Iftlipp-Ebedhasht- Lenoterscheid 11 Endank te ha fet geboten 7 Januar ( 1831)( 342th 13 tela pourren ( 10) Johannes Eberhantt geboren& Selduar 148 64). Shu munborn Sonitury( 192) Steingich the chartt geboren 114402 frames Settrintenbetin sucticing/ 2 Inftling Eberhardt Senderscheid aftalan Eberhardt Siebertshausen Johannis Ebethardt Schwarzenborn ( 3) sainrich Ebethaldt Schedarenboimn Hermann Bensled+ Frielendogl T Konrad- Eberhardt#Schwarenboin Erich- Spiele!* Schrechenborn Rall- Moritz+ Schwanenborn linn- Nedergrenzebach& лий AZ Gustad- Farm/ 7/ Stuttgart culöhringen- Burgfeldersts ckr( 10) Saxel- gerta gorigh Liney dorp- Ratingen Trommeskanten N/ 5) 7 Soner Sieselotte Flein- Moishauzen 2.2.5. Fritslad slombell München Doktor-Bek- NeubauGotthardtste, Samed- Flort- Rekellode- houter dem Eissenberg Innungskkan kenkane( 5) Robn Hleumarkt M( 52₁) 22dankenkasze( 6) FIfm, Main- Battonstre M√48( 42) Krankenkane Ranel( 35) Friedrichsplatz- 이꾸( 14) Krankenkasse( 7) Stuttgart- Breitaheidsts, dy28) Krankenkasse( 8.) München( 15) Mlaists M( 43)-( 49) Jerankenkasse- Hochst- Gerlachstr 17/35)+( 37) SERB Sn# Go Gre zonded Glashande 2798 ( 6) Frankhurt aſ M Bauunternehmen Bicker- Sofuen Mainzer bandſst.( 685) Fl. Fast Baudekoration Willi Eberhardt 6) Frankfurt- MainEkenheim Baschfeldstrasse 114 ( 16) Vater verunglift 29, 10, F Heinrich Stassenpflug ( 6.) Frankfurt- Main Sergerts= Treungesheim housen Wegscheidestrasse( 13) Josef- Joschner( 6053) Abertshausen 02.8.5. Offenbach- Aleksanderts. cft,( 4₂) mmmm Familien Agulles Colles des Paters.de Chronik Im Namen Sohnes und des heil Geilte Ich will der Güte des Herrn gedenken und des Lobes des Herrn in allem, das uns der Herr ge= than hat. Jes. 64, 7. Sauseltern. Ich und mein Haus, wir wollen dem Herrn dienen. Joj. 24, 15. 3 Hausvater( Name, Stand, Ort, Geburtstag): Heinrich Eberhaut Arbeiter Eich nagaubom gab. d. 1. 1.1908 Hausmutter( Name, Ort, Geburtstag): Parlar Katharina Glerhandt. geb Gafſangflig za Obanhülſo get 17.11.1906 17.11, 1906, Trauungstag( Ort, Zeit, Text): den 25.1 14131. Schwarzenbern Palm 37- v. 9 Schmeitet und säheit wir freundlich der Have ist. Wohl dem Ver auf ihn bewunde t 3 Boreltern. Gedenke der vorigen Zeit bis daher, und betrachte, was er gethan hat an den alten Vätern. 5. Moje 32, 7. Eltern des Bansvaters. a) dessen Vater( Name, Stanh, Qrt, Geburtstag); Johannes Ebithardt Sandwirt Stadtspchitanenborn geboven- 1 Februar- 1864 verstorben 3d, August( 1945) ( wohnhaft- Sandweg №( 132.) b) dessen Mutter:( Vor- und Zuname, Heimat, Geburtstag): Anna- Eva- geborene- Munk, Hlausfrau, Stadschwarzenborn, gebodenverstorben- September( 1918.) Wohnhaft- Sondwey- Nd( 132) Anna- Eva- Eberhardt, Eltern der Hausmutter. a) deren Vater( Name, Stand, Ort, Geburtstaa): tähte Chilipp Eberhartt ( Sendebaheid) coolam- Eberhardt geboren 7 Januar 18 34. // 34 Uhr Geburtort Siebertshausen, 17/18) 12 b) deren Mutter:( Vor- und Zuname, Heimat, Geburtstag): Anna- Munk Dated verunglükt gm 29.10, 76. bei seigents= hausen der fastwagen der zu ihm rinfufer war aus Meukitchen. heilige Schrift Kinder und Patenkinder 1. Eigene Kinder. Siehe, Kinder sind eine Gabe des Herrn, und Leibesfrucht ist ein Geschenk." Psalm 127, 3. Name und Geburtstag der Kinder: Honway Heinon't Obertan A Willi Hinrics Elerhardh 3.19 gel 2D. 8. 1936 Wohnhaft Siedlung Nd( 203) Neue Str., Bruder vom Vited Flenghalt Hannes Eberhardt, Beter Eberhardt, Adam Eberharalt, 5Bruder TERTE Ⓡ 2. Patenkinder. Daher auch wir, von dem Tage an, hören wir nicht auf, für euch zu beten und zu bitten, daß ihr wandelt würtiglich dem Herrn zu allem Gefallen, und fruchtbar seid in allen guten Werken. Kol. 1, 9-10. 1. des Mannes: ( Name und Geburtstag der Kinder.) 2. der Frau: ( Name und Geburtstag der Kinder.) Sterbefrelle, SAYA A. In der eigene Familie. Laßt uns nicht traurig sein, wie die andern, die keine Hoffnung haben. 1. Thesſ. 4, 13. Adolf- Söxchned 1964 t. Heinz- Schneisled 1959+ Kontad- Eberhardt 195,+ Gutheil 1958 t. Heinz- Doffled 1958+ i Flans- Braun 1959+ Sleinrich- Eberhardt 1946't. Flenke Sartwagen= fahred ars fenkischen zu dem fund Vater hinein Henke Burgtorstrane Neu= kirchen 2. Bei Lehrern, Verwandten und Freunden. Jesus Christus, gestern und heute und derselbe in Ewigkeit. Ebr. 13, 8. Matth 28, 20 Gedenklage in Freud und Leid Im Familienkreis. ( Konfirmationen, Trauungen, Krankheitsfälle u. s. w. Alle eure Sorge werfet auf ihn, er forget für euch. 1. Petr. 5, 7. t بہ کیا 32798 2. In Kirche und Vaterland. Siehe, ich bin bei euch alle Tage, bis an der Welt Ende. Matth. 28, 20. Jesus trägt sein Kreuz. Johann Friedrich Stark's Margen-& Abend- Andachten frommer Christen auf alle Tage im Jahr. Nebst einem Anhang für Sonn- und Festtage, samie für besondere Veranlassungen, bearbeitet von K. Ch. E. Ehmann, Pfarrer in Kirchentellinsfurth. 3 weite Auflage. ( Stereotyp- Ausgabe.) Reutlingen, Druck und Verlag von Enslin& Saiblin. 201 پارتی 2198 Univ.- Bibl. Giessen Vorrede zur ersten Auflage. Das alte Starkenbuch erscheint hier in einer neuen Gestalt, und es ist die Absicht der Vorrede, sich hierüber zu rechtfertigen. Das Bedürfniß einer neuen Auflage war mehrfach an den Herrn Verleger herangetreten; aber zweierlei Bedenken standen entgegen, nämlich einerseits der Blick auf die bedeutenden Herstellungskosten des umfangreichen Werks, andererseits die Rücksicht auf die Ansprüche und Erwartungen des Publikums, welches kürzere Gebete verlangt. Der Gedanke an Kürzung lag daher nahe; aber es fragte sich, ob eine solche bei einem so alten und bekannten Buche zulässig und rathsam erscheine? Ein Blick auf die Beschaffenheit des Buchs mit seinen unzähligen Wiederholungen, mit seinen vielen Erklärungen aus dem Gebiet der Geschichte, der Alterthumskunde und anderer Wissenschaften, welche wohl in einem belehrenden Vortrag, aber gewiß nicht im Gebet am Plaße sind, hob nicht nur dieses Bedenken, sondern eine Kürzung in dieser Richtung schien vielmehr dem Buche zum Vortheil zu gereichen. Auch über die Grundsäge, nach welchen sich die Kürzung zu richten hätte, konnte kaum ein Zweifel entstehen. Die Richtschnur, an welche sich die Gebete halten, bilden die Bibelterte; diese sind die Grenzpfähle, innerhalb deren sich die Andacht bewegt. An diese mußte sich daher auch die Bearbeitung halten. Sie wollte aber dabei nicht stehen bleiben. Die starren Bestimmungen der altkirchlichen Glaubenslehre, womit Stark den Bibeltert füllt und ausweitet, gehen bekanntlich über das Vorbild der gesunden Lehre weit hinaus, und mußten sich daher gefallen lassen, nach dem Maß des Schriftworts beschnitten zu werden. In gleicher Weise mußten die gesuchten, in's einzelne gehenden und daher ermüdenden Nusdeutungen biblischer Bilder und Gleichnisse auf ein bescheibenes Maß zurückgeführt werden. Endlich wurden die nicht selten veralteten, geistlosen und abgeschmackten Liederverse, womit die Gebete regelmäßig schlossen, einer strengen Sichtung und ein Stück Arbeit, welches die meiErneuerung unterworfen, sten Schwierigkeiten verursachte. Der Kern, welcher nach Abzug dieser Hülsen und Schalen erübrigt, ist in der vorliegenden Ausgabe sorgfältig bewahrt und dargeboten. Von seinem Eigenen hat der Bearbeiter nichts hinzugethan. Verlagshandlung und Druckerei haben das Mögliche gethan, dem Buch eine freundliche Aufnahme zu bereiten. Möge der gleiche Segen, der mit dem alten Buche war, die neue Bearbeitung begleiten. Kirchentellinsfurth, den 3. Dez. 1876. + K. Ehmann, Pfarrer. - Vorrede zur zweiten Auflage. In derselben ist auf mannigfachen Wunsch der Anhang noch mit weiteren Gebeten für Sonn-, Fest- und Feiertage und für besondere Fälle des Lebens bereichert worden, was nach dem Heimgang des sel. Pfarrers Ehmann ein gleichgesinnter Freund besorgte. Die Verlagsbuchhandlung. 1. Januar. Norgen. Luc. 2, 21. Da acht Tage um waren, daß das Kind beschnitten würde, da ward sein Name genannt Jesus. 1 Herr Jesu, da ich den ersten Tag dieses Jahrs erlebt, so soll mich das Andenken deiner Liebe zum Gehorsam und zur Dankbarkeit aufmuntern. Du bist schon am achten Tage unter das Gesetz gethan, und hast dich dadurch verbunden, für mich das ganze Gesetz zu erfüllen. Daran will ich gedenken und meinem Fleisch und Blut nicht den Willen lassen, sondern die Lüste und Begierden meines Herzens in deiner Kraft kreuzigen und tödten, daß es auch von mir heiße: das Alte ist vergangen, siehe, es ist alles neu geworden. Vergib mir alle Sünden, die ich in dem vorigen Jahre begangen; und laß mich durch deines Geistes Beistand ein frommes, dir geheiligtes Leben anfangen. Sollte ich auch Schmach und Verachtung leiden, weil ich dir anhange und die Sünde meide, so soll mich das von meinem Vorhaben nicht abwendig machen. Ich will mich von der Welt absondern und ihren Eitelkeiten entsagen; und das will ich mit Freuden thun, damit ich nur dich haben, dir angehören, und in Ewigkeit deiner genießen möge. Mit diesem Vorsatz fange ich das Jahr an; ich weiß nicht, ob ich das Ende desselben erleben werde; das stehet bei dir, der du alle meine Tage auf dein Buch geschrieben hast. Ich fange es mit Gebet und Lobgesang an; laß es zu den Jahren meiner neuen Geburt mitgezählt werden, damit, wenn es mein letztes in diesem Leben sein sollte, ich in deinem Frieden sanft und selig einschlafen möge. Dazu schenke mir deinen heiligen Geist in reichem Maße. Hilf, Herr Jesu, laß gelingen; Hilf, das neue Jahr geht an; Laß es neue Kräfte bringen, Daß ich christlich wandeln kann. Neues Licht und neues Leben Wollst du mir aus Gnaden geben. Amen. Start's Morgen- und Abend- Andachten. 1. Januar. Abend. Luc. 2, 21. Da ward sein Name genannt Jesus, welcher genannt war von dem Engel, ehe denn er im Mutterleibe empfangen ward. 2 Herr Jesu, deine Hand hat mich geleitet, daß ich nun die Abendstunde dieses Tages erreicht habe; dafür danke ich dir von Herzen. Ich erinnere mich beim Schlafengehen an den schönen Jesusnamen, welcher dir in der Beschneidung ist gegeben worden; den will ich in mein Herz einschreiben, und in seiner Betrachtung einschlafen. Dein Name fasset alle Schätze des Heils in sich: du bist mein Seligmacher; du bist mein Mittler, mein Versöhner, mein Hohepriester, mein Fürsprecher bei deinem Vater, mein Immanuel, mein Arzt und mein Alles. In deinem Namen beugen sich alle Kniee, die im Himmel, auf Erden und unter der Erde sind. Wie dein Name ist, so ist auch dein Ruhm bis an der Welt Ende. Dein Name ist mir eine ausgeschüttete Salbe, welche das Herz mit Freuden und Trost erfüllet. In deinem Namen erlange ich Frieden, Gnade, Vergebung der Sünden, Gerechtigkeit und die ewige Seligkeit. Meine Lust ist, an dich und deinen heiligen Namen allezeit zu gedenken. Laß auch in meinem Sterben deinen lieblichen Jesusnamen in meinem Herzen und Gedächtniß bleiben; ja, verleihe mir Kraft, daß ich alsdann noch mit Glaubenszuversicht sprechen könne: Herr Jesu, dir leb' ich; Herr Jesu, dir sterb' ich; Herr Jesu, dein bin ich todt und lebendig. Ja, kann auch mein Mund nicht beten, so laß deinen heiligen Geist inwendig mir deinen lieblichen Namen zurufen, daß ich dadurch erquickt, im Glauben gestärkt und erhalten werde. Herr, dein Name und dein Blut Ist mein Heil, mein höchstes Gut: Laß ihn Trost mir in der Bein, Ruhe mir im Tode sein. Amen. 3 2. Januar. Morgen. Hiob 28, 28. Die Furcht des Herrn, das ist Weisheit, und meiden das Böse, das ist Verstand. Heiliger Gott, du hast nach deiner großen Barmherzigkeit mich den Tag wieder erleben lassen. Gib mir Weisheit und Verstand zu meinen Berufsgeschäften, daß ich sie in deinem Namen und in deiner Gegenwart anfange und nach deinem Willen im Segen zu deiner Ehre vollbringe. Mein Gott, wie viel Stricke legt mir der Satan und die Welt, um mich von deiner Furcht und Liebe abzuziehen! Wie gelüftet mein Fleisch wider den Geist! Gib mir Weisheit, dich allein zu erwählen, dich nimmermehr aus meinem Herzen und Gedanken zu lassen, in deiner Furcht zu wandeln, dich nicht zu beleidigen, weder mit Gedanken, noch mit Worten oder Werken. Laß deine Furcht immer vor mir sein, daß ich als dein Kind dir allezeit nach den Augen sehe, ob dir mein Wort, mein Weg und Werk gefalle. Böſe Wege laß mich nicht gehen, böse und unnütze Worte nicht reden, von sündlichen Werken schrecke meine Seele ab, und laß mich nicht auf das sehen, was die Welt für böse hält, sondern was du als Sünde verboten haſt. Laß mich auch die Gleichstellung der Welt für böse halten, und alle Freundschaft fliehen, durch welche ich deine Freundschaft verlieren müßte. Mein Herz und Wille müsse sich allein nach dir richten. Meine Weisheit sei, dir zu gefallen, aber nicht der Welt, und mit ihr zu fündigen. Wirft sie deßwegen Spott, Verachtung auf mich, als ob ich keinen Verstand hätte, mich in ihre Sitten zu schicken, so laß dein Wort ein Licht auf meinem Wege und dein Wohlgefallen mein Trost ſein, bis ich in deiner Furcht im Glauben und in der Frömmigkeit den Tag und endlich auch mein Leben schließe. Laß deine Furcht, Gott, mich regieren, Mich stets auf dich, den Höchsten, seh'n; Laß sie mich zu der Weisheit führen: So werd ich niemals irre gehn. Wohl dem, der dich stets kindlich scheut! Dich fürchten, Gott, ist Seligkeit. Amen. 1* 2. Januar. Abend. Luc. 24, 29. Bleibe bei uns, denn es will Abend werden, und der Tag hat sich geneiget. So rufe ich zu dir, Herr Jesu, da nunmehr die dunkle Nacht sich einstellt. Wie viele Leiden können mich in dieser Nacht treffen; wenn du aber bei mir bist, so habe ich einen treuen Freund, einen guten Hirten und mächtigen Erbarmer bei mir. Treibe alles Unglück ferne von mir, schenke mir eine sanfte Ruhe, und laß mich auch im Schlaf mit dir einen füßen Umgang haben, daß, wenn ich erwache, ich noch bei dir sei. Umgib mich mit deinem Schuß, und sei eine feurige Mauer um mich her, daß sich keine Plage zu meiner Hütte nahen dürfe; laß mich unter deinen Flügeln sicher ruhen und morgen wieder gesund aufſtehen. Bleibe bei mir, wenn ich traurig bin; wenn die Kreuzesfluten auf mich stürmen, so sprich zu meiner Seele: ich bin deine Hilfe. Bleibe bei mir, wenn ich verlassen bin; wenn Vater und Mutter, Freunde und Verwandte sich ferne von mir halten, so sprich zu mir durch deinen Geist: ich will dich nicht verlassen, noch versäumen. Meine Seele hat ihre Freude an dir und deiner Gegenwart. Bleibe bei mir, wenn ich krank werde, und sei mein Arzt; lindere die Schmerzen von außen, und erquicke mich inwendig mit Versicherung deiner süßen Liebe. Bleibe auch bei mir, wenn ich sterbe, wenn ich den letzten Tag oder die letzte Nacht meines Lebens erreiche. Bleibe bei mir, wenn meine Seele von dem Leibe abscheidet, daß ich ewig bei dir bleibe und du bei mir, auf daß ich deine Herrlichkeit schaue, welche du mir durch dein Leiden, Sterben und Auferstehung bereitet hast. Ach, bleib bei uns, Herr Jesu Christ, Weil es nun Abend worden ist; Dein göttlich Wort, das helle Licht, Laß ja bei uns auslöschen nicht. Amen. 3. Januar. Norgen. Spr. 1, 10. Mein Kind, wenn dich die bösen Buben locken, so folge ihnen nicht. 5 Lebendiger, heiliger Gott, ich habe mir vorgenommen, diesen Tag in deiner Furcht und dir zur Ehre hinzubringen; gib mir Kraft, daß ich es durch deinen Geist auch vollbringen möge. Laß mich alles fliehen und meiden, was mich vom Glauben, von der Liebe und von der Frömmigkeit abführen will, sollten es auch meine nächsten Freunde sein. Laß mich alle die für Feinde halten, die mir etwas anmuthen, was deinem Worte zuwider ist. Wenn sie sprechen: unfre Wege sind gut, unser Leben ist ehrbar, unsre Gewohnheiten sind von vielen Menschen angenommen, so laß mich nicht dieser Stimme Gehör geben, sondern ihre Wege ansehen als solche, die zur Verdammniß führen, ihr Leben als einen Greuel, ihre Gewohnheiten als sträflich, wodurch Leib und Seele in Gefahr kommt. Ich folge ihnen nicht, daß ich dich, meinen Gott, nicht beleidige, meine Seelenruhe nicht störe, meinen Nächsten nicht ärgere, den heiligen Geist nicht aus meinem Herzen vertreibe. Dir will ich folgen durch Ehre und Schande, durch böse und gute Gerichte; lieber will ich mein Leben lassen, als dich verlassen oder beleidigen. Herr Jesu, dir ergebe ich mich mit Leib und Seele; dein Vorbild soll mir beständig vor Augen und im Herzen sein. Verleihe mir Gnade, daß ich bis an mein Ende also gesinnt sei, dich zu lieben, dir anzuhangen, das Böse zu hassen und zu lassen, und durch deinen Geist dir immer gehorsamer zu werden. Ich folge dir, mein Führer, auf der Bahn, Die du mich führst zum Ziel. Die Welt erwählt in ihrem blinden Wahn Sich falscher Führer viel. Ich bleibe dir ergeben, Nur ewig dir geweiht; Dir folg' ich nach im Leben, Dir nach in Ewigkeit Amen. 3. Januar. Abend. Offenb. 2, 5. Gedenke, wovon du gefallen bist, und thue Buße. Gerechter und heiliger Gott, du hast heute meinen Ausgang und Eingang behütet, daß mir kein Uebel ist begegnet. Aber ach, hätte ich nur nicht Uebels vor dir gethan! Ich gedenke jetzt an meine Sünden. Meine Gedanken haben sich oft von dir verirrt und sind auf eitle und böse Dinge ausgeschweift. Mein Mund hat nicht allemal geredet in deiner Gegenwart, ich habe mich nicht stets erinnert, daß du alles siehest und hörest. Fallen bringt dem Leibe Schmerzen, Sündigen verursacht Wunden und Schmerzen der Seele. Ich gedenke aber nicht allein daran, sondern ich thue auch Buße. Es ist mir leid, daß ich wider dich gesündiget habe. Gott, sei mir gnädig nach deiner Güte, und tilge alle meine Sünden nach deiner großen Barmherzigkeit. Ich bin tief gefallen; aber ich richte mich an dem Kreuze Jesu wieder auf; er ist die Versöhnung für meine Sünde; erbarme dich über mich, und nimm mich zu Gnaden an. Mein heutiger Fall soll mir in Zukunft zu größerer Vorsicht dienen, daß ich nicht wieder die vorigen Wege gehe, noch dich auf's neue betrübe. Gott, gib mir Kraft dazu; schenke mir deinen heiligen Geist, der mich auf den Weg des Friedens leite. Mein Leben fällt dahin wie die Blätter von den Bäumen, aber laß mich nicht aus deiner Gnade fallen. Mit solchen Gedanken will ich einschlafen; schenke mir eine stille Ruhe und wende alles Verderben von mir ab, so soll morgen mein Mund deines Ruhmes voll sein. 6 Ob bei uns ist der Sünde viel, Bei Gott ist viel mehr Gnade; Sein Hand zu helfen hat kein Ziel, Wie groß auch sei der Schade. Er ist allein der gute Hirt, Der Israel erlösen wird. Von seinen Sünd.n allen. Amen. 7 4. Januar. Morgen. Jes. 6, 3. Heilig, heilig, heilig ist Gott, der Herr Zebaoth; alle Lande sind seiner Ehre voll. Dreieiniger Gott, also will ich mit den heiligen Seraphim meinen Morgengesang anstimmen, und meine Kniee beugen vor dir. Erwecke meinen Geist selbst durch deinen heiligen Geist dazu, daß ich glaubenss voll sprechen möge: Heilig bist du, Gott, Vater, der du mich aus Erdenstaub zu deinem Ebenbild erschaffen und mir bis diese Stunde Gutes an Leib und Seele gethan hast. Du bist ja nicht allein mein Schöpfer, du bist auch mein Vater in der heiligen Taufe ge= worden. Heilig bist du, Herr Jesu Christ, du Sohn Gottes, der du dich für mich in den Tod gegeben, mich erlöst und mit Gott versöhnt hast, der du mich mit deinem Blute reinigest von allen meinen Sünden, und für mich betest. Heilig bist du, heiliger Geist, der du in der Taufe dich über mich ausgegossen, mich zur Gnade und zum Leben gerufen, und noch an meiner Seele arbeitest, sie zu erleuchten und zu heiligen. O du Herr der Heerscharen, alle Lande und aller Glaubigen Herzen sind deiner Ehre voll. Hilf mir, daß auch ich alles zu deiner Ehre reden, denken, thun und leiden möge. Laß dein Angedenken heute immer in meinem Herzen sein, daß ich dich beständig lobe, im Aus- und Eingehen und unter der Arbeit; ja laß bei jedem Glockenschlag das dreimal Heilig in meiner Seele erklingen, so werde ich den Engeln gleich, dich zu loben, deinen Befehl auszurichten, dir zu dienen; so werde ich auch in der Ewigkeit ihnen gleich werden in der Herrlichkeit. Verleihe mir diese Gnade um deiner Barmherzigkeit willen. Gott Vater, dir sei Preis hier und im Himmel droben! Herr Jesu, Gottes Sohn, ich will dich allzeit loben! O heil'ger Geist, dein Ruhm erschall' je mehr und mehr! Dreiein'ger Herr und Gott, dir sei Lob, Preis und Ehr! Amen. Stark's Andachten. IS ALSOTLIN 4. Januar. Abend. Nöm. 8, 1. So ist nun keine Verdammniß an denen, die in Christo Jesu sind, die nicht nach dem Fleisch wandeln, sondern nach dem Geist. 8 Gerechter Gott, da die Sonne untergeht, stelle ich mich vor dein heiliges Angesicht. Du weißt am besten, welchen Weg ich heute gewandelt habe; du weißt, wenn ich des Fleisches Begierden und Gelüsten mehr gefolgt, als deines Geistes Trieb und Locken. Verzeihe mir, und verdamme mich nicht, mein Gott, ob ich schon die Verdammniß verdient habe. Denn ich weiß, daß die geringsten Sünden, wenn sie nicht bereut, unter= lassen und dir abgebeten werden, eben so wohl verdammen, als die groben Laster. Wohlgefallen an der Ungerechtigkeit, Ueppigkeit, Rachgier, Feindschaft iſt schon vor deinen Augen wie Diebstahl, Hurerei und Todtschlag. Aber in Jesu habe ich Vergebung aller meiner Sünden, in ihm bin ich gerecht, seine Gerechtigkeit ist das Ehrenkleid, darin ich vor dir erscheinen darf; so wirst du mich nicht verdammen; sein Blut ist das Lösegeld, das mich von der Verdammniß frei gemacht hat. Ja, Herr Jesu, reinige mein Herz von allen Fleischeslüsten, und lebe du in mir, daß ich dein sei, in dir denke, aus dir rede, nach deinem Sinn und Geist wandle und mit Fleiß alles meide, was dir zuwider und mir verdammlich sein kann. Mit meinen Sünden habe ich die Verdammniß, mit deinem Leiden hast du mir die Seligkeit verdient. So ist nun keine Verdammniß an mir, weil ich in dem Blute des Lammes die Versöhnung und Reinigung erlanget habe; in seinem Namen schlafe ich fröhlich ein. Wer in Jesu ist erfunden Und mit Jesu bleibt verbunden, Wird von niemand mehr verdammt; Durch des Hohenpriesters Beten Wird vor Gott er stets vertreten, Denn das ist sein ewig Amt. Amen. 9 5. Januar. Norgen. 1 Mose 17, 1. Ich bin der allmächtige Gott; wandle vor mir und sei fromm. Liebreicher Gott, du rufest auch mir zu: Wandle vor mir! Ich kann vor deinem Angesicht mich nicht verbergen; du siehest, wo ich hingehe, was ich rede, was ich thue, was ich vornehme; darum will ich alles in kindlicher Furcht vor dir vollbringen. Gib mir ein frommes Herz, daß ich fromm in meinen Neden, fromm, wenn ich allein bin, fromm in meinem Thun und Lassen sei; fromm, wenn ich bei andern, auch wenn ich bei Bösen bin; fromm, nicht etwa nur äußerlich zum Schein, sondern in Aufrichtigkeit meines Herzens; fromm, daß ich nicht halb, sondern von ganzem Herzen ohne Heuchelei dir diene, dich ehre, dir folge; aufrichtig, redlich und ohne Falsch gegen meinen Nächsten sei, und also dem Vorbilde Jesu nachfolge. Und weil du bist der allmächtige Gott, fo beschütze mich heute vor Unglück und Schaden. Ja, weil du bist der reiche Segensgott, so laß deinen Segen fließen auf mich und die Meinen, auf meinen Beruf und Arbeit. Wenn du mich segnest, so werde ich recht gesegnet sein an Seele und Leib, zeitlich und ewig. Schenke mir eine wahre Stille meines Gemüths; bewahre mich vor allen Zerstreuungen, die mir Unruhe machen können. Laß deine Allmacht mich schrecken, wenn mein Fleisch und Blut heute eine verbotene Frucht kosten und deine Gegenwart vergessen wollte. Hiemit übergebe ich mich dir, mein Gott; laß mich den Tag in wahrer Frömmigkeit und kindlicher Furcht vor dir anfangen und enden zu deines Namens Lob, Preis und Ehre. Stets vor Gottes Augen schweben, Das ist erst ein sel'ges Leben, Da man, wo man immer ist, Dein gedenkt, Herr Jesu Christ. Amen. 5. Januar. Abend. Hebräer 13, 14. Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir. 10 Ewiger, unendlicher Gott, ich lobe dich, daß du mich heute aus und ein begleitet, mein Gebet erhört und mir bis hicher geholfen hast. Bei dir ist kein Wechsel des Lichts und der Finsterniß; aber in der Welt behält nichts eine bleibende Stätte; die Stunden wechseln ab und vergehen, auf den Tag folget die Nacht, auf den Winter der Sommer, auf die Jugend das Alter, auf Sonnenschein Regen, auf Freude Traurigkeit. Dadurch lehrest du mich, daß ich auch keine bleibende Stätte auf Erden habe, nicht in meinem Hause, nicht in meinem Beruf, nicht in meiner Gesundheit, nicht im Glück, nicht in meinen Gütern, nicht in meinem Leben; sondern daß auf das Leben der Tod, auf die Gesundheit Krankheit, auf Arbeit die Ruhe im Grabe folgen wird. Da werde ich selbst einmal zu Staub und Asche werden. So laß mich denn nicht nach der Welt Schäßzen, Glückseligkeit und Lustbarkeit verlangen! Laß mich nicht des Himmels Herrlichkeit um schnöde Lust dahin geben, oder wie Esau meine Erstgeburt verachten. Jch suche vielmehr die zukünftige Stadt, ich suche mit lebendigem Glauben, mit ge= beugten Knieen, mit falteten Händen deine Vaterarme, mein Schöpfer! dein treues Herz, o Jesu! deinen Beistand, o heiliger Geist! Geist! Darin will ich diese Nacht ruhen, dahin will ich fliehen in jeder Noth, und in der Stunde meines Todes; da will ich bleiben nach dem Ausgang aus dieser Zeitlichkeit, da will ich mich ergeßen in alle Ewigkeit. Auf Seele, auf und eile, Das Ziel ist nicht mehr fern; Die Wolken- Feuer- Säule Zeigt dir den Weg zum Herrn. Weg mit der Erde Lust und Laſt, Laß alles andre schwinden, Bis du das Kleinod hast. Amen. 11 6. Januar. Norgen. Jes. 60, 1. Mache dich auf, werde Licht; denn dein Licht kommt, und die Herrlichkeit des Herrn gehet auf über dir. Jesus, du heller Morgenstern, gehe heute mit hellem Glanze auf in meinem Herzen, daß es licht darin werde. Was hilft mir das strahlende Sonnenlicht von außen, wenn es in meinem Herzen finster ist? Du bist das wahrhaftige Licht, welches alle Menschen erleuchtet zum ewigen Leben, welche sich wollen erleuchten lassen, und dich aufnehmen. Darum zeige mir mein innerliches Verderben, meine sündlichen Gewohnheiten und Ünarten, meinen Eigensinn, meinen Ehrgeiz, meine Weltgefälligkeit, meinen Stolz, meinen Neid, meine Falschheit, die mich ewig tödten werden, wenn ich nicht in Zeiten davon ablasse. Offenbare mir aber auch, wie ich in dir habe Gerechtigkeit und Stärke. So entsage ich denn dem Teufel, der Welt und aller Ueppigkeit, und gelobe, dir zu folgen in Gehorsam und Demuth. Laß mich nichts von dir abwendig machen! Schenke mir die Vergebung aller Sün= den, deinen Frieden, deine Gerechtigkeit und Stärke, dağ ich nicht mehr der Welt und ihren Sitten, sondern dir lebe und in deinem Lichte wandle. Wie die Sonne nun höher steigt am Firmament, so laß mich in meinem Christenthum nicht stehen bleiben, sondern immer weiter kommen, daß ich immer frömmer, andächtiger und reiner werde. Ja, lebe, leuchte, wohne und bleibe du in mir, bis ich endlich auch zu jenem Licht gelange und der Herrlichkeit im Himmel theilhaftig werde, die du mir erworben hast. Herr Jesu, der du wunderbar Die Heiden haft gezogen, Gib, daß ich mit der Heidenschar Im Herzen werd' bewogen, Zu suchen dich und sonst nichts mehr, Zu deines Namens Preis und Ehr', So lang ich leb' auf Erden. Amen. 6. Januar. Abend. Matth. 2, 11. Und sie thaten ihre Schäße auf, und schenkten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhen. 12 Herr Jesu, du bist mein Licht, dich will ich niemals aus meinem Herzen lassen. Du hast dich selbſt mir zu eigen gegeben, ich möchte dich auch wieder beschenken. Aber was habe ich, das ich dir geben könnte? Nackend bin ich von meiner Mutter Leibe gekommen, nackend werde ich wieder dahin fahren. Ich schenke dir eine geringe Gabe, nemlich mein Herz; erfülle es mit deiner Liebe, mit Glauben im heiligen Geist. Ich schenke dir das Gold meines schwachen Glaubens; Herr, mehre, stärke und erhalte denselben. Ich schenke dir den Weihrauch meines Gebets; erhöre es, und laß dir wohlgefallen die Rede meines Mundes und das Gespräch meines Herzens. Wenn ich zu dir schreie, so schweige mir nicht, und laß mich Gnade finden. Ich schenke dir die Myrrhen meines zerschlagenen Herzens, da mir meine Sünden durch deines Geistes Licht bitter und ein Greuel geworden sind; verzeihe mir dieselben, und heilige dir mein Herz zu deiner Wohnung. Ich schenke dir meinen Willen, ändere ihn; meinen Verstand, erleuchte ihn; mein Leben, regiere es; meine Gedanken, daß sie immer deiner Ehre voll seien. Bei dir will ich einschlafen und ruhen und fröhlich erwachen. Laß auch im Traum mich mit dir umgehen und wenn ich erwache, noch bei dir sein. Laß mich meine Wallfahrt im Glauben vollenden, und im Sterben wiederkehren in mein Heimat- Land, in das VaterHaus des Himmels, da du mir eine Stätte bereitet haſt. Ich steh' an deiner Krippe hier, DJesu, du mein Leben! Ich komme, bring' und schenke dir, Was du mir hast gegeben; Nimm hin, es ist mein Geist und Sinn, Herz, Seel und Muth, nimm alles hin, Und laß dir's wohl gefallen. Amen. 7. Januar. Norgen. Matth. 11, 29. Lernet von mir; denn ich bin sanftmüthig und von Herzen demüthig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. 13 Heiliger Gott, liebreicher Vater, stelle mir heute das Beispiel Jesu vor Augen, daß ich von ihm lernen möge. Ich kann ja nicht selig werden, wenn ich nicht Jesu Nachfolger bin. Ich beklage, daß ich so viel Böses von der Welt gelernt, so lange ihr gehorsamer Schüler gewesen. Du siehest die Gewalt des Fleisches, wie es mich oft zum Zorn reizt, wenn es nicht nach meinem Willen geht; weil aber des Menschen Zorn nicht thut, was recht ist, so laß mich sanftmüthig werden, wie Jesus war, der nicht wieder schalt, da er gescholten ward, nicht dräuete, da er litt. Gib mir des Lammes Sinn und Art, des Lammes Wort und Werk, auf daß ich ihm auch einst in der Herrlichkeit folgen möge. Regt sich Stolz und Verachtung des Nächsten in mir, so drücke mir das demüthige Jesusbild in mein Herz, welcher, ob er wohl Gottes Sohn war, sich doch nur des Menschen Sohn nannte. Bewahre mich vor der falschen Demuth, die äußerlich demüthig spricht und sich stellt, aber inwendig voll Stolz und Geringschätzung des Nächſten ist; so werde ich Ruhe finden vor den Anläufen des stolzen Satans, Ruhe vor den Reizungen des rachgierigen Fleisches, Ruhe in deiner Liebe, mein Vater, Nuhe in deiner Gnade, o Jesu, Ruhe in der Gemeinschaft des heiligen Geistes. Laß mich in solcher Ruhe leben und bleiben, bis ich endlich als dein Kind zur ewigen Ruhe gelangen möge. Ach du Gott der wahren Ruh', Gib auch Ruhe mir! Was ich denke, red' und thu, Streb' nach Nuh' in dir. Gib Ruh' dem Geist. Schließt sich dann mein Auge zu, So führ' Leib und Seel' zur Ruh, Dem Himmel zu. Amen. 7. Januar. Abend. Joh. 1, 29. Siehe, das ist Gottes Lamm, welches der Welt Sünde trägt. 14 Jesu, mein Erbarmer, zu dir fliehe ich, da nun die finstere Nacht hereinbricht. Ich gedenke an meine Sünden, die ich heute mit Denken, Reden, Wollen und Thun begangen habe. Ich verschweige, ich entschuldige sie nicht, ich bekenne sie von Herzen und bitte um Verzeihung aller, auch meiner verborgenen Fehler Sind aber meine Sünden viel und groß, viel größer ist dein Erbarmen; schreien meine Sünden: Nache! Rache! so schreiet das Blut Jesu: Gnade! Gnade! Ich lege mich vor dein Kreuz nieder und bitte dich: Herr Jesu, laß dein Blut zu meiner Versöhnung auf mich fließen. Du trägst nicht allein meine und der ganzen Welt Sünden, die du auf dich genommen hast, du nimmſt sie auch weg, daß ihrer nimmermehr gedacht werde. Habe Dank, für deine Liebe, für dein Kreuz und deinen Tod. O du Lamm Gottes, reinige mich von meinen Sünden und laß mich deinen Fußstapfen beständig nachfolgen; in deine Unschuld kleide ich mich, in deiner Gerechtigkeit werde ich rein und gerecht, jetzt und in der Stunde meines Todes. Mit diesen Gedanken gehe ich zur Ruhe. Wende Schrecken, Unglück und Schaden von mir ab. In Sündenangst tröste mich: siehe, hier ist Gottes Lamm, das deine Sünde getilgt. In Todesnoth rufe mir zu: siehe, hier ist Gottes Lamm, das dich mit seinem Blut erkauft hat. Wenn ich sündigen will, laß mich gedenken: siehe, da ist Gottes Lamm, willst du das betrüben? O Lamm Gottes unschuldig, Am Stamm des Kreuzes geschlachtet, Allzeit funden geduldig, Wiewohl du warest verachtet; All Sünd' hast du getragen, Sonst müßten wir verzagen. Erbarm' dich unser, o Jesu! Amen. 15 8. Januar. Morgen. Pf. 139, 7. Wo soll ich hingehen vor deinem Geist? und wo soll ich hinfliehen vor deinem Angesicht? Herr Gott, der du alles siehest, was im Himmel und auf Erden ist, schreibe mir deine Allgegenwart tief in mein Herz, so werde ich nicht fündigen. Ein Unterthan scheuet sich in Gegenwart seines Königes, ein Kind in Gegenwart seines Vaters, Böses zu thun, welches doch nur sterbliche Menschen sind, wie vielmehr sollte ich mich scheuen vor dir. In deiner Gegenwart will ich aus und eingehen; in deiner Gegenwart will ich reden, in deiner Gegenwart will ich arbeiten, und was ich mir nicht getraue in deiner Gegenwart auszuüben, das will ich meiden. Will Satan mir die Einsamkeit zur Sündengelegenheit machen, so laß mich gedenken: wenn die Kammer verriegelt, das Haus verschlossen, die Fenster verdecket sind, so siehet doch ein allsehendes Auge in die verborgensten Winkel. Deinen Augen, die wie Feuerflammen sind, kann ich nicht entfliehen auf dem Felde, in den Wäldern, in der Fremde; denn auch da bist du zugegen, du hörest alles und siehest alles, bewahre mich auch vor heimlichen Sünden. Es soll aber auch dieses mein Trost sein, daß du siehest in mein Kämmerlein, wenn ich bete; daß du weißest die Ursachen meiner Traurigkeit und meines Weinens, und wirst zu rechter Zeit Rath, Trost und Hilfe schaffen. Also will ich den Tag in deiner Gegenwart anfangen und schließen. Laß mich dieselbe auch empfinden durch innerlichen Trost, durch Abwendung der Gefahr von meinem Leib und meiner Seele, durch Mittheilung deines Segens und beständige Erhaltung in deiner Gnade. O Auge, das nicht Trug und Falschheit leidet, Wohl dem, der auch verborgne Sünden meidet, Der los und frei von Heuchelei, Vor dir und Menschen redlich handelt Und unter deiner Aufsicht wandelt. Amen. 8. Januar. Abend. Zachar. 3, 4. Der Hohepriester Josuc. hatte unreine Kleider an und stand vor dem Engel, welcher antwortete und sprach zu denen, die vor ihm standen: Thut die unreinen Kleider von ihm. Und er sprach zu ihm: Siehe! ich habe deine Sünden von dir genommen, und habe dich mit Feierkleidern angezogen." 11 16 Gott, Vater, du hast mich diesen Tag überleben lassen; und ich kann von Gnade und Wahrheit, von Liebe und Barmherzigkeit sagen. Keine Stunde ist vergangen, da ich nicht Gnade, Liebes- und SegensGaben von dir empfangen habe; dafür dich Mund und Herz anbeten und preisen müssen. Nun ziehe ich meine Kleider aus; die habe ich reinlich gehalten, aber ich habe Leib und Seele verunreinigt mit sündlichen Gedanken, Worten und Werken. Die thue ich von mir in schmerzlicher Reue, in lebendigem Glauben an Jesum, meinen Heiland; thue du sie weg durch gnädige Vergebung; tilge sie aus deinem Buche, daß sie mir nimmermehr vorgehalten werden, weder in der Stunde des Todes, noch am Tage des Gerichts. Dagegen ziehe mich an mit dem Rock der Gerechtigkeit Jesu Christi. Dieses Kleid wirst du kennen, darin werde ich dir angenehm sein. Mit diesem Kleide muß meine Seele gezieret sein, wenn sie will in dir bleiben. Du hast es aus erbarmender Liebe mir ge schenkt, und in der heiligen Taufe angezogen; laß mich es niemals durch muthwillige Sünden beflecken oder verlieren, sondern als mein Feierkleid bewahren. Nun ist meine Seele wohl eingehüllt; schenke auch meinen Gliedern eine sanfte Ruhe. Laß mich durch Buße und Glauben alles Unreine täglich von mir thun, daß ich im Sterben in Christo Jesu erfunden werde. Christi Blut und Gerechtigkeit Das ist mein Schmuck und Ehrenkleid: Damit will ich vor Gott bestehn, Wann ich zum Himmel werd' eingehn. Amen 9. Januar. Morgen. Matth. 10, 32. 33. Wer mich bekennet vor den Menschen, den will ich bekennen vor meinem himmlischen Vater. Wer mich aber verleugnet vor den Menschen, den will ich auch verleugnen vor meinem himmlischen Vater. 17 Allmächtiger Gott, gütiger Vater, ich fange diesen Tag in deinem Namen an. Laß mein Herz deine Wohnung sein, darin du gute Bewegungen erweckest, welche den ganzen Leib vor Sünden bewahren. Gib mir Kraft, daß ich dich heute an allen Orten und bei allen Gelegenheiten bekenne. Ich will dich bekennen, wenn ich allein bin, mit Singen und Beten; ich will dich bekennen vor allen Leuten mit meinem Munde, meinem Leben, daß ich nichts meinem Christenthum Unanständiges rede oder thue, der Welt mich nicht gleich stelle, den Menschen zu Gefallen nicht mitmache, mitsündige und dich, meinen Gott und Vater im Himmel, beleidige. Ich will dich auch bekennen, so jemand Grund fordert der Hoffnung, die in mir ist, daß ich mich dein und deiner Worte nicht schäme. Jesu, du hast mir zu gut Tod und Schmerzen gelitten, laß mich dich auch bekennen vor der Welt, daß ich dein Jünger bin und dir angehöre. Ein schändliches Verleugnen wäre es, wenn ich mich wollte der Frömmigkeit, Gottesfurcht und eines der Welt abgestorbenen Lebens schämen. Geschiehet das Verleugnen zumeist aus Menschenfurcht, aus Sündenliebe und Gemächlichkeit, so bewahre meine Seele vor diesen Fallstricken, daß ich deine Gunst der Menschen Gunst, welche mich im Sterben nicht erretten kann, weit vorziehe. Erkenne, bekerne und nenne mich auch den Deinigen im Tode und im jüngsten Gericht, und stelle mich alsdann unter deine Erben und Kinder. Weg mit Menschenfurcht und Scheu! Jesum will ich gern bekennen;" Wer ihm hier geblieben treu, Den wird er als sein bekennen Droben in des Vaters Haus, Wo man Kronen theilet aus. Starks Morgen- und Abend- Andachten. 2 9. Januar. Abend. Psalm 50, 14. 15. Opfere Gott Dank, und bezahle dem Höchften deine Gelübde. Und rufe mich an in der Noth; so will ich dich erretten, und tu sollst mich preiſen. 18 Du wunderbarer Gott, nách deiner heiligen Ordnung folgt auf den Tag die Nacht. Ich komme vor dich mit Danken, daß du mich heute so gnädiglich behütet hast und möchte dir ein Abendopfer bringen. Ich opfere dir ein dankbares Herz für alle deine Treue; laß es dir wohl gefallen, weil ich sonst nichts habe. Herr, ich komme vor dich mit demüthigem Anrufen: tilge mit dem Blute Jesu mein Sündenregister! Jegt beten mit mir viele tausend Fromme, ein jeder um eine besondere Gabe; laß jeden an seinem Theil Hilfe und Errettung erlangen. Du anbetungswürdiger, mächtiger Gott bist es, zu dem ich fliehe in aller Noth: in Sündennoth, wenn mir die Thorheit meiner jungen Jahre wird vor Augen gestellt; in leiblicher Trübsal, wenn Schmerz, Verfolgung, Verachtung mich trifft; in Seelennoth, wenn ich traurig, elend und verlassen bin. Denn ich weiß, du bist ein allmächtiger Helfer, ein starker Erretter, ein Gott, dem nichts unmöglich ist. Du bist unser aller Vater, der sich über seine Kinder erbarmet. Du bist der offene Brunn, daraus deine Kinder schöpfen Gnade um Gnade. Herr, versiegle diesen Trost in mir zu allen Zeiten und Stunden, so soll mein Mund immer sagen: Der Name des Herrn sei hochgelobet! Ich will dich preisen mit meinem Herzen und loben in meinem Leben und Wandel; errette mich und hilf mir auch in der letzten Noth im Sterben, damit ich dich in Ewigkeit vreisen möge. Nimm zu deinem Eigenthume Leib und Seele alles hin; Fortan leb' ich dir zum Ruhme, Weil ich mein nicht ferner bin. Liebe, nimm dies Opfer an, Weil ich sonst nichts geben kann. Amen. 10. Januar. Norgen. Jef. 32, 40. Ich will ihnen meine Furcht ins Herz geben, daß fie nicht von mir weichen. 19 Gütiger Gott, wie hast du die Leute so lieb! Deine Treue und Liebe hat in der vergangenen Nacht das Leiden von mir abgewendet, im Schlaf über mich gewacht und des Tages Licht sehen lassen. Gib nun deine heilige Furcht in mein Herz, daß ich deiner niemals vergesse." Laß mich fleißig gedenken, wie du bisher mein Versorger, mein Erbarmer, mein Schutz und Erretter seiſt gewesen, damit ich zur Dankbarkeit, zur Furcht und zum Gehorsam ermuntert werde. Ich will aber dich nicht fürchten wie ein Knecht, weil du zürnest, dräueſt und strafest; meine Furcht soll kindlich sein, weil ich einen kindlichen Geist empfangen; ich will zu den Sündern sagen, die mich wollen locken zur Sünde: wie sollt' ich so groß Uebel thun und den Vater im Himmel beleidigen, Jesum betrüben, den heiligen Geist von mir treiben? Dreieiniger Gott, von dir will ich nicht weichen; nicht mit meinen Gedanken, nicht mit meinem Leben. Dein Wort soll sein meines Glaubens und Lebens Regel, soll das Licht auf meinen Wegen sein, darnach ich meinen Gang richte. Gott, der du mir das Wollen gegeben hast, gib mir auch das Vollbringen. Weiche nicht von mir, mein Jesu! Vergib mir alle meine Sünden; schenke mir deine Gerechtigkeit und deinen Frieden. Weiche nicht von mir, heiliger Geist! Heilige mein Herz und führe mich auf ebener Bahn, so wird mir dieser Tag ein seliger und gesegneter Tag sein in all meinem Vorhaben, wenn du mit mir und ich mit dir vereiniget bin. In deiner Furcht laß einst mich sterben, So schreckt mich weder Tod noch Grab, So werd' ich jenes Leben erben, Dazu dein Sohn sich für mich gab. Gott, deine Furcht bringt Segen ein; Ihr Lohn wird groß im Himmel sein. Amen. 10. Januar. Abend. Jac. 4, 8. Nahet euch zu Gott, so nahet er sich zu euch. Gnädiger und barmherziger Gott, der du den Reichthum deiner Güte heute auf mich gewandt: i nahe mich zu dir mit einem bußfertigen Herzen, das berzlich beklagt, was ich diesen Tag dir zuwider gethan. in dem Nahen zu dir fliehe ich alle Weltsünden und Eitel teiten. Hilf mir alle Sündenliebe aus meinem Herzer austreiben, daß ich ganz dein Eigenthum werde und bleibe Ich nahe mich zu dir mit einem glaubigen Herzen, uni zweifle nicht, du werdest mir in Jesu gnädig sein Ich nahe mich zu dir mit dem festen Borsag, did nimmermehr zu betrüben. Ich nahe mich zu dir alein Armer zu dem Reichen, als ein Schäflein z seinem Hirten, als ein Pilgrim, der um liebreiche Auf nahme bittet. Ich nahe mich zu dir mit Schreien un Flehen. Nahe du dich zu mir mit deiner gnädige Erhörung. Nahe dich zu mir diese Nacht mit deiner Schuß; nahe dich zu mir, wenn ich traurig bin, un erquidke mich, wenn mich der Feind dränget, und er rette mich; nahe dich zu mir in allen Begebenheite und in allen Anliegen. Nahe dich zu mir und nimm von mir das steinerne Herz und schenke mir dagege beinen heiligen Geist und ein frommes Herz. Nah dich zu meiner Seele, so erlangt sie innerliche Kra und neue Stärke. Nahe dich auch zu mir in de Stunde meines Todes, und laß mich in dem Blu Jesu die Versöhnung, Frieden und Ruhe finden, ist Leib und Seele wohl verwahrt, bedeckt und beschüt Willst du, daß ſich dein Gott dir nahe, Se nah' dich ihm bei Zeiten hier; Er strecket, daß er dich umfahe, Schon längst die Hände aus nach dir. Die Gnade, die für dich das Leben Am Kreuze völlig gab dahin, Die will, daß du dich ihr sollst geben Zum Eigenthum mit ganzem Sinn. Amen. 20 I 1 D 11 1 D m 11 11 Je 1 et te 10 t. 11. Januar. Norgen. 1 Tim. 1, 5. Die Hauptsumma des Gebots ist: Liebe von reinem Herzen, von gutem Gewissen und von ungefärbtem Glauben. Treuer Gott, liebreicher Vater, du hast mich mit Frenden die Morgenröthe sehen lassen. Habe Dank für alle Gnade und Barmherzigkeit, die du an mir thuft. Gib, daß ich als dein Kind dich herzlich liebe, fleißig an dich gedenke, dich im Herzen habe, von dir rede, und alles fliehe, was dir zuwider ist. Laß mich auch meinen Nächsten lieben ohne Falsch, als mich selbst. Laß deine Liebe mich heiligen durch und durch, so werde ich auch ein gut Gewissen behalten. Laß mich es halten wie mein Auge, in welchem ich auch kein Sandkörnlein leiden kann. Laß mich bei allem, was ich thue und rede, gedenken: sollte ich nicht einen Flecken oder Wunde im Gewissen bekommen? Und da ich dir, mein Gott, im Glauben anhange, in dir Heil und Seligkeit suche und finde, so laß meinen Glauben ungefärbt sein, ohne Heuchelei und Irrthum, lebendig, daß er mein Herz und Leben heilige und reinige, mich fromm und gehorsam, demüthig und sanftmüthig mache, daß er nicht nur den Schein, sondern auch die Kraft eines gottseligen Wesens habe. Du siehest mein Herz und kennest alle meine Absichten, dein helles Auge kann ich nicht betrügen, darum soll mein Herz dir geweiht, mein Leben dir geheiligt sein. Ja, Herr Jesu, reinige mich alle Tage mehr und mehr, daß ich mit dir vereinigt bleibe in Zeit und Ewigkeit. Laß dies meine Sorge bis an mein Ende sein. Mein Gott, halte du durch Gnade Mein Gewissen zart und rein, 21. Daß nicht meines Glaubens Schade Müsse mein Verderben sein. Schüße meine Seele immer, Führ' den Glauben an das Land, Kriegt das Grab des Leibes Trümmer, Bleibt doch sie in deiner Hand. Amen. 10. Januar. Abend. Jac. 4, 8. Nahet euch zu Gott, so nahet er sich zu euch. Gnädiger und barmherziger Gott, der du den Neichthum deiner Güte heute auf mich gewandt: ich nahe mich zu dir mit einem bußfertigen Herzen, das Herzlich beklagt, was ich diesen Tag dir zuwider gethan; in dem Nahen zu dir fliehe ich alle Weltsünden und Eitelkeiten. Hilf mir alle Sündenliebe aus meinem Herzen austreiben, daß ich ganz dein Eigenthum werde und bleibe. Ich nahe mich zu dir mit einem glaubigen Herzen, und zweifle nicht, du werdest mir in Jesu gnädig sein. Ich nahe mich zu dir mit dem festen Vorsatz, dich nimmermehr zu betrüben. Ich nahe mich zu dir als ein Armer zu dem Reichen, als ein Schäflein zu seinem Hirten, als ein Pilgrim, der um liebreiche Aufnahme bittet. Ich nahe mich zu dir mit Schreien und Flehen. Nahe du dich zu mir mit deiner gnädigen Erhörung. Nahe dich zu mir diese Nacht mit deinem Schuß; nahe dich zu mir, wenn ich traurig bin, und erquicke mich, wenn mich der Feind dränget, und errette mich; nahe dich zu mir in allen Begebenheiten und in allen Anliegen. Nahe dich zu mir und nimm von mir das steinerne Herz und schenke mir dagegen deinen heiligen Geist und ein frommes Herz. Nahe dich zu meiner Seele, so erlangt sie innerliche Kraft und neue Stärke. Nahe dich auch zu mir in der Stunde meines Todes, und laß mich in dem Blute Jesu die Versöhnung, Frieden und Ruhe finden, so ist Leib und Seele wohl verwahrt, bedeckt und beschützt. Willst du, daß sich dein Gott dir nahe, Se nah' dich ihm bei Zeiten hier; Er strecket, daß er dich umfahe, Schon längst die Hände aus nach dir. Die Gnade, die für dich das Leben Am Kreuze völlig gab dahin, Die will, daß du dich ihr sollst geben Zum Eigenthum mit ganzem Sinn. Amen. 20 11. Januar. Norgen. 1 Tim. 1, 5. Die Hauptsumma des Gebots ist: Liebe von reinem Herzen, von gutem Gewissen und von ungefärbtem Glauben. Treuer Gott, liebreicher Vater, du hast mich mit Frenden die Morgenröthe sehen lassen. Habe Dank für alle Gnade und Barmherzigkeit, die du an mir thust. Gib, daß ich als dein Kind dich herzlich liebe, fleißig an dich gedenke, dich im Herzen habe, von dir rede, und alles fliehe, was dir zuwider ist. Laß mich auch meinen Nächsten lieben ohne Falsch, als mich selbst. Laß deine Liebe mich heiligen durch und durch, so werde ich auch ein gut Gewissen behalten. Laß mich es halten wie mein Auge, in welchem ich auch kein Sandkörnlein leiden kann. Laß mich bei allem, was ich thue und rede, gedenken: sollte ich nicht einen Flecken oder Wunde im Gewissen bekommen? Und da ich dir, mein Gott, im Glauben anhange, in dir Heil und Seligkeit suche und finde, so laß meinen Glauben ungefärbt sein, ohne Heuchelei und Irrthum, lebendig, daß er mein Herz und Leben heilige und reinige, mich fromm und gehorsam, demüthig und sanftmüthig mache, daß er nicht nur den Schein, sondern auch die Kraft eines gottseligen Wesens habe. Du siehest mein Herz und kennest alle meine Absichten, dein helles Auge kann ich nicht betrügen, darum soll mein Herz dir geweiht, mein Leben dir geheiligt sein. Ja, Herr Jesu, reinige mich alle Tage mehr und mehr, daß ich mit dir vereinigt bleibe in Zeit und Ewigkeit. Laß dies meine Sorge bis an mein Ende sein. Mein Gott, halte du durch Gnade Mein Gewissen zart und rein, 21 Daß nicht meines Glaubens Schade Müsse mein Verderben sein. Schüße meine Seele immer, Führ' den Glauben an das Land, Kriegt das Grab des Leibes Trümmer, Bleibt doch sie in deiner Hand. Amen. 11. Januar. Abend. P₁. 66, 20. Gelobet sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft, noch seine Güte von mir wendet. 22 Herr mein Gott, meine müden Glieder sehnen sich nach Ruhe; ehe ich aber mich niederlege, will ich mit erhobenem Herzen, Händen und Stimme ausrufen: Gelobet sei Gott, der mich gesegnet an Leib und Seele, der mich geführt, erleuchtet, geheiliget und in der Gnade erhalten; der mein Gebet nicht verworfen, sondern mehr gegeben, als ich gebeten. Wer weiß, wie viel Anschläge meiner Feinde du vernichtet, wie schwere Kreuzes- Ungewitter du abgewendet, wie väterlich du meiner verschonet hast? Sollte ich dir nicht danken, und sagen: Gelobet sei Gott! Deine Güte war über mir, da ich geboren wurde, sie brachte mich in den Schoß der Kirche, sie war meine Wärterin in der Kindheit, meine Führerin in meiner Jugend, meine Begleiterin im Aus- und Eingehen, meine Beschüßerin in aller Gefahr. Auch heute hast du deine Güte nicht von mir gewendet, sondern mich bis hieher gebracht. Laß deine Güte auch diese Nacht die Wächterin sein; laß sie alle Gefahr, Unglück, Feuer- und Wassersnoth abwenden, und mich behüten, wie eine Mutter ihr Kind bewacht. Wende deine Güte auch inskünftige nicht von mir; wenn ich fehle, so bringe mich wiederum zurecht; wenn ich falle, so richte mich wieder auf; wenn ich sündige, so laß deine Güte mich zur wahren Buße leiten. Ich wende mich zu dir mit demüthiger Abbitte aller meiner Sünden; Herr Jesu, wende dich zu mir, und laß mich dir befohlen sein im Leben und Sterben. Gelobt sei Gott, der mein Gebet Noch nie verworfen hat; So oft ich auch zu ihm gefleht, Half er mit Rath und That. Drum überlaß ich wohlgemuth Mich seiner güt'gen Hand; Er machts gewiß mit mir auch gut Sein Wort gilt mir als Pfand. Amen. 23 12. Januar. Morgen. 2 Kor. 7, 1. Lasset uns von aller Vefleckung des Fleisches und des Geistes reinigen. Heiliger Gott, verleihe mir Gnade, daß ich heute rein erfunden werde von innen und außen. Ich komme deshalb zu dir mit der demüthigen Bitte um deinen heiligen Geist. Bewahre mich durch denselben, daß mich nicht beflecke die Welt durch ihre sündlichen Gewohnheiten in Werken und Worten, daß ich nicht drein willige. Lösche in mir aus die Befleckungen, welche aus sündlichen Lüsten entstehen, daß ich ernstlich dawider kämpfe, und niemals Gefallen daran habe, viel weniger zum Ausbruch kommen lasse. Will Satan mich beflecken durch Zorn, Eitelkeit, Frechheit, Falschheit, Neid, so wirke in mir einen beständigen Abscheu davor. Weil aber du, Gott, an der Reinigkeit, die nur äußerliche Ehrbarkeit heißt, keinen Gefallen hast, so bewahre mich auch vor allen Befleckungen des Geistes. Behüte meine Augen vor Lüsternheit, meine Zunge vor falscher Nede, meine Hände vor Blutvergießen, meine Füße vor bösen verbotenen Wegen, noch vielmehr aber meinen Geist vor sündlichen Gedanken, bösen Begierden, Uebermuth, heimlichen Gelüsten, welche vor Menschen- Augen verdeckt, aber vor dir, Gott, aufgedeckt und dir ein Greuel sind. Verleihe du mir Kraft und Stärke, diese Reinigung vorzunehmen mit demüthiger Erkenntniß meiner Fehler, mit sorgfältiger Aufmerksamkeit auf meine Worte und Wege, und auf alles, was innerlich sich in mir regt, mit Wachen und Beten, mit Kreuzigung der Lüste und Begierden und Betäubung meines Leibes. Dieses soll die Arbeit meines Lebens sein, so werde ich den Abend vom Satan, der Welt und meinem Fleisch und Blut unbefleckt erreichen. Selig sind die reinen Herzen, Die nicht Sünd' und Welt umstrickt, Die mit schnöder Lust nicht scherzen, Weil nur Heil'ges sie entzückt. Einst im reinen Himmelslicht Schau'n sie Gottes Angesicht. Amen. 12. Januar. Abend. Ps. 34, 2. Ich will den Herrn loben allezeit; sein Lob soll immerdar in meinem Munde sein. 24 Liebreicher Gott und Vater, dich loben alle Kreaturen, Himmel und Erde, Meer, Sonne, Mond und Sterne, darum lobe ich dich auch nicht allein in der Stille meines Herzens, sondern auch mit meinem Munde. Jch lobe dich, daß du mich heute vor schweren Sünden bewahrt hast, die mich diesen Abend noch ängstigen und meine Ruhe stören könnten. Was ich aus Schwachheit, aus Unvorsichtigkeit, Uebereilung ge= redet, gedacht oder vollbracht, das verzeihe mir aus Gnaden. Auch im Kreuz soll dein Lob in meinem Munde sein. Ich lobe dich, daß du mich aus und ein begleitet, und mir Gesundheit und Leben erhalten hast. Ich lobe dich, daß du mich gekleidet, gespeiset und getränket hast. Ich lobe dich, daß du mich von Jugend auf gelehret, zum Glauben gebracht, deine Furcht mir ins Herz geschrieben und deinen heiligen Geist gegeben hast. Herr, Herr! ich bin zu gering aller Barmherzigkeit und Treue, die du an mir gethan hast. So will ich den Tag mit Loben und Danken schließen. Laß mich auch einst, wenn mein Stündlein vorhanden ist, mit Loben und Danken meinen Geist in deine Hände befehlen. Laß mich in diesem beständigen Lobe den Engeln gleich werden in der Zeit, damit ich ihnen auch gleich werde in der Ewigkeit, daß ich mit ihnen vor deinem erhabenen Thron stehen und sprechen möge: Lob, Preis und Dank Sei dem dreieinigen Gott Von Ewigkeit zu Ewigkeit. Lobt ihn mit Herz und Munde, Welches er uns beides schenkt, Das ist eine selige Stunde, Darin man sein gedenkt: Sonst verdirbt alle Zeit, Die mir zubringen auf Erden Wir sollen selig werden, Und bleiben in Ewigkeit. Amen. 13. Jannar. Morgen. Hebr. 12, 1. Laffet uns ablegen die Sünde, die uns immer anklebet und träge macht, und laufen durch Geduld in dem Kampf. der uns verordnet ist 25 Allmächtiger Gott, laß mich diesen Tag, den ich umer deinem Schutz und Schirm erreichet habe, auch in deiner heiligen Furcht hinbringen. Du weißt, mein Gott, daß ich aus mir selbst keiner Sünde widerstehen, noch sie ablegen kann, aber wenn dein Geist meiner Schwachheit aufhilft, so kann ich die Sünde ablegen aus meinem Herzen, daß ich keine Lust mehr daran habe, sondern vor einem jeden sündlichen Gedanken als meinem ärgsten Feinde mich entsetze; ablegen aus meinem Munde, daß ich vor allen unnüßen Worten einen Abscheu habe; ablegen in meinem Leben, daß ich in keine Sünde mehr willige. Du siehest, wie mir die Sünde anklebt und um mich herum stehet, daß ich leicht verführt werden und fallen kann, ja, wie sie mich zu allem Guten, zum Gebet, zur Nachfolge Jesu, zur Verleugnung der Welt, zur Kreuzigung des Fleisches und seiner Lüſte träge macht, wenn ich nicht wache und bete und in deinem Licht alle Gelegenheit der Sünde fliehe und meide. Darum laß mich nicht allein in dem Kampf, den du mir verordnet hast, sonst werde ich überwunden und falle. Aber in deiner Kraft vermag ich alles; laß mich dieselbe heute reichlich verspüren, daß ich in deiner Stärke über die Sünde herrsche, und sie nicht über mich, daß ich sie überwinde, und sie nicht mich, und wenn etwas dabei zu leiden ist, daß ich es mit Geduld ertrage. Auf dich, Jesu, richt' ich meine Augen; Wenn im schweren Glaubenslauf Meine Füße nicht zu wandern taugen, Hilf dann meiner Schwachheit auf. Du bist stets am stärksten in den Schwachen, Die aus sich nichts, aus dir alles machen; Denn zu deiner Ehr allein Muß noch alles dienstbar sein. Amen. 13. Januar. Abend. Mal. 4, 2. Euch aber, die ihr meinen Namen fürchtet, soll aufgehen die Sonne der Gerechtigkeit und Heil unter ihren Flügeln. 26 Mein Herr und mein Gott, da nun die Sonne sich geneiget und alles dunkel um mich ist, so laß es doch in meinem Herzen nicht dunkel sein. Gehe auf in mir, Glanz der Gerechtigkeit, Jesu, du Heiland der Welt, und mache es in mir ganz helle. Vergib mir alle meine Sünden, daß ich durch dein Blut Versöhnung und Frieden mit Gott habe, und der Zugang zum Vater mir offen stehe. Laß den Geist mir Zeugniß geben, daß ich dein Kind sei; so werde ich Friede und Freude im heiligen Geist empfinden. Weil mir aber in der Nacht allerlei Zufälle widerfahren können, so laß mich Heil, Schutz, Schirm und Hilfe unter deinen Flügeln finden. Wie eine Henne ihre Küchlein mit ihren Flügeln bedeckt, so laß mich auch unter deinen Gnadenflügeln Errettung und Barmherzigkeit erlangen, daß mich kein Leiden, keine Noth und Gefahr berühre; also bin ich innerlich und äußerlich bewahrt, und schlafe sanft, wie ein Kind in seiner Mutter Armen. Diese große Güte, die du mir von Kindesbeinen vielfältig erwiesen, soll mich zu einer heiligen Furcht und herzlichen Dankbarkeit aufmuntern, daß ich dich, meinen großen Wohlthäter und treuen Vater, nie wissentlich und vorsätzlich beleidigen und erzürnen möge. Deine Gnade ist die Wolkensäule, die mich deckt, deine Liebe das helle Licht, das mich umgibt und meinen Schlaf süß macht. Unter deinen Flügeln lebe und sterbe ich, darunter wache ich wieder auf, darunter gehe ich zur Himmelsfreude ein. Meine Augen steh'n verdrossen, Im Nu sind sie verschlossen; Wo bleibt dann Leib und Seel'? Nimm sie zu deinen Gnaden, Sei gut für allen Schaden, Du Aug' und Wächter Israel. Amen. Univ. Bibl. Giessen 27 14. Jamuar. Morgen. Pred. 8, 12. Ich weiß doch, daß es wohlgehen wird denen, die Gott fürchten, die sein Angesicht scheuen. Heiliger Gott, treuer Erretter, ich komme vor dich mit Loben und Danken für den Schutz, welchen du mir diese Nacht gewährt hast; ich lebe noch und rühme deine immerwährende Gnade. Schenke du mir das Siegel der Kindschaft und den Seelenfrieden, daß ich durch Christum mit dir versöhnt sei. Bewahre mich vor Sünden, tröste mich in Traurigkeit; laß mich dein allsehendes Auge immer scheuen und deines Geistes Trieb zum Guten empfinden. Willst du es auch meinem Leibe lassen wohl gehen, so verleihe mir Gesundheit. Gib mir deinen Segen und sorge für mich; rathe mir, wenn ich Rath bedarf! Sollte es aber dir anders gefallen, so denke, daß du mein Vater bist, und ich dein Kind sei. Laß mich dich fürchten als meinen größten Wohlthäter, daß ich nichts vornehme, was dir könnte zuwider sein, daß ich aus Liebe zu dir vorsichtig rede und wandle, damit ich dich nicht erzürne. Ja, mein Gott, wo soll ich hingehen vor deinem Angesicht? Du schauest auf mich und siehest alle meine Wege, und ich will wiederum auf dich schauen, daß ich durch deines Geistes Kraft thue, was dir wohlgefällt. Es kann ein Kind seines Vaters Augen entrinnen, aber vor dir kann sich niemand erbergen. Du bist der allwissende und allgegenwärtige Gott, der auch in das Verborgene siehet. Dies soll auch mein Trost sein in Traurigkeit und Gefahr. Du siehest mein Flehen, Beten, Seufzen und wirst dein Vaterherz zu mir neigen. Laß mich in deiner Gemeinschaft beständig bleiben, so fange ich den Tag mit dir an, und schließe ihn in deinem Namen, und weiß, daß mir es alsdann auch ewig wohl gehen wird. Zulegt gehts wohl dem, der gerecht auf Erden Durch Christi Blut und Gottes Erbe war; Es kommt zuleßt das angenehme Jahr, Der Tag des Heils, an dem wir fröhlich werden. Amen 14. Januar. Abend. Jef. 12, 2. Siehe, Gott ist mein Heil, ich bin sicher, und fürchte mich nicht; denn Gott der Herr ist meine Stärke und mein Psalm und ward mein Heil. 28 Liebreicher, gnädiger Gott, da die Nacht hereinbricht, komme ich zu dir, bei dem mein Herz heute Trost, Hilfe und Rath gefunden hat. Du bist meiner Seele Heil. In Jesu habe ich die Vergebung aller Sünden, in ihm Gerechtigkeit, in ihm Friede und Seligkeit. Ich fürchte mich nicht vor dem Satan, weil mein Jesus bei mir ist, der ihm den Kopf zertreten. Ich fürchte mich nicht vor den Gottlosen, denn der bei mir ist, ist mächtiger als sie. Ich fürchte mich nicht vor Gefahr und Unglück, das kannst du abwenden. Ich fürchte mich nicht wegen meiner Sünden, du, mein Gott, weißt, daß sie mir herzlich leid sind. Jesu Blut ist das Lösegeld für meine Missethat. Sei du meine Stärke, die mir Kraft mittheilt, die Sünde zu hassen und zu lassen und mein ganzes Leben dir aufzuopfern. Ich gehe nun zur Ruhe. Du sollst auch mein Psalm sein des Abends, und wenn ich des Nachts erwache, so sollst du mein Lobgesang, mein Saitenspiel in der Stille sein; damit will ich die Tagesstunden erwarten. Also bin ich zeitlich und ewig wohl beschützt, gesegnet, erhalten und bewahrt. Ich kann sicherer schlafen, denn der mächtige Gott ist bei mir, und der Herr der Heerscharen hat auf mich Acht. Sollte diese Nacht die legte sein, so weiß ich wohl, wohin; ich bin wohl bewahrt, ich bin in treuen Händen, ich lebe und sterbe in Jesu Frieden. Aber wißt ihr meine Stärke Und was mich so muthig macht, Daß mein Herz des Fleisches Werke Und des Satans Grimm verlacht? Jesu Lieb ist mir gewiß, Seine Lieb ist stark und süß. Was ist, das mich noch betrübe? Der am Kreuz ist meine Liebe. Ninen. 15. Januar. Morgen. Gal. 5, 24. Die Christo angehören, die freuzigen ihr Fleisch sammt den Lüften und Begierden. 29 Gnädiger Gott, liebreicher Vater, du hast gethan, was ich gestern von dir gebeten; gib mir Gnade, daß ich heute thun möge, was du mir befohlen hast. Laß deines Geistes Licht mich leiten in alle Wahrheit, daß ich nicht wider dich fündige. Mein ärgster Feind findet sich in mir selbst. Darum schenke mir Kraft von oben, daß ich den in mir wohnenden Begierden und den von außen an mich kommenden Sünden widerstehe, diese Kreuzigung nicht nur anfange, hernach aber meiner schone, sondern fortsetze, bis der alte Adam ertödtet ist, und die Sündenherrschaft in mir aufhört. So will ich kreuzigen meine Augen, daß sie nicht nach verbotenen Dingen sehen; meine Hände, daß sie nicht nach Ungerechtigkeit sich ausstrecken; meine Füße, daß sie nicht auf verbotenen Wegen gehen; meine Ohren, daß sie sich vor unnützem Geschwätz zuschließen; meinen Willen, daß er auf deinen Willen, mein Herz, daß es auf dein Wort Acht habe. Will es mir zu lange und schwer werden, die Glieder zu tödten, die auf Erden sind, so erinnere mich, daß ich dadurch in die Zahl derer gelange, die Christo angehören, die seine Jünger, seine Nachfolger, seine Erben sind, die mit ihm in der Herrlichkeit ewig leben, und aller seiner erworbenen Güter in Ewigkeit genießen. Wie süß wird die Freude nach diesem Sterben sein, wie herrlich das Leben nach dieser Kreuzigung! Liebe, zeuch uns in dein Sterben, Laß mit dir gekreuzigt sein, Was dein Reich nicht kann ererben; Führ' in's Paradies uns ein. Doch wohlan, du wirst nicht säumen, Laß nur uns nicht läßig sein! Werden wir doch als wie träumen, Wenn die Freiheit bricht herein. Amen. 15. Januar. Abend. Sachar. 2, 5. Ich will ihr eine feurige Mauer umher sein, und will brinnen sein, und will mich herrlich drinnen erzeigen. 30 Mein Gott, der Tag ist vergangen und die finstere Nacht eingetreten, die niemands Freund ist. Sei du selbst eine feurige Mauer um mich her, die alles Unglück abwende und alle Feinde abhalte. Deine Gegenwart bringt mir Freude, denn an dir habe ich einen starken Gott, einen mächtigen König, der mich schützen, erretten und mir alles geben kann; darum fürchte ich kein Unglück, wenn du um mich und bei mir bist. Wenn deine Engel mein Haus umringen, so kann Satan darin nichts verletzen. Wenn ich mit deinem Schuß umgeben bin, so wird kein Verderben sich zu mir nahen. Ich bin dein, du bist mein, darum sei nicht nur um mich und um das Meinige her, sondern sei auch das Licht in mir. Wohne in mir und stärke mich in der wahren Frömmigkeit; wohne in mir und tilge alle Sündenlust in mir; wohne in mir und tröste mich im Kreuz und in der Traurigkeit. Bist du bei mir, so fürchte ich mich nicht, mir wird kein Unfall begegnen. Erzeige auch an mir deine Vaterliebe und Treue, wie du andern bisher so liebreich gethan hast. Sei auch im Sterben eine feurige Mauer um mich, welche die Todesnacht erleuchte, und öffne mir den Eingang in das Paradies. Ich schlafe ein, und mein Gott ist die feurige Mauer um mich her. O süßer Schlaf, da ich mit Gott vereinigt bin! Laß mich deine Herrlichkeit in der Vergebung meiner Sünden und in der Gemeinschaft mit dir schauen, bis ich zur ewigen Herrlichkeit gelange. Deine Wagenburg umschließe Alles, was mir angehört, Daß man nichts von Grauen wisſe, Welches sonst die Ruhe stört. Laß an uns're Bette schreiben: Gottes Kinder ruhen hier 01 Und Gott wird bei ihnen bleiben!" O wie sanfte schlafen wir. Amen. 16. Januar. Norgea. Pf. 73, 28. Das ist meine Freude, daß ich mich zu Gott halte, und meine Zuversicht seße auf den Herrn Herrn, daß ich verfündige all' dein Thun. 31 Barmherziger Gott, mächtiger Schutzherr deiner Kinder! Ich sehe viele Menschen, die mich können verführen; mein Herz und meine Augen sind die schlimmsten Rathgeber, und mein Wille neiget sich gerne zu dem, was dir mißfällig ist. Darum will ich mich zu dir halten. Ich halte mich an dich mit Gebet, und rufe dich um deinen Segen und Beistand an. Ich halte mich zu dir mit meinem Wandel, daß ich nicht weiche von den Wegen deiner Gebote, nicht sitze, da die Spötter sigen, nicht Gemeinschaft habe mit Werken der Finsterniß. Ich halte mich an das Vorbild Jesu, daß ich gehorsam, demüthig, keusch und sanftmüthig werde. Ich halte mich an dein heiliges Wort, und weiß, wenn ich nach dieser Regel einhergehe, so wird Friede über mir sein. Sollte mir heute ein Leiden zustoßen, jo setze ich meine Zuversicht auf dich. In Traurigkeit sei meine Freude, wenn ich verlassen bin, mein Helfer. Es soll meine Freude sein, mit dir umzugehen, an dich zu gedenken, so lebe ich als ein Kind, welches dein Geist regiert und belebt. Laß mich in diesem seligen Stande den Abend erreichen, so will ich verkündigen, was du Gutes an mir gethan hast. Mächtiger Herr, halte mich, daß ich mich an dich halten könne, damit ich nicht strauchle, sondern in deiner Furcht und zu deiner Ehre den Tag hinbringe. Das ist meine Freude, Daß in allem Leide Ich an meinen Gott Mich getroft darf halten; Er wird ob mir walten, Es hat keine Noth. Was er thut Ist recht und gut; Seiner Kinder treue Scharen Dürfen das erfahren. Amen. 16. Januar. Abend. Matth. 7, 7. Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgethan. 32 Allmächtiger Gott, Geber alles Guten, du hast mir heute viel Gutes erzeigt: laß deine Güte und Barmherzigkeit auch diese Nacht mich erhalten. O wie freuen sich deine Kinder, daß du ihnen haft Freiheit gegeben, zu bitten, mit der Versicherung, daß es ihnen gegeben werde. Kein König kann jemanden versichern, alles zu geben, was man bitten werde; er muß mit jenem Könige in Israel sagen: Hilft dir der Herr nicht, wovon soll ich dir helfen! Aber du bist der allmächtige Gott, dir ist nichts unmöglich. Darum bitte ich dich, gib mir deinen heiligen Geist, der mein Herz einnehme, reinige und heilige. Gib mir einen neuen Sinn, daß ich nichts suche, als nur dir zu gefallen und deinen Willen zu vollbringen. Leibliche Gaben überlasse ich dir, mein Vater; gib mir Gesundheit, und Nahrung, so viel zu diesem Leben nöthig ist. Ich suche die Gnade Chrifti, ich suche Barmherzigkeit mit gebeugter Seele. Und da nun alles finster um mich ist, aller Menschen Thüren zugeschlossen sind, so klopfe ich an die Thür deiner Gnade mit demüthiger Abbitte aller meiner Sünden. Ich klopfe an mit einem glaubigen Herzen; du wirst meine Uebertretungen verzeihen und mir Gnade widerfahren lassen. Thue mir auf, o Seelenfreund, und verbirg mich dieſe Nacht vor Unglück und Schaden; schließe die Thüre hinter mir zu, wie an dem Kasten Noah, daß ich bei dir wohl verwährt bleibe. Dir lebe ich, dir sterbe ich. Laß dich auch in meiner legten Stunde finden und thue mir alsdann die Himmelsthüre auf. Nun, Herr, du wirst erfüllen, Was wir nach deinem Willen In Demuth jeßt begehrt. Wir sprechen glaubig Amen In unsers Jesu Namen, So ist gewiß der Wunsch gewährt. Amen. 17. Januar. Norgen. Luc. 17, 22. Das Reich Gottes ist inwendig in euch. Ewiger Gott, ich ergebe mich dir heute mit Leib und Seele; richte du dein Reich in mir auf. Du hast nicht allein ein äußerliches Gnadenreich auf Erden, welches du durch's Wort und Sacrament bauest und erhältst, du willst auch in jeder Seele dein Reich haben. Oder unbegreiflichen Gnade, daß du, großer Gott, welchen Himmel und Erde nicht fassen können, willst in einer glaubigen Seele wohnen, und sie durch deine Gegenwart heiligen und zieren. Siehe, hier ist mein Herz, laß es deinen Thron sein, darin du herrschest. Breite deine Herrschaft über mein Inwendiges und Auswendiges, über meine Seelen- und Leibeskräfte aus. Dein gehört alles, du hast mich mit deinem Blut erkauft; darum sollst du allein König über mich sein. Beherrsche meinen Willen, erleuchte meinen Verstand, heilige meine Begierden. Alle meine Glieder sollen dir zum Gehorsam stehen: Mein Mund, meine Augen, meine Ohren, meine Füße, meine Hände sollen zu deinem Dienst willig, ja mein ganzer Leib soll dein Tempel und Eigenthum sein und dein sanftes Joch mit Freuden annehmen. Bist du also in mir, ist dein Reich in mir, so werde ich vor Sünden bewährt, und vor meinen Feinden beschützt bleiben. Vertreibe des alten Adams Lüste und Unarten durch deinen heiligen Geist aus meinem Herzen, und heilige mich dir durch und durch, daß all mein Thun dir wohlgefalle. Komm zu uns in deinem Reiche, König, dem kein König gleich, Daß das Reich des Satans weiche, Bau in uns dein Gnadenreich. Führ' uns auch nach dieser Zeit In das Reich der Herrlichkeit. Amen. Start's Morgen- und Abend: Andachten. 8 33 17. Januar. Abend. Pf. 25, 7. Gedenke nicht der Sünden meiner Jugend und meiner Uebertretung; gedenke aber mein nach deiner Barmherzigfeit um deiner Güte willen. Gnadenreicher Gott, ich komme vor deinen Thron mit gebeugtem Herzen und spreche: gedenke nicht, was ich heute Unrechtes gedacht, geredet und vollbracht. Ich habe in meiner Jugend dich oft betrübt aus Unverstand, aber auch aus Bosheit, weil das Dichten und Trachten des menschlichen Herzens nur böse ift von Jugend auf. Dessen erinnere ich mich nicht zu meiner Entschuldigung, sondern zu meiner Beschämung; denn dein Geist hat mich oft bestraft, und ich habe diese Jugendsünden in den folgenden Jahren mit Uebertretungen gehäuft. Ach, Gott, vergib mir! ach, Gott, gedenke nicht, gedenke nicht! Laß mit dem abweichenden Tag auch meine Sünden und Sündenstrafen vergehen! ich will sie unter dem Beistande deines Geistes hassen und lassen. Gedenke aber meiner in Gnaden. Gedenke meiner, wenn ich im Schlaf nicht denke, und laß deinen heiligen Geist in meinem Herzen das Abba, lieber Vater! schreien. Gedenke meiner, wenn ich betrübt und verlassen bin. Gedenke meiner, wenn ich sterbe. Siehe, wie ich große Gaben von dir bitte, der ich Zorn und Strafe verdient habe; aber ich weiß, daß du barmherzig und gnädig bist und dich aller deiner Werke, auch der bußfertigen Sünder erbarmest. Erweise mir auch diese Nacht solche Barmherzigkeit um deiner Güte willen, durch Jesum Christum, in welchem du uns alle Schätze der Gnade austheilest. Um seinetwillen erbarme dich über mich. Jefu, hilf fiegen! ach, wer muß nicht sagen: Herr, mein Gebrechen ist immer vor mir!? Hilf, wenn mich Sünden der Jugend verklagen, Die mein Gewissen mir täglich hält für; Ach, laß mich schmecken dein kräftig Verfühnen, Und dies zu meiner Demüthigung dienen. Amen. 18. Januar. Morgen. Rol. 3, 17. Alles, was ihr thut mit Worten oder Werken, das thut alles im Namen Jesu. Mein Gott, ich fange diesen Tag im Namen Jesu an. Jesus sei in meinem Herzen, in meinem Munde, in meinen Gedanken; mit ihm stehe ich auf, mit ihm gehe ich schlafen. Dieses selige Andenken meines Heilandes soll mich mein Leben lang vor Sünden bewahren. Weder Satan noch die Welt soll mir das Andenken Jesu aus dem Herzen bringen. Da ich nun unter Menschen leben muß, so soll aus meinem Munde kein Wort gehen, was ich nicht im Namen Jesu reden kann. Narrentheidinge, Lügen, schandbare Worte, Afterreden, Lästerung, Fluchen und Schwören soll niemals von mir gehört werden. Ja, was ich heute thue, soll alles in seiner Gegenwart, unter seinem Beistand, und mit seiner Hilfe geschehen. Meine Hände sollen nicht nach verbotenen Dingen greifen; meine Füße sollen nicht auf bösen Wegen sich einfinden, damit mein Gewissen nicht befleckt werde, mein Herz aber in der Gemeinschaft mit dir bleibe. All mein Vornehmen will ich nach der Regel prüfen, ob es im Namen Jesu vollbracht werden könne; ist das nicht, so will ich es als eine Schlange fliehen. Gott, du siehest mein herzliches Vorhaben; du weißt aber, wie das Fleisch den Geist hindert und träge macht; darum laß deinen heiligen Geist mir helfen ringen, kämpfen und überwinden, daß ich so werde in der Zeit, und lebe, wie ich es in der Stunde des Todes wünschen werde. D Jesu, meiner Seele Licht, Erfülle mich im Grunde, Und laß mein Herz doch ewig nicht Aus deinem Friedensbunde; Sei du mein Ein und All, D Jesu, überall, Daß ich mir sterb' durch deinen Geist Und du in mir lebendig seist. Amen. 35 3* 18. Januar. Abend. Pf. 34, 8. Der Engel des Herrn lagert sich um die her, so ihn fürchten, und hilft ihnen aus. 36 Großer Gott, durch dessen Gnade ich Leben und Odem habe, unter dessen Schutz und Schirm ich heute gesund auß- und eingegangen bin und meinem Beruf abgewartet habe: meine Seele verlanget nach dir, da nun Nacht und Finsterniß mich umgibt. Du hast den Engeln des Tages befohlen, daß sie mich auf den Händen getragen, und ich unverletzt den Abend erlebt: laß sie auch diese Nacht sich um mich her lagern. Welch' große Gnade und Wohlthat ist das, daß diese reinen Geiſter, deine Diener, müssen der armen Menschen Diener und Wächter sein. Du hast sie ausgesandt zum Dienst um derer willen, die ererben sollen die Seligkeit. O der ewigen Liebe: du sendest aus deinen Sohn zum Erlöser und Seligmacher, und deine heiligen Engel zu Wächtern! Herr, ich weiß nicht, was mir in dieser Nacht widerfahren kann, darum laß die heiligen Engel sich um mich lagern, daß ich, vor allem Üebel bewahrt, sanft ruhen möge. Sollte sich ein Unglück mir nahen wollen, so laß sie mir aushelfen und mich erretten. Laß dieser reinen Geister Gegenwart mich zur Furcht vor dir antreiben, daß ich niemals denke: es ist finster, niemand siehet mich, niemand kennet mich. Laß sie mich aufmuntern zum andächtigen Gebet, zur Reinigkeit in Worten und Werken. Sterbe ich einst nach deinem Rath, so laß sie meine Seele zur ewigen Ruhe, Friede und Freude begleiten, und laß mich allda mit denselben das ewige Halleluja anſtimmen. Deinen Engel zu mir sende, Der des bösen Feindes Macht List und Anschlag von mir wende, Und mich hält in guter Acht; Der auch endlich mich zur Ruh' Trage nach dem Himmel zu. Amen. 37 19. Januar. Morgen. Pf. 1, 1. 2. Wohl dem, der nicht wandelt im Rathe der Gottlosen, noch tritt auf den Weg der Sünder, noch sißet, da die Spötter sigen, sondern hat Lust am Geseß des Herrn, und redet davon Tag und Nacht. Heiliger Gott, lieber Vater, da ich nun heute wiederum unter Menschen gehe, so gib mir die Klugheit deiner Kinder, daß ich alle Gottlosen meide. Kann ich aber Berufs halber mich ihnen nicht entziehen, so bewahre meine Seele, daß ich nicht mit ihnen fündige. Wie bald ist eine Wunde ins Gewissen geschlagen; darum verleihe Behutsamkeit, daß ich mit unverletzter Seele den Tag hinbringe. Gib mir Kraft, daß ich die Sünder dir und deiner Liebe, womit du mich so hoch geliebet hast, niemals vorziehe. Bewahre mein Herz vor ihren Rathschlägen und Wegen. Bewahre meinen Mund vor ihren Spottreden, Narrentheidingen, unnützen Worten und Poffen; dagegen gib mir Gnade, daß ich meine Lust und Freude habe an deinem Worte und darnach meinen Gang in Worten und Werken richte. Segne auch heute meine Arbeit und laß unter derselben dein Wort in meinem Herzen und Munde sein, daß ich damit unter die Menschen gehe, damit, wenn ich von außen oder innen zum Bösen gereizt werde, dein Geist und Wort die Luft zur Sünde vertreibe und mich in deiner Furcht erhalte; also laß mich den Tag anwenden und die Nacht erreichen, von deinem Wort gerne reden, und des Guten mich nicht schämen. Laß dieses meine Lebensregel bleiben, und so ich davon weiche, führe mich zurück. Wohl dem Menschen, der nicht wandelt In gottloser Leute Rath! Wohl dem, der nicht unrecht handelt, Noch tritt auf der Sünder Pfad! Deffen Segen wächst und blüht, Wie ein Palmbaum, den man sieht An der klaren Flüsse Seiten Seine frischen Zweige breiten. Amen. 19. Januar. Abend. Phil. 4, 6. Lasset eure Bitte im Gebet und Flehen mit Danksagung vor Gott kund werden. 38 Barmherziger Gott, ich danke dir für den Schuß und Segen, den du mir heute geschenkt hast. Viele sind heute in Sünde und Schande, in Krankheit und Elend gerathen; aber mich hast du gnädiglich beschützt. Ich danke dir, daß du durch deinen heiligen Geist fleißig an mein Herz anklopfest; laß mich hinfort dem Trieb desselben willig folgen. Verzeihe mir alle Abweichungen von deinem Geset, alle sündlichen Freiheiten, die ich mir in Reden und im Wandel genommen, da ich mir nicht allezeit deine Gegenwart vorgestellt, und manches geredet und gethan, was ich hätte unterlassen sollen. Schenke mir inskünftige mehr Vorsichtigkeit, daß ich wandle nicht wie die Unweisen, sondern als die Weisen auf dem Wege deiner Gebote. Verleihe mir eine sanfte Ruhe, und wende Unglück und Schaden von mir ab. Bleibe in meinem Herzen, daß ich im Aufwachen mich noch in dir finden möge. Laß dir auch wohlgefallen meine Fürbitte für alle Kranke, Reisende, Sterbende, für alle verlassene, geängstete und bekümmerte Seelen; erscheine denselben mit Trost, Hilfe und Erquickung. Du erhörest Gebet, erhöre auch mich um deiner Liebe willen. Dir befehle ich Leib und Seele, dir die Meinigen und alle fromme Christen, und weiß, wenn dieses die letzte Nacht meines Lebens sein sollte, so sterbe ich in deni Herrn, in welchem ich Leben und volle Genüge habe, aus dessen Fülle ich hier und dort Gnade um Gnade erlangen werd.. Du schlummerst nicht, wenn matte Glieder schlafen, Ach, laß die Seel' im Schlaf auch Gutes schaffen. O Lebenssonn', erquicke meinen Sinn, Dich laß ich nicht, bis ich gesegnet bin. Amen. 20. Januar. Norgen. Matth. 12, 36. Ich sage euch, wahrlich, daß die Menschen müssen Rechenschaft geben von einem jeden unnüßen Wort, das fie geredet haben. 39 Gott, deine Güte reicht, so weit der Himmel ist, und deine Wahrheit, so weit die Wolken gehen; dieselbe hat in der Nacht auch mich bedeckt, und nun fröhlich erweckt. Laß mich heute deiner Güte genießen, aber auch deinen Ernst nie aus meinem Herzen kommen. Du bist heilig, darum sollen wir auch heilig sein, denn in das neue Jerusalem wird nichts Gemeines und Unreines eingehen. Darum sollen Gedanken, Mund und Herz dir geheiligt sein. Laß mich auch ein reines, von der Welt abgesondertes Leben führen, auf daß all mein Thun dir wohlgefalle. Heilige meine Seele dir zur Wohnung, meine Glieder zu Werkzeugen der Gerechtigkeit. Laß auch meinen Mund, meine Lippen und meine Zunge dir geheiliget sein. Ich erschrecke, mein Gott, wenn ich bedenke, wie ich mein Leben lang so viel unnütze, sündliche, schandbare, eitle, unnöthige Worte geredet, deren ich mich hernach selbst schämen mußte. Ach, mein Gott, verzeihe mir und fordere mich deßwegen nicht zur Rechenschaft in der Stunde meines Todes, oder am Tage des Gerichts. Ich verspreche dir, von nun an meine Worte auf die Wage zu legen und zu reden, was ehrbar, was teusch, was noth thut, was holdselig zu hören und zur Besserung dient. Gib mir dazu Kraft und Stärke von oben, daß ich dir hinfort lebe und der Sünde sterbe. Hilf, daß ich rede stets Womit ich kann bestehen; Laß kein unnüßes Wort Aus meinem Munde gehen; Und wenn in meinem Amt Ich reden soll und muß, So gib den Worten Kraft Und Nachdruck ohn' Verdruß. Amen. SELSDY 20. Januar. Abend. Ezech. 33, 11. So wahr ich lebe, spricht der Herr, ich habe kein Gefallen am Tode des Gottlosen, sondern daß er sich bekehre und lebe. 40 Allmächtiger Gott, der Tag ist vergangen und kommt nicht wieder; doch ist er als ein von mir erlebter Tag auf dein Buch geschrieben. Verzeihe mir gnädiglich, was ich wider dich begangen habe. Du hast mit einem theuren Eid allen Sündern verheißen, dut mollest dich ihrer erbarmen. D ein seliges Versprechen! Sprich auch zu mir: dir sind deine Sünden vergeben, du hast Gnade bei Gott gefunden. Du biſt der Vater der Barmherzigkeit, du willst nicht den Tod und das Verderben der Sünder. Deine Liebe erbarmet sich unser, und Jesu Blut hat die Verdammniß weggenommen. Du strafest nicht in deinem Zorn, und züchtigest nicht gleich in deinem Grimm, sondern willst Buße für Sünde annehmen. Wenn die geängftete Seele um Gnade bittet, so willst du hören und Barmherzigkeit erzeigen; du willst sie nicht zeitlich und ewiglich verderben. Erzeige auch mir Gnade, nimm mich auch an, laß mir auch Barmherzigkeit widerfahren. Siehe, ich komme mit gebeugtem Herzen und gefalteten Händen und spreche: Gott, sei mir Sünder gnädig! Tilge meine Sünden aus deinen Buche, und gedenke derselben nimmermehr. Ich habe mir vorgenommen, die Sünde zu meiden, und mich von der Welt, von der Sünde zu dir zu bekehren, ein neues Leben anzufangen. Schenke mir das Leben, der ich den Tod verdient, so will ich dir hinfort zu Ehren leben. Lebe du in mir, Herr Jesu, so lebe ich fromm und dir wohlgefällig; so lebe ich auch, wenn ich sterbe, mit dir in der Herrlichkeit. So wahr ich lebe, spricht dein Gott, Mir ist nicht lieb des Sünders Tod, Bielmehr ist dies mein Wunsch und Will', Daß er von Sünde stehe still, Von seiner Bosheit wende sich, Und lebe mit mir ewiglich. Amen. 21. Januar. Norgen. Rol. 3, 12. So ziehet nun an, als die Auserwählten Gottes, Heilige und Geliebte, herzliches Erbarmen, Freundlichkeit, Demuth, Sanftmuth, Geduld. Treuer Gott und Vater, ich danke dir für deinen Schutz in der vergangenen Nacht. Ich ziehe nun meine Kleider an; aber durch den Glauben will ich Jesum und seine Gerechtigkeit anziehen, damit ich dir gefalle. Ich wünsche dereinst unter die Auserwählten gestellt zu werden, darum heilige dir mein Herz und wirke in mir die Früchte des Geistes, herzliches Erbarmen gegen meinen armen Nächsten, daß ich ihm verzeihe, wenn er mich betrübt, beispringe in seiner Noth und ihm diene, wenn meine Hand ihm dienen kann. Sollte mich mein Feind unfreundlich anschnauben, so bewahre mich, daß ich nicht Böses mit Bösem vergelte, sondern ihm mit Freundlichkeit begegne, und Segen anwünsche. Gegen Geringe, Elende und Arme laß mich freundlich und gütig sein, und wenn ich ihnen Gutes thun will, sie nicht erst anfahren, sondern geben, wie du mir gibſt. Du weißt auch, allwissender Gott, wie mein Herz sich gerne in den Gaben spiegelt, die du mir verliehen hast, da sie doch nicht mein Eigenthum sind, darum laß sie mich in Demuth besitzen, und meinen Nächsten nicht verachten, wenn du ihn nicht über mich, sondern unter mich gesetzt hast. Soll ich Schmach leiden, so gib mir Sanftmuth, daß ich nicht wieder schelte, mich räche oder dräue. Willst du mich mit Kreuz heimsuchen, so schenke mir Geduld, lindere es und erhalte mich; nimm es zu seiner Zeit mir wieder ab. Laß mich an andern üben, Was du an mir gethan, Und meinen Nächsten lieben, Gern dienen jedermann 41 Ohn' Eigennuß und Heuchelschein, Und, wie du mir's erwiesen, Mus reiner Lieb allein. Amen. 21. Januar. Abend. Pf. 73, 23. Dennoch bleibe ich stets an dir, denn du hälts mich bei meiner rechten Hand. 42 Gnädiger Gott, der du uns wohlzuthun nicht müde wirst, du hast mich heute bei meiner rechten Hand geleitet und meiner Hände Werk gesegnet; darum Lobe dich mit Herz und Mund. Tage und Stunden vergehen; aber deine Güte währet ewiglich. Darum bleibe ich stets an dir. Viele Hindernisse und Reizungen wollen mich von dir abziehen, aber mein Vorhaben stehet fest, ich bleibe stets bei dir. Will die Welt mich locken, daß ich ihr mich gleich soll stellen, so lasse Kaffe ich mich lieber von ihr verspotten, und bleibe dennoch stets an dir. Will mein Herz mich verführen, mein Fleisch auf Sündenwegen gehen, so sollst du mir lieber sein, als alle Lust der Sünde; darum bleibe ich stets bei dir. Nengstigen mich meine Sünden, so will ich nicht von dir fliehen, sondern bei dir bleiben, weil Jesus nimmt die Sünder an, in ihm wirst du mir gnädig sein. Kommt Kreuz und Leiden über mich, dennoch bleib' ich stets an dir; denn du kannst alles Leiden wenden. Weichen Freunde und Bekannte von mir, den noch bleib' ich stets an dir, denn du verlässest nicht, die dich, Herr, suchen. Da nun die Finsterniß mich umgibt, so bleib' ich dennoch stets bei dir; du wirst mich behüten und bewahren. Soll Leib und Seele scheiden, dennoch bleib' ich stets an dir; der Tod kann Leib und Seele, aber nicht mich von dir trennen; in der Ewigkeit bleibe ich unverrückt bei dir. O süße Gemeinschaft, die mich in Noth und Tod erquickt. Dennoch bleib ich stets an dir, Wenn mir alles gleich zuwider. Keine Trübsal drückt in mir Die gefaßte Hoffnung nieder, Daß, wenn alles bricht und fällt, Dennoch deine Hand mich hält. Amen. 43 22. Januar. Norgen. Pf. 33, 1. Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. Gott, du bist mein Hirte von Jugend auf gewesen; sei es auch heute! Weide meine Seele, sättige, erquicke und erfreue sie mit deinem kräftigen Wort, damit ich immer demüthiger, sanftmüthiger und dir gefälliger werde. Laß mich träftigen Trost aus der lebendigen Quelle deines Wortes schöpfen, wenn ich verlassen, betrübt und geängstiget bin. Sorge auch für meinen Leib, gib mir Nahrung und Kleidung, erhalte meine Gesundheit, ertheile mir deinen Segen in metnem Stande und Beruf. Schüße mich wider den Satan, der nach meiner Seele trachtet, wider die Welt, die mich verführen und zu sich ziehen will. Schüße mich wider meine falschen Freunde, welche schön reden, und doch mir im Herzen feind sind. Führe mich auf dem Wege der Frömmigkeit und Gottesfurcht, erleuchte meinen Verstand, heilige meinen Willen, reinige mein Herz. Willst du mich durch Kreuzes- und Dornenwege führen, so gehe du voran, Herr Jesu, so gehe ich dir nach mit meinem Kreuz. Laß mich nicht auf Sündenwege gerathen, sondern rufe mich durch deinen Geist zurück, laß deine innerlichen Bestrafungen mich empfinden, und verleihe mir Kraft, ihnen zu folgen. Führe mich in der Zeit nach deinem Rath, und nimm mich endlich mit Ehren an in der Himmelsfreude. Wirst du mich also führen, so wird mir nichts mangeln in diesem Leben; in dir werde ich haben Leben und volle Genüge; du hast mir nie Mangel gelassen, ich werde auch keinen haben in Ewigkeit; da wirst du mich ewiglich mit himmlischen Gütern ergeßen. Weid' und führ' uns, treuer Hirt, Die auf deinen Stab vertrauen, Bis er dort uns weiden wird, Auf des Himmels Sternenauen, Wo des Lebens Fülle sprießt, Wo das Heil in Strömen fließt. Amen. 22. Jamuar. Abend. Jef. 1, 16. Waschet euch, reiniget euch, thut euer böses Wesen von meinen Augen. Heiliger Gott, du reines Wesen, ich komme mit Preis und Dank vor dich, daß du mich heute so weislich geführt hast, daß ich keinen Mangel gehabt an irgend einem Gut. Aber ich muß mich selbst anklagen, daß ich dir nicht so gehorsam gewesen bin, wie es deine Treue und Liebe erfordert. Und weil ich nicht weiß, ob diese Nacht die letzte sein soll, so will ich mich in meiner unreinigkeit nicht schlafen legen, sondern mich waschen und reinigen: waschen mit Bußthränen, daß ich meinen Lüsten freien Lauf gelassen, daß mein Mund nicht behutsamer geredet, daß ich die Welt und mein Fleisch mich oft habe überwinden lassen. Ich wasche mich in dem Blute Jesu, das für meine Sünden vergossen ist, und bitte, sei mir gnädig und erbarme dich über mich. Ich thue meine Sünden von deinen Augen weg durch herzliche Neue und Leid; ich will sie auch instünftige weg thun, da ich mir vorgenommen habe, nicht mehr wider dich zu sündigen. Du bist nicht ein Gott, dem gottlos Wesen gefällt, wer böse ist, bleibet nicht vor dir; darum reinige du mich im Blute deines lieben Sohnes. Thue meine Sünden von deinen Augen, tilge fie wie einen Nebel, daß ihrer in Ewigkeit nicht wieder gedacht werde; so lege ich mich versöhnet, gereinigt und gewaschen nieder und schlafe fröhlich ein, weil ich Vergebung aller meiner Sünden empfangen habe. Laß mich dereinst auch kommen zu der Schar der Glaubigen, die mit weißen Kleidern angethan sind und dem Lamm im Himmel nachgehen. Schau, Herr, unsrer Reue Schmerzen! Du bist rein und machest rein; Schaffe indeß solche Herzen, Die auch rein und heilig sei'n! Komm mit heil'ger Wasserflut, Wasch' uns rein mit Christi Blut. Wolleft uns Verstand und Willen Mit dem heil'gen Geist erfüllen. Amen. 45 23. Januar. Norgen. Joh. 12, 26. Wer mir dienen will, der folge mir nach; und wo ich bin, da soll mein Diener auch sein; und wer mir dienen wird, den wird mein Vater ehren. Gnädiger Gott, du hast mir das Leben gegeben und diese Nacht erhalten; darum gebe ich dir es wieder. Ich will schauen auf das Beispiel Jesu; dem will ich nachfolgen in der Demuth, Sanftmuth, Gehorsam, Liebe. Du weißt aber, wie mich mein böses Herz und die Welt daran hindern wollen; darum laß mich in deiner Kraft durchbrechen, daß ich in allen Vorfallenheiten gedenke: hat mein Jesus auch so geredet, hat mein Jesus auch so gethan, hat mein Jesus seinen Feinden auch ſo geantwortet? Ich ergebe mich, o Jesu, ganz zu deinem Dienst: keines meiner Glieder diene der Sünde oder der Welt. Thut dieses dem Fleisch wehe und hat die Welt ihr Gespött mit denen, die also der Sünde absterben und Christo leben, so laß mich an die Verheißung Jesu gedenken: wo ich bin, da soll mein Diener auch sein. Ja, da möchte ich einst sein, wo Jesus ist, im Paradies, in der himmlischen Freude, bei allen Engeln und Auserwählten. Was nützt mir dieses Leben, wenn ich in der Ewigkeit von dir müßte geschieden sein? Ach, lieber nie geboren, als ewig ver= Loren! O mein Erlöser, gib mir Stärke, dein Diener zu bleiben bis an mein Ende, so wird auch der himmlische Vater Wohlgefallen an mir haben und mir die Ehre seines Kindes, seines Erben beilegen. Segne mich auch heute, mein Vater! als dein Kind, begleite mich als dein Kind, und laß mich im kindlichen Gehorsam bis in den Tod verharren. Wer dem Heiland dienen will, Muß ihm treulich folgen nach, Der erreicht das hohe Ziel, Der sich beugt in seine Schmach. Wen des Kreuzes Last beschwert, Der wird einst vor Gott geehrt. Amen. 23. Januar. Abend. 2. Kor. 5, 10. Wir müssen alle offenbar werden vor dem Nichterstuhl Christi, auf daß ein jeglicher empfahe, nachdem er gehandelt hat bei Leibes Leben, es sei Gutes oder Böses. 46 Ehe ich mich zur Ruhe begebe, trete ich vor deinen Richterstuhl, Herr Jesu, der du verordnet bist ein Nichter der Lebendigen und Todten, um dir meine Sünde zu bekennen und abzubitten, dieweil ich noch lebe, dieweil ich noch beten und Buße thun kann. Ich leugne meine Missethat nicht, ich habe gesündiget im Himmel und vor dir, ich bin nicht werth, daß ich dein Eigenthum heiße. Aber du bist mein Fürsprecher, mein Mittler und das Verfühnopfer für meine Sünde; laß mir Gnade widerfahren, jetzt und in der Stunde meines Todes. Mache mich aber auch behutsam und fromm, daß ich bei jedem Wort und Werk gedenke: kann ich es auch verantworten vor dem Nichterstuhl? Dein heiliger Geist bereite und heilige mich durch dein Blut, daß du mich bei deiner Ankunft zum Gericht als ein gehorsames Kind finden mögest. Vor deinem Gericht werden Große und Kleine, Arme und Reiche erscheinen müssen; da wird kein Verbergen und kein Fliehen statthaben. Aber ich weiß die Stunde nicht, wann ich vor dir erscheinen muß. Es kann alle Tage und Stunden, vielleicht diese Nacht geschehen; deßwegen will ich mich bei Leibes Leben in Buße und Glauben dazu bereiten, mich vor Sünden hüten, dir nachfolgen und Weltunarten fliehen. Nun lege ich mich in deine Arme nieder; laß mich darin ruhig schlafen und einst selig sterben. Bedent, o Mensch, die Ewigkeit, Und jenen Greu'l ohn' Ende, Damit sich in der Gnadenzeit Dein Jesus zu dir wende. Geh' aus von Sünden, leide dich, Thu' Buße, streite ritterlich, Und bleib' auf Gottes Wegen. Amen. 47 24. Januar. Norgen. Ephef. 5, 8. Ihr waret weiland Finsterniß, nun aber seid ihr ein Licht in dem Herrn. Gnadenreicher Gott, da es nun Licht wird auf Erden, erinnere ich mich, ob in meiner Seele Licht oder noch Finsterniß sei. Nennet dein Wort die Unarten des Herzens und die Bosheit des Lebens Finsterniß, so muß Finsterniß in mir geherrschet haben. Die finstre Nacht ist uns etwas Beschwerliches; aber das finstre Herz ohne Gott, ohne Jesum, behält der Sünder, ohne darüber sich zu bekümmern. Gott, verzeihe mir, was ich in diesem verfinsterten Zustande Böses vollbracht habe. Heile die Wunden, welche in der Finsterniß meinem Gewissen geschlagen worden sind. Da mich aber deine Gnade herum geholt, daß ich mein Elend erkannt und vom Tode zum Leben, von der Sünde zu dir bekehrt worden, so hast du ein Licht lassen in mir aufgehen. Jesus ist meiner Seele Licht, dein Geist hat einen hellen Schein lassen in meiner Seele aufgehen, daß ich nun einen Abscheu vor allen vorigen Lastern und einen innerlichen Trieb habe, züchtig, gerecht und gottselig zu leben. Erhalte mich in solchem Gnadenstande bis an mein Ende, daß ich nicht wiederum zurückkehre zu den vorigen finstern Wegen. Laß mich auch heute im Licht wandeln, und alles meiden, was dir zuwider sein kann. Segne mein Thun und Lassen, meinen Ausgang und Eingang, und wenn dereinst des Todes Finsterniß mich umgeben wird, so laß meine Seele in deinem Lichte dich schauen, und in dir ewig leben. Herr, bleib' bei mir, du ewig Licht, Daß ich stets gehe richtig; Erfreu' mich durch dein Angesicht, Mach' mich zum Guten tüchtig, Bis ich erreich' die güld'ne Stadt, Die deine Hand gegründet hat Und ewiglich erleuchtet. Amen. 24. Januar. Abend. Ruth 1, 16. Rede mir nicht darein, daß ich dich verlassen sollte; wo du hingehest, da will ich auch hingehen; wo du bleibest, da bleibe ich auch. 48 Herr Gott, Bater, du hast mich heute begleitet auf allen meinen Wegen und deinen Segen empfinden lassen; es ist mein fester Entschluß, nicht von dir zu lassen, ich will bei dir beständig bleiben. Die Welt mag mir darein reden, was sie will, sie mag mir ihre Luftbarkeiten und Gesellschaften anpreisen, ich verachte sie alle gegen deine Freundschaft. Die Vereinigung mit dir ist die größte Glückseligkeit; sie bewahrt vor Sünden, reinigt das Herz, heiligt das Leben. Gott, verzeihe mir, wenn ich heute wohin gegangen, dahin mich die Welt gelockt, und mein eigener Bille geführt hat; ich bereue es und mein Gewissen bestraft mich empfindlich. Ach, Gott, verlaß mich nicht; laß mir deinen Freudengeist Zeugniß geben, daß ich dein Kind sei. Ich gehe jetzt zur Ruhe; mein Heiland gehe mit mir und bleibe in der Finsterniß mein Licht. Ich gehe in die Einsamkeit, aber ich bin nicht allein, du bist bei mir. Mich soll nichts von dir scheiden, keine Welt- noch Sündenliebe; ich lasse dich nicht bei Tag und bei Nacht. Ich lasſe dich nicht in glücklichen Tagen, wenn mir das Glück schmeichelt; ich lasse dich nicht in bösen Tagen, wenn mich die Sturmwinde des Kreuzes überfallen. Ich will auch nicht von dir lassen, wenn der letzte Tag meines Lebens anbricht. Alsdann will ich hingehen, wo du bist; da will ich bleiben, wo du bleibst; alsdann wird mein Verlangen ein Umfangen und meine Freude vollkommen werden. Laß vergehen das Gesicht, Hören, Schmecken, Fühlen weichen, Laß das letzte Tageslicht Mich auf dieser Welt erreichen; Wenn der Lebens- Faden bricht, Meinen Jesum laß ich nicht. Amen 25. Januar. Morgen. Apostelgesch. 9, 6. Herr, was willst du, das ich thun soll? Herr Jesu, ich frage: was willst du, das ich thun foll? und dein Geist sagt mir: ich soll mich zu dir bekehren. Komm du mir mit deiner Gnade entgegen, erleuchte mich und stelle mir vor, wie ich aus eigener Kraft nicht kann selig werden. Um seine Seele bekümmert sein, ist der Anfang der Bekehrung; ich muß meinen eignen Willen fahren lassen, und mich allein nach deinem Willen richten. Ich muß durch deinen Geist erneuert werden, wenn ich will dein Antlig schauen in Gerechtigkeit; ich muß hier in dein Bild verklärt werden, wenn ich nach deinem Bilde erwachen will. Sterbe ich als ein Unbekehrter, so stehe ich als ein Unbekehrter auf, und werde als ein Verfluchter zur Hölle gewiesen werden. Davor bewahre mich, Herr Jesu. Soll ich rechtschaffen bekehret werden, so rede mit mir durch dein Wort und deinen Geist. Sende mir fromme Christen, die mich unterrichten in den Wegen der Seligkeit, wie du dem Paulus einen Ananias gesendet hast. Hier ist mein Herz, heilige es durch und durch, daß mein Geist sammt Seele und Leib dein Eigenthum werde. Ich will auch die Früchte meiner Bekehrung zeigen, und ein neuer Mensch werden. Hilf mir dazu, Herr Jesu! Ich will mit Worten und Werken beweisen, daß ich nur dir angehöre. Ich will von dir reden, und auch andern deine Gnade verkündigen. Herr, befestige meinen Vorsatz und segne mich in allem, was ich heute vornehme. Nun so bring' ich dir mein Herz, Sündig und beladen; Dein sei es, denn dir gehört's, Nimm es an in Gnaden. Schaff ein neues nun in mir Dir zum Wohlgefallen, Daß ich fortan stets vor dir Heilig möge wallen. Amen. Start's Morgen- und Abend Andachten. 49 25. Januar. Abend. Apostelgesch. 9, 11. Siehe, er betet. Herr Jesu, siehe, ich komme vor dich mit meinem Gebet; höre mich, gib mir, was mein Herz wünschet. Welche Freude ist das, daß du weißt, was deine Kinder im Verborgenen von dir verlangen! Ich bitte dich um Vergebung aller meiner Sünden. Ich bereue sie und bitte um Gnade. Schenke mir deinen heiligen Geist, der mich erleuchte, reinige und zu einem neuen Menschen nacht. Laß dein Siehe! nimmermehr aus meinen Gedanken kommen, daß es mich schrecke und zurückhalte von allem Unrecht. Ich bitte auch um neue Stärke in dem Guten, daß ich darin wachse und zunehme. Gib mir den Geist des Gebets, daß ich zu allen Zeiten bete mit Herzensandacht ohne Zerstreuung, daß ich bete im Geist und in der Wahrheit, ohne Heuchelei, aus dem Trieb meines Geistes. Ift mein Gebet zuweilen schläfrig, sind die Seufzer schwach, so schließe dieselben in dein hohepriesterliches Gebet ein, so werde ich Hilfe erlangen. Du weißt auch und siehest, wenn deine Glaubigen weinen, oder gedrückt und verfolgt werden; laß ihnen Barmherzigkeit widerfahren. Schaue auch jetzt in mein Kämmerlein, wie ich vor dir bete, und laß mich diese Nacht unter deinen Gnadenflügeln bewahrt werden, daß kein Leiden sich zu mir nahe. Niemand siehet mich beten; aber du hörest mich. Herr Jesu, sprich auch in meinem Sterben zu deinem himmlischen Vater: Siehe, er betet, wenn ich meine Seele in seine Hände empfehle, und laß mich alsdann dein Freudenantlig schauen. 50 Am Abend heiß mich mit dir reden, Am Morgen auch noch sein bei dir; Und sterb' ich, laß in leßten Nöthen Noch seufzen deinen Geist in mir. Weckst du mich einst, so bet' ich dann Dich ewig auch im Himmel an. Amen. 26. Januar. Morgen. 1 Joh. 2, 15. Habt nicht lieb die Welt, noch was in der Welt ist. Heiliger Gott, laß mich den neu anbrechenden Tag in deiner heiligen Furcht hinbringen. Du siehest, wie mich die Welt zu ihrer Liebe lockt, daß ich die gefährlichste Welt in mir trage, und diese Feinde zu meinem Verderben liebe. Darum laß mich fleißig erwägen, daß der Befehl, die Welt nicht lieb zu haben, auch mir gegeben sei, auf daß ich mich nicht betrüge. In der Welt muß ich leben und arbeiten, aber nicht mit der Welt sündigen. Wie oft kommen die Kreaturen und wollen in meinem Herzen wohnen, welches doch nur deine Wohnung sein soll. Es melden sich in meinem Herzen an: Menschenliebe, Vertrauen auf Ehre, Geld, Ansehen. Dazu wollen oft Menschen meine Seele zu ihren sündlichen Wegen und Gewohnheiten verleiten. Gott, du weißt, wie ich hierüber oft in Kampf gerathe; aber durch deines Geistes Beistand will ich dich lieb haben, nicht die Kreaturen, seien es Menschen oder leblose Dinge. Dir gebührt mein Herz und keinem Andern; dich will ich lieben allein. Du hast mich erschaffen und erlöset zum ewigen Leben. Bewahre mich vor der verdammlichen Meinung, als ob man dich und die Welt zugleich lieben könne. Onein! Licht und Finsterniß können nicht beisammen stehen. Du allein bist der liebenswürdige Gott. Daran habe ich oft nicht gedacht, aber nun steht mein Vorsatz fest, daß mich nichts von deiner Liebe abtreiben soll, weder Hohes noch Tiefes, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges. Erinnere mich dessen, wenn die Weltliebe mein Herz wieder einnehmen will, daß ich ganz dein eigen bleibe. Ich will dich lieben, meine Stärke, Ich will dich lieben, meine Zier! Ich will dich lieben mit dem Werke Und immerwährender Begier, Ich will dich lieben, schönstes Licht, Bis mir das Herze bricht. Amen. 51 26. Januar. Abend. Offenb. 7, 14. Diese find kommen aus großer Trübfal, und haben ihre Kleider gewaschen, und haben ihre Kleider helle gemacht in dem Blute des Lammes. 52 Herr, mein Gott, ehe ich mich zur Ruhe begebe, will ich meine Augen zum Himmel erheben, und meine Gedanken mit heiligen Bildern beschäftigen. Im Geist erblicke ich jene Schar der Heiligen, welche Johannes sah, die, mit weißen Kleidern angethan, Palmen in den Händen tragen und dem Lamm in beständigem Lobgesang nachfolgen. Laß auch mich, wenn ich das Zeitliche verlasse, mitten unter ihnen stehen, wo ich zu meinem Erbe und zur Ruhe gelange, darauf ich mich von ferne freue. Üeberfällt mich leibliche Trübsal, weil dieses Leben nicht ohne Kreuz und Leiden ist, so erquickt sich mein Geist an jener himmlischen Gesellschaft, wo ich ohne Kreuz und Ungemach dir dienen werde. Darum wasche ich alle Tage mein Herz mit Bußthränen und beklage, daß ich wider dich gesündiget habe. Weil aber das mich nicht rein macht, so wasche du mich in dem Blute des Lammes; dadurch wird mein Herz und Gewissen rein und mein ganzes Leben dir allein gewidmet und geheiligt. Also will ich mich bei dem Schlafengehen waschen, damit, wenn es die lette Nacht in dieser Sterblichkeit sein sollte, ich ge waschen und rein in meines Heilands Gerechtigkeit erfunden werde. So befinde ich mich in einem köstlichen Schmuck inwendig, wenn schon der Leib äußerlich unscheinbar und mit Todesschweiß bedeckt sein sollte. So schlafe ich wohl heute und bin selig ewig. D fel'ges Ziel, das unser harrt, Wenn wir von hinnen gehen, Und Gottes Tag uns offenbart, Was wir erst dunkel sehen. Wie wohl wird mir, Wenn ich an dir Die Augen selig weide, D Zion, meine Freude! Amen. 27. Januar. Norgen. 1 Tim. 2, 4. Gott will, daß allen Menschen geholfen werde, und sie zur Erkenntniß der Wahrheit kommen. 53 Du mächtiger Schutzherr und Helfer, du hast mir auch in dieser Nacht geholfen, daß mir ist nichts Schädliches widerfahren; dafür dankt die mein Herz und Mund. Hilf mir heute auch und segne meinen Beruf. Hilf das Kreuz tragen, das du mir aufgelegt haſt; hilf mir wider meine sichtbaren und unsichtbaren Feinde; hilf mir mein eigen Herz bestreiten, die bösen Lüste und Gedanken unterdrücken, daß sie nicht über mich herrschen. Hilf mir, wenn mich die Weltkinder bedrängen und mir ihre Wege und Sitten anpreisen, daß ich mich durch dieses süße Gift nicht verlocken lasse von deinen Wegen. Oder ewigen Liebe des Gottes, die sich über mich erbarmen will, daß ich nicht soll verloren, sondern ewig selig werden. Hilf mir an meinem Leibe, hilf mir an meiner Seele, hilf mir hier zeitlich, hilf mir dort ewiglich, denn du bist meine Hilfe. Bewahre mich, daß ich diesen deinen heiligen Willen von meiner Seligkeit nicht durch meine eigene Schuld hindere und mich der Seligkeit beraube. Hilf mir, daß ich dich, den dreieinigen Gott, meinen Schöpfer, Erlöser und Heiligmacher, recht kennen lerne. Hilf mir, daß diese Erkenntniß keine todte Erkenntniß sei, die nur im Gehirn und auf den Lippen klebet, sondern gib Kraft, daß sie mich zu einer neuen, dir wohlgefälligen Kreatur mache; hilf mir, daß ich darauf mehr Zeit und Mühe wende, als auf die Ergetzung der Welt und Lüste des Fleisches; so werde ich in deiner Gnade selig leben und sterben können. Hilf mir, daß ich nicht verderbe; Hilf mir beten, wenn ich schwach; Hilf mir glauben, bis ich sterbe; Hilf mir, daß ich froh erwach', Und einst sing in meinem Theil: Unsers Gottes ist das Heil. Amen. Heinrich+ Barbarne Eberhardt 125€ 1 27. Januar. Abend. Lee unseon Glochvosts, text 1931 Ps. 34, 9. Schmecket und sehet, wie freundlich der Herr ist; wohl dem, der auf ihn trauet. 54 Treuer Gott und Vater, habe Dank für deinen Segen, Schutz und Hilfe, deren ich heute genossen. Gott, du wohnest in einem Lichte, dahin niemand kommen kann und gibst dich doch deinen Kindern süßiglich zu schmecken, deinen Trost in Traurigkeit, deine Liebe im Erbarmen, deine Treue im Erretten, deine Weisheit im Nathen, deine Gegenwart im Kreuz, deine Einwohnung in schweren Anfechtungen. Nicht allein aber habe ich deine Güte innerlich geschmeckt, sondern ich habe auch gesehen, wie freundlich du bist. Du haft mein Gebet erhört, mir deinen Segen mitgetheilt, meine Sünden nicht sogleich gestraft, sondern mir Zeit und Raum zur Buße gegeben, daß ich wiederum zu dir bin gebracht worden. Laß solchen süßen Geschmack deiner Liebe allen Weltgeschmack aus meinem Herzen vertilgen. Liebreicher und freundlicher Gott, wie viel Wohlthaten hast du mir Unwürdigen geschenkt, mir die verdiente Strafe erlassen, mir Gutes gethan und mich mit Freundlichkeit zu dir gezogen; deine Gnade hast du nicht von mir gewendet, wenn ich dich belei digt und dich über mich erbarmt wie ein Vater über sein Kind. Darum will ich dir anhangen und folgen und auf dich in allen Begebenheiten trauen, in gesunden und kranken Tagen, im Glück und Unglück, in Noth und Tod, auf daß auch zeitliches und ewiges Wohl auf mich kommen möge. Weil denn weder Ziel noch Ende Sich in Gottes Liebe find't, Ei, so heb ich meine Hände Zu dir, Vater, als dein Kind, Bitte: wollst mir Gnade geben, Dich aus aller meiner Macht Zu umfangen Tag und Nacht Hier in meinem ganzen Leben, Bis ich dich nach dieser Zeit Lob und lieb in Ewigkeit! Amen. 55 28. Januar. Morgen. 2 Stor. 6, 17. Gehet aus von ihnen, und sondert euch ab, spricht der Herr, und rühret fein Unreines an; so will ich euch annehmen. Großer Gott, der du willst, wir sollen heilig sein, wie du heilig bist: ich erscheine jetzt wieder unter den Menschen, um meinem Beruf nach deiner Ordnung ein Genüge zu thun. Ich gehe aber selten unter dieses unschlachtige Geschlecht, daß ich nicht verwundet und beunruhigt zurückkomme. Darum will ich von der Welt ausgehen, nicht zwar dem Leibe nach, weil solches mir nicht möglich ist; ich muß ja unter den Menschen leben wie ein Fisch im Wasser, so lange du mir dieses Leben lässest; darum soll meine Absonderung bestehen in der Flucht vor den Werken der Sünder. Ich weiß, wenn ich mich nicht von der Welt Sünden absondere, so sonderst du dich von mir ab; weichest aber du von mir, so bin ich ewig verloren; darum will ich lieber aller Welt Gunst verlieren, als dich und deine Gnade. Ich will aber der Welt Unarten nicht allein von außen, sondern auch von innen flichen und in meiner Seele verabscheuen. Du verlangst nicht nur ein reines Leben, reinen Mund und reine Hände, sondern auch ein reines Herz, daß ich einen Abscheu vor Babels Sünden habe, davor und daraus fliehe, daß ich nicht verunreinigt und ihrer Plagen theilhaftig werde. Gott, gib mir Kraft dazu. Nimm mich auch heute als dein Kind in deine Aufsicht und versorge mich als dein Eigenthum, und segne mich als dein Erbe mit himmlischen Gütern, die mir Jesus durch sein Leiden und Sterben erworben hat. Abschied will ich dir geben, Du arge, falsche Welt; Dein eitel böses Leben Durchaus mir nicht gefällt! Im Himmel ist gut wohnen, Hinauf steht mein' Begier; Da wird Gott ewig lohnen, Dem, der ihm dient allhier. Amen. 28. Januar. Abend. Hebr. 4, 11. So lasset uns nun Fleiß thun, einzugehen zu dieser Ruhe. 56 Gott Vater, da ich mich nun zur Ruhe niederlegen will, so erinnere ich mich einer dreifachen Nuhe, welche du uns bestimmt hast. Das ist erstlich die leib liche Ruhe, daran auch die Gottlosen und die Thiere Theil haben. Welche Gnade, daß wir nach des Tages Last und Hitze unsere Glieder und Sinne dürfen ruhen lassen, damit wir den folgenden Tag desto tüchtiger seien, auszurichten, was du uns befohlen hast. Die andere Ruhe aber, die deinen Kindern allein zu Theil wird, ist die Seelenruhe, da sie getrost und freudig in dem lebendigen Gott sind. Sie wissen, sie haben einen gnädigen Gott, Vergebung der Sünden und das Zeugniß des heiligen Geistes, daß sie Kinder Gottes sind, die sich nicht fürchten vor dem Satan, vor der Anklage ihres Gewissens, vor dem Zorn Gottes, weil sie durch Christi Blut mit Gott versöhnt sind und Gnade erlangt haben. Wenn sie nun im Glauben und in der Vereinigung mit Gott bis an ihr Ende verharren, so folgt endlich die ewige Ruhe. Viele sterben und kommen nicht zu dieser Ruhe, sondern in die ewige Qual und Pein, weil sie die Ruhe in Gott hier versäumt haben. Darum will ich hier durch Buße und Glauben in dir, mein Gott, ruhen, so wird diese Ruhe dort viel herrlicher und vollkommener werden. Der Leib wird herrlich auferweckt und der ewigen Ruhe theilhaftig werden. Ich will durch Glauben und Gebet mich befleißigen, in diese Ruhe einzugehen, ich will die Sünden meiden, die mich davon ausschließen. Herr, nach deines Sabbaths Frieden Sehnt sich täglich mehr mein Herz, Wenn du einst erquickst die Müden Nach des Kampfes Last und Schmerz, Und wir alle die Beschwerden, Dir im Schoß, vergessen werden. Amen. 29. Januar. Norgen. 1 Mof. 4, 7. Ist es nicht also? wenn du fromm bist, so bist bu angenehm; bist du aber nicht fromm, so ruhet die Sünde vor der Thür. Aber laß du ihr nicht ihren Willen, sondern herrsche über fie. Gott, Vater, schenke mir deinen heiligen Geist, der mich heute leite und führe, daß ich fromm sei in meinen Gedanken, in meinen Reden, im Umgang mit meinem Nächsten. Behüte meine Seele, daß ich deine Warnung nicht wie Cain verachte, und dadurch mich ins Verderben stürze; laß mich vielmehr fleißig erwägen, daß die Frömmigkeit mir anbefohlen und dein Segen darauf gelegt ist. Wenn ich dich also vor Augen und im Herzen habe, so werde ich deiner Gnade theilhaftig werden. Gib mir die Nothwendigkeit einer solchen innerlichen und äußerlichen Frömmigkeit wohl zu erkennen, weil die Sünde, wie ein Dieb vor der Thür meines Herzens liegt und mich leicht zum Zorn, zu Haß und Neid und andern schweren Missethaten verleiten könnte. Bewahre mich, daß ich mich nicht auf meine Kräfte verlasse, sondern deine Vermahnung mich zur Wachsamkeit antreiben lasse. Mein fester Entschluß ist, der Sünde ihren Willen nicht zu thun und ob ich von außen oder innen dazu gereizt werde, in keine Sünde zu willigen. Sie soll weder in meinen Gliedern, noch in meinem Herzen herrschen. Du heiliger, liebreicher und frommer Gott, sollst der Regent meines Herzens sein und bleiben, so wird auch dein Segen mein Vorhaben begleiten. O heil'ger Geist, du wahres Licht Regierer der Gedanken, 57 Wenn mich der Sünden Lust ansicht, Laß mich von dir nicht wanken. Verleih', daß nun und nimmermehr Begier nach Wollust, Geld und Ehr' In meinem Herzen herrsche. Amen. Univ. Bibl Giessen TS 3/ 13T 29. Januar. Abend. Pf. 66, 6. Gott ist bei ihr drinnen; darum wird sie wohl bleiben. Gott, Vater, so ist auch dieser Tag vergangen, als wäre er nie gewesen; die Sonne ist untergegangen: bleibe du in meinem Herzen, so habe ich immer Sonnenschein, Licht und Freude, Friede und Trost. Sei bei mir wie ein Vater, der sein Kind in seinen Armen ruhen lässet. Aus meinem Herzen seien ausgeschlossen, Sorgen und Bekümmernisse, Sündenlust und Weltliebe, denn wo die Sünde herrschet, da kannst du, reiner und frommer Gott, nicht wohnen. Wie man von der Hütte des Stifts sagen konnte: Gott ist drinnen, so müsse es auch heißen von meinem Herzen: Mein Vater ist bei mir drinnen, warum sollte ich mich fürchten? Ist er nicht mächtig und stark genug, mich zu schützen? Jesus, meiner Seele Licht ist bei mir drinnen, in ihm habe ich Leben und volle Genüge. Der heilige Geist ist bei mir drinnen, der schreit: Abba, lieber Vater! und gibt meinem Geist Zeugniß, daß ich Gottes Kind und Erbe sei: darum werde ich wohl bleiben. Den starken Gott kann niemand überwinden; der in mir ist, der ist stärker als der außer mir ist. Ich werde bewahrt bleiben vor allen Anfällen des Bösewichts: ich bleibe unter dem Schirm des Höchsten und unter dem Schatten des Allmächtigen, daß keine Plage zu meiner Hütte sich wird nahen dürfen. So ruhe ich denn sanft und wohl. Bleibe auch bei mir drinnen, wenn es zum Sterben geht; da tröste, da erquicke mich; zeige mir die weißen Kleider von ferne, die du mir anlegen, die Krone, die du mir aufsetzen, und die Herrlichkeit, womit du mich umgeben willst, so wird mein Sterben ein Schlaf sein, und ich werde bleiben bei dir, und du in mir. 58 Der Tag ist hin; mein Jesu, bei mir bleibe! D Seelenlicht, der Sünden Nacht vertreibe; Geh'' auf in mir, Glanz der Gerechtigkeit, Erleuchte mich, o Herr, denn es ist Zeit! Amen. 59 30. Januar. Norgen. Bf. 51, 12. Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz, und gib mir einen neuen gewissen Geist. Allmächtiger Schöpfer und Erhalter aller Dinge, ich befehle mich diesen Tag in deine heiligen Hände. Gib mir, was mir nöthig, wende von mir ab, was mir schädlich ist. Schenke mir ein reines Herz, und halte es wie einen verschlossenen Garten, daß kein unreiner Gedanke darin Naum finde. Herr, das ist dein Wert; soll ich eine neue Kreatur werden, so mußt du es in mir schaffen. Aber, das kostet dich mehr Mühe, als da du den ersten Menschen schufft: denn die Erde hinderte dich an deiner Arbeit nicht; Himmel und Erde zu erschaffen, kostete dich nur ein Wort; aber was für Ermahnungen, Lockungen, Drohungen mußt du anwenden, ehe sich ein sündliches Herz dir ergibt! Nüste mich aus mit Kraft, daß ich nicht in Sünden sterbe, sondern alles neu an mir werde. Gib mir ein neues Verlangen nach dir, einen neuen Willen, dir zu folgen, daraus ein neues Leben entstehe, daran auch Andere wahrnehmen, daß ich den alten Sinn, die alten Worte, die alten Werke hasse. Laß dieses nicht eine flüchtige Andacht, sondern eine wahre HerzensBekehrung sein, daß meine Gottesfurcht keine Heuchelet, kein Schein ohne Wesen sei, sondern ich in der That aus dem Tod in's Leben, aus der Finsterniß zu dem Licht gelange. Herr, höre mein Gebet, das nicht aus falschem Munde gehet und so laß diese Gnade mich empfangen, behalten und bewahren bis an mein Ende. Hier ist mein Herz! Geist Gottes, schaff es rein Und mach' es gänzlich neu; Weih' es dir selbst zum heil'gen Tempel ein; Mach' es zum Guten treu; Hilf, daß es stets nach Gott verlange, Ihn fürcht, ihn lieb und an ihm hange, Dein neues Herz. Amen. 30. Januar. Abend. Nöm. 8, 31. Jft Gott für uns, wer mag wider uns sein? Allmächtiger Gott, der Tag ist nun vergangen. Sollte mich nun wegen der finstern Nacht ein Grauen ankommen, so will ich denken: Gott ist für mich; Jesus ist für mich, er ist mein Mittler, Helfer und Erbarmer; der heilige Geist ist für mich, er ist mein Beistand, der mich mit unaussprechlichem Seufzen bei Gott vertritt, in mir wohnet, mein Herz heiliget und regiert. Jft nun Gott für mich, wer mag wider mich sein, wer will mich verdammen? Zwar der Menschen Neid und Haß, Verachtung und Bosheit ist wider mich; aber ihre Macht muß zu Boden liegen, wenn Gott mir zur Seite tritt. Meines Herzens Lüste kann er dämpfen und überwinden; denn ich vermag alles durch den, der mich mächtig macht, Christus. Dies soll mein Trost sein, wenn ich traurig bin; in Armuth, wenn mich jedermann verläßt; in Krankheit, wenn mir kein Arzt helfen kann; in Sündenangst, wenn mich mein Gewissen verklagt; ja selbst im Tode, wenn ich von der Welt abscheiden soll; will ich sagen: Gott ist für mich, er ist mein Heil, mein Theil, mein Arzt, meine Zuversicht, mein Lebensbaum, mein Freudenlicht. Gott, bewahre mich, daß ich dieses Trostes mich niemals durch Süpden verlustig mache. Was für ein großes Unglück wäre das, wenn du wider mich wärest! wer wollte mich da erretten? Laß mich mit dem Trost einschlafen, daß du auch diese Nacht um mich seiest; und in der Todesstunde laß mich mit Freuden sagen: Ist Gott für mich, wer mag wider mich sein? 60 Nichts, nichts kann mich verdammen, Nichts macht hinfort mir Schmerz! Die Höll' und ihre Flammen, Sie ängsten nicht mein Herz, Rein Urtheil mich erschrecket, Kein Unheil mich betrübt, Weil mich mit Flügeln decket Mein Heiland, der mich liebt. Amen. 31. Januar. Norgen. Hiob 27, 5. Bis daß mein Ende kommt, will ich nicht weichen von meiner Frömmigkeit. 61 Ewiger Gott, den Tag habe ich erlebt; ob ich den Abend erleben werde, das steht bei dir, du Herr meiner Tage. Ich danke dir, daß du mich hast begleitet auf meinen Wegen und meine Seele mit deinem Wort erquicket. Behüte mich vor Wankelmuth, daß ich nicht heute fromm und morgen böse lebe; daß nicht mein eigen Herz oder die Welt mit ihrer Lust mich bethöre. Ich will nicht von dir weichen, nicht vom Glauben, nicht von der Liebe, nicht vom Gehorsam. Ich will von der Frömmigkeit nicht weichen, nicht nur, wenn ich allein und ohne Gelegenheit zu fündigen bin, sondern auch bei Weltmenschen, bei angemutheten Sünden, zu allen Zeiten, an allen Orten. Im Guten beständig sein, ist nicht ein Werk der Natur, du mußt es anfangen und vollenden. Wer weicht, an dem wird deine Seele kein Wohlgefallen haben; darum befestige und gründe mich durch deinen heiligen Geist. Wie du versprochen, daß Berge weichen und Hügel hinfallen sollen, ehe deine Liebe und Gnade weichen werde: also will ich durch dich beständig sein bis an mein Lebensende. Muß ich dann vor Gericht, so werde ich nicht zu Schanden werden, denn wer beHarret bis an das Ende, der wird selig; wer recht kämpfet, der wird gekrönt. Also fange diesen Tag an; lege deinen Segen in das, was ich in deinem Namen vornehme, so soll er ein Lob-, Bet- und Danks tag ſein. Bis daß mein Ende naht, Will ich nicht weichen Vom schmalen Lebenspfad, Um zu erreichen Die ew'ge Friedensstadt, Dahin die Frommen, Des Erdenlebens fatt, Zur Ruhe kommen. Amen. TSS ALSO 31. Januar. Abend. Pf. 139, 24. Siehe, ob ich auf bösem Wege bin; und leite mich auf ewigem Wege. 62 Herr, mein Gott, dein Licht hat mir diesen Tag geleuchtet, deine Güte hat mich begleitet, dein Segen hat mich erfreut, deine Gnade hat mich erhalten; dafür danke ich dir und empfehle mich deiner Liebe auch diese Nacht. Zuvor aber untersuche ich meine Wege, ob sie vielleicht böse gewesen. Ich frage dich, mein Mund: was hast du geredet? ihr Augen, wonach habt ihr gesehen? ihr Ohren, was habt ihr gehört? mein Herz, was hast du gedacht? Ach, mein Gott, wie viel Unreines und Tadelhaftes wirst du an mir finden, da ich selbst so vieles anzuklagen weiß. Ich bitte um Gnade und Vergebung. Ich will und kann nicht leugnen, denn dein Auge hat alles gesehen, du hast alles gehört, dir ist nichts verborgen. Ich übergebe mich deiner heiligen Führung: führe mich Blinden, daß ich nicht irre gehe; mich Schwachen, daß ich nicht falle. Führe mich ab von den gefährlichen Wegen der Weltkinder. Laß mich durch Sicherheit und eigenen Willen nicht gehen auf dem breiten Höllenwege, darauf so viele in leppigkeit und Eitelkeit wandeln; führe mich auf dem rechten Himmelswege, der zur seligen Ewigkeit führt, im Glauben, Gehorsam, Demuth, Liebe und Sanftmuth. Ich lege mich nun zur Ruhe, und erinnere mich dabei: wie sich heute der Tag endet, so wird sich auch einmal mein Leben endigen; aber wenn ich mich von dir in meinen Lebenstagen leiten und führen lasse, so wirst du mich einst zur ewigen Freude einführen. Erforsche selbst die innersten Gedanken, Ob fie vielleicht von deiner Nichtschnur wanken. Lenk' Herz und Sinn Zur Wahrheit hin. Sei du der Leitstern meiner Füße, Bis ich, mein Licht, die Augen schließe. Amen. 63 1. Februar. Norgen. f. 67, 1. Gott sei uns gnädig, und segne uns; er lasse uns sein Antlig leuchten. Liebreicher Gott, da ich jegt einen Tag anfange, so komme ich vor den Thron deiner Gnade. Alle Stunden und Augenblicke stehen vor dir viele Tausend, die beten, flehen, seufzen, danken, und du, allgewaltiger Gott, hörest sie alle, und hilft ihnen. Sei auch mir gnädig, und vergib mir alle meine Sünden. Sei mir gnädig, wenn ich irren, straucheln oder fallen sollte, und bringe mich wieder zurecht. Sei mir gnädig, wenn der Feind sich wider mich setzt und mir Schaden thun will, so laß ihm seinen Willen nicht. Sei mir gnädig, wenn mich ein Unglück treffen sollte, und wende es ab; und wenn ich etwas leiden soll, so beut mir deine Hand, und errette mich. Ich empfehle mich deiner Güte mit Leib und Seele. Segne meinen Beruf, daß er zu deiner Ehre ausschlage. Segne mein Vornehmen, wenn es nach deinem Willen geschieht. Wenn ich aber aus Eigenliebe etwas vorhabe, jo wehre mir, und hindere mich. Sejne mich mit himmlischen Gütern durch Chrisium, daß ich im Glauben und in Gottesfurcht wachse. Wenn ich aber fehlen sollte, jo verbirg dein Antlig nicht vor mir, sondern lağ mich an dir erblicken einen freundlichen Erbarmer und liebreichen Helfer. Wende dein Angesicht und Ohr zu mir, wenn ich in Demuth vor dich hintrete. Das wird mir ein helles, schönes Angesicht, ein freundlicher Anblick sein, wenn ich also deiner Güte genieße. Sei auch mein Licht inwendig, daß ich nicht wider dich fündige, sondern deine Gnade mich zur Frömmigkeit lasse leiten, daß ich den ganzen Tag in deiner Furcht und dir zur Ehre hinbringe. Herr, unser Gott, auf den wir trauen, Entzieh' uns deine Güte nicht; Laß auf uns her dein Antlig schauen, Erleucht' uns, tröst uns durch dein iht. Amen. 1. Februar. Abend. Joh. 17, 24. Bater, ich will, daß, wo ich bin, auch die bei mir seicx. die du mir geçeben haft, daß sie meine Herrlichkeit sehen, die du mir gegeben hast. € 4 Herr Jesu, da es Abend wird, gehet ein Freund von dem andern; aber du und ich wollen nicht geschieden werden. Dein Vater hat mich dir gegeben und du hast mich mit deinem Blut erkauft; darum bin ich dein Eigenthum. O der großen Herrlichkeit der Kinder Gottes, du willst sie nicht allein hier leiten und führen, sondern auch deiner Himmelsfreude theilhastig machen. Darauf freue ich mich. Ich bin dir aber auch ergeben im Leben, ich folge in deines Geistes Licht und Trieb dir nach, und nicht der Welt; ich lebe dir, nicht mir. Ich bin alle Stunden und Augenblicke bei dir mit meiner Liebe, mit meinem Verlangen und Seufzen; barum werde ich auch bei dir sein in der Ewigkeit. Ich lasse dich nicht, bis du mich bringest zu deiner Herrlichkeit. Wie süß, wie lieblich ist hier ein Tropfen dieser Herrlichkeit, wenn du mir einen Freudenblick gönnest! Wie herrlich, wie süß, werden die vollen Ströme sein! Deine Herrlichkeit ist dein verklärter Leib und der Umgang mit deinen Glaubigen; die ist dir von deinem Vater gegeben. Die hast du auch mir geschenkt; ich soll auch verklärt werden und in ewiger Freude mit allen Auserwählten mich ergetzen. Du wirst auf dem Thron deines Vaters sizzen, und ich will dich sehen, dich anbeten, und deiner himmlischen Güter in Ewigkeit genießen. Vater, welcher mir zum Leben Auch den Sohn der Liebe gab, Und auch mich dem Sohn gegeben, Daß ich in ihm Leben hab': Laß es auch an mir geschehen, Daß mein Glauben hier sich freut, Daß ich dort darf Jesum sehen, Jesum in der Herrlichkeit. Amen. 2. Februar. Morgen. Luc. 2, 3. Sie stellten ihn( Jefum) dar dem Herrn. Herr Jesu, ich erinnere mich heute, daß du als ein kleines Kind bist im Tempel dem Herrn dargestellt worden. Da erschienest du als das Lamm, das die Sünde der Welt trug, als der Mittler zwischen Gott und den Menschen, als der Heiland aller Menschen. Ich aber stelle mich dar als ein Sünder, der dich unzählig beleidigt hat; ich stelle mich dar als ein glaubiger Christ, der sich auf dich verläßt und in dir Gnade und Seligkeit sucht. Ich stelle mich dar als ein gehorsames Kind, das entschlossen ist, nach deinem Vorbilde sich zu richten. Gib mir Kraft dazu von oben herab. Ich opfere dir mein Herz, daß du darin lebest und herrschest; meine Seele, daß du sie erleuchtest; mein Leben, daß du es heiligest; meine Zunge, daß du sie regierest, damit ich nichts Anstößiges und dir Mißfälliges rede: meine Glieder, daß sie zu deinen Ehren angewendet, niemals aber Sündenglieder werden. Dieses Opfer soll dir nicht wieder genommen oder vertauscht werden; ich will der Welt und meinen Lüsten mich nicht wieder hingeben, sondern dein bleiben. Reinige mich auch mit deinem Blut von allen meinen Sünden, meine Seele von der bösen Lust, Leib und Glieder von Ausübung derselben. Stelle mich auch einst deinem Vater dar als deinen Erben, der Theil habe an dem ewigen Heil; als den Gesegneten, der zu seines Herrn Freude eingehe; als dein erkauftes Eigenthum, das deine Herrlichkeit sehen soll. Ich stelle mich jetzt vor dich mit der Bitte, du wollest heute mein Gott und Helfer sein. Wohlauf, mein Herz, verlaß die Welt, Dem, der für dich sich dargestellt, Nun dich auch darzustellen! Er ist das Licht, drum sei gewiß, Er wird auch deine Finsterniß Durch seinen Glanz erhellen. Amen. 65 Stark's Morgen- und Abend- Andachten TESAAD 2. Februar. Abend. Luc. 2, 29. Herr, nun lässest du deinen Diener im Frieden fahren. Herr, es ist Abend geworden, und der Tag hat fich geneiget; laß mich nun in deinem Frieden einschlafen; gib mir Simeons Herz, daß ich Simeons Gnade erlangen möge. Ich will wieder dein Diener werden. Ist es vor der Welt etwas Herrliches, eines großen Königs Diener zu sein, seine Abzeichen zu tragen: welche Herrlichkeit ist es dann, dein Diener und Eigenthum zu sein, in deinem Schmuck einherzugehen! Das ist deine Gerechtigkeit, die decket, stärket, reiniget und heiliget mich. Laß mich in meinem Gottesdienst eifrig, in meinem Gebet andächtig, in meinen Reden behutsam, in meinem Umgang mit Andern aufrichtig, treu und rechtschaffen sein, und deiner Gegenwart nie vergessen: so werde ich den Frieden empfinden, daß du in mir lebest, den Frieden, der höher ist, denn alle Vernunft, den Frieden, der deine Gerechtigkeit, Vergebung der Sünden, die Gnade Gottes, die Reinigung des Herzens, die Besserung des Lebens, ja die Gewißheit der künftigen Seligkeit in sich faffet. In diesem Frieden laß mich leben, in diesem Frieden laß mich sterben, so gelange ich einst auch in die Häuser des Friedens, wo die heiligen Wohnungen des Höchsten sind. So wird mein Tod ein Hingang zum Vater, eine Friedensfahrt und ein Schlaf sein, aus welchem ich zum ewigen Leben erwache und aus der Unruhe zur Ruhe, aus dem Streit zum Sieg komme. Alsdann nimmt der Herr seinen Diener, der ihm hier gedienet, gefolgt, gehorcht und angehangen, und führt ihn ein zur Freude. So lebe ich im Frieden, so sterbe ich im Frieden und bleibe ewig im Frieden. 66 Wie Simeon verschieden, Das liegt mir oft im Sinn: Ich führe gern im Frieden Aus diesem Leben hin. Amen. 3. Februar. Morgen. Joh. 16, 23. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: so ihr den Vater etwas bitten werdet in meinem Namen, so wird er es euch geben. 67 Herr Jesu, nach deinem Befehl fange ich an, da der Tag angebrochen, zu bitten um den heiligen Geist, daß er mich regiere und führe. Ich bitte dich, du wollest mein Herz einnehmen, bewohnen und regieren, daß es ein frommes, nach deinem Willen gerichtetes Herz werde, damit keine Lüste darin aufkommen oder zur Herrschaft gelangen; denn wo du nicht in mir wohnest, bin ich zu schwach, und vermag nicht den Stürmen zu widerstehen. Ich bitte dich auch um deinen Segen, daß er wie ein angenehmer Thau mein Thun befeuchte. Segne mich mit himmlischen Gütern, mit Glauben, Liebe, Hoffnung und Geduld. Ich bitte dich um ErHaltung meiner Leibeskräfte, so lange es dir gefällt. Bei dir ist die lebendige Quelle und der Reichthum aller Gaben; dein Vater will mir es gerne geben; du hast es mir erworben, und deine Fürbitte macht mein schwaches Gebet angenehm; durch dich, mein Heiland, kann ich alles von ihm erlangen. Er ist auch nach der Schöpfung mein Vater, der mich versorgt, erhält und beschüßt. So habe ich ein doppeltes Recht an ihn, theils als sein Geschöpf, theils als sein erkauftes Gut; du hast mich ihm versöhnt, darum habe ich einen freien Zutritt zu ihm, ich darf alles, auch das Geringste von ihm bitten, und weiß, was ich nach seinem Willen bitte, das werde ich auch empfangen. Ein seliges Sterben, den Eingang in dein Freudenreich, eine fröhliche und selige Auferstehung erwarte ich nach deiner Verheißung. Herr, lehre du mich also beten, Wie es dir lieb und wohlgefällig iſt; Laß nie mich anders vor dich treten, Als daß ich hab' im Herzen Jesum Christ. Ach, mache mich nur von mir selber fret, Daß Christus alles mir in allem sei. Amen. 2. Februar. Abend. Luc. 2, 29. Herr, mun läsfest du deinen Diener im Frieden fahren. Herr, es ist Abend geworden, und der Tag hat sich geneiget; laß mich nun in deinem Frieden einschlafen; gib mir Simeons Herz, daß ich Simeons Gnade erlangen möge. Ich will wieder dein Diener werden. Ist es vor der Welt etwas Herrliches, eines großen Königs Diener zu sein, seine Abzeichen zu tragen: welche Herrlichkeit ist es dann, dein Diener und Eigenthum zu sein, in deinem Schmuck einherzugehen! Das ist deine Gerechtigkeit, die decket, stärket, reiniget und heiliget mich. Laß mich in meinem Gottesdienst eifrig, in meinem Gebet andächtig, in meinen Neden behutsam, in meinem Umgang mit Andern aufrichtig, treu und rechtschaffen sein, und deiner Gegenwart nie vergessen: so werde ich den Frieden empfinden, daß du in mir lebest, den Frieden, der höher ist, denn alle Vernunft, den Frieden, der deine Gerechtigkeit, Vergebung der Sünden, die Gnade Gottes, die Reinigung des Herzens, die Besserung des Lebens, ja die Gewißheit der künftigen Seligkeit in sich faffet. In diesem Frieden laß mich leben, in diesem Frieden laß mich sterben, so gelange ich einst auch in die Häuser des Friedens, wo die heiligen Wohnungen des Höchsten sind. So wird mein Tod ein Hingang zum Vater, eine Friedensfahrt und ein Schlaf sein, aus welchem ich zum ewigen Leben erwache und aus der Unruhe zur Ruhe, aus dem Streit zum Sieg komme. Alsdann nimmt der Herr seinen Diener, der ihm hier gedienet, gefolgt, gehorcht und angehangen, und führt ihn ein zur Freude. So lebe ich im Frieden, so sterbe ich im Frieden und bleibe ewig im Frieden. 66 Wie Simeon verschieden, Das liegt mir oft im Sinn: Ich führe gern im Frieden Aus diesem Leben hin. Amen. 3. Februar. Morgen. Joh. 16, 23. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: so ihr den Vater etwas bitten werdet in meinem Namen, so wird er es euch geben. 67 Herr Jesu, nach deinem Befehl fange ich an, da der Tag angebrochen, zu bitten um den heiligen Geist, daß er mich regiere und führe. Ich bitte dich, du wollest mein Herz einnehmen, bewohnen und regieren, daß es ein frommes, nach deinem Willen gerichtetes Herz werde, damit keine Lüste darin aufkommen oder zur Herrschaft gelangen; denn wo du nicht in mir wohnest, bin ich zu schwach, und vermag nicht den Stürmen zu widerstehen. Ich bitte dich auch um deinen Segen, daß er wie ein angenehmer Thau mein Thun beseuchte. Segne mich mit himmlischen Gütern, mit Glauben, Liebe, Hoffnung und Geduld. Jch bitte dich um ErHaltung meiner Leibeskräfte, so lange es dir gefällt. Bei dir ist die lebendige Quelle und der Reichthum aller Gaben; dein Vater will mir es gerne geben; du haft es mir erworben, und deine Fürbitte macht mein schwaches Gebet angenehm; durch dich, mein Heiland, kann ich alles von ihm erlangen. Er ist auch nach der Schöpfung mein Vater, der mich versorgt, erhält und beschüßt. So habe ich ein doppeltes Recht an ihn, theils als sein Geschöpf, theils als sein erkauftes Gut; du hast mich ihm versöhnt, darum habe ich einen freien Zutritt zu ihm, ich darf alles, auch das Geringste von ihm bitten, und weiß, was ich nach seinem Willen bitte, das werde ich auch empfangen. Ein seliges Sterben, den Eingang in dein Freudenreich, eine fröhliche und selige Auferstehung erwarte ich nach deiner Verheißung. Herr, lehre du mich also beten, Wie es dir lieb und wohlgefällig iſt; Laß nie mich anders vor dich treten, Als daß ich hab' im Herzen Jesum Christ. Ach, mache mich nur von mir selber fret, Daß Christus alles mir in allem sei. Amen. 3. Februar. Abend. 1 Mof. 8, 9. Da aber die Taube nicht fand, da ihr Fuß ruhen konnte, kam sie wieder zu ihm in den Kasten. Gnadenreicher Gott, die Nacht zieht mich von den Geschäften und von dem Umgang mit Menschen zurück. Wo soll ich aber hin? Ich habe die ganze Welt vor mir, aber ich finde keine Stelle, wo meine Seele ruhen könnte. Dein Geist hat mir einen Ekel vor der Welt und ihren Unarten gemacht, daß ich keine Ruhe darin finden kann; denn diese Ruhe bringt ewige Unruhe. Und doch habe ich mich heute verlocken lassen zu den Gewohnheiten, Reden, Thun und Wesen der Sünder; aber ich eile in dieser Abendstunde wieder zu dir; reiche mir deine Vaterhand, nimm mich auf, laß mich Gnade finden und verzeihe mir nach deiner Barmherzigkeit. Ich kehre mit bußfertigem Herzen um zu dir, Herr Jesu; in dir finde ich Friede, Trost und Ruhe für meine Seele; von dir will ich mich nicht wieder entfernen. Muß ich gleich mit meinem Leibe in der Welt sein, so soll doch mein Herz, mein Verlangen, meine Liebe, meine Freude nur allein bei dir sein; so muß der Satan fliehen; in dir bin ich verwahrt und beschützt. Wenn einst meine Seele keinen Platz noch Ruhe mehr in diesem Leben haben kann, Herr, so thue ihr die Thür des Himmels auf, wie Noah seiner Taube; nimm mich zu deiner Himmels freude, zur ewigen Ruhe auf und sammle mich zu der Schar der Auserwählten. So schlafe ich sanft in dem Frieden Jesu ein. 68 D Jesu, wenn des Todes Fluten Einst über uns're Seelen geh'n, Wenn in der letzten Trübsal Gluten Uns Sinn und Muth will ganz vergehn: Dann strecke aus die Gnadenhände Und nimm uns auf zu gutem Ende In deines Vaters ew'ges Haus, Wo wir in sel'ger Himmelsfreude Von allem Kampf und allem Leide Bei dir auf ewig ruhen aus. Amen. 4. Februar. Norgen. Phil. 2, 15. Auf daß ihr seid ohne Tadel und lauter und Gottes Kinder, unsträflich, mitten unter dem unschlachtigen und verkehrten Geschlecht, unter welchem ihr scheinet als Lichter in der Welt. 69 Heiliger Gott, nachdem du mich aus der finstern Nacht hast an das Licht treten lassen, ergebe ich mich dir ganz zu eigen. Ich bin in der heiligen Taufe dein Kind geworden, laß mich auch heute als dein Kind reden, leben und wandeln. Siehe, ich muß heute nach meinem Stand unter unschlachtigen und verkehrten Menschen sein, die sich zwar Christen nennen, sich aber mit Herz und Leben von dir und von dem Beispiel, das uns Jesus gelassen, abgekehrt haben. Daher sind sie unschlachtig, wie ein Land, das keine guten Früchte bringt, sondern Herlinge, böse Worte und Werke, Frechheit, Ungezogenheit und Uebermuth. Gott, du weißt, wie mein Herz sich so gerne verführen läffet: verleihe mir Gnade, daß ich kein Gefallen an der Welt habe, ihre Thorheiten weder mit Worten noch Geberden billige, oder dazu lache, welches schon strafbar vor dir ist. Laß mich vielmehr als ein Licht unter den Weltkindern sein, daß mein Enthalten von Sünden eine Bestrafung ihrer Worte und Werke werde. Habe ich zwar noch vieles an mir, was du Herr und Herzenskündiger zu strafen hast, so laß mich doch nicht so tief fallen, daß es die Welt merke und daran sich ärgere. Heilige mich immer mehr, daß ich mir und meinen Lüsten, auch allen Unarten der Welt absterbe, hingegen dir allein lebe und anhange. Die Christen sind doch Lichter In der verkehrten Welt. • Die Welt macht sich zum Richter, Der nichts von ihnen hält; Doch lassen sie im Dunkeln Stets ihren Glauben funkeln, Durch den man Gott gefällt. Amen. 4. Februar. Abend. Klagl. 3, 25. Der Herr ist freundlich dem, der auf ihn harret, und der Seele, die nach ihm fraget. 70 Großer Gott, wie freundlich bist du heute gegen mich gewesen! deine Liebe hat mich geschützt, deine Gnade begleitet, deine Barmherzigkeit erhalten. Laß mich auch in der Nacht deiner Freundlichkeit genießen, daß du das Unglück abwendest, und mir eine sanfte Ruhe verleihest. Verzeihe mir, was ich heute wider dich gesündigt habe. Auf dich harre ich bei Tag und Nacht; du bist der Troft Jsrael, du bist meine Zuversicht, mein Helfer und Erbarmer von Jugend auf ge= wesen, darum hanget dir meine Seele an. Du hast mir nicht allein im Leiblichen viel Gutes gethan, du hast dich auch meiner Seele herzlich angenommen, daß sie nicht verdürbe. Du hast mich geliebet, da ich noch dein Feind war; du hast mich zu deinem Kinde angenommen, du hast mir den heiligen Geist, das Pfand der Kindschaft und des Erbes geschenkt; was könntest du mehr an mir thun? Darum will ich immer nach dir fragen, daß ich dich recht kennen lerne. Ich will fleißig in deinem Worte fragen, wie ich glauben, reden und leben soll, und wenn ich dich und deinen Willen erkannt, so will ich mich bestreben, mein ganzes Leben dir aufzuopfern. Ich will nach dir fragen in guten Tagen und in bösen Tagen und deiner Hilfe harren. Erscheine mir alsdann als ein freundlicher Helfer. Wenn ich in der Todesstunde frage: wo ist nun mein Gott? dann erquicke und erfreue mich. Laß mich, Herr, von dir nicht wanken; In dir schlaf' ich sanft und wohl, Gib dem Geiste Lichts Gedanken, Wenn der Leib auch Schlafes voll, Daß die Seele für und für Wache, o mein Gott, zu dir Bis die Morgenröth aufgehet, Und mich Sonnenglanz umfähet. Amen. 71 5. Februar. Norgen. Jesaia 49, 10. Sie werden weder hungern noch dürften, fle wird keine Hiße noch Sonne stechen; denn ihr Erbarmer wird fie führen, und wird sie an die Wasserquellen leiten. Gott, mein Erbarmer, ich hebe Herz und Hände auf zu dir mit demüthigem Dank, daß du mich diese Nacht vor allem Leiden bewahrt hast. Ich empfehle mich auch diesen Tag in deinen Gnadenschutz. Führe du mich selbst, damit ich nicht von der Welt verführt, nicht von meinen Lüsten und Begierden verleitet werde. Führe mich auf den Wegen deiner Gebote, und erhalte mein Herz in deiner Furcht, in deiner Liebe und Gehorsam. Führe mich zu frommen Leuten, bei wel chen ich nichts Böses lerne, und wenn ich zu Bösen gerathe, so bewahre mich, daß sie mich nicht auf ihre Wege mitnehmen. Gib mir Speise und Tránk und laß sie mich mit Danksagung genießen. Stille meinen Hunger und Durst nach der Gerechtigkeit, und erquicke meinen Geist mit deiner Gnade, mit innerlichem Trost, Friede und Freude, wodurch ich gestärkt werde, wider die Sünde zu kämpfen und in meinem Christenthum zu wachsen. Also werde ich in dir selig sein schon in diesem Leben. Willst du mich in eine geistliche Dürre setzen, daß die Hige der Anfechtung mir allen Trost, Freudigkeit und Vertrauen auf dich benehmen sollte, leite mich zu der lebendigen Quelle des Blutes Jesu, daß ich daraus schöpfe Gnade um Gnade und rechne mir auch böse und lästerliche Gedanken nicht zu. Sollte mich von außen die Sonne der Trübsal stechen, mein Leib, Ehre und Gut ange= griffen werden, so stehe mir bei, und erfreue mich mit Hilfe und Errettung. Führe mich, o Herr, und leite Meinen Gang nach deinem Wort, Sei und bleibe du auch heute Mein Beschüßer und mein Hort; Nirgends, als bei dir allein, Kann ich recht bewahret sein. Amen. 5. Februar. Abend. Psalm 23, 4. Und ob ich schon wanderte im finstern Thal, fürchte ich kein Unglück: denn du bist bei mir; dein Stecken und Stab trösten mich. 72 Gnadenreicher Gott, nun ist alles finster um mich, aber ich fürchte mich nicht, denn du bist bei mir, mein Wächter, der alles Unglück abwendet. Es mögen fich fürchten, die noch auf Sündenwegen gehen. Ich aber nahe mich in wahrer Neue über meine Sünden zu dem Gnadenthron. Es folgt auf den Tag die Nacht, auf Licht Finsterniß, aber in meiner Seele wird es nicht finster, so lange du sie erleuchteſt. Dieses ist die Herrlichkeit deiner Kinder, daß sie mit dir in Gemeinschaft stehen; wo aber du mit Licht und Frieden bist, da muß die Finsterniß weichen. Sollte diese Nacht Unglück entstehen durch Feuer oder andere Zufälle, so wollest du es abwenden; sollte mich Krank heit oder Schrecken überfallen, so sei bei mir äußerlich mit deiner Hilfe, innerlich mit dem kräftigen Trost, daß du mich nicht verlassen, noch versäumen werdest, daß alle Anfechtung ein solches Ende gewinnen werde, daß ich es ertragen könne. Diese Verheißungen sollen mein Stecken und Stab sein, daran ich mich in allen Begebenheiten halten will. Jesu Kreuz soll mein Wanderstab im Leben zur Heiligung, im Kreuz zum Trost, im Sterben zum Uebergang in die Freude sein. Darum scheue ich auch die finstre Nacht nicht, auch nicht, wenn ich dereinst ins finstre Thal des Grabes soll versenkt werden; denn auch da wirst du meinen Staub bewahren, meine Seele aber in dem Freudenlicht mit ewiger Ruhe ergezzen. Und ob ich wall' im finstern Thal, Fürcht' ich doch keinen Schaden; Sein Auge wachet überall, Ich bin der Sorg' entladen. Sein Stab und Stecken trösten mich, Auf seine Treu' und Macht kann ich Gar ruhig mich verlassen. Amen. 73 6. Februar. Norgen. Epr. 3, 7. Fürchte den Herrn und weiche vom Bösen. Gerechter und heiliger Gott, ich danke dir für den sanften Schlaf, welchen du mir in der abgewichenen Nacht geschenkt hast. Gib mir nun deinen heiligen Geist, immer gehorsamer und frömmer zu werden. Ich will dich fürchten wie ein Kind seinen Vater, daß ich dich mit nichts betrübe; wie ein Unterthan seinen Herrn, daß ich dein Gebot nicht übertrete; wie ein Schüler seinen Lehrmeister, daß ich dich nie aus den Augen lasse. Ich will dich fürchten als einen gegenwärtigen Gott, der alles sieht und alles hört. Ich will dich fürchten als den gerechten Gott, der zürnt und straft, um dadurch meinem Fleisch und Blut einen Baum anzulegen. Ich will dich fürchten, wenn ich allein bin; ich will dich fürchten, wenn ich bei andern bin. Durch deines Geistes Kraft will ich weichen von bösen Menschen und wenn ich wider meinen Willen bei ihnen sein muß, so will ich weichen von ihren Gewohnheiten und Thorheiten, daß mein Gewissen unbefleckt erhalten werde. Ich will weichen von bösen Orten und Gesellschaften, damit ich mich nicht in Gefahr begebe und darin umkomme. Und weil mein Herz das allerböseste ist, so will ich seinen Lüften widerstreben und die unreinen Begierden in deines Geistes Kraft überwinden. Gott, das ist mein Verlangen, schenke mir deine Gnade dazu, daß ich es auch vollbringen möge. Weiche du auch heute nicht von mir mit deinem Schutz und Segen. Laß mich keine Lust noch Furcht Von dir in dieser Welt abwenden, Beständig sein an's End', gib mir, Du hast's allein in Händen; Und wem du's gibst, der hat's umsonst: Es mag niemand ererben, Noch erwerben durch Werke deine Gnad', Die uns erlöst vom Sterben. Amen. 6. Februar. Abend. 1. Joh. 4, 19. Lasset uns ihn lieben; denn er hat uns zuerst geliebet. 74 Gott, deine Liebe ist eine ewige Liebe; alle Dinge haben ihre Zeit, aber deine Liebe währet in Ewigkeit. Deine Liebe ist meine Wärterin gewesen, da ich noch ein Kind war, sie ist meine Lehrerin gewesen in meiner Jugend und ist meine Versorgerin bis auf die gegenwärtige Stunde. Deine Liebe hat sich auch meiner Seele herzlich angenommen, daß sie nicht verdürbe. Du hast mich geliebet, da ich noch in Sünden todt war und in meinem Blute da lag, und sprachest: du sollst leben! Du hast mir Jesum zum Heiland gesendet, daß ich durch ihn rein und gerecht soll werden. Du hast mir den heiligen Geist geschenket, der mich innerlich warnt, tröstet und strast. Du hast mich geliebet und mir dein Wort gegeben zur Regel und Richtschnur meines Lebens. Und wie kann ich die Größe und Manichfaltigkeit deiner Liebe aussprechen? Jeder Tag hat neue Liebesproben mich empfinden las sen, und sie hat noch kein Ende. Ach, daß ich dich dafür auf's innigste wieder lieben könnte! Ich will dich lieben; so viel du mir Gnade geben wirst. Ich will fleißig an dich gedenken, dich höher achten, als alle Herrlichkeit der Welt. Ich will dich lieben in meinem Leben, gerne von dir reden, immer frömmer werden und alles meiden, was dich betrüben kann; deine unverdiente Liebe soll mir ein beständiger Antrieb zum Gehorsam und zu beständiger Liebe sein. Laß deine Liebe auch in dieser Nacht mich decken und behüten, und einst im Sterben laß mich in deinen Liebesarmen sanft und selig einschlafen. Weil du mich so hoch geliebet, Möcht' ich dich in meinem Theil, Da ich dich so lang betrübet, Wieder lieben, o mein Heil. Schenke mir, das kannst nur du, Deines Geistes Trieb dazu. Amen. 75 7. Februar. Morgen. Psalm 119, 133. Laß meinen Gang gewiß sein in deinem Wort; und laß kein Unrecht über mich herrschen. Allmächtiger Gott, lieber Vater, ich komme vor dich mit Loben und Danken für deinen gnädigen Schutz und Beistand in der vergangenen Nacht. Gebiete deinem Segen über mich in meinem Hause, und schenke mir deinen heiligen Geist, daß er mein Herz erleuchte und heilige. Laß dein Wort vor meinen Augen sein, daß ich meinen Gang, mein Leben, meine Gedanken, meine Reden darnach richte. Laß mich Jesu Leiden nicht vergessen, daß ich in keine Sünde mehr willige, die ihm sein Leiden so sauer gemacht hat. Drücke sein blutiges Bild tief in mein Herz, und laß seine offenen Wunden mir vor Augen schweben zum Trost und zur Heiligung. Dein Gesetz soll die Nichtschnur meines Lebens sein, daß ich keines vorsäßlich übertrete. Laß mich im Glauben und in der Frömmigkeit gewisse Schritte thun, daß ich mich nicht lasse von deinen Wegen abführen, sondern bis an mein Ende in dem Guten verharre. Eine flüchtige Andacht, wankende Liebe, angefangene Reinigung, die wieder verschwinden, gefallen dir nicht. Dein Geist wolle immer an meinem Herzen anklopfen, wenn ich unrechte Wege erwählen, oder meinem Nächsten Unrecht thun oder an der Sünde eine Lust haben wollte: so werde ich heute dir zur Ehre leben in kindlichem Gehorsam. Nun, dieses ist dein Werk, du mußt es anfangen, du mußt es auch vollenden. Gängle, führe und leite mich wie ein Kind, und laß mich den Abend in deiner Gemeinschaft erreichen. Reiche deinem armen Kinde, Das auf schwachen Füßen steht, Deine Gnadenhand geschwinde, Bis die Angst vorübergeht; Wie die Jugend gängle mich, Daß der Feind nicht rühme sich, Er hab' ein solch' Herz gefället, Das auf dich die Hoffnung stellet. Amen. 7. Februar. Abend. Jef. 58, 9. Dann wirst du rufen, so wird dir der Herr antworten. Wenn du wirst schreien, wird er sagen: Siehe, hier bin ich. 76 Gnädiger Gott, ich trete in die finstre Nacht, darum rufe ich dich an. Ich bitte dich demüthig, du wollest deine Flügel über mich ausbreiten, daß mir kein Unglück begegne. Laß deine gnädige Antwort sein: dir geschehe, wie du willst. Du hast mich verfichert, daß du mich nicht werdest verlassen. Laß deine Willigkeit, mir zu helfen, auch mein Herz willig machen, dir zu gehorchen, daß ich, wenn du mir meine Pflichten vorlegst, sage: Rede, Herr, dein Knecht höret, und wenn du mich von der Welt zu dir rufest, spreche: Siehe, hier bin ich! Wenn ich vor Betrübniß oder Mattigkeit mit dem Munde nicht rufen oder beten kann, so laß meine Seufzer ein helles Geschrei in deinen Ohren sein, daß du auch zu mir, wie zu Mose sagest: Was schreiest du? ob sich schon meine Lippen nicht bewegen. Laß deine liebreiche Gegenwart mein mattes Herz erquicken, wenn ich verlassen bin, wenn ich in einer geistlichen Dürre mich befinde; dann rede freund lich mit mir, daß die Gebeine fröhlich werden, die du zerschlagen hast. In Traurigkeit sprich: Ich bin dein Tröster; im Leiden: Ich bin dein Helfer; in Armuth: Ich bin dein Reichthum; in Bekümmerniß: Ich bin dein Beistand; in Krankheit: Ich bin dein Arzt. Ja, wenn meine Todesstunde kommt, und ich seufze: Vater, in deine Hände befehle ich meinen Geist! so sprich zu mir: Siehe, hier bin ich, gehe ein zu deines Herrn Freude. Stärk' mich mit deines Geistes Muth, Heil' mich mit deinen Wunden, Wasch' mich mit deiner Gnade Flut, In meinen letzten Stunden, Und nimm mich einst, wann dir's gefällt, In wahrem Glauben aus der Welt Zu deinen Auserwählten. Amen. 8. Februar. Norgen. Jer. 18, 19. Herr, habe Acht auf mich. Großer Gott, da ich mich wieder aufmache, auszurichten, was du mir befohlen hast, so ergebe ich mich dir ganz und gar in deinen Schutz. Habe Acht auf mich, wenn ich aus- und eingehe, daß mir kein Unglück begegne. Habe Acht auf mich in meinem Beruf und schenke mir deinen Segen. Habe Acht auf mich, wenn Kreuz- und Trauerstunden kommen und erquicke und errette mich nach deiner Vatertreue. Habe Acht auf mich, wenn Satan die Sünde mir lieblich vorstellt, wie der Eva die verbotene Frucht, und wenn die Welt mich, wie Delila den Simson, zur Sünde verleiten will, daß dein Geist mich zurückhalte. Habe Acht auf mich, wenn mein Feind mir öffentlich oder heimlich schaden will und laß ihm seinen Willen nicht! Habe Acht auf mich, wenn ich krank oder schwach werde und heile mich. Habe Acht auf mich, wenn ich sterben soll, wenn ich meine Seele in deine Hände befehle; laß alsdann meines Flehens Stimme durch die Wolken dringen und Erhörung finden. Ich will auch heute auf dich Acht haben, auf dein Wort, auf deinen Willen, auf das Beispiel Jesu, auf den Trieb des heiligen Geistes, daß ich ihm nicht widerstrebe. Ich will auf dich Acht haben in meinen Neden, weil du auch derselben Nichter bist. Ich will Acht haben auf dich in meinem Leben, daß ich mein Gewissen nicht beflecke und deinen Zorn nicht wider mich errege. Ich will Acht auf mich haben, daß ich mir an meinem Leibe keinen Schaden thue und durch unerlaubte Freiheit meinen Nächsten nicht ärgere. Gott, erhöre mich um deiner Güte willen. Herr, habe Acht auf mich! Und zeuch mich ganz in dich Mit Leib und Seele! 77 Dein bin ich, du bist mein, Du, den ich mir allein Zum Hort erwähle. Amen. 8. Februar. Abend. Rol. 3, 3. Ihr seid gestorben, und euer Leben ist verborgen mit Christo in Gott. 78 Mein Gott, da ich mich nach Ruhe umsehe, so erinnere ich mich, daß der Schlaf ein Bild des Todes ist. Ich will mir aber noch einen andern Tod vorstellen, welcher den leiblichen Tod versüßt, nämlich den Tod meines Erlösers Jesu Christi, den er für mich aus: gestanden hat. Denn alles, was er gethan und gelitten hat, ist mir zu gut geschehen; sein Tod ist mein, seine Gerechtigkeit ist mein; durch ihn habe ich den Zugang zu dir, in ihm habe ich Frieden und ewiges Leben. Als ein wahrer Christ soll ich aber auch der Sünde und der Welt sterben. Verleihe mir Gnade, daß ich alle meine Lüste und fündlichen Gewohnheiten durch dich in den Tod bringe. Nicht allein aber bin ich durch meinen Heiland von Sünde und Verdammniß erlöst worden, sondern er hat mir auch ein Leben geschenket, welches mein armes, mit vielem Leiden umgebenes Leben versüßt. Ja, in ihm habe ich das Leben, daß ich nun nicht mehr lebe nach meinem Willen, sondern er lebet in mir, er heiligt, führt und regiert mich. Aber dieses Leben ist verborgen vor der Welt Augen, ja, mit Kreuz und Leiden umgeben, ich meine oft selbst nicht, daß meine Herrlichkeit so groß sei. Doch dieses habe ich mit Christo gemein, welchen auch außer seinen Glaubigen niemand für den hielt, der er war. Es ist mir aber Leben und Herrlichkeit in Gott und durch Gott gewiß versichert, wenn ich in Glauben und Liebe verharre. O Jesu, verborgenes Leben der Seelen, Du heimliche Sonne der inneren Welt, Laß deinen verborgenen Weg uns erwählen, Wenn gleich uns die Hülle des Kreuzes entstellt. Hier wenig gekennet Und übel genennet; Hier heimlich mit Christo im Vater gelebet, Dort öffentlich mit ihm im Himmel geschwebet. Amen. 9. Februar. Morgen. 1 Chron. 30, 17. Jch weiß, mein Gott, daß du das Herz prüfest, und Aufrichtigkeit ist dir angenehm. 79 Allwissender Gott, ich bringe dir mein Herz zum Morgenopfer; das wollest du gnädig annehmen, und mit deinem himmlischen Lichte erfüllen. Ich weiß, auf das Herz kommt es an; denn du sprichst: Gib mir, mein Sohn, dein Herz! Was hilft ein guter Schein, schöne Reden, ehrbarer Wandel, wenn das Herz nicht dabei, sondern eitel, falsch, unrein, boshaft und lügenhaft ist? Ich bringe dir ein dankbares Herz für alle deine Wohlthaten. Ich bringe dir ein glaubiges Herz, das sich fest an dich hält; ich bringe dir ein williges Herz, welches dein Geist bereitet hat, der Sünde abzusterben und dir allein zu leben. Prüfe mein Opfer, ob es rechtschaffen, lauter und ohne Falsch ist, denn dir ist nichts verborgen. Bereite mein Herz nach deinem Willen, reinige es von aller Unlauterkeit, und heilige es dir zur Wohnung. Bewahre mich in meinem Sinn und Wandel vor Verstellung, Falschheit und Scheinwesen; denn Aufrichtigkeit ist dir angenehm; Aufrichtigkeit in der Liebe, im Gebet und Gottesdienst, Aufrichtigkeit im Handel und Wandel. Stelle mir allezeit vor dein allsehendes Auge, das nicht allein in alle Winkel, sondern auch in das Herz siehet, wie ich vor dir wandle, dir diene, was ich dabei für Absichten habe, wie ich es mit meinem Nächsten meine, ob meine Freundlichkeit verstellt und unlauter sei, an welchem allen du, o reiner Gott, einen Greuel hast. Hilf, daß ich beständig Jesu Aufrichtigkeit, Liebe und Wahrheit vor Augen habe, und mich darnach richte. Nimm ganz, o Gott, zum Tempel ein Mein Herz hier in der Zeit, Ja, laß es auch dein Wohnhaus sein In jener Ewigkeit. Amen. 9. Februar. Abend. Hebr. 13, 8. Jesus Christus gestern und heute, und derselbe auch in Ewigkeit. 80 Herr Jesu, du bist heute mein Helfer gewesen, du sollst auch im Schlafengehen nicht aus meinem Her zen kommen. Du bist meiner Seele alles: was ich verlange, finde ich in dir, und was mir fehlt, schenkst du mir; du bist der offne Brunn, daraus ich schöpfe Gnade um Gnade. Du bist mein Heiland, der mir durch sein Leiden und seinen Tod die Gnade Gottes und das ewige Leben erworben hat. Du bist mein Hoherpriester, der für mich betet; mein König, der mich schützt und regiert; mein Prophet, der mich lehrt; mein Hirte, der mich weidet; mein Mittler, der sich zwischen Gott und mich stellt, durch den ich Barmherzigkeit er lange. Dieses bist du gewesen gestern allen Glaubigen im alten Testament, allen Patriarchen, allen Propheten; aller Verlangen ist nach dir gerichtet gewesen; du warst der Sterbenden Heil, der Lebenden Freude. Das bist du auch heute im Neuen Testament; du bist der Glau bigen Weg, den sie zum Vorbilde nehmen; ihre Wahr heit, darnach sie glauben; ihr Leben, darin sie volle Genüge haben. Du wirst es auch in Ewigkeit sein. Du bist der Engel Freude, der Auserwählten Lobge fang. Du bist auch mir alles in allem, meine Wonne in Traurigkeit, meine Sonne in Dunkelheit meines Gemüths, meine Hilfe, wenn ich verlassen bin, mein Arzt, wenn ich krank bin, meine Süßigkeit in der Bitterfeit des Leidens, meine Zuflucht und Trost in Kreuz und Leiden. Du sollst es auch sein in der To desstunde; da will ich, mit dir im Herzen, einschlafen. Jesus Christus, gestern heute, Und auch in der Ewigkeit, Welcher sich zum Priester weihte, Und den Eingang uns bereit't: Der soll meines Geistes Wonne, Meines Glaubens Grund allein, Meines Lebens wahre Sonne Heute und auch ewig sein. Amen. 10. Februar. Norgen. Luc. 12, 47. Der Knecht, der seines Herrn Willen weiß, und hat sich nicht bereitet, auch nicht nach seinem Willen gethan, der wird viele Streiche leiden müssen. Biebreicher Gott, ich fange in deinem Namen den Tag an. Laß mich nicht ein ungehorsamer Knecht sein, sondern jede Stunde in deiner Furcht hinbringen. Kann sich ein Knecht vor seines Herrn Augen verbergen, so ist es mir vor dir nicht möglich. Laß mich fleißig bedenken, daß es zwar eine große Seligkeit ist, wenn ich weiß, was dein gnädiger Wille sei, aber dağ es zum Christenthum nicht genug sei. Was hilft mir mein Wissen von der Liebe, von Frömmigkeit, Gehorsam, Keuschheit, Gerechtigkeit, Sanftmuth und Demuth, wenn ich in Haß, Gottlosigkeit, Ungehorsam und Ueppigkeit lebe? Darum verleihe mir Gnade, daß ich mein Wissen auch in's Wesen bringen möge. Dein Wille ist mir nicht verborgen. Erinnere mich an die fünftigen Streiche und Strafen, wenn mir die Welt glauben machen will, ein äußerlicher Schein sei genug bei meinem Wissen; man thue, so viel man könne. Gib mir neue Stärke in dem Blute Jesu, daß ich mich möge bereiten mit Gebet und Wachsamkeit zu thun, was dir wohlgefällt. Ich weiß wohl, viele reden vom Christenthum ohne Herzensheiligung; fromm zu sein wünschen, und auf den alten Sündenwegen zu bleiben, bringt viele Streiche im Gewissen, das den Sünder verklagt; Zungenstreiche von Menschen, die einen Heuchler bald auslernen und seiner spotten; Zornstreiche und wohlverdiente Strafen in dieser Welt, endlich Feuerstreiche in der Verdammniß. Ach, davor behüte mich und laß mich als ein frommer und treuer Knecht hier erfunden werden. Auf daß, wann du, Lebensfürst, Zum Gerichte kommen wirst, Ich dir mög' entgegengeh'n Und vor dir gerecht besteh'n. Amen. Start's Morgens und Abend- Andachten. 81. 6 10. Februar. Abend. Jer. 3, 12. Kehre wieder, du abtrünnige Israel, so will ich mein Angesicht nicht gegen dich verstellen; denn ich bin barmherzig. 82 Barmherziger Gott, ich höre in dieser Abendstunde deine Stimme, die mich anredet: Kehre wieder! Dein Erbarmen lockt mich zur Buße; du willst nicht meinen Tod; dein Ruf geschieht zu meinem ewigen Heil. O, daß ich nicht so willig gehört hätte, da mich die Welt zur Sünde rief! Ich kehre um mit gebeugten Knieen und bitte: laß mich Gnade finden wie David, wie Manasse, wie Petrus, wie den verlorenen Sohn, wie die große Sünderin. Nimm mich an, erbarme dich meiner. Ich nehme meine Zuflucht zu Jesu, meinem Mittler und Fürsprecher, der für mich gelitten hat. Um seines Todes willen erbarme dich meiner. Ich befehre mich zu dir in. Buße und Glauben, mit Herzlichem Abscheu vor der Sünde; kehre auch dein Ange sicht zu mir, wie ein liebreicher Vater. Ich komme, mit der Gerechtigkeit Jesu bekleidet und mit dem festen Vorsatz, dich nicht wieder zu betrüben. Mein eigenes Herz und die Liebe der Welt hat mich von dir ab trünnig gemacht; nun kenne ich meinen Feind, der mich um deine Gunst gebracht. Ich will ihn mit desto größerer Behutsamkeit fliehen, und dir anhangen. Das größte Unglück ist, einen erzürnten Gott haben, darum will ich noch, ehe ich mich zur Ruhe lege, mich mit dir versöhnen, meine Fehler abbitten und mich der Führung deines heiligen Geistes ganz übergeben bis in den Tod. Kehre wieder! endlich kehre In der Liebe Heimat ein, In die Fülle aus der Leere, In das Wesen aus dem Schein; Aus der Lüge in die Wahrheit, Aus dem Dunkel in die Klarheit, Aus dem Tode in das Leben, Aus der Welt ins Himmelreich! Doch, was Gott dir heut' will geben, Nimm auch heute, tehre gleich! Amen. - 11. Februar. Morgen. 4 Mos. 6, 24-28. Der Herr segne dich und behüte dich; der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir, und sei dir gnädig; der Herr hebe sein Angesicht auf dich, und gebe dir Frieden. 83 Dreieiniger Gott, an diesem Morgen empfehle ich mich in deine Hände. Lege deine Hand auf mich und segne mich mit himmlischen Gütern durch Christum. Herr Gott, Vater, segne meinen Ausgang und Eingang, mein Thun und Lassen. Gebiete deinem Segen über mir, daß er mit mir sei in meinem Beruf, zu Hause und auf dem Felde. Behüte meine Schritte und Tritte vor Gleiten und Fallen; behüte mich vor Unglück, Gefahr und schweren Sünden, daß ich nicht aus deiner Gnade falle. Habe ein wachsames Auge über meine Seele, über meinen Leib, über alles, was du mir gegeben hast. Jesu, du Sohn Gottes, laß dein Antlitz leuchten über mir; sei du das Licht in meinem Herzen, daß ich in demselben sehe mein Verderben, aber auch die Seligkeit und Herrlichkeit deiner Kinder. Sei mein Licht in der Finsterniß der Traurigkeit, mein Führer, mein Licht und Heil des Tages. Vergib mir alle meine Sünden, daß ich Gnade finden möge in guten und bösen Tagen, im Leben und Sterben, und also zur ewigen Ruhe gelange und selig werde. Herr Gott, heiliger Geist, erhebe dein Antlitz auf mich; mache mich fromm, demüthig, sanftmüthig, keusch, rein und fruchtbar zu allen guten Werken, wie du in der Schöpfung über dem Wasser schwebtest und es fruchtbar machtest. Heilige und erfülle mich mit Liebe, Gottesfurcht und Gehorsam. Gib und versiegle mir den Frieden, daß ich dein Kind und ein Erbe des ewigen Lebens bin. Großer und mächtiger Herr, dreieiniger Gott, erhöre mich, erbarme dich. Gott Vater, bir sei Preis, hier und im Himmel droben; Herr Jesu, Gottes Sohn, ich will dich allzeit loben; D heil'ger Geist, dein Ruhm erschall' je mehr und mehr; Dreiein'ger Herr und Gott, dir sei Lob, Preis und Ehr'! Amen. 11. Februar. Abend. Hiob 42, 6. Ich schuldige mich und thue Buße im Staub und in der Asche. 84 Herr, Herr, ehe ich mich zur Ruhe niederlege, trete ich vor dein Angesicht und flehe dich um Ver: gebung meiner Uebertretungen demüthig an. Ich will mich vor dir nicht rechtfertigen, sondern ich beschuldige mich, daß ich dich oft beleidigt habe. És hat nicht an dir, sondern an mir gefehlt. Dein Geist hat mich gewarnt, aber mein Herz war mein Führer, nicht dein Geist; andere Leute waren mein Spiegel, nicht das Vorbild Jesu; darum mußte ich fallen. Wehe mir, daß ich so gesündigt habe! Ich beklage meine Unvor: sichtigkeit, meine Liebe zur Welt, es ist mir leid, daß ich deine heilige Gegenwart aus den Augen gesetzt habe. Strafe mich nicht in deinem Zorn und züchtige mich nicht in deinem Grimm. Ich ergreife Jesum Christum in wahrem Glauben, und bitte um Gnade und Vergebung aller meiner Sünden. Siehe! ich muß als ein Neisender von hinnen aus meinem Hause und Stande, darum suche ich zuvor Gnade und Friede. Ich habe mir in des heiligen Geistes Kraft fest vor genommen, inskünftige behutsamer und gottseliger zu wandeln. Darum, o barmherziger Gott, nimm an meine herzliche Abbitte, der ich hier auf meinen Knieen im Staube vor dir liege. Mit Asche mich besprengen, bringt keine Versöhnung, aber ein zerknirschtes und zerschlagenes Herz wirst du nicht verachten. Laß mich nun als ein versöhntes Kind einschlafen, und in der Stunde meines Todes in Jesu Blut rein und gerecht erfunden werden. Mein Gott, alsdann gedenke nicht meiner Sünden und Uebertretungen, sondern Gedenk' an deines Sohnes Tod Und seine bitt're Kreuzesnoth, Die sind ja für die ganze Welt Der Uebelthaten Lösegeld; Deß trösten wir uns allezeit Und hoffen auf Barmherzigkeit. Amen. 12. Februar. Morgen. Gal. 2, 20. Jch lebe, doch nun nicht ich, sondern Christus lebet in mir. Lebendiger, ewiger Gott, da ich mich nun wieder unter Lebendigen sehen lasse, so erinnere ich mich an das Leben, das du mir durch die leibliche Geburt gegeben und bisher erhalten; aber weil mich dasselbe nicht selig macht, so hast du mir in der Taufe ein anderes Leben geschenkt und durch dein Wort in mir gestärkt und erhalten, daß ich jetzt nicht allein lebe als ein Mensch, sondern auch als ein Christ. Ich lebe nun nicht mehr nach meinem Willen, sondern nach deinem Willen. Dieses ist deiner Kinder Leben. Es ist meinem Heiland nicht genug, daß er mich mit seinem Blut erkauft hat, er will mich auch bewohnen, Herrlich und selig machen. Darum lebe ich dir, mein Gott, nicht mehr mir selber, nicht mehr der Welt und ihren Sitten. Mein Sinn ist anders, meine Reden sind anders, mein Leben ist anders, mein Wandel ist anders. Dieses geistliche Leben habe ich nicht von mir selbst, denn ich bin von Natur ein Kind der Sünde, sondern von dir. Wohl ist's der Vernunft unbegreiflich, aber den Glaubigen erfreulich und selig. Du hast mich zur Buße gebracht; mun wohnet Christus durch den Glauben in meinem Herzen; er regiert meine Gedanken, meinen Willen, meinen Wandel. Laß auch heute das Leben Jesu in mir sich offenbaren in andächtigem Gebet, in Demuth und Gottesfurcht und erhalte dieses Leben in mir bis an mein Ende. Jesus ist mein Leben; Mir, als seinem Neben, Gibt der Weinstock Saft. Wenn ich auch soll sterben, Gibt er mir zu erben Neue Lebenskraft. Was ich bin, bin ich durch ihn; Dort will ich ihm Ehre geben, Jesus sei mein Leben. Amen. 85 12. Februar. Abend. Jes. 44, 22. Jch vertilge deine Missethat wie eine Wolke, und deine Sünde wie den Nebel. 86 Barmherziger Gott, liebreicher Vater, ehe ich meine Augen schließe, will ich erst mich mit dir ver föhnen. Verzeihe mir, was ich heute Unrechtes gedacht, geredet und vollbracht. Ich beklage meine Unvorsich tigkeit, meine Bosheit und Nachläßigkeit, die mich oft zum Bösen verleitet. Wie groß ist das menschliche Elend, wie ist der Feind so geschwind, uns zu Fall zu bringen, daß wir solche Werke thun, solche Reden auszustoßen, durch die andere geärgert werden. Tilgest du nicht meine Sünden, so vertilgen sie mich in die Höllenflammen. Ach, Herr, tilge sie, wie die Wol fen am Himmel weggethan werden, gedenke derselben nimmermehr. Verzeihe mir auch die verborgenen Fehler, nämlich die Sünden, die ich in meinem Herzen mit Wünschen und Wollen verübt, da ich viel Unnöthiges und Unreines in meinem Herzen gehegt, welches zwar kein Mensch weiß, aber dir, o Herzenskündiger, wohl bekannt ist. Wie manchfaltig kann dich ein Mensch beleidigen, du heiliger Gott, innerlich und äußerlich; laß es mich doch recht erkennen und Vergebung finden. Oft steht ein Nebel zwischen unsern Augen und der Sonne, daß wir sie nicht sehen können: so stellen sich auch meine Sünden zwischen dich und mich. Darum, wie du die Nebel vertreibst, so thue auch meine Sün denschuld vor deinen Augen weg und laß mich in dein Vaterherz blicken auch in meiner Todesstunde, daß ich dein Angesicht schauen und mich ewig in dir erfreuen möge. Die Sünden sind vergeben! Das ist ein Wort zum Leben Für den gequälten Geist; Sie sind's in Jesu Namen, In dem ist Ja und Amen, Was Gott uns Sündern je verheißt. Amen. 13. Februar. Norgen. Nõm. 8, 35. Wer will uns scheiden von der Liebe Gottes? Gott, du hast mich diesen Tag erleben lassen. Wie soll ich dir vergelten alle Treue und Güte, welche du an mir gethan hast? Gib mir Kraft, daß ich dich herzlich lieben kann. Wie viele Menschen haben sich von dir und deiner Liebe scheiden lassen! Satan bietet die Herrlichkeit dieser Welt, die Jrdischgesinnten ihre Wollüste an; Fleisch und Blut meint, es sei dieses eine liebliche, aber keine tödtliche Frucht. Darum wirke eine brennende Liebe in mir, die alle Lüste meines Fleisches und der Welt verzehre. Weltliebe und Eigennuß sind ein gefährlicher Wein, welcher unsern Geist, wenn er sich nicht an dich hält, überwindet, unsern Verstand benebelt, daß wir als Trunkene ungewisse Schritte thun, straucheln und fallen. Ach, mein Gott, laß mich doch nicht in einen solchen verdammlichen Seelenzustand gerathen. Laß mich auch kein Kreuz von deiner Liebe scheiden, sondern in den Kreuzesflammen meine Liebe zu dir immer brünstiger werden, wie der Wind ein Feuer anbläset und immer weiter ausbreitet. Erwecke durch deinen Geist in mir ein beständiges Andenken an dich, daß dadurch alle sündlichen Gedanken vertrieben werden. Pflanze in mir eine kindliche Furcht und Liebe gegen dich, daß ich mich scheue, etwas zu thun, was dir mißfällig ist. So bleibe ich von dir unges schieden, in Zeit und Ewigkeit. Ja, wer dich liebet, in den legst du alle deine Gaben und Schäße, Friede, Freude, Vergebung der Sünden, Gerechtigkeit und Leben. Darum laß mich an allen Orten beweisen mit Worten und Werken, daß ich dich liebe und gib mir Kraft, daß ich dich immer lieber gewinne. Treuer Heiland, Mittler, Freund, Ursprung aller meiner Freuden, Du hast mich mit dir vereint, Nichts soll je von dir mich scheiden. Ewig, ewig bist du mein, Ewią, ewig bin ich dein. Amen. 87 13. Februar. Abend. Hohel. 2, 6. Seine Linke liegt unter meinem Haupte, und seine Rechte herzet mich. 88 Herr Jesu, den Leib lege ich nun zur Ruhe, aber meine Seele in deine Arme. Wie vergnügt schläft ein Kind in seiner Mutter Armen, wenn ihre Linke unter seinem Haupt liegt und ihre Rechte es herzet und alles, was seine Ruhe stören kann, abwendet! Also befehle ich mich mit Leib und Seele in deine Hände. Wende Schaden und Gefahr, Krankheit und Schmerzen von mir ab. Ein schlafend Kind ist seiner Mutter Erbe; du hast mir durch deinen Tod ein ewiges, unbeflecktes Erbe bereitet, das mir aufbehalten ist im Himmel; so bin ich im Schlafen und Wachen dein; ich lebe oder sterbe, so gelange ich zu deiner Herrlichkeit. Ein schlafend Kind ist in der Liebe seiner Mutter. Ich weiß, deine Liebe wirst du nicht von mir wenden, sie hat dich an's Kreuz gebracht, sie deckt und erquickt, stärkt und schützt mich im Schlafen und Wachen. Ein schlafend Kind bleibt in seiner Mutter Sorge. Sorge für mich, mein Erbarmer im Leiblichen und Geistigen. Ein schlafend Kind ist seiner Mutter Eigenthum, welches sie sich nicht nehmen läßt; darum wacht sie und stellt Wächter um dasselbe. Jesu, ich bin dein Eigenthum und will es bleiben. Laß deinen heiligen Geist in mir das Licht des Glaubens erhalten, und deine Engel wie Feuerflammen um mein Bette sein: so ruhe ich wohl und sicher. Laß mich auch in deinem Arm sterben, daß deine Rechte mich herze, bis du mich zur Ruhe bringen wirst. Nun, Gott, die Hände legst du mir In treuer Liebe unter, So schlaf ich sanft und wohl in dir, Und werd' ich wieder munter, So soll dir Herz und Mund dabei Lob, Breis und Dank für deine Treu Zum Morgenopfer bringen. Amen. 14. Februar. Norgen. Joh. 17, 16. Sie sind nicht von der Welt, gleichwie ich auch nicht von der Welt bin. 89 Herr Jesu, da du mich diesen Tag haft erleben lassen, bitte ich dich, schütze mich heute vor allem Unfall und laß deinen Segen auf mich fließen. Aber laß mich auch nach deinem Vorbilde mein Leben einrichten. Du warest nicht von der Welt, du warest Gott von Gott, Licht vom Licht geboren. Du warest nicht von der Welt, du bist durch Ueberschattung des heiligen Geistes als der Heilige ohne Sünde geboren. Du warest auch nicht von der Welt nach deinem Wandel; du hast das Wesen der Welt durch Lehre und Leben bestraft. Mein Erlöser, daran erinnere mich, wenn mich die Welt zu sich lockt, und laß mich unter deinen treuen Nachfolgern sein. Ich bin in der Welt, aber ich will nicht von der Welt sein. Laß mich fleißig erwägen, wie mich die Welt mit aller ihrer Lust und Eitelkeit in Leiden und Trübsal weder tröſten noch erretten, und im Tode nicht erquicken kann. Darum erwecke in mir einen Abscheu vor der Weltkinder und Gottlosen Sinn und Gewohnheiten. Ja, wirke in mir einen unaufhörlichen Haß gegen das Weltleben, welches so viele tausend Menschen zu ihrem ewigen Verderben führt; vielmehr schenke mir deinen heiligen Geist, daß ich auf dich schaue, und dir folge: so lebe ich in der Welt, aber ich bin nicht von der Welt, und weiß, du wirst mich auch als den Deinen annehmen am Ende meines Lebens. Herr, hilf, daß Welt und Erde, Mir ganz gering und klein, Der Himmel herrlich werde; O zeuch mich dort hinein, Wo ich ohn' Ende wohne, Wo schon mein Kleinod glänzt, Und wo die Perlenkrone Mein frohes Haupt umkränzt. Amen. 14. Februar. Abend. Pf. 33, 13. Der Herr schauet vom Himmel, und siehet auf alle Menschenkinder. 90 Mein Gott, da nun der Tág vergangen, und die Nacht hereingekommen, so entziehe ich mich der Menschen Augen; aber vor dir kann und will ich mich nicht verbergen, ich nahe mich vielmehr zu deinem Thron mit meinem Gebet. Schaue auf mich und wende alles Unglück, Schaden und Gefahr von mir ab. Schauest du auf mich als einen Sünder, der dich heute beleidigt hat, so schaue auch auf mich, wie ich schaue gen Himmel und bitte um Gnade und Vergebung aller meiner Uebertretungen. Dein Schauen auf alle Menschenkinder soll mein Trost sein im Leiden, daß dir die Hitze der Anfechtung nicht verborgen ist, die mir begegnet. Dein Schauen soll mir zur Warnung dienen. Du siehest, was meine Hände verrichten, was mein Herz gedenkt, du hörest, was mein Mund redet. Du siehest, was ich bei Tag oder des Nachts thue, was ich allein bei Menschen vollbringe. O du allsehendes Auge Got tes, strahle mich allezeit inwendig in meinem Herzen wie Feuerflammen an, wenn darin eine böse Lust sid, regt, daß ich sie nicht zum Ausbruch kommen lasse. Kein Ort ist so verborgen, du beleuchtest alles mit deinen allsehenden Augen. Diese Erkenntniß soll mich freudig machen, in der Stille zu beten; sie soll mich behutsam machen in meinem ganzen Leben. Gott, schaue auch auf mich, wenn ich sterben soll, und er barme dich über mich, und wenn mein Herz und meine Augen nach Jesu schauen, so laß mich ihn als meiner Seele Ruhe erblicken. Sieh doch auf mich, Herr, ich bitt' dich Lente mich nach deinem Sinn; Dich alleine ich nur meine, Dein erlaufter Erb' ich bin. Laß dich finden, laß dich finden; Gib dich mir und nimm mich bin. 91 15. Februar. Norgen. Pf. 37, 5. Defiehl dem Herrn deine Wege, und hoffe auf ihn, er wird's wohl machen. Gott, da ich vom Schlafe erwacht bin, hebe ich meine Augen auf zu dir, und befehle meinen Leib und meine Seele diesen ganzen Tag in deine Hände zu deiner Fürsorge. Schenke mir die Glückseligkeit, daß ich alle meine Sorgen und Vorhaben möge auf dich werfen, und dir befehlen, daß mich nicht meine dir vorlaufende Vernunft, die mir alles schwer macht, in Unruhe sege, und mich im Gebet und Vertrauen auf dich hindere. Laß mich ganz dein eigen sein mit allem, was ich bin und habe. Ich befehle dir auch die Meinen und was du mir gegeben; laß es mit deinem Schutz umgeben sein, wie das Haus Hiobs. Mein übriges Anliegen, welches mir als eine schwere Last zu schwer wird, wälze ich auf dich. Ich hoffe auf dich in meinem Leiden, du wirst es lindern und wegnehmen; in meinen Wünschen hoffe ich auf dich, denn du weißt am besten, was mir heilsam ist. Auf dich baue ich, du wirst alles wohl machen. Du bist ein allmächtiger und weiser Gott, ein liebreicher Vater, ein gütiger Helfer, der mich noch immerdar erhört und mir Enade hat widerfahren lassen. Wenn ich in Kreuz und Widerwärtigkeit meine, du machest es übel mit mir, so stärke mein Vertrauen, daß ich gedenke: du treuer Vater kannst es nicht böse meinen und mir wehe thun, ob es mir gleich also vorkommt, weil deine Gedanken anders sind als meine Gedanken, deine Wege anders, als meine Wege. Mache es wohl mit mir in Gesundheit, wohl in Krantheit, wohl im Leben, wohl im Sterben, daß ich endlich mit Freuden sagen kann: Der Herr hat alles wohl gemacht. Befiehl bu deine Wege, Und was bein Herze fränkt, Der allertreusten Pflege Deß, der den Himmel lenkt; Der Wollen, Luft und Winden, Gibt Wege, Lauf und Bahn, Der wird auch Wege finden, Da dein Fuß gehen kann. Amen. 15. Februar. Abend. 1 Joh. 4, 10. Darin stehet die Liebe: nicht daß wir Gott geliebet haben; sondern daß er uns geliebet hat, und gesandt seinen Sohn zur Versöhnung für unsere Sünden. 92 Gott, Vater, deine Liebe hat mir abermal einen Tag geschenkt; deine Liebe hat mich begleitet und bewahrt, gespeiset und getränkt: deiner Liebe befehle ich mich auch diese Nacht. Deine Liebe hat mir viel Gutes erwiesen nicht allein am Leibe, du bist auch um mein ewiges Heil bekümmert gewesen. Du hast deinen einzigen lieben Sohn als das Opferlamm für meine Sünden in die Welt gesandt. Konnten meine Sünden nicht anders getilgt werden, als mit dem Blute des unschuldigen Lammes: so verleihe mir Stärke, daß ich in keine Sünde willige, keine gering achte, und auch die geringste wie eine Schlange fliehe. Welche Zunge kann die Größe dieser Liebe aussprechen? Gott, den aller Himmel Heer mit der größten Ehrerbietung lobet, denkt an die armen, verlorenen und verdammten Menschen, und ist auf ihr Heil bedacht, da sie noch seine Feinde waren und als Todte von dem Leben nichts wußten. Weil nun das kein Engel, kein Mensch, keine Kreatur geben konnte, so sandte er den Sohn seiner Liebe zum Leiden und zum Sterben, und der Sohn war willig dazu, und gab sich dar zur Versöhnung, da er als das Lamm Gottes unsere Sünden auf sich nahm und an unserer Statt am Stamm des Kreuzes geschlachtet wurde. Nun haben wir in ihm Versöhnung, Gnade und Friede erlangt. O eine unverdiente Liebe! Wir haben ihn nicht zuerst geliebet, sondern seine Liebe ist uns zuvorgekommen. Dieses erwäge meine Seele, und sprich: ,, Mein Gott! Laß deine Liebe diese Nacht mich decken und nimm in der Stunde meines Todes mich als dein Eigenthum zur ewigen Freude auf." Also hat Gott die Welt geliebt, Daß er aus freiem Trieb Uns seinen Sohn zum Heiland gibt; Wie hat uns Gott so lieb! 93 16. Februar. Norgen. Offenb. 14, 4. Sie folgen dem Lamme nach, wo es hingehet. Heiliger Gott, ich danke dir, daß du mich den Tag haft wiederum erblicken lassen. Laß mich denselben in deiner Furcht verleben. Zu dem Ende erinnere ich mich, wie die Auserwählten im Himmel dem Lamme nachfolgen an allen Orten, wo es hingeht, und sich in seiner Herrlichkeit offenbart. O der unaussprechlichen Liebe meines Heilandes! er will seine Schafe nicht nur hier weiden, er will sie auch zu sich nehmen, daß sie sind, wo er ist und seine Herrlichkeit sehen. Weil ich denn von Herzen wünsche, daß ich in der Ewigkeit auch einst bei Jesu sein und bleiben möge, so will ich ihm allezeit folgen. Ich will ihm folgen in seiner Demuth, in seiner Sanftmuth, in seinem Gehorsam, in seiner Liebe. Weil aber das nicht in meiner Kraft stehet, so gib mir deinen heiligen Geist, der mich stärke, daß ich mich von diesem feligen Wege nicht laſſe abwendig machen. Habe ich dann geschmeckt, wie gut ich es bei Jesu habe, so will ich den Weltkindern nicht mehr folgen, nicht den unartigen Menschen in ihrem eiteln Wandel, nicht meinem eigenen Willen und Begierden, nicht meinen alten Gewohnheiten; nein, Jesus allein soll mein Licht, mein Vergnügen und Vorbild sein; mit ihm fange ich den Tag an, mit ihm vollbringe ich meinen Beruf. Ja, wo ich bin, wo ich gehe mnd stehe, so denke ich: Jesus ist bei mir, er stehet da und siehet mir zu. Laß mich alle Tage meines Lebens so hinbringen, damit mein Thun und Lassen dir wohlgefallen möge. Ich folge Jesu nach In Gottesfurcht und Glauben In wahrer Frömmigkeit; Die soll mir niemand rauben. In Demuth folg' ich ihm; Bin ich gleich matt und schwach, So stärkt mich seine Hand; Ich folge Jesu nach. Amen. 16. Februar. Abend. Pf. 38, 22. 