P. Gerhardi, Geißtliche Lieder ซึ่ง จาก ก 352 gb- 2557 Singet u. spielet dem Herrn, Herzen. Eph: 5, 19. in. euren. 1 Zir freundlichen Erinnerung an deinen Geburtstag 1894. C. F. 14.0 Paul Gerhardt's geistliche Lieder getreu nach den besten Ausgaben abgedruckt. Herausgegeben von Fr. v. Schmidt. Leipzig, Druck und Verlag von Philipp Reclam jun. 98 96 2557 Univ. Biel Glessen KE Einleitung. Der Geburtsort Paul Gerhardts ist das kleine Städtchen Gräfent= hainichen in der jetzigen preußischen Provinz Sachsen. Dort erblickte er am 12. März 1607 früh um 4 Uhr, nicht wie man bei früheren Literarhistorikern allgemein angegeben fand, 1606*) das Licht der Welt und zwar in dem angesehensten Hause des Städtchens, denn sein Vater war daselbst nichts Geringeres als Bürgermeister. Auch von mütterlicher Seite durfte er sich einer guten Abstammung rühmen. Denn seine Mutter stammte aus dem Geschlecht des M. Gallus Döbler, der 1570 als Hosprediger zu Dresden starb. Indessen scheint es, daß er sich nicht lange der Fürsorge seines Vaters zu erfreuen hatte. Denn sichre Nachrichten lassen darauf schließen, daß er denselben im elften Jahre durch den Tod verlor. Auch verließ er seinen Geburtsort schon in seinem sechszehnten Jahre, um die durch die Frömmigkeit ihrer Lehrer und die Strenge ihrer Zucht mit Recht berühmte Fürstenschule zu Grimma zu beziehen, wo er sich vom 4. April 1622 bis zum 12. December 1627 aufhielt. Während der Zeit, die er dort zubrachte, wurde die Stadt durch die Pest heimgesucht, welche gerade in den Häusern grassirte, die der Schule am nächsten lagen. Dadurch mag unser Dichter gar ernste Mahnungen für sein künftiges Leben empfangen haben. Noch viel tiefer aber wirkte auf seinen Geist und sein Herz sein Aufenthalt auf der damals als Sit strenger lutherischer Orthodorie bekannten Universität Wittenberg, wo er am 2. Januar 1628 als Student aufgenommen worden war. Über den Geist, der damals auf dieser Hochschule herrschte, berichtet uns der berühmte Dr. Aug. Tholuck: Bis in das dritte Decennium des 17. Jahrhunderts ist Wittenberg *) Das Nähre über sein Leben liest man am besten in folgenden vier Werken nach: 1) E. L. G. Langbecker: Leben und Lieder von Paul Gerhardt. Berlin 1841. 2) Dr. Otto Schulz: Paul Gerhardts Geistliche Andachten. N. A. Berlin 1869. 3) 3. F. Bachmann: Paul Gerhardts Geistliche Lieder. Historisch- kritische Ausgabe. Berlin 1866. Derselbe: Paul Gerhardt, Ein Erinnerungsblatt. Berlin und Leipzig 1876. 4) Karl Gerok: Paul Gerhardts Geistliche Lieder. Mit Einleitung und Lebensabriß. Leipzig 1879. 1* 4 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. der Sit einer gemäßigteren, lebensvolleren und beziehungsweise friedliebenden Orthodoxie, und dieses Lob gebührt in viel höherem Grade der Facultät und derjenigen Composition, in welcher sie um 1620 uns entgegentritt, wo außer Franz Männer dazu gehören, wie Balduin, B. Meisner, Jakob Martini, Röber. In ihnen allen giebt sich selbst ein über die Schranken damaliger Kirchlichkeit hinausgehender Geist der Mäßigkeit, der Liebe und des praktischen Interesses für die Kirche zu erkennen."*) Namentlich einer dieser wackern Männer, nämlich Paul Röber, mag großen Einfluß auf unsern Gerhardt geübt, und da er selbst geistlicher Liederdichter war, auch die poetische Ader desselben gepflegt und genährt haben.**) Wie lange sich Gerhardt in Wittenberg aufgehalten, und wo er nach absolvirtem Studium seine Wohnung aufgeschlagen hat, ist bis heute noch nicht ermittelt worden. Mit Gewißheit wissen wir nur, daß er ungefähr um das Jahr 1642 nach Berlin übersiedelte, und daselbst Hauslehrer in der Familie des Kammergerichts- Advocaten Andreas Barthold wurde, welche Stellung er bis in sein vierundvierzigstes Jahr( also bis 1651) bekleidete. Was seine Anstellung als Geistlicher so lange verzögerte, ist uns nicht bekannt geworden. Vielleicht trug die große Bescheidenheit und zarte Gewissenhaftigkeit unfres Dichters, die ihm das Suchen nach einem Amte untersagte und ihn einen Ruf abwarten hieß, am meisten dazu bei. Vielleicht trugen auch die Verwüstungen des dreißigjährigen Kriegs, wodurch viele Pfarrdienste ganz eingegangen waren, die Schuld. Nach langem Warten aber erging endlich auch an unsern Gerhardt des Herrn Ruf. Denn am 13. März 1651 wandte sich die Behörde des kleinen Städtchens Mittenwalde an das geistliche Ministerium zu Berlin mit der Bitte, ihr einen geeigneten Mann für die erste Pfarrstelle( Propstei) daselbst zuweisen zu wollen. Auf dieses Ansuchen erwiderte das Ministerium: Wir tragen Herrn Paul Gerhardt, S. S. Theol. Cand. bester Maßen zu solchem Amte an, in der Versichrung, daß man in diesem wohlgemeinten Vorschlag der christlichen Gemeinde eine solche Person fürhalte, deren Fleiß und Erudition bekannt, die eines guten Geistes und ungefälschter Lehre, dabei auch eines ehr- friedliebenden Gemüthes und christlich untadelhaften Lebens sei, daher auch bei Hohen und Niedrigen unsres Orts lieb und werth gehalten, und von uns aller Zeit das Zeugnis erhalten wird, daß er auf unser freundliches Ansinnen zu vielen Malen *) S. Tholuck: Lebenszeugen der lutherischen Kirche. Berlin 1859. S. 172. **) Für die Wahrheit dieser unsrer Annahme spricht die Thatsache, daß wir von unfrem Dichter in dem Liede: 0 Tod, o Tod, schreckliches Bild" eine Bearbeitung einer Dichtung dieses seines Meisters besitzen. Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 5 mit seinen von Gott empfangenen werthen Gaben um unsre Kirche sich beliebt und wohl verdient gemacht hat." Daß Gerhardt auf eine solche Empfehlung hin die Stelle erhielt, versteht sich wohl von selbst. Er wurde den 18. November 1651 in der St. Nikolai- Kirche zu Berlin zu diesem Amte ordinirt und trat dasselbe bald darauf an. Als Geistlicher fühlte er bald das Bedürfnis nach einer Rebensgefährtin und erwählte dazu die Tochter seines früheren Prinzipals, Anna Maria Barthold, zu der er schon während seines Berliner Aufenthalts eine stille Neigung gehabt hatte. Am 11. Februar 1655 schloß er den Ehebund mit ihr. Gleichwohl wollte es ihm nicht gelingen, sich in Mittenwalde einzuwohnen. Denn er wurde dort von mancherlei Leid und Trübsal heimgesucht. Er verlor nämlich seine erstgeborne Tochter Marie Elisabeth sehr bald durch den Tod. Się liegt in der Kirche zu Mittenwalde begraben und ihre dort angebrachte Gedächtnistafel trägt die Inschrift: Wenig und böse ist die Zeit meines Lebens."( 1. Mos. 47,9.) Auch mußte er im amtlichen Leben durch die Streitsucht seines Collegen, des Diaconus Allborn, der es ihm nicht verzeihen konnte, daß er bei der Besetzung der Propstei ihm selbst vorgezogen worden war, viel Ungemach ausstehen. Daher kam ihm eine Berufung an das erledigte Diaconat an der St. Nikolai- Kirche zu Berlin, die im Jahre 1657 an ihn erging, ganz außerordentlich erwünscht. Er säumte nicht, derselben sofort Folge zu leisten und wirkte bis 1666 in reichem Segen in diesem Amte. Im genannten Jahre aber wurde er ein Opfer der Unions- Versuche des großen Kurfürsten. Diese Versuche waren in der Mark Brandenburg nichts Neues, Schon der Kurfürst Johann Sigismund, der im Jahre 1613 zur reformirten Kirche übergetreten war, hatte sich damit getragen. Seine wohlgemeinten Bestrebungen hatten aber weder bei den lutherischen, noch bei den reformirten Theologen das wünschenswerthe Verständnis gefunden. Die Lutherische Landeskirche, die bis zum Übertritt des Kurfürsten die unbedingt herrschende gewesen war, fühlte sich seitdem als eine gedrückte Kirche und war von tiefem Mißtrauen erfüllt. Daher war es erklärlich, daß auch der Kurfürst Friedrich Wilhelm, als er die Bestrebungen seines Großvaters wieder aufnahm, heftigen Widerstand fand. Gleichwohl war er nicht zu bewegen, diese Bestrebungen aufzugeben, sondern fuhr fort wohlwollende Versuche zur Vereinigung der beiden Kirchen zu machen. Zunächst erließ er am 2. Juni 1662 eine Verfügung, welche es den Geistlichen beider Kirchen verbot, die Gegner auf den Kanzeln mit Schimpfnamen zu belegen und sich wechselseitig öffentlich zu verkegern und zu verdammen. Denjenigen, welche sich durch diese Verfügung in ihrem Gewissen bedrückt 6 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. fühlten, stellte er die Auswandrung in andre Länder frei. Jeder Geistliche sollte aber von nun an bei seiner Anstellung zum Halten dieser Verfügung durch einen Revers verpflichtet werden. Außerdem veranstaltete der Kurfürst in demselben Jahre unter dem Vorsit des Oberpräsidenten Grafen von Schwerin auf dem Berliner Schloffe ein Religions- Gespräch zwischen Lutheranern und Reformirten, wodurch jedoch keine Annäherung der beiden Parteien erzielt, vielmehr der bestehende Riß noch erweitert wurde. Paul Gerhardt nahm dabei eine hervorragende Stellung ein, denn er war der Verfasser der lutherischen Angriffs- und Vertheidigungsschriften, in welchen sich sowohl große logische Schärfe als auch dogmatische Unbeugsamkeit aussprachen. Nach zehn unfruchtbaren Sigungen erklärten die Lutheraner, daß sie fest entschlossen seien, bei allen ihren Lehren zu verbleiben, den Reformirten aber alle nachbarliche Liebe und Freundschaft erweisen wollten.- Die Reformirten verlangten jedoch gleichwohl die Fortsetzung der Berathungen. Daher fanden noch sieben andre Sizungen statt, welche jedoch, wie vorauszusehen war, ebenfalls erfolglos blieben. Das erbitterte den Kurfürsten, und er erließ im September 1664 eine Verordnung, die den Geistlichen bei Strafe der Dienstentlassung gebot, ,, einander weder mit anzüglichen Namen zu verunglimpfen, noch auch einander durch bloße Schlußfolgerungen ungereimte oder gottlose Lehren beizumeffen, am allerwenigsten aber solches auf der Kanzel zu thun." Diesen und mehreren andern Verordnungen nachzukommen, sollten sich die Geistlichen durch Reverse verpflichten. Da weigerten sich nun besonders zu Berlin viele Geistliche, solche Reverse, wie der Kurfürst sie von ihnen verlangte, auszustellen, weil sie dadurch einer ihrer Bekenntnisschriften, der sogenannten Concordienformel, zuwider handeln würden. Sie erklärten, sie wollten sich sehr gern alles Schmähens, Lästerns und Verdammens enthalten, könnten aber nicht umhin, ihre Zuhörer in Betreff der reformirten Lehre bescheidentlich zu unterweisen. Doch damit war man nicht zufrieden. Gerhardts Collegen, Propft Lilius und Archidiaconus Reinhardt, wurden die ersten Opfer des kurfürstlichen Zornes. Als sie den Revers nicht unterschreiben wollten, wurden sie sofort ihres Amts entsetzt. Kurz darauf erging ein kurfürstlicher Cabinetsbefehl, der auch Gerhardts Absetzung aussprach, wenn er nicht unterschriebe. Sein Consistorium jedoch bewilligte ihm noch acht Tage Bedenkzeit, er aber erwiderte, er habe sich längst bedacht und werde sich wohl nicht ändern". Darauf erfolgte denn am 13. Februar 1666 seine Amtsentſegung. Die Nachricht davon rief in ganz Berlin große und aufrichtige Trauer hervor. Die Stadtverordneten und Gewerke wandten sich sofort an den Magistrat mit dem Gefuch, beim Kurfürsten vorbitten zu Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 7 helfen, daß ihnen der ehrliche und in vielen Landen berühmte Mann möge gelaffen, und ihm, wegen seines darüber gemachten Gewissen, die Subsription gnädigst erlassen werden." Der Magistrat, welcher aus Mitgliedern beider Confessionen bestand, entsprach sofort diesem Gesuch, erhielt aber vom Kurfürsten einen abschlägigen Bescheid, weil dieser glaubte, daß Gerhardt sich bei den 1662 und 1663 gehaltnen Religionsgesprächen als den heftigsten Gegner des Friedens zwischen Lutheranern und Reformirten erwiesen habe. Aus demselben Grunde blieb auch eine zweite, noch dringendere Eingabe derselben Behörde unberücksichtigt. Erst als Ende 1666 die Stände die Wiedereinsehung Gerhardts beantragten, und seine fromme Gemahlin dieses Gesuch unterstütte, ließ der Kurfürst dem Magistrat die kaum noch gehoffte Eröffnung machen: daß er, da er gegen Gerhardt weiter keine Klage vernommen habe, als daß er sich weigere, die Edicte zu unterschreiben, er aber dafür halten müßte, daß er die Meinung derselben nicht recht begriffen habe, so wollte er ihn in sein Amt völlig wieder einsehen und ihm die Unterschrift des Reverses erlassen." Zugleich ließ er Gerhardt selbst durch einen Geheimsecretär die Nachricht von seiner Wiedereinsetung mit dem Bemerken eröffnen, daß S. Durchlaucht der gnädigsten Zuversicht lebten, er werde auch ohne Revers sich den Edicten gemäß zu bezeigen wissen. Doch gerade diese vertrauensvolle Äußerung des großen Fürsten ver= setzte den ängstlichen Mann in die heftigste Gewissens- Unruhe. Ein Rücktritt in sein Amt unter solchen Umständen erschien ihm als ein stillschweigendes Versprechen, die Edicte zu halten. Denn bei ihm galt ein mündliches Versprechen ebensoviel als eine Unterschrift in voller Form. Deshalb vermochte er die Freude, in welche die Nachricht von seiner Wiedereinsehung die ganze Stadt versekte, nicht zu theilen. Er schrieb vielmehr am 19. Januar 1667 an den Magistrat und bat dringend, man möge ihm zu Hilfe kommen und ihm zu Lieb beim Kurfürsten anfragen, wie und in welcher Gestalt er wieder in sein Amt eintreten solle. In Bezug auf die an ihm gerühmte Mäßigung aber fagt er in diesem Schreiben, daß er sich zu derselben niemals anders verstanden habe, noch verstehen könne, als daß er bei allen seinen lutherischen Glaubensbekenntnissen, und namentlich bei der Concordienformel, gelassen werde, und keines unter solchen Bekenntnissen für ein Schand-, Schmäh- und Lästerbuch dürfe halten oder von andern halten lassen. Auf diese Vorstellungen des peinlich gewissenhaften Mannes ging denn der Magistrat auch ein und verwandte sich nochmals beim Kurfürsten für ihn, erhielt jedoch seine Eingabe von demselben noch am nämlichen Tage mit der kurzen Randbemerkung zurück: Wenn der Prediger Paul Gerhardt das ihm von S. K. Durchlaucht gnädigst więz 8 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. der erlaubte Amt nicht wieder betreten will, welches er dann vor dem höchsten Gott zu verantworten haben wird, so wird der Magistrat in Berlin ehestens einige andre friedliebende, geschickte Leute zur Ablegung der Probepredigt einladen, aber selbe nicht eher vociren, bis sie zuvörderst S. R. Durchlaucht von dero Qualitäten unterthänigsten Bericht abgestattet haben." Auch ein Bittschreiben, das Gerhardt an den Kurfürsten selbst richtete, blieb erfolglos. Daher entsagte er im Februar 1667 seinem Amte. Dafür, daß er seiner Überzeugung mit Freuden dieses Opfer brachte, bürgt uns sein in jenen schweren Tagen gedichtetes Lieb:„ Ich danke dir mit Freuden." Er lebte nun drei Jahre lang ohne Amt in Berlin, wo die Liebe seiner Gemeinde Noth und Sorge von ihm und den Seinigen fern hielt und ihn reichlich mit allem, was zu des Leibes Nahrung und Nothdurft gehörte, versorgte. Um diese Zeit und zwar im März 1668, verlor er auch seine treue Gattin, wodurch ein starkes Band gelöst wurde, das ihn an Berlin gefesselt hatte, und es ihm leichter gemacht wurde, einem Ruf in das Ausland zu folgen. Ein solcher erging im September 1668 von Seiten des Magistrats zu Lübben im Herzogthum Sachsen- Merseburg an ihn. Dort sollte er das Archidiaconat ( die erste Pfarrstelle) übernehmen. Durch langwierige und höchst unangenehme Verhandlungen mit dem Magistrat über Gehalt und Amtswohnung aber wurde sein Amtsantritt bis zum Mai 1669 verzögert. In Lübben hat er zwar noch sieben Jahre als Seelsorger in reichem Segen gewirkt, aber keine Lieber mehr zur Ehre des Herrn gefungen. Wenigstens besigen wir kein einziges Lied aus jener Zeit von ihm. Nachdem er noch manche Sorge und manchen schweren Kampf mit dem Magistrat zu Lübben, der ihn keineswegs nach Verdienst zu würdigen wußte, durchgemacht, schlug endlich am 7. Juni 1676 die Stunde, wo der Herr den reichbegabten Sänger in sein ewiges Reich rief, damit er einstimmen möchte in die Lieder, welche die himmlischen Heerschaaren ihm singen von Ewigkeit zu Ewigkeit. In seinen letzten Augenblicken tröstete er die Seinen, die trauernd sein Lager umstanden, mit den Worten seines Liebes: Kann uns doch der Tod nicht tödten, Sondern reißt unsern Geist Aus viel tausend Nöthen; Schleußt das Thor der bittern Leiden Und macht Bahn, daß man kann Gehn zu Himmelsfreuden. In der Nähe des Altars der Hauptkirche zu Lübben ist sein Grab. Darüber hängt noch sein lebensgroßes Ölbild, unter dem man die Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 9 Unterschrift lieft: Theologus in cribro Satanae versatus( ein Theolog im Siebe Satans gesichtet; Luc. 22,31). Das Grab aber trägt eine von Gottlieb Wernsdorf gedichtete lateinische Inschrift, welche in deutscher Übersetzung so lautet: Wie lebend siehst du hier Paul Gerhardts theures Bild, Der ganz von Glaube, Lieb' und Hoffnung war erfüllt. In Tönen voller Kraft, gleich Assaphs Harfenklängen, Erhob er Christi Lob mit himmlischen Gesängen. Sing' seine Lieder oft, o Christ, in heil'ger Lust, So bringet Gottes Geist durch sie in deine Brust! Che wir diese kurze Lebensskizze unsres großen Dichters zum Abschluß bringen, wollen wir noch einige Worte über zwei dem Gebiet der Sage angehörige Erzählungen anfügen, die sich an zwei seiner Lieder knüpfen. Die erste derselben bezieht sich auf das beilhmteſte und bekannteste seiner Lieder, den herrlichen Gesang: Befiehl du deine Wege". Paul Gerhardt soll nämlich, als er 1666 zu Berlin feines Amts entsetzt ward, zugleich des Landes verwiesen worden sein. Darauf soll er sich, vom tiefsten Kummer erfüllt, auf den Weg nach seiner sächsischen Heimat gemacht und auf diesem Wege in einer elenden Herberge mit Weib und Kind Raft gehalten haben. Ehe die Mittagsmahlzeit aufgetragen ward, soll er sich in den Garten hinter dem Hause begeben, und dort soll er das herrliche Lied gedichtet, und es sofort zu Papier gebracht haben. Darauf soll er zu seiner Gattin zurückgekehrt, und es ihr zu ihrem nicht geringen Troste vorgelesen haben. Dieſe Vorlesung soll kaum zu Ende gewesen sein, als sofort zwei Abgeordnete des Herzogs Christian von Sachsen- Merseburg erschienen seien, und ihm die Berufung nach Lübben überbracht hätten. So schön nun diese Erzählung auch ist, und so sehr sie es verdient, daß der begabte Dichter G. P. Schmidt von Lübeck sie in einer schönen Ballade verewigt hat, so beruht sie doch nicht auf Wahrheit. Denn das Lied war schon 1653, also dreizehn Jahre vor Gerhardts Amtsentsetzung, gedruckt. Auch können wir, wenn wir bedenken, daß dieses herrliche Gedicht ein Akrostichon auf die Worte Pf. 37,5, ist und von der höchsten künstle= rischen Vollendung zeugt, leicht einsehen, daß es selbst einem Paul Gerhardt unmöglich sein dürfte, ein so herrliches Werk in zwei Stunden in einem Wirthshausgarten zu schaffen. Die zweite Erzählung betrifft eine Stelle in dem Liede: Ist Gott für mich, so trete," nämlich die Zeilen: Kein Zorn des großen Fürsten Soll mir ein' Hind'rung sein. Diese Worte hat man auf Gerhardts Streit mit dem großen Kurfürsten beziehen wollen. Die Jdee ist wahrlich nicht übel, ist aber rein 10 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. aus der Luft gegriffen, da auch dieses Lied schon 1656, also zu einer Zeit, wo der Dichter noch Propst in Mittenwalde und an einen Streit mit dem großen Kurfürsten noch nicht zu denken war, im Druck erschienen war. Beiden Liedern kann also nur eine prophetische Bedeutung beigemessen werden. Sie wiesen im voraus auf das innige Gottvertrauen und den Heldenmuth, die der Dichter später, als die Sorgen, Trübsale und Kämpfe des Lebens so gewaltig über ihn hereinbrachen, in so herrlicher Weise gezeigt hat. Soviel von Gerhardts Lebensumständen. Gehen wir nun dazu über, noch einige Bemerkungen über seine Lieder zu machen. Nur wenige Völker besitzen so große geistliche Liederdichter als unser deutsches Volk. Da glänzen am Himmel unsrer geistlichen poetischen Literatur als Sterne erster Größe ein Luther, ein Spee, ein Gerhardt, ein Scheffler, ein Heermann; da zeigen sich neben ihnen als Sterne zweiter Größe ein Speratus, ein Nic. Hermann, ein Selnecker, ein Ringwaldt, ein Nicolai, ein Dach, ein Rist, ein J. Frank, ein Joachim Neander, ein Knorr von Rosenroth, ein Benj. Schmolck und noch gar manche andre, deren Namen wir hier, weil es zu weit führen würde, nicht nennen können. Doch unter all' diesen Sternen ist Gerhardt wohl der leuchtendste und glänzendste. Nur zwei ber vorgenannten Liederdichter könnten vielleicht mit ihm um die Palme ringen, nämlich Luther und Scheffler. Viele wollen in Luthers Liedern größere Kraft, höheren Muth und innigere Freudigkeit finden. Wer aber Gerhardts Lieder recht kennt, der wird gestehen müssen, daß sie denen unsres Luther an Kraft und Freudigkeit kaum nachstehen, sie aber an Wärme, Innigkeit und gläubiger Hingabe der Seele an Gott wohl übertreffen dürften. In Joh. Schefflers Liedern müssen wir allerdings einen großen Reichthum der Sprache, eine gewaltige Herrschaft über dieselbe, ein tiefes Gefühl für die Natur, ein unablässiges Ringen nach der Gemeinschaft mit Gott, eine glühende Sehnsucht nach dem Heiland, eine große Gewandheit der Darstellung und einen untadelhaften Rhythmus bewundern. Paul Gerhardts Reichthum von Worten aber, sowie seine Herrschaft über die Sprache sind kaum minder groß; feine Darstellung aber und sein Rhythmus von gleicher Vortrefflichkeit. Wohl vermissen wir bei ihm jene tiefinnige Neigung zum Heilande, die den Grundzug von Schefflers Liedern bildet und sich oft in sinnlicher Weise ausspricht, dafür aber sind Gerhardts Lieder ganz frei von jener schwärmerischen Sentimentalität, in welche Schefflers Liebe und Sehnsucht nur zu oft ausartet, und wir müssen an ihm eine gereifte, männliche Liebe, einen über alle Zweifel erhabenen, lebendigen Glauben und einen felsenfesten Muth bewundern, wie wir solche nur in einigen wenigen Liedern aus Schefflers letter Periode zu entdecken vermögen. Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 11 Das deutsche Volk aber hat schon längst Paul Gerhardt den Preis zuerkannt. Denn seine Lieder sind, wie die keines andern Dichters, ins Volk gedrungen. Gervinus kann mit Recht von ihm sagen: ,, Er ist ganz ein Volksmann und Volksdichter." Es giebt kein deutsches evangelisches Gesangbuch, das nicht eine Fülle Gerhardt'scher Lieder enthält, und man begegnet nicht leicht im evangelischen Deutschland einem Mann aus dem Volke, der nicht einige von Gerhardts Liedern auswendig könnte. Auch hat Gerhardt einen so gewaltigen Einfluß auf die geistlichen Lieberdichter der Deutschen sowohl feines als der kommenden Zeitalter geübt, wie es von Scheffler niemand wird behaupten können. War Luther der Schöpfer der geistlichen Dichtung des evangelischen Deutschlands, so wurde Gerhardt der Neuschöpfer derselben. Auch müssen wir an ihm eine Vielseitigkeit bewundern, die man in Schefflers Werken vergebens sucht. Den Liedern des lettern liegen nur wenige Gedanken zum Grunde, die er allerdings stets in ein neues ansprechendes Gewand zu kleiden weiß. Gerhardts Lieder aber umfassen nicht nur das weite Gebiet des Lebens und der Lehre Christi und der mannigfaltigsten christlichen Tugenden, sondern verbreiten sich auch über die Verhältnisse des Hauses, der Familie und des Staates, ja befingen auch die Tages- und Jahreszeiten und wissen die Reize der Natur poetisch zu verklären. Mit Gerhardt beginnt eine neue Periode für das deutsche Kirchenlied. Wie Flemming der Meister des weltlichen Liedes war, so war Gerhardt der Meister des geistlichen Liedes. Luther hatte so zu sagen das deutsche Kirchenlied geschaffen und mit unvergleichlicher Kraft, Freudigkeit und Glaubensfrische seine siebenunddreißig Lieder gesungen. Er hatte auch manchen Nachfolger auf seiner Bahn gefunden, dem es gelungen war, beinahe bis zu der von ihm erreichten Höhe hinaufzuklimmen. Die meisten seiner Nachfolger aber vermochten nur in seiner etwas harten und scharfen Sprache, nicht in seinem Geiste, zu dichten. Ihre Lieder sind meistentheils hart und roh im Ausdruck und dem Inhalte nach überaus nüchtern. Es sind oft nur Reflexionen über dogmatische und moralische Lehrfäke. So sank das Kirchenlied nach und nach zur nüchternen, völlig unpoetischen Reimerei herab. In diesem Zustand, in diesem Todesschlaf fand es Paul Gerhardt, und es bleibt sein unsterbliches Verdienst, es daraus erweckt zu haben. Er kehrte zu Luthers Geist und Sinn zurück. Luthers Kraft und felfenfester Glaube wiederholten sich gleichsam in ihm. Nur einen großen Unterschied nehmen wir, wenn wir auf den Inhalt seiner Lieder blicken, zwischen ihm und Luther wahr. Dieser lettere war noch voll von dem Gedanken, ja wir können sagen, noch von der Hoffnung beseelt, der alten römischen Kirche eine neue entgegensehen zu können. 12 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. Daher sprach und fang er im Namen, ja aus dem Herzen dieser Kirche heraus. Zu Gerhardts Zeiten war diese Hoffnung längst verschwunden. Statt einer großen evangelischen Kirche, die der römischen als ebenbürtige Schwester Achtung gebietend gegenübergestanden hätte, gab es eine ziemliche Anzahl von protestantischen Secten, die einander auf das bitterste befehdeten, und sich gar manchmal der eigenen Schwäche in schmerzlicher Wehmuth bewußt wurden. Die sogenannte lutherische Kirche, der Gerhardt angehörte, hing, wie ja schon unser Überblick seines Lebens gezeigt haben wird, fast ganz von der Willkür der Fürsten und ihrer Diener, der Juristen, ab. Verlor doch unser Dichter feine Stelle, weil er sich den Unionsbestrebungen seines Landesherrn nicht dienstbar erweisen wollte! Der Theolog mußte thun, was ihm der hochweise und fast allmächtige Jurist befahl. Wie hätte da ein freudiges Gemeindebewußtsein gedeihen, wie hätte da ein Dichter aus dem fiegesfreudigen Bewußtsein seiner Kirche, die noch dazu gerade damals in die kleinlichsten dogmatischen Streitigkeiten verwickelt war, heraus fingen können. Gerhardt schlug daher den einzig richtigen, ja den einzig möglichen Weg ein, indem er in seinen Liedern das Zeugnis der einzelnen gläubigen Seele erklingen ließ, ja das Lied fast ganz in die Bahnen der subjectiven Anschauung hinüberführte. Wohl bricht auch in seinen Liedern das Gemeindebewußtsein hie und da noch kräftig durch, doch im Ganzen sind es die Gefühle, Empfindungen und Gedanken des einzelnen Christen, die er in einer für jeden verständlichen und ansprechenden Weise zur Anschauung bringt. Dabei aber beſeelt ihn, den Einzelnen, ein so tilhner und herrlicher Christenmuth, wie er den protestantischen Gemeinden seiner Zeit nur immer zu wünschen gewesen wäre. Gerhardt, der Gottespilger mit dem Stabe in der Hand, ist getroft bei allen Leiden und Trübsalen und bei allen Ges fahren, mit denen er so vielfach zn kämpfen hat; ja er ist vielleicht noch mehr zu bewundern als Luther, der in dem von ihm geführten Streite so viele tapfre Kampfgenossen hatte. Dabei herrscht in Gerhardts Liedern dasselbe unerschütterliche Gottvertrauen, das uns in den Gesängen Luthers so wunderbar anspricht, nur fließt es bei Gerhardt aus anderer Quelle. Der Glaube an die Rechtfertigung aus Gottes Gnade allein war es, der Luther mit diesem Vertrauen erfüllte. Unfrem Gerhardt aber gab dieses Vertrauen der Glaube an Gottes Liebe, an die Liebe, die den Menschen umfangen hatte, ehe der Welt Grund gelegt ward; die ihn von seiner Geburt an durch das ganze Leben, durch alle Leiden und Trübsale desselben begleitet; alle Freuden mit ihm theilt; ihn in allen Gefahren beschützt; ihm treu bleibt bis zum Tode, ja bis über das Grab hinaus und über ihm walten wird bis in alle Ewigkeit. Der Glaube an diese Liebe war Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 13 zu der Zeit der höchsten Noth und des tiefsten Jammers, in der Gerhardt lebte, wohl in den Herzen aller besser Gesinnten lebendig gewor den. Er aber fand den rechten poetischen Ausdruck für dieses heilige Gefühl, und sprach ihn aus in einer Weise, daß jeder erkennen mußte: ja, ja, das ist's, was ich selbst im tiefsten Herzen gefühlt und empfunden habe, aber nicht in Worte zu kleiden verstand. Daraus erklärt sich denn auch, daß seine Lieber, obgleich sie meistentheils nur die Gefühle Denn der einzelnen Seele barstellten, doch so volksthümlich wurden. Gerhardt wußte die Gefühle bes Einzelnen so darzustellen, wie sie sich in der Brust jedes rechten Christen regen müssen. Die Gefühle und Empfindungen, die er befingt, dürfen und sollen keinem fremd sein, der den Namen eines Christen verdienen will. Er giebt, wie Gervinus von ihm sagt, der Besonderheit den Werth der Allgemeinheit. Dieses feste Vertrauen auf Gott erfüllte ihn auch mit der steten Heiterkeit, die uns aus den meisten seiner Lieder so anmuthend entgegentritt. Von der Frömmelei und Weltverachtung, die zu seiner Zeit gang und gäbe war, finden wir in Gerhardts Dichtungen keine Spur. Er steht eben im Glauben, und sein Gewissen giebt ihm Zeugnis, daß er auf dem Liebespfade wandelt, auf dem Christus den Gläubigen vorangeschritten ist, und auf dem sie ihm nachfolgen sollen. Deshalb hat er nicht nöthig vor seinem Gott zu zittern und zu zagen, sondern kann frisch und fröhlich vor ihn hintreten. Das thut er denn auch, wie seine aus dem fröhlichsten Herzen geflossenen Lieder: Wach' auf mein Herz und finge",, Geh' aus mein Herz und suche Freud""," Fröhlich soll mein Herze springen" und viele andere zur Genige beweisen. Diese Heiterkeit mag zu der allgemeinen Verbreitung, die seine Lieder fanden, nicht wenig beigetragen haben. Von ihm konnte das Volk lernen, daß Heiterkeit der Grundton ist, der in einem wahrhaft christlichen Herzen herrschen soll. 11 Wenn wir den Blick auf die Form der Gerhardtschen Lieder richten, so werden wir gestehen müssen, daß er in Sprache, Ausdruck und Rhythmus nach der höchsten Vollendung strebte. Das von ihm hinterlassene Handeremplar seiner Lieder, das zahlreiche, auch das kleinste nicht unbeachtet laffende Verbesserungen enthält, legt davon ein unzweideutiges Zeugnis ab. Er wandelt in dieser Beziehung ganz in den Bahnen, die der große Schlesier Martin Opit eingeschlagen hatte, und suchte sich auf der Höhe künstlerischer Vollendung zu halten, zu welcher dieser die deutsche Dichtkunst erhoben hatte. Seine Sprechweise hat durchaus nichts Gesuchtes und Geschraubtes, er ist auch darin, wie in seinem Vortrag, klar, einfach, gefällig und durchaus verständlich und volksthümlich. In Bezug auf Inhalt und Darstellung aber verstand er es eben so gut wie sein großer Zeitgenosse Paul Flemming, die 14 Paul Gerhardts Geistliche Lieber. Fehler, in die Opit verfallen war, zu vermeiden. Von der breiten, betrachtenden, lehrhaften Weise dieses Dichters findet sich in seinen Liedern keine Spur. Wohl sind viele seiner Lieder ziemlich umfangreich. Doch das hat seinen Grund in der außerordentlichen Kunst, mit welcher er sich ergiebige Stoffe zu wählen und mit welcher er die vielen, schönen Gedanken, die sie darboten, dichterisch zu entwickeln verstand, was er meistens in der schönen einfachen Weise des Volkslieds that, weshalb denn auch gar manches seiner längern Lieder zum wahren Volkslied geworden ist. Die Quellen, aus denen Gerhardt schöpfte, sind, wie jedem Sachkundigen, der seine Lieder etwas näher betrachtet, leicht in die Augen fallen wird, die Psalmen, die Lieber Luthers und die alten lateinischen Kirchenliederdichter. Bisweilen ahmt er wohl auch die Mystiker oder ein spanisches Lied oder die bibelreimenden Meistersänger( so z. B. in dem eigenthümlich schönen Passionsliede: ,, O Mensch beweine deine Sünd"") nach. überaus große Mannigfaltigkeit bietet der Inhalt der Gerhardtschen Lieder dar. Es giebt fast kein Fest der christlichen Kirche, auf welches Gerhardt nicht ein oder ein paar schöne Lieder gesungen hat. Die Tages- und Jahreszeiten haben ihn zu Morgen- und Abendliedern und zu dem herrlichen Sommerlied: ,, Geh' aus mein Herz und suche Freud" begeistert, in welchem lettern man, wie Gerok gar schön sagt, gleichsam das reifende Ährenfeld im Winde wogen sieht, und die Lerche in den blauen Lüften jubiliren hört". Das menschliche Leben sowohl des Volkes als des Einzelnen hat seiner Harfe gar liebliche Klänge entlockt. Glück und Wehe, Kreuz und Leid hat in ihm seinen Sänger gefunden, und selbst die letzten Dinge sind nicht vergessen worden. Daß ein so reich begabter, in so lieblichen Tönen singender und in so volksthümlichem Gewande auftretender Sänger viele Nachahmer finden würde, ließ sich wohl