ich nicht vergessen. 5. Laß dich nicht den Satan blenden, Der sonst nichts als schrecken kann; Siehe, hier in meinen Händen Hab ich dich geschrieben an. Wie mag es denn anders sein? Ich muß ja gedenken dein; Deine Mauern muß ich bauen Und dich fort und fort anschauen. 6. Du bist stets mir vor den Augen, Du liegst mir auf meinem Schooß, Wie die Kindlein, die noch saugen; Meine Treu zu dir ist groß. Dich und mich kann keine Zeit, Keine Noth, Gefahr und Streit, Ja der Satan selbst nicht scheiden: Bleib getreu in allem Leiden! Joh. Heermann. Mission. Weise: Valet will ich dir geben. 135. Her er du das Volk regierest, Das dein im Glauben ist, Und uns wie Lämmer führest, O Hirte, Jesu Christ! Sich an die irre Heerde, Die dein von Anfang war, Und sprich dein göttlich Werde, Das einst die Welt gebar. 2. Laß Licht aufs neue geben In diese finstre Welt, Und gieß des Geistes Leben Auf dieses Todtenfeld; Halt Abraham die Treue; Mach die Gefangnen frei, Daß Israel sich freue Und Jacob fröhlich sei. 3. Dein Israel erwecke Du, nun der Heiden Licht! Und strahle sonder Decke Ihm klar ins Angesicht. Was sie sich aufgeladen Und du erfüllt nach Recht: Dein Blut komm jetzt in Gnaden Auf dein erwählt Geschlecht! Mission. 115 4. So sinken alle Mauern, Und Brüder sind vertraut; So wird ein Salem dauern, Aus allem Volk erbaut; So wird ein Leib nur leben In seines Hauptes Schein, Ein Tempel sich erheben, Und du der Eckstein sein. J. F. von Meyer. Weise: Valet will ich dir geben. 136. er du in Todesnächten Erkämpft das Heil der Welt, Und dich als den Gerechten Zum Bürgen dargestellt, Der du den Feind bezwungen, Den Himmel aufgethan;- Dir stimmen unsre Zungen Ein Halleluja an. 2. Im Himmel und auf Erden Ist alle Macht nun dein, Bis alle Völker werden Zu deinen Füßen sein; Bis die von Süd und Norden, Bis die von Ost und West Sind deine Gäste worden Bei deinem Hochzeitsfest. 3. Noch werden sie geladen, Noch gehn die Boten aus, Um mit dem Ruf der Gnaden zu füllen dir dein Haus. Es ist kein Preis zu theuer, Es ist kein Weg zu schwer, Hinauszustreun dein Feuer Weit über Land und Meer. 4. Fern an der Knechtschaft Strande Erwacht ein Durst nach Licht Und aus dem engen Bande Manch tiefer Seufzer bricht. Da fahren tausend Funken In schwarzer Sklaven Herz: Wer von dem Licht getrunken, Ist frei von Todesschmerz. 5. Und hoch am starren Norden Wo ewger Schnee noch ruht, Da ist es warm geworden, Durch dieses Feuers Glut. Die Herzen sind zerflossen, Das Eis ist aufgethaut; In knospenreichen Sprossen Sich mild der Sommer baut. 6. So ziehen deine Flammen Wie Sonnen um die Welt. Getrenntes fließt zusammen: Das Dunkle wird erhellt. Und wo dein Name schallet, Du König Jesus Christ! Ein selig Häuflein wallet, Dahin, wo Friede ist. 7. So sammle deine Heerden Dir aus der Völker Zahl, Daß Viele selig werden, Und ziehn zum Abendmahl. Schleuß auf die hohen Pforten, Es strömt dein Volk heran! Wo noch nicht Tag geworden, Da zünd dein Feuer an! Ch. G. Barth. Mission. Weise: Valet will ich dir geben. 137. Jer du zum Heil erschienen Der allerärmsten Welt, Und von den Cherubinen Zu Sündern dich gesellt; Den sie mit frechem Stolze Verhöhnt für seine Huld, Als du am dürren Holze Versöhntest ihre Schuld, 116 2. Daß uns ein Vater würde, Gingst du vom Vater aus, Nahmst auf dich unsre Bürde Und bautest uns ein Haus; Von Westen und von Süden, Von Morgen ohne Zahl Sind Gäste nun beschieden zu deinem Abendmahl. 3. Im schönen Hochzeitskleide, Von allen Flecken rein, Führst du zu deiner Freude Die Völkerschaaren ein; Und welchen nichts verkündigt, Kein Heil verheißen war, Die bringen nun entsündigt Dir Preis und Ehre dar. 4. Drum kann nicht Friede werden, Bis deine Liebe siegt, Bis dieser Kreis der Erden Zu deinen Füßen liegt; Bis du im neuen Leben Die ausgeföhnte Welt Dem, der sie dir gegeben, Vors Angesicht geſtellt. 5. Und siehe, tausend Fürsten Mit Völkern ohne Licht Stehn in der Nacht und dürsten Nach deinem Angesicht; Auch ste hast du gegraben In deinen Priesterschild, Am Borne sie zu laben, Der dir vom Herzen quillt. 6. So sprich dein göttlich Werde, Laß deinen Odem wehn, Daß auf der finstern Erde Die Todten auferstehn, Daß, wo man Teufeln fröhnet Und vor den Gößen kniet, Ein willig Volk, versöhnet, Zu deinem Tempel zieht. 7. Wer dich in deinen Wunden, In deiner Lieb erkannt, Der hat geweihte Stunden Mit dir im Fremdlingsland, Der wächst im heilgen Werke Und erntet selig ein, Und seines Lebens Stärke Wirst du, o Jesu, sein. Albert Knapp. ( Missionslied der Kinder.) Weise: Nun sich der Tag geendet hat. 138. ie Jie armen Heiden jammern mich; Denn groß ist ihre Noth; Ach lieber Gott, erbarme dich, Sie sind in Sünden todt. Mission. 117 2. Sie beten stumme Gößen an, Sie knien vor Holz und Stein Und wissen nicht in ihrem Wahn, Daß du bist Gott allein. 3. Sie kennen auch den Heiland nicht, Der ihre Sünden trug; Sie leben ohne Trost und Licht und liegen unterm Fluch. 4. O Vater der Barmherzigkeit, O Herr voll Lieb und Macht, Wann ist erfüllt der Heiden Zeit? Wann endet ihre Nacht? 5. Ihr Elend schreit so laut zu dir, Und deine Kinder flehn: Ach öffne bald der Heiden Thür Und laß sie Jesum sehn. 6. Sie sind ja auch sein Erb und Gut, Sein theurer Schmerzenslohn; Wir bitten durch sein Kreuz und Blut: O gieb sie deinem Sohn! 7. Daß sie durch ihn mit uns zugleich Und deiner ganzen Schaar Auf Erden und im Himmelreich Dich preisen immerdar! Weise: Meinen Jesum laß ich nicht. 139. ine Heerde und ein Hirt! Wie wird dann dir sein, o Erde, Wenn sein Tag erscheinen wird? Freue dich, du kleine Heerde; Mach dich auf und werde Licht; Jesus hält, was er verspricht. 2. Hüter, ist der Tag noch fern? Schon ergrünt es auf den Weiden, Und die Herrlichkeit des Herrn Nahet dämmernd sich den Heiden; Blinde Pilger flehn um Licht. Jesus hält, was er verspricht. 3. Komm, o komm, getreuer Hirt, Daß die Nacht zum Tage werde! Ach wie manches Schäflein irrt Fern von dir und deiner Heerde. Kleine Heerde, zage nicht! Jesus hält, was er verspricht. 4. Sieh, das Heer der Nebel flieht Vor des Morgenrothes Helle, Und der Sohn der Wüste kniet Dürstend 118 Mission. an der Lebensquelle; Ihn umleuchtet Morgenlicht. Jesus hält, was er verspricht. 5. Gräber harren aufgethan. Rauscht, verdorrete Gebeine! Macht dem Bundesengel Bahn! Großer Tag des Herrn, erscheine! Jesus ruft: es werde Licht! Jesus hält, was er verspricht. 6. O des Tags der Herrlichkeit! Jesus Christus, du, die Sonne, Und auf Erden weit und breit Licht und Wahrheit, Fried und Wonne! Mach dich auf und werde Licht, Jesus hält, was er verspricht. Fr. Ad. Krummacher. Weise: Wachet auf, ruft uns die Stimme. 140. unterliege, Was lebt und webt in dieſer Welt! König Jeſu, streite, stege, Daß alles bald dir Blick auf deine Friedensboten; Laß wehen deinen Lebensodem Durchs ganze weite Todtenfeld! Erhöre unser Flehn Und laß es bald geschehn, Amen, Amen! So rühmen wir Und jauchzen dir Ein Halleluja für und für. Albert Knapp. 141. un preiſet alle Gottes Barmherzigkeit; Lob ihn mit Schalle, Wertheste Christenheit! Er läßt dich freundlich zu sich laden; Freue dich, Israel, ſeiner Gnaden!:,: 2. Der Herr regieret Ueber die ganze Welt; Was sich nur rühret, Ihm auch zu Füßen fällt. Viel tausend Engel um ihn schweben, Psalter und Harfen ihm Ehre geben.:: 3. Wohl auf, ihr Heiden, Lasset das Trauern sein, Zu grünen Weiden Stellet euch willig ein! Da läßt er uns sein Wort verkünden, Machet uns ledig von allen Sünden.:,: 4. Er giebet Speise Reichlich und überall, Nach Vaters Weise Sättigt er allzumal; Er schaffet früh und spaten Regen, Füllet uns alle mit seinem Segen.:;: Mission. 119 5. Drum preis und ehre Seine Barmherzigkeit, Sein Lob vermehre, Wertheste Christenheit! Uns soll hinfort kein Unfall schaden; Freue dich, Ifrael, seiner Gnaden!:,: Matthäus Apelles von Löwenstern. Weise: Wie groß ist des Allmächtgen Güte. 142. daß doch bald dein Feuer brennte, Du unaussprechlich Liebender, Es bald die ganze Welt erkennte, Daß du bist König, Gott und Herr! Zwar brennt es schon in heller Flamme, Jetzt hier, jetzt dort in Oft und West, Dir, dem aus Lieb erwürgten Lamme, Ein herrlich Pfingst- und Freudenfest. 2. Du unerschöpfter Quell des Lebens Allmächtig starker Gotteshauch, Dein Feuermeer ström nicht vergebens, Es zünd in unsern Herzen auch; Schmelz alles, was sich trennt, zusammen, Und baue deinen Tempel aus; Laß leuchten deine heilgen Flammen Durch deines Vaters ganzes Haus. 3. Beleb, erleucht, erwärm, entflamme Doch bald die ganze weite Welt. Und zeig dich jedem Völkerstamme Als Heiland, Friedefürst und Held. Dann tönen dir von Millionen Der Liebe Jubelharmonien; Dann strahlt dein Ruhm in allen Zonen, Und aller Wesen Seelen glühn. Fricker. Weise: Herr Jesu Christ, meins Lebens Licht. 143. Jeſu Chriſte, wahres Licht, Erleuchte, die dich Daß ihre Seel auch selig werd. zu 2. Erfülle mit dem Gnadenschein, Die in Irrthum verführet sein, Auch die, so heimlich fichtet an In ihrem Sinn ein falscher Wahn. 3. Und was sich sonst verlaufen hat Von dir, das suche du mit Gnad Und sein verwundt Gewissen heil; Laß sie am Himmel haben theil. Mission. 4. Den Tauben öffne das Gehör; Die Stummen richtig reden lehr, Die nicht bekennen wollen frei, Was ihres Herzens Glaube sei. 120 5. Erleuchte, die da sind verblendt, Bring her, die sich von uns getrennt, Versammle, die zerstreuet gehn, Mach feste, die im Zweifel stehn: 6. So werden sie mit uns zugleich Auf Erden und im Himmelreich, Hier zeitlich und dort ewiglich, Für solche Gnade preisen dich. Joh. Heermann. Weise: Warum sollt ich mich denn grämen. 144. üß ists, für ein ewges Leben Erdengut, Leib und Blut Jesu hinzugeben; Pilger sind wir noch hienieden, Droben hat Eine Stadt Uns der Herr beschieden. 2. Tausend gehn zu ihren Thoren Selig ein, Werden sein Ewig unverloren; Auch die Herrlichkeit der Heiden Findet Bahn, Dringt hinan In die Stadt der Freuden. 3. Sehnend rufen sie dem Hüter: Ist die Nacht Schier vollbracht? Wo sind unsre Güter? Doch getrost! der ewgen Gnade Sonnenschein Strahlt hinein Auf die finstern Pfade. 4. Unsre Brüder sind gegangen Uebers Meer, Weit umher, Haben angefangen; Gute Botschaft ist verkündet, Gottes Macht Hat gewacht, Feuer angezündet. 5. Gnade weht an ihren Orten; Manches Herz, Hart wie Grz, Ist schon weich geworden; Denn das Wort von Christi Leiden Kann allein Mark und Bein, Geist und Seele scheiden. 6. Selig, wen von Welt und Sünden Christus reißt Und ihn heißt Seinen Tod verkünden; Denn es ist die beste Gabe, Theuer werth Ihm bescheert Mit dem Wanderstabe. 7. Selig, wer im Kampf bestehet, Glauben hält Und ins Feld Guten Samen säet; Nach dem Weinen, nach dem Ringen Wird er nun Fröhlich ruhn Und viel Garben bringen. A. Knapp. Mission. Weise: Dir, dir, Jehovah, will ich singen. 145. Wach auf, du Geist der ersten Zeugen, Die auf der Maur als treue Wächter stehn, Die Tag und Nächte nimmer schweigen Und die getrost dem Feind entgegengehn, Ja, deren Schall die ganze Welt durchdringt Und aller Völker Schaaren zu dir bringt. 121 2. D, daß doch bald dein Feuer brennte! O, möcht es doch in alle Lande gehn! Ach Herr, gieb doch in deine Ernte Viel Knechte, die in treuer Arbeit stehn. O Herr der Ernte, stehe doch darein: Die Ernt ist groß, da wenig Knechte sein. 3. Dein Sohn hat ja mit klaren Worten Uns diese Bitt in unsern Mund gelegt. O, siehe, wie an allen Orten Sich deiner Kinder Herz und Sinn bewegt, Dich herzinbrünstig hierum anzuflehn; Drum hör, o Herr, und sprich: es soll geſchehn! 4. Wie kannst du uns denn das versagen, Was uns dein Sohn selbst deutlich bitten heißt? Wie denkst du dieses abzuschlagen, Wozu du selbst uns treibst durch deinen Geist? Denn, daß wir hierum brünstig zu dir flehn, Das ist allein durch deinen Geist geschehn. 5. So gieb dein Wort mit großen Schaaren, Die in der Kraft Evangelisten sein. Laß eilend Hilf uns widerfahren Und brich in Satans Reich mit Macht hinein. O breite, Herr, auf weitem Erdenkreis Dein Reich bald aus zu deines Namens Preis. 6. Ach, daß die Hilf aus Zion käme! O, daß dein Geist so, wie dein Wort verspricht, Dein Volk aus dem Gefängniß nähme! D, würd es doch nur bald vor Abend licht! Ach, reiß, o Herr, den Himmel bald entzwei Und komm herab zur Hilf und mach uns frei. 7. Ach, laß dein Wort recht schnelle laufen; Es ſei kein Ort ohn dessen Glanz und Schein. Ach, führe bald dadurch mit Haufen Der Heiden Füll in alle Thore ein! Geistl. Liederbuch. 6 122 Mission. Ja, wecke doch auch Ifrael bald auf, Und also segne deines Wortes Lauf. 8. O, beffre Zions wüste Stege; Und was dein Wort im Laufe hindern kann, Das räum, ach, räum aus jedem Wege. Vertilg, o Herr, den falschen Glaubenswahn Und mach uns bald von jedem Miethling frei, Daß Kirch und Schul ein Garten Gottes ſei. 9. Laß jede hoh und niedre Schule Die Werkstatt deines guten Geistes fein; Ja, sige du nur auf dem Stuhle Und präge dich der Jugend selber ein, Daß treuer Lehrer viel und Beter sein, Die für die ganze Kirche stehn und schrein. 10. Du hast uns Hirten ja versprochen, Die du nach deinem Herzen geben willt. Nun wird dein Wort niemals gebrochen, Ein jedes Wort wird Punkt für Punkt erfüllt; Drum halt ich dieses klare Wort dir vor; Ach, denke dran, und neig uns Herz und Ohr. 11. Ach, wird dein Herze nicht beweget, Da du, o Gott, die Liebe selber bist, Und was von Lieb in uns sich reget, Aus deinem Liebesfeur ein Fünklein ist? Da wir in schwacher Liebe nun so flehn, Was soll nicht von der Liebe Quell geschehn! 12. O Herr, wo willst du dich hinwenden? Siehst du denn nicht den großen Jammer an? Ach, willst du uns nicht Hilfe senden? Ach, stehst du nicht, was Jeſus hat gethan? Ist er denn nicht der Heiland aller Welt? Wie kommt es, daß der Feind so Plaß behält? 13. Herr, zürne nicht, daß ich so bitte, Da ich vor dir nur Staub und Asche bin. Du, als der Brunnquell aller Güte, Giebst selber mir etwas von deinem Sinn, Daß mich der Menschen Elend jammern kann; Drum bitt ich, Herr, o nimm mein Bitten an. 14. Du wirst wohl wissen recht zu richten, Da du ja aller Welt ihr Richter bist. Laß nur dein Wort den Streit hier schlichten, Wenn deine Lieb in uns im Zweifel Mission. 123 ist; Und treib uns ferner, dich nur anzuflehn, Es wird doch endlich noch viel mehr geschehn. C. Heinrich v. Bogatky. ( Missionsfestlied.) Weise: Wie schön leuchtet der Morgenstern. 146. Weß ist das Fest, zu wem empor Schallt der Gemeine heilger Chor Mit frohen Feierliedern? Es gilt des großen Königs Ruhm, Dem Priester in dem Heiligthum, Dem Haupt von vielen Gliedern. Droben Loben Ihn, den Meister reine Geister, aber Sünder Preisen ihn als Gottes Kinder. 2. Wenn ich dereinst erhöhet bin, Will ich sie alle zu mir ziehn: So hat sein Mund gesprochen. O süßes Licht, o selges Wort, Das geht durch Erd und Himmel fort, Der Tag ist angebrochen! Zeuget, Beuget Euch, ihr Höhen, Inseln, Seen, Länder, Meere; Kinder Gottes, bringt ihm Ehre. 3. Fest steht in Ewigkeit dein Thron! So singen wir, v Gottes Sohn, Am Tage deiner Ehren. Weit streckst du von des Vaters Haus Das Scepter deines Reiches aus, Und niemand wird dirs wehren. Machtvoll, Prachtvoll, Unabwendlich wird doch endlich, Herr, den Deinen Ganz dein hoher Rath erscheinen. 4. Nicht Macht und Weisheit dieser Welt, Nicht was dem klugen Fleisch gefällt, Das hast du nicht erkoren. Dein Lebenswort, dein Geist und Blut, Das ists, was alle Wunder thut, Was dir uns neu geboren. Helle Quelle Ewger Wahrheit, gieße Klarheit, Kraft und Milde In des Todes Nachtgefilde. 5. ,, Ich komme bald!" so zeugest du. O komm und weck aus todter Ruh, Die noch dein Heil nicht kennen, Daß alle gläubig auferstehn, Dem Bräutigam entgegengehn, Daß alle Lampen brennen. Faß uns! Laß uns Treue Hände bis zum Ende vor dir heben, Bis du kommst, den Lohn zu geben. Albert Knapp. 6* 124 Wort Gottes. Wort Gottes. ( Siehe auch die Sonntagslieder.) Weise: O Gott, du frommer Gott. 147. Bu liebes Bibelbuch, Du bist mein Roſengarten; Dein lieblicher Geruch Zeigt Blumen mancher Arten, Aus denen man den Thau Für matte Herzen drückt, Wenn auf der grünen Au Sich Seel und Geist erquickt. 2. Du werthes Bibelbuch, Mit Schäßzen angefüllet, Du bist ein schönes Buch, Drein Jesus eingehüllet. Sucht in der Schrift, sprichst du, Daſelbsten findt ihr mich! So such ich immerzu: Mein Jesus, zeige dich! 3. Du schönes Bibelbuch, Du Brunn, der immer helle! So mancher Lebensspruch, So manche Zuckerquelle! Wie lieblich trinkt sichs hier, Wenn man nach Troste dürst! Ja, Balsam fleußt aus dir, Wenn du gelesen wirst. 4. Du heilges Bibelbuch, Aus dem wir alles wissen, So Segen als den Fluch. Und wie wir wandeln müsſen, Schreib jedes Wort von dir In meiner Seele an, Daß auch mein Herze mir Zum Himmel werden kann. 5. Du selig Bibelbuch, Laß mich von fern erblicken, Was für ein Wohlgeruch Mich dorten wird erquicken, Daß, wenn einmal der Tod Mit mir von hinnen geht, Mein Nam alsdann bei Gott Im Lebensbuche steht! Benj. Schmolck. ( Katechismus.) Weise: Erhalt uns, Herr, bei deinem Wort. 148. Herr Gott, erhalt uns für und für Die reine vormals ist der rohen Welt Durch deinen Luther vorgestellt. 2. Gieb uns ins Herz die zehn Gebot, Daß wir beweinen Sünd und Noth, Und doch an dich und deinen Sohn Gläuben, im Geist erleuchtet schon. Wort Gottes. 125 3. Dich, unsern Vater, rufen an, Der uns nur helfen will und kann, Daß wir als Kinder nach der Tauf Christlich vollbringen unsern Lauf. 4. So jemand fällt, nicht liegen bleib, Vielmehr zur Beichte komm und gläub, Zur Stärkung nehm das Sacrament. Amen! Gott geb ein selig End. Ludwig Helmbold. 149. Herr Jefu Chrift, dich zu uns wend, Deinen heilgen Geist du zu uns send; Mit Lieb und Gnad er uns regier Und uns den Weg zur Wahrheit führ. 2. Thu auf den Mund zum Lobe dein, Bereit das Herz zur Andacht fein; Den Glauben mehr, stärk den Verstand, Daß uns dein Nam werd wohl bekannt; 3. Bis wir singen mit Gottes Heer: Heilig, heilig ist Gott der Herr! Und schauen dich von Angesicht In ewger Freud und selgem Licht. 4. Ehr sei dem Vater und dem Sohn, Dem heilgen Geist in einem Thron; Der heiligen Dreieinigkeit Sei Lob und Preis in Ewigkeit. Wilhelm II., Herzog zu Sachsen- Weimar. Weise: Erhalt uns, Herr, bei deinem Wort. 150. Herr, öffne mir die Herzensthür, Zeuch mein Herz durch dein Wort zu dir; Laß mich dein Wort bewahren rein, Laß mich dein Kind und Erbe sein. 2. Dein Wort bewegt des Herzens Grund, Dein Wort macht Leib und Seel gesund; Dein Wort ist, das mein Herz erfreut, Dein Wort giebt Trost und Seligkeit. 3. Ehr sei dem Vater und dem Sohn, Dem heilgen Geist in einem Thron! Der heiligen Dreieinigkeit Sei Lob und Preis in Ewigkeit. Joh. Olearius. Weise: Herzlich thut mich verlangen. 151. Laß mich dein fein und bleiben, Du treuer Gott und Herr! Von dir laß mich nichts treiben, 126 Wort Gottes. Halt mich bei deiner Lehr. Herr, laß mich nur nicht wanken, Gieb mir Beständigkeit; Dafür will ich dir danken In alle Ewigkeit. Nikol. Selnecker. 152. Liebster Jeſu, wir sind hier, Dich und dein Wort anzuhören; Lenke Sinnen und Begier Auf die süßen Himmelslehren, Daß die Herzen von der Erden Ganz zu dir gezogen werden. 2. Unser Wissen und Verstand Ist mit Finsterniß umhüllet, Wo nicht deines Geistes Hand Uns mit hellem Licht erfüllet; Gutes denken, thun und dichten Mußt du selbst in uns verrichten. 3. O du Glanz der Herrlichkeit, Licht vom Licht aus Gott geboren, Mach uns allesamt bereit, Deffne Herzen, Mund und Ohren; Unser Bitten, Flehn und Singen Laß, Herr Jesu, wohl gelingen! Tobias Clausnizer. Weise: Freu dich sehr, o meine Seele. ede, liebster Jesu, rede, Denn dein Kind giebt 153. Acht darauf. Stärke mich, denn ich bin blöde, Daß ich meinen Lebenslauf Dir zu Ehren setze fort. Ach, so laß dein heilig Wort In mein Herze sein verschlossen, Dir zu folgen unverdrossen. 2. Ach, wer wollte dich nicht hören? Dich, du liebster Menschenfreund! Sind doch deine Wort und Lehren Alle herzlich wohl gemeint. Sie vertreiben alles Leid. Auch des Honigs Süßigkeit Muß vor deinen Worten weichen, Ihnen ist ganz nichts zu gleichen. 3. Deine Worte sind mein Stecken, Dessen ich mich trösten kann, Wenn der Teufel mich will schrecken Auf der schmalen Lebensbahn; Diese führen ohne Qual Mich hin durch des Todes Thal, Diese sind mein Schirm und Stüße Wider alle Kreuzesbliße. 4. Jesu, dein Wort soll mich laben; Deine trostgefüllte Lehr Will ich in mein Herz vergraben. Ach, nimm ste ja nimmermehr Hier von mir in dieser Zeit, Bis ich in Wort Gottes. 127 der Ewigkeit Werde kommen zu den Ehren, Dich, o Jesu, selbst zu hören. 5. Unterdeß, vernimm mein Flehen, Liebster Jesu, höre mich. Laß bei dir mich feste stehen; So will ich dich ewiglich Preisen mit Herz, Sinn und Mund, Ich will dir zu jeder Stund Ehr und Dank in Demuth bringen Und dein hohes Lob besingen. Anna Sophia, Landgräfin zu Hessen- Darmstadt. Weise: Gott des Himmels und der Erden. ije: Gott des 154. heures Wort aus Gottes Munde, Das mir lauter Segen trägt, Dich allein hab ich zum Grunde Meiner Seligkeit gelegt; In dir treff ich alles an, Was zu Gott mich führen kann. 2. Will ich einen Vorschmack haben, Welcher nach dem Himmel schmeckt, So kannst du mich herrlich laben, Weil bei dir ein Tisch gedeckt, Der mir lauter Manna schenkt, Und mit Lebenswasser tränkt. 3. Du mein Paradies auf Erden, Schleuß mich stets im Glauben ein; Laß mich täglich klüger werden, Daß dein heller Gnadenschein Mir bis in die Seele dringt Und die Frucht des Lebens bringt. 4. Geist der Gnaden, der im Worte Mich an Gottes Herze legt, Deffne mir des Himmels Pforte, Daß mein Geist hier recht erwägt, Was für Schätze Gottes Hand Durch sein Wort ihm zugesandt. 5. Lasse mich in diesen Schranken Sonder eitle Sorgen sein; Schließe mich mit den Gedanken In ein stilles Wesen ein, Daß die Welt mich gar nicht stört, Wenn mein Herz dich reden hört. 6. Gieb dem Samen einen Acker, Der die Frucht nicht schuldig bleibt; Mache mir die Augen wacker, Und was hier dein Finger schreibt, Präge meinem Herzen ein, Laß den Zweifel ferne sein. 128 Wort Gottes. 7. Was ich lese, laß mich merken; Was du sagest, laß mich thun; Wird dein Wort den Glauben stärken, Laß es nicht dabei beruhn, Sondern gieb, daß auch dabei Ihm das Leben ähnlich sei. 8. Hilf, daß alle meine Wege Nur nach dieser Richtschnur gehn; Was ich hier zu Grunde lege, Müsse wie ein Felsen stehn, Daß mein Geist auch Rath und That In den größten Nöthen hat. 9. Laß dein Wort mir einen Spiegel In der Folge Jesu sein; Drücke drauf ein Gnadensiegel, Schleuß den Schatz im Herzen ein, Daß ich fest im Glauben steh, Bis ich dort zum Schauen geh. Benj. Schmolck. Weise: Es ist das Heil uns kommen her. 155. Wir Menschen sind zu dem, o Gott, Was geistlich ist, untüchtig; Dein Wesen, Wille und Gebot Ist viel zu hoch und wichtig: Wir wissens und verstehens nicht, Wo uns dein göttlich Wort und Licht Den Weg zu dir nicht weiset. 2. Drum sind vor Zeiten ausgesandt Propheten, deine Knechte, Daß durch sie würde wohlbekannt Dein Will und deine Rechte; Zum lezten ist dein lieber Sohn, O Vater, von des Himmels Thron Selbst kommen, uns zu lehren. 3. Für solches Heil sei, Herr, gepreist; Laß uns dabei verbleiben Und gieb uns deinen guten Geist, Daß wir dem Worte gläuben, Dasselb annehmen jederzeit Mit Sanftmuth, Ehre, Lieb und Freud Als Gottes, nicht der Menschen. 4. Hilf, daß der losen Spötter Hauf Uns nicht vom Wort abwende; Denn ihr Gespött samt ihnen drauf Mit Schrecken nimmt ein Ende. Gieb du selbst deinem Donner Kraft, Daß deine Lehre in uns haft, Auch reichlich bei uns wohne. 5. Oeffn uns die Ohren und das Herz, Daß wir das Wort recht fassen, In Lieb und Leid, in Freud und Wort Gottes. 129 Schmerz Es aus der Acht nicht lassen; Daß wir nicht Hörer nur allein Des Wortes, sondern Thäter sein, Frucht hundertfältig bringen. 6. Am Wege wird der Same fort Vom Teufel hingenommen, In Fels und Steinen kann das Wort Die Wurzel nicht bekommen; Der Same, so auf Dornen fällt, Von Sorg und Wollust dieser Welt Verdirbet und ersticket. 7. Ach hilf, Herr, daß wir werden gleich Allhie dem guten Lande, Und sein an guten Werken reich In unserm Amt und Stande, Viel Früchte bringen in Geduld, Bewahren deine Lehr und Huld In feinem, guten Herzen. 8. Laß uns, dieweil wir leben hier, Den Weg der Sünde meiden, Gieb, daß wir halten fest an dir In Anfechtung und Leiden. Rott aus die Dornen allzumal, Hilf uns die Weltsorg überall Und böse Lüste dämpfen. 9. Dein Wort, o Herr, laß allweg sein Die Leuchte unsern Füßen, Erhalt es bei uns klar und rein, Hilf, daß wir draus genießen Kraft, Rath und Trost in aller Noth, Daß wir im Leben und im Tod Beständig darauf trauen. 10. Laß sich dein Wort zu deiner Ehr, O Gott, sehr weit ausbreiten. Hilf, Jesu, daß uns deine Lehr Erleuchten mög und leiten. Oheilger Geist, dein göttlich Wort Laß in uns wirken fort und fort Geduld, Lieb, Hoffnung, Glauben. David Denicke. Psalm 1. Weise: Werde munter, mein Gemüthe. 156. dem der wandelt In loser Leute Rath. Wohl dem, der nicht unrecht handelt, Noch tritt auf der Sünder Pfad, Der der Spötter Freundschaft fleucht Und von ihren Sesseln weicht; Der hingegen liebt und ehret, Was uns Gott vom Himmel lehret. 2. Wohl dem, der mit Lust und Freuden Das Gesetz des Höchsten treibt Und hier, als auf süßer Weiden, Tag 6** 130 Taufe. und Nacht beständig bleibt. Defsen Segen wächst und blüht Wie ein Palmbaum, den man sieht Bei den Flüssen an der Seiten Seine frischen Zweig ausbreiten. 3. Also, sag ich, wird auch grünen, Wer in Gottes Wort sich übt. Luft und Erde wird ihm dienen, Bis er reife Früchte giebt. Seine Blätter werden alt Und doch niemals ungestalt. Gott giebt Glück zu seinen Thaten, Was er macht, muß wohl gerathen. 4. Aber wen die Sünd erfreuet, Mit dem gehts viel anders zu. Er wird, wie die Spreu, zerstreuet Von dem Wind im schnellen Nu. Wo der Herr sein Häuflein richt, Da bleibt kein Gottloser nicht. Summa: Gott liebt alle Frommen Und; wer bös ist, muß umkommen. P. Gerhardt. Taufe. 157. Christ, unser Herr, zum Jordan kam Nach ſeines Vaters Willen, Von Sanct Johanns die Taufe nahm, Sein Werk und Amt zu erfüllen. Da wollt er stiften uns ein Bad, Zu waschen uns von Sünden, Erfäufen auch den bittern Tod Durch sein selbst Blut und Wunden; Es galt ein neues Leben. 2. So hört und merket alle wohl, Was Gott heißt ſelbst die Taufe, Und was ein Christe gläuben soll, Zu meiden Keßzerhaufen. Gott spricht und will, daß Wasser sei, Doch nicht allein schlecht Wasser, Sein heilges Wort ist auch dabei Mit reichem Geist ohn Maßen, Der ist allhie der Täufer. 3. Solchs hat er uns beweiset klar Mit Bildern und mit Worten. Des Vaters Stimm man offenbar Daſelbst am Jordan hörte. Er sprach: Das ist mein lieber Sohn, An dem ich hab Gefallen; Den will ich euch befohlen han, Daß ihr ihn höret alle Und folget seinen Lehren. Taufe. 131 4. Auch Gottes Sohn hie selber steht In seiner zarten Menschheit; Der heilge Geist herniederfährt, In Taubenbild verkleidet, Daß wir nicht sollen zweifeln dran: Wenn wir getaufet werden, All drei Personen getaufet han, Damit bei uns auf Erden Zu wohnen sich ergeben. 5. Sein Jünger heißt der Herre Christ: Geht hin, all Welt zu lehren, Daß sie verlorn in Sünden ist, Sich soll zur Buße fehren. Wer gläubet und sich tausen läßt, Soll dadurch selig werden; Ein neugeborner Mensch er heißt, Der nicht mehr könne sterben, Das Himmelreich soll erben. 6. Wer nicht gläubt dieser großen Gnad, Der bleibt in seinen Sünden Und ist verdammt zum ewgen Tod Tief in der Hölle Gründen. Nichts hilft sein eigne Heiligkeit, All sein Thun ist verloren, Die Erbsünd machts zur Nichtigkeit, Darin ist er geboren, Vermag ihm selbst nichts helfen. 7. Das Aug allein das Wasser sieht, Wie Menschen Wasser gießen; Der Glaub im Geist die Kraft versteht Des Blutes Jesu Christi, Und ist vor ihm ein rothe Fluth, Von Christi Blut gefärbet, Die allen Schaden heilen thut, Von Adam her geerbet, Auch von uns selbst begangen. M. Luther. Weise: Liebster Jesu, wir sind hier. 158. Hochgelobter Gottes- Geist, Du haft auf der Fluth geschwebet; Was die weite Welt uns weist, Das ist auch durch dich belebet: Alles ist durch dich formiret, Was nun Erd und Himmel zieret. 2. Heilger Geist, du schwebst auch da, Wo man noch mit Wasser täufet; Du bist uns mit Gnaden nah, Wo man unser Sünd ersäufet: Wo der Taufe Brunn geflossen, Da bist du auf uns gegossen. 3. Heilger Geist, du hast verschafft, Daß die Tauf uns neu geboren; Du verehrst uns neue Kraft: Ja, man wird zum Kind erforen. Gottes Geist täuft auf der Erden, Daß wir geist- und himmlisch werden. 132 Taufe. 4. Tausend Dank sei dir gesagt, Daß du mich so hoch begnadet! Ob der böse Feind verklagt, Hast du mich doch rein gebadet, Bleibst auch noch in meinem Herzen Und verjagst mir manche Schmerzen. 5. Schwebe stets in unserm Sinn, Treib uns nur zu guten Dingen. Neige Herz und Geist dahin, Daß wir uns gen Himmel schwingen Und die böse Welt verschmähen, Bis wir dich mit Freuden sehen. Joh. Neunherz. Weise: O daß ich tausend Zungen hätte. 159. Ich bin gezählt zu bin getauft auf deinen Namen, Gott Vater, deinem Samen, Zum Volk, daß dir geheiligt heißt. Ich bin in Christum eingesenkt, Ich bin mit seinem Geist beschenkt. 2. Du hast zu deinem Kind und Erben, Mein lieber Bater, mich erklärt. Du hast die Frucht von deinem Sterben, Mein treuer Heiland, mir gewährt. Du willst in aller Noth und Pein, O guter Geist, mein Tröster sein. 3. Doch hab ich dir auch Furcht und Liebe, Treu und Gehorsam zugesagt. Ich habe mich aus reinem Triebe, Dein Eigenthum zu sein, gewagt. Hingegen sagt ich bis ins Grab Des Satans schnöden Werken ab. 4. Mein treuer Gott, auf deiner Seite Bleibt dieser Bund wohl feste stehn. Wenn aber ich ihn überschreite, So laß mich nicht verloren gehn. Nimm mich, dein Kind, zu Gnaden an, Wenn ich hab einen Fall gethan. 5. Ich gebe dir, mein Gott, aufs neue Leib, Seel und Herz zum Opfer hin. Erwecke mich zu neuer Treue Und nimm Besig von meinem Sinn. Es sei in mir kein Tropfen Blüt, Der nicht, Herr, deinen Willen thut. 6. Weich! weich! du Fürst der Finsternissen, Ich bleibe mit dir unvermengt. Hier ist zwar ein befleckt Gewissen, Jedoch mit Jesu Blut besprengt. Weich! eitle Welt, du Sünde, weich! Gott hört es, ich entsage euch. Taufe. 133 7. Laß diesen Vorsag nimmer wanken, Gott Vater, Sohn und heilger Geist. Halt mich in deines Bundes Schranken, Bis mich dein Wille sterben heißt. So leb ich dir, so sterb ich dir, So lob ich dich dort für und für. Jvh. Jak. Rambach. Weise: Von Gott will ich nicht lassen. 160. asſet die Kindlein kommen zu mir, ſpricht Gottes Sohn: Sie sind mein Freud Ich bin ihr Schild und Kron; Auch für die Kinderlein, Daß sie nicht wärn verloren, Bin ich ein Kind geboren: Drum sie mein eigen sein. 2. Der Herr gar freundlich küsset Und herzt die Kinderlein, Bezeugt mit Worten süße, Der Himmel soll ihr sein, Dieweil sein theures Blut, Das aus sein'n heilgen Wunden Am Kreuzesstamm gerunnen, Ihnen auch kommt zu gut. 3. Drum nach Christi Verlangen Bringet die Kinder her, Damit sie Gnad erlangen; Niemand es ihnen wehr. Führet sie Christo zu: Er will sich ihr'r erbarmen, Nimmt ste in seine Armen, Darin sie finden Ruh. 4. Ob sie gleich zeitlich sterben, Ihr Seele Gott gefällt; Denn sie sind Gottes Erben, Lassen die schnöde Welt. Sie sind frei aller Gfahr Und dürfen hie nicht leiden; Sie loben Gott mit Freuden Dort bei der Engel Schaar. Cornelius Becker. Weise: Jesu, meines Lebens Leben. 161. asset mich voll Freuden sprechen: Ich bin ein getaufter Christ, Der bei menschlichen Gebrechen Dennoch ein Kind Gottes ist. Was sind alle Schäßze nüße, Weil ich einen Schatz besize, Der mir alles Heil gebracht Und mich ewig selig macht. 2. Keine Sünde macht mir bange: Ich bin ein getaufter Christ. Denn ich weiß gewiß, so lange Dieser Trost im Herzen ist, Kann ich mich von Angst der Sünden, Jesu, durch dein Blut entbinden, weil das theure Wasserbad Mich damit besprenget hat. 134 Taufe 3. Satan, laß dir dieses sagen: Ich bin ein getaufter Christ. Und damit kann ich dich schlagen, Ob du noch so grausam bist. Da ich bin zur Taufe kommen, Ist dir alle Macht genommen, Und von deiner Tyrannei Machet Gottes Bund mich frei. 4. Freudig sag ich, wenn ich sterbe: Ich bin ein getaufter Christ. Denn das bringet mich zum Erbe, Das im Himmel droben ist. Lieg ich gleich im Todesstaube, So versichert mich der Glaube, Daß mir auch der Taufe Kraft Leib und Leben wiederschafft. 5. Nun, so soll ein solcher Segen Mir ein Trost des Lebens sein, Muß ich mich zu Grabe legen, Schlaf ich auch auf solchen ein. Ob mir Herz und Augen brechen, Soll die Seele dennoch sprechen: Ich bin ein getaufter Christ, Der nun ewig selig ist. Erdmann Neumeister. Weise: Liebster Jesu, wir sind hier. 162. Liebster Jeſu, hier sind wir, Deinem Worte nach zuleben; Dieses Kindlein kommt zu dir, Weil du den Befehl gegeben, Daß man sie zu Chrifto führe, Denn das Himmelreich ist ihre. 2. Ja, es schallet allermeist Dieses Wort in unsern Ohren: Wer durch Wasser und durch Geist Nicht zuvor ist neu geboren, Wird von dir nicht aufgenommen und in Gottes Reich nicht kommen. 3. Darum eilen wir zu dir, Nimm dies Pfand von unsern Armen; Tritt mit deinem Glanz herfür Und erzeige dein Erbarmen, Daß es dein Kind hier auf Erden Und im Himmel möge werden. 4. Wasch es, Jesu, durch dein Blut Von den angeerbten Flecken, Laß es bald nach dieser Fluth Deinen Purpurmantel decken; Schenk ihm deiner Unschuld Seide, Daß es sich in dich verkleide. 5. Mache Licht aus Finsterniß, Seß es aus dem Zorn zur Gnade, Heil den tiefen Schlangenbiß Durch die Kraft Taufe. 135 im Wunderbade; Laß hier einen Jordan rinnen, So vergeht der Aussatz drinnen. 6. Hirte, nimm dein Schäflein an, Haupt, mach es zu deinem Gliede, Himmelsweg, zeig ihm die Bahn, Friedefürst, schenk ihm den Friede; Weinstock, hilf, daß diese Rebe Auch im Glauben dich umgebe. 7. Nun, wir legen an dein Herz, Was von Herzen ist gegangen, Führ die Seufzer himmelwärts Und erfülle das Verlangen; Ja, den Namen, den wir geben, Schreib ins Lebensbuch zum Leben. Benj. Schmolck. Weise: Liebster Jesu, wir sind hier. 163. Jun Gott Lob, es ist vollbracht, Und der Bund mit Gott geschlossen! Was uns rein und selig macht, Ist auf dieses Kind geflossen: Jesus hat es eingesegnet Und mit Himmelsthau beregnet. 2. O du dreimal seligs Kind, Vom Dreieinigen geliebet, Dem der Vater sich verbindt, Dem der Sohn das Leben giebet, Dem der Geist ist eingeflossen Und der Himmel eingegossen. 3. O, wie rein und, o, wie schön Hat dich Christi Blut gebadet! Also kann dein Schmuck bestehn, Wenn dich Gott zur Hochzeit ladet; Adam ist in dir ertränket, Christus in dich eingesenket. 4. Nun, so denk an diesen Bund, Weil du einen Athem hegest, Daß du auf den festen Grund Deinen Christenbau stets legest. Wer sich läßt auf Jesum taufen, Muß in Jesu Wegen laufen. 5. Werde fromm und wachse groß, Werde deiner Eltern Freude, Und dein jezt erlangtes Loos Tröste dich in allem Leide; Deine Taufe sei die Thüre, Welche dich zum Himmel führe. Benj. Schmolck. Abendmahl. Abendmahl. Weise: Freu dich sehr, o meine Seele. 164. Gott sei Lob! der Tag ist kommen, Da ich Jeſu werd vertraut, Da ich, aller Schuld entnommen, Werd in Gottes Huld geschaut. Gott sei Lob, daß mir bereit Ist des Lammes Hochzeit heut, Da mir Gott zum ewgen Leben Will den ganzen Jesum geben. 136 2. Gott, ich komm bei frühem Morgen Zu dir als dein liebes Kind, Leg in deine Vatersorgen Mich mit Leib und Seel geschwind: Abba, Vater! sorg für mich, Daß ich ja heut würdiglich Als dein Gast bei dir erscheine Und mit Jesu mich vereine. 3. Christe, du Lamm Gottes, höre, Weil du trägest meine Sünd, Als mein Schatz und Wirth herkehre, Deine Braut und Schaf mich find. Deiner Güte ich vertrau; Führe mich auf grüner Au Und speis mich, mir stets zu gute, Heut mit deinem Leib und Blute. 4. Heilger Geist, den ich umfasse, Bleibe heut und stets bei mir; Mich mit Beistand nicht verlasse, Sondern hilf, daß selig hier Mir zum Nutze, Gott zum Preis, Ich genieß die Himmelsspeis, Daß ich darnach christlich lebe, Freudig meinen Geist aufgebe. 5. Nun, ich lieg dir, Gott, zu Füßen, Gottes Liebe schmücke mich! Meines Jesu Blutvergießen Mache würdig mich durch sich! Hilf mir drauf, du Baterherz! Hilf mir, Jesu Tod und Schmerz! Hilf mir, Tröster! heut auf Erden, Daß ich möge selig werden. Aemilie Juliane, Gräfin von Schwarzburg- Rudolstadt. Weise: Es ist das Heil uns kommen her. 165. du Gut, Du BrunnAquell aller Gnaden, Wir kommen, deinen Leib und Blut, Wie du uns hast geladen, zu deiner Liebe Herrlichkeit Und unsrer Seelen Seligkeit zu essen und zu trinken. Abendmahl. 137 2. O Jesu, mach uns selbst bereit Zu diesem hohen Werfe! Schenk uns dein schönes Ehrenkleid Durch deines Geistes Stärke! Hilf, daß wir würdge Gäste sein Und werden dir gepflanzet ein Zum ewgen Himmelswesen. 3. Bleib du in uns, daß wir in dir Auch bis ans Ende bleiben; Laß Sünd und Noth uns für und für Von dir nicht wieder treiben, Bis wir durch deines Nachtmahls Kraft Zu Auserwählten fortgeschafft Und ewig selig werden. Barthol. Ringwald. Weise: Gott sei gelobet und gebenedeiet. 166. Herr Jefu Christe, mein getreuer Hirte, Komm, mit Gnaden mich alleine find ich Heil und Leben, Was ich darf, kannst du mir geben. Kyrie eleison. Dein arm Schäflein wollest du weiden Auf Israels Bergen mit Freuden Und zum frischen Wasser führn, Da das Leben her thut rührn. Kyrie eleison. 2. All andre Speis und Trank ist ganz vergebens, Du bist selbst das Brot des Lebens. Kein Hunger plaget den, der von dir isset, Alles Jammers er vergisset. Kyrie eleison. Du bist die lebendige Quelle, Zu dir ich mein Herzfrüglein stelle. Laß mit Trost es fließen voll, So wird meiner Seelen wohl. Kyrie eleison. 3. Laß mich recht trauern über meine Sünde, Doch den Glauben auch anzünde; Den wahren Glauben, mit dem ich dich fasse, Mich auf dein Verdienst verlasse. Kyrie eleison. Gieb mir ein recht bußfertig Herze, Daß ich mit der Sünde nicht scherze, Noch durch meine Sicherheit Mich bring um die Seligkeit. Kyrie eleison. 4. Greulich beflecket ist mein arm Gewissen; Ach! laß ein Blutströpflein fließen Aus deinen Wunden, welche du empfangen, Da du bist am Kreuz gehangen. Kyrie eleison. Wann mein Herz damit wird gerühret, Wirds von Stund an rein gezieret Durch dein Blut mit Glauben schön, Kann in dir vor Gott bestehn. Kyrie eleison. 138 Abendmahl. 5. Der darf des Arztes, den die Krankheit plaget, Mit Begier er nach ihm fraget. O süßer Jesu, schau, wie tiefe Wunden Werden auch in mir gefunden! Kyrie eleison. Du bist ja der Arzt, dem ich rufe, Auf den mit Verlangen ich hoffe. Hilf, o wahrer Mensch und Gott! Hilfst du nicht, so bin ich todt. Kyrie eleison. 6. Du rufest alle zu dir in Genaden, Die mühſelig und beladen. All ihre Sünde willst du ihn'n verzeihen, Ihrer Bürden sie befreien. Kyrie eleison. Ach! komm selbst, leg an deine Hände Und die schwere Last von mir wende. Mache mich von Sünden frei, Dir zu dienen Kraft verleih. Kyrie eleiſon. 7. Mein Geist und Herze wollst du zu dir neigen, Nimm mich dir, gieb mich dir eigen. Du bist der Weinstock, ich bin deine Rebe, Nimm mich in dich, daß ich lebe. Kyrie eleison. Ach, in mir sind ich eitel Sünden. In dir müssen sie bald verschwinden. In mir sind ich Höllenpein, In dir muß ich selig sein. Kyrie eleison. 8. Komm, meine Freude, komm, du schönste Krone, Jesu, komm und in mir wohne! In mir will ich dich mit Gebet oft grüßen, Ja mit Lieb und Glauben küssen. Kyrie eleison. Bring mit, was alle Welt erfreuet: Deiner Liebe füße Lieblichkeit, Deine Sanftmuth und Geduld, Die Frucht deiner Gnad und Huld. Kyrie eleison. 9. Dies sind die Blümlein, die mich können heilen Und mir Lebenssaft ertheilen, Daß ich nun aus mir all Untugend reiße, Dir zu dienen mich befleiße. Kyrie eleiſon. In dir hab ich alles, was ich soll, Deiner Gnaden Brünnlein ist stets voll. Laß mich ewig sein in dir, Und bleib ewig auch in mir. Kyrie eleison. Joh. Heermann. 167. Ich weiß ein Blümlein, hübsch und fein, Das thut mir wohl gefallen, Es b'liebt mir in dem Herzen mein Das Blümelein Vor andern Röslein allen. Abendmahl. 139 2. Das Röslein ist das göttlich Wort,* Das uns Gott hat gegeben; Es leucht uns durch die enge Pfort Das göttlich Wort Wohl in das ewge Leben. * Ev. Joh. 1, 1. 3. Er ist der Weg, das Licht, die Pfort, Die Wahrheit und das Leben! Wer Reu und Leid für sein Sünd hat Und nicht verzagt, Dem sinds im Glauben vergeben. 4. Der Herr spricht: Tretet her zu mir All, die ihr seid beladen, Ich will eures Herzens Begier, Das glaubet mir, Auch heilen euren Schaden. 5. Nehmt hin, esset, das ist mein Leib, Den ich euch thue schenken; Ich verschreib euch mein Gut dabei, Glaubet nur frei, Daß ihr mein sollt gedenken. 6. Nehmt hin und trinkt, das ist mein Blut, Das ich für euch vergoffen; Nehmt hin, solchs thut, denn dies mein Blut Schafft großen Muth Guern verzagten Herzen. 7. Wir bitten dich, Herr Jesu Christ, Wohl durch dein bitter Leiden: Weil du für uns gestorben bist, Herr Jesu Christ, Du wollst nicht von uns scheiden. 8 Nimm uns für deine Kinder an, Daß wir dich allzeit loben, Dein Wort bekennen jedermann. Herr, nimm uns an Durch Jesum Christum. Amen. Basilius Förtsch. Johannes Huffen Lied. 168. Jesus Christus, unser Heiland, Der von uns den Gotteszorn wandt, Durch das bittre Leiden sein Half er uns aus der Höllen Pein. 2. Daß wir nimmer deß vergessen, Gab er uns sein Leib zu essen, Verborgen im Brot so klein, Und zu trinken sein Blut im Wein. 3. Wer sich will zu dem Tisch machen, Der hab wohl Acht auf sein Sachen, Wer unwürdig hinzugeht, Für das Leben den Tod empfäht. 4. Du sollst Gott den Bater preisen, Daß er dich so 140 Abendmahl. wohl wollt speisen Und für deine Missethat In den Tod sein Sohn geben hat. 5. Du sollst glauben und nicht wanken, Daß ein Speise sei der Kranken, Denen ihr Herz von Sünden schwer Und vor Angst ist betrübet sehr. 6. Solch groß Gnad und Barmherzigkeit Sucht ein Herz in großer Arbeit; Ist dir wohl, so bleib davon, Daß du nicht kriegest bösen Lohn. 7. Er spricht selber: Kommt, ihr Armen, Laßt mich über euch erbarmen! Kein Arzt ist dem Starken noth, Sein Kunst wird an ihm gar ein Spott. 8. Hättst du dir was fonnt erwerben, Was durft ich denn für dich sterben? Dieser Tisch auch dir nicht gilt, So du selber dir helfen willt. 9. Glaubst du das von Herzensgrunde Und bekennest mit dem Munde, So bist du recht wohl geschickt, Und die Speise dein Seel erquickt. 10. Die Frucht soll auch nicht ausbleiben: Deinen Nächsten sollst du lieben, Daß er dein genießen kann, Wie dein Gott an dir hat gethan. M. Luther. Weise: Herr Jesu Christ, meins Lebens Licht. 169. Jesu, du mein Bräutigam, Der du aus Lieb am Kreuzes stamm Für mich den Tod gelitten hast, Genommen weg der Sünden Last. 2. Ich komm zu deinem Abendmahl, Verderbt durch manchen Sündenfall; Ich bin frank, unrein, nackt und bloß, Blind, arm, ach Herr, mich nicht verstoß. 3. Du bist der Arzt, du bist das Licht, Du bist der Herr, dem nichts gebricht, Du bist der Brunn der Heiligkeit, Du bist das rechte Hochzeitskleid. 4. Darum, Herr Jesu, bitt ich dich: In meiner Schwachheit heile mich; Was unrein ist, das mache rein Durch deinen hellen Gnadenschein. Abendmahl. 141 5. Erleuchte mein verfinstert Herz, Zünd an die schöne Glaubenskerz, Mein Armuth in Reichthum verkehr Und meinem Fleische steur und wehr. 6. Daß ich das rechte Himmelskrot, Dich, Jesu, wahrer Mensch und Gott, Mit höchster Ehrerbietung nehm, Wie mir das selig, dir genehm. 7. Lösch alle Laster aus in mir, Mein Herz mit Lieb und Glauben zier, Und was sonst ist von Tugend mehr, Das pflanz in mir zu deiner Ehr. 8. Gieb, was nüß ist zu Seel und Leib, Was schädlich ist, fern von mir treib, Komm in mein Herz, laß mich mit dir Vereinigt bleiben für und für. 9. Hilf, daß durch deiner Mahlzeit Kraft Das Bös in mir werd abgeschafft, Erlassen alle Sünd und Schuld, Erlangt des Vaters Lieb und Huld. 10. Vertreibe alle meine Feind, Die sichtbar und unsichtbar seind. Den guten Vorsatz, den ich führ, Durch deinen Geist fest mach in mir. 11. Mein Leben, Sitten, Sinn und Pflicht Nach deinem heilgen Willen richt; Ach, laß mich meine Tag in Ruh Und Frieden christlich bringen zu. 12. Bis daß du mich, o Lebensfürst! Zu dir in Himmel nehmen wirst, Daß ich bei dir dort ewiglich An deiner Tafel freue mich. Joh. Heermann. 170. Shu chmücke dich, o liebe Seele! Laß die dunkle Sündenhöhle, Komm ans helle Licht gegangen, Fange herrlich an zu prangen. Denn der Herr voll Heil und Gnaden Will dich jetzt zu Gaste laden; Der den Himmel kann verwalten, Will jetzt Herberg in dir halten. 2. Eile, wie Verlobte pflegen, Deinem Bräutigam entgegen, Der da mit dem Gnadenhammer Klopft an deine Herzenskammer. Deffn ihm bald des Geistes Pforten, Red ihn an mit schönen Worten: Komm, mein Liebster, laß dich küssen, Laß mich deiner nicht mehr missen. Abendmahl. 3. Zwar in Kaufung theurer Waaren Pflegt man sonst kein Geld zu sparen; Aber du willst für die Gaben Deiner Huld kein Geld nicht haben, Weil in allen Bergwerksgründen Kein solch Kleinod ist zu finden, Das die blutgefüllten Schalen Und dies Manna kann bezahlen. 142 4. Ach, wie hungert mein Gemüthe, Menschenfreund, nach deiner Güte! Ach, wie pfleg ich oft mit Thränen Mich nach dieser Kost zu sehnen! Ach, wie pfleget mich zu dürsten Nach dem Trank des Lebensfürsten! Wünsche stets, daß mein Gebeine Sich durch Gott mit Gott vereine. 5. Beides, Lachen und auch Zittern, Lässet sich in mir jeßt wittern. Das Geheimniß dieser Speise Und die unerforschte Weise Machet, daß ich früh vermerke, Herr, die Größe deiner Werke. Ist auch wohl ein Mensch zu finden, Der dein Allmacht kann ergründen? 6. Nein, Vernunft die muß hier weichen, Kann dies Wunder nicht erreichen, Daß dies Brot nie wird verzehret, Ob es gleich viel Tausend nähret, Und daß mit dem Saft der Reben Uns wird Christi Blut gegeben. O der großen Heimlichkeiten, Die nur Gottes Geist kann deuten! 7. Jesu, meines Lebens Sonne, Jesu, meine Freud und Wonne, Jesu, du mein ganz Beginnen, Lebensquell und Licht der Sinnen! Hier fall ich zu deinen Füßen, Laß mich würdiglich genießen Dieser deiner Himmelsspeiſe, Mir zum Heil und dir zum Preiſe. 8. Herr, es hat dein treues Lieben Dich vom Himmel ab getrieben, Daß du willig hast dein Leben In den Tod für uns gegeben, Und dazu ganz unverdrossen, Herr, dein Blut für uns vergossen, Das uns jetzt kann kräftig tränken, Deiner Liebe zu gedenken. 9. Jesu, wahres Brot des Lebens, Hilf, daß ich doch nicht vergebens Oder mir vielleicht zum Schaden Sei zu deinem Tisch geladen; Laß mich durch dies Seelenessen Deine Liebe recht ermessen, Daß ich auch, wie jetzt auf Erden, Mög dein Gast im Himmel werden. Joh. Franck. Abendmahl. Weise: Jesus, meine Zuversicht. 171. üßer Jesu, höchster Hort, Du mein Trank, du meine Speise! Ach, es mangeln mir die Wort, Daß ich deine Huld gnug preise. Welche Liebe, welche Gnad, welche hohe Wunderthat! 143 2. Was sich dort am Kreuzesstamm Läßt durchbohren, läßt durchstechen, Das ist heute unser Lamm, So zu unsrer Speis wir brechen; Was verschlang der Sünden Noth, Wird heut meine Speis und Brot. 3. Was dort aus den Wunden rann, Aus den Händen, Füßen, Seiten, Das ist, was ich heute kann Mir zum Tranke zubereiten; Was mir meine Schuld ertränkt, Das wird mir heut eingeschenkt. 4. Welche Liebe ist doch hier, Die nicht stehet zu vergleichen! Du, Herr Jesu, läßt dich mir Jeßt aus Liebe selber reichen. Ach, mein liebster Jesu, gieb, Daß ich dir bring Lieb um Lieb. 5. O was hoher Gnadenglanz! Er verbannet alle Sünden! Du, Herr Jesu, schenkst dich ganz Und willst dich und mich verbinden, Heilst und machest mich gesund, Bringst mich in den Gnadenbund. 6. Uebergroße Wunderthat! Den kein Himmel je einschließet, Der findt bei mir Naum und Statt; O was Gnade hieraus fließet! Wunder! der die Erde trägt, Sich heut in ein Stäublein legt. 7. Komm, o süße Liebe, dann! Du labst mich, ich will dich laben! Nimm in mir die Herberg an, Ziere mich mit deinen Gnaden, Reich mir würdig dieses Brot, Diesen Trank, du Wundergott. Anton Ulrich, Herzog zu Braunschweig. 144 Abendmahl. Danklieder nach dem heil. Abendmahl. 172. Gott sei gelobet und gebenedeiet, Der uns ſelber hat gespeiset Mit seinem Fleische und mit seinem Blute; Das gieb uns, Herr Gott, zu gute. Kyrie eleison! Herr, durch deinen heiligen Leichnam, Der von deiner Mutter Maria kam, Und das heilige Blut, Hilf uns, Herr, aus aller Noth. Kyrie eleison! 2. Der heilig leichnam ist für uns gegeben Zum Tod, daß wir dadurch leben. Nicht größre Güte konnt er uns geschenken, Dabei wir solln sein gedenken. Kyrie eleison! Herr, dein Lieb so groß dich zwungen hat, Daß dein Blut an uns groß Wunder that Und bezahlt unsre Schuld, Daß uns Gott ist worden hold. Kyrie eleison! SD/ 30 3. Gott geb uns allen seiner Gnaden Segen, Daß wir gehn auf seinen Wegen In rechter Lieb und brüderlicher Treue, Daß uns die Speis nicht gereue. Kyrie eleison! Herr, dein heilger Geist uns nimmer laß, Der uns geb zu halten rechte Maß, Daß dein arm Christenheit Leb in Fried und Einigkeit. Kyrie eleison! M. Luther. Weise: Nun laßt uns Gott, dem Herren. Jesu, treuer Hirte, Du suchest das Verirrte; Du liebest arme Sünder Wie deine lieben 173. Kinder. 2. Ich hatte mich verirret, In Sünden ganz verwirret, Doch hast du mich gefunden Und tröstlich losgebunden. 3. Den Sünden abzukommen, Hast du mich aufgenommen Und, als ein Vater pfleget, Auf deinen Schooß geleget. 4. Hab ich dich gleich betrübet, Hast du mich doch geliebet, Mir meine Schuld geschenket Und mich mit Trost getränket. Abendmahl. 5. O Jefu, wahres Leben, Du hast dich mir gegeben Und in mein Herz geseßzet, Auch Seel und Muth ergößet. 145 6. Mit deinem Fleisch und Blute, Dem höchsten Gnadengute, Hast du mich jetzt genähret Und meinen Tod verzehret. 7. Des Teufels Heer erschricket, Weil du mich selbst erquicket Und meine Sündenwunden So kräftig hast verbunden. 8. Nun werd ich nicht verloren, Denn ich bin neu geboren; Der Himmel steht mir offen, Nun hab ich Heil zu hoffen. 9. O Jesu, sei gepreiset, Daß du mich so gespeiset, Daß ich für mein Verderben Nun soll das Leben erben. 10. Ich danke dir und bitte, Regiere meine Schritte, Daß ich von deinen Wegen Mich niemals möge regen. 11. Durch deinen Geist mich führe, Daß ich mich nicht verliere, Daß ich mich dir zu Liebe In guten Werken übe. 12. Hilf, daß mich diese Speise Zu dir gen Himmel weise, Daß ich an deinem Leibe GEin ewig Gliedmaß bleibe! Sal. Liskov. Weise: Nun lob, mein Seel, den Herren. 174. Mie wohl hast du gelabet, D liebster Jesu, deinen Gast, Ja mich so reich begabet, Daß ich jetzt fühle Freud und Rast! O wundersame Speise, O süßer Lebenstrank! Liebmahl, das ich preise Mit einem Lobgefang! Indem es hat erquicket Mein Leben, Herz und Muth; Mein Geist, der hat erblicket Das allerhöchste Gut. 2. Du hast mich jetzt geführet, O Herr, in deinen Gnadensaal, Daselbst hab ich berühret Dein edle Güter allzumal; Da hast du mir gegeben Umsonst und mildiglich Das werthe Brot zum Leben, Das sehr ergößet mich; Du hast mir zugelassen, Daß ich den Seelenwein Im Glauben möchte fassen Und dir vermählet ſein. Geistl. Liederbuch. 7 146 Abendmahl. 3. Bei dir hab ich gegessen Die Speise der Unsterblichkeit; Du hast mir vollgemessen Den edlen Kelch, der mich erfreut. Ach Gott! du hast erzeiget Mir Armen solche Gunst! Daß billig jetzt sich neiget Mein Herz vor Liebesbrunst. Du hast mich lassen schmecken Das köstlich Engelbrot; Hinfort kann mich nicht schrecken Welt, Teufel, Sünd und Tod. 4. So lang ich leb auf Erden, Preis ich dich, liebster Jesu, wohl, Daß du mich läsfest werden Von dir und durch dich satt und voll. Du hast mich selbst getränket Mit deinem theuren Blut Und dich zu mir gelenfet, unvergleichlichs Gut! Nun werd ich ja nicht sterben, Weil mich gespeiset hat, Der nimmer kann verderben, Mein Trost, Schuß, Hilf und Rath. 5. Wie kann ichs aber fassen, Herr Jesu, daß du mit Begier Dich haft so tief gelassen Vom Himmelssaal herab zu mir? Du Schöpfer aller Dinge, Besuchest deinen Knecht; Ach hilf! daß ich dir bringe Ein Herz, das fromm und schlecht,*) Das gläubig dir vertraue, Damit nach dieser Zeit Ich ja dein Antlitz schaue Dort in der Ewigkeit. *) schlicht. 6. Du bists, der ewig bleibet, Jch aber bin dem Schatten gleich, Den bald ein Wind vertreibet; Herr, ich bin arm und du bist reich. Du bist sehr groß von Güte, Kein Unrecht gilt bei dir, Ich, boshaft von Gemüthe, Kann fehlen für und für; Noch kommest du hernieder zu mir, dem Sündenmann. Was geb ich dir doch wieder, Das dir gefallen kann? 7. Ein Herz, durch Neu zerschlagen, Ein Herz, das ganz zerknirschet ist, Das weiß ich, wird behagen, Mein Heiland, dir zu jeder Frist, Du wirst es nicht verachten. Demnach ich emsig bin, Nach deiner Gunst zu trachten, Nimm doch in Gnaden hin Das Opfer meiner Zungen; Denn billig wird jetzund Dein theurer Ruhm besungen, Herr Gott, durch meinen Mund. Buße. 147 8. Hilf ja, daß dies Genießen Des edlen Schaßes schaff in mir in unaufhörlich Büßen, Daß ich mich wende stets zu dir. Laß mich hinfüro spüren kein andre Lieblichkeit, Als welche pflegt zu rühren Von dir zu dieser Zeit; Laß mich ja nichts begehren Als deine Lieb und Gunst; Denn niemand kann entbehren Hier deiner Liebe Brunst. 9. Wohl mir, ich bin versehen Mit Himmelsspeis und Engeltrank; Nun will ich rüstig stehen, zu singen dir Lob, Ehr und Dank. Ade, du Weltgetümmel, Du bist ein eitler Tand! Jeh seufze nach dem Himmel, Dem rechten Vaterland. Ade, dort werd ich leben Ohn Unglück und Verdruß; Mein Gott, du wirst mir geben Der Wohllust Ueberfluß. Joh. Rist. 3 uke. 175. Ach Gott und Herr, Wie groß und schwer Sind mein begangne Sünden! Da ist Niemand, Der helfen kann, In dieser Welt zu finden. 2. Lief ich gleich weit zu solcher Zeit Bis an der Welt ihr Ende Und wollt los sein Des Elends mein, Würd ich doch solchs nicht wenden. 3. Zu dir flieh ich, Verstoß mich nicht, Wie ichs wohl hab verdienet! Ach Gott, zürn nicht, Geh nicht ins Gericht, Dein Sohn hat mich verfühnet. 4. Solls ja so sein, Daß Straf und Pein Auf Sünde folgen müssen, So fahr hie fort Und schone dort; Und laß mich ja jetzt büßen. 5. Gieb auch Geduld, Vergiß der Schuld, Verleih ein ghorsam Herze; Laß mich ja nicht, Wies wohl geschicht, Mein Heil murrend verscherzen. 6. Handle mit mir, Wies wohlgfällt dir; Durch dein 7* 148 Buße. Gnad will ichs leiden! Laß mich nur nicht Dort ewiglich Von Dir sein abgeschieden! Martin Rutilius. 7. Gleichwie sich fein Ein Vögelein Im hohlen Baum verstecket, Wenns trüb hergeht, Die Luft unftät Menschen und Vieh erschrecket; 8. Also, Herr Christ, Mein Zuflucht ist Die Höhle deiner Wunden. Wenn Sünd und Tod Mich bringt in Noth, Hab ich mich drein gefunden. 9. Darin ich bleib, Ob hie der Leib und Seel von ander scheiden, So werd ich dort Bei dir, mein Hort, Sein in ewigen Freuden. 10. Ehre sei nun Gott Vater, Sohn Und heilgem Geist zusammen! Zweifle auch nicht, Weil Christus spricht: Wer glaubt, wird selig. Amen. Johann Groß. 176. Ich! was soll ich Sünder machen? Ach, was soll ich fangen an? Mein Gewissen klagt mich an, Es beginnet aufzuwachen. Dies ist meine Zuversicht: Meinen Jesum laß ich nicht! 2. Zwar es haben meine Sünden Meinen Jeſum oft betrübt; Doch weiß ich, daß er mich liebt, Denn er läßt sich gnädig finden. Drum ob mich mein Sünd ansicht: Meinen Jesum laß ich nicht! 3. Ob gleich schweres Kreuz und Leiden, So bei Christen oft entsteht, Mir sehr hart entgegen geht, Soll michs doch von ihm nicht scheiden; Er ist mir ins Herz gericht: Meinen Jesum laß ich nicht! 4. Ich weiß wohl, daß unser Leben Nichts, als nur ein Nebel ist, Denn wir hier zu dieser Frist Mit dem Tode sind umgeben; Und wer weiß, was heut geschicht? Meinen Jesum laß ich nicht! 5. Sterb ich bald, so komm ich abe Von der Welt Beschwerlichkeit, Ruhe bis zur vollsten Freud Und weiß, daß Buße. 149 im finstern Grabe Jesus ist mein helles Licht: Meinen Jesum laß ich nicht! 6. Durch ihn will ich wieder leben, Denn er wird zu rechter Zeit Wecken mich zur Seligkeit Und wird mirs aus Gnaden geben, Muß ich schon erst vors Gericht: Meinen Jesum laß ich nicht! 7. Drum, Herr Jesu, sollst mein bleiben, Bis ich komme an den Ort, Welcher ist des Himmels Port; Wo du dann wirst einverleiben Meine Seele deinem Licht; Meinen Jesum laß ich nicht! Joh. Flittner. 