23. Verlaß mich nicht, Herr, mein Gott, sei nicht ferne von mir; eile mir beizustehen, Herr, meine Hilfe! 94 Gnädiger und barmherziger Gott, die Nacht ist ein Bild des Tedes, darin man von allen Menschen verlassen wird. In solche Einsamkeit begebe ich mich jetzt; aber ich weiß gewiß, daß ich von dir nicht verlassen bin. Du bist mein Licht von innen, das auch im Schlaf bei mir bleibt; du bist mein Beistand von außen, daß mir nichts Widerwärtiges begegnen kann. Sei nicht ferne von mir, wenn ich bete, und erhöre mich, wenn ich leide, und errette nich. Habe ich mich heute von dir entfernet durch meine Sünden, so kehre ich um zu dir in wahrer Buße. Je näher ich bei dir bin, desto ruhiger ist meine Seele, desto sicherer bin ich vor der Sünde, desto stärker zum Kampf. Gedenke, daß du mein Herr und mein Gott bist, dem es zukommt, mich zu erhalten; einen andern Beistand kenne ich nicht. Wenn mich jedermann verläßt, so verlağ du mich nicht. Du bist meine Hilfe von Jugend auf, du bist es auch diesen Tag gewesen; bleibe es auch diese Nacht. Deine Hilfe ist eine mächtige Hilfe, dir kann niemand widerstehen. Wen du schützest, den kann niemand verderben; wem du hilfft, dem kann niemand schaden. Darum fürchte ich mich nicht vor dem Grauen der Nacht, nicht vor sichtbaren und unsichtbaren Feinden, weil du bei mir bist. Kommen die letzten Stunden meines Lebens, mein Vater, so verlaß mich nicht, mein Jesu, sei nicht ferne von mir, heiliger Geist, eile mir beizustehen, daß mir geholfen werde zeitlich und ewig. O du Licht der frommen Seelen, O du Glanz der Ewigkeit, Dir will ich mich ganz befehlen, Diese Nacht und allezeit. Bleibe doch, mein Gott, bei mir, Weil es nunmehr dunkel hier, Daß ich nimmer mich betrübe, Tröste mich mit deiner Liebe. Amen. 17. Februar. Norgen. Matth. 6, 33. Trachtet am ersten nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch solches alles zufallen. 95 Gott, dessen Gnade mit jedem Morgen neu wird, laß mich diesen Tag nicht allein mit Loben und Danken anfangen, sondern auch trachten, in meinem Christenthum zuzunehmen. Das Dichten und Trachten der Menschen geht nur darauf, Reichthum zu sammeln; aber der Reinigung ihres Herzens und der Heiligung ihres Lebens vergessen sie. Gott, laß mich nicht in folche Thorheit gerathen, sondern das Beste suchen. Du hast mich in dein Gnadenreich durch die Taufe aufgenommen, willst mich, wenn ich im Glauben bis an das Ende beharre, auch deines himmlischen Freudenreichs theilhaftig machen. Weil ich aber nicht dazu gelangen kann ohne die Gerechtigkeit Jefu, so suche ich dieselbe durch Buße und Verleugnung alles eiteln Wesens und ergreife sein Blut und seine Wunden in wahrer Zuversicht. Laß mir Gnade widerfahren und erbarme dich über mich. Bin ich aber durch den Glauben gerecht worden und habe Frieden mit dir, so will ich auch züchtig, gerecht und gottselig leben in dieser Welt. Frdische Gaben, Nahrung, Segen und Wohlergehen laß mir zufallen als eine Zugabe zu den himmlischen Gütern; wem du die himmlischen gibst, dem versagst du das Irdische nicht. Laß dieses tief in mein Herz eingeschrieben bleiben, wenn Sorgen um vergängliche Dinge meinen Geist unruhig machen, daß ich mich fest an deine Vatertreue halte. Der du für mich gesorget hast, ehe ich sorgen konnte, du wirst es auch bis an mein Ende thun. Seele, was ermüd'st du dich In den Dingen dieser Erden, Die doch bald verzehren sich Und zu Staub und Asche werden. Suche Jesum und sein Licht: Alles Andre hilft dir nicht. 17. Februar. Abend. Jef. 59, 2. Eure Untugenden scheiden euch und euern Gott von einander. 96 Gott, du reines Wesen, du willst, ich soll ein reines Herz haben, ich soll nach dem Vorbild Jesu in rechtschaffener Gerechtigkeit und Heiligkeit vor dir wandeln. Du hast das Recht, dieses zu fordern, weil dein Geist das gute Werk in mir anfangen und vollführen will. Allein ich muß bekennen, daß ich dich durch meine Unarten oft beleidigt habe. Nichts Entsetzlicheres kann einer Seele widerfahren, als wenn du von ihr weichst, du wahres und einiges Leben deiner Glaubigen. Wenn Vater und Mutter ihr Kind verlassen, wenn sich ein Freund von dem andern scheidet, das thut wehe; aber wenn du von einer Seele scheidest, bringt es Verdammniß und ewige Schmerzen. Was wäre es Wunder, wenn du, reines Wesen, um meiner Untugenden willen von mir wichest und mich meinen Lüsten und Unarten zum Raub übergäbest? Aber nein, das wirst du nicht thun; du wirst dich nicht von mir scheiden, ob ich mich gleich von dir gewendet habe. Meine Sünden sind groß, viel größer ist dein Erbarmen. Der gute Geist wich von Saul, da er deine Gebote übertreten; du aber laß deinen heiligen Geist nicht von mir weichen, weil ich seinem heiligen Triebe oft widerstanden. Was ist die Welt ohne das Sonnenlicht? Was meine Seele, wenn du dich von ihr scheidest? Lauter Finsterniß! Kehre dich wieder zu mir, der du den Umkehrenden Gnade zugesagt. Scheide nicht von mir in meiner letzten Stunde, sei nahe bei mir; erquicke und tröste mich und laß mich einen seligen Eingang in dein Freudenreich halten. Hab ich was nicht recht gethan, ist mir's leid von Herzen, Dafür nehm' ich glaubig an Christi Blut und Schmerzen; Denn das ist das Lösegeld meiner Missethaten, Dadurch ist der ganzen Welt und auch mir gerathen. 18. Februar. Norgen. Pf. 32, 8. Ich will dich unterweisen und dir den Weg zeigen, den du wandeln sollst. Gott, ich hebe Herz und Augen zu dir auf und preise dich für alle Gnade, die ich die verwichene Nacht von dir empfangen habe. Ich bitte dich, du wolleft auch diesen Tag mein Lehrer und Führer sein, damit ich thue und wandle, wie es einem Kinde Gottes gebührt. Unterweise du mich selbst, daß ich nicht von deinem Wort abweiche, sondern es als meine Glaubensund Lebensregel halte, darnach ich meinen Gang richte. Unterweise mich innerlich durch deinen heiligen Geist, der mich immer in guten Gedanken erhalte, und die sündlichen Lüste und Begierden tödten und überwinden helfe. Werde nicht müde, da du schon so viel Mühe mit mir gehabt, mich zu unterweisen, und da sich doch noch so viel Unverstand und Widerstreben in mir findet. Unterweise mich, wie ich vor dir wohlgefällig beten, reden, wirken und klüglich mit unbekehrten Weltleuten umgehen soll, wenn ich ungefähr zu ihnen komme. Es hat noch niemand des rechten Weges verfehlt, der deiner Unterweisung gefolgt und sich von deinem Geist hat lehren lassen. Darum sei mein Führer und zeige mir den Weg, worauf ich wandeln soll. Die Welt spricht: gehe mit uns, unser Weg ist breit, lustig. Das Fleisch spricht: wandle meinem Triebe nach, mein Weg ist süß. Gott, hilf, daß ich vor diesen Stimmen er= schrecke, so lieblich sie auch klingen und zeige du mir den rechten Himmelsweg, daß ich nicht irre gehe, und zu spät bedauern müsse, daß ich schädliche Wege gegangen. Von Gott will ich nicht lassen, Denn er läßt nicht von mir, Führt mich zur rechten Straßen, Wenn ich geh' in der Frr'. Er reicht mir seine Hand; Den Abend wie den Morgen Will er mich wohl versorgen, Wo ich auch bin im Land. Amen. Start's Morgen- und Abend- Andachten. 97 7 18. Februar. Abend. Nehem. 13, 31. Gedenke meiner, mein Gott, im Besten. Heiliger, lebendiger Gott, siehe, ich nahe mich zu dir, da die finstre Nacht einbricht. Gedenke an mich: dein Gedenken ist Liebe und Erbarmen; dein Gedenken ist helfen und erretten; dein Gedenken ist geben und segnen. Vater, gedenke meiner im Besten, als deines Kindes, und laß dein Antlik leuchten, so genese ich. Jesu, gedenke meiner im Besten bei deinem himmlischen Vater und bitte für mich. Gedenke aber nicht an meine Sünden: sie alle, große und kleine, bewußte und unbewußte, bereue ich herzlich und bitte sie dir demüthig ab. Willst du meiner Sünden gedenken, so kann ich nicht vor dir bestehen. Ach, das thue doch nicht! Gedenke aber meiner im Besten um deiner Güte willen, und erbarme dich über mich. Gedenke meiner im Besten, wenn ich betrübt bin, und erfreue mein niedergeschlagenes Gemüth mit deinem kräftigen Trost, daß ich dein Kind bin. Gedenke meiner im Besten, wenn ich verlassen bin; wenn mich niemand kennen will, so kenne du mich und nimm mich an. Gedenke meiner im Besten, wenn ich bete, und läß meine Seufzer durch die Wolken dringen und vor dem Throne deiner Gnade Erhörung finden. Gedenke meiner im Besten diese Nacht und wende alles Unglück von mir ab, daß ich sanft ruhen möge. Gedenke auch meiner im Besten, wenn ich sterbe und nicht mehr denken kann; alsdann laß mich als eine durch Jesu Blut gereinigte und geheiligte Seele erfunden werden. Gedenke meiner im Besten im Grabe, erwecke mich fröhlich am jüngsten Tage, und führe mich alsdann als dein Eigenthum zur Himmelsfreude ein. Gedenke mein im Besten, Mein lieber Herr und Gott! Weß soll ich mich sonst trösten In aller meiner Noth? Ach, schweige mir nur nicht! Vernimm des Herzens Flehen, Und laß mich endlich sehen Dein gnädig Angesicht. Amen. 98 19. Februar. Norgen. 2 Tim. 1, 7. Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Zucht. Gnadenreicher Gott, mein Geist freuet sich dieser Morgenstunde, welche du mich haft erleben lassen, und weil du mir auch im Schlaf Gutes gethan hast. Gib mir deinen heiligen Geist, daß ich diesen Tag in deiner Furcht hinbringe, daß ich aller Orten und bei allen Leuten dich fürchte, als ein Kind, das seinen Vater nicht betrüben will. Schenke mir den Geist der Kraft, daß ich am inwendigen Menschen stärker werde, im Glauben zunehme, dich umfasse, an dir mich halte und allem absage, was dir zuwider ist. Laß in meinem ganzen Leben und Wandel hervorblicken, daß dein Geiſt in mir wohne, daß ich dir diene und der Sünde absterbe, nicht aus Furcht vor der Strafe, sondern aus Liebe. Es ist genug, daß ich im Stande meiner Unwissenheit dir so viel zuwider gethan; nun will ich dir Herz, Mund, Sinn und Gedanken, Leben und Wandel heiligen. Laß auch meine Liebe zu dem Nächsten, dieses Kennzeichen deiner Jünger, immer aufrichtiger werden. Gib mir den Geist der Zucht, daß ich alle Unmäßigkeit in Essen und Trinken meide, mich reiner und keuscher Gedanken, Worte und Werke befleißige, damit Leib, Seele und Geist eine reine Behausung sei, darin du, reiner Gott, gerne wohnen mögest. Hilf du mir, denn ich kann das, was ich gebeten, ohne dich nicht vollbringen. Segne mich auch heute und laß mich, an Leib und Seele bewahrt, den Abend erreichen. Seinen Geist, den edlen Führer, Gibt er mir in seinem Wort, Daß er werde mein Regierer Durch die Welt zur Himmelspfort; Daß er mir mein Herz erfülle Mit dem hellen Glaubenslicht, Das des Todes Nacht durchbricht Und die Hölle selbst macht stille. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit. Amen. 17* 99 19. Februar. Abend. Pf. 31, 6. In deine Hände befehle ich meinen Geist; du haft mich erlöset, Herr, du treuer Gott. 100 Herr, du treuer Gott, wie viel Liebes und Gutes hast du mir mein Lebenlang erwiesen! Wenn ich dir untreu werden wollte, hat deine Treue mich zurückgehalten; wenn ich fündigen wollte, warnte sie mich. Du hast mich aus mancher Gefahr erlöset, und wer weiß, wie viel Trübsal mich hat müssen unberührt lassen, welche deine mächtige Hand ohne mein Wissen väterlich abgewiesen hat. Wie kann ich ge= nugsam deine Wohlthaten erzählen, welche unzählig sind? Du hast mir meine Seele als ein theures Pfand anvertraut, davon ich dir einst Rechenschaft geben muß; darum bin ich für meine Seele am meisten bekümmert. Was hälfe es den Menschen, so er die ganze Welt gewänne und nähme Schaden an seiner Seele? Darum befehle ich dir meinen Leib und meine Seele, die sind dein Eigenthum, denn du hast sie mir gegeben. Ich befehle dir meinen Geist: wohne darin, heilige ihn, daß auch meine Glieder dir geheiligt und ich ganz dein Eigenthum werde. In deine Hände befehle ich mich bei Nacht und bei Tag. Du hast mächtige Hände, daraus kann mich kein Feind rauben; du hast heilige Hände, darum werde ich im Guten stärker. Treue Hände hast du, o treuer Gott; darum vertraue ich mein Bestes deinen Händen an. Ist also mein Leib und meine Seele in Sicherheit, so schlafe ich mit Freuden ein und fürchte mich vor keinem Feind. In meinen letzten Stunden, wenn ich schwach werde und keinen Laut mehr von mir geben kann, so will ich in meinem Herzen schreien: Vater, in deine Hände befehle ich meinen Geist! perr, meinen Geist befehl' ich dir, Mein Gott, mein Gott, weich' nicht von mir, Nimm mich in deine Hände. D Herr, mein Gott, aus aller Noth Hilf mir an meinem Ende. Amen. 20. Februar. Morgen. 1 Kor. 7, 31. Das Wesen dieser Welt vergehet. Ewiger Gott, da nun die Nacht vergangen, so erinnere ich mich, wie auch das Wesen dieser Welt vergehen wird; denn der Himmel und die Erde werden vergehen: sie sind zum Feuer verspart. Sonne und Mond werden ihren Schein verlieren und die Sterne werden vom Himmel fallen. Die Kinder dieser Welt hängen ihr Herz an Pracht, Reichthum, Hoheit, Ansehen; und doch sind das vergängliche Dinge, deren feines ihnen im Sterben nachfährt. Silber und Gold, Hoheit und Gewalt kann sie nicht erretten am Tage des Gerichts. Gott, wie ist mein Herz so kindisch, daß es sich an sichtbaren Dingen ergeßt, wie unverständige Kinder, die um ihrer Spielsachen willen alles liegen lassen, was ihnen nothwendig und ihrer Liebe werth wäre. Schenke mir doch die Weisheit und Klugheit, das Beste zu erwählen und mich zu dir zu wenden, o ewiger, gütiger und reicher Gott! Wie diese Nacht vergangen, so wird auch dieser Tag, ja alles, ein Ende nehmen, was ich habe und äußerlich besize. Lehre mich, daß meine Gesundheit aufhören kann, damit ich fie nicht zur Sünde mißbrauche. Erinnere mich, daß sich mein Glück wenden kann, ja, daß meinen Lebenstagen ein Ziel gesetzt ist, welches ich nicht übergehen kann. Darum will ich etwas Unvergängliches suchen: das sollst du sein, mein Gott, das soll Jesus sein. Mein Reichthum soll sein dein Wort; das wird bleiben, wenn Himmel und Erde vergehen; das soll mein Licht, meine Lebensregel und mein Trost sein. Habe ich dann dich, mein Gott, so mag alles zerfallen, ich bleibe mit dir vereinigt in Zeit und Ewigkeit. Ach, wie nichtig, ach, wie flüchtig Sind der Menschen Sachen! Alles, alles, was wir sehen, Das muß fallen und vergehen; Wer Gott hat, bleibt ewig stehen. Amen. 101 20. Februar. Abend. Pf. 17, 8. Beschirme mich unter dem Schatten deiner Flügel. Großer Gott, der Tag ist vollendet und ich sehne mich nach Ruhe; wer wird mich aber beschirmen vor Gefahr und Noth, wenn du es nicht thust? Allmächtiger Gott, ich nehme meine Zuflucht zu dir, denn in der Welt habe ich Angst. Wenn mich meine Sünden verdammen, wenn mich mein Gewissen nagt, wenn die Hölle mich schreckt, so fliehe ich zu deiner Barmherzigkeit; ich fliehe zu den Wunden Jesu: da werde Ruhe für meine geängstete Seele finden. Verfolgt mich mein Feind, wo soll ich hin? Ich komme zu dir, dein Name ist ein festes Schloß. Aengstet mich Kreuz und Leiden innerlich oder äußerlich, so eile ich zu dir, da finde ich hilfe und Errettung. Lehre aber auch meinen Geist Behutsamkeit, daß ich deiner Gegenwart und deines Schutzes nicht unwürdig oder gar verlustig werde durch sündliche Worte und Werke. Sollte die Treue mit Untreue belohnen, deine Gnade zur Sünde mißbrauchen? Wie sollte ich so großes Uebel thun und wider Gott sündigen, der seine Flügel über mich hat ausgebreitet von meiner Kindheit an bis auf diese Stunde? Deine Gnade, mein Gott, deine Liebe, dein Schuß, dein Erbarmen, deine Hilfe ist der Schatten gewesen, darunter mein Leben bis diese Stunde ist erhalten worden. Beschirme mich auch fürderhin unter deinen Flügeln und einst in der Stunde meines Todes laß mich sanft und selig einschlafen und meinen Leib im Grabe ruhen, bis du mich am jüngsten Tage herrlich auferwecken wirst. 102 Breit aus die Flügel beide, D Jesu, meine Freude, Und nimm dein Kichlein ein! Will mich der Feind verschlingen, So laß die Engel singen: Dies Kind soll unverleßet sein!" Amen. 11 21. Februar. Morgen. Joh. 15, 5. Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben; wer in mir bleibet und ich in ihm, der bringet viele Frucht; denn ohne mich könnet ihr nichts thun. 103 Herr Jesu, in deinem Namen bin ich heute aufgestanden; laß mich in deiner Liebe den Tag auch hinbringen. Du siehest mein Verlangen, dich herzlich zu lieben, dir zu folgen, mein Herz und Leben dir zu heiligen; aber du weißt, daß ich ohne dich nichts thun kann. Von Natur bin ich todt zu allem Guten, bis du mich lebendig machst. Ich weiß, es muß eine wahre Sinnes- und Lebensänderung in mir vorgehen, wenn ich will selig werden. Darum versetze mich, da ich von Natur eine wilde und unfruchtbare Rebe bin, in dich, den lebendigen Weinstock, daß ich aus dir ein neues Leben, neue Kraft und neuen Muth erlangen möge. Und damit ich im Guten beständig sein und wachsen möge, so bleibe in mir mit deiner Gnade, mit deinem Geist, mit deinem Lichte, daß ich meine Unreinigkeit immer tiefer einsehe und meide und dich allein als König in meinem Herzen und Leben herrschen lasse. Bleibe in mir mit deiner Liebe und wo ich straucheln und fehlen sollte, so verstoße mich nicht. Schenke mir auch Kraft, daß ich in dir bleibe mit meinem Glauben, mit meinem Willen, mit meinem Leben und mit meiner Liebe. Bin ich so in dir und du in mir, so werde ich dir auch wohlgefällige Früchte bringen, Früchte der Demuth, Sanftmuth, Heiligung, Keuschheit und einer völligen Uebergabe an dich. Also werde ich, der ich von Natur eine wilde Rebe bin, in dich, den lebendigen Weinstock eingepflanzt sein und bleiben bis an mein seliges Ende. Der Heiland soll der Weinstock sein, Die Jünger sind die Reben; Der Vater pflanzt uns selber ein, Im Sohn ist unser Leben; Die Frucht, die aus ihm wachsen soll, Jst seines Bluts und Geistes voll. Amen. 21. Februar. Abend. Sach. 1, 3. Kehret euch zu mir, spricht der Herr Zebaoth; so will ich mich zu euch kehren, spricht der Herr Zebaoth. 104 Allmächtiger, gnädiger Gott, die einbrechende Nacht erinnert mich, meine Geschäfte niederzulegen; ehe ich aber mich zur Ruhe schicke, kehre ich mein Herz zu dir, der ich diesen Tag dich oft beleidigt habe. O des sündlichen Abweichens! Ich kehre mich zu dir mit demüthiger Abbitte meiner Sünden und mit dem festen Vorsag, mich an dich zu halten und nicht wieder von dir zu weichen. Es hat ohne eine wahre Umkehr noch keiner Gnade erlangt von allen, die im Himmel sind. David, Paulus, Petrus, der Schächer sind in ihrer Buße ganz andere Menschen geworden. Solchen neuen Sinn und Geist schenke auch mir, o mein Erbarmer! Kehre dich zu mir mit deiner Liebe und bedecke mich mit deinen Flügeln, daß mich kein Unfall treffe. Wer kann mir helfen, als du allein? Du bist der Herr Zebaoth, der alles in Händen hat. Alle Kreaturen im Himmel, auf der Erde und unter der Erde müssen dir dienen. Darum kannst du mir leibliche und geistliche, irdische und himmlische Gaben geben; sie sind alle in deinen Händen; dein Reich ist voll von Gütern und Gaben für deine Kinder. Kehre dich zu mir mit deinem Segen und mit deinem Lichte, und wenn ich mich von dir kehren wollte, so kehre dich doch nicht von mir mit deiner Gnade. In meinen letzten Stunden kehre dich zu mir mit deinem Trost, und laß meiner Seele den Eingang in die Himmelsthür offen stehen. Kehre wieder, kehre wieder, Der du dich verloren hast, Sinke reuig bittend nieder Vor dem Herrn mit deiner Last! Wie du bist, so darfst du kommen Und wirst gnädig aufgenommen. Sieh, der Herr kommt dir entgegen. Und sein heilig Wort verspricht Dir Vergebung, Heil und Segen; Kehre wieder, zaud're nicht! 22. Februar. Norgen. 2 Mose 33, 12. Ich kenne dich mit Namen. Allwissender Gott, du kennest mich von außen und innen. Ich kann an einen Ort reisen, da man mich nicht kennt, da man meinen Namen nicht weiß, da ich mir einen andern Namen geben kann; aber das ist vor deinen allsehenden Augen nicht möglich. Du kennest mich nach dem alten und neuen Namen; nach dem Namen des unwiedergeborenen alten Menschen, der nach des alten Adams Sinn und Trieb leben will; nach dem Namen des neuen Menschen, der vor der Sünde einen Abschen hat und dem reinen Triebe deines Geistes folgt. Tilge den alten bösen Namen aus deinem Buche, und laß den neuen sich immer mehr offenbaren durch neuen Sinn und neues Leben. Ich achte nicht, was die Welt mir für einen Namen gibt, weil ich mich ihr nicht mehr gleich stelle; ich bin ge= ehrt und glückselig genug, wenn ich nur bei dir einen guten Namen habe. Kenne mich, mein Gott und Vater, als den Deinen, und wenn ich bete, laß mich Erhörung finden. Kenne mich, wenn die Kreuzesfluten mich versenken wollen, und laß mir Hilfe von deinem Heiligthum widerfahren. Kenne mich, wenn ich um Vergebung meiner Sünden flehe, und erlaß mir Schuld und Strafe. Kenne mich, wenn ich verlassen bin und mich niemand kennen will. Kenne mich am jüngsten Tage, erwecke meinen Leib aus dem Staub der Erde und verkläre ihn. Ja, gib auch heute dich mir zu erkennen als meinen Vater, Versorger, Helfer und Erbarmer, so habe ich Friede, Freude, Trost und Erquickung in allen Fällen. Es fennt der Herr die Seinen, Und hat sie stets gekannt, Die Großen und die Kleinen In jedem Volk und Land. Er läßt sie nicht verderben, Er führt sie aus und ein, Fm Leben und im Sterben Sind sie und bleiben sein. Amen. 105 22. Februar. Abend. P₁. 40, 18. Jch bin arm und elend, der Herr aber forget für mich. Du bist mein Helfer und Erretter, mein Gott, verzeuch nicht. 106 Gott, deine Güte und Treue hat mich heute erhalten; schaue auch diese Nacht in Gnaden auf mich. Ohne dich bin ich arm und elend; nackend kam ich in die Welt, arm und elend verlasse ich sie wieder. Laj meine Armuth mich vor deinen und meinen Augen recht klein und demüthig machen. Was ist meine Gesundheit? eine hinfallende Blume. Was sind meine Güter? ein unbeständiges Wesen. Was ist mein Glück? ein flüchtiger Schatten. Ohne dich bin ich ohne Glauben, ohne Licht, ohne Leben, ohne Liebe, ohne Hoffnung. So bin ich ja wohl ohne dich recht arm und elend, aber in dir und durch dich habe ich alles, in dir bin ich reich, glücklich und selig. Sorge du für mich und laß meine Seele in das Bündlein der Lebendigen eingebunden sein; laß deinen Geist mich beleben und regieren in Zeit und Ewigkeit. Sorge auch im Leiblichen für mich und gib mir so viel, als meiner Seele nicht schädlich ist. Ich befehle mich in deine Hände bei Tag und Nacht; sei du mein Helfer und Erretter. Verzeuch nicht, wenn ich Hilfe vonnöthen habe, sondern erbarme dich mein. Hilf mir, wenn ich in Umstände gerathe, da mir kein Mensch helfen kann und ich selbst weder aus noch ein weiß. Dir ist kein Feind zu mächtig, keine Gefahr zu groß, kein Kreuz zu schwer. Bin ich arm, so bist du reich; bin ich elend, so bist du mächtig; habe ich nichts, so hast du alles. Darum bleibe du meine Hilfe diese Nacht; bleibe auch meine Hilfe, wenn meines Lebens Ende nahet. Ach, was sind wir ohne Jesus? Dürftig, arm und jämmerlich! Ach, was sind wir? voller Elend! Jesu, ach, erbarme dich! Laß dich uns're Noth bewegen, Die wir dir vor Augen legen. Amen. 23. Februar. Morgen. Joh. 14, 6. Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater, denn durch mich. Herr Jesu, ich fange nun einen neuen Tag an; aber wie viele Wege sehe ich vor mir, welche meiner Seele schädlich sein könnten! Darum sollst du mein Weg sein, daß ich wandle, wie du mir ein Vorbild gelassen haft in Reinigkeit, Gehorsam, Liebe, Demuth und Sanftmuth. Pflanze diese Tugenden tief in mein Herz hinein, so verlasse ich mit Freuden den breiten Weg der Welt mit ihren Luftbarkeiten, Eitelkeiten und Unarten; ich verlässe den Sündenweg, den mir mein Fleisch und Blut anweiset, und richte auf dich allein meine Augen, daß ich nicht strauchle und falle. Was ist mein Leben, wenn du nicht in mir lebest? was ist mein Glaube, wenn er nicht auf dich, die ewige Wahrheit, gegründet ist? Du sollst mein Vorbild im Wandel, dein Wort der Grund meines Glaubens sein. Dein Wort ist mein Licht, meine Freude und meines Herzens Luft, ob es gleich des alten Adams Tod ist. Dein Wort zeigt mir des Glaubens Grund, welcher du selbst bist; des Glaubens Kraft, ein frommes Leben; des Glaubens Kennzeichen, Reinigung des Herzens und Absonderung von der Welt; des Glaubens Ende, der Seele Seligkeit. Auf daß ich nun dazu gelange, sollst du mein Leben und mein König sein, der Worte und Gedanken, Thun und Lassen regiert. Alsdann lebe ich erst recht; ich lebe in dir, und du in mir, und ich werde zum ewigen Freudenleben gelangen; durch deinen Geist komme ich zum Vater, zum Frieden, zur Ruhe und zur Seligkeit. Du bist der Himmelsweg, Die Wahrheit und das Leben; Du wollest mir zuletzt Die höchste Gnade geben, Daß ich in deiner Kraft Das Leben schließe wohl, 107 Wenn meine Sterbenszeit, Mein Stündlein kommen soll. Amen. 23. Februar. Abend. Micha 7, 18. Wo ist ein solcher Gott, wie du bist, der die Sünde vergibt und erläffet die missethat den Uebrigen seines Erbtheils; der seinen Zorn nicht ewiglich hält? Denn er ist barmherzig. 108 Barmherziger, gnädiger Gott, die einbrechende Nacht fordert mich auf, vor deinen Richterstuhl zu treten, um Rechenschaft zu geben, wie ich diesen Tag zugebracht habe. Ich erkenne, daß ich nicht nur innerlich ge sündigt habe, was dir allein und meinem Gewissen be fannt ist, sondern auch äußerlich, da die innerlichen Lüfte zum Ausbruch gekommen sind. Je größer aber meine Sünden, desto größer die Strafe. Herr, Herr, wenn du willst Sünde zurechnen, wer wird bestehen? Ich bitte und flehe um deiner Barmherzigkeit willen, sei mir gnädig und vergib mir alle meine Sünden. Wie tröstlich für matte, bekümmerte Seelen ist deine Verheißung, daß du nicht ewiglich Zorn halten wirſt und dich gerne versöhnen lässest. Darum, Herr, züchtige mich nicht in deinem Grimm, sondern erbarme dich, wie sich ein Vater erbarmet über sein Kind. Wasche und reinige mich von meinen Sünden durch das Versöhnungsblut Jesu; damit besprenge mich, so werde ich rein erfunden werden. Diese Gnade foll mich nicht frech und frei, sondern demüthig, dankbar und gehorsam machen. Schenke mir deinen heiligen Geist, der mich an dieselbe erinnere und mich darin befestige, daß ich dein Kind sein und bleiben möge. Siehe, ich komme mit der Zahl der Sünder, die je mals gewesen sind, und deren du dich erbarmet haft, als David, Manasse, Petrus und Paulus; du wirst auch mir Gnade erzeigen und meine Sünden tilgen. Das kommt dir, liebreicher Gott, allein zu. So thue denn auch an mir solche Barmherzigkeit, daß ich getrost und fröhlich als ein begnadigtes Kind einschlafen kann. Erlaß mir meine Sündenschuld, Und hab' mit deinem Kind Geduld, Bünd' in mir Glauben an und Lieb', Bu jenem Leben Hoffnung gib. Amen. 24. Februar. Morgen. Apostelgesch. 1, 26. Das Loos fiel auf Matthias, und er ward zugeordnet zu den eilf Aposteln. Vgl. Pf. 16, 6. Heiliger Gott, deine Gnade und Güte hat die 109 Sonne wieder aufgehen und ein liebliches Loos auf mich fallen lassen. Du sorgest ohne mein Sorgen, du gibst ohne mein Bitten. Ja, wie Matthias, so haft du mir viel Gutes widerfahren lassen, ohne daß ich daran gedacht. Das Loos ist mir auf's Liebliche ge= fallen, daß du mich in der christlichen Kirche von christlichen Eltern hast lassen geboren werden, dadurch ich zur Erkenntniß des Heils gelangt bin. Das Loos ist mir auf's Liebliche gefallen, daß ich nicht allein dich, meinen Schöpfer und Vater, sondern auch den du gesandt hast, Jesum Christum, als meinen Erlöser, Mittler und Seligmacher erkannt habe. Das Loos ist mir auf's Liebliche gefallen, da du mir ein folgsam und gehorsam Herz gegeben durch die erweckende Gnade und Erleuchtung des heiligen Geistes. Durch alle diese Gnadengaben hast du mich der Schar deiner Kinder und Erben zugeordnet, die ihre Seele retten und selig werden. Herr Gott, laß mich meinen Stand und Beruf mit meinem Wandel zieren. Mir ist das schöne Erbtheil deiner Kinder geworden. Wenn mein Herz aus den Schranken treten will, wenn die Welt mich zu sich lockt, so laß mich deinen Geist er innern, daß ich gedenke: ich bin nicht mehr mein eigen, ich stehe unter dir, dein Wort und Wille ist die Richtschnur meines Lebens, darnach ich meine Gedanken, Worte und Werke richten soll, bis ich einst das völlige Loos und Erbtheil im Himmel empfange. Richt' unser ganzes Leben Allein nach deinem Sinn, Und wenn wir's sollen geben In's Todes Nacht dahin, Wenn's mit uns hier geht aus, So laß uns selig sterben, Und nach dem Tod ererben Des ew'gen Lebens Haus. Amen. 24. Februar. Abend. Apostelgesch. 1, 24. Herr, aller Herzen Kündiger! Allwissender Gott, der du Herzen und Nieren prüfest, ich komme vor dich mit Flehen und Seufzen um Gnabe und Vergebung aller meiner Sünden. Ich kann und will dir nichts verbergen. Das Verborgene, das Gegenwärtige und Zukünstige ist alles vor dir offenbar. Du weißt mein Kreuz, und meine Thränen find dir nicht verborgen. Nicht allein aber weißt du es, wie meine Freunde es wissen und bedauern, sondern du bist auch mächtig und gütig, mich zu erretten und zu befreien. Der Name Herzenskündiger kommt dir allein zu; daß er doch mir immer vor Augen bleibe! Wenn ich in meinem Kämmerlein allein vor dir liege und nicht beten kann, weil ich ganz dürre bin, so wirst du mein Seufzen hören und mir Barmherzigkeit widerfahren lassen. Du weißt auch mein Verlangen nach dir, meine Absichten, daß ich nichts be gehre, als nur dich zu ehren, dir zu gefallen und zu dienen. Du kennest alle Herzen, der Frommen und Gottlosen, deiner Diener und deiner Feinde: das soll mich abschrecken vor aller Heuchelei, Scheinheiligkeit und verstelltem Wesen. Darum laß mich vor dir wandeln und gedenken, dein Ohr höret alles, dein Auge dringet durch alles, und schauet auch in die verborgensten Winkel. Wer wollte denn sündigen in der Gegenwart eines so heiligen, großen und allwissenden Gottes? Wenn ich auf meinem Sterbebette schwach werde, und nicht viel oder nicht laut mehr reden kann, so wirst du auch alsdann, o Herzenskündiger, wissen, was mein Herz wünschet. 110 Herzenskündiger, Du, mein Gott und Herr, Ach, du weißt es, wie ich's meine, Was ich bin und was ich scheine: Meines Herzens Grund Ist dir klar und kund. Amen. 25. Februar. Morgen. Psalm 86, 12. Weise mir, Herr, deine Wege, daß ich wandle in deiner Wahrheit. Erhalte mein Herz bei dem Einigen, daß ich deinen Namen fürchte. 111 Mein Gott und Herr, du läsfest mich wieder einen Tag erleben. Laß dir mein Morgengebet wohlgefallen, und erhöre mich gnädiglich. Ich sehe viele Wege, die ich in deinem Lichte meiden soll, nämlich die Wege der Welt und meine eigenen Wege, weil sie beide zur Sünde und endlich zur Verdammniß führen. Darum weise und leite mich durch deinen Geist und Wort auf den Weg, welchen du mir zu wandeln befohlen hast, den Weg des Glaubens und der Liebe, den Weg der Frömmigkeit und des Gehorsams, daß ich wandle in deiner Wahrheit. Dein Wort ist die Wahrheit, nach demselben will ich glauben. Jesus ist der Weg, ihm will ich folgen. Deine Verheißungen sind Ja und Amen; daran will ich mich halten mit aufrichtigem Herzen. Laß dieses Vorhaben nicht eine fliegende Hitze sein, die bald vergehet, sondern gib, daß ich bis an mein Ende in der Wahrheit verharre und mich ihrer nicht schäme. Verleihe mir Kraft und Stärke dazu und erhalte mich darin, daß ich täglich zunehme in dem Einigen, daß ich deinen Namen fürchte; daß ich dich fürchte an allen Orten, in der Kammer, zu Hause, auf dem Felde, daß deine heilige Furcht meinen Lippen wehre, Böses zu reden; meinem Herzen, an Sünden mich zu ergezzen; meinen Füßen, auf bösen Wegen zu gehen; meinem Gemüthe, deinem Willen zu widerstreben. So werde ich vor Sünden bewahrt werden und dir angenehm sein. Laß deinen großen Namen, deine Allmacht, Allgegenwart, Allwissenheit und Herrlichkeit die kindliche Furcht in mir täglich mehren und vollkommen machen Laß deinen Segen auf mir ruh'n, Mich deine Wege wallen, Und lehre du mich selber thun Nach deinem Wohlgefallen. Amen. 25. Februar. Abend. Ezech. 18, 21. Wo sich der Gottlose bekehret von allen seinen Sünden, die er gethan hat, und hält alle meine Rechte, und thut recht und wohl; so soll er leben und nicht sterben. 112 Gerechter Gott, barmherziger Vater, welche Gnade ist es, daß du einen Gottlosen und Sünder, der sein Unrecht erkennt und beklagt, willst zu Gnaden annehmen! Wie süß, wie lieblich ist mir diese Verheißung! Wie erquicket sie eine geängstete Seele! Ständen dergleichen Verheißungen nicht in deinem Worte, der Sünder müßte verzagen. Gott, ich kehre mich von der Welt zu dir; von der Sünde zur Gerechtigkeit, vom Tode zum Leben, von der Finsterniß zum Licht von der Hölle zum Himmel. Wo ist ein solcher Gott, wie du bist, der Gnade anbietet, und für den Tod daß Leben verspricht? Könige zwingen mit Drohen zum Gehorsam, du lockest uns mit Verheißung. Gott, was ich bisher gethan habe, will ich nicht mehr thun, nicht mehr reden, nicht mehr wollen. Schreibe deine Rechte und Gebote in mein Herz, daß ich bei allem, was denke, rede oder thue, mich zuvor frage: Ist das auch wohl gethan vor Gott? Gott, verleihe mir die Gnade, daß ich mich recht bekehre, ändere und neu werde. Alsdann kann Jesus in mir leben und den Tod überwinden. Wenn das Ende meiner Tage kommt, so laß mich nicht als einen gottlosen Menschen, sondern als eine durch Jesu Blut gereinigte Seele erfunden werden. Stirbt mein Leib, so bin ich von dem Tode durch meines Hei landes Tod und Auferstehung frei geworden. Dir schlafe ich, dir mache ich, dir sterbe ich und lebe dir ewiglich. O wundersame Liebe, Die nach dem Sünder fragt, Mit mütterlichem Triebe Um die Verlornen flagt: Du willst nicht, daß wir sterben In uns'rer Sündenpein, Du führst aus dem Verderben Den Weg uns himmelein. Amen. 26. Februar. Norgen. Klagl. 3, 24. Der Herr ist mein Theil, spricht meine Seele; darum will ich auf ihn hoffen. 113 Liebreicher Gott, was soll und kann ich heute besseres bitten, als daß du selbst mein Theil, mein Reichthum und mein Segen sein wollest. Wenn ich dich habe, so habe ich einen bleibenden Schatz, die ewige Herrlichkeit, ja die Quelle der zeitlichen und ewigen Glückseligkeit. Jeder Mensch hat an etwas sein Vergnügen, nach der Beschaffenheit seines Herzens. Ist dasselbe eitel und stolz, so suchet er sich eine Lust, welche seiner Seele schädlich ist. Ist das Herz geheiliget, fo bist du, Gott, seine Lust allein. So heilige und reinige denn mein Herz, daß ich das Beste erwähle. Sei und bleibe du mein Theil, meine Lust, meine Freude in Zeit und Ewigkeit. Die Gottlosen empfangen ihr Gutes in diesem Leben und haben kein Theil an jenem; sie wollen Neichthum, Ehre und Ansehen haben; erlangen sie das, so sind sie guten Muths. Aber damit will sich meine Seele nicht abfertigen lassen; mein Geist will etwas Ewiges haben; das bist du, Herr, allein. Die Welt ist nicht mein Theil, darin habe ich keine bleibende Statt; die Liebe des Vaters ist mein Theil; er weicht nicht von mir in Noth und Tod. Jesus ist mein Theil, er schenkt mir seine Gerechtigkeit, Sieg, Hilfe und Gnade. Der heilige Geist ist mein Theil, er erhält mich im Glauben, treibt mich zu allem Guten an, gibt mir immer mehr Licht und Kraft, Leben und Friede. An dir habe ich alle Herrlichkeit deiner Kinder, auf dich will ich hoffen in aller Trübsal, in Krankheit, im Tode; ich weiß, an dir habe ich einen mächtigen und reichen Gott, der mich nicht verläßt, wenn mich meine Freunde, meine Güter und mein Leben verlassen. Der Herr ist mein Theil, Mein ewiges Heil; Da halt ich mich dran, Weil außer ihm niemand beseligen kann. Amen. Start's Morgen- und Abend- Andachten. 26. Februar. Abend. Jer. 31, 20. Ist nicht Ephraim mein theurer Sohn und mein trautes Kind? Denn ich denke noch wohl daran, was ich ihm geredet habe; darum bricht mir mein Herz gegen ihn, daß ich mich sein erbarmen muß. 114 Liebreicher Gott, siehe nicht an die Sünden, wo mit ich dich heute betrübt habe. Ich habe dir Arbeit gemacht mit meinen Sünden; ich habe dir Mühe gemacht mit meinen Missethaten: aber laß dein Werk an mir nicht verloren sein! Den Ephraim hast du aus seinem Lande verstoßen, weil er sich in den größten Sünden wälzte; aber den armen, betrübten und bußfertigen Ephraim hast du gnädig angesehen, und mit lieblichen Namen benannt: so wirst du mich auch nicht verstoßen. Ich habe mich freilich nicht zu allen Stunden und bei allen Gelegenheiten als dein gehorsames Kind aufgeführt, du könntest aus gerechtem Gericht mir deine Gnade ent ziehen; aber denke doch, was du mir zugesagt hast, und wende um meiner Sünden willen, die ich herzlich bereue, dein Herz nicht von mir, sondern erbarme dich meiner nach deiner großen Güte. Du hast ein liebreiches Vaterherz gegen deine Kinder, welches aus Mitleiden bricht, wenn sie in Buße und Glauben zu dir kommen. Auch ich komme in Buße und Glauben und bitte um Vergebung aller meiner Sünden. Laß dein Erbarmen Schuld und Strafe wegnehmen, schenke mir den heiligen Geist und neue Kraft, im Gehorsam und neuen Leben bis an mein Ende zu verharren, in meinem Sterben das ewige Erbe zu erlangen. O solltest du sein Herze seh'n, Wie sich's nach armen Sündern sehnet Sowohl, wenn sie noch irre geh'n, Als wenn ihr Auge nach ihm thrän t! Er streckt die Hand nach Zölnern aus; Er eilet in Zachäi Haus; Wie stillet sanft er Magdalenen Den milden Fluß der Neuethränen Und denkt nicht, was sie sonst gethan! Mein Heiland nimmt die Sünder an. Amen. 27. Februar. Norgen. Luc. 14, 33. Ein Jeglicher, der nicht absagt allem, das er hat, der kann nicht mein Jünger sein. Heiliger Gott, mein Herz ist bereit, dich zu loben für den Schutz in der vergangenen Nacht, und mit dir mich von neuem zu verbinden. Deßwegen erneure meinen Taufbund und sage ab dem Teufel, der Welt, ihren Werken und ihren fündlichen Gewohnheiten, ihrer Falschheit, ihren Lügen und ihrem Betrügen. Laß mich die Nothwendigkeit dieses Gelübdes recht tief einsehen, daß ich noch heute durch deine Gnade darin einen seligen Anfang machen möge. Nicht allein aber sage ich ab dem, was außer mir ist, sondern auch meinem Eigenwillen, daß dein Wille mein Wille werde; meiner Eigenliebe, daß ich mit Freuden fliehe, was mich von dir scheiden kann; meiner Gemächlichkeit, daß ich meine Lüste und mein Fleisch kreuzige; meiner eigenen Gerechtigkeit, und will, o mein Erlöser, allein durch dein Blut gerecht und selig werden. Dieses will ich thun nicht nur in etlichen Dingen, sondern in allem; ich will mich dir völlig, ohne Vorbehalt, übergeben; verleihe mir deines Geistes Kraft dazu. Du hörest, wie ich allem absage; hingegen gelobe ich dir, dreieiniger Gott, von neuem, an dich zu glauben, mich dir zu ergeben, dir zu dienen, zu folgen und treu zu sein bis in den Tod. Erkenne mich, Herr Jesu, für deinen Jünger, an dem dein Blut und Tod nicht vergebens ist, der dein Erbe und Eigenthum ist, und in dir und durch dich ewig selig werden soll. Diese Herrlichkeit geht mir über alle Lust, Ehre und Freude der Welt; dein Jünger zu sein, bringet Trost, Friede und Freude im Leben, Leiden und Sterben Ich gebe dir, mein Gott, auf's neue Leib, Seel und Herz zum Opfer hin; Erwecke mich zu neuer Treue 115 Und nimm Besitz von meinem Sinn. Es sei in mir fein Tropfen Blut, Der nicht. Herr, deinen Willen thut. 27. Februar. Abend. Psalm 68, 20. Selober sei der Herr täglich. Gott legt uns eine Last auf, aber hilft uns auch. 116 Gelobt sei der Herr, der mich heute begleitet, gesegnet und behütet hat. Gelobet sei der Herr, der mich vor groben Sünden bewahrt und in dem Guten erhalten hat. Mein Herr und mein Gott, du wohnest unter dem Lobe Ifraels; dich preisen alle heiligen Engel und Auserwählten jeden Augenblick; dein Lob soll täglich auch in meinem Herzen und Munde fein für alle Güte und Treue, die ich von dir empfangen habe. Jeder Tag erinnert mich, daß ich mein Leben und meine Gesundheit von dir habe; erinnert mich an deine immerwährende Güte, welche wie ein Strom quillet. Haben mich heute unterschiedliche Lasten gedrücket, Berufs- und Kreuzeslaften, so hast du mir sie auch helfen tragen, und wieder abgenommen, haft mir beigestanden und mich errettet. Du hast mich nicht versucht über mein Vermögen, sondern alles so eingerichtet, daß ich es konnte ertragen. Ja, wenn du mir eine Last auflegen willst, so wiegst du sie nach deiner ewigen Gnade, ob sie für mich nicht zu schwer sei. Greifst du mich innerlich mit Traurigkeit des Her zens an, so erquickest du mich wieder mit deinem Freudengeist. Muß ich an meinem Leibe Schmerzen und Ungemach erdulden, so hältst du mich doch bei meiner rechten Hand, und läsfest mich nicht versinken noch verderben. Verzeihe mir auch alle Sünden, die ich heute begangen habe, und als eine schwere Last auf meinem Herzen und Gewissen fühle; ja, laß im Sterben alle Leidenslasten von mir fallen und erquicke mich alsdann mit himmlischer Freude. Anbetung, Ehre, Dank und Ruhm Sei unserm Gott im Heiligthum, Der Tag für Tag uns segnet! Dem Gott, der Lasten auf uns legt, Doch uns mit unsere Lasten trägt, Und uns mit Huld begegnet. Amen. 28. Februar. Norgen. Pf. 40, 12. Du, Herr, wollest deine Barmherzigkeit nicht von mir wenden; laß deine Güte und Treue mich allewege behüten. 117. Gnädiger Gott, liebreicher Vater, mein Auge erblickt den Tag, aber mein Herz schauet nach dir, um von dir Gnade und Segen zu erbitten. Deine Barmherzigkeit hat mir viel Gutes an Leib und Seele gethan, daß ich noch stehe bis auf den heutigen Tag. Laß dieselbe auch heute über mich walten, daß ich den Tag in deiner heiligen Furcht hinbringe. Laß deine Treue mich behüten, wenn ich auf Reisen oder zu Hause bin, wenn ich aus- oder eingehe. Wende deine Barmherzigkeit nicht von mir, wenn Leiden oder Gefahren über meinem Haupte schweben. Deine Güte ist eine reiche Quelle, daraus ich geschöpft Gnade und Segen; sie ist gewesen eine Mutter, welche mit Freuden ihrem Kinde die Brust darreicht; sie ist gewesen wie ein Freund, dessen Herz und Hand immer offen stehet und den Freund niemols betrübt von sich gehen läßt. Deine Treue hat meiner gewartet in der Kindheit, mich verpflegt und versorgt in meiner Jugend, mich aus und ein begleitet auf allen meinen Wegen bis auf den heutigen Tag. Sie hat mich oft gewarnt, ermahnt und zurückgezogen, wenn ich fehlen und fündigen wollte. Deine Barmherzigkeit ging vor mir her, deine Güte zu meiner Rechten, deine Treue zur Linken: sie hat mich behütet, erhalten und mit Gnade und Segen umgeben. Deine Barmherzigkeit, mein Vater, deine Güte, mein Jesu, deine Treue, o heiliger Geist, begleite mich bis an das Ende meiner Tage, da du mich zur Himmelsfreude einführen wirst. Ich gehe, wo ich gehe, Ich size, liege oder stehe, Ich mache oder schlafe ein, Ich lebe oder sterbe, Laß die Barmherzigkeit mein Erbe, Das Gute meine Folge sein! Ich will in dieser Zeit Und in der Ewigkeit Nichts als Gnade! Mein Herze schließt In Jesu Christ, Der aller Gnaden Urquell ist. 28. Februar. Abend. Joh. 10, 28. Ich gebe meinen Schafen das ewige Leben; und sie werden nimmermehr umkommen, und niemand wird sie aus meiner Hand reißen. 118 Herr Jesu, gib mir ein frommes Herz, wie deine Schafe haben, daß ich keines Fremden Stimme höre, sondern nur die deine. Laß mich deine Führungen, sollten sie auch durch rauhe Wege und Hecken gehen, willig annehmen, und immer auf dein Erempel sehen. Alsdann lebe ich dir, und nicht mir, noch der Welt, und alsdann wirst du mir einst das ewige Leben geben, das du mir durch deinen Tod erworben hast. O eine himmlische und selige Gabe, welche du deinen Glaubigen verheißest. Schenke mir Kraft, daß ich mich fest an dir halten und deines seligen Lebens genießen möge. Sterbe ich also in deiner Gnade, so werde ich nimmermehr umkommen. Mein Leib sinket zwar ins Grab und wird zu Asche, aber du wirst ihn am jüngsten Tage erwecken und verklären, daß er ähnlich werde deinem verklärten Leibe. Meine Seele befehle ich in deine Hände; die wirst du in den Himmel aufnehmen, daß sie deine Herrlichkeit schaue. Ja, ich bin dein im Leben und im Sterben; darum wird mich dir, starker, lebendiger Gott, niemand aus deiner Hand reißen, nicht der Satan, nicht die Welt, nicht meine Feinde. In schweren Anfechtungen wird mich deine Hand halten, in Krankheit mich heilen, in Gefahr mich halten, in Leiden mich decken. Der Tod zwar trennt Leib und Seele, aber aus deiner Hand reißet er mich nicht, sondern ich bekomme vielmehr durch ihn einen nähern Zutritt zu dir. Ich folge deiner Gnade, Wo du gehst, geh' ich mit; Ich seh' auf dich gerade, Und du auf meinen Tritt. Du wirst, wie du versprichst Auch mir, auch mir ein Leben, Das ew'ge Leben geben, Weil du dein Wort nicht brichst. 29. Februar. Morgen. 2. Kor. 1, 21. 22. Gott ist es, der uns befeftiget samt euch in Christum, und gesalbet und persiegelt, und in unsere Herzen das Pfand, den Geist, gegeben hat. 119 Gütiger Gott, ich kann von Gnade und Wahrheit, von Liebe und Barmherzigkeit sagen, daß du mich diesen Tag glücklich haft antreten Lassen. Es ist dir nicht genug, meinem Leibe Gutes zu thun, du befestigest auch meinen Glauben, und pflanzest mich in Chris ftum, den lebendigen Weinstock, immer tiefer ein, dadurch ich deiner Gnade immer gewisser werde. Laß mich in meinem Gnadenstande nicht wanken, und was an meiner Befestigung noch fehlt, das ersetze du durch die Salbung des Heiligen Geistes. Verleihe mir immer mehr Stärke, die Sünde zu überwinden, dem Satan und meinen Lüsten zu widerstehen, und das Licht meines Glaubens leuchten zu lassen an allen Orten. Versiegle den Gnadenbund, den du mit mir in der heiligen Taufe gemacht, daß ich dein Eigenthum sei und bleibe. Laß deinen Geist das Pfand und die Versicherung deiner Liebe und Gnade sein im Kreuz und Leiden, in Traurigkeit meines Herzens, in Krankheit und im Tod. Liebreicher Vater, du gibst allen deinen Kindern einerlei Wahrzeichen und Ausweis, nämlich die Gerechtigkeit Jesu Christi zum Schmuck und Ehrenkleid und den heiligen Geist zum Pfande des Erbes. Bringe ich dieses im Sterben mit vor deinen Thron, so liebest du mich und nimmst mich zu deiner Freude auf. Darum will ich lieber alles verlieren, nur dieses Pfand nicht. O du Pfand des neuen Bundes, Geist des Vaters, mild und rein Heil'ger Odem seines Mundes, Zeuch in uns're Herzen ein! Leib und Seele, Haupt und Glieder Kehren aus dem Tode wieder, Wo sich deine Gotteskraft Einen Siß und Tempel schafft. 29. Februar. Abend. Matth. 28, 20. Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende. 120 Mein Jesu, da ich diesen Tag endige, so ist mein Herz voll Rühmens und Dankens, daß du mich deine mächtige Gegenwart so gnädig hast empfinden lassen. Was bin ich ohne dich? ein Wurm; was kann ich ohne dich? ohne dich kann ich nichts Gutes vollbringen; ohne dich bin ich todt in Sünden, entfernet von dem Leben, das aus Gott ist. Aber wenn du bei mir bist, so bist du meines Lebens Leben, meiner Seele Heil und Theil; in dir habe ich alles, durch dich und mit dir vermag ich alles. Deine Gegenwart will ich mir beständig vor Augen stellen und mir zum Wachsthum im Christenthum dienen lassen; sie soll mich behatsam machen im Neden, im Wirken, im Denken, weil dir nichts verborgen ist. Deine Gegenwart soll mich trösten im Leiden, in Traurigkeit, in Verachtung, in Trübsal, weil du mit einem Wort sie von mir abwenden kannst; sie soll mich erfreuen im Gebet, weil du mir alles geben kannst. Und ob je in Trübsalsstunden mein Herz an deiner Gegenwart zweifeln wollte, so erinnere mich an dein Wort: glaube gewiß und zweifle nicht. Deines Schuzes, welchen vor mir so viel Glaubige genossen, werden noch alle nach mir theilhaftig werden bis an's Ende der Welt. Darum sprich zu mir, wenn sich mein Herz nach dir sehnet:„ ich bin bei dir, daß ich dir aushelse"; wenn mich meine Sünde ansicht: ich bin bei dir, daß ich sie wegnehme." Wenn ich sterben werde, so sprich zu mir: ich bin bei dir, daß ich dich selig mache." Ja, du bleibst, du hast versprochen: Ich bin bei euch allezeit!" Du hast nie dein Wort gebrochen, Brichst's auch nicht in Ewigkeit. Schlaft, ihr Glieder, wache, Seele! Jesus bleibt und hält die Wacht, Welchem ich euch froh befehle; Das ist eine gute Nacht! Amen. 1. März. Morgen. Pf. 37, 37. Bleibe fromm und halte dich recht; denn solchen wird's zuletzt wohl gehen. Liebreicher Gott, da du mir bisher so manche Gnade und Barmherzigkeit erwiesen hast, so gib mir ein recht dankbares Herz, daß mich deine immerwährende Güte zur Buße und Frömmigkeit leiten möge. Wenn ich sehe, daß and're sich des Bösen gelüsten lassen, so soll die Stimme in meinem Herzen erschallen: Bleibe du fromm, menge dich nicht unter die Bösen! Dein Befehl ist mir nützlich, nothwendig und selig: darum verleihe mir deines heiligen Geistes Beistand, daß ich vollbringen möge, was du von mir forderst. Laß mich fromm sein in meinem Herzen, fromm in meinen Neden, fromm in allem Wandel, Vornehmen und Werk, fromm nicht nur heute und morgen, fromm bis an mein Ende. Gib auch, daß meine Frömmigkeit nicht Heuchelei und Verstellung sei, sondern daß ich meinen Glauben und meine Liebe auch mit den Werken zeige. Ja, erinnere du selbſt mich immer: halte dich recht, meide alle trummen Wege. Ich will mich zu Jesu halten, zu seinen Jüngern, und die Bösen meiden. Ich will gehen den Weg zum Himmel, den Weg der Buße und des Glaubens. Ich will auch rechte Früchte des Glaubens bringen, als da sind: Liebe, Freude, Friede, Demuth, Geduld. Bei innerlichen und äußerlichen Leiden tröste mich die Hoffnung, daß es mir werde noch wohlgehen, und zwar zuletzt, wann deine Stunde kommt. Ja, wenn ich getreu bleibe bis an's Ende, so wird deine Gnade mich erquicken und mir aushelfen hier in der Zeit, völlig aber in der Ewigkeit. Gib mir ein frommes Herz, Du Geber aller Gaben! Das soll mein Reichthum sein, Den ich begehr' zu haben; Das soll sein meine Zier, Mein Ruhm und schönste Pracht; Denn fromm sein wird bei Gott Und Engeln hoch geacht't. Amen. 121 Univ.- Bibl Giessen 1. März. Abend. Hebr. 4, 16. Lasset uns hinzutreten mit Freudigkeit zu dem Gna enstuhl, auf daß wir Barmherzigkeit erlangen und Gnade finden zu der Zeit, wann uns Hilfe noth sein wird. 122 Herr Jesu, da es nunmehr finster geworden, so nahe ich mich zu dir und bekenne dir alle meine Sünden; ich bereue sie demüthig, und bitte herzlich um Vergeb ung. Du bist als der wahrhaftige Hohepriester vor Gott erschienen im Heiligthum, hast dein Blut vergossen zur Versöhnung für meine und der ganzen Welt Sünde, und hast eine ewige Erlösung gefunden. Und nun ladest du mich und alle armen Sünder ein: Kommet her zu mir alle. Dieses erwecket in mir Freudigkeit hinzuzutreten zum Gnadenthron mit der Glaubenszuversicht, du werdest mich nicht verstoßen. Ein Sündenknecht mag sich fürchten, so lang er der Sünde dienet; mich aber hast du frei gemacht; ich will dir dienen, folgen und anhangen, dir mein Herz und Leben ergeben. Nun werde ich Barmherzigkeit empfangen. Du willst nicht, daß jemand verloren werde. Nun habe ich in dir Gnade, Vergebung aller meiner Sünden, Kindschaft Gottes und Erbschaft des ewigen Lebens. Dieses ist eine ewige Gnade, mein stolzes Herz hat sie nicht begehrt; du bist meiner Bitte zuvorgekommen; laß mich sie mit vollem Glauben annehmen; so habe ich den Zugang zum Vater und gewisse Hilfe zu rechter Zeit und Stunde, wenn sie mir noth ist. Jesu, laß mich auch im Sterben Barmherzigkeit empfangen und hilf mir herrlich überwinden; laß mich alsdann den Himmel offen sehen und die ewige Seligkeit erlangen. Der Gnadenstuhl nun ewig steht, Seit du zur rechten Hand erhöht, Dein Blut in's Heiligthum gebracht, Das für uns redet Tag und Nacht. Nun tret' ich auch mit Freud' und Ruh' Zu diesem Gnadenstuhl hinzu, Wo Gnade und Barmherzigkeit Erlanget wird zur bösen Zeit. Amen. 2. März. Norgen. Nöm. 8, 9. Wer Christi Geist nicht hat, der ist nicht sein. Herr Jesu, du Sonne der Gerechtigkeit, gehe du in meinem Herzen auf, da nun der Tag anbricht, daß ich heute in deinem Lichte wandeln und den Tag zu deinem Lobe hinbringen möge. Gib mir dazu deinen heiligen Geist; der soll mein Lehrer sein, daß ich im Glauben und in deiner Erkenntniß immer vollkommener werde. Welche Süßigkeit ist es, den Vater zu erkennen! Laß mich diesen Lehrer in meinem Herzen und in seinem Wort fleißig hören. Er soll mein Führer sein. Ich entsage aller Führung der Welt, die mich an sich lockt, auch meines Fleisches, welches gerne den breiten Weg gehen will; schenke mir ein williges Herz, daß ich seiner Führung nicht widerstrebe. Er soll auch mein Licht sein, das mir mein innerliches Verderben aufdecke, mein Elend kund thue, aber auch die Erlösung in deinem Blute zeige. Er soll auch mein Trost sein in allen Anliegen meines Herzens, in allen Zufällen meines Lebens. Er soll das Pfand der Kindschaft und des himmlischen Erbes sein; er versichere mich, daß ich dein Kind sei und dir angehöre. Er soll auch mich heiligen durch und durch; heiligen mein Herz, heiligen mein Leben, heiligen meinen Mund, so bin ich dein Jünger, dein Erbe, dein Kind; ich bin dein im Leben und Sterben, innerlich und äußerlich, mit Leib und Seele. Niemand hat mehr ein Recht an mich, du hast mich erkauft, deine Gnade hat mich gerufen und ich habe durch deinen Geist mich zu dir leiten lassen. Welche Christi Geist nicht haben Werden nicht für sein erkannt; Diese Gabe aller Gaben Ist der Seinen sich'res Pfand. Gib mir, Herr, wie du verheißst, Deinen Geist; Hab' ich den, so bin ich dein; Laß es mich auf ewig sein. Amen 123 124 2. März. Abend. Bf. 3, 6. Sch liege, und schlafe, und erwache; denn der Herr hält mich. Allmächtiger Gott, unter deiner väterlichen Führung habe ich den Tag vollendet; ich gehe nun hin zur Ruhe und empfehle mich in deine Hände. Ich lege mich nieder in deinem Namen als bußfertiger Sünder; vergib mir alle meine Sünden; ich lege mich nieder als ein glaubiger Christ, der auf dich seine Hoffnung setzt; ich lege mich nieder als eine durch Jesum versöhnte Seele und weiß, daß ich an Leib und Seele verwahrt bin; darum schlafe ich getrost ein. Im Schlafe bin ich einem Todten gleich, da liege ich unbeweglich und sehe nicht, was neben mir und um mich ist und geschieht; aber ich fürchte mich vor niemand; mein Vater ist bei mir, die heiligen Engel find um mich; darum bin ich ja wohl behütet und bewacht. Und wie mein Schlaf ein Bild des Todes, ist mein Erwachen ein Bild meiner fröhlichen Auferstehung, da dein Lob in meinem Munde sein soll. Denn erwache ich des Nachts, so lobe ich deine Trene und Barmherzigkeit; geschiehet es des Morgens, so er fahre ich in der Wahrheit, daß eine mächtige Hand mich bedeckt und erhalten hat. Ach, Herr, laß mich diese Gnade auch in der bevorstehenden Nacht genießen. Hüter Israels, wache über mich, wenn ich schlafe, be decke mich mit deinen Flügeln, wenn ich nichts von mir selber weiß. Erhalte mich in der Frömmigkeit, daß ich des Glaubens Früchte bringe. Erhalte mich in deiner Furcht, daß ich dich niemals mehr betrübe. Ja, wie ich mich jetzt zur Ruhe lege, liege und schlafe, wird es auch einst im Sterben sein; alsdann bewache meine Gebein und erwecke mich fröhlich am jüngsten Tage. Ich lege mich ruhig hin, Weil ich doch sicher bin, Ich schlafe oder wache, Daß mich die Allmacht schützt, Die Güte unterstützt. Amen. 3. März. Morgen. Jac. 4, 4. Wisset ihr nicht, daß der Welt Freundschaft Gottes Feindschaft ist? Wer der Welt Freund sein will, der wird Gottes Feind sein. Du weißt, mein Gott, daß ich in der Welt leben, mit allerlei Leuten arbeiten, reden und umgehen muß; du weißt auch, daß ich gute Freunde in der Welt brauche; aber das sei ferne von mir, daß ich der Welt Freundschaft sollte der deinen vorziehen. Bewahre meine Seele vor der Blindheit so vieler Menschen, welche diese beiden Freundschaften zusammenknüpsen wollen. Du verlangest das ganze Herz, die Welt auch; du willst, daß ich nach deinem Willen mich richten soll; die Welt aber schreibt mir ganz andere Gesetze vor. Gib mir die Weisheit von oben, vaß ich das Beste, deine Freundschaft, erwähle. Mit der Welt zwar muß ich einen bürgerlichen Umgang haben, wie ein Mensch dem andern Liebe, Ehre, Dienste und Hilfe zu erweisen schuldig ist, aber eine vertrauliche Freundschaft will ich mit Weltkindern nicht pflegen, weil ich es, ohne dich zu beleidigen, nicht thun kann. Sollte nun die Welt darüber mir feind werden, so ersetzt deine Freundschaft alles wieder. Die Welt kann mich am Tage des Gerichts nicht erretten und selig machen. Sei mein Freund, wenn Verwandte und Bekannte sich von mir thun, als kennten sie mich nicht, und kenne du mich in der Noth als dein Eigenthum. Verzeihe mir, wenn ich in den vorigen Tagen oft der Welt Gunst dir vorgezogen habe. Aber ach, wie ist ihre Freundschaft so falsch, betrüglich und verdammlich! Du aber bist mein bester, treuester und ewiger Freund, dir will ich getreu bleiben bis in den Tod. Der beste Freund ist in dem Himmel, Auf Erden sind die Freunde rar, Und bei dem falschen Weltgetümmel Jst Nedlichkeit oft in Gefahr. 125 Drum hab' ich's immer so gemeint: Mein Jesus ist der beste Freund. Amen. 126 3. März. Abend. Pf. 91, 15. Jch bin bei ihm in der Noth; ich will ihn heraus. reißen und zu Ehren machen. Allgegenwärtiger Gott, der Tag ist nun dahin; verzeihe mir alle Sünden und wende diese Nacht alles Unglück von mir. Wenn du bei mir bist, so fürchte ich mich nicht. Du bist bei mir als ein Helfer bei den Elenden, als ein Arzt bei den Kranken, als ein Erlöser bei den Gefangenen, als ein Reicher bei den Armen, als ein Erretter bei den Verlassenen. Da rum sei und bleibe bei mir in leiblichen Nöthen, wenn mich Trübsal, Elend und Krankheit umgibt. Sei bei mir in Seelen- Nöthen, wenn mich meine Sünden ängstigen, wenn Dunkelheit meinen Geist umgibt, daß ich nirgend Trost schöpfen kann. Dir ist nichts zu schwer, keine Noth ist so groß, du kannst mich davon befreien; tein Strom und keine Tiefe kann mich hinreißen und verschlingen, du kannst mich heraus reißen, wie einen Gefangenen aus der Feinde Gewalt, wie David sein Schaf aus der Löwen und Bären Rachen, wie du die drei Männer aus dem feurigen Ofen und den Daniel aus der Löwen Gewalt gerissen hast. Nicht allein aber befreiest du mich von meinen Leiden, sondern du thust mir auch viel Gutes, du bringst mich zu Ehren nach dem Elend. Ich will deinen Namen rühmen und preisen wenn du mich zu den höchsten Ehren durch Jesum bringen wirst in der Himmelsfreude; daran laß mich freudig gedenken. Deine Allmacht hat Wunder an mir gethan; dafür soll mein Herz dich preisen, weil ich lebe. Sei auch bei mir in der Todesnoth, reiße mich aus der Angst und laß mich zur Herrlichkeit deiner Kinder gelangen. Gott ist und bleibt getreu, Er weiß, was wir vermögen, Er pfleget nie zu viel Den Schwachen aufzulegen, Er macht sein Israel Von Last und Banden frei, Wenn große Noth entsteht: Gott ist und bleibt getreu. Amen. 1. März. Morgen. Hebr. 11, 27. Moses hielt sich an den, den er nicht sah, als sähe er ihn. 127 Allsehender Gott, ich danke dir für den Schutz in der vergangenen Nacht, und bitte dich, du wollest mein Herz bei dem Einigen erhalten, daß ich deinen Namen fürchte und mir auch heute deine Gegenwart vorstelle. Zwar sehe ich dich nicht mit meinen leiblichen Augen; wie könnte ein sterbliches Auge die Strahlen deiner Herrlichkeit fassen? Aber mein Glaube siehet dich, mein Herz hangt dir an. Wenn fromme Kinder zu Bösem gereizt werden, so sprechen sie: der Vater sieht's, der Bater hört's, der Vater ist da! So will ich auch, wenn die Welt mich in ihre Netze ziehen will, zu ihr sprechen: Gott sieht's, Gott hört's, Gott ist zugegen; wie sollte ich so großes Uebel thun und wider ihn sündigen? Ich habe dich bisher gesehen in meiner gnädigen Erhaltung, in deinem reichen Segen, in deinem mächtigen Schutz. Meine Augen haben's gesehen und mein Herz hat's empfunden; so kann ich auch in allem Anliegen mich an dich halten, als an meinen lieben Gott und Vater. Verlange ich Segen, so halte ich mich zu dir, o Segensquelle! Brauche ich Hilfe, so halte ich mich an dich, o mein Erretter in der Noth! Ich weiß nirgend hin, denn zu dir allein. Was mir fehlt, was mich ängstet, was mich kränkt und was mich drückt, das klage ich dir und bin gewiß, wenn ich in Gehorsam auf dich sehe, du werdest auch in allen Fällen, barin ich mich glaubig und demüthig an dich halte, in Erbarmen auf mich sehen und mir aushelfen. Wenn auch mein leiblich Auge nicht Erblicken kann dein herrlich Licht, So bist du mir doch innig nah, Ich sehe dich, als wärst du da. Gib mir nur, daß ich wohlbewahrt In deiner Gnadengegenwart Im Glauben diesen Lebenstag Vor deinen Augen wandeln mag. Amin. 128 4. März. Abend. Jer. 3, 22. Siehe, wir kommen zu dir; denn du bist der Herr, unser Gott. Gnädiger Gott, liebreicher Vater, du erhörest Gebet, darum kommt alles Fleisch zu dir. Laß auch meine Seufzer vor deinen Thron gelangen. Ich komme zu dir in gesunden Tagen und bitte dich um deinen heiligen Geist und um ein frommes Herz; dasselbe wollest du mir nicht versagen. Was helfen mir alle Güter, was nützet mir ein gesunder Leib, wozu dienet mir Ehre, wenn dein Geist nicht in meinem Herzen wohnet? Ich komme aber auch zu dir in bösen Tagen, wenn mich Kreuz und Trübsal drückt, daß du mich wollest davon befreien; wenn die Wasserfluten mich wollen überwältigen, daß du mich errettest; wenn ich verlassen, krank und elend bin, daß du mir beisteheft Welche Gnade ist es, daß du uns erlaubst, zu dir zu kommen zu allen Zeiten, in allen Anliegen, und uns versicherst, wir sollen nicht vergebens kommen! In dieser Abendstunde komme ich zu dir, und flehe dich an, dağ du alles Unglück und Schaden abwenden wollest. Denn du bist der Herr, du weisest mich niemals ab. Verleihe mir Gnade, daß mein Kommen eine beständige Vereinigung mit dir sei, daß ich nie von dir getrennet werde. Ich bin ja dein Geschöpf, du mein Schöpfer, von dem ich Leben und Wesen habe; ich bin dein Kind, du mein Vater, der mich in Taufe zu Gnaden ange Sei mein Vater und Erbarmer, wenn ich in meiner Todesstunde zu dir schreie; wenn mich alles verläßt, so verlaß du mich nicht; wenn alles von mir weicht, so tritt du mir zur Seite. nommen. Hier bringen wir, Herr Gott, uns dir, Um ewig dein zu bleiben. Nicht Glück, noch Noth, Nicht Kreuz, noch Tod Soll je von dir uns treiben. Amen. 5. März. Morgen. 1 Joh. 4, 13. Daran erkennen wir, daß wir in ihm bleiben und er in uns, daß er uns von seinem Geiste gegeben hat. 129 Mein Gott, deine Liebe hat mich erweckt. Laß mich diesen Tag in deiner Liebe, in wahrer Frömmigkeit zurücklegen. Gib mir deinen heiligen Geist, der meine Gedanken zu dir lenke, mein Herz heilige, mein Leben regiere, daß ich nichts thue, was dir zuwider sein könnte. Schenke mir auch die Gaben des Geistes, die Weisheit von oben, daß ich unterscheide, was recht und unrecht, was rein oder unrein sei. Gib mir den Geist der Stärke, daß ich in seiner Kraft wider die inwohnende Sünde kämpfen und die Sünde, die von außen mir angemuthet wird, überwinden könne. Gib mir den Geist des Gebets, der mich mit unaussprechlichem Seufzen bei dir vertrete. Mein Herz kann nicht leer stehen; wohnt und lebt dein Geist nicht in mir, so nimmt es die Welt ein; darum schenke mir diesen heiligen Regierer. Habe ich dieses Pfand der Kindschaft, so bleibe ich in dir und du verstößest mich wegen meiner Sünden nicht. Ich bleibe in deiner Liebe denn dein Geist gibt Zeugniß meinem Geiste, daß ich dein Kind, dein Erbe sei, welches niemand aus deiner Hand reißen wird. Ich bleibe in dir wie eine Rebe am Weinstock, wie ein Glied am Leibe, welches von seinem Haupte Leben und Geist, Kraft und Stärke empfängt. Ich bleibe in dir und du bleibst in mir und heiligst mich; du bewahrst mich vor Sünden, du warnest mich, wenn ich fallen kann, du hilfft mir, wenn ich in Leiden bin oder wenn ein Feind mich verfolgt. Laß mich in solchem seligen Stand mein Lebenlang bleiben, laß mich dieses Pfand des Geistes nimmermehr verfienen Laß mir nie die Stimme schweigen, Die mir zuspricht, daß dein eigen Ich, o Herr, auf ewig bin; Dieses Zeugniß mir bewahre, Bis ich einst von hinnen fahre Und zum Schauen ziehe hin. Amen. Stark's Morgen- und Abend- Andachten. 130 5. März. Abend. Pf. 55, 23. Wirf dein Anliegen auf den Herrn; der wird dich ver. sorgen und wird den Gerechten nicht ewiglich in Unruhe laffen. Gnadenreicher Gott, da es nun Abend geworden ift, so bitte ich dich, daß du mir eine sanfte Ruhe verleihen wollest. So komme ich früh und spät zu dir, und trage dir mein Anliegen vor. Das ist ja die Freude deiner Kinder, daß sie dir alles getrost klagen, und von dir Hilfe und Errettung erwarten dürfen. Ich habe viele Bekümmernisse in meinem Herzen wegen meines Seelenzustandes und wegen leiblicher Umstände, die mich heftig drücken und unruhig machen; aber ich werfe meine Lasten auf dich. Mein furchtsames Gemüth stellt sich zuweilen große Berge vor, die ich übersteigen soll. Ich habe oft Anliegen wegen künftiger, oft wegen unnöthiger Dinge: damit martert sich mein armer Geist ab; ängstiget sich ohne Noth und macht sich selbst bange, wie es inskünftige noch gehen werde. Gott, gib mir Kraft, daß ich alles auf dich werfen möge als ein Kind, das den Vater sorgen lässet. Dein Wort weiset mich nicht zu Menschen, sondern zu dir, meinem mächtigen und gütigen Herrn, der mir Hilfe verheißen hat. So überlasse ich alle meine Sorgen deiner Fürsorge. Dir fehlet es nicht an Liebe, nicht an Macht und Erbarmen, laß es mir nicht am Vertrauen fehlen. Erinnert mich mein Gewissen an meine Sünden, so nehme ich meine Zuflucht zu Jesu: in ihm werde ich gerecht und rein von aller Schuld. Bewahre mich diese Nacht vor Unruhe; alle Unruhe muß weichen, wenn du dich meiner erbarmst. Dieses laß mich auch im Sterben empfinden, da du nach der Unruhe der Welt mich zu der süßen Himmelsruhe einführen wirst. Befiehl dem Herrn all' deine Wege, Und welche Last dich drücken möge, Wirf sie auf ihn, er hilft dir tragen, Er zeiget als Erbarmer sich. Was sorgest du? er sorgt für dich; Der Fromme darf ja nie verzagen. Amen. 6. März. Norgen. Joh. 10, 27. Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne fie, und sie folgen mir. Herr Jesu, Erzhirte und Bischof meiner Seele, ich fänge einen neuen Tag an; verleihe mir Kraft, dir zu leben als ein gehorsames Kind. Welche Herrlichkeit ist das, dir anzugehören! Du bist ein mächtiger und treuer Hirt, aus dessen Armen mich niemand reißen wird. Verleihe mir die Gnade, daß ich deine Stimme fleißig und gern höre, wenn du mit mir redest innerlich durch gute Bewegung meines Herzens, oder äußerlich, wenn ich dein Wort lese oder höre. Welche Herrlichkeit ist es, daß du sprichst: Meine Schäfe! Ja, Herr Jesu, ich bin dein, du hast mich mit deinem Blut erkauft, gewaschen und getränkt; ich bin dein, es hat sonst niemand ein Recht an mich. Hilf, daß ich auch dein bleibe. Alsdann erkennest du mich auch für dein Schaf, das deiner Liebe, deines Schutzes, deines Segens in Zeit und Ewigkeit genießen soll. Darum kenne mich, mein Hirt, wenn mich niemand kennen will. Kenne mich auch im Sterben, daß du mich als einen Gesegneten zu der Freude deiner Kinder einführest. Ich will dir folgen alle Wege, die du mich führen wirst; wenn du nur bei mir bist, so fürchte ich mich nicht. Ich will folgen deinem heiligen Worte und Vorbilde, daß ich möge gesinnt sein wie du gesinnet warst. Ich sage ab allen sündlichen Gewohnheiten der Welt; was nun noch übrig ist an meinem Leben, soll dir zur Ehre geheiligt werden. So lebe ich als dein Schaf, und du, o Lamm Gottes, wirst mich weiden, und deiner Herrlichkeit theilhaftig machen. Ich höre deine Stimme, Mein Hirt und allgemach, Wenn auch in Schwachheit, flimme Ich deinen Schritten nach. D laß zu allen Zeiten Mich deine Wege gehn, Und deinem sanften Leiten Mich niemals widerstehn. Amen. 131 6. März. Abend. Hebr. 9, 12. Christus ist nicht durch der Böcke oder Kälber Blut, sondern durch sein eigenes Blut in das Heilige eingegangen, und hat eine ewige Erlösung erfunden. 132 Herr Jesu, ich komme zu dir als ein armer Sünder, um mich in deinem Blute zu reinigen und Vergebung meiner Uebertretungen zu empfangen. Du bist das Gotteslamm, welches der ganzen Welt Sünde trägt; dein Blut ergreife ich zur Versöhnung für alle meine Sünden. Der Böcke Blut konnte uns nicht reinigen: in deinem Blut, als des wahren Mittlers, muß ich im Glauben meine Seligkeit suchen. Wie muß die Sünde ein großer Greuel vor deinen Augen, o Gott, sein; denn es hat Blut, ja das Blut deines Sohnes gekostet, dieselbe zu versöhnen. Ich sollte sterben wegen meiner Sünden, denn der Tod ist der Sünden Sold; aber daß ich nicht ewig stürbe und verdammt würde, hast du dich für mich erwürgen lassen. O füßes Lamm, was kann ich dir dafür erzeigen, daß du mir dein Leben schenkst und meinen Tod auf dich nimmſt? Wirke in mir einen beständigen Abscheu vor der Sünde und laß dagegen dein Blut, dein Leiden und Sterben allezeit in meinem Herzen und Gedanken sein. Du, Hohepriester, du hast dich einmal dargegeben als ein vollkommenes Opfer, welches aller Menschen Sünden tilget. Wohlan, mit dem Angedenken an dein vergossenes Blut gehe ich jetzt schlafen. Ich will mich durch dich auch erlösen lassen vor aller Sündenlust in meinem Herzen, vor allen sündlichen Worten in meinem Munde, vor allen Sündenwerken und Ungerechtigkeiten in meinem ganzen Leben, daß ich als eine erlöste und durch dein Blut gereinigte Seele in der Stunde meines Todes erfunden werde, und mit den Erlöseten des Herrn mit Freuden gen Zion kommen möge. Herr Jesu Christ, dein theures Blut Jst meiner Seele höchstes Gut, Das stärkt, das labt, das macht allein Mein Herz von allen Sünden rein. Amen. 7. März. Morgen. Luc. 13, 24. Ringet darnach, daß ihr durch die enge Pforte eingehet. 133 Barmherziger Gott, du hast mich den Tag wieder erblicken lassen; gib, daß ich dir zu Ehren an demselben wandeln möge! Deine treue Liebe, deine unverdiente Gnade hat mir die Pforte des Himmels aufgethan. Will ich aber in die Himmelspforte eingehen, so muß ich zuvor in diesem Leben der Lehre und dem heiligen Erempel Jesu und dem göttlichen Wandel vieler tausend Heiligen nachfolgen. Denn du willst nicht frechen und unbekehrten Menschen den Eingang erlauben. Du willst, daß ich, in dem Blute Jesu gereinigt, ein stilles, frommes und von der Welt abgesondertes Leben führen soll, wenn ich selig werden will. Aber ach, wie eng ist diese Pforte! wie entschuldigen sich so viele Menschen, die in solche enge Schranken sich nicht wollen einschließen lassen! Wie viele bleiben davor stehen! wie viele gehen zurück! Wie oft meint auch mein träges Fleisch, die Pforte sei allzu eng, wenn es sieht, wie andere eitel und sicher nach den Sitten und Gewohnheiten der Welt leben und doch rühmen und sägen: Wir wollen auch in den Himmel. Ach, Gott, laß doch diese Gedanken mein Herz nicht einnehmen, sondern gib, daß ich ringen und kämpfen möge gegen alle, die mich von dem Himmelsweg abführen wollen, daß ich absterbe allen Lüsten der Welt. Ich will ringen, nicht in meiner Kraft, sondern mit Gebet und Flehen, mit Fliehen und Meiden, mit Lieben und Dulden, in deiner Kraft, mein Jesu, in Buße und Glauben, daß ich des Glaubens Ende, der Seelen Seligkeit davontrage. Weil die Pforte ist so enge, Herr, so frische du mich an; Reiß mich von der trägen Menge, Die hinein will und nicht kann. Drück dein Wort mir kräftig ein, Daß es muß gerungen sein. Amen. 7. März. Abend. Ps. 119, 164. Ich lobe dich des Tags siebenmal um der Rechte willen deiner Gerechtigkeit. 134 Gott, der du wohnest unter dem Lobe Israels, siehe, ich stimme mit allen deinen Glaubigen ein Lobund Danklied an für alle Gnade und Barmherzigkeit, die ich heute von dir empfangen habe. Bei jedem Athemzug soll man deine Gnade preisen, bei jedem Glockenschlag dir danken, dein Lob soll nicht nur siebenmal, sondern siebenzig mal sieben mal in meinem Mundé sein, ja ohne Unterlaß soll ich beten und dich stets in meinem Herzen haben. Ich lobe dich, daß du mich zu einer vernünftigen Creatur erschaffen, von christlichen Eltern haft lassen geboren und erzogen werden. Ich lobe dich, daß du mich mit dem Blut Jesu vom Tod und Verderben erkauft und durch den heiligen Geist bisher gelehrt, geführt und getröstet hast. Ich lobe dich für die Rechte deiner Gerechtigkeit, daß du mir dein Wort gegeben hast, daraus ich lerne recht glauben, recht reden, recht thun, hingegen das Böse fliehen und meiden. Ich lobe dich, daß du mich bis diese Stunde erhalten, mir Nahrung und Kleidung gegeben, und mich aus vielen Gefahren, Kreuz und Leiden errettet, ja mir auch viel Gutes an Leib und Seele gethan haft. Ich lobe dich, daß du auch mich, wenn ich in Buße, Glauben und Liebe beharre bis an mein Ende, zum ewigen Leben aufnehmen willst. Wie kann ich alles erzählen! deiner Wohlthaten sind zu viel, du lobensund liebenswürdiger Gott! Laß mich einst in deiner Liebe sterben, singend und Lobend von der Welt abscheiden und sodann dein Lob im höhern Ton besingen. Ach, nimm das arme Lob auf Erden, Mein Gott, in allen Gnaden hin! Im Himmel soll es besser werden, Wann ich bei deinen Engeln bin; Da bring ich mit der sel'gen Schar Dir tausend Hallelujah dar! Amen. 8. März. Morgen. Pred. 12, 13. Fürchte Gott und halte seine Gebote, denn das gehöret allen Menschen zu. 135 Gott, vor dessen Augen alles offenbar und entdeckt ist, ich fange einen Tag an; verleihe mir Gnade, daß ich an demselben in deiner Furcht verbleiben möge. Wer sollte dich nicht fürchten, du König der Heiden? Ich will dich fürchten, nicht als ein Knecht, wegen der Strafe, die du dem Ungehorsamen drohest, fondern als ein Kind, das dich, seinen liebreichen und gütigen Vater, nicht beleidigen will. Gib mir dazu einen findlichen Geist, der beständig in meinen Herzen: Abba, lieber Vater! schreie, und Zeugniß gebe meinem Geist, daß ich dein Kind sei. Du vermahnest mich als ein Vater sein Kind, daß er in die Fremde schickt: Fürchte Gott! Laß diesen Befehl mir immer im Herzen bleiben. Laß deine Furcht einen Zaun um mich sein, wenn ich Gelegenheit und Lust zur Sünde habe. Laß sie meine Begleiterin sein auf allen meinen Wegen, daß ich immer auf deine Gebote merke und sie zur Nichtschnur meines Thuns und Lassens nehme. Deine Gebote sind nicht schwer, wenn Jesus im Herzen lebet und sein Geist mich willig und stark macht, das Böse zu meiden und das Gute zu thun. Ich bin ja dazu erschaffen, erlöset und geheiliget, daß ich dich ehren, fürchten und lieben soll. Darin liegt die Ruhe meines Gemüths und die Glückseligkeit meines Lebens. Habe ich in den vergangenen Tagen dich aus den Augen gesetzt, so will ich heute deine Gegenwart mir vor Augen stellen, daß ich mich scheue, dich zu beleidigen, ich sei wo und bei wem ich wolle. Laß mich keine Menschenfurcht von diesem Vorhaben abwendig machen. In deiner Furcht laß mich stets wandeln Und überall, wo ich auch sei, Nach deiner Vorschrift redlich handeln; Du hasseft alle Heuchelei! Wer dich von Herzen scheut und ehrt, Nur der ist dir, o Bater, werth. Amen. 8. März. Abend. Jer. 17, 7. Gesegnet ist der Mann, der sich auf den Herrn verläßt, und dessen Zuversicht der Herr ist. 136 Gott, der du bist von Ewigkeit zu Ewigkeit, du bist meine Zuversicht von Jugend auf gewesen, du sollst es auch diese Nacht sein. Meine Seele hält sich immer an dich, Gott, weil auf der Welt keine Ruhe für zu finden ist. Verleihe mir Kraft, mich beständig auf dich zu verlassen. O wie schauet sich in gefährlichen Umständen mein unglaubiges Herz so gerne nach menschlicher Hilfe um, und will sich nicht allein auf deine mächtige Hilfe verlassen. Darum laß mich hinfort fleißig gedenken, daß du der Herr bist, der allein helfen kann, und der mir gewisse Hilfe verheißen hat. Ein Reicher verläßt sich auf seinen Reichthum, ein Starter auf seine Stärke, ein König auf sein Kriegsheer, aber ich will meine Augen aufheben zu dir, von welchem mir Hilfe kommt. Laß mein Vertrauen auf deine Liebe und Allmacht nicht wanken, wenn die Hilfe verzieht, oder die Gefahr groß wird, sondern alsdann laß auch mein Vertrauen groß sein. Alte Freunde hält man hoch. Du bist mein ältester Freund, der mich von der Wiege an getragen, beschützt und erhalten hat. Du bist mein treuster Freund, der es immer gut mit mir meint; mein beständiger Freund, der in Noth und Tod, in Zeit und Ewigkeit nicht von mir weicht. Segne meinen Beruf und bewahre mich, daß ich mich deines Segens nicht verlustig mache. Segne mich, mein Gott! segne mich beim Sterben ein und laß meine Zuversicht in selige Erfüllung gehen Wer hofft in Gott und dem vertraut Wird nimmermehr zu Schanden; Denn wer auf diesen Felsen baut, Db ihm gleich stößt zu Handen Viel Unfalls hie, hab' ich doch nie Den Menschen sehen fallen, Der sich verläßt auf Gottes Trost, Er hilft den Glaub'gen allen. Amen. 9. März. Morgen. 2 Tim. 2, 19. Der feste Grund Gottes bestehet und hat dieſes Siegel: der Herr kennet die Seinen; und: es trete ab von der Ungerechtigkeit, wer den Namen Christi nennet. 137 Gott, welche Herrlichkeit ist das, dein Kind, dein Erbe und dein Eigenthum zu sein! Cib mir das Siegel deiner Kinder, den heiligen Geist. Dieses haben alle, die aus Wasser und Geist neu geboren sind. An dieser Gabe kennen sich nicht allein deine Kinder unter einander, sondern daran wirst du auch mich und alle Glaubigen im Leben und Sterben kennen. Dieses Siegel versichert mich meines Antheils an der Erlösung, die durch Christum geschehen ist, daß ich ein begnadigtes Kind bin und nach meinem Abschied aus der Welt zur Himmelsfreude soll aufgenommen werden. O ein fester unbeweglicher Grund, daß alle, die an Jesum glauben, nicht verloren, sondern ewig selig werden sollen. Dieser Grund bestehet, hat von Anfang der Welt bestanden und wird bis an den jüngsten Tag allen Glaubigen zum Trost bestehen. Damit ich nun dieses Pfand und Siegel nicht verliere, so trete ich von heute an ab von aller Ungerechtigkeit. Auch gegen meinen Nächsten will ich nicht ungerecht sein im Richten und Urtheilen, im Handel und Wandel, sondern ihm thun, was ich wollte, daß mir geschehe. Laß mich also Jesu nachfolgen, damit ich als sein Jünger erfunden werde und mich nach seinem Namen nennen könne. Herr, Herr! sagen ist nicht genug, um die Seligkeit zu er langen. Darum laß deinen heiligen Geist mich reinigen und erhalten, daß ich gesinnet sei wie er und seinem Bilde immer ähnlicher werde. Kenne mich auch im Leiden und errette mich; kenne mich im Sterben, und nimm mich zu deiner Himmelsfreude auf; kenne mich auch am jüngsten Tage und schenke mir die Krone der Herrlichkeit. Lege mir das Siegel bei, Daß auch ich dein eigen ſei; Und dein Geist verfiegle mir Auch mein Kindesrecht an dir. Amen. 138 9. März. Abend. Offb. 14, 13. Selig sind die Todten, die in dem Herrn sterben von nun an. Ja, der Geist spricht, daß sie ruhen von ihrer Arbeit, denn ihre Werke folgen ihnen nach. Mein Gott, da ich mich zur Ruhe begeben will, nachdem ich meine Geschäfte und Arbeiten niedergelegt, so denke ich an die Ruhe, die ich dem Leibe und der Seele nach in der Himmelsfreude bei dir haben werde. Dieweil ich lebe, muß ich fürchten, meine Ruhe möge durch Krankheit oder durch ein Unglück an mir oder den Meinigen gestört werden, aber in jener Ruhe habe ich solches nicht zu befürchten. Denn Leib und Seele find in deiner Hand und keine Qual rühret sie an. Da werde ich innerlich von aller Arbeit, Verdruß, Jammer und Trübsal frei sein. Selig sein, ist der Hoffnung Ziel hier und dort; hier bin ich in Jesu selig, denn in ihm habe ich Friede mit Gott, Vergebung der Sünden, seine Gerechtigkeit und den Zugang zum Vater; selig bin ich in ihm dort in der Ewigkeit. Wenn ich meine Augen im Tode schließe, so wird meines Geistes Auge alsbald deine Herrlichkeit schauen. Darum laß mich sterben als einen Todten, als ein Kind, welches durch Jesu Blut von allen seinen Sünden ist gewaschen, welches der Sünde und Welt in gesunden Tagen abgestorben ist, in welchem Jesus gelebt, der heilige Geist gewohnt, welches zwar in der Welt, aber nicht von der Welt gewesen. Welch' seliger Zustand ist das, der Sünde abgestorben sein! Welch' süßes Sterben bringt das! So sterbe ich in dem Herrn, mit ihm scheide ich von der Welt, von ihm reißt mich niemand, auch der Tod nicht. Meine Werke verdammen mich nicht, weil ich Buße gethan, und was ich dir zu Ehren aus Gehorsam vollbracht, siehest du in Gnaden an. Dein nur, Jesu, bin ich hie, Du erlöstest meine Seele, Halt fie endlich, bis ich fie Auch im Sterben dir befehle; Also schlaf ich einst als dein Selig ein. Amen. 10. März. Morgen. Joh. 8, 12. Wer mir nachfolget, der wird nicht wandeln in der Finsterniß, sondern wird das Licht des Lebens haben. 139 Herr Jesu, du Sonne der Gerechtigkeit, da ich nun den Tag erlebt und im Licht der Sonne wandeln tann, so bewahre du meine Seele vor Finsterniß. Wie finster ist es in dem Herzen eines unbekehrten Menschen! Da ist nichts als Unwissenheit, Bosheit, Stolz und Widerspenstigkeit gegen dich und den Nächsten. Vor solcher Finsterniß bewahre meine Seele und wenn ja dessen noch viel oder wenig darin sein möchte, so treibe es durch deinen Geist aus. Wer im Finſtern wandelt, der stößt sich, er muß sein Gewissen verlegen, seinen Nächsten ärgern, dich betrüben und sich selbst zeitlich und ewig unglücklich machen. Davor bewahre mich, Herr Jesu! Macht mir Fleisch und Blut deine Nachfolge schwer, so mache du mir sie immer süßer, daß ich dir nachfolge in Demuth, Sanftmuth und Liebe. Du hast mich von der Herrschaft der Finsterniß errettet, du bist auch das wahrhaftige Licht, welches alle Menschen anleuchtet und allen die Gnade darbietet, aber auch alle erleuchtet, welche dich im Glauben annehmen. Laß mich auch das Licht des Lebens haben. Erleuchte meinen Verstand, daß ich dich erkenne als meinen Erlöser und Seligmacher; sei du das Licht meines Lebens, daß ich im Glauben immer vollkommener werde, ein frommes und dir geheiligtes Leben führe, daß ich nun nicht mehr lebe nach meinem Willen und Trieb, sondern daß du in mir lebest und regierest; lebest du hier in mir, so lebe ich hier und dort in dir, so ist mein Leben kein Tod mehr, und ich gelange nach diesem Leben zum Lichte des ewigen Freudenlebens. D Jesu mein, Gib Licht und Schein In unsern dunkeln Zeiten; Führ uns aus der dunkeln Welt In die Ewigkeiten. Amen. 10. März. Abend. Pf. 90, 12. Lehre uns bedenken, daß wir sterben müssen, auf daß wir flug werden. 140 Gerechter Gott, wer sollte dich nicht fürchten? wer sollte dich nicht ehren? Aber wie leicht vergißt es des Menschen Herz! Ich klage mich dessen selbft an und bitte demüthig um Vergebung meiner Sünden. Wie der Tag vergangen und der Sonne Licht verschwunden ist, so wird auch mein Lebenslicht erlöschen. Alsdann muß ich verlassen meine Wohnung, meine Freunde und alles Sichtbare. Nackt und arm wird man mich hinaus tragen, nichts von all' meiner Habe werde ich mitnehmen. Gott, solches lehre mich bedenken in gesunden Tagen, daß ich mir nicht einbilde, sie würden ewig werden; wenn ich fröhlich bin, daß ich des künftigen Gerichts nicht vergesse. Ueberzeuge mein Herz, daß meines Lebens Ende gewiß zu der von dir bestimmten Zeit eintreffen werde, ich mag daran gedenken oder nicht. Lehre mich durch das Erempel anderer Menschen, auch durch die Hinfälligkeit der Blumen, daß die Reihe auch an mich kommen werde. Lehre mich durch deinen Geist, daß ich die Sorge für meine Seele nicht aufschiebe, sondern in Zeiten klug werde, und auf meine künftige Wohnung bedacht sei, daß ich in Zeiten Buße thue und von meinen Unarten ablasse, damit du mich nicht unbereitet antreffen mögest; daß ich im Glauben meine Seele alle Tage in deine Hände befehle und ein neues Leben nach dem Vorbild Jesu anfange. Herr, wirke du selbst diese Klugheit in mir; auch jetzt, da ich mich schlafen lege, lehre mich, daß ich einst sterben muß. Ach, Herr, lehre mich bedenken, Daß ich einmal sterben muß; Lehre mich die Sinne lenken Auf des Lebens ernsten Schluß; Stell ihn meinen Augen für Und erwecke die Begier, Mich nach deinem Wort in Zeiten Auf den Abschied zu bereiten. Amen. 11. März. Morgen. Phil. 2, 12. Schaffet, daß ihr selig werdet mit Furcht und Zittern. Gnadenreicher Gott, der du willst, daß alle Menschen selig werden: verleihe mir Gnade, daß ich das Seligwerden meine größte Sorge sein lasse. Freilich wollen auch die frechsten Sünder selig werden; aber sie bemühen sich nicht darum. Değwegen gib mir deinen heiligen Geist, daß ich in der rechten Ordnung meine Seligkeit schaffen möge. Von Natur bin ich blind und bloß, todt und erstorben in Sünden; deßwegen mußt du das Gute anfangen und vollenden. Wer schaffen und arbeiten will, muß Licht und Kräfte dazu haben; die verleihe mir von oben herab. Ich will selig werden in der Zeit durch lebendigen Glauben an Jesum, ich will selig sein nach dieser Zeit im Anschauen seiner Herra lichkeit. Seligwerden ist das Kleinod, darnach ich in den Schranken des Glaubens laufe. Seligwerden ist die Krone, darum ich kämpfen will bis an's Ende. Um zu dieser Seligkeit zu gelangen, ist Umkehr vonnöthen und Uebergabe an dich. Darum beklage ich meine Sünden und bitte dir sie demüthig ab; ich seze meine Zuversicht auf Jesum, führe mein Leben nach deinem Wort. Damit ich die von Jesu erworbene Seligkeit nicht verliere, so will ich sie zu erhalten suchen mit heiliger Furcht vor dir, daß ich dich, meinen liebreichen Gott und Vater, nicht erzürne noch beleidige. Ich will sie zu erhalten trachten mit Zittern vor der Sünde. Ich zittere vor einer Schlange, vor einem Mörder: wie viel mehr vor der Sünde, die mich in den ewigen Tod stürzt! Welch' eine Sorg' und Furcht Soll nicht bei Christen wachen Und sie behutsam, klug Und wohlbedächtig machen! Mit Furcht und Zittern!" heißt's, M Schafft eurer Seelen Heil!" # 1 Wenn kaum der Fromme bleibt, Wie geht's dem sünd'gen Theil? Amen. - 14f 11. März. Abend. Jef. 26, 9. Von Herzen begehre ich dein des Nachts, dazu mit meinem Geist in mir mache ich früh zu dir. 142 Herr, mein Gott, meine Freude, meine Wonne, meine Hoffnung und mein Trost, ich habe unter deinem Beistande den Tag zurückgelegt und mich an deiner Liebe, deiner Gnade und deinen Wohlthaten ergeßt; auch des Nachts kommst du nicht aus meinem Herz zen und meinem Sinn. Jch begehre dein, da mich Finsterniß umgibt: sei du mein Licht, wende du alles Ungemach und allen Schaden von mir; bedecke mich mit deinen Flügeln und verleihe mir eine sanfte Ruhe. Kommen betrübte Nächte, da mein Herz äußerlich oder innerlich geängstet wird, wo soll ich anders hin, als zu dir? Muß ich an meinem Leibe Schmerzen ausstehen, so sei du meine Hilfe, mein Arzt, mein Erretter. Kinder haben an ihren Eltern Trost und begehren ihrer in der Trübsal, aber mein Auge und Herz wendet sich zu dir. Schenke mir die Weisheit von oben, daß ich nicht am Irdischen kleben bleibe und wie die Kinder dieser Welt nur vergängliche Dinge begehre. Was hilft es dem Menschen, wenn er die Welt gewänne und nähme Schaden an seiner Seele? Meine Seele dürftet nach dir, wie ein Hirsch nach frischem Wasser schreiet. In deinem Andenken schlafe ich ein, und wenn ich erwache, so bin ich noch bei dir. Das ist ein süßer Schlaf, wenn mein Geist mit dir vereinigt ist. Gott, deine Güte hat mich so beherzt gemacht, daß ich bei Tag und Nacht zu dir eile, weil du mir von Jugend auf so unzähliges Gute erwiesen. Schenke mir ein dankbares Herz, daß mich deine Güte zur Buße leite und wenn ich auch im Sterben dein begehre, so erquicke mich. Am Abend heiß mich mit dir reden, Am Morgen auch noch sein bei dir; Und sterb' ich, laß in letzten Nöthen Noch seufzen deinen Geist in mir; Weckst du mich einst, so bet' ich dann Dich ewig auch im Himmel an. Amen. 12. März. Morgen. Röm. 12, 1. Jch ermahne euch, lieben Brüder, durch die Barmherzigkeit Gottes, daß ihr eure Leiber begebet zum Opfer, das da lebendig, heilig und Gott wohlgefällig ist. Liebreicher Gott, du hast mich das Morgenlicht wieder erblicken lassen. Wie soll ich dir danken und dich loben? Siehe, ich will mich dir zum Opfer geben mit allem, was ich bin und habe. Ich opfere dir mein Herz, meinen Verstand, meinen Willen. Ich opfere dir meinen Leib sammt allen seinen Gliedern, daß ich sie zu deiner Ehre und in deinem Dienste brauche; meine Augen, daß ich sie fleißig gen Himmel zum Throne deiner Herrlichkeit richte, aber von allen unreinen Dingen abwende; meine Ohren, daß ich deine Stimme in deinem Worte fleißig vernehme, aber fündlichen Reden kein Gehör gebe. Ich opfere dir meinen Mund, daß ich damit dich lobe und preise, niemals aber ihn zu schandbaren und unnüßen Worten mißbrauche; meine Hände, daß ich sie zu dir im Gebet aufhebe, niemals aber damit Böses thue; meine Füße, daß sie auf deinen Wegen gehen, aber alle verbotenen Wege fliehen. Siehe, ich bringe dir mein Opfer, da ich noch lebendig bin. Ich will in gefunden Tagen mich dir ergeben und mit meiner Buße nicht warten bis an meines Lebens Ende. Dir gefallen nicht die Opfer, die von Sündern gebracht werden, aber das Opfer meines Leibs laß dir in der Reinigung des heiligen Geistes immer angenehmer werden. Mit dieſem heiligen Vorsatz fange ich den Tag an, laß denselben beständig in meinem Herzen bleiben, so bin und bleibe ich dein eigen im Leben und Sterben. Nimm hin mein Herz, Gott, nimm es an! Ich bring es dir zur Gabe; Ich bring es dir, so gut ich's kann, So schwach und arm ich's habe; 143 Ich weiß doch, du verschmähst es nicht, So viel dem Opfer auch gebricht, Das ich dir willig weihe. Amen. 12. März. Abend. Pf. 10, 17. Das Verlangen der Elenden höreft du, Herr, und ihr Herz ist gewiß, daß dein Ohr darauf merket. Großer Gott, mächtiger Erbarmer, siehe, ich nahe mich zu deinem Gnadenthron in dieser Abendstunde. Mein Verlangen ist dir kund, ehe ich noch Herz und Hände zu dir aufhebe. Welch' ein Trost ist das für deine Kinder, daß du auch ihr stilles und verborgenes Verlangen hörest, wie du Mosis Schreien vernahmst, ob er schon keine Lippe regte. Ja, treuer Gott, du hörest nicht allein, was unser Mund spricht, sondern auch wornach unser Herz sich sehnet; sonderlich aber siehest du der elenden, gepreßten und geängsteten Seelen Anliegen von ferne. Oft getraue ich meine Noth niemanden zu offenbaren, noch mein Verlangen zu entdecken, aber du hörest und erhörest es willig und bist zur Hilfe bereit. So vernimm denn auch diesen Abend mein innerliches Verlangen und meines Flehens Stimme. Gib mir deinen heiligen Geist, der mich regiere und führe, mein Herz reinige von allen Untugenden und es dir zu einer heiligen Wohnung mache. Wenn ich betrübt bin, so erfreue mich, wenn ich verlassen bin, so nimm dich meiner herzlich an und wenn ich nicht mehr beten kann, so nimm meine Seufzer an. D eine selige Gewißheit, da du oft schon unter dem Beten den Trost der Seele schenkst: dir geschehe, wie du willst. Du hast andern dergleichen Gnade erwiesen: neige dein Ohr auch meinem stillen Verlangen und erhöre mein Gebet. Neige auch dein Ohr zu mir, wenn ich im Sterben mein stilles Verlangen, dein Antlig zu sehen, vor dich bringe. O du großer Gott, erhöre, Was dein Kind gebeten hat! Jesu, den ich stets begehre, Bleibe ja mein Schuß und Rath; Und mein Hort, du werther Geist, Der du Freund und Tröster heißst, Höre doch mein sehnlich Flehen! Amen, ja, es soll geschehen! 144 13. März Morgen. 1 Joh. 5, 4. Alles, was von Gott geboren ist, überwindet die Welt und unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat. Heiliger Gott, laß deine Furcht heute in meinem Herzen sein, daß ich mich weder mit Gedanken noch Werken verunreinige. Es ist leider die Welt in mir, Eigensinn, Neid, Zorn, Trägheit zum Guten, Eigennuß, Eigensucht. Erwecke in mir einen Schrecken über solche unlautere Bewegungen, und laß mich sie in deines Geistes Stärke überwinden. Es ist auch Welt außer mir, böse Erempel, eitle Gesellschaften, sündliche Gewohnheiten; die Locken, reizen und binden mich gerne, daß ich mitmachen, mitgehen, mitreden, mitsündigen soll. Der Sünden Anfall von innen und außen zu überwinden, ist nicht ein Werk der Natur und ihres Willens, dazu gehört göttliche Stärke. Gib mir Kraft, daß nicht Menschenfurcht, Menschengunst mich bethöre, daß nicht das Böse mich gelüste. Diese neue Geburt hat zum gewissen Kennzeichen die Reinigung des Herzens, daß ich an keiner Sünde mehr ein Gefallen habe, sondern mein Herz als einen verschlossenen, Jesu ge= heiligten Garten halte. Wiedergeburt bringt der Seele den höchsten Adel, indem sich Gott mit ihr vereinigt, ihr alle Sünden vergibt, die Kindschaft und das ewige Leben schenkt. Diese Kraft hat die neue Geburt durch den Glauben, welcher Jesum ergreift und sich mit ihm vereinigt. So laß denn mich heute alles überwinden, was dir zuwider ist, und in allen Fällen und bei allen Gelegenheiten beweisen, daß Jesus Christus in mir wohne. Herzog uns'rer Seligkeit, Dir vertrauen wir; Waffne deine Christenheit, Mach' fie stark in dir, So lang sie kriegt. Da ist schon der Sieg gewiß, Wo du bist, erfährt man dies; Der Glaube siegt. Amen. Start's Morgens und Abend- Andachten. 145 10 13. März. Abend. Spr. 18, 10. Der Name des Herrn ist ein festes Schloß; der Gerechte lauft dahin und wird beschirmet. 146 Allmächtiger Gott, bei dir suche ich Schutz und Hilfe, weil ich nirgends sicher bin, als bei dir. Ich bin dazu gewöhnt; wenn ich betrübt bin, so denke ich an dich, wenn ich Hilfe bedarf, komme ich zu dir und bin jederzeit in dir und durch dich erfreut worden. Die Gemsen suchen hohe Berge; Menschen, die sich vor Ueberfall schützen, begeben sich in hohe Schlösser. Du bist mein festes Schloß, wer deinen Namen nennt und bekennt, der fürchtet sich nicht. In der Welt liegt kein Schloß so hoch, keine Festung so wohl verwahrt, kein Haus so fest verriegelt, der Feind findet Gelegen heit, es zu erobern, mit List oder Gewalt; aber du bist ein unüberwindlicher Gott und eine sichere Zuflucht. Wenn ich deine herrlichen Namen betrachte, so bin ich fröhlich, so fürchte ich mich nicht; denn vor wem sollte ich mich fürchten, da ich einen allmächtigen, liebreichen und weisen Gott zum Beistand habe? Du hast uns deinen Sohn zu einem Heiland gegeben; vor seinem Namen müssen alle meine sichtbaren und unsichtbaren Feinde erschrecken. Er ist mein Erretter, mein Held, der Ueberwinder des Satans, der König aller Könige, der Herr aller Herren. In ihm habe ich Gnade und Friede, Gerechtigkeit und Stärke. In ihm bin ich vor der Verdammniß sicher; ich bin ein Erbe des ewigen Lebens. Dein Name soll auch mein festes Schloß sein im Sterben; dahin will ich eilen, darin finde ich Friede und der Seele Seligkeit. In deinem Namen schlafe Ich ohne Sorg und fummerlos; Wend' ab verdiente Strafe, Sei, Herr, um mich ein festes Schloß. In deinem Namen traue Ich deinem Schutz zur Nacht; Daß mir vor gar nichts graue, Schafft deine starke Macht. Amen. 14. März. Morgen. Ps. 37, 4. Habe deine Lust an dem Herrn, der wird dir geben, was dein Herz wünschet. Gütiger Gott, gib, daß ich meine Lust an dir allein habe. Wenn ich sehe, wie andere ihre Luft in vergänglichen Dingen suchen, so schrecke mich davon ab. Bewahre mich, daß nichts meinen unsterblichen Geist mit goldenen Banden fessle, oder mit Eitelkeitslasten belade, darin er verderben und in die Hölle fahren müßte. Ich vergesse alle Weltfreude, wenn ich nur dich haben kann. Ich habe Lust an deinem Wort; das ist mein Licht. Ich habe Lust an dem Blute Jesu, das vergossen ist zu meiner Versöhnung und Reinigung. Ich habe Lust an seinem Beispiel, daß ich ihm ähnlich werden möge. Gnädiger Gott, laß die angeborene Sündenluft in mir ersterben, hingegen die Lust an dir wachsen. Du kennest die Wünsche meines Herzens. Ich wünsche mir ein gehorsames und frommes Herz, daß ich niemals etwas denke, rede oder thue, was dich betrüben könnte; ich wünsche, daß dein heiliger Geist mein Herz erfülle, in demselben wohne und mein ganzes Leben heilige. Ich wünsche mir ein tägliches Wachs= thum im Glauben, in deiner Erkenntniß, in deiner Liebe, eine größere Stärke, wider die Sünde zu streiten und eine unzertrennliche Vereinigung mit dir. Dieses wirst du mir geben nach deiner Weisheit und Gnade. Von irdischen Dingen theile mir so viel mit, als mir nüglich und selig ist. Gib mir Kraft, diesen Vorsatz als dein Kind zu vollenden. Allgenugsam Wesen, Das ich hab' erlesen Mir zum höchsten Gut! Du vergnügst alleine Völlig, innig, reine, Seele, Geist und Muth. Wer dich hat, Ist still und satt, Wer dir kann im Geist anhangen Darf nichts mehr verlangen. Amen. 147 10* 14. März. Abend. 1 Joh. 1, 7. Das Blut Jesu Christi, des Sohnes Gottes, macht uns rein von allen Sünden. 148 Herr Jesu, ich bitte dich um Vergebung aller meiner Sünden. Dein Blut ist das Versöhnungsblut, dadurch ich von allen Sünden gereinigt werde. Laß dein Blut, deine Schmerzen, deine Bande und Leiden, dein Kreuz und deinen Tod immer in meinen Gedanken sein. Damit stehe ich auf, damit lege ich mich schlafen. Nichts Unreines wird in das neue Jerusalem eingehen, darum laß mich in Zeiten an meine Reinigung denken. Ich demüthige mich in herzlicher Neue über meine Sünden; aber die kann mich nicht reinigen, dein Blut muß es allein thun. Es ist Jesu Blut, des unschuldigen Lammes, meines Hoheprieſters Blut, der mich mit Gott versöhnt. Es ist nicht eines bloßen Menschen Blut, sondern Jesu Christi, des Sohnes Gottes Blut, der Gott und Mensch in einer unzertrennten Person ist. Darum macht es mich rein von allen Sünden. So mache denn mich rein innerlich, daß alle Sündenlust in meinem Herzen getilget werde. Mache mich auch rein äußerlich, daß mein Mund keine schandbaren Worte rede, daß ich sündliche Gesellschaften fliehe und du mir immer vor Augen stehest, wenn ich zur Sünde gereizt werde; daß ich alle, nicht allein die groben, sondern auch die geringsten, von der Welt er laubten Sünden hasse und lasse. Nun, ich ergreife dein Blut im Glauben, reinige mich durch dasselbe und laß mich auch im Sterben durch dein Blut gerecht er funden werden. Geheimnißreiches Jesusblut! Wer kann die Kraft, wonach du wirkst, ergründen? Dies Blut löscht selbst der Hölle Glut, Und macht uns rein von allen Sünden, Wen dieses wascht, der muß vor Gott ja rein Von Sünden sein. Amen. 15. März. Morgen. Hohel. 2, 16. Mein Freund ist mein, und ich bin sein. Herr Jesu, da ich nun wieder einen Tag erlebt habe, an welchem ich unter die Menschen kommen werde, so gedenke ich, daß sich viele für Freunde ausgegeben, die es nicht find; viele stellen sich freundlich und haben doch Böses im Herzen. Aber, was ich in der Welt nicht finde, das habe ich an dir. Du bist mein Blutsfreund, der sich in die menschliche Natur verkleidet hat, um uns aus dem ewigen Verderben zu erretten und selig zu machen. Du bist mein wahrer und beständiger Freund. Falsche Freunde freuen sich über meine Trübsal, du aber stehest mir darin bei und errettest mich. Falsche Freunde weichen in der Noth, du aber nimmst dich meiner herzlich an. Du bist mein durch den Glauben; du konntest sagen: Alles, was der Vater hat, ist mein; ich sage: Alles, was Jesus hat, ist mein, seine Gerechtigkeit, sein Himmel und seine Seligkeit ist mein. In dir habe ich Stärke und Reichthum. Du bist mein in der Liebe, ich will keinen Ändern lieben, keinem anhangen, dienen, gehorchen und mich übergeben, als dir. Bewahre mich, daß ich die Verbindung mit dir nicht durch Sünden- und Weltliebe trenne. Ich bin dein, weil du mich mit deinem Blut erkauft und zu dir gezogen hast. Bleibe du mein, so bleibe ich dein jetzt, zu allen Zeiten und in allen Fällen. Welt, ich will mit dir nichts zu schaffen haben, deine Wege nicht gehen. Jesus ist mein, ich bin sein im Leben, Leiden und Sterben, er läßt nicht von mir und ich nicht von ihm. Herr Jesu, zeuch mich ganz zu dir, Und wohn' und wirk' allein in mir, Ich will nichts Fremdes leiden: So trifft mein Wahlspruch ewig ein: Mein Freund ist mein und ich bin sein," " 1 Es soll kein Tod uns scheiden. Amen. 149 15. März. Abend. Klagl. 3, 40. Lasset uns forschen und suchen unser Wesen, und uns zum Herrn bekehren. 150 Herr, Herr, barmherzig, gnädig, geduldig und von großer Güte, ich komme vor dein Angesicht mit Loben und Danken für deine Wohlthaten, und mit demüthiger Bitte um Vergebung aller meiner Uebertretungen. Ach Gott, wenn ich mein Wesen erforsche, und tief in meinem Herzen grabe, wie die, die in Bergwerken arbeiten, welche alle Ecken und Adern durchsuchen, so muß ich gestehen, daß ich mit den Gelüsten meines Herzens, mit bösen Gedanken und unreinen Bewegungen dich oft betrübt habe. Ueberzeuge mein Herz, daß es mir nichts helfen würde, weder im Tod, noch im Gericht, wenn ich dieses Forschen unterlassen wollte. Dir, allwissender Gott, ist ja nichts unbewußt, darum laß mein Forschen mich zur Buße bewegen; denn unters suche ich das, was öffentlich geschehen ist, so muß ich bekennen, daß ich vieles geredet und gethan habe, was ich nicht hätte thun sollen. Siehe, mein Gott, in solchem elenden Zustande komme ich vor dich; aber ich will nicht darin bleiben. Ändere selbst meinen Sinn, daß mein ganzes Leben nach deinem Willen eingerichtet sei. Wirke in meiner Seele einen Haß und Abscheu vor allen Sünden. Ich sondere mich ab von allen Sündern, ich fliehe alle Orte, wo ich gesündigt habe, damit auch andere durch meine Umkehr gestraft und gebessert werden. Gott, gib mir Geist und Kraft zu meinem Vorhaben und erhalte mich in solchem Stande bis an mein Ende. Aus tiefer Noth schrei ich zu dir, Herr Gott, erhör mein Rufen! Dein gnädig Ohr neig, Herr, zu mir Und meiner Bitt es öffne! Denn so du das willst sehen an, Was Sünd' und Unrecht ist gethan, Wer kann, Herr, vor dir bleiben? Amen. 16. März. Morgen. Pf. 121, 7. 8. Der Herr behüte dich vor allem Uebel, er behüte deine Seele. Der Herr behüte deinen Ausgang und Eingang von nun an bis in Ewigkeit. Gütiger Gott und Vater, du läsfest alle Morgen die Sonne aufgehen, laß auch mich heute deines Schutzes froh werden. Wie viel Gefahr kann uns in einem Tage widerfahren, wenn du uns nicht behütest! Wie vielerlei Uebel schwebt über uns, welches uns am Leib und an der Seele, an Gut und Ehre Schaden und Leid verursachen kann! Bewahre mich auch vor argen Gedanken, Heimlichem Neid, Haß, Feindschaft, Wohlgefallen an anderer Leute Sünden, damit ich nicht eine schwere Last auf meine Seele lege, welche mich auf den Abend betrüben, und auf dem Todtenbette noch drücken könnte. Verleihe mir durch deines Geistes Licht christliche Wachsamkeit, daß ich auf alles, was in meinem Herzen vorgeht, genau Acht habe und wider das Böse, welches sich darin regt, mit Gebet streite. Behüte auch meinen Leib vor Schaden und Unglück; erhalte mir meine gesunden Glieder und laß meinen Ausgang und Eingang gesegnet sein. Gehe mit mir und begleite mich auf meinen Berufswegen; laß mich im Ausgehen an deine Allgegenwart denken, damit mein Wandel dir wohlgefällig sei. Wende alles Verderben in Gnaden von mir ab; bewahre mich, wenn Gefahr da ist, daß auf den Abend, wenn ich zurücktebre, meine Seele unbefleckt erfunden werde, daß ich dir für diese Wohlthat danken könne. Du bist mein Herr, dir kommt es zu, mich zu behüten; darum befehle ich meinen Leib und meine Seele, mein Vater, in deine Liebe, Herr Jesu, in deine Gnade, heiliger Geist, in deine Führung. Unsern Ausgang segne Gott, Unsern Eingang gleichermaßen, Segne unser täglich Brod, 151 Segne unser Thun und Lassen, Segne uns mit sel'gem Sterben Und mach' uns zu Himmelserben! Amen. 16. März. Abend. Joh. 19, 30. Jesus sprach: ,, Es ist vollbracht!" und neigte das Haupt, und verschied. 152 Herr Jesu, wie lieblich sind mir die Stunden, wenn ich an dein Leiden und Sterben gedenken kann! Ich gehe mit dir in herzlicher Andacht in den Garten Gethsemane, in's Nichthaus vor Kaiphas und Pilatus und auf Golgatha. Da beschaue ich dich am Kreuze, wie du, unschuldiges Lamm! für mich stirbst. Da erkenne ich die Größe deiner Liebe, aber auch die Größe meiner Sünde. Sollte ich Ungerechter ewig leben, so mußte der Gerechte für mich sterben; sollte ich nicht verloren werden, so mußtest du mich versöhnen durch dein Blut. Laß mich nun einen Abscheu vor der Sünde haben, weil sie das Mordſschwert gewesen, welches dich erwürgt hat. Habe Dank, Herr Jesu, für dein bitteres Leiden und Sterben, das du so willig für mich übernommen und vollbracht hast. Ja wohl, du hast alles vollbracht. Nun sind die Vorbilder der erwürgten Lämmer erfüllt, die Sünde getilgt, die Handschrift, die wider uns war, durchstrichen, dem Uebertreten gewehrt und die Gerechtigkeit wieder gebracht. Nun habe ich einen neuen Zutritt zum Vater erlangt; nun darf ich hinzutreten zum Gnadenstuhl, und Barmherzigkeit empfangen. Ich sehe dich als einen Sterbenden das Haupt neigen, das sich nach der schweren Arbeit zur Ruhe legen will. Du verscheidest und stirbst, weil durch deinen Tod mein Tod mußte aufgehoben werden. Nun will ich nicht ewig sterben, sterben wird nur ein süßer Schlaf sein; denn du wirst meine Seele in deine Hände nehmen und mit dir im Paradies der Himmelsfreude genießen lassen, meinen Leib aber auferwecken und deinem verklärten Leibe ähnlich machen Nun ist es alles wohl gemacht, Da Jesus ruft: Es ist vollbracht! Er neigt das Haupt, o Mensch, und stirbt, Der dir erwirbt Das Leben, welches nie verdirbt. Amen. 17. März. Norgen. Hebr. 10, 16. Jch will mein Geseß in ihr Herz geben, und in ihre Sinne will ich es schreiben. 153 Gott, dessen Gnade kein Ende nimmt, laß mich heute als dein Kind wandeln. Laß mir dein Gesetz allezeit vor Augen und im Herzen sein, daß ich nach demselben meinen Gang richte. Ich kann nicht sagen, daß mir dein Wille verborgen sei; denn du hast in mein Herz dein Gesetz geschrieben, indem die Gedanken sich unter einander verklagen, wenn ich etwas denke oder thue, das wider dein Gebot ist; hast mir aber auch dein Ge bot geschrieben vor Augen gelegt, daß ich es lesen kann; du lässest es mir auch durch andere erklären und einschärfen. Du willst nicht, daß ich ohne Gesetz nach dem Gelüsten meines Herzens und nach der Neigung der Welt leben soll, sondern wie ein König seinen Unterthanen Verhaltungsbefehle gibt: so hast du, mein Herr und mein Gott, mir deine Gebote vorgelegt. Nimm auch die innerlichen Bestrafungen nicht von mir, wenn ich etwas vornehmen, thun und reden will, was dir zuwider ist, daß ich nicht allein einen ehrbaren bürgerlichen Wandel führe, sondern auch im Herzen dich ehre, dir anhange, diene. Gib nicht zu, daß der Satan und die Welt mir dein Gesetz durch verkehrte Erklärung aus dem Sinn reiße, um desto freier und sicherer zu leben. Schreibe aber auch in meinen Sinn des Glaubens Gesetz, daß ich durch Jesum selig sein soll. Auch zu mir hast du von deinem lieben Sohn gesagt: „ den sollt ihr hören." Nun, ich höre ihn innerlich und äußerlich; drücke du selbst dieses durch deinen Geist immer tiefer in mein Herz, daß ich es nicht vergesse, sondern alle Zeit als dein Kind mich verhalte. Mein König, schreib mir dein Gesetz In's Herz, daß es den Geist ergeß'; Dein königlicher Trieb Zünd' mir das sanfte Feuer an, Und führ' mich auf der Lebensbahn Durch engelgleiche Lieb! Amen. 17. März. Abend. 2 Kor. 5, 1. Wir wissen, so unser irdisches Haus dieser Hütte zerbrochen wird, daß wir einen Bau haben, von Gott erbaut, ein Haus, nicht mit Händen gemacht, das ewig ist im Himmel. 154 Ewiger Gott, bei dem kein Wechsel des Lichts und der Finsterniß ist: wie die Sonne untergeht, wird auch meines Lebens Sonne einmal untergehen, wenn die Hütte meines Leibes wird zerbrochen werden. Ja wohl ist mein Leib eine zerbrechliche Hütte; kein Haus, keine Hirtenhütte kann so bald abgebrochen werden, als mein Leib durch allerlei Zufälle vernichtet werden kann. Laß mich daran gedenken in gesunden Tagen, wenn die Wangen noch roth sind, damit ich nicht über meine starte und ansehnliche Hütte stolz werde und dein vergesse. So zerbrechlich aber mein Leib ist, so ist er auch eine herrliche Hütte, weil du, großer Gott, darin wohnen willst. Ich will in ihnen wohnen, sprichst du, und in ihnen wandeln. So ziere denn dieses mein Herz aus mit allen christlichen Tugenden, damit jedermann erkenne, daß Leib und Seele eine Wohnung des großen Königs sei. Ich fürchte mich vor dem Sterben nicht, und daß dieser Leib wird zerbrochen werden, denn du wirst ihn nicht allein wieder aufbauen, sondern auch verklären, daß er leuchten wird wie die Sonne. Alsdann wird alle Schwachheit von ihm abgethan sein und du wirst ihn in ein Haus führen, das nicht mit Händen gemacht ist, das ewig ist im Himmel. Da wirst du abwischen alle Thränen von den Augen der Deinen. Was Menschenhände bauen, das können Menschenhände zerbrechen, aber was du bauest, das bleibt ewig. Laß das Angedenken dieses herrlichen Hauses in mir alle Weltfreude auslöschen, daß mir, wenn ich sterbe, der Eingang zum Himmel offen stehen möge. Wir wissen, daß wir haben, Ein Haus, gar reich an Gaben Im Himmel prächtig steh'n, Gebaut durch Gottes Stärke Nicht durch der Hände Werke, Das nimmer wird vergeh'n. Amen. 18. März. Morgen. Eph. 4, 24. Ziehet den neuen Menschen an, der nach Gott geschaffen ist in rechtschaffener Gerechtigkeit und Heiligkeit. 155 Mein Gott, da ich nun meinen Leib ankleide, so gedenke ich an die Kleider des Heils, ohne welche ich vor deinen Augen nicht bestehen kann. Dieses ist die Gerechtigkeit Jesu, welche er mir durch sein Leiden und Sterben erworben hat. Der heilige Geist ist das Pfand der Erlösung; dadurch bin ich ein neuer Mensch geworden. Soll ich nach dem Ausgang aus der Zeit in die frohe Ewigkeit eingehen, so muß ich ein neuer Mensch werden, neu im Willen, neu im Leben und im Reden, neu im Wandel. In Jesu habe ich die Gerechtigkeit, die vor dir gilt, daß ich im Gericht nicht mehr erfunden werde als ein Sünder, sondern als ein Gerechter, nicht mehr als ein Verdammter, sondern als ein Begnadigter. Durch diese Gnade und Kraft deines Geistes kann ich in rechtschaffener, dir gefälliger Heiligkeit wandeln, daß ich alle vorigen Sünden fliehe und mein ganzes Leben dir heilige. Dazu bin ich erschaffen, in solchem seligen Zustande kam ich aus deinen reinen Vaterhänden, und als diese Herrlichkeit durch den Sündenfall verloren war, hast du durch deine Gnade dieses dein Ebenbild wieder in mir aufgerichtet, und durch eine neue Schöpfung mich zu einem neuen Menschen gemacht und dir wieder geheiligt. Laß mich in diesem Gnadenstande beständig verharren, Christum anziehen als ein Kleid, mich in seine Gerechtigkeit hüllen und des heiligen Geistes Führung übergeben, daß ich nimmermehr daraus falle und ihn verliere, sondern täglich darin wachse und verharre. Ich habe Jesum angezogen Schon längst in meiner heil'gen Tauf, Du bist mir auch daher gewogen, Hast mich zum Kind' genommen auf. Mein Gott, ich bitt' durch Christi Blut: Mach's nur mit meinem Ende gut. Amen. 18. März. Abend. Pf. 73, 25. Wenn ich nur dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erden. 156 Herr Gott, Vater, du vollkommenstes Wesen, der Tag ist hin, die finst're Nacht stellt sich ein, alles geht von mir, aber dich lasse ich nicht aus meinem Herzen. Wenn ich dich habe, so habe ich alles, Licht in der Finsterniß, Reichthum in Armuth, Heil in Sündenangst, Freude in Traurigkeit, Trost in allem Unglück. Deine Liebe, mein Vater, ist mein unvergängliches Gut, deine Gnade, o Jesu, ist meine Zuflucht, wenn mich meine Sünden verklagen. Dein Beistand, o heiliger Geist, ist die Wagenburg, darin ich sicher ruhe und schlafe. Verleihe mir die Weisheit, daß ich nicht Dinge liebe, die ich nicht behalten kann, sondern alle meine Freude an dir habe. Wenn ich nur dich habe, so fehlt mir nichts, so habe ich alles. Du bist mein Himmel auf Erden, denn wo du biſt, da ist der Himmel. Zwar der Himmel ist der Freudenort, das Haus, das nicht mit Händen gemacht ist; aber wenn du nicht darin wärest und deine Herrlichkeit nicht darin offenbartest, so wäre es ein trauriger Ort. Darum bist du mir lieber als der Himmel. Die Erde kann meinen unsterblichen Geist nicht sättigen, der trachtet nach seinem Ursprung, welcher du, Gott, allein bist. Nun, mein Gott, ich habe dich schon allhier im Glauben und in der Hoffnung und ich lasse dich nicht, bis ich zu deinem Freudenlicht gelange. Laß mich dich in gesunden Tagen erwählen und dir leben. Viele wollen sich deiner getrösten im Sterben und trachten nach ganz and'ren Dingen. Darum laß mich dich erwählen, weil ich lebe; so bete ich auch in meinem Sterben mit Freuden: Wenn ich nur dich habe. So will ich dich haben und halten in Ewigkeit. Ach, Herr, wenn ich dich nur hab', Sag' ich allem andern ab; Legt man mich gleich in das Grab, Ach, Herr, wenn ich dich nur hab'. Amen. 19. März. Morgen. Offenb. 22, 11. Wer fromm ist, sei immerhin fromm; wer heilig ist, sei immerhin heilig. 157 Gott, der du die frommen Herzen liebst, laß mich diesen Tag in wahrer Frömmigkeit anfangen und vollenden. Wer fromm ist, der ist dir angenehm; darum laß mich allezeit vor deinem Angesicht wandeln und recht fromm werden. Gib mir ein frommes Herz, daß ich mich scheue, auch mit meinen Gedanken dich zu beleidigen. Laß auch meine Lippen, Mund und Zunge fromm werden, daß keine schandbaren und unnüßen Worte daraus gehört werden. Mein Leben laß ein frommes, dir geheiligtes und von der Welt abgesondertes Leben sein, damit ich dir allein gefälle und anhange. Soll am jüngsten Tage ein Unterschied sein unter denen, die dir gedient und nicht gedient haben, so muß schon hier ein Unterschied sein; darum laß mich fromm werden, und bleiben bei allen Leuten, zu allen Zeiten, an allen Orten. Ich bin von Natur nicht heilig, aber durch Jesu Blut sind meine Missethaten getilgt, darin bin ich rein, in diesem Schmuck und Ehrenkleid kann ich vor dir bestehen. Darum ergebe ich mich dir ganz und gar. Was noch unrein an mir ist, das mache rein, und laß mich in der Heiligkeit und Frömmigkeit wachsen. Denn nicht das macht selig, wenn man eine Zeit lang glaubt und darnach abfällt; nicht wird das Kleinod erlangt, wenn man nur anfängt, in den Schranken zu laufen, sondern man muß beharren. Dein Wort heilige mich, wenn ich es höre und meinen Wandel darnach richte. Schenke mir die Kraft deines Geistes dazu. Mit solchem Vorhaben gehe ich unter die Menschen; laß mich unter denselben unbefleckt leben bis an den Abend. D großer Gott, du reines Wesen, Der du die reinen Herzen dir Zur steten Wohnung auserlesen, Schaff' auch ein reines Herz in mir, Ein Herz, das von der argen Welt Sich rein und unbefleckt erhält. Amen. 19. März. Abend. Hebr. 10. 17. Ihrer Sünden und ihrer Ungerechtigkeit will ich nicht mehr gedenken. 158 Herr, mein Gott, ich danke dir, daß du mich heute liebreich versorgt und alles Unglück abgewendet hast. Gedenke nicht, was ich heute wider dich wissentlich oder unwissentlich gethan habe. Siehe, ich beklage und be reue meine Sündenschuld; thue sie weg von deinem heiligen Angesicht; wirf sie in die Tiefe des Meeres, damit ihrer nimmer wieder gedacht werde. Nimm weg die Anklage meines Gewissens, und sprich: Dir sind deine Sünden vergeben. Gedenke nicht an meine Miſsethat, gedenke aber an deine Vaterliebe, und laß mich Barmherzigkeit erlangen. Du hast mir dein Gesetz zur Regel und Nichtschnur meiner Gedanken, Worte und Werke gegeben; aber ach, wie bin ich davon abgewichen! Jesus steht mir zum Erempel der Nachfolge da, aber wie weit ist mein Leben davon entfernt! Du reiner Gott kannst keine Sünden und Sünder leiden, wer böse ist, bleibet nicht vor dir! Aber doch erweisest du Gnade denen, die ihr Unrecht erkennen und in Jesu Vergebung suchen. Den hast du zum Lamm gemacht, welches meine und aller Welt Sünde getragen und eine ewige Versöhnung erfunden hat. So gehe ich denn fröhlich und versöhnt zur Ruhe, und auch dereinst in mein Grab, weil du meiner Sünden nicht mehr gedenken willst. Gib mir Kraft, daß ich sie nimmermehr wissentlich wieder begehe, sondern eifrig und begierig sei, in deinem Lichte dir zu leben, dich zu loben, dich zu lieben. Ach, Gott, gedenke mein! Zwar nicht an meine Sünde, Wodurch ich mich des Rechts Der Kindschaft selbst entbinde; Ach, nein, im besten laß Mich dir befohlen sein: Gedenk an Gnad für Recht; Ach, Gott, gedenke mein! Amen. 20. März. Morgen. Pf. 25, 5. Leite mich in deiner Wahrheit und lehre mich; denn du bist der Gott, der mir hilft; täglich harre ich dein. Allmächtiger, barmherziger Gott, ich übergebe mich heute deiner heiligen Führung; leite mich in deiner Wahrheit, dein Wort ist die Wahrheit, darum laß mich nach demselben meinen Gang richten. Wie wird ein Mensch seinen Weg unsträflich wandeln? Wenn er sich hält nach deinen Worten. Darum laß heute dein Gesetz allezeit vor meinen Augen sein, daß ich in Gedanken, Worten und Werken mich darnach richte; und da dein Wort auch die böse Lust des Herzens verbietet, so laß mich auch von verborgener Missethat abgeschreckt werden. Jesus ist die Wahrheit; gib mir Kraft, daß ich seine Lehre und sein Leben als ein Vorbild meines Lebens und Glaubens nimmer aus der Acht lasse. Lehren und leiten kommt dir zu, mein Gott, nicht meinem Herzen, nicht der Welt. Darum flehe ich dich um dein Lehren und Leiten demüthig an. Lehre mich mehr und mehr, daß der Welt Lust vergänglich sei; lehre mich Jesum recht lieben, kennen und bekennen vor der Welt, daß ich mich seiner nicht schäme. Sollte mir auch Leiden, Kreuz und Trübsal begegnen, so verzage ich nicht, denn du bist der Gott, der mir hilft; darum harre ich dein. Alle Tage und Stunden brauche ich deine Hilfe, darum höre mich, und sei mir gnädig. Welch' ein Trost für meine Seele, daß ich dich habe, der mir helfen will und helfen kann! Dies macht mich getrost in allen Trübsalen, daß ich nicht verzage. Bewahre meine Seele, daß ich mich dieser Hilfe durch Bosheit nicht selbst beraube. Herr Jesu, führe mich, So lang ich leb' auf Erden; Laß nie mich ohne dich Durch mich geführet werden. Führ' ich mich ohne dich, So bin ich bald verführt; Wenn du mich aber führst, Thu ich, was mir gebührt. Amen. 159 20. März. Abend. Bhil. 3, 20. Unser Wandel ist im Himmel, von dannen wir auch warten unsers Heilandes, Jesu Christi. 160 Gott, meine matten Glieder sehnen sich nach Ruhe, aber meine Seele sucht bei dir Erbarmen, Schutz und Hilfe. Finsterniß umgibt mich, aber du bleibst mein Licht, mein Theil und mein Heil. So lange es dir gefällt, wandle ich als ein Pilgrim auf Erden; aber mein Herz ist bei dir, mein Bürgerrecht, meine Vaterstadt und meine ewige Wohnung ist im Himmel. Ich bin zum ewigen Leben erschaffen; ich bin durch Jesu Blut erkauft; ich bin in der Taufe zum Erben der Himmelsfreude angenommen. Ich erwartete einen neuen Himmel und eine neue Erde, einen besseren Schmuck und ein unvergängliches Erbe. Hoffte ich allein auf dich in dieser Welt, was hätte ich mehr, als ein Thier, was hätte ich mehr als ein Heide und Ungläubiger, der vielleicht bessere Kleider und größeren Reichthum besitzt als ich? Mein Vaterland ist nicht hier, mein Erbgut ist nicht hier, meine Wohnung ist nicht hier; im Himmel ist meine Krone, meine Freude, meine Wohnung. Da werde ich dich schauen von Angesicht zu Angesicht mit allen Frommen und Auserwählten; da wird weder Frost noch Hiße auf mich fallen. Jesus hat mir den Zugang dahin eröffnet und die Freudigkeit, dahin zu gelangen, durch seinen Geist versiegelt. Da warte ich seiner Wiederkunft, da er meinen Leib verklären und zur Hochzeitfreude einführen wird. Dessen bin ich gewiß, weil er mein Heiland ist, bei dessen Ankunft ich nichts als Herrlichkeit zu gewarten habe Wir warten dein, o Gottes Sohn, Und lieben dein Erscheinen; Wir wissen dich auf deinem Thron Und nennen uns die Deinen. Wer an dich glaubt, Erhebt sein Haupt Und siehet dir entgegen, Du kommst uns ja zum Segen. Amen. 21. März. Morgen. Math. 5, 8. Selig sind, die reines Herzens sind; denn sie werden Gott schauen. Heiliger Gott, verleihe mir Gnade, daß dieser ganze Tag dir geheiligt sei. Schenke mir ein reines Herz, weil nur die Reinen selig sind. Neinige mein unreines Herz durch die Gnade, und gib mir meine natürliche Unreinigkeit und Bosheit zu erkennen, daß ich erschrecke und in deinem Lichte mich davor hüte. Du kannst nicht in unreinen Seelen wohnen; bei dir im Himmel ist alles rein. Da sind die heiligen Engel, die reinen Geister; da sind die reinen und geheiligten Seelen, welche ihre Kleider in dem Blute des Lammes helle gemacht haben. Reinige auch mein Herz und pflanze darin Liebe, Demuth, Sanftmuth, Geduld, Keuschheit, Gehorsam und Frömmigkeit. Du verlangst nicht nur eine äußerliche Ehrbarkeit, die auch einem vernünftigen und wohlerzogenen Menschen möglich ist; du verlangst ein reines Herz, welches du schaffen und erhalten mußt. Alsdann werde ich selig sein in diesem Leben, weil ich daran erkenne, daß ich dein Kind bin, daß dein Geist in mir wohnt, daß Jesus in mir lebt. Gib mir Kraft, daß ich diese Reinigung des Herzens und Lebens nicht aufschiebe bis in die letzte Stunde und daß ich dich, wenn du mich reinigen willst, nicht hindere mit Sünden und Eitelkeit. Laß mich immer gehorsamer werden, damit ich in der Ewigkeit selig sei. Diese Herrlichkeit kann sich mein schwacher Geist nicht vorstellen; aber wenn bei einem König am Tage seiner Krönung lauter Glanz und Klarheit zu schauen ist, wie herrlich wirst du sein, o majestätischer Gott. Selig find die reinen Herzen, Die nicht Sünd' und Welt umstrickt, Die mit schnöder Lust nicht scherzen, Weil nur Heil'ges sie entzückt! Einst im reinen Himmelslicht Schau'n sie Gottes Angesicht. Amen. Start's Morgen- und Abend- Andachten. 161 11 21. März. Abend. 1 Kor. 2, 2. Ich hielt mich nicht dafür, daß ich etwas wüßte unter euch, ohne allein Jesum Christum, den Gekreuzigten. 162 Herr Jesu, ich freue mich der Erlösung, welche du mir durch deinen Tod erworben hast. Du bist Jesus, mein Seligmacher, du bist Christus, mein Priester und mein Lamm, die Versöhnung für meine Sünde. Für mich bist du verklagt und geschlagen, für mich und an meiner Statt gekreuzigt und gestorben. Deine Bande sind meine Freiheit, deine Marter bringt mir Erlösung, dein Tod ist mein Leben. Erwürgtes Lamm, schreibe deine Wunden mir tief in mein Herz hinein, daß ich deiner nie vergesse. Eitler Menschen Gemüth ist voll fündlicher Gedanken, ihr Herz voll Zerstreuung, daß sie deiner vergessen müssen; aber aus meinem Herzen sollst du, gekreuzigter Jesu, niemals kommen. Dein blutiges Bild soll mir immer vor Augen und in Gedanken sein, wo ich gehe, stehe, ruhe und arbeite. Ich will von nichts wissen, als von dir; du bist mir alles, meine Freude, meine Lust und meines Herzens Wonne. Bist du, Gekreuzigter, in meinem Herzen, so ist meine Seele genesen. Dein Blut macht mich rein von Sündenherrschaft und Sündenstrafe. Unter deinem Kreuze bin ich sicher vor allen Anläufen des Satans; da erlange ich neue Stärke, mich dir zu heiligen. Mein Herz und Leben will ich dir zu Ehren aufopfern; an dein Kreuz will ich den alten Menschen heften mit seinen Lüsten und Begierden, auf daß der neue Mensch geboren werde in rechtschaffener Gerechtigkeit und mit dir lebe in der Unverweslichkeit. Erscheine mir zum Schilde, Zum Trost in meinem Tod, Und laß mich seh'n dein Bilde In deiner Kreuzesnoth; Da will ich nach dir blicken, Da will ich glaubensvoll Dich fest an mein Herz drücken: Wer so stirbt, der stirbt wohl. Amen. 22. März. Morgen. Sehet zu, wie ihr vorsichtig wandelt, nicht als die Unweisen, sondern als die Weisen. Eph. 5, 15. Herr, mein Gott, da nun der Tag anbricht, fange ich von neuem an zu wandeln vor dir und den Menschen. Erinnere mich fleißig an deine allerheiligste Gegenwart, daß dein allsehendes Auge siehet, wo ich hingehe, was ich thue, wo ich bin. Schenke mir heilige Vorsichtigkeit, daß ich nimmermehr mein Gewissen beflecke, und aller Orten mich so aufführe, daß ich niemanden ein Aergerniß gebe. Hilf, daß ich mit frommen Leuten lieber umgehe, als mit unartigen, bei welchen ich nichts Gutes sehe, höre und thue. Dein heiliger Geist wolle mir selber solche Vorsichtigkeit schenken, mich innerlich bestrafen und zurückrufen, wenn ich mich im Reden oder Thun übereilen wollte. Wie unweise ist es, nach seinen Lüſten leben, sich der Welt gleichstellen, dich aber und dein Gebot aus den Augen setzen! Wie unweislich leben die, welche Menschen- Gunst suchen und darüber deine Gnade verlieren! Davor behüte mich, lieber himmlischer Vater! Laß mich mein natürliches Verderben einsehen, daß ich erkenne, wie viel mir noch fehle, und darnach trachte, in meinem Christenthum immer völliger zu werden. Siehet sich ein Wandersmann vor, daß er nicht den unrechten Weg gehe, so rufe du mir inwendig öfters zu:" Siehe zu, wo du hingehest!" daß ich nicht von der rechten Lebens- und Himmelsbahn abweiche. Laß mich allezeit also wandeln, daß ich im Stande der Gnade erfunden werde. Ja, dir heilige ich mein Herz, dir hange ich an, dir lebe ich, dir sterbe ich. Also laß mich unbefleckt und unverwundet den Abend erreichen. Die Weisheit dieser Erden Ist noch die wahre nicht; Sie wird zu Thorheit werden Im göttlichen Gericht. Herr, mache, dir zum Preise, Mich zu dem Himmel weise Und sende mir dein Licht. Amen. 163 11* 22. März. Abend. Hiob 19, 25-27. Jch weiß, daß mein Erlöser lebt, und er wird mich hernach aus der Erde auferwecken; und ich werde hernach mit dieser meiner Haut umgeben werden, und werde in meinem Fleische Gott sehen; denselben werde ich mir sehen, meine Augen werden ihn schauen, und kein Fremder. Jesu, mein Erlöser, bevor ich mich zur Ruhe lege, denke ich an's Wiederaufwachen und Aufstehen. Diese Gedanken erinnern mich aber weiter, wie es mir im Sterben ergehen wird. Da wird man mich auskleiden und in ein Grab legen. Aber du wirst mich auferwecken und ich werde auferstehen, darum, weil du lebest. Du bist nicht im Grab geblieben, du bist zuletzt, da alle deine Feinde besiegt waren, als der Ueberwinder auf dem Kampfplatz gestanden, und dein Sieg hat mir die Erlösung, die Seligkeit und das ewige Leben erworben. Das weiß ich aus deinem Wort und dieses selige Wissen versiegelt in mir dein Geist; und dein Wort gibt mir den Trost, daß alle meine Angst, Kreuz und Leiden aufhören wird, weil du herrlich überwunden hast. Dann wird mein Leib leuchten wie die Sonne und alle Schwachheit wird von mir abgethan sein. Ja, wie ich meiner Augen Licht zu meinen Geschäften gebrauche, so werde ich in meinem Fleische Gott sehen in seiner Herrlichkeit. Nicht fremde und andere, fondern eben die Glieder werde ich wieder bekommen, welche ich in diesem Leben gehabt, auf daß in dem Himmel das gekrönet werde, was hier gekämpft und dir gedienet hat. Herr Jesu, verleihe mir Kraft, daß ich mich auf diese selige Stunde bereiten möge. Laß mich fleißig bedenken, daß ich, wie ich mich im Sterben schlafen lege, am jüngsten Tage auferstehen werde, auf daß ich als eine durch dein Blut gereinigte Seele zur Ruhe mich schicke. Jesus, er mein Heiland, lebt, Ich werd' auch das Leben schauen, Sein, wo mein Erlöser schwebt; Warum sollte mir denn grauen? Lässet auch ein Haupt sein Glied, Welches es nicht nach sich zieht? Amen. 164 23. März. Morgen. Pf. 63, 5. Heiligkeit ist die Zierde deines Hauses ewiglich. Herr, mein Gott, du bist ein heiliger Gott, zu dem nichts Unreines kommen kann. Heiligkeit ist die Zierde deines Hauses im Himmel, wo lauter heilige Engel und Auserwählte um deinen Thron stehen, und das dreimal heilig! dir zu Ehren anstimmen. Heiligkeit ist auch die Zierde deines Hauses auf Erden, darin dein heiliges Wort erschallt, die Sacramente ausgetheilt und noch immer viele Seelen aus der Finsterniß zum Licht, aus dem Tode zum Leben gebracht werden, daß fie heilig, als deine Kinder nach deinem Worte glauben und leben. Dein heiliger Geist ist immer geschäftig, sie zu heiligen, zu erleuchten und im Guten zu befestigen. Heiligkeit ist auch die Zierde einer jeden glaubigen Seele, welche du dir zu einer Wohnung erwählt hast. So komm denn und erfülle mein Herz mit deinem Lichte, mit Glauben, Demuth und Liebe. Treibe durch deinen Geist hinaus, was dir Mißfälliges sich darin befindet. Heilige mich inwendig und auswendig, daß nicht allein das Herz mit deinen Gaben gezieret sei, sondern auch der Leib mit allen seinen Gliedern in deinem Dienst stehe. Heilige mich, Herr Jesu, reinige mich von allen Sünden, und mache mich tüchtig, zu thun deinen Willen. Dieses foll meine Zierde sein in Zeit und Ewigkeit. Der Kleider Zier verzehret Zeit und Motten, aber diese Bierde bleibt ewiglich. Hilf, daß in wahrer Heiligkeit Wir führen uns're Lebenszeit; Sei unsers Geistes Stärke, Daß uns forthin sei unbewußt, Die Eitelkeit des Fleisches Lust Und seine todten Werke. Rühre, führe uns're Sinnen Und Beginnen von der Erden, Daß wir Himmelserben werden. Amen. 165 23. März. Abend. Röm. 5, 8. Darum preiset Gott seine Liebe gegen uns, daß Christus für uns gestorben ist, da wir noch Sünder waren. 166 Barmherziger, liebreicher Gott, in Betrachtung deiner unaussprechlichen Liebe will ich mich zur Ruhe niederlegen. Liebe war es, daß du die Menschen nach deinem Ebenbilde erschaffen; Liebe war es, daß du der Gefallenen dich wieder erbarmt, und sie nicht dem ewigen Tod und Verderben übergeben hast. Da keine Creatur ein Mittel erdenken konnte, wie den Gefallenen könnte geholfen werden, so hast du deines eingebornen Sohnes nicht verschonet, sondern ihn für uns alle dahin gegeben zum Verfühnopfer für unsre Sünde. Drücke diese unaussprechliche Liebe tief in mein Herz hinein, daß ich ihrer beständig eingedenk bleibe! Gott, der du bist die Liebe selbst, du trägst den Preis davon unter allen denen, die da lieben. Denn Menschen lieben ihres Gleichen, aber du liebest Menschen, die Sünder, ja deine Feinde waren. D, daß ich dich dafür recht innig lieben möchte! daß doch alle meine Blutstropfen Zungen wären, deine Liebe zu rühmen. Nimm mein herzliches Verlangen, dich zu lieben, für die Liebe selbst an. Welche Herrlichkeit ist das, daß Christus für mich gekreuzigt und gestorben ist, und zwar, da ich und alle Menschen noch Sünder waren, welche die Gnade nicht verlangen konnten, die es auch als Stolze und Ungehorsame nicht werth, obgleich bedürftig waren. Nun das soll mein Trost sein in aller meiner Sündenangst, auch im Sterben, daß ich nicht verzage; denn wer will mich verdammen? Hier ist Christus, der gestorben, ja vielmehr der auch auferstanden und zur Rechten Gottes ist. Er wird mich zur ewigen Freude aufnehmen. Liebe, die für mich gelitten Und gestorben in der Zeit; Liebe, die mir hat erstritten Ew'ge Lust und Seligkeit, Liebe, dir ergeb ich mich, Dein zu bleiben ewiglich! Amen. 24. März. Morgen. Pf. 119, 109. Jch trage meine Seele immer in meinen Händen, und ich vergesse deines Gebotes nicht. 167 Getreuer, gnädiger Gott, du hast mir abermal den Tag erscheinen lassen; laß mich denselben zu deiner Ehre in findlichem Gehorsam vollenden. Bewahre meine Seele vor Schaden; laß mich ihren Adel erwägen und über sie wachen, als trüge ich in meinen Händen einen kostbaren Schatz, damit sie mir der Šatan nicht raube, die Welt nicht beflecke. Ich will in deines Geistes Licht Acht haben auf meine Wege, auf meine Worte, auf die Bewegungen meines Herzens. Meine Seele ist nicht mein, mein Leib ist nicht mein, ja nichts ist mein; nichts habe ich von mir selber; alles ist dein Geschenk. Ich habe aber dies alles doch auf Rechnung. Hilf mir, daß ich dir im Sterben eine reine Seele und einen unbefleckten Leib wieder bringe. Jesus hat meinen Leib und meine Seele sich erkauft mit seinem Blut, darum bewahre mich, daß ich sie nicht um schnöde Sündenlust und Weltliebe verkaufe, wie Esau sein Recht der Erstgeburt. Meine Seele ist unsterblich und muß vor Gericht erscheinen; darum, was hälfe es mir, wenn ich die ganze Welt gewönne, und litte Schaden an meiner Seele? Damit nun dieses nimmermehr geschehe, so vergesse ich deiner Gebote nicht. Sie sind das Lied in meinem Hause, davon ich singe; meine Rathsleute, die ich frage, was mir verboten und befohlen; mein Schatz, den ich hoch achte; meine Freude und Wonne in Traurigkeit, damit ich mich aufrichte und tröste. Vergißt die Braut ihres Schmucks nicht, so will ich deiner Gebote auch nicht vergessen. Vergiß meiner auch nicht, wenn ich bete und in Nöthen zu dir schreie. Meine Seele trage ich immer in den Händen; Viele Feinde wagen sich, sie mir zu entwenden. Ist mir der Verlust gedroht unter den Gefahren, O, so ist die höchste Noth, solche zu bewahren. Amen. 24. März. Abend. Jer. 7, 3. Beffert euer Leben und Wesen, so will ich bei euch wohnen an diesem Ort. 168 Herr, mein Gott, du unendliches Licht, siehe, das sichtbare Sonnenlicht weicht von mir, aber weiche du, o meiner Seele Licht, in dieser Nacht nicht von mir. Gib mir ein bußfertiges Herz, daß ich, ehe ich einschlafe, mit dir mich versöhne. Schenke mir durch deinen heiligen Geist Vergebung meiner Sünden und Gnade, mein Leben und Wesen ernstlich zu bessern. Du bist nicht ein Gott, dem gottloses Wesen gefällt, wer böse ist, bleibet nicht vor dir. Ich weiß, es muß eine Sinnesänderung und Lebensbesserung in mir vor gehen, wenn ich will selig werden. Gott, fange dieselbe auch in mir an und erhalte mich darin bis an mein Ende. Ich habe mir vorgenommen, meine Le bensart zu bessern, daß ich ablege den alten Menschen, die alten Unarten, welche aus den Lüsten des Herzens entstehen und anziehe den neuen Menschen, die neue Art, gottselig zu leben in rechtschaffener Gerechtigkeit und Heiligkeit. Stärke mich in diesem Vorhaben und verleihe mir Kraft dazu, daß ich dem Vorbilde Jesu ähnlicher werde. Wohne beständig in meinem Herzen und heilige es durch und durch; sei der Regent darin, daß alles, was ich denke, durch deine Gnade in mir gewirkt werde, so werde ich in deiner Kraft die Sünde fliehen. Wie süß ist mir diese Einwohnung! sie labt und erquickt mich in allem Leiden, wie herrlich ist sie! fie versichert mich meiner Seligkeit. Gib mir Kraft, mein Lebenlang daran zu denken. Laß jetzt die Seele in dir ruhen und am Ende meines Lebens in dir erfunden werden. Herr, laß mich deine Heiligung Durch deinen Geist erlangen. Du hast die Sinnesänderung Selbst in mir angefangen; Dein Geist wirkt Heiligung allein, Nur deine Kraft macht Herzen rei, Seit du zu Gott gegangen. Amen. 25. März. Morgen. Luc. 1, 37. Bei Gott ist kein Ding unmöglich. Allmächtiger Gott, ich danke dir für die genossene Ruhe und befehle mich diesen Tag in deinen Schutz. Du bist meine Zuversicht in allem, was mir begegnet. Bei dir ist kein Ding unmöglich. Dieses soll mein Trost sein in allem Kreuz, in Bekümmernissen über künftige Dinge, in Krankheiten und allen menschlichen Zufällen. Oft spricht mein Geist in schweren Begebenheiten: Wie soll das zugehen, daß ich aus der tiefen Grube herausgezogen werde? Aber richte durch deinen Geist mein Herz und Auge auf deine Allmacht, auf deine Weisheit, auf deine Liebe und Wahrheit, daß aller Zweifel vertilget werde. Laß mich mit glaubigem Herzen deine Verheißungen annehmen, ob ich schon die Art und Weise nicht begreifen kann. Erinnere mich allezeit daran, daß bei dir nichts unmöglich sei, daß ich nicht kleinmüthig werde und verzage, sondern glaube und dir traue, wo ich nichts sehe und nicht weiß, wie mir soll geholfen werden. Du wirst alle deine Verheißungen in Erfüllung gehen lassen. Indessen freue ich mich, daß Jesus, der Sohn des Allerhöchsten, auch ein wahrer Mensch und mein Bruder ist. In ihm habe ich Friede und den Zugang zur Gnade. Schenke mir ein keusches, von der Welt abgesondertes Herz, damit Jesus auch in mir eine Gestalt gewinne. Laß ihn sein Reich in meiner Seele aufrichten, daß er darin König und Herr sei, daß keine Sünde in mir die Herrschaft habe, sondern ich ihm allein lebe und diene. Bei dir hat alles seine Zeit: so wirst du auch die Stunde schon ange= schrieben haben, da du mich erretten, mir helfen und Gnade verleihen willst. Gott kennt die rechten Freudenstunden, Er weiß wohl, was uns nüßlich sei, Wenn er uns nur hat treu erfunden, Und merket teine Heuchelei, So kommt er, eh' wir's uns verseh'n, Und lässet uns viel Gut's gescheh'n. Amen. 169 25. März. Abend. Luc. 1, 30. Du hast Gnade bei Gott gefunden. Liebreicher Gott, deine Gnade hat mich heut begleitet, bewahret und gesegnet, laß sie auch diese Nacht mich bedecken und alles Unglück abwenden. Du bist die Quelle alles Segens, aller Gnade und Barmherzigkeit; aus dieser Quelle schöpfe ich Gnade um Gnade, darin habe ich Leben und volle Genüge. Deine Gnade leuchtet mit hellem Glanz und mächtigen Strahlen in mein Herz, und erfreut es, daß du deinen Sohn in die Welt gesendet, ja ihn hast kreuzigen und tödten lassen, mir zu gut, daß ich durch ihn soll hier und dort selig werden. Laß diese Gnade in meinem Herzen beständig geschrieben stehen. Der Menschen Gnade wankt oft; aber deine Gnade ist eine ewige Gnade, die soll mein Trost in meinem ganzen Leben bleiben. Laß mich Gnade finden, wenn mein Gewissen mich verklagt; sprich alsdann zu meiner erschrockenen Seele: Du haft Gnade bei Gott gefunden, dir sind deine Sünden vergeben. Bin ich betrübt, so laß mich innerlich hören Freude und Wonne, daß die Gebeine fröhlich werden, die du zerschlagen hast. Will mein Vertrauen wanken, 170 sprich: ich bin bei dir in der Noth, ich will dich herausreißen. Es sollen wohl Berge weichen und Hügel hinfallen, aber meine Gnade soll nicht von dir weichen. Erquicke mich innerlich und äußerlich mit deiner Gnade und deiner Hilfe. Deine Gnade erhalte mich im Glauben bis an's Ende. Ich will diesen Tag mit Freuden schließen und sagen: Ich habe Gnade gefunden in der Liebe des Vaters und in dem Blute Jesu. Ja, wenn ich einst scheiden soll, so sprich zu meiner Seele: Du hast Gnade bei Gott gefunden, gehe ein zu deines Herrn Freude. Herr, lasse nichts von mir geschehen, Die Gnade sei denn mit; Laß deine Gnade mit mir gehen Bis zu dem letzten Schritt. Amen. 26. März. Morgen. 2 Ror. 5, 15. Christus ist darum für alle gestorben, auf daß die, so da leben, hinfort nicht ihnen selbst leben, sondern dem, der für sie gestorben und auferstanden ist. 171 Herr Jesu, dein Leiden und Tod soll heute den ganzen Tag in meinem Herzen sein; daran will ich mich ergetzen, weil es für alle und auch für mich geschehen. Unschuldiges Lamm, du gehest zum Gericht, zum Tod, ins Grab an meiner Statt; ich ergreife dich im Glauben, und sage: Für mich bist du gekreuzigt, für mich bist du gestorben. Nun werde ich nicht ewig sterben, mein zeitlicher Tod wird mir ein Schlaf, ein Hingang zum Vater, zur Wonne und Himmelsfreude sein. Hier ist das Opferlamm für meine Sünde und Missethaten: ich sollte sterben, ich sollte in der Höllenangst mein Verderben empfinden und in den Flammen meine Strafe ausstehen; aber, o liebreiches Lamm, davon hat mich dein Erbarmen frei gemacht. Schreibe deinen Tod und deine Wunden mir tief ins Herz hinein, daß ich mich dessen in aller Sündenangst und auch im Tode selbst getrösten möge; aber lehre mich zugleich, wie ich mich durch deinen Geist auch soll heiligen lassen, daß ich hinfort nicht mir selbst lebe. Herr Jesu, ich sterbe mir und lebe dir. Deine Demuth soll meinen Stolz tödten; deine Sanftmuth soll mich antreiben, alle Rachgier, Haß und Feindschaft abzulegen. Mir selbst habe ich in den Tagen gelebt, da ich dich noch nicht kannte, noch nicht liebte; so lange ich aber mir lebe, so sterbe ich und häufe mir Zorn und Ungnade. Weil du aber auch auferstanden bist, so laß mich in einem neuen Leben wandeln, und wie ich hier geistlich auferstehe, auch am jüngsten Tage zum ewigen Leben auferstehen. Mein Herr und mein Gott, Für den Opfertod, Da du dich haft hingegeben, Daß wir Todte möchten leben, Dank ich bis zum Tod, Dir, mein Herr und Gott. Amen. 172 26. März. Abend. Pf. 16, 11. Vor dir ist Freude die Fülle und liebliches Wesen zu deiner Rechten ewiglich. Herr Gott, Bater, wie liebreich und gnädig bist du, daß du deinen Kindern einen Freudenort bestimmt haft, wo sie ewig bei dir sein sollen! Verleihe mir Gnade, daß ich mich zu dieser Freude bereiten möge durch Buße und Bekehrung. Verleihe mir Kraft und Stärke, daß ich als dein Kind unter dem verkehrten Geschlecht lebe und den Eingang in den Freudenort nicht versäume. Wie süß ist meiner Seele die Hoff nung, daß ich eine ewige Ruhe in dir finden soll! In der Welt ist Qual und Leiden, und wenn dieses Leben köstlich gewesen ist, so ist es Mühe und Arbeit ge wesen. Viele Menschen suchen vergängliche, ja wohl sündliche Freude; bei dir aber ist ewig heilige Freude, deren wir nimmer werden satt werden. Da wird sein Ruhe und Erquickung nach dem Leiden, da wirst du alle Thränen von den Augen deiner Kinder abwischen; denn du wirst ihnen die Lebenskrone aufsetzen, und fie mit weißen Kleidern anthun, daß sie leuchten wie die Sonne; sie werden vor deinem Throne stehen, dein Antlik schauen in Gerechtigkeit, und satt werden von den reichen Gütern deines Hauses. Sie werden zu deiner Rechten gestellt werden und die fröhliche Einladung hören: Kommet her, ihr Gesegneten meines Vaters, er erbet das Reich, das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt. Alle Weltfreude nimmt ein Ende, oft folgt darauf großes Trauern, aber diese Himmelsfreude wird immer süßer, vollkommener und erquickender werden. Christus ist für mich gestorben, Und sein Tod ist mein Gewinn, Er hat mir das Heil erworben, Drum fahr' ich mit Freuden hin Aus dem schnöden Weltgetümmel In den schönen Gotteshimmel, Da ich werde allezeit Schauen Gottes Herrlichkeit. Amen. 27. März. Morgen. Pred. 1, 2. Es ist alles ganz eitel, spricht der Prediger, es ist alles ganz eitel. Ewiger Gott, barmherziger Vater, lehre mich bedenken die Eitelkeit und Vergänglichkeit aller sichtbaren Dinge, auf daß ich an dem Ewigen und Unvergänglichen meine Freude haben möge. Eitel ist meine Gesundheit, welche oftmals geschwind wie eine Blume verwelft; eitel mein Glück, eitel mein Leben, es kann vor Abend anders werden, als es am Morgen war; eitel meine Ehre, denn im Tode gedenkt man meiner nicht. Ich selbst bin ein Pilgrim, der auf Erden keine bleibende Stätte hat. Etwas Ewiges und Bleibendes aber habe ich doch, nämlich meine Seele. Deßwegen will ich sie nicht mit eitlen Dingen belästigen, sondern zur Ewigkeit bereiten und in deiner Kraft ewige und beständige Dinge suchen, die mich im Leiden erquicken, im Sterben trösten und in der Ewigkeit erfreuen. Deine Liebe, mein Vater, nimmt kein Ende; es können Berge weichen und Hügel hinfallen, aber deine Liebe höret nicht auf; deine Gnade, Herr Jesu, ist eine beständige Zuflucht für alle armen Sünder; dein Beistand, o heiliger Geist, sucht, ruft und treibt mich allzeit zum Guten. Wie sind die Menschen zu beklagen, die alle ihre Gedanken, Zeit und Verlangen auf Dinge richten, welche sie nicht behalten, ja welche ihren Seelen schädlich sein können! Ja, meine Wohnung, die Erde selbst ist eitel und vergänglich; aber im Himmel habe ich ein ewiges Theil. Darum weg mit aller Weltlust und Weltfreude! Meine Freude soll Gott und sein Wort sein. Laß mich in solcher Erkenntniß der Eitelkeit und deiner Herrlichkeit immer zunehmen. Was sind dieses Lebens Güter? Eine Hand voller Sand, 173 Kummer der Gemüther; Dort, dort sind die edlen Gaben, Da mein Hirt, Christus, wird Mich ohn' Ende laben. Amen. 27. März. Abend. Sal. 6, 14. Es sei ferne von mir rühmen, denn allein von dem Kreuz unsers Herrn Jesu Christi, durch welchen mir die Welt gekreuziget ist und ich der Welt. 174 Herr Jesu, ich will unter deinem Kreuze mich schlafen legen, auf daß, wenn ich erwache, ich noch bei dir sei. Dein Kreuz ist das Panier, dahin alle Völker eilen, die ihr Heil suchen. Dein Kreuz ist der Baum des Lebens; wenn ich im Glauben dich ergreife, werde ich nicht sterben, sondern durch dich leben in Ewigkeit. Dein Kreuz ist der Altar, darauf ich das Opfer für meine Sünden erblicke. O könnte ich doch unter deinem Kreuze immer stehen, gehen, arbeiten und bedenken, wie sauer ich dir geworden; wie selig würde das meiner Seele sein! Ich rühme deine Güte und Liebe, die du bis in den Tod mir erwiesen; ich rühme die Seligkeit und Gnade, welche du mir erworben hast; ich rühme deine Treue, mit welcher du mich noch alle Tage durch deinen Geist suchest. Rühmen sich andere ihrer Stärke, ihres Reichthums, so rühmen sie sich vergänglicher Dinge. Ich sehe der Welt Eitelkeiten an als gekreuzigte missethäter, deren man sich schämt, die man flieht, vor welchen man einen Abscheu hat; aber deiner, Herr Jesu, und deines Kreuzes freue und rühme ich mich. Bin ich darum der Welt auch gekreuzigt, verachtet sie mich, spottet sie meiner, spricht sie klein, schimpflich und gering von mir, so achte ich es für meine größte Ehre. Jesus ist mir lieber, als alle Herrlichkeit der Welt. Laß auch in meinen letzten Stunden dein Kreuz mir vor Augen stehen, dein Blut auf mich fließen und mich also selig einschlafen. Es dient zu meinen Freuden Und kommt mir herzlich wohl, Wenn ich in meinem Leiden, Mein Heil, dich finden soll. Ach, möcht' ich, o mein Leben, An deinem Kreuze hier Mein Leben von mir geben, Wie wohl geschähe mir! Amen. 28. März. Norgen. Rol. 1, 22. Christus hat euch versöhnet mit dem Leibe seines Fleisches, auf daß er euch darstellte heilig und unsträflich und ohne Tadel vor ihm selbst. Herr Jesu, da ich vom Schlafe erwache, bin ich noch bei dir und habe dein versöhnendes Leiden noch im Herzen. Wie lieblich sind mir die Stunden, darin ich deinen Versöhnungstod erwägen kann. Du haft den Zorn von mir genommen und mich versöhnt, daß ich Frieden habe und Vergebung der Sünden; deine Gerechtigteit hast du mir geschenkt, die ist nun mein; bringe ich die vor den Thron des Vaters, so nimmt er mich zum Kind und Erben an. Welche Herrlichkeit iſt das! die ich nicht genugsam erkennen und dich dafür loben und preisen kann. Du hast selbst den Leib deines Fleisches zur Marter auf die Schlachtbank, ja zum Tode gegeben. Dein Blut macht mich rein von allen Sünden. Sollte ich vor das Gericht gestellt werden in meinen Sünden, so müßtest du mich zur Linken stellen. Nun aber erscheine ich vor dir als eine durch dein Blut gereinigte und versöhnte Seele, versöhnt im Leben, versöhnt im Sterben, versöhnt in Ewigkeit. Ich fürchte den Tod nicht, weil du durch deinen Tod und deine Auferstehung den Tod überwunden hast. Du hast mich gerecht gemacht durch den Glauben, nun findet der Richter nichts mehr an mir zu strafen. Laß mich auch äußerlich unsträflich wandeln, und in deiner Furcht einhergehen, daß man mit Grund der Wahrheit nichts an mir tadeln könne. Also laß mich vor dir leben in der Zeit, vor dir erscheinen im Sterben und im Gericht. Ich will an's Kreuz mich schlagen Mit dir und dem entsagen, Was meinem Fleisch gefällt; 175 Was deine Augen hassen, Das will ich flieh'n und lassen, Gefiel es auch der ganzen Welt. Amen. 176 28. März. Abend. Man suchet nicht mehr an den Haushaltern, denn daß sie treu erfunden werden. 1 Kor. 4, 2. Gott, da es Abend wird, stelle ich mich dir zur Rechnung. Du bist mein Herr, ich bin dein Haushalter; du hast mir viele Gaben anvertraut; wie bin ich damit umgegangen? Sage an, mein Mund, was du heute geredet? mein Ohr, was hast du gehört? meine Augen, wonach habt ihr gesehen? meine Füße, wohin seid ihr gegangen? mein Wille, was hast du begehrt? Wenn ich auf alle diese Fragen antworten soll, wie werde ich bestehen? Wirst du mich nicht als einen ungetreuen Haushalter strafen? Herr, verzeihe mir alle meine Uebertretungen. Mache mich frei von der Blindheit so vieler tausend Menschen, welche leben, als ob sie niemand Rechenschaft zu geben hätten. Schenke mir deinen heiligen Geist, daß ich hinfort treu vor dir erfunden werde, treu im Glauben, treu in Liebe, daß mich nichts davon scheiden möge, weder Tod noch Leben, noch eine and're Kreatur, daß ich um derselben willen fündigen, deine Liebe aus den Augen setzen und dich betrügen wollte. Laß mich treu bleiben im kindlichen Gehorsam, daß ich in allen Dingen gedenke: Werde ich nicht meinen himmlischen Vater erzürnen? steht mir das Wort, die That, als einem Kinde Gottes wohl an? Sehen die Augen der Knechte auf die Hände ihrer Herren, die Augen der Mägde auf die Hände ihrer Frauen, so laß mich all' mein Thun nach deinem Willen richten, auf daß ich in der Stunde meines Todes den süßen Trost hören möge: Ei, du frommer und getreuer Knecht, du bist über Wenigem getreu gewesen, gehe ein zu deines Herrn Freude. Ich gebe dir, mein Gott, auf's neue Leib, Seel' und Herz zum Opfer hin; Erwecke mich zu neuer Treue Und nimm Besitz von meinem Sinn, Es sei in mir fein Tropfen Blut, Der nicht, Herr, deinen Willen thut! 29. März. Morgen. Tit. 2, 11. Es ist erschienen die heilsame Gnade Gottes allen Menschen, und züchtiget uns. Gütiger Gott, liebreicher Vater, durch deine Gnade habe ich diesen Tag erlebt, laß mich darin in deiner Furcht erwägen die hohe und unbegreifliche Gnade, die du mir und allen Menschen in Christo Jesu hast widerfahren lassen. O eine heilsame Gnade, daß ich in ihm soll Vergebung aller meiner Sünden haben, nicht allein aber ich, sondern alle Menschen. Alle Völker, Sprachen und Zungen, welche ihm glauben, ihm nachfolgen und ihre heidnischen Greuel und Sünden meiden wollen, fönnen durch sein Blut rein, gerecht und selig werden hier und dort. Wo ist ein solcher Gott, wie du bist, der eine allgemeine Gnade allen Völkern anbietet? Du erlösest nicht nur von Sünde und Tod, du schenkest zugleich Frieden, Leben und volle Genüge. Das soll mein Trost sein in meinem ganzen Leben. Hiemit übergebe ich mich deiner erbarmenden Gnade, daß du dich meiner Seele herzlich annehmen wolleft; ich übergebe mich auch deiner züchtigenden Gnade, die mich reinigt und im Guten stärkt. Wenn leibliche Väter ihre Kinder züchtigen, wollen sie dieselben dadurch vom Bösen abhalten; sie können ihnen aber keine Kraft zum Guten ertheilen; dieses aber thut deine Gnade. Mein Vater, du erlaubst deinen Kindern nicht, nach ihren Lüsten und der Welt Gewohnheit zu leben, sondern du züchtigst sie, dein heiLiger Geist bestraft sie inwendig über ein jegliches Wort und Werk. Ach, Gott, laß mich diese Bestrafungen allezeit empfinden, innerlich im Herzen und äußerlich in meinem Wandel, daß ich dir immer gefälliger werde. Herr, lasse nichts von mir gescheh'n, Die Gnade sei denn mit; Laß deine Gnade mit mir geh'n Bis zu dem letzten Schritt. Amen. Stark's Morgen- und Abend- Andachten. 177 12 29. März. Abend. Jes. 64, 6. Du zürntest wohl, da wir fündigten und lange darin blieben; uns ward aber dennoch geholfen. 178 Barmherziger Gott, liebreicher Vater, ich komme zu dir mit bußfertigem Herzen in demüthiger Erkenntniß meiner Sünden, wovon ich mich heute habe ereilen lassen. Wie viele Mittel der Gnade haft du mir dargereicht, dadurch ich kann reiner und frömmer werden! Aber ach, wie schäme ich mich, daß es noch nicht geschehen. Du hast Ursache, über mich zu zürnen wegen meiner Unachtsamkeit, Menschenfurcht und Zer streuungen, wodurch ich so, oft zu Mißtritten und falscher Freiheit verleitet werde. Du hast Ursache, über mich zu zürnen, indem du mir mehr Gnade und Licht gegeben, als andern. Dein Wort liegt mir immer vor Augen, daß ich es lesen, und in meinen Ohren, daß ich es hören kann; dein Geist erinnert und straft mich oft über meine Sünden, aber doch bleibe ich darin. Es gehen Wochen und Monate vorbei, und ich merke noch immer meine alten Fehler und Sünden. Was will's endlich noch werden, wenn ich Jahr aus und Jahr ein bleibe, wer ich bin, und wie ich bin? Wie, wenn mich der Tod in solchem Stand übereilte? Ach Gott, hilf mir aus der augenscheinlichen Gefahr meiner Seele! Wecke mich durch deinen Geist bald auf, wenn ich zur Sünde gereizt werde, daß ich nicht darein willige. Mich ergezt deine herrliche Hilfe, welche ich oft em pfunden, wenn ich traurig und gedrückt war, und mir dennoch ist geholfen worden durch deinen starken Arm. Hilf mir, daß ich immer eifriger im Gebet und andächtiger werde; und kommt die Todesstunde, so hilf mir siegen, und schenke mir die Himmelsfreude. Strafe nicht, o Heiliger, Mich in deinem Grimme! Höre, Herzenskündiger, Meines Flehens Stimme: Sende du Trost mir zu, Rette vom Verderben, Rette mich vom Sterben. Amen. 30. März. Morgen. Phil. 4, 8. Was wahrhaftig ist, was ehrbar, was gerecht, was teusch, was lieblich, was wohl lautet, ist etwa eine Tugend, ist etwa ein Lob, dem denket nach. 179 Allgegenwärtiger Gott, laß mich heute vor deinem Angesicht wandeln. Bewahre mich vor aller Verstellung und Falschheit und laß meine Gottesfurcht wahrhaftig und aufrichtig sein, daß ich nicht allein äußerlich ein ehrbares Leben führe und viel mehr deine allsehenden, als der Menschen Augen feue. Wie viel Mühe hast du bisher mit mir gehabt, daß ich ehrbar, züchtig, gerecht und gottselig leben soll. Gib mir ein williges und gehorsames Herz, daß du mir nicht so oft einerlei einschärfen mußt. Gib mir Kraft, daß ich auch gerecht gegen meinen Nächsten sei, wie du befohlen hast, daß ich ihm thue, was ich will, das man mir thue, weil der dich nicht lieben kann, der seinen Nächsten Hasset. Hilf mir die bösen Lüste überwinden und schaffe in mir ein reines und keusches Herz, daß ich alle Orte und Personen meide, welche eine böse Flamme in meinem Herzen entzünden könnten. Hingegen laß mich fleißig an das denken, was lieblich ist und wohl lautet. Laß ferne von mir sein alle harten und unanständigen Reden und gib vielmehr, daß ich Betrübte mit trostreichen Worten erquicke zu deines Namens Ruhm und Ehre. Gib auch, daß ich beweise, dein Geist lebe in mir, daß andere meinen guten Wandel sehen und dich preisen. Ja, laß mich allezeit darnach trachten, daß ich die Tugend dessen verkündige, der mich von der Finsterniß zu seinem wunderbaren Lichte be rufen hat, und in deines Geistes Licht ausübe, was ich an andern Lobenswürdiges erblicke, auf daß mein ganzes Leben bir wohlgefällig sei. Mach' mein Herz zu einem Garten, Wo der Tugend schönste Arten Steh'n in voller Lieblichkeit; Deffne drin die Lebensquelle, Die ohn' Ende sanft und helle Fließet in die Ewigkeit. Amen. 12* 30. März. Abend. 1 Kor. 6, 11. Jhr seid abgewaschen, ihr seid geheiliget, ihr seid gerecht worden durch den Namen des Herrn Jesu und durch den Geist unseres Gottes. 180 Heiliger Gott, ich will mich nicht eher zur Ruhe niederlegen, bis ich mich mit dir versöhnt und deiner Liebe befohlen habe. Verzeihe mir, was ich heute Unrechtes gedacht, geredet und vollbracht und wasche mit dem Blute Jesu alle meine Fehler und Missethaten ab. Jesu Blut ist das Reinigungsblut, Jesu Blut macht mich in der That rein von allen meinen Sünden; dasselbe ergreife ich in wahrem Glauben und eigne es mir zu. Ich weiß, nichts Unreines kann in das neue Jerusalem eingehen, darum wasche, reinige und heilige mich bei Leibes Leben, in gesunden Tagen, daß ich nicht allein Vergebung meiner Missethaten erlange, sondern auch in meinem ganzen Wandel beweise, dein Geist belebe, treibe und mache mich neu. Einem Ge waschenen siehet man es an, darum schenke mir Kraft, daß ich der Heiligkeit nachjage, heilige Gedanken liebe, heilige Worte rede, heiliger Werke mich befleißige. Bin ich so abgewaschen, ist mein Herz, Sinn und Leben geheiligt, so ist meine Uebertretung vergeben, ich bin mit Gott versöhnet und gerecht worden. Du sprichst mich frei; Jesus hat mir die Versöhnung durch seinen Tod erworben, und durch den heiligen Geist versiegelt. Laß mich solche Herrlichkeit nicht wieder verlieren durch neue Befleckungen; laß mich vielmehr immer reiner wer den, daß du in mir wohnen und wandeln könneft. So lege ich mich denn als eine geheiligte Seele zur Ruhe. Laß auch in der Stunde des Todes mich rein und gerecht erfunden werden und zur Himmelsfreude eingehen. Du hast mich, Herr, durch deinen Tod Von meiner Schuld gereinigt, Hast mich nach schwerer Sündennoth Zum Leben dir vereinigt. Du deckest meine Schande zu Und bringest meine Seel' zur Ruh' Und Gnade bei dem Vater Amen. 31. März. Morgen. 1 Tim. 4, 8. Die Gottseligkeit ist zu allen Dingen nüße und hat die Verheißung dieses und des zukünftigen Lebens. Gnadenreicher Gott, du hast mich diesen Morgen erleben lassen; dafür danke ich dir kindlich. Laß mich deine Güte zur Buße leiten. Schenke mir ein Herz, das nichts anderes begehre, als nach deinem Willen recht gottselig zu werden und zu bleiben. Pflanze in mir eine brünstige Liebe zu dir und deinem Wort, einen heiligen Trieb, Eifer und Andacht zum Gebet. Du brauchst allerlei Aufmunterungen, mein Herz zu dir zu ziehen; du lockest mich wegen des herrlichen Nutzens zur Umkehr und Gottesfurcht. Darum übergebe ich dir mein ganzes Leben, daß ich nicht nach meinem und der Welt verkehrtem Sinn meinen Wandel anstelle, sondern dich allezeit vor Augen und im Herzen habe. Das wird mir zu allen Dingen nützlich sein, daß ich dir gefalle, mich deiner Liebe in Noth und Tod getrösten, und deine Hilfe erwarten kann, wenn mir Hilfe von Nöthen ist. Sie wird mir nüßlich sein in meiner Arbeit, in meinem Wandel, Leiden und Sterben, in allen meinen Anliegen. So laß denn deine gnädige Verheißung an mir erfüllt werden, du werdest mich nicht verlassen noch versäumen, du werdest bei mir sein in der Noth, ich werde keinen Mangel haben an irgend einem Gute, und was sonst zur Glückseligkeit deiner Kinder in diesem Leben gehört, die du erhalten, schützen und segnen willst, bis du mir auch die Güter des zukünftigen Lebens, hier Friede und Freude im heiligen Geist, und dort die Krone mittheilen wirst. Es ist Etwas, des Heilands sein, Ich dein, o Jesu, und du mein!" In Wahrheit sagen können; Ihn seinen Bürgen, Herrn und Ruhm, Und sich sein Erb' und Eigenthum Dhn' allen Zweifel nennen. Selig, fröhlich sind die Seelen, Die erwählen, ohn' Bedenken Ihrem Jefu sich zu schenken. Amen. 181 31. März. Abend. Jos. 1, 5. Ich will dich nicht verlassen, noch von dir weichen. Starker Gott, liebreicher Vater, du hast mich diesen Tag gnädiglich bewahrt; verlaß mich auch diese Nacht nicht; behüte mich vor Schrecken, Schaden und Unfall; wende Krankheit, Leiden und Schmerzen in Gnaden von mir ab. Vater, verlaß mich nicht: vergib mir alle Sünden, die ich heute wider dich begangen, und laß mich die übrigen Tage meines Lebens in deinen Schuß geschlossen sein. Laß mich wohl erwägen, ob ich heute frömmer geworden sei. Deine Güte ist mir früh und spät nachgegangen, aber was habe ich gethan? Richte mich auf von meinem Fall und verleihe mir heilige Wachsamkeit über mich selbst in den künftigen Tagen. Verlaß mich nicht, wenn ich krank und traurig bin; alsdann eile, mir beizustehen, Herr, meine Hilfe. Jesu, verlaß mich nicht, wasche mich mit deinem Blute von allen meinen Sünden, daß ich rein und gerecht erfunden werde. Verlaß mich nicht, o heiliger Geist, vertritt mich mit unaussprechlichen Seufzern. Dreieiniger Gott, verlaß mich nicht und weiche nicht von mir; und wenn ich von dir weichen sollte, so weiche du doch nicht von mir mit deinem Erbarmen. Ach, Herr, wenn du von mir wichest, so fiele ich in die größten Sünden und gienge zeitlich und ewig verloren. Verleihe mir Kraft, daß ich mich immer zu dir halte in lebendigem Glauben und herzlicher Liebe. Laß mich dir auch immer treuer und gehorsamer werden. Kommt die Letzte Stunde meines Lebens, so verlaß mich nicht; rückt der letzte Augenblick herbei, so weiche nicht von mir, sondern nimm' mich auf in die ewige Freude. Ach, Gott, verlaß mich nicht! Gib mir die Gnadenhände; Ach, führe mich, dein Kind, Daß ich den Lauf vollende Zu meiner Seligkeit! Sei du mein Lebenslicht 182 Mein Stab, mein Hort, mein Schuß; Ach, Gott, verlaß mich nicht! Amen. 1. April. Norgen. Ps. 90, 17. Der Herr, unser Gott, sei uns freundlich und fördere das Werk unserer Hände bei uns; ja das Werk unserer Hände wolle er fördern. Ewiger Gott! ich fange durch deine Güte einen neuen Tag an und weil ich nicht weiß, was darin mir begegnen kann, so befehle ich mich mit allem, was ich habe, in deinen Gnadenschutz. Begegne mir freundlich, mein Gott, wenn ich bete; sei freundlich gegen mich, wenn ich Raths bedarf; sei freundlich gegen mich, wenn ich betrübt bin; sei mir freundlich, wenn jedermann sich unfreundlich erzeigt. Deine Freundlichkeit fasset in sich Gnade, Friede der Seele, Vergebung der Sünden, eine süße und liebreiche Gemeinschaft und Verbindung mit dir. Die liebliche Stimme eines Freundes, ein frndliches Bezeigen ner Mutter kann nicht so erquickend sein, als wenn du mich innerlich freundlich anblickest. Wie oft hast du schon meinen zerschlagenen und geängsteten Geist aufgerichtet! Ach, Herr, laß leuchten dein Angesicht, so habe ich das Leben und volle Genüge. Fördere auch das Werk meiner Hände und segne mich in meinem Beruf, darin du mich gesetzt hast. Fördere meine Andacht, wenn ich meine Hände aufhebe zu deinem Heiligthum. Fördere mich in meinem Christenthum, daß ich immer eifriger zu dem Guten werde. Fördere durch deinen Segen mein Vorhaben, meine Arbeit im Leiblichen und an meiner Seele. Du bist mein Gott, mein alles, darum komme ich immer zu dir; dir übergebe ich mich, nach deinem Willen will ich leben; darin stärke und erhalte mich bis an mein Ende. Laß dich, Herr Jesu Christ, Durch mein Gebet bewegen, Komm' in mein Haus und Herz Und bring' mir deinen Segen. All' Arbeit, Müh' und Kunst Ohn' dich nichts richtet aus, Wo du in Gnaden bist, Kommt Segen in das Haus. Amen 183 Univ. Bist Glassen 1. April. Abend. Hiob 10, 14. Wenn ich fündige, so merkest du es bald. Allwissender Gott, ehe ich meine Augen zum Schlaf neige, hebe ich dieselben zu dir, und bitte dich um Vergebung meiner Sünden. Denn du merkest gar bald meine Vergehungen. Du weißt meine Tritte, hörst meine Worte, siehest meine Wege. Menschenaugen kann ich entfliehen, aber dir, allgegenwärtiger Gott, kann ich nicht verborgen bleiben. Du merkest auch meine Gedanken von ferne, die niemand wissen kann; du merkest meine Absichten, warum ich dieses und jenes thue. Schreibe mir dieses alles in mein Herz, daß ich desto behutsamer und frömmer werde. Ich will dabei den Trost fassen, daß du auch bald merkest, wenn Trübsal mein Gemüth ängstiget, oder mir Leiden von außen begegnet; wenn ich bete und schreie, wird dein Ohr darauf merken. Laß es mich auch bald merken, mein Gott, wenn ich sündige, durch innerliche Bestrafung und Schrecken über meine Sünde. Laß mich kein fühlloses Herz und Gewissen haben, sondern mache mich immer empfindlicher. Laß mich beständig erwägen, es sei ein Auge, das alles sieht, ein Ohr, das alles hört, eine Hand, die alles schreibt, ein Richter, dem nichts verborgen ist. Hast du mir aber meine Sünden kund gethan, und sagt mir mein Herz, daß ich gefehlt, so gib mir herzliche Neue und Leid darüber, daß ich sie dir abbitte und Gnade er lange. Gib mir Kraft und Stärke dazu, daß ich immer gehorsamer, reiner werden und dir bis in den Tod getreu bleiben möge. 184 Der Vater kennt dich! sei die Bahn Der Zukunft nicht verkündet: Des lieben Vaters Blicke sah'n, Was hier kein Aug' ergründet. Mit frommer Scheu sei ihm getreu; Der ew'gen Liebe Flügel Trägt dich auf Zions Hügel. Amen. 2. April. Morgen. Rom. 13, 14. Ziehet an den Herrn Jesum Christ, und wartet des Leibes, doch also, daß er nicht geil werde. 185 Gott, Vater, da ich nun meine Kleider anziehe, um vor Menschenaugen erscheinen zu können, so bewahre mich, daß ich nicht in die Thorheit der Kleiderpracht verfalle, sondern laß mich gedenken, daß der Leib, den ich sehe, dereinst zu Staub werde, meine unsichtbare Seele aber vor deinem Gerichte erscheinen und ein Urtheil empfangen werde, darauf ihr entweder ewig wohl, oder ewig weh sein wird. Darum laß mich vielmehr auf den Schmuck der Seele, als des Leibes bedacht sein, daß ich durch den Glauben den Herrn Jesum Christ anziehe, wenn er sich mit mir vereinigt, in mir wohnt und lebt. Ein Kleid schützt wider Hiße, Regen und Kälte: Jesus wendet alle Anfechtungen von meiner Seele ab. Ein schönes Kleid macht einen kranken Leib nicht gesund; aber Jesus heiligt meine Seele, stärkt sie im Guten, und theilt ihr neue Glaubenskräfte mit. Ziert ein Kleid den Menschen, daß ihn jedermann um des Kleides willen grüßt und ehrt, ob man ihn sonst nicht kennt, so ist Jesu Gerechtigkeit mein Schmuck und Ehrenkleid, darin ich vor dir, o Gott, bestehen und in den Himmel eingehen tann. Ziehet man mir im Sterben alle meine Kleider aus, so bleibe ich doch im Leben und Sterben mit deiner Gerechtigkeit geziert. Bewahre mich, daß ich dieses schöne Kleid nicht um der Welt- und Sündenlust willen hingebe, und meines Leibes mehr warte als meiner Seele, darüber solche verschmachten müßte. So nehme ich mein Kleid als eine Decke meines sündigen Leibes, und Jesum als die Zierde meiner Seele an. Ich habe Jesum angezogen Schon längst in meiner heiligen Tauf; Du bist mir auch daher gewogen, Hast mich zum Kind genommen auf; Mein Gott, ich bitt' durch Christi Blut: Mach's nur mit meinem Ende gut! Amen. 2. April. Abend. Pf. 119, 114. Du bist mein Schirm u. Schild, ich hoffe auf dein Wort, Gott, mein Fels, meine Burg und mein Erretter, fiche, die finstere Nacht tritt herein, nimm du mich in deinen Schutz, damit mir kein Uebel begegne. Du bist mein Schirm wider alles Leiden und alle Zufälle. Du weißt, was für Wetter der Trübsal auf mich warten; wenn du aber bei mir bist, so werden sie mir nicht schaden. Deine beschirmende Hand hat schon so viele Gefahr, Unglück und Schaden von mir abgewendet; und wer weiß, was heute für ein Ungewitter über mir geschwebt, welches dein Erbarmen ohne mein Wissen gnädig vorübergehen ließ, dafür ich dir herzlich und demüthig danke. Versprächen mir alle Könige der Erde ihren Schutz, so könnten sie mir in Krankheit und Tod nicht helfen; aber du, mein Gott, hast Macht, mich zu erretten und zu erfreuen. Du bist mein Schild wider meine Feinde; in deiner Kraft kann ich streiten wider meinen größten Feind, die Sünde, die in meinem Herzen liegt, daß ich alle Reizungen überwinde. Wollen Menschen sich wider mich setzen, so sei du der Schild für mich, der mein Haupt aufrichtet. Ich zweifle nicht, du werdest mein Gebet erhören, denn ich hoffe auf dein Wort; du hast mir's zugesagt, drum muß es auch geschehen. Das Schiff hält sich an den Anker, mein Herz an dein Wort, das nicht wanken kann. Sei auch in der Stunde meines Todes mein Schirm und Schild, daß ich durch das finstre Todesthal zum himmlischen Freudenlicht gelange, wo ich alles, was ich gehofft habe, im völligen Genuß erlangen werde. 186 Unter deinem Schirmen Bin ich vor den Stürmen Aller Feinde frei. Laß von Ungewittern Rings die Welt erzittern, Jesus steht mir bei! Wenn die Welt in Trümmer fällt, Wenn mich Sünd' und Höde schreden, Jesus wird mich decken. Amen. 3. April. Norgen. Hebr. 10, 38. Wer weichen wird, an dem wird meine Seele keinen Gefallen haben. Herr mein Gott, da die Sonne aufgegangen, so eile ich vor deinen Gnadenthron, dir zu danken für deinen gnädigen Schuß, und dich zu bitten, du wolleft mir deinen heiligen Geist mittheilen, daß ich heute dir von Herzen anhange und folge. Wie wohl ist meiner Seele, wenn sie in dir ruhet! Wie selig ist deine Gemeinschaft! Laß mich nimmermehr daraus fallen oder von dir weichen. Ein frommes und getreues Herz ist dir angenehm, darum habe ich mir vorgenommen, dir getreu zu bleiben bis in den Tod. Laß mich nicht weichen von meinem Glauben. Was hälfe es mich, eine Zeit lang glauben und zur Zeit der Anfechtung abfallen? aus Babel gehen, aus Aegypten ziehen und wieder hinein ziehen wollen? Laß mich nicht weichen von deiner Liebe, sondern sie mein Herz erfüllen, daß ich lieber alle Weltliebe fahren lasse, als dich betrüben. Laß mich nicht von dir weichen in Kreuz und Leiden, in Krankheit und Verachtung, sondern mich desto eifriger an dich halten. Wie viele Lockungen, von dir zu weichen, muß täglich mein Geist empfinden. Damit ich aber dir getreu bleibe, und nimmer von dir weiche, so weiche du nicht von mir. Wenn ich sündige, so nimm deinen heiligen Geist nicht von mir. Bin ich in deiner Kraft getreu, so wirst du an meiner Treue ein gnädiges Gefallen haben. Laß dir wohlgefallen mein Gebet, mein Verlangen und meinen ganzen Wandel. Herz zu mir auch in der Stunde meines Neige dein Todes, und nimm mich zum ewigen Leben auf. Von dir will ich nicht weichen, D weiche nicht von mir! In aller Dinge Reichen Gleicht keine Güte dir. 187 Wenn ich gen Himmel flöge, Wenn ich zum Brunn des Lichts Durch ferne Meere zöge, Geliebt'res find' ich nichts. Amen. 3. April. Abend. 1 Chron. 18, 16. Der König David kam und blieb vor dem Herrn, und sprach: Wer bin ich, Herr, Herr Gott, und was ist mein Haus, daß du mich bis hierher gebracht hast? Gütiger Gott, liebreicher Vater, erlaube mir, daß ich hier vor dir bleibe, ehe der Schlaf mich überfällt, um vor dir dankbarlich zu erwägen, was du mir Gutes gethan haft. Welche unverdiente Gnade ist es, dağ du mich von christlichen Eltern hast lassen geboren werden, welche mich bald nach der Geburt in die Arme deiner Barmherzigkeit gelegt und Sorge getragen, daß ich dich und den du gesandt hast, Jesum Christum, erkennen gelernt. Du hast mich überdies im Leiblichen versorgt, mir Nahrung und Kleidung beschert, bist mir in Gefahr beigestanden, hast mich aus Trübsal errettet, mein Gebet erhört, mich begleitet und bis diese Stunde mit deinen Gnadenflügeln bedeckt. Du haft mir dein Wort zur Leuchte und zum Licht, zum Trost und Unterricht gegeben und mich auch diesen Abend in deiner Liebe und in deinem Gnadenschutz erleben Lassen. Herr, wer bin ich? Ich bin Erde und Asche, ein Sünder, der dich oft beleidigt, und du hast mich doch nach deiner Güte bis hieher gebracht und erhalten. Verzeihe mir alle meine Sünden, und schenke mir deine mächtige Gnade, die mich vor Sünden bewahre und mein Herz versiegle mit dem Blut Christi, der die Versöhnung für meine Sünde ist. Ja, im Himmel will ich mit Jauchzen meiner Seele sagen: Wer bin ich, daß du mich aus so viel Leiden bis hierher ges bracht hast? Ja, du hast mich aus Tod und Staub zum Leben gebracht. 188 Gott, was ich bin, bin ich durch dich, Tief fühlt es mein Gemüthe. Auf Vaterhänden trugst du mich, Dein Weg mar lauter Güte. Herr, Ruhm sei dir, denn du hast mir In meinem ganzen Leben Viel gegeben, mas geb' ich dir dafür? Wie soll ich dich erheben? 4. April. Norgen. Phil. 1, 10. Auf daß ihr prüfen möget, was das Beste sei, auf daß ihr seid lauter und unanstößig bis auf den Tag Jesu Christi. 189 Gott, Vater, der Tag ruft mich wieder unter die Menschen, aber auch zu meinen Geschäften, darum laß mich in deinem Lichte immer prüfen und erwählen, was das Beste ist. Gib mir Kraft, zu prüfen meine Gedanken, meine und and'rer Leute Worte, ihr Thun und Lassen, Leben und Wandel. Gib mir den Geist der Weisheit und des Verstandes, daß ich das Gute von dem Bösen unterscheiden lerne, damit nicht mein armer Geist für das Licht die Finsterniß ergreife. Ich will und verlange nichts, als dir leben, dir gefallen, mit Jesu vereinigt bleiben und der Welt Lust meiden, so habe ich das beste Theil erwählt, das ewig bleibt. Behüte meine Seele, daß meine Gottesfurcht nicht Heuchelei sei, sondern lauter und ohne Falsch, daß ich also vor deinen Augen aufrichtig erfunden werde und nichts suche, als deine Ehre und meiner Seele Seligkeit. Alsdann werde ich auch vor der Menschen Augen unanstößig sein. Hilf, daß ich dem Vorbilde Jesu in der Liebe, Demuth, Sanftmuth und Gehorsam nachfolge, so werde ich nicht straucheln noch fallen. Laß mich in solcher Frömmigkeit verharren bis an den Tag, da du mich zur Himmelsfreude einführen wirst. Dieses ist mir ein verborgener Tag, doch kann ich heute vor deinen Richterstuhl gefordert werden; deßwegen laß mich allezeit im Glauben und in der Gottseligkeit ver harren bis an mein Ende. Gib die Weisheit meiner Seele, Daß ich deines Wortes Licht, Herr, allein zum Leitstern wähle Und ihm trau mit Zuversicht; Denn die Klugheit dieser Welt, Die der Thor für Weisheit hält, Fördert nicht mein Wohlergehen Und wird nie vor Gott bestehen. Amen. 4. April. Abend. Jer. 33, 11. Danket dem Herrn Zebaoth, daß er so gnädig ist und thut immerdar Gutes. 190 Liebreicher Gott, gnädiger Vater, ich komme mit Loben und Danken vor dein Angesicht für alles Gute, das ich heute von dir empfangen habe. Lob und Dant soll mein Morgen- und Abendopfer sein. Wie kann genugsam rühmen, was du Gutes an mir gethan haft! O daß ich eine Stimme hätte, die von Morgen bis gen Abend reichte, damit ich allen Menschen erzählen könnte, wie gnädig du bist. Beten und Danken ist deiner Kinder Arbeit; das soll auch meine Beschäftigung sein. Du hast mir, wenn ich dich bat, meine Sünden vergeben; wenn Kreuz und Leiden sich mir nahen wollte, mich verschont, und wenn es mich nach deinem Rath getroffen, daraus errettet. O der großen Gnade meines Gottes! Sie thut mir Gutes an meiner Seele; sie schenkt mir den heiligen Geist; sie legt mir in sei nem Worte die Schäße meiner Seligkeit vor und gibt mir Kraft, dieselben anzunehmen. Sie thut auch mei nem Leibe Gutes, schenkt mir Nahrung und Kleidung, bewahret meinen Ausgang und Eingang und segnet mich in meinem Beruf. Kein Fürst oder König kann immerdar Gutes thun, weil keiner alles hat; aber dir kommt es zu, weil du bist der Herr Zebaoth, der mächtige Gott, der alles in seinen Händen hat, dessen Güte währet ewiglich. So schließe ich den Tag mit Loben und Danken. Laß mich auch mit Loben und Danken von hinnen scheiden, so will ich in der Ewigkeit ein beständiges Hallelujah anstimmen. Ich will dich all mein Lebenlang, O Gott, von nun an ehren; Man soll, Gott, deinen Lobgesang An allen Orten hören; Mein ganzes Herz ermuntre sich, Mein Geist und Leib erfreue sich; Gebt unsrem Gott die Ehre! Amen. 5. April. Morgen. P. 119, 11. Jch behalte dein Wort in meinem Herzen, auf daß ich nicht wider dich fündige. 191 Treuer Gott und Vater, ich danke dir für den mächtigen Beistand, welchen du mir diese Nacht ge= leistet. Laß mir den Tag über deine Liebe vor Augen stehen, damit mich nichts von dir abwendig mache. Dein Wort ist die Regel und Nichtschnur, darnach ich meinen Wandel anstellen will. Es ist das Licht, das mir den Weg zum Himmel weist. Dein Wort behalte ich in meinem Herzen bei allen Gelegenheiten, daß ich in meinem Reden, Denken und Thun mich selbst frage: Ist das nicht wider das Wort und Gebot meines Gottes? Was hilft mir es, wenn ich deinen Bund in meinen Mund nehme, und doch Zucht hasse, und das Wort hinter mich werfe? Nein, ich will es als einen Schatz im Herzen behalten. Ich will hinfort nicht mehr mit Wissen und Willen wider dich fündigen; lieber sterben, als dich beleidigen, lieber in ein Feuer springen, als in eine Sünde willigen. Bewahre mich, daß ich nicht bösen Unterschied unter der Sünde mache, und mir nicht erlaube, was du mir verboten hast, oder für geringe Sünde halte, was dein Wort verboten hat. Behüte mich vor der Weltkinder Irrthum, die von vielen Sünden sprechen, es seien keine Sünden. Alles ist Sünde, was wider dein Gebot ist; dein Wort berbietet nicht allein die Sündenthat, sondern auch die Sündenlust. Ich will dich inskünftige fürchten und lieben als ein Kind, dich vor Augen und im Herzen haben. Herr, gib mir Stärke dazu, um deiner Güte willen. Gott, wir danken deiner Gnade, Daß du uns dein Wort geschenkt, Welches auf dem Lebenspfade Uns das Herz zum Himmel lenkt. Laß es dir zum Lob geschehen, Daß wir, wie dein Wort verheißt, Jego glauben, künftig sehen Gott, den Vater, Sohn und Geist. Amen. 5. April. Abend. Hiob 14, 12. Der Mensch vom Weibe geboren, lebet turze Zeit, gehet auf wie eine Blune, und fällt ab, fliehet wie ein Schatten, und bleibet nicht. 192 Ewiger Gott, es eilt ein Tag nach dem andern dahin, und wir eilen mit der Zeit zur Ewigkeit. Wo ist der heutige Tag hin? er ist mit der Sonne verschwunden; also vergehen meine Lebenstage. Laß mich hieran fleißig gedenken, auf daß ich sie dir zur Ehre hinbringe. Du läsfest mich eine Zeit lang als eine Blume blühen in Gesundheit und Wohlergehen. Ist in meinem Garten eine Blume schöner an Farben, lieblicher an Ceruch, reicher an Blättern, als die andern, so sind sie doch darin gleich, daß sie alle endlich abfallen, wenn fie verwelken, oder wenn ein Wind sie beugt, eine Hand sie abbricht, oder ein Wurm verletzt. Laß mich fleißig bedenken, daß ein Wurm der Krankheit, ja deine mächtige Hand auch mich bald niederlegen kann, und erinnere mich fleißig, daß du die Menschen, so mächtig sie auch in der Welt sind, nicht vergleichest mit Felsen, sondern mit hinfälligen Blumen, damit ich auf die Ewigkeit desto eifriger bedacht sei. Ist aber mein Leben wie eine vergängliche Blume, so ist auch alles, was ich habe, wie ein Schatten. Geht die Sonne unter, so flieht der Schatten und bleibt nicht. Ach, Gott, laß mich doch alles, was außer, neben und um mich ist, als ein flüchtiges Gut ansehen. Alle Herrlichkeit der Welt, Ehre, Reichthum, Ansehen, Macht der Menschen gehet mit dem Leben unter. Auch ich werde als eine Blume abfallen; aber ich weiß, daß ich alsdann mit Jesu zur ewigen Freude eingehen werde. Menschen sind zerbrechlich Glas, Nichtig Gras, Blumen, die nicht lange stehen; Ach, wie bald wird ihre Kraft Hingerafft; Wenn die Todeslüfte wehen! Unser Leben fleucht behende, Mensch, bedenke doch das Ende! Amen. 6. April. Morgen. 