leicht voraussehen Und so ist's auch geschehen. Die besten geistlichen Sänger der Mit- und Nachwelt, die in deutscher Sprache dichteten, sind auf Gerhardts Bahnen gewandelt und haben ihre Harfen nach der seinigen zu stimmen gesucht. Zu seiner Zeit suchten ein Joh. Franck, ein Rist, ein Neumark, ein J. Neander, ein Rodigast, ein Dach, ein Rinckart, ein Tscherning, ein Thilo, ein Gesenius, ein Keymann, ein Sacer, ein Mich. Frant, ein Albinus, ein Anton Ulrich von Braunschweig, ein Mich. Schirmer in seinen Tönen zu singen. Im achtzehnten Jahrhundert aber sahen wir Dichter wie Sal. Frant, Kasp. Neumann, Freylinghausen, Rambach, Benj. Schmolcke, Petersen, Terstegen, J. A. Rothe, v. Bogatki, P. F. Hiller auf seinen Bahnen wandeln. Endlich ist es in unfrem Jahrhundert dem sangesreichen Fr. Rückert wenigstens in einem Liede( ,, Dein König kommt in Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 15 niedern Hüllen") gelungen, den Ton des Gerhardtschen Liedes nahezu zu treffen. Daß Gerhardt auch manchen Fehler gemacht, daß sich auch in seinen Liedern mancherlei Härten des Ausdrucks, trockne, breite, ja ge= schmacklose Stellen finden, daß er bisweilen veraltete Wörter und Formen gebraucht, wer wollte das läugnen? Wir müssen sogar weiter gehen und zugestehen, daß er ein Lied gedichtet hat, das entschieden nicht als ein gutes bezeichnet werden kann, nämlich das Lied: Herr, ich will ja gerne bleiben wie ich bin, dein armer Hund". Doch wir wissen auch, daß dieses Lied nur eine Übersetzung eines lateinischen von Nathan Chyträuß ist. Und haben nicht auch unsre größten Dichter Fehler gemacht, und ist es wohl zu verlangen, daß ein Dichter, der eine größere Anzahl von Liedern verfertigt hat, immer im Sonntagsrock vor uns erscheine? Was die Ausgaben der Gerhardtschen Lieder betrifft, so haben wir die besten neueren schon am Anfang unsrer Nachrichten über das Leben unfres Dichters angeführt, wollen daher hier nur noch einige ältre nachtragen. Zuerst erschienen Gerhardts Lieder auf einzelnen fliegenden Blättern und sodann in verschiedenen Gesangbüchern jener Zeit. Das älteste dieser Gesangbücher wurde von Gerhardts persönlichem Freunde, dem Küster seiner Kirche, Johann Crüger, in Berlin schon 1648 unter dem Titel: Praxis pietatis melion herausgegeben und enthielt schon achtzehn Gerhardtsche Gedichte,( worunter einige seiner besten) die also noch in seine Candidatenzeit fallen. Die Lieder Wach' auf mein Herz und singe", ,, Nun ruhen alle Wälder", ,, Ein Lämmlein geht Sodann erund trägt" u. a. stammen z. B. schon aus dieser Zeit. schien 1653 auf Verordnung der Kurfürstin Luise Henriette ein Berliner Gesangbuch", in welchem außer den eben erwähnten achtzehn noch zwanzig andre Lieder von Gerhardt standen; so z. B. die Lieder: Beuch ein zu deinen Thoren"," Wie soll ich dich empfangen", ,, Warum willst du draußen stehen", ,, Nun laßt uns gehn und treten", Ich finge dir mit Herz und Mund". Diese Lieder sind alle vor Gerhardts Berufung nach Berlin und vielleicht noch während der Zeit des dreißigjährigen Krieges entstanden. Im Jahre 1656 ließ Crüger eine neue Ausgabe feiner Praxis pietatis melica erscheinen, worin sich wieder 47 neue Lieder von unsrem Dichter vorfinden. In dieser Ausgabe finden wir zuerst die herrlichen Lieder: ,, Befiehl du deine Wege"," Du bist ein Mensch", Fröhlich soll mein Herze springen", ,, Geh aus mein Herz", Gott Lob, nun ist erschollen",„ Ich steh an deiner Krippe hier"," Ift Gott für mich, so trete", ,, D Haupt voll Blut und Wunden",„ Sollt' ich meinem Gott nicht singen",„ Wir singen dir Immanuel". Auch diese Lieder sind also noch vor Gerhardts Berufung nach Berlin ent 16 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. standen. Die nächste Ausgabe der Praxis melica, die 1661, also während des Berliner Aufenthalts unfres Dichters erschien, enthielt noch fünf weitere Lieder, worunter das Kernlied: ,, Geduld ist euch vonnöthen". Die erste Gesammtausgabe aber ließ Joh. Georg Ebeling, der dem J. Crüger 1662 im Amt gefolgt war, in den Jahren 1666 und 1667 unter dem Titel erscheinen: ,, Pauli Gerhardi Geistliche Andachten, bestehend in 120 Biebern". Diese Ausgabe erschien in zehn Folioheftent und war mit neuen sechsstimmigen Melodieen geziert". Sie brachte unter andern neu die schönen Lieder: Der Tag mit seinem Lichte", Die güldne Sonne"," Du bist zwar mein", ,, Gieb dich zufrieden", Ich bin ein Gast auf Erden". Reine der spätern Gesammt- Ausgaben hat seitdem ein neues Lied von Gerhardt gebracht, denn aus seiner Lübbener Zeit sind, wie schon erwähnt, keine Lieder von ihm mehr auf uns gekommen. Denn elf andre Lieder, die wir im Anhang noch mittheilen, sind zu verschiednen Zeiten seines Lebens gedichtete Casualien. Die Ebelingsche Ausgabe aber erlebte noch zwei Auflagen, welche 1669 und 1683 erschienen. Sodann erschien 1700 zu Eisleben bei Andreas Clajus eine Ausgabe. Darauf folgte 1707 die bekannte, 1717 und 1723 erneuerte Ausgabe des Consistorialraths Dr. Feustting. An diese schließt fich die letzte der ältern Ausgaben, die 1708 zu Augsburg vom Pfarrer Dr. Treuner veröffentlicht wurde. Dann erschien über ein Jahrhundert keine neue Ausgabe mehr. Das rationalistische achtzehnte Jahrhundert konnte einem so glaubenskräftigen Sänger eben keinen Geschmack abgewinnen. Endlich erschien 1821, zur Zeit wo die ersten Funken des neu erwachenden Glaubensfeuers über unser Vaterland hinflogen, ein neuer Abdruck von Gerhardts Liedern, welchen Olshausen und Lanzizolle zu Wittenberg drucken ließen. Daran schließen sich die von uns schon erwähnten, sehr gebiegenen historisch- kritischen Ausgaben von Langbecker, Otto Schulz, Bachmann und Gerok, und endlich die nach unsrer Ansicht beste von Dr. R. E. P. Wackernagel besorgte Ausgabe,*) deren letzter Abbruck nach des Herausgebers Tode 1874 zu Gütersloh erschien. Die von uns hiermit der Lesewelt dargebotne Ausgabe macht auf neue Text- Kritik keinen Anspruch, denn wir wollen nicht dem Bedürfnis der gelehrten Welt, sondern dem des deutschen Volkes dienen. Deshalb haben wir uns auch kein Gewissen daraus gemacht, hie und da veraltete Ausdrücke unsres Dichters in die moderne Umgangssprache umzusehen. Das Alterthümliche in den Liedern aber haben wir aus *) Zuerst 1843 bei S. G. Liesching in Stuttgart erschienen. Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 17 Achtung für den hochverehrten Sänger, soweit es unser Zweck zuließ, zu bewahren gesucht. Die den Liedern beigefügten Jahreszahlen bedeuten das Jahr, in welchem dieselben zuerst im Drucke erschienen, da sich über die Zeit, in der sie gedichtet wurden, nur bei einigen wenigen Liedern etwas Bestimmtes hat ermitteln lassen. Den wenigen( acht) uns bekannt gewordnen, sehr kurzen lateinischen Gedichten Gerhardts glaubten wir, da es sich hier nur um eine Ausgabe seiner deutschen Gedichte( eigentlich nur seiner geistlichen Lieder) handelt, hier keinen Plak anweisen zu sollen. So gehet denn hin, ihr herrlichen Lieder, und werdet auch in dieser Volks- Ausgabe Boten, die da Frieden verkündigen, Gutes predigen, Heil verkündigen! München, den 5. April 1882. Fr. v. Schmidt, anglikan. Pfarrer a. D. 2 Inhaltsübersicht. I. Advent. Nr. 1. Warum willst du draußen stehen. 1. Mos. 24, 31. 2. Wie soll ich dich empfangen. S. 25. II. Weihnacht. S. 30. 3. Von der Erscheinung des Engels. Schaut! schaut! was ist für Wunder dar? 4. Fröhlich soll mein Herze springen. 5. Weihnacht- Gesang. Luc. 2, 15. Rommt, und laßt uns Christum ehren. 6. Christ- Wiegen- Liedlen. Alle, die ihr Gott zu Ehren. 7. An der Krippe. D Jesu Christ! Dein Kripplein ist. 8. An der Krippe. Ich steh an deiner Krippen hier. 9. Wir singen dir, Emanuel. III. Neujahr. S. 48. 10. Von der Beschneidung Christi. Warum machet solche Schmerzen. 11. Neujahrs- Gesang. Nun laßt uns gehn und treten. IV. Leiden Christi. Charfreitag. S. 51. 12. Ein Lämmlein geht und trägt die Schuld. Ev. Joh. 1, 29. Jef. 53,4-7. 13. Das 53. Capitel Jesaiä. Siehe, mein getreuer Knecht. 14. D Welt, sieh hier dein Leben. Sieben Lieder an die Gliedmaßen des Herrn Jefu. Aus dem Lateinischen des heil. Bernhard. 15. An die Füße des Herrn Jesu. Sei mir tausendmal gegrüßet. 16. An die Knie des Herrn Jesu. Gegrüßet seist du, meine Kron. 17. An die Hände des Herrn Jesu. Sei wohl gegrüßet, guter Hirt. 18. An die Seite des Herrn Jesu. Ich grüße dich, du frömmster Mann. 2* 20 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. Nr. 19. An die Brust des Herrn Jesu. Gegrüßet seifst du, Gott, mein Heil. 20. An das Herz des Herrn Jesu. O Herz des Königs aller Welt. 21. An das Angesicht des Herrn Jesu. O Haupt voll Blut und Wunden. 22. Die sieben Worte, die der Herr Jesus am Kreuz geredet. Hör an! mein Herz, die sieben Wort. 23. Vom Begräbnis des Herrn Jesu. Al3 Gottes Lamm und Leue. 24. Das Leiden unsers Herrn Jesu. O Mensch, beweine deine Sünd. S. 89. V. Oftern. 25. Auf, auf mein Herz mit Freuden. 26. Ofterfreude. Sei fröhlich alles weit und breit. 27. Die Auferstehung unseres Herrn Jesu, wie dieselbe am Ostertage den heiligen Frauen offenbaret worden. Nun freut euch hier und überall. S. 100. VI. Pfingsten. 28. D du allerfüßte Freude. 29. Gott Vater, sende deinen Geist. 30. Zeuch ein zu deinen Thoren. 31. Also hat Gott die Welt geliebt. Joh. 3. VII. Dreieinigkeit. S. 113. 32. Von der heiligen Dreieinigkeit. Was alle Weisheit in der Welt. VIII. Sacramente. 33. Von der heiligen Taufe. Du Volk, das du getaufet bist. 34. Vom heiligen Abendmahl. Herr Jesu, meine Liebe. S. 116. IX. Buße und Beichte. S. 121. 35. Trostlied von der Buße. Aus Luc. 15. Weg, mein Herz, mit den Gedanken. 36. Nach dir, o Herr, verlanget mich. Pf. 25. 37. Bußgefang aus Psalm 143. Herr, höre, was mein Mund. 38. Wahre Erniedrigung seiner selbst. Matth. 25, 27. Marc. 7, 28. Herr, ich will gar gerne 2c. 21 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. X. Gebet und christlicher Wandel. Nr. 39. Um Weisheit. Nach Joh. Arnd. Herr, aller Weisheit Quell und Grund. 40. Um Glück und Segen zu allem christlichen Thun und Vorhaben. Jer. 10, 23. Jch weiß, mein Gott, daß all mein Thun. 41. Zweierlei bitt ich von dir. Spr. Sal. 30, 7-9. 42. Sirachs Gebetlein um ein seliges und mäßiges Leben. Sir. 23, 1-6. D Gott, mein Schöpfer. 43. Um christliche beständige Freundschaft. Nach Joh. Arnd. Jesu, allerliebster Bruder. 44. Um zeitliche und ewige Wohlfahrt. Nach Joh. Arnd. Ich danke dir demüthiglich. 45. Um die Liebe Christi. Nach Joh. Arnd. O Jesu Christ, mein schönstes Licht. 46. Der erste Psalm Davids. Wohl dem Menschen, der nicht wandelt. 47. Der 49ste Psalm Davids. Hört an, ihr Völker, hört doch an. 48. Der 112te Psalm Davids. Wohl dem, der den Herren scheuet. 49. Der 121ste Psalm Davids. Ich erhebe, Herr, zu dir. 50. Der 139ste Psalm Davids. Herr, du erforschest meinen Sinn. 51. Bei großer, unzeitiger Nässe. D Herrscher in dem Himmelszelt. S. 132. XI. Krenz- und Trostlieder. S. 163. 52. Trostgesang wider die Trübsal dieses Lebens. Ich hab oft bei mir selbst gedacht. 53. Sorg und sorg auch nicht zu viel, es geschieht doch, was Gott will. Du bist ein Mensch, das weißt du wohl. 54. Christliche Zufriedenheit. Nicht so traurig, nicht so sehr. 55. Wider das Nergernis der bösen glücklichen Welt. Du liebe Unschuld du. 56. Bei Erscheinung eines Kometen. Herr, was hast du im Sinn? 57. Ich will des Herren Zorn tragen. Mich. 7. Ich hab's verdient, was will ich doch. 58. Um Geduld in großem Leid. Nach Joh. Arnd. Ach! treuer Gott, barmherzig's Herz. 59. Im Kreuz, wenn Gott die Hilfe lange verzeucht. Nach Joh. Arnd. Barmherz'ger Vater, höchster Gott. 60. Geduld ist euch von Nöthen. Ebr. 10, 35-37. 61. Was Gott gefällt. 62. Trostgesang in Schwermuth und Anfechtung. Schwing dich auf zu deinem Gott. 63. Christliche Ergebung. Gieb dich zufrieden, und sei stille. 22 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. Nr. 64. Christliches Trost- und Freudenlied. Röm. 8. Ist Gott für mich, so trete. 65. Christliches Freudenlied. Warum sollt ich mich denn grämen? 66. Christliche Ergebung in Gottes Willen. Ich hab in Gottes Herz und Sinn. 67. Christliches Wanderlied. Befiehl dem Herrn deine Wege und hoffe auf ihn, er wird's wohl machen. Psalm 37, 5. 68. Trostgesang. Noch dennoch mußt du drum nicht ganz. 69. Der 13te Psalm Davids. Wie lang, o Herr! wie lange soll. 70. Der 13te Psalm Davids. Ach, Herr! wie lange willt du mein. 71. Der 27ste Pfalm Davids. Gott ist mein Licht, der Herr mein Heil. 72. Der 42ste Psalm Davids. Wie der Hirsch in großen Dürsten. 73. Der 52ste Psalm Davids. Was tropest du, stolzer Tyrann. 74. Der 62ste Psalm Davids. Meine Seel ist in der Stille. 75. Der 73ste Psalm Davids. Sei wohlgemuth, o Christenseel. 76. Der 85ste Psalm Davids. In Kriegszeiten. Herr, der du vors mals haft dein Land. 77. Der 91ste Psalm Davids. Wer unterm Schirm des Höchsten sitzt. 78. Jst nicht Ephraim mein theurer Sohn. Jerem. 31, 20. Jst Ephraim nicht meine Kron. 79. Was soll ich aus dir machen, Ephraim. Hof. 11, 8. 9. Was foll ich doch, o Ephraim. 80. Kommt, wir wollen wieder zum Herren. Hos. 6. Kommt, ihr traurigen Gemüther. XII. Lob- und Danklieder. S. 243. 81. Nun dantet alle Gott. Sir. 50, 14. Nun danket all und bringet Chr. 82. Sollt ich meinem Gott nicht singen? 83. Danklied für gute Leibesgesundheit. Wer wohl auf ist und gesund. 84. Schuk Gottes in bisherigen gefährlichen Kriegszeiten. Wie ist so groß und schwer die Last. 85. Danklied für die Verkündigung des Friedens. Gott Lob, nun ist erschollen. 86. Lobgesang. Ich finge dir mit Herz und Mund. 87. Gott allein die Ehre. Wie ist es möglich, höchstes Licht. 88. Danklied nach ausgestandenem großen Kummer und Betrübnis. Auf den Nebel folgt die Sonn. 89. Das Lied Mofis. 5. Mos. 32. Merkt auf, merkt, Himmel, Erde. 90. Der 23ste Pfalm Davids. Der Herr, der aller Enden. 91. Der 30ste Psalm Davids. Jch preise dich und singe. 92. Der 34ste Psalm Davids. Ich will erhöhen immerfort. Paul Gerhardts Geistliche Lieder. Nr. 93. Der 71ste Psalm Davids. Herr, dir trau' ich all' mein' Tage. 94. Der 111te Psalm Davids. Ich will mit Danken kommen. 95. Der 116te Pfalm Davids. Das ist mir lieb, daß Gott, mein Hort. 96. Der 145ste Psalm Davids. Jch, der ich oft in tiefes Leid. 97. Der 146ste Psalm Davids. Du, meine Seele, finge. 98. Dankgebet Sirachs. Sir. 1. Ich danke dir mit Freuden. 99. Danklied für einen gnädigen Sonnenschein. Nun ist der Regen hin. 100. Danklied eines Reisenden auf dem Rückwege. Nun geht frisch drauf, es geht nach Haus. XIII. Beit- und Jahreslieder. 23 101. Morgensegen. Die güldne Sonne. 102. Wach auf, mein Herz, und singe. 103. Lobgesang. Lobet den Herren. 104. Abendsegen. Der Tag mit seinem Lichte. 105. Abendlied. Nun ruhen alle Wälder. 106. Sommerlied. Geh aus, mein Herz, und suche Freud. S. 298. 311. XIV. Ehestands- Lieder. 107. Der wundervolle Ehestand. Voller Wunder, voller Kunst. 108. Trostgesang christlicher Eheleute. Wie schön ist's doch, Herr Jesu Christ. 109. Frauenlob. Spr. Sal. 31. Ein Weib, das Gott den Herren liebt. XV. Von den letzten Dingen. S. 320. 110. Vom Tod und Sterben, Trostgesang. Psalm 39. Mein Gott, ich habe mir. 111. Vom Tod und Sterben. Psalm 90. Herr Gott, du bist ja für und für. 112. Jch bin ein Gast auf Erden. Psalm 119. 113. Christliche Todesfreude. Was trauerst du, mein Angesicht. 114. Fröhliche Ergebung zu einem seligen Abschiede aus dieser mühseligen Welt. Nun sei getrost und unbetrübt. 115. Trostgesang in der Person eines verstorbenen Kindes. Mein herzer Vater, weint ihr noch. 116. Der betrübte Bater tröstet sich über seinen nunmehr seligen Sohn. Du bist zwar mein. 117. Freudige Empfahung des Todes. O Tod! o Tod! du gräulich's Bild. 118. Ich weiß, daß mein Erlöser lebt. Hiob 19, 25-27. 119. Vom jüngsten Tage. Die Zeit ist nunmehr nah. 120. Aus der Offenbarung Johannis. Cap. 7. Johannes sahe durch Gesicht. 24 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. Anhang. Nr. 1. Der aller Herz und Willen lenkt. 2. Nun, du lebest, unsre Krone. 3. Welt- Scribenten und Poeten. 4. Leid ist mir's in meinem Herzen. 5. Herr Lindholk legt sich hin und schläft in Gottes Namen. 6. Liebes Kind, wenn ich bei mir. 7. D wie ein so großes Gut. 8. Hörst du hier die Ewigkeit. 9. Unter allen, die da leben. 10. Weint, und weint gleichwohl nicht zu sehr. 11. Wer selig stirbt, stirbt nicht. Alphabetisches Liederverzeichnis Verzeichnis der Bibelstellen zu einzelnen Liedern zc. S. 351. ♦ S. 368. S. 372. I. Advent. 1. Warum willst du draußen stehen. 1. Mof. 24, 31. Weise: Werde munter mein Gemüthe. 1653. 1. Warum willst du draußen stehen, Du Gesegneter des Herrn? Laß dir bei mir einzugehen Wohl gefallen, du mein Stern. Du mein Jesu, meine Freud, Helfer in der rechten Zeit, Hilf, o Heiland, meinem Herzen Von den Wunden, die mich schmerzen! 2. Meine Wunden sind der Jammer, Welchen oftmals Tag und Nacht Des Gesetzes starker Hammer Mir mit seinen Schrecken macht. O der schweren Donnerstimm, Die mir Gottes Zorn und Grimm Also tief ins Herze schläget, Daß sich all mein Blut beweget! 3. Dazu kommt des Teufels Lügen, Der mir alle Gnad abfagt, Als müßt ich nun ewig liegen In der Höllen, die ihn plagt. Ja auch, was noch ärger ist, So zermartert und zerfrißt Mich mein eigenes Gewissen, Mit vergift'ten Schlangenbissen. 26 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 4. Will ich denn mein Elend lindern Und erleichtern meine Noth Bei der Welt und ihren Kindern, Fall ich vollends in den Koth; Da ist Troft, der mich betrübt, Freude, die mein Unglück liebt, Helfer, die mir Herzleid machen, Gute Freunde, die mein lachen. 5. In der Welt ist alles nichtig, Nichts ist, das nicht kraftlos wär: Hab ich Hoheit, die ist flüchtig; Hab ich Reichthum, was ist's mehr, Als ein Stäublein armer Erd? Hab ich Luft, was ist sie werth? Was ist's, das mich heut erfreue, Das mich morgen nicht gereue. 6. Aller Troft und alle Freude Ruht in dir, Herr Jesu Christ; Dein Erfreuen ist die Weide, Da man sich recht fröhlich ist. Leuchte mir, o Freudenlicht, Che mir mein Herze bricht, Laß mich, Herr, an dir erquicken, Jesu, komm, laß dich erblicken! 7. Freu dich, Herz, du bist erhöret, Jetzo zeucht er bei dir ein; Sein Gang ist zu dir gekehret, Heiß ihn nur willkommen sein, Und bereite dich ihm zu, Gib dich ganz zu seiner Nuh, Deffne dein Gemüth und Seele, Klag ihm, was dich drück und quäle. 8. Siehst du, wie sich alles setzet, Was dir vor zuwider stund? Hörst du, wie er dich ergötzet Mit dem zuckersüßen Mund? Univ. Bibl. Glessen Paul Gerhardts Geistliche Lieder. Ei, wie läßt der große Drach All sein Thun und Toben nach! Er muß aus dem Vortheil ziehen Und in seinen Abgrund fliehen. 9. Nun, du hast ein süßes Leben, Alles, was du willst, ist dein; Christus, der sich dir ergeben, Legt sein Reichthum bei dir ein. Seine Gnad ist deine Kron, Und du bist sein Stuhl und Thron, Er hat dich in sich geschlossen, Nennt dich seinen Hausgenossen. 10. Seines Himmels güldne Decke Spannt er um dich rings herum, Daß dich fort nicht mehr erschrecke Deines Feindes Ungestüm. Seine Engel stellen sich Dir zur Seiten: wenn du dich Hier willst oder dort hinwenden, Tragen sie dich auf den Händen. 11. Was du Böses haft begangen, Das ist alles abgeschafft. Gottes Liebe nimmt gefangen Deiner Sünden Macht und Kraft. Christi Sieg behält das Feld, Und was Böses in der Welt Sich will wider dich erregen, Wird zu lauter Glück und Segen. 12. Alles dient zu deinem Frommen, Was dir bös und schädlich scheint, Weil dich Christus angenommen Und es treulich mit dir meint. Bleibst du Deme wieder treu, Ist's gewiß und bleibt dabei, Daß du mit den Engeln droben Ihn dort ewig werdest loben. 27 28 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 2. Wie soll ich dich empfangen. will ich dir geben. 1653. 1. Wie soll ich dich empfangen? Und wie begegn ich dir? O aller Welt Verlangen, O meiner Seelen Zier! O Jesu, Jesu setze Mir selbst die Fackel bei, Damit was dich ergötze, Mir kund und wissend sei. Weise: Balet Ich dank dir, lieber Herre. 2. Dein Zion streut dir Palmen Und grüne Zweige hin, Und ich will dir in Psalmen Ermuntern meinen Sinn. Mein Herze soll dir grünen In stetem Lob und Preis, Und deinem Namen dienen, So gut es kann und weiß. 3. Was hast du unterlassen Zu meinem Trost und Freud? Als Leib und Seele saßen In ihrem größten Leid, Als mir das Reich genommen, Da Fried' und Freude lacht, Da bist du, mein Heil, kommen, Und hast mich froh gemacht. 4. Ich lag in schweren Banden, Du kommst und machst mich los; Ich stund in Spott und Schanden, Du kommst und machst mich groß, Und hebst mich hoch zu Ehren, Und schenkst mir großes Gut, Das sich nicht läßt verzehren, Wie irdisch Neichthum thut. Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 5. Nichts, nichts hat dich getrieben Zu mir vom Himmelszelt, Als das geliebte Lieben, Damit du alle Welt In ihren tausend Plagen Und großen Jammerslast, Die kein Mund aus kann sagen, So fest umfangen haft. 6. Das schreib dir in dein Herze, Du hochbetrübtes Heer, Bei denen Gram und Schmerze Sich häuft je mehr und mehr; Seid unverzagt, ihr habet Die Hilfe vor der Thür, Der eure Herzen labet Und tröstet, steht allhier! 7. Ihr dürft euch nicht bemühen, Noch sorgen Tag und Nacht, Wie ihr ihn wollet ziehen Mit eures Armes Macht: Er kommt, er kommt mit Willen; Ist voller Lieb und Luft, All Angst und Noth zu stillen, Die ihm an euch bewußt. 8. Auch dürft ihr nicht erschrecken Vor eurer Sündenschuld. Nein! Jesus will sie decken Mit seiner Lieb und Huld! Er kommt, er kommt, den Sündern Zum Trost und wahren Heil, Schafft, daß bei Gottes Kindern Verbleib ihr Erb und Theil. 9. Was fragt ihr nach dem Schreien Der Feind' und ihrer Tück? Der Herr wird sie zerstreuen In einem Augenblick. 29 30 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. Er kommt, er kommt, ein König, Dem wahrlich alle Feind Auf Erden viel zu wenig Zum Widerstande seind. 10. Er kommt zum Weltgerichte, Zum Fluch dem, der ihm flucht, Mit Gnad und süßem Lichte Dem, der ihn liebt und sucht. Ach komm, ach komm, o Sonne! Und hol uns allzumal Zum ewgen Licht und Wonne Ju deinen Freudensaal. II. Weihnacht. 3. Von der Erscheinung des Engels. Weise: Vom Himmel hoch, da komm ich her. 1667. 1. Schaut! schaut! was ist für Wunder dar? Die schwarze Nacht wird hell und klar; Ein großes Licht bricht dort herein, Ihm weichet aller Sternen Schein. 2. Es ist ein rechtes Wunderlicht Und gar die alte Sonne nicht, Weil's wider die Natur die Nacht Zu einem hellen Tage macht. 3. Was wird hiedurch uns zeigen an, Der die Natur so ändern kann? Es muß ein großes Werk geschehn, Wie wir aus solchen Zeichen sehn. 4. Sollt auch erscheinen dieser Zeit Die Sonne der Gerechtigkeit, Der helle Stern aus Jacobs Stamm, Der Heiden Licht, des Weibes Sam? Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 5. Es ist also. Des Himmels Heer, Das bringt uns jetzt die Freudenmähr, Wie sich nunmehr hab' eingestellt Zu Bethlehem das Heil der Welt. 6. Gültigkeit! was lange Jahr Sich hat der frommen Väter Schaar Gewünscht und sehnlich oft begehrt, Des werden wir von Gott gewährt. 7. Drum auf, ihr Menschenkinder, auf! Auf, auf! und nehmet euren Lauf Mit mir hin zu der Stell und Ort, Davon gemeldt der Engel Wort. 8. Schaut hin, dort liegt im finstern Stall, Des Herrschaft gehet überall; Da Speise vormals sucht' ein Rind, Da ruht jetzt der Jungfrauen Kind. 9. O Menschenfkind, betracht es recht, Und strauchle nicht, dieweil so schlecht, So elend scheint dies Kindelein, Es ist und soll auch uns groß sein. 10. Es wird im Fleisch hier vorgestellt, Der alles schuf und noch erhält; Das Wort, so bald im Anfang war, Bei Gott, selbst Gott, das lieget dar. 11. Es ist der eingeborne Sohn Des Vaters, unser Gnadenthron, Das A und O, der große Gott, Der Siegesfürst, Herr Zebaoth. 31 12. Denn weil die Zeit nunmehr erfüllt, Da Gottes Zorn muß sein gestillt, Wird sein Sohn Mensch, trägt unsre Schuld, Wirbt uns durch sein Blut Gottes Huld. 13. Dies ist die rechte Freudenzeit, Weg, Traueru, weg, weg alles Leid! Trotz dem, der ferner uns verhöhnt! Gott selbst ist Mensch, wir sind versöhnt. 32 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 14. Der Sündenbüßer ist nun hier, Den Schlangentreter haben wir, Der Höllen Pest, des Todes Gift, Des Lebens Fürsten man hier trifft. 15. Es hat mit uns nun feine Noth, Weil Sünde, Teufel, Höll und Tod Zu Spott und Schanden sind gemacht In dieser großen Wundernacht. 16. felig, selig alle Welt, Die sich an dieses Kindlein hält! Wohl dem, der dieses recht erkennt Und gläubig seinen Heiland nennt. 17. Es danke Gott, wer danken kann, Der unser sich so hoch nimmt an, Und sendet aus des Himmels Thron Uns, seinen Feinden, seinen Sohn. 18. Drum stimmt an mit der Engel Heer: Gott in der Höhe sei nun Ehr, Auf Erden Friede jederzeit, Den Menschen Wonn' und Fröhlichkeit. 4. Fröhlich soll mein Herze springen. Weise: Warum sollt ich mich denn grämen od.: Eigne Mel. 1656. 1. Fröhlich soll mein Herze springen Dieser Zeit, Da vor Freud" Alle Engel singen. Hört, hört, wie mit vollen Choren Alle Luft Laute ruft: Christus ist geboren." Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 2. Heute geht aus seiner Kammer Gottes Held, Der die Welt Reißt aus allem Jammer. Gott wird Mensch, dir, Mensch, zu gute, Gottes Kind Das verbindt Sich mit unserm Blute. 3. Sollt uns Gott nun können hassen, Der uns giebt, Was er liebt Ueber alle Maßen? Gott giebt, unserm Leid zu wehren, Seinen Sohn Aus dem Thron Seiner Macht und Ehren. 4. Sollte von uns sein gekehret, Der sein Reich Und zugleich Sich uns selbst verehret? Sollt uns Gottes Sohn nicht lieben, Der jetzt kömmt, Von uns nimmt, Was uns will betrüben? 5. Hätte vor dem Menschenorden Unser Heil Einen Gräul, Wär er nicht Mensch worden. Hätt er Lust zu unserm Schaden, Ei so würd Unsre Bürd Er nicht auf sich laden. 6. Er nimmt auf sich, was auf Erden Wir gethan, Giebt sich an, Unser Lamm zu werden, 3 33 34 Paul Gerhardts Geistliche Bieber. Unser Lamm, das für uns stirbet, Und bei Gott Für den Tod Heil und Fried erwirbet. 7. Nun, er liegt in seiner Krippen, Ruft zu sich Mich und dich, Spricht mit süßen Lippen: „ Laffet fahr'n, o lieben Brüder, Was euch quält, Was euch fehlt, Ich bring alles wieder." 8. Ei, so kommt und laßt uns laufen, Stellt euch ein Groß und klein, Eilt mit großen Haufen. Liebt den, der vor Liebe brennet, Schaut den Stern, Der euch gern Licht und Labsal gönnet. 9. Die ihr schwebt in großen Leiden, Sehet, hier Ist die Thür Zu den wahren Freuden. Faßt ihn wohl, er wird euch führen An den Ort, Da hinfort Euch kein Kreuz wird rühren. 10. Wer sich fühlt beschwert im Herzen, Wer empfindt Seine Sünd Und Gewissensschmerzen, Sei getrost! hier wird gefunden, Der in Eil Machet heil Die vergift'ten Wunden. Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 11. Die ihr arm seid und elende, Kommt Herbei, Füllet frei Eures Glaubens Hände. Hier sind alle guten Gaben, Und das Gold Da ihr sollt Euer Herz mit laben. 12. Süßes Heil, laß dich umfangen, Laß mich dir, Meine Zier, Unverrückt anhangen. Du bist meines Lebens Leben; Nun kann ich Mich durch dich Wohl zufrieden geben. 13. Meine Schuld kann mich nicht drücken, Denn du haft Meine Last All auf deinem Rücken. Kein Fleck ist an mir zu finden, Ich bin gar Nein und klar Aller meiner Sünden. 14. Ich bin rein um deinet willett, Du giebst g'nug Ehr und Schmuck, Mich drin einzuhüllen. Ich will dich ins Herze schließen; O mein Ruhm, Edle Blum, Laß dich recht genießen! 15. Ich will dich mit Fleiß bewahren, Ich will dir Leben hier, Dir will ich abfahren. 35 3* 36 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. Mit dir will ich endlich schweben Voller Freud Ohne Zeit Dort im andern Leben. 5. Weihnacht- Gesang. Luc. 2, 15. Weife: Quem Pastores, zu deutsch: Den die Hirten lobten sehre. 1667. 1. Kommt, und laßt uns Christum ehren, Herz und Sinnen zu ihm kehren, Singet fröhlich, laßt euch hören, Werthes Volt der Christenheit. 2. Sünd und Hölle mag sich grämen, Tod und Teufel mag sich schämen; Wir, die unser Heil annehmen, Werfen allen Kummer hin. 3. Sehet, was hat Gott gegeben! Seinen Sohn zum ew'gen Leben. Dieser kann und will uns heben Aus dem Leid ins Himmels Freud! 4. Seine Seel ist uns gewogen, Lieb und Gunst hat ihn gezogen, Uns, die Satanas betrogen, Zu besuchen aus der Höh. 5. Jacobs Stern ist aufgegangen, Stillt das sehnliche Verlangen, Bricht den Kopf der alten Schlangen Und zerstört der Höllen Reich. 6. Unser Kerker, da wir saßen, Und mit Sorgen ohne Maßen Uns das Herze selbst abfraßen, Ist entzwei und wir sind frei. Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 7. O du hoch gesegn'te Stunde, Da wir das von Herzensgrunde Glauben, und mit unserm Munde Danken dir, o Jefulein. 8. Schönstes Kindlein in dem Stalle, Sei uns freundlich, bring' uns alle Dahin, da mit süßem Schalle Dich der Engel Heer erhöht! 6. Chrift- Wiegen- Liedlein. Aus dem Lateinischen. 1667. 1. Alle, die ihr Gott zu Ehren Unsre Christlust wollt vermehren, Gia, Gia, Steht und hört vor allen Dingen Gottes Mutter fröhlich singen, Bei dem Kripplein ihres Sohns: Eia, Eia, schlaf und ruhe, Schlaf, schlaf, liebes Jefulein! 2. Schlaf, du großer Weltberather, Bräutgam, Sohn und selbst auch Bater! Eia, Eia. Bett und Lager, das dich träget, Hab ich dir zurecht geleget, Schlaf, du schönstes Kindelein! Eia, Eia, schlaf und ruhe, Schlaf, schlaf, trautes Herzelein! 37 3. Schlaf, mein Krönlein, Licht und Leben! Was dir lieb, will ich dir geben, Eia, Cia. Schlaf, du Ausbund aller Gaben! 38 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. Laß dich speisen, laß dich laben, Bei der men Krippen hier. Eia, Eia, schlaf und ruhe, Schlaf, schlaf, du mein Ehr und Ruhm! 4. Schlaf, o bestes aller Güter, Schlaf, o Perle der Gemüther! Eia, Eia. Schlaf, mein Trost, dem nichts zu gleichen, Milch und Honig muß dir weichen, Schlaf, du edler Herzensgaft! Eia, Eia, schlaf und ruhe, Schlaf, schlaf, werthe Lilienblum! 5. Schlaf, o Kind, den Gott erforen, Schlaf, o Schatz, den ich geboren. Gia, Gia. Schlaf, du frommer Seelen Weide, Schlaf, du frommer Herzen Freude, Schlaf, du meines Leibes Frucht! Eia, Eia, schlaf und ruhe, Schlaf, schlaf, allersüßtes Lieb! 6. Sch will dir ein Bettlein zieren, Ganz mit Blumen überführen. Eia, Cia. Schlaf, du Luft, die wir erwählen, Schlaf, du Paradies der Seelen, Schlaf, du wahres Himmelsbrot! Eia, Eia, schlaf und ruhe, Schlaf, schlaf, Heiland aller Welt! 7. An der Krippe. Weise: Wir Christenleut habn jekund Freud, oder: Eigne Mel. 1656. 1. O Jesu Christ! Dein Kripplein ist Mein Paradies, Da meine Seele weidet. Paul Gerhardts Geistliche Lieder. Hier ist der Ort, Hier liegt das Wort Mit unserm Fleisch Persönlich angekleidet. 2. Dem Meer und Wind Gehorsam sind, Giebt sich zum Dienst Und wird ein Knecht der Sünder. Du, Gottes Sohn, Wirst Erd' und Thon, Gering und schwach, Wie wir und unsre Kinder. 3. Du höchstes Gut, Hebst unser Blut In deinen Thron, Hoch über alle Höhen. Du ew'ge Kraft, Machst Brüderschaft Mit uns, die wie Ein Dampf und Rauch vergehen. 4. Was will uns nun Zuwider thun Der Seelenfeind Mit allem Gift und Gallen? Was wirft er mir Und andern für, Daß Adam ist Und wir mit ihm gefallen? 5. Schweig, arger Feind! Da sitzt mein Freund, Mein Fleisch und Blut, Hoch in dem Himmel droben: Was du gefällt, Das hat der Held Ans Jacobs Stamm Zu großer Ehr erhoben. 39 40 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 6. Sein Licht und Heil Macht alles heil, Der Himmel Schatz Bringt allen Schaden wieder. Der Freudenquell Immanuel Schlägt Teufel, Höll Und all ihr Reich darnieder. 7. Drum, frommer Christ, Wer du auch bist, Sei gutes Muths Und laß dich nicht betrüben.. Weil Gottes Kind Dich ihm verbindt, So kann's nicht anders sein, Gott muß dich lieben. 8. Gedenke doch, Wie herrlich hoch Er über allen Jammer dich geführet! Der Engel Heer Ist selbst nicht mehr, Als eben du, Mit Seligkeit gezieret! 9. Du siehest ja Vor Augen da Dein Fleisch und Blut Die Luft und Wolken lenken; Was will doch sich ( Ich frage dich) Erheben, dich In Angst und Furcht zu senken? 10. Dein blöder Sinn Geht oft dahin, Ruft Ach und Weh, Läßt allen Trost verschwinden; Paul Gerhardts Geistliche Lieder. Komm her, und richt Dein Angesicht Zum Kripplein Christi, da, da wirst du's finden. 11. Wirst du geplagt? Sei unverzagt! Dein Bruder wird Dein Unglück nicht verschmähen. Sein Herz ist weich Und gnadenreich, Kann unser Leid Nicht ohne Thränen sehen. 