177. llein zu dir, Herr Jesu Christ, Mein Hoffnung A steht auf Erden! Ich weiß, daß du mein Tröster bist; Kein Trost mag mir sonst werden. Von Anbeginn ist nichts erkorn, Auf Erden war kein Mensch geborn, Der mir aus Nöthen helfen kann, Ich ruf dich an, Zu dem ich mein Vertrauen han. 2. Mein Sünd sind schwer und übergroß Und reuen mich von Herzen; Derselben mach mich quitt und los Durch deinen Tod und Schmerzen, und zeig mich deinem Vater an, Daß du hast gnug für mich gethan, So werd ich los der Sünden Last, Herr, halt mir fest, Weß du dich mir versprochen hast. 3. Gieb mir nach dein'r Barmherzigkeit Den wahren Christenglauben, Auf daß ich deine Süßigkeit Möcht inniglich anschauen; Vor allen Dingen lieben dich Und meinen Nächsten gleich als mich. Am letzten End dein Hilf mir send, Damit behend Des Teufels List sich von mir wend. 4. Chr sei Gott in dem höchsten Thron, Dem Vater aller Güte, Und Jesu Christ, sein'm liebsten Sohn, Der uns allzeit behüte, Und Gott dem heiligen Geiste, Der uns sein Hilf allzeit leiste. Damit wir ihm gefällig sein, Hier in der Zeit Und folgends in der Ewigkeit. Joh. Schneesing. Buße. Psalm 130. 178. A us tiefer Noth schrei ich zu dir, Herr Gott, erHör mein Rufen; Dein gnädig Ohren kehr zu mir Und meiner Bitt ste öffen! Denn so du willst das sehen an, Was Sünd und Unrecht ist gethan, Wer kann, Herr, vor dir bleiben? 150 2. Bei dir gilt nichts, denn Gnad und Gunst, Die Sünde zu vergeben, Es ist doch unser Thun umsonst, Auch in dem besten Leben; Vor dir niemand sich rühmen kann, Deß muß dich fürchten jedermann Und deiner Gnade leben. 3. Darum auf Gott will hoffen ich, Auf mein Verdienst nicht bauen; Auf ihn mein Herz foll lassen sich Und seiner Güte trauen, Die mir zusagt sein werthes Wort, Das ist mein Trost und treuer Hort, Deß will ich allzeit harren. 4. Und ob es währt bis in die Nacht Und wieder an den Morgen, Doch soll mein Herz an Gottes Macht Verzweifeln nicht, noch sorgen. So thu Israel rechter Art, Der aus dem Geist erzeuget ward Und seines Gotts erharre. 5. Ob bei uns ist der Sünden viel, Bei Gott ist viel mehr Gnade; Sein Hand zu helfen hat kein Ziel, Wie groß auch sei der Schade. Er ist allein der gute Hirt, Der Israel erlösen wird Aus seinen Sünden allen. M. Luther. Weise: Allein zu dir, Herr Jesu Christ. 179. u weineft vor Jerufalem, Herr Jeſu, lichte Zähren, Bezeugst, es sei dir angenehm, Wenn Sünder sich bekehren. Wenn ich vor dir mit Buß erschein Und über meine Sünde wein, So tilgest du aus lauter Gnad Die Missethat, So mich bisher gequälet hat. 2. Wenn deines Vaters Zorn entbrennt Von wegen meiner Sünde, Zu deinen Thränen ich mich wend, Da ich Erquickung finde; Vor Gott sind sie so hoch geschäßt, Wer damit seine Sünde neßt, Den blickt Gott an mit Gütigkeit Zu jeder Zeit Und sein betrübtes Herz erfreut. Buße. 151 3. Hier muß ich auch im Thränenhaus Vor großer Angst oft weinen, Der Welt aushalten manchen Strauß; Sie martert stets die Deinen. Auf allen Seiten, wo sie kann, Fängt sie mit mir zu hadern an. Dies tröstet mich zu aller Frist, Herr Jesu Christ; In Noth du auch gewesen bist. 4. Du zählest alle Thränen mein, Ich weiß, sie sind gezählet, Und ob sie nicht zu zählen sein, Dennoch dir keine fehlet. So oft vor dir sie regen sich, So oft ste auch bewegen dich, Daß du dich mein erbarmen mußt, Wie dir bewußt, Denn du mir allzeit Hilfe thust. 5. Wer jezund säet Thränen aus, Hält in Geduld Gott stille, Wird fröhlich sein in deinem Haus, Da Freude ist die Fülle. Ja solche Freude, die kein Mann Mit seiner Zung aussprechen kann Und die da bleibt in Ewigkeit. Mein Kreuz und Leid Wird werden dort zu lauter Freud. 6. Für diese Thränen dank ich dir, Daß du die Freudenfrone, Herr Christ, dadurch erworben mir, Bei dir ins Himmels Throne. Wenn du mich holen wirst hinauf Zu deinem auserwählten Hauf, Dann will ich recht lobsingen dir, O höchste Zier, Für deine Thränen für und für. Joh. Heermann. 180. Herr, ich habe mißgehandelt, Ja, mich drückt der 180. Sünden Last, Ich bin nicht den Weg gewandelt, Den du mir gezeiget hast; Und jetzt wollt ich gern aus Schrecken Mich vor deinem Zorn verstecken. 2. Doch wie könnt ich dir entfliehen? Du wirst allenthalben sein. Wollt ich über See gleich ziehen, Stieg ich in die Gruft hinein, Hätt ich Flügel gleich den Winden, Gleichwohl würdest du mich finden. 3. Drum ich muß es nur bekennen, Herr, ich habe mißgethan; Darf mich nicht dein Kind mehr nennen, Ach, nimm mich zu Gnaden an! Laß die Menge meiner Sünden Deinen Zorn nicht gar entzünden. 152 Buße. 4. Könnt ein Mensch den Sand gleich zählen An dem weiten Mittelmeer, Dennoch würd es ihm wohl fehlen, Daß er meiner Sünden Heer, Daß er alle mein Gebrechen Sollte wissen auszuſprechen. 5. Wein, ach wein jetzt um die Wette, Meiner beiden Augen Bach! O, daß ich gnug Zähren hätte, zu betrauern meine Schmach! O daß aus dem Thränenbronnen Käm ein starker Strom geronnen! 6. Ach, daß doch die strengen Fluthen Ueberschwemmten mein Gesicht, Und die Augen möchten bluten, Weil mir Wasser sonst gebricht! Ach, daß sie wie Meereswellen Möchten in die Höhe schwellen! 7. Jedoch, Christe, deine Beulen, Ja, ein einzig Tröpflein Blut, Das kann meine Wunden heilen, Löschen meiner Sünden Gluth. Drum will ich, mein Angst zu stillen, Mich in deine Wunden hüllen. 8. Dir will ich die Last aufbinden, Wirf sie in die tiefste See; Wasche mich von meinen Sünden, Mache mich so weiß, wie Schnee. Laß dein guten Geist mich treiben, Einzig stets bei dir zu bleiben. Joh. Franck. Weise: Wer nur den lieben Gott läßt walten. 181. Ich armer Mensch, ich armer Sünder Steh hier vor Gottes Angesicht. Ach Gott, ach Gott, verfahr gelinder Und geh nicht mit mir ins Gericht. Er barme dich, erbarme dich, Gott, mein Erbarmer, über mich! 2. Wie ist mir doch so herzlich bange Von wegen meiner großen Sünd! Hilf, daß ich wieder Gnad erlange, Ich armes und verlornes Kind. Erbarme dich, erbarme dich, Gott, mein Erbarmer, über mich! 3. Hör, ach erhör mein seufzend Schreien, Du allerliebstes Vaterherz, Wollst alle Sünden mir verzeihen Und lindern meines Herzens Schmerz. Erbarme dich, erbarme dich, Gott, mein Erbarmer, über mich! 4. Wie lang soll ich vergeblich klagen? Hörst du denn Buße. 153 nicht? ach hörst du nicht? Wie kannst du das Geschrei ertragen? Hör, was der arme Sünder spricht: Erbarme dich, erbarme dich, Gott, mein Erbarmer, über mich! 5. Wahr ist es, übel steht der Schade, Den Niemand heilet, außer du. Ach aber Gnade! Gnade! Gnade! Ich laß dir doch nicht eher Ruh. Erbarme dich, erbarme dich, Gott, mein Erbarmer, über mich! 6. Nicht wie ich hab verschuldet, lohne Und handle nicht nach meiner Sünd. O treuer Vater, schone, schone, Erkenn mich wieder für dein Kind. Erbarme dich, erbarme dich, Gott, mein Erbarmer, über mich! 7. Sprich nur ein Wort, so werd ich leben, Sag, daß der arme Sünder hör: Geh hin, die Sünd ist dir vergeben, Nur fündige hinfort nicht mehr. Erbarme dich, erbarme dich, Gott, mein Erbarmer, über mich! 8. Ich zweifle nicht, ich bin erhöret, Erhöret bin ich zweifelsfrei, Weil sich der Trost im Herzen mehret; Drum will ich enden mein Geschrei: Erbarme dich, erbarme dich, Gott, mein Erbarmer, über mich! Christoph Titius. Weise: Aus tiefer Noth schrei ich zu dir. 182. Ich will von meiner Missethat Zum Herren mich bekehren; Du wollest selbst mir Hilf und Rath Hiezu, Gott, bescheren Und deines guten Geistes Kraft, Der neue Herzen in uns schafft, Aus Gnaden mir gewähren. 2. Natürlich kann ein Mensch doch nicht Sein Glend selbst empfinden, Er ist ohn deines Geistes Licht Blind, taub und todt in Sünden, Verkehrt ist Will, Verstand und Thun; Des großen Jammers komm mich nun, O Vater, zu entbinden. 3. Klopf durch Erkenntniß bei mir an Und führ mir wohl zu Sinnen, Was Böses ich vor dir gethan, Du fannst mein Herz gewinnen, Daß ich aus Kummer und Beschwer Laß über meine Wangen her Viel heiße Thränen rinnen. 7** 154 Buße. 4. Wie hast du doch an mich gewandt Den Reichthum deiner Gnaden! Mein Leben dank ich deiner Hand, Die hat mich überladen Mit Ruh, Gesundheit, Ehr und Brot; Du machst, daß mir noch keine Noth Bis hieher können schaden. 5. Haft auch in Chrifto mich erwählt Tief aus der Höllen Fluthen, So daß es niemals hat gefehlt An irgend einem Guten; Und daß ich ja dein eigen sei, Hast du mich auch in großer Treu Gestäupt mit Vaterruthen. 6. Wer giebt den Kindern, was du mir Gegeben zu genießen? Schenk aber ich Gehorsam dir? Das zeiget mein Gewissen, Mein Herz, in welchem nichts gesund, Das tausend Sündenwürmer wund Bis auf den Tod gebissen. 7. Die Thorheit meiner jungen Jahr Und alle schnöde Sachen Verklagen mich zu offenbar, Was soll ich Armer machen? Sie stellen, Herr, mir vors Gesicht Dein unerträglich Zorngericht Und deiner Höllen Rachen. 8. Ich habe meiner Greuel Qual Und schäm sie zu bekennen, Es ist ihr'r weder Maß noch Zahl, Ich weiß ste nicht zu nennen; Und ist ihr keiner doch so klein, Um welches willen nicht allein Ich ewig müßte brennen. 9. Bisher hab ich in Sicherheit Fein unbesforgt geschlafen, Gesagt: es hat noch lange Zeit, Gott pflegt nicht bald zu strafen, Er fähret nicht mit unsrer Schuld So strenge fort; es hat Geduld Der Herr mit seinen Schafen. 10. Dies alles jetzt zugleich erwacht, Mein Herz will mir zerspringen, Ich sehe deines Donners Macht, Dein Feuer auf mich dringen; Du regest wider mich zugleich Des Satans und der Höllen Reich, Die wollen mich verschlingen. 11. Die mich verfolgt, die große Noth, Fährt schnell ohn Zaum und Zügel. Wo flieh ich hin? Du Morgenroth, Ertheil mir deine Flügel! Verbirg mich wo, du fernes Meer! Stürzt hoch herab, fallt auf mich her, Ihr Klippen, Thürm und Hügel! Buße. 155 12. Ach! nur umsonst; und könnt ich auch Bis in den Himmel steigen Und wieder in der Höllen Bauch Mich zu verkriechen neigen, Dein Auge dringt durch alles sich, Da wirst du meine Schuld und mich Der lichten Sonne zeigen. 13. Herr Jesu, nimm mich zu dir ein, Ich flieh in deine Wunden, Die du, o Heiland, wegen mein Am Kreuze haft empfunden, Als unser aller Sünden Müh Dir, o du Gotteslamm, ward hie zu tragen aufgebunden. 14. Wasch mich durch deinen Todesschweiß Und purpurrothes Leiden Und laß mich sauber sein und weiß Durch deiner Unschuld Seiden. Von wegen deines Kreuzes Last Erquick, was du zermalmet hast, Mit deines Trostes Freuden. 15. So angethan will ich mich hin Vor deinen Vater machen. Ich weiß, er lenket seinen Sinn Und schaffet Rath mir Schwachen, Er weiß, was Fleischeslust und Welt Und Satan uns für Netze stellt, Die, uns zu stürzen, wachen. 16. Wie werd ich mich mein Leben lang Vor solcher Plage scheuen, Durch deines guten Geistes Zwang, Den du mir wollst verleihen, Der mir von aller Sündenlist Und dem, was dir zuwider ist, Helf ewig mich befreien! Luise Henriette, Kurfürstin von Brandenburg. Weise: Kommt her zu mir, spricht Gottes Sohn. 183. Ihr armen Sünder, kommt zu Hauf, kommt eilig, kommt und macht euch auf, Mühselig und beladen; Hier öffnet sich das Jesusherz Für alle, die in Reu und Schmerz Erkennen ihren Schaden. 2. Es heißt: Er nimmt die Sünder an! Drum komm, dein Jesus will und kann Dich retten und umarmen. Komm weinend, komm in wahrer Buß Und fall im Glauben ihm zu Fuß, Er wird sich dein erbarmen. 3. Gin Hirt verläßt sein Schäflein nicht, Dems in der Irr an Hilf gebricht, Er sucht es mit Verlangen; Er läffet neunundneunzig stehn Und sie gar in der Wüsten gehn, Das Eine zu umfangen. 156 Buße. 4. Es sucht der liebste Jesus Christ Das Schäflein, das verloren ist, Bis daß ers hat gefunden; So laß dich finden, liebe Šeel, Und flich in Jesu Wundenhöhl, Noch sind die Gnadenstunden. 5. O Jesu, deine Lieb ist groß; Ich komm mühſelig, nackt und bloß, Ach laß mich Gnade finden. Ich bin ein Schaf, das sich verirrt, Ach nimm mich auf, weil ich verwirrt Im Strick und Neß der Sünden. 6. Ach, wehe mir, daß ich von dir Gewichen bin zum Abgrund schier, Ach laß mich wiederkehren Zu deinem Schafstall, nimm mich an Und mach mich frei vom Fluch und Bann, Dies ist mein Herzbegehren. 7. Laß mich dein Schäflein ewig sein, Und du mein treuer Hirt allein Im Leben und im Sterben; Laß mich vom eitlen Weltgesind Ausgehn und mich als Gottes Kind Um dich, mein Schaß, bewerben. 8. Ich will von nun an sagen ab Der Sündenlust bis in mein Grab Und in dem neuen Leben In Heilig- und Gerechtigkeit Dir dienen noch die kurze Zeit, Die mir zum Heil gegeben. 9. Ach nimm dein armes Täublein ein Und laß es sicher bei dir sein In deinen Wundenhöhlen; Bewahre mich vor Sündenwerk Und gieb mir deines Geistes Stärk Am Leib und an der Seelen. Laurentius Laurenti. Weise: Wenn wir in höchsten Nöthen sein. 184. frommer und getreuer Gott, Ich hab gebrochen dein Gebot Und sehr gesündigt wider dich, Das ist mir leid und reuet mich. 2. Weil aber du, o gnädger Gott, Nicht hast Gefalln an meinem Tod, Sondern ist dein herzlichs Begehrn, Daß ich soll Buß thun, mich bekehrn: 3. Auf dies Wort, lieber Vater fromm, Ich armer Sünder zu dir komm, Und bitt dich durch den bittern Tod Und heilige fünf Wunden roth 1 Buße. 157 4. Deins lieben Sohnes Jesu Christ, Der mir zu gut Mensch worden ist: Laß dein Gnad und Barmherzigkeit Mehr gelten, denn Gerechtigkeit. 5. Verschon, o Herr, laß deine Huld Zudecken alle meine Schuld, So werd ich arm verlornes Kind Los und ledig all meiner Sünd. 6. Ich will, o Herr, nach deinem Wort Mich besſern, leben fromm hinfort, Damit ich mög nach dieser Zeit Gelangen zu der Seligkeit. Barthol. Ringwaldt. Weise: Vater unser im Himmelreich. 185. o wahr ich lebe, spricht dein Gott, Mir ist nicht lieb des Sünders Tod; Vielmehr ist dies mein Wunsch und Will, Daß er von Sünden halte still, Von seiner Bosheit kehre sich Und lebe mit mir ewiglich. 2. Dies Wort bedenk, o Menschenkind, Verzweifle nicht in deiner Sünd! Hier findest du Trost, Heil und Gnad, Die Gott dir zugesaget hat, Und zwar mit einem theuren Eid. O selig! dem die Sünd ist leid. 3. Doch hüte dich vor Sicherheit; Denk nicht: Zur Buß ist noch wohl Zeit, Ich will erst fröhlich sein auf Erd, Wann ich des Lebens müde werd, Alsdann will ich bekehren mich, Gott wird wohl mein erbarmen sich. 4. Wahr ists, Gott ist wohl stets bereit Dem Sünder mit Barmherzigkeit, Doch wer auf Gnade fündigt hin, Fährt fort in seinem bösen Sinn Und seiner Seelen selbst nicht schont, Dem wird mit Ungnad abgelohnt. 5. Gnad hat dir zugefaget Gott Von wegen Christi Blut und Tod, Zusagen hat er nicht gewollt, Ob du bis morgen leben sollt. Daß du mußt sterben, ist dir fund, Verborgen ist die Todesstund. 6. Heut lebst du, heut bekehre dich! Eh morgen kommt, kanns ändern sich; Wer heut ist frisch, gesund und roth, Ist morgen krank, ja wohl gar todt. So du nun stirbest ohne Buß, Dein Leib und Seel dort brennen muß. 158 Buße. 7. Hilf, o Herr Jesu, hilf du mir, Daß ich noch heute komm zu dir Und Buße thu den Augenblick, Ch mich der schnelle Tod hinrück, Auf daß ich heut und jederzeit Zu meiner Heimfahrt sei bereit. Joh. Heermann. Psalm 6. 186. Straf mich nicht in deinem Zorn, Großer Gott, verschone! Ach, laß mich nicht sein verlorn, Nach Verdienst nicht lohne! Hat die Sünd Dich entzündt, Lösch ab in dem Lamme Deines Grimmes Flamme. 2. Zeig mir deine Baterhuld, Stärk mit Trost mich Schwachen; Ach, Herr! hab mit mir Geduld, Mein Gebeine krachen. Heil die Seel Mit dem Del Deiner großen Gnaden, Wend ab allen Schaden. 3. Herr, wer denkt im Tode dein? Wer dankt in der Höllen? Rette mich aus jener Pein Der verdammten Seelen, Daß ich dir Für und für Dort an jenem Tage, Höchster Gott, Lob sage. 4. Ach, sich mein Gebeine an, Wie sie all erstarren, Meine Seele gar nicht kann Deiner Hilfe harren; Ich verschmacht, Tag und Nacht, Muß mein Lager fließen Von den Thränengüssen. 5. Ach! ich bin so müd und matt Von den schweren Plagen; Mein Herz ist der Seufzer satt, Die nach Hilfe fragen: Wie so lang Machst du bang Meiner armen Seele In der Schwermuthshöhle? 6. Weicht, ihr Feinde, weicht von mir! Gott erhört mein Beten! Nunmehr darf ich mit Begier Vor sein Antlig treten. Teufel, weich! Hölle, fleuch! Was mich vor gekränket, Hat mir Gott geschenket. 7. Vater, dir sei ewig Preis, Hier und auch dort oben, Wie auch Christo gleicher Weis, Der allzeit zu loben; Heilger Geist, Sei gepreist, Hoch gerühmt, geehret, Daß du mich erhöret. Joh. Georg Albinus. 159 Buße. Weise: Auf meinen lieben Gott. 187. To soll ich fliehen hin, Weil ich beschweret bin Mit viel und großen Sünden? Wo kann ich Rettung finden? Wenn alle Welt herkäme, Mein Angst sie nicht wegnähme. 2. O Jesu voller Gnad, Auf dein Gebot und Rath Kommt mein betrübt Gemüthe Zu deiner großen Güte: Laß du auf mein Gewissen Ein Gnadentröpflein fließen. 3. Ich, dein betrübtes Kind, Werf alle meine Sünd, So viel ihr in mir stecken Und mich so heftig schrecken, In deine tiefen Wunden, Da ich stets Heil gefunden. 4. Durch dein unschuldigs Blut, Die schöne rothe Fluth, Wasch ab alle meine Sünde, Mit Trost mein Herz verbinde Und ihr nicht mehr gedenke, Ins Meer ste tief versenke! 5. Du bist der, der mich tröst, Weil du mich selbst erlöst. Was ich gesündigt habe, Hast du verscharrt im Grabe. Da hast du es verschlossen. Da wirds auch bleiben müssen. 6. Ist meine Bosheit groß, So werd ich ihr doch los, Wann ich dein Blut auffasse Und mich darauf verlasse: Wer sich zu dir nur findet, All Angst ihm bald verschwindet. 7. Mir mangelt zwar sehr viel; Doch was ich haben will, Ist alles mir zu Gute Erlangt mit deinem Blute, Damit ich überwinde Tod, Teufel, Höll und Sünde. 8. Und wenn des Satans Heer Mir ganz entgegen wär, Darf ich doch nicht verzagen; Mit dir kann ich sie schlagen, Dein Blut darf ich nur zeigen, So muß ihr Truß bald schweigen. 9. Dein Blut, der edle Saft, Hat solche Stärk und Kraft, Daß auch ein Tröpflein kleine Die ganze Welt kann reine, Ja gar aus Teufels Rachen Frei, los und ledig machen. 10. Darum allein auf dich, Herr Christ, verlaß ich mich; Jetzt kann ich nicht verderben, Dein Reich muß ich er 160 Glaube. erben, Denn du hast mirs erworben, Da du für mich gestorben. 11. Führ auch mein Herz und Sinn Durch deinen Geist dahin, Daß ich mög alles meiden, Was mich von dir kann scheiden, Und ich an deinem Leibe Ein Gliedmaß ewig bleibe. Joh. Heermann. Glaube. Weise: Machs mit mir Gott, nach deiner Güt. 188. las ist ein theuer, werthes Wort, Ein Wort sehr lieb zu hören, Daß Jesus ist der Sünder Hort Und will die Armen lehren. Das ist ein theuer, werthes Wort, Daß Jesus ist der Sünder Hort. 2. Mein Jesus nimmt die Kranken an, Er heilet allen Schaden; Er ist ein Gast bei jedermann, Der ihn zu sich geladen. Das ist ein theuer, werthes Wort, Daß Jesus ist der Sünder Hort. 3. Mein Jesus ist ein treuer Hirt, Er suchet, was verloren; Er holt zurücke, was verführt, Er ist zum Heil erkoren. Das ist ein theuer, werthes Wort, Daß Jesus ist der Sünder Hort. 4. Lob sei dir, Jesu, Gottes Sohn, Du hast die Schuld getragen, Du Osterlamm, du Gnadenthron, Du Freistatt, wenn wir zagen; Das ist ein theuer, werthes Wort, Daß Jesus ist der Sünder Hort. 5. Ach, gieb mir, daß ich diese Gnad Und meine Schuld erkenne, Daß ich, dein Schäflein, früh und spat Nach dir vor Liebe brenne Und denk an dieses werthe Wort, Daß Jesus ist der Sünder Hort. Heinrich Georg Neuß. Weise: Es ist das Heil uns kommen her. 189. Her Glaube macht allein gerecht Durch Christum, ders erworben, Kein Werk erwirbt das Himmel Glaube. 161 reich, Weil alls an uns verdorben; Doch ist ohn Lieb der Glaube todt, Drum, willst du meiden ewge Noth, Thu Buße, glaub und liebe. 2. Die Liebe sei des Nächsten Knecht, Die thu aus gutem Herzen, Dabei nur glaube recht und schlecht, Daß blos durch Christi Schmerzen und seinen Tod du seist gerecht, Und flieh, zu sein der Sünde Knecht; Gott will uns all bekehren. 190. Es ist das Heil uns kommen her Von Gnad und lauter Güte; Die Werke helfen nimmermehr, Sie mögen nicht behüten. Der Glaub sieht Jesum Christum an, Der hat gnug für uns all gethan, Er ist der Mittler worden. 2. Was Gott im Gieß geboten hat, Da man es nicht konnt halten, Erhub sich Zorn und große Noth Vor Gott so mannigfalte. Vom Fleisch wollt nicht heraus der Geist, Vom Gsetz erfordert allermeist, Es war mit uns verloren. 3. Es war ein falscher Wahn dabei: Gott hätt ſein Gseg drum geben, Als ob wir möchten selber frei Nach seinem Willen leben; So ist es nur ein Spiegel zart, Der uns zeigt an die sündge Art, In unserm Fleisch verborgen. 4. Nicht möglich war, dieselbge Art Aus eignen Kräften lassen, Wiewohl es oft versuchet ward, Noch mehrt sich Sünd ohn Maßen; Denn Gleißners Werk Gott hoch verdammt, Und jedem Fleisch der Sünde Schand Allzeit war angeboren. 5. Noch mußt das Gseß erfüllet sein, Sonst wärn wir all verdorben, Darum schickt Gott sein Sohn herein, Der selber Mensch ist worden; Das ganz Gesetz hat er erfüllt, Damit seins Vaters Zorn gestillt, Der über uns ging alle. 6. Und wenn es nun erfüllet ist Durch den, der es konnt halten, So lerne jetzt ein frommer Christ Des Glaubens recht Gestalte! Nicht mehr, denn: Lieber Herre 162 Glaube. mein! Dein Tod wird mir das Leben sein, Du haft für mich bezahlet. 7. Daran ich keinen 3weifel trag, Dein Wort kann nicht betrügen; Nun sagst du, daß kein Mensch verzag, Das wirst du nimmer lügen: Wer glaubt an mich und wird getauft, Demselben ist der Himml erkauft, Daß er nicht wird verloren. 8. Er ist gerecht vor Gott allein, Der diesen Glauben faffet; Der Glaub giebt aus von ihm den Schein, So er die Werk nicht lasset. Mit Gott der Glaub ist wohl daran, Dem Nächsten wird die Lieb Guts thun, Bist du aus Gott geboren. 9. Es wird die Sünd durchs Gseß erkannt Und schlägt das Gwissen nieder; Das Evangelium kommt zu Hand Und stärkt den Sünder wieder Und spricht: Nur kreuch zum Kreuz herzu, Im Gsetz ist weder Rast noch Ruh Mit allen seinen Werken. 10. Die Werk, die kommen gwißlich her Aus einem rechten Glauben; Denn das nicht rechter Glaube wär, Wolltst ihn der Werk berauben. Doch macht allein der Glaub gerecht, Die Werk, die sind des Nächsten Knecht, Dabei wir'n Glauben merken. 11. Die Hoffnung wart der rechten Zeit, Was Gottes Wort zusagen, Wenn das geschehen soll zur Freud, Setzt Gott keine gwissen Tage, Er weiß wohl, wanns am besten ist, Er braucht an uns kein arge List, Deß solln wir ihm vertrauen. 12. Ob sichs anließ, als wollt er nicht, Laß dich es nicht erschrecken, Denn wo er ist am besten mit, Da will ers nicht entdecken; Sein Wort laß dir gewisser sein, Und ob dein Fleisch spräch lauter Nein, So laß doch dir nicht grauen. 13. Sei Lob und Ehr mit hohem Preis, Um dieſer Gutthat willen, Gott Vater, Sohn und heilgem Geist; Der woll mit Gnad erfüllen, Was er in uns angfangen Glaube. 163 hat Zu Ehren seiner Majestät, Daß heilig werd sein Name. 14. Sein Reich zukomm, sein Will auf Erd Steh wie im Himmelsthrone, Das täglich Brot noch heut uns werd; Woll unser Schuld verschonen, Als wir auch unsern Schuldgern thun, Laß uns nicht in Versuchung stehn, Lös uns vom Uebel. Amen. Paul Speratus. Weise: Singen wir aus Herzens Grund. 191. Ich bin Gottes Bild und Ehr, Bin ſsein Kind, was ich mehr? Christus ist mir anverwandt, Ueberköstlich ist mein Stand! Christus ist mein Schmuck und Kleid, Hier und dort in Ewigkeit, Durch ihn werd ich hoch erfreut. 2. Gott hat mich gerecht gemacht, Christus hat mir Heil gebracht, Gott zürnt nimmermehr mit mir, Ich bin selig für und für; Gott hält mich auf seinem Schooß, Ich bin Gottes Hausgenoß, Mein Sitz ist im Himmelsschloß. 3. Gott verläßt mich nimmermehr, Er giebt, was ich nur begehr; Alles, was Gott hat, ist mein, Christi Taufe wäscht mich rein, Ich bin Gottes Heiligthum, Christus zieret mich mit Ruhm, Schenkt sich mir zum Eigenthum. 4. Gottes Liebe wohnt in mir, Gottes Gnad ist mein Panier; Christus hat mich auserwählt, Er hat sich mit mir vermählt, Er hat sich mit mir vertraut, Ich bin Christi Schaß und Braut, Christi Auge auf mich schaut. 5. Meine Ruh bleibt ungestört, Mein Vergnügen ewig währt, Meine Lust vergehet nicht, Ich komm nimmer ins Gericht; Christus selber ist der Mann, Der für mich hat gnug gethan, Keine Plage rührt mich an. 6. Drum bin ich stets wohlgemuth, Weil mich Christus hat in Hut, Und sein Herz mich ewig liebt, Ja, weil er sich ganz mir giebt. Auf! mein Geist und nicht verweil, Gott, der selbst dein Gut und Theil, Stets zu lieben für dies Heil. 164 Glaube. Weise: O daß ich tausend Zungen hätte. 192. Ich habe nun den Grund gefunden, Der meinen Anker ewig hält; Wo anders als in Jesu Wunden? Da lag er vor der Zeit der Welt, Der Grund, der unbeweglich steht, Wenn Erd und Himmel untergeht. 2. Es ist das ewige Erbarmen, Das alles Denken übersteigt;& s sind die offnen Liebesarmen Deß, der sich zu dem Sünder neigt, Dem allemal das Herze bricht, Wir kommen oder kommen nicht. 3. Wir sollen nicht verloren werden, Gott will, uns soll geholfen sein. Deßwegen kam der Sohn auf Erden Und nahm hernach den Himmel ein; Deßwegen klopft er für und für So stark an unsers Herzens Thür. 4. Abgrund, welcher alle Sünden Durch Christi Tod verschlungen hat! Das heißt die Wunde recht verbinden, Da findet kein Verdammen statt, Weil Christi Blut beständig schreit: Barmherzigkeit, Barmherzigkeit! 5. Darein will ich mich gläubig senken, Dem will ich mich getrost vertraun Und, wenn mich meine Sünden kränken, Nur bald nach Gottes Herzen schaun; Da findet sich zu aller Zeit Unendliche Barmherzigkeit. 6. Wird alles andre weggerissen, Was Seel und Leib erquicken kann, Darf ich von keinem Troste wissen Und scheine völlig ausgethan, Ist die Errettung noch so weit: Mir bleibet doch Barmherzigkeit. 7. Beginnt das Irdische zu drücken, Ja, häuft sich Kummer und Verdruß, Daß ich mich noch in vielen Stücken Mit eitlen Dingen mühen muß; Werd ich dadurch oft sehr zerstreut, So hoff ich doch Barmherzigkeit. 8. Muß ich an meinen besten Werken, Darinnen ich gewandelt bin, Viel Unvollkommenheit bemerken, So fällt wohl alles Rühmen hin; Doch ist auch dieser Trost bereit: Ich hoffe auf Barmherzigkeit. 9. Es gehe mir nach dessen Willen, Bei dem so viel Erbarmen ist. Er wolle selbst mein Herze stillen, Damit Glaube. 165 es dies nur nicht vergißt; So stehet es in Lieb und Leid In, durch und auf Barmherzigkeit. 10. Bei diesem Grunde will ich bleiben, So lange mich die Erde trägt; Das will ich denken, thun und treiben, So lange sich ein Glied bewegt. So sing ich einst auch nach der Zeit: O Abgrund der Barmherzigkeit. Joh. Andreas Rothe. Weise: Meinen Jesum laß ich nicht. 193. Hesus nimmt die Sünder an! Saget doch dies Trostwort allen, Welche von der rechten Bahn Auf verkehrten Weg verfallen. Hier ist, was sie retten kann: Jesus nimmt die Sünder an! 2. Keiner Gnade bin ich werth, Doch hat er in seinem Worte Eidlich sich dazu erklärt; Sehet nur die Gnadenpforte Ist hier völlig aufgethan: Jesus nimmt die Sünder an! 3. Wenn ein Schaf verloren ist, Suchet es ein treuer Hirte; Jesus, der uns nie vergißt, Suchet treulich das Verirrte, Daß es nicht verderben kann: Jesus nimmt die Sünder an; 4. Kommet alle, kommet her, Kommet ihr betrübten Sünder; Jesus rufet euch und er Macht aus Sündern Gottes Kinder. Glaubt es doch und denkt daran: Jeſus nimmt die Sünder an! 5. Ich Betrübter komme hier Und bekenne meine Sünden; Laß, mein Heiland, mich bei dir Gnade und Vergebung finden, Daß dies Wort mich trösten kann: Jesus nimmt die Sünder an! 6. Ich bin ganz getrosten Muths; Ob die Sünden blutroth wären, Müssen sie, kraft deines Bluts, Sich dennoch in Schneeweiß kehren, Da ich gläubig sprechen kann: Jeſus nimmt die Sünder an! 7. Mein Gewissen beißt mich nicht, Moses darf mich nicht verklagen; Der mich frei und ledig fpricht, Hat die Glaube. Sünden abgetragen, Daß mich nichts verdammen kann: Jesus nimmt die Sünder an! 166 8. Jesus nimmt die Sünder an! Er hat mich auch angenommen und den Himmel aufgethan, Daß ich selig zu ihm kommen Und auf den Trost sterben kann: Jesus nimmt die Sünder an! Erdmann Neumeister. Weise: Herzlich thut mich verlangen. 194. Fft Gott für mich, so trete Gleich alles wider mich; So oft ich ruf und bete, Weicht alles hinter sich. Hab ich das Haupt zum Freunde Und bin geliebt bei Gott, Was kann mir thun der Feinde Und Widersacher Rott? 2. Nun weiß und glaub ich feste, Ich rühms auch ohne Scheu, Daß Gott der Höchst und Beste, Mein Freund und Vater sei, Und daß in allen Fällen Er mir zur Rechten steh Und dämpfe Sturm und Wellen Und was mir bringet Weh. 3. Der Grund, da ich mich gründe, Ist Christus und sein Blut, Das machet, daß ich finde Das ewge wahre Gut. An mir und meinem Leben Ist nichts auf dieser Erd; Was Christus mir gegeben, Das ist der Liebe werth. 4. Mein Jesus ist mein Ehre, Mein Glanz und helles Licht; Wenn der nicht in mir wäre, So dürft und könnt ich nicht Vor Gottes Augen stehen Und vor dem strengen Siz, Ich müßte stracks vergehen Wie Wachs in Feuership. 5. Mein Jesus hat gelöschet Was mit sich führt den Tod; Der ists, der mich rein wäschet, Macht schneeweiß, was ist roth. In ihm kann ich mich freuen, Hab einen Heldenmuth, Darf kein Gerichte scheuen, Wie sonst ein Sünder thut. 6. Nichts, nichts kann mich verdammen, Nichts nimmet mir mein Herz, Die Höll und ihre Flammen, Die sind mir nur ein Scherz; Kein Urtheil mich erschrecket, Kein Glaube. 167 Unheil mich betrübt, Weil mich mit Flügeln decket Mein Heiland, der mich liebt. 7. Sein Geist wohnt mir im Herzen, Regieret meinen Sinn, Vertreibt mir Sorg und Schmerzen, Nimmt allen Kummer hin, Giebt Segen und Gedeihen Dem, was er in mir schafft, Hilft mir das Abba schreien Aus aller meiner Kraft. 8. Und wenn an meinem Orte Sich Furcht und Schwachheit findt, So seufzt und spricht er Worte, Die unaussprechlich sind Mir zwar und meinem Munde, Gott aber wohl bewußt, Der an des Herzens Grunde Erstehet seine Lust. 9. Sein Geist spricht meinem Geiste Manch süßes Trostwort zu, Wie Gott dem Hilfe leiste, Der bei ihm suchet Ruh, Und wie er hab erbauet Ein edle, neue Stadt, Da Aug und Herze schauet, Was es geglaubet hat. 10. Da ist mein Theil und Erbe Mir prächtig zugericht; Wenn ich gleich fall und sterbe, Fällt doch mein Himmel nicht. Muß ich auch gleich hier feuchten Mit Thränen meine Zeit, Mein Jesus und sein Leuchten Durchsüßet alles Leid. 11. Wer sich mit dem verbindet, Den Satan fleucht und haßt, Der wird verfolgt und findet& in harte, schwere Last Zu leiden und zu tragen, Geräth in Hohn und Spott, Das Kreuz und alle Plagen, Die sind sein täglich Brot. 12. Das ist mir nicht verborgen, Doch bin ich unverzagt; Dich will ich lassen sorgen, Dem ich mich zugeſagt. Gs koste Leib und Leben Und alles, was ich hab, An dir will ich fest kleben Und nimmer lassen ab. 13. Die Welt die mag zerbrechen, Du stehst mir ewiglich. Kein Brennen, Hauen, Stechen Soll trennen mich und dich; Kein Hunger und kein Dürsten, Kein Armuth, keine Pein, Kein Zorn des großen Fürsten Soll mir ein Hindrung sein. 14. Kein Engel, keine Freuden, Kein Thron, kein Glaube. Herrlichkeit, Kein Lieben und kein Leiden, Kein Angst, kein Herzeleid, Was man nur kann erdenken, Es sei klein oder groß, Der keines soll mich lenken Aus deinem Arm und Schooß. 168 15. Mein Herze geht in Sprüngen Und kann nicht traurig sein, Ist voller Freud und Singen, Sieht lauter Sonnenschein. Die Sonne, die mir lachet, Ist mein Herr Jesus Christ; Das, was mich singend machet, Ist, was im Himmel ist. P. Gerhardt. ein Heiland nimmt die Sünder an, Die unter 195. ihrer Last der Sünden Kein Mensch, kein Engel trösten kann, Die nirgends Ruh und Rettung finden; Den'n selbst die weite Welt zu klein, Die sich und Gott ein Greuel sein, Den'n Moses schon den Stab gebrochen Und sie der Hölle zugesprochen, Wird diese Freistatt aufgethan: Mein Heiland nimmt die Sünder an. 2. Sein mehr als mütterliches Herz Trieb ihn von seinem Thron auf Erden, Ihn drang der Sünder Weh und Schmerz, An ihrer Statt ein Fluch zu werden; Er senkte sich in ihre Noth Und schmeckte den verdienten Tod. Nun, da er denn sein eigen Leben Zur theuren Zahlung hingegeben und seinem Vater gnug gethan, So heißts: Er nimmt die Sünder an. 3. Nun ist sein aufgethaner Schooß Ein sichres Schloß gejagter Seelen, Er spricht sie von dem Urtheil los Und tilget bald ihr ängstlich Quälen; Es wird ihr ganzes Sündenheer Ins unergründlich tiefe Meer Von seinem reinen Blut versenket, Der Geist, der ihnen wird geschenket, Schwingt über sie die Gnadenfahn. Mein Heiland nimmt die Sünder an. 4. So bringt er sie dem Vater hin In seinen blutbefloßnen Armen, Das neiget denn den Vatersinn Zu lauter ewigem Erbarmen; Er nimmt ste an an Kindes Statt, Ja, alles, was er ist und hat, Wird ihnen eigen übergeben, Glaube. 169 Und selbst die Thür zum ewgen Leben Wird ihnen fröhlich aufgethan. Mein Heiland nimmt die Sünder an. 5. O! solltest du sein Herze sehn, Wie sichs nach armen Sündern sehnet, Sowohl wenn sie noch irre gehn, Als wenn ihr Auge vor ihm thränet! Wie streckt er sich nach Zöllnern aus! Wie eilt er in Zachäi Haus! Wie sanft stillt er der Magdalenen Den milden Fluß erpreßter Thränen Und denkt nicht, was sie sonst gethan! Mein Heiland nimmt die Sünder an. 6. Wie freundlich blickt er Petrum an, Ob er gleich noch so tief gefallen! Nun, dies hat er nicht nur gethan, Da er auf Erden mußte wallen, Nein, er ist immer einerlei Gerecht und fromm und ewig treu; Und wie er unter Schmach und Leiden, So ist er auf dem Thron der Freuden Den Sündern liebreich zugethan. Mein Heiland nimmt die Sünder an. 7. So komme denn, wer Sünder heißt Und wen sein Sündengreul betrübet, zu dem, der keinen von sich weist, Der sich gebeugt zu ihm begiebet. Wie? willst du dir im Lichten stehn und ohne Noth verloren gehn? Willst du der Sünde länger dienen, Da dich zu retten er erschienen? Onein! verlaß die Sündenbahn! Mein Heiland nimmt die Sünder an. 8. Komm nur mühselig und gebückt, Komm nur, so gut du weißt zu kommen; Wenn gleich die Last dich niederdrückt, Du wirst auch kriechend angenommen. Sieh, wie sein Herz dir offen steht, Und wie er dir entgegen geht! Wie lang hat er mit vielem Flehen Sich brünstig nach dir umgesehen! So komm denn, armer Wurm, heran! Mein Heiland nimmt die Sünder an. 9. Sprich nicht: Ich habs zu grob gemacht. Ich hab die Güter seiner Gnaden So lang und schändlich umgebracht, Er hat mich oft umsonst geladen. Wofern dus nur jeßt redlich meinst und deinen Fall mit Grnst beweinst, So soll ihm nichts die Hände binden, Und du sollst noch Geistl. Liederbuch. 8 170 Glaube. Genade finden; Er hilft, wenn sonst nichts helfen kann. Mein Heiland nimmt die Sünder an. 10. Doch sprich auch nicht: Es ist noch Zeit! Ich muß erst diese Lust genießen; Gott wird ja eben nicht gleich heut Die offnen Gnadenpforten schließen. Nein, weil er ruft, so höre du Und greif mit beiden Händen zu! Wer seiner Seelen Heut verträumet, Der hat die Gnadenzeit versäumet, Ihm wird hernach nicht aufgethan. Heut komm, heut nimmt dich Jesus an. 11. Ja, zeuch uns selbsten recht zu dir, Holdselig süßer Freund der Sünder; Erfüll mit sehnender Begier Auch uns und alle Adamskinder! Zeig uns bei unserm Seelenschmerz Dein aufgespaltnes Liebesherz; Und wenn wir unser Elend sehen, So laß uns ja nicht stille stehen, Bis daß ein jeder sagen kann: Gott Lob! auch mich nimmt Jesus an. Leop. Franz Friedr. Lehr. 196. Mein Jeſu, dem die Seraphinen Im Glanz der höchsten Majestät Selbst mit bedecktem Antlig dienen, Wann dein Befehl an sie ergeht; Wie sollten blöde Fleischesaugen, Die der verhaßten Sünden Nacht Mit ihrem Schatten trüb gemacht, Dein helles Licht zu schauen taugen? 2. Doch gönne meinen Glaubensblicken Den Eingang in dein Heiligthum Und laß mich deine Gnad erblicken Zu meinem Heil und deinem Ruhm; Reich deinen Scepter meiner Seele, Die sich wie Esther vor dir neigt Und dir als deine Braut sich zeigt; Sprich: ja, du bists, dich ich erwähle. 3. Sei gnädig, Jesu voller Güte, Dem Herzen, das nach Gnade lechzt! Hör, wie die Zung in dem Gemüthe: Gott, sei mir Armen gnädig! ächzt. Ich weiß, du fannst mich nicht verstoßen. Wie könntest du ungnädig sein, Mir, den dein Blut von Schuld und Pein Erlöst, da es so reich geflossen? Glaube. 171 4. Ich fall in deine Gnadenhände Und bitte mit dem Glaubenskuß: Gerechter König, wende, wende Die Gnade zu der Herzensbuß! Ich bin gerecht durch deine Wunden, Es ist nichts sträflichs mehr an mir; Bin aber ich versöhnt mit dir, So bleib ich auch mit dir verbunden. 5. Ach, laß mich deine Weisheit leiten Und nimm ihr Licht nicht von mir weg! Stell deine Gnade mir zur Seiten, Daß ich auf dir beliebtem Steg Beständig bis ans Ende wandle, Damit ich auch zu dieser Zeit In Lieb und Herzensfreudigkeit Nach deinem Wort und Willen handle. 6. Reich mir die Waffen aus der Höhe Und stärke mich durch deine Macht, Daß ich im Glauben sieg und stehe, Wann Stärk und List der Feinde wacht; So wird dein Gnadenreich auf Erden, Das uns zu deiner Ehre führt Und endlich gar mit Kronen ziert, Auch in mir ausgebreitet werden. 7. Ja, ja, mein Herz will dich umfassen; Erwähl es, Herr, zu deinem Thron! Hast du aus Lieb ehmals verlassen Des Himmels Pracht und deine Kron: So würdge auch mein Herz, o Leben, Und laß es deinen Himmel sein, Bis du, wann dieser Bau fällt ein, Mich wirst in deinen Himmel heben. 8. Ich steig hinauf zu dir im Glauben; Steig du in Lieb herab zu mir; Laß mir nichts diese Freude rauben, Erfülle mich nur ganz mit dir! Ich will dich fürchten, lieben, ehren, So lang in mir der Puls sich regt; Und wann derselb auch nicht mehr schlägt, So soll doch noch die Liebe währen. Wolfgang Christoph Deßler. 197. Mir ist Erbarmung widerfahren, Erbarmung, deren ich nicht werth! Das zähl ich zu dem Wunderbaren, Mein stolzes Herz hats nicht begehrt; Nun weiß ich das und bin erfreut Und rühme die Barmherzigkeit. 8* 172 Glaube. 2. Ich hatte nichts, als Zorn verdienet Und soll bei Gott in Gnaden sein; Gott hat mich mit ihm selbst verfühnet Und macht durchs Blut des Sohns mich rein. Wo kam dies her? warum geschichts? Erbarmung ists und weiter nichts. 3. Das muß ich dir, mein Gott, bekennen, Das rühm ich, wenn ein Mensch mich fragt; Ich kann es nur Erbarmung nennen, So ist mein ganzes Herz gefagt. Ich beuge mich und bin erfreut Und rühme die Barmherzigkeit. 4. Dies laß ich kein Geschöpf mir rauben, Dies soll mein einzig Rühmen sein; Auf dies Erbarmen will ich glauben, Auf dieses bet ich auch allein, Auf dieses duld ich in der Noth, Auf dieses hoff ich noch im Tod. 5. Gott, der du reich bist an Erbarmen, Nimm dein Erbarmen nicht von mir Und führe durch den Tod mich Armen, Durch meines Heilands Tod zu dir; Da bin ich ewig recht erfreut Und rühme die Barmherzigkeit. Philipp Friedr. Hiller. 198. un freut euch, lieben Christen gmein, Und laßt uns fröhlich springen, Daß wir getrost und all in Ein Mit Lust und Liebe singen, Was Gott an uns gewendet hat Und seine süße Wunderthat; Gar theur hat ers erworben. 2. Dem Teufel ich gefangen lag, Im Tod war ich verloren, Mein Sünd mich quälet Nacht und Tag, Darin ich war geboren; Ich fiel auch immer tiefer drein, Es war kein Guts am Leben mein, Die Sünd hatt' mich besessen. 3. Mein gute Werk, die galten nicht, Es war mit ihnen verdorben, Der frei Will haffet Gotts Gericht, Er war zum Gutn erstorben; Die Angst mich zu verzweifeln trieb, Da nichts, denn Sterben bei mir blieb, Zur Höllen mußt ich sinken. 4. Da jammert Gott in Ewigkeit Mein Clend übermaßen; Er dacht an sein Barmherzigkeit, Gr wollt mir Glaube. 173 helfen lassen. Er wandt zu mir das Baterherz; Es war bei ihm fürwahr kein Scherz, Er ließ sein Bestes kosten. 5. Er sprach zu seinem lieben Sohn: Die Zeit ist hie zu erbarmen. Fahr hin, meins Herzens werthe Kron, Und sei das Heil dem Armen Und hilf ihm aus der Sünden Noth, Erwürg für ihn den bittern Tod Und laß ihn mit dir leben. 6. Der Sohn dem Vater ghorsam ward, Er kam zu mir auf Erden, Von einer Jungfrau rein und zart; Er sollt mein Bruder werden. Gar heimlich führt er sein Gewalt, Er ging in einer armn Gestalt; Den Teufel wollt er fangen. 7. Er sprach zu mir: Halt dich an mich, Es soll dir jeßt gelingen. Ich geb mich selber ganz für dich, Da will ich für dich ringen; Denn ich bin dein und du bist mein, Und wo ich bleib, da sollst du sein, Uns soll der Feind nicht scheiden. 8. Vergießen wird er mir mein Blut, Dazu mein Leben rauben, Das leide ich alls dir zu gut; Das halt mit festem Glauben. Den Tod verschlingt das Leben mein, Mein Unschuld trägt die Sünde dein; Da bist du selig worden. 9. Gen Himmel zu dem Vater mein Fahr ich von diesem Leben; Da will ich sein der Meister dein, Den Geist will ich dir geben, Der dich in Trübniß trösten soll Und lehren mich erkennen wohl Und in der Wahrheit leiten. 10. Was ich gethan hab und gelehrt, Das sollst du thun und lehren, Damit das Reich Gotts werd gemehrt zu Lob und seinen Ehren. Und hüt dich für der Menschen Saß, Davon verdirbt der edle Schaß: Das laß ich dir zur Lezze. Amen. M. Luther. Weije: Meinen Jesum laß ich nicht. 199. Seele, was ermüdst du dich In den Dingen dieſer Erden, Die doch bald verzehren sich Und zu 174 Glaube. lauter Nichts dir werden? Suche Jesum und sein Licht: Alles andre hilft dir nicht. 2. Sammle den zerstreuten Sinn, Laß ihn sich zu Gott aufschwingen; Richt ihn stets zum Himmel hin, Laß ihn in die Gnad eindringen. Suche Jesum und sein Licht: Alles andre hilft dir nicht. 3. Du verlangst oft süße Ruh, Dein betrübtes Herz zu laben; Eil zur Lebensquell hinzu, Da kannst du sie reichlich haben. Suche Jesum und sein Licht: Alles andre hilft dir nicht. 4. Fliehe die unselge Pein, So das finstre Reich gebieret, Laß nur den dein Labsal sein, Der zur Glaubensfreude führet. Suche Jesum und sein Licht: Alles andre hilft dir nicht. 5. Ach, es ist ja schlecht genug, Daß du sonst viel Zeit verdorben Mit nichtswürdigem Gesuch, Dabei du fast bist erstorben! Suche Jesum und sein Licht: Alles andre hilft dir nicht. 6. Geh einfältig stets einher, Laß dir nichts das Ziel verrücken, Gott wird aus dem Liebesmeer Dich, den Kranken, wohl erquicken. Suche Jesum und sein Licht: Alles andre hilft dir nicht. 7. Weißt du nicht, daß diese Welt Ein ganz ander Wesen heget, Als dem Höchsten wohlgefällt Und dein Ursprung dir vorleget? Suche Jesum und sein Licht: Alles andre hilft dir nicht. 8. Du bist ja ein Hauch aus Gott Und aus seinem Geist geboren, Darum liege nicht im Koth; Bist du nicht zum Reich erforen? Suche Jesum und sein Licht: Alles andre hilft dir nicht. 9. Schwinge dich fein oft im Geist Ueber alle Himmelshöhen; Laß, was dich zur Erden reißt, Weit von dir entfernet stehen. Suche Jesum und sein Licht: Alles andre hilft dir nicht. 175 10. Nahe dich dem lautern Strom, Der vom Thron des Lammes fließet Und die, so keusch und fromm, Sich in reichem Maß ergießet. Suche Jesum und sein Licht: Alles andre hilft dir nicht. Glaube. 11. Laß dir seine Majestät Immerdar vor Augen schweben, Laß mit brünstigem Gebet Sich dein Herz zu ihm erheben! Suche Jesum und sein Licht: Alles andre hilft dir nicht. 12. Sei im Uebrigen ganz still, Du wirst schon zum Ziel gelangen; Glaube, daß sein Liebeswill Stillen werde dein Verlangen. Drum such Jesum und sein Licht: Alles andre hilft dir nicht. Jakob Gabriel Wolf. Weise: Nun freut euch, lieben Christen gmein. 200. uch, wer da will, ein ander Ziel, Die Seligkeit zu finden, Mein Herz allein bedacht soll sein, Auf Christum sich zu gründen; Sein Wort ist wahr, sein Werk sind klar, Sein heilger Mund hat Kraft und Grund, All Feind zu überwinden. 2. Such, wer da will, Nothhelfer viel, Die uns doch nichts erworben, Hier ist der Mann, der helfen kann, Bei dem nie was verdorben. Uns wird das Heil durch ihn zu Theil, Uns macht gerecht der treue Knecht, Der für uns ist gestorben. 3. Ach, sucht doch den, laßt alles stehn, Die ihr das Heil begehret! Er ist der Herr, und keiner mehr, Der euch das Heil gewähret. Sucht ihn all Stund von Herzensgrund, Sucht ihn allein, denn wohl wird sein Dem, der ihn herzlich chret. 4. Meins Herzens Kron, mein Freudensonn, Sollst du, Herr Jesu, bleiben, Laß mich doch nicht von deinem Licht Durch Eitelkeit vertreiben. Bleib du mein Preis, dein Wort mich speis; Bleib du mein Ehr, dein Wort mich lehr, An dich stets fest zu gläuben. 5. Wend von mir nicht dein Angesicht, Laß mich im 176 Glaube. Kreuz nicht zagen. Weich nicht von mir, mein höchste Zier, Hilf mir mein Leiden tragen, Hilf mir zur Freud nach diesem Leid; Hilf, daß ich mag nach dieser Klag, Dir ewig dort Lob sagen. Georg Weissel. Weise: Unser Herrscher, unser König. 201. Weicht, ihr Berge, fallt ihr Hügel, Brechet, alle Felsen, ein! Gottes Gnade hat das Siegel: Sie will unverändert sein. Laßt die Welt zu Trümmern gehn, Gottes Gnade wird bestehn. 2. Gott hat mir ein Wort versprochen, Gott hat einen Bund gemacht, Der wird nimmermehr gebrochen, Bis er alles hat vollbracht; Er, die Wahrheit, trüget nicht, Was er saget, das geschicht. 3. Seine Gnade soll nicht weichen, Wenn gleich alles bricht und fällt, Sondern ihren Zweck erreichen, Bis sie mich zufrieden stellt. Ist die Welt voll Heuchelei, Gott ist fromm und gut und treu. 4. Will die Welt den Frieden brechen, Hat sie lauter Krieg im Sinn, Gott hält immer sein Versprechen, So fällt aller Zweifel hin, Als wär er nicht immerdar, Was er ist und was er war. 5. Laßt fein Antlitz sich verstellen, Ist sein Herz doch treu gesinnt Und bezeugt in allen Fällen, Daß ich sein geliebtes Kind, Den er beide Hände reicht, Wenn auch Grund und Boden weicht. 6. Er will Frieden mit mir halten, Wenn die Welt sich auch empört, Ihre Liebe mag erkalten, Achtet doch mein Gott mich werth; Und wenn Höll und Abgrund brüllt, Bleibt er mir doch Sonn und Schild. 7. Er, der Herr, ist mein Erbarmer, So hat er sich selbst genennt. Das ist Troft, so werd ich Armer Nimmermehr von ihm getrennt; Sein Erbarmen läßt nicht zu, Daß er mir was Leides thu. 8. Nun so soll mein ganz Vertrauen Ankerfest auf ihm Liebe zu Jesu. 177 beruhn; Felsen will ich auf ihn bauen, Was er sagt, das wird er thun, Erd und Himmel kann vergehn, Sein Bund bleibet feste stehn. Benj. Schmolck. Liebe zu Jesu. Weise: Nun bitten wir den heiligen Geist. 202. Ach, mein Herr Jesu, dein Nahesein Bringt großen Frieden ins Herz hinein; Und dein Gnadenanblick macht uns so selig, Daß auchs Gebeine darüber fröhlich Und dankbar wird. 2. Wir sehn dein freundliches Angesicht Voll Huld und Gnade wohl leiblich nicht; Aber unsre Seele kanns schon gewahren, Du kannst dich fühlbar gnug offenbaren, Auch ungesehn. 3. O wer nur immer bei Tag und Nacht Dein zu genießen recht wär bedacht! Der hätt ohn Ende von Glück zu sagen, Und Leib und Seele müßt immer fragen: Wer ist wie du? 4. Barmherzig, gnädig, geduldig sein, Uns täglich reichlich die Schuld verzeihn, Heilen, stilln und trösten, erfreun und ſegnen, Und unsrer Seele als Freund begegnen, Ist deine Luft. 5. Ach, gieb an deinem kostbaren Heil Uns alle Tage vollkommen Theil, Und laß unsre Seele sich immer schicken, Aus Noth und Liebe nach dir zu blicken Ohn Unterlaß. 6. Und wenn wir weinen, so tröst uns bald Mit deiner blutigen Todesgestalt; Ja, die laß uns immer vor Augen schweben Und dein wahrhaftiges In- uns- leben zu sehen sein. 7. Ein herzlichs Wesen und Kindlichkeit Sei unsre Zierde zu aller Zeit, Und die Blutbesprengung aus deinen Wunden Erhalt uns solche zu allen Stunden Bei Freud und Leid. ** 8 178 Liebe zu Jesu. 8. So werden wir bis in Himml hinein Mit dir vergnügt wie die Kindlein sein; Muß man gleich die Wangen noch manchmal neßen, Wenn sich das Herz nur an dir stets leßen Und stillen kann. 9. Du reichst uns deine durchgrabne Hand, Die so viel Treue an uns gewandt, Daß wir beim Dean- denken beschämt dastehen, Und unser Auge muß übergehen Vor Lob und Dank. 10. Der Kuß von deinem erblaßten Mund Macht und erhält unser Herz verwundt, Und die Ueberströmung mit deinem Blute Macht uns nach Seele, Leib, Sinn und Muthe Dir ähnlich sein. Christian Gregor. Weise: O daß ich tausend Zungen hätte. 203. d, fagt mir nichts von Gold und Schätzen, Von Pracht und Schönheit dieser Welt; Es kann mich ja kein Ding ergößen, Was mir die Welt vor Augen stellt. Ein Jeder liebe, was er will, Ich liebe Jesum, der mein Ziel. 2. Er ist alleine meine Freude, Mein Gold, mein Schaß, mein schönstes Bild, An dem ich meine Augen weide, Und finde, was mein Herze stillt. Ein Jeder liebe, was er will, Ich liebe Jesum, der mein Ziel. 3. Die Welt vergeht mit ihren Lüsten, Des Fleisches Schönheit dauert nicht; Die Zeit kann alles das verwüsten, Was Menschenhände zugericht. Drum lieb ein Jeder, was er will, Nur Jesus ist allein mein Ziel. 4. Er ist allein mein Licht und Leben, Die Wahrheit selbst, das ewge Wort; Er ist mein Stamm, ich seine Reben, Er ist der Seelen Fels und Hort. Ein Jeder liebe, was er will, Ich bleib bei Jesu, meinem Ziel. 5. Er ist der König aller Ehren, Er ist der Herr der Herrlichkeit; Er kann mir ewges Heil gewähren Und retten mich aus allem Streit. Ein Jeder liebe, was er will, Nur Jesus ist und bleibt mein Ziel. Liebe zu Jesu. 179 6. Sein Schloß kann keine Macht zerstören, Sein Reich vergeht nicht mit der Zeit; Sein Thron bleibt stets in gleichen Ehren Von nun an bis in Ewigkeit. Ein Jeder liebe, was er will, Weil Jesus ist mein höchstes Ziel. 7. Sein Reichthum ist nicht zu ergründen, Sein allerhöchstes Angesicht Und was von Schmuck um Ihn zu finden, Verbleichet und veraltet nicht. Ein Jeder liebe, was er will, Denn Jesus ist und bleibt mein Ziel. 8. Er will mich über alls erheben Und seiner Klarheit machen gleich; Er wird mir so viel Schäßze geben, Daß ich werd unerschöpffich reich. Ein Jeder liebe, was er will, Weil Jesus ist mein höchstes Ziel. 9. Muß ich gleich hier sehr viel entbehren, So lang ich wandre in der Zeit, So wird er mirs doch wohl gewähren Im Reiche seiner Herrlichkeit. Drum lieb ich billig in der Still Nur Jesum meines Herzens Ziel. Joh. Angelus. 204. Allenthalben, wo ich gehe, Size, liege oder stehe, Sehn ich mich nach Jesu Christ, Der für mich gestorben ist. 2. Von der bösen Welt zu scheiden Nach so vielem Kreuz und Leiden, Wenn es ihm gefällig ist, Bin ich fertig und gerüft. 3. Wenn ich werde mit ihm leben, Herrschen und in Freuden schweben, O wie selig werd ich sein Bei den lieben Engelein! 4. Herzlich werd ich mich erfreuen, Wenn mich Christus wird erneuen Und in Himmel führen ein, Prächtig stets bei ihm zu ſein. 5. Zung und Herze wird da klingen Und dem Herren Jesu singen, Ewig werd ich stimmen ein Mit den lieben Engelein! 6. Besser Leben werd ich finden, Ohne Tod und ohne Liebe zu Jesu. Sünden; O wie selig werd ich sein Bei den lieben Engelein! Joh. Angelus. 180 Weise: Alle Menschen müssen sterben. 205. Das ist eine selge Stunde, Jesu, da man dein gedenkt Und das Herz von Herzensgrunde Tief in deine Wunden senkt. Wahrlich, nichts als Jesum kennen, Jesum fuchen, finden, nennen, Das erfüllet unsre Zeit Mit der höchsten Seligkeit. 2. Jesu, deine Gnadenquelle Fließt so gern ins Herz hinein; Deine Sonne scheinet helle, Denn du willst genoffen sein; Und bei aller Segensfülle Ist dein Wunsch und ernster Wille, Daß man, weil dein Brünnlein voll, Unaufhörlich schöpfen soll. 3. Nun, so laß auch diese Stunde Dein Gedächtniß in uns sein! In dem Herzen, in dem Munde Leb und herrsche du allein! Laß uns deiner nie vergessen! Wie Maria still gesessen, Da sie deinen Mund gehört, Also mach uns eingefehrt. Ernst Gottl. Woltersdorf. Weise: O daß ich tausend Zungen hätte. 206. er beste Freund ist in dem Himmel; Auf Erden sind nicht Freunde viel; Denn bei dem falschen Welt- Getümmel Steht Redlichkeit oft auf dem Spiel. Drum hab ichs immer so gemeint: Mein Jesus ist der beste Freund. 2. Die Welt ist gleich dem Rohr im Winde: Mein Jesus stehet felsenfest. Wenn ich mich gar verlassen finde, Mich seine Freundschaft doch nicht läßt. In Freud und Schmerz ers redlich meint. Mein Jesus ist der beste Freund. 3. Die Welt verkaufet ihre Liebe Dem, der am meisten nüßen kann; Und scheinet dann das Glücke trübe, So steht die Freundschaft hinten an; Doch hier ist es nicht so gemeint. Mein Jesus ist der beste Freund. 4. Er läßt sich selber für mich tödten, Vergießt für Liebe zu Jesu. 181 mich sein eigen Blut. Er steht mir bei in allen Nöthen. Er sagt für meine Schulden gut. Er hat mir niemals was verneint. Mein Jesus ist der beste Freund. 5. Mein Freund, der mir sein Herze giebet, Mein Freund, der mein ist, und ich sein, Mein Freund, der mich beständig liebet, Mein Freund bis in das Grab hinein. Ach, hab ichs nun nicht recht gemeint?- Mein Jesus ist der beste Freund. 6. Behalte, Welt, dir deine Freunde!- Sie sind doch gar zu wandelbar. Und hätt ich hunderttausend Feinde, So krümmen sie mir nicht ein Haar. Hier immer Freund und nimmer Feind: Mein Jesus ist der beste Freund. Beni. Schmold. Weise: Großer Prophete, mein Herze begehret. 207. E iner ist König, Immanuel steget! Bebet ihr Feinde und gebet die Flucht! Zion hingegen ſei innig vergnüget, Labe deine Herze mit himmlischer Frucht! Ewiges Leben, unendlichen Frieden, Freude die Fülle hat er uns beschieden. 2. Stärket die Hände, ermuntert die Herzen! Trauet mit Freuden dem ewigen Gott! Jesus, die Liebe, versüßet die Schmerzen, Reißet aus Aengsten, aus Jammer und Noth. Ewig muß unsere Seele genesen In dem holdseligsten, lieblichsten Wesen. 3. Halte, o Seele, im Leiden fein stille, Schlage die Ruthe des Vaters nicht aus; Bitte und nimm auch aus göttlicher Fülle Kräfte zu siegen im Kampfe und Strauß. Fluthen der Trübsal verrauschen, vergehen, Jesus, der Treue, bleibt ewig dir stehen. 4. 3ion! wie lange haft du nun geweinet? Auf, und erhebe dein sinkendes Haupt! Siehe, die Sonne der Freuden erscheinet Tausendmal heller, als du es geglaubt. Jesus der lebet, die Liebe regieret, Die zu den Quellen des Lebens dich führet. 182 Liebe zu Jesu. 5. Laufet nicht hin und her, eilet zur Quelle! Jesus der bittet: Kommt alle zu mir! Sehet, wie lieblich, wie lauter und helle Fließen die Ströme des Lebens allhier! Trinket, ihr Lieben, und werdet erquicket, Hier ist Erlösung für alles, was drücket. 6. Streitet nur unverzagt, seht auf die Krone, Die euch der König des Himmels anbeut; Selber Jehova wird Siegern zum Lohne. Wahrlich, dies Kleinod verlohnt sich den Streit. Streitet nur unverzagt, seht auf die Krone! Selber Jehova wird Siegern zum Lohne. 7. Herrliches Lämmlein! da, da wird man sehen Eine gewaltige siegende Schaar Deine unendliche Hoheit erhöhen; Alles, was Odem hat, ruft: Er ists gar. Sehet, wie Kronen und Throne hinfallen! Höret, wie donnernde Stimmen erschallen: 8. Reichthum, Kraft, Weisheit, Preis, Stärke, Lob, Ehre, Gott und dem Lamme, dem heiligen Geist! Wenn ich da stünde, o, wenn ich da wäre! Springet ihr Bande, ihr Fesseln zerreißt! Amen, die Liebe wirds wahrlich erhören. Alles, was in mir ist, lobe den Herren! Joh. Ludw. Konrad Allendorf. 208. Eins ist noth! Ach Herr, dies Eine Lehre mich erkennen doch! Alles andre, wies auch scheine, Ist ja nur ein schweres Joch, Darunter das Herze sich naget und plaget Und dennoch kein wahres Vergnügen erjaget. Erlang ich dies Gine, das Alles ersetzt, So werd ich mit Einem in Allem ergößzt. 2. Seele, willst du dieses finden, Suchs bei keiner Kreatur, Laß, was irdisch ist, dahinten, Schwing dich über die Natur; Wo Gott und die Menschheit in Einem ver einet, Wo alle vollkommene Fülle erscheinet, Da, da ist das beste, nothwendigste Theil, Mein Ein und mein Alles, mein seligstes Heil. 3. Wie Maria war beslissen Auf des Einigen Genieß, Da sie sich zu Jesu Füßen Voller Andacht niederließ; Liebe zu Jesu. 183 Ihr Herze entbrannte, dies einzig zu hören, Was Jesus, ihr Heiland, sie wollte belehren, Ihr Alles war gänzlich in Jesum versenkt, Und wurde ihr Alles in Einem geschenkt: 4. Also ist auch mein Verlangen, Liebster Jesu, nur nach dir; Laß mich treulich an dir hangen, Schenke dich zu eigen mir. Ob viel auch umkehrten zum größesten Haufen, So will ich dir dennoch in Liebe nachlaufen; Denn dein Wort, o Jesu, ist Leben und Geist, Was ist wohl, das man nicht in Jesu geneußt. 5. Aller Weisheit höchste Fülle In dir ja verborgen liegt. Gieb nur, daß sich auch mein Wille Fein in solche Schranken fügt, Worinnen die Demuth und Einfalt regieret Und mich zu der Weisheit, die himmlisch ist, führet. Ach, wenn ich nur Jesum recht kenne und weiß, So hab ich der Weisheit vollkommenen Preis. 6. Nichts kann ich vor Gott ja bringen, Als nur dich, mein höchstes Gut. Jesu, es muß mir gelingen Durch dein rosinfarbnes Blut; Die höchste Gerechtigkeit ist mir erworben, Da du bist am Stamme des Kreuzes gestorben, Die Kleider des Heils ich da habe erlangt, Worinnen mein Glaube in Ewigkeit prangt. 7. Nun so gieb, daß meine Seele Auch nach deinem Bild erwacht, Du bist ja, den ich erwähle, Mir zur Heiligung gemacht. Was dienet zum göttlichen Wandel und Leben, Ist in dir, mein Heiland, mir Alles gegeben; Entreiße mich aller vergänglichen Lust, Dein Leben sei, Jesu, mir einzig bewußt. 8. Ja, was soll ich mehr verlangen? Mich beschwemmt die Gnadenfluth. Du bist einmal eingegangen In das Heilge durch dein Blut; Da hast du die ewge Erlösung erfunden, Daß ich nun, der höllischen Herrschaft entbunden, Dein Eingang die völlige Freiheit mir bringt. Im kindlichen Geiste das Abba nun klingt. 