2 Tim. 2, 22. Fliehe die Lüste der Jugend; der Gerechtigkeit, dem Glauben, der Liebe, dem jage aber nach Frieden mit alen, die den Herrn anrufen mit reinem Herzen. Heiliger Gott, siehe, die Nacht ist vergangen, der Tag Herbeigekommen; laß mich denselben als dein Kind zu deinem Ruhm anwenden. Reinige du selbst mein Herz von allen sündlichen Lüsten. Alle Sünden- und Luftwege, böse Gesellschaften und eitle Ergeßungen, welche die Jugend und das Alter zuweilen als ein erlaubtes Vergnügen achtet, laß mich mit Fleiß meiden, weil sie mein Gemüth zerstreuen und mein Gewissen verlezzen. Hingegen laß mich mit Eifer und Fleiß suchen die Gerechtigkeit, sowohl die Gerechtigkeit Jesu, daß ich darein mein Heil gründe, als auch die Gerechtigkeit des Lebens, daß ich niemand weder mit Worten noch mit Werken unrecht thue. Laß mich im Glauben täglich zunehmen, daß ich dich immer besser erkennen lerne durch fleißiges Lesen und Hören deines Worts. Laß mich Liebe üben gegen jedermann, daß ich nicht allein meinen Feinden gern verzeihe, wie du mir meine Sünden verzeihest, sondern auch den Armen helfe, die Elenden tröste, den Verlassenen beistehe, und jedermann trachte Gutes zu thun. Schenke mir den Seelenfrieden in dem Blute des Lammes durch die Vergebung aller meiner Sünden, damit auch der äußerliche Friede mich erfreuen möge. Laß mich dieses aus reinem Herzen er= langen und genießen, wie es deinen Kindern geziemt, die deinen Namen anrufen. Sie sind durch Jesu Blut gereinigt, sie haben alle Einen Sinn, Einen Trieb; den laß auch an mir sich offenbaren Wir entsagen willig allen Eitelkeiten, Aller Erdenluft und Freuden. Da liegt unser Wille, Seele, Leib und Leben, Dir zum Eigenthum ergeben; Du allein Sollst es sein 193 Unser Gott und Herre, Dir gebührt die Ehre! Etart's Morgen und Abend- Andachten. 13 6. April. Abend. Phil. 4, 7. Der Friede Gottes, welcher höher ist, denn alle Bernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christo Jesu. 194 Gnadenreicher Gott, verzeihe mir alle meine Sünden, die ich bereue. Ich trete im Glauben zu Jesu Christo, welcher mit seinem Tod am Kreuze Frieden erworben hat. Ich verspreche, hinfort in Frieden mit dir zu leben und dich nicht mehr zu erzürnen. Dein Friede ist ein wahrer und ewiger Friede. Menschen machen Frieden und halten ihn nicht; aber der Friede Gottes fließt aus seiner ewigen Quelle, ist mit Jesu Blut versiegelt und durch den heiligen Geist in meinem Herzen bekräftigt. Schenke mir diesen Frieden, dadurch ich von der Welt zu dir gezogen werde, daß ich in dir lebe, in dir denke und bin, und von aller Verdammniß des Gewissens frei, einen Vorschmack des himmlischen Friedens genieße, der höher ist, denn alle Vernunft. Laß mich in solchen seligen Stand treten und bewahre mich darin durch deine Gnade. Und weil die äußeren Sinne oft den Frieden mit dir stören, ja gár brechen, so gib Gnade, daß ich meine Augen und Ohren zuhalte vor allem, was böse Gedanken erwecken und den Frieden von meinem Herzen nehmen kann. Ja bezähme auch meinen Willen und Gedanken, daß sie niemals ausschweifen. Herr Jesu, du hast uns den Frieden erworben, du bist selbst unser Friede; dir soll mein ganzes Leben geheiligt sein. Also bleibe ich in dir und du in mir; dein Geist heiligt mein Herz, deine Gnade bringt mich zum Genuß aller himmlischen Güter; Herz und Sinn wenden sich zu dir und erlangen Stärke in dir. Kommt es zum Sterben, so laß mich im Frieden fahren und in die Häuser des Friedens gelangen. Frieden, ach Frieden, den göttlichen Frieden Vom Vater durch Christum im heiligen Geist, Ach, wie erlanget das Herz ihn hienieden, Daß es mit Freuden zur Ewigkeit reist? Den sollen die glaubigen Seelen erlangen, Die alles verleugnen und Christo anhangen. 7. April. Norgen. f. 16, 8. Ich habe den Herrn allezeit vor Augen, denn er ist mir zur Rechten, darum werde ich wohl bleiben. Mein Herr und mein Gott, gib mir Kraft in dem Lichte deines heiligen Geistes, daß ich dich alle= zeit vor Augen habe. Du siehest, was ich vornehme und thue, du weißt alle meine Gedanken, du höreft alle meine Worte. Dieses wird mich behutsam machen, daß ich nicht wider dich fündige. Was meine leiblichen Augen nicht sehen, das will ich meiner Seele durch deine Gnade desto tiefer eindrücken. Hätte Eva gedacht, der Herr stünde neben dem verbotenen Baum, hörte ihr Gespräch mit der Schlange, sähe das Ausstrecken ihrer Hände nach der Frucht, vielleicht hätte sie behutsamer geredet und gethan. Diese deine Gegenwart laß mich nimmer vergessen. Scheuet sich ein Kind, in Gegenwart der Eltern Muthwillen zu treiben, so laß mich dich, mein Vater, immer vor Augen haben, daß ich nicht allein der Menschen Augen scheue, sondern am meisten deine Augen, welche heller sind als die Sonne. Sei auch heute mein Schutz, stehe mir bei in meinem Beruf, begleite mich aller Orten. Wenn ja eine Sünde mich übereilte, so verwirf mich darum nicht, sondern bringe mich durch deinen Geist wieder zurecht. Bist du also nahe um mich und bei mir, so werde ich wohl bleiben, so wird mich keine Trübsal überwältigen. Bleibe mir zur Seite und stärke mich, daß ich auch fest an dir bleibe im Leben und Sterben. Ich werde auch dein Erbe bleiben und nach dem Tode zu den vollen Strömen deiner Lieblichkeit gelangen, wovon du in diesem Leben meiner Seele zuweilen etliche Tropfen zu schmecken gibst. Gott mit mir! o welche Freude. Mit ihm hab' ich Muth und Kraft, Mit ihm hab' ich Trost im Leide, Kunst, Verstand und Wissenschaft. Fragt ihr: Mensch, wer hilft dir so? Gott mit mir, deß bin ich froh. Amen. 195 196 7. April. Abend. Jef. 40, 29. Er gibt den Müden Kraft und Stärke genug den Unvermögenden Allmächtiger Gott, mein müder Leib sehnet sich nach Ruhe. Erneuere im Schlaf meine Kraft. Gib auch meiner weltmüden Seele Kraft, in deiner Liebe zu verharren. Ich bin der Sünde, der Welt Eitelkeit, Thorheit und Bosheit müde. Gib mir Kraft, der Sünde zu widerstehen, die Welt zu überwinden, des Fleisches Lüste zu kreuzigen. Kranke suchen Stärke und Kraft in Arznei, Gesunde in Speise und Trank; doch wenn dein Segen nicht dabei ist, so wird der Zweck nicht erreicht; aber dein Geben ist mein Leben. Von Natur bin ich todt zu allem Guten, blind und bloß; aber wenn dein Geist mein Herz belebt, wenn Jesus in mir wohnt, so bekomme ich neue Kraft; ich vermag alles durch den, der mich mächtig macht, Christus. Stärke mich in meinem Glauben, in deiner Liebe, in meinem Vorhaben, dir allein anzuhangen und zu dienen. Laß mich im Kampf wider die Sünde nicht müde werden, wenn auch der alte Adam sich nicht will an Jesu Kreuz hesten. Laß mich im Gebet nicht müde werden, wenn die Hilfe verzieht. Ich übergebe dir meine Seele zum Eigenthum, bewahre sie, daß nicht beflecket werde, heilige sie, daß sie auf ewig mit dir vereinigt bleibe, gib ihr Kraft, wider die Welt und Sünde zu kämpfen und also dir getreu zu bleiben bis in den Tod. Kommt es mit mir zum Sterben, ist der Leib matt und müde von Krankheit und Schmerzen, der Geist unvermögend zu beten, so laß Jesum für mich beten und deinen heiligen Geist mich vertreten. Sprich meiner Seele herzlich zu Und tröste sie auf's beste; Denn du bist ja der Müden Ruh', Der Schwachen Thurm und Feste, Ein Schatten vor der Sonnenglut, Die Hütte, da man sicher ruht Jm Sturm und Ungewitter. Amen. 8. April. Morgen. 1. Petr. 1, 15. Nach dem, der euch berufen hat, und heilig ist, seid auch ihr heilig in allem eurem Wandel. Heiliger Gott, laß mich diesen Tag auch heilig vor dir wandeln. Du hast mich nicht berufen zur Unreinigkeit, sondern zur Heiligung. Dieser Beruf ist an mich ergangen in der Taufe und ergeht an mich, so oft ich dein Wort lese oder höre. Du rufest mich täglich durch innerliche Bestrafungen, da du mich an meine Kindespflicht erinnerst. Laß mich dem Beruf fleißig nachkommen. Wozu du mich berufst, dazu gibſt du mir auch Kraft. Meinen irdisch gesinnte Menschen, es könne niemand auf Erden heilig werden: so laß mich deinen Befehl also annehmen, daß du mich selbst heiligen werdest durch das Blut Jesu. Du bist heilig in deinem Wesen, heilig in deinem Thun, und haft mir eben damit ein Vorbild gegeben, daß ich dir nachfolgen kann. Laß mich durch deine Kraft befleißigen heiliger Gedanken und heiliger Worte, die aus einem geheiligten und von dir bewohnten Herzen fließen. Laß auch meinen Wandel heilig sein, daß ich fliehe die vergängliche Lust der Welt. Ich erkenne wohl, daß es nicht genug sei, heilig zu reden, sondern daß es in allem Thun hervorleuchten muß. Du siehest aber meine Schwachheit, und wie oft ich von einem Fehler über= eilt werde, darum gib mir Gnade, daß ich zunehme mit Wachsamkeit über mich selbst, mich vor allen Befleckungen des Fleisches und des Geistes zu bewahren. Ja, weil ohne die Heiligung dich niemand schauen wird, so laß mich in deines Geistes Licht aus einer Klarheit zur andern gelangen. Nun so gib, daß meine Seele Auch nach deinem Bild erwacht: 197 Du bist ja, den ich erwähle, Mir zur Heiligung gemacht! Was dienet zum göttlichen Wandel und Leben, Ist in dir, mein Heiland, mir alles gegeben; Entreiße mich aller vergänglichen Lust; Dein Leben sei, Jesu, mir einzig bewußt' 8. April. Abend. Luc. 24, 47. Christus hat predigen lassen in seinem Namen Buße und Vergebung der Sünden 198 Herr Jesu, ehe ich mich schlafen lege, will ich dich herzlich um Vergebung meiner Sünden bitten. Dein Name sei gepriesen, daß du solche noch allezeit predigen läsfest. Mich mit Gott zu versöhnen, und meine Sünden zu tilgen, kamest du vom Himmel; ließest dich als ein unschuldiges Lamm würgen, meine Sündenschuld wegzunehmen, und mir die Gnade zu er werben. Habe Dank für diese trostreiche Predigt, welche mir den Himmel eröffnet, daß ich auch soll Theil haben an dem ewigen Heil. Laß auch mich Gnade und Barmherzigkeit empfangen. Vergebung der Sünden hast du selbst gepredigt, da du als das unschuldige Lamm dich am Kreuz erwürgen, hernach aber durch die Apostel in der ganzen Welt haft kund thun lassen. Welch' ein Trost ist das: Jesus nimmt die Sünder an. In seinem Namen sollen alle, die ihn glaubig anrufen, selig werden. Denn Jesus ist das Heil der Sünder und der Selig macher des menschlichen Geschlechts; darum bist du auch mein Versöhner, mein Heil, mein Friede. Ich lege mich als ein armer Sünder vor deinem Kreuz nieder; laß dein Blut auf mich fließen und mich der Ver gebung meiner Uebertretungen theilhaftig werden. Ich verspreche dir, durch deines Geistes Beistand ein neues Leben zu führen, die Sünden zu meiden, dir hinfort zu folgen und deiner nicht wieder zu vergessen. So lege ich mich versöhnt zur Ruhe und kann auch in der Stunde des Todes meine Seele als versöhnt und mit deinem Blute gewaschen dir übergeben Vergib mir meine Sünden Und wirf sie hinter dich; Laß allen Zorn verschwinden Und hilf mir gnädiglich. Laß deine Friedensgaben Mein armes Herze laben; Ach, Herr, erhöre mich! Amen. 9. April. Norgen. Gal. 5, 16. Wandelt im Geist, so werdet ihr die Lüfte des Fleisches nicht vollbringen. 199 Heiliger Gott, vor dessen Augen alles bloß und aufgedeckt steht, da ich nun wieder unter Menschen wandeln muß, so übergebe ich mich der Führung deines heiligen Geistes, daß ich nach desselben Trieb meinen Gang richten möge. Was im Herzen verborgen ist, offenbart sich im Wandel. Denn obschon ein Heuchler sich schön stellt, so offenbart sich doch endlich die Unlauterkeit seines Herzens. Laß mich des heiligen Geistes Tempel sein, so wandlę ich mit ihm und in ihm. Erwecke in mir unermüdeten Fleiß, zu üben, was du befohlen hast, hingegen alles zu meiden, was nur einen Schein des Bösen hat, daß mir kein Weg recht sei, welchen ich nicht in der Gemeinschaft und unter der Führung deines Geistes wandeln kann. Laß ihn mich inwendig mit Licht und Glauben, Gottesfurcht und Frömmigkeit erfüllen, auswendig aber meinen Wandel nach dem Vorbilde Jesu, in seiner Liebe, Demuth, Sanftmuth und Reinigkeit richten. Gott, wie oft muß ich die Lüste des Fleisches empfinden! wie reizen, locken und brennen sie, wie oft werden sie auch von außen gereizt ohne und wider meinen Willen! Verleihe mir Kraft, daß ich sie nicht vollbringe. Sie sind schwer zu überwinden, weil sie inwendig im Herzen entstehen, welches eine Neigung hat zum Zorn, Ueppigkeit Eitelkeit, Stolz und Frechheit. Nun, Herr, was du mir befiehlft, mußt du selbst in mir wirken, du mußt mir Kraft dazu geben, und meinen Willen lenten. Es ist mir leid, daß ich so lange nach dem Fleisch gewandelt habe; nun soll dir mein übriges Leben aufgeopfert sein. Du hast ja einen neuen Geist Bereits in mich gegeben; So lasse, wie dein Wort mich heißt, Mich auch im Geiste leben, So müsse meine Seele rein, So muß mein Leib ein Tempel sein Und Gott zum Dienst geheiligt. 9. April. Abend. P₁. 119, 132. Wende dich zu mir und sei mir gnädig, wie du pflegst zu thun denen, die deinen Namen lieben. Gnadenreicher Gott, die Sonne hat sich von mir gewandt: wende du dich zu mir, so fürchte ich mich nicht. Wende dich zu mir mit deiner Gnade und vergib mir meine Sünde; wende dich zu mir mit deinem Schuß, so ruhe ich sanft. Habe ich heute mich von dir gewendet, bin ich einem Andern nachgeeilt, so wende dich darum nicht von mir. Wenn du dich zu einer Seele wendest, so wird sie vom Thau deiner Gnade erquickt. Wende dich auch zu mir, gnädiger Gott, und laß mich in dir Licht und Stärke zum Guten erlangen. Siehe, ich kehre um zu dir, sehr zerstreut und verwundet; sammle mich wieder in dir und heile mich. Ich bereue meine Sünden, laß mir Gnade widerfahren. Wie sich ein Vater über seine Kinder erbarmt, so erbarme dich auch über mich. Wendest du dein Herz zu mir, so wird meine Missethat getilgt und mein Herz erfreut. Pflegest du denen, die dich lieben und dir allein leben, gnädig zu sein, so laß deine Gnade auch meine Liebe gegen dich entzünden. Ja, mein Gott, ich liebe dich und beklage, daß ich dich nicht genug lieben kann. Sollte ich dich nicht lieben, der du mir so viel Gutes an Leib und Seele gethan hast? Auf, meine Seele, liebe deinen Gott, er hat dich zuerst geliebet, da du ihn noch nicht kanntest, und noch nicht lieben konntest. Gott, laß meine Liebe zu dir ferner eine beständige sein, daß mich nichts von dir abwendig mache. Denen, die dich lieben, hast du Gnade und Barmherzigkeit zugesagt: darum will ich dich lieben. Befestige mich in diesem Vorhaben bis an mein Ende; sei mir gnädig und nimm mich zu deinen Freuden ein. Ja, dich will ich von ganzem Herzen, Mein Vater, lieben, dich allein! 200 Ich will im Glück und auch in Schmerzen Mich einzig deiner Liebe freu'n; Und daß ich's fönne, schenke du Mir Schwachem selbst die Kraft dazu. 10. April. Morgen. 1 Kor. 6, 17. Wer dem Herrn anhanget, der wird Ein Geist mit ihm. 201 Liebreicher Gott, da ich unter deinem Segen das Tageslicht erreicht habe, so wende ich zu dir mein Herz: sei du heute meine Freude, mein Licht, mein Trost und Leben, daß ich dir allein anhange und von dir neues Licht und neues Leben empfange. Ohne Anhangen kann meine Seele nicht sein; jeder Mensch liebet, suchet und verlanget etwas und hanget ihm an; darum sollst du es allein sein, an dem ich hangen will. Ich hange an dir, wie eine Rebe am Weinstock; laß mich Früchte der Liebe, Demuth und Geduld bringen. Ich hange an dir in Lieb und Leid, im Leben und Sterben. Laß mich ohne dich nichts wollen und begehren, ohne dich nichts vornehmen und thun. Wie unglücklich sind die, welche der Welt anhangen! wie wird ihr Geist beunruhigt, ihr Gewissen befleckt! sie müssen in Sünden willigen, Böses thun und dich beleidigen. Davor behüte mich, mein treuer Gott und Vater, und laß mich von deiner Liebe nimmermehr getrennt, sondern mit dir ein Geist werden. Alsdann lebe ich nicht mehr, sondern Christus und sein Geist lebet in mir. Laß mich also mit dir vereinigt sein und bleiben, damit nichts mehr mich von dir abwendig machen könne. Ich entsage aller Verbindung mit der Welt, ihren Lüsten und Ünarten. Bin ich ein Geist mit ihr gewesen, habe damit meine Seele aufgehalten und von dir mich entfernt, so ist mir's leid. Siehe, ich wünsche und verlange, in der Ewigkeit bei dir und um dich zu sein und deiner Herrlichkeit theilhaftig zu werden. So knüpfe denn das Band zwischen dir und mir immer fester, daß du in mir lebest und ich in dir, hier in der Zeit und dort in der Ewigkeit. Die dem Herrn anhangen, Sind mit ein Geist, Wollen und verlangen, Was er will und heißt, Wünschen und begehren Immer fromm und still Nur was er bescheren Und gewähren will. Amen. 10. April. Abend. 2 Petr. 3, 13. Wir warten eines neuen Himmels und einer neuen Erde nach seiner Verheißung, in welchen Gerechtigkeit wohnet. 202 Ewiger Gott, siehe, Himmel und Erde bedecken sich mit Finsterniß, aber bei dir ist es immer licht. Der Himmel, deiner Hände Werk, muß vergehen; die Erde mit ihren Schäßzen, Früchten und Blumen ist zum Feuer verspart; darum laß mich nimmermehr meine Lust an irdischen und sichtbaren, viel weniger an fündlichen Dingen haben. Wie der heutige Tag ver: gangen ist, so wird auch mein Leben, so wird alles Sichtbare verschwinden; das sind alles flüchtige und nichtige Dinge, die mich verlassen und welche ich verlassen muß. Gott, lehre mich dieses fleißig bedenken, daß ich alles gerne fahren lasse, wenn ich nur dich haben kann. Meinen die irdisch gesinnten Menschen, es sei nirgend besser, als auf Erden; sprechen sie spöt tischer Weise, sie wüßten, was sie hätten, aber nicht, was fie bekommen werden, die glauben deine Worte nicht; ich aber erwarte einen neuen Himmel und eine neue Erde, da ist Freude die Fülle und liebliches Wesen ewiglich. Da wird kein Tod mehr sein, noch Leid, noch Ge schrei, noch Schmerz, da wirst du selbst bei den Menschen wohnen und abwischen alle Thränen von ihren Augen. Da will ich dein Angesicht schauen in Gerechtigkeit. Da wohnet Gerechtigkeit, dahin kommen keine Ungerechten. So laß denn auch an mir alles neu werden, Sinn, Willen und Leben, daß alles Alte nicht mehr zu finden sei. Laß mich durch Buße und Glauben neu werden, ein neues und dir gefälliges Leben führen, daß ich auch in den neuen Himmel, auf die neue Erde gelangen möge. Laß alles Alte an mir sterben, Und mache selber alles neu, Mach' mich zu der Verheißung Erben, Und in dem Warten froh und treu, Bis alles neu und alles da, Dem hier der Glaub' entgegen sah. Amen. 11. April. Morgen. Hebr. 12, 14. Jaget nach dem Frieden und der Heiligung, ohne welche niemand wird den Herrn sehen. 203 Gott, schenke mir den Frieden, den mir Jesus durch sein Leiden und Sterben erworben, und welchen die Engel auf Erden verkündigt haben. Der ist mein einziger Schatz, Trost und Freude, den suche ich, darum bitte ich dich, dem jage ich nach, bis ich ihn bekomme. Nachjagen machet Mühe und Beschwerlichkeit. Mein alter Adam will von keiner Aenderung und Heiligung wif sen; aber laß mich die Mühe mit Freuden auf mich nehmen, gerne ringen und kämpfen: diese Mühe wird im Himmel wohl belohnet werden. Laß mich aber auch mit Fleiß trachten nach dem Frieden mit meinem Nächsten, daß ich recht gern verzeihe, und mich auch ungebeten versöhnen lasse. Hast du mich aber in Christo Jesu begnadigt, so laß mich des Friedens durch ein ungeheiligtes Leben nicht verlustig werden, sondern mit allem Fleiß nach der Heiligung streben. Heilige mein Herz und mein ganzes Leben, daß meine Schritte und Tritte, mein Ausgang und Eingang geheiliget sei. Lağ mich in solcher Heiligung immer zunehmen, ohne welche niemand dein Angesicht sehen kann. Denn nichts Un heiliges wird in das neue Jerusalem eingehen. Ist dein Angesicht sehen die höchste Freude, so muß dein Antlig nicht sehen die größte Verdammniß sein; darum will ich gerne alle Sünden meiden, nur daß ich ewig bei dir sein möge. Bewahre mich, daß ich die Heiligung nicht verspare bis in die letzte Lebensstunde, sondern sie heute noch anfange, darin beharre, darin sterbe und selig werde. Herr, laß mich deine Heiligung Durch deinen Geist erlangen. Du hast die Sinnesänderung Selbst in mir angefangen; Dein Geist wirkt Heiligung allein, Nur deine Kraft macht Herzen rein, Seit du zu Gott gegangen. 11. April. Abend. Maleach. 3, 16. Der Herr merkt es und höret es, und ist vor ihm ein Denkzettel geschrieben für die, so den Herrn fürchten, und an seinen Namen gedenken. 204 Herr, Herr, gnädig, barmherzig, von großer Güte und Treue, ich erinnere mich an meine Sünden, und bitte herzlich um Gnade. Wie fürchte ich mich vor dem Denkzettel, darin meine Untugenden und Üebertretungen dir vor Augen liegen. Durchstreiche ihn mit dem Blute Jesu, daß meiner Sünden in Ewigkeit nicht wieder gedacht werde. Hefte ihn an das Kreuz Jesu, als des Sündentilgers und der Zuflucht aller Sünder. Ich kann vor dir nichts verbergen; denn nicht allein hörest und siehest du alles, was ich vollbringe, sondern merkest auch meine Gedanken von ferne. Hast du aber meine Sünden von deinen Augen weggethan, so denke ich an einen andern Denkzettel, darein du meinen Namen geschrieben hast unter die Namen deiner Glaubigen und Außerwählten. In diesem stehet geschrieben mein Kreuz, wie viel ich tragen soll; mein Leiden, wie lange es dauern soll; meine Thränen, mein Gebet, deine Liebe. Verleihe mir Kraft, daß ich dich fürchte wie ein Kind seinen Vater. Diese Furcht soll ein Zaun um mein Herz und Leben sein, daß ich aus den Schranken deiner Gebote nicht trete und deine Gnade nicht verscherze. Ich will bei allen Gelegenheiten an deinen Namen gedenken: an deine Allmacht, wenn ich verlassen bin; an deine Treue in meinem Elende; an dein Erbarmen in Krankheit und im Sterben. Kommt meine letzte Stunde, so laß meine Sünden getilgt und meinen Namen im Buch des Lebens eingeschrieben sein. Ach, Gott, gedenke mein! Zwar nicht an meine Sünde, Wodurch ich mich des Rechts Der Kindschaft selbst entbinde; Ach, nein, im besten laß Mich dir befohlen sein: Gedenk' an Gnad' für Recht; Ich, Gott, gedenke mein! 12. April. Morgen. f. 45, 11. 12. Höre, Tochter, schaue darauf, und neige deine Ohren, vergiß deines Volks und deines Vaters Haus; so wird der König Lust an deiner Schöne haben; denn er ist dein Herr, und du sollst ihn anbeten. Großer Gott, du bist mein Herr, der mich erschaffen, erlöst und geheiligt hat; niemand hat Recht und Macht über mich, als du allein. Darum bewahre mich, daß ich nicht wie ein untreuer Knecht dir entlaufe, sondern mich unter deine gewaltige Hand beuge, und willig meine Ohren neige zu deinem Befehl. Du befiehlst mir nichts, als was mir nöthig ist, um gottselig zu leben in dieser Welt und dort die Herrlichkeit zu erlangen. Du stellest mir deine Kinder vor Augen, welche dem Evangelium würdig wandeln, und Jesus hat mir ein vollkommenes Vorbild gelassen, dem nachfolgen soll. Ich weiß, ich muß anders hören, anders schauen und anders wandeln, wenn ich unter die Töchter Zions, deine gehorsamen Kinder, will ge= zählt werden. Hilf mir kämpfen, widerstehen und überwinden, du starker und mächtiger Gott! Alsdann vergesse ich auch meines Volks und sehe nicht darauf, was andere von meinem Stande, von meinem Alter thun, sondern was du, mein Herr, erlaubst. Ich verlasse dir zu Ehren meines Volkes Wege und Sitten, Werke und Wandel, Reden und Thaten, und lasse Jesum nicht aus meinem Herzen. Herr, mein Gott, erhalte mich in solcher Gnade, so bete ich dich allein an, so lebe ich dir und diene dir allein, und dir wird das Werk, daß du in mir angefangen, wohlgefallen. Schenke, Herr, auf meine Bitte Mir ein göttliches Gemüthe, Einen königlichen Geist; Mich als dir verlobt zu tragen, 205 Allem freudig abzusagen Was nur Welt und irdisch heißt. Amen. 12. April. Abend. Jef. 59, 12. Unfrer Uebertretungen vor dir sind zu viel, und unsre Sünden antworten wider uns; denn unsere Uebertretungen find bei uns, und wir fühlen unsre Sünden. 206 Gerechter Gott, viele sind heute deiner Wohlthaten gewesen! Ich habe deines Geistes Anklopfen wohl gespürt, wenn mein Eigenwille deinem heiligen Willen widerstrebte; darum sind meiner Uebertretungen viel geworden. Jesu, du Lamm Gottes, laß mir Barmherzigkeit widerfahren, besprenge mich mit deinem Blute zur Reinigung und Heiligung meiner Seele. Antworten meine Sünden wider mich, so antworte du für mich, mein Fürsprecher und Erbarmer. Laß mich nicht wegen des Stillschweigens meines Gewissens sicher werden, sondern fleißig erwägen, daß alle meine Sünden auf dein Buch geschrieben sind. Wenn du nun, und was du wirst fragen, darauf wird es antworten: ich fühle jetzt meine Sünde. Was mir vorher eine Lust war, ist mir nun eine Last. Ich fühle die Anklagen des Gewissens, welches mir schon das Todesurtheil spricht; denn meine Sünden sind bei und vor mir. Was ich Unrechtes gedacht, geredet und vollbracht, stehet mir vor Augen. Ich fühle, daß die Sünden nicht bald vergeben sind, als sie begangen werden, sondern bei uns bleiben, wie Flecken am Kleide, wie ein Ankläger bei dem, der Böses gethan hat. Gott, laß mich wieder Freudigkeit finden, und vergib mir meine Uebertretungen; ich lege mich nieder vor dem Throne deiner Gnade mit gebeugtem Herzen, und bitte um Gnade. Erneure, reinige und heilige dasselbe durch dein Blut, auf daß in meiner Todesstunde alle meine Sünden auf ewig getilgt und vergeben bleiben. So schlafe ich jetzt in deinem Frieden ein. Wenn mich die Sünden fränken, So kann ich noch allein An den Verfühner denken: Herr, hilf mir, ich bin dein!" 11 13. April. Norgen. 1 Mos. 39, 9. Wie sollte ich ein solch' großes Uebel thun, und wider Gott fündigen? 207 Heiliger und gerechter Gott, ich fange in deinem Namen diesen Tag an; bewahre meine Seele, daß ich nicht wider dich fündige. Wie sollte ich ein solch großes Uebel thun und wider Gott sündigen? also will ich sprechen zu denen, die mich zur Sünde locken und mir dieselbe leicht machen wollen. Alsdann laß deinen heiligen Geist, der Josephs Leib und Gewissen unbefleckt behütet hat, mich auch erinnern, strafen, abhalten. Laß mich in deines Geistes Licht die Sünde allezeit als eine Schlange, als ein Verderben meiner Seele, und also als ein großes Uebel ansehen. Ist es eine Todfünde, sich gegen seinen König empören, seinen Vater schmähen; welch großes Uebel ist es dann, dich, meinen treuen Vater und Wohlthäter, muthwillig beleidigen, und deine Majestät mit Wissethaten zum Zorn reizen? Ist es ein großes Uebel, Hab und Gut zu verlieren, an seiner Gesundheit Schaden leiden: gewißlich, deine Gnade verlieren, an der Seele Schaden leiden, aus dem Himmel ausgeschlossen, und zur Hölle verstoßen werden, ist ein viel größeres Uebel. Solches Uebel ziehe ich auf meinen Leib und meine Seele, wenn ich wider dich, mein Gott, sündige. Erwecke in mir einen Abschen vor der Sünde all mein Leben lang, und bewahre mich, daß ich nicht nach der Weltweise denke, sondern alle, auch die geringsten Sünden, für ein Uebel halte. Nun, mein Gott, ich will nicht mehr muthwillig fündigen, ja vielmehr vor der Sünde fliehen; gib du mir Kraft und Stärke dazu. Herr, deine Treu' und Gnade Bewahre jederzeit Mich auf dem schmalen Pfade, Daß ich in allem Streit Das Fleisch, das mich will binden, Durch dich mög' überwinden In wahrer Heiligkeit. Amen 13. April. Abend. Pf. 143, 2. Herr, gehe nicht in's Gericht mit deinem Knecht, denn vor dir ist kein Lebendiger gerecht. 208 Gerechter Gott, ehe ich mich zu Nuhe lege, bitte dich um Vergebung meiner Sünden. Ich weiß, daß ich einmal vor Gericht erscheinen muß; denn dem Men schen ist gesetzt, einmal zu sterben, hernach das Gericht; darum will ich mich selbst jetzt vor dein Gericht stellen, meine Uebertretung bekennen, und in dem Blute Jesu die Versöhnung suchen. Du bist ein allwissender Richter, der alle meine Thaten und Tücke weiß. Du bist ein ge rechter Richter, der einem jeden lohnet, nach dem er gehandelt hat. Komme ich vor dein Angesicht, so gehe nicht mit mir in's Gericht, daß du wolltest wegen meiner Gedanken, Worte und Werke eine Untersuchung vor nehmen, mich deßwegen zur Rede stellen und strafen, sondern laß mich alsdann als ein begnadigtes Kind erfunden werden, und durch den Tod in's Leben dringen. Jesus ist ja an meiner Statt vor Gericht gestanden, darum laß mich frei ausgehen von aller Anklage. Ja, mein Heiland, tritt du mit mir vor das Gericht, bitte für mich und laß mich Gnade erlangen. Geschieht das nicht, so ist vor dir, o Gott, kein Lebendiger gerecht. Komme ich ohne dich, Herr Jesu, ohne deine Gerechtigkeit, so muß ich als ein Ungerechter und Gottloser verstoßen und verdammt werden; aber durch dich werde ich gerecht, geheiligt, gereinigt und angenehm gemacht. Laß mich an dieses Gericht fleißig gedenken, sonderlich wenn mich Fleisch und Blut und die Welt zur Sünde reizen, daß ich immer gedenke: Werde ich auch das vor deinem Gerichte verantworten können? Gehe auch mit mir nicht in's Gericht, sondern laß mich Barmherzigkeit empfangen. Herr, willst du Lohn nach Werken geben, So muß der Knecht auch vor dir beben; Ach, geh' mit ihm nicht in's Gericht! Wer ist von allen, die hier leben, Gerecht vor deinem Angesicht? Amen. 14. April. Morgen. 1 Kor 10, 31. Jhr effet oder trinket, oder was ihr thut, so thut es alles zu Gottes Ehre. Gnadenreicher Gott, unter deinem Schutz habe ich diesen Tag erlebt; verleihe mir Kraft, denselben zu deiner Ehre anzuwenden, damit du an mir Wohlgefallen haben könnest. Wenn ich nun heute deiner Gaben ge= nießen werde, welche du zur Erhaltung meines Lebens beschereft, so bewahre mich vor Ünmäßigkeit: laß mich dagegen essen und trinken dir zur Ehre und mit Dankfagung empfangen mein tägliches Brod. Laß mein Herz nicht auf die Thorheit gerathen, daß ich nach der Weise des großen Haufens gedenke, daß man sich müsse in der Welt lustig machen. Nein, alle Luft sei ferne von mir, welche die Lust an dir dämpfen kann. Laß mich beim Essen und Trinken gedenken: das reicht mir mein Gott dar, daß ich alles in seiner Gegenwart genieße. Bewahre mich beim Essen und Trinken vor unnüzem Geschwätz und sündlichen Reden, daß ich fröhlich sei mit Gottesfurcht. Also laß mein ganzes Leben dir geheiligt sein, daß alles, was ich thue, zu deiner Ehre geschehe. Laß mich dir zur Ehre ausgehen, daß ich alle fündlichen Gänge meide; dir zu Ehren arbeiten, nicht aus Geiz, sondern aus Gehorsam gegen dich. Will die Welt mich locken zu ihrer Gesellschaft, so laß mich überlegen, ob es dir zur Ehre gereichen werde. Alle Glieder meines Leibes, alle Kräfte meiner Seele sind dein; gib mir Kraft, sie dir zu heiligen. Mein fester Vorsatz ist, alles zu meiden, was ich nicht dir zu Ehren thun kann. Verleihe mir Kraft dazu, so werde ich den Engeln gleich, welche alles dir zur Ehre thun. Gib, daß ich thu' mit Fleiß Was mir zu thun gebühret, Wozu mich dein Befehl In meinem Stande führet. Gib, daß ich's thue bald, Zu der Zeit, da ich soll, Und wenn ich's thu', so gib, Daß es gerathe wohl. Amen. Start's Morgen- und Abend- Andachten. 209 14 14. April. Abend. Amos 5 12 Ich weiß euer Uebertreten, deß viel ist, und eure Sünden, die stark sind 210 Allwissender Gott, ehe ich mich zur Jcuhe begebe, komme ich mit bußfertigem Gebet vor dein Angesicht. Ich übertrete dein Gebot nicht allein, wenn ich Böses denke, rede und thue, sondern auch mit Unterlassung des Guten, mit Trägheit, Nachläßigkeit, Zerstreuung in weltlichen Dingen. Wie ist mein Herz in das Jrdische vertieft! wie muß ich so lange suchen, bis ich es wieder finde und vor dein Angesicht bringe! wie oft verschwindet die Andacht unter dem Gebet, da sich das Herz verlocken läßt von eiteln Dingen, die sich auch in mein Gebet mischen, so daß ich doppelte Geistesstärke vonnöthen habe, die Gedanken wegzuweisen und in der Andacht zu bleiben. Dein Wissen trügt nicht, du siehest meine Absichten, du merkst mein Verlangen, du kennst meine Liebe, ob sie sich zu dir oder zur Welt lenfet. O daß ich dieses so oft vergessen habe! Mein Uebertreten ist freilich viel, ich kann nicht alles genugſam erkennen. Innerlich und äußerlich habe ich dein Gesetz übertreten. Wie gütig bist du, daß du mir so viel Gnadenmittel darreichst! Dein Wort zeigt mir den Weg, den ich wandeln soll; dein Geist will mich führen auf ebener Bahn; Jesus ist mir darin vorgegangen und will mir Vermögen mittheilen, ihm nachzufolgen. Wehe mir, daß ich solches nicht mit Fleiß in Acht genommen! Darum haben mich auch meine Sünden wie starke Feinde überwältigt. Laß deine Gnade mächtig in mir werden, daß ich der Sünde widerstehen, dem Uebertreten wehren und als dein gehorsames Kind meinen übrigen Wandel auf Erden führen könne. Ich klage dir, was du schon weißt, Mit reuendem Gemüthe: Mein armer und zerschlagner Geist Sucht Gnade, wünschet Güte. Ich klage dir die Missethat; Denn du alleine schaffest Nath Bei allen Missethaten. Amen. 15. April. Morgen. Mof. 10, 12. Nun, Israel, was fordert der Herr, dein Gott, von dir, denn daß du den Herrn, deinen Gott fürchtest, daß du in allen seinen Wegen wandelst, und liebest ihn, und dienest dem Herrn, deinem Gott, von ganzem Herzen und von ganzer Seele? Liebreicher Vater, du forderst von mir mein Herz; laß mich mit Freuden thun, was du forderst, und gib mir Geist und Kraft, daß ich an allen Orten, bei allen Leuten und zu allen Zeiten dich fürchte, und mich scheue Uebels zu thun. Bewahre meine Seele vor dem Irrthum, als ob einem Stande, einem Menschen mehr Sünden erlaubt seien, als dem andern; nein, du verbindest Hohe und Niedere, Arme und Reiche zu deinem Gehorsam, alle müssen einst vor deinem Gerichte erscheinen. Laß deine Wege mir immer lieber werden, die Wege der Demuth, des Glaubens, der Reinigkeit und Heiligung, ob dieselben gleich meinem Fleisch und Blut beschwerlich sind, und meinem alten Adam den Tod bringen. Und ob ich schon sehe, daß eine große Menge sogenannter Christen nicht darauf gehen: so will ich doch deine Wege nicht verlassen, noch die breiten Wege Jener erwählen. Pflanze deine Liebe in mein Herz, und hilf, daß ich dir diene nicht allein mit Beten und Singer, sondern auch mit meinen Gedanken, meiner Zunge und meinem ganzen Leben, und dieses nicht nur zum Schein, sondern von ganzem Herzen. Verleihe mir Gnade, dir mein ganzes Leben aufzuopfern, daß ich auch in der Ewigkeit dein sei und bleibe. Hier haft du mein Herz; erfülle es mit deiner Furcht und Liebe; mache es tüchtig zu deinem Dienst, daß ich nicht mehr sei, wer ich bin, nicht mehr mir, sondern dir lebe. Sei und bleibe auch heute mein Gott; mein Erbarmer, wen ich strauchle; mein Helfer, wenn ich Hilfe bedarf. Dich lieben, Gott, ist Seligkeit. Gern thun, was dir gefällt, Wirkt reinere Zufriedenheit, Als alles( Blück der Welt. Amen. 211 14 15. April. Abend. Pf. 36, 8. Wie theuer ist deine Güte, Gott, daß Menschen unter dem Schatten deiner Flügel trauen. 212 Barmherziger, gnädiger Gott, da es nun finster geworden, begebe ich mich unter deine Gnadenflügel. Deine mächtige Hand habe ich verspürt, da ich noch unverständig war; du hast mich erhalten, versorgt und beschüzt und ich kannte meinen Wohlthäter nicht. In meiner Jugend leitetest du mich und wandtest viele Gefahren von mir ab. In den erwachsenen Jahren verzäuntest du mir den Weg mit Dornen und riefeft mich von dem schnellen Sündenlauf zurück. O der unaussprechlichen Güte! Womit soll ich sie vergleichen? Mit einer sprudelnden Quelle, welche nicht auszuschöpfen ist; mit der Sonne, welche alle Morgen mit neuem Glanz hervortritt und alles erfreut und erwärmt; mit einer Mutter, welche ihrem Kinde die Brust reicht, es trägt und erzieht, und in ihrer Liebe nicht müde wird. Ö daß ich sie doch recht zu schäßen wüßte! o daß ich doch dafür recht dankbar, zur Buße geleitet und zu dir ge zogen würde! Was suchst du aber mit aller deiner Güte? Mein Herz suchst du, daß ich es nach deinem Willen richten und der Welt absterben soll. Dazu gib mir Geist und Kraft. Deine Güte macht mich getrost, dir zu vertrauen, und mich dir zu übergeben. So schließe ich den Tag mit Loben und Danken und mein Herz ist fröhlich, daß du so gerne hilfst. Laß mich auch unund ter dem Schatten deiner Flügel Ruhe finden in Kreuz Leiden; im Schatten deiner Flügel ruhe ich auch in Ewigkeit. Wie theuer, Gott, ist deine Güt', Daß du erleuchtet mein Gemüth Und selbst zur Buße mich gebracht, Als ich in Nacht Mit jenen fortgieng unbedacht. Laß mich nun desto treulicher Den Weg des Lebens gehn, o Herr; Und stehe mir allmächtig bei, Daß täglich neu Dein Werk bei mir im Fortgang sei. Amen. 16. April. Morgen. Jer. 23, 23. 24. Bin ich nicht ein Gott, der nahe ist? spricht der Herr, und nicht ein Gott, der ferne sei? Meinest du, daß sich jemand so heimlich verbergen könne, daß ich ihn nicht sehe? spricht der Herr. Bin ich es nicht, der Himmel und Erde füllet? spricht der Herr. 213 Allgegenwärtiger Gott, erinnere mich diesen Tag fleißig daran, daß du nahe um mich bist, und laß mir dieses zum Trost im Kreuz und zur Aufmunterung in meinem Christenthum dienen. Du fragest auch mich: Meinst du, daß sich jemand vor mir verbergen könne? Ich antworte: Ja, ich glaube, daß du mir nahe und ferne bist. Ohne Luft kann ich nirgends sein, auf dem Land und auf dem Meer bin ich in deiner Hand. Dem Jonas warst du in der Tiefe des Meeres, den drei Männern im feurigen Ofen nahe. Ueberzeuge mein Herz, daß du auch in der Ferne seiest, daß man auch in verschlossenen Kammern, in fremden Landen, in finstern Wäldern und in weit entlegenen Orten nicht sicher fündigen könne. Laß mich gedenken, daß sich niemand so heimlich verbergen kann, daß du ihn nicht sehest. Dir ist kund, wenn sich das Auge freundlich stellt, der Mund liebreich spricht, und das Herz doch anders denkt. Der Sünder meint, du sehest ihn nicht, aber sein Meinen betrügt ihn, er meint's zu seinem Verderben; der große Gerichtstag und die ewigen Strafen werden ihn überzeugen, daß du alles gesehen hast; ohne dein Wissen kann nichts in der Welt geschehen. Mit diesen Gedanken will ich an meinen Beruf gehen und glauben, du stehest mir zur Seite, daß ich dadurch von allem, was dir mißfällig ist, abgeschreckt, hingegen mein ganzes Leben dir zu heiligen aufgemuntert werde. Der Vater siehts, o laß es sein! Der Vater hörts; sei still! Der Vater kommt, begeg'n ihm fein, Und höre, was er will. Er ist der unsichtbare Gott Und allenthalben nah; Drum halte kindlich sein Gebot; Denk immer: er ist da! Amen. 16. April. Abend. Joh. 6, 37. Wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen. Herr Jesu, ich komme in dieser Abendstunde zu dir, wie die Taube Noahs; du wirst mich nicht hinausstoßen. Ich komme zu dir mit bußfertigem Herzen; verzeihe mir, was ich diesen Tag wider dich begangen habe. Ich komme zu dir mit dem Vertrauen, du werdest als der Mittler und Heiland der Welt mir gnädig sein. Ich komme zu dir mit dem Vorsatz, dich nimmermehr zu betrüben, sondern mein Herz und Leben dir aufzuopfern. Du wirst mich nicht hinausstoßen. Verstößest du mich, so bin ich ewig verstoßen; aber das kannst du nicht, du bist ja vom Himmel gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist. Du machst keinen Unterschied unter den Sündern, sondern wer nur kommt, auch die größten, wenn sie nur mit Demuth und Glauben zu dir kommen, so ist ihnen die Gnadenthür offen. Darum verstoße mich nicht in meiner Buße; verstoße mich nicht, wenn ich in Gefahr und Leiden bin; verstoße mich nicht, wenn ich krank bin; verstoße mich nicht, wenn ich sterbe; verstoße mich nicht am jüngsten Tage. In solcher Zuversicht deiner ewigen Gnade lege ich mich fröhlich zur Ruhe und weiß, daß ich in dir Frieden habe. Du bist der Trost Israels, die Zuflucht aller Bedrängten. Dieses ist der offene Brief, welcher allen Sündern Gnade zusagt. Bewahre mich, daß ich mich nicht selbst durch muthwillige Sünden hinausstoße, oder mich von dir entferne; und wenn ich mich je verirren sollte, so bringe mich bald wieder zurecht, daß ich wieder komme, und in meiner letzten Lebensstunde in deiner Gemeinschaft erfunden werde. Allen ruft der Herr: die kommen, Stoß ich nicht von mir hinaus!" Kommt, ihr werdet aufgenommen In des ew'gen Vaters Haus. Niemand ist hier auszuschließen, Auch der größte Sünder nicht; Alle will er selig wissen Nach des treuen Hirten Pflicht. Amen. 214 17. April. Morgen. Bred. 12, 1. Gedenke an deinen Schöpfer in deiner Jugend, ehe denn die bösen Tage kommen, und die Jahre herzutreten, von welchen du wirst sagen: Sie gefallen mir nicht. Gott, Vater, mit dankbarem Gemüthe gedenke ich deiner Güte, welche du mir in der vergangenen Nacht erwiesen. Laß mich deiner den ganzen Tag eingedenk bleiben, daß, wo ich gehe und stehe, dein Name in meinem Herzen bleibe, so werde ich in keine Sünde willigen. Wer an dich gedenkt, der mag und kann nicht fündigen. Wie beklage ich, daß so viele Jahre meines Lebens schon verflossen, da ich nicht an dich gedacht. Nimm meine jetzigen Jahre für meine Jugend an, und heilige dieselbe dir. Ich hätte in der Blüte meiner Jahre Freude an dir haben sollen, so hätte ich weniger Verantwortung und weniger Wunden in meinem Gewissen. Nun, was ich versäumt, will ich unter deinem mächtigen Beistand inskünftige desto eifriger in Acht nehmen. Noch heute will ich mich zu deinem Gehorsam von neuem verbinden. Ich will nicht warten, bis die Jahre kommen, die mir wegen des Alters und seiner Beschwerden nicht gefallen. Hat dir vieles an mir in meinen finstern Jahren nicht gefallen, so sollen mir nun nicht gefallen meine vorigen Wege, sondern ich will sie fliehen und meiden. Laß mich in diesen bösen Tagen nicht entgelten, was ich in den vorigen Jahren gethan, sondern gedenke du mein im Besten; gedenke mein in Kreuz und Leiden, in Noth und Tod, erbarme dich meiner und hilf mir. Gedenke mein auch im Grabe, und erwecke mich zum ewigen Leben. Schöpfer meines Lebens, Laß mich nicht vergebens Auf der Erde sein; Gieße deine Liebe, Deines Geistes Triebe, In mein Herz hinein, Daß dein Bild, so rein und mild, Schöner stets bei deiner Pflege An mir leuchten möge. Amen. 215 17. April. Abend. Röm. 5, 10. So wir mit Gott versöhnt sind durch den Tod seines Sohnes, da wir noch Feinde waren: vielmehr werden wir felig werden durch sein Leben, so wir nun verföhnet sind. 216 Herr Jesu, du bist der Sohn Gottes, aber auch ein wahrer Mensch, Gott und Mensch in einer Per son; du bist unser Haupt, wir sind deine Glieder. Du bist an unsere Statt getreten, du hast unsre Sünde auf dich genommen, haft für uns gelitten, bist für uns gestorben. Nun bin ich versöhnt, dein Blut macht mich rein von allen Sünden. Du hast erfunden eine völlige Versöhnung. Wenn tausend Menschen hätten wollen für Einen sterben, so wäre es unmöglich ge wesen, weil sie alle Sünde an sich haben, befleckt und ungerecht sind; aber du bist ohne Sünde empfangen und geboren, du hast keine Sünde gethan, ist auch kein Betrug in deinem Munde erfunden. Dein Sterben bringt mir das Leben. Du hast uns geliebt, da wir noch deine Feinde waren; du sahest unser Elend, tratest in die Mitte und botest uns in deinem Blut Gnade. Da ich dir für dein Leiden nichts schenken kann, schenke ich dir mein Herz und mein ganzes Leben: das will ich dir zu Ehren führen, du wirst dich auch meiner erbarmen. Denn du hast dich nicht allein tödten lassen, sondern bist auch am dritten Tage auf erstanden und hast dein Leben wieder genommen. Laß auch mich dir hinfort leben, ja lebe du in mir und heilige mich; so werde ich durch dich auch ewig selig werden. Ich bin schon hier selig in der Hoffnung, aber die völlige Seligkeit ist mir im ewigen Leben vorbehalten. Ich bin, mein Heil, verbunden, All' Augenblick und Stunden, Dir überhoch und sehr. Was Leib und Seel' vermögen, Das will ich gerne legen Allzeit zu deinem Dienst und Ehr'. Amen. 18. April. Morgen. Röm. 12, 2. Stellet euch nicht dieser Welt gleich, sondern verändert euch durch Erneurung eures Sinnes. 217 Gott, deine Güte hat mich des Tages Licht wieder sehen lassen, laß mich auch als ein Kind des Lichts vor deinen Augen wandeln. Bewahre mich, daß ich mich der Welt nicht gleichstelle in ihren schandbaren, unflätigen Neden, sündlichen Scherzen, frechen Verleumdungen, Gesellschaften, Unarten und Bosheiten, sondern gedenke, daß, weil mich Jesus von der Welt erwählt hat, es mir nicht anstehe, der Menge der Bösen zu folgen. Laß diesen Befehl mich immer erwägen, wo ich gehe und stehe, sonderlich, wenn ich Gelegenheit zu fündigen habe. Dieser Befehl gehet alle an, Vornehme und Geringe, Reiche und Arme; es hat keiner mehr Freiheit zu fündigen als der andere. Wo Gleichstellung der Welt ist, da hört der Glaube auf, Jesus weicht aus dem Herzen, die Liebe erkaltet. Laß mich nicht bewegen der Weltkinder Vielheit und Ansehen, weil sie groß, reich und vornehm sind; vielmehr laß deinen Geist mir Kraft geben, diesen Beredungen zu widerstehen und nach dem Vorbilde Jesu täglich demüthiger, gehorsamer, sanftmüthiger und frömmer zu werden. Reinige mein Herz von allen Untugenden, und schenke mir einen geänderten Sinn, ohne welchen keine Seligkeit zu hoffen ist. Verleihe mir einen neuen, geheiligten Sinn, der nichts sucht und verlangt, als was dir gefällt. Laß diese selige Veränderung in mir, in meinem Herzen und in meinem Leben vorgehen, ehe die große Veränderung im Sterben mit mir geschiehet. Nimm von mir den Sinn der Eitelkeit, und verleihe mir Kraft, daß ich gesinnet sei, wie Christus war, dessen Speise war, deinen Willen allein zu thun. Gib mir ein frommes Herz, wenn ich die Welt betrachte, Daß ich die Eitelkeit und Sündenlust verachte. Es muß die schnöde Welt mit ihrer Lust vergeh'n, Der Himmel aber bleibt den Fromnien ewig steh'n. Amen. 18. April. Abend. Jer. 31, 2. Israel zeucht hin zu seiner Ruhe. Liebreicher Gott und Vater, die Nachtruhe kommt herbei, meinen matten Leib zu erquicken, aber meine Seele soll an eine andere Ruhe gedenken. Ich ruhe bei Tag und Nacht in den Armen deiner Barmherzigkeit, darin meine Seele Friede und Freude erlangt. Du hast mich von Jugend auf getragen, erhalten und viel Gefahren abgewendet, welche ich nicht empfunden, wie ein Vater von seinem schlafenden Kinde alles Geräusch abwendet. Ich ruhe in Jesu, in dessen Blut habe ich Vergebung aller meiner Sünden, Gerechtigkeit und Leben. Laß mich inskünftige von Sünden ruhen, auf daß du in mir ruhen könnest. Meine Seele ruhet in deiner ewigen Liebe und Gnade, sie ruhet in allen den Gnadenverheißungen, welche dein Geist mir gibt von der zukünftigen Herrlichkeit deiner Kinder. O süße Ruhe, dergleichen die Welt nicht geben kann! Diese Seelenruhe laß durch nichts gestört werden; und wenn Kreuzeswellen und Trübfalsfluten mich wollen ersäufen, so laß meine Seele in dir stille sein, und wenn ich einst den Lauf vollendet, Glauben gehalten und dir bis in den Tod bin treu geblieben, so laß Leib und Seele zur ewigen Himmelsfreude einziehen. Da laß mich ruhen von aller meiner Arbeit und Unruhe dieses Lebens, von allen Sünden und Schwachbeiten. Da wird es heißen: Israel zieht hin zu seiner Ruhe, die Kinder erlangen ihr Erbe, die Kämpfer die Krone. Gott, laß mich in meinen letzten Lebensstunden durch deinen Geist die süße Stimme hören: Zeuch nun hin zu deiner Ruhe, gehe ein zu deines Herrn Freude. 218 Der Leib eilt nun zur Ruhe, Legt Kleider ab und Schuhe, Das Bild der Sterblichkeit; Die zieh' ich aus, dagegen Wird Christus mir anlegen Den Rock der Ehr' und Herrlichkeit. Amen. 19. April. Morgen. Joh. 13, 17. So ihr solches wisset, selig seid ihr, so ihr's thut. Gott, Vater, du hast mich nach deinem Ebenbilde erschaffen und mir deinen Geist zum Lehrer gegeben; laß mich heute in deiner Erkenntniß zunehmen, daß ich wisse und verstehe, wer du seiest, nämlich mein Schöpfer, Erlöser und Heiligmacher, mein König und mein Richter; daß ich wisse, wer ich sei: von Natur ein Sünder, aber nach der Gnade dein Kind und Erbe. Der Knecht, der seines Herrn Willen weiß, ist schon glücklich, aber dieses Wissen verursacht ihm doppelte Streiche, wenn er nicht darnach thut. Darum laß die Erkenntniß deines Willens mein Wissen, meinen Willen und mein ganzes Leben heiligen. Laß mich also gründlich wissen meine Schuldigkeit gegen dich, daß ich soll verleugnen alles ungöttliche Wesen und die weltlichen Lüste und züchtig, gerecht und gottselig leben in dieser Welt, daß ich mir die Hoheit meines Christenstandes fleißig vorstelle, du habest mich zum König und Priester gemacht: zum König, daß ich herrschen soll über die Sünde; zum Priester, daß ich mich dir mit Leib und Seele zum Opfer bringe. Aber was wird mir das in der Stunde des Todes helfen, wenn ich den Kopf voll Wissen habe, aber nicht darnach thue. Was hilft mir die Erkenntniß meiner Pflicht, wenn ich eitel, frech und sicher lebe, Herz und Wandel mit Sünden beflecke? Davor behüte mich, mein Gott, und schenke mir auch die Seligkeit auf Erden, daß ich deinen Willen gerne thue, darauf einmal die vollkommene Seligkeit im Himmel folgen wird, da ich mit allen Auserwählten bei dir ewig sein werde. Sag nicht: ich bin ein Christ," Bis daß dir Werk und Leben, Auch dessen, was du sagst, Beweis und Zeugniß geben; Die Wort' sind nicht genug, Ein Christ muß ohne Schein Das, was er wird genannt, Im Wesen selber sein. Amen. 219 19. April. Abend. 1 Mof. 32, 26. Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn. Herr Jesu, ich bitte dich um deinen Segen, ehe ich einschlafe. Segne mich, du treuer Hohepriester, der du nicht allein für uns betest, sondern auch im Segnen sichtbarlich gen Himmel gefahren bist und also deinen Segen uns auf Erden zurückgelassen haft. Jh halte dich im Glauben als meinen Erlöser und Selig macher und lasse dich nicht, bis du mir meine Sünden vergibst. Ich halte dich mit meinem Gebet, und lasſe dich nicht, bis du mich erhörest und mir gibst, was mein Herz wünschet, nämlich ein frommes Herz und deinen heiligen Geist. Gib mir Gnade und Kraft, dich zu halten. Wenn ich dich habe, so habe ich, was mich ewig erfreuen wird. Habe ich dich, so habe ich mein Heil, Leben und Licht. Mein Herz hält dir vor dein Wort: Ihr sollt mein Antlitz suchen; darum suche ich auch, Herr, dein Antlig. Ich lasse dich nicht in Kreuz und Leiden, bis du mir hilfst. Ich lasse dich nicht in meinem Fallen, bis du mich aufrichtest; in meinem Elende, bis du mich errettest; in meiner Armuth, bis du mich segnest. Segne mich mit himmlischen Gütern, mit Licht und Troft, mit Friede und Freude in dem heiligen Geist. Segne mich an meinem Leibe mit Gesundheit und die Meinigen mit deiner Hilfe, daß diese Nacht keine Krankheit und kein Unfall unsre Ruhe störe. Bewahre mich, daß ich mich deines Segens nicht durch muthwillige Sünden verlustig mache. Wenn ich nun sterbe, so will ich beten: Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn; dann sprich zu mir: Komm her, du Gesegneter, gehe ein zu deines Herrn Freude. Ich laß ihn nicht, der sich gelassen, Um mein verscherztes Heil herab, Er, der mich einmal wollt' umfassen, Muß mein verbleiben bis zum Grab. Wenn auch die Welt mir viel verspricht, Su brechen meiner Liebe Pflicht: Ich laß ihn nicht. Amen. 220 20. April. Morgen. Ephef. 5, 1. So seid nun Gottes Nachfolger, als die lieben Kinder. Mein Gott und Vater, da ich nun wieder unter Menschen wandeln muß, so behüte meine Füße vor bösen Wegen; bewahre mein Herz, daß es sich nicht nach dem großen Haufen der Welt richte, sondern ich will dein Nachfolger werden. Du hast mir es befohlen, und mir auch das Wollen dazu gegeben. Ich will mir zur Nachfolge vorsetzen deine Liebe, daß ich meinem Nächsten Gutes thue; deine Barmherzigkeit, daß ich die Noth des Elenden mir zu Herzen gehen lasse; deine Gerechtigkeit, daß ich niemand Unrecht thue. So laß mich deinem Bilde immer ähnlicher werden; dir gleich zu werden, ist mir, als einem endlichen Geschöpfe, nicht möglich; aber das Nachfolgen, wiewohl mit schwachen Schritten, ist mir anbefohlen. Bewahre mich, daß ich nicht die Welt, nicht meines Herzens Lüste als Führer ansehe, sondern du, heiliger Gott, sollst mein Führer bleiben. Laß mich als dein Kind reden, denken, wandeln, daß man an diesen Stücken merken könne, wem ich zugehöre. Laß mich heute nichts thun, reden oder denken, was deinen Kindern nicht ansteht, wenn es schon Große, Reiche und äußerlich scheinende Kinder Gottes thäten. Ist das der Kinder Art, daß sie beständig auf ihrer Eltern Vorgang sehen, so laß mich durch deinen Geist ein gehorsames Kind werden und in deiner Liebe bleiben. Laß mich davon weder Lust noch Furcht abhalten, auf daß du mich in der Stunde meines Todes als dein gehorsames Kind finden und zu der Herrlichkeit deiner Kinder einführen mögest. Ich folge dir, mein Führer, auf der Bahn, Die du mich führst zum Ziel. 221 Die Welt erwählt in ihrem blinden Wahn Sich falscher Führer viel. Ich bleibe dir ergeben, Nur ewig dir geweiht; Dir folg ich nach im Leben, Dir nach in Ewigkeit. Amen. 222 Jef. 26, 8. 20. April. Abend. Des Herzens Luft stehet zu deinem Namen und zu deinem Gedächtniß. Herr Jesu, in deinem Namen bin ich heute auf gestanden, in deinem Namen will ich mich zur Ruhe niederlegen. Meine Lust und Freude habe ich an dir, an deiner Liebe, an deinem Wort. Weltkinder suchen ihre Lust an Reichthum und Ueppigkeit. Diese Luft vergeht und verwandelt sich in Bitterkeit. Dreije doch alle Sündenlust aus meinem Herzen, daß es feine Lust an dir allein haben möge. Diese Lust bleibt im Leben, im Leiden und im Sterben, in Zeit und Ewigfeit. Dein süßer Jesus- Name ist mein Trost in Traurigkeit, mein Panier wider den Satan, mein Gegengift wider die Sünde; in diesem Namen habe ich meine Erlösung, Versöhnung und Leben; in diesem Namen habe ich Gerechtigkeit, Friede, die Kindschaft, den Zugang zur Gnade und die ewige Seligkeit. Du hast ein Gedächtniß gestiftet deiner Wunder, deines Todes, deiner Auferstehung, deiner Himmelfahrt; mache mein Gedächtniß von allen andern Dingen frei, daß dein Name und Gedächtniß allein in meinem Herzen sei: wenn ich esse oder trinke, wenn ich aus- oder eingehe, wenn ich bei Menschen oder allein bin. In dir findet mein Herz das wahre Paradies, den größten Reichthum, das höchste Gut. Wird mein Gedächtniß schwach, will es auch in Krankheit vergehen, so bleibe du in meinem Herzen und Gedächtniß tief eingeschrieben, damit, wenn ich an nichts mehr denken kann, doch dein Name mich ergeße; also laß mein Herz und Mund an dir sich ergeßen. Im Leben und im Sterben stelle mir dein Bild vor Augen, daß mir alle Todesangst in dir versüßet werde, und ich auch alsdann meines Herzens Lust an deinem Namen und Gedächtniß habe. O Jesus süß, wer dein gedenkt, Deß Herz in Freude wird versenkt; Viel füßer aber alles ist, Wo du, e Jesu, selber bist. Amen. 21. April. Morgen. Wenn ich den Menschen noch gefällig wäre, so wäre ich Christi Knecht nicht. 223 Gal. 1, 10. Gott, deine Barmherzigkeit hat mich an diesem Morgen auferweckt; o daß ich für diese Güte mich recht dankbar erzeigte! Schreibe mir selbst deinen Willen in mein Herz, was ich denken, reden und thun soll. Du bist mein Vater, dem muß ich allein gehorchen, keinem andern. Du bist mein Herr; wenn du fagst: Gehe hin, so muß ich gehen; komme her, so muß ich kommen. Dir allein zu gefallen und dir gefällig zu leben, soll mein beständiges Verlangen sein und bleiben. Weil ich aber auch mit Menschen umgehen muß und du mir befohlen hast, meinen Nächsten zu lieben als mich selbst, ihm zu helfen und zu dienen, wo und wie ich kann, daß ich sei des Blinden Auge, des Lahmen Fuß, des Verlassenen Helfer: so verleihe mir auch die Klugheit der Gerechten, daß ich ihm zwar alles Liebe und Gute erweise, aber niemals in Sünden gefällig werde, oder ihm zu gefallen Böses thue und dich beleidige. Deine Liebe geht über Menschenliebe. Dein Knecht sein, ist eine Herrlichkeit, die mit keiner Menschengunst und Kunst verglichen werden kann. Bin ich dein Knecht, so bin ich beschirmt, bewahrt und erhalten. Also will ich dein Knecht sein und bleiben, dir gefällig werden und nicht der Welt. Gott, du siehest mein Vorhaben, gib mir Kraft, es zu vollbringen, daß ich ein unverletztes Gewissen und eine unbefleckte Seele behalten möge. Wenn Menschengefälligkeit mich von dir abwendig machen will, so laß deinen Geist mich erinnern, daß ich dir beständig lebe und diene. Haben wir uns selbst gefangen In der Weltgefälligkeit, Ach, so laß uns nimmer hangen In dem Tod der Eitelkeit. Denn die Last treibt uns zu rufen, Alle flehen wir dich an: Zeig uns nur die ersten Stufen Der gebroch'nen Freiheitsbahn. Amen. 21. April. Abend. Spr. 28, 13. Wer seine Missethat bekennet und läffet, der wird Barmherzigkeit erlangen. 224 Gnadenreicher Gott, ich bekenne dir alle meine Sünden, die ich heute begangen. Wer kann merken, wie oft er fehlet? verzeihe mir auch die verborgenen Fehler. Du willst ein reines Herz haben; mein Herz ist heute oft mit unreinen Lüsten erfüllt gewesen; mein Mund hat nicht allezeit geredet, was ehrbar und wohl lautet und was zur Besserung dienet. Herr, mein Gott, ich verberge vor dir nichts; denn an dir allein ich gefündigt und Unrecht vor dir gethan; ich bekenne es dir aber mit reuigem Herzen. O welcher Trost ist das, daß du willst einen bußfertigen Sünder zu Gnaden annehmen! Ich will kämpfen wider die sündlichen Lüfte und Gedanken. Ich habe mir vorgesetzt, daß mein Mund nicht soll übertreten; ich will in meinem ganzen Leben und Wandel aufschauen auf Jesum, der mir ein Vorbild gelassen hat, daß ich soll nachfolgen seinen Fußstapfen. Ich will hassen alle Gelegenheiten, dadurch ich verlei tet worden. Laß dir wohlgefallen, Herr, dieses Gespräch meines Herzens und diese Nede meines Mundes, und laß mich Barmherzigkeit erlangen; du willst ja nicht des Sünders Tod, sondern daß er sich bekehre und lebe. Schaffe in mir durch deinen heiligen Geist ein neues, frommes, reines und gehorsames Herz, daß ich niemals mehr von dem Himmelsweg abweiche. Laß mich auch Barmherzigkeit erlangen in der Stunde meines Todes; alsdann gedenke meiner Sünden nicht. Laß mich alsdann nicht in's Gericht kommen, sondern durch den Tod in's Leben dringen. Ich empfinde, Meine Sünde Sei an allem Jammer Schuld, Ich gestehe Dir's und flehe Um Vergebung und Geduld. Du mein Leben, Kannst mir geben Neue Hilfe, neue Huld. Amen. 22. April. Morgen. 1 Bet. 4, 1. 2. Wer am Fleische leidet, der höret auf von Sünden, daß er hinfort, was noch hinterstelliger Zeit im Fleisch ist, nicht der Menschen Lüsten, sondern dem Willen Gottes lebe. Gott, Vater, du züchtigest die Deinen bisweilen und lässest sie am Fleisch leiden, sie zu erinnern, dağ fie Staub und Asche sind, daß sie aufhören zu sündigen, und sich bereiten auf die Ewigkeit. Verleihe mir deinen heiligen Geist, daß ich mit meiner Bekehrung nicht warte, bis du mich an die Thore der Ewigkeit führest, oder mich mit heftigen Schmerzen zur Einkehr in mich und Umkehr zu dir zwingest, sondern daß ich in gesunden Tagen freiwillig aufhöre zu sündigen. Es muß einmal eine Aenderung mit mir vorgehen, daß unter dem gegenwärtigen und vergangenen Sinn, Leben und Thun ein sonnenklarer Unterschied sei. Ich schäme mich der vergangenen Jahre, die ich dir nicht geheiligt habe; laß mich die Zeit, die ich noch vor mir habe, zu deinem Dienst und Gehorsam anwenden. In deiner Kraft höre ich von heute an auf, muthwillig und vorsäglich zu fündigen. Ich verspreche dir, nach deinem und nicht nach meinem und der Welt Willen zu leben. Menschen- Lüfte, meines Herzens Lüste und dein Wille sind einander zuwider, sie können nicht bei einander stehen: dein Wille ist heilig und rein, mein und der Menschen Lüste sind unrein und unheilig; darum laß mich in deiner Kraft mein Leben führen, fortsegen und schließen. Höre, mein Gott, was ich in dieser Frühstunde dir verspreche und erinnere mich daran, wenn eine sündliche Gelegenheit mich davon bwendig machen, oder eine Sünde mir gefallen will. Hilf, daß ich allezeit Des Fleisches Lüste meide, Hingegen emsiglich Des Geistes Werke treibe, Und gute Kitterschaft Ausübe, auch dabei In Hoffnung immer stark Und fest gegründet sei. Amen. 225 Morgens und Abend- Andachten. 15 22. April. Abend. Pf. 51, 19. Die Opfer, die Gott gefallen, sind ein geängsteter Geist; ein geängstetes und zerschlagenes Herz wirst du, Gott, nicht verachten. 226 Barmherziger, gnädiger Gott, ich weiß, daß ich heute gefehlt und dich betrübt habe; ich will mich nicht eher schlafen legen, bis du mir wieder gnädig bist. O daß ein Geschöpf seines Schöpfers, ein Kind seines Vaters so schändlich vergessen kann! Jeder Athemzug erinnert mich an deine Gnade, jeder Bissen Brot predigt mir deine Güte, jeder Tropfen Wassers überzeugt mich, daß du es treu und väterlich mit mir meinest. Ohne deine Barmherzigkeit kann ich nicht einen Schritt thun, ohne zu fallen, nicht eine Stunde ohne das größte Unglück leben. Herz und Geist haben die Sünde empfangen und dann die Glieder geknechtet; darum muß Herz und Geist auch recht tief gebeugt werden, wenn sie Gnade erlangen sollen. Ich lege mein geängstetes und zerschlagenes Herz vor dir nieder. Ich bereue, erkenne und beklage, was ich unrecht jemals gethan. Herr, verachte diese meine Abbitte nicht, sondern nimm Buße für Sünden an. Weil aber meine Reue und Abbitte meine Sünden nicht tilgen können, so bitte ich dich, daß du selbst mich reinigen und heiligen wollest durch das Blut Jesu, der auch um meiner Sünde willen dahingegeben und um meiner Gerechtig: keit willen auferweckt ist. Ziehe mir den befleckten Sündenrock aus und kleide mich in die Gerechtigkeit Jesu. Ich bringe dir mein Herz, nicht zur Versöhnung, sondern zum neuen Gehorsam, daß du es dir heiligest und darin wohnest. Laß mich jetzt getrost von deinem Angesicht weggehen und einschlafen, da ich als eine bußfertige Seele Barmherzigkeit erlangt habe. Ein Opfer ist es, das dir wohl gefällt: Ein Geist, der tief geängstet zu dir flehet, Ein Herz, das ganz zerknirscht sich an dir hält Dies bring ich dir, Dies hast du nie verschmähet. Amen. 23. April. Morgen. Matth. 5, 16. Lasset euer Licht leuchten vor den Leuten, daß fie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen. Gott, deine Gnade hat mich an das Tageslicht gebracht und die finstere Nacht vertrieben; laß mich heute auch im Lichte wandeln. Regiere mich durch deinen heiligen Geist, und laß Jesum, meiner Seele Licht in mir leben und wohnen. Laß an mir hervorleuchten wahre Frömmigkeit in meinem Wandel, Gehorsam gegen dich und deine Gebote, heilige Nachfolge Jesu; laß mich sanftmüthig werden gegen die, so mich beleidigen, demüthig gegen dich, meinen Gott, und gegen jedermann. Wo Jesus im Herzen ist, da offenbart es sich in Worten und Werken. Laß mich durch deine Gnade im Glauben zunehmen, daß alle vorige Sünden- Finsterniß vertrieben werde. Behüte mein Herz vor Rache und Feindschaft, und laß aufrichtige Liebe gegen den Nächsten an mir hervorleuchten in Gedanken, Worten und Werken, daß andere auch meine guten Werke sehen und Anlaß nehmen, an ihren Seelen- Zustand zu gedenken, zu dir zu eilen, um deinen heiligen Geist zu bitten, und durch wahre Herzens- und Lebensänderung dir gefällig zu werden. Gott, es sind nicht meine, sondern durch deinen Geist und Kraft in mir gewirkte Werke. Von Natur ist nichts Gutes in mir, was ich Gutes habe, das habe ich allein von dir. Ich kann das Gute wohl hindern, aber ohne dich nicht vollbringen. Jesus ist meiner Seele Licht, in seinem Lichte wandle ich, in seinem Blute stärke ich mich. Hilf, daß ich andere durch meinen Wandel erbauen möge, die ich vor diesem geärgert. Dadurch werden wir zu deinem Lobe aufgemuntert werden, daß du uns aus der Finsterniß und dem Tode zum Licht und Leben gebracht hier und dort. Seid ein Salz, ein Licht der Erde, Laßt der Wahrheit Früchte seh'n, Daß durch euch verherrlicht werde Euer Vater in den Höh'n. Ob der Erdball untergeht, Sein Gebot, sein Wort befteht!" Amen. 227 23. April. Abend. 2 Pet. 3, 15. Die Geduld unsers Herrn achtet für eure Seligkeit. Herr Gott Vater, ich preise deine Geduld, die du heute mit mir gehabt, daß du meiner geschont, und mich nicht nach Verdienst in deinem Zorn gestraft hast. Ich bin ein unfruchtbarer Baum, der nun viele Jahre mit seinem falten Christenthum, lauem Gebet und fündlichem Leben dich betrübt; habe Geduld mit mir, laz laß mich nicht abhauen, sondern grabe um mein Herz durch dein Gesetz, und wecke es zur Buße; reinige, heilige und stärke es mit Jesu Blut. Ja, du bist ein gedul diger Gott, daß du zur Strafe nicht eilest, und die bußfertigen Sünder aufnimmst. Ich bin der untreue Knecht, der dir zehntausend Pfund schuldig ist; ich habe dich unzählige mal erzürnt mit Gedanken, Worten und Werken; Herr, habe Geduld mit mir, ich will dir alles bezahlen, nicht zwar durch meine Gerechtigkeit, sondern mit der Gerechtigkeit Christi. Herr, werde des Erbar mens nicht müde und habe mit mir Geduld. Diese Geduld achte ich für meine Seligkeit. Wärest du nicht ein so langmüthiger Gott, so lebte ich nicht mehr; kein Mensch würde so lange zusehen, als du mir Zeit zur Buße gegeben hast. Diese deine Geduld will ich nicht mißbrauchen, sondern hinfort mit Furcht und Zittern schaffen, selig zu werden. Ach, Herr, habe ferner Geduld mit mir, bis an mein Ende. Wer würde selig werden, wenn du nicht wolltest Geduld mit uns haben? Bereite mich immer mehr und mehr zu solcher Seligkeit deiner Kinder, daß ich derselben theilhaftig werde. Getreuer Gott, wie viel Geduld Erzeigest du uns Armen, 228 Wir häufen täglich Schuld auf Schuld, Du häufest dein Erbarmen. Was ist des Menschen Lebenslauf? Er ist verkehrt von Jugend auf, Sein Sinn ist dir entgegen; Und doch, o Vater, suchst du ihn Von seinen Sünden abzuzieh'n, Zur Buße zu bewegen. Amen. 24. April. Morgen. Hebr. 13, 18. Unser Troft ist der, daß wir ein gut Gewissen haben, und fleißigen uns, einen guten Wandel zu führen bei allen. 229 Treuer Gott, liebreicher Vater, mit Bitten und Flehen komme ich vor dein Angesicht. Bewahre mich, daß ich mein Gewissen heute nicht beflecke mit wissentlichen Sünden. Du siehest, mein Gott, die vielfältigen Verführungen von außen, und die sündlichen Reizungen von innen; gib mir Kraft, daß ich mich befleißige, das alles zu meiden; aber mein Fleiß wird vergebens sein, wo nicht dein Geist mir hilft kämpfen und überwinden. Ein gutes Gewissen und ein guter Wandel ist nicht ein Werk des Fleisches, sondern des Geistes. Darum laß deinen Geist mich zurückhalten, wenn ich etwas vornehmen wollte, daß meinen Wandel beflecken könnte. Habe ich in den früheren Jahren mein Gewissen nicht bewahrt, so heile die Wunden mit dem Blute Jesu, und schenke mir deine Gnade, daß ich insfünftige einen guten Wandel führe, nicht nur, wenn ich allein bin, sondern bei allen Leuten, und niemanden zu Gefallen unrecht rede oder thue, und bei allen Gelegenheiten und an allen Orten beweise, daß ich dich kenne, dich liebe und dir anhange. Wirke dieses alles in mir durch deinen Geist, damit ich in Kreuz und Leiden den Trost habe, daß ich es nicht durch übles Verhalten selber verschuldet habe, daß ich den Trost habe, du werdest mir meine Sünden vergeben. Ja, wenn mich die Welt lästert und schmäht, so laß mich den Trost empfinden, daß es eine Seligkeit sei, gelästert zu werden, und laß mich desto behutsamer werden. Mein Gott, halte du durch Gnade Mein Gewissen zart und rein, Daß nicht meines Glaubens Schade Müsse mein Verderben sein. Schüße meine Seele immer, Führ' den Glauben an das Land, Kriegt das Grab des Leibes Trümmer, Bleibt sie doch in deiner Hand. Amen. 24. April. Abend. Nöm. 14, 12. Ein Jeglicher wird für sich selbst Gott Rechenschaft geben. 230 Gerechter Gott, du hast das Recht, mich zur Rechenschaft zu fordern, denn du bist mein Herr und mein König, der mir viel Güter und Gaben andertraut hat. Jch muß dir Rechenschaft geben von meinen Gedanken, von meinen Werken und von meinem ganzen Leben. Diese Rechenschaft muß ich geben dir, dem allwissenden und gerechten Gott, bei dem man sich nicht verrechnen darf, wie oft bei Menschen geschieht, da man etwas verschweigt oder leugnet. Zwar in der Welt gibt es erhabene Personen, welche kein Mensch zur Rechenschaft fordern kann; aber vor deinem Richterstuhl müssen alle Menschen, Große und Kleine, Reiche und Arme, Fürsten und Unterthanen offenbar werden, auf daß ein jeder empfange, nach dem er gehandelt hat bei Leibes Leben, es sei Gutes oder Böses. Zu dieser Rechenschaft kann ich aufgefordert werden, unverhofft jedenfalls aber im Tod, denn einem jeden Menschen ist gesetzt, einmal zu sterben, und hernach das Gericht. In der Welt kann man das Verwahrloste ersetzen, aber wer vor dir nicht besteht, dem ist das höllische Feuer bereitet. In der Welt kann man einen Bevollmächtigten vor Gericht schicken, aber vor dir muß ein Jeder selbst erscheinen. Herr, laß mich fleißig an diese Rechenschaft gedenken, wenn die Sünde mir süß, lieblich und angenehm vorkommt. Leite mich in gesunden Tagen durch deinen heiligen Geist, und in der Stunde des Todes gib mir die Freudigkeit, daß ich frei und Losgesprochen werde. Wenn ich vor Gericht soll treten, Da man nicht entfliehen kann, Ach, so wollest du mich retten, Und dich meiner nehmen an. Du allein, Herr, kannst es wehren, Daß ich nicht den Fluch darf hören: Ihr, zu meiner linken Hand Seid von mir noch nie erkannt." Amen. 25. April. Morgen. 2 Tim. 2, 8. Halt im Gedächtniß Jesum Christum, der auf, erstanden ist von den Todten. 231 Herr Jesu, du Licht meiner Seele, dich will ich allezeit im Gedächtniß behalten. Du bist mein Heiland und Seligmacher, mein Mittler und Gnadenthron. Ich will im Gedächtniß behalten, daß du dich für mich haft martern, kreuzigen und tödten lassen, daß du als das Lamm Gottes, meine und der ganzen Welt Sünde getragen, weggenommen und getilgt hast. Ich will im Gedächtniß behalten deinen Tod und Begräbniß, dadurch mein Tod versüßt, und meine Grabstätte geheiligt worden ist. Dein Gedächtniß soll alle sündlichen Bilder in meinem Herzen tilgen, daß dein Bild allein darin bleibe. Ich will im Gedächtniß behalten, daß du auferstanden bist von den Todten, und hast mir mitgebracht Vergebung der Sünden, Gerechtigkeit, Leben und Seligkeit. Nun ist meine Missethat versöhnt, getilgt und abgethan; nun weiß ich gewiß, daß ich nicht im Grabe bleiben, sondern auferstehen werde, nicht zum Gericht und Tod, sondern zum ewigen Leben. Mit deinem Angedenken will ich ausgehen, arbeiten, reden, wandeln, dasselbe wird mich heiligen, daß ich in keine Sünde willige. Es soll mich trösten in Kreuz und Traurigkeit, daß ich bei Gott in Gnaden bin. So lange du in meinem Andenken bleibst, ist und bleibt der Sünde aller Zugang in mein Herz verschlossen; dasselbe wird meinen Geist in steter Andacht, Liebe und Verlangen nach dir erhalten, dadurch meine Liebe gegen dich angeflammt, und mein Herz gereinigt wird. Halt im Gedächtniß Jesum Christ! Er wird einst wieder kommen, 3u richten, was auf Erden ist, Die Sünder und die Frommen; D'rum sorge, daß du dann bestehst Und mit ihm in den Himmel geh'ft, Ihm ewiglich zu danken. Amen. 25. April. Abend. P₁. 51, 3. Gott, sei mir gnädig nach deiner Güte, und tilge meine Sünden nach deiner großen Barmherzigkeit. Barmherziger Gott, ich komme mit gebeugtem Herzen vor deinen Thron und spreche: Gott, sei mir Sünder gnädig! Verzeihe mir, was ich heute Böſes gedacht, geredet und gethan habe. Sind heute meiner Sünden viel gewesen, so denke an deine Gnade und Güte. Du nennest dich selbst den gnädigen und gütigen Herrn. Hat mich nun heute deine Güte begleitet, er halten, geschüßt und gesegnet, so nimm auch die verbiente Strafe von mir. Siehe mich jetzt gnädig an, da ich mit meinem Gebet vor dir liege, nicht auf meine Gerechtigkeit, sondern auf deine große Barmherzigkeit. Hast du nach deiner Vatergnade und nicht im Zorn mich angesehen, so tilge auch meine Sünden aus deinem Buche, daß ihrer nimmer wieder gedacht werde, nicht in meinem Sterben, auch nicht am jüngsten Gericht, daß du ihrer nicht mehr gedenkest, und mich nicht mehr darum strafest. Barmherzig und gnädig ist der Herr, geduldig und von großer Güte; er wird nicht immer hadern, noch ewiglich Zorn halten. Mein Gott, das erfülle auch an mir. Erbarmte sich der Vater über sein verlorenes Kind, als es bußfertig und demüthig wiederkam, so nimm auch meine herzliche Abbitte an, und verzeihe mir alle meine Sünden, die ich öffentlich oder heimlich mit Gedanken, Worten und Werken begangen. Deine Barmherzigkeit ist größer, als meine Sünde. So gehe ich mit Freuden schlafen, da ich meine Sünden dir abgebeten und du sie mir vergeben hast. Sei in der Stunde des Todes mir gnädig, und laß mich, von allen Sünden frei, zu deiner Freude eingehen. Ob bei uns ist der Sünden viel, Bei Gott ist viel mehr Gnaden; Sein' Hand zu helfen hat kein Ziel, Wie groß auch sei der Schaden. Er ist allein der gute Hirt, Der Israel erlösen wird Aus seinen Sünden allen. Amen. 232 26. April. Morgen. Matth. 6, 21. Wo euer Schatz ist, da ist euer Herz. Herr, mein Gott, du sollst mein Schatz, meine einzige Freude sein, daran will ich mich ergehzen in guten und bösen Tagen. Bewahre meine Seele, daß fie nicht vergängliche Dinge zum Schatz erwähle, und daran hangen bleibe. Mein Schatz sollst du sein, dich suche ich; laß mich dich nimmermehr verlieren; und wenn mein untreues Herz sich von dir entfernen wollte, so laß mich erkennen, wie ich den Tod für das Leben erwähle. Behüte mich, daß ich nicht weltliche Ehre, Geld und Reichthum für meinen Schatz halte. Denn diese Dinge alle können meine Schmerzen nicht lindern in Krankheit, mein Gemüth nicht aufrichten in betrübten Stunden; sie häufen nur meine Sünden, verwunden mein Gewissen. Davor bewahre mich, treuer Gott. Deine Liebe und Gnade will ich suchen. Dein Kreuz, Herr Jesu, soll mein Schaß sein, daran finde ich Vergebung, Frieden, Gerechtigkeit und Seligteit; deine Führung, heiliger Geist, dein Licht soll mein Schatz sein, daß du mich aus der Finsterniß zum Licht und aus dem Tode zum Leben bringest. Wo mein Schatz ist, da soll auch mein Herz sein. Mein Leib soll auf Erden, mein Herz bei dir im Himmel sein. Ich will mich der sichtbaren Dinge bedienen zu meiner Nothdurft, aber in mein Herz sollen sie nicht kommen; sie sind außer mir, und sollen auch außer mir bleiben; du aber sollst meines Herzens Licht, Freude und Wonne sein; so bin ich recht reich in Zeit und Ewigkeit. Mein Herz, du mußt im Himmel sein, Dein Schaß ist ja dort oben; Was hier ist, halte nicht für dein, Dort ist es aufgehoben. Was nüßt ein Schab, den Rost verzehrt? Nur der Schaß ist des Herzens werth, Den man im Himmel sammelt. Amen 233 26. April. Abend. Pf. 116, 12. Wie soll ich dem Herrn vergelten alle seine Wohl that, die er an mir thut? 234 Gütiger Gott, du hast mich heute mit Wohl: thaten überhäuft; o, daß ich dir dafür recht danken könnte. Herr, deine Wohlthaten sind zu viel, ich kann sie nicht alle erzählen. Wasserquellen versiegen zuweilen, aber deine Gnade ist täglich neu. Große Gönner geben nicht immer, auch nicht alles, was man von ihnen bittet, aber deine Wohlthaten hören nimmer auf. Mein Undank hat dich noch nicht müde gemacht, mir Gutes zu thun. Du hast mich vor schweren Sünden bewahrt, welche mich in der Stunde des Todes noch drücken könnten. Das habe ich allein deiner Güte zu danken, die mir den Weg verlegt und mich behütet hat. Aber ach, was unterfange ich mich, deine Wohlthaten zu erzählen? Sollte man doch eher die Sterne am Himmel zählen können. Was ich Gutes habe, denke und thue, ist alles deine Wohlthat. Daß ich lebe, vor Unheil und Leiden bewahrt bin, ist deine Wohlthat. Daß ich zur Erkenntniß meiner Sünden und meines Heils in Christo gebracht bin, ist deine Wohlthat. Ja, daß ich nach diesem Leben soll der Himmelsfreude theilhaftig werden, ist deine Wohlthat. Wie soll ich nun, Herr, dieses alles vergelten? Kann kein Kind seinen Eltern ihre Mühe, Treue und Geduld vergelten, wie kann ich denn dir, himmlischer Vater, deine Liebe, Jesu, dein bitteres Leiden, heiliger Geist, dein Locken, Rufen und Führen vergelten? Vergelten kann unter gleichen Personen stattfinden, aber was kann ich dir, o großer Gott, geben? Nimm an mein armes Herz zum Dankopfer, mein ganzes Leben zum Lobopfer, und laß mich nimmer vergessen, was du mir Gutes an Leib und Seele gethan hast. D wie vergelt' ich Gott, was er mir that, Da Wohlthat mich auf Wohlthat überhäufen: Wohlan, ich will den Kelch des Heils ergreifen! Gelobet jei sein Name früh und spat! Amen. 27. April. Morgen. Matth. 23, 26. Reinige zum ersten das Inwendige, auf daß auch das Auswendige rein werde. Herr Gott, da ich mich in der Frühstunde zu waschen und reinigen pflege, damit ich vor den Augen der Menschen erscheinen kann, so denke ich auch an die Reinigung meines Herzens und Lebens. Es kann dir, du reines Wesen, nichts Unreines gefallen, darum befiehlst du mir, ich soll mich reinigen und heiligen; aber du weißt wohl, daß ich von mir selbst es nicht thun kann; darum reinige du mein Inwendiges, daß ich auch äußerlich rein werde. Laß mich frei bleiben von allem Heuchelschein, daß ich nicht auf äußerliche Frömmigkeit sehe. Was wird mir das Neußerliche helfen, wenn ich inwendig ein Greuel vor dir bin? Laß deinen Geist mich allezeit erinnern und bestrafen, daß ich in keine Sünde willige, noch thue wider dein Gebot. Neinige mich in dem Blute Jesu von all' meinen Unreinigkeiten, und schenke mir Kraft, mich durch dich rein und unbefleckt zu erhalten. Gib mir Kraft, daß auch mein Auswendiges rein werde, daß ich fliehe alle Befleckungen des Fleisches, und einen gottseligen Wandel führe bei jedermann und an allen Orten. Es ist nicht möglich, daß das Auswendige rein sei und bleibe, wenn das Inwendige nicht gereinigt ist. Laß mich die Mittel der Reinigung fleißig gebrauchen, dein Wort mit Herzensandacht hören und lesen, das heilige Abendmahl würdig empfangen. Hilf mir ringen und kämpfen, daß ich mich von meinen anklebenden Unreinigkeiten in Worten und Werken noch ferner reinige und dir alle Tage immer gefälliger werde. Vor allem mache mein Gemüthe Durch ungefärbte Buße rein, Und laß es, Herr, durch deine Güte Mit Christi Blut gewaschen sein. 235 Ja, mache mich zur Reinigkeit Des neuen Lebens stets bereit. Amen. 27. April. Abend. Hiob 14, 16. Du hast meine Gänge gezählt; aber du wollest nicht Acht haben auf meine Sünde. 236 Allwissender Gott, ich stelle mich vor dein Gericht, und bitte dich um Vergebung aller meiner Sünden. Vor die kann ich nichts verbergen, du weißt alle Gedanken meines Herzens. Siehest du aber mein Inwendiges, so kann dir mein Auswendiges, meine Gänge, mein Reden, Thun und Lassen nicht verborgen sein. Zählest du der Glaubigen Thränen, so zählest du auch der Menschen Uebertretungen, und schreibst sie in dein Buch, darnach ich werde gerichtet werden. Behüte mich vor der Meinung der verstockten Menschen, welche in all' ihrem bösen Beginnen und Thun gedenken: Der Gott Jsraels fiehet es nicht, der Gott Jakobs achtet es nicht; vielmehr erkenne ich, daß ich vor dir gesündiget und dich beleidigt habe; aber ach, Herr, habe nicht Acht auf meine Sünde und gedenke derselben nicht mehr, wirf sie in die Tiefe des Meeres, tilge sie aus deinem Buch. Rechne mir nicht zu, was ich Böses vor dir gethan habe; sei mir gnädig und vergib mir alle meine wissentlichen und unwissentlichen Sünden. Gib mir deinen heiligen Geist, daß ich inskünftige Acht habe auf deine innerlichen Bestrafungen, wenn er mich vor Sünden warnt, daß ich Acht habe auf deine Gebote und ausschaue auf Jesum, meinen einzigen Herrn, welcher mir sein heiliges Leben zum Vorbild hinterlassen hat. Schreibe in mein Herz dein allsehendes Auge, daß ich in keine Sünde willige, und laß mit diesem Tage alle meine Sünden verschwinden; und wenn meine letzte Stunde kommt, so laß mich auf Jesu Blut und Tod begnadigt und selig von hinnen abscheiden. Herr, habe Acht auf mich! Die Liebe nennet dich Israels Hüter; Du schlässt und schlummerst nicht, Dein blißend Angesicht Schlägt Feinde nieder. Amen. 28. April. Morgen. Jat. 2, 18. Beige mir deinen Glauben mit deinen Werken. Herr, mein Gott, ich fange wieder einen Tag an; laß mich meinen Glauben mit den Werken zeigen. Was hilft mir mein Wissen, wenn es mich nicht heiligt? was nuket mich die Erkenntniß deines Wesens, deiner Werke und deines Willens, wenn mein Herz unbekehrt, mein Wille unverändert, und mein Leben böse ist und bleibt? Verleihe mir Gnade, daß ich in meinem Leben beweise, daß ich dich kenne, liebe und ehre. Ich glaube, du seiest der allmächtige Gott, darum laß mich in keiner Noth verzagen, sondern gedenken, daß dir kein Stein zu schwer, kein Kreuz zu groß ist, du kannst mich davon befreien. Ich glaube, du seist der allwissende Gott, darum behüte mich, daß ich nicht im Verborgenen sündige, sondern laß mich eingedent bleiben, du seiest ein Herzenskündiger, der meines Herzens Aufrichtigkeit und Falschheit erkenne. Jch glaube, du seist ein barmherziger Gott, darum laß mich in allen betrübten Umständen zu dir meine Zuflucht nehmen. In den Werken muß sich der Glaube, und was im Herzen ist, offenbaren. Wo unreine Werke sind, da kann kein reines Herz sein. Ich glaube, daß Jesus Christus mein Herr sei, darum verleihe mir Gnade, daß ich ihm gehorsam sei und seinem Vorbilde nachfolge. Ich glaube, daß er mich verlorenen und verdammten Menschen erlöset hat, daß ich mich frei machen lasse von meinen Sünden und Unreinigkeit. Ich glaube, daß der heilige Geist mich will heiligen, darum hilf mir, daß ich Herz, Willen und Leben heiligen lasse, auf daß ich also lebe, wie ich glaube. O Herr, so mehre doch In mir den wahren Glauben, So kann mir keine Macht Die guten Werke rauben. Wo Licht ist, geht der Schein, Freiwillig davon aus: Du bist mein Gott und Herr, Bewahr' mich und mein Haus! Amen. 237 238 3₁. 45, 14. 28. April. Abend. Des Königs Tochter ist ganz herrlich inwendig; sie ist mit goldenen Stücken gekleidet. Herr Jesu, da ich mich nun entkleiden will, so erinnere ich mich an den Seelenschmuck, welchen ich mit deinen Kindern gemein habe, und welchen ich niemals ablegen will. Weil du, König der Ehren, sie reinigest, heiligest und wiedergebierest, so sind sie alle Königstöchter, aus unvergänglichem Samen gezeuget, durch deinen Geist belebt und der göttlichen Natur theilhaftig. Laß mich dieses hohen Adels allezeit eingedent bleiben, und nicht mit unartigen Weltkindern mich gemein machen, damit sie mir nicht meine schönen Kleider ausziehen. Güldene Stücke sind es, worein du mich ge kleidet hast. Diese sind deine Gerechtigkeit, deine Unschuld, dein Verdienst, dein Blut. Diese trage ich inwendig an meiner Seele. Mit Kleidern zu prangen, ist der Kinder Gottes Weise nicht. Ein schlechtes Kleid am Leibe und eine mit Jesu Gerechtigkeit geschmückte. Seele schicken sich wohl bei einander; denn ob meine Kleidung zwar gering ist, so sollen doch die güldenen Stücke, die inwendig mich zieren, auch äußerlich her vorleuchten in Lebensreinigkeit und Frömmigkeit, daß jedermann erkenne, ich sei kein Knecht der Sünde, sondern eines Königs Kind, welches über die Sünde herrsche und in deiner Gerechtigkeit Stärke habe. Nun, Herr Jesu, deine Gerechtigkeit ist mein Kindeskleid, mein Ehrenkleid, mein Hochzeitkleid; laß sie auch mein Sterbekleid sein; darin will ich auch vor dir erscheinen, darin lennest du mich, darin nimmst du mich zu Gnaden an. Feft im Lieben, fest im Glauben, Halt ob deinem guten Theil; Laß dir nicht die Krone rauben, Noch dein Recht an Christi Heil. D dann harrt sein Erb' auf dich, Fest und unerschütterlich. Wie die Säul' in Gottes Hallen, Wo die Engelchöre schallen. 29. April. Morgen. Matth. 16, 26. Was hälfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne und nähme doch Schaden an seiner Seele? oder was kann der Mensch geben, daß er seine Seele wieder löse? 239 Ewiger Gott, laß heute meine einzige Sorge sein, über meine Seele zu wachen, daß sie nicht befleckt, oder durch den Satan und die Welt verwundet werde. Sie ist das kostbare Pfand, das ich dir wieder liefern foll; ist theuer mit dem Blute Jesu erkauft, darum soll meine beständige Sorge sein, daß ich ja feinen Schaden an ihr leide. Es ist ein großer Schaden, wenn ich verstockt dahin lebe, daß meine arme Seele als ein Gefangener in alle Lüsten und Bosheiten der Welt geführt, von dir abgezogen und zum Knecht der Sünde gemacht wird. Es ist ein ewiger Schaden, wenn ich sollte in solcher Unbußfertigkeit sterben und also verdammt werden. Davor behüte mich, mein treuer Gott und Vater! Was hälfe es mir, wenn ich die ganze Welt gewonnen, eine königliche Krone getragen, Gold und Silber, Purpur und Seide und alle Herrlichkeiten der Welt besessen hätte, wenn in der Todesstunde meine Seele in die Hölle gestürzt würde, wie der reiche Mann; oder was kann ich geben, daß ich sie wieder löse? Jesu Blut kann mir nach dem Tode nicht mehr helfen, wenn ich mich im Leben dadurch nicht reinigen lasse, weil nach dem Tode keine Erlösung mehr ist. Lehre mich bedenken, daß ich sterben muß, daß alsdann nichts mit mir gehen wird, mich vor dir zu entschuldigen, sondern daß meine Seele als= dann allein, wie sie von dem Leibe ausgeht, vor dir erscheinen muß. Daran erinnere mich fleißig, daß ich meine Seele als eine Ausbeute davon trage. Mein Gott, was könnt' es nüßen, Die ganze Welt besigen Auf eine kurze Zeit, Wenn ich zu dir nicht käme, Hingegen Schaden nähme, An meiner Seligkeit. Amen. 29. April. Abend. Offenb. 3, 11. Siehe, ich komme bald; halte, was du hast, daß niemand deine Krone nehme. 240 Herr Jesu, komme zu mir, da es nun will Abend werden, und laß mich unter deinen Flügeln vor allem Unfall und Schaden bewahrt bleiben. Laß mir deine liebliche Verheißung: Siehe, ich komme bald! in meinem ganzen Leben zur Aufmunterung dienen. Laß mich an dieses Wort gedenken, wenn ich fündigen will, daß ich mir vorstelle: wenn nun dein Jesus käme, würdest du auch wie eine bereitete Jungfrau, als ein wachender Knecht erfunden werden? Laß mich allezeit wachen und beten, auf daß deine Zukunft mir nicht erschrecklich, sondern erfreulich sei. Wie bald und unverhofft kommst du manchem Sünder, welcher mit jenem bösen Knecht spricht: Mein Herr kommt noch lange nicht; denn mit deinem Kommen schreckst du ihn von seiner Welt- und Sündenlust ab; deinen Kindern aber kommſt du allezeit recht. Richte mit deiner lieblichen Stimme mein Gemüth wieder auf. Verziehst du aber mit deiner Stunde, so laß mich halten, was ich habe, daß ich nicht weiche von meinem Vertrauen, oder mich gar zu verbotenen Mitteln verleiten lasse; daß nicht Satan, die Welt und mein Fleisch mich zum Mißtrauen und Zweifel an deiner Treue und Liebe bewegen; denn sonst möchte sie mir meine Krone nehmen und die Herrlichkeit, die du mir erworben. Gib nicht zu, daß mir diese herr lichen Güter jemand raube, oder daß ich sie um Weltluft verkaufe. In der Todesstunde sprich zu meiner Seele: Siehe, ich komme bald, deine Angst zu stillen, dich heim zu holen und dir die Krone der Gerechtigkeit zu schenken. Laß mich halten, was ich habe, Daß mir nichts die Krone nimmt. Es ist deines Geistes Gabe, Daß mein Glaubensdocht noch glimmt; Lösche nicht dies Fünklein aus, Mach' ein helles Feuer d'raus; Laß es ungestöret brennen, Dich vor aller Welt bekennen. Amen. 30. April. Morgen. 1 Kor. 15, 58. Seid fest, unbeweglich und nehmet immer zu in dem Werk des Herrn; fintemal ihr wisset, daß eure Arbeit nicht vergeblich ist in dem Herrn. Gnädiger Gott, mein Herz freut sich, da ich nun das Tageslicht wieder genieße; laß mir die Sonne nicht zu Sünden leuchten, sondern laß diesen Tag einen gesegneten Tag sein, darin ich dir diene und anhange. Laß mich immer fester werden in deiner Erkenntniß und Liebe. Ermuntere meinen Geist, daß ich ebenso eifrig und beändig zum Guten sei, als die Weltmenschen alle Kräfte anwenden, ihren Lüsten zu dienen. Laß mich in der Gnade unbeweglich stehen; wie ein Todter unbeweglich da liegt, also laß mich gegen alle Sünden sein; hingegen laß mich immer zunehmen im Guten, im Glauben, in der Sanftmuth, Demuth, Keuschheit und Neinigkeit; ja, laß mich in der Heiligung zunehmen, ohne welche niemand dich schauen wird Laß dein Werk in mir fortgehen zur Vereinigung mit dir, daß ich in all meinem Thun gedenke. Ist das auch des Herrn Werk? Wo ich solches nicht in meinem Herzen finde, so laß mich in kein Werk willigen. Diese Arbeit an meiner Seele wird durch deine Gnade nicht vergeblich sein, wenn sie dein Geist in mir anfängt, fortsetzt und vollendet. Meine Tage nehmen immer zu; nehme ich auch im Glauben und in der Liebe zu? Laß mich ja nicht dein Feind werden, sondern mache mich neu und dir getreu, auf daß ich am Ende meiner Lebenstage als dein Kind und Eigenthum erfunden und immer reiner, kleiner und dir gehorsamer werde. Welt, verlache Unsere Sache, Daß sie nur vergeblich sei. Unsern Seelen Kann's nicht fehlen; Deiner Arbeit folgt die Reu. Wir steh'n feste: Das ist's Beſte, Niemand ist umsonst getreu. Amen. Start's Moraen und Abend Anbachten. 241 16 30. April. Abend. Pf. 27, 1. Der Herr ist mein Licht und mein Heil, vor wem sollte ich mich fürchten? der Herr ist meines Lebens Kraft, vor wem sollte mir grauen? 242 Mein Gott und Vater, nun ist alles dunkel um mich, aber in mir ist's doch nicht dunkel, denn du bist mein Licht. Mein Geist schauet in dein liebreiches Vaterherz, wie dasselbe sich in Jesu eröffnet hat durch Vergebung der Sünden und Frieden mit dir. Ja, du bist mein Licht, mein Fels, meine Stärke, mein Erbar mer und meine Zuflucht. Niemand ist zu Schanden worden, der auf dich sich verlassen hat. Ich habe in den vorigen Lebenstagen deine Gnade und Hilfe genugsam empfunden. Hierüber entstehet in meinem Geist eine innerliche Freude, sonderlich wenn ich dich als mein Heil betrachte, da du mich aus dem Tode zum Leben gebracht. Du bist meines Lebens Kraft: deine Gnade erhält mein natürliches Leben, daß ich gesund aus- und eingehen kann; du bist auch meiner Seele Lebenskraft, daß ich im Glauben, Liebe und Hoffnung beharre, und zunehme an dem inwendigen Menschen. So lange ich in deiner Kraft einhergehe, graut mir vor keinem Fall. Was kann meiner Seele schädlich sein, wenn du bei mir bist? Wer im Finstern wandelt, der fällt; aber in dir, mein Licht, habe ich Stärke. Darum bitte ich dich, verzeihe mir, was ich heute wider dich gethan mit Gedanken, Worten und Werken. Bleibe auch im Sterben mein Licht, das mich zum himmlischen Freudenlicht führe; mein Heil, daß ich zu meinem Erbe ge lange, und meine Kraft, daß ich den Kampf fröhlich und selig vollende. Herr, es ist von meinem Leben Wiederum ein Tag dahin; Lehre mich nun Achtung geben, Ob ich fromm gewesen bin? Beige mir auch ferner an, Wo ich was nicht recht gethan, Und hilf jeßt in allen Sachen Guten Feierabend machen. Amen. 1. Mai. Norgen. Joh. 14, 1. Glaubet ihr an Gott, so glaubet ihr auch an mich. Herr Jesu, ich will mich an diesem Tage an deine Gottheit erinnern, daß du mit dem Vater und heiligen Geist gleich ewig und herrlich bist. Ich glaube an Gott, den himmlischen Vater; aber ich kann nicht an ihn glauben, wenn ich nicht auch zugleich an dich glaube. Denn wer den Sohn verleugnet, der verleugnet auch den Vater; hingegen wer den Sohn liebt und ehrt, der liebt und ehrt auch den Vater. Mein Heiland, laß mich auch des Glaubens Kraft und Leben verspüren, daß dadurch mein Herz und Leben geheiligt werde. Wenn ich erkenne, daß du des ewigen Gottes Sohn bist, so kenne ich auch den Vater, daß du in dem Vater und der Vater in dir sei, so daß da eine Kraft und Herrlichkeit ist. Wie freue ich mich, daß ich an dir einen so mächtigen König und Heiland habe, welcher Gott selbst ist. Laß diesen meinen Glauben einen lebendigen und thätigen Glauben werden, daß ich dich nicht nur von außen kenne, sondern daß er mich auch heilige, reinige und zum Guten antreibe. Jesu, du bist mir alles; du bist der Weg, die Wahrheit, und das Leben. Laß mich ja nimmermehr davon abgeführt werden, sondern darin beharren bis an mein Ende. Laß mich in deiner Erkenntniß und Liebe immer zunehmen, alsdann komme ich zur Quelle des Lebens, und werde start am inwendigen Menschen. Laß mich auch heute an Gottesfurcht und Frömmigkeit zunehmen, daß ich in meinem Christenthum wachse, und mich vor allen, auch den geringsten Sünden hüte. Mein Jesu, laß mich dich Im Glauben wohl erkennen, Dich meinen Herrn und Gott, Trost, Schuß und Heiland nenne Laß mich im Glauben thun Was uns dein Mund gelehrt, Daß dich Herz, Mund und That Als den Erlöser ehrt. Amen 16* 243 1. Mai. Abend. Joh. 14, 2. In meines Vaters Hause sind viele Wohnungen; wenn es nicht so wäre, so wollte ich zu euch sagen: Ich gehe hin, euch die Stätte zu bereiten. 244 Herr Jesu, unter andern Wohlthaten, welche deine Liebe mir in diesem Leben ertheilt, ist auch die, daß du mir eine Stätte geschenkt haft, wo ich des Abends mich zur Ruhe hinlegen kann. Dabei erinnere ich mich jetzt an die Stätte, welche du mir im Himmel bereitet hast. Ich habe hier keine bleibende Stätte, hier bin ich ein Pilgrim, welcher in der Herberge alles muß dahinten lassen. Laß diese Betrachtung alle Weltliebe in mir tilgen: denn im Sterben werde ich nichts mit nehmen, als was ich in meiner Seele besitze, deine Gnade, deine Gerechtigkeit. Du willst deine Glaubigen auf Erden nicht allezeit zerstreut, geängstet und gedrängt werden lassen, sondern zu dir sammeln; du willst ihnen Glanz und Klarheit gleich der Sonne und den Sternen ertheilen; das ist das Werk deiner Liebe. Mein Ausgang aus der Welt ist gewiß, ja wenn meine Seele den Leib verlassen hat, leidet man mich in mei nem Hause nicht; darum will ich in deines Vaters Hause Wohnung suchen, daß ich meine Sünden erkenne und Vergebung und Leben erlange. Soll ich, o Jesu, dein Miterbe werden, so werde ich auch Theil an deiner Herr lichkeit haben. Welche liebliche und selige Wohnungen werden das sein, welche du deinen Glaubigen bereitet hast! Auf solche Wohnung freue ich mich, und stelle mir oft ihre Schönheit und Lieblichkeit vor. Zu die ser Stätte darf sich kein Feind nahen; da wird keine Angst und kein Weinen, sondern Freude und Wonne sein. Herr Jesu, begleite mich einst aus meinem Haus in deines Vaters Haus, wo mir ewig wohl sein wird. Zeichne in des Vaters Haus Mir auch eine Wohnung aus; Bring' mich ohne Furcht dahin, Wo ich ewig bei dir bin. Amen. 2. Nai. Morgen. 1 Joh. 5, 18. Wir wissen, wer von Gott geboren ist, der fündigt nicht; sondern wer von Gott geboren ist, der bewahrt sich, und der Arge wird ihn nicht antasten. 245 Mein Gott und Vater, laß mich auch heute als einen neugebornen Christen mich in meinem Denken, Reden und Thun bezeigen. Erneure die Gnade der Wiedergeburt in mir, vergib mir meine Sünden, tilge durch deinen Geist in mir alle Sündenlust, daß ich erschrecke, wenn in meinem Herzen etwas Sündliches sich regt. Dieses ist die Eigenschaft deiner Kinder, daß sie nicht mehr fündigen wollen, auch in der That nicht mehr mit Vorsatz, mit Wissen, der Welt zu gefallen, fündigen, weil du ihnen einen neuen Sinn, einen neuen Geist und neue Kräfte gegeben hast, ob sie gleich nicht ohne menschliche Fehler sind. Wie sollte ich meinen Gott betrüben wollen, der mich geliebt hat, ehe ich ihn gekannt und geliebt habe? Gib mir Kraft, daß mein Herz bewahre, damit ich kein Gefallen an der Sünde habe; daß ich bewahre meine Augen, meine Ohren, meine Füße, meine Hände. Ja, bewahre du mich durch deinen Geist und deine Kraft, daß ich mein Gewissen nicht beflecke. Sezt mein böses Herz von innen, die arge Welt und der Satan von außen mir zu, so gib mir in dem Blute des Lammes Sieg, daß ich alle Nachstellungen überwinde. Bewahre du mich selbst, daß mich der Arge nicht antaste; denn sein Antasten bringt Wunden im Gewissen, schwere Sündenfälle und endlich das ewige Verderben. Gott, du siehest mein herzliches Begehren, daß ich nicht mehr fündigen will. Heilige mich durch und durch, mit Leib und Seele; und laß mich in der neuen Geburt beharren bis an mein Ende. Wie selig, wer aus dir geboren, Ein neues Herz von dir empfängt, Und, dir zum Eigenthum erkoren, Der Sünd entfagt und göttlich denkt: Er endet fröhlich seinen Lauf, Und schwinget sich zu dir hinauf. Amen. 2. Mai. Abend. Hebr. 7, 25. Christus kann selig machen immerdar, die durch ihn zu Gott kommen, und lebet immerdar, und bittet für fie. 246 Herr Jesu, verzeihe mir, wenn ich heute mich an dir verfündigt habe. Selig werden ist mein einiger Wunsch. Sollte ich nicht hier im Glauben und dort im Schauen selig werden, so wäre es besser, ich wäre nie geboren. Du kannst und willst mich selig machen: dazu bist du in die Welt gekommen, die Sünder selig zu machen, und zwar alle und immerdar, ohne Aufhören. Ich umfasse dich als meinen Mittler: durch dich komme ich zu Gott. Ich nahe mich ihm mit dir. Mit deinem Blute besprengt, mit deiner Gerechtigkeit gekleidet, erlange ich Gnade, Vergebung, Frieden und ewiges Leben. Ich umfasse dich als meinen ewigen Beistand, denn du lebst immerdar, du stirbst nicht mehr. Freunde verlassen mich, weil sie mir nicht helfen können, oder reißt sie der Tod mir von der Seite; aber du lebst immerdar, du stehest bei mir in Noth und Tod, in der Jugend und im Alter, bei Tag und bei Nacht. Deß freue ich mich in allen Stunden, wenn mir der Menschen Hilfe gebricht. Ich umfasse dich als meinen Hohepriester: du betest immerdar für mich und meine Seufzer bringst du vor Gott. Treuer Heiland, was kann ich dir für deine Wohlthaten geben? Hier hast du mein armes Herz: erfülle es mit deiner Gegenliebe, reinige es mit deinem Blute. Laß das Andenken deines Todes alle Sündenliebe in mir tödten, und mich behutsam machen, daß ich zu deiner Ruhe einzugehen nicht versäume. Wenn meine Seele vom Leibe scheidet und sich zu Gott nahet, so geleite du sie und bringe sie zur seligen Schar der Auserwählten. Herr, dein Opfer ist geschehen; Priester, laß mich Segen sehen! Mittler, bitte auch für mich! Denn von deinem Blute reine, Dankt und rühmt mein Glaub alleine, Und die Liebe Lobet dich. Amen. 3. Mai. Morgen. 1 Petr. 4, 3. Es ist genug, daß ihr die vergangene Zeit des Lebens zugebracht habt nach heidnischem Willen. Gott, schenke mir deinen heiligen Geist, daß ich den Tag in deiner Furcht anfange und zu deiner Ehre vollende. Habe ich in vorigen Jahren nach der Welt und ihren Lüften gelebt, und gedacht, wenn ich lebte wie andre Menschen, so thäte ich wohl: so hat mich dein Geist ein Besseres gelehrt. Ich sage heute mit bußfertigem Herzen: Es ist genug, du böses Herz, ich habe lange genug deinen sündlichen Lüsten gefolgt. Es ist genug, ihr Weltkinder, ich bin lange genug auf euren Wegen gegangen. Gott, ich will in deiner Kraft heute sagen: Es ist genug! ehe du es im Zorn zu mir sagst, auf dem Krankenbette oder im Sterben. Dir hätte ich meine vergangene Zeit heiligen sollen; es ist aber leider nicht allezeit geschehen. Wie werde ich vor deinem Gerichte bestehen? Ich nehme mir heute vor, meine künftige Lebenszeit zu deiner Ehre hinzu= bringen. Ist mein Wille bisher heidnisch gewesen, reiße du die heidnischen Lüste aus meinem Herzen und schenke mir einen geheiligten Willen. Laß meine Heiligung einen gesegneten Anfang nehmen, daß ich nicht mehr sei, wer ich gewesen bin, nicht mehr thue, was ich gethan habe, auf daß mich, wenn mein Ende kommt, nicht gereuen möge, gelebt zu haben. Laß mir dieses: Es ist genug! nicht aus dem Sinne kommen, daß meine künftige Zeit eine dir wohlgefälligere Zeit werde, als die vergangene, auf daß ich deiner Liebe beständig versichert bleibe. Es ist genug, Ja wohl, es ist genug, Was ich bisher gethan; Daß ich, bethört Von Schlangenlist und Trug Gelegen unter'm Bann; 247 Daß ich des Fleisches Willen übte Und meinen Gott so tief betrübte: Es ist genug. Amen. 3. Mai. Abend. Jef. 64, 9. Herr, zürne nicht zu sehr, und denke nicht ewig der Sünden; siehe doch das an, daß wir alle dein Volk find. Herr, Gott, ich beklage und bereue, daß ich dich heute nicht so herzlich geliebt, dir nicht so eifrig gedient, nicht so treulich gefolgt, wie ich hätte thun sollen. Herr, zürne nicht zu sehr über mich; zürne nicht, daß du deinen heiligen Geist von mir nehmen wolltest. Zürne nicht, daß du mich an Leib und Seele strafen, verder= ben und durch scharfe Züchtigungen meine Missethaten heimsuchen wolltest. Siche, ich komme als eine bußfertige Seele vor dich: nimm als ein Vater meine demüthige Abbitte an. Erbarmt sich ein leiblicher Vater über sein Kind, und hält nicht ewiglich Zorn, so wirst du auch Vater- Gnade mir widerfahren lassen. Ich komme und ergreife im Glauben Jesum Christum, meinen Heiland. Zürne nicht, ich komme vor dich mit dem Vorsatz, durch deines heiligen Geistes Gnade neu zu werden. Ja, Herr, gedenke nicht der Sünden meiner Jugend und meiner Uebertretung, gedenke aber mein nach deiner großen Barmherzigkeit um deiner Güte willen. Dieser väterlichen Gnade tröste ich mich mit freudigem Gemüthe, weil ich dir angehöre. Dieses wirkt in mir eine tiefe Schan, daß ich meine Herr lichkeit so gering geachtet habe; aber es gibt mir auch den Trost, du werdest die bußfertige Seele nicht ver= stoßen. Ich halte mich an die Verheißung Jesu: Wer zu mir kommt, den will ich nicht verstoßen. Schenke mir neue Stärke, nach den Sitten deines Volkes zu leben. Kommt es mit mir zum Sterben, so laß mich als dein Eigenthum und versöhntes Kind zur Himmelsfreude eingehen. 248 Strafe nicht, o Heiligster, Mich in deinem Grimme! Höre, Herzenskündiger, Meines Flehens Stimme! Send' du Trost mir zu, Nette vom Verderben, Rette mich vom Sterben! Amen. 1. Nai. Norgen. Amos 5, 14. Suchet das Gute und nicht das Böse, auf daß ihr leben möget; so wird der Herr, der Herr Zebaoth, bei euch sein, wie ihr rühmet. 249 Gott, deine Güte hat mich aus der finstern Nacht an das Licht gebracht. Deffne mir die Augen, und laß mich in deines heiligen Geistes Licht allezeit das Beste suchen. Bewahre meine Seele vor der Blindheit, daß ich nicht für das Beste halte vergänglichen Reichthum, eitle Ehre, unreine Wollüste, weltliche Pracht, wornach so viele Menschen streben, und darüber dein und ihrer Christenpflicht vergessen. Du, mein Gott, sollst sein mein höchstes Gut und das Beste; deine Liebe, deine Gnade, deines Geistes Gemeinschaft soll mein Friede und meine Freude sein; die will ich suchen im Glauben, suchen eifrig, beständig, bis ich sie erlangt habe. Dazu gehört ein himmlisches Licht. Dasselbe verleihe mir in Gnaden, daß mein ganzes Leben dir gefällig sei. Ja, ich will nicht mir, nicht den Lüsten des Fleisches, nicht der Welt, sondern dir zur Ehre leben. Lebe ich also dir, so lange ich hier walle, so werde ich auch leben in der Ewigkeit, durch den Tod zum Leben eingehen. Jeſu, mein Leben, laß mich dir und in dir leben und sprich auch zu mir: Ich lebe, und du sollst auch leben! Sei auch im Leiblichen bei mir, und segne meinen Ausgang und Eingang. Ich rühme mich, daß ich dein Kind, dein Eigenthum und ein Erbe der künftigen Herrlichteit bin; laß mich auch nach diesem Ruhm wandeln, daß ich, was ich von dir gebeten, auch erlange, und mich deines Beistandes erfreuen möge. Gib mir ein frommes Herz, Daß ich fromm sei und bleibe, Und nur, was dir gefällt, In meinem Leben treibe; Heut' fromm sein, morgen bös, Und so im Wankelmuth Bald Gut's, bald Böses thun, Stürzt in die Höllenglut. Amen. 4. Mai. Abend. Pf. 32, 1. 2. Wohl dem, dem die Uebertretungen vergeben sind, dem die Sünde bedecket ist; wohl dem Menschen, dem der Herr die Missethat nicht zurechnet, in dessen Geist kein Falsch ist. 250 Gnädiger Gott, ich will mich jetzt als ein versöhntes Kind zur Ruhe begeben, und bitte dich deßzhalb herzlich um Gnade. Vergib mir alle meine Uebertretungen, womit ich heute dich beleidigt habe. Ich klage selbst meine Nachlässigkeit und Unachtsamkeit an. Dein Geist hat mich oft erinnert und bestraft, aber ich habe ihm nicht genug gefolgt: Herr, verzeihe es mir um deiner Liebe und Barmherzigkeit willen. Gott, hier komme ich noch in dieser Gnadenzeit, sei mir gnädig. Jesu, decke meine Sünden mit deiner Gerechtigkeit. Mein Gott und Herr, gehe nicht mit mir in's Gericht und rechne mit mir nicht so genau ab. Ich habe viele Wohlthaten an Leib und Seele empfangen, die mich zur Gegenliebe, zum Gehorsam und zur Frömmigkeit reizen; aber an deren Statt findest du an mir Missethaten, Uebertretungen und Sünden, die ich nicht nur aus Schwachheit, sondern auch wissentlich gethan. Sprich mich davon frei und los; mein Leben soll hinfort mit größerer Behutsamkeit geführt werden. Welch große Glückseligkeit ist das, mit Gott versöhnt zu sein! Schenke mir diese Seligkeit in meinem Leben, in Kreuz und Leiden und im Sterben. Jch verspreche dir, unter deines Geistes Beistand alle Sünden zu meiden. Du siehest, wie in meinem Geist kein Falsch ist, wie ich es von Herzen meine, dir mein Herz und Leben zu schenken, dir aufrichtig und treu bis in den Tod anzuhangen. Ach, laß mich im Tode die Stimme hören: Deine Sünden sind dir vergeben und bedeckt, du hast Gnade gefunden. Heil dir, o Mensch, wenn deine Schuld auf Erden Dir nicht vom Herrn darf zugerechnet werden, Wenn sich dein Geist von aller Falschheit kehret, Sich treu erzeigt und wird von Gott bewähret! Amen. 5. Nai. Morgen. 1 Ror. 4, 20. Das Reich Gottes stehet nicht in Worten, sondern in Kraft. 251 Gott, deine Treue hat mich diese Nacht bewahrt; bleibe auch diesen Tag König, Herr und Regent in meinem Herzen. Du hast in der ganzen Welt deine Heiligen, welche alle ein Reich ausmachen; aber du hast auch in einer jeglichen glaubigen Seele dein Reich. Bringe auch meine Seele zu dieser Glückseligkeit, daß ich ausgehe aus dem Reich der Finsterniß, hingegen mich ganz der Führung und Regierung des Heiligen Geistes übergebe. Regiere meine Gedanken, meinen Mund, mein ganzes Leben, daß ich mir sterbe, dir lebe. Wende von mir alles verstellte und sündliche Wesen ab, so wird mein Glaube kein Scheinglaube, meine Gottesfurcht keine Heuchelei sein und meine Frömmigkeit nicht in Worten bestehen; denn nicht alle, welche Herr, Herr! sagen, werden in das Himmelreich kommen. Darum soll mein Christenthum nicht in Worten bestehen, daß ich von der Verleugnung, von der Heiligung und Frömmigkeit, nur viel spreche, sondern daß es sich auch in der Kraft zeige, daß ich der Sünde absterbe und also von innen und außen dir geheiligt bleibe. Jch muß in ein Reich gehören, in dein Reich, o Gott, oder in des Satans Reich. Ich will dein Unterthan sein, beherrsche du alle meine Glieder, Sinne, Begierden und Gedanken. Kein anderer soll über mich herrschen, als du allein, mein Gott. Hier hast du meinen Entschluß, verleihe mir Stärke, denselben in der That darzuthun. Sag' nicht: ,, ich bin ein Christ," Bis daß dir Werk und Leben Auch dessen, was du sagst, Beweis und Zeugniß geben; Die Wort' sind nicht genug, Ein Christ muß ohne Schein, Das, was er wird genannt, Im Wesen selber sein. Amen. 5. Mai. Abend. 1 Mof. 32, 10. Ich bin zu gering aller Barmherzigkeit und Treue, die du an deinem Knechte gethan hast. Gott, deine Barmherzigkeit ist heute groß gegen mich gewesen. Wenn mein träges Herz an deine Wohlthaten nicht denken will, so stelle ich ihm vor Elendere und Aermere, die heute Unglück betroffen, davon mich deine Barmherzigkeit befreit hat, da ich vielleicht mehr gesündigt und schwerere Strafe verdient, als jene. Du haft meinem Leibe und meiner Seele bisher tausendfache Gnadengaben erwiesen. Barmherzigkeit ist es, daß ich lebe, daß du meiner schonest und mir meine Sünden vergibst. Mein ganzes Leben ist ein Zeuge deiner Barmherzigkeit. Wer hat mich von Jugend auf behütet? wer hat mir Leben und Nahrung gegeben? Deine Barmherzigkeit! Wer hat mich vor Sünden gewarnt und an mein Herz geklopft? Deine Barmherzigkeit! Andere sind gefallen, ich stehe aufgerichtet; Andere sind versunken im tiefen Schlamm; mich haft du glücklich vorübergehen lassen. Das hat deine Barmherzigkeit gethan. Du bist auch ein treuer Gott. Deine Treue leitet mich bei meiner rechten Hand, damit ich nicht den Irrweg gehe, und verzäunet meinen Weg mit Dornen, wenn ich sündigen will. Sie erhält mir das Licht des Glaubens, daß ich nicht in die alte Blindheit zurückfalle. Ich bin zu gering aller Barmherzigkeit und Treue, die du an mir gethan. Nimm den demüthigen Dank an, und verleihe mir Gnade, daß deine Güte mich immer demüthiger und gehorsamer mache. Laß deine Barmherzigkeit und Treue meine Seele begleiten in die Ewigkeit. Seele, du mußt Gott nun loben, Und den Herrn, was in mir ist. Gutes thut er dir von oben, Sieh', daß du es nicht vergißt, Der in seinem Sohn dich liebt, Der dir alle Schuld vergibt, Der dich rettet vom Verderben Und mit Gnade krönt als Erben. Amen. 252 6. Mai. Norgen. Tit. 2, 13. Wir sollen verleugnen das ungöttliche Wesen und die weltlichen Lüste, und züchtig, gerecht und gottselig leben in dieser Welt. 253 Heiliger Gott, verleihe mir heute Stärke, alles zu verleugnen, was dir mißfällt. Laß mich keine Zunge haben, Böses zu reden, keine Füße, auf bösen Wegen zu gehen, keine Augen, Böses zu sehen, keine Ohren, etwas Böses zu hören. Laß mich verleugnen alle Gunst und Ehre bei der Welt, wenn sie mich von dir abziehen will, auf daß mein Herz dir allein geheiligt sei. Weil das ungöttliche Wesen in meinem Herzen von Natur ist, so hilf mir die Begierden dämpfen und überwinden, daß sie mir ein Abschen werden, hingegen nimm du meine Seele zu deiner Wohnung ein, daß kein Unreines darin Wurzel schlagen könne, so werde ich bewahrt sein vor den weltlichen Lüften, daß ich mich der Welt nicht gleichstelle und mich an dir verfündige. So lange ich das ungöttliche Wesen meide, stehe ich in deiner Gnade; darum laß mich hinfort züchtig gegen mich selbst leben, keuscher Neden und eines keuschen Wandels, der Mäßigkeit im Essen und Trinken mich befleißigen, hingegen alle Unreinigkeit als eine Schlange fliehen. Laß mich gerecht gegen meinen Nächsten bezeigen, ihm nicht schaden, und ihm unfreundlich begegnen. Am meisten hilf, daß ich mich gottselig, fromm und demüthig gegen dich aufführe, dich allezeit vor Augen und im Herzen habe, auf daß ich als dein Kind wandle, unter den unschlachtigen Menschen als ein Licht leuchte und in deiner Gnade beständig verharre. Ja, Jesu, keusche, zarte Liebe, Dämpfe ganz des Fleisches Triebe; Sein gerechtes, treues Handeln Leuchte hell in uns'rem Wandeln; Sein Gehorsam soll uns führen, Daß man an uns möge spüren, Wie der Geist des Herrn erneuert, Und dem Bösen siegreich steuert. Amen. 6. Mai. Abend. Pf. 103, 10. Er handelt nicht mit uns nach unsern Sünden, und vergilt uns nicht nach uns'rer Miſsethat. 254 Barmherziger Gott und Vater, ich komme als ein bußfertiger Sünder vor dein Angesicht: handle nicht mit mir wie ein Richter mit einem armen Sünder, sondern wie ein Vater mit seinem Kinde. Ich ent schuldige meine Sünden nicht, die ich mit Denken, Reden und Thun begangen, sondern ich bitte sie dir demüthig ab. Du heißest zwar ein gerechter Gott, aber du trägst mehr Namen und Eigenschaften, die mir Liebe und Gnade versprechen, als die Zorn und Strafe drohen. Dessen tröste ich mich und spreche: handle mit mir nach deiner Barmherzigkeit, da du Buße für Sünden annimmst. Ich komme mit zerschlagenem Herzen und mit dem festen Vorsatz, dich niemals mehr wissentlich zu betrüben. Habe ich also Gnade erlangt, so wirst du nicht vergelten nach meiner Missethat. Du nennest dich barmherzig, gnädig, geduldig und von großer Güte: so beweise es auch an mir. Dein Wort legt mir kein Beispiel vor, daß du einen bußfertigen Sünder verstoßen, aber gar viele, daß du die größten Sünder angenommen; laß auch mir solche Barmherzigkeit widerfahren, wie David, Manasse, Petro, Paulo und andern Sündern. Was David rühmt, das habe auch ich er= fahren: du hast nicht nach meinen Uebertretungen mit mir gehandelt, noch mir nach meiner Missethat vergolten. O wie will ich dir danken, wenn du mir meine Sünden auf's neue vergibst und mich mit Freudigkeit und Trost erquickest! Handle auch im Sterben nicht mit mir nach meinen Sünden, sondern sprich alsdann: Sei getrost, dir sind deine Sünden vergeben; gehe ein zu deines Herrn Freude. Er handelt nicht mit uns nach unsern Sünden, Er schont und trägt, er lässet uns empfinden, Daß er nicht straft, so wie wir es verdient, Er zeugt, daß er uns mit sich selbst verfühnt. Amen. 7. Mai. Norgen. 1 Petr. 3, 8. Seid allsammt gleich gesinnet, mitleidig, brüderlich, barmherzig, freundlich. 255 Liebreicher Gott, laß mich heute meinen Nächsten mit Liebe und Freundlichkeit begegnen, wie ich wünsche, daß es mir von andern geschehe. Vor allen Dingen laß mich gesinnet sein, wie Jesus Christus auch war, daß ich dich liebe und dir gehorche in allen Dingen und zu allen Zeiten. Laß mich mit allen Glaubigen gleich gesinnet sein in der Lehre von Jesu, unserem Heilande, von der Gerechtigkeit und Seligkeit, die ich in seinem Blute finde; aber mit den Bösen laß mich nimmermehr gleich gesinnet sein, nicht der Menge folgen. Laß deinen Geist meinen fleischlichen Sinn allezeit brechen, daß ich fliehe, was du hassest, daß ich Christi Sinn und Leben in mir offenbare. Kommt mein Nächster in kümmerliche Umstände, so laß mich mitleidig sein, daß ich ihm nicht sein Kreuz gönne oder schwerer mache, sondern ihn tröste und ihm helfe. Haben Brüder, von einem Vater gezeuget, einerlei Gemüth, so laß mich auch brüderlich und barmherzig sein gegen meinen Nächsten und ihm beistehen, wo er meine Hilfe braucht, daß ich ihm Gutes zu thun nicht müde werde. Und wie Jesu Freundlichkeit gegen Kranke und Arme groß war, so laß mich auch freundlich sein, nicht allein gegen Hohe und Reiche, sondern auch gegen Geringe und Arme. Vor der fündlichen, verstellten und falschen Freundlichteit der Sünder und Sünderinnen bewahre mein Herz, und laß mich vor dir gottselig und gegen meinen Nächsten aufrichtig handeln. Selig sind, die aus Erbarmen Sich annehmen fremder Noth Sind mitleidig mit den Armen, Bitten stets für sie zu Gott; Die behilflich sind mit Rath, Auch, womöglich mit der That, Werden wieder Hilf' empfangen, Und Barmherzigkeit erlangen. Amen. 7. Mai. Abend. Pf. 51, 6. An dir allein habe ich gesündigt, und übel vor dir gethan. 256 Gnadenreicher Gott, wie bekümmert es mich, daß ich an dir, den ich lieben und ehren sollte, gesündigt habe! Meine Sünden werden mir immer größer, wenn ich gedenke, daß ich nicht gesündigt habe gegen meines Gleichen, sondern gegen dich, meinen Gott. Du bist mein Vater, der mich von Jugend auf geleitet, gekleidet, behütet und ernährt. Dankest du also deinem Gott, du undankbare Seele! Ist man gegen einen sterblichen Gutthäter behutsam; wie übel habe ich denn gethan, daß ich deine unzähligen Liebesgaben mich nicht zur Buße habe leiten lassen. Vor deinen Augen habe Uebels gethan. Wer bin ich, Erde und Staub, dağ ich nicht größere Ehrerbietung gegen dich, den heiligen und allwissenden Gott beobachtet? Nimm meine demüthige Abbitte gnädig an. Wenn Satan meine Sünden mir vorwirft und alle Gnade absprechen will, so sage ich in freudiger Zuversicht: Satan, ich habe nicht an dir gesündigt, so kannst du mich auch nicht verdammen; an meinem Gott habe ich gesündigt, der erbarmet sich seiner bußfertigen Kinder. Herr Jesu, wenn mein Gewissen mich ängstigen will, so besprenge mich mit deinem heiligen Blute, sonderlich in meiner Todesstunde: da schenke mir die Freudigkeit, daß aller meiner Sünden nicht soll gedacht werden, sondern daß ich durch dich rein und gerecht zur Himmelsfreude ein gehen werde. An dir allein, an dir hab' ich gefündigt Und übel oft vor dir gethan; Du siehst die Schuld, die mir den Fluch verkündigt; Sieh', Gott, auch meinen Jammer an. Herr, handle nicht mit mir nach meinen Sünden, Vergilt mir nicht nach meiner Schuld; Ich suche dich, laß mich dein Antlig finden, Du Gott der Langmuth und Geduld. Amen. 8. Mai. Morgen. Judä 20. Erbauet euch auf euren allerheiligsten Glauben durch den heiligen Geist und betet. Gnädiger Gott, liebreicher Vater, ich habe durch deine Güte wiederum einen Tag erlebt, darin ich Gutes und Böses thun kann; bewahre mich, daß es nicht ein Sünden, sondern ein dir geheiligter Tag sei. Laß mich in meinem allerheiligsten Glauben zunehmen. Wie erquickt es meine Seele, daß ich weiß, ich sei in deine Liebe eingeschlossen, Jesus habe mich mit seinem Blut erkauft, der heilige Geist berufe, tröste und erbalte mich. Laß diesen Glauben auch mein Herz und Leben heiligen, daß Glaube und Leben mit einander übereinstimmen. Es kann mich nicht selig machen, wenn ich glaube und ein boshaftes, irdisch gesinntes und eitles Herz behalte. Darum laß mich im Guten täglich mich erbauen und zunehmen, daß ich in meinem Christenthum nicht still stehe, sondern aus einer Klarheit und Stärke meiner Zuversicht und Liebe zur andern gelange. Gib mir dazu deines heiligen Geistes Kraft, daß er mir mein Elend mehr zu erkennen gebe und zu dir, der lebendigen Quelle, führe, daß ich daraus schöpfe Gnade um Gnade. Erhöre auch mein Gebet, wenn ich dir mein Anliegen vortrage. Ist der Bau meines Christenthums aufgerichtet, so laß mich ihn nicht wieder durch Ruchlosigkeit abbrechen, noch um Ehre und Geldes willen wanken. Du bist der allmächtige Gott, der mir alles geben kann, was ich bitte. Schenke mir deinen heiligen Geist, der mich in meinem Glauben stärke, kräftige und gründe. Laß deine in mir wohnende Gnade in den Früchten der Liebe und einem heiligen Leben sich offenbaren, daß meine Seele unbefleckt und mein Herz deine Wohnung sei. Herr, laß die Werke meiner Hände Durch deine Macht gesegnet sein, Und führ' mich an derselben Ende Zu deinen Friedenshäusern ein; So steh' ich in der Erde Brand Noch als ein Bau von deiner Hand. Amen. Start's Morgen- und Abend- Andachten. 17 257 8. Mai. Abend. Jerem. 50, 20. Zu selbiger Zeit und in denselben Tagen wird man die Missethat Ifraels suchen, spricht der Herr, aber es wird keine da sein; und die Sünde Juda, aber es wird keine gefunden werden; denn ich will sie vergeben. 258 Barmherziger Gott, ich eile unter deine Gnadenflügel und bitte dich um deinen Schuß, aber auch um Vergebung aller meiner Sünden. Verzeihe mir auch die verborgenen Fehler und Sünden, tilge sie wie einen Nebel. Suchet Satan meine Missethaten und Sünden, daß er sie vor dich bringe, so laß ihn keine finden. Suchet das Gesetz mich zu verklagen wegen meiner Uebertretungen, so laß keine mehr da sein. Will mein Gewissen unruhig werden, so stille es damit, daß du zu meiner Seele sprechest: Dir sind deine Sünden vergeben. Ja, Satan, Gesetz und Gewissen werden keine Sünden mehr an mir finden, weil Jesu Blut mich gewaschen hat: die Handschrift ist getilgt, die Missethat versöhnt und eine ewige Gerechtigkeit durch ihn und in ihm gebracht worden. Hast du also, o liebreicher Gott, meine Sünden vergeben, so laß sie auch in meinem künftigen Leben nicht mehr da sein, nicht mehr in meinem Wandel, vielmehr soll dein Erbarmen mich behutsam und fromm machen. Ja, weil du dich meiner erbarmt und durch deines Geistes Gnade meine Sünden nicht mehr da sind, so sind sie mir gewiß vergeben. Du vergibst nicht, wie oftmals Menschen, die ein heimliches Andenken im Herzen behalten, sondern deine Vergebung ist eine völlige, wahre und ewige Vera gebung. Laß in meiner Todesstunde und im Gericht keine Sünde an mir gefunden werden, sondern laß auch alsdann Jesu Gerechtigkeit mich umhüllen, und alle meine Missethaten tilgen. Ich will heut' abgestorben sein Der Sünd, und leben dir allein. Es hat dein Tod das Leben mir Gebracht herfür, Und aufgethan des Himmels Thür. Amen. 2 Tim. 2, 11. 9. Mai. Morgen. Das ist je gewißlich wahr: sterben wir mit, so werden wir auch mit leben. Heiliger Gott, ich habe diesen Tag unter deinem Schuß und Segen erlebt; laß mich denselben auch, wie deinem Kinde gebührt, vollenden. Ich fasse das Bild Jesu in mein Herz, nach seinem Beispiel zu leben und zu sterben. Ich will mir selbst absterben, ich will ab sterben der Welt, ich will absterben meinen alten Sünden. Schenke mir dazu deines heiligen Geistes Gnade, denn ohne Sterben komme ich nicht zum Leben. Ich kann nicht in dein himmlisches Freudenreich kommen ohne Tod; ich kann auch nicht zu dem neuen geistlichen Leben in dir gelangen, ohne der Welt und der Sünde abzusterben. Jst mir das Leben lieb, so laß mich vor dem Tode nicht scheuen. Sterbe ich mit, so werde ich auch mit leben. Jesus wird in mir leben, wohnen und wirken, der soll meines Lebens Leben sein. Alsdann werde ich leben in deiner Gnade. Ich werde leben nicht nach dem Fleisch, sondern nach dem Geist, indem ich mich dem Triebe und der Führung deines Geistes ganz überlasse; ich werde auch leben im Sterben und nach dem Tode. Ist das Leben in dir mir lieb und füß, wie lieblich und süß wird nicht das himmlische Freudenleben sein? Sollte ich denn nicht mit Freuden allen Lüsten der Welt absagen, da mir eine so große perrlichkeit bereitet ist schon hier in der Zeit, da ich dir lebe, darauf eine über alle Maßen wichtige Herrlichkeit folgen soll. Mein Gott, erinnere mich dessen alle= zeit, wenn man mich auf die Sündenbahn verleiten will. Abschied will ich dir geben, Du arge, falsche Welt! Dein sündlich böses Leben Durchaus mir nicht gefällt; Im Himmel ist gut wohnen, Hinauf steht mein Begier; Da wird Gott ewig lohnen Dem, der ihm dient allhier. Amen. 259 17* 9. Mai. Abend. Luc. 18, 13. Gott, sei mir Sünder gnädig. Herr Gott, ich stehe hier vor dir mit niedergeschlagenen Augen, und getraue sie nicht aufzuheben. Du hast mir heute viel Gutes an Leib und Seele erwiesen; aber wie schlecht habe ich dir dafür gedankt! Darum komme ich zu dir, und bitte um Gnade. Wo ist ein solcher Gott, wie du bist, der die Missethat vergibt? vergib mir auch meine Sünde. Mein Herz hält dir vor dein Wort und deine herrlichen und tröstlichen Namen. Du heißest Vater, nimm dein Kind zu Gnaden an, du heißest barmherzig, laß mir auch Barmherzigkeit widerfahren; du heißest gnädig, so verstoße mich im Zorn nicht, sondern sei mir gnädig. Ich komme zu dir, nicht auf meine Gerechtigkeit, sondern ich trete hin zum Gnadenthrone, daß ich Barmherzigkeit erlange, und Gnade finde. Christi Blut ist das Lösegeld für alle meine Sünden. Schreien meine Sünden Nache, Rache! so schreiet sein Blut Gnade, Gnade! denn es redet besser als Abels Blut. Siehe mich an, wie du Petrum angesehen hast. Ich trete vor dich mit einem betrübten Herzen, daß ich dich so oft erzürnt habe. Ich trete vor dich mit einem glaubigen Herzen, du werdest dich über mich erbarmen; ich erscheine vor dir mit einem Herzen, das sich bessern, und die vorigen Sünden haffen und lassen will. Hinfort will ich deiner Stimme und deines Geistes Trieb folgen. Mir hast du auch Gnade zugesagt, darum suche ich sie. Jesus und die Sünder gehören zusammen, daß er sich ihrer erbarme, und sie durch ihn erquickt werden. Wenn es zu der letzten Stunde meines Lebens geht, so will ich, wo nicht mit dem Munde, doch mit dem Herzen sprechen: mein Gott und Vater sei mir gnädig. Herr, laß es dir gefallen, Noch immer rufen wir: ,, Die Gnade sei mit allen, Die Gnade sei mit mir!" Amen. 200 10. Nai. Norgen. Ephef. 3, 1. 2. So ermahne ich euch nun, daß ihr wandelt, wie sich's gebühret eurem Beruf, darin ihr berufen seid, mit aller Demuth und Sanftmuth. mit Geduld, und vertraget Einer den Andern in der Liebe. 261 Herr Gott Vater, ich preise dich für alle Treue und Gnade, nach welcher du mich die vergangene Nacht bedeckt und bewacht hast; laß mich auch diesen Tag wandeln, wie deinen Kindern gebührt. Laß mich bei allem, was ich denke und vornehme, erwägen, ob mir solches als deinem Kinde anstehe? Fromme Eltern haben teine Ehre noch Freude daran, wenn ihre Kinder unordentlich wandeln. Lieber himmlischer Vater, erinnere mich fleißig an meinen Christen- Beruf, welcher in meiner heiligen Taufe geschehen, da du mich berufen hast, nicht zur Unreinigkeit, sondern zur Heiligung, nicht nach den Lüsten des Herzens und der Welt zu leben, sondern dir, dem lebendigen Gott, zu dienen. Dieser Beruf wird wiederholt, so oft ich dein Wort lese und höre, und dein Liebesmahl stärkt mich darin. Laß mich meinen Christenwandel beweisen in Demuth gegen dich, daß ich erkenne, ich sei Staub und Asche, aber meinen Nächsten höher achte, als mich selbst, und ihm nicht Unrecht oder Gewalt thue. Wenn mich ein Feind lästert und verfolgt, so laß mich Sanftmuth beweisen, nach dem Beispiel Jesu nicht wieder schelten, wenn ich gescholten werde, auch nicht drohen, sondern von Herzen vergeben. Liebe ist das Kennzeichen deiner Kinder und Jünger; wo diese ist, da verträgt man sich bald, wenn man von einander beleidigt ist, da verträgt man auch das Unrecht! Dazu bereite mich immer mehr und mehr. Laß mich an Andern üben, Was du an mir gethan, Und meinen Nächsten lieben, Gern dienen jedermann, Ohn' Eigennuß und Heuchelschein, So wie du mir erwiesen, Aus reiner Lieb' allein. Amen. 10. Mai. Abend. Ps. 136, 1. Danket dem Herrn, denn er ist freundlich, und seine Güte währet ewiglich. 262 Liebreicher Gott, ich komme mit Danken und Loben vor dein Angesicht. Ich danke dir für alle leiblichen Wohlthaten, daß du mich durch deine Heiligen Engel begleitet und manches Sturmwetter des Unglücks über mein Haus hast hinziehen lassen. Ich danke dir, daß du meine Seele vor schweren Sündenfällen bewahrt hast. Wie vielen Versuchungen ist ein Mensch unterworfen, welche ihn zu Boden werfen können, wenn du nicht deine Hand über ihn hieltest. Verzeihe mir, was ich diesen Tag Böses gethan und Gutes unter: lassen, und laß Schuld und Strafe verschwinden, daß ihrer in der Ewigkeit nicht mehr gedacht werde. Danken und Loben ist deiner Kinder Werk auf Erden. Ich weiß von nichts zu sagen, als von deiner Gnade, von deiner Güte und von deinem Erbarmen. Sei mir auch inskünftige freundlich, auch diese Nacht, und wende alles Unglück, Schaden und Gefahr von mir ab. Laß deinen guten Geist mich heiligen und reinigen, und Jesum in mir verklären. Auch dafür soll mein Herz und Mund dir danken, daß du mich Armen deine Güte haft genießen lassen, welche ewig währet. Sie hat mich in der Jugend geleitet, in Gefahren beschützt, Unglück abgewendet, meiner Seele Licht ertheilt, daß ich Christum erkenne. Der Menschen Güte, Liebe und. Gunst hört zuweilen auf: aber deine Güte währet ewiglich, die genieße ich in der Zeit und Ewigkeit. Sie sei meine Rathgeberin, meine Trösterin, meine Pflegerin bis an mein Ende. Kommt es dann zum Sterben, so sei mir freundlich, und zeige mir mein weißes Kleid und beigelegte Krone. Dankt dem Herrn mit frohem Muth, Er ist freundlich, er ist gut. Seine Güt' ermüdet nie, Ewig, ewig währet sie. Amen. 11. Mai. Norgen. Joh. 15, 14. Jhr seid meine Freunde, so ihr thut, was ich euch gebiete. 263 Herr Jesu, ich fange diesen Tag in deinem Namen an; sei und bleibe auch heute mein Freund, der mich warnet vor Sünden, der mir beispringt in der Noth. Sei mein Rathgeber, wenn ich mir nicht zu rathen weiß. Bitte für mich deinen Vater, und laß mein schwaches Gebet Erhörung erlangen. Kommt es zu der Todesstunde, so führe mich zu deinen Freunden ein. Mein Herr und Gott, was ist das für eine Herrlichkeit, daß du uns arme Sünder deine Freunde nennst! Ich habe wenig gute und treue Freunde in der Welt, darum soll sich mein Herz an dich halten, daß ich dich zum Freunde habe. Dieses ist der Ehrentitel deiner Kinder, daß sie nicht Knechte, sondern deine Freunde heißen. Gib mir Kraft, daß ich als dein Freund und nicht als dein Feind mich aufführe, daß ich gerne von dir rede, fleißig an dich gedenke, dich herzinniglich liebe, dich nicht betrübe, was du gebietest in Acht nehme. Dein heiliger Geist stärkt mich, daß ich thun kann nach deinem Wohlgefallen. Ich weiß, du hast mit mir Geduld, wenn ich aus Schwachheit deine Gebote übertreten sollte, und wirst mich darum nicht aus deiner Freundschaft stoßen. Deine Befehle heiligen mich, darum verleihe mir Gnade, daß ich es mache, wie fromme Kinder. Laß mich in dem Gehorsam williger werden, daß ich unter deine Freunde gehören möge. Sei du auch mein Freund in allem Leiden, und wenn ich mein Anliegen, welches du am besten weißt, auf dich werfe, so höre, erreite und versorge mich. Mein Freund, der mir sein Herze gibet; Mein Freund, der mein, gleich wie ich sein; Mein Freund, der mich beständig liebet; Mein Freund bis in das Grab hinein; Von Grund des Herzens ist's gemeint: Mein Jesus ist der beste Freund. Amen. 11. Mai. Abend. Matth. 9, 2. Sei getrost, mein Sohn. dir sind deine Sünden vergeben. 264 Gott Vater, ich bin dein Sohn und Kind in der heiligen Taufe worden, aber ich habe meine Kindespflicht nicht so in Acht genommen, wie ich hätte sollen. Ein Kind soll seinen Vater ehren, lieben, fürchten und gehorchen. Aber, ach mein Gott, ich bin ein böses und ungehorsames Kind. Sei mir Sünder gnädig und lag mir Barmherzigkeit widerfahren. Ohne Vergebung der Sünden ist keine Gnade und Seligkeit zu hoffen. Manche vergeben sich die Sünden selbst, achten sie für keine Sünden; allein solchen bleiben sie auf dein Buch aufgeschrieben. Was nicht bereuet und abgebeten wird, wird nicht vergeben. Ich weiß wohl, daß ich mit meinen Sünden Zorn und Ungnade, zeitlichen Tod und die ewige Verdammniß verdient habe. Weil du aber bist der Vater der Barmherzigkeit, und niemals einen bußfertigen Sünder verstoßen hast, so bitte ich dich, vergib mir meine Sünden, und neige dein Vaterherz wieder zu mir. Schenke mir den heiligen Geist, der mich hinfort heilige, leite und führe. Schenke mir auch ein neues Herz, daß ich die vormals geliebten Sünden lasse, und mich mit Fleiß hüte, dich mehr zu beleidigen. Laß mich in solchem Vorhaben bis an mein Ende verharren, und sprich zu meiner Seele: Auch dir sind sie vergeben. Mein Gott! laß mich diese Stimme: Sei getroft, dir sind deine Sünden vergeben, auch auf dem Sterbebette hören. Wenn da meine Sünden mich wollen beunruhigen, so versiegle mir den Trost, ich sei in Gnaden, du habest meine Sünden weggenommen, und ich soll zur Himmelsfreude eingehen. Gott, gib, daß meiner Seele Der Trost doch niemals fehle, Daß du die Schuld vergibst; Wenn ich mich betend beuge, So sei dein Geist mein Zeuge, Daß du dein Kind in Chrifto liebst. 12. Mai. Norgen. f. 31, 4. Du bist mein Fels und meine Burg, um deines Namens willen wollest du mich leiten und führen. 263 Gott Vater, mein Licht, mein Heil und mein Theil, laß mich diesen Tag in dir Ruhe und Friede, Trost und Errettung finden. Es sind des Tages zwölf Stunden, in einer jeden kann mir leid widerfahren, wo mich deine Macht nicht schützet. Sind die hohen Felsen der Kaninchen Zuflucht, wenn die Jäger oder ein wildes Thier sie verfolgt, so bist du auch mein Fels. Wenn ein Feind mich dränget, wenn ein Unglück sich zu mir nahet, wo soll ich hin? Alles weicht, alles wandelt sich in der Welt, Menschengunst, Glückseligkeit, Reichthum, ja die Menschen selbst wanken und sterben; aber du bist ein unbeweglicher Fels. Eine mit Mauern, Thoren und Riegeln verwahrte Burg in Kriegszeiten ist der Bedrängten Zuflucht. Du bist meine Burg, in deinem Schoß verberge ich mich zur Zeit der Angst, darum fliehe ich zu dir. Wer kann mich trösten, wenn ich traurig bin, als nur du allein? Bei dir und in dir finde ich Ruhe und Erquickung für meine Seele. Zu dir komme ich Morgens und Abends, bei jedem Glockenschlag, und weiß, du nimmst mich auf. Da ich nun heute wieder unter Menschen gehen und leben muß, so wollest du mich leiten und führen. Führe mich als ein Hirte auf guten und heiligen Wegen. Thue das um deines Namens, um deiner Ehre, um deiner Liebe und Barmherzigkeit willen. Dir will ich dafür allen Ruhm und Ehre geben. Ich will vor jedermann bekennen: Das hat Gott gethan, bis hieher hat mir der Herr geholfen. Laß mich heute wandeln als ein Kind des Lichts, und in Neden und Werken beweisen, daß du mein Führer und der Herr meines Herzens bist. Gott ist ein Fels, wer ihm vertraut, Der hat auf Felsengrund gebaut, Und wie auch Wind und Stürme weh'n: Er und sein Felsenschloß besteh'n. 12. Nai. Abend. Offenb. 7, 17. Das Lamm mitten im Stuhl wird sie weiden und leiten zu den lebendigen Wasserbrunnen, und Gott wird abwischen alle Thränen von ihren Augen. 266 Liebreicher Gott und Vater, da ich mich zur Ruhe begebe, so will ich einschlafen mit dem süßen Himmels gedanken, was deine Kinder für Herrlichkeit nach dem Tode erlangen werden. Warum soll ich meine Seele nicht oft dahin schicken, wo ich ewig wünsche zu sein, und mich auf die Herrlichkeit freuen, welche du mir bereitet hast? Ich stelle mir Jesum vor, hocherhaben auf dem Stuhl deiner Herrlichkeit, als den König aller Könige und Herrn aller Herren, als das erwürgte Lamm, das sich mit seinem Blut eine Gemeine erkauft hat. Ich sehe um ihn her viel tausend Glaubige und Kinder Gottes, und stimme mit der Schar der Auserwählten dir und dem Lamme zu Ehren das hohe Lied an. Bin ich im Glauben hier mit Jesu vereinigt ge= wesen, so bleibe ich in Ewigkeit von ihm ungetrennt. In der Welt haben deine Glaubigen Angst, aber dort reichst du ihnen lauter Lieblichkeiten dar. Meine Speise wird sein das immerwährende Hallelujah; mein Trant das Wasser des Lebens, eine beständige Freude, daß ich satt werde, wenn ich erwache nach deinem Bilde. Habe ich in diesem Leben viele Trauerstunden empfinden müs sen, daß meine Augen Thränen vergießen mußten, jo werden dort meine Thränen abgewischt sein. Bei dir werde ich größere Seligkeit und Wonne antreffen, als mein Verstand begreifen kann. Laß, mein Gott, in meinen letzten Lebensstunden mich mit solchen Gedanken beschäftigt sein, um dieselben damit zu versüßen. O wie unaussprechlich selig Werden wir im Himmel sein! Da, da ernten wir unzählig Unsres Glaubens Früchte ein; Da wird ohne Leid und Zähren Unser Leben ewig währen. Gott, zu welcher Seligkeit Führst du uns durch diese Zeit! 13. Nai. Norgen. Hebr. 10, 22. Laffet uns hinzugehen mit wahrhaftigem Herzen, in völligem Glauben, besprengt in unsern Herzen, und los vom bösen Gewissen, und gewaschen am Leibe mit reinem Wasser. 267 Heiliger Gott, hilf, daß ich in dieser Frühstunde vor dich trete mit wahrhaftigem Herzen, daß ich nicht nur ein äußerlich ehrbares Leben führe, sondern innerlich an meiner Seele rein erfunden werde. Laß meinen Glauben immer völliger werden, daß ich mich befleißige, in deiner Erkenntniß immer zu wachsen, daß ich niemand suche als dich, niemand zu gefallen trachte als dir, und daß du meiner Seele alles sein mögeft. Auf daß ich dir aber desto mehr gefallen möge, so besprenge mich mit dem Blute Jesu. Wirst du mich seines Blutes also genießen und mir Vergebung aller meiner Sünden widerfahren lassen, so bin ich los vom bösen Gewissen, ich liebe meine vorigen Unarten nicht mehr, daß sie mein Gewissen nicht mehr ängstigen oder verdammen; ich will auch in meinem Leben beweiſen, daß ich dir angehöre, daß du mich besprenget, gewaschen, und gereinigt haft. Die heiligen Engel sind jederzeit mit weißen Kleidern den Menschen auf Erden erschienen, um die Reinigkeit und den Glanz abzubilden. Laß mich solche Reinigung in Christo suchen, im Glauben bewahren und im Sterben rein erfunden werden. Laß mein Herz rein, meine Worte rein, mein Leben rein bleiben. Schenke mir dazu deines Geistes Kraft und Stärke, daß ich heute nicht mir, nicht der Welt, sondern dir, meinem Gott, allein lebe, anhange, diene, gefalle, und also gereiniget zur Ewigkeit eingehen möge. Sieh', hier bin ich, Ehrenkönig, Lege mich vor deinen Thron; Schwache Thränen, Kindlich Sehnen Bring' ich dir, du Menschensohn; Laß dich finden, Laß dich finden, Bin ich gleich nur Asch und Thon. Amen. 13. Mai. Abend. 2 Sam. 7, 18. Wer bin ich, Herr, Herr, und was ist mein Hans, daß du mich bis hieher gebracht hast. 268 Treuer Gott, ich preise deine Barmherzigkeit, die ich heute von dir empfangen habe. Wer bin ich? ich war vor meiner Geburt gar nicht in der Welt, und werde nach meinem Absterben nicht mehr auf Erden zu finden sein; aber deine Güte hat mich aus dem Nichts hervorgebracht, mir Leben und Odem gegeben und mich bis hieher erhalten. Sollte ich solche unverdiente Gnade nicht bewundern und dich dafür loben und preisen? Wer war ich, da ich geboren war? ein Kind des Zorns von Natur; aber deine Liebe hat mich in der Tause in die Arme gefasset, mir den heiligen Geist zum Pfande der Kindschaft und des Erbes geschenket. Bedenke ich die himmlischen Gaben, womit du mich begnadigt haſt, die väterliche Güte, womit du mich umgeben hast, so muß ich sagen: Wer bin ich, daß du mein gedenkeſt, und mich bis hieher gebracht hast? Du hast deine Gnade und Güte reichlich erwiesen; deine Treue hat mich ge tragen, deine Liebe umfasset, und deine Barmherzigkeit hat mich erhalten und bis hieher gebracht; du haft mich gebracht zu dem Licht deiner Erkenntniß, daß ich nun lieber sterben als sündigen will. Ja, du willst, daß ich das ewige Leben haben und die Krone der Gerechtigkeit empfangen soll. Laß mich in deiner Gnade beständig verharren, bis du mich zu der Schar deiner Kinder in den Himmel bringst; alsdann will ich vor dem Thron deiner Herrlichkeit sprechen: Wer bin ich, mein Gott und Vater, daß du mich sündigen Menschen gereinigt, geheiligt und bis hieher an den Freudenort gebracht und mich den Auserwählten zuge fellet haft. Bis hieher warst du stets mit mir In jedem Lebensalter; Von ganzer Seele dank ich dir, Mein Schöpfer und Erhalter. 14. Mai. Morgen. Bjaim 90, 14. Fülle uns frühe mit deiner Gnade, jo wollen wir rühmen und fröhlich sein unser Leben lang. Liebreicher Gott, ich komme in dieser Frühstunde zu dir, als ein Armer, als ein Hilfloser; wo du nicht mit mir bist, so kann dieses ein unglücklicher Tag für mich werden. Deine Gnade begleite mich aus und ein, daß mir kein Uebel widerfahre. Deine Gnade bewahre mich vor Sünden. Wenn ich dazu gereizt werde, so laß deine Gnade mich warnen und zurückhalten. Bei dir ist die Fülle irdischer und himmlischer Güter. Schenke mir die Fülle deiner Gnade desto reichlicher, je größer und gefährlicher die Versuchung ist. Wenn mir von Satans Macht und List Gefahr droht, so fülle mich reichlich mit deiner Gnadenkraft, daß ich der innerlichen Sündenlust widerstehen, und die äuBerliche Verführung zum Bösen überwinden kann. Mein Gott, ohne dich vermag ich nichts. Deine Gnade vermehre in mir den Glauben, sie heilige mein Herz, daß ich dich liebe; sie erwecke in mir einen Abschen vor der Sünde; sie vereinige mich mit Jesu, daß er in mir lebe und wohne; sie nehme aus mir das steinerne Herz und schenke mir ein fleischernes Herz; sie mache meinen Geist gehorsam, zu thun nach deinem Wohlgefallen, daß ich der Welt absterbe, aber dir zur Ehre lebe. Fülle mich mit deiner Gnade, so will ich dich rühmen und fröhlich sein mein Leben lang, mit der festen Zuversicht, du werdest auch in künftigen Zeiten dich meiner herzlich annehmen. Meine Freude soll hinfort nicht darin bestehen, der Sünde zu dienen, sondern dir, getreuer Gott, anzuhangen und zu dienen. Ja, mein Leben lang will ich dir für deine Gnade danken; laß sie mich immer treuer machen, und was du in mir angefangen, das vollführe bis auf den Tag Jesu Christi. Erfüll' uns früh mit deiner Huld und Gnade, Sei unser Licht, führ' uns auf deinem Pfade, Dann jauchzen wir, weil du uns haft vergeben, Und freuen uns in dir durch's ganze Leben. Amen. 269 14. Mai. Abend. Jesaias 65, 24. Es soll geschehen: ehe sie rufen, will ich ant worten; wenn sie noch reden, will ich hören. Gnadenreicher Gott, erfülle die gnädige Verheißung auch an mir: ehe sie rufen, will ich antworten. Wie oft hast du mir das gegeben, was ich vonnöthen hatte, ehe ich dich darum anrief. Wie oft hast du mich aus Nöthen errettet, von einem Feinde befreit, ein Unge witter von mir abgewendet, ehe ich es bin gewahr worden, darum ich dich nicht anrufen konnte, weil ich es nicht wußte, du aber in deiner Allwissenheit haft es vorher gesehen und mich erhört, ehe ich noch gebetet. Das macht deine Liebe und Vatertreue, die alle Morgen neu wird. Sicht allein hilfft und errettest du, eche ich rufe, du erhörest mich auch oft, wenn ich noch rede. Manches harte Herz läßt Anderer Noth und Anliegen sich klagen, und sich müde reden, und weiset sie doch ab, lässet sie betrübt und leer von sich gehen; aber so machst du es nicht. Wenn ich anfange zu beten und mein Anliegen dir vorzubringen, so sprichst du: Ich weiß schon, was du willst, und schenkest es mir nach deiner ewigen Gnade. Habe Dank für deine Liebe und laß mich deine Gütigkeit ermuntern, auch deine Stimme gern und willig hören, wenn du mich zur Buße und zum Gehorsam ermahnst. Laß mich aber auch nicht verzágen, wenn du eine Zeit lang zu meinem Rufen und Schreien schweigst, vielmehr laß mich alsdann an dein Vaterherz mich erinnern, daß, wenn meine Stunde kommen wird, meine Freude vollkommen sei. Wenn ich in Krankheit oder im Sterben rufen werde, obschon ohne Stimme, so erhöre mich und hilf mir herrlich aus. Noch eh' du rufst, hat Gott erhört Dein Seufzen aus der Tiefe; 270 Es ist dir schon von ihm gewährt, Wenn's in dir selbst noch schliefe, Er sieht ja wohl, Was kommen soll, Und hat mit allen Armen Bum voraus schon Erbarmen. Amen. 15. Mai. Morgen. Matth. 5, 48. Seid vollkommen, wie auch euer Vater im Himmel vollkommen ist. 271 Heiliger Gott, vollkommenes Wesen, du befiehlst mir, vollkommener zu werden. Aber wie kann ich vollkommener werden, da ich so vielen Mängeln unterworfen bin und noch so viele Sünden begehe? Jedoch, weil dieser Befehl nicht vergebens in deinem Worte stehet, so will ich auch heute darnach trachten. JIch will vollkommen werden in dem Blute Jesu; in ihm bin ich vollkommen, wenn ich durch den Glauben mit ihm verbunden bin. In ihm werde ich die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt; ich bin vollkommen, wenn ich, in seine Gerechtigkeit gekleidet, einhergehe. Ich will vollkommen werden, da ich mich nach deinem Worte beständig richten will; ich will darnach glauben und leben. Ich will in deines Geistes Licht mich bestreben, immer frömmer und demüthiger zu werden. Hilf mir durch deinen Geist, daß kein Zorn und Falschheit in mir mehr herrschen, sondern daß mein Herz eine Wohnung meines Heilandes sein möge. Ich will vollkommener werden durch deine Gnade, daß ich meine alten Sündenwege fliehe, hingegen deines Geistes Trieben folge, und neu werde von Sinnen und Wandel. Ich weiß, daß ich in diesem Leben nicht zu solcher Vollkommenheit gelange, daß man keine Fehler an mir finde, aber ich kann doch durch deine Gnade den Sünden absterben und dir leben. Sollte ich aber dennoch straucheln, so verwirf mich nicht von deinem Angesicht. Laß mich auch von meinem seligen Vorhaben nichts abhalten, ja erhalte mein Herz bei dem Einigen, daß ich deinen Namen fürchte. Jede Neigung und Begierde, Jede That sei dir geweiht; Unsers Wandels größte Zierde Sei rechtschaff'ne Heiligkeit. Mach' uns deinem Bilde gleich; Denn zu deinem Himmelreich Wirst du, Herr, nur die erheben, Die im Glauben heilig leben. Amen. 15. Mai. Abend. Psalm 92, 1. 2. Das ist ein köstliches Ding, dem Herrn dan ken und lobsingen deinem Namen, du Höchster; des Morgens deine Gnade und des Abends deine Wahrheit verkündigen. 272 Herr Gott, die Himmel erzählen deine Ehre; das ganze Himmelsheer und alle Auserwählten preisen deine Macht; darum will ich auch mit einstimmen. Weil du auch aus dem Munde der Unmündigen und Säuglinge dir ein Lob zugerichtet hast, so wirst du meinen Dank dir wohlgefallen lassen. Nichts Köftlicheres kann ich verrichten, als wenn ich dich für deine Wohlthaten preise und mich zur Buße leiten lasse. Du Höchster, hast mich Niedrigen, du Heiliger, mich Unheiligen in Gnaden angeblickt. Habe ich meine Kindespflicht vergessen, so wende dein Auge und Herz nicht von mir: gedenke, daß du mein Vater bist, und vergib mir meine Sünden. Dafür will ich dir danken mein Leben lang. Konnte ich diesen Morgen deine Gnade preisen, so will ich diesen Abend deine Wahrheit verkündigen. Ja, du hast alle deine Verheißungen an mir wahr gemacht, hast mich nicht verlassen, noch versäumt; du hast mich geleitet und geführt auf ebener Bahn. Wie soll ich dem Herrn danken und vergelten alle Wohlthat, die er an mir gethan hat? Gib mir ein neues Herz und einen neuen Geist, und mache mich geschickt, in deinen Geboten zu wandeln, und darnach zu thun. Schenke mir die Gnade der Beständigkeit in dem guten Vorsatz, so soll Morgens und Abends mein Mund voll Rühmens sein. Dieses köstliche und dir wohlgefällige Werk, fange ich hier an, und in der Ewige keit wird ein ewiges Halleluja erklingen. Das ist ein köstlich Ding, Daß man dir, Höchster, danke, Und deinen Namen sing', Der stets ist, wie er war, Groß, herrlich, wunderbar, Und der in Jesu Christ Uns offenbaret ist. Amen. 16. Mai. Morgen. 1 Petr. 2, 21. Christus hat gelitten für uns, und uns ein Vorbild gelassen, daß wir sollen nachfolgen seinen Fußstapfen. Herr Jesu, keine Stunde ist mir lieblicher, als wenn ich an dein Leiden und Sterben gedenken kann. Nun das soll heute auch meine Betrachtung sein, daß du hast gelitten für uns. Welch ein Trost ist das, daß du, Allerheiligster, der verlornen und verdammten Menschen Sünden auf dich genommen hast! O Liebe und Treue! die dich gebracht auf die Marterstraße. Da du aus Liebe unsre Sünden auf dich genommen, da gingen die Leidensströme über dich, wie die Wasserfluten, da war Leiden am Leibe und an der Seele. Erwürgtes Lamm, habe Dank für deine Liebe und dein Erbarmen. Dein Leiden soll mich nicht frech und frei, nicht stolz und eitel, sondern fromm und gehorsam machen. Bewahre mich vor der verdammlichen Meinung, weil du gelitten, könne ich in allen Sünden und Lastern leben. O nein, du hast mit deinem schmerzlichen Leiden mir keine Freiheit zur Sünde gegeben, sondern Kraft und Stärke ertheilen wollen, deinen Fußstapfen nachzufolgen in der Liebe, Demuth, Sanftmuth und Gehorsam. Laß mir dein heiliges Beispiel allezeit vor Augen bleiben, daß ich immer erwäge, wie du gewandelt hast: so werde ich von meinem eigenen Herzen und von der Welt nicht verführt werden. Benn dein Leiden mich wird fromm machen, so wird es mich auch selig machen. Werde ich dir folgen in der Zeit, so werde ich auch bei dir bleiben in der Ewigkeit und dir folgen in der Himmelsfreude. Herr, laß dein bitter Leiden Mich reizen für und für, Mit allem Ernst zu meiden Die sündliche Begier, Daß mir's nie komme aus dem Sinn, Wie viel es dich gekostet, Daß ich erlöset bin. Amen. Start's Morgens und Abend- Andachten. 273 18 16. Mai. Abend. Alagl. 3, 57. Nahe dich zu mir, wenn ich dich anrufe, und sprich: Fürchte dich nicht. Herr Gott, die Sonne entfernt sich von mir, die Menschen verlieren sich von den Gassen, finstere Nacht bedeckt das Erdreich, darum nahe dich zu mir, mein Gott. Nahe dich zu mir zu allen Zeiten, in allem meinem Anliegen. Nahe dich zu mir, wenn ich be trübt bin und tröste mich; nahe dich zu mir, wenn ich verlassen bin und hilf mir; nahe dich zu mir, wenn ich dich anrufe und erhöre mich. Entferne dich nicht von mir wegen meiner Sünden, denn ich bekenne und bereue sie. Laß mich in dem Blut Jesu Gnade er: langen. Heilige dir mein ganzes Leben, daß ich durch dein gnädiges Zunahen neue Kraft empfange. Nahe dich zu mir und vereinige dich mit mir, daß mein Herz deine Wohnung sei. Habe ich dich oft lange mich zur Buße rufen lassen, und habe dir nicht ge antwortet, so vergilt es mir nicht im Zorn, sondern antworte mir bald mit deiner Hilse. Warum sollte ich mich fürchten? mein Vater ist bei mir, der wird sich mein erbarmen; Jesus ist bei mir, der schenket mir seine Gerechtigkeit und Stärke, in dem Guten zu verharren. Der heilige Geist ist bei mir, der erleuchtet und heiliget mich. Ich fürchte mich nicht vor des Sa tans Anklage, nicht vor der Unruhe meines Gewissens, nicht vor dem Gericht. Mein Gott, nahe dich auch zu mir in meiner Todesstunde, wenn mich alle Welt verläßt und mir niemand helfen kann; wenn ich alsdann mit schwacher Stimme dich anrufe, so sprich zu mir: Fürchte dich nicht, du bist mein! 274 Bleibe bei mir, treuer Freund, Jesu, mein Verlangen, Weil die Sonne nicht mehr scheint, Und der Tag vergangen. Ach, du wollest nun auf's neu Mir auch helle scheinen, Und in reiner Lieb und Treu Dich mit mir vereinen. Amen. 17. Mai. Norgen. Ephef. 2, 10. Wir sind sein Werk, geschaffen in Christo Jesu zu guten Werken, zu welchen uns Gott zuvor bereitet hat, daß wir darin wandeln sollen. Heiliger Gott, laß mich wohl bedenken, warum du mich erschaffen, und wozu ich in der Welt lebe. Ich bin nicht von mir selbst entsprungen, sondern ich bin dein Werk, aus Erden- Staub bereitet. Bewähre meine Seele, daß sie nicht einem andern diene, oder zu Theil werde dem Satan, der Welt oder den fündlichen Lüsten, sondern dein Eigenthum bleibe. Du hast ein Recht zu mir, du Schöpfer und Erhalter meines Lebens; darum verleihe mir Kraft, daß ich dir es ganz aufopfern möge. Und da die Sünde dein Werk verdorben, so hast du mich durch eine neue Schöpfung in Christo geschaffen, der für meine Sünden gelitten, und eine ewige Gerechtigkeit erworben hat. So bin ich nun nicht mein eigen, habe auch keine Freiheit, zu leben, wie ich will, sondern ich soll dir zu Ehren leben. Aber ich bin von Natur zu allem Guten erstorben, untüchtig und todt; was ich Gutes an mir finde, daß habe ich von dir. So will ich denn aufschauen auf Jesum, und nach seinem Vorbild in Liebe, Demuth, Sanftmuth und Gehorsam einhergehen. Dazu hast du mich zuvor bereitet in der Schöpfung, in der Erlösung und in der Heiligung. Bewahre mich vor der sündlichen Meinung, als ob wir von dir nur zum Essen, Trinken, Kurzweil oder um Reichthum zu sammeln, erschaffen würden. Nein, dir zu leben, in deinem Gehorsam zu wandeln, im Glauben bis an's Ende zu verharren, und endlich ewig selig zu werden, ist dein Wille; gib mir Gnade, also zu werden und zu sterben. Hilf, daß ich meinen Wandel führ' Bei dir im Himmel oben, Da ich werd' ewig sein bei dir, Dich schauen und dich loben: So kann mein Herz zufrieden sein, Und findet, Gott, bei dir allein Die wahre Ruh' und Freude. Amen. 275 18* 276 17. Mai. Abend. Psalm 42, 9. Der Herr hat des Tages verheißen seine Güte, und des Nachts singe ich ihm, und bete zu dem Gott meines Lebens. Treuer und wahrhaftiger Gott, was du verheiBen hast, das hältst du gewiß. Deine Güte hat mich heute begleitet und erhalten, und nun diesen Abend erleben lassen: o daß mich dieselbe zur Buße und zur Dankbarkeit leiten möchte! Deine Güte war meine Wärterin in meiner Kindheit, meine Führerin in mei ner Jugend, meine Beschüßerin in Gefahren, meine Versorgerin in meinem ganzen Leben, meine Wächterin bei Tag und Nacht. Deine Güte hat auch an meiner Seele gearbeitet: du hast mich vor Sünden ge= warnt und mir den Weg mit Dornen verzäunt. Alle Stunden des Tages sind Zeugen deiner Gnade. Wende deine Güte wegen meiner Undankbarkeit nicht von mir, wenn ich dir, o treuer Gott, untreu geworden bin. Wasche mich mit dem Blute Jesu rein von meinen Sünden. Mache mein Herz zu deiner Wohnung, daß ich in der Ewigkeit dein bleiben möge. Deine Güte muntert mich zu deinem Lobe auf, daß ich dir zu Ehren Lob- und Danklieder singe, und sage: Der Herr hat Großes an mir gethan, deß bin ich fröhlich. Ich bete aber auch zugleich zu dir, daß du mich diese Nacht behüten wolleft. Du hast mir das natürliche Leben bis hieher erhalten; laß das Leben aus dir, das neue Leben allezeit in mir wachsen und zunehmen. Lebe in mir, und sei meines Lebens Leben, damit mein ganzes Leben dir gez heiligt sei, so lebe ich selig. Fehlt mir etwas, so rufe ich zu dir; und wenn mein natürliches Leben ein Ende haben wird, alsdann führe mich zum ewigen Leben. Der Tag ist nun vergangen, Die gold'nen Sterne prangen Am blauen Himmels- Saal; Also werd' ich auch stehen, Wenn mich wird heißen gehen Mein Gott aus diesem Jammerthal. Amen. 18. Mai. Morgen. 1 Mos. 1, 3. Gott sprach: Es werde Licht! und es ward Licht. Allmächtiger Gott, Schöpfer Himmels und der Erde, siehe, es wird Licht, die Nacht vergeht, sprich auch in meiner Seele: Es werde Licht! Es mag keine Nacht so finster sein, noch dunkler ist es vor der Bekehrung in der Menschen Herzen. Hast du Licht und Finsterniß von einander gesondert, damit das Licht hervorbrechen könne, so vollbringe dieses selige Werk auch in mir. Wie verfinstert ist mein Verstand! Ich kenne dich nicht, ich sehe dich nicht recht, die Finsterniß der Unwissenheit hat alles umnebelt; darum sprich auch in mir: Es werde Licht! Was du sprichst, das wirkst du auch. Schenke mir deinen heiligen Geist, der meinen Verstand erleuchte, dein Wort in mir verkläre, und mich zu Jesu führe, daß ich in ihm und durch ihn Gerechtigkeit und Stärke erlange. Sprich auch in meinem Willen: Es werde Licht! daß ich meide, was dir zuwider ist, meinen Wandel nicht mehr führe nach dem alten Menschen, nicht lebe frech, frei, eitel, üppig, in Wollust, Haß, Neid und Streit, sondern in Liebe, Keuschheit und Frömmigkeit, daß die Leute meinen guten Wandel sehen, und dich preisen. Will es in Trübsalsstunden dunkel in meinem Herzen werden, so sprich auch alsdann: Es werde Licht! und laß das Licht des Trostes, der Freude und Wonne mich erquicken. Sprich auch, wenn meine Augen sich im Tode schließen: Es werde Licht! daß meine Seele mit Freuden dein Antlig schaue in Gerechtigkeit, und erwecke meinen Leib zu deiner Herrlichkeit. Gott, du Licht, das ewig bleibt, Das ohn' allen Wechsel ist, Das die Finsterniß vertreibt, Der du bleibest wie du bist: Ich verlasse meine Ruh; Rufe: werde Licht!" mir zu. Daß ich, der ich Nacht und Erde, Durch dein Licht verkläret werde. Amen. 277 18. Mai. Abend. Offb. 4, 11. Herr, du bist würdig zu nehmen Preis, Ehre und Kraft; denn du hast alle Dinge erschaffen, und durch deinen Willen haben sie das Wesen, und sind erschaffen. Allmächtiger Gott, ich stelle mich mit dem ganzen Himmelsheer vor deinen Thron, und stimme mit ihnen dein Lob an. Fielen die vierundzwanzig Ältesten vor deinem Throne nieder, und beteten dich an, wie viel mehr ich, der ich noch im Fleisch und in der Sünde lebe. Ich singe mit froher Stimme: Heilig, Heilig, Heilig ist Gott, der Herr, der Allmächtige. Du bist würdig, zu nehmen Preis, Ehre und Kraft; dich kann niemand nach Würden preisen, darum auch in der Ewigkeit die Bemühung aller Engel und Seraphim ein immerwährendes Lob sein wird. Ich schicke meinen Geist hinauf zu dir, um dir ein Lobopfer zu bringen. Laß mich nicht aus deiner Acht. Du hast alle Dinge erschaffen, und erhältst alles in richtiger Ordnung; durch deinen Willen ist jede Creatur willig und fertig, das auszurichten, wozu du sie erschaffen Hast. Ich armer Mensch allein bin eine so unartige Creatur gewesen, die nicht allezeit nach ihrer Pflicht gewandelt, sondern dich oftmals beleidigt hat. Was du erschaffen haft, das erhältst du auch. Du hast auch mich bisher erhalten, aus Gefahren errettet, versorgt, ernährt, gekleidet und mir die Schäße in Christo Jesu aufgethan. Für diese Erhaltung meines Lebens danke ich dir. Du treuer Gott, laß mein übriges Leben dir geheiligt sein, daß ich den Engeln und dem Himmelsheer hier auf Erden gleich werde. Nimm dich meiner, dieweil ich noch walle, herzlich an: heilige mich, stärke mich, daß mein Leib auf Erden, aber mein Sinn und Verlangen bei dir im Himmel sei, und wenn es mit mir zum Sterben kommt, so laß mich vor deinem Thron knieend meinen Geist aufgeben. Ich finge dir mit Herz und Mund, Herr, meines Herzens Lust! 278 Ich fing' und mach' auf Erden fund, Was mir von dir bewußt. Amen. 279 19. Mai. Norgen. Joh. 21, 15. Herr, du weißt, daß ich dich lieb habe. Herr Jesu, ich will einen Bund mit dir machen, dich herzlich zu lieben; aber dich zu lieben ohne dich, steht nicht in meiner Kraft, darum gib mir Geist und Vermögen, dich recht innig zu lieben. Du weißt, daß ich dich gern vollkommen lieben wollte; dein Name sei gelobet, daß du in meiner Seele so viel Licht angezündet, daß ich erkenne, wie du allein liebenswürdig bist, der du mich mit deinem Blute erkäuft, von der Hölle befreit und zum Erben des ewigen Lebens ge= macht hast. Wenn ich mich auf deine Allwissenheit berufe, so laß mich dieses Wort allezeit reizen, dir anzuhangen; denn du weißt meiner Liebe Aufrichtigkeit und meiner Liebe Absichten. Die wahre Liebe nimmt das ganze Herz ein, und verändert es, daß es sich nach dem Willen des Geliebten allein zu richten verlangt; also laß meine Liebe gegen dich geartet sein, daß ich aus Liebe zu dir einen ganz andern Willen habe und ein andres Leben führe. Laß meine Liebe zu dir eine beständige Liebe sein, daß mich nichts von deiner Liebe scheide, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes och Tiefes, weder Trübsal, noch Angst und Verfolgung. Laß aber auch Gesundheit, Glück und Wohlergehen meine Liebe zu dir nicht mindern oder aufheben, sondern meine Gegenliebe zu dir desto mehr anflammen. Laß mich zur Sünde sagen: ich liebe Je sum; zur Welt: ich liebe dich nicht mehr. Laß meine Liebe gegen dich immer größer und feuriger werden, daß sie alles, was in meinem Herzen noch unrein und dir mißfällig ist, ausbrenne. Ich will dich lieben, meine Stärke, Ich will dich lieben, meine Bier! Ich will dich lieben mit dem Werke Und immerwährender Begier; Ich will dich lieben, schönstes Licht, Bis mir das Herze bricht. Amen. 19. Mai. Abend. Pf. 51, 11. Verbirg dein Antlig vor meinen Sünden, und tilge alle meine Missethat. 280 Barmherziger, gnädiger Gott, an deiner Güte hat es heute nicht gefehlt, aber meine Nachläßigkeit ist auch nicht gering gewesen. Willst du nun mit mir in's Gericht gehen, so kann ich dir auf tausend nicht eins antworten. Ach, mein Gott, verbirg dein Antlik vor meinen Sünden. Nimm mein Sündenregister nicht vor dich, wie Einer, der ein Schuldbuch genau nachfiehet und nachrechnet, sondern lege es weg als geschenkt, als vergeben; gedenke meiner Sünden und Üebertre tungen nicht mehr. Tilge alle Sündenliebe aus meinem Herzen durch deinen heiligen Geist, daß ich auch meine Augen davor verberge, nicht darnach sehe, nicht darnach verlange, auf daß du auch dein Angesicht davor verbergen könnest, indem du sie mir vergibst. Deinem Angesicht kann ich nicht entfliehen, indem an allen Orten, im Felde, in Kammern, ohne und bei Licht du gegenwärtig bist. Du hörest, was ich rede, du siehest, was ich thue. O daß doch diese Betrachtung inskünftige mich behutsamer, treuer und frömmer machte! Verbirg dein Antlig vor meinen Sünden, daß du mich gnädig ansehest; aber verbirg dein Angesicht nicht vor mir, wenn ich bete, seufze, in Trübsal und Noth bin, sondern wende dich alsdann zu mir, erhöre mich und erbarme dich meiner. Nicht allein aber habe ich gesündigt aus Schwachheit, sondern auch Missethaten be gangen, die ich wohl hätte unterlassen können. Aber, ach Gott, tilge dieselben, daß ihrer nicht wieder ge dacht werde. Schenke mir deinen heiligen Geist, der mich inskünftige regiere. Kommt es mit mir zum Sterben, so verbirg dein Antlig vor meinen Sünden, und gedenke meiner nach deiner Barmherzigkeit. Wend' gnädig weg, o Gott, dein Angesicht, Schau nicht mehr her auf meine vielen Sünden, Sie fordern Straf', laß mich Vergebung finden! Erbarmer, geh' mit mir nicht in's Gericht. Amen. 20. Mai. Norgen. 281 Jef. 43, 1. Fürchte dich nicht, ich habe dich erlöset, ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein. Allmächtiger Gott, mein Herz und Auge schauet auf dich, da ich nicht weiß, was mir heute widerfahren wird; kann es doch vor Abend anders werden, als es am frühen Morgen war; aber ich fürchte mich nicht, wenn du bei mir bist. Ohne deinen Willen kann mir nichts begegnen. Darum bleibe bei mir, so bin ich wohl beschirmt und bewahrt. Die Gegenwart eines starken Kriegsheeres vertreibt die Furcht vor Ueberfall; eines Freundes Gegenwart macht muthig; eines Vaters Gegenwart bringt Freudigkeit. Darum fürchte ich mich nicht, weil mich deiner Engel Heer, Freundesliebe und Vatertreue umgibt. Behüte mich aber vor Sünden, daß ich mich deines Beistandes nicht unwürdig mache, oder durch meinen eigenen Willen in Schaden und Unglück stürze, der du mich so oft aus Uebel, Gefahr und Leiden erlöset hast. Laß mich auch die Erlösung Jesu hochhalten, daß ich mich auch durch ihn von der Sündenherrschaft erlösen lasse, und als eine in der That erlöste und geheiligte Seele, nicht nach meinem und der Welt, sondern nach deinem Willen lebe. Hierin besteht auch meine größte Glückseligkeit, denn du hast mich bei meinem Namen gerufen, du hast mir in Christo die schönsten Namen beigelegt, daß ich dein Rind und Erbe sein soll. D der großen Seligkeit auf Erden, wenn ich also dein bin, dein im Leben, dein im Sterben, dein mit Leib und Seele, dein in der Zeit, dein in Ewigkeit. Laß mich dieser Herrlichkeit und meiner Kindespflicht heute beständig eingedenk verbleiben, daß ich nicht wider dich sündige, und mit un-= befleckter Seele den Abend erreiche. So lang ich hier noch walle, Soll dies mein Seufzer sein, Ich sprech bei jedem Falle: Herr, hilf mir, ich bin dein!" Amen. 20. Mai. Abend. Kol. 1, 14. An Christo haben wir die Erlösung durch sein Blut, nämlich die Vergebung der Sünden. 282 Herr Jesu, ehe ich mich schlafen lege, will ich an dich, meinen Erlöser, und an dein Blut gedenken; darin findet meine Seele Ruhe und Friede. Darum gehe ich mit dir in stiller Andacht nach Gethsemane, und sehe deinen Todeskampf und blutigen Schweiß; ich beschaue deine Bande, da die Feinde dich fangen, binden und vor Gericht führen; ich höre dich vor Gericht ver klagen und zum Tode verdammen; ich sehe dich von Geißeln und Ruthen ganz verwundet und blutig stehen; ich beschaue dich in der Dornenkrone, ich begleite dich nach Golgatha; ich betrachte deine Kreuzigung, deinen Tod, deine eröffnete Seite, daraus Blut und Wasser rann. Erwürgtes Lamm, das ist ja alles für mich geschehen; nun habe ich an dir, in dir und durch dich die Erlösung. Erlösung ist etwas Angenehmes den Gefangenen, fie gehen aus Ketten und Banden, aus dem Kerker und der Finsterniß zur Freiheit. In dir, mein Heiland, habe ich solche Freiheit erlangt. Diese Erlösung habe ich als einen erworbenen un geschenkten Schatz, laß mich diese Seligkeit und ewige Gnade auch beständig behalten. Fahre ich in meinen Sünden fort, so mache ich mich dieses Schatzes wieder verlustig. Will ich von der Obrigkeit der Finsterniß mich nicht erret ten lassen, so habe ich keine Vergebung der Sünden; die Sünden, die ich nicht ablegen will, können mir nicht vergeben werden. Nimm alle Sünden von mir, und schenke mir deine Gerechtigkeit, daß ich fröhlich und selig einschlafen möge, und wenn mein Lebensziel kommt, so laß mich durch dein Blut rein und gerecht als eine erlösete Seele zu deiner Freude eingehen. Wenn mich die Sünden kränken, So kann ich noch allein An den Verfühner denken: " Herr, hilf mir, ich bin dein!" Amen. 21. Mai. Worgen. Hebr. 10, 39. Wir sind nicht von denen, die da weichen und verdammt werden, sondern von denen, die da glauben und die Seele erretten. 283 Gott, da du kein Gefallen haft an denen, die dir untreu werden, so laß mich nicht von denen sein, die da weichen. Nein, ich will durch deinen mächtigen Beistand nicht weichen von meinem Glauben, nicht weichen von deiner Liebe, nicht weichen von deinen Geboten, nicht weichen von meinem Vorsatz, dir immer treuer und gehorsamer zu werden. Gib mir Kraft und Stärke dazu von oben herab. Bin ich in meinen Unverstandsjahren von dir gewichen, so stelle ich mich nun wieder ein. Erhalte mich in solcher Gnade, daß ich meinen Lauf fröhlich vollende, und des Glaubens Ende, der Seele Seligkeit davontrage. Bleibe ich dir getreu, so werde ich nicht verdammt werden. Nichts Schrecklicheres ist, als verdammt werden, und nichts Leichteres ist, als von Gott weichen. Laß mich das ewige Weh der Verdammten fleißig erwägen, die um kurze Bust in ein unauslöschliches Feuer sich stürzen. Laß mich von denen sein, die glauben, nach der Nichtschnur deines Worts ihren Gang richten und ihre Seelen retten. Wirke in mir herzliche Buße über meine Sünden; stelle mir Jesu Blut vor Augen als das Bösegeld für meine Sünden. Schenke mir deinen heiligen Geist, der ein neues Herz in mir schaffe. Sucht man in Kriegs- und Feuersgefahr seine Kostbarkeiten in Sicherheit zu bringen, die doch vergänglich sind, warum follte ich um meine unsterbliche Seele nicht bekümmert sein? Von diesem Vorsatz laß mich nimmer abweichen. Die da weichen Und das Zeichen Ihres Königes verschmäh'n, Müssen laufen Zu den Haufen, Die zur linken Seite stehn; Aber denen, die mit Thränen, Auf sich nehmen Jesu Joch, Wird die Krone Auf dem Throne Ihres Heilands werden noch. Amen. 21. Mai. Abend. Jef. 26, 4. Verlasset euch auf den Herrn ewiglich, denn Gott der Herr ist ein Fels ewiglich. 284 Allmächtiger Gott, du bist meine Zuflucht gewesen von Jugend auf, du sollst es auch diese Nacht sein. Wie klein wird das Vertrauen auf dich, wenn ich im Schlamm zu versinken scheine, oder eine starke Welle mir entgegen brauset, wie Petro. Es ist kein großer Glaube, sich auf dich zu verlassen, wenn die Glückssonne scheint; aber bei Sturmwinden und tobenden Wellen dir vertrauen, muß dein Geist in uns wirken. In bekümmerten Umständen will ich nicht sehen auf mein Unvermögen, sondern auf deine Allmacht, nicht auf meine Schwachheit, sondern auf deine Stärke. Ich will mich auf dich verlassen, denn deine Treue habe ich schon oft erfahren. Ja, ich will mich auf dich verlassen, weil du ein Fels bist ewiglich. Wenn Satan, meine Sünden, und leibliche Feinde mich verfolgen, wo soll ich hin, und wo kann ich hin, denn nur zu dir, lebendiger Gott? Ein Fels wanket nicht, deine Liebe und Treue ist unwandelbar. Gute Freunde liebe ich, aber ich kann sie nicht für einen Fels halten, denn sie können sterben; aber du bist ein Fels ewiglich, alle Glaubigen, die jemals gelebt, haben bei dir Hilfe, Trost und Errettung gefunden; darum sollst du auch mein Gott, mein Fels und mein Erretter bleiben. Wenn es zu den letzten Stunden meines Lebens kommt, so sei alsdann mein Fels, dahin meine Seele ihre Zuflucht nimmt. Verlasset euch nur auf den Herrn, Laßt alle Feinde schnauben! Er ist so treu, er hilft so gern; Bewahret nur den Glauben; Er ist ein Fels, der ewig steht, Auf ihn kann, wer um Hilfe fleht, Sich ewiglich verlassen, Und ihn am Worte fassen. Amen. 22. Nai. Morgen. f. 119, 9. Wie wird ein Jüngling seinen Weg unsträflich sehen? Wenn er sich hält nach deinen Worten. 285 Heiliger Gott, laß mich heute unsträflich sein in meinen Gedanken, denn du bist auch ein Richter der Gedanken. Laß mich unsträflich sein in allen meinen Worten, daß ich immer rede in deiner Gegenwart. Laß mich unsträflich erfunden werden in meinem Leben, daß ich nicht allein meide, was vor der Welt sträflich ist, sondern auch vor dir unsträflich zu wandeln trachte. Es führen viele Wege in eine Stadt, aber nur ein Weg ist zu dem Himmel. Mein Weg ist mir vorgeschrieben, wie ich leben und wandeln soll, mein Weg fängt in der Geburt an und endet sich im Sterben; was ich für einen Weg gegangen, dahin werde ich kommen. Habe ich betreten und habe geliebt den breiten Sündenweg, so komme ich zum ewigen Verderben; davor behüte mich, lieber himmlischer Vater und leite mich den rechten Weg, der zum ewigen Leben führt. Ein Wandersmann sieht fleißig nach den Wegweisern, fragt eifrig nach, ob er auf dem rechten Wege sei: so will ich nach deinem Wort mich beständig richten, darin mir vorgeschrieben ist, wie ich leben und wandeln soll. Bleibe ich auf dem seligen Himmelswege, den mir dein Geist und dein Wort, ja meines Jesu Beispiel zeigt, so gehe ich nicht allein dereinst mit allen Gläubigen in die Thore des neuen Jerusalems ein, sondern dieser Weg schenket mir schon hier Friede, Trost und Ruhe der Seele und ich gehe dereinst mit allen Glaubigen zu den Thoren der güldenen Stadt ein, die du im Himmel erbauet hast. Wie soll, wie kann ein Jüngling weise sein, Den alles reizt und der so leicht kann gleiten? Wenn er getreu befolgt dein Wort allein, So wirst du ihn auf eb'nem Wege leiten. Dich sucht mein Herz, die Wahl wird nie mich reu'n; Laß dein Gebot nur immer mich begleiten. Amen. 22. Mai. Abend. 2 Tim. 1, 12. Ich weiß, an wen ich glaube, und bin gewiß, daß er mir meine Beilage bewahren wird bis an jenen Tag. 286 Ich glaube an dich, ewiger und allmächtiger Schöpfer Himmels und der Erden, der du dich als Vater in meiner Schöpfung offenbaret hast, mir nicht allein das natürliche Leben gegeben, sondern auch bis her wie ein Vater erhalten, ernährt, versorgt. Jch glaube an Jesum Christum, meinen Herrn, wahrer Gott von Ewigkeit, vom Vater gezeuget, und in der Fülle der Zeit aus Maria der Jungfrau geboren, der alle meine Sünden auf sich genommen und mich mit Gott ausgeföhnet hat. Ich glaube auch an den heiligen Geist, Gott von Ewigkeit, der sich in der Taufe reichlich über mich ausgegossen, mich erleuchtet und heiliget. Dieses ist nicht nur ein Mundglaube, sondern der heilige Geist versiegelt in meinem Herzen, daß es Wahrheit ist, und wenn ich mit festem Glauben mich an dich, o Gott, halte, so wird der heilige Geist mir diese Beilage bewahren. Hilf du mir selbst, diese meine Beilage zu bewahren. Deine väterliche Liebe ist mir eine theure Beilage, die wirst du nicht von mir wenden, wenn ich sie nur nicht vorsätzlich von mir stoße. Die Gnade Jesu ist mir eine theure Beilage, die bleibt meine Zuflucht und Freistatt in aller meiner Sündennoth. Die Gemeinschaft des hei ligen Geistes ist mein Trost, der wird nicht von mir genommen werden; ja an jenem Tage wirst du mir auch die Krone des Lebens, welche mir beigelegt und aufgehoben ist, aus Gnaden mittheilen. Gott, erhalte mich in solchem Glauben bis an mein Ende Ich weiß, an wen ich glaube; Er gibt nicht hin zum Raube, Was ihm sich übergab. Er hat schon meine Seele, Die ich ihm anbefehle; Er habe fie bis zu dem Grab. Amen. 23. Mai. Morgen. Röm. 6, 6. Wir wissen, daß unser alter Mensch mit ihm gekreuzigt ist, auf daß der fündliche Leib aufhöre, daß wir hinfort der Sünde nicht dienen. 287 Herr Jesu, laß mich diesen Tag in deiner Furcht vollenden; gib mir Kraft dazu, Kraft von oben herab. Ich fühle zwar noch den alten Menschen, aber durch deine Gnade soll derselbe in mir nicht leben. Hilf mir denselben mit allen seinen Begierden und Unarten kreuzigen, Kraft deines Kreuzestodes. Wie ein Getreuzigter fest angenagelt war, daß er seine Glieder nicht bewegen konnte, so laß in mir alles zu deiner Ehre fest gebunden sein, nämlich meine Zunge, daß nicht Böses rede, meine Hände, daß ich sie nicht ausstrecke zu verbotenen Sachen, meine Füße, daß fie nicht auf bösen Wegen gehen. Laß mich diese selige Aenderung meines Herzens und Lebens nicht allein von andern hören oder lesen, sondern durch Erfahrung wissen und empfinden, daß sie auch an mir vollbracht sei. Laß alle meine vorigen Sünden, die ich in der Finsterniß meines Herzens und Lebens begangen, um deiner Liebe willen vergeben sein, und verleihe mir Kraft, daß der fündliche Leib aufhöre. Laß, Kraft deines Todes, die Gewalt der Sünde in mir aufhören, daß du in mir lebest und ich hinfort der Sünde nicht diene, wie ein Knecht, der thun muß, was sein Herr befiehlt. Und ob ich zwar die Sünde noch fühlen muß in meinen Gliedern, so hilf mir doch, daß ich ihr den Willen nicht lasse, sondern über sie herrsche. Laß mich auch die Sündenknechte fliehen, und in der Freiheit deiner Kinder beständig bleiben. Liebe, zeuch uns in dein Sterben, Laß mit dir gekreuzigt sein, Was dein Reich nicht kann ererben, Führ' ins Paradies uns ein: Doch wohlan, du wirst nicht säumen, Laß nur uns nicht läßig sein! Werden wir doch als wie träumen, Wann die Freiheit bricht herein. Amen. 23. Mai. Abend. Pf. 25, 18. Siehe an meinen Jammer und mein Elend, und vergib mir alle meine Sünden. 288 Barmherziger Gott und Vater, ich rufe dich an um Vergebung aller meiner Sünden. Dir muß ich's klagen, von dir muß ich bitten, bei dir muß ich Hilfe suchen, sonst weiß ich nirgends hin. Niemand kann mir helfen, als du allein. Jammer und Elend kommt zu weilen von dir, als eine gerechte Strafe, zuweilen als eine Züchtigung, daß du mich von der Welt zu dir ziehest, zuweilen aber mache ich mir selbst Jammer und Herzeleid. Laß mich solches Leiden, womit dieses arme Leben überhäuft ist, zu dir bringen. Ja, siehe du es selbst an, dein Ansehen ist Erbarmen, Erretten und Befreien. Laß die Trübsal dieser Zeit mich auch von der Welt zu dir ziehen. Ich wollte gern auf einmal von allen Sünden frei werden und dir mich ganz übergeben, aber siche, im besten Lauf fühle ich eine Trägheit zum Guten, und werde durch Sünden übereilt. Dieses Elend klage ich dir; gib mir Kraft, daß ich nicht wie Kain die Sünde über mich herrschen lasse, sondern daß ich über sie herrsche. Das sollte meines Herzens Lust und Freude sein, wenn ich dir allein leben, und aus einer Klarheit in die and're gelangen könnte. Vergib mir alle Sünden, die ich mit Gedanken, Worten und Werken heute wissentlich und unwissentlich begangen habe. Vergib mir nach deiner ewigen Liebe und tilge sie mit dem Blute Jesu. Nimm die Seelenangst von mir und tröste mich mit deiner Vaterliebe. Laß mich morgen behutsamer wandeln und wenn der letzte Abend meines Lebens kommt, so siehe auch alsdann an meinen Jammer und Elend, hilf mir ringen, überwinden, und vergib mir alle meine Sünden, daß ich rein und gerecht vor die erscheine. Herr, behüte mich auf Erden, Ich bin hilflos, rette mich; Laß mich nicht zu Schanden werden, Ich vertrau allein auf dich. Amen. 24. Mai. Morgen. Gal. 6, 15. Jn Christo Jesu gilt weder Beschneidung noch Vorhaut etwas, sondern eine neue Creatur. Herr Jesu, mein einziges Verlangen ist, in der Gottesfurcht zuzunehmen, darum mache mich zur neuen Creatur, daß eine Änderung mit mir vorgehe innerlich und äußerlich. Mein Verstand ist von Natur verfinstert und mein Wille so widerspenstig, daß er dich weder kennt noch liebt. Aus dem Herzen kommen böse Gedanken, Born, Haß, Unreinigkeit und Bosheit. So bin ich von Natur, aber so will ich nicht bleiben, so will ich nicht sterben; ich will eine neue Creatur werden. Fange du selbst dieses Werk durch deinen Geist in mir an. Erwecke in mir herzliche Traurigkeit über meine Sünden und reinige mich mit deinem heiligen Blut von meiner Missethat. Vor der Menschen Augen gilt zuweilen Reichthum, Adel, Ansehen und Geschicklichkeit, aber du siehest das Herz an; wer ein neues, gereinigtes Herz hat, der ist dir angenehm. Gib mir deinen heiligen Geist, der mich durch und durch heilige, daß er meinen Verstand erleuchte und mein ganzes Herz dir zur Wohnung mache. Bin ich also von innen geändert, so wird mein äußerlicher Wandel rein und unsträflich sein. Verleihe mir Gnade, also zu werden und zu bleiben bis in den Tod. Zu dieser Herrlichfeit können gelangen Juden und Heiden. Du siehest nicht auf des Menschen Alter, Abkunft, Stand oder Geburt, sondern auf ein neues Herz. So fange ich heute in deiner Kraft an, neu zu werden an Willen, Reden, Leben, Gebärden, Wandel, Dichten und Trachten. Ach, mein Erbarmer, erhalte und stärke mich in diesem seligen Vorsatz. Deiner Sanftmuth Schild, Deiner Demuth Bild Mir anlege, in mich präge, Daß kein Zorn noch Stolz sich rege; Denn vor dir nichts gilt Als dein eigen Bild. Amen. Start's Morgen und Abend- Andachten. 289 19 24. Mai. Abend. Joh. 19, 34. Der Kriegsknechte einer öffnete Jesu Seite mit einem Speer, und alsbald ging Blut und Wasser heraus. 290 Herr Jesu, ich will in der Betrachtung deines Kreuzes einschlafen. Ein süßer Schlaf, wenn dein Bild meinem Herzen eingedrückt bleibt! Du bist das Opfer für die ganze Welt; dein Tod ist ein Versöhnungstod. Du stundest an meiner Statt, daß ich Friede hätte. Du warest rein und von den Sündern abgesondert, darum konntest du meine Missethat versöhnen, und die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, bringen. Dein ganzer Leib wurde verwundet, Hände und Füße mit Nägeln durchbohrt, das Haupt und die Stirne durch die Dornenkrone zerrissen; aber du hast mit auch zeigen wollen, wie dein Herz vor lauter Liebe brannte, darum mußte ein Kriegsknecht deine Seite mit einem Speer öffnen, daraus floß Blut und Wasser zu meiner Reinigung und Heiligung. Du kommst noch alle Tage mit Wasser und Blut zu deinen Glaubigen, wenn du ihnen Friede, Vergebung und Gerechtigkeit schenkest. Das Wasser hat mich in der Taufe von Sünden abgewaschen; dein Blut theilet mir im heiligen Abendmahl sammt deinem verklärten Leibe alle Herrlichkeiten mit, die du in deinem Leiden und Sterben erworben hast. Beides floß reichlich heraus; du theilest deine Gaben nicht sparsam, sondern überfließend mit. Laß mich an meine Reinigung und Heiligung fleißig gedenken, und wenn ich mich verunreinigt, so laß mir durch dein Blut Vergebung widerfahren. Hier stehe ich unter deinem Kreuze, lağ es auf mich fließen, ich fasse es in lebendigem Glauben auf, und eigne mir es zu. Laß auch in meiner Todesstunde dieses Blut und Wasser mir beständig vor Augen sein und mich auch darin selig sterben. Das Wasser, welches auf den Stoß Des Speers aus deiner Seite floß, Das sei mein Bad, und all' dein Blut Erquicke mein Herz, Sinn und Muth. Amen. 25. Mai. Morgen. 2 Ror. 3, 18. Nun aber spiegelt sich in uns Allen des Herrn Klarheit mit aufgedecktem Angesicht, und wir werden verklärt in dasselbe Bild, von einer Klarheit zur andern, als vom Herrn, der der Geist ist. Gütiger Gott, du lässest heute dein Sonnenlicht meinen leiblichen Augen aufgehen, aber du hast meiner Seele ein helles Licht in Christo Jesu, meinem Herrn geschenkt, welcher selbst das Licht der Welt ist. Seine Klarheit habe ich im Spiegel des Worts erkannt, fie ist mir aufgedeckt, und dein Geist hat mich überzeugt, daß er wahrer Gott und wahrer Mensch, der Heiland der Welt und das Panier sei, dahin alle Völker laufen und Heil finden sollen. Mir ist aufgedeckt, daß er ist der Weg, die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zu dir, als durch ihn. Diese Klarheit Jesu soll mir hinfort nichts mehr verdunkeln. Die Juden sehen sie noch nicht, sie decken ihr Angesicht sich selbst und ihren Kindern zu. Herr, thue doch bald diese Decke dem ganzen Geschlecht weg! Mir aber verleihe Gnade, daß, wie sich die Klarheit der Erkenntniß Christi in meinem Herzen spiegelt, so auch Christi Leben sich in meinem Leben spiegele in Liebe, Demuth, Sanstmuth und Gehorsam. Laß mich in solcher Gnade immer wachsen und völliger werden, und aus einer Klarheit zu der andern gelangen, auf daß ich in das Bild Jesu verklärt werde, nach der Lehre meines Heilandes glaube und wandle und er in mir eine Gestalt gewinne. Das liebliche JesusBild, Jesu Liebe, laß mein Leben heiligen, und mich im Sterben trösten. Ach, mein Gott, laß mich nicht allein diesen Tag, sondern alle meine Lebenstage also hinbringen. Der Geist des Herrn, der Geist der Wahrheit, Verwandelt uns in Jesu Bild Von Klarheit immer mehr in Klarheit, Bis uns das Licht einst ganz erfüllt. Des Herrn Licht wird in uns gebracht, Und wir zum Licht im Herrn gemacht. Amen. 291 19* 25. Mai. Abend. Matth. 