12. Tritt zu ihm zu, Such Hilf und Ruh, Er wird's ma= chen, daß du ihm wirst danken, Er weiß und kennt Was beißt und brennt, Versteht wohl, wie Zu Muthe sei dem Kranken. 13. Denn eben drum Hat er den Grimm Des Kreuzes auch Am Leibe wollen tragen. Daß seine Pein Ihm möchte sein Ein unverrückt' Erinnrung unsrer Plagen. 14. Mit Einem Wort: Er ist die Pfort Zu dieses und Des andern Lebens Freuden. Er macht behend Ein Seligs End' An alle dem, Was fromme Herzen leiden. 41 42 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 15. Laß aller Welt Ihr Gut und Geld, Und siehe nur, Daß dieser Schatz dir bleibe. Wer den hier fest Hält und nicht läßt, Den ehrt und krönt Er dort an Seel und Leibe. 8. An der Krippe. Weise: Nun freut euch lieben Christen gemein, oder: Eigne Weise. 1656. 1. Ich steh an deiner Krippen hier O Sesulein, mein Leben, Ich komme, bring' und schenke dir, Was du mir haft gegeben. Nimm hin, es ist mein Geist und Sinn, Herz, Seel und Muth, nimm alles hin, Und laß dir's wohlgefallen. 2. Du hast mit deiner Lieb erfüllt Mein' Adern und Geblüte, Dein schöner Glanz, dein süßes Bild Liegt mir ganz im Gemüthe, Und wie mag es auch anders sein, Wie könnt' ich dich, mein Herzelein, Aus meinem Herzen lassen? 3. Da ich noch nicht geboren war, Da bist du mir geboren, Und hast mich dir zu eigen gar, Eh ich dich kannt, erforen. Eh ich durch deine Hand gemacht, Da hat dein Herze schon bedacht, Wie du mein wolltest werden. Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 4. Sch lag in tiefster Todesnacht, Du wurdest meine Sonne, Die Sonne, die mir zugebracht Licht, Leben, Freud und Wonne. O Sonne, die das werthe Licht Des Glaubens in mir zugericht't, Wie schön sind deine Strahlen! 5. Ich sehe dich mit Freuden an, Und kann mich nicht satt sehen, Und weil ich nun nicht weiter kann, So thu' ich, was geschehen. O daß mein Sinn ein Abgrund wär Und meine Seel ein weites Meer, Daß ich dich möchte fassen! 6. Bergönne mir, o Jesulein, Daß ich dein Mündlein küsse, Das Mündlein, das den süßten Wein Auch Milch und Honigflüsse Weit übertrifft in seiner Kraft, Es ist voll Labsal, Stärk und Saft, Der Mark und Bein erquicket. 7. Wenn oft mein Herz im Leibe weint Und keinen Trost kann finden, Da ruft mir's zu:„ Ich bin dein Freund, Ein Tilger deiner Sünden; Was trauerst du, mein Brüderlein? Du sollst ja guter Dinge sein, Ich zahle deine Schulden." 8. Wer ist der Meister, der allhier Nach Würden aus kann streichen Die Händlein, so das Kindlein mir Beginnet zuzureichen! Der Schnee ist hell, die Milch ist weiß, Verlieren doch beid' ihren Preis, Wenn diese Händlein blicken. 43 44 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 9. Wo nehm' ich Weisheit und Verstand, Mit Lobe zu erhöhen Die Neuglein, die so unverwandt Nach mir gerichtet stehen? Der volle Mond ist schön und klar, Schön ist der güldnen Sternen Schaar, Dies' Neuglein sind viel schöner. 10. O daß doch ein so lieber Stern Soll in der Krippen liegen! Für edle Kinder großer Herrn Gehören güldne Wiegen: Ach! Heu und Stroh ist viel zu schlecht; Sammt, Seiden, Purpur wären recht, Dies Kindlein drauf zu legen. 11. Nehmt weg das Stroh, nehmt weg das Heu, Ich will mir Blumen holen, Daß meines Heilands Lager sei Auf Rosen und Violen, Mit Tulpen, Nelken, Rosmarin Aus frischen Gärten will ich ihn Von oben her bestreuen. 12. Zur Seiten will ich hier und dar Viel weiße Lilien stecken, Die sollen seiner Neuglein Paar Im Schlafe sanft bedecken. Doch liebt vielleicht das dürre Gras Dies Kindlein mehr, als alles das, Was ich hier nenn und denke. 13. Du frageft nicht nach Lust der Welt, Noch nach des Lebens Freuden: Du hast dich bei uns eingestellt, An unsrer Statt zu leiden, Suchst meiner Seelen Herrlichkeit Durch dein selbst eignes Herzeleid; Das will ich dir nicht wehren. Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 14. Eins aber, hoff ich, wirst du mir, Mein Heiland, nicht versagen, Daß ich dich möge für und für In, bei und an mir tragen. So laß mich doch dein Kripplein sein, Komm, komm und lege bei mir ein Dich und all deine Freuden. 15. 3war sollt' ich denken, wie gering Ich dich bewirthen werde: Du bist der Schöpfer aller Ding, Ich bin nur Staub und Erde. Doch bist du ein so frommer Gaft, Daß du noch nie verschmähet haſt Den, der dich gerne siehet. 9. Wir fingen dir, Emannel. Weise: Erschienen ist der herrlich' Tag, oder: Eigne Weise. 1656. 1. Wir singen dir, Emanuel, Du Lebensfürst und Gnadenquell, Du Himmelsblum und Morgenstern, Du Jungfrausohn, Herr aller Herrn. Hallelujah. 2. Wir singen dir in deinem Heer Aus aller Kraft Lob, Preis und Ehr, Daß du, o lang gewünschter Gast, Dich nunmehr eingestellet hast. Hallelujah. 3. Von Anfang, da die Welt gemacht, Hat so manch' Herz nach dir gewacht; Dich hat gehofft so lange Jahr Der Väter und Propheten Schaar. Hallelujah. 45 46 Paul Gerhardts Geistliche Bieber. 4. Vor andern hat dein hoch begehrt Der Hirt und König deiner Heerd, Der Mann, der dir so wohl geftel, Wenn er dir sang auf Saitenspiel: Hallelujah. 5. Ach! daß der Herr aus Zion käm, Und unsre Bande von uns nähm! Ach, daß die Hilfe bräch herein, So würde Jacob fröhlich sein! Hallelujah. 6. Nun, du bist hier, da liegest du, Hältst in dem Kripplein deine Ruh; Bist klein, und machst doch alles groß, Bekleidst die Welt, und kommst doch bloß. Hallelujah. 7. Du kehrst in fremder Hausung ein, Und sind doch alle Himmel dein; Trinkst Milch aus einer Menschenbrust, Und bist doch aller Engel Lust. Hallelujah. 8. Du haft dem Meer sein Ziel gesteckt, Und wirst mit Windeln zugedeckt; Bist Gott, und liegst auf Hen und Stroh; Wirst Mensch, und bist doch A und O. Hallelujah. 9. Du bist der Ursprung aller Freud, Und duldest so viel Herzeleid; Bist aller Heiden Trost und Licht, Suchst selber Trost und findst ihn nicht. Hallelujah. 10. Du bist der süße Menschenfreund, Doch sind dir so viel Menschen feind: Herodis Heer Hält dich für Gräul, Und bist doch nichts als lauter Heil. Hallelujah. Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 11. Sch aber, dein geringster Knecht, Ich sag es frei und mein es recht: Ich liebe dich, doch nicht so viel, Als ich dich gerne lieben will. Hallelujah. 12. Der Will ist da, die Kraft ist klein; Doch wird dir nicht zuwider sein Mein armes Herz, und was es kann, Wirst du in Gnaden nehmen an. Hallelujah. 13. Hast du doch selbst dich schwach gemacht, Erwähltest, was die Welt veracht't; Warst arm und dürftig, nahmst fürlieb Da, wo der Mangel dich hintrieb. Hallelujah. 14. Du schliefft ja auf der Erden Schoos, So war dein Kripplein auch nicht groß, Der Stall, das Heu, das dich umfing, War alles schlecht und sehr gering. Hallelujah. 15. Darum so hab' ich guten Muth, Du wirst auch halten mich für gut. O Jefulein, dein frommer Sinn Macht, daß ich so voll Trostes bin. Hallelujah. 16. Bin ich gleich Sünd und Laster voll, Hab ich gelebt nicht wie ich soll, Ei kommst du doch deswegen her, Daß sich der Sünder zu dir kehr. Hallelujah. 17. Hätt ich nicht auf mir Sündenschuld, Hätt ich kein Theil an deiner Huld; Vergeblich wärst du mir geborn, Wann ich nicht wär in Gottes Zorn. Hallelujah. 47 Univ.- Sibl. Giessen 48 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 18. So faff' ich dich nun ohne Scheu, Du machst mich alles Jammers frei, Du trägst den Zorn, du würgst den Tod, Verkehrst in Freud' all Angst und Noth. Hallelujah. 19. Du bist mein Haupt, hinwiederum Bin ich dein Glied und Eigenthum, Und will, so viel dein Geist mir giebt, Stets dienen dir, wie dir's beliebt. Hallelujah. 20. Ich will dein Hallelujah hier Mit Freuden singen für und für, Und dort in deinem Ehrensaal, Soll's schallen ohne Zeit und Zahl. Hallelujah. III. Nenjahr. 10. Von der Beschneidung Chrifti. Weise: Zion flagt mit Angst und Schmerzen, oder: Eigne Weise. 1647. 1. Warum machet solche Schmerzen, Warum machet solche Pein Der von unbeschnittnem Herzen Dir, herzliebstes Jefulein, Mit Beschneidung? da du doch Frei von des Gesetzes Joch, Weil du einem Menschenkinde Zwar gleich, doch ganz ohne Sünde. 2. Für dich darfst du dies nicht dulden, Du bist ja des Bundes Herr: Unsre, unsre großen Schulden, Die so grausam, die so schwer Paul Gerhardts Geistliche Lieder. Auf uns liegen, daß es dich Sammert Herz- und inniglich, Die trägst du ab, uns zu retten, Die sonst nichts zu zahlen hätten. 3. Freut, ihr Schuldner, euch deswegen, Ja, sei fröhlich alle Welt, Weil heut anhebt zu erlegen Gottes Sohn das Lösegeld! Das Gesetz wird heut erfüllt, Heut wird Gottes Zorn gestillt, Heut macht uns, so sollten sterben, Gottes Sohn zu Gottes Erben. 4. Wer mag recht die Gnad erkennen? Wer mag dafür dankbar sein? Herz und Mund soll stets dich nennen Unsern Heiland, Jefulein. Deine Güte wollen wir Nach Vermögen preisen hier, Weil wir in der Schwachheit wallen, Dort soll baß dein Lob erschallen. 11. Neujahrs- Gesang. Weise: Nun laßt uns Gott dem Herrn, oder: eigne Weise. Wach auf mein Herz und finge. 1653. 1. Nun laßt uns gehn und treten Mit Singen und mit Beten Zum Herrn, der unserm Leben Bis hieher Kraft gegeben. 2. Wir gehn dahin und wandern Von einem Jahr zum andern, Wir leben und gedeihen Vom alten zu dem neuen. 49 50 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 3. Durch so viel Angst und Plagen, Durch Zittern und durch Zagen, Durch Krieg und große Schrecken, Die alle Welt bedecken. 4. Denn wie von treuen Müttern In schweren Ungewittern Die Kindlein hier auf Erden Mit Fleiß bewahret werden, 5. Also auch, und nichts minder, Läßt Gott ihm seine Kinder, Wenn Noth und Trübsal blitzen, In seinem Schooße sitzen. 6. Ach, Hüter unsers Lebens, Fürwahr! es ist vergebens Mit unserm Thun und Machen, Wo nicht dein' Augen wachen. 7. Gelobt sei deine Treue, Die alle Morgen neue! Lob sei den starken Händen, Die alles Herzleid wenden! 8. Laß ferner dich erbitten, O Vater, und bleib mitten In unserm Kreuz und Leiden Ein Brunnen unsrer Freuden. 9. Gieb mir und allen denen, Die sich von Herzen sehnen Nach dir und deiner Hulde, Ein Herz, das sich gedulde. 10. Schleuß zu die Jammerpforten, Und laß an allen Orten Auf so viel Blutvergießen Die Friedensströme fließen. 11. Sprich deinen milden Segen Zu allen unsern Wegen, Laß Großen und auch Kleinen Die Gnadensonne scheinen. Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 12. Sei der Verlaffnen Vater, Der Irrenden Berather, Der Unversorgten Gabe, Der Armen Gut und Habe. 13. Hilf gnädig allen Kranken, Gieb fröhliche Gedanken Den hochbetrübten Seelen, Die sich mit Schwermuth quälen. 14. Und endlich, was das meiste, Füll uns mit deinem Geiste, Der uns hier herrlich ziere Und dort zum Himmel führe. 15. Das alles wollst du geben, O meines Lebens Leben, Mir und der Christenschaare Zum sel'gen neuen Jahre! IV. Leiden Christi. Charfreitag. 12. Ein Lämmlein geht und trägt die Schuld. Ev. Joh. 1, 29. Jef. 53, 4-7. Weise: An Wasserflüssen Babylon, oder: Eigne Weise. 1647. 1. Ein Lämmlein geht und trägt die Schuld Der Welt und ihrer Kinder, Es geht und büßet in Geduld Die Sünden aller Sünder, Es geht dahin, wird matt und krank, Ergiebt sich auf die Würgebank, Verzeiht sich aller Freuden, Es nimmet an Schmach, Hohn und Spott, Angst, Wunden, Striemen, Kreuz und Tod, Und spricht:„ Ich will's gern leiden." 4* 51 52 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 2. Das Lämmlein ist der große Freund Und Heiland meiner Seelen, Den, den hat Gott zum Sündenfeind Und Sühner wollen wählen. ,, Geh hin, mein Kind, und nimm dich an Der Kinder, die ich ausgethan Zur Straf und Zornes Ruthen: Die Straf ist schwer, der Zorn ist groß; Du kannst und sollst sie machen los Durch Sterben und durch Bluten.“ 3. Ja, Vater, ja, von Herzensgrund, Leg auf, ich will dir's tragen. Mein Wollen hängt an deinem Mund, Mein Wirken ist dein Sagen." Wunderlieb! O Liebesmacht! Du kannst, was nie kein Mensch gedacht, Gott seinen Sohn abzwingen. O Liebe! Liebe! du bist stark, Du streckest den ins Grab und Sarg, Vor dem die Felsen springen. 4. Du marterft ihn am Kreuzes stamm Mit Nägeln und mit Spießen, Du schlachtest ihn als wie ein Lamm, Machst Herz und Adern fließen, Das Herze mit der Seufzer Kraft, Die Adern mit dem edlen Saft Des purpurrothen Blutes. O süßes Lamm! was soll ich dir Erweisen dafür, daß du mir Erzeigest so viel Gutes! 5. Mein Lebetage will ich dich Aus meinem Sinn nicht lassen, Dich will ich stets, gleichwie du mich, Mit Liebesarmen fassen. Du sollst sein meines Herzens Licht, Und wann mein Herz in Stücke bricht, Paul Gerhardts Geistliche Lieder. Sollst du mein Herze bleiben. Ich will mich dir, mein höchster Ruhm, Hiermit zu deinem Eigenthum Beständiglich verschreiben. 6. Ich will von deiner Lieblichkeit Bei Nacht und Tage singen, Mich selbst auch dir nach Möglichkeit Zum Freudenopfer bringen. Mein Bach des Lebens soll sich dir Und deinen Namen für und für In Dankbarkeit ergießen; Und was du mir zu gut gethan, Das will ich stets, so tief ich kann, In mein Gedächtnis schließen. 7. Erweitre dich, mein Herzensschrein, Du sollst ein Schatzhaus werden Der Schätze, die viel größer sein Als Himmel, Meer und Erden. Weg mit dem Gold Arabia, Weg Calmus, Myrrhen, Cafia, Ich hab ein beffers funden: Mein großer Schatz, Herr Jesu Christ, Sit dieses, was geflossen ist, Aus deines Leibes Wunden. 8. Das soll und will ich mir zu Nutz Zu allen Zeiten machen, Im Streite soll es sein nein Schuß, In Traurigkeit mein Lachen, In Fröhlichkeit mein Saitenspiel, Und wann mir nichts mehr schmecken will, Soll mich dies Manna speisen; Im Durst soll's sein mein Wasserquell, In Einsamkeit mein Sprachgesell Zu Haus und auch auf Reisen. 9. Was schadet mir des Todes Gift? Dein Blut, das ist mein Leben. Wann mich der Sonnen Hitze trifft, So kann mir's Schatten geben. 53 54 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. Setzt mir des Wehmuths Schmerzen zu, So find ich bei dir meine Nuh, Als auf dem Bett ein Kranker. Und wann des Kreuzes Ungestüm Mein Schifflein treibet um und um So bist du dann mein Anker. 10. Wann endlich ich soll treten ein In deines Reiches Freuden, So soll dies Blut mein Purpur sein, Ich will mich darin kleiden; Es soll sein meines Hauptes Kron, In welcher ich will vor den Thron Des höchsten Vaters gehen, Und dir, dem er mich anvertraut, Als eine wohlgeschmückte Braut An deiner Seite stehen. 13. Das 53. Capitel Jefaiä. Weise: Christus, der uns selig macht, oder: Eigne Weise. 1656. 1. Siehe, mein getrener Knecht, Der wird weislich handeln, Ohne Tadel, schlecht und recht Auf der Erden wandeln; Sein gerechter, frommer Sinn Wird in Einfalt gehen: Und noch dennoch wird man ihn An das Kreuz erhöhen. 2. Hoch am Kreuze wird mein Sohn Große Marter leiden, Und Viel werden ihn mit Hohn, Als ein Scheufal, meiden. Aber also wird sein Blut Auf viel Heiden springen, Und das ew'ge wahre Gut In ihr Herze bringen. Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 3. Kön'ge werden ihren Mund Gegen ihn zuhalten, Und aus innerm Herzensgrund Ihre Hände falten. Das verblendte taube Heer Wird ihn sehn und hören, Und mit Luft zu seiner Ehr Ihren Glauben mehren. 4. Aber da, wo Gottes Licht Reichlich wird gespüret, Hält man sich mit Nichten nicht, Wie es sich gebühret. Denn wer glaubt im Jüdenland Unsrer Predigt Worten? Wem wird Gottes Arm bekannt In Israels Orten? 5. Niemand will fast seinen Preis Ihm hier lassen werden, Denn er schießt auf, wie ein Reis Aus der dürren Erden, Krank, verdorret, ungestalt, Voller Blut und Schmerzen; Daher scheut ihn jung und alt Mit entwandten Herzen. 6. Ei, was hat er denn gethan, Was sind seine Schulden, Daß er da für jedermann Solche Schmach muß dulden? Hat er etwa Gott betrübt Bei gesunden Tagen, Daß er ihm anjetzo giebt Seinen Lohn mit Plagen? 7. Nein, führwahr, wahrhaftig nein! Er ist ohne Sünden! Sondern was die Welt für Pein Billig sollt empfinden, 55 56 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. Was für Krankheit, Angst und Weh Uns von Recht gebühret, Das ist's, was ihn in die Höh' An das Kreuz geführet. 8. Daß ihn Gott so heftig schlägt, Thut er unfertwillen: Daß er solche Bürden trägt, Damit will er stillen Gottes Zorn und großen Grimm, Daß wir Friede haben Durch sein Leiden, und in ihm Leib und Seele laben. 9. Wir sind's, die wir in der Irr Als die Schafe gingen, Und noch stets zur Höllenthür Als die Tollen dringen; Aber Gott, der fromm und treu, Nimmt, was wir verdienen, Und legt's seinem Sohne bei, Der muß uns verfühnen. 10. Nun er thut es herzlich gern, Ach! des frommen Herzen! Er nimmt an den Zorn des Herrn Mit viel tausend Schmerzen, Und ist allzeit voll Geduld, Läßt kein Wörtlein hören Wider die, so ohne Schuld Ihn so hoch beschweren. 11. Wie ein Lämmlein sich dahin Läßt zur Schlachtbank leiten, Und hat in dem frommen Sinn Gar fein Widerstreiten, Läßt sich handeln, wie man will, Fangen, binden, zähmen, Und dazu in großer Still Auch sein Leben nehmen: Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 12. Also läßt auch Gottes Lamm, Ohne Widersprechen, Shm sein Herz am Kreuzesstamm Unsertwegen brechen. Er sinkt in den Tod hinab, Den er selbst doch bindet, Weil er sterbend Tod und Grab Mächtig überwindet. 13. Er wird aus der Angst und Qual Endlich ausgeriffen, Tritt den Feinden allzumal Ihren Kopf mit Füßen. Wer will seines Lebens Läng Smmermehr umschränken? Seiner Tag und Jahre Meng Ist nicht auszudenken. 14. Doch ist er wahrhaftig hier Für sein Volk gestorben, Und hat völlig mir und dir Heil und Gnad erworben, Kommt auch in das Grab hinein, Herrlich eingehüllet, Wie die, so mit Reichthum sein In der Welt erfüllet. 15. Er wird als ein böser Mann Für der Welt geplaget, Da er doch noch nie gethan, Auch noch nie gefaget, Was da bös und unrecht wär: Er hat nie betrogen, Nie verlezzet Gottes Ehr, Sein Mund nie gelogen. 16. Ach! er ist für fremde Sünd In den Tod gegeben, Auf daß du, o Menschenkind, Durch ihn möchtest leben, 57 58 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. Daß er mehrte sein Geschlecht, Den gerechten Samen, Der Gott dient' und Opfer brächt Seinem heil'gen Namen. 17. Denn das ist sein' höchste Freud Und des Vaters Wille, Daß den Erdkreis weit und breit Sein Erkenntnis fülle, Damit der gerechte Knecht, Der vollkommne Sühner, Gläubig mach und recht gerecht Alle Sündendiener. 18. Große Menge wird ihm Gott Zur Verehrung schenken, Darum, daß er sich mit Spott Für uns lassen kränken, Da er denen gleich gesetzt, Die sehr übertreten, Auch die, so ihn hoch verletzt, Bei Gott selbst verbeten. 14. O Welt, sich hier dein Leben. Weise: D Welt, ich muß dich lassen. Eigne Weise. Nun ruhen alle Wälder, oder: 1647. 1. Welt, fieh hier dein Leben Am Stamm des Kreuzes schweben, Dein Heil sinkt in den Tod! Der große Fürst der Ehren Läßt willig sich beschweren Mit Schlägen, Hohn und großem Spott. 2. Tritt her, und schau mit Fleiße, Sein Leib ist ganz mit Schweiße Des Blutes überfüllt. Paul Gerhardts Geistliche Lieder. Aus seinem edlen Herzen, Vor unerschöpften Schmerzen, Ein Seufzer nach dem andern quillt. 3. Wer hat dich so geschlagen, Mein Heil, und dich mit Plagen So übel zugericht't? Du bist ja nicht ein Sünder, Wie wir und unsre Kinder, Von Uebelthaten weißt du nicht. 4. Ich, ich und meine Sünden, Die sich wie Körnlein finden Des Sandes an dem Meer, Die haben dir erreget Das Elend, das dich schläget, Und das betrübte Marterheer. 5. Ich bin's, ich sollte büßen An Händen und an Füßen Gebunden in der Höll. Die Geißeln und die Banden, Und was du ausgestanden, Das hat verdienet meine Seel. 6. Du nimmst auf deinen Rücken Die Lasten, die mich drücken Viel sehrer als ein Stein. Du wirst ein Fluch, dagegen Verehrst du mir den Segen, Dein Schmerzen muß mein Labsal sein. 7. Du setzest dich zum Bürgen, Ja, läsfest dich gar würgen Für mich und meine Schuld; Mir läsfest du dich krönen Mit Dornen, die dich höhnen, Und leidest alles mit Geduld. 8. Du springst ins Todes Rachen, Mich frei und los zu machen Von solchem Ungeheur. 59 60 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. Mein Sterben nimmst du abe, Vergräbst es in dem Grabe: O unerhörtes Liebesfeur! 9. Ich bin, mein Heil, verbunden All Augenblick und Stunden Dir überhoch und sehr. Was Leib und Seel vermögen, Das soll ich billig legen Allzeit an deinen Dienst und Ehr. 10. Nun, ich kann nicht viel geben In diesem armen Leben, Eins aber will ich thun: Es soll dein Tod und Leiden, Bis Leib und Seele scheiden, Mir stets in meinem Herzen ruhn. 11. Ich will's vor Augen setzen, Mich stets daran ergötzen, Ich sei auch, wo ich sei: Es soll mir sein ein Spiegel Der Unschuld und ein Siegel Der Lieb und unverfälschten Treu. 12. Wie heftig unsre Sünden Den frommen Gott entzünden, Wie Rach und Eifer gehn, Wie grausam seine Ruthen, Wie zornig seine Fluten, Will ich aus diesem Leiden sehn. 13. Ich will daraus studieren, Wie ich mein Herz soll zieren Mit stillem sanftem Muth, Und wie ich die soll lieben, Die mich doch sehr betrüben Mit Werken, so die Bosheit thut. 14. Wenn böse Zungen stechen, Mir Glimpf und Namen brechen, So will ich zähmen mich; Paul Gerhardts Geistliche Lieder. Das Unrecht will ich dulden, Dem Nächsten seine Schulden Verzeihen gern und williglich. 15. Ich will mich mit dir schlagen Ans Kreuz, und dem absagen, Was meinem Fleisch gelüft't. Was deine Augen haffen, Das will ich fliehn und lassen, So viel mir immer möglich ist. 16. Dein Seufzen und dein Stöhnen, Und die viel tausend Thränen, Die dir geflossen zu, Die sollen mich am Ende In deinen Schooß und Hände Begleiten zu der ew'gen Ruh. Sieben Lieder an die Gliedmaßen des Herrn Jesu. ( Aus dem Lateinischen des heil. Bernhard.) 61 15. An die Füße des Herrn Jesu. Weise: Zion Klagt mit Angst und Schmerzen, oder: Eigne Weise. 1656. 1. Sei mir tausendmal gegrüßet, Der mich je und je geliebt, Sesu, der du selbst gebüßet Das, womit ich dich betrübt. Ach! wie ist mir doch so wohl, Wann ich knien und liegen soll An dem Kreuze, da du stirbest Und um meine Seele wirbest. 2. Ich umfange, herz' und küsse Der gekränkten Wunden Zahl, Und die purpurrothen Flüsse Deiner Füß' und Nägelmal. 62 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. O wer kann doch, schönster Fürst! Den so hoch nach uns gedürst't, Deinen Durst und Lieb'sverlangen Völlig fassen und umfangen. 3. Heile mich, o Heil der Seelen, Wo ich krank und traurig bin; Nimm die Schmerzen, die mich quälen, Und den ganzen Schaden hin, Den mir Adams Fall gebracht, Und ich selbsten mir gemacht. Wird, o Arzt, dein Blut mich netzen, Wird sich all mein Jammer setzen. 4. Schreibe deine blut'gen Wunden Mir, Herr, in das Herz hinein, Daß sie mögen alle Stunden Bei mir unvergessen sein. Du bist doch mein schönstes Gut, Da mein ganzes Herze ruht. Laß mich hier zu deinen Füßen Deiner Lieb und Gunst genießen. 5. Diese Füße will ich halten Auf das best' ich immer kann. Schaue meiner Hände Falten Und mich selbsten freundlich an Von des hohen Kreuzes Baum, Und gieb meiner Bitte Raum, Sprich: ,, Laß all dein Trauren schwinden, Ich, ich tilg' all deine Sünden." 16. An die Knie des Herrn Jesu. Weise: An Wasserflüssen Babylon, oder: Eigne Weise. 1656. 1. Gegrüßet seist du, meine Kron Und König aller Frommen, Der du zum Trost von deinem Thron Uns armen Sündern kommen! Paul Gerhardts Geistliche Lieder. O wahrer Mensch, o wahrer Gott, O Helfer voller Hohn und Spott, Den du doch nicht verschuldest, Ach! wie so arm, wie nackt und bloß, Hängst du am Kreuz, wie schwer und groß Ist dein Schmerz, den du duldest! 2. Es fleußet deines Blutes Bach Mit ganzem vollen Haufen, Dein Leib ist dir mit Ungemach Ganz durch und durch belaufen. O ungeschränkte Majestät, Wie kommt's, daß dir's so kläglich geht? Das macht dein Huld und Treue. Wer dankt dir es? wo ist der Mann, Der sich, wie du für uns gethan, Für dich zu sterben freue? 3. Was soll ich dir doch immermehr, O Liebster, dafür geben, Daß dein Herz sich so hoch und sehr Bemüht hat um mein Leben? Du rettest mich durch deinen Tod Von mehr als eines Todes Noth, Und machst mich sicher wohnen. Laß Höll und Teufel böse sein, Was schadt's? sie müssen dennoch mein Und meiner Seelen schonen. 4. Für großer Lieb und heil'ger Lust, Damit du mich erfüllet, Drück ich dich an mein Herz und Brust, So wird mein Leid gestillet, Das deinen Augen wohl bekannt, Und das ist dir ja keine Schand, Ein krankes Herz zu laben. Ach bleib mir hold und gutes Muths, Bis mich die Ströme deines Bluts Ganz rein gewaschen haben. 63 64 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 5. Sei du mein Schatz und höchste Freud, Ich will dein Diener bleiben, Und deines Kreuzes Herzeleid Will ich in mein Herz schreiben. Verleihe du mir Kraft und Macht, Damit, was ich bei mir bedacht, Ich mög ins Werk auch setzen, So wirst du, Schönster, meinen Sinn, Und alles, was ich hab und bin, Ohn Unterlaß ergötzen. 17. An die Hände des Herrn Jesu. Weise: Was mein Gott will, das gscheh allzeit. 1656. 1. Sei wohl gegrüßet, guter Hirt, Und ihr, o heil'gen Hände Voll Rosen, die man preisen wird Bis an des Himmels Ende. Die Rosen, die Ich mein allhie, Sind deine Mal' und Plagen, Die dir am End In deine Händ Am Kreuze sind geschlagen. 2. Du zahlst mit beiden Händen dar Die edlen rothen Gulden, Und bringst die ganze Menschenschaar Dadurch aus allen Schulden. Ach! laß von mir, Liebster, dir Die Hände herzlich drücken, Und mit dem Blut, Das mir zu gut Vergossen, mich erquicken. Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 3. Wie freundlich thust du dich doch zu, Und greifft mit beiden Armen Nach aller Welt, in Lieb und Ruh Uns ewig zu erwarmen. Ach! Herr, sich hier, Mit was Begier Ich Armer zu dir trete! Sei mir bereit, Und gieb mir Freud Und Trost, darum ich bete. 4. Zeuch allen meinen Geist und Sinn Nach dir und deiner Höhe; Gieb, daß mein Herz nur immerhin Nach deinem Kreuze stehe, Ja, daß ich mich Selbst williglich Mit dir ans Kreuze binde, Und mehr und mehr Tödt' und zerstör' In mir des Fleisches Sünde. 5. Ich herz und küsse wiederum Aus rechtem treuen Herzen, Herr, deine Händ, und sage Ruhm Und Dank für ihre Schmerzen. Daneben geb Ich, weil ich leb, In diese deine Hände Herz, Seel und Leib, Und also bleib Ich dein bis an mein Ende. 18. An die Seite des Herrn Jesu. Weise: Christ, unser Herr, zum Jordan kam. 1656. 1. Ich grüße dich, du frömmster Mann, Der herzlich gern vergiebet. 5 65 66 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. Wie herzlich weh wird dir gethan, Wie wird dein Leib betrübet! Es grüßet dich mein ganzer Geist, Du, meines Heilands Seite, Du edler Quell, aus welchem fleußt Das Blut, das so viel Leute Von ihren Sünden wäschet. 2. Ich mach, Herr Jesu, mich zu dir, Ach! halt mir's ja zu Gute, Und laß mich suchen Trost bei dir In deiner Wunden Blute. Du werthe Wunde, sei gegrüßt, Du weites Thor der Gnaden, Daraus sich Blut und Wasser gießt, Und da all unserm Schaden Kann abgeholfen werden. 3. Du reuchst mir süßer, als der Wein, Und heilst das Gift der Schlangen; Du flößzest mir das Leben ein, Und stillst des Dursts Verlangen. Eröffne dich, du liebe Wund, Und laß mein Herze trinken; Ist's möglich, laß mich gar zu Grund In dir gehn und versinken, So werd ich mich recht laben. 4. Mein Mund streckt sich mit aller Kraft, Damit er dich berühre, Und ich den theuren Lebenssaft. In Mark und Beinen spüre. Ach! wie so süße bist du doch, Herr Jesu, meinem Herzen! Wer dich recht liebt, dem wird das Joch Der bittern Todesschmerzen Gleich als wie lauter Zucker. 5. In deiner Seiten Höhle; Hier laß mich still und sicher sein, Hier wärme meine Seele, Verbirge mich und schleuß mich ein Paul Gerhardts Geistliche Lieder. Wann mich der kalte Tod befällt! Und wann der höll'sche Leue Nach mir und meinem Geiste stellt, So laß in deiner Treue Mich dann fein ruhig bleiben. 19. An die Brust des Herrn Jesu. Weise: Vater unser im Himmelreich. 1656. 1. Gegrüßzet feist du, Gott, mein Heil, Mein Auge, Lieb' und schönstes Theil! Gegrüßet seist du, werthe Bruſt, Du Gottes Thron, du Menschenluft, Du Träger aller Bürd und Laſt, Du aller Müden Ruh und Nast! 2. Mein Jesu, neige dich zu mir Mit deiner Brust, damit von dir Mein Herz in deiner Lieb entbrenn Und von der ganzen Welt sich trenn; Halt Herz und Brust in Andacht reich Und mich ganz deinem Willen gleich. 3. Mach, Herr, durch deines Herzens Quell Mein Herz vom Unflath rein und hell, Der du bist Gottes Glanz und Bild Und aller Armen Trost und Schild, Theil aus dem Schazze deiner Gnad Auch mir mit Gnade, Rath und That. 4. O süße Brust, thu mir die Gunst, Und fülle mich mit deiner Brunst! Du bist der Weisheit tiefer Grund, Dich lobt und singt der Engel Mund, Aus dir entspringt die edle Frucht, Die dein Johannes bei dir sucht. 67 5* 68 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 5. In dir wohnt alle Gottesfüll, Haft alles, was ich wünsch und will, Du bist das rechte Gotteshaus: Drum, wann zur Welt ich muß hinaus, So schleuß mich treulich in dir ein, Und laß mich ewig bei dir setu. 20. An das Herz des Herrn Jesn. Weise: D Mensch, bewein dein Sünde groß. Kommt her zu mir, spricht Gottes Sohn. 1656. 1. O Herz des Königs aller Welt, Des Herrschers in dem Himmelszelt, Dich grüßt mein Herz mit Freuden. Mein Herze, wie dir wohl bewußt, Hat seine größt' und höchste Lust An dir und deinem Leiden. Ach! wie bezwang und drang dich doch Dein' edle Lieb, ins bittre Joch Der Schmerzen dich zu geben, Da du dich neigtest in den Tod, Zu retten aus der Todesnoth Mich und mein armes Leben! 2. O Tod, du fremder Erdengaft, Wie warst du so ein' herbe Last Dem allersüßten Herzen! Dich hat ein Weiß der Welt gebracht, Und machst dem, der die Welt gemacht, So unerhörte Schmerzen! Du meines Herzens Herz und Sinn, Du brichst und fällst und stirbst dahin! Wollst mir ein Wort gewähren: Ergreif mein Herz und schleuß es ein In dir und deiner Liebe Schrein! Mehr will ich nicht begehren. Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 3. Mein Herz ist kalt, hart und bethört Von allem, was zur Welt gehört, Fragt nur nach eitlen Sachen: Drum Herzes Herze, bitt ich dich, Du wollest dies mein Herz und mich Warm, weich und sauber machen. Laß deine Flamm und starke Glut Durch all mein Herze, Geist und Muth, Mit allen Kräften dringen! Laß deine Lieb und Freundlichkeit Zur Gegenlieb und Dankbarkeit Mich armen Sünder bringen. 4. Erweitre dich, mach alles voll, Sei meine Ros' und riech mir wohl, Bring Herz und Herz zusammen! Entzünde mich durch dich, und laß Mein Herz ohn End und alle Maaß In deiner Liebe flammen. Wer dieses hat, wie wohl ist dem! In dir beruhn ist angenehm; Ach! niemand kann's gnug sagen. Wer dich recht liebt, ergiebt sich frei, In deiner Lieb und süßen Treu Auch wohl den Tod zu tragen. 5. Ich ruf aus aller Herzensmacht Dich, Herz, in dem mein Herz erwacht, Ach! laß dich doch errufen! Komm, beug und neige dich zu mir An meines Herzens arme Thür, Und zeuch mich auf die Stufen Der Andacht und der Freudigkeit, Gieb, daß mein Herz in Lieb und Leid Dein eigen sei und bleibe, Daß dir es dien an allem Ort, Und dir zu Ehren immerfort All seine Zeit vertreibe. 6. Herzensros, o schönste Blum, Ach wie so köstlich ist dein Ruhm, 69 70 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. Du bist nicht auszupreisen. Eröffne dich, laß deinen Saft Und des Geruchs erhöhte Kraft Mein Herz und Seele speisen. Dein Herz, Herr Jesu, ist verwundt, Ach! tritt zu mir in meinen Bund Und gieb mir deinen Orden: Verwund auch mich, o süßes Heil, Und triff mein Herz mit deinem Pfeil, Wie du verwundet worden. 7. Nimm mein Herz, o mein höchstes Gut, Und leg es hin, wo dein Herz ruht, Da ist's wohl aufgehoben; Da geht's mit dir gleich als zum Tanz, Da lobt es deines Hauses Glanz, Und kann's doch nicht gnug loben. Hier setzt sich's, hier gefällt's ihm wohl, Hier freut sich's, daß es bleiben soll. Erfüll, Herr, meinen Willen, Und weil mein Herz dein Herze liebt, So laß auch, wie dein Recht es giebt, Dein Herz mein Herze stillen. 21. An das Angesicht des Herrn Jesu. Beise: Herzlich thut mich verlangen, oder: Eigne Weise. 1656. 1. O Haupt voll Blut und Wunden, Voll Schmerz und voller Hohn! O Haupt, zum Spott gebunden Mit einer Dornenkron! Haupt, sonst schön gezieret Mit höchster Ehr und Zier, Jetzt aber hoch schimpfieret, Gegrüßest seist du mir! Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 2. Du edles Angesichte, Davor sonst schrickt und scheut Das große Weltgewichte, Wie bist du so bespeit, Wie bist du so erbleichet, Wer hat dein Augenlicht, Dem sonst kein Licht nicht gleichet, So schändlich zugericht't? 3. Die Farbe deiner Wangen, Der rothen Lippen Pracht Ist hin und ganz vergangen; Des blassen Todes Macht Hat alles hingenommen, Hat alles hingerafft, Und daher bist du kommen Von deines Leibes Kraft. 