9. Volles Gnügen, Fried und Freude Jeho meine Seel 184 Liebe zu Jesu. ergößt, Weil auf eine frische Weide Mein Hirt, Jesus mich gesetzt. Nichts Süßres kann also mein Herze erlaben, Als wenn ich nur, Jesu, dich immer soll haben; Nichts, nichts ist, das also mich innig erquickt, Als wenn ich dich, Jesu, im Glauben erblickt. 10. Drum auch, Jesu, du alleine Sollst mein Ein und Alles sein. Prüf, erfahre, wie ichs meine, Tilge allen Heuchelschein. Sieh, ob ich auf bösem, betrüglichem Stege, Und leite mich, Höchster, auf ewigem Wege. Gieb, daß ich hier alles nur achte für Koth Und Jesum gewinne, das Eine ist noth. Joh. Heinr. Schröder. 209. Großer Prophete, mein Herze begehret, Von dir inwendig gelehret zu sein. Du, aus des Vaters Schooß zu uns gekehret, Hast offenbaret, wie du und ich Ein; Du hast als Mittler den Teufel bezwungen, Dir ist das Schlangenkopftreten gelungen. 2. Priester in Ewigkeit, meine Gedanken Denken mit brennendem Eifer an dich, Bringe mein Seufzen in heilige Schranken, Der du ein Opfer geworden für mich; Du bist als Fürsprach zum Himmel gefahren, Kannst auch dein Eigenthum ewig bewahren. 3. König der Ehren, dich wollen wir ehren; Stimmet, ihr Saiten der Liebe, mit ein, Lasset das Loben und Danken nun hören, Weil wir die theuer Erkaufeten sein. Herrsche, liebwürdigster Heiland, als König; Menschenfreund, schüße die Deinen, die wenig. 4. Nun denn, so soll auch mein Alles erklingen, Ich als ein Christe will treten herbei, Will unermüdet aus Liebe dir singen, Freudig vermehren das Jubelgeschrei; Ich will dich, Herzog des Lebens, verehren: Alles, was Odem hat, lobe den Herren! Joachim Neander. Weise: Herr, wie du willst, so schicks mit mir. Halt im Gedächtniß Jesum Christ, O Mensch, 210. der auf die Erden Vom Thron des Himmels Liebe zu Jesu. 185 kommen ist, Dein Bruder da zu werden! Vergiß nicht, daß er dir zu gut Hat angenommen Fleisch und Blut: Dank ihm für diese Liebe. 2. Halt im Gedächtniß Jesum Christ, Der für dich hat gelitten, Ja gar am Kreuz gestorben ist Und dadurch hat bestritten, Welt, Sünde, Teufel, Höll und Tod Und dich erlöst aus aller Noth: Dank ihm für diese Liebe. 3. Halt im Gedächtniß Jesum Christ, Der auch am dritten Tage Siegreich vom Tod erstanden ist, Befreit von Noth und Plage. Bedenke, daß er Fried gemacht, Sein Unschuld Leben wiederbracht: Dank ihm für diese Liebe. 4. Halt im Gedächtniß Jesum Christ, Der nach den Leidenszeiten Gen Himmel aufgefahren ist, Die Stätt dir zu bereiten, Da du sollst bleiben allezeit Und sehen seine Herrlichkeit: Dank ihm für diese Liebe. 5. Halt im Gedächtniß Jesum Christ, Der einst wird wiederkommen Und sich, was todt und lebend ist, Zu richten vorgenommen. Odenke, daß du da bestehst Und mit ihm in sein Reich eingehst, Ihm ewiglich zu danken. 6. Gieb, Jesu, gieb, daß ich dich kann mit wahrem Glauben fassen Und nie, was du an mir gethan, Mög aus dem Herzen lassen; Daß dessen ich in aller Noth Mich trösten mög und durch den Tod Zu dir ins Leben dringen. Cyriacus Günther. 211. Herr, ich lieb dich! Herr, ich lieb dich! Ach, von Herzen lieb ich dich! Laß mich nicht von dir abwenden, Noch von falscher Lieb verblenden! Gitler Lieb will mich entschlagen, Daß aus Herzensgrund kann sagen: Herr, ich lieb dich! Herr, ich lieb dich! Ach, von Herzen lieb ich dich! 2. Herr, ich lieb dich!:: Ach, von Herzen lieb ich dich! Mein Gedanken, meine Sinnen, Meine Seufzer, mein Liebe zu Jesu. Beginnen; Alles, was in mir sich findet, Sich mit deiner Lieb verbindet! Herr, ich lieb dich!:;: 186 3. Herr, ich lieb dich!:,: Ach, von Herzen lieb ich dich! Wenn mit deinem Trost verziehest, Wenn dich zeigst, als ob du fliehest; Wenn mich thust in Leid versenken, Will ich nur an dich gedenken! Herr, ich lieb dich!:,: 4. Herr, ich lieb dich!:: Ach, von Herzen lieb ich dich! Ich will dich ins Herz vergraben Und dich stets im Munde haben, Dich, herzliebster Jesu, droben Laß mich ewig, ewig loben. Herr, ich lieb dich! Herr, ich lieb dich! Ja, von Herzen lieb ich dich. 212. Herzlich lieb hab ich dich, o Herr! Ich bitt, wollſt von Mit und Gnaden. Die ganze Welt nicht freuet mich, Nach Himmel und Erd nicht frage ich, Wenn ich dich nur kann haben. Und wenn mir gleich mein Herz zerbricht, So bist du doch mein Zuversicht, Mein Theil und meines Herzens Trost, Der mich durch sein Blut hat erlöst. Herr Jesu Christ, Mein Gott und Herr, Mein Gott und Herr! In Schanden laß mich nimmermehr. 2. Es ist ja, Herr, dein Gschenk und Gab Mein Leib und Seel und was ich hab In diesem armen Leben, Da mit ichs brauch zum Lobe dein, Zum Nuß und Dienst des Nächsten mein, Wollst mir dein Gnade geben. Behüt mich, Herr, vor falscher Lehr, Des Satans Mord und Lügen wehr; In allem Kreuz erhalte mich, Auf daß ichs trag geduldiglich. Herr Jesu Christ, Mein Herr und Gott, Mein Herr und Gott! Tröst mir mein Seel in Todesnoth. 3. Ach, Herr, laß dein lieb Engelein An meinem End die Seele mein In Abrahams Schooß tragen, Den Leib in seinm Schlafkämmerlein Gar sanft ohne einge Qual und Pein Ruhn bis am jüngsten Tage. Alsdann vom Tod erwecke mich, Daß meine Augen sehen dich In aller Freud, o Gottessohn, Mein Heiland und mein Gnaden Liebe zu Jesu. 187 thron! Herr Jesu Christ, Erhöre mich, Erhöre mich! Ich will dich preisen ewiglich! Martin Schalling. 213. Ich will dich lieben, meine Stärke, Ich will dich lieben, meine Zier; Ich will dich lieben mit dem Werke Und immerwährender Begier. Ich will dich lieben, schönstes Licht, Bis mir das Herze bricht. 2. Ich will dich lieben, o mein Leben, Als meinen allerbesten Freund; Ich will dich lieben und erheben, So lange mich dein Glanz bescheint. Ich will dich lieben, Gotteslamm, Als meinen Bräutigam. 3. Ach, daß ich dich so spät erkennet, Du hochgelobte Schönheit, du! Und dich nicht eher mein genennet, Du höchstes Gut und wahre Ruh! Es ist mir leid und bin betrübt, Daß ich so spät geliebt. 4. Ich lief verirrt und war verblendet, Ich suchte dich und fand dich nicht. Ich hatte mich von dir gewendet Und liebte das geschaffne Licht; Nun aber ists durch dich geschehn, Daß ich dich hab ersehn. 5. Ich danke dir, du wahre Sonne, Daß mir dein Glanz hat Licht gebracht, Ich danke dir, du Himmelswonne, Daß du mich froh und frei gemacht; Ich danke dir, du güldner Mund, Daß du mich machst gesund. 6. Erhalte mich auf deinen Stegen Und laß mich nicht mehr irre gehn; Laß meinen Fuß in deinen Wegen Nicht straucheln oder stille stehn. Erleucht mir Leib und Seele ganz, Du starker Himmelsglanz. 7. Gieb meinen Augen süße Thränen, Gieb meinem Herzen keusche Brunst. Laß meine Seele sich gewöhnen, Zu üben in der Liebeskunst. Laß meinen Geist, Sinn und Verstand Stets sein zu dir gewandt. 8. Ich will dich lieben, meine Krone, Ich will dich lieben, meinen Gott, Ich will dich lieben ohne Lohne, Auch in der allergrößten Noth; Ich will dich lieben, schönstes Licht, Bis mir das Herze bricht. Joh. Angelus. Liebe zu Jesu. Weise: Den die Hirten lobten sehre. 214. Jesu, deiner zu gedenken, kann dem Herzen Freude schenken, Doch mit welchen Himmelstränken Labt uns deine Gegenwart! 2. Lieblicher hat nichts geklungen, Holder ist noch nichts gesungen, Sanfter nichts ins Herz gedrungen, Als: Mein Jesus, Gottes Sohn! 188 3. Tröstlich, wenn man reuig stehet, Herzlich, wenn man vor dir flehet, Lieblich, wenn man zu dir gehet, Unaussprechlich, wenn du da! 4. Du erquickst das Herz von innen, Lebensquell und Licht der Sinnen! Freude muß vor dir zerrinnen; Niemand sehnt sich gnug nach dir. 5. Schweigt, ihr ungeübten Zungen! Welches Lied hat ihn besungen? Niemand weiß, als ders errungen, Was die Liebe Christi ſei. 6. Mit Maria will ich flehen; Ich will früh zum Grabe gehen und ihm nach dem Herzen sehen Mit den Augen des Gemüths. 7. Jesu, wunderbarer König, Dem die Völker unterthänig; Alles ist vor dir zu wenig, Du allein bist liebenswerth. 8. Wenn du uns trittst vors Gesichte, Wird es in dem Herzen lichte, Alles Eitle wird zu nichte, Und die Liebe glühet auf. 9. Milder Jesu, laß mirs glücken, Laß mich deine Füll erquicken, Laß mich dich im Geist erblicken, Herr, in deiner Glorie! 10. Wo ich lebe auf der Erde, Such ich dich, o Hirt der Heerde, Fröhlich, wenn ich finden werde, Selig, wenn ich dich erhalt. 11. König, würdig aller Kränze, Quell der Klarheit ohne Grenze, Komm der Seele näher, glänze, Bleib, du längst Erwarteter! Liebe zu Jesu. 189 12. Brunnen der Barmherzigkeiten, Licht der unumschränkten Weiten, Treibe weg die Dunkelheiten, Gieb uns deiner Klarheit Blick. 13. Dich erhöhn des Himmels Heere, Dich besingen unsre Chöre; Du bist unsre Macht und Ehre, Du hast uns mit Gott versöhnt. 14. Jesus herrscht in großem Frieden; Er bewahrt sein Volk hienieden, Daß es, von ihm ungeschieden, Fröhlich ihn erwarten kann. 15. Jesus ist zum Vater gangen, hat den vorgen Glanz empfangen, Aber meines Geists Verlangen Ist ihm dorthin nachgeeilt. 16. Jesus, den wir jetzt mit Loben Und mit Psalmen hoch erhoben, Jesus hat aus Gnaden droben Friedensstätten uns bestellt. Nikolaus Ludwig von Zinzendorf, nach Bernhard von Clairvaux. Weise: Jesu, meines Lebens Leben. 215. Jesu, frommer Menschenheerden Guter und getreuer Hirt, Laß mich auch dein Schäffein werden, Das dein Stab und Stimme führt. Ach, du hast aus Lieb dein Leben Für die Schafe hingegeben, Und du gabst es auch für mich: Laß mich wieder lieben dich. 2. Heerden ihre Hirten lieben Und ein Hirt liebt ſeine Heerd; Laß uns auch so Liebe üben, Du im Himmel, ich auf Erd. Schallet deine Lieb hernieder, Soll dir meine schallen wieder; Wenn du rufst: Ich liebe dich! Ruft mein Herz: Dich liebe ich! 3. Schafe ihren Hirten kennen, Dem sie auch sind wohlbekannt; Laß mich auch nach dir nur rennen, Wie du kamst zu mir gerannt. Als des Höllenwolfes Rachen Eine Beut aus mir wollt machen, Riefest du: Ich kenne dich! Ich auch rief: Dich kenne ich! 4. Heerden ihre Hirten hören, Folgen ihrer Stimm allein; Hirten auch zur Heerd sich kehren, Wenn sie rufen, 190 Liebe zu Jesu. groß und klein. Laß mich hören, wenn du schreiest, Laß mich laufen, wenn du dräuest, Laß mich horchen stets auf dich: Jesu, höre du auch mich! 5. Höre, Jesu, und erhöre Meine, deines Schäfleins, Stimm; Mich auch zu dir schreien lehre, Wenn sich naht des Wolfes Grimm. Laß mein Schreien dir gefallen, Deinen Trost herniederschallen; Wenn ich bete: Höre mich! Jesu sprich: Ich höre dich! 6. Höre, Jesu, und erhöre, Wenn ich ruf, anklopf und schrei; Jesu, dich nicht von mir kehre, Steh mir bald in Gnaden bei! Ja, du hörst, in deinem Namen Ist ja alles Ja und Amen; Nun, ich glaub und fühle schon Deinen Trost, o Gottes Sohn. Siegmund v. Birken. Weise: Nun komm, der Heiden Heiland. 216. Jesu, komm doch selbst zu mir Und verbleibe für und für; Komm doch, werther Seelenfreund, Liebster, den mein Herze meint. 2. Tausendmal begehr ich dich, Weil sonst nichts vergnüget mich. Tausendmal schrei ich zu dir: Jesu, Jeſu, komm zu mir. 3. Keine Lust ist auf der Welt, Die mein Herz zu frieden stellt. Jesu, nur dein Bei- mir- sein Nenn ich meine Lust allein. 4. Aller Engel Glanz und Pracht Und was ihnen Freude macht, Ist mir, süßer Seelenkuß, Ohne dich nichts als Verdruß. 5. Nimm nur alles von mir hin, Ich verändre nicht den Sinn; Du, o Jesu, mußt allein Ewig meine Freude sein. 6. Keinem andern sag ich zu, Daß ich ihm mein Herz aufthu; Dich alleine laß ich ein, Dich alleine nenn ich mein. 7. Dich alleine, Gottes Sohn, Heiß ich meine Kron Liebe zu Jesu. 191 und Lohn; Du für mich verwundtes Lamm, Bist allein mein Bräutigam. 8. O so komm denn, süßes Herz. Und vermindre meinen Schmerz; Denn ich schreie für und für: Jesu, Jesu, komm zu mir. 9. Nun, ich warte mit Geduld; Bitte nur um dieſe Huld, Daß du mir in Todespein Wollst ein süßer Jesus ſein. Joh. Angelus. 217. Hesu, meine Freude, Meines Herzens Weide, Jeſu, meine Zier! Ach, wie lang, ach, lange Ist dem Herzen bange Und verlangt nach dir! Gottes Lamm, mein Bräutigam, Außer die soll mir auf Erden Nichts sonst liebres werden. 2. Unter deinem Schirmen Bin ich vor den Stürmen Aller Feinde frei; Laß den Satan wittern, Laß die Welt erschüttern, Mir steht Jesus bei. Ob es jetzt gleich kracht und blißt, Ob gleich Sünd und Hölle schrecken, Jeſus will mich decken. 3. Troß dem alten Drachen, Troß dem Todesrachen, Trotz der Furcht dazu! Tobe Welt und springe! Ich steh hier und singe In gar schrer Ruh: Gottes Macht hält mich in Acht; Erd und Abgrund muß verstummen, Ob ste noch so brummen. 4. Weg mit allen Schäßen! Du bist mein Ergößzen, Jeſu, meine Lust. Weg, ihr eitlen Ehren! Ich mag euch nicht hören, Bleibt mir unbewußt! Elend, Noth, Kreuz, Schmach und Tod Soll mich, ob ich viel muß leiden, Nicht von Jesu scheiden. 5. Gute Nacht, o Wesen, Das die Welt erlesen! Mir gefällst du nicht. Gute Nacht, ihr Sünden, Bleibet weit dahinten, Kommt nicht mehr ans Licht! Gute Nacht, du Stolz und Pracht! Dir sei ganz, du Lasterleben, Gute Nacht gegeben. 6. Weicht, ihr Trauergeister, Denn mein Freudenmeister Liebe zu Jesu. Jesus, tritt herein. Denen, die Gott lieben, Muß auch ihr Betrüben Lauter Zucker sein. Duld ich schon hier Spott und Hohn, Dennoch bleibst du auch im Leide, Jesu, meine Freude. Joh. Franck. 192 Weise: Nun komm, der Heiden Heiland. 218. Fesu, meiner Seelen Ruh Und mein bester Schaß dazu, Alles bist du mir allein, Sollst auch ferner alles sein. 2. Liebet jemand in der Welt Edle Schäße, Gold und Geld, Jesus und sein theures Blut Ist mir mehr, denn alles Gut. 3. Stellen meine Feinde sich Deffentlich gleich wider mich, Jesus reißt aus aller Noth," Tilget Teufel, Höll und Tod. 4. Bin ich krank und ist kein Mann, Der die Schwachheit heilen kann, Jesus will mein Arzt in Pein Und mein treuer Helfer sein. 5. Bin ich nackend, arm und bloß, Und mein Vorrath ist nicht groß, Jesus hilft zu rechter Zeit Meiner armen Dürftigkeit. 6. Muß ich in das Elend fort in an einen fremden Ort, Jeſus sorget selbst für mich, Schüßzet mich ganz wunderlich. 7. Muß ich dulden Hohn und Spott Wider Gott und sein Gebot, Jesus giebt mir Kraft und Macht, Daß ich allen Spott nicht acht. 8. Hat der Bienen Honig Saft Und der Zucker süße Kraft, Mein herzliebster Jesus Christ Tausendmal noch süßer ist. 9. Drum, o Jesu, will ich dich Immer lieben festiglich. Du, o Jesu, sollst allein Meiner Seele alles sein. 10. Jesus, was durch Ohren bricht, Jesus, was das Auge steht, Jesus, was die Zunge schmeckt Und wonach die Hand sich streckt. 2 Liebe zu Jesu. 193 11. Jesus sei mein Speis und Trank, Jesus sei mein Lobgesang, Jesus sei mein ganzes All, Jesus sei mein Freudenschall. 12. Endlich laß, du höchstes Gut, Jesu, laß dein theures Blut, Deine Wunden, deine Pein Meine Rast im Tode ſein. Lucas Backmeister. Weise: Unser Herrscher, unser König. 219. Jesus, Jesus, nichts als Jefus Soll mein Wunsch sein und mein Ziel. Jegund mach ich ein Verbündniß, Daß ich will, was Jesus will. Denn mein Herz, mit ihm erfüllt, Rufet nur: Herr, wie du willt! 2. Einer ist es, dem ich lebe, Den ich liebe früh und spat; Jesus ist es, dem ich gebe, Was er mir gegeben hat. Ich bin in dein Blut verhüllt: Führe mich, Herr, wie du willt! 3. Scheinet was, es sei mein Glücke, Und ist doch zuwider dir, Ach, so nimm es bald zurücke; Jesu, gieb, was nüßet mir. Gieb dich mir, Herr Jesu, mild, Nimm mich dir, Herr, wie du willt! 4. Und vollbringe deinen Willen In, durch und an mir, mein Gott; Deinen Willen laß erfüllen Mich im Leben, Freud und Noth, Sterben als dein Ebenbild, Herr, wann, wo und wie du willt. 5. Sei auch, Jesu, stets gepriesen, Daß du dich und viel dazu Haft geschenkt und mir erwiesen, Daß ich fröhlich singe nu: Es geschehe mir, mein Schild, Wie du willt, Herr, wie du willt! Ludämilie Elisabeth, Gräfin von Schwarzburg- Rudolstadt. Geistliche Volksweise. 220. Immer muß ich wieder lesen In dem alten heilgen Buch, Wie er ist so sanft gewesen, Ohne List und ohne Trug, 2. Wie er hieß die Kindlein kommen, Wie er hold sie Geistl. Liederbuch. Liebe zu Jesu. angeblickt, Und sie auf den Arm genommen Und ste an sein Herz gedrückt,- 194 3. Wie er Hülfe und Erbarmen Allen Kranken gern erwies, Und die Blöden und die Armen Seine lieben Brüder hieß,- 4. Wie er keinem Sünder wehrte, Der bekümmert zu ihm kam, Wie er freundlich ihn bekehrte, Ihm den Tod vom Herzen nahm. 5. Immer muß ich wieder lesen, Les und weine mich nicht satt, Wie er ist so treu gewesen, Wie er uns geliebet hat, 6. Hat die Heerde sanft geleitet, Die sein Vater ihm verliehn, Hat die Arme ausgebreitet, Alle an sein Herz zu ziehn. 7. Laß mich fnien zu deinen Füßen, Herr, die Liebe bricht mein Herz. Laß in Thränen mich zerfließen, Selig sein in Wonn und Schmerz. Luise Hensel. 221. In dir ist Freude in allem Leide, O du süßer Jesus Christ! Durch dich wir haben himmlische Gaben, Du der wahre Heiland bist, Hilfest von Schanden, rettest von Banden; Wer dir vertrauet, hat wohl gebauet, Wird ewig bleiben, Halleluja! Zu deiner Güte steht unser Gmüthe, An dir wir kleben im Tod und Leben, Nichts kann uns scheiden. Halleluja. 2. Wenn wir dich haben, kann uns nicht schaden, Teufel, Welt, Sünd oder Tod; Du hasts in Händen, kannst alles wenden, Wie nur heißen mag die Noth. Drum wir dich ehren, dein Lob vermehren Mit hellem Schalle, freuen uns alle Zu dieser Stunde, Halleluja! Wir jubiliren und triumphiren, Lieben und loben dein Macht dort oben Mit Herz und Munde, Halleluja! Joh. Lindemann. 222. Weise: Komm, o komm, du Geist des Lebens. Tiebe, die du mich zum Bilde Deiner Gottheit haft gemacht; Liebe, die du mich so milde Liebe zu Jesu. 195 Nach dem Fall hast wiederbracht: Liebe, dir ergeb ich mich, Dein zu bleiben ewiglich. 2. Liebe, die du mich erkoren h, als ich erschaffen war; Liebe, die du Mensch geboren Und mir gleich wardst ganz und gar: Liebe, dir ergeb ich mich, Dein zu bleiben ewiglich. 3. Liebe, die für mich gelitten Und gestorben in der Zeit; Liebe, die mir hat erstritten Ewge Lust und Seligkeit: Liebe, dir ergeb ich mich, Dein zu bleiben ewiglich. 4. Liebe, die du Kraft und Leben, Licht und Wahrheit, Geist und Wort; Liebe, die sich blos ergeben Heil und Seelenhort: Liebe, dir ergeb ich mich, bleiben ewiglich. Mir zum Dein zu 5. Liebe, die mich hat gebunden An ihr Joch mit Leib und Sinn; Liebe, die mich überwunden Und mein Herze hat dahin: Liebe, dir ergeb ich mich, Dein zu bleiben ewiglich. 6. Liebe, die mich ewig liebet, Die für meine Seele bitt; Liebe, die das Lösgeld giebet Und mich kräftiglich vertritt: Liebe, dir ergeb ich mich, Dein zu bleiben ewiglich. 7. Liebe, die mich wird erwecken Aus dem Grab der Sterblichkeit; Liebe, die mich wird umstecken Mit dem Laub der Herrlichkeit: Liebe, dir ergeb ich mich, Dein zu bleiben ewiglich. Joh. Angelus. 223. Heinen Jesum laß ich nicht; Weil er sich für mich gegeben, So erfordert meine Pflicht, Klettenweis an ihm zu kleben. Er ist meines Lebens Licht; Meinen Jesum laß ich nicht. 2. Jefum laß ich nimmer nicht, Weil ich soll auf Erden leben, Ihm hab ich voll Zuversicht, Was ich bin und hab, ergeben. Alles ist auf ihn gericht; Meinen Jesum laß ich nicht. 3. Laß vergehen das Gesicht, Hören, Schmecken, Fühlen weichen, Laß das letzte Tageslicht Mich auf dieser Welt 9* Liebe zu Jesu. erreichen; Wenn der Lebensfaden bricht, Meinen Jesum laß ich nicht. 196 4. Ich werd ihn auch lassen nicht, Wenn ich nun dahin gelanget, Wo vor seinem Angesicht Meiner Väter Glaube pranget: Mich erfreut sein Angesicht; Meinen Jesum laß ich nicht. 5. Nicht nach Welt, nach Himmel nicht Meine Seele wünscht und sehnet, Jesum wünscht sie und sein Licht, Der mich hat mit Gott versöhnet, Der mich freiet vom Gericht; Meinen Jesum laß ich nicht. 6. Jefum laß ich nicht von mir, Geh ihm ewig an der Seiten; Christus läßt mich für und für Zu dem Lebensbächlein leiten. Selig, wer mit mir so spricht: Meinen Jesum laß ich nicht! Christian Keymann. 224. Meine Seele willst du ruhn Und dir immer gütlich thun; Wünschest du dir von Beschwerden Und Begierden frei zu werden: Liebe Jesum und sonst nichts, Meine Seele, so geschichts. 2. Niemand hat sich je betrübt, Daß er Jesum hat ges liebt. Niemand hat je Weh empfunden, Daß er Jeſu sich verbunden. Jesum lieben und allein, Ist so viel als selig sein. 3. Wer ihn liebt, liebts höchste Gut, Das allein vergnügen thut. Seine Liebe pflegt zu geben Ewge Freud und ewges Leben. Seine Liebe macht die Zeit Gleich der süßen Ewigkeit. 4. Drum so du von aller Pein, Meine Seel, willst ledig sein, So du suchst, dich zu ergößen Und in ewge Ruh zu seßen: Liebe Jesum und sonst nichts, Meine Seele, so geschichts. Joh. Scheffler. Weise: In dich hab ich gehoffet, Herr. 225. Mein schönste Zier und Kleinod bist Auf Erden du, Herr Jesu Christ! Dich will ich lassen Liebe zu Jesu. 197 walten Und allezeit In Lieb und Leid Im Herzen dich behalten. 2. Dein Lieb und Treu für alles geht, Kein Ding auf Erd so fest besteht; Solchs muß man frei bekennen. Drum soll nicht Tod, Nicht Angst und Noth Von deiner Lieb mich trennen. 3. Dein Wort ist wahr und trüget nicht und hält gewiß, was es verspricht, Im Tod und auch im Leben. Du bist nun mein Und ich bin dein, Dir hab ich mich ergeben. 4. Der Tag nimmt ab, o schönste Zier! Herr Jeſu Shrist, bleib du bei mir, Es will nun Abend werden; Laß doch dein Licht Auslöschen nicht Bei uns allhier auf Erden. 226. Christe, Morgensterne! Leucht uns mit hellem Schein, Leucht uns vons Himmels Throne An diesem dunklen Ort Mit deinem reinen Wort. 2. O Jesu, Trost der Armen! Mein Herz heb ich zu dir, Du wirst dich mein erbarmen, Dein Gnade schenken mir, Das trau ich gänzlich dir. 3. Ich kann und mag nicht schlafen, Ich kann nicht fröhlich sein, Mir ist verwundt mein Seele, Und fürcht der Höllen Pein: O Christ, erbarm dich mein. 4. O Jesu, lieber Herre, Du einger Gottessohn! Von Herzen ich begehre, Du wollst mir Hilfe thun; Du bist der Gnadenthron. 5. Du hast für uns vergossen Dein rosinfarbnes Blut, Das laß mich, Herr, genießen, Tröst mich durch deine Güt, Hilf mir! das ist mein Bitt. 6. Ist dir verwundt so sehre Die arme Seele dein, So thu dich zu mir kehren, Ich will dein Helfer sein, Vergeben Schuld und Pein. 7. Laß von den Sünden abe Und sei ein frommer Christ, Ich will dich selber laben Und schenken meinen Geist, Der dich zum Himmel weist. 198 Liebe zu Jesu. 8. Ich will dich selber speisen Mit meinem Leib und Blut, Mein Lieb an dir beweisen Und will dir theilen mit Mein'n Schatz und höchstes Gut." 9. O Jesu! Lob und Ehre Sing ich dir allezeit; Den Glauben in mir mehre, Daß ich nach dieser Zeit Mit dir eingeh zur Freud. Weise: Ich ruf zu dir, Herr Jesu Christ. 227. Jesu Christ, mein schönstes Licht, Der du in deiner Seelen So hoch mich liebst, daß ich es nicht Aussprechen kann, noch zählen; Gieb, daß mein Herz dich wiederum Mit Lieben und Verlangen Mög umfangen Und als dein Eigenthum Nur einzig an dir hangen. 2. Gieb, daß sonst nichts in meiner Seel, Als deine Liebe wohne; Gieb, daß ich deine Lieb erwähl Als meinen Schatz und Krone. Stoß alles aus, nimm alles hin, Was mich und dich will trennen Und nicht gönnen, Daß all mein Muth und Sinn In deiner Liebe brennen. 3. Wie freundlich, selig, süß und schön Ist, Jesu, deine Liebe! Wo diese steht, kann nichts entstehn, Das meinen Geist betrübe. Drum laß nichts anders denken mich, Nichts sehen, fühlen, hören, Lieben, ehren, Als deine Lieb und dich, Der du sie kannst vermehren. 4. O daß ich dieses hohe Gut Möcht ewiglich besigen! O daß doch diese edle Gluth Ohn End mich möcht erhißen! Ach, hilf mir wachen Tag und Nacht Und diesen Schatz bewahren Vor den Schaaren, Die wider uns mit Macht Aus Satans Reiche fahren. 5. Mein Heiland, du bist mir zu lieb In Noth und Tod gegangen Und hast am Kreuz gleich einem Dieb Und Mörder da gehangen, Verhöhnt, verspeit und sehr verwundt: Ach, laß mich deine Wunden Alle Stunden Mit Lieb im Herzensgrund Auch reizen und verwunden. 6. Dein Blut, das dir vergossen ward, Ist köstlich, gut und reine; Mein Herz hingegen böser Art Und hart gleich Liebe zu Jesu. 199 einem Steine. Ach, laß doch deines Blutes Kraft Mein hartes Herze zwingen, Wohl durchdringen, Und diesen Lebenssaft Mir deine Liebe bringen. 7. O daß mein Herze offen stünd Und fleißig möcht auffangen Die Tropfen Bluts, die meine Sünd Im Garten dir abdrangen! Ach, daß sich meiner Augen Brunn Aufthät und mit viel Stöhnen Heiße Thränen Vergösse, wie die thun, Die sich in Liebe sehnen. 8. O daß ich, wie ein kleines Kind, Mit Weinen dir nachginge So lange, bis dein Herz entzündt, Bis mich dein Arm umfinge, Und deine Seel in mein Gemüth In voller süßer Liebe Sich erhübe, Und also deiner Güt Ich stets vereinigt bliebe. 9. Ach, zeuch, mein Bräutgam, mich nach dir, So lauf ich mit den Füßen, Ich lauf und will dich mit Begier In meinem Herzen küssen; Ich will aus deines Mundes Zier Den süßen Trost empfinden, Der die Sünden Und alles Unglück hier Kann leichte überwinden. 10. Mein Trost, mein Schaß, mein Licht, mein Heil, Mein höchstes Gut, mein Leben, Ach, nimm mich auf zu deinem Theil; Dir hab ich mich ergeben! Denn außer dir ist lauter Pein, Ich find hier überalle Nichts als Galle; Nichts kann mir tröstlich sein, Nichts ist, das mir gefalle. 11. Du aber bist die rechte Ruh, In dir ist Fried und Freude; Gieb Jesu, gieb, daß immerzu Mein Herz in dir sich weide. Sei meine Flamm und Brenn in mir; Mein Balsam, wollest eilen, Lindern, heilen, Den Jammer, der allhier Mich seufzen macht und heulen. 12. Was ist, o Schönster, das ich nicht An deiner Liebe habe? Sie ist mein Stern, mein Sonnenlicht, Mein Quell, da ich mich labe; Mein süßer Wein, mein Himmelsbrot, Mein Kleid vor Gottes Throne, Meine Krone, Mein Schuß in aller Noth, Mein Haus, darin ich wohne. 13. Ach, liebste Lieb, wenn du entweichst, Was hilfts mir, sein geboren? Wenn du mir deine Lieb entzeuchst, 200 Liebe zu Jesu. Ist all mein Gut verloren, So gieb, daß ich dich, meinen Gast, Wohl such und bester Maßen Möge fassen, Und, wenn ich dich gefaßt, In Ewigkeit nicht lassen. 14. Du hast mich je und je geliebt Und auch nach dir gezogen, Eh ich noch etwas Guts geübt, Warst du mir schon gewogen; Ach, laß doch ferner, edler Herr, Mich deine Liebe leiten Und begleiten, Daß sie mir immerfort Beisteh auf allen Seiten. 15. Laß meinen Stand, darin ich steh, Herr, deine Liebe zieren Und, wo ich etwa irre geh, Alsbald zurechte führen; Laß sie mich allzeit guten Rath Und gute Werke lehren, Steuern, wehren Der Sünd, und nach der That Bald wieder mich bekehren. 16. Laß sie sein meine Freud im Leid, In Schwachheit mein Vermögen; Und wenn ich nach vollbrachter Zeit Mich soll zur Ruhe legen, Alsdann laß deine Liebestreu, Herr Jesu, mir beistehen, Trost zuwehen, Daß ich getrost und frei Mög in dein Reich eingehen. P. Gerhardt. 228. Weise: Wie schön leuchtet der Morgenstern. Jesu, Jesu, Gottes Sohn, Mein Bruder und mein Gnadenthron, Mein Schaß, mein Freud und Wonne! Du weißt es, daß ich rede wahr, Vor dir ist Alles sonnenklar Und klarer, als die Sonne: Herzlich Lieb ich Mit Gefallen dich vor allen; nichts auf Erden Kann und mag mir lieber werden. 2. Dies ist mein Schmerz, dies kränket mich, Daß ich nicht gnug kann lieben dich, Wie ich dich lieben wollte. Ich werd von Tag zu Tag entzündt, Je mehr ich lieb, je mehr ich find, Daß ich dich lieben sollte. Von dir Laß mir Deine Güte ins Gemüthe lieblich fließen, So wird sich die Lieb ergießen. 3. Durch deine Kraft treff ich das Ziel, Daß ich, so viel ich soll und will, Dich allzeit lieben könne. Nichts auf der ganzen weiten Welt, Pracht, Wollust, Ehre, Freud und 201 Liebe zu Jesu. Geld, Wenn ich es recht befinne, Kann mich Ohn dich Gnugsam laben. Ich muß haben reine Liebe, Die tröst, wenn ich mich betrübe. 4. Denn wer dich liebt, den liebest du, Schaffst seinem Herzen Fried und Ruh, Erfreuest sein Gewissen. Es geh ihm, wie es woll auf Erd, Wenn ihn gleich ganz das Kreuz verzehrt, Soll er doch dein genießen. In Glück Ewig Nach dem Leide große Freude wird er finden, Alles Trauern muß verschwinden. 5. Kein Ohr hat dies jemals gehört, Kein Mensch gesehen noch gelehrt, Es fanns niemand beschreiben, Was denen dort für Herrlichkeit Bei dir und von dir ist bereit, Die in der Liebe bleiben. Gründlich Läßt sich Nicht erreichen, noch vergleichen den Weltschäßen Dies, was uns dort wird ergößen. 6. Drum laß ich billig dies allein, O Jesu, meine Sorge sein, Daß ich dich herzlich liebe, Daß ich in dem, was dir gefällt Und mir dein klares Wort vermeldt, Aus Liebe mich stets übe; Bis ich Endlich Werd abscheiden und mit Freuden zu dir kommen, Aller Trübsal ganz entnommen. 7. Da werd ich deine Süßigkeit, Die jetzt gerühmt ist weit und breit, In reiner Liebe schmecken Und sehn dein liebreich Angesicht Mit unverwandtem Augenlicht, Ohn alle Furcht und Schrecken. Reichlich Werd ich Sein erquicket und geschmücket vor dein'm Throne Mit der schönen Himmelskrone. Joh. Heermann. Jesu dulcis memoria. Weise: Herr Jesu Christ, meins Lebens Licht. 229. Jesu süß, wer dein gedenkt, Deß Herz mit Freud wird überschwängt; Noch süßer über alles ist, Wo du, o Jesu! selber bist. 2. Jesu, du Herzensfreund und Wonn, Des Lebens Brunn, du wahre Sonn! Dir gleichet nichts auf dieser Erd, An dir ist, was man je begehrt. 9** 202 Liebe zu Jesu. 3. Jesu, dein Lieb ist mehr, denn süß, Nichts ist darin, das ein'n verdrieß; Viel tausendmal ists, wie ich sag, Edler als mans aussprechen mag. 4. Jesu, du Quell der Gütigkeit, Ein Hoffnung bist all unsrer Freud, Ein süßer Fluß und Gnadenbrunn, Des Herzens wahre Freud und Wonn. 5. Dein Lieb, o süßer Jesu Christ, Des Herzens beste Labung ist, Sie machet satt, doch ohn Verdruß; Der Hunger wächst im Ueberfluß. 6. Jesu, du aller Engel Zier, Wie süß erklingt dein Name mir! Du Wunderhonig in dem Mund, Kein bessern Trunk mein Herz empfund. 7. Jesu, du hohe Gütigkeit, Meins Herzens Lust und beste Freud! Du bist die unbegreiflich Güt, Dein Lieb umfängt all mein Gemüth. 8. Jesum lieb haben ist sehr gut, Wohl dem, der sonst nichts suchen thut! Mir selber will ich sterben ab, Daß ich in ihm das Leben hab. 9. Jesu, o meine Süßigkeit, Du Trost der Seel, die zu dir schreit, Die heißen Thränen suchen dich, Das Herz zu dir schreit inniglich. 10. Ja, wo ich bin, seis dort, seis hier, So wollt ich, Jesus wär bei mir; Freud über Freud, wenn ich ihn find, Selig, wenn ich ihn halten künnt. 11. Was ich gesucht, das seh ich nun, Was ich begehrt, das hab ich schon, Vor Lieb, o Jesu! bin ich schwach, Mein Herz das flammt und schreit dir nach. 12. Wer dich, o Jesu, also liebt, Der bleibt gewiß wohl unbetrübt; Nichts ist, was diese Lieb verzehr, Sie wächst und brennt je längr, je mehr. 13. Jesu, du Blum und Jungfraunsohn, Du Lieb und unser Gnadenthron, Dir sei Lob, Ehr, wie sich geziemt, Dein Reich kein Ende nimmer nimmt. 14. In dir mein Herz hat seine Lust, Herr, mein Be Liebe zu Jesu. gierd ist dir bewußt, Auf dich ist all mein Ruhm gestellt, Jesu, du Heiland aller Welt. 203 15. Du Brunnquell der Barmherzigkeit, Dein Glanz erstreckt sich weit und breit. Der Traurigkeit Gewölk vertreib, Das Licht der Glorie bei uns bleib. 16. Dein Lob im Himmel hoch erklingt, Kein Chor ist, der nicht von dir singt; Jesus erfreut die ganze Welt, Die er bei Gott zu Fried gestellt. 17. Jesus im Fried regieren thut, Der übertrifft all zeitlich Gut; Der Fried bewahr mein Herz und Sinn, So lang ich hier auf Erden bin. 18. Und wenn ich ende meinen Lauf, So hole mich zu dir hinauf, Jesu, daß ich da Fried und Freud Bei dir genieß in Ewigkeit. 19. Jesu, erhöre meine Bitt! Jesu, verschmäh mein Seufzen nicht! Jesu, mein Hoffnung steht zu dir, O Jeſu, Jesu, hilf du mir! Martin Moller nach Bernhard von Clairvaux. 230. Ursprung des Lebens, ewiges Licht, Da Niemand vergebens Sucht, was ihm gebricht; Lebendige Quelle, So lauter und helle Sich aus seinem heiligen Tempel ergießt Und in die begierigen Seelen einfließt: 2. Du sprichst: Wer begehret Zu trinken von mir, Was ewiglich nähret, Der komme! allhier Sind himmlische Gaben, Die süßiglich laben; Er trete im Glauben zur Quelle heran, Hier ist, was ihn ewig beseligen kann. 3. Hier komm ich, mein Hirte, Mich dürstet nach dir, O Liebster, bewirthe Dein Schäflein allhier. Du kannst dein Versprechen Mir Armen nicht brechen; Du siehest, wie elend und dürftig ich bin; Auch giebst du die Gaben aus Gnaden nur hin. 4. Du süße Fluth labest Geist, Seele und Muth, Und wen du begabest, Findt ewiges Gut. Wenn man dich ge Liebe zu Jesu. nießet, Wird alles versüßet; Es jauchzet, es singet, es springet das Herz, Es weichet zurücke der traurige Schmerz. 204 5. Drum gieb mir zu trinken, Wies dein Wort verheißt, Laß gänzlich versinken Den sehnenden Geist Im Meer deiner Liebe. Laß heilige Triebe Mich immerfort treiben zum Himmlischen hin; Es werde mein Herze ganz trunken darin. 6. Wenn du auch von Leiden Was schenkest mir ein, So gieb, dir mit Freuden Gehorsam zu sein. Denn alle die, welche Mit trinken vom Kelche, Den du hast getrunken im Leiden allhier, Die, werden dort ewig sich freuen mit dir. 7. Drum laß mich auch werden, Mein Jesu, erquickt Da, wo deine Heerden Kein Leiden mehr drückt; Wo Freude die Fülle, Wo liebliche Stille, Wo Wohllust, wo Jauchzen, wo Herrlichkeit wohnt, Wo heiliges Leben wird ewig belohnt. Christian Jakob Koitsch. Weise: Valet will ich dir geben. 231. Schatz über alle Schäßze, O Jefu, liebster Schaß, An dem ich mich ergeße, Hier hab ich einen Play In meinem treuen Herzen Dir, Schönster, zugetheilt, Weil du mit deinen Schmerzen Mir meinen Schmerz geheilt. 2. Ach Freude meiner Freuden, Du wahres Himmelsbrot, Damit ich mich kann weiden, Das meine Seelennoth Ganz fräftiglich kann stillen Und mich in Leidenszeit Grfreulich überfüllen Mit Trost und Süßigkeit. 3. Laß, Liebster, mich anblicken Dein freundlich Angesicht, Mein Herze zu erquicken; Komm, komm, mein Freudenlicht. Denn ohne dich zu leben Ist lauter Herzeleid, Vor deinen Augen schweben Ist wahre Seligkeit. 4. O reiche Lebensquelle, O Jesu, süße Ruh, Du treuer Kreuzgeselle, Schlag nach Belieben zu. Ich will geduldig 205 Liebe zu Jesu. leiden, Und soll mich keine Pein Von deiner Liebe scheiden, Noch mir beschwerlich sein. 5. Mein Herze bleibt ergeben Dir immer für und für, Zu sterben und zu leben, Ünd will vielmehr mit dir Im tiefsten Feuer schwitzen, Als, Schönster, ohne dich Im Paradiese sißen Veracht und jämmerlich. 6. Herrlichkeit der Erden, Dich mag und will ich nicht, Mein Geist will himmlisch werden Und ist dahin gericht, Wo Jesus wird geschauet; Da sehn ich mich hinein, Wo Jesus Hütten bauet, Denn dort ist gut zu sein. 7. Nun, Jesu, mein Vergnügen, Komm, hole mich zu dir, In deinem Schooß zu liegen; Komm, meiner Seelen Zier, Und setze mich aus Gnaden In deine Freudenstadt, So kann mir niemand schaden, So bin ich reich und fatt. Salomon Liskov. 232. chönster Herr Jesu, Herrscher aller Enden, Gottes und Marien Sohn, Dich will ich lieben, Dich will ich ehren, Meines Herzens Freud und Kron. 2. Alle die Schönheit Himmels und der Erden Ist verfaßt in dir allein. Keiner soll nimmer Mir lieber werden, Als der schönste Jesus mein. 3. Schön ist die Sonne, Schön ist der Monden, Schön die Sterne allzumal: Jesus ist feiner, Jesus ist reiner Als die Engel im Himmelssaal. 4. Schön sind die Felder, Schöner sind die Wälder In der schönen Frühlingszeit: Jesus ist schöner, Jesus ist reiner, Der unser traurig Herz erfreut. 5. Schön sind die Blumen, Schön sind die Menschen In der frischen Jugendzeit: Sie müssen sterben Müssen verderben, Jesus lebt in Ewigkeit. 6. Er ist wahrhaftig All Zeit gegenwärtig In dem heiligen Sacrament: Jesu, dich bitt ich, Sei uns genädig Jetzt und an dem letzten End. ( Altes Volkslied). Liebe zu Jesu. 233. eelenbräutigam, Jesu, Gottes Lamm, Habe Dank für deine Liebe, Die mich zieht aus reinem Triebe Von der Sünden Schlamm: Jesu, Gottes Lamm! 206 2. Deiner Liebe Glut Stärket Muth und Blut. Wenn du freundlich mich anblickest Und an deine Brust mich drückest, Macht mich wohlgemuth Deiner Liebe Glut. 3. Wahrer Mensch und Gott, Trost in Noth und Tod, Du bist darum Mensch geboren, Zu ersetzen, was verloren, Durch dein Blut so roth: Wahrer Mensch und Gott. 4. Meines Glaubens Licht Laß verlöschen nicht; Salbe mich mit Freudenöle, Daß hinfort in meiner Seele Ja verlösche nicht Meines Glaubens Licht. 5. So werd ich in dir Bleiben für und für; Deine Liebe will ich ehren Und in dir dein Lob vermehren, Weil ich für und für Bleiben werd in dir. 6. Held aus Davids Stamm, Deine Liebesflamm Mich ernähre und verwehre, Daß die Welt mich nicht versehre, Ob sie mir gleich gram: Held aus Davids Stamm! Wie hast du gedürst Nach der Und dich in den Tod gegeben, Großer Friedefürst! 7. Großer Friedefürst, Menschen Heil und Leben Als du riefst: mich dürst! 8. Deinen Frieden gieb Aus so großer Lieb, Uns den Deinen, die dich kennen Und nach dir sich Christen nennen, Denen du bist lieb: Deinen Frieden gieb. 9. Wer der Welt abstirbt, Emsig sich bewirbt Um den lebendigen Glauben, Der wird bald empfindlich schauen, Daß niemand verdirbt, Der der Welt abstirbt. 10. Nun ergreif ich dich, will nimmermehr dich lassen, fassen, Weil im Glauben ich Du, mein ganzes Ich! Ich Sondern gläubig dich umNun ergreife dich. 11. Wenn ich weinen muß, Wird dein Thränenfluß Nun den meinen auch begleiten Und zu deinen Wunden leiten, Daß mein Thränenfluß Sich bald stillen muß. Liebe zu Jesu. 12. Wenn ich mich aufs neu Wiederum erfreu, Freuest du dich auch zugleiche, Bis ich dort in deinem Reiche Ewiglich aufs neu Mich mit dir erfreu. 207 13. Hier durch Spott und Hohn, Dort die Ehrenkron, Hier im Hoffen und im Glauben, Dort im Haben und im Schauen, Denn die Ehrenkron Folgt auf Spott und Hohn. 14. Jesu, hilf, daß ich Allhier ritterlich Alles durch dich überwinde Und in deinem Sieg empfinde, Wie so ritterlich Du gekämpft für mich. 15. Du mein Preis und Ruhm, Werthe Saronsblum! In mir soll nun nichts erschallen, Als was dir nur kann gefallen, Werthe Saronsblum, Du mein Preis und Ruhm! Adam Drese. 234. zieh, hier bin ich, Ehrenkönig! Lege mich vor deinen Thron; Schwache Thränen, Kindlich Sehnen Bring ich dir, du Menschensohn! Laß dich finden, Laß dich finden Von mir, der ich Asch und Thon. 2. Sieh doch auf mich! Herr, ich bitt dich, Lenke mich nach deinem Sinn. Dich alleine Ich nur meine, Dein erkaufter Erb ich bin. Laß dich finden, Laß dich finden! Gieb dich mir und nimm mich hin. 3. Ich begehre Nichts, o Herre! Als nur deine freie Gnad, Die du giebest, Den du liebest, Und der dich liebt in der That. Laß dich finden, Laß dich finden! Der hat alles, der dich hat. 4. Himmelssonne! Seelenwonne! Unbeflecktes Gotteslamm! In der Höhle, Meine Seele Suchet dich, o Bräutigam! Laß dich finden, Laß dich finden, Starker Held aus Davids Stamm! 5. Hör, wie kläglich, Wie beweglich Dir die treue Seele singt; Wie demüthig Und wehmüthig Deines Kindes Stimme klingt! Laß dich finden, Laß dich finden! Dann mein Herze zu dir dringt. 208 Liebe zu Jesu. 6. Dieser Zeiten Eitelkeiten, Reichthum, Bollust, Chr und Freud Sind nur Schmerzen Meinem Herzen, Belches sucht die Ewigkeit. Laß dich finden, Laß dich finden! Großer Gott, ich bin bereit. Joachim Reander. Bolfsweise. 235. Was hätt ich, hätt ich Jefum nicht Auf ewig mir erforen? Für flüchtge Freude ewgen Schmerz! Ach, ohne Jesum, armes Herz, Hättst du dich selbst verloren! 2. Was könnte mir die ganze Welt Für meinen Jesum geben? Und wär die ganze Welt auch mein! Nein sollt ich ohne Jesum sein, Da möcht ich auch nicht leben. 3. Wer war mein Tröster dann im Schmerz? Wer auf dem Sterbebette? Wer einst am Tage des Gerichts? Ach, hier und dort hätt ich ja nichts, Wenn ich nicht Jesum hätte. 4. Ich hätte nichts als ewge Pein Für stundenlang Gr gößen. Ach, ohne Jesum dort und hier, Gedanke, weiche fern von mir, Gedanke voll Entsegen! 5. Nun aber, da ich Jesum hab, welch ein reiches Leben! Ist Erde doch und Himmel sein; Drum ist auch Alles, Alles mein, Weil er sich mir gegeben. A. Moraht. Weise: Meine Seele, willst du ruhn. 236. Weil ich Jeſu Schäflein bin, Freu ich mich nur immerhin Ueber meinen guten Hirten, Der mich schön weiß zu bewirthen, Der mich liebet, der mich fennt, Und bei meinem Namen nennt. 2. Unter ſeinem sanften Stab Geh ich aus und ein und hab Unaussprechlich süße Weide, Daß ich keinen Hunger leide; Und so oft ich durstig bin, Führt er mich zum Brunnquell hin. 3. Sollt ich denn nicht fröhlich sein, Ich beglücktes Schäfelein? Denn nach diesen schönen Tagen Werd ich Liebe zu Jesu. 209 endlich heimgetragen In des Hirten Arm und Schook. Amen, ja mein Glück ist groß. Luise v. Hayn. Beise: Balet will ich dir geben. 237. Wenn Alle untreu werden, So bleib ich dir doch treu, Daß Dankbarkeit auf Erden Nicht aus gestorben sei. Für mich umfing dich Leiden, Bergingst für mich im Schmerz; Drum geb ich dir mit Freuden Auf ewig dieses Herz. 2. Oft muß ich bitter weinen, Daß du gestorben bist, Und mancher von den Deinen Dich lebenslang vergißt. Von Liebe nur durchdrungen Hast du so viel gethan; Und doch bist du verklungen Und Keiner denkt daran. 3. Du stehst voll treuer Liebe Noch immer Jedem bei; Und wenn dir keiner bliebe, So bleibst du dennoch treu. Die treuste Liebe steget; Am Ende fühlt man sie, Weint bitterlich und schmieget Sich kindlich an dein Knie. 4. Ich habe dich empfunden; O lasse nicht von mir. Laß innig mich verbunden Auf ewig sein bei dir. Ginst schauen meine Brüder Auch wieder himmelwärts Und sinken liebend nieder Und fallen dir ans Herz. Novalis. Weise: Ringe recht, wenn Gottes Gnade. 238. Wenn doch alle Seelen wüßten, Jesu, daß du freundlich bist, Und der Zustand wahrer Christen Unaussprechlich selig ist. 2. Ach, wie würden sie mit Freuden Aus der Weltge: meinschaft gehn Und bei deinem Blut und Leiden Fest und unbeweglich stehn! Ernst Gottlieb Woltersdorf. 239. Wenn ich ihn nur habe, Wenn er mein nur iſt, Wenn mein Herz bis hin zum Grabe Seine Treue nie vergißt: Weiß ich nichts vom Leide, Fühle nichts als Andacht, Lieb und Freude. 210 Liebe zu Jesu. 2. Wenn ich ihn nur habe, Laß ich Alles gern, Folg an meinem Wanderstabe Treu gesinnt nur meinem Herrn; Lasse still die Andern Breite, lichte, volle Straße wandern. 3. Wenn ich ihn nur habe, Schlaf ich fröhlich ein. Ewig wird zu süßer Labe Seines Herzens Fluth mir sein, Die mit sanftem Zwingen Alles wird erweichen und durchdringen. 4. Wo ich ihn nur habe, Ist mein Vaterland, Und es fällt mir jede Gabe Wie ein Erbtheil in die Hand; Längst vermißte Brüder Find ich nun in seinen Jüngern wieder. Novalis. 240. Weise: Seelenbräutigam, Jesu, Gottes Samm. er ist wohl, wie du, Jesu, süße Ruh? Unter vielen auserkoren, Leben derer, die verloren, Und ihr Licht dazu, Jesu, süße Ruh! 2. Leben, das den Tod, Mich aus aller Noth Zu er lösen, hat geschmecket, Meine Schulden zugedecket Und mich aus der Noth Hat geführt zu Gott. 3. Glanz der Herrlichkeit, Du bist vor der Zeit Zum Erlöser uns geschenket Und in unser Fleisch versenket In der Füll der Zeit, Glanz der Herrlichkeit! 4. Großer Siegesheld, Tod, Sünd, Höll und Welt, Alle Kraft des großen Drachen Hast du wolln zu Schanden machen Durch das Lösegeld Deines Bluts, o Held! 5. Höchste Majestät, König und Prophet, Deinen Scepter will ich küssen, Ich will sizzen dir zu Füßen, Wie Maria thät, Höchste Majestät! 6. Laß mich deinen Ruhm, Als dein Eigenthum, Durch des Geistes Licht erkennen, Stets in deiner Liebe brennen, Als dein Eigenthum, Allerschönster Ruhm! 7. 3euch mich ganz in dich, Daß vor Liebe ich Ganz zerrinne und zerschmelze Und auf dich mein Glend wälze, Das stets drücket mich; Zeuch mich ganz in dich! 8. Deiner Sanftmuth Schild, Deiner Demuth Bild Liebe zu Jesu. 211 Mir anlege, in mich präge, Daß kein Zorn noch Stolz sich rege; Vor dir sonst nichts gilt, Als dein eigen Bild. 9. Steure meinem Sinn, Der zur Welt will hin, Daß ich nicht mög von dir wanken, Sondern bleiben in den Schranken; Sei du mein Gewinn, Gieb mir deinen Sinn. 10. Wecke mich recht auf, Daß ich meinen Lauf Unverrückt zu dir fortsege, Und mich nicht in seinem Netze Satan halte auf; Fördre meinen Lauf. 11. Deines Geistes Trieb In die Seele gieb, Daß ich wachen mög und beten, Freudig vor dein Äntlig treten; Ungefärbte Lieb In die Seele gieb. 12. Wenn der Wellen Macht In der trüben Nacht Will des Herzens Schifflein decken, Wollst du deine Hand ausstrecken; Habe auf mich Acht, Hüter in der Nacht. 13. Einen Heldenmuth, Der da Gut und Blut Gern um deinetwillen lasse Und des Fleisches Lüste hasse, Gieb mir, höchstes Gut, Durch dein theures Blut. 14. Solls zum Sterben gehn, Wollst du bei mir stehn, Mich durchs Todesthal begleiten Und zur Herrlichkeit bereiten, Daß ich einst mag sehn Mich zur Rechten stehn. Joh. Anastasius Freylinghausen. 241. Wie schön leuchtet der Morgenstern Voll Gnad und Wahrheit von dem Herrn, Die süße Wurzel Jesse! Du Sohn Davids aus Jakobs Stamm, Mein König und mein Bräutigam, Hast mir mein Herz besefsen: Lieblich, Freundlich, Schön und herrlich groß und ehrlich, reich von Gaben, Hoch und sehr prächtig erhaben. 2. Ei, meine Perl, du werthe Kron, Wahr Gottes und Marien Sohn, Ein hochgeborner König! Mein Herz heißt dich ein Wunderblum; Dein süßes Evangelium Ist lauter Milch und Honig. Ei mein Blümlein, Hostanna! himmlisch Manna, das wir essen, Deiner kann ich nicht vergeffen. Liebe zu Jesu. 3. Geuß sehr tief in mein Herz hinein, Du heller Jaspis und Rubin, Der reinen Liebe Flammen; Erfreue mich, daß ich doch bleib Ein Gliedmaß werth in Einem Leib, Mit dir, dem Haupt, zusammen. Nach dir Ist mir, Makellose Himmelsrose, krank mein Herze Und verwundt von Liebesschmerze. 4. Von Gott kommt mir ein Freudenschein, Wenn mich die holden Augen dein So freundlich thun anblicken. Herr Jesu, mein trautes Gut! Dein Wort, dein Geist, dein Leib und Blut Mich innerlich erquicken. Nimm mich Freundlich In dein Arme, daß ich warme werd von Gnaden; Auf dein Wort komm ich geladen. 212 5. Herr Gott Vater, mein starker Held, Du hast mich ewig vor der Welt In deinem Sohn geliebet; Dein Sohn hat mich ihm selbst vertraut, Er ist mein Schatz, Ich bin sein Braut, Sehr hoch in ihm erfreuet. Eia, Gia, Himmlisch Leben wird er geben mir dort oben, Ewig soll mein Herz ihn loben. 6. Die Harfen stimmt zum Gloria Und laßt die süße Musica Ganz freudenreich erschallen, Daß ich möge mit Jesu fein, Dem wunderschönen Bräutgam mein, In steter Liebe wallen. Singet, Springet, Jubiliret, triumphiret, dankt dem Herren: Groß ist der König der Ehren! 7. Wie bin ich doch so herzlich froh, Daß mein Schatz ist das A und O, Der Anfang und das Ende; Er wird mich doch zu seinem Preis Aufnehmen in das Paradeis, Deß klopf ich in die Hände. Amen! Amen! Komm du schöne Freudenkrone, bleib nicht lange, Deiner wart ich mit Verlangen. Philipp Nicolai. 242. Wie wohl ist mir, o Freund der Seelen, Wenn ich in deiner Liebe ruh! Ich steige aus der Schwermuthshöhlen Und eile deinen Armen zu; Da muß die Nacht des Trauerns scheiden, Wenn mit so angenehmen Freuden Die Liebe strahlt aus deiner Brust. Hier ist Liebe zu Jesu. 213 mein Himmel schon auf Erden. Wer wollte nicht vergnüget werden, Der in dir suchet Ruh und Lust? 2. Die Welt mag meine Feindin heißen, Es sei also; ich trau ihr nicht, Wenn sie mir gleich will Lieb erweisen Bei einem freundlichen Gesicht. In dir vergnügt sich meine Seele, Du bist mein Freund, den ich erwähle; Du bleibst mein Freund, wenn Freundschaft weicht. Der Welthaß kann mich doch nicht fällen, Weil in den stärksten Unglückswellen Mir deine Treu den Anker reicht. 3. Will mich des Moses Eifer drücken, Blißt auf mich des Gesetzes Weh, Droht Straf und Hölle meinem Rücken, So steig ich gläubig in die Höh Und flich in deine Seitenwunden; Da hab ich schon den Ort gefunden, Wo mich kein Fluchstrahl treffen kann. Tritt alles wider mich zusammen, Du bist mein Heil, wer will verdammen? Die Liebe nimmt sich meiner an. 4. Führst du mich in die Kreuzeswüsten, Ich folg und lehne mich auf dich. Du nährest aus den Wolkenbrüsten Und labest aus dem Felsen mich. Ich traue deinen Wunderwegen, Sie enden sich in Lieb und Segen; Genug, wenn ich dich bei mir hab. Ich weiß, wen du willst Ehrbezieren Und über Sonn und Sternen führen, Den führest du zuvor hinab. 5. Der Tod mag andern düster scheinen, Mir nicht, weil Seele, Herz und Muth In dir, der du verläsfest feinen, allerliebstes Leben, ruht. Wen kann des Weges End erschrecken, Wenn er aus mördervollen Hecken Gelanget in die Sicherhelt? Mein Licht! so will ich auch mit Freuden Aus dieser finstern Wildniß scheiden Zu deiner Ruh der Ewigkeit. 6. Wie ist mir dann, o Freund der Seelen, So wohl, wenn ich mich lehn auf dich! Mich kann Welt, Noth und Tod nicht quälen, Weil du, mein Gott, vergnügest mich. Laß solche Ruh in dem Gemüthe Nach deiner unumschränkten Güte Des Himmels süßen Vorschmack sein. 214 Gebetsleben. Weg Welt, mit allen Schmeicheleien! Nichts kann, als Jesus, mich erfreuen. O reicher Trost, mein Freund ist mein. Wolfgang Christoph Dreßler. Mo 243. Wo ist Jefus, mein Verlangen, Mein Geliebter und mein Freund? Ach, wo ist er hingegangen? Wo mag er zu finden sein? 2. Meine Seel ist sehr betrübet, Von viel Sünd und Ungemach. Wo ist Jesus, den sie liebet, Den sie suchet Nacht und Tag. 3. Ach, ich ruf vor Angst und Schmerzen: Wo ist denn mein Jesus hin? Keine Ruh hab ich im Herzen So lang, bis ich bei ihm bin. 4. Ach, wer giebt mir Tauben- Flügel, Daß ich kann zu jeder Frist Fliegen über Berg und Hügel, Suchen, wo mein Jesus ist. 5. Er vertreibet Angst und Schmerzen. Er vertreibet Sünd und Tod, Wenn sie quälen in dem Herzen. Er hilft uns aus jeder Noth. 6. Darum will ich nicht ablaffen, Will ihn suchen hin und her; In den Feldern, auf den Straßen Will ich suchen mehr und mehr. Gebetsleben. Allgemeine Betlieder. 244. Weise: Straf mich nicht in deinem Zorn. Betgemeinde, heilge dich Mit dem heilgen Dele! Jesu Geist ergieße sich Dir in Herz und Seele! Laß den Mund Alle Stund von Gebet und Flehen Heilig übergehen. Allgemeine Betlieder. 2. Heilige den heilgen Brand, Deines Geists Verlangen, Dem, ders Blut an dich gewandt, Heilig anzuhangen. Heilger Rauch Sei es auch, Der zu Gott aufgehet, Wenn dein Herze flehet. 215 3. Das Gebet der frommen Schaar, Was sie fleht und bittet, Das wird auf dem Rauchaltar Vor Gott ausgeschüttet; Und da ist Jesus Christ Priester und Verfühner Aller seiner Diener. 4. Kann ein einiges Gebet Einer gläubgen Seelen, Wenns zum Herzen Gottes geht, Seines Zwecks nicht fehlen: Was wirds thun, Wenn sie nun Alle vor ihn treten Und zusammen beten? 5. Wenn die Heilgen dort und hier, Große mit den Kleinen, Engel, Menschen mit Begier Alle sich vereinen, Und es geht Ein Gebet Aus von ihnen allen: Wie muß das erschallen! 6. Oder unerkannten Macht Von der Heilgen Beten! Ohne das wird nichts vollbracht So in Freud als Nöthen. Schritt für Schritt Wirkt es mit Wie zum Sieg der Freunde, So zum End der Feinde. 7. O, so betet alle drauf, Betet immer wieder: Heilge Hände hebet auf, Heiligt eure Glieder! Heiliget Das Gebet, Das zu Gott sich schwinget; Betet, daß es dringet! 8. Betet, daß die letzte Zeit Vollends übergehe, Daß man Christi Herrlichkeit Offenbaret sehe; Stimmet ein Insgemein Mit der Engel Sehnen Nach dem Tag, dem schönen. 9. Eure Bitten, die ihr thut Zu Gott von der Erden, Sollen eine heilge Glut Des Altares werden. Aber eur Eignes Feur Lasset weit von dannen Von der heilgen Pfannen. 10. Das Gebet hat Christi Gunst, Wo mans ernstlich übet; Und das ist der Heilgen Kunst: Beten, wie ers liebet, Daß gescheh Je und je, Wie ers vorgenommen Auf sein endlichs Kommen. Gebetsleben. 11. Dies Verlangen muß vorher In der Seele glimmen, So macht aus dem Bitten er Donner, Bliß und Stimmen; Die ergehn Und geschehn, Daß die Feinde beben Und Gott Ehre geben. Christ. Carl Ludwig von Pfeil. 216 Weise: Christus, der ist mein Leben. 245. Die Gnade fei mit Allen, Die Gnade unsers Herrn, Des Herrn, dem wir hier wallen Und sehn sein Kommen gern. 2. Auf dem so schmalen Pfade Gelingt uns gar kein Tritt, Es gehe seine Gnade Denn bis zum Ende mit. 3. Auf Gnade darf man trauen, Man traut ihr ohne Reu, Und wenn uns je will grauen, So bleibt der Herr doch treu. 4. Die Gnade, die den Alten Half zwei Weh überstehn, Wird die ja auch erhalten, Die in dem dritten stehn. 5. Wird stets der Jammer größer, So glaubt und ruft man noch: Du mächtiger Erlöser, Du kommst, so komme doch! 6. Damit wir nicht erliegen, Muß Gnade mit uns sein; Denn sie flößt zu dem Siegen Geduld und Glauben ein. 7. So scheint uns nichts ein Schade, Was man um Jeſum mißt; Der Herr hat eine Gnade, Die über Alles ist. 8. Bald ist es überwunden Nun durch des Lammes Blut, Das in den schwersten Stunden Die größten Thaten thut. 9. Herr, laß es Dir gefallen; Noch immer rufen wir: Die Gnade fei mit Allen, Die Gnade sei mit mir. Philipp Friedr. Hiller. 246. Dir, hir, dir, Jehova! will ich singen; Denn wo ist doch ein solcher Gott, wie du? Dir will ich meine Lieder bringen, Ach! gieb mir deines Geistes Kraft dazu, Daß ich es thu im Namen Jesu Christ, So wie es dir durch ihn gefällig ist. Allgemeine Betlieder. 217 2. Zeuch mich, o Vater, zu dem Sohne, Damit dein Sohn mich wieder zieh zu dir; Dein Geist in meinem Herzen wohne Und meine Sinnen und Verstand regier, Daß ich den Frieden Gottes schmeck und fühl Und dir darob im Herzen sing und spiel. 3. Verleih mir, Höchster! solche Güte, So wird gewiß mein Singen recht gethan, So klingt es schön in meinem Liede, Und ich bet dich im Geist und Wahrheit an; So hebt dein Geist mein Herz zu dir empor, Daß ich dir Psalmen sing im höhern Chor. 4. Denn der kann mich bei dir vertreten Mit Seufzern, die ganz unaussprechlich sind, Der lehret mich recht gläubig beten, Giebt Zeugniß meinem Geist, daß ich dein Kind Und ein Miterbe Jesu Christi sei, Daher ich Abba, lieber Vater! schrei. 5. Wenn dies aus meinem Herzen schallet Durch deines heilgen Geistes Kraft und Trieb, So bricht dein Vaterherz und wallet Ganz brünstig gegen mich vor heißer Lieb, Daß mirs die Bitte nicht versagen kann, Die ich nach deinem Willen hab gethan. 6. Was mich dein Geist selbst bitten lehret, Das ist nach deinem Willen eingericht Und wird gewiß von dir erhöret, Weil es im Namen deines Sohns geschicht, Durch welchen ich dein Kind und Erbe bin Und nehme von dir Gnad um Gnade hin. 7. Wohl mir, daß ich dies Zeugniß habe; Drum bin ich voller Trost und Freudigkeit Und weiß, daß alle gute Gabe, Die ich von dir verlanget jederzeit, Die giebst du und thuft überschwenglich mehr, Als ich verstehe, bitte und begehr. 8. Wohl mir! ich bitt in Jesu Namen, Der mich zu deiner Rechten selbst vertritt; In ihm ist alles Ja und Amen, Was ich von dir im Geist und Glauben bitt! Wohl mir! Lob dir jetzt und in Ewigkeit, Daß du mir schenkest solche Seligkeit! Bartholomäus Crasselius. Geistl. Liederbuch. 10 218 Gebetsleben. Weise: Wunderbarer König. 247. Gott ist gegenwärtig! Lasſet uns anbeten Und in Ehrfurcht vor ihn treten. Gott ist in der Mitten: Alles in uns schweige Und sich innigst vor ihm beuge. Wer ihn kennt, Wer ihn nennt, Schlagt die Augen nieder, Kommt, ergebt euch wieder! 2. Gott ist gegenwärtig, Dem die Cherubinen Tag und Nacht gebücket dienen; Heilig, heilig! singen Alle Engelchöre, Wann sie dieses Wesen ehren. Herr, vernimm Unfre Stimm, Da auch wir Geringen Unsre Opfer bringen. 3. Wir entsagen willig Allen Eitelkeiten, Aller Erdenlust und Freuden; Da liegt unser Wille, Seele, Leib und Leben, Dir zum Eigenthum ergeben. Du allein Sollst es sein, Unser Gott und Herre, Dir gebührt die Ehre. 4. Majestätisch Wesen, Möcht ich recht dich preisen Und im Geist dir Dienst erweisen! Möcht ich, wie die Engel, Immer vor dir stehen Und dich gegenwärtig sehen! Laß mich dir Für und für Trachten zu gefallen, Liebster Gott, in allen. 5. Luft, die alles füllet, Drin wir immer schweben, Aller Dinge Grund und Leben; Meer ohn Grund und Ende, Wunder aller Wunder, Ich senk mich in dich hinunter. Ich in dir, Du in mir, Laß mich ganz verschwinden, Dich nur sehn und finden. 6. Du durchdringest alles, Laß dein schönstes Lichte, Herr! berühren mein Gesichte. Wie die zarten Blumen Willig sich entfalten Und der Sonne stille halten, Laß mich so, Still und froh, Deine Strahlen faffen, Und dich wirken lassen. 7. Mache mich einfältig, Innig abgeschieden, Sanfte und im stillen Frieden; Mach mich reines Herzens, Daß ich deine Klarheit Schauen mag in Geist und Wahrheit. Laß mein Herz Ueberwärts Wie ein Adler schweben Und in dir nur leben. 8. Herr, komm in mir wohnen, Laß mein Geist auf Allgemeine Betlieder. 