25, 6. Zur Mitternacht ward ein Geschrei: Siehe, der Bräutigam kommt; gehet aus, ihm entgegen. Herr Jesu, ich denke jetzt an deine Zukunft, da du deine Kinder zum Himmelserbe einführen wirst. Deine Zukunft ist gewiß, aber die Stunde hast du mir verborgen; da ich nicht weiß, ob du wirst am Morgen meines Lebens, um Mittag oder Abend, oder erst gar im spätesten Alter meines Lebens um Mitternacht mich zu dir heimholen. Mitternacht ist eine Zeit, da man keinen Besuch erwartet; weil du aber diese Zeit nennest, so willst du mich aufmuntern, zu jeder Zeit und Stunde mich bereit zu halten. Jesus kommt, soll mir eine fröhliche Botschaft sein; denn er kommt, der mich liebt, der mich erkauft, der um meinetwillen Marter und Tod gelitten, der mir den Himmel und die Seligkeit erworben. Darum gehe ich ihm entgegen als ein gegürteter Knecht; ich habe meinen Sündenrod durch Buße ausgezogen, hingegen hast du mich angethan mit den Kleidern des Heils. Ich gehe dir entgegen in heiliger Wachsamkeit, ich fliehe alle Sündenlust und alle Sündenwege. Erhalte mich in deiner Gnade und laß deinen heiligen Geist allezeit das Licht in meinem Herzen bleiben, der mir den rechten Weg zeige. Meinen Brautschmuck lege ich auch im Schlafengehen nicht ab, nemlich den lebendigen Glauben an dich. Finde mich auch also in der Todesstunde, daß ich alsdann wohl bereitet, fröhlich und selig zu deiner Freude eingehe. Wachet auf!" ruft uns die Stimme Der Wächter, sehr hoch auf der Zinne: Dein Herr, o Zion, kommt zu dir. Mitternacht heißt diese Stunde," So rufen sie mit hellem Munde: 292 11 „ Ihr klugen Jungfrau'n, wo seid ihr?" Wohlauf, der Bräut'gam kömmt; Steht auf, die Lampen nehmt! Halleluja! Macht euch bereit Zu der Hochzeit, Geht ihm entgegen, es ist Zeit!" Amen. 26. Wai. Norgen. Rom. 8, 13. Wo ihr nach dem Fleische lebet, so werdet ihr sterben müssen; wo ihr aber durch den Geist des Fleisches Geschäfte tödtet, so werdet ihr leben. 293 Allmächtiger, gnädiger Gott, da ich den Tag angefangen, so geht auch mein Kampf wider die Sünde von neuem an. Mein Fleisch will in mir herrschen, und dein Geist will mich regieren; ich stehe in der Mitte. Stärke mich, daß ich nicht nach dem Fleische lebe. Du legst mir den Himmel und die Hölle, Adams Tod und Christi Leben in mir vor. Wenn ich nach des Fleisches Lüsten und der Welt Gewohnheit lebe, so muß dein Geist von mir weichen, und ich werde in meinen Sünden sterben; denn in welchem Jesus nicht lebt und dein Geist nicht wohnet, der ist gewiß lebendig todt; er lebt zwar als ein Mensch, aber nicht als ein Christ und Kind Gottes, und wo er nicht Buße thut, muß er ewig sterben, ewig von dir entfernt sein, von dem Himmel und der Gesellschaft der heiligen Engel und Auserwählten ausgeschlossen werden. Das ist ein schrecklicher Tod! davor bewahre mich, liebreicher Gott und Vater, und wenn mein Fleisch und meine bösen Lüste in mir, und fleischliche Menschen außer mir an mich setzen, so stehe mir kräftig bei, daß ich durch den Geist des Fleisches Geschäfte tödte, alsdann werde ich leben und ein unverlegtes Gewissen behalten. Lebe ich dir und nicht der Sünde, so werde ich durch Jesum auch ewig leben, daß ich nach vollendeten Lauf und gutem Kampf die Krone des Lebens erlange. Geist der Kraft, der Zucht und Liebe, Der sich in die Frommen senkt, Und die Wohlthat seiner Triebe Gottergeb'nen Seelen schenkt, Seelen, die das Arge hassen Und den Vorsaß festgestellt, Daß fie sich von Fleisch und Welt Nicht mehr wollen treiben lassen, Laß auch mich in Freud und Pein Deines Triebs theilhaftig sein! Amen. 26. Nai. Abend. Kol. 3, 16. Singet dem Herrn in eurem Herzen. Mein Gott und Bater, alle Creaturen loben dich, warum sollte ich schweigen, der ich von dir so viel Gutes empfangen habe? Wohlthätern danken, ist billig, wie viel mehr dir, dem gütigen und allmächtigen Herrn. Leben und Odem habe ich von dir, Nahrung und Kleidung hast du mir gegeben. Nicht allein aber hast du mir im Leiblichen Gutes gethan, sondern dich auch meiner Seele herzlich angenommen. Du hast mir Je sum zum Heiland gesendet; du hast sein Blut und seine Gerechtigkeit zum offenen Born gemacht wider meine Sünde, daß ich in Sündenangst und Anklage meines Gewissens Ruhe, Friede und Trost schöpfen kann. Dein guter Geist hat mich bisher geführt, innerlich bestraft und mir Kraft zum Wachsthum im Guten geschenkt. O Liebe, o Treue! sollte ich dich dafür nicht loben? Ich finge dir Danklieder mit meinem Munde, aber ich finge dir auch in meinem Herzen, an allen Orten, auch auf dem Felde, wo dein Geist mich zum Loben und Danken aufmuntert. Also lobet man dich öffentlich und auch in der Stille zu Zion. So sehr aber mein Geist sich freuet über deine Wohlthaten und Güte, so sehr überzeugt mich mein Gewissen des Undanks; verzeihe, was ich heute wider dich gethan; verzeihe es mir, ehe ich einschlafe. Kommt mein letzter Tag und meine letzte Nacht, so laß mich fröhlich sterben, im Singen und Loben diese Welt verlassen, und darauf zu der großen, dich lobenden Schar in der Herrlichkeit ge Langen. 294 ► Der Schwermuth stille Schmerzen Treib ich mit Pfalmen fern, Und spiele in dem Herzen Doch Jesu, meinem Herrn. Wenn Gottes Geist es stimmt, So soll es dennoch tönen, Daß wenn es voll von Thränen, Das Lob doch oben schwimmt. Amen. 27. Mai. Morgen. f. 62, 7. Der Herr ist mein Hort, meine Hilfe und mein Schuß, daß ich nicht fallen werde. 295 Barmherziger, gnädiger Gott, laß mich diesen Tag in deinem Schuß eingeschlossen bleiben. Wie viel Leiden, Unglück und Schaden kann uns in einem Tage widerfahren! Darum befehle ich mich dir mit Leib und Seele und mit allem, was ich habe, in deinen Gewahrsam. Du bist mein Hort und sicherer Fels. In allen Anliegen hebe ich Herz und Augen hinauf zu dir. Du heißest ein Fels, eine Burg, eine Festung; sind das sichere Derter, also bin ich bei dir wohl verwahrt. Du bist meine Hilfe in allem, was mir begegnet; darum fange ich den Tag mit Freuden an, und fürchte mich nicht. Deine Treue ist mir bekannt, und deine Güte habe ich schon oft erfahren. Nicht allein hilfst du mir, sondern du bist auch die Hilfe selbst, wenn ich dich habe. Erinnere mich daran, wenn in schweren Fällen mein schwacher Glaube wanken will. Sei auch mein Schuzz wider die Anfechtungen des Satans und die Versuchungen meines Fleisches. Halte mir alsdann Jesu Blut und Wunden vor, daß ich in Betrachtung derselben meinem bösen Willen, meinen Lüsten und der Welt absage. Erwecke durch deinen heiligen Geist in mir heilige Bewegungen und gute Gedanken, daß dadurch alle sündlichen Einfälle vertrieben werden. Bewahre meinen Leib vor Unglück, meine Seele vor schwerem Sündenfall. Wo du mich nicht bei meiner Hand hältst, kann ich nicht eine Stunde ohne leibliches und geistiges Fallen hinbringen. Deine Gnade erhalte mich, deine Liebe stärke mich, dein Geist führe mich, so werde ich keinen Schaden leiden an meiner Seele. Schweig, meine Seele, Gott nur still; Sieh', nichts geschieht, was er nicht will. Ich hoff' auf ihn und werd' ihm danken, Mein Fels und Zuversicht ist er, Er eine Festung um mich her. Mich stürzt kein Feind, nie werd' ich wanten. Amen. 27. Mai. Abend. Klagl. 3, 42. Wir, wir haben gesündiget und sind ungehorsam gewesen; darum hast du billig nicht verschonet. 296 Gott, meine Seele nahet sich dir, und bittet de müthig um Enade. Ich habe auch heute wider dich gefündigt. Du weißt, wenn auch mein Herz an nichts Böses denkt, und ganz stille und ruhig ist, daß oft von außen durch meine Augen und Ohren, durch Zureden anderer Menschen das Herz aus seiner Ruhe und Stille gebracht und zur Sünde gereizt wird; aber es bleibt bei dem bloßen Denken nicht, sondern der Mund redet dazu, und die übrigen Glieder geben sich hin zum Dienst der Sünde; dadurch wird meine Sündenschuld gehäuft und dein Zorn gegen mich gereizt. Dieses Elend weißt du, und ich klage es dir mit betrübtem Herzen; verzeihe es mir um deiner ewigen Barmherzigkeit willen. Siehe nicht auf mein Uebertreten, wo ich ungehorsam gewefen. Ungehorsam ist eine Zaubereisünde. Ein ungehorsames Kind hat nichts als Strafe zu erwarten; Ungehorsam wird von der Obrigkeit mit Strafe belohnt. Ach Gott, was habe ich von dir zu erwarten, da ich meinen Ungehorsam nicht leugnen kann und nicht leugnen will, und zwar, da ich wohl hätte vorsichtiger handeln und leben können. Ich spreche mit bußfertigem und glaubigem Herzen: Vater, schone, und gib mir nicht den verdienten Lohn. Deine Langmuth hat meiner so viele Jahre geschont. Schone ferner, wie ein Vater sich über sein weinendes Kind erbarmt. Schone und gib mir deinen heiligen Geist, der mich inskünftige leite und führe. Ich verspreche dir, gehorsamer und frömmer zu werden. In der letzten Lebensstunde schone meiner auch. Oft scheinet es, als hättest du An uns'rer Noth Gefallen, 20 Wenn wir aus uns'rer sichern Ruh In's tiefste Elend fallen. Doch willst du nur durch deine Kur Uns heilen und entladen Von unserm tiefen Schaden. Amen. 28. Mai. Norgen. Epr. 14, 27. Die Furcht des Herrn ist eine Quelle des Lebens, daß man meide die Stricke des Todes. 297 Liebenswürdiger Gott, schreibe deine Furcht in mein Herz, denn dich fürchten, ist eine Quelle des Lebens. Ich kann nirgend sein, nichts reden und nichts thun, das du nicht alles hörest und siehest; darum scheue ich mich als ein gehorsames Kind vor dir; wie sollte ich ein so großes Uebel thun, und wider Gott sündigen? Knechte fürchten sich vor ihren Herren aus Furcht vor der Strafe; Kinder fürchten sich vor ihrem Vater aus Liebe, um ihn nicht zu beleidigen. Laß meine Furcht vor dir immer kindlicher und aufrichtiger werden. Die dich fürchten, haben keinen Mangel an irgend einem Gut. Schenke mir die himmlischen Güter, Friede, Trost, Vergebung der Sünden, ein frommes Herz und deinen heiligen Geist, so bin ich reich und glückselig genug. Von irdischen Gaben gib mir so viel, als du siehest, daß es mir an meiner Frömmigkeit und Seligkeit nicht schadet. Die Furcht vor dir ist eine unerschöpfliche, reichlich sich ergießende und allen Glaubigen eigene Quelle. Sie lehret mich die Stricke des Todes meiden, nemlich die Sünde, böse Gesellschaften, Tücke, Falschheit, Frechheit und Gleichstellung der Welt. Gott, laß mich keinen von diesen Stricken fesseln, welche mir den geistlichen Tod bringen, daß du von mir weichest, den heiligen Geist von mir nimmst, daß ich endlich des ewigen Todes sterben und verdammt werden müßte. Davor behüte mich, mein lieber Gott und Vater! Laß mich alle diese Sünden als Stricke des Lodes ansehen und in meinem Herzen dafür halten. Dieses erlange ich in dem Lichte deines heiligen Geistes. Seelen, wollt ihr unversehrt, Durch das Leben kommen, Da der Satan euch begehrt, Der mit List die Frommen Sichten will: Bleibet still In des Heilands Nähe, Da trifft euch kein Wehe. Amen. 28. Mai. Abend. Luc. 15, 7. Es wird Freude sein im Himmel über einen Sünder, der Buße thut. 298 Ewiger, barmherziger Gott, ich komme vor dein heiliges Angesicht, und suche Vergebung meiner Sünden. Du verstößest ja die Sünder nicht, wenn sie Buße thun; ja auch die größten Sünder nimmst du wieder zu Gnaden an. Ein solcher Sünder bin ich auch. Ob mich gleich deine Gnade heute hat bewahrt, so liegt doch der Same zu allen Greueln und bösen Thaten in meinem Herzen. Freut sich der Hirte über sein Schaf, das er wieder gefunden; der Vater, daß der verlorne Sohn wiedergekommen; das Weib, welches den verlornen Groschen wiederum gefunden; freuten sich auch alle Freunde und Hausgenossen mit ihr: so, in diesem Bilde hast du deine und der Engel Freude abgebildet. Freuest du dich über einen Sünder, der Buße thut, so will ich mich über deine Freude und Gnade freuen, daß deine Güte an mir nicht vergeblich ist gewesen; daß ich bin der Vergebung theilhaftig geworden; daß der heilige Geist wieder in meinem Herzen wohnen will; daß ich den Engeln bin gleich geworden, die loben und deinen Befehl ausrichten; ja, daß ich in ihre Gesellschaft nach meinem Tode werde zur Herrlichkeit auf genommen werden. Laß deinen heiligen Geist mich hinfort beständig leiten, daß ich in dem neuen Leben deiner Kinder verharre. Finde mich auch, und erhalte mich in solchem Stande in den letzten Stunden meines Lebens, daß ich alsdann zu der Freude und dem Erbtheil deiner Kinder eingehe, und dir für dein Erbarmen ewig danke. O große Freud und Seligkeit, Wenn sich ein Mensch zu seinem Jesu wendet; Wenn er verläßt der Zeiten Eitelkeit, Und liebet Gott, den er zuvor geschändet! D Freude, wenn ein Schaf, das sich verirrt, Gefunden wird. Amen. 29. Mai. Norgen. 2 Ror. 4, 10. Wir tragen um allezeit das Sterben des Herrn Jesu an unserm Leibe, auf daß auch das Leben des Herrn Jesu an unserm Leibe offenbar werde. 299 Gott, laß mich diesen Tag dir leben, und damit das geschehe, so laß mich das Sterben und Leben Jesu immer vor Augen haben. Alle Menschen leben ihre Zeit in der Welt, die du ihnen bestimmt hast, hernach sterben sie; aber deine Kinder sterben erst, hernach leben sie. Laß mich heute nach deiner Kinder Art auch das Sterben Jesu an meinem Leibe tragen. Er hatte keine Sünde an sich, that auch keine Sünde. Ob ich nun schon darin ihm ungleich bin, so will ich doch darin ihm nachfolgen, daß ich alle Sündenlust, Sündenorte und Sündengelegenheiten meide. Dies soll nicht allein inwendig in meiner Seele vorgehen, sondern man soll es auch auswendig an meinen Reden, Wandel und Thun merken. Muß darauf auch ein Sterben der Verachtung und Verfolgung kommen, so trage ich es nur äußerlich am Leibe, innerlich kann der Feind meiner Seele nicht schaden; denn da offenbaret sich das Leben Jesu, er wohnt in mir, heiligt und regiert mich. Dieses wird auch offenbar in meinem gottseligen Wandel und Flucht vor der Sünde, daß ich meide alle Befleckungen des Fleisches und des Geistes. Gott, laß mich ein solches dir geheiligtes, der Welt abgestorbenes Leben auch heute führen; alsdann lebe ich recht; denn ich lebe als ein Christ, als dein Kind, als dein Erbe; dann wird auch das Leben Jesu an mir offenbar werden in der Herrlichkeit, da mein Leib seinem verklärten Leibe soll ähnlich werden, und mit dem, dem ich hier ge= dient, gefolgt, gelebt, in Ewigkeit vereinigt sein soll. Wer dort mit Christo hofft zu erben, Gedenk auch für und für In dieser Welt allhier Mit ihm zu leiden und zu sterben. Hier wird, was Gott uns dort erforen, Durch's Kreuz geboren. Amen. 29. Mai. Abend. Jes. 4, 5. 6. Es wird ein Schirm sein über alles, was herrlich ist, und wird eine Hütte sein zum Schatten des Tages vor der Hiße, und eine Zuflucht und Verbergung vor dem Wetter und Regen. Herr Gott, Vater, bei einbrechender Nacht sollst du mein Schirm sein. Du gibst deinen Kindern die schönsten Namen, daß sie Heilige und Herrliche heißen. Laß mich alle Unreinigkeit fliehen, und gib mir Kraft, dir immer gefälliger zu werden. Zwar sollte ich mich scheuen, zu einem Gott zu nahen, den ich heute so oft erzürnt habe. Gehe ich in mich, beschaue ich meine Wege, überlege ich meine Reden, so muß ich mich vor deinem Zorn fürchten; aber, ach, Vater, wo soll ich hin? Siehe, ich komme mit gebeugtem Herzen, und bitte demüthig um Vergebung aller meiner Uebertretungen. In Jeju Blut suche ich Versöhnung, Reinigung und Heiligung. Um dieses meines Heilandes Willen sei diese Nacht mein Schirm, der mich decke, meine Festung, die meine Feinde schrecke. Du bist mein Schatten wider die Hize. Wenn mir angst und bange wird, so erquickest du mich, richtest mich mit innerlichem Trost auf und erfreuest meinen niedergeschlagenen Geist, daß ich nicht verzage. Du bist auch meine Zuflucht, wenn mich leibliche Leiden als ein Wetter und Regen überfallen. Darum getrost, meine Seele! dein Gott ist dir alles: Licht, Schutz und Schirm. In ihm findest du Ruhe. Ach, mein Gott, bleibe auch in meiner Todesstunde mein Schirm, Hütte, Schatten und Zuflucht, der mich erquicket, erfreuet und zu dem ewigen Freudenlicht führt. 300 Unter deinen Schirmen Bin ich vor den Stürmen Aller Feinde frei. Laß von Ungewittern Rings die Welt erzittern: Jesus steht mir bei. Wenn die Welt In Trümmer fällt, Wenn mich Sünd' und Hölle schrecken: Jesus wird mich decken. Amen. 30. Nai. Norgen. Röm. 8, 14. Welche der Geist Gottes treibet, die sind Gottes Kinder. 30f Vater, ich fange nun einen neuen Tag an: schenke mir deine Gnade, daß ich mich an demselben als dein Kind verhalte. Deine Vatertreue hat ein besonderes Auge auf deine Kinder; du erweisest ihnen besondere Wohlthaten. Du kleidest sie innerlich mit dem Schmuck der Gerechtigkeit Christi; du gibst ihnen den Willen, dich zu lieben, den Sinn, dir anzuhangen, und deinen Geist als das Pfand ihres Erbes und ihrer Kindschaft. Laß mich auch dieses Geistes Einwohnung reichlich empfinden alle Stunden und Augenblicke. Laß ihn mich antreiben zum beständigen Herzensgebet, zu einer hei= ligen Furcht vor dir, zum Gehorsam gegen dein Gebot und deinen Willen; zu einem lebendigen Glauben, zur Flucht vor den Gewohnheiten der Welt und zu einem heiligen Wandel, daß ich unter den unschlachtigen Menschen mich nicht beflecken lasse. Treibt mich dein Geist also und widerstrebe ich ihm nicht, so bin dein Kind. Bin ich dein Kind, so bin ich ein Erbe der himmlischen Herrlichkeit. Laß mich dieses Kindesrecht nie verlieren, und diese Herrlichkeit nicht um Weltluft verkaufen, wie Esau das Recht seiner Erstgeburt. Tilge in mir allen Natur- und Sündentrieb, womit ich immer noch zu kämpfen habe, und heilige mich durch und durch, daß ich mich freue, als dein Kind zu leben, zu reden und zu wirken, bis du mir endlich durch Jesum, meinen Erlöser, das völlige Erbe im Himmel mittheilen wirst. Dir dank ich, Geist der Gnade, Daß du mich findlich treibst, Und bei dem schwächsten Grade Mir doch mein Zeuge bleibst. Ach, zeug mir auch hierin, Daß ich kann Jesum loben, Und lehr' mich's jest in Proben, Bis ich vollendet bin. Amen. 30. Mai. Abend. Rol. 3, 9. Ziehet den alten Menschen mit seinen Werken aus, Heiliger Gott, da ich mich nun entkleide, so er innere ich mich, daß ich auch den alten Menschen ausziehen muß, wenn ich vor deinem Angesicht erscheinen will. Dein Befehl ist heilig und nothwendig, aber es steht nicht in meinen Kräften, ihn zu vollbringen ohne deinen Beistand. Hiezu habe ich deines Geistes Kraft vonnöthen. Der alte Mensch ist ein Kleid, welches mit mir geboren, mit mir gewachsen ist, und innerlich an meiner Seele klebt. Seine Unarten spüre ich leider allzuviel. Diese Unart erstreckt sich durch alle Theile und Kräfte meines Wesens: Finsterniß im Verstande, Widerspenstigkeit im Willen, Ungehorsam im Leben, Lust zum Bösen, Abgeneigtheit zum Guten sind die Wirkungen des alten Menschen. Ach Gott, dieses Alles kann ich nicht von mir selbst ausziehen. Ich Todter kann mich nicht lebendig, ich Blinder mich nicht sehend, ich Unreiner mich nicht rein machen. Darum arbeite du an mir. Dein Gesetz schrecke mich, deine Gnade erwecke in mir ein Verlangen, frei zu werden, und be siege alle Sündenliebe in meinem Herzen. Weil du aber ein Ausziehen meiner Unarten von mir forderst, und ein Kleid vom Leib nach und nach muß los gemacht und endlich ganz ausgezogen werden, so verleihe mir Geist und Kraft dazu, daß ich im Ausziehen und Ablegen des Bösen beständig fortfahre, und durch dich immer vollkommener werde. Laß mich im Sterben von dem alten Menschen und seinen Werken entkleidet und in Jesu Blut eingekleidet erfunden werden, so sterbe ich in deiner Gnade, und bin hier und dort selig. Vertreib aus meiner Seele Den alten Adamssinn, Und laß mich dich erwählen, Daß ich mich künftighin Zu deinem Dienst ergebe, Und dir zu Ehren lebe, Weil ich erlöset bin. Amen. 302 31. Mai. Norgen. Jer. 15, 19. Wenn du dich zu mir hältst, so will ich mich zu dir halten. 303 Großer Gott, diese Verheizung soll heute meine Aufmunterung im Christenthum, beständig mein Trost im Leiden und endlich meine Erquickung im Tode sein. Der Mensch will sich an etwas halten, allein er ergreift zuweilen einen wankenden und zerbrechlichen Rohrstab, nemlich wenn er sich auf Fürsten, auf Reichthum und Ehre verläßt. Darum will ich mich zu dir, dem lebendigen, starken und ewigen Gott halten. Ich will mich zu dir halten im Glauben, mit meiner Liebe, mit meinem Gebet, mit meinem Vertrauen, mit meinem Gehorsam, mit meiner Frömmigkeit, bis mein Ende kommt. Halte mich, daß ich mich an dir halten könne, nicht allein in gesunden Tagen, wenn mich das Glück anlacht, sondern auch in traurigen und fümmerlichen Tagen, wenn mich jedermann verläßt, wenn ich mir nicht zu rathen, zu helfen und an niemand zu halten weiß. Halte dich zu mir zu allen Zeiten mit deiner Gnade, und entziehe mir dieselbe nicht, wenn ich fehlen und irren sollte. Halte dich zu mir mit deinem Segen in meiner Arbeit, mit deiner Hilfe, wenn ich hilflos bin. Du bist mein Schöpfer, mein Erlöser, mein Tröster: laß dein Erbarmen mich auf dem rechten Himmelsweg erhalten. Habe Dank, dreieiniger Gott, daß du dich von meiner Jugend an zu mir gehalten und mich erhalten hast; sei ferner mein Gott bis an mein Ende. Kommt der letzte Tag und die letzte Stunde meines Lebens, so halte dich zu mir, bis du mich zur ewigen Freude einführst. Ich danke dir von Herzen, O Jesu, liebster Freund, Für deine Todesschmerzen, Da du's so gut gemeint. Ach gib, daß ich mich halte Zu dir und deiner Treu, Und wenn ich nun erkalte, In dir mein Ende sei. Amen. 31. Mai. Abend. Petr. 4, 7. Es ist nahe gekommen das Ende aller Dinge. Ewiger und unwandelbarer Gott, ich erinnere mich am Ende dieses Tages, daß auch einmal das Ende aller Dinge kommen wird. Gib mir Weisheit und Verstand, daß ich an nichts Irdischem und Vergänglichem mit meinem Herzen kleben bleibe. Wer weiß, wie nahe meines Lebens Ende ist? Der Tag hat ein Ende, so muß auch dieses schöne Weltgebäude ein Ende nehmen; denn Himmel und Erde werden vergehen, sie sind zum Feuer versparet. Verleihe mir deines heiligen Geistes Gnade, daß ich meine Tage dir widme, dir lebe, daß mich in meinem Sterben nicht gereuen möge, gelebt zu haben. Weltliche Ehre und Herrlichkeit nimmt ein Ende, darum soll das meine Ehre sein, in deiner Gemeinschaft zu stehen. Reichthum ist vergänglich, darum sollst du mein Reichthum sein. Der Welt Freude hat ein Ende, darum soll das meine Freude sein, daß ich mich zu dir halte. Alles nimmt ein Ende, aber deine Barmherzigkeit hat kein Ende, sie wird alle Morgen neu. Ehe die Berge erschaffen worden, bist du von Ewigkeit, und wenn alles wieder verschwinden wird, so bist und bleibest du der majestätische und ewige Gott. Wenn mein Leben ein Ende nimmt und mein Leib im Staube liegt, so habe ich an dir ein ewiges Gut. Die Herrlichkeit der Auserwählten hat kein Ende, darum will ich im Glauben verharren bis an mein Ende. Verzeihe mir alle meine Sünden, womit ich dich erzürnt, und laß mich am Ende meiner Tage in deiner Liebe eingeschlossen bleiben. Ach, Herr, lehre mich bedenken, Daß ich einmal sterben muß: Lehre mich die Sinne lenken Auf des Lebens ernsten Schluß; Stelle mir das Ende für Und erwecke die Begier, Mich nach deinem Wort in Zeiten Auf das Ende zu bereiten. Amen. 304 1. Juni. Morgen. Ephes. 4, 32. Seid unter einander freundlich, herzlich, und vergebet Einer dem Andern, gleichwie Gott euch vergeben hat in Christo. Liebreicher Gott, laß mich heute in meinem Christenthum zunehmen, daß dieser Tag ein gesegneter Tag für meine Seele sei. Die hohen Christenpflichten kann ein natürlicher Mensch nicht ausüben, er hat kein Vermögen dazu, weil es Früchte des Glaubens sind: darum, mein Gott, laß deinen heiligen Geist mein Herz stärken und reinigen, alsdann kann ich gegen meinen Nächsten freundlich sein. Bewahre aber meine Seele vor falscher, verstellter Freundlichkeit, dergleichen Judas an sich nahm, da er Christum verrieth. Laß meine Freundlichkeit aus einem glaubigen, demüthigen und liebreichen Herzen entspringen, nicht aber Eigenmuß und unlautere Absichten zum Grunde haben. leppige und unreine Freundlichkeit laß ferne von meiner Seele sein; hingegen laß mich Großen und Kleinen so begegnen mit Worten, Werken und Gebärden, daß sie daraus erkennen, daß du in meinem Herzen wohnest. Kommen mir elende, arme Personen vor Augen, so laß mich herzlich, mitleidig und barmherzig sein, daß ich an ihnen thue, was ich wünschen würde, daß mir geschehe, wenn ich in dergleichen Umständen wäre. Ja, wie du mir, mein Gott, vergeben hast in Christo und wie mein Heiland selbst für seine Feinde gebeten, so laß mich gegen meine Verfolger auch gesinnt werden. Laß mich Barmherzigkeit erlangen, wenn ich um Gnade und Vergebung meiner Sünden dich anrufe, und mache mich durch deinen Geist von aller Herrschaft der Sünden los, daß ich dir allein lebe und sterbe. Der Vater ist die Liebe, Der Sohn die Lieb' allein, Des heil'gen Geistes Triebe, Sind Liebe, heiß und rein; Das ist die Lebensquelle, Vom Vater und vom Sohn: Mach' unsre Seelen helle, Du Strom von Gottes Thron. Amen. Start's Morgen- und Abend- Andachten. 20 305 1. Juni. Abend. Pf. 71, 5. Du bist meine Zuversicht, Herr, Herr, von meiner Jugend an. Herr, mein Gott, da ich mich nun schlafen lege, so empfehle ich mich in deinen gnädigen Schutz. Du bist meine Zuversicht von meiner Jugend an gewesen, sei es auch diese Nacht. Dein Name, Herr, schenkt mir die Versicherung eines mächtigen Beistandes. Durch ihn bin ich deiner Allmacht, Barmherzigkeit, Allwissenheit und Güte versichert; da ich schon so viele Proben deiner Güte genossen habe, so will ich nicht verzagen. Bleibe du meine Zuversicht, wenn Trübfalsfluten über meinem Haupt zusammenschlagen, wenn sich die Freudensonne verbirgt und alle meine Freunde mich verlassen und alles verschwindet, was ich sehe. Stärke mir dieses Vertrauen in allen Fällen, daß es nicht wanke, wenn ich schon nicht sehen und begreifen kann, woher die Hilfe erscheinen könne. Wie groß ist deine Güte von Jugend an gegen mich ge wesen! Du hast mich wie ein Vater an der Hand geleitet; du hast für mich gesorgt, da ich noch nicht forgen konnte; dein Schuß ist eine Mauer um mich gewesen, daß ich, bewahrt und beschirmt, eine Zeit nach der andern habe zurücklegen können; du hast mir Rath ertheilt, als ich keinen Rath wußte. Deine Hilfe hat mich oft erfreut, du hast mein Gebet erhört. Jch will deine Güte und Barmherzigkeit preisen und dir dienen mein Leben lang. Gott meiner Jugend, sei auch mein Gott im Alter, wenn ich grau werde. Du sollst auch meine Zuversicht sein im Sterben, alsdann sei mein Licht, mein Trost, meine Freude, Wonne und Sonne. Herr, du bist meine Zuversicht, 306 Auf dich hofft meine Seele; Du weißt, was meinem Glück gebricht, Wenn ich mich kümmernd quäle, Sei du mein Gott, Und einst im Tod, Der Fels, auf den ich traue, Bis ich dein Antlig schaue. Amen. 2. Juni. Norgen. Joh. 15, 10. So ihr meine Gebote haltet, so bleibet ihr in meiner Liebe. Herr Jesu, mein Herz ist mit Verlangen erfüllt, den ganzen Tag nichts zu denken, zu begehren und zu thun, als was dir wohlgefällig ist. Wohne du in mir, heilige und lehre mich, daß ich deine Gebote halte. Deine Gebote sind nicht schwer, weil du mir selber Kraft dazu gibst, daß ich sie vollbringen kann. Du haft mir geboten, im Glauben immer zuzunehmen; schenke mir deine Gnade, daß ich in deiner Erkenntniß wachse und laß mich diese Erkenntniß von der Welt abziehen, und mich mit dir auf's genaueste vereinigen, daß ich in dir bleibe und du in mir. Was hilft mir alle Freundschaft und Liebe der Welt, wenn ich nicht in deiner Liebe stehe! Wie sauer wird es Manchem, die Liebe einer sterblichen Person zu erhalten, aber deine Liebe trägst du mir immer an. Du hast mir geboten, von dir Demuth und Sanftmuth zu lernen; so bewahre mich denn vor allem Stolz, und erinnere mich, wenn ich mich erheben will, daß ich Staub und Asche bin. Laß mich in deiner Liebe und Erkenntniß immer zunehmen, in deiner Liebe bleiben, leben und sterben. Deine Liebe heilige mich, deine Liebe erhalte mich, deine Liebe theile mir allerlei Kräfte mit, was zum wahren Leben deiner Kinder und zum göttlichen Wandel gehört. Deine Liebe bewahre mich vor Sünden, daß ich alles meide, was mich von dir trennen kann. Liebe mich, o meine Liebe, daß du mich tröstest in Trauerstunden, mir aushelfest, wenn ich verlassen bin, auch heute Schaden, Unglück und Gefahr abwendest. Laß mich in deiner Liebe auch fröhlich und selig sterben. Ich will dich lieben, meine Stärke, Ich will dich lieben, meine Zier; Ich will dich lieben mit dem Werke Und immerwährender Begier; Ich will dich lieben, schönstes Licht, Bis mir das Herze bricht. Amen. 307 20* 2. Juni. Abend. Pf. 42, 1. 2. Wie der Hirsch schreiet nach frischem Wasser, so schreiet meine Seele, Gott, zu dir; meine Seele dürftet nach Gott: nach dem lebendigen Gott; wann werde ich dahin kommen, daß ich Gottes Angesicht schaue? 308 Gott, du bist die Lebensquelle, mein Licht, mein Trost, meine Freude, mein Ergeßen. Der Hirsch sucht, wenn er gejagt ist, eine frische Quelle, er schreit dar nach, wenn er sie nicht bald findet: so stehet mein Verlangen nach dir. Du bist meine Speise und mein Trank, meine Kleidung, meine Wohnung, da kehre ich täglich ein, dahin denke ich fleißig. Wenn ich arbeite, wenn ich bei andern bin, so ist doch mein Geist bei dir und redet von dir. In dir finde ich die Ruhe und Stille des Herzens; je mehr ich dich schmecke, je mehr dürstet mich nach dir. Mich verlanget nach deiner Gemeinschaft, daß ich aus dir immer neue Kraft empfange. Ich bekümmere mich, daß ich meinen Durst nach dir und an dir nicht löschen kann, wie ich verlange. So oft ich mich zu dir im Gebet nahe, komme ich zu der lebendigen Quelle, die mich erfreut, tröstet und stärkt. Darum denke ich oft: wann werde ich dahin kommen, daß ich dein Antlitz schaue! Dies wird geschehen, wenn ich diese Hütte ablegen und dich leib haftig umfassen werde. Alsdann werde ich das Reich einnehmen, das du den Glaubigen bereitet haft; alsdann werde ich dein Antlik schauen in Gerechtigkeit; ich will sätt werden, wenn ich erwache nach deinem Bilde. Dein Antlik schauen wird meine höchste Freude und Wonne sein. Ach, wann werd' ich dahin kommen, Daß ich Gottes Angesicht Schaue, und was er den Frommer Vorbehält im ew'gen Licht? Wie nach einer Wasserquelle Lechzt ein Hirsch in Sommersglut, Also dürftet meine Seele Nach dir, o du höchstes Gut. Amen. 9. 3. Juni. Norgen. Ephef. 2. 22. Auf welchen( Jesum Christum) ihr mit erbauet werdet zu einer Behausung Gottes im Geist. 309 Herr Jesu, hiermit gebe ich dir mein Herz zu einer Behausung. Es ist ein unreines Herz, reinige du es durch dein heiliges Blut und schmücke es hernach aus mit Liebe, Demuth, Sanftmuth, Gottesfurcht und Frömmigkeit, daß du gerne bei mir wohnen und bleiben mögest. Schaffe hinaus, was dir mißfällig ist. Was die Welt von ihren Sitten an mein Herz angebaut hat, das reiße ab, damit es dir ganz heilig bleibe. Wie nun ein frommer Einwohner in seiner Behausung wandelt und sich regt, also singe und bete du in meinem Herzen. Je größer der Einwohner ist, desto herrlicher wird die Behausung geachtet. Jst mein Herz Gottes Behausung, so ist es in einem seligen Zustande; laß nichts diese Herrlichkeit mir rauben. Wenn unreine Gedanken und Lüste sich regen, so tilge sie durch deine Stärke. Laß des heiligen Geistes Licht allezeit in dieser Behausung brennen, daß er mir meine Fehler offenbare und mir die Seligkeit und Gerechtigkeit in deinem Blute zeige. Du hast mich in der Schöpfung erbauet zu deiner Behausung, in der heiligen Taufe mein Herz dir zur Behausung eingeweiht, du bauest noch täglich an mir durch dein Wort, du bist der Grund- und Eckstein deiner Kirche und meines Glaubens, du bist es, auf dich baue ich meine Seligkeit. Laß mich von diesem Grunde niemals abweichen. Bricht gleich meines Leibes Bau, zerfällt die äußerliche Be-. hausung, so habe ich eine andere Behausung im Himmel bereitet, da ich in Ewigkeit deiner Gemeinschaft genießen werde. Herr, laß hier unsre Glieder Nur deine Tempel sein; Und droben füg' uns wieder In Salems Mauern ein. Erzeig uns hier dein Licht Geheim in stillem Hoffen, Dann, wenn der Himmel offen, In Gottes Angesicht. Amen. 3. Juni. Abend. Kol. 2, 14. Christus hat ausgetilgt die Handschrift, so wider uns war, welche durch Saßungen entstand, und uns entgegen war, und hat sie aus rem Mittel gethan und an's Kreuz geheftet. 310 Herr Jesu, ich will diesen Abend unter deinem Kreuz einschlafen. Ich schaue dich an demselben an, als das Verfühnopfer für meine Sünden. Das Gesez war eine harte Handschrift gegen mich. Innerlich sollte ich keine böse Gedanken haben, äußerlich sollte ich kein einziges Gebot übertreten, sonst sollte ich verflucht sein. Eine große Forderung, welche zu leisten keine Kraft mir ist! Dein Leiden bringt mir wieder Trost und Freude. Wenn mich meine Sünden ängstigen, alsdann laß mich gedenken, daß die Handschrift mit deinem Blute durchstrichen ist. Den Fluch hast du auf dich genommen, den innerlichen und äußerlichen Gehorsam du geleistet an meiner Statt. Die Satzungen hast du aus dem Mittel gethan, daß sie kein Mittel meiner Versöhnung sein sollen; deine Gerechtigkeit, dein Tod sollte mich mit Gott versöhnen. Habe Dank für deine Liebe und dein Erbarmen. Dein bitteres Leiden soll mich von Sünden abhalten. Gib mir deinen heiligen Geist, der mir dein Blut allezeit vor Augen stelle, wenn ich zur Sünde gereizt werde. Tilge auch mit deinem heiligen Blute die Sünden, die ich heute begangen. Kommt es mit mir zum Sterben, will mir Satan mein Sündenregister vorhalten, und mich damit vor Gericht verdammen, so will ich ihn an dein Kreuz weisen und sagen: Hier ist mein Jesus, sein Blut ist mein Lösegeld, deine Forderung ist getilgt. Versiegle diesen Trost beständig in meiner Seele. Wenn ich von hinnen scheide, So mache mir die Freude, Daß ich begnadigt bin; Im Glauben der Vergebung, In Hoffnung der Belebung Geh' ich alsdann im Frieden hin. Amen. 4. Juni. Morgen. 1. Kor. 1, 24. Denen, die berufen sind, beide, Juden und Griechen predigen wir Christum, göttliche Kraft und Weisheit. Herr Jesu, laß mich heute aus deinem Kreuzestod Kraft und Stärke, Weisheit und Freude empfinden. Durch deinen Tod ist allen die Gnadenthür eröffnet, Juden und Heiden, allen Menschen, die nur an dich glauben, und dem Evangelio und deinem Vorbilde wollen gehorsam sein. Die größten Sünder finden hier Gnade und Erbarmen. O mein Heiland, laß deinen Tod und dein Leiden an meinem Herzen kräftig sein, daß ich nicht etwa daran gedenke, davon rede, als von einer Trauergeschichte, sondern daß ich eine göttliche Kraft davon an meiner Seele empfinde, eine Heiligungskraft, eine Erneuerungskraft, daß ich durch deines heiligen Geistes Beistand den alten Mens schen, die alten Ünarten und Gewohnheiten ausziehen, hingegen den neuen Menschen, einen geheiligten Sinn, ein geändertes Leben anziehen möge. Laß mir dein Kreuz auch zur göttlichen Weisheit werden, daß ich erkenne mein tiefes Verderben und dich als meinen einzigen Mittler und Versöhner, hingegen daß ich die Thorheit der Welt einsehe, fliehe und meide; alsdann wird sich mein Herz freuen, daß ich mich habe berufen lassen, daß ich zu deinen glaubigen Kindern gehöre. Mein Erlöser, laß mich heute in deinem Blut immer reiner werden. Dein Blut ist noch so kräftig, als es zu allen Zeiten gewesen, welches mein und aller Elenden Trost und Erquickung ist. Bleibst du als der Gekreuzigte mir vor Augen und im Herzen, so thue nichts Böses, so lebe ich dir, so sterbe ich dir. In meinen leßten Stunden Ström' du mir Kraft und Ruh', Mir Heil aus deinen Wunden Und deinen Frieden zu. Du bist's allein, auf den ich trau'; Du wollest mich annehmen, Daß ich dich ewig schau. 311 312 4. Juni. Abend. Micha 7, 29. Er wird sich unser wieder erbarmen, unsre Missethat dämpfen, und alle unsre Sünden in die Tiefe des Meeres werfen. Barmherziger Gott, ich komme vor dich und bitte: kehre dich wieder zu mir, da ich dich mit meinen Sünden von mir getrieben habe. Deiner Wohlthaten sind heute viel gewesen: dein Geist hat mich gewarnt, deine Güte hat mich geleitet, dein Segen ist nicht von mir gewichen. Um so strafbarer ist meine Undankbarkeit. Erbarme dich mein durch Jesum, meinen Heiland; siehe nicht an meine Uebertretungen, sondern gedenke mein nach deiner Barmherzigkeit um deiner Güte willen. Ich lese in der Schrift mehr Beispiele von deinem Erbarmen, als von deinen Strafen; du wirst an mir armen und bußfertigen Sünder nicht anfangen, ungnädig zu sein. Habe ich auch mit meinen Missethaten Strafe verdient, so dämpfe dieselbe. Wie ein Feuer gedämpft wird, daß es nicht weiter um sich greife, so dämpfe in mir durch deinen Geist alle Gewalt und Herrschaft der Sünde, daß ich über meine Gedanken, Zunge und Glieder Herr sein und inskünftige frömmer und gottesfürchtiger werden möge. Ach, mein Gott, gedenke meiner Sünden nimmer, wirf sie in die Tiefe des Meeres. Was da versenkt wird, das kommt nicht wie der an des Tages Licht, das bleibt begraben. So thue meine Sünden weg von deinem Angesicht; mache mich durch Jesum rein, gerecht und heilig. Wenn man alsdann meine Missethat suchen wird, so wird man sie nicht finden, weil du sie mir aus Gnaden vergeben. Also erscheine ich gerecht vor dir. Da wird der Sünde ganze Noth In Meeresgrund versenkt, Daß niemand mehr, ja selbst nicht Gott, Noch weiter daran denkt. Da wird der Friede hergestellt, Das arme Herz hat Ruh; Man wandelt durch die fremde Welt Getrost der Heimath zu. Bf. 62, 1. 2. ist mein Hort, 5. Juni. Morgen. Meine Seele ist stille zu Gott, der mir hilft. Er meine Hilfe, mein Schuß, daß mich kein Fall stürzen wird, wie groß er ist. 313 Starker Gott, ich begebe mich heute unter deinen Gnadenschutz. Schenke mir heilige Stille des Herzens, daß ich ohne Zerstreuung und Unruhe in deiner Liebe und Gegenwart meine Geschäfte vollbringe. Bewahre mich, daß ich diese selige Stille nicht selbst störe. Laß mich in der Stille und Gelassenheit mein Kreuz tragen, in der Stille beten, in der Stille dir vertrauen, in der Stille mich auf die verheißene Hilfe freuen. Erweise dich allezeit als meinen Hort, dahin ich fliehe. Meine Seele sehnet sich nach dir, mein Geist suchet dich, und meine Augen Hebe ich auf zu den Bergen, von welchen mir Hilfe kommt. Du bist meine Freistatt, meine Burg, mein festes Schloß. Darum will ich mich an dich halten; habe ich dich, so ist mir geholfen. Sei meine Hilfe, wenn ich krank und verlassen bin. Sei meine Hilfe in Armuth, in Schmerzen und Angst. Fällt mich ein Feind von außen an, so bleibe mein Schup; sei auch mein Schuß gegen mich selbst, daß ich mich nicht in Unglück und Schaden stürze. Laß mich heute in keine Sünde fallen, bewahre meine Seele und meinen Leib, daß ich unverletzt den Abend erreichen möge. Dieses soll allezeit mein Trost sein in allem Anliegen, daß mich kein Fall kann stürzen, wenn mich deine Hand hält; und legte man mir gleich Stricke, so bist du mächtig genug, mich daraus zu retten. Dieſe deine Gnade soll mich demüthig machen. Schenke mir deines Geistes Gabe dazu, daß mein Herz dir geheiligt sein und bleiben möge. In Gott ist meine Seele still, Ich weiß, daß er mir helfen will; Er ist mein Hort, auf den ich traue. Er ist mein Heil, mein Schuß, mein Licht, Beim stärksten Stoße wank' ich nicht, Weil ich auf einen Felsen baue. 5. Juni. Abend. Offenb. 22, 12. Siehe, ich komme bald und mein Lohn mit mir, zu geben einem Jeglichen, wie seine Werke sein werden. Herr Jesu, Richter der Lebendigen und der Todten, ich stelle mich, ehe ich einschlafe, vor deinen Richterstuhl. Laß mich Vergebung meiner Sünden erlangen. Du kommst oft gar bald durch einen geschwinden Tod, daß man keine Zeit hat, sich zu besinnen. Eine Blume kann nicht so geschwind abgebrochen, ein Gras nicht so geschwind zertreten werden und verwelken, als unser Leben sich endigen kann. Laß dein Siehe! ein heiliges Aufmerken in mir erwecken, daß ich sehe auf mein voriges Leben und Buße thue auf mein künftiges Leben, daß ich die Laster fliehe. Komme, ach, komme bald, mein Heiland, wenn ich mit Kreuz umgeben bin, und errette mich; komme bald, wenn ich sterben soll, verkürze mein Leiden, und laß mich dein herrliches Angesicht sehen. Deine Liebe hat deinen Kindern, die dich lieb haben, den Kämpfern, die Glauben gehalten und bis in den Tod treu geblieben sind, Krone und Lohn verheißen. Dein Lohn ist ein Gnadengeschenk; denn das ewige Leben ist eine Gabe, die du uns durch deinen Tod erworben, und aus Liebe und Erbarmen mittheilst. Willst du mich richten nach den Werken, welche ich nach der Natur gethan, so wird mein Lohn Zorn und Ungnade, ja die ewige Pein sein. Darum richte mich nicht nach meinen Werken; verleihe mir aber ein doppeltes Maß deines heiligen Geistes, damit meine Werke aus Gott und in Gott gethan werden; alsdann werden sie dir gefallen, nicht um meinetwillen, sondern weil deine Gnade in mir mächtig geworden ist. 314 Herr, laß mich stets erwägen Dein künftiges Gericht, Damit ich mir zum Segen Empfinde sein Gewicht. Gib, daß ich mich recht schicke, Auf deinen letzten Tag Und alle Augenblicke Mich d'rauf bereiten mag. Amen. 6. Juni. Norgen. Rol. 3, 10. Ziehet den neuen Menschen an, der da erneuert wird zu der Erkenntniß, nach dem Ebenbilde deß, der ihn erschaffen hat. 315 Heiliger Gott, ich weiß, daß ich von Natur bin nackend, blind und bloß, darum laß mich den neuen Menschen anziehen, nemlich die neue Natur und neue Art, fromm und gottselig, nach deinem Willen, und nach dem Vorbild Jesu zu leben. Dieses neue Leben entsteht in mir, wenn Jesus in mir lebt, wenn der heilige Geist mein Herz zu seiner Wohnung einnimmt; alsdann sehe ich die alten Sünden, und fliehe davor, wie vor einer Schlange. Dieser neue Gnadenstand ist nicht ein flüchtiger Gedanke und verflatternde Andacht, sondern ein Anziehen, daß ich inwendig und auswendig neu werde, nun nicht ich lebe, sondern Christus lebet in mir. In seiner Kraft will ich mich heiliger Gedanken, Worte und Werke besleißigen. Gott, laß mich einen ganz neuen Menschen werden, daß ich empfinde, und andre an mir erkennen, daß ich durch deinen Geist erneuert bin. Ja, erneuere und stärke mich alle Tage im Guten, daß ich wachse in der Erkenntniß, daß ich erkenne mein Verderben und deine Gnade. Je mehr ich dich erkenne, je mehr liebe ich dich; deine Erkenntniß macht fromm, rein und vertreibt alle Sündenlust aus dem Herzen. Diese Erkenntniß öffnet mir dein erbarmendes Herz und alle Schäße des Heils. So werde ich deinem Bilde ähnlich, nach welchem du mich erschaffen hast, daß deine Liebe und Heiligung an mir immer hervorleuchte. Bring mich doch dahin, daß ich aufhöre zu sein, was ich von Natur bin, und in einem neuen heiligen Leben in deines Geistes Licht und Stärke vor dir wandle. Erschaff, o Gott, ein reines Herz in mir; Du schufft es ja, du kannst es neu erschaffen. Gib meinem Geist die Festigkeit in dir, Daß ich nie mög' im Ernst und Streit erschlaffen. Amen. 316 6. Juni. Abend. Jef. 41, 10. Fürchte dich nicht, ich bin mit dir; weiche nicht, ich bin dein Gott, ich stärke dich, ich helfe dir, ich erhalte dich durch die rechte Hand meiner Gerechtigkeit. Starker Gott, ich komme zu dir in dieser Abendstunde, und rufe dich um deinen Schutz an. Sprich zu meiner Seele: Fürchte dich nicht, ich bin bei dir! Schreibe diese herrliche Verheißung tief in mein Herz hinein. Wenn ein König zu mir sagte: Fürchte dich nicht, ich bin mit meinem ganzen Heer bei dir, so würde es mich freuen; und doch kann ein Mensch von Menschen überwunden werden; aber deiner Stärke kann niemand widerstehen. Du bist mein Gott, mit dem ich im Bunde stehe, und der mir Gnade zugesagt hat. Ich weiche nicht von dir, o lebendige Quelle! ich weiche nicht von dir, mein Hirte! ich weiche nicht von dir, mein Vater! Nichts soll mich von deiner Liebe abwendig machen, kein Leiden, keine Freude. Stärke durch deinen heiligen Geist meine Zuversicht zu dir. Erhalte mein Herz bei dem Einigen, daß ich deinen Namen fürchte. Hilf mir, wenn ich schwach werde. Wenn allerlei Trübsal mein Gemüth und meinen Leib beschwert, und ich mir nicht zu rathen und zu helfen weiß, wo soll ich alsdann hin? Zu dir! Ich spreche alsdann: Herr, hilf mir! heile mich, hilf du mir, so ist mir geholfen. Schenke mir den Glauben und ein frommes Herz, so lebe ich in deiner Gnade und schließe den Tag in deiner Gnade, und stehe durch deine Gnade wieder auf. Kommt die Stunde des Todes, so weiche nicht von mir, stärke, hilf und erhalte mich durch deine mächtige Hand, und führe mich zur Freude ein. Ja, Herr, ich will dir kindlich trauen, Dein Arm ist stark und führt's hinaus; Ich will auf deine Gnade bauen, So stehet felsenfest mein Haus. Du, Herr, bist treu und bist gerecht, Du hilfft Israel, deinem Knecht. Amen. 7. Juni. Morgen. 2 Vetr. 3, 14. Meine Lieben, dieweil ihr darauf warten sollet, so thut Fleiß, daß ihr vor ihm unbefleckt und unsträflich im Frieden erfunden werdet. 317 Herr Jesu, du bist mein Erlöser und Erbarmer, aber du bist auch mein Richter, auf dessen Zukunft ich warte. Laß mich gedenken: auch heute kannst du kommen, auf daß ich diesen Tag vor deinem Angesicht wandle. Jch fürchte mich vor deiner Ankunft nicht, ich bin ja durch dein Blut erkauft, ich bin ja dein Eigenthum, ich warte auf dich im Glauben, in kindlicher Furcht, daß ich dich nicht betrübe. Gib mir deinen heiligen Geist, daß ich Fleiß thue, unbefleckt erfunden zit werden. Solcher Fleiß ist schon dein Werk in mir. Verleihe mir heilige Wachsamkeit, daß ich meine Seele nicht beflecke mit sündlichen Gedanken oder Worten. Bewahre mich auch, daß ich mich nicht von der Welt beflecken lasse; denn so oft ich mich der Welt gleichstelle, mache ich einen Flecken in mein Gewissen. Laß mich den Tag auch unsträflich hinbringen. Vor dir ist kein Lebendiger gerecht, darum gib mir deinen heiligen Geist, daß ich vor den Augen der Menschen unsträflich lebe und nichts vornehme, was meinem Nächsten einen Anstoß geben könnte. Verleihe mir den Frieden in dir, die Vergebung aller meiner Sünden, die Versöhnung mit deinem Vater. Laß mich auch mit meinem Nächsten in Friede und Einigkeit leben, daß ich bei deiner Ankunft als ein frommer und getreuer Knecht, als eine kluge Jungfrau möge erfunden werden. Ja, mache du mich Armen In dieser Gnadenzeit Aus Güte und Erbarmen, Herr Jesu, selbst bereit. Zeuch in mein Herz hinein. Und wohn' auf immer drinnen, So werden Herz und Sinnen Dir ewig dankbar sein. Amen. 7. Juni. Abend. 2 Kor. 4, 16. D'rum werden wir nicht müde; sondern, ob unser äußerlicher Mensch verweset, so wird doch der innerliche von Tag zu Tag erneuert. 318 Ewiger Gott, dieser Abend erinnert mich an meine Sterblichkeit. Mein äußerlicher Mensch wird durch die Arbeit abgemattet, und nimmt mit den Jahren an Kräften ab. Laß mich fleißig erwägen, daß die Hütte dieses Leibes endlich gar zerfallen, zur Erde gebracht, und der Verwesung übergeben wird. Laß mich daran fleißig gedenken, wenn ich meines Leibes Glieder beschaue, und mich über derselben Wohlstand erfreue, daß ich mir vorstelle: Siehe, diese werden zur Erde werden; so werde ich meine Glieder nicht mißbrauchen, auch nicht mehr Sorge für die Erhaltung des Leibes, als für die Heiligung der Seele tragen. Mein innerlicher Mensch, der in dem Leibe wohnt, und den Leib mit seinen Gliedern belebt, verweset nicht, hört nicht auf zu sein. Laß mich alle Tage erneuert werden im Glauben, in der Liebe und im Gehorsam, daß meine alten Unarten und Thorheiten aufhören, hingegen mein Sinn, Wille und Leben dir geheiligt werde: so mag dann mein Leib verwesen, wenn nur mein Geist mit dir verbunden ist, wenn ich nur in dir und du in mir lebst. Ich bin gewiß, daß mein Leib aus der Verwesung hervorgebracht, herrlich verklärt, und zu deiner Freude eingeführt werden wird. Laß mir nur Gnade widerfahren, und meine Seele im Sterben, wenn mein Leib in die völlige Verwesung tritt, in deine Hände befohlen sein. Lasset uns mit Jesu sterben, Sein Tod wehret unsern Tod, Rettet uns von dem Verderben, Von der Seelen ew'ger Noth. Laßt uns sterben, weil wir leben, Sterben unseren Lüsten ab, Dann wird er uns aus dem Grab In sein Himmelreich erheben. Jesu! sterb' ich, sterb' ich dir, Daß ich lebe für und für. Amen. 8. Juni. Morgen. Matth. 5, 29. 30. Ärgert dich dein rechtes Auge, so reiße es aus, und wirf es von dir; es ist dir besser, daß eines deiner Glieder verderbe, und nicht der ganze Leib in die Hölle geworfen werde. Nergert dich deine rechte Hand, so haue sie ab. 319 Herr Gott, bewahre mich heute vor Schaden, Unglück und Sünden. Du reines Wesen willst, daß ich mit Leib und Seele soll geheiligt sein. Du willst das Ausreißen der Augen und das Abhauen der Hände und Füße nicht äußerlich haben, damit ich zu meinem Beruf mich untüchtig mache; aber geistlich muß ich thun, als hätte ich keine Augen und Glieder, wenn ich damit fündigen soll. Wohnest du in meinem Herzen, so können meine Glieder nicht mehr Sündenglieder bleiben. Sünden können von innen im Herzen entstehen, oder in's Herz kommen äußerlich durch Augen und Ohren, welche nachmals durch die andern Glieder vollbracht werden. Gott, hilf mir kämpfen, wachen und beten wider die aufsteigenden Lüste. Wollen meine Augen nach verbotenen Personen und Dingen sehen und daran eine sündliche Belustigung haben, so gib mir Kraft, daß ich sie davon abwende. Wollen meine Hände etwas anrühren oder nehmen, was mir als deinem Kinde nicht anstehet, so laß mich sie zurückhalten. Wollen meine Füße auf dem breiten Sündenwege mitlaufen, so laß mich denselben wehren. Wie selig sind die Lahmen, Blinden und Krüppel, die sich also dir zu Ehren des sündlichen Gebrauchs ihrer Glieder berauben! Bin ich darum bei der Welt verachtet, so laß mich das nicht abhalten, weil ich eben dadurch dir desto lieber werde. Mit deiner Kraft mich rüste, zu freuz'gen die Begier Und alle bösen Lüfte, Auf daß ich für und für Der Sündenwelt absterbe, Und nach dem Fleisch verderbe, Hingegen leb' in dir. Amen. 8. Juni. Abend. Röm. 8, 11. So nun der Geist deß, der Jesum von den Todten auferwecket hat, in euch wohnet, so wird auch derselbige, der Christum von den Todten auferweckt hat, eure sterblichen Leiber Lebendig machen, um deßwillen, daß sein Geist in euch wohnet. 320 Ewiger, allmächtiger Gott, mein Schlafengehen und Aufstehen erinnert mich allezeit an mein Sterben und an meine Auferstehung. Was ist mein Schlaf anders, als ein Bild meines Todes und Grabes, da ich nichts höre und sehe, und von mir selbst nichts weiß? Wie ich des Morgens vom Schlaf erwache und auf stehe, so wirst du mich in der fröhlichen und seligen Auferstehung lebendig machen, und meinen nichtigen Leib verklären, daß er ähnlich werde deinem verklärten Leibe. Zwar wird die Auferstehung von den Todten nicht allen erfreulich sein; die Gottlosen werden wünschen, daß immer im Staube blieben, daß ihr Leib nimmermehr aufstünde, damit er nicht in's höllische Feuer geworfen würde, da seine Qual ewig sein wird; aber deinen Kindern hast du ein gewisses Pfand gegeben, daß sie gewiß zur ewigen Freude und Herrlichkeit auf erstehen sollen, nämlich den heiligen Geist. Der Geist bewohnt die Seele, und heiligt den Leib und alle Glieder desselben; darum wird der Tempel des heiligen Geistes, darin der dreieinige Gott Wohnung gemacht, nicht in der Verwesung bleiben, sondern wie Jesus vom Tod auferweckt, lebendig gemacht und mit Klarheit geziert werden. Darum, mein Gott, wohne du in mir, so bin ich dein im Leben, im Sterben, im Grabe und auch in der frohen Auferstehung. Dein bin ich, Jesu, ich bin dein, Laß an dem Aufersteh'n Mich deinen Mitgenossen sein, Sprich nur, so wird's gescheh'n. Es wohne nur dein Geist in mir, Den ich vom Vater hab', So sorg' ich weiter nicht dafür, Man trage mich zu Grab. Amen. 9. Juni. Morgen. Spr. 4, 4. Mein Vater lehrte mich und sprach: Laß dein Herz mein Wort aufnehmen; halte meine Gebote, so wirst du leben. Gott, Vater, dein Wort liegt mir vor Augen; laß es nimmermehr aus meinem Herzen kommen; laß es sein ein Lehrwort, wie ich glauben und leben soll; ein Befehlswort, dem ich in all meinem Thun nachkomme, weil es meines Königes Wort ist. Es soll sein ein Drohwort, das mir deinen Zorn und die Verdammniß vorstellt, daß ich mit Furcht und Zittern selig zu werden schaffe. Es soll sein ein Trostwort, das mich in Kreuz und Trübsal aufrichte, als dessen theure Verheißungen mich auch angehen, damit ich nicht in Zweifel und Kleinmüthigkeit gerathe. Du sprichst zu mir alle Tage innerlich durch deinen Geist, äußerlich durch dein Wort und durch deine Knechte. Laß es mir tief zu Herzen gehen und nie aus dem Sinn kommen. Verleihe mir Gnade, daß ich dein Gebot innerlich und äußerlich halte, damit ich niemand einen Anstoß noch ergerniß gebe, viel weniger mein Gewissen verletze. Was ich aber aus Schwachheit oder Uebereilung verfehlen sollte, das wollest du zudecken, und mir Kraft geben, in dem neuen Wesen des Geistes zu wandeln. So nehme ich dein Wort recht auf, so heiligt und reinigt es auch mein Herz. Alsdann werde ich leben nicht nur natürlicher Weise, wie alle Menschen, sondern du in mir, und ich in dir, daß ich aus dir immer neue Kraft empfange zum Leben und göttlichen Wandel, daß ich endlich auch bei dir nach dieser Zeit leben möge in alle Ewigkeit. Zeige deines Wortes Kraft An uns armen Wesen; Zeige, wie es neu uns schafft, Kranke macht genesen. Jefu, dein allmächtig Wort Fahr' in uns zu siegen fort, Bis wir ganz genesen. Amen. Stark's Morgen- und Abend- Andachten 321 21 9. Juni. Abend. Sal. 2, 20. Christus hat mich geliebet, und sich selbst für mich dargegeben. 322 Herr Jesu, deine Liebe ist eine allgemeine Liebe; denn die Gnade ist erschienen allen Menschen, wie die Sonne allen scheinet. Dieses nimmt mein Glaube mit Freuden an, Christus hat auch mich geliebet, als wäre alles um seinetwillen allein geschehen. Dieses halte ich dem Satan vor, wenn er mir wegen meiner Sünden will die Seligkeit absprechen, und sage: Ich bin ja ein Mensch; bin ich gleich ein Sünder, bin ich gleich der größte, so ist doch Christi Liebe mir nicht versagt; Jesus nimmt die Sünder an. Laß deine heiße Liebe meine Liebe anfrischen, dich wieder zu lieben bis in den Tod und laß nichts meinen Vorsatz wankend machen. Deine Liebe ist mir unbegreiflich. Daß ein Mensch den andern liebt, ist kein Wunder, denn er ist seines gleichen; daß ein König kluge und geschickte Räthe liebt, ist billig, denn sie thun ihm gute Dienste; aber was hat dich bewogen, mich zu lieben, der ich ein Sünder und dir ungleich bin? ja, so hoch zu lieben, daß du dich für mich dargegeben zum Opfer für meine Sünden, zum Fluch, daß ich den Segen ererbte? Er gibt sich hin in die Bande, ich werde frei; er wird zum Tode verdammt, ich losgesprochen; er verwundet, ich geheilt; er mit Dornen, ich mit Ehren gekrönt; er geht in den Tod, ich komme zum Leben; das alles ist für mich, zu meinem Heil, zu meinem Frieden, zu meiner Freude, zu meiner Seligkeit geschehen. Dieses genieße ich schon hier in der Zeit und völlig dort in der Ewigkeit. Liebe, die mich ewig liebet, Die für meine Seele litt; Liebe, die das Lösgeld gibet Und mich kräftiglich vertritt: Liebe, dir ergeb ich mich, Dein zu bleiben ewiglich. Amen. 10. Juni. Norgen. Hebr. 12, 2. Laſset uns aufsehen auf Jesum, den Anfänger und Vollender unsers Glaubens. 323 Herr Jesu, der Tag ist nun erschienen; laß mich ihn anwenden, daß ich in deiner Gnade bleibe. Zu dem Ende will ich beständig auf dich sehen, daß ich nicht irre und falle. Gute Vorgänger machen gute Nachfolger. Ein Soldat schaut auf seines Obersten Muth und Tapferkeit; ein Schüler lernt seines Lehrmeisters Sprache; ein Kind seiner frommen Eltern Sitten: also will ich dir, meinem Könige, Lehrmeister und Vater folgen. Bewahre mein Herz, daß es nicht sehe auf andere, auf die Weltfinder, welche nach ihren Lüsten leben, wenn es gleich eine große Menge thäte, wenn schon vornehme, gelehrte und ansehnliche Menschen so lebten. Du hast gesagt: Lernet von mir! folgt mir nach! Dieses will ich mir in mein Herz schreiben, und niemand folgen, als dir. Ich will aufsehen auf deine Demuth, damit aller Hochmuth, Frechheit und Eigenliebe in mir gedämpft werde. Ich will aufsehen auf deine Sanftmuth, wie du deinen Feinden verziehen, für sie gebeten und ihnen Gutes gethan hast, damit alle Rachgier, Zorn und Feindschaft ferne von meinem Herzen bleibe. Ich will aufsehen auf deine Geduld im Leiden, damit ich in meinem Leiden nicht murre; ich will im größten Leiden sprechen: Du bist doch mein Gott! Laß mich in der Glaubenserkenntniß und in den Glaubensfrüchten zunehmen, daß ich deinem Bilde ähnlicher werde in dieser Zeit, dort aber aus dem Glauben in das Schauen gelange. Vollende in mir das angefangene Gute, bis du mich bringest zu deiner ewigen Herrlichkeit; so lebe ich dir, so sterbe ich dir. Ich folge dir, mein Führer, auf der Bahn, Die du mich führst zum Ziel. Die Welt erwählt in ihrem blinden Wahn Sich falscher Führer viel. Ich bleibe dir ergeben, Nur ewig dir geweiht; Dir folg ich nach im Leben, Dir nach in Ewigkeit. Amen. 21* 10. Juni. Abend. Ps. 91, 4. Er wird dich mit seinen Fittigen bedecken, deine Zuversicht wird sein unter seinen Flügeln; seine Wahrheit ist Schirm und Schild. 324 Allmächtiger Gott, der Tag ist hin, bedecke mich diese Nacht mit deinen Fittigen. Die Henne deckt, führt und schützt ihre Küchlein. Das hast du reichlich auch an mir gethan. Daß ich vor Ungemach an Leib und Seele bewahrt bleibe, das habe ich deiner Barmherzigkeit zu danken. Darum stehet meine Zuversicht zu dir, unter deinen Flügeln bin ich getrost. Jede Creatur hat eine Höhle, oder ein Nest, oder einen Felsen, da sie sich hinbegibt, wenn sie ruhen oder ihr Leben erretten will. Gott, du bist mir alles, meine Zuflucht, mein Fels, mein Erretter. Wie oft haft du mir geholfen. Wie manchen Stein weg gewälzt, wie manchen Berg mir helfen übersteigen! Meine Zuversicht hat guten Grund, deine Allmacht und Liebe sind die Flügel, darunter ich sicher bin. Deiner Allmacht ist nichts unmöglich, deine Liebe suchet mein Heil, und nimmt sich meiner herzlich an, und was du zusagst, hältst du gewiß. Erfülle alle deine Verheißungen auch an mir. Schenke mir einen neuen Geist, nimm das steinerne Herz von mir, gib mir Kraft, daß ich nachjage der Heiligung, ohne welche niemand dich schauen wird: so habe ich einen Schirm und Schild wider alle Sünden, einen Schutz wider alle Feinde. Sei diese Nacht mein Schirm und vergib mir alle meine Sünden um Jesu Blutes und Todes willen, und im Sterben laß mich unter den Fittigen deiner Barmherzigkeit selig einschlafen. Im sichern Schatten deiner Flügel Find ich die ungestörte Ruh'. Der feste Grund hat dieses Siegel: Wer dein ist, Herr, den kennest du. Laß Erd' und Himmel untergeh'n, Dies Wort der Wahrheit bleibt besteh'n. Amen. 11. Juni. Morgen. 1 Petr. 1, 3. Gelobet sei Gott und der Vater unseres Herrn Jesu Christi, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat, zu einer lebendigen Hoffnung. durch die Auferstehung Jesu Christi von den Todten. 325 Gott, Vater, du hast mich wiedergeboren in meiner Jugend durch die heilige Taufe; du hast mit den Jahren diese Wiedergeburt bestätigt und befestigt durch dein Wort. Wirket denn die Wiedergeburt Aenderung des Sinnes und Besserung des Lebens, so laß mich nimmermehr in die Sünde willigen, und der Welt gleichstellen. Ohne Wiedergeburt kann man nicht in das Reich Gottes kommen. Alle Verheißungen gehen die wiedergebornen Kinder Gottes an. Laß mich erwägen, daß deine große Barmherzigkeit mich in meinem Blute hat gesehen und zu mir gesprochen: Du sollst leben! Du versetztest mich aus dem Reiche der Finsterniß in das Reich deines lieben Sohnes. Nun habe ich eine lebendige und gewisse Hoffnung der ewigen Seligkeit, da ich durch Jesum zur Gnade gelangt bin. Laß mich das Leben meines Glaubens so beweisen, daß es keine falsche, betrügliche, sondern lebendige Hoffnung sei, die mein Herz belebt und ändert. Diese Seligkeit hat mir mein Heiland erworben. Zwar werde ich des leiblichen Todes sterben, aber auch herrlich auferstehen. Gelobt seiſt du, Bater, für diese große Barmherzigkeit. Laß mich allezeit in deiner Gnade beharren, mich meinen Taufbund täglich erneuern, dem Teufel, der Welt und aller Ueppigkeit absagen, und dir, dreieiniger Gott, bis in den Tod getreu bleiben. Unser Erbgut ist gegründet, Denn dein Tod hat's fest gemacht, Dem ein gleicher sich nicht findet, Weil ihn Gott selbst theu'r geacht't; Und der von dem Tod erstanden, Der gebar uns neu dazu; Da wird Hoffnung nicht zu Schanden: Großer Jesu, das machst du. Amen. 11. Juni. Abend. Ezech. 48, 35. Die Stadt soll genennet werden: Hier ist der Herr. li Großer Gott, hier ist der Herr!" sollte die Stadt genennt werden, deren unermeßliches Gebäude der Prophet Ezechiel gesehen. Dadurch wird der große Umfang der christlichen Kirche angezeigt, die der Herr aus Juden und Heiden aufrichten will. Mein Herz soll die Stadt sein, das heilige dir zur Wohnung. Hier ist der Herr! soll mein Wort sein, wenn sich die Sündenlust bei mir meldet. So will ich sprechen, wenn mich die Welt zu ihren Gesellschaften und Wegen einladet. Hier ist der Herr! will ich sagen, wenn mein Sündenregister mir vor Augen gehalten wird. Hier ist mein Vater, der sich über mich, sein bußfer= tiges und betrübtes Kind, erbarmen wird; hier ist Jesus, der mich mit seinem Blute von allen ineinen Sünden erlöst hat. Hier ist der heilige Geist, der meinem Geist Zeugniß gibt, daß ich Gottes Kind sei. Hier ist der Herr! der soll mein Trost sein in Kreuz und Leiden. Hier ist der mächtige Herr, dem nichts unmöglich ist, der mich oft errettet hat. Hier ist der reiche Herr, der mir alles geben kann, irdische und himmlische Güter. Wenn ich nun Glauben gehalten und bis in den Tod getreu gewesen bin, so gelange ich um Jesu willen zu der großen Stadt Gottes, in das neue Jerusalem, wo der Herr seine Herrlichkeit seine Glaubigen läßt genießen; da will ich sagen: Hier ist der Herr! hier ist Freude! hier ist gut sein! hier hat mir mein Jesus eine Stätte bereitet! hier ist mein Erbe, mein Vaterland, mein ewiges Vergnügen! 326 Hier ist der Herr! so sage Israel, Das Volk der Gnadenwahl. Hier ist der Herr! so ruft auch meine Seel' Mit seinen Heil'gen all. Ich weiß nichts anders mehr zu preisen Und singe stets in neuen Weisen Hier ist der Herr! Amen. 12. Juni. Morgen. Gal. 5, 22. Die Frucht des Geiles ist Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit. 327 Heiliger Gott, laß deinen heiligen Geist in mir wohnen, mich leiten, führen und regieren. Wie die böse Natur sich in Worten und Werken des Menschen regt, daß man hören und sehen kann, welches Geistes Kind er sei, so laß mich auch Frucht und Kennzeichen außer mir empfinden und sehen, und auch andere an mir wahrnehmen, daß dein Geist in meinem Herzen wohne. Wo die Frucht ist, da muß die Wurzel und der Baum sein. Der Baum ist der wahre lebendige Glaube, laß ihn sich auch in edlen Früchten zeigen. Laß ihn in mir wirken die Liebe, daß ich dich über alles liebe und meinen Nächsten als mich selbst. Schenke mir die wahre Seelenfreude, daß ich meine Lust habe an dem Wort, darnach meinen Gang zu richten. Die Welt freut sich über eitle Dinge; du sollst meine beständige Freude sein. Verleihe mir auch den wahren Seelenfi.den durch Vergebung aller meiner Sünden, und freudigen Zugang zum Bater. Laß diese Tugenden in mir immer wachsen, vermehrt und vollkommener werden. Kommt Kreuz und Leiden, so verleihe Geduld, daß ich wider dich nicht murre, auch langmüthig und geduldig sei, des Nächsten Fehler zu tragen und ihm mit Freundlichkeit zu begegnen, wenn er etwas von mir verlangt, und willig sei, ihm zu dienen, aller rauhen und harten Worte mich, wenn ich von ihm beleidigt werde, enthalte. Ach, mein Gott und Vater, erhöre dieses mein herzliches Verlangen, und gewähre mir diese Bitte, so weiß ich gewiß, wenn ich deines Sohnes Geist habe, daß ich bin dein Kind. Ein Beispiel hast du uns gegeben, Wir sollen lieben wie du uns. Dein tugendhaft und heilig Leben Jit uns ein Vorbild unser's Thun's. Zieh, Jesu, mich, so geh ich mit, Ich folge dir auf Schritt und Tritt. Amen. 12. Juni. Abend. Jef. 55, 6. Suchet den Herrn, weil er zu finden ist; rufet ihn an, weil er nahe ist. 328 Barmherziger Gott, meine Seele sucht ihre Zuflucht bei dir. Ich suche dich in Neue und Leid über meine Sünden. Ich suche dich im Glauben auf das theure Verdienst Jesu; nimm mich um desselben willen zu Gnaden an. Ich suche dich in dem festen Vorsatz, dich nicht mehr zu betrüben, mein Herz dir zu heiligen, und in meinem ganzen Leben dir zu dienen. Nach dem Tod kann dich meine Buße nicht mehr suchen und finden. Ich finde dich doch in deinem heiligen Worte und Gnadenverheißungen, heute noch kann ich dich finden, denn ich lebe noch, ich kann noch beten, und mich zu dir bekehren. Die Verdammten suchen dich zu spät, die Gnadenthür ist verschlossen, du thust den thörichten Jungfrauen nicht mehr auf; darum komme ich in Zeiten, Gnade und Leben in dir zu suchen. Höre auf mein ängstliches Rufen! Ich rufe dich an um die reichen Gaben deines heiligen Geistes, um Stärke und Wachsthum in meinem Christenthum, um Beständigkeit in dem Guten, daß ich nicht von dir weiche, sondern dir getreu bleibe bis in den Tod. O mein Gott! sei mir nahe mit deiner Gnade und erhöre mich. Nahe dich zu mir mit deiner Erbarmung, und vergib mir alle meine Sünden. Sei mir nahe mit deinem Trost, wenn ich betrübt bin. Kommt es mit mir zum Abscheiden von dieser Welt, suche ich dich in Krankheit und in meinen letzten Stunden, so laß dich finden mit deiner Erquickung, und wenn ich rufe, so nahe dich in Gnaden zu mir. Such, wer da will, Nothhelfer viel, Die uns doch nichts erworben: Hier ist der Mann, der helfen kann, Bei dem nie was verdorben. Uns wird das Heil durch ihn zu theil, Uns macht gerecht der treue Knecht, Der für uns ist gestorben. Amen. 13. Juni. Norgen. Matth. 16, 24. Will mir jemand nachfolgen, der verleugne fich selbst, und nehme sein Kreuz auf sich, und folge mir nach. Herr Jesu, in deiner Kraft nehme ich mir vor, dir heute beständig nachzufolgen. Wie Schüler ihrem Lehrmeister nachgehen, so sollst du mit deinem Leben heute mein Vorbild bleiben. Gehen in der Herrlichfeit dir die Gläubigen nach, so laß mich auch nach meinem Abschied aus dieser Welt in dem Himmel in deiner Gemeinschaft bleiben. Ich will von niemand lernen, als von dir. Du lehrest mich mit diesem Wort, daß ich bei dir keine menschlichen Tage, Fleischesweide und irdisches Vergnügen suchen soll, sondern daß mein Christenthum in einer völligen Uebergabe an dich bestehen muß. Hast du mit der Welt keine Verbindung gehabt, ja dich aller Gemächlichkeit dieses Lebens be= geben, so will ich auch in deiner Kraft mich selbſt und die Welt verleugnen. Muß ich deßwegen ein Kreuz ausstehen, Schmach, Verachtung und Verfolgung der Welt, so will ich es nicht fliehen, oder durch Gleichstellung der Welt vermeiden, sondern auf mich nehmen, und zwar gern, als mein Kreuz, das mir, als deinem Nachfolger, gehört. Bin ich auch von äußerlichen Leiden frei, so will ich doch das innerliche Kreuz beständig tragen, nämlich den Kampf wider die Sünde. Mag die Welt von diesem Kreuz nichts wissen, sondern sucht ihr Leben darin, so soll es mir ein liebes sein, das mich vor Sünden bewahrt. Ich will mich dir täglich übergeben mit meinem Willen und allen meinen Gliedern. Also folge ich dir nach, heute und einst auch gewiß in der Himmelsfreude. Herr, ich bitte, schenke mir Doch ein Herz, das dich nur faffe, 329 Das sich williglich von dir Im Verleugnen üben lasſe, Daß ich stets in deiner Näh' Auf dem schmalen Wege geh'. Amen. 13. Juni. Abend. P. 90, 10. Unser Leben währet siebenzig Jahr, und wenn es hoch kommt, so sind es achtzig Jahr, und wenn es köstlich ge wesen ist, so ist es Mühe und Arbeit gewesen; denn es fähret schnell dahin, als flögen wir davon. 330 Ewiger Gott, meine Tage sind auf dein Buch geschrieben, du hast mir ein Ziel gesetzt, das werde ich nicht übergehen; aber was für Jahre und wie viel derselben du mir bestimmt hast, weiß ich nicht, und will es auch nicht wissen. Ich bitte dich nur: Gib mir deinen heiligen Geist, daß ich meine Zeit in der Heiligung hinbringen möge. Laß mich nicht in die Thorheit verfallen, daß ich nur gute Tage suche, und meine, daß das ein köstliches Leben sei, wenn man seinen Bauch füllen und Reichthum sammeln könne; lehre mich vielmehr, daß ich zum ewigen Leben erschaffen bin. Ist dieses Leben mit Mühe und Arbeit beladen, so soll mich dieses Elend desto mehr abhalten, daß ich mich nicht in die Eitelkeit verliebe. Laß meine Mühe und Arbeit darin bestehen, daß ich dich kennen lerne, und für meine Seele beständige Sorge trage; so wirst du mir alle Verdrießlichkeit dieses Lebens tragen und überwinden helfen; und weil dieses Leben so kurz ist, und schnell dahinfährt, so laß mich an dieses geschwinde Ende und an die lange Ewigkeit denken, die darauf folget. Freilich weiß ich nicht, wann, wie und wo ich sterben soll; das stehet bei dir, Herr meines Lebens; aber das weiß ich, daß ich in Jesu alle Tage und Stunden selig sterben kann. Laß mich nur beständig in ihm erfunden werden, so lebe ich dir, so sterbe ich dir, und bin dein todt und lebendig. Drück unserm Sinn und Herzen ein Des eiteln Lebens Flucht und Bein, Daß wir die Sünde fliehen, Rath suchen blos bei deinem Sohn, Und lebenssatt, wie Simeon, Zu dir von hinnen ziehen. Amen. 14. Juni. Norgen. 2 Kor. 7, 1. Lasset uns fortfahren mit der Heiligung in der Furcht Gottes. 331 Heiliger Gott, es kann dir niemand gefallen, wer nicht reines Herzens ist; so schaffe denn in mir ein reines Herz. Ich gelobe dir, mich mehr und mehr zu reinigen von aller Befleckung des Fleisches und des Geistes; aber was wird mir das Anfangen helfen, wenn ich nicht fortfahre? Verleihe mir Gnade, daß ich fortfahre in der Liebe, in Buße und Glauben, in Verleugnung der Welt und im Wachsthum der Heiligung. Heilige mein Herz, daß ich, wo ich bin, gehe und stehe, mit guten Gedanken umgehe, die bösen durch Gebet überwinde, damit mein Herz deine Wohnung bleiben möge. Heilige meinen Mund, daß meine Zunge ein Werkzeug deines Lobes sei; heilige mein Leben, daß ich Werke des Fleisches fliehe, unartige Leute meide, und mein Gewissen nicht beflecke. Laß deine heilige Furcht mir beständig vor Augen sein, daß ich Sünde und Ungerechtigkeit meide, nicht allein wenn ich Menschenaugen und Ohren zu Zeugen habe, sondern auch wenn ich allein, zu Hause, in der Kammer und ohne Zeugen mich befinde, und dieses alles aus Liebe zu dir, meinem Vater und Wohlthäter, meinem König und Herrn. Du weißt aber, mein Vater, wie ich dieses alles von mir und aus mir nicht vermag; darum gib mir deines heiligen Geistes Kraft dazu, daß ich's durch dich anfangen und vollbringen möge. Laß mich darin bis an mein Ende verharren, so soll das beständig meine Freude bleiben, daß ich mich zu dir halte. Herr, laß mich deine Heiligung Durch deinen Geist erlangen. Du hast die Sinnesänderung Selbst in mir angefangen. Dein Geist wirkt Heiligung allein, Nur deine Kraft macht Herzen rei, Seit du zu Gott gegangen. Amen. 14. Juni. Abend. Luc. 10, 41. 42. Martha, Martha, du hast viele Sorge und Mühe; Eins ist Noth. 332 Gott, dieser Tag ist nun vergangen; hat jeder Tag seine eigene Plage, so ist auch dieser nicht frei davon gewesen. Du hast heute meine Mühe mich glücklich vollenden lassen; laß mich den Fortgang der selben deinem Segen zuschreiben. Ohne Sorgen und Bemühungen kann mein Geist nicht sein. Ist er nicht beschäftigt, dir zu gefallen, so zerstreuet er sich in eitle Dinge, welche ihm ewig Schaden bringen. Alle meine Bemühungen sind vergebens, wenn ich nicht für meine Seele gesorgt; darum laß mich in Zeiten daran gedenken, denn dieses Eine ist noth. Laß mich mit Maria dieses einzige Beste erwählen, daß ich dich höre und selig werde. Dieses Eine begreift gar vieles in sich. Mir ist nothwendig, mein Vater, deine Gnade, Jesu Blut und Wunden, daß ich darin die Vergebung meiner Sünden erlange, der Beistand des heiligen Geistes, daß ich nicht auf Neben-, Sünden- und Irrwege gerathe; ein neues Leben nach dem Vorbilde Jesu, daß ich deinen Namen fürchte und allezeit in deiner Gegenwart wandle; ein gut Gewissen, daß ich es nicht verwunde; ein liebreiches Herz gegen meinen Nächsten, daß ich keinen Haß gegen ihn trage, ihn beleidige oder verfolge; Beständigkeit im Guten, daß ich das vorgesteckte Ziel erreiche; ein seliges Ende, wenn nun meine Zeit dahin ist, und meine Lebenstage verflossen, daß ich um deiner Barmherzigkeit und um Jesu Wunden willen zu deiner Freude eingehe. Eins ist noth, was diese Welt Immerdar vergiſset, Was sie gar für Thorheit hält, Und nicht ungern misse.. Liebes Herz, dem eile zu, Laß dir's nicht entgehen, So kannst du in süßer Ruh' Auf dies Treiben sehen. Amen. 15. Juni. Norgen. Matth. 11, 6. Selig ist, der sich nicht an mir ärgert. Jesu, du bist meine Freude und mein Friede in meinem ganzen Leben, du sollst es auch heute sein. Alles was du gethan und gelehrt, ist der Vernunft ärgerlich, aber mir soll es göttliche Kraft und göttliche Weisheit sein. Der Vernunft und dem Fleische ist alles ärgerlich, was zur Reinigung und Heiligung des Herzens gehört. So war deine Lehre, dein Leiden, dein Leben, dein Tod Juden und Heiden ärgerlich, ehe sie dein Geist erleuchtete. Aergerte man sich an deiner niedrigen Gestalt, so soll mir das zu meinem Trost gereichen, daß du dich in so geringe Gestalt verkleidet, damit du für mich leiden und sterben könntest. War dein Leiden der Vernunft ärgerlich, sah man keine Schöne an dir, noch eine göttliche Gestalt, da du als ein Wurm in deinem Leiden dastandest, so sehe ich dich in demselben an als das Lamm, das um meinetwillen geschlachtet worden, als den Mittler, der mich mit Gott versöhnt, dein Blut als mein Lösegeld, und deine Gerechtigkeit als mein Ehrenkleid, darin ich bestehen kann vor Gott. Deine Lehre ist noch vielen ein Aergerniß, aber mir soll sie eine heilige und seligmachende Lehre sein. Dein Leben ist noch den Weltkindern ärgerlich; sie sagen: So kann man nicht leben; aber ich will dir gern nachfolgen in deiner Demuth und Sanft= muth, und um deinetwillen Verachtung leiden. Hilf mir, daß ich diese Seligkeit auf Erden erlange. Sie fangt hier damit an, daß ich dich kenne, liebe, an dich glaube, darauf einmal die völlige Seligkeit folgen wird. Tödte in mir alle bösen Lüste, und bleibe meine Freude, mein Leben, mein Licht und mein Trost bis an's Ende. Selig, wer kein Nergerniß Sich von Christo lässet trennen! Uns, ihr Seelen, uns gilt dies, Daß wir uns von Christo nennen. Wer da selig sucht zu sein, Hang' an Jesu ganz allein. Amen. 33% 15. Juni. Abend. Phil. 3, 14. Ich jage nach dem vorgesteckten Ziel, nach dem Kleinod, welches vorhält die himmlische Berufung Gottes in Christo Jesu. Gütiger Gott, alles neigt sich zu seinem Ziel, auch dieser Tag hat sein Ziel erreicht; aber ich habe noch ein anderes Ziel, das mir vorgesteckt ist, nemlich mein ewiges Heil; das habe ich noch nicht erlangt, darum jage ich ihm nach. Die Läufer in den Schranfen, welche eine verweltliche Krone wollten erlaufen, ließen sich von nichts aufhalten, ob man ihnen schon goldene Nepfel in den Weg warf. Solchen Eifer lag mich nach meiner Seligkeit haben. Wie bemüht sich ein Jäger, das Wild in sein Netz zu bringen! Wie kämpft ein Kriegsmann, den Sieg zu erhalten! Laj mich auch solchen Fleiß, selig zu werden, beweisen. Wenn die Welt mir vorwirft ihre Lustbarkeiten, jo laß mich dabei nicht aufhalten, denn sonst werde ich das Kleinod versäumen, welches deine Gnade mir vors hält, da du denen, die ihren Lauf vollendet haben, wirst die beigelegte Krone geben. Mein Ziel ist der Himmel und die Seligkeit, darin ich das Kleinod erlangen werde. Laß mich nicht müde werden, darum mich zu bemühen. Die Berufung zum ewigen Heil hält mir dieses Kleinod vor, daß ich es in Christo Jesu erlangen soll, denn wer an den Sohn Gottes glaubt, der hat das ewige Leben, und kommt nicht in's Gericht. Verleihe mir Gnade, daß ich die Nothwendigkeit und Herrlichkeit dieses Kleinods recht einsehe, und alle Weltlust gerne fahren lasse, nur, daß ich selig werde. Vergib mir alle meine Sünden, und wenn meines Lebens Ziel erscheint, so schenke mir das Kleinod um Jesu willen. Ich will streben nach dem Leben, Wo ich selig bin. Ich will ringen, einzudringen, Bis daß ich's gewinn'. Hält man mich, so lauf ich fort; Bin ich matt, so ruft das Wort: Fort gerungen! Durchgedrungen " Bis zum Kleinod hin!" Amen. 334 16. Juni. Norgen. 5 Mos. 6, 3. Ifrael, du sollst hören und behalten, daß du es thust, daß dir's wohl gehe. 335 Gnädiger Gott, du hast uns dein Wort zur Nichtschnur unsers Glaubens und Lebens gegeben: laß es mich auch diesen Tag in meinem Herzen und vor Augen haben. Dein Wort legt mir vor, was ich glauben soll, nemlich an dich; was ich meiden soll, nemlich die Sünde; was ich thun soll, nemlich Jesu nachfolgen. Deine Worte sind eines treuen Vaters Worte, darum laß mich sie nicht verachten, nicht obenhin hören, sondern im Herzen behalten und darnach thun. Gib mir Kraft, daß ich sie als einen großen Schatz im Herzen behalte und mich daran erinnere, wenn mir Gelegenheit zu sündigen gegeben wird, daß ich alsdann ge= denfe: Hat mir Gott das nicht verboten? Habe ich denn dein Gesetz in meinem Herzen, so gib mir Kraft, daß ich es auch thue, züchtig, gerecht und gottselig lebe, in der Heiligung zunehme, und mich von der Welt unbefleckt erhalte. Gott, du kennst mein herzliches Verlangen, mit dir vereinigt zu sein; gib mir dazu deines heiligen Geistes Licht und Stärke, damit es mir wohlgehe in diesem Leben, daß du mein gnädiger Herr feiest, der mich liebe, und auch heute begleite, segne und erhalte. So liebreich bist du, daß du mich mit einem beständigen und himmlischen Wohlergehen zum Gehorsam lockest. Gib mir ein williges Kindesherz, so wird es mir wohlergehen nach diesem Leben, wenn meine Lebenstage ein Ende haben, daß ich mein Himmelserbe um Jesu Blut und Wunden willen erhalte. O emige Liebe, erfülle mein Herz mit deiner himmlischen Liebe, daß ich mit Freuden meide und fliehe, was mich und dich scheiden kann. Ach, bleib mit deinen Worten Bei uns, Erlöser werth, Auf daß uns hier und dorten Sei Güt und Heil beschert. Amen. 16. Juni. Abend. Pf. 8, 5. Was ist der Mensch, daß du sein gedenkest, und des Menschen Kind, daß du dich sein annimmst? 336 Gott, du hast heute in Gnaden an mich gedacht. Okönnte ich deine Liebe doch allen Menschen kund thun! Denn ich bin ein armer Mensch, Staub, Asche und wegen meiner Sünden aller deiner Wohlthaten unwerth; dennoch gedenkst du meiner nach deiner ewigen Güte und Treue. Du hast an mich gedacht, ehe ich war, und hast mich schon von Jugend an mit vielen Gnadengaben vor vielen Andern bedacht. Du haft mich durch dein Wort gelehrt, durch deinen heiligen Geist geführt, durch deine Treue beschützt, mein Gebet erhört, und es mir an keinem Guten fehlen lassen. O daß ich heute fleißig an dich gedacht hätte, so hätte ich mich nicht so oft an dir verfündigt. Ich verspreche dir durch deines Geistes Beistand Besserung. Ich will an dich gedenken, wenn ich allein und auch, wenn ich bei unbekehrten Menschen bin. Denke du auch an mich, denke an mich, wenn ich verlassen bin; denke an mich, wenn ich in Gefahr bin, denke an mich, in Noth und Tod, und nimm dich meiner an. Menschen sind theils untreu, theils unmächtig, aber bei dir finde ich Liebe, Schutz und Errettung. Nimm dich meiner Seele an und heilige sie; wirke in mir einen Schrecken und Abscheu vor allen, auch den geringsten Sünden, hingegen eine reine Liebe zu dir. Kommen die letzten Lebensstunden, so gedenke in Gnaden an mich, und vergib mir meine Sünden um Jesu Blutes und Todes willen. Nimm meinen Geist auf in deine heiligen Hände, wenn er vom Leibe scheidet. Nimm mich alsdann als deinen Erben an, und führe mich zu deiner Freude ein, daß ich die Stätte einnehme, die mir Jesus bereitet hat. Was ist der Mensch, daß du, Herr, sein gedenkest? Des Menschen Sohn, daß du ihm Gnade schenkest Ich sinke hin, wenn ich die Huld betracht', Womit du ihn so herrlich hast gemacht. Amen. J 17. Juni. Morgen. Ephef. 3, 19. Christum lieb haben, ist besser denn alles wissen. Treuer Gott, barmherziger Vater, laß mich heute die rechte Art des Christenthums tief einsehen. Alles wissen wollen zerstreut meinen Geist; darum laß mich meine Augen und Ohren verschlossen halten, daß ich nicht aus Neugier mich in Sachen vertiefe, die mich nichts angehen, und das, was zu meinem ewigen Heil vonnöthen ist, nicht darüber vergesse. Bewahre meine Seele vor zwei Steinen des Anstoßes, nemlich aus Stolz alles, oder aus Faulheit nichts wissen zu wollen. Laß mich mein Christenthum nicht darein setzen, daß ich nur eine große Wissenschaft habe von hohen Geheimnissen und künftigen Dingen, die dein Wort nicht deutlich geoffenbart hat, dabei aber ein unbekehrtes Herz und einen ungeänderten Sinn behalte. Behüte aber auch meine Seele, daß ich nicht aus Trägheit eine sündliche Unwissenheit liebe, und Lehre du mich selbst, daß ich ohne wahre Erkenntniß dich nicht lieben könne. Im Uebrigen laß meine einzige Bemühung sein, mein Wissen in's Wesen und Leben zu verwandeln, daß es mich klein, demüthig und gehorsam mache. Laß mich in Jesu Liebe auch heute wachsen, laß mich ihn lieben herzlich und beständig, nicht nur heute, sondern bis ans Ende, und auch in Kreuz und Leiden; laß mich ihn lieben treulich, auch wenn die Welt mich deßwegen schmähen will; laß mich ihn lieben aufrichtig, weil er sich für mich in den Tod gegeben und mir Leben und Seligkeit erworben hat. Nach dieser Liebe laß mich am meisten trachten, dadurch wird mir die Welt bitter und Jesus lieb werden. Christum über alles lieben Uebertrifft die Wissenschaft; Wenn sie noch so hoch getrieben, Ist sie dennoch ohne Kraft, Wo nicht Jesu Christi Geist Sich in ihr zugleich erweist. Glaubig fallen ihm zu Füßen, Ist das allerhöchste Wissen. Amen. Start's Morgens und Abend- Andachten. 22 337 17. Juni. Abend. Röm. 8, 26. Der Geist selbst vertritt uns auf's beste mit unaus sprechlichem Seufzen. 338 Barmherziger Gott, höre in Gnaden mein Abendgebet. Mein Gebet ist zuweilen so schwach und zer= streut, daß ich fast nicht beten kann, und wenn ich bete, so däucht mich, es könne nicht durch die Wolken dringen, sonderlich in Trübsalsstunden. Alsdann schenke mir den Geist der Gnade und des Gebets. Wohlan, ich will in geistlicher Dürre, wenn ich nicht beten kann, nicht verzagen, sondern mich erinnern, daß wir einen Fürsprecher haben bei dem Vater, Jesum Christum, der gerecht ist. Wie ich nun einen Fürsprecher im Himmel habe, so hat mir deine Liebe auch einen mächtigen Beter geschenkt hier auf Erden in meinem Herzen, der für mich und mit mir betet mit unaussprechlichem Seufzen, nemlich den heiligen Geist. Dieser macht mein Herz still, freudig und getrost, daß ich, ob ich zwar mit dem Munde nicht viel spreche, doch innerlich der Liebe und Gnade meines Gottes gewiß bin. Ich merke in mir ein kindliches Vertrauen, daß ich mit Freuden sagen kann: Abba, mein Vater! du bist doch mein Gott! ich bin dein, du biſt mein; ich lasse dich nicht. Ich empfinde oft in meinem Herzen unverhoffte Süßigkeit, liebliche Bewegungen, starke Ermunterungen. Bisweilen schenkt der Geist mir im Seufzen eine solche Freudigkeit, als ob ich schon im Himmel wäre; ach, laß mich dieses auch in meinem Sterben empfinden. ,, Der Geist hilft uns'rer Schwachheit auf!" Fas't dies Wort, müde Seelen! Es soll uns in dem ganzen Lauf An seiner Kraft nicht fehlen. Wir beten schwach, er betet mit; Wir straucheln oft, er lenkt den Tritt; Wir kämpfen matt, er stärket; Wir glauben kaum, er bleibt getreu; Wir sinken fast, er steht uns bei, So oft er Schwachheit merket. Amen 18. Juni. Norgen. Joh. 15, 19. Wäret ihr von der Welt, so hätte die Welt das Ihre lieb; dieweil ihr aber nicht von der Welt seid, sondern ich habe euch von der Welt erwählet, so hasset euch die Welt. Herr Jesu, ich bin dein, du bist mein, ich will es meine ganze Lebenszeit sein und bleiben. Laß mein Herz und Leben dir allein geheiligt sein, so gehöre ich unter deine Kinder, unter dein Erbe und Eigenthum, und dieses ist der selige Stand, darnach ich trachte. Herr, das weißt du, darum will ich nichts mehr von der Welt, mich ihren Sitten nicht gleichstellen. Ich bin zwar in der Welt, aber nicht von der Welt. Ich kann nicht der Welt Freund und zugleich dein Freund sein, hier ist ein anderer Sinn, eine andere Lebensart. Wie das Meer die Todten auswirft, so mag die Welt keinen Umgang mit denen pflegen, die der Welt abgestorben sind. Die Welt hat das Ihre lieb. Weil dut mich aber erwählt hast von der Welt, so kann ich unmöglich mehr in ihre Wege und Weisen willigen; denn würde ich mein Kindesrecht im Himmel verlieren. Die ganze Welt kann mich nicht vom Tode erretten, mir nicht in Kreuz und Trübsal helfen, mich nicht in Traurigkeit trösten und nicht im Sterben mich zum himmel führen; aber das kannst und thust du, Herr Jesu. Hasset mich nun die Welt, weil ich dich liebe, dir folge, so freue ich mich darüber; ich weiß, so muß es sein, das ist mir eine Ehre. Jedes hat seines Gleichen lieb: Raben und Tauben, Wolf und Lamm gehen nicht mit einander. Hat nun die Welt das Ihre lieb, so hast du die Deinen lieb, diese Gnade erhalte mir bis an mein Ende. Seele, werde nicht verdrossen, Wenn die Welt das Ihre liebt, Wenn sie stets mit Spott begossen, Was ihr Gott so gnädig gibt, Lerne nur geduldig sehen Auf das Ziel der Freiheit hin; Dort wird das verherrlicht stehen, Was hier so verachtet schien. Amen. 339 22* 18. Juni. Abend. Ps. 9, 3. Ich freue mich, und bin fröhlich in dir und lobe deinen Namen, du Allerhöchster. 340 Dreieiniger Gott, ich freue mich über die große Liebe, nach welcher du mich heute erhalten hast. Ich freue mich, Vater, über deine Güte, daß du mich mit lauter Wohlthaten zu dir gezogen hast. Bewahre mich, daß ich nicht mein Herz der Welt öffne, sondern wie die Sonnenblume mich dahin wende, woher ich Licht und Wärme empfange. Ich freue mich, Herr Jesu, daß du durch dein Blut meine Missethat getilgt, mir ewige Gerechtigkeit erworben und eine Stätte im Himmel bereitet hast. Ich freue mich, heiliger Geist, daß du mich oft innerlich gerührt und bestraft, wenn mein Herz sich zur Sünde hat wollen verleiten lassen. Ja, du hast Großes an mir gethan, deß bin ich fröhlich. Ich Lobe deinen Namen, für alles Gute, das ich heute empfangen habe. Dein Name ist: gnädig, barmherzig, treu, geduldig und von großer Güte. Nach diesem Namen hast du bisher mit mir gehandelt. Deine Barmherzig teit hat mir meine Sünden vergeben; deine Treue hat mich begleitet; deine Güte hat mich vor schweren Sündenfällen bewahrt; deine Geduld hat mich getragen; deine Liebe hat Segensströme auf meine Seele fließen lassen. Dafür preise und lobe ich dich. Wie soll dir vergelten, was du an mir gethan haft? Schaffe selbst in mir ein gehorsames, demüthiges, dir ergebenes Herz. Kommt mein letter Abend, so laß mich fröhlich zu der Schar der Frommen versammelt werden. Dir dankt mein Herz, dir jauchz't mein Lied, Dein freut mein Glaube sich; Im Himmel, den mein Aug' einst sieht, Lebst, Heiland, du für mich. Einst zieh' ich mit dem Sterbekleid Mein Elend alles aus; Mein Schmuck wird deine Herrlichkeit, Mein Ort des Vaters Haus. Amen. 19. Juni. Morgen. 341 Ephef. 4, 30. Betrübet nicht den heiligen Geist Gottes, damit ihr versiegelt seid auf den Tag der Erlösung. Gott, du hast mir in der heiligen Taufe den heiligen Geist geschenkt zum Pfande der Kindschaft und des Erbes. Laß ihn mich leiten auf den schmalen Weg; laß ihn mich bestrafen, wenn mir der breite Weg gefallen will und bewahre mich, daß ich ihn nimmermehr betrübe. Zwar ist er kein Mensch, daß er erfreut und betrübt werden könnte; allein ich kann doch seine Wirkungen an mir hindern, ja ich kann ihn gar mit Sünden aus dem Herzen vertreiben. Wie ein Vater betrübt wird, wenn sein Kind alle Vermahnungen mit Füßen tritt, so empfindet der heilige Geist, menschlicher Weise davon zu reden, eine Betrübniß, wenn man ihm widerstrebt. D der ewigen Liebe, damit du mich, Vater, begnadigt hast. Jesus hat mir die Seligkeit erworben, und der heilige Geist verfiegelt mir dieselbe. Der Hirte drückt ein Zeichen und ein Siegel auf seine Schafe, welche ihm gehören. Du haft auch deine Kinder versiegelt und gezeichnet. Wenn du deine versiegelten und gezeichneten Schafe zählſt, so laß mich auch unter denselben sein; so bin ich ge= wiß, daß ich auch zu der vollkommenen und ewigen Erlösung gelangen werde. Ich bin schon durch meines Jeju Blut und Tod erkauft und erlöst, nicht allein auf dem Berge Golgatha, sondern ich habe mich auch innerlich von ihm erlösen lassen, da ich aus Liebe zu ihm alle Sünden und Bosheiten fliehen will; laß mich im Sterben von allem Uebel erlöst, zu deiner Ruhe eingeführt werden. O du Pfand des neuen Bundes, Geist des Vaters mild und rein, Heil'ger Odem seines Mundes, Zeuch in uns're Herzen ein. Leib und Seele, Haupt und Glieder Kehren aus dem Tode wieder, Wo fich deine Gotteskraft, Einen Siz und Tempel schafft. Amen. 19. Juni. Abend. Matth. 6, 4. Selig sind, die Leid tragen; denn sie sollen ges tröstet werden. 342 Herr Jesu, ich komme mit gebeugtem Herzen vor dich. Ich träge Leid über das Elend und Verderben, das mir anklebt. Du weißt, daß ich dich liebe, und aus Liebe zu dir alles fliehen und meiden will, was dich betrüben kann; und doch geschieht es, daß die Welt mich wegen meiner Trägheit, Sicherheit und Unvorsichtigkeit überwindet. Es ist mir leid, daß ich dich nicht beständig vor Augen gehabt; denn wer wollte Böses vollbringen, wenn er dein Bild im Herzen be hält? Es ist mir leid, daß ich deines Vaters Zorn auf mich geladen, und meiner Pflicht vergessen habe. Weil du aber alle Betrübte tröstest, so tröste auch mich, tröste mich innerlich und schenke mir die Freudigkeit, daß mir alle meine Sünden vergeben sind. Tröste mich mit neuer Stärke in meinem Christenthum, daß ich in deiner Kraft alle innerlichen Lüste und fündlichen Bewegungen des Herzens, alle äußerlichen Anfälle und Lockungen der Welt überwinden möge. Kommen auch leibliche Umstände, wie ich denn noch in der Welt mit Angst umgeben bin, daß ich muß traurig und betrübt sein, so tröste mich mit deiner Hilfe und Errettung; erquicke mich in meinem Leiden und laß mich hören Freude und Wonne. Kommt es zum Sterben, so tröste mich in meiner Todesstunde mit deinen Wunden, daß sie dir auch für mich geschlagen sind. Tröste mich alsdann mit einer innerlichen Süßigkeit, so bin ich hier selig, ich bin im Stande der Gnade, durch dich versöhnt, und werde dort vollkommen selig werden. Selig sind, die Leid empfinden Auf des Lebens schmaler Bahn; Ihre Traurigkeit wird schwinden, Reicher Trost wird sie umfah'n, Denn sie wirkt zur Seligkeit Reue, welche nie gereut. Amen. 20. Juni Morgen. 1 Betr. 1, 14. Als gehorsame Kinder, und stellet euch nicht gleich, wie vorhin, da ihr in Unwissenheit nach den Lüften lebtet. Lieber Gott und Vater, laß mich diesen ganzen Tag als dein gehorsames Kind erfunden werden. Laß mich immer gedenken, daß ich dein Kind sein will, und daß deine Kinder nicht einmal das denken dürfen, was andere reden, nicht einmal das wollen dürfen, was andere thun. Laß mir als eine ewige Wahrheit in mein Herz geschrieben bleiben, daß eine wahrhafte Sinnesänderung und sichtbare Lebensänderung in mir vorgehen müsse. Schaffe in mir selbst ein reines Herz. Habe ich in den vorigen Jahren nicht an diesen Gehorsam gedacht, sondern nach den Lüsten meines Herzens gelebt, habe ich auch nach den Lüsten der Welt gelebt, so habe ich es aus Unwissenheit gethan. Zwar kann ich meine Unwissenheit nicht entschuldigen, denn dein Wort hat mich das Gegentheil gelehrt, und dein Geist hat mich innerlich bestraft; allein, ich habe auf keines recht Acht gehabt, bin in meinen Wegen fortgegangen, bis mich deine Gnade herum geholt. Haft du mir die Vergebung meiner Sünden geschenkt, so will ich nun unter dem kräftigen Beistand deines heiligen Geistes mich nicht mehr stellen, wie vorhin. Hast du mir ein neues Herz geschenkt, so soll auch ein neues Leben darauf folgen. Laß mich dir inskünftige so tren sein, als ich der Sünde und der Welt gewesen; dir so willig folgen, als vorhin der Sünde und der Welt. Herr, höre meine Rede, laß mein Gebet vor dich kommen, erhöre und gib mir es gnädiglich Laß mich als dein gehorsam Kind Dir zu Gefallen leben. Gottselig, züchtig, fromm gesinnt Durch deine Gnade leben. 343 Laß mich das Glück der Lebenszeit In deiner Furcht genießen Und meinen Lauf mit Freudigkeit Wann du gebeutst, beschließen. Amen. 344 1 Ror. 11, 31. 20. Juni. Abend. So wir uns selber richteten, so würden wir nicht gerichtet. Gerechter Gott, ich komme mit gebeugtem Herzen, und klage mich selbst an; ich richte mich, und spreche mir selbst das Urtheil, daß ich deinen Zorn und Ungnade verdient, aber ich bitte dich auch herzlich um Gnade. Ich beklage, bereue und beweine meine Sicher heit, Nachläßigkeit und Undankbarkeit. Ich will mich nicht entschuldigen, sondern ich bekenne dir meine Sünden. Mein Herz ist ungehorsam gewesen, mein Mund hat sündlich und unrecht geredet, meine Werke sind nicht nach dem Vorbild Jesu gewesen. Damit habe ich Tod und Verdammniß verdient. Also richte ich mich selbst, richte du mich nicht, sondern siehe mich in Gnaden an. Richte mich nicht nach deiner Gerechtigkeit, sondern gedenke, daß du hast verheißen, du wollest nicht den Tod des Sünders, sondern daß er sich bekehre und lebe. Richte mich nicht und strafe mich nicht in deinem Zorn. Ich habe mir vorgenommen, ein neues Leben anzufangen, die vorigen Laster zu hassen und zu lassen. Nichte mich nicht, sondern verleihe mir deines heiligen Geistes Kraft und Stärke, daß ich mein Versprechen halte, bis an mein seliges Ende. Ohne dich vermag ich nichts, bin ich nichts, und habe ich nichts; darum hilf du mir, daß ich meine kurzen Lebenstage dir heiligen und aufopfern möge. Kommt dann mein letter Tag und letzter Abend, so richte mich nicht nach meinen Sünden und geführten Leben, sondern laß mich in Jesu Gnade und Barmherzigkeit finden. Bin ich bisher gegangen Den breiten Todesweg, Trag ich nunmehr Verlangen Nach jenem schmalen Steg, Der zu dem Himmel führet. Herr, nimm mich gnädig an, Daß ich, von dir regieret, Sinst felig sterben kann. Amen. 21. Juni. Morgen. Matth. 7, 21. Es werden nicht alle, die zu mir sagen: Herr, Herr! in's Himmelreich kommen, sondern die den Willen thun meines Vaters im Himmel. Allwissender Gott, vor dir ist nichts verborgen.. Ein Mensch siehet, was vor Augen ist, aber du siehest das Herz an. Du weißt meine Absichten, warum ich dir und dem Nächsten diene. Dieses soll mich von aller Heuchelei abschrecken. Was hilft es mir, Herr, Herr! sagen mit dem Munde, aber in dem Herzen Welt, Geld, Ehre, Wollust, Eitelkeit suchen? Was wird es mir am jüngsten Tage helfen, wenn ich viel von Christenthum sprechen und andern es anpreisen konnte, aber ein unbekehrtes und weltgesinntes Herz behalten habe. Ueberzeuge mich, daß vor deinen Augen alles offenbar und entdeckt ist, auf daß meine Gottesfurcht keine Heuchelei sei. Ein gemaltes Licht gibt keinen Glanz: so ist ein Heuchler vor dir ein Greuel. Laß mich deßhalben mein Wissen auch in's Leben verwandeln, daß ich deinen Willen thue. Dein Wille befiehlt mir die Heiligung meines Herzens und Lebens. Dein Wille ist, daß ich soll alles ungöttliche Wesen verleugnen, und züchtig, gerecht und gottselig leben in dieser Welt. Dein Wille ist, daß ich meide alle Unreinigkeit und Bosheit, daß ich dir lebe und diene in rechtschaffener Gerechtigkeit und Heiligkeit mein Leben lang. Ach, mein Gott, laß mich in der Kraft des heiligen Geistes deinen Willen thun auf Erden, auf daß ich in das Himmelreich komme, und in der letzten Lebensstunde mein Leben erst recht anfangen möge. Dich, Jesu, soll mein Herz Den Herrn und Heiland nennen Und nicht der Mund allein 345 Vor Menschen nur bekennen. Man soll dein Ebenbild In meinem Wandel schau'n Und dieser Wandel soll Den Nächsten auch erbau'n. Amen. 21. Juni. Abend. Pf. 90, 1. Herr Gott, du bist uns're Zuflucht für und für; ehe denn die Berge worden, und die Erde und die Welt er schaffen worden, bist du, Gott, von Ewigkeit zu Ewigkeit. 346 Ewiger und barmherziger Gott, eine Zuflucht habe ich vonnöthen; wo soll ich aber hin, als zu dir? Das Kind nimmt seine Zuflucht zu seinem Vater, ich komme zu dir. Menschen schließen oft ihr Herz und Haus vor mir zu, aber dein Herz steht mir bei Tag und Nacht offen; du bist meine gewisse Zuflucht. Ein Freund kann mir seine Gunst entziehen oder sterben; aber du bleibest für und für, deine Jahre nehmen kein Ende; ehe die Berge und die Welt erschaffen wor den, bist du, Gott, von Ewigkeit zu Ewigkeit. Von Adam an bis auf diese Stunde haben alle Menschen in der Noth ihre Augen und Hände zu dir gerichtet; unsere Väter hofften auf dich, und da sie hofften, wurden sie nicht zu Schanden. Dein Name, deine Stärke, deine Liebe ist ein festes Schloß; der Gerechte Lauft dahin, und wird errettet; darum sollst du meine Zuflucht bleiben. Dieses macht mich getrost zu allen Zeiten, in glücklichen Tagen, daß ich dich fürchte, und an dir meine Freude habe; im Unglück, weil ich weiß, daß du mich nach deiner Macht erretten kannst, und nach deiner Liebe helfen willst. Im Leben suche ich deine Gnade durch einen innerlichen Ausgang aus der Welt und durch den Glauben auf Jesu Blut und Wunden versichert zu sein. In Krankheit sollst du mein Arzt sein, im Tode nahe dich auch zu mir, als meine einzige Zuflucht, und am jüngsten Gericht laß mich den Himmel offen finden, daß ich da hinein gehe, bei dir in Ewigkeit Zuflucht, Friede, Ruhe und Wohnung habe. Gott, uns're Zuflucht für und für! Eh' denn die Berge stunden, Eh' noch die Welt mit ihrer Zier Den Anfang hat gefunden, So bist du, Gott von Ewigkeit, Und wirst auch über alle Zeit In Ewigkeit verbleiben. Amen. 22. Juni. Norgen. 1 Mos. 22, 2. Nimm Isaak, deinen einigen Sohn, den du lieb haft, und gehe in das Land Morijah, und opfere ihn daselbst zum Brandopfer auf einem Berge, den ich dir sagen werde. Heiliger Gott, verleihe mir Gnade, daß ich dir in dieser Morgenstunde ein reines Herz opfern könne; aber wie kann es sein, wenn du nicht deinen heiligen Geist mir schenkest, daß ich mein Herz und Leben dir zum Dienst tüchtig, rein und bereit mache? Nun, Herr, hier bin ich, nimm mich zum Opfer hin, und gib mir Muth, Willen und Stärke, mich dir ganz zu übergeben. An dem, was ich opfere, bleibt mir zwar das natürliche Leben, aber es bringt dem alten Adam den Tod, dessen Leben mir den ewigen Tod verursacht. Ich opfere dir meinen Willen, der soll immer ein ertödteter Wille sein. Ich opfere dir mein Herz: reinige und heilige es dir zu einem heiligen Tempel. Ich opfere dir meinen Leib und alle meine Glieder, mache sie zu Waffen der Gerechtigkeit. Ich opfere dir meine Augen, daß fie auf dich, meinen Herrn, und auf deine Gebote, aber nicht auf verbotene Personen und Dinge sehen; meine Ohren, daß sie sich zu dir wenden, dein Wort zu hören, und von allem unnützen Geschwätz wegwenden; meine Füße, daß sie auf deinen heiligen und den von dir mir befohlenen Berufswegen gehen. Mein ganzes Leben sei dir zum Eigenthum übergeben. Herr, laß dir wohlgefallen das Opfer, und mache es rein und dir gefällig. Abraham bedachte sich nicht lange, besprach sich nicht mit Fleisch und Blut darüber, wendete nichts dawider ein: also laß mich auch willig sein mit allem, was ich bin und habe, deinen Willen zu thun. Nimm hin mein Herz, Gott, nimm es an, Ich bring es dir zur Gabe; Ich bring es dir, so gut ich kann, So schwach und arm ich's habe; 347 Ich weiß doch, du verschmähst es nicht, So viel dem Opfer auch gebricht, Das ich dir willig weihe. Amen. 22. Juni. Abend. Joh. 14, 14. Was ihr bitten werdet in meinem Namen, das will ich thun. 348 Herr Jesu, wie freue ich mich über die Verheißung, daß du deinen Kindern alles, was sie in deinem Namen bitten werden, thun wollest! Wenn das ein bloßer Mensch sagte, so wollte ich es nicht glauben, weil er mehr verspräche, als er leisten könnte; aber du bist der allmächtige Gott, dem nichts unmög lich ist, du bist der Mund der Wahrheit; was du zu= sagst, hältst du gewiß. Du verheißest, alles, was deine Kinder bitten würden, sollte ihnen gewährt werden. Auf dieses Wort komme ich jetzt und bitte dich: Laß mit dem abgehenden Tage meine Sündenschuld verschwinden. Ich bitte dich: laß dein Blut mir auch zu Statten kommen, und nimm mich zu Gnaden an. Ich bitte dich: schenke mir deinen heiligen Geist, daß er ein neues, frommes, reines, von der Welt und ihren Lüsten abgesondertes Herz in mir schaffe. Jch bitte dich: laß mich unter deinen Gnadenflügeln diese Nacht sanft und ruhig schlafen. Dieses alles bin ich nicht werth; aber um deines Namens willen erhöre mein Gebet. Dein Name heißet Jesus, ein Seligmacher; so thue denn mir nach deinem Námen. Ich brauche in meinem ganzen Leben allerlei Hilfe und Gaben; die verleihe mir, nicht nach meinem, sondern nach deinem Willen. Bitte ich aber etwas aus Unverstand in leiblichen Dingen zu meinem Schaden, so gib mir es nicht. Ich bitte noch Eins, mein Heiland, laß in meinem Sterben dein Bild mir vor Augen schweben, und führe mich durch das finstere Todesthal zu deinem himmlischen Freudenlicht. Nun, Herr, Du wirst erfüllen, Was wir nach deinem Willen In Demuth jest begehrt. Wir sprechen glaubig: Amen, In unsers Jesu Namen. So ist gewiß der Wunsch gewährt. Amen. 23. Juni. Morgen. 3 Joh. 11. Mein Lieber, folge nicht nach dem Bösen, sondern dem Guten. Wer Gutes thut, der ist von Gott; wer Böses thut, der siehet Gott nicht. 349 Gott, du hast mich diese Frühstunde glücklich erleben lassen. Verleihe mir Gnade, daß ich mir nicht selbst durch Sicherheit ein Unglück zubereite. Bewahre mich, daß ich nicht nachfolge dem Bösen, nicht meinem bösen Herzen, nicht bösen, unbekehrten Menschen. Folgen bringt Segen und Freude, wenn ich dir nachfolge; Folgen bringt Angst und Verderben, wenn ich dem Bösen folge: darum gib mir Weisheit, daß ich nicht aus Verblendung das Böse für gut achte. Lehre mich, daß mir solches weder meine Schöpfung erlaubt, noch meine Taufe. Verleihe mir Gnade, daß ich folge dem Guten, deinem heiligen Geist und seinem innerlichen Trieb und Anklopfen; daß ich auch folge den guten und frommen Herzen, deinen Kindern, welche dir allein zur Ehre Leben. Thue ich also Gutes, so bin dein Eigenthum, und werde hier in der Zeit und dort in der Ewigkeit mit dir vereinigt bleiben. Von Gott sein, heißet von ihm geboren sein, seinen Geist haben, in seinem Lichte wandeln, ihn zum Schuß, Erretter und Beistand haben. Wenn ich das Böse fliehe, werde ich dich, meinen Gott, sehen. Mein Glaube fiehet dich, dreieiniger Gott, alle Tage und Stunden; mein Gebet umfasset dich, und meine Andacht leget sich vor deinem erhabenen Throne nieder. Ich sehe dich in deinen Wohlthaten, in deiner Hilfe, in deinem Segen, in deiner Liebe, und werde dereinst nach meis nem seligen Abschied aus diesem Leben dein Antlitz schauen in Ewigkeit. Seelen, laßt uns Gutes thun, Gutes, und nicht müde werden! Wann es Zeit ist, wird man ruh'n, O wie sanft, von den Beschwerden! Aber ruhen nicht allein, Dort wird auch die Ernte sein. Amen. 350 23. Juni. Abend. Jes. 49, 15. 16. Kann auch ein Weib ihres Kindleins vergessen, daß fie sich nicht erbarme über den Sohn ihres Leibes? Und ob sie desselben vergäße, so will ich doch dein nicht ver geffen. Siehe, in die Hände habe ich dich gezeichnet. Liebreicher Gott, du hast meiner noch nie vergessen; gedenke meiner in Gnaden auch in dieser Nacht. Du hast meiner nie vergessen, wenn ich dich um Segen, Licht und Gnade angerufen. Du hast meiner nie ver: gessen, wenn ich zu dir geschrieen. Du hast meiner nicht vergessen in Kreuz und Elend. Vergessen lieblose Mütter ihrer Kinder, so ist doch kein Beispiel vorhanden, daß du eines deiner Kinder vergessen hättest. Onein, du denkst an sie, und segnest sie, du erfreuest sie frühe mit deiner Gnade. Ich bin vor meinen Augen ein Wunder deiner Güte, deiner Gnade, deiner Wohlthaten, deines Segens, deiner Barmherzigkeit und deines Lichtes, dadurch du mir den Greuel der Sünde entdeckt, und die Herrlichkeit, die in Jesu ist, geoffenbart hast, so daß ich nochmals sagen kann: Du hast meiner nie vergessen. Laß mich deiner nur nicht vergessen in Sicherheit und Sündenliebe. Sei ferner mein Gott, und gedenke meiner im Besten. Laß den Troft allezeit in meinem Herzen aufgezeichnet bleiben: Siehe, in meine Hände habe ich dich gezeichnet. Ich bin in die Hände deiner Allwissenheit und Liebe gezeichnet, darum kannst du meiner nie vergessen. Vergiß meiner auch im Sterben nicht; wenn ich soll dieses Leben verlassen, alsdann halte mich in deinen heiligen Armen, und führe mich zur Freude ein. Ja, du sprichst: Ja, wenn du gleich möchtest finden Einen solchen Muttersinn. Da die Liebe kann verschwinden, So bleib ich doch, der ich bin; Meine Treu bleibt stetig dir, Zion, o du meine Zier! Du hast mir mein Herz besessen, Deiner kann ich nicht vergessen. Amen. 24. Juni. Morgen. Luc. 1, 74. Auf daß wir, erlöset aus der Hand uns'rer Feinde, ihm dieneten ohne Furcht unser Leben lang. Heiliger Gott, dieser Tag soll mir ein Freudenund Danktag sein für deine große Güte, welche du nicht allein in dieser Nacht meinem Leibe, sondern auch meiner Seele durch die Sendung deines Sohnes erwiesen hast. Er hat sich für mich in den Tod ge= geben, damit er mich erlösete von der Hand meiner Feinde. Der größte Feind ist in mir: Zorn, Wollust, Weltliebe, Stolz, Ungerechtigkeit und Neid; daraus entspringen andere Sünden in Worten und Werken. O wie oft haben sie mich in ihrer Hand und Gewalt gehabt, mich geleitet, regieret und zur Ausübung der Sünde geführt; ach, davon mache mich durch deinen Geist und deine Gnade frei. Ich habe auch Feinde außer mir, nemlich die Weltfinder, welche mich theils zu ihren Gewohnheiten locken, theils mir Verdruß und Schmach anthun, daß die in mir wohnende Sünde rege gemacht wird. Das weißt du, wie mich dieſe Feinde oft ängstigen, quälen und unruhig machen; darum, o Jesu, erlöse mich von solchen Feinden, gib mir Kraft und neue Stärke, sie zu überwinden, wenn sie sich an mich setzen. Wenn mich also der Sohn frei macht, so bin ich recht frei, zeitlich und ewig. Laß alle Menschenfurcht ferne von mir bleiben, daß ich nicht Menschen zu Gefallen Böses thun möge. Laß mich eine heilige Furcht vor dir, allmächtiger und allgegenwärtiger Gott, von Sünden abhalten, und ehren, dir dienen und anhangen mein Leben lang, bis ich mit den Erlöseten des Herrn gen Zion komme. Was fragt ihr nach dem Schreien Der Feind und ihrer Tück'? Der Herr wird sie zerstreuen In einem Augenblick. • Er kommt, er kommt, ein König, Dem aller Feinde Hand Auf Erden viel zu wenig Vermag zum Widerstand. Amen. 351 * T 24. Juni. Abend. Luc. 1, 58. Und ihre Nachbarn und Gefreundte höreten, daß der Herr große Barmherzigkeit an ihr gethan hatte und freueten sich mit ihr. 352 Gott, ich kann in dieser Abendstunde von nichts als von Barmherzigkeit sagen, welche du an meinem Leibe und an meiner Seele gethan hast. Deine Barmherzigkeit hat Schaden und Unglück abgewendet, fie hat mich geleitet, ernährt und versorgt von Jugend auf bis diese Stunde; dafür lobe ich dich und danke ich dir, mein Gott. Laß deine Barmherzigkeit nicht allein diese Nacht mich behüten, sondern auch meine Seele immer mehr erleuchten, heiligen, reinigen und bekehren. Dein Lob soll immerdar in meinem Munde sein. Dich zu loben ist eine selige Arbeit, darum will ich dich, lebendiger, heiliger Gott, beständig preisen. Des Morgens, Mittags und Abends will ich deinen Ruhm ausbreiten, und also mit den Engeln übereinstimmen, bis ich es mit reiner Stimme im Himmel thun werde. Laß mich mit einer herzlichen Freude Theil nehmen an dem, was meinem Nächsten Gutes widerfährt, als ob es mir geschehe, und ihn nicht beneiden. Laß mich in meinem Christenthum zunehmen, daß ich frömmer und dir wohlgefälliger werde, daß mein Herz, Wille und ganzes Leben dir geheiligt und bleibe, so kann ich dir dienen in Gerechtigkeit und Heiligkeit deiner Kinder. Laß mich also hinfort denken, reden oder handeln, daß ich in wahrer Heiligkeit mein ganzes Leben führe. Erscheinet desselben Ende, so mich Barmherzigkeit empfangen, daß ich sanft und lig einschlafe; ja am Tage des Gerichts laß mich in ihm rein und gerecht erfunden werden. Gott, der du reich bist an Erbarmen, Nimm dein Erbarmen nicht von mir, Und führe durch den Tod mich Armen, Durch meines Heilands Tod zu dir; Da bin ich ewig hoch erfreut Und rühme die Barmherzigkeit. Amen. 25. Juni. Morgen. 5 Mos. 32, 29. O daß sie weise wären und vernähmen solches, daß sie verstünden, was ihnen hernach begegnen wird. Gütiger und allein weiser Gott, gib mir die Weisheit von oben, daß ich diesen Tag nicht wandeln möge wie die Unweisen, sondern als die Weisen. Bewahre mich vor Verstockung, Unwissenheit und Sicherheit und gib mir die Klugheit der Gerechten, daß ich erkenne, wer ich bin und wer du bist. Wie unweise bin ich von Natur! Mein Dichten und Trachten ist böse von Jugend auf. Wo nun deine Weisheit mich nicht führt, so muß ich irren. Darum laß mich weise werden, nach deinen Geboten meinen Gang, Sinn und Thun zu richten. Meine höchste Weisheit soll Jesus sein, daß ich ihm im Glauben anhange, in seinem Leben, in seinem Blut meine Seligkeit suche und finde. Lağ deinen liebreichen Wunsch: O daß sie weise wären! auch an mir erfüllt werden. Gib mir dazu den Geist der Weisheit und des Verstandes, daß ich einsehe und verstehe, was denen, die von dieser Bahn abweichen, begegnen wird, daß Trübsal, Zorn und Angst muß kommen über alle, die da Böses thun. Die von dir abweichen, an denen wird deine Seele kein Wohlgefallen haben. Die der Sünde, der Welt und ihren Lüften nacheilen, werden großes Herzeleid haben in Zeit und Ewigkeit, hier ein böses Gewissen und einen ungnädigen Gott, dort aber die ewige Verdammniß; denn wer Jesum nicht lieb hat, der ist verflucht und verdammt. Laß mich auch fleißig erwägen, wie diejenigen die Morgenröthe haben werden, nämlich Heil, Licht und Segen, die dein Wort lieben und dir herzlich dienen. Hilf, daß ich in gesunden Tagen Schon oft zu meinem Grabe geh' Und da, bei Freuden und bei Plagen, Auf dich und deine Zukunft seh'; Damit ich meiner Pflicht getreu, Des höchsten Lebens fähig sei. Amen. Start's Morgen- und Aben: Undachten. 353 23 25. Juni. Abend. Pf. 39, 6. Siehe, meine Tage sind einer Hand breit bei dir, und mein Leben ist wie nichts vor dir; wie gar nichts sind alle Menschen, die doch so sicher leben! 354 Ewiger Gott, wie dieser Tag vergangen, so wird auch einmal der letzte Tag meines Lebens erscheinen. Wenn mein Lauf vollendet ist, so wird mein kurzes Leben gegen die Ewigkeit sein wie eine Handbreit gegen tausend Meilen und ein großes weites Feld; aber an diesem handbreiten kurzen Leben ist viel ge legen, darin kann ich mich ewig unglückselig machen. O mein Gott, erinnere mich daran, daß ich alle Tage und Abende gedenke: Vielleicht hat mein Handbreites Leben nun ein Ende. Nicht allein aber ist mein Leben ein kurzes, sondern wenn ich es recht betrachte, ein Nichts. Wenn mein Herz zur Eitelkeit eilet, an ver gänglichen fündlichen Dingen sich will ergeßen, so rufe mir in meiner Seele das Siehe! zu; wie? wenn auf diesen Wegen die Handbreit deiner Tage aufhörte. Ewiger Gott, wenn ich meine Lebensjahre mit der Ewigkeit vergleiche, so ist mein Leben vor dir wie ein Sandkorn gegen die Welt, wie ein Tropfen Wasser gegen das Meer. Wie gar nichts sind doch alle Men schen! Wo sind die Menschen, die vor uns gelebt? Ihr Leben ist verschwunden; die Nachkommen kennen sie nicht mehr, denken nicht mehr an sie, vergessen ihrer. Wo ist ihr Reichthum, ihre Ehre? Andere haben ihn. Laß mich dieses wohl bedenken, mein Gott, daß ich nicht sicher in den Tag hinein lebe, sondern in Buße und Glauben, auf daß du mich wohlbereitet in deiner Liebe allezeit antreffen mögeſt. Herr, lehre stets mich merken auf mein Ziel, Ach, meiner Tage sind nicht viel! Laß mich doch seh'n, daß ich vergänglich bin, Die Handbreit Tage schwindet hin; Nichts ist vor dir, die höchste Lebenszeit, Ach, jeder Mensch nur Eitelkeit. Amen. 26. Juni. Norgen. Spr. 14, 2. Wer den Herrn fürchtet, der gehet auf rechter Bahn; wer ihn aber verachtet, der weichet aus seinem Wege. 355 Gott, ich fange einen neuen Tag an zu leben; laß deine heilige Furcht beständig mir vor Augen sein. Wer sollte dich nicht fürchten, du König der Heiden? Keine Nacht ist so finster, keine Thür so verschlossen, kein Winkel so verborgen, wo du nicht zugegen bist. Ich stelle mir vor deine Allmacht, daß dir nichts unmöglich sei; deine Liebe, daß du es treu und redlich mit mir meinest: darum sei es ferne von mir, dich zu beleidigen, oder dein Gebot zu übertreten. Laß mein Herz mit Liebe gegen dich erfüllt sein, daß meine Furcht findlich, nicht knechtisch, heiße. Nichts kann meiner Seele beständig und lieblich bleiben, als du, mein Herr und Gott. Verlaufe ich mich zuweilen von dir, und wage mich unter die Welt, o wie zerstreut komme ich zurück! Nichts Sichtbares kann meine Seele sättigen. Ist mein Sinn zu dir gerichtet, so werde ich auf rechter Bahn gehen. Ich werde gehen auf den Wegen der Heiligung, daß mein Herz dir ganz ergeben bleibe, daß ich mit meinen Gedanken bei dir sei, und mich auch scheue, etwas Sündliches und Unreines einen Augenblick zu hegen. Bewahrt deine Güte meine Seele vor grober Verachtung deiner heiligen Buß-, Glaubensund Liebeswege, so laß mich sie auch nicht durch Trägheit verachter Ich will nicht von dir und deinen Wegen weichen; in dir habe ich das Leben und volle Genüge, in dir Friede und Freude, Trost und ewiges Leben. Habe ich in den vorigen Jahren dich nicht so gekannt und geliebt, so laß mich diesen Fehler mit Fleiß ersetzen. Laß deinen Geist und Segen auf mir ruhen, und deine Furcht mich vor Sünden behüten, so lebe ich, so diene ich, so sterbe ich dir. Laß deinen Segen auf mir ruh'n, Mich deine Wege wallen, Und lehre du mich selber thun Nach deinem Wohlgefallen. Amen. 23* 26. Juni. Abend. Luc. 23, 4. 43. Herr, gedenke an mich, wenn du in dein Reich kommst. Und Jesus sprach: Wahrlich, ich sage dir, heute wirst du mit mir im Paradiese sein. 356 Herr Jesu, ich bekenne dir, daß ich ein großer Sünder bin. Dieses bekenne ich mit demüthigem und zerschlagenem Herzen; aber gedenke nicht meiner Sün den, sondern gedenke an deine Gnade, und vergib mir. Gedenke meiner, wenn ich traurig und verlassen bin; gedenke mein, wenn ich sterbe, und nimm mich zu dir in dein himmlisches Freudenreich. Ein Reich hast du mir bereitet, und eine Stätte in demselben; laß mich zu solcher Ruhe einzugehen nicht versäumen. Wenn alle meine Gedanken vergehen, so gedenke mein. Wenn ich nicht mehr reden kann, so gedenke meiner im Besten vor deinem himmlischen Vater. Gedenke meiner auch in dieser Nacht, und laß mich durch einen sanften Schlaf erquickt werden. Wenn mich Noth und Leiden, Feind und Trübsal ansicht, so gedenke meiner, daß du mir helfest; wenn die letzten Lebensstunden hereinbrechen, so will ich schreien: Herr Jesu, gedenke meiner! Antworte mir dann auch: Heute wirst du mit mir im Paradiese sein. Deine Verheißung war herrlich, deine Erhörung willig, deine Gabe unvergleichlich. Verleihe mir des Schächers betrübtes Herz, festen Glauben und seine vortreffliche Gabe, so wird mein Tod mir nicht bitter und der Anblick deiner Herrlichkeit lauter Freude und Sonne sein. Da wird mein Weinen lauter Wein, mein Seufzen lauter Jauchzen sein, und dieses Paradies wird meine beständige Wohnung bleiben, daraus ich nie werde vertrieben und wo ich ewig soll ergötzt werden. Ich preise dein Erbarmen, Herr Jesu, der mich Armen In seine Gnade nahm! Erhalte mich hierinnen Und nimm mich einst von hinnen Zu dir, wohin der Schächer fam. Amen. 27. Juni. Norgen. Matth. 5, 34. Ich sage euch: Liebet eure Feinde, segnet, die euch fluchen, thut wohl denen, die euch haffen, bittet für die, so euch beleidigen und verfolgen, so werdet ihr Kinder sein eures Vaters im Himmel. Herr Jesu, laß mich heute bei allen Gelegenheiten daran gedenken, was du mir hier befohlen haſt. Meine Feinde machen mir oft viel Verdruß mit Falschheit, Neid und Ungerechtigkeit, und mein Gemüth empfindet die Unbilligkeit nur allzu viel, daher ist die Liebe zu denselben klein, daß ich das Beten für dieselben gar vergessen will. Wenn sich der Zorn in meinem Herzen regt, so laß mich gedenken, wie du am Kreuz für deine Feinde batest: Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie thun. Und wenn der im Zorn erhitte Geist sich entschuldigen wollte, dağ ich fündiger Mensch es dir nicht gleich thun könne, so erinnere ich mich an den Stephanus, welcher im Augenblick des Todes für seine Feinde gebetet hat: Herr, behalte ihnen diese Sünde nicht. Laß meine Versöhnlichkeit sich nicht erst offenbaren, wenn mein Feind zur Abbitte willig ist, sondern daß ich allen Haß aus meinem Herzen verbanne, ihm Gutes wünsche und thue. Laß mich nie vergessen, daß mir dein himmlischer Vater nicht vergeben will, wenn ich nicht verzeihen will, und daß ich mir dadurch die göttliche Nache zuziehe. Laß mich die Pflicht der Versöhnlichkeit allezeit üben und erkennen, ich sei aus dem Tod ins Leben gekommen, weil ich nicht allein die Brüder, sons dern auch die Feinde liebe. Selig sind die frommen Herzen, Die mit Sanftmuth angethan Gerne Hohn und Troß verschmerzen, Die der Stolz nicht reizen kann; Die von Zorn und Nache fern Alles stellen heim dem Herrn; 357 Diese will der Höchste schüßen, Daß fie einst das Land besitzen. Amen. 27. Juni. Abend. Offenb. 19, 7.- Lasset uns freuen und fröhlich sein und ihm die Ehre geben; denn die Hochzeit des Lammes ist gekommen und sein Weib hat sich bereitet. 358 Heiliger Gott, da die Nacht hereinbricht, erinnere ich mich an das himmlische Freudenlicht deiner Kinder, welche in der Herrlichkeit ein immerwährendes Halle lujah singen. Hier mischen sich Trauer- und Angststunden in meine Lebenstage, aber bei dir werde ich mich beständig freuen. Lasset uns freuen und fröhlich sein, sprechen zwar hier die Glaubigen unter einander, und muntern sich zu deinem Lobe auf; dort aber wird es beständig bleiben ohne Furcht, daß Klage, Ach und Weh darauf folge. Ich lobe dich zwar hier täglich für deine Wohlthaten, aber dort soll es ohne Aufhören geschehen, wenn du mich zu der Hochzeit des Lammes eingeführt hast. Ist bei einer Hochzeit lauter Fröhlichkeit, so wird dieses in dem höchsten Grad in der Him melsfreude anzutreffen sein; du wirst alle Thränen abwischen von der Glaubigen Augen, da werde ich dein Antlig schauen in Gerechtigkeit, da werde ich Freude die Fülle und liebliches Wesen, das mir jetzt unbegreiflich ist, genießen. Darauf freue ich mich, dessen tröste ich mich. Laß mich diese Freude nicht verscherzen mit Weltliebe, sondern mich täglich dazu bereiten, wie eine Braut zur Hochzeit, mit wahrer Reinigung meiner Seele, durch herzliche Buße, mit dem beständigen Vorsatz, mein übriges Leben dir hinfort zu heiligen, der Welt abzusterben und dir zu leben: so gelange ich durch dich zur Hochzeit, wo ewige Freude sein wird. Freu' dich sehr, o meine Seele, Und vergiß all' Noth und Qual, Christus, dem ich dich befehle Ruft dich aus dem Jammerthal; Aus Trübsal und großem Leid, Sollst du fahren in die Freud', Die kein Ohr je hat gehöret Und in Ewigkeit auch währet. Amen. 28. Juni. Morgen. Jerem. 16 19. Herr, du bist meine Stärke und meine Kraft und meine Zuversicht in der Noth. Allmächtiger Gott, wie großes Leid kann mir in einem Tage widerfahren! Darum komme ich in dieser Frühstunde zu dir und flehe dich um deinen Schutz und Beistand an. Du bist meine Stärke. Bin ich schwach im Glauben, so stärke denselben durch die innerliche Versicherung deiner ewigen Liebe und Gnade. Ist meine Seele dürre und mein Gebet schwach, so stärke mich, daß ich nicht ablasse zu seufzen, zu flehen und zu ringen; denn du wirst das glimmende Docht nicht auslöschen. Stärke meine Hoffnung, wenn sich Zweifel an deiner Hilfe einfinden will; du wirst mich nicht verlassen noch versäumen. Sei auch meine Stärke in leiblichen Dingen: wenn ich krank bin, wenn ich mit Kreuz und Trübsal überhäuft werde. Das ist eine große Freudigkeit der Glaubigen, daß sie dich ihre Stärke und Kraft nennen dürfen und in der That es erfahren; wo ihr Verstand still steht, da errettest du, wo sie wanken, da hältst du; wo sie nichts haben, da gibst du. Du schenkest mir oft innerliche große Kraft, wenn Zweifel, Sorgen und Bekümmernisse meine Seele beunruhigen wollen. Von außen empfinde ich deine Kraft, wenn du den schweren Stein abwälzen hilfft. Trifft mich eine Noth, so bleibe meine Zuflucht. Seelenund Leibesnoth kannst du wenden. Du bist mein Hirte, da bin ich verwahrt; du bist mein König, du wirst mich schützen; du bist der lebendige Brunn, daraus ich Segen und Gnade um Gnade schöpfe; du bist das himmlische Gezelt, darin ich mich verberge, bis das Unglück vorüber geht. Auf meinen lieben Gott Trau' ich in Angst und Noth, Er kann mich allzeit retten Aus Trübsal, Angst und Nöthen; Mein Unglück kann er wenden, Es steht in seinen Händen. Amen. 359 28. Juni. Abend. Jes. 53, 5. Er ist um unsrer Missethat willen verwundet, und um unsrer Sünde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf daß wir Friede hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilet. 360 Jesu, erwürgtes Lamm, du kommst mir nie aus dem Sinn. Ich beschaue dich in den Wunden, welche du in der Geißelung, mit der Dornenkrone, durch die Nägel, mit dem Speer empfangen. Ich stelle meiner Seele vor die Schläge, die du ausgestanden, die Backenstreiche, die Geißelhiebe, das Hin- und Herstoßen und Zerren auf dem Wege zur Kreuzigung; ich erinnere mich des schmählichen Kreuzestodes, da Leib und Seele scheiden mußte. Wenn ich dieses Alles in stiller Andacht anschaue, so denke ich: Alles ist um meinetwillen geschehen. Meine Missethaten in Worten und Werken, meine bösen Lüste, Zorn, Neid, Hoffart, Eigenliebe haben diese Schläge, diese Wunden, solche Pein verdient. Unschuldiges Lamm, so trägst du meiner Sünden Strafen an deiner heiligen Seele mit Betrübniß bis in den Tod, mit Angst und Schrecken über den Zorn Gottes, an deinem heiligen Leibe mit Schmerzen, Marter, Wunden und Tod. Wenn ich nun an dich glaube und in Demuth, Gehorsam und Reinigkeit dir nachfolge, so habe ich Friede in mir, daß mir meine Sünden vergeben bleiben; Friede über mir, daß ich einen gnädigen Gott im Himmel habe, zu dem ich in kindlicher Zuversicht beten und Gnade erlangen kann. Deine Wunden heilen meiner Seele Schaden, heiligen, versöhnen und reinigen mich, daß man keine Sünde an mir findet. Dieses soll mein Trost im Sterben sein. Ich, ich und meine Sünden, Die sich wie Körplein finden Des Sandes an dem Meer, Die haben dir erreget Das Elend, das dich schläget Und das betrübte Marterheer. Amen. 29. Juni. Morgen. Matth. 16, 16. Du bist Christus, des lebendigen Gottes Sohn. Herr Jesu, dieses ist auch mein Bekenntniß von dir, daß du bist Christus, des lebendigen Gottes Sohn. Du nennest dich den Menschensohn aus heiliger Demuth; ich nenne dich des lebendigen Gottes Sohn aus heiliger Ehrfurcht. Ich weiß, wer du bist: mein Immanuel, König, Fürsprecher, Hoherpriester, Gnadenthron, der wahre verheißene und in die Welt gesandte Messias; hiervon überzeuget mich dein heiliger Geist und dein Wort in meinem Herzen. Die geringe Gestalt, darin du als des Menschen Sohn einhergingest, meinem Glauben keinen Anstoß, wie vor diesem den Juden; denn ich bin durch dein Wort belehrt, daß du Knechtsgestalt an dich genommen, damit du das Werk der Erlösung vollbringen konntest. Unterdessen bliebest du des lebendigen Gottes Sohn, der wahrhafte und lebendige Gott, gleicher Herrlichkeit, der nach der vollbrachten Erlösung sich gesetzt hat zur Rechten des Baters und nun als König Himmels und der Erde seine Kirche regiert. Du fragst auch mich zuweilen wie deine Jünger: wer du seiest? Du fragst mich in Kreuz und Leiden, in allen Gelegenheiten zur Sünde, ob ich dich kenne, liebe und ehre? Du bist mein Gott, von dem ich bisher Leben, Licht und Stärke empfangen, du sollst auch mein Gott bleiben bis an mein Ende. So bekennet dich mein Herz, so bekennet dich mein Mund; so soll dich mein Leben auch bekennen. Sind deine Apostel auf dieses Bekenntniß freudig gestorben: so laß mich auch darin beständig verharren. Mein Jesu, laß mich dich Im Glauben wohl erkennen, Dich meinen Herrn und Gott, Trost, Schuß und Heiland nennen. Laß mich im Glauben thun, Was uns dein Mund gelehrt, Daß dich Herz, Mund und That Als den Erlöser ehrt. Amen. 361 29. Juni. Abend. Matth. 16, 18. Auf diesen Felsen will ich bauen meine Gemeinde, und die Pforten der Hölle sollen sie nicht überwältigen. 362 Herr Jesu, du bist der Grund meines Glaubens, mein Fels und meine Burg, darauf ich traue. Wer auf dich sein Vertrauen setzt, wird so wenig verdammt werden, als der von Wellen kann verschlungen werden, der auf einen Felsen seine Zuflucht nimmt. Deine Lehre ist lieblich und fest gegründet, daß du des lebendigen Gottes Sohn bist; also ist meine Erlösung gewiß, deine Gerechtigkeit stehet allen Menschen als ein Felsen offen, dahin zu fliehen im Glauben. Auf diese heilige Lehre und dich ist die Gemeine der Glaubigen in der ganzen Welt gebaut. Wer zur Himmelsfreude gelangen will, muß durch diese Thüre eingehen. Du bist der Weg, die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater, denn durch dich. Nun, Herr Jesu, du sollst auch mein Fels und meine Zuflucht sein, und deine Lehre der Grund meines Glaubens. Glaube und lebe darnach, so ist meine Seligkeit gewiß. Jesus und seine heilige Lehre sollen mein Trost bleiben im Sterben, wenn alles Irdische und Sichtbare mich verläßt. Dieses ist aller Glaubigen Trost. Die Pforten der Hölle, Satan und andere mächtige Feinde sind zwar Chrifto und seiner heiligen Lehre, folglich auch seinen Gliedern und Kindern, abgeneigt, dennoch sind sie nicht im Stande, sie zu überwältigen. Feste Pforten und Mauern können bezwungen werden, aber nicht Christus und seine heilige Lehre, und wer darauf trauet und bauet, der wird zeitlich und ewig selig sein. Sei du nur Burg und Feste Der Deinen immerdar, Was ist der Scharen größte Dann wider deine Schar? Laß alle Welt empfinden, Daß unsers Gottes Stadt Noch Kraft zum Ueberwinden, Noch Geist und Leben hat Amen. 30. Juni. Norgen. 1 Sam. 7, 12. Bis hieher hat uns der Herr geholfen. Herr mein Gott, mit Freuden, mit Loben und Danken endige ich heute nicht allein diesen Monat, sondern auch die erste Hälfte des Jahres. Sechs Monate hast du mir herrlich hindurch geholfen, und bis hierber mein Leben erhalten. Es soll demnach dieser Tag ein Lob- und Danktag sein. Du haft mir geholfen, manchen Berg übersteigen und durch manchen DornenWeg gehen; früh und spät bist du zu meiner Hilfe bereit gewesen. Du hast an mir große Wunder und Gnade erwiesen: du hast mir geholfen an meinem Leibe, an meiner Seele, in allen Anliegen, in Sorgen, im Kreuz. Herr Jesu Christe, du bist bisher mein Fürsprecher gewesen, haft mein Gebet durch deine heilige Fürbitte kräftig gemacht, daß ich erhört worden bin. Guter Geist, mein Tröster und Lehrer, du hast mich oft zum Gebet erweckt und wegen meiner Trägheit und Uebereilung gestraft. Ach, daß ich diese sechs Monate zu den Tagen meiner neuen Geburt zählen könnte! Ich stehe noch durch deine Gnade bis auf den heutigen Tag, und kann von nichts als Hilfe, Erbarmen, Errettung, Gnade und Wohlthaten rühmen. Du hast es mir an keinem Guten fehlen lassen. Dein Wort hast du mir zum Wegweiser und zur Lebensregel gegeben, und mich durch dasselbe oft geschreckt, erweckt, getröstet und aufgerichtet. Laß ferner deine Gnade über mich walten, sei mir mit deiner Güte und Erbarmung nahe. Ich übergebe mich dir und meine künftigen Lebenstage deiner heiligen Führung. Bis hieher halfft du nun Mit deinen Gnadenhänden, Du wirst's auch ferner thun Und alles herrlich enden Was du begonnen hast, Läßt du nicht müßig steh'n Dein Werk muß ohne Rast Zum vollen Siege geh'n. Amen. 363 364 30. Juni. Abend. Spr. 27, 1. Rühme dich nicht des morgenden Tages, denn du weißt nicht, was heute sich begeben mag. Ewiger Gott, alles Ding hat seine Zeit, aber deine Güte währet in Ewigkeit, und hat mich den Schluß dieses Monats erleben lassen. Ich gedenke değhalb an meine Sünden; verzeihe mir gnädiglich, was ich begangen habe. Ich erinnere mich an die vielen Wohlthaten, welche ich bisher von deiner Hand empfangen habe. Du hast mein Leben bisher erhalten, und manches Ungewitter über mein Haupt hinziehen lassen! Ich erinnere mich, daß mir alles Zeitliche, was ich habe und besitze, kann genommen werden. Aber wenn du nur mein Heil und Theil bleibest, so bin ich reich. Ich erinnere mich auch an das Ende meines Lebens, daß mein letzter Tag, meine letzte Nacht, meine letzte Stunde herzunahen und darauf die Ewigkeit fol gen wird. Ich konnte mich nicht dieses Monats rühmen am Anfange des Jahres; aber nun rühme und preise ich deine Güte. Laß mich, so lange es heute heißt, Buße thun, aber nichts auf den morgenden Tag aufe schieben, weil nur der heutige, aber nicht der morgende Tag mein ist. Was mir bisher begegnet, mein Gott, ist theils Gnade, Liebe, Mittheilung deines Segens, Schutzes und väterliche Vorsorge gewesen: dafür lobe und preise ich deine Gnade und Güte; theils aber es Leiden und Kreuz gewesen: dasselbe hast du mir helfen tragen, endlich abgenommen, und darunter mich erhalten. Was mir in künftigen Monaten begegnen soll, das steht in deinen Händen, handle nur mit mir wie ein Vater, und laß mich in deine Hände allezeit im Leben und Sterben eingeschlossen bleiben. Verschiebe niemals deine Pflichten; Was jetzt zu thun du schuldig biſt, Denk nicht erst morgen auszurichten; Wer weiß, ob's morgen möglich ist? Mensch, dieser Augenblick ist dein; Der fünft'ge wird's vielleicht nicht sein. Amen. 1. Juli. Morgen. Joh. 15, 2. Einen jeglichen Reben an mir, der nicht Frucht bringet, wird er wegnehmen; und einen jeglichen, der Frucht bringet, wird er reinigen, daß er mehr Frucht bringe. 365 Herr Jesu, ich hebe einen neuen Tag und einen neuen Monat an; laß mich in demselben eine fruchtbare Rebe an dir, dem lebendigen Weinstock, werden, sein und bleiben. Habe ich bisher nicht dir wohlgefällige Früchte gebracht, so haue mich darum nicht in deinem Zorn ab. Kann die abgeschnittene Nebe nicht mehr wachsen, viel weniger Frucht bringen, so lebe und wirke in mir, daß ich durch dich in meinem Christenthum weiter komme. Wie der Weingärtner eine Rebe beschneidet, reinigt, pflanzt, so nimm mich in deine heilige Arbeit, bekehre, heilige, erleuchte und reinige mich durch deinen heiligen Geist, daß er mein Vorhaben innerlich bestrafe, wenn sich die böse Lust in mir regt, hingegen mich beständig zum Gebet und zur Gottesfurcht antreibe. Neinige mich durch dein Wort, daß ich nach demselben wandle; reinige mich durch deine Guade, daß ich, wie ich hurtig war, Böses zu thun, nun einen Eifer bezeige, dir wohlgefällig zu werden. Soll auch das Kreuz ein Mittel meiner Reinigung werden, so laß es an mir ausrichten, wozu du es mir auflegest. Reinige mein Herz, die Quelle, daraus unreine Gedanken und Werke fließen; reinige mein Leben von allen weltförmigen Gewohnheiten, damit laß die Früchte des Geistes in meinem Leben sich offenbaren: Glaube, Liebe, Demuth, Sanftmuth, Keuschheit, daß ich daran erkenne, du lebest in mir und ich in dir, und daß auch der Tod mich nicht aus deiner Gemeinschaft bringen könne. Bei dir, Jesu, will ich bleiben, Stets in deinem Dienste stehn; Nichts soll mich von dir vertreiben, Deine Wege will ich gehn. Du bist meines Lebens Leben, Meiner Seele Trieb und Kraft, Wie der Weinstock seinen Reben Zuströmt Kraft und Lebensjaft. Amen. 1. Juli. Abend. Pf. 68, 21. Wir haben einen Gott, der da hilft, und den Herrn, Herrn, der vom Tode errettet. 366 Gott, du bist der Gott, der mir hilft; täglich, ja stündlich harre ich dein. Ich weiß von keinem andern Helfer, denn von dir allein. Sehe ich auf mich, so finde ich Elend, Unvermögen, aber keine Hilfe; schaue ich auf Menschen, so ist's ebenso, und wohl gar Untreue, Falschheit, so daß ich ihnen nicht einmal mein Leiden entdecken mag; komme ich aber zu dir, so ist mein Herz getrost und fröhlich, denn du kannst, du willst mir helfen. Ich verlasse mich auf deine Ver heißungen. Dieses ist aller Glaubigen Trost auf Erden, denn wir haben alle einen Vater, einen Sinn, einen Trost und einen Gott, darum wirst du auch mein Gott und Erbarmer sein. Ich habe ihn gehabt, ehe ich ihn kannte, und werde ihn haben, jo lange er mir mein Leben erhält. Du heißest Gott, Herr, Herr, drei Namen, die niemand als dir, dem dreieinigen Gott zukommen. Dieses soll mein Trost mein Leben lang bleiben. Mein Vater hilft mir in allem Kreuz; mein Jesus vergibt mir alle meine Sünden; der heilige Geist arbeitet immer an meinem Herzen, daß er es von der Welt ab- und zu Gott ziehe. Bist du denn, lebendiger Gott, also mit mir beschäftigt, so wird es mir an keiner Hilfe fehlen, auch nicht im Tode, denn auch davon kannst du mich retten; du kannst mein Leben verlängern. Vom geistlichen und ewigen Tod hat mich Jesus errettet. Wenn ich an ihn glaube, ihm folge, diene, gehorche, so soll ich nicht verloren noch verdammt werden, sondern das ewige Leben haben. Sollt ihm, dem Herrn der Herrlichkeit, Dem Gott vollkommner Seligkeit Nicht Ruhm und Ehr' gebühren? Er kann, er will, er wird in Noth, Vom Tode selbst, und durch den Tod Uns zu dem Leben führen. Amen. 2. Juli. Morgen. Luc. 1, 49. Er hat große Dinge an mir gethan, der da mächtig ist, und deß Name heilig ist. Barmherziger, gnädiger Gott, mein Herz und Mund ist in dieser Frühstunde mit Lob und Dank angefüllt. Du hast große Dinge an mir gethan im Leiblichen, da du mich ernährt, beschüßt, wunderbar geführt und in Kreuz und Leiden mir beigestanden. Du hast große Dinge an meiner Seele gethan, da du mir in Jesu Gnade angeboten, und mich durch deinen heiligen Geist noch täglich berufen, erleuchten, heiligen, trösten, im Glauben stärken läsfest. Noch größere Dinge habe ich von dir zu erwarten in der Herrlichkeit, da ich dich schauen soll von Angesicht zu Angesicht in Gesellschaft der Auserwählten. Laß mich hier die Wege, welche du mich führst, in deiner Furcht wandeln, auf daß ich deiner Herrlichkeit möge theilhaftig werden. Laß deine Allmacht eine heilige Furcht vor der Sünde in mir erwecken, weil du mächtig biſt zu strafen, welche dich beleidigen, und dein Gebot übertreten; laß aber auch deine Allmacht mich getrost und freudig machen in allen Begebenheiten, daß ich auf dich mein Vertrauen setze, so werde ich niemals kleinmüthig werden oder verzagen. Heiliger Gott, lag mich dir zu Ehren ein heiliges Leben führen und mit heiligen Gedanken mich ergeßen. Wirke selbst in meinem Herzen reine Bewegungen; regiere meinen Mund, dağ er rede, was ehrbar, was keusch, was züchtig und was wohl lautet. Also laß mich heute als eine begnadigte Seele vor dir wandeln, bis du mich zu der Schar deiner Kinder, welche dein Angesicht schauen, auf nehmen wirst. Gott, dich will ich herzlich loben, Weil ich hier im Leben bin; Denn du krönst mit Gnadenproben Mir mein Leben immerhin. 367 Bringe mich in jenes Leben, Ewig dir dein Lob zu geben. Amen. 2. Juft. Abend. Luc. 1, 50. Seine Barmherzigkeit währet für und für bei denen, die ihn fürchten. Gott, deine Barmherzigkeit hat mich an des Tages Licht gebracht, und mich in Christo Jesu an Kindesstatt angenommen. Deine Barmherzigkeit hat meinen Geist mit Trost in Trübsal erfüllt. Ja, deine Barmherzigkeit hat mich auch heute begleitet, bewahret, und diesen Abend in Frieden erreichen lassen. Vater der Barmherzigkeit, vergib mir alle meine Sünden, welche ich heute begangen. Laß mich deine Barmherzigkeit allezeit genießen, wie im Anfang meines Lebens, also inskünftige, bis in den Tod. Laß sie mich auf allen Wegen behüten, bis du mich zu dir nehmen und mich in der Herrlichkeit mit dir vereinigen wirst. Indessen schreibe deine Furcht in mein Herz, daß ich mich scheue, dich zu betrüben. Laß mir deine Gegenwart vor Augen sein an allen Orten, zu Hause und in der Fremde; bei allen Leuten, wo ich bin; zu allen Zeiten, bei Tag und bei Nacht. Laß deine heilige Furcht mein Herz im Zaum halten, daß es sich an keinen sündlichen Einfällen belustige; laß sie mein ganzes Leben regieren, daß ich immer vor dir wandle in deiner allerheiligsten Gegenwart. Würdige mich deiner gnädigen Heimsuchung, und laß dieselbe wirken ein süßes Vergnügen in dir, daß ich von dir und mit dir mein Gespräch habe; laß sie wirken einen beständigen Lobgesang über all' das Gute, das ich empfangen habe und noch empfangen soll. Laß mich auch deine gnädige Heimsuchung im Sterben empfinden; alsdann zeige mir die offenen Arme Jesu; laß in seinem Blute alle meine Sünden getilgt sein, und laß mich unter deinem Lobe sanft einschlafen. Gott, der du reich bist an Erbarmen, Nimm dein Erbarmen nicht von mir, Und führe durch den Tod mich Armen, Durch meines Heilands Tod zu dir; Da bin ich ewig hoch erfreut Und rühme die Barmherzigkeit! Amen. 868 3. Juli. Norgen. Rol. 3, 23. Alles, was ihr thut, das thut von Herzen, als dem Herrn und nicht den Menschen. Allsehender Gott, du kennst mein Herz, du verstehst meine Gedanken, darum bewahre meine Seele vor Heuchelei, da ich zwar das Gute zu lieben scheine, aber dabei ein Schalksauge behalte, das nebenaus sieht auf eitle Ehre und Eigennutz, dabei ich nicht dich, sondern mich selbst meine. Die Heuchler willst du, weil sie nicht kalt oder warm sind, aus deinem heiligen Munde ausspeien; es soll ihnen nicht helfen, daß sie von dir gegessen und getrunken haben, und von dir auf den Gassen gelehrt worden, das ist, daß sie zum heiligen Abendmahl gegangen, und in der Kirche dein Wort gehört haben, weil dabei ihr Herz falsch, unbekehrt, frech und eitel geblieben ist. Davor behüte mich, lieber himmlischer Vater! Laß mich, wenn ich bete, nicht auf Menschen sehen, oder es vor Menschenaugen thun, sondern damit deinen Namen bekennen, und dich ehren, aber mir damit einen Namen zu machen, nicht verlangen, auch nicht mit Almosen, Liebeserzeigung an dem Nächsten, im Gottesdienste und heiligen Handlungen. Gib, daß ich mein Christenthum beweise in Reinheit und Heiligkeit, von Herzen, als vor dir, meinem allsehenden Herrn, der in das Herz sieht. Daran erinnere mich immer durch deinen heiligen Geist, das mit alles, was ich thue mit Worten und Werken, zu deiner Ehre und aus Liebe zu dem Nächsten geschehe. O du Geist der reinen Liebe, Der von Gott du gehest aus, Laß mich spüren deine Triebe, Nimm dir hin mein Herz und Haus! Was in mir sich selbst nur suchet Es nicht treu mit andern meint, Haß ist, und nur Liebe scheint, Laß mich halten als verfluchet; Lente meinen ganzen Sinn, Geist der Lieb, zur Liebe hin! Amen. Stark's Morgen- und Abend- Andachten. 369 24 3. Juli. Abend. Pf. 77, 7. Wenn ich betrübt bin, so denke ich an Gott; winn mein Herz in Nengsten ist, so rede ich. 370 Gott, du bist meine einzige Zuflucht in guten und bösen Tagen. Wenn ich betrübt bin, so laß mich deine Gnade spüren. Wo soll ich hin, wenn mein Herz beklommen und traurig ist, als zu dir? Jch denke alsdann an deine Allmacht, daß du mir helfen kannſt, an deine Liebe, daß du dich mein erbarmen werdeſt, an deine Treue, daß du mich nicht verlassen könnest; an deine Verheißungen, daß du sie auch an mir erfüllen werdest. Ich denke auch mit betrübtem Herzen daran, daß ich dich heute so oft und vielfältig erzürnt, und bitte demüthig um Vergebung meiner Sünden. In solchem Denken und Vertrauen finde ich Ruhe und Trost; mein Herz gibt sich zufrieden, und mich dünkt, wenn ich dir mein Anliegen geklagt, so sei mir schon geholfen. Nimmt aber meine Be trübniß zu, werden die Drangsale verdoppelt, scheint mein Beten, Hoffen und Vertrauen vergebens zu sein, daß mein Herz darüber in Angst kommt: so mache ich es wie Jesus, welcher, da er mit dem Tode rang, desto heftiger betete. Also rede ich in meiner Angst mit dir, ich schreie, heule, weine und lasse nicht ab, bis ich Erhörung und Hilfe erlangt. Ich rede von deiner Güte, von deiner Liebe und Erbarmen, und spreche: Wann tröstest du mich? Ich rede als ein Kind mit dem Vater: ach, hilf mir. Mein Gott, wenn in meiner Todesstunde mein Herz in Aengsten ist, so erhöre mich und hilf mir um Jesu willen. Wenn wir in höchster Noth und Bein, Und wissen nicht, wo aus noch ein, Und finden weder Hilf noch Rath, Obgleich wir sorgen früh und spat: So ist dies unser Trost allein, Daß wir zusammen insgemein Anrufen dich, o treuer Gott, Um Rettung aus der Angst und Noth. Amen. 4. Juli. Norgen. 2 Kor. 6, 14. Ziehet nicht am fremden Joch mit Sen Unglaubigen. Denn was hat die Gerechtigkeit für Genieß mit der Ungerechtigkeit? was hat das Licht für Gemeinschaft mit der Finsterniß. Heiliger Gott, du hast in der heiligen Taufe einen Bund mit mir gemacht: laß mich diese hohe Gnade nicht gering achten, noch aus Weltliebe verscherzen. Bewahre mich, daß ich mich nicht in Gemeinschaft unglaubiger Menschen begebe, und mich mit ihnen an einem Joch zu ziehen bereden lasse. Du weißt, daß ich mit Gottlosen und Weltkindern reden, gehen, neben ihnen wohnen muß; allein das wird mich nicht verdammen, wenn ich nicht mit ihnen fündige. Laß deinen guten Geist mich warnen, strafen, wenn sich mein Naturgeist zu solchen Dingen bequemen will. Welt- und Sündenliebe haben ja keine Verbindung mit deiner reinen Jesusliebe. Laß mich wohl bedenken, daß die Gerechtigkeit des Glaubens auch die Gerechtigkeit des Lebens erfordert, und daß die Ungerechtigkeit in Handel und Wandel unmöglich damit stehen kann, so wenig als Licht und Finsterniß mit einander Gemeinschaft haben. Denn wie es in einem Gemach unmöglich zugleich licht und finster sein kann, so kann unmöglich in meinem Herzen Jesus und die Sündenliebe sein. Heilige demnach dir mein Herz zur Wohnung, wende meinen Sinn und Leben durch deinen Geist von allem Verlangen und Begierden ab, was dir kann mißfällig sein. Ich nehme mit Freuden Jesu Joch auf mich, und folge seiner Liebe, Demuth, Sanftmuth, Gehorsam; erhalte mich in solchem Gnadenstande, daß ich dir treu bleibe bis an mein Ende. Ich scheide mich von Herzensgrunde Von der Gottlosigkeit Genieß, Ich bleibe treu dem Gnadenbunde Und fern vom Joch der Finsterniß; Wer Christi sanftes Joch erlesen, Der hasset solches falsche Wesen. Amen. 371 74* 4. Juli. Abend. Röm. 8, 16. Derselbige Geist gibt Zeugniß unserm Geist, daß wir Gottes Kinder sind. 372 Gott, dieser Tag ist nun vollbracht; schenke meiner Seele Licht und Heil, daß ich mich möge zur Ruhe legen auch als ein Kind. Oder treuen Liebe Gottes, welcher einen Zeugen in meiner Seele unterhält, der mich seiner Gnade beständig versichert! Wie finden sich so viel Begebenheiten, Leiden und Bekümmernisse bei mir ein, daß ich oft zweifeln möchte, ob ich dein Kind sei. Will Satan wegen meiner Sünden mir meine Kindschaft zweifelhaft machen, so laß deinen Geist meinem Geist Zeugniß über die Gewißheit meines Gnadenstandes geben, sowohl durch stetes Verlangen, Hunger und Durst nach deiner Gnade, als auch in Herzlicher Traurigkeit über meine Sünden. Laß ihn in mir wirken Zufriedenheit mit allem, was du mir zuschickest und auflegest. Laß ihn mich antreiben zum Gebet, welches der Odem des neuen Menschen ist, daß mein Leib zwar auf der Erde, aber mein Herz allezeit bei dir im Himmel sei. Laß ihn in mir wirken Ekel und Abschen vor allen Sünden. Dieses ist ein gewisses Zeugniß, daß dein Geist in mir wohne Schenfest du mir dabei herzliche Liebe zu dir, so weiß ich gewiß, daß ich dein Kind sei. Achtet man es für eine große Herrlichkeit auf Erden, eines Königs Kind zu sein, welche Herrlichkeit ist das, ein Kind Gottes zu sein! Gott, erhalte dieses Zeugniß in meinem Herzen, in Kreuz und Leiden; laß mich es auch im Sterben empfinden, so sterbe ich als dein Kind, werde begraben als dein Kind und stehe auf als dein Kind Du Geist des Vaters, dir sei Ruhm, Daß du uns zeigst, wir seien Gottes Kinder! Erwarb der Sohn uns sich zum Eigenthum, So theilt er nun das Kindsrecht an die Sünder. Wer Glauben hat, dem ist es zugedacht, Er gibt die Macht. Amen. 5. Juli. Morgen. Gal. 5, 6. In Christo Jesu gilt weder Beschneidung noch Vorhaut etwas, sondern der Glaube, der durch die Liebe thätig iſt. Gnadenreicher Gott, der du mir alle Schätze der Seligkeit in Christo Jesu, meinem Herrn, eröffnet hast; laß mich an denselben meine Lust haben, und derfelben genießen. Jesus, sein Blut, sein Himmel, seine Seligkeit ist mir lieber, als alle Herrlichkeit der Jrdischgesinnten. Zu dieser Herrlichkeit steht allen der Weg offen. Hiervon schließet nicht aus die Beschneidung, nicht die Vorhaut. Es hilft auch dazu keine Beschneidung und Vorhaut etwas, daß ein Jude eher zur Seligkeit kommen könnte, als der Heide, oder ein Heide eher als der Jude könnte selig werden; nein, du hast allen eine Thüre zum Leben eröffnet, welches ist der Glaube an Jesum. Wer also glaubt, wird nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben, und kommt nicht in's Gericht. O hohe Gnade, welche du den armen Sündern erzeigest! Dieser Glaube aber muß kein todter Heuchel-, Mund- und Hirnglaube, sondern ein lebendiger Glaube sein, der durch die Liebe thätig ist. Laß mich, o Gott, dich lieben und alles meiden, was dich betrüben, und alles fliehen, was nicht mit deiner Liebe bestehen kann, nämlich Fleischeslust, Augenluft, hoffärtiges Leben und heimliche Sünde. Laß mich den Nächsten lieben, ihm Gutes gönnen und thun, wie mir selbst, daß mein Glaube sei der Baum, die Liebe die Frucht, mein Glaube ein Licht, die Liebe die Wärme. So laß mich dir geheiligt und dein Eigenthum werden und ewig bleiben. Herr! durch den Glauben wohn' in mir, Laß ihn sich immer stärken, Daß er sei fruchtbar für und für Und reich an guten Werken; 373 Daß er sei thätig durch die Lieb', Mit Freuden und Geduld sich üb', Dem Nächsten treu zu dienen. Amen. 374 5. Juli. Abend. Apostelg. 17, 30. Gott hat die Zeit der Unwissenheit übersehen; nun aber gebeut er allen Menschen, an allen Orten Buße zu thun. Gott, deine Güte hat mich heute behütet, laß mich dieselbe zur Buße leiten. Mit Unwissenheit kann ich mich nicht entschuldigen; was ich glauben, thun und unterlassen soll, lieget mir vor Augen. Es wird mir gepredigt, ich kann es in deinem Worte lesen, dein Geist erinnert mich oft an meine Pflicht. Darum ist meine Schuld desto größer; aber ach, Herr, verschone, und laß mir Barmherzigkeit widerfahren. Du willst ja nicht den Tod des Sünders, darum gebietest du allen Menschen, Buße zu thun. Wirke selbst diese Buße in mir. Stelle mir vor die Größe und Menge meiner Sünden, daß ich darüber erschrecke. Wirke in mir eine herzliche Traurigkeit, Reue und Leid darüber. Du wirst mir Barmherzigkeit widerfahren lassen, weil du allen Menschen gebietest, zu dir zu kommen, und ihnen in Christo Jesu Gnade versprichst; davon ist kein Sünder ausgeschlossen. Oder unendlichen Gnade! allen Menschen an allen Orten, auch den größten Sündern ist geboten, Buße zu thun, und in dem Blute des Lammes die Reinigung und Seligkeit zu suchen. Dessen freue ich mich und weiß, du wirst dich auch meiner erbarmen. Habe ich etwas in den vorigen Unwissenheitsjahren begangen, so übersiehe und verzeihe es. Ach, daß ich dich so spät erkannt, so spät geliebt! Nun, was noch übrig ist von meinem Leben, soll nicht mehr der Sünde, sondern dir zu Ehren hingebracht wer den. Laß mich nun Gnade erlangen, und wenn ich sterbe, als eine begnadigte Seele ewiges Heil finden. Jesu, der du durch dein Wort Mich zur Ruhe hast gerufen, Führe dein Werk an mir fort, Bis vor deines Thrones Stufen; Da geht Dank und Wonne an, Daß ich durch dich Buß' gethan. Amen. 6. Juli. Morgen. Zachar. 2, 10. Freue dich und sei fröhlich, du Tochter Zion, denn siehe, ich komme und will bei dir wohnen, spricht der Herr. 375 Allmächtiger Gott, ich weiß nicht, was mir an diesem Tag widerfahren soll, darum eile ich zu dir, und rufe dich um deinen Schuß und Beistand an. Damit ich aber vor allen Sünden, vor allem Unfall und Schaden bewahrt werde, so komme du in mein Herz. Du hast den Glaubigen verheißen, du wollest bei ihnen wohnen; so komme denn und wohne in mir. Siehe, ich habe mein Herz bereitet durch Neue und Leid über meine Sünde; durch Glauben an Jesum, durch einen ernstlichen Vorsag, hinfort ein neues Leben anzufangen. Wohne in mir, mein Gott, und vertreibe ferner aus meiner Seele alle Sündenlust. Wohne in mir und ermuntere mich zum beständigen Gebet, und bewahre mich vor Zerstreuung. Wohne in mir und laß mich in meinem Christenthum immer zunehmen, daß ich alle Tage frömmer werde. Laß mein Herz immer mehr gereinigt werden; heilige meinen Willen und ganzes Leben, daß ich thue, was dir wohlgefällt. Wohne in mir, und verleihe mir Beständigkeit im Guten, daß ich nicht wieder die Welt lieb gewinne. Laß deine Wohnung in mir beständig bleiben, bis du mich in die ewigen Hütten aufnehmen wirst. Dein Kommen soll meine Freude sein hier und dort. Ich bin fröhlich über solche Gnade, daß du, hoher und erhabener Gott, in mir, dem armen Staub und Asche, wohnen, mich verherrlichen, heiligen und zu deiner ewigen Wohnung bringen willst. Ist man behutsam an dem Palast eines großen Herrn, so laß mich deine gnädige Einwohnung zur wahren Frömmigkeit antreiben, daß diese Gnade niemals verliere. O so komm denn in mein Herz, Heile mich von Sünd' und Schmerz, Sieh', ich rufe für und für: Jesu, Jesu, komm zu mir! Amen. 6. Juli. Abend. Offenb. 21, 7. Wer überwindet, der wird alles ererben. Herr Jesu, laß mich jeden Tag als einen Kampf tag ansehen, aber auch als einen Siegestag. Wie kann ich aber siegen ohne dich, o Siegesfürst? Hilf mir, so überwinde ich die Sünde, daß sie nicht mehr über mich herrsche. In dir habe ich Stärke wider die innerlichen Sünden, davon niemand weiß, als du, nemlich Zorn, Neid, Mißgunst, Falschheit und Ueppig keit. Hilf mir überwinden die Sünden, welche Menschen hören und sehen können, daß ich in deren keine willige. Hilf mir die Welt überwinden, daß ich nicht ihrer Stimme und Beispiel folge, sondern dir allein. Im Sterben wirst du mir alle Anfechtung und Angst überwinden helfen, daß ich fröhlich einschlafen möge. Der Fürst dieser Welt ist von dir überwunden und hat nichts an mir, wenn ich in dir bleibe. Habe ich also überwunden, so bin ich dein Kind und Erbe. In der Welt theilen die Erben die Güter unter sich; aber deine Verheißung spricht: Wer überwindet, der wird alles erben. Ist Jesus mein eigen, so ist alles mein, was er erworben hat. In dir, mein Heiland, habe ich schon hier Gerechtigkeit, unaussprechlichen Frie den, den freien Zugang zum Bater. Meine Erbschaft wird noch größer werden, wenn ich die Hütte des Leibes abgelegt habe, nemlich das Kleid der Gerechtigkeit, die Krone des Lebens. Ich werde die Stätte einnehmen, welche du mir bereitet hast; ich werde dein Antlitz schauen in Gerechtigkeit. Auf diese Erbschaft freue ich mich; bewahre mich, daß ich sie nicht verscherze. Erquicke mich im Sterben mit dem Anblick dieser Erbschaft und gib mir einen Vorschmack der Himmelsfreude. So streit denn wohl, streit keck und kühn, Daß du mögst überwinden; 370 Streng an die Kräfte, Muth und Sinn, Daß du dies Gut mögst finden; Wer nicht will streiten um die Kron, Bleibt ewiglich in Spott und Hohn! Amen. 7. Juli. Norgen. Spr. 15, 3. Die Augen des Herrn schauen an allen Orten, beide die Bösen und die Frommen. 377 Allgegenwärtiger Gott, laß mich heute den ganzen Tag gedenken, wie deine Augen schauen an allen Orten. Eines Menschen Auge kann verhindert werden, daß es nicht alles sehen kann; aber deine Allgegenwart kann durch nichts abgehalten werden. Meinest du, daß sich jemand so heimlich verbergen könne, daß ich ihn nicht sehe? sprichst du selbst. Du siehest auch in mein Herz, wie ich dich liebe. Du schauest in mein Kämmerlein, wie ich vor dir liege, dir meine Noth klage, um ein neues Herz dich anflehe. Du schauest in mein Haus, was ich da thue und auf meine Thränen. Dieſes alles schauest du nicht allein wie ein Mensch, sondern läsfest dir mein Seufzen zu Herzen gehen, und eilest mit deiner Hilfe. Du schauest meine Gänge, und weißt, was ich in der verschlossenen Kammer vollbringe. Du weißt, was ich rede, was ich denke und richtest es. Laß mich daran beständig denken, so werde ich nimmermehr Böses thun. Böse und Fromme haben hier einerlei in Acht zu nehmen. Böse mögen denken, ohne Zeugen sind sie nicht, wenn sie schon vor MenschenAugen verborgen sind. Böse haben ihren Richter vor sich, und die Hand, die alles aufschreibt, was sie thun. Fromme können des göttlichen Erbarmens, Beistandes und Hilfe sich trösten; sie denken, singen, beten, arbeiten in der Gegenwart ihres Gottes; darum behalten sie ein gutes Gewissen, und berufen sich darauf, wenn sie unschuldig und fälschlich angeklagt werden, weil ihr Zeuge im Himmel iſt. Präg' deine Gegenwart, Herr, den Gedanken ein, Laß mich im dunkeln auch dein helles Auge scheu'n. Erinnre mich an deine Macht Und an die Bein der langen Nacht, Wenn es mein Geist will wagen, Gehorsam zu versagen. Amen. 7. Juli. Abend. P₁. 103, 13. Wie sich ein Vater über seine Kinder erbarmet, so erbarmet sich der Herr über die, so ihn fürchten. Gott, Vater, ich komme zu dir, und habe um vieles zu bitten; laß mich dein Vaterherz offen finden. Deine Liebe übertrifft aller irdischen Väter Liebe. Jakob war um seinen Sohn Joseph bekümmert; David weinte um Absalom; der Vater nahm den verlornen Sohn wieder an: laß mich auch Barmherzigkeit vor dir finden. Gedenke doch, daß ich dein Kind bin; bin ich nun ein undankbares und ungehorsames Kind geworden, wie du klagest: Ich habe Kinder auferzogen, und sie sind von mir abgefallen, sie haben mir nicht das Angesicht, sondern den Rücken gekehrt, so verwirf mich darum nicht, sondern erbarme dich über mich, und siehe mich in Gnaden an. So lieblich diese Verheißung ist, so ermuntert sie mich zugleich zum Gehorsam und zur Furcht vor dir. Erbarme dich mein, und schenke mir Kraft, daß ich dich fürchte als meinen Vater, und mich schäme dich zu beleidigen, als meinen Herrn, dem ich Gehorsam schuldig bin. Diese heilige Furcht laß mein Herz erfüllen, meine Zunge und Lippen regieren, meine Füße auf den Wegen der Frömmigkeit leiten. Laß deine heilige Furcht die Reizungen und Lockungen in mir ohnmächtig machen, hingegen mich immer mehr mit dir vereinigen und deine Liebe in mir erhalten, dir zu leben, dir zu folgen und zu dienen. Laß meine. letzte Lebensstunde mich in solchem seligen Stande antreffen; alsdann erbarme dich über mich. 378 Wie die Väter sich erbarmen, Wenn sie Kinder weinen seh'n, Also lässest du uns Armen Dein Erbarmen offen steh'n. Gib mir doch ein solch' Gemüthe, Das in deiner Liebe steht, Wacht und schlummert, liegt und geht Und nur lebt von deiner Güte. Meine Seele flehet dich: Treue Liebe, liebe mich! Amen. 8. Juli. Morgen. Ezech. 18, 24. Wo sich der Gerechte kehret von seiner Gerechtigkeit, und thut Böses, und thut nach allen Greueln, die ein Gottloser thut, sollte er leben? Ja, aller seiner Gerechtigkeit, die er gethan hat, soll nicht gedacht werden, sondern er soll in seinen Uebertretungen und Sünden, die er gethan hat, sterben. 379 Gott, du bist gerecht, und deine Gerichte sind gerecht. Du willst den bußfertigen Sünder annehmen, aber wenn er deine Gnade mißbraucht, die Welt lieb gewinnt, so strafst du seine Bosheit mit gerechter Verstoğung. Laß mich daran allezeit gedenken. Was hilft mir die Vergebung der Sünde, wenn ich sie wieder begehe? Was hilft mir mein Vorsatz, wenn ich ihn nicht halte? Wer beharret bis an's Ende, der wird selig werden; wer aber weicht, an dem wird deine Seele kein Gefallen haben. Schrecke mich mit der Drohung von aller Sündenliebe ab, daß alles des Guten, das ich im Gebet, Gottesdienst und Almosengeben voll= bracht, nicht soll gedacht werden, sondern daß du mich richten willst, wie du mich findest, wenn ich vorseßlich von meiner Frömmigkeit weiche. Schrecklich ist es, in Sünden sterben, denn man stirbt ohne Buße und Gnade, und muß also ewig verdammt werden. Davor bewahre mich, barmherziger Gott; dagegen laß mich leben in dir, ja, lebe du in mir, auf daß ich ewig bei dir leben, und wenn dieses Leben ein Ende hat, der ewigen Herrlichkeit theilhaftig werden möge. Laß mich in der Zeit beständig an die Ewigkeit ge= denken. Laß mich eine jede Woche und einen jeden Tag als den legten ansehen. Wirke du selbst in mir Beständigkeit im Glauben, Abscheu vor allen Sünden, auch vor den geringsten, auf daß ich in dem Stande der Gnade allezeit erfunden werde. Hilf, o Herr Jesu, hilf du mir, Daß ich noch heute komm' zu dir, Und mich bekehre unverweilt, Eh' mich mein Ende übereilt, Auf daß ich heut und jederzeit Zu meiner Heimfahrt sei bereit. Amen. 8. Juli. Abend. Jef. 43, 25. ge= Jch tilge deine Uebertretungen um meinetwillen, und gedenke deiner Sünden nicht. Herr Jesu, dein Wort ist die Regel, nach welcher ich mich richten soll im Denken, Reden und Thun; aber wie oft übertrete ich dasselbe! Dieses ist meine tägliche Klage. Aber, ach Herr, schone meiner um deiner Güte willen, und tilge meine Uebertretungen. Du bist um meiner Sünden willen gekreuzigt und tödtet; darum ist meine Schuld getilgt. Durchstreiche du mit deinem Blute die Handschrift meiner Missethaten. O eine unaussprechliche Gnade, wenn mir alle Schuld und Strafe erlassen wird! Herr Jesu, mache mich recht frei; tilge sie aus meinem Herzen und aus deinem Buche. Ich bin zwar solcher Gnade nicht werth, denn was ist ein Uebertreter des Gesetzes werth? Des Todes! des Gerichts! der ewigen Pein! aber um deinetwillen, durch dein Kreuz und deinen Tod, durch deinen Todeskampf und blutigen Schweiß hilf mir, lieber Herr und Gott, und gedenke meiner Sünden nicht. Gedenke nicht der Sünden meiner Jugend, gedenke nicht der Missethaten, die ich in den erwachsenen Jahren begangen. Gedenke nicht der bösen Werke, die ich verübt, des sündlichen Lebens, das ich geführt. Ge denke nicht der Verachtung, die ich so oft gegen dich bezeigt, da ich eher der Welt und meinen eigenen, als deinen Willen vollbracht. Also laß alle meine Sünden ausgelöscht, vergeben und auf ewig aus deinem Buche getilgt sein. Sprich zu mir in meiner Todes stunde: Jch gedenke deiner Sünden nicht, und laß mich alsdann gerechtfertigt in dein Reich eingehen. Wird mir das Angedenken Der alten Sünden neu, 380 Bin ich, weil sie mich kränken, Auch in dem Beten scheu, So macht dein Wort mir Muth: Die Sünden sind vergeben; Gott sagt dir: du sollst leben, Für dich red't Christi Blut. Amen. 9. Juli. Norgen. 1 Sam. 12, 21. Weichet nicht dem Eiteln nach; denn es nüßet nicht, und kann nicht erretten, weil es ein eitles Ding ist. 381 Gott, du bist meine Liebe, meine Freude, mein Trost. Wenn ich dich habe, so habe ich, was mich zeitlich und ewig glückselig machen kann. Darum bewahre mich, daß ich nicht dem Eiteln nachweiche, und von dir mich abwende. Was sichtbar ist in der Welt, ist eitel und vergänglich. Weltlust macht das Herz eitel und irdisch gesinnt, und löscht die reine Liebe gegen dich aus. Laß mich die Eitelkeit der weltlichen Gesellschaften recht einsehen, und nie dabei sitzen, weil ich ohne ein verletztes Gewissen nicht dabei sein kann. Ich werde von dir abweichen, der Welt Sitten, Reden und Sünden lernen, wenn ich mich unter sie mische, und wer an Ehre und Reichthum sein Herz hängt, der weicht von dir ab, und kann sich damit nicht erretten am Tage des Gerichts, es nüket nicht in der Stunde des Todes. Du aber sollst allezeit meine Liebe, meine Freude bleiben; dein Wort soll meine Gesellschaft und mein Rathgeber, dein Geist soll mein Lehrer und Führer sein, der mich warne und von Sünden abhalte; Jesus soll meiner Seele Ruhe sein. Bin ich in den vorigen Tagen dem Eiteln nachgegangen, so verzeihe es mir, ich habe es aus Unwissenheit gethan. Ich kehre von dem Eiteln um zu dir, o lebendige Lebensquelle, erfülle mein Herz mit deiner Gnade und heiligen Furcht, daß ich heute und nimmermehr von dir abweichen, sondern bis in den Tod dir anhangen möge. Von dir will ich nicht weichen, D weiche nicht von mir! In aller Dinge Reichen Gleicht keine Güte dir Wenn ich gen Himmel flöge, Wenn ich zum Brunn des Lichts Durch ferne Meere zöge, Geliebt'res find ich nichts! Amen. 9. Juli. Abend. Matth. 8, 20. Die Füchse haben Gruben, und die Vögel un ter dem Himmel haben Nester; aber des Menschen Sohn hat nicht, wo er sein Haupt hinlege. 382 Herr Jesu, da ich mein Haupt zur Ruhe legen will, so erinnere mich, daß du in der Welt nicht hattest, da du dein Haupt hinlegen konntest. Du hast mir also im Leiblichen mehr gegeben, als du hatteſt; dafür danke ich deiner Barmherzigkeit. Bei dieser Wohlthat erinnere ich mich der Seelenruhe in dir. Dein Erbarmen ist mein sanftes Hauptkissen, daß ich gewiß weiß, du werdest mir meine Sünden vergeben. Meines Bettes kann ich müde werden, aber deine Liebe ist mir alle Morgen neu. Sollte mein Bette mir in Krankheitsstunden ein Schmerzensort werden, oder sollte es mein Sterbebett werden, so soll meine Seele in dir Ruhe, Friede und Freude haben. So hat mir deine Liebe eine Ruhestatt für Leib und Seele gegeben in gesunden und kranken Tagen. Du hast aber auch durch deinen Tod mein Grab geheiligt: da wird mein erblaßter Leib ein sanftes Kissen haben; da werde ich ruhen von aller Mühe, Sorgen, Schmerzen und Arbeit, und meine Seele wird bei dir im Paradiese sein, wie du sprichst: Bater, ich will, daß, wo ich bin, auch die bei mir seien, die du mir gegeben hast, daß sie meine Herrlichkeit sehen. Da werde ich meine ewige Ruhe haben. Ach, mein Erlöser, laß mich am Abend mit einem reinen Gewissen mich schlafen legen, denn ein gutes Gewissen ist ein sanftes Ruhekissen, daß ich jeden Tag in deiner heiligen Furcht und Abscheu vor Sünden hinbringe, daß ich mein Gewissen nicht verletze, welches mir meinen Schlaf stören, Sorgen. Angst und Kümmerniß verursachen könnte. Er ist auf Erden kommen arm, Daß er unser sich erbarm', Und in dem Himmel mache reich, Und seinen lieben Engeln gleich. Hallelujah! Amen. 10. Juli. Worgen. Phil. 4, 13. Jch vermag alles durch den, der mich mächtig macht, Christus. Herr Jesu, diesen Tag fange ich mit dir an. Ich vermag von mir selbst nichts Gutes zu denken und vorzunehmen, weil mein Dichten und Trachten nur böse ist von Jugend auf; aber in dir und durch dich vermag ich alles. Du bist meine Gerechtigkeit, in dir erlange ich Vergebung aller meiner Sünden. Du bist meine Weisheit, du lehrest mich, was ich thun und lassen, wie ich weislich handeln soll. Du bist meine Heiligung, der mich durch sein Blut reinigt von allen meinen Sünden, und mich durch seinen Geist heiligt. Du bist auch meine Erlösung, die mich innerlich von aller Sündenlast befreit, und eine heilige Liebe zu der Frömmigkeit in mir wirket. So bist du meiner Seele alles. Mache mich Ohnmächtigen von Natur, mächtig durch deine Gnade, zu überwinden alle sündlichen Einfälle, Begierden und Lüste; mache mich mächtig, wenn die Welt mich lockt, daß ich ihre Wege verachte, und wenn sie mich deßwegen verlacht, ich diese Verachtung verachten möge; mache mich mächtig zu beherrschen mich selbst, meinen Zorn, Neid und Mißgunst; mache mich mächtig, meine Zunge zu regieren zu deinem Lob und Ehren, niemals aber zu sündlichen und unartigen Reden zu mißbrauchen. Du bist ja kein todter, sondern ein lebendiger Jesus, der sich in der Seele regt. Laß nicht mehr die Sünde in mir mächtig sein, wie in den vorigen Jahren, da ich außer dir nach dem Naturlichte und Naturtriebe lebte. Mache mich mächtig in dir durch deinen Geist, so bin ich stark und mächtig in dir, so unvermögend ich von Natur bin. Laß den Geist der Kraft, Herr Jesu, Geben unsrem Geiste Kraft, Daß wir brünstig dir nachwandeln Nach der Liebe Eigenschaft: 383 Ach, Herr! mach uns selber tüchtig, So ist unser Leben richtig. Amen. 384 10. Juli. Abend. Ps. 130, 3. So du willst Sünde zurechnen, Herr, wer wird bestehen? Gerechter Gott, ich stelle mich, ehe ich mich zur Ruhe begebe, vor dein Gericht. Ich komme als ein bußfertiger Sünder: mir ist herzlich leid, daß ich meine eigene und die Weltliebe deiner Liebe vorgezogen, daraus nichts als Uebertretungen und Sünden haben folgen können. Ich komme aber im Glauben an Jesum und bitte um Gnade und Erlassung aller Schuld. Ach, zähle und rechne nicht! vergilt mir nicht nach meiner Missethat. Rechne mir nicht zu meine sündlichen Gedanken, Lüste und Begierden, welche, ob ich sie gleich nicht vollbracht, doch vor dir strafbar sind. Rechne mir nicht zu meine sündlichen Worte und tilge sie aus deinem Buche. Rechne mir nicht zu mein Le ben, da ich nicht darnach gefragt, ob es Sünde, sondern nach meinen Lüsten gewandelt und behandelt. Willst du mir Sünde zurechnen und nach deiner Gerechtigkeit strafen: Herr, wer wird vor dir gestehen? niemand! wir sind alle Kinder des Todes. Entschuldigen kann ich mich nicht, entfliehen ist nicht möglich; leugnen ist vor dir, allwissender Gott, vergeblich. Weil ich denn vor dir nicht bestehen kann, so fliehe ich zu deiner Barmherzigkeit und bitte herzlich und demüthig um Gnade. Herr, erbarme dich mein: verstoße dein armes Kind nicht; tilge alle meine Sünden; gib mir Kraft, sie zu fliehen, und in neuen Gehorsam zu treten. Nechne mir auch im Sterben die Sünde nicht zu, sondern laß mich in dem Blute deines Sohnes rein er funden werden. Ach, rechnest du die Sünden Dem Uebertreter zu, Wer kann dann Rettung finden? Wer zürnet, Herr, wie du? Allein du kannst vergeben, Du tilgest alle Schuld, Daß wir hinfort dir leben, Und preisen deine Huld. Amen. 11. Juli. Morgen. Offenb. 21, 5. Und der auf dem Stuhl saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu. 385 Ewiger Gott, die Sonne gehet von neuem auf; laß alles auch in mir neu werden. Dieses ist dein Werk, du mußt es anfangen und vollenden. Ich kann mich nicht ändern und erneuern ohne dich; darum fange dein Werk in mir bei Zeiten an; was du nicht neu machest, bleibt im Tode. Gib mir nach deiner Verheißung ein neues Herz, daß mein Dichten und Trachten nur sei, dir zu gefallen. Laß deinen heiligen Geist aus meinem Herzen alle Sünden- und Weltliebe vertreiben, daß ich über jeden unreinen und fündlichen Gedanken erschrecke. Mache neu meinen Willen, daß ich an nichts Gefallen habe, was dir mißfällig ist, daß ich in meinem Vornehmen zuvor überlege, ob ich nicht meine Kindespflicht verletze und meines Jeſu Vorbild aus den Augen lasse. Schenke mir einen neuen Trieb zum Gebet und zu deinem Lobe. Laß mein Leben nach dem neuen Wesen des Geistes eingerichtet sein, daß ich fliehe die vergängliche Lust der Welt, und in dem Gehorsam deiner Kinder verharre. Laß meine Zunge und Lippen dir geheiligt sein, daß kein faul Geschwätz mehr daraus gehört werde; mache alles an mir neu, daß es auch andere an mir sehen, daß du dein Werk in mir angefangen hast. Mache mich inwendig und auswendig neu. Will mein Fleisch sich solcher Aenderung weigern, so stelle mir vor, daß hier alles neu werden muß an denen, die in das neue Jerusalem eingehen wollen. Kommen meine alten Sündenfreunde wieder zu mir, mich auf die alten Wege zu führen, so laß deinen Geist mich zurückziehen, daß ich bis an's Ende in einem neuen Leben wandle. Erschaff, o Gott, ein reines Herz in mir; Du schufft es ja, du kannst es neu erschaffen. Gib meinem Geist die Festigkeit in dir, Daß ich nie mög' in Ernst und Streit erschlaffen. Amen. Stark's Morgens und Abend- Andachten. 25 11. Juli. Abend. Joh. 11, 25. 26. Jch bin die Auferstehung und das Leben; wer an mich glaubet, der wird leben, ob er gleich stürbe. Und wer da lebet und glaubet an mich, der wird nimmermehr sterben. 386 Herr Jesu, ich erinnere mich in dieser Abendstunde des Todes und der Auferstehung. Was ist der Schlaf anders, als ein Bild des Todes? Aber wie ich nach deinem Willen nicht werde im Bette liegen bleiben, sondern morgen aufstehen, ja viel munterer, als ich mich zur Ruhe niedergelegt habe: so werde ich nicht im Grabe bleiben, sondern mit verklärtem Leibe zum ewigen Leben auferstehen, darum, weil du, mein Er löser, lebest und vom Tode auferstanden bist. Du bist die Auferstehung; nicht allein bist du durch deine götzliche Kraft auferstanden, sondern kraft deiner Auferstehung werden auch alle Glaubigen zum ewigen Leben auferstehen. Du bist das Leben, und schenkest deinen Gliedern das wahre Leben. Laß mich im Glauben mit dir vereinigt sein, daß ich nicht allein ein gründ liches Wissen von deiner Person und deinen Wohlthaten habe, sondern daß solches Wissen mich auch bei lige und zum neuen Menschen mache. Lebest du in mir und ich in dir, so werde ich nicht sterben, ob ich gleich sterbe. Ich werde nicht verdammt werden, wie die Unglaubigen, welche zwar den Namen haben, daß sie leben, aber sie sind in diesem Leben, weil du nicht in ihnen lebest, todte und unglückselige Menschen. Ob nun der Geist vom Leibe sich trennt, so bleibt er mit dir unzertrennlich vereinigt. Laß diesen Trost im Schlaf mich erquicken und einst in der Stunde des Todes. Seid getroft und hoch erfreut, Jesus trägt euch, seine Glieder. Gebt nicht Statt der Traurigkeit, Sterbt ihr, Christus ruft euch wieder, Wann einst die Posaun' erklingt, Die auch durch die Gräber dringt. Amen. 12. Juli. Morgen. Jerem. 51, 6. Fliehet aus Babel, damit ein jeglicher ſeine Seele errette. Heiliger Gott, lag mich diesen Tag an die Reinigung meiner Seele gedenken. Soll ich aber in der heiligung zunehmen: so muß ich aus Babel fliehen Ach, mein Herz ist ein Babel, eine Behausung unreiner Lüste und Begierden. Aber Jesu Geist ist mächtig genug, jie alle zu überwinden und zu besiegen, wenn ich in die Kraft und Stärke suche. Hilf mir beten und seufzen, bis ich überwunden habe. Die Welt ist ein Babel, darin lauter Verwirrung, Gefahr und Verunreinigung zu finden; daraus laß mich fliehen, daß ich an ihren Sünden keinen Theil nehme. Zwar fann ich dem Leibe nach nicht aus der Welt fliehen; aber doch will ich dem Willen nach mich von ihr entfernt halten, und also meine Seele erretten, daß ich nicht verdammt werde. Der Engel sprach zu Lot: Eile, und errette deine Seele! das soll auch mir gesagt sein. Ich will meine Seele erretten, daß ich mich fest an dich halte, und dein Gebot und Willen mir als eine Lebensregel vorstelle. Ich will meine Seele retten, daß in Jesu Blut und Wunden meine Seligkeit suche und seinem Beispiel folge. Ich will meine Seele retten, daß ich deines Geistes Triebe nicht widerstrebe, sondern alle Tage demüthiger und sanftmüthiger werde. Ich will meine Seele retten, daß ich in keine Sünde willige, mein Gewissen nicht beflecke, sondern mein Herz als dein Eigenthum, deine Wohnung, durch deinen gnädigen Beistand allezeit mehr und mehr reinige. Lag den Ekel vor den innerlichen und äußerlichen Sünden immer größer, und die Liebe zu dir immer heftiger werden, daß ich dir lebe und du mein Gott und Vater seiest und bleibest. Gott ruft uns aus der Welt heraus, Wie Abram einst aus seinem Haus: 387 Geht aus von ihr, wie er gethan, M Und glaubt, daß ich euch segnen kann." Amen. 12. Juli. Abend. Röm. 8, 17. Sind wir denn Kinder, so sind wir auch Erben, nemlich Gottes Erben und Miterben Christi, so wir anders mit leiden, auf daß wir auch mit zur Herrlichkeit erhoben werden. 388 Gott, Vater, du hast mich in der Taufe zu deinem Kinde aufgenommen, und mir bis auf diese Stunde viele Wohlthaten an Leib und Seele erzeigt. Ach, daß ich auch als ein gehorsames Kind gegen dich jeder zeit mich aufgeführt hätte! Vater, verzeihe mir, was ich auch wider meine Kindespflicht gehandelt, und lag deinen Geist mich inskünftige leiten, daß ich als dein Kind lebe; so bin ich auch dein Erbe. Treuer Vater, du hast dein Reich nicht nur für die Engel bereitet, du willst es nicht für dich allein behalten, sondern auch die durch Jesu Blut erkauften Menschen zu dir sammeln, und deine himmlischen Güter genießen lassen. Weil mun Jesus mein Bruder geworden ist, da er menschliche Natur an sich genommen, so hat er als der Erst- und Eingeborene auch nach seiner menschlichen Natur den Thron seines himmlischen Vaters erlangt und sizzet zu dessen rechter Hand als König Himmels und der Erden; ich aber werde sein Miterbe sein, nicht zwar in dem Glanz der Gottheit, welches er zum Vorrecht hat, sondern nach dem Recht, das er mir durch sein Leiden und Sterben erworben hat. Ich werde seinem verklärten Leibe gleich sein, und mit zu der Herrlichkeit der Kinder Gottes erhoben werden. Habe Dant, Gott, Vater, für diese unaussprechliche Gnade und Gabe und laß mich aus meinem Gnaden- und Kindesstand nimmer wiederum treten. Gibt es dann etwas zu leiden um deinetwillen, so versüße es mit dem Vorschmack der künftigen Herrlichkeit, und erquide mich damit in meinem Sterben. Nein, ich bin kein Sündenknecht, Nein, ich habe Kindesrecht; Und weil Kinder Erben sind, Erb' ich auch als Gottes Kind. Amen 13. Juli. Morgen. 5 Mos. 33, 9. Wer zu seinem Vater und zu seiner Mutter fpricht: Ich sehe ihn nicht; und zu seinem Bruder: Ich kenne ihn nicht; und zu seinem Sohne: Ich weiß nicht; die halten deine Rede, und bewahren deinen Bund. Gnädiger Gott, du weißt, wie viel Hindernisse der Frömmigkeit entgegen stehen, darunter auch gehört Menschenliebe und Menschenfurcht. Vor beiden behüte mich, gnädiger Gott! Wenn Vater und Mutter mich wollten vom Guten, von der Nachfolge Jesu abhalten, so laß mich sie nicht ansehen als Eltern, sondern als deine Feinde. Wollen Brüder und Verwandte mich in fleischliche, sündliche Gesellschaften ziehen, so laß mich antworten: Ich kenne euch nicht. Ja, sollten die Meinigen mich nach ihrem Sinn lenken wollen, so laß mich sprechen: Ich weiß nichts von euch. Laß mich mit Freuden sagen: Weil ich Gott kenne, ihn als gegenwärtig vor mir sehe, so sehe, kenne und weiß ich nichts von denen, die Christi Geist nicht haben. Gottes Liebe und Freundschaft geht mir über alles. Sind aber Vater und Mutter, Freunde und Anverwandte in Noth und Tod, so kenne ich sie, ich sehe sie mit erbarmenden Augen an, und bin bereit, ihnen zu helfen, wo ich zu helfen weiß. Also will ich, o Gott, deine Reden bewahren, damit ich deine Huld, Freundschaft und Gnade behalten und ewiglich genießen möge. Alsdann wird auch der Bund bestehen, welchen du mit mir in der Taufe gemacht, daß du mich ewig selig machen wollest, daß ich dein Eigenthum in der Ewigkeit bleibe. Gib, daß sonst nichts in meiner Seel, Als deine Liebe wohne; Gib, daß ich deine Lieb' erwähl, Als meine Lust und Krone. 389 Stoß alles aus, nimm alles hin, Was mich und dich will trennen Und nicht gönnen, Daß mein Herz, Muth und Sinn In deiner Liebe brennen. Amen. 13. Juli. Abend. Micha 7, 8. So ich im Finstern size, so ist doch der Herr mein Licht. Gott, die finstre Nacht bricht an, in welcher mit allerlei Uebel begegnen kann; aber wenn du bei mir bist, so fürchte ich mich nicht. Es umgeben mich in diesem Leben allerlei Finsternisse: bisweilen Traurig keit, da ich weder ein noch aus weiß, da mir alle Gnade abgesprochen wird, als ob meine Sünden so groß wären, daß sie mir nicht könnten vergeben wer den: Krankheiten, wenn die Schmerzen sich häufen, da meine ich, mir könnte nicht mehr geholfen werden. Kommt die Todesstunde, so überfällt Finsterniß meinen Verstand und meine Augen. Ist es aber betrübt, wenn wir auf eine Zeit den Glanz der Sonne ent behren müssen: so weißt du wohl, wie wehe meiner Seele ist, wenn du mir deinen Freudenschein entzieheft. Dennoch, wenn ich in Finsterniß sizze, so bist du, Herr, mein Licht. Ich werde erfreut nach der Traurigkeit, nach der Trübsal getröstet, in Krankheit erquickt, vom Tode errettet. Meine Bekümmerniß wird in der Welt schon oft in Freude verwandelt, und mir geht im Finstern ein Licht auf, wie das Morgenlicht einen Gefangenen erfreut. Wird mir wegen meiner Sünden alle Gnade abgesprochen, so spricht dein Geist zu mir: Dir sind deine Sünden vergeben. Wo die Sünde mächtig ge worden, da ist deine Gnade viel mächtiger. Mein Vater, deine Liebe und Gnade ist mein Licht, welches mich von Jugend auf durch manche Finsterniß und Gefahr geleitet und aus derselben geführet hat. Wenn ich nun einmal die letzte Nacht meines Lebens erreicht und in Finsterniß der Nacht und des Todes size, so sei und bleibe du mein Licht und Seelenfreund. 390 Wenn auch in trüben Stunden mich Nacht umhüllt Und mir in tiefstem Grunde die Seele füllt, Wenn sich die Noth des Lebens um's Herz mir flicht, Da sprech' ich nicht vergebens: Du bist mein Licht. Amen. 14. Juli. Morgen. Joh. 8, 31. So ihr bleiben werdet an meiner Nede, so seid ihr meine rechten Jünger. 391 Herr Jesu, deine Rede und heilige Lehre ist meines Glaubens und Lebens Regel. Laß mich dieselbe allezeit vor Augen und im Herzen haben. Deine Reden lehren mich, wie ich selig sterben, vorher aber meinen Wandel in Gottesfurcht führen soll. Mit Unwisz senheit kann ich mich nicht entschuldigen, es wird mir täglich gesagt, es liegt mir geschrieben vor Augen. Laß mich daran mit Freuden bleiben, daß ich darauf meine Morgen- und Abendstunden wende, auch unter der Arbeit meines Beruss daran denke. Wenn andere ihre Zeit in Sünden und Lustbarkeit hinbringen, wo= durch der Geist verwildert, das Herz verhärtet, Sinn und Gemüth von dir ganz abgewendet wird, so laß mich an deiner Rede bleiben, daß ich sie ins Leben verwandle. Ich muß auch meinen Glauben in den Werken zeigen. Laß mich darin beständig bleiben bis au mein Ende, daß ich mir teine Freiheit zu sündigen nehme, sondern dir getreu bleibe bis in den Tod. Das Bleiben in dem Guten ist ein unumgängliches Stück des Christenthums, welches dein Geist in mir wirken und erhalten wolle: so werde ich zu deinen rechten Jüngern gehören. Halbe Jünger gefallen dir nicht, welche mit einem Munde beten und fluchen, welche zwei Stimmen folgen wollen: deiner zu gewissen Zeiten, und hernach der Welt. Ich ergebe dir mein ganzes Herz, meinen ganzen Willen und mein Leben; ach, beilige dir daſselbe. Ja, Herr Jesu, bei dir bleib' ich, So in Freude wie in Leid; Bei dir bleib ich, die verschreib ich Mich für Zeit und Ewigkeit! Deines Winks bin ich gewärtig, Auch des Rufs aus dieser Welt; Denn der ist zum Sterben fertig, Der sich lebend zu dir hält. Amen. 14. Juli. Abend. Rol. 1, 27. Gott hat wollen kund thun, welcher da sei der herrliche Reichthum dieses Geheimnisses unter den Heiden, wel her ist Christus in euch, der da ist die Hoffnung der Herrlichkeit. 