4. Nun was du, Herr, erduldet, Ist alles meine Last, Ich hab es selbst verschuldet, Was du getragen hast. Schau her, hier steh ich Armer, Der Zorn verdienet hat: Gieb mir, o mein Erbarmer, Den Anblick deiner Gnad! 5. Erkenne mich, mein Hüter, Mein Hirte, nimm mich an! Von dir, Quell aller Güter, Ist mir viel Guts gethan, Dein Mund hat mich gelabet Mit Milch und süßzer Kost, Dein Geist hat mich begabet Mit mancher Himmelslust. 6. Ich will hier bei dir stehen, Verachte mich doch nicht! Von dir will ich nicht gehen, Wann dir dein Herze bricht; 71 72 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. Wann dein Haupt wird erblassen Im letzten Todesstoß, Alsdann will ich dich fassen In meinem Arm und Schoos. 7. Es dient zu meinen Freuden Und kommt mir herzlich wohl, Wenn ich in deinem Leiden, Mein Heil, mich finden soll. Ach! möcht ich, o mein Leben, An deinem Kreuze hier Mein Leben von mir geben, Wie wohl geschähe mir! 8. Ich danke dir von Herzen, O Jesu, liebster Freund, Für deines Todes Schmerzen, Da du's so gut gemeint. Ach! gieb, daß ich mich halte Zu dir und deiner Treu, Und wann ich nun erkalte, In dir mein Ende sei. 9. Wann ich einmal soll scheiden, So scheide nicht von mir; Wann ich den Tod soll leiden, So tritt du dann herfür. Wann mir am allerbängsten Wird um das Herze sein, So reiß mich aus den Aengsten Kraft deiner Angst und Pein. 10. Erscheine mir zum Schilde, Zum Trost in meinem Tod, Und laß mich sehn dein Bilde In deiner Kreuzesnoth. Da will ich nach dir blicken, Da will ich glaubensvoll Dich fest an mein Herz drücken. Wer so stirbt, der stirbt wohl. Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 22. Die sieben Worte, die der Herr Jesus am Kreuz geredet. Weise: Was mein Gott will, das gscheh allzeit. 1656. 1. Hör an! mein Herz, die sieben Wort, Die Jesus ausgesprochen, Da ihm durch Qual und blut'gen Mord Sein Herz am Kreuz gebrochen; Thu auf den Schrein, Und schleuß sie ein Als edle hohe Gaben, So wirst du Freud In schwerem Leid Und Trost im Kreuze habent. 2. Sein' allererste Sorge war, Zu schützen, die ihn haffen, Bat, daß sein Gott der bösen Schaar Wollt ihre Sünd erlassen. ,, Vergieb, vergieb, Sprach er aus Lieb, O Vater, ihnen allen! Ihr keiner ist, Der seh und wüßt, In was für That sie fallen." 3. Lehrt uns hiermit, wie schön es sei Die lieben, die uns fränken, Und ihnen ohne Heuchelei All ihre Fehler schenken. Er zeigt zugleich, Wie gnadenreich Und fromm sei sein Gemüthe, Daß auch sein Feind, Der's böse meint, Bei ihm nichts find, als Güte. 4. Drauf spricht er seine Mutter an, Die bei Johanne stunde, 73 74 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. Tröst't sie am Kreuz, so gut er kann, Mit seinem schwachen Munde: „ Sieh hie, dein Sohn, Weib, der wird schon Mein Amt bei dir verwalten, Und Jünger, sich, Hier stehet, die Du sollt als Mutter halten." 5. Ach! treues Herz, so sorgest du Für alle deine Frommen; Du siehst und schauest fleißig zu, Wie sie in Trübsal kommen, Trittst auch mit Nath Und treuer That Zu ihnen auf die Seiten; Du bringst sie fort, Giebst ihnen Ort Und Raum bei guten Leuten. 6. Die dritte Red hast du gethan Dem, der dich, Herr, gebeten: ,, Gedenk, und nimm dich meiner an, Wenn du nun wirst eintreten In deinen Thron, Und Ehr und Kron Als Himmelsfürst aufsetzen!" " Ich will gewiß Sm Paradies," Sprachst du, dich heut ergötzen." 7. O süßes Wort, o Freudenstimm! Was will uns nun erschrecken? Laß gleich den Tod mit großem Grimm Hergehn aus allen Ecken! Stürmt er gleich sehr, Was kann er mehr, Als Leib und Seele scheiden? Indessen schwing Ich mich und spring Ins Paradies der Freuden. Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 8. Nun wohl, der Schächer wird mit Freud Aus Christi Wort erfüllet. Er aber selbst fängt an und schreit Gleich als ein Lene brüllet: ,, Eli, mein Gott, Welch' Angst und Noth Muß ich, dein Kind, ausstehen! Ich ruf, und du Schweigst still dazu, Läßt mich zu Grunde gehen!" 9. Nimm dies zur Folge, frommes Kind, Wann Gott sich grausam stellet; Schau, daß du, wenn sich Trübsal findt, Nicht werdest umgefället. Halt steif und fest, Der dich jetzt läßt, Wird dich gar bald erfreuen; Sei du nur treu, Und halt dabei Stark an mit gläub'gem Schreien. 10. Der Herr fährt fort, ruft laut und hell, Klagt, wie ihn heftig dürste: ,, Mich dürftet," sprach der ew'ge Quell Und edle Lebensfürste. Was meint er hier? Er zeiget dir, Wie matt er sich getragen An deiner Last, 75 Die du ihm haft Gemacht in Sündentagen. 11. Er deutet auch daneben an, Wie ihn so hoch verlange, Daß dies sein Kreuz bei jedermann Frucht bring und wohl verfange. Das merk mit Fleiß, Wer sich im Schweiß 76 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. Der Seelenangst muß quälen: Das ew'ge Licht Schleußt keinen nicht Vom Theil und Heil der Seelen. 12. Als nun des Todes finstre Nacht Begann herein zu dringen, Sprach Gottes Sohn:„ Es ist vollbracht Das, was ich soll vollbringen! Was hier und dar Die heil'ge Schaar Der Väter und Propheten Hat aufgesett, Wie man zuletzt Mich kreuzgen würd' und tödten." 13. Ist's denn vollbracht, was willst du nun Dich so vergeblich plagen, Als müßt ein Mensch mit seinem Thun Die Sündenschuld abtragen? Es ist vollbracht, Das nimm in Acht, Du darfst hier nichts zugeben, Als daß du gläubst, Und gläubig bleibst In deinem ganzen Leben. 14. Nun endlich redt er noch einmal, Schreit auf ohn alle Maßen: ,, Mein Vater, nimm in deinen Saal Das, was ich jetzt muß lassen; Nimm meinen Geist, Der hier sich reißt Aus meinem falten Herzen!" Und hiermit wird Der große Hirt Entbunden aller Schmerzen. 15. O wollte Gott, daß ich mein End 4 Auch also möchte enden, Und meinen Geist in Gottes Händ Und treuen Schoos hinsenden! Paul Gerhardts Geistliche Lieder. Ach! laß, mein Hort, Dein letztes Wort Mein letztes Wort auch werden, So werd ich schön Und selig gehn Zum Vater von der Erden. 23. Vom Begräbnis des Herrn Jesu. Weise: O Lamm Gottes, unschuldig, oder: Eigne Weise. 1656. 1. Als Gottes Lamm und Leue Entschlafen und verschieden, Erwacht' in Lieb und Treue Ein paar recht frommer Jüden, Die machten sich zum Kreuz hinzu, Dich, o du unsre ew'ge Ruh, Zu deiner Ruh zu bringen. 2. Also weiß Gott die Seinen Am Kreuz in Acht zu nehmen, Und die es böse meinen, 3u rechter Zeit zu zähmen; Das Wüthen nimmt zuletzt ein End, Und wann die Unschuld gnug geschändt, So findt sich, der sie ehre. 3. Denn einer aus dem Rathe, Joseph, der fromme, reiche, Der wagt es, ging und bate Pilatum um die Leiche. Pilatus war bereit, und gab Befehl, daß man sie nähme ab Und Joseph übergäbe. 4. Gesegnet sei dein Wille, Joseph, und dein Begehren: Gott wolle dir die Fülle 77 78 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. Der Freuden dort gewähren, Daß du, den meine Seele liebt, Vom Kreuze, da man ihn betrübt, So freudig los gebeten. 5. Hierzu hat sich auch funden Des Nicodemi Treue, Der bringt bei hundert Pfunden Der besten Specereie, Die Myrrhen sammt der Aloe, Zu falben den, der aus der Höh Uns salbt mit seinem Geiste. 6. Da siehst du, wie die Schwachen Zuletzt gestärket werden. Gott kann zu Helden machen, Was blöd ist hier auf Erden: Der Glaube, der im Finstern lag, Bricht endlich an den hellen Tag Und leuchtet wie die Sonne. 7. Nun diese beiden Frommen, Ergreifen mit viel Weinen Den, der vom Kreuz genommen, Und wickeln ihn in Leinen, Verwahren ihn zugleich dabei Mit edler theurer Specerei, Wie in Judäa bräuchlich. 8. So soll man Christum zieren, Wann er nun liegt darnieder; Wir sollen balsamieren Ihn und sein' armen Glieder, Die unbekleidten wickeln ein, Und die, so ganz verlassen sein, Mit unsrer Hilf aufnehmen. 9. Es war nicht weit von hinnen, Wo Christus starb, zu schauen Ein Garten, und darinnen Paul Gerhardts Geistliche Lieder. Des Josephs Grab, gehauen Gar neu in einen Felsenstein, Da legten ihren Schatz hinein Die zwei geliebten Herzen. 10. Ach Jesu! dessen Schmerzen Mir all mein Heil erworben, Komm, ruh in meinem Herzen, Das in der Sünd erstorben! Laß dir's gefallen, ich will dir Dein Grab bereiten in mir hier, So leb und sterb ich selig. 24. Das Leiden unsers Herrn Jesu. Nach Anleitung und Weise des Liedes: O Mensch, bewein dein Sünde groß. 1647. 1. O Mensch, beweine deine Sünd, Um welcher willen Gottes Kind Ein Mensch hat müssen werden. Er kam von seines Vaters Thron, Ward einer armen Jungfrau Sohn, That große Ding auf Erden: Die Kranken macht' er frisch und stark, Und risse, was schon lag im Sarg, Dem Tod aus seinem Rachen, Bis daß er selbst durch Feindes Händ Am Kreuze seines Lebens End In Schmerzen mußte machen. 79 2. Denn als nun wieder Ostern war, Nahm er zu sich der Zwölfe Schaar, Und sprach mit treuem Munde: Nach zweien Tagen kommt die Nacht, Da man das Osterlämmlein schlacht't, Dann ist auch meine Stunde. Da ging die ganze Clerisei Zu Rath, wie sie ihm kämen bei, 80 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. Hingegen die ihn liebte, Salbt' ihn gar schön in Simons Hans; Der Herr strich diese That heraus, Schalt den, der sie betrübte. 3. Das war der bös' scharioth, Der seinen Herrn der bösen Rott Geschworen zu verrathen. Das fromme Lamm, der Heiland, kam, Aß süßes Brot und Osterlamm, Wie andre Juden thaten. Drauf stiftet' er sein Fleisch und Blut, Des neuen Testamentes Gut, zu trinken und zu essen, Und stund hernach von seinem Ort, Wusch seine Jünger, redte Wort, Die nimmer zu vergessen. 4. Er kam zum heil'gen Deleberg, Da, da ging an das hohe Werk Mit Zittern und mit Zagen; Die Erde nahm den Blutschweiß an, Der häufig aus ihm drang und rann, Der Himmel hört ihn sagen: O Baterherz, gefällt es dir, So gehe dieser Kelch von mir, Wo nicht, gescheh dein Wille!" Und that also zum dritten Mal; Indessen lag der Jünger Zahl Im Schlaf und süßer Stille. 5. Ach!" sprach das liebe treue Herz, Ihr liegt und schlaft, mich hat der Schmerz Und Todesangst umfangen. Ach, wacht und betet! betet, wacht, Damit ihr von des Feindes Macht Nicht werdet hintergangen. Nun ist mein Stündlein vor der Thür, Steht auf, da kommet her zu mir Paul Gerhardts Geistliche Lieder. Mein Jünger und Verräther." Er hatte kaum gehöret auf, Umringt ihn Judas und sein Hauf Als einen Uebelthäter. 6. Der Führer küßt' ihn mit dem Mund Und war doch nichts im Herzengrund Als bittres Gift und Fluchen. Doch trat der Heiland frei dahin, Sprach klar und deutlich: ,, Seht, ich bin, Den eure Augen suchen. Sucht ihr denn mich; so laffet gehn, Die ihr hier sehet bei mir stehn;" Meint hiemit seine Jünger. Und als des Petri strenger Sinn Den Malchum schluge, heilt' er ihn Am Ohr mit seinem Finger. 7. ,, Steck ein das Schwert," sprach unser Licht, Solch' Arbeit dienet hierher nicht, Mein Kelch muß sein getrunken." Drauf ist der Richter aller Welt Den Hohenpriestern dargestellt; Und da ist auch gesunken Des Petri Herz und Leuenmuth, Nicht zwar durch Schwert und Feuersglut, Nur durch ein bloßes Fragen: Ob er nicht Jesus Jünger sei? Da fällt sein Glaube, Lieb und Treu, Weiß nichts, als Nein zu sagen. 8. Auf diesen Fall kam große Reu, Er fing an, da der Hahne schrei, Sehr bitterlich zu weinen. Das Auge, das die Herzen sieht, That einen Blick, ließ Gnad und Güt Dem armen Petro scheinen. Die falschen Zeugen traten dar, Und resten viel, so nimmer war 81 6 82 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. Auch niemals wird geschehen; Drum auch der Herr unnöthig schätzt, Daß er sein Wort dagegen setzt, Läßt's durch den Wind zerwehen. 9. Dem aber, dem er ward verklagt, Antwortet er, da er ihn fragt, Ob er von Gott geboren? ,, Ja, ich bin Mensch und Gottes Sohn, Der Welt zum Heil, zur Freud und Kron Vom Vater auserkoren; Ihr werdet meine Herrlichkeit Zur Rechten Gottes mit der Zeit Hoch in den Wolken sehen." Das nennt der Lästrer Lästerwort, Da schrie ein jeder Tod und Mord, Da ging es an ein Schmähen. 10. Man schlug, man speit' ihm ins Gesicht, Wunder, Wunder, daß hier nicht Die Erde sich zerriffen! Wunder, daß nicht Gottes Grimm Mit seiner starken Donnerstimm Vom Himmel drein geschmissen! Sie bunden ihm die Augen zu, Und hatten weder Maß noch Ruh Im Höhnen und im Schlagen; Denn, wenn sie schlugen, fragten fie: Sag an, wer that's? du kannst es je Als ein Prophete sagen." 11 11. Und damit war es noch nicht aus; Am Morgen ward er in das Haus Pilati hingeführet. Der Judas dacht den Sachen nach, Sein frecher Muth sank hin und brach, Sein Herze ward gerühret. Es war ihm leid, er hatte Reu; Weil aber kein Trost war dabei, Paul Gerhardts Geistliche Lieder. Ging Seel und Leib zu Grunde. Er nahm ein grausam, schrecklich End, Er und sein Name bleibt geschändt Noch bis auf diese Stunde. 12. Da Jesus vor Pilato stund, War sehr viel Klag und gar kein Grund; Das meiste, das man triebe, War, daß er nichts mehr thu und lehr, Als was die Unterthanen kehr Von's Kaisers Pflicht und Liebe, Dieweil er sich zum Kön'ge macht'. Pilatus ward dahin gebracht, Daß er den Herren fragte: Ob er der Jüden König wär'? Der Herr sprach Ja, zu Gottes Ehr, Er wäre, was er sagte. 13. Weil nun Herodes, dessen Hand Sonst herrscht' im Galiläer Land, Gleich damals war zugegen, Schickt' ihm Pilatus Christum hin; Des freut' er sich in seinem Sinn, Ließ ihm zu Spott anlegen Ein weißes Kleid, ein' arme Tracht, Und da man seiner gnug gelacht, Da schickt er ihn zurücke Pilato heim, der ging zu Rath, Und fand ihn rein von arger That, Unschuldig aller Tücke. 14. Er nahm den Mörder Barrabam, Dem jedermann sonst war sehr gram, Den stellt er in die Mitten: ,, Hier sind der Uebelthäter zwei," Sprach er zum Volk, ,, es steht euch frei, Ihr möget einen bitten." Halt Jesum," schrie die tolle Schaar, Laß Barrabam, wie er vor war, 6* 83 84 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. Frei, ledig in das Seine." ,, Was fang ich denn mit Jesu an?" ,, An's Kreuz, an's Kreuz mit diesem Mann!" Antwortet' die Gemeine. 15. Da gab Pilatus Jesum hin Dem Kriegesvolk, das geißelt' ihn Ohn alle Gnad und Schonen. Der freche Haufe trat zu Hauf, Und setzten unserm König auf Von Dornen eine Krone. Er ward gehandelt als ein Thor, Sie äfften ihn mit einem Rohr, Und schlugen ihn nicht wenig. ,, Du bist ein König," sagten sie, Drum beugen wir dir unser Knie, Glück zu, o Judenkönig!" 16. Als er nun übel zugericht't, Führt ihn Pilatus ins Gesicht Des Volks und sprach daneben: ,, Seht, seht doch, welch' ein armer Wurm! Nun wird sich euer Grimm und Sturm Einmal zufrieden geben." ,, Nein, nein!" sprach die vergällte Rott, Zum Kreuz, zum Kreuz, nur immer todt!" Pilatus wusch die Hände, Und wollt im Kothe reine sein; Dem aber, der in allem rein, Bestimmt' er Tod und Ende. 17. Das Leben ging zum bittern Tod, Und mußte seine letzte Noth Mit eignen Schultern tragen. Er trug sein Kreuz und unsern Schmerz, Darüber führt' manch' Mutterherz Ein hochbetrübtes Klagen. ,, Weint nicht," sprach Christus, ,, über mich, Ein jeder weine über sich Paul Gerhardts Geistliche Lieder. Und über seine Sünde. Es kommt die Zeit, da selig wird Gepreiset die, so nicht gebiert Und gar nicht weiß vom Kinde." 18. Da man nun kam zur Schädelstatt, Da ward, der's nicht verdienet hat, Bis in den Tod gekränket: Zwar also, daß ein Mörderpaar Zur Seiten wurde hier und da, Er mitten ein gehenket. Man nahm ihm Leben, Ehr und Blut: Den sanften Sinn, den frommen Muth, Den mußten sie ihm lassen; Er liebte, die ihm weh gethan, Rief seinen Vater für die an, Die ihm sein Herz zerfraßen. 19. Pilatus heftet oben an Ein' Ueberschrift, die jedermann, Der bei dem Kreuz gewesen, Hebräer, Römer, Griechenland, Und wer Vernunft hatt' und Verstand, Gar wohl hat können lesen. Die Krieger nehmen ihm sein Kleid, Und theilen sich in diese Beut; Der Nock bleibt unzerstücket, Er wird dem Loos anheim gestellt: Des soll er sein, wem jenes fällt, Laßt sehen, wem es glücket. 85 20. Maria, voller Lieb und Treu, Stund an dem Kreuz, und auch dabei, Den unser Heiland liebte. Sieh hier," sprach Jesus, ,, Weib, dein Sohn! 11 Und Jünger, siehe deine Kron Und Mutter, die Betrübte! Die laß dir ja befohlen sein!" Dies Wort, das drang ins Herz hinein 86 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. Johanni, dem Geliebten. Er nahm die auf und that ihr wohl, Die Andre machten Jammers voll Durch Bosheit, die sie übten. 21. Viel Lästrer redten böse Ding, Auch einer, der zur Seiten hing, Goß auf ihn seinen Geifer. Der aber an dem andern Ort Straft ihn und seine Lästerwort Mit großem Ernst und Eiser, Sprach Jesum an: ,, O Himmelsfürst, Gedenke meiner, wenn du wirst Nun in dein Reich eingehen!" ,, Fürwahr, fürwahr, ich sage dir," Sprach Jesus, ,, du wirst heut bei mir Im Paradiese stehen!" 22. Der Mittag kam, und war doch Nacht, Die Sonn, die alles fröhlich macht, War selbst mit Leid erfüllet. Des Lichtes Schöpfer fühlet Pein, Drum muß mit finstern Schatten sein Das schönste Licht verhüllet. ,, Eli," rief Jesus, ,, Gott! mein Gott! Wie läßt du mich in meiner Noth Und Angst so gar alleine!" Und bald darauf: ,, Mich dürstet sehr." Das alles hört der Juden Heer, Und weiß nicht, was er meine. 23. Sie sind vom Zorne taub und blind, Hart wie ein Stein, der nichts empfindt, Auch gar nicht zu erweichen. Sie nehmen aus dem Essigfaß Und machen einen Schwamm mit naß, Den lassen sie ihm reichen. Ihr Herz ist voller Bitterkeit, Und damit sind sie auch bereit Paul Gerhardts Geistliche Lieder. Den, der jetzt stirbt, zu laben. Viel' machen aus dem Ernst ein Spiel, Und sprechen: ,, Halt, laßt fehn, er will Eliä Hilfe haben." 24. Er aber sprach: ,, Es ist vollbracht!" Und darauf ward er von der Macht Des Todes überfallen. Er neigte sich zur sanften Ruh, Er schloß die schwachen Augen zu, Und schrie mit großem Schallen: " 1 Nimm auf, nimm auf, Herr, meinen Geist! Du, mein herzliebster Bater, weißt, Wie du ihn sollt bewahren." Und also ist der große Held, Der Himmel, Erd und alles hält, Von dieser Welt gefahren. 25. Er fuhr dahin. Im Augenblick Zerriß der Vorhang in zwei Stück, Die Erd' erschrak und bebte, Die Felfen sprungen in die Luft, Auch öffnet sich der Gräber Gruft, Und was darinnen lebte. Der Juden Herzen blieben hart; Allein der Hauptmann, dem da ward Die Wach' am Kreuz befohlen, Der glaubt, und mit ihm sein Gefind', Es wäre Jesus Gottes Kind, Und sagten's unverhohlen. 87 26. Man brach den Schächern ihre Bein, Mein und dein Heiland blieb allein An Beinen ungebrochen. Das aber ist wahr und gewiß, Daß ein Soldat mit seinem Spieß Die Seite ihm zerstochen, Aus welcher Wund' ein' edle Flut Von Blut und Wasser uns zu gut 88 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. Alsbald herausgeflossen. Zuletzt ward er vom Kreuz gebracht, Und wohl beschickt noch vor der Nacht In Josephs Grab geschlossen. 27. Die Juden hatten wohl gehört, Er würde, wie er selbst gelehrt, Von Todten auferstehen; Das halten sie für unwahr sein, Sie bilden ihnen aber ein, Es möchte List ergehen; Drum siegeln sie des Grabes Thür, Und legen starke Wache für, Umsonst und gar vergebens! Der Herr dringt durch, kein Fels und Stein, Kein Wächter mag zu mächtig sein Dem Fürsten unsers Lebens. 28. Nun seh' und lern' ein jedermann, Wie sehr viel Gutes uns gethan Der Bräut'gam unsrer Seelen. Er nahm auf sich all' unsre Schuld, Und ließ aus treuer Lieb' und Huld Sich unserthalben quälen. Zerknirschtes Herz, betrübter Geist, Den seine Sünde nagt und beißt, Laß Sorg' und Kummer fallen, Weil unser Heiland Jesus Christ, Ein Sündenopfer worden ist Dir und uns Menschen allen. 29. Du aber, der du sicher stehſt Und ohne Buße täglich gehst In ungescheute Sünden, Betrachte, was für Straf und Last, Wenn du dein Maß gefüllet haft, Dich endlich werde finden. Denn thut man das am grünen Baum, So denke, was für Ort und Raum Paul Gerhardts Geistliche Lieder. Der dürre werd' erlangen. Jesu, gieb uns deinen Sinn, Und bring' uns alle, wo du hin Durch deinen Tod gegangen. V. Ostern. 25. Auf, auf mein Herz, mit Freuden. In seiner eignen Weise. 1647. 1. Auf, auf mein Herz mit Freuden, Nimm wahr, was heut geschicht! Wie kommt nach großen Leiden Nun ein so großes Licht? Mein Heiland war gelegt Da, wo man uns hinträgt, Wenn von uns unser Geist Gen Himmel ist gereist. 2. Er war ins Grab gesenket, Der Feind trieb groß Geschrei. Eh er's vermeint und denket, Ist Christus wieder frei, Und ruft Victoria! Schwingt fröhlich hier und da Sein Fähnlein, als ein Held, Der Feld und Muth behält. 3. Der Held steht auf dem Grabe Und sieht sich munter um, Der Feind liegt, und legt abe Gist, Gall und Ungestüm; 89 90 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. Er wirft zu Christi Fuß Sein Höllenreich, und muß Selbst in des Siegers Band Ergeben Fuß und Hand. 4. Das ist mir anzuschanen Ein rechtes Freudenspiel, Nun soll mir nicht mehr grauen Vor allem, was mir will Entnehmen meinen Muth, Zusammt dem edlen Gut, So mir durch Jesum Christ Aus Lieb' erworben ist. 5. Die Höll und ihre Rotten, Die krümmen mir kein Haar, Der Sünden kann ich spotten, Bleib' allzeit ohn' Gefahr; Der Tod mit seiner Macht Wird nichts bei mir geacht't, Er bleibt ein todtes Bild, Und wär' er noch so wild. 6. Die Welt ist mir ein Lachen Mit ihrem großen Zorn; Sie zürnt, und kann nichts machen, All Arbeit ist verlorn. Die Trübsal trübt mir nicht Mein Herz und Angesicht; Das Unglück ist mein Glück, Die Nacht mein Sonnenblick. 7. Ich hang und bleib' auch hangen An Christo als ein Glied: Wo mein Haupt durch ist gangen Da nimmt er mich auch mit; Er reißet durch den Tod, Durch Welt, durch Sünd und Noth, Er reißet durch die Höll, Ich bin stets sein Gesell. Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 8. Er dringt zum Saal der Ehren, Ich folg' ihm immer nach, Und darf mich gar nicht kehren An einzig Ungemach: Es tobe, was da kann, Mein Haupt nimmt sich mein an, Mein Heiland ist mein Schild, Der alles Toben stillt. 9. Er bringt mich an die Pforten, Die in den Himmel führt, Daran mit güldnen Worten Der Reim gelesen wird: Wer dort wird mit verhöhnt, Wird hier auch mit gekrönt, Wer dort mit sterben geht, Wird hier auch mit erhöht. 26. Ofterfrende. Weise: Nun freut euch, lieben Christen gmein, oder: Eigne Weise. 1656. 1. Sei fröhlich alles weit und breit, Was vormals war verloren, Weil heut' der Herr der Herrlichkeit, Den Gott selbst auserkoren Zum Sündenbüßzer, der sein Blut Am Kreuz vergoffen uns zu Gut, Vom Tod ist auferstanden. 91 2. Wie schön hast du durch deine Macht, Du wilder Feind des Lebens, Den Lebensfürsten umgebracht! Dein Stachel ist vergebens Durch ihn geschossen, schnöder Feind, Du hättest wahrlich wohl gemeint, Er würd' im Staube bleiben. 92 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 3. Nein, nein! er trägt sein Haupt empor, Ist mächtig durchgedrungen Durch deine Bande, durch dein Thor, Sa hat im Sieg verschlungen Dich selbst, daß, wer an ihn nur gläubt, Von dir jetzt ein Gespötte treibt, Und spricht:„ Wo ist dein Stachel?" 4. Denn deine Macht, die ist dahin, Und keinen Schaden bringet Dem, der sich stets mit Herz und Sinn Zu diesem Fürsten schwinget, Der fröhlich spricht: ,, Ich leb, und ihr Sollt mit mir leben für und für, Weil ich es euch erworben. 5. Der Tod hat keine Kraft nicht mehr, Wir dürfen ihn nicht scheuen; Ich bin sein Siegsfürst und sein Herr, Des sollt ihr euch erfreuen. Darzu so bin ich euer Haupt, Drum werdet ihr, wenn ihr mir glaubt, Als Glieder mit mir leben. 6. Der Höllen Sieg, der ist auch mein, Ich habe sie zerstöret, Es darf nicht fürchten ihre Pein, Wer mich und mein Wort höret; Und weil des Teufels Macht und Lif Gedämpft, sein Kopf zertreten ist, Mag er ihm auch nicht schaden." 7. Nun, Gott sei Dank, der uns den Sieg Durch Jesum hat gegeben, Und uns den Frieden für den Krieg Und für den Tod das Leben Erworben, der die Sünd und Tod, Welt, Teufel, Höll und was in Noth Uus stürzet, überwunden! Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 27. Die Auferstehung unsers Herrn Jesu, wie dieselbe am Ostertage den heiligen Frauen offenbaret worden. - Weise: Nun freut euch, lieben Christen gmein. Wenn mein Stündlein vorhanden ist. 1656. 1. Nun freut euch hier und überall, Ihr Christen, lieben Brüder! Das Heil, das durch den Todesfall Gesunken, stehet wieder. Des Lebens Leben lebet noch, Sein Arm hat aller Feinde Joch Mit aller Macht zerbrochen. 2. Der Held, der alles hält, er lag Im Grab als überwunden, Er lag, bis daß der dritte Tag Sich in die Welt gefunden. Da dieser kam, kam auch die Zeit, Da, der uns in dem Tod erfreut, Sich aus dem Tod erhube. 3. Die Morgenröthe war noch nicht Mit ihrem Licht fürhanden, Und siehe, da war schon das Licht, Das ewig leucht't, erstanden. Die Sonne war noch nicht erwacht, Da wacht und ging in voller Macht Die unerschaffne Sonne. 4. Das wußte nicht die fromme Schaar, Die Christo angehangen; Drum, als nunmehr der Sabbath war 93 Zu End hinab gegangen, Begann Maria Magdalen Und andre mit ihr auszugehu, Und Specerei zu kaufen. 94 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 5. Ihr Herz und Hand ist hoch bemüht, Ein Salböl darzugeben Für Jesu, dessen theure Güt Uns salbt zum ew'gen Leben. Ach, liebes Herz! der seinen Geist Vom Himmel in die Herzen geußt, Darf keines Dels noch Salben. 6. Ja du, o heil'ger Jungfraunsohn, Bist schon gnug balsamiret, Als König, der im Himmelsthron Und überall regieret: Dein Balsam ist die ew'ge Kraft, Dadurch Gott Erd und Himmel schafft, Die läßt Dich nicht verwesen. 7. Doch geht die fromme Einfalt hin Bald an dem frühsten Morgen; Sie gehn, und plötzlich wird ihr Sinn Voll großer, schwerer Sorgen: Ei! sprechen sie, wer wälzt den Stein Von's Grabes Thür, und läßt uns ein Zum Leichnam unsers Herren? 8. So sorgen sie zur selben Zeit Für das, was schon bestellet: Es war der Stein ja allbereit Erhoben und gefället Durch einen, der des Erdreichs Wucht Erbeben macht, und in die Flucht Des Grabes Hüter jagte. 9. Das war ein Diener aus der Höh, Von denen, die uns schützen; Sein Kleid war weißer, als der Schnee, Sein Ansehn gleich den Blitzen; Der hat das fest verschlossne Grab Eröffnet und den Stein Herab Von dessen Thür gewälzet. Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 10. Das Weiberhäuflein kam, und ging Hinein ohn' alle Mühe; Hör' aber, was für Wunderding Sich da begab: denn siehe, Das, was sie suchten, findt' sich nicht, Und wo ihr Herz nicht hingericht't, Das ist allda zur Stelle. 11. Sie suchten ihrer Seelen Hort, Und finden sein Gesinde; Sie hören aus der Engel Wort, Wie's gar viel anders stünde, Als ihr betrübtes Herz gemeint, Das billig, wer bisher geweint, Nun jauchzen soll und lachen. 12. Sie sehn das Grab entledigt stehn, Und als sie das gesehen, Da läuft Maria Magdalen, 3u sagen, was geschehen. Die andre Schaar ist Kummers voll, Und weiß nicht, was sie machen soll, Verharret bei dem Grabe. 13. Da stellen sich in heller Zier Zween edle Himmelsboten, Die sprechen: ,, Ei! was suchet ihr Das Leben bei den Todten? Der Heiland lebt! Er ist nicht hie, Heut' ist er, glaubt uns, heute früh Ist er vom Tod erstanden. 14. Gedenkt und sinnt ein wenig nach Den Reden, die er triebe, Da er so klar und deutlich sprach, Wie er zwar würd' aus Liebe Den Tod ausstehn und große Plag, Jedennoch würd' am dritten Tag Er herrlich triumphiren." 95 96 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 15. Da dachten sie an Christi Wort, Und gingen von dem Grabe Hin zu der eilf Apostel Ort, Und sagten, was sich habe Erzeigt in ihrem Angesicht: Man hielt es aber anders nicht, Als ob es Mährlein wären. 16. Maria, die betrübt sich giebt In schnelles Abescheiden, Findt Petrum und den Jesus liebt, Erzählet allen beiden: Ach! spricht sie, unser Herr ist hin, Und niemand ist, der, wo man ihn Hab' hingelegt, will wissen. 17. Der Hochgeliebte läuft geschwind, Und kommt zuerst zum Grabe; Er guckt, und da er nichts mehr findt, Als Leinen, weicht er abe. Da aber Simon Petrus kömmt, Geht er ins Grab hinein, und nimmt Das Werk recht in die Augen. 18. Er sieht die Leinen für sich dar, Zuvoraus, wie mit Fleiße Gelegt und eingewickelt war Das Haupttuch zu dem Schweiße. Da ging auch der am ersten kam Hinein, wie Petrus that, und nahm, Was er da sah, ins Herze. 19. Da glauben sie nun dem Bericht, Weil sie mit Augen schauen, Was sie zuvor, als ein Gedicht, Gehöret von den Frauen; Doch werden sie Verwunderns voll, Denn keiner weiß, daß Christus soll Von Todten auferwachen. Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 20. Maria steht für'n Grab und weint, Und plötzlich wird sie innen, Daß zween in weißen Kleidern seind Für ihr im Grabe drinnen, Die sprechen: ,, Weib, was weinest du?" Sie haben meines Herzens Ruh," Sprach sie, hinweg genommen. 21. Mein Herr ist weg, und ich weiß nicht, Wo ich soll suchen gehen." Indessen wendt' sie ihr Gesicht, Und siehet Jesum stehen; Der spricht: Weiß, was fehlet dir? Was weinest du, was suchst du hier?" Sie meint, der Gärtner rede. 22. ,, Ach!" spricht sie, ,, Herr, hast du's gethan, So sag' es unverhohlen, Wo liegt mein Herr? wo komm' ich an, So will ich mir ihn holen?" Der Herr spricht mit gewohnter Stimm: Maria!" Da wendt' sie sich üm, Und spricht:„ Sieh da, Rabbuni!" 97 23. Rühr' mich nicht an, ich bin noch nicht Zum Bater aufgefahren; Geh aber hin," sprach unser Licht, Sag's meiner Brüder Schaaren: Ich fahr, als eures Todes Tod, Zu meinem und zu eurem Gott Und unser aller Vater. 24. Maria ist das arme Weib, Von welcher unser Meister, Der starke Helfer, vormals treib Auf einmal sieben Geister; Die, die ist's, welcher Jesus Christ Zu allererst erschienen ist Am Heil'gen Ostertage. Univ.- Bisl. Glessen 7 98 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 25. Nun, sie ging hin, that's denen fund, Die mit ihr Jesum liebten, Und über ihn von Herzensgrund Sich grämten und betrübten. Kein einzger fiel ihr aber bei, Ein jeder hielt's für Phantasei, Und wollt es niemand glauben. 26. Es gingen auch ins Grab hinein Die andre Schaar der Frauen; Da gab sich ihrem Augenschein Ein Jüngling anzuschauen, In einem langen, weißen Kleid," Der sprach: ,, Habt Freud und Trost, und seid Ohn' alle Furcht und Schrecken. 27. Ihr sucht den Held von Nazareth, Der doch hier nicht fürhanden. Seht, das ist seines Lagers Stätt, Von der er auferstanden. Geht schnell, sagt's Petro und der Zahl Der andern Jünger allzumal: Ihr Herr und Meister lebe." 28. Die Weiber eilen schnell davon, Den Jüngern Post zu bringen. Und siehe da, die Freudensonn', Nach der sie alle gingen, Die geht daher und sehen sie Im Leben, den sie also früh Als einen Todten suchten. 29. Sein süßer Mund macht all ihr Leid Mit seinem Grüßen süße; Sie treten zu mit großer Freud, Und greifen seine Füße. Er aber spricht: ,, Šeid gutes Muths! Geht hin, fagt meinen Brüdern Guts, Berichtet, was ihr sehet. Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 30. Sprecht, daß sie nunmehr alsofort In Galiläam gehen, Allda will ich, kraft meiner Wort', Für ihren Augen stehen." Und hiemit schloß er sein Gebot; Die Weiber gehn und loben Gott, Verrichten, was befohlen. 31. Lebensfürst, o starker Leu, Aus Judä Stamm erstanden, So bist du nun wahrhaftig frei Von's Todes Strick und Banden! Du hast gesiegt, und trägst zum Lohn Ein' allzeit unverwelkte Kron, Als Herr all deiner Feinde. 32. Was fragst du nach des Teufels Spott Und ungereimten Klagen? Man hat, spricht er und seine Rott, Ihn heimlich weggetragen: Die Jünger haben ihn bei Nacht Gestohlen und beiseit gebracht, Indem wir feste schliefen. 33. Bosheit! war dein Schlaf so fest, Wie haft du können sehen? Ist denn dein Auge wach gewest, Wie läßt du's so geschehen, Daß durch der Jünger schwache Hand Der Stein und seines Siegels Band Werd' auf- und abgelöset? 34. Es ist dein hart verstockter Sinn, Der dich zum Lügen leitet. So fahr' auch nun zum Abgrund hin, Da dir dein Lohn bereitet! Ich aber will, Herr Jesu Christ, So lang ein Leben in mir ist, Bekennen, daß du lebest. 99 7* 100 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 35. Ich will dich rühmen, wie du seist Die Pest und Gift der Höllen. Ich will auch, Herr, durch deinen Geist Mich dir zur Seiten stellen, Und mit dir sterben, wie du stirbst, Und was du in dem Sieg erwirbst, Soll meine Beute bleiben. 36. Ich will von Sünden auferstehn, Wie du vom Grab aufstehest. Ich will zum andern Leben gehn, Wie du zum Himmel gehest. Dies Leben ist doch lauter Tod, Drum komm' und reiß aus aller Noth Uns in das rechte Leben! VI. Pfingsten. 28. O du allersüßte Freude. Weise: Zion tlagt mit Angst und Schmerzen. 1647. 