219 Erden Dir ein Heiligthum noch werden! Komm, du nahes Wesen, Dich in mir verkläre, Daß ich dich stets lieb und ehre! Wo ich geh, Siz und steh, Laß mich dich erblicken Und vor dir mich bücken! Gerhard Tersteegen. 248. Ich ruf zu dir, Herr Jesu Christ, Ich bitt, erhör mein Klagen; Verleih mir Gnad zu dieser Frist, Laß mich doch nicht verzagen. Den rechten Weg, v Herr, ich mein, Den wolltest du mir geben, Dir zu leben, Mein'm Nächsten nüß sein, Dein Wort zu halten eben. 2. Ich bitt noch mehr, o Herre Gott, Du kannst es mir wohl geben, Daß ich nicht wieder werd zu Spott, Die Hoffnung gieb daneben; Voraus wenn ich muß hie davon. Daß ich dir mög vertrauen Und nicht bauen Auf alles mein Thun; Sonst wirds mich ewig reuen. 3. Verleih, daß ich aus Herzensgrund Mein'n Feinden mög vergeben; Verzeih mir auch zu dieser Stund, Schaff mir ein neues Leben. Dein Wort mein Speis laß allweg sein, Damit mein Seel zu nähren, Mich zu wehren, Wenn Unglück geht her, Das mich bald möcht verkehren. 4. Laß mich kein Lust noch Furcht von dir In dieser Welt abwenden; Beständig sein ans End gieb mir, Du hasts allein in Händen; Und wem dus giebst, der hats umsonst, Es mag niemand erwerben Noch ererben Durch Werke dein Gnad, Die uns errett vom Sterben. 5. Ich lieg im Streit und widerstreb, Hilf, o Herr Christ, dem Schwachen! An deiner Gnad allein ich kleb, Du kannst mich stärker machen. Kommt nun Anfechtung her, so wehr, Daß sie mich nicht umstoße. Du kannst maßen,*) Daß mirs nicht bringt Gfähr; Ich weiß, du wirsts nicht lasſen. *) bemessen. 249. In dich hab ich gehoffet, Herr! Hilf, daß ich nicht zu Schanden werd, Noch ewiglich zu Spotte. Deß bitt ich dich, Erhalte mich In deiner Treu, Herr Gotte! 10* Gebetsleben. 2. Dein gnädig Ohr neig her zu mir, Erhör mein Bitt, thu dich herfür, Gil bald, mich zu erretten. In Angst und Weh Ich lieg und steh, Hilf mir aus meinen Nöthen. 220 3. Mein Gott und Schirmer, fteh mir bei; Sei mir ein Burg, darin ich frei Und ritterlich mög streiten Wider mein Feind, Der gar viel seind An mir auf beiden Seiten. 4. Du bist mein Stärk, mein Fels, mein Hort, Mein Schild, mein Kraft, sagt mir dein Wort, Mein Hilf, mein Heil, mein Leben; Mein starker Gott In aller Noth! Wer mag mir widerstreben? 5. Mir hat die Welt trüglich gericht Mit Lügen und mit falschem Gdicht Viel Netz und heimlich Stricke. Herr, nimm mein wahr In dieser Gfahr, Bhüt mich vor falschen Tücken. 6. Herr, meinen Geist befehl ich dir: Mein Gott, mein Sott, weich nicht von mir, Nimm mich in deine Hände! O wahrer Gott, Aus aller Noth Hilf mir am letzten Ende. 7. Glorie, Lob, Ehr und Herrlichkeit Sei Gott Vater und Sohn bereit, Dem heilgen Geist mit Namen! Die göttlich Kraft Mach uns steghaft Durch Jesum Christum. Amen. Adam Reißner. 250. Weise: Straf mich nicht in deinem Zorn. ache dich, mein Geist, bereit, Wache, fleh und bete, Daß dich nicht die böse Zeit Unverhofft betrete; Denn es ist Satans List Ueber viele Frommen Zur Versuchung kommen. 2. Aber wache erst recht auf Von dem Sündenschlafe; Denn es folget bald darauf Eine lange Strafe, Und die Noth Samt dem Tod Möchte dich in Sünden Unvermuthet finden. 3. Wache auf, sonst kann dich nicht Unser Herr erleuchten, Wache, sonsten wird sein Licht Dir noch ferne deuchten; Denn Gott will Für die Füll Seiner Gnadengaben Offne Augen haben. Allgemeine Betlieder. 221 4. Wache, daß dich Satans List Nicht im Schlaf antreffe, Weil er sonst behende ist, Daß er dich beäffe; Und Gott giebt, Die er liebt, Oft in seine Strafen, Wenn sie sicher schlafen. 5. Wache, daß dich nicht die Welt Durch Gewalt bezwinge, Oder, wenn sie sich verstellt, Wieder an sich bringe; Wach und sieh, Damit nie Viel von falschen Brüdern Unter deinen Gliedern. 6. Wache dazu auch für dich, Für dein Fleisch und Herze, Damit es nicht lüderlich Gottes Gnad verscherze; Denn es ist Voller List Und kann sich bald heucheln Und in Hoffart schmeicheln. 7. Bete aber auch dabei Mitten in dem Wachen, Denn der Herre muß dich frei Von dem allen machen, Was dich drückt Und bestrickt, Daß du schläfrig bleibest Und sein Werk nicht treibest. 8. Ja, er will gebeten sein, Wenn er was soll geben; Er verlanget unser Schrein, Wenn wir wollen leben Und durch ihn Unsern Sinn, Feind, Welt, Fleisch und Sünden Kräftig überwinden. 9. Doch wohl gut! es muß uns schon Alles glücklich gehen, Wenn wir ihn durch seinen Sohn Im Gebet anflehen; Denn er will Uns mit Füll Seiner Gunst beschütten, Wenn wir gläubig bitten. 10. Drum so laßt uns immerdar Wachen, flehen, beten, Weil die Angst, Noth und Gefahr Immer näher treten; Denn die Zeit JIst nicht weit, Da uns Gott wird richten Und die Welt vernichten. Joh. Burchard Freystein. Weise: Christus, der ist mein Leben. 251. lang ich hier noch walle, Soll dies mein Seufzer sein, Ich sprech bei jedem Falle: Herr, hilf mir! ich bin dein. 2. Wenn ich am Morgen wache Und schlafe Abends ein, Befehl ich Gott die Sache: Herr, hilf mir! ich bin dein. Gebetsleben. 3. Geh ich an die Geschäfte, Bitt ich, daß sie gedeihn, Ihn um Verstand und Kräfte: Herr, hilf mir! ich bin dein. 222 4. Will sich mein Fleisch vergehen, Betrogen von dem Schein, So halt ich an mit Flehen: Herr, hilf mir! ich bin dein. 5. Wenn mich die Sünden kränken, So kann ich noch allein An den Versöhner denken: Herr, hilf mir! ich bin dein! 6. Fühl ich mich schwach im Beten, Und ist mein Glaube klein, Soll mich sein Geist vertreten: Herr, hilf mir! ich bin dein. 7. Wenn ich in Leidenstagen Bei seiner Ruthe wein, So will ich kindlich sagen: Herr, hilf mir! ich bin dein. 8. Will Satan mich berauben, und macht die Welt mir Pein, Nuf ich getrost im Glauben: Herr, hilf mir! ich bin dein. 9. Macht auch mein Herz mir Grauen, Der Herr sei nicht mehr mein, So seufz ich voll Vertrauen: Herr, hilf mir! ich bin dein. 10. In meinen letzten Stunden Schäß ich mich heil und rein Durch meines Heilands Wunden: Er hilft mir! ich bin sein. The Hiller. 252. Vater unser im Himmelreich, Der du uns alle heißest gleich Brüder sein und dich rufen an, Und willst das Beten von uns han: Gieb, daß nicht bet allein der Mund, Hilf, daß es geh von Herzens Grund. 2. Geheilget werd der Name dein, Dein Wort bei uns hilf halten rein, Daß wir auch leben heiliglich, Nach deinem Namen würdiglich; Herr, behüt uns vor falscher Lehr, Das arm verführte Volk bekehr. 3. Es komm dein Reich zu dieser Zeit und dort hernach in Ewigkeit; Der heilge Geist uns wohne bei Mit Allgemeine Betlieder. 223 seinen Gaben mancherlei; Des Satans Zorn und groß Gewalt Zerbrich, vor ihm dein Kirch erhalt. 4. Dein Will gescheh, Herr Gott, zugleich Auf Erden, wie im Himmelreich; Gieb uns Geduld in Leidenszeit, Gehorsam sein in Lieb und Leid; Wehr und steur allem Fleisch und Blut, Das wider deinen Willen thut. 5. Gieb uns heut unser täglich Brot Und was man darf zur Leibesnoth; Behüt uns, Herr, vor Unfried, Streit, Vor Seuchen und vor theurer Zeit, Daß wir in gutem Frieden stehn, Der Sorg und Geizes müßig gehn. 6. All unser Schuld vergieb uns, Herr, Daß sie uns nicht betrüben mehr, Wie wir auch unsern Schuldigern Ihr Schuld und Fehl vergeben gern; Zu dienen mach uns all bereit In rechter Lieb und Einigkeit. G 7. Führ uns, Herr, in Versuchung nicht, Wenn uns der böse Geist ansicht; Zur linken und zur rechten Hand Hilf uns thun starken Widerstand, Im Glauben fest und wohlgerüst Und durch des heilgen Geistes Trost. 8. Von allem Uebel uns erlös, Es sind die Zeit und Tage bös, Erlös uns vom ewigen Tod Und tröst uns in der letzten Noth; Bescher uns auch ein selig End, Nimm unsre Seel in deine Händ. 9. Amen! das ist: es werde wahr; Stärk unsern Glauben immerdar, Auf daß wir ja nicht zweifeln dran, Was wir hiermit gebeten han Auf dein Wort, in dem Namen dein, So sprechen wir das Amen sein. Amen. M. Luther. 253. Wenn wir in höchsten Nöthen sein Und wissen nicht, wo aus noch ein, Und finden weder Hilf noch Rath, Ob wir gleich sorgen früh und spat: 2. So ist dies unser Trost allein, Daß wir zusammen insgemein Dich anrufen, o treuer Gott, Um Rettung aus der Angst und Noth. 3. Und heben unser Aug und Herz Zu dir in wahrer 224 Gebetsleben. Neu und Schmerz, Und suchen der Sünd Vergebung Und aller Strafen Linderung, 4. Die du verheißest gnädiglich Allen, die darum bitten dich Im Namen deins Šohns Jesu Christ, Der unser Heil und Fürsprech iſt. 5. Drum kommen wir, o Herre Gott, Und klagen dir all unsre Noth, Weil wir jetzt stehn verlassen gar In großer Trübsal und Gefahr. 6. Sich nicht an unfre Sünden groß, Sprich uns der selbn aus Gnaden los, Steh uns in unserm Elend bei, Mach uns von allen Plagen frei, 7. Auf daß von Herzen können wir Nachmals mit Freuden danken dir, Gehorsam fein nach deinem Wort, Dich allzeit preisen hier und dort. Paul Eber. Lob- und Danklieder. Psalm 100. Weise: Unser Herrscher, unser König. 254. lle Welt, was lebt und webet, Was in Feld und Häusern ist, Was nur Stimm und Zunge hebet, Jauchze Gott zu jeder Frist! Dienet ihm, wer dienen kann, Tret't mit Lust vor ihn heran! 2. Sprecht: Der Herr ist unser Meister, Er hat uns aus nichts gemacht, Er hat unsre Leib und Geister An die lichte Welt gebracht; Wir sind seiner Allmacht Ruhm, Seine Schaf und Eigenthum. 3. Gehet ein zu seinen Pforten, Geht durch seines Vorhofs Gang; Lobet ihn mit schönen Worten, Saget ihm Lob, Preis und Dank, Denn der Herr ist jederzeit Voller Gnad und Gütigkeit. 4. Gott des Himmels und der Erde, Bater, Sohn und heilger Geist! Daß dein Ruhm bei uns groß werde, Beistand selbst und Hilf uns leist. Gieb uns Kräfte und Begier, Dich zu preisen für und für. Joh. Franc. Lob- und Danklieder. Weise: Es ist das Heil uns kommen. 255. is hieher hat mich Gott gebracht Durch seine große Güte, Bis hieher hat er Tag und Nacht Bewahrt Herz und Gemüthe; Bis hieher hat er mich geleit't, Bis hieher hat er mich erfreut, Bis hieher mir geholfen. 225 2. Hab Lob, hab Ehr, hab Preis und Dank Für die bisherge Treue, Die du, o Gott, mir Lebenslang Bewiesen täglich neue. In mein Gedächtniß schreib ich an: Der Herr hat groß an mir gethan, Bis hieher mir geholfen. 3. Hilf fernerweit, mein treuster Hort, Hilf mir zu allen Stunden; Hilf mir an all und jedem Ort, Hilf mir durch Jesu Wunden! Damit sag ich bis in den Tod: Durch Christi Blut hilf mir, mein Gott! Er hilft, wie er geholfen. Aemilie Juliane, Gräfin zu Schwarzburg- Rudolstadt. Weise: Lobt Gott, ihr Christen allzugleich. 256. dh singe dir mit Herz und Mund, Herr, meines Herzens Lust; Ich sing und mach auf Erden fund, Was mir von dir bewußt. 2. Ich weiß, daß du der Brunn der Gnad Und ewge Quelle seist, Daraus uns allen früh und spat Viel Heil und Gutes fleußt. 3. Was sind wir doch, was haben wir Auf dieser ganzen Erd, Das uns, o Vater, nicht von dir Allein gegeben werd? 4. Wer hat das schöne Himmelszelt Hoch über uns geſeßt? Wer ist es, der uns unser Feld Mit Thau und Regen nett? 5. Wer wärmet uns in Kält und Frost? Wer schüßt uns vor dem Wind? Wer macht es, daß man Del und Most Zu seinen Zeiten findt? 6. Wer giebt uns Leben und Geblüt? Wer hält mit seiner Hand Den güldnen, edlen, werthen Fried In unserm Vaterland? 10** 226 Gebetsleben. 7. Ach Herr, mein Gott, das kommt von dir, Und du mußt alles thun; Du hältst die Wach an unsrer Thür Und läß'st uns sicher ruhn. 8. Du nährest uns von Jahr zu Jahr, Bleibst immer fromm und treu Und stehst uns, wenn wir in Gefahr Gerathen, treulich bei. 9. Du strafft uns Sünder mit Geduld Und schlägst nicht allzusehr; Ja, endlich nimmst du unsre Schuld Und wirfst sie in das Meer. 10. Wenn unser Herze seufzt und schreit, Wirst du gar leicht erweicht Und giebst uns, was uns hoch erfreut Und dir zu Ehren reicht. 11. Du zählst, wie oft ein Christe wein Und was sein Kummer sei; Kein Zähr- und Thränlein ist so klein, Du hebst und legst es bei. 12. Du füllst des Lebens Mangel aus Mit dem, was ewig steht, Und führst uns in des Himmels Haus, Wenn uns die Erd entgeht. 13. Wohl auf, mein Herze, sing und spring Und habe guten Muth! Dein Gott, der Ursprung aller Ding, Ist selbst und bleibt dein Gut. 14. Er ist dein Schaß, dein Erb und Theil, Dein Glanz und Freudenlicht, Dein Schirm und Schild, dein Hilf und Heil, Schafft Nath und läßt dich nicht. 15. Was kränkst du dich in deinem Sinn Und grämst dich Tag und Nacht? Nimm deine Sorg und wirf sie hin Auf den, der dich gemacht. 16. Hat er dich nicht von Jugend auf Versorget und er nährt? Wie manchen schweren Unglückslauf Hat er zurückgekehrt! 17. Er hat noch niemals was verfehn In seinem Regiment; Nein, was er thut und läßt geschehn, Das nimmt ein gutes End. 18. Gi nun, so laß ihn ferner thun Und red ihm nicht Lob und Danklieder. 227 darein, So wirst du hier in Frieden ruhn Und ewig fröhlich sein. Paul Gerhardt. 257. Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren, Meine geliebete Seele, das ist mein Begehren; Kommet zu Hauf, Psalter und Harfe wach auf, Laffet die Musicam hören! 2. Lobe den Herren, der alles so herrlich regieret, Der dich auf Adelers- Fittigen sicher geführet, Der dich erhält, Wie es dir selber gefällt; Hast du nicht dieses verspüret? 3. Lobe den Herren, der künstlich und fein dich bereitet, Der dir Gesundheit verliehen, dich freundlich geleitet! In wie viel Noth Hat nicht der gnädige Gott Ueber dir Flügel gebreitet? 4. Lobe den Herren, der deinen Stand sichtbar gesegnet, Der aus dem Himmel mit Strömen der Liebe geregnet; Denke daran, Was der Allmächtige kann, Der dir mit Liebe begegnet. 5. Lobe den Herren, was in mir ist, Lobe den Namen! Alles, was Odem hat, lobe mit Abrahams Samen! Er ist dein Licht; Seele, vergiß es ja nicht. Lobende, schließe mit Amen! Joachim Neander. Psalm 146. 258. obe obe den Herren, o meine Seele! Ich will ihn loben bis in Tod; Weil ich noch Stunden auf Erden zähle, Will ich lobsingen meinem Gott. Der Leib und Seel gegeben hat, Werde gepriesen früh und spat! Halleluja, Halleluja! 2. Fürsten sind Menschen vom Weibe geboren Und kehren um zu ihrem Staub; Ihre Anschläge sind auch verloren, Wenn nun das Grab nimmt seinen Ranb. Weil denn kein Mensch uns helfen kann, Rufe man Gott um Hilfe an. Halleluja, Halleluja! Gebetsleben. 3. Selig, ja felig ist der zu nennen, Deß Hilfe der Gott Jakobs ist, Welcher vom Glauben sich nichts läßt trennen Und hofft getroft auf Jesum Christ. Wer diesen Herrn zum Beistand hat, Findet am besten Rath und That. Halleluja, Halleluja! 228 4. Dieser hat Himmel, Meer und die Erden Und was darinnen ist, gemacht. Alles muß pünktlich erfüllet werden, Was er uns einmal zugedacht. Er ists, der Herrscher aller Welt, Welcher uns ewig Glauben hält. Halleluja, Halleluja. 5. Zeigen sich welche, die Unrecht leiden, Er ists, der ihnen Recht verschafft. Hungrigen will er zur Speis bescheiden, was ihnen dient zur Lebenskraft. Die hart Ge bundnen macht er frei. Seine Genad ist mancherlei. Halleluja, Halleluja! 6. Sehende Augen giebt er den Blinden; Erhebt, die tief gebeuget gehn. Wo er kann einige Fromme finden, Die läßt er seine Liebe sehn. Sein Aufsicht ist des Fremden Truß; Wittwen und Waisen hält er Schuß. Halleluja, Halleluja! 7. Aber der Gottesvergessnen Tritte Kehrt er mit starker Hand zurück, Daß sie nur machen verkehrte Schritte Und fallen selbst in ihren Strick. Der Herr ist König ewiglich! Zion, dein Gott sorgt stets für dich. Halleluja, Halleluja! 8. Rühmet, ihr Menschen, den hohen Namen Deß, der so große Wunder thut. Alles, was Odem hat, rufe Amen Und bringe Lob mit frohem Muth. Ihr Kinder Gottes, lobt und preist Vater und Sohn und heilgen Geist! Halleluja, Halleluja! Joh. Daniel Herrnschmidt. Weise: Nun lob, mein Seel, den Herren. 259. Man lobt dich in der Stille, Du hocherhabner Zions- Gott! ist dir, du starker Zebaoth! Du bist doch Herr auf Erden, Der Frommen Zuversicht; In Trübsal und Beschwerden Lob- und Danklieder. 229 Läßt du die Deinen nicht. Drum soll dich stündlich ehren Mein Mund vor jedermann Und deinen Ruhm vermehren, So lang er lallen kann. 2. Es müssen, Herr, sich freuen Von ganzer Seel und jauchzen schnell, Die unaufhörlich schreien: Gelobt sei der Gott Israel! Sein Name sei gepriesen, Der große Wunder thut Und der auch mir erwiesen Das, was mir nüß und gut. Nun, das ist meine Freude, Daß ich an ihm stets kleb Und niemals von ihm scheide, So lang ich leb und schweb. 3. Herr, du hast deinen Namen Sehr herrlich in der Welt gemacht; Denn als die Schwachen kamen, Hast du gar bald an sie gedacht. Du hast mir Gnad erzeiget; Nun, wie vergelt ichs dir? Ach, bleibe mir geneiget, So will ich für und für Den Kelch des Heils erheben Und preisen weit und breit Dich, Herr, mein Gott, im Leben Und dort in Ewigkeit. Joh. Rist. 260. Jun danket alle Gott Mit Herzen, Mund und Händen, Der große Dinge thut An uns und allen Enden, Der uns von Mutterleib Und Kindesbeinen an Unzählig viel zu gut Und noch jetzund gethan. 2. Der ewig reiche Gott Woll uns bei unserm Leben Ein immer fröhlich Herz Und edlen Frieden geben Und uns in seiner Gnad Erhalten fort und fort Und uns aus aller Noth Erlösen hier und dort. 3. Lob, Chr und Preis sei Gott, Dem Vater und dem Sohne Und dem, der beiden gleich Im hohen Himmelsthrone, Dem dreieinigen Gott, Als es im Anfang war Und ist und bleiben wird Jeßund und immerdar. Martin Rinkart. 261. Jun danket all und bringet Ghr, Ihr Menschen in der Welt, Dem, dessen Lob der Engel Heer Im Himmel stets vermeldt. 230 Gebetsleben. 2. Ermuntert euch und singt mit Schall Gott, unferm höchsten Gut, Der seine Wunder überall Und große Dinge thut; 3. Der uns vom Mutterleibe an Frisch und gesund er hält Und, wo kein Mensch nicht helfen kann, Sich selbst zum Helfer stellt; 4. Der, ob wir ihn gleich hoch betrübt, Doch bleibet gutes Muths, Die Straf erläßt, die Schuld vergiebt Und thut uns alles Guts. 5. Er gebe uns ein fröhlich Herz, Erfrische Geist und Sinn Und werf all Angst, Furcht, Sorg und Schmerz Ins Meeres Tiefe hin. 6. Er laffe seinen Frieden ruhn In Israelis Land; Er gebe Glück zu unserm Thun Und Heil in allem Stand. 7. Er laffe seine Lieb und Güt Um, bei und mit uns gehn; Was aber ängstet und bemüht, Gar ferne von uns stehn. 8. So lange dieses Leben währt, Sei er stets unser Heil Und bleib auch, wenn wir von der Erd Abscheiden, unser Theil. 9. Er drücke, wenn das Herze bricht, Uns unsre Augen zu Und zeig uns drauf sein Angesicht Dort in der ewgen Ruh. Paul Gerhardt. Psalm 103. 262. un lob, mein Seel, den Herren, Was in mir ist, den Namen sein! Sein Wohlthat thut er mehren, Vergiß es nicht, o Herze mein; Hat dir dein Sünd vergeben Und heilt dein Schwachheit. groß, Errett dein armes Leben, Nimmt dich in seinen Schooß, Mit reichem Trost beschüttet, Verjüngt dem Adler gleich; Der König schafft Recht, behütet, Die leiden in seinem Reich. 2. Er hat uns wissen lassen Sein heilges Recht und sein Gericht, Dazu sein Güt ohn Maßen; Es mangelt an Lob- und Danklieder. 231 seinr Erbarmung nicht! Sein Zorn läßt er bald fahren, Straft nicht nach unsrer Schuld; Die Gnad thut er nicht sparen, Den Blöden ist er hold, Sein Güt ist hoch erhaben Ob den'n, die fürchten ihn, So fern der Ost vom Abend, Ist unsre Sünd dahin. 3. Wie sich ein Vater erbarmet Uebr seine junge Kinderlein, So thut der Herr uns Armen, So wir ihn kindlich fürchten rein. Er kennt das arm Gemächte Und weiß, wir sind nur Staub, Gleichwie das Gras von Rechte, Ein Blum und fallend Laub; Der Wind nur drüber wehet, So ist es nimmer da! Also der Mensch vergehet, Sein End das ist ihm nah. 4. Die Gottesgnad alleine Bleibt stet und fest in Ewigfeit Bei seiner liebn Gemeine, Die steht in seiner Furcht bereit, Die seinen Bund behalten; Er herrscht im Himmelreich. Ihr starken Engel, waltet Seins Lobs und dient zugleich Dem großen Herrn zu Ehren Und treibt sein heilges Wort. Mein Seel soll auch vermehren Sein Lob an allem Ort. Joh. Poliander. 263. Jun laßt uns Gott dem Herren Dank sagen und ihn ehren Von wegen seiner Gaben, Die wir empfangen haben. 2. Den Leib, die Seel, das Leben Hat er allein uns geben; Dieselben zu bewahren, Thut er ja nichtes sparen. 3. Nahrung giebt er dem Leibe; Die Seele muß auch bleiben, Wiewohl tödtliche Wunden Sind kommen von der Sünden. 4. Ein Arzt ist uns gegeben, Der selber ist das Leben: Christus, für uns gestorben, Hat uns das Heil erworben. 5. Sein Wort, sein Tauf, sein Nachtmahl Dient wider allen Unfall; Der heilge Geist im Glauben Lehrt uns darauf vertrauen. 6 Durch ihn ist uns vergeben Die Sünd, geschenkt das 232 Gebetsleben. Leben, Den Himmel solln wir haben: O Gott, wie große Gaben! 7. Wir bitten deine Güte: Wollft uns hinfort behüten, Uns Große mit den Kleinen; Du kannsts nicht böse meinen. 8. Erhalt uns in der Wahrheit, Gieb ewigliche Freiheit, 3u preifen deinen Namen Durch Jesum Christum, Amen! Ludwig Helmbold. 264. daß ich tausend Zungen hätte Und einen tausendfachen Mund! So stimmt ich damit in die Wette Vom allertiefsten Herzensgrund Ein Loblied nach dem andern an Von dem, was Gott an mir gethan. 2. O daß doch meine Stimme schallte Bis dahin, wo die Sonne steht! O daß mein Blut mit Jauchzen wallte, So lang es noch im Laufe geht! Ach, wär ein jeder Puls ein Dank Und jeder Odem ein Gesang! 3. Was schweigt ihr denn, thr meine Kräfte? Auf, auf, braucht allen euren Fleiß Und stehet munter im Geschäfte Zu Gottes, meines Herren, Preis! Mein Leib und Seele, schicke dich Und lobe Gott herzinniglich! 4. Ihr grünen Blätter in den Wäldern, Bewegt und regt euch doch mit mir! Ihr schwanken Gräschen in den Feldern, Ihr Blumen, laßt doch eure Zier Zu Gottes Ruhm belebet sein Und stimmet lieblich mit mir ein! 5. Ach alles! alles, was ein Leben und einen Odem in sich hat, Soll sich mir zum Gehilfen geben; Denn mein Vermögen ist zu matt, Die großen Wunder zu erhöhn, Die allenthalben um mich stehn. 6. Dir sei, o allerliebster Vater, Unendlich Lob für Seel und Leib! Lob sei dir, mildester Berather, Für allen edlen Zeitvertreib, Den du mir in der ganzen Welt Zu meinem Nußen hast bestellt! 7. Mein treuster Jesu, sei gepriesen, Daß dein erbar Lob- und Danklieder. 233 mungsvolles Herz Sich mir so hilfreich hat erwiesen Und mich durch Blut und Todesschmerz Von aller Teufel Grausamkeit zu deinem Eigenthum befreit. 8. Auch dir sei ewig Ruhm und Ehre, O heilig werther Gottesgeist, Für deines Trostes süße Lehre, Die mich ein Kind des Lebens heißt. Ach! wo was Guts von mir geschicht, Das wirket nur dein göttlich Licht. 9. Wer überströmet mich mit Segen? Bist du es nicht, o reicher Gott? Wer schüßzet mich auf meinen Wegen? Du, du, o Herr Gott Zebaoth! Du trägst mit meiner Sündenschuld Unsäglich gnädige Geduld. 10. Vor andern küß ich deine Ruthe, Die du mir aufgebunden haft: Wie viel thut sie mir doch zu Gute Und ist mir eine sanfte Last; Sie macht mich fromm und zeigt dabei, Daß ich von deinen Liebsten sei. 11. Ich hab es ja mein Lebetage Schon so manch liebes Mal gespürt, Daß du mich unter vieler Plage Durch Dick und Dünne haft geführt; Denn in der größesten Gefahr Ward ich dein Trostlicht stets gewahr. 12. Wie sollt ich nun nicht voller Freuden In deinem steten Lobe stehn? Wie sollt ich auch im tiefsten Leiden Nicht triumphirend einhergehn? Und fiele auch der Himmel ein, So will ich doch nicht traurig sein. 13. Drum reiß ich mich jetzt aus der Höhle Der schnöden Eitelkeiten los Und rufe mit erhöhter Seele: Mein Gott, Du bist sehr hoch und groß! Kraft, Ruhm, Preis, Dank und Herrlichkeit Gehört dir jetzt und allezeit. 14. Ich will von deiner Güte singen, So lange sich die Zunge regt, Ich will dir Freudenopfer bringen, So lange sich mein Herz bewegt; Ja, wenn der Mund wird kraftlos sein, So stimm ich doch mit Seufzen ein. 15. Ach! nimm das arme Lob auf Erden, Mein Gott, in allen Gnaden hin, Im Himmel soll es besser werden, Wenn ich ein schöner Engel bin; Da sing ich dir im höhern Chor Viel tausend Halleluja vor. Joh. Menger. Gebetsleben. 265. Weise: Es ist das Heil uns kommen her... ei Lob und Ehr dem höchsten Gut, Dem Vater aller Güte, Dem Gott, der alle Wunder thut, Dem Gott, der mein Gemüthe Mit seinem reichen Trost erfüllt, Dem Gott, der allen Jammer stillt. Gebt unserm Gott die Ehre! 234 2. Gs danken dir die Himmelsheer, O Herrscher aller Thronen! Und die auf Erden, Luft und Meer In deinem Schatten wohnen, Die preisen deine Schöpfermacht, Die alles also wohlbedacht. Gebt unserm Gott die Ehre! 3. Was unser Gott geschaffen hat, Das will er auch erhalten, Darüber will er früh und spat Mit seiner Gnade walten. In seinem ganzen Königreich Ist alles recht, alles gleich. Gebt unserm Gott die Ehre! 4. Ich rief dem Herrn in meiner Noth: Ach Gott, vernimm mein Schreien! Da half mein Helfer mir vom Tod Und ließ mir Trost gedeihen. Drum dank, ach Gott, drum dank ich dir; Ach danket, danket Gott mit mir! Gebt unserm Gott die Ehre! 5. Der Herr ist noch und nimmer nicht von seinem Volk geschieden; Er bleibet ihre Zuversicht, Ihr Segen, Heil und Frieden. Mit Mutterhänden leitet er Die Seinen stetig hin und her. Gebt unserm Gott die Ehre! 6. Wenn Trost und Hilf ermangeln muß, Die alle Welt erzeiget, So kommt, so hilft der Üeberfluß, Der Schöpfer selbst, und neiget Die Vateraugen deme zu, Der sonsten nirgends findet Ruh. Gebt unserm Gott die Ehre! 7. Ich will dich all mein Lebenlang, O Gott, von nun an ehren; Man soll, Gott, deinen Lobgesang An allen Orten hören. Mein ganzes Herz ermuntre sich, Mein Geist und Leib erfreue dich. Gebt unserm Gott die Ehre! 8. Ihr, die ihr Christi Namen nennt, Gebt unserm Gott die Ehre! Jhr, die ihr Gottes Macht bekennt, Gebt unserm Gott die Ehre! Die falschen Götzen macht zu Lob- und Danklieder. 235 Spott; Der Herr ist Gott, der Herr ist Gott! Gebt unserm Gott die Ehre! 9. So kommet vor sein Angesicht Mit jauchzenvollem Springen, Bezahlet die gelobte Pflicht Und laßt uns fröhlich singen: Gott hat es alles wohl bedacht Und alles, alles recht gemacht! Gebt unserm Gott die Ehre! Joh. Jakob Schütz. 266. ollt ich meinem Gott nicht singen, Sollt ich ihm nicht fröhlich sein? Denn ich seh in allen Dingen, Wie so gut ers mit mir mein. Ist doch nichts als lauter Lieben, Das sein treues Herze regt, Das ohn Ende hebt und trägt, Die in seinem Dienst sich üben. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit. 2. Wie ein Adler sein Gefieder Ueber seine Jungen streckt, Also hat auch hin und wieder Mich des Höchsten Arm gedeckt, Alsobald im Mutterleibe, Da er mir mein Wesen gab Und das Leben, das ich hab Und noch diese Stunde treibe. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit. 3. Sein Sohn ist ihm nicht zu theuer, Nein, er giebt ihn für mich hin, Daß er mich vom ewgen Feuer Durch sein theures Blut gewinn. Odu unergründter Brunnen! Wie will doch mein schwacher Geist, Ob er sich gleich hoch befleißt, Deine Tief ergründen können? Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit. 4. Seinen Geist, den edlen Führer, Giebt er mir in ſeinem Wort, Daß er werde mein Regierer Durch die Welt zur Himmelspfort, Daß er mir mein Herz erfülle Mit dem hellen Glaubenslicht, Das des Todes Reich zerbricht Und die Hölle selbst macht stille. Alles Ding währt ſeine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit. 5. Meiner Seelen Wohlergehen Hat er ja recht wohl bedacht; Will dem Leibe Noth zustehen, Nimmt ers gleichfalls wohl in Acht. Wenn mein Können, mein Vermögen 236 Gebetsleben. Nichts vermag, nichts helfen kann, Kommt mein Gott und hebt mir an Sein Vermögen beizulegen. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit. 6. Himmel, Erd und ihre Heere Hat er mir zum Dienst bestellt; Wo ich nur mein Aug hinkehre, Find ich, was mich nährt und hält: Thier und Kräuter und Getreide, In den Gründen, in der Höh, In den Büschen, in der See, Ueberall ist meine Weide. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit. 7. Wenn ich schlafe, wacht sein Sorgen Und ermuntert mein Gemüth, Daß ich alle liebe Morgen Echaue neue Lieb und Güt. Wäre mein Gott nicht gewesen, Hätte mich sein Angesicht Nicht geleitet, wär ich nicht Aus so mancher Angst genesen. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit. 8. Wie so manche schwere Plage Wird vom Satan rumgeführt, Die mich doch mein Lebetage Niemals noch bisher berührt; Gottes Engel, den er sendet, Hat das Böse, was der Feind Anzurichten war gemeint, In die Ferne weggewendet. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit. 9. Wie ein Vater seinem Kinde Sein Herz niemals ganz entzeucht, Ob es gleich bisweilen Sünde Thut und aus der Bahne weicht, Also hält auch mein Verbrechen Mir mein frommer Gott zu gut, Will mein Fehlen mit der Ruth Und nicht mit dem Schwerte rächen. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit. 10. Seine Strafen, seine Schläge, Ob sie mir gleich bitter seind, Dennoch, wenn ichs recht erwäge, Sind es Zeichen, daß mein Freund, Der mich liebet, mein gedenke Und mich von der schnöden Welt, Die uns hart gefangen hält, Durch das Kreuze zu ihm lenke. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit. 11. Das weiß ich fürwahr und lasse Mirs nicht aus dem Sinne gehn: Christenkreuz hat seine Maße Und muß Lob- und Danklieder. 237 endlich stille stehn. Wenn der Winter ausgeschneiet, tritt der schöne Sommer ein; Also wird auch nach der Pein, Wers erwarten kann, erfreuet. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit. 12. Weil denn weder Ziel noch Ende Sich in Gottes Liebe findt, Gi! so heb ich meine Hände Zu dir, Vater, als dein Kind, Bitte, wollst mir Gnade geben, Dich aus aller meiner Macht Zu umfangen Tag und Nacht, Hier in meinem ganzen Leben, Bis ich dich nach dieser Zeit Lob und lieb in Ewigkeit. Paul Gerhardt. 267. Wen Weise: Es ist das Heil uns kommen her. Jenn ich, o Schöpfer, deine Macht, Die Weisheit deiner Wege, Die Liebe, die für alle wacht, Anbetend überlege, So weiß ich, von Bewunderung voll, Nicht, wie ich dich erheben soll, Mein Gott, mein Herr und Vater! 2. Mein Auge steht, wohin es blickt, Die Wunder deiner Werke. Der Himmel, prächtig ausgeschmückt, Preist dich, du Gott der Stärke. Wer hat die Sonn an ihm erhöht? Wer kleidet sie mit Majestät? Wer ruft dem Heer der Sterne? 3. Wer mißt dem Winde seinen Lauf? Wer heißt die Himmel regnen? Wer schließt den Schooß der Erden auf, Mit Vorrath uns zu segnen? Gott der Macht und Herrlichkeit, Gott, deine Güte reicht so weit, So weit die Wolken reichen! 4. Dich predigt Sonnenschein und Sturm, Dich preist der Sand am Meere. Bringt, ruft auch der geringste Wurm, Bringt meinem Schöpfer Ehre! Mich, ruft der Baum in seiner Pracht, Mich, ruft die Saat, hat Gott gemacht; Bringt unserm Schöpfer Ehre! 5. Der Mensch, ein Leib, den deine Hand So wunderbar bereitet; Der Mensch, ein Geist, den sein Verstand Dich zu erkennen leitet; Der Mensch, der Schöpfung Ruhm 238 Gebetsleben. und Preis, Ist sich ein täglicher Beweis Von deiner Güt und Größe. 6. Erheb ihn ewig, o mein Geist, Erhebe seinen Namen! Gott, unser Vater, sei gepreist, Und alle Welt sag: Amen! Und alle Welt fürcht ihren Herrn Und hoff auf ihn und dien ihm gern! Wer wollte Gott nicht dienen! Gellert. 268. Wie groß ist des Allmächtgen Güte! Ist der ein Mensch, den sie nicht rührt, Der mit verhärtetem Gemüthe Den Dank erstickt, der ihr gebührt? Nein, seine Liebe zu ermessen, Sei ewig meine größte Pflicht. Der Herr hat mein noch nie vergessen; Vergiß, mein Herz, auch seiner nicht! 2. Wer hat mich wunderbar bereitet? Der Gott, der meiner nicht bedarf. Wer hat mit Langmuth mich geleitet? Er, dessen Rath ich oft verwarf. Wer stärkt den Frieden im Gewissen? Wer giebt dem Geiste neue Kraft? Wer läßt mich so viel guts genießen? Ists nicht sein Arm, der alles schafft? 3. Schau, o mein Geist, in jenes Leben, Zu welchem du erschaffen bist, Wo du, mit Herrlichkeit umgeben, Gott ewig sehn wirst, wie er ist. Du haft ein Recht zu diesen Freuden, Durch Gottes Güte sind sie dein. Sieh, darum mußte Christus leiden, Damit du könntest selig sein. 4. Und diesen Gott sollt ich nicht ehren Und seine Güte nicht verstehn? Er sollte rufen, ich nicht hören, Den Weg, den er mir zeigt, nicht gehn? Sein Will ist mir ins Herz geschrieben, Sein Wort bestärkt ihn ewiglich: Gott soll ich über alles lieben Und meinen Nächsten gleich als mich. 5. Dies ist mein Dank, dies ist sein Wille: Ich soll vollkommen sein wie er. Solang ich dies Gebot erfülle, Stell ich sein Bildniß in mir her. Lebt seine Lieb in meiner Seele, So treibt sie mich zu jeder Pflicht; Une Morgenlieder. 239 ob ich schon aus Schwachheit fehle, Herrscht doch in mir die Sünde nicht. 6. Gott, laß deine Güt und Liebe Mir immerdar vor Augen sein! Sie stärk in mir die guten Triebe, Mein ganzes Leben dir zu weihn; Sie tröste mich zur Zeit der Schmerzen, Sie leite mich zur Zeit des Glücks Und sie besieg in meinem Herzen Die Furcht des letzten Augenblicks. Gellert. 269. underbarer König, Herrscher von uns allen, Laß dir unser Lob_gefallen! Deines Vaters Güte Hast du lassen triefen, Ob wir schon von dir wegliefen. Hilf uns noch, Stärk uns doch, Laß die Zunge singen, Laß die Stimme klingen! 2. Himmel, lobe prächtig Deines Schöpfers Thaten Mehr, als aller Menschen Staaten! Großes Licht der Sonnen, Schieße deine Strahlen, Die das große Rund bemalen! Lobet gern Mond und Stern, Seid bereit, zu ehren Einen solchen Herren! 3. O du, meine Seele, Singe fröhlich, singe! Singe deine Glaubenslieder! Was den Odem holet, Jauchze, preise, klinge, Wirf dich in den Staub darnieder! Gr ist Gott Zebaoth, Er ist nur zu loben Hier und ewig droben. 4. Halleluja bringe, Wer den Herren kennet, Wer den Herren Jesum liebet! Halleluja singe, Welcher Christum nennet, Sich von Herzen ihm ergiebet! O wohl dir! Glaube mir, Endlich wirst du droben Ohne Sünd ihn loben. Joachim Neander. Morgenlieder. 270. Aus meines Stefer Morgenſtunde, Dazu mein Herzens ich dir Lob Leben lang, Gott! in deinem Thron, Dir zu Lob, Preis und Ehren Durch Christum, unfern Herren, Dein eingebornen Sohn; Gebetsleben. 2. Daß du mich haft aus Gnaden In der vergangnen Nacht Vor Gfahr und allem Schaden Behütet und bewacht. Ich bitt demüthiglich: Wollst mir mein Sünd vergeben, Womit in diesem Leben Ich hab erzürnet dich. 240 3. Du wollest auch behüten Mich gnädig diesen Tag Vors Teufels List und Wüthen, Vor Sünden und vor Schmach; Vor Feur und Wassersnoth, Vor Armuth und vor Schanden Vor Ketten und vor Banden, Vor bösem schnellen Tod. 4. Mein Seel, mein Leib, mein Leben, Mein Weib, Gut, Ehr und Kind In deine Händ thu geben, Dazu mein Hausgesind,- Ist dein Geschenk und Gab! Mein Eltern und Verwandten, Mein Brüder und Bekannten Und alles, was ich hab. 5. Dein Engel laß auch bleiben Und weichen nicht von mir, Den Satan zu vertreiben, Auf daß der bös Feind hier In diesem Jammerthal Sein Tück an mir nicht übe, Leib und Seel nicht betrübe Und bring mich nicht zu Fall. 6. Gott will ich lassen rathen, Denn er all Ding vers mag. Er gesegne meine Thaten, Mein Vornehmen und Sach! Denn ich ihm heimgestellt Mein Leib, mein Seel, mein Leben Und was er mir sonst geben: Er machs, wies ihm gefällt. 7. Darauf so sprech ich Amen Und zweiffe nicht daran, Gott wird es alls zusammen Ihm wohlgefallen lan. Und streck nun aus mein Hand, Greif an das Werk in Frieden, Das Gott mir hat beschieden In mein'm Beruf und Stand. Joh. Mathesius. Weise: Christus, der uns selig macht. 271. Christe, wahres Seelenlicht, Deiner Christen Sonne, du klares Angesicht, Der Betrübten Wonne, Deiner Güte Lieblichkeit Ist neu alle Morgen; In dir bin ich recht erfreut, Darf nicht übrig sorgen. Morgenlieder. 241 2. Wecke mich vom Sündenschlaf, Der du bist das Leben, Neues Leben in mir schaff; Denn hast du gegeben Dieſer Welt das Sonnenlicht, Welches all erfreuet, Wirst du mich ja laffen nicht Täglich unerneuet. 3. Ohne Licht steht man kein Licht, Ohne Gottes Leuchten Sieht ein Mensch auch Christum nicht, Der uns muß befeuchten Mit dem hellen Himmelsthau Seiner süßen Lehre; Drum, Herr Christe, auf mich schau Und dich zu mir kehre. 4. Kehre zu mir deine Güt, Freundlich mich anblicke, Daß mein innerstes Gemüth Sich in die erquické Und die füße Himmelslust Mit Begierde schmecke; Sonsten sei mir nichts bewußt, So da Freud erwecke. 5. Laß ja ferne von mir sein Hoffart, Augenweide; Fleischeslust und Augenschein, Jesu, mir verleide, Damit sich die Welt ergößt Zu ihr'r selbst Verderben; Denn was ste fürs beste schäßt, Machet ewig sterben. 6. Nun so bleibe stets mein Licht, Jesu, meine Freude, Bis der frohe Tag anbricht, Da nach allem Leide Ich in weißer Kleiderpracht Freudig werde springen Und, daß Gott es wohl gemacht, Ohn Aufhören singen. 272. Der Tag vertreibt die finstre Nacht, Brüder, O seid munter und wacht, Dienet Gott dem Herren! 2. Die Engel singen immerdar Und loben Gott in großer Schaar, Der alles regieret. 3. Die Hähn und Vögel mancherlei Loben Gott mit ihrem Geschrei, Der stie speist und kleidet. 4. Der Himmel, die Erd und das Meer Geben dem Herren Lob und Ehr, Thun sein Wohlgefallen. 5. Alles, was je geschaffen ward, Ein jeglich Ding nach seiner Art, Preiset feinen Schöpfer. 6. Ei nun, Mensch, so edler Natur, O vernünftige Kreatur, Sei nicht so verdrossen! Geistl. Liederbuch. 11 Gebetsleben. 7. Gedenk, daß dich dein Herre Gott Zu seinem Bild geschaffen hat, Daß du ihn erkennest, 242 8. Und lieb hättest aus Herzensgrund, Auch bekenneft mit deinem Mund, Sein also genösfest. 9. Weil du nun seinen Geist gekost Und seiner Gnad genossen hast, So dank ihm von Herzen. 10. Sei munter, bet mit Fleiß und wach, Sich, daß du stets in seiner Sach Treu werdest befunden. 11. Du weißt nicht, wann der Herre kömmt, Denn er dir keine Zeit bestimmt, Sondern stets heißt wachen. 12. So üb dich nun in seinem Bund, Lob ihn mit Herzen, That und Mund, Dank ihm seiner Wohlthat. 13. Sprich: O Vater von Ewigkeit, Ich dank dir aller Gütigkeit, Mir bisher erzeiget, 14. Durch Jesum Christum, deinen Sohn, Welchem samt dir im höchsten Thron All Engel lobsingen. 15. Hilf, Herr, daß ich dich in gleicher Weis Von nun an allzeit lob und preis In Ewigkeit. Amen. Michael Weiß. Weise: Wo Gott zum Haus nicht giebt sein Gunst. 273. es Morgens, wenn ich früh aufsteh Und des Abends zu Bette geh, Sehn meine Augen, Herr, auf dich, Herr Jesu! dir befehl ich mich. 2. In den heilgen fünf Wunden dein, Da kann ich ruhn und sicher sein Mit Leib und Seele, Hab und Gut; Mein Schatz ist dein heiliges Blut. 3. Denn, o Herr Christ! am Kreuzesstamm Dein heilges Blut die Sünd hinnahm; Drum ich wach oder schlafe ein, Thust du, Herr, allzeit bei mir sein. 4. Dein Engel mir stets halten Wacht, Drum ich Tod, Teufel, Höll nicht acht; Denn wo ich bin, bist du bei mir, Mein Glück und Kreuz kommt alls von dir. 5. Ich leb oder sterb, so bin ich dein; Darum ich dir Morgenlieder. die Seele mein Befehl jeßzund und auch im Tod: Nimm sie zu dir, o treuer Gott! 243 274. Die güldne Sonne, voll Freud und Wonne, Bringt unsern Gränzen mit ihrem Glänzen Ein herzerquickendes, liebliches Licht. Mein Haupt und Glieder, die lagen darnieder, Aber nun steh ich, bin munter und fröhlich, Schaue den Himmel mit meinem Gesicht. 2. Mein Auge schauet, was Gott gebauet Zu seinen Ehren und uns zu lehren, Wie sein Vermögen sei mächtig und groß, Und wo die Frommen dann sollen hinkommen, Wann sie mit Frieden von hinnen geschieden Aus dieser Erden vergänglichem Schooß. 3. Lasset uns singen, dem Schöpfer bringen Güter und Gaben, was wir nur haben, Alles sei Gotte zum Opfer gesetzt. Die besten Güter sind unsre Gemüther, Dankbare Lieder sind Weihrauch und Widder, An welchen er sich am meisten ergößt. 4. Abend und Morgen sind seine Sorgen, Segnen und mehren Unglück verwehren Sind seine Werke und Thaten allein. Wenn wir uns legen, so ist er zugegen, Wenn wir aufstehen, so läßt er aufgehen Ueber uns ſeiner Barmherzigkeit Schein. 5. Ich hab erhoben zu dir hoch droben All meine Sinnen, laß mein Beginnen Ohn allen Anstoß und glücklich ergehn. Laster und Schande, des Lucifers Bande, Fallen und Tücke treib ferne zurücke, Laß mich auf deinen Geboten bestehn. 6. Laß mich mit Freuden ohn alles Neiden Sehen den Segen, den du wirst legen In meines Bruders und Nähesten Haus. Geiziges Brennen, unchristliches Rennen Nach Gut mit Sünde, das tilge geschwinde Von meinem Herzen und wirf es hinaus. 7. Menschliches Wesen, was ists gewesen? In einer 11* Gebetsleben. Stunde geht es zu Grunde, Sobald das Lüftlein des Todes drein bläft. Alles in allen muß brechen und fallen, Himmel und Erden die müssen das werden, Was ste vor ihrer Erschaffung gewest. 244 8. Alles vergehet, Gott aber stehet Ohn alles Wanken, seine Gedanken, Sein Wort und Willen hat ewigen Grund. Sein Heil und Gnaden, die nehmen nicht Schaden, Heilen im Herzen die tödtlichen Schmerzen, Halten uns zeitlich und ewig geſund. 9. Gott, meine Krone, vergieb und schone! Laß meine Schulden in Gnad und Hulden Aus deinen Augen ſein abgewandt. Sonsten regiere mich, lenke und führe, Wie dirs gefället; ich habe gestellet Alles in deine Beliebung und Hand. 10. Willst du mir geben, womit mein Leben Ich kann ernähren, so laß mich hören Allzeit im Herzen dies heilige Wort: Gott ist das Größte, das Schönste, das Beste, Gott ist das Süßste und Allergewißte, Aus allen Schäßen der edelste Hort. 11. Willst du mich kränken, mit Gallen tränken, Und foll von Plagen ich auch was tragen, Wohlan, so mach es, wie dir es beliebt! Was gut und tüchtig, was schädlich und nichtig Meinem Gebeine, das weißt du alleine, Haft niemals keinen zu sehre betrübt. 12. Kreuz und Elende, das nimmt ein Ende; Nach Meeresbrausen und Windessausen Leuchtet der Sonnen gewünschtes Gesicht. Freude die Fülle und selige Stille Hab ich zu warten im himmlischen Garten, Dahin sind meine Gedanken gericht. Paul Gerhardt. Weise: Herr Jesu Christ, meins Lebens Licht. 275. Die helle Sonn leucht jeßt herfür, Fröhlich vom uns heut diese Nacht Behüt hat vor des Teufels Macht. 2. Herr Christ, den Tag uns auch behüt Vor Sünd Morgenlieder. und Schand durch deine Güt; Laß deine lieben Engelein Unsre Hüter und Wächter sein. 245 3. Daß unser Herz im Ghorsam leb, Dein'm Wort und Willn nicht widerstreb, Daß wir dich stets vor Augen han In allem, was wir fangen an. 4. Laß unser Werk gerathen wohl, Was ein jeder ausrichten soll, Daß unsre Arbeit, Müh und Fleiß Gereich zu deinem Lob und Preis. Nikolaus Hermann. Eigne Weise oder: Schwing dich auf zu deinem Gott. 276. Fang dein Werk mit Jesu an: Jesus hats in Händen; Jesum ruf zum Beistand an: Jesus wirds wohl enden. Steh mit Jesu morgens auf, Geh mit Jesu schlafen; Führ mit Jesu deinen Lauf, Lasse Jesum schaffen. 2. Morgens soll der Anfang sein, Jesum anzubeten, Daß er woll dein Helfer sein Stets in allen Nöthen. Morgens, abends und bei Nacht Will er stehn zur Seiten, Wenn des Satans List und Macht Dich sucht zu bestreiten. 3. Wenn dein Jesus mit dir ist, Laß die Feinde wüthen; Er wird dich vor ihrer List Schüßzen und behüten. Setz nur das Vertrauen dein In sein Allmachtshände Und glaub sicher, daß allein Er dein Unglück wende. 4. Wenn denn deine Sach also Mit Gott angefangen: Si, so hat es keine Noth, Wirst den Zweck erlangen, Es wird folgen Glück und Heil Hier in diesem Leben, Endlich wird dir Gott dein Theil Auch im Himmel geben. 5. Nun Herr Jesu, all mein Sach Sei dir übergeben: Es nach deinem Willen mach Auch im Tod und Leben. All mein Werk greif ich jetzt an, Jesu, in dein'm Namen; Laß es doch sein wohlgethan! Ich sprech darauf Amen. Weise: Den die Hirten lobten sehre. 277. Früh am Morgen Jeſus gehet Und vor allen Thüren stehet, Klopfet an, wo man geflehet: Komm, Herr Jesu, unser Gast. Gebetsleben. 2. Nun, so laffet ihn nicht dorten, Thut ihm auf des Herzens Pforten Und ruft ihn mit süßen Worten: Gile, Jesu, kehre ein! 246 3. Wollest täglich bei uns bleiben, Alle Feinde von uns treiben, Uns ins Buch des Lebens schreiben Und der gute Hirte sein; 4. Weiden uns auf grüner Auen, Daß wir deine Fülle schauen Und auf deinen Reichthum bauen, Mit dir gehen aus und ein. 5. Amen, ja, es soll geschehen! Jesus wird heut mit uns gehen, Und wir werden fröhlich sehen, Daß er uns nicht läßt allein. 278. Gott des Himmels und der Erden, Bater, Sohn, heiliger Geist, Der es Tag und Nacht läßt werden, Sonn und Mond uns scheinen heißt, Desſen starke Hand die Welt Und was drinnen ist, erhält: 2. Gott, ich danke dir von Herzen, Daß du mich in dieser Nacht Vor Gefahr, Angst, Noth und Schmerzen Hast behütet und bewacht, Daß des bösen Feindes List Mein nicht mächtig worden ist. 3. Laß die Nacht auch meiner Sünden Jetzt mit dieser Nacht vergehn; O Herr Jesu, laß mich finden Deine Wunden offen stehn, Da alleine Hilf und Rath Ist für meine Missethat. 4. Hilf, daß ich mit diesem Morgen Geistlich auferstehen mag Und für meine Seele sorgen, Daß, wenn nun dein großer Tag Uns erscheint und dein Gericht, Ich davor erschrecke nicht. 5. Führe mich, o Herr, und leite Meinen Gang nach deinem Wort, Sei und bleibe du auch heute Mein Beschüßzer und mein Hort; Nirgends, als von dir allein, Kann ich recht bewahret sein. 6. Meinen Leib und meine Seele, Samt den Sinnen und Verstand, Großer Gott, ich dir befehle Unter deine Morgenlieder. 247 starke Hand; Herr, mein Schild, mein Ehr und Ruhm, Nimm mich auf, dein Eigenthum. 7. Deinen Engel zu mir sende, Der des bösen Feindes Macht, List und Anschläg von mir wende Und mich halt in guter Acht, Der auch endlich mich zur Ruh Trage nach dem Himmel zu. Heinrich Albert. 279. Hüter schwinden? Hüter, ist die Nacht schier hin? Wird die Finsterniß der Sinnen Bald zerrinnen, Darein ich verwickelt bin? 2. Möcht ich, wie das Rund der Erden, Lichte werden; Seelensonne, gehe auf! Ich bin finster, kalt und trübe, Jesu, Liebe, Komm, beschleunige den Lauf. 3. Wir sind ja im neuen Bunde, Da die Stunde Der Erscheinung kommen ist; Und ich muß mich stets im Schatten So ermatten, Weil du mir so ferne bist! 4. Wir sind ja der Nacht entnommen, Da du kommen; Aber ich bin lauter Nacht. Darum wollst du mir, dem Deinen, Auch erscheinen, Der nach Licht und Rechte tracht. 5. Wie kann ich des Lichtes Werke Ohne Stärke In der Finsterniß vollziehn? Wie kann ich die Liebe üben, Demuth lieben Und der Nacht Geschäfte fliehn? 6. Laß doch nicht den Geist der Seelen Sich so quälen, Zünd ein Feuer in mir an; Laß mich finstres Kind der Erden Helle werden, Daß ich Gutes wirken kann. 7. Das Vernunftlicht kann das Leben mir nicht geben; Jesus und sein heller Schein, Jesus muß das Herz anblicken Und erquicken, Jesus muß die Sonne sein. 8. Nur die Decke vor den Augen Kann nicht taugen, Seine Klarheit kann nicht ein; Wenn sein helles Licht den Seinen Soll erscheinen, Muß das Auge reine sein. 9. Jesu, gieb gesunde Augen, Die was taugen, Rühre 248 Gebetsleben. meine Augen an; Denn das ist die größte Plage, Wenn am Tage Man das Licht nicht sehen kann. Friedr. Richter. 280. Morgenglanz der Ewigkeit, Licht vom unerschöpften Lichte, Schick uns diese Morgenzeit Deine Strahlen zu Gesichte Und vertreib durch deine Macht Unfre Nacht. 2. Die bewölkte Finsterniß Müsse deinem Glanz entfliegen, Die durch Adams Apfelbiß Uns, die kleine Welt, bestiegen, Daß wir, Herr, durch deinen Schein Selig sein. 3. Deiner Güte Morgenthau Fall auf unser matt Gewissen; Laß die dürre Lebensau Lauter süßen Trost genießen Und erquick uns, deine Schaar, Immerdar. 4. Gieb, daß deiner Liebe Gluth Unsre kalten Werke tödte, Und erweck uns Herz und Muth Bei entstandner Morgenröthe, Daß wir, eh wir gar vergehn, Recht aufstehn. 5. Laß uns ja das Sündenkleid Durch das Bundesblut vermeiden, Daß uns die Gerechtigkeit Mög als wie ein Rock bekleiden, Und wir so vor aller Pein Sicher sein. 6. Ach, du Aufgang aus der Höh, Gieb, daß auch am jüngsten Tage Unser Leichnam aufersteh Und, entfernt von aller Plage, Sich auf jener Freudenbahn Freuen kann. 7. Leucht uns selbst in jene Welt, Du verklärte Gnadensonne! Führ uns durch das Thränenfeld In das Land der süßen Wonne, Da die Lust, die uns erhöht, Nie vergeht. Christian Knorr von Rosenroth. Weise: Mein Gott, ich danke herzlich dir. heilige Dreifaltigkeit, hochgelobte Einigkeit, Gott Bater, Sohn, heiliger Geist: Heut diesen 281. Tag mir Beistand leist. 2. Mein Seel, Leib, Ehr und Gut bewahr, Daß mir kein Böses widerfahr Und mich der Satan nicht verleß, Noch mich in Schand und Schaden setz. Morgenlieder. 249 3. Des Vaters Huld mich heut anblick; Des Sohnes Weisheit mich erquick; Des heilgen Geistes Glanz und Schein Erleucht meins finstern Herzens Schrein. 4. Mein Schöpfer, steh mir kräftig bei; O mein Erlöser, hilf mir frei; O Tröster werth, weich nicht von mir, Mein Herz mit werthen Gaben zier. 5. Herr! segne und behüte mich; Grleuchte mich, Herr! gnädiglich; Herr! heb auf mich dein Angesicht Und deinen Frieden auf mich richt. Mart. Böhme. Weise: Vom Himmel hoch da komm ich her. 282. teht auf, ihr lieben Kinderlein! Der Morgenstern mit hellem Schein Läßt sich frei sehn gleichwie ein Held Und leuchtet in die ganze Welt. 2. Sei willkommen, du edler Stern! Du bringst uns Christum, unsern Herrn, Der unser lieber Heiland ist, Darum du hoch zu loben bist. 3. Ihr Kinder sollt bei diesem Stern Erkennen Christum, unsern Herrn, Marien Sohn, den treuen Hort, Der uns leuchtet mit seinem Wort. 4. Gotts Wort, du bist der Morgenstern, Wir können dein gar nicht entbehrn, Du mußt uns leuchten immerdar, Sonst sitzen wir im Finstern gar. 5. Leucht uns mit deinem Glänzen klar Und Jesum Christum offenbar; Jag aus der Finsterniß Gewalt, Daß nicht die Lieb in uns erkalt! 6. Sei willkommen, du lieber Tag! Vor dir die Nacht nicht bleiben mag, Leucht uns in unsre Herzen fein Mit deinem himmelischen Schein. 7. O Jesu Christ, wir warten dein, Dein heilges Wort leucht uns so fein; Am End der Welt bleib nicht lang aus Und führ uns in deins Vaters Haus! 8. Du bist die liebe Sonne klar, Wer an dich glaubt, der bleibt fürwahr Ein Kind der ewgen Seligkeit, Die deinen Christen ist ber 11** Gebetsleben. 9. Wir danken dir, wir loben dich Hier zeitlich und dort ewiglich Für dein große Barmherzigkeit Von nun an bis in Ewigkeit. Erasmus Alberus. 250 283. ach auf, mein Herz, und singe Dem Schöpfer aller Dinge, Dem Geber aller Güter, Dem frommen Menschenhüter. 2. Heint*, als die dunkeln Schatten Mich ganz umfangen hatten, Hat Satan mein begehret, Gott aber hats verwehret. * Heut Nacht. 3. Ja, Vater, als er suchte, Daß er mir schaden mochte, War ich in deinem Schooße, Dein Flügel mich umschlosse. 4. Du sprachst: Mein Kind, nun liege, Troß dem, der dich betrüge, Schlaf wohl, laß dir nicht grauen, Du sollst die Sonne schauen. 5. Dein Wort, das ist geschehen, Ich kann das Licht noch sehen, Von Noth bin ich befreiet, Dein Schuß hat mich verneuet. 6. Du willst ein Opfer haben, Hier bring ich meine Gaben; Mein Weihrauch, Farr und Widder Sind mein Gebet und Lieder. 7. Die wirst du nicht verschmähen, Du kannst ins Herze sehen Und weissest, daß zur Gabe Ich ja nichts bessers habe. 8. So wollst du nun vollenden Dein Werk an mir und senden, Der mich an diesem Tage Auf seinen Händen trage. 9. Sprich Ja zu meinen Thaten, Hilf selbst das Beste rathen, Den Anfang, Mittl und Ende, Ach Herr, zum Besten wende. 10. Mit Segen mich beschütte, Mein Herz sei deine Hütte, Dein Wort sei meine Speise, Bis ich gen Himmel reiſe. Paul Gerhardt. Morgenlieder. Weise: Wie schön leuchtet der Morgenstern. 284. Wie ie schön leucht uns der Morgenstern Vom Firmament des Himmels fern! Die Nacht ist nun vergangen; All Creatur macht sich herfür, Des edlen Lichtes Pracht und Zier Mit Freuden zu empfangen. Was lebt, Was schwebt Hoch in Lüften, tief in Klüften, läßt zu Ehren Seinem Gott ein Danklied hören. 251 2. Du, o mein Herz, dich auch aufricht, Erheb dein Stimm und säume nicht, Dem Herrn dein Lob zu bringen; Denn, Herr, du bists, dem Lob gebührt Und dem man billig musicirt, Dem man läßt innig klingen Mit Fleiß Dankpreis, Freudensaiten, daß von weiten man kann hören, Dich, o meinen Heiland, ehren. 3. Ich lag in stolzer Sicherheit, Sah nicht, mit was Gefährlichkeit Ich diese Nacht umgeben; Des Teufels List und Büberei, Die Höll, des Todes Tyrannet Stand mir nach Leib und Leben, Daß ich Schwerlich Wär entkommen und entnommen diesen Banden, Wenn du mir nicht beigestanden. 4. Allein, o Jesu, meine Freud In aller Angst und Traurigkeit, Du hast mich heint befreiet; Du haft der Feinde Macht gewehrt, Mir Schuß und sanfte Ruh beschert, Drum ſei gebenedeiet. Mein Muth, Mein Blut Soll nun singen, soll nun springen, all mein Leben Soll dir Dankeslieder geben. 5. Ei, mein Herr, süßer Lebenshort! Laß ferner deiner Gnaden Pfort Mir heut auch offen bleiben; Sei meine Burg und festes Schloß Und laß kein feindliches Geschoß Daraus mich nimmer treiben. Stell dich Für mich Hin zu kämpfen und zu dämpfen Pfeil und Eisen, Wenn der Feind will Macht beweisen. 6. Geuß deiner Gnaden reichen Strahl Auf mich vom hohen Himmelssaal, Mein Herz in mir verneue; Dein guter Geist mich leit und führ, Daß ich nach meiner Amtsgebühr 3u thun mich innig freue. Gieb Rath Und That; Laß 252 mein Sinnen und Beginnen stets sich wenden, Seinen Lauf in dir zu enden. Gebetsleben. 7. Wend Unfall ab, kanns anders sein, Wo nicht, so geb ich mich darein, Ich will nicht widerstreben; Doch komm, o süßer Morgenthau! Mein Herz erfrisch, daß ich dir trau- Und bleib im Kreuz ergeben, Bis ich Endlich Nach dem Leiden zu den Freuden werd erhoben, Da ich dich kann ewig loben. 8. Indeß, mein Herze, sing und spring; In allem Kreuz ſei guter Ding, Der Himmel steht dir offen. Laß Schwermuth dich nicht nehmen ein, Denk, daß die lieben Kindelein Allzeit das Unglück troffen; Drum so Sei froh, Gläube feste, daß das Beste, so bringt Frommen, Wir in jener Welt bekommen. Burchardt Wiesenmayer. Tischlieder. 285. 1. Solo: Danket dem Herrn! Chor: Wir danken dem Herrn, Denn er ist freundlich, Und seine Güte währet ewiglich, Sie währet ewiglich, Sie währet ewiglich! 2. Solo: Lobet den Herrn! Chor: Ja, lobe den Herrn Auch meine Seele, Vergiß es nie, was er dir Gutes gethan,:,::,: 3. Solo: Sein ist die Macht! Chor: Allmächtig ist Gott, Sein Thun ist weise, Und seine Huld ist jeden Morgen neu,:,::;: 4. Solo: Groß ist der Herr! Chor: Ja, groß ist der Herr, Sein Nam ist heilig, Und alle Welt ist seiner Ehre voll,:,::,: 5. Solo: Betet ihn an! Chor: Anbetung dem Herrn, Mit hoher Ehrfurcht Werd auch von uns sein Name stets genannt,:,::; Tischlieder. 6. Solo: Singet dem Herrn! Chor: Lobsinget dem Herrn In frohen Chören, Denn er vernimmt auch unsern Lobgesang,:;::,: 253 Weise: Herr Jesu Christ, meins Lebens Licht. 286. Gesegn uns, Herr, die Gaben dein, Die Speis laß unsre Nahrung sein; Hilf, daß dadurch erquicket werd Der dürftge Leib auf dieser Erd. 2. Doch dies zeitliche Brot allein Kann uns nicht gnug zum Leben sein; Dein göttlich Wort die Seele speist, Hilft uns zum Leben allermeist. 3. Drum gieb uns beides, Herre Gott, Hilf endlich auch aus aller Noth; So preisen wir dein Gütigkeit Hier und auch dort in Ewigkeit. Weise: Wo Gott zum Haus nicht giebt sein Gunst. 287. Gott, Vater im Himmelreich, Wir, deine Kinder allzugleich, Bitten dich jetzt aus Herzensgrund: Speis uns alle zu dieser Stund. 2. Thu auf dein reiche, milde Hand, Behüt uns, Herr, vor Sünd und Schand Und gieb uns Fried und Einigkeit, Bewahr uns auch vor theurer Zeit; 3. Damit wir leben seliglich, Dein Reich besitzen ewiglich In unsers Herren Christi Namen. Wer das begehrt, der spreche Amen. Weise: Schmücke dich, o liebe Seele. 288. peif uns, Vater, deine Kinder, Tröste die betrübten Sünder, Sprich den Segen zu den Gaben, Die wir jeßo vor uns haben, Daß sie uns zu diesem Leben, Stärke, Kraft und Nahrung geben, Bis wir endlich mit den Frommen Zu der Himmelsmahlzeit kommen. Joh. Heermann, Gebetsleben. 289. ir danken Gott für seine Gaben, Die wir von ihm empfangen haben; Wir bitten unsern lieben Herrn, Er woll hinfort noch mehr beschern, Er woll uns speisen mit seinem Wort, Daß wir satt werden hier und dort. 254 Abendlieder. Christe, qui lux es. Weise: Herr Jesu Christ, meins Lebens Licht. 290. hrist, der du bist der helle Tag, Vor dir die Nacht nicht bleiben mag; Du leuchtest uns vom Vater her Und bist des Lichtes Prediger. 2. Ach! lieber Herr, behüt uns heint In dieser Nacht vorm bösen Feind Und laß uns in dir ruhen fein, Daß wir vorm Satan sicher sein. 3. Obschon die Augen schlafen ein, So laß das Herz doch wacker sein; Halt über uns dein rechte Hand, Daß wir nicht falln in Sünd und Schand. 4. Wir bitten dich, Herr Jesu Christ, Behüt uns vor des Teufels List, Der stets nach unsern Seelen tracht, Daß er an uns hab keine Macht. 5. Sind wir doch dein ererbtes Gut, Erworben durch dein theures Blut; Das war des ewgen Vaters Rath, Als er uns dir geschenket hat. 6. Befiehl dein'm Engel, daß er komm Und uns bewach, dein Eigenthum; Gieb uns die lieben Wächter zu, Daß wir vorm Satan haben Ruh. 7. So schlafen wir im Namen dein, Dieweil die Engel bei uns sein; Du heilige Dreieinigkeit, Wir loben dich in Ewigkeit. Erasmus Alberus. 