392 Gnadenreicher Gott, ich will beim Schlafengehen mein Herz erquicken mit dem herrlichen Reichthum des Geheimnisses, welches du den Heiden hast kund machen lassen. Welch' ein Geheimniß, daß du von Ewigkeit beschlossen, deinen Sohn zum Mittler darzustellen, daß er die Menschen mit Gott sollte versöhnen. Welch ein Geheimniß, daß dieser, der Sohn des Allerhöchsten, in Knechtsgestalt einher ging, bis er das Werk der Erlö sung vollbracht, dann aber siegreich gen Himmel fuhr, sich zur Rechten der Majestät Gottes setzte, und nun für uns betet, und die Gaben seines Geistes mittheilt. Welch' ein herrlicher Reichthum, daß allen Heiden die Gnade in Christo Jesu angeboten wird, daß, wer da glaubet und getauft wird, nicht soll verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Zu solcher Gnade bin ich auch eingeladen. Ja, dieses Geheimniß geht weiter, nemlich, daß Christus auch will in uns wohnen. Ach, mein Jesu, bist du noch in mir? oder habe ich dich heute aus meinem Herzen vertrieben, so kehre wieder und bleibe bei mir, denn es will Abend werden. Bleibe in mir, ich weiß nicht, was mir heute begegnen könnte. Bleibe in mir und tröste mich, heilige und reinige mich mit deinem heiligen Blute von allen meinen Sünden, welches ich mit wahrem Glauben ergreife. Bleibe mit mir bis in den Tod vereinigt, so habe ich die gewisse Hoffnung der künftigen himmlischen Herrlichkeit, daß ich nach meinem Abschied aus der Welt ewig mit dir vereinigt bleiben soll. Du bist mein, weil ich dich faffe, Und dich nicht, o mein Licht, Aus dem Herzen lasse. Laß mich, laß mich hingelangen, Da du mich und ich dich Leiblich werd' umfangen. Amen. 15. Juli. Norgen. Ezech. 36, 20. Sie hielten sich wie die Heiden, dahin fie tamen, und entheiligten meinen heiligen Namen, daß man von ihnen sagte: Ist das des Herrn Volk? 393 Heiliger Gott, ich lebe in der Welt, darin ich nichts Gutes sehe und höre. Bewahre meine Seele, daß ich mich nicht unter die Bösen mische, mit ihnen zu fündigen. Laß mich allezeit bedenken, wessen Geiftes Kind ich sei, und daß die Welt mich nicht erretten könne in der Stunde des Todes und der Angst meiner Seele. Darum will ich mich nicht halten wie sie. Ich soll ja abgesondert sein, zum heiligen Volk gehören; darum laß mich auch mitten unter den Bösen deine Furcht vor Augen haben. Stelle mir vor, daß ich deinen heiligen Namen entheilige, wenn ich wider meine Kindespflicht handle. Ich bin nach deinem Namen genannt, folglich soll ich meines Vaters Art und Sitten an mir tragen. Du bist ein heiliger Gott; wenn ich aber ein boshaftes, gottloses und unreines Leben führe, so verspottet die Welt deinen Namen, und sagt: Ist das ein Gotteskind? Haben sie das von Jesu gelernt? So bin ich Ursache, daß dein Name gelästert und entheiligt wird. Davor bewahre mich, gnädiger Gott und Vater! Habe ich in den vorigen Jahren Gelegenheit zu dergleichen Lästerung gegeben, so verzeihe es mir, und laß mich inskünftige desto behutsamer wandeln. Du läsfest es mir nicht an Kraft fehlen, in solchen seligen Stand zu treten; deine Gnade rufet mich, dein Geist stärket mich. Strauchle ich, so richte mich wieder auf, und halte mir die Wunden Jesu vor, daß ich in Betrachtung derselben vor der Sünde fliehe und dir anhange. Geheiligt werd' der Name dein; Dein Wort bei uns hilf halten rein, Daß wir auch leben heiliglich Nach deinem Namen würdiglich. Behüt' uns, Herr, vor falscher Lehr', Das arm' verführte Volk bekehr'. Amen. 15. Juli. Abend. Pf. 62, 8. Bei Gott ist mein Heil, meine Ehre; der Fels meiner Stärke, meine Zuversicht ist auf Gott. 394 Gott, das Sonnenlicht verbirgt sich, die Menschen entfernen sich von mir, aber du bleibest bei mir. Habe ich denn dich, so mag alles weichen; bei dir ist mein Heil, bei dir finde ich hilfe und Trost in Kreuz und Leiden. Du bist auch das Heil meiner Seele, du vergibst mir meine Sünden, du nimmst mich zum Kinde an. Also heilest du mich am Leibe und an der Seele, und machst mich theilhaftig der ewigen Herrlichkeit, wenn ich dir getreu bleibe bis in den Tod. Du bist die überfließende Quelle, aus welcher ich schöpfe Gnade um Gnade. Bei dir ist meine Ehre; Ehre bei Menschen ist vergänglich; aber die Ehre bei dir ist be ständig. Jst das nicht Ehre, daß ich dein Kind und Erbe bin? Will mich die Welt entehren, bei dir ist meine Ehre. Gib mir deinen heiligen Geist, daß ich dich mit beständigem Gehorsam wieder ehren möge. Du bist auch der Fels meiner Stärke; wenn ich schwach bin, so stehest du mir bei; wenn Gefahr da ist, so hilfst du mir aus; wenn mich ein Feind verfolget, so bedeckest du mich, daß er mir nicht schaden kann. Du stärkest meinen Glauben, gibst mir Kraft zum Gebet, verleihest mir Wachsthum in meinem Christenthum; was ich vonnöthen habe, gibst du mir, was ich suche, finde ich bei dir. Darum stehet meine Zuversicht allein auf dich in allen Fällen, Nöthen, Angelegenheiten und Trübsalen; ich weiß, du kannst und wirst dich meiner erbarmen. Du sollst auch meine Zuversicht bleiben in meiner letzten Stunde. Mein Heil, mein Ruhm und Ehr' ist Gott, Mein Fels und meine Kraft ist Gott. Du, Volk, vertrau' auf seine Werke! Hebt Freude dich und drückt dich Schmerz, Schütt' vor ihm aus dein ganzes Herz Gott ist uns Zuversicht und Stärke. Amen. 16. Juli. Norgen. 1. Kor. 6, 19. Wisset ihr nicht, daß euer Leib ein Tempel des heiligen Geistes ist, der in euch ist, welchen ihr habt von Gott, und seid nicht von euch selbst? 395 Hoher, erhabener Gott, welch' eine Gnade ist es, daß du in meinem sterblichen Leibe wohnen willst, daß Jesu in mir leben, und dein Geist mich leiten und führen will! Dein Geist wohnt zwar vornehmlich in meiner Seele, weil aber die Seele mit dem Leibe genau verbunden ist, so ist auch mein Leib ein Tempel dieses reinen Geistes. Laß mich dieses erkennen durch seine Regierung und durch seine Heiligung meines Herzens und Lebens. Dieses soll mich mein Lebenlang erinnern, daß ich die Glieder meines Leibes nicht zu Sündengliedern mache, meine Hände nicht zur Ungerechtigkeit ausstrecke ,. mit meinen Füßen auf keinen böjen Wegen gehe, mit meiner Zunge keine Narrentheidinge rede, einen Bund mit meinen Augen mache, daß sie nicht nach verbotenen Dingen sehen, meine Ohren von schandbaren Worten abwende. Bete, o werther heiliger Geist, in diesem deinem Tempel; lehre, singe, opfere darin, und treibe mich allezeit zu deinem Lobe an. Gib mir deine Gegenwart zu erkennen durch heiligen Antrieb zur Frömmigkeit und Gottesfurcht, durch süßen Trost in Trübsal und Leiden, durch ein inbrünstiges Verlangen, mit Gott vereinigt zu sein, ihm zu leben, zu dienen, anzuhangen, durch innerliche Traurigkeit, wenn ich gesündigt, durch eine reine Liebe gegen dich. Dieses alles habe ich von Gott, als ein Gnaden- und Liebes- Geschenk, und nicht von mir selbſt; darum laß mich diese Gnade hochachten, bewahren und zu meinem ewigen Heil genießen. O daß Gott an meinem Leibe Hier schon stets gepriesen sei, Daß ich Gottes Lob stets treibe, Bis ich, gar von Sünden frei, Dort in einem neuen Bau Gott als Priester rühm' und schau. Amen. 16. Juli. Abend. 3₁. 27, 8. Mein Herz hält dir vor dein Wort: Ihr sollt mein Antlig suchen; darum suche ich auch, Herr, dein Antlig. 396 Gott, wie groß ist deine Liebe, daß du den armen Menschen erlaubt hast: ihr sollt mein Antlitz suchen. Wie schwer geht es, bis ein geringer Mann vor seines Königs Angesicht kommt; aber du, allmächtiger Gott, machst keinen Unterschied. Vor deinem Angesicht dürfen Große und Kleine, Reiche und Arme, Fröhliche und Traurige erscheinen. Wer da bei dir sucht, der erlangt; was er sucht, das gibst du, wenn er nur sucht als ein buffertiger Sünder, im Namen Jesu, wenn er sucht mit Gelassenheit, und solche Dinge, die zu seiner Seligkeit vonnöthen sind; wenn er deine Gaben und Hilfe sucht, mit dem festen Vorhaben, sie nicht zur Sünde zu mißbrauchen, sondern dadurch sich zu deinem Lobe und Dienst antreiben zu lassen. Gott, mein Herz hält dir dieses dein Wort vor: darum suche ich, Herr, dein Antlik. Nicht allein erlaubst du: ihr dürft mein Antlitz suchen, sondern befiehlst: ihr sollt suchen; ja, du zürnest über die, die einem andern nacheilen. Ich komme in dieser Morgenstunde und bitte dich um Schutz. bin in meinem Leben getrost, in Leiden unverzagt; ich habe einen Gott, der alles hat und alles geben kann: Trost, wenn ich betrübt bin, Rath, wenn ich Rath bedarf, Hilfe, wenn ich Hilfe bedarf. Laß mich solche Gnade hochachten und mich darauf im Leiden verlassen; laß sie aber mich zum Gehorsam und Frömmigkeit leiten, und daß ich dieselbe nimmer mit Sünden verscherze. Ich weiß sonst nirgends hin. Laß auch in meiner letzten Stunde, wenn ich dein Antlitz suche, mich dasselbe mit Freuden erblicken. Ich Sieh, wie dein Wort mein ganzes Herz beweget, Das Gnadenwort: Sucht, sucht mein Angesicht! Du hast nach dir die Sehnsucht selbst erreget. Ich suche, Herr, ich such' dein Angesicht. Amen. 17. Juli. Morgen. 1 Mof. 12, 1. Und der Herr sprach zu Abraham: Gehe aus deinem Vaterlande und von deiner Freundschaft und aus deines Vaters Haus, in ein Land, das ich dir zeigen will. 397 Herr, Gott, du befahlest Abraham, aus seinem Lande zu gehen, damit er nicht zur Abgötterei sich gewöhne und des Landes Sitten lerne: so will ich dieses mir heute zu einer Ermunterung im Christenthum gelten lassen. Ich will bleiben dem Leibe nach an dem Orte, wo ich bin; aber ich will dem Gemüthe nach davon ausgehen; sehe ich andere sündigen, so will ich einen Abscheu davor haben; höre ich schandbare Worte, so will ich meine Ohren davor zuschließen. Ich will meinem Beruf nach in der Welt, aber nicht von der Welt sein. Dieses soll auch meine Weise sein in Ansehung meiner Freundschaft. Freunde ind mir auf der Welt nöthig in Noth und Tod. Du gibst den Deinen zuweilen gute Freunde, wie dem David einen Jonathan, aber Sündenfreunde will ich nicht haben. Deine Freundschaft gehet mir über alle Freundschaft der Sterblichen. Meines Vaters Haus, die Erde, die will ich mit meinem Herzen verlassen, und dasselbe täglich da hinein schicken, wo ich ewig wünsche zu sein. Alsdann werde ich zu dem Erbe und Lande gelangen, das du mir verheißen hast. In dem Lande der Sterblichkeit werde ich deiner Gnade genießen, ich werde dein Kind und Erbe sein, du wirst mich wie Abraham im fremden Lande segnen, leiten, schützen und nicht verlassen. Einst aber werde ich in das Land der Freuden gelangen in dem ewigen Leben, welches du mir bereitet hast. Du minkst mir, Herr, ich gehe Von meiner Freundschaft aus; Thuts gleich dem Herzen wehe, Ich weiß ein besser Haus. Dort find' ich erst ein Vaterherz, Dort find' ich liebe Brüder, Wann ich zieh' himmelwärts. Amen. 17. Juli. Abend. Jesaias 46, 8. Jhr Uebertreter, gehet in euer Herz. Allwissender Gott, der du Herzen und Nieren prüfest, ich komme vor dein Angesicht und bitte um Vergebung meiner Sünden. Ein Uebertreter deiner Gebote bin ich heute gewesen. Hast du mich vor Todsünden bewahrt, so bin ich darum nicht gerechtfertigt; dein Gebot verbietet nicht allein die äußerliche That, sondern auch die innerliche Luft. Je mehr ich nun in mein Herz gehe, je mehr finde ich darin heimliche Tücke, falsche Absichten, unreine Begierden, Trägheit zum Gebet, unlauteres Wesen. Ja, wer kann meiten, wie oft er fehlet? verzeihe mir auch die verborgenen Fehler. Je mehr ich in mein Herz gehe, und mein Leben und Wesen erforsche, desto mehr fühle ich deinen Zorn, ich sehe die gerechte Strafe, die auf mich wartet. Ich fliehe zu Jesu, zu dem erwürgten Lamme, und flehe dich, o Gott, um Erbarmen an. Hier ist das Opfer für die Sünde, und das Blut der Versöhnung: laß es mir zu Nußen kommen. Mein Herz ist ein unreines, trobiges Herz von Natur; mache ein reines, gelassenes und demüthiges Herz daraus. Ich bringe mein Herz vor dich als ein buffertiges, mit Jesu Blut besprengtes und gereinigtes Herz, das da voll guten Vorsages ist, dich nicht wissentlich und vorsäglich zu beleidigen. Erhalte mein Herz bei dem Einen, daß ich deinen Namen fürchte und in deiner Gnade allezeit stehe, wider die aufsteigenden Lüste bete und tämpfe, bis mein Herz im Sterben brechen wird. 393 Gib, daß mein Herz den Lüsten Der Welt gekreuzigt heißt, Und salbe mich zum Christen Mit meines Heilands Geist. Gib Gnade künftighin, Mich Jesu zu ergeben, Und ihm so lang zu leben, Bis ich im Himmel bin. Amen. 18. Juli. Morgen. Joh. 3, 5. Es sei denn, daß jemand geboren werde aus dem Basser und Geist, so kann er nicht in das Reich Gottes kommen. 399 Herr Jesu, ich bin in meiner Jugend mit Wasser und Geist getauft worden. Dieses Sacrament ist die Thür, dadurch wir in dein Reich treten. Ob nun gleich das Auge nur Wasser siehet, so ist der heilige Geist doch mit demselben verbunden, welcher reichlich über mich ausgegossen worden. Durch die Geburt von meinen Eltern bin ich ein Menschenkind, durch die Taufe ein Gotteskind geworden; da bin ich von neuem geboren: der himmlische Vater hat mich zu seinem Kinde angenommen; du, Herr Jesu, hast mir deine Gerechtigkeit geschenkt, und durch dein Blut mich rein und frei gemacht vom Fluch und von der Verdammniz; der heilige Geist hat mir einen neuen Sinn, Willen und Kraft gegeben, der Sünde zu widerstehen, darüber zu herrschen; der ist das Pfand meiner Seligkeit. Ich bin ein Kind Gottes, ich bin ein neuer Mensch. Hier bin ich ein Glied in dem Reiche der Gnade, dort werde ich ein Erbe des Reichs der Herrlichkeit sein. Hast du mich so hoch geadelt und begnadigt, so habe ich dir auch mein theures Versprechen gethan, ich habe entsagt dem Teufel, der Welt mit allen ihren Werken und Wesen. Erinnere mich an diesen Bund, wenn mich die Welt zu ihrer Ueppig= keit, Werken und Sünden einladet, daß ich mich meiner Kindespflicht und Zusage erinnere, daß ich mich bezeige als dein Kind, und als dein Kind auch am Ende meiner Tage der Seligkeit theilhaftig werde. Du sagst: ,, ich bin ein Christ; Denn ich bin ja erkaufet Mit Christi Blut und selbst In seinen Tod getaufet." Ja wohl; hast aber du Gehalten auch den Bund, Den Gott mit dir gemacht In jener Gnadenstund? Amen. 18. Juli. Abend. Jerem. 2, 13. Mein Volk thut eine zwiefache Sünde: mich, die lebendige Quelle, verlassen sie, und machen sich hier und da aus gehauene Brunnen, die doch löchricht sind, und kein Waſser geben. 400 Großer Gott, welch' eine lebendige, süße, immer fließende Quelle bist du! Du theilest meiner Seele Licht und Kraft mit: Licht, dich zu erkennen, Kraft, dich zu lieben. Die Wunden Jesu find eine, allen offen stehende Quelle, aus welcher ich kann schöpfen Gnade um Gnade, Vergebung der Sünden, Gerechtig: keit, Friede und Seligkeit. Ja, deine Treue ist eine Quelle, welche mir im Leiblichen dargereichet Leben und Gesundheit, Nahrung und Kleidung, Gefahr und so manches Unglück von mir abgewendet. Wenn ich dieses alles erwäge, wie du mir von Kindesbeinen an jo viel Gutes erzeigt, und dagegen halte meine Sicher heit, Weltliebe, Trägheit, so muß ich ja eine zwiefache Sünde gethan haben, sonderlich da ich zu deinem Volke gehöre, welches du vor andern begnadigt hajt. Dadurch hätte ich mich zur kindlichen Liebe und Gehorsam sollen bringen lassen. So aber habe ich dich oft verlassen, deiner vergessen und mir selbst ausgehauene Brunnen gemacht, die löchericht sind, und kein Wasser geben. Mein Herz sucht oft Ehre, Reichthum, Weltfreundschaft, eitles Vergnügen nach Eigenund der Welt Willen zu leben; und was habe ich, wenn ich das erlange? Schattenwerk, Gift, Verz derben. Dieses alles kann mir im Sterben nicht einen Tropfen Trost geben, nicht erfreuen, trösten und er quicken. Herr, laß mich diese löcherichten Brunnen meiden, und dir mit Herz, Willen und Leben anhangen. L Ein andrer mag mit eiteln Schäßen Sich in der Sündennacht ergeßen: Ich habe keinen Schaß als ihn. Mein. Dichten, Trachten und mein Sinnen, Und alles, was ich kann beginnen, Geh nur nach meinem Jesus hin. Amen. 19. Juli. Morgen. 2 Moj. 23, 2. Du sollst nicht folgen der Menge zum Bösen. Heiliger Gott, ich werde heute Menschen unterschiedlichen Standes, Geschlechts und Berufs sehen. Gib mir die Weisheit von oben, daß ich nicht auf ihre Person sehe, sondern erst untersuche, ob ihr Weg zum Himmel oder zur Hölle gehe. Laß mich gedenken, daß die Menge derer, die Böses thun, die Sünde nicht entschuldigt; denn ob Tausend einerlei Sünde thun, bleibt es doch Sünde und strafbar vor dir. Laß mich nicht blenden, daß Vornehme eine Freiheit zum Sündigen sich herausnehmen; sie haben so wenig Recht, dein Gebot zu übertreten, als Arme, indem Arme und Reiche vor deinem Gericht von ihren Reden, Leben und Wandel Nechenschaft geben müssen. Laß mich nicht irre oder sicher werden, weil sie eine Zeit lang ungestraft dahin gehen, und leben glückselig, indem mich dein Wort versichert, daß deine Langmuth ihnen Frist zur Buße gebe. Laß mich nicht zur Menge der Bösen ziehen ihre Lustbarkeiten; laß mich gedenken, daß bittere Strafen einmal darauf folgen. Dein Wort hat mich nicht auf Menschen, noch auf die Menge derselben gewiesen, sondern auf deinen heiligen Willen, und auf das Erempel Jesu. Damit ich mich aber nicht so leicht an dir, mein Gott, verfündige, so las mich die Menge der Bösen fliehen, so viel mir möglich ist, und wenn ich Berufs halber dabei sein muß, so erinnere mich deiner Gegenwart. Laß mich heute mit reinem Gewissen vor dir wandeln, ich sei, wo ich sei, so werde ich unbefleckt bleiben. Also ist auch mein Verlangen, Liebster Jesu, nur nach dir! 401 Laß mich treulich an dir hangen, Schenke dich zu eigen mir! Ob viele zum größesten Haufen auch fallen, So will ich dir dennoch in Liebe nachwallen, Denn dein Wort, o Jesu, ist Leben und Geist! Was ist wohl, das man nicht in Jesu geneußt? Amen. Stark's Morgen- und Abend- Andachten. 26 19. Juli. Abend. Marc. 6, 50. Seid getrost, ich bin's; fürchtet euch nicht! Herr Jesu, es bricht die Nacht herein, da des Satans und der Menschen Bosheit gerne im Finstern schleicht; allein wenn du um mich bist, so fürchte ich mich nicht. Oft gefällt es dir, dich vor meiner Seele einen kleinen Augenblick, welches mir aber gar lange vor: kommt, zu verbergen; dann aber nahe dich zu mir, und laß mich dein freundliches Angesicht wieder sehen. Und ob du dich feindlich gegen meine Seele stellst, und mit mir ringest wie mit Jakob, so sprich doch zuletzt nach vollendeter Angst zu meiner Seele: Jch bin's, ich, Jesus, dein Erbarmer, und segne mich. Stela lest du dich in der Anfechtung fremd gegen mich, redest du mich hart an, wie Joseph seine Brüder, und spa= rest deinen Trost bis zulett, so erfreue mich endlich wieder und sprich: Fürchte dich nicht, ich bin Jesus, dein Freund. Gefällt es dir, meine Augen zu halten, daß ich dich nicht kenne, wie die Jünger von Emmaus, so offenbare dich endlich mit großer Freundlichkeit. Laß mich wohl bedenken, daß dieses nur Uebungen meines Glaubens und meiner Liebe sind; daß du mich nicht tödten, verderben und verlassen, sondern erhalten, stärten und meiner Seele deine Süßigkeit, Allmacht, Reinigteit offenbaren willst. Laß mich in der Angst dich im Glauben umfassen, als das Lamm Gottes, dessen Blut auch für mich vergossen sei. Kommt es zum letzten Kampf, so sprich zu meiner Seele: Fürchte dich nicht, sei getrost, und erhalte mich im Glauben, bis ich deine Herrlichkeit erblice. 402 Ich bin's, o welch' ein süßes Wort, Das Jesus zu mir spricht, Das ist der Seele Halt und Hort, Das giebt im Dunkel Licht. Da muß die Furcht und Angst vergeh'n Die mir das Herz durchzieht, Wo sich mein Jesus läfset seh'n, Da bringt er Frieden mit. Amen. 20. Juli. Norgen. Epr. 3, 6. Gebenke an Gott in allen deinen Wegen, so wird er dich recht führen. Starker Gott, ich gedenke an dich, dir zu danken für alles, was du mir Gutes erwiesen hast. Ich will heute an dich denken unter meiner Arbeit, wenn ich aus und eingehe, daß es mich von Sünden abhalte. Laß bei jedem Athemzuge dein Andenken in mir erneuert werden, so ist mein Herz bei dir, und du bei mir; so bekomme ich von dir immer neue Kraft und Stärke zur Heiligung. Will ich äußerlich etwas vornehmen, so laß mich es in deiner Furcht vollbringen. Bewahre meine Füße vor dem Sünden-, Welt- und Fleischeswege. Ein Wandersmann fragt, wohin sein Weg führe, so laß mich auch wohl bedenken, wohin ich gehe, warum ich hingehe, ob es auch zu deiner Ehre gereiche, ob ich dich nicht betrüben werde. Laß mich an dich gedenken im Reden und Vornehmen, alsdann werde ich nicht allein mein Gewissen unbefleckt bewahren, sondern du wirst mich auch recht führen. Nun, so führe mich, mein Gott, nach deinem Wohlgefallen, und erhalte mein Herz bei dem Einigen, daß ich deinen Namen fürchte. Leite mich auf dem Wege der Buße, wenn ich gesündigt habe. Führe mich durch eine heilige Uebergabe an dich zurück, wenn die Welt und meine Lüste mich von dir abgezogen. Führe mich auf dem rechten Himmelswege, und bewahre mich, daß ich mir durch meine Bosheit nicht selber ein Kreuz madhe. Sehe ich zuweilen einen Weg für recht an, ber es doch vor deinen Augen nicht ist, so führe mich in deinem Lichte, durch deinen Geist bald wieder dabon ab. Führe mich, o Herr, und leite Meinen Gang nach deinem Wort; Sei und bleibe du auch heute Mein Beschüßer und mein Hort; Nirgends, als bei dir allein Kann ich recht bewahret sein. Amen. 403 26* 20. Juli. Abend. 5 Mos. 32, 3. Ich will den Namen des Herrn preisen; geht uns'rem Gott allein die Ehre. 404 Gnädiger, getreuer Gott, ich will diesen Tag mi Loben und Danken schließen; ich will preisen dein Allmacht, welche mich bewahrt hat; ich will preise deine Liebe, nach welcher du mich vor Sünden gewarn hast. Ich will preisen deine Güte, die mir mein täg lich Brod beschert und gesegnet. Ich will preisen dein. Treue, welche mein Leben erhalten, mich in Trauriga keit aufgerichtet, und wenn ich um Vergebung meiner Sünden gebeten, mir Trost widerfahren lassen. Dein Engel hat mich behütet, daß ich unverletzt diesen Abend erreicht habe; darum gebt unserm Gott allein die Ehre! die Ehre der Wahrheit, daß er seine Verheißungem wahr gemacht. Gebt unserm Gott die Ehre der ewi gen Gnade, welcher nicht allein mich in diesem Lebem mit Wohlthaten überhäuft, sondern mir auch himmlische und ewige Güter bestimmt hat. Hier habe ich die Tropfen seiner Liebe und Güte, dort werde ich die vol len Ströme genießen. Gebt unserm Gott die Ehre der Geduld, der mich nicht im Zorn gestraft, sondern mir Zeit zur Umkehr und herzlichen Bereuung aller meiner begangenen Sünden gegeben hat. Alles, was id bin und habe, was ich genossen, das habe ich allein von meinem Gott; dem allein sei Lob, Ehre, Preis und Dank dafür gesagt. Laß dir mein Lob wohlgefallen, und mich dereinst im Loben und Preisen deinem Liebe und Güte von der Welt abscheiden, und wen ich aufhöre, dich auf Erden zu preisen, mich es in all Ewigkeit fortsetzen. Ich will dich all' mein Lebenlang, Gott, von nun an ehren; Man soll, Gott, deinen Lobgesang An allen Orten hören. Mein ganzes Herz ermunt're sich, Mein Geist und Leib erfreue dich; Gebt uns'rem Gott die Ehre! Amen. 21. Juli. Norgen. 1 Chron. 29, 9. Du, mein Sohn Salomo, erkenne den Gott deines Vaters, und diene ihm mit ganzem Herzen, und mit williSeele. Denn der Herr suchet alle Herzen, und verstehet ger aller Gedanken Dichten. Wirst du ihn suchen, so wirst du ihn finden; wirst du ihn aber verlassen, so wird er dich verwerfen ewiglich. 405 Gnadenreicher Gott, durch dich habe ich das Leben, laß es ein dir geheiligtes Leben sein! Darin stehet aber das ewige Leben, daß ich dich, Vater, als den einigen wahren Gott, und Jesum, deinen Sohn erkenne. Laß solche Erkenntniß mich heiligen, daß ich dir mit williger Seele diene. Bewahre mich vor Heuchelei, daß ich mich nicht mit einem ehrbaren Leben begnüge, sondern von Herzen fromm sei, darum weil du in die Herzen siehest, und alle Gedanken verstehest, nemlich warum ich bete, mich des Bösen enthalte, warum ich das Gute vornehme, mich in Worten und Werken also bezeige. Darum reinige immer mehr mein Herz und meine Gedanken, daß ich an keiner Sünde mit Lust hangen bleibe, sondern aus Liebe zu dir alles fliehe, auch das, was die Welt nicht für Sünde hält. Wenn ich denn auch heute in meinem Gebet dich suche, dich um Hilfe im Leiden, um Segen in meinem Beruf, um ein frommes Herz anrufe: so laß dich finden, und schenke mir, was ich in findlicher Zuversicht von dir gebeten habe. Behüte meine Seele, daß ich dich niemals aus Sünden- oder Weltliebe verlaffe. Du sollst immer mein höchstes, liebstes und größtes Gut bleiben bis an mein Ende, und wenn ich ja fehlen sollte, so verwirf mich darum nicht, sondern bringe mich wieder auf den rechten Himmelsweg. Gib, daß die guten Triebe Kein Schaltsaug mir verderbt, Und wenn ich glaub und liebe, So sei es ungefärbt. Mein Beten und Geloben Sei ohne Heuchelei, Und setzst du mich auf Prober., Mach mich im Kreuz getreu. Amen. 406 21. Juli. Abend. Röm. 8, 32. Gott hat seines eigenen Sohnes nicht verschonet, sondern hat ihn für uns alle dahin gegeben: wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken? Liebreicher Gott, daß du möchtest der Sünder schonen, hast du deines eigenen Sohnes nicht geschonet. Der Gerechte mußte sterben für die Ungerechten, da mit sie Gnade erlangten. Willig ging Jesus nach Jerusalem und auf Golgatha und trug sein Kreuz, daran er wollte sterben. O große Liebe des Vaters, der den einigen Sohn hat dahin gegeben zum Versöhn opfer! Dieses ist die höchste Gabe, welche Gott den Menschenkindern geschenkt. Leben und Gesundheit, fruchtbare Zeiten, Nahrung und Kleidung sind Gaben, die von oben herab kommen; aber diese übertrifft sie alle. O meine Seele, opfere Gott Dank und dich selbst zum Gehorsam, so wird er dir mit seinem Sohne alles schenken. Niemand schenkt alles weg, was er hat, allein Gottes Liebe will uns in Jesu alles schenken. Schenke mir Vergebung aller meiner Sünden, um Jesu willen; er ist für alle, und also auch für mich dahingegeben. Ich bin auch ein Mensch, mich gehet sein Leiden und Tod auch an. Schenke mir den heiligen Geist, der den Glauben in mir anzünde, stärke, erhalte, mein Herz und Leben heilige, daß ich aller Seligkeiten und herrlichen Güter, die mein Heiland erworben, theilhaftig werde. Schenke mir den Frieden mit dir, o Gott, daß ich innerlich empfinde, daß ich begnadigt sei; schenke mir die Herrlichkeit deiner Kinder und wenn ich aus dieser Zeitlichkeit ausgegangen, so schenke mir das völlige Erbe, die Krone, die Freude. Jauchzet, Jesus ist erschienen, Durch sein Blut uns zu verfühnen, Und er hat's vor Gott gebracht. Da wir Gottes Feinde waren, Ist uns Gottes Gnade widerfahren, Die aus Sündern Kinder macht. Amen. 22. Juli. Morgen. Ephef. 1, 13. Durch Christum habt ihr gehört das Wort der Wahrheit, nemlich das Evangelium von eurer Seligkeit, durch welchen ihr auch, da ihr glaubtet, versiegelt worden seid mit dem heiligen Geist der Verheißung. 40% Heiliger Gott, heilige mich durch und durch, daß Geist, Seele und Leib unsträflich behalten werde bis auf den Tag Jesu Christi. Heilige mein Herz durch dein Wort, das ich gehöret habe, durch das Evangelium von meiner Seligkeit, welche du mir darin haft verkündigen lassen. Laß es auch an mir wahr werden, und damit ich darin bis an mein Ende verharre, so schenke mir den verheißenen Geist, und versiegle und vereinige mich n't demselben so, daß er der Regent meines Herzens sei, der es neu mache. Laß ihn meinem Geist das Zeugniß geben, daß ich dein Kind und ein Erbe des ewigen Lebens sei. Laß ihn das liebreiche Jesus- Bild tief in mein Herz eindrücken, daß ich sein nie vergesse. Laß mich dein Eigenthum sein im Leben, Leiden und Sterben. Laß mich nicht untreu an dir werden, und laß mich niemand aus deiner Hand reißen. Der Gnadenbrief meiner Seligkeit ist mit Jesu Blut und mit dem heiligen Geist versiegelt; den hat mir die Liebe Gottes in seinem Wort geöffnet. Ich habe unter dem Beistand des heis ligen Geistes Trost in Sündenangst, Erquickung im Kreuz. Satan und Sünde können mich schrecken, aber nicht verdammen; ich habe einen Schutzbrief in dem Blute des Lammes, daß mir meine Sünden verziehen sind, und ich ein Kind des ewigen Lebens bin. Zeuch ein, laß mich empfinden Und schmecken deine Kraft, Die Kraft, die uns von Sünden Hilf' und Errettung schafft. Entsünd'ge meinen Sinn, Daß ich mit reinem Geiste Dir Ehr' und Dienste leiste, Die ich dir schuldig bin. Amen. 408 22. Juli. Abend. Pf. 51, 4. Wasche mich wohl von meiner Missethat, und reinige mich von meiner Sünde. Herr Jesu, da ich mich entkleide, so denke ich an die Reinigung meiner Seele. So manche Sünde, so mancher Flecken im Gewissen! Weil aber nichts Unreines in das neue Jerusalem eingehen kann, so wasche du mich von meiner Missethat. Wasser spület leibliche Unreinigkeiten, aber nicht die Sündenflecken ab; ich kann mich nicht von mir selbst von meinen Sünden reinigen, darum thue du es mit deinem Blute; dein Blut hat die Kraft der Reinigung; durch dein Blut, durch deinen Tod vergib mir meine Sünden. Kleide mich in deine Gerechtigkeit, und bedecke damit meine Missethaten, so werde ich als rein und gewaschen vor dir erfunden werden. Reinige mich von meiner Sünde äußerlich, daß ich sie inskünftige niemals wieder begehe, so bete ich mit David; laß mich auch wie ihn die Antwort hören: Der Herr hat deine Sünde weggenommen. Reinige mein Herz von der Belustigung an der Sünde, daß sie mir eine Last werde. Reinige meinen Mund von sündlichen Worten, mein Leben von sündlichen Gewohnheiten. Zwar werde ich innerlich nicht ohne sündliche Regungen, und äußerlich nicht ohne Uebertretun gen bleiben, aber ich will keinen Gefallen daran haben, durch Buße mich davon reinigen, und in deinem Blutė die Vergebung suchen und erlangen. Also gewaschen und gereinigt, lege ich mich jetzt nieder, also auch ge= waschen und gereinigt finde mich auch im Sterben, daß ich alsdann rein und gerecht durch dich zur ewigen Freude eingehen möge. Hier ist mein Herz, o mach es rein Von allen seinen Sünden; Laß es dir ganz geheiligt sein, Ganz deine Lieb' empfinden O schaffe mich im Grunde neu, Daß ich im Glaubenskampfe treu, Die Welt mög' überwinden. 23. Juli. Norgen. Joh. 8, 47. Wer von Gott ist, der höret Gottes Wort. Gott Vater, der helle Tag scheint auf Erden: laß es auch hell in meinem Herzen sein, daß ich heute als dein Kind lebe und wandle. Welch ein seliger Zustand ist das, von Gott sein! Diese Gnade habe ich erhalten, da ich aus Wasser und Geist von neuem geboren worden bin. Dein Wort und Geist arbeitet alle Tage an meiner Seele, und treibt mich an, daß ich nach Jesu Christo gesinnet sein, daß ich verleugnen soll das ungöttliche Wesen und die weltlichen Lüste, und züchtig, gerecht und gottselig leben in dieser Welt. Erhalte mich in solchem Gnadenstande, und wenn daraus getreten wäre, so führe mich bald wieder zu= rück. Bin ich aus dir geboren, so höre ich dein Wort gerne. Ich will dein Lehr-, Kreuzes- und Lebenswort hören innerlich, daß ich es betrachte, im Herzen behalte, und mich darüber freue, als Einer, der eine große Beute bekommt. Ich will es hören und lesen äußerlich, da ich lieb habe die Stätte deines Hauses und den Ort, da deine Ehre wohnet. Ich freue mich, daß mir gesagt ist, daß wir werden in's Haus des Herrn gehen. Dein Wort soll sein meines Glaubens und Lebens Regel, mein Schatz und Trost in allen Begebenheiten, Kreuz und Anliegen. Es soll mich im Guten stärken, vom Bösen abhalten, die Welt bitter und den Himmel süß machen. Verzeihe es mir, daß ich so lange es ohne Sinnesänderung gehört, und laß meinen Vorsatz nun beständig sein. Du sagst: ich bin ein Christ, Weil Gottes Wort und Lehre, Ohn' aller Menschen Tand, Ich fleißig les' und höre. Ja, Lieber, thust du auch Was dieses Wort dich lehrt? Nicht, der's hört, sondern thut, Der ist bei Gott geehrt. Amen. 409 23. Juli. Abend. Ps. 104, 34. Meine Rede müsse ihm wohlgefallen; ich freue mich des Herrn. 410 Herr, mein Gott, ich habe mich unterwunden, mit dir zu reden, wiewohl ich Staub und Asche bin. Ich rede mit dir mit gebeugtem Herzen und bitte dich um Ver gebung aller meiner Sünden. Ich rede mit dir unter der Fürsprache Jesu, der mein Mittler ist und flehe demüthig: schenke mir dessen Gerechtigkeit zur Tilgung meiner Missethaten. Meine Rede ist von nichts als Gnadengaben, die du mir heute geschenkt. Zürne mir nicht, wenn ich noch mehr rede: schütze mich auch diese Nacht vor allem Uebel an Leib und Seele. Verleihe mir deinen heiligen Geist, der mein Herz erneure, daß ich nicht gehöre unter die verfluchten Necker, die den Regen deiner vielfältigen Gnaden trinken, und doch Disteln und Dornen tragen. Ja ich will, che ich meine Augen schließe, dir noch Dank sagen. Ich freue mich des Herrn, ich freue mich über die Liebe meines himmlischen Vaters, meines Herrn und Schöpfers, die mich getragen und erhalten hat. Ich freue mich über Jesum, der mich von Sünde und Tod er= löst. Ich freue mich über den Beistand des heiligen Geistes, der täglich an meinem Herzen arbeitet, daß er es zu seinem Tempel mache. Ich freue mich dei nes mächtigen Beistandes in aller meiner Noth; deiner Allmacht, daß dir nichts unmöglich ist; deiner Erbarmung, daß du mich nicht verlassen noch versäumen willst. Ich freue mich des herrlichen Erbes, das mir vorbehalten ist im Himmel. Laß dir auch meine schwache Rede gefallen, wenn ich in meiner letzten Stunde nicht mehr laut reden kann, und schenke mir eine innerliche Seelenfreude. Laß, Herr, dir jeßt des schwachen Herzens Dank Gefällig sein im kindlichen Gesang; So will ich mich stets deiner Huld erfreuen, Und mich auf's neu' ganz deinem Ruhme weihen. Amen. 24. Juli. Norgen. Sohel. 4, 17. Mein Freund komme in seinen Garten. Herr Jesu, ich lade dich also ein: Komm, mein Freund, in mein Herz, so werde ich vor Sünden bewahrt, und deiner himmlischen Gaben theilhaftig werden. Bisweilen wollen, bisweilen können mir meine Freunde auf Erden nicht helfen; aber du bist ein mächtiger und treuer Freund. So komme doch und offenbare dich in meinem Herzen mit Licht und Stärke, mit innerlicher Freude und Erquickung. Komme in meinen Garten; mein Herz ist nicht mehr mein, es ist dein: du hast es in der Taufe zu deiner Wohnung geweihet, ich habe es in der täglichen Buße dir übergeben. Es ist mein Herz durch deine Gnade ein von muthwilligen und vorsätzlichen Sünden gereinigter Garten. Das sei ferne von mir, daß ich meinen Gott mit Wissen und Willen betrüben wollte; wie sollte ich ein solch groß Uebel thun und wider meinen Gott sündigen. Mein Herz ist ein gezierter Garten, durch deinen heiligen Geist, der hat in mir ein Verlangen erweckt, dich zu lieben, dich zu Lloben, in der Demuth, Sanftmuth und Reinigkeit dir getreu zu verbleiben bis in den Tod, darum soll es auch sein ein der Welt verschlossener Garten. Laß mein Herz allen bösen Lüften verschlossen bleiben. Wirft Satan unreine Gedanken hinein, so laß mich sie bald wieder dämpfen. Also laß mich ein solcher dir angenehmer Garten sein, darin du lebest, so werde ich einst auch in deinen Paradiesgarten kommen. Sage auch in meinem Sterben zu mir: Du bist mein Eigenthum, komme in meinen Garten, ererbe das Reich, das dir von Anbeginn der Welt her bereitet ist. Mach' mein Herz zu einem Garten, Wo der Tugend schönste Arten Steh'n in voller Lieblichkeit; Deffne drin die Lebensquelle, Die ohn' Ende sanft und helle Fließet in die Ewigkeit. Amen 411 412 24. Juli. Abend. Matth. 12, 35. Ein guter Mensch bringet Gutes hervor aus dem guten Schaß seines Herzens, und ein böser Mensch bringet Böses hervor aus seinem bösen Schaß. Gott, du hast mich diesen Abend lassen erreichen, darum frage ich mich selbst in deiner allerheiligsten Gegenwart: Was habe ich aus dem Schatze meines Herzens hervorgebracht? Wie die Quelle, so ist das Wasser; eine unreine Quelle bringt ein unreines Wasser hervor: mein unreines Herz bringt unreine, böse Worte und Werke hervor. Gott, mein Erbarmer, mache mein Herz neu, rein und gut; mache einen guten Menschen, ein gehorsames Kind aus mir durch die Buße und Umkehr zu dir.. Wirke in mir einen guten Schatz, lebendigen Glauben, der sich fest an dich hält; herzliche Liebe, welche alles fliehet, was dir zu= wider sein kann; kindlichen Gehorsam, daß ich nicht frage, was mir oder der Welt gefällt, sondern was du mir erlaubt hast. Hast du also einen guten Schaßz in mein Herz gelegt, so kann ich auch etwas Gutes hervorbringen. Schätze wachsen nicht von selbst, fie müssen gesammelt werden; also laß mich Fleiß anwenden, dich recht zu erkennen, dir zu dienen und zu folgen. Deine Erkenntniß wird mich täglich demüthiger machen, da ich in deinem Lichte sehe, wie ich so gar nichts bin. Deine Liebe wird alle Sünden in mir austilgen, ich werde nüchtern und mäßig, keusch und aufrichtig vor dir wandeln. Also laß mich im Sterben als ein reines Gefäß erfunden werden; ja lege noch einen guten Schatz in mich, daß ich vor deinem Angesicht nicht erschrecken muß. Schaff in mir, Gott, ein reines Herz, Mein Herz ist ganz verderbet! Es fühlt der Sünden großen Schmerz, Die ihm find angeerbet, Und die es hat gethan ohn' Scheu; Ach mache, daß es wieder sei, Wie du's zuerst erschaffen! Amen. 413 25. Juli. Norgen. Math. 20, 12. Ihr wisset nicht, was ihr bittet. Herr Jesu, ich bitte dich um deinen heiligen Geist, daß ich den ganzen Tag in deiner Furcht wandeln möge. Diese Bitte wirst du mir nicht abschlagen, denn du hast verheißen, du wollest deinen heiligen Geist geben allen, die dich darum bitten. Verleihe mir auch Gesundheit und Segen, und laß mich deinem Schuß empfohlen bleiben. Bitte ich aber etwas aus Eigenliebe und Unverstand, so sage zu mir: Du weißt nicht, was du bittest. Ja, wohl weiß ein junger Mensch oft nicht, was er bittet; ja Erwachsene, wenn sie nur auf ihre Neigungen und nicht auf deinen Willen sehen, bitten von dir oft Dinge, die ihnen schädlich sein würden. Ach, Gott, gib mir nichts im Zorn, wenn mein Gebet von dir unnöthige und schädliche Sachen verlangt; thue alsdann wie ein weiser Vater mit seinem unverständigen Kinde, wenn ich Dinge von dir begehre, welche mir zu einer nuthe und Dornen werden könnten. Ja, ich muß heute vor dir bekennen: Hättest du mir oft gegeben, was ich von dir gebeten, so hätte ich mir gar wehe gethan; darum danke ich dir noch für die damals abschlägige Antwort. Erhalte mein Herz nur bei dem Einigen, daß ich deinen Namen fürchte. Bewahre meine Seele vor Stolz und Verachtung meines Nächsten. Laß mich nichts wünschen und begehren, was ich nicht zu deiner Ehre besigen kann. Sorge du für mich; du weißt, was ich an meiner Seele und an meinem Leibe bedarf: das gib mir nach deiner Liebe und Treue, wie du dich, ohne mein Bitten, aus Liebe in den Tod gegeben hast. Soll ein Vater unterlassen, Was dem Kinde Thorheit iſt? Wisse, Mensch, Verklärte fassen Das, wo du im Dunkeln bist! Hier sollst du dem Herrn vertrau'n, Glauben hier und dort einft schau'n. Amen. 25. Juli. Abend. Math. 20, 23. Könnet ihr den Kelch trinken, den ich trinken werde, und euch taufen lassen mit der Taufe, da ich mit getauft werde? Sie sprachen: Ja wohl! 414 Herr Jesu, du hast einem jeden Menschen seinen Kreuzeskelch bestimmt. Sollen Kreuzesfluten auch mich treffen, soll ich traurige Tage haben, und der elenden Nächte viel werden: so wirst du mir doch nicht mehr auflegen, als ich tragen kann. Dein Wort sagt auch von einem Trostbecher; denselben schenkest du auch voll ein, und erquickest die Deinen nach dem Leiden. Laß auch mich dessen nach der Trübsal ge= nießen bis ich den Freudenbecher von dir im Himmel empfangen werde. Laß mir aber das Kreuz und Leiden eine Taufe sein, dadurch du meine Seele reinigest und heiligest. Wirke durch Leiden einen Abscheu vor Sünden, daß es mir ein heilsames Mittel meiner Bekehrung und Reinigung sei. Du wirst es mit meinem Leiden so machen, daß ich es ertragen kann, weil es dein Kelch, ein von dir mir zugeschicktes Kreuz ist. Meinten Jacobus und Johannes, sie wollten ja wohl den Kelch trinken, den du ihnen würdest darreichen: so will ich auf meine Kräfte nichts wagen; sie hatten noch keinen Tropfen davon versucht, und verstanden sich zum ganzen Kelch. Ich will von deinen geliebten Händen alles annehmen, wenn du mir Gnade und Kraft dazu verleihest. Ja wohl, mein Heiland, so vermag ich alles. Sollte in meinem Sterben mir noch ein bittrer Trant vorbehalten sein, so erhalte mich nur im Glauben, und laß mich nach dem Kampf dich mit Freuden empfangen. Was Gott thut, das ist wohlgethan! Muß ich den Kelch gleich schmecken, Der bitter ist nach meinem Wahn, Laß ich mich doch nicht schrecken, Weil doch zuletzt Ich werd' ergest Mit süßem Trost im Herzen; Da weichen alle Schmerzen. Amen. 26. Juli. Norgen. f. 119, 105. Dein Wort ist meines Fußes Leuchte, und ein Licht auf meinem Wege. 415 Gott, ich habe das Licht des Tages wieder erblickt; laß mich dasselbe zu deiner Ehre gebrauchen. Bewahre mich, daß ich nicht dem Irrlicht meines bösen Willens und der verführerischen Welt folge, sonst irre ich und gehe ewig verloren. Hingegen soll dein Wort meines Fußes Leuchte sein: das zeigt mir, was ich fliehen und meiden soll. Mein Leben ist nichts anderes als der Weg zur Ewigkeit. Ich will nicht verloren, sondern selig werden, darum laß mich nach deinem Worte mein Denken, Reden, Thun und Lassen anstellen, so gehe ich den rechten Weg, der zum ewigen Leben führt. Nicht allein aber ist es eine Leuchte, sondern es ist auch ein Licht auf meinen Wegen. Ohne des Tages Licht müßten wir ewig im Finstern gehen, und ohne dein Wort wüßte ich nichts von deinem Wesen, Werken und Willen, lebte und stürbe also in der Finsterniß. Es ist ein von dir geschenktes Licht; denn die Männer Gottes haben geredet, getrieben durch den heiligen Geist; ein mich erleuchtendes Licht, es zeigt mir an mein Verderben, meine Sünden, es zeigt mir auch die Gnade, welche mir in dem Blute Jesu geschenkt ist. Gott, laß mich nicht nach meinem eigenen Lichte wandeln, sondern laß dein Wort mir immer vor Augen und im Herzen sein. Laß es mein Trost-, Lehr-, Warnungs-, Lebens- und Heiligungswort sein, daß alle meine Lebenstage dir geheiligt bleiben, daß ich wandle als ein Kind des Lichts und mit unbefleckter Seele den Abend erreiche. Dein Wort, Herr, ist mein Licht, Das mir den Weg recht zeiget, Und mich bestraft, wenn sich Mein Fuß zum Irrweg neiget Ich glaub' nach diesem Wort, Und leb' nach diesem Wort, Dann bringt mich dieses Licht Auch an den Freudenort. Amen. 26. Juli. Abend. Luc. 3, 9. Es ist schon die Art den Bäumen an die Wurzel gelegt: welcher Baum nicht gute Früchte bringet, wird abgehauen, und in das Feuer geworfen. 416 Gerechter Gott, laß mich gedenken, wie auch mein letter Tag erscheinen wird, auf daß ich alle Tage dir zur Ehre Lebe. Was ist ein Baum, wenn er abge hauen, und was ist der Mensch, wenn er gestorben iſt? Ein Baum weiß nicht, wann die Art ihn fällen wird, und der Mensch weiß nicht, wann er sterben wird, er ist alle Tage in Todesgefahr. Ich weiß gewiß, daß ich sterben muß; nur die Zeit und die Art des Todes bleibt mir unbewußt. Die Art hauet oft mit einem Hiebe ein zartes Bäumlein ab, an einem größern bringt sie mancherlei Hiebe an. Ich weiß nicht, ob ich geschwind sterben werde, daß es bald und mit einem Hieb um mich geschehen sei, oder ob du durch eine Krankheit mich eine Zeitlang zur Ewigkeit bereiten willst. Dieses laß mich wohl bedenken, damit ich als ein guter Baum erfunden werde, welchen man nicht ins Feuer wirft, sondern schöne Gefäße daraus macht, die man werth hält. Laß mich das Feuer deiner Liebe erwärmen, umschmelzen; so werde ich vom ewigen Feuer nicht gequält werden. Laß mich in meinen Lebenstagen gute Früchte bringen, Früchte des Glaubens, der Liebe, der Sanftmuth, Demuth, Keuschheit und Geduld. Von Natur bin ich ein unfruchtbarer Baum, aber wenn ich in den lebendigen Weinstock, Jesum, eingepfropft bin, so kann ich gute Früchte bringen. O mein Gott, finde mich als einen solchen guten Baum am Ende meiner Tage, und laß mich alle Abende an die Früchte gedenken, die ich getragen habe. Es ist uns, ehe wir es ahnen Die Art oft an die Wurzel schon gelegt; Doch achtet man auf kein Ermahnen, Bis endlich deine Hand uns niederschlägt Ach, mach uns doch zum Himmelreiche klug Und tilg in uns den argen Selbstbetrug. Amen. 27. Juli. Norgen. Jac. 1, 17. Alle guten Gaben und alle vollkommenen Gaben kommen von oben herab, von dem Vater des Lichts, bei welchem ist keine Veränderung, noch Wechsel des Lichts und der Finsterniß. Reicher, gütiger Gott, da der Tag anbricht, flehe ich dich demüthig um deine Gaben an. Ich habe nichts mit auf die Welt gebracht; alles, was ich habe, ist dein Geschenk. Von dir habe ich Leben, Verstand und Kräfte, meinen Beruf auszurichten. Welche gute Gaben sind das, deren viele andere Menschen entbehren müssen. Darum laß sie mich beständig zu deiner Ehre anwenden, nicht aber zur Sünde mißbrauchen. Laß mich nicht vergessen, daß alles, was du mir schenkest, eine unverdiente Gabe sei, welche du jeden Tag wieder nehmen kannst. Schenke mir auch die vollkommenen Gaben deines Gnadenreichs. Gib mir deinen heiligen Geist und ein frommes Herz, das dich fürchte und liebe, daß ich dich nicht betrübe oder erzürne. Verleihe mir einen getrosten Muth in Kreuz und Leiden, ein sehnliches Verlangen, dir zu dienen und zu gefallen. Laß mich meinen Leib sammt allen Gliedern dir opfern, daß sie Werkzeuge deiner Gnade werden. Laß, o Vater des Lichts, allezeit das Licht des Glaubens, der Liebe, der Heiligung in mir brennen, und in meinem Herzen keine Aenderung zur Finsterniß der Weltliebe mehr vorgehen, wie auch bei dir keine Veränderung ist: so werde ich endlich auch die vollkommenſten Gaben nach meinem seligen Abschiede erlangen, nämlich das weiße Kleid, dein Anschauen, wie hier schon Gerechtigkeit, Frieden mit dir und die Kindschaft, dort aber in der höchsten Vollkommenheit. Der Herr ist gut und theilt sich willig mit, Sein Wesen ist ein Brunnen edler Gaben. Er geht uns nach und fragt bei jedem Schritt, Ob wir nicht was von ihm zu bitten haben? Wo ist ein Herr, der so mit Knechten thut? Der Herr ist gut! Amen. Start's Morgen- und Abend- Andachten. 417 27 27. Juli. Abend. Jef. 1, 3. Ein Ochse kennet seinen Herrn, und ein Esel die Krippe seines Herrn; aber Israel kennet's nicht, und mein Voll vernimmt's nicht. 418 Gütiger Gott, auch diesen Tag hast du mir viele Wohlthaten erwiesen. Du gibst mir reichlich, täglich, stündlich, aber mein Herz erkennet's nicht; deine Hand gibt Leben, Gesundheit, Nahrung und Kleidung, aber ich gedenke wenig daran. O wie hängt mein Herz an der Welt und ihren Lüsten, und vergißt des Dankes für deine Vatertreue! Ein Ochse lässet sich willig das Joch auflegen, und mir will Jesu Joch, seine Demuth und Sanftmuth nicht gefallen! Ein Esel kehret bald zu seines Herrn Krippe um; wie lange hast du mich zur Umkehr gerufen, aber ich eile andern nach! Diese Thiere müssen vernünftige Menschen beschämen. Ihrer Herren Krippen ziehen sie zu sich. Verleihe mir ein gehorsames und dankbares Herz, dich zu loben, dir zu folgen. Nimm meine demüthige Abbitte an, da ich bekenne, daß unvernünftige Thiere mit ihrer Dankbar: keit, Willigkeit und Gehorsam mich beschämen. Vergib mir diese Sünde. Laß mich meine Dankbarkeit nicht allein mit Worten, sondern auch in der That und heiligem Wandel erweisen. Laß mich dich in deiner Liebe und Güte kennen, dein Locken und Rufen zur Gnade vernehmen, um dadurch zu dir gezogen zu werden, dich zu lieben und dir anzuhangen bis in den Tod, auf daß keine Lust noch Furcht mich mehr von dir abwendig mache. Laß mich auch im Sterben als dein gehorsames Kind erfunden werden. Ein Dchse lennet seinen Herrn, Der ihm das Futter reichet; Und du, mein Volk, bleibst mir so fern, Dein Herz wird nicht erweichet, Ach, komm', so lang er Gnade beut Verträume nicht dein flüchtig heut, Es währt nur eine Weile, Komm, Israel, und eile. Amen. 28. Juli. Morgen. Joh. 14, 23. Wer mich liebet, der wird mein Wort halten und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm machen. Herr Jesu, ich freue mich über dein Verheißung, daß du wollest zu uns kommen und Wohnung bei uns machen. Erfülle sie auch an mir. Entzünde in mir die Liebe gegen dich, daß ich, wo ich gehe, stehe und arbeite, an dich gedenke. Laß mich von dir gerne reden mit Hochachtung und Ehrerbietung. Diese Liebe wird mir die Welt bitterer, hingegen dein Wort süßer machen, dag ich gerne die Verachtung der Welt erdulde, hingegen in meinem ganzen Leben auf dich, mein Heiland, schaue. Liebe ich dich also, so wird dein Vater mich lieben, für sein Kind erkennen, und emig selig machen. Diese Seligkeit geht schon in diesem Leben an, da du sammt dem Vater und dem heiligen Geist mein Herz beleben und bewohnen willst. Welche Herrlichkeit ist das, daß Gott will in den sterblichen Menschen wohnen! Dein Kommen zündet ein neues Licht an, daß ich mein natürliches Verderben besser einjehe; aber auch die Gnade erkenne, die mir in dir geschenkt ist. Dein Kommen bringt mit sich eine neue Kraft, daß ich die Welt in und außer mir überwinden kann. Ja, du erfüllst mein Herz zuweilen mit Süßigkeit und Freude, als wäre ich schon bei dir im Himmel. Ach, mein Erlöser, laß mich mein Leben lang deine Wohnung sein. Ziere mein Herz, als eines Königs Wohnung, mit deinem Geiste, Licht und Leben aus: so bin und bleibe ich dein in Zeit und Ewigkeit. Nur wer den Heiland liebt, Der hält sein Wort in Ehren, Und so verspricht der Herr, Bei ihm selbst einzukehren Was muß für Freud' und Luft, Die göttlich ist, entsteh'n, Wenn Vater, Sohn und Geist In eine Seele geh'n! Amen. 419 27* 420 28. Juli. Abend. Pf. 84, 12. Der Herr ist Sonne und Schild; der Herr gibt Gnade und Ehre; er wird kein Gutes mangeln lassen den Frommen. Ewiger, herrlicher Gott, die Sonne hat sich ver borgen, aber ich fürchte mich nicht, wenn du meine Sonne, mein Licht und Heil bleibst. Erleuchte mei nen Verstand, daß ich dich erkenne und als mein höchstes Gut ehre; leuchte in meinen Willen, daß ich das Böse verwerfe, und das Gute erwähle; leuchte in meinem Herzen, daß Glaube und Liebe sich darin finden: so werde ich bei Tag nicht im Finstern wandeln, und des Nachts die Werke der Finsterniß meiden. Sei, wie die Sonne, allezeit um, neben und bei mir. Wachsen durch Wärme der Sonne Bäume, Früchte und Blumen, so laß mich alle Tage zunehmen in Glauben und in allen guten Werken. Richtet die Sonne das vom Regen und Sturm niedergeschlagene Gewächs wieder auf, so sei du mein Trost in Traurigkeit. Die Sonne trocknet das feuchte Erdreich, und du wischest alle Thränen von den Wangen der Deinen, und erfreuest sie wieder. Sei diese Nacht mein Schild. Wende ab die feurigen Pfeile des Satans, wenn sie meine Seele ängsten wollen. Umgib mich wie ein Schild gegen meine Feinde und ihre listigen Anschläge. Laj mich in deiner Gnade bleiben bis an mein Ende. Laß mich die Ehre der Kindschaft und das Erbe des ewigen Lebens hochachten und nimmermehr verlieren Laß mich alle Tage frömmer werden, so wird mit kein Gutes mangeln hier; sei auch im Sterben meine Sonne und Schild. Ja, Gott, der Herr ist Sonn' und Schilo, Er deckt uns, er ist gut und mild, Er wird uns Gnad' und Ehre geben. Nichts mangelt dem, der in der Noth Auf Gott vertraut; er hilft im Tod, Er selber ist der Frommen Leben. Heil dem, der stets in dieser Welt, Herr Zebaoth, an dich sich hält. Amen. 29. Juli. Norgen. Offenb. 2, 17. Wer überwindet, dem will ich zu essen geben von dem verborgenen Manna, ud will ihm geben ein gutes Zeugniß, und mit dem Zeugniß einen neuen Namen geschrieben, welchen niemand kennet, denn der ihn empfähet. 421 Herr Jesu, ich weiß, daß ich, dieweil ich in dieser Zeitlichkeit lebe, immer im Streit sein muß; hilf mir kämpfen und überwinden die innerlichen bösen Lüfte. Hilf mir die Welt außer mir überwinden, daß ich ihre sündlichen Gewohnheiten fliehe, und mein ganzes Leben dir geheiligt sei. Dem Essen des Mannas muß ein Kampf und Sieg vorhergehen; dazu rüste du mich aus! Wenn ich der Welt Lockspeise meide, so gibst du mir eine seligere Speise, die Gnadenschätze, die du durch dein Leiden und Sterben mir erworben. Das ist eine verborgene Speise, davon die Welt nichts weiß, kann sie auch nicht empfangen. Alsdann wirst du mir auch einen weißen Stein geben, und in demselben einen neuen Namen, nemlich, daß ich heiße dein Kind, dein Erbe, eine neue Kreatur. Diesen Namen fennet niemand, als der ihn empfähet, denn er ist inwendig im Herzen geschrieben, dahin niemand sehen tann. Dieses Manna, dieser neue Name, ist eine Herrlichkeit, welche die Welt ohne Sinnesänderung nicht empfahen kann; man muß durch Buße und Ümkehr von der Welt zu Gott, von den Sünden zur Frömmigkeit, durch den lebendigen Glauben an Jesum, durch Wirkung des Heiligen Geistes erst neu geworden jein, ehe man den neuen Namen und in demselben die Seligkeit erlangt. Siegern theilt Gott in der Ruh', Vom verborgenen Manna zu; Wer davon ist, wird erfreut, Denn er lebt in Ewigkeit. Ja, auf einem weißen Stein Soll sein neuer Name sein, Welchen sonst kein Fremder kennt, Als nur der, den Jesus nennt. Amen. 29. Juli. Abend. 2. Mos. 34, 6. 7. Herr, Herr Gott, barmherzig und gnädig und geduldig und von großer Gnade und Treue; der du be wahrest Gnadę in tausend Glied und vergiebst Miffethat, Übertretung und Sünde. 422 Gnadenreicher Gott, erbarme dich über mich, wie der Vater über seinen verlornen Sohn. Erbarmen ist die Eigenschaft, nach welcher du vergissest, vergibst. Erweise mir Gnade, wie ein König einem Misse thäter, der den Tod verdient hat. Rufen meine Sünden und Satan: Rache, Rache! Strafe, Strafe! so laß Jesu Blut rufen: Gnade, Gnade! Habe Geduld mit mir. Habe Geduld mit meiner Schwachheit, und gib mir deinen heiligen Geist zur Heiligung und Besse rung meines Lebens. Laß nach deiner Treue auch die Verheißung an mir wahr werden, daß, welche Stunde der Sünder rufen werde, so wollest du hören; du wollest die Missethat tilgen, wie einen Nebel, und ihrer nicht mehr gedenken. Hast du nun Gnade bis ins tausendste Glied zugesagt, so laß mich derselben auch theilhaftig werden; vergieb mir alle Ungerechtigkeit, Falschheit, Untreue, Lauigkeit, Sicherheit und Sünden, welche niemand als dir, und meinem Ge wissen bekannt sind, und gieb mir Kraft, meine bis her begangenen Sünden mit Fleiß zu meiden. Handle mit mir nach deiner Barmherzigkeit, nach deiner Gnade, Geduld und Treue, so werde ich von Sünden los, erquickt und getröstet. Erzeige dich mir auch im Sterben als ein barmherziger und gnädiger Gott, der nach seiner Treue mir meine Sünden vergibt und mich zur ewigen Freude aufnimmt. Barmherzig ist der Herr, Sein gnädiges Gemüte Hat Langmuth, trägt Geduld, Und ist von großer Güte. Wenn man ihn herzlich fürcht', So währt von Zeit zu Zeit Die Gnade unsers Herrn Und bis in Ewigkeit. Amen. 30. Juli. Morgen. Spr. 21, 1. Einen jeglichen dünket sein Weg recht zu sein; aber allein der Herr macht die Herzen gewiß. 423 Einen Das sehe Herr, mein Gott, ich habe vor mir einen Weg, den ich gehen soll: weise mir deine Wege. jeglichen dünket sein Weg recht zu sein. ich an den Gottlosen, die halten dafür, ihr Leben sei recht, ob sie gleich sich nicht nach deinen Geboten richten. Vor solchem Dünken bewahre mich, mein Gott. Laß mich nicht nach meinem oder anderer Leute Dünfen leben, denn mit Dünken betrügt man sich. Kein Herr läßt sich nach seines Dieners Dünken bedienen: so kannst du auch an keines Menschen Leben ein Wohlgefallen haben, der nach seiner Einbildung sich ein Christenthum macht. Darum mache du mein Herz gewiß, ob ich auf rechtem Wege sei. Mache mich gewiß durch dein Wort, daß ich es als eine Richtschnur meines Lebens ansehe. Mache mich gewiß durch deine Kinder, welche den schmalen Weg zum Himmel gehen, welche verleugnen die vergängliche Lust der Welt, welche keine Gemeinschaft haben mit den Werken der Finsterniß, und sich der Welt in ihren Sünden nicht gleich stellen. Sollte aber mein eigenes Herz mich wollen verführen, oder nach seinem Dünken einen Gang erwählen, so laß deinen Geist mich strafen und zurückführen. Ich übergebe mich, mein Gott, deiner heiligen Führung. Hilf du mir, daß ich allezeit so denken, reden, wandeln und leben möge, daß ich deiner Gnade im Leben und Sterben gewiß sei. Es ist ein köstlich Ding Und Zeugniß deiner Treue, D Heiland, daß das Herz In dir befestigt seie, Im Guten immer wachs', Zum Bösen nimmer kehr'; Denn dieses kommt allein Von deiner Gnade her. Amen. 30. Juli. Abend. Ps. 4, 9. Jch liege und schlafe ganz im Frieden; denn du, err, hilfft mir, daß ich sicher wohne. 424 Gnädiger Gott und Vater, ich liege und schlife ganz mit Frieden, wenn du um mich und bei mir bist. Laß mich einschlafen als dein begnadigtes Kind; rergib mir alle meine Sünden. Laß mich einschlafen als ein seliges Kind, daß, wenn diese Nacht die letzte sein sollte, ich doch in den Armen Jefu selig sterben könnte. Beim Liegen erinnere mich, daß ich einmal in meinem Grabe ruhen und liegen werde. Aber wie ich morgen wieder zu erwachen und aufzustehen hoffe, so wird mein Leib verklärt und wie die Sonne leuch tend, zum ewigen Leben aufstehen. Indessen schlafe ich diese Nacht im Frieden, wie ein Kind an seiner Mutter Brust. Ich schlafe beschützt, wie Petrus, in deiner Gemeinschaft wie Jakob, der im Schlaf die Himmelsleiter sah. Haben andere wegen Schmerz, Krankheit, Feuers- und Kriegsgefahr elende Nächte, so stehe ihnen in Gnaden bei, und da ich jetzt im Frieden mich schlafen lege, so laß mich solches als eine große Gnadengabe und Wohlthat erkennen. Laß mich bei der Ruhe, Stille und Frieden, den du dem Leibe schenkſt, auch im Seelenfrieden mit dir einschlafen, den ich durch den Glauben an meinen Heiland erlangt habe. Denn du, Herr, hilfst mir, daß ich sicher wohne, daß mich kein Unglück weckt, kein Feind schreckt; deine Gnadenflügel decken mich, wie die Henne ihre Küchlein; die heiligen Engel stehen um mein Bett wie die Starten Salomos. Nun, so will ich selig schlafen, O mein Jesu, schüße mich Durch die goldnen Engelswaffen, Und behüte gnädiglich Mich vor aller Angst und Noth; Ja, wenn endlich kommt der Tod, D so nimm an meinem Ende Meine Seel' in deine Hände. Amen. 31. Juli. Morgen. Micha 6, 8. Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist, und was der Herr von dir fordert, nemlich Gottes Wort halten, Liebe üben und demüthig sein vor deinem Gott. 425 diebreicher, gnädiger Gott, du forderst von mir mit Recht als mein Schöpfer und Herr, was ich thun soll; und was du befiehlst, ist nöthig, nützlich und selig; darum will ich dein Wort halten, es fleißig lesen und hören. Ich will es halten für meinen Schak und für meinen größten Reichthum; ich will es in mein Herz einschreiben und es meinen Rathgeber sein lassen. Alles zu halten und zu erfüllen, was dein Wort von mir fordert, steht in meinen Kräften nicht; denn es verbietet nicht allein die äußerliche That, sondern auch die Lust, deren Regung ich zwar nicht hindern, aber in deiner Kraft vertreiben kann. Ich will auch Liebe üben gegen meinen Nächsten, ihm helfen, wenn er im Elend ist, mich mit ihm versöhnen und willfährig sein, wenn er mich beleidigt, oder wenn ich ihm Unrecht gethan, gerne abbitten. Ich will ihn nach der Feindschaft lieben, Gutes thun, vergessen oder vergeben, wie ich will, daß du mir meine Schulden und Mißhandlungen vergeben sollst. Deine Gnade soll mich auch demüthig machen gegen dich, meinen Gott, indem ich wohl weiß, wer ich bin und wer du bist. Ich will mich nach der Demuth befleißigen gegen meinen Nächsten, daß ich ihn höher achte als mich selbst, ihm nicht Gewalt und Unrecht thue. Was du von mir forderst, dazu gibst du auch Kraft; so laß mich inskünftige also werden. Ich danke dir für alle Wohlthaten, die ich heute empfangen, für die Erhaltung meines Lebens, und bitte demüthiq um Vergeb ung aller meiner Sünden. Entzünde du mein Herz mit deiner wahren Liebe, Und hilf, daß ich zugleich am nächsten Liebe übe. Verleihe mir Geduld, wenn Trübsal bricht herein, Und hilf, daß ich im Glück demüthig möge sein. Amen. 426 31. Juli. Abend. Jef. 40, 6. Alles Fleisch ist Heu, und alle seine Güte ist wie eine Blume auf dem Felde. Ewiger Gott, du unvergängliches Wesen, der du bist, der du warest und sein wirst, bei welchem ist kein Wechsel des Lichts und der Finsterniß: ich lege mich nun schlafen; der Tag ist dahin, als wenn er nie gewesen wäre. So lehre mich denn recht, daß alles Fleisch ist Heu. Heu war zuvor Gras, dessen Farbe, Geruch und Ansehen die Menschenkinder ergötzte; allein das alles höret auf, wenn es durch die Sichel gefällt wird. So blühet der Mensch in seinem Leben; was ist er aber im Tode? Die Schönheit vergeht, da ist keine Gestalt noch Lieblichkeit mehr; die Liebsten können wir nicht mehr im Hause leiden, ihre Herrlichkeit ist dahin. Wenn ich meine gesunden Glieder und den Bau meines Lebens ansehe, so laß mich gedenken: der wird auch dem Heu gleich werden, dessen man nicht mehr achtet. Ja, wohl ist der Mensch geringer, als Heu, denn das fähret man noch in die Scheunen, und ist eine Speise des Viehes; aber des Menschen Leib nüzet nach seinem Tode niemanden, und bliebe im Staube, wenn ihn der Herr nicht erweckte. Alle seine Güte ist wie die Blume auf dem Felde. Blumen fallen von selbst ab, wenn sie ihre Zeit nach des Schöpfers Willen gestanden haben. So nehmen auch der Menschen Kräfte, Gemüths- und Leibes- Vermögen mit den Jahren ab, die Augen werden dunkel, das Gehör hart, die Füße schwach, der Leib matt, das Gedächtniß ist nicht mehr so fertig, alsvordem, und so fällt die Blume allmählig ab. Dieses lehre mich bedenken in gesunden Tagen, daß ich mehr um meine unsterbliche Seele, als um meinen hinfälligen Leib bekümmert sei. Ach wie nichtig, ach wie flüchtig Sind der Menschen Sachen! Alles, alles, was wir sehen, Das muß fallen und vergehen; Wer Gott hat, bleibt ewig stehen! Amen. 1. Auguft. Morgen. 1. Sam. 12, 24. Fürchtet den Herrn, und dienet ihm treulich von ganzem Herzen. Gott, du Herr meiner Tage und meines Lebens, schenke mir deinen heiligen Geist und schreibe durch denselben deine Furcht in mein Herz. Stelle mir deine Gegenwart vor Augen, wie du aller Orten zugegen bist. Laß mich mit diesen Gedanken ausgehen, und immer in meinem Herzen und meinen Ohren klingen: Der Vater sieht's! Diese kindliche Furcht soll mich behutsam machen, daß mich von meinem Vorhaben nicht abwende der große Haufen derer, die dich nicht kennen, nicht fürchten und lieben, und leben, als ob kein Gott im Himmel und kein künftiges Gericht wäre. Erkenne ich dich aber für meinen Herrn, so gib mir Kraft, daß ich dir beständig diene. Du brauchst zwar meines Dienstes nicht, indem dir das ganze Himmelsheer dient; jedoch, da du diesen Dienst mir anbefohlen, so will ich mit meinem Gebet, Lob und Dank dir täglich dienen. Dein Wort soll meine tägliche Speise sein, und ob in diesem allem du mir gleich dienest, und nicht ich dir, so will ich doch zu deiner Ehre und meiner Seele Bestem mich darin üben. Ich will dir dienen mit meinem Leben, daß ich es nach deinen Geboten ans stelle. Laß mich diesen Dienst vollbringen treulich, nicht wie ein Taglöhner, der froh ist, wenn die Arbeit gethan ist, sondern mit Freuden, aus Liebe zu dir, von ganzem Herzen, aus allen Kräften, nicht zum Schein, um einen guten Namen zu erwerben, sondern auch andere zu deinem Lobe aufmuntern. Laß deinen Segen auf mich fließen, welcher mich mit dir desto fester verbinden soll. Hilf, daß ich mög' die Sünde meiden, Bei jeglicher Gelegenheit, 427 Und alles, was mich könnte scheiden Von dir und von der Seligkeit. Hilf, daß ich also leb' auf Erden Daß ich dort möge selig werden. Amen. 1. Auguft. Abend. Pf. 89, 27. Du bist mein Vater, mein Gott, mein Hort, der mir hilft. Gnadenreicher Gott, nun endigt sich der Tag, an welchem deine Treue und Güte neu ist über mir gewesen. Sei ferner mein Vater, der sich meiner er barmet. Du bist mein Vater nach der Schöpfung, du bist mein Vater nach meinem Christenthum; darum bete ich: Vater, vergib mir alle meine Sünden, womit ich heute dich in Gedanken, Worten und Werken beleidigt habe. Vater, laß mir Barmherzigkeit widerfahren. Vater, verstoße dein Kind nicht, sondern schone meiner, wie sich ein Vater über seine Kinder erbarmet. Das Kind eilet zum Vater, und ich komme zu dir, mein Gott. Du bist meine Freunde in Traurigkeit, mein Reichthum in Armuth, mein Licht in der Finsterniß, mein Trost, mein Hort, der mir hilft. Du bist mein Fels, wo mich kein Feind erreichen kann; meine Burg, wo mich mein Widersacher muß unangetaſtet lassen. Das soll mein Trost sein; wenn ich mich zu dir halte, so werde ich wohl bleiben. Gib mir deinen heiligen Geist, der mein Leben lang mich heilige und führe, daß ich durch Sünden deine Gnade nicht verscherze, und wenn ich ja fehlen und fallen sollte, führe mich durch herzliche Sinnesänderung wieder zurecht. Sollte mir ein Leiden begegnen, so gedenke, daß du mein Vater bist, und laß mich deine Hilfe erfreuen. Kommt es zum Sterben, so will ich sagen: Mein Vater, schenke mir ein ewiges Erbe; mein Gott, erquicke mich, mein Hort, hilf mir fröhlich und herrlich aus. Vater! dieser Nam' erweitert Jede Brust voll Angst und Schmerz; Wie der Mond die Nacht erheitert, Kommt die Ruh in jedes Herz, Das nach deinem Troste weinet, Eh die Sonne wieder scheinet. D wie oft verwandelst du Bangen Schmerz in süße Ruh! Amen. 428 - 2. Auguft. Morgen. Offenb. 2, 10. Sei getreu bis in den Tod, so will ich dir die Krone des Lebens geben. 429 Herr Jesu, deine Gnade hat mich bis hieher gebracht; laß mich dir getreu sein im Glauben, daß ich in deiner Erkenntniß zunehme, dein Wort fleißig leſe, höre und betrachte, und die erkannte Wahrheit nicht, wie Esau sein Erstgeburt, um ein Linsen- Bericht verkaufe. Laß mich getreu sein in der Frömmigkeit und Gottesfurcht, daß ich wandle, nicht wie die Unweisen, sondern als die Weisen. Du weißt, daß Fleischeslust, Augenlust und hoffärtiges Leben zur Untreue locken; allein dieses alles soll mich nicht untreu machen. Wie treu bist du gewesen, da du mich geliebt bis in den Tod. Laß mich solche Treue durch Treue erkennen, daß ich getreu bleibe bis in den Tod, nicht eine Zeit lang glaube, und zur Zeit der Anfechtung abfalle, sondern bis ans Ende im Guten verharre, so wirst du mir auch aus Gnaden die Krone des Lebens geben. Es wird niemand gekrönt, er kämpfe denn recht, er weiche nicht, und gehe nicht zurück. Also bewahre mich vor dem Rückfall, vor Trägheit und Nachläßigkeit. Laß mich weder Lust noch Furcht von dir in dieser Welt abwenden. Die Auserwählten werden Kronen tragen in dem ewigen Leben. Diese Herrlichkeit hast du ihnen erworben, der du eine Dornenkrone für uns getragen; und wer im Glauben verharret bis an sein Ende, dem hast du eine Lebenskrone bestimmt. Laß mich diese Gabe nicht gering achten. Sei getreu bis an das Ende, Daß nicht Marter, Angst und Noth Dich von deinem Jesu wende; Sei ihm treu bis in den Tod! Ach, das Leiden dieser Zeit Ist nicht wert der Herrlichkeit, Die dein Jesus dir will geben Dort in seinem Freudenleben. Amen. 2. Auguft. Abend. Röm. 8, 34. Wer will verdammen? Shristus ist hier, der ge storben ist, ja vielmehr, der auferwecket ist. welcher ist zur Rechten Gottes, und vertritt uns. 430 Herr Jesu, wenn ich mich in meinen Sünden ansehe, wie ich damit Zorn und Ungnade, Tod und Verdammniß verdient, so erschrecke ich; wenn ich aber dich als Versöhnopfer ansehe, so bin ich getrost, und sage: Wer will verdammen? Gewiß nicht der Satan, denn an dem habe ich nicht gesündiget, der hat nichts an mir, er ist ein überwundener Feind; nicht meine Sünde, denn die hast du vergeben. Wer will mich verdammen? nicht dein himmlischer Vater, denn der hat deine Versöhnung angenommen. Die Welt kann mich auch nicht verdammen am Tage des Gerichts, ob sie mich gleich hier verdammt, verhöhnt und lästert. Will mich mein Gewissen verdammen, so spreche ich: Christus ist hier, der gestorben ist, daß er meine Sündenschuld tilgte, der auch auferwecket ist, zum Zeichen, daß alle Sünden vergeben sind; denn stehet Jejus von den Todten auf, weckt ihn der Vater auf, ſo ist nun Friede auf Erden und im Himmel gemacht. Ja, Christus ist hier, welcher sizet zur Rechten Gottes und vertritt uns. Wenn ich nun bete, so bete ich nicht allein, er betet für mich, und ob ich gleich fündige, wiewohl ich nimmermehr fündigen will, so habe ich dich zum Fürsprecher bei dem Vater. Ach, mein Erbarmer, lağ mich diese deine Gnade zum Gehorsam antreiben. Erscheinet dann die Todesstunde, kommen die Ankläger häufig herbei, Jeju, so bitte für mich. Bater, verdamme mich nicht, sondern laß mich Gnade finden. O Freude, hier ist Jesus Christ, Der für die Welt gestorben iſt, Ja vielmehr, der auch auferweckt, Daß ihn und uns jetzt nichts mehr schreckt; Der auch zur Rechten Gottes sigt Und dort auch uns vertritt und schüßt. Wer ist, der uns wie einen Bann Von Christi Liebe scheiden kann? Amen. 3. August. Morgen. Spr. 4, 20. 21. Mein Sohn, merke auf meine Worte, und neige dein Ohr zu meiner Rede. Laß fie nicht von deinen Augen fahren, und behalte sie in deinem Herzen. 431 Gütiger Gott, verleihe mir Gnade, daß ich diesen Tag in deiner Furcht vollbringe. Du hast mir offenbart, wie ich wandeln soll. Schenke mir deines Geistes Kraft, daß ich auf dein Wort merke, das dich vorstellt als meinen Schöpfer, Erlöser und Heiligmacher; laß mich darauf merken, als meinen Glaubensgrund, daß ich von demselben nicht abweiche. Laß mich darauf merken, als eine Lebensregel, daß ich darnach mein Thun und Lassen richte: so werde ich heute nicht wider dich fündigen. I mein Gott, ich will nicht mehr wissentlich sündigen. Gib mir Kraft, daß ich deine Gegenwart mir beständig vorstelle, und meine Ohren neige zu deiner Rede, in welcher du dich mir als einenheiligen, gerechten und eifrigen Gott offenbarest, der da strafet Missethat, Uebertretung und Sünde, daß ich deine Rede in meinem Herzen habe, und also dein Gesetz nicht von meinen Augen fahren lasse, wie diejenigen thun, welche nach ihren Lüsten und der Welt Beispiel leben. Bewahre mich, daß nicht allerlei Entschuldigungen mich von deinen Neden abführen, sondern daß ich sie fest im Herzen behalte, als das Gebot meines Vaters, daß ich bei aller Gelegenheit daran mich erinnere und mich darnach richte. Laß mich heute also leben, und hinfort glauben und wandeln, daß ich dir angenehm, und mein Thun und Lassen von dir gesegnet werde Hallelujah! Ja und Amen! Herr, du wolleft auf mich seh'n, Daß ich mög' in deinem Namen Fest bei deinem Worte steh'n. Laß mich eifrig sein beslissen, Dir zu dienen früh und spat, Und mich stets zu beinen Füßen Sißen, wie Maria that! Amen. 432 3. August. Abend. Offenb. 21, 3. Siehe da, eine Hütte Gottes bei den Menschen! er wird bei ihnen wohnen, und sie werden sein Volk sein; er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein. Welche Herrlichkeit ist das, daß du, hoher und erhabener Gott, in den Herzen deiner Glaubigen wohnen willst! Laß auch mein Herz deine Hütte sein; lehre darin, singe darin, bete darin. Reinige es von aller Bosheit, bringe dein Licht hinein, und laß mich in demselben ein heiliges Leben führen. Könige nehmen nicht bei jedem geringen Mann ihre Einkehr; du aber siehest keine Person an: ist die Seele durch dein Blut gereinigt, so erwählest du sie zu deiner Hütte, wäre es auch der ärmste Mensch. Wohne beständig auch in mir, und thue wie ein Hausvater, der in seinem Hause zuschließt, aufschließt, befiehlt, wegschafft und sein Haus rein hält. Also schließe meinen Mund zu vor allen unnüzen Reden; schließe mein Herz der reinen Liebe zu dir und meinem Nächsten auf; befiehl, was ich unterlassen soll, und gib mir Kraft dazu; schaffe aus meinem Herz weg, was dir mißfällt. Sei du selbst mein Gott, mein Beschüßer in aller Noth, mein Beistand in Anfechtung. Bist du mein Gott, so wird mich kein Unfall stürzen, wie groß er ist. Sei selbst heute diese Nacht mit mir, sei mit mir in meinem ganzen Leben, und heilige dir es; sei mit mir, wo ich aus- und eingehe, und begleite mich; sei auch mit mir in meinem Sterben, alsdann sei mein Gott, der mich begnadige; laß mich als dein Eigenthum selig abscheiden. Einst wird Gottes Hütte wieder Bei den Menschenkindern sein, Und wir werden uns als Brüder Kindlich vor dem Vater freu'n. Da wird Gott, der Höchste, thronen, Unter seinem Volke wohnen, Und im Paradiesesweh'n Freundlich sich mit uns ergeh'n. Amen. 4. August. Morgen. 1 Kor. 7, 23. Jhr seid theuer erkauft, werdet nicht der Menschen Knechte. Herr Jesu, ich bin durch die Sünde in das ewige Verderben geräthen; aber deines Vaters Erbarmen hat mich nicht darin liegen lassen. Wie war mir aber zu rathen und zu helfen? Es mußte eine reine göttliche Person an meine Stelle treten. Hätten tausend Menschen für einen sterben wollen, so wäre es unmöglich gewesen, weil jeder Sünde an sich hat; aber du bist heilig, rein, unbefleckt und von den Sündern abgesondert. Silber und Gold kauft Leibeigene Los; Gefangene werden um Gefangene losgegeben; aber ich konnte auf keine dieser Arten befreit werden. Hier mußte ein theures Lösegeld sein. Das Lösegeld ist dein Blut, die erkaufte Seele bin ich und alle Menschen, der himmlische Vater nimmt das Lösegeld an, mit der gnädigen Verheißung, wer an diesen Erlöser glauben würde, der soll nicht verlören werden, sondern das ewige Leben haben. So bin ich denn dein Eigenthum, dein erkaufter Knecht. Nun bin ich nicht mehr mein eigener Herr, will auch nicht der Menschen Knecht werden. Ein Menschenknecht ist ein verdämmter Mensch, weil er nach der irdisch gesinnten Menschen Gewohnheiten wandelt; davor behüte mich mein Erlöser! Mentschen will ich Gefälligkeit erweisen und auch dienen, aber nur in so weit, als ich dein Knecht, dein Kind und dein Eigenthum bleiben kann. So bleibe ich hier dein erkauftes Gut, und auch dort in der Freude. Baß mich an diese Herrlichkeit allezeit gedenken. Laß, die theuer sind erworben, Nicht der Menschen Knechte sein! Denn, so wahr du bist gestorben, Mußt du uns auch machen rein, Rein und frei und ganz vollkommen Und verklärt in's beste Bild!- Der hat Gnad' um Gnad' genommen, Welchen deine Füll' erfüllt. Amen. Stark's Morgens und Abend- Anbachten. 23 433 434 4. Auguft. Abend. Pf. 19, 13. Wer kann merken, wie oft er fehlet? Verzeihe mir auch die verborgenen Fehler. Barmherziger Gott, mein Herz sagt mir, dağ ich oft wider dich gesündigt habe. Wie oft haben sich meine Gedanken von dir gewendet! Wie oft hat mein Mund unbedachtsam geredet. Wie oft habe ich im Umgange mit Menschen mich des Guten geschämt, und Böses gethan! Wer kann merken, wie oft er fehlt? Man könnte eher den Sand am Meer, als meine Sünden zählen! Niemand kann seine Fehler wissen wegen seiner natürlichen Schwachheit und Trägheit, wegen des Feindes und der Welt Verführung, welche uns oft zu geschwinde ist, und ehe wir es uns versehen, zur Sünde verleitet. Das erkenne ich, darüber betrübe ich mich, und entschuldige mich nicht. Meine Unachtsamkeit ist Schuld an allen meinen Uebertretungen. Aber ich bitte: verzeihe mir die verborgenen Fehler, die ich nicht erkenne, und aus Verblendung meines Herzens noch nicht für Fehler halte, nemlich die Unterlassung des Guten, die falschen Absichten in Ausübung des Guten, die Lauigkeit im Gebet, die Liebe des Zeitlichen, die Menschenfurcht, das Mißtrauen gegen dich, die überflüssigen Sorgen, die verletzte Demuth, das Beruhen auf mir selbst, mein eigen Wirken und dergleichen, welches ein feines Gift ist, das meine Seele zu andern Uebertretungen verleitet. Die unerkannten und verborgenen Fehler verzeihe mir, mache mich da von los, und laß mich in der Stunde des Todes in Jesu rein und gerecht erfunden werden. Aber, Herr, ich kann nicht wissen, Wie viel meiner Fehler sei'n. Mein Gemüth ist ganz zerrissen Durch der Sünden Schmerz und Pein, Und mein Herz ist matt von Sorgen Ach, verzeih' mir, das Verborgen, Rechne nicht die Missethat, Die dich, Herr, erzürnet hat. Amen. 5. August. Morgen. Luc. 9, 62. Wer die Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt zum Reich Gottes. 435 Herr Jesu, der allein ist dir angenehm, der in deinem Dienst beständig verharrt. Mein Herz soll darum heute unverrückt an dich gedenken, auch unter der Arbeit und wo ich aus- oder eingehe. Ich will es machen, wie ein Ackersmann, der seine Hand an den Pflug legt: der muß ihn festhalten, sonst schneidet er nicht ein, siehet er aber zurück, oder neben aus, was da vorgeht, so wird sein Tagewerk gering und der Acker voll Dornen und Disteln werden. Mein Herz ist so ein wilder Acker von Natur, es muß geändert werden, wenn ich will selig werden. Da geht es aber mit Pflügen an mein Herz: die bösen Gewohnheiten, die alten Sünden sollen abgeschafft werden, ich soll fein tief graben. Das thut dem alten Adam weh, mein Herz siehet zurück nach den Fleischtöpfen Aegyptens, denkt an die fröhlichen Stunden, die es in Sünden hingebracht. Es siehet zurück auf die vorigen Sündenfreunde, was die von Umkehr des Herzens sagen. Es siehet neben sich, wie andere lustig auf ihren vorigen Wegen wandeln. Ist nun Pflügen eine saure Arbeit gegen Tanzen, Scherzen und Spielen: so wird es mir schwer, in dem guten Vorsatz zu beharren. Aber ach, mein Jesu, hilf mir, daß ich nicht wieder mich umsehe nach Sodom, denn sonst bin ich nicht geschickt zum Reich Gottes. Ich werde es auch in meinem Christenthum nicht weit bringen, sondern zur Sünde umkehren. Darum verleihe mir durch deinen Geist Beständigkeit zu meiner Seele Seligkeit. Ich folge Jesu nach, Das hab' ich fest beschlossen, Viel Gutes hab' ich ja Von seiner Lieb' genossen; Ich weiß, daß er mich liebt Und richtet meine Sach'. Er ist mein bester Freund: Ich folge Jesu nach. Amen. 28* 436 5. Auguft. Abend. Ezech. 18. 23. Meinest du, daß ich Gefallen habe an dem Tode des Gottlosen? spricht der Herr, Herr, und nicht vielmehr, daß er sich bekehre von seinem Wege und lebe? Gnadenreicher Gott, wie lieblich sind mir deine Verheißungen, in welchen du dem Sünder, der sich bekehren will, Gnade zugesagt! Wie ein Hirte kein Ge fallen hat, wenn er ein Schaf verliert, also siehet's Gott mit Schmerzen an, wenn der Sünder zur Hölle cilet. Meinst du, Gottloser, daß Gott Gefallen habe an deinem Tode? Du betrügst dich; bist du gleich ein boshafter Sünder, ein Bösewicht, so bleibst du doch ein Geschöpf Gottes, eine durch Jesu Blut erkaufte Seele. Meinst du, Gott habe ein Gefallen, dich in die Hölle zu stürzen? O nein! wenn er dich der Verdammniß übergeben muß, so thut er es zwar aus gerechtem Gericht, aber mit großem Mitleiden, sein Erbarmen wollte dich gerne erhalten, wenn du nur wollteft. Das ist mein Trost, wenn mich meine Sünden verdammen, daß du kein Gefallen hast, wenn ich verdammt werde, sondern willst, daß ich mich von meinen Wegen bekehre. Das ist auch mein Vorsatz: ich will mich zu dir bekehren von ganzem Herzen und von ganzer Seele, meine vorigen Sündenwege will ich nicht mehr gehen, ich will Jesu folgen. Also laß mich, mein Gott, hier in deiner Gnade leben, daß du in mir wohnest, mich heiligest und regierest; so werde ich auch leben in der Ewigkeit; mein Tod wird kein Tod, sondern ein Durchgang zum himmlischen Freudenleben sein, da ich deine Herrlichkeit in Ewigkeit genießen werde. So wahr ich lebe, spricht dein Gott, Mir ist nicht lieb des Sünders Tod, Vielmehr ist dies mein Wunsch und Will Daß jeder Sünder stehe still, Von seiner Bosheit wende sich, Und lebe mit mir ewiglich. Amen. 6. Auguft. Morgen. 437 Matth. 7, 12. Alles, was ihr wollt, daß euch die Leute thun sollen, das thut ihr ihnen. Herr Jesu, es ist in der Natur schon gegründet, daß ich an mir selbst abnehmen soll, was mein Nächster gerne hat. Dieses erfordert die Billigkeit, wie bielmehr die christliche Liebe. Woher kommt Krieg, Zank, Ungerechtigkeit und Betrug, als weil man dieses Gebot verachtet? Behüte mich, daß ich nicht aus Eigenund Eigenliebe in solche Sünde falle. Zwar kann ein König von seinen Unterthanen, ein Herr von seinen Knechten Gehorsam fordern, welches Unterthanen und Knechte von ihrem Könige und Herrn nicht wiederum verlangen können. Ich wünsche, daß in Armuth mir jemand Handreichung thäte, im Elende beispränge, und in Traurigkeit tröstete: so laß mich diese Pflichten andern nicht versagen. Hingegen hätte ich nicht gerne, daß mein Nächster mich beraubte, mich betröge, mich schimpfte: so laß mich gegen ihn gleiche Billigkeit beweisen. Ich wollte, daß mein Nächster Schaden von mir abwende, mich warne, mich von Sünden abhalte, und meine Seele rette; laß mich solche Pflichten auch gegen seine Seele nicht versäumen. Du hast befohlen, ich soll andern thun, was ich von ihnen begehre. Finde ich aber diese Billigkeit unter vielen Christen nicht, so laß mich solchem Beispiel nicht folgen, son= dern mich genau an dein Gebot halten. Erfülle mein Herz mit Liebe, daß ich nicht allein dem Nächsten nichts Böses thue, sondern auch, so viel möglich, verhindere, daß ihm von andern nichts Unrechtes geschehe, mich auch nicht freue, wenn es ihm übel geht. Selig sind, die aus Erbarmen Sich annehmen fremder Noth, Sind mitleidig mit den Armen, Bitten treulich für sie Gott. Die behilflich sind mit Rath, Auch womöglich in der That, Werden wieder Hilf' empfangen, Und Barmherzigkeit erlangen. Amen. 438 6. August. Abend. Pi. 32, 10. Wer auf den Herrn hoffet, den wird die Güte umfahen. Gütiger Gott, ich habe heute viel Gutes von deiner Vaterhand empfangen, und nun hoffe ich, du werdest auch in der Nacht mit mir sein. Die Hoffnung stellt sich ein künftiges Gut vor, das sie von ferne ficht, aber noch nicht hat, welches jedoch ihr verheißen ist. Mein Herz hoffet getrost auf das, was deine Gnade mir verhei gen. Meine Hoffnung hat einen Grund, der nicht wanket. Deine Vaterliebe läßt mich lauter Gutes hoffen. Deine Allmacht erfreut mich, daß dir nichts unmöglich ist von alle dem, was ich von dir hoffe und bitte. Deine Wahrheit wird deine Verheizung erfüllen, daß die auf dich harren, nicht sollen zu Schanden werden. Ach, daß ich auch allezeit wie dein Kind mich gegen dich verhalten hätte! Was ich verbrochen, das verzeihe mir. Laß deinen Geist mich bei den Verzug der Erfüllung meiner Hoffnung im Vertrauen auf deine Gnade stärken, daß ich nicht kleinmüthig werde. Du bist treu, darum kann ich auf dich hoffen. Laß mich deine Güte umfahen, wenn ich fallen will. Deine Güte ist eine ewige Güte, die nimmer aufhört, sie ist meine Wärterin, Pflegerin und Hüterin; sie umschließt mich, wie die Luft meinen Leib, wie das Wasser den Fisch, ich lebe und schwebe in deiner Güte. Laß mich diese große Güte zur Buße leiten. Laß sie mein hartes Herz erweichen, daß ich allen Sünden von Grund meiner Seele feind werde, sie fliehe und hasse. Laß sie mich umfahen in Traurigkeit, mich zu trösten und aufzurichten in der Todesstunde; wenn ich auf deinen Gnaden-, Hilf- und Freudenblick hoffe, so laß deine Gü mich erquicken, umfahen und umarmen. Der Sünder häuft sich selber Schmerz auf Schmerzen Wer aber Gott gehorcht von ganzem Herzen, Wer auf ihn hofft, sein harret mit Geduld: Ja, den umfäht, den krönet seine guld. Amen. 439 7. Auguft. Morgen. Spr. 23, 26. Gib mir, mein Sohn, dein Herz, und laß deinen Augen meine Wege wohlgefallen. Gott, Vater, du sprichst auch zu mir: Gib mir, mein Sohn, dein Herz. Ist das Herz der Sitz des Lebens, das zuletzt noch Leben hat, wenn die äußern Glieder erstorben sind: so kommt auch auf mein Herz alles an. Ist das Herz boshaft, so wird die Zunge wenig Gutes reden, und die Glieder werden Werkzeuge der Ungerechtigkeit sein. Ist das Herz fromm, so werden Gedanken, Worte und Werke davon Zeugen sein. Gott, hiermit übergebe ich dir mein Herz, reinige es von aller Sündenlust, reiße aus demselben alle Falschheit, Trägheit, Neid, Bosheit und Sicherheit und ziere es aus mit Glauben, Liebe, Keuschheit, Frömmigkeit und Gottesfurcht. Ist mein Herz dein und rein, so wird auch mein Leben vor aller Befleckung verwahrt bleiben. Oder unaussprechlichen Liebe des großen Gottes, welcher unter dem Lobe Israel, unter dem dreimalig Heilig des Himmelsheeres wohnet, daß er sich um eines Menschen Herz bekümmert, ja fast darum bittet! Nun, o Gott, nimm hin mein Herz, so werden meinen Augen deine Wege wohlgefallen. Die Wege der Frömmigkeit werden meine Lust und Freude sein. Die Wege der Welt werden mir ein Greuel werden. Deine Kreuzeswege werden mir nicht beschwerlich fallen, weil du mich auf denselben führst. Laß mich die Gabe, die ich dir in dieser Morgenstunde geschenkt, dir nimmer wieder nehmen. Schenke mir die Gaben des heiligen Geistes, daß ich von deiner Liebe und der Nachfolge Jesu niemals wieder weiche. Gib mir ein frommes Herz! Wenn man mich will verführen, So lasse deinen Geist Mein Herze kräftig rühren. Gib, daß ich nimmermehr Auf böses Beispiel seh', Vielmehr, o Jesu, dir, Wie du vorgehst, nachgeh' Amen. 7. Auguft. Abend. Nöm. 12, 12. Seid fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trübfal, haltet an am Gebet. 440 Liebreicher Gott, breite auch diese Nacht deine Flügel über mich aus. Gib mir ein fröhliches Herz nicht in Sünden; laß es fröhlich sein über dein Er barmen, nach welchem du mir meine Sünde vergibst; über deine Liebe, nach welcher du mich begleitet und versorgest; über deine Treue, da du mich zur Buße rufest; über die künftige Herrlichkeit, welche ich schon in der Hoffnung befize, ja zum Theil schon genieße in Gerechtigkeit, Friede und Freude im heiligen Geist, wiewohl unter vielem Kreuz und Kampf; völliger aber werde ich alles erlangen, wenn ich dein Antlik in Gerechtigkeit schauen werde. Unterdessen schenke mir die Gnade, daß ich geduldig sei in Trübsal; denn durch viel Trübsal müssen wir in das Reich Gottes eingehen. Darum laß mich alle Trübfale mit getrostem Muth aufnehmen, so mögen meinen Leib Schmerzen, mein Gemüth Traurigkeit treffen. Laß mich nicht wider dich mirren, sondern geduldig ertragen, was deine Hand mir auflegt, indem ich wohl weiß, was du auflegest, hilfst du auch tragen. Bewahre mich, daß ich mir nicht durch Bosheit selbst Trübsale verursache. In allem aber, was mir begegnet, Freud oder Leid, Glück oder Unglück, laß mich anhalten im Gebet. Ich will beten in guten Tagen, daß ich nicht deine Güte mißbrauche; ich will beten in Leiden, daß ich nicht kleinmüthig und ungeduldig werde, sondern mich auf deine Treue verlasse. Kann ich im Sterben nicht mehr beten, so bete du für mich, und laß mich still und selig in dir einschlafen. Geduld ist mein Verlangen Und meines Herzens Lust, Nach der ich oft gegangen; Das ist dir wohl bewußt, Herr, voller Gnad und Huld! Ach, gib mir und gewähre Mein Bitten, ich begehre Nichts andres als Geduld. Amen. 8. August. Morgen. 1 Petr. 5, 7. Alle eure Sorge werfet auf ihn, denn er forget für euch. 441 Gütiger Gott, hat ein jeder Tag seine eigenePlage und seine besondern Sorgen, so nimm auch jetzt meine Sorgen auf dich. Sorgen- Last ist eine schwere Last, welche das Gemüth beunruhigt und zuweilen in schwere Anfechtungen stürzt. Mit Sorgen und mit Grämen bringe ich nichts herbei, aber wenn ich dir vertraue, so wird mein Herz leicht. Darum will ich alle Sorgen wegen meines fünftigen Auskommens dir überlassen, hingegen aber meine Berufs- Sorgen mir angelegen sein lassen, daß ich dieselben treulich vollbringe: so wirst du mir von meiner Hände Arbeit, was mir nöthig ist, bescheren. Am meisten aber will ich sorgen für meine Seele, daß ich sie nicht mit Sünden beflecke, und wenn es ja geschehen, dieselbe durch Buße in dem Blute Jesu wieder reinige. Laß meine beständige Sorge sein, ein unbeflecktes Gewissen zu behalten, meine Seele dir als reines Opfer täglich zu bringen, und mein ganzes Leben dir zu heiligen. Das wird mir eine selige Sorge sein. Im Uebrigen sorge du für mich; sorge für mich im Leiblichen, und schenke mir Nahrung und Kleidung. Sorge für mich in Gefahr und errette mich. Sorge für mich in Traurigkeit und tröste mich. Sorge für mich im Geistlichen, und verleihe mir eine heftigere Liebe heftigere Liebe zu dir und deinem Wort und einen größern Fleiß, dir ähnlicher zu werden. Sorge auch für mich, wenn ich von der Welt abscheide, führe mich zu deiner Freude ein, und schenke mir des Himmels Herrlichkeit. Gott Lob! wir Kinder dürfen Der Sorgen ganze Last Auf dich, o Vater, werfen, Wie du versichert haft. So wird dem Herzen leicht, Weil du uns dies erlaubet. Wer nur dem Worte glaubet, Der singt: Jhr Sorgen weicht. Amen. 442 8. Auguft. Abend. Hiob 14, 14. Jch harre täglich, dieweil ich streite, bis daß meine Veränderung komme Ach, Gott, so ist auch dieser Tag dahin! Ich harre auch diese Nacht auf deinen Schuß. Du bist meine einzige Zuflucht, darum harre ich täglich; im Kreuz, daß du mir es abnehmest; im Gebet, daß du mich er hörest. Also bist du, o Gott, meiner Seele alles; da rum harre ich dein, und warte auf deine Hilfe, auf dein Erbarmen, auf dein Geben, auf dein Erhören von einer Morgenwache zur andern. Ich warte und harre auf deinen kräftigen Beistand, dieweil ich streite; du weißt, mit wie viel Feinden ich zu streiten habe, welche ich ohne dich nicht überwinden kann. Stehe mir bei, wenn ich mit bösen Lüsten und unreinen Gedanken streite, daß ich sie in deiner Kraft unterdrücke. Stebe mir bei, wenn ich streite mit der bösen Welt, daß ich mich ihr in keinem Stücke gleichstelle, noch thue, was mein Fleisch gelüstet. Muß ich auch mit Zweifel, kümmerlichen Gedanken streiten, so stärke, erhalte und erquicke mich, bis meine Veränderung kommt. Denn du wirst mich von allem Uebel erlösen und aushelfen zu deinem ewigen himmlischen Reich; ich werde nicht immer mit Kreuzesfluten umgeben sein, mein Schifflein wird nicht mehr im Sturm von den Wellen hin und her geworfen werden, es wird endlich eine Stille, Ruhe und Erquichung kommen, daß ich dich mit fröhlichem Munde loben kann. Laß allen Streit durch deine Gnade eine gänzliche Sinnes- und Lebensänderung in mir wirken, ehe die Veränderung im Sterben geschieht, daß alsdann meine Veränderung möge herrlich und selig sein. Fortgekämpft und fortgerungen, Bis zum Ziele durchgedrungen Muß es, bange Seele, sein! Durch die tiefsten Dunkelheiten Kann dich Jesus hinbegleiten; Muth spricht er den Schwachen ein. Amen. 443 9. Auguft. Morgen. Offenb. 3, 20. Siehe, ich stehe vor der Thür, und klopfe an; so jemand meine Stimme hören wird, und die Thür aufthun, zu dem werde ich eingehen und das Abendmahl mit ihm halten, und er mit mir. Herr Jesu, du stehest vor der Thür meines Herzens, um dasselbe einzunehmen, zu bewohnen, zu heiligen, mich ewig glückselig zu machen. Du allmächtiger, heiliger und reiner Gott tommest zu einem sündigen Menschen. Ich sollte zu dir kommen, und dich bitten, bei mir einzukehren, und mich deiner Gaben theilhaftig zu machen, aber weil ich das weder thue, noch verstehe aus großer Blindheit, ja, mein Herz durch Eigenliebe und Weltfreundschaft vor dir verschließe, so kommst du zu mir, und klopfest an durch gute Gedanken, durch Angst über meine Sünden und durch dein Wort. Bisweilen klopfest du an durch Gerichte, welche mich schrecken, durch Wohlthaten, damit du mich lockest, mit innerlicher Freude, da du mir den Himmel und die künftige Herrlichkeit süß machst. Laß mich dein Klopfen nicht verachten, nicht dämpfen, sondern laß mich deine Stimme hören als meines Freundes, Erbarmers und Seligmachers Stimme, und mein Herz aufthun, auf daß du zu mir eingehest, mich belebest, in mir wohnest, mich der himm= lischen Seligkeit theilhaftig machest und das Abendmahl mit mir halteſt, mitbringest Vergebung der Sünden, den Frieden Gottes, welches die süßesten Speisen für meine Seele sind, und ich mit dir auf's neue verbunden werde. Laß mich nichts mehr von dir scheiden. Warum willst du draußen stehen, Du Gesegneter des Herrn? Laß dir, bei mir einzugehen, Wohlgefallen, du mein Stern; Du, mein Jesu, meine Freud, Helfer in der rechten Zeit, Hilf, o Heiland, meinem Herzen Von den Wunden, die mich schmerzen. Amen. 444 9. Auguft. Abend. Mos. 41, 9. Ich gedenke heute an meine Sünde. Allwissender Gott, ich gedenke an meine Sünde nicht mit Lust, wie die Kinder dieser Welt, welche sich ihrer Sünden rühmen und darüber lachen; sondern ich denke an meine Sünden mit Schrecken; sie sind mir ein Greuel, eine Last. Ich denke daran, aber ich schäme mich vor dir; ich denke daran, und bitte sie dir demüthig ab; verzeihe mir gnädiglich, was ich wider dich begangen habe. Wer mit Lust an seine Sünden und ausgeübten Uebelthaten noch gedenken, und sich ihrer rühmen kann, dem sind sie noch nicht leid, und auch noch nicht vergeben. David hat sich niemals seines Ehebruchs, Manasse seiner Abgötterei, Petrus der Verleugnung seines Herrn, Paulus der Verfolgung der Christen, die große Sünderin ihrer Leichtfertig feit gerühmt, sondern sich darüber, als über eine große Missethat erschrocken; also gedenke ich auch an meine Sünden, und wünsche, daß ich sie nicht gethan hätte und nicht wieder begehe. Ich gedenke aber auch an deine Barmherzigkeit, und habe das feste Vertrauen, du werdest dich über mich erbarmen. Ich gedenke an dich, Herr Jesu, und bitte dich: tilge alle meine Sünden mit deinem Blute, und laß mich Barmherzigkeit und Vergebung aller meiner Uebertretungen erlangen. O du Lamm Gottes, das der Welt Sünden trägt, erbarme dich über mich! Da ich also, mein Vater, mit zerknirschtem Herzen an meine Sünde gedenke, so gedenke du derselben nicht mehr, sondern laß mich Gnade finden, und verleihe mir deinen heiligen Geist, daß ich durch dessen Kraft meinen Vorsatz ins Werk könne richten, dich nimmermehr wiederum mit Wissen und Willen zu betrüben; in meiner letzten Lebensstunde laß mich den Trost hören: Dir sind deine Sünden vergeben. Vergib es, Herr, was mir sagt mein Gewissen: Welt, Teufel, Sünd' hat mich von dir gerissen. Es ist mir leid, ich stell' mich wieder ein; Da ist die Hand: du mein und ich bin dein. Amen. 10. August. Norgen. Hof. 2, 19. 20. Ich will mich mit dir verloben in Ewigkeit, ich will mich mit dir vertrauen in Gerechtigkeit und Gericht, in Gnade und Barmherzigkeit will ich mich mit dir verloben, und du wirst den Herrn erkennen. 445 Herr Jesu, was ist doch der Mensch, daß du sein gedenkest, was ist meine Seele, daß du dich mit ihr vereinigen willst! Neichthum, Schönheit, Ansehen machen in der Welt die Verlobung leicht; aber bei mir ist lauter Armuth, Häßlichkeit, ich bin in Sünden empfangen und geboren und du, Sohn des Allerhöchsten, willst dich mit mir verloben! Ach, daß ich den Adel erkennete, den ich durch dich erlange. Ein Weib erlangt ihres Mannes Ehren und Güter; so bekomme ich durch dich einen neuen Namen, daß ich heiße ein Kind und Erbe des ewigen Lebens. Deine Verlobung mit mir ist geschehen in der Taufe, in deinem Worte wird sie bekräftigt. Auf das Verloben folgt die Vereinigung, da du mein und ich dein werde. Dieses geschieht im Glauben, da ich mir dein Verdienst zueigne. Sie geschiehet in dem Abendmahl, da du dich mir ganz schenkest mit deinem Leib und Blut. Sie geschieht in Gerechtigkeit, daß ich durch dich Friede habe. Sie geschiehet im Gericht, daß ich von aller Schuld und Strafe frei gesprochen werde. Das alles habe ich nicht verdient, sondern du hast dich freiwillig über mich erbarmet und mit mir vereinigt in Ewigteit. Nun erkenne ich dich als meinen Herrn, Erretter und Seligmacher. Laß mich als dein Eigen= thum der Welt und Sünde aus Liebe zu dir auf ewig absagen und absterben. Dwie selig sind die Seelen, Die mit Jesu sich vermählen, Die sein Lebenshauch durchweht, Daß ihr Herz mit heißem Triebe Stündlich nur auf seine Liebe Und auf seine Nähe geht! Amen. 446 10. Auguft. Abend. Pf. 66, 8. 9. Zobet, ihr Völker, unsern Gott, laffet feinen Ruhm weit erschallen; der unsre Seelen im Leben behält, und lässet unsre Füße nicht gleiten. Gnädiger Gott, meiner Seele Leben bist du allein; wenn du in mir wohnest, mich regierest, so lebe ich, ohne dich bin ich todt. Dein Leben in mir empfinde ich, wenn du gute Gedanken in mir erweckst, wenn du mich antreibest zum Gebet, zur Nachfolge. Dieses Seelenleben ist viel edler denn des Leibes Leben; das Leben des Leibes hört auf im Tode, aber der Seele Leben in dir wird herrlicher nach dem Abschied aus diesem Leben. Erhalte dieses Leben in mir durch deinen Geist und durch dein Wort. Bewahre mich vor dem geistlichen Tode; denn obgleich meine Seele nicht sterben kann, so ist sie doch ohne deine Einwohnung tødt in Sünden, welches ein Vorschmack des ewigen Todes ist; davor behüte mich, lieber Vater. Nicht allein aber hast du mich heute beim Leben erhalten, sondern auch meine Füße nicht gleiten lassen, darauf ein harter Fall folgt. Viele Menschen haben heute großen Schaden erlitten, mich aber hast du väterlich getragen. Haben meine Füße gegleitet, habe ich dich beleidigt, so verzeihe es mir um meines Jesu Blutes und Todes willen, und laß mich, durch ihn versöhnt und gereinigt, sanft in deiner Liebe ruhen. Gleiten meine Füße im Sterben, so falle ich in deine Arme, und bin auch da wohl bewahrt, gleiten sie in das Grab, so ist es mir ein sanftes Bette, darin mein Leib ruhet bis an den jüngsten Tag, indem meine Seele bei dir in himme lischer Freude und Wonne leben wird. Rühmet, Völker, unsern Gott, lobfinget Jauchzet ihm, der sich uns offenbart, Der uns vom Tod zum Leben bringet, Vor Straucheln unsern Fuß bewahrt. Du läuterst uns durch heißes Leiden, Durch Leiden führst du uns zu Freuden: Ja, alles, was du thust, ist gut. Amen. 11. August. Morgen. Jofua 24, 14. So fürchtet nun den Herrn, und dienet ihm treulich und rechtschaffen, und lasset fahren die Götter, denen eure Väter gedienet haben. Gerechter Gott, schreibe deine Furcht in mein Herz. Ich will dich fürchten aus Liebe, wie ein Kind seinen Vater, daß ich alles fliehe, was dir zuwider sein kann. Diese Furcht soll mich behutsam machen in allen Orten, zu allen Zeiten und bei allen Leuten. Laß mich wohl erwägen, daß ich zu deinem Dienst erschaffen, erlöst und geheiligt bin. Bewahre mich, daß ich nicht diene meinem Fleische, und dessen Lüste vollbringe. Schrecke mich ab von der Welt Dienst, dağ ich nicht ihre Sitten annehme, sondern dir diene, meinem Herrn, meinem Gott und Vater, meinem Gutthäter und Seligmacher. Sehe ich eine größere Zahl der Bauchund Weltdiener, so laß mich ihre Menge nicht bereden, daß ich mit ihnen sündige, sondern laß mich viel lieber unter der kleinen Herde deiner Kinder bleiben, welche dir dienen treulich und beständig, rechtschaffen, nicht zum Schein oder aus Heuchelei. Laß eine gänzliche Sinnes- und Lebensänderung an mir vorgehen, so werde ich die Götter gerne fahren lassen, denen andere dienen, nemlich Fleischeslust, Augenlust und hoffärtiges Leben, welche drei Weltgötter den größten Theil der Menschen zu Dienern haben; sollten es auch gleich meine Väter und Vorgesetzten thun, die Edlen, die Vornehmen, die Reichen, so soll doch dein Wort und Befehl mehr bei mir gelten als der Großen Beispiel. Mit solchem heiligen Vorhaben fange ich den Tag an; laß mich an diesem Vorhaben weder durch Menschen, noch mein eigenes Herz verhindert werden. D Heiland, dir nur dien' ich gern, Denn du hast mich erkauft; 447 Ich weiß und will sonst keinen Herrn, Auf dich bin ich getauft. Amen. 11. August. Abend. Dan. 6, 27. Gott ist ein Erlöser und Nothhelfer. Gott, du bist mein Erlöser von Jugend auf. Je sus hat den Namen, daß er der Erlöser des ganzen menschlichen Geschlechts ist; der hat auch mich erlöfet mit seinem heiligen theuren Blute, mit seinem un schuldigen Leiden und Sterben. Mein Gott, erlöse mich auch von dem Leibe dieses Todes, daß ich auf höre, dich zu beleidigen. Erlöse mich auch inwendig von der Sünde, daß sie mir eine Last und Greuel werde, so herrschet sie nicht mehr in mir, sondern ich kann sie in deiner Kraft als meinen Feind abweisen. Alsdann wirst du mich durch den Tod von allem Uebel erlösen, und wirst mir aushelfen zu deinem himmlischen Reiche. Da will ich mit Freuden sagen: Du bist mein beständiger Erlöser gewesen, bis du mich zu der Schat der Erlöseten gen Zion gebracht hast. Du bist mein Nothhelfer; wie vielerlei Noth gibt es, darein ich ge rathen kann; aber keine Noth ist so groß, daraus du mir nicht helfen könntest. Sei mein Nothhelfer in Seelennoth, wenn Kleinmüthigkeit, Zweifel und Angst mich überfällt; alsdann laß mich ein Trost- und Freu denlicht von deiner Höhe erblicken und erquicken. Sei mein Nothhelfer in Leibesnoth, wenn Krankheit, Sorgen und Schmerzen mich ängstigen, alsdann erbarme dich über mich. Sei mein Nothhelfer, wenn mein Widerdersacher mich dränget, alsdann habe Acht auf mich, und eile, mir beizustehen, Herr, meine Hilfe, dag sie nicht wie Löwen mich erhaschen. Sei auch mein Noth helfer in Todesnoth; wenn meine Augen brechen und meine Lippen erblassen, dann sei mein Erlöser und Nothhelfer. 448 Such, wer da will, Nothhelfer viel, Die uns doch nichts erworben; Hier ist der Mann, Der helfen kann Bei dem nie was verdorben. Uns wird das Heil Durch ihn zu Thekt. Uns macht gerecht Der treue Knecht, Der für uns ist gestorben. Amen. 12. August. Norgen. 1 Kor. 15, 34. Wachet recht auf und fündiget nicht. Ewiger Gott, ich bin vom Schlafe erwacht leiblicher Weise, laß mich auch recht aufwachen geistlicher Weise. Von Natur bin ich einem Schlafenden, ja einem Todten gleich. Siehet ein Schlafender nichts, so laß mich die Gefahr meiner Seele recht einsehen. Wie kann ich aber aufwachen, wenn du mich nicht er= weckest? Erwecke mich durch deine Gnade, welche mir die Seligkeit, die ich in Jesu habe, recht vorstelle. Siehet ein Erwachender, wo er ist, und wie er gekleidet ist: so laß mich mit zerknirschtem Herzen meine Thorheiten bereuen, meine vorigen Sünden fliehen, und ein neuer Mensch werden. Laß mich in Worten und Werken beweisen, daß ich durch deine Gnade mich habe erwecken lassen. Befestige und ermuntere mich, daß ich nicht wieder einschlafe, die Welt lieb gewinne und nach Sodom zurückkehre. Also werde ich bewahrt sein, daß ich nicht sündige mit Wissen und Willen, nicht fündige andern Menschen zu Gefallen, nicht sündige heimlich, ob es schon keines Menschen Auge sieht, nicht sündige in meinen Gedanken, und an solchen Gedanten mich belustige, welches vor deinen Augen so viel als die That ist; nicht sündige mit meinen Worten, sondern mich erinnere, daß man von einem jeglichen unnützen Wort Rechenschaft geben muß. Laß mich recht aufwachen, in der That aufstehen, mich zu dir bekehren und bis an's Ende beharren. Laß mich in der Kraft Jesu zunehmen und wachsen im Glauben und in der Liebe Darum wache erst recht auf Von dem Sündenschlafe, Denn es folget sonst darauf Eine lange Strafe, Und die Noth, Sammt dem Tod, Möchte dich in Sünden Unvermuthet finden. Amen. Start's Morgen- und Abend- Andachten. 20 449 12. Auguft. Abend. 1 Sam. 2, 30. Wer mich ehret, den will ich auch ehren, wer aber mich verachtet, der soll wieder verachtet werden. Heiliger Gott, wer sollte dich nicht ehren, der du wohnest unter dem Lob Israel? Du bist würdig, zu nehmen Lob, Ehre, Preis und Ruhm. Dich ehren alle Seraphim und Cherubim, das ganze Himmels heer legt seine Kronen vor deinem Throne nieder, und betet dich an. Nur etliche elende Menschen, die doch Staub und Asche sind, entehren dich mit sündlichen Gedanken, Worten und Werken. Ach, Gott, wenn ich mich prüfe, ob ich heute alles zu deiner Ehre gethan, so lautet die Antwort schlecht. Verzeihe mir diese Uebertretungen. Gib mir deinen heiligen Geist, daj ich hinfort alles, was ich denke und thue zu deiner Ehre vollbringe, daß ich nicht geringer werde, als deine andern Geschöpfe, welche deine Güte und Allmacht er zählen. Laß mich der Ehre bei dir genießen, daß ich dein Kind heiße, daß ich ein Erbe sei der ewigen Herrlichkeit. Sehe ich, wie unbekehrte Menschen dich verachten: thun und leben, als ob sie dir keine Rechenschaft zu geben hätten; verachten dein Wort, deinen Willen, deine Gnade, daß sie nicht Buße und Glauben suchen; verachten deine Güte und Wohlthaten, welche sie zur Ueppigkeit und Sicherheit mißbrauchen: so laz mich nicht in solche Grube fallen, noch diesen Verächtern deiner Liebe gleich werden; wenn ich aber von meinem Fleisch und von der Welt betrogen werde, so laß mich wieder nüchtern und klug werden, und umkehren. Verachte nur du mich nicht, verachte nicht mein Gebet und Flehen, nimm deinen heiligen Geist nicht von mir. Nur wer dich lebendig ehret, Wird von dir zum Lohn geehrt, Nur wer eigen dir gehöret, Ist dir selbst auch lieb und werth. Einst wird ew'ge Schande schlagen Alle, die dich hier verhöhnt; Und die hier bein Kreuz getragen, Werden bort mit Ruhm gekrönt. Amen. 450 13. August. Morgen. 1 Joh. 1, 6. So wir sagen, daß wir Gemeinschaft mit ihm haben und wandeln in Finsterniß, so lügen wir, und thun nicht die Wahrheit. Herr Jesu, meine Freude soll sein, mit dir Gemeinschaft zu haben. Dieses will ich nicht nur sagen und versprechen, sondern auch in der That beweisen. Herr, Herr sagen, macht nicht selig. Einbildung ist fein Christenthum, wenn ich wollte in meinem Herzen sagen, du lebtest in mir. Ehre ich dich äußerlich mit dem Munde, und mein Herz ist unlauter, falsch, liebt die Welt, so ist mein Sagen vergebens; du haſt Augen wie Feuerflammen, darum kann dich niemand betrügen. Hilf deßhalb, daß ich nicht wandle in der Finsterniß. Was ich gethan, das verzeihe mir. Laß ferner keine Finsterniß der Unwissenheit mehr sein in meinem Verstande, in meinem Willen, in meinem Leben. Wo du bist, da muß alle Finsterniß weichen. O Jesu, mein Licht und Leben, in deiner Gemeinschaft bin ich glückselig, ich habe Vergebung der Sünden, und die ewige Herrlichkeit. Ist denn das nicht werth, daß ich der Welt finstere Werke fliehe, meine Finsterniß, Eigenliebe und Fleischesliebe durch dein Licht vertreibe? Wo noch ein eitles Herz, frecher Mund, weltförmiges Leben ist, da bist du mit deinem Lichte nicht, und alles, was ich mir vom Christenthum einbilde, ist Lüge. Darum laß mich nach deinem Worte leben, daß Herz, Wort und That übereinstimmen, ja nach deinem Bei spiel, der du die Wahrheit bist, mein Leben einrichten Du sagst: ich bin ein Christ. Der ist's, der Jesum kennet, Und seinen Gott und Herrn Ihn nicht alleine nennet, Sondern thut auch mit Fleiß, Was fordert sein Gebot. Thust du nicht auch also, Ist, was du sagst, ein Spott. Amen. 451 29* 13. Auguft. Abend. Pf. 27, 9. Verbirg dein Antlig nicht vor mir, und verstoße nicht im Zorn deinen Knecht; denn du bist meine Hilfe. Lak mich nicht, und thue nicht die Hand von mir ab, Gott, mein Heil. 452 Barmherziger Gott, ich komme vor deinen Gnadenthron, und beklage meine Untreue. Verbirg dein Antlik nicht vor mir, sondern siehe mich in Gnaden an. Wendest du dein Angesicht von mir, so entgeht mir aller Trost und Freudigkeit. Verstoße mich nicht von deinem Angesicht. Willst du mich verstoßen, so kann mich kein Mensch erretten. Deffne dein Vaterherz; hilf mir, und laß mir zu Statten kommen, was Jesus für mich gethan. Hilf mir, wenn mich alle Welt verläßt. Hilf mir an meiner Seele, daß ich in deiner Liebe täglich zunehme. Laß mich nicht nach meinem eigenen Willen leben, wie du pflegst im Zorn zu thun denen, welche dich und dein Wort nicht halten. Der Mensch ist unglückselig genug, welchen du sich selbst überlässest. Laß mich also nicht, und thue nicht von mir die Hand ab; wenn ich sündigen, wenn man mich verführen will, alsdann halte mich zurück. Siehe mich an wie ein Kind, das fallen muß, wenn der Vater seine Hand zurückzieht; wie einen Armen, der Noth leiden muß, wenn der Gutthäter die Hand von ihm abthut; wie einen Verlassenen, der verderben muß, wenn jedermann die Hand vor ihm verbirgt. Das thue doch nicht um meiner Sünden willen, denn du bist mein Herr, mein Heil, mein Helfer, mein Er barmer, mein Gott, mein Vater und Erretter. In meiner Todesstunde verbirg dein Antlig nicht vor mir, verstoße mich nicht, thue nicht von mir die Hand ab, sondern erquicke und tröste mich, und mache mich ewig selig. Dein Angesicht, verbirg es nicht vor mir, Verstoß im Zorn nicht deinen Knecht von dit, Verlaß mich nicht; stets ward mir Hilf zu Theil, Zieh' deine Hand nicht ab, o Gott, mein Heil! Amen. 14. August. Morgen. Nöm. 6, 2. Wie sollten wir der Sünde dienen wollen, der wir abgestorben sind. Gott, ich erschrecke, daß Satan, die Welt und das Fleisch so viel Diener haben, sowohl unter Hohen als unter Geringen; ich aber will dir dienen; dazu bin ich erschaffen, erlöst und geheiligt. Warum wendest du so viel Mühe auf meine Seele, als um mich zu deinem Dienst zu locken? nicht als ob dir mein Dienst Nußen brächte, zit sondern daß ich desto mehr genießen könne. Ich will dir dienen mit dem Herzen, mit den Lippen, mit meinem Wandel. Ein Sündendiener aber will ich nicht werden, und ob ich es vor diesem gewesen bin, so ist es mir herzlich leid. Sündendienst ist Hoffart, Zorn und Ueppigkeit, aber damit würde ich dich betrüben und aus deiner Gnade fällen. Das sei ferne, daß ich der Sünde diene! Jeder Herr gibt seinem Diener einen Lohn; was gibt aber die Sünde? Gottes Zorn und Ungnade, zeitlichen Tod und ewige Verdammniß. O, das ist ja ein schrecklicher Lohn. Ich will nicht mehr fündigen, was ich aber aus Schwachheit begehe, das wollest du mir verzeihen. In Jesu bin ich der Sünde abgestorben; weil er meine Sünden auf sich genommen, so will ich in seiner Kraft iu meinem Leben der Sünde abgestorben sein und mich gegen sie als ein Todter verhalten, und will nichts Böses verlangen, nicht mehr auf bösen Wegen gehen, nichts Böses thun, und laß mich heute und allezeit gedenken, daß ich als dein Kind mich verhalte, und daß ich dir und nicht der Welt mehr angehöre. Die Sünde gibt den Tod zum Lohn; Das heißt ja schlimm gedient! Das Leben aber ist im Sohn, 453 Der uns mit Gott verfühnt. D Heiland, dir nur dien' ich gern, Denn du hast mich erkauft; Ich weiß und will sonst keinen Herrn, Auf dich bin ich getauft. Amen. 14. Auguft. Abend. Joh. 5, 28. 29. Es kommt die Stunde, da alle, die in den Gräbern find, werden seine Stimme hören, und werden hervor: gehen, die da Gutes gethan haben, zur Auferstehung des Lebens, und die da Uebels gethan haben, zur Auferstehung des Gerichts. 454 Herr Jesu, dem Menschen ist gesetzt, einmal zu sterben, hernach das Gericht. Ich werde dereinst in ein Grab gelegt werden. Ich weiß aber nicht, wann. Aber ich werde aus dem Staub erweckt werden, ich werde deine Stimme hören: Stehet auf, ihr Todten! Dann wird der Bau meines Leibes wieder aufgerichtet, und ich werde mit demselben vor's Gericht gestellt werden. Dazu ist schon die Stunde bestimmt, aber ich weiß nicht, wann sie kommt; darum will ich alle Tagesstunden dafür halten, und mich bereiten. Diese Auferstehung wird sich über Böse und Fromme erstrecken; da wird niemand fliehen, niemand sich verbergen können; aber es wird dabei ein Unterschied sich zeigen: Die Gutes gethan, ihren Glauben in den Werken gezeigt, und dir getreu und gehorsam geblieben, werden zur Auferstehung des Lebens, zur ewigen Freude eingeführt werden; sie haben nun Friede und einen gnädigen Gott; die aber Böses gethan, nach ihren Lüften gelebt, der Welt sich gleich gestellt, und also in Sünden, ohne Buße und Herzens- Aenderung gestorben, die werden hervorgehen zur Auferstehung des Gerichts, sie werden vor das Gericht gestellt, verklagt, verdammt und zur Höllenqual verwiesen. Herr Jesu, laß mich an das Grab, die Auferstehung und das Gericht so gedenken, daß ich als dein Kind lebe, sterbe und zum ewigen Leben eingehe. Hilf, Gott, daß ich in Zeiten Auf meinen letzten Tag Durch Buße mich bereiten Und täglich sterben mag. Im Tod und vor Gerichte Steh mir, o Jesu, bei, Daß ich im Himmelslichte Zu wohnen würdig sei. Amen. 15. August. Morgen. 1 Kor. 6, 15. Wisset ihr nicht, daß eure Leiber Christi Glieder find? 455 Dein bin ich, Herr Jesu, mit Leib und Seele; beide hast du aus der Höllengewalt erlöset, beide sollen bir geheiligt bleiben. Laß mich nimmermehr so untreu an dir werden, daß ich mich der Welt ergebe, und der Sünde meine Glieder opfere. Wohne und Lebe du in allen meinen Gliedern. Das will ich nie aus meinen Gedanken lassen, daß ich mit allen meinen Gliedern dein eigen bin, und daß ich sie wie deine Glieder ansehen soll. Belebe und beherrsche meinen Mund, daß ich dich damit lobe; meine Augen, daß ich sie von sündlichen Dingen abwende; meine Ohren, daß ich sie neige zu deinen Geboten; meine Hände, daß ich sie aufhebe im Gebet ohne Furcht und Zweifel; meine Füße, daß ich eingehe durch die enge Pforte, und den schmalen Weg, darauf man alle Sünden zurücklassen muß, nicht scheue; meinen Leib, daß ich ihn begebe zum Opfer, das da lebendig, heilig und dir wohlgefällig ist. Laß dir meine Seele zur Wohnung gewidmet sein, meine Glieder aber behüte vor aller Befleckung. Laß mich alle Tage meine Glieder mit Gebet dir heiligen, meine Seele in deinem Blute reinigen und mit deiner Gerechtigkeit kleiden. Laß mich heute meine Glieder unbeschädigt und von Sünden- Unthaten unbefleckt behalten. Dieses soll mich auch im Kreuz trösten, du werdest mich und meine Glieder als deine Glieder wohl zu schützen, zu erhalten und zu bewahren wissen; auch zur Warnung, daß ich frommen Christen, als deinen Gliedern, nichts zuwider thue. Ich bin ein Glied an deinem Leib Deß tröst ich mich von Herzen; Von dir ich ungeschieden bleib' In Todesnoth und Schmerzen. Wenn ich gleich sterb, so sterb ich dir. Ein ewig Leben hast du mir Durch deinen Tod erworben. Amen. 15. Auguft. Abend. Pf. 130, 4. Bei dir ist die Vergebung, daß man dich fürchte. Gnadenreicher Gott, du bist mein Herr und König, der mir Befehl und Gebot gegeben hat. So oft ich solche übertrete, bin ich des Todes schuldig. Aber bei dir finde ich Vergebung meiner Missethaten, denn du haft mir Jesum Christum durch sein Blut zum Versöhnopfer gesetzt; wenn ich zu demselben im Glauben hinzutrete, so kann ich Barmherzigkeit erlangen. Bei dir ist die Vergebung, bei dir haben die größten Süns der, David, Manasse, Petrus, Paulus und die große Sünderin Vergebung erlanget; also komme ich auch, und berene und beklage alle meine Uebertretungen. Ge denke nicht meiner Sünden, tilge sie mit dem Blute Jesu. Du vergibst aber die Sünde nicht, daß ich sicher werde, auf's neue sündige, mein böses Herz, meinen bösen Sinn, meine sündlichen Gewohnheiten, Eitelkeiten und Bosheiten zu behalten, sondern daß man dich fürchte, und sich mit Ernst vor Sünden hüte. Darum gib mir deinen heiligen Geist, daß ich der Vers gebung und Gnade eingedenk bleibe, meine vorigen Wege fliehe, den Ort, wo ich gesündigt, meide, und ein behutsames, gottseliges Leben führe. Deine Gnade soll mich nicht sicher und frech, sondern fromm und vorsichtig machen. Erlässet ein Herr seinem Schuldner seine Schulden nicht darum, daß er neue machen soll: so vergibst du auch die Sünden nicht, daß ich nun von neuem nach dem Lauf der Welt leben, und meis nen Lüsten Zaum und Zügel lassen soll, sondern daß ich mir die empfangene Gnade zur Warnung, Heis ligung und zum Gehorsam dienen lasse. Kommt der letzte Abend meines Lebens, so laß mir Vergebung aller meiner Sünden widerfahren. 456 Allein du kannst vergeben, Du tilgest alle Schuld, Daß wir hinfort dir leben Und preisen deine Huld. Amen. 16. August. Norgen. Ephef. 3, 17. Christum zu wohnen durch den Glauben in euren Herzen und durch die Liebe eingewurzelt und gegründet zu werden. Herr Jesu, welche Herrlichkeit ist das, daß du nicht allein mein Fürsprecher, Mittler und Erretter sein, sondern auch in mir wohnen willst. Dieses begreift die Vernunft nicht; die Welt hat ihr Gespötte damit, und der Glaubigen Zunge kann es nicht ausreden; doch ist deine Einwohnung wahrhaftig gewiß, und offenbart sich innerlich in heiligen Bewegungen, äußerlich in gottseligem Wandel. Ohne dich und deine Gnade bin ich nicht allein arm, blind und bloß, sondern auch todt zu allem Guten; ohne dich, mein Licht, wandle ich in der Finsterniß. Ich fasse demnach dich im Glauben; und der bringt dich in mein Herz. Durch dich wird nun mein Verstand erleuchtet, mein Wille geheiligt. Erwecke in mir eine heilige Liebe zu dir, daß ich dich liebe über alles und aus Liebe zu dir den breiten Weg meide. Dieses soll aber nicht eine unbeständige, sondern eine eingewurzelte Liebe sein. Gleichwie ein Baum, je tiefere Wurzeln er schlägt, desto höher die Zweige treibt: also foll mein Glaube in deinem Verdienst sich ergeßen, und in Reden und Wandel sich offenbaren. Meine Liebe soll auch nicht auf einen falschen Grund sich bauen, sondern gegründet sein, daß mich nichts von deiner Liebe abwendig machen kann, weder Trübsal noch Schmach, weder Tod noch Leben, sondern meine Liebe zu dir soll fest bleiben, daß du allewege meines Herzens Theil und Freude und der Beherrscher meines Verlangens bleiben mögest. Was bin ich, Jesu, daß du dich Des Herzens nicht beschämst, Und in demselben gnädiglich Zu wohnen dich bequemst? 457 Bring uns dahin, o großer Jah,( Jehovak) Wo deine Ehre wohnt; Dort heißt es: Sieh' die Hütte da, " 1 Wo Gott bei Menschen thront! Amen. 458 16. Auguft. Abend. Jef. 40, 11. Er wird seine Herde weiden, wie ein Hirte; er wird die Lämmer in seine Arme sammeln und in seinem Busen tragen, und die Schafmütter führen. Jesu, mein Hirte, du hast mich heute auf einer grünen Aue geweidet; du hast mich in deinem Busen getragen und Unglück abgewendet. Führet der Hirte die Schafmütter und pfleget ihrer, so hast du es mir nie mangeln lassen an irgend einem Gute. Das haft du gethan, aber was habe ich gethan? Bin ich auch ein folgsames und treues Schäflein gewesen? Onein, ein Anderes sagt mir mein Herz und Gewissen. Lebendiger Heiland, wende wegen meiner Untreue dein Herz und deine Liebe nicht von mir. Gib mir deinen heiligen Geist, der mir dein Wort immer lieber mache, damit ich mich von dieser Weide, von diesem lebendigen Wege zu dir nicht entferne. Ja, sammle mich in deine Arme und drücke mich an dein Herz, wenn ich betrübt und elend bin. Trage mich in deinem Busen, wenn ich krank und schwach bin. Erwärme mich mit deines Geistes Feuer, wenn ich träg zum Guten bin. Wie bin ich so sicher in deinen Armen und in deinem Busen! Wer kann mir schaden, wenn du mich schüßzest? Führe mich, mein Erlöser, dieweil ich lebe auf den Wegen des Friedens; laß mich nicht von dir ab, zu den zwar dem Fleische lieblichen, aber vergifteten Weiden der Welt- und Sündenliebe verleitet werden. Erscheint meine Todesstunde, so trage mich in deinem Busen, sammle mich zu der Schar der Auserwählten, und führe mich zu deiner Freude ein. Wenn mich mein guter Hirte führt, Wenn mich mein Jesus leitet, Wenn mich sein Auge nicht verliert, Wenn seine Huld mich weidet Und mich erquickt, Der Welt entrückt: Wie kann's da meiner Seelen An Trost und Wonne fehlen? Amen. 17. Auguft. Morgen. ₁. 54, 6. Siche. Gott stehet mir bei, der Herr erhält meine Seele. 459 Allmächtiger, gütiger Gott, du bist mir von Jugend auf beigestanden, da ich dich noch nicht kannte; mun aber kenne ich die Quelle meines Heils; die biſt du, mächtiger, liebreicher Gott! Stehe mir auch heute bei, wende Unglück von mir ab; erhöre mein Gebet, wenn ich mein Herz vor dir ausschütte, weil ich ohne dich keinen Helfer und Erretter habe. Stehe mir bei und segne mich in meinem Beruf; schütze mich in Gefahr, errette mich von meinen Feinden, und steure bösen Leuten, welche mir übel wollen. Stehe mir auch bei, wenn mein Herz oder andere Menschen mich zur Sünde verleiten wollen, daß ich nicht darein willige. Erhalte meine Seele in deiner Furcht, daß ich nicht wider dich fündige; im Glauben, daß ich mich mit fester Zuversicht auf dich verlasse; in der Frömmigkeit, daß ich dich immer vor Augen habe; im Kreuz, daß ich nicht kleinmüthig werde; in Betrübniß, daß ich nicht verzage, sondern lindere sie, erfreue mich, hilf mir, und nimm es mir wieder ab. Das ist mein Trost im Leben, daß ich dich zum Helfer habe, darum fange ich getroft einen Tag nach dem andern an, und habe schon so manchen erlebt. Deine Güte soll mich zu deinem Lob aufmuntern, daß ich den nimmermehr betrübe, der mir so viel Gutes gethan hat. O daß ich dich, treuer Gott, niemals mehr betrüben möchte, ondern meines Leibes und meiner Seele Kräfte, die du mir gegeben, sollen dir geheiligt sein und bleiben, daß ich sie nur zu deiner Ehre und Dienst anwende. Erfülle meinen Wunsch, dafür will ich dir in der Ewigkeit danken. Ach, siehe, Gott steht mir noch bet, Ich lasse ruhig ihn nur walten; Er, er wird meine Seel' erhalten, Ich trau auf ihn, der Herr ist treu. Amen. 460 17. August. Abend. Hosea 6, 1. Kommet, wir wollen wieder zum Herrn; denn er hat uns zerrissen; er wird uns auch heilen; er hat uns ce schlagen, er wird uns auch verbinden Gnädiger Gott, ehe ich mich zur Ruhe nieder lege, komme ich wieder zu dir, wie die verlaufene Hagar zu ihrer Frau, und demüthige mich unter deine gewaltige Hand; ich komme wieder, wie der verlorene Sohn, und flehe dich um Barmherzigkeit an. O, eine selige Stimme, die mich zurück zu dem Herrn rust! Stellest du dich zornig, und strafest mein Thun, jo weiß ich, dein Erbarmen wird wieder helfen. Heile mein geängstetes Gemüth mit dem Trost, daß du den umkehrenden Sünder nicht verstoßen wollest. Verbinde die Wunden, die Satan in mein Gewissen geschlagen; durch Jesu Wunden werde ich heil. Findest du aber nöthig, mit leiblichen Strafen auf mich zu schlagen, so laß die Stunde der Trübsal bald vorübergehen, und wende deine Gnade nicht von mir, ob du mich gleich deine schwere Zorneshand fühlen läsfest. Denn so muß der Sünder inne werden, was das sei, dich zu verlassen, nach seinem und der Welt Willen zu leben. Gib mir in allen solchen Leiden ein findliches Herz gegen dich, welches in der Züchtigung nicht davon Lauft, wie ein böser Knecht, sondern sich schlagen läsfet, und doch im Hause bleibt, den Vater um Gnade bittet, seufzt und weint, und die Hände emporhebt, bis bes Vaters Hand die Ruthe niederlegt, und sein freund liches Antlitz wieder leuchten lässet. Verleihe mir dieſe Gnade im Kreuz und Leiden, erbarme di mein, nach deiner ewigen Liebe Herr, brauche deine Nechte Und schlag uns immer zu; Wir sind ja deine Knechte, Der treue Herr bist du. Wir wissen, deine Schläge Sind nie zu schwer und viel; Stets führen deine Wege Bu einem sel'gen Ziel. Amen. 18. August. Morgen. 2 Moj. 15, 2. Der Herr ist meine Stärke und mein Lobgesang, und ist mein Heil: das ist mein Gott, ihn will ich preisen. Treuer Gott, sei heute meine Stärke, daß ich das, was zu meinem Beruf gehört, ausrichten könne. Stärke meine Gesundheit, daß ich ungehindert vollbringen könne, was du mir befohlen hast. Stärke mein Vertrauen auf deine Allmacht, Weisheit und Güte, wenn mir etwas schwer und gefährlich vorkommt. Stärke meinen Vorsak, dich nicht zu beleidigen, sondern be= ständig vor Augen und im Herzen zu haben. Stärke mich, wenn mich die Welt verführen will, daß ich nicht willige in ihren Rath. Stärke mich in allen Anfällen des Fleisches und böser Lüste, daß ich sie überwinden könne. Du sollst auch mein Lobgesang fein, ich will dich in der Stille des Herzens loben, ih will dich mit dem Munde preisen, bis wir mit den heiligen Engeln und Auserwählten ein ewiges Halleluja anstimmen. Du bist mein Heil; in Jesu habe ich Heil, denn es ist in keinem andern Heil, als in ihm. Heile mich in Krankheit, heile mich in Betrüb. niz, heile meine durch die Sünde verwundete Seele und schenke mir Kraft, dir zu leben. Schenke min endlich das ewige Heil dort in der Herrlichkeit, denn du bist mein Gott; darum will ich dich preisen, und von deiner Gnade und Wahrheit sagen. Dir übergebe ich mein Herz zur Wohnung, meinen Leib und Glieder zum Opfer; heilige sie dir ewiglich. Der Herr ist meine Stärke, Durch den es mir gelingt, Der alle meine Werke Zum guten Ende bringt. Sein will ich mich erlaben, 461 Er sei mein Lobgesang Mit seinen Gnadengaben Mein Preis und Lobgesang. Amen. 18. August. Abend. Pf. 19, 15. Laß dir wohlgefallen die Rede meines Mundes, und das Gespräch meines Herzens vor dir, Herr mein Hort und mein Erlöser. 462 Erhabener Gott, ich habe mich unterwunden, mit dir zu reden, wiewohl ich Staub und Asche bin. Ja, Kinder Gottes haben ihrem Vater viel zu sagen, viel zu klagen, was niemand anders wissen soll; darum hat er ihnen nicht allein das Kämmerlein angewieſen, da sie frei und getroft mit lauter Stimme mit ihm im Verborgenen reden können, sondern auch, wenn sie eine wichtige Sache auf ihrem Herzen haben, die jie ihren Lippen nicht anvertrauen, so halten sie mit dem Herzenskündiger ein Herzensgespräch, das niemand hört, als Gott allein. Also pflege ich mit Mund und Her zen mein Verlangen vor dir auszuschütten, mein Gott. Schenke mir doch ein neues Herz, einen geheiligten Willen, daß ich nichts suche, wünsche und begehre, als was dir gefällt. Versorge mich im Leiblichen, schüße, bewahre und erhalte mich. Laß dir dieses Herzens und Mundgespräch wohl gefallen und erhöre meines Flehens Stimme. Du bist ja mein Hort, meine Burg, darin ich mich verberge, mein Fels, darauf ich fliehe, du bist stark genug, es mir zu geben, du bist auch bisher mein Erlöser in allen Fällen gewesen: erlöse mich von der Herrschaft der Sünde, laß deinen Geist mich davon abziehen, daß ich einen Abschen davor bekomme und einen heiligen Trieb, dir anzuhangen. Wenn ich im Sterben mit leiser Stimme bete, jo laß die letzten Seufzer dir wohlgefallen. Laß meine Red' im Mund Und tiefsten Herzensgrund Dir wohlgefällig werden, Dann preiset dich hinfort, Mein Heiland und mein Hort, Mein ganzer Lauf auf Erden. Amen. 19. August. Morgen. Spr. 21, 23. Wer seinen Mund und seine Zunge bewahret, der bewahret seine Seele vor Angst. 463 Großer Gott, ich sehe mir für alle Zeit fest vor, daß ich nicht will übertreten mit meiner Zunge. Bewahre du meinen Mund, daß ich ihn nicht aufthue dir zu Schande. Mißbrauch deines Namens laß nie aus meinem Munde gehört werden, daß nicht dein heiliger Name bei den Unglaubigen gelästert werde. Bewahre meinen Mund, daß ich meinen Nächsten nicht verleumde, böses nachrede, ihm an Namen und Ehre zu schaden. Bewahre meinen Mund, daß ich mir nicht selbst schade, mir Schmach, Verdruß und Schande zuziehe. Ist ein Wort bald geredet, so ist's doch nicht so bald verantwortet. Bewahret man einen Gefangenen, daß er nicht entrinne, so laß mich auf meine Zunge genau Acht haben. Dein heiliger Geist regiere meine Gedanken und meine Zunge, daß ich dadurch beweise, ich gehöre dir an, meine Glieder und Gemüthskräfte seien dir geheiligt. Also bewahre ich meine Seele vor Angst. Ich muß oft bittere Bestrafungen empfinden, wenn ich aus Uebereilung mich mit Worten an dir oder dem Nächsten vergreife. Angst machen auch unnütze Worte in der Buße und im Sterben, weil wir dafür am jüngsten Gericht sollen Nechenschaft geben. Laß mich daran fleißig gedenken und meinen Mund und Zunge gebrauchen, wozu du mir dieselben gegeben hast, dich zu loben, und meinem Nächsten zu dienen. Herr Jesu, belebe mich und wohne in mir, so wird meine Zunge, ja mein ganzes Leben in den Schranken der Kinder Gottes bleiben. Hilf, daß ich rede stets, Womit ich kann bestehen, Laß kein unnüßes Wort Aus meinem Munde gehen, Und wenn in meinem Amt Ich reden soll und muß, So gib den Worten Kraft Und Nachdruckt ohn' Verdruß. Amen. 19. Auguft. Abend. Röm. 8, 38. Ich bin gewiß, daß weder Tod noch Leben, weder Engel noch Fürstenthum, noch Gewalt, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges mich soll von der Liebe Jesu scheiden. 464 Herr Jesu, vor Schlafengehen erinnere ich mich an meinen Taufbund, daß mich nichts von dir abwen dig machen soll. Dich zu lieben, soll meine Lust und Freude sein. Und was mich von deiner Liebe scheiden will, das will ich durch deine Kraft hassen und lassen. Der Tod ist der Natur bitter, aber bei mir habe ich beschlossen, lieber zu sterben als zu fündigen. Das Leben der Welt ist dem Fleische süß und ich sehe, wie viele um der Welt Freundschaft, um Wollust und Genusses willen dich beleidigen; dieses aber sei ferne von mir! Ja, wenn ich mit Sündigen mein Leben erhalten könnte, so wollte ich es lieber verlieren, ehe ich dir untreu werden wollte, und bin gewiß, daß du mir in solcher Probe kräftig beistehen werdest. Ein guter Engel will mich nicht von dir ableiten, und wenn ein böser sich in einen Engel des Lichtes verstellte, so will ich ihn an seiner Sprache erkennen, nemlich, wenn er etwas von mir verlangt, was deiner Liebe zuwider ist. Gewalt kann mich wohl plagen, mir all das Meinige rauben, aber deine Liebe kann sie mir nicht aus dem Herzen reißen. Gegenwärtiges Glück, zukünftige Trübsal und künftiges Glück soll mich nicht wankend machen. Ich bin und bleibe ge= wiß, daß ich in dir stark genug sei, alles zu überwinden. Erhalte mich bis an mein Ende in dieser selt gen Einschließung. Kein Engel, keine Freuden, Kein Thron, noch Herrlichkeit, Kein Lieben und kein Leiden, Nicht Angst, noch Fährlichkeit, Was man nur kann erdenken, Es sei flein oder groß: Der' feines soll mich lenken Aus deinem Arm und Schoß. Amen. 20. Auguft. Norgen. 2 Petri 1, 4. Ihr werdet theilhaftig der göttlichen Natur, so ihr fliehet die vergängliche Lust der Welt. Heiliger Gott, mein Verlangen ist, heilig, als die Kinder Gottes, nach deinem Wort zu leben. Will ich göttlich leben, hier zeitlich und dort ewig, so muß ich deiner göttlichen Natur theilhaftig sein. Es wird freilich ein unendlicher Unterschied unter dem Schöpfer und dem Geschöpfe bleiben; doch weil du deinen Kindern das Ebenbild deines Sohnes, ja deine Vollkommenheit zur Nachfolge vorstellst, so wirst du ihnen auch dazu Kraft ertheilen. Wenn ich nun durch Buße in dem Blute Jesu meine Reinigung gesucht und des heiligen Geistes Führung mich übergeben habe, so kann ich diese Aehnlichkeit deiner Natur erlangen. Meine Natur ist arg, so laß sie ersterben, daß ich in dein Bild verklärt werde. Du bist ein reiner Gott, reinige mich von aller Befleckung des Fleisches und des Geistes; du bist gerecht, Laß mich alle Ungerechtigkeit in Worten und Werken fliehen; du bist barmherzig, laß auch meines Nächsten Noth mir zu Herzen gehen, daß ich ihm keine Hilfe versage; du bist treu, du bist die Liebe, laß mich auch darin dir immer ähnlicher werden. Denn es kann unmöglich eine Seele zu deiner Ruhe eingehen, wo sie nicht dein Bild und eine Aehnlichkeit mit dir hat, und du wirst sie nicht in der Stunde des Todes annehmen, wo sie nicht in diesem Bilde erscheinet. Wenn mich nun die vergängliche Lust der Welt daran hindern kann, so will ich sie mit allem Ernst fliehen. Denn diese Sünden- und Fleisches- Weide ist vergänglich, dauert eine kurze Zeit, stößt mich aus deiner Gnade, verlegt mein Gewissen, vertreibt den heiligen Geist und stürzt mich in's ewige Verderben. Herr! mach du mich, wie ich soll sein; Ich weiß, hier gilt tein Heuchelschein. Gib in mich deine Lichtsnatur, Denn die gilt nur, Und eine neue Kreatur. Amen. 1 Start's Morgen- und Abend- Andachten. 30 465 20. August. Abend. B₁. 84, 3. Meine Seele verlanget und sehnet sich nach den Vorhöfen des Herrn; mein Leib und Seele freuet sich in dem lebendigen Gott. 466 Großer Gott, ich stelle mir jetzt den Himmel offen vor, wie du ihn dem Stephanus gezeigt haft; ich sehe dich auf einem hohen und erhabenen Thron sizen, ich sehe das ganze Himmelsheer um dich stehen, Cherubim, Seraphim, die Patriarchen, Märtyrer, Heiligen und Auserwählten. Deine Vorhöfe sind lauter Licht, Glanz und Herrlichkeit; Freude und Wonne ist um das Haupt der Seligen; kein Ach und Weh ist da mehr zu finden; ein ewiges Halleluja ist ihr Gejang, sie leuchten wie die Sonne. Meine Seele verlanget und sehnet sich darnach, wie ein Pilgrim nach dem Vaterland. Zu dieser Herrlichkeit hast du mich erschaffen; Jesus hat mich dazu erlöset, der heilige Geist hat mich dazu geheiliget, dein Wort ruft und führt mich dazu; du schenkest mir zuweilen auch einen süß' n Vorschmack dieser Herrlichkeit, daß sich Leib und Seele freuen in dir, lebendiger Gott. Meine Seele freuet sich, daß Jesu Gerechtigkeit ihr zum Ehrenkleid geschenkt ist. Sie freuet sich, daß die himmlischen Vorhöfe auch ihr bereitet sind, daß die Krone der Gerechtigkeit ihr beigelegt ist, daß sie nach diesem Elend in ewiger Freude leben soll. Auch mein Leib empfindet Freude, daß er von allen Beschwerlichkeiten, Krankheiten frei, aus dem Staube erweckt, verklärt und den Engeln Gottes ähnlich werden soll, da denn bei der Lebensquelle ewiges Leben mich ergezzen wird. Ich danke dir, mein Schöpfer, Daß du auch mein gedenkst, Und als mein weiser Schöpfer Mir Leib und Seele schenkst. Zulegt gib diesen zweien Im Aufsteh'n aus dem Tod, Daß Leib und Seel' sich freuen In dem lebend'gen Gott. Amen. 21. Auguft. Morgen. Rol. 1, 10. 11. Daß ihr wandelt würdiglich dem Herrn zu allem Gefallen und fruchtbar seid zu allen guten Werken, und wachset in der Erkenntniß Gottes. Gott, ich fange wieder an, zu wandeln unter den Menschen; laß mich dabei fleißig erwägen, daß ich auch vor dir wandle. Laß mich gedenken, daß ich alles dir zu Ehren anzustellen schuldig bin; innerlich, daß ich auf die Regungen des Geistes acht habe, auf meinen Willen, wohin er sich lenkt. Weiß kein Mensch, was in meinem Herzen vorgeht, so ist es dir, du Herzenskündiger, wohl bewußt, dir kann nichts verborgen sein. Schenke mir Kraft, daß ich auch äußerlich vor den Augen der Menschen wandle würdiglich, wie es deinen Kindern zusteht; daß um meiner Aufführung willen dein Name nicht gelästert werde. Laß mich 467 die Würde wohl erwägen, darein du mich gesetzt hast, daß ich dein Kind und Erbe sein soll, damit ich dir zu allem Gefallen meinen Wandel richte, so werde ich fruchtbar sein in allen guten Werken. Laß mich liebreich, sanftmüthig, demüthig, gehorsam, mild, andächtig im Gebet und eifrig in deinem Dienst werden, daß auch andere dadurch erbaut werden. Laß mich auf deine Erkenntniß viel Zeit wenden und wie die Weltfinder viele Stunden der Sündenlust, ihrer zu genießen, aufopfern, und dadurch immer ärger werden, so laß mich durch deine Erkenntniß immer frömmer, der Welt unbekannter, der Sünde gehässiger und in deiner Liebe gestärkt werden; denn wer dich kennet, der liebet dich, und muß dich lieben. Gewiß, wer erst die Sünde In Chrifti Blut ertränkt, Und dann gleich einem Kinde Am Sünderfreunde hängt, Der wird auch heilig handeln, Und kann dann anders nicht. Herr Jesu, lehr' uns wandeln In deiner Augen Licht. Amen. 80 21. Auguft. Abend. 1 Mos. 6, 3. Die Menschen wollen sich meinen Geist nicht strafen lassen, denn sie sind Fleisch. 468 Gütiger Gott und Vater, dein Geist hat mich heute zum Guten angetrieben, und wenn ich mich wollte des Bösen gelüsten lassen, gestraft. Er hat mich oft bestraft vor der That, da hat er mich durch einen heiligen Schrecken davon abgehalten. Ich habe einen Wider: ſpruch in meinem Herzen empfunden; aber die Reizung des Fleisches und der Welt ist oft so stark in mir gewesen, daß ich deines Geistes bestrafende Stimme nicht angehört, und dennoch in die Sünde gewilligt habe. Bisweilen hat er mich bestraft nach der That, da er mir empfindlich vorgestellt, was ich von der Sünde hätte: mein Gewissen hätte ich verletzt, dich, mein Gott, beleidigt, meinen Nächsten geärgert, die Sündenschuld gehäuft. Ach Gott, nimm diesen bestrafenden Geist um meines Ungehorsams willen nicht von mir, damit ich nicht in das Gericht der Verstockung falle. Gedenke, daß ich Fleisch bin, von Natur zu allem Guten umntüchtig, blind, arm und bloß. Aber dieses will ich mir nicht zur Entschuldigung dienen lassen; ich will nicht so bleiben. Schaffe in mir ein neues Herz, welches deines Geistes Stimme gern höre und folge. Verwirf mich nicht um meiner Widerseßlichkeit willen, verz ihe mir um deiner Barmherzigkeit willen, was ich heute wider dich gethan, und schenke mir doppelte Gaben deines Geistes, daß er mich heilige, reinige, das Fleisch bezwingen helfe, und in der Heiligung mich stärke, damit er sei das Pfand meiner Kindschaft und meines Erbes und ich in solchem Gnadenstande am Ende meines Lebens vor dir erfunden werde. Bestraf in mir der Sünde Werk und Trieb, Und was mir noch von Lüsten heimlich lieb; Erweich' mein Herz, erneu're meine Sinne, Daß ich in Gott mein Leben neu beginne. Amen. 22. Auguft. Morgen. B. 2, 6. Ich habe meinen König eingefeßt auf meinen heili. gen Berg Zion. 469 Ewiger Gott, wer soll heute König sein in meinem Herzen? Nicht die Welt soll über mich herrschen, nicht mein Fleisch und Blut soll auf dem Thron sizzen; Jesus, mein Heiland, soll König in mir bleiben. Haft du denselben zum König auf deinem heiligen Berge Zion eingesetzt, so laß ihn auch in mir seine königliche Regierung a frichten, daß er regiere meine Gedanken, meine Zunge, mein Leben, meine Gänge, damit ich als dein Kind auf dein Gebot und Willen sehe. O seliges Leben, wenn Jesus mein König ist! Er be= wahrt mich vor schweren Sündenfällen, schenkt mir seinen heiligen Geist zum Führer, zum Tröster in allen Fällen. Andere Könige nehmen von ihren Unterthanen Schoß und Zoll: aber Jesus schenkt mir herrliche Gaben hier in der Zeit und hat mir unaussprechliche Güter in seinem himmlischen Reich bereitet. Er fleidet mich mit seiner Gerechtigkeit, wascht mich von Sünden mit seinem heiligen Blute, und bringt mich endlich zum völligen Genuß seines Königreichs und der himmlischen Güter, wenn er mich von allem Uebel erlösen und in sein himmlisches Reich versetzen wird. Indessen gibt er mir Kraft, wider die Sünden zu streiten. Darum tobt mein Fleisch und Blut, und die Welt lacht darüber; allein ich befinde mich wohl dabei. Jesu, sei und bleibe heute und allezeit mein König, Licht und Leben; ich sage allen andern Diensten ab, und ergebe mich dir mit ganzem Herzen und Willen. Jesus Christus herrscht als König; Alles wird ihm unterthänig, Alles legt ihm Gott zu Fus. Jede Zunge soll erkennen: Jesus sei der Herr zu nennen, Dem man Ehre geben muß. Amen. 22. Auguft. Abend. Marc. 7, 37. Er hat alles wohl gemacht. Gnadenreicher Gott, dieses soll mein Abend- Gebet und Lobgesang sein. Du hast alles wohl gemacht mit mir, die ganze Zeit meines Lebens. Wie kann ich genugsam erzählen, was du mir Gutes gethan haft? Durch deine Gnade habe ich das Leben, einen gesun den Leib, gerade Glieder und guten Verstand, Gaben, welche viele andere entbehren müssen. Laß mich sie zu deiner Ehre anwenden. Du hast es wohl gemacht mit mir, da du mich auch aus der Hölle durch das Blut Jesu herausgerissen. Diese Gnade ist erschienen allen Menschen; wer Buße thun und an ihn glauben will, kann dieser Gnade theilhaftig werden. Du haft mich aber nicht allein begnadigt, ehe ich war, sondern auch der Kindschaft und des Erbes in der Taufe ver: sichert, und mir deinen heiligen Geist zum Pfande der künftigen Seligkeit gegeben. Du hast es auch wohl gemacht in meinem ganzen Leben: in Armuth hast du mich gesegnet, in Traurigkeit erfreut, im Kreuz mir beige standen, aus der Gefahr errettet, in Widerwärtigkeit mir geholfen, meine Feinde zurückgehalten, aus dem Verderben mich gerissen; wie kann ich alles Wohl, das deine Vaterhand mir mitgetheilt, aussprechen! Mache es ferner wohl mit mir bis an mein Ende; sorge für mich, schüße mich, segne mich. Kommt es zum Sterben, so mache es recht wohl mit mir, laß mich in Buße und Glauben getrost und mit Freudigkeit von dieser Welt abscheiden, dann wird mir ewig wohl sein. 470 Der Herr hat alles wohl gemacht; Das Loos, das er mir zugedacht, Jst lieblich mir gefallen; Drum soll hinfort auch alle Stund' Mit frohem Dank aus reinem Mund Sein Lob und Preis erschallen. Amen. 23. Auguft. Morgen. Ezech. 36, 26. Ich will ein neues Herz und einen neuen Geist in euch geben. 471 Gott, gib mir ein neues Herz und einen neuen Geist; denn ich habe von Natur ein böses, widerstrebendes Herz. Nimm es von mir und schaffe in mir ein neues, reines Herz. Schenke mir eine neue Liebe zu dir, nach deinem Wort und Willen mich in allen Stücken zu richten, einen neuen Trieb, dir zu dienen und wider die Sünde zu streiten, daß ich nicht mehr thue, rede und vollbringe, was ich nach dem Trieb meines bösen Herzens und nach dem Lauf der Welt gethan. Gib mir auch einen neuen Geist und durch denselben einen neuen Sinn, ein verändertes Gemüth, daß ich alles ablege, was dich betrüben, oder meiner Seele schädlich und in meinem Christenthum mir hinderlich sein kann; daß meine Erkenntniß wachse und mein Wille geheiligt werde, daß sich der neue Mensch in rechtschaffener Gerechtigkeit und Heiligkeit offenbare und die Früchte des Geistes an mir hervorleuchten: Demuth, Sanftmuth, Keuschheit, Friede und Freude in dem heiligen Geist, daß ich verleugne alles ungöttliche Wesen und die weltlichen Lüste, und züchtig, gerecht und gottselig lebe in dieser Welt. Ach, mein Gott, also verlange ich zu werden; ändere, heilige und erneuere mich also, daß ich das Siegel habe, ich sei dein Kind; denn deine Kinder haben alle einen Sinn, Willen und Geist, sie sind in dem Blute Jesu durch den Glauben gerecht geworden, haben Christi Geist, und sind gesinnt, wie Jesus auch war. Einen neuen Geift gib mir, Schaff mein Herze neu, Daß es mit des Geistes Trieb Ganz erfüllet sei. Schreib mir in's Herz, Deiner Liebe sanft Gebot. Zeuch mich dir nach, o mein Got Nur himmelwärts. Amen. 472 23. Auguft. Abend. 1. Theffal. 5, 6. Lasset uns nicht schlafen, wie die Andern, sondern lasset uns machen und nüchtern sein. Gott, ich lege mich nun zur Ruhe und will schlafen. Wie nun dieses ein von dir geordneter Schlaf ist, so bewahre du mich vor dem Schlaf der Sünden, darin so viele Menschen bei hellem Tage liegen, indem sie zwar die Augen offen haben, reden, gehen und stehen; aber ihre arme Seele ist durch böse Gewohnheiten, Zorn, Stolz, Liebe der Welt benebelt. Denn wie ein Schlafender nichts sieht, so sehen sie nicht, daß sie unter dem Zorn Gottes sind; hören zwar von außen dein Wort, aber es kommt nicht in ihr Herz, sie leben und sterben in ihren Sünden. Gott, vor solchem Schlaf bewahre mich. Liegen viel Andere in diesem Schlaf, die sich auch Christen nennen, so laß mich bedenken, daß Jesus mir zum Beispiel der Nachfolge gesetzt ist, und nicht die Welt. Laß mich auch die schlaflosen Nächte mit Gebet, mit Erwägung deiner Liebe, mit deinem Lob, aber nicht mit fünd lichen Gedanken hinbringen. Bei Tag aber laß mich wachen über meine Gedanken, über meine Worte, über meine Werke und Leben, daß es sich nach deinem Wort und dem Vorbild Jesu richte. Also laß mich auch nüchtern sein, nicht allein vor Uebermaß in Essen und Trinken mich hüten, sondern auch die Ge müths- Nüchternheit vor Zorn, Feindschaft, Liebe der Eitelkeit bewahren; denn diese Trunkenheit richtet viel böses an. Also finde mich nüchtern und wachend, wenn ich soll von der Welt abscheiden, daß ich wohl bereitet im Glauben und Liebe dir entgegengehe, und von dir zur ewigen Freude eingeführt werde. Nimm den Schlaf uns aus den Augen, Daß fie taugen, Stracks auf jenes Ziel zu sehn, Weil vor deinem Angesichte In dem Lichte Nur des Tages Kinder steh'n. Amen. 24. Auguft. Norgen. Suc. 22, 26. Jhr aber nicht also! Herr Jesu, laß das Wort der Ermahnung mir mein Leben lang in den Ohren erklingen: Du aber nicht also! Laß dieses dein Wort mich inwendig hören, wenn andere eine freie und ungebundene Zunge haben, deinen Namen mißbrauchen, Scherz treiben, der den Christen nicht geziemt. Sehe ich andere dein Wort verachten, den Sabbath entheiligen, die zu deinem Dienſt bestimmte Zeit dem Satan, der Welt und dem Fleische aufopfern, so sprich zu mir: Du nicht also! Unterdrücken die Menschen einander, erheben sie sich aus Stolz über einander, so laß mich gedenken, du sagest zu allen deinen Kindern: Ihr nicht also! Es muß ein offenbarer Unterschied unter deinen und den Weltkindern sein. Du kannst von mir einen andern Sinn und ein anderes Leben fordern. Weil ich dein Kind sein will, so muß ich der Welt Sitten und Gewohnheiten nicht an mir tragen. Weil ich dein Erbe sein will, so muß ich nicht irdisch, sondern himmlisch gesinnt sein; weil dein Geist, wo er seine Wohnung und seinen Tempel hat, alles Unreine aus dem Herzen vertreibt. Wenn ich nun mich getröste, ich sei dein Kind und Erbe, so laß mich es auch in meinen Thaten beweisen. Da ich mich der Welt nicht gleich stellen soll, so habe ich an Jesu einen Vorgänger. Ich gehe die richtige Bahn, wenn ich thue, wie er gethan hat. Wenn mein Fleisch und die Welt mich antreiben, dein Vorbild aus den Augen zu setzen, so ruse mir in meinem Herzen zu: Du nicht also! Denn Das Böse suchte Jesus bald Mit Gutem zu vergelten, Man hörte, wenn die Welt ihn schalt, Ihn niemals wieder schelten; Er gab es seinem Vater hin, So sanft war deines Jesu Sinn: So sei auch du gesinret. Amen. 473 24. Auguft. Abend. Luc. 22, 29. Ich will euch das Reich bescheiden, wie mir! mein Vater beschieden hat. 474 Herr Jesu, der Tag ist vergangen: so wird auch mein Leben ein Ende nehmen; alsdann aber nimm mich in dein Freudenreich auf. Dieses Reich hast du mir zugedacht, erworben und beschieden, nur muß ich mich in die Ordnung begeben, darin du mir dazu zu gelangen verheißen hast. Ich will auf dich schauen und dir nachgehen, und weiß, dann werde ich dessen gewiß theilhaftig werden. Du warst deinem Vater gehorsam bis zum Tode; du nahmst den Kelch willig von seiner Hand an, ob er gleich bitter war. Du warst nicht von der Welt und trugst ihren Haß gern. In deinem Leiden warst du geduldig wie ein Lamm, und da du allen Rath Gottes vollbracht hattest, wurdejt du mit Preis und Ehre gekrönt und gingst ein zu deines Vaters Reich. Also hast du es mir auch be schieden. Ich will nach deinem ewigen Reich trachten in Buße und Gehorsam. War dir das Reich unter viel Kreuz und Leiden beschieden, so laß mich nicht davor erschrecken, wenn es auch zu mir nahet. Du warst nicht von der Welt, darum will ich die Welt gebrauchen, aber nicht mißbrauchen. Mein Herzliches Verlangen ist, in dein Reich zu kommen; hilf mir, daß ich deren keines versäume, was dazu gehört. Bricht dann mein Wanderstab im Sterben, so will ich getrost auf dein Verdienst abscheiden und das verheißene Reich ererben. Deiner Bürger Recht ist groß, Und ihr Erb' ein selig Loos, Ihre Wohnung Gottes Stadt, Wohl dem, der den Eingang hat! Mach mir meine Hoffnung wahr, Reich auch mir den Eingang dar Bei dem Ausgang aus der Zeit In dein Reich der Herrlichkeit. Amen. 25. Auguft. Morgen. Offenb. 14, 7. Fürchtet Gott, und gebet ihm die Ehre. Ewiger Gott, dich fürchten ist der Weisheit Anfang; dich fürchten, ist eine Quelle des Lebens und des Segens; denn die den Herrn fürchten, haben keinen Mangel an irgend einem Gute; dich fürchten, bewahrt vor Sünden. Darum laß mich Zeit und Fleiß darauf wenden, dich recht zu erkennen, denn deine Erkenntniß bringt Liebe zu dir; wer dich recht kennt, der muß dich lieben, und wer dich liebet, der wird dich nimmermehr betrüben. Laß mich dich denn erkennen als den dreieinigen Gott, von dem ich ein neues Herz habe. Ich will keinen eigenen Willen haben, dein Wille soll mein Wille werden. Es betrübt mich, wenn ich gefehlt habe; jeder fündliche Gedanke, jedes unnüze Wort, jede Uebertretung soll mich zur Buße aufmuntern. Erinnere mich aller Orten deiner Liebe und Gegenwart, daß ich dich allezeit vor Augen habe, und dir die Ehre gebe: die Ehre der Anbetung, weil du allein Gott bist; die Ehre des Vertrauens, daß ich mich in allen Fällen auf dich verlasse; die Ehre des Gehorsams, daß ich nicht der Welt und ihren Lüsten, nicht meines Fleisches Trieb folge, sondern mich nach deinem Wort und dem Vorbild Jesu in Worten, Denken und Leben richte; die Ehre eines willigen Dienstes, dağ mein Sabbath mir ein Vorschmack des ewigen Sabbaths werde. Dich ehret alles Himmelsheer: warum sollte ich Staub nicht in tiefster Ehrerbietung an dich gedenken und von dir reden? Laß diese heilige Furcht alle Sündenliebe in mir austilgen, daß ich immer reiner, frömmer und dir gefälliger werde. Ihr, die ihr Christi Namen nennt, Gebt unserm Gott die Ehre! Jhr, die ihr Gottes Macht bekennt, Gebt unserm Gott die Ehre! Die falschen Gößen macht zu Spott! Der Herr ist Gott! der Herr it Gott! Gebt unserm Gott die Ehre! Amen. 475 25. Auguft. Abend. Jonas 4, 2. Ich weiß, daß du gnädig, barmherzig, langmüthig und von großer Güte bist. 176 Herr Gott, wenn ich nicht wüßte, daß du gnädig, barmherzig, langmüthig und gütig wärest, so getraute ich mir nicht vor dir zu erscheinen, da ich mich deiner erinnere. Du hast mir in Jesu Gnade zugesagt und lässest mir noch heute Gnade anbieten: Kehre wieder, bu abtrünnige Seele, so will ich mein Angesicht nicht gegen dich verstellen. Darum will ich zu deiner Gnade meine Zuflucht nehmen, wenn Satan und mein Ge wissen mich verklagen. Denn du bist barmherzig, es jammert dich deiner Kinder Schreien und Weinen. Du vergibst die Sünde und richtest auf die niederge schlagene Seele. Deine Langmuth hat mir Zeit und Buße gegeben, mich zur Buße gerufen, auf meine Buize gewartet und die Strafen aufgeschoben. O daß ich doch von der ersten Stunde an gehorsam gewesen wäre! Deine große Güte will ich mit fröhlichem Munde preisen, die mich Unwürdigen gekleidet, gespeiset, ge tränket und bewahrt hat. Was kein Vater, feine Mutter an ihrem Kinde thut, das hast du an mir Armen gethan. Deine Güte soll mich zur Buße, deine Langmuth zum Gehorsam, deine Barmherzigkeit zur Frömmigkeit, und deine Gnade zur Reinigung meines Herzens leiten. Gib mir dazu deines heiligen Geistes Kraft und laß mich in meiner Todesstunde deine Gnade umfassen, deine Barmherzigkeit mich trösten und deine Güte mich zur Hochzeit des Lammes einführen. Drum, ew'ge Güte, trag uns noch Um Christi Todesschmerzen! Erwecke recht und rühre doch Die trägen, sichern Herzen, Daß deine Huld und Vatertreu Uns ja kein Schild der Vosheit sei, Daß wir das Arge hassen, Und uns noch in der Gnadenzeit Den Reichthum solcher Gütigkeit Bur Buße leiten lassen. Amen. 26. Auguft. Norgen. Röm. 6, 12. Lasset die Sünde nicht herrschen in eurem sterb lichen Leibe, ihr Gehorsam zu leisten in seinen Lüften. Gott, du sollst König meines Herzens sein. Mein Herz kann nicht leer sein: entweder herrschest du darin, 5 König der Ehren, oder die Sünde, oder die Welt. Gott, herrsche in mir; beherrsche meinen Willen: so wird die Sünde alle Gewalt in mir verlieren. Wo die Sünde herrschet, da ist Satans Schule, das Gewissen wird befleckt, der heilige Geist ausgetrieben, ja der sterbliche Leib und dessen Glieder werden Sündenwerkzeuge. Aus deinem Tempel wird ein sündlicher Leib, der dem Tod übergeben und als ein unfruchtbarer Baum in die Hölle geworfen wird. Also will ich Leib und Seele nicht der Sünde zum Gehorsam geben, sondern dir. Wenn ich Regungen der Sünde, Rache, Stolz, Ungerechtigkeit, Bosheit, Falschheit und Sicherheit in mir spüre, so will ich nicht darein willigen, sondern deinen Geist mich leiten lassen. Ach! es kann aus der bösen Quelle der Sünden nichts quellen als Küste, Sböse Gedanken, Zorn, Ueppigkeit, die Werke des Fleisches. Stehest du mir nicht bet, so falle ich ins zeitliche und ewige Verderben. Laß mich jeden Abend fragen: Wer hat heute in dir geherrscht, meine Seele? wem hast du Gehorsam geleistet? Wenn ich mich nun von den Lüsten meines Herzens oder von der Welt hätte überwinden lassen, so will mich vor dir schämen. Sollte das Kind eines Königs eines Knechtes Knecht werden? Ich gebe mich dir ganz und gar zu eigen; erhalte mein Herz bei dem Einigen, daß ich deinen Namen fürchte. D Heiland, dir nur dien' ich gern, Denn du hast mich erkauft; Ich weiß und will sonst keinen Herrn, Auf dich bin ich getauft. Wen du frei machst, der ist recht frei; Du schenkst ihm alle Schuld; Und darum dank ich deiner Treu Und rühme deine Huld. Amen. 477 26. Auguft. Abend. f. 62, 9. Hoffet auf ihn allezeit, lieben Leute, schüttet euer Herz vor ihm aus; Gott ist unsre Zuversicht. Gott, meine Zuversicht, mein Herz lobt dich für all das Gute, das du mir heute erwiesen, und ich hoffe auf deine Liebe, du werdest auch diese Nacht mein Beistand bleiben. Der feste Grund meiner Hoffnung ist deine Treue, Güte und Allmacht. Sollte ich mich auf ein gebrechlich Rohr verlassen? Ich hoffe auf dich im Leiden, du werdest mich erretten; in Angst, du werdest mich trösten; in Bekümmerniß meiner Seele, du werdest es lassen Licht werden; in Armuth, du werdest mich nicht verlassen; in Krankheit, du werdest mich nicht versäumen; im Tode, du werdest mich selig machen, und weiß, daß meine Hoffnung mich nicht wird lassen zu Schanden werden. Darum schütte ich mein Herz vor dir aus, ich klage dir meine Noth, wie ein Kind vor seinem Vater und erlange Ruhe für meine Seele; mein Kummer ist dahin, und ich warte auf seine Hilfe von einer Morgenwache bis zur andern. Hier ist alles verschwiegen; bei Menschen sein Herz auszuschütten, ist gefährlich, aber nicht bei Gott; er ist meine Zuversicht gewesen von Jugend auf, er wird es auch bleiben bis an das Ende. Er hält seine Hand über mich in aller Gefahr. Sehet, einen solchen Gott habe ich! Was haben aber Menschen, die nach ihren Lüften leben? Die müssen dieses Trostes entbehren. Darum kehre ich mich zu dieser lebendigen Quelle, so kann ich schöpfen Gnade um Gnade. Wenn ich in meinen letzten Stunden mein Herz vor dir aus schütte, so sei meine Zuversicht, Erretter, Leben und Trost. Gott, du bist unsre Zuversicht In aller unsrer Noth; Du läßt die Deinen ewig nicht, Und ziehst sie aus dem Tod. Wir schütten unsre Herzen aus, Du weißt ja, wie es steht, Und wie aus diesem Erdenhaus Zu dir das Sehnen fleht. Amen. 478 27. Auguft. Morgen. Joh. 8, 36. So euch der Sohn frei macht, so seid ihr recht frei. Jesu, du Sohn Gottes, ich erinnere mich meines elenden Zustandes, wie ich von Natur nichts anders thun kann, als sündigen, und damit Trübsal, Zorn und Verdammniß verdient habe. Darin sollte ich mun bleiben in Ewigkeit; aber dein Erbarmen hat mich davon frei gemacht, du hast Schuld und Strafe auf dich genommen. So bin ich denn mit deinem Blut versöhnt und aus der Hölle erlöst; deß danke ich dir von Herzen. Nicht allein aber habe ich solche Erlösung von deiner Hand empfangen, sondern du willst mich auch von der Herrschaft und Knechtschaft der Sünde erlösen, daß ich den bösen Lüsten widerstehen kann. Ich kann durch deinen Beistand meinem Fuß alle fündlichen Wege wehren, meine Zunge im Zaum halten, meinen Willen nach deinem Willen richten, als dein Kind wandeln und auch das Kreuz geduldig tragen. Dieses ist die wahre Freiheit deiner Kinder. Mache mich also recht frei, nicht der Einbildung nach, sondern in der That. Du hast mich erlöst, da du auf dem Delberg und auf Golgatha dein Leiden vollbracht; aber was hilft mir das, wenn ich mich inwendig nicht erlösen lasse, wenn ich meine Sünden, Unarten und Bosheiten behalte? Erlöse mich, treuer Heiland, recht, daß ich recht frei, recht fromm, recht dein Eigenthum werden und bleiben möge. Alsdann ist deine Erlösung auch an mir eine ewige und vollkommene Erlösung; ohne diese Heiligung aber mache ich mich deiner Erlösung unfähig. O komme doch, wer Sünder heißt, Zu Jesu noch bei Zeiten, Und lasse sich durch seinen Geiſt Zur Freiheit zubereiten! Er reißt das Sündenband entzwei, Und ziehet uns nach oben. Wen er frei macht, der ist recht frei, Und darf Gott fröhlich loben. Amen. 479 27. Auguft. Abend. Math. 3, 8. Sehet zu, thut rechtschaffene Früchte der Buße. Herr Jesu, ich komme vor dich mit betrübtem und bußfertigem Herzen. Laß dein Blut mich waschen und reinigen von allen meinen Missethaten, als welches ich in wahrem und lebendigem Glauben ergreife. Damit ich mich aber in dieser wichtigen Sache nicht betrüge, so laß mich auf die Früchte sehen, welche die Buße mit sich bringt. Aeußerlich beten, Thränen vergießen, mit dem Munde bekennen, sind schöne Kennzeichen, aber noch keine rechtschaffene, wahre und würdige Früchte der Buze. Dazu gehört ein neuer Sinn. Verleihe mir den, mein Heiland, daß ich den Sündengreuel recht tief einsehe, daß ich fliehe, was ich vor diesem geliebt. Laß darauf ein ganz neues Leben fol gen, daß man es an meinen Reden höre, an meinem Wandel sehe, in meinem Umgang spüre, daß dein Geist in mir eine Sinnesänderung vorgenommen, daß ich nun nicht mehr sei, wer ich gewesen bin. Hingegen laß die heilige Liebe zu dir mein Herz erwärmen, reinigen, heiligen, daß ich nichts thue, ja auch nichts denke, was dir zuwider sein könnte. Laß deine heilige Liebe auch die Liebe des Nächsten in mir erwecken, daß ich ihm helfe, verzeihe und thue, wie ich wünsche, daß es mir in solchen Fällen geschehe. Laß meine Gottesfurcht keine Heuchelei sein, sondern wirke in mir eine wahre Aufrichtigkeit und Beständigkeit im Guten, ja, daß ich diese Früchte bringe bald, in gesunden Tas gen, auf daß ich in meinem Sterben als ein guter Baum erfunden werde. 480 O Vater der Barmherzigkeit. Ich falle dir zu Fuße: Verstoß den nicht, der zu dir schreit, Und thut noch endlich Buße. Was ich begangen wider dich, Verzeih mir alles gnädiglich Durch deine große Güte! Amen. 28. Auguft. Morgen. Nom. 15, 16. Daß die Heiden ein Opfer werden, Gott angenehm, geheiliget durch den heiligen Geist. Heiliger Gott, mußte dein Israel alle Morgen ein Opfer bringen, so ist auch mein Vorhaben, in dieser Frühstunde mich dir ganz zu ergeben. Wurden die Heiden dir geopfert durch die Bekehrung zu Christo Jesu, so gebe ich dir zum Opfer mein Herz, meinen Willen, meinen Verstand, meinen Leib und Glieder. Laß dieses mein armes Opfer dir angenehm werden. Laß dir angenehm sein mein Gebet, mein Singen, meinen Gottesdienst, meinen Vorsatz, niemand mehr zu gefallen als dir. Heilige mich durch deinen Geist, daß ich in dem angefangenen Werk der Bekehrung beständig fortfahre. Heilige meine Gedanken, daß dadurch alle sündlichen Gedanken vertrieben werden. Heilige mein Leben, daß ich nicht wandle nach dem Lauf der Welt, nicht sitze, da die Spötter sigen, sondern mich zu dir halte, und zwar in gesunden Tagen, ehe dit mir noch durch die Krankheit Arm und Bein entzwei schlägst, daß ich sie vor Mattigkeit nicht emporheben kann, daß ich nicht erst alsdann an dieses Opfer ge= denke; wie ich solches an vielen wahrnehme, welche erst im Sterben, in Schmerzen und schweren Krankheiten, da sie ihr Bett gefangen hält, die sich zum Opfer geben wollen. Wenn mich die Welt zur Sünde reizt, so laß mich gedenken, daß ich nicht mehr mein eigen sei, sondern mich dir zum Opfer und Eigenthum übergeben habe. Laß mich stets mit Dank und Beten, Angethan mit Zucht und Geist, Herr, vor's Angesicht dir treten, Bis mein Leib dein Opfer heißt, D'rin all' deine Geistesgaben Täglich frisches Wachsthum haben, Daß zu dir, o höchstes Gut, Steige reine Liebesglut. Amen. Stark's Morgen- und Abend- Andachten. 481 31 483 28. Auguft. Abend. Spr. 1, 23. Rehret euch zu meiner Strafe. Siehe, ich will euch heraussagen meinen Geist, und euch meine Worte kund thun. Herr, mein Gott, ich kehre meine Ohren und mein Herz zu dem, was dein Geist an mir zu be strafen hat, nemlich daß ich mehr Menschenwegen und meinem Willen gefolgt, als auf deine heiligen Wege und Willen gesehen. Siehe, ich schuldige mich und sage: Deine Bestrafungen sind gerecht, und wollteft du mich mit leiblichen Züchtigungen zur Buße und Erkenntniß, ja zum Gehorsam bringen, so habe ich solche Strafe mehr als zu viel verdient; allein deine Bestrafungen sollen auch mein Unterricht sein, welcher mir heraussagt deinen Geist, wie ich soll inwendig beschaffen sein, daß ich meinen Geist von deinem hei ligen Geist soll regieren lassen. Dein Unterricht thut mir auch deine Worte kund: Glaubensworte, was ich glauben; Lebensworte, wie ich wandeln soll; Trostworte in meinem Leiden; Warnungsworte, wenn ich mich von der Sünde will verleiten lassen; Freudenworte im Sterben, die mich versichern, daß ich, wenn ich im lebendigen Glauben auf meines Jesu Blut und Wunden bis in den Tod verharre, nicht soll verloren wer den, sondern das ewige Leben haben; Testamentsworte, darin mir ein schönes Erbtheil, die Krone und das weiße Kleid sammt der Stätte im Himmel vermacht wird. Deine Bestrafungen sollen mich zur Buße, dein Unterricht zum beständigen und willigen Gehorsam aufmuntern. Gib mir dazu deines Geistes Licht und Kraft von oben herab. Deinen Geist herauszusagen, Müssen des Gerichtes Plagen Deinem Willen dienstbar sein, Daß wir in der Trübsal Zeiten Unsre Seelen recht bereiten, Bis du Garben sammelst ein. Amen. 29. August. Morgen. Pf. 73, 1. Jfrael hat dennoch Gott zum Trost, wer nur reines Herzens ist. 483 Herr, mein Gott, du sollst mein einziger Trost in Ewigkeit bleiben. Ich will nicht zu dem GoldKlumpen sagen: du bist mein Trost, denn irdisches Gut kann nicht vom Tode und Gericht erretten. Kreaturen sollen auch nicht mein Trost werden, daß ich Ehre und Glückseligkeit wollte dir vorziehen; das sei ferne! In allen Fällen dieses armen Lebens, wenn aller Trost der Menschen aufhört, tröste mich mit deiner Hilfe. Sei mein Trost, wenn mein Feind mich drängt. Sei mein Trost in Krankheit, lege deine Hand auf mich, so werde ich genesen. Ser auch mein Troft im Sterben; laß mich einen Blick in deine Herrlichkeit thun, wie Stephanus. Auf daß ich mich aber dieses Trostes nicht selbst beraube durch ein sündliches Leben, so schaffe in mir ein reines Herz. Die reines Herzens sind, genießen schon die Seligkeit hier, daß sie dich zum Trost haben und werden auch wie Lazarus in dem Schoß Abrahams getröstet werden. Laß mein Herz immer reiner werden durch das Blut meines Heilandes, daß ich in dessen Kraft allezeit die unreinen Lüste überwinde und alle Tage reiner, williger und gehorsamer werde. Laß mich solche Reinigung mit Gebet suchen, und darin bis an mein Ende beharren, da ich von Unreinen zu der reinen Schar der Heiligen und vollendeten Gerechten gelangen werde. Laß mich diese Reinigung als möglich und nothwendig ansehen, ohne welche dich niemand schauen wird. Muğ ich nach meinem Beruf unter unreinen Menschen leben und mit ihnen umgehen, so halte meinen Leib und Seele rein, daß ich ein reines Gewissen haben möge. Ja, Israel hat wahrlich Gott Zum Trost in aller seiner Noth! Denn Gott ist gut den reinen Herzen, Ein Licht in Nacht, ein Trost in Schmerzen. Amen. 81* 29. Auguft. Abend. Pf. 118, 6. Der Herr ist mit mir, darum fürchte ich mich nicht; was können mir Menschen thun? 484 Allmächtiger Gott, die Nacht ist gekommen, Finsterniß hat die Erde bedeckt, aber wenn du bei mir bist, so habe ich ein helles Licht und fürchte mich nicht. Deine Allmacht kann mich schützen, deine Liebe mich bewahren, deine Güte abwenden, was mir schädlich ist. Sei und bleibe bei mir bei Tag und Nacht, ohne dich bin ich in der größten Gefahr. Der Herr ist mit mir, darauf will ich mich verlassen in allen Fällen. Der Vater ist mit mir, der wird sein Kind nicht verlassen. Jesus ist mit mir, der wird mir meine Sünden vergeben. Der heilige Geist ist mit mir, der erhält das Zeugniß in meinem Herzen, daß ich ein Kind Gottes sei. Die heiligen Engel sind mit mir, die schlagen eine Wagenburg um mich, und bewahren mein Haus. Darum fürchte ich mich nicht vor dem Grauen der Nacht, vor bösen Menschen, der Herr wird sie schrecken, daß sie weichen müssen. Ja, was können mir Menschen, die meine Feinde, Neider, Verfolger und Lästerer sind, thun, wenn du mein Beistand bist? Was kann mir der Satan thun? Brüllen kann er, aber nicht verschlingen; anklagen, aber nicht verdammen; er ist ein überwundener Feind. Darum bin ich unter dem Schutze Gottes wohl bewahrt. Kommt mich eine Furcht an, wenn Unfall mir Schrecken einjagt, so tröste mich mit deiner Liebe und Gegenwart. Im Sterben will ich mit Freuden sagen: Der Herr ist mit mir, darum fürchte ich mich nicht. Unverzagt und ohne Grauen Soll ein Christ, wo er ist, Stets sich lassen schauen. Wollt' ihn auch der Tod aufreiben, Soll der Muth dennoch gut Und fein stille bleiben. Amen. 30. August. Morgen. 1 Moj. 16, 13. Du, Gott, siehest mich. Herr, mein Gott, du siehest in mein Herz und erkennst meine Gedanken von ferne; darum schenke mir Kraft, daß ich niemals zornigen, üppigen, falschen, irdischen Gedanken Platz gebe, sondern wenn sie sich in mir regen wollen, mit Gebet unterdrücke. Du hörst auch meine Reden. Darum hilf, daß ich ein Schloß an meinen Mund lege und ein festes Siegel auf meine Lippen, daß ich ihn fleißig aufthue zu deinem Lob, aber ihn nicht mit schandbaren Worten verunreinige. Du bist auch der Zeuge aller meiner Werke; darum laß allezeit in meinen Ohren erklingen: Gott siehet's! auf daß mich die Ehrfurcht vor dir von Sünden abhalte, hingegen zum willigen Gehorsam antreibe. Dieses Wort soll zu meinem Trost gedeihen in Ausübung meiner Christenpflicht. Du siehest mein Verlangen, wie ich nach nichts seufze, als nur dein Kind zu wer= den und zu bleiben, und mein ganzes Herz dir zu übergeben. Du siehest, wenn ich meine Hände aufhebe zu deinem heiligen Chor; wenn ich vor dir mein Herz ausschütte, so laß mich nicht unerhört von deinem Angesicht weggehen. Du siehest auch mein Kreuz, und haft Mittel und Wege, mich davon zu befreien. Du siehest auch mein bußfertiges Herz, meine Thränen, wie mir es leid ist, daß ich dich so oft und so lange erzürnt habe. Du siehest auch meinen neuen Vorsatz, daß ich dich nimmermehr mit Wissen und Willen beleidigen will. Darum stärke mich durch deine Gnade und laß mich dein allsehendes Auge immer frömmer, reiner. besser und gehorsamer machen. Du, Gott, siehest mich! Herr, das glaube ich. Darum schenke mir die Gnade, Daß ich deine heil'gen Pfade Hier im Glauben geh', Allzeit auf dich seh'. Amen. 485 30. Auguft. Abend. Pred. 12, 7. Der Staub muß wieder zur Erde kommen, wie er gewesen ist, und der Geist wieder zu Gott, der ihn gegeben hat. 486 Ewiger Gott, ich lege meine Glieder zur Ruhe, also werde ich auch einmal in die Erde gelegt; sie ist die Mutter, die ihr Kind umfaßt, bedeckt und bewahrt bis an den jüngsten Tag; da wird sie meinen Staub wieder hergeben, deine Hand wird aus demselben wie der meinen Leib bauen. Alsdann werde ich keinen gebrechlichen, sondern einen verklärten Leib bekommen, mit welchem du mich herrlich darstellen wirst. Von Erde bin ich gemacht, zu Erde muß ich werden. Bin ich nun selber Staub, so bewahre mich, daß ich nicht am Staube klebe, sondern himmlische Güter suche, die ewig bleiben. Meine irdischen Güter vertausche ich gerne mit den Schäßen der Ewigkeit; denn mein Geist, der kommt nicht in die Erde, der wird nicht zu Staub; er ist nicht von der Erde, er ist mir von Gott gegeben und zu dem kommt er wieder. Nachdem er sich nun von dem heiligen Geist hat lassen regieren oder nicht, nachdem er seinen Leib regiert, so wird er ein Urtheil des Lebens oder des Todes hören. Ach, mein Gott, reinige du ihn mit dem Blute Jesu Chrifti, daß er ohne Flecken und Runzeln vor dir erfunden werde. Kommt also mein Geist aus diesem sterblichen Leibe wiederum zu dir, so wirst du ihn zu Gnaden annehmen. Dieses ermuntert mich in allem Kreuz und Leiden; denn hofften wir auf Christum allein in diesem Leben, so wären wir die elendesten Menschen; so aber wissen und hoffen wir etwas besseres. Dieser meiner Augen Licht Wird ihn, meinen Heiland, kennen; Ich, ich selbst, kein Fremder nicht, Werd' in seiner Liebe brennen; Nur die Schwachheit um und an Wird von mir sein abgethan. Amen. 31. Auguft. Morgen. 2. Mos. 23, 26. Jch will dich lassen alt werden. Gütiger Gott, habe Dank für alle Treue und Gnade, welche du mir bis heute erzeigt hast. Du haſt ein langes Leben unterschiedlichen Personen, sonderlich denen, die dir und den Eltern gehorchen, versprochen. Ich getraue mich nicht, dich um ein langes Leben zu bitten, weil ich nicht weiß, ob ich im Alter die Bes schwerlichkeiten dieses Lebens zu ertragen im Stande sein werde; aber wie ich geboren bin nicht zu der Zeit, da ich, sondern da du gewollt, so werde ich auch das Alter erreichen, welches nicht ich, sondern welches du willst, das überlasse ich deinem Rath und Willen. Willst du mich aber lassen alt werden, so soll das meine Bemühung sein, daß ich dich desto länger lobe und preise. Ich will andern deine Macht und Treue, deine Güte und Wahrheit erzählen und alle ermahnen, dem Gott anzuhangen, der mir so viele Wohlthaten an Leib und Seele erwiesen hat. Laß auch mein Alter dazu dienen, daß junge Leute an mir ein Beispiel der Demuth, Sanftmuth, Gottesfurcht und Aufrichtigkeit sehen, so will ich meine übrigen Lebenskräfte zu deiner Ehre anwenden. Sonderlich sollen meine letzten Tage Buß- und Bettage, Lob- und Danktage sein, daß, wenn du unverhofft solltest kommen, mich von der Welt abzurufen, ich in Buße und Glauben als ein gegürteter Knecht und als eine mit der brennenden Lampe des Glaubens versehene Jungfrau erfunden werde. Laß mich bis in den Tod in deinen Schutz, in deine Liebe und Gnade eingeschlossen bleiben. Soll ich auf dieser Welt Mein Leben höher bringen, Durch manchen sauren Tritt Hindurch in's Alter dringen; So gib Geduld; vor Sünd' Und Schanden mich bewahr', Auf daß ich tragen mag Mit Ehren graues Haar. Amen. 487 483 31. Auguft. Abend. 2 Petr. 3, 11. So nun das alles soll zergehen, wie sollt ihr denn nicht geschickt sein mit heiligem Wandel und gottfeligem Wesen! Gott, der Tag ist nun dahin, so wird auch Himmel und Erde zergehen und im Feuer zerschmelzen. Nun, diese Betrachtung soll mich ermuntern, daß ich auf nichts Irdisches und Vergängliches meine Hoffnung setze. Sollen die schönen Geschöpfe, Sonne und Mond, nicht bleiben, soll die Erde mit allen ihren Bergen, Feldern und Bäumen vergehen, so will ich dich allein für mein höchstes Gut halten. Wann aber alles Sichtbare zergehen soll, hast du niemand offenbart; aber das weiß ich, der letzte Tag wird gewiß kommen, und ebenso auch der letzte Tag meines Lebens. Wie du mich alsdann wirst finden, so wirst du mich richten. Darum laß mich geschickt erfunden werden in heiligem Wandel, daß ich nicht wandle wie die Kinder der Finsterniß: in Sicherheit, Eitelkeit, Trunkenheit, Ungerechtigkeit, Bosheit, Zorn und Stolz, sondern wie die Kinder des Lichts: in Keuschheit, Demuth, Sanft muth, Gehorsam, Lauterkeit und Aufrichtigkeit; daß Jesus in mir lebe und meine Sünden tilge; daß der heilige Geist mich führe auf den Wegen des Friedens, und also mein gottseliges Wesen bestehe in stetem Andenken an dich, daß ich mit dir aufstehe und schlafen gehe, in deiner Gegenwart meine Arbeit verrichte, den Sünden absterbe und dir lebe. Gott, dir will ich alle ineine übrigen Lebenstage aufopfern, daß ich im Sterben im Glauben, heiligem Wandel und gottseligem Wesen von dir angetroffen werde. Wenn alles, was wir sehen, Im Feuer soll vergehen, Und bricht der Tag einst ein, Daß aufgelöset werden Die Himmel samt der Erden, Wie sollen wir bereitet sein! Amen. 1. September. Morgen. 1 Kor. 16, 13. Wachet, stehet im Glauben, seid männlich und ſeid stark. Starker Gott, ich fange einen neuen Tag an; laß ihn gesegnet sein an meiner Seele; meinen Leib wirst du versorgen und behüten. Damit ich aber vor Sünde bewahrt werde, so laß mich wachen über mich selbst, über meine Gedanken, über meinen Mund, über meinen Wandel. Laß eine heilige Nüchternheit des Leibes und Gemüths mich in den Schranken halten, daß kein Zorn, keine Unmäßigkeit und Sündenliebe mich von deiner Liebe abwendig machen. Laß mich wachsen im Glauben, in der Liebe zu dir, in der Heiligung des Herzens und Lebens, daß ich von meiner Frömmigkeit nicht weiche, bis mein Ende kommt, und also im Glauben stehe und standhaft bleibe bis an mein Ende, damit mich nichts von deiner Liebe abwendig mache, daß ich mich männlich finden lasse, kein schwankend Rohr sei und mich von jedem Wind bewegen und wiegen lasse; und keine Lust noch Furcht von dir mich abtreiben lasse, nicht von dem Bekenntniß der göttlichen Wahrheit, nicht von der Heiligung und Reinigfeit des Lebens. Und so die Welt mit ihren Lüsten an mich setzt, so laß mich stark sein als ein guter Streiter Jesu Christi, daß ich überwinde die Welt in mir und außer mir, daß ich verachte und fliehe die vergängliche Lust der Welt, und meinem Fleisch keine Sündenweide verstatte, sondern es kreuzige. Gott, stehe mir bei und hilf mir, segne mich und laß mich auch im Leiden deine Hilfe spüren. Verleih Geduld und Trofe Jm Kämpfen und im Ringen, Sorgfält'ge Wachsamkeit Und Kraft, hindurch zu bringen, Daß wir ohn' Unterlaß In der Bereitschaft steh'n, Und einst mit Freudigkeit Vor deine Augen geh'n. Amen. 489 A 1 September. Abens. Jac. 1, 3. So jemand unter euch Weisheit mangelt, der bitte von Gott, der da gibt einfältiglich jedermann, und rücket's nie mand auf. 490 Gütiger Gott, liebreicher Vater, der Tag ist dahin: wie habe ich ihn aber vollbracht? Vergib mir alle meine Sünden. Laß mir deine Weisheit, die mit mangelt, deinen Willen und Wege offenbaren, wie recht glauben, fromm leben und selig sterben soll. Laf sie mir deine Wege kund thun, und daß ich als dein Kind und Glied an dem Leibe Jesu Trübsal erdulden müsse; nicht allein, die alle Menschen betreffen, sondern auch deiner Kinder: Kreuz, nemlich daß ich aus Liebe zu dir die Lüste des Fleisches und der Welt fliehe. Laß mich einsehen, daß der Kreuzesweg zum Himmel führe. Laß deine Weisheit mich unterrichten, daß die Frömmigkeit nicht bestehe in Wissen, nicht in Worten, nicht im Schein, sondern in der Kraft, in der Hei ligung des Herzens und Lebens. Dieses gibst du ein fältig ohne Ansehen der Person jedermann, wer nur darum bittet. Du rückst es auch niemand auf, daß du nemlich schon oft die Weisheit mir angeboten und gegeben, aber ich sie nicht geachtet, ich hätte um der Welt Lust mich mehr bekümmert, als um deine himmlische und selige Weisheit. Du wirst also des Gebeng nicht müde. Laß dieses mein Gebet erhört werden, wie du deines Knechtes Salomo Bitte angesehen unt ihm gegeben, was sein Herz gewünscht, auf daß ich dir wohlgefällig wandeln und im Sterben die Krone des Lebens erlangen möge. Die Zeit meiner Unwissen heit wollest du übersehen in Gnaden. D Geist der Weisheit, präge Mir meinen Heiland ein, Und richte meine Wege Auf dieses Ziel allein, So geh ich nicht verloren, So sterb ich nicht wie Thoren, So werd ich selig sein. Amen. 2. September. Morgen. Sos. 6, 4. Die Gnade, die ich euch erzeigen will, wird sein wie eine Thauwolke des Morgens, und wie ein Thau, der früh Morgens über das Land sich ausbreitet. 491 Getreuer Gott, mich erquickt deine Gnade, welche mich in dieser Frühstunde umfähet. Deine Gnade ist allgemein; gleichwie der Thau auf alle Felder und Wälder, Bäume und Kräuter, Berge und Thäler fällt, also bietest du allen Menschen Gnade an. Gleichwie der Thau die Blümlein und das Gras des Mor= gens erquickt, und einen Segen auf das ganze Land ausstreut, so erquicke mich mit deinem Segen in meinem Beruf und Arbeit. Der Thau stärket die Gewächse; wie richtet sich alles früh Morgens auf, was die Hike ausgedörrt hatte und welk darnieder lag! Herr, laß mich durch deine Gnade immer stärker werden im Glauben, in der Liebe, im Vertrauen auf dein Wort, in meiner Hoffnung. Laß deine Gnade mich erhalten in Trauerstunden des Gemüths, wenn ich keinen Glauben empfinde; in den Sturmwinden und Fluten der leiblichen Trübsal, wenn die Glücksberge einfallen und hier eine Tiefe und dort eine Tiefe brauset. Breite deine Gnade über mich aus, wenn ich eingehe, wenn ich ausgehe. Laß Laß mich aus deiner Gnade nimmer fallen durch meine Schuld. Laß deine Gnade mich durch und durch heiligen, Herz, Sinne, Willen, Gedanken, Worte und Werke, daß sie die Regiererin meines Lebens und Herzens sei. O daß ich niemals deine Gnade vergeblich empfinge! Was aber noch übrig ist in meinen Lebenstagen, sei deiner erhaltenden Gnade übergeben. Deiner Güte Morgenthau Fall auf unser matt Gewissen; Laß die dürre Lebensau Lauter süßen Trost genießen, Und erquick uns, deine Schar, Immerdar. Amen. 2. September. Abend. Pf. 39, 5. Herr, lehre mich doch, daß es ein Ende mit mit haben muß, und mein Leben ein Ziel hat, und ich davon muß. 492 Gott, der du allein Unsterblichkeit hast, ich er innere mich am Ende dieses Tages, daß es auch ein Ende mit mir haben muß. Meine Gesundheit kann sich verwandeln in Krankheit, meine Freude in Tran rigkeit. Lehre mich dieses recht erwägen. Lehre mich, daß ich nicht zu diesem vergänglichen, sondern zum ewigen Leben erschaffen bin. Lehre mich, daß ich hier zwar mein Nachtlager und meinen Tisch, aber keine bleibende Stätte habe. Lehre mich durch die Beispiele anderer, die nach und nach zum Grabe gebracht werden, daß ich auch einst diesen Weg gehen werde. Lehre mich aber auch durch deinen heiligen Geist, daß ich zu diesem Abschied von der Erde mich recht bereite, daß ich nicht meine Seele mit Sünden beschwere, welches mir am Ende des Lebens noch große Angst berursachen könnte. Denn ich weiß, mein Leben hat ein Ziel, das ich zwar nicht übergehen, aber doch durch Sünden abkürzen kann; bei dir aber stehet es, mir das Ziel zu verlängern, oder mich die bestimmten Tage erreichen zu lassen. Wann dieses Ziel kommt, so muß ich mit meinem Todtenkleide davon, mehr be komme ich nicht von alle dem mit, was ich in der Welt besessen. Ich muß davon und vor deinem Ge richt erscheinen, um von meinem ganzen Leben Rechenschaft zu geben. Solches lehre mich, auf daß ich nicht das Beste versäume und am Ende des Lebens beklagen müsse, daß ich gelebt habe. Ach, Herr, lehre mich bedenken Daß ich einmal sterben muß; Lehre mich die Sinne lenken Auf des Lebens ernsten Schluß: Stell' ihn meinen Augen für, Und erwecke die Begier, Mich nach deinem Wort in Zeiten Auf den Abschied zu bereiten. Amen 493 3. September. Norgen. 