1. O du allersüßte Freude, O du allerschönstes Licht, Der du uns in Lieb und Leide Unbesuchet läsfest nicht, Geist des Höchsten, höchster Fürst, Der du hältst und halten wirst Ohn' Aufhören alle Dinge, Höre, höre, was ich singe! 2. Du bist ja die beste Gabe, Die ein Mensche nennen kann. Wenn ich dich erwünsch' und habe, Geb ich alles Wünschen an. Paul Gerhardts Geistliche Lieder. Ach! ergieb dich, komm' zu mir In mein Herze, das du dir, Da ich in die Welt geboren, Selbst zum Tempel auserkoren. 3. Du wirst aus des Himmels Throne Wie ein Regen ausgeschütt't, Bringst vom Vater und vom Sohne Nichts als lauter Segen mit. Laß doch, o du werther Gast, Gottes Segen, den du haft Und verwalt'st nach deinem Willen, Mich an Leib und Seele füllen! 4. Du bist weis' und voll Verstandes, Was geheim ist, ist dir kund; Zählst den Staub des kleinen Sandes, Gründ'st des tiefen Meeres Grund: Nun du weißt auch Zweifels frei, Wie verderbt und blind ich sei; Drum gieb Weisheit, und vor allen, Wie ich möge Gott gefallen. 5. Du bist heilig, läßt dich finden, Wo man rein und sauber ist, Fleuchst hingegen Schand und Sünden, Wie die Tauben Stank und Mist: Mache mich, o Gnadenquell, Durch dein Waschen rein und hell; Laß mich fliehen, was du fliehest, Gieb mir, was du gerne siehest. 6. Du bist, wie ein Schäflein pfleget, Frommes Herzens, sanftes Muths, Bleibst im Lieben unbeweget, Thust uns Bösen alles Guts: Ach! verleih' und gieb mir auch Diesen edlen Sinn und Brauch, Daß ich Freund' und Feinde liebe, Keinen, den du liebst, betrübe. 101 102 Paul Gerhardts Geiftliche Lieder. 7. Mein Hort, ich bin wohl zufrieden, Wenn du mich nur nicht verstößt; Bleib' ich von dir ungeschieden, Ei! so bin ich gnug getröst't. Laß mich sein dein Eigenthum, Ich versprech' hinwiederum, Hier und dort all mein Vermögen Dir zu Ehren anzulegen. 8. Sch entfage alle deme, Was dir deinen Ruhm benimmt; Ich will, daß mein Herz annehme Nur allein, was von dir kömmt. Was der Satan will und sucht, Will ich halten als verflucht, Ich will seinen schnöden Wegen Mich mit Ernst zuwider legen. 9. Nur allein, daß du mich stärkest, Und mir treulich stehest bei: Hilf, mein Helfer, wo du merkest, Daß mir Hilfe nöthig sei; Brich des bösen Fleisches Sinn, Nimm den alten Willen hin, Mach ihn allerdinges neue, Daß sich mein Gott meiner freue. 10. Sei mein Retter, halt' mich eben, Wenn ich sinke, sei mein Stab; Wenn ich sterbe, sei mein Leben, Wenn ich liege, sei mein Grab, Wenn ich wieder aufersteh, Ei, so hilf mir, daß ich geh' Hin, da du in ew'gen Freuden Wirst dein' Auserwählten weiden. Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 29. Gott Vater, sende deinen Geist. Weise: Verzage nicht, o Häuflein klein. Kommt her zu mir, spricht Gottes Sohn. 1656. 1. Gott Vater, sende deinen Geist, Den uns dein Sohn erbitten heißt, Aus deines Himmels Höhen. Wir bitten, wie er uns gelehrt, Laß uns doch ja nicht unerhört Von deinem Throne gehen! 2. Kein Menschenkind hier auf der Erd' Ist dieser edlen Gabe werth, Bei uns ist kein Verdienen. Hier gilt gar nichts, als Lieb und Gnad, Die Christus uns verdienet hat Mit Büßen und Verfühnen. 3. Es jammert deinen Vaterfinn Der große Jammer, da wir hin Durch Adams Fall gefallen; Durch dieses Fallen ist die Macht Des bösen Geistes, leider! bracht Auf ihn und auf uns allen. 4. Wir halten, Herr, an unserm Heil, Und sind gewiß, daß wir dein Theil In Christo werden bleiben, Die wir durch seinen Tod und Blut Des Himmels Erb' und höchstes Gut Zu haben treulich gläuben. 5. Und das ist auch ein Gnadenwerk Und deines heil'gen Geistes Stärk, In uns ist kein Vermögen: 103 Wie bald würd' unser Glaub' und Treu, Herr, wo du uns nicht stündest bei, Sich in die Asche legen? 104 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 6. Dein Geist hält unsers Glaubens Licht, Wenn alle Welt dawider sicht Mit Sturm und vielen Waffen; Und wenn gleich der ürst der Welt Selbst wider uns sich legt ins Feld, So kann er doch nichts schaffen. 7. Wo Gottes Geist ist, da ist Sieg, Wo dieser hilft, da wird der Krieg Gewißlich wohl ablaufen. Was ist des Satans Reich und Stand? Wenn Gottes Geist erhebt die Hand, Fällt alles über'n Haufen. 8. Er reißt der Höllen Band entzwei, Er tröst't und macht das Herze frei Von allem, was uns fränket. Wenn uns des Unglücks Wetter schreckt, So ist er's, der uns schützt und deckt Viel besser, als man denket. 9. Er macht das bittre Kreuze süß, Sft unser Licht in Finsternis, Führt uns als seine Schafe, Hält über uns sein Schild, und macht, Daß seine Heerd in tiefer Nacht Mit Fried' und Ruhe schlafe. 10. Der Geist, den Gott vom Himmel giebt, Der leitet alles, was ihn liebt, Auf wohl gebahnten Wegen; Er setzt und richtet unsern Fuß, Daß er nicht anders treten muß, Als wo man findt den Segen. 11. Er macht geschickt und rüstet aus Die Diener, die des Herren Haus In diesem Leben bauen; Er ziert ihr Herz, Mund und Verstand, Läßt ihnen, was uns unbekannt, Zu unserm Besten schauen. Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 12. Er öffnet unsers Herzens Thor, Wenn sie sein Wort in unser Ohr Als edlen Samen streuen; Er giebet Kraft demselben Wort, Und wenn es fället, bringt er's fort Und läffet's wohl gedeihen. 13. Er lehret uns die Furcht des Herrn, Liebt Reinigkeit und wohnet gern In frommen, keuschen Seelen; Was niedrig ist, was Tugend ehrt, Was Buße thut und sich bekehrt, Das pflegt er zu erwählen. 14. Er ist und bleibet stets getreu, Und steht uns auch im Tode bei, Wenn alle Ding abstehen; Er lindert unsre letzte Qual, Läßt uns hindurch ins Himmels Saal Getroft und fröhlich gehen. 15. Ofelig, wer in dieser Welt Läßt diesem Gaste Haus und Zelt In seiner Seel aufschlagen; Wer ihn aufnimmt in dieser Zeit, Den wird er dort zur ew'gen Freud In Gottes Hütte tragen. 105 16. Nun, Herr und Vater aller Güt, Hör unsern Wunsch, geuß ins Gemüth Uns allen diese Gabe. Gieb deinen Geist, der uns allhier Regiere, und dort für und für Im ew'gen Leben labe. 106 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 30. Beuch ein zu deinen Thoren. eise: Helft mir Gottes Güte preisen. Von Gott will ich nicht lassen, oder: Eigne Weise. 1653. 1. Zeuch ein zu deinen Thoren, Sei meines Herzens Gast, Der du, da ich geboren, Mich neu geboren hast, O hochgeliebter Geist Des Vaters und des Sohnes, Mit beiden gleiches Thrones, Mit beiden gleich gepreist! 2. Beuch ein, laß mich empfinden Und schmecken deine Kraft, Die Kraft, die uns von Sünden Hilf und Errettung schafft. Entsündge meinen Sinn, Daß ich mit reinem Geiste Dir Ehr und Dienste leiſte, Die ich dir schuldig bin. 3. Ich war ein wilder Reben, Du hast mich gut gemacht, Der Tod durchdrang mein Leben, Du haft ihn umgebracht Und in der Tauf erstickt, Als wie in einer Flute, Mit dessen Tod und Blute, Der uns im Tod erquickt. 4. Du bist das heil'ge Dele, Dadurch gesalbet ist Mein Leib und meine Seele Dem Herren Jesu Christ Paul Gerhardts Geistliche Lieder. Zum wahren Eigenthum, Zum Priester und Propheten, Zum Kön'ge, den in Nöthen Gott schützt vom Heiligthum. 5. Du bist ein Geist, der lehret, Wie man recht beten soll, Dein Beten wird erhöret, Dein Singen klinget wohl; Es steigt zum Himmel an, Es steigt und läßt nicht abe, Bis der geholfen habe, Der allen helfen kann. 6. Du bist ein Geist der Freuden, Vom Trauern hältst du nicht, Erleuchtest uns im Leiden Mit deines Trostes Licht. Ach ja, wie manches Mal Hast du mit süßen Worten Mir aufgethan die Pforten Zum güldnen Freudensaal! 7. Du bist ein Geist der Liebe, Ein Freund der Freundlichkeit, Willst nicht, daß uns betrübe Zorn, Zank, Haß, Neid und Streit. Der Feindschaft bist du feind, Willst, daß durch Liebesflammen Sich wieder thun zusammen, Die voller Zwietracht seind. 8. Du, Herr, haft selbst in Händen Die ganze weite Welt, Kannst Menschenherzen wenden, Wie es dir wohlgefällt; So gieb doch deine Gnad Zum Fried' und Liebesbanden, Verknüpf in allen Landen Was sich getrennet hat. 107 108 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 9. Ach, edle Friedensquelle, Schleuß deinen Abgrund auf, Und gieb dem Frieden schnelle Hier wieder seinen Lauf! Halt ein die große Flut, Die Flut, die eingeriffen, So daß man stehet fließen Wie Wasser Menschenblut! 10. O laß dein Volk erkennen Die Vielheit ihrer Sünd, Auch Gottes Grimm so brennen, Daß er bei uns entzünd Den ernsten bittern Schmerz, Und Buße, die bereuet, Des sich zuerst erfreuet Ein weltergebnes Herz. 11. Auf Buße folgt der Gnaden, Auf Neu der Freuden Blick; Sich bessern heilt den Schaden, Fromm werden, bringet Glück. Herr! thu's zu deiner Ehr, Erweiche Stahl und Steine, Auf daß das Herze weine, Der Böse sich bekehr. 12. Erhebe dich und steure Dem Herzleid auf der Erd, Bring wieder und erneure Die Wohlfahrt deiner Heerd! Laß blühen wie zuvorn Die Länder, so verheeret, Die Kirchen, so zerstöret Durch Krieg und Feuerszorn. 13. Beschirm die Polizeien, Bau unsrer Fürsten Thron, Daß sie und wir gedeihen; Schmück, als mit einer Kron, Paul Gerhardts Geistliche Lieder. Die Alten mit Verstand, Mit Frömmigkeit die Jugend, Mit Gottesfurcht und Tugend Das Volk im ganzen Land. 14. Erfülle die Gemüther Mit reiner Glaubenszier, Die Häuser und die Güter Mit Segen für und für; Vertreib den bösen Geist, Der dir sich widersetzet, Und was dein Herz ergötzet Aus unserm Herzen reißt. 15. Gieb Freudigkeit und Stärke, Zu stehen in dem Streit, Den Satans Reich und Werke Uns täglich anerbeut. Hilf tämpfen ritterlich, Damit wir überwinden, Und ja zum Dienst der Sünden Kein Christ ergebe sich. 16. Richt unser ganzes Leben Allzeit nach deinem Sinn, Und wenn wir's sollen geben In's Todes Nachen hin, Wenn's mit uns hie wird aus, So hilf uns fröhlich sterben, Und nach dem Tod ererben Des ew'gen Lebens Haus! 31. Also hat Gott die Welt geliebt. Joh. 3. Weise: Ermuntre dich, mein schwacher Geist. 1661. 1. Also hat Gott die Welt geliebt, Das merke, wer es höret! Die Welt, die Gott so hoch betrübt, Hat Goit so hoch geehret, 109 110 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. Daß er den eingebornen Sohn, Den eingen Schatz, die einge Kron, Das einge Herz und Leben Mit Willen hingegeben. 2. Ach! wie muß doch ein einges Kind Bei uns hier auf der Erden, Da man doch nichts als Bosheit findt, So hoch geschonet werden; Wie hitzt, wie brennt der Vaterfinn, Wie giebt und schenkt er alles hin, Eh als er an das Schenken Des eingen nur will denken! 3. Gott aber schenkt aus freiem Muth Und mildem treuem Herzen Sein einges Kind, sein schönstes Gut In mehr als tausend Schmerzen. Er giebt ihn in den Tod hinein, Ja in die Höll und ew'ge Pein; Zu unerhörtem Leide Stößt Gott sein einge Freude. 4. Warum doch das? Daß du, o Welt, Frei wieder möchtest stehen, Und durch ein theures Lösegeld Aus deinem Kerker gehen. Denn du weißt wohl, du schnöde Braut, Wie, da dich Gott ihm anvertraut, Du wider deinen Orden Ihm allzu untreu worden. 5. Darüber hat dich Sünd und Tod Und Satanas Gesellen Zu bittrer Angst und harter Noth Beschlossen in der Höllen. Und hier ist gar kein andrer Nath, Als der, den Gott gegeben hat; Wer den hat, wird dem Haufen Der höll'schen Feind' entlaufen. Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 6. Gott hat uns seinen Sohn verehrt, Daß aller Menschen Wesen, So mit dem ew'gen Fluch beschwert, Durch diesen soll genesen. Wen die Verdammnis hat umschränkt, Der soll durch den, den Gott geschenkt, Erlösung, Trost und Gaben Des ew'gen Lebens haben. 7. Ach! mein Gott, meines Lebens Grund, Wo soll ich Worte finden? Mit was für Lobe soll mein Mund Dein treues Herz ergründen? Wie ist dir immermehr geschehn? Was hast du an der Welt ersehn, Daß, die so hoch dich höhnet, Du so gar hoch gekrönet? 8. Warum behieltst du nicht dein Recht, Und ließest ewig preffen Diejenge, die dein Recht geschwächt Und freventlich vergessen? Was hattest du an der für Luft, Von welcher dir doch war bewußt, Daß sie für dein Verschonen Dir schändlich würde lohnen? 9. Das Herz im Leibe weinet mir Vor großem Leid und Grämen, Wenn ich bedenke, wie wir dir So gar schlecht uns bequemen. Die meisten wollen deiner nicht, Und was du ihnen zugericht't Durch deines Sohnes Büßen, Das treten sie mit Füßen. 111 10. Du, frommer Bater, meinst es gut Mit allen Menschenkindern, Du ordnest deines Sohnes Blut, Und reichst es allen Sündern, 112 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. Willst, daß sie mit der Glaubenshand Das, was du ihnen zugewandt, Sich völlig zu erquicken, Fest in ihr Herze drücken. 11. Sieh aber, ist nicht immerfort Dir alle Welt zuwider? Du bauest hier, du bauest dort, Die Welt schlägt alles nieder. Darum erlangt sie auch kein Heil, Sie bleibt im Tod und hat kein Theil Am Reiche, da die Frommen, Die Gott gefolgt, hinkommen. 12. An dir, o Gott, ist keine Schuld, Du, du hast nichts verschlafen. Der Feind und Hasser deiner Huld Ist Ursach deiner Strafen, Weil er den Sohn, der ihm so klar Und nah ans Herz gestellet war, Auch einig helfen sollte, Durchaus nicht haben wollte. 13. So fahre hin, du tolle Schaar, Sch bleibe bei dem Sohne, Dem geb ich mich, des bin ich gar, Und er ist meine Krone. Hab ich den Sohn, so hab ich gnug, Sein Kreuz und Leiden ist mein Schmuck, Sein' Angst ist meine Freude, Sein Sterben meine Weide. 14. Ich freue mich, so oft und viel Ich dieses Sohns gedenke; Dies ist mein Lied und Saitenspiel, Wenn ich mich heimlich kränke, Wenn meine Sünd und Missethat Will größer sein, als Gottes Guad, Und wenn mir meinen Glauben Mein eigen Herz will rauben. Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 15. Ei, sprech ich, war mir Gott geneigt, Da wir noch Feinde waren, So wird er ja, der kein Recht beugt, Nicht feindlich mit mir fahren Anjezzo, da ich ihm versühnt, Da, was ich Böses je verdient, Sein Sohn, der nichts verschuldet, So wohl für mich erduldet. 16. Feblt's hier und da? Ei, unverzagt! Laß Sorg und Kummer schwinden! Der mir das Größte nicht versagt, Wird Nath zum Kleinen finden. Hat Gott mir seinen Sohn geschenkt, Und für mich in den Tod gesenkt, Wie sollt er( laßt uns denken!) Mit ihm nicht alles schenken? 17. Ich bin's gewiß, und sterbe drauf Nach meines Gottes Willen: Mein Kreuz und ganzer Lebenslauf Wird sich noch fröhlich stillen. Hier hab' ich Gott und Gottes Sohn, Und dort, bei Gottes Stuhl und Thron, Da wird fürwahr mein Leben In ew'gen Freuden schweben. VII. Dreieinigkeit. 32. Von der heiligen Dreieinigkeit. Weise: Christ, unser Herr, zum Jordan kam. 1656. 1. Was alle Weisheit in der Welt Bei uns hier kaum kann fallen, Das läßt Gott aus dem Himmelszelt In alle Welt erschallen: 8 113 114 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. Daß er alleine König sei Hoch über alle Götter, Groß, mächtig, freundlich, fromm und treu, Der Frommen Schutz und Retter, Ein Wesen, drei Personen. 2. Gott Vater, Sohn und heil'ger Geist Heißt sein Hochheil'ger Name; So kennt, so nennt, so rühmt und preist Ihn der gerechte Same, Gott Abraham, Gott Isaak, Gott Jacob, den er liebet, Herr Zebaoth, der Nacht und Tag Uns alle Gaben giebet Und Wunder thut alleine. 3. Der Vater hat von Ewigkeit Den Sohn, sein Bild, erzeuget; Der Sohn hat in der Füll der Zeit Im Fleische sich gezeiget. Der Geist geht ohne Zeit herfür Vom Vater und vom Sohne, Mit beiden gleicher Ehr und Zier, Gleich ewig, gleicher Krone Und ungetheilter Stärke. 4. Sieh hier, mein Herz, das ist dein Gut, Dein Schatz, dem keiner gleichet; Das ist dein Freund, der alles thut, Was dir zum Heil gereichet, Der dich gebaut nach seinem Bild, Für deine Schuld gebüßet, Der dich mit wahrem Glauben füllt, Und all dein Kreuz durchfüßet Mit seinem heil'gen Worte. 5. Erhebe dich, steig zu ihm zu, Und lern' ihn recht erkennen, Denn solch' Erkenntnis bringt dir Ruh Und macht die Seele brennen Paul Gerhardts Geistliche Lieder. In reiner Liebe, die uns nährt Zum ew'gen Freudenleben, Da, was hier unser Ohr gehört, Gott wird zu schauen geben Den Augen seiner Kinder. 6. Weh aber dem verstockten Heer, Das sich hier selbst verblendet, Gott von sich stößt, und seine Ehr Auf Creaturen wendet! Dem wird gewiß des Himmels Thür Einmal verschlossen bleiben; Denn wer Gott von sich treibt allhier, Den wird er dort auch treiben Von seinem heil'gen Throne. 7. Ei nun so gieb, du großer Held, Gott Himmels und der Erden, Daß alle Menschen in der Welt Zu dir bekehret werden; Erleuchte, was verblendet geht, Bring wieder, was verirret, Reiß aus, was uns im Wege steht Und freventlich verwirret Die Schwachen in dem Glauben. 8. Auf daß wir also allzugleich Zur Himmelspforte dringen, Und dermaleinst in deinem Reich Ohn' alles Ende singen: Daß du alleine König seist, Hoch über alle Götter, Gott Vater, Sohn und heil'ger Geist, Der Frommen Schutz und Retter, Ein Wesen, drei Personen. 8* 115 116 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. VIII. Sacramente. 33. Von der heiligen Taufe. Weise: Es ist das Heil uns kommen her. 1667. 1. Du Volk, das du getaufet bist Und deinen Gott erkennest, Auch nach dem Namen Jesu Christ Dich und die deinen nennest: Nimm's wohl in Acht und denke dran, Wie viel dir Gutes sei gethan Am Tage deiner Taufe. 2. Du warst, noch eh du wurd'st geborn Und eh du Milch gesogen, Verdammt, verstoßen und verlorn, Darum, daß du gezogen Aus deiner Eltern Fleisch und Blut Ein' Art, die sich vom höchsten Gut, Dem ew'gen Gott, stets wendet. 3. Dein Leib und Seel war mit der Sünd Als einem Gift durchkrochen, Und du warst nicht mehr Gottes Kind, Nachdem der Bund gebrochen, Den unser Schöpfer aufgericht't, Da er uns seines Bildes Licht Und herrlich's Kleid ertheilte. 4. Der Zorn, der Fluch, der ew'ge Tod Und was in diesen allen Enthalten ist für Angst und Noth, Das war auf dich gefallen: Du warst des Satans Sklav und Knecht, Der hielt dich fest, nach seinem Recht, In seinem Reich gefangen. Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 5. Das alles hebt auf einmal auf Und schlägt und drückt es nieder Das Wasserbad der heil'gen Tauf, Ersetzt dagegen wieder, Was Adam hat verderbt gemacht, Und was wir selber durchgebracht Bei unserm bösen Wesen. 6. Es macht dies Bad von Sünden los Und giebt die rechte Schöne, Die Satans Kerker vor beschloß, Die werden frei und Söhne Des, der da trägt die höchste Kron: Der läßt sie, was sein einger Sohn Ererbt, auch mit ihm erben. 7. Was von Natur vermaledeit Und mit dem Fluch umfangen, Das wird hier in der Tauf erneut, Den Segen zu erlangen. Hier stirbt der Tod und würgt nicht mehr, Hier bricht die Höll, und all ihr Heer Muß uns zu Füßen liegen. 8. Hier ziehn wir Jesum Christum an Und decken unsre Schanden Mit dem, was er für uns gethan Und willig ausgestanden. Hier wäscht uns sein hochtheures Blut, Und macht uns heilig, fromm und gut In seines Vaters Augen. 9. O großes Werk! o heil'ges Bad! O Wasser, dessen gleichen Man in der ganzen Welt nicht hat! Kein Sinn kann dich erreichen. Du haft recht eine Wunderkraft, Und die hat der, so alles schafft, Dir durch sein Wort geschenket. 117 118 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 10. Du bist kein schlechtes Wasser nicht, Wie's unsre Brunnen geben. Was Gott mit seinem Munde spricht, Das hast du in dir leben. Du bist ein Wasser, das den Geist Des Allerhöchsten in sich schleußt Und seinen großen Namen. 11. Das halt, o Mensch, in allem werth, Und danke für die Gaben, Die dein Gott dir darin beschert, Und die uns alle laben, Wenn nichts mehr sonst uns laben will. Die laß, bis daß des Todes Ziel Dich trifft, nicht ungepreiset. 12. Brauch alles wohl, und weil du bist Nun rein in Christo worden, So leb' und thu auch als ein Christ, Und halte Christi Orden; Bis daß dort in der ew'gen Freud Er dir das Ehr- und Freudenkleid Um deine Seele lege. 34. Vom heiligen Abendmahl. eise: Nun lob, mein Seel, den Herren. 1667. 1. Herr Jesu, meine Liebe, Ich hätte nimmer Ruh und Raft, Wo nicht fest in mir bliebe Was du für mich geleiſtet haft: Es müßt in meinen Sünden, Die sich sehr hoch erhöhn, All meine Kraft verschwinden Und wie ein Rauch vergehn, Paul Gerhardts Geistliche Lieder. Wenn sich mein Herz nicht hielte Zu dir und deinem Tod, Und ich nicht stets mich fühlte An deines Leidens Noth. 2. Nun weißt du meine Plagen Und Satans, meines Feindes, List: Wenn meinen Geist zu nagen Er emsig und bemühet ist; Da hat er tausend Künste, Von dir mich abzuziehn; Bald treibt er mir die Dünste Des Zweifels in den Sinn, Bald nimmt er mir dein Meinen Und Wollen aus der Acht, Und lehrt mich ganz verneinen, Was du doch fest gemacht. 3. Solch' Unheil abzuweisen, Hast du, Herr, deinen Tisch gesetzt, Da läsfest du mich speisen, So daß sich Mark und Bein ergötzt. Du reichst mir zu genießen Dein theures Fleisch und Blut, Und lässeft Worte fließen, Da all mein Herz auf ruht: „ Komm," sprichst du,„ komm und nahe Dich ungescheut zu mir, Was ich dir geb, empfahe Und nimm's getrost zu dir. 4. Hier ist beim Brot vorhanden Mein Leib, der dar gegeben wird Zum Tod und Kreuzesbanden Für dich, der sich von mir verirrt. Beim Wein ist, was geflossen Zur Tilgung deiner Schuld, Mein Blut, das ich vergossen In Sanftmuth und Geduld. 119 120 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. Nimm's beides mit dem Munde Und denk' auch mit dabei, Wie fromm im Herzensgrunde Ich, dein Erlöser, sei." 5. Herr! ich will dein gedenken, So lang ich Luft und Leben hab, Und bis man mich wird senken An meinem End ins finstre Grab. Ich sehe dein Verlangen Nach meinem ew'gen Heil. Am Holz bist du gehangen, Und hast so manchen Pfeil Des Trübfals lassen dringen In dein unschuldig's Herz, Auf daß ich möcht' entspringen Des Todes Pein und Schmerz. 6. So hast du auch befohlen, Daß, was den Glauben stärken kann, Ich bei dir solle holen, Und soll doch ja nicht zweifeln dran, Du Habst für alle Sünden, Die in der ganzen Welt Bei Menschen je zu finden, Ein völlig's Lösegeld Und Opfer, das bestehet Vor dem, der alles trägt, In dem auch alles gehet, Bezahlet und erlegt. 7. Und daß ja mein Gedanke, Der voller Falschheit und Betrug, Nicht im geringsten wanke, Als wär' es dir nicht Ernst genug, So neigst du dein Gemüthe Zusammt der rechten Hand, Und giebst mit großer Güte Mir das hochwerthe Pfand Paul Gerhardts Geistliche Lieder. Zu essen und zu trinken. Ist das nicht Trost und Licht Dem, der sich läßt bedünken, Du wollest seiner nicht? 8. Ach Herr! du willst uns alle, Das sagt uns unser Herze zu. Die, so der Feind zu Falle Gebracht, rufst du zu deiner Ruh. Ach hilf, Herr! hilf uns eilen Zu dir, der jederzeit, Uns allesammt zu heilen, Geneigt ist und bereit. Gieb Lust und heil'ges Dürsten Nach deinem Abendmahl, Und dort mach' uns zu Fürsten Im güldnen Himmelsfaal! IX. Buße und Beichte. 35. Trostlied von der Buße. Aus Luc. 15. Weise: Zion klagt mit Angst und Schmerzen. 1647. 121 1. Weg, mein Herz, mit den Gedanken, Als ob du verstoßen wärst! Bleib' in Gottes Wort und Schranken, Da du anders reden hörst. Bist du bös und ungerecht, Ei, so ist Gott fromm und schlecht; Hast du Zorn und Tod verdienet, Sinke nicht, Gott ist verfühnet. 122 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 2. Du bist, wie die Menschen alle, Angesteckt mit Sündengift, Welches Adam mit dem Falle Sammt der Schlangen hat gestift't. Aber so du kehrst zu Gott Und dich besserst, hat's nicht Noth: Sei getrost, Gott wird dein Flehen Und Abbitten nicht verschmähen. 3. Er ist ja kein Bär noch Leue, Der sich nur nach Blute sehnt; Sein Herz ist zu lauter Treue Und zur Sanstmuth angewöhnt. Gott hat einen Vatersinn, Unser Sammer jammert ihn, Unser Unglück ist sein Schmerze, Unser Sterben kränkt sein Herze. 4. So wahrhaftig, als ich lebe, Will ich keines Menschen Tod, Sondern daß er sich ergebe An mich aus dem Sündenkoth." Gottes Freud ist's, wenn auf Erd Ein Verirrter wiederkehrt, Will nicht, daß aus seiner Heerde Das Geringst' entzogen werde. 5. Kein Hirt kann so fleißig gehen Nach dem Schaf, das sich verläuft; Sollst du Gottes Herze sehen, Wie sich da der Kummer Häuft, Wie es dürftet, ächzt und brennt Nach dem, der sich abgetrennt Von ihm und auch von den Seinen, Würdest du vor Liebe weinen. 6. Gott der liebt nicht nur die Frommen, Die in seinem Hause seind, Sondern auch die ihm genommen Durch den grimmen Seelenfeind, Paul Gerhardts Geistliche Lieder. Der dort in der Höllen sitzt, Und der Menschen Herz erhitzt Wider den, der, wenn sich reget Sein Fuß, alle Welt beweget. 7. Dennoch bleibt in Liebesflammen Sein Verlangen allzeit groß, Ruft und locket uns zusammen In den weiten Himmelsschoos. Wer sich nun da stellet ein, Suchet frei und los zu sein Aus des Satans Reich und Rachen, Der macht Gott und Engel lachen. 8. Gott und alles Heer hoch droben, Dem der Himmel schweigen muß, Wenn sie ihren Schöpfer loben, Jauchzen über unsre Buß; Aber was gesündigt ist, Das verdeckt er und vergißt, Wie wir ihn beleidigt haben, Alles, alles ist vergraben. 9. Kein See kann sich so ergießen, Kein Grund mag so grundlos sein, Kein Strom so gewaltig fließen, Gegen Gott ist alles klein, Gegen Gott und seine Huld, Die er über unsre Schuld Alle Tage läsfest schweben Durch das ganze Sündenleben. 10. Nun, so ruh und sei zufrieden, Seele, die du traurig bist! Was willt du dich viel ermüden, Da es nicht vonnöthen ist? Deiner Sünden großes Meer, Wie dir's scheinet, ist nicht mehr, ( Gegen Gottes Herz zu sagen) Als was wir mit Fingern tragen. 123 124 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 11. Wären tausend Welt' zu finden, Von dem Höchsten zugericht't, Und du hättest alle Sünden, Die darinnen sind, verricht't, Wär' es viel, doch lange nicht So viel, daß das volle Licht Seiner Gnaden hier auf Erden Dadurch könnt erlöschet werden. 12. Mein Gott, öffne mir die Pforten Solcher Gnad' und Gütigkeit, Laß mich allzeit aller Orten Schmecken deine Süßigkeit! Liebe mich und treib mich an, Daß ich dich, so gut ich kann, Wiederum umfang und liebe, Und ja nun nicht mehr betrübe. 36. Nach dir, o Herr, verlanget mich. Pf. 25. Weise: Jhr lieben Christen, freut euch nun. Wenn wir in höchsten Nöthen sein. Nun freut euch Gottes Kinder all. 1647. 1. Nach dir, o Herr, verlanget mich, Du bist mein Trost, ich hoff' auf dich, Ich hoff' und bin der Zuversicht, Du werdest mich beschämen nicht. 2. Der wird zu Schanden, der dich schändt Und sein Gemüthe von dir wendt, Der aber, der sich dir ergiebt Und dich recht liebt, bleibt unbetrübt. 3. Herr, nimm dich meiner Seelen an, Und führe sie die rechte Bahn, Laß deine Wahrheit leuchten mir Im Steige, der uns bringt zu dir. Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 4. Denn du bist ja mein einigs Licht, Sonst weiß ich keinen Helfer nicht. Ich harre dein bei Tag und Nacht: Was ist's, das dich so säumend macht? 5. Ach! wende, Herr, dein' Augen ab Von dem, wo ich geirret hab. Was denkst du an den Sündenlauf, Den ich geführt von Jugend auf? 6. Gedenk' an deine Gütigkeit Und an die große Süßigkeit, Damit dein Herz zu trösten pflegt Das, was sich dir zu Füßen legt. 125 7. Der Herr ist fromm und herzlich gut Dem, der sich prüft und Buße thut. Wer seinen Bund und Zeugnis hält, Der wird erhalten, wenn er fällt. 8. Ein Herz, das Gott von Herzen scheut, Das wird in seinem Leid erfreut, Und wenn die Noth am tiefsten steht, So wird sein Kreuz zur Wonn' erhöht. 9. Nun, Herr, ich bin dir wohlbekannt, Mein Geist der schwebt in deiner Hand; Du siehst, wie meine Seele thränt Und sich nach deiner Hilfe sehnt. 10. Die Angst, die mir mein Herze dringt, Und daraus so viel Seufzer gt, Ist groß: du aber bist der Mann, Dem nichts zu groß entstehen kann. 11. Drum steht mein Auge stets nach dir, Und trägt dir mein Begehren für: Ach! laß doch, wie du pflegst zu thun, Dein Aug' auf meinen Augen ruhn. 12. Wenn ich dein darf, so wende nicht Von mir dein Aug' und Angesicht, Laß deiner Antwort Gegenschein Mit meinem Beten stimmen ein. 126 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 13. Die Welt ist falsch, du bist mein Freund, Der's treulich und von Herzen meint. Der Menschen Gunst steht nur im Mund, Du aber liebst von Herzensgrund. 14. Zerreiß die Netz', heb auf die Strick' Und brich des Feindes List und Tück; Und wenn mein Unglück ist vorbei, So gieb, daß ich auch dankbar ſei. 15. Laß mich in deiner Furcht bestehn, Fein schlecht und recht stets einher gehn; Gieb mir die Einfalt, die dich ehrt, Und lieber duldet, als beschwert. 16. Regier und führe mich zu dir, Auch andre Christen neben mir. Nimm, was dir mißfällt, von uns hin, Gieb neue Herzen, neuen Sinn. 17. Wasch ab all unsern Sündenkoth, Erlös' aus aller Angst und Noth, Und führ' uns bald mit Gnaden ein Zum ew'gen Fried' und Freudenschein. 37. Bußgefang aus Psalm 143. Weise: Als der gütige Gott. 1647. 1. Herr, höre, was mein Mund Aus innerm Herzensgrund Ohn alle Falschheit spricht: Wend, Herr, dein Angesicht, Vernimm meine Bitte. 2. Ich bitte nicht um Gut, Das auf der Welt beruht, Auch endlich mit der Welt Bricht und zu Boden fällt Und mag gar nicht retten. Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 3. Der Schatz, den ich begehr, Ist deine Gnad, o Herr, Die Gnade, die dein Sohn, Mein Heil und Gnadenthron, Mir sterbend erworben. 4. Du bist rein und gerecht, Ich bin ein böser Knecht; Ich bin in Sünden todt, Du bist der fromme Gott, Der Sünde vergiebet. 5. Laß deine Frömmigkeit Sein meinen Trost und Freud; Laß über meine Schuld Dein' edle Lieb und Huld Sich reichlich ergießen. 6. Betrachte, wer ich bin: Im Hui fahr' ich dahin, Zerbrechlich wie ein Glas, Bergänglich wie ein Gras, Ein Wind kann mich fällen. 7. Willst du nichts sehen an, Als was ein Mensch gethan, So wird kein Menschenkind, Vor Menge seiner Sünd, Im Himmel bestehen. 8. Sich an, wie Jesus Christ Für mich gegeben ist: Der hat, was ich nicht kann, Erfüllt, und gnug gethan Im Leben und Leiden. 9. Du liebest Neu und Schmerz, Schau her, hier ist mein Herz, Das seine Sünd' erkennt, Und wie ein Feuer brennt Vor Angst, Leid und Sorgen. 127 128 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 10. Ich lechze wie ein Land, Dem deine milde Hand Den Regen lang entzeucht, Bis Saft und Kraft entweicht Und alles verdorret. 11. Gleich wie auch auf der Heid Ein Hirsch begierlich schreit Nach frischem Wasserquell, So ruf ich laut und hell Nach dir, o mein Leben! 12. Erquicke mein Gebein, Geuß Trost und Labsal ein, Und sprich mir freundlich zu, Daß meine Seele ruh' Im Schoos deiner Liebe. 13. Gieb mir getroften Muth, Wenn meiner Sünden Flut Aufsteiget in die Höh, Ersäuf all Angst und Weh Im Meer deiner Gnaden. 14. Treib weg den bösen Feind, Der mich zu stürzen meint: Du bist mein Hirt, und ich Will bleiben ewiglich Ein Schaf deiner Weide. 15. So lang auf dieser Erd Ich Athem holen werd, O Herr, so will ich dein Und deines Willens sein Gehorsamer Diener. 16. Ich will dir dankbar sein, Doch ist mein Können klein. Allein in deiner Kraft, Die Thun und Wollen schafft, Steht all mein Vermögen. Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 17. Drum sende deinen Geist, Der deinen Kindern weist Den Weg, der dir gefällt; Wer den bewahrt und hält, Wird nimmermehr fehlen. 18. Sch richte mich nach dir, Du sollst mir gehen für, Du sollst mir schließen auf Die Bahn im Tugendlauf, Ich will treulich folgen. 19. Und wenn des Himmels Pfort Ich werd' ergreifen dort, So will im Engelheer Ich ewig deiner Ehr In Frenden lobsingen. 38. Wahre Erniedrigung seiner selbst. Matth. 25, 27. Marc. 7. 28. ( Nach dem lat. Gedicht: Sum canis indignus, fateor, von Nathan Chyträus.) Weise: Zion klagt mit Angst und Schmerzen. 1667. 1. Herr, ich will gar gerne bleiben, Wie ich bin, dein armer Hund, Will auch anders nicht beschreiben Mich und meines Herzens Grund. Denn ich fühle, was ich sei: Alles Böse wohnt mir bei, Ich bin aller Schand ergeben, Unrein ist mein ganzes Leben. 129 2. Hündisch ist mein Zorn und Eifer, Hündisch ist mein Neid und Haß, Hündisch ist mein Zank und Geifer, Hündisch ist mein Raub und Fraß. 9 130 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. Ja, wenn ich mich recht genau, Als ich billig soll, beschau, Halt ich mich in vielen Sachen Aerger, als die Hund' es machen. 3. Ich will auch nicht mehr begehren Als mir zukommt und gebührt, Sollst mich nur des Rechts gewähren, Das ein Hund im Hause führt. Deine Heil'gen, die sich dir Hier ergeben für und für, Mögen oben an der Spitzen Deiner Himmelstafel sitzen. 4. Deine Kinder, die dich ehren Und in voller Tugend stehn, Mögen sich von Wollust nähren Und im Erbe sich erhöhn, Das du ihnen in dem Licht Deines Saal's haft zugericht't; Ich will, wenn ich nur kann liegen Unterm Tisch, mir lassen guilgen. 