291. sich zur per lieben Sonnen Licht und Pracht hat nun Ruh gemacht, Thu, Seel, was dir gebühret; Tritt an die Abendlieder. Himmelsthür Und bring ein Lied herfür; Laß deine Augen, Herz und Sinn Auf Jesum sein gerichtet hin. 255 2. Ihr hellen Sterne, leuchtet wohl Und gebet eure Strahlen; Ihr macht die Nacht des Lichtes voll, Doch noch zu tausendmalen Scheint heller in mein Herz Die ewge Himmelskerz, Mein Jesus, meiner Seelen Ruhm, Mein Schatz, mein Schuß und Eigenthum. 3. Der Schlaf zwar herrschet in der Nacht Bei Menschen und bei Thieren; Doch Einer ist, der oben wacht, Bei dem kein Schlaf zu spüren. Es schlummert, Jesu, nicht Dein Aug, auf mich gericht, Drum soll mein Herz auch wachend sein, Daß Jesus wache nicht allein. Verschmähe nicht dies schlechte Lied, Das ich dir, Jesu, singe, In meinem Herzen ist kein Fried, Bis ich es zu dir bringe. Ich bringe, was ich kann; Ach, nimm es gnädig an! Es ist doch herzlich gut gemeint, O Jesu, meiner Seelen Freund. 5. Mit dir will ich zu Bette gehn, Dir will ich mich befehlen, Du wirst, mein Schußherr, auf mich sehn Zum Besten meiner Seelen. Ich fürchte keine Noth, Auch selbsten nicht den Tod; Drum wer mit Jesu schlafen geht, Mit Freuden wieder aufersteht. 6. Ihr Höllengeister, packet euch, Hier habt ihr nichts zu schaffen, Dies Haus gehört in Jesu Reich; Laßt es nur sicher schlafen! Der Engel starke Wacht hat es in guter Acht; Ihr Heer und Lager hält ihm Schuß, Drum sei auch allen Teufeln Truß! 7. So will ich denn nun schlafen ein, Jesu, in deinen Armen. Dein Aufsicht soll mein Bette sein, Mein Lager dein Erbarmen, Mein Kissen deine Brust, Mein Traum die süße Lust, Die aus der Seiten Wunden fleußt Und dein Geist in mein Herze geußt. 8. So oft die Nacht mein Ader schlägt, Soll dich mein Geist umfangen; So vielmal sich mein Herz bewegt, Soll dies sein mein Verlangen, Daß ich mit lautem Schall 256 Gebetsleben. Möcht rufen überall: Ach, Jesu, Jesu! du bist mein, Und ich auch bin und bleibe dein. 9. Nun, matter Leib, gieb dich zur Ruh Und schlafe sanft und stille; Ihr müden Augen, schließt euch zu, Denn das ist Gottes Wille. Schließt aber dies mit ein: Herr Jesu, ich bin dein! So wird der Schluß recht wohl gemacht! Nun, Jesu, Jesu! gute Nacht! Christian Scriver. Weise: Welt, ich muß dich laffen. 292. Der Mond ist aufgegangen, Die goldnen Sternlein prangen Am Himmel hell und klar. Der Wald steht schwarz und schweiget, Und aus den Wiesen steiget Der weiße Nebel wunderbar. 2. Wie ist die Welt so stille Und in der Dämmrung Hülle So traulich und so hold, Als eine stille Kammer, Wo ihr des Tages Jammer Verschlafen und vergessen sollt. 3. Seht ihr den Mond dort stehen? Er ist nur halb zu sehen und ist doch rund und schön. So sind wohl manche Sachen, Die wir getrost belachen, Weil unsre Augen sie nicht sehn. 4. Wir stolze Menschenkinder Sind eitel arme Sünder Und wissen gar nicht viel. Wir spinnen Luftgeſpinnste Und suchen viele Künste Und kommen weiter von dem Ziel. 5. Gott, laß uns dein Heil schauen, Auf nichts Vergänglichs trauen, Nicht Eitelkeit uns freun. Laß uns einfältig werden Und vor dir hier auf Erden Wie Kinder fromm und fröhlich sein. 6. Wollst endlich sonder Grämen Aus dieser Welt uns nehmen Durch einen sanften Tod; Und wenn du uns genommen, Laß uns in Himmel kommen, Du, unser Herr und unser Gott! 7. So legt euch denn, ihr Brüder, In Gottes Namen nieder; Kalt ist der Abendhauch. Verschon uns, Gott, mit Strafen Und laß uns ruhig schlafen Und unsern kranken Nachbar auch. Matthias Claudius. Abendlieder. Weise: O Traurigkeit, o Herzeleid. 293. Der Tag ist hin, Mein Geist und Sinn Sehnt sich nach jenem Tage, Der uns völlig machen wird Frei von aller Plage. 257 2. Die Nacht ist da, Sei du mir nah, Jesu, mit hellen. Kerzen; Treib der Sünden Dunkelheit Weg aus meinem Herzen. 3. Der Sonnen Licht Uns jetzt gebricht, O unerschaffne Sonne, Brich mit deinem Licht herfür Mir zur Freud und Wonne. 4. Des Mondes Schein Fällt nun herein, Die Finsterniß zu mindern; Ach, daß nichts Veränderlichs Meinen Lauf möcht hindern. 5. Das Sternenheer Zu Gottes Chr Am blauen Himmel flimmert; Wohl dem, der in jener Welt Gleich den Sternen schimmert! 6. Was sich geregt Und vor bewegt, Ruht jetzt von seinen Werken; Laß mich, Herr, in stiller Ruh Dein Werk in mir merken. 7. Ein jeder will Bei solcher Still Der süßen Ruhe pflegen; Laß die Unruh dieser Zeit, Jesu, bald sich legen. 8. Ich selbst will auch Nach meinem Brauch Nun in mein Bettlein steigen; Laß mein Herz zu deinem sich Als zum Bettlein neigen. 9. Halt du die Wach, Damit kein Ach Und Schmerz den Geist berühre; Sende deiner Engel Schaar, Die mein Bettlein ziere. 10. Wann aber soll Der Wechsel wohl Der Tag und Nächte weichen? Wann der Tag anbrechen wird, Dem kein Tag zu gleichen. 11. In jener Welt, Da diese fällt, Die Zion noch macht weinen, Soll noch heller siebenmal Mond und Sterné scheinen. 12. Alsdann wird nicht Der Sonnen Licht Jerusalem Gebetsleben. verlieren; Denn das Lamm ist selbst das Licht, Das die Stadt wird zieren. 258 13. Halleluja! Ei, wär ich da, Da alles lieblich klinget, Da man ohn Abwechselung Heilig, heilig! singet. 14. O Jesu du, Mein Hilf und Ruh, Laß mich dahin gelangen, Daß ich mög in deinem Glanz Vor dir ewig prangen. Freylinghausen. 294. Her Tag ist bin, mein Jefu, bei mir bleibe! O Seelenlicht, der Sünden Nacht vertreibe! Geh auf in mir, Glanz der Gerechtigkeit, Erleuchte mich, ach Herr! denn es ist Zeit. 2. Lob, Preis und Dank sei dir, mein Gott, geſungen, Dir sei die Ehr, daß alles wohlgelungen Nach deinem Rath, ob ichs gleich nicht versteh; Du bist gerecht, es gehe, wie es geh. 3. Nur eines ist, das mich empfindlich quälet, Beständigkeit im Guten mir noch fehlet. Das weißt du wohl, o Herzenskündiger, Ich strauchle noch wie ein Unmündiger. 4. Vergieb es, Herr, was mir sagt mein Gewissen; Welt, Teufel, Sünd hat mich von dir gerissen. Es ist mir leid, ich stell mich wieder ein; Da ist die Hand: du mein und ich bin dein. 5. Israels Schuß, mein Hüter und mein Hirte, Zu meinem Trost dein steghaft Schwert umgürte! Bewahre mich durch deine große Macht, Wenn Belial nach meiner Seelen tracht. 6. Du schlummerst nicht, wenn matte Glieder schlafen; Ach laß die Seel im Schlaf auch Gutes schaffen! O Lebenssonn, erquicke meinen Sinn; Dich laß ich nicht, mein Fels, der Tag ist hin. Joachim Neander. Weise: Herr Jesu Christ, meins Lebens Licht. 295. Gott Lob, der Tag ist nun dahin: Drum ich, mein Gott, dir dankbar bin, Daß ich den Abendlieder. 259 Abend hab erlebt, Und deine Gnad noch ob mir schwebt. 2. Ach Herr, sei gnädig, hab Geduld, Vergieb mir alle Sündenschuld; Dein heilger Engel mich bewahr Vor aller Angst, Noth und Gefahr. 3. Laß mich auch mit der Morgenstund Aufwachen fröhlich und gesund, Daß ich hier deine Ehr ausbreit Und dich dort lob in Ewigkeit. Joh. Olearius. Weise: Werde munter, mein Gemüthe. 296.2 Herr, es ist von meinem Leben Wiederum ein Tag dahin, Lehre mich nun Achtung geben, Ob ich fromm gewesen bin; Zeige mirs auch selber an, So ich was nicht recht gethan, Und hilf jetzt in allen Sachen Guten Feierabend machen. 2. Freilich wirst du manches finden, Was dir nicht gefallen hat. Denn ich bin noch voller Sünden In Gedanken, Wort und That, Und vom Morgen bis jeßund Pfleget Herze, Hand und Mund So geschwind und oft zu fehlen, Daß ichs selber nicht kann zählen. 3. Aber, o du Gott der Gnaden, habe noch einmal Geduld! Ich bin freilich schwer beladen, Doch vergieb mir alle Schuld. Deine große Vatertreu Werde diesen Abend neu, So will ich noch deinen Willen Künftig mehr, als heut erfüllen. 4. Heilige mir das Gemüthe, Daß der Schlaf nicht. sündlich sei. Decke mich mit deiner Güte. Auch dein Engel steh mir bei. Lösche Feur und Lichter aus Und bewahre sonst das Haus, Daß ich morgen mit den Meinen Nicht im Unglück dürfe weinen. 5. Steure den gottlosen Leuten, Die im Finstern Böses thun. Sollte man gleich was bereiten, Uns zu schaden, wenn wir ruhn, So zerstöre du den Rath Und verhindere die That, Wend auch alles andre Schrecken, Was der Satan fann erwecken. 260 Gebetsleben. 6. Herr, dein Auge geht nicht unter, Wenn es bei uns Abend wird, Denn du bleibest ewig munter Und bist wie ein guter Hirt, Der auch in der finstern Nacht Ueber seine Heerde wacht. Darum hilf uns, deinen Schafen, Daß wir alle sicher schlafen. 7. Laß mich dann gesund erwachen, Wenn es rechte Zeit wird sein, Daß ich ferner meine Sachen Richte dir zu Ehren ein. Oder hast du, lieber Gott, Heint* bestimmet meinen Tod, Sv befehl ich dir am Ende Leib und Seel in deine Hände. * Heut Nacht. Caspar Neumann. 297. Weise: Wo Gott zum Haus nicht giebt sein Gunst. Hinunter ist der Sonnen Schein, Die finstre Nacht bricht stark herein; Leucht uns, Herr Christ, du wahres Licht, Laß uns im Finstern tappen nicht. 2. Dir sei Dank, daß du uns den Tag vor Schad, Gefahr und mancher Plag Durch deine Engel haft behüt Aus Gnad und väterlicher Güt. 3. Womit wir habn erzürnet dich, Dasselb verzeih uns gnädiglich und rechn es unfrer Seel nicht zu; Laß schlafen uns mit Fried und Ruh. 4. Durch deine Engel die Wacht bestell, Daß uns der böse Feind nicht fäll; Vor Schreck, Gespenst und Feuersnoth Behüt uns heint, o lieber Gott! Nikolaus Hermann. Weise: Jesu, meine Freude. 298. Hirte deiner Schafe, Der von keinem Schlafe Etwas wissen mag, Deine Wundergüte War mein Schild und Hütte Den vergangnen Tag; Sei die Nacht auch auf der Wacht Und laß mich von deinen Schaaren Um und um bewahren. 2. Decke mich von oben Vor der Feinde Toben Mit der Vaterhuld; Ein versöhnt Gewissen Sei mein Ruhe kissen, Drum vergieb die Schuld. Denn dein Sohn hat Abendlieder. mich davon Durch die tiefgeschlagnen Wunden Gnädiglich entbunden. 261 3. Laß auch meine Lieben Keine Noth betrüben, Sie sind mein und dein. Schließ uns mit Erbarmen In die Vaterarmen Ohne Sorgen ein. Du bei mir und ich bei dir; Also sind wir ungeschieden, Und ich schlaf in Frieden. 4. Komm, verschließ die Kammer Und laß allen Jammer Ferne von uns sein. Sei du Schloß und Riegel, Unter deine Flügel Nimm dein Küchlein ein; Decke zu mit Schuß und Ruh, So wird uns mit nichten grauen Vor des Satans Klauen. 5. Wie, wenn ich mein Bette Heut zum Grabe hätte? Wie bald roth, bald todt! Drum, hast du beschlossen, Daß mein Ziel verflossen, Kommt die Todesnoth, So will ich nicht wider dich; Lieg ich nur in Jesu Wunden, Sterb ich alle Stunden. 6. Nun wohlan! ich thue In vergnügter Ruhe Mund und Auge zu. Seele, Leib und Leben Hab ich dir ergeben, O du Hüter, du! Gute Nacht! nimm mich in Acht, Und erleb ich ja den Morgen, Wirst du weiter sorgen. Benjamin Schmolck. 299. Müde bin ich, geh zur Ruh, Schließe beide Aeuglein zu. Vater, laß die Augen dein Ueber meinem Bette sein. 2. Hab ich Unrecht heut gethan, Sieh es, lieber Gott, nicht an. Deine Gnad und Christi Blut Macht ja allen Schaden gut. 3. Alle, die mir sind verwandt, Gott, laß ruhn in deiner Hand; Alle Menschen, groß und klein, Sollen dir befohlen sein. 4. Kranken Herzen sende Ruh, Nasse Augen schließe zu. Laß den Mond am Himmel stehn Und die stille Welt besehn. Luise Hensel. 262 Gebetsleben. Weise: Welt, ich muß dich lassen. 300. un ruhen alle Wälder, Vieh, Menschen, Städt und Felder, s schläft die ganze Welt; Ihr aber, meine Sinnen, Auf, auf! ihr sollt beginnen, Was eurem Schöpfer wohl gefällt. 2. Wo bist du, Sonne, blieben? Die Nacht hat dich vertrieben, Die Nacht, des Tages Feind. Fahr hin, ein andre Sonne, Mein Jesus, meine Wonne, Gar hell in meinem Herzen scheint. 3. Der Tag ist nun vergangen, Die güldnen Sternlein prangen Am blauen Himmelsfaal; Also werd ich auch stehen, Wenn mich wird heißen gehen Mein Gott aus diesem Jammerthal. 4. Der Leib, der eilt zur Ruhe, Legt ab das Kleid und Schuhe, Das Bild der Sterblichkeit; Die zieh ich aus, dagegen Wird Christus mir anlegen Den Rock der Ehr und Herrlichkeit. 5. Das Haupt, die Füß und Hände Sind froh, daß nun zum Ende Die Arbeit kommen sei; Herz, freu dich, du sollst werden Vom Elend dieser Erden Und von der Sünden Arbeit frei. 6. Nun geht, ihr matten Glieder, Geht hin und legt euch nieder, Der Betten ihr begehrt; Es kommen Stund und Zeiten, Da man euch wird bereiten Zur Ruh ein Bettlein in der Erd. 7. Mein Augen stehn verdrossen, Im Hui sind sie geschlossen Wo bleibt dann Leib und Seel? Nimm ste zu deinen Gnaden, Sei gut für allen Schaden, Du Aug und Wächter Israel. 8. Breit aus die Flügel beide, O Jesu, meine Freude, Und nimm dein Küchlein ein! Will Satan mich ver schlingen, So laß die Englein singen: Dies Kind foll unverleßet sein. 9. Auch euch, ihr meine Lieben, Soll heute nicht betrüben Abendlieder. Kein Unfall noch Gefahr; Gott laß euch ruhig schlafen, Stell euch die güldnen Waffen Ums Bett und seiner Helden Schaar. Paul Gerhardt. 263 301. un sich der Tag geendet hat und keine Sonn mehr scheint, Schläft alles, was sich abgematt, Und was zuvor geweint. 2. Nur du, mein Gott, hast keine Rast, Du schläfft noch schlummerst nicht, Die Finsterniß ist dir verhaßt, Weil du bist selbst das Licht. 3. Gedenke, Herr, doch auch an mich In dieser schwarzen Nacht Und schenke mir genädiglich Den Schirm von deiner Wacht. 4. Wend ab des Satans Wütherei Durch deiner Engel Schaar, So bin ich aller Sorgen frei Und bringt mir nichts Gefahr. 5. Zwar fühl ich wohl der Sünden Schuld, Die mich bei dir klagt an, Doch aber deines Sohnes Huld Hat gnug für mich gethan. 6. Den seß ich dir zum Bürgen ein, Wenn ich muß vor Gericht; Ich kann ja nicht verloren sein In solcher Zuversicht. 7. Darauf thu ich mein Augen zu Und schlafe fröhlich ein; Mein Gott wacht jest in meiner Ruh, Wer wollte traurig sein? 8. Weicht, nichtige Gedanken, hin, Wo ihr habt euren Lauf, Ich baue feßt in meinem Sinn Gott einen Tempel auf. 9. Soll diese Nacht die letzte sein In diesem Jammerthal, So führ mich, Herr, in Himmel ein Zur auserwählten Zahl. 10. Und also leb und sterb ich dir, Du starker Zebaoth; Im Tod und Leben hilfst du mir Aus aller Angst und Noth. Herzog. Gebetsleben. Weise: Nun ruhen alle Wälder. 302. Jun sich der Tag geendet, Mein Herz zu dir sich wendet Und danket inniglich; Dein holdes Angesichte Zum Segen auf mich richte, Erleuchte und entzünde mich. 264 2. Ich schließe mich aufs neue In deine Vatertreue Und Schuß und Herze ein: Die fleischlichen Geschäfte Und alle finstern Kräfte Vertreibe durch dein Nahesein. 3. Daß du mich herzlich liebest, Daß du mich stets umgiebest Und rufft zu dir hinein; Daß du vergnügst alleine So wesentlich und reine: Laß allezeit mir heilig sein. 4. Ein Tag der sagts dem andern, Mein Leben sei ein Wandern Zur großen Ewigkeit. O Ewigkeit, du schöne, Mein Herz an dich gewöhne! Mein Heim ist nicht in dieser Zeit. Weise: Nun laßt uns den Leib begraben. 303. Jeſu, treuster Heiland mein, Ich geh in mein Schlafkämmerlein; Ich will mich legen in die Ruh: Schleuß du die Thür selbst nach mir zu. 2. Verzeih mein Sünd aus Gnad und Güt; Schädlich und schändlich Träum verhüt: Laß säuberlich mich schlafen ein Und ruhen sanft in Armen dein. 3. Und wenn ich schlaf, so wach für mich; Treib alles Unglück hinter sich: Breit über mich dein Flügel aus, Laß stehn dein Engel um mein Haus. 4. Behüt vor Feur und Wassersnoth, Vor einem bösen schnellen Tod: Vor Diebstahl und vor Leibsgefahr Mich und die Meinigen bewahr. 5. Laß mich zu deinem Lob aufstehn Und fröhlich an mein Arbeit gehn; So will ich dein Barmherzigkeit Loben und preisn in Ewigkeit. 6. Gott Vater, nimm mich in dein Hut; Gott Sohn, wasch mich mit deinem Blut; Gott Heilger Geist, erleuchte mich, Daß in den Himmel komme ich. Abendlieder. 265 7. Ich leb oder sterb, so bin ich dein: Was traurst du denn, o Herze mein? In deinen Händen steht mein Zeit; Herr, wenn du willst: ich bin bereit. Amen. Weise: Jesu, komm doch selbst zu mir. 304. chönste Sonne, Himmelszier, Scheidest du nun auch von mir? Hast du, Auge dieser Welt, Dich nun auch in Ruh gestellt? 2. Gi, so schließt in stiller Ruh Euch auch, lieben Augen zu; Ruhet, die ihr matt und müd, Ruhet aus in gutem Fried. 3. Unser Himmelsfürste gab Seine Schaar von oben ab, Mächtig schüßte Leib und Seel Gott, der Hüter Ifrael. 4. Herr, ich preife deine Macht, Hab ich etwas Guts vollbracht; Habe ich erzürnet dich, Herr, vergieb mirs gnädiglich. 5. Ordne mir in meiner Ruh Doch die Himmelsgeister zu, Daß mein Leib gesichert ist Ferner vor des Teufels List. 6. Wer sich in sein Bette hüllt, Der steht seines Grabes Bild, Da, wenn er geschlafen aus, Doch bald wieder steigt heraus. 7. Ist nun selbst ein Schlaf der Tod, Da kein Unruh, keine Noth, So wehr auch in dieser Nacht Dem, Herr, was unruhig macht. 8. Ob der Leib den Schlaf geneußt, Laß doch wacker sein den Geist, So werd ich gesund aufstehn Und mit Lust zur Arbeit gehn. 9. Drauf so schließt in stiller Ruh Euch nun, lieben Augen, zu; Ruhet wohl, gesund erwacht, Ruhet wohl, zu guter Nacht! Prätorius. Weise: Erschienen ist der herrlich Tag. 305. to willst du hin, weils Abend ist? O liebster Pilgrim, Jesu Christ! Komm, laß mich so glückselig sein, und kehr in meinem Herzen ein. Halleluja! Geistl. Liederbuch. 12 Gebetsleben. 2. Laß dich erbitten, liebster Freund, Dieweil es ist so gut gemeint; Du weißt, daß du zu aller Frist Ein herzenslieber Gast mir bist. Halleluja! 266 3. Es hat der Tag sich sehr geneigt, Die Nacht sich schon von ferne zeigt: Drum wollest du, o wahres Licht, Mich Armen ja verlassen nicht. Halleluja! 4. Erleuchte mich, daß ich die Bahn Zum Himmel sicher finden kann, Damit die dunkle Sündennacht Mich nicht verführt noch irre macht. Halleluja! 5. Bevorab aus der letzten Noth Hilf mir durch einen sanften Tod. Herr Jesu! bleib, ich halt dich fest: Ich weiß, daß du mich nicht verläßt. Halleluja! Weise: Nun ruhen alle Wälder. 306. u schläfft in deiner Wiege, Mein Kind, ich aber liege Vor Christi Angesicht; Der höret Flehn und Beten Und wird uns selbst vertreten; Denn dieser Hüter schlummert nicht. 2. Du warst ehmals verloren, Nun bist du neu geboren, Vom Sündenfluche rein. Gott sage dazu Amen Und schreibe deinen Namen Ins Buch des ewgen Lebens ein! 3. Gott wohnt in deiner Seele; Daß ihr kein Trost mehr fehle, Das macht dein Glaubenslicht; Gott stärk auch meinen Glauben Und laß mir ihn nicht rauben: Gebet und Hoffnung trügen nicht. 4. Ja, wär ich nur in allen Nach Gottes Wohlgefallen Ein frommes Kind, wie du! Nun, Jesus woll mir geben Zucht, Demuth, stilles Leben Und sonderlich der Seelen Ruh. 5. So schlaf denn sanft und stille! Ists Gottes gnädger Wille, So bin ich auch bereit; Nur nehm er an dem Ende Den Geist in seine Hände: Der Leib schläft bis zur letzten Zeit. 6. Doch wird verklärt er wallen, Wenn die Posaunen schallen, Aus düstrer Grabesnacht. Da wollen wir dann Abendlieder. 267 beide In ewger Himmelsfreude Den Heiland schaun in seiner Pracht. 7. Indeß sei Gottes Segen Auf allen deinen Wegen: Er segne deinen Lauf Und laß uns selig fahren, Die Engel uns bewahren; So wachen wir zum Leben auf. Eigne Weise, oder: Nun sich der Tag geendet hat. 307. un ſchlaf, mein liebes Kindelein, Und thu dein Aeuglein zu, Denn Gott der will dein Vater sein: Drum schlaf mit guter Ruh. 2. Dein Vater ist der liebe Gott Und wills auch ewig sein, Der Leib und Seel dir geben hat Wohl durch die Eltern dein. 3. Und da du warst in Sünd geborn, Wie Menschenkinder all, Und lagst dazu in Gottes Zorn Um Adams Sünd und Fall, 4. Da schenkt er dir sein lieben Sohn, Den schenkt er in den Tod; Der kam auf Erd von Himmels Thron, Half dir aus aller Noth. 5. Ein Kindlein klein ward er geborn, Am Kreuz ſein Blut vergoß; Damit stillt er seins Vaters Zorn, Macht dich von Sünden los. 6. Hör, was dir Christ erworben hat mit seiner Marter groß: Die heilig Tauf, das selge Bad Aus seiner Seite floß. 7. Darin bist du nun neu geborn Durch Christi Wunden roth, Versöhnt ist Gottes grimmger Zorn; Deinr Schuld bist quitt und los. 8. Mit seinem Geist er dich auch frönt Aus lauter Lieb und Treu, Der in dein'm zarten Herzlein stöhnt Und machet dich gar neu. 9. Er sendt dir auch sein Engelein Zu Hütern Tag und Nacht, Daß sie bei deiner Wiege sein Und halten gute Wacht. 12* 268 Gebetsleben. 10. Damit der böse Geist kein Theil An deinem Seelchen find: Das bringt dir alles Christi Heil, Drum bist ein selig Kind! 11. Dem Vater und der Mutter dein Bestehlt er dich mit Fleiß, Daß sie dein treue Pfleger sein, Ziehn dich zu Gottes Preis. 12. Dazu das liebe Jesulein Gesellt sich zu dir fein, Will dein Emanuelchen sein Und liebes Brüderlein. 13. Drum schlaf, du liebes Kindelein, Preis Gott, den Vater dein, Wie Zacharias Häuselein, So wirst du selig sein. 14. Der heilig Geist, der segne dich, Bewahr dich alle Zeit: Sein heilger Nam behüte dich, Schüß dich vor allem Leid! 15. Amen, Amen! Ja, das ist wahr, Das sagt der heilig Geift! Geb Gott, daß du von heut zu Jahr Ein gottfelig Mensch seist! Amen. Joh. Mathesius. Reiselieder. Pia im 1 2 1. Weise: Herr Gott, dich loben alle wir. 308. Ich heb mein Augen fehnlich auf und seh die Berge hoch hinauf, Wann mir mein Gott vom Himmelsthron Mit seiner Hilf zu statten komm. 2. Mein Hilfe kommt mir von dem Herrn; Er hilft uns ja von Herzen gern. Himmel und Erd hat er ge macht, Er hält über uns Hut und Wacht. 3. Er führet dich auf rechter Bahn, Wird deinen Fuß nicht gleiten lan; Seßz nur auf Gott dein Zuversicht, Der dich behütet, schläfet nicht. 4. Der treue Hüter Israel Bewachet dir dein Leib und Seel, Er schläft nicht weder Tag noch Nacht, Wird auch nicht müde von der Wacht. Reiselieder. 269 5. Vor allem Unfall gnädiglich Der fromme Gott behütet dich; Unter dem Schatten seiner Gnad Bist du gesichert früh und spat. 6. Der Sonnen Hißz, des Monden Schein Dir sollen nicht beschwerlich sein. Gott wendet alle Trübsal schwer Zu deinem Nuß und seiner Ehr. 7. Kein Uebel muß begegnen dir, Des Herren Schuß iſt gut dafür. In Gnad bewahrt er deine Seel Vor allem Leid und Ungefäll. 8. Der Herr dein Ausgang stets bewahr, Zu Weg und Steg gesund dich spar; Bring dich zu Haus in sein'm Geleit, Von nun an bis in Ewigkeit. Cornelius Becker. 309. Weise: Erschienen ist der herrlich Tag. In Gottes Namen fahren wir, Sein heilger Engel geh uns für Wie dem Volk in Egyptenland, Das entging Pharaonis Hand! Kyrieleis. 2. Herr, du wollst unser Gleitsmann sein Und mit uns gehen aus und ein, Und zeigen alle Steig und Steg, Wehre dem Unfall auf dem Weg! Kyrieleis. 3. So wird kein Berg noch tiefes Thal, Kein Waffr uns irren überall, Fröhlich komm'n wir an unſern Ort, Wenn du uns gnädig hilfest fort. Kyrieleis. 4. Herr Christ, du bist der rechte Weg Zum Himmel und der einge Steg; Hilf uns, Pilgrim, ins Vaterland, Weil du dein Blut hast dran gewandt! Kyrieleis. Nikolaus Hermann. Weise: Herr Jesu Christ, meins Lebens Licht. 310. In Jesu Namen reis ich aus, Der selbst aus seines Vaters Haus, Als aus dem höchsten Freudensaal, Ist kommen in dies Jammerthal. 2. Was man in Jesu Namen thut, Das macht uns freudig Herz und Muth; Es muß in ihm gerathen wohl Und seines Segens werden voll. 270 Gebetsleben. 3. Du, Jesu, richtest meinen Fuß, Daß nichts von dir mich wenden muß; Du führst mich aus und wieder ein, Durch dich wird alles heilsam sein. 4. Befehl den Engeln, daß sie mich Auf allen Wegen sicherlich Begleiten und mit ihrer Wach Abwenden alles Ungemach. 5. Treib meine Sachen glücklich fort felbst an den Ort, Dahin zu kommen Menschen Herzen zu mir lenk: Und bringe mich ich gedenk; Der 6. Daß sie mich willig nehmen an, Wenn ich nicht weiter reisen kann; Zu solchen Leuten führe mich, Die fromm sind und recht lieben dich. 7. Bor Straßenräubern mich bewahr, Vor Wassersnöthen und Gefahr, Vor wilden Thieren, Fall und Brand, Vor allem Leid, vor Sünd und Schand. 8. In deine Händ ergeb ich dir Leib, Seel und was sonst ist bei mir, An allen Orten nah und weit, Bei Jedermann, zu aller Zeit. 9. Behüt in Gnaden Weib und Kind, Blutsfreunde, Haus, Hof, Vieh, Gesind Und was ich mehr verlassen hab; Allda wend alles Unglück ab. 10. Und wenn ich glücklich dann vollbracht, Was zu vollbringen ich bedacht, So führe selbst mich in mein Haus, Wie du mich haft geführet aus. 11. Und laß mich finden unversehrt, Was du aus Gnaden mir verehrt. Für solchen Schuß und stark Geleit, O Gott, dank ich in Ewigkeit. Joh. Heermann. 311. Wer Weise: Wer nur den lieben Gott läßt walten. her nur mit seinem Gott verreiset, Der findet immer Bahn gemacht, Weil er ihm lauter Wege weiset, Auf welchen stets sein Auge wacht. Hier gilt die Losung früh und spat: Wohl dem, der Gott zum Führer hat! Reiselieder. 271 2. Wenn Jakob durch die Wüsten gehet, Trifft er ein liebes Bethel an. Wenn Israel am Jordan stehet, Zeigt ihm der Herr ein Canaan. Geht David in das Thal hinab, So lehnt er sich auf Gottes Stab. 3. Gott hat sich gar zu sehr verbunden, Daß er will bei den Seinen sein. Kein Ort wird in der Welt gefunden, Er zieht mit ihnen aus und ein, Durch Feuer und durch Wassersnoth, Auch selber mitten durch den Tod. 4. Er leitet uns mit seinen Augen, Er gängelt uns mit seiner Hand; Wenn Luft und Wetter nicht mehr taugen, So überdeckt uns sein Gewand. Ja, seine Liebe kann allein Der beste Schirm im Sturme sein. 5. Er ist uns Wolf- und Feuersäule, Sowohl bei Tag, als auch bei Nacht. Durch ihn wird uns die längste Meile Zu einem Schritte nur gemacht. Kein Stein wird in den Weg gelegt, Den er nicht auf die Seite trägt. 6. Er felbst ist Wahrheit, Weg und Leben, Und wer ihm folgt, der irret nicht. Er hat die Hand uns drauf gegeben, Daß uns bei ihm kein Leid geschicht, Und wenn der Weg voll Drachen wär: So geht sein Schuß doch vor uns her. 7. Die Wagenburg ist stets geschlagen, Die dort um Dothans Berg geseßt. Er lässet uns auf Händen tragen, Daß uns kein Stoß den Fuß verletzt. Die Engel müsſen, wo wir gehn, Zur Rechten und zur Linken stehn. 8. So wallen wir hier auf der Erden, Wo wir nun lauter Pilger sein, Bis uns das Baterland wird werden, Da gehen wir zum Himmel ein; Ein sanfter Tod zeigt uns die Bahn, Wie man zur Heimath kommen kann. 9. Indessen lassen wir uns führen, Wie Gottes Hand den Wagen lenkt, Weil wir aus seiner Leitung spüren, Daß er auf unser Bestes denkt; Und ob es wunderlich gleich scheint, Gnug, daß es selig ist gemeint. 10. Wir reisen, Herr, in deinem Namen, Sei du Gefährte, Weg und Stab. Die Helden, die zu Jakob kamen, 272 Gebetsleben. Send auch zu unserm Schutz herab. Mach Aus- und Eingang so beglückt, Daß uns kein Fall das Ziel verrückt. 11. Bleib bei uns, wenns will Abend werden, Gieb Licht durch deine Gegenwart. Sei unser Leitstern hier auf Erden, Und ist der Kreuzsteg schwer und hart, So tröst uns mit der Rosenbahn, Die man dort oben laufen kann. 12. Wirst du mit uns auf diesem Wege Durch deinen Schuß und Leitung sein Und auch indessen deine Pflege Den Hinterlassenen verleihn, So soll das unser Opfer sein: Gelobet sei der Herr allein! 13. Wir wollen einen Altar bauen, Der Eben Ezer heißen soll; Daran soll man die Worte schauen: Gott führet seine Kinder wohl; Und also findt die Losung statt: Wohl dem, der Gott zum Führer hat. Benj. Schmolck. Weise: Wachet auf, ruft uns die Stimme. 312. licht in Frieden eure Pfade, Mit euch des großen Gottes Gnade Und seiner heilgen Engel Wacht! Wenn euch Jesu Hände schirmen, Gehts unter Sonnenschein und Stürmen Getrost und froh bei Tag und Nacht. Lebt wohl, lebt wohl im Herrn! Er sei euch nimmer fern Spät und frühe! Vergeßt uns nicht In seinem Licht, Und wenn ihr sucht sein Angesicht! Gustav Knak. Weise: Nun sich der Tag geendet hat. 313. Gott Lob! die Reise ist vollbracht, Der Weg zurückgelegt. Des Herren Schuß und starke Macht Hat mich bisher verpflegt. 2. Wie viel und mancherlei Gefahr Schleicht uns auf Reisen nach; Doch der getreuen Engel Schaar Bewahrt vor Ungemach. 3. Durch sie ging meiner Füße Schritt Im Segen sicher fort. Ich bring gesunde Glieder mit An meinen ersten Ort. Frühling. 4. Die Meinen hat Gott auch bewahrt Vor Unglück, Schmerz und Tod Und sie vergnügt und wohl geſpart Vor aller Angst und Noth. 5. Nimm hin den wohlverdienten Dank, Mein Gott, für dein Geleit. Es steigt zu dir mein Lobgesang Mit Herzensfreudigkeit. 273 6. Dein Auge hat mich wohlgeführt Und hin und her gebracht. Ich habe deinen Schuß verspürt Sowohl bei Tag als Nacht. 7. Ich opfre dir von neuem auf, Mein Schöpfer, Seel und Leib. Regiere meinen ganzen Lauf, Daß er geſegnet bleib. 8. Ist diese Reise gleich vorbei, So mach mir doch bekannt, Daß ich hier noch ein Pilgrim sei, Bring mich ins Vaterland. Joh. Jac. Rambach. Frühling. Weise: Ich dank dir schon durch deinen Sohn. 314. Der Meister ist ja lobenswerth, Der alles hat gebauet Und väterlich erhält und nährt, Was unser Aug anschauet. 2. Die Zeit kommt wieder zu uns an, Die Berg und Thal beblümet Und hiemit, wie sie immer kann, Des Schöpfers Mildheit rühmet. 3. Der Mai, das schönste Stück vom Jahr, Hat sich schon lassen sehen; Die Luft ist rein, die Sonne klar, Gelinde Windchen wehen; 4. Die Wiesen sind von Farben reich, Der Wald von jungen Sprossen; Des Himmels Segen wird zugleich Dem Erdreich zugegoffen; 5. Die Bienen streifen rottweis aus, Den Honig heimzubringen; Die Schwalbe sucht ihr firnes Haus; Die Lerch hebt an zu singen; 12** 274 Gebetsleben. 6. Der warme Saft steigt auf und bringt Den Bäumen neue Blätter; Die Herd ist fröhlich, tanzt und springt In diesem schönen Wetter; 7. Ein jedes Thier kann sattsamlich Sein Herzbegehren stillen: Der Mensch allein verwirret sich In wankelbaren Grillen. 8. Ach, daß er sich doch weisen ließ, Auf Gott sein Thun zu stellen! Die Erde wär ein Paradies: Nun wird ste ihm zur Höllen. Robert Roberthin. Sommer. Eigne Weise, oder: Kommt her zu mir, spricht Gottes Sohn. 315. eh aus, mein Herz, und suche Freud In dieſer lieben Sommerzeit An deines Gottes Gaben; Schau an der schönen Gärten Zier Und siehe, wie sie mir und die Sich ausgeschmücket haben. 2. Die Bäume stehen voller Laub, Das Erdreich decket seinen Staub Mit einem grünen Kleide. Narzissen und die Tulipan, Die ziehen sich viel schöner an, Als Salomonis Seide. 3. Die Lerche schwingt sich in die Luft, Das Täublein fleugt aus seiner Kluft Und macht sich in die Wälder. Die hochbegabte Nachtigall Ergößt und füllt mit ihrem Schall Berg, Hügel, Thal und Felder. 4. Die Glucke führt ihr Völklein aus, Der Storch baut und bewohnt sein Haus, Das Schwälblein äßt ihr Jungen. Der schnelle Hirsch, das leichte Reh Ist froh und kommt aus seiner Höh Ins tiefe Gras gesprungen. 5. Die Bächlein rauschen in dem Sand Und malen sich und ihren Rand Mit schattenreichen Myrthen. Die Wiesen liegen hart dabei Und klingen ganz von Lustgeschrei Der Schaf und ihrer Hirten. 6. Die unverdroßne Bienenschaar Zeucht hin und her, Sommer. sucht hier und dar Ihr edle Honigspeise. stocks starker Saft Bringt täglich neue In seinem schwachen Reise. 275 Des süßen WeinStärk und Kraft 7. Der Weizen wächset mit Gewalt; Darüber jauchzet jung und alt Und rühmt die große Güte Deß, der so überflüssig labt Und mit so manchem Gut begabt Das menschliche Gemüthe. 8. Ich selber kann und mag nicht ruhn: Des großen Gottes großes Thun Erweckt mir alle Sinnen: Ich singe mit, wenn alles singt, Und lasse, was dem Höchsten klingt, Aus meinem Herzen rinnen. 9. Ach, denk ich, bist du hie so schön, Und läßt dus uns so lieblich gehn Auf dieser armen Erden; Was will doch wohl nach dieser Welt Dort in dem reichen Himmelszelt Und güldnen Schlosse werden? 10. Welch hohe Lust, welch heller Schein Wird dort in Christi Garten sein; Wie muß es da wohl klingen, Da so viel taufend Seraphim Mit eingestimmtem Muth und Stimm Ihr Halleluja singen? 11. O, wär ich da! ach, stünd ich schon, Ach süßer Gott, vor deinem Thron Und trüge meine Palmen: So wollt ich nach der Engel Weis Erhöhen deines Namens Preis Mit tausend schönen Psalmen. 12. Doch will ich gleichwohl, weil ich noch Hier trage dieses Leibes Joch, Auch nicht gar stille schweigen; Mein Herze soll sich fort und fort An diesem und an allem Ort Zu deinem Lobe neigen. 13. Hilf nur, und segne meinen Geist Mit Segen, der vom Himmel fleußt, Daß ich dir stetig blühe; Gieb, daß der Sommer deiner Gnad In meiner Seelen früh und spat Viel Glaubensfrücht erziehe. 14. Mach in mir deinem Geiste Raum, Daß ich dir werd ein guter Baum, Und laß mich wohl bekleiben. Verleihe, daß zu deinem Ruhm Ich deines Gartens schöne Blum Und Pflanze möge bleiben. 276 Gebetsleben. 15. Erwähle mich zum Paradeis Und laß mich bis zur letzten Reis An Leib und Seele grünen: So will ich dir und deiner Ehr Allein, und sonsten keinem mehr, Hier und dort ewig dienen! Paul Gerhardt. Herbst. Weise: Nun ruhen alle Wälder. 316. er rauhe Herbst kommt wieder; Jetzt stimm ich meine Lieder In ihren Trauerton. Die Sommerlust vergehet, Nichts in der Welt bestehet: Der Mensch muß endlich selbst davon. 2. Du, Gott und Herr der Zeiten, Willst, daß wir uns bereiten zu unsrer wahren Ruh; Stets zeigst du dein Gemüthe, Schickst uns aus milder Güte Auch stumme stille Lehrer zu. 3. Die Rose läßt sich brechen, Wird niemals widersprechen Des Gartenherren Hand; Der Apfel, zu genießen, Fällt selbst zu deinen Füßen und lässet willig seinen Stand. 4. Und du, Mensch, wolltst nicht eben Dich deinem Gott ergeben? Was ist dein größter Ruhm? Daß er dich hat erschaffen, Geziert mit Glaubenswaffen Zu ſeinem ewgen Eigenthum. 5. Schickt er denn Kreuz und Schmerzen, Nimmt, was uns fommt vom Herzen: Er meints doch allzeit gut; Und sind wir Gottes eigen, So laßt uns stille schweigen Zu allem, allem, was er thut. 6. Wer mag der Welt Getümmel Erwählen für den Himmel? Hilf, Christe, Gottes Sohn, Daß wir uns stets gewöhnen, Uns nur nach dir zu sehnen Und deinem heilgen Gnadenthron. Heinrich Albert. Winter. Weise: Nun laßt uns Gott dem Herren. 317. Der Schmuck der Winterzeiten Soll unfre Seele leiten, Den Schöpfer zu verehren Und seinen Ruhm zu mehren. Winter. Friede. 277 2. Man siehet Schnee als Decken Sich über Felder strecken, Hier schimmerts hell wie Sterne In weiter, weißer Ferne. 3. Wie glänzt der Himmelsbogen Mit Sternen überzogen! Dort leuchten ganze Heere Und rühmen Gottes Shre! 4. Die starren Wassergüsse, Die hartgefrornen Flüffe, Die Bahn und Wege geben, Lehrt alles Gott erheben. 5. Eis, Schnee, Reif, Stern erheben Den Gott, der sie gegeben: So wills auch uns geziemen, Die holde Macht zu rühmen. 6. Herr, laß die Lüste frieren, Die sich im Herzen rühren, Laß uns durch gläubig Beten Sie stets mit Füßen treten. 7. Mach schneeweiß unsre Sünden, Laß deine Huld sich finden, Die unsre Seelen decket, Daß Zorn und Frost nicht schrecket. 8. Mit dem, was dürre scheinet, Sei Christi Kraft vereinet: So wird dem armen Leben Der reinste Schmuck gegeben. 9. Wenn Noth und Trübsal drücken, So laß den Geist sich schmücken Und auch bei uns im Dunkeln Den Glauben herrlich funkeln. 10. Du Gott und Geist der Freuden, Laß einst nach allen Leiden Den Winter dieser Erden Zum ewgen Frühling werden! Paul Eber. Friede. Weise: Nun lob, mein Seel, den Herren. 318. Gott Lob, nun ist erschollen Das edle Fried- und Freudenwort, Daß nunmehr ruhen sollen Die Spieß und Schwerter und ihr Mord. Wohlauf und nimm nun wieder Dein Saitenspiel hervor, O Deutschland, und sing Lieder Im hohen vollen Chor! Erhebe dein Gemüthe 278 Und danke Gott und sprich: Herr, deine Gnad und Güte Bleibt dennoch ewiglich! Gebetsleben. 2. Wir haben nichts verdienet Als schwere Straf und großen Zorn, Weil stets noch bei uns grünet Der freche, schnöde Sündendorn. Wir sind fürwahr geschlagen Mit harter scharfer Ruth, Und dennoch muß man fragen: Wer ist, der Buße thut? Wir sind und bleiben böse, Gott ist und bleibet treu, Hilft, daß sich bei uns löse Der Krieg und sein Geschrei. 3. Sei tausendmal willkommen, Du theure, werthe Friedensgab! Jetzt sehn wir, was für Frommen Dein Beiunswohnen in sich hab. In dich hat Gott versenket All unser Glück und Heil; Wer dich betrübt und kränket, Der drückt ihm selbst den Pfeil Des Herzleids in das Herze Und löscht, aus Unverstand, Die güldne Freudenkerze Mit seiner eignen Hand. 4. Das drückt uns niemand besser In unsre Seel und Herz hinein, Als ihr, zerstörten Schlösser Und Städte voller Schutt und Stein; Ihr vormals schönen Felder Mit frischer Saat bestreut, Jetzt aber lauter Wälder Und dürre, wüste Haid; Ihr Gräber voller Leichen Und tapfern Heldenschweiß Der Helden, derengleichen Auf Erden man nicht weiß! 5. Hier trübe deine Sinnen, O Mensch, und laß den Thränenbach Aus beiden Augen rinnen; Geh in dein Herz und denke nach! Was Gott bisher gesendet, Das hast du ausgelacht; Nun hat er sich gewendet Und väterlich bedacht, Vom Grimm und scharfen Dringen Zu deinem Heil zu ruhn, Ob er dich möchte zwingen Mit Lieb und Gutesthun. 6. Ach, laß dich doch erwecken! Wach auf, wach auf! du harte Welt, Eh als das letzte Schrecken Dich schnell und plößlich überfällt! Wer aber Christum liebet, Sei unerschrocknen Muths, Der Friede, den er giebet, Be Heiligungslieder. 279 deutet alles Guts. Er will die Lehre geben: Das Ende naht herzu, Da sollt ihr bei Gott leben In ewgem Fried und Ruh. Paul Gerhardt. Heiligungslieder. Weise: Meine Hoffnung stehet. 319. Auf, ihr Christen, Chriſti Glieder, Die ihr noch hangt an dem wacht auf, ermannt euch wieder, Eh ihr werdet hingeraubt; Satan beut An den Streit Christo und der Christenheit. 2. Auf! folgt Christo, eurem Helden, Trauet seinem starken Arm; Liegt der Satan gleich zu Felde Mit dem ganzen Höllenschwarm, Sind doch der Noch viel mehr, Die da stets sind um uns her. 3. Nur auf Christi Blut gewaget Mit Gebet und Wachsamkeit; Dieses machet unverzaget Und recht tapfre Christenleut; Christi Blut Giebt uns Muth, Tilgt des Satans Bornesglut. 4. Christi Heeres Kreuzesfahne, So da weiß und roth gesprengt, Ist schon auf dem Siegesplane Uns zum Troste ausgehängt; Wer hier kriegt, Nie erliegt, Sondern unterm Kreuze siegt. 5. Diesen Sieg hat auch empfunden Vieler Heilgen starker Muth, Da sie haben überwunden Fröhlich durch des Lammes Blut; Sollten wir Denn allhier Nicht auch streiten mit Begier? 6. Wer die Sklaverei nur liebet In der Zeit und Ewigkeit und den Sünden sich ergiebet, Der hat wenig Lust zum Streit, Denn die Nacht, Satans Macht, hat ihn in den Schlaf gebracht. 7. Aber wen die Weisheit lehret, Was die Freiheit für ein Theil, Defsen Herz zu Gott sich kehret, Seinem aller 280 Heiligungslieder. höchsten Heil, Sucht allein Ohne Schein, Christi freier Knecht zu sein. 8. Denn vergnügt auch wohl ein Leben, So der Freiheit mangeln muß? Wer sich Gott nicht ganz ergeben, hat nur Müh, Angst und Verdruß; Der, der kriegt Recht vergnügt, Wer sein Leben selbst besiegt. 9. Drum auf! laßt uns überwinden In dem Blute Jesu Christ Und an unsre Stirne binden Sein Wort, so ein Zeugniß ist, Das uns deckt Und erweckt, Und nach Gottes Liebe schmeckt. 10. Unser Leben sei verborgen Mit Christo in Gott allein, Auf daß wir an jenem Morgen Mit ihm offenbar auch sein, Da das Leid Dieser Zeit Werden wird zu lauter Freud; 11. Da Gott seinen treuen Knechten Geben wird den Gnadenlohn, Und die Hütten der Gerechten Stimmen an den Siegeston, Da fürwahr Gottes Schaar Ihn wird loben immerdar. Falckner. Weise: Was Gott thut, das ist wohlgethan. 320. Ein Chrift, ein tapfrer Kriegesheld, Voll Geist, voll Kraft und Stärke, Verleugnet sich, bezwingt die Welt, Zerstört des Satans Werke, Kämpft innerlich Und äußerlich Mit Teufel, Welt und Sünden Und kann doch überwinden. 2. Ich habe mich vorlängst gequält Und gab mich schier verloren, Bis Gott mich zu der Zahl gezählt, Die er aus sich geboren. Wer will die Kraft, Die alles schafft, Und Christi Macht ergründen, Dadurch wir überwinden! 3. Ich sprach: ich bin ein schwaches Kind, Wie alle Menschenkinder, Das in sich kein Vermögen findt, Ich bin ein armer Sünder. Ach Gott, gieb Rath, Gieb Willn und That Und laß mich Gnade finden, So kann ich überwinden. 4. Ich war ein Mensch voll Eigensinn, Voll Eigenlieb Heiligungslieder. 281 und Ehre; Ich lebte nach den Lüften hin Und nicht nach Christi Lehre; Doch Gott sei Ehr! Ich bins nicht mehr, Ich streite mit den Sünden Und will sie überwinden. 5. Kommt mir die alte Bosheit ein Und will noch lieblich schmecken, Soll Jesu Leiden, Kreuz und Pein Mich heilsamlich erschrecken, Die süße Lust In meiner Brust, Die liebsten Busenfünden, Die will ich überwinden. 6. Will Menschenfurcht und Menschengunst Leid oder Freude machen, So lob ich die verschmähte Kunst, Verachte Drohn und Lachen; Ihr Haß und Gunst Muß doch wie Dunst Und leichte Spreu verschwinden, Drum will ich überwinden. 7. Leb ich in steter Traurigkeit, Sind wenig gute Stunden In meiner kurzen Lebenszeit: Ich habe Gott gefunden, Der tröstet mich Gar süßiglich, Der heilet mich von Sünden, Und ich will überwinden. 8. Ja, muß ich mit dem höchsten Pfand, Mit Gott, wie Jakob ringen, So will ich durch die Glaubenshand Den Allerstärksten zwingen; Kann ich zur Stund Aus seinem Mund Nicht bald den Trost empfinden, Noch will ich überwinden. 9. Hält mir mein Gott die Augen zu, Kann ich nicht weiter sehen, Als was ich gegenwärtig thu; So laß ichs gern geschehen. Kommt die Vernunft Mit ihrer Zunft In ausgeschmückten Gründen, Dann muß ich überwinden. 10. Mir geht der Tod nicht bitter ein, Ich bin schon längst gestorben; Er soll mir recht willkommen sein, Das Haus wird nur verdorben; Gott muß den Gast Der Erdenlast Auf solche Art entbinden, Das hilft mir überwinden. 11. Das Kleinod ist mir vorgesteckt, Ich soll nun tapfer kämpfen; Drum bleibt mein Arm stets ausgestreckt, Mit Gott den Feind zu dämpfen; Nur unverzagt Und frisch gewagt! Ich seh die Krone binden, Drum will ich überwinden. 282 Heiligungslieder. Weise: Herr Jesu Christ, dich zu uns wend. 321. Ei in reines Herz, Herr, schaff in mir, Schleuß zu der Sünde Thor und Thür, Vertreibe sie und laß nicht zu, Daß sie in meinem Herzen ruh. 2. Dir öffn' ich, Jesu, meine Thür, Ach! komm und wohne du bei mir, Treib all Unreinigkeit hinaus Aus deinem Tempel und Wohnhaus. 3. Laß deines guten Geistes Licht Und dein hellglänzend Angesicht Erleuchten mein Herz und Gemüth, Ó Brunnen unerschöpfter Güt! 4. Und mache dann mein Herz zugleich An Himmelsgut und Segen reich; Gieb Weisheit, Stärke, Rath, Verstand Aus deiner milden Gnadenhand. 5. So will ich deines Namens Ruhm Ausbreiten als dein Eigenthum Und dieses achten für Gewinn, Wenn ich nur dir ergeben bin. Heinrich Georg Neuß. Weise: Herr Jesu Christ, meins Lebens Licht. 322. rneure mich, o ewges Licht! Und laß von deinem Angesicht Mein Herz und Seel mit deinem Schein Durchleuchtet und erfüllet sein. 2. Ertödt in mir die schnöde Lust, Feg aus den alten Sündenwust; Ach, rüst mich aus mit Kraft und Muth, Zu streiten wider Fleisch und Blut. 3. Schaff in mir, Herr, den neuen Geist, Der dir mit Lust Gehorsam leist Und nichts sonst, als was du willst, will, Ach Herr, mit ihm mein Herz erfüll. 4. Auf dich laß meine Sinnen gehn, Laß sie nach dem, was droben, stehn; Bis ich dich schau, o ewges Licht, Von Angesicht zu Angesicht. Joh. Friedr. Ruopp. 323. Es glänzet der Christen inwendiges Leben, Obgleich sie von außen die Sonne verbrannt; Was ihnen der König des Himmels gegeben, Ist keinem Heiligungslieder. als ihnen nur selber bekannt. Was niemand berühret, Was niemand verspüret, Hat ihre erleuchtete Sinnen gezieret Und sie zu der göttlichen Würde geführet. 283 2. Sie scheinen von außen die schlechtesten Leute, Sin Schauspiel der Engel, ein Ekel der Welt; Und innerlich sind sie die lieblichsten Bräute, Der Zierrath, die Krone, die Jesu gefällt, Das Wunder der Zeiten, Die hier sich bereiten, Den König, der unter den Lilien weidet, Zu küssen, in güldenen Stücken gekleidet. 3. Sonst sind sie des Adams natürliche Kinder Und tragen das Bilde des Irdischen auch; Sie leiden am. Fleische wie andere Sünder, Sie essen und trinken nach nöthigem Brauch. In leiblichen Sachen, Im Schlafen und Wachen Sieht man sie vor Andern nichts sonderlichs machen, Nur daß sie die Thorheit der Weltlust verlachen. 4. Doch innerlich sind sie aus göttlichem Stamme, Die Gott durch sein mächtig Wort selber gezeugt, Ein Funke und Flämmlein aus göttlicher Flamme, Die oben Jeruſalem freundlich gesäugt. Die Engel sind Brüder, Die ihre Loblieder Mit ihnen går freundlich und lieblich absingen; Das muß denn ganz herrlich, ganz prächtig erklingen. 5. Sie wandeln auf Erden und leben im Himmel, Sie bleiben ohnmächtig und schüßen die Welt; Sie schmecken den Frieden bei allem Getümmel, Sie kriegen, die Aermsten, was ihnen gefällt. Sie stehen in Leiden, Sie bleiben in Freuden; Sie scheinen ertödtet den äußeren Sinnen Und führen das Leben des Glaubens von innen. 6. Wenn Christus, ihr Leben, wird offenbar werden, Wenn er sich einst, wie er ist, öffentlich stellt, So werden sie mit ihm als Götter der Erden Auch herrlich erscheinen zum Wunder der Welt. Sie werden regieren Und ewig floriren, Den Himmel als prächtige Lichter auszieren; Da wird man die Freude gar offenbar spüren. 7. Frohlocke, du Erde, und jauchzet, ihr Hügel, Dieweil du den göttlichen Samen geneußt! Denn das ist Jehova 284 Heiligungslieder. sein göttliches Siegel Zum Zeugniß, daß er dir noch Segen verheißt; Du sollst noch mit ihnen Aufs prächtigste grünen, Wenn erst ihr verborgenes Leben erscheinet, Wonach sich dein Seufzen mit ihnen vereinet. 8. O Jesu, verborgenes Leben der Seelen, Noch heimliche Zierde der inneren Welt! Gieb, daß wir die heimlichen Wege erwählen, Wenn gleich uns die Larve des Kreuzes verstellt. Hier übel genennet Und wenig erkennet; Hier heimlich mit Christo im Vater gelebet, Dort öffentlich mit ihm im Himmel geschwebet! Christian Friedr. Richter. Weise: Es kostet viel, ein Christ zu sein. 324. Es ist nicht schwer, ein Christ zu sein Und nach dem Sinn des reinen Geistes leben; Zwar der Natur geht es gar sauer ein, Sich immerdar in Christi Tod zu geben, Doch führt die Gnade selbst zu aller Zeit Den schweren Streit.:,: 2. Du darfst ja nur ein Kindlein sein, Du darfst ja nur die leichte Liebe üben! O blöder Geist, schau doch, wie gut ers mein! Das kleinste Kind kann ja die Mutter lieben! Drum fürchte dich nur ferner nicht so sehr: Es ist nicht schwer!:,: 3. Dein Vater fordert nur das Herz, Daß er es selbst mit reiner Gnade fülle. Der fromme Gott macht dir gar keinen Schmerz, Die Unlust schafft in dir dein eigner Wille; Drum übergieb ihn willig in den Tod, So hats nicht Noth.:,: 4. Wirf nur getrost den Kummer hin, Der nur dein Herz vergeblich schwächt und plaget, Erwecke nur zum Glauben deinen Sinn, Wenn Furcht und Weh dein schwaches Herze naget; Sprich: Bater, schau mein Glend gnädig an! So ists gethan.:;: 5. Besiß dein Herze in Geduld, Wenn du nicht gleich des Vaters Hilfe merkest. Versiehst dus oft und fehlst aus eigner Schuld, So sieh, daß du dich durch die Gnade 285 Heiligungslieder. stärkest: So ist dein Fehl und kindliches Versehn Als nicht geschehn.:, 6. Laß nur dein Herz im Glauben ruhn, Wenn dich will Nacht und Finsterniß bedecken; Dein Vater wird nichts schlimmes mit dir thun, Vor keinem Sturm und Wind darfst du erschrecken. Ja, stehst du endlich ferner keine Spur, So glaube nur.:;: 7. So wird dein Licht aufs neu entstehn Und wirst dein Heil mit großer Klarheit schauen; Was du geglaubt, wirst du dann vor dir sehn, Drum darfst du nur dem frommen Vater trauen. Seele, sich doch, wie ein wahrer Christ So selig ist.:: 8. Auf, auf! mein Geist, was säumest du, Dich deinem Gott ganz kindlich zu ergeben? Geh ein, mein Herz, geneuß die süße Ruh! In Frieden sollst du vor dem Vater schweben. Die Sorg und Last wirf nur getrost und kühn Allein auf ihn.:;: Christian Friedr. Richter. 325. Sinn des reinen Geistes leben, Denn der s kostet viel, ein Christ zu sein Und nach dem Natur geht es gar sauer ein, Sich immerdar in Christi Tod zu geben; Und ist hier gleich ein Kampf wohl ausgericht, Das machts noch nicht.:,: 2. Man muß hier stets auf Schlangen gehn, Die ihren Gift in unsre Fersen bringen; Da kostets Müh, auf ſeiner Hut zu stehn, Daß nicht das Gift kann in die Seele dringen. Wenn mans versucht, so spürt man mit der Zeit Die Wichtigkeit.:,: 3. Doch ist es wohl der Mühe werth, Wenn man mit Ernst die Herrlichkeit erwäget, Die ewiglich ein solcher Mensch erfährt, Der sich hier stets aufs Himmlische geleget. Es hat wohl Müh, die Gnade aber macht, Daß mans nicht acht.:,: 4. Man soll ein Kind des Höchsten sein, Ein reiner Glanz, ein Licht im großen Lichte; Wie wird der Leib 286 Heiligungslieder. so stark, so hell und rein, So herrlich sein, so lieblich im Gesichte, Dieweil ihn da die wesentliche Pracht So schöne macht.:,: 5. Da wird das Kind den Vater sehn; Im Schauen wird es ihn mit Lust empfinden, Der lautre Strom wird es da ganz durchgehn Und es mit Gott zu einem Geist verbinden. Wer weiß, was da im Geiste wird geschehn? Wer mags verstehn?:,: 6. Da giebt sich ihm die Weisheit ganz, Die es hier stets als Mutter hat gespüret, Sie krönet es mit ihrem Perlenkranz Und wird als Braut der Seelen zugeführet. Die Heimlichkeit wird da ganz offenbar, Die in ihr war.:,: 7. Was Gott genießt, genießt es auch, Was Gott besißt, wird ihm in Gott gegeben, Der Himmel steht bereit ihm zum Gebrauch. Wie lieblich wird es doch mit Jesu leben! Nichts höhres wird an Kraft und Würde sein Als Gott allein.:,: 8. Auf, auf! mein Geist, ermüde nicht, Dich durch die Macht der Finsterniß zu reißen; Was sorgest du, daß dirs an Kraft gebricht? Bedenke, was für Kraft uns Gott verheißen! Wie gut wird sichs doch nach der Arbeit ruhn, Wie wohl wirds thun!:,: Christian Friedr. Richter. Weise: Ringe recht, wenn Gottes Gnade. 326. Heilge Einfalt, Gnadenwunder! Tiefste Weisheit, größte Kraft! Schönste Zierde, Liebeszunder! Werk, das Gott alleine schafft! 2. Alle Freiheit geht in Banden, Aller Reichthum ist nur Wind; Alle Schönheit wird zu Schanden, Wenn wir ohne Einfalt sind. 3. Wenn wir in der Einfalt stehen, Ist es in der Seele licht; Aber wenn wir doppelt sehen, So vergeht uns das Gesicht. 4. Einfalt ist ein Kind der Gnade, Eine kluge Nitter Heiligungslieder. 287 schaft, Die auf ihrem schmalen Pfade Nicht nach dem und jenem gafft. 5. Einfalt denkt nur an das Eine, In dem alles Andre steht; Einfalt hängt sich ganz alleine An den ewigen Magnet. 6. Einfalt quillt aus Jesu Wunden Mit dem theuren Gottesblut; Wer ste da nicht hat gefunden, Der ist fern von diesem Gut. 7. Wem sonst nichts, als Jesus, schmecket, Wer allein auf Jesum blickt; Wessen Ohr nur Jesus wecket, Wen nichts außer ihm erquickt; 8. Wer nur hat, was Jesus giebet, Wer nur lebt aus seiner Füll; Wer nur will, was ihm beliebet, Wer nur kann, was Jesus will; 9. Wer nur geht auf seinem Pfade, Wer nur steht bei seinem Licht; Wer nur stets verlangt nach Gnade Und mag alles Andre nicht; 10. Wer ihn so mit Inbrunst liebet, Daß er seiner selbst vergißt, Wer sich nur um ihn betrübet Und in ihm nur fröhlich ist; 11. Wer allein auf Jesum trauet, Wer in Jesu alles findt: Der ist auf den Fels erbauet Und ein selges Gnadenfind. 12. Wohl dem, der den Herrn läßt machen, Wohl ihm, der Herr ist sein Hirt! Jesus wartet seiner Sachen, Daß man sich verwundern wird. Spangenberg. Weise: Wachet auf, ruft uns die Stimme. 327. Heiligster Jefu, Heiligungsquelle, Mehr als KryStrom der Heiligkeit! Der Glanz der hohen Cherubinen, Die Heiligkeit der Seraphinen Ist gegen dich nur Dunkelheit. Ein Vorbild bist du mir; Ach bilde mich nach dir, Du mein Alles! Jesu, Jesu, Hilf mir dazu, Daß ich auch heilig sei wie du! 288 Heiligungslieder. 2. O stiller Jesu, wie dein Wille Dem Willen deines Vaters stille Und bis zum Tod gehorsam war, So mache du auch gleichermaßen Mein Herz und Willen dir gelassen; Ach, stille meinen Willen gar. Mach mich dir gleich gesinnt, wie ein gehorsam Kind, Stille, stille! Jesu, Jeſu, Hilf mir dazu, Daß ich fein stille sei wie du! 3. Wachsamer Jesu, ohne Schlummer, In großer Arbeit, Müh und Kummer Bist du gewesen Tag und Nacht. Du mußtest täglich viel ausstehen, Des Nachts lagst du vor Gott mit Flehen, Du hast gebetet und gewacht. Gieb mir auch Wachsamkeit, Daß ich zu dir allzeit Wach und bete! Jesu, Jesu, Hilf mir dazu, Daß ich stets wachsam ſei wie du! 4. Gütigster Jesu, ach, wie gnädig, Wie liebreich, freundlich und gutthätig Bist du doch gegen Freund und Feind! Dein Sonnenglanz der scheinet allen, Dein Regen muß auf alle fallen, Ob sie dir gleich undankbar seind. Mein Gott, ach lehre mich, Damit hierinnen ich Dir nacharte! Jesu, Jefu, Hilf mir dazu, Daß ich auch gütig sei wie du! 5. Du fanfter Jesu, warst unschuldig- Und littest alle Schmach geduldig, Vergabst und ließ'st nicht Rachgier aus. Niemand kann deine Sanftmuth messen, Bei der kein Gifer dich gefressen, Als der um deines Vaters Haus. Mein Heiland, ach, verleih Mir Sanftmuth und dabei Guten Gifer! Jesu, Jesu, Hilf mir dazu, Daß ich sanftmüthig ſei wie du! 6. Würdigster Jesu, Ehrenkönig! Du suchtest deine Ehre wenig Und wurdest niedrig und gering. Du wandeltest ganz arm auf Erden In Demuth und in Knechtsgeberden, Erhobst dich selbst in keinem Ding. Herr, solche Demuth lehr Auch mich je mehr und mehr Stetig üben! Jesu, Jesu, Hilf mir dazu, Daß ich demüthig sei wie du! 7. O keuscher Jesu, all dein Wesen War züchtig, feusch und auserlesen, Von tugendvoller Sittsamkeit; Gedanken, Reden, Glieder, Sinnen, Geberden, Kleidung und Be Heiligungslieber. ginnen War voller lautrer Züchtigkeit. O mein Immanuel, Mach mir Geist, Leib und Seel Keusch und züchtig! Jeſu, Jesu, Hilf mir dazu, Auch keusch und rein zu sein, wie du! 289 8. Nun, liebster Jesu, liebstes Leben, Mach mich in allem dir ergeben Und deinem heilgen Vorbild gleich! Dein Geist und Kraft mich ganz durchdringe, Daß ich viel Glaubensfrüchte bringe Und tüchtig werd zu deinem Reich! Ach, zeuch mich ganz nach dir; Behalt mich für und für, Treuer Heiland! Jesu, Jesu, Laß mich, wie du, Und wo du bist, einst finden Ruh! Bartholomäus Crasselius. Weise: Herr Christ, der einig Gotts Sohn. 328. Herr Jesu, Gnadensonne, Wahrhaftes Lebenslicht, Laß Leben, Licht und Wonne, Mein blödes Angesicht Nach deiner Gnad erfreuen Und meinen Geist erneuen; Mein Gott, versag mirs nicht. 2. Vergieb mir meine Sünden Und wirf sie hinter dich; Laß allen Zorn verschwinden Und hilf genädiglich. Laß deine Friedensgaben Mein armes Herze laben; Ach Herr, erhöre mich. 3. Vertreib aus meiner Seelen Den alten Adamssinn Und laß mich dich erwählen, Daß ich mich künftighin 3u deinem Dienst ergebe Und dir zu Ehren lebe, Weil ich erlöset bin. 4. Befördre dein Erkenntniß In mir, mein Seelenhort Und öffne mein Verständniß Durch dein heiliges Wort, Damit ich an dich gläube Und in der Wahrheit bleibe Zu Truß der Höllenpfort. 5. Tränk mich an deinen Brüsten Und freuzge mein Begier Samt allen böfen Lüsten, Auf daß ich für und für Der Sündenwelt absterbe Und nach dem Fleisch verderbe, Hingegen leb in dir. 6. Ach, zünde deine Liebe In meiner Seelen an, Daß ich aus innrem Triebe Dich ewig lieben kann Und dir Geistl. Biederbuch. 13 Heiligungslieder. zum Wohlgefallen Beständig möge wallen Auf rechter Lebensbahn. 7. Nun, Herr, verleih mir Stärke, Verleih mir Kraft und Muth, Denn das sind Gnadenwerke, Die dein Geist schafft und thut; Hingegen meine Sinnen, Mein Lassen und Beginnen Ist böse und nicht gut. 290 8. Darum, du Gott der Gnaden, Du Vater aller Treu, Wend allen Seelenschaden, Und mach mich täglich neu. Gieb, daß ich deinen Willen Stets suche zu erfüllen, Und steh mir kräftig bei. Ludwig Andreas Gotter. Weise: Jesus, meine Zuversicht. Himmelan geht unsre Bahn, Wir sind Gäste nur 329. die Wüste kommen werden. Hier ist unser Pilgrimsstand, Droben unser Vaterland. 2. Himmelan schwing dich, mein Geist! Denn du bist ein himmlisch Wesen Und kannst das, was irdisch heißt, Nicht zu deinem Zweck erlesen. Ein von Gott erleuchter Sinn Kehrt in seinen Ursprung hin. 3. Himmelan! ruft er mir zu, Wenn ich ihn im Worte höre; Das weist mir den Ort der Ruh, Wo ich einmal hingehöre. Wenn mich dieses Wort bewahrt, Halt ich eine Himmelfahrt. 4. Himmelan! denk ich allzeit, Wenn er mir die Tafel decket, Und mein Geist hier allbereit Eine Kraft des Himmels schmecket. Nach der Kost im Jammerthal Folgt des Lammes Hochzeitmahl. 5. Himmelan! mein Glaube zeigt Mir das schöne Loos von ferne, Daß mein Herz schon aufwärts steigt Ueber Sonne, Mond und Sterne; Denn ihr Licht ist viel zu klein Gegen jenen Glanz und Schein. 6. Himmelan wird mich der Tod In die rechte Heimath führen, Da ich über alle Noth Ewig werde triumphiren. Jesus geht mir selbst voran, Daß ich freudig folgen kann. Heiligungslieder. 291 7. Himmelan, ach himmelan! Das soll meine Losung bleiben. Ich will allen eitlen Wahn Durch die Himmelsluft vertreiben. Himmelan steht nur mein Sinn, Bis ich in dem Himmel bin. Benj. Schmold. 