1 Betr. 2, 24. Christus hat unsere Sünde selbst geopfert an feinem Leibe auf dem Holze, auf daß wir, den Sünden abgeforben, der Gerechtigkeit leben, durch welches Wunden ihr seid heil worden Herr Jesu, tch will diesen Tag mit Betrachtung deines Versöhnopfers anfangen. Ich sehe dein Kreuz an wie einen Altar, dich als das Versöhnopfer. Dein Leib wurde an das Kreuzesholz angenagelt, da waren unsere Sünden zugleich an das Kreuz gebracht; du wurdest gebunden, gegeißelt, mit Dornen gekrönt, gemartert, verspottet und getödtet; alles littest du an deinem heiligen Leibe um meiner Sünde willen; starbest als das Opfer für die Sünde der ganzen Welt: also ist meine Sünde getilgt. Daran will ich fleißig gedenken. Nun will ich der Sünde absterben, ich will gegen die Sünde sein wie ein Todter, der sie nicht mehr ausüben kann. Ich will dir zu Ehren der Gerechtigkeit leben durch den Glauben an dich; die Rechtfertigung von meinen Sünden in deinem Blute suchen, aber auch durch deinen Beistand ein ge= rechtes, frommes Leben führen. Wie ein Mensch, der verwundet ist, heil wird, wenn man ihn verbindet: so werden mir, da meine Seele voll Wunden und dem ewigen Tode nahe ist, durch deine Wunden und dein Blut meine Sünden vergeben, daß mein Gewissen still, heil und ruhig ist. Du hast Wunden an deinem Leibe getragen, daß ich um meiner Sünden willen von aller Pein befreit bleibe. Mein Leib wird durch deine Wunden einst leuchten wie die Sonne und ohne Schmerzen sein. Jesu, deine tiefen Wunden, Deine Qual und bittrer Tod Geben mir zu allen Stunden Trost in Leibs- und Seelennoth. Ich verberge mich in dich; Wer kann da verlegen mich? Wer vertraut auf deine Wunden, Der hat selig überwunden. Amen. 3. September. Abend. 5 Mos. 32, 6. Dankest du also dem Herrn, deinem Gott, br toll und thöricht Volk? Ist er nicht dein Vater und dein Herr? Ist er es nicht allein, der dich gemacht und bereitet hat? 494 Gott Vater, ich danke dir, daß du mich erschaffen und mir das Leben gegeben hast. Laß es ein dir ge heiligtes Leben sein. Ich danke dir, daß du mich haft lassen von christlichen Eltern geboren werden, welche mich in der Taufe in die Arme deiner Barmherzigkeit gelegt und zu deiner Erkenntniß gebracht haben. Ich danke dir, daß du mir gerade Glieder gegeben, dadurch ich im Stande bin, dir und meinem Nächsten zu dienen. Ich sehe dich an wie ein Geschöpf seinen Schöpfer, wie ein Kind den Vater, alle diese Wohlthaten verbinden mich zur Dankbarkeit. Du hast mir biel Gutes erwiesen an meinem Leibe, noch mehr aber an meiner Seele. Ich danke dir, daß du deinen Sohn, Jesum Christum, auch mir gegeben zur Weiß heit, zur Gerechtigkeit, zur Heiligung und zur Er lösung. Verzeihe mir, wenn ich dich heute betrübt habe. Ach! um meines Jesu willen erbarme dich mein, verzeihe mir meine Uebertretungen und befestige in mir den Vorsak, inskünftige gottseliger und gehor: samer zu wandeln, damit du mich nicht unter da thörichte Volk rechnen müssest, welches deine Güte sid nicht zur Buße, sondern zur Sicherheit leiten läßt Ich bin bisher undankbar gewesen, laß mich inskünf tige diesen Fehler mit einem inbrünstigen Lobe ersetzen Noch eins bitte ich, mein Gott, laß mich selig sterben, wenn meines Lebens Ziel da ist, da ich ein ewiges Halleluja anstimmen will. Lobt Gott, der uns erschaffen hat, Der uns Geist, Leib und Leben Aus lauter väterlicher Gnad' So wunderbar gegeben, Der uns durch seine Engel schüßt, Uns täglich gibet, was uns nüßt: Drum dantet seinem Namen. Amen. 4. September. Norgen. Joh. 17, 23. Ich in ihnen und du in mir, auf daß fie volltommen seien in Eins und die Welt erkenne, daß du mich ge sandt hast, und wie du mich liebest. Herr Jesu, du bist mein Leben und meine Freude und mein Trost. Ich in ihnen, sagst du von deinen Glaubigen; sage es auch von mir. Ja, du bist in mir durch den Glauben, mein Glaube fasset dich in mein Herz, daß du darin wohnest. Lebe immerdar in mir, regiere mich und mache mich deinem Bilde ähnlich. Wo du bist, da ist der Vater und der Geist, in dir wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig. Dieses Geheimniß kann mein Verstand nicht erreichen, aber ich glaube deinem Worte; laß mich durch den Glauben vollkommen werden in dir. Durch dich bin ich rein und gerecht vor Gott; ja die vollkommenen Güter sind in dir mir geschenkt: Friede, Leben, Versöhnung und ewige Seligkeit. Daran haben alle deine Kinder, Große und Kleine, Vornehme und Geringe Theil. Laß aus solcher Gemeinschaft mit mir die Welt erkennen, daß dich dein himmlischer Vater gesandt hat; daß du seiest der Sohn Gottes, der alles zurecht bringen, der treue Hirte, der alles Verlorene sammeln sollte; der Heiland der Welt, der sein Volk selig macht von Sünden und das Erlösungswerk auch an mir vollbracht. Laß mich in solchen Gnaden verharren bis in den Tod, daß ich der Liebe deines Vaters genieße, wie er dich liebt als seinen eingeborenen Sohn, den er in die Welt gesandt, die Sünder zu suchen, und selig zu machen. Ich bin in dir, und du in mir; Komm, Herr, mir deine Tugendzier Frühzeitig anzulegen, 495 Daß mir des Lebens Glück und Noth, Ja selbst der lette Feind, der Tod, Nur kommen mög' im Segen. Mit dir will ich durchs Leben geh'n, Dir leiden, sterben, aufersteh'n! Amen. 496 Luc. 12, 40. 4. September. Abend. Seid bereit, denn des Menschen Sohn wird kommen, zu der Zeit, da ihr es nicht meinet. Herr Jesu, du bist einmal gekommen als mein Erlöser, Hohepriester und Seligmacher; dafür danke ich dir. Du nennest dich aus Demuth des Menschen Sohn, da du doch zugleich der Sohn des Allerhöchsten, ja Gott selbst bist, in welchem ich die Erlösung und Seligkeit habe. Du wirst aber wieder kommen zum Gericht, wenn du der Welt ein Ende machen wirst, da Himmel und Erde vergehen soll. Du kommst aber auch zum Gericht eines jeden Menschen, wenn du ihn durch den Tod von der Welt abrufst; denn dem Menschen ist gesetzt, einmal zu sterben, darnach das Gericht. Du kommst aber auch als Bräutigam, die Glaubigen zur Hochzeit heimzuholen, diese kommen nicht in das Gericht. Weil nun dieses geschehen kann zu der Zeit, da ich es nicht meine, so laß mich allezeit bereit sein. Ich sehe, wie du die Menschen durch den Tod von dieser Welt vor Gericht forderst, die es nicht gemeint, gesunde und starke Menschen, junge und muntere, manchen Reichen und Glückseligen, Vornehmen und Geringen. Darum, daß du mich nicht wie die thörichten Jungfrauen und den faulen Knecht antreffen mögest: so laß allezeit mich bereit halten zu deiner Ankunft im Glauben und in der Buße. In solcher Vorbereitung laß mich bis an mein Ende verharren, auf daß du mich, wenn du schon unvermutet kommst, mögest wachend finden und mich deinen Glaubigen zugesellen. Mache dich, mein Geist, bereit! Wache, fleh und bete, Daß dir nicht die böse Zeit Plößlich nahe trete; Denn er will Alle Füll' Seiner Gunst ausschütten, Wenn wir glaubend bitten. Amen. 5. September. Norgen. Nöm. 6, 17. Gott sei gedankt, daß ihr Knechte der Sünde ges wesen seid, aber nun gehorsam geworden von Herzen dem Vors bilde der Lehre, welchem ihr ergeben seid. Heiliger Gott, mein Herz verklagt mich, daß ich oft der Sünde gedient habe. Die Sünden meiner Jugend sind dir bekannt, wie sie mich als einen leib; eigenen Knecht bald hierhin, bald dahin verleiteten. Sprach die Welt und mein böses Herz: komm her, so kam ich; sprach sie: gehe hin, rede und thue nach unserer Weise, so war ich ein williger Knecht. Aber was gibt die Sünde für einen Lohn? Zwar dent Fleisch eine süße Weide, aber dadurch habe ich mein Gewissen verletzt und deinen Zorn auf mich geladen. Habe Dank, mein Gott, daß du mir den verdammlichen Sündenknechtsstand geoffenbart und mich durch deinen Geist erschreckt hast. Habe Dank, daß du mir nachgegangen und meinen Sinn verändert hast. Was noch übrig ist an meinem Leben, will ich in dem Gehorsam deiner Kinder hinbringen, nicht zum Schein vor den Leuten, sondern von Herzen, aus Liebe zu dir. Ich will durch deinen mächtigen Beistand nicht mehr sehen auf das, was die Menschen thun, nicht mehr gehen den breiten Weg, darauf viele wandeln, nicht reden und thun nach dem Lauf der Welt, sondern nach dem Vorbilde der Lehre mich richten, die Jesus mir kund gethan hat. Ich will mir sein heiliges Leben vor Augen setzen und mich ihm ganz ergeben. Gib mir dazu Kraft und Stärke von oben herab. Von Stund an kann ich nicht mehr mein, Der Welt und ihrer Lüste sein, Die mich bisher gebunden! Mein Herr, den ich so sehr betrübt, Der aber mich viel mehr geliebt, Der hat mich überwunden. Nimm mich gänzlich, Herr, schon heute Dir zur Beute Und zum Lohne Deiner blut'gen Dornenkrone! Amen. 497 Start's Morgens und Abend- Andachten. 83 5. September. Abend. Pf. 100, 3. Erkennet, daß der Herr Gott ist; er hat uns ges macht, und nicht wir selbst, zu seinem Volk und zu Schafen seiner Weide. 498 Gott Vater, du bist der größte Herr, dein ist das Reich der Natur, der Gnade und der Herrlichkeit. Du bist mein Gott, mein Vater, der mich liebt, der sich mein erbarmt, der mich aus großer Liebe zu sich ziehen will, der mich Unwürdigen mit Güte und Gaben überschüttet, um mein hartes Herz zu gewinnen; und das alles aus Gnade und Barmherzigkeit, ohne all' mein Verdienst und Würdigkeit; und da ich solche Gnadenzüge nicht allezeit hoch genug geschätzt, bist du doch im Lieben und Geben nicht müde geworden. Du haft mich zu deinem Volk gezählt und zu deinem Erben gemacht, mich mit dem Blute Jesu gewaschen von meinen Sünden, und mit dem heiligen Geist gefalbet. O der unaussprechlichen Liebe! Zu der Herrlichkeit habe ich nichts beigetragen; ich selbst kann mich wohl verderben, aber nicht zur Gnade bringen; das hat deine erbarmende Liebe gethan. Du hast mich auch zum Schaf deiner Weide gemacht. Laß mich ein ge horsames Schaf sein. Deine Hand hat mich bisher geleitet, geschützt, dein Wort und Sacrament ist meiner Seele eine erquickende Weide gewesen, dadurch ich bin im Glauben gestärkt und im Leben geheiligt worden. Laß mich von dieser Weide nimmer weichen, sondern sie mir täglich angenehmer werden. Schenke mir auch im Sterben von dieser Weide einen süßen Trost, daß ich dadurch gestäckt und erquickt und als dein Eigenthum zu deinem Volke versammelt werde. Er leitet ich bei Tag und Nacht Mit seinem Hirtenstab, Er ist's, der Leib und Seel' bewacht, Und Unglück wendet ab. Ich fürchte nichts im finstern Thal, Denn Gott ist bei mir überall Auf allen meinen Wegen. Amen. 6. September. Norgen. Quc. 5, 11. Sie verließen alles und folgten ihm nach. Herr Jesu, wer deine Freundlichkeit geschmeckt hat, dem ist alles Koth und nichts gegen dich. Gib mir Kraft, nicht etwa nur ein halber Jünger zu sein, und nicht etwa dir zu Ehren etwas zu verlassen, sondern alles. Stärke mich, daß ich mich selbst, meinen eigenen Willen, meine alten Sünden verlasse, einen Abscheu davor habe, und mich mit Schrecken daran erinnere. Ich verlasse die Welt mit ihren Eitelkeiten nicht nur von außen, sondern innerlich, aufrichtig, aus Liebe zu dir. Bewahre mich, daß ich dich niemals verlasse, in die Welt und Sünde mich nicht verlieben möge, denn sonst verließe ich mein Leben, mein Licht, meine Freude, und würde in geistlichen Tod, Finsterniß und Traurigkeit fallen. Verlaß mich nicht mit deiner Hilfe, wenn ich von Menschen verlassen bin; verlaß mich nicht mit Trost, wenn ich traurig bin; verlaß mich nicht im Sterben, sondern nimm mich alsdann als dein Kind zu deinen Freuden, als deinen Erben in deine Herrlichkeit auf. Ist noch etwas an mir, das dir mißfällt, so laß mir keine Ruhe, bis ich es verlasse, alsdann kann ich dir nachfolgen in der Liebe gegen Gott und Menschen, in der Uebergabe meines Willens, im Vertrauen auf dich, in der Frömmigkeit. Laß mich davon nichts abhalten, nicht Menschengunst und Schmach, nicht Ehre und Nutzen. Laß mich dieselbe nicht aufschieben, sondern noch heute bir durch dieselbe ähnlich zu werden trachten, daß ich auch in der Herrlichkeit dir nachfolge. Geh' und laß mit Freuden steh'n Deiner Lust Genossen; Sei getroft, wenn du mußt seh'n, Wie sie dich verstoßen, Jesu nach, durch die Schmach; So wird man dich sehen Einst zur Rechten stehen. Amen. 82* 499 6. September. Abend. 1 Kor. 4, 4. Ich bin mir wohl nichts bewußt, aber darin bin ich nicht gerechtfertiget; der Herr aber ist's, der mich richtet. 500 Gerechter und allwissender Gott, da ich vor dir erscheine, so bin ich mir vieler Uebertretungen deines Gesetzes bewußt, daß ich das mir anbefohlene Gute unterlassen, zu dem Bösen willig und zu dem Guten träge gewesen. Verzeihe mir um deiner Güte willen. Bin ich zwar mir grober Schandthaten nicht bewußt, so habe ich das deiner Gnade zu danken, die einen Zaun von Dornen um die Sünde gemacht, daß ich nicht hinzu gekonnt. Ich kann wohl vor der Menschen Augen unsträflich sein, aber deßwegen nicht vor deinen Hellleuchtenden Augen. Ich bin aber wegen meines äußerlichen ehrbaren Wandels nicht gerechtfertigt, daß ich vor dir gerecht und rein erscheinen könnte, denn dir ist allzuviel bewußt, was an mir Sträfliches sei; darum suche ich meine Rechtfertigung von Schuld und Strafe in dem Blute des Lammes. Da werde ich Gnade finden. Will die Welt mir allerlei Böses nach: sagen, so bewahre mich, daß mich mein Gewissen nicht verklage noch verdamme, und daß ich bei dem Urtheilen der Welt denke: Der Herr ist es, der mich richtet; vor dem Nichterstuhl Jesu muß ich erscheinen, und nicht vor der Welt; Jesus wird ein Urtheil über mich sprechen und nicht die böse Welt; da wird ihr Verleumden und Anklagen nichts mehr gelten. Der wird mich richten nicht nach dem Gesez, das den Fluch ankündigt, sondern nach dem Evangelium, das mir Gnade verspricht. Vor diesem Gericht werde ich losgesprochen, und nicht zum Ort der Qual, sondern zur Himmelsfreude eingeführt werden. Ich fürchte keinen Menschentag, Weil dieser mich nicht richten mag; Auf Jesum hab' ich nur zu sehn, Wie ich vor ihm einst will bestehn Amen. 7. September. Norgen. 2 Thess. 1, 3. Wir tanken Gott allezeit um euch, lieben Brüder, wie es billig ist; denn euer Glaube wächst sehr und die Liebe eines jeglichen unter euch allen nimmt zu unter einander. 501 Gnadenreicher Gott, ich danke dir für den in dieser Nacht geleisteten Schutz, und bitte dich, du wollest diesen Tag durch deinen heiligen Geist mich leiten. Laß mich im Glauben dich erkennen; laß ihn aber auch wachsen. Verleihe mir Lust, dein Wort zu hören, und laß mich die Zeit, welche andere zu ihren Eitelkeiten und Sünden anwenden, zu dem Wachsthum in deiner Erkenntniß heiligen. Laß mich auch wachsen im Vertrauen, daß ich mich in allem Leiden auf deine Güte, Allmacht und Weisheit verlasse, niemals aber fleinmüthig werde und verzage. Laß mich wachsen in deiner Liebe, daß ich alles meide, was dir zuwider ist. Laß meinen Glauben täglich wachsen, daß ich in meinem Christenthum weiter komme. Laß mich auch in der Heiligung wachsen, daß ich alles ungöttliche Wesen verleugne und dich immer vor Augen habe. Laß auch des Glaubens Früchte, Liebe, Freundlichkeit, Demuth, Sanftmuth und Geduld in mir erfunden werden. Laß meinen Glauben auch eine Liebe gegen den Nächsten mit sich führen; denn wo keine Liebe ist, da ist kein Glaube. Die Liebe ist die erste Frucht des Glaubens. Wer seinen Nächsten nicht liebet, den er siehet, wie kann er Gott lieben, den er nicht siehet? Laß mich solche Liebe dem Nächsten erweisen, nicht allein, daß ich ihm nicht schade, ihn drücke, lästere, sondern ihm alles Gute wünsche, thue, und auch meine Feinde nach Jesu Befehl liebe; und diese Liebe laß nicht ab-, sondern zunehmen. Herr! durch den Glauben wohn' in mir, Laß ihn sich immer stärken, Daß er sei fruchtbar für und für Und reich an guten Werken; Daß er sei thätig durch die Lieb, Mit Freuden und Geduld sich üb', Dem Nächsten treu zu dienen. Amen. 7. September. Abend. Jef. 55, 7. Der Gottlose lasse von seinem Wege und der Uebel thäter seine Gedanken, und bekehre sich zum Herrn, so wird er sich sein erbarmen, und zu unser'm Gott, denn bei ihm ist viel Vergebung. 502 Barmherziger Gott, was du befiehlst, dazu gibst du auch Kraft, in solcher Kraft will ich verlassen die Sündenwege. Wehe mir, daß ich so lange darauf gewandelt! Wie hat mich die Welt und mein eigenes Herz betrogen, da es mir vorgespiegelt, man könne nicht nach deinem Willen seinen Wandel richten, deine Gebote feien zu schwer, wir aber zu schwach. Wie bin ich also lange verblendet, in Sündenbanden verstrickt dahin gegangen! mein Gott, mache mich durch deine Gnade davon los, und leite mich auf den Wegen des Glaubens und der Liebe, und wirke in mir einen Abscheu vor meinen vorigen Wegen. In deiner Kraft will ich auch lassen von meinen Gedanken. Verleihe mir reine, keusche, friedfertige Gedanken, daß ich erschrecke, wenn ein unreiner Gedanke bei mir sich regt. Also soll meine Bekehrung durch deine Gnade innerlich im Herzen und Gedanken anfangen, sie soll sich aber auch äußerlich beweisen in geänderten Worten und Werken. Nun, so kehre du selbst mein Herz und Sinn von der Sünde zu dir, lebendiger Gott. Ich kehre mich zu dir, meinem Herrn, dich will ich hinfort ehren, dir dienen und gehorchen. Sei gnädig meiner Seele, und erbarme dich meiner. Bei dir ist die Vergebung; wenn du verzeihst, die Sünde tilgest, so erlange ich Friede, Freude, Gnade und Trost. Du vergibst auch viele und große Sünden. Diese Gnade laß mir jetzt und in der Stunde des Todes widerfahren. Ob bei uns ist der Sünden viel, Bei Gott ist viel mehr Gnaden; Sein' Hand zu helfen hat kein Ziel, Wie groß auch sei der Schaden. Er ist allein der gute Hirt, Der Israel erlösen wird Aus seinen Sünden allen Amen. 8. September. Morgen. Ep. 8, 17. Jch liebe, die mich lieben, und die mich frühe suchen, finden mich. Gott, du liebest alle Kreaturen, auch unbekehrte Menschen sind von dieser Liebe nicht ausgeschlossen. Du liebest aber deine Glaubigen mit einer besonderen Vaterliebe, da du sie als deine Kinder führest und ihnen als deinen Erben die Krone des Lebens beigelegt hast. Deine Liebe theilt ihnen Gaben reichlich mit, dadurch der Leib erhalten, die Seele geheiligt wird. O daß ich dich wieder aufrichtig lieben möchte! Meine Liebe bringt dir keinen Nutzen, sie empfängt vielmehr von dir Leben, Licht, Trost und Seligkeit. Wie kann ich aber meine Liebe dir anders beweisen, als daß ich dich in mein Herz einschließe, und mich dir aufopfere. Laß meine Liebe immer wachsen und zunehmen, immer eifriger werden. Laß mich deiner Liebe Frucht auch genießen, daß du dich lässest finden, wenn ich dich suche. Ich suche dich in dieser Frühstunde, ach, laß mich den ganzen Tag und die folgende Zeit meines Lebens in deiner reinen und Heiligen Liebe hinbringen. Ach, hätte ich dich frühe gesucht! Frühstunden sind angenehme Stunden. Wohl dem, der von seiner Jugend auf dich fürchtet und auf deinen Wegen wandelt, der wird es am Abend seines Lebens noch genießen. Was noch übrig ist, soll nach deinem Willen hingebracht werden; gib mir dazu deines Geistes Kraft und Stärke. Wenn ich dich suche in meinem Gebet, so laß dich finden in gnädiger Erhörung. Dadurch soll meine Liebe in deinem Licht immer feuriger und beständiger werden. Selig, wer dich liebet! Selig, wer sich übet, Gottes Kind zu sein! 503 Diese heil'gen Triebe Gieß durch deine Liebe Unsern Herzen ein, Daß dein Bild, So rein und mild, Dort im schönen Himmelssaale Ewig an uns strahle. Amen. 8. September. Abend. Gal. 4, 6. Weil ihr denn Kinder seid, hat Gott gesandt den Geist seines Sohnes in eure Herzen, der schreiet: Abba, lieber Vater. 501 Gott, wie freuet sich mein Geist, daß du, der unendliche und majestätische Gott, dich um mein zeitliches und ewiges Wohl bekümmerst! Es war dir nicht genug, daß du mir deinen Sohn zum ewigen Heil gesandt hast; du hast mir den heiligen Gege= sandt, der mich sollte tüchtig machen, daß ich dieser Güte theilhaftig werden könnte. Dieser Geist wird keinem gegeben, als der dein Kind ist. Bin ich auch dein Kind? Ja, du hast mich in der Taufe dazu angenommen, und so oft ich Buße thue, erneuerst du deine Vatergnade. Laß mich meinen Kindesstand be weisen mit kindlichem Gehorsam gegen deine Gebote. Laß deinen Geist in meinem Herzen wohnen, es erleuchten, regieren und erneuern. Wie selig werde ich sein, wenn ich denselben beständig spüre, ihn nicht aus meinem Herzen vertreibe. Alsdann werde ich einen kräftigen Tröster im Leiden haben, der mich vor aller Kleinmüthigkeit, Verzweiflung und Verzagen bewahrt und mich immer zu dir hinweist, wenn er in meinem Herzen schreit: Abba, lieber Vater! und dagegen einen eifrigen Antrieb zum Gebet und getrosten Muth schenkt, daß du, Vater, werdest alles wohl zu machen wissen. Ja wohl, du bist ein lieber, treuer Vater, dessen Gaben mich bisher erquickt, getröstet und erfreut haben. Stärke mein kindliches Vertrauen zu dir, und wenn ich nicht beten kann, so laß deinen Geist inwendig das Abba mir vorbeten. Bin ich an meinem Orte Ein schwach und furchtsam Kind, So seufzt und spricht er Worte, Die unaussprechlich sind Mir zwar und meinem Munde, Dem aber wohl bewußt, Der an des Herzens Grunde Ersiehet seine Lust. Amen. 9. September. Morgen. Tit. 2, 1. Du aber rede, wie sich's ziemet, nach der heilsamen Lehre. 505 Verleihe mir Gnade, daß ich allezeit rede, wie fich's geziemt, wenn ich in meinem Beruf reden soll, mit Bescheidenheit; wenn ich mit andern Menschen reden soll, mit nöthiger Klugheit; wenn ich mit dir rede im Gebet, mit Andacht und Ehrfurcht, wie der Staub mit Gott und ein Kind mit dem Vater. Laß mich alle ungeziemende, einem Christen unanständige Worte, als da sind: Fluchen, Betheurungen, Narrentheidinge, mit allem Fleiß meiden, und wenn andere darin Ehre und Ruhm suchen, so laß mich solches als einen Greuel fliehen. Soll aber mein Mund reden, wie es sich geziemt, so laß mich auch also denken, leben und wandeln, nicht nach dem Lauf der Welt und ihren Sitten. Auf daß ich aber mich nie von dieser Lebensbahn verleiten lasse, so laß mich beständig die heilsame Lehre vor Augen haben. Laß die gesunde und reine Lehre deines Worts täglich meine Speise sein, hingegen mich allen Verführungen und Nebenwegen absagen. Was nicht mit deinem Wort übereinstimmt, laß mich fliehen. Soll dasselbe mein Trost im Kreuz und im Sterben sein, so laß es auch meine Lebensregel in gefunden Tagen bleiben. Glaube, rede, denke und wandle ich darnach, so werde ich nicht irren, straucheln oder fallen. Erhöre mein Flehen, und gib mir deinen heiligen Geist zum Führer, der mich auf diesem Wege führe zur ewigen Herrlichkeit. Mach' mich allezeit bedächtlich, Daß ich rede als ein Christ, Ob es schon dem Stolz verächtlich Und dem Weltsinn Thorheit ist, Red' ich nur zu deiner Ehre Und in deiner Liebe Pflicht! Was der Welt gefällig wäre, Das gefiele Christo nicht Amen. 9. September. Abend. Hiob 14, 4. Wer will einen Neinen finden bei denen, da keiner rein ist. 506 Heiliger Gott, ich komme vor dich als eine ver unreinigte Seele. Es fallen unreine Gedanken in mein Herz durch meine Augen und Ohren. Ich muß jo viel Unreines sehen und hören, daß ich oft dahinge rissen werde, ehe ich es mir versehe; bisweilen kommt eine böse Lust dazu, so ist denn mein Geist befleckt und mein Leib verunreinigt. Dieses klage ich dir mit allen deinen Kindern, denn wer will einen Reinen vor deinen heiligen Augen finden? Denn die Himmel sind nicht rein vor dir, und unter den Heiligen ist keiner vor dir ohne Tadel. Zwar vor der Menschen Augen kann ich schon rein leben, wenn ich mich vor groben Sünden hüte; aber vor deinen Augen ist niemand rein. Dieses soll mich aber nicht frech machen, daß ich mit dem rohen Haufen fündigen wollte, sondern es soll mich desto mehr aufmuntern, nach der wahren Reinigkeit und Heiligkeit zu trachten. Höre ich, daß die böse Welt dieses zu ihrer Beschönigung und Verstockung anführt, so laß mich nicht in ihre Fußstapfen treten, sondern mir zur Warnung dienen. Die natürliche Unreinigkeit verdammt mich nicht, wenn ich mich in dem Blute Jesu täglich wasche und reinige und mich vor Sünden hüte. Ich sage mit Freuden: ich bin rein in dem Blute des Lammes; ich bin gerecht durch seine Gerechtigkeit; ich bin heilig durch den heiligen Geist, ob ich gleich von Natur unrein, ungerecht und unheilig bin, denn du deckest meine Unreinigkeit mit der erbarmenden Liebe zu. Laß mich also auch in der Stunde des Todes erfunden werden. Ich bin ein Sünder, mich verklagt Das Wort und mein Gewissen; Das Wort und mein Gewissen sagt, Ich sollte ewig büßen. Was rettet mich in dieser Bein? Dein Blut, Herr Christe, macht uns rein Von allen unsern Sünden. Amen. 10. September. Morgen. 1 Betr. 3, 21. Die Taufe ist nicht das Abthun des Unfiate am Fleische, sondern der Bund eines guten Gewissens mit Gott durch die Auferstehung Jesu Chriſti. LOT Heiliger Gott, du hast mich in der Taufe zu deinem Kind angenommen, und einen Bund mit mir gemacht. Diesen Bund will ich stets vor Augen haben. Du hast eine Anforderung an mich, denn ich habe dir Gehorsam zugesagt. Schenke mir ein kindliches Herz, daß ich dem Teufel, der Welt und aller Ueppigkeit in der That und Wahrheit absage. So entsage ich denn dir, o Satan, du hast keinen Theil an mir. Ich entsage dir, o Welt, ich bin dir abgestorben. Ich entfage dir, o Wollust dieses Lebens; ich will nach Jesu Christo gesinnet sein, ein gutes Gewissen behalten und es nicht mit wissentlichen Sünden beflecken. Ich habe auch eine Anforderung an dich. Du hast mir versprochen, du wollest mein Gott und Vater sein. Laß mich dieser Verheißung gnädiglich genießen. Macht mein Gewissen an mich eine Anforderung, so bitte ich dich um Gnade und Vergebung. Kraft des Todes Jesu sollen meine Sünden in die Tiefe des Meeres geworfen und mein alter Adam mit seinen Lüsten ersäuft sein; aber kraft deiner Auferstehung will ich in einem neuen Sinn und Leben wandeln, daß also meine Taufe nicht um meines Fleisches willen geschehen, um dessen Unflat abzuthun, sondern um meiner Seele willen, daß sie durch Christi Blut von Sünden abgewaschen und durch den heiligen Geist geheiliget und mein Leib und sein Tempel werde. Lebe in mir durch die Taufe, Daß sie in mir fruchtbar sei; Daß der alte Mensch ersaufe Durch die täglich ernste Reu. Ziehe nach der Thränentauf' Selbst den neuen Menschen auf; Stets mit dir in Tod sich geben Heißt mit dir stets wieder leben. Amen. 10. September. Abend. Mal. 1, 6. Ein Sohn soll den Vater ehren, und ein Knecht seinen Herrn. Bin ich denn Vater, wo ist meine Ehre? Bin ich Herr, wo fürchtet man mich? 508 Herr Gott, der Abend ruft mich vor deinen Richterstuhl: wie ich den Tag hingebracht, ob ich dich ge ehrt, ob ich dich gefürchtet? Du hast ein doppeltes Recht an mich, der ich nach der Schöpfung dein Knecht, nach der Taufe dein Kind bin. Allein wenn ich mich nach dieser doppelten Pflicht betrachte, so muß ich mit ge= beugtem Herzen bekennen, daß ich keine geleistet habe, wie es sein sollte. Was ist mir nun übrig? nichts, als daß ich dich um Gnade anflehe, und Besserung verspreche. Schenke mir dazu Kraft aus der Höhe. Ich will dich ehren in meinem Herzen, daß ich deine Liebe mir beständig vorstelle. Ich will dich ehren mit meinem Munde, daß ich von deiner Gnade und WahrHeit rede und sie andern anpreise. Ich will dich ehren mit meinem Leben, daß ich mich nach deinem Wink richte. Ich will mich des Gehorsams nicht schämen, du bist es ja wohl werth, daß ich mein ganzes Herz und Leben dir aufopfere. Aus dieser kindlichen Ehre soll fließen kindliche Furcht, daß ich nicht aus Furcht vor der Hölle mich vor Sünden hüte, sondern aus Liebe zu dir, aus Erkenntlichkeit für deine Gnadengabe, daß ich meinen großen Wohlthäter nicht betrübe. Laß mich fleißig gedenken: mein Herr kommt und fragt: Wie bist du mit meinen Gütern, mit deines Gleichen umgegangen? Laß mich dieses alles zu dir ziehen, von der Welt absondern und nie aus meinem Sinn kommen, daß ich in solchem Gnadenstand in der Stunde meines Todes erfunden werde. Du bist unser Herr und Meister, Dem die allerhöchsten Geister Freudig ihre Dienste weih'n. Deinen Namen findlich ehren, Und dein hohes Lob vermehren, Soll auch uns das Liebste sein. Amen. 509 11. September. Norgen. C. 86. 3. Hilt du, mein Gott, deinem Knecht, der sich verläst auf dich. Herr, mein Gott, ich wende mich zu dir, und spreche: Hilf mir! weil alle Hilfe allein von deiner Hand kommen muß. Könige haben oft denen, die sie um Hilfe angefleht, müssen antworten: Womit soll ich dir helfen? Es vergehet kein Augenblick, ich habe deine Hilfe vonnöthen. Hilf mir diesen Tag in deiner Furcht hinbringen; hilf mir arbeiten; hilf mir beten; hilf im Leiden; hilf mir, wenn sündliche Begierden im Herzen brennen; hilf mir, wenn die Welt mich lockt, mit ihr zu fündigen; hilf mir, wenn ein Feind sich wider mich setzt. Wo soll ich anders hin? Du bist mein Herr, ich bin dein Knecht; du mein Vater, ich dein Kind; ja, du bist mein einziger Helfer; ich weiß sonst keinen, weder im Himmel noch auf Erden. Du bist mein beständiger Helfer, der mir so lange, so oft von Jugend auf in allen Nöthen geholfen hat. Darum verläßt sich mein Herz auf dich. Ich verlasse mich auf deine Allmacht, die mir helfen kann; auf deine Weisheit, welche Wege und Mittel weiß, mich zu retten, wo ich nichts sehe; auf deine Güte, weil du es so wohl mit mir gemacht. Du kannst, du willst helfen. Wir haben einen Gott, der da hilft, und einen Herrn, der vom Tode errettet. Darum ist mein Herz stille in allen Fällen. Kommen trübe Wolken, versteckt sich meine Glücks-, Freuden- und Trostsonne: ich bleibe getrost, du kannst alles geben, was mir mangelt, alles abwenden, was mich kränkt. Nun, so fange ich den Tag mit Freuden an, und verlasse mich auf dich; laß deine Gnade in deiner Furcht und in der Frömmigkeit mich stärken und erhalten. So lang ich hier noch walle, Soll dies mein Seufzer sein, Ich sprech' bei jedem Falle: " Herr, hilf mir, ich bin dein." Amen. 11. September. Abend. Judä, 23. Haffet den befleckten Rock des Fleisches. Heiliger Gott, wie komme ich in dieser Abendstunde vor dich? wie findest du mich? Habe ich heute mich befleckt vor deinen heiligen Augen, so beklage es von Grund meiner Seele; und bitte demüthig um Gnade. Du weißt, daß ich an meinen Sünden und Uebertretungen kein Gefallen mehr habe, daß ich er: schrecke, so oft ich von einem Fehler übereilt werde. Du siehest, wie mir die Sünde noch immer anklebt, und mich zum Guten, zum Kampf, zum Lauf in den Schranken träge macht. Sie klebt mir an, und umgibt mich wie ein Rock. Wie lange arbeite ich schon, den alten Menschen auszuziehen, aber bis jetzt gelüstet das Fleisch wider den Geist, und wenn die Welt mit ihrer Verführung dazu kommt, so habe ich doppelte Kraft vonnöthen. Dieses klage ich dir darum, daß du mir Kraft und Stärke verleihest, den befleckten Rock des Fleisches nicht allein zu hassen, sondern auch gar auszuziehen. Ach, könnte ich mit meinem Kleid den Sündenrock mit allen Lüsten und Begierden ausziehen, daß ich alle Tage frömmer leben möchte. Herr Jesu, ziehe du mich an mit dem Rock deiner Gerechtigkeit, daß ich darin rein und gerecht erfunden werde, auf daß, wenn man mich im Sterben von meinen Kleidern entblößt, und mich in das Todtenhemd einkleidet, meine Seele die weißen Kleider im Himmel, den Glanz der himmlischen Herrlichkeit tragen möge. 510 Der beste Vorsag, den ich fasse, Verfliegt oft wie ein Traumgesicht; Ich thu das Böse, das ich haffe; Das Gute, das ich liebe, nicht. Wer löst mich von den Sklavenketten? Wer schafft in meiner Seele Ruh? Nur du, Erlöser, kannst mich retten; Ich eile deiner Gnade zu. Amen. 12. September Morgen. 1 Joh. 5, 14. Das ist die Freudigkeit, die wir haben zu ihm, daß, so wir etwas bitten nach seinem Willen, so höret er uns. Liebreicher Gott, du hast deinen Kindern die Freudigkeit gegeben, daß sie getrost und mit aller Zuversicht von dir alles bitten dürfen, wie die lieben Kinder ihren lieben Vater. Du hast nach deiner großen Vatertreue nicht bestimmt, wie viel, wie lange, wie oft du mir geben wollest, sondern nur etwas bestimmt, und darunter alles mir verheißen, wie mein Heiland spricht: So ihr den Vater etwas bitten werdet in meinem Namen, so wird er es euch geben. Auf diese Verheizung komme ich, und bitte, daß du mich diesen Tag in deiner Obhut erhalten wollest. Schenke mir Nahrung und Kleidung zur Erhaltung und Bedeckung meines Leibes. Nebst diesen leiblichen Gaben bitte dich um ein frommes Herz, um Sanftmuth, wenn mich mein Feind drängt, um Gelassenheit im Kreuz, um Demuth im Glück. Laß mich in meinem Wandel auf niemand schauen, als auf Jesum, meinen Ers löser, hingegen mich nicht unter die Welt und in ihre Sünden mischen. Ach, mein Gott, Ach, mein Gott, ich weiß, du wirst mir dieses nicht versagen, denn ich bitte es nach deinem Willen. Willst du mir auch einen gesunden Leib geben, so will ich dir dafür danken, daß ich desto tüchtiger sei, dir und meinem Nächsten zu dienen. Höre, Herr, mein Gebet, und laß mich den ganzen Tag daran denken, daß ich bei aller Gelegenheit die Sünde meide, und deinen heiligen Geist mich regieren lasse. Ich bitte dich mit desto größerer Freudigkeit, weil du alles hast nach deiner Allmacht, was ich bitte, weil du mich in Christo liebest und es mir um desselben willen verheißen hast. Amen, Amen, in dem Namen Meines Jesu hoffe ich: Du erhörest und gewährest Meine Bitte gnädiglich. 511 Amen, ja, es wird gescheher, Gott, mein Vater, höret mich. Amen. 12. September. Abend. Jer. 35, 5. Belehret euch, ein jeglicher von seinem bösen Wesen, und bessert euern Wandel. 512 Gott, die Nacht ruft mich zur Rechnung von meinem Haushalten, was soll ich aber dir antworten, wenn du mich vor dein Gericht forderst? Ich will mit dem schuldbeladenen Knecht vor dir niederfallen und sagen: habe Geduld mit mir, ich will mich von Herzen zu dir bekehren. Kehrt ein Wandersmann um, wenn er inne wird, der Weg, darauf er geht, führe in einen Abgrund oder Mördergrube; so will auch ich auf deine Stimme Acht haben, und umkehren von der Finsterniß zum Licht. Aendere du selbst meinen Sinn, daß ich hasse meine vorigen Wege, und das böse Wesen, das in meinem Herzen ist. Ist mein Herz gereinigt, mein Sinn geändert, habe ich mich von der Sünde zut dir gewendet: so kann ich auch in deinem Licht meinen Wandel bessern. Habe ich gerne gewandelt auf dem breiten Wege, darauf so viele, ohne sich ein Ge wissen zu machen, wandeln, so will ich den breiten Weg, der uns zur Verdammniß führt, meiden. Falschheit, Geiz, Bosheit, Nachgier, Stolz ist der Wandel der Welt, aber ich will mich unter deinem Beistand aufrichtig, sanftmüthig und demüthig gegen jedermann bezeigen. Weil du die Bekehrung einem jeglichen bebefiehlst, er sei vornehm oder gering, reich oder arm, indem ohne eine wahre Sinnesänderung und Bekehrung niemand kann selig werden: so laß mich ernstlich in Zeiten darnach streben, daß ich am Ende des Lebens als eine von der Welt und den Sünden ab- und zu bir bekehrte Seele erfunden werde. Allen Menschen in's gemein Wird zur Buße aufgeboten. Jesus wird ein Richter sein, Der Lebendigen und Todten. Da fangt Lohn und Strafe an. Selig, wer hier Buß' gethan! Amen. 13. September. Morgen. 1 Mos. 1, 24. Gott schuf den Menschen ihm zum Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn. Gott, Schöpfer aller Dinge, Himmels und der Erde, ich preise dich über die Herrlichkeit, womit du in der Schöpfung die Menschen bekleidet hast. Dein Bild bestand in einem hellen Licht im Verstand, daß Adam dich vollkommen erkannte; in einem geheiligten Willen, daß er alles vollbringen konnte, was du ihm befohlen; sein Leib hatte kein Leid und keinen Tod zu befürchten, wenn er dir gehorsam geblieben wäre, darauf er denn ohne Leiden und Sterben wäre aus dem irdischen in das himmlische Paradies versetzt worden; dieses empfinde ich und alle Menschen. Mein Verstand ist verfinstert, mein Wille ist widerspenstig und ach, wie viel Arbeit kostet es, bis er gebeugt und zu deinem Gehorsam tüchtig und willig gemacht wird! Leiden umgeben mich und endlich der Tod. Allein Jesus hat alles wieder gut gemacht. Sein Geist er= leuchtet meinen Verstand, daß ich dich erkenne nach deinem Wesen, Wirken und Willen; daß ich mich freue zu thun, was dir wohlgefällig ist; er gibt mir Stärke zum Guten, mein Jesus lebt und wohnet in mir, daß ich immer gehorsamer und frömmer werde. Er hilft mir alles Leid dieser Zeit tragen, versüßt meinen Tod und schenkt mir die ewige Himmelsfreude. Adam hatte eine anerschaffene Gerechtigkeit, ich empfange die Gerechtigkeit Jesu Christi, des Sohnes Gottes, darüber sich auch die Engel verwundern werden, wenn ich im ewigen Leben ihm werde ähnlich sein, ja siten auf seinem Stuhl, wie er ist gesessen auf dem Stuhl seines Vaters. Gott, richte dein Bild immer mehr in mir auf. Liebe, die du mich zum Bilde Deiner Gottheit hast gemacht; Liebe, die du mich so milde Nach dem Fall hast wiederbracht, Liebe, dir ergeb ich mich, Dein zu bleiben ewiglich. Amen. 513 Stark's Morgen- und Abend- Andachten. 33 13. September. Abend. Pf. 145, 18. Der Herr ist nahe allen denen, die ihn anrufen, allen, die ihn mit Ernst anrufen. 514 Gnädiger Gott und Vater, mein Herz und Mund stimmen ein Danklied an, daß du mir heute so nahe gewesen bist. Wie vergeblich muß mancher bei den Großen dieser Welt rufen, und seine Bitten vorbrin gen, aber du bist bereit, deine armen und verlassenen Kinder zu hören. O daß mein Geist so willig wäre, dir zu folgen, wie du bereit bist, mir Wohlthaten mit zutheilen. Verleihe mir Gnade, daß ich dich allezeit mit Ernst anrufen möge. Ich rufe dich an mit wah rer Buße, daß ich, als ein armer Sünder, mit gebeugtem Herzen vor dir erscheine; mit anhaltendem Gebet, daß ich nicht müde werde, wenn du eine Zeit lang die Erhörung aufschiebst; mit Gelassenheit, daß ich nicht meinen, sondern deinen heiligen Willen erfüllt zu sehen verlange; im festen Vertrauen auf die Fürbitte Jesu; mit dem eifrigen Vorsatz, das Erbetene nicht zur Sünde, sondern zu deiner Ehre und des Nächsten Dienst zu gebrauchen. Wenn ich so bete, so ent ferne dich nicht von mir, sondern sei und bleibe mir nahe. Oder unaussprechlichen Liebe, die sich so tief zu den Elenden herunterlässet, die so gnädig und wil lig sich den Betenden nahet. Sei diese Nacht nahe um mich mit deinem Schuß, daß mir kein Uebel begegne; nahe mit deiner Hilfe, wenn ich im Elend bin; nahe mit deinem Trost, wenn ich betrübt bin; nahe mit deiner gnädigen Erhörung, wenn ich bete. Auch im Sterben sei mir nahe, und ob ich dich zwar alsdann mit schwacher Stimme und nur mit Seufzen an rufe, so erhöre mich bald. Gott ist nicht ferne, er ist nah, Das ist ein Trost der Seinen; Geh'n sie durch's Feu'r, so ist er da, Mit Hilfe zu erscheinen, Und geh'n sie durch die Wasserflut, So ist er da, der Hilfe thut. Amen. 14. September. Morgen. Ap. Gesch. 15, 9. Gott reinigte ihre Herzen durch den Glauben. Heiliger Gott, ich preise dich für deinen Schutz, und flehe dich an um deine Gnade, daß ich heute als dein Kind mich bezeigen möge. Du hast mich zur Erfenntniß des Heils gebracht, du hast den Glauben in mir angezündet, daß ich weiß, an wen ich glaube. lehre und überzeuge mich auch, ob mein Glaube rechter Art sei, daß es kein todter Glaube sei. Die Herzensreinigung ist nicht mein, sondern dein Werk; fange fie in mir an durch deine erweckende Gnade, befestige sie durch dein Wort, versiegle sie durch deinen heiligen Geist. Laß mich wohl bedenken, daß der Glaube das Herz reinige, nemlich, wo der dreieinige Gott bei einer Seele Wohnung gemacht hat, da reinigt er seine Wohnung, daß das Herz ein heiliger Tempel sei. Reinige mein Herz von allen bösen Lüsten und Begierden, daß ich daran kein Gefallen habe, und daß ich sie mit Gebet vertreibe; reinige meinen Mund von allen schändlichen und unnüßen Worten; reinige mein Leben von aller Gleichstellung der Welt. Laß bei dieser Reinigung sich offenbaren einen kindlichen Gehorsam gegen alles das, was du mir in deinem Worte befohlen, es mag meinem Fleisch und Blut gefallen oder nicht. Laß aus dieser Reinigung fließen eine herzliche Liebe gegen dich und meinen Nächsten. Ohne dieſe Reinigung kann niemand den Herrn schauen. Ja, laß damit einen beständigen Sieg über die Welt verknüpft sein, daß ich niemals mich lasse ihrer Sünden gelüsten. Also werde ich empfinden innerlich und merken äußerlich, daß mein Glaube nicht todt, sondern lebendig sei. Herr, stärke mich auch fernerhin, Daß ich nie trostlos weine. Du fiehest, wie in meinem Sinn Ich ohne Falsch es meine. Dir will ich treu zu deinem Ruhm Als dein erkauftes Eigenthum Bis in den Tod anhangen. Amen. 33* 515 14. September. Abend. Jes. 64, 3. Du, Herr, bist unser Erlöser; von Alters her if das dein Name. 516 Gott Vater, ich komme zu dir, dir zu danken für alle Gnadengaben, welche ich heute von deiner Vater: hand empfangen habe. Dein Vatername ist viel tröst licher, als aller Könige und Herren Name. Du bist ein mächtiger Vater, der mir alles geben kann, was ich von nöthen habe; ein gütiger Vater, der mich liebt, versorgt, kleidet, schützt, führt, heiliget und in der Gnade erhält. Du bist ein beständiger Vater; leibliche Väter sterben oder verlassen ihre Kinder, aber du bist ein beständiger Freund von Jugend auf bis in den Tod, ja bis in alle Ewigkeit. Gib mir deines Geistes Kraft, daß ich mich jederzeit als ein frommes und gehorsames Kind gegen dich verhalte. Du bist auch mein Erlöser, erlöse mich auch von allen meinen Sünden. Reinige mich in dem Blute Jesu täglich mehr von aller Befleckung des Fleisches und des Geistes. Mache mich recht frei, daß ich kein Sündenknecht mehr sei; herrsche und lebe du in mir, daß ich unter die Erlösten des Herrn gehöre, welche gen Zion kommen mit Freuden. Ich halte mich in allen Fällen an dich, mein Vater und Erlöser, von Alters ist das dein Name. Du gibst dir diesen Namen in deinem Wort, um mein Vertrauen zu stärken. Du bist mein Vater von meiner Jugend auf; auch mein Vater im Sterben, und laß mich alsdann mein Erbe empfangen. Jesu, mein Erlöser, nimm mich alsdann zu deiner Himmelsfreude auf. Mein Vater, der im Himmel ist, Der in der Höhe thronet Und sie mit einer Spanne mißt, Doch bei Zerschlag'nen wohnet: Wer hat dies Lieben je ergründ't, Daß ich mich darf dein liebes Kind, Und dich den Vater heißen? Amen. 15. September. Morgen. 1 Petr. 1, 16. Es stehet geschrieben: Ihr sollt heilig sein, denn ich bin heilig. 517 Gott, du bist heilig dem Wesen nach, ja die Heiligkeit selbst, an dir ist kein Flecken und Tadel, ja vor dir sind die Himmel nicht rein. Dir zu Ehren singen die heiligen Engel: Heilig, heilig, heilig ist Gott, der Herr Zebaoth! Wie darf ich mich zu dir nahen, da ich mir meiner Unreinigkeit bewußt bin? Engel und Auserwählte heißen Heilige; das aber macht sie dir in der Heiligkeit nicht gleich; es muß ein unendlicher Unterschied unter des Schöpfers und des Geschöpfes Heiligkeit bleiben. Indeß steht geschrieben, ich soll heilig sein, und ohne Heiligung wird niemand deine Herrlichkeit schauen. Wohlan! was du befiehlst, das wirke auch in mir, sonst befiehlst du es vergebens. Den Anfang der Heiligung hast du in der Taufe gemacht, indem darin der heilige Geist reichlich über mich ausgegossen worden. Das andere Gnadenmittel ist dein Wort, durch welches du mich lehrest, von der Sünde ab- und zu dir ziehest. Dieses lehret mich, wie ich heilig denken, reden und wandeln soll. Das heilige Abendmahl theilt mir mit die Speise der Heiligung, darin Jesus meiner Seele Einwohner, König und Regent sein will. Der heilige Geist läßt nicht ab, an meiner Seele zu arbeiten, daß ich in der Heiligung einen Anfang machen soll und darin fortfahren. Heilige du mein Herz, meinen Mund, meinen ganzen Wandel, daß ich allezeit auf Jesu Vorbild schaue. Alsdann bin ich heilig durch deine Gnade in dem Blute Jesu, deines Sohnes. Jede Neigung und Begierde, Jede That sei dir geweiht; Unsers Wandels größte Zierde Sei rechtschaffne Heiligkeit! Mach uns deinem Bilde gleich; Denn zu deinem Himmelreich, Wirst du, Herr, nur die erheben, Die im Glauben heilig leben Amen. 15. September. Abend. Hiob 5, 19. Aus sechs Trübsalen wird er dich erretten, und in der siebenten wird dich kein Uebel rühren. 518 Gnädiger Gott, ich schließe diesen Tag mit Danten für alle Gaben, womit du mich heute erquickt haft. Nicht allein hast du mich mit Wohlthaten überhäuft, sondern auch aus mancher Trübsal errettet. Du haft meine Seele aus Sündenangst errettet; da mich mein Gewissen verdammte, dein Zorn mir drohte, hast du mich zu dem offenen Born wider die Sünde und Unreinigkeit gewiesen, zu dem Blute Jesu, darin ich Vergebung, Friede und Gnade erlangt habe. Wie oft hat mich eine schwere Kreuzeslast gedrückt an meinem Leib, an meinem Glück, an den Meinigen; aber wenn ich weder aus noch ein wußte, wenn das Loch der Grube über mir wollte zusammenschlagen, so risfest du mich heraus. Feinde haben mir oft nachgestellt, aber du gabst mich nicht in ihren Willen. Traurigkeit hat mich oft in tiefe Finsterniß gesetzt, daß ich dachte, ich wäre gar von deinen Augen verstoßen; aber du hörtest die Stimme meines Flehens. Ich hatte viel Bekümmerniß in meinem Herzen, aber deine Tröstungen er gößten meine Seele. Von Freunden verlassen sein, ist eine große Trübsal, aber auch daraus hast du mich errettet, wenn du versprachst: fürchte dich nicht, ich bin Bei dir. Wenn ich mit Todesbanden umfangen war, und in Krankheit winselte, sprachst du: Du sollst leben. Darum weiß ich, in der siebenten, wenn es nun zum Sterben geht, wird mich kein Uebel rühren, da wirst du mir aushelfen zu deinem ewigen himmlischen Reiche. Du wachest über meine Seele, Wann ihre Stärke sich verliert, Gibst deinem Engel schon Befehle Der sie zu deinen Freuden führt, Des Todes Nacht um mich verscheucht Und mir des Lebens Krone reicht. Amen 16. September. Morgen. Matth. 17, 5. 3, 17. Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe; den sollt ihr hören. • Gott, du hast von Jesu gezeuget: dies ist mein geliebter Sohn, an dem ich mein Wohlgefallen habe, aber auch befohlen, man soll ihn hören: laß mich heute also leben, daß du auch ein Wohlgefallen an mir haben könnest. Laß sein Blut mir zu Statten kommen, welches ich im Glauben ergreife, und schenke mir seine Gerechtigkeit, damit ich vor dir bestehen kann; und gib mir durch sein Leben und Wohnen in mir neue Stärke, alles zu thun nach deinem Wohlgefallen. Ich will auf Jesu Beispiel merken, und wenn mich etwas von innen oder von außen davon abführen will, so laß deinen Geist mich bei meinem guten Vorsatz erhalten. Habe Wohlgefallen an meinem Gebet, wenn ich meine Hände zu dir aufhebe; an meinem Vorhaben, dich nicht mehr zu betrüben; an meinem Leben, das ich mehr und mehr zu deinem Dienst und zu deiner Ehre einrichten will. Ich habe mir unter deinem Beistand vorgenommen, inskünftige niemand zu hören, als Jesum, nicht der Welt Lockungen, nicht meines Fleisches Eingebungen. Ich will ihn hören in seiner Lehre, und dieselbe den Grund meines Glaubens sein lassen; in seinem Leben, und sein Vorbild mir zur Nachfolge sezen. Ich will ihn äußerlich und innerlich hören, und was ich von ihm gehört, im Gehorsam beweisen. Laß mich deiner Liebe genießen in allem Krenz zur Errettung. Laß mich dein geliebtes Kind, und auch unter den Gesegneten sein, welche du zu der ewigen Herrlichkeit einführen und herrlich verklären wirst. Gott hat durch Christum und in ihm An mir ein Wohlgefallen, Er ist es, dessen ich mich rühm', 519 Es soll gen Himmel schallen: Lob sei dem Vater, Sohn und Geist! Nun macht Gott, was er uns verheißt, In Christo Ja und Amen. 520 16. September. Abend. Jch will den aus metnem Buche tilgen, ber an mir fündigt. 2 Mos. 32, 33. Gerechter Gott, ich habe heute gesündigt mit Ge danken, die dir allein bewußt sind; ich habe gegen die afte und Begierden des Herzens nicht so eifrig gebetet und gefämpft, wie ich hätte sollen, und unter deinem Beistande können. Ich habe gesündigt mit Uebereilung in Worten, und meiner Zunge freien Lauf gelassen. Ich habe gesündigt mit Thun und Unterlassen. Hätte ich nicht dein allsehendes Auge scheuen, mir nicht vorstellen sollen, daß mich Jesus von der Welt erwählt, und durch sein Blut zu seinem Eigenthum erkauft hat? Herr, mein Gott, hier liege ich vor dir; verwirf mich nicht, tilge mich nicht aus deinem Buche! Du kennst die Zahl derer, die bis in den Tod im Glauben beharren werden; dieselben hast du in das Buch des Lebens eingeschrieben; wenn ſich aber der Gerechte lehret von seiner Frömmigkeit und thut böses, so soll aller seiner Gerechtigkeit nicht mehr gedacht, sondern er soll aus der Zahl deiner Kinder, und aus deinem Buche ausgetilgt werden. Ach, barmherziger Gott, also gehe nicht mit meiner betrübten Seele um, sondern verzeihe mir meine Sünden. Zeichne mich mit dem Blute Jesu in deine Hand als dein Eigenthum, daß mein Name im Himmel angeschrieben sei. Versiegle mir den Trost im Herzen in meinen letzten Lebensstunden, daß mein Name in dem Buche des Lebens werde gefunden werden, und daß du mich zur ewigen Freude einführen wirst, woselbst ich der Herrlichkeit deiner Kinder ewig genießen soll. Herr, meinen Namen schreibe In's Buch des Lebens ein: Laß mich an deinem Leibe Ein Glied mit jenen sein, Die hoch im Himmel grünen Und vor dir leben frei, So will ich ewig rühmen, Daß treu dein Herze sei! Amen. 17. September. Morgen. Phil. 1, 6. Ich bin desselbigen in guter Zuversicht, daß, der in euch hat angefangen das gute Werk, der wird es auch vollführen, bis auf den Tag Jesu Christi. 52 Gott Vater, du hast mir bisher viel Gutes an Leib und Seele erwiesen, dafür ich dir demüthigst danke; sonderlich hast du an meiner Seele gearbeitet, mir den Greuel der Sünde vorgestellt, und mich zur Gnade gerufen. Du hast mich Todten lebendig gemacht, mich in Sünden Schlafenden erweckt. Du mußt das Werk der Bekehrung anfangen, du mußt es ers halten. Fallen kann ich wohl, aber nicht selbst aufstehen; das gebühret dir, deiner Liebe allein, welche meine natürliche Widersetzlichkeit überwindet, mich mit Muth unterstüzt, daß ich dich lieber habe als die Welt. Ich bin desselben in guter Zuversicht, du werdest mir ferner beistehen, und mich nicht meinem eigenen Willen überlassen. Dir sind die Verführungen der Welt wohl bekannt; du weißt, wie gerne mein Fleisch sich zur Sünde Locken läßt, weil ich den alten Menschen noch nicht ganz ausgezogen habe. Darum it's nöthig, vollführe und erhalte das Werk meiner Betehrung, daß ich nicht träge werde und aus der Gnade falle; erwecke dagegen in mir einen größeren Abscheu vor meinen vorigen Sünden. Mache mir deine Einwohnung immer süßer. Verleihe mir Kraft, ich übers gebe mich dir: erhalte mich im Glauben bis auf den Tag Jesu Christi. Hilf mir so leben, daß mein Todes- und Gerichtstag mir Freudentage seien, baß ich in der Stunde meines Todes in deiner Gnade erfunden werde. Dir seufz' ich anzuhangen, Erbarmer, dir allein; Du hast es angefangen, Das gute Werk ist dein. Vollende, Gott, vollende, Was mir dein Wort verheißt! In deine Vaterhände Befehl' ich meinen Geist. Amen. 17. September. Abend. Offenb. 1, 5. Christus hat uns geliebt und gewaschen mit seinem Blut von den Sünden. 522 Herr Jesu, deine Liebe hat dich vom Himmel auf die Erde gezogen, daß du dich in unser Fleisch und Blut gekleidet haſt. hast. Die Liebe hat deinen Todes- Gang dir angenehm gemacht. Deine Liebe hat Geißel, Dornenkrone und Schmach nicht gescheuet; deine Liebe versüßte dir den Tod, da du am Kreuze für mich starbst. Oder unaussprechlichen Liebe! Ach, könnte ich sie mir recht in ihrer Größe vorstellen, daß mein Herz in Gegenliebe gegen dich entbrennen möchte! Wie kann ich dir vergelten alle Wohlthat, welche du an mir gethan hast! Deine Liebe hat mich auch ge reinigt von Sünden, indem du mich mit deinem Blute davon abwuschest und meine Sünde tilgtest. Dein Blut ist der offene Brunnen, darein sich meine Seele im Glauben senket, da alles Unreine von ihr genommen wird. Weil du gestorben, so darf ich nicht um meiner Süne den willen sterben; dein Tod ist anstatt meines Todes, dein Blut anstatt meines Blutes, dein Leben anſtatt meines Lebens. Ich ergreife dieses Blut zu meiner Versöhnung, Heiligung, Reinigung und Befreiung; also werde ich gewaschen und gereinigt von allen Sünden. Herr Jesu, wasche auch mein Herz von allen bösen Gedanken und Lüsten; meinen Mund, daß er nicht mehr fündlich rede, mein Leben, daß es nicht in Unreinigkeit und Bosheit, sondern in wahrer Frömmigkeit geführt werde. Erwecke in mir täglich einen größern Haß gegen die Sünde und eine beständige Liebe zu dir. In der Stunde des Todes laß mich als eine gewaschene und gereinigte Seele vor dir erfunden werden. Dem, welcher uns gewaschen hat Mit Blut von unsern Sünden, Daß wir, als rein, noch eine Stadt, Ja, seinen Himmel finden, In einem hell gemachten Kleid, Dem sei die Kraft und Herrlichkeit In Ewigkeiten. Amen. 18. September. Morgen. Spr. 8, 21. Jch berathe die wohl, die mich lieben, daß ich ihre Schäße voll mache. Gott, deine Güte hat mich an das Tageslicht gebracht, laß mich dieselbe heute begleiten, segnen und erhalten. Gib mir deinen heiligen Geist, daß ich dich herzlich und beständig lieben möge. Laß deine Liebe mein Herz erfüllen, daß ich mit dir aus- und eingehe. Laß meine Liebe zu dir im Leben immer vollkommener werden, damit ich deine Gnade nicht vergeblich empfange. Nathe mir, wenn ich mir nicht zu rathen weiß. Berathe mich, und schenke mir nach deiner Ba= terliebe, was ich vonnöthen habe. Auf dich bin ich geworfen von Jugend auf, du wirst auch bis an mein Ende mein Beistand sein. Theile mir die Schätze mit, welche deine Kinder zu erwarten haben. Bei dir hat man es gut, dir dient niemand umsonst, dich liebt niemand umsonst. Gib mir ein frommes Herz, das dich fürchte, Freudigkeit im Gebet, getrosten Muth im Leiden, ein festes Vertrauen auf deine Güte und Allmacht. Diese Schäße gehen über Silber und Gold, sie erquicken mich im Leiden, trösten mich im Sterben, und bleiben auch im Tode; nach demselben aber wirst du sie voll machen mit der Himmelsfreude und Herrlichkeit, mit der ewigen Wonne und Glanz, damit du mich umgeben wirst. Aendere du mein Herz, und erfülle es mit deiner Liebe, daß ich mit Wahrheit sagen und im Leben beweisen möge: außer dir soll mir auf Erden nichts sonst lieber werden. Erhalte nur mein Herz darin, Dich herzlich lieb zu haben, Daß ich bewahr' in treuem Sinn Die edeln Geistesgaben. 523 Du, Herr, sollst mir allein Mein Ein und Alles sein! Bist du mein Theil in dieser Zeit, So bleibst du's auch in Ewigkeit. Amen. 18. September. Abend. Pf. 91, 14. Er begehret mein, so will ich ihm aushelfen; er fennet meinen Namen, darum will ich ihn schüßen. 524 Allmächtiger Gott, die Nacht bricht ein, meine Seele eilet zu dir, sucht und begehrt deinen mächtigen Beistand. Ich begehre Vergebung aller meiner Sünden in dem Blute Jesu. Ich begehre Trost in meiner Traurigkeit; ich bitte um deines heiligen Geistes Licht und Stärke, daß ich immer frömmer werden möge. Hilf mir an meinem Leibe, bewahre ihn, heilige meine Seele, und mache sie zu deiner Wohnung. Hilf mir mein Kreuz tragen, meine Feinde überwinden. Hilf mir Fleisch und Blut überwinden, daß die Sünde nicht über mich herrschen möge. Hilf mir aus der Tiefe, wenn ich versinken will. O des liebreichen Versprechens, daß du mir in allem zu helfen erbötig bist! Ich zweifle auch an der Erfüllung nicht, denn ich kenne deinen Namen. Ich kenne deine Allmacht, daß dir nichts unmöglich ist; ich kenne deine Vatertreue, welche um mein zeitliches und ewiges Heil bekümmert ist. Ich kenne deine Weisheit, welche Mittel und Wege, Rath und That weiß, wo ich nichts sehe. Ich kenne deine Barmherzigkeit, daß du meinen Jammer dir lässest zu Herzen gehen. Schüße mich diese Nacht vor allem Schrecken, Schaden und Unfall. Schütze mich gegen meine Feinde, daß sie sich nicht freuen, wenn nieder liege. Schüßze mich in Gefahr, schüße mich im Todeskampf, da hilf mir aus, o Jesu! Wen du schüßest, den kann niemand überwinden. Dein Schüßen ist ein Helfen, Erretten, ein Geben, ein Er hören, ein Erbarmen; dessen laß mich auch genießen. Erhalte mich im Glauben, und laß mich deine Herrs lichkeit sehen. dar: Wir bitten deine Gottesmacht: Behüte uns in dieser Nacht; Bewahre uns vor allem Leid, Gott, Vater der Barmherzigkeit. Amen. 19. September. Morgen. 2 Theff. 2, 13. Wir sollen Gott danken allezeit um euch, lieben Brüder, von dem Herrn, daß euch Gott erwählet hat vom Anfang zur Seligkeit, in der Heiligung des Geistes, und im Glauben der Wahrheit. Gott Vater, deine Liebe hat mich zur Seligkeit erwählt vom Anfang, ehe ich noch geboren war. Deine Liebe hat mir dazumal alle die Gnadengaben schon beigelegt, welche ich empfangen sollte. Du hast mich nicht gesetzt zum Zorn, sondern die Seligkeit zu ererben durch unsern Herrn Jesum Chriftum. Diese Seligkeit sollte schon in dieser Welt angehen, da du mich in der Taufe zu deinem Kinde wolltest annehmen, daß ich nach meinem Abschied aus dieser Zeit der Himmelsfreude bei dir sollte theilhaftig werden. Daß ich nun dazu gelangen möchte, hast du durch deinen heiligen Geist mich zum Glauben der Wahrheit berufen. Diese Wahrheit habe ich im Glauben gefaßt, und sie ist mein Trost, Licht und Freude in guten und bösen Tagen, im Leben und Sterben. Dein guter Geist aber hat mich auch zur Heiligung gebracht, daß ich meinen Glauben in den Werken zeigen kann. Er hat mir den Greuel der Sünde entdeckt, Jesu Tod vor Augen gestellt und mir Kraft gegeben, ihn zu lieben, und alles zu meiden, was mich und ihn scheiden kann. Diese Hoffnung ist keine Einbildung, sondern ein Glaube der Wahrheit, ein wahrhaftiges, thätiges, empfindliches Wesen. Verleihe mir Gnade, daß ich meine Erwählung immer fester mache, durch eine gänzliche Uebergabe an dich. Laß demen Geist das Werk der Heiligung in mir vollkommen machen, auf daß ich dein Eigenthum sei im Leben und Sterben, in Zeit und Ewigkeit. D Liebe, was hast du gethan, Was läßt du offenbaren! Du nahmst uns schon zu Kindern an, Eh' Erd und Himmel waren. 525 gib mir Glauben, der da faßt, Wie sehr du uns erhoben hast In deinem Sohn der Liebe. Amen. 19. September. Abend. Jonas 3, 8. Ein Jeglicher bekehre sich von seinen bösen Wegen und vom Frevel seiner Hände. Gott, tehre mein Herz zu dir, bekehre es, mache es neu und bereite mich so in der Zeit, wie du mich haben willst in der Ewigkeit. Deine Treue thut mir Gutes, um mein Herz zu gewinnen, du ziehest mich aus großer Liebe zu dir. Wie wenig du aber bei mir ausgerichtet habest, sagt mir mein Herz, das immer böse Wege geliebt und gesucht hat. Neid, Falschheit, Untreue, Zorn, Ehrgeiz, Eigennuß regen sich in demselben, welches ich dir oft geklagt. Stelle mir den Greuel solcher Wege vor Augen, daß ich davor fliehe, und einen Abschen habe. Laß meine Bekehrung eine wahre Sinnesänderung sein, welche sich tch in den Leben zeige, daß der Frebel der Hände, Sie e heit der Augen, die Lüsterfeit der Ohunn er Mißbrauch der Glieder arte, hingegen aBer zu deinem Dienst und Ehre bilder ins chen 526 Laß meine Bekehrung innerl h vnd äußerlich, he ich, aufrichtig und beständig sein 2aß mich dieselbe nicht aufschieben bis in's Alter, ofer bis ih der Welt satt und müde bin, sondern noch heute anfangen. Du hast diese Pflicht einem Jegitchen befohlen, der selig werden will, ohne Ansehen des Standes, Alters, Geschlechts; darum bewahre mich vor Entschuldigungen, daß ich nicht aus Liebe zur Sünde die Unmöglichkeit der Be= kehrung vorwende, daß ich mich nicht selbst verdamme, oder mir die Gnadenthür zuschließe. Herr Jesu, laß dein Blut mir beständig vor Augen sein, daß ich nicht vergesse, wie viel es dich gekostet, daß ich erlöset bin. O Menschenkind, bekehre dich Von deinen bösen Wegen; Dein Heiland ruft, komm', schicke dich Und geh' ihm bald entgegen. Komm, laß zurück, was irdisch heißt, Und mach dich los vom eiteln Geist; Kehr' um und mach' ein Ende Dem Frevel deiner Hände. Amen. 20. September. Morgen. Hebr. 3, 14. Wir sind Christi theilhaftig geworden, so wir an. ders das angefangene Wesen bis an's Ende fest behalten. 527 Herr Jesu, du bist uns'rer menschlichen Natur theilhaftig geworden, damit du uns die herrlichen Schätze des ewigen Heils erwerben möchtest, und wir werden deiner theilhaftig durch den Glauben. So mache mich denn theilhaftig deiner Gerechtigkeit, welche du durch dein Leiden und Sterben erworben hast; mache mich theilhaftig der Kindschaft, daß ich durch dich ein Kind Gottes sei und bleibe; mache mich theilhaftig deines heiligen Geistes, der mich erleuchte, reinige und heilige; mache mich deiner Einwohnung theilhaftig, daß du in mir lebest, Herz, Willen, Mund und Wan= del nach deinem Willen einrichtest; mache mich theilhaftig deiner Stärke im Streit wider Fleisch und Blut, und wider die Welt mit ihren Lüsten, damit ich das angefangene Wesen fest behalten möge bis an das Ende. Laß mich fest beharren im Glauben, welchen du in mir aufgerichtet hast, daß ich von diesem Grunde meiner Hoffnung nicht wanken möge. Laß mich fest beharren in dem neuen Wesen des Geistes, daß ich nicht weiche von meiner Frömmigkeit und Gehorsam. Hast du den Anfang des Glaubens und der Heiligung in mir gemacht, so laß mich nicht davon wanken, sondern bis an das Ende darin verharren, denn wer beharret bis an's Ende, der wird selig. Anfangen ist gut, aber nicht genug; wer bis in den Tod getreu bleibt, erlangt die Krone des ewigen Lebens. Nicht der Anfang, nur das Ende Krönt des Christen Glaubensstreit Ach, getreuer Gott! vollende Meinen Lauf in dieser Zeit; Hab' ich dich einmal erkannt, So verleih mir auch Bestand, Daß ich, bis ich einst erkalte, Glauben, Lieb' und Hoffnung halte. Amen. 20. September. Abend. Ephes. 5, 20. Saget Dank allezeit für alles. Gnadenreicher Gott, was kann ich an diesem Abend anders thun, als dir Dank sagen für alles, was du mir erwiesen hast. Ich danke dir, daß du mir das Leben gegeben hast, laß es mich zu deiner Ehre anwenden. Du hast mich von Christen lassen geboren werden, laß mich auch gesinnet sein wie Jesus Christus war. Ich danke dir, daß ich durch Jesu Blut bin erkauft worden von Sünden, Tod, Teufel und Hölle; laß sein bitteres Leiden mir immer vor Augen stehen, wenn sich eine Sündenlust in mir regt. Ich danke dir, daß dein heiliger Geist immer an meiner Seele gearbeitet: gib mir ein gehorsames Herz, daß ich ihm nicht widerstrebe, sondern willig folge. Ich danke dir, daß du mich in der Taufe zu deinem Kinde angenommen: gib mir ein gehorsames Herz, daß ich meines Gnadenbundes beständig eingedenk bleibe. Ich danke dir, daß du mir dein Wort zu meines Fußes Leuchte gegeben hast; laß mich darnach meinen Gang richten. Ich danke dir, daß du mir ein neues Herz gegeben, daß ich an der Sünde einen Abscheu habe; laß mich in der Heiligung zunehmen. Ich danke dir, daß du mein Leben bis diese Stunde erhalten, mich ernährt, an deiner Hand geführt. Dieses ist noch lange nicht alles, wofür ich dir zu danken schuldig bin, deiner Gaben sind zu viel. Bin ich nicht so tief in Sünden gefallen als andre, hast du mir meine Sünden vergeben, wenn ich gefehlt, mich von meinem Fall aufgerichtet, so ist das alles ein Werk deiner Güte und Barmherzigkeit. Nimm indeß an diesen Dank, welchen ich dir in findlichem Geist bringe, bis ich in der Herrlichkeit ein ewiges Halleluja dir zur Ehre anstimmen werde. Für alle Güte sei gepreist, Gott, Vater, Sohn und heil'ger Geist, Ihr bin ich zu geringe; Vernimm den Dank, den Lobgejang, Den ich dir kindlich bringe. Amen. 528 21. September. Norgen. Matth. 9, 9. Stehe auf, folge mir nach. Herr Jesu, ich bin von meiner Ruhe aufgestanden, gib mir ein williges Herz, dir zu folgen, wie Matthäus, der Apostel. Aendere du selbst meinen Sinn und Willen, daß ich aus Liebe zu dir verlasse meine vorigen Gesellschaften und Gewohnheiten. Stehe ich nicht auf, so bleibt der Zorn Gottes über mir. Darum laß mich bei Zeiten aufwachen, aufstehen und dir nachfolgen. Die Bekehrungsstunde ist eine selige Stunde, darin thue ich den ersten Schritt zum Himmel. Verleihe mir Gnade, daß ich dir nachfolge, und nicht meinem Herzen, der Welt und ihren Wegen. Hilf, ich dir folge in deiner Sanftmuth, in deiner Demuth, in deiner Liebe, in deinem Gehorsam; in deiner Geduld, in Ertragung des Unrechts, daß ich nicht wieder schelte, wenn ich gescholten werde, und nicht Böses mit Bösem vergelte. Laß mich dir willig nachfolgen, auf daß ich auch im Himmel dir nachfolgen möge, gleichwie Matthäus nicht lange überlegte, sich nicht lange bedachte, sondern auf deinen ersten Ruf und Blick alsobald aufstand und folgte. Laß deinen Geist mir die Herrlichkeit vorstellen, die ich in deiner Nachfolge haben werde, daß ich nicht lange überlege: was werden die Leute dazu sagen? werden sie nicht meiner spotten, daß ich eine so geschwinde, doch selige Aenderung vornehme, sondern es freudig auf dich wage. Rufe mir auch am jüngsten Tage zu: Stehe auf und folge mir nach Ich, Herr, dein Pilger walle Dir, meinem Führer, nach, Und strauchle noch und falle; Denn ich bin müd und schwach. Du führst mich auch durch Streit, Durch Kummer und durch Leiden Zu meiner Zukunft Freuden, Zu deiner Herrlichkeit. Amen. Stark's Morgen- und Abend- Andachten. 34 529 21. September. Abend. Matth. 9, 13. Ich bin gekommen, die Sünder zur Buße zu rufen, und nicht die Frommen. 530 Herr Jesu, nun weiß ich, warum du bist in die Welt gekommen, nemlich die Sünder selig zu machen. Dein Kommen ist ein tröstliches Kommen. Du bist nicht gekommen, daß du die Welt richtest, sondern daß die Welt durch dich selig werde. Allen Menschen das Heil anzubieten, war die Ursache deiner ersten Zukunft; da kamst du als der Erlöser der Welt, den Sündern Gnade zu erwerben; aber am jüngsten Tage wirst du kommen, die Sünder, welche Sünder bleiben wollen, zu richten. Ich will gern deinem Gnadenruf folgen; verleihe mir Kraft und Stärke dazu. Rufe mich äußerlich durch deine, Diener, durch dein Wort, innerlich durch den heiligen Geist, daß er mir das Herz öffne, daß ich Buße thue, mein Unrecht bereue, beklage und beweine, und weil das meine Sünden nicht tilgen kann, daß ich dein Verdienst, Blut und Wunden im wahren Glauben ergreife, fie mir zueigne, als für mich vergossen, für mich geschlagen und in Worten und Werken beweise, daß ich deine Gnade nicht vergeblich empfangen habe. Du hast die größten Sünder angenommen, hingegen alle Scheinheilige abgewiesen; laß auch mich als einen armen Sünder bei dir Barmherzigkeit finden. Die vermeinten Frommen meinten, sie brauchten keinen Jesum; aber ich bekenne, daß ich ohne dich verloren bin, und durch dich allein selig werden kann; nimm mich als einen durch dein Blut gereinigten Sünder in der Stunde des Todes auf. Jesus nimmt die Sünder an, Keine stolzen Frommen; Wer das Leben suchet, fann Nur durch Buße kommen. Niederwärts, Stolzes Herz, Daß dich Gott zum Leben Möge wieder heben! Amen. 22. September. Norgen. Jer. 31, 3. Jch habe dich je und je geliebet, darum habe ich dich zu mir gezogen aus lauter Güte. Gütiger Gott, du hast mich je und je geliebet; noch ehe ich geboren, war dein Herz schon bereit, mir zeitliche, geistliche und himmlische Wohlthaten zu ertheilen. In meiner Geburt hast du mich aus dem Dunkel des Mutterleibes an das Licht gebracht. Nach meiner Geburt hat deine Liebe mich in der Taufe in ihre Arme gefaßt, geheiligt und gereinigt. In meiner Kindheit hat deine Liebe über mich Engel auf allen meinen Wegen bestellt, daß sie mich vor Schaden und unglück behüten mußten. In meiner Jugend hat sie mich zur Erkenntniß des Heils in Christo und der göttlichen Wahrheit bringen lassen. In den folgenden Jahren hat sie mich versorgt, meiner Seele immer mehr Licht mitgetheilt. Aus lauter unverdienter Güte haft du mich zu dir gezogen durch deinen heiligen Geist, durch dein Wort, durch meine Lehrer, welche mich deine Wege lehren mußten. Deine Liebe hat noch kein Ende, sie dauert noch täglich; bewahre mich, daß ich ihr nicht widerstrebe! Deine Güte hat zuweilen durch Züchtigung mich zu dir ziehen, und die Sünde mir bitter machen müssen. Deine Wohlthaten hast du also ge= häuft, daß ich deine Liebesströme zuweilen nicht genug fassen konnte. Du hast immer wie ein treuer Vater mit mir gehandelt. Ich liebe dich wieder von Herzen; laß mich solche Liebe damit beweisen, daß ich alle meine Lebenstage in deiner Furcht hinbringe. Du hast mich je und je geliebt Und mich zu dir gezogen; Eh ich noch etwas Gut's geübt, Warst du mir schon gewogen. Ach, laß doch ferner, edler Hort, Mich diese Liebe Leiten Und stetiglich begleiten, Daß sie mir immerfort Beisteh' auf allen Seiten. Amen. 531 34* 22. September. Abend. Röm. 8, 24. Wir sind wohl selig, doch in der Hoffnung. Liebreicher Gott, wir sind hier schon selig und in das himmlische Wesen versetzt. Diese Seligkeit will mir die Welt in Zweifel ziehen; sie spricht: Was ist das für eine Seligkeit, dabei man mit so viel Leiden und Trübfalen umgeben ist? Satan spricht: Was sind das für selige Leute, welche noch so oft, so viel, so gröblich fündigen? Allein dein Wort bleibt doch wahr. Ich bin hier schon selig, ich habe einen großen Theil der Seligkeit mit den Seligen im Himmel gemein. Sie haben Vergebung der Sünden, die habe ich auch. Sie sind durch Christum gerecht geworden; dieses Heil ist auch mir widerfahren. Sie haben Friede, und sind in den Häusern des Friedens; ich bin zwar noch in der Welt, davon mein Heiland spricht: In der Welt habt ihr Angst; aber sagt auch dabei: Meinen Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Sie haben Freude, ja ewige Freude und Wonne. Ich habe zwar noch Trauerstunden, aber du schenkst mir auch zuweilen Freudenblicke, daß ich mich in dem Herrn freue, und fröhlich bin in meinem Gott. So bin ich ja recht selig, hier schon auf Erden; aber die Hoffnung der künftigen vollkommenen Seligkeit entzückt meinen Geist, daß ich im Glauben oft beschaue die Herrlichkeit, die ich hoffe, aber noch nicht habe, und doch gewiß durch Christum erlangen werde. Im Sterben wird meine Hoffnung erfüllt sein, da werde ich aus dem Glauben zum Schauen gelangen, da wird mein Weinen Lauter Wein, mein Seufzen lauter Jauchzen sein. 532 Gott, dir sei Dank, daß wir auf Erden Bereits in Jesu selig sind, Und einst im Himmel selig werden; Denn unsre Hoffnung ist gegründ't, Weil Jesus lebt und Gott verspricht, So fehlet unsre Hoffnung nicht. Amen. 23. September. Morgen. Joh. 1, 12. Wie viele ihn aufnaymen, denen gab er Macht, Gottes Kinder zu werden, die an seinen Namen glauben. 533 Herr Jesu, mein Leben, ich nehme dich auf mit Freuden in mein Herz, nachdem du angeklopft und mir Kraft gegeben, dich aufzunehmen. Ich nehme dich auf als das Lamm Gottes, welches der Welt und also auch meine Sünde trägt. Jch nehme dich auf als meinen Mittler und Fürsprecher; bitte für mich, daß ich Vergebung aller meiner Sünden erlange. Ich nehme dich auf als Vorbild in meinem ganzen Leben; laß mich dir in wahrer Demuth, Liebe und Gehorsam unverrückt nachfolgen. Welche Gnade ist das, daß du dich von den armen, elenden Menschen willst aufnehmen lassen, und in ihre Gemeinschaft treten, nicht allein aber das, sondern du willst auch mir Macht geben, Gottes Kind zu werden. Dieses ist eine Würde, Herrlichkeit, Hoheit, die mein armes Herz nicht fassen kann, daß ich arme Erde und Asche soll das Kindesrecht haben. Denn bin ich ein Kind Gottes, so ist Gott mein Vater, so habe ich ja einen reichen Vater in Armuth, einen mächtigen Vater im Leiden, einen ewigen Vater, der im Sterben mich nicht verläßt. Bin ich ein Kind Gottes, so bin ich auch ein Erbe der himmlischen Herrlichkeit. Dein Name heißt Jesus, Seligmacher, der Hohepriester, der mich mit Gott ausgesöhnt hat. Dafür halte ich dich, also umfasset dich mein Glaube und Zuversicht; dessen bin ich überzeugt und das soll mein Trost im Leben und Sterben sein. Hier Gottes Kinder und dort Erben, Als Jefu Chrifti Eigenthum; Um diesen Namen laßt uns werben, Er ist der Gnade Werk und Ruhm. Das sei das Theil, das wir erforen, Darnach das Herz sich sehnt und schlägt, Bis es aus Gottes Geist geboren, Der Kindschaft Zeugniß in sich trägt. Amen. 23. September. Abend. 1 Kor. 9, 24. Wisset ihr nicht, daß die, so in den Schronten Laufen, die laufen alle, aber einer erlanget das Kleinod. Laufet nun, daß ihr es ergreifet. Gütiger Gott, du hast mir eine unvergängliche Krone, die Krone der Ehren und der Herrlichkeit bestimmt. Stelle mir die Wichtigkeit dieses Kleinods recht vor Augen, daß ich dieselbe nicht versäumen möge. Was für Fleiß thaten diese Läufer, um das Kleinod zu haben! Sie enthielten sich aller Dinge, Speise und Trank nahmen sie so sparsam, daß sie nicht zum Laufen untüchtig würden, sie beluden sich nicht mit schweren Kleidern, sie ließen sich nicht aufhalten, wenn man ihnen allerlei schöne Sachen in den Weg warf, sie mochten sich nicht darum bücken, daß sie nicht um ihr Kleinod kämen; ihr Auge war immer auf dasselbe gerichtet. Ach, mein Gott, gib mir deinen heiligen Geist, daß ich schaffe, selig zu werden mit Furcht und Zittern, daß ich mich enthalte alles dessen, was mir an meiner Seligkeit hinderlich sein kann, daß ich mich enthalte alles Stolzes, Liebe zu Reichthum und Ehre, daß ich mich durch überflüssiges Essen und Trinken nicht untüchtig mache zum Gebet. Laß mich mein Herz und Auge allein auf dich, auf dein Wort richten, und alles gerne verlassen, daß ich nur die ewige Seligkeit nicht versäume. Du hast mir Schranken gesetzt, nicht allein in meinem Gewissen und deinem Gesetz, sondern auch in der Lehre und dem Leben Jesu; bleibe ich darin, weiche ich weder zur Rechten noch zur Linken, so werde ich das Kleinod gewiß hier im Glauben ergreifen, dort aber im Schauen umfassen. Eraöße mich damit im Kampf und in der Todesstunde. Das Kleinod ist mir vorgesteckt, 534 Ich soll nur tapfer kämpfen; Drum bleibt mein Arm stets ausgestreckt, Mit Gott den Feind zu dämpfen. Nur unverzagt und frisch gewagt! Ich seh' die Krone blinken, Drum will ich überwinden. 24. September. Morgen. Pf. 59, 18. Du bist mein Schuß und mein gnädiger Gott. Allmächtiger Gott, sei du auch heute mein Schutz. weiß nicht, was mir widerfahren wird. Darum 535 du der Schild, der mich bedeckt, die Mauer, die mich verbirgt. Gott ist mein Schuß, darum werden meine Feinde wenig ausrichten. Die Welt kann mich plagen, aber nicht überwältigen. Schütze mich auch heute wider alle Anfälle der Sünde, daß ich mit Gebet mich wappnen, Widerstand thun und das Feld behalten möge. Sei auch mein Schutz im Leiden, wenn ich mir weder zu rathen noch zu helfen weiß. Laß mich den Trost nicht verlieren, daß du mein gnädiger Gott seiest, laß mir ihn Satan nicht rauben, mich nicht verscherzen durch Welt-, Eigen- und Sündenliebe. Wenn ich bete, erhöre mich; wenn mich alle Menschen verlassen, verlaß du mich nicht; im Kreuz erquickt mich; in Todesnoth errette mich; wenn ich in der Buße vor dir gebeugt erscheine, sei mir alsdann gnädig nach deiner Güte und tilge alle meine Sünden nach deiner großen Barmherzigkeit, und nimm mich auf in dein ewiges himmlisches Reich. Verleihe mir deinen heiligen Geist, daß ich allezeit so wandeln, leben und reden möge, daß ich mich deiner getrösten könne. Hätte ich keinen gnädigen Gott, so wäre ich Allerunglücklichste auf Erden. Laß mich auch heute in deines Geistes Licht also leben, daß ich auf den Abend mich deiner als eines gnädigen Gottes getrösten möge. Gott Lob! ich habe Gnade, An Gnade ist's genug; Sonst ist mir alles Schade; Der Mammon ist Betrug, Die Wollust ist Verderben, Die Ehre wird nicht satt, Der kann zum Himmel sterben Wer nichts als Gnade hat. Amen. 24. September. Abend. Joh. 5, 24. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, wer mein Wort höret und glaubet dem, der mich gesandt hat, der hat das ewige Leben, und kommt nicht in das Gericht, sondern ist vom Tode zum Leben hindurchgedrungen. 536 Herr Jesu, gib mir deines heiligen Geistes Kraft, daß ich dein Wort nicht nur höre, sondern auch annehme als einen Wegweiser zur Seligkeit. Neige mein Herz täglich mehr zum Gehorsam und zur willigen Nachfolge. Ich glaube an den, der dich gesandt hat, an deinen Vater, der von dir öffentlich gesagt hat: Das ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe, den sollt ihr hören. Stärke meinen Glauben, heilige und reinige durch denselben mich dir, so habe ich das ewige Leben. Du lebst in mir, du beherrschest meinen Willen und meine Glieder. Werde ich dir getreu bleiben, so habe ich Vergebung aller meiner Sünden und komme nicht in's Gericht der Verdammung. Es müssen zwar alle Menschen sterben und vor deinem Nichterstuhl offenbar werden; aber weil ich komme von Sünden abgewaschen und mit deiner Gerechtigkeit gekleidet, so ist nichts Verdammliches mehr an mir. Und wie ich hier von dem Sünden- Tod durch Buje und Glauben befreit worden, und zum geistlichen Leben hindurchgedrungen bin, da die Sünde nicht mehr in mir herrschet, so werde ich auch im Sterben durch den zeitlichen Tod in das himmlische Freudenleben durchbringen, und wenn ich meine Augen schließe im Sterben, deine Herrlichkeit mit Freuden erblicken und derselben in Ewigkeit genießer Gott, wie du zugesagt haft mir In deinem Wort, deß trau' ich dir; Fürwahr, fürwahr euch sage ich: Wer mein Wort hält und glaubt an mich Der wird nicht kommen ins Gericht Und den Tod ewig schmecken nicht; Und ob er gleich hier zeitlich stirbt, Mit nichten er drum gar verdirbt. Amen. 25. September. Morgen. 1 Theff. 4, 1. Wir bitten und ermahnen euch in dem Herrn Jesu, nachdem ihr von uns empfangen habt, wie ihr sollet wandeln und Gott gefallen, daß ihr immer völliger werdet. Gütiger und freundlicher Gott, ich sollte dich bitten, du wollest mich nicht verstoßen, du wollest mir Kraft und Wachsthum verleihen im Guten; du aber kommst mir zuvor, und bittest mich, ja du bieteſt mir durch deinen Geist und durch dein Wort und die Sakramente Himmel, Heil und Seligkeit an. Ach, Gott, werde wegen meines Undanks und meiner Sicherheit nicht müde. Mein böses Herz braucht noch Ermahnen, sonst würde es ganz schläfrig werden. Heilige meinen Sinn, daß ich dein freundliches Bitten, dein väterliches Ermahnen mit Lust anhöre. Laß meiner Lehrer Arbeit an mir nicht vergebens sein, sondern gib, daß ich es als eine große Gnade und Gabe empfangen und behalten möge, wenn du mir den Himmelsweg zeigen läsfest. Laß mich demnach vor deinem Angesicht wandeln. Du hast mich überzeugt, daß ich nicht soll wandeln wie die Unweisen und ehrbaren Weltmenschen, sondern in den Wegen deiner Gebote und nach dem Vorbilde Jesu. Laß mein einziges Verlangen sein und bleiben, daß ich dir gefalle und sonst niemanden. Wie kann ich dir aber anders gefallen, als in Christo, meinem Heilande? Laß mich in solchem Triebe und Verlangen immer völliger werden. Laß mich zunehmen in der Erkenntniß, wachsen in der Frömmigkeit und Gottesfurcht; laß mich immer andächtiger, treuer, eifriger, von der Welt entfernter werden. Laß mich sein voll Glauben, Liebe, Vertrauen und also mein ganzes Herz, Willen, Leben und Wandel dir geheiligt sein. Ich kann mich selber von der Welt Nicht unbefleckt bewahren; Ich kann nicht thun, was dir gefällt, Das hab ich oft erfahren. Ich will mich übergeben dir, O mach ein neu Geschöpf aus mir In meinen Gnadenjahren! Amen. 537 25. September. Abend. Jef. 59, 1. Siehe, des Herrn Hand ist nicht zu kurz, daß er nicht helfen könne, und seine Ohren sind nicht dick geworden, daß er nicht höre. 538 Gott, ich habe mein Lebtage so herrliche Proben deiner Allmacht und Barmherzigkeit gesehen, der ich viel zu gering bin aller Barmherzigkeit und Treue, die du an mir gethan hast. Dieses soll mir zu einer Aufmunterung dienen in fünftigen Zeiten, wenn du mit deiner Hilfe verzeuchst. Alsdann will ich mir nicht in den Sinn kommen lassen, als ob deine Hand zu kurz sei, mir zu helfen und mein Elend abzunehmen. Nach deiner Gotteskraft kannst du überschwänglich thun über alles, was wir bitten und verstehen. Dir ist nichts unmöglich; darum glaube ich, daß du mir aus allem und in allem helfen kannst. Laß mich dessen eingedenk bleiben bei dem Verzug deiner Hilfe, wenn ich mein Leiden lange tragen muß. Ist nun deine Allmacht unermeßlich, so ist auch deine Liebe unaussprechlich. Derhalben, wenn ich eifrig bete, und du thust, als hörest du nicht, wenn ich vor dir mein Herz ausschütte, und du thust, als kennetest du mich nicht, so laß mich nicht kleinmüthig werden, als wärest du nicht geneigt zu hören, sondern laß mich denken, du habest mein Gebet erhört, aber die Erfüllung aufgeschoben, damit mein Verlangen desto heftiger, deine Hilfe desto herrlicher, und meine Dankbarkeit desto größer sei. Wie ein Vater sein Ohr neiget zu dem Lallen seines schwachen Kindes, so eilet deine Liebe zu mir, wenn ich schreie. Herr, hilf mir; höre mich in meinen letzten Lebensstunden, daß ich, erfreut und erquickt, dich ewig loben und preisen möge. Denk' nicht in deiner Drangsalshize, Daß du von Gott verlassen bist Und daß ihm der im Schoße size, Der reich und groß und mächtig ist. Die Zukunft ändert oft gar viel, Uud sebzet jeglichem sein Ziel. Amen. 26. September. Morgen. Hohel. 3, 4. Da ich ein wenig vorüberkam, fand ich, den meine Seele liebet; ich halte ihn und will ihn nicht lassen. Herr Jesu, laß mich inskünftige vor der Welt und ihren Unarten vorübergehen; wenn sie mich lockt, so laß mich thun, als hörte und sähe ich es nicht. Du siehest, wie meine Seele sich nach dir sehnet; lağ dich finden, und offenbare dich meiner Seele, daß du in mir wohnest und bleibest. Ueberzeuge mich davon durch den innerlichen Trost, daß mir alle meine Sünden vergeben sind. Laß mich innewerden, daß ich dich gefunden, durch beständigen Haß gegen alles, was dich betrüben kann. Offenbare dich durch neue Stärke, die Sünde zu überwinden. Ohne dich vermag ich nichts; darum stärke mich. Du hast durch deinen Geist in mir Liebe zu dir erweckt; ohne dich kann ich nicht sein. Laß mich in deiner Gemeinschaft bis in den Tod verharren, daß ich aus dir Licht und Stärke zum Guten täglich empfange, und also meine Seele, sammt Geist und Leib, dir geheiligt bleibe. Ich halte dich mit lebendigem Glauben, und lasse dich mir nicht wieder durch Unbeständigkeit rauben. Ich halte dich mit meinem Gebet. Ich lasse dich nicht, du segnest und heiligest mich denn. Stelle mir vor, daß ich dich verlieren werde, wenn ich nicht die vergängliche Luft der Welt und des Fleisches meide, daß die Liebe zu dir alle Weltliebe in mir tödten möge. O mein Erbarmer! Laß dieses Morgengebet den ganzen Tag mir in meinem Herzen und in meinen Ohren erklingen, daß ich nicht dawider handle. Du aber stärke mich, das zu vollbringen, was ich von dir gebeten habe. O Seelenfreund, der einzig mich erfreul, Obleibe du bei mir! Weg von der Erdenwelt, bie nur den Sinn zerstreur, Ich will nichts mehr von ihr. 539 Dich, Jesu, will mein Herz umfassen Und will dich ewig nimmer lassen, Du süßer Freund! Amen. 26. September. Abend. 1 Joh. 4, 4. Der in euch ist, ist größer, denn der in der Welt ist. 540 Gott, der du in der Höhe wohnest, welch' eine Gnade ist das, daß du willst in den Herzen deiner Kinder wohnen; wohne auch in meinem Herzen, be lebe, heilige und regiere dasselbe. Habe ich dich heute beleidigt, so weiche nicht von mir. Bist du in mir, so bin ich selig, so habe ich Trost in Traurigkeit, und Stärke wider die Sünde, den Teufel und die Welt. Weil du stärker bist als jene, so bin ich in dir start, und kann durch dich widerstehen und überwinden. Sei meine Stärke wider meinen ärgsten Feind, mein Fleisch und Blut. Du weißt, o Herzenskündiger, wie in mir sich so viel Böses regt; komme mir zu Hilfe mit deiner stärkenden und siegenden Gnade, und wirke in mir einen ewigen Abschen vor allen Lüsten und Begierden. Gib mir Kraft zu kämpfen, daß ich durch deinen Trieb die Sündentriebe überwinde. Stärke mich auch, wenn die Welt mir ihre Freundschaft anbietet, unter der Bedingung, nach ihrem Willen zu leben. Ich erschrecke, wenn ich so viele von der Welt leberwundene erblicke; bewahre mein Herz davor; wirst du mir beistehen, so fürchte ich mich nicht, denn du bist stärker, als der Geist, der in der Welt ist. Satan hat sein Werk in den Kindern des Unglaubens, er treibt sie, wohin er will. Der Weltgeist ist frech und fragt nach niemand; er thut, was ihn gelüftet; aber mit dem allem kann er mir doch nicht schaden, wenn du in mir bist. Laß mich deine Stärke und deinen Frieden auch im Sterben empfinden, und wende ab, was meinen Geist beunruhigen kann. Der große Grimm des Drachen In seiner kurzen Zeit Soll uns nicht zaghaft machen; Denn Jesus führt den Streit. Er ist und bleibt Erlöser, Der Sieg ist seines Thuns; Der in uns ist, ist größer, Als der, der außer uns. Amen. 27. September Morgen. Jac. 1, 14. 15. Ein jeglicher wird versucht, wenn er von seiner eigenen Luft gereizet und gelocket wird. Darnach, wenn die Lust empfangen hat, gebieret sie die Sünde, die Sünde aber, wenn fie vollendet ist, gebieret sie den Tod. Heiliger Gott, du willst ein reines Herz haben, darin zu wohnen; so mache doch mich recht rein. Alle Unreinigkeit kommt von mir selbst her, wenn die sündliche Lust mich reizt und lockt. Du kennst mein Herz, wie ich oft darüber erschrecke und sage: Wo kommen doch solche böse Gedanken her? Du wirst mir sie ja nicht zur Verdammniß zurechnen, da du siehest, daß ich daran kein Gefallen habe. Verleihe mir die Kraft, daß die Lust nicht in mir empfangen möge, daß ich die unreinen Gedanken und Lüste nicht hege, daran keine Lust habe, sie nicht herberge, oder gar darein willige, sondern dawider seufze, darüber erschrecke, und mit Gebet zu vertreiben trachte. So viel Kraft gibt der Glaube, der Jesum ergreift, deinen Kindern, daß sie die Welt überwinden können. Solche Gnade schenke mir allezeit, wenn sich etwas Böses in mir regt, oder durch die zwei großen Thore, Augen und Ohren, ins Herz dringt. Laß mich nimmermehr die Sünde vollenden, das böse Wort reden, die fündliche That thun, sonst gebieret sie den Tod. Dann habe ich ein böses Gewissen, habe Zorn und Ungnade, zeitlichen Tod und ewige Verdammniß verdient. Schlage an mein Herz allezeit, wenn die böse Luft sich regt, daß ich meinen Willen zurückhalte und zum Gebet eile, daß ich in deinem Licht die Lust im Herzen ersticke und inskünftige immer völliger und stärker werde. Herr Jesu, gib mir deinen Geiſt, Der Lust zu widerstehen, Und ehe sie mich mit sich reißt, Ihr aus dem Weg zu gehen. D reinige mit deinem Blut, 541 Jesu, mein ganzes Wesen, Daß Leib und Seele, Geist und Mut Von aller Luft genesen. Amen. 27. September. Abend. Pf. 38, 22. Lerlaß mich nicht, Herr, mein Gott; sei nicht ferne von mir. 542 Gnädiger Gott und Vater, verlaß mich diese Nacht nicht. In aller Noth richte ich mein Herz und Auge zu dir, und spreche: verlaß mich nicht. Ich fühle oft Seelennoth, da mich meine Sünden anklagen; die vergib mir um deiner ewigen Liebe willen. Ver laß mich nicht; wenn man mir die Sünde süß, wie Eva die verbotene Frucht, vorlegt, alsdann erleuchte mich, daß ich den Greuel derselben einsehe und davor fliehe. Wenn ich dich in meinem Beruf um Segen anrufe, so verlaß mich nicht; laß dich finden, wenn ich dich suche; thue mir auf, wenn ich anklopfe, und stehe mir bei, wenn mir Hilfe vonnöthen ist. Ich komme zu dir, meinem Schöpfer und Herrn, und sage: verlaß mich nicht, ich bin dein Eigenthum. Ja, du bist auch mein Gott, mit dem ich im Bunde stehe, der mir Vatertreue, Errettung und Hilfe zu gesagt hat. Darum rufe ich getrost: verlaß mich nicht, mein Gott. Sei nicht ferne von mir, wenn mir leibliche oder geistliche Feinde Stricke legen; du siehest sie eher, als ich sie empfinde; darum eile, mir beizustehen. Sei nicht ferne von mir in Krankheit, wenn mich Leiden ohne Zahl trifft, wenn ich matt und schwach werde, alsdann laß mich deine Gegenwart empfinden. Sei auch nicht ferne von mir im Sterben, stehe nahe an meinem Sterbebette, daß ich dich allezeit anblicken könne, und nimm mich auf in deine Herra lichkeit. Ach, Gott, verlaß mich nicht! Gib mir die Gnadenhände: Ach, führe mich, dein Kind, Daß ich den Lauf vollende Zu meiner Seligkeit! Sei du mein Lebenslicht, Mein Stab, mein Hort, mein Schuß; Ach, Gott, verlaß mich nicht! Amen. 28. September. Norgen. Luc. 11, 28. Selig find, die Gottes Wort hören und bewahren. 543 Herr Jesu, du hast mir den Willen Gottes und den Rath von meiner Seligkeit kund gethan; du lehrest mich, wie ich recht glauben und selig sterben soll. Dein Wort verspricht mir Leben und Seligkeit. Dieses Wort will ich gerne hören, es zeiget mir dein Blut zur Versöhnung meiner Sünden. Sollte ein armer Sünder nicht gerne hören, wenn ihm die Gnade angekündigt wird? Ich will es hören in gesunden Tagen, damit ich in Trübsalsstunden mich damit erquicken könne. Ich will es hören, weil ich es hören kann, damit in der Todesstunde dein Geist mich daran erinnere. Ich will es in meinem Herzen bewahren als einen Schatz, ohne den ich ewig arm bleibe; als ein Kleinod, damit mir der Feind es nicht raube; als das Testament, darin mir die herrlichsten Güter vermacht sind; als das Manna, das man in einem goldenen Gefäß aufheben mußte. Also bin ich hier schon selig: wenn ich es lese, so wird mein Herz erleuchtet, er= neuert und mir Kraft ertheilt, darnach mein Leben anzustellen. Lebe ich also nach diesem Worte, so bin ich meiner Seligkeit gewiß, ja, ich werde mit deiner Gerechtigkeit, als mit goldenen Stücken gekleidet, vor deinem Vater erscheinen und also Gnade finden. Kreuz und Leiden kann mir meine Seligkeit auf Erden nicht nehmen, und die Sünde, weil ich sie fliehe, kann sie mir nicht rauben. Wort des Lebens, wer dich höret, Dem versprichsi du ew'ges Heil; Doch nur dem, der sich bewähret, Wird das Kleinod einst zu Theil. Nun, so will ich dich bewahren, Schwert des Geistes, Gottes Wort! Hilf mir hier auf Erden streiten, Und die Kron' erwerben dort. Amen. 28. September. Abend. P. 90, 8. Unsere Missethat stellest du vor dich, unsre uner kannte Sünde ins Licht vor deinem Angesicht. Allwissender Gott, ich kann mich vor dir nicht verbergen: sündige ich im Verborgenen, so geschieht es doch vor deinen Augen so offenbar, als ob ich vor allen Menschen fündigte. Dieses stelle mir vor, damit ich behutsam werde. Laß mich nicht sicher werden, wie der große Haufe, welcher meint, wenn er die Sünde vergessen, so sei sie auch vergeben. Ich weiß wohl, meine Missethat stehet so lange vor deinem Angesicht, bis ich sie erkenne, bereue, und dir abbitte. Ach, Gott, ich stelle mich selbst vor dich, als ein armer Sünder, der mit seinen Missethaten deinen Zorn verdient hat; aber ich bitte um Gnade; rechne mir meine Missethaten nicht zu. Wie viel begehe, denke, rede ich, das ich nicht für Sünde halte. Schreibe tief in mein Herz hinein, daß es nicht darauf ankomme, was ich für Sünde halten wolle, sondern für Sünde halten müsse, was du in deinem Wort als Sünde beschrieben hast. Erinnere mich an die genaue Untersuchung, die am Tage des Todes und Gerichts vorgehen wird. Denn wie ein Hausvater genau in seinem Buche nachsieht, was ein jeder schuldig ist, so wirst du alle meine Sünden an's Licht bringen und auch die geringsten Mißhandlungen offenbaren. Hieran gedenke ich und spreche: tilge mit dem Blute Jesu alle meine wissentlichen und unerkannten Sünden, und denke derselben nicht mehr. Also gehe ich fröhlich in mein Bette, und erscheine in Jesu rein und gerecht vor deinem Gericht. Ach, mein Gott, ich kann nicht wissen Aller meiner Fehler Zahl; Mein Gemüth ist ganz zerrissen Durch der Sünden Schmerz und Qual, Und mein Herz ist matt von Sorgen; Ach, vergib mir, was verborgen, Rechne keine Missethat Die dich, Herr, erzürnet hat. Umen. 29. September. Norgen. Matth. 18, 10. Sehet zu, daß ihr nicht jemand von diesen Kleinen verachtet; denn ich sage euch, ihre Engel im Himmel sehen allezeit das Angesicht meines Vaters im Himmel. Herr Gott, Vater, ich lobe und preise dich, daß du die himmlischen Wächter, deine heiligen Engel aussendest zum Dienst, um der Menschen, besonders um der Kinder willen. Laß mir die Gegenwart dieser heiligen Geister nimmer aus den Gedanken kommen, auf daß ich behutsam rede und wandle an allen Orten, sonderlich aber in Gegenwart zarter Kinder, daß sie nichts Böses von mir sehen, hören und lernen, und solches nachmals behalten, dadurch ihnen ein Aergerniß gegeben wird. Soll ich aber nichts thun, dadurch auch die zartesten Kinder einen Anstoß nehmen könnten; wie unsträflich soll ich mich denn vor deinen Augen aufführen! Laß mich aber auch einen Abscheu haben vor allen sündlichen Worten und Werken um der Engel willen, welche zugegen sind, die ich durch meine Sünden betrübe, und von mir treibe. Laß mich den Engeln immer ähnlicher werden. Sie sind heilig, also laß mich alle Tage heiliger werden. Sie loben dich: lag meinen Mund deines Lobes voll sein täglich, wegen deiner Erlösung, Erhaltung und Seligkeit. Sehen die Engel allezeit das Angesicht deines Vaters im Himmel, sind sie nahe um seinen Thron, dienen ihm: so laß mich immer auf der Erde wandeln vor deinem Angesicht, und dich allezeit gegenwärtig sehen, und dadurch bewogen werden, alles vor dir zu thun, auf daß ich auch im Sterben einen Blick in den Himmel thun, und nach meinem Tode ewig dein Antlitz sehen möge. Deinen Engel zu mir sende, Der des bösen Feindes Macht, List und Anschlag von mir wende Und mich halt in guter Acht, Der auch endlich mich zur Ruh Trage nach dem Himmel zu. Amen. Start's Morgen und Abend- Andachten. 545 35 29. September. Abend. Hebr. 1, 14. Die Engel find allzumal dienstbare Geister, ausges sendet zum Dienste um derer willen, die ererben sollen die Seligkeit. 546 Gnädiger Gott, ich empfehle mich deiner Gnade mit demüthiger Bitte, du wollest deine heiligen Engel um mich wachen lassen. Es ist zwar dieser Dienst unsichtbar; so unsichtbar sie aber sind, so gewiß ist ihre Gegenwart. Du hast schon in meiner Kindheit und Jugend durch deine heiligen Engel manche Gefahr von mir abgewendet, und mich auf meinen Wegen begleitet. Sie haben sich rings um mich her gelagert bei Tag und Nacht, daß ich durch deine Gnade noch stehe. Auch für diese Wohlthat danke ich dir. Lag mich nach deiner Engel Art auch dir dienen mit Sin gen, Loben und Danken, meinem Nächsten gern dienen, helfen, geben und deinen Befehl ausrichten. Gib mir ein bußfertiges Herz, daß ich mich von der Welt zu dir, von der Finsterniß zum Licht, von der Eitelkeit zur Frömmigkeit bekehre, damit sich die Engel darüber freuen mögen. Kommt es mit mir zum Sterben, so laß deine heiligen Engel um mein Bette stehen, alle Unruhe von mir abwenden, und meine Seele in den Himmel begleiten, wie sie Lazari Seele in Abrahams Schoß trugen. Bedecken die Seraphinen ihr Angesicht mit ihren Flügeln, wenn sie das dreimal Heilig dir zu Ehren anstimmen: so laß mich gegen dich auch de müthig sein, der ich mur Staub und Asche bin. Ja, Herr Jesu, laß mich deines Blutes genießen, daß ich in deiner Kraft des Satans Macht in und außer mir überwinde. Auf, mein Geist in jene Welten, Wenn die Erde dich umstrickt! Auf, zu jenen Freigebornen, Wenn dich deine Knechtschaft drückt! Strebe muthig zu dem Ziele, Aus der Finsterniß zum Licht! Gott und Engel sind dir nahe, Kämpfe, ringe, weiche nicht! 30. September. Norgen. 1 Petr. 2, 1. So leget nun ab alle Bosheit und allen Betrug und Heuchelei, Neid und alles Afterreden. Herr, mein Gott, deine Gnade ist auch diesen Morgen neu über mir aufgegangen; darum erhältst du mir mein Leben, daß ich mich soll auf die Ewigteit bereiten. Schenke mir die reichen Gaben deines heiligen Geistes, daß ich in dieser Zeit werde, wie ich wünsche in der Stunde des Todes erfunden zu werden. In der Gottseligkeit still stehen, ist gefährlich, zurückgehen verdammlich. Lebst du in mir, so kann ich ablegen alle innerliche, aus der Erbsünde aufsteigende Bosheit. Laß mich auf die Bewegung meines Herzens genau Acht haben, daß der Zorn nie über mich herrsche, und auch im Leben niemals hervorblicke. Bewahre mich vor Betrug und Ungerechtigkeit; denn wer noch lügt und betrügt, kann dein Kind nicht sein und steht nicht in der Gnade. Laß meine Frömmigkeit immer lauterer werden, daß ich dir nicht diene mit falschem Herzen, zum Schein, aus Heuchelei; denn du siehest in mein Inwendiges. Was würde es mir helfen, wenn jedermann mich für fromm hielte, aber du mich als einen Lauen aus deinem Mund ausspeien müßteſt? Und weil der Neid ist des Satans Laster, dadurch die Sünde ist in die Welt gekommen, so laß denselben ferne von meinem Herzen bleiben, daß ich dem Nächsten gerne gönne, was du ihm gibst. Laß auch meine Bunge dir geheiligt sein, daß sie alles Afterreden meide, den Nächsten nicht in üble Nachreden, in Schimpf und Schaden bringe. Also laß inskünftige mein Herz, Mund und Leben täglich reiner und dir wohlgefälliger werden. Wie die Sonn' am Himmel stehet, Freud' auf Gut' und Böse säet Also sei dein Christenherz! Lern in Liebe Christo gleichen, Lern im Lieben ihn erreichen Unter Freuden, unter Schmerz. Amen. 547 35* 30. September. Abend. 1 Tim. 1, 14. Es ist desto reichlicher gewesen die Gnade unseres Herrn, sammt dem Glauben und der Liebe, die in Christo Jesu ist. 548 Reicher Gott, reiche Güter deines Hauses sind diesen Tag auf mich geflossen. Du hast durch deinen heiligen Geist an meinem Herzen gearbeitet, Buße und das neue Wesen des Geistes in mir wirken wollen; ich kann von Gnade und Wahrheit sagen, welche mich gesucht, begleitet und erhalten hat. Jesus, mein Herr, der mich von dem ewigen Verderben mit seinem Blut erkauft hat, hat nicht nachgelassen, sein Bild mir vor Augen zu stellen. D, daß ich doch willig gewesen wäre, mich in die Gemeinschaft seines Todes ziehen zu lassen. Nun, was noch nicht geschehen, das laß mich inskünftige ersetzen. Laß den Reichthum deiner Gnade mich inskünftige empfinden, und ziehe ihn nicht wegen meines Undanks zurück. Lağ mich im Glauben zunehmen, daß ich mich unbeweglich an deine Liebe halte. Laß meinen Glauben nicht todt, sondern lebendig sein, daß ich in seinen Früchten zeigen möge, daß du in mir seiest und ich in dir. Verbanne aus meinem Herzen alle Sündenliebe. Verzeihe mir alle meine Mißhandlungen. Und weil die Liebe eine Frucht des Glaubens ist, so laß mich in der Liebe wandeln, daß ich von Jesu Sanftmuth und Demuth lerne, aber auch Liebe an dem Nächsten übe, ihm gerne helfe, gerne ihn errette, mich über ihn erbarme und das alles in Christo Jesu, durch welchen ich alles vermag, wenn er mich mächtig macht. Also schließe ich den Tag mit Danken, Beten und Loben. Liebe, die nicht auszusagen, Liebe, groß und wunderbar, Hör' mein Herze für dich schlagen, Heil'ge Liebe, ganz und gar! Ach, könnt in des Himmels Auen Ich dich erst vollkommen schauen! O wie selig werd ich sein, Wann du droben ganz bist mein! Amen. 1. Oktober. Morgen. 2 Theffal. 3, 3. Der Herr ist treu, der wird euch stärken und bewahren vor dem Argen. Lebendiger, ewiger Gott, ich fange wieder einen Tag an; laß es einen gesegneten Tag sein, daß ich, wenn dieses der letzte Tag meines Lebens sein sollte, eine selige Heimfahrt in das himmlische Freudenland halten könne. Doch wie kann ich ohne dich dazu gelangen? Stärke mich im Glauben, daß ich meine Hoffnung und Vertrauen auf dich setze, und Jesum als meinen einzigen Heiland und Mittler in wahrem Glauben umfasse. Stärke mich in der Gottseligkeit, daß ich dich immer eifriger liebe, vor der Sünde als vor einer Schlange fliehe, allezeit demüthiger, sanftmüthiger und gehorsamer werde. Soll mir heute ein Leiden begegnen, so stärke mich, daß ich es nach deiner Kinder Art willig aufnehme, mit der Versicherung, daß ich dennoch mitten in der Trübsalshizze bei dir in Gnaden sei. Bewahre mich vor dem Argen. Vater, bewahre dein Kind! Wache über meinen Leib und über meine Seele, daß mir kein Unfall begegne. Bewahre mich vor dem Satan, daß er mich nicht betrüge und in Sünden stürze. Bewahre mich vor der Welt, die im Argen liegt, damit ich ein unbeflecktes Gewissen und einen gnädigen Gott haben möge. Du bist getreu, du bist mächtig, du wirst und kannst es thun. Jesus ist mein Herr, der mich sich zum Eigenthum erkauft hat; dessen Gnade und Schußz empfehle ich mich. Deine Liebe segne mich, deine Treue erhalte mich; deine Allmacht schütze mich; deine Gnade stärke mich: so werde ich heute und allezeit wohl bewahrt bleiben. Gott wird stärken, wo wir merken, Daß uns Stärkung nöthig sei. Wenn wir wanken, wie die Kranken, Steht uns seine Gnade bei. 549 Denn die Schwachen mächtig machen, Ist ein Werk von seiner Treu. Amen. 1. Oktober. Abend. Ser. 17, 16. Ich bin nicht von dir geflohen, mein Hirte. Getreuer Gott und Vater, so habe ich diesen Tag überlebt; ich will dein Lob anstimmen, daß du mein treuer Hirte gewesen. Du hast mich geleitet und erhalten, versorgt und beschützt. Du hast durch dein Wort und deinen Geist an meiner Seele gearbeitet. Habe ferner Acht auf mich, und verlasse mich nicht. Bin ich in vorigen Zeiten oft von dir geflohen, und habe mich durch meinen Eigenwillen und der Welt Verführung von dir ziehen lassen, so hast du nach deiner Hirtentreue mich nicht in dem Dunkel meines Herzens gehen lassen, sondern hast mich gerufen, ge= sucht, auf deine Achsel genommen, und vom Irrweg herum geholt. Dafür danke ich dir, getreuer Hirte meiner Seele! Ich nehme mir vor, nicht wieder von dir zu fliehen, mich nicht mehr von dir zu entfernen, sondern durch deine Gnade dir, dem guten Hirten, gern und willig nachzufolgen. Gib mir dazu deines Geistes Gnade. Wer von dir flieht, der geht in sein Verderben, der flieht von dem Himmel und seinem ewigen Heil. Das sei ferne von mir! In dir habe ich Friede. In meiner Todesstunde will ich in die Arme deiner Barmherzigkeit und zu dem Herzen Jesu fliehen, und daselbst meine Seligkeit suchen und finden. Ach, mein Gott, nimm alsdann dein kommendes und zu dir fliehendes Kind auf, und bringe mich zu der großen Herde der vollendeten Gerechten. Mit solchem seligen Vorhaben schlafe ich ein. 550 Ich folge dir, mein Hirt, durch Kampf und Qual, Mich lenkt dein Hirtenstab. Du leitest mich auch einst durchs Todtentha Nicht furchtbar ist das Grab; Der Eingang ist zur Höhe, Zu dir, Herr Jesu Christ, Wo man in deiner Nähe Der armen Welt vergißt. Amen. 2. Oktober. Norgen. 2 Petr. 3, 18. Wachset in der Erkenntniß unsers Herrn und Heilandes Jesu Christi. 551 Gnadenreicher Gott, meiner Tage und Jahre wird immer mehr; laß mich auch zunehmen und wachsen in der Gnade, welche du mir geschenkt hast. Du hast mich durch dein Wort und deinen Geist errettet von der Obrigkeit der Finsterniß, und mich versetzt in's Reich deines lieben Sohnes. Laß mich in solcher Gnade wachsen, daß ich fliehe alle Werke der Finsterniß. Du haft mich durch die Buße aus dem Tod ins Leben kommen lassen: laß mich in solcher Gnade wachsen, daß mein ganzes Leben dir geheiligt sei. Laß mich wachsen in der Gebetsgnade, in der Ueberwindungsgnade meiner Gedanken und sündlichen Lüste, daß ich immer mehr der Welt und Sünde abfterbe, dir lebe und dem Bilde deines Sohnes immer ähnlicher werde. Laß mich auch wachsen in der Erkenntniß meines Herrn und Heilandes Jesu Christi, daß ich erkenne, er sei mein Herr, der mich verlornen und verdammten Menschen erlöset hat mit seinem heiligen theuren Blute, und daß ich diesem meinem Herrn als sein Eigenthum diene in rechtschaffener Gerechtigkeit und Heiligkeit all mein Leben lang, daß ich erkenne, er sei mein Heiland und Seligmacher, der mich, wenn ich bis an mein Ende verharre, hier im Glauben und dort in der Herrlichkeit ewig selig mache; ja, daß ich erkenne, er sei Christus, mein Hohepriester, der mich versöhnt und für mich bittet, mein Lehrer, den ich hören, und mein König, dem ich gehorchen muß. Also laß mich in deines Geistes Licht täglich wachsen und frömmer werden. Befördre dein Erkenntniß In mir, mein Seelenhort, Und öffne mein Verständniß Durch dein lebendig Wort; Damit ich an dich glaube Und in der Wahrheit bleibe, Ja wachse fort und fort. Amen. 2. Oktober. Abend. 1 Joh. 5, 12. Wer den Sohn Gottes hat, der hat das Leben; wer den Sohn Gottes nicht hat, der hat das Leben nicht. 552 Herr Jesu, du bist die größte Gabe, die ich in Zeit und Ewigkeit befizzen kann; darum frage ich mich, ob ich dich heute aus dem Herzen vertrieben. Ach, mein Heiland, kehre wieder in meine Seele. Mein Glaube umfasset dich als den Sohn Gottes, der in Ewigkeit von dem Vater gezeuget worden, aber auch mir armen Menschen zu gut ein Mensch geworden, meine Missethat zu tilgen. Mein Glaube hat und umfasset dich als das rechte Opferlamm für meine Schuld, dein Blut zur Reinigung, deinen Tod zur Versöhnung, deine Wunden zu meiner Zuflucht in Sündenangst und Todesnoth. Ich habe dich also, als meine Weisheit, als meine Erlösung, als meinen Fürsprecher. So habe ich dich mit allem, was du mir erworben haft: alles, was dein ist, ist mein, dein Himmel ist mein, deine Gerechtigkeit ist mein. Laß mich den Jammer derer recht erwägen, welche dich nicht haben; die müssen ja in Ewigkeit von dir geschieden bleiben; wenn ich aber dich habe, so habe ich das ewige Leben. Dieses geistige Leben habe ich, wenn du, mein Erlöser, in mir lebest. Dein Geist hat es in der Bekehrung angefangen, in der Heiligung fortgesetzt, und deine Gnade erhält es in mir. Bleibe ich darin getreu, so folget darauf, wenn ich durch den Tod aus dieser Zeitlichkeit in die Ewigkeit gegangen bin, das ewige, selige Leben. Was genannt mag werden Droben und auf Erden, Alles reicht nicht zu. Einer nur kann geben Freude, Trost und Leben, Eins ist noth: nur du! Hab ich dich Nur wesentlich, So mag Seel' und Leib verschmachten: Ich will's doch nicht achten. Amen. 3. Oktober. Morgen. Ephes. 5, 14. Wache auf, der du schläfst, und stehe auf von den Todten, so wird dich Christus erleuchten. 553 Ewiger Gott, ich bin vom Schlaf aufgewacht, laß mich auch vom Sündenschlaf aufwachen. Ein Schlafender hört nichts, sieht nichts, weiß nichts; so war ich vor meiner Bekehrung. Ich hörte zwar dein Wort, aber es kam nicht in mein Herz. Ich sah nicht mein innerliches Verderben, und wußte nicht meinen verdammlichen Zustand; aber nachdem du mich erweckt, bin ich aufgewacht. Ich erschrecke über meinen vorigen Zustand, und freue mich über deine unbegreifliche Liebe und Treue, nach welcher du dich meiner Seele herzlich angenommen, daß sie nicht ver= dürbe. Hilf mir nun, daß ich nicht wieder einschlafe und deine Gnade verachte, sondern aufstehe, und den Ort verlasse, an welchem ich gesündiget, und nach Jesu gesinnet sei. Habe ich also die Finsterniß verlassen, und bin ich dir ein Licht geworden, so kann mich auch Jesus erleuchten, daß er das Licht in meinem Herzen sei und bleibe. Laß dieses Licht mich auch überzeugen von meinem Gnadenstande, wie gut man es bei Jesu habe, wie schwer das Sündenjoch und wie selig sein Joch sei, so komme ich zum Genuß deiner Gnade in Zeit und Ewigkeit. Also werde ich wandeln im Licht und nicht straucheln, und die Finsterniß wird mich nicht ergreifen. Erhalte mich im Wachen und Beten, daß ich niemals zu der Welt umkehre. Heilige vir mein Herz, und laß mich in diesem Vorhaben bis an mein Ende beharren. Wecke, da der Leib geschlafen, Auch die Seele geistlich auf; Gib ihr deines Lichtes Waffen, Richt' und leite ihren Lauf. Laß mich sein des Lichtes Kind; Hilf mir, weil ich geistlich blind, Jesu, daß ich heller sehe, Und in deinem Lichte gehe. Amen. 3. Oktober. Abend. Pf. 65, 3. Du erhörest Gebet; darum kommet alles Fleisch zu dir. Gütiger Gott, wie oft bin ich mit meinem Gebet schon vor dich gekommen, und du hast mich noch niemals abgewiesen; auch in dieser Abendstunde hebe ich wieder Herz und Hände zu dir auf. Wenn mir et was fehlt, so klage ich es dir; wenn ich in der Noth bin, so eile ich zu dir. Ich mache es wie die Kinder, die immer von dem lieben Vater etwas zu bitten haben. Daß ich aber so kühn bin, macht deine Gütigkeit; denn du erhörest Gebet, du läsfest niemand traurig von dir weggehen. Wie oft hast du mein Gebet er: höret! Des Morgens erhörest du mein Gebet, und gibst mir deinen Segen; des Abends erhörst du mein Gebet, und breitest deine Gnadenflügel über mich aus, daß ich ruhig schlafen kann. Darum kommt auch alles, was da lebt und schwebt, zu dir. Die jungen Raben rufen dich an, die jungen Löwen brüllen nach Raub, alles Vieh im Walde wartet auf dich, daß du es ver sorgest und ihm Speise gebest, du hörest das Seufzen aller Kreaturen. Auch deine Kinder kommen zu dir, Große und Kleine, Arme und Reiche, alle Menschen, weß Standes und Geschlechtes sie sind, und von allen Orten, in allen Landen. Deine Liebe und Treue ziehet sie herbei. Darum komme ich auch unter dem Haufen der Betenden, und bitte dich um Vergebung aller meiner Sünden. Ich bitte dich: gib mir deinen heiligen Geist, der mich neu gebäre von Herzen, Leben und Willen. Höre auch mein Gebet in meinem Leiden und Sterben; wenn mich niemand mehr hören und verstehen kann, so höre, erfreue und tröste mich. 554 O Gott, man lobt dich in der Stille In Zion, deiner lieben Stadt; Bezahlet dir, wie es dein Wille, Wenn man Gelübde auf sich hat; Denn das Gebet erhörest du, Daher lauft alles Fleisch dir zu. Amen. 4. Oktober. Morgen. Bhil. 1, 11. Erfüllet mit Früchten der Gerechtigkeit, die durch Jesum Christum geschehen in euch zur Ehre und Lobe Gottes. Heiliger Gott, laß mich ein guter Baum sein, erfüllt mit Früchten der Gerechtigkeit. Du mujt den Baum erst gut machen, ehe er gute Früchte tragen kann; so mache denn mein Herz neu, rein, fromm, demüthig und fanftmüthig. Laß mich meine vorigen Unarten beweinen, da ich faule Früchte als ein böser Baum gebracht habe, nemlich Ungehorsam, Falschheit, Zorn, Rache, Mißtrauen und Ungerechtigkeit. Schenke mir Kraft, in der rechtschaffenen Umkehr zu dir diese Laster und bösen Früchte zu meiden. Ich ergreife Jesu Christi Blut und Gerechtigkeit; laß mich aus seiner Fülle nehmen Gnade um Gnade. Durch ihn habe ich neue Stärke; wenn er mächtig macht, so vermag ich alles Gute. So laß mich Früchte eines ge= heiligten und gereinigten Herzens bringen, nemlich Glaube, Liebe, Demuth, Aufrichtigkeit, Keuschheit, einen unsträflichen Wandel, daß ich mein Licht leuchten lasse vor den Leuten, da sie vorher Zeugen meiner Ungerechtigkeit gewesen. Sah man an mir eine Fülle sündlicher Lüfte, Worte und Werke, so laß mich mit so viel Tugenden erfüllt erscheinen. Dieses soll von mir durch dich geschehen zu deiner Ehre, der du mich hast von der Sünde zu dir gezogen. Die Ehre der neuen Geburt kommt dir zu, du mußt das gute Werk anfangen und vollenden. Dein soll auch sein der Ruhm, daß du an meiner Seele so viel Barmherzigkeit gethan, und mich vom Tode zum Leben gebracht hast. Jesu, mache mich mit dir Inniglich verbunden; 555 Denn da wird gewiß an mir Auch die Frucht gefunden, Mach mich rein, Daß ich fein Viele Früchte trage Bis zu deinem Tage. Amen. 4. Oktober. Abend. Hebr. 2, 2. Eine jegliche Uebertretung und jeglicher Ungehorsam hat empfangen seinen rechten Lohn. 556 Gerechter Gott, der Abend ruft mich, daß ich mich fragen soll, wie ich den Tag hingebracht? Fragt du mich, so antwortet mein Gewissen und wirft mir meine Uebertretung deiner Gebote vor. Hat mich deine Gnade vor groben Fällen und Schandthaten bewahrt, so bin ich doch des Ungehorsams mir allzuwohl bewußt. Denn dein Wort verlangt nicht allein äußer= lichen, sondern auch innerlichen Gehorsam. Hier offen= bart sich nun der Ungehorsam, da mein Herz mit fündlichen Lüsten und Gedanken ist erfüllt gewesen, meine Zunge oft aus den Schranken getreten, und ich bei all meinem Guten ein Schaltsauge und Nebenabsichten auf eigne Ehre und Nutzen gehabt. Hat jegliche Uebertretung ihre Strafe, so will ich mich nicht bereden lassen, es wären etliche Sünden erlaubt, sondern ich will eine jegliche als verdammlich ansehen. Gerechter Gott, soll nun meine Uebertretung ihren rechten Lohn empfangen, so bin ich verloren. Der Sünde Lohn ist dein Zorn, der Fluch, der Tod, die ewige Verdammniß, leibliche Strafen, Schmerzen und Unglück. Strafe mich nicht in deinem Zorn, und züchtige mich nicht in deinem Grimm. Ach Gott, sei mir armem Sünder gnädig! Heilige mich durch deinen Geist, daß ich mich nicht wieder in die Grube stürze, daraus mich deine Gnade befreit hat. Laß mich in meinem Sterben des Gehorsams Jesu genießen, und sein Verdienst sei mein Gnadengeschenk, dadurch ich der zukünftigen Herrlichkeit ewiglich genieße. Bleibt hier viel Böses ungestraft, Viel Gutes unbelohnet, So kommt ein Tag der Rechenschaft, Der feines Sünders schonet; Da wird sich die Gerechtigkeit, Die jedem die Vergeltung beut, Am herrlichsten beweisen. Amen. 5. Oktober. Morgen. Jef. 40, 31. Die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft, daß sie auffahren mit Flügeln wie Adler, daß sie laufen und nicht matt werden, daß sie wandeln und nicht müde werden. Starker Gott, mein Herz ist allezeit zu dir gerichtet. Stärke mein Vertrauen zu dir, wenn meine Vernunft alles zu genau abzählt, alles voraus wissen will, daß ich mit unerschrockenem Muth auf dich harre. Du bist ein allmächtiger Herr; dir ist nichts unmöglich, du bist ein weiser Herr, du hast Mittel, da ich keine finden kann; du bist ein gütiger Herr, dessen Treue ich oft erfahren habe; du bist ein wahrhaftiger Herr, eher müßte Himmel und Erde vergehen, ehe eins deiner Worte sollte unerfüllt bleiben. Dieses gibt mir neue Kraft, zu hoffen, zu warten, zu beten. Mein kummervolles Herz lasse ich wie mit Flügeln der Adler hinauffliehen zu dir. Wenn es verzagt und kleinmüthig werden will, so sage ich: was betrübst du dich, meine Seele? Harre auf Gott, kennst du deinen Vater nicht mehr, der dich so lange erhalten? Kennſt du Jesum nicht, der für dich bittet? Kennst du den heiligen Geist nicht, der dich so oft getröstet? Dann kriege ich neue Kraft; da laufe ich durch die Kreuzeswege und werde nicht müde; ich laufe und schreie dir nach wie das kananäische Weib; ich wandle in meinen Berufswegen unter dem Kreuz, und werde nicht matt, weil mich deine Gnade erhält. Dieses laß meinen Trost bleiben, bis ich zu deiner Herrlichleit eingehe. Welche auf den Herrn, Herrn hoffen, Haben's allezeit getroffen, Weil fie neue Kraft hier kriegen, Daß sie wie die Adler fliegen, Laufen, aber ohn' Beschwerden, Wandeln und nicht müde werden. 557 Gott, der solchen Lauf beschieden, Der gibt Stärte g'nug den Müden. Amen. 5. Oktober. Abend. Offenb. 22, 20. Ich komme bald. Amen! ja komm', Herr Jesu! Herr Jesu, siehe, es ist Abend geworden: komm zu mir mit deinem Schuß. Dein Kommen ist nicht ein ohnmächtiges, wie Menschen zu mir in Nöthen kommen, nicht ein hilfloses Ansehen, nicht ein gütiges Bedauern, sondern wenn du kommst, so kommt Hilfe, wie bei des Hauptmanns Knecht; da findet sich dein Segen ein, wie zu Kanaan; da weichen die Schmerzen, wie bei dem Gichtbrüchigen; da wird das Herz erquickt, wie bei den Weibern, die dich im Grabe suchten. Herr Jesu, so komm auch zu mir, wenn ich bete, und sprich: dein Gebet ist erhört, du hast Gnade bei Gott gefunden. Komm zu mir, wenn mein Gewissen mich ängstiget, und sprich: Dir sind deine Sünden vergeben. Komm zu mir, wenn mich die Welt will verführen, und laß dein Kreuz mir vor Augen stehen, damit ich vor der Sünde als einer Schlange fliehe. Komm zu mir, und hilf mir mein böses Herz besiegen. Komm zu mir, wenn ich in leiblichen Nöthen stecke, wenn ich verlassen bin, und sprich zu meiner Seele: Ich will dich nicht verlassen noch versäumen. Will sich mein Feind über mich erheben, und meine Ehre in den Staub legen, mich verfolgen, so thue ihm Einhalt. Komme aber bald, verziehe nicht lange, eile, mir bei zustehen, ich warte auf dich von einer Morgenwache bis zur andern. Du bist mein bester Freund. Komme bald; wenn ich krank bin, lindere meine Schmerzen. Komme auch im Sterben zu mir, und sprich: Ich komme bald, dich heim zu holen. 558 Komm und bring' den Tröster mit, Deinen Geist, der dich verkläret, Der mich im Gebet vertritt Und des Königs Willen lehret; Daß ich bis auf jenen Tag: Komm, Herr Jesu!" rufen mag. Amen 6. Oktober. Norgen. 1 Kor. 8, 3. So jemand Gott liebet, derselbe ist von ihm erkannt. Liebenswürdiger Gott, gib mir deinen heiligen Geist, daß ich dich recht von Herzen lieben könne. Reichthum, Ueppigkeit, Ehre, Weltfreundschaft will ich aus meinem Herzen verbannen, du allein sollst meiner Seele Freude, Reichthum und Verlangen sein. Ich übergebe dir mein Herz zur Wohnung, und alle meine Glieder zum Dienst. Laß meine Zunge ein Werkzeug deines Lobes werden. Meine Hände sollen sich zu bir erheben, meine Gedanken mit dir beschäftigt sein. Damit aber deine Liebe in mir desto tiefere Wurzeln schlage, so verleihe mir Gnade, daß ich dich nicht nur erkenne äußerlich, als meinen Schöpfer, Erlöser und Heiligmacher, sondern innerlich, daß mein Wissen mich heiligen möge. Jesu, mein Erbarmer, laß mich auch von dir erkannt werden; erkenne mich für dein Kind, und vergib mir alle meine Sünde; erkenne mich für dein Eigenthum, und hilf mir aus meinen Nöthen; erkenne mich für deinen Erben, daß ich deiner Herrlichkeit und Freude möge theilhaftig werden. Wer dich kennet, der liebet dich, und wer dich nicht liebet, der kennet dich nicht. Bewahre mich, daß ich nicht aus Menschenfurcht mich stellen möge, als ob ich dich nicht kenne, wie viele thun; laß mich meine Liebe auch bei bösen Menschen offenbaren, daß ich ihre Unarten mit Freuden meide. Verleihe mir Muth und Vermögen, das zu thun, was ich dir jetzt verspreche. Dieses wird mein Leiden versüßen, und mir die Güte deines Hauses immer mehr zu schmecken geben. Gib, daß sonst nichts in meiner Seel', Als deine Liebe wohne; Gib, daß ich deine Lieb' erwähl' Als meine Lust und Krone. Stoß alles aus, nimm alles hin, Was mich und dich will trennen Und nicht gönnen, Daß mein Herz, Muth und Sinn In deiner Liebe brennen. Am.. 559 6. Oktober. Abend. pohel. 5, 10. Mein Freund ist weiß und roth, auserforen unter vielen Tausenden. 560 Herr Jesu, du bist mein Blutsfreund, der du mein Fleisch und Blut an dich genommen; du bist mein liebster Freund, der mir von der ersten Stunde meines Lebens an viel Gutes gethan, ja ehe ich noch geboren war, mich schon geliebet; mein treuer Freund, der mich in keiner Noth verlassen; ein gütiger Freund, der sich mir ganz geschenkt. Bleibe mein Freund; wenn ich mit Sünden dich betrübe, so weiche nicht von mir, sondern gib mir Gnade zur Umkehr. Sehe ich dich an in deiner Unschuld, so erblicke ich dich als weiß, rein und unbefleckt. Du warest weiß und rein an deiner Seele, darin keine böse Bewegungen waren; rein und weiß in deinem Leben, darin dich niemand einer Sünde zeihen konnte, darum konntest du auch meine Sünden auf dich nehmen. Du warst der Allerheiligste, von allen Sünden abgesondert; einen solchen Hohenpriester, ein solches Opferlamm sollten wir haben. In deinem Leiden bist du roth von Blut und Wunden; da haben Geißeln und Ruthen vom Haupt bis auf die Füße dich verwundet, da haben die Pflüger ihre Furchen auf deinem heiligen Leibe lang gezogen. Nun, dazu warst du auserkoren, als das Opfer für die ganze Welt. Du bist auch mein Auserwählter unter vielen Tausenden, kein Mensch, keine Kreatur, nichts Gegenwärtiges, nichts Zukünftiges soll mir lieber werden. Stärke und befestige mich in solcher Liebe täglich bis an mein Ende. Decke mit deiner Unschuld meine Sündenschuld, und dein Blut sei mein Ehrenkleid. In meines Herzens Grunde Dein Nam' und Kreuz allein Funkelt all' Zeit und Stunde, Drauf kann ich fröhlich sein. Erschein' mir in dem Bilde, Zum Trost in meiner Noth, Wie du, Herr, dich so milde Geblutet haft zu todt. Amen. 7. Oktober. Morgen. 1 Joh. 2, 6. Wer da sagt, daß er in ihm bleibet, der soll auch wandeln, gleichwie er gewandelt hat. Herr Jesu, unglücklich ist der Mensch, der außer dir und deiner Gemeinschaft ist. Ich bin in deine Liebe eingeschlossen, der du mich geliebet und dich selbst für mich dargegeben. Ich bin in dir, weil ich dir allein lebe und nachfolge. Ich bin in dir, weil du mir deinen Geist gegeben hast. So bist du in mir und ich in dir. Laß mich auch in dir bleiben, und nie durch Sündenliebe wieder von dir weichen. Laß mich auch wandeln, gleichwie du gewandelt hast. Wie reizt mich mein Fleisch, wie lockt mich die Welt, ihren Lüsten nachzuwandeln! O mein Erlöser, davor bewahre mich. Ich will auf dein Beispiel schauen und dir nachwandeln, so viel du mir Geist und Kraft geben wirst. Ich erblicke an dir völlige Verleugnung aller irdischen Dinge, laß mich mein Herz nicht an Eitelkeit und Ueppigkeit der Welt hängen. Du liebteſt deine Feinde; laß keinen Haß, Zorn und Nachgier in mir gefunden werden. Du warst deinem Vater gehorsam bis zum Tode: gib mir ein gehorsames Herz, alles gerne zu thun, was du befiehlst. Wenn ich aus Ueber= eilung mich von dir entferne, so bringe mich bald wieder auf den rechten Weg. Dein Wandel stimmte nicht mit der Welt Sitten überein, so laß meinen Gang allezeit auf deine Fußstapfen gerichtet sein: so bleibe ich in dir im Leben, Leiden und Sterben, hier in der Zeit und dort in der Ewigkeit. Gewiß, wer erst die Sünde In Christi Blut ertränkt, Und dann gleich einem Kinde Am Sünderfreunde hängt, Der wird auch heilig handeln, Und kann dann anders nicht. Herr Jesu, lehr' uns wandeln In deiner Augen Licht. Amen. 561 Start's Morgens und Abend- Andachten. 36 7. Oktober. Abend. Jerem. 3, 13. Erkenne deine Missethat, daß du wider den Herrn, deinen Gott, gesündiget haſt. Heiliger Gott, ich komme vor den Thron deiner Gnade als ein armer Sünder. Ja, ich erkenne und beklage es, daß ich auf meine Gedanken nicht so fleißig Acht gehabt, wie ich hätte thun sollen. Ich erkenne, daß ich meiner Zunge freien Lauf gelassen, daraus nichts anders als Sünden und Missethaten haben ent stehen können. Ich erkenne, daß ich das Vorbild meines Heilandes nicht fleißig vor Augen gehabt; ja ich erkenne, daß ich dir, meinem Herrn, nicht gehorcht, dich nicht geliebet, noch gefürchtet, darum du, als ein ge rechter Herr, mir den verdienten Lohn der Sünde geben könntest. Ja, du bist nicht allein mein Herr, sondern auch mein Gott, mein Gutthäter, mein Helfer, der mir aus mancher Noth geholfen. Deine Güte hätte mich zur Buße leiten sollen; aber je liebreicher du dich gegen mich bezeigt, desto mehr klagt mich mein Undank an. Siehe mich gnädig an, mein Gott, als eine unter die Sünde gedrückte, und vor dem Kreuze Jesu gebeugte Seele, der ich nicht allein meine Missethaten erkenne, sondern auch bereue, beweine und wünsche, daß ich sie nicht vollbracht hätte. Verzeihe mir meine Sündenschulden und Strafen, und laß mir Gnade widerfahren. O ewige Liebe, erbarme dich über mich, und sei mir wieder in Gnaden zugethan. Siehest du aber, mein Gott, meine Reue und Traurigkeit über meine Sünde, so siehest du auch mein herzliches Vorhaben und Verlangen, Hinfort frömmer und dir gefälliger zu werden. Gib mir dazu deines Geistes Kraft und Stärke in reichem Maße, und laß mich in meinem Sterben als eine begnadigte Seele erfunden werden. Herr, ich muß es dir bekennen, Daß ich übel hab' gethan, Darf mich nicht dein Kind mehr nennen: Doch nimm mich zu Gnaden an. Laß die Menge meiner Sünden Deinen Zorn nicht gar entzünden. Amen. 562 8. Oktober. Morgen. Ephef. 6, 18. Betet stets in allem Anliegen mit Bitten und Flehen im Geist. Gott Vater, da ich nach dem Schlafe meine Augen aufthue, schaue ich nach dir, wie ein Kind nach seinem Vater. Ich habe nichts, ich vermag nichts, ich weiß nichts ohne dich. Darum komme ich im Namen Jesu; nicht auf meine Gerechtigkeit, sondern auf deine Gnade und Barmherzigkeit. Ich trage dir aber eine herzliche Bitte vor: gib mir deinen heiligen Geist, der mich heute regiere, heilige und leite auf allen meinen Wegen, daß er meinen Geist mit guten Gedanken erfülle. Bewahre mich vor Sünden, und gib mir ein frommes Herz, welches allezeit auf Jesu schaue, daß ich seinem Bild immer ähnlicher werde. Laß mich die leiblichen und geistigen Gaben in Demuth besitzen, und erhalte sie mir gnädiglich. Du weißt, was für Unglück in einer Stunde dem Menschen widerfahren kann, darum flehe ich demüthig: wende alles Verderben und Gefahr von meinem Leibe und alle Bez fleckungen von meiner Seele ab, daß ich den Abend fröhlich erleben möge. Siehe, mein Mund betet, aber bete auch im Geist mit meinem Herzen, welches den heiligen Geist zur Andacht erweckt hat. Welche Gnade ist es, daß ich allezeit einen freien Zutritt zu dir habe, und daß du mir zu beten befohlen und mich zu erhören gnädig verheißen hast. Meine Anliegen und Sorgen werfe ich auf dich, Vater! du weißt, was mein Herz wünschet. Kinder klagen dem Vater alles, suchen bei ihm alles, fordern von ihm alles. Auch ich trage dir mein innerstes Anliegen vor; ich weiß, du wirst mich in Gnaden anſehen. Jesu, hilf beten, ach, laß es gelingen! Richte Gedanken und Worte mir ein; Lasse mein Beten im Streben und Ringen 563 Heftiger, träftiger, kindlicher sein! Beten kann retten aus jeglichen Nöthen Und aus dem Tode selbst: Jesus hilft beten! Amen. 8. Oktober. Abend. Pi. 71, 3. Sei mir ein starker Hort, dahin ich immer fliehen möge, der du zugesagt hast, mir zu helfen; denn du bist mein Fels und meine Burg. 504 Allmächtiger Gott, bei einbrechender Nacht eilet alles zur Ruhe, ich aber eile zu dir, du bist mein starker Hort, mein Fels und meine Burg. Ich fürchte mich nicht, wenn du bei mir bist. Alles weicht von mir, aber deine Liebe nicht. Ich bleibe nicht allein, und kann nicht allein sein; darum fliehe ich zu deiner Allmacht. Bedecke mich mit deinen Flügeln, und wende allen Schaden und Gefahr von mir ab. Ich fliehe zu deiner Barmherzigkeit, um derselben willen vergib mir alle meine Sünden. Ich fliehe zu deiner ewigen Liebe und Treue in allen Anliegen. Mein Vertrauen steht fest auf dich, du werdest dich meiner erbarmen, der du mir zugesagt hast, mir zu helfen. Du kannst mir helfen, denn du bist ein allmächtiger Gott, dem nichts zu groß, nichts zu schwer, nichts unmöglich Du willst mir helfen, denn du bist mein liebreicher Vater, der mich liebt; du wirst mir auch helfen, denn du hast es mir verheißen und zugesagt. So sei denn still, meine Seele, und hoffe auf den Herrn; er wird alles wohl machen. Ja, mein Gott, du hast mir schon aus viel Trübsal geholfen: darum bin ich getrost und warte auf dich von einer Morgenwache bis zur andern. Hilf mir im Kampfe wider die Sünde, daß ich täglich frömmer werde. Hilf mir im Leiden, wenn mein Leib krant, meine Seele betrübt ist. In der Todesstunde hilf mir überwinden; sei alsdann mein Fels, meine Burg und umfasse meine Seele mit deinen Liebesarmen. Sei mir ein Fels, dahin ich fliehen Und wo ich wohnen kann. Du kündest Heil mir an, Und hast mir öfters Heil verliehen. Du bist's, deß ich mich tröste, Mein Hort und meine Feste. Amen. 9. Oktober. Morgen. 1 Petr. 3, 15. Heiliget Gott den Herrn in eurem Herzen. Heiliger, anbetungswürdiger Gott, ich falle mit allen heiligen Engeln vor dem Thron deiner Herrlichteit nieder und sage: Heilig, heilig ist Gott, der Herr Zebaoth! Alle Lande sind deiner Ehre voll. Ich will dich heiligen in meinem Herzen, daß ich allezeit ehrerbietig an dich gedenke, unheiligen Gedanken aber nimmermehr Raum gebe. Wenn aber mir wider meinen Willen unheilige Gedanken einfallen, so hilf du mir dieselben dämpfen und überwinden. Heilige, kindliche Furcht soll meinen Willen und Leben allezeit in den Schranken halten, daß ich dich nimmer betrübe. Gott, heilige du mich, daß ich dich heiligen könne. Alle ver= stellte Heiligkeit ist dir ein Greuel; darum laß mich in meinem Herzen aufrichtig, beständig, nicht nur heute, dich heiligen. Heilige mich durch dein Wort und deinen Geist, daß ich alle Befleckungen des Fleisches und Geistes zu meiden, und nicht nach dem Lauf der Welt zu leben meine beständige Sorge sein lasse. Gott, der du mich zu deiner Ehre erschaffen, bewahre mich, daß nicht durch mich, durch meine sündliche Aufführung dein Name gelästert werde. Laß mein Herz und meinen Mund immer mit deinem Lobe beschäftigt sein. Laß mich bei deinem Dienst eifrig und munter, andächtig und aufmerksam sein, daß dein Name auch durch mich gepriesen werde. Laß mich durch deinen Beistand der wahren Reinigkeit und Heiligkeit mich bestreben. Du bist heilig, laß mich werden Rein und heilig immer mehr. Tödt' die Glieder, die auf Erden Widerstreben deiner Ehr'. Laß mich in dem neuen Leben Wachsen und stets dahin streben, Daß die Seel' mit deinem Bild Auf das neue werd' erfüllt. Amen. 565 9. Oktober. Abend. Apost. Gesch. 10, 43. Von diesem Jefu zeugen alle Propheten, daß durch seinen Namen alle, die an ihn glauben, Vergebung der Sünden empfangen soller. 566 Herr Jesu, in deinem Namen will ich mich jetzt schlafen legen, dein Name soll auch des Nachts nicht aus meinem Herzen kommen. Alle Propheten haben von dir gezeugt, ganz Israel sah deinen Tod in dem Tode der Opferthiere, deine Versöhnung in der Vergießung des Bluts. Diese Gnade widerfuhr allen Glaubigen; darum auch wir im neuen Bunde durch deine Gnade und Gerechtigkeit selig werden, gleicherweise wie auch sie. Nun, mein Heiland, vergib mir alle meine Sünde, dein Blut ist auch für mich vergossen, dein Tod ist auch für mich geschehen, deine Gerechtigkeit ist auch mir erworben. Das Zeugniz der Propheten und Apostel nehme ich nicht allein an, sondern ich empfinde es auch in meinem Herzen, durch innerlichen Trost und Freudigkeit, daß ich durch deine Wunden Barmherzigkeit und Frieden erlangt. Laj diesen Glauben an dich allezeit in mir wachsen, fester und freudiger werden. Laß ihn mich heiligen, mir die Sünde bitter und die Wollust verächtlich machen. Laß deinen Geist mir versiegeln, daß ich durch deinen Namen freigesprochen sei von aller Schuld und Strafe. Du haft predigen lassen Buße und Vergebung der Sünden den betrübten Seelen. Laß mich auch unter denen allen sein, deren Glaube lebendig, thätig und dir wohlgefällig ist. Ich entsage der Welt und allen Sünden, ich bitte um Gnade; laß mich versöhnt jetzt einschlafen; und in der Stunde des Todes sprich zu mir: Dir sind deine Sünden vergeben, du sollst hier in mir und dort durch mich ewig leben. Nun, dein Name sei in Nöthen, Wenn du mich auch wolltest tödten, Meine Zuflucht für und für. Daran will ich mich erquicken, Bis ich dich selbst werd' erblicken; Hole mich nur bald zu dir. Amen. 10. Oktober. Morgen. 1 for. 2, 12. Wir haben nicht empfangen den Geist der Welt, sondern den Geist aus Gott, daß wir wissen können, was uns von Gott gegeben ist. 567 Gott, du reicher Gott, du Geber aller guten Gaben, wie vielerlei Gutes hat mir deine milde Hand dargereicht, sowohl im Zeitlichen als im Geistlichen. Der Geist der Welt ist ein unverständiger Geist, indem der natürliche Mensch nicht vernimmt, was des Geistes Gottes ist; er ist ein verführerischer Geist, der durch Lüste in Irrthum sich verderbet; er ist auch ein eitler und schlimmer Geist, welcher nicht fragt, was recht, heilig, keusch und gerecht ist; aber mir hast du gegeben deinen heiligen Geist, der mich warnt, straft und bewahrt, daß ich dem Weltgeiste nicht folge, mich nicht nach andrer Menschen Gewohnbeiten richten mag, so süß sie auch meinem Fleische scheinen mögen; dagegen treibet er mich beständig zur Heiligung meines Herzens und Lebens an; ja, er verleiht mir immer mehr Licht und Kraft, daß ich wissen kann, was mir von dir in Christo Jesu, meinem Herrn, gegeben ist. Denn dein Geist gibt Zeugniß meinem Geiste, daß ich dein Kind sei; er ruset mich zurück, wenn mein Herz zur Sünde eilen will; er gibt mir Stärke, die Lüste zu dämpfen; er erwecket in mir ein herzliches Verlangen, dich zu lieben, dir zu dienen, dir zu sterben; er stellt meinem Geiste vor, wie hoch ich in Jesu begnadigt bin, daß ich in ihm habe Friede, Vergebung der Sünden, den Zugang zur Gnade und ewige Seligkeit. Laß diesen Geist mich führen auf ebener Bahn. Der Weltgeist führt nur zum Verderben, Der Geist aus Gott zur Seligkeit. D Geist des Herrn, mach' auch im Sterben Zum Anschau'n Jesu mich bereit, Daß ich dort himmlisch wiss' und denk, Was Gott uns in dem Sohne schenk'. Amen. 10. Oktober. Abend. 2 Tim. 4, 18. Der Herr wird mich erlösen von allem Uebel, und mir aushelfen zu seinem ewigen himmlischen Reich; ihm sei Ehre von Ewigkeit zu Ewigkeit. Herr Jesu, du hast als ein treuer und mächtiger Herr an mir gethan, da du mich aus dem ewigen Verderben erlöset hast. Ich lag in dem zeitlichen und ewigen Verderben, ich war ein Kind der Hölle und des Todes, du hast mich frei gemacht und zur Gnade gebracht; dessen freue ich mich, so oft ich daran gedenke. Du hast mich auch in meinem Leben aus mancher Noth und Gefahr erlöst; diese Gnade wirst du mir auch inskünftige nicht versagen. Ist auch dieses Leben mit unzähligem Uebel Leibes und der Seele, Guts und Ehre umgeben, so wird doch deine Gnade mich davon erlösen. Ich weiß nicht, was mir noch bevor steht, aber das weiß ich gewiß, daß ich an dir einen mächtigen Erlöser habe, dem kein Uebel zu groß iſt. Du wirst mich erlösen, sei's im Leben oder im Sterben. Im Sterben wird mich alles Leiden und auch die Sünde verlassen müssen; das Kreuz bleibt auf dem Grabe, kommt aber nicht hinein. Du wirst mir aus helfen zu deinem ewigen himmlischen Reich. Meine Seele wird zu deiner Freude eingehen und mit dir im Paradiese sein; da wird sie dein Angesicht schauen in Gerechtigkeit. Zu solcher Herrlichkeit wird auch mein Leib gelangen in der Auferstehung; dann wird er leuchten wie die Sonne, in seines Vaters Neich. Ja wohl, ein ewiges Reich, das kein Ende nimmt, ein himmlisches Reich, wo himmlische Klarheit, himmlische Güte, Freude und Trost meine Seele ergötzen wird. Für diese Barmherzigkeit sei dir Ehre, Lob und Dank gegeben in Ewigkeit. Jesus wird sein Volk erlösen Von dem Bösen: 568 Knechte Christi, tröstet euch, Wann er wird der ganzen Erden Nichter werden, Da hilft er auch uns zum Reich. Amen, 11. Oktober. Norgen. 1 Sam. 16, 7. Ein Mensch siehet, was vor Augen ist; aber der Herr siehet das Herz an. 563 Allwissender Gott, dein allsehendes Auge schauet in das Verborgene und auch in mein Herz. Vor Menschenaugen sich verstellen, ist ein Leichtes; denn sehen die ein ehrbares Leben, so schließen sie, daß da auch müsse ein frommes Herz sein; du urtheilest anders, nicht nach dem Schein, nicht nach dem Neußerlichen, sondern nach dem Wesen und nach dem Innerlichen; du siehest das Herz an. Dir sind alle meine Absichten offenbar, warum ich Gutes thue, dir oder dem Nächsten diene. Dieses soll mir zu einer ungefärbten Aufrichtigkeit Anlag geben. Laß mich in all' meinem Thun denken, der Herr siehet das Herz an. Du siehest, daß ich mich betrübe, wenn ich dich beleidigt habe. Du siehest, wie ich die Vergebung meiner Ulebertretungen allein in dem Blute Jesu suche. Du siehest, wie ich wünsche, immer frömmer, immer dir gefälliger zu werden. Du siehest auch mein heimliches Anliegen, du siehest, wie ich in Gebet vor dir liege; laß mich nicht unerhört aufstehen, erfreue mich mit deiner Hilfe. Laß dein allsehendes Auge mich zur kindlichen Furcht vor dir antreiben, daß ich mich nicht mit zornigen, unreinen Gedanken trage. Bewahre mich vor Neid und Falschheit gegen meinen Nächsten. Reiße aus meinem Herzen alle Tücke des alten Adams und laß mich gesinnet sein gegen dich und meinen Nächsten, wie Jesus Christus auch war. Erforsch' mich Gott, ergründ' mein Herz, Durchsuche die Gedanken, Und siehe, ob ich hinterwärts Auf's Böse wolle wanten. Bin ich vielleicht auf falschem Weg, So führ' du mich den rechten Steg, Der nach dem Himmel weiſe, Daß ich vom Sündendienste frei Und dir, o Herr, gefällig sei, Bis ich von hinnen reise. Amen. 11. Oktober. Abend. 1. 9, 11. Du verlässeft nicht, die dich, Herr, suchen. Liebreicher Gott, verlaß mich nicht in dieser Nacht, sondern decke mich mit deiner Liebe zu; veclaj mich nicht in meinem Gebet, verlaß mich nicht, wenn Feinde mir nachstellen; verlaß mich nicht im Kreuz; verlaß mich auch nicht im Tode; alsdann halte mich in deinen Armen und erquicke mich mit deinem himm lischen Trost. Dieser Gnade freue ich mich, weil du sie zugesagt haft allen, die dich suchen. Ich suche dich mit Flehen und Seufzen bei Tag und Nacht. Ich suche dich allein und nicht die Welt; die Welt ist falsch, du bist mein Freund, der es treulich mit mir meint. Ich suche deine, nicht der Welt Freundschaft, die mir schädlich und verdammlich werden könnte. Ich suche dich in deinem Worte, ich suche dich in dem Tempel, ich suche dich in meinem Kämmerlein, ich suche dich in meinem Herzen, und aller Orten finde ich dich, wenn du mich tröstest und mir hilsst. Du bist meiner Seele alles, darum suche ich bei dir alles. Ich suche dich nicht nur heute, sondern beständig, bis ich dich hier in der Zeit und dort in der Freude finde. Schenke mir deinen heiligen Geist zum Lehrer, Führer und Tröster, daß ich nimmer von dir weiche. Sollte ich aber durch Betrug meines Fleisches und Verführung der Welt dich verlassen, so fache mich, wie ein Hirte sein verlorenes Schaf, durch empfindliches Anklopfen an mein Herz, daß ich bald umkehren und deiner Stimme folgen möge. Wenn ich dich in meiner Todesstunde suche, so laß dich finden; erscheine mir zum Trost, und laß mich schauen, was ich allhier geglaubet. 570 Ja, dir vertrauet, wer dich kennt, Wer dich bei deinem Namen nennt; Du läsfest nimmermehr verzagen Die, Herr, nach deiner Gnade fragen. Amen. 12. Oktober. Morgen. Ephef. 1, 4. Gott hat uns erwählet durch Christum, ehe der Welt Grund gelegt war, daß wir sollten sein heilig und unsträflich vor ihm, in der Liebe. Ewiger Gott, liebreicher Vater, du hast an mich gedacht und mich geliebt, ehe ich geboren, ehe der Welt Grund gelegt war; ehe Himmel und Erde erschaffen war, da hast du schon mich erkannt, und mir in Christo Barmherzigkeit widerfahren zu lassen, in deinem Liebesrath beschlossen. Denn durch und in demselbigem, meinem Heiland, hast du mich zu der emigen Seligkeit erwählt, daß ich nach dieser Zeit, menn ich Glauben gehalten, einen guten Kampf gekämpft, und also meinen Lauf vollendet, die Krone des ewigen Lebens empfangen soll. Habe Dank für diese große Gnade. Wer bin ich, daß du mich zu deinem Kinde angenommen, und zu deinem Erben erwähll hast? Welche Herrlichkeit ist das! Schenke mir ein gehorsames und dankbares Herz, daß ich mich eines heiligen Wesens befleißige. Dein Geist heilige mein Herz und Willen, daß ich nichts verlange und vornehme, als nur, was dir gefällt; er heilige meinen Verstand, daß ich dich immer mehr erkenne; er erwecke in mir einen heiligen Trieb, deinen Willen zu vollbringen, daß mein Wandel nicht nur unsträflich vor der Welt erfunden werde, sondern auch vor dir. Laß diesen geheiligten Sinn sich offenbaren in der Liebe zu dir und dem Nächsten, daß ich dich niemals mehr mit meinen Sünden betrübe, und meinem Nächsten Gutes zu erzeigen mich freue, daß ich dadurch in mir meiner Erwählung gewiß sei. Ch' Gott den Grund der Welt gelegt, Hat er uns schon erwählet; 571 In Christo, welcher alles trägt, Hat er uns da gezählet, Damit wir sollten vor ihm rein, Ganz heilig, ganz unsträflich sein, In seiner großen Liebe. Amen. 12. Oktober. Abend. Jef. 30, 18. Darum harret der Herr, daß er euch gnädig sei, und hat sich aufgemacht, daß er sich eurer erbarme. 572 Treuer Menschenfreund, liebreicher Vater, auch diesen Tag hast du auf meine Bekehrung geharrt. Wie viele Jahre und Tage sind verflossen, da ich nicht daran gedacht, und du hast mich nicht mit deinen Gerichten übereilt! Siehe, ich erkenne, bekenne und beklage meine Uebertretung; sei mir gnädig, nimm weg und tilge meine Missethat, daß ihrer in Ewigkeit nicht mehr gedacht werde. Ich verspreche dir neuen Gehorsam, ich will ein neues und dir wohlgefälliges Leben anfangen. Mache dich auf, mich zu trösten und die Vergebung meiner Sünden in meinem Herzen zu versiegeln. Mache dich zu meiner Hilfe auf, wenn mich Leiden ohne Zahl trifft. Erbarme dich über mich, wie über ein armes Kind, das nirgends hin weiß, als zu seinem Vater. Erbarme dich über mich, wenn ich aus Uebereilung wieder fündigen follte. Erbarme dich über mich, und stärke mich durch deinen heiligen Geist, daß ich behutsam sei, auf den Wegen deiner Gebote zu wandeln. Laß deine Vaterliebe mir allezeit vor Augen schweben, daß du mich nicht in meinen Sünden sterben lassen, sondern mir auch diesen Tag noch zu meiner Umkehr gnädiglich verliehen haſt. Sei mir auch in der Stunde des Todes gnädig; alsdann mache dich auf wie ein Vater und wie ein Freund, dich meiner zu erbarmen, zu trösten, zu helfen und selig zu machen. Glaube nur und zweifle nimmer; Auch in dunkler Leidensnacht Leuchtet dir ein Hoffnungsschimmer, Der die Nacht zum Tage macht. Darum einzig harrt der Herr, Daß er desto herrlicher Seine Gnade dir bewähre, Dich zur rechten Zeit erhöre. Amen. 13. Oktober. Norgen. 2 Ror. 4, 6. Gott, der da hieß das Licht aus der Finsterniß hervorleuchten, der hat einen hellen Schein in unser Herz ge= geben, daß durch uns entitände die Erleuchtung von der Ers fenntniß der Klarheit Go: tes, in dem Angesichte Jesu Chrifti. 573 Lebendiger Gott, der du das Tageslicht mich bast wieder sehen lassen, gib auch einen hellen Schein in mein Herz, der mich erleuchte und heilige. Laß mich in deinem Lichte den Grund meines Herzens erkennen, wie darin nichts ist als Ungerechtigkeit, Falschheit, Neid, Liebe zum Bösen. Wie erschrecke ich, wenn ich diesen Greuel einsehe, welchen ein Un= bekehrter weder sieht, noch glaubt. Laß mich dein Erbarmen, daß du deinen eingebornen Sohn mir gez sandt, recht betrachten, wie auch deine Treue, da du mich in dieser Gnadenzeit lässest rufen, daß ich nicht soll verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Diese Liebesklarheit sehe ich in dem Angesichte Jesu Christi, welchen du mir gemacht hast zur Weisheit, zur Gerechtigkeit, zur Heiligung und zur Erlösung. Laß diesen hellen Schein auch mein Leben heiligen, daß ich alle Sündenlust innerlich und alle Sündenwege äußerlich verabscheue, und in deiner Furcht ein gottseliges Leben führe. Laß diesen hellen Schein niemals in mir dunkel, sondern immer heller werden, daß er herausleuchte in Worten und Werken, daß ich ein Licht in dem Herrn sei. Das ist dein Werk, mein Gott, der du in der Schöpfung, da alles finster war, sprachest: Es werde Licht! und siehe, es ward Licht. Also laß es licht in mir werden, nicht nur heute, sondern mein Leben lang. Ach, wecke meine Sinnen, Du Herr des Lichtes auf Es eilt die Nacht von hinnen. Drum fördre meinen Lauf, Von Sünden aufzuſteh'n, Und laß mich auch im Lichte Vor deinem Angesichte Auf guten Wegen geh'n. Amen. 574 13. Oktober. Abend. Joh. 14, 3. Und ob ich hinginge, euch die Stätte zu bereiten, will ich doch wieder zu euch kommen, und euch zu mir nehmen, auf daß ihr seid, wo ich bin. Herr Jesu, dein Leiden, dein Tod, deine Aufer: stehung und Himmelfahrt nennest du einen Hingang zum Vater. So will ich gedenken, wenn ich mich meines Todes erinnere, ich gehe zu meinem himm lischen Vater, zu dir, mein Jesu. Tritt meine Seele aus der Zeit in die Ewigkeit, so ist ihr schon die Stätte bereitet; du hast mir das Recht dazu erworben, mir das Pfand, den heiligen Geist, schon in diesem Leben darauf gegeben, daß ich soll das ewige Leben haben. eine selige und süße Verheißung, welche mir meinen Tod lieblich macht! Du hast schon alles bereitet, es wartet auf mich, bis ich komme. Zu dieser Herrlichkeit werde ich gelangen, wenn du mich zu dir nehmen wirst. Dieses geschieht in meinem Sterben, da wirst du zu mir kommen, und meine Seele zu dir nehmen; meine Herrlichkeit aber wird noch größer werden, wenn du als der Richter kommen wirst am jüngsten Tage, da ich denn, weil ich in diesem Leben durch dein Blut bin gerecht worden, nicht werde in's Gericht kommen, sondern du wirst mich zu dir nehmen, auf daß ich sei, wo du bist, in der Freude, in der Herrlichkeit, in der Gesellschaft aller Kinder Gottes. Laß mir diese Verheißung beständig vor Augen schweben, daß ich auch in diesem Leben gerne bei dir sei und bleibe, und alle Sündengesellschaft meide. Erscheint meine Todesstunde, so rede mir freundlich zu, und sprich zu meiner Seele: Die Stätte ist dir bereitet, ich will dich zu mir nehmen. Zeichne in des Vaters Haus Mir auch eine Wohnung aus; Bring' mich ohne Furcht dahin, Wo ich ewig bei dir bin. Amen. 14. Oktober. Norgen. Jef. 8, 13. Heiliget den Herrn Zebaoth, den lasset eure Furcht und Schrecken sein. 575 Heiliger Gott, ich übergebe dir mein Herz, heilige es, daß ich dich heiligen kann. Du bist die Heiligleit selbst, der Gott, der uns heiliget; darum kann ich dich nicht anders heiligen, als in der Kraft, die du mir verleihest. So heilige du mich, daß ich dich heiligen, daß ich dich als einen heiligen Gott verehren, dir dienen, gehorchen und dich preisen möge, damit jedermann auch aus meinem Wandel erkenne, dein Geist habe mich geheiligt, du wohnest und lebest in mir. Du bist der Herr Zebaoth, der Herr der Heerscharen; alle Kreaturen stehen dir zu Dienste, und richten deinen Befehl aus. Alle Kreaturen sind den Frommen zum Dienste, aber auch gegen die Widerspenstigen zur Rache erschaffen. Dieses soll eine kindliche Furcht vor dir in mein Herz pflanzen, daß ich bei jedem Wort und Werke denke: werde ich damit nicht meinen Gott betrüben? Dieses soll einen seligen Schrecken vor der Sünde in mir erwecken, daß ich vor einem sündlichen Gedanken, der unvermuthet in meinem Herzen aufsteigt, einen Abscheu habe. Also heilige du mich, o Gott, durch und durch, Herz, Mund, die Glieder des Leibes und meinen ganzen Wandel, daß ich die übrige Zeit in deiner Furcht, als dein Kind mich in Worten und Werken beweisen möge. Sei du mir innerlich mit deinem Geist nahe, daß er mich beständig erinnere und antreibe, wenn mich etwas von diesem meinem heiligen Vorhaben abwendig machen will. Sent deine wahre Furcht In aller Menschen Herzen; Laß niemand mit der Buß Und wahrem Glauben scherzen! Muthwillen schaffe weg, Trägheit, Vermessenheit, Verstockung, Heuchelei, Bosheit, Unheiligkeit Amen. 14. Oktober. Abend. Röm. 5, 1. Nun wir sind gerecht worden durch den Glauben to haben wir Friede mit Gott durch unsern Herrn Jesu Christum 576 Herr Jesu, ich habe heute oft wider dich gesün: digt, aber es ist mir herzlich leid, daß ich nicht be: hutsamer geredet, gedacht und gewandelt habe. Schenke mir in deinem Blute Vergebung aller meiner Sün: den, nimm du mein Herz ein, und sei meines Lebens Leben, König und Regent, so bin ich in dir und durch dich gerecht. Bin ich von Natur unrein, in dir bin ich rein. Bin ich von Natur ungerecht, in dir bin ich gerecht. Meine Sündenstrafe hast du auf dich genommen, deine Gerechtigkeit hast du mir geschenkt; denn du hast auch mich geliebt, und dich selbst für mich dargegeben. Diese Herrlichkeit erlange ich durch den Glauben an dich. Wie liebreich bist du meiner Seele, wenn dich mein Glaube ergreift; aber welche Hoheit hast du meiner Seele mitgetheilt, daß ich glauben kann, daß du durch deinen heiligen Geist ge wirkt, daß ich dich, fassen und halten kann. Laß mich meines Glaubens Wahrheit in der Heiligung des Herzens und des Lebens empfinden. Bist du meine Ge rechtigkeit, mein Leben, so habe ich Friede mit Gott; er wird mich nicht verdammen. Ich bin mit ihm durch dich versöhnt, ich stehe in Gnaden, ich habe einen freien Zutritt zum Gnadenthron, dahin ich eilen und Barmherzigkeit erlangen kann, zur Zeit, wann mir wird Hilfe vonnöthen sein. In der Stunde meines Todes laß mich als eine durch dein Blut gerechte und gereinigte Seele im Frieden einschlafen. Du, Jesu, giltst vor Gott allein Mit deinem Thun und Leiden. Bringt das der Glaub' ins Herz hinein, So kann die Seel' sich kleiden; Du selbst gibst ihr das Ehrenkleid, Den Brautschmuck der Gerechtigkeit; Damit wird sie bestehen. Amen. 15. Oktober. Norgen. 1 Theffal. 4, 7. Gott hat uns nicht berufen zur Unreinigkeit, sondern zur Heiligung. Heiliger Gott, laß mich fleißig bedenken, daß du mich nicht zur Unreinigkeit berufen hast. Der Eintritt in den Christenstand rief mich zur Heiligung, indem du in der Taufe mich gereinigt hast von meinen Sünden. Dein Wort warnet mich vor aller Befleckung des Fleisches und des Geistes; dein Geist treibt mich zu allem Guten an, und zieht mich von unreinen Gedanken, sündlichen Worten und schändlichen Werken ab. Das Abendmahl soll mich reinigen, und zur Gemeinschaft deiner himmlischen Güter bringen. Leiten nun alle Gnadenmittel mich auf die Reinigung, so bewahre mich, daß ich mir nicht selbst eine sündliche Freiheit nehme, und mich nach der Art der unreinen Weltmenschen gewöhne, welche meinen, es sei nichts unrein, was sie nicht für unrein halten, weßhalb sie Herz, Leben und Wandel mit Sünden beflecken, und sich das erlauben, was du ihnen nicht erlaubst. Laß meinen Christenberuf mich immer vor Augen haben, welcher mich von aller Unreinigkeit abführt, und zur Heiligung anweist. Du hast mich berufen zur Gemeinschaft deines Sohnes, zum Glauben an ihn, zur fünftigen Herrlichkeit; aber ohne Heiligung kann ich nicht in der Gemeinschaft mit Jesu stehen, noch ein Glied an seinem Leibe sein. Laß mich daran diesen Tag denken, auf daß ich in meinem Christenthum wachse und dir gefällig werde. Laß, da du heilig bist, Mich alle Lüste fliehen Und mich nur um den Schaz, Der droben ist, bemühen. Gib Stärke zu dem Streit, Herr, mit der Welt und mir Und Hoffnung zu dem Sieg, Er kommt allein von dir. Amen. 577 Start's Morgen- und Abend- Andachten. 37 15. Oktober. Abend. Micha 2, 13. Es wird ein Durchbrecher vor ihnen herauffahren. fie werden durchbrechen, und zum Thor aus- und eingehen, und ihr König wird vor ihnen hergehen, und der Herr vornen an. 578 Herr Jesu, du bist der rechte Durchbrecher; da die Feinde meinten, du wärest todt, mit einem schweren Stein bedeckt, versiegelt und mit Kriegsknechten be wacht: siehe! so brachest du herrlich durch am dritten Tage, nichts konnte dich aufhalten. Das ist auch mein Trost im Sterben; wenn ich auch werde mit Erde bedeckt sein, daß man sollte denken, ich würde in der Erde bleiben, alsdann werde ich durchbrechen in deiner Kraft und zum ewigen Leben auferstehen. Wie ich alsdann durch deine Allmacht durchbrechen werde, so laß mich unter deines Geistes Beistand durchbrechen in diesem Leben. In deiner Nachfolge hindert der Welt Beispiel und Verführung; schenke mir Kraft, daß ich mich nicht aufhalten lasse, sondern durchbreche, durch Ehre und Schmach, durch böse und gute Gerüchte, um nur durch dich belebt zu werden. Habe ich mich diesen Tag gescheut, dich zu bekennen vor den Leuten, so verzeihe es mir, und gib mir Kraft, durch alle Hinderungen meines Fleisches durchzubrechen. Ich bin ja nicht allein, sondern wie du, mein Erlöser, bist durchgebrochen und auferweckt durch die Herrlichkeit deines Vaters, also gehest du auch als mein König vor mir her, daß ich durch das finstere Todesthal zum himmlischen Lichte gelange. Daselbst werde ich auch dir, mit der Schar derer, die mit weißen Kleidern angethan sind, nachfolgen. Es muß hindurch gedrungen sein, Hindurch, hindurch zu einem neuen Leben, Aus unserm Tod in Christi Tod hinein, Wir müssen Gott uns nackt und bloß ergeben. Wer hiezu sich entschließet, der gewinnt, Wird Gottes Kind. Amen. 16. Oktober. Morgen. 1 Petr. 2, 9. Jhr seid das auserwählte Geschlecht, das fönigliche Priesterthum, das heilige Volk, das Volk des Eigenthums, daß ihr verkündigen sollt die Tugend deß, der euch berufen hat von der Finsterniß zu seinem wunderbaren Licht. Gnädiger Gott, du hast mich in Christo zum ewigen Leben und zur künftigen Herrlichkeit erwählt, daß ich soll sein Miterbe sein. Bin ich denn von der Welt erwählt, so bewahre mich, daß ich mich ihr nicht gleichstellen möge. Laß mich ein König sein über mich felbst; laß mich über die Sünde herrschen, und ihr nicht ihren Willen lassen. Laß mich der Welt Verführungen überwinden, und dein Geist gebe mir Kraft, zu kämpfen wider das Fleisch, wenn es wider den Geist gelüstet. Laß mich als ein Priester dir täglich das Rauchopfer eines andächtigen Gebets bringen; ja ich opfere dir meinen Leib und meine Seele. Und weil ich mit unter das heilige Volk gehöre, daß du in der heiligen Taufe und durch deinen Geist geheiligt haft, so laß mich allezeit ein dir geheiligtes Leben führen, damit ich den Trost inwendig habe, und andere es an meinem christlichen Wandel sehen, daß ich mich zu dem Volk des Eigenthums bekenne, das Jesus mit jeinem Eigenthum erkauft, das sich auch dir zum Eigenthum im Glauben ergeben hat. So kann ich in deiner Kraft verkündigen deine Tugend, in Reden und Wandel, daß ich deine Natur, so viel ein Geschöpf tragen kann, empfangen habe; daß ich sei gerecht, nicht mehr ungerecht; wahrhaftig, kein Lügner; rein, nicht mehr boshaft und unrein; fromm, nicht mehr gottlos; treu, nicht mehr untreu; ja, daß mein ganzes Leben von deiner Heiligkeit zeuge. Dieses Berufs laß mich unverrückt eingedenk verbleiben, daß ich aller Orten rein und gerecht erfunden werde. Gib, daß stets durch heil'ges Denken Sich mein Herz zu dir mög' lenken; Klopf' an meinem Herzen an, Wenn ich geh' auf falscher Bahn. Amen. 37* 579 16. Oktober. Abend. Pf. 32, 5. Darum bekenne ich dir meine Sünde, und verhehle meine Missethat nicht. Ich sprach: ich will dem Herrn meine Uebertretung bekennen; da vergabest du mir die Missethat meiner Sünde 580 Allwissender Gott, ich erscheine vor deinem Angesicht mit meinen Sünden, ich bekenne und bereue sie mit betrübtem Herzen. An deinem Rufen und Anklopfen hat es nicht gefehlt, aber die Begierden find zu stark und heftig gewesen. Was soll ich dir, allwissender Gott, verhehlen? Du bist nicht wie ein Mensch, dem man etwas verbergen kann, du bist der gegenwärtige Zeuge aller meiner Sünden, sie mögen wissent: lich oder unwissentlich, öffentlich oder heimlich geschehen sein, sie stehen vor dir angeschrieben. Vor der Sonne kann man sich verstecken, aber nicht vor deinen Augen, die da sind wie die Feuerflammen. Barmherziger Gott, nimm die demüthige Erkenntniß und Bekennt niß meiner Sünden an. Vergib mir alles, womit ich dich jemals betrübt, um deiner ewigen Liebe willen. Tilge sie nach deiner großen Barmherzigkeit. Schaue mich in Gnaden an, wie du David und Manasse begnadigt haft. Im Bekennen meiner Unreinigkeiten verspreche ich dir auch neuen Gehorsam. Was hilft Bekennen, was hilft Abbitten, wenn ich meine Sünden behalten und nicht lassen will. Die Sünde, die man nicht lassen will, kann nicht vergeben werden. Gib zu meinem heiligen Vorhaben deines guten Geistes Beistand, daß ich meine erkannten und bekannten Sünden hinfort fliehe und meide. Laß mich auch in meinem Sterben der Vergebung meiner Sünden durch einen innerlichen Trost und Freude gewiß sein. Sobald ich mich entschloß, nichts zu verhehlen, Dir alle Sünd' aufrichtig zu erzählen, Und da ich's that, vergab, Herr, deine Huld Mir Misethat und alle meine Schuld. Amen. 17. Oktober. Norgen. Avoit.- Gesch. 26, 18. Aufzuthun ihre Augen, daß fie sich bekehren von der Finsterniß zum Licht, von der Gewalt des Satans zu Gott, zu empfahen Vergebung der Sünden und das Erbe. Heiliger Gott, ich erblicke des Tages Licht; thue du meines Herzens Augen auf durch deinen heiligen Geist, daß ich erkenne meiner Seele Zustand, ob ich bekehrt sei oder nicht. Bewahre meinen. Geist vor dem Sündenschlaf und Sicherheit, daß ich nicht in den Tag hinein lebe, sondern die Seelenforge meine vornehmste sein lasse. Laß mich mein Elend recht einsehen, wie ich in der Finsterniß gelebt, wie mein Verstand verfinstert und mein Wille durch die Sünde verkehrt worden, wie ich aber eben damit mein Kindesrecht und deine Vaterhuld verloren, und verleihe mir Kraft, daß ich mich von ganzem Herzen zu dir wende, in dem Lichte der Heiligung wandle, und als ein Kind des Lichts rede, lebe und thue. Ist also dein Licht in meiner Finsterniß aufgegangen, so laß mich nicht säumen, zu dir durch eine gänzliche Uebergabe zu eilen, errettet zu werden von der Gewalt des Satans, dağ ich nun die vorigen Sündenwerke und Sündentoege fliehe, und durch den Glauben Kraft empfahe, wider des Satans und der Welt. Verführung zu streiten. Daß ein unbekehrter Mensch unter der Gewalt des Satans sei, glaubt der Sünder nicht, bis du ihm die Augen aufthust, daß er erkennt, wer er ist und wer er sein soll. Laß mich also ein neues Leben in deinem Lichte anfangen, Vergebung meiner Sünden und einst das Erbe der Seligkeit empfangen. Möcht ich, wie das Rund der Erden, Lichte werden! 581 Seelensonne, gehe auf. Ich bin finster, falt und trübe! Jesu, Liebe, Komm, beschleunige den Lauf. Amen. 17. Oktober. Abend Joel 2, 12. Bekehret euch zu mir von ganzem Herzen mit Fasten, mit Weinen und Klagen. 582 Gnädiger Gott, liebreicher Vater, ich höre deine Stimme, die mich erinnert: Bekehre dich. Du weißt aber, daß ich mich aus mir selbst nicht bekehren kann, darum gib mir deinen heiligen Geist, der die Be kehrung in mir anfange und vollbringe. Stelle mir vor den Greuel, die Menge meiner Sünden, erwecke aber zugleich in mir einen lebendigen Glauben an Jesum. Verzeihe mir alle meine Missethaten und Uebertretungen, und schenke mir Kraft, daß ich nun von ganzem Herzen mich zu dir wende. Laß dieses alles von ganzem, nicht mit halbem Herzen geschehen, daß ich völlig mit der Welt breche, ihre Gunst und Freundschaft, welche mich an deiner Liebe hindert, verachte, hingegen im Denken, Reden und Thun mich nach dir und deinem Willen richte. Laß mich einen Ekel vor der Sünde haben, derselben mich enthalten, wenn fie als eine liebliche Frucht sich mir vorstellt. Lağ meine Seufzer vor den Thron deiner Gnade kommen, und schenke mir eine herzliche Traurigkeit über meinen Ungehorsam. Ich beklage vor dir die Thorheit meiner jungen Jahre, die Verachtung des Anklopfens deines guten Geistes, ich beklage meine Welt- und Sündenliebe, und daß ich dich so lange, so oft, so vielfältig betrübt. Nimm an, liebreicher Vater, dieses mein Buğgebet, und laß mich, durch Jesum versöhnt, im Frieden einschlafen. Finde mich auch in solchem seligen Zustande in der Stunde des Todes, und laß mich meine übrigen Lebenstage dir zur Ehre hinbringen. Tief in Nöthen Hilf mir beten, Kindlich beten, Herr, vor dir. Ach erscheine, Wann ich weine, Bald mit deiner Hilfe mir! Laß dich finden, Laß dich finden, Denn mein Herz verlangt nach dir. Amen. 18. Oktober. Morgen. Röm. 7, 7. Ich wußte nichts von der Lust, wo das Gesez nicht hätte gesagt: Laß dich nicht gelüſten. 583 Heiliger Gott, dein Gesetz verbietet mir nicht allein die Sündenthat, sondern auch die Sündenluſt, nemlich daß ich schon ein Sünder bin, wenn ich nur eine böse Lust in mir spüre, und mir gefallen laſſe. Wie viel sind denn meiner Sünden vor dir! Wie muß ich bei dir in Ungnade stehen! Ist die böse Lust eine Sünde vor deinen Augen, so habe ich Diebstahl, Hurerei, Ehebruch und Mord vor dir begangen, ob ich gleich nicht die böse That gethan, wie auch Jesus spricht: Wer ein Weib ansiehet, ihrer zu begehren, der hat schon die Ehe gebrochen in seinem Herzen. Da ich nun dieses weiß, so bitte ich dich um Vergebung aller meiner Sünden. Ist die Luft eine Sünde, so ist der Ausbruch und die Ausübung derselben verdammlich. Darum schenke mir doppelte Kraft deines heiligen Geistes, die mich bewahre und mir helfe, daß, wenn eine böse Lust in mir aufsteigt, ich meinen Willen nicht darein gebe, und keinen Gefallen daran habe, sondern sie mit Gebet dämpfe. Hilf mir kämpfen und überwinden, alsdann kann ich mich vor Sünden hüten. Die Natur sagt mir nicht, daß die Lust Sünde sei, sie verabscheut nur die sündliche That; aber du hast mir ein größeres Licht angezündet. Ach, laß, mein Gott! die Sündenlust in mir nicht stärker werden, als die Liebe zu dir, damit du der Regent miner Seele bleibest. Ach, der Greuel meiner Sünden Ist dir mehr als mir bewußt; Du allein, Herr, kannst ergründen, Wie die angeborne Lust, Die von Adam ist ererbet, Leib' und Seele hat verderbet: Darum steure Fleisch und Blut, Das sonst nichts als Böses thut. Amer 18. Oktober. Abend. Jef. 38, 17. Siehe, um Trost war mir sehr bange, aber du haft dich meiner Scele herzlich angenommen, daß sie nicht ver dürbe; denn du wirfst alle meine Sünden hinter dich zurücke. Barmherziger Gott, wenn die Menge meiner Sünden mir vor Augen tritt, wenn du mich mit leiblicher Trübsal belegest, wenn du mich in eine geistliche Dürre gerathen lässest, so wird mir um Trost oft gar bange; allein deine Barmherzigkeit hat mich doch in diesen bekümmerten Umständen nicht verderben lassen; du hast dich meiner Seele herzlich angenommen, die Sündenangst vorübergehen und mir das Blut Jesu zu Statten kommen lassen. In leiblichen Trübsalen hast du mein Leiden gelindert, und es tragen helfen, Kraft geschenkt und es endlich abgenommen. In meiner Seelendürre und Armuth hast du mich erquickt, dein freundliches Antlig leuchten lassen, mich getröstet, erfreut, und nach dem Ungewitter wiederum die Sonne scheinen lassen. Dafür lobe ich dich von Herzen. Sprich meiner Seele auch inskünftige freundlich zu: Ich bin dein Gott, ich bin deine Hilfe, den Erretter und Erbarmer. Ich will lieber alles ertbehren, nur deines Trostes nicht. Wenn du mich ohne Trost läsfest dahingehen, da verzehrt der Jammer das Mark in den Beinen. Wirf meine Sünden hiner dich zurück, daß du ihrer nicht mehr gedenkest; mirj sie zurück, ich will sie auch aus meinem Herzen und Leben werfen, und durch deines Geistes Beistand nicht mehr wissentlich begehen. Laß sie getilgt bleiben, faj sie mich in meinen lezten Stunden nicht mehr schrećen oder quälen. 584 Um Trost war mir sehr bange In meiner Traurigkeit; Ich seufzte: Herr, wie lanae Währt meine Wartezeit? Da nahmst du meiner Seele Dich gar so herzlich an, Und führtest aus der Höhle Mich auf den freien Plan. Amen. 19. Oktober. Norgen. 1 Kön. 3, 5. 9. Bitte, was ich dir geben soll. Du wollest deinem Knecht geben ein gehorsames Herz. 585 Herr, mein Gott, alles Fleisch kommt zu dir mit Bitten und Flehen, viel tausend Menschen liegen jetzt vor dir, deren jeder ein besonderes Anliegen hat. Unter denselben trete ich auch vor dich. Frägst du: was du mir geben sollst? so antworte ich: Du biſt mein Vater, ich dein Kind, du weißt wohl, was ich vonnöthen habe. Wollte ich um Reichthum oder Ehre bitten, so bleibt es mir im Sterben nicht getreu; ja, niemand lebt davon, daß er viel Güter hat und geehrt ist, sondern das macht ihm oft Verdruß; darum gib mir das Nothwendigste, nemlich Gesundheit, deinen Segen, Abwendung alles Unglücks. Ich bitte dich insonderheit um ein bußfertiges Herz; stelle mir die Größe der Sünden vor Augen, damit ich herzlich betlage, daß ich so oft darein gewilligt. Gib mir ein glaubiges Herz, daß ich in deiner Erkenntniß immer zunehme und wachse; gib mir auch ein gehorsames Herz, daß dein Wille mein erstes und höchstes Gesetz sei. Gib mir deinen heiligen Geist, der mein hartes, unartiges und widerspenstiges Herz ändere. Gib mir ein williges Herz, das sich durch den Wink des Vaters ziehen und regieren lasse. Laß mich alles Kreuz, das du mir auflegst, ohne Murren tragen. Laß mich auch gehorsam bleiben in guten Tagen, daß alsdann die Welt nicht lieb gewinne. Laß meinen Gehorsam bis an mein Ende dauern und allezeit vollkommener werden. Gib, Vater, gib, ich bitte dich Ein solch' gehorsam Herz in mich, Daß ich in allen Dingen Nur deinen Willen froh' und still, Nicht aber, was mein Wille will, Begehre zu vollbringen. Amen. 19. Oktober. Abend. 1 Joh. 1, 9. So wir unsere Sünden bekennen, so ist er tren und gerecht, daß er uns die Sünde vergibt und reiniget uns von aller Untugend. 586 Gnädiger Gott, ich bekenne mit zerschlagenem Herzen, daß ich dich oft betrübt habe. O wie wünsche ich, daß ich die Sündenfrucht nicht genossen hätte! Getreuer Gott, erweise auch mir deine Treue, daj du mir nach deiner Verheißung Barmherzigkeit widerfahren läsfest. Ich fasse im Glauben Jesu Blut und Gerechtigkeit. Sein Blut wasche und reinige mich von allen meinen Sünden; seine Gerechtigkeit kleide mich, und bedecke alle meine Ungerechtigkeit; sein Verdienst komme mir zu gut in der Stunde des Todes. Nimm von mir meine Ungerechtigkeit, befreie mich von aller Strafe, vergib mir meine Sünde, tilge sie aus deinem Buch, und gedenke derselben nicht mehr. Nimm mich zu Gnaden an, und damit ich aus dem Gnadenstande nicht falle, so reinige mich durch deinen heiligen Geist von aller Untugend. Laß ihn mein Herz reinigen von allen bösen Lüsten und mein Leben von allen bösen Gewohnheiten. Laß mich alles für Lafter und Untugend halten, was dein Gesetz verbietet, und mit der Nachfolge Jesu nicht übereinstimmt, ob es gleich die Welt nicht für Untugend hält. Also laß mich alle Tage reiner und gehorsamer werden, und wenn meines Lebens Ende anbricht, o treuer Gott, alsdann verlaß mich nicht, laß mich in Jesu Gerechtigkeit rein und gerecht erfunden werden. Daß ich Sünde darf bekennen, Muß ich eine Wohlthat nennen, Denn man redet sich zum Leben, Der Erbarmer will vergeben; Auf das Beichten der Verbrechen Will Gott nicht als Nichter sprechen; Sagt man ihm das Herz gerade, So versichert er der Gnade. Amen. 20. Oktober. Worgen. Matth. 26, 41. Wachet und betet! Herr Jesu, du hast deinen Jüngern die Ermahnung gegeben: Wachet und betet! Es muß ja dieses eine heilsame Pflicht sein, weil du ihrer so oft gedenkest. Laß mich hinfort fleißig über mich selbst wachen. Woher entstehen so viele Sünden, als aus Unachtsamkeit? Darum will ich in deinem Lichte wachen über mein Herz, demselben nicht trauen; ich will mich vor meinem eigenen Geiste hüten, welcher mir allerlei vorspiegelt als erlaubt, was du nicht er= laubst. Ich will prüfen meines Herzens Gedanken und fragen, woher sie kommen, und wohin sie wollen. Ich will wachen über die Personen, mit welchen ich umgehen muß, ob sie aus Gott sind, wozu sie mir rathen, wohin sie mich leiten, was sie vornehmen. Ich will auch wachen über meinen Mund, was da für Worte ausgehen, ob sie ehrbar, keusch, ob sie wohl lauten, ob sie zur Besserung meines Nächsten, zu deinem Lobe dienen. Ich will wachen über meine Wege und Gänge, ob sie nach deinen Geboten eingerichtet sind. Wachen und Beten ist zu allen Zeiten nöthig, und muß weder Tag noch Nacht ausgesetzt bleiben. Beten ist der Odem des neuen Menschen, der sich immer spüren lässet, weil das Leben aus Gott nicht ohne Bewegung sein kann. Am meisten bitte ich dich um deinen heiligen Geist, daß er mich die Bahn des Glaubens führe. Ich will beten, daß meine Gottesfurcht nicht Heuchelei und meine Frömmigkeit beständig sei. Also laß mich wacker sein und beten, daß ich würdig werde, dem Verderben zu entfliehen und deiner Gnade mich zu getrösten. Der Herr befiehlt dir Wachsamkeit Und das Gebet den Seinen; Wir wissen nicht, in welcher Zeit Er herrlich wird erscheinen. Wer Abends und zu Mitternacht, Beim Hahnenschrei und Morgens wacht, Der wird bereit erfunden. Amen. 587 20. Oktober. Abend. 2 Sam. 12, 13. Ich habe gefündiget wider den Herrn. Der Herr hat deine Sünde weggenommen; du sollst nicht sterben. 588 Barmherziger Gott, ich habe gesündigt auf vieferlei Weise mit Uebertreten deiner Gebote, mit Un terlassung des Guten, mit Beleidigung meines Nächsten, mit Unachtsamkeit in meinen Pflichten, mit Trägheit in meinem Christenthum. Ich sollte täglich stärker werden in dem Guten, so muß ich immer über Fehler klagen, sonderlich wider dich, meinen Herrn, dem ich dienen sollte; meinen Wohlthäter, den ich ehren sollte; meinen Vater, den ich lieben sollte. Ich bekenne es vor dir mit Traurigkeit meiner Seele; aber ich halte mich an deine gnädige Verheißung, da du dem bußfertigen Sünder Gnade zugesagt hast. Darum, um deiner ewigen Liebe willen, erbarme dich über mich; nimm weg meine Sünde und tilge sie durch das Blut Jesu Christi, der mich mit dir ver= jöhnt hat. Gib mir deinen heiligen Geist, der mich stärke, wenn sich die Sünde wieder zu mir nahet. Ja, mein Gott, lebe in mir, daß ich dir leben und der Sünde sterben könne, und wenn ich sterbe, nicht ewig sterben möge. Laß mich nicht sterben geistlicher Weise, daß du wollest mit deinem Geiste von mir weichen. Dieses wäre ein schrecklicher Tod für meine Seele, darauf endlich das ewige Sterben und der ewige Tod folgen würde, da ich in Ewigkeit von deinem Angesichte würde geschieden sein. Nimm meine Sünden weg, und läß, wenn mein letzter Lebensabend erscheint, meine Sünden vergeben bleiben, daß ich im leiblichen Sterben in dir und bei dir ewig leben möge. Wird mir das Angedenken Der alten Sünden neu, Bin ich, weil sie mich fränken, Auch in dem Beten scheu, So macht das Wort mir Muth: Die Sünden sind vergeben; Gott sagt dir: du sollst leben; Für dich red't Christi Blut. Amen. 21. Oktober. Norgen. Matth. 10, 16. Seid flug, wie die Schlangen, und ohne Falsch, wie die Tauben. 589 Herr Jesu, mein Beruf führt mich heute unter Menschen. Du hast mich auf die Schlangen gewiesen, daß ich von ihnen Klugheit lernen soll; bewahre mich vor der Schlangen Arglistigkeit, daß ich nicht meinem Nächsten heimlich schade, sondern eine dir gefällige Klugheit ihnen ablerne. Verbergen sie in aller Gefahr den Kopf, daß er nicht zertreten werde, so laß meine Gemeinschaft mit dir nimmermehr getrennt werden; ich will gern alles leiden, alles lassen, wenn du nur mein Licht, mein Heil und mein Theil verbleibst. Laß mich ablegen nach dem vorigen unbekehrten Sündenwandel den alten Menschen, allen Zorn, Rache und Falschheit, Bosheit und Eitelkeit. Laß mich mein natürliches Elend recht und tief einsehen; laß mich aber auch in deinen Wunden meine Stärke suchen und finden, daß ich vom zeitlichen und ewigen Verderben errettet werde. Laß mich auch eine sanftmüthige und liebreiche Taubenart an mir tragen: sie sind ohne Falsch, stellen keinem andern Thiere nach. Falschheit im Herzen, Falschheit im Reden, Verstellung in Gebärden, Ungerechtigfeit in meinem Leben la ferne von mir sein, alles unreine und fündliche Wesen und Leben mich fliehen. Sind die Tauben ohne Galle, so laß mich auch alle Bitterkeit und Nachgier aus meinem Herzen verbannen. Offenbarte sich der heilige Geist am Jordan in Gestalt einer Taube, so laß diesen reinen und heiligen Geist mich zu deinem Bilde von Tag zu Tag erneuern. Vorsicht ist uns höchst vonnöthen, Denn wir sind noch in der Welt, Die bald füßt und bald will tödten, Bis sie einen Christen fällt. Doch uns Schafe unter Wölfen Hat des Hirten Stimm' bewahrt; Hier soll Schlangenklugheit helfen, Und der Tauben sanfte Art. Amen. 21. Oktober. Abend. Pf. 46, 8. Der Herr Zebaoth ist mit uns, der Gott Jakobs ist unser Schuß. 590 Allmächtiger Gott, dir übergebe ich mich, du bist der Herr Zebaoth, der Herr der Heerscharen. Sei mit mir diese Nacht, bewahre mich durch deine heiligen Engel, decke mich mit deinen Gnadenflügeln. Laß mich in deinen Armen sanft ruhen, und morgen unter deinem Beistand meinem Beruf abwarten. Sei mit mir im Kampf gegen die Sünde, daß sie nicht über mich herrsche. Sei mit mir zum Trost, wenn mein Herz zerschlagen und bekümmert ist. Bist du um mich, so bin ich wohl verwahrt, denn du bist mein Schutz in aller Noth. Ist Gott für mich, bist du mein Beistand, wer mag wider mich sein? Ach, mein Schuz! Decke mich gegen alle Anläufe meiner sichtbaren und unsichtbaren Feinde. Sei mein Schutz, wenn nein Herz Feuer fängt zur Sünde, daß ich es mit Seufzen, Ningen und Abscheu in dem Blute Jesu austilge. Sei auch mein Schuß, wenn meine Sünden mich verdammen und laß mich die fröhliche Stimme hören: Dir sind deine Sünden vergeben. Jesu Gerechtigkeit decke zu alle meine Ungerechtigkeit, daß ich in ihm rein und gerecht erfunden werde. Sei mein Schutz, wenn nun die letzte Stunde meines Lebens anbricht; schüße mich alsdann wider alle Anläufe des Bösewichts und laß mich getrost den Himmel anschauen. Sei mein Schutz im Grabe und erwecke meine Gebeine herrlich am jüngsten Tage. Ist dieses mein höchster Trost im Leben, Leiden und Sterben, wenn du bei mir bist zum Schutz und Segen, so bewahre mich, daß ich mich dieses Schutzes nicht selbst durch Sünden beraube. Mit uns ist der Herr Zebaoth, Wer will uns sonst noch schaden? Imanuel, mit uns ist Gott, Die Fülle seiner Gnaden Jst uns in Christo aufgethan, Daß es an nichts uns fehlen kann. Amen. 22. Oktober. Norgen. Röm. 2, 4. Verachtest du den Reichthum seiner Geduld und Langmuthigkeit? Weißest du nicht, daß dich Gottes Güte zur Buße leitet? 591 Gnadenreicher Gott, deine Güte ist meine Pflegerin in der Jugend, meine Versorgerin in meinem ganzen Leben und meine Helferin im Leiden, bis diese Stunde gewesen. Ja, es ist ein Reichthum der Güte, und eine überfließende Güte gewesen; du hast mir nicht allein im Leiblichen viel Gutes gethan, sondern auch meine Seele durch dein Wort gelehrt, durch deinen Geist an mir gearbeitet, daß ich soll umkehren. Zu dieser Güte hast du hinzugethan den Reichthum deiner Geduld, daß du mich nicht in deinem Zorn als einen unnüßen Baum abgehauen, sondern mir Zeit und Raum, mich zu befinnen und zu dir zu kommen, gegeben. O mehr als väterliche Geduld! Bewahre mich, daß ich dieselbe nicht verachte, daß ich wollte auf Gnade hin fündigen; deine Langmuth im Warten auf die Früchte deiner Arbeit an meiner Seele hat zwar kein Ende, allein derselben Verachtung kann nichts anders als ein schweres Gericht nach sich ziehen; darum laß sie mich zur Buße leiten, daß ich die vergängliche Lust der Welt fliehe, und dir in Heiligkeit und Gerechtigkeit diene mein Leben lang; du aber werde des Erbarmens nicht müde. Du willst mich lieber mit Güte und Langmuth locken, als im Zorn verderben; laß mich solches dankbar erkennen und annehmen. Du gibst dem Sünder Zeit und Raum, Der Strafe zu entgehen; Du läsfest auch den argen Baum Nicht ohne Pflege stehen; Du wartest sein und suchest Frucht, Und wenn du gleich umsonst gesucht, Hörst du nicht auf zu bauen; Du schonest sein von Jahr zu Jahr, Und Jesus bittet immerdar, Sh' er wird abgehauen. Amen. 22. Oktober. Abend. Jef. 31, 5. Der Herr Zebaoth wird Jerusalem beschirmen, wie die Vögel thun mit Flügeln, schüßen, erretten, darinnen umgehen und aushelfen. 592 Lebendiger Gott, barmherziger Vater, Jerusakems Trost soll mein Trost sein. Sei mein Schirm, wenn sich Trübsal zu meiner Hütte nahen will. Halte deine mächtige Hand über mich, daß ich wohl beschützt bleibe. Bewahre meine Seele, daß ich sie nicht durch muthwillige Sünden verlege. Schüße mich, wenn ein Ungewitter des Unglücks über meinem Haupte schwebt, daß es mich nicht treffe; wenn ein Feind meiner Seele nachstellt, daß er mich nicht fälle. Dir kommt es zu, mich zu schützen, du hast allein die Macht dazu, und du hast es mir versprochen; errette meine Seele vom Verderben der Sicherheit, Eitelkeit und Weltliebe. Du hast mich von Jugend auf geführt, errettet und beschüßt, darum stehet mein Vertrauen beständig auf dich. Umgib mich wie eine Mutter, die ihr Kind in die Arme schließt und im Schoße verwahret; umgib mich, wie ein treuer Freund, der sich nahe um mich hält, mit mir aus- und eingehet, für mich sorget und auf mich siehet. Also ergebe ich mich dir. Sei mein Helfer, wenn ich verlassen bin, wenn mir niemand helfen kann und helfen will. Sei mein Helfer in Elend und in Trauerstunden; in Krankheit, ja, im Sterben sei mein mächtiger Helfer, der mir aus aller Angst und Noth und von allem Uebel aushelfe zu seinem ewigen himmlischen Reich; da ist mir ewig geholfen. Ich lege mich getrost schlafen, und stehe in deinem Namen morgen getroft auf, weil ich deiner Hilfe versichert bin. Wie eine Henne mütterlich Um ihre Küchlein ängstet sich, Und sie mit ihren Flügeln deckt, Wenn sie ein Feind von weitem schreckt. So ist der Herr uns immer nah Und in der Noth mit Hilfe da. Amen. 23. Oktober. Morgen. 1 Joh. 4, 16. Gott ist die Liebe, und wer in der Liebe bleibet, der bleibet in Gott, und Gott in ihm. Gott, du bist lauter Liebe, das habe ich an mir selber erfahren; deine Liebe hat mich vom ewigen Tod befreit, da du deinen Sohn für mich in den Tod dahin gegeben hast; deine Liebe hat mir ein ewiges Reich, eine schöne Krone bereitet; deine Liebe hat mich beschützt, bewährt, mich mit vielen Wohlthaten begnadigt. O daß doch mein Herz dich wieder lieben und in solcher Liebe bleiben möchte! Laß meine Liebe zu dir einen seligen Anfang nehmen, daß ich dich aus deinem Wort erkennen lerne, nach demselben mich bekehre, dir anhange, in dir mich erfreue, mich mit dir vereinige. Laß mich in deiner Liebe auch bleiben, daß ich dir gehorche, nicht der Welt, nicht meines Fleisches Lüsten. Also laß meine Liebe in Gehorsam, Abschen vor der Sünde und beständigem Anhangen an dir sich offenbaren, daß auch mein Nächster der= selben genießen möge. Bleibe ich in der Liebe, im Glück und Unglück, so bleibe ich in dir, o Gott, wie eine Rebe am Weinstock und erlange aus dir neues Licht und neue Stärke, dir zu dienen und so bleibest du auch in mir, daß du mich erfreuest in Traurigkeit, mir hilfft im Leiden. Wenn du in mir und ich in dir bleibe, so ist mir wohl, hier zeitlich und dort ewig. Hört alles in der Welt auf, Belt auf, so bleibt doch die Liebe. Man kann mir alles nehmen, doch nicht deine Liebe. Mein Leib stirbt, doch nicht meine Liebe; die bleibt in und nach dem Tode, da ich dich mit ewiger Liebe umfassen werde. Singet Gott, denn Gott ist Liebe, Liebe, die da ewig währt; Singe durch des Geistes Triebe, Wer es an sich selbst erfährt! Wenn Gott läßt den Eifer brennen, Brennt er bis zum Höllengrund; Nun er sich läßt Liebe nennen, Wird es allen Himmeln kund. Amen. Start's Morgens und Abend- Andachten. 593 38 23. Oktober. Abend. Röm. 5, 20. Wo die Sünde mächtig geworden ist, da ist die Gnade noch viel mächtiger. 