5. Ich will ins Verborgne friechen, Da die Nacht den Tag verhüllt, Und hin nach der Erden riechen, Suchen, was den Hunger stillt. Ich will mit den Brosamlein, Die ich finde, friedlich sein, Und mich freuen über allem, Was die Herren lassen fallen. 6. Murren will ich auch und bellen, Aber gleichwohl weiter nicht, Als nur, wenn in Sündenfällen Dir von mir ein Schimpf geschicht, Wenn mein Fleisch mich übereilt, Und zur Buße, die uns heilt, Sich viel träger, als zur Sünden Und zur Bosheit läsfet finden. Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 7. Dennoch will ohn alles Heucheln, Das so fest soust in uns steckt, Ich dir auch hinwieder schmeicheln, Wenn ich deinen Zorn erweckt, Und du meinen Uebermuth Strafest mit der scharfen Ruth: Ach Herr, schone! will ich sprechen, Laß mein Wort dein Herze brechen! 8. Mache mich zum wackern Hüter, Deffen Augen offen sein, Wenn, das schönste deiner Güter, Deine Kinder, schlafen ein: Wenn das Haus zu Bette geht, Und der Dieb mit Listen steht Nach des Nächsten Gut und Gelde, Ei, so gieb, daß ich ihn melde. 9. Mehre meinen kleinen Glauben, Und wehr allem, das da will Dieses Schatzes mich berauben; Führe mich zum rechten Ziel. Laß mich sein, o ew'ges Heil, Deines Hauses kleines Theil, Auch den Kleinsten unter allen, Die nach deinem Reiche wallen. 10. Hab ich dies, so ruht mein Wille, Denn ich habe selber dich, Dich, du unermeßne Fülle Dessen, was mich ewiglich In dem Himmel laben soll. Wohl mir, wohl! und aber wohl! Soll mich Gottes Fülle laben, Woran will ich Mangel haben? 9* 131 132 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. X. Gebet und christlicher Wandel. 39. Um Weisheit. ( Nach dem Gebet 1, Nro. 14 im Paradies- Gärtlein von Joh. Arnd.) Weise: Vom Himmel hoch, da komm' ich her. Christ, der du bist der helle Tag. Lob sei dem allerhöchsten Gott. 1661. 1. Herr, aller Weisheit Quell und Grund, Dir ist all mein Vermögen fund, Wo du nicht hilfft und deine Gunst, Ist all mein Thun und Werk umsonst. 2. Ich, leider! als ein Sündenkind Bin von Natur zum Guten blind, Mein Herze, wenn dir's dienen soll, Sft ungeschickt und Thorheit voll. 3. Ja, Herr, ich bin gar viel zu schlecht, Zu Handeln dein Gesetz und Recht. Was meinem Nächsten nütz im Land, Ist mir verdeckt und unbekannt. 4. Mein Leben ist gar kurz und schwach, Ein Lüftlein, das bald lässet nach. Was in der Welt zu prangen pflegt, Des ist mir wenig beigelegt. 5. Wenn ich auch gleich vollkommen wär', Hätt' aller Gaben Ruhm und Ehr, Und sollt entrathen deines Lichts, So wär' ich doch ein lauter Nichts. 6. Was hilft's, wenn einer gleich viel weiß, Und hat zuvörderst nicht mit Fleiß Gelernet deine Furcht und Dienſt? Der hat mehr Schaden als Gewinnst. Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 7. Das Wissen, das ein Mensche führt, Wird leichtlich in ihm selbst verirrt. Wenn unsre Kunst am meisten kann, So stößt sie aller Enden an. 8. Wie mancher stürzet seine Seel Durch Klugheit, wie Ahitophel, Und nimmt, weil er dich nicht recht kennt, Mit seinem Witz ein schrecklich End. 9. O Gott, mein Vater! kehre dich Zu meiner Bitt' und höre mich: Nimm solche Thorheit von mir hin, Und gieb mir einen bessern Sinn. 10. Gieb mir die Weisheit, die du liebst Und denen, die dich lieben, giebst, Die Weisheit, die vor deinem Thron Allstets erscheint in ihrer Kron. 11. Ich lieb ihr liebes Angesicht, Sie ist mein's Herzens Freud und Licht, Sie ist die Schönste, die mich hält Und meinen Augen wohlgefällt. 12. Sie ist hochedel, auserkorn, Von dir, o Höchster, selbst geborn; Sie ist der hellen Sonnen gleich, An Tugend und an Gaben reich. 13. Ihr Mund ist süß und tröstet schön, Wenn uns die Augen übergehn; Wenn uns der Kummer niederdrückt, So ist sie's, die das Herz erquickt. 14. Sie ist voll Ehr und Herrlichkeit, Bewahrt vor'm Tod und großem Leid; Wer fleißig um sie kämpft und wirbt, Der bleibet lebend, wenn er stirbt. 15. Sie ist des Schöpfers nächster Nath, Von Worten mächtig und von That, Durch sie erfährt die blinde Welt, Was Gott gedenk' in seinem Zelt. 133 134 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 16. Denn welcher Mensch weiß Gottes Rath? Wer ist's, der je erfunden hat Den Schluß, den er im Himmel schleußt, Den Weg, den er uns laufen heißt? 17. Die Seele wohnet in der Erd, Und wird durch ihre Last beschwert, Die Sinnen, hin und her zerstreut, Sind ja von Irrthum nicht befreit. 18. Wer will erforschen, was Gott setzt, Und sagen, was sein Herz ergötzt? Es sei denn, der du ewig lebst, Daß du uns deine Weisheit gebſt. 19. Drum sende sie von deinem Thron, Und gieb sie deinen Kind und Sohn, Ach schütt' und geuß sie reichlich aus In meines Herzens armes Haus! 20. Befiehl ihr, daß sie mit mir sei, Und wo ich gehe, stehe bei. Bin ich in Arbeit, helfe sie Mir tragen meine schwere Müh. 21. Gieb mir durch ihre weise Hand Die recht' Erkenntnis und Verstand, Daß ich an dir alleine kleb Und nur nach deinem Willen leb. 22. Gieb mir durch sie Geschicklichkeit, Zur Wahrheit laß mich sein bereit, Daß ich nicht mach aus sauer süß, Noch aus dem Lichte Finsternis. 23. Gieb Lieb und Luft zu deinem Wort, Hilf, daß ich bleib' an meinem Ort, Und mich zur Frommen Schaar gesell, In ihren Rath mein Wesen stell. 24. Gieb auch, daß ich gern jedermann Mit Rath und That, so gut ich kann, Aus rechter unverfälschter Treu Zu helfen allzeit willig sei. Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 25. Auf daß in allem, was ich thu, In deiner Lieb ich nehme zu; Denn wer sich nicht der Weisheit giebt, Der bleibt von dir auch ungeliebt.*) 40. Um Glück und Segen zu allem christlichen Thun und Vorhaben. Jer. 10, 23. Weise: Verjage nicht, o frommer Christ. Da Jesus an dem Kreuze stund. 1656. 1. Ich weiß, mein Gott, daß all mein Thun Und Werk auf deinem Willen ruhn, Von dir kommt Glück und Segen, Was du regierst, das geht und steht Auf rechten guten Wegen. 2. Es steht in feines Menschen Macht, Daß sein Rath werd' ins Werk gebracht Und seines Gangs sich freue: Des Höchsten Rath, der macht's allein, Daß Menschenrath gedeihe. 135 3. Oft denkt der Mensch in seinem Muth, Dies oder jenes sei ihm gut, Und ist doch weit gefehlet, Oft sieht er auch für schädlich an, Was doch Gott selbst erwählet. 4. So fängt auch mancher weise Mann Ein gutes Werk zwar fröhlich an, Und bringt's doch nicht zum Stande, Er baut ein Schloß und festes Haus, Doch nur auf lauterm Sande. *) Dieses Lied ist eine freie Ausführung der Gedanken in Cap. 8 und 9 des Buchs der Weisheit Salomonis. 136 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 5. Wie mancher ist in seinem Sinn Fast über Berg und Spitzen hin, Und eh er sich's versiehet, So liegt er da, und hat sein Fuß Vergeblich sich bemühet.. 6. Drum, lieber Vater, der du Kron Und Scepter trägst in deinem Thron Und aus den Wolken blitest, Vernimm mein Wort und höre mich Vom Stuhle, da du sitzest. 7. Verleihe mir das edle Licht, Das sich von deinem Angesicht In fromme Seelen strecket, Und da der rechten Weisheit Kraft Durch deine Kraft erwecket. 8. Gieb mir Verstand aus deiner Höh, Auf daß ich gar nicht ruh und steh Auf meinem eignen Willen. Sei du mein Freund und treuer Nath, Was gut ist, zu erfüllen. 9. Prüf alles wohl, und was mir gut, Das gieb mir ein, was Fleisch und Blut Erwählet, das verwehre: Der höchste Zweck, das beste Theil Sei deine Lieb und Ehre. 10. Was dir gefällt, das laß auch mir, O meiner Seelen Sonn und Zier, Gefallen und belieben; Was dir zuwider, laß mich nicht In Werk und That verüben! 11. Ist's Werk von dir, so hilf zu Glück, Ist's Menschenthun, so treib's zurück Und ändre meine Sinnen: Was du nicht wirkst, pflegt von ihm ſelbst In Kurzem zu zerrinnen. Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 12. Sollt aber dein und unser Feind An dem, was dein Herz gut gemeint, Beginnen sich zu rächen, Ist das mein Trost, daß seinen Zorn Du leichtlich könnest brechen. 13. Tritt du zu mir und mache leicht, Was mir sonst fast unmöglich däucht', Und bring zum guten Ende, Was du selbst angefangen haft Durch Weisheit deiner Hände. 14. 3st gleich der Anfang etwas schwer Und muß ich auch in's tiefe Meer Der bittern Sorgen treten, So treib mich nur ohn Unterlaß Zu seufzen und zu beten. 15. Wer fleißig betet und dir traut, Wird alles, da ihm sonst für graut, Mit tapferm Muth bezwingen, Sein Sorgenstein wird in der Eil In tausend Stücke springen. 16. Der Weg zum Guten ist fast wild, Mit Dorn und Hecken ausgefüllt, Doch, wer ihn freudig gehet, Kommt endlich, Herr, durch deinen Geist, Wo Freud und Wonne stehet. 17. Du bist mein Vater, ich dein Kind: Was ich bei mir nicht hab und find, Hast du zu aller Gnüge; So hilf nun, daß ich meinen Stand Wohl halt und herrlich siege. 18. Dein soll sein aller Ruhm und Ehr, Ich will dein Thun je mehr und mehr Aus hocherfreuter Seelen Vor deinem Volk und aller Welt, So lang ich leb, erzählen. 137 138 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 41. Bweierlei bitt ich von dir. Spr. Sal. 30, 7-9. Weise: Singen wir aus Herzensgrund, oder: Eigne Weise. 1647. 1. Zweierlei bitt ich von dir, Zweierlei trag ich dir für, Dir, der alles reichlich giebt, Was uns dient und dir beliebt: Gieb mein Bitten, das du weißt, Eh ich sterb und sich mein Geist Aus des Leibes Banden reißt. 2. Gieb, daß ferne von mir sei Lügen und Abgötterei; Armuth, das die Maße bricht, Und groß Reichthum gieb mir nicht; Allzuarm und allzureich Sst nicht gut, stürzt beides gleich Unsre Seel in's Sündenreich. 3. Laß mich aber, o mein Heil, Nehmen mein bescheiden Theil, Und beschere mir zur Noth Hier mein täglich Bißlein Brot; Ein klein wenig, da der Muth Und ein gut Gewissen ruht, Ist fürwahr ein großes Gut. 4. Sonsten möcht im Ueberfluß Ich empfinden Ueberdruß, Dich verlängnen, dir zum Spott Fragen: ,, Wer ist Herr und Gott?" Denn das Herz ist Frechheit voll, Weiß oft nicht, wenn ihm ist wohl, Wie es sich erheben soll. Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 5. Wiederum, wenn's stehet bloß Und die Armuth wird zu groß, Wird es untreu, stiehlt und stellt Nach des Nächsten Gut und Geld, Thut Gewalt, braucht Nänk und List, Ist mit Unrecht ausgerüst't, Fragt gar nicht, was christlich ist. 6. Ach, mein Gott, mein Schatz und Licht! Dieser keines ziemt mir nicht, Beides schändet deine Ehr, Beides stürzt in's Höllenmeer. Drum so gieb mir Füll und Hüll Also, wie dein Herze will, Nicht zu wenig, nicht zu viel. 42. Sirachs Gebetlein um ein seliges und mäßiges Leben. Sir. 23, 1-6. Weise: Christ, unser Herr, zum Jordan kam. 1647. 1. Gott, mein Schöpfer, edler Fürst Und Vater meines Lebens, Wo du mein Leben nicht regierst, So leb ich hier vergebens, Ja, ich bin auch lebendig todt, Der Sünde ganz ergeben: Wer sich wälzt in dem Sündenkoth, Der hat das rechte Leben Noch niemals recht gesehen. 139 2. Darum so wende deine Gnad Zu deinem armen Kinde, Und gieb mir allzeit guten Nath, Zu meiden Schand und Sünde. 140 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. Behüte meines Mundes Thür, Daß mir ja nicht entfahre Ein solches Wort, dadurch ich dir Und deiner frommen Schaare Verdrießlich sei und schade. 3. Bewahr, o Vater, mein Gehör Auf dieser schnöden Erde Vor allem, dadurch deine Ehr Und Reich beschimpfet werde. Laß mich der Lästrer Gall und Gift Ja nimmermehr berühren; Denn wen ein solcher Unflath trifft, Den pflegt er zu verführen, Auch wohl gar umzukehren. 4. Regiere meiner Augen Licht, Daß sie nicht Arges treiben. Ein unverschämtes Angesicht Laß ferne von mir bleiben. Was ehrbar ist, was Zucht erhält, Wonach die Englein trachten, Was dir beliebt und wohlgefällt, Das laß auch mich hoch achten, All Uleppigkeit verlachen. 5. Gieb, daß ich mich nicht lasse ein Zum Schlemmen und zum Prasſen, Laß deine Lust mein eigen sein, Die andren fliehn und haffen. Die Luft, die unser Fleisch ergött, Die zeucht uns nach der Höllen, Und was die Welt für Freude schätzt, Pflegt Seel und Geist zu fällen Und ewiglich zu quälen. 6. selig ist, der stets sich nährt Mit Himmels- Speis' und Tränken, Der nichts mehr schmeckt, nichts sieht und hört, Auch nichts begehrt zu denken, Paul Gerhardts Geistliche Lieder. Als nur was zu dem Leben bringt, Da man bei Gotte lebet, Und bei der Schaar, die fröhlich singt Und in der Wollust schwebet, Die keine Zeit aufhebet. 43. Um christliche beständige Freundschaft. ( Nach dem Gebet 1, Nr. 34 im Paradiesgärtlein von Joh. Arnd.) Weise: Du, o schönes Weltgebäude. 1661.*) 1. Jesu, allerliebster Bruder, Der's am besten mit mir meint, Du mein Anter, Maft und Ruder, Und mein treuster Herzensfreund, Der du, ehe was geboren, Dir das Menschenvolk erkoren, Auch mich armen Erdengast Dir zur Lieb ersehen hast. 2. Du bist ohne Falsch und Tücke, Dein Herz weiß von keiner List; Aber wenn ich nur erblicke, Was hier auf der Erden ist, Find ich alles voller Lügen: Wer am besten kann betrügen Und am schönsten Heucheln kann, Ist der allerbeste Mann. 3. Ach! wie untreu und verlogen Ist die Liebe dieser Welt! Ist sie jemand wohl gewogen, Währt's nicht länger, als sein Geld. Wenn das Glück uns fügt und grünet, Sind wir schön und hübsch bedienet, Kommt ein wenig Ungestüm, Kehrt sich alle Freundschaft üm. *) Wahrscheinlich schon vor 1656 gedichtet. 141 Univ.- Sisl. Glesse 142 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 4. Treib, Herr, von mir, und verhüte Solchen unbeständ'gen Sinn. Hätt ich aber mein Gemüthe, Weil ich auch ein Mensche bin, Schon mit diesem Koth besprenget Und der Falschheit nachgehänget, So erkenn ich meine Schuld, Bitt um Gnad und um Geduld. 5. Laß mir ja nicht widerfahren, Was du, Herr, zur Straf und Last Denen, die mit falschen Waaren Handeln, angedränet hast, Da du sprichst, du wollest scheuen Und als Unflath von dir speien Aller Heuchler falschen Muth, Der Guts vorgiebt und nicht thut. 6. Gieb mir ein beständig Herze Gegen alle meine Freund, Auch dann, wenn mit Kreuz und Schmerze Sie von dir beleget seind, Daß ich nicht mich ihrer schäme, Sondern mich nach dir bequeme, Der du, da wir arm und bloß, Uns gesetzt in deinen Schoos. 7. Gieb mir auch nach deinem Willen Einen Freund, in dessen Tren Ich mein Herze möge stillen, Da mein Mund sich ohne Scheu Deffnen und erklären möge, Da ich alles abelege, ( Nach dem Maße, das mir gnügt) Was mir auf dem Herzen liegt. 8. Laß mich Davids Glück erleben, Gieb mir einen Jonathan, Der mir sein Herz möge geben, Der auch, wenn nun jedermann Paul Gerhardts Geistliche Lieder. Mir nichts Gutes mehr will gönnen, Sich nicht lasse von mir trennen, Sondern fest in Wohl und Weh, Als ein Felsen, bei mir steh. 9. Herr, ich bitte dich, erwähle Mir aus aller Menschen Meng Eine fromme, heil'ge Seele, Die an dir fein kleb und häng, Auch nach deinem Sinn und Geiste Mir stets Trost und Hilfe leiste, Trost, der in der Noth besteht, Hilfe, die von Herzen geht. 10. Wenn die Zung und Mund nur liebet, Ist die Liebe schlecht bestellt: Wer mir gute Worte giebet Und den Haß im Herzen hält, Wer nur seinen Kuchen schmieret,*) Und, wenn's Bienlein nicht mehr führet, Alsdann geht er nach der Thür, Ei, der bleibe fern von mir! 11. Hab ich Schwachheit und Gebrechen, Herr, so lenke meinen Freund, Mich in Güte zu besprechen, Und nicht als ein Leu und Feind: Wer mich freundlich weiß zu schlagen, Ist, als der in Freudentagen Freundlich auf mein Haupt mir geußt Balsam, der am Jordan fleußt. 12. O wie groß ist meine Habe, O wie köstlich ist mein Gut, Sesu, wenn mit dieser Gabe Dein' Hand meinen Willen thut, *) Andre lesen: 143 Wer wie Sommervögel scheidet, Wenn mein Saatfeld abgeweidet, Bleibe fern von meiner Thür, Solchen Gast verbitt ich mir. 144 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. Daß mich meines Freundes Trene Und beständig's Herz erfreue! Wer dich fürchtet, liebt und ehrt, Dem ist solch ein Schatz beschert. 13. Gute Freunde sind wie Stäbe, Da der Menschen Gang sich hält, Daß der schwache Fuß sich hebe, Wenn der Leib zu Boden fällt. Wehe dem, der nicht zum Frommen Solches Stabes weiß zu kommen! Der hat einen schweren Lauf, Wenn er fällt, wer hilft ihm auf? 14. Nun, Herr, laß dir's wohlgefallen, Bleib mein Freund bis in mein Grab! Bleib mein Freund und unter allen Mein getreuster, stärkster Stab! Wenn du dich mir wirst verbinden, Wird sich schon ein Herze finden, Das, durch deinen Geist gerührt, Mir was Gutes gönnen wird. 44. Um zeitliche und ewige Wohlfahrt. ( Nach dem Gebet 3, Nr. 17 im Paradies Gärtlein von Joh. Arnd.) Weise: In dich hab ich gehoffet, Herr. Im finstern Stall, o Wunder groß. 1656. 1. Ich danke dir demüthiglich, O Gott, mein Vater, daß du dich Von deinem Zorn gewendet, Und deinen Sohn Zur Freud und Kron Uns in die Welt gesendet. Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 2. Er ist gekommen, hat sein Blut Vergossen, und in solcher Flut All unsre Sünd ersticket. Wer ihn nur faßt, Wird aller Laft Benommen und erquicket. 3. Ich bitte, was ich bitten kann, Herzlieber Vater, nimm mich an In diesen edlen Orden, Der durch dies Blut Gerecht und gut Und ewig selig worden. 4. Laß meines Glaubens Aug und Hand Ergreifen dieses werthe Pfand Und nimmermehr verlieren, Laß dieses Licht Mein Angesicht 3um ewgen Lichte führen. 5. Bereite meiner Seelen Haus, Wirf allen Koth und Unflath aus, Bau in mir deine Hütte, Daß deine Güt In mein Gemüth All ihre Lieb ausschütte. 6. Wenn ich dich hab, ist alles mein, Du kannst nicht ohne Gaben sein, Hast tausend Weg und Weisen, Dein' arme Heerd Auf dieser Erd Zu nähren und zu speisen. 7. Gieb mir, daß ich an meinem Ort Allstets dich fürcht in deinem Wort, Und meinen Stand so führe, Daß Glaub und Tren Stets bei mir sei Und all mein Leben ziere. 145 10 146 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 8. Gieb mir ein gnügsam Herz und Sinn Denn das ist ja ein groß Gewinn, In steter Andacht liegen Und wenn Gott giebt, Was ihm beliebt, Sich lassen gerne gnügen. 9. Das Wen'ge, das durch Gottes Gnad Ein Frommer und Gerechter hat, Ist vielmal mehr geehret, Als alles Geld, Davon die Welt Mit frechem Herzen zehret. 10. Die Frommen sind dir, Herr, bewußt; Du bist ihr', und sie deine Lust Und werden nicht zu Schanden; Kommt theure Zeit, Findt sich bereit Ihr Brot in allen Landen. 11. Gott hat den, der ihn fürchtet, lieb, Sieht zu, daß ihn kein Unfall trüb, Hat Lust zu seinen Wegen: Und wenn er fällt, Steht Gott und hält Ihn fest in seinem Segen. 12. Des Höchsten Auge sieht auf die, So auf ihn hoffen spät und früh, Daß er sie schütz und rette Aus aller Noth, Wenn sie der Tod Auch selbst verschlungen hätte. 13. Herr, du kannst nichts als gütig sein, Du wollest deiner Güte Schein Uns und all denen gönnen, Die sich mit Mund Und Herzensgrund Allein zu dir bekennen. Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 14. Insonderheit nimm wohl in acht Den Fürsten, den du uns gemacht Zu unsers Landes Krone: Laß immerzu Sein Fried und Ruh Auf seinem Stuhl und Throne. 15. Halt unser liebes Vaterland In deinem Schoos und starker Hand, Behüt uns allzuſammen Vor falscher Lehr Und Feindesheer, Vor Pest und Feuersflammen. 16. Nimm all der Meinen eben wahr, Treib, Herr, die böse Höllenschaar Von Jungen und von Alten, Daß deine Heerd Hier zeitlich werd Und ewig dort erhalten. 45. Um die Liebe Chrifti. ( Nach dem Gebet 2, Nro. 5 im Paradies- Gärtlein von Joh. Arnd.) Weise: Ich ruf zu dir, Herr Jesu Christ. 1656. 1. O Jesu Christ, mein schönstes Licht, Der du in deiner Seelen So hoch mich liebst, daß ich es nicht Aussprechen kann noch zählen: Gieb, daß mein Herz dich wiederum Mit Lieben und Verlangen Mög umfangen, Und als dein Eigenthum Nur einzig an dir hangen! 147 10* 148 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 2. Gieb, daß sonst nichts in meiner Seel, Als deine Liebe wohne, Gieb, daß ich deine Lieb erwähl Als meinen Schatz und Krone! Stoß alles aus, nimm alles hin, Was dich und mich will trennen, Und nicht gönnen, Daß all mein Muth und Sinn In deiner Liebe brennen. 3. Wie freundlich, selig, süß und schön Sft, Jesu, deine Liebe!" Wo diese steht, kann nichts bestehn, Das meinen Geist betrübe. Drum laß nichts anders denken mich, Nichts sehen, fühlen, hören, Lieben, ehren, Als deine Lieb und dich, Der du sie kannst vermehren. 4. O daß ich dieses hohe Gut Möcht ewiglich besitzen! O daß in mir dies edle Glut Ohn Ende möchte hitzen! Ach! hilf mir wachen Tag und Nacht, Und diesen Schatz bewahren Vor den Schaaren, Die wider uns mit Macht Aus Satans Reiche fahren. 5. Mein Heiland, du bist mir zu lieb In Noth und Tod gegangen, Und haft am Kreuze wie ein Dieb. Und Mörder da gehangen. Verhöhnt, verspeit und sehr verwundt: Ach! laß mich deine Wunden Alle Stunden Mit Lieb im Herzensgrund Auch ritzen und verwunden! Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 6. Dein Blut, das dir vergossen ward, Ist köstlich, gut und reine, Mein Herz hingegen böser Art Und hart gleich einem Steine. O laß doch deines Blutes Kraft Mein Hartes Herze zwingen, Wohl durchdringen, Und diesen Lebensfaft Mir deine Liebe bringen! 7. O, daß mein Herze offen stündUnd fleißig möcht auffangen Die Tropfen Bluts, die meine Sünd' Im Garten dir abbrangen! O, daß sich meiner Augen Brunn Aufthät, und mit viel Stöhnen Heiße Thränen Vergösse, wie die thun, Die sich in Liebe sehnen! 8. O daß ich, wie ein kleines Kind, Mit Weinen dir nachginge, So lange, bis dein Herz entzündt Mit Armen mich umfinge, Und deine Seel in mein Gemüth In voller süßer Liebe Sich erhübe, Und also deiner Güt Ich stets vereinigt bliebe! 9. Auch zeuch, mein Liebster, mich nach dir, So lauf ich mit den Füßen! Ich lauf, und will dich mit Begier In meinem Herzen küssen; Ich will aus deines Mundes Zier Den süßen Trost empfinden, Der die Sünden Und alles Unglück hier Kann leichtlich überwinden. 149 150 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 10. Mein Troft, mein Schatz, mein Licht und Heil, Mein höchstes Gut und Leben, Ach! nimm mich auf zu deinem Theil, Wie ich mich dir ergeben! Denn außer dir ist lauter Pein, Ich find hier überalle Nichts als Galle, Nichts kann mir tröstlich sein, Nichts ist, das mir gefalle. 11. Du aber bist die beste Ruh, In dir ist Fried und Freude. Gieb Sesu, gieb, daß immerzu Mein Herz in dir sich weide! Sei meine Flamm und brenn in mir, Mein Balsam, wollest eilen, Lindern, heilen Den Schmerzen, der allhier Mich seufzen macht und heulen! 12. Was ist's, o Schönster! das ich nicht In deiner Liebe habe? Sie ist mein Stern, mein Sonnenlicht, Mein Quell, da ich mich labe, Mein süßer Wein, mein Himmelsbrot, Mein Kleid vor Gottes Throue, Meine Krone Mein Schutz in aller Noth, Mein Haus, darin ich wohne. 13. Ach, liebstes Lieb! wenn du entweichst, Was hilft mir sein geboren? Wenn du mir deine Lieb entzeuchst, Ist all mein Gut verloren. So gieb, daß ich dich, meinen Gast, Wohl such und bestermaßen Möge fassen, Und wenn ich dich gefaßt, In Ewigkeit nicht lassen. Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 14. Du hast mich je und je geliebt, Und auch nach dir gezogen; Eh ich noch etwas Guts geübt, Warst du mir schon gewogen. Ach! laß doch ferner, edler Hort, Mich diese Liebe leiten Und begleiten, Daß sie mir immerfort Beisteh auf allen Seiten. 15. Laß meinen Stand, darin ich steh, Herr, deine Liebe zieren, Und wo ich etwan irre geh, Alsbald zu rechte führen. Laß sie mir allzeit guten Rath Und gute Werke lehren, Steuern, wehren Der Sünd, und nach der That Bald wieder mich bekehren. 16. Laß sie sein meine Freud in Leid, In Schwachheit mein Vermögen, Und wenn ich nach vollbrachter Zeit Mich soll zur Ruhe legen, Alsdann laß deine Liebestreu, Herr Jesu, bei mir stehen, Luft zuwehen, Daß ich getroft und frei Mög in dein Reich eingehen! 46. Der erste Psalm Davids. Weise: Werde munter, mein Gemüthe. Zion klagt mit Angst und Schmerzen. 1653. 151 1. Wohl dem Menschen, der nicht wandelt In gottloser Leute Rath! Wohl dem, der nicht unrecht handelt, Noch tritt auf der Sünder Pfad, 152 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. Der der Spötter Freundschaft fleucht Und von ihren Stühlen weicht, Der hingegen liebt und ehret, Was uns Gott vom Himmel lehret. 2. Wohl dem, der mit Lust und Freuden Das Gesetz des Höchsten treibt, Und hier als auf süßer Weiden Tag und Nacht beständig bleibt! Dessen Segen wächst und blüht Wie ein Palmbaum, den man sieht Bei den Flüssen an der Seiten Seine frischen Zweig ausbreiten. 3. Also, sag ich, wird auch grünen, Wer in Gottes Wort sich übt, Luft und Sonne wird ihm dienen, Bis er reife Früchte giebt. Seine Blätter werden alt Und doch niemals ungestalt, Gott giebt Glück zu seinen Thaten, Was er macht, muß wohl gerathen. 4. Aber, wen die Sünd erfreuet, Mit dem geht's viel anders zu, Er wird wie die Spreu zerstreuet Von dem Wind im schnellen Nu. Wo der Herr sein Häuflein richt't, Da bleibt kein Gottloser nicht. Summa: Gott liebt alle Frommen, Und wer bös' ist, muß umkommen. 47. Der 49ste Psalm Davids. Weife: Christ, unser Herr, zum Jordan kam. 1656. 1. Hört an, ihr Völker, hört doch an, Hört alle, die ihr lebet, Arm, reich, Herr, Diener, Frau und Mann, Und was auf Erden schwebet: Paul Gerhardts Geistliche Lieder. Mein Mund soll reden von Verstand Und rechte Weisheit lehren; Wir wollen, was mein Herz erfand, Ein fein Gedichte hören, Und auf der Harfen spielen. 2. Was sollt ich fürchten meinen Feind In meinen bösen Tagen, Da mich, der's böse mit mir meint, Umgiebt mit vielen Plagen? Wenn mich mein Untertreter drückt Mit seinen Missethaten, Und sich, weil ihm sein Thun geglückt, Und alles wohl gerathen, Erhebet, pocht und prahlet. 3. Was hilft ihm all sein Hab und Gut, Wenn sich der Tod herfindet? Da gilt kein Geld, kein hoher Muth, All Hilf und Rath verschwindet. Und wenn auch gleich sein Bruder wollt Shm an die Seite treten, Doch kann ihm weder rothes Gold Noch Bruders Blut erbeten, Er muß den Tod herhalten. 4. Der Tod ist gar ein theurer Matit, Fragt nichts nach gutem Willen. Wenn einer giebt gleich, was er kann, Noch läßt er sich nicht stillen. Und sieht er auch schon manchem zu, Läßt ihn viel Jahr erlangen, Doch bricht er endlich solche Nuh, Er kommt einmal gegangen Und holt die alten Greisen. 5. Denn solche Weisen müssen doch, Sowohl als wie die Narren, Sich lassen in des Grabes Loch Versenken und verscharren. 153 154 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. Da kommt denn, was sie an sich bracht, In andrer Leute Hände, Und also gehet ihre Pracht Und Herrlichkeit zu Ende, Biel anders, als sie wünschen. 6. Dies ist ihr Herz, das ist ihr Sinn, Daß ihr Haus ewig bleibe, Shr Ehr und Würd auch immerhin Sich mehr' und wohl bekleibe; Noch dennoch aber können sie Nichts überall erhalten, Sie müssen fort, und wie ein Vieh Hinunter und erkalten, Das ist ein thöricht Wesen. 7. Doch gleichwohl wird es hochgerühmt Mit Lippen der Nachkommen, Und gar nicht, wie es sich geziemt, Zur Beffrung angenommen; Sie liegen in der Höllen Grund In einem bösen Schlafe, Der Tod, der nagt sie wie ein Hund Und wie ein Wolf die Schafe, Die keine Hilfe haben. 8. Die Bösen sind des Todes Bent Und müssen Marter leiden, Die Frommen wird der Herr mit Freud Im Himmelreiche weiden. Der Trotz der unverschämten Nott Muß brechen und vergehen; Wer aber treu bleibt seinem Gott, Der soll dort ewig stehen Im Chor der Auserwählten. 9. Darum, mein allerliebstes Kind, Laß dich's nicht irre machen, Ob einer reich wird und mit Sünd Erlangt viel theure Sachen. Paul Gerhardts Geistliche Lieder. Denn, wenn er stirbt, bleibt alles hier, Er kann nichts mit ihm nehmen, Sein' Herrlichkeit, sein' Ehr und Zier Verschwindet wie ein Schemen Und will ihm nicht nachfahren. 10. Die Welt liebt ihren Koth und Stank, Hält viel von schnöden Dingen, Und also geht sie auch den Gang, Den ihre Väter gingen, Und sehen Hinfort nimmermehr Das Licht, das uns ernähret. Kurz, wenn ein Mensch hat Würd und Ehr, Und ist nicht fromm, so fähret Er wie ein Vieh von hinnen. 48. Der 112te Psalm Davids. Weise: Werde munter, mein Gemüthe. Zion klagt mit Angst und Schmerzen. Wie der Hirsch in großen Dürsten. 1653. 155 1. Wohl dem, der den Herren scheuet Und sich fürcht't vor seinem Gott! Selig, der sich herzlich freuet Zu erfüllen sein Gebot! Wer den Höchsten liebt und ehrt, Wird erfahren, wie sich mehrt Alles, was in seinem Leben Ihm vom Himmel ist gegeben. 2. Seine Kinder werden stehen Wie die Rosen in der Blüt, Sein Geschlecht wird einhergehen Voller Gnad und Gottes Güt, Und was diesen Leib erhält, Wird der Herrscher aller Welt Reichlich und mit vollen Händen Shnen in die Häuser senden. 156 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 3. Das gerechte Thun der Frommen Steht gewiß und wanket nicht; Sollt auch gleich ein Wetter kommen, Bleibt doch Gott der Herr ihr Licht, Tröstet, stärket, schützt und macht, Daß nach ausgestandner Nacht Und nach hochbetrübtem Weinen Freud und Sonne wieder scheinen. 4. Gottes Gnad, Huld und Erbarmen Bleibt den Frommen immer fest. Wohl dem, der die Noth der Armen Ihm zu Herzen gehen läßt, Und mit Liebe Gutes thut, Den wird Gott, das höchste Gut ,, Gnädiglich in seinen Äermen, Als der liebste Vater, wärmen. 5. Wenn die schwarzen Wolken blitzen Vor dem Donner in der Luft, Wird er ohne Sorgen sitzen Wie ein Täublein in der Kluft; Er wird bleiben ewiglich, Auch wird sein Gedächtnis sich Hier und da auf allen Seiten Wie die edlen Zweig ausbreiten. 6. Wenn das Unglück an will kommen, Das die rohen Sünder plagt, Bleibt der Muth ihm unbenommen Und das Herze unverzagt: Unverzagt, ohn Angst und Bein, Bleibt das Herze, das sich sein Seinem Gott und Herrn ergiebet, Und die, so verlassen, liebet. 7. Wer Betrübte gern erfreuet, Wird vom Höchsten hoch ergötzt, Was die milde Hand ausstreuet, Wird vom Himmel wohl ersetzt. Paul Gerhardts Geistliche Lieder. Wer viel giebt, erlanget viel; Was sein Herze wünscht und will, Das wird Gott mit gutem Willen Schon zu rechter Zeit erfüllen. 8. Aber seines Feindes Freude Wird er untergehen sehn; Er, der Feind, vor großem Neide Wird zerbeißen seine Zähn; Er wird knirschen und mit Grimm Solches Glück misgönnen ihm, Und doch damit gar nichts wehren, Sondern sich nur selbst verzehren.*) 49. Der 121ste Psalm Davids. Weise: Nicht so traurig, nicht so sehr, oder: Eigne Weise. 1647. 1. Ich erhebe, Herr, zu dir Meiner beiden Augen Licht; Mein Gesicht ist für und für Zu den Bergen aufgericht't, Zu den Bergen, da herab Ich mein Heil und Hilfe hab. 157 *) Zu diesem Liede ,, Der 112te Psalm Davids" haben einzelne Gesangbücher schon 1659 folgenden Zusatz: Herr regiere du mein Leben, Daß ich deine Rechte halt, Und auch helfe gern daneben Allen Armen mannigfalt. Segne meinen Tisch und Haus, Daß ich wieder streute aus! Wende von mir ab aus Gnaden Noth, Verfolgung, Spott und Schaden! 158 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 2. Meine Hilfe kommt allein Von des Schöpfers Händen her, Der so künstlich, hübsch und sein Himmel, Erden, Luft und Meer Und was in dem allen ist, Uns zum besten ausgerüst't. 3. Er nimmt deiner Füße Tritt O mein Herze! wohl in Acht; Wenn du gehest, geht er mit, Und bewahrt dich Tag und Nacht. Sei getrost, das Höllenheer Wird dir schaden nimmermehr. 4. Siehe, wie sein Auge wacht, Wenn du liegest in der Ruh: Wenn du schläfest, kommt mit Macht Auf dein Bett geflogen zu Seiner Engel güldne Schaar, Daß fie deiner nehme wahr. 5. Alles, was du bist und hast, Sft umringt mit seiner Hut. Deiner Sorgen schwere Last Nimmt er weg, macht alles gut. Leib und Seel hält er verdeckt, Wenn dich Sturm und Wetter schreckt. 6. Wenn der Sonnen Hitze brenut Und des Leibes Kräfte bricht, Wenn dich Stern und Monde blendt Mit dem klaren Angesicht, Hat er seine starke Hand Dir zum Schatten vorgewandt. 7. Nun, er fahre immer fort, Der getreue, fromme Hirt, Bleibe stets dein Schild und Hort, Wenn dein Herz geängstet wird; Wenn die Noth wird viel und groß, Schließ er dich in seinen Schoo8. Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 8. Wenn du sitzest, wenn du stehst, Wenn du redest, wenn du hörst, Wenn du aus dem Hause gehst, Und zurücke wieder kehrst, Wenn du trittst aus oder ein, Woll er dein Gefährte sein. 50. Der 139ste Psalm Davids. Weise: Vom Himmel hoch, da komm ich her. Christ, der du bist der helle Tag. 1667. 1. Herr, du erforschest meinen Sinn, Und kennest, was ich hab und bin. Ja, was mir selbst verborgen ist, Das weißt du, der du alles bist. 2. Sch sitz hier, oder stehe auf, Ich lieg, ich geh auch oder lauf, So bist du um und neben mir, Und ich bin allzeit hart bei dir. 3. All die Gedanken meiner Seel, Und was sich in der Herzenshöhl Hier reget, hast du schon betracht't, Eh ich einmal daran gedacht. 