330. Höchster Briester, der du dich Selbst geopfert haft für mich, Laß doch, bitt ich, noch auf Erden Auch mein Herz dein Opfer werden. 2. Denn die Liebe nimmt nichts an, Was du, Liebe, nicht gethan; Was durch deine Hand nicht gehet, Wird zu Gott auch nicht erhöhet. 3. Drum so tödt und schlachte hin Meinen Willen, meinen Sinn; Reiß mein Herz aus meinem Herzen, Sollts auch sein mit tausend Schmerzen. 4. Trage Holz auf den Altar Und verbrenn mich ganz und gar, O du allerliebste Liebe, Wenn doch nichts mehr von mir bliebe! 5. Also wird es wohl geschehn, Daß der Herr es wird ansehn; Also werd ich noch auf Erden Gott ein Liebesopfer werden. Johann Angelus. Weise: Seelenbräutigam, Jesu, Gottes Lamm. 331. Jesu, geh voran Auf der Lebensbahn; wollen nicht verweilen, Dir getreulich eilen: Führ uns an der Hand Bis ins Vaterland. Und wir nachzu2. Solls uns hart ergehn, Laß uns feste stehn Und auch in den schwersten Tagen Niemals über Lasten klagen; Denn durch Trübsal hier Geht der Weg zu dir. 3. Rühret eigner Schmerz Irgend unser Herz, Kümmert uns ein fremdes Leiden, Oso gieb Geduld zu beiden; Richte unsern Sinn Auf das Ende hin. 4. Ordne unsern Gang, Liebster, lebenslang. Führst du uns durch rauhe Wege, Gieb uns auch die nöthge Pflege; Thu uns nach dem Lauf Deine Thüre auf. Nikolaus Ludwig, Graf von Zinzendorf. 13* Heiligungslieder. Weise: Großer Prophete, mein Herze begehret. 332. Jesu, hilf stegen! du Fürste des Lebens, Sieh, wie die Finsterniß dringet herein, Wie sie ihr höllisches Heer nicht vergebens Mächtig aufführet, mir schädlich zu sein; Satan der sinnet auf allerhand Ränke, Wie er mich sichte, verstöre und kränke. 292 2. Jesu, hilf siegen! der du mich erkaufet, Rette, wenn Fleisch und Blut, Satan und Welt Mich zu berücken ganz grimmig anlaufet, Oder auch schmeichelnd sich liftig verstellt. Wenn Babel wüthet von außen und innen, Laß mir, Herr, niemals die Hilfe zerrinnen. 3. Jesu, hilf stegen! ach, wer muß nicht klagen? Herr, mein Gebrechen ist immer vor mir! Hilf, wenn die Sünden der Jugend mich nagen, Die mein Gewissen mir täglich hält für. Ach, laß mich schmecken dein kräftig Verfühnen Und dies zu meiner Demüthigung dienen. 4. Jesu, hilf stegen! wenn in mir die Sünde, Eigenlieb, Hoffart und Mißgunst sich regt, Wenn ich die Last der Begierden empfinde, Und sich mein, tiefes Verderben darlegt, So hilf, daß ich vor mir selbst mag erröthen Und durch dein Leiden mein sündlich Fleisch tödten! 5. Jesu, hilf siegen! und lege gefangen In mir die Lüste des Fleisches und gieb, Daß bei mir lebe des Geistes Verlangen Aufwärts sich schwingend durch heiligen Trieb; Laß mich eindringen ins göttliche Wesen, So wird mein Geist, Leib und Seele genesen. 6. Jefu, hilf stegen! damit auch mein Wille Dir, Herr, fei gänzlich zu eigen geschenkt, Und ich mich stets in dein Wollen verhülle, Wo sich die Seele zur Ruhe hinlenkt; Laß mich mir sterben und alle dem Meinen, Daß ich mich zählen kann unter die Deinen. 7. Jesu, hilf stegen in allerlei Fällen! Gieb mir die Waffen und Wehre zur Hand; Wenn mir die höllischen Feinde nachstellen, Dich mir zu rauben, o edelstes Pfand, Heiligungslieder. 293 So hilf mir Schwachen mit Allmacht und Stärke, Daß ich, o Liebster, dein Dasein vermerke! 8. Jesu, hilf siegen! wer mag sonst bestehen Wider den listig verschmißeten Feind? Wer mag doch dessen Versuchung entgehen, Der wie ein Engel des Lichtes erscheint? Ach, Herr! wo du weichst, so muß ich ja irren, Wenn mich der Schlange List sucht zu verwirren! 9. Jefu, hilf stegen und laß mich nicht sinken! Wenn sich die Kräfte der Lügen aufblähn Und mit dem Scheine der Wahrheit sich schminken, Laß doch viel heller dann deine Kraft sehn; Steh mir zur Rechten, o König und Meister! Lehre mich kämpfen und prüfen die Geister. 10. Jesu, hilf stegen in Wachen und Beten! Hüter, du schläfst ja und schlummerst nicht ein; Laß dein Gebet mich unendlich vertreten, Der du versprochen, mein Fürsprach zu sein. Wenn mich die Nacht mit Ermüdung will decken, Wollst du mich, Jesu, ermuntern und wecken. 11. Jesu, hilf siegen! wenn alles verschwindet Und ich mein Nichts und Verderben nur seh, Wenn kein Vermögen zum Beten sich findet, Wenn ich muß sein ein verschüchtertes Reh: Ach, Herr! so wollst du im Grunde der Seelen Dich mit dem innersten Seufzen vermählen! 12. Jesu, hilf siegen! und laß mirs gelingen, Daß ich das Zeichen des Sieges erlang, So will ich ewig dir Lob und Dank singen, Jesu, mein Heiland, mit frohem Gefang. Wie wird dein Name da werden gepriesen, Wo du, o Held, dich so mächtig erwiesen! 13. Jesu, hilf stegen! laß bald doch erschallen, Daß 3ion rufet: Es ist nun vollbracht! Babel, die stolze, ist endlich gefallen, Die da bishero so lang hat gekracht. Ach, Herr! komm, mache ein Ende des Krieges, Schmücke dein Zion mit Palmen des Sieges. 14. Jesu, hilf stegen! Damit wir uns schicken, Würdig zur Hochzeit des Lammes zu gehn; Kleide dein Zion mit güldenen Stücken, Laß uns den Untergang Babels einst Heiligungslieder. sehn! Doch wohlan, kracht es, so wird es bald liegen; Auf, Zion! rüste dich, Jesus hilft stegen! Joh. Heinrich Schröder. 294 Weise: Aus meines Herzens Grunde. ommt, Kinder, laßt uns 333. gehen, Der Abend kommt herbei! Es ist gefährlich stehen In dieser Wüstenei. Kommt, stärket euren Muth, Zur Ewigfeit zu wandern, Von einer Kraft zur andern; Es ist das Ende gut. 2. Es soll uns nicht gereuen Der schmale Pilgerpfad; Wir kennen ja den Treuen, Der uns gerufen hat. Kommt, folgt und trauet dem. Ein jeder sein Gesichte Mit ganzer Wendung richte Fest nach Jerusalem! 3. Der Ausgang, der geschehen, Ist uns fürwahr nicht leid. Es soll noch besser gehen Zur Abgeschiedenheit. Nein, Kinder, seid nicht bang! Verachtet tausend Welten, Ihr Locken und ihr Schelten Und geht nur euren Gang. 4. Gehts der Natur entgegen, So gehts gerad und fein. Die Fleisch und Sinnen pflegen Noch schlechte Pilger sein. Verlaßt die Kreatur Und was euch sonst will binden, Laßt gar euch selbst dahinten; Es geht durchs- Sterben nur. 5. Man muß wie Pilger wandeln, Frei, bloß und wahrlich leer. Viel sammeln, halten, handeln Macht unsern Gang nur schwer. Wer will, der trag sich todt! Wir reisen abgeschieden, Mit Wenigem zufrieden, Wir brauchens nur zur Noth. 6. Schmückt euer Herz aufs beste, Sonst weder Leib noch Haus. Wir sind hier fremde Gäste Und ziehen bald hinaus. Gemach bringt Ungemach. Ein Pilger muß sich schicken, Sich dulden und sich bücken Den kurzen Pilgertag. 7. Laßt uns nicht viel besehen Das Kinderspiel am Weg. Durch Säumen und durch Stehen Wird man verstrickt und träg. Es geht uns alls nicht an. Nur fort, nur fortge rungen, Durch alles durchgedrungen! Es ist so bald gethan. Heiligungslieder. 295 8. Ift gleich der Weg was enge, So einsam, krumm und schlecht, Der Dornen in der Menge Und manches Kreuze trägt: Es ist doch nur ein Weg. Laß sein! wir gehen weiter, Wir folgen unserm Leiter Und brechen durchs Gehäg. 9. Was wir hier hörn und sehen, Das hörn und ſehn wir kaum, Wir lassens da und gehen; Es irret uns kein Traum. Wir gehn ins Ewge ein. Mit Gott muß unser Handel, Im Himmel unser Wandel Und Herz und alles sein. 10. Wir wandeln eingekehret, Veracht und unbekannt. Man stehet, kennt und höret Uns kaum im fremden Land; Und höret man uns ja, So höret man uns singen Von unsern großen Dingen, Die auf uns warten da. 11. Kommt, Kinder, laßt uns gehen; Der Vater gehet mit! Er selbst will bei uns stehen In jedem sauren Tritt. Er will uns machen Muth, Mit süßen Sonnenblicken Uns locken und erquicken. Ach ja, wir habens gut! 12. Gin jeder munter eile; Wir sind vom Ziel noch fern. Schaut auf die Feuersäule, Die Gegenwart des Herrn! Das Aug nur eingekehrt, Da uns die Liebe winket Und dem, der folgt und sinket, Den wahren Ausgang lehrt. 13. Des süßen Lammes Wesen Wird uns da eingedrückt. Man kanns am Wandel lesen, Wie kindlich, wie beglückt, Wie sanft, gerad und still Die Lämmer vor sich sehen. Und ohne Forschen gehen So, wie ihr Führer will. 14. Kommt, Kinder, laßt uns wandern, Wir gehen Hand in Hand! Eins freuet sich am andern In diesem wilden Land. Kommt, laßt uns kindlich sein, Und auf dem Weg nicht streiten! Die Engel uns begleiten Als unsre Brüderlein. 15. Sollt wo ein Schwacher fallen, So greif der Stärkre zu. Man trag, man helfe allen, Man pflanze Fried und Ruh. Kommt, bindet fester an! Ein jeder sei der Kleinste, Doch auch wohl gar der Reinste Auf unsrer Pilgerbahn. 296 Heiligungslieder. 16. Kommt, laßt uns munter wandern; Der Weg fürzt immer ab! Ein Tag der folgt dem andern, Bald fällt das Fleisch ins Grab. Nur noch ein wenig Muth, Nur noch ein wenig treuer, Vor allen Dingen freier Gewandt zum ewgen Gut. 17. Es wird nicht lang mehr währen, Halt noch ein wenig aus! Es wird nicht lang mehr währen, So kommen wir nach Haus! Da wird man ewig ruhn. Wenn wir mit allen Frommen Daheim zum Vater kommen, Wie wohl, wie wohl wirds thun. 18. Drauf wollen wirs denn wagen, Es ist wohl Wagens werth, Und gründlich dem absagen, Was aufhält und be schwert. Welt, du bist uns zu klein! Wir gehn durch Jesu Leiten Hin in die Ewigkeiten, Es soll nur Jesus sein. 19. O Freund, den wir erlesen, O allvergnügend Gut, O ewig bleibend Wesen, Wie reizest du den Muth! Wir freuen uns in dir, Du, unsre Wonn und Leben, Worin wir ewig schweben, Du, unsre ganze Zier! Gerhard Tersteegen. Weise: Lasset uns den Herren preisen. 334. Laffet uns mit Jesu ziehen, Seinem Vorbild folgen nach, In der Welt der Welt entfliehen, Auf der Bahn, die er uns brach, Immerfort zum Himmel reisen, Irdisch noch, doch himmlisch sein, Glauben recht und leben fein, In der Lieb den Glauben weisen. Treuer Jesu, bleib bei mir, Gehe vor, ich folge dir. 2. Lasset uns mit Jesu leiden, Seinem Vorbild werden gleich, Nach dem Leide folgen Freuden, Armuth hier macht dorten reich; Thränenfaat, die erntet Lachen, Hoffnung tröstet mit Geduld, Es kann leichtlich Gottes Huld Aus dem Regen Sonne machen. Jesu, hier leid ich mit dir, Dort theil deine Freud mit mir. 3. Lasset uns mit Jesu sterben, Sein Tod uns vom Heiligungslieder. 297 andern Tod Rettet und vom Seelverderben, Von der ewiglichen Noth. Laßt uns tödten, weil wir leben, Unser Fleisch, ihm sterben ab; So wird er uns aus dem Grab In des Himmels Leben heben. Jesu, sterb ich, sterb ich dir, Daß ich lebe für und für. 4. Lasset uns mit Jesu leben; Weil er auferstanden ist, Muß das Grab uns wiedergeben. Jesu, unser Haupt du bist, Wir sind deines Leibes Glieder, Wo du lebst, da leben wir; Ach, erkenn uns für und für, Trauter Freund, für deine Brüder. Jesu, dir ich lebe hier, Dorten ewig auch bei dir. Siegmund von Birken. Weise: Nun sich der Tag geendet hat. 335. Merk, Seele, dir das große Wort: Wenn Jeſus winkt, so geh; Wenn er dich zieht, so eile fort, Wenn Jesus hält, so steh. 2. Wenn er dich lobet, bücke dich, Wenn er dich liebt, so ruh; Wenn er dich aber schilt, so sprich: Ich brauchs, Herr, schlage zu! 3. Wenn Jesus seine Gnadenzeit Bald da, bald dort verklärt, So freu dich der Barmherzigkeit, Die andern widerfährt. 4. Wenn er dich aber brauchen will, So steig in Kraft empor; Wird Jesus in der Seele still, So nimm auch du nichts vor. 5. Kurz, liebe Seel, dein ganzes Herz Sei von dem Tage an Bei Schmach, bei Mangel und bei Schmerz Dem Lamme zugethan. Nikolaus Ludwig, Graf von Zinzendorf. Weise: Machs mit mir, Gott, nach deiner Güt. ir nach, spricht Christus unser Held, Mir nach, 336. ihr Christen alle! Verleugnet euch, verlaßt die Welt, Folgt meinem Ruf und Schalle! Nehmt euer Kreuz und Ungemach Auf euch, folgt meinem Wandel nach! 13** 298 Heiligungslieder. 2. Ich bin das Licht, ich leucht euch für Mit heilgem Tugendleben, Wer zu mir kommt und folget mir, Darf nicht im Finstern schweben; Ich bin der Weg, ich weise wohl, Wie man wahrhaftig wandeln soll. 3. Mein Herz ist voll Demüthigkeit, Voll Liebe meine Seele, Mein Mund der fleußt zu jeder Zeit Von süßem Sanftmuthsöle; Mein Geist, Gemüthe, Kraft und Sinn Ist Gott ergeben, schaut auf ihn. 4. Ich zeig euch das, was schädlich ist, zu fliehen und zu meiden, Und euer Herz von arger List zu reingen und zu scheiden. Ich bin der Seelen Fels und Hort Und führ euch zu der Himmelspført. 5. Fällts euch zu schwer, ich geh voran, Ich steh euch an der Seite, Ich kämpfe selbst, ich brech die Bahn, Bin alles in dem Streite. Ein böser Knecht, der still darf stehn, Wenn er den Feldherrn sieht angehn. 6. Wer seine Seel zu finden meint, Wird sie ohn mich verlieren; Wer sie hier zu verlieren scheint, Wird sie in Gott einführen. Wer nicht sein Kreuz nimmt und folgt mir, Ist mein nicht werth und meiner Zier. 7. So laßt uns denn dem lieben Herrn Mit Leib und Seel nachgehen Und wohlgemuth, getrost und gern Bei ihm in Leiden stehen; Denn wer nicht kämpst, trägt auch die Kron Des ewgen Lebens nicht davon. Joh. Angelus. 337., der alles hätt verloren, Auch sich ſelbst, der allezeit Nur das Ein hätt auserkoren, So Herz, Geist und Seel erfreut! 2. O, der alles hätt vergessen, Der nichts wüßt als Gott allein, Dessen Güte unermessen Macht das Herz still, ruhig, rein! 3. O, der alles könnte lassen, Daß er, frei vom Eiteln all, Wandern möcht die Friedensstraßen Durch dies Thränen- Jammerthal! 4. O, wär unser Herz entnommen Dem, was lockt durch Heiligungslieder. 299 eiteln Glanz, Und hält ab, zu Gott zu kommen, In dem alle Güt ist ganz. 5. O, daß wir Gott möchten finden In uns durch der Liebe Licht Und uns ewig ihm verbinden! Außer ihm ist eitel Nicht. 6. O, wär unser Aug der Seelen Stetig nur auf Gott gewendt! So hätt auch das sorglich Quälen Im Gewissen ganz ein End. 7. O, du Abgrund aller Güte, Zeuch durchs Kreuz in dich hinein Geist, Seel, Herz, Sinn und Gemüthe, Ewig mit dir eins zu sein! Gottfried Arnold.. 338. Weise: O du Liebe meiner Liebe. Durchbrecher aller Bande, Der du immer bei uns bist, Bei dem Schaden; Spott und Schande Lauter Luft und Himmel ist: Uebe ferner dein Gerichte Wider unsern Adamssinn, Bis uns dein so treu Gesichte Führet aus dem Kerker hin. 2. Ists doch deines Vaters Wille, Daß du endest dieſes Werk; Hierzu wohnt in dir die Fülle Aller Weisheit, Lieb und Stärk, Daß du nichts von dem verlierest, Was er dir geschenket hat, Und es von dem Treiben führest Zu der süßen Ruhestatt. 3. Ach! so mußt du uns vollenden, Willst und kannst ja anders nicht; Denn wir sind in deinen Händen, Dein Herz ist auf uns gericht, Ob wir wohl vor allen Leuten Als gefangen sind geacht, Weil des Kreuzes Niedrigkeiten Uns veracht und schnöd gemacht. 4. Schau doch aber unsre Ketten, Da wir mit der Kreatur Seufzen, ringen, schreien, beten Um Erlösung von Natur, Von dem Dienst der Eitelkeiten, Der uns noch so harte drückt, Ungeacht der Geist in Zeiten Sich auf etwas Beßres schickt. 5. Ach! erheb die matten Kräfte, Sich einmal zu reißen los Und durch alle Weltgeschäfte Durchgebrochen stehen bloß. Weg mit Menschenfurcht und Bagen! Weich Heiligungslieder. Vernunftbedenklichkeit! Fort mit Scheu vor Schmach und Plagen! Weg des Fleisches Zärtlichkeit! 300 6. Herr, zermalme, brich und fälle Satans arge Tyrannei! Denke, daß nicht Lod noch Hölle Deiner Ehre nüße sei; Heb uns aus dem Staub der Sünden, Wirf die Schlangenbrut hinaus, Laß uns wahre Freiheit finden In des Vaters Hochzeitshaus! 7. Wir verlangen keine Ruhe Für das Fleisch in Ewigfeit; Wie du nöthig findst, so thue Noch vor unsrer Abschiedszeit. Aber unser Geist, der bindet Dich im Glauben, läßt dich nicht, Bis er die Erlösung findet, Da ihm Zeit und Maß gebricht. 8. Herrscher, herrsche! Sieger, stege! König, brauch dein Regiment! Führe deines Reiches Kriege, Mach der Sclaverei ein End! Laß doch aus der Grub die Seelen Durch des neuen Bundes Blut; Laß uns länger nicht so quälen, Denn du meinsts mit uns ja gut. 9. Haben wir uns selbst gefangen In der Weltgefälligkeit, Ach! so laß uns nicht stets hangen In dem Tod der Sitelkeit; Denn die Last treibt uns zu rufen, Alle schreien wir dich an: Zeig doch nur die ersten Stufen Der gebrochnen Freiheitsbahn. 10. Ach! wie theur sind wir erworben, Nicht der Menschen Knecht zu sein! Drum, so wahr du bist gestorben, Mußt du uns auch machen rein, Rein und frei und ganz vollkommen, Nach dem besten Bild gebildt. Der hat Gnad um Gnad genommen, Wer aus deiner Füll sich füllt. 11. Liebe, zeuch uns in dein Sterben, Laß mit dir gekreuzigt sein, Was dein Reich nicht kann ererben; Führ ins Paradies uns ein. Doch wohlan, du wirst nicht säumen, Wo wir nur nicht lässig sein; Werden wir doch als wie träumen, Wenn die Freiheit bricht herein. Gottfried Arnold. Heiligungslieder. 301 339. Ringe recht, wenn Gottes Gnade Dich nun ziehet und bekehrt, Daß dein Geist sich recht entlade Von der Last, die ihn beschwert. 2. Ringe, denn die Pfort ist enge Und der Lebensweg ist schmal; Hier bleibt alles im Gedränge, was nicht zielt zum Himmelssaal. 3. Kämpfe bis aufs Blut und Leben, Dring hinein in Gottes Reich. Will der Satan widerstreben, werde weder matt noch weich. 4. Ringe, daß dein Eifer glühe, Und die erste Liebe dich Von der ganzen Welt abziehe; Halbe Liebe hält nicht Stich. 5. Ringe mit Gebet und Schreien, Halte damit feurig an; Laß dich keine Zeit gereuen, Wärs auch Tag und Nacht gethan. 6. Hast du denn die Perl errungen, Denke ja nicht, daß du nun Alles Böse haft bezwungen, Das uns Schaden pflegt zu thun. 7. Nimm mit Furcht ja deiner Seele, Deines Heils mit Zittern wahr; Hier in dieser Leibeshöhle Schwebst du täglich in Gefahr. 8. Halt ja deine Krone feste, Halte männlich, was du hast. Recht beharren ist das Beste; Rückfall ist ein böser Gast. 9. Laß dein Auge ja nicht gaffen Nach der schnöden Eitelkeit, Bleibe Tag und Nacht in Waffen, Fliehe Trägund Sicherheit. 10. Laß dem Fleische nicht den Willen, Gieb der Lust den Zügel nicht. Willst du die Begierden füllen, So verlischt das Gnadenlicht. 11. Fleischesfreiheit macht die Seele Kalt und sicher, frech und stolz, Frißt hinweg des Glaubens Dele, Läßt nichts als ein faules Holz. 12. Wahre Treu führt mit der Sünde Bis ins Grab beständig Krieg, Richtet sich nach keinem Winde, Sucht in jedem Kampf den Sieg. Heiligungslieder. 13. Wahre Treu liebt Christi Wege, Steht beherzt auf ihrer Hut, Weiß von keiner Wollustpflege, Hält sich selber nichts zu gut. 302 14. Wahre Treu hat viel zu weinen, Spricht zum Lachen: du bist toll! Weil es, wenn Gott wird erscheinen, Lauter Heulen werden soll. 15. Wahre Treu kommt dem Getümmel Dieser Welt niemals zu nah. Ist ihr Schaß doch in dem Himmel, Drum ist auch ihr Herz allda. 16. Dies bedenket wohl, ihr Streiter! Streitet recht und fürchtet euch; Geht doch alle Tage weiter, Bis ihr kommt ins Himmelreich. 17. Denkt bei jedem Augenblicke, Obs vielleicht der leßte sei. Bringt die Lampen ins Geschicke, Holt stets neues Del herbei. 18. Liegt nicht alle Welt im Bösen? Steht nicht Sodom in der Gluth? Seele, wer soll dich erlösen? Eilen, eilen ist hier gut. 19. Eile, wo du dich erretten Und nicht mit verderben willt; Mach dich los von allen Ketten, Fleuch als ein gejagtes Wild. 20. Lauf der Welt doch aus den Händen, Dring ins stille Zoar ein. Eile, daß du mögst vollenden, Mache dich von allem rein. 21. Laß dir nichts am Herzen kleben, Fleuch vor dem verborgnen Bann, Such in Gott geheim zu leben, Daß dich nichts beflecken kann. 22. Gile, zähle Tag und Stunden, Bis dein Bräutgam kommt und winkt Und, wenn du nun überwunden, Dich zum Schauen Gottes bringt. 23. Gile, lauf ihm doch. entgegen, Sprich: Mein Licht! ich bin bereit, Nun mein Hüttlein abzulegen, Mich dürft nach der Ewigkeit. Joh. Jos. Winkler, 303 Heiligungslieder. Weise: Wachet auf, ruft uns die Stimme. 340. Re Büstet euch, ihr Christenleute, Die Feinde suchen euch zur Beute, Ja Satan selbst hat eur begehrt. Wappnet euch mit Gottes Worte Und kämpfet frisch an jedem Orte, Damit ihr bleibet unversehrt. Ist euch der Feind zu schnell? Hier ist Immanuel. Hosianna! Der Starke fällt Durch diesen Held Und wir behalten mit das Feld. 2. Reinigt euch von euren Lüften, Besteget sie, die ihr seid Christen, Und stehet in des Herren Kraft. Stärket euch in Jesu Namen, Daß ihr nicht strauchelt, wie die Lahmen. Wo ist des Glaubens Eigenschaft? Wer hier ermüden will, Der schaue auf das Ziel! Da ist Freude! Wohlan, so seid 3um Kampf bereit, So krönet euch die Ewigkeit. 3. Streitet recht die wengen Jahre, Eh ihr kommt auf die Todienbahre, Kurz, kurz ist unser Lebenslauf. Wenn Gott wird die Todten wecken Und Christus wird die Welt erschrecken, So stehen wir mit Freuden auf. Gott Lob, wir sind versöhnt! Daß uns die Welt noch höhnt, Währt nicht lange, Und Gottes Sohn hat längstens schon Uns beigelegt die Ehrenkron. 4. Jeſu, stärke deine Kinder Und mach aus denen Ueberwinder, Die du erkauft mit deinem Blut; Schaffe in uns neues Leben, Daß wir uns stets zu dir erheben, Wenn uns entfallen will der Muth. Geuß aus auf uns den Geist, Dadurch die Liebe fleußt In die Herzen, So halten wir Getreu an dir Im Tod und Leben für und für. Wilh. Erasmus Arends. Weise: Alle Menschen müssen sterben. 341. er das Kleinod will erlangen, Der muß laufen, was er kann; Wer die Krone will empfangen, Der muß kämpfen als ein Mann. Dazu muß er sich in Beiten Auf das beste zubereiten, Alles andern müßig gehn, Was ihm kann im Wege stehn. 304 Heiligungslieder. 2. Herzens- Jesu, deine Güte Steckt mir auch ein Kleinod für, Das entzünd mir mein Gemüthe Durch den Reichthum seiner Zier. O wie glänzt die schöne Krone Von dem hohen Himmelsthrone, Die du in der Herrlichkeit Deinen Streitern hast bereit? 3. Mich verlangt von ganzem Herzen Auch nicht weit davon zu sein, Ja, ich ziele recht mit Schmerzen Auf den freudenvollen Schein. Doch das Laufen thut mir bange Und der Kampf wird mir zu lange. Der geschmückte Erdenwust Nimmt mir öfters alle Luft. 4. Mein verderbter Eigenwille Hat bald dies, bald das zu thun, Hält im Laufen vielmal stille Und will in dem Streite ruhn. Satan macht mich auch fast mürbe, Daß mir auch der Sieg verdürbe, Wo mir deine treue Kraft Nicht gewünschte Hilfe schafft. 5. Drum, mein Jesu, steh mir Armen In so großer Schwachheit bei. Laß dich meiner Noth erbarmen, Mache mich von allem frei, Was mir will mein Ziel verrücken. Komm, mich selbst recht zuzuschicken, Gieb mir Kraft und Freudigkeit, Fördre meinen Lauf und Streit. 6. Es verlohnt sich wohl der Mühe, Ob mirs gleich was sauer wird, Wenn ich mich der Welt entziehe, Die mich stets zurücke firrt. Deine treue Gnadenkrone Ist mir übergnug zum Lohne. Wirst du nur mein Beistand sein, So ist sie in kurzem mein. Joh. Menger. Hausstand. 342. selig Haus, wo man dich aufgenommen, Du wahrer Seelenfreund, Herr Jesu Christ! Wo unter allen Gästen, die da kommen, Du der gefeiertste und liebste bist; Wo aller Herzen dir entgegen schlagen, Und aller Augen freudig auf dich sehn, Wo aller Lippen dein Gebot erfragen, Und alle deines Winks gewärtig stehn. O selig Haus, wo Mann und Weib in Giner, In deiner Liebe Gines Geistes sind, Als beide Eines Heils Hausstand. gewürdigt, keiner Im Glaubensgrunde anders ist gesinnt; Wo beide unzertrennbar an dir hangen In Lieb und Leid, Gemach und Ungemach Und nur bei dir zu bleiben stets verlangen An jedem guten, wie am bösen Tag. 305 3. Oselig Haus, wo man die lieben Kleinen Mit Händen des Gebets ans Herz dir legt, Du Freund der Kinder, der sie als die Seinen Mit mehr als Mutterliebe hegt und pflegt; Wo ste zu deinen Füßen gern sich sammeln Und horchen deiner süßen Rede zu Und lernen früh dein Lob mit Freuden stammeln, Sich deiner freun, du lieber Heiland, du! 4. Oselig Haus, wo Knecht und Magd dich kennen Und wissend, wessen Augen auf ste sehn, Bei allem Werk in Einem Eifer brennen, Daß es nach deinem Willen mag geschehn; Als deine Diener, deine Hausgenossen, In Demuth willig und in Liebe frei, Das Ihre schaffen, froh und unverdroffen, In kleinen Dingen zeigen große Treu. 5. O selig Haus, wo du die Freude theilest, Wo man bei keiner Freude dein vergißt! O selig Haus, wo du die Wunden heilest Und aller Arzt und aller Tröster bist; Bis jeder einst sein Tagewerk vollendet Und bis sie endlich alle ziehen aus Dahin, woher der Vater dich gesendet, Ins große, freie, schöne Vaterhaus! Philipp Spitta. Weise: Wie schön leuchtet der Morgenstern. 343. Wie schön ists doch, Herr Jesu Christ, Im Stande, da dein Segen ist, Im Stande heilger Che! Wie steigt und neigt sich deine Gab Und alles Gut so mild herab Aus deiner heilgen Höhe, Wenn sich An dich Fleißig halten Jung und Alten, die im Orden Eines Lebens einig worden. 2. Wenn Mann und Weib sich wohl begehn Und unverrückt beisammenstehn Im Bunde reiner Treue, Da geht das Glück in vollem Lauf, Da steht man, wie der Engel Hauf Im Himmel selbst sich freue. Kein Sturm, 306 Heiligungslieder. Kein Wurm Kann zerschlagen, kann zernagen, was Gott giebet Dem Paar, das in ihm sich liebet. 3. Vor allen giebt er seine Gnad, In deren Schooß er früh und spat Sein Hochgeliebten Heget. Da spannt sein Arm sich täglich aus, Da faßt er uns und unser Haus, Gleich als ein Vater pfleget. Da muß Ein Fuß Nach dem andern gehn und wandern, bis ste kommen In das Zelt und Sitz der Frommen. 4. Der Mann wird einem Baume gleich, An Aesten schön, an Zweigen reich; Das Weib gleicht einem Reben, Der seine Träublein trägt und nährt Und sich je mehr und mehr vermehrt Mit Früchten, die da leben. Wohl dir, O Zier, Mannessonne, Hauseswonne, Ehrenkrone! Gott denkt dein bei seinem Throne. 5. Dich, dich hat er ihm auserkorn, Daß aus dir werd herausgeborn Das Volk, das sein Reich bauet; Sein Wunderwerk geht immerfort, Und seines Mundes starkes Wort Macht, daß dein Auge schauet Schöne Söhne Und die Töchter, die den Rocken fein abspinnen Und mit Kunst die Zeit gewinnen. 6. Sei gutes Muths, wir sind es nicht, Die diesen Orden aufgericht, Es ist ein höhrer Vater, Der hat uns je und je geliebt Und bleibt, wenn unsre Sorg uns trübt, Der beste Freund und Rather; Anfang, Ausgang Aller Sachen, die zu machen wir gedenken, Wird er wohl und weislich lenken. 7. Zwar bleibts nicht aus, es kommt ja wohl Ein Stündlein, da man leidensvoll Die Thränen lässet schießen; Jedennoch, wer sich in Geduld Ergiebt, deß Leid wird Gottes Huld In großen Freuden schließen, Size, Schwiße Nur ein wenig, unser König wird behende Machen, daß die Angst sich wende. 8. Wohl her, mein König, nah herzu! Gieb Nath im Kreuz, in Nöthen Ruh, In Aengsten Trost und Freude! Deß sollst du haben Ruhm und Preis, Wir wollen singen Hausstand. 307 bester Weis Und danken alle beide, Bis wir Bei dir Deinen Willen zu erfüllen, deinen Namen Ewig loben werden. Amen! Paul Gerhardt. Psalm 127. 344. o Gott zum Haus nicht giebt sein Gunst, So arbeit jedermann umsonst. We Gott die Stadt nicht selbst bewacht, So ist umsonst der Wächter Macht. 2. Vergebens, daß ihr früh aufsteht, Dazu mit Hunger schlafen geht Und est eur Brot mit Ungemach: Denn wems Gott gönnt, giebt ers im Schlaf. 3. Nun sind sein Erben unsre Kind, Die uns von ihm gegeben sind; Gleichwie die Pfeil ins Starken Hand, So ist die Jugend Gott bekannt. 4. Es soll und muß dem gschehen wohl, Der dieser hat sein Köcher voll; Sie werden nicht zu Schand noch Spott, Vor ihrem Feind bewahrt ste Gott. 5. Ehr sei dem Vater und dem Sohn Samt heilgem Geist in einem Thron, Welchs ihm auch also sei bereit Von nun an bis in Ewigkeit. Joh. Kohlros. Pfalm 12 8. Weise: Herr Jesu Christ, meins Lebens Licht. 345. Wohl dem, der in Gottes Furcht ſteht Und auch auf seinem Wege geht. nähren soll, So lebst du recht und Dein eigne Hand dich geht dir wohl. 2. Dein Weib wird in dein'm Hause sein Wie ein Reben voll Trauben fein, Und dein Kinder um deinen Tisch Wie Delpflanzen gesund und frisch. 3. Sieh, so reich Segen hangt dem an, Wo in Gottes Furcht lebt ein Mann; Von ihm läßt der alt Fluch und Zorn, Den Menschenkindern angeborn. 4. Aus Zion wird Gott segnen dich, Daß du wirst schauen stetiglich Das Glück der Stadt Jerusalem, Vor Gott in Gnaden angenehm. 308 Heiligungslieder. 5. Fristen wird er das Leben dein Und mit Güte stets bei dir sein, Daß du sehen wirst Kindeskind Und daß Israel Friede findt. M. Luther. Weise: Wo Gott zum Haus nicht giebt sein Gunst. Tohl einem Haus, da Jesus Christ Allein das o All in Allem ist. Ja, wenn er nicht darinnen wär, Wie elend wärs, wie arm und leer! 346. 2. Wohl, wenn sich Mann und Weib und Kind In Einem Glaubenssinn verbindt, Zu dienen ihrem Herrn und Gott Nach seinem Willen und Gebot! 3. Wohl, wenn ein solches Haus der Welt Ein Vorbild vor die Augen stellt, Daß ohne Gottesdienst im Geist Das äußre Werk nichts ist und heißt! 4. Wohl, wenn das Räuchwerk im Gebet Beständig in die Höhe geht, Und man nichts treibet fort und fort Als Gottes Wort, als Gottes Wort. 5. Wohl, wenn im äußerlichen Stand Mit fleißiger, getreuer Hand Gin jegliches nach seiner Art Im Glauben seine Hut bewahrt. 6. Wohl, wenn die Eltern gläubig sein, Versäumen ihre Kinderlein Auch nicht an ihrem ewgen Glück, So bleibet ihrer keins zurück. 7. Wohl solchem Haus! denn es gedeiht, Die Eltern werden hoch erfreut, Und denen Kindern sieht mans an, Wie Gott die Seinen segnen kann. 8. So mach ich denn zu dieser Stund Samt meinem Hause diesen Bund: Wenn alles Volk vom Herrn abwich, Doch dienen wir ihm ewiglich. Ludwig v. Pfeil. Vertrauen und Trost. 309 Vertrauen und Trost. 347. Auf! hinauf zu deiner Freude, Meine Seele, Sinn! mit deinem Leide, Hin, zu deinem Jesu hin! Er ist dein Schaß; Jesus ist dein einzigs Leben; Will die Welt kein Ort dir geben: Bei ihm ist Plazz. 2. Fort, nur fort, steig immer weiter In die Höh zu Jefu auf; An, hinan die Glaubensleiter Klimme mit geschwindem Lauf. Gott ist dein Schuß; Jesus bleibet dein Beschirmer Wider alle Seelbestürmer Und bietet Truß. 3. Fest, fein fest dich angehalten, An die starke Jesustreu! Laß du, laß du Gott nur walten, Seine Güt ist täglich neu; Er meints recht gut. Wenn die Feinde dich anfallen, Müssen sie zurücke prallen, Hab guten Muth. 4. Gin, hinein in Gottes Kammer, Die dir Jesus aufgethan, Klag und sag ihm deinen Jammer, Schreie ihn um Hilfe an. Er steht dir bei; Wenn dich alle Menschen hassen, kann und will er dich nicht lassen, Das glaube frei. 5. Hoch, so hoch du kannst erheben Deine Sinnen von der Erd, Schwinge dich, dem zu ergeben, Was du hast, der dein ist werth. Dein Jesus ist, Der um dich so treulich wirbet Und für dich aus Liebe stirbet; Drum du sein bist. 6. Auf, hinauf! was droben, suche! Trachte doch allein dahin, Wo dein Jesus; sonst verfluche Allen schnöden Sündensinn. Zum Himmel zu! Welt und Erde muß verschwinden, Nur bei Jesu ist zu finden Die wahre Ruh. Caspar Schade. 348. Auf uf meinen lieben Gott Trau ich in Angst und Noth, Der kann mich allzeit retten Aus Trübfal, Angst und Nöthen, Mein Unglück kann er wenden Steht als in seinen Händen. 2. Ob mich mein Sünd ansicht, Will ich verzagen nicht, 310 Heiligungslieder. Auf Chriftum will ich bauen Und ihm allein vertrauen; Ihm will ich mich ergeben Im Tod und auch im Leben. 3. Ob mich der Tod nimmt hin, Sterben ist mein Gewinn Und Christus ist mein Leben, Dem hab ich mich ergeben; Ich sterb heut oder morgen, Mein Seel wird er versorgen. 4. O mein Herr Jesu Christ, Der du so geduldig bist Für mich am Kreuz gestorben, Hast mir das Heil erworben, Auch uns allen zugleiche Das ewge Himmelreiche: 5. Erhöre gnädig mich, Mein Trost, das bitt ich dich, Hilf mir am letzten Ende, Nimm mich in deine Hände, Daß ich selig abscheide Zur himmelischen Freude. 6. Amen zu aller Stund Sprech ich aus Herzensgrund: Du wollest uns selbst leiten, Herr Christ, zu allen Zeiten, Auf daß wir deinen Namen Ewiglich preisen. Amen. Sigismund Weingärtner. Weise: Herzlich thut mich verlangen. 349. Befiehl du deine Wege Und was dein Herze kränkt, Der allertreusten Pflege Deß, der den Himmel lenkt; Der Wolken, Luft und Winden Giebt Wege, Lauf und Bahn, Der wird auch Wege finden, Da dein Fuß gehen kann. 2. Dem Herren mußt du trauen, Wenn dirs soll wohl ergehn; Auf sein Werk mußt du schauen, Wenn dein Werk soll bestehn. Mit Sorgen und mit Grämen Und mit selbsteigner Pein Läßt Gott ihm gar nichts nehmen, 8 muß erbeten ſein. 3. Dein ewge Treu und Gnade, O Vater, weiß und sieht, Was gut sei oder schade Dem sterblichen Geblüt; Und was du dann erlesen, Das treibst du, starker Held, Und bringst zum Stand und Wesen, Was deinem Rath gefällt. 4. Weg haft du allerwegen, An Mitteln fehlts dir nicht, Dein Thun ist lauter Segen, Dein Gang ist lauter Licht; Vertrauen und Trost. 311 Dein Werk kann niemand hindern, Dein Arbeit darf nicht ruhn, Wenn du, was deinen Kindern Ersprießlich ist, willst thun. 5. Und ob gleich alle Teufel Hie wollten widerstehn, So wird doch ohne Zweifel Gott nicht zurücke gehn; Was er ihm vorgenommen Und was er haben will, Das muß doch endlich kommen zu seinem Zweck und Ziel. 6. Hoff, o du arme Seele, Hoff und sei unverzagt! Gott wird dich aus der Höhle, Da dich der Kummer plagt, Mit großen Gnaden rücken; Erwarté nur die Zeit, So wirst du schon erblicken Die Sonn der schönsten Freud. 7. Auf, auf! gieb deinem Schmerze Und Sorgen gute Nacht; Laß fahren, was das Herze Betrübt und traurig macht! Bist du doch nicht Regente, Der alles führen soll, Gott sitzt im Regimente Und führet alles wohl. 8. Jhn, ihn laß thun und walten, Er ist ein weiser Fürst Und wird sich so verhalten, Daß du dich wundern wirst, Wenn er, wie ihm gebühret, Mit wunderbarem Rath Das Werk hinausgeführet, Das dich bekümmert hat. 9. Er wird zwar eine Weile Mit seinem Trost verziehn Und thun an seinem Theile, Als hätt in seinem Sinn Fr deiner sich begeben, Und solltst du für und für In Angst und Nöthen schweben, Fragt er doch nichts nach dir; 10. Wirds aber sich befinden, Daß du ihm treu verbleibst, So wird er dich entbinden, Da dus am mindsten gläubst; Er wird dein Herze lösen Von der so schweren Last, die du zu keinem Bösen Bisher getragen hast. 11. Wohl dir, du Kind der Treue! Du hast und trägst davon Mit Ruhm und Dankgeschreie Den Sieg und Ehrenfron. Gott giebt dir selbst die Palmen In deine rechte Hand, Und du singst Freudenpsalmen Dem, der dein Leid gewandt. 12. Mach End, o Herr, mach Ende An aller unsrer Noth! Stärk unsre Füß und Hände Und laß bis in den 312 Heiligungslieder. Tod Uns allzeit deiner Pflege Und Treu empfohlen ſein, So gehen unsre Wege Gewiß zum Himmel ein. Paul Gerhardt. Weise: Jesus, meine Zuversicht. 350. ndlich, endlich muß es doch Mit der Noth ein Ende nehmen, Endlich bricht das harte Joch, Endlich schwindet Angst und Grämen; Endlich muß der Kummerstein Auch in Gold verwandelt sein. 2. Endlich bricht man Rosen ab, Endlich kommt man durch die Wüsten, Endlich muß der Wanderstab Sich zum Vaterlande rüsten; Endlich bringt die Thränensaat, Was die Freudenernte hat. 3. Endlich steht man Kanaan Nach Egyptens Diensthaus liegen, Endlich trifft man Tabor an, Wenn der Delberg überstiegen; Endlich geht ein Jakob ein, Wo kein Esau mehr wird sein. 4. Endlich! o du schönes Wort, Du kannst alles Kreuz verfüßen; Wenn der Felsen ist durchbohrt, Läßt er endlich Balsam fließen. Ei, mein Herz, drum merke dies:& ndlich, endlich kommt gewiß. Benjamin Schmold. 351. Gieb dich zufrieden und sei stille In dem Gotte deines Lebens. In ihm ruht aller Freuden Fülle, Ohn ihn mühst du dich vergebens; Er ist dein Quell und deine Sonne, Scheint täglich hell zu deiner Wonne. Gieb dich zufrieden! 2. Er ist voll Lichtes, Trost und Gnaden, Ungefärbten treuen Herzens; Wo er steht, thut dir keinen Schaden Auch die Bein des größten Schmerzes. Kreuz, Angst und Noth kann er bald wenden, Ja auch den Tod hat er in Händen. Gieb dich zufrieden! 3. Wie dirs und andern oft ergehe, Ist ihm wahrlich nicht verborgen; Er sieht und kennet aus der Höhe Der betrübten Herzen Sorgen, Er zählt den Lauf der heißen Vertrauen und Trost. 313 Thränen Und fast zu Hauf all unser Sehnen. Gieb dich zufrieden! 4. Wenn gar kein Einger mehr auf Erden, Deffen Treue du darfst trauen, Alsdann will er dein Treuster werden Und zu deinem Besten schauen. Er weiß dein Leid und heimlich Grämen, Auch weiß er Zeit, dirs zu benehmen. Gieb dich zufrieden! 5. Er hört die Seufzer deiner Seelen Und des Herzens stilles Klagen, Und was du keinem darfst erzählen, Magst du Gott gar kühnlich sagen; Er ist nicht fern, steht in der Mitten, Hört bald und gern der Armen Bitten. Gieb dich zufrieden! 6. Laß dich dein Elend nicht bezwingen, Halt an Gott, so wirst du siegen; Ob alle Fluthen einhergingen, Dennoch mußt du oben liegen. Denn wenn du wirst zu hoch beschweret, Hat Gott, dein Fürst, dich schon erhöret. Gieb dich zufrieden! 7. Was sorgst du für dein armes Leben, Wie dus halten wollst und nähren? Der dir das Leben hat gegeben, Wird auch Unterhalt bescheren. Er hat ein Hand voll aller Gaben, Da See und Land sich muß von laben. Gieb dich zufrieden! 8. Der allen Vögeln in den Wäldern Ihr bescheidnes Körnlein weiset, Der Schaf und Rinder in den Feldern Alle Tage tränkt und speiset, Der wird ja auch dich eingen füllen und deinen Leib mit Nothdurft stillen. Gieb dich zufrieden! 9. Sprich nicht: ich sehe keine Mittel, Wo ich such, ist nichts zum Besten; Denn das ist Gottes Ehrentitel, Helfen, wenn die Noth am größten. Wenn ich und du ihn nicht mehr spüren, Da schickt er zu, uns wohl zu führen. Gieb dich zufrieden! 10. Bleibt schon die Hilf in etwas lange, Wird sie dennoch endlich kommen, Macht dir das Harren angst und bange, Glaube mir, es ist dein Frommen; Was langsam 14 Geistl. Liederbuch. 314 Heiligungslieder. schleicht, faßt man gewisser, Und was verzeucht, ist desto süßer. Gieb dich zufrieden! 11. Nimm nicht zu Herzen, was die Rotten Deiner Feinde von dir dichten; Laß sie nur immer weidlich spotten, Gott wirds hören und recht richten. Ist Gott dein Freund und deiner Sachen, Was kann dein Feind, der Mensch, groß machen? Gieb dich zufrieden! 12. Hat er doch selbst auch wohl das Seine, Wenn ers sehen könnt und wollte; Wo ist ein Glück, so klar und reine, Dem nicht etwas fehlen sollte? Wo ist ein Haus, das könnte sagen: Ich weiß durchaus von keinen Plagen? Gieb dich zufrieden! 13. Es kann und mag nicht anders werden, Alle Menschen müssen leiden; Was webt und lebet auf der Erden, Kann das Unglück nicht vermeiden. Des Kreuzes Stab schlägt unsre Lenden Bis in das Grab, da wird sichs enden. Gieb dich zufrieden! 14. Es ist ein Ruhetag vorhanden, Da uns unser Gott wird lösen; Er wird uns reißen aus den Banden Dieses Leibs und allem Bösen. Es wird einmal der Tod herspringen Und aus der Qual uns sämtlich bringen. Gieb dich zufrieden! 15. Er wird uns bringen zu den Schaaren Der Erwählten und Getreuen, Die hier mit Frieden abgefahren, Sich auch nun in Frieden freuen, Da sie den Grund, der nicht kann brechen, Den ewgen Mund selbst hören sprechen: Sieb dich zufrieden! Paul Gerhardt. 352. Gott wills machen, daß die Sachen Gehen, wie es heilsam ist. Laß die Wellen sich verstellen, Wenn du nur bei Jefu bist. 2. Wer sich fränket, weil er denket, Jesus liege in dem Schlaf, Wird mit Klagen nur sich plagen, Daß der Unglaub leide Straf. 3. Du Verächter! Gott, dein Wächter, Schläfet ja noch Vertrauen und Trost. 315 schlummert nicht. Zu den Höhen aufzusehen, Wäre deine Glaubenspflicht. 4. Im Verweilen und im Eilen Bleibt er stets ein Vaterherz; Laß dein Weinen bitter scheinen, Dein Schmerz ist auch ihm ein Schmerz. 5. Glaub nur feste, daß das Beste Ueber dich beschlossen sei. Wann dein Wille nur ist stille, Wirst du von dem Kummer frei. 6. Laß dir füße sein die Küffe, Die dir Jesu Ruthe giebt. Der sie führet und regieret, Hat nie ohne Frucht betrübt. 7. Willst du wanken in Gedanken, Fall in die Gelassenheit; Laß den sorgen, der auch morgen Herr ist über Leid und Freud. 8. Gottes Hände sind ohn Ende, Sein Vermögen hat fein Ziel. Its beschwerlich, scheints gefährlich, Deinem Gott ist nichts zu viel. 9. Seine Wunder sind der Zunder, Da der Glaube Funken fängt. Alle Thaten sind gerathen Jedesmal, wenn ers verhängt. 10. Wann die Stunden sich gefunden, Bricht die Hilf mit Macht herein, Und dein Grämen zu beschämen, Wird es unversehens sein. 11. Eignen Willen zu erfüllen, Leidet sichs noch ziemlich wohl; Da ist Plage, Noth und Klage, Wo man leiden muß und soll. 12. Drum wohl denen, die sich sehnen Nach der stillen Willensruh! Auf das Wollen fällt dem Sollen Die Vollbringungskraft bald zu. 13. Mehr zu preisen sind die Weisen, Die schon in der Uebung stehn, Die das Leiden und die Freuden Nur mit Hiobs Aug ansehn. 14. Nun so trage deine Plage Fein getroft und mit 14* 316 Heiligungslieder. Geduld; Wer das Leiden will vermeiden, Häufet seine Sündenschuld. 15. Die da weichen und das Zeichen Ihres Bräutigams verschmähn, Müssen laufen zu den Haufen, Die zur linken Seite stehn. 16. Aber denen, die mit Thränen Küssen ihres Jesu Joch, Wird die Krone auf dem Throne Ihres Heilands werden noch. 17. Amen, Amen! in dem Namen Meines Jesu halt ich still; Es geschehe und ergehe, Wie und wann und was er will. Joh. Dan. Herrnschmidt. 353. Harre, meine Seele, Harre des Herrn; Alles ihm befehle, Hilft er doch so gern. Sei unverzagt, Bald der Morgen tagt, Und ein neuer Frühling Folgt dem Winter nach. In allen Stürmen, In aller Noth Wird er dich beschirmen, Der treue Gott. 2. Harre, meine Seele, Harre des Herrn; Alles ihm befehle, Hilft er doch so gern. Wenn Alles bricht, Gott verläßt uns nicht; Größer als der Helfer Ist die Noth ja nicht. Ewige Treue, Netter in Noth, Rett auch unfre Seele, Du treuer Gott. Weise: Wer nur den lieben Gott läßt walten. 354. e größer Kreuz, je näher Himmel, Wer ohne Kreuz, ist ohne Gott; Bei Sündenlust und Weltgetümmel Vergißt man Hölle, Fluch und Tod. O, felig ist der Mann geschätzt, Den Gott in Kreuz und Trübfal feßt! 2. Je größer Kreuz, je beffrer Christe, Gott streicht uns an den Probestein; Wie mancher Garten lieget wüste, Wo keine Thränenregen sein. Das Gold wird auf dem Feuerherd, Ein Christ in mancher Noth bewährt. 3. Je größer Kreuz, je stärkrer Glaube; Die Palme wächset bei der Last, Die Süßigkeit fleußt aus der Traube, Vertrauen und Trost. 317 Wenn du sie wohl gekeltert hast. Am Kreuze wächset uns der Muth, Wie Perlen in gesalzner Fluth. 4. Je größer Kreuz, je größre Liebe; Der Wind bläst nur die Flammen auf, Und scheinet gleich der Himmel trübe, So lachet doch die Sonne drauf. Das Kreuz vermehrt der Liebe Gluth, Gleichwie das Del im Feuer thut. 5. Je größer Kreuz, je mehr Gebete, Geriebne Kräuter riechen wohl; Wenn um das Schiff kein Sturmwind wehte, So fragte man nicht nach dem Pol. Wo kämen Davids Psalmen her, Wenn er nicht auch versuchet wär? 6. Je größer Kreuz, je mehr Verlangen! Im Thale steiget man bergan; Wer durch die Wüsten oft gegangen, Der sehnet sich nach Kanaan. Das Täublein, findt es hier nicht Ruh. So fleugt es nach der Arche zu. 7. Je größer Kreuz, je lieber Sterben; Man freut sich recht auf seinen Tod, Denn man entgehet dem Verderben, Es stirbt auf einmal alle Noth. Das Kreuze, das die Gräber ziert, Bezeugt, man habe triumphirt. 8. Je größer Kreuz, je schönre Krone, Die Gottes Schaß uns beigelegt, Und die einmal vor seinem Throne Der Ueberwinder Scheitel trägt. Ach, dieses theure Kleinod macht, Daß man das größte Kreuz nicht acht. 9. Gekreuzigter, laß mir dein Kreuze Je länger und je lieber sein! Daß mich die Ungeduld nicht reize, So pflanz ein solches Herz mir ein, Das Glaube, Liebe, Hoffnung hegt, Bis dort mein Kreuz die Krone trägt. Benj. Schmolck. Weise: O Welt, ich muß dich lassen. 355. allen meinen Thaten Laß ich den Höchsten rathen, Der alles kann und hat; Er muß zu allen Dingen, Solls anders wohl gelingen, Selbst geben treuen Rath und That. 2. Nichts ist es spät und frühe Um alle meine Mühe, Mein Sorgen ist umsonst. Er mags mit meinen Sachen 318 Heiligungslieder. Nach seinem Willen machen; Ich stells in seine Vatergunst. 3. Es kann mir nichts geschehen, Als was er hat versehen Und was mir selig ist. Ich nehm es, wie ers giebet; Was ihm von mir beliebet, Das hab ich alles auch erkiest. 4. Ich traue seiner Gnaden. Die mich vor allem Schaden, Vor allem Uebel schützt. Leb ich nach seinen Säßen So wird mich nichts verlegen, Nichts fehlen, was mir ewig nüßt. 5. Er wolle meiner Sünden In Gnaden mich entbinden, Durchstreichen meine Schuld. Er wird auf mein Verbrechen Nicht stracks das Urtheil sprechen Und mit mir haben noch Geduld. 6. Leg ich mich späte nieder, Erwach ich frühe wieder, Lieg oder zieh ich fort, In Schwachheit und in Banden, Und was mir stößt zu Handen, So tröstet mich sein kräftig Wort. 7. Hat er es denn beschlossen, So will ich unverdrossen An mein Verhängniß gehn. Kein Unfall unter allen Wird mir zu harte fallen, Ich will ihn männlich überstehn. 8. Ihm hab ich mich ergeben zu sterben und zu leben, So bald er mir gebeut; Es sei heut oder morgen, Dafür laß ich ihn sorgen, Er weiß die rechte Helfenszeit. 9. So sei nun, Seele, deine Und traue dem alleine, Der dich geschaffen hat. Es gehe, wie es gehe; Dein Vater in der Höhe Weiß schon zu allen Sachen Rath. Paul Flemming. 356. Meine Hoffnung stehet feste Auf den lebendigen steht in der Noth. Er allein Soll es sein, Den ich nur von Herzen mein. 2. Sagt mir, wer kann doch vertrauen Auf ein schwaches Menschenkind? Wer kann feste Schlösser bauen In die Vertrauen und Trost. 319 Luft und in den Wind? Es vergeht, Nichts besteht, Was ihr auf der Erde seht. 3. Aber Gottes Güte währet Immer und in Ewigkeit, Vieh und Menschen er ernähret Durch erwünschte Jahreszeit; Alles hat Seine Gnad Dargereichet früh und spat. 4. Giebet er nicht alles reichlich Und mit großem Ueberfluß? Seine Lieb ist unvergleichlich, Wie ein starker Wasserguß; Luft und Erd Uns ernährt, Wenn es Gottes Gunst begehrt. 5. Danket nun dem großen Schöpfer Durch den wahren Menschensohn, Der uns, wie ein freier Töpfer, Hat gemacht aus Erd und Thon. Groß von Rath, Stark von That Ist, der uns erhalten hat. Joachim Neander. Weise: Meinen Jesum laß ich nicht. 357. Hände Und erwartet ruhiglich Seiner Wege Seele und Ziel und Ende, Liegt fein stille nackt und bloß In des liebsten Vaters Schooß. 2. Meine Seele murret nicht, Ist mit allem wohl zufrieden, Was der eigne Wille spricht, Ist zum Tode schon beschieden; Was die Ungeduld erregt, Ist in Chrifti Grab gelegt. 3. Meine Seele sorget nicht, Will vielmehr an nichts gedenken, Was gleich spizen Dornen sticht Und den Frieden nur kann fränken; Sorgen hört dem Schöpfer zu, Meine Seele sucht nur Ruh. 4. Meine Seele grämt sich nicht, Liebt hingegen Gott im Leiden, Kummer, der das Herze bricht, Trifft und ängstet nur die Heiden; Wer Gott in dem Schooße liegt, Bleibt in aller Noth vergnügt. 5. Meine Seele klaget nicht, Denn sie weiß von keinen Nöthen, Hängt an Gottes Angesicht Auch alsdann, wenn er will tödten; Wo sich Fleisch und Blut beklagt, Wird das Freudenlicht verjagt. 320 Heiligungslieder. 6. Meine Seel ist still zu Gott, Und die Zunge bleibt gebunden; Also hab ich allen Spott, Alle Marter überwunden, Bin gleich wie ein stilles Meer Voll von Gottes Preis und Ehr. Joh. Jos. Winkler. Weise: Jesu, meine Freude. 358. eine Seel ist stille zu Gott, dessen Wille Mir zu helfen steht. Mein Herz ist vernüget Mit dem, wies Gott füget, Nimmt an, wie es geht. Geht es nur zum Himmel zu, Und bleibt Jesus ungeschieden, So bin ich zufrieden. 2. Meine Seele hanget An dir und verlanget, Gott, bei dir zu sein Aller Ort und Zeiten Und mag keinen leiden, Der ihr rede ein. Von der Welt Ehr, Lust und Geld, Wonach so viel sind beslissen, Mag sie gar nichts wissen. 3. Nein, ach nein! nur Giner, Sagt sie, und sonst keiner Wird von mir geliebt. Jesus, der Getreue, In dem ich mich freue, Sich mir ganz ergiebt; Er allein, er soll es sein, Dem ich wieder mich ergebe Und ihm einzig lebe. 4. Gottes Güt erwäge Und dich gläubig lege Sanft in seinen Schooß. Lerne ihm vertrauen, So wirst du bald schauen, Wie die Ruh so groß, Die da fleußt aus stillem Geist. Wer sich weiß in Gott zu schicken, Den kann er erquicken. 5. Meine Seele harret Und sich ganz verscharret Tief in Jesu Brust; Sie wird stark durch Hoffen. Was sie je betroffen, Träget sie mit Lust, Fasset sich ganz männiglich Durch Geduld und Glauben feste; Am End kommt das Beste. 6. Amen! es geschiehet. Wer zu Jesu fliehet, Wird es recht erfahrn, Wie Gott seinen Kindern Pflegt das Kreuz zu mindern Und das Glück zu sparn Bis zu End, alsdann sich wendt Das zuerst gekost'te Leiden, Und gehn an die Freuden. Joh. Caspar Schade. Vertrauen und Trost. Weise: Freu dich sehr, o meine Seele. 359. Meine Sorgen, Angst und Plagen Laufen mit 359. der Zeit zu End; Alles Seufzen, alles Klagen, Das der Herr alleine kennt, Wird, Gott Lob! nicht ewig sein, Nach dem Regen wird ein Schein Vieler tausend Sonnenblicken Meinen matten Geist erquicken. 321 2. Meine Saat, die ich gesäet, Wird zur Freude wachsen aus, Wenn die Dornen abgemähet, Šo trägt man die Frucht zu Haus; Wenn ein Wetter ist vorbei, Wird der Himmel wieder frei, Nach dem Kämpfen, nach dem Streiten Kommen die Erquickungszeiten. 3. Wenn man Rosen will abbrechen, Muß man leiden in der Still, Daß uns auch die Dornen stechen; Es geht alles, wie Gott will. Er hat uns ein Ziel gezeigt, Das man nur im Kampf erreicht; Will man hie das Kleinod finden, So muß man erst überwinden. 4. Unser Weg geht nach den Sternen, Der mit Kreuzen ist besetzt; Hie muß man sich nicht entfernen, Ob er gleich mit Blut beneßt. Zu dem Schloß der Ewigkeit kommt kein Mensch hin ohne Streit; Die in Salems Mauern wohnen, Zeigen ihre Dornenkronen. 5. Es sind wahrlich alle Frommen, Die des Himmels Klarheit sehn, Aus viel Trübsal hergekommen; Darum stehet man sie stehn Vor des Lammes Stuhl und Thron, Prangend in der Ehrenfron Und mit Palmen ausgezieret, Weil sie glücklich triumphiret. 6. Gottes Ordnung stehet feste Und bleibt ewig unverrückt: Seine Freund und Hochzeitgäste Werden nach dem Streit beglückt; Israel erhält den Sieg Nach geführtem Kampf und Krieg, Canaan wird nicht gefunden, Wo man nichts hat überwunden. 7. Darum trage deine Ketten, Meine Seel, und dulde dich, Gott wird dich gewiß erretten, Das Gewitter leget sich; Nach dem Bliz und Donnerschlag Folgt ein anges 14** Heiligungslieder. nehmer Tag, Auf den Abend folgt der Morgen Und die Freude nach den Sorgen. 322 360. chwing dich auf zu deinem Gott, Du betrübte Seele! Warum liegst du Gott zum Spott In der Schwermuthshöhle? Merkst du nicht des Satans List? Er will durch sein Kämpfen Deinen Trost, den Jesus Christ Dir erworben, dämpfen. 2. Schüttle deinen Kopf und sprich: Fleuch du alte Schlange, Was erneurst du deinen Stich, Machst mir angst und bange? Ist dir doch der Kopf zerknickt, Und ich bin durchs Leiden Meines Heilands dir entrückt In den Saal der Freuden. 3. Wirfst du mir mein Sünden für? Wo hat Gott befohlen, Daß mein Urtheil über mir Ich bei dir soll holen? Wer hat dir die Macht geschenkt, Andre zu verdammen? Der du selbst doch liegst versenkt In der Höllen Flammen. 4. Hab ich was nicht recht gethan, Ist mirs leid von Herzen; Dahingegen nehm ich an Christi Blut und Schmerzen. Denn das ist die Ranzion* meiner Misſethaten, Bring ich dies vor Gottes Chron, Ist mir wohlgerathen. * das Lösegeld. 5. Christi Unschuld ist mein Ruhm, Sein Recht meine Krone, Sein Verdienst mein Eigenthum, Da ich frei in wohne Als in einem festen Schloß, Das kein Feind kann fällen, Brächt er gleich davor Geschoß Und Gewalt der Höllen. 6. Stürme, Teufel, und du, Tod! Was könnt ihr mir schaden? Deckt mich doch in meiner Noth Gott mit seiner Gnaden, Der Gott, der mir seinen Sohn Selbst verehrt aus Liebe, Daß der ewge Spott und Hohn Mich nicht dort betrübe. 7. Schreie, tolle Welt, es sei Mir Gott nicht gewogen, Es sei lauter Täuscherei Und im Grund erlogen; Wäre Vertrauen und Trost. 323 mir Gott gram und feind, Würd er seine Gaben, Die mein eigen worden seind, Wohl behalten haben. 8. Denn, was ist im Himmelszelt, Was im tiefen Meere, Was ist Gutes in der Welt, Das nicht mir gut wäre? Für wen brennt das Sternenlicht? Wozu ist gegeben Luft und Wasser? dient es nicht mir und meinem Leben? 9. Für wen wird das Erdreich naß Von dem Thau und Regen? Für wen grünet Laub und Gras? Für wen füllt der Segen Berg und Thale, Feld und Wald? Wahrlich, mir zur Freude, Daß ich meinen Aufenthalt Hab und Leibesweide. 10. Meine Seele lebt in mir Durch die süßen Lehren, So die Christen mit Begier Alle Tage hören. Gott eröffnet früh und spat Meinen Geist und Sinnen, Daß sie seines Geistes Gnad In sich ziehen können. 11. Was sind der Propheten Wort Und Apostel Schreiben, Als ein Licht am dunkeln Ort, Fackeln, die vertreiben Meines Herzens Finsterniß Und in Glaubenssachen Das Gewissen fein gewiß Und recht grundfest machen? 12. Nun, auf diesen heilgen Grund Bau ich mein Gemüthe, Sehe, wie der Höllenhund Zwar dawider wüthe, Gleichwohl muß er lassen stehn, Was Gott aufgerichtet, Aber schändlich muß vergehn, Was er selber dichtet. 13. Ich bin Gottes, Gott ist mein, Wer ist, der uns scheide? Dringt das liebe Kreuz herein Mit dem bittern Leide, Laß es dringen, kommt es doch Von geliebten Händen, Bricht und kriegt geschwind ein Loch, Wenn es Gott will wenden. 14. Kinder, die der Vater soll Ziehn zu allem Guten, Die gedeihen selten wohl Ohne Zucht und Ruthen; Bin ich denn nun Gottes Kind, Warum will ich fliehen, Wenn er mich von meiner Sünd Auf was Guts will ziehen? 15. Es ist herzlich gut gemeint Mit der Christen Plagen; Wer hier zeitlich wohl geweint, Darf nicht ewig klagen, Sondern hat vollkommne Lust Dort in Christi Garten, Dem er einig recht bewußt, Endlich zu gewarten. Heiligungslieder. 16. Gottes Kinder säen zwar Traurig und mit Thränen, Aber endlich bringt das Jahr, Wonach sie sich sehnen. Denn es kommt die Erntezeit, Da sie Garben machen, Da wird all ihr Gram und Leid Lauter Freud und Lachen. 324 17. Ei, so saß, o Christenherz, Alle deine Schmerzen, Wirf sie freudig hinterwärts, Laß des Trostes Kerzen Dich entzünden mehr und mehr! Gieb dem großen Namen Deines Gottes Preis und Ehr, Er wird helfen! Amen. Paul Gerhardt. 361. ko nimm denn meine Hände, Und führe mich Bis an mein selig Ende, Und ewiglich! Ich mag allein nicht gehen, Nicht einen Schritt: Wo du wirst gehn und stehen, Da nimm mich mit. 2. In dein Erbarmen hülle Mein schwaches Herz, Und mach es gänzlich stille In Freud und Schmerz; Laß ruhn zu deinen Füßen Dein armes Kind, Es wird die Augen schließen Und glauben blind. 3. Wenn ich auch gleich nichts fühle Von deiner Macht, Du führst mich doch zum Ziele Auch durch die Nacht: So nimm denn meine Hände Und führe mich, Bis an mein selig Ende Und ewiglich. 362. Yon Gott will ich nicht lasſen, Denn er läßt nicht von mir, Führt mich durch alle Straßen, Da ich sonst irret sehr. Er reicht mir seine Hand; Den Abend und den Morgen Thut er mich wohl versorgen, Sei, wo ich woll im Land. 2. Wenn sich der Menschen Hulde Und Wohlthat all verkehrt, So findt sich Gott gar balde, Sein Macht und Gnad bewährt, Hilft mir in aller Noth, Errett von Sünd und Schanden, Von Ketten und von Banden, Und wenns auch wär der Tod. 3. Auf ihn will ich vertrauen In meiner schweren Zeit. Es kann mich nicht gereuen, Er wendet alles Leid. Ihm Vertrauen und Trost. 325 sei es heimgestellt; Mein Leib, mein Seel, mein Leben Sei Gott dem Herrn ergeben. Er schaffs, wies ihm gefällt. 4. Es thut ihm nichts gefallen, Denn was mir nüßlich ist; Er meints gut mit uns allen, Schenkt uns den Herren Christ, Sein eingebornen Sohn. Durch ihn er uns bescheret, Was Leib und Seel ernähret; Lobt ihn ins Himmels Thron! 5. Lobt ihn mit Herz und Munde, Welchs er uns beides schenkt! Das ist ein selge Stunde, Darin man sein gedenkt; Sonst verdirbt alle Zeit, Die wir zubringn auf Erden. Wir sollen selig werden Und bleibn in Ewigkeit. 6. Auch wenn die Welt vergehet Mit ihrer stolzen Pracht, Kein Ehr noch Gut bestehet, Welchs vor war groß geacht. Wir werden nach dem Tod Tief in die Erd begraben; Wenn wir geschlafen haben, Will uns erwecken Gott. 7. Die Seel bleibt unverloren, Geführt in Abrams Schooß; Der Leib wird neu geboren, Von allen Sünden los, Ganz heilig rein und zart, Ein Kind und Erb des Herren; Daran ihn nicht wird irren Des Teufels listge Art. 8. Darum, ob ich schon dulde Hie Widerwärtigkeit, Wie ich auch wohl verschulde, Kommt doch die Ewigkeit. Ist aller Freuden voll; Dieselb ohn einges Ende, Dieweil ich Christum kenne, Mir widerfahren soll. 9. Das ist des Vaters Wille, Der uns geschaffen hat, Sein Sohn hat Guts die Fülle Erworben und Genad; Gott der heilige Geist Im Glauben uns regieret, Zum Reich der Himmel führet. Ihm sei Lob, Ehr und Preis! Ludwig Helmbold. 363. Marum sollt ich mich denn grämen? Hab ich doch Christum noch, Wer will mir den nehmen? Wer will mir den Himmel rauben, Den mir schon Gottes Sohn Beigelegt im Glauben? 