594 Barmherziger Gott, schaue auf mich in Gnaden und verzeihe mir alle meine Sünden. Ich verhehle und entschuldige sie nicht. Wie kann ich sie leugnen, da ich die Macht der Sünde in mir empfinde? Große Macht habe ich ihr gelassen über meine Zunge, Mund und über alle meine Glieder. War hiebei nun mein Wille, mochte ich mir nichts wehren, ließ ich meinen Lüsten freien Lauf, und sah mehr auf sündige Menschen, als auf dich, o heiliger Gott, siehe, so wird sie nun auch mächtig über mir. Nun sie mich lange ge nug beherrscht hat, so quälet sie mich, ich höre ihre verdammende Stimme in mir reden: Du hast die Gnade verloren, du hast kein Theil an Gott, du hast keine Hilfe bei Gott. Kein Trost will bei mir haften, mein Sündenmaß ist voll, die Flut will mich ersäufen, ich kann nicht entrinnen. In dieser Noth fliehe ich zu dir. Laß deine Gnade ihre Macht auch an mir beweisen. Deine Gnade zeigt mir dein Vaterherz, sie weiset mich zu den Wunden Jesu, sie verheißet meiner Seele Vergebung, aber ich kann dieses alles noch nicht recht fassen und mir zueignen. Darum laß sie mächtiger werden, als alle Anklage und Verdammung meines Herzens. Schenke mir, dreieiniger Gott, neue Kraft und Stärke, in deiner Macht und Stärke über die Sünde zu herrschen. Laß auch im Sterben deine Gnade, deinen Trost und Beistand mächtig in mir sein. Ob bei uns ist der Sünden viel, Bei Gott ist viel mehr Gnaden; Sein' Hand zu helfen hat kein Ziel, Wie groß auch sei der Schaden. Er ist allein der gute Hirt, Der Israel erlösen wird Aus seinen Sünden allen. Amen. 24. Oktober. Morgen. Pf. 139, 16. Wenn ich erwache, bin ich noch bei dir. Heiliger Gott, welche Herrlichkeit ist das für deine Kinder, daß sie in einer unzertrennten Gemeinschaft mit dir stehen, die auch im Tode bleibt. Im Aufwachen war mein erster Blick zu dir gerichtet, hierauf nahe ich mich mit meinem Gebet zu dir, und übergebe dir mein Herz und Leben. Ich bin bei dir und will dich nicht lassen; mein Glaube umfasset dich, mein Licht; ich kann nichts ohne dich vornehmen, du bist mir immer zugegen. Ich bin bei dir, meine Liebe hanget dir an; andere mögen vergängliche Dinge lieben, du bist mein ewiges Theil. Ich bin bei dir, nach deinem Wort will ich glauben und leben. Ich bin bei dir, und will auch bei dir bleiben in Kreuz und Trübfalen, denn an dir habe ich einen mächtigen Helfer. Ich bin bei dir, und will bei dir bleiben, auch wenn ich heute unter die Weltkinder muß; alsdann will ich nicht mitsündigen, sondern deine Gegenwart soll mir Kraft geben, mein Herz unbefleckt zu erhalten. Mein Herz ist bei dir im Aus- und Eingehen. Mein Mund redet von dir gern, und wie freue ich mich, wenn jemand von deiner Liebe und von deiner Führung mit mir sprechen will! Mein Verlangen ist bei dir, meine Freude habe ich an dir: laß mich auch in Ewigkeit bei dir bleiben. So fange ich den Tag an, so schließe ich ihn in deinem Namen, so ist und bleibt meine Seele mit dir vereinigt, und wenn ich aus dem Tode erwachen werde, so laß mich auch bei dir sein. Ja, Herr Jesu, bei dir bleib ich, So in Freude wie in Leid; Bei dir bleib ich, dir verschreib ich Mich für Zeit und Ewigkeit! Deines Winks bin ich gewärtig, Auch des Rufs aus dieser Welt, Denn der ist zum Sterben fertig, Der sich lebend zu dir hält. Amen. 30* 595 24. Oktober. Abend. 1 Sam. 14, 36. Lasset uns hieher zu Gott nahen! Gütiger Gott, ich nahe mich zu dir als eine bußfertige Seele. Viel sind heute meiner Uebertretungen gewesen; wärest du nicht ein so langmüthiger und liebreicher Gott, der die betrübten Sünder annimmt und tröstet, so getraute ich mich nicht, zu dir zu nahen. Ich nahe mich zu dir in voller Zuversicht auf deine unendliche Barmherzigkeit und bitte um derselben willen um Vergebung aller meiner Sünden. In diesem Hinzunahen zu dir fliehe ich von der Welt und ihren Lüsten, ich entsage dem Teufel und aller Ueppigkeit, welche mich von dir entfernen. Ich nahe mich zu dir mit meinem Herzen: erfülle es mit deiner Liebe, heilige es durch deinen Geist, daß ich nichts verlange, als was dir wohlgefällt. Mit meinem Gebet nahe ich mich zu dir; laß mich niemals ungetröstet hinweggehen Kommen Leidensstunden, wo soll ich hin? Ich will mich zu dir nahen, der du mit einem Worte helfen kannst. Im Sterben nahe ich mich zu deiner Vaterliebe, und bitte um die Einsetzung in mein Kindesrecht, um die Einnehmung der Stätte, welche mir mein Heiland bereitet und erworben hat. Ich nahe mich zu dir als eine dir verlobte Seele, als eine zu deinen Erben gezählte Seele. Lasset uns zu Gott nahen! will ich zu meinen Augen, Ohren und allen Gliedern sagen, wenn sie sich von dir wenden wollen, daß sie auf dich schauen, dich hören, sich dir zum Dienst ergeben, so bleibe ich immer mit dir vereinigt, und in dir eingekehrt. 596 Sieh, hier bin ich, Ehrenkönig, Lege mich vor deinen Thron; Schwache Thränen, Kindlich Sehnen Bring ich dir, du Menschensohn; Laß dich finden, Laß dich finden, Bin ich gleich nur Asch' und Thon. Amen. 25. Oktober. Norgen. 1 Petr. 1, 17. Führet euren Wandel, so lange ihr hier wallet, mit Furcht. 597 Gott, du bist ein gerechter Richter, der keine Berson ansiehet, sondern einem Jeden geben wird nach seinen Werken. Ich weiß nicht, wie lange es noch dahin ist, daß ich vor deinem Angesicht soll dargestellt werden, darum will ich es alle Tage thun, da meine Seele noch in ihrer Behausung wohnet, und also in der Welt leben, auf daß mein Ausgang aus der Zeit und dein Anblick mir nicht schrecklich vorkomme. Zu dem Ende laß mich fleißig erwägen, daß ich hier nur walle, wie in einer Herberge wohne, wo ich zwar aus- und eingehe, arbeite, esse, trinke und schlafe, aber teine bleibende Stätte habe. Schreibe mir dieses in mein Herz, daß ich meines Ausgangs eingedenk bleibe, welcher so unvermuthet als unselig sein könnte, wenn ich nicht in deiner Gnade stände. Darum laß mich meinen Wandel führen nach deinem Wohlgefallen. Wandeln viele in Finsterniß, so laß mich meinen Wandel führen in kindlicher Furcht, daß ich meide aus aufrichtiger Liebe, was dir zuwider sein könnte. Laß mich allezeit einen Schrecken ankommen, wenn sich in mir etwas Sündliches regt, wenn andere nach ihren Lüsten wandeln, daß ich niemals in solchen Irrwegen wandle. Laß deine Liebe mein Herz immer folgsamer und williger machen, daß alle künftigen Lebenstage dir geheiligt seien. Denn meine Wallfahrt wird einmal ein Ende haben, mein Leben hat ein Ziel, darauf die lange Ewigkeit folgen wird. Sent deine wahre Furcht In aller Menschen Herzen; Laß niemand mit der Buß Und wahrem Glauben scherzen! Muthwillen schaffe weg, Trägheit, Vermessenheit, Verstockung, Heuchelei, Bosheit, Unheiligkeit. Amen. 25. Oktober. Abend. Jes. 60, 2. Finsterniß bedecket das Erdreich und Dunkel die Völker; aber über dir gehet auf der Herr, und seine Herrlich keit erscheinet über dir. 598 Ewiger Gott, die Sonne ist untergegangen, und nun bedeckt Finsterniß das Erdreich. Diese Veränderung des Tages und der Nacht hast du näch deiner Weisheit also geordnet. Ist dieses aber in der Natur also, so bewahre mich, daß es in meiner Seele nicht finster sein möge. Finsterniß und Dunkelheit der Völker nennt dein Wort der Menschen Unglauben, Sicherheit und Sünde. Diese Dunkelheit erfüllt alle Seelen, in welchen du nicht wohnest. Darum gehe du auf in meinem Herzen, du mein Licht und Heil! Kehre bei mir ein, wie bei Abraham und Loth. Laj meine Seele von deiner Ankunft Kraft empfinden. Zeige mir mein Verderben und dein Vaterherz. Sehe ich nun in deinem Lichte dich in deiner Reinigkeit und mich in meinen Sünden, so erwecke in mir ein herzliches Verlangen nach dir, und laß deine Herrlichkeit aufgehen über mir. Diese Herrlichkeit fasset in sich meinen Gnadenstand, daß ich nicht mehr unter dem Zorn, sondern durch den Glauben an Christum Jesum ein Kind Gottes worden bin. Diese Herrlichkeit bringt mir das ewige Erbe, daß ich nach dem Ausgang aus diesem Leben zu der Freude der Kinder Gottes eingehen soll; in diesem Glanz muß auch die Nacht licht um mich sein. Laß auch im Sterben dein Licht über mir aufgehen, daß ich deine Herrlichkeit und Himmelsfreude im Herzen schmecken und empfinden möge, bis ich dazu gelange. Jesu, reines Licht der Seelen, Du vertreibst die Finsterniß; Alle, die dein Heil erwählen, Machst du nun im Gang gewiß; Jesu, deine Lieb' und Segen Leuchten uns auf allen Wegen. Amen. 26. Oktober. Norgen. 1 Thessal. 5, 23. Der Gott des Friedens heilige euch durch und durch, und euer Geist ganz sammt der Seele und Leib müsse behalten werden unsträflich auf die Zukunft unsers Herrn Jesu Christi. 599 Gott des Friedens, der du mit mir in Christo Jesu Friede gemacht hast, bewahre meine Sinne, Gedanken und Begierden, daß nichts Unheiliges dadurch vollbracht werde. Ja, heilige du mich selbst durch und durch, meinen Geist, mein Denken, Dichten und Trachten, daß nichts darin vorgehe, als was dir wohlgefällt. Laß deinen Geist, Demuth, Sanftmuth, Glaube, Liebe und Gehorsam, Seufzen, Sehnen und Verlangen nach dir in meinem Herzen wirken, damit es dadurch mit dir vereinigt werde. Heilige meine Seele durch und durch, daß mein Verstand an dir sich ergöße, in deiner Erkenntniß zunehme, daß mein Wille sich zu dir neige, sich dir unterwerfe, und keinen andern Regenten als dich erkenne, suche und habe: so wird auch mein Leib, als das Haus meines Geistes und meiner Seele, sammt allen seinen Gliedern, heilig und unsträflich sein, daß mein Mund, meine Füße, meine Hände, Augen und Ohren vor allem Sträflichen in deiner Kraft bewahrt werden. Du weißt, wie es mir eine Last ist, wenn ich nicht also vor dir wandle; darum heilige du mich selbst, daß ich bis auf die Zukunft Jesu Christi, meines Herrn, beständig in dem Guten verharre. So lebe ich als eine durch deinen Geist geheiligte Seele, so findest du mich am Tage meines Todes und in der Auferstehung. O Gott des Friedens, heil'ge mir Den Geist sammt Leib' und Seele, Daß mir der Eingang einst zu dir Und deiner Nuh' nicht fehle; Daß Jesus Christus mich alsdann Untadelich erfinden kann, Wann er, der Herr, wird kommen. Amen. 26. Oktober. Abend. Pf. 33, 20. Unsere Seele harret auf den Herrn, er ist unsere Hilfe und unser Schild. 600 Barmherziger Gott, ich harre auf deinen gnädigen Schutz. Meine Seele hat deine Liebe so oft empfunden, daß sie nirgend hin weiß, als zu dir. Deine Allmacht und Treue habe ich genugsam erfahren, dein Reichthum ist mir kund geworden, denn alle geistigen Gaben, himmlischen Güter und irdischen Dinge sind in deiner Hand. Darum komme ich mit völliger Zuversicht zu dir, es begegne mir, was da wolle. Verziehest du die Erhörung, so harre ich dein und verzage nicht. Du bist und bleibst doch der mächtige und gütige Herr, der sich aller seiner Werke erbarmt. Deine Stunde wird schon kommen, auf dich vertraue ich, du bist meine Hilfe. Wenn ich dich habe, so ist mir schon geholfen, mein Leiden verschwindet, mein Gebet ist erhört, meine Hoffnung erfüllt, meine Seele zufrieden, mein Schaden geheilt. Wenn ich dich habe, so habe ich Friede ,, Freude, Trost, Hilfe und Errettung. Dieses habe ich mein Leben lang oft erfahren, darum harret meine Seele getrost auf dich. Will meine Seele Furcht ankommen wegen meiner Feinde, so bist du der Schild, der mich decket. Aller Menschen Macht und Wuth ist nichts gegen deine Stärke. Herr Gott, meine Hilfe und Schild! laß mich diesen Trost zu allen Zeiten empfinden; auch in den letzten Stunden bes Lebens tritt du in die Mitte und sprich: Ich bin deine Hilfe. Erfreue und tröste alsdann meine nach dir seufzende und verlangende Seele, und decke fie mit Gnade wie mit einem Schilde. Indessen leb' ich im Vertrauen, Daß ich noch meinen Freudenstern Im Land der Lebenden darf schauen. Auf, Seele, harre nur des Herrn; Sei unverzagt, getrost und fühn, Und harre nur allein auf ihn. Amen. 27. Oktober. Morgen. 1 Kor. 1, 30. Christus ist uns von Gott gemacht zur Weisheit, zur Gerechtigkeit, zur Heiligung und zur Erlösung. 601 Herr Jesu, dein Vater hat dich mir verordnet von Ewigkeit her, und in der Fülle der Zeit geschenkt zur Weisheit durch deine berufende Gnade. Durch Mittheilung deines Geistes hast du mich weise und flug gemacht, der ich vorher blind war, nun aber bist du das Licht und Leben meiner Seele. Mache mich immer weiser zum Guten, öffne mir die Augen, daß ich mein natürliches Elend und die Gnade, die ich in dir empfangen, erwäge und annehme. Herr Jesu, du bist meine Gerechtigkeit. In dir bin ich gerecht, ob ich gleich von Natur ungerecht bin; in dir bin ich rein, ob ich gleich von Natur unrein bin. Ich eigne mir im Glauben dein Verdienst an, nimm mich zu Gnaden an, sprich mich los von meinen Sünden. Du bist auch meine Heiligung. Heilige mein Herz dir zur Wohnung; meinen Willen, dir zu gehorchen und zu folgen; mein Leben, daß ich es nach deinem Vorbilde einrichte. Heilige mich durch und durch, mein Denken, Wollen, Thun und Lassen, auf daß ich dein Eigenthum sei und bleibe in Zeit und Ewigkeit. Sei auch meine Erlösung. Du hast mich, ehe ich geboren war, in den Tagen deines Fleisches erlöst durch dein Leiden und Sterben. Laß mich hier innerlich und äußerlich von der Sündenlust und Sündenthat erlöst werden durch deine Gnade, daß ich deiner Erlösung nach meinem Absterben in Ewigkeit genießen möge. Was bin ich, Herr, daß du auch mir Hast deinen Sohn gegeben? So komm' ich Sünder noch zu dir, Und aus dem Tod zum Leben. Wie soll ich dir für deine Huld, Für die Vergebung meiner Schuld, Du Gott der Liebe, danken? Amen. 27. Oktober. Abend. Jes. 66, 2. Ich sehe an den Elenden und der zerbrochenen Herzens ist, und der sich fürchtet vor meinem Wort. Gnädiger Gott, viel sind heute meiner Uebertretungen gewesen, aber es ist mir von Herzen leid, daß ich dir ungehorsam geworden bin. Siehe an meine elende, betrübte und bußfertige Seele. Erquicke mich mit deiner Gnade, und sprich mir freundlich zu: Dir find deine Sünden vergeben. Siehe mich in Gnaden an, und laß mein zerbrochenes Herz getröstet und auf gerichtet werden. Komme ich nach deinem väterlichen Nath in leibliches Elend, entziehest du mir den innerlichen Trost, daß ich geistig arm, elend und mein Herz wie ein zerbrochenes Gefäß ist, so laß mir in solchen Stunden der Anfechtung dein Licht erscheinen; laß die trübe Wolfe meiner Seele nicht schädlich sein, und meine Traurigkeit in Freude verwandelt werden, und laß mir nach dem Ungewitter die Sonne wieder scheinen. Niemand kann mich trösten, wenn du mich betrübest; nach deinem Wort will ich meinen Gang richten. Dein Wort soll mein Licht auf meinem Wege sein. Ich will mich inskünstige Hüten, daß ich nicht dawider handle. Wie sollte ich meines Vaters Wort, meines Königs Befehl nicht hochachten? Verleihe mir Kraft, daß ich in gesunden Tagen dir treu dienen möge. Die Furcht vor dir macht mir die Sünde bitter, macht meine Kindschaft fest, gibt mir Trost in allen Anfechtungen. Wenn mein Herz im Sterben brechen soll, so siehe mein Elend gnädig an und erfülle mich mit deinem Trost, Friede und Freude in demt heiligen Geist. Ja, laß mich sanft und stille dir meine Seele empfehlen. 602 Ach, von Herzen Und mit Schmerzen Such ich dich, mein Trost und Heil! Wie so lange Ist es bange Meiner Seele! komm in Eil, Laß dich nieder, Romme wieder, Meines Herzens bestes Theil! Amen. 28. Oktober. Norgen. Joh. 15, 8. So euch die Welt hasset, so wisset, daß sie mich vor euch gehasset hat. 603 Herr Jesu, du verkündigest deinen Jüngern der Welt Haß und Verfolgung; aber darum will ich dir doch anhangen. Bewahre mich nur, daß ich mir nicht selbst den Haß der Leute zuziehe durch meine freche Zunge oder durch unartige Aufführung; denn dieses wäre ein verdienter Haß. Wenn man aber mich hasset, weil ich dich liebe, so freue ich mich; denn dieser Haß ist ein Kennzeichen, daß ich der Welt nicht mehr angehöre. Ja, ich will der Welt nicht angehören, weder in dieser Zeit, noch am Tage des Gerichts; soll ich aber dir darin gleich werden, weil sie auch dich ge= haßt hat, so gib mir deinen heiligen Geist, daß ich dir in der Demuth ähnlich werde, und mich nicht über meinen Nächsten erhebe. Laß mich dir ähnlich werden in der Sanftmuth, daß ich nicht wieder hasse, wieder schelte, drohe, oder Feindschaft im Herzen Hege. Laß mich auch deinem verklärten Leibe in der Himmelsfreude ähnlich werden, so gleiche ich dir recht hier und dort. O mie versüßest du mir den Haß der Welt. Weil die Menschenkinder mich nicht gerne bei sich haben, so schenkt mir deine Freundschaft so viele Freude, daß ich den Umgang jener gerne fahren lasse. Laß mich wohl erwägen, wie wenig mir der Haß der Welt schaden kann; sie kann mir nicht deine Gnade, nicht meine Krone rauben; die äußerliche Verfolgung wirst du mir tragen und überwinden helfen. Darum folge ich auch darin deinem Vorbild nach. Bleibe du mein Freund im Leiden, so bin ich selig hier in der Zeit und dort in der Ewigkeit. Selig sind, die als Gerechte Dulden Kreuz, Verfolgung, Schmach, Als des Herrn getreue Knechte Bis zum Tod ihm folgen nach, Groß ist dort vor Gottes Thron Seiner Ueberwinder Lohn. Amen. 28. Oktober. Abend. Joh. 15, 20. Gedenket an mein Wort, das ich euch geredet habe. Herr Jesu, laß mich fleißig gedenken an dein Wort, daß ich meine Seele nicht beflecke mit fündlichen Lüften und falschen Lehren. Laß mich gedenken an dein Lehrwort; denn du lehrest den Weg Gottes recht, daß ich den Weg der Seligkeit, den du mir angewiesen, fleißig in Acht nehme. Dieser Weg ist Buße, Glaube und Liebe. Gib mir ein bußfertiges Herz, erfülle es mit lebendigem Glauben und laß mich auch Liebe an dem Nächsten üben, auf daß dein Wort immer in meinen Gedanken bleibe. Laß mich gedenken an dein Verheißungswort in Kreuz und Leiden; was vor: her geschrieben, ist auch mir zum Trost geschrieben. Du hast Hilfe verheißen, auch mir; deine Verheißungen sind mir gegeben. Was du zusagst, hältst du gewiß. Ich will an dein Wort gedenken, wenn ich es gehört; ich will es in meinem Herzen behalten, aber auch darnach meinen Wandel richten, daß ich nicht ein vergeßlicher Hörer, sondern ein Thäter des Worts werde. Ich will daran gedenken als an eine Vorschrift meines innerlichen und äußerlichen Verhaltens; denn weil du mich nach deinem Wort richten willst an jenem Tage, so will ich es nicht aus meinen Gedanken kommen lassen. Ich will daran gedenken, als an den offenen Gnadenbrief, darin mir der Him mel verschrieben ist. Ich will daran gedenken allezeit, wenn ich aus- und eingehe, auf daß ich dessen nicht vergesse. Im Sterben will ich an das Trostwort denken, welches du zu dem Schächer sprachst: Heute wirst du mit mir im Paradiese sein. Gott, wir danken deiner Gnade, Die uns solch' ein Wort geschenkt, Welches auf dem Lebenspfade Uns das Herz zum Himmel lenkt. Laß es dir zum Lob geschehen, Daß wir, wie dein Wort verheißt, Jego glauben, künftig sehen Gott, den Vater, Sohn und Geist. Amen. 604 29. Oktober. Worgen. Ephef. 4, 29. Lasset kein faul Geschwäß aus eurem Munde gehen, sondern was nüßlich ist zur Besserung, da es noth thut, daß es holdselig sei zu hören. 605 Gott, da ich nun wieder einen Tag anfange und unter Menschen mich befinde, so lehre mich, was und wie ich reden soll. Laß alles faule Geschwätz ferne von meinem Munde sein. Soll aber mein Mund rein bleiben, so reinige zuvor mein Herz von allen unnüßen Gedanken. Scherz geziemt den Christen nicht, noch weniger Possen und Verleumdung; darum bewahre meine Zunge, wenn ich dergleichen von andern höre, daß ich nicht mit einstimme und mitmache, sondern ein Schloß an meinen Mund lege. Laß meiner Zunge Gebrauch dir angenehm werden, also, daß ich, ehe ich rede, überlege, ob es nüglich sei meinem Nächsten, oder ob es zu seiner Besserung dienen könne, oder ihm einen Unterricht ertheile im Christenthum, oder ihm die Wohlthaten erzähle, was du an meiner Seele gethan hast. Laß mich zu solchen erbaulichen Reden willig sein; außerdem aber laß mich allezeit erwägen, ob es noth thut, ob deine Ehre und des Nächsten Nutzen dadurch befördert werde, auf daß ich mich nicht an Vielschwägerei gewöhne, sondern meiner Zunge Schranken setze und lieber schweigen, als unnöthiges Geplauder vorbringen möge, welches gewiß sündlich ist. Laß alle meine Reden Holdselig sein zu hören, damit dieselben denen, die sie hören, angenehm sein, daß sie daraus Trost, Freude und Erquickung für ihre Seelen zum ewigen Heil schöpfen mögen. Hilf, daß ich rede stets, Womit ich kann bestehen, Laß kein unnüßes Wort Aus meinem Munde gehen; Und wenn in meinem Amt Ich reden soll und muß, So gib den Worten Kraft Und Nachdruck ohn' Verdruß. Amen. 29. Oktober. Abend. Efra 9, 6. Mein Gott, ich schäme mich und scheue mich, meine Augen aufzuheben zu dir, mein Gott; denn unsre Mifsethat ift über unser Haupt gewachsen, und unsre Schuld ist groß bis an den Himmel. 606 Barmherziger Gott, ich schäme mich vor dir, daß ich dich so lange und oft betrübt habe. Sollte ich mich nicht schämen, da du mich durch deinen guten Geist lehren, ermahnen und strafen lässest, daß ich dessen ungeachtet so oft sündige. Deine viele Wohlthaten im Leiblichen sollten ja Lockungen zum Gehorsam sein. Meine Undankbarkeit drückt mir die Augen nieder, daß ich mich scheue, sie gen Himmel aufzuheben. Dein Liebesblick beschämt meine Lieblosigkeit, deine Treue bestraft meine Untreue. Nach dem Ueberfluß deiner Güte sollte ich die frömmste und gehorsamste Seele sein, so aber sind meine Missethaten über mein Haupt gewachsen. Sollte eine jede Sünde nur in ein Sandkörnlein verwandelt werden, so würde es ein Berg sein, der über mein Haupt ginge, ja bis an den Himmel reichte. Was fange ich in diesem Elend an? Verzagen ist zu gefährlich und verdammlich. Ich kenne deinen herrlichen Namen, daß du heißest der Vater der Barmherzigkeit; es ist mir leid, daß ich dich beleidigt habe, und bitte um Vergebung meiner Missethaten. Laß mich Gnade finden, wie den bußfertigen Zöllner, der gerechtfertigt in sein Haus ging. Befestige den guten Borsatz in mir, meine Sünden nicht mehr zu häufen, sondern durch deine Kraft mich davor zu hüten. Laß in meinen letzten Stunden deine Gnade mich umfassen und meiner Sünden Menge ver= schwunden sein. Herr! unsre Schuld ist überschwer, Muß unsre Herzen brechen; Doch deiner Gnaden ist viel mehr Als ein Mensch tann aussprechen; Die suchen und begehren wir, In Hoffnung, daß du dort und hier Die Sünd' nicht werdest rächen. Amen. 30. Oktober. Norgen. 1 Ror. 3, 16. Wiſset ihr nicht, daß ihr Gottes Tempel seid, und der Geist Gottes in euch wohnet. Heiliger Gott, du hast mir deinen heiligen Geist zum Pfand und Siegel meines Gnadenstandes geschenkt, daß er in mir wohnen und mich heiligen soll. der unaussprechlichen Liebe Gottes, der sich meiner Seele so herzlich annimmt. Bewahre mich, daß ich diesen Geist nicht aus meinem Herzen vertreibe; vertreibe alle unreine Gedanken aus meinem Herzen, lege reine Worte in meinen Mund, wenn aber etwas Unreines von innen sich regt, oder von außen mich verleiten will, so laß deinen Geist mir Krast geben, zu überwinden. Laß deinen Geist mein Herz anziehen mit Glauben, Liebe, Demuth, Sanftmuth, Keuschheit und kindlicher Furcht, dir zu dienen und zu gehorchen. Laß deinen Geist alles von mir abwenden, was mich von dir entfernen könnte. Laß in meinem Herzen, als in deinem Tempel, immer das Feuer deiner Liebe und ungefärbten Glaubens brennen, welches alle Unreinigkeit in mir verzehre. Laß deinen Geist mich beständig zum Gebet antreiben, auf daß mein Herz ein rechtes Bethaus werde; ja laß ihn allezeit in mir kräftige Seufzer und heilige Bewegungen erwecken. Laß das Opfer in meines Herzens Tempel sein heilige Gedanken und himmlisches Verlangen: ja auch meine äußern Glieder seien dir zum Opfer ergeben. Nimm mich hin, und heilige mich dir, daß ich in deiner Gnade beständig verharre, auch in meiner ganzen Aufführung beweise, wem ich angehöre und wessen Tempel ich sei. O du Pfand des neuen Bundes, Geist des Vaters, mild und rein, Heil'ger Odem seines Mundes, Zeuch in unsre Herzen ein! Leib und Seele, Haupt und Glieder Kehren aus dem Tode wieder, 607 Wo sich deine Gotteskraft Einen Sig und Tempel schafft. Amen. 30. Oktober. Abend. Pred. 12, 14. Gott wird alle Werke vor Gericht bringen, was verborgen ist, es sei gut oder böse. 608 Gerechter Gott, es ist dem Menschen gesetzt, einmal zu sterben, hernach das Gericht; dem kann niemand sich entziehen, es muß ein Jeder in Person davor erscheinen. Dieses Gericht wird eine Untersuchung anstellen über alle meine Werke, nach ihrem Anfang und Ausgang. Meine Gedanken müssen da offenbar werden, und ich werde verantworten müssen, was und warum ich also gedacht. Meine Worte werden wieder vorgebracht werden, da ich von allen unnützen, sündlichen Reden werde Rechenschaft geben müssen. Alle Werke werden da offenbar werden, welche den Menschen in diesem Leben sind kund geworden oder nicht. Es bleibt in dieser Welt vieles verborgen, aber vor dir ist nichts verdeckt; darum bewahre meine Seele vor heimlichen Sünden. Von dir wird das Böse, welches von der Welt nicht groß geachtet worden, gestraft werden, vor dir wird das Böse nicht gut heißen, und Sünden werden nicht erlaubte Dinge genannt werden. Dieses laß mich in meinen Lebenstagen bedenken, auf daß ich meine Seele nicht mit Sünden beschwere, und meine Verdammniß befördere. Willst du aber auch das Gute vor Gericht bringen, so habe ich zwar von mir selbst nichts Gutes an mir; laß aber deinen Geist in mir noch viel Gutes wirken: herzliche Neue über meine Sünden, lebendigen Glauben, ein dir geheiligtes Leben, und also fröne dein Werk in mir, und laß das durch deine Kraft in mir gewirkte Gute dir wohlgefallen. Bedenke, Mensch, das Ende Bedenke das Gericht! Es müssen alle Stände Vor Jesu Angesicht. Kein Mensch ist ausgenommen; Dort muß ein jeder nah'n, Und wird den Lohn bekommen, Nachdem er hier gethan. Amen. 31. Oktober. Worgen. 5 Mos. 8, 5. So erkennest du ja in deinem H rzen, daß der Herr, dein Gott, dich gezogen hat, wie ein Mann seinen Sohn. Liebreicher Gott, ich Hebe Herz und Hände auf zu dir, da ich diesen Tag beginne, welchen deine unendliche Güte mich hat erleben lassen. Du hast mich gezogen, wie ein Vater seinen Sohn: ach, wäre ich doch ein wohlgerathenes Kind geworden! Auf, meine Seele, lobe und preise deinen Gott! Hat dich nicht dein Gott je und je geliebet, und zu sich gezogen? Seine Liebe hat dir dein Leben erhalten, sie hat dir Nahrung und Kleidung beschert. Sie hat dich beschüßt, daß dir kein Uebel begegnete. Sein Wort hat dich gelehrt, sein Geist hat dir gerufen, seine Gnade hat dir die himmlischen Gaben, Frieden mit Gott, Vergebung der Sünden, Gerechtigkeit und Seligkeit angeboten. Nicht allein aber hat er mit Gnadengaben und Wohlthaten an dir gearbeitet, sondern er hat auch durch Leiden dich ziehen wollen. Wo ist ein Sohn, welchen der Vater nicht züchtiget? Du hast mich innerlich die Bestrafungen deines Geistes empfinden lassen. Wenn meine Gedanken sich verlaufen, meine Zunge schnell gewesen ist zum Reden, und meine Füße auf Sündenwegen gegangen sind: so hat mich dein Geist zurückgerufen. Du hast mich zuweilen mit allerlei Leiden zu dir ziehen wollen. Hast du nun so viele Jahre Mühe mit mir gehabt, hast du Ursache, über meinen Ungehorsam zu klagen: so laß mich solches wohl erkennen. Erwecke in mir eine herzliche Buße und gib mir deinen heiligen Geist zur Besserung meines Lebens und Aenderung meines Herzens. Herr! zieh' mich gleich den Kindern, Die man zu Haus behält, Das Böse zu verhindern, Worein der Leichtsinn fällt; Und bin ich dann alleine, So lehre mich dein Geist Zu aller Zeit das eine, Das gut und selig heißt. Amen Stark's Morgen- und Abend- Andachten. 39 609 31. Oktober. Abend. Hiob 14, 5. Er hat seine Zeit bestimmt, die Zahl feiner Wonden stehet bei dir; du hast ein Ziel geseßt, das wird er nicht über, gehen. 610 Ewiger Gott, ich schließze wieder einen Tag welchen ich unter deinem Beistand erlebt habe. So geht ein Tag nach dem andern hin. Laß mich wohl erwägen, daß mein Leben ein Ziel hat, und ich davon muß, auf daß ich klug werde. Laß mich alle Tage so leben, wie ich wünsche am letzten Abend meines Lebens zu sein. Ich beuge mich vor dir, und bitte dich um Vergebung aller meiner Sünden. Ich nehme meine Zuflucht zu deiner Barmherzigkeit; laß mir Gnade widerfahren und tilge alle meine Sünden. Ich habe mir vorgenommen, ein neues Leben anzufangen, und mich allezeit gegen dich gehorsamer zu bezeigen. Erinnere mich, daß du meinem Leben ein Ziel gesetzt hast, das ich nicht übergehen werde; denn meine Tage waren alle auf dein Buch geschrieben, ehe ich noch da war. Laß mich meines Lebens Ziel nach deinem Willen erreichen in einer dir wohlgefälligen Aufführung. Bewahre mich, daß ich mein Leben nicht selbst abkürze durch unmäßigen Zorn, unnöthige Sorgen und Bekümmerniß, durch gottloses Leben, Unmäßige keit in Essen und Trinken und Verwegenheit; davor behüte mich, mein Gott! Mein Mund ist voll Lobens und Dankens für deine unzähligen Wohlthaten: la mich selbige zur Buße, zum Glauben und Gehorsam leiten, und am Ende aller meiner Tage in deine Barmherzigkeit eingeschlossen erfunden werden. Jego schlaf ich, aufzuwachen Noch für Tage dieser Zeit. Laffe fertig stets mich machen, Vater, zu der Ewigkeit, Daß ich Wanderer dann set Von der Last des Eitlen frei, Von den Bürden dieser Erde, Wann ich nun unsterblich werde. Amen. 1. November. Norgen. Jerem. 30, 11. Ich bin bei dir, spricht der Herr, daß ich dir helfe. Gnadenreicher Gott, ich weiß nicht, was mir heute begegnen kann; darum wende ich mich zu dir, und erinnere mich an deine Verheißung. Sprich auch zu mir: Ich bin bei dir. Sei bei mir in der Arbeit meines Berufes und segne mich; denn ohne deinen Segen kann doch nichts gedeihen. Sei bei mir, wenn ich bete, und laß mich Erhörung finden. Schenke mir auch Andacht und Inbrunst im Gebet, und laß keine Stunde vergehen, da ich nicht mein Herz zu dir erhebe. Sei bei mir, wenn mich ein Leiden anfällt, erquicke mich, lindere es, und hilf mir aus. Sei bei mir, wenn meine Seele betrübt ist, und laß mich hören Freude und Wonne. Verbirg dein Angesicht nicht in meiner Traurigkeit vor mir, denn du weißt, daß ich nirgend hin weiß, denn zu dir, mir auch niemand helfen kann, denn du allein. Sollte sich auch ein Feind wider mich setzen, so sei bei mir zum Schutz, und laß mich als dein Kind nicht Böses mit Bösem vergelten, ihm lieber weichen und für ihn beten. Hilf mir auch, wenn ich Hilfe bedarf. Hilf mir mich selbst überwinden. Stehe mir mächtig bei, wenn mich die Welt lockt und reizt, daß ich nicht, wie von einem Wasserstrom, dahingerissen werde. Hilf mir im Kampfe wider die Sünde, hilf mir und stärke mich, daß ich wachse in deiner Erkenntniß und Liebe. Mit solchem Vorhaben mache ich den Anfang: Herr, gib mir Gnade und Kraft dazu. Sei mein Licht in der Finsterniß, meine Zuversicht in der Noth, sei in Leidensstunden mir mit deiner Hilfe nahe. Im Sterben sei du nur bei mir und hilf mir herrlich aus. So lang ich hier noch walle, Soll dies mein Seufzer sein, Ich sprech' bei jedem Falle: " Herr, hilf mir, ich bin dein!" Amen. 611 39* 1. November. Abend. Luc. 23, 46. Vater, in deine Hände befehle ich meinen Geist Herr Jesu, ich weiß, ich habe hier keine bleibende Stätte, und möchte auch keine haben, weil ich bei dir mein Erbgut, die Himmelsherrlichkeit erLange. Meinen Geist vertraue ich dir an, sonst niemanden; nicht der Welt, die befleckt ihn. Er ist dein Eigenthum, du hast ihn von dem Verderben erkauft: laß meine Seele immer in deiner Gemeinschaft bleiben. Ich lege sie als eine theure Beilage und als ein Pfand in deine Hände; daraus kann sie kein Feind reißen. Ich bringe dir eine bußfertige Seele, welche an allen ihren vorigen Sünden einen Abscheu hat und in dir Reinigung und Heiligung sucht. Hast du mit Beten dein Leiden angefangen und beschlossen, so soll das auch mein Vornehmen alle Tage und Stunden sein. Mit Beten habe ich diesen Tag angefangen: erreiche ich sein Ende, so will ich ihn auch mit Beten schließen. Du wirst meinen letzten Seufzer hören und in Gnaden annehmen. Meines Lebens Ende stehet bei dir, laß es doch ein vernünftiges und seliges Ende sein. Vater! sei mein Vater in gesunden Tagen, und schenke mir ein gehorsames Herz; sei mein Vater in Leidenstagen, und befreie mich davon; sei mein Vater, auch wenn ich die Welt verlasse. Deine Hände sind mächtige und starke Hände, dergleichen ich bei Menschen nicht finde; aber auch heilige Hände. Denke, mein Vater, daß mein Jesus auch meine Seele dir durch sein Gebet übergeben und nimm sie zu Gnaden an. 612 In deine Hand befehle Auch ich, Herr, meinen Geist, Wann zwischen Leib' und Seele Des Lebens Band zerreißt. Voran bist du gegangen, Daß ich dir folgen kann; Mich nimmt, mir darf nicht bangen In dir der Vater an. Amen. 2. November. Morgen. Jef. 61. 10. Ich freue mich in dem Herrn, und bin fröhlich in meinem Gott; denn er hat mich angezogen mit den Kleidern des Heils und mit dem Rock der Gerechtigkeit bekleidet. 613 Gnädiger Gott, mein Leib ist nackt und bloß auf die Welt gekommen, und so ist auch meine Seele vor dir ohne eigene Gerechtigkeit und Zierde. Soll ich vor dir bestehen, so mußt du sie kleiden, darunt schenke ihr die Kleider des Heils, Vergebung der Sünden, Friede und Freude in dir, starken und lebendigen Glauben, Trost im Leiden. Es mag mein Kleid noch so gering sein, das meinen Leib bedeckt, wenn nur meine Seele diese goldenen Stücke trägt. Ziehe mir an den Rock der Gerechtigkeit Jesu Christi, welchen ich in wahrem Glauben ergreife. Dieser Nock deckt zu alle meine Sünden, daß ihrer in Ewigkeit nicht mehr gedacht werde. Die Gerechtigkeit deines Sohnes soll sein mein tägliches Kleid, mein Festkleid, mein Ehrenfleid, mein Sterbekleid, das mich selig macht. Jesu Gerechtigkeit ist ein Kleid für alle Kinder Gottes, hohen und niedrigen Standes, Junge und Alte. Gottlose Menschen bekommen es nicht, bis sie durch wahre Buße den befleckten Rock ausgezogen haben. Diesen Rock erlange ich umsonst; darum freue ich mich in dem Herrn Jesu, und bin fröhlich in meinem Gott. Freuet sich eine Braut über ihren Schmuck, den ihr der Bräutigam aus Liebe schenkt, ein König über seine Pracht am Tage seiner Krönung: warum nicht auch ich? Meine Seele darf sich freuen, Sie ist froh in meinem Gott. Mir kann nun kein Trauern bräuen, Und ich fürchte keinen Spott; Die Kleider des Heils hat mir Jesus bereitet, Sein Rock der Gerechtigkeit hat mich gekleidet; So deck' ich die Blöße, so kann ich bestehn, Vor Gott selbst geschmückt sein, das stehet ja schön. Amen. 614 2. November. Abend. Matth. 23, 13. Wachet, denn ihr wisset nicht Zeit oder Stunde, wann des Menschen Sohn kommen wird. Herr Jesu, es ist wieder ein Tag vergangen; ich gedenke dabei, daß du mit meinem letzten Tage zu mir kommen kannst; aber ich weiß nicht, ob es bei Tag oder Nacht, am Morgen, Mittag oder Abend ge= schehen wird. Dein Kommen ist gewiß, aber die Stunde ist mir verborgen. Dein Kommen ist mir erfreulich, wenn du mich als eine kluge Jungfrau an triffst. Dein Kommen ist mir erschrecklich, wenn du mich als einen faulen Knecht antreffen solltest. An deinem Finden hänget mein ewiges Wohl und Wehe; wie du mich wirst finden, so wirst du mich richten. Laß mich alle Tage bedenken: dieses kann mein letzter sein; darum laß mich allezeit wachsam sein. Ist die Nacht nicht zum Wachen, sondern zur Ruhe von dir verordnet, so sollen meine Augen zwar sich schließen, mein Leib soll ruhen, aber meine Seele soll in dir sich erfreuen und mit dir vereinigt sein. Ich will wachen über mein Herz, daß es nicht mit sündlichen, falschen, neidischen, zornigen und unreinen Gedanken angefüllt bleibe, sondern wenn sie sich regen, ich sie in deiner Kraft abweise, daß du es von sündlichen Lüften gereiniget antreffen mögest. Ich will wachen über mein Leben und Werke, daß sie nicht von der Regel deiner Gebote und deines Vorbildes abweichen, und wenn ich von einem Fehler übereilt werde, so will ich nicht darin beharren, sondern durch Neue und Glauben mich zu dir wenden. Finde mich also, wenn du mich heimzuholen kommen wirst. Laß mich sowohl auf Zorn und Huld In deiner Zukunft merken; Laß stets dein Wort mich mit Geduld Uns in dem Glauben stärken, Und lehre mich in deinem Geist Mit allen, die du glaubig heiß'st, Auch sprechen: fomm, Herr Jesu. Amen. 3. November. Morgen. 1 Joh. 3, 1. Sehet, welche Liebe hat uns der Vater erzeiget, daß wir sollen Gottes Kinder heißen. Darum kennet euch die Welt nicht, denn sie kennet ihn nicht. 615 Gott, Vater, du bist die Liebe, und es ist lauter Liebe, was ich von deiner Vaterhand empfangen. Deine Liebe hat mir das natürliche Leben geschenkt und bis hierher erhalten. Deine Liebe hat mich in himmlischen Gütern wohl bedacht. Aus Liebe hast du mir deinen Sohn gesandt und mich zu deinem Kinde angenommen. Das ist eine große Gnade; aber du hast mich auch zum Erben angenommen und mir Theil an deinem Königreiche gegeben: das ist unaussprechlich und unerhört. Du hast mir auch die Macht gegeben, daß ich soll dein Kind nicht allein heißen, sondern auch in der That sein. Bin ich dein Kind, so bin ich dein Erbe; ich bin auch gewiß, daß ich deiner Herrlichkeit theilhaftig werde. Gib mir deinen heiligen Geist, damit ich als dein Kind rede und wandle. Will mich die Welt nicht kennen, so achte ich dieses für die größte Ehre; denn das ist ein Kennzeichen, daß sie dich nicht kennt. Die Welt glaubt nicht, daß du bist ein heiliger Gott, und daß du ein heiliges Leben von deinen Kindern forderst. Will sie mich nicht kennen, so kenne du mich; erkenne mich für dein Kind auch im Sterben. Ach, mein Gott und Vater! laß mich als dein Kind heute leben, reden, denken, mit meinem Leben und Vornehmen niemand ärgern, und dir immer ähnlicher werden. Sehet, fehet, welche Liebe Hat der Vater uns erzeigt, Sehet, wie er voll Erbarmen Ueber uns sein Antliß neigt! Seht, wie er das Allerbeste Für das Allerschlecht'ste gibt, Seinen Sohn für unsre Sünden, Sehet, seht, wie er uns liebt! Amen. 3. November. Abend. Joel 2, 13. Zerreißet eure Herzen, und nicht eure Kleider, und bekehret euch zum Herrn, eurem Gott; denn er ist gnädig, barm herzig, geduldig, von großer Güte, und reuet ihn bald der Strafe. 616 Gnadenreicher Gott, der Tag ist hin und du hast Ursache, über meinen Ungehorsam und Nachlässigkeit in dem Guten zu zürnen. Ich hätte den Tag in größerer Aufmerksamkeit auf dein Wort und meinen Wandel hinbringen können. Dieses sagt mir dein Geist, aber er wirket auch eine heilsame Reue in mir. Mit betrübtem zerbrochenem Herzen erkenne ich mein Unrecht, will aber dabei nicht stehen bleiben, sondern mich zu dir, dem Herrn, meinem Gott, bekehren. Ich kehre von der Weltliebe zu deiner Liebe, von meinem eigenen Willen zu deinem Willen, von den Sündenwegen zu deinen Wegen, von der Widerspenstigkeit zum Gehorsam. Ich kehre mich zu Jesu, und zu dessen Blut und Wunden, und bitte um Gnade und Vergebung aller meiner Sünden. Nimm meine geängstete Seele in deine Arme auf. Du hast mir Gnade in Christo Jesu zugesagt, du bist auch barmherzig, du willst mit den Verbrechern nicht nach dem höchsten Recht verfahren, sondern läsfest dich erbitten. Du bist auch geduldig und langmüthig, du siehest lange zu, warnest und ermahnest, che du zuschlägst, ob der Sünder noch hören, sich bekehren und zu dir kommen will. Du bist von großer Güte, du läsfest dich erbitten; wenn die Strafe schon über uns schwebt, so reuet es dich bald, daß du sie nicht lässest einbrechen, wenn wir im Glauben und in Zerknirschung vor dich kommen. Laß mich deine Gnade, Barmherzigkeit, Geduld und Güte erquicken jetzt und in der Stunde meines Todes. Wie ist mir doch so angst und bange Von wegen meiner großen Sünd' Hilf, daß ich wieder Gnad' erlange, Ich armes und verlornes Kind! Erbarme dich, erbarme dich, Gott, mein Erbarmer, über mich. Amen. 4. November. Morgen. Hiob 34, 21. Gottes Augen sehen auf eines jeglichen Wege, und er schauet alle ihre Gänge. 617 Allgegenwärtiger Gott, meine Wege fangen in meinem Herzen an; dieselben bleiben den Menschen unbekannt, bis sie ausbrechen: aber deine Allwissenheit sieht dieselben schon, weiß alle meine heimlichen Gänge und meine Absichten. Hieran laß mich fleißig denken, daß ich mein Herz durch deinen Geist rein bewahre vor aller Falschheit und Betrug, vor allem Zorn und Feindschaft, vor aller Unreinigkeit und bösen Lüsten, welches alles Sünden und Greuel vor deinen Augen sind. Deine Augen, die heller sind als die Feuerflammen, schauen aber auch meine äußerlichen Gänge, sie geschehen bei Tag oder bei Nacht. Suchen Diebe und Unkeusche gerne verborgene Winkel, so ist es doch vergebens, denn du schauest sie, was sie auch thun! Laß mich diese Erkenntniß von allen heimlichen und offenbaren Sünden abhalten, daß ich allezeit als dein Kind vor deinem Angesicht wandeln möge. Laß mich in meinen Berufsgängen auf dich schauen, von dir erbitte ich Segen und Beistand. Schaue auf meine Kreuzeswege, zähle meine Thränen, höre mein Seufzen. Ruft mich die Welt, so laß mich an dein allsehendes Auge denken, damit ich mich nicht von dem rechten Wege auf den breiten Höllenweg lasse leiten. Laß mich in meinen Lebenstagen also wandeln, daß ich den seligen Himmelsweg in meinem Sterben und am jüngsten Tage in meinem Auferstehen finden möge. Alle Schritte, Alle Tritte Sind dem Vater wohl bekannt. Wenn ich falle, Da ich walle, Fall' ich doch in seine Hand. Geh'n die Gänge durchs Gedränge, Geh'n sie doch zum Vaterland. Amen. 4. November. Abend. Röm. 14, 8. Leben wir, so leben wir dem Herrn; sterben wir, so sterben wir dem Herrn; darum wir leben oder sterben, so sind wir des Herrn. 6187 Großer Gott, dein bin ich im Leben und Sterben. Dir will ich leben, nicht der Welt; dir zu Gefallen alles thun, der Sünde nichts. Dir will ich leben nach deinem Willen, nicht nach meinem Willen. Gott, stärke mich in meinem Vorhaben, daß nicht mein Ver sprechen für heute nur gelte, sondern ein beständiges Vorhaben bleibe, auf daß mein ganzes Leben ein dir gefälliges Leben werde. Lebe ich also dir, meinem Herrn, so sterbe ich auch dir, meinem Herrn, ich komme nicht unter fremde Botmäßigkeit nach meinem Tode, wie die Gottlosen, welche an den Ort der Qual gelangen, sondern ich bin und bleibe dein Kind, dein Erbe, wie im Leben, also im Sterben. Ich falle dir im Sterben zu, weil ich dir gelebet. Ich gehe aus dem Glauben zum Schauen, mein Todesgang ist ein Durchgang zum ewigen Leben; darum will ich dir leben, so werde ich im Sterben ewig selig sein. O eine selige Verbindung der Glaubigen mit Gott! Laß mich den Trost allezeit empfinden, ich sei des Herrn. Laß mich dieses von Sünden abschrecken, daß ich nie wider meine Kindespflicht handle, noch mich des Bösen lasse gelüsten. Laß mich daraus einen kräftigen Trost schöpfen in Trübsalsstunden, daß ich auch im Kreuz dein Eigenthum sei. Im Sterben erfreue mich mit dem Troste, daß ich dein Eigenthum sei, daß mich nichts aus deiner Hand reißen, sondern daß ich in Ewigkeit dein bleiben möge. Wie sollt' ich dem nicht leben wollen, Der für mich armen Sünder starb? Wie sollt' ich dem nicht dienen sollen, Der mich zum Eigenthum erwarb? D nein, dir, Jesu, dien' ich gern; Sterb' ich, so sterb' ich dir, dem Herrn Amen. 5. November. Morgen. Jof. 23, 11. Behütet auf's fleißigste eure Seelen, daß ihr den Herrn, euren Gott, lieb habet. Liebenswürdiger Gott, ich fasse den festen Entschluß, dich lieb zu haben. Behüte du selbst meine Seele, daß kein anderer Gedanke darein komme. Laß meine Seele mit heiligen Gedanken und gottseligem Vornehmen immer beschäftigt sein, daß nichts Unreines darin sich festsetze, keine Welt- und Sündenliebe, keine Menschengefälligkeit, dadurch ich deine Freundschaft verlieren könnte. Meine Seele zu behüten, soll meine Gorge bleiben, weil du dir dieselbe zur Wohnung auserkoren hast; behüte du sie selbst, daß keine sündliche Liebe, kein Hochmuth, Eitelkeit, Sicherheit dieſelbe verunreinige, sondern daß ich dich allein lieb habe, als meinen Herrn, dem ich Gehorsam schuldig bin; als meinen Gott, der mir so viel Liebes und Gutes an Leib und Seele gethan hat. Darum will ich dich allein lieb haben. Stärke mich in deiner Liebe, und erhalte dieselbe bis an mein Ende, daß ich trachte, dich immer mehr zu erkennen; denn wer dich kennt, der liebt dich. habe ich dich erkannt, so laß mich dir allezeit nachfolgen und alles flichen, was dich betrüben kann. Kann niemand mit einem Auge gen Himmel, mit dem andern auf die Erde sehen; ist niemanden ein getheiltes Herz, eine getheilte Liebe angenehm: so kann ich dir auch nicht gefallen, wenn ich dich nicht allein liebe. Wie lieb wirst du mir sein in der Herrlichkeit, da ich dir ewig danken werde, daß du mich zu deiner Liebe gebracht hast. Gib, daß sonst nichts in meiner Seel' Als deine Liebe wohne; Gib, daß ich deine Lieb' erwähl', Als meine Lust und Krone. 619 Stoß alles aus, nimm alles hin, Was mich und dich will trennen Und nicht gönnen, Daß mein Herz, Muth und Sinn In deiner Liebe brennen. Amen. 5. November. Abend. Pf. 143, 20. Der Herr behütet alle, die ihn lieben. Gnadenreicher Gott, deine Liebe hat mich heute aus und ein begleitet, und diesen Abend erleben lassen. Wie kann ich dir vergelten alle Treue, die du mir erwiesen? Ich weiß wohl, was du von mir forderst, nämlich herzliche Gegenliebe; allein meine Liebe iſt gar unvollkommen. Gott, der du in mir das Verlangen, dich zu lieben, erweckt hast, und der du das Verlangen der Elenden hörst und für die That annimmſt, laß dir meine herzliche, obgleich geringe Liebe gefallen, und mache sie durch deinen Geist immer stärker. Ach, könnte ich dich so herzlich lieben, als ich dich lieben wollte! Siehe meine schwache Liebe in Gnaden an, und vermehre, stärke und erhalte sie durch deinen Geiſt. Hast du nun die gnädige Verheißung gegeben, du wolleft alle, die dich lieben, behüten, so laß sie auch an mir erfüllt werden. Behüte mich diese Nacht vor al lem Unglück und Schaden, und schenke mir eine sanfte Ruhe. Behüte meine Seele vor Sünden, und laz mich immer frömmer, demüthiger und fanftmüthiger werden. Behüte mich vor Sicherheit und Eigenliebe, vor Ungeduld im Leiden, vor Mißtrauen in Mangel, vor Kleinmuth in Widerwärtigkeit. Stellt mir ein Feind heimlich nach, dessen List und Tücke mir unbekannt find, so behüte du mich, daß ich nicht darein falle. Behüte mich im Sterben vor Anfechtung, vor allzu großen Schmerzen. Schenke mir alsdann Trost und Frieden, Erbarmung und Gnade. Also werde ich woll behütet sein durch dich und in dir, hier zeitlich und dort ewig. 620 Von Gott will ich nicht lassen, Denn er läßt nicht von mir, Führt mich zur rechten Straßen, Wenn ich geh in der Jrr. Er reicht mir seine Hand; Den Abend wie den Morgen Will er mich wohl versorgen, Wo ich auch bin im Land. Amen. 6. November. Morgen. Jef. 30, 21. Dies ist der Weg, denselben gehet; sonst weder zur Rechten noch zur Linken. 621 Heiliger Gott, wie viele Wege sehe ich vor mir! Ich merke, daß auch die sündlichsten Wege ihre Liebhaber finden, die darauf vergnügt sind, wie ein unverständiges Vögelein auf dem Netz hüpft, das der Vogelsteller ausgebreitet. Du hast mir einen Weg ange= wiesen, Jesum, welcher von sich selbst sprach: Ich bin der Weg; und du sprichst zu mir: Dem sollst du nachgehen, den sollst du hören. Ich habe mir vorgenommen, Jesum als meinen Glaubensweg anzusehen. Was er gelehrt, ist Wahrheit; mein Glaube ergreift ihn als meinen Heiland, als Hohenpriester, als meinen König und als meinen Propheten. Er soll aber auch sein mein Lebensweg, daß ich nachfolge seiner Sanftmuth, demüthig und gehorsam werde. Laß mich fleißig er= wägen, daß dieses Gebot alle verbinde, daß Reiche und Arme einerlei Weg haben, Einen Glauben und Einen Weg des Gott wohlgefälligen Wandels. Bewahre mich, daß ich nicht zur Rechten einen andern Weg suche; daß ich mich nicht auf mich selbst verlasse, weil mich dein Geist vor groben Sünden bewahrt hat. Behüte auch mein Herz, daß ich nicht zur Linken mich wende, und auf den großen Haufen der Weltkinder sehe, daß ich gedächte, weil so viele Reiche, Vornehme und Ge= lehrte den breiten Weg gehen, daß er darum müſſe recht sein. Schenke mir deinen heiligen Geist, der mich allezeit leite auf ebener Bahn. Laß mich erwägen, daß daran meine Seligkeit hange, daß ich, wo ich bin und wandle, mich möge erinnern, ob ich noch auf dem einzigen rechten Weg sei. Zeuch, Jesu, mich, zeuch mich, dir nachzugehen! Zeuch mich dir nach, zeuch mich, ich bin noch weit; Dein schmaler Weg ist voller Süßigkeit, Des Guten Füll' ist hier zu sehen; Zeuch, Jesu, mich, zeuch mich, dir nachzugehen! Amen. 6. November. Abend. 1 Joh. 2, 1. Db jemand sündiget, so haben wir einen Für sprecher bei dem Vater, Jesum Christum. 622 Gerechter Gott, siehe mich in Gnaden an, der ich demüthig bekenne: ich habe gesündigt. Ich habe oft und lange gesündigt, ehe ich dich kannte, als ich noch nach meinen Lüsten und der Welt Lauf lebte. Ich habe gesündigt aus Uebereilung und Schwachheit, nachdem du mich zu dir gezogen und in den Gnadenstand versetzt haſst. Wehe mir, daß ich meinen treuen Vater und großen Wohlthäter also betrübt! Doch will ich nicht verzagen, denn ich habe einen Fürsprecher, Jesum Christum, meinen Herrn und Heiland. Ich habe ihn, weil du ihn mir zu meiner Gerechtigkeit gemacht hast. Ich habe ihn, weil ich ihn im Glaubent faffe. Siehe, alles spricht für mich: sein heiliger Mund bittet für mich, seine Wunden sprechen für mich, sein Leiden spricht für mich und sein Krenzestod. Ift nun das alles für mich geschehen, so ist seine Versöhnung vollkommen. Mein Fürsprecher ist der Gott- Mensch, der gerecht ist, sowohl nach seiner Person, als nach seinem Mittleramt. Bater, so nimm denn mich zu Gnaden an, und erbarme dich über mich. Ich komme nicht in meiner eigenen Gerechtigkeit vor dich, denn ich habe gefündigt und Uebels vor dir gethan. O mein Fürſprecher, tritt du in die Mitte, und bitte für mich bei deinem Vater im Himmel, daß ich durch dich Gnade und Barmherzigkeit erlange, absonderlich im Sterben; wenn ich nicht mehr beten kann, so bete du mit mir und führe mich. Alle Namen deiner Frommen Trägst du stets auf deiner Brust; Und die glaubig zu dir kommen, Sind und bleiben deine Lust Du vertrittst, die an dich glauben, Daß sie nichts dir möge rauben, Bittest in des Vaters Haus Ihnen eine Wohnung aus. Amen. 7. Noveniber. Morger. Amos 5, 15. Hasset das Böse, und liebet das Gute. Heiliger Gott, laß mich in deines Geistes Licht das Böse hassen, welches aus mir entsteht, wenn sich in meinem Herzen allerlei Sündliches regt, in Lüsten und Begierden. Laß mich das Böse hassen, wozu ich von außen gereizt werde: Eitelkeit, Sicherheit, Gleichstellung der Welt. Laß mich es ansehen als ein Gift, das mich tödtet, als eine Schlange, die mich sticht, als einen Greuel, der mich von deiner Gemeinschaft ausschließt. Vor groben Sünden wollest du mich in Gnaden bewahren. Hat also dein Geist einen Abscheu in mir erweckt wider das Böse, so laß ihn auch in mir diese Gnade wirken, daß ich das Gute liebe. Was ist aber gut, außer dir, mein Gott? In dir ruht mein Gemüth, in dir freuet sich mein Geist; lebe, wohne und sei in mir, so bin ich zeitlich und ewig glückselig. Liebe ich dich, so laß mich auch lieben, was du mir befiehlst. Frömmigkeit ist ein wahres Gut, dazu du mich ermahnst: Wandle vor mir und sei fromm. Dazu gib mir Kraft und Stärke. Gänzliche Uebergabe an dich ist ein nothwendiges Gut, daß mein Herz ungetheilt dein Eigenthum bleibe. Die Liebe des Nächsten ist mir befohlen; ein reines Herz willst du in mir schaffen; in deinem Dienst soll ich emsig sein; mein Gewissen soll ich unbefleckt bewahren, deine Furcht soll mir allezeit vor Augen schweben. Laß mich all dieses mir gebotene und anbefohlene Gute lieben, suchen und daran mich ergötzen. Schreibe meines Jesu Wunden als mein höchstes Gut in mein Herz, und laß deine Liebe in mir täglich wachsen. Herr! du willst, daß deine Kinder Deinem Bilde ähnlich sei'n; Nie besteht vor dir der Sünder, Denn du bist vollkommen rein; Du bist nur der Frommen Freund, Allem Bösen bist du feind; Wer beharrt in seinen Sünden, Kann vor dir nicht Gnade finden. Amen. 623 7. November. Abend. Serem. 17, 17. Sei du mir nur nicht schrecklich, meine Zuverficht in der Noth. 524 Gnädiger Gott, überlege ich meine heutige Aufführung, die mir bewußten Sünden: so erschrecke ich vor mir selbst; aber sei du mir nur nicht schrecklich, daß du mir deßwegen wollest deine Gnade entziehen und mich deinen Zorn empfinden lassen. Leibliche Krankheiten, Schmerzen, Bande und Armuth sind schreckliche Dinge für unsern Leib und Gemüth; aber wenn du dich in einen Grausamen verwandelst, so übertrifft der Seelenschmerz alle anderen Schmerzen. Schrecklich ist es, wenn sich die Sonne verbirgt, wenn es donnert und blitt; wenn du aber dein Angesicht vor einer Seele verbirgst, so wäre es unerträglich. Ach mein Gott, sei mir nicht schrecklich, sondern laß mich hören Freude und Wonne, daß die Gebeine fröhlich werden, die du zerschlagen hast. Du bleibest doch meine Zuversicht, ich lasse doch nicht von dir, du segnest mich denn; willst du mich wie einen armen Wurm zertreten, so bleibst du doch meine Zuflucht. Ich halte dir deine väterlichen Verheißungen vor, und weiß, du wirst dich um derselben willen meiner erbarmen. Dein Vaterherz ist mir bekannt, darum richte ich meine Augen und Herz zu dir in aller Noth. Laß mich in Sündennoth die fröhliche Stimme hören: Deine Sünden sind dir vergeben. Willst du mich in andern Nöthen versinken lassen, so bleibest du auch da meine Zuversicht, weil dir keine Noth zu groß ist, Saraus du nicht erretten könntest. Kommt meine Sterbestunde, alsdann sei mir nicht schrecklich, sondern freundlich; tröste mich, wie den Schächer am Kreuz: Heute wirst du mit mir im Paradiese sein. Ist alles dunkel um mich her, Die Seele müd und freudenleer Bist du doch meine Zuversicht, Bist in der Nacht, o Gott, mein Licht. Amen. 8. November. Morgen. Joh. 12, 36. Glaubet an das Licht, dieweil ihr es habt, auf daß ihr des Lichtes Kinder seid. O Jesu, du Licht meiner Seele, ich habe dieses Tages Licht durch deine Gnade erreicht: laß mich auch als ein Kind des Lichts wandeln und vertreibe aus meinem Herzen alle Finsterniß des Unverstandes und der Bosheit. Lebst du in mir, so sehe ich, wie bei einem Lichte, was für sündliche Regungen sich in mir befinden, wie wenig mein Leben dem deinigen ähnlich ist. Ich erkenne aber auch die Herrlichkeit, die du mir durch dein Leiden und Sterben erworben hast. Laß diesen Glauben mein Herz reinigen und mein Leben heiligen, daß ich alle Werke der Finsterniß meide und dir zur Ehre Lebe, so lange ich dich als das Licht habe. Du hast mir meine Lebenszeit bestimmt, da ich mich mit dir vereinigen, dir nachwandeln kann, dieweil das Licht des Lebens mir scheint, und das Licht deines Wortes meines Fußes Leuchte ist. Verlischt meines Lebens Licht, und du wärest nicht in mir, so könnte ich das himmlische Freudenlicht nicht sehen. Dieweil ich lebe, kann ich mich bekehren, nach der Zeit ist mir das Gericht bestimmt. Laß in deiner Kraft mich im Glauben dich ergreifen, dir anhangen, daß ich ein Kind des Lichtes sei hier und dort. Ich bin hier ein Kind des Lichtes, weil ich ein Recht zum himmlischen Licht und zu des Himmels Herrlichkeit durch dich empfangen habe; ich werde auch ein Kind des Lichts sein nach meinem Absterben, denn da werde ich zum himmlischen Freudenlicht eingehen, welches nimmermehr aufhören wird. Herr, erbarm' dich über mich, Zünde Glauben an; Sei mein Licht, damit ich dich Recht erkennen kann. Wenn ich in dir Kann das Herz des Vaters sehn Gegen mich in Liebe stehn, Wie wohl wird mir! Amen. Start's Morgen- und Abend- Andachten. 625 40 8. November. Abend. Pf. 65, 4. Unsere Missethat drücket uns hart; du wollest uns unsere Sünde vergeben. 626 Ach Gott, wie süß ist die Sünde, wenn man sie begeht, aber wie bitter ist sie, wenn sie vollbracht ist! Meine Missethat, die ich heute begangen, drückt mich hart; meine Pflicht habe ich versäumt, ich habe meinen Lüsten den Lauf gelassen, ja gerne gewandelt mit den eitlen Menschen. Nun kommt dein Wort und spricht: Was hast du gethan? wo ist der schuldige Gehorsam? Der Fluch des Gesetzes drückt mich, da es mir die Verdammniß droht. Die gerechten Strafen, welche auf die Sünden folgen müssen, liegen wie eine schwere Last auf mir, ängsten und drücken mich. In solches Elend habe ich mich selbst gebracht. Ach Gott, der du mir dieses alles hast durch deine Gnade zu erkennen gegeben, laß mich von meiner Sündenlast nicht unterdrückt werden, sondern vergib mir alle meine Sünden. Ich fliehe zu deiner Barmherzigkeit, welche du allen Sündern zugesagt haft, die ihre Missethaten erkennen, hassen und lassen. Ich ergreife im Glauben Jesum Christum; tilge in seinem Blute alle meine Missethaten und rechne sie mir nicht zu. So laß denn meine mit Sünden beschwerte Seele befreit und getröstet werden; und daß ich nicht leicht wieder in die vorige Grube falle, so gib mir deinen heiligen Geist, der mich in dem guten Vorhaben stärke. Kommen meine letzten Lebensstunden, so laß mich meine Sündenlast nicht drücken, sondern auf immer und ewig vers ziehen bleiben. Die Sündenschuld warf uns darnieder, Und drückte uns so schwer; Doch du vergibst und stellst uns wieder Durch deine Gnade her. Wohl deinem Knechte, dem du schenktest, Zu nahen deinem Thron, Und dessen du in Huld gedenkest, Daß er im Vorhof wohn'. Amen. 9. November. Norgen. Offenb. 18, 4. Gehet aus von ihr, mein Volk, daß ihr nicht theilhaftig werdet ihrer Sünden, auf daß ihr nicht empfahet etwas von ihren Plagen. Heiliger Gott, ich bin noch in der Welt, darin lauter Verwirrung, Falschheit, Lüge, Sünde und Ungerechtigkeit zu finden ist; ich bin aber in der Welt nur dem Leibe nach, innerlich mit meinem Herzen bin ich davon ausgegangen. Ich sehe der Welt Sündenwege, aber ich stelle mich ihr nicht gleich; Jesus ist das Vorbild, dem ich nachfolge, dem hange ich an, der ist mein Verlangen. Laß mich den Ausgang nicht aufschieben bis ins Alter, bis du mich durch den Tod ausgehen heißest; laß mich es nicht gezwungen thun, sondern bald und willig. Verleihe mir Kraft dazu; darum schrecke du mich selbst ab von der Gottlosen Steg. Laß mich fleißig erwägen, wozu ich erschaffen und erlöst bin, daß ich mich keiner Sünde theilhaftig mache, weder äußerlich durch Mitmachen, noch innerlich, daß ich sie wollte billigen; nicht allein darum, daß ich nicht etwas empfange von ihren Plagen, sondern vornehmlich, daß ich dich nicht betrübe. Auf Sünde muß Buße folgen, oder es kommt darauf zeitliche und ewige Pein. Ob nun aber die Welt ihre Plagen, ein böses Gewissen, Verscherzung deiner Gnade nicht achtet: so werden doch die Plagen mit größerm Sturm auf sie eindringen in der Stunde des Todes und am Tage des Gerichts. Laß mich daran mein Leben lang denken, auf daß ich in deiner Gemeinschaft beständig beharre. Der Ausgang, der geschehen, Ist uns fürwahr nicht leid; Es soll noch besser gehen Zur stillen Ewigkeit. Ihr Lieben, seid nicht bang, Verachtet tausend Welten, Ihr Locken und ihr Schelten Und geht nur euren Gang. Amen. 627 40* 9. November. Abend. Hof. 14, 3. Vergib uns unsere Sünde, und thue uns wohl; wollen wir opfern die Farren unsrer Lippen. 628 Barmherziger Gott, der du nicht willst des Sünders Tod, sondern daß er sich bekehre und lebe: siehe, ich bitte: Vergib mir meine Sünden. Vater, ich habe gesündigt im Himmel und vor dir, und bin nicht werth, daß ich dein Kind heiße. Willst du mich verstoßen, so bin ich zeitlich und ewig verloren. BarmHerziger Gott, vergib mir meine Sünden. Thue mir wieder wohl, schenke mir den Trost des heiligen Geiſtes, der mich der Vergebung meiner Sünden versichere, daß getroft zu deinem Gnadenthron trete. Thue meiner Seele wohl, und schenke ihr die Freudigkeit, daß von neuem in deine Gemeinschaft getreten sei. Thue mir wohl, und laß deine Gnade mich bewahren, erinnern und leiten, daß ich nicht wieder von neuem fündige; laß dein Licht mir leuchten, dein Wort mich Heiligen, daß ich hinfort wandle den Weg deiner Ge bote. Thue mir wohl im Leiblichen, und laß die Fluten der verdienten Strafen mich nicht überschwemmen. Diese Gnade soll mich zum beständigen Lob und freudigen Dank aufmuntern, daß ich opfere die Farren meiner Lippen. Brachte Israel große und kleine Opferthiere, wenn es sich dir dankbar erzeigen wollte, so will ich dir alles aufopfern: meinen Leib, meine Seele und mein Leben. Ja, mein Herz soll sich in dir erfreuen, mein Mund soll dich preisen; ich will sagen: Der Herr hat großes an mir gethan, der Herr hat sich meiner erbarmet, er hat meine Sünde weggenommen, und mir meines Jesu Gerechtigkeit geschenkt; durch ihn bin ich in Gnaden und selig. Finde mich in solchem Stand in der Stunde meines Todes. Du willst ein Opfer haben, Hier bring ich meine Gaben: In Demuth fall ich nieder Und bring Gebet und Lieder. Amen. 10. November. Norgen. 5 Mof. 11, 1. Du sollst Gott, deinen Herrn, lieben, und sein Geseß, seine Weise, seine Rechte und sein Gebot halten dein Leben lang. 629 Großer Gott, laß mir dein Gesetz allezeit im Herzen und vor Augen bleiben. Du forderst von mir aufrichtige Liebe; schenke mir deinen heiligen Geist, der in mir solche Liebe zu dir erwecke. Odu Gott der Liebe! wirke in mir eine aufrichtige Liebe, denn ohne dich kann ich dich nicht lieben. Ich liebe dich als meinen größten Gutthäter, du hast mich erschaffen, erlöst und geheiligt aus unverdienter Liebe. Ich liebe dich als meinen treuesten Freund, der mir allezeit Nath ertheilt und mich begleitet. Jch liebe dich als meinen Trost, der mich in Anfechtungshitze gelabt, im Elend aufgerichtet. Erinnere mich fleißig, daß ich nicht Freiheit habe, nach meinem Eigendünken zu leben, sondern daß dein Gesetz mich dir zu gehorchen verbinde, unter Bedrohung deines Zorns und Ungnade. Ist so mein Herz innerlich beschaffen, so laß mich auch äußerlich deine Weise und Rechte halten, daß ich meinen Wandel führe nach der Vorschrift deines Wortes und dem Vorbilde Jesu. Mein Heiland hat mir ein neues Gebot der Liebe des Nächsten, ein Gesetz der Verleugnung meiner selbst, als Kennzeichen seiner Jünger, die Rechte eines untadelhaften Lebens und die Weise, seinem Beispiel nachzufolgen, gegeben. Hilf mir, daß ich mich von allen Befleckungen des Fleisches reinige, auf daß mein Thun dir wohlgefallen möge. Heute fromm sein und dir anhangen, morgen mit der Welt laufen und sündigen, ein wankendes Rohr in dem Guten sein, mag dir nicht gefallen. Laß mich dieses meines Gebets alle Zeit eingedenk bleiben. Dich lieben, Gott, ist Seligkeit; Gern thun, was dir gefällt, Wirkt reinere Zufriedenheit, Als alles Glück der Welt. Amen. 10. November. Abend. 1 Joh. 3, 3. Ein jeglicher, der solche Hoffnung hat zu ihm, der reiniget sich, gleichwie er rein ist. 630 Reiner Gott, ich lege mich zur Ruhe, in der gewissen Hoffnung, daß ich der Herrlichkeit deiner Kinder hier und dort genießen werde. Die Hoffnung gründe ich auf dein väterliches Erbarmen, weil du mich in der heiligen Taufe zu deinem Kinde angenommen haft. Ich gründe sie auf Jesum, meinen Heiland, der mir auch eine Stätte bereitet hat, und gesprochen: Wo ich bin, da soll mein Diener auch sein. Ich gründe meine Hoffnung auf den heiligen Geist, welcher in meinem Herzen schreit: Abba, lieber Vater! Befestige solche Hoffnung in mir durch deine Gnade, und laß mich nicht um eines sündlichen Weltbissens und eitler Lust willen solche Hoffnung verscherzen, sondern gib mir Kraft, daß ich mich dazu bereite, und mich reinige. Ich komme vor dich betend und weinend, ich beklage meine Missethat und Uebertretung. Weil aber meine Thränen mich vor dir nicht rein darstellen können, so nahe ich mich zu dem Blute meines Jesu, als dem offenen Brunn wider die Sünde und Unreinigkeit; darin wasche ich mich, darin tauche ich mich, wie Naeman im Jordan, wie die Kranken im Teich Bethesda, die alle darin gesund und rein wurden. Reinige du mich selbst durch deinen Geist inwendig und auswendig, daß ich möge rein werden, wie du rein bist; nicht zwar, als ob die arme Kreatur dem Schöpfer gleich werden könnte, sondern daß ich in der Reinigung wachse. Schenke mir Kraft, dir immer näher zu fommen. In der Stunde meines Todes geselle mich allen Reinen und Auserwählten zu. Herr, durch deines Blutes Kräfte Wird das sündige Geschäfte, Unsers Fleisches abgethan, Bis wir nach den Prüfungsstunden Nein durch deine heil'gen Wunden, Dir vor deinem Throne nah'n. Amen. 11. November. Morgen. Jes. 2, 5. Kommet, ihr vom Hause Israel, lasset uns wandeln im Lichte des Herrn. 631 Gnadenreicher Gott, deine Treue und Güte hat mich wieder aus der Finsterniß der Nacht an das Tageslicht gebracht; laß mich beständig in deinem Lichte wandeln. Das Licht, das du mir vorgestellt, ist dein Wort, darnach ich soll meinen Wandel richten. Dein Geist will mein Licht im Herzen sein; deine Gnade will mich leiten. Schrecke mein Herz ab von dem Wege derer, welche in Finsterniß wandeln. Jesus ist das wahrhaftige Licht, welches alle Menschen erleuchtet zum ewigen Leben; dem will ich nachwandeln. Herr Jesu, laß es doch recht hell in meinem Herzen werden. Laß mich sehen die Arbeit und Mühe, die du, meine Seele zu erlösen, gehabt. Der Wandel im Licht fasset in sich eine gänzliche Uebergabe an dich, einen der Welt abgestorbenen Sinn, daß ich lebe in der Welt, aber nicht sei von der Welt; ein dir geheiligtes Leben. Ist der Wandel im Licht bei der Welt verachtet, hält sie ihn für unnöthig und unmöglich, so laß mich solches nicht abwendig machen, sondern vielmehr auf deine Kinder schauen, welche, durch deinen Geist belebt, mir vorgehen und zurufen: Kommt, laßt uns im Licht des Herrn wandeln. Ja, laß meinen Wandel eine Stimme sein, welche allen zuruft: Kommet mit mir! daß auch durch mich dein Ruhm ausgebreitet werde. Laß mich an das himmlische Freudenlicht fleißig denken, zu welchem niemand gelangen kann, der in dieser kurzen Lebenszeit nicht in deinem Licht gewandelt hat. Jesu, reines Licht der Seelen, Du vertreibst die Finsterniß; Alle, die dein Heil erwählen, Machst du nun im Gang gewiß; Jesu, deine Lieb' und Segen Leuchten uns auf allen Wegen. Amen. 11. November. Abend. Röm. 3, 25. Gott hat Christum vorgestellt zum Gnadenstuhl durch den Glauben in seinem Blut. 632 Herr Jesu, laß mich in der Betrachtung deiner herrlichen Versöhnung einschlafen. Der Gnadenstuhl war ein verborgenes Kleinod im Allerheiligsten des Tempels, zu welchem sich außer dem Hohepriester bei Todesstrafe kein Mensch nahen durfte; du aber, o Lebensfürst, bist uns öffentlich vorgestellt, dein Kreuz stand auf offenem Felde, auf Golgatha, das jedermann sehen konnte. Darum komme ich auch zu dir im Glauben, im Gebet und Seufzen. An dem Gnadenstuhl sehe ich deine Person abgebildet; er war von unverweslichem Holz, mit Gold überzogen, und du bist wahrer Gott und wahrer Mensch in einer Person. Wenn der Hohepriester in das Heiligthum trat, mußte es allezeit mit Blut geschehen, welches er mit seinem Finger einmal in die Höhe und siebenmal gegen den Gnadenstuhl sprengte, um anzuzeigen, deine Versöhnung gelte im Himmel und auf Erden. Dieses Blutes tröste ich mich als meines Reinigungs- und Versöhnungsblutes, und nehme ich es im Glauben an, als für mich geschehen. Dieses Blut ist die Bezahlung für meine Sünden. Was dein ist, ist mein, mir erworben, mir geschenket. Siehe mich vor dir liegen; höre an mein andächtiges Gebet; verzeihe mir alle meine Sünden um deines Blutes willen; ach, laß deine Todespein an mir nicht verloren sein. Weil du bist ein den Sündern vorgestellter Gnadenstuhl, ohne welchen keine Gnade und Vergebung zu erlangen ist, so nahe ich mich getroft zu dir. Im Sterben will ich mich nach dir sehnen, blicke mich in Gnaden an. Ich kann dir nicht viel geben In diesem armen Leben; Eins aber will ich thun, Es soll dein Tod und Leiden, Bis Leib und Seele scheiden, Mir stets in meinem Herzen ruh'n. Amen. 12. November. Norgen. Pf. 39, 1. Ich habe mir vorgesetzt, ich will mich hüten, daß ich nicht sündige mit meiner Zunge. Heiliger Gott, da ich nun unter Menschen gehen muß, so bewahre mich, daß ich nicht sündige mit meiner Zunge. Ich erschrecke allezeit, wenn ich meines Erlösers Worte höre: Ich sage euch, wahrlich, daß die Menschen müssen Rechenschaft geben im jüngsten Ge richt von einem jeden unnüßen Wort, das sie geredet haben. Ich denke dabei oft: Herr, wer wird denn selig werden? Darum habe ich mir vorgesetzt: ich will mich hüten, zu reden, was dich betrüben, meinen Nächsten ärgern, oder meine eigene Nuhe stören kann. Ist die Zunge ein unruhiges Uebel, so will ich ihrer hüten als eines bösen Menschen, der nur auf List und Betrug ausgeht, damit sie mich nicht verderbe. Achtet die Welt fündliche Worte gering, und sagt: Ein Wort ist kein Pfeil, es geht in die Luft: so will ich fündliche Worte für einen scharfen Pfeil, der mein Gewissen verwundet, halten und wie Gift, Feuer und Schwert fliehen. Verleihe mic Kraft, daß ich meine Zunge zu dem gebrauche, dazu sie mir gegeben ist, nemlich dich zu loben, dem Nächsten zu dienen. Sündliche Gedanken, Lüste und Begierden will ich nicht hegen, daran kein Gefallen haben, noch weniger sie in's Werk seten, vielmehr sogleich mit Gebet dämpfen und unterdrücken. Dieses ist mein Vorhabene gib du nun das Vollbringen, und laß mich beständig daran gedenken. Halte durch die Zucht der Gnade, Mir die Zunge stets im Zaum, Sonst entstehet leicht ein Schade, Und der Leichtsinn merft es faum. Was uns an dem Heil verkürzet, Das ist schädlicher als Gift. 633 Meine Rede sei gewürzet Mit dem Salz aus deiner Schrift. Amen. 12. November. Abend. 2 Petr. 3, 9. Gott will nicht, daß jemand verloren werde, sondern daß sich jedermann zur Buße kehre. 634 Gnadenreicher Gott, wie erfreulich ist mir dein Wort, daß du nicht willst, daß jemand verloren werde. Ich werde nicht verloren, Jesus hat auch für mich sein Blut vergossen, es ist die Versöhnung für meine, wie für der ganzen Welt Sünde. Ich werde nicht vera loren sein, du hast mir ja in der Taufe das Kindesrecht geschenkt, ja mir ein Reich bereitet; wie kann ich denn verloren werden? Du hast mich zum ewigen Leben und nicht zur Verdammniß erschaffen. Ich werde nicht verloren werden, weil der heilige Geist noch immer an meiner Seele arbeitet, den Glauben in mir wirken, stärken und erhalten will. Dein Wort, die Taufe, dein heiliges Abendmahl, alles versichert mich deiner Liebe. So bin ich denn von deiner Seite meiner Seligkeit gewiß, aber du willst, daß ich mich zur Buße lehre. Wirke in mir demüthige Erkenntniß meiner vielen und großen Sünden, daß ich mich vor dir schäme und darüber traure. Verstoße dein armes Kind nicht! Ich wende mich zu dem Blute Jesu; um desselben willen wirst du dich meiner erbarmen. Ich will durch beines Geistes Beistand meine Herzensbuße durch ungeheuchelte Sinnesänderung und augenscheinliche Lebensbesserung beweisen: Solche Umkehr verlangst du von jedermann, Großen und Kleinen, Armen und Reichen, wer da will selig werden; ohne dieselbe bleibt der Himmel verschlossen. Laß mich in diesem Gnadenstande bis in meinen Tod verharren, da du mich als dein Kind und Erben ewig selig machen wirst. Was Gott verheißt den Seinen, Das hält er früh' genug, Und wenn es schon will scheinen, So ist's doch fein Verzug. Der Herr will davon Ehre, Daß alles Buße thu, Und alles sich bekehre, Drum gibt er Zeit dazu. Amen 13. November. Morgen. 1 Zim. 6, 11. Du Gottes- Mensch, fleuch solches; jage aber nach der Gerechtigkeit, der Gottseligkeit, dem Glauben, der Liebe, der Geduld, der Sanftmuth. 635 Ewiger Gott, dein bin ich mit Leib und Seele, dein bin ich nach meiner Taufe, dein bin ich nach der Liebe, damit du mich geliebet hast; dein bin ich, weil ich durch Jesu Blut erkauft bin; also bin und bleibe ich ein Gottesmensch, ein dir zugehöriger, dir geheiligter Mensch. O große Herrlichkeit! ein Ehrenname, viel töstlicher als eines Königs Diener zu sein. Laß mich daran fleißig denken, daß ich als dein Eigenthum alles fliehe, was mich von dir scheiden könnte. Verleihe mir Stärke, nachzujagen dem Kleinod, damit ich es ergreifen möge. Hilf mir trachten nach der Gerechtigkeit, welche mir Jesus durch sein Leiden erworben, daß ich dieselbe ergreife, darein als ein Ehrenkleid mich hülle und von dir begnadigt werde. Laß mich aber auch nachjagen der Gottseligkeit, daß mein Glaube kein todter Glaube sei, sondern daß ich in einem frommen, teuschen, von der Weltweise abgesonderten Wandel be= zeugen möge, ich sei durch Jesu Blut gerecht geworden. Die Lehren, welche der christliche Glaube vorlegt, laß mich mit Fleiß lernen, darin mich gründen, und alle Unwissenheit und Irrthum aus meinem Herzen vertreiben. Und weil die Frucht des Glaubens die Liebe ist, so laß mich meinen Nächsten wie mich selbst lieben. Gibt es bei meiner Gottseligkeit etwas zu leiden, so verleihe mir Geduld und Sanftmuth, daß ich nicht wieder schelte, oder Böses mit Bösem vergelte. Schaffe diese Tugenden durch deinen Geist in mir und laß mich eifrig darum beten und bemühen. So ordne, Herr, und richte nun Mein Wesen und mein Leben, Und mach' beim Lassen wie beim Thun Mich dir allein ergeben. Gib meinem Willen Muth und Fleiß, Zu deines Namens Lob und Preis Sich gänzlich aufzuopfern. Amen. 13. November. Abend. Micha 7, 7. Ich will auf den Herrn schauen, und des Gottes, meines Heils erwarten; mein Gott wird mich erhören. 636 Allmächtiger gnädiger Gott, wo soll ich hin, da die dunkeln Schatten mich bedecken? Wer wird mich in der Finsterniß behüten? Ich will auf dich, meinen Herrn, schauen. Laß mich als ein gehorsames Kind immer dir nach den Augen schauen, wenn ich etwas reden und vornehmen will, ob ich dich damit beleidigen werde. Sollen mich nach deinem Nath Kreuz und Trübsal überfallen, so will ich auf deine Allmacht, Liebe, Weisheit und väterliche Verheißungen schauen, welche auch an mir nicht werden unerfüllt bleiben. Will mich mein Fleisch zur Sünde reizen, oder die Welt mir ihre vergifteten Süßigkeiten vorstellen, so laß mich auf dich schauen, und nicht folgen der Menge zum Bösen. Schauen und warten alle Augen auf dich, so weiß ich auch sonst nirgends hin. Wollen meine Sünden mich verdammen, so will ich den Gott meines Heils erwarten, zu Jesu fliehen, der das Heil erworben und der Heiland aller Menschen ist. Zu diesem meinem Heilände trete ich, und spreche: verzeihe mir alle meine Sünden, heilige und reinige mich wohl von meiner Missethat und gedenke derselben nimmermehr. Ich weiß kraft deiner Verheißung, ich weiß an so vielen Beispielen, ich weiß aus eigener Erfahrung: du, mein gnädiger Gott, der mir von Kindesbeinen an so viel Gutes gethan, wirst mich erhören, wirst mir geben, was ich nach deinem Willen von dir gebeten habe. Laß in den letzten Lebensstunden, wenn ich nach deiner Hilfe schaue, mich fröhlich und freudig abscheiden. Gelobt sei Gott, der mich erhöret, Und der mein Beten nicht verwirft, Noch seine Güte von mir kehret, Indem ich sonst verzagen dürft'. Sein großer Name soll allein Mit einem Lied gelobet sein. Amen. 14. November. Morgen. 3 Mof. 26, 11. Jch will meine Wohnung unter euch haben, und meine Seele soll euch nicht verwerfen. Liebreicher Gott, ich möchte diesen Tag dir zu Ehren leben. Du weißt meine Mängel und Schwachheiten: darum richte deine Wohnung in mir auf, daß ich in deiner Kraft mein ganzes Leben dir aufopfern könne. Regiere meine Gedanken, daß unreine Begierden darin nie mögen Platz finden. Regiere meinen Mund, daß ich ihn immer zu deinem Lobe und meinem Nächsten zum Dienst aufthue. Negiere meinen Wandel, daß ich, durch dich und durch deinen Geist belebt, alles thun möge. Reinige auch mein Herz von allen Untugenden, mein Leben von bösen Gewohnheiten, wende meine Augen ab von allen Eitelkeiten, daß ich mich nie nach anderer Leute Vorgang lasse von dir ablenten. Ziere mein Herz mit deinen herrlichen Gaben, mit Frömmigkeit, Demuth, Sanftmuth, Keuschheit, Glaube und Liebe, daß du in mir eine reine Wohnung haben mögest, bis ich zu deiner himmlischen Wohnung eingehe. Sollte ich aber, weil ich ein Mensch bin, fehlen, so verwirf mich darum nicht. Ich gehöre dir an; Jesus hat mich durch sein Blut erkauft. Verwirf mich nicht, ich will mich gerne bessern; bringe mich wieder auf den rechten Weg; verwirf mich nicht, daß du mir deine Gnade wolltest entziehen und deinen heiligen Geist von mir nehmen. Erhalte mich im Glauben bis an mein Ende. Verwirf mich nicht in der Stunde des Todes, noch am jüngsten Gerichte, so bin und bleibe ich dein im Leben und Sterben, heute und in Ewigkeit. Jm tiefsten Grunde Fühlen wir Gottes Näh'; Mit ihr im Bunde 637 Trifft uns kein Leid noch Weh Aus seiner Gottheit Quell gegeben, Haben wir Licht und ein ewig Leben. Amen. 14. November. Abend. Luc. 7, 47. Jhr sind viele Sünden vergeben, denn sie hat viel geliebet. 638 Herr Jesu, sprich auch zu mir: Dir sind viele Sünden vergeben. Siehe, ich bereue sie, sie sind mir herzlich leid; vergib mir alles um deiner ewigen Liebe willen. Laß mich Kindesrecht genießen, daß ich als eine begnadigte Seele freien Zutritt zu dem Vater habe. Hast du mir so viel Gutes gethan, so verleihe mir Kraft, daß ich dich auch viel lieben könne, nämlich so eifrig, als du mich geliebet. Und weil ich dich ohne dich, ohne deinen Geist nicht lieben kann, so wirke es in mir; denn du siehest das Verlangen wohl, daß ich dich herzlich und innig lieben wollte. Ich liebe dich als den einzigen Mittler zwischen Gott und den Menschen, als den Fürbitter, durch welchen der Herr mein Gebet erhört, Hilfe und Gnade ertheilt. Ich liebe dich als mein Vorbild, dem ich ähnlich zu wer den trachte, dem zu Liebe ich meine Sündenwege meiden will. Ich liebe dich als mein alles, meinen Trost im Leiden, meine Hilfe in Widerwärtigkeit, meinen Beistand gegen meine Feinde. Ich liebe dich als meiner Seele Licht und meines Lebens Leben. Laß meine Liebe immer stärker und vollkommener werden, auf daß mich weder Weltliebe noch Menschenfurcht von dir abwende. Wenn ich in meinen letzten Stunden zu dir komme, oder du vielmehr dich zu mir nahest, um mich Heim zu holen, so finde mich als eine dich liebende Seele und sprich zu mir: Dir sind deine Sünden vergeben. Wem Christus viel vergeben, Der liebet ihn auch viel; Denn aus dem Tod in's Leben Ist ein erwünschtes Ziel. Man folgt den Lebenstrieben, Haßt, was zuvor betrübt, Und will nur Jesum lieben, Der uns zuerst geliebt. Amen. 15. November. Morgen. Jef. 45, 22. Wendet euch zu mir, so werdet ihr selig, aller Welt Ende; denn ich bin Gott, und keiner mehr. 639 Treuer Gott, liebreicher Vater, ich wende mich zu dir, dir zu danken für den gnädigen, diese Nacht geleisteten Schutz. Laß mein Herz immerdar zu dir gerichtet sein, damit alle Sündenluft in mir getilgt werde. Ich wende mich zu dir in Kreuz und Leiden, weil du gnädig und barmherzig bist. Wenn meine Sünden mich ängstigen, wende ich mich zu deiner Va terliebe, und bitte um Verzeihung aller meiner Sünden. In meiner Bekehrung wende ich mich von der Weltliebe zu deiner Liebe. Alsdann werde ich durch dich selig werden in diesem Leben; du wirst meine Seele reinigen und heiligen, daß ich dem Vorbild Jesu immer ähnlicher werde. Bin ich also hier selig, da du in mir lebest, so werde ich auch ewig selig sein in der Herrlichkeit deiner Kinder, da ich dich werde schauen von Angesicht zu Angesicht. Diese Herrlichkeit ist nicht allein mir bereitet, sondern allen Menschen, welche an allen Enden der Welt wohnen. Laß alle unbekehrten Christen sich willigst und eiligst zu dir, o Baum des Lebens, wenden, damit ihre Seelen von dem ewigen Tode errettet werden. Habe ich mich von dir gewendet, so kehre ich wieder zu dir. Ich weiß nirgends hin und will nirgends hin, als zu dir, denn du bist Gott und keiner mehr; du bist mächtig, du kannst mir allein helfen; du bist liebreich, du kannst mir alles geben; du bist gnädig, du erbarmst dich aller deiner Werke. Laß mein Herz, Auge und Leben allezeit also zu dir gewendet bleiben, als meinem Leitstern, Führer, König, Erbarmer und Seligmacher. Nun, so häng' ich mich, Jesu, nur an dich. Weichen andre, will ich halten, Dich in Schmach, auch im Erkalten. Selig machst du mich, Emig seh' ich dich. Amen. 15. November. Abend. 1Joh. 2,2. Christus ist die Versöhnung für unsre Sünde; nicht allein aber für die unsre, sondern auch für der ganzen Welt Sünde. Jesu, du Lamm Gottes, ich sehe dich an als die Versöhnung für meine Sünde. Versöhnt mußten die Menschen werden, sollten sie selig werden; ohne Blutvergießen geschah keine Versöhnung, darum gabst du dich hin zum Opferlamm. Jch stehe bei deinem Kreuze und spreche: Das Lamm ist für mich erwürgt; das Blut ist für mich vergossen; die Schmerzen befreien mich von der Verdammniß; der Tod ist für mich geschehen; mein Heiland ist an meiner Statt gestorben. Darum ist er meine Versöhnung, ich bin mit Gott versöhnt, ich darf nicht für meine Sünden sterben. Mein Sterben ist ein Hingang zum Vater, ein Eingang zur Freude, die er durch sein Leiden und Sterben erworben hat. Wenn ich an ihn glaube, ihm in der Heiligung nachfolge, so ist meine Sünde getilgt, ich bin begnadigt, ich habe das Leben hier in ihm, und werde auch leben durch ihn in Ewigkeit. Habe Dank, o Jesu, für diese herrliche Versöhnung, welche nicht allein für meine, sondern auch für der ganzen Welt Sünde geschehen ist. Diese Versöhnung geht alle an: hier ist weder Jude noch Grieche, weder Knecht noch Freier, weder Mann noch Weib; sie sind alle eins in Christo, sie werden alle als ein Mensch angesehen. Gute und böse, grobe und feine Sünder finden Gnade. Alle haben gleichen Zutritt, gleiche Vergebung, gleiche Seligkeit zu hoffen. Herr Jesu, versiegle mir dieses alles auch in der Stunde meines Todes; da laß mich im Frieden deiner Versöhnung und meiner Erlösung einschlafen. Seelen, die ihr Jesu dient, 640 Fallet vor ihm nieder, Weil er euch mit Gott verfühnt, Singt ihm Lobeslieder. Was uns das Gesez gedroht, Ist am Kreuz durchstrichen, Und durch Christi Opfertod Wir mit Gott verglichen. Amen. 16. November. Norgen. Röm. 15, 13. Der Gott der Hoffnung erfülle euch mit aller Freude und Friede im Glauben, daß ihr völlige Hoffnung habet durch die Kraft des heiligen Geistes. Lebendiger, treuer Gott, du Gott der Hoffnung, laß mich heute deiner Gnade genießen. Nicht allein ist mein Herz ein von allem Guten leeres, sondern auch mit vielen Bosheiten erfülltes Herz; leere es aus und erfülle es mit deinem heiligen Geist. Erfülle mich mit aller Freude, daß ich in Jesu Vergebung aller meiner Sünden habe. Verleihe mir Freudigkeit im Gebet, Trost im Leiden, Zuversicht zu dir, meinem grädigen Gott, der mich in keiner Noth versinken läßt. Erfülle auch mein Herz mit deinem Frieden, daß ich mit getrostem Muth mich zu dir nahe, weil Jesus mich mit dir versöhnt und den Frieden erworben hat. Laß mich solchen Frieden nimmermehr verlieren. Schenke mir allerlei Friede und Freude, daß ich mich auf dich verlasse, und in dir guten Muth habe, es begegne mir, was da wolle und das im Glauben, da ich mich auf deine ewige Vaterliebe verlasse und nicht zweifle, du werdest mir geben, was ich von dir bitte. Las aber auch meinen Glauben thätig sein, daß mein ganzes Leben dir möge geheiligt sein. Alsdann werde ich völlige Hoffnung haben, du werdest hier in diesem Leben als dein Kind mich führen, und nach dieser Zeit emig selig machen durch die Kraft des heiligen Geistes, der das gute Werk in mir anfangen, versiegeln und bis ans Ende erhalten muß. Ohne ihn kann ich nichts Gutes thun; darum stärke und erhalte und befestige mich in dem Guten. Vater, für den Hoffnungsruhm Sei dir Ruhm gegeben Ich bin Jesu Eigenthum, Jesus sei mein Leben. Ewig sei dir Dank dafür! Laß mir nach dem Hoffen Zum Genuß des Erbs bei dir Einst den Himmel offen. Amen. 641 Stark's Morgen- und Abend- Andachten 16. November. Abend. Jef. 54, 10. Es sollen wohl Berge weichen und Hügel hin fallen, aber meine Gnade soll nicht von dir weichen, und der Bund meines Friedens soll nicht hinfallen, spricht der Herr, dein Erbarmer. 642 Gnädiger Gott, ich liege mit meinem Gebet vor dir, nicht auf meine Gerechtigkeit, sondern auf deine Gnade und Barmherzigkeit. Laß deine Gnade nicht von mir weichen, ob ich gleich von dir gewichen bin, denn wenn du willst Sünde zurechnen, Herr! wer wird vor dir bestehen? Deine Gnade ist allen, die sich zu dir nahen, verheißen. Deine Gnade ist eine ewige Gnade; Berge können weichen, Hügel können hinfallen, aber deine Gnade währet ewiglich; dein Erbarmen, dein Schonen, dein Vergeben, dein Erretten, dein Lieben hört nie auf. O daß ich dir doch so getreu wäre, als du mir bist! Habe ich heute meinen Taufbund durch Ungehorsam, Weltliebe und Widerstreben gegen deinen guten Geist gebrochen, so laß du doch von deiner Seite den Bund des Friedens nicht hinfallen. Ich kehre in Demuth und Glauben wieder zu deinem Gnadenbunde, ich verspreche dir neuen Gehorsam durch die Gnade deines Geistes. Welch mächtige Verheißung ist das, daß ich an dir einen treuen, ewigen und starken Gott haben soll. Erbarme dich mein, und vergib mir alle meine Sünden. Erbarme dich mein, wenn die Kreuzesfluten über mich zusammenschlagen. Erbarme dich mein, wenn sich niemand über mich erbarmen will, und erbarmen kann, nemlich in meiner Todesstunde; alsdann laß mich im Frieden fahren, im Glauben und in deiner Gnade von hinnen scheiden. Weicht, ihr Berge, fallt, ihr Hügel! Gottes Gnade weicht mir nicht; Und der Friede hat dies Siegel, Daß Gott seinen Bund nicht bricht! Dieses macht mich unverzagt, Weil es mein Erlöser sagt. Amen. 17. November. Worgen. Pf. 57, 4. Gott sendet seine Güte und Treue. Gütiger Gott, ich übergebe mich diesen Tag deiner gnädigen Führung. Laß mir deine Güte zur Rechten, deine Treue zur Linken gehen, so gehe ich wohl bewahrt aus und ein. Laß deine Güte meine Seele heiligen, daß ich in allen meinen Verrichtungen an dich gedenke. Laß Jesum niemals aus meinem Herzen kommen, daß die Erinnerung an seinen Tod alle Sündenliebe tilge. Laß deine Güte ein heiliges Gehege um mein Herz machen, daß keine sündlichen Begierden darein kommen, und wenn sie ja sich einschleichen, ich dieselben mit Gebet wieder vertreiben möge. Sende auch deine Treue, die mich aller Orten umgebe. Sei du mein treuer Vater, der mich speise, tränke und versorge; sei mein treuer Beistand, wenn Kreuz und Trübsal mich schrecken; bleibe mir treu, ob ich gleich dir untreu geworden, und führe mich bald wieder zurecht auf die Lebensbahn. Bedecke mich mit deinen Flügeln, wenn sich ein Unglück oder ein Feind mir nahen will. Laß mich in Betrachtung solcher deiner mir erwiesenen Gnade und Treue dir immer treuer und gehorsamer werden, daß mich nichts von deiner Liebe abwendig mache. Laß deine Güte und Treue mich trösten, wenn ich traurig bin; laß sie mich deiner Liebe versichern, wenn ich verlassen bin; laß sie mich zu Grabe begleiten, wenn ich nach deinem Rath meinen Lauf vollendet und den guten Kampf gekämpfet habe; laß sie auch meine Seele nach dem Tode in den Himmel begleiten, und am jüngsten Tage laß sie in der Auferstehung Leib und Seele verklärt dir darstellen. Gott sendet seine Treue Und Güte stets auf's neue, So wird es wohl gefügt. Ich liege mit der Seele In einer Löwenhöhle; Doch hab' ich Gott und bin vergnügt. Amen. 41* 643 17. November. Abend. Offenb. 21, 4. Gott wird abwischen alle Thränen von ihren Augen. 644 Ewiger Gott, wie schön wird es in deinem Freudenreiche sein! Was wirst du denen bereitet haben, die dich lieben! welches noch kein Auge gesehen, kein Ohr gehört, und in feines Menschen Herz gekommen ist. Unser schwaches Auge, das nicht einmal in die vergängliche Sonne sehen kann, kann viel weniger den Glanz deines himmlichen Lichtes fassen, noch kann das enge Gefäß unsers Herzens das weite Meer deiner Herrlichkeit begreifen. Du wirst selbst deine Glaubigen erquicken, bisweilen hier in der Zeit, durch innerliche Freude und Abnehmung des Leidens; völlig wird es dort in der Herrlichkeit geschehen. Darauf freue ich mich, dieses versüßt mir alle Bitterkeit dieses elenden Lebens. Habe ich hier meinen Trank müssen mit Thränen mischen, und das Thränenbrod essen, so wird bei dir in jenem neuen Jerusalem keine Klage, kein Leiden mehr sein, sondern wie eine Mutter ihrem Kinde die Thränen abwischt und tröstet, so wird unsere Trübsal und Elend kommen zu einem seligen Ende, auch keine Qual mich mehr anrühren, Freude und Wonne sollen über meinem Haupte sein. Mein Sack des menschlichen Elends soll mir ausgezogen bleiben, und ich soll mit himmlischer Freude gegürtet werden. Gib mir Gnade, daß ich mich darauf bereiten möge mit Buße und Glauben an Jesum Christum. Laj mich solche Süßigkeit in meinem Sterben schmecken, bis ich zu der ewigen Quelle gelange. Die hienieden Thränen säen, Ernten droben Freuden ein;. Ach, wie wird uns doch geschehen In des neuen Himmels Schein! Werden wir nicht als wie träumen Unter Gottes Lebensbäumen? Welche Wonne sonder Schmerz Wird ergreifen unser Herz. Amen. 18. November. Morgen. 1 Joh. 5, 3. Das ist die Liebe zu Gott, daß wir seine Gebote halten, und seine Gebote sind nicht schwer. Herr, mein Gott, laß deine Liebe diesen Tag meinen Geist reinigen und mich frömmer, demüthiger und sanftmüthiger machen. Laß mich erwägen, was deine Liebe an mir gethan, damit ich zur Gegenliebe entflammt werde. Laß deinen heiligen Geist mich zurückhalten, wenn ich aus Eigenliebe oder Sündenliebe etwas wider dich vornehmen wollte. Laß mich aus Liebe zu dir deine Gebote halten, nicht allein nach dem äußerlichen Gehorsam, sondern daß ich auch trachte. die innerlichen Lüste zu bekämpfen und zu überwinden. Stärke mich in solchem Vorhaben, und hilf mir, so werden mir deine Gebote nicht schwer sein. Nein, fie sind nicht schwer, weil ich sie gerne thue und dein Geist mir Krast schenkt. Da deine Liebe mir die Welt bitter gemacht, ist mir's nicht schwer, die weltlichen Lüste zu fliehen. Weil Jesus in mir lebt, ist mir's nicht schwer, der Welt Gesellschaften und sündlichen Gewohnheiten zu meiden. Weil der heilige Geist mich leitet auf ebener Bahn, so ist mir's nicht schwer, mit Freuden zu laufen den Weg deiner Gebote. Ja, wie sollten mir deine Gebote schwer sein, da sie mir den Sündenweg versperren und mich von der Hölle abhalten? Ich vermag alles durch den, der mich mächtiz macht, Christus, sein Geist hilft meiner Schwachheit auf. Mache mich alle Tage tüchtiger, zu thun deinen Willen. Laß mich niemals in Sünde willigen, noch thun wider dein Gebot. Erhalte mein Herz bei dem Einigen, daß ich deinen Namen fürchte. Hast du die Lieb empfunden, Die dich geliebet hat, So ist dein Herz verbunden 645 Zu gleicher Liebesthat. Und bist du gar gefangen In Gottes Liebesneß, So eile mit Verlangen Und halte sein Geset. Amen. 18. November. Abend. Pred. 11, 3. Wenn der Baum fällt, er falle gegen Mittag oder Mitternacht, auf welchen Ort er fällt, da wird er liegen. 616 Gerechter Gott, weil ich ein Mensch bin, so muß ich sterben, und werde wie ein Baum abgehauen werden. Wann mich der Todeshieb fällen wird, ist mir unbewußt; das steht bei dir, du Herr meines Lebens. Jch weiß auch das gewiß, wie der Baum fällt, so bleibt er liegen; wie der Mensch lebt, so stirbt er. Fällt der Baum gegen Mittag, sterbe ich als ein Kind Gottes, im Glauben an Jesum, so sterbe ich selig, ich falle in deine Vaterhände, ich lebe und bleibe in Jesu. Bewahre mich, daß ich nicht in Sünden sterbe und gegen Mitternacht falle; in wissentlichen Sünden, in Zorn, Feindschaft oder andern Lastern, welche vom Reich Gottes ausschließen. Laß mich alle Stunden an mein Lebensende gedenken, damit ich allezeit in der Gnade, im Glauben, in deiner Liebe und Furcht erfunden werde. Denn an welchen Ort der Baum fällt, da bleibt er liegen; man richtet ihn nicht wieder auf, man pflanzet ihn nicht noch einmal. Also laß mich fleißig gedenken, daß nach dem Tode keine Zeit zur Buße, zur Gnade, zur Versöhnung mehr übrig sei, sondern daß mir einmal gesetzt sei, zu sterben, hernach das Gericht. Nach dem Tode habe ich keine Gnadenmittel, keine Verheißung noch Weise, wie ich ihrer genießen kann. Damit mein Sterben ein Schlaf und Eingang zu deiner Freude sei und du mich als einen fruchtbaren Baum findest, so schenke mir deinen heiligen Geist, der mich immer mehr bereite, zu thun deinen Willen. Vergib mir alle meine Sünden und versetze mich im Sterben in deine Herrlichkeit. Herr, lehr' mich stets mein End' bedenken, Und ehe denn ich sterben muß, Die Seel' in Jesu Tod versenken, Und ja nicht sparen meine Buß'! Mein Gott, ich bitt' durch Christi Blut: Mach's nur mit meinem Ende gut. Amen. 19. November. Morgen. Hebr. 8, 10. Ich will geben mein Gesetz in ihren Sinn, und in ihr Herz will ich es schreiben, und will ihr Gott sein, und sie sollen mein Volk sein. 647 Gnadenreicher Gott, gib mir dein Gesetz in meinen Sinn, daß ich, wo ich gehe und stehe, mich erinnere, wie ich dich soll lieben, fürchten und dir vertrauen. Laß mich auch bedenken, ob ich mit meinem Nächsten auch also umgehe, wie mir dein Gesetz gebietet, daß ich ihm thun soll, ihn liebe als mich selbst. Also laß mein einziges Dichten und Verlangen sein, nur dich, meinen liebreichen und gnädigen Gott und Vater nicht zu erzürnen. Gib mir dein Gesetz und Evangelium, mich dir zu heiligen, wie ein Lehrer seinem Schüler Lehren gibt; verleihe mir aber auch Kraft, daß ich es vollbringen möge. Damit ich aber dieses desto vollkommener vollbringen möge, so schreibe mir dein Gesetz selbst in mein Herz, daß mein Denken, Dichten und Vornehmen allezeit damit übereinstimmen möge. Schreibe die Wunden Jesu tief in mein Herz, daß ich aus denselben Kraft empfange, nach deinem Willen und Wohlgefallen mein Leben anzustellen. Im alten Bunde stand dein Gesetz von dir geschrieben auf steinernen Tafeln; mir aber schreibe es in mein Herz, daß es darin bleibe, daß es mir immerdar vor Augen bleibe. Sei auch heute mein Gott, der mich segne und mich begleite; sei mein Helfer und Erbarmer, wenn ich krank, arm, elend und verlassen bin. Laß mich als eine zu deinem Volke gehörige Seele mich aller Orten beweisen; laß mich in keine Sünde willigen, noch thun wider deine Gebote. So gehöre ich zu den Deinen in diesem Leben, du wirst mich auch darunter zählen am Tage des Gerichts. Mein König, schreib mir dein Gesetz In's Herz, daß es den Geist ergöß'! Dein königlicher Trieb Zünd' mir das sanfte Feuer, Und führ mich auf der Lebensbahn Durch engelgleiche Lieb'. Amen. 19. November. Abend. Matth. 25, 21. Ei, du frommer und getreuer Knecht, du bist über wenigem getreu gewesen; ich will dich über viel seßen; gehe ein zu deines Herrn Freude. 648 Liebreicher Gott, schaffe in mir ein reines Herz, daß ich als ein frommer Knecht vor dir wandle. Fromm und treu, ohne Falsch, Betrug und Eigennuß gedient zu haben, ist ein schönes Lob. Laß mich auch fromm und von aller Heuchelei entfernt sein. Laj mich die hohe Gnade fleißig erwägen, daß du dein Geschöpf, welches du nach deinem Ebenbilde erschaffen, das dich als seinen Herrn erkannt, dich geliebt, dir gedient, auch einst ewig bei dir im Himmel haben willst, daß ich durch deine Gnade ein frommes Leben führe und all mein Thun dir wohlgefallen möge. Laß mich aber auch ein treuer Knecht sein, der dir allein, und nicht auch zugleich der Welt dient. Laß mich treu sein in meinem Glauben, daß ich nicht davon abweiche, tren in meiner Liebe, daß ich dir mein ganzes Herz übergebe, treu im Gehorsam, daß ich mich weder durch Lust noch Furcht von dir lasse abwendig machen. Haft du mir hier wenige Güter anvertraut, so sind sie mir doch theuer in meinen Augen. Laß mich darin treu sein, daß du mich über vieles setzen mögest, wenn ich nach dieser Zeit dein Angesicht schauen soll. Bereichere meine Seele mit den reichen Gütern deines Hauses, Gnade, Friede, Gerechtigkeit und Seligkeit in Christo Jesu, meinem Herrn, daß ich in Betrachtung solcher Güter aller Weltlust absagen möge. Ach, laß mich im Sterben die frohe Stimme hören: Gehe ein zu deines Herrn Freude, zum Frieden, zur Ruhe, Erquickung und ewigem Vergnügen. Jesu, schenke mir die Treue Zu dem Dienst in Niedrigkeit, Daß mich dort mein Lauf nicht reue, Wo die Krone liegt bereit. Amen. 20. November. Morgen. Rol. 3, 2. Trachtet nach dem, das droben ist, und nicht nach dem, was auf Erden ist. 649 Gütiger Gott, da der Tag angefangen, so geht auch mein Trachten an. Das ist ein Trachten, das du wohl leiden kannst, daß ich meinen Beruf zu deiner Ehre und meines Nächsten Nutzen ausrichte. Am meisten laß mich trachten nach dem, das droben ist; weil ich weiß, daß ich hienieden nicht bleiben fann; wehe mir aber, wenn ich von der Erde weg muß, un habe nicht droben bei dir eine sichere Zuflucht! Verfiegle in mir den Trost, daß ich nach meinem Ausgange aus der Zeit bei dir soll meine ewige Wohnung finden, und mich freuen, dein Angesicht zu schauen und herrliche Gesellschaft, darin dein ewiges Lob erklingen wird. Dieses laß mich mit Ernst suchen, und alles meiden, was mich an diesem Trachten hindern kann. Bewahre mich vor dem sündlichen Trachten, das auf Erden ist. Zwar muß ich, dieweil ich auf Erden lebe, Essen und Trinken haben zur Erhaltung des Lebens, Kleider und Schuhe zur Bedeckung des Leibes, und ein Haus zur Wohnung; allein dieses alles wirst du mir nach deiner Verheißung in meinem Beruf geben. Verbanne aus meinem Herzen daß Trachten nach Wollust dieses Lebens, nach Ehre und Gunst bei der Welt und Reichthum, weil ich ihn im Sterben nicht mitnehmen kann. Gib mir deinen heiligen Geist, der mein Verlangen befestige, daß ich ins= künftige nicht mir, sondern dir lebe. Wer mit Christo auferstanden, Sucht nur das, das droben ist; Denn den Himmelreichsverwandten Ist nichts lieb, als Jesus Christ. Dieser sißt zu Gottes Rechte, Und die Augen seiner Knechte Sehen nur allein auf ihn, Auch ihr Herz steht nur dahin. Amen. 20. November. Abend. Hos. 12, 7. So bekehre dich nun zu deinem Gott, halte Barm herzigkeit und Recht, und hoffe stets auf deinen Gott. 650 Barmherziger Gott, ich höre deine Stimme: Bekehre dich zu deinem Gott! Aendere du selbst meinen Willen, meine Gedanken, mein Leben, daß ich mich abkehre von mir selbst und meinen eigenen Lüften, von dem, was der Welt gefällt und dich betrübt; hingegen daß ich dir im lebendigen Glauben anhange. Laß mich meine Umkehr zu dir und meinen Glauben in den Werken beweisen, daß ich den Elenden Barmherzigkeit erzeige, wie du dich meiner erbarmet hast, daß ich den Armen helfe mit Rath, That und Gebet; auch darin dir ähnlich werde. Laß mich aber recht handeln mit meinem Nächsten, daß ich ihm nicht Unrecht thue, ihn nicht übervortheile, nicht betrüge oder belüge, sondern in allen Fällen mich gegen ihn beweise, wie ich wünsche, daß es mir geschehe. Ist so mein Herz zu dir und dem Nächsten gekehrt, so stärke auch mein Vertrauen, daß ich in allen Begebenheiten auf dich hoffe. Schreibe mir in mein Herz deine Allmacht, daß du mich aus allen Leiden erretten könnest. Weise mein Herz hin zu deiner Vaterliebe, daß du dein Kind nicht verlassen werdest. Mein Herz hofft auf dich in leiblichen Nöthen und Krankheiten, in Seelenleiden, Traurigkeit, Angst und Betrübniß. Ich hoffe auf dich, wenn mich alle Menschen verlassen. Ich hoffe auf dich auch in meinen lezten Stunden, du werdest mich erquicken, trösten, erfreuen und zu deiner ewigen Himmelsfreude einführen. Hilf, o Herr Jesu, hilf du mir, Daß ich noch heute komm zu dir Und Buße thu den Augenblick, Eh' mich der schnelle Tod hinrück, Auf daß ich heut und jederzeit Zu meiner Hinfahrt sei bereit. Amen. 21. November. Norgen. Pf. 143, 10. Lehre mich thun nach deinem Wohlgefallen, denn du bist mein Gott; dein guter Geist führe mich auf ebener Bahn. 651 Heiliger Gott, mein herzliches Verlangen ist, den Tag nach deinem Wohlgefallen hinzubringen. Bewahre mich, daß ich nicht nach meinem eigenen Willen und Wohlgefallen Lebe, sondern allezeit auf dich und deinen Willen schaue. Laß mich nicht nach dem Wohlgefallen der Welt sehen, denn dasselbe besteht in Eitelkeit, Ueppigkeit, sündlicher Freiheit, Untreue, Bosheit, Falschheit. Davor behüte meine Seele, und laß mich thun nach deinem Wohlgefallen. Dieses hast du mir in deinem Worte geoffenbart, daß ich im Glauben an dich verharren, der Welt absagen, züchtig, gerecht und gottselig leben möge. Stelle mir vor die Nothwendigkeit und Seligkeit dieser Pflichten, und daß ich auch desto williger dazu sei, so laß mich bedenken, daß du bist mein Schöpfer, Erlöser und Heiligmacher. Ist Undank ein schändliches Laster, so laß mich gegen dich nicht undankbar werden, sondern mir und der Welt aus Liebe zu dir absterben. Laß mich deinen guten Geist führen durch heilige Bewegungen und Regungen, durch dein Wort und laß mich seinen Trieb beständig verspüren, daß ich meide den breiten Sündenweg, hingegen gehe auf ebener Bahn der Frömmigkeit und Gottesfurcht, auf dem zwar schmalen, doch geraden Himmelswege, so stoße ich nicht an und falle nicht. Laß mich dieſe Führung alle Morgen mit Gebet suchen und den ganzen Tag darauf Acht haben. Gelobet seist du, Gott der Macht, Gelobt sei deine Treue, Daß ich nach einer sanften Nacht Mich dieses Tags erfreue! Laß deinen Segen auf mir ruhn, Mich deine Wege wallen, Und lehre du mich selber thun Nach deinem Wohlgefallen. Amen. 652 1 Kor. 2, 9. und in keines 21. November. Abend. Das kein Auge gesehen, kein Ohr gehöret hat, Menschen Herz gefommen ist, was Gott bereitet hat denen, die ihn lieben. Gütiger Gott, die Gnadengaben, deren du deine Kinder schon in dieser Sterblichkeit würdigst, sind groß, nemlich Gnade, Friede und Freude, Vergebung der Sünden, Gerechtigkeit, Zugang zum Vater und Gewißheit der Seligkeit. Welche Herrlichkeiten sind deinen Kindern bei dir aufgehoben, welche kein Auge je gesehen hat. Du wohnst in einem Lichte, welches kein sterbliches Auge sehen kann; denn ist ihm der erschaffenen Sonne Glanz unerträglich, wie durchdringend wird des Schöpfers Klarheit und Glanz sein! Indessen will ich dich lieb haben, ob ich dich schon noch nicht gesehen, und mich mit unaussprechlicher Freude ergößzen, wenn ich dich sehen werde. Wurde Jakobs Geist lebendig, als er Joseph in seiner Herrlichkeit sah; bezeugte die Königin aus Morgenland, Salomo habe größere Herrlichkeit, als sie von ihm in ihrem Lande gehört: wie wird mein Geist erquickt werden, wenn ich sehen werde, was ich gewünscht, und hören, was noch kein Ohr gehört. Ich werde das große Halleluja, Lob und Dank und Preis und Ehre sei dem, der auf dem Stuhl sitzt! hören. Da will ich auch vor deinem Thron im Lobsingen mit niederfallen. Ja, deine Herrlichkeit kann kein menschliches Herz sich einbilden. Gott, gib mir Gnade, dich herzlich zu lieben, die dich lieben, haben einen Vorzug in diesem Leben, dazu keinWeltkind gelangt; gewisser aber in der Herrlichkeit. Rein Ohr hat je gehöret, Kein Aug' hat je geſehn, Was denen wird bescheret, Die Gott fich auserseh'n; Sie werden Gott anschauen Von hellem Angesicht, Leiblich mit ihren Augen Das ewig wahre Licht. Amen. Som fore 22. November. Morgen. 653 Hohel. 5, 1. Mein Freund komme in seinen Garten. Herr Jesu, ich lade dich ein in mein Herz, nicht als ob du ein reines Herz finden werdest, sondern daß du es rein machen mögest. Du hast schon in der Taufe es mit deinem Blute gereinigt; allein mit den Jahren sind viele Disteln und Dornen der fündlichen Unarten darin gewachsen. Du hast oft angefangen, etwas Gutes darin zu pflanzen; darum ist es dein Garz ten, darin du allein Herr sein sollst. Ich bringe dir ein armes, unreines, doch mit Verlangen nach dir erfülltes Herz. Ach, komme, mein Freund, nimm von nenem die Arbeit in meinem verwilderten Herzensgarten vor; reiße aus demselben alle Unarten und Weltliebe. Nichte mein Herz wieder auf mit der Vergebung meiner Sünden. Pflanze in mein Herz nun die edlen Blumen der Demuth, Keuschheit, Sanftmuth, Frömmigkeit, Gottesfurcht, Neinigkeit, auf daß du ein Wohlgefallen haben mögest, darin zu wohnen. Laß es einen verschlossenen Garten sein, darein niemand komme und gehe, denn du allein, bis du mich einst auch wirst in deinen Himmelsgarten einladen, und zu mir in meinem Sterben sagen: Seele, komme in meinen Garten der ewigen Herrlichkeit, welchen dir mein himmlischer Vater bietet und darin ich dir eine Stätte erworben habe. O wie fröhlich will ich deiner Stimme folgen, wie schön, wie lieblich wird es in diesem Garten aussehen! Indessen bereite mich immer mehr zu dieser Herrlichkeit. Schließe du selbst mein Herz zu vor allen bösen Lüsten und Sünden, daß ich deiner Süßigkeit hier genießen möge. Welch hohe Lust, welch heller Schein Wird wohl in Christi Garten sein! Wie wird es da wohl klingen, Wo so viel tausend Seraphim Mit unverdross'nem Mund und Stimm' Ihr Hallelujah singen! Amen. 22. November. Abend. Matth. 13, 43. Die Gerechten werden leuchten wie die Sonne in ihres Vaters Neich. 654 Herr Jesu, dieweil ich auf Erden lebe, will ich durch dich gerecht werden, daß ich den Gerechten in der Himmelsfreude ähnlich werden möge. Ich bitte dich im Glauben um Vergebung aller meiner Sünden. Bin ich von Natur ungerecht, so werde ich durch dich ge= recht. Wer aber in deinem Reich leuchten will wie die Sonne, der muß auch hier schon sein Licht leuchten lassen vor den Leuten, daß sie seine guten Werke sehen; darum laß mich meinen Glauben in den Werken zei= gen und ein stilles, dir geheiligtes Leben führen, auf daß ich in solchem Schmuck wie des Königs Tochter einhergehe. Habe ich also in deinem Licht gewandelt, so werde ich dein Angesicht schauen in Gerechtigkeit; da werde ich leuchten wie die Sonne. Dessen freue ich mich, wenn ich erwäge, daß mein Leib muß zu Asche werden, daß du ihn herrlich auferwecken und mit Klarheit zieren wirst. Meine Seele wird nach dem Abschied aus diesem Leben zu solchem Lichte gelangen, dessen auch mein Leib in der Auferstehung der Todten wird theilhaftig werden. Dessen tröste ich mich auch, wenn mein sterblicher Leib allhier vielem Leiden, Schmerzen und Kummer unterworfen ist, daß er dereinst davon nicht allein frei, sondern auch mit Glanz werde angethan werden. Hier bin ich ein Pilgrim und Fremdling, dort bin ich in meines Vaters Reich, da ich zu meinem Kindeserbe gelange. Laß mich auch durch deines heiligen Geistes Beistand ein kindliches Herz gegen dich tragen, und meinen kindlichen Gehorsam in Worten und Werken beweisen. Vater, zünd in meinem Herzen Hier das Licht des Glaubens an; Laß mich nicht den Glanz verscherzen, Den ich bei dir haben kann. Denn von deinem Sonnenlicht Glänzt uns dort das Angesicht. Amen. m 23. November. Norgen. 1 Mos. 5, 25. Und weil Henoch ein göttlich Leben führte, nahm ihn Gott hinweg, und ward nicht mehr gesehen. Heiliger Gott, ich fange einen Tag von neuem an zu leben; laß mich nicht leben nach dem Lauf der Welt, nicht nach den Lüsten meines Herzens, nicht nach der Menge derer, welche nicht nach dem Geist, sondern nach dem Fleisch wandeln. Ich lebe nur einmal in der Welt, darum laß mich also leben, daß es mich in der Ewigkeit nicht gereuen möge, gelebt zu haben. Laß mich es nicht für unmöglich halten, ein göttliches Leben zu führen, weil ich es nicht aus meinen eigenen Kräften und nach der Natur, sondern in deinem Licht und Beistand vollbringen soll. Hast du Henoch durch eine unsichtbare Himmelfahrt hinweggenommen, so will ich gern in mein Grab gehen; nur nimm meine Seele zu Gnaden in die Himmelsfreude. Laß aber auch mein Leben göttlich werden, daß ich deinem Vorbilde nachfolge. Du bist barmherzig, laß mich gegen Elende nicht hart und steinern sein. Du bist die Liebe; Laß alle Bitterkeit ferne von mir bleiben. Du bist gütig; gib, daß ich sei wie ein Brunn, daraus jedermann schöpfen darf. Du bist ein reines Wesen; laß mich alle Befleckung des Fleisches und des Geistes fliehen. Laß mich aufrichtig sein gegen den Nächsten, aber mich nicht zu gottlosen, sondern zu frommen Menschen halten. Gib mir deinen heiligen Geist, der mich dir immer ähnlicher mache. Lebe ich also dir, so wirst du mich nach meinem Abschied von der Erde zu dir nehmen. Vor Jesu Augen schweben, Ist wahre Seligkeit, Ist ew'ges Licht und Leben Schon in der Erdenzeit. Nichts können und nichts wissen, Nichts wollen und nichts thun, 655 Als Jesu folgen müſsen, Das heißt im Frieden ruh'n. Amen. 23. November. Abend. Pf. 46, 2. Gott ist unsere Zuversicht und Starke, eine Hilfe in den großen Nöthen, die uns getroffen haben. Starker Gott, wo soll ich hin, da es nun finster geworden? Du bist meine Zuversicht. Schreckt mich die finstere Nacht, deine Gnadenflügel decken mich. Aengsten mich meine Sünden, dein Erbarmen tröstet mich. Umgibt mich Leiden, deine Liebe umfaßt mich. Du bist meine Zuversicht, dir ist gar wohl zu vertrauen, weil du mächtig, groß und meine Stärke bist. Stärke mich, wenn ich schwach im Glauben bin, wenn ich nicht beten kann. Stärke mich, wenn mich die Sünde reizt und die Welt verführen will, daß ich mich unbefleckt bewahre. Du bist auch meine Hilfe in den großen Nöthen, die mich getroffen haben. Aus wie mancher Noth hast du mich nicht errettet! Ich hatte viel Bekümmerniß in meinem Herzen, aber deine Tröstungen haben meine Seele ergößt. Wie oft haft du mir nicht geholfen, da ich keinen Rath und keine Hilfe gewußt, da nur ein Schritt mir zwischen Tod und Leben war. Verzeihe mir, wenn ich es nicht alle zeit mit Dank erkenne. Auch diesen Tag bist du meine Zuversicht gewesen; darum lobe den Herrn, meine Seele. Der unüberwindliche Gott ist deine Stärke, darum laß dir nicht grauen; der liebreiche Gott ist deine Hilfe, darum harre auf Gott, er kann, er will helfen. Ach, Gott, sei meine Zuversicht in meinen letzten Stunden. Sei meine Stärke, wenn ich schwach werde. Sei meine Hilfe, wenn ich abscheide und führe mich zu deiner Freude ein. 656 Der Herr ist uns're Zuversicht, Und eine Hilf' in Nöthen; Er, uns're Stärke, läßt uns nicht, Sobald wir zu ihm beten. Was fürchten wir uns denn so sehr? Mag auch die Welt zerstäuben; Ob Berge sinken in das Meer, Der Herr muß uns doch bleiben. Amen. 24. November. Norgen. Klagel. 3, 22. 23. Die Güte des Herrn ist, daß wir nicht gar aus sind; seine Barmherzigkeit hat noch kein Ende, sondern fie ist alle Morgen neu, und seine Güte ist groß. Gott, deine Güte hat mich diesen Morgen erweckt, fie ist bisher meine Pflegerin gewesen. Laß sie mich zur Buße und zum Gehorsam leiten. Ob ich nun gleich dich täglich beleidige, zwar nicht mit Wissen und Willen, aber doch aus Uebereilung, Unwissenheit und Schwachheit: so hat mich deine Güte darum nicht verlassen; vielmehr ist sie meine Beschüßerin gewesen, daß ich nicht gar aus bin. Wie kann ich genugsam preisen, was deine Güte an meiner Seele und an meinem Leibe gethan hat? denn alles Ding hat seine Zeit, aber deine Güte währet in Ewigkeit. Dieses aber ist deiner unaussprechlichen Liebe nicht genug, deine Barmherzigkeit hat noch kein Ende; eine Woche, ein Jahr nach dem andern geht zu Ende, aber deine Barmherzigkeit hat kein Ende; sie ist alle Morgen neu. Gleichwie die Sonne alle Morgen mit frischen Strahlen uns beleuchtet, und gleichsam ein neues Licht mittheilet; gleichwie der Thau alle Morgen das Land befeuchtet, frisch grün und fruchtbar macht; wie eine Quelle alle Morgen frisches Wasser darreicht allen, die vorübergehen, also hat deine Barmherzigkeit mich glückselig gemacht. Ja, deine Vatertreue ist groß, ich kann sie nicht aussprechen; sie ist groß, denn sie höret nicht auf: sie ist beständig groß, denn sie theilt immer aus; sie trägt und leidet. Wende deine Treue nicht von mir, laß deine Güte mich leiten und deine Barmherzigkeit erhalten. Herr, deine Güte ist's, Daß du uns Frist noch gönnest, Und über uns noch nicht In heil'gem Zorn entbrennest; Wenn in's Gericht du giengst, So wär' es mit uns aus; Wir lägen alle schon Längst in des Todes Haus. Amen. Start's Morgen und Abend- Andachten. Nanester 42 657 24. November. Abend. Jerem. 17, 14. Hilf du mir, o Gott, so ist mir geholfen, denn du bist mein Ruhm. 658 Ach Gott, wer kann, wer will mir helfen, wenn bu es nicht thust? Jch spreche mit dem Elenden: Herr, hilf mir! Hilf mir in dieser Nacht, und wende alles Unglück, Schaden und Gefahr von mir ab. Hilf mir, wenn mich meine Sünden anklagen und sprich mich frei von Schuld und Strafe. Hilf mir, ich weiß sonst keinen Helfer, als dich allein. Vater und Mutter verlassen mich, Freunde treten oft ferne, und wenn ich spreche: Hilf mir! so wollen oder können sie nicht; wenn ich aber zu dir komme und spreche: Hilf mir! so bist du willig und sprichst: Fürchte dich nicht, ich bin dein Gott, ich helfe dir durch die rechte Hand meiner Gerechtigkeit. Menschenhilfe kann jemand hindern, aber wenn du mir helfen willst, so wird mir geholfen; diese Hilfe kann mir niemand nehmen; dir ist auch nichts zu viel, nichts zu groß, nichts zu gefährlich, nichts zu schwer, nichts zu weit, nichts zu hoch. Stärke mich in meinem Vertrauen, ich habe deine Hilfe schon so oft erfahren, du wirst mich nie verlassen; du bist mein Lobgesang. Wenn man mich fragt: Wer hat dir das gegeben? wer hat dich errettet? wer hat dir geholfen? wer hat dich erhalten? wer hat dich bis hierher gebracht? so sage ich: Gott, mein Gott hat es gethan! also bleibt dein Ruhm allezeit in meinem Munde. Hilf mir auch in meiren letzten Stunden, so wird mir geholfen; da ist aer Menschen Hilfe zu schwach, darum hilf mir überwinden und hilf mir aus zu deinem himmlischen Reich. So lang ich hier a walle, Soll dies mein Seufzer sein, Ich sprech bei jedem Falle: Herr, hilf mir, ich bin dein!" Wenn Morgens ich erwache Und schlafe Abends ein, Befehl ich Gott die Sache: Herr, hilf mir, ich bin dein!" Amen. Pi 25. November. Morgen. Jei. 48, 17. So spricht der Herr, dein Erlöser, der Heilige in Israel: Ich bin der Herr, dein Gott, der dich lehret, was nüglich ist, und leitet dich auf dem Wege, den du geheft. Gott, mein Erlöser, du hast mich die ganze Zeit meines Lebens von mancher Trübsal befreit. Jesu, mein Erlöser, du hast mich durch Marter und Tod, durch Blut und Wunden von des Teufels Gewalt, von Sünde und Hölle erlöst. Ein Gefangener muß dahin, wo sein Herr will; so müssen sich die Sünder von der Welt und von ihren Lüften aus einer Sünde in die andere führen lassen. Davor behüte mich, mein Erlöser, du Heiliger in Israel! Lehre du mich selbst, was nützlich ist. Lehre mich durch deinen heiligen Geist, daß ich mit Freuden und willigem Herzen der Welt absage und dir folge. Lehre mich durch dein Wort und deine Diener, was ich fliehen und meiden und was ich vollbringen soll. Stelle mir vor, wie die Liebe der Welt so verdammlich und meiner Seele schädlich sei; hingegen wie nüßlich, heilsam und selig es sei, nach deinen Geboten zu leben, und dir von ganzem Herzen anzuhangen. Leite mich beständig auf dem Wege, darauf ich gehe; ziehe mich ab von der Gottlosen Steg, von dem breiten Höllenwege, und leite mich auf ebener Bahn der Frömmigkeit, der Gottesfurcht, des Gehorsams, der Demuth, daß ich als dein Kind mandle, rede und mich in meinem Wandel bezeige; denn du bist der Herr, mein Gott, dem ich Gehorsam schuldig bin, der Macht hat, zu gebieten, der mir viel Gutes gethan, ja, der mich strafen kann, wenn ich ihm widerstrebe. So leite und lenke mein Herz und meinen Willen zu dir, daß ich deiner in Zeit und Ewigkeit genieße. Führe mich, o Herr, und leite Meinen Gang nach deinem Wort; Sei und bleibe du auch heute Mein Beschüßer und mein Hort; Nirgends als bei dir allein Kann ich recht bewahret sein. Amen. Mattus, 659 42* 25. November. Abend. Apost.- Gesch. 3, 19. Thut Buße und bekehret euch, daß eure Sünden vertilget werden. 660 Barmherziger Gott, die Nacht rufet mich zur Ruhe und Stille, dein Geist zur Buße. Dein Licht hat mir mein Verderben aufgedeckt, daß ich mein Gewissen verwundet, dich beleidigt, zur Hölle geeilt, da ich meinte, meinem Fleische eine Weide zuzurichten. Nun sehe ich die Gefahr meiner Seele, darum bereue ich, was ich geliebt. Was du befiehlst, dazu gibst du Kraft. Erwecke mich zur Buße und Umkehr, bekehre du mich, so werde ich bekehret, schaffe selbst in mir ein neues, frommes und dir geheiligtes Herz. Ich schäme mich, daß ich deine Gnadenzüge gering geachtet, da du mich durch Liebe zu dir hast ziehen wollen, durch die herrlichen Gaben der Gesundheit und des Segens, daß ich eben dieselben zur Sünde mißbraucht habe. Nun aber ist mein Sinn geändert, ich kehre um von den vorigen Wegen, welche du verboten hast. Ich kehre um wie ein Reisender, dem man zuruft, der Weg sei nicht recht. Ich kehre um, wie der verlorene Sohn, der mit seinem Schaden erfahren, was das sei, seinen Vater verlassen. Ich kehre um, und lege mich nieder an das Kreuz Jesu, und spreche: O du Gottes- Lamm, das der Welt Sünde trägt, erbarme dich über mich. Tilge meine Sünden mit deinem Blute, wie man von einer Tafel wischt, was darauf geschrieben ist. Tilge sie aus deinem Buche, daß ihrer in Ewigkeit nicht mehr gedacht werde. Finde mich in solchem geheiligten und gereinigten Gnadenstande in der Stunde meines Todes, auf daß ich Theil habe mit den Heiligen am ewigen Heil. Jesu, der du durch dein Wort Mich zur Buße haft gerufen, Führe dein Werk an mir fort Bis vor deines Thrones Stufen; Da geht Dank und Wonne an, Daß ich durch dich Buß' gethan. Amen 26. November. Morgen. Ezech. 16, 8. Ich gelobte dir, und begab mich mit dir in einen Bund, spricht der Herr, daß du solltest mein sein. 661 Gnadenreicher Gott, ich denke an dein Erbarmen, da du mich in der Taufe in deine Vaterarme aufgenommen, und dich mit mir verlobt hast. O wie habe ich diese Treue erfahren! Auf, mein Geist, stimme ein Freudenlied an und sage: Mein treuer Gott hat mich, Staub und Asche, ernährt, gekleidet, bewahrt und be= gleitet. Du hast auch einen Bund mit mir gemacht, darin ich mich verpflichtet habe, dir gehorsam zu sein, aber ach, so treulich du deinen Bund gehalten hast, fo untreu bin ich gewesen. In der Buße habe ich dir gelobet, nicht wieder zu sündigen; so oft ich Jesu Liebesmahl empfangen, habe ich mich dir zu ewiger Liebe verbunden; aber wie oft habe ich meines Versprechens vergessen! Ach, Gott, gib mir deines Geistes reiche Gnade, daß ich von heute an bis an mein Ende dir getreu verbleibe. Hast du von mir verlangt, ich sollte dein sein, so ist das eine große Gnade. Dein sein heißt dein Kind und Erbe sein; aber ich habe daran nicht gedacht, wenn mich meine Lüfte reizten und die Welt lockte; darum spreche ich jetzt: Ich will dein sein, mein Herz soll deine Wohnung sein, meine Zunge und Glieder will ich nach deinem Willen richten, meine Augen und Ohren sollen darnach sehen und hören, was dir gefällig ist. Laß mich dein sein im Kreuz, und hilf mir; wenn ich arbeite, so segne mich; wenn ich bete, erhöre mich; wenn ich ausgehe, begleite mich; wenn ich sterbe, mache mich selig. Ja, du bist ja mein Leben, Du bist die Gerechtigkeit, Mache nur mich dir ergeben, Bleibe in mir allezeit. Schreibe deinen Liebesbund Selbst in meines Herzens Grund, Daß mein Herze eh' erkalte, Eh' ich diesen Bund nicht halte. Amen. 26. November. Abend. Matth. 25, 34. Kommet her, ihr Gesegneten meines Vaters, ererbet das Reich, das euch bereitet ist vom Anbeginn der Welt. 662 Herr Jesu, mie Liebreich sind die Worte, welche du zu den Glaubigen am jüngsten Tage sprechen wirst! Rede sie auch zu mir, rufe mich auch alsdann und sage: Komm her! Siehe, ich komme zu dir mit demüthigem Herzen, und bitte dich im Glauben um Vergebung meiner Sünden. Laß mich in meinen Lebenstagen gerne hören, wenn du mir rufft: Komm her, verlaß die Sündenlust; komm her, folge mir nach! Ich nehme den Segen mit Freuden an, den du mir erworben; laß mich als ein Gesegneter deines Vaters leben und sterben. Du hast durch deinen Tod den Fluch von mir genommen, da du ein Fluch für uns wurdest, und mir den Segen geschenkt. Du bist im Segnen gen Himmel gefahren, und hast mir den Frieden hinterlassen. Bin ich also dein Kind, so kann ich auch deine Herrlichkeit mit allen Engeln und Auserwählten erben. Welch reiche Erbschaft! Bin ich hier arm, dort bekomme ich ein Königreich, das du deinen Kindern von Anbeginn der Welt bereitet hast, denn darum hast du die Menschen erschaffen, daß sie in deinem Freudenreich ewig mit dir leben und regieren sollen. Oder unaussprechlichen Gnade und Treue meines Jesu! O der Liebe meines Gottes! Mein Heiland, laß mich solches fleißig erwägen, mich vor Sünden hüten, mich darauf erfreuen, und laß mich diese fröhliche Stimme in meinem Sterben und am jüngsten Tage hören. Er wird zur rechten Seiten Uns freundlich sprechen zu: ,, Kommt, ihr Gebenedeiten, Zu meiner sel'gen Nuh! Nun sollet ihr ererben, Des lieben Vaters Reich, Das ich euch hab' erworben, Drum seid ihr Erben gleich." Amen. 27. November. Morgen. Röm. 12, 9. Hasset das Arge, hanget dem Guten an. Heiliger Gott, der Tag ruft mich unter die Menschen; laß mich weislich und vorsichtig wandeln. Verleihe mir deinen heiligen Geist, daß ich das Arge hasse. Laß mich einen Abschen haben vor der argen Welt und ihren Gewohnheiten, Bosheiten, Thorheiten, Unarten und Gesellschaften, daß ich nicht mitmache. Laß mich meiden die unartigen Menschen, daß ich nicht ihre Werke lerne. Zwar will ich sie lieben, weil sie deine Geschöpfe und durch Christi Blut erlöst sind, und vielleicht noch können bekehrt werden; aber ihre Sünden will ich in rechtem Ernst Hassen. Und weil ich den ärgsten Feind in meinem Busen trage, so schenke mir Kraft, daß ich das Arge an mir selbst hasse, dagegen stärke und erhalte mich im Guten. Niemand ist gut, denn der einige Gott; darum verleihe mir, daß ich dir anhange in herzlicher Liebe und Vertrauen. Ich will Jesu anhangen als meinem einigen Erlöser, als die Rebe am Weinstock. Ich will hangen an seiner Lehre und mich darnach in meinem Glauben und Leben richten. Ich will anhangen und nachfolgen seinen Fußstapfen. Ich will anhangen des heiligen Geistes Führung, daß ich wachse in der wahren Frömmigkeit, Gottesfürcht, Demuth und Sanftmuth. Ist etwa eine Tugend, ist etwa ein Lob, das ich an Kindern Gottes wahrnehme, so will ich demselben anhangen und nachfolgen. Dazu erwecke mich, darin stärke mich und erhalte mich bis an's Ende, daß meine Gottesfurcht kein wankendes Rohr oder Heuchelei sein möge. Sieh mich dürften nach dem Guten; Früh und spät ruf ich zu dir; Laß mein Herz nicht länger bluten, Schenke höh're Kräfte mir. Laß mein Fleh'n nicht sein vergebens, Sende doch den Geist des Lebens; Zieh mit neuer Kraft mich an, Daß ich dir gefallen kann. Amen. 663 27. November. Abend. Ps. 121, 1. 2. Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen, von welchen mir Hilfe kommt. Meine Hilfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat. 664 Allmächtiger Gott, ich freue mich allezeit, wenn ich den Himmel ansehe, denn da ist mein Vaterland, und tröste mich meines künftigen Erbes und der himm= lischen Freuden. Ich erfreue mich aber, wenn ich den Himmel ansehe, denn von dannen wird Jesus kommen, zu richten die Lebendigen und die Todten, darum ich mich alle Tage auf diese Zukunft durch Buße und Glauben bereite. Sieht man den Himmel und die hohen Berge an, wenn ein schweres Ungewitter auf steigt, wenn es donnert und blitzt, ob es bald vorüber ist: so hebe ich auch meine Augen zu dir, wenn ich in Noth, Angst und Trübsal bin. Vom Himmel kommt uns Regen, Sonnenschein und fruchtbare Zeiten, also theilst du viele Gnadengaben aus lauter Liebe mit. Ja, meine Hilfe kommt von dir, dem Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat, und alle Güter in demselben austheilen kann. Verlange ich Hilfe im Leiblichen, suche ich himmlische Gaben und Güter, alle dieſe Gaben kommen vom Herrn. Darum will ich in keiner Noth, Elend, Trübsal, Kreuz, Leiden und Bekümmerniß meines Herzens verzagen, sondern mein Herz und Auge zu dem allmächtigen und gnädigen Gott wenden, und weiß, ich werde erhört, erquickt und er= freut werden. Wenn ich in meiner Todesstunde die matten Augen zu dir aufhebe, alsdann sende mir Hilfe von deinem Heiligthum. Ich hebe meine Augen Nur auf, den Bergen zu, Die mir zur Hilfe taugen, Da hofft mein Herze Ruh. Die Hilfe muß mir werden Vom Herrn, der ob mir wacht, Der Himmel und die Erden Hat durch sein Wort gemacht. Amen. 28. November. Norgen. Gebr. 13, 21. Gott mache euch fertig zu allen guten Werten, zu thun seinen Willen, und schaffe in euch, was vor ihm gefällig ist, durch Jesum Christum, welchem sei Ehre von Ewigkeit zu Ewigkeit. Gnädiger Gott, ich flehe dich an um Segen in meiner Arbeit und um deinen heiligen Geist, in meinem Christenthum heute zuzunehmen; dieses aber ist dein Werk, daß ich glaube und daß ich ein wahrer Christ werde. Darum mache du mich fertig zu allem Guten und be= wahre mich, daß ich deine Arbeit an meiner Seele nicht hindere durch Weltliebe und Eigenwillen. Gib mir Kraft zu allen guten Werken, zum andächtigen Gebet und zur Gottesfurcht. Laß dein Lob allezeit in meinem Munde sein und schaffe selbst in mir, was dir wohlgefällig ist. Erwecke und treibe mein Herz durch deinen heiligen Geist allezeit zur Neinigkeit, daß ich auf meine Gedanken und Worte, Aus- und Eingang genau merke. Erhalte mich im Guten, daß ich nicht zurückfalle und nicht sehe auf das, was meinem Fleische und der Welt, sondern was dir gefällig ist. Verleihe mir diese Gnade durch Jesum Christum, und heilige mich durch sein Blut durch und durch; verzeihe mir auch, wenn ich fehlen sollte, und hilf meiner Schwachheit auf, daß er auch von mir geehrt werde, wie von allen Frommen hier in der Zeit und von allen Engeln von Ewigkeit zu Ewigkeit. Ich will dich, lebendiger Gott, ehren, der du mich zu deinem Lob erschaffen, ich will Jesum ehren, der mich von dem ewigen Verderben erkauft hat. Herr, erhöre mein Gebet um deiner ewigen Liebe willen. Herr, mach' zu dem mich fertig, Was dir gefällig ist; Ich bin des Heils gewärtig, Du zeigst's in Jesu Christ. Er wird mich nicht verlieren, Er wird auch durch sein Blut 665 Mich aus den Todten führen: Ich glaub' es, daß er's thut. Amen. Sornoct 28. November. Abend. Jes. 60, 19. Der Herr wird dein ewiges Licht, und dein Gott wird dein Preis sein. 666 Ewiger Gott, da sich die Sonne verborgen hat, so sei du meiner Seele Licht. Befreie mein Herz von aller Dunkelheit der Unwissenheit, daß ich dich recht erkenne und liebe. Laß mich in deinem Lichte sehen die Tücke meines Herzens, Zorn, Trägheit und Falschheit, aber auch die Herrlichkeit, die du mir in Christo Jesu geschenkt hast, nemlich Vergebung der Sünden, Gerechtigkeit, Frieden und das ewige Erbe. Leite mich durch deinen heiligen Geist auf der ebenen Bahn der Frömmigkeit, daß ich nicht anstoße und in Sünden falle, noch andern einen Anstoß und Aergerniß durch meine unbehutsamen Neden oder Wandel gebe. Zeige mir durch dein Gnadenlicht, was die Sünden- und Weltliebe für ein heftiger Feind und Seelenmörder sei, daß ich davor einen herzlichen Abscheu habe. Ich bereue meine Sünden, und bitte dich um Vergebung derselben. Bist du also mein Licht, so wirst du auch mein Preis sein. Ich will mein Leben lang rühmen, was du Gutes an meiner Seele und an meinem Leibe gethan hast. Jesus ist mein Herr und mein Gott, er ist nicht allein der Preis feines Voltes Ifrael, sondern auch der Heiden Licht. Er soll auch mein Licht im Leben, mein Ruhm und Preis im Sterben sein, von dessen Treue und Gnade ich bis an mein Ende reden und denken will. Du sollst mein einiger Trost und Freude sein, dem ich anhangen, dem ich dienen will im Leben und Sterben. Jejus ist die Sonne Jn der Lichtwelt innen, Er erleuchtet Herz und Sinnen. Er, die ew'ge Quelle, Strömt aus Licht und Leben, Sich der Greatur zu geben. Herz, such' Ruh', Komm herzu, Hier will Gott dich tränfen Und sich selbst dir schenken. Amen. 29. November. Morgen. 6 Mos. 7, 12. 13. Wenn ihr diese Rechte höret und haltet sie, und darnach thut, so wird der Herr, dein Gott, auch halten der Bund und die Barmherzigkeit, den er deinen Vätern geschworen hat, und wird dich lieben, segnen und mehren. Herr Gott, ich gebe dir mein Herz zur Wohnung; heilige es, daß ich deiner nie vergesse. Dein Wort ist mein Trost in Traurigkeit, meine Nichtschnur im Glauben und Leben. Gib mir Gnade, daß es mit Freuden höre, aber auch zu Herzen nehme, laß mich in deiner Kraft auch thun, was ich aus deinem Wort gelernt. Dämpfe meinen eigenen Willen, der sich deinem Willen und Worte widersetzt. Steure der Welt, welche mich von solchem Wege abwendig machen, und mich zu ihrer fündlichen Freiheit leiten will. Laß mein Herz sich über den Bund freuen, den du mit mir gemacht und denselben nie übertreten. Laß mich in Jesu Christo Barmherzigkeit und Gnade finden. Wie selig werde ich sein, wenn er in mir und ich in ihm bleibe; wenn ich ihm lebe und nicht der Welt, ihm anhange und nicht auf dem breiten Wege wandle. Laß mich deine Liebe genießen, daß du mir meine Sünden vergibst, meiner schonest, mir helfest, wenn ich Hilfe bedarf, mich errettest, tröstest und nach dem Leiden erfreuest. Segne mich auch in meinem Beruf, segne mich mit himmlischen Gütern. Schenke mir von irdischen Gütern so viel, als mir selig ist, und mehre in mir Glaube, Demuth, Sanftmuth, Gottesfurcht, auf daß ich dein Eigenthum sei im Leben, Leiden und Sterben. Ich bin in dir, und du in mir! Nichts soll mich, ew'ge Liebe, dir In dieser Welt entreißen! Auf Erden, wo nur Sünder sind, Nennst du mich freundlich schon dein Kind, O laß mich's ewig heißen 667 Und treu mit Wandel, Herz und Mund Bewahren deinen Friedensbund! Amen. 668 29. November. Abend. Beph. 3, 17. Der Herr, dein Gott, ist bei dir, ein starker Held; er wird sich über dich freuen, und dir freundlich sein und vergeben. Großer Gott, von Herzen begehre ich dein, sprich zu meiner Seele: Ich, der Herr, dein Gott, bin bei dir, daß ich mich vor dem Grauen der Nacht nicht fürchte. Ist mein Herr mit mir, so wird er seinen Knecht schützen. Ist mein Gott bei mir, so wird er meine Seele in das Bündlein der Gerechten eingebunden behalten. Sei bei mir, mein Gott, in allem Leiden, daß du mir helfest, in allen Fällen, daß du mich aufrichtest. An dir habe ich einen starken Helden, einen allmächtigen Gott und Vater, der mir alles geben kann, der Herr ist mächtig im Streit. Da= rum getrost, meine Seele, fürchte dich nicht, der Herr ist mit dir, du hast einen Gott, der da hilft, und einen Herrn, Herrn, der auch vom Tode errettet. Herr Gott, Vater, sei mir gnädig, rede freundlich mit mir in der Traurigkeit, wenn ich dir meine Noth klage. Gib mir deinen heiligen Geist, der mich dir ganz heilige, daß du dich also über meinen Gehorsam freuen mögest. Laß mich im Glauben und in der Liebe wandeln, daß ich dich durch herzliche Liebe so sehr möge erfreuen, als meine Widerspenstigkeit dich betrübt hat. Verzeihe mir auch, was ich mein Leben lang wider dich gethan. Deine Freundlichkeit erquicke und stärke mich, sie erhalte mich im Leiden, und wenn die Stunde des Todes anbricht, so sei mir freundlich, und bleibe bei mir bis an mein Ende. Zion, freue dich von Herzen, Gott, der Herr, will bei dir sein; Er will heilen deine Schmerzen Und dich reißen aus der Bein. Deines Heilands starke Hand Ist dein Schloß und Unterpfand, Daß er die Verheißung halte Und in Gnaden ob dir walte. Amen. 30. November. Morgen. Matth. 4, 21. Er rief ihnen. Herr Jesu, es ist ein Wunder vor unsern Augen, daß du nicht Gelehrte, Vornehme und Fürsten im Bolt berufen, das Evangelium den Juden und Heiden vorzutragen, sondern du hast geringe und vor der Welt Augen untüchtige Personen erwählt, damit die göttliche Kraft der Bekehrung nicht von Menschen, sondern von dir und deinem Geist käme. Laß dein Wort auch an meiner Seele täglich kräftiger werden, dich zu erkennen und zu lieben. Kommt der Beruf ungefähr, so laß mich willig folgen, wenn du in meinem Amte oder Stande eine Aenderung vornehmen willst. Dein Beruf geht noch alle Tage an mich zum Glauben; laß mich Fleiß anwenden, in deiner Erkenntniß zuzunehmen, und dich mit lebendiger Zuversicht zu ergreifen. Du rufest mich zur Buße: laß mich meine vorigen Sünden herzlich und demüthig beklagen; wirke aber in mir eine rechtschaffene Sinnesänderung und Lebensbesserung. Du berufst mich zum Ausgang aus der Welt Eitelkeiten und Thorheiten: laß mich bald und willig folgen. Russt du mich zum Kreuz, so hilf mir's tragen, lindere es, und nimm es wiederum ab. Du rufft mich auch zur Himmels- Herrlichkeit: mache mich bereit dazu, daß ich im Glauben bis an mein Ende dir getreu bleibe. Habe Dank, mein Erbarmer, für alle Gnadengaben, welche meine Seele und mein Leib empfangen hat, und daß du mir mein Leben bis hierher erhalten. Sei ferner mein Gott. Erwünschter Ruf in Gnaden, Der uns das Herz erfreut! Wir werden eingeladen Bu lauter Seligkeit. Der Mittler heißt uns kommen Zu dem Besprengungsblut, Wir werden angenommen, Die Gnade macht uns Muth. Amen. 669 30. November. Abend. Matth. 4, 20. Bald verließen sie ihre Neßze und folgten ihm nach. Herr Jesu, ich will mir das Beispiel deiner Jünger vor Augen stellen, welche auf deinen Ruf alleg verließen, und dir nachfolgten. Gib mir Kraft, mich selbst zu verlassen und abzusagen meinem eigenen Willen und meiner Bosheit. Hilf mir, daß ich die Welt verlasse mit ihren Gewohnheiten, Gesellschaften und Eitelkeiten. Verließen die Jünger alles, und behielten nichts: also will ich kein halber Christ und halber Jünger werden, sondern mich dir ganz mit Leib und Seele ergeben. Bewahre mich, daß ich nicht an dieses Verlassen erst im Sterben denken wolle, da ich freilich alles Sichtbare, Glück, Ehre, Lust, Freunde, ja, was ich außer mir habe, verlassen muß, welches aber alsdann ein gezwungenes Verlassen ist; sondern laß mich es willig und bei Zeiten thun. Habe ich die Sünde verlassen, so kann ich dir desto seliger und williger nachfolgen. Schenke mir Kraft, dir nachzufolgen in deiner Demuth, in deiner Sanftmuth, in deiner Liebe, in deinem Gehorsam, daß ich deinen Willen allezeit meinem Willen vorziehe. Laß mich dir auch einst in der Herrlichkeit nachfolgen. Mein fester Entschluß ist, nimmermehr von dir zu weichen, sondern dir getreu zu bleiben bis in den Tod. Verlaß du mich nur nicht, wenn mich alle Welt verläßt, bis ich zu den Pforten der Ewigkeit eintrete. O mein Licht, meine Liebe, laß mich in der Stunde meines Todes in deiner Gnade, in deinem Blute rein und gerecht erfunden werden. 670 Jesu, geh' voran Auf der Lebensbahn, Und wir wollen nicht verweilen, Dir getreulich nachzueilen; Führ uns an der Hand Bis ins Vaterland. Amen. 1. Dezember. Norgen. B₁. 40, 8. Siehe, ich komme; im Buch ist von mir geschrieben; deinen Willen, mein Gott, thue ich gern; und dein Gesetz habe ich in meinem Herzen. 671 Herr Jesu, du bist ein Mensch geworden, um die Menschen aus dem ewigen Verderben zur Himmelsfreude und Herrlichkeit zu bringen. Darüber will ich Morgens, Abends und Mittags mich freuen. Ich sehe dich doch mit Glaubensaugen, ich fasse dich in mein Herz, ich liebe dich und hange dir an mit Freuden. Komm doch auch in mein Herz, und belebe es; komme zu mir und heilige mich, so bist du mir gekommen und mir geboren. Deine Ankunft ist schon längst im Buch der heiligen Schrift beschrieben. Adam tröstete sich derselben; Abraham freute sich darüber; Jakob wartete darauf; die Propheten haben deine Ankunft verkündigt, und die Herrlichkeit, die daraus entspringt, kund gethan. Nun bin ich getroft, es werden auch alle übrigen Verheißungen erfüllt werden durch dein Blut. Versicherst du deinen Vater: deinen Willen, mein Gott, thue ich gern, du wollest das gefallene menschliche Geschlecht durch Leiden und Sterben erlösen; hast du dich auch als das geduldige Opferlamm für meine Missethäten schlachten lassen, so will ich in deiner Kraft dieses von dir lernen und sagen: deinen Willen, mein Jesu, thue ich gern. Befestige dieses Vorhaben in mir, daß ich nimmermehr des Satans, der Welt und des Fleisches Willen mir lasse gefallen, sondern allein auf dich und deinen heiligen Willen sehen möge. Schenke mir auch ein solch gehorsames Herz, daß ich darin deinem Bilde ähnlich werde. O so laß uns nicht verscherzen, Was du uns haft zugedacht; Schaffe in uns reine Herzen, Tödt' in uns der Sünde Macht! Denn was sind wir, Gott, vor dir? Du bist heilig, aber wir Sind verderbt, und wer kann zählen, Großer Gott, wie oft wir fehlen! Amen. 1. Dezember. Abend. uc. 19, 10. Des Menschen Sohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist. 672 Herr Jesu, du kamest, mich zu suchen; suche mich durch deinen heiligen Geist und durch dein Wort. Wie lange hast du schon mich gesucht; aber ich habe mich nicht finden lassen. Siehe, ich ergebe dir heute Abend aufs neue mein Herz, nimm es ein, erfülle es mit deinem Lichte, vereinige mich mit dir, daß ich eine von dir gefundene und der Welt entrissene Seele heißen möge. Mein Heiland, wie viele Gänge hast du um meinetwillen gethan, an den Delberg, zum Richter auf Golgatha; wie hast du dich unter das schwere Kreuzes= joch gebückt! Wie wenig Gänge habe ich mein Leben lang dir zu Ehren gethan! Wie habe ich deine Gnade nicht mit solchem Fleiß gesucht, als du, mein Heil! Du bist gekommen, selig zu machen, was verloren ist. Unter die Verlorenen gehöre ich auch, ich bin auch ein Adamskind, in Sünden empfangen und geboren; aber ich bleibe nicht verloren, du machst mich selig durch Vera gebung meiner Sünden, Versöhnung mit deinem Vater, und Schenkung des ewigen Lebens. So bin ich selig hier in der Zeit, selig im Sterben, selig in Ewigkeit, da ich der erworbenen Herrlichkeit des himmlischen Glanzes, des Anschauens Gottes und der Himmelsfreude in Ewigkeit genießen werde. Diese Glückseligkeit schenkest du mir, mein Jesu, aus herzlicher Liebe, daß ich desto getroster soll zu dir fliehen und mich deiner freuen. Laß mich von dir Demuth lernen, und nichts aus mir selbst machen, daß ich auch in der Verleugnung meiner selbst dir nachfolge. Wenn ein Schaf verloren ist, Suchet es sein treuer Hirte, Jesus, der uns nie vergißt, Suchet treulich das Verirrte, Daß es nicht verderben kann; Jesus nimmt die Sünder an. Amen 2. Dezember. Norgen. Pf. 118, 24. 25. Dies ist der Tag, den der Herr macht; laffet uns freuen und fröhlich darin sein. O Herr, hilf, o Herr, laß wohl gelingen. Gelobet sei, der da kommt im Namen des Herrn; wir segnen euch, die ihr vom Hause des Herrn seid. Herr Jesu, der Tag deiner Ankunft ist mein Freudentag, daran mir die Himmelsthür geöffnet worden. Den Tag haft du, liebreicher Gott, verheißen, und zum Erfüllungstage deiner Zusage gemacht, darum, mein Herz, sei getrost in allen Fällen. Kommt Jesus, mich mit Gott zu versöhnen, mich selig zu machen, so lasset uns freuen im Herzen mit Beten und Erkenntniß der großen Seligkeit. Lasset uns auch fröhlich sein äußerlich, daß wir dem König der Ehren Lob- und Danklieder anstimmen. Mein Herz öffne sich ihm zur Wohnung, und mein Leben, Thun und Lassen richte sich nach seinem Willen. O Herr, hilf, bilf dem Könige der Ehren das Werk der Erlösung vollbringen. Hilf auch mir, daß ich ihn im Glauben fasse, und alles fahren lasse, was dir kann zuwider sein. Hilf mir, daß ich mich ihm ganz zum Eigenthum ergebe in Zeit und Ewigkeit. Laß das Werk seiner Erlösung auch zu meiner Seligkeit gelingen, daß ich ihm leben und dienen möge mein Leben lang. Jesu, sei willkommen mir Armen; gelobet sei, der da kommt im Namen des Herrn, den göttlichen Rathschluß von der Menschen Seligkeit auszurichten. Gelobet sei deine Liebe, o Jesu, dein Erbarmen, deine Treue. Laß mich auch vom Hause des Herrn sein, daß ich dein Wort mit Freuden annehme, nach demselben glaube, lebe und selig werde. Hosianna! jauchzt, ihr Fromment, Sprecht: Gelobt sei nah und fern, Der auf diese Welt gekommen In dem Namen unsers Herrn! Denn er ist ein Gott der Güte, Er erleuchtet das Gemüthe. D Herr, hilf, wenn man dir singt, Hilf, Herr, daß es wohl gelingt. Amen. Start's Morgen- und Abend- Andachten. 673 43 2. Dezember. Abend. Matth. 1, 21. Deß Namen sollst du Jesus heißen; denn er wird sein Volk selig machen von ihren Sünden. 674 $ Herr Jesu, dein Name erinnert mich, daß du mir zum Heil, zum Leben, zur ewigen Glückseligkeit gegeben bist, daß du seist mein Mittler und Seligmacher. Dein Name ist aller Glaubigen Trost und Freude, dein Name und Thun stimmt überein, du hießest Jesus und bist auch der Seligmacher: laß mich auch als ein Christ leben, reden und wandeln, wie mein Name heißt, daß mein Leben nach deinem Vorbild sich richte, in Demuth, Liebe, Gehorsam und Sanftmuth, und ich also gesinnt sei, wie du warst. Oder Herrlichkeit der verlorenen Adamskinder! Jesus ist gekommen, sie als sein Volk selig zu machen. Alle Menschen gehören zu seinem Volk; allem Volk, allen Menschen zu gut ist er in die Welt gekommen. So habe ich auch Theil an dir, ich bin auch ein Mensch, ich gehöre auch zu deinem Volk, darum habe ich auch Theil an deiner Liebe, an deiner Erlösung. Siehe, ich bekenne vor dir alle meine Sünden, ich beklage und bereue sie: ich will sie hassen und lassen. Komm und belebe mein Herz, vergib mir alle meine Sünden und Uebertretungen, tilge sie aus mit deinem heiligen Blute, daß ihrer nimmer gedacht werde und mache mich selig durch die völlige Vergebung meiner Sünden und liebreiche Mittheilung der Gnade. Stärke mich durch deinen heiligen Geist, daß ich immer reiner von Sünden und in dir gerecht und ewig selig werde. In meines Herzens Grunde Dein Nam' und Kreuz allein Funkelt all' Zeit und Stunde: Drauf fann ich fröhlich sein Erschein' mir in dem Bilde, Wie du für meine Noth, Herr Jesu, dich so milde Geblutet haft zu todt. Amen. 3. Dezember. Norgen. Rachar. 9, 9. Du Tochter Zion, freue dich sehr, und du Tochter Jerusalem, jauchze. Siehe, dein König kommt zu dir, ein Ge rechter und ein Helfer. Herr Jesu, meine Seele freut sich, daß du um meinetwillen bist arm geboren, haft arm gelebt, und bist arm gestorben, da doch alle Schäße und Herrlichkeit, alles Gold und Silber dein waren. Nicht allein aber soll meine Seele dein Lob erheben, sondern mein Mund soll auch jauchzen, er soll erzählen, was du Gutes an meiner Seele gethan haft. Ich will dich betrachten als einen mächtigen König, der mich schüßen kann; als einen gnädigen König, der mich erretten will; als einen liebevollen König, der mich auf seinen Thron sezen, und mir die Güter seines Hauses zum Erbe geben will. Ich freue mich über dich, weil du bist ein Gerechter, der heilige und wahre Gott von Ewigkeit; aber auch der Herr, der unsere Gerechtigkeit ist, durch sein Leiden und Sterben. Laß mich in dieser Welt züchtig, gerecht und gottselig leben, alle Ungerechtigkeit der Sünden und Eitelkeiten, ja Beleidigungen des Nächsten in deinem Lichte fliehen. Laß mich deinen Geist dir immer gehorsamer machen. Ich betrachte dich auch als meinen Helfer, der meine Seele aus dem ewigen Verderben erlöset hat; der auch mein Helfer im Leiblichen ist. Wohlan, mein Helfer, so hilf mir, deinem armen Kinde. Hilf mir, daß mein Glaube an dich immer fester, gegründeter und meine Zuversicht zu dir immer unbeweglicher werde. Hilf mir, daß mein Leben dir gefälliger werde. Hilf mir auch, wenn ich in Leiden, Angst und Trübsal gerathe; alsdann eile, mir beizustehen, Herr, meine Hilfe. Sieh, dein König kommt zu dir!" Seele, das sind frohe Worte; Sprich: mein König, komm zu mir, Sieh, ich öffne dir die Pforte, Zeuch mit deiner Sanftmuth ein, Was du findest, das ist dein! Amen. 675 48* 3. Dezember. Abend. Phil. 4, 4. 5. Freuet euch in dem Herrn allewege, und abers mal sage ich: freuet euch. Eure Lindigkeit laßt kund sein allen Menschen. Der Herr ist nahe. 676 Herr Jesu, ich will diesen Tag mit Freuden schließen. In dir, meinem Herrn, will ich mich freuen über dein Kommen, da du mich aus dem Tode zum Leben, aus der Hölle zum Himmel gebracht hast. Freuet sich ein Gefangener, wenn er seiner Bande los wird; ein Schuldner, wenn er aus dem Schuldthurm befreit wird; ein armer Sünder, wenn ihm das Leben geschenkt wird; ein Bettler, wenn er an eines Königs Tisch gesetzt, gespeist, getränkt, gekleidet, ja gar zum Erben seines Königsreichs eingesetzt wird: warum sollte ich mich in dir nicht freuen, da du dieses alles in viel höherem Maße an meiner Seele und an meinem Leibe gethan haft? Daß ich mich aber in dir erfreuen könne, so laß mich durch Buße erst von der Welt ausgehen, im Glauben mit dir vereinigt werden. Laß kraft dieser Vereinigung mit dir meine Gelindigkeit kund sein allen Menschen, daß ich liebreich gegen meinen Nächsten sei, mit ihm nicht zu genau abrechne, sondern ihm seine Fehler übersehe, wie du mir siebenzig mal siebenmal meine Fehler des Tags vergibst. Laß mich solches desto williger thun, weil du nahe bist, daß du mich bei deiner Zukunft nicht in Zerstreuung des Gemüths, in Zorn und Uneinigkeit, sondern in einer liebreichen Verfassung meines Geistes antreffen mögest. Sei mir diese Nacht nahe, und schütze mich, sei mir in allem Kreuz und Leiden, auch im Sterben nahe. Freuet euch, erlöste Brüder, Denn des Vaters Wort und Licht Das durch alles Dunkel bricht, Bringet das Verlorne wieder, Und in unser Fleisch und Bein Kleidet fich die Liebe ein! Amen. 4. Dezember. Morgen. Jef. 40, 3. Es ist eine Stimme eines Predigers in der Wüste: Bereitet dem Herrn den Weg, machet auf dem Gefilde eine ebene Bahn unserm Gott. 677 Herr Jesu, so tröstlich und lieblich mir deine Ankunft ist, so nothwendig ist es auch, daß ich mich bazu bereite, daß du auch in mein Herz kommen und in mir Wohnung machen mögest. Räume du selbst aus meinem Herzen alle Steine des Anstoßes, daß ich durch Buße ablege nach dem vorigen Wandel den alten Menschen, Zorn. Feindschaft, Stolz, Falschheit, Neid und Eigenliebe. Wenn diese Sünden noch im Herzen herrschen, so kannst du unmöglich einkehren. Diese Sünden scheiden dich und mich von einander. Es ist unmöglich, daß du ein Herz bewohnen könneſt, welches eine Behausung der unreinen Geister und schändlichen Lüste ist. So bereite denn mein Herz durch deinen heiligen Geist, daß die Früchte des Glaubens sich in demselben finden mögen; ziere es aus mit Glaube, Liebe, Frömmigkeit, Gottesfurcht, Keuschheit, daß ich meine Zeit mit Gebet, Loben und Danken hinbringe, alle sündlichen Gesellschaften, Zerstreuungen und Eitelkeiten fliehe, daß ich erwäge deine unaussprechliche Liebe, daß du bist für mich arm geboren, haft arm gelebt und bist arm gestorben, da du doch hättest Engel zu Dienern haben, und in göttlicher Klarheit erscheinen können. Laß die Stimme des heiligen Geistes mich auferwecken, wenn ich zum Guten träg und schläfrig werden will: alsdann werde ich deiner Ankunft hier und dort genießen. Bereitet doch fein tüchtig Den Weg dem großen Gast; Macht seine Steige richtig, Laßt alles, was er haßt; Macht eben Bahn und Pfad, Die Thale rings erhöhet, Erniedrigt, was hoch stehet, Was frumm ist, macht gerad! Amen. 4. Dezember. Abend. 1 Tim. 1, 15. Das ist je gewißlich wahr, und ein theuer werthes Wort, daß Christus Jesus gekommen ist in die Welt, die Sünder selig zu machen. 678 Herr Jesu, du kamst nicht in die Welt zu deiner Gemächlichkeit, sondern du kamst, die Sünder selig zu machen. Du kamest nicht, die Frommen im Leiblichen zu erhören, sondern du kamst, Sündern Gnade anzubieten. Es waren freche, sichere Sünder, die sich an Gott vergriffen hatten, zum Tode verdammte und ewig verlorne Sünder; diesen zum Trost, diese von ihren Banden zu befreien und selig zu machen, bist du gekommen. Du hast dich bei ihnen als ihr Erlöser eingefunden, du hast ihnen ihr Elend vorgestellt, von ihrer Verdammniß sie zu überzeugen; aber ihnen auch Vergebung der Sünden und den Frieden angeboten: wenn sie wollten an dich glauben, ihre Bosheit und Widerspenstigkeit fahren lassen und dir nachfolgen, so sollten sie Gnade erlangen; sie sollten aus Satans Reich in das himmlische Freudenreich versetzt und nach dem Tode nicht zur Hölle verwiesen werden, sondern bei Gott der Seligkeit genießen. Diese Gnadenanerbietung nehme ich an; ich will dich mit Glauben umfassen, ich will dir nachfolgen, ich will dem Satan und der Welt absagen. Vergib mir meine Sünden, schenke mir deinen heiligen Geist, der mich heilige, regiere und führe, damit ich in dir Gerechtigkeit und Frieden habe. Dessen will ich mich trösten, wenn mich meine Sünden ängstigen; das soll mir sein ein theuer werthes Wort, ein Trost und Lebenswort, ja ein gewisses und wahres Wort, daran ich nicht zweifeln darf; du wirst es auch an mir erfüllen, ich werde auch durch dich hier rein, gerecht und dort ewig selig werden. Jesus ist kommen, ein Opfer für Sünden; Sünden der ganzen Welt träget dies Lamm, Sündern die ew'ge Erlösung zu finden, Litt es und starb es am blutigen Stamm. Abgrund der Liebe, wer kann dich ergründen? Jesus ist kommen, ein Opfer für Sünder! Amen. 5. Dezember. Norgen. paggat 2, 7. 8. Es ist noch ein kleines dahin, daß ich Himmel und Erde, das Meer und das Trockene bewegen werde. Ja, alle Heiden will ich bewegen; ha soll denn kommen aller Heiden Trost. 679 Herr Jesu, du tröstest deine Glaubigen, die dich im Fleische gerne sehen wollten, es sei noch ein Kleines dahin, daß ihre Freude sollte erfüllt werden; aber dieses Kleine faßte etliche hundert Jahre in sich. Du sprichst auch zu mir, wenn ich in der Noth zu dir schreie: Es ist noch ein Kleines dahin, daß ich deine Traurigkeit in Freude verwandeln und deine Thränen von deinen Augen abwischen will; aber dein Kleines däucht mir gar lange. Jedoch, wie deine Ankunft doch endlich erfolgte, so werde ich auch Hilfe und Barmherzigkeit erlangen, wenn deine Zeit gekommen ist. Bei deiner Ankunft waren große Verwirrungen in der Welt, alles bewegte sich, dein Volk mußte zur Schazung unter dem Kaiser Augustus sich verstehen, vor der Zeit war lauter Krieg, als ob Himmel und Erde, das Meer und das Trockene sollte mit einander vermischt werden. Wenn mich Angst und Bangigkeit umgeben, alsdann erscheine zu meinem Trost. Dein lieblicher Name, der da heißt der Trost Israel, ja aller Heiden Trost; alle Völker sollen in dir gesegnet werden, die an deinen Namen glauben und dir in ndlichem Gehorsam folgen. Oder Freudenzeit, darin alle Betrübte ihr Haupt aufrichten sollen, wann du uns trösten wirst in aller Mühe und Arbeit auf Erden, du sollst auch mein Trost sein in meinem ganzen Leben, mein Trost im Sterben. Auf, auf, ihr Vielgeplagten! Der König ist nicht fern; Seid fröhlich, ihr Verzagten, Dort kommt der Morgenstern! Der Herr will in der Noth Mit reichem Trost euch speisen, Er will euch Hilf erweisen, Ja dämpfen gar den Tod. Amen. 5. Dezember. Abend. 2 Kor. 8, 9. Jhr wisset die Gnade unsers Herrn Jesu Christi, daß, ob er wohl reich ist, ward er doch arm um euretwillen, auf daß ihr durch seine Armuth reich würdet 680 Herr Jesu, ich sehe dich an als einen reichen Jefum, ja als die allerreichste und herrlichste Person, welche man jemals auf Erden gefunden. Ist Gott ein reicher Gott, dem. alle Güter und Gaben im Himmel und auf Erden gehören, so warst du ja wohl der Reichste, in dir wohnte die Fülle der Gottheit leibhaftig; darum konnte alle Herrlichkeit der Welt niemand anders gehören, als dir. Wie hast du so herrliche Strahlen deines Reichthums hervorblicken lassen in deinen Wundern, da du mit wenig Broden viele tausend Menschen gespeiset, Todte lebendig und Gebrechliche gesund gemacht. Dir, dem erwürgten Lamm, gebühret Reichthum, Macht und Ehre. So reich du aber warst, so arm bist du um der Menschen willen geworden. Wärest du in deinem göttlichen Glanz erschienen, so hättest du mich nicht erlösen können, welches durch Leiden und Sterben mußte geschehen; darum entäußertest du dich des Gebrauchs deiner göttlichen Herrlichkeit, gingest arm einher, daß du dich fangen, binden, kreuzigen und tödten ließest, eben als ob du nicht der allmächtige Gott gewesen wärest: allein deine Armuth hat mich reich gemacht, wie du reich warest. Du hast meiner Seele geschenkt die herrlichen Güter deines Hauses, Vergebung der Sünden, deine Gerechtigkeit, Frieden mit Gott, deinen heiligen Geist zum Pfande meines Erbes, den Zugang zur Gnade und die, Gewißheit der ewigen Seligkeit. O des herrlichen Reichthums, der mir ewig bleibt. Laß mich im Sterben zum völligen Genuß gelangen. Er ist auf Erden kommen arm, Daß er unser fich erbarm' Und in dem Himmel mache reich Und seinen lieben Engeln gleich. Halleluja! Amen. 6. Dezember. Norgen. Dan. 6, 24. Siebenzig Wochen sind bestimmt über dein Volk und deine heilige Stadt, so wird dem Uebertreten gewehret, und die Sünde zugefiegelt, und die Missethat versöhnet, und die ewige Gerechtigkeit gebracht, und die Gesichte und Weissagung zugefiegelt, und der Allerheiligste gesalbet werden. Herr Jesu, da ich diese heilige Zeit in Betrachtung deiner Ankunft will hinbringen, so erwäge ich heute die bestimmte Zeit, da du hast wollen geboren werden. Siebenzig Wochen waren bestimmt, nach deren Verfluß solltest du als der wahre Messias und Gesalbte des Herrn im Fleisch erscheinen. Dieses dienet mir zur Stärkung meines Glaubens, zur Versicherung, daß du bist der verheißene wahre Messias. Erfülle an mir auch deine übrigen Gnadenverheißungen meiner Hilfe im Leiden und deines Beistandes in Noth und Lod. Die Versöhnung ist am Kreuz geschehen, da du als das erwürgte Lamm, dessen Blut und Tod in allen Opfern vorgebildet worden, dich am Stamm des Kreuzes hast schlachten lassen. Schente mir Kraft durch dein Blut und Tod, daß, da ich nicht das Aufsteigen der Sünden wehren kann, ich sie doch nie lasse zum Ausbruch kommen. Indessen freue ich mich der ewigen Gerechtigkeit, mein Erbarmer, welche auch mir gebracht, mir geschenkt und erworben worden, welche ich im wahren Glauben ergreife und mir zueigne. Ich bin in deinem Blute rein und gerecht, und dieweil ich in dir bin, ist nichts verdammliches an mir, und wenn ich sterbe, so bin ich durch den Glauben an dich ge= recht, habe Frieden mit Gott und gehe zur Himmelsfreude ein. Deine Sünde wird versiegelt, Und am Kreuzholz abgethan, Dein Verderben wird verriegelt Und dein Heilstag gehet an. Ewige Gerechtigkeit Ist in ihm für dich bereit; Denn der Mittler ließ sich salben Mit dem Geiste deinethalben. Amen. 681 682 6. Dezember. Abend. Nöm. 9, 15. Christus kommt her aus den Vätern nach dem Fleisch, der da ist Gott über alles, gelobet in Ewigkeit. Herr Jesu, du bist Adam verheißen, aus Abrahams Samen solltest du entspringen, und aus dem fö niglichen Hause Davids geboren werden nach dem Fleisch. denn Maria war aus dem königlichen Hause Davids. So bist du denn ein wahrer Mensch, bist wie ich, doch ohne Sünde. Gottes Sohn ist ein wahres Menschenkind. Diese hohe Anverwandtschaft macht mich herrlich in der Ewigkeit und glückselig in der Gnadenzeit. Mein Erlöser mußte ein wahrer Mensch sein, daß er Leiden und sterben konnte; er mußte aus Menschen herstammen, damit die Menschen ein Recht zu seinem Verdienst hätten. O der tiefen Erniedrigung, daß sich Gottes Sohn in unser Fleisch und Blut kleidet! Nicht allein aber bist du ein wahrer Mensch, nach dem Fleisch, du bist auch wahrer Gott, Gott über alles, der nicht allein von Ewigkeit gewesen, sondern von allen Engeln und Auserwählten als der anbetungswürdige Gott gelobt worden, und auch nun in Ewigkeit als der Erlöser der Menschen wird verehrt werden. Einen solchen Hohenpriester mußten wir haben, der da wäre heilig, und von den Sündern abgesondert, höher denn der Himmel. Dieser Gott und Mensch konnte Gott versöhnen, der konnte alles thun, alles leiden, was von Menschen um der Sünden willen wäre zu thun und leiden gewesen. Dieses soll mein Troft im Sterben sein, daß ich einen so mächtigen Heiland habe. Damit der Sünder Gnad' erhält, Erniedrigst du dich, Herr der Welt, Nimmst selbst an uns'rer Menschheit Theil, Erscheinst im Fleisch und wirst uns Heil. Herr, der du Mensch geboren wirst, Immanuel und Friedefürst, Auf den die Väter hoffend sah'n, Dich, Gott, mein Heiland, bet' ich an! Amen. 7. Dezember. Norgen. 1 Mos. 49, 10. Es wird das Scepter von Juda nicht entwen bet werden, noch ein Meister von seinen Füßen, bis der Held kommt, und demselben werden die Völker anhangen. Herr Jesu, ich beuge mich unter dein Scepter, ich folge bir, meinem Könige. Gib mir deinen heiligen Geist, daß ich alle Tage williger zu deinem Dienst werde, der du mir zum Leben, Trost und Heil in die Welt gekommen bist. Herr Jesu, ich will keinen andern Meister suchen, denn dich allein. Dein Wort soll meines Glaubens und Lebens Regel sein. Dein Geist soll mich leiten und führen. Du bist der Held, du der König der Ehren, du der Beherrscher unserer Seele und unseres Lebens! Du machtest als ein starker Held die Menschen frei aus des Satans Banden, und führtest sie aus der Grube, darin kein Wasser ist, du erlösetest sie aus der Hölle und errettetest sie vom Tode. Weil du der Held bist, so fürchte ich mich nicht vor meinen leiblichen und geistlichen Feinden, du wirst mich schützen. Du bist auch der Schild, der Friedefürst, der den Frieden mir erworben hat. Gib mir deinen Frieden in Vergebung der Sünden; laß mich in dir gerecht erfunden werden, und dereinst in Frieden fahren. Es ist auch in keinem Andern Heil, ist auch kein anderer Name den Menschen gegeben, darin sie sollen selig werden, denn nur allein in dir. Mein Herz hanget dir an, mein Leben hanget dir an in heiliger Nachfolge, und im Tode weiche ich nicht von dir. Dein sind wir, dein in Ewigkeit, Drum wollen wir, du Held im Streit, An deinem Auge hängen. Wohlauf, mit Macht umgürte dich, Du Arm des Herrn, so werden sich Die Völker um dich drängen. Alsdann wird man 683 Fröhlich fingen, Palmen schwingen. Wenn man schauet, Wie Jehovah Zion bauet. Amen. 7. Dezember. Abend. Joh. 3, 16. Also hat' Gott die Welt geliebet, daß er seinen eingebornen Sohn gab, auf daß alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. 684 Herr Jesu, also hat dein himmlischer Vater die Welt, die Sünder, seine Feinde geliebt, daß er sie ewig selig machte, und zu sich in sein himmlisches Freudenreich versetzte. D unaussprechliche Liebe, dergleichen man nicht gefunden! Ich bin auch in der Welt, mich geht diese Liebe auch an. Laß mich dieselbe recht er= kennen, daß ich dem anhange und diene, der mir seinen eingebornen Sohn gab. O eine herrliche, selige Gabe! Gott gibt seinen Sohn in den Tod, um den Sündern das Leben und himmlische Herrlichkeit zu schenken. Gottes eingeborner Sohn wird ein Menschenkind, daß die Sünder Gottes Kinder werden. An diese Gabe hätte kein Engel noch Mensch denken können, wenn sich die ewige Liebe nicht freiwillig dargereicht hätte. Diese Gabe ist auch mir gegeben; mir zum Leben und Heil ist Jesus in die Welt gekommen. Damit du recht mein eigen werdest, so umfasse ich dich im Glauben; ich suche in dir allein meine Seligkeit. Laß mich dir in Demuth, Gehorsam und Liebe nachfolgen, auf daß mein Glaube rechter Art sei, und immer völliger werde, so werde ich nicht verloren gehen, sondern in dir das Leben haben, daß du in mir wohnst, und mich heiligest, darauf auch, wenn ich von der Welt scheiden muß, das ewige Leben folgen wird und ich dich einst von Angesicht zu Angesicht anschauen und der Seligkeit in Ewigkeit genießen werde. Laß in meiner Todesstunde mich einen Blick in solche Herrlichkeit thun, " nd in dir ewig erfreut werden. Du haft den Sohn gegeben, Im Sohn ein ewig Leben; Im Sohn will ich dich fleh'n, Dich sleh'n um deine Liebe, Dich fleh'n aus heißem Triebe: Laß mich das Heil in Jesu seh'n! Amen. 8. Dezember. Norgen. 1 Chron. 13, 10. Mit uns ist der Herr, unser Gott. Herr Jesu, du bist darum in's Fleisch gekommen, du bist mir zu gut Mensch geworden, dich mit mir zu vereinigen, in mir zu leben, mich zu heiligen und selig zu machen. Vollführe auch den Endzweck deiner Ankunft an meiner Seele, mache mich in dir rein, gerecht und ewig selig; so bist du mein in Zeit und Ewigkeit. Ich weiß, du bist der Herr, der wahre Gott, du bist unser Aller Gott, unser Mittler, der uns will zur Gnade, zum Himmel, zur Herrlichkeit führen. Ich will mich deiner getrösten in allen Begebenheiten meines Lebens, ich will sprechen: der Herr, mein Gott, ist mit mir, wenn mich meine Sünden verklagen; er ist gekommen, sie zu tilgen durch sein Blut. Kommen Trübsalsstunden, so will ich mich erinnern: mein Herr und mein Gott ist mit mir, der wird mir helfen, der wird mich erretten. Er ist mit mir, wenn ich arbeite, und segnet, was ich in seinem Namen angefangen und vorgenommen habe. Er ist mit mir, wenn ich bete, er gibt mir, was mein Herz wünschet und bringt meine Seufzer vor seinen himmlischen Vater. Dieses kann mein Kreuz mir leicht und mein Leben süß machen, weil ich seiner Liebe. Gnade, seines Beistandes und seiner Einwohnung versichert bin. Dieses soll mich heute und mein Leben lang von Sünden abhalten und zu seiner heiligen Nachfolge anreizen, so wird er auch mit mir sein im Sterben; ich werde in seinen heiligen Armen verscheiden; der heilige Geist wird mich trösten, daß ich gewiß ein Kind Gottes sei, und die heiligen Engel werden meine Seele zur Freude begleiten. Gott mit mir! o welche Freude! Mit ihm hab' ich Muth und Kraft; Mit ihm hab' ich Trost im Leide, Kunst, Verstand und Wissenschaft. Fragt ihr: Mensch, wer hilft dir so? Gott mit mir! deß bin ich froh! Amen. 685 8. Dezember. Abend. 1 Petr. 1, 8. Welchen ihr nicht gesehen habt, und doch lieb habt, und nun an ihn glaubet, wiewohl ihr ihn nicht sehet, so werdet ihr euch freuen mit unaussprechlicher, herrlicher Freude. 686 Herr Jesu, ich sehe dich nicht mit leiblichen Augen, wie deine Jünger: jedoch habe ich dich lieb, da ich dich aus deinem Wort erkannt habe, welches dich mit so lebendigen Farben beschreibt, als wenn ich dich mit leiblichen Augen sähe. Ja, ich sehe, fühle und schmecke dich in deinem Trost, in deiner mächtigen Errettung. Ich sehe oft mit Augen, wie mein Leiden verschwindet, mein Feind mich ungekränkt muß lassen gehen. Alles, was die Glaubigen erlangten, die dich mit leiblichen Augen sahen, dessen werde ich auch theilhaftig, da dich mein Glaube umfasset. Ich habe in dir Friede, Freude, Vergebung der Sünden, Gerechtigkeit und Stärke, wie fie. Ich werde errettet, wie sie, ich erlange auch im Leiblichen Hilfe, wie sie. O des treuen Heilandes, der sich den Seinen so köstlich zu schmecken gibt. Jesu, meine Freude, so wird es nicht bleiben, ich werde dich noch zu seiner Zeit mit meinen Augen sehen, nach meinem Absterben und am jüngsten Tage. Alsdann wird meine Freude eine unaussprechliche Freude sein, welche ich hier nicht begreifen kann, und was da mein Geist und Auge sehen und empfinden wird. Es wird sein eine herrliche Freude. Jene sahen dich nur in der Knechtsgestalt, darin sie doch die Herrlichkeit des Sohnes Gottes erblickten und wahrnahmen; aber ich werde dich in deiner königlichen Pracht und göttlichen Majestät sehen, die noch kein Auge völlig in dieser Sterblichkeit gesehen hat. Ach, mein Jesu, schenke mir davon etliche Tropfen in meinem Sterben. Ift's selig, lieben und nicht sehen, Wird hier das Herz so froh davon, Was wird im Himmel erst geschehen, Wann man verklärt ist vor dem Thron, Und ewig sieht, was man nicht sah, Und ewig liebt! O wär' ich da! Amen. 9. Dezember. Norgen. B. 14, 7. Ach, daß die Hilfe aus Zion über Israel käme, und der Herr sein gefangen Volk erlösete, so würde Jakob fröhlich sein und Israel sich freuen. 687 Herr Jesu, wie erfreulich ist deine Ankunft! Du bist gekommen, dein gefangenes Volk zu erlösen, nicht zwar aus der leiblichen, sondern aus der geistlichen Gefangenschaft. Daraus hast du mich befreiet; dem Teufel lag ich gefangen, im Tod war ich verloren; aber ich bin durch deinen Tod und dein Leiden von Satans und der Hölle Banden erlöst, Satan hat kein Theil mehr an meiner durch dein Blut erlösten Seele, und die Sünde kann wider meinen Willen nicht mehr über mich herrschen. Du hast mich vom Zorn Gottes erlöst, nun bin ich in Gnaden. Der Fluch des Gesetzes trifft mich nicht mehr, ich bin versöhnt und bin durch den Glauben an dich gerecht geworden. So ist nun Zions Hilfe gekommen. Dieses gehöret mit unter die lieblichen Namen, welche dir die Glaubigen gegeben haben, daß du heißest die Hilfe. Nun, du bist auch meine Hilfe und sollst es auch beständig bleiben. Sei meine Hilfe, wenn ich verlassen bin, und stehe mir kräftig bei. Sei meine Hilfe, wenn meine Sünden mich ängstigen, und sprich zu mir: Dir sind deine Sünden vergeben. Sei meine Hilfe in Trauer und Leiden, und erquicke meine betrübte und bekümmerte Seele. Sei meine Hilfe auch im Sterben, und führe mich zu deiner Freude ein. Ach, komm bald, wenn ich in Nöthen bin, und erhöre mein Beten, Seufzen und Flehen. Also werde ich mich freuen und fröhlich sein über die Gnade und dir zu Ehren Lob- und Danklieder anstimmen. Dieses ist auch mein Ergögen in dieser heiligen Zeit. Ach, daß der Herr aus Zion käm' Und unsre Bande von uns nähm; Ach, daß die Hilfe bräch herein, So würde Jakob fröhlich sein! Hallelujah! Amen. 688 9. Dezember. Abend. I Joh. 4, 9. Daran ist erschienen die Liebe Gottes gegen uns, daß Gott seinen eingebornen Sohn gesandt hat in die Welt, daß wir durch ihn leben sollten. Herr Jesu, ich kann mich nicht satt denken aller Gaben, welche ich durch deine Ankunft erlangt habe. Das Meer ist unerschöpflich, der Himmel unermeßlich, und deine Gnadengaben sind unaussprechlich. Sie haben ihren Ursprung in der Liebe deines Vaters und in deiner Willigkeit, daß du dich zu uns haft senden lassen. Daß ich doch deine große Liebe dankbar erkennen fönnte! Gottes Sohn, der Eingeborne des Allerhöchsten, nimmt mich zu seinem Eigenthum an, will mich zu seinem Miterben machen, will mich auf seinen Thron setzen. Diese Liebe des Vaters will, daß ich, o Jesu, durch dich leben soll. Das natürliche Leben habe ich mit allen Menschen gemein, aber das Leben, das mir Jesus schenkt, ist ein geistliches und seliges Leben; durch dich und deine Kraft will ich hinfort ein stilles, gehorsames und dir geheiligtes Leben führen; ich will fliehen die vergängliche Lust der Welt, durch dich will ich zunehmen im Glauben und die Welt überwinden: als dann bist du Herr und König in meiner Seele. Du hast mir nach diesem Leben noch ein herrlicheres und vollkommeneres Leben geschenkt, nemlich, daß ich nach meinem seligen Ausgang aus der Zeit soll bei dir in der Himmelsfreude ewig leben. Auf dieses Leben harre ich im Glauben, darauf freue ich mich im Sterben, und darein trete ich, wenn du mich heißest zu deiner Freude eingehen. Sollt uns Gott nun können hassen, Der uns gibt, Was er liebt Ueber alle Maßen? Gott gibt, unserm Leid zu wehren, Seinen Sohn Von dem Thron Seiner Macht und Ehren. Amen 10. Dezember. Morgen. 1 Mof. 22, 18. Durch deinen Samen sollen alle Völker auf Erden gesegnet werden. Herr Jesu, du bist der verheißene Same, der sollte aus den Nachkommen Abrahams geboren werden. An dir sind alle Kennzeichen des Messias erfüllt worden, darum sollst du auch meiner Seele Freude, meines Glaubens Grund, meines Lebens Vorbild und das Licht sein, welches mich zum ewigen Leben führen soll. Dieſe Gabe ist mir nicht allein geschenkt, sondern allen Völkern, allen Menschen, die jemals gelebt haben, und insfünftige leben werden. O daß doch dein Israel sich fragte, ob dergleichen Personen jemals außer dir gewesen, so würde ihr Herz ihnen sagen, daß weder David noch Salomo diese Personen sind, sondern du allein, in welchem allen die Himmelsthür eröffnet ist. Unter solche Völker gehöre ich auch; die Herrlichkeit, welche ich durch dich erlange, ist, daß ich durch dich soll gesegnet werden. Dieser Segen erstrecket sich weit, er fangt an in der Zeit, und breitet sich aus bis in die Ewigkeit. In diesem Leben bin ich durch dich mit himmlischen Gütern schon gesegnet, Vergebung der Sünden, Friede mit Gott, die Gerechtigkeit, welche vor Goft gilt. Versorgest du mich aber an meiner Seele so wohl und reichlich, so wirst du meinem armen Leibe auch das Nöthige mittheilen. Die Seligkeit in den ewigen Leben wird mir den vollkommensten Segen ertheilen. Mit Segnen fuhrest du gen Himmel, und ließest uns den Segen und Frieden auf Erden, und im Himmel hast du mir mein Erbe und Kindesrecht, das weiße Kleid und die schöne Krone der Ehre, beigelegt. Abrahams Segen Füllet den Erdenkreis; Auf Zions Wegen Geht jeßt der Heiden Fleiß; Die Völker, welche Fremde waren, Stehen in Israels heil'gen Scharen. Amen. Start's Morgen- und Abend- Andachten. 689 44 10. Dezember. Abend. Ap.- Gesch. 4, 12. Es ist in feinem Andern Heil, ist auch kein anderer Name den Menschen gegeben, darinnen wir sollen selig werden, als in dem Namen Jesu. 690 Herr Jesu, wie theuer und werth ist mir dein Name! Es ist in keinem Andern Heil und Seligkeit. Eine Sonne ist, die den Erdboden erleuchtet, und du bist das Licht, das alle Menschen erleuchtet zum ewigen Leben. Ein Kasten Noä war, darin man sein Leben vor den Wassern der Sündflut erhalten konnte, und du allein bist die Zuflucht aller betrübten Sünder. Es war nur eine Wolkensäule, welche in's gelobte Land führte, und du bist der einzige Erlöser, Heiland und Seligmacher, der uns in's himmlische Freudenland führt. Errettung in Gefahr, Hilfe im Leiden, Trost in Betrübniß, Friede in Anklage des Gewissens, Leben und ewiges Heil findet man nicht außer dir. Sollte mir das nicht Freude sein, daß mir ein so großer, treuer und mächtiger Heiland tund wird? Du bist auch der allgemeine Heiland. Viele Namen der Helden, der Erlöser des Volks beschreibt das Wort Gottes: Josua, Gideon, Simson, David; allein sie haben wohl ihrem Volk zu ihren Zeiten geholfen, aber allen Menschen zu helfen zu allen Zeiten, zu erretten aus aller Noth, ist außer dir, o Jesu, mir kein Name bekannt. Zwar haben jene großen Männer nur leibliche Feinde überwunden, äußerlichen Frieden gebracht, zeitliche Ruhe verschafft; aber du willst mich hier und dort selig machen. Laß mich diese Herrlichkeit und Seligkeit durch muthwillige Sünden nicht verscherzen, sondern in meinem Sterben mich im Stande der Gnade erfunden werden. Sagt mir nichts von andern Namen; Denn in feinem ist das Heil. Menschen haben all' zusammen An den Sünden einen Theil: Jesu Nam' ist ganz allein Uns ein Nam' zum Seligsein. Amen. 11. Dezember. Morgen. 4 Mos. 24, 17. Es wird ein Stern aus Jakob aufgehen. Herr Jesu, du bist mein Stern. Die Sterne bewundern wir wegen ihrer Klarheit. Welchen Glanz erblickt meine Seele an dir! Du bist der Morgenstern, dein Glanz ist kein erschaffener, sondern ein ewiger Glanz, eine Herrlichkeit des Sohnes Gottes. Dein Glanz ist ein unaussprechlicher Glanz, auch in Ansehung deiner Menschheit; denn du bist als ein Stern aus Jakob aufgegangen, aus dem königlichen Stamm Davids entsprossen. Du bist heilig, rein und unbefleckt, auch nach deiner Menschheit. Ob du gleich der Allerhöchste und Herrlichste unter den Menschen bist, hast du dich doch erniedrigt, und bist der Kleinste auf Erden geworden um meinetwillen, zu meiner Seligkeit und Erhöhung. Laß mich immer klein in meinen Augen bleiben, wenn du mich schon mit Gütern deines Hauses zierest. Du wirst mir alle Tage lieblicher, tröstlicher und erquicklicher. daß ich dich so spät gesehen, so spät kennen gelernt, so spät geliebt! Nun soll mir nichts lieber werden, als du. Laß mich dein Eigenthum sein, darein du die Schätze deiner Gnade legst. Laß mich aus Liebe zu dir alle Sünden und Eitelkeiten meiden. Laß mein Herz und Auge allezeit auf dich und dein Beispiel gerichtet sein, so wird mein Glaube und Leben dir wohlgefällig werden. Verbirg dich nicht vor meiner Seele, oder doch nicht zu lange. Sei auch mein Leitstern im Leben und Sterben, bis du mich bringst in deines Vaters Haus, zu den Hütten der Gerechten. Komm, Himmelsfürst, komm, Wunderheld, Du Jakobsstern, du Licht der Welt! Laß abwärts flammen deinen Schein, Der du willst Mensch geboren sein. Entzünd' auch unsers Glaubens Licht, Damit die Lieb' erlösche nicht Zu dir die ganze Lebenszeit, D Sonne der Gerechtigkeit. Amen. 44* 691 11. Dezember. Abend. Matth. 21, 9. Das Volk, das vor- und nachging, schrie und sprach: Hosianna dem Sohne Davids! Gelobet sei, der da kommt im Namen des Herrn; Hosianna in der Höhe! 692 Herr Jesu, ich will dir in meinem Herzen das Hosianna onstimmen. Die vor mir gelebt, und welche nach mir leben werden, alle Glaubigen des alten und neuen Bundes haben Hosianna gesungen, haben in deinem Blute Gnade und Vergebung ihrer Sünden gesucht und gefunden. Sie waren voll Freude, schrieen und sangen mit Jauchzen des Herzens und Mundes. Wo du, Herr Jesu, hinkommst, da bringst du Freude mit; wenn ich dich habe, so habe ich, was mich ewig erfreut. So laß mich denn in dir allezeit Trost im Leiden, Freude in Traurigkeit, Friede der Seele empfinden und alle Weltfreude dämpfen, dann kann ich deine erquickende Seelenfreude erst recht innig empfinden. Ich will beständig Hosianna singen; in fröhlichen Tagen: Herr, hilf mir, daß ich mich nicht an dir versündige, daß deine Gaben mich zum Gehorsam leiten. Ich will Hosianna singen in Trauerstunden: Herr, hilf mir, wische die Thränen von meinen Augen ab, und verwandle meine Traurigkeit in Freude. Ich will Hosianna singen, wenn dein Geist an mir arbeitet. Auch im Sterben will ich singen, Hosianna! hilf mir, Herr Jesu, nimm meinen Geist auf. Ja, ich will auch droben in der Herrlichkeit das Hosianna anstimmen, und das neue Lied des Lammes singen mit den vierundzwanzig Aeltesten und mit der Zahl der Auserwählten. In deinem Namen will ich einschlafen, in deinem Namen will ich auch einst selig sterben. Hosianna, jauchzt, ihr Frommen, Sprecht: Gelobt sei nah' und ferr Der auf diese Welt gekommen In dem Namen unsers Herrn: Denn er ist ein Gott der Güte, Er erleuchtet das Gemüthe. D Herr, hilf, wenn man dir singt, Hilf, Herr, daß es wohlgelingt! Amen. 4 12. Dezember. Morgen. 1 Mos. 49, 18. Herr, ich warte auf dein Heil. Herr, ich warte auf dein Heil. Du Herr Jesu, du bist der Erwartete, an dessen Ankunft die Glaubigen nicht zweifelten. Ob nun gleich die Väter deine Ankunft nicht erlebt haben, so sind sie doch in dir gerecht und selig geworden. Sie haben die Verheißung im Glauben angenommen, im Glauben dich gesehen und über dich sich erfreut. Ich warte auch auf dich in deiner majestätischen Zukunst, ich warte auf dich von einer Morgenwache bis zur andern, daß du mir Hilfe von deinem Heiligthum sendest. Du bist auch das Heil selbst. Dazu bist du geboren und in die Welt gekommen, daß du ein geistiges Heil bringest, die Seelen mit dir zu vereinigen, und in dir ewig glückselig zu machen. Du bist mein Heil wider die Sünde, weil du Schuld und Strafe auf dich genommen, daß, wenn ich nun nicht mehr nach dem Fleisch wandle, sondern nach dem Geist, nichts Verdammliches soll an mir sein, und mir meine Sünden nicht sollen zugerechnet werden. Du bist mein Heil wider den Zorn Gottes, du hast mich durch deinen Tod versöhnt; darin habe ich Friede mit Gott, und darf in deiner Gerechtigkeit getrost vor den Gnadenthron hintreten. Du bist mein Heil wider den Fluch des Gesetzes, welches du an meiner Statt erfüllt; du hast mir den Segen gebracht und die Gnade erworben. Du bist mein Heil wider den Tod; sterbe ich, so gehe ich zum Vater und nehme die mir bereitete Stätte ein. Herr, ich warte auf dein Heil, Wie die Väter harrten. Ich werd' auch für meinen Theil Nicht vergeblich warten. Wenn uns Gott sein Heil verspricht, Wird er's uns auch geben; Denn er gibt's den Seinen nicht Nur in diesem Leben. Amen. 693 12. Dezember. Abend. Gal. 4, 4. Da die Zeit erfüllet war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einem Weibe, und unter das Gesetz gethan, auf daß er die, so unter dem Geseß waren, erlösete, und wir die Kindschaft empfingen. 694 Herr Jesu, du bist der den Vätern des alten Bundes verheißene Heiland, welche auf dich sehnlich warteten. Nun ist diesem Verlangen ein Genüge geschehen; denn da die Zeit erfüllet war, da nun die letzten Tage der Welt erschienen, da es am Abend noch sollte hell werden, weil Dunkel das Erdreich bedeckte und Finsterniß die Völker, da sandte Gott, der himmlische Bater, seinen Sohn, der mit ihm gleichen Wesens ist. Weil du aber nicht als Gott sterben konntest, so wurdest du nach deiner menschlichen Natur geboren von einem Weibe, von einer Jungfrau, durch Ueberschattung des heiligen Geistes, auf eine unbegreifliche Weise. Du kamest nicht in die Welt, königliche, irdische Pracht zu führen, sondern würdest von deinem Vater als der Versöhner und Sündentilger unter das Gesetz gethan, dasselbe durch dein Thun und Leiden vollkommen an unserer Statt zu erfüllen, auf daß du die, so unter dem Gesetz waren, nemlich alle Menschen, welche der Fluch des Gesetzes drückte und verdammte, erlösetest vom Fluch, von der ewigen Verdammniß und hingegen sie aussöhntest, auf daß wir die Kindschaft empfingen, und nicht mehr Verfluchte, sondern Gesegnete heißen sollen. Auch ich bin durch dich ein Kind und Erbe Gottes, laß mich als eine erlöste und frei gemachte Seele von aller Weltliebe entfernt, in deiner Liebe und im Gehorsam sterben. Du bist zu uns gekommen In der Erfüllungszeit, Und hast an dich genommen Des Fleisches Niedrigkeit; Damit uns würd' erwecket Die herrlichste Gewalt, So hast du dich bedecket Mit armer Knechtsgestalt. Amen. 13. Dezember. Morgen. 2 Mos. 3, 3. Ich will dahin, und besehen dies große Gesichte, warum der Busch nicht verbrennet. 