4. Auf meiner Zunge ist kein Wort, Das du nicht hörtest alsofort. Du schaffest's, was ich red und thu, Und siehst all meinem Leben zu. 5. Das ist mir kund, und bleibet doch Mir solch Erkenntnis viel zu hoch; Es ist die Weisheit, die kein Mann Recht aus dem Grunde wissen kann. 6. Wo soll ich, der du alles weißt, Mich wenden hin vor deinem Geist? Wo soll ich deinem Angesicht Entgehen, daß mich's sehe nicht? 159 160 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 7. Führ ich gleich an des Himmels Dach, So bist du da, hältst Hut und Wach; Stieg ich zur Höll und wollte mir Da betten, find ich dich auch hier. 8. Wollt ich, der Morgenröthen gleich Geflügelt ziehn, so weit das Reich Der wilden Fluten netzt das Land, Käm ich doch nie aus deiner Hand. 9. Rief ich zu Hilf die finstre Nacht, Hätt ich doch damit nichts verbracht; Denn laß die Nacht sein, wie sie mag, So ist sie bei dir heller Tag. 10. Dich blend't der dunkle Schatten nicht, Die Finsternis ist dir ein Licht; Dein Augenglanz ist klar und rein, Darf weder Sonn- noch Mondenschein. 11. Mein Eingeweid ist dir bekannt, Es liegt frei da in deiner Hand, Der du von Mutterleibe an Mir lauter Lieb und Guts gethan. 12. Du bist's, der Fleisch, Gebein und Haut So künstlich in mir aufgebaut; All deine Werk sind wundervoll, Und das weiß meine Seele wohl. 13. Du sahest mich, da ich noch gar Fast nichts und unbereitet war, Warst selbst mein Meister über mir Und zogst mich aus der Tief herfür. 14. Auch meiner Tag und Jahre Zahl, Minuten, Stunden allzumal Hast du, als meiner Zeiten Lauf, Bor meiner Zeit geschrieben auf. 15. Wie föstlich, herrlich, süß und schön Seh ich, mein Gott, da vor mir stehn Dein weises Denken, daß du denkſt, Wenn du uns deine Güter schenkst. Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 16. Wie ist doch des so trefflich viel! Wenn ich bisweilen zählen will, So find ich da bei weitem mehr, Als Staub im Feld und Sand am Meer. 17. Was macht denn nun die wüste Rott, Die dich, o großer Wundergott, So schändlich lästert und mit Schmach Dir so viel Ulebels redet nach? 18. Ach, stopfe ihren schuöden Mund, Steh auf und stürze sie zu Grund! Denn weil sie deine Feinde seind, Bin ich auch ihnen herzlich feind. 19. Ob sie gleich nun hinwieder sehr Mich hassen, thu ich doch nicht mehr, Als daß ich wider ihren Trut Mich leg in deinen Schoos und Schutz. 20. Erforsch, Herr, all mein Herz und Muth, Sieh, ob mein Weg sei recht und gut, Und führe mich bald himmelan Den ew'gen Weg, die Freudenbahn! 51. Bei großer, unzeitiger Nässe.. Zur vierten Bitte. Weise: Wenn wir in höchsten Nöthen sein. 1667. 1. O Herrscher in dem Himmelszelt, Was ist es doch, das unser Feld, Und was es uns hervorgebracht, So ungestalt und traurig macht? 161 2. Nichts anders, traun! als daß die Schaar Der Menschen sich so ganz und gar Bis in den tiefsten Grund verkehrt, Und täglich ihre Schuld vermehrt. 11 162 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 3. Die, so als Gottes Eigenthum Stets preisen sollten Gottes Ruhm Und lieben seines Wortes Kraft, Sind gleich der blinden Heidenschaft. 4. Drum wird uns auch der Himmel blind, Des Firmamentes Glanz verschwindt, Wir warten, wenn der Tag anbricht, Auf's Tages Licht, und kommt doch nicht. 5. Man zankt noch immer fort und fort, Es bleibet Krieg an allem Ort, In allen Winkeln Haß und Neid, In allen Ständen Streitigkeit. 6. Drum strecken auch all Element Hier wider uns aus ihre Händ, Angst kommt uns aus der Tief und See, Angst kommt uns aus der Luft und Höh. 7. Es ist ein' hochbetrübte Zeit, Man plagt und jagt die armen Leut, Eh als es Zeit, zur Gruben zu Und gönnet ihnen feine Ruh. 8. Drum trauert auch der Freudenquell, Die Sonn, und scheint uns nicht so hell, Die Wolken gießen allzumal Die Thränen ohne Maß und Zahl. 9. Ach! wein auch du, o Menschenkind, Und traure über deine Sünd! Halt doch mit deinen Lastern ein, Und mache dich durch Buße rein! 10. Fall auf die Knie, fall in die Arm' Des Herrn, daß sich sein Herz erbarm Und der so wohlverdienten Rach In Gnaden bald ein Ende mach. 11. Er ist ja fromm und bleibet fromm, Begehrt nichts mehr, als daß man komm Und mit geneigter Furcht und Schen Ihn bitt um Gnad und Vatertreu. Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 12. Ach, Vater, Vater! höre doch, Und lös' uns aus dem Sündenjoch, Und zeuch uns aus der Welt herfür, Und kehr uns selbsten du zu dir! 13. Erweiche unsern harten Muth Und mach uns Böse fromm und gut: Wen du bekehrst, der wird bekehrt, Und wer dich hört, der wird erhört. 14. Laß deine Augen freundlich sein, Und nimm mit gnäd'gen Ohren ein Das Angstgeschrei, das von der Erd Aus unserm Herzen zu dir fährt. 15. Neiß weg das schwarze Zorngewand, Erquicke uns und unser Land Und der so schönen Früchte Kranz Mit süßem warmen Sonnenglanz. 16. Verleih uns bis in unsern Tod Alltäglich unser liebes Brot, Und dermaleinst nach dieser Zeit, Das süße Brot der Ewigkeit. XI. Krenz- und Trostlieder. 52. Trostgesang wider die Trübsal dieses Lebens. Weise: Vater unser im Himmelreich. 1656. 1. Ich hab oft bei mir selbst gedacht, Wenn ich den Lauf der Welt betracht't, Ob auch das Leben dieser Erd Uns gut sei und des Wünschens werth, Und ob nicht der viel besser thu, Der sich fein zeitlich legt zur Ruh. 11* 163 164 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 2. Denn, Lieber, denk und sage mir: Was für ein Stand ist wohl allhier, Dem nicht sein' Angst, sein Schmerz und Weh Alltäglich überm Haupte steh? Ist auch ein Ort, der Kummers frei Und ohne Klag und Thränen sei? 3. Sieh unsers ganzen Lebens Lauf! Ist auch ein Tag von Jugend auf, Der nicht sein eigne Qual und Plag Auf seinem Rücken mit sich trag? Ist nicht die Freude, die uns stillt, Auch selbst mit Sammer angefüllt? 4. Hat einer Glück und gute Zeit, Hilf Gott, wie tobt und zürnt der Neid! Hat einer Ehr und große Würd, Ach! mit was großer Last und Bürd Ist, der vor andern ist geehrt, Vor andern auch dabei beschwert. 5. Ist einer heute gutes Muths, Ergötzt und freut sich seines Guts, Eh' er's vermeint, fährt sein Gewinn Zusammt dem guten Muthe hin. Wie plötzlich kommt ein Ungestüm Und wirst die großen Güter üm. 6. Bist du denn fromm und fleuchst die Welt Und liebst Gott mehr, als Gold und Geld, So wird dein Ruhm, dein Schmuck und Kron In aller Welt zu Spott und Hohn. Denn wer der Welt nicht heucheln kann, Den sieht die Welt für albern an. 7. Nun es ist wahr, es steht uns hier Die Trübsal täglich vor der Thür, Und find't ein jeder überall Des Kreuzes Noth und bittre Gall: Sollt aber drum der Christen Licht Ganz nichts mehr sein? Das glaub ich nicht. Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 8. Ein Christe, der an Christo klebt Und stets im Geist und Glauben lebt, Dem kann kein Unglück, keine Pein Im ganzen Leben schädlich sein. Geht's ihm nicht allzeit, wie es soll, So ist ihm dennoch allzeit wohl. 9. Hat er nicht Gold, so hat er Gott, Fragt nichts nach böser Leute Spott, Verwirft mit Freuden und verlacht Der Welt verkehrten Stolz und Pracht. Sein' Ehr ist Hoffnung und Geduld, Sein' Hoheit ist des Höchsten Huld. 10. Es weiß ein Christ und bleibt dabei, Daß Gott sein Freund und Vater sei; Er hau, er brenn, er stech, er schneid, Hier ist nichts, das uns von ihm scheid, Je mehr er schlägt, je mehr er liebt, Bleibt fromm, ob er uns gleich betrübt. 11. Laß alles fallen, wie es fällt, Wer Christi Lieb im Herzen hält, Der ist ein Held und bleibt bestehn, Wenn Erd und Himmel untergehn, Und wenn ihn alle Welt verläßt, Hält Gottes Wort ihn steif und fest. 12. Des Höchsten Wort dämpft alles Leid Und kehrt's in lauter Lust und Freud, Es nimmt dem Unglück alles Gift, Daß, ob's uns gleich verfolgt und trifft, Es dennoch unser Herze nie In allzu großes Trauern zieh. 13. Ei nun! so mäß'ge deine Klag! Ist dieses Leben voller Plag, Ist's dennoch an der Christen Theil Auch voller Gottes Schutz und Heil. Wer Gott vertraut und Christum ehrt, Der bleibt im Kreuz auch unversehrt. 165 166 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 14. Gleich wie das Gold durchs Feuer geht, Und in dem Ofen wohl besteht, So bleibt ein Christ durch Gottes Gnad Im Elendsofen ohne Schad. Ein Kind bleibt seines Vaters Kind, Ob's gleich des Vaters Zucht empfindt. 15. Drum, liebes Herz, sei ohne Scheu, Und sich auf deines Vaters Treu. Empfindst du auch hier seine Ruth, Er meint's nicht bös, er ist dir gut; Gieb dich getrost in seine Händ, Es nimmt zuletzt ein gutes End. 16. Leb immerhin, so lang er will! Ist's Leben schwer, so sei du still, Es geht zuletzt in Freuden aus: Im Himmel ist ein schönes Haus, Da, wer nach Christo hier gestrebt, Mit Christi Engeln ewig lebt. 53. Sorg und sorg auch nicht zu viel, Es geschieht doch, was Gott will. Weise: Ermuntre dich, mein schwacher Geist. 1656. 1. Du bist ein Mensch, das weißt du wohl, Was strebst du denn nach Dingen, Die Gott der Höchst' alleine soll Und kann zu Werke bringen? Du fährst mit deinem Witz und Sinn Durch so viel tausend Sorgen hin, Und denkst:„ wie will's auf Erden Doch endlich mit mir werden?" 2. Es ist umsonst, du wirst fürwahr Mit allem deinem Dichten Auch nicht ein ein'ges kleines Haar In aller Welt ausrichten, Paul Gerhardts Geistliche Lieder. Und dient dein Gram sonst nirgends zu, Als daß du dich aus deiner Ruh In Angst und Schmerzen stürzest, Und selbst das Leben kürzest. 3. Willt du was thun, was Gott gefällt Und dir zum Heil gedeihet, So wirf dein Sorgen auf den Held, Den Erd und Himmel scheuet, Und gieb dein Leben, Thun und Stand Nur fröhlich hin in Gottes Hand, So wird er deinen Sachen Ein fröhlich Ende machen. 4. Wer hat gesorgt, da deine Seel Im Anfang deiner Tage Noch in der Mutter LeibeshöhlI Und finsterm Kerter lage? Wer hat allda dein Heil bedacht? Was that da aller Menschen Macht, Da Geist und Sinn und Leben Dir ward in's Herz gegeben? 5. Durch wessen Kunst steht dein Gebein In ordentlicher Fülle? Wer gab den Augen Licht und Schein, Dem Leibe Haut und Hülle? Wer zog die Adern hie und dort, Ein' jed' an ihre Stell und Ort? Wer setzte hin und wieder So viel und schöne Glieder? 6. Wo war dein Will, Herz und Verstand, Da sich des Himmels Decken Erstreckten über See und Land Und aller Erden Ecken? Wer brachte Sonn und Mond Herfür? Wer machte Kräuter, Bäum' und Thier, 167 Und hieß sie deinen Willen Und Herzenslust erfüllen? 168 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 7. Heb auf dein Haupt, schau überall, Hier unten und dort oben, Wie Gottes Sorg' auf allen Fall für dich sich hat erhoben! Dein Brot, dein Wasser und dein Kleid War eher noch, als du bereit; Die Milch, die du erst nahmest, War auch schon, da du kamest. 8. Die Windeln, die dich allgemach Umfingen in der Wiegen, Dein Bettlein, Kammer, Stub und Dach, Und wo du solltest liegen, Das war ja alles zugericht't, Eh als dein Aug und Angesicht Eröffnet ward und sahe Was in der Welt geschahe. 9. Noch dennoch soll dein Angesicht Dein ganzes Leben führen; Du traust und glaubest weiter nicht, Als was die Augen spüren; Was du beginnst, da soll allein Dein Kopf dein Licht und Meister sein, Was er nicht auserkoren, Das hältst du als verloren. 10. Nun stehe doch, wie viel und oft Ist schändlich umgeschlagen, Was du gewiß und fest gehofft Mit Händen zu erjagen! Hingegen wie so manchesmal Ist das geschehn, das überall Kein Mensch, kein Rath, kein Sinnen Ihm hat ersinnen können. 11. Wie oft bist du in große Noth Durch eignen Willen kommen, Da dein verblendter Sinn den Tod Für's Leben angenommen, Paul Gerhardts Geistliche Lieder. Und hätte Gott dein Werk und That Ergehen lassen nach dem Rath Indem du's angefangen, Du wärst zu Grunde gangen. 12. Der aber, der uns ewig liebt, Macht gut, was wir verwirren, Erfreut, wo wir uns selbst betrübt, Und führt uns, wo wir irren; Und dazu treibt ihn sein Gemüth Und die so reine Batergüt, In der uns arme Sünder Er trägt als seine Kinder. 13. Ach! wie so oftmals schweigt er still; Und thut doch, was uns nüßet, Da unterdessen unser Will Und Herz in Aengsten sitzet, Sucht hier und dar und findet nichts, Will sehn, und mangelt doch des Lichts, Will aus der Angst sich winden, Und kann den Weg nicht finden. 14. Gott aber geht gerade fort Auf seinen weisen Wegen; Er geht und bringt uns an den Ort, Da Sturm und Wind sich legen. Hernachmals, wenn das Werk geschehn, So kann der Mensch alsdann erst sehn, Was der, so ihn regieret, In seinem Nath geführet. 15. Drum, liebes Herz, sei wohlgemuth, Und laß von Sorg und Grämen! Gott hat ein Herz, das nimmer ruht, Dein Bestes fürzunehmen; Er kann's nicht lassen, glaube mir, Sein Eingeweid ist gegen dir Und uns hier allzusammen Voll allzufüßer Flammen. 169 170 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 16. Er hitzt und brennt von Gnad und Treu, Und also kannst du denken, Wie seinem Muth zu Muthe sei, Wenn wir uns oftmals fränken Mit so vergebner Sorgenbürd, Als ob er uns nun gänzlich würd Aus lauterm Zorn und Hassen Ganz hilf- und trostlos lassen. 17. Das schlag hinweg und laß dich nicht So liderlich bethören! Ob gleich nicht allzeit das geschicht, Was Freude kann vermehren, So wird doch wahrlich das geschehn, Was Gott, dein Vater, ausersehn; Was er dir zu will kehren, Das wird kein Mensche wehren. 18. Thu als ein Kind, und lege dich In deines Vaters Arme; Bitt ihn und flehe, bis er sich Dein, wie er pflegt, erbarme; So wird er dich durch seinen Geist Auf Wegen, die du jetzt nicht weißt, Nach wohlgehaltnem Ringen Aus allem Sorgen bringen. 54. Chriftliche Bufriedenheit. 1. Tim. 6, 6. In seiner eigenen Weise. 1647. 1. Nicht so traurig, nicht so sehr, Meine Seele, sei betrübt, Daß dir Gott Glück, Gut und Ehr Nicht so viel, wie andern, giebt. Nimm vorlieb mit deinem Gott, Hast du Gott, so hat's nicht Noth. Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 2. Du noch einzig Menschenkind Hast ein Recht in dieser Welt: Alle, die geschaffen sind, Sind nur Gäst' im fremden Zelt. Gott ist Herr in seinem Haus, Wie er will, so theilt er aus. 3. Bist du doch darum nicht hier, Daß du Erden haben sollt! Schau den Himmel über dir, Da, da ist dein edles Gold, Da ist Ehre, da ist Freud, Freud ohn End, Ehr ohnie Neid. 4. Der ist albern, der sich kränkt Um ein' Handvoll Eitelkeit, Wenn ihm Gott dagegen schenkt Schätze der Beständigkeit. Bleibt der Centner dein Gewinn, Fahr der Heller immer hin. 5. Schaue alle Güter an, Die dein Herz für Güter hält; Keines mit dir gehen kann, Wann du geheft aus der Welt; Alles bleibet hinter dir, Wann du trittst in's Grabes Thür. 6. Aber was die Seele nährt, Gottes Huld und Christi Blut, Wird von keiner Zeit verzehrt, Ist und bleibet allzeit gut; Erdengut zerfällt und bricht, Seelengut, das schwindet nicht. 7. Ach, wie bist du doch so blind, Und im Denken unbedacht! Augen hast du, Menschenkind, Und hast doch noch nie betracht't Deiner Augen helles Glas: Siehe, welch ein Schatz ist das! 171 172 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 8. Zähle deine Finger her, Und der andern Glieder Zahl: Keins ist, das dir unwerth wär, Ehrst und liebst sie allzumal, Keines gäbst du weg um Gold, Wenn man dir's abnehmen wollt. 9. Nun, so gehe in den Grund Deines Herzens, das dich lehrt, Wie viel Gutes alle Stund Dir von oben wird beschert. Du hast mehr als Sand am Meer, Und willst doch noch immer mehr. 10. Wüßte, der im Himmel lebt, Daß dir wäre nütz und gut, Wonach so begierlich strebt Dein verblendtes Fleisch und Blut, Würde seine Frömmigkeit Dich nicht lassen unerfreut. 11. Gott ist deiner Liebe voll, Und von ganzem Herzen treu. Wenn du wünscheft, prüft er wohl, Wie dein Wunsch beschaffen sei: Ist dir's gut, so geht er's ein, Ist's dein Schade, spricht er Nein. 12. Unterdessen trägt sein Geist Dir in deines Herzens Haus Manna, das die Engel speist, Ziert und schmückt es herrlich aus, Ja, er wählet, dir zum Heil, Dich zu seinem Gut und Theil. 13. Ei, so richte dich empor, Du betrübtes Angesicht! Laß das Seufzen, nimm hervor Deines Glaubens Freudenlicht! Das behalt, wenn dich die Nacht Deines Kummers traurig macht. Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 14. Setze, als ein Himmelssohn, Deinem Willen Maß und Ziel; Rühre stets vor Gottes Thron Deines Dankes Saitenspiel, Weil dir schon gegeben ist Mehres, als du würdig bist. 15. Führe deines Lebens Lauf Allzeit Gottes eingedenk. Wie es kommt, nimm alles auf Als ein wohlbedacht Geschenk; Geht dir's widrig, laß es gehn, Gott und Himmel bleibt dir stehn. 173 55. Wider das Aergernis der bösen glücklichen Welt. Weise: Mein' Augen schließ ich jetzt in Gottes Namen zu. 1656. 1. Du liebe Unschuld du, wie schlecht wirst du geacht't! Wie oftmals wird dein Thun von aller Welt verlacht! Du dienest deinem Gott, hältst dich nach seinem Worten, Darüber höhnt man dich und drückt dich aller Orten. 2. Du gehst geraden Weg, fleuchst vor der krummen Bahn, Ein andrer thut sich zu, und wird ein reicher Mann, Vermehrt sein kleines Gut, füllt Kasten, Boden, Scheunen, Du bleibst ein armer Tropf und darbest sammt den Deinen. 3. Du strafft der Bösen Werk, und sagst, was unrecht sei, Ein andrer übt die Kunst der süßen Heuchelei: Die bringt ihm Lieb und Huld, und hebt ihn auf die Höhen, Du aber bleibst zurück und mußt da unten stehen. 4. Du sprichst, die Tugend sei der Christen schönste Kron, Hingegen hält die Welt auf Reputation: Wer diese haben will, sagt sie, der muß gar eben Sich schicken in die Zeit, und gleich den andern leben. 174 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 5. Du rühmest viel von Gott, und streichst gewaltig aus Den Segen, den er schickt in seiner Kinder Haus: Ist diesem nun also, spricht man, so laß doch sehen, Was dir denn ist für Guts, für Glück und Heil geschehen? 6. Halt fest, o frommes Herz, halt fest und bleib getreu In Widerwärtigkeit: dein Gott, der steht dir bei; Laß diesen deine Sach handhaben, schützen, führen, So wirst du wohl bestehn und endlich triumphieren. 7. Gefällst du Menschen nicht, das ist ein schlechter Schad, Allg'nug ist's, wenn du hast des ew'gen Vaters Gnad. Ein Mensch kann doch nicht mehr, als irren, fehlen, lügen; Gott aber ist gerecht, sein Urtheil kann nicht trügen. 8. Spricht er nun: Du bist mein, dein Thun gefällt mir wohl, Wohlan, so sei dein Herz getrost und freudenvoll! Schlag alles in den Wind, was böse Leute dichten; Sei still und siehe zu, Gott wird sie balde richten. 9. Stolz, Uebermuth und Pracht währt in die Länge nicht, Wenn's Glas am hellsten scheint, fällt's auf die Erd und bricht, Und wenn des Menschen Glück am höchsten ist gestiegen, So stürzt es unter sich, und muß zu Boden liegen. 10. Das ungerechte Gut, wer's recht und wohl befieht, Ist lauter Centnerlast, die Herz, Sinn und Gemüth Ohn Unterlaß beschwert, Seel und Gewissen dringet, Und aus der sansten Ruh in schweres Leiden bringet. 11. Was hat doch mancher mehr, als armer Leute Schweiß? Was ist und trinket er? worin besteht sein Preis, Als im geraubten Gut und armer Leute Thränen, Die, wie ein dürres Land, sich nach Erquickung sehnen? 12. Heißt das nun selig sein? ist das die Herrlichkeit? O, welch ein hartes Wort wird über solche Leut Am Tage des Gerichts aus Gottes Thron erschallen, Wie schändlich wird ihr Ruhm und großes Prahlen fallen! Paul Gerhardts Geistliche Lieber. 175 13. Du aber, der du Gott von ganzem Herzen ehrst, Und deine Füße nicht von seinen Wegen kehrst, Wirst in der schönen Schaar, die Gott mit Manna weidet, Hergehn, mit Lob und Ehr, als einem Rock, gekleidet. 14. Drum fasse deine Seel ein wenig mit Geduld, Fahr immer fort, thu recht, leb außer Sündenschuld. Halt, daß den schönsten Schatz dort in dem andern Leben Des Höchsten milde Hand dir werd aus Gnaden geben. 15. Was hier ist in der Welt, da sei nur unbemüht, Wird dir's ersprießlich sein, wie's Gott am besten ſieht, So glaube du gewiß, er wird dir deinen Willen Schon geben, und mit Freud all dein Begehren stillen. 56. Bei Erscheinung eines Kometen. Weise: Auf meinen lieben Gott. Wo soll ich fliehen hin. 1667. 1. Herr, was hast du im Sinn? Wo denkt dein Eifer hin? Von was für neuen Plagen Soll uns der Himmel sagen? Was soll uns armen Leuten Der neue Stern bedeuten? 2. Die Zeichen in der Höh Erwecken Ach und Weh; Es hat's in nächsten Jahren Die ganze Welt erfahren: Die brennenden Kometen Sind traurige Propheten. 3. Sie brennen in der Luft, Und unsers Herzens Klust Ist blind und kalt zum Guten, Erkennet nicht die Ruthen, Die uns zu unsern Wunden Des Höchsten Hand gebunden. 176 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 4. Kein Mensche hört fast mehr Was Gottes Geist uns lehr In seinen heilgen Worten; Drum muß an so viel Orten Von großem Zorn und Dräuen Das Sternenland selbst schreien. 5. Die Welt hält keine Zucht, Der Glaub ist in der Flucht; Die Treu ist hart gebunden, Die Wahrheit ist verschwunden; Barmherzig sein und lieben, Das sieht man selten üben. 6. Daher wächst Gottes Grimm, Und dringt mit Ungestüm Aus seines Eifers Kammer, Und will mit großem Jammer, Wo wir uns nicht bekehren, Uns allesammt verheeren. 7. Und das will der Prophet, Der in der Luft da steht, Uns, die wir sicher leben, Klar zu verstehen geben Mit seinem hellen Lichte Und klarem Angesichte. 8. Sein Lauf ist gar geschwind; Ach, Gott! laß unsre Sünd Uns nicht geschwind hinrücken Und eilends unterdrücken; Laß uns der Strafen Haufen Nicht plötzlich überlaufen! 9. Sein Strahl ist breit und lang, Macht uns fast angst und bang. Ach, Jesu! hilf uns allen, Auf daß nicht auf uns fallen Die hochbetrübten Zahlen Der letzten Zornesschaalen. Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 10. Erhalt uns unsern Herru, Den schönen edlen Stern, Laß uns sein Licht beleuchten, Laß seinen Thau uns feuchten, Daß wir uns seiner freuen Und unter ihm gedeihen. 11. Laß auch noch immerfort Dein liebes werthes Wort In unserm Land und Gränzen Schön, rein und helle glänzen. Wenn dein Wort uns nur blicket, So sind wir g'nug erquicket. 12. Gedenk an deine Güt, Und laß doch dein Gemüth Erweichen von uns Armen; Regier uns mit Erbarmen, Damit die bösen Zeichen Ein gutes End erreichen. 57. Ich will des Herren Born tragen. Mich. 7. Weise: Frisch auf, mein' Seel, verzage nicht. Was mein Gott will, das g'scheh allzeit. 1656. 1. Ich hab's verdient, was will ich doch Mich wider Gott viel sperren? Komm immer her, du Kreuzesjoch, Und bittrer Kelch des Herren! Ohn Angst und Bein Mag der nicht sein, Der wider Gott gehandelt, Wie ich gethan, Da ich die Bahn Der schnöden Welt gewandelt. 12 177 178 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 2. Ich will des Herren Straf und Zorn Mit stillem Herzen tragen; In Sünden bin ich ja geboru, Hab auch im Sünden- Wagen Mit eitler Freud Oft meine Zeit Ganz liderlich verzehret, Gott, meinen Hort, In seinem Wort Nicht, wie ich soll, gehöret. 3. Ich habe den gebahnten Steg Verlassen, und geliebet Den gottsvergeffnen Irreweg, Drum wird auch nun betrübet Mein Herz und Muth Durch Gottes Ruth: Er hält ein recht Gerichte Vor seinem Thron, Giebt Sold und Lohn Mit völligem Gewichte. 4. Gott ist gerecht, doch auch dabei Sehr fromm und voller Güte, Die Vaterlieb und Muttertren, Die wohnt ihm im Gemüthe. Gott zürnet nicht, Wie wohl geschicht Bei uns hier auf der Erden, Da mancher Mann Nicht wieder kann Zur Sühn erweichet werden. 5. Nein, traun! das ist nicht Gottes Sinn, Sein Zorn, der hat ein Ende; Wenn wir uns bessern, fällt er hin, Und macht die strengen Hände Sanft und gelind, Hört auf, die Sünd Paul Gerhardts Geistliche Lieder. Hier bei uns heimzusuchen. Gott kehrt den Grimm Mit Gnaden üm, Und segnet nach dem Fluchen. 6. Das wird fürwahr auch mir geschehn, Es soll's ein jeder spüren. Gott wird einmal zum Nechten sehn Und meine Sach ausführen. Sein Angesicht Wird mich an's Licht Aus meiner Höhle bringen, Daß seine Treu Ich frisch und frei Erzählen mög und singen. 7. Drum freut euch nicht, ihr meine Feind', Ob ich darnieder liege, Denn mein Gott wird, eh ihr's vermeint, Mir helfen, daß ich siege. Sein' heil'ge Hand Wird meinen Stand Schon wieder feste gründen. Es wird sich Freud Und gute Zeit Nach trübem Wetter finden. 8. Ich bin in Noth und weiß doch nicht Von rechter Noth zu sagen; Denn Gott ist meines Herzens Licht, Wo der ist, muß es tagen Auch in der Nacht, Da sich die Macht Der Finsternis vermehret. Wenn dieses Licht 179 Mir scheint, so bricht Und fällt, was mich beschweret. 9. Es kommt die Zeit, und ist nicht weit, Da ich will jubiliren. Der aber, der mich jetzt verspeit Und pfleget zu vexiren 12* 180 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. In meiner Noth: „ Wo ist dein Gott?" Der wird mit Schanden stehen, Er wird mit Hohn, Ich mit der Kron Der Ehren davon gehen. 58. Um Geduld in großem Leid. ( Nach dem Gebet 3, Nro. 23 im Paradiesgärtlein von Joh. Arnd.) Weise: Herr, straf mich nicht in deinem Zorn. Es ist das Heil uns kommen her. 1656. 1. Ach! treuer Gott, barmherzig's Herz, Des Güte sich nicht endet, Ich weiß, daß mir dies Kreuz und Schmerz Dein Vaterherze sendet; Ja, Herr, ich weiß, daß diese Last Du mir aus Lieb ertheilet hast Und gar aus keinem Hasse. 2. Denn das ist allzeit dein Gebrauch: Wer Kind ist, muß was leiden, Und wen du liebst, den stäupst du auch, Schickst Trauern vor den Freuden; Führst uns zur Höllen, thust uns weh, Und führst uns wieder in die Höh, Und so geht eins um's andre. 3. Du führst ja wohl recht wunderlich Die, so dein Herz ergötzen: Was leben soll, muß erstlich sich Ins Todes Höhle setzen; Was steigen soll zur Ehr empor, Liegt auf der Erd und muß sich vor Im Koth und Staube wälzen. Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 4. Das hat, Herr, dein geliebter Sohn Selbst wohl erfahr'n auf Erden, Denn eh er kam zum Ehrenthron, Mußt er gekreuzigt werden. Er ging durch Trübsal, Angst und Noth, Ja durch den herben, bittern Tod Drang er zur Himmelsfreude. 5. Hat nun dein Sohn, der fromm und recht, So willig sich ergeben, Was will ich armer Sündenknecht Dir viel zuwider streben? Er ist der Spiegel der Geduld, Und wer sich sehut nach deiner Huld, Der muß ihm ähnlich werden. 6. Ach! liebster Bater, wie so schwer Ist's der Vernunft, zu gläuben, Daß du demselben, den du sehr Schlägst, solltest günstig bleiben? Wie macht doch Kreuz so lange Zeit, Wie schwerlich will sich Lieb und Leid Zusammen lassen reimen! 7. Was ich nicht kann, das gieb du mir, Ohöchstes Gut der Frommen! Gieb, daß mir nicht des Glaubens Zier Durch Trübsal werd entnommen. Erhalte mich, o starker Hort, Befest'ge mich in deinem Wort, Behüte mich vor Murren. 8. Bin ich ja schwach, laß deine Treu Mir an die Seite treten, 181 Hilf, daß ich unverdrossen sei 3u rufen, seufzen, beten. So lang ein Herze hofft und gläubt Und im Gebet beständig bleibt, So lang ist's unbezwungen. 182 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 9. Greif mich auch nicht zu heftig an, Damit ich nicht vergehe; Du weißt wohl, was ich tragen kann, Wie's um mein Leben stehe: Ich bin ja weder Stahl noch Stein, Wie balde geht ein Wind herein, So fall ich hin und sterbe. 10. Ach, Jesu! der du worden bist Mein Heil mit deinem Blute, Du weißt gar wohl, was Kreuze ist, Und wie dem sei zu Muthe, Den Kreuz und großes Unglück plagt; Drum wirst du, was mein Herze klagt, Gar gern zu Herzen fassen. 11. Ich weiß, du wirst in deinem Sinn Mit mir Mitleiden haben, Und mich, wie ich's jetzt dürftig bin, Mit Gnad und Hilfe laben. Ach, stärke meine schwache Hand! Ach, heil und bring in bessern Stand Das Straucheln meiner Füße! 12. Sprich meiner Seel ein Herze zu, Und tröste mich auf's beste. Denn du bist ja der Müden Ruh, Der Schwachen Thurm und Veste, Ein Schatten vor der Sonnenhitz, Ein' Hütte, da ich sicher sitz Im Sturm und Ungewitter. 13. Und weil ich ja nach deinem Rath Hier soll ein wenig leiden, So laß mich auch in deiner Gnad Als wie ein Schäflein weiden, Daß ich im Glauben die Geduld Und durch Geduld dein' edle Huld Nach scharfer Prob erhalte. Paul Gerhardts Geistliche Lieber. 14. O heil'ger Geist, du Freudenöl, Das Gott vom Himmel schicket, Erfreue mich, gieb meiner Seel, Was Mark und Bein erquicket. Du bist der Geist der Herrlichkeit, Weißt, was für Gnade, Trost und Freud Mein in dem Himmel warte. 15. Ach! laß mich schauen, wie so schön Und lieblich sei das Leben, Das denen, die durch Trübsal gehn, Du dermaleinst wirst geben. Ein Leben, gegen welchem hier Die ganze Welt mit ihrer Zier Durchaus nicht zu vergleichen. 16. Daselbst wirst du in ew'ger Lust Auf's süßte mit mir handeln, Mein Kreuz, das mir und dir bewußt, In Freud und Ehre wandeln. Da wird mein Weinen lauter Wein, Mein Nechzen lauter Jauchzen sein. Das glaub ich, hilf mir! Amen. 59. Im Kreuz, wenn Gott die Hilfe lange verzeucht. ( Nach dem Gebet 3, Nro. 24 im Paradiesgärtlein von Joh. Arnd.) Weise: Durch Adams Fall ist ganz verderbt. 1656. 1. Barmherz'ger Vater, höchster Gott, Gedenk an deine Worte! Du sprichst: ,, Ruf mich an in der Noth, Und klopf an meine Pforte, So will ich dir Errettung hier Nach deinem Wunsch erweisen, Daß du mit Mund 183 Und Herzensgrund In Freuden mich sollst preisen." 184 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 2. Befiehl dem Herren früh und spat All deine Weg und Sachen, Er weiß zu geben Rath und That, Kann alles richtig machen. Wirf auf ihn hin, Was dir im Sinn Liegt und dein Herz betrübet. Er ist dein Hirt, Der wissen wird Zu schützen, was er liebet. 3. Der fromme Bater wird sein Kind In seine Arme fassen, Und die gerecht und gläubig sind Nicht stets in Unruh lassen. Drum, lieben Leut, Hofft allezeit Auf den, der völlig labet; Dem schüttet aus, Was ihr im Haus Und auf dem Herzen habet. 4. Ach, süßer Hort! wie tröstlich klingt Was du versprichst dem Frommen: „ Ich will, wenn Trübsal einher dringt, Ihm selbft zu Hilfe kommen. Er liebet mich, Drum will auch ich Ihn lieben und beschützen. Er soll bei mir Im Schooße hier Frei aller Sorgen sitzen." 5. Der Herr ist allen denen nah, Die sich zu ihme finden. Wann sie ihn rufen, steht er da, Hilft fröhlich überwinden All Angst und Weh, Hebt in die Höh VERIN STATY 41209 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. Die schon darnieder liegen; Er macht und schafft, Daß sie viel Kraft Und große Stärke kriegen. 6. Fürwahr, wer meinen Namen ehrt, Spricht Christus, und fest gläubet, Des Bitte wird von Gott erhört, Sein Herzenswunsch bekleibet. So tret heran Ein jedermann, Wer bittet, wird empfangen, Und wer da sucht, Der wird die Frucht Mit großem Nutz erlangen. 7. Hört, was dort jener Richter sagt: Ich muß die Wittwe hören, Dieweil sie mich so treibt und plagt." Sollt denn sich Gott nicht fehren Zu seiner Schaar, Die hier und dar Bei Nacht und Tage schreien? Ich sag und halt, Er wird sie bald Aus aller Angst befreien. 8. Wenn der Gerecht in Nöthen weint, Will Gott ihn fröhlich machen, Und die zerbrochnes Herzens seind, Die sollen wieder lachen. Wer fromm will sein, Muß in der Pein Und Jammerstraße wallen. Doch steht ihm bei Des Höchsten Treu, Und hilft ihm aus dem allen. 9. Ich habe dich ein'n Augenblick, O liebes Kind, verlassen, Sieh aber, sieh! mit großem Glück Und Trost ohn alle Maßen 185 186 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. Will ich dir schon Die Freudenkron Aufsetzen und verehren; Dein kurzes Leid Soll sich in Freud Und ew'ges Heil verkehren. 10. Ach, lieber Gott! ach, Baterherz! Mein Trost von so viel Jahren! Wie läßt du mich so manchen Schmerz Und große Angst erfahren! Mein Herze schmacht't, Mein Auge wacht Und weint sich krank und trübe; Mein Angesicht Berliert sein Licht Vom Seufzen, das ich übe Wie lang ergrimmt Dein Herz und nimmt Dein Antlitz meiner Seelen? Wie lange soll 11. Ach, Herr! wie lange willst du mein So ganz und gar vergessen? Wie lange soll ich traurig sein Und mein Leid in mich fressen? Ich sorgenvoll Mein Herz im Leibe quälen? Vw STAT 12. Willst du verstoßen ewiglich Und kein Guts mehr erzeigen? Soll dein Wort und Verheißung sich Nun ganz zu Grunde neigen? Zürnst du so sehr, Daß du nicht mehr Dein Heil magst zu mir senden? Doch, Herr, ich will Dir halten still, Dein' Hand kann alles wenden. 412039 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 13. Nach dir, o Herr, verlanget mich Im Jammer dieser Erden! Mein Gott, ich harr und hoff auf dich! Laß nicht zu Schanden werden, Herr, deinen Freund, Daß nicht mein Feind Sich freu und jubilire! Gieb mir vielmehr, Daß ich zur Ehr Aufsteig und triumphire. 