2. Nackend lag ich auf dem Boden, Da ich kam, Da ich 326 Heiligungslieder. nahm Meinen ersten Odem; Nackend werd ich auch hinziehen, Wenn ich werd Von der Erd Als ein Schatten fliehen. 3. Gut und Blut, Leib, Seel und Leben Ist nicht mein, Gott allein Ist es, ders gegeben; Will ers wieder zu sich kehren, Nehm ers hin, Ich will ihn Dennoch fröhlich ehren. 4. Schickt er mir ein Kreuz zu tragen, Dringt herein Angst und Pein, Sollt ich drum verzagen? Der es schickt, der wird es wenden, Er weiß wohl, Wie er soll All mein Unglück enden. 5. Gott hat mich bei guten Tagen Oft ergößt, Sollt ich jetzt auch nicht etwas tragen? Fromm ist Gott und schärft mit Maßen Sein Gericht, Kann mich nicht Ganz und gar verlassen. 6. Satan, Welt und ihre Rotten Können mir Nichts mehr hier Thun als meiner spotten. Laß sie spotten, laß ste lachen, Gott, mein Heil, Wird in Eil Sie zu Schanden machen. 7. Unverzagt und ohne Grauen Soll ein Christ, Wo er ist, Stets sich lassen schauen; Wollt ihn auch der Tod aufreiben, Soll der Muth Dennoch gut Und fein stille bleiben. 8. Kann uns doch kein Tod nicht tödten, Sondern reißt Unsern Geist Aus viel tausend Nöthen, Schleußt das Thor der bittern Leiden Und macht Bahn, Da man kann Gehn zur Himmelsfreuden. 9. Allda will in süßen Schäßzen Ich mein Herz Auf den Schmerz Ewiglich ergößen. Hier ist kein recht Gut zu finden; Was die Welt In sich hält, Muß im Hui verschwinden. 10. Was sind dieses Lebens Güter? Eine Hand Voller Sand, Kummer der Gemüther. Dort, dort sind die edlen Gaben, Da mein Hirt, Christus, wird Mich ohn Ende laben. 11. Herr, mein Hirt, Brunn aller Freuden, Du bist Vertrauen und Trost. 327 mein, Ich bin dein, Niemand kann uns scheiden. Ich bin dein, weil du dein Leben Und dein Blut Mir zu gut In den Tod gegeben. 12. Du bist mein, weil ich dich fasse Und dich nicht, O mein Licht, Aus dem Herzen laffe. Laß mich, laß mich hingelangen, Da du mich Und ich dich Leiblich werd umfangen. Paul Gerhardt. Weise: Warum sollt ich mich denn grämen. 364. Jarum willst du doch für morgen, Armes Herz, Immerwärts Als ein Heide sorgen? Wozu dient dein täglich Grämen, Weil Gott will In der Still Sich der Noth annehmen. 2. Gott hat dir geschenkt das Leben, Seel und Leib, Darum bleib Ihm allein ergeben. Er wird ferner alles schenken, Traue fest, Er verläßt Nicht, die an ihn denken. 3. Sage nicht: Was soll ich essen? Gott hat dir Schon allhier Šo viel zugemessen, Daß der Leib sich kann ernähren; Uebriges Wird indeß Gottes Hand bescheren. 4. Es ist mehr als Trank und Speisen Dieser Leib; Darum gläub, Daß Gott wird erweisen, Daß er Speis und Trank kann geben Dem, der sich Festiglich Ihm ergiebt im Leben. 5. Sorgst du, wie du dich sollst kleiden? Jesus spricht: Sorge nicht, Solches thun die Heiden! Schau die Blumen auf den Feldern, wie so schön Diese stehn Und die Bäum in Wäldern. 6. Sorgt ein Vogel auf den Zweigen, Wenn er singt, Hüpft und springt, Wer ihm soll anzeigen, Was er essen soll und trinken? Nein, ach nein, Er allein Folgt des Himmels Winken. 7. Ach, der Glaube fehlt auf Erden; Wär er da, Müßt uns ja, Was uns noth ist, werden. Wer Gott kann im Glauben fassen, Der wird nicht, Wenns gebricht, Von ihm sein verlassen. 328 Heiligungslieder. 8. Wer Gerechtigkeit nachtrachtet Und zugleich Gottes Reich Ueber alles achtet, Der wird wahrlich nach Verlangen Speis und Trank Lebenslang, Wie im Schlaf, empfangen. 9. Laß die Welt sich denn bemühen Immerhin, Ach! mein Sinn Soll zu Jesu fliehen; Er wird geben, was mir fehlet, Ob ers oft Unverhofft Eine Weil verhehlet. 10. Will er prüfen meinen Glauben Und die Gab, die ich hab, Mir gar lassen rauben, So muß mir zum Besten kommen, Wenn Gott mir Alles schier Hat hinweg genommen. 11. Er kann alles wiedergeben; Wenn er nimmt, So bestimmt Er sein Wort zum Leben. Ach, wie viele fromme Seelen Leben so Und sind froh, Ohne Sorg und Quälen. 12. Sie befehlen Gott die Sorgen, Wie er will, Und sind still Immer im Verborgen; Was Gott will, ist ihr Vergnügen, Und wies er Ungefähr Will mit ihnen fügen. 13. Doch kann ihnen nicht versagen Gott ihr Brot In der Noth, Wenn er hört ihr Klagen. Er kommt wahrlich, sie zu trösten, Eh mans meint Und erscheint, Wenn die Noth am größten. 14. Ihre Sorg ist für die Seelen, Und ihr Lauf Geht hinauf Zu den Felsenhöhlen, Zu des Herren Jesu Wunden; Hier sind sie Aller Müh Und der Noth entbunden. 15. Nun, Herr Jesu, meine Freude, Meine Sonn, Meine Wonn, Meiner Seelen Weide! Sorge nur für meine Seelen, So wird mir Auch allhier Nichts am Leibe fehlen. 16. Alles sei dir unverhohlen, Was mir fehlt, Was mich quält, Großer Gott befohlen! Sorge du, so will ich schweigen Und vor dir Nach Gebühr Meine Kniee beugen. 17. Ich will dir mit Freuden danken Fort und fort, Hier und dort Und will nimmer wanken. Lob und Preis sei deinem Namen! Sei mein Theil, Hilf und Heil, Liebster Jesu! Amen. Laurentius Laurenti. Vertrauen und Trost. 329 365. Was Gott thut, das ist wohl gethan, Es bleibt gerecht sein Wille; Wie er fängt meine Sachen an, Will ich ihm halten stille. Er ist mein Gott, Der in der Noth Mich wohl weiß zu erhalten; Drum laß ich ihn nur walten. 2. Was Gott thut, das ist wohl gethan, Er wird mich nicht betrügen; Er führet mich auf rechter Bahn, So laß ich mich begnügen An seiner Huld Und hab Geduld; Er wird mein Unglück wenden, Es steht in seinen Händen. 3. Was Gott thut, das ist wohl gethan, Er wird mich wohl bedenken, Er, als mein Arzt und Wundermann, Wird mir nicht Gift einschenken Für Arzenei; Gott iſt getreu, Drum will ich auf ihn bauen Und seiner Güte trauen. 4. Was Gott thut, das ist wohl gethan; Er ist mein Licht und Leben, Der mir nichts Böses gönnen kann, Ich will mich ihm ergeben In Freud und Leid; Es kommt die Zeit, Da öffentlich erscheinet, Wie treulich er es meinet. 5. Was Gott thut, das ist wohl gethan; Muß ich den Kelch gleich schmecken, Der bitter ist nach meinem Wahn, Laß ich mich doch nicht schrecken, Weil doch zuleßt Ich werd ergötzt mit süßem Trost im Herzen, Da weichen alle Schmerzen. 6. Was Gott thut, das ist wohl gethan, Dabei will ich verbleiben; Es mag mich auf die rauhe Bahn Noth, Tod und Glend treiben, So wird Gott mich Ganz väterlich In seinen Armen halten, Drum laß ich ihn nur walten! Samuel Rodigaſt. 366. Was mein Gott will, das gscheh allzeit, Sein Wille ist der beste; Zu helfen den'n ist er bereit, Die an ihn glauben feste. Er hilft aus Noth, der fromme Gott, Und züchtiget mit Maßen. Wer Gott vertraut, fest auf ihn baut, Den will er nicht verlassen. 2. Gott ist mein Trost und Zuversicht, Mein Hoffnung 330 Heiligungslieder. und mein Leben. Was mein Gott will, daß mir geschicht, Will ich nicht widerstreben. Sein Wort ist wahr; denn all mein Haar Er selber hat gezählet. Er hütet und wacht, stets für uns tracht, Auf daß uns ja nichts fehlet. 3. Muß gleich ich Sündr von dieser Welt Hinfahrn nach Gottes Willen zu meinem Gott, wenns ihm gefällt, Will ich ihm halten stille. Mein arme Seel ich Gott befehl In meiner letzten Stunden. O frommer Gott, Sünd, Höll und Tod Hast du mir überwunden. 4. Noch eins, Herr, will ich bitten dich, Du wirst mirs nicht versagen: Wenn mich der böse Geist ansicht, Laß mich ja nicht verzagen; Hilf, steur und wehr, ach Gott, mein Herr, Zu Ehren deinem Namen. Wer das begehrt, dem wirds gewährt, Drauf sprech ich fröhlich: Amen. Albrecht, Markgraf zu Brandenburg. 367. er nur den lieben Gott läßt walten Und hoffet auf ihn allezeit, Den wird er wunderlich erhalten In allem Kreuz und Traurigkeit; Wer Gott, dem Allerhöchsten, traut, Der hat auf keinen Sand gebaut. 2. Was helfen uns die schweren Sorgen? Was hilft uns unser Weh und Ach? Was hilft es, daß wir alle Morgen Beseufzen unser Ungemach? Wir machen unser Kreuz und Leid Nur größer durch die Traurigkeit. 3. Man halte nur ein wenig stille Und sei doch in sich selbst vergnügt, Wie unsers Gottes Gnadenwille, Wie sein Allwissenheit es fügt; Gott, der uns ihm hat auserwählt, Der weiß auch gar wohl, was uns fehlt. 4. Er kennt die rechten Freudenstunden, Er weiß wohl, wann es nüßlich sei; Wenn er uns nur hat treu erfunden Und merket keine Heuchelei, So kommt Gott, eh wirs uns versehn, Und lässet uns viel Guts geschehn. 5. Denk nicht in deiner Drangsalshiße, Daß du von Gott verlassen seist, Und daß Gott der im Schooße size, Vertrauen und Trost. Der sich mit stetem Glücke speist; Die Folgezeit verändert viel Und seßzet jeglichem sein Ziel. 331 6. Es sind ja Gott sehr schlechte Sachen, Und ist dem Höchsten alles gleich, Den Reichen klein und arm zu machen, Den Armen aber groß und reich; Gott ist der rechte Wundermann, Der bald erhöhn, bald stürzen kann. 7. Sing, bet und geh auf Gottes Wegen, Verricht das Deine nur getreu Und trau des Himmels reichem Segen, So wird er bei dir werden neu; Denn welcher seine Zuversicht Auf Gott seßt, den verläßt er nicht. Georg Neumark. 368. irf Sorgen und Schmerz Ins liebende Herz Des mächtig dir helfenden Jesus! 2. Wenn Kummer dich quält, Wenn alles dir fehlt, So flehe zu deinem Erbarmer. 3. Er leichtert die Last Voll Mitleid und faßt Und hebt sie mit mächtigen Händen. 4. Er schüßt dich und wacht, Drum laß dich die Nacht Des Leidens und Todes nicht schrecken. 5. So leide denn gern! Beim freundlichen Herrn Grquicken dich Ströme der Wonne. Weise: Alles ist an Gottes Segen. 369. underanfang! herrlichs Ende! Wo die wunderweisen Hände Gottes führen ein und aus. Wunderweislich ist sein Rathen, Wunderherrlich seine Thaten, Und du sprichst: Wo wills hinaus?" 2. Denke doch, es muß so gehen, Was Gott weislich heißt geschehen, Ihm und die zur Herrlichkeit; Ob der Anfang seltsam scheinet, Ist das End doch gut gemeinet: Friede folget nach dem Streit. 3. Gottes Weg ist in den Flüssen Und in großen Wassergüssen, Und du spürst nicht seinen Fuß; So auch in dem 332 Heiligungslieder. Meer der Sorgen Hält Gott seinen Pfad verborgen, Daß man nach ihm suchen muß. 4. In den unergründten Gründen, Wo nur tiefer Schlamm zu finden, Im Angst-, Kreuz- und Todesmeer Sieht man oft die Christen schwimmen Und in tiefster Noth sich frümmen, Als obs schon verloren wär. 5. Kein Besinnen kann ersinnen, Wo man könne Hilf gewinnen, Die Vernunft ist hier zu blind; Ihre halb gebrochnen Augen Nicht in das Verborgne taugen, Dem sie allzublöde sind. 6. Weil der Herr im Dunkeln wohnet Und sein Reich im Trauen thronet, Da man glaubt, ob man nicht sieht, Bleibt die Sorge wohl bei Sorgen; Wer nicht trauen will auf morgen, Dem auch keine Hilfe blüht. 7. Gott muß man in allen Sachen, Weil er alles wohl kann machen, End und Anfang geben frei. Er wird, was er angefangen, Lassen so ein End erlangen, Daß es wunderherrlich ſei. 8. Rollet er mit dir im Schrecken Durch die Dornen, durch die Hecken, Ueber Stock und über Stein, Berg und Thal und Felsenklüften, Feuer, Waffer und in Lüften, Und was mehr kann schrecklich sein: 9. So laß dir doch nimmer grauen, Lerne deinem Gott vertrauen, Sei getrost und gutes Muths. Gr, fürwahr! er wird es führen, Daß dus wirst am Ende spüren, Wie er dir thut lauter Guts. 10. Du wirst an den Fingern zählen Und nicht vor der Welt verhehlen, Was die blinde Welt nicht fennt. Er wird dir dein Kreuz versüßen, Daß du wirst bekennen müssen: Wunderanfang! herrlichs End! Heinrich Arnold Stockfleth. Englische Volksweise. 370. Wohin, müder Wandrer du? Kehr heim ins Vaterhaus! Du findest nirgends sonst Tod, Auferstehung, Gericht, Ewigkeit. 333 auch Ruh, Läufst du die Welt gleich aus. Kehr heim! Kehr heim! 2. Kehr heim mit deiner wunden Seel Zum Samariter dein. Kein Arzt für dich hat Wein und Oel, Als Jesus nur allein. Kehr heim! Kehr heim! 3. Kehr heim mit deinem Heimwehschmerz In seinen Friedensschooß. Wer nicht zu Haus am Heilandsherz, Bleibt ewig heimathlos. Kehr heim! Kehr heim! Die letzten Dinge. ( Tod, Auferstehung, Gericht, Ewigkeit.) 371. ch wie flüchtig, ach wie nichtig Ist der Menschen wieder bald vergehet, So ist unser Leben, sehet! 2. Ach wie nichtig, ach wie flüchtig Sind der Menschen Tage! Wie ein Strom beginnt zu rinnen Und mit Laufen nicht hält innen, So fährt unfre Zeit von hinnen. 3. Ach wie flüchtig, ach wie nichtig Ist der Menschen Freude! Wie sich wechseln Stund und Zeiten, Licht und Dunkel, Fried und Streiten, So sind unsre Fröhlichkeiten. 4. Ach wie nichtig, ach wie flüchtig Ist der Menschen Schöne! Wie ein Blümlein bald vergehet, Wenn ein rauhes Lüftlein wehet, So ist unsre Schöne, sehet! 5. Ach wie flüchtig, ach wie nichtig Ist der Menschen Stärke! Der sich wie ein Löw erwiesen, Ueberworfen mit den Riesen, Den wirft eine kleine Drüsen. 6. Ach wie nichtig, ach wie flüchtig Ist der Menschen. Glücke! Wie sich eine Kugel drehet, Die bald da, bald dorten stehet, So ist unser Glücke, sehet! 7. Ach wie flüchtig, ach wie nichtig Ist der Menschen 334 Die letzten Dinge. Shre! Ueber den, dem man hat müssen Heut die Hände höflich küssen, Geht man morgen gar mit Füßen. 8. Ach wie nichtig, ach wie flüchtig Ist der Menschen Wissen! Der das Wort konnt prächtig führen Und vernünftig discuriren, Muß bald allen Wiß verlieren. 9. Ach wie flüchtig, ach wie nichtig Ist der Menschen Dichten! Der, so Kunst hat liebgewonnen Und manch schönes Werk ersonnen, Wird zuletzt vom Tod erronnen. 10. Ach wie nichtig, ach wie flüchtig Sind der Menschen Schäße! Es kann Gluth und Fluth entstehen, Dadurch, eh wir uns versehen, Alles muß zu Trümmern gehen. 11. Ach wie flüchtig, ach wie nichtig Ist der Menschen Herrschen! Der durch Macht ist hoch gestiegen, Muß zulegt aus Unvermögen In dem Grab erniedrigt liegen. 12. Ach wie nichtig, ach wie flüchtig Ist der Menschen Prangen! Der in Purpur hoch vermessen Ist gleichwie ein Gott geseffen, Dessen wird im Tod vergessen. 13. Ach wie flüchtig, ach wie nichtig Sind der Menschen Sachen! Alles, alles, was wir sehen, Das muß fallen und vergehen; Wer Gott fürcht, wird ewig stehen. Michael Franck. 372. lle Menschen müssen sterben, Alles Fleisch vergeht wie Heu; Was da lebet, muß verderben, Soll es anders werden neu. Dieser Leib, der muß verwesen, Wenn er anders soll genesen Der so großen Herrlichkeit, Die den Frommen ist bereit. 2. Drum so will ich dieses Leben, Wenn es meinem Gott beliebt, Auch ganz willig von mir geben, Bin darüber nicht betrübt. Denn in meines Jesu Wunden hab ich schon Erlösung funden, Und mein Trost in Todesnoth Ist des Herren Jesu Tod. 3. Jesus ist für mich gestorben, Und sein Tod ist mein Gewinn; Er hat mir das Heil erworben, Drum fahr ich Tod, Auferstehung, Gericht, Ewigkeit. 335 mit Freud dahin, hin aus diesem Weltgetümmel In den schönen Gotteshimmel, Da ich werde allezeit Preisen die Dreieinigkeit. 4. Da wird sein das Freudenleben, Da viel tauſend Seelen schon Sind mit Himmelsglanz umgeben, Stehen da vor Gottes Thron, Da die Seraphinen prangen Und das hohe Lied anfangen: Heilig, heilig, heilig heißt Gott der Vater, Sohn und Geist. 5. Da die Patriarchen wohnen, Die Propheten allzumal, Wo auf ihren Ehrenthronen Sizet die gezwölfte Zahl, Wo in so viel tausend Jahren Alle Frommen hingefahren, Da wir unserm Gott zu Ehrn Ewig Halleluja hörn. 6. Jerusalem, du schöne, Ach, wie helle glänzest du! Ach, wie lieblich Lobgetöne Hört man da in stolzer Ruh! Oder großen Freud und Wonne! Jegund gehet auf die Sonne, Jeßund gehet an der Tag, Der kein Ende nehmen mag. 7. Ach, ich habe schon erblicket Diese große Herrlichkeit; Jeßund werd ich schön geschmücket Mit dem weißen Himmelskleid; Mit der güldnen Ehrenkrone. Steh ich da vor Gottes Throne, Schaue solche Freude an, Die kein Ende nehmen kann. Joh. Georg Albinus. In eigener Melodie. 373. Auferstehn, ja auferstehn wirst du, Mein Staub, nach kurzer Ruh. Unsterblichs Leben Wird, der dich schuf, dir geben. Gelobt sei er! 2. Wieder aufzublühn, werd ich gesät! Der Herr der Ernte geht Und sammelt Garben uns ein, die wir hier starben! Gelobt sei er! 3. Tag des Danks! der Freudenthränen Tag! Du, meines Gottes Tag! Wenn ich im Grabe Genug geschlummert habe, Erweckest du mich. 4. Wie den Träumenden wirds dann uns sein; Mit Jesu gehn wir ein Zu seinen Freuden! Der müden Pilger Leiden Sind dann nicht mehr. 336 Die letzten Dinge. 5. Ach, ins Allerheiligste führt mich Mein Mittler, dann leb ich Im Heiligthume Zu seines Namens Ruhme In Ewigkeit. F. G. Klopstock. 374. Christus, der ist mein Leben, Sterben ist mein Gewinn; Dem thu ich mich ergeben, Mit Fried fahr ich dahin. 2. Mit Freud fahr ich von dannen Zu Christ, dem Bruder mein, Auf daß ich zu ihm komme Und ewig bei ihm sei. 3. Ich hab nun überwunden Kreuz, Leiden, Angst und Noth, Durch sein heilig fünf Wunden Bin ich versöhnt mit Gott. 4. Wenn meine Kräfte brechen, Mein Athem geht schwer aus, Und kann kein Wort mehr sprechen, Herr, nimm mein Seufzen auf. 5. Wenn mein Herz und Gedanken Zergehn, als wie ein Licht. Das hin und her thut wanken, Wenn ihm die Flamm gebricht; 6. Alsdann fein sanft und stille, Herr, laß mich schlafen ein Nach deinem Rath und Willen, Wenn kommt mein Stündelein. 7. Und laß mich an dir kleben Wie eine Klett am Kleid, Und ewig dei dir leben In himmlische Wonn und Freud. 8. Wohl in des Himmels Throne Sing ich Lob, Ehr und Preis Gott Vater und dem Sohne Und auch dem heilgen Geist. Weise: Balet will ich dir geben. 375. Her Bräutgam wird bald rufen: Kommt all, ihr Hochzeitgäst! Hilf Gott! daß wir nicht schlafen, In Sünden schlummern fest; Bald habn in unsern Händen Die Lampen, Oel und Licht, Und uns nicht dürfen wenden Von deinem Angesicht. Tod, Auferstehung, Gericht, Ewigkeit. 337 2. Da werden wir mit Freuden Den Heiland schauen an, Der durch sein Blut und Leiden Den Himmel aufgethan. Die lieben Patriarchen, Propheten allzumal, Die Märtrer und Apostel Mit ihm in großer Zahl. 3. Die werden uns annehmen Als ihre Brüderlein, Sich unsrer gar nicht schämen, Uns mengen mitten ein. Wir werden alle treten Zur Rechten Jesu Christ, Als unsern Gott anbeten, Der unsers Fleisches ist. 4. Gott wird sich zu uns kehren, Ein'm jeden seßen auf Ein güldne Kron der Ehren Und Herzen freundlich drauf, Wird uns an sein Brust drücken Aus Lieb ganz väterlich, An Leib und Seel uns schmücken Mit Gaben mildiglich. 5. Da wird man hören klingen Die rechten Saitenspiel, Die Musica wird bringen In Gott der Freuden viel, Die Engel werden singen, All Heilgen Gottes gleich, Mit himmelischen Zungen Ewig in Gottes Reich. 6. Er wird uns fröhlich leiten Ins ewge Paradeis, Die Hochzeit zubereiten zu seinem Lob und Preis; Da wird sein Freud und Wonne, In rechter Lieb und Treu, Aus Gottes Schatz und Brunne Und täglich werden neu. 7. Also wird Gott erlösen Uns gar aus aller Noth, Vom Teufel, allem Bösen, Von Trübsal, Angst und Tod, Von Trauern, Weh und Klagen, Von Krankheit, Schmerz und Leid, Von Schwermuth, Zorn und Zagen, Von aller bösen Zeit. Michael Franck. Weise: Jesu, meines Lebens Leben. 376. u u, o schönes Weltgebäude! Magst gefallen, wem du willt, Deine scheinbarliche Freude Ist mit lauter Angst umhüllt. Denen, die den Himmel hassen, Will ich ihre Weltlust lafsen, Mich verlangt nach dir allein, Allerschönstes Jesulein! 2. Müde, die der Arbeit Menge Und der heiße Strahl beschwert, Wünschen, daß des Tages Länge Werde durch Geistl. Liederbuch. 15 338 Die letzten Dinge. die Nacht verzehrt, Daß sie nach so vielen Lasten Können sanft und süße rasten, Mein Wunsch ist, bei dir zu sein, Allerschönstes Jefulein! 3. Ach! möcht ich in deinen Armen So, wie ich mir wünschen wollt, Allerliebster Schatz, erwarmen, So wollt ich das feinste Gold, Das in Ophir wird gegraben, Nicht für die Ergögung haben, Wenn ich könnte bei dir sein, Allerschönstes Jefulein! 4. Andre mögen durch die Wellen Und durch Wind und Klippen gehn, Ihren Handel zu bestellen Und da Sturm und Noth ausstehn, Ich will meine Glaubensflügel Schwingen an die Sternenhügel, Ewig da bei dir zu sein, Allerschönstes Jefulein! 5. Tausendmal pfleg ich zu sagen Und noch tausendmal dazu: Ach, würd ich ins Grab getragen, Gi, so käm ich ja zur Ruh; Und mein bestes Theil das würde, Frei von dieser Leibesbürde, Je und ewig um dich sein, Allerschönstes Jefulein! 6. Komm, o Tod, du Schlafes Bruder, Komm und führe mich nun fort; Löse meines Schiffleins Ruder, Bringe mich in sichern Port.* Es mag, wer da will, dich scheuen, Du kannst mich vielmehr erfreuen; Denn durch dich komm ich hinein Zu dem schönsten Jesulein! * Hafen. 7. Ach! daß ich den Leibeskerker Heute noch verlaffen müßt Und käm an den Sternenerker, Wo das Haus der Freuden ist, Da wollt ich mit Wortgepränge Bei der Engel großen Menge Rühmen deiner Gottheit Schein, Allerschönstes Jesulein! 8. Doch, weil ich die Seelenauen Und den güldnen Himmelssaal Jetzt nicht kann nach Wünschen schauen, Sondern muß im Thränenthal Noch am Kummerfaden spinnen, Gi, so sollen meine Sinnen Unterdeß doch bei dir sein, Allerschönstes Jesulein! Johann Franc. Tod, Auferstehung, Gericht, Gwigkeit. 339 Weise: Valet will ich dir geben. 377. rmuntert euch, ihr Frommen, Zeigt eurer Lampen Schein! Der Abend ist gekommen, Die finstre Nacht bricht ein. Es hat sich aufgemachet Der Bräutigam mit Pracht; Auf! betet, fämpft und wachet, Bald ist es Mitternacht. 2. Macht eure Lampen fertig Und füllet sie mit Del Und seid des Heils gewärtig, Bereitet Leib und Seel; Die Wächter Zions schreien: Der Bräutigam ist nah, Begegnet ihm in Reihen Und singt Halleluja! 3. Ihr klugen Jungfraun alle, Hebt nun das Haupt empor Mit Jauchzen und mit Schalle Zum frohen Engelchor. Die Thür ist aufgeschlossen, Die Hochzeit ist bereit; Auf, auf, ihr Reichsgenossen! Der Bräutgam ist nicht weit. 4. Er wird nicht lang verziehen, Drum schlaft nicht wieder ein; Man sieht die Bäume blühen, Der schönste Frühlingsschein Verheißt Erquickungszeiten, Die Abendröthe zeigt Den schönen Tag von weiten, Davor das Dunkle weicht. 5. Wer wollte denn nun schlafen? Wer klug ist, der ist wach, Gott fommt, die Welt zu strafen, zu üben Grimm und Rach An allen, die nicht wachen Und die des Thieres Bild Anbeten samt dem Drachen; Seid wach! der Löwe brüllt. 6. Begegnet ihm auf Erden, Ihr, die ihr Zion liebt, Mit freudigen Geberden Und seid nicht mehr betrübt; Es sind die Freudenstunden Gekommen, und der Braut Wird, weil sie überwunden, Die Krone nun vertraut. 7. Die ihr Geduld getragen und mit gestorben seid, Sollt nun, nach Kreuz und Klagen, In Freuden sonder Leid Mit leben und regieren Und vor des Lammes Thron Mit Jauchzen triumphiren In eurer Siegeskron. 8. Hier sind die Siegespalmen, Hier ist das weiße Kleid, Hier stehn die Weizenhalmen In Frieden nach dem 15* 2 340 Die letzten Dinge. Streit Und nach den Wintertagen; Hier grünen die Gebein, Die dort der Tod erschlagen, Hier schenkt man Freudenwein. 9. Hier ist die Stadt der Freuden, Jerusalem, der Ort, Wo die Erlösten weiden, Hier ist die sichre Pfort, Hier sind die güldnen Gassen, Hier ist das Hochzeitsmahl, Hier soll sich niederlassen Die Braut im Rosenthal. 10. O Jesu, meine Wonne, Komm bald und mach dich auf! Geh auf, verlangte Sonne, Und fördre deinen Lauf! Jesu, mach ein Ende Und führ uns aus dem Streit; Wir heben Haupt und Hände Nach der Erlösungszeit. Laurentius Laurenti. 378. E s ist gewißlich an der Zeit, Daß Gottes Sohn wird kommen In seiner großen Herrlichkeit, Zu richten Bös und Frommen. Da wird das Lachen werden theur, Wenn alles wird vergehn im Feur, Wie Petrus davon schreibet. 2. Posaunen wird man hören gehn An aller Welt ihr Ende, Darauf bald werden auferstehn All Todten gar behende; Die aber noch das Leben han, Die wird der Herr von Stunde an Verwandeln und verneuen. 3. Darnach wird man ablesen bald Ein Buch, darin geschrieben, Was alle Menschen, jung und alt, Auf Erden han getrieben. Da denn gewiß ein jedermann Wird hören, was er hat gethan In seinem ganzen Leben. 4. O weh demselben, welcher hat Des Herren Wort verachtet Und nur auf Erden früh und spat Nach großem Gut getrachtet! Der wird fürwahr gar kahl bestehn Und mit dem Satan müssen gehn Von Christo in die Hölle. 5. O Jesu, hilf zur selben Zeit Von wegen deiner Wunden, Daß ich im Buch der Seligkeit Werd eingezeichnet funden! Daran ich denn auch zweifle nicht; Denn du hast ja den Feind gericht Und meine Schuld bezahlet. 6. Derhalben mein Fürsprecher sei, Wenn du nun wirst erscheinen, Und lies mich aus dem Buche frei, Darinnen Tod, Auferstehung, Gericht, Ewigkeit. 341 stehn die Deinen, Auf daß ich samt den Brüdern mein Mit dir geh in den Himmel ein, Den du uns hast erworben. 7. O Jesu Christ, du machst es lang Mit deinem jüngsten Tage! Den Menschen wird auf Erden bang Von wegen vieler Plage. Komm doch, komm doch, du Richter groß, Und mache uns in Gnaden los Von allem Uebel! Amen. Weise: Wie wohl ist mir, o Freund der Seelen. 379. Es ist noch eine Ruh verhanden; Auf, müdes Herz, und werde in deinen Banden, Und deine Sonne scheinet nicht. Sieh auf das Lamm, das dich mit Freuden Dort wird vor seinem Stuhle weiden. Wirf hin die Last und eil herzu. Bald ist der schöne Kampf geendet, Bald, bald der saure Lauf vollendet; So gehst du ein zu deiner Ruh. 2. Die Ruhe hat Gott auserforen, Die Ruhe, die kein Ende nimmt. Es hat, da noch kein Mensch geboren, Die Liebe sie uns so bestimmt. Das Gotteslamm wollt darum sterben, Uns diese Ruhe zu erwerben. Gs ruft, es locket weit und breit: Ihr müden Seelen und ihr Frommen, Versäumet nicht, heut einzukommen zu meiner Ruhe Lieblichkeit. 3. So kommet denn, ihr matten Seelen, Die manche Last und Bürde drückt. Gilt, eilt aus euren Kummerhöhlen, Geht nicht mehr krumm und sehr gebückt. Ihr habt des Tages Last getragen, Dafür läßt euch das Lämmlein sagen: Ich will selbst eure Ruhstatt sein. Ihr seid mein Volk, gezeugt von oben, Ob Sünde, Welt und Teufel toben. Seid nur getrost und gehet ein. 4. Was mag wohl einen Kranken laben Und einen müden Wandersmann? Wo jener nur ein Bettlein haben Und sanfte darauf ruhen kann; Wenn dieser sich darf niedersehen, An einem frischen Trunk ergößen, Wie sind sie beide so vergnügt! Doch dies sind kurze Ruhestunden; 342 Die letzten Dinge. Es ist noch eine Ruh erfunden, Da man auf ewig stille liegt. 5. Da wird man Freudengarben bringen, Denn unsre Thränensaat ist aus. D, welch ein Jubel wird erklingen Und süßer Ton ins Vaters Haus! Schmerz, Seufzen, Leid, Tod und dergleichen Wird müssen fliehn und von uns weichen; Wir werden auch das Lämmlein sehn. Es wird beim Brünnlein uns erfrischen, Die Thränen von den Augen wischen. Wer weiß, was sonst noch soll geschehn? 6. Kein Durst noch Hunger wird uns schwächen, Denn die Erquickungszeit ist da. Die Sonne wird uns nicht mehr stechen; Das Lamm ist seinem Volke nah. Es will selbst über ihnen wohnen Und ihre Treue wohl belohnen Mit Licht und Trost, mit Ehr und Preis. Es werden die Gebeine grünen; Der große Sabbath ist erschienen, Da man von keiner Last mehr weiß. 7. Da ruhen wir und sind im Frieden Und leben ewig sorgenlos. Ach, fasset dieses Wort, ihr Müden, Legt euch dem Lamm in seinen Schooß. Ach, Flügel her, wir müssen eilen Und uns nicht länger hier verweilen! Dort wartet schon die frohe Schaar. Fort, fort, mein Geist, zum Jubiliren! Begürte dich zum Triumphiren! Auf, auf, es kommt das Ruhejahr! Joh. Sigismund Kunth. Weise: Welt, ich muß dich lassen. 380. Gott Lob, die Stund ist kommen, da ich werd aufgenommen Ins schöne Paradeis! Ihr Eltern dürft nicht klagen, Mit Freuden sollt ihr sagen: Dem Höchsten sei Lob, Chr und Preis. 2. Wie kanns Gott besser machen? Er reißt mich aus dem Nachen Des Teufels und der Welt, Die jetzt wie Löwen brüllen; Ihr Grimm ist nicht zu stillen, Bis alles übern Haufen fällt. 3. Dies sind die lezten Tage, Da nichts als lauter Plage Mit Haufen bricht herein; Mich nimmt nun Gott Tod, Auferstehung, Gericht, Ewigkeit. von hinnen Und lässet mich entrinnen Der überhäuften Noth und Pein. 343 4. Kurz ist mein irdisch Leben, Ein beffres wird mir geben Gott in der Ewigkeit; Da werd ich nicht mehr sterben, In keiner Noth verderben, Mein Leben wird sein lauter Freud. 5. Gott eilet mit den Seinen, Läßt sie nicht lange weinen In diesem Thränenthal. Ein schnell und selig Sterben Ist schnell und glücklich erben Des schönen Himmels Ehrensaal. 6. Wie öfters wird verführet Manch Kind, an dem man spüret Rechtschaffne Frömmigkeit; Die Welt, voll List und Tücke, Legt heimlich ihre Stricke Bei Tag und Nacht, zu jeder Zeit. 7. Ihr Netze mag sie stellen, Mich wird sie nun nicht fällen, Sie wird mir thun kein Leid. Denn wer fann den verlegen, Den Christus hier wird setzen Ins Schloß vollkommner Sicherheit? 8. Zuvor bracht ich euch Freude; Jetzt, nun ich von euch scheide, Betrübt sich euer Herz. Doch wenn ihr recht betrachtet Und, was Gott thut, hochachtet, Wird sich bald lindern aller Schmerz. 9. Gott zählet alle Stunden, Er schlägt und heilet Wunden, Er fennet jedermann. Nichts ist ja je geschehen, Was er nicht vorgesehen; Und was er thut, ist wohlgethan. 10. Wenn ihr mich werdet finden Vor Gott, frei aller Sünden, In weißer Seiden stehn Und tragen Sieges palmen In Händen und mit Psalmen Des Herren Lob und Ruhm erhöhn; 11. Da werdet ihr euch freuen, Es wird euch herzlich reuen, Daß ihr euch so betrübt. Wohl dem, der Gottes Willen Gedenket zu erfüllen Und in Geduld sich ihm ergiebt. 12. Ade! nun seid gesegnet, Was euch jegund begegnet, 344 Die letzten Dinge. Ist andern auch geschehn; Viel müssens noch erfahren. Nun, Gott woll euch bewahren, Dort wollen wir uns wiedersehn. Johann Heermann. Weise: Herzlich thut mich verlangen. 381. Ich bin ein Gast auf Erden Und hab hier keinen Stand; Der Himmel soll mir werden, Da ist mein Vaterland. Hier reis ich aus und abe, Dort in der ewgen Ruh Ist Gottes Gnadengabe; Die schleußt all Arbeit zu. 2. Was ist mein ganzes Wesen Von meiner Jugend an Als Müh und Noth gewesen? So lang ich denken kann, Hab ich so manchen Morgen, So manche liebe Nacht Mit Kummer und mit Sorgen Des Herzens zugebracht. 3. Mich hat auf meinen Wegen Manch harter Sturm erschreckt, Blizz, Donner, Wind und Regen Hat mir oft Angst erweckt; Verfolgung, Haß und Neiden, Ob ichs gleich nicht verschuld, Hab ich doch müssen leiden Und tragen mit Geduld. 4. So gings den lieben Alten, An deren Fuß und Pfad Wir uns noch täglich halten, Wenns fehlt an gutem Rath; Wie mußte sich doch schmiegen Der Vater Abraham, Ch als ihm sein Vergnügen Und rechte Wohnstatt kam! 5. Wie manche schwere Bürde Trug Isaak, sein Sohn! Und Jakob, dessen Würde Stieg bis zum Himmelsthron, Wie mußte der sich plagen; In was für Weh und Schmerz, In was für Angst und Zagen Sank oft sein armes Herz! 6. Die frommen, heilgen Seelen, Die gingen fort und fort Und änderten mit Quälen Den erstbewohnten Ort; Sie zogen hin und wieder, Ihr Kreuz war immer groß, Bis daß der Tod sie nieder Legt in des Grabes Schooß. 7. Ich habe mich ergeben In gleiches Glück und Leid, Was will ich besser leben Als solche große Leut?€ 8 Tod, Auferstehung, Gericht, Ewigkeit. 345 muß ja durchgedrungen, Es muß gelitten sein; Wer nicht hat wohl gerungen, Geht nicht zur Freud hinein. 8. So will ich zwar nun treiben Mein Leben durch die Welt; Doch denk ich nicht zu bleiben In diesem fremden Zelt. Sch wandre meine Straßen, Die zu der Heimath führt, Da mich ohn alle Maßen Mein Vater trösten wird. 9. Mein Heimath ist dort droben, Da aller Engel Schaar Den großen Herrscher loben, Der alles ganz und gar In seinen Händen träget Und für und für erhält, Auch alles hebt und leget, Nachdems ihm wohlgefällt. 10. Zu dem steht mein Verlangen, Da wollt ich gerne hin, Die Welt bin ich durchgangen, Daß ichs fast müde bin. Je länger ich hier walle, Je wenger find ich Freud, Die meinem Geist gefalle, Das meist ist Herzeleid. 11. Die Herberg ist zu böse, Der Trübsal ist zu viel. Ach! komm, mein Gott, und löse Mein Herz, wenn dein Herz will. Komm, mach ein selges Ende An meiner Wanderschaft; Und was mich kränkt, das wende Durch deinen Arm und Kraft. 12. Wo ich bisher gesessen, Ist nicht mein rechtes Haus. Wenn mein Ziel ausgemessen, So tret ich dann hinaus, Und was ich hie gebrauchet, Das leg ich alles ab, Und wenn ich ausgehauchet, So scharrt man mich ins Grab. 13. Du aber, meine Freude, Du meines Lebens Licht, Du zeuchst mich, wenn ich scheide, Hin vor dein Angesicht, Ins Haus der ewgen Wonne, Da ich stets freudenvoll, Gleich als die helle Sonne, Nächst andern leuchten soll. 14. Da will ich immer wohnen, Und nicht nur als ein Gast, Bei denen, die mit Kronen Du ausgeschmücket haft. Da will ich herrlich singen Von deinem großen Thun Und frei von schnöden Dingen In meinem Erbtheil ruhn. Paul Gerhardt. 15** 346 Die letzten Dinge. Weise: Herzlich thut mich verlangen. 382. Ich habe Lust, zu scheiden. Mein Sinn geht aus der Welt. Ich sehne mich mit Freuden Nach Zions Rosenfeld. Weil aber keine Stunde Zum Abschied ist benennt, So hört aus meinem Munde Mein letztes Testament: 2. Gott Vater, meine Seele Bescheid ich deiner Hand. Führ sie aus dieser Höhle Ins rechte Vaterland. Du hast sie mir gegeben, So nimm sie wieder hin, Daß ich im Tod und Leben Nur dein alleine bin. 3. Was werd ich, Jesu, finden, Das dir gefallen kann? Ach, nimm du meine Sünden Als ein Vermächtniß an. Wirf sie in deine Wunden, Ins rothe Meer hinein. So hab ich Heil gefunden Und schlafe selig ein. 4. Dir, o du Geist der Stärke, Laß ich den letzten Blick. Wenn Todesangst ich merke, So sieh auf mich zurück. Ach, schrei in meinem Herzen, Wenn ich kein Glied mehr rühr, Und stell in meinem Herzen Mir nichts als Jefum für. 5. Ihr Engel, nehmt die Thränen Bon meinen Wangen an. Ich weiß, daß euer Sehnen Sonst nichts erfreuen kann. Wenn Leib und Seele scheiden, Tragt mich in Abrams Schooß. So bin ich voller Freuden Und aller Thränen los. 6. Euch aber, meine Lieben, Die ihr mich dann beweint, Euch hab ich was verschrieben: Gott, euren besten Freund. Drum nehmt den letzten Segen. Es wird gewiß geschehn, Daß wir auf Zions Wegen Einander wiederfehn. 7. Juleßzt sei dir, o Erde, Mein blasser Leib vermacht, Damit dir wieder werde, Was du mir zugebracht. Mach ihn zu Asch und Staube, Bis Gottes Stimme ruft; Denn dieses sagt mein Glaube: Er bleibt nicht in der Gruft. 8. Das ist mein letzter Wille. Gott, drück das Siegel drauf! Nun wart ich in der Stille, Bis daß ich meinen Lauf Durch Christi Lod vollende; So geh ich freudig hin Und weiß, daß ich ohn Ende Des Himmels Erbe bin. Benjamin Schmolck. 347 Tod, Auferstehung, Gericht, Ewigkeit. Weise: Nun preiset alle Gottes. 383. Ich hab von ferne, Herr, deinen Thron erblickt Und hätte gern mein müdes Leben, Schöpfer der Geister, dir hingegeben. 2. Das war so prächtig, Was ich im Geist gesehn! Du bist allmächtig; Drum ist dein Licht so schön. Könnt ich an diesen hellen Thronen Doch schon von heute an ewig wohnen! 3. Nur ich bin sündig, Der Erde noch geneigt; Das hat mir bündig Dein heilger Geist gezeigt. Ich bin noch nicht genug gereinigt, Noch nicht ganz innig mit dir vereinigt. 4. Doch bin ich fröhlich, Daß mich kein Bann erschreckt; Ich bin schon selig, Seitdem ich das entdeckt. Ich will mich noch im Leiden üben Und dich zeitlebens inbrünstig lieben. 5. Ich bin zufrieden, Daß ich die Stadt gesehn, Und ohn Ermüden Will ich ihr näher gehn Und ihre hellen goldnen Gassen Lebenslang nicht aus den Augen lassen. Joh. Thimotheus Hermes. 384. Jerusalem, du hochgebaute Stadt, Wollt Gott, ich wär in dir! Mein sehnlich Herz so groß Verlangen hat und ist nicht mehr bei mir. Weit über Berg und Thale, Weit über blaches Feld Schwingt es sich über alle Und eilt aus dieser Welt. 2. O schöner Tag und noch viel schönre Stund, Wann wirst du kommen schier? Da ich mit Lust, mit freiem Freudenmund Die Seele geb von mir In Gottes treue Hände Zum auserwählten Pfand, Daß sie mit Heil anlände In jenem Vaterland. 3. Im Augenblick wird sie erheben sich Bis an das Firmament, Wenn sie verläßt so sanft, so wunderlich Die Stätt der Element, Fährt auf Eliä Wagen Mit Die letzten Dinge. engelischer Schaar, Die sie in Händen tragen, Umgeben ganz und gar. 348 4. O Ehrenburg, sei nun gegrüßet mir, Thu auf der Gnaden Pfort! Wie große Zeit hat mich verlangt nach dir, Eh ich bin kommen fort Aus jenem bösen Leben, Aus jener Nichtigkeit, Und mir Gott hat gegeben Das Grb der Ewigkeit! 5. Was für ein Volk, was für ein edle Schaar kommt dort gezogen schon? Was in der Welt von Auserwählten war, Seh ich, die beste Kron, Die Jesus mir, der Herre, Entgegen hat gesandt, Da ich noch war von ferne In meinem Thränenland. 6. Propheten groß und Patriarchen hoch, Auch Christen insgemein, Die weiland dort trugen des Kreuzes Joch Und der Tyrannen Pein, Schau ich in Ehren schweben, In Freiheit überall, Mit Klarheit hell umgeben, Mit sonnenlichtem Strahl. 7. Wenn dann zuletzt ich angelanget bin Im schönen Paradeis, Von Höchster Freud erfüllet wird der Sinn, Der Mund von Lob und Preis; Das Halleluja reine Singt man in Heiligkeit, Das Hostanna feine Ohn End in Ewigkeit. 8. Mit Jubelklang, mit Instrumenten schön Auf Chören ohne Zahl, Daß von dem Klang und von dem süßen Ton Sich regt der Freudensaal; Mit hunderttausend Zungen, Mit Stimmen noch viel mehr, Wie von Anfang gesungen Das himmelische Heer. Joh. Matthäus Meyfart. 385. Jesus, meine Zuversicht Und mein Heiland ist im Leben; Dieses weiß ich, soll ich nicht Mich darum zufrieden geben, Was die lange Todesnacht Mir auch für Gedanken macht. 2. Jesus, er mein Heiland lebt, Ich werd auch das Leben schauen, Sein, wo mein Erlöser schwebt, Warum 349 Tod, Auferstehung, Gericht, Ewigkeit. sollte mir denn grauen? Lässet auch ein Haupt sein Glied, Welches es nicht nach sich zieht? 3. Ich bin durch der Hoffnung Band Zu genau mit ihm verbunden, Meine starke Glaubenshand Wird in ihm gelegt befunden, Daß mich auch kein Todesbann Ewig von ihm trennen kann. 4. Ich bin Fleisch und muß daher Auch einmal zu Asche werden; Das gesteh ich, doch wird er Mich erwecken aus der Erden, Daß ich in der Herrlichkeit Um ihn sein mög alle Zeit. 5. Dann wird eben diese Haut Mich umgeben, wie ich gläube; Gott wird werden angeschaut Dann von mir in diesem Leibe, Und in diesem Fleisch werd ich Jefum sehen ewiglich. 6. Dieser meiner Augen Licht Wird ihn, meinen Heiz land, kennen, Ich, ich selbst, kein Fremder nicht, Werd in seiner Liebe brennen; Nur die Schwachheit um und an Wird von mir sein abgethan. 7. Was hier kranket, seufzt und fleht, Wird dort frisch und herrlich gehen, Irdisch werd ich ausgesät, Himmlisch werd ich auferstehen; Hier geh ich natürlich ein, Nachmals werd ich geistlich sein. 8. Seid getrost und hoch erfreut, Jesus trägt euch, meine Glieder; Gebt nicht Statt der Traurigkeit, Sterbt ihr, Christus ruft euch wieder, Wenn die letzt Posaun erklingt, Die auch durch die Gräber dringt. 9. Lacht der finstern Erdenkluft, Lacht des Todes und der Höllen, Denn ihr sollt euch durch die Luft Eurem Heiland zugesellen; Dann wird Schwachheit und Verdruß Liegen unter eurem Fuß. 10. Nur, daß ihr den Geist erhebt Von den Lüsten dieser Erden Und euch dem schon jetzt ergebt, Dem ihr beigefügt wollt werden. Schickt das Herze da hinein, Wo ihr ewig wünscht zu sein. Luise Henriette, Kurfürstin von Brandenburg. 350 Die letzten Dinge. 386. Fast mich gehn, Laßt mich gehn, Daß ich Jeſum möge sehn! Meine Seel ist voll Verlangen, Ihn auf ewig zu umfangen, Und vor seinem Thron zu stehn! 2. Süßes Licht, süßes Licht, Sonne, die durch Wolken bricht, O, wann werd ich dahin kommen, Daß ich dort mit allen Frommen Schau dein holdes Angesicht! 3. Ach, wie schön, ach, wie schön Ist der Engel Lobgetön! Hätt ich Flügel, hätt ich Flügel, Flög ich über Thal und Hügel Heute noch nach Zions Höhn! 4. Wie wirds sein, wie wirds sein, Wenn ich zieh in Salem ein, In die Stadt der_goldnen Gassen! Herr, mein Gott, ich kanns nicht fassen, Was das wird für Wonne sein. 5. Paradies, Paradies, Wie ist deine Frucht so süß! Unter deinen Lebensbäumen Wird uns sein, als ob wir träumen: Bring uns, Herr, ins Paradies! Gustav Knak. Weise: Wer nur den lieben Gott läßt walten. 387. Mein Gott, ich weiß wohl, daß ich sterbe, Ich bin ein Mensch, der bald vergeht, Und finde hier kein solches Erbe, Das ewig in der Welt besteht. Drum zeige mir in Gnaden an, Wie ich recht selig sterben kann. 2. Mein Gott, ich weiß nicht, wann ich sterbe, Kein Augenblick geht sicher hin. Wie bald zerbricht doch eine Scherbe? Die Blume kann gar leicht verblühn. Drum mache mich nur stets bereit Hier in der Zeit zur Ewigkeit. 3. Mein Gott, ich weiß nicht, wie ich sterbe, Dieweil der Tod viel Wege hält. Dem einen wird das Scheiden herbe, Wenn sonst ein andrer sanfte fällt. Doch wie du willst, gieb, daß dabei Mein Ende nur vernünftig sei. Tod, Auferstehung, Gericht, Ewigkeit. 351 4. Mein Gott, ich weiß nicht, wo ich sterbe, Und welcher Sand mein Grab verdeckt; Doch wenn ich dieses nur er werbe, Daß deine Hand mich, auferweckt, So nehm ich leicht ein Stellchen ein. Die Erd ist allenthalben dein. 5. Nun, lieber Gott, wenn ich ja sterbe, So nimm du meinen Geist zu dir, Den ich mit Christi Blute färbe, Und hab ich den im Grabe hier, So gilt mirs gleich und geht mir wohl, Wann, wo und wie ich sterben soll. Benjamin Schmold. 388. Mitten wir im Leben sind Mit dem Tod umfangen; Wen suchn wir, der Hilfe thu, Das wir Gnad erlangen? Das bist du, Herr, alleine. Uns reuet unsre Missethat, Die dich, Herr, erzürnet hat. Heiliger Herre Gott! Heiliger starker Gott! Heiliger barmherziger Heiland, Du ewiger Gott! Laß uns nicht versinken In des bittern Todes Noth. Kyrie eleison! 2. Mitten in dem Tod ansicht Uns der Höllen Nachen. Wer will uns aus solcher Noth Frei und ledig machen? Das thust du, Herr, alleine. Es jammert dein Barmherzigkeit Unsre Sünd und großes Leid. Heiliger Herre Gott! Heiliger starker Gott! Heiliger barmherziger Heiland, Du ewiger Gott! Laß uns nicht verzagen Vor der tiefen Höllen Gluth. Kyrie eleison! 3. Mitten in der Höllen Angst Unfre Sünd uns treiben; Wo solln wir denn fliehen hin, Da wir mögen bleiben? Zu dir, Herr Christ, alleine. Vergossen ist dein theures Blut, Das gnug für die Sünde thut. Heiliger Herre Gott! Heiliger starker Gott! Heiliger barmherziger Heiland, Du ewiger Gott! Laß uns nicht entfallen Von des rechten Glaubens Trost. Kyrie eleison! M. Luther. 389. Welt! ich muß dich lassen, Ich fahr dahin mein Straßen Ins ewge Vaterland, Mein Geist will ich aufgeben, Darzu mein Leib und Leben Seßen in Gottes gnädge Hand. 352 Die leßten Dinge. 2. Mein Zeit ist nun vollendet, Der Tod das Leben endet, Sterben ist mein Gewinn; Kein Bleiben ist auf Erden, Das Eige muß mir werden, Mit Fried und Freud ich fahr dahin. 3. Ob mich gleich hat betrogen Die Welt, von Gott gezogen Durch Schand und Büberei, Will ich doch nicht verzagen, Sondern mit Glauben sagen, Daß mir mein Sünd vergeben sei. 4. Auf Gott steht mein Vertrauen, Sein Antlig will ich schauen Wahrlich durch Jesum Christ, Der für mich ist gestorben, Des Vaters Huld erworben, Mein Mittler er auch worden ist. 5. Die Sünd mag mir nicht schaden, Erlöst bin ich aus Gnaden, Umsonst, durch Christi Blut. Kein Werk kommt mir zu Frommen, So will ich zu ihm kommen Allein durch wahren Glauben gut. 6. Ich bin ein unnüß Knechte, Mein Thun ist viel zu schlechte, Denn daß ich ihm bezahl Damit das ewge Leben, Umsonst will er mirs geben Und nicht nach meinm Verdienst und Wahl. 7. Drauf will ich fröhlich sterben, Das Himmelreich ererben, Wie er mirs hat bereit; Hier mag ich nicht mehr bleiben, Der Tod thut mich vertreiben, Mein Seele sich vom Leibe scheid. 8. Damit fahr ich von hinnen; O Welt, thu dich besinnen, Denn du mußt auch hernach, Thu dich zu Gott bekehren Und von ihm Gnad begehren, Im Glauben sei du auch nicht schwach. 9. Die Zeit ist nun vorhanden, Hör auf von Sünd und Schanden Und richt dich auf die Bahn Mit Beten und mit Wachen, Sonst all irdische Sachen Sollst du gutwillig fahren lan. 10. Das schenk ich dir am Ende, Ade! zu Gott mich Tod, Auferstehung, Gericht, Ewigkeit. 353 wende, Zu ihm steht mein Begehr. Hüt dich vor Pein und Schmerzen, Nimm mein Abschied zu Herzen, Meins Bleibens ist jetzt hie nicht mehr. Johann Hesse. 390. Unter Lilien jener Freuden Sollst du weiden, Seele, schwinge dich empor! Als ein Adler fleuch behende, Jesu Hände Deffnen schon das Perlenthor. 2. Laßt mich gehen, laßt mich laufen Zu dem Haufen Derer, die des Lammes Thron Nebst dem Chor der Seraphinen Schon bedienen Mit dem reinsten Jubelton. 3. Löse, erstgeborner Bruder, Doch die Ruder Meines Schiffleins, laß mich ein In den sichern Friedenshafen Zu den Schafen, Die der Furcht entrücket sein. 4. Nichts soll mir am Herzen kleben, Süßes Leben, Was die Erde in sich hält. Sollt ich noch in dieser Wüsten Länger nisten? Nein, ich eil ins Himmelszelt. 5. Herzensheiland, schenke Glauben Deiner Tauben, Glauben, der durch alles dringt. Nach dir girret meine Seele In der Höhle, Bis sie sich von hinnen schwingt. 6. O wie bald kannst du es machen, Daß mit Lachen Unser Mund erfüllet sei! Du kannst durch des TodesThüren Träumend führen Und machst uns auf einmal frei. 7. Du hast Sünd und Straf getragen; Furcht und 3agen Muß nun ferne von mir gehn! Tod, dein Stachel liegt darnieder; Meine Glieder Werden fröhlich auferstehn. 8. Herzens- Lamm, dich will ich loben Hier und droben In der zartsten Liebsbegier. Du hast dich zum ewgen Leben Mir gegeben; Hole mich, mein Lamm, zu Dir! Conrad Allendorf. 391. Palet will ich dir geben, Du arge, falsche Welt; Dein sündlich böses Leben Durchaus mir nicht gefällt Im Himmel ist gut wohnen, Hinauf steht mein Begier; Da wird Gott ewig lohnen, Dem, der ihm dient allhier. 354 Die letzten Dinge. 2. Rath mir nach deinem Herzen, O Jesu, Gottes Sohn! Soll ich ja dulden Schmerzen, Hilf mir, Herr Christ, davon; Verkürz mir alles Leiden, Stärk meinen blöden Muth, Laß mich selig abscheiden, Seß mich in dein Erbgut. 3. In meines Herzens Grunde Dein Nam und Kreuz allein Funkelt all Zeit und Stunde; Drauf kann ich fröhlich sein. Erschein mir in dem Bilde Zu Trost in meiner Noth, Wie du, Herr Christ, so milde Dich haft geblut zu Tod. 4. Verbirg mein Seel aus Gnaden In deiner offnen Seit, Rück sie aus allem Schaden Zu deiner Herrlichkeit. Der ist wohl hier gewesen, Wer kommt ins Himmels Schloß; Der ist ewig genesen, Wer bleibt in deinem Schooß. 5. Schreib meinen Namn aufs beste Ins Buch des Lebens ein Und bind mein Seel fein feste Ins schöne Bündelein Der, die im Himmel grünen Und vor dir leben frei; So will ich ewig rühmen, Daß dein Herz treue ſei. Valerius Herberger. 392. Wachet auf! ruft uns die Stimme Der Wächter sehr hoch auf der Zinne; Wach auf, du Stadt Jerusalem! Mitternacht heißt diese Stunde; Sie rufen uns mit hellem Munde: Wo seid ihr klugen Jungfrauen? Wohlauf, der Bräutgam kömmt! Steht auf, die Lampen nehmt! Halleluja! Macht euch bereit Zu der Hochzeit; Ihr müsset ihm entgegengehn. 2. Zion hört die Wächter singen, Das Herz thut ihr vor Freuden springen; Sie wachet und steht eilend auf. Ihr Freund kommt vom Himmel prächtig, Von Gnaden stark, von Wahrheit mächtig, Ihr Licht wird hell, ihr Stern geht auf. Nun komm, du werthe Kron, Herr Jesu, Gottes Sohn! Hostanna! Wir folgen all Zum Freudensaal Und halten mit das Abendmahl. 3. Gloria sei dir gesungen Mit Menschen und mit Engelzungen, Mit Harfen und mit Cymbeln schön. Von Tod, Auferstehung, Gericht, Ewigkeit. 355 zwölf Perlen sind die Thore An deiner Stadt, wir stehn im Chore Der Engel hoch um deinen Thron. Kein Aug hat je geſpürt, Kein Ohr hat je gehört Solche Freude. Deß jauchzen wir Und singen dir Das Halleluja für und für. Philipp Nicolai. 393. enn mein Stündlein vorhanden ist Und soll hinfahrn mein Straße, So gleit du mich, Herr Jesu Christ, Mit Hilf mich nicht verlasse! Mein Seel an meinem letzten End Befehl ich, Herr, in deine Händ, Du wollst sie mir bewahren! 2. Mein Sünd mich werden kränken sehr, Mein Gwissen wird mich nagen, Denn ihr sind viel, wie Sand am Meer, Doch will ich nicht verzagen; Gedenken will ich an dein Tod, Herr Jesu, und dein Wunden roth, Die werden mich erhalten. 3. Ich bin ein Glied an deinem Leib, Deß tröst ich mich von Herzen! Von dir ich ungeschieden bleib In Todesnoth und Schmerzen, Wenn ich gleich sterb, so sterb ich dir; Ein ewges Leben hast du mir Durch deinen Tod erworben. 4. Weil du vom Tod erstanden bist, Werd ich im Grab nicht bleiben, Mein höchster Trost dein Auffahrt ist, Todsfurcht kann sie vertreiben; Denn wo du bist, da komm ich hin, Daß ich stets bei dir leb und bin, Drum fahr ich hin mit Freuden. 5. So fahr ich hin zu Jesu Christ, Mein Arm thu ich ausstrecken; So schlaf ich ein und ruhe fein, Kein Mensch kann mich aufwecken, Denn Jesus Christus, Gottes Sohn, Der wird die Himmelsthür aufthun, Mich führn zum ewgen Leben. Nikolaus Hermann. 394. Ter weiß, wie nahe mir mein Ende! Hin geht die Zeit, her kommt der Tod. Ach, wie geschwinde und behende Kann kommen meine Todesnoth! 356 Die letzten Dinge. Mein Gott, ich bitt durch Christi Blut, Machs nur mit meinem Ende gut. 2. Gs. kann vor Nacht leicht anders werden, Als es am frühen Morgen war; Denn weil ich leb auf dieser Erden, Leb ich in steter Todsgefahr. Mein Gott, ich bitt durch Christi Blut, Machs nur mit meinem Ende gut. 3. Herr, lehr mich stets mein End bedenken, Und wenn ich einmal sterben muß, Die Seel in Jesu Wunden senken Und ja nicht sparen meine Buß. Mein Gott, ich bitt durch Christi Blut, Machs nur mit meinem Ende gut 4. Laß mich bei Zeit mein Haus bestellen, Daß ich bereit sei für und für Und sage frisch in allen Fällen: Herr, wie du willst, so schicks mit mir. Mein Gott, ich bitt durch Christi Blut, Machs nur mit meinem Ende gut. 5. Mach mir stets zuckersüß den Himmel Und gallenbitter diese Welt; Gieb, daß mir in dem Weltgetümmel Die Ewigkeit sei vorgestellt. Mein Gott, ich bitt durch Christi Blut, Machs nur mit meinem Ende gut. 6. Ach Vater, deck all meine Sünde Mit dem Verdienste Jesu zu, Darein ich mich festgläubig winde, Das giebt mir recht erwünschte Ruh. Mein Gott, ich bitt durch Christi Blut, Machs nur mit meinem Ende gut. 7. Ich weiß, in Jesu Blut und Wunden Hab ich mir recht und wohl gebett; Da sind ich Trost in Todesstunden Und alles, was ich gerne hätt. Mein Gott, ich bitt durch Christi Blut, Machs nur mit meinem Ende gut. 8. Nichts ist, das mich von Jesu scheide, Nichts, es fei Leben oder Tod; Ich leg die Hand in seine Seite Und sage: mein Herr und mein Gott! Mein Gott, ich bitt durch Christi Blut, Machs nur mit meinem Ende gut. 9. Ich habe Jesum angezogen Schon längst in meiner heilgen Tauf; Du bist mir auch daher gewogen, Hast mich zum Kind genommen auf. Mein Gott, ich bitt durch Christi Blut, Machs nur mit meinem Ende gut. Tod, Auferstehung, Gericht, Ewigkeit. 357 10. Ich habe Jesu Fleisch gegessen, Ich hab sein Blut getrunken hier; Nun kannst du meiner nicht vergessen, Ich bleib in ihm und er in mir. Mein Gott, ich bitt durch Christi Blut, Machs nur mit meinem Ende gut. 11. So komm mein End heut oder morgen, Ich weiß, daß mirs mit Sesu glückt. Ich bin und bleib in seinen Sorgen, Mit Jefu Blut schön ausgeschmückt. Mein Gott, ich bitt durch Christi Blut, Machs nur mit meinem Ende gut. 12. Ich leb indeß in dir vergnüget Und sterb ohn alle Kümmerniß, Mir gnüget, wie es mein Gott füget; Ich glaub und bin es ganz gewiß: Durch deine Gnad und Christi Blut Machst dus mit meinem Ende gut. Nemilie Juliane, Gräfin zu Schwarzburg- Rudolstadt. Weise: Ich hab mein Sach Gott heim gestellt. 395. ie fleugt dahin der Menschen Zeit, Wie eilet man zur Ewigkeit! Wie wenig denken an die Stund Von Herzensgrund, Wie schweigt hievon der träge Mund! 2. Das Leben ist gleich wie ein Traum,& in nichtes werther Wasserschaum; Im Augenblick es bald vergeht, Und nicht besteht, Gleichwie ihr dieses täglich seht. 3. Nur du, Jehova, bleibest mir Das, was du bist; ich traue dir. Laß Berg und Hügel fallen hin, Mir ist Gewinn, Wenn ich allein bei Jesu bin. 4. So lang ich in der Hütte wohn, Gi, lehre mich, o Gottessohn, Gieb, daß ich zähle meine Tag Und munter wach, Daß, eh ich sterb, ich sterben mag. 5. Was hilft die Welt in letter Noth? Lust, Ehr und Reichthum in dem Tod? O Mensch, du läufst dem Schatten zu; Bedenk es nu, Du kommst sonst nicht zur wahren Ruh. 6. Weg, Eitelkeit, der Thoren Lust! Mir ist das höchste Gut bewußt; Das such ich nur, das bleibet mir. O mein Begier, Herr Jesu, zeuch mein Herz nach dir. 358 Die letzten Dinge. 7. Was wird da sein, wenn ich dich seh Und bald vor deinem Throne steh? Du unterdessen lehre mich, daß stetig ich Mit flugem Herzen suche dich. Joachim Neander. Geistliche Volksweise. 396. Wie sie fo fanft ruhn, alle die Seligen, Von ihrer Arbeit, die sie in Gott gethan, Und ihre Werke folgen ihnen Nach in des ewigen Friedens Hütten. 2. Von ihren Augen wischt er die Thränen ab. Sie kommen freudig, bringen ihre Garben ein, Die weinend gingen, edlen Samen Trugen in Hoffnung, in Lieb und Glauben. 3. Wenn einst die Stimme wieder sie auferweckt, Des Menschensohnes, die durch die Gräber dringt, Dann wird, was irdisch und verweslich, Himmlisch und jugendlich auferstehen. 4. Preis, Ruhm und Ehre sei dir, o Gott, gebracht, Für deine Werke, die du an uns gethan, Daß, wie in Einem Alle sterben, Also in Einem sie wieder leben. 397. Wird das nicht Freude sein? Nach gläubigem Vertrauen Dort selbst den Heiland schauen In unserm Fleisch und Bein, Mit seinen holden Blicken Und Worten uns erquicken: Wird das nicht Freude sein? 2. Wird das nicht Freude sein? Wenn, was der Tod entnommen, Uns wird entgegen kommen Und jauchzend holen ein, Wenn man wird froh umfassen, Was thränend man verlassen: Wird das nicht Freude sein? 3. Wird das nicht Freude sein? Sehn untern Füßen liegen, Womit man hier muß kriegen, Gott dienen engelrein, Von Schmerzen, Leid, Verdrießen Nicht das Geringste wissen: Wird das nicht Freude sein? 4. Wird das nicht Freude sein? Was unaussprechlich, hören, Des Höchsten Lob vermehren, Mit Engeln stimmen Tod, Auferstehung, Gericht, Ewigkeit. 359 ein, Wenn sie mit süßem Klingen Ihr dreimal Heilig singen. Wird das nicht Freude sein? 5. O, das wird Freude sein! Weg, Güter dieser Erden, Ihr Ehren voll Beschwerden, Ihr Freuden auf den Schein! Gehabt euch wohl, ihr Lieben! Muß ich euch jetzt betrüben, Denkt: dort wird Freude sein! Christoph v. Schweinig. 398. To findet die Seele die Heimath, die Ruh? Wer deckt sie mit schüßenden Fittigen zu? Ach, bietet die Welt feine Freistatt mir an, Wo Sünde nicht kommen, nicht anfechten kann? Nein, nein, nein, nein, hier ist sie nicht; Die Heimath der Seele ist droben im Licht.:,: 2. Verlasse die Erde, die Heimath zu sehn, Die Heimath der Seele, so herrlich, so schön! Jerusalem droben, von Golde gebaut, Ist dieses die Heimath der Seele, die Braut? Ja, ja, ja, ja, dieses allein, Kann Ruhplatz und Heimath der Seele nur sein.:,: 3. Wie selig die Ruhe bei Jefu im Licht! Tod, Sünde und Schmerzen, die kennt man dort nicht. Das Rauschen der Harfen, der liebliche Klang Bewillkommt die Seele mit süßem Gesang. Ruh, Ruh, Ruh, Ruh, himmlische Ruh Im Schooße des Mittlers, ich eile dir zu!:,: 399. Es vergehen alle Zeiten, die uns bis ins Grab begleiten, Dann erfolgt die Gwigkeit; Gine Zeit und keine Zeit; Eine Zeit, die an wird fangen Und doch nicht zu End gelangen; Ist deswegen keine Zeit, Weil sie immer heißet heut. 2. Gwig bringet Angst und Schmerzen, Ewig donnert in dem Herzen und macht dem Gewissen bang; Ewig, ewig, währet lang. Zähle, lieber Mensch, zusammen An dem Himmel alle Flammen, Zähle aller Sternen Heer, Alle Tropfen in dem Meer; 3. Alle Perlen in den Thauen, Alle Blumen in den 360 Die letzten Dinge. Auen, Alle Blüthen an dem Klee, Alle Flocken in dem Schnee; Alles, was die Zahlen fassen, Will sich nicht vergleichen lassen Mit den Zeiten ohne Zeit, Die man nennt die Ewigkeit. 4. Ewig wird es wohl ergehen Denen, die dort wohl bestehen; Aber, welche gottlos sein, Werden ewig leiden Pein. Drum, o Mensch, steh ab von Sünden, Weil du noch kannst Gnade finden, Und gedenke allezeit An die ewge Ewigkeit. 400. Ewigkeit, o Ewigkeit! Wie lang bist du, o Ewigkeit! Doch eilt zu dir der Menschen Zeit, Gleichwie das Heerpferd zu dem Streit, Nach Haus der Bot, das Schiff zum Port, Der schnelle Pfeil zum Ziele fort. Betracht, o Mensch, die Ewigkeit! 2. Ewigkeit, o Ewigkeit! Wie lang bist du, o- Ewigkeit! Gleichwie an einer Kugel rund Kein Anfang und kein End ist fund, So auch, o Ewigkeit, an dir Blickt weder Ein- noch Ausgang für. Betracht, o Mensch, die Ewigkeit! 3. Ewigkeit, o Ewigkeit! Wie lang bist du, o Ewigfeit! Du bist ein Ning unendlich weit, Dein Mittelpunkt heißt Allezeit, Dein runder Umkreis Niemals heißt, Dieweil er nie kein Ende weist. Betracht, o Mensch, die Ewigkeit! 4. Ewigkeit, o Ewigkeit! Wie lang bist du, o Gwigkeit! Gs. trüge wohl ein Vögelein Weg aller Berge Sand und Stein, Wenns nur käm alle tausend Jahr: Du Ewigkeit bleibst immerdar. Betracht, o Mensch, die Ewigkeit! 