695 Herr Jesu, meine Andacht beschauet deine aller= heiligste Person. Deine Gottheit hat die Menschheit nicht verschlungen, oder in die Gottheit verwandelt, sondern sie ist durch dich desto herrlicher und vortrefflicher gemacht, ihr sind alle deine göttlichen Eigenschaften mitgetheilt worden: Allmacht, Allwissenheit, Allgegenwart, Heiligkeit, deine zwei naturen, die göttliche, welche du von Ewigkeit hast, und die menschliche, welche du aus Maria angenommen, machten nicht zwei, sondern Eine unzertrennbare Person; sie vereinigten sich, aber vermischten sich nicht; du bist wahrer Gott und Mensch. Du bist wahrer Gott, ohne daß deine Menschheit aufgehört. Du bist wahrer Mensch, ohne daß deine Gottheit aufgehört. Dieses große Wunder beschauen deine Glaubibigen. Eine solche Person mußte es sein, die uns erlösen sollte. Es mußte dieselbe selbst Gott sein, denn kein sündiger Mensch konnte den andern erlösen. Es mußte dieselbe aber auch ein wahrer Mensch sein, daß sie sterben konnte. Es mußte aber dieselbe Eine Per= son sein, damit sie in Einer Kraft mit einander das Werk ausführen konnten. Mein Heiland, mein Trost, meine Freude! darüber gehet mir alle Augenblicke neue Freude auf. Herr Jesu, vereinige dich auch mit meiner Seele. Laß das Feuer deiner Liebe alle Unreinigkeit aus meinem Herzen verzehren, hingegen laß mich immer heiliger werden, bis du mich in deiner Herrlichkeit mit deinem himmlischen Glanz umgeben wirst. Es ist mir sonst kein Trost bewußt, Als nur in dem Erlöser. Es ist kein Trost und keine Lust Für Christenherzen größer, Als der, daß Gott die Menschen liebt, Daß Gott den Sohn für Menschen gibt, Und Gottes Sohn Mensch worden. Amen. 13. Dezember. Abend. Joh. 10, 11. Ich bin gekommen, daß meine Schafe das Leben und volle Genüge haben sollen. 696 Herr Jesu, wie groß ist deine Liebe! Der König aller Könige nimmt ein armes und mühsames Hirtenamt auf sich um der Menschen willen, sie ewig selig zu machen! Dazu kamest du in menschlicher, ja in Knechtsgestalt in die Welt. Dazu kamest du nach Jerusalem, endlich auf Golgatha an. Zähle mich auch unter deine Schafe, und laß mich dir folgen. Wenn ich irre, so führe mich wieder zurecht, so werde ich in dir das Leben haben. Lebe du in mir, dann lebe ich als ein Christ. Wenn ich von der Welt abscheide, werde ich bei dir leben ohne Leiden, ohne Sünde; in dir habe ich aber volle Genüge. Du schenkest mir zuweilen einen leiblichen Ueberfluß, eine größere Erkenntniß, dağ du dich meiner Seele offenbarest und zu schmecken gibst: ein größeres Licht, deine wunderbaren Führungen, Erfüllungen deiner Verheißungen einzusehen; ein größeres Maß des Glaubens und getrosten Muth, in deinen Wegen zu wandeln; größere Stärke, mich selbst und die Welt zu überwinden; süßen Trost in allem Kreuz und Vergewisserung deiner Hilfe; Stille und Ruhe der Seele in deiner Liebe, welches Genüger mich so glücklich macht wie ein Schäflein, das auf der Weide schläft, ruhet und zugleich isset und trinket. Was für volles Genügen werde ich nicht in der Herrlichfeit bei dir haben; schenke mir davon einige Tropfen in meinem Sterben. Volle G'nüge, Fried und Freude Jego meine Seel' ergößt, Weil auf eine frische Weide Mein Hirt, Jesus, mich gesett; Nichts Süßeres kann mich im Herzen erlaben, Als wenn ich, mein Jesu, dich immer soll haben, Nichts, nichts ist, das also mich innig erquickt, Als wenn ich dich, Jesu, im Glauben erblickt. Amen. 14. Dezember. Norgen. Jef. 7, 14. Siehe, eine Jungfrau ist schwanger, und wird einen Sohn gebären, den wird sie heißen Immanuel. Herr Jesu, deine Herrlichkeit ist die Herrlichkeit des eingebornen Sohnes, voller Gnade und Wahrheit. Wahrheit ist alles an dir, denn was von dir geweifsagt worden, ist erfüllt. Voll Gnade bist du, denn allen Völkern hast du die Gnade verkündigt und mitgetheilt. Von dir haben die Propheten geweifsagt; was jene in deinem Namen verheißen, das haben wir erlebt; ich lebe auch in den Zeiten, da das Siehe! in Erfüllung gegangen ist. Ich sehe dich alle Tage mit Glaubensaugen, ich umfasse dich mit Glaubensarmen, ich habe an dir Friede und Freude. Da Maria ihren Sohn gebar, da schrie Israel: das ist Josephs Sohn; aber ich spreche heute: du bist der Jungfrau Sohn. Hier ist Gnade und Wahrheit: Wahrheit in der Erfüllung, Gnade in der Gabe für alle Menschen. Dein Name ist Immanuel, Gott mit uns; Gott bist du von Ewigkeit, und mit uns, das ist wahrer Mensch, in der Fülle der Zeit aus Maria geboren. Hier ist Immanuel! will ich zu meinem Herzen sagen, wenn sich die Sünde in mir regt; willst du den betrüben, der dich bis in den Tod geliebet hat? Hier ist Immanuel! will ich beten, wenn Satan mir meine Sünden vorhält, und mir das Urtheil der Verdammniß spricht; Jesus hat durch seinen Tod alle meine Missethat getilgt. Hier ist Immanuel! will ich denken, wenn ich bete; er wird für mich beten und mein Flehen vor Gott bringen und Erhörung herabsenden. Laß mich also leben, daß ich könne mit Wahrheit sagen: Hier ist Immanuel! Christus lebt in mir. Im Sterben will ich fröhlich nach dir blicken, und sagen: hier ist Immanuel! er wird meine Seele zur Hochzeit einführen. Immanuel, erhör' uns arme Kinder! Immanuel, erquicke deine Sünder! Immanuel, komm', mache dir uns gleich! Immanuel, gib uns dein Himmelreich! Amen. 697 14. Dezember. Abend. Röm. 15, 12. Es wird sein die Wurzel Jesse und der aufers stehen wird, zu herrschen über die Heiden, auf den werden die Heiden hoffen. 698 Herr Jesu, du bist der dem König David verheißene Samen, welcher, wenn er mit seinen Vätern werde schlafen liegen, soll erweckt werden. War das königliche Haus Davids gar gering gemacht, so war doch die Wurzel noch da; wie ein abgehauener Baum wieder hervorblühen kann, wenn nur die Wurzel noch in der Erde unverletzt bleibt. Maria, in tiefster Niedrigkeit, eine tief in der Erde verborgene Wurzel, brachte den König der Ehren, den Fürsten über die ganze Welt hervor. Herr Jesu, laß mich doch in der Welt nicht Hoheit, Reichthum noch Ansehen suchen, auch mich nicht über Verachtung beschweren, sondern gedenken, daß ich dir auch darin soll gleich werden, der du in einem Stalle mußtest geboren und in eine Krippe gelegt werden, da nichts Königliches und Herrliches an dir äußerlich zu sehen war; aber doch warest du geboren, daß du solltest auferstehen, zu herrschen über die Heiden. Herrsche auch über mich, meinen Verstand, daß ich über dein Wort mich freue, und es zu meiner Lebensregel annehme. Herrsche auch über meinen Willen, über mein Herz und mein Leben. Du bist der Herrscher in aller Welt, darum will ich nicht mehr mein, sondern dein eigen sein. Bist du nun die Hoffnung Ifraels gewesen, so werden auch die Heiden auf dich hoffen, welchen du auch verheißen bist. Ich hoffe auch auf dich in meinem Leiden, Leben und Sterben; du wirst mich aus dem Leiden erretten, mir beistehen, im Sterben mich erquicken und selig machen. Komm, meines Herzens Sonne, Und bring mir tausend Wonne, Erfreue mir mein Herz, Du Trost für alle Heiden, Komm, mich mit Lust zu weiden, Und tröste mich in allem Schmerz. Amen. 15. Dezember. Morgen. Jerem. 23, 5. Siehe, es kommt die Zeit, spricht der Herr, daß ich dem David ein gerechtes Gewächs erwecken will, und soll ein König sein, der wohl regieren wird und Recht und Gerechtigkeit auf Erden anrichten. 699 Herr Jesu, wie lieblich bist du meiner Seele, wenn ich gedenke, daß die Zeit gekommen ist, welche zu deiner Zukunft und Geburt bestimmt war! Wie lieblich lautet es, daß du heißest ein gerechtes Gewächs! Ein Gewächs heißest du nach deiner Menschheit. Du bist ein wahrer Mensch, wie ich, aber du hast vieles voraus: du bist ein gerechtes Gewächs, du bist heilig, rein und ohne Sünde. Schenke mir deine Gnade, daß ich wie ein Gewächs im Guten zunehme. Dieses Erwecken deines Vaters war dein Ausgang von deiner Höhe, deine Ankunft auf Erden, der Glanz deiner Lehre und Wunder. Du sollst auch mein König sein. Wie wohl, wie heilig, wie selig regierest du die Seelen, die sich dir übergeben. Du ziehest sie ab von der Sünden= liebe, du schenkest ihnen Kraft, zu kämpfen und der Weltlust feind zu werden. Lehre mich, wie ich soll recht glauben, fromm leben und selig sterben. Du lehrest den Weg Gottes recht. Du hast mir die Gerechtigkeit und Heiligkeit deines Lebens zur Nachfolge vorgestellt; laß mich nimmermehr von dieser rechten Bahn abweichen. In deiner Kraft vermag ich alles, in dir will ich hier rein und gerecht und dort ewig selig werden. So kamest du denn aus Davids Stamm, der verheißene Zweig, Davids Sohn, und Davids Herr, und Herr aller Menschen, Gott. Seid fromm, ihr Unterthanen, Der König ist gerecht; Laßt uns den Weg ihm bahnen, Thut weg, was schnöd und schlecht. Was groß ist, werde klein, Was hoch ist, werde niedrig; Die Hoffart ist ihm widrig, Die Demuth gilt allein. Amen. 15. Dezember. Abend. Jer. 33, 6. Zu derselben Zeit soll Juda geholfen werden und Israel sicher wohnen, und das wird sein Name sein, daß man ihn nennen wird: Herr( Jehovah), der unsre Gerechtigkeit ist. 700 Herr Jesu, du bist mein König und mein Gott. Du hast deinem Volke Hilfe und Sicherheit verschafft, deine Unterthanen beschützt, und ihre Feinde überwäl tigt. Durch dich ist dem ganzen menschlichen Geschlecht geholfen worden. Das Gesetz hast du vollkommen erfüllt, unsere Schmerzen auf dich genommen, den Himmel eröffnet, den Satan überwunden, die Seligkeit geschenkt. Sei auch meine Hilfe im Leiden; meine Hilfe kommt vom Herrn, daran hält sich mein Herz in bösen Tagen. Deine Glaubigen können sicher wohnen; bei dir bin ich sicher vor der Anklage meines Gewissens und vor dem Brüllen des Satans, denn niemand wird mich aus deiner Hand reißen. Herr Jesu, du bist der Herr, der unsre Gerechtigkeit ist. Du bist der Jehovah, der wahre, lebendige Gott, der Sohn des Allerhöchsten; du bist auch unsre Gerechtigkeit, du hast uns durch Leiden und Sterben eine ewige Gerechtigkeit erworben; sollte mich das nicht erquicken, trösten und ergößen? Nun ich bin gerecht geworden durch den Glauben, so habe ich Frieden mit Gott durch unsern Herrn Jesum Christum. In seinem Blute bin ich rein, ohne Flecken und Tadel; meine Sünden sind vergeben. Mein Heiland, hilf mir auch im Sterben überwinden, und laß mich mit deiner Gerechtigkeit gezieret unter den Seligen eine ewige Wohnung haben. Nichts kann ich vor Gott ja bringen, Als nur dich, mein höchstes Gut! Jesu, es muß mir gelingen Durch dein theures Opferblut; Die höchste Gerechtigkeit ist mir erworben, Da du bist am Stamme des Kreuzes gestorben, Da hab ich die Kleider des Heiles erlangt, Worinnen mein Glaube in Ewigkeit prangt. Amen. 16. Dezember. Morgen. 2. Sam.-8, 12. Wenn nun deine Zeit dahin ist, daß du mit deinen Vätern schlafen liegest, will ich deinen Samen nach dir erwecken, der von deinem Leibe kommen soll, dem will ich sein Reich bestätigen. 701 Herr Jesu, wie lieblich war dem Könige David die Verheißung, daß nach seinem Tode ihm ein Same, ein Sohn soll erweckt werden, nämlich ein wunderbarer, großer und mächtiger Sohn. Dieses war nicht Salomo, du aber, Herr Jesu, bist dieser göttliche und mächtige Sohn Davids, der von Davids Leibe kam, weil du aus Maria bist geboren worden. Diese Verheißung konnte an niemand erfüllt werden, als an einer Person, welche wahrer Mensch und wahrer Gott selbst ist. Du bist Mensch und Davids Sohn, der aber zugleich der große, ewige und wesentliche Jehovah ist, Gott und Mensch in einer Person. Ja, ich sehe es mit Augen, daß du bist derjenige, auf welchen die göttliche Verheißung zielet; denn dein Reich ist bestätigt, du regiereft als der König in aller Welt, von Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang. Kein König hat jemals, und kann auch kein so großes Reich haben, als du, in der alten und neuen Welt; in allen Theilen der Welt, in allen Inseln wird dein Jesusname gepreiset und angebetet. Richte auch dein Reich in meinem Herzen auf, daß ich, wenn ich mich auf dein Geheiß einst schlafen lege, in dein himmlisches Freudenreich möge eingehen, wo ich aller deiner mir erworbenen Herrlichkeiten in Ewigkeit genießen werde. Was bin ich, Herr, daß du auch mir, Hast deinen Sohn gegeben! So komm' ich Sünder noch zu dir, Und aus dem Tod zum Leben. Wie soll ich dir für deine Huld, Für die Vergebung meiner Schuld, Du Gott der Liebe, danken? Amen. 16. Dezember. Abend, Luc. 1, 31-33. Der Engel sprach zu Maria: Siehe, du wirst einen Sohn gebären, deß Namen sollst du Jesus heißen, der wird groß und ein Sohn des Höchsten genannt werden; und der Herr wird ihm den Stuhl seines Vaters Davids geben; und er wird ein König sein über Jakob ewiglich. 702 Herr Jesu, alles, was ich von dir höre und lese, ist herrlich, tröstlich und erfreulich. Jesus sollte dein Name heißen: o tröstlicher Name, darin meine Seligkeit ihr Licht und Gewißheit hat! Du bist mein Erbarmer, Erretter, Seligmacher und Friede, in dem ich erlange Vergebung der Sünden, Gerechtigkeit, Kindschaft und ewige Himmelsfreude. Der Engel spricht: Er wird groß sein. Ja wohl bist du groß, du bist der lebendige Gott; groß nach deiner Menschheit, der Mensch ohne Sünde; groß in deinen Wundern, groß in deiner Lehre, groß in deinem Beispiel, der du allen vorgewandelt bist, und uns hast ermahnt, nachzufolgen deinen Fußstapfen. Nicht allein aber bist du groß, sondern du bist ein Sohn des Allerhöchsten, Gott von Gott geboren, obgleich du dich nur eines Menschen Sohn genennet hast. David hatte bei deiner Geburt kein Reich und keinen Königsthron mehr, allein du hast Davids Reich geistlicher Weise aufgerichtet, da noch täglich durch die heilige Taufe und das Wort Gottes Menschen geheiligt, bekehrt und in dein Gnadenreich versetzet werden. Dieses alles erfreuet meine Seele, indem ich weiß und dein Geist mir Zeugniß gibt, daß ich dir auch angehöre, und durch den Glauben mit dir vereinigt bin. Laß mich im Sterben zu dem völligen Genuß deiner Herrlichkeit gelangen. Herrsch' auch, Herr, in meinem Herzen Ueber Lüste, Furcht und Schmerzen! Laß dein Leben in mich fließen, Laß mich dich im Geist genießen, Ehren, fürchten, loben, lieben Und mich im Gehorsam üben, Siegen hier mit dir im Streite, Dort mitherrschen dir zur Seite. Amen. 17. Dezember. Morgen Jes. 25, 9. Siehe, das ist unser Gott, auf den wir harren, der wird uns helfen. Herr Jesu, welch' eine liebliche Botschaft ist mir das, daß du bist unser Gott; ja, du bist aller Glaubigen, aber auch mein Gott, mein nach der Verheißung, mein nach der Liebe, mein mit allen deinen Gaben, welche mein Glaube ergreift, ja der Gott, auf den wir harren. Worauf die Väter so lange gewartet, das ist erfüllt; wir können sagen: siehe, er ist da. Ich harre auf dich in meinem Beruf, und warte auf deinen Segen; in Traurigkeit, du werdest mich trösten; im Kreuz, du werdest mir es abnehmen; wenn ich mein Herz vor dir ausschütte, du werdest mir geben, was mein Mund bittet. Ich harre auf dich, wenn deine Hilfe verzieht von einer Morgenwache bis zur andern. Ich harre auf dich mit getrostem Muth, weil ich schon viele Proben deiner Treue erfahren habe; du wirst mir helfen. Zur Hilfe bist du geboren; dein Name war den Alten schon bekannt, daß du seiest ein Gerechter und Helfer. Hilf mir, daß ich in deiner Liebe und Erkenntniß zunehme. Hilf mir durch deinen Geist, und mache mich los von meinen Sünden, dağ ich aus herzlicher Gegenliebe davor einen Abscheu habe. Stärke mich am inwendigen Menschen, und wohne beständig in meinem Herzen. Ich bin unverzagt in allen menschlichen Begebenheiten, ich bin auch im Tode getrost, weil du mir zu deinem ewigen und himmlischen Reich aushelfen wirst. Herr, ich warte auf dein Heil, Wie die Väter harrten; 703 Ich werd' auch für meinen Theil Nicht vergeblich warten. Wenn uns Gott sein Heil verspricht, Wird er's uns auch geben; Denn er gibt's den Seinen nicht Nur in diesem Leben. Amen. 17. Dezember. Abend. 1 Tim. 3, 16. Kündlich groß ist das gottselige Geheimniß, Gott ist geoffenbart im Fleisch. 704 Herr Jesu, welch' ein Geheimniß hast du mir in deiner Menschwerdung vor Augen gelegt! Keine Vernunft kann es erreichen und durchdringen. Dies bleibt ein Geheimniß, und zwar ein großes Geheimniß, groß wegen des herrlichen Werks der Erlösung und Versöhnung, welches du in deinem Fleische, als der wahre Gottmensch, durch Thun und Leiden ausgeführt haft; groß, weil es eine ewige Gnade, eine allezeit quillende Liebesquelle für alle Menschen, zu allen Zeiten, an allen Orten ist. Es ist ein kündliches Geheimniß, das nicht verborgen geblieben, sondern allen kund gethan ist. Du hast selbst die Sünder zu dir gerufen, die Apostel haben in deinem Namen gepredigt Buße und Vergebung der Sünden allen Völfern, indem kein Ort in der Welt ist, wo dein Jesusname nicht bekannt ist oder angebetet wird. Es ist aber auch ein Geheimniß der Gottseligkeit, das uns soll fromm, demüthig, gehorsam machen, von der Sünde abziehen und herzliche Liebe gegen Gott in uns erwecken soll. Hier findet mein Glaube Freude und Trost. Gott, du Sohn des ewigen Vaters, bist geoffenbart im Fleisch. Weil Gott ein Geist ist, so hast du dich, o Gott, geoffenbart, eingekleidet im Fleisch, und einen menschlichen Leib angenommen. Nun sehe ich Gott und Mensch in Einer Person, ich bete dich an und suche in dir Leben und Seligkeit. Du wirst ein Menschenkind, daß ich ein Kind Gottes würde. Laß mich in solchem Stand in gesunden Tagen bleiben, im Leiden trösten und im Sterben deiner Herrlichkeit theilhaftig werden. Gott ist im Fleische! Wer kann dies Geheimniß verstehen? Hier ist die Pforte des Lebens nun offen zu sehen! Tretet herzu, Sucht bei dem Sohne die Ruh', Die thr zum Vater wollt gehen. Amen. 18. Dezember. Morgen. Bach. 2, 10. Freue dich und sei fröhlich, du Tochter Zion; denn siehe, ich komme und will bei dir wohnen. Herr Jesu, darum freue ich mich in dieser Morgenstunde innerlich über deine Liebe, daß du mein Elend angesehen, und um mich zu begnadigen, zu er= lösen und selig zu machen, dich in die menschliche Natur eingekleidet hast: ich bin auch fröhlich äußerlich, und stimme dir zu Ehren Lob- und Danklieder an. Laß mich eine rechte Tochter Zion, eine neugeborne Seele sein, welche den Sündenrock außgezogen, sich den ligen Geist regieren läßt. Komm zu mir, mein Licht, und erleuchte mich zum ewigen Leben, daß ich deine Herrlichkeit, dadurch ich versöhnt, begnadigt und selig bin gemacht worden, mit dankbarer Seele betrachten möge. Komm zu mir, und reinige mein Herz von allen noch anklebenden Befleckungen. Komm zu mir und vergib mir alle meine Sünden, und schenke mir Kraft, dir im neuen Wesen des Geistes beständig zut dienen. Komm auch heute zu mir, und segne mich; laß, was ich in deinem Namen anfange, glücklich von Statten gehen. Komm zu mir im Leiden, und erfreue mich mit deiner Hilfe. Damit ich aber deiner im Leben und Sterben mich getrösten könne, so wohne bei mir. Komm nicht zu mir wie ein Gast und Fremder, der ein Nachtlager bei mir nimmt und nachher wegzieht, sondern komm zu mir als Freund, als Bräutigam, der sich mit mir verlobt und bei mir bleibt. Wohne bei mir, und schüße mich gegen alle Anläufe des Bösewichts. Wohne in mir, und erhalte mich im Guten bis an mein Ende. Ach, mache du mich Armen In dieser Gnadenzeit Aus Güte und Erbarmen, Herr Jesu, selbst bereit! Zeuch in mein Herz hinein Und wohn' auf immer drinnen, So werden Herz und Sinnen Dir ewig dankbar sein. Amen. Start's Morgen- und Abend- Andachten. 45 705 706 18. Dezember. Abend. Dazu ist erschienen der Sohn Gottes, daß er die Werke des Teufels zerstöre. 1 Joh. 3, 8. Herr Jesu, du bist gewesen, ehe die Welt war; aber in der Fülle der Zeit bist du erschienen im Fleisch; da sahen dich erst die Sterblichen. Die Glaubigen kannten dich alsbald; sie sahen deine Herrlichfeit als eine Herrlichkeit des eingeborenen Sohnes. Auch ich erkenne dich für den Sohn des lebendigen Gottes, aber auch für einen wahren Menschen, der mir zu gut erschienen, um mich aus den Banden des Satans frei zu machen. Das sollte dein Werk sein auf Erden, die verdammten Menschen mit deinem Blute zu erkaufen, die göttliche Gerechtigkeit durch Leiden und Sterben zu erfüllen, sie zu versöhnen, und also des Teufels Werke zu zerstören. Satán brachte in Sünden die ersten Eltern, du nähmst die Sünden der ganzen Welt auf dich. Satan stürzte uns in den Tod; du haft uns das Leben geschenkt. Satan erregte Gottes Zorn wider uns, aber du hast uns ausgeföhnt. Satan wollte uns alle in sein höllisches Reich ziehen; aber du hast uns den Himmel aufgeschlossen. Nun uns der Sohn hat frei gemacht, so sind wir recht frei. Ber= störe des Satans Werke auch in mir, nemlich alle fleischlichen Lüste, daß sie nicht mehr über mich herrschen; den Zorn, daß ich fanftmüthig, den Stolz, daß ich demüthig, den Neid, daß ich liebreich werde. Bilde du dich in mir, daß ich deinem Bilde immer ähnlicher werde. Brich meinen Eigenwillen, treibe alle Eitelkeit aus meinem Herzen und bleibe du König in mir, der mich immer mehr reinige und heilige, und so finde mich in der Stunde des Todes. Tritt den Satan, starker Jesu, Unter unsern schwachen Fuß. Komm zu mir auch eingegangen Mit dem holden Friedensgruß, Daß ich Himmelsfreude spüre, Und kein Leid mich mehr berühre. Amen. 19. Dezember. Morgen. 1 Mos. 28, 12. Siehe, eine Leiter stand auf Erden, die rührte mit der Spiße an den Himmel; und siehe, die Engel Gottes stiegen daran auf und nieder. Herr Jesu, du bist meine Himmelsleiter, du bist der Weg, die Wahrheit und das Leben, ohne dich kommt niemand zum Vater. Du, mein Immanuel, bist vom Himmel zu uns armen Menschen gekommen. Du bist der allerheiligste, der Sohn des Allerhöchsten; deines Gleichen ist nie von Weibern geboren worden, du bist der Sohn des himmlischen Vaters. Deinen Ausgang, der von Anfang und in Ewigkeit gewesen ist, kann keine Vernunft begreifen. Wie die Kinder Fleisch und Blut haben, so bist du es, doch ohne Sünde. Du bist, nachdem du das Werk der Erlösung vollbracht, die Menschen erlöset, gesegnet, und ihnen die Seligkeit erworben hattest, wieder zum Vater aufgefahren, wie du selbst sprichst: Ich bin vom Vater ausgegangen und gekommen in die Welt; wiederum verlasse ich die Welt und gehe zum Vater. Deine sichtbare Gegenwart ist uns entzogen, ob du gleich unsichtbarer Weise doch bei uns bist. Du haft Himmel und Erde mit einander vereinigt, daß von der Erde ein gerader Weg gen Himmel ist. Du hast mich mit Gott versöhnt, den Himmel geöffnet; ich bin begnadigt, ein Kind Gottes, und kann mich des Himmlischen Vaters Huld und Gegenwart getrösten. Die Engel stiegen auf und nieder auf dieser Leiter, um sich mit den Menschen zu freuen. Die Engel waren die ersten Boten, welche den Hirten von deiner Geburt die erfreuliche Nachricht brachten: Siehe, ich verkündige euch große Freude, heißt es. Herr Jesu, durch dich laß mich auch zur Herrlichkeit eingehen. Du läßt durch deine Himmelfahrt Den Himmel offen sehen; . Du hast den Weg geoffenbart. Wie wir zum Vater gehen. Der Glaube weiß und ist gewiß, Du habest uns im Paradies Die Stätte zubereitet. Amen. 707 45* 19. Dezember. Abend. Joh. 1, 9. Das ist das wahrhaftige Licht, welches alle Mens schen erleuchtet, die in diese Welt kommen. 708 Herr Jesu, du hast dich deinem Volke oft in einem Lichte vorgebildet. In der Wolken- und Feuersäule, im Brustschild Aarons war ein heller Glanz; das waren Vorbilder, aber noch nicht das wahrhafte Licht, das ist erst erschienen, da du bist Mensch geboren. Durch deine heilige Lehre hast du die Finsterniz der Unwissenheit vertrieben; nun weiß ich, wie ich soll Gott gefallen; du hast mir kund gethan mein Verder= ben, wie ich bin arm, blind und bloß, entfernt von dem Leben, das aus Gott ist; aber auch gezeigt, wie ich zum ewigen Licht und Leben gelangen soll. Darum erleuchte mein Herz, daß ich nach dir verlange; meinen Willen, daß ich dir folge. Laß mich aus der Finsterniß zum Licht, aus dem Tode in das Leben durch dich gelangen. Allen Menschen ist dieses Licht aufgegangen, diese Gnade erworben, also steht ihr ewiges Wohl auf deiner Seite fest; aber sie müssen auch Buße thun und sich erleuchten lassen, daß sie ihre vorigen Sünden erkennen, hassen und lassen, in deinem Blute Vergebung suchen, ihr Herz dir und deinem Geiste zur Wohnung und Regierung übergeben und heiz ligen lassen; darum bist du, o wahrhaftes Licht, in die Welt gekommen, ein solches Heil anzurichten, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist. Kommt, laßt uns im Licht des Herrn wandeln! Herr Jeju, sei mein Licht in Traurigkeit und Krankheit, mein Le benslicht im Sterben; wenn meine Augen brechen, so führe mich durch's finstere Todesthal zum ewigen Leben. Jesus ist die Sonne In der Lichtwelt innen, Er erleuchtet Herz und Sinnen, Er, die ew'ge Quelle Strömt uns Licht und Leben Sich der Creatur zu geben. Herz, such' Ruh, Komm herzu. Hier will Gott dich tränken, Und sich selbst dir schenken. Amen. 20. Dezember. Norgen. 4 Mof. 17, 8. Des Morgens, da Moses in die Hütten des Zeugnisses ging, fand er den Stecken Aarons, des Hauses Levi, grünen, und die Blüte aufgegangen und Mandeln tragen. 709 Herr Jesu, welch' ein großes Wunder ging an dem Stecken Aarons vor! Der war dürre und keine Kraft und kein Saft mehr war darin; aber in einer einzigen Nacht sah man ihn mit Blättern, Blüten und Mandeln geziert. Herr Jesu, siehe, wie ich so dürr und untüchtig zu allem Guten bin, wie der Stecken Aarons; gib mir Kraft, daß ich durch dich erneuert und geheiligt werde. Laß das Gute in mir grünen, daß dieses meine Freude sei, zu thun deinen heiligen Willen. Bewahre mich, mein Heiland, daß ich mir nicht mit den grünen Blättern des guten Willens genügen lasse, sondern daß das Gute in mir auch in Heiligung des Herzens hervorblühen möge, darauf dann die Frucht deines heiligen Wandels, des Glaubens, der Liebe, Demuth, Sanftmuth, Keuschheit und Frömmigkeit folge. Laß auch durch meine Lebensbesserung jedermann überzeugt werden, daß du in mir lebest, redest und wohnest. Aarons Stecken blieb nicht in seiner Hand, sondern blieb sammt dem Namen des Hauses Levi im Heiligthum. Meinen Namen hast du in deine Hand gezeichnet; du bist nach vollbrachter Erlösung unsichtbar auf Erden geblieben; du bist zur Rechten deines Vaters erhöhet worden, und hast meinen Namen mit dahin genommen, daß du meiner gedenkest, für mich sorgest, mich beschüßest und ewig selig machest. Laß auch deinen Namen und Gedächtniß unverrückt in meinem Herzen bleiben. Jesu, mache mich mit dir Inniglich verbunden; Denn da wird gewiß an mir Auch die Frucht gefunden. Mach' mich rein, Daß ich fein Viele Früchte trage, Bis zu deinem Tage. Amen. 20. Dezember. Abend. Tit. 2, 13. Wir warten auf die selige Hoffnung und Erschei nung der Herrlichkeit des großen Gottes und unsers Heilandes Jesu Christi. 710 Herr Jesu, ich will mich deiner Ankunft zum Gericht erinnern, welche mich mit süßer Freude ergögt; denn alsdann wird meine selige Hoffnung erfüllt werden, nemlich, daß du mich werdest in mein Erbe einsetzen, mich zu dir nehmen, auf daß ich sei, wo du bist und mir die beigelegte Krone geben. Da wird auch mein Leib des Glanzes, der Herrlichkeit, der Unsterb lichkeit und Unverweslichkeit theilhaftig werden. Der Grund meiner Hoffnung ist, weil du kommen wirst in Herrlichkeit, in den Wolken, und alle heiligen Engel mit dir, weil du bist der wahrhaftige Gott, weil du bist mein Heiland, bist Christus der Mittler, der darum ist in die Welt gesandt worden, daß du solltest die Erlösten des Herrn gen Zion in das himmlische Jerusalem bringen, da Freude und Wonne über unserem Haupte sein wird. Dein fester unbeweglicher Grund, der sich in des großen Gottes Macht und meines Heilandes Liebe gründet! Darauf warte ich mit allen Glaubigen im Glauben, und zweifle nicht, es werde zu seiner Zeit erfüllt werden; ich warte mit Freuden, wie sich eine Braut auf ihren Hochzeitstag freut; mit Geduld, obgleich indessen mancher Sturmwind der Trübsal über mich hin fährt; mit Zuversicht, was du mir zugesagt, werdest du gewiß halten. Nun, mit diesen süßen Gedanken schlafe ich ein; laß meine Hoffnung im Sterben mich erblicken, und nach dem Eintritt in die Ewigkeit erquicken, so bin ich im Leiden, im Leben und im Sterben selig. Dich erwarten all' die Deinen, Gott und Heiland, Jesu Christ, Bis du herrlich wirst erscheinen, Der du ihre Hoffnung bist. Dein, Herr Jesu, dein bin ich; Denn du gabst dich auch für mich. Amen. 21. Dezember. Norgen. Joh. 20, 27. Reiche deine Finger her, und siehe meine Hände, und reiche deine Hand her, und lege fie in meine Seite. Herr Jesu, sei auch so freundlich gegen mich, wie gegen den Apostel Thomas, wenn mein Glaube schwach will werden. Hast du des Thomas Verlangen erfüllt, warest du willig, deine Wunden dem Thomas nach Verlangen zu zeigen, so sollen dieselben auch mir zu allen Zeiten zur Erquickung dienen. Ich will daran gedenken in gesunden Tagen, und vor der Sünde fliehen, wie vor einer Schlange. Ich will an deine Wunden gedenken in der Angst. Wenn mir der Satan die Seligkeit abspricht, so will ich im Glauben sprechen: diese Wunden sind auch für mich geschlagen. Reiche mir auch deine Wunden dar in der Stunde meines Todes, daß ich darein fliehe und Gnade erlange. Du hast deine Wunden und Nägelmale behalten, um dadurch die Wahrheit deiner Person den Glaubigen zu versichern, und daß am jüngsten Tage deine Feinde mögen sehen, in welchen sie gestochen haben; ja, daß sie auch ein beständiges Andenken vor Gottes Augen seien der herrlichen Erlösung, die du uns erworben. Erschienest du dem Thomas bald, schon am achten Tage in seinem Zweifel: so verziehe auch nicht, wenn ich mit Trübsal umgeben bin, wenn ich allerlei innerliches und äußerliches Elend an meinem Leibe oder Gemüthe trage. Indessen laß meinen Glauben nicht aufhören, stärke und er= halte mich in deiner Gnade, und erfreue mich, wie du den Thomas erfreuet hast. In meinen legten Stunden Ström du mir Kraft und Nuh', Mir Heil aus deinen Wunden Und deinen Frieden zu. 711 Du bist's allein, auf den ich trau; Du wollest mich annehmen, Daß ich dich ewig schau! Amen. 712 21. Dezember. Abend. Joh. 20, 28. Mein Herr und mein Gott! Herr Jesu, du bist mein Herr, der von Ewigkeit ist gewesen; ich bin dein Eigenthum, du hast mich erkauft; Bewahre mich, daß ich mich nicht wieder zum Sündenknecht verkaufe. Nicht allein bist du mein Herr, sondern ich bete dich auch an als meinen Gott. Du bist der König der Tochter Zion, der Mittler zwischen Gott und Menschen, der Gerechte und der Helfer. Auf dich setze ich all mein Vertrauen; in dir suche ich Vergebung meiner Sünden. Alles ist mein, was du erworben hast. Laß mich täglich in deiner Erkenntniß, in deiner Liebe, in der Frömmigkeit zunehmen. Lebe auch in mir, regiere mich, heilige mich in deinem Namen; um deines Blutes und Todes willen soll ich das ewige Leben ererben, dağ ich nach dem Ausgang aus dieser Zeit der Himmels= freude soll theilhaftig werden. So laß mich fleißig und eifrig in meinem Gottesdienst und Christenthum sein, daß ich mich nicht selbst versäume, und hier in diesem und dort in jenem Leben von dem Leben aus dir und in dir entfernt bleibe. Kommt meine Todesstunde, so will ich sprechen: mein Herr! mein König! nimm deinen Knecht zur Freude auf, und laß mir Gnade widerfahren. Und da ich nun heute den fürzesten Tag im Jahr erlebt, so erinnere ich mich an mein kurzes Leben, daß ich mich auf die Ewigkeit bereite; an die kurze Freude, daß ich nicht daran hangen bleibe. Tröste du mich auch, daß mein Kreuz kurz und mein Ausgang aus der Welt selig sei. Du, Jesu, bist mein Herr, mein Gott, Dich hat mein Herz gefunden, Und auf dein seliges Gebot Freu ich mich deiner Wunden. Du hast's erlaubt, Ich hab's geglaubt; Der sich an's Kreuz gegeben, Der lebt und ist mein Leben. Amen. 22. Dezember. Morgen. 713 Jef. 49, 6. Es ist ein Geringes, daß du mein Knecht seieft, die Stamme Jakob aufzurichten und das Verwahrloste in Israel wiederzubringen; sondern ich habe dich auch zum Licht der Heiden gemacht, daß du seiest mein Heil bis an der Welt Ende. Herr Jesu, du wirst mir vorgestellt als ein Knecht. Ja wohl, du wirst ein Knecht und ich ein Herr; o Liebe, o Erbarmen! Du bist der von Gott gesandte Knecht, der alles Gefallene sollte aufrichten und das Verwahrloste wiederbringen. Ja, wir alle waren gefallen in die Sünde aus der Gnade, in den Tod aus dem Leben, aber du hast durch deinen Gehorsam unsern Ungehorsam gut gemacht, für den Tod das Leben, für das verwahrloste Ebenbild Gottes Weisheit, Heiligkeit, Gerechtigkeit wiedergebracht, und schenkest fie deinen Glaubigen. Du bist ein treuer Knecht gewesen, der den Willen seines himmlischen Vaters gern gethan. Ach, daß ich dir so treu gewesen wäre, als du mir! Es war aber ein Geringes, daß du diese Gnade den Stämmen Israel anbotest, du bist auch das Licht der Heiden. Du bist auch mein Licht, erleuchte mich zum ewigen Leben. Laß mich in deinem Lichte sehen den Greuel der Sünde, daß ich sie fliehe; hingegen erkenne die Gnade, die Herrlichkeit, Süßigkeit und den Trost, den ich zu erwarten habe. Du bist auch aller Menschen Heil, bis an der Welt Ende. Laß noch allen unbelehrten Völkern dein Licht aufgehen. Laß deine Christenheit dadurch immer mehr gereinigt werden, daß ich auch dadurch erleuchtet werde, und darin beharre und ewig selig werde. OKönig aller Ehren, Herr Jesu, Davids Sohn, Dein Reich soll ewig währen, Im Himmel ist dein Thron. Hilf, daß allhier auf Erden Den Menschen weit und breit Dein Reich bekannt mög' werden Bur ew'gen Seligkeit. Amen. 22. Dezember. Abend. 1 Joh. 5, 20. Dieser ist der wahrhaftige Gott und bas ewige Leben. Herr Jesu, mein Geist erquicket sich in dir, daß bu bist der wahrhaftige Gott. Habe Dank für die herrliche Offenbarung. Nun weiß ich, daß du bist der Sohn des hochgelobten Gottes, ja selbst der wahrhaftige Gott, und zugleich wahrer Mensch in Einer Person. Liebe brachte dich auf die Welt, Liebe brachte dich an's Kreuz. Nun bin ich recht erlöst, recht versöhnt, da mich der wahrhafte Gott erlöst und versöhnt hat. Ja, Gott mußte es sein, der uns in das himmlische Wesen versetzte; ein Mensch mußte es sein, der meine Schmerzen auf sich nehmen wollte! Beides ist nun geschehen. Nicht allein aber bist du der wahrhaftige Gott, sondern auch das ewige Leben, das du von Ewigkeit hast, und in Ewigkeit behalten wirst. Du bist auch das Leben, weil du allen Glaubigen das wahre geistige Leben gibst. Von Natur habe ich zwar das natürliche Leben, wie alle Adamskinder, aber das wahre Leben muß ich durch dich erlangen. So komme denn, Jesu, mein Leben, und lebe in mir, auf daß ich ewig leben möge. Zwar bleibt auch den Verdammten die Unsterblichkeit, daß ihr Wurm nicht stirbt, aber die Verdammniß wird in deinem Wort kein Leben, sondern ein Tod genennet, in dem ewige Pein und Qual der Sünden Lohn ist; aber die Gerechten werden bei dir ewiglich in Freude und Herrlichkeit leben. Dieses ist mein Trost, daß ich einen Jesum habe, durch den ich hier in der Gnade Gottes leben, im Frieden sterben, aber auch nach dem Tode in der Himmelsfreude ewig leben und seiner Herrlichkeit genießen kann. 714 Jesus Christus, Gottes Sohn, Von dem Vater selbst gezeuget! Ist ein Lied im Himmelston, Das die Erde übersteiget; Nur der Glaube, der ihn fann, Stimmt ihn schwach, doch mächtig an. Amen. 23. Dezember. Norgen. Jef. 9, 6. Uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben, welches Herrschaft ist auf seiner Schulter. Und er heißet wunderbar, Rath, Kraft, Held, ewig Vater, Friedefürst. Herr Jesu, ich sage mit Jauchzen meines Geistes: uns ist ein Kind geboren! Dieses weissagte der Prophet Jesaias schon viele hundert Jahre zuvor. Du wirst ein Kind genannt nach deiner menschlichen Natur; nicht nur aber dies, sondern ein Sohn ist uns ge= geben. Dieses Kind ist der Sohn des himmlischen Vater, uns gegeben zum Erlöser und zur Herrschaft geboren. Ja, du herrschest über Himmel und Erde. Du herrschest über deine Kirche in der ganzen Welt. Wie jauchzet mein Geist, daß du bei mir bist! Wie herrlich sind deine Namen! denn du heißest wunderbar; deine Geburt, Person, Wunder, Allmacht, Liebe und Güte in deiner Erniedrigung kann man nicht genug aussprechen. Du wirst genannt Rath, weil du uns den Rath von unserer Seligkeit geoffenbart. Kraft wird dir beigelegt, welche du erwiesen in der Bekehrung der Menschen, in Austreibung der bösen Geister, Heilung der Kranken und Elenden; ja, in deiner Lehre warst du kräftig, daß niemand so kräftig und überzeugend gesprochen, so holdselige Worte vorgebracht, als du. Ein Held warst du in deinem Sieg über den Teufel, welchem du den Kopf zertreten. Ein ewiger Vater bist du, da dir durch dein Wort und durch die Sacramente noch täglich Menschen neu geboren werden. Friedefürst heißest du mit Recht, weil du uns den Frieden erworben und geschenkt hast. Alle diese herrlichen Namen erquicken und trösten mich im Leben und Sterben. Darum freue dich, mein Herz, in ihm, Nimm an, was dir dein Gott gegeben; Erhebe jauchzend deine Stimm', 715 Und preis' ihn stets mit deinem Leben. Gott gibt sich dir, gib du dich wiederum Ihm ewig hin zum vollen Eigenthum. Amen. 23. Dezember. Abend. Luc. 1, 46. 47. Meine Seele erhebet den Herrn, und mein Geist freuet fich Gottes, meines Heilandes. 716 Herr Jesu, meine Seele erhebt den Herrn, mein Geist ist voll Jauchzens und Rühmens wegen der Liebe des himmlischen Vaters, welcher seines einzigen Sohnes nicht hat verschonet, sondern ihn für uns alle dahingegeben. Nach deiner Erbarmung streckest du die Hände den ganzen Tag nach einem widerspenstigen Volfe aus, klopfest an der Thüre derer, welche ihr Herz zuschließen, gehest dem Sünder nach, suchst, fragst: was habe ich dir gethan, mein Volk? sage es mir: eben als ob du des unartigen Volks und widersprechenden Sünders Gunst suchen wolltest. Alles dieses überzeugt mich von deiner, um mein Heil bekümmerten Liebe. Ach, mache doch, mein Jesu, mein Herz willig, alle Gnadengaben hoch zu schätzen, dem zu leben, zu gehorchen und das Heil anzunehmen, welches mir in deinem Blute angeboten wird. Laß mich die Größe und Breite der Liebe recht erwägen, daß sie nimmermehr aus meinem Herzen komme, alle Sündenliebe darin tödte. Mein Geist freue sich seines Gottes und Heilandes. Du, der Allerhöchste, wirst der Niedrigste, und setzest mich Niedrigen durch dich hoch. Es freue sich die Welt über Essen und Trinken, und prächtige Kleider: ich will mich freuen und alle meine Sinne, Augen, Ohren und Gedanken sollen sich an deiner Krippe belustigen. Laß diese Seelenfreude weder durch Menschen, noch durch mein eigenes Herz gestört werden, sondern erhalte sie durch deinen heiligen Geist. Auf, mein Geist, nun darfst du dich Gottes, deines Heilands freuen. Gottes Zorn erschreckte mich, Den uns die Gebote dräuen. Nun ist Wonne, statt der Bein, Gottes Sohn will Heiland sein. Amen. 24. Dezember. Morgen. 1. Mos. 3, 15. Ich will Feindschaft segen zwischen deinem Samen und ihrem( des Weibes) Samen; derselbe soll dir den Kopf zertreten, und du wirst ihn in die Ferse stechen. 717 Herr Jesu, du bist der Weibessame, der du nicht von einem Manne nach deiner Menschheit, sondern allein aus einer Inngfrau, auf unbegreifliche Weise geboren bist. O der ewigen Liebe, welche sich über mich erbarmt, und mir das verlorene Heil wiederge= bracht hat! Verleihe mir Gnade, daß ich mich in lebendigem Glauben an dich halte, und durch dich rein, gerecht und selig werde. Hatte Satan die Menschen mit List verführt, so solltest du diesen Feind des menschlichen Geschlechts dafür richten, auf eine gerechte Weise. Du hast dem Satan alle seine Macht ge= nommen, er ist ein überwundener Feind; welches ge= schehen ist in deinem Leiden und in deiner Auferstehung. Zwar stach er dich in die Ferse; da er die Pharisäer anreizte, dich zu tödten und ans Kreuz zu nageln, da meinte er: nun ist der Held erlegt und der Ueberwinder überwunden; aber deine Auferstehung bewies, daß er dir nur in die Ferse, nicht in das Herz einen Stich gegeben. Ist dir Satan wegen dieser Erlösung, geschenkten Gnade und Schuzzes feind, so muß es auch eine ewige Feindschaft bleiben zwischen diesem unversöhnlichen Feind und deinem Samen, bas ist fest und unumstößlich beschlossen. Herr Jesu, ich will niemals des Satans und der Welt Freundschaft suchen; sei du mein Freund und König, mein Bruder, mein Seligmacher, so ist mir ewig wohl. Adam hat im Paradies Seinen Bund mit Gott gebrochen; Gott, der ihn doch nicht verstieß, Hat Erlösung uns versprochen; Und nun kommt in seinem Namen Der verheiß'ne Weibessamen. Amen. 718 Luc. 2. 12. 24. Dezember. Abend. Jhr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen. Herr Jesu, du konntest nicht früher und nicht später geboren werden, bis die Zeit, welche von Ewigkeit bestimmt war, erschienen. Dieses ist mein Trost, daß du alle deine Gnadenverheißungen auch an mir erfüllen wirst. Du machst mich los von Satans Joch: laß mich als dein Eigenthum dir leben und dienen, daß ich zeitlich und ewig frei sein möge. In deiner Geburt betrachten wir der Vernunft unbegreifliche Wunder. Du wirst als ein kleines Kind geboren, der du von Ewigkeit gewesen und der ewige Vater bist. Du bist das Leben, und gibst uns allen das Leben, nimmst aber das Leben in einer Jungfrau an. Gott und Mensch findet sich in einer Person. Dieses alles ist für mich, mir zum Besten geschehen. Gott zu schauen in der Gestalt eines armen Kindes, war der Vernunft unglaublich, darum auch die Engel deine Geburt nicht den Hohenpriestern, sondern den Hirten verkündigten, welche die Verkündigung als Unmündige annahmen. Weil Maria arm war, mußtest du im Stall geboren und in eine Krippe gelegt werden. Knechtsgestalt nahmst du, Herr Himmels und der Erden, um meinetwillen an, daß du mich zur Herrlichkeit der Kinder Gottes brächtest. Ich gebe dir Raum in meinem Herzen; laß dasselbe deine Krippe und Wohnung sein. Ich räume dir zu Ehren, in deiner Kraft alle Sünden aus: laß mich die heiligen Festtage mit Andacht, Gebet, Lobgefang, Stille des Herzens und Gemüths hinbringen. Ermuntre dich, mein schwacher Geist, Und trage groß Verlangen, Ein Kind, das ewig Vater heißt, Mit Freuden zu empfangen. Dies ist die Nacht, darin es kam, Und menschlich Wesen an sich nahm, Damit durch seine Treue Der Mensch sich ewig freue. Amen. 25. Dezember. Morgen. Luc. 2, 10. 11. Der Engel sprach zu den Hirten: Fürchtet euch nicht, siehe, ich verfündige euch große Freude, die allem Bolt widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids. Herr Jesu, die Engel freuen sich deiner Geburt in den Lüften: warum sollte ich mich nicht herzlich freuen? Jesus ist geboren, der Erlöser, der Mittler, der Seligmacher ist da! so erklinget es jetzt in allen Gotteshäusern, in allen Herzen der Glaubigen. Darum fürchte ich mich nicht wegen meiner Sünden, der Sündentilger ist erschienen; nicht vor dem Zorn Gottes, der Versöhner stehet da: nicht vor dem Tode, mein Leben ist da, Jesus macht mich selig. Der Engel verkündigt diese Freude als eine große und allgemeine Freude, die allem Volk widerfahren ist. Welch' ein süßer Trost ist das: Jesus ist geboren allen Menschen zum Heil! Fragt man mich, warum ich heute so fröhlich bin? Der Engel spricht: Euch ist heute der Heiland geboren; der Erlöser, der Friedefürst ist da, der mir das Heil erworben hat; es ist Christus der Herr, der Jehovah, der verheißene Held, der Alten Verlangen. Er ist geboren in der Stadt Davids, zu Bethlehem, an dem Ort, wo Micha es hat lange zuvor verkündigt. Freuen sich nun die Engel, so ist dieser Tag auch mein Freudetag, der sich über die ganze Welt erstreckt. Hier kniee ich im Glauben vor deiner Krippe, blicke mich in Gnaden an, und sprich zu meiner Seele: Ich bin deine Hilfe. Halleluja! denn uns ist heut Ein göttlich Kind geboren; Von ihm kommt unsre Seligkeit, Wir wären sonst verloren 719 Am Himmel hätten wir nicht Theil, Wenn nicht zu unser aller Heil Dies Kind geboren wäre. Liebster Heiland, Jesu Christ, Der du unser Bruder bist, Dir sei Lob, Preis und Ehre! Amen. 25. Dezember. Abend. Luc. 2, 20. Ehre sei Gott in der Höhe, und Frieden auf Er den, und den Menschen ein Wohlgefallen! 720 Herr Jesu, ich habe diesen Tag mit deinem Lobe angefangen, ich will ihn nun auch mit Danken beschließen. Ehre sei Gott in der Höhe! Ehre sei Gott, dem Vater, der in der Höhe wohnet. Ihm gebührt die Ehre der Erbarmung, der seines einzigen Sohnes nicht hat verschonet; die Ehre der Weisheit, der ein Mittel der Erlösung gefunden, daran kein Engel, noch Mensch hätte denken können; die Ehre der Wahrheit, der seine Verheißung erfüllet hat. Ehre sei dir, Herr Jesu, daß du dich in unser armes Fleisch und Blut eingekleidet haft. Ehre sei Gott, dem heiligen Geist, welcher mir diese Freude heute auf's neue in meinem Herzen lebendig macht. Nun ist Friede auf Erden und im Himmel. Jesus ist unser Friede, in ihm habe ich Vergebung der Sünden, die Kindschaft bei Gott, das Erbe des ewigen Lebens. Er hat durch sein Opfer Friede gemacht. Nun kann ich im Frieden fahren, wenn ich sterbe; denn ich bin durch Christum gerecht worden und habe Frieden mit Gott. Laß mich diesen Frieden bewahren, daß ich ihn nicht verliere, und der Friede bewahre mein Herz und meine Sinne. Ich habe im Sterben Friede, und in der Ewigkeit Friede und Freude ohne Aufhören. Nun hat der Vater ein Wohlgefallen an den Menschen, seinen geliebten Kindern, die in seines Sohnes Gerechtigkeit mit goldenen Stücken gekleidet sind; und die Glaubigen, bie guten Willens, voll Glaube und Liebe zu Gott sind, vereinigen sich mit ihm. Nun, in diesen Engelsgesang stimme ich ein und singe: Ehre sei Gott in der Höhe: der Herr ist geboren! Laßt uns ihm fingen, o Christen, auch wir sind erkoren. Sein uns zu freu'n, Und durch ihn selig zu sein: Christen, wir sind nicht verloren. Amen. 26. Dezember. Norgen. Ap.- Gesch. 7, 56. Siehe! ich sehe den Himmel offen, und des Menschen Sohn zur Rechten Gottes stehen. Herr Jesu, du willst deine Jünger lehren und bereiten, sich auf Leiden gefaßt zu machen. Die gottselig leben wollen, müssen Verfolgung leiden. Wer dir nachfolgt, wird von der Welt gehäßt und verlacht. Das will ia mir auch in mein Herz schreiben; aber um der Welt Haß und Verachtung willen will ich doch nicht von dir fliehen, noch meine erste Liebe verlassen. Wie erquickt meine Seele die herrliche Erscheinung, welche Stephanus erblickte, da er vor dem Rath stand. Siehe! ich sehe den Himmel offen, sprach Stephanus. Das war ein Trost und Gnaden= blick. Soll ich etwas in der Welt nach deinem Rath leiden, so laß deinen Geist mich stärken und erhalten. Ich darf von dir keine außerordentliche Erscheinung bitten, aber innerliche Erquickungen, als wenn ich den Himmel offen sähe, hast du mir verheißen. Stephanus sah dich stehen zur Rechten Gottes, wie du von deinem Thron aufgestanden warst, um einem armen Verfolgten beizuspringen. Du standest zur Rechten des Vaters, als der König und Beherrscher deiner Kirche. Das gibt mir den kräftigen Trost, du seiest mein allmächtiger Heiland, der mir in allem Leiden beistehen und helfen wolle; du stehest zur Rechten Gottes, für mich zu beten. Kommt es mit mir zum Sterben, so laß mich den Himmel offen sehen und dich erblicken: so wird mir mein Tod ein süßer Schlaf werden. Vater, welcher mir zum Leben Auch den Sohn der Liebe gab, Und auch mich dem Sohn gegeben, Daß ich in ihm Leben hab': Laß es auch an mir geschehen, Daß mein Glaube hier sich freut, Daß ich dort darf Jesun sehen, Jesum in der Herrlichkeit. Amen. Start's Morgens und Abend- Andachten. 721 46 26. Dezember. Abend. Apoft.- Gesch. 7, 59. Herr Jesu, nimm meinen Geist auf. Herr Jesu, Stephanus kannte dich, darum nannte er dich seinen Herrn. Das bist du auch mir; du bist mein Herr, der mich verlornen und verdammten Menschen erlöset hat mit seinem theuren Blute. Du bist auch mein Jesus, der mich von dem ewigen Verberben befreit hat. Ich sehe dich noch in der Krippe: hier will ich einen Bund mit dir machen, will alle meine Sünden niederlegen, will selig sein durch die Vergebung meiner Sünden, durch Mittheilung beines Geistes, als des Pfandes meines Erbes und meiner Seligkeit, so werde ich deines Jesusnamens genießen in der Ewigkeit. Nimm meinen Geist, als ein theures Pfand in deine Hände, daß er nimmermehr verloren werde. Nimm meinen Geist auf, wenn ihn Satan ängstet, wenn die Sünden mich verdammen, wie Noah seine Hand ausstreckte und seine Taube zu sich nahm. Niemand kann helfen, als du; also habe ich dich als meinen Helfer erkannt von Jugend auf bis diese Stunde. Ich bin auch getrost in allen Fällen und Begebenheiten; wenn ich dich habe, so habe ich wohl, was mich ewig erfreuen, trösten und erquicken soll. Kommt es zum Sterben, so soll auch bies mein letztes Gebet mit Stephanus sein: Herr Jesu, nimm meinen Geist auf. Dir will ich ihn in gesunden Tagen in deine Hände empfehlen, daß er in bösen und in den letzten Tagen da eingeschlossen und bewahrt bleibe. Stephanus kniete nieder, und ich knie auch im Geist hier vor deiner Krippe nieder, ich bete dich an, und gebe mich dir aus Dankbarkeit ganz zu eigen. 722 Ach, wann ich einst am Ende Von meiner Laufbahn bin, Nimm auch in deine Hände, Herr, meine Seele hin! Amen. . 27. Dezember. Morgen. Joh. 1, 1. Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. Herr Jesu, du bist nicht ein bloßer Mariensohn, du hast nicht erst vorgestern angefangen zu sein, sondern du bist schon im Anfang gewesen. Da Himmel und Erde erschaffen worden, warst du schon; ja, du bist selbst der Schöpfer gewesen. Ich kann in der Ewigkeit mir keinen Augenblick vorbilden, da du nicht schon gewesen bist, und da der Vater ohne dich und den heiligen Geist gewesen; solch eine Tiefe der Gottheit und Ewigkeit ist hier, die ich nicht ergründen kann. Du bist auch das Wort; du bist der Sprecher gewesen, der sprach: Es werde Licht und es ward Licht; denn der Himmel ist durch dich, durch das Wort gemacht, nicht, daß du deinem Vater zum Werkzeug gedient, sondern mit gleicher Kraft. Du bist auch das Wort, dadurch mir der Weg der Seligkeit kund gethan iſt. Denn in den letzten Tagen hat Gott mit den Menschen durch seinen Sohn geredet. Du hast mich in deinem heiligen Worte, das du selbst mit deinem heiligen Munde ausgesprochen und aufschreiben lassen, gelehrt, wie ich soll recht glauben, fromm leben, selig sterben. Nicht allein aber bist du das selbstständige Wort, sondern du bist auch Gott selbst, Gott von Gott. Du warst auch Gott als eine besondere, vom Vater und dem heiligen Geist unterschiedene, und zwar die andere Person in deiner Gottheit. Heiliger Jesu, so erkenne ich dich, so bete ich dich an. Du wesentliches Wort, Von Anfang her gewesen, Du Gott, von Gott gezeugt, Von Ewigkeit erlesen, Zu Heil der ganzen Welt, O mein Herr Jesu Christ, Willkommen, der du mir Sum Heil geboren bist. Amen. 723 46* 27. Dezember. Abend. Joh. 1, 14. Das Wort ward Fleisch, und wohnete unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des ein gebornen Sohnes vom Vater voller Gnade und Wahrheit. 724 Herr Jesu, du ewiger Gott, wurdest Fleisch, aus Maria geboren. Welch hohes Geheimniß! du bliebest, wer du warst, nemlich wahrer Gott, und wurdeft, was du nicht warst, nemlich wahrer Mensch. Laß mich an deine Wunderperson niemals ohne Ehrfurcht gedenken, dir für deine Liebe danken und dir in Heiz ligkeit und Gerechtigkeit dienen mein Lebenlang. Du wohntest unter uns wie ein anderer Mensch viele Jahre auf Erden, daß man dich sehen und hören konnte. So sahen deine Apostel und andere Glaubige deine Herrlichkeit in den göttlichen Lehren, dergleichen nie ein Mensch vorgebracht, in den großen Wundern, welche kein Mensch thun konnte; in deinem heiligen Leben, darin dich deine ärgsten Feinde keiner Sünde zeihen konnten, und welches du uns zum Vorbilde gelassen. Die heiligen Apostel sahen deine Herrlichkeit auf dem heiligen Berge. Aus dem allen erkannte man, daß du nicht ein bloßer Mensch seiest, sondern der eingeborne Sohn des himmlischen Vaters, voller Gnade und Freundlichkeit gegen Hohe und Niedrige, Reiche und Arme, Kranke und Gesunde; ja, du bist auch voller Wahrheit, bei der man keinen falschen Schein und verstelltes Wesen, sondern Wahrheit und Aufrichtigkeit findet, um das zu vollbringen, was von dir war geweifsagt worden. Laß mich deiner Gnade ge= nießen und wahrhaftig in Worten und Werken sein. Ich bin von deinem Fleisch und Blut, Und in dir ist mein Leben. Du nahmst es an, es mir zu gut Zum Opfer hinzugeben. Mach' mich dir hier zum Ruhm bereit, Und laß mich deine Herrlichkeit Auf deinem Thron einst sehen. Amen. 28. Dezember. Morgen. Matth. 2, 13. Da die Weisen hinweggezogen waren, fiehe, da erschien der Engel des Herrn dem Joseph im Traum und sprach: Stehe auf, nimm das Kindlein und seine Mutter zu dir, und zeuch in Aegyptenland, und bleibe allda, bis ich's dir sage; denn es ist vorhanden, daß Herodes das Kindlein suche, dasselbe umzubringen. 225 Herr Jesu, alles, was mit dir vorgegangen, soll mir zur Erbauung im Christenthum gedeihen. Wie erquickt es mich, da ich weiß, du kennst die Anschläge der Feinde, aber du weißt sie auch zu Schanden zu machen. Bewahre mein Herz vor allen heimlichen Tücken, und laß mich gedenken, daß du alles wissest, auch meine Gedanken von ferne. Herodes stellte sich freundlich gegen die Weisen, dachte aber Böses im Herzen; laß mich vor dieser Satans- und Judasart einen beständigen Abscheu haben. Laß mich nicht meinen Nächsten mit Argwohn belegen, sondern nach der Liebe das Beste von ihm denken. Laß deinen Engel mich begleiten und die Gefahr abwenden. Laß mich aber durch böses Leben niemals die heiligen Engel von mir treiben, sondern ihnen in dem Lobe Gottes und im Gehorsam hier ähnlich werden. Du hättest dich wohl schützen können, aber du hast nach Aegyptenland fliehen wollen, du wolltest als ein wahrer Mensch nichts voraus haben. Ich weiß gewiß, du werdest mich schützen, wenn mich ein Feind anfällt, nimm mich zu dir im Sterben, wenn ich von der Welt abscheiden soll, alsdann nimm mich in deine Arme. Mußten die Kindlein sterben und erwürgt werden, so starben sie im Bunde der Gnade. Soll ich etwas auf Erden dir zu Ehren leiden, so gib mir Kraft dazu; bist du nur bei mir, so bin ich beschützt und bewahrt. Die ihr schwebt in großen Leiden, Sehet hier Ist die Thür Zu den wahren Freuden! Faßt ihn wohl, er wird euch führen An den Ort, Da hinfort Euch kein Kreuz wird rühren. Amen. 28. Dezember. Abend. Matth. 2, 20. Stehe auf, nimm das Kindlein und seine Mut ter, und zeuch in das Land Israel; sie sind gestorben, die dem Kinde nach dem Leben standen. 726 Herr Jesu, mein Leben und mein Leiden hat seine bestimmte Zeit; laß mich bei allem, was ich thue, an das Ende gedenken, und das Leiden, was mir deine Hand auflegt, geduldig tragen; meine Trübsal wird endlich in Freude verkehrt werden. Sie sind gestorben, war die Botschaft, die dem Kindlein nach dem Leben standen; also werden deine Feinde zu Schanden gemacht; du wirsst die Ruthe in's Feuer, womit du deine Kinder stäupest. Laß mich in der Welt also leben, daß mein Nächster nicht Ursache habe, über mich zu seufzen. Als Herodes gestorben, kamst du wieder in das Land Israel. Wenn die Sündenlust aus dem Herzen und die Sündenthat von dem Leben weggeschafft ist, so kommst du in's Herz. Tödte in meinem Herzen alles, was deine heilige Ankunft aufhält. Der Satan stehet mir nach meiner Seele, stehe du mir mit deinem Geiste bei, daß er nimmermehr zu seinem Endzweck gelange. Steht die Welt nach meinem Leben, daß ich es soll nach ihrer Weise einrichten, so erhalte mein Herz bei dem Einigen, daß ich deinen Namen fürchte. Hier bin ich in der Fremde, und nicht in meinem Vaterlande, ich habe hier keine bleibende Stätte; hier habe ich meine Wohnung und Tisch, aber nicht mein Bürgerrecht und Vaterland. Im Sterben sprich auch zu mir: Stehe auf, zeuch in's Land der Freuden, aus dem Staube in die Herrlichkeit! da wird mir wohl sein. Was seid ihr Leiden dieser Zeit, Mir, der ich jener Herrlichkeit Mit Ruh' entgegenschaue? Bald ruft mich Gott und ewiglich Belohnet und erquickt er mich, Weil ich ihm hier vertraue. Bald, bald verschwindet aller Schmerz, Und Himmelsfreuden schmeckt mein Herz. Amen. 29. Dezember. Norgen. Pf. 103, 1-4. Lobe den Herrn, meine Seele, und was in mir ist, seinen heiligen Namen. Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiß nicht, was er dir Gutes gethan hat; der dir alle deine Sünden vergibt, und heilet alle deine Gebrechen; der dein Leben vom Verderben erlöset; der dich krönet mit Gnade und Barmherzigkeit. 727 Gnadenreicher Gott, die Tage, die in diesem Jahre übrig sind, sollen mir Lob- und Danktage sein. Könnte ich dich doch genugsam loben für all deine Treue, Güte und Barmherzigkeit. Auf, meine Seele, Lobe den Herrn, erkenne mit demüthigem Dank seine vielfältigen Wohlthaten. Laß dein Gedächtniß sich erinnern, den Verstand überlegen, was er dir Gutes gethan hat, auf daß alles, was in und an dir ist, mit dem Lobe Gottes sich beschäftige. Danke ihm, daß er dir alle deine Sünden vergeben hat. Ja, mein Gott, nimm mit dem abweichenden Jahre alle meine Sündenschuld und Strafen von mir. Du hast Großes an meiner Seele gethan, da du mich durch dein Wort gelehrt, durch deinen heiligen Geist erleuchtet, zur Buße geführt, mit Jesu Blut von Sünden gereinigt hast; du hast meinem Leibe viel Gutes gethan, mich vor Schaden und Unglück behütet, die Schwachheitsfehler meiner Seele als liebreicher Vater verziehen, und mir auch meine geraden Glieder bewahrt. Du hast mein Leben vom Verderben errettet; ich stehe noch bis auf den heutigen Tag. Andere sind in Noth und Tod gerathen, aber mich haft du gnädig erhalten. Mein künftiges Leben soll dir geheiligt sein. Du hast mich auch gekrönt mit Gnade und Barmherzigkeit. Du hast mein Gebet erhört, mich mit Gnaden gekrönt, meiner verschont, mich errettet, mir beigestanden. Nun lob, mein' Seel', den Herren, Was in mir ist, den Namen ſein, Deß Gnaden stets sich mehren, Vergiß es nicht, o Herze mein! Er hat die Schuld vergeben, Heilt deine Schwachheit groß, Beschirmt dein armes Leben, Nimmt dich in seinen Schoß, Mit Trost dich überschüttet, Verjüngt dem Adler gleich; Schafft Recht und treu behütet, Die leiden für sein Reich. Amen. 29. Dezember. Abend. Kol. 1, 12. Dantsaget dem Vater, der uns tüchtig gemacht hat zum Erbtheil der Heiligen im Licht. 728 Heiliger Gott, wie große Mühe hast du dieses Jahr mit mir gehabt, mich tüchtig zu machen zum Erbtheil der Heiligen im Licht. Du hast mir mein natürliches Verderben oft genug vorgestellt, ich habe es aber nicht erkennen wollen. Du hast mir in Christo Kraft zur Bekehrung angeboten, ich habe aber gemeint, es sei noch Zeit genug; aber dein Geist hat so lange an mir gestraft, mich überzeugt, daß ich nun erkenne, wie ich ohne Bekehrung verloren bin, und daß ich in dem Blute Jesu allein Vergebung der Sünden, Leben und Seligkeit finden könne. Dafür danke ich dir von Grund meiner Seele. Mache mich alle Tage tüchtiger, zu thun deinen Willen. Wie kann ich dir genugsam danken für das herrliche Erbtheil, das mir Jesus durch sein Leiden und Sterben erworben. Ich habe es hier im Glauben, der völlige Eingang aber ist mir nach dem Sterben bestimmt, und zwar zum Erbtheil der Heiligen, nemlich der Glaubigen, welche hier schon durch den heiligen Geist geheiligt sind, und in solcher Heiligung bis an ihr Ende verharren. Mein Gott, Heilige du mich je mehr und mehr; heilige meinen Willen, heilige mein ganzes Leben, so kann ich auch im Sterben zu den Heiligen im Licht gelangen, die da leuchten wie die Sonne in ihres Vaters Reich. Laß mich in Worten und Werken beweisen, daß ich ein Licht in dem Herrn und keine Finsterniß mehr sei, damit ich im Sterben zum ewigen Licht gelangen möge. Im Reich des Sohns der Liebe, In Gottes Hulden steh'n, Und bei des Geistes Triebe Sein lichtes Erbloos seh'n, Das ist ein Himmelsstand, Der ewiglich ergößet. Hierein sind wir versette Durch Gottes Vaterhand. Amen. 30. Dezember. Morgen. B₁. 9, 1. Ich danke dem Herrn von ganzem Herzen, und erzähle alle seine Wunder. 729 Gütiger Gott, das Jahr geht mit dem morgenden Tag zu Ende, darum will ich alle Stunden, die noch übrig sind, zu deinem Lobe anwenden. Ich weiß von nichts als Wundern zu sagen, die du an mir gethan haft. Deine immerwährende Liebe ist ein Wunder vor meinen Augen. Wie oft habe ich dich beleidigt, da ich nichts als Zorn hätte zu erwarten gehabt; aber deine Vaterliebe ist ungeändert geblieben. Dein Ruf an meine Seele ist ein untrügliches Wunder deiner Treue; da ich oft nicht hören mochte, nicht hören konnte vor Zerstreuungen meines Gemüths, so hast du doch durch dein Wort mich gelehrt. So bemühet sich der Schöpfer um sein Geschöpf. Deine Liebe und Treue soll mich zur Buße, zur Bekehrung und zum neuen Leben antreiben, daß ich sie nicht vergebens empfange. Du hast an mir als einem Baum, der Frucht tragen soll, gearbeitet: habe Dank, daß du mich nicht abgehauen, sondern noch dieses Jahr stehen lassen. Aber deiner Wunder ist noch kein Ende; du hast mich versorgt, geſpeist, gekleidet. Du hast mir gegeben, was ich ge= beten, die Wunder, die an mir in der Schöpfung, Erlösung und Heiligung geschehen, sind so wenig als die Sterne am Himmel zu zählen. Darum danke ich dir von Herzen, von Grund meiner Seele, mit meinem Munde, mit fröhlicher Stimme. Herz und Mund sind durch deine Wunder zum Loben und zum Danken erweckt; ich sage: der Herr hat Großes an mir gethan, deß bin ich fröhlich. Auch diesen Tag soll dein Lob immer in meinen Sinnen bleiben, und ich will mich deiner Erbarmung unermüdet erinnern. Von ganzem Herzen dank' ich dir; D Herr, wie groß wirst du an mir! Du, mein Erlöser, sollst allein Mein Jubel, meine Ehre sein. Amen. 30. Dezember. Abend. 1 Theff. 5, 18. Seid dankbar in allen Dingen; denn das ist der Wille Gottes in Christo Jesu an euch. 730 Großer Gott, in allen Dingen, zu allen Zeiten des Jahres bist du mein Beistand gewesen; wie sollte ich dir nicht dankbar sein? Ich danke dir für das Glück, welches du mir bescheret. Da andere in Unglücksstürmen umgekommen sind, so bin ich entronnen. Ich danke dir für Gesundheit und Kräfte, die du mir erhalten und gestärkt. Jch danke dir für den Segen, welchen du mir ertheilest an meiner Seele mit himmlischen Gütern, Vergebung der Sünde, Trost, Friede, und im Leiblichen, da du mir Nahrung und Kleidung bescheret. Ich danke dir für die Züchtigung, die du mich haft empfinden lassen an meinem Gemüth, an meinem Leibe oder an den Meinigen. Laß mich den Endzweck erkennen, warum du mir Kreuz zuschickst, nemlich zu meiner Heiligung. Ich danke dir für deine heiligen Gnadenmittel; laß sie mich stark machen zum Kampf und Sieg wider die Sünde, zur Beständigkeit im Gehorsam, in der Demuth, in der Nachfolge Jesu. Ich danke dir für die Warnungen und Aufmunterungen zum Guten, welche ich oft innerlich empfunden. Habe Dank für den Himmel und die Seligkeit, die du mir in Christo Jesu, meinem Herrn geschenkt häst. Habe Dank, für alles, was ich empfangen, aber nicht er zählen kann. Denn das ist dein Wille, mehr verlangst du nicht für alle Wohlthaten, als ein dankbares Herz und einen lobenden Mund, und dieses in Christo Jesu, der durch seinen Geist mir Kraft dazu geben muß. Laß mich auch mit Loben und Danken dereinst meinen Geist aufgeben. Dann will ich mit Freuden singen, Dir, o Gott, das neue Lied, Und für deine Treu' und Güt' Dir die Lobesopfer bringen. Laß mich diese schnelle Zeit Wechseln mit der Seligkeit. Amen. 31. Dezember. Morgen. Pf. 150, 6. Alles, was Odem hat, lobe den Herrn, Halleluja! Gnädiger Gott, nun habe ich den letzten Tag des Jahres angetreten. Oder unaussprechlichen Barmherzigkeit, welche ich in diesem Jahre von dir empfangen! Alles, was Odem hat, vereinige seine Stimme mit mir, und lobe den Herrn. Lasset uns mit einander seinen Namen erhöhen. Lobet den himmlischen Vater, der mein Leben bis diese Stunde erhalten, und mich in seinen Vaterarmen getragen. Lobet Jesum, meinen Heiland, welcher mich durch sein Blut von Sünden rein gewaschen, mich mit den Gnadenmitteln oft er= quickt und meines Herzens Trost gewesen ist. Lobet den heiligen Geist, der mich gelehrt, geführt und vor schweren Sündenfällen bewahrt hat. Seraphim und Cherubim! Lobet mit mir den Herrn für das Licht der Gnade, dadurch er mich tüchtig macht, daß ich mit einem ewigen Halleluja den dreieinigen Gott vor seinem hohen und erhabenen Thron loben und preisen werde. Lobet den Herrn mit mir, ihr Auserwählten, die ihr zu der Freude eures Herrn schon eingegangen seid, daß er mich, wie euch, zur Seligkeit berufen und durch seine Gnadenmittel dazu führt. Lobet den Herrn mit mir, alle Menschen, der uns Leben, Stärke und Gesundheit aus unverdienter Gnade gegeben. Lobet den Herrn mit mir, alle Glaubigen, daß er uns Macht ge= geben, durch den Glauben Gottes Kinder zu werden. Nimm an, o mein Gott, den geringen Dank, bis ich in der Herrlichkeit das große Halleluja anstimmen werde. Herr, es soll mit allen, Auch mein Lied erschallen; Laß dir solches wohl gefallen. Wer dir unterthänig, Ist dir nicht zu wenig, Bist du gleich der höchste König. Dich, nur dich Lobe ich, Kann ich's schon so wenig, Herr, mein Gott und König. Amen. 731 132 31. Dezember. Abend. 2 Kor. 9, 15, Gott sei Dank für seine unaussprechliche Gabe. Ewiger Gott, der du bleibest für und für, bei welchem ist keine Veränderung des Lichts und der Finsterniß: siehe, ich habe nun durch deine Gnade den letzten Abend dieses Jahres erlebt. Wer gibt mir genug Worte, dich würdig zu preisen? Wollte auf den Knieen liegen, bis in die letzte Stunde, und dich beständig preisen: so thäte ich noch allzu wenig. Liebreicher Gott, dir sei Dank für deine unaussprechliche Gabe. Ich weiß nicht, wo ich anfangen soll. Unaussprechlich sind die leiblichen Gaben, in Abwendung der Gefahren, in Mittheilung deines Se gens, in Erhaltung meines Lebens. Unaussprechlich sind die geistlichen Gaben. Du hast mir gegeben Jesum zum Heiland. Zu ihm eile ich in meiner Sündennoth, und erlange in seinem Blute Gnade und Vergebung aller meiner Sünden. Du hast mir gegeben den heiligen Geist zum Führer, weil so viele Verführer in die Welt ausgegangen sind; ja, weil ich den ärgsten Verführer in mir selbst trage, nemlich mein Fleisch und Blut, welches zum Bösen geneigt Du hast mir gegeben dein Wort zum Lichte, welches mir zeiget, wie ich glauben und wandeln soll. Du haft mir gegeben deine Gnade, daß ich niederknieen, beten und Erhörung finden kann. Dazu kommen noch himmlische und ewige Gaben, das ewige Leben, daß unverwelkliche Erbe, eine schöne Krone, eine frohe Seligkeit im Anschauen deiner Herrlichkeit, erquickende Freude in Gesellschaft der heiligen Engel und Auserwählten. Gib mir auch nach deinem Willen Einen neuen Sinn und Geist, Der, was dein Befehl mich heißt, Mich lehr' unverrückt erfüllen, Daß mein Geist, sammt Seel' und Leib, Seines Gottes Wohnung bleib'. Amen. Anhang. Bebele für Sonn- und Feltlage und für befondere Veranlaffungen. 733 Am 1. Sonntag des Monats. Morgen. Allmächtiger Gott, Vater unseres Herrn Jesu Christi! Wir danken dir von ganzem Herzen, daß du uns heute deinen heiligen Ruhetag haft anbrechen lassen, den Gedächtnißtag aller Güte und Barmherzigkeit, welche du durch das Werk der Schöpfung, Erlösung und Heiligung an uns erzeigt haft. Mache uns diesen Tag durch deine Gnade zu einem göttlichen Ruhetag. Heilige durch deinen Geist uns, daß wir diesen Tag dir heiligen; wohne und ruhe in uns, damit wir in dir ruhen. Reinige uns von aller Befleckung des Fleisches und Geistes, daß nicht nur heute, sondern alle Tage unseres Lebens Leib und Seele dir geheiligt sei, daß auch mitten unter der Arbeit der Woche Herz und Gedanken in dir ruhen, und unser ganzes Leben ein unbefleckter Gottesdienst vor dir, dem Vater, werde. Gib uns im Glauben an deinen Sohn den Frieden, welchen die Welt nicht geben kann; erquicke uns unter der Mühe und Arbeit der Zeit mit der Hoffnung auf die selige Ruhe der Ewigkeit; und wenn du uns dereinst abrufest von dem irdischen Tagewerk, so laß uns zu der himmlischen Ruhe deines Volkes eingehen, durch Jesum Christum, unsern Herrn und Erlöser. Wir wandeln hier noch in der Wüste, Es ist noch Tod und Sünde da; Führ' uns hinaus, Herr Jesu Christe, Du bist der rechte Josua; Als dein Volkt rufen wir dir zu: Ach, bring uns ein zu deiner Ruh. Amen. 734 Am 1. Sonntag des Monats. Abend. Heiliger Vater! Noch einmal rufen wir dich an am Abend des heutigen Sonntags, und bitten dich im Namen Jesu Christi, du wollest unsere Herzen und Sinne mit deinem heiligen Geist erfüllen, damit wir in dieser neuen Woche, ja unser ganzes Leben lang allein dasjenige denken, reden und thun, was du selber willst und in uns wirkest. Vereinige uns immer inniger mit dir durch den Glauben an deinen Sohn und reinige uns von aller Sünde durch die Kraft seines Todes und seiner Auferstehung. Himmlischer Vater! Dir übergeben wir uns an diesem Abend auf's neue; stärke uns durch deine Gnade; lehre uns streiten wider alle Versuchungen des Satans, der Welt und unseres eigenen Herzens. Laß uns empfinden, wie nichtig alle Lust der Erde ist, damit wir unsere Lust allein an dir haben. Hilf uns die Laft und Plage dieser neuen Woche tragen; leite du uns als unser Vater, und mache uns als deine Kinder dir ergeben und gehorsam. Sprich selbst deinen Segen über unsere Arbeit, und leuchte uns voran mit deinem Wort, damit wir fröhlich und getrost, gewissenhaft und treu seien in allem unserem Thun. Ja werde du selbst in uns und in allen unsern Angelegenheiten Anfang, Mittel und Ende zu deinem Breis und unserem Heil. Laß uns diese Nacht empfinden Eine sanfte, süße Ruh'; Alles Uebel laß verschwinden, Decke uns mit Segen zu; Leib und Seele, Muth und Blut, Weib und Kinder, Hab' und Gut, Freunde, Feinde, Hausgenossen Sei'n in deinen Schuß beschlossen. Amen. Am 2. Sonntag des Monats. Morgen. 735 Herr Gott! Du bist ein Licht, und in dir ist teine Finsterniß. Du hast deinen eingeborenen Sohn in die Welt gesandt, auf daß, wer ihm nachfolget, nicht in Finsterniß wandle, sondern das Licht des Lebens habe. Sende denn auch an diesem Sonntag Morgen dein Licht und deine Wahrheit, daß sie uns leiten, und laß das Wort, das heute unter uns verfündigt wird, unseres Fußes Leuchte und ein Licht auf unseren Wegen sein. Entdecke uns durch deinen Geist den Zustand unserer Herzen; vernichte unsere Eigenliebe; zerstöre allen Selbstbetrug in uns; demüthige uns, damit du uns erhöhen könnest; reinige uns von aller Befleckung des Fleisches und des Geistes, auf daß du mit deinen guten und vollkommenen Gaben uns erfüllen und selber in uns wohnen mögest. Verkläre uns in dein göttliches Bild, und laß deine überschwengliche Erkenntniß in uns schon hier einen Anfang des ewigen Lebens werden. Lege einen reichen Segen auf diesen dir geheiligten Tag. Wirke durch deinen Geist kräftig an allen, die heute dein Wort verkündigen, hören und lesen, laß dich auch an den Verächtern deines Wortes nicht unbezeugt, damit dein Name geheiligt, dein Reich ausgebreitet und das ewige Heil vieler Seelen geschaffen werde. Kehr, o Jesu, bei uns ein, Komm in unsere Mitte, Wollest unser Lehrer sein, Hör' der Sehnsucht Bitte: Deines Wortes stille Kraft. Sie, die neue Menschen schafft, Bilde Herz und Sitte. Zeige deines Wortes Kraft An uns armen Wesen; Zeige, wie es neu uns schafft, Kranke macht genesen. Jesu, dein allmächtig Wort Fahr' in uns zu wirken fort, Bis wir ganz genesen. Amen. 736 Am 2. Sonntag des Monats. Abend. Wir loben und preisen dich, gütiger Gott und Vater, für deine große Gnade, daß du auch heute unsere Seele durch dein Wort unterrichtet, getröstet und erbauet hast. Wie reichlich hast du uns von Jugend auf bis hieher durch das Evangelium deines Sohnes gesegnet. Dein Wort ist vollkommen und erquicket die Seele; deine Verheißungen sind tröstlich und erfreuen das Herz; deine Gebote und Zeugnisse sind unser Licht auf dem Wege durch die Zeit zur Ewigkeit. Heiliger Vater, heilige uns in deiner Wahrheit. Hilf uns die selig machende Erkenntniß, welche du heute wieder in unsere Herzen gepflanzt hast, gewissenhaft bewahren. Stehe uns durch deinen guten Geist mächtig bei, daß wir den guten Vorsätzen getreu bleiben, die wir heute vor deinem Angesicht gefaßt haben. Gib, daß die seligen Früchte des gehörten Wortes in unserem ganzen Leben sich zeigen und laß uns dann auch unter den Leiden dieser Zeit in dir unsern Trost, bei dir Hilfe und Rettung finden. Denn du verläsfest die nicht, die auf dich trauen; du segnest die, welche dich lieben. So sei denn dein Wort in guten und bösen Tagen auf's neue unser Stecken und Stab, an dem wir mit neuem Muth unsere Wanderschaft fortsetzen. Beschere uns einst nach den Prüfungen dieses Erdenlebens ein seliges Ende derselben in deinem himmlischen Reich und gib uns auch jetzt die Gnade, daß wir uns im Genuß beiner Versöhnung zur Ruhe begeben dürfen O wie selig ift es, dir Kindlich zu vertrauen! Unerschüttert können wir Auf dich Felsen bauen. Herr, wir glauben in der Zeit Bis die sel'ge Ewigkeit Uns erhebt zum Schauen! Amen. Am 3. Sonntag des Monats. Morgen. 737 Vater des Lichts! Der du uns das natürliche Licht dieser Welt wieder scheinen lässest, sende jetzt und allezeit das wahrhaftige Licht, Jesum Christum, in unsere Herzen, und laß ihn darin leuchten und alle Finsternig vertreiben, damit wir dich in deinem Sohne erkennen und lieb gewinnen. Siehe, wir sind durch die Sünde verfinstert in der Eitelkeit unseres Sinnes; darum lehre du selbst uns aus deinem Wort, wie wir uns zu dir bekehren und dir im Glauben gehorsam werden können. Herr Jesus Christus, du Sonne der Gerechtigkeit! Erwecke uns, daß wir aufwachen vom Schlaf unserer natürlichen Sicherheit und aufstehen von allen todten Werken, damit du uns erleuchten mögest. Gib, daß wir nicht uns selber leben, sondern dir, der du für uns gestorben und auferstanden bist. Brich an, du helles Licht in unsern Herzen und siege über alle Finsterniß. Heiliger Geist! Richte unsere Herzen heute zu, daß sie dein Tempel werden, darin du den ganzen Tag lehren könnest. Heilige alle Gedanken und Sinne, dein Wort zu fassen und zu bewahren, damit wir deiner Leitung folgen und diese Woche und allezeit in deinem Lichte wandeln. Heiliger Gott! Halte deinen Ruhetag in uns, und hab' dein Werk in unsern Seelen, daß wir dir gefällig seien in Zeit und Ewigkeit. Seid stille, Sinn und Geist, und euch in Gott ergößet, Heut ist der Ruhetag, den er selbst eingesebet; Er will in stiller Furcht und Lieb geehret sein, Wofern er soll bei uns in Gnaden kehren ein. Komm heut' in unser Herz, du König aller Frommen, Laß mit dir Segen, Heil und Seelenfrieden kommen; Die Sonne deiner Gnad' kehr' heute bei uns ein, So wird dann dieser Tag ein rechter Sonntag sein. Amen. Start's Morgen- und Abend- Andachten. 47 738 Am 3. Sonntag des Monats. Abend. Lob und Preis sei dir gebracht, o heiliger Herr und Gott, daß du uns auch heute dein Licht haft leuch ten lassen und so viel Gnade an Leib und Seele ver=liehen hast. Ach, verwahre du selbst in unsern Herzen, was dein Geist durch dein Wort in uns hat pflanzen können, damit wir viele Früchte bringen in Geduld zum ewigen Leben. Vergib uns alles, womit wir deinem vollkommenen Willen nicht nachgelebt haben. Laß auch den bösen Feind diese Nacht oder sonst uns nicht des Guten, das du uns gezeigt hast, berauben. Wache in Gnaden über alles, was du uns gegeben, und in deiner heiligen Ordnung anvertraut hast. Set du das Licht in unsern Seelen, wenn es dunkel wird und unsere Kraft bei aller Schwachheit, unser Schutz, Heil und Leben unter aller Gefahr. In dein liebevolles Herz übergeben wir uns, du einiges Heil unserer Seele. Sezze dein heiliges Werk doch in uns beständig fort und laß uns auch im Schlaf dein eigen sein. Dein Geist erinnere uns stets an dich und dein Wort, daß alle unsere Gedanken und Sinne zu dir gerichtet seien, damit jeder unserer Tage ein wahrer Sonntag sei und ein heller Schein deines Lichtes in unsern Her zen bleibe, der du unsere einige Ruhe und Seligkeit bist und sein willst in Ewigkeit. Es geh'n zur Ruhe meine Glieder, Nachdem der Sonntag ist vollbracht; Mein Mund bricht aus in Freudenlieder Bei eingebroch'ner finst'rer Nacht. Ach, laß mich dir empfohlen sein, Denn du bist mein und ich bin dein. So bleib ich denn in Jesu Wunden Und schlafe in denselben ein; Auch in den letzten Todesstunden Werd ich da wohl verwahret sein, Darinnen will ich aufersteh'n Und zu des Lammes Hochzeit geh'n. Amen. Am 4. Sonntag des Monats. Worgen. 739 Barmherziger Gott und Vater im Himmel! Wir kommen vor dich an diesem dir geweihten Tage, um dich um Segen und Gnade für denselben anzuflehen und dir Dank zu sagen für alle Wohlthat, die du an uns thust. Du hast diesen Tag der Ruhe und Stille angeordnet, weil du selbst am siebenten Tag geruht haft. Du hast ihn geheiligt zu einem Tag des Segens, indem du deinen Sohn Jesum Christum an demselben aus den Todten ausgeführt und ihm Macht gegeben haft, allem Fleisch ewiges Leben, Gnade und Frieden durch den heiligen Geist auszutheilen. Ogib nun, daß dieser Tag ein solcher Tag der Ruhe, des Segens, der innern Auferstehung für uns werde. Mache ihn für uns zu einem wahren Sonntag, da die Sonne der Gerechtigkeit, die über der ganzen Welt aufgegangen, auch uns erleuchte, erwärme, mit Licht und Leben erfülle. Hilf uns nicht nur äußerlich ruhen, und allen irdischen Umtrieb auf die Seite schaffen, sondern auch von Innen wachen, daß wir dein Anklopfen, o Jesu, bernehmen, dir aufthun und neu mit dir vereinigt werden. Wo man heut' in deinem Namen zusammenkommt, da sei du mitten inne, und segne dein Wort durch dein allmächtiges Nahesein. Gieße Licht und Gnade aus über alle Prediger und Zuhörer, damit die Seelen allerwärts geweidet werden mit der Weide, die Leben und volles Genüge gibt. Breite dein Reich immer mehr aus über den ganzen Erdboden; schüße und segne alle christliche Obrigkeit, damit deine Gemeine sich möge im Frieden bauen und dein heiliges Wort einen freien Lauf habe. Laß uns heut' so erquickt und gestärkt werden, daß wir in Kraft dieser himmlischen Speise die ganze Woche hingehen, Sünde und Welt überwinden, und der ewigen Heimat näher kommen. O Herr Gott Vater, Sohn und Geiſt! O Segensbrunn, der ewig fleußt! Durchfließ Herz, Sinn und Wandel wohl, Mach' uns dein's Lob's und Segens voll! Amen. 47* 740 Am 4. Sonntag des Monats. Abend. O Gott und Herr, Vater unseres Herrn Jesu Christi! Wir nahen uns in der Stille des heutigen Abends noch einmal deinem Angesicht, um uns vor dir zu sammeln und über das nachzudenken, was du heute durch dein Wort und durch deinen Geist an unsern Seelen gewirkt hast. Sei hoch gelobt über alle Barmherzigkeit, die du an uns thust, daß wir nicht in heidnischer Unwissenheit dahin leben müssen, sondern durch dein Wort deinen heiligen Namen und deine herrlichen Friedensgedanken über uns dürfen kennen lernen. Du hast uns heute auf's neue im Licht deines Geistes sowohl unsere Sünde und großes Elend, als auch Jesum Christum, den Erlöser aus der Sünde vor die Augen unseres Geistes hingestellt. Bewahre nun in unserm Herzen den Samen der Wahrheit und des Lebens, der heute in uns ausgestreut worden ist. Gib, daß wir uns auch in der Nacht auf unserem Lager damit beschäftigen und alles Böse dadurch ferne von uns halten. Vergib uns aber auch alle Sünden, die wir heute begängen, alle Gleichgiltigkeit gegen dein Wort, alle Zerstreutheit und Schläfrigkeit. Schenke uns immer mehr den Geist wahrer Buße; verwandle uns immer mehr in das verlorene Bild deiner Herrlichkeit, und laß den ganzen Gang unseres Lebens dazu gesegnet sein, daß dieser hochwichtige Zweck an uns erreicht werde. Schirme, bewahre und segne uns nach Leib und Seele und mit uns all die Deinigen. Ge denke besonders auch aller Kranken und Leidenden und laß alle Trübsale dazu dienen, uns für dein Reich tüchtig zu machen. Richt' unser ganzes Leben Allzeit nach deinem Sinn, Und sollen wir es geben Zuleßt dem Tode hin, Wann's mit uns hier wird aus, So hilf uns fröhlich sterben Und nach dem Tod ererben Des ew'gen Vaters Haus! Amen. Am 1. Advent. Norgen. Herr Jesu, du ewiger Sohn Gottes, wir preisen deine unergründliche Liebe, daß du gekommen bist in die Welt, zu suchen und selig zu machen, was verLoren ist. Du hast Herrlichkeit gehabt bei dem Vater, ehe der Welt Grund gelegt war, und doch bist du im Fleisch erschienen, um uns aus Fremdlingen zu Bürgern deines Reichs und Gottes Hausgekossen, aus Sündern und Feinden zu geliebten und auserwählten Kindern deines und unsers Vaters zu machen. Himmlischer Friedefürst, führe uns hinein in das Reich deiner herrlichen Gnade. Herrsche in unsern Herzen und überwinde in uns alle Feinde unserer Seligkeit. Laß alle Völker deinem Friedensscepter sich beugen und alle Herzen fröhlich werden in dir, dem Hort unsers Heils. Neige der Fürsten und Gewaltigen Sinn und Willen zur Gerechtigkeit und Eintracht. Regiere die Diener deines Wortes, daß sie ihre Gemeinden mit liebreichem Ernst zu dir, dem ewigen Könige, weisen, und gib, daß dein Volk immer williger deinen Befehlen gehorche. Ziehe durch treue Eltern und Lehrer auch die Kinder zu dir, damit sie dir schon frühe ihr Hosiannah zurufen lernen. Laß es aller Leidenden, Ärmen, Müden und Kranken süßester Trost bleiben, daß du ein sanftmüthiger und mitleidiger König bist, und als Vollender und Seligmacher kommen wirst, uns auszuhelfen zu deinem himmlischen Reiche, wo Friede und Freude die Fülle und liebliches Wesen zu deiner Rechten ist immer und ewig. So zeuch denn ein! So soll es sein, Herr Jesu Christ, Du König aller Ehren. Herr Zebaoth, Du starker Gott, Komm, alle Noth In Freude zu verkehren. Amen. 741 Am 1. Advent. Abend. Ewiger Gott, himmlischer Vater! Wir kommen am Abend dieses Festes noch einmal vor dein Angesicht, um dir unsern demüthigen Dank zu sagen für das viele Gute, das du an uns thust. Du hast uns heute ein neues Kirchenjahr im Frieden antreten lassen, und hast den Leuchter deines göttlichen Wortes, das uns auch im neuen Kirchenjahre wieder gepredigt wird, noch nicht umgestoßen, und hörst nicht auf, uns durch seine Gotteskraft zu strafen und zu trösten, zu stärken und zu erbauen. Du läsfest aus dem Brünnlein deiner gnadenreichen Sakramente immer noch viel Heil uns zu Theil werden. Overgib uns nun, daß wir bisher so wenig rechtschaffene Früchte der Buße ge= bracht haben, und erwecke uns im neuen Kirchenjahr zu einem neuen Eifer und Ernst im Werke des Glaubens und der Gottseligkeit. Segne uns auch fernerhin mit allerlei geistlichem Segen in himmlischen Gütern. Laß dein Reich kommen in Herzen und Häuser, und hilf jedem, in dem dein gutes Werk begonnen ist, einen guten Kampf kämpfen, und unter der Zucht deines Geistes der seligen Vollendung ent= gegenreifen. Ja, heilige uns alle durch und durch, damit unser Geist ganz sammt Seele und Leib unsträflich behalten werde auf die Zukunft unseres Herrn Jesu Christi. 742 Hiezu stärk uns, liebster Jesu, Sei in Finsterniß das Licht, Deffne uns're Herzensaugen, Zeig dein freundlich Angesicht, Spiel, o Sonn, mit Lebensblicken, So wird sich das Herz erquicken. Laß den Geist der Kraft, Herr Jesu, Geben uns'rem Geiste Kraft, Daß wir brünstig dir nachwandeln Nach der Liebe Eigenschaft. Ach, Herr! mach' uns selber tüchtig, So wird unser Leben richtig. Amen. Am 2. Advent. Worgen. Ewiger Gott, barmherziger Vater, du hast deinen eingebornen Sohn, Jesum Christum, zum Richter der Lebendigen und Todten verordnet und ihm alles unter seine Füße gethan; und zu der von dir bestimmten Zeit müssen auch wir offenbar werden, vor seinem Richterstuhl, auf daß ein jeglicher empfahe, nach dem er gehandelt hat bei Leibes Leben, es sei gut oder böse. Erwecke uns zu einer heiligen Furcht vor ihm und vor dem Tage seiner Zufunst, damit wir diese Zeit unserer Heimsuchung, da du noch Buße und Vergebung der Sünden in seinem Namen predigen läsfest, erkennen, und bedenken, was zu unserem Frieden dient. Und da wir weder Tag noch Stunde wissen, wann er kommen wird, so lehre uns wachen und beten, damit wir nicht unter den Verächtern erfunden werden, die deine Langmuth und Geduld auf Muthwillen ziehen, und ihre Schuld häufen auf den Tag des Zorns und der Offenbarung des gerechten Gerichts. Hilf uns vielmehr, o getreuer Gott, daß wir durch lebendigen Glauben Jesu Christo eingepflanzt, und durch ihn reich werden an Früchten der Gerechtigkeit, damit wir Freudigkeit haben auf den Tag seiner Zukunft und nicht zu Schanden werden vor ihm. Ja, mache uns würdig, zu seiner Rechten zu stehen, und aus seinem Munde das Gnadenurtheil zu hören: Kommet her, ihr Gesegneten meines Vaters, ererbet das Reich, das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt. Einst wird er mächtig wieder kommen Herab von seines Vaters Haus, Ein Flammenblikß selbst für die Frommen, Und für die Bösen Schreck und Graus. Dann richtet er den Kreis der Erden, Dann kommt er, und mit ihm sein Lohn. Obetet, daß wir würdig werden, zu stehen vor des Menschen Sohn! Amen. 743 Am 2. Advent. Abend. Habe Dank, Herr Jesu, daß du uns heute durch dein theures Wort an deine zweite Zukunst hast mahnen lassen, damit wir dazu erweckt werden, unsere Erdentage fleißiger als bisher zur Bereitung auf deine Wiederkunft zu benützen. Gib uns Licht und Gnade zu einer redlichen Prüfung vor deinem Angesicht, damit wir uns nicht täuschen über uns selbst, sondern erkennen, wie wir vor deinen Augen beschaffen sind. Du bist der Lebendige, du weißest alles, was in und um uns ist, wo wir wohnen, in welcher Zeit, in welchen Versuchungen. O, entdecke uns durch deinen Geist alles, was du wider uns hast, damit wir uns bessern, und du nicht einst mit uns als Feinden streiten mußt. Bewahre uns, daß wir in dieser versuchlichen Welt nicht verstockt werden und uns hinreißen lassen zu solchem, das ärgerlich ist; gib nicht zu, daß wir in dieser lauen Zeit eben dem großen Haufen folgen, der sich zwar nach dir nennt, aber deinen Willen nicht thut. Laß uns in keiner falschen Ruhe, in keinem tödtlichen Sündenschlummer liegen. Wo bei uns noch ein Fünklein von Leben glimmt, da stärke du es, damit unsere Augen nicht im Tode entschlafen, sondern wacker werden und wir in den Stand kommen, solche Werke zu wirken, die vor dir und deinem himmlischen Vater völlig sind. Verkläre dich in unsern Seelen je mehr und gib uns von der Herrlichkeit deiner zweiten Zukunft einen solchen Eindruck in's Herz, daß unsere größte Sorge dahin gehe, doch ja nicht zu Schanden zu werden vor deinem Angesicht. Laß nur unsere Namen im Buche des Lebens geschrieben bleiben und von dir einst bekannt werden vor deinem Vater und seinen Engeln. 744 Verleih Geduld und Troft Jm Kämpfen und im Ningen, Sorgfältige Wachsamkeit Und Kraft, hindurchzudringen, Daß wir ohn' Unterlaß, In der Bereitschaft steh'n Und einst mit Freudigkeit Vor deine Augen geh'n. Amen. Chriftfest. Allmächtiger Gott, Vater unsers Herrn Jesu Christi, gelobet sei dein heiliger Name immer und ewig! Du hast Großes an uns gethan, deß sind wir fröhlich; denn uns ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus der Herr. Wir danken dir von Herzen, daß du solche Liebe uns erzeigt und deinen eingeborenen Sohn in die Welt gesandt hast, damit wir durch ihn leben sollen. Ehre und Preis sei dir, Herr Jesu. Du bist ein Menschenkind geworden, auf daß wir Gottes Kinder würden; du bist arm geworden, auf daß wir durch dich reich würden; du hast dich zur Knechtsgestalt erniedrigt, auf daß wir zum Bilde Gottes erneuert würden. Wir saßen in Finsterniß und Schatten des Todes; du aber haft uns zugewendet die herzliche Barmherzigkeit Gottes, du hast Frieden und Freude herniedergebracht, und aus deiner Fülle nehmen wir Gnade um Gnade. Darum frohlockt auch unsere Seele: Ehre sei Gott in der Höhe, Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen! Ziehe nun ein, Herr unser Heiland, in unsere Herzen, die nach dir verlangen, und erfülle uns mit allen Gaben deiner himmlischen Güte. Regiere uns mit deinem Geiste und heile uns durch deine Gnade vom Elend der Sünde. Verleihe uns, treuer Herr und Erlöser, Trost in allem Elend, Hilfe in jeder Noth, Kraft in den Versuchungen dieser argen Welt und selige Hoffnung im letzten Kampf. Erbarme dich über uns und gib uns deinen Frieden, o Jesu. Lob, Preis und Dank, Herr Jesu Christ, Sei dir von mir gesungen, Daß du mein Bruder worden bist, Und hast die Welt bezwungen. Hilf, daß ich deine Gütigkeit Stets preis' in dieser Gnadenzeit, Bis ich dereinst dort oben Dich ewig werde loben. Amen. 745 Jahresschluß. Herr Gott, Bater, wir sagen dir Lob und Dank, daß du uns dieses Jahr hast überleben und uns in demselben deine Wohlthaten an Leib und Seele reichlich haft widerfahren lassen. Wir sind zu gering aller Barmherzigkeit und Treue, die du an uns gethan. Mit herzlicher Neue bekennen wir dir, daß wir den Reichthum deiner väterlichen Liebe nicht nach Gebühr erkannt, sondern oft mißbraucht und mit Gedanken, Worten und Werken wider dich gesündigt haben. Jn tiefer Demuth bitten wir dich um Vergebung. Schenke uns deinen heiligen Geist, damit wir mit dem alten Jahre die alten Sünden, Lüste und Begierden ablegen und ein neues Leben anfangen; hilf uns, daß wir die flüchtigen Tage unserer Wallfahrt in deiner Furcht hin bringen. Wir wissen nicht, wann du uns von unserem Tagwerk abrufen und der Zahl derer anreihen wirst, die ihren Lauf vollendet haben. Laß uns um so mehr Fleiß anwenden, was wir hier noch leben im Fleisch, zu leben im Glauben deines Sohnes, der uns geliebt hat und sich selbst für uns dargegeben. Herr Jesu, du bist gestorben und wieder lebendig geworden, auf daß du über Todte und Lebendige Herr seiest. Erhalte uns in der Gemeinschaft des Geistes mit allen, die in dir entschlafen sind, und bewahre uns fest bis an's Ende, daß weder Tod noch Leben uns aus deiner Hand reißen dürfe. Leben wir, so laß uns dir leben; sterben wir, so Laß uns dir sterben, damit wir dein seien todt und Lebendig. Mach' uns, o Jesu, ewig selig. 716 Wir geben dir ein Jahr zurück, Durchlebet und durchlitten, Und folgen mit verhülltem Blick Auch künftig deinen Tritten. Im Flug enteilt uns Jahr um Jahr, Du aber bleibest wunderbar Der treue Hohepriester. Amen. Neujahrsfeft. Herr Gott, du bist unsre Zuflucht für und für. Ehe denn die Berge worden, und die Erde und die Welt geschaffen worden, bist du, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Wir sind von gestern her, und unser Leben ist wie nichts vor dir; du aber bleibest, wie du bist und deine Jahre nehmen kein Ende. Wir sind Sünder und unsre Missethat ist offenbar vor deinem Angesicht; du aber bist unser Vater und Erlöser; von Alters her ist das dein Name. Wer will deine großen Thaten ausreden und alle deine löblichen Werke preisen? Wer will vergelten alle Wohlthat, die du an uns thust? Wie theuer ist deine Güte, Gott, daß Menschenkinder unter dem Schatten deiner Flügel trauen! Du bist unsere Hilfe und unser Trost in Ewigkeit. Darum sucht dich unsre Seele heute. Unsere Tage, die noch werden sollen, sind auf dein Buch ge= schrieben; wir empfehlen Leib und Leben, Seele und Geist in deine Hände. Laß heute auf's neue Jesum Christum aufgehen in unsern Herzen als die Sonne der Gerechtigkeit, die Licht und Leben bringt von Aufgang bis zum Niedergang. Gib uns deinen heiligen Geist zum Führer auf unserer Lebensbahn, damit wir gewisse Tritte thun, und unsere Füße nicht straucheln. Treuer Hüter Israel, der du nicht schläfst, noch schlummerst, nimm uns auf's neue in deinen allmächtigen Schuß und sei unsers Lebens Licht und Kraft auf allen unsern Wegen. Ewiger Gott, ziehe deine Hand nicht ab von uns, verlaß uns nicht. Wir warten auf dein Heil. Herr, hilf; o Herr, laß alles wohl gelingen. Jesu, geh' voran Auf der Lebensbahn, Und wir wollen nicht verweilen, Dir getreulich nachzueilen; Führ' uns an der Hand Bis in's Vaterland. Amen. 747 Erscheinungsfest. Vater des Lichts, wir rühmen und preisen deine Barmherzigkeit, durch welche uns besucht hat der Aufgang aus der Höhe, auf daß er erscheine denen, die da sizzen in Finsterniß, und richte unsere Füße auf den Weg des Friedens. Aus deiner Gnade häben wir Christum, der unser Friede ist und aus den Völkern der Erde eine Gemeinde sich gesammelt hat, an welcher der Reichthum deiner mannigfaltigen Weisheit und Güte offenbart werden soll. Wir danken dir für die unaussprechliche Wohlthat, daß wir schon so lange Zeit dein Volk und deine Kinder heißen. Mache selber uns tüchtig, deinem eingebornen Sohn, in dem uns deine Freundlichkeit erschienen ist, die rechten Opfer des Dankes und der Anbetung darzubringen. Schenke uns den Geist der Weisheit und Offenbarung zu deiner Erkenntniß, und erleuchtete Augen, damit wir verstehen mögen, welches da sei die Hoffnung unsers Berufs und der Reichthum deiner herrlichen Gnade an Allen, die geheiligt werden. Breite dein Reich immer weiter aus, und laß die Heiden an der Welt Enden dein Licht schauen und fröhlich werden im Glanz, der über ihnen aufgeht. Uns aber, die wir die Erstlinge deiner Gnade empfangen haben, regiere durch deinen heiligen Geist, daß wir als Kinder des Lichts in deinem Lichte wandeln und die unfruchtbaren Werke der Finsterniß hassen und meiden. Und endlich bringe uns ins Licht vor deinen himmlischen Thron, damit wir deine Herrlichkeit schauen im Angesicht unsers Herrn Jesu Christi, und dich preisen mögen von Ewigkeit zu Ewigkeit. 748 O König aller Ehren, Herr Jesu, Davids Sohn, Dein Reich soll ewig währen, Im Himmel ist dein Thron. Hilf, daß allhier auf Erden Den Menschen weit und breit Dein Reich befannt mög' werden Zur ew'gen Seligkeit. Amen. Buktag. Heiliger und gerechter Gott, vor dir bekennen wir unsere vielfachen Uebertretungen in Gedanken, Worten und Werken. So du wolltest Sünde zurechnen, Herr, wie könnten wir bestehen? Aber du willst nicht den Tod des Sünders, sondern rufft uns freundlich zur Buße und zu dir. Gib, daß wir deinem Rufe willig folgen. Ja, Herr, wir wollen kommen, weil du uns russt; wir wollen dir uns ergeben, weil du uns ziehest aus lauter Güte; wir wollen als Mühselige und Beladene dir nahen, um Gnade und Erbarmung zu finden; wir wollen nicht mehr der Welt und der Sünde dienen, nicht mehr uns selbst, sondern dir leben und dir anhangen von ganzem Herzen; du sollst unser Gott sein, wir wollen dein Volk sein und uns von deinem Geist allein regieren lassen. Stärke du selbst diese guten Vorsätze und gib zum Wollen das Vollbringen nach deinem Wohlgefallen. Erlöse uns von der Macht des Bösen, das sich noch so oft wider unsern Willen in uns regt, und zerstöre in uns, was deiner Herrschaft noch widerstreben möchte. Wecke uns zu ernstem Fleiß in der Heiligung. Bewahre uns in allen Versuchungen, daß wir dir nicht ferner untreu seien. Laß unsern Bund mit dir immer fester werden, daß weder Hohes noch Tiefes, weder Glück noch Unglück uns von deiner Liebe scheide, und wir dein seien in Freud und Leid, im Leben und Sterben. Laß uns alle wandeln als solche, die aufgewacht sind vom Schlaf, daß nicht unsere Trägheit auch andere träge mache, vielmehr durch unsern Wandel im Geist viele erbaut und zur Seligkeit geleitet werden. Oheil'ger Geist! laß deinen Strahl Durch meine Seele dringen; Hilf, daß ich endlich mög einmal Den Sündenschlaf bezwingen. Gott! thu mir Herz und Augen auf, Daß mich der sichre Sündenlauf Nicht zur Verdammniß führe. Amen. 749 Palmsonntag. Norgen. Gott, man lobet dich in der Stille zu Zion. Mache auch unsere Herzen in diesem Morgen stille zu andächtiger und anbetender Betrachtung der großen That deiner Liebe, da du deinen eingeborenen Sohn für die ganze Welt und auch für uns fündige Menschen in so unzähliger Pein und Marter Leibes und der Seele bis zum Tod am Kreuze dahingegeben hast. Laß uns in dieser großen Woche auf's neue groß werden unsere Erlösung, die nicht mit Silber oder Gold, sondern mit dem theuren Blut Christi als eines unschuldigen und unbe fleckten Lammes zu Wege gebracht worden ist. Sammle, o Jesu, durch den ewigen Geist unsere so vielfach zer= streuten Sinne, daß sie deine Stimme recht vernehmen, wenn du uns in unser Innerstes rusest: Mir hast du Arbeit gemacht in deinen Sünden und Mühe in deinen Missethaten; aber ich, ich tilge deine Uebertretung um meinetwillen und gedenke deiner Sünden nicht. Lehre uns mit neuem Ernst bedenken, daß unsere Sünden die Ursache deines heiligen Leidens waren und lehre uns, dasselbe unter inniger Danksagung zu unserer Seligkeit anwenden. Bewahre uns vor allem Mißbrauch deines Leidens, und laß uns aus demselben träftige Antriebe bekommen, uns also mit dir dem gekreuzigten Christus zu verbinden, daß wir selbst der Welt und unsere Lüsten gekreuzigt Gott leben. Segne die Beschäftigung mit deinem ganzen Leidenslauf also, daß dadurch unsere Buße, Glaube, Liebe, Geduld, Hoffnung neue Nahrung und Stärkung bekomme, und laß die Segensfrucht dieses Tages und dieser Woche uns bis in die selige Ewigkeit begleiten. 750 O geheimnißvolle Liebe, Die sich im Verborgenen schenkt, Wecke neue Lebenstriebe, Wenn der Sinn zum Kreuz sich lenkt. Alle Kraft und alles Heil Deines Tod's sei unser Theil; Alles andere mag vergehen, Bleibt dein Kreuz nur in uns stehen. Amen. Palmsonntag. Abend. Dank und Preis sei dir, Herr Jesu, daß du am Kreuz für uns gestorben bist, und im Tod und Leben deine Liebe gegen uns verherrlicht hast. Dich preisen alle, die bei dir Nuhe gefunden, alle, die durch dich zu Gott gekommen, alle, die durch dich Vergebung ihrer Sünden erlangt haben und darum im Leben, Leiden und Sterben getroft sind. Du bist die Versöhnung für unsere Sünden; nicht allein aber für die unsrigen, sondern auch für die Sünden der ganzen Welt. Barmherziger Vater, Dank sei dir, daß du uns diesen Mittler zu unserer Rechtfertigung und Heiligung geschenkt und uns in ihm deine Huld und Liebe zugewendet hast. Ja, du bist die Liebe. Du hast deines eigenen Sohnes nicht verschonet, sondern ihn für uns in den Tod gegeben: wie solltest du uns mit ihm nicht alles schenken! Darum können wir auch in den dunkelsten Stunden unsers Lebens, in der Anfechtung und unter den Schrecken des Todes uns deiner Gnade getrösten; denn wir sind gewiß, daß weder Leben noch Tod, weder Gegenwärtiges noch Zurünftiges, weder Hohes noch Tiefes, noch irgend eine Ges walt und macht uns scheiden kann von deiner Liebe, die in Christo Jesu ist, unserem Herrn. Gib, dağ wir uns durch deine Gnade züchtigen lassen, zu ver= leugnen das ungöttliche Wesen und die weltlichen Lüste, und mache uns dir zum Volk des Eigenthums, das da fleißig sei zu guten Werken. Dir, der uns väterlich liebt, und dem Sohne, der sich für uns dahingegeben, sei Lob und Ehre und Preis von Ewigkeit zu Ewigkeit. Herr, laß dein bitter Leiden Mich reizen für und für, Mit allem Ernst zu meiden Die fündliche Begier; Laß mir's nie kommen aus dem Sinn, Wie viel es dich gekostet, Daß ich erlöset bin! Amen. 751 752 Gründonnerstag. Morgen. ( Auch bei der Vorbereitung auf das heilige Abendmahi zu gebrauchen.) Herr Jesu, theurer Heiland und Seligmacher, wte sollen wir dir herzlich genug danken, daß du in deiner schwersten Leidensnacht dein heiliges Abendmahl für uns gestiftet hast! Du reichst uns mit dem gesegneten Brod und Wein deinen Leib und dein Blut dar, um uns in die selige Gemeinschaft deines göttlichen Lebens aufzunehmen, und das Gedächtniß deines To: des lebendig und kräftig in uns zu erhalten. Ein herrliches Mahl hast du uns bereitet, unsere Seelen zu erquicken, und hast die trostreiche Verheißzung gegeben, du werdest keinen hinausstoßen, der zu dir komme. Deß sind wir froh, und aller Engel Zungen vermögen nicht, dich würdig dafür zu preisen. Denn was sind wir arme, sündhafte Geschöpfe, daß du, der Sohn Gottes, dich so innig mit uns verbinden willst, und uns ein so kostbares Pfand unserer Seligkeit geschenkt hast. Treuer Heiland, wir bitten dich mit demüthigem Herzen, bewahre uns, daß wir dieses hohe Gut niemals mißbrauchen, noch gering achten. Erwecke uns, so oft wir zu deinem Gnadentisch hinzutreten, zu einem heiligen Ernst, damit wir nicht als unwürdige Gäste uns selber ein Gericht essen und trinken, als solche, die deinen Leib nicht unterscheiden; gib vielmehr, daß wir durch den Genuß dieses himmlischen Mahles allezeit zum Wachsthum im Glauben und in der Liebe genährt, und mit himmlischen Kräften zum ewigen Leben ausgerüstet werden; so wollen wir dich loben und preisen und dir danken in Zeit und Ewigkeit. Jesu, wahres Brod des Lebens, Hilf, daß ich doch nicht vergebens, Oder gar zu meinem Schaden Trete zu dem Mahl der Gnaden! Laß bei diesem Trank und Effen Mich dein Lieben recht ermessen, Daß ich auch, wie jetzt auf Erden, Mög dein Gast im Himmel werden! Amen. Gründonnerstag. Abend. Herr Jesus Christus! Du einiger Mittler und Fürsprecher bei dem Vater! Wir danken dir am Abend des heutigen Tages, der uns besonders an deinen Kampf in Gethsemane erinnert, da du in den Tagen deines Fleisches Gebet und Flehen mit starkem Geschrei und Thränen geopfert, und mit demuthsvoller Ergebung in deines Vaters Willen dein heiliges Leben zum Lösegeld für uns dargebracht hast. O wie feurig war deine Liebe zu uns, wie schwer deine Arbeit, wie heiß dein Kampf! Du hast den bittern Kelch der Leiden ge= trunken, die Last unserer Sünden getragen, die Schrecken des Todes empfunden, und bist unter unaussprechlicher Seelenangst hingegangen, um uns durch deinen Gehorsam die Pforten des Himmels zu eröffnen. Sei gepriesen, treuer Herr und Erlöser, für dein heiliges Opfer! Ach, zerschmelze durch den Anblick deiner mit dem Tode ringenden Liebe unser hartes und kaltes Herz und laß uns durch dein bitteres Leiden von der Sünde und ihrer Lust ganz geschieden werden! Neiße uns aus aller Trägheit und Sicherheit, hilf uns wachen und beten, daß wir in der Stunde der Versuchung nicht wanken, sondern durch deine Kraft den Sieg be halten. Beuge aber auch unsern Eigenwillen unter das sanfte Joch deines heiligen Gehorsams, und vereinige uns so mit dir, daß auch wir uns dem Vater zu einem wohlgefälligen Opfer darbringen und allezeit sprechen: nicht mein, sondern dein Wille geschehe! Jesu, hilf siegen im Wachen und Beten, Hüter, du schläfft oder schlummerst nicht ein. Laß dein Gebet uns unendlich vertreten, Da du versprochen, der Fürsprech zu sein. Wenn uns die Nacht mit Ermüdung will decken, Wollst du uns, Jesu, ermuntern und wecken. Amen. Start's Morgens und Abend- Andachten. 48 753 Karfreitag. Norgen. Herr Jesu, wir treten im Geist an dein Kreuz und beten an vor dem Geheimniß deiner unaussprechlichen Liebe. Laß die heiligen sieben Worte, die du sterbend gesprochen, an unserer Seele werden zu göttlicher Kraft und göttlicher Weisheit. Erfülle an uns den ganzen Segen deines Leidens und Sterbens. Barmherziger Hohepriester, du hast am Kreuze für deine Feinde Verzeihung erfleht: vertritt auch uns, wenn wir fündigen und fehlen, als unser mitleidiger Fürsprecher bei dem Vater. Wie du im Sterben deine Mutter mit deinem Jünger verbunden hast, so verbinde auch uns mit den Unsrigen durch das Band der Liebe und des Friedens. Und wenn wir, wie die Missethäter an deiner Seite, unsre Verschuldung reumüthig vor dir bekernen, so vergib auch uns unsere Sünden. Du hast dich um unsertwillen von Gott verlassen gefühlt, darum verlağ uns nicht in der Stunde der Anfechtung, wenn Gott sein Angesicht eine Zeitlang vor uns verbirgt und unserer Seele um Trost bange wird. Erquicke uns mit dem Wasser des Lebens, wenn wir krank darnieder liegen. Und weil du in deinem Siegesruf: Es ist volls bracht! auch den Lauf und die selige Vollendung der Deinen beschlossen hast, so stärke uns den Glauben, unsern Geist in deine Hände zu empfehlen, wie du zu deiner Verherrlichung und zu unserer Errettung deinen vollendeten Geist in die Hände des Vaters befohlen hast. Ja, laß uns dein theures Verdienst in allen Fällen unserer Wallfahrt zu gut kommen, daß wir darauf leben, lei den und sterben und dein Eigenthum bleiben in Ewigkeit. 754 Mittler! alle Kraft der Worte, Die du in der hohen Bein Vor der offnen Todespforte Ließest deine Losung sein, Bleibt mir, wann auch ich abscheide, Meiner Seele Füll' und Weide; Nun ich so gerüstet bin, Zieht mich's dir nach, zu dir hin. Amen. Karfreitag. Abend. Herr, unser Heiland! Wir kommen am Abend des heutigen theuren Festtages noch einmal vor dein Angesicht, um dir zu danken, daß wir heute das Wort vom Kreuz wieder haben vernehmen dürfen. O lağ es uns werden zu göttlicher Kraft und göttlicher Weisheit und stelle uns auch diesen Abend das, was auf Golgatha zu unserem Heil geschah, noch einmal lebendig vor unsere Augen. Du warst gehorsam bis zum Tod, ja bis zum Tod am Kreuze; wie können wir dir dafür genugsam danken und dich, das für uns geschlachtete Gotteslamm, würdiglich preisen. Du bist nun unser Mittler und Versöhner worden, auf dessen theures Verdienst wir uns im Leben und Sterben gründen dürfen. Stärke dazu unsern Glauben auf's neue, und gib, daß durch dein Kreuz die Welt auch uns gekreuziget werde und wir der Welt, auf daß wir hinfort nicht mehr uns selbst leben, sondern dir, der du für uns gestorben bist. Führe uns aber an diesem Abend auch noch im Geiste hin an dein stilles Grab, wo du nach allen Schmerzen und Leiden deine Ruhestätte ge= funden haft. Wir danken dir, daß du hiedurch auch unsere Gräber geweiht und geheiligt hast. Ziehe uns nun recht hinein in die Gemeinschaft deines Todes und Grabes und laß uns durch den Glauben an dich von aller Furcht des Todes und Grabes befreit werden. Laß uns in der Todesstunde unsern Geist getrost in deine Hände befehlen und gib, Kraft deiner Auferstehung, daß wir an deinem großen Tage wieder hervorgehen aus unsern Gräbern und auferstehen zum ewigen Leben. O meines Lebens Leben, O meines Todes Tod! Dir will ich mich ergeben, Auch in der letzten Noth; Dann schlaf ich ohne Kummer In deinem Frieden ein, Und wach' ich auf vom Schlummer, Wirst du mein Loblied sein. Amen. 48* 755 Ofterfest. Norgen. Herr Jesu, der du uns zum Trost und zur Verherrlichung deines Namens siegreich aus dem Grabe hervorgegangen bist, wie sollen wir dich würdig preisen an diesem hohen Feste deiner Ehre! Nun wissen wir, an wen wir glauben, und sind gewiß, du kannst uns unsere Beilage bewahren bis an jenen Tag. Du bist der Angst und dem Gericht entnommen, darum ist der Fluch der Verdammniß auf immer abgethan von allen, die mit dir zu einem neuen Leben auferstehen. Du bist die Auferstehung und das Leben; so lebe auch in uns, die wir dich heute rühmen und preisen für deine unergründliche Liebe und Barmherzigkeit. Erwecke uns durch die Kraft deines heiligen Geistes vom Schlaf der Sünde; tödte alle böse Lust, die noch herrschet in unserem sterblichen Leibe, und laß uns in Buße und Glauben wandeln vor dir in einem neuen Leben. Ueberwinde die Welt in uns, du starker Held, bleibe, wie du verheißen, in der Mitte deiner Glaubigen und gib uns den edeln Frieden deines Lebens, darin verborgen liegen alle himmlischen Güter: Kraft, Trost, Sieg, ewige Freude und seliges Leben. Herr Jesu, du himmlisches Haupt, wann du dich offenbaren wirst, dann werden auch wir mit dir offenbar werden in deiner Herrlichkeit; das Verwesliche wird anziehen das Unverwesliche und das Sterbliche die Unsterblichkeit. Und alle, die du auserweckst durch die Kraft und Gnade deines heiligen Geistes, werden jauchzen und rühmen: Tod, wo ist dein Stachel? Hölle, wo ist dein Sieg? Gott aber sei Dant, der uns den Sieg gegeben hat durch unsern Herrn Jesum Chriſtum. 756 Jesus lebt! mit ihm auch ich; Tod, wo sind nun deine Schrecken? Jesus lebt und wird auch mich Von den Todten auferwecken; Er verklärt mich in sein Licht, Dies ist meine Zuversicht. Amen. Ofterfest. Abend. Himmlischer Vater! Erwecke unsere Herzen, daß wir dir am Abend dieses theuren Festtages noch einmal Lob und Preis sagen für den Sieg, den du uns geschenkt hast durch die Auferstehung Jesu Christi von den Todten. Du hast als der Gott des Friedens deinen lieben Sohn wieder aus den Todten herausgeführt, damit wir nun an ihm hätten einen lebendigen Heiland, einen großen Hirten der Schafe, der den Seinen ewiges Leben geben kann und will. O so thue heut einen neuen Zug an uns, daß wir uns von Hers zen zu Christo bekehren und so nicht allein in die selige Gemeinschaft seines Todes, sondern auch in die Gemeinschaft seines Lebens kommen. Mache uns zu lebendigen Christen, die es in ihrem ganzen Sinn und Wandel bezeugen, daß sie nun mit Christo auferstanden sind aus dem Tod der Sünde und Eitelkeit und nun ihr ganzes Verlangen darnach richten, der ganzen Kraft der Auferstehung Chrifti theilhaftig zu werden. Stärke im Andenken an den herrlichen Sieg Jesu Christi auch unsern Glauben, daß er auch ein siegħafter werde im Kampf mit Welt und Sünde. Laß das ganze Evangelium von Christo, dem gestorbenen und auferstandenen, einen lebendigen Samen des unvergänglichen Lebens in uns werden und mache besonders auch unsere Hoffnung zu einer lebendigen, damit wir, wenn das Haus dieser Hütte einst auch bei uns zerbrochen wird, gewiß wissen, daß wir dann einen Bau von Gott haben, ein Haus nicht mit Händen gemacht, das ewig ist im Himmel. O hilf, daß es auch bei uns immer mehr heißt: Man finget vom Sieg in den Hütten der Gerechten. Die Rechte des Herrn ist erhöhet; die Nechte des Herrn behält den Sieg. 757 Sei hochgelobt in dieser Zeit Von allen Gotteskindern, Und ewig in der Herrlichkeit Von allen Ueberwindern, Die überwunden durch dein Blut. Herr Jesu, gib uns Kraft u. Muth, Daß wir auch überwinden. Amen. Oftermontag. Morgen. Lieber Heiland, der du die Schwachen stärkest und die Traurigen mit deinem Trost erquickest, wie innig und freundlich gehest du mit denen um, die bekümmert und niedergeschlagen sind, so daß ein Herz bei dir wieder anfangt zu leben, und auf's neue mit Glauben und Hoffnung erfüllt wird. Herr, du haſt ja noch dieselbe Kraft, bist auch noch so bereit, wie damals, da du auf Erden warest, geängstete und betrübte Herzen mit deinem freundlichen Zuspruch aufzurichten. Gib, daß keines von uns verzage in der Stunde der Anfechtung, ob uns gleich die Augen eine Zeitlang gehalten würden, dich nicht zu erkennen, daß vielmehr deine Glaubigen sich deiner nahen Gegenwart zu aller Zeit getrösten mögen. Eröffne uns durch deinen Geist das Verständniß deines heiligen Wortes, wenn wir trägen Herzens sind, zu glauben, und verleihe uns, recht zu erkennen das Geheimniß deines Todes und die Kraft deiner Auferstehung. Laß uns an unserem Beten, an der Lust zu deinem Wort und an der Liebe zum Nächsten inne werden, du habest das Feuer deines Geistes in uns angezündet, um uns von aller sündhaften Verderbniß unserer Natur zu reinigen und in dein heiliges Bild zu verklären. Erhalte unsere Herzen brennend und herzlich in der Liebe und im Glauben bis an den Abend unseres Lebens und bleibe bei uns allezeit mit deiner Gnade, damit wir lebendige Zeugen deiner Auferstehung seien. 758 Abend ist es; Herr, die Stunde Ist noch, wie in Emaus, Daß aus deiner Jünger Munde, Jene Bitte fließen muß: Bleib bei uns im Erdenthal, Halt in uns dein Abendmahl, Und dein Friedensgruß erfülle Herz um Herz mit heil'ger Stille. Amen. Oftermontag. Abend. Herr Jesu! du lebendiger, auferstandener Heiland! Du hast dich einst von deinen Jüngern nöthigen lassen, da sie dich baten: bleibe bei uns, denn es will Abend werden, und der Tag hat sich geneigt. Siehe, auch wir sind deiner Nähe, Gemeinschaft, deines Lichtes und Trostes jeden Tag und jeden Abend neu bedürftig. Denn ohne dich können wir nichts, als sündigen und irren; ohne dich haben wir keinen Tilger unserer Sünden; ohne dich sind wir todt, dürre Neben, denen Gott das Feuer droht. In deiner heiligen und heiligenden Nähe können aber auch unsere tobten Herzen belebt, unsere kalten Herzen erwärmt werden, ja können noch fruchtbare Reben aus uns werden. Darum komme zu uns mit deinem Wort und Geist und Blut, und werde nicht müde, uns zu erleuchten, zu reinigen, zu heiligen, damit rechte Gottesmenschen aus uns werden, die hienieden ein Licht und Salz sind für ihre Umgebung, und die tüchtig werden zum Eingang in dein ewiges himmlisches Reich. Wenn du aber aus weisen Ursachen dich stellst, als wolltest du weitergehen und unsere Bitte nicht erfüllen, so erwecke uns, daß wir mit Jakob dich nicht lassen, du segnest uns denn. Bleibe mir stets in Gedanken, Daß mein Herz dich nicht verläßt. Mach' es, wenn es wollt wanken, Durch die Gnade wieder fest. Bleib' bei mir, was ich schaffe, Bleib' bei mir, wo ich ruh', Bleib' bei mir, wenn ich schlafe, Weicht mir alles, bleibe du. Ja, du bleibst, du hast's versprochen: Ich bin bei euch allezeit; Du hast nie ein Wort gebrochen Brichst's auch nicht in Ewigkeit. Schlaft, ihr Glieder, wache, Seele Jesus bleibt und hält die Wacht, Welchem ich euch froh befehle. Das ist eine gute Nacht! Amen. 759 Simmelfahrtsfeft. Norgen. Herr, allmächtiger Gott, wir loben dich und freuen uns vor deinem Angesicht an diesem großen Siegestag, da unser Heiland, Jesus Christus, aufgefahren ist von der Erde zum Himmel. Weil er gehorsam war bis zum Tod am Kreuz, so hast du ihn erhöhet und ihm einen Namen gegeben, der über alle Namen ist. Du haft ihn gekrönet mit Preis und Ehre, ihm alle Dinge unter seine Füße gethan und ihn gesetzt zur Rechten der Majestät im Himmel. Herr Jesu, du hast den Himmel eingenommen; die ewigen Thore haben dir sich aufgethan; dein Reich ist ein unvergängliches Reich; du bist der König der Ehren. Und weil dir alle Gewalt gegeben ist im Himmel und auf Erden, kannst du die Deinigen erlösen von allem Uebel. Schenke uns die Früchte deiner Himmelfahrt; erfülle uns mit der Gabe deines heiligen Geistes aus der Höhe. Und nachdem du uns durch deinen Tod und deine Auffahrt den Himmel eröffnet hast, so laß nicht zu, daß wir uns denselben abermals verschließen durch Unbußfertigkeit und Sünde. Hilf, daß wir einzig suchen, was droben ist. Bleibe bei uns, getreuer Heiland, so lange wir noch Pilgrime und Fremdlinge hienieden sind. Ziehe unsere Herzen immer völliger an dich, damit, wenn du uns von hinnen rufft, wir mit Freuden deine Stimme hören. Laß uns gelangen in das Jerusalem, das droben ist, und in die Versammlung der Erstgebornen, zu dir, dem Mittler des neuen Bundes und zu deinem und unserem Vater, welchem Ehre und Lob gebührt in Ewigkeit. 760 Herr Jesu, komm, zeuch uns dir nach, Daß wir nach kurzem Ungemach Zur Freude dort gelangen; Du bist uns allen ja zu gut Durch dein vergoff'nes theures Blut In's Heiligthum gegangen. Dafür soll dir Von uns allen Preis erschallen; Nimm am Ende Herr, uns auf in deine Hände! Amen. Simmelfahrtsfeft. Abend. 761 Herr Jesus Christus, du Sohn des Allerhöchsten, der du nun nicht mehr arm und in Knechtsgestalt auf Erden wandelst, sondern erhöht bist zur Rechten deines Vaters, ein Herr über alles, was im Himmel und auf Erden ist, wir kommen am Abend dieses theuren Festtages noch einmal vor dein heiliges und gnädiges Angesicht und bitten dich herzlich, ziehe uns dir nach, daß wir alles Irdische gering schätzen und einzig trachten nach dem, das droben ist. Und wie du beim Abschied noch deine Hände aufgehoben haft über deine Jünger und sie gesegnet, so segne nun von deinem Gnadenthron herab auch uns und deine ganze Christenheit. Erweise deine Kraft aus der Höhe, sende uns deinen heiligen Geist. Gib deinen Gemeinden fromme und getreue Vorsteher und Lehrer; bewahre uns bei deinem reinen Wort; wehre dem Satan und allen Aergernissen, die unter uns noch im Schwange gehen. Laß dein Evangelium verkündet werden aller Creatur, und erhalte dein Reich auf Erden mit großer Kraft, bis daß alle deine und unsere Feinde zu deinen Füßen liegen. Du haft schon viele Kinder Gottes zur Herrlichkeit geführt, so hilf auch uns durch deinen Geist Sünde, Tod und alles überwinden, damit wir, wenn du zum Gericht kommst, eingehen mögen mit allen Heiligen in das Reich deiner Herrlichkeit, wo du lebst und regierst ein König immer und ewiglich. Du hast einst in den Tagen deines Fleisches gebetet: Bater, ich will, daß die bei mir seien, die du mir gegeben hast, daß sie meine Herrlichkeit sehen, die du mir gegeben hast. Laß diese Bitte auch an uns seliglich erfüllt werden. Herrsch' auch, Herr, in unsern Herzen Neber Lüste, Furcht und Schmerzen! Laß dein Leben in uns fließen, Laß uns dich im Geist genießen, Ehren, fürchten, loben, lieben, Und uns im Gehorsam üben, Siegen hier mit dir im Streite Dort mitherrschen dir zur Seite. Amen. Pfingstfest. Norgen. Barmherziger Gott und Vater, wir sagen dir Preis und Dank, daß du noch immer, wie über die ersten Jünger, deinen heiligen Geist ausgießen willst über deine Glaubigen durch die Predigt deines Wortes und die Sakramente Wir bitten dich. du wollest uns, deine armen Kinder, durch deinen Geist erleuchten, da mit wir von Tag zu Tag in lebendigem Glauben, unsträflichem Wandel, gottseligem Eifer und kindlicher Ergebung wachsen und zunehmen. Hilf, daß wir vor jedermann erweisen die Früchte des Geistes: Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Gütigkeit, Sanft= muth, Keuschheit. Herr, verleihe uns durch deine Gnade, daß wir selbst unseres Berufs und unserer Erwählung versichert, und auch andere durch uns zu beinem Lob und unserem Herrn Jesu Christo zur ewis gen Seligkeit gewonnen werden. Gott, heiliger Geift, Tröster der Betrübten, neige dich zu uns, und erfülle unsere Herzen mit deinen himmlischen Gaben. Thue weg von uns alle Unreinigkeit. Erleuchte unsere Seelen mit deinem hellen Licht. Lehre uns thun deinen Willen; denn du bist unser Gott, und wir wissen gewiß, in welchem du wohnest, da machest du eine liebliche Wohnung des höchsten Gottes. So komm, gütigster Tröster der trauernden Seelen, Beschirmer zur rechten Zeit, Helfer in der Noth. Komm, du Stärke der Schwachen, du Lehrer der Demüthigen, du Hoffnung der Elenden, Erquicker der Vernünftigen. Komm, aller Lebendigen seligste Zierde, aller Sterbenden heilsamstes Labsal. Erbarme dich unser und gib uns deinen Frieden. 762 Komm, o komm, du Geist des Lebens, Wahrer Gott von Ewigkeit; Deine Kraft sei nicht vergebens, Sie erfüll' uns jederzeit; So wird Geist und Licht und Schein In dem dunklen Herzen sein. Amen. Pfingstfest. Abend. Vater unseres Herrn Jesu Christi! Nimm am Abend des heutigen Festtages noch einmal unsern demüthigen Dank, daß du im Namen deines lieben Sohnes Jesu Christi den heiligen Geist uns gesandt hast, in welchem du noch immer zu uns kommen und Wohnung in uns machen willst. Laß seine allmächtige Kraft in unsern Herzen immer wirksamer werden, daß wir durch ihn zu dem Stande wahrer Gotteskinder in dieser und jener Welt tüchtig gemacht werden. Ja komme zu uns, du heiliger Geist, du Geist des Lichts und der Wahrheit, leite uns in alle Wahrheit, erleuchte unsern Geist und vertreib immer mehr alle Finsterniß aus unserm Herzen. Geist des Gebets, hilf uns beten, wie sichs gebührt und vertritt uns mit unaussprechlichem Seufzen. Geist der Kraft, waffne uns wider alle Versuchung; hilf unserer Schwachheit auf und wirke in uns beides, das Wollen und das Vollbringen. Geist der Heiligung, heilige uns durch und durch, unsere Sinnen und Gedanken, unser Dichten und Trachten, und mache uns fertig, in allen Stücken deinen Willen zu thun. Geist der Freude und des Trostes, bleibe bei uns, tröste uns in aller unserer Trübsal und erfülle uns jederzeit mit heiliger Freude. Geist des Friedens, gib du uns allen den Sinn des Friedens, der Sanftmuth und Liebe unter einander. Gott, verwirf uns nicht vor deinem Angesicht und nimm beinen heiligen Geist nicht von uns. Laß uns unsern Lauf glaubig führen und vollenden, und dereinst mit ber seligen Hoffnung entschlafen, du werdest unsere sterbliche Leiber erwecken um deßwillen, daß dein Geist in uns wohnet. D du Geist der Kraft und Stärke, Der allein das Gute schafft, Fördere in uns deine Werke Und zum Kämpfen gib uns Kraft; Schenk' uns Waffen in den Krieg; Und erhalt' in uns den Sieg. Amen. 763 Dreieinigkeitsfeft. Morgen. Herr Gott, der du unser Schöpfer, Erlöser und Seligmacher bist, deine große Barmherzigkeit sei ge= priesen, daß du das große Geheimniß deines Wesens uns wissen läsfest, und hast einen Bund mit deinem Voll aufgerichtet aus Lauter Liebe. Du läsfest uns deine ewige Kraft und Gottheit ersehen an deinen Werken, und erweisest an uns allen Reichthum deiner Gnade. Wir beugen uns vor dem Thron deiner Herrlichkeit, daß du uns geschaffen hast, uns sammt allen Dingen trägest durch dein kräftiges Wort, und uns täglich und treulich behütest und versorgest ohne all' unser Verdienst und Würdigkeit. Wir loben dich mit inniger Dankbarkeit, daß du, ewiger Gott, bist erschienen im Fleisch, und hast dich unserer Seelen herzlich angenommen, auf daß wir einen Heiland haben und eine Erlösung durch sein Blut, nemlich die Vergebung der Sünden. Wir rühmen deinen heiligen Namen, daß du, als unser Beistand und Tröster, willst Wohnung unter uns machen, und uns mit der ganzen Christenheit erhältst im rechten Glauben zur ewigen Seligteit. Herr, unser Licht und Leben, wir bitten dich, du wollest auch ferner dein Angesicht uns leuchten lassen, unsere Sünden uns vergeben, all' unsere Gebrechen heilen und uns krönen mit Gnade und Barmherzigteit. Dein Name müsse groß sein unter uns, und dein Friede unsere Herzen und Sinne bewahren; denn von dir und durch dich und zu dir sind alle Dinge; dir sei Ehre und Preis immerdar. 764 Vater! du hast mir erzeiget Lauter Gnad' und Gütigkeit; Und du haft zu mir geneiget, Jesu, deine Freundlichkeit, Und durch dich, o Geist der Gnaden, Werd' ich stets noch eingeladen. Tausend, tausendmal sei dir, Großer König, Dank dafür! Amen. Dreieinigkeitsfeft. Abend. 765 Heiliger und hochgelobter Gott! Wir danker dir am Abend des heutigen theuren Festtages noch einmal von Herzen, daß du uns das große Geheimniß deines Wesens so gnädiglich geoffenbaret und gelehret haft, im rechten Glauben zu wissen und zu bekennen, daß du als Vater, Sohn und Geist ein einiger wahrer Gott seiest, und dafür angebetet sein wollest. Wir bitten dich, du wollest solche göttliche Erkenntniß in uns beständig erhalten, damit wir davon auf keine Weise abgetrieben werden. Laß uns aber auch immer besser erkennen, wie unendlich viel Wohlthaten uns bisher von dem Vater, Sohn und Geist durch das Werk der Schöpfung, Erlösung und Heiligung zugeflossen sind, und laß nicht ab, uns auch ferner Gutes zu thun, und uns mit der Liebe des Vaters, mit der Gnade des Sohnes, mit dem Trost und der Gemeinschaft des heiligen Geistes beizustehen, so lange wir leben. Endlich nimm uns zu dir in das Reich der ewigen Herrlichkeit, auf daß wir daſselbst schauen mögen, was wir geglaubt haben, und dich ewigen, dreieinigen Gott mit allen Engeln und Auserwählten Loben und preisen mögen immer und ewiglich. Vater, du hast uns erzeiget, Lauter Gnad und Gütigkeit, Und du haft zu uns geneiget, Jesu, deine Freundlichkeit, Und durch dich, o Geist der Gnaden, Sind wir stets noch eingeladen. Tausend, tausendmal sei dir, Großer König, Dank dafür. Tausendmal sei dir gesungen Herr, mein Gott solch' Lobgesang, Weil es uns bisher gelungen; Ach, laß unsres Lebens Gang Ferner noch durch Jesu Leiten Nur geh'n in die Ewigkeiten, Daß wir dann, Herr Jesu, dir Ewig danken für und für. Amen. Reformationsfest. Norgen. Heiliger, wahrhaftiger Gott, wie können wir Lob und Dank genug gegen dich aussprechen, daß du nach so langer Finsterniß dein feligmachendes Evangelium aus großer Barmherzigkeit wieder ans Licht gebracht, und durch treue Zeugen und Bekenner desselben unsere Kirche von verderblichen Irrthümern und Menschensazungen gereinigt hast. Gib ferner Gnade, daß wir dein untrügliches Wort, wie es dein Geist den Propheten und Aposteln eingegeben hat, sammt den Sakramenten, lauter und unverfälscht behalten. Wende unsere Herzen ab von unnützer Lehre, von Irrthum und Verführung. Wehre allen Feinden unseres Glaubens, daß keiner mit List oder Gewalt deine Schafe zerstreue, und uns der gesunden und kräftigen Weide deines erquickenden Wortes beraube. Bringe auch die herbei zu deiner Herde, die noch in Unwissenheit, blindem Eifer, Unverstand und Irrthum dahin gehen. Suche die Verlorenen, heile diejenigen, die an ihrer Seele Schaden genommen haben. Heilige uns alle in deiner Wahrheit, daß wir nicht durch gottloses Leben deiner Kirche zur Schande gereichen, sondern würdiglich wandeln im Evangelio, und dasselbe in allen Widerwärtigkeiten und Anfechtungen mit Worten und Werken bekennen. Siehe mit Gnaden an den Weinberg, den du durch deinen Sohn, Jesum Christum, gepflanzt und bisher gesegnet hast. Herr, du wolleft uns vollbereiten, stärken, kräftigen, gründen. Dir sei Ehre und Macht von Ewigkeit zu Ewigkeit! 766 O Gott, laß dir befohlen sein Unsre Kirche, die Kinder dein; Im wahren Glauben uns erhalt' Und rett uns von der Feinde G'wait. Laß alle Welt erkennen doch, Daß du, unser Gott, lebeft noch Und hilfst gewaltig deiner Schar, Die sich auf dich verlässet gar. Amen. Reformationsfest. Abend. Mit Dank und Freude kommen wir an diesem Abend noch einmal vor dein Angesicht, um deine Treue und Erbarmung zu preisen. Herr, du hast in den Tagen der Reformation großes an deinem Volke und deiner Kirche gethan; deß freuen wir uns und sind fröhlich in dir. Du hast ein Gedächtniß deiner Wunden gestiftet; deß soll nimmermehr vergessen werden. Mächtig hast du dich deiner, durch so viel falsche Lehre verderbten Kirche angenommen und deine auserwählten Werkzeuge mit Weisheit und Muth ausgerüstet, die reine Lehre des Evangeliums wieder aus dem Dunkel des Irrthums und Aberglaubens an's Licht zu ziehen. Du hast uns bis auf diese Stunde dein göttlich Wort in seiner Lauterkeit erhalten, daß es uns bleibe eine Leuchte auf unserer Lebensbahn und ein Licht auf dem Wege zur Ewigkeit. Dafür sei dein großer Name gelobt immer und ewiglich. Wir bitten dich aber auch, du wollest das theure Kleinod deiner seligmachenden Wahrheit uns und allen unsern Nachkommen rein und lauter bewahren und das Licht desselben immer mehr über allen Völkern aufgehen lassen. Heiliger Vater, gib einen hellen Schein der Erkenntniß Jesu Christi in unsere Herzen und laß das Wort von seinem Kreuze uns göttliche Kraft und göttliche Weisheit werden. Hilf uns durch die Gnade deines heiligen Geistes würdiglich wandeln dem Evangelium deines Sohnes, auf daß wir nicht zu Schänden werden vor ihm bei seiner Zukunft. Ja, mache uns zu treuen Bekennern und Haushaltern über die theure evangelische Wahrheit, damit wir einst als fromme und getreue Knechte eingehen dürfen zu unseres Herrn Freude. Gib, daß wir leben in dem Wort, Und darauf fahren ferner fort Von hinnen aus dem Jammerthal Bu dir in deinen Freudensaal. Amen. 767 An Aposteltagen. Morgen. Herr Jesu, wir danken dir, daß du uns armen verirrten Menschen Apostel und Evangelisten, Hirten und Lehrer gegeben hast, damit deine Gemeinde erbaut werde, und wir alle hinan kommen zu einerlei Glauben und Erkenntniß. Mache uns zu lebendigen Gliedern an deinem Leibe; rüste uns aus zu deinem Dienst, und verherrliche an uns deine Gnade, wie du sie an deinen Aposteln verherrlicht hast. Du haft Worte des ewigen Lebens auch für uns, wie einst für deine ersten Jünger. Zu deiner Treue, die das Verlorene sucht, dürfen auch wir fliehen, wie dein gefallener und weinender Petrus; der Schoß deiner Liebe steht auch uns offen, wie dem Johannes, und deinem Knecht Paulus haft du Barmherzigkeit widerfahren lassen, zum Beispiel für alle, die an dich glauben sollen zum ewigen Leben. Beweise auch an uns die Treue, mit der du deine Apostel zu dir gezogen, erleuchtet, geheiligt und bis an's Ende erhalten hast. Ja, hilf uns aus aller unserer Sünde und Schwachheit. Mache uns durch deine Gnade felsenfest, wie Petrus, voll Liebe, wie Johannes, treu bis in den Tod, wie Jakobus, und erfülle uns mit Demuth, Kraft und Eifer, wie Paulus. Gib uns, gleich deinen ersten Zeugen, den Geist der Weisheit und Stärke, damit auch wir den guten Kampf kämpfen, den Lauf vollenden und Glauben halten. Und wie die Namen deiner Apostel im Himmel angeschrieben bleiben, so schreibe auch unsere Namen in das Buch des Lebens ein, und führe uns durch die Prüfungen dieser Zeit hindurch zum Ziel der seligen Vollendung. 768 Herr! gib dein Wort mit großen Scharen, Die in der Kraft Evangelisten sei'n. Laß eilend Hilf' uns widerfahren Und brich in Satans Reich mit Macht herein! O breite, Herr, auf weitem Erdenkreis Dein Neich bald aus zu deines Namens Preis. Amen." An Aposteltagen. Abend. Wir danken dir, Herr Jesu, am Abend dieses Feiertags, daß du uns auch heute durch dein Evangelium zur Gemeinschaft der Heiligen, somit auch zur Gemeinschaft mit dir selbst und deinem himmlischen Vater berufen hast. Olaß uns dem Leibe deiner Gemeinde, dessen Haupt du bist, als lebendige Glieder einverleibt werden und bleiben. Wir müssen klagen: die Heiligen haben abgenommen und die Glaubigen sind wenig unter den Menschenkindern. Darum hilf, Herr, und laß dir noch mehr Kinder geboren werden, wie der Thau aus der Morgenröthe, und thue immer noch mehrere zu beinem Volke herzu. Deine Heiligen, die im Himmel sind, haben auf Erden dein Wort angenommen, an dich geglaubt, ihr Kreuz getragen, in allen Versuchungen überwunden und sind endlich, durch deine Gottesmacht bewahrt, in die ewige Ruhe eingegangen. Gib uns, Herr, denselbigen Geist des Glaubens! Gib uns Kraft zum Ueberwinden, mache uns treu und klug und führe dein Gnadenwerk in uns bis an unser Ende fort. Endlich aber nimm unsere Seelen dahin auf, wo du selber bist, und wo die große Zahl, welche niemand zählen kann, um dich versammelt ist. Vergib uns unsere Sünden, reinige unsere Seelen und bewahre uns vor neuen Befleckungen des Leibes und der Seele. Wende auch in dieser Nacht alles Uebel von uns und ben Unsrigen ab und laß allenthalben auf dem Erdboden deine bekehrende, tröstende, hilfreiche Gnade gespürt werden. Höre die sehnliche Bitte, die wir vor bich bringen: Herr, meinen Namen schreib In's Buch des Lebens ein; Laß mich an deinem Leib Ein Glied mit jenen sein, Die hoch im Himmel grünen Und vor dir leben frei, So will ich ewig rühmen, Daß treu dein Herze sei. Amen. Stark's Morgen- und Abend- Andachten. 49 769 Kirchweihtest. Herr Jesu, dir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Darum sammelst du auch auf dem ganzen Erdboden dir eine Gemeinde, ein Volk zum Eigenthum, das fleißig sei zu guten Werken. Auch unter uns hast du dir ein Heiligthum gegründet, darin wir zusammen kommen und die Predigt deines Evangeliums hören dürfen. Wie viel köstliche Lehren, wie biel Worte der Erweckung und des Trostes aus dem Schatz deiner Gnade und Wahrheit sind uns in dem selben schon vorgehalten worden! Wie viele Kinder sind dort dir zugebracht, wie viele Seelen durch dein Abendmahl erquickt, wie viel Ehen in deinem Namen eingesegnet worden! Dank sei dir für all dies Gute, obgleich wir es vielfach mit Undank vergolten haben. Wir bekennen, daß wir solcher Langmuth nicht werth sind. Kirchweih haben wir schon oft gehalten, aber auch unsere Kirche oft selbst entweiht durch unheilige Gedanken, durch Beten ohne Ernst und durch vergebliches Hören. Wie oft ist dieses Dankfest in einen Tag fleischlicher Lust verkehrt worden, wodurch viele Schaden genommen haben an ihrer Seele! Laß dir dein Haus und alle, die sich darin versammeln, auf's neue empfohlen sein. Laß die Herzen der Väter sammt denen der Kinder zu dir bekehrt werden, auf daß die Wohnung deines Namens bei uns bleibe für und für. Laß auch in unsern Häusern dein Wort wohnen, daß wir uns unter einander lehren und ermahnen mit Psalmen und Lobgesängen und geistlichen lieblichen Liedern. Laß uns einst alle eingehen in dein Haus, das nicht mit Händen gemacht ist, auf daß wir dort dir dienen mögen in heiligem Schmuck, in ewiger Gerechtigkeit, Unschuld und Seligkeit. 770 Gib, daß wir leben in dem Wort Und darauf fahren ferner fort Von hinnen aus dem Jammerthal Bu dir in deinen Freudensaal. Amen. Erntedankfest in gesegn. Jahren. 771 Allmächtiger Gott, wir bringen dir demüthigen Dank für die reiche Liebe, womit du deine milde Hand aufgethan und alles, was da lebet, mit Wohlgefallen gesättigt hast. Du hast uns vom Himmel Regen und fruchtbare Zeiten gegeben, den Segen unserer Felder und Weinberge treulich behütet und unsere Herzen erfüllt mit Speise und Freude. Du hast Großes an uns gethan; deß sind wir fröhlich. Dich sollen wir finden und fühlen in deinen Wohlthaten. Aber mit tiefer Beschämung müssen wir bekennen, daß wir deiner Gaben nicht werth sind, daß wir deiner oft vergessen, oft ängstlich gesorgt und gezagt, oft den Reichthum deiner Güte verachtet oder mißbraucht haben. Vergib uns unsere Sünden. Bewahre uns vor dem Leichtsinn, der deiner Gebote vergißt, vor der Trägheit, die deine Güte versäumt, vor der Unmäßigkeit, die deine Güte mißbraucht, vor dem Geiz, der Herz und Hand dem Bruder verschließt. Dein Segen allein macht reich, und niemand lebt davon, daß er viel Güter hat. Wann du unsere Seelen von uns forderst, weß wird sein, was wir gesammelt haben? Hilf uns reich werden in dir, unserem Gott; laß deine Güte uns zur Buße leiten, und höre nicht auf, uns zu segnen. Gib ferner fruchtbare Zeiten, und laß uns deinen Segen in Frieden und Gesundheit genießen. Du machest fröhlich, was da lebet; o so erfreue nach dem Reichthum deiner Güte auch die Herzen aller Armen, Verlassenen und Betrübten. Hilf uns durch deine Gnade, daß wir nicht auf das Fleisch säen, sondern auf den Geist, damit wir von dem Geist das ewige Leben ernten. Lobe den Herrn, der sichtbar dein Leben gesegnet; Der aus dem Himmel mit Strömen der Liebe geregnet! Dente daran, Was der Allmächtige tann, Der dir mit Liebe begegnet. Amen. 49* 772 Erntedankfest in mittelmäß. Jahren. Allmächtiger Gott, du hast dich nicht unbezeugt gelassen, sondern hast uns viel Gutes gethan; du Hast unsere Saaten behütet und das Gewächs unserer Felder und Weinberge gesegnet. Darum kommen wir vor dein Angesicht mit Danken, und sind getroft über deiner Hilfe. Wir bekennen in Demuth, daß wir deine Treue nicht verdient haben, und daß der Reichthum deiner Güte, Geduld und Langmuth vielfältig von uns verachtet wird. Aber deine Gnade hat noch kein Ende und deine Barmherzigkeit währet für und für. Darum preisen wir deinen Namen und bitten dich um deinen heiligen Geist, daß er uns lehre, wie deine Güte uns zur Buße leite, damit wir in rechter Furcht unser täglich Brod mit Danksagung empfangen, und in der Liebe zu dir und unserem Nächsten alle deine Gaben nach deinem Willen gebrauchen. Gib uns einen zufriedenen und bescheidenen Sinn, auf daß wir uns genügen lassen an dem, das da iſt, und deiner Hilfe kindlich vertrauen. Erwecke unsere Herzen, daß wir nicht vergessen, wohl zu thun, und von deinen Gütern die Hungrigen speisen und die Durstigen tränken. Erquicke du selbst die Armen und Bekümmerten mit deinem Trost, und mache sie reich durch den Geist des Glaubens und durch das Wort des Lebens, das ewiglich bleibet. Gib uns allen nach deiner Gnade, daß wir am Tage jener großen Ernte mit Freuden kommen und unsere Garben bringen, und aus deiner Hand die unverweltliche Krone der Ehren empfangen, durch deinen Sohn, unsern Herrn und Heiland, Jesum Christum. Ja, freilich bin ich zu geringe Der herzlichen Barmherzigkeit, Womit, o Schöpfer aller Dinge, Mich deine Liebe stets erfreut; Ich bin, o Vater, selbst nicht mein, Dein bin ich, Herr, und bleibe dein! Amen. Erntedankfest in Mißjahren. Allmächtiger Gott, Herr des Himmels und der Erde, du hast uns in so vielen fruchtbaren Jahren mit dem Reichthum deiner Güte gesegnet. Auch das, was wir in diesem Jahr an Früchten der Ernte und des Herbstes noch einsammeln durften, ist ein unver= dientes Geschenk deiner Gnade. Zwar hat uns manche Frucht des Feldes und der Weinberge gefehlt, und die Erde uns nicht gegeben, was wir gewünscht haben. Deine Gedanken sind nicht unsere Gedanken, und unsere Wege sind nicht deine Wege. Aber es sind Gedanken des Friedens und nicht des Leides, die du über uns hast, und all dein Thun ist lauter Güte und Treue. So bewahre uns denn, barmherziger Gott, daß wir nicht murren wider dich und meinen, wir hätten sollen mehr empfangen. Bist du doch unser Vater, der da reich ist an Barmherzigkeit. Du hast deine Hand noch nicht von uns abgezogen, und Leben, Gesundheit und Frieden uns bisher erhalten; du wirst es auch in Zukunft wohl machen. Du hast Mittel und Wege genug, zu helfen, und weißt, was wir bedürfen. Deine Augen sehen auf die, die dich fürchten, die auf deine Güte hoffen, daß du ihre Seelen errettest vom Tode und ernährest sie in der Theurung. Gib uns Geduld und Vertrauen auf dich, der gesagt hat: ich will dich nicht verlassen, noch versäumen. Ja, unsere Seele harret auf dich; du bist unsere Hilfe und unser Schild. Deine Güte, Herr, sei über uns, wie wir auf dich hoffen. Was Gott thut, das ist wohlgethan: Laßt in Geduld uns fassen: Er nimmt sich unser gnädig an Und wird uns nicht verlassen. Er, unser Gott, Weiß, was uns noth, Und wird es gern uns geben; Kommt, laßt uns ihn erheben. Amen. 773 Misfionsgebet. Barmherziger Gott, gelobet seist du, daß du auch uns in deine heilige Kirche berufen, und deinen Sohn uns gemacht hast zur Weisheit, zur Gerechtigkeit, zur Heiligung und Erlösung. Gib, daß wir diese Gnade lebendig erkennen und darin durch den Glauben immer fester gegründet werden. Segne dazu die Predigt deines Wortes in allen Gemeinden, und gieße deinen heiligen Geist aus über Lehrer und Hörer. So viele Millionen Menschen sind noch ferne von dir und deinem Frieden; zahlreiche Völker gehen noch in der Blindheit ihres Herzens dahin und sind versunken in die Greuel des Gözendienstes. Erbarme dich ihrer, schenke ihnen das Licht des Evangeliums, öffne ihre Augen, daß sie dich und die Wunder deiner Gnade erkennen, und laß sie in deinem Sohn, Jesu Christo, Leben und Seligkeit finden. Sende deine Boten in alle Welt, das Wort des Heils zu verkündigen, aller Creatur. Rüste fie aus mit Glauben und Liebe, daß sie predigen mit Freudigkeit und Treue und als deine Diener wirken in Beweisung des Geistes und der Kraft. Uns aber verleihe die Gnade, daß wir von Herzen bereit seien, jeder nach der Gabe, die er empfangen hat, mitzuwirken für die Ausbreitung deines Reichs im Glauben und in der Liebe. Lasse alle, die von Morgen und von Abend, von Mitternacht und von Mittag zu deinem Reiche gekommen sind und noch kommen werden, wachsen zu einer heiligen und seligen Gemeinde deines Sohnes, bis endlich eine Herde ist unter einem Hirten, und alle Zungen bekennen, daß Jesus Christus der Herr set, zu deiner Ehre, von nun an bis in Ewigkeit. Was wird's doch einst für Freude sein, Wann deine Schnitter ernten, 774 Und alle dann sich ewig freu'n, Die deiner harren lernten! Wir harren dein, o siege du In deinen Gliedern, bis die Ruh' Für Gottes Volk erscheinet! Amen. Gebet der Eltern bei der Taufe 775 eines Kindes. Lieber himmlischer Vater, wir preisen deinen Namen, daß du durch deine allmächtige Liebe dieses Kind ins Dasein gerufen hast. Nimm es nun auf in die Zahl deiner Kinder und Erben in Christo Jesu. Erhalte es, o treuer Vater, in deiner Liebe, in der Gnade unsers Herrn Jesu Christi, und in der Gemeinschaft des heiligen Geistes. Leite es im Fortgang seiner Jahre zur Erkenntniß und treuen Uebung deines Willens nach der Lehre und dem Vorbilde Jesu, daß es aufwachse zu deinem Wohlgefallen und zur Freude der Seinigen. Gib uns zu seiner christlichen Erziehung Weisheit, Treue und Geduld, und laß uns nie vergessen der großen Rechenschaft, die du einst von uns fordern wirst. Wache du selbst über diesem Kinde, und behüte es unter allen Gefahren, Versuchungen und Anfechtungen seines Pilgerlaufs. Rüste es aus mit Kraft aus der Höhe zum Beten, Kämpfen und Dulden, daß es täglich zunehme an Weisheit und Gottseligkeit und seinen Lauf Hienieden in der Nachfolge seines Heilandes vollende. Erlöse es endlich von allem Uebel, und hilf ihm aus zur seligen Freiheit deiner Kinder in deinem himmlischen Reiche. Erhöre unser Gebet, du Gott aller Gnade, damit wir auch für dieses Kind deiner väterlichen Liebe ewig danken mögen. So segne dich denn Gott, geliebtes Kind, aus der Fülle seiner Barmherzigkeit! Er leite dich mit treuer Vaterhand durch dieses ganze Leben! Er behüte dich vor allem Bösen und stelle dich dereinst unsträflich mit Freuden vor das Angesicht seiner Herrlichkeit. Hirte, nimm dein Schäflein an; Haupt, mach' es zu deinem Gliede; Himmelsweg, zeig ihm die Bahn; Friedefürst, sei du sein Friede; Weinstock, hilf, daß diese Rebe Auch im Glauben dich umgebe! Amen. ● Gebet eines Confirmanden. Lieber himmlischer Vater, du hast mich in der heiligen Taufe schon in deine Gemeinschaft durch Christum aufgenommen und bisher gnädig erhalten. Dafür preise ich deinen Namen, und sage dir Lob und Dank für alle Barmherzigkeit und Treue, die du an mir gethan hast. Aber ich muß dir mit Neue und Leid bekennen, daß ich den Taufbund oft übertreten und mit Gedanken, Worten und Werken wider dich gesündigt habe. Ich habe ein leichtsinniges Herz, bin oft meinen Eltern und Lehrern ungehorsam gewesen, und habe durch böse Tücke deinem heiligen Geist widerstrebt. Heiliger Gott, gedenke nicht der Sünden meiner Jugend, gedenke aber mein nach deiner Barmherzigkeit. Und weil du, Herr Jesu, am Kreuz für mich gestorben bist, so segne mich durch den Glauben an dich, und laß mich unter die Zahl derjenigen kommen, zu denen du einst sagen wirst: Kommet her, ihr Gesegneten meines Vaters, ererbet das Reich, das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt. Guter Hirte, der du mich schon lange gesucht hast, bringe mich Berlorenen wieder zu deiner Herde. Reinige mich durch dein Blut, heile mich durch deine Wunden. Gieße deinen heiligen Geist über mich aus und führe mich auf der Bahn des gottseligen Lebens. Laß mich auf's neue in der Gnade stehen und leben, die ich in der Taufe empfangen. Dein will ich sein, dir leben und sterben. Hilf, daß dieser Entschluß in mir bleibe und Wirklichkeit werde. Mache mein Herz fest im Anhangen an dich und laß mir aus deiner Fülle Gnade um Gnade zufließen. Ziehe auch die Meinigen zu dir und laß an ihnen und mir deinen Namen verherrlicht werden. 776 Wir entsagen willig allen Eitelkeiten, Aller Erdenlust und Freuden. Da liegt unser Wille, Seele, Leib und Leben, Dir zum Eigenthum ergeben; Du allein sollst es sein, Unser Gott und Herre, Dir gebührt die Ehre! Amen. Beichtgebet. Heiliger und gerechter Gott, wir demüthigen uns vor dir im Gefühl unserer Schuld und Strafbarkeit. Dir ist nichts verborgen, und unser Gewissen sagt es uns, daß wir vielfältig, und dazu manchmal vorsäßlich und muthwillig, mit Gedanken, Worten und Werken gegen dich gesündigt haben. Wie oft haben wir deine Gebote vergessen, den Reichthum deiner Güte und Langmuth mißbraucht und durch Untreue deinen heiligen Geist betrübt. Unsere Sünden gehen über unser Haupt, sie sind uns zu schwer geworden, wie eine große Last; wenn du ins Gericht mit uns gehen wolltest, so müßten wir verzagen; denn wer kann bestehen vor dir, wenn du willst Sünde zurechnen. Aber du haft nicht Gefallen am Tode des Gottlosen, sondern willst, daß er sich bekehre und lebe. Du bist nahe bei denen, die zerbrochenen Herzens sind und hilfft denen, die ein zerschlagenes Gemüth haben. So verbirg denn dein Angesicht nicht vor uns, die wir unsere Missethat mit Schen und Neue bekennen. Sei uns gnädig nach deiner Güte und tilge unsere Sünden nach deiner Barmherzigkeit. Du hast uns deinen eingeborenen Sohn zum Versöhner und Heiland gegeben; er ist unser Fürsprecher bei dir. Laß uns die Vergebung zu Theil werden, die er uns durch seinen Tod am Kreuz erworben hat. Stärke uns mit Kraft, unsern Sinn und Wandel nach deinem Willen einzurichten. Hilf uns alle Reizungen zur Sünde besiegen. Schaffe in uns das Wollen und Vollbringen nach deinem Wohlgefallen. Gib, daß wir Glauben bewahren bis ans Ende, damit wir uns im Leben und Sterben deiner Liebe getrösten und einst der ewigen Seligkeit theilhaftig werden. Richtig wandeln, Weise handeln, Wollst du künftig mir verleihn; Gib die Triebe Reiner Liebe Voller in mein Herz hinein. Welch ein Segen Ist zugegen, Wenn es heißt: du mein, ich dein! Amen. 777 778 Vor dem heiligen Abendmahl. Lob, Dank und Preis sei dir, Herr Jesu, für bas segensreiche Gedächtniß deiner unaussprechlichen Liebe, das du durch die Einseßung deines heiligen Abendmahls gestiftet hast, damit unser Glaube dadurch. gestärkt und unsere Liebe zu dir und zu allen Menschen belebt werde. Du bist das wahrhaftige Brod, das vom Himmel kommt und der Welt das Leben gibt; wer von diesem Brod isset, der wird leben in Ewigkeit. Welche Gnade, daß wir dich, den einzigen Mittler zwischen Gott und den Menschen, erkennen, uns deiner seligen Gemeinschaft freuen und zu deinen Erlösten zählen dürfen! Wir bitten dich demüthig, bewahre uns vor unwürdigem Genuß deines Leibes und Blutes und erwecke uns durch deinen heiligen Geist, daß wir die Sünde, um welcher willen du am Kreuz gestorben bist, mit tiefer Reue an uns selbst erkennen, verabscheuen, hassen und lassen, damit wir nicht uns selbst ein Gericht essen und trinken. Laß uns dagegen das heilige Gedächtnißmahl deiner Liebe und deines Todes am Kreuz ewig theuer sein. Laß uns die Kraft desselben an unserm innern Menschen erfahren. Gib, daß wir an deinem Tische mit dem Trost der Vergebung unserer Sünden erquickt und durch die Hoffnung des ewigen Lebens aufgerichtet werden. Ja, mache uns den Genuß deines Leibes und Blutes zu einem Unterpfand des Abendmahls, welches du einst in deinem himmlischen Reich mit den Deinigen feiern wirst. Herr! du wollst uns vorbereiten Zu deines Mahles Seligkeiten, Sei mitten unter uns, o Gott! Laß uns, Leben zu empfahen, Mit glaubensvollem Herzen nahen Und sprich uns los von Sünd' und Tod. Wir sind, o Jesu, dein, Dein laß uns ewig sein, Amen, Amen! Anbetung dir, Einst feiern wir Das große Abendmahl bei dir. Amen. Nach dem heiligen Abendmahl. 779 Und Herr Gott, himmlischer Vater, wir danken dir, daß du unsere Seelen erquickt, gestärkt und gesegnet hast durch das theure Abendmahl deines lieben Sohnes. Gib, daß wir durch das Verdienst desselben Vergebung der Sünden und alle anderen Wohlthaten seines Leidens behalten mögen. Wir bringen dir uns selbst, unsere Seelen und Leiber, zu einem lebendigen, heiligen und dir wohlgefälligen Opfer dar, und bitten dich, laß uns mit deiner Gnade und deinem himm= lischen Segen fort und fort erfüllt werden. weil unser keiner etwas ist, an sich selbst, sondern als ein Glied an deinem Leibe, da Jesus Christus das Haupt ist, so hilf, daß wir um seinetwillen eine herzliche Liebe und Handreichung unter einander pflegen und die Einigkeit im Geist durch das Band des Friedens erhalten. Gib, daß wir so mit dir und unter uns verbunden, einen starken Muth und gewissen Trost in allen Leiden dieser Zeit bewahren, und durch deine Kraft, die in den Schwachen mächtig ist, die Welt und den Tod überwinden. Ja, unsere Seele erhebe den Herrn, und unser Geist freue sich Gottes, unseres Heilandes. Dein Segen begleite, dein Geist regiere, dein Friede umgebe uns auf allen unsern Wegen. Dein Name sei gepriesen von nun an bis in Ewigkeit. Herr, mein Hirt, Brunn aller Freuden! Du bist mein, Ich bin dein, Niemand kann uns scheiden: Ich bin dein, weil du dein Leben Und dein Blut Mir zu gut In den Tod gegeben; Du bist mein, weil ich dich fasse Und dich nicht, D mein Licht, Aus dem Herzen lasse. Laß mich, laß mich hingelangen, Da du mich Und ich dich Leiblich werd' umfangen. Amen. 780 For Eintritt in den Chestand. Gott der Wahrheit und der Liebe, getreuer himmlischer Vater! Du hast alle meine Wege, die inneren und äußeren, von Ewigkeit her in deinem Sohne Jesu Christo so geordnet, daß ich darauf sicher zur Seligteit gelangen soll. Ja, der Herr Jesus versichert mich, daß alle Haare auf meinem Haupte gezählt seien. O so leite besonders auch jetzt meine Schritte, da ich im Begriff bin, in den Ehestand zu treten, und laß alles, was ich thue oder lasse, nach deinem allein guten und gnädigen Willen geschehen. Bewahre mich, daß ich nicht im Eigenwillen meinen Weg gehe, und etwas erwähle, das mir für Zeit und Ewigkeit Schaden bringen könnte. Ich wälze alle meine Wege und Sorgen auf dich, denn du sorgest ja für mich, und willst mich nicht verlassen noch versäumen; nicht mein, sondern dein Wille soll geschehen. Ist die Verbindung, in die einzutreten ich im Begriff bin, nach deinem Willen, zu meinem zeitlichen und ewigen Heil, so fördere sie und bringe sie selbst zu Stande; wäre sie mir aber schädlich, so hindere sie, ob es auch meinem Fleisch wehe thun sollte. Nur daß du deinen Endzweck an mir erreichst, und daß ich dich gewinne, das einige Ziel meines Herzens und den Grund meiner Ruhe in Zeit und Ewigkeit. Laß mich stille sein und warten in dem festen Vertrauen, daß du es wohl machst. Du unterweisest ja die Sünder so gerne auf dem Wege, du guter und frommer Gott. Du lehrest die Elenden recht und zeigest den Elenden deinen Weg. So laß mich auch nicht irren, sondern führe mich durch deinen Geist auch jetzt auf ebener Bahn. Herr, mach' mich kindlich, treu und stille, Daß ich dir immer folgen kann; Nur dein, nur dein vollkomm'ner Wille, Sei für mich Schranke, Ziel und Bahn, Der sei allein mein Ziel auf Erden; Laß mir's durch nichts verrücket werden, Denn ich bin ja dein Eigenthum. Amen. Am Sochzeittag. Heiliger Gott, du bist ein Gott der Ordnung und Hast den Ehestand eingesetzt, gesegnet und geheiliget, auch das Geheimniß der Vereinigung Christi, deines lieben Sohnes, mit seinen Glaubigen darin abgebildet. Wir bitten deine große Barmherzigkeit, du wollest uns, die wir heute in diesen Stand eintreten, durch deinen heiligen Geist also leiten, daß diese deine Ordnung an uns geheiliget und dein guter und gnädiger Wille in allen Stücken an und durch uns erfüllt werde. Laß unsere Seelen zusammengefaßt werden in Christo Jesu zu einem Sinn und Geist, und erfüllt mit göttlicher Liebe, welche ist das Band der Vollkommenheit, und mit Weisheit, durch vernünftige Begegnung die Liebe zu unterhalten, und uns selbst, sammt denen, die uns anvertraut sind, christlich zu regieren. Wehre dem bösen Feind, daß er uns nicht fälle durch Uneinigkeit, Untreue, Unzucht, Ungerechtigkeit, Ungeduld, Versäum= niß des Gebets und deines Worts, oder Nachläßigkeit in unserem Beruf und Pflichten. Segne unsere Nahrung, Thun und Lassen, Amts- und Christenberuf, und hilf, daß auch unser Kreuz und unsere Trübsal durch Buße, Glauben und Geduld geheiligt werden möge. Mache unser Haus und Herz zu deiner Wohnung, und gib, daß jedes von uns beiden darauf bedacht sein möge, wie eines das andere mit sich in den Himmel bringe. Und wann wir unser Tagewerk vollbracht und Glauben gehalten haben bis an's Ende, so führe uns einst aus dieser Pilgerfahrt in dein himmlisches Vaterhaus zur ewigen Seligkeit ein durch Jesum Christum. O selig Haus, wo du die Freude theilest, Wo keiner dein vergißt! O selig Haus, wo du die Wunden heilest, Und aller Arzt und aller Tröster bist; Bis jeder einst sein Tagewerk vollendet, Und bis sie endlich alle ziehen aus Dahin, woher der Vater dich gesendet, In's große, freie, schöne Baterhaus! Amen. 781 In der Schwangerschaft. Heiliger, gütiger und barmherziger Gott, ich komme zu dir, meine Bitte, Fürbitte und Danksagung dir darzubringen. Du hast, o großer Gott, mir den Ehesegen widerfahren lassen, wofür ich dir von Grund meines Herzens danke. Weil du aber, o gerechter Gott, auf diesen Stand viel Schmerzen und Ungemach geleget hast, so nehme ich dieses unter deinem Beistand auch willig auf. Kommen betrübte Stunden, schmerzhafte Tage, schlaflose Nächte, Herr, mein Gott, so weiche nicht von mir; ich weiß, du kannst nach deiner Allmacht alle meine Leiden lindern, und nach deiner Güte alle segnen, daß sie mir zum Besten dienen; du bleibst auch mitten in den Schmerzen mein Vater und Nothhelfer, meine einzige Zuflucht, mein gnädiger Gott. Wenn ich seufze: ách, wie lang, ach! lange ist dem Herzen bange und verlangt nach dir, so gedenke doch an deine Hilfestunde und laß sie nach deinem gnädigen Willen zur rechten Zeit erscheinen. Wehre den mich plagenden schwermüthigen Gedanken und gib mir eine fröhliche Zuversicht zu deiner Hilfe, die du schon so viele haft erfahren lassen. Hilf mir besonders in der Stunde der Geburt, und laß mich nach deinem gnädigen Wohlgefallen mit einem gefunden, wohlgestalteten Kinde erfreut werden, laß es mit guten Kräften des Lebens und Gemüths ausgerüstet werden; laß es wachsen unter dem Schatten deiner Gnade, bis du es wirst endlich an's Tageslicht bringen, und also alle meine Schmerzen in Wonne und meine Traurigkeit in Freude verkehrt werden. O wie wird mein Mund übergehen von deinem Lob, wenn ich erfahren habe, daß du gerne hilfft denen, die auf dich trauen. Gott hört, wenn niemand hören will! Wie sollt ich bange sorgen: 782 Mein Seufzen dringe nicht zum Ziel Und sei vor Gott verborgen? Ruf ich empor, so hört sein Ohr, So steigt die Hilfe nieder, Und schallt das Amen wieder. Amen. For der Geburt. O ewiger Gott und einiger Helfer in allen Nöthen, meine Stärke, mein Fels, meine Burg, mein Erretter, mein Gott und mein Hort, auf den ich traue, mein Schild und Horn meines Heils und mein Schutz! Mein Stündlein nahet nach deiner Ordnung heran. Hilf du, allmächtiger Gott und Herr, der du bist ein Schild aller, die dir vertrauen. Nahe dich zu mir mit deiner Gnade und mit deinem Segen und lağ mich in der Noth, die mir bevorsteht, deine hilfreiche und freundliche Hand fühlen. Bewahre mich vor uns nöthiger Furcht, vor Angst und Kleinmüthigkeit, wos mit ich deinem Namen Schande machen würde; gib mir Kraft und Stärke, so viel ich brauche, damit ich nicht matt werde, und meine von dir mir verordnete Geburtsarbeit nach deinem Willen verrichten und fröhlich enden möge. Ich bitte auch für diejenigen, die mit mir umgehen müssen, um Weisheit und Vers stand und ausdauernde Liebe, und daß du ihr Beginnen und Vornehmen in Gnaden segnen wollest. Ja, mich und alle die Meinen, meinen Ehegatten und mein ganzes Haus, befehle ich dir, du treuer, barmherziger Heiland und Hohepriester. Auf dich werfe ich mich und bitte: hilf mir bald und hilf mir glücklich, wenn es dein gnädiger Wille ist! Deine Liebe, o Vater, decke mich; deine Gnade, Herr Jesu, erquicke mich; dein Licht, o du heiliger, tröstender Gottesgeist, erleuchte mich, daß ich dich allezeit vor Augen und im Herzen trage. Das walte Gott! Auf ihn will ich vertrauen In meiner schweren Zeit; Mein Helfer läßt sich schauen Und wendet jedes Leid; Ihm sei es heimgestellt! Mein Leib, mein Seel, mein Leben Sei Gott dem Herrn ergeben; Er mach's, wie's ihm gefällt. Amen. 783 Am Geburtstag. Ewiger, barmherziger Gott, ich habe heute durch deine Gnade wieder meinen Geburtstag erlebt. Dieser Tag soll mir ein Bet-, Lob- und Danktag sein. Sollte ich dich nicht preisen, gütiger Gott, daß du mich nicht allein mit gesunden Gliedern und einer vernünftigen Seele, sondern auch von christlichen Eltern haft lassen geboren werden, welche mich zu deiner Erkenntniß geführt haben. Du hast mich von Kindesbeinen an geleitet, begleitet, hast mir Nahrung und Kleider gegeben und bis diesen Tag erhalten. Ich bin zu gering aller Barmherzigkeit und Treue, die du an mir gethan haft. Ich möchte gerne erzählen, was der Herr an meinem Leib und an meiner Seele gethan hat; aber ich kann es nicht; eher möchte ich die Sterne am Himmel zählen, als die Gnadengaben, die ich von dir empfange habe. Aber wie habe ich dir gedanket? Ach, Gott, gedenke nicht der Sünden meiner Jugend und meiner Uebertretung. Verzeihe mir um deiner Barmherzigkeit willen, reinige mich von allen meinen Sünden, durch das Blut Jesu Christi, deines Sohnes und laß mich durch ihn Gnade finden. Verleihe mir Kraft und Stärke durch deinen heiligen Geist, daß ich die übrigen Tage meines Lebens, welche du auf dein Buch geschrieben hast, in deiner Furcht und Liebe hinbringe und all mein Thun und Lassen dir gefalle. Bewahre mich, daß ich mir meines Lebens Ziel nicht abkürze durch Zorn, Unmäßigkeit, Unkeuschheit, Verwegenheit und Frevelthaten, sondern laß mich meine bestimmten Lebensjahre in Friede und Gesundheit unter deinem Schuß und Segen erreichen, bis du mir für dieses irdische, das himmlische Leben durch Jesum Christum geben wirst. Was mir in diesem Leben Noch nüßt, wirst du mir geben; Du gibst, ich hoff' auf dich. 784 Dir, Vater, dir befehle Ich meinen Leib' und Seele; Herr, segne und behüte mich! Amen. Bor Antritt einer Reise. Allmächtiger, ewiger Gott! In deinem Namen will ich jetzt meinen Weg antreten und im Vertrauen auf deine Barmherzigkeit, auf deine freundliche, gnädige und treue Aufsicht meine Reise unternehmen. Du Gott, bist ja unser Gott, der du all' unsern Ausgang und Eingang behütest, und unsere Füße auf ebener Bahn führest, daß sie nicht gleiten. So bitte ich dich denn, du wollest deine heiligen Engel mir zum Schuß mit auf diese Reise geben, und ihnen befehlen, daß sie mich auf meinen Wegen behüten. Herr, mein Gott! bewahre meinen Fuß, daß ich nicht strauchle, noch zu Schaden komme, und meine Seele, daß sie nicht in Thorheit und Sünden gerathe, besonders auch), daß ich meine Zunge bezähme, und meinen Heiland nirgends verleugne. Behüte mich vor Feuer- und Wassersnoth, vor Näubern, Mördern und ungetreuen Leuten und vor allem Uebel Leibes und der Seele. Beschere mir fromme Leute, die mich aufnehmen. Hilf, daß ich meine Geschäfte nüklich und wohl ausrichte, und mit deiner Hilfe gesund und im Frieden wieder heim komme. Ja, sei mir, du treuer Gott, mein Hüter und Hirte, und weiche als mein treuer Geleitsmann nimmer von mir. In deine allmächtigen Hände befehle ich dir meinen Leib und meine Seele, alle meine Verwandten und Bekannten, auch alles, was mir sonst angehört. Hilf, daß ich bei meiner Wiederkunft die lieben Meinigen alle gesund, unbeschädigt und im Segen wieder finde, durch Christum, deinen lieben Sohn, unsern Herrn, der mit dir, ewiger Vater, in Einigkeit des heiligen Geistes lebet und regieret in Ewigkeit. Herr, nun führe meine Sache, Da ich auf die Reise geh! Wo ich ruhe, wo ich steh, Lenke, führe, schüße, wache, Stell mir vor dein Jesusbild, Bleibe du mir Sonn' und Schild. Amen. Stark's Morgens und Abend: Anbatten. 50 785 786 Gebet bei schweren Nöthen und Landplagen: Krieg, Hunger, Seuche. Herr, allmächtiger Gott, der du der Elenden Seufzen nicht verschmähest und der betrübten Herzen Verlangen nicht verachtest, siehe doch an unser Gebet, das wir in unserer Noth vor dich bringen. Wecke uns auf aus unserer Sicherheit; räche nicht die große Untreue unserer Herzen; gedenke, was für elende, schwache Geschöpfe wir sind und laß statt des gedrohten Unterganges deine große Geduld noch einmal über uns walten; hilf uns im Namen Jesu Christi, auch in der Noth ein kindliches Vertrauen zu dir schöpfen, uns fest an dich halten und deiner Hilfe harren. *** Segne den Menschen, o Jesu, die jetzige Noth und Gefahr zu einer rechten Bußübung, und laß manchem, gleich dem verlornen Sohn, das Gewissen aufwachen, daß er eile und seine Seele errette, so lange es Zeit ist. Mache allen fleischlichen Trost zu Nichte und stärke die Herzen der Glaubigen, daß sie nicht irre werden an deinen Wegen, sondern dir auch über deinen Gerichten Ehre geben. Laß uns aber auch deine priesterliche Fürbitte zu Gute kommen, daß, so viel möglich, deine Gerichte noch aufgehalten werden und die Versuchung nicht über unser Vermögen gehe. Höre die Gebete derer, die Tag und Nacht zu dir rufen und sich mit priesterlichem Geist vor den Riß stellen. Laß uns erkennen, daß du es bist, der mit einem Wort den Zornfluten gebieten kann, daß sie sich legen. Gib, daß wir eine neue Erfahrung davon machen: Wir haben einen Gott, der da hilft und einen Herrn, Herrn, der vom Tode errettet. Sieh' nicht an unsere Sünden groß, Sprich uns davon in Gnaden los, Steh' uns in unserem Elend bei, Mach' uns von allen Plagen frei. Alsdann von Herzen wollen wir Mit hohen Freuden danken dir, Gehorsam sein nach deinem Wort, Dich all'zeit preisen hier und dort. Amen. Bei einem Gewitter. Allmächtiger, ewiger Gott, barmherziger Vater, der du schrecklich und herrlich bist, wenn du deine Macht erzeigest. Wir arme, schwache Geschöpfe erkennen deine Gewalt, denn du bewegest die Erde, daß sie bebet und die Berge sich regen. Wir erschrecken vor deiner Macht und erkennen, daß wir durch unsere Sünden verdient hätten, zu Grunde zu gehen; aber weil wir deine Kinder sind, und sonst nirgends hin fliehen können, als zu deiner Gnade und Barmherzigkeit, so bitten wir dich um Hilfe durch Jesum Christum. Herr Gott, der du bist ein Vater der Barmherzigkeit und ein Gott alles Trostes, strafe und züchtige uns nicht. Laß beine Blizze, die schrecklich leuchten, weder unser Haus noch Hof beschädigen. Tröste, stärke und erhalte uns im rechten Glauben und in kindlicher Zuversicht auf deine Gnade und Barmherzigkeit. Bedecke mit deiner Hand unsern Leib und unser Leben, Haus und Hof, sammt allem, was wir haben. Bedecke uns mit deinen Gnadenflügeln, daß das Ungewitter ohne Schaden vorübergehe. Herr, unser Gott, weil Donner und Blizz, Feuer und Wasser, Hagel und Sturmwind deinem Befehl gehorchen müssen, so sei uns gnädig und verschone uns. Zeige dich uns als den wahren Nothhelfer, und laß uns dein Vaterherz wieder sehen durch den heiligen und starken Namen Jesu Christi, welchem mit dir und dem heiligen Geiste sei Ehre, Lob und Preis in Ewigkeit. 787 Mitten wir im Leben sind, Mit dem Tod umfangen. Wen suchen wir, der Hilfe thu, Daß wir Gnad erlangen? Das bist du, Herr, alleine! Uns reuet unsre Missethat, Die dich, Herr, erzürnet hat. Heiliger Herre Gott! Heiliger, starker Gott! Heiliger, barmherziger Heiland! Du ewiger Gott! Laß uns nicht versinken In des bittern Todes Noth! Erbarm dich unser! Amen. 50* Gebet in Armuth. Himmlischer Vater! Du weißt, daß ich für mich und die Meinigen neben den geistlichen Gaben auch die leibliche Nahrung nöthig habe, hast mir aber verboten, mich mit Nahrungssorgen zu quälen, das Beten aber geboten. So komme ich denn zu dir, und bekenne dir meinen Mangel und Dürftigkeit. Ich werfe meine Sorge auf dich und halte dir vor dein Wort: Ich will dich nicht verlassen, noch versäumen. Laß mich denn erfahren, daß du solche Verheißungen auch an mir erfüllst, und stärke meinen Glauben, daß du, wie du die Vögel unter dem Himmel nährest und die Feldblumen kleidest, also auch mich, der ich ein nach deinem Bild geschaffener Mensch bin, mit Nahrung und Kleidung nach meinem Bedürfniß versorgen könnest und werdest. Herr Jesu, der du selbst im Stande deiner Erniedrigung arm gewesen bist, und nun zur Rechten deines Vaters sizest, siehe auf uns Arme, erbarme dich unser, hilf uns. Segne unsere Arbeit und lenke die Herzen der Menschen, mit denen wir es zu thun haben, zur Gütigkeit und Freundlichkeit gegen uns. Bewahre uns aber auch vor Unzufriedenheit, Mißgunst und allen unrechten Wegen, uns Brod zu verschaffen. Hilf uns durch deine Gnade und Vorsorge vollends durch die Wüste dieser Welt hindurch, und laß mich und die Meinigen das Glück des armen Lazarus erlangen, dessen Seele von den Engeln in Abrahams Schoß getragen und in jener Welt reichlich getröstet worden ist. Ja, schenke, uns allen das unvergängliche, unbefleckte und unverwelkliche Erbe, welches im Himmel behalten, und auch den gottseligen Armen aus Gnaden gegeben wird. 788 Da ist Reichthum, der recht wichtig, Da ist Leben, das nicht flüchtig; Jesu, dahin ziehe mich. Um die Güter jenes Lebens Ist das Ringen nicht vergebens, Und die Frucht währt ewiglich! Amen. 789 Gebet in der Anfechtung. O Gott! dessen Barmherzigkeit kein Ende hat, dessen Güte alle Morgen neu wird; siehe, ich komm vor dein Angesicht und schütte meinen großen Kummer und mein betrübtes Herz vor dir aus. Dir ist bekannt mein großes Elend; meine Seele ist betrübt, mein Geist ist geängstet und Leiden hat mich umgeben ohne Zahl. Ich sehe mich um nach Helfern und finde keine; dir aber, o Gott, klage ich mein Leid; denn ich weiß, du bist barmherzig und läsfest dich unser Elend jammern. Darum komme ich zu dir und spreche: Ach, erbarme dich über mich! ich bin dein Geschöpf, darum wirst du das Werk deiner Hände nicht lassen. Ja, ich bin dein Kind, daß du in der heiligen Taufe in deine erbarmenden Vaterarme aufgenommen haft; darum spreche ich: mein Vater, erbarme dich deines verlassenen Kindes. Mein Jesu, ich bin erkauft mit deinem Blut; darum wirst du dich deines Eigenthums erbarmen. Laß deinen Geist, den Tröster, das Zeugniß in meine Seele legen, daß ich bei allem Leiden noch ein Kind Gottes sei und wenn ich im Gebet ermatte, so laß ihn mich vertreten mit unaussprechlichen Seufzern. Siehe, ich finke; ach, biete mir deine Hand; gib mir Freudigkeit des Herzens und rufe stets in meine Seele: du bist nicht verlassen, ich will mich deiner erbarmen; ich bin bei dir in der Noth; ich will dich herausreißen. Bitte für mich, daß mein Glaube nicht aufhöre, meine Hoffnung nicht sinke, daß es vielmehr bei mir heiße: dennoch bleibe ich stets bei dir, denn du hältst mich bei meiner rechten Hand; du leitest mich nach deinent Rath und nimmst mich endlich mit Ehren an. Gib Geduld, daß ich gelassen Mög' umfassen Meine Leiden sanft und stille; Laß sich beugen alles Harte, Daß ich warte, Wie und wann der Herr es will! Amen. Gebet eines Kranken. Heiliger Vater, mein gegenwärtiges Leiden kommt von dir. Decke mir bei demselben das tiefe Verderben meiner Seele auf. Ich weiß zwar wohl, daß ich ein armer Sünder bin, fühle aber doch in mir die Traurigkeit, Scham und Reue noch nicht, die ich fühlen sollte. Ja, ich kenne mich selbst noch nicht genug. So sende denn dein Licht in meine Seele, und decke mir durch dasselbe meinen Zustand noch weiter auf. Laß dein heiliges Gesetz seine Wirkung bei mir haben und mir zur Erkenntniß meiner Sünden helfen. Dein Geist strafe stets, was er an mir Sündliches weiß, daß ich auch aus diesem Werk deine Liebe und Gunst vermerke. Bewahre mich vor Leichtsinn, Sicherheit und falschem Trost. Hilf mir, daß ich recht und gründlich bekehrt werde; ja hilf mir, daß ich in der Buße tief grabe, und als ein kluger Mensch mein Christenthum nicht auf den Sand der eiteln Einbildung, sondern auf Chriftum, als den Fels baue, damit es in den bevorstehenden Versuchungen, ja in der Todesnoth fest stehe und nicht falle. Bewahre mich, daß ich nicht unter denjenigen erfunden werde, die sich dünken lassen, sie seien etwas, da sie doch nichts sind, und sich also selbst be= trügen. Du bist treu und meinest es gut mit allen Menschen. Ich übergebe mich nun in deine treue Fürforge. Wirke in mir, was zum Heil meiner Seele nöthig ist. Ersete mir den leiblichen Schaden durch geistliche Gaben, und hilf mir dazu, daß es von mir Heiße: dieser war todt und ist lebendig geworden; er war verloren und ist gefunden worden. 790 Ja, weil du der Menschen Plagen Und der Sünden schwere Last Als das Gotteslamm getragen, Und dich selbst geopfert haft: So vergib mir meine Sünden, Dent an mich auf deinem Thron, Laß in dir mich Frieden finden, Sage: sei getrost, mein Sohn! Amen. 791 Gebet eines Kranken um Geduld. Herr Jesus Christus, der du mit der allerreinsten Geduld die allerschwersten Leiden an Leib und Seele ausgestanden und sie nicht bälder geendigt hast, bis du hast sagen können: es ist vollbracht; ich bekenne dir, daß ich dir noch sehr unähnlich sei, weil sich die Ungeduld oft in mir regt, und richt nur in großen Leiden, sondern auch in kleinen Beschwerden ausbrechen will. Vergib mir diese große Sünde, und sei auch in diesem Stück meine Gerechtigkeit, daß mir nämlich deine vollkommene Geduld zugerechnet und meine Ungeduld dadurch bedeckt werde. Gib mir zu erkennen, wie deine Regierung untadelhaft und das Leiden, welches du mir zuschickst, nöthig, heilsam und kurz sei. Beuge meinen bösen Willen unter deinen guten Willen und schaffe, daß die Trübsal auch bei mir Geduld bringe, und ich bei der Geduld bewährt und geläutert werde, aus dieser Läuterung aber bei mir eine Hoffnung der himmlischen Herrlichkeit entstehe, bei welcher ich nicht zu Schanden werden kann. Laß deine Kraft in meiner Schwachheit mächtig sein und mich weder Trübsal noch Angst von deiner Liebe scheiden. Laß mich erkennen, wie mein Leiden dazu helfen kann, dir immer ähnlicher und also zur himmlischen Herrlichkeit immer geschickter zu werden. Leite mich nach deinem Rath, und nimm mich endlich mit Ehren an. Zeige mir, wie in der seligen Ewigkeit alle meine Klagen sich in ein fröhliches Lob deines Namens verwandeln werden. Drum laß, o Herr, die Kreuzesfurcht verschwinden, Ja mache mir das Kreuz im Geiste lieb; Es wolle mich hiezu dein Liebestrieb Aus Gegenliebe stets verbinden, Damit die Zärtlichkeit und Kreuzflucht schwinden. Drum laß mich nicht vom Kreuze jelber steigen, D laß mich doch recht fest und männlich stehen, Es soll nichts über meine Kräfte gehen, Du wirst mir selber Hilf erzeigen, Wenn ich nicht selber will vom Kreuze jeigen. Amen. 792 Gebet bei schweren Todesfällen. Gott, du bist unsere Zuflucht für und für. Ehe denn die Berge worden und die Erde und die Welt gegründet worden, bist du Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Du läsfest die Menschen sterben und sprichst: kommet wieder Menschenkinder. Du hast dieses Recht auch in unserer Familie ausgeübt und eines unserer Lieben sterben lassen, das wir so gerne noch länger bei uns behalten hätten. Wir beten an zu deinem Fußschemel und sagen: Heilig, heilig, heilig, bist du, Herr, unser Gott, deine Werke sind unsträflich und alles, was du thust, das ist recht. Herr Jesu, der du auch hierin unser mitleidiger Hoherpriester ge worden bist und selbst beim Grabe des Lazarus geweint hast, habe Geduld mit unserer Schwachheit, bei welcher wir nun auch Leid tragen und weinen. Besänftige, stille und tröste unsere Herzen durch dein theures, werthes Evangelium. Gib uns neue Glaubensblicke auf dich, als auf den, der die Auferstehung und das Leben ist. Gib uns erleuchtete Augen, daß wir etwas davon schauen dürfen, wie denen, die in dir sterben, das Loos auf's liebliche gefallen und ihnen ein schön Erbtheil worden ist. Ziehe unsere Seelen zu dir, daß sie in deiner Gemeinschaft immer mehr Ersatz für das Fehlende und volle Genüge finden und hilf uns, daß einst im Vaterhause keines von uns und den Uns'rigen vermißt werde. Erstatte uns durch deine Vorsorge, was uns jetzt abgeht und vergib uns auch diejenigen Sünden, die wir uns gegen das Verstorbene haben zu Schulden kommen lassen. Deine Gnade müsse unser Trost sein, bis auch wir unsere Wallfahrt vollendet haben. Hilf täglich, hilf durch deine Gnade Von einem Schritt zum andern fort, Und bring uns auf dem Glaubenspfade Dereinstens an den guten Ort, Wo man, was hier der Tod getrennt, In dir vereinigt wieder find't. Amen. 793 Gebet um ein feliges Ende Ewiger Gott, der du allein Unsterblichkeit hast und dessen Jahre kein Ende nehmen! ich elender Mensch bin wegen der Sünde, die in meine Natur eingedrungen ist, hinfällig und sterblich. Ich bin wie das Gras, das am Morgen blüht und am Abend abgehauen wird und verdørret. Erbarme dich mein und wirke in dem noch übrigen kurzen Theil meines Lebens, was zu meiner Vorbereitung auf die selige Ewigkeit nöthig ist. Wirke vor allem in mir Buße zum Leben, wirke wahren Glauben an Christum, und vergib mir auf Grund davon meine Sünden; sende deinen heiligen Geist in mein Herz, daß er darin bleibe und auch im Sterben mein innerlicher Tröster sei. Herr Jesu, er= löse mich von dem Grauen vor dem Tod, und schenke mir nicht nur eine Willigkeit, sondern auch eine Freudigkeit zum Sterben. Laß mich im Sterben erfahren, daß mein Tod keinen Stachel mehr habe. Zerbrich meine Leibeshütte sanft. Schenke mir und den Meinigen, von denen ich durch den Tod getrennt werde, den Trost des heiligen Geistes reichlich, damit dein Name von uns allen durch Glauben und Geduld geheiligt werde. Laß meine Seele, wenn sie aus dem Leibe scheidet, zur Nuhe, ins Licht, in die Heimat gelangen. Vollende die Heiligung in ihr beim Uebergang in die Ewigkeit. Sende ihr, wie dem Lazarus, die heiligen Engel zur Hilfe und laß sie nach ausgestandenem Leiden getröstet werden. Hast du mich bei meiner Geburt aus Mutterleibe gezogen, so ziehe auch meine Seele zur rechten Stunde aus dem Leib und aus dieser Welt, die ihr zu enge werden wollen, heraus, und versezze sie in das Haus deines Vaters, daß sie meine Herrlichkeit sehe. Durch deinen Todeskampf und blut'gen Schweiß, Durch dein Kreuz und deinen Tod, Durch dein heiliges Aufersteh'n und Himmelfahrt In meiner letzten Noth, Am jüngsten Gericht Hilf mir, lieber Herre Gott! Amen. 794 Gebet im Blick auf Tod und Grab. Herr Jesu Christe, wir preisen dich, daß du dem Tode die Macht genommen, und Leben und unvergängliches Wesen an's Licht gebracht hast durch dein Evangelium. Auf dich trauen wir, als den Ueberwinder des Todes; dich beten wir an als die Auferstehung und das Leben; in deiner Gemeinschaft allein suchen wir Leben und Seligkeit. Máche das Band der Liebe zwischen dir und uns so fest, daß uns kein Tod schei= den könne. Laß uns allein in dir leben, auf daß wir auch zu seiner Zeit in dir sterben mögen. Laß uns, wenn es mit uns zum Sterben geht, die seligen Früchte deines Todes mit überschwenglichem Troste genießen. Stehe uns bei, du großer Siegesheld, in unserem letzten Kampf, daß wir durch deine Kraft alle Feinde überwinden und alles für die Ewigkeit wohl ausrichten mögen. Und wenn wir einst nicht mehr beten können, so laß deinen heiligen Geist uns vertreten mit unaussprechlichem Seufzen. Führe uns mit himmlischem Licht und göttlicher Kraft durch das finstere Thal des Todes sicher hindurch in die erwünschte und freudenvolle Ewigkeit. Ja, Herr, wann es einst am dunkelsten um uns her ist, und unserem Herzen am allerbängsten wird, dann segne uns im reichsten Maße mit des Todes Frieden, mit deines Lebens Licht, mit deines Geistes Kraft, und mit deines Reiches unverweltlichem Erbe. Selig find des Himmels Erben, Die Todten, die im Herren sterben, Zur Auferstehung eingeweiht! Nach den letzten Augenblicken Des Todesschlummers folgt Entzücken, Folgt Wonne der Unsterblichkeit! Im Frieden ruhen sie, Los von der Erde Müh', Hosianna! Vor Gottes Thron, Zu seinem Sohn Begleiten ihre Werke sie. Amen. Inhaltsverzeichniß. Seite Morgen- und Abendgebete auf jeden Tag des Jahres. 1-732 Am 1. Sonntag des Monats. Morgen. 1. Abend Morgen Abend " 1 11 Am 2. Sonntag des Monats. 2. " 1 " 1 Am 3. Sonntag des Monats. If 11 " 1 3. Am 4. Sonntag des Monats. 4. 11 Am 1. Advent. " 1 1. Am 2. Advent. 2. 11 Christfest Chriftfest. Morgen Abend " 1 ▸ " 1 Morgen Abend Neujahrsfest Neujahr. Morgen Abend 11 Jahresschluß Jahresschluß. Morgen. Abend. 11 Morgen Abend ● Erscheinungsfest Erscheinungsfest. Morgen Abend Bußtag Palmsonntag. Morgen Abend ● H Karfreitag. Morgen Abend 11 Osterfest. Morgen Abend 11 11 Gründonnerstag. Morgen Abend • ● Oftermontag. Morgen Abend. ♦ ♦ ◆ Himmelfahrtsfest. Morgen Abend ● ● ● ● ● ♦ ♦ ● Morgen Abend Morgen Abend ● ● ● ● ● ● ● • • ♥ • ♦ ● ♦ ♦ ● ● ● 733 734 735 736 737 738 739 740 741 742 743 744 745 720 721 746 731 732 747 1 2 748 11 12 749 750 751 752 753 754 755 756 757 758 759 760 761 796 Pfingstfest. Morgen Abend ● Dreieinigkeitsfest. Morgen Abend Reformationsfest. Morgen Abend An Aposteltagen. ◆ Morgen Abend Kirchweihfest Erntedankfest in gesegneten Jahren Erntedankfest in mittleren Jahren. Erntedankfest in Mißjahren Misfionsgebet Gebet der Eltern bei der Taufe eines Kindes Gebet eines Konfirmanden Nach dem heiligen Abendmahl Vor Eintritt in den Ehestand 772 773 774 775 776 Beichtgebet 777 Vorbereitung auf d. hl. Abendmahl( Gründonnerstag Morgen) 752 Vor dem heiligen Abendmahl 778 Bei einem Gewitter Gebet in Armuth Gebet in der Anfechtung Gebet eines Kranken ● ● Am Hochzeitstag In der Schwangerschaft Vor der Geburt Am Geburtstag Vor Antritt einer Reise. Gebet bei schweren Nöthen und Landplagen, Krieg, Hunger, Seuche ● ● ● ● Gebet eines Kranken um Geduld Gebet bei schweren Todesfällen. Gebet um ein seliges Ende. Gebet im Blick auf Tod und Grab ● ● • S ● Seite 762 763 764 765 766 767 768 769 770 771 779 780 781 782 783 784 785 786 787 788 789 790 791 792 793 794 Kontas Flassenpflug geboren 29.6.71.4 Elisabeht= Katarina-Slapenpflng geboren, am( 48, 8, 80, 10, 8. Po am simhilde- Haust( 6) Bankfurt- Main westhausen- steppan heidestr. 1/35) Sofie- Raufmann geborene Eberhaleht Nel- Izenbung bei Frankfurt- clain Ludwigstr №r( 69) gustar- Eberhardt, Neu- Isenburg bei Frankfurt- Main Kiefornweg Mr( 32) Sparrer Schontag Flanau- Friedrichstr. Lehrer Reitz Lohne-22, d.s. Fritslad Homberg Sehrer- Otto- Flomberg- 22. d. 5. Fritslad Homberg Burt- Merger Langen/ 607). Hessen Singers Ni( 4) Elisabeht Meger Langen( 607) Hessen Singers MMY( 4) Elfriede- Dammköohled geborene Hassenpflug($ 973) Hindelang Obertahausen dololf Sexhner (+1964) danged Autohans Mürnberg +( 19/1959) A Makel Homberg // Hermann + 1960 + Frielendery Willi- Eberhardt( 607) Sangen- Flessen Rail- Fiebknechtstd- Siedlund Heinrich- Senost[ 6073) Egelsbach 4 Hessen- Bahnsto, Ar( 34) Josef- Brah( 6401) Flainsell X. P.S.& Fulda NT( 141) Adam- Eberhardt( 607) Jangen- Flenen Doogeth, Me( 4) Heinrich Eberhartt( 687) Sangen- Hlones Bahnsts, 10( 55) M Samed- Disabeht- Rohrbach- Flerfeld~ Hombergents, Karl- Roch( 687) Langen- Heren 1 Altenburchla Reinhold Borner( 34-41.) bei/ Exchwege 7. Juli 1958, 52ondas Eberharch Schneidermeister mit Karl- illarice vor Annenfeld tödlich velunghikt Motorolunfall, Brudet vom seeintich Eberhardt Siedlung( 203) Heinz Schneider tödlich ver unglikt am 1.5,1959- orullGeberge Beruf schornsteinfeger, vetunglist, 6. 6,59 Ortaberreich von Bad- Vilbel. T Erich- Spieled tööllich verun= glükt ood Appenfeld Heins- Dorfler tööllich ver= unglückt am 7- Juli 1958 vor Appenfeld sein Vater schwed vereetzt verunglükt am. 1 Mai 1958 17.45 Uhr zugenhainer Strane verunglükt( 1963,) vor Slaupt= verunglückt bei Dorflets Fritz am Rathaus( 1962) verunglikt( 1961) altem soal Simsklon wagen Verunslikt 16 1965 ben Firmenan Inches 1 Centimetres Blue ¹2 3 4 Cyan 2 5 11,31 6 17 Farbkarte# 13 Green 8 Yellow 9 4 10 Red 11 12 5 13 Magenta 14 6 Lo CO 15 White 16 ₁7 17 3/ Color 18 19 8 B.I.G. Black