14. Ach, Herr! du bist und bleibst auch wohl Getreu in deinem Sinne; Darum, wenn ich ja kämpfen soll, So gieb, daß ich gewinne. Leg auf die Last, Die du mir haft Beschlossen aufzulegen, Leg auf, doch daß Auch nicht das Maaß Sei über mein Vermögen. 15. Du bist ja ungebundner Kraft, Ein Held, der alles stürzet; Du hast ein' Hand, die alles schafft. Die ist noch unverkürzet. Herr Zebaoth, Wirst du, mein Gott, Genannt zu deinen Ehren; Bist groß von Rath, Und deiner That Kann keine Stärke wehren. 16. Du bist der Tröster Israel Und Retter aus Trübsalen. Wie kommt's denn, daß du meine Seel 187 Jetzt sinken läßt und fallen? Du stellst und haft Dich als ein Gast, 188 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. Der fremd ist in dem Lande, Und wie ein Held, Dem's Herz entfällt Mit Schimpf und großer Schande. 17. Nein, Herr! ein solcher bist du nicht, Des ist mein Herz gegründet: Du stehest fest, der du dein Licht Hier bei uns angezündet. Ja, hier hältst du, Herr, deine Ruh Bei uns, die nach dir heißen, Und bist bereit, 3u rechter Zeit Uns aus der Noth zu reißen. 18. Nun, Herr, nach aller dieser Zahl Der jetzt erzählten Worten, Hilf mir, der ich so manchesmal Geklopft an deine Pforten! Hilf, Helfer, mir! So will ich hier Dir Freudenopfer bringen, Auch nachmals dort Dir fort und fort Im Himmel Herrlich singen. 60. Geduld ist euch von Nöthen. Ebr. 10, 35-37. Weise: Nun jauchzet all, ihr Frommen. TWO- VIDETESTAT Von Gott will ich nicht lassen, oder: Eigne Weise. 1661. 1. Geduld ist euch vonnöthen, Wenn Sorge, Gram und Leid, Und was euch mehr will tödtent, Euch in das Herze schneidt. Paul Gerhardts Geistliche Lieder. O auserwählte Zahl! Soll euch kein Tod nicht tödten, Ist euch Geduld vonnöthen; Das sag ich noch einmal. 2. Geduld ist Fleisch und Blute Ein herb' und bittres Kraut. Wenn unsers Kreuzes Ruthe Uns nur ein wenig draut, Erschrickt der zarte Sinn. Im Glück ist er verwegen, Kommt aber Sturm und Regen, Fällt Herz und Muth dahin. 3. Geduld ist schwer zu leiden, Dieweil wir irdisch seind, Und stets in lautern Freuden Bei Gott zu sein vermeint, Der doch fich klar erklärt: „ Ich strafe, die ich liebe, Und die ich hoch betrübe, Die halt ich hoch und werth." 4. Geduld ist Gottes Gabe Und seines Geistes Gut. Der zeucht und löst sich abe, So bald er in uns ruht; Der edle werthe Gast Erlöst uns von dem Zagen, Und hilft uns treulich tragen Die große Bürd und Last. 5. Geduld kommt aus dem Glauben, Und hängt an Gottes Wort. Das läßt sie ihr nicht rauben, Das ist ihr Heil und Hort; Das ist ihr hoher Wall, Da hält sie sich verborgen, Läßt Gott den Vater sorgen, Und fürchtet keinen Fall. 189 190 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 6. Geduld setzt ihr Vertrauen Auf Christi Tod und Schmerz; Macht Satan ihr ein Grauen, So faßt sie hier ein Herz, Und spricht: Zürn immerhin, Du wirst mich doch nicht fressen, Ich bin zu hoch gesessen, Weil ich in Christo bin." 7. Geduld ist wohl zufrieden Mit Gottes weisem Rath, Läßt sich nicht leicht ermüden Durch Aufschub seiner Gnad; Hält frisch und fröhlich aus, Läßt sich getroft beschweren, Und denkt:„ Wer will's ihm wehren, Ist er doch Herr im Haus." 8. Geduld kann lange warten, Vertreibt die lange Weil In Gottes schönem Garten, Durchsucht zu ihrem Heil Das Paradies der Schrift, Und schützt sich früh und späte Mit eifrigem Gebete Vor Satans List und Gift. 9. Geduld thut Gottes Willen, Erfüllet sein Gebot, Und weiß sich fein zu stillen In aller Feinde Spott. Es lache, wem's beliebt; Wird sie doch nicht zu Schanden, Es ist bei ihr vorhanden Ein Herz, das nichts drauf giebt. 10. Geduld dient Gott zu Chren, Und läßt sich nimmermehr Von seiner Liebe kehren; Und schlüg er noch so sehr, Paul Gerhardts Geistliche Lieder. So ist sie doch bedacht, Sein' heilge Hand zu loben, Spricht: ,, Der im Himmel droben Hat alles wohl gemacht." 11. Geduld erhält das Leben, Vermehrt der Jahre Zahl, Vertreibt und dämpft daneben Manch' Angst und Herzensqual; Ist wie ein schönes Licht, Davon, wer an ihr hanget, Mit Gottes Hilf erlanget Ein fröhlich's Angesicht. 12. Geduld macht große Freude, Bringt aus dem Himmelsthron Ein schönes Halsgeschmeide, Dem Haupt ein' eble Kron Und königlichen Hut; Stillt die betrübten Thränen, Und füllt das heiße Sehnen Mit rechtem guten Gut. 13. Geduld ist mein Verlangen Und meines Herzens Lust, Nach der ich oft gegangen; Das ist dir wohl bewußt, Herr, voller Gnad und Huld! Ach! gieb mir und gewähre Mein Bitten, ich begehre Nichts anders, als Geduld. 14. Geduld ist meine Bitte. Die ich sehr oft und viel Aus dieser Leibeshütte Zu dir, Herr, schicken will. Kommt dann der letzte Zug, So gieb durch deine Hände Auch ein geduldig's Ende, So hab ich alles g'nug. 191 192 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 61. Was Gott gefällt. Weise: Erschienen ist der herrlich' Tag, oder: Eigne Weise. 1653. 1. Was Gott gefällt, mein frommes Kind, Nimm fröhlich an; stürmt gleich der Wind Und braust, daß alles kracht und bricht, So sei getroft, denn dir geschicht, Was Gott gefällt. 2. Der beste Will ist Gottes Will, Auf diesem ruht man sanft und still; Da gieb dich allzeit frisch hinein, Begehre nichts, als nur allein, Was Gott gefällt. 3. Der flügste Sinn ist Gottes Sinn; Was Menschen sinnen, fället hin, Wird plötzlich kraftlos, müd und laß, Thut oft, was bös, und selten das, Was Gott gefällt. 4. Der frömmste Muth ist Gottes Muth, Der niemand Arges gönnt und thut; Er segnet, wenn uns schilt und flucht Die böse Welt, die nimmer sucht, Was Gott gefällt. 5. Das treuste Herz ist Gottes Herz, Treibt alles Unglück hinterwärts, Beschirmt und schützet Tag und Nacht Den, der stets hoch und herrlich acht't, Was Gott gefällt. 6. Ach! könnt ich singen, wie ich wohl Im Herzen wünsch und billig soll, So wollt ich öffnen meinen Mund, Und fingen jetzo diese Stund, Was Gott gefällt. Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 7. Ich wollt erzählen seinen Rath Und übergroße Wunderthat, Das süße Heil, die ew'ge Kraft, Die allenthalben wirkt und schafft Was Gott gefällt. 8. Er ist der Herrscher in der Höh, Auf ihm steht unser Wohl und Weh; Er trägt die Welt in seiner Hand, Hinwieder trägt uns See und Land Was Gott gefällt. 9. Er hält der Elemente Lauf, Und damit hält er uns auch auf, Giebt Sommer, Winter, Tag und Nacht, Daß alles davon lebt und lacht Was Gott gefällt. 10. Sein Heer, die Sterne, Sonn und Mond Gehn ab und zu, wie sie gewohnt; Die Erd ist fruchtbar, bringt herfür Korn, Del und Most, Brot, Wein und Bier, Was Gott gefällt. 11. Sein ist die Weisheit und Verstand, Ihm ist bewußt und wohl bekannt, Sowohl wer Böses denkt und übt, Als auch wer Gutes thut und liebt Was Gott gefällt. 193 12. Sein Häuflein ist ihm lieb und werth; Sobald es sich zur Sünde kehrt, So winkt er mit der Vaterruth, Und locket, bis man wieder thut Was Gott gefällt. 13. Was unserm Herzen dienlich sei, Das weiß sein Herz, ist fromm dabei, Der keinem jemals Gut's versagt, Der Guts gesucht, dem nachgejagt Was Gott gefällt. 13 194 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 14. Sst dem also, so mag die Welt Behalten was ihr wohlgefällt; Du aber, mein Herz, halt genehm Und nimm vorlieb mit Gott und dem, Was Gott gefällt. 15. Laß Andre sich mit stolzem Muth Erfreuen über großes Gut, Du aber nimm des Kreuzes Last, Und sei geduldig, wenn du hast Was Gott gefällt. 16. Lebst du in Sorg und großem Leid, Haft lauter Gram und keine Freud, Ei, sei zufrieden! trägst du doch In diesem sauren Lebensjoch Was Gott gefällt. 17. Mußt du viel leiden hier und dort, So bleibe fest an deinem Hort; Denn alle Welt und Creatur Ist unter Gott, kann nichts, als nur Was Gott gefällt. 18. Wirst du veracht't von jedermann, Höhnt dich dein Feind und speit dich an, Sei wohlgemuth! dein Jesus Chriſt Erhöhet dich, weil in dir ist Was Gott gefällt. Die schleuß in deines Herzens Schrein, So wird dein ew'ges Erbe sein Was Gott gefällt. WEENSTR 19. Glaub, Hoffnung, Sanftmuth und Geduld, Erhalten Gottes Gnad und Huld, 20. Dein Erb ist in dem Himmelsthron, Hier ist dein Scepter, Reich und Kron, Hier wirst du schmecken, hören, sehn, Hier wird ohn Ende dir geschehn Was Gott gefällt. 4120 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 62. Trostgesang in Schwermuth und Anfechtung. Jef. 40, 31. Pf. 42, 12. Pf. 126, 5 f. Weise: Christus, der uns selig macht, oder: Eigne Weise. 1653. 1. Schwing dich auf zu deinem Gott, Du betrübte Seele! Warum liegst du Gott zum Spott In der Schwermuthshöhle? Merkst du nicht des Satans Lift? Er will durch sein Kämpfen Deinen Trost, den Jesus Christ Dir erworben, dämpfen. 2. Schüttle deinen Kopf und sprich: " Fleuch du alte Schlange, Was erneu'rst du deinen Stich, Machst mich angst und bange? Ist dir doch der Kopf zerknickt, Und ich bin durchs Leiden Meines Heilands dir entzückt In den Saal der Freuden. 3. Wirfst du mir mein Sündgen für? Wo hat Gott befohlen, Daß mein Urtheil über mir Ich bei dir soll Holen? Wer hat dir die Macht geschenkt Andre zu verdammen? Der du selbst doch liegst versenkt In der Höllen Flammen?"*) 4. Hab ich was nicht recht gethan, Ist mir's leid von Herzen; Dahingegen nehm ich an Christi Blut und Schmerzen. *) Dieser Vers fehlt in vielen alten Ausgaben. 13* 195 196 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. Denn das ist die Ranzion Meiner Missethaten; Bring ich dies vor Gottes Thron, Ist mir wohl gerathen. 5. Christi Unschuld ist mein Ruhm,*) Sein Recht meine Krone, Sein Verdienst mein Eigenthum, Da ich frei in wohne Als in einem festen Schloß, Das kein Feind kann fällen, Brächt er gleich davor Geschoß Und Gewalt der Höllen. 6. Stürme, Teufel und du Tod! Was könnt ihr mir schaden? Deckt mich doch in meiner Noth Gott mit seiner Gnaden; Der Gott, der mir seinen Sohn Selbst verehrt aus Liebe, Daß der ew'ge Spott und Hohn Mich nicht dort betrübe. bod 7. Schreie, tolle Welt, es sei Mir Gott nicht gewogen, Es sei lauter Täuscherei, Und im Grund erlogen: Wäre mir Gott gram und feind, Würd er seine Gaben, Die mein eigen worden seind, Wohl behalten haben. 8. Denn, was ist im Himmelszelt, Was im tiefen Meere, Was ist Gutes in der Welt, Das nicht mir gut wäre? Weme brennt das Sternenlicht? Wozu ist gegeben Luft und Wasser? Dient es nicht Mir und meinem Leben? dull *) Fehlt in allen Ausgaben, wo V. 3 fehlt. 44 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 9. Weme wird das Erdreich naß*) Von dem Thau und Regen? Weme grünet Laub und Gras? Weme füllt der Segen Berg und Thale, Feld und Wald? Wahrlich, mir zur Freude, Daß ich meinen Aufenthalt Hab und Leibesweide. 10. Meine Seele lebt in mir Durch die süßen Lehren, So die Christen mit Begier Alle Tage hören. Gott eröffnet früh und spat Meinen Geist und Sinnen, Daß sie seines Geistes Gnad In sich ziehen können. 11. Was sind der Propheten Wort Und Apostel Schreiben, Als ein Licht am dunkeln Ort, Fackeln, die vertreiben Meines Herzens Finsternis, Und in Glaubenssachen Das Gewissen fein gewiß Und recht grundfest machen. 12. Nun auf diesen heil'gen Grund Bau ich mein Gemüthe, Sehe, wie der Höllenhund Zwar dawider wüthe, Gleichwohl muß er lassen stehn Was Gott aufgerichtet, Aber schändlich muß vergehn Was er selber dichtet. 13. Ich bin Gottes, Gott ist mein; Wer ist, der uns scheide? Dringt das liebe Kreuz herein Mit dem bittern Leide, *) V. 9-12 fehlen überall, wo V. 3 und 5 fehlen. 197 198 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. Laß es dringen, kommt es doch Von geliebten Händen, Bricht und kriegt geschwind ein Loch, Wenn es Gott will wenden. 14. Kinder, die der Vater soll Ziehn zu allem Guten, Die gedeihen selten wohl Ohne Zucht und Ruthen; Bin ich denn nun Gottes Kind, Warum soll ich fliehen, Wenn er mich von meiner Sünd Auf was Guts will ziehen? 15. Es ist herzlich gut gemeint Mit der Christen Plagen. Wer hier zeitlich wohl geweint, Darf nicht ewig klagen, Sondern hat vollkommne Lust Dort in Christi Garten, Dem er einig recht bewußt, Endlich zu gewarten. 16. Gottes Kinder säen zwar Traurig und mit Thränen, Aber endlich bringt das Jahr Wonach sie sich sehnen. Denn es kommt die Erntezeit, Da sie Garben machen, Da wird all ihr Gram und Leid Lauter Freud und Lachen. 17. Ei so faß, o Christenherz, Alle deine Schmerzen, Wirf sie fröhlich hinterwärts, Laß des Trostes Kerzen Dich entzünden mehr und mehr! Gieb dem großen Namen Deines Gottes Preis und Ehr, Er wird helfen! Amen. Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 63. Chriftliche Ergebung. Psalm 37, 7. In seiner eigenen Weise. 1667. 1. Gieb dich zufrieden, und sei stille, In dem Gotte deines Lebens. In ihm ruht aller Freuden Fülle, Ohn ihn mühst du dich vergebens. Er ist dein Quell Und deine Sonne, Scheint täglich hell Zu deiner Wonne: Gieb dich zufrieden. 2. Er ist voll Lichtes, Trost und Gnaden, Ungefärbten treuen Herzens. Wo er steht, thut dir kein Schaden Auch die Pein des größten Schmerzens. Kreuz, Angst und Noth Kann er bald wenden, Ja auch den Tod Hat er in Händen: Gieß dich zufrieden. 3. Wie dir's und andern oft ergehe, Ist ihm wahrlich nicht verborgen: Er sieht und kennet aus der Höhe Der betrübten Herzen Sorgen. Er zählt den Lauf Der heißen Thränen, Und faßt zu Hauf 199 All unser Sehnen: Gieb dich zufrieden. 4. Wenn gar kein Einger mehr auf Erden, Dessen Treue du darfst trauen, Alsdann will er dein Treuster werden Und zu deinem Besten schauen; 200 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. Er weiß dein Leid Und heimlich Grämen, Auch weiß er Zeit, Dir's zu benehmen; Gieb dich zufrieden. 5. Er hört die Seufzer deiner Seelen Und des Herzens stilles Klagen, Und was du keinem darfst erzählen, Magst du Gott gar kühnlich sagen; Er ist nicht fern, Steht in der Mitten, Hört bald und gern Der Armen Bitten; Gieb dich zufrieden. 6. Laß dich dein Elend nicht bezwingen, Halt an Gott, so wirst du siegen: Ob alle Fluten einher gingen, pull Dennoch mußt du oben liegen. Denn wenn du wirst Zu hoch beschweret, Hat Gott, dein Fürst, Dich schon erhöret; Gieb dich zufrieden. 2002 7. Was sorgst du für dein armes Leben, Wie du's halten wollst und nähren? Der dir das Leben hat gegeben, Wird auch Unterhalt bescheren. Er hat ein' Hand Voll aller Gaben, Da See und Land Sich muß von laben; Gieb dich zufrieden. 8. Der allen Vöglein in den Wäldern Ihr bescheidnes Körnlein weiset, Der Schaf' und Rinder in den Feldern Alle Tage tränkt und speiset, eff 30 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. Der wird ja auch Dich Eingen füllen, Und deinen Bauch Zur Nothdurft stillen; Gieb dich zufrieden. 9. Sprich nicht: ,, Ich sehe kein Mittel, Wo ich such, ist nichts zum besten;" Denn das ist Gottes Ehrentitel, Helfen, wenn die Noth am größten. Wenn ich und du Ihn nicht mehr spüren, Da schickt er zut, Uns wohl zu führen; Gieb dich zufrieden. 10. Bleibt gleich die Hilf in etwas lange, Wird sie dennoch endlich kommen, Macht dir das Harren angst und bange, Glaube mir, es ist dein Frommen. Was langsam schleicht, Faßt man gewisser, Und was verzeucht, Ist desto süßer; Gieb dich zufrieden. 201 diff Laß sie nur immer weidlich spotten. Gott wird's hören und recht richten. Ist Gott dein Freund Und deiner Sachen, Was kann dein Feind, Der Mensch, groß machen? Gieb dich zufrieden. 11. Nimm nicht zu Herzen, was die Notten Deiner Feinde von dir dichten: 12. Hat er doch selbst auch wohl das Seine, Wenn er's sehen könnt und wollte: Wo ist ein Glück so klar und reine, Dem nicht etwas fehlen sollte? 202 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. Wo ist ein Haus, Das könnte sagen: „ Ich weiß durchaus Von keinen Plagen;" Gieb dich zufrieden. 13. Es kann und mag nicht anders werden, Alle Menschen müssen leiden. Was webt und lebet auf der Erden, Kann das Unglück nicht vermeiden. Des Kreuzes Stab Schlägt unsre Lenden Bis in das Grab, Da wird sich's enden; Gieb dich zufrieden. 14. Es ist ein Ruhetag vorhanden, Da uns unser Gott wird lösen; Er wird uns reißen aus den Banden Dieses Leibs und allem Bösen. Es wird einmal Der Tod Herspringen Und aus der Qual Uns sämmtlich bringen; Gieb dich zufrieden. 15. Er wird uns bringen zu den Schaaren Der Erwählten und Getreuen, Die hier mit Frieden abgefahren, Sich auch nun in Friede freuen, Da sie den Grund, Der nicht kann brechen, Den ewgen Mund Selbst hören sprechen: Gieb dich zufrieden. Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 64. Chriftliches Troft- und Freudenlied. Röm. 8. Weise: Herzlich thut mich erfreuen. Herzlich thut mich verlangen. Valet will ich dir geben, oder: Eigne Weise. 1656. 1. Ist Gott für mich, so trete Gleich alles wider mich. So oft ich ruf und bete, Weicht alles hinter sich. Hab ich das Haupt zum Freunde Und bin geliebt bei Gott, Was kann mir thun der Feinde Und Widersacher Nott? 2. Nun weiß und glaub ich feste, Ich rühm's auch ohne Scheu, Daß Gott, der Höchst und Beste, Mir gänzlich günstig sei, Und daß in allen Fällen Er mir zur Rechten steh, Und dämpfe Sturm und Wellen Und was mir bringet Weh. 3. Der Grund, da ich mich gründe, Sst Christus und sein Blut; Das machet, daß ich finde Das ewge wahre Gut. An mir und meinem Leben Ist nichts auf dieser Erd: Was Christus mir gegeben, Das ist der Liebe werth. 4. Mein Jesus ist mein' Ehre, Mein Glanz und schönes Licht. Wenn der nicht in mir wäre, So dürft und könnt ich nicht 203 204 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. Vor Gottes Auge stehen Und vor dem Sternen- Sitz: Ich müßte stracks vergehen, Wie Wachs in Feuershitz. 5. Der, der hat ausgelöschet, Was mit sich führt den Tod; Der ist's, der mich rein wäschet, Macht schneeweiß, was ist roth. In ihm kann ich mich freuen, Hab einen Heldenmuth, Darf kein Gerichte scheuen, Wie sonst ein Sünder thut. 6. Nichts, nichts kann mich verdammen, Nichts nimmet mir mein Herz; Die Höll und ihre Flammen Die sind mir nur ein Scherz. Kein Urtheil mich erschrecket, Kein Unheil mich betrübt, Weil mich mit Flügeln decket Mein Heiland, der mich liebt. 7. Sein Geist wohnt mir im Herzen, Regieret meinen Sinn, Vertreibt mir Sorg und Schmerzen, Nimmt allen Kummer hin, Giebt Segen und Gedeihen Dem, was er in mir schafft, Hilft mir das Abba schreien Aus aller meiner Kraft. 8. Und wenn an meinem Orte Sich Furcht und Schrecken findt, So seufzt und spricht er Worte, Die unaussprechlich sind Mir zwar und meinem Munde, Gott aber wohl bewußt, Der an des Herzens Grunde Erstehet seine Lust. Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 9. Sein Geist spricht meinem Geiſte Manch süßes Trostwort zu, Wie Gott dem Hilfe leiste, Der bei ihm suchet Ruh; Und wie er hab erbauet Ein' edle, neue Stadt, Da Aug und Herze schauet Was es geglaubet hat. 10. Da ist mein Theil und Erbe Mir prächtig zugericht't. Wenn ich gleich fall und sterbe, Fällt doch mein Himmel nicht. Muß ich auch gleich hier feuchten Mit Thränen meine Zeit, Mein Jesus und sein Leuchten Durchfüßet alles Leid. 11. Wer sich mit dem verbindet, Den Satan fleucht und haßt, Der wird verfolgt und findet Ein' hohe, schwere Last zu leiden und zu tragen, Geräth in Hohn und Spott; Das Kreuz und alle Plagen, Die sind sein täglich Brot. 12. Das ist mir nicht verborgen, Doch bin ich unverzagt: Gott will ich lassen sorgen, Dem ich mich zugesagt. Es koste Leib und Leben Und alles, was ich hab, An dir will ich fest kleben Und nimmer laffen ab. 13. Die Welt, die mag zerbrechen, Du stehst mir ewiglich. Kein Brennen, Hauen, Stechen Soll trennen mich und dich; 205 206 Paul Gerhardts Geistliche Lieder Kein Hunger und kein Dürsten, Kein' Armuth, keine Pein, Kein Zorn der großen Fürsten Soll mir ein' Hindrung sein. 14. Kein Engel, keine Freuden Kein Thron, kein' Herrlichkeit, Kein Lieben und kein Leiden, Kein' Angst und Fährlichkeit, Was man nur kann erdenken, Es sei klein oder groß, Der keines soll mich lenken Aus deinem Arm und Schoos. 15. Mein Herze geht in Sprüngen, Und kann nicht traurig sein, Ist voller Freud und Singen, Sieht lauter Sonnenschein: Die Sonne, die mir lachet, Ist mein Herr Jesus Christ, Das, was mich singend machet, Ist, was im Himmel ist. 65. Chriftliches Freudenlied. Psalm 73, 23 ff. In seiner eigenen Weise. 1653. 1. Warum sollt ich mich denn grämen? Hab ich doch Christum noch, Wer will mir den nehmen? Wer will mir den Himmel rauben, Den mir schon Gottes Sohn Beigelegt im Glauben? Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 2. Nackend lag ich auf dem Boden, Da ich kam, Da ich nahm Meinen ersten Odem. Nackend werd ich auch hinziehen, Wenn ich werd Von der Erd Als ein Schatten fliehen. 3. Gut und Blut, Leib, Seel und Leben Ist nicht mein, Gott allein Ist es, der's gegeben. Will er's wieder zu sich kehren, Nehm er's hin, Ich will ihn Dennoch fröhlich ehren. 4. Schickt er mir ein Kreuz zu tragen, Dringt herein Angst und Pein, Sollt ich drum verzagen? Der es schickt, der wird es wenden, Er weiß wohl, Wie er soll All mein Unglück enden. 5. Gott hat mich bei guten Tagen Oft ergötzt, Soll ich jetzt Auch nicht etwas tragen? Fromm ist Gott, und schärft mit Maßen Sein Gericht, Kann mich nicht Ganz und gar verlassen. 6. Satan, Welt und ihre Rotten Können mir Nichts mehr hier Thun, als meiner spotten. 207 208 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. Laß sie spotten, laß sie lachen; Gott, mein Heil Wird in Eil Sie zu Schanden machen. 7. Unverzagt und ohne Grauen Soll ein Christ, Wo er ist, Stets sich lassen schauen. Wollt ihn auch der Tod aufreiben, Soll der Muth Dennoch gut Und fein stille bleiben. 8. Kann uns doch kein Tod nicht tödten, Sondern reißt Unsern Geist Aus viel tausend Nöthen, Schleußt das Thor der bittern Leiden, Und macht Bahn, Da man kann Gehn zur Himmelsfreuden. 9. Allda will in süßen Schätzen Ich mein Herz Auf den Schmerz Ewiglich ergötzen. Hier ist kein recht Gut zu finden; Was die Welt In sich hält Muß im Hui verschwinden. 10. Was sind dieses Lebens Güter? Eine Hand Voller Sand, Kummer der Gemüther. Dort, dort sind die edlen Gaben, Da mein Hirt Christus wird Mich ohn Ende laben. Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 11. Herr, mein Hirt, Brunn aller Freuden, Du bist mein, Ich bin dein, Niemand kann uns scheiden. Ich bin dein, weil du dein Leben Und dein Blut Mir zu gut In den Tod gegeben. 12. Du bist mein, weil ich dich faffe, Und dich nicht, O mein Licht, Aus dem Herzen laffe. Laß mich, laß mich hingelangen, Da du mich Und ich dich Leiblich werd umfangen. 66. Chriftliche Ergebung in Gottes Willen. Weise: Was mein Gott will, das g'scheh allzeit. 1647. 1. Ich hab in Gottes Herz und Sinn Mein Herz und Sinn ergeben. Was böse scheint, ist mir Gewinn, Der Tod selbst ist mein Leben. Ich bin ein Sohn Des, der den Thron Des Himmels aufgezogen; Ob er gleich schlägt Und Kreuz auflegt, Bleibt doch sein Herz gewogen. 2. Das kann mir fehlen nimmermehr, Mein Vater muß mich lieben. Wenn er mich auch gleich wirft in's Meer, So will er mich nur üben 14 209 210 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. Und mein Gemüth In seiner Güt Gewöhnen fest zu stehen. Halt ich dann Stand, Weiß seine Hand Mich wieder zu erhöhen. 3. Ich bin ja von mir selber nicht Entsprungen noch formiret, Mein Gott ist's, der mich zugericht't, An Leib und Seel gezieret: Der Seelen Sitz Mit Sinn und Witz, Den Leib mit Fleisch und Beinen. Wer so viel thut, Des Herz und Muth Kann's nimmer böse meinen. 4. Woher wollt ich mein' Aufenthalt Auf dieser Erd erlangen? Ich wäre längsten todt und kalt, Wo mich nicht Gott umfangen Mit seinem Arm, Der alles warm, Gesund und fröhlich machet. Was er nicht hält, Das bricht und fällt, Was er erfreut, das lachet. 5. Zudem ist Weisheit und Verstand Bei ihm ohn alle Maßen; Zeit, Ort und Stund ist ihm bekannt Zu thun und auch zu lassen. Er weiß, wenn Freud, Er weiß, wenn Leid Uns, seinen Kindern, diene; Und was er thut, Ist alles gut, Ob's noch so traurig schiene. Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 6. Du denkest zwar, wenn du nicht hast Was Fleisch und Blut begehret, Als sei mit einer großen Last Dein Licht und Heil beschweret; Haft spät und früh Viel Sorg und Müh An deinen Wunsch zu kommen: Und denkest nicht, Daß, was geschicht, Gescheh in deinem Frommen. 7. Fürwahr! der dich geschaffen hat Und ihm zur Ehr erbauet, Der hat schon längst in seinem Rath Ersehen und beschauet Aus wahrer Treu, Was dienlich sei Dir und den Deinen allen: Laß ihm doch zu, Daß er nur thu Nach seinem Wohlgefallen. 8. Wenn's Gott gefällt, so kann's nicht sein, Es wird dich letzt erfreuen. Was du jetzt nennest Kreuz und Bein Wird dir zum Trost gedeihen. Wart in Geduld, Die Gnad und Huld Wird sich doch endlich finden. All Angst und Qual Wird auf einmal Gleich wie ein Dampf verschwinden. 9. Das Feld kann ohne Ungestüm Gar keine Früchte tragen: So fällt auch Menschen Wohlfahrt um Bei lauter guten Tagen. Die Aloe Bringt bittres Weh, 211 14* 212 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. Macht gleichwohl rothe Wangen: So muß ein Herz Durch Angst und Schmerz Zu seinem Heil gelangen. 10. Ei nun, mein Gott, so fall ich dir Getrost in deine Hände! Nimm mich, und mach es du mit mir Bis an mein letztes Ende, Wie du wohl weißt, Daß meinem Getst Dadurch sein Nutz entstehe, Und deine Ehr Se mehr und mehr Sich in ihr selbst erhöhe. 11. Willst du mir geben Sonnenschein, So nehm ich's an mit Freuden; Soll's aber Kreuz und Unglück sein, Will ich's geduldig leiden. Soll mir allhier Des Lebens Thür Noch ferner offen stehen, Wie du mich führst Und führen wirst, So will ich gern mitgehen. 12. Soll ich denn auch des Todes Weg Und finstre Straßen reisen, Wohlan, so tret ich Bahn und Steg, Den mir dein' Augen weisen: Du bist mein Hirt, Der alles wird Zu solchem Ende kehren, Daß ich einmal In deinem Saal Dich ewig möge ehren. Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 67. Chriftliches Wanderlied. Pf. 37, 5. Befiehl dem Herrn deine Wege und hoffe auf ihn, er wird's wohl machen. Weise: Herzlich thut mich verlangen. Ich dank dir, lieber Herre. Lobet Gott, unsern Herrn, oder: Eigne Weise. 1656. 1. Befiehl du deine Wege, Und was dein Herze kränkt, Der allertreusten Pflege Des, der den Himmel lenkt: Der Wolken, Luft und Winden Giebt Wege, Lauf und Bahn, Der wird auch Wege finden, Da dein Fuß gehen kann. 2. Dem Herren mußt du trauen, Wenn dir's soll wohlergehn; Auf sein Werk mußt du schauen, Wenn dein Werk soll bestehn. Mit Sorgen und mit Grämen Und mit selbsteigner Pein Läßt Gott ihm gar nichts nehmen, Es muß erbeten sein. 3. Dein' ew'ge Treu und Gnade O Vater! weiß und sieht Was gut sei oder schade Dem sterblichen Geblüt; Und was du dann erlesen, Das treibst du, starker Held, Und bringst zum Stand und Wesen, Was deinem Rath gefällt. 213 4. Weg' hast du allerwegen, An Mitteln fehlt dir's nicht; Dein Thun ist lauter Segen, Dein Gang ist lauter Licht; 214 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. Dein Werk kann niemand hindern, Dein' Arbeit darf nicht ruhn, Wenn du, was deinen Kindern Ersprießlich ist, willst thun. 5. Und ob gleich alle Teufel Hier wollten widerstehn, So wird doch ohne Zweifel Gott nicht zurücke gehn: Was er ihm vorgenommen, Und was er haben will, Das muß doch endlich kommen Zu seinem Zweck und Ziel. 6. Hoff, o du arme Seele, Hoff und sei unverzagt! Gott wird dich aus der Höhle, Da dich der Kummer plagt, Mit großen Gnaden rücken, Erwarte nur der Zeit, So wirst du schon erblicken Die Sonn der schönsten Freud. 7. Auf, auf! gieb deinem Schmerze Und Sorgen gute Nacht! Laß fahren, was das Herze Betrübt und traurig macht! Bist du doch nicht Regente, Der alles führen soll, Gott sitzt im Regimente, Und führet alles wohl. 8. Ihn, ihn laß thun und walten, Er ist ein weiser Fürst, Und wird sich so verhalten, Daß du dich wundern wirst, Wenn er, wie ihm gebühret, Mit wunderbarem Rath Das Werk hinausgeführet, Das dich bekümmert hat. Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 9. Er wird zwar eine Weile Mit seinem Trost verziehn, Und thun an seinem Theile, Als hätt in seinem Sinn Er deiner sich begeben, Und sollst du für und für In Angst und Nöthen schweben, So frag' er nichts nach dir. 10. Wird's aber sich befinden, Daß du ihm treu verbleibst, So wird er dich entbinden, Da du's am wengsten gläubst. Er wird dein Herze lösen Von der so schweren Last, Die du zu keinem Bösen Bisher getragen hast. 11. Wohl dir, du Kind der Treue! Du hast und trägst davon Mit Ruhm und Dankgeschreie Den Sieg und Ehrenkron. Gott giebt dir selbst die Palmen In deine rechte Hand, Und du fingst Freudenpsalmen Dem, der dein Leid gewandt. 12. Mach End, o Herr, mach Ende An aller unsrer Noth! Stärk unsre Füß und Hände, Und laß bis in den Tod Uns allzeit deiner Pflege Und Treu empfohlen sein, So gehen unsre Wege Gewiß zum Himmel ein. 215 216 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 68. Troftgefang. Weise: Es spricht der Unweisen Mund wohl, oder: Eigne Weise. 1656. 1. Noch dennoch mußt du drum nicht ganz In Traurigkeit versinken, Gott wird des süßen Trostes Glanz Schon wieder lassen blinken. Steh in Geduld, wart in der Still Und laß Gott machen, was er will, Er kann's nicht böse machen. 2. Ist denn dies unser erstes Mal, Daß wir betrübet werden? Was haben wir, als Angst und Qual Bisher gehabt auf Erden? Wir sind wohl mehr so hoch gekränkt, Und hat doch Gott uns drauf geschenkt Ein Stündlein voller Freuden. 3. So ist's auch Gottes Meinung nicht, Wenn er uns Unglück sendet, Als sollte drum sein Angesicht Ganz von uns sein gewendet; Nein, sondern dieses ist sein Rath, Daß der, so ihn verlassen hat, Durch's Unglück wiederkehre. 4. Denn das ist unsers Fleisches Muth, Wenn wir in Freuden leben, Daß wir dann unserm höchsten Gut Am ersten Urlaub geben. Wir sind von Erd und halten werth Vielmehr was hier ist auf der Erd, Als was im Himmel wohnet. 5. Drum fährt uns Gott durch unsern Sinn, Und läßt uns Weh geschehen. Er nimmt oft, was uns lieb, dahin, Damit wir aufwärts sehen, Paul Gerhardts Geistliche Lieder. Und uns zu seiner Güt und Macht, Die wir bisher nicht groß geacht't, Als Kinder wieder finden. 6. Thun wir nun das, ist er bereit Uns wieder anzunehmen, Macht aus dem Leide lauter Freud Und Lachen aus dem Grämen, Und ist ihm das gar schlechte Kunst; Wen er umfängt mit Lieb und Gunst, Dem ist geschwind geholfen. 7. Drum falle, du betrübtes Heer, In Demuth vor ihm nieder, Sprich: ,, Herr, wir geben dir die Ehr, Ach! nimm uns Sünder wieder In deine Gnade, reiß die Last, Die du uns aufgeleget hast, Hinweg, heil unsern Schaden!" 8. Denn Gnade gehet doch vor Recht, Zorn muß der Liebe weichen; Wenn wir erliegen, muß uns schlecht Gott sein Erbarmen reichen. Dies ist die Hand, die uns erhält, Wo wir die lassen, bricht und fällt All unser Thun in Haufen. 9. Auf Gottes Liebe mußt du stehn, Und dich nicht lassen fällen, Wenn auch der Himmel ein wollt gehn Und alle Welt zerschellen. Gott hat uns Gnade zugesagt, Sein Wort ist klar, wer sich drauf wagt, Dem kann es nimmer fehlen. 10. So darfst du auch an seiner Kraft Gar keinen Zweifel haben; Wer ist's, der alle Dinge schafft? Wer theilt aus alle Gaben? 217 218 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. Gott thut's, und das ist auch der Mann, Der Rath und That erfinden kann, Wenn jedermann verzaget. 11. Deucht dir die Hilf unmöglich sein, So sollt du gleichwohl wissen, Gott räumt uns dieses nimmer ein, Daß er sich laß einschließen In unsers Sinnes engen Stall; Sein Arm ist frei, thut überall Viel mehr, als wir verstehen. 12. Was ist sein ganzes werthes Reich, Als lauter Wundersachen? Er hilft und baut, wenn wir uns gleich Des gar kein' Hoffnung machen; Und das ist seines Namens Ruhm, Den du, wenn du sein Heiligthum Willt sehen, ihm mußt geben. 69. Der 13te psalm Davids. Weise: Ein' feste Burg ist unser Gott. 1656. 1. Wie lang, o Herr! wie lange soll Dein Herze mein vergessen? Wie lange soll ich jammersvoll Mein Brot mit Thränen essen? Wie lange willst du nicht Mir dein Angesicht Zu schauen reichen dar? Willt du denn ganz und gar Dich nun vor mir verbergen? 2. Wie lange soll die Trauerhöhl In Sorgen ich besitzen? Wie lange soll mein' arme Seel In diesem Bade schwitzen? Paul Gerhardts Geistliche Lieder. Soll ich denn alle Tag Immer lauter Plag, Die Welt im Gegentheil Nur immer lauter Heil Nach ihrem Wunsche haben? 3. Ach! schaue doch von deinem Saal, Und siehe, wie ich leide! Mein Herzensweh und große Qual Ist meiner Feinde Freude. Herr, mein getreuer Hort, Hör an meine Wort', Die ich, durch Trübsal hier Gepresset, schütt Herfür, Laß dein Gemüth erweichen! 4. Erleuchte meiner Augen Licht Mit deinem Gnadenwinke, Damit ich in dem Tode nicht Entschlafe noch versinke. Gieb, daß die böse Rott