5. Ewigkeit, o Ewigkeit! Wie lang bist du, o Ewigkeit! Mit jeder Augenblickesfrist. Die jemals schon gewesen ist, Vergleich viel tausend, tausend Zeit: Nichts gleichet sich der Ewigkeit. Betracht, o Mensch, die Gwigkeit! Tod, Auferstehung, Gericht, Ewigkeit. 361 6. Ewigkeit, o Ewigkeit! Wie lang bist du, o Ewigkeit! O Mensch, oft deine Sinnen stell, Zu denken an die Qual und Höll Und an der Frommen Herrlichkeit; Es währet beides ohne Zeit. Betracht, o Mensch, die Ewigkeit! 7. Ewigkeit, o Ewigkeit! Wie lang bist du, o Ewigkeit! Wie schrecklich bist du in der Pein, Wie lieblich in dem Freudenschein! Hier Gottes Güte noch erfreut, Dort schrecket die Gerechtigkeit. Betracht, o Mensch, die Gwigkeit! 8. Ewigkeit, o Ewigkeit! Wie lang bist du, o Ewigs feit! Der hier gelebet arm und bloß, Ruht ewig reich in Gottes Schooß; Er liebt und lobt das höchste Gut In vollem Trost und Freudenmuth. Betracht, o Mensch, die Ewigkeit! 9. Ewigkeit, o Ewigkeit! Wie lang bist du, o Ewigkeit! Ein Augenblick ist alle Freud, Dadurch man kommt in stetes Leid; Ein Augenblick ist alles Leid, Dadurch man kommt in stete Freud. Betracht, o Mensch, die Ewigkeit! 10. Ewigkeit, o Ewigkeit! Wie lang bist du, o Ewigkeit! Verständig ist, wer dich betracht, Des Fleisches Lust er leicht veracht; Bei ihm die Welt nicht Platz mehr findt, Die Lieb zum Eiteln bald verschwind. Betracht, o Mensch, die Ewigkeit! 11. Ewigkeit, o Ewigkeit! Wie lang bist du, o Ewigkeit! Ich, Ewigkeit, vermahne dich: O Mensch, gedenk nur oft an mich! Denn ich der Sünden Straf und Pein, Der Gotteslieb ein Lohn soll sein. Betracht, o Mensch, die Ewigkeit! Geistl. Liederbuch. 16 362 Liederdichter. Verzeichniß der Liederdichter. Aemilie Juliane, Gräfin von Schwarzburg- Rudolstadt, geb. 19. August 1637, gest. 2. Dezember 1706. Sie hat 587 Lieder gedichtet. Nr. 164. 255. 394. Albert, Heinrich, geb. 28. Juni 1604 zu Lobenstein, Organist am Dom zu Königsberg, ein Freund von Simon Dach, deffen Lieder er in Musik gesetzt hat; gest. 6. Oct. 1668. Nr. 278. 316. Alberus, Erasmus, Sohn eines Lehrers in der Wetterau, Freund Luthers und Beförderer der Reformation, war nach mehreren Pfarrämtern Pastor in Magdeburg und starb als Superintendent zu Neu- Brandenburg 5. Mai 1553. Nr. 78. 282. 290. Albinus, Johann Georg, geb. 6. März 1624, Sohn des Pastors zu Unternessa bei Weißenfels. Rector an der Domschule zu Naumburg, dann Pastor an der Othmarskirche, dort ist sein Leichenstein, er starb 25. Mai 1679. Nr. 186. 372. Albrecht, Markgraf zu Brandenburg Culmbach, geb. 28. März 1522 zu Ansbach, ein tapferer Krieger, bestieg sein Schlachtroß stets mit dem Vers: ,, Das walte der Herr Jesus Christ, Mit dem Vater, der über uns ist! Wer stärker ist als dieser Mann, Der komm und thu ein Leid mir an." Er starb nach einem unruhigen Kriegsleben als ein gläubiger Christ 8. Januar 1557 zu Pforzheim bei dem Markgrafen Karl von Baden. Nr. 366. Allendors, Johann Ludwig Konrad, geb. 9. Februar 1693, Sohn des Pastors zu Josbach bei Marburg. 1726 Lutherischer Hofprediger in Köthen; 1750 Pastor in Wernigerode, 1759 Pastor an der Ulrichskirche in Halle, starb dort 5. Juni 1773. Nr. 86. 207. 390. Liederdichter. 363 Altenburg, Michael, geb. 1583 zu Tröchtelborn bei Gotha, bekleidete unter den Drangsalen des 30jährigen Krieges mehrere Pfarrstellen und starb 12. Februar 1640 als Pastor an der Andreaskirche zu Erfurt. Nr. 108. Ammersbach, gest. 1691. Nr. 71.( Bon andern wird dieses Lied dem Benjamin Prätorius zugeschrieben.) Angelus Silefius( eigentlich Johann Scheffler), geb. 1624 zu Breslau, war zuerst Leib- Arzt des Herzogs von Würtemberg- Dels, wurde 1653 katholisch und Rath des Bischofs von Breslau, geft. daselbst 9. Juli 1677. Seine Lieder haben evangelischen Geist. Nr. 38. 49. 203. 204. 213. 216. 222. 224. 230. 236. Anna Sophie, Landgräfin zu Hessen- Darmstadt, geb. 17. Dezember 1638, gest. 13. Dezember 1683 als Aebtissin zu Quedlinburg. Nr. 153. Anton Ulrich, Herzog von Braunschweig, geb. 4. October 1633 zu Hißacker, regierte zuerst mit seinem Bruder Rudolf August zusammen( 1685-1704), bann allein, gest. 27. März 1714 zu Salzdahlum. Nr. 171. Arends, Wilhelm Grasmus, geb. bei Halberstadt, geft. 1721 als Pastor an der Peter- Pauls- Kirche zu Halberstadt. Nr. 340. Arnold, Gottfried, geb. 5. September 1666 zu Annaberg im Erzgebirge, Professor der Theologie in Gießen, lebte eine Zeit lang zurückgezogen in Quedlinburg, bekleidete dann unter mancherlei Anfechtungen das Pfarramt zu Altstädt 1700, zu Wabern 1705, zu Perleberg 1707, wo er 30. Mai 1714 starb. Nr. 337. 338. Backmeister, Lucas, geb. 1578, gest. 12. October 1638 als Superintendent zu Güstrow in Mecklenburg. Nr. 218. Sarth, Christian Gottlob, geb. 31. Juli 1799 zu Stuttgart, 1824 Pfarrer zu Möttlingen bei Calw am Schwarzwald, seit 1838 Privatmann in Calw, um ganz als Schrifts steller, als Vorsteher des Calwer Bücher- Vereins, des Missionsvereins und für andere gesegnete Arbeiten zu leben, gest. 12. November 1862. Nr. 136. 16* 364 Liederdichter. Becker, Cornelius, geb. 24. October 1561 zu Leipzig, als Professor und Pastor daselbst geft. 1604? Er bearbeitete die Psalmen zu Kirchenliedern. Nr. 160. 308. von Birken, Sigismund( auch Betulius genannt), geb. 25. April 1626, Sohn des Pastors zu Wildenstein bei Eger, verlor im 16. Jahre zu Nürnberg seine 1629 wegen des evangelischen Glaubens aus der Heimath vertriebenen Eltern, studirte 1643 zu Jena die Rechtswissenschaft, war Erzieher in mehreren fürstlichen Häusern, zulept theils in Nürnberg, theils in Baireuth Vorsteher des Dichterordens der„ Pegnißschäfer"; gest. 12. Juli 1681. Nr. 43. 215. 334. Böhme, Martin( auch Behemb), geb. 16. September 1557 zu Lauban; 1580 Pastor daselbst, 1584 in Breslau, gest. 5. Februar 1622; gab 150 Passionspredigten mit Reimgebeten heraus. Nr. 34. 281. v. Bogazky, Karl Heinrich, auf dem Gute Jankowa in Schlesien geboren, obgleich von seinem Vater, einem kaiserlichen Oberstlieutenant, zum Soldaten bestimmt, studirte er zuerst Rechtswissenschaft in Jena, dann Theologie in Halle 1716 1718; innig befreundet mit August Hermann Francke, zog später 1746 als Witwer ins Waisenhaus; gest. 15. Juni 1774. Von seinen segensreichen Schriften ist am bekanntesten das Schatzkästlein. Nr. 145. Claudius, Matthias( ,, der Wandsbecker Bote" genannt), geb. 15. August 1743 zu Reinfeld in Holstein, lebte als Bankrevisor zu Wandsbeck; als Volksschriftsteller bezeugte er mitten in der Aufklärungszeit treu das Evangelium; gest. 21. Jan. 1815. Nr. 292. Clausnißer, Tobias, geb. 1619 zu Thum bei Annaberg, war 1644 schwedischer Feldprediger unter General Wrangel, geft. 7. Mai 1684 als Pastor zu Weyden in der Pfalz. Nr. 152. Craffelius, Bartholomäus, geb. 21. Februar 1677 zu Wernsdorf bei Glauchau, gest. 10. November 1724 als Pastor zu Düsseldorf. Nr. 101. 246. 327. Liederdichter. 365 Decius, Nikolaus, Propst des Klosters Steterburg bei Wolfenbüttel, trat gleich anfangs zur Reformation über, ward Lehrer zu Braunschweig, 1524 Pastor zu Stettin, gest. 1529. Ein Meister im Harfenspiel. Nr. 98. Denicke, David, geb. 31. Januar 1603 zu Zittau, Erzieher der beiden Söhne des Herzogs Georg von Braunschweig- Lüneburg, 1642 Konsistorialrath zu Hannover, gest. 1. April 1680. Nr. 155. Dessler, Wolfgang Christoph, geb. 11. Febr. 1660zu Nürnberg, erlernte zuerst bei seinem Vater die Goldschmiedekunst, wandte sich aber wegen Kränklichkeit zum Studium der Theologie, ward Conrector in Nürnberg, durch einen Schlagfluß gelähmt, arbeitete er als Schriftsteller unter häufigen Körperschmerzen; gest. 11. März 1722. Nr. 196. 242. Drese, Adam, geb. 1630 in Thüringen(?), lebte als Musiker an mehreren fürstlichen Höfen, zuletzt in Arnstadt, ward im 50. Jahre durch das Lesen von Speners Schriften von einem weltförmigen Leben bekehrt; gest. 1718. Nr. 233. von Diepenbrock, Melchior, geb. 6. Januar 1798 zu Bocholt bei Münster, focht als Reiteroffizier in den Freiheitsfriegen, studirte dann Theologie unter Sailers Einfluß, Domherr zu Regensburg, seit 1845 Fürstbischof von Breslau, gest. 19. Januar 1853. Besonders bekannt durch treffliche Ueberseßungen alter und neuer geistlicher Lieder aus fremden Sprachen(, geistlicher Blumenstrauß aus christlichen Dichtergårten"). Nr. 47. Eber, Paul, geb. 8. November 1511 zu Kizingen, aus dem Handwerkerstande; Professor zu Wittenberg, naher Freund Luthers und Melanchthons, seit 1558 Stadtpfarrer dafelbst und Generalsuperintendent des Churfürstenthums Sachsen, gest. 10. Dezember 1569, nicht lange nach dem Altenburger Religionsgespräch. Nr. 114. 253. 317. Fabricius, Jakob, geb. 1593 in' Pommern, Feldprediger unter Gustav Adolf, nach dessen Tode Professor und Generalsuperintendent zu Stettin, gest. 1654. Nr. 131. 366 Liederdichter. Falckner, Justus, geb. in Zwickau; um 1700 deutscher Pastor in Newyork, gest. daselbst um 1724. Nr. 319. Flemming, Paul, geb. 1606, Sohn des Pastors zu Hartenstein an der Mulde, studirte in Leipzig Medizin, ging mit einer Gesandtschaft des Herzogs Friedrich von Holstein nach Moskau; dann mit einer zweiten nach Persien; wollte sich in Hamburg als Arzt niederlassen, starb aber plößlich am 2. April 1640. Zu jener ersten Reiſe bereitete er sich durch das Lied vor:„ In allen meinen Thaten". Nr. 355. Flittner, Johann, geb. 1. November 1618 in Suhl, ward 1646 Diaconus in Greifswald, floh im Kriege 1676 nach Stralsund; gest. 7. Januar 1678. Nr. 176. Förtsch, Basilius, geb. zu Roßla, Rektor in Kahla bei Jena, dann Pastor in Gumperdà bei Orlamünde, gest. um 1620. Nr. 167. Franck, Johann, geb. 1. Juni 1618 zu Guben, studirte in Königsberg, durch Simon Dach für die Dichtkunst begeistert; ward 1648 Rechtsanwalt in seiner Baterstadt und 1661 Bürgermeister; gest. 18. Juni 1677. Einer der begabtesten geistlichen Liederdichter. Nr. 82. 109. 170. 180. 217. 254. 376. Franck, Melchior, geb. um 1580 zu Zittau, studirte Musik in Nürnberg, ward 1604 herzoglicher Kapellmeister in Coburg, gest. 1. Juni 1639. Er setzte Meyfarts Lieder in Musik. Nr. 76. Franch, Michael, geb. 16. März 1609 zu Schleusingen; früh verwaist und verarmt wurde er Bäcker, dann nach manchen Kriegsdrangfalen 1644 Lehrer in Coburg; gest. 24. September 1667. Nr. 371. 375. Franck, Salomon, geb. 6. März 1669 zu Weimar, Consistorialsecretär daselbst, gest. 11. Juni 1725. Nr. 56. Freplinghaufen, Johann Anastasius, geb. 2. Dezember 1670 zu Gandersheim; Schwiegersohn und Gehilfe und dann Nachfolger von August Hermann Francke in Halle; gest. 12. Februar 1739. Gr hat ein viel verbreitetes Gesangbuch herausgegeben. Nr. 240. 293. Liederdichter. 367 Freystein, Johann Burchard, Hof- und Justizrath zu Dresden, gest. 1720. Nr. 250. Fricker, Johann Ludwig, geb. 14. Juni 1729 zu Stuttgart, vielseitig gebildet als Theolog, Musiker und Mathematiker, nach vielen Reisen als Erzieher ward er zu Dettingen 1762 Diaconus, 1764 Pastor, gest. 13. September 1766. Nr. 142. Gellert, Christian Fürchtegott, geb. 4. Juli 1715 zu Haynichen im Erzgebirge, wo sein Vater 50 Jahre lang Pastor war; lebte als Professor der Philosophie in Leipzig, durch einen frommen und treuen Christenwandel ausgezeichnet. Nr. 267. 268. Gerhardt, Paul, geb. 1606, Sohn des Bürgermeisters zu Gräfenhaynichen; unter den Drangsalen des 30jährigen Krieges lange an einer Anstellung verhindert, wurde er erst 1651( 45 Jahr alt) Pastor zu Mittenwalde, dann 1657 vom Magistrat in Berlin als Diaconus an die Nicolai- Kirche berufen, wo er in großem Segen wirkte. Weil er als fester Lutheraner sich einem Edikt des großen Kurfürsten, das die Freiheit der Predigt beschränkte, nicht fügen konnte, wurde er 1667 abgesetzt und nachdem er über Jahr und Tag von seinen treuen Gemeindegliedern erhalten war, durch den Herzog von Merseburg nach Lübben berufen; gest. 7. Juli 1676. Der gesegnetste geistliche Liederdichter, dessen Lieder in die meisten Gesangbücher übergegangen sind; besonders zeugen ſeine Trostlieder von reicher innerer Erfahrung. Er war ein treuer Freund des alten Feldmarschalls Derfflinger. Nr. 9. 10. 15. 18. 21. 27. 32. 39. 50. 53. 55. 60, 70. 92. 97. 156. 194. 227. 256. 261. 266. 274. 283. 300. 315. 318. 343. 349. 351. 360. 363. 381. Gesenius, Justus, geb. 6. Juli 1601, Sohn des Pastors zu Esbeck in Hannover, ward 1629 Pastor zu Braunschweig, 1636 Hosprediger zu Hildesheim, dann Generalſuperintendent zu Hannover, gest. 18. September 1691. Nr. 57. 69. 368 Liederdichter. Gefius, Bartholomäus, um 1601, Kantor zu Frankfurt a. Oder. Nr. 65. Gotter, Ludwig Andreas, geb. 26. Mai 1661 zu Gotha, lebte als Hofrath daselbst; gest. 19. September 1735. Nr. 328. Gregor, Christian, geb. 1. Januar 1723 zu Diesdorf in Schlesten von armen Bauersleuten; vom Grafen Pfeil erzogen, trat er 1742 in die Brüdergemeinde und ward endlich als Spangenbergs Nachfolger 1789 Bischof der Brüdergemeinde, gest. 6. November 1801. Er war ein trefflicher Orgelspieler. Nr. 202. Groß, Johann( auch Major genannt) geb. 26. Dezember 1564 zu Reinstadt bei Jena, 1592 Diaconus in Weimar, dann Professor und Superintendent in Jena, gest. 4. Januar 1654. Nr. 175 V. 7-10. Günther, Cyriacus, geb. 1649 zu Goldbach bei Gotha, Lehrer am Gymnasium zu Gotha, gest. 1704. Nr. 210. Hagius, Peter, 1602 Rector in Königsberg, dann Gräflich Erbachscher Rath zu Breuberg; gest. 13. August 1620. Nr. 105. v. Hapn, Henriette Luise, geb. 22. Mai 1724 zu Idstein bei Frankfurt a. M., trat als Jungfrau in die Brüdergemeinde und diente ihr treu bis an ihr Ende; gest. 27. August 1782 zu Herrnhut. Nr. 236. Heerman, Johann, geb. 11. October 1585 zu Raudten in Schlesien, in Armuth erzogen, von Valerius Herberger auf der Schule zu Fraustadt unterstützt; seit 1611 Pastor zu Köben a. d. Oder; hatte viel von Kränklichkeit und von den Greueln des 30jährigen Krieges zu leiden, entging durch Gottes wunderbare Hilfe mehrmals der Todesgefahr von Feindeshand und von den Fluthen der Oder, gest. 17. Februar 1647. Ein besonders begabter Dichter, der gegen 400 Lieder gedichtet hat. Nr. 64. 103. 107. 134. 143. 166. 169. 179. 185. 187. 228. 288. 310. 380. Held, Heinrich, aus Guhrau in Schlesien, geft. daselbst als Rechtsanwalt 1643. Nr. 2. Liederdichter. 369 Helmbold, Ludwig, geb. 13. Januar 1532 zu Mühlhausen in Thüringen, Rector daselbst, dann Conrector in Erfurt, ging, durch die Katholischen vertrieben, wieder nach Mühlhausen, ward Diaconus und 1586 Superintendent, gest. 7. April 1598. Nr. 113. 148. 263. 362. Hensel, Luise, geb. 30. März 1798 zu Linum in der Mark Brandenburg, verlebte ihre Jugend in Berlin, Lehrerin in Aachen, dann in Köln; gest. 1877. Nr. 220. 299. Herberger, Valerius, geb. 21. April 1562 zu Fraustadt, in Armuth aufgewachsen, feit 1584 Diaconus dann Pastor daselbst, einer der gesegnetsten lutherischen Prediger; in Verfolgung durch die Katholiken und in der Noth der Pest bewährt; gest. 18. Mai 1627. Seine„ Herzpostille" ist noch jetzt weit verbreitet. Nr. 391. Hermann, Nicolaus, der alte Kantor zu Joachimsthal," treuer Freund seines Pastors Johann Matthesius, dessen Predigten er oft zu geistlichen Liedern verarbeitete; gest. in hohem Alter 3. Mai 1561. Nr. 22. 36. 63. 275. 297. 309. 393. Hermes, Johann Timotheus, geb. 31. Mai 1738 zu Velznik in Pommern, Lehrer an der Ritteracademie zu Brandenburg, Feldprediger zu Lüben in Schlesien, Hof prediger in Köthen, zuletzt Professor und Oberconsistorialrath in Breslau; gest. 24. Juli 1821. Nr. 383. Herrnschmidt, Johann Daniel, geb. 11. April 1675 zu Bopfingen in Schwaben, studirte in Halle unter Aug. Herm. Francke, ward Pastor in seinem Heimathsort, 1712 Superintendent zu Idstein in Nassau, 1715 Professor in Halle und Subdirector der Franckeschen Stiftungen; gest. 5. Februar 1723. Mr. 258. 352. Herzog, Johann Friedrich, geb. 5. Juni 1647 zu Dresden, gest. als Rechtsanwalt daselbst 21. März 1699. Nr. 301. Heffe, Johann, geb. 23. September 1490 in Nürnberg, Pastor daselbst, nachher in Breslau; gest. 6. Januar 1547. Nr. 389. 16** 370 Liederdichter. Hiller, Philipp Friedrich, geb. 6. Januar 1699 zu Mühlhausen in Würtemberg, gest. als Pastor zu Steinheim 24. April 1769. Nr. 197. 245. 251. Homburg, Ernst Christoph, geb. 1605 zu Mihla bei Gisenach, Rechtsanwalt in Naumburg, gest. 21. Juni 1681. Nr. 44. 74. Kepmann, Christian, geb. 27. Februar 1607 zu Pankraz in Böhmen, 1638 Rector zu Zittau; gest. 13. Januar 1662. Nr. 14. 223. Klesel, Abraham, geb. 1636 zu Fraustadt, Pastor in Jauer, gest. 1702. Nr. 54. Klopstock, Friedrich Gottlieb, geb. 2. Juli 1724 zu Quedlinburg, lebte in Kopenhagen, seit 1770 in Hamburg, berühmt als geistlicher Dichter durch seine Oden, besonders durch die Messtade", ein großes Gedicht in 24 Gesängen vom Leben des Heilandes; gest. 14. März 1803. Nr. 373. " 1 Knak, Gustav Friedrich Ludwig, geb. 12. Juli 1806 zu Berlin, zuerst Pastor zu Wusteriz in Pommern, dann in langjähriger gesegneter Wirksamkeit in Berlin an der böhmischen lutherischen Gemeinde, gest. 1878. Nr. 312. 386. Knapp, Albert, geb. 25. Juli 1798 in Tübingen, naher Freund des früh verstorbenen Ludwig Hofacker, 1825 Pastor in Holzhausen, 1831 in Kirchhein, seit 1836 in Stuttgart, durch viele eigene geistliche Lieder und durch seinen Einfluß auf die Wiedererweckung des Sinnes für die Herrlichkeit der alten Kirchenlieder bekannt; sammelte 3590 Lieder in seinem ,, Evangelischen Liederschatz für Kirche und Haus" 1837, gest. 1864. Nr. 40. 137. 140. 144. 146. Kohlros, Johann, Professor in Basel, gest. 1558. Nr. 344. Koitsch, Christian Jakob, geb. zu Meißen, Inspector des Pädagogiums zu Halle 1700-1705, Rector des Gymnasiums zu Elbing, gest. 1735. Nr. 230. Kramer, Mauritius, geb. 1646 in Holstein, gest. 1702. Nr. 84. Krause, Jonathan, geb. 5. April 1701 zu Hirschberg, zuerst in Bolgsen, 1733 Diaconus in Probsthayn, seit Liederdichter. 1739 Pastor in Liegniß. Freund von Benj. Schmolck. Nr. 116. 371 Krummacher, Friedrich Adolf, geb. 13. Juli 1768 zu Tecklenburg in Westfalen; nachdem er als Conrector in Hamm, Gymnasialrector in Mörs, Professor in Duisburg, Prediger in Crefeld und in Kettwich gewesen, ward er 1812 Superintendent in Bernburg und 1824 Hauptpastor an St. Ansgarii in Bremen; durch viele theologische Schriften, besonders durch seine christlichen Parabeln bekannt; gest. 4. April 1845. Nr. 139. Kunth, Johann Sigismund, geb. 5. October 1700 zu Liegniß, gest. 1779 als Superintendent zu Baireuth. Nr. 379. Laurenti, Laurentius, geb. 8. Juni 1660 zu Husum in Schleswig; 1684 Musikdirector und Kantor am Dom zu Bremen, gest. 29. Mai 1722. Nr. 72. 90. 106. 112. 183. 364. 377. Lehr, Leopold Franz Friedrich, geb. 3. September 1709 zu Kronenberg bei Frankfurt a. M., 1731 fürstlicher Erzieher zu Köthen, 1740 Diaconus daselbst, gest. 26. Januar 1744. Nr. 195. Lindemann, Johann, ein Nachkomme Luthers, Kantor zu Gotha; gest. um 1630. Nr. 221. Liskov, Salomon, geb. 25. October 1640, gest. 5. Dezember 1689 als Diaconus zu Wurzen. Nr. 173. 231. von Löwenstern, Matthäus Apelles, geb. 20. April 1594 zu Neustadt im ehemaligen Fürstenthum Oppeln, stieg durch seine Talente aus niederem Stande empor, ward Musikdirector, trat in den Dienst der Kaiser Ferdinand II. und III., geft. 11. April 1648 als Staatsrath des Herzogs Karl Friedrich zu Münsterberg und Dels. Nr. 124. 141. Ludämilie Elisabeth, Gräfin von Schwarzburg- Rudolstadt, geb. 7. April 1640, durch Frömmigkeit und Gelehrsamkeit ausgezeichnet, starb jung als Braut an demselben Tage mit ihrer jüngeren Schwester 12. März 1672. Nr. 81. 219. Liederdichter. Luise Henriette, Kurfürstin von Brandenburg, geb. 17. November 1617 zu Gravenhaag in Holland, am 7. Dezember 1646 vermählt mit dem großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm; eine fromme Fürstin, legte viele Schulen an, auch das große Waisenhaus zu Oranienbaum, ihrem Lieblingssige; veranstaltete die Herausgabe eines evangelischen Gesangbuchs; gest. 18. Juni 1667 zu Berlin, nach einem bewegten prüfungsreichen Leben. Nr. 182. 385. 372 Luther, Dr. Martin, geb. 10. November 1483 zu Gis leben, Sohn des Bergmanns Hans Luther und der Margarethe, geb. Lindemann, beſuchte die Schulen zu Mansfeld, Magdeburg und Eisenach, ging 1501 auf die Universität Erfurt, am 17. Juli 1505 ins Augustinerkloster daselbst, ward 1508 Profesfor zu Wittenberg, reiste 1510 im Auftrage seines Ordens nach Rom, ward 1512 Doctor der heiligen Schrift, schlug durch Tegels Ablaßkram veranlaßt am 31. October 1517 die 95 Säße gegen den Ablaß an die Thür der Schloßkirche zu Wittenberg, welche schnell durch ganz Deutschland bekannt wurden, vertheidigte sich muthig auf dem Reichstage zu Worms 1521, ward auf Befehl des Kurfürsten Friedrichs des Weisen auf die Wartburg in Sicherheit gebracht, wo er die Bibelübersetzung anfing, kehrte nach 10 monatlichem Aufenthalt 3. März 1522 nach Wittenberg zurück und führte nun das Werk der Kirchenverbesserung weiter, visitirte Kirchen und Schulen, verfaßte 1528 den kleinen, 1529 den großen Katechismus, blieb während der Uebergabe der Augsburgschen Confession 1530 in Coburg und dichtete: ,, Ein feste Burg ist unser Gott". Durch Wort und Schrift wirkte er mit reichem Segen in den weitesten Kreisen und hatte einen heilsamen Einfluß auf alle Verhältnisse seines Vaterlandes. Wie er dem deutschen Volke die deutsche Bibel gab, so gab er auch den ersten Anstoß zum Gesangbuche, indem er theils altfirchliche Lieder umdichtete, theils eigene verfaßte und sie mit schönen Weisen versah. Er starb auf einer Reise zur Friedensstiftung zwischen den Mansfelder Grafen am 18. Februar 1546 zu Eisleben. Nr. 16. 26. 87. 88. 91. 99. Liederdichter. 373 102. 110. 125. 126. 127. 129. 132. 157. 168. 172. 178. 198. 252. 345. 388. Matthesius, Johann, geb. 24. Juni 1504 zu Rochlitz bei Meissen. 1531-1540 Rector zu Joachimsthal in. Böhmen, ging nach einem Jahr auf die Universität Wittenberg, war Luthers naher Freund, 1541 Pastor in Joachimsthal, starb nach segensreicher Wirksamkeit am Schlagfluß auf der Kanzel 8. October 1565. Nr. 270. 307. Menzer, Johann, geb. 27. Juli 1658 in der Oberlausty, 1691 Pastor in Merzdorf, 1693 in Hauswalde, 1696 in Kemniß bei Bernstadt, Zinzendorfs Freund, gest. 24. Febr. 1734. Nr. 264. 341. von Meyer, Johann Friedrich, geb. 12. September 1772 in Frankfurt a. M., bekleidete die höchsten weltlichen Aemter in seiner Vaterstadt, ein Hauptbeförderer des neuerwachten Glaubenslebens, Verfasser vieler theologischer Schriften( Uebersetzung und Erklärung der Bibel; Inbegriff der christlichen Glaubenslehre; Blätter für höhere Wahrheit u. a.), gest. 28. Januar 1849. Nr. 135. Meyfart, Johann Matthäus, geb. 9. November 1590 in Thüringen, führt unter den Kriegsdrangsalen ein bewegtes Leben als Professor in Jena, Rector in Coburg, seit 1633 Professor und Pastor in Erfurt; gest. 26. Januar 1642. Nr. 384. Moller, Martin, geb. 10. November 1547, Sohn eines Maurers zu Kropstedt bei Wittenberg, bekleidete mehrere Pfarrämter, seit 1600 zu Görlig, gab ein reich gesegnetes Predigtbuch( Praxis evangelica) heraus, zuletzt erblindet, gest. 2. März 1606. Nr. 229. Uachtenhöfer, Kaspar Friedrich, geb. 5. März 1624 zu Halle; Pastor in Coburg; gest. 23. November 1685. Nr. 12. 20. Neander, Joachim, geb. 1640 zu Bremen; nach seiner Bekehrung ein Freund Speners in Frankfurt, 1674 Rector in Düsseldorf, wegen seines Glaubens vielfach angefeindet, wurde er nach längerem brotlosen Umherirren noch ein Jahr Pastor in Bremen; gest. 31. Mai 1680. Der bes Liederdichter. deutendste Dichter der reformirten Kirche. Nr. 89. 209. 234. 257. 269. 294. 356. 395. 374 Neumann, Caspar, geb. 14. September 1648 zu Breslau, sächsischer Prinzenerzieher, Hosprediger zu Altenburg, seit 1678 Professor und Pastor zu Breslau, gest. 27. Januar 1715. Nr. 121. 296. Neumark, Georg, geb. 16. März 1621 zu Mühlhausen, studirte in Königsberg die Rechtswissenschaft, ward nach mancherlei Nöthen in Hamburg Secretair der schwedischen Gesandtschaft, zulegt Bibliothekar in Weimar, gest. 8. Juli 1681. Nr. 367. Neumeister, Erdmann, geb. 12. Mai 1671 in Uechteriz bei Weißenfels, 1696 Pastor in Bibra und an einigen anderen Orten, seit 1715 in Hamburg; gest. 18. August 1756. Nr. 33. 161. 193. Neunherz, Johann, geb. 16. August 1653 zu Schmiedeberg in Schlesien, nach mehreren Pfarrämtern in Schlesien 1709 Oberpfarrer zu Hirschberg, gest. 26. Nov. 1737. Nr. 158. Neuss, Heinrich Georg, geb. 11. März 1654 zu Elbingerode im Harz; 1684 Rector zu Blankenburg, 1690 Diaconus zu Wolfenbüttel, 1692 Reiseprediger des Herzogs Rudolf August zu Braunschweig, 1696 Superintendent zu Wernigerode, gest. 30. September 1716. Nr. 188. 321. Nicolai, Philipp, geb. 10. August 1556 zu Mengeringhausen in Waldeck; nach mehreren Pfarrämtern 1596 Pastor zu Unna in Westfalen, dort hielt er treu in der schrecklichen Pest 1697 aus, verfaßte die Schrift: ,, Freudenspiegel des ewigen Lebens", seit 1601 Pastor an der Katharinenkirche in Hamburg; gest. 26. October 1608. Nr. 241. 392. Novalis sein eigentlicher Name: Friedrich von Hardenberg, geb. 2. Mai 1772 auf dem Familiengute Oberwiederstedt bei Mansfeld, studirte Rechtswissenschaft, starb jung als Assessor in Weißenfels 25. März 1801. Nr. 67, 237. 239. - Liederdichter. 375 Olearius, Johann, geb. 17. September 1611 zu Halle, Superintendent zu Weißenfels, gest. 14. April 1684. Nr. 7. 42. 100. 104. 115. 150. 295. Pauli, Joachim, soll um 1660 Pastor in Berlin gewesen sein. Nr. 133. Petrus Dresdenfis aus Meißen, ward 1412 als ein Anhänger von Johann Huß aus Dresden ausgewiesen, zuletzt Rector in Zwickau, gest. 1440. Der erste Deutsche, der schon vor der Reformation deutsche Lieder in die Kirchen einzuführen sich bemühete. Nr. 23. von Pfeil, Christoph Karl Ludwig, geb. 20. Januar 1712 zu Grünstadt, bewährte seine Frömmigkeit in hohen Staatsämtern in Würtemberg; gest. 14. Februar 1784 als preußischer Geheimrath auf seinem Gute Deufstetten bei Anspach. Nr. 244. 346. Poliander( Graumann) Johann, geb. 4. Juli 1487 zu Neustadt in Baiern, als Rector der Thomasschule zu Leipzig war er bei dem Religionsgespräch zwischen Luther und Eck als Schreiber Eck's, wandte sich der Reformation zu, gab sein Amt auf und ward durch Luthers Vermittelung 1525 vom Herzog Albrecht von Preußen als Pastor in Königsberg angestellt, wo er mit Paul Speratus das Reformationswerk in Preußen leitete; gest. 29. April 1541. Nr. 262. Prätorius, Benjamin, aus Weißenfels, lebte um 1660 als Pastor zu Großlissa bei Delitzsch. Nr. 304. Rambach, Johann Jakob, geb. 24. Februar 1693 zu Halle; nach armer Jugend ward er Professor und Pastor in Halle 1723; seit 1731 in Gießen, gest. 19. April 1735. Nr. 30. 96. 159. 313. Reimann, Georg, ein Schlesier, gest. 1615 als kaiſerlicher Rath. Nr. 111. Reißner, Adam, geb. 1471; Schüler des gelehrten Reuchlin, Erzieher der Söhne des Feldhauptmanns Georg von Frundsberg, als Geheimschreiber mit ihm im italienischen Kriege 1526-1530 bei der Erstürmung von 376 Liederdichter. Rom. Später Privatmann zu Frankfurt a. M. geft. 1562. Nr. 249. Richter, Christian Friedrich, geb. 1676 zu Sorau, ein frommer Arzt am Halleschen Waisenhause, A. H. Franckes Freund; starb jung 5. October 1711. Nr. 24. 279. 323. 324. 325. Ringwaldt, Bartholomäus, geb. 1530 zu Frankfurt a. O., Pastor zu Langfeld bei Sonnenburg; gest. um 1598. Nr. 165. 184. Kinkart, Martin, geb. 23. April 1586 zu Eilenburg, besonders für Musik begabt, 1610 Kantor, 1611 Diaconus in Eisleben, 1613 Pastor in Erdeborn bei Eisleben, 1617 in Eilenburg, trug die Drangsale des ganzen 30 jährigen Krieges mit seiner Gemeinde als ein treuer Hirt, 1637 Pest, 1638 Hungersnoth, häufige Brandschaßungen durch die Soldaten, besang den Frieden 1648; gest. 8. Dezember 1649. Nr. 260. Rist, Johann, geb. 8. März 1607, Sohn des Pastors zu Pinneberg in Holstein; nach fleißigem Studium in Hamburg und Bremen und vielen Reisen Pastor zu Wedel an der Elbe, einer der berühmtesten Dichter seiner Zeit; gest. 31. August 1667. Nr. 1. 52. 174. 259. Roberthin, Robert, geb. 1600 zu Königsberg, gest. das selbst 1648, als Brandenburgischer Regierungsrath, Gönner des Simon Dach. Nr. 314. Rodigast, Samuel, geb. 19. October 1649 zu Gröben bei Jena, Rector am Gymnasium zum grauen Kloster zu Berlin, gest. 19. März 1708. Nr. 365. von Rosenroth, Christian Knorr, geb. 15. Juli 1636 zu Altrauden in Schlesten. Minister des Pfalzgrafen Christian August zu Sulzbach, gest. 4. Mai 1689. Nr. 280. Rothe, Johann Andreas, geb. 12. Mai 1688 zu Liſsa bei Görlig, von Graf Zinzendorf als Pastor nach Berthelsdorf berufen 1722, später Pastor zu Hermsdorf, zuletzt zu Thommendorf bei Bunzlau, gest. 6. Juli 1758. Nr. 192. Ruopp, Johann Friedrich, Pastor zu Gottesweiler bei Straßburg, dann zu Halle, gest. 26. Mai 1708. Nr. 322. Liederdichter. Rutilius, Martin, geb. 1550 zu Düben, Archidiaconus zu Weimar, gest. 18. Januar 1618. Nr. 175, V. 1-6. Sacer, Gottfried Wilhelm, geb. 11. Juli 1635 zu Naumburg, ein gelehrter und frommer Mann, 1690 Kammerconsulent in Wolfenbüttel, geft. 8. September 1699. Nr. 77. 377 Schade, Johann Caspar, geb. 13. Januar 1666 zu Kühndorf in Thüringen, früh verwaist, durch A. H. Francke in Halle bekehrt 1685, 1691 Diaconus an der Nicolaikirche zu Berlin, Speners Kollege, predigte mit jugendlichem Eifer, starb schon 25. Juli 1698. Nr. 347. 358. Schalling, Martin, geb. 21. April 1532 zu Straßburg; Schüler Melanchthons, nach vielen Mißhelligkeiten in den Lehrstreitigkeiten endlich Pastor zu Nürnberg feit 1585; gest. 29. Dezember 1608. Nr. 212. Schenk, Hartmann, geb. 7. April 1634 zu Ruhla bei Eisenach, Diaconus zu Ostheim, gest. 2. Mai 1681. Nr. 119. von Schenkendorf, Mar, geb. 11. Dezember 1784 zu Tilsit, Referendar zu Königsberg, zog mit in die Freiheitsfriege, ward 1816 Regierungsrath in Coblenz, starb schon 11. Dezember 1817. Neben seinen allbekannten Vaterlandsliedern dichtete er auch manche geistliche. Nr. 68. Schirmer, Michael, geb. 1606 zu Leipzig, 1643 Conrector am grauen Kloster zu Berlin, nannte sich wegen seiner vielfachen Leiden den deutschen Hiob"; gest. 4. Mai 1663. Nr. 6. 93. von Schmid, Christoph, geb. 15. August 1768 zu Dinkelsbühl; Domherr zu Augsburg, bekannter Jugendschriftsteller; gest. 3. September 1814. Nr. 19. Schmidt, Johann Gusebius, geb. 1669 zu Hohenfeld bei Erfurt, Pastor zu Siebleben bei Gotha, gest. 1745. Nr. 128. Schmolck, Benjamin, geb. 21. Dezember 1672, Sohn des Pastors zu Bräuchitschdorf in Schlesten, von der Universität Leipzig kehrte er 1694 als Gehülfe seines Vaters zurück, ward 1702 Diaconus in Schweidniß, erlebte den großen Brand der Stadt 1716, und wirkte in reichem 378 Liederdichter. Segen als Pastor und geistlicher Liederdichter; nach langwieriger Krankheit gest. 12. Februar 1737. Nr. 3. 31. 62. 66. 94. 118. 120. 147. 154. 162. 163. 201. 206. 298. 311. 329. 350. 354. 387. Schneegak, Cyriacus, Pastor zu Friedrichsroda, dann Weimarscher Superintendent, gest. 23. October 1597. Nr. 29. Schneefing, Johann( auch Chiomusus genannt), geb. zu Frankfurt a. M.; Vifar in Gotha, seit 1534 Pastor zu Friemar bei Gotha; gest. 1567. Nr. 177. Schröder, Johann Heinrich, geb. 1666 zu hallerspringe in Hannover, Schüler und Freund A. H. Franckes; seit 1696 Paftor zu Meseberg bei Wolmirstedt, gest. 1728. Nr. 208. 332. Schüß, Joh. Jakob, geb. 7. September 1640 zu Frankfurt a. M., Rechtsconsulent daselbst und vertrauter Freund Speners; gest. 22. Mai 1690. Nr. 265. Schwedler, Johann Christoph, Pastor zu Niederwieſe in der Lausiß von 1698-1730. Nr. 59. von Schweiniß, Hans Christoph, Landesältester im Görlißer Kreise, geft. 1722. Nr. 397. Scriver, Christian, geb. 2. Januar 1629 zu Rendsburg in Holstein. Unter mancherlei Kreuz und Prüfungen ist er einer der gesegnetsten Prediger und Schriftsteller der lutherischen Kirche geworden( Seelenschaß, Gottholds zufällige Andachten u. a.), 1653 Diaconus in Stendal, 1667 Pastor an der Jacobikirche zu Magdeburg, 1690 Schloßprediger zu Quedlinburg, gest. 5. April 1693. Nr. 291. Selnecker, Nicolaus, geb. 6. Dezember 1530 zu Hersbruck bei Nürnberg; mußte in seinem Leben viel Verfolgung erleiden wegen seines lutherischen Glaubens, 1558 Hof prediger in Dresden, 1565 in Jena, 1568 Professor und später Generalsuperintendent in Leipzig; Hauptverfasser der Concordienformel 1577, aus Leipzig vertrieben, Superintendent in Hildesheim, zuletzt nach Leipzig zurückgerufen, starb er bald 24. Mai 1592. Nr. 117. 122. 151. Liederdichter. 379 Spangenberg, August Gottlob, geb. 15. Juli 1704 zu Klettenberg in Hannover, 1732 am Halleschen Waisen hause angestellt, ging aber bald zum Grafen Zinzendorf, und bewährte sich als ein frommer und rastlos thätiger Mann; er gründete Brüdergemeinden in Nordamerika, war viermal jenseits des Meeres, zuleßt 7 Jahr, ward schon 1744 Bischof der Brüdergemeinde und erhielt nach Zinzendorfs Tode die Oberleitung aller Gemeinden 1763; gest. 18. September 1792. Nr. 326. Speratus, Paul, geb. 13. Dezember 1484, aus adligem schwäbischen Geschlecht( von Spretten), lehrte Theologie in Augsburg, Würzburg, Salzburg; der Reformation sich zu wendend, ward er vielfach verfolgt und kam nach Wittenberg zu Luther, auf dessen Rath ihn Herzog Albrecht nach Preußen berief zur Durchführung der Reformation 1525 ( mit Poliander), gestorben als Hofprediger 17. September 1554 zu Liebmühl. Nr. 190. Spitta, Karl Johann Philipp, geb. 1. August 1801 zu Hannover, gest. 26. September 1859 als Superintendent in Burgdorf, einer der bedeutendsten geistlichen Liederdichter der Neuzeit( Psalter und Harfe"). Nr. 342. Stegmann, Josua, geb. 1588 zu Sulzfeld in Franken, 1625 Professor der Theologie in Rinteln, hatte ſeit 1629 viel von Verfolgungen der Jesuiten zu leiden, gest. 3. August 1632. Nr. 123. Steuerlein, Johann, geb. 5. Juli 1540 zu Schmalkalden, Bürgermeister zu Meiningen, geft. 5. Mai 1613. Nr. 28. Stockfleth, Heinrich Arnold, geb. 17. April 1647 zu Alfeld, Brandenburgischer Generalsuperintendent zu Bai-. reuth, gest. 8. August 1708. Nr. 369. Tersteegen, Gerhard, geb. 27. November 1697 zu Mörs, Seidenbandweber zu Mühlheim a. Ruhr, führte ein tief innerliches, beschauliches Leben; gest. 5. April 1769. Nr. 79. 247. 333. Thilo, Valentin, geb. 19. April 1607 zu Königsberg, Professor der Redekunst daselbst; gest. 27. Juli 1662. Nr. 5. Liederdichter. Titius, Christoph( Tieße), geb. 24. Mai 1641 zu Wilkau in Schlesien, Oberpfarrer zu Hersbruck bei Nürnberg, gest. 21. Februar 1703. Nr. 181. Vischer, Christoph, geb. in Joachimsthal, 1544 Diaconus zu Jüterbogk, 1555 auf Melanchthons Empfehlung Superintendent zu Schmalkalden, 1571 zu Meiningen, 1574 zu Zelle, 1577 an St. Marien zu Halberstadt, 1583 wieder in Belle, zugleich Superintendent des Fürstenthums Lüneburg, gest. 22. Januar 1600. Nr. 58. 380 Wegelin, Josua, geb. 11. Januar in Augsburg, 1633 Pastor daselbst, zuletzt in Preßburg in Ungarn. Nr. 75. Weihe, Friedrich August, geb. 19. Mai 1721 in Hordorf bei Halberstadt, seit 1760 Pastor in Gohfeld bei Herford, gest. 15. Dezember 1771. Nr. 85. Weingärtner, Sigismund, um 1600 Pastor in oder bei Heilbronn. Nr. 348. Weißel, Georg, geb. 1590 zu Domnau in Preußen, seit 1623 Pastor in Königsberg, gest. 1. August 1635. Nr. 4. 200. Weiß, Michael( Weiße), geb. zu Neiße, Pastor der deutschen Brüdergemeinden in den Herrschaften Landskron und Fulneck, gab 1531 ein Gesangbuch der böhmischen Brüder heraus. Nr. 272. Werner, Georg, geb. 1607 zu Bopfingen in Schwaben, Professor der Rechte zu Helmstädt, gest. 28. September 1671. Nr. 37. 83. Wiesenmayer, Burchard, lebte im siebzehnten Jahr hundert. Nr. 284. Wilhelm II., Herzog zu Sachsen- Weimar, geb. 11. April 1598 zu Altenburg, studirte in Jena fleißig Mathematik und Musik, machte den 30 jährigen Krieg mit, ward von Tilly gefangen; baute 1658 die stattliche Schloßkirche zu Weimar; gest. 17. Mai 1662. Nr. 149. Winkler, Johann Josef, geb. 23. Dezember 1670 zu Luckau, Feldprediger in den Feldzügen in den Niederlanden und in Italien, seit 1703 Domprediger in Magdeburg, gest. 11. August 1722. Nr. 339. 357. Liederdichter. 381 Wolf, Jakob Gabriel, geb. 1684 zu Greifswald, seit 1742 Professor der Rechte zu Halle, gest. 6. August 1754. Nr. 199. Woltersdorf, Ernst Gottlieb, geb. 31. Mai 1725 zu Friedrichsfelde bei Berlin, gesegneter Pastor zu Bunzlau ( Freund Rothes), gründete das dortige große Waisenhaus; gest. 17. Dezember 1761. Nr. 205. 238. Sinzendorf, Graf Nicolaus Ludwig, geb. 26. Mai 1700 zu Dresden, Stifter der Brüdergemeinde; schon als Knabe und Jüngling voll inniger Frömmigkeit, studirte er die Rechte, ward Hof- und Justizrath zu Dresden. 1721 hatte er auf seinem Gute Berthelsdorf vertriebene mährische Brüder aufgenommen, aus denen er 1724 die Colonie Herrnhut gründete als eine Gemeinde mit besonderer Verfaffung und gottesdienstlicher Ordnung nach Art der alten apostolischen Gemeinden. Angefeindet und aus Sachsen verbannt reiste er 1738-1747 durch viele Länder, Verbindungen anzuknüpfen, auch mehrmals nach Amerika in Sachen der Mission. Nachdem die Gemeinde anerkannt war, lebte er in ihrer Mitte und hatte die Leitung der immer weiter sich ausbreitenden Brüderkirche in der Hand; gest. 5. Mai 1760. Nr. 130. 214. 331. 335. Sein Sohn Graf Christian Renatus von Sinzendorf, geb. 19. September 1727 zu Herrnhut, früh geft. 28. Mai 1752. Nr. 48. Lieder- Register. Ach bleib bei uns Herr Jesu Chriſt Ach bleib mit deiner Gnade Ach Gott und Herr Ach mein Herr Jesu, dein Nahesein Ach sagt mir nichts von Gold. Ach was soll ich Sünder machen Ach wie flüchtig Ach wundergroßer Siegesheld Allein Gott in der Höh sei Ehr Allein zu dir Herr Jesu Christ Alle Menschen müssen sterben Allenthalben, wo ich gehe. Alle Welt, was lebt Als Jesus von seiner Mutter ging Auf auf ihr Reichsgenossen. Auf auf mein Herz mit Freuden Auferstehn, ja auferstehn Auf hinauf zu deiner Freude Auf ihr Christen, Christi Glieder Auf meinen lieben Gott Auf Christi Himmelfahrt allein Aus Lieb läßt Gott der Christenheit Aus meines Herzens Grunde. Aus tiefer Noth Befiehl du deine Wege Betgemeinde heilge dich Bis hierher hat mich Gott gebracht Brunnquell aller Güter Nr. 122 123 175 202 203 176 371 74 98 = = S = = 2 = = = 2 3 = = = S = = 177 372 204 254 35 1 60 373 347 319 348 75 111 270 178 349 244 255 82 Lieder- Register. Christe du Beistand Christe, wahres Seelenlicht Christ, der du bist der helle Tag Christ ist erstanden Christ unser Herr zum Jordan kam Christus der ist mein Leben Danket dem Herrn Das alte Jahr vergangen ist Das neugeborne Kindelein Das ist eine selge Stunde Das ist ein theuer werthes Wort Den Herren meine Seel erhebt Der beste Freund ist in dem Himmel Der Bräutgam wird bald rufen Der du bist drei in Einigkeit. Der du das Volk regierest. Der du Herr Jesu Ruh und Rast Der du in Todesnächten. Der du zum Heil erschienen Der Glaube macht allein gerecht Der lieben Sonnen Licht und Pracht Der Meister ist ja lobenswerth Der Mond ist aufgegangen Der rauhe Herbst kommt wieder Der Sabbath ist vergangen Der Schmuck der Winterzeiten Der Tag der ist so freudenreich Der Tag ist hin, mein Geist und Sinn Der Tag ist hin, mein Jesu bei mir bleibe Der Tag vertreibt die finstre Nacht Der Tod ist todt, das Leben Des Morgens, wenn ich früh aufsteh Die armen Heiden jammern mich Die Engel, die im Himmelslicht Die Gnade sei mit Allen. Die güldne Sonne ● 383 Nr. 124 = 271 290 61 157 374 S = = = = S = S = = 3 = = 2 = = = S S 2 S = = 3 = = = S 2 285 28 29 205 188 107 206 375 99 135 37 136 137 189 291 314 292 316 120 317 11 293 294 272 62 273 138 112 245 274 Lieder- Register. 384 Die Helle Sonn leucht Die Seele Christi heilge mich. Dies ist die Nacht, da mir erschienen Dir dir Jehova Du liebes Bibelbuch Du, o schönes Weltgebäude Du schläfft in deiner Wiege Du weinest vor Jerusalem Ein Chrift, ein tapfrer Kriegesheld Eine Heerde und ein Hirt Einer ist König, Immanuel Eines wünsch ich mir vor allem Andern Ein feste Burg ist unser Gott Ein Jahr geht nach dem andern hin Ein Lämmlein geht Ein reines Herz Eins ist noth. Endlich endlich muß es doch Erhalt uns, Herr, bei deinem Wort Ermuntert euch, ihr Frommen. Erneure mich, o ewges Licht Erschienen ist der herrlich Tag. Es glänzet der Christen Es ist das Heil uns kommen her Es ist ein Ros entsprungen Es ist gewißlich an der Zeit Es ist nicht schwer, ein Christ zu sein. Es ist noch eine Ruh vorhanden Es kostet viel, ein Christ zu sein Es stehn vor Gottes Throne Es vergehen alle Zeiten Es wollt uns Gott genädig sein Fahre fort, 3ion Fang dein Werk mit Jesu an Freu dich, du werthe Christenheit Nr. 275 38 12 246 147 376 306 179 . = 2 = 2 = S = = = = = = = = 3 2 = = = ? = = = = = = 320 139 207 40 125 30 39 321 208 350 126 377 322 63 323 190 13 378 324 379 325 113 399 127 128 276 105 Lieder- Register. Freuet euch, ihr Christen alle. Freut euch ihr Christen alle, Gott schenkt Fröhlich soll mein Herze springen. Früh am Morgen Jesus gehet Früh morgens, da die Sonn aufgeht Fünf Brünnlein sind. Geh aus, mein Herz Gelobet sei der Herr Gelobet sei Israels Gott Gelobet feist du, Jesus Christ. Gen Himmel aufgefahren ist Gesegn uns Herr, die Gaben Gieb dich zufrieden und sei stille Gott des Himmels und der Erden. Gott fähret auf gen Himmel Gott, gieb einen milden Regen Gott ist gegenwärtig Gott Lob! der Sonntag kommt Gott Lob, der Tag ist nun dahin Gott Lob, die Reise ist vollbracht Gott Lob, die Stund ist kommen Gott Lob, nun ist erschollen Gott sei Dank durch alle Welt Gott sei gelobet und gebenedeiet Gott sei Lob! der Tag ist kommen Gott wills machen Großer Prophete Halleluja, Lob, Preis und Ehr Halleluja, schöner Morgen Halt im Gedächtniß Jesum Christ Harre, meine Seele Heilge Einfalt, Gnadenwunder Heiligster Jesu, Heiligungsquelle Herbei, o ihr Gläubigen Herr, es ist von meinem Leben Geistl. Liederbuch. 17 385 Nr. 14 = 83 15 277 2 3 2 2 2 2 2 = 2 = 2 = 247 115 295 = 313 380 S 318 = 2 3 2 S = = = = 64 41 S 315 100 103 16 76 286 351 278 77 84 2 172 164 352 209 101 116 210 353 326 327 17 296 Lieder Register. 386 Herr Gott, dich loben alle wir Herr Gott, erhalt uns für und für Herr Gott, nun schleuß den Himmel auf Herr Gott, Vater im Himmelreich Herr, ich habe mißgehandelt Herr, ich lieb dich Herr Jesu Christ, dein theures Blut Herr Jesu Christ, dich zu uns wend Herr Jesu Christ, du höchstes Gut Herr Jesu Christe, mein getreuer Hirte Herr Jesu, Gnadensonne Herr Jesu, Licht der Heiden Herr, öffne mir die Herzensthür Herzlich lieb hab ich dich, o Herr Heut ist des Herren Ruhetag Heut triumphiret Gottes Sohn Himmelan geht unsre Bahn Hinunter ist der Sonnen Schein Hirte deiner Schafe Hochgelobter Gottes- Geist Höchster Priester, der du dich Hosianna! Davids Sohn. Hüter, wird die Nacht der Sünden Ich armer Mensch, ich armer Sünder. Ich bin ein Gast auf Erden. Ich bin getauft auf deinen Namen Ich bin Gottes Bild und Ehr Ich geh zu deinem Grabe. Ich habe Lust, zu scheiden Ich habe nun den Grund gefunden Ich hab von ferne Ich heb mein Augen sehnlich auf Ich ruf zu dir, Herr Jefu Chrift Ich sag es Jedem, daß er lebt. Ich finge dir mit Herz und Mund Ich steh an deiner Krippen hier • Nr. 114 148 108 2 = = S 2. = = = = 3 = = = = S = 2 2 = = 2 = S = = S 287 180 211 42 149 165 166 328 109 150 212 117 65 329 297 298 158 330 3 279 181 381 159 191 66 382 192 383 308 248 67 256 18 Lieder- Register. Ich weiß ein Blümlein Ich will dich lieben, meine Stärke. Ich will von meiner Missethat Je größer Kreuz, je näher Himmel Jerusalem, du hochgebaute Stadt Jesu, deine Passion Jesu, deiner zu gedenken Jesu, frommer Menschenheerden Jesu, geh voran Jesu, großer Wunderstern Jesu, hilf stegen Jesu, komm doch selbst zu mir. Jesu, meine Freude • Jesu, meiner Seelen Ruh. Jesu, meines Lebens Leben Jesu Mutter stand voll Schmerzen Jesus Christus, unser Heiland. Jesus, Jesus, nichts als Jesus Jesus, meine Zuversicht Jesus nimmt die Sünder an Jesus soll die Losung sein Jesu Wunden, alle Stunden Ihr armen Sünder kommt zu Hauf Ihr Kinderlein kommet Immer muß ich wieder lesen In allen meinen Thaten In dich hab ich gehoffet, Herr In dir ist Freude. In Gottes Namen fahren wir In jener leßten der Nächte In Jesu Namen reis ich aus Ist Gott für mich, so trete König Jesu, streite, stege. Komm, du fanfter Gnadenregen Komm, Geist der Genaden Komm Gott, Schöpfer, heiliger Geist 17* 387 Nr. 167 213 182 354 384 43 214 215 331 33 332 = 216 = 2 2 2 = S = = 2 2 = S 2 = S = 2 S = S = 2 S 2 S = 217 218 44 45 168 219 385 193 31 46 183 19 220 355 249 221 309 47 310 194 140 85 86 87 Lieder- Register Komm, heiliger Geist, Herre Gott Komm, o komm, du Geist des Lebens Komm, Tröster, komm hernieder Kommst du nun, Jesu, vom Himmel Kommt Kinder, laßt uns gehen Kommt und laßt uns Christum ehren 388 Lasset die Kindlein kommen Lasset mich voll Freuden sprechen Lasset uns mit Jesu ziehen Laß mich dein sein und bleiben Laßt mich gehen Liebe, die du mich zum Bilde. Liebster Jesu, hier sind wir Liebster Jesu, wir sind hier Lobe den Herren, den mächtigen König Lobe den Herren, o meine Seele Lobt Gott, ihr Christen, alle gleich Mache dich, mein Geist, bereit Macht hoch, die Thür. Man lobt dich in der Stille Marter Gottes, wer kann dein vergessen Meine Hoffnung stehet feste Meinen Jesum laß ich nicht Meine Seele ſenket sich Meine Seele, willst du ruhn Meine Seel ist stille. Meine Sorgen, Angst und Plagen Mein Gott, ich weiß wohl Mein Heiland nimmt die Sünder an Mein Jesu, dem die Seraphinen Mein schönste Zier Merk, Seele, dir das große Wort Mir ist Erbarmung widerfahren Mir nach, spricht Christus Mit Ernst, o Menschenkinder. Nr. 88 89 90 2 2 = 2 = 2 S 2 = 2 2 2 = = 2 2 = Z = 20 333 21 160 161 334 151 386 222 162 152 257 258 22 250 4 259 48 356 223 357 224 358 359 387 195 196 225 335 197 336 5 Lieder Register. Mit Fried und Freud ich fahr dahin Mitten wir im Leben sind. Morgenglanz der Ewigkeit Müde bin ich, geh zur Ruh Nun bitten wir den heilgen Geist Nun bricht die finstre Nacht herein Nun danket alle Gott. Nun danfet all und bringet Ehr Nun freut euch, Gottes Kinder, all Nun freut euch, lieben Christen gmein Nun Gott Lob, es ist vollbracht, Singen Nun Gott Lob, es ist vollbracht, und der Bund. Nun jauchzet all, ihr Frommen Nun kommt das neue Kirchenjahr Nun laßt uns gehn und treten Nun laßt uns Gott dem Herren Nun lob, mein Seel, den Herren Nun preiset alle Gottes Barmherzigkeit Nun ruhen alle Wälder. Nun schlaf, mein liebes Kindelein. Nun sich der Tag geendet hat. Nun sich der Tag geendet, mein Herz Nun singet und seid froh. O Christe, Morgensterne O, daß doch bald dein Feuer O daß ich tausend Zungen O, der alles hätt verloren. O du allersüßste Freude O du Liebe meiner Liebe. O Durchbrecher aller Bande Ewigkeit, o Ewigkeit frommer und getreuer Gott. Ogroßer König, Jesus Christ Haupt voll Blut und Wunden. Oheilger Geist, kehr bei uns ein. 17** 389 Nr. 110 388 280 299 = - 2 2 2 = = = 2 = 2 = S 2 S 2 = = = 2 = = = 2 2 11 11 11 S 2 91 121 260 261 78 198 119 163 6 32 263 262 141 300 307 301 302 23 226 142 264 337 92 49 338 400 184 106 50 93 390 Lieder- Register. heilige Dreifaltigkeit Jesu Christe, wahres Licht. O Jesu Christ, mein schönstes Licht Jesu, du mein Bräutigam. Jesu, Jesu, Gottes Sohn Jesu süß, wer dein gedenkt. Jesu, treuer Hirte. O Jesu, treuster Heiland mein OKönig aller Ehren. O Lamm Gottes, unschuldig O Liebe, die den Himmel hat zerriffen O selig Haus, wo man dich aufgenommen Ostern, Ostern, Frühlingswehen O Tod, wo ist dein Stachel nun O Traurigkeit, o Herzeleid O Ursprung des Lebens, o ewiges Licht Welt, ich muß dich lassen O Welt, sich hier dein Leben. Rede, liebster Jesu, rede Ringe recht, wenn Gottes Gnade Rüstet euch, ihr Christenleute. Schatz über alle Schätze Schmücke dich, o liebe Seele Schmückt das Fest mit Maien. Schönster Herr Jesu. Schönste Sonne, Himmelszier Schwing dich auf zu deinem Gott. Seele, mach dich heilig auf Seelenbräutigam. Seele, was ermüdst du dich Sei fröhlich alles weit und breit Sei Lob und Ghr dem höchsten Gut Sei mir tausendmal gegrüßet. Siegesfürste, Ehrenkönig Sieh, hier bin ich, Ehrenkönig Nr. 281 2 143 227 169 228 229 173 303 34 51 24 342 68 69 52 = 2 2 = 2 2 = ? 2 S = = = = = 2 = = 2 2 2 = 2 = = S S 230 389 53 153 339 340 231 170 94 232 304 360 54 233 199 70 265 55 79 234 Lieder- Register. Sie ist mir lieb, die werthe Magd So lange Jesus bleibt der Herr So lang ich hier noch walle Sollt ich meinem Gott nicht singen So nimm denn meine Hände. So ruhest du, o meine Ruh So wahr ich lebe, spricht dein Gott Speis uns, Vater, deine Kinder Steht auf ihr lieben Kinderlein Stille Nacht, heilge Nacht.. Straf mich nicht in deinem Zorn. Strahl der Gottheit, Kraft der Höhe Such, wer da will, ein ander Ziel Süßer Jesu, höchster Hort. Süß ists, für ein ewges Leben Theures Wort aus Gottes Munde Thut mir auf die schöne Pforte Tochter Zion, freue dich Triumph! Triumph! es kommt mit Pracht. Tröster blöder Herzen. Tröstet, tröstet meine Lieben Unter Lilien jener Freuden Valet will ich dir geben Vater unser im Himmelreich Verzage nicht, du Häuflein klein Vom Himmel hoch da komm ich her Von Gott will ich nicht lassen Wach auf, du Geist der ersten Zeugen Wach auf, mein Herz, die Nacht ist hin Wach auf, mein Herz, und singe Wachet auf! ruft uns die Stimme Wär Gott nicht mit uns. Warum sollt ich mich denn grämen 391 Nr. 129 2 130 251 = 266 = 361 56 185 288 282 25 186 95 = S = = 2 = = = 2 S = = = S = = 2 = S 200 171 144 S 145 72 283 392 132 363 154 118 8 71 96 104 390 391 252 131 26 362 Lieder- Register. Warum willst du doch für morgen. Warum willst du draußen stehen Was Gott thut, das ist wohlgethan Was hätt ich, hätt ich Jesum nicht Was mein Gott will, das gescheh allzeit Weicht ihr Berge, fallt ihr Hügel. Weil ich Jesu Schäflein bin Wenn Alle untreu werden Wenn doch alle Seelen wüßten Wenn ich ihn nur habe Wenn ich, o Schöpfer, deine Macht Wenn meine Sünd mich kränken Wenn mein Stündlein vorhanden ist Wenn wir in höchsten Nöthen sein 392 Wer das Kleinod will erlangen Wer ist wohl wie du. Wer nur den lieben Gott läßt walten. Wer nur mit seinem Gott verreiset Wer weiß, wie nahe mir mein Ende Weß ist das Fest. Wie fleugt dahin der Menschen Zeit Wie groß ist des Allmächtgen Güte Wie schön ists doch, Herr Jesu Christ. Wie schön leuchtet der Morgenstern Wie schön leucht uns der Wie sie so sanft ruhn. Wie soll ich dich empfangen Wie wohl hast du gelabet. Morgenstern. Wie wohl ist mir, o Freund Wir danken dir, Herr Jesu Christ, daß du für uns Wir danken dir, Herr Jesu Christ, daß du vom Tod Wir danken dir, HerrJesuChrist, daß du gen Himmel Wir danken Gott für seine Gaben Wird das nicht Freude sein Wirf Sorgen und Schmerz Wir glauben all an einen Gott Wir Menschen sind zu dem, o Gott Nr. 364 9 365 235 366 201 236 237 238 239 267 57 393 253 341 240 367 311 394 146 395 268 = 343 241 284 396 10 174 242 = = = = = S = = = 2 = = = = = 2 = = = = 2 = 2 2 58 73 80 289 397 368 102 155 Lieder- Register. Wir singen dir Immanuel Wo findet die Seele die Heimath Wo Gott zum Haus nicht giebt Wohin, o müder Wandrer du. Wohl dem, der in Gottes Furcht Wohl dem Menschen, der nicht wandelt Wohl einem Haus, da Jesus Christ Wo ist Jesus, mein Verlangen Wollt ihr wissen, was mein Preis Wo soll ich fliehen hin Wo willst du hin, weils Abend ist Wunderanfang! herrlichs Ende Wunderbarer König Beuch ein zu meinen Thoren. Zeuch uns nach dir, so laufen wir Zieht in Frieden eure Pfade Zion! gieb dich nur zufrieden 3ion flagt mit Angst und Schmerzen Auflage des Buchs: 10,000 Expl. . 393 Nr. 27 2 398 344 370 345 156 346 243 2 2 2 ? 2 = = = = 2 = 2 = 59 187 305 369 269 97 81 312 133 134 Druck von Fr. Klöppel in Eisleben. Der christliche Derein im nördlichen Deutschland. Der Zwed dieses Vereins ist, durch Verbreitung größerer Erbauungsschriften christliches Leben im Bolte zu erwecken und zu unterhalten. In jedem Jahre giebt er deren mindestens zwei heraus, welche den Mitgliedern unentgeltlich zugesandt werden. Mitglied des Vereins ist jeder, der einen bestimmten Beitrag von Drei Mark jährlich entrichtet. Anmeldungen zum Beitritt und Anfragen in Betreff des Vereins sind zu richten an den Geschäftsführer desselben, Pastor Weber in Ilsenburg am Harz( Provinz Sachsen in Preußen). Nachfolgende Schriften sind in der Niederlage des christlichen Vereins in Eisleben, A. Kiöppel, zu haben und zu bestellen. Die Adressen werden nach Aufhebung der früher bewilligten Portofreiheit franco erbeten. * Hauspoftille( Pred. über die Evangel.) 3 Mark 50 Pf.* Offenbarungen Gottes im A. T. 1 Mart 20 Pf. Die enge und weite Pforte 1 Mart." Besperglode( Kurze Betr. über die Ev. und Epist.) 50 Pf.* Gebetbuch 70 Pf. Beicht- und Communionbüchlein 25 Pf. * Bibl. Andachten 60 Pf. Die Frage: Was fehlt mir noch? 40 f. Krankenbuch 30 Pf. Die heilige Passion 60 Pf. Kirchengeschichte. Bd. 1.- VII. 7 Mart* Wedstimmen( Gebete auf alle Tage d. 3.) 1 Mark 60 Pf. Lernkatechismus( Alte und Neue Ausgave) 25 Pf. * Epistelpredigten 2 Mart. Bethanien, zum Trost an Gräbern 15 Pf. * Geschichte der französischen Revolution 50 Pf.* Des Glaubens Trost 50 Pf. Der Friedensbote( Erzähl.) 50 Pf.* Trostbüchlein 30 Pf. * Christl. Unterricht vom lieben Kreuz 50 Pf. Die deutschen Freiheitstriege 80 Pf. Weisungen zur Wahrheit( Gedichte) 25 Pf. Geistl. Rathgeber für Kranke und Sterbende 30 Pf. Missionsbüchlein, alte Ausgabe, I. Heft 20 Pf. Deutscher Voltsspiegel. 2 Bde. 1 Mart. * Der evangel. Glaube dargestellt und vertheidigt zc. 50 Pf. Auslegung der Epistel Pauli an die Coloffer 60 Pf.* Kamerad Hechel, ein Lebensbild aus den deutschen Freiheitskriegen 40 Pf. Beata Sturm 40 Pf. * Das Leiden und Sterben unseres Herrn Jesu Christi 60 Pf. Kleiner Liederschatz 10 Pf. Das himmlische Jerusalem 60 Pf.* Der Finger Gottes( Erzählungen) 45 Pf. Die Urgeschichte des Menschengeschlechts 45 Pf. Ein Wildling( Erzählung) 35 Pf.* Molleri Praris evangelica. 3 Th. in 1 Bo.( Pred. über die Sonn- und Festtagsevang.) 3 Mart. Derselben 4ter Band( Predigten über die Evangelien der Aposteltage) 1 Mart. Fluch und Segen( Erzählung) 35 Pf.* Adventsbüchlein 50 Pf. Das menschliche Leben( Kurze Betrachtungen) 60 Pf. " Ehestandsbuch 80 Pf.* Levensbilder( Geschichtlich) 40 Pf. Das Volk und seine Treiber( Erzählung) 55 Pf.* Unterricht über die Beichte und das Abendmahl 45 Pf.* Hirt und Heerde( Auslegung von Pf. 23) 60 Pf.* Blüthen aus dem Garten Gottes( Erzählungen) 60 Pf. * Elim( Gebetbuch) 40 Pf. Apostelgeschichte( Auslegung derselben) 40 Bf. * Tägliches Kniebeugen( Gebete auf alle Tage d. 3.) 1 Mart 40 f. * Christliche Weinlese( Erzählungen) 55 Pf.* Die Gemeinde ein Senfforn( Erzählung) 55 Pf.* Bet- Bibel. 2 Bd.( Geb, auf alle Cap. d. h. Schrift) 1 Mark 80 Pf.* Der heilige Krieg( von Bunyan) 1 Mark 20 Pf. Christliche Haustafel 5 Pf.* Altchristliche Sagen und Geschichten 1 Mark. Tod der Frommen und Gottlosen 60 Pf.* Der siebenjährige Krieg 70 Pf.* Altes und Neues aus und nach Luth. Katechism. 1 Mark. Herzog Christoph 35 Pf. Passion in poln. Sprache 55 Pf. Dr. Habermanns Gebetbuch( neue Ausg. mit Liederanhang) 25 Pf. Sonntagsbuch 75 Pf." Perlen für fromme Kinder 50 Pf.* Naomi oder die letzten Tage von Jerusalem 80 Pf. Sterbe- Bibel 50 Pf." Kräftiges Zubrot zu Luthers Katechismus 60 Pf. Das Weihnachtsfest( Erzähl.) 10 f." Das Morgenroth des Heils( Adventsbuch) 75 Pf.* Das Morgenroth des Heils( Epiphanienbuch) 75 Pf." Goldkörner und Perlen 65 Pf.* Lebensbeschreibungen frommer Männer I. II. 1 Mart 35 Pf. * Kaiser Otto d. Gr. 60 Pf.* Silberblicke( Erzählungen) 65 Pf.* Vier Bilder in Einem Rahmen 60 pf. Bilder und Klänge aus Zion 80 Pf. " Das heilige Vater Unser 40 Pf.* Lebensbeschreibungen frommer Frauen zc. 1 mark 30 Pf." Neues Missionsbüchlein 40 Pf.* Der Gang nach Gethsemane und Golgatha 95 Pf.* Wilhelm von Oranien 75 Pf.* Seelenspeise 50 Pf.* Sendschreiben 50 Pf. Erquickstunden ( nach den Sonntagsevang.) 1 Mark." Krankheit und Arzenei 30 Pf. Augsburgsche Confession( Auszug) 20 Pf. Die heil. Passion in dänischer Sprache à Heft 15 Pf.* Augsburgsche Confession( erläutert) 60 Pf. * Matthias Claudius Leben 60 Pf. Martin, der Schulmeister 50 Pf. * Valerius Herbergers Leben 65 Pf.* Psalmen Davids( mit Anhängen) 50 Pf. Die letzten Reden Jesu 90 Pf.* Geistliches Liederbuch 85 Pf. Andenken a. d. beil. Tag d. Confirmation,( geh.) 10 Pf. Dasſelbe, steif brochirt 13 Pf. Confirmationsscheine, div., 100 Stück 1 Mark 20 Pf. Bemerkung. Werden oben genannte Bücher durch die Buchhandlung bezogen, so tritt ein um 33¹% erhöheter Ladenpreis ein. Ebenso erhöhen Portvauslagen, wo sie nöthig werden, in unbestimmter Weise den Preis. Inches Centimetres Blue 2 3 4 Cyan 2 15 14 6 17 3 Farbkarte# 13 Green 8 Yellow 19 4 10 Red 11 12 LO 5 13 Magenta 14 6 15 White 16 17 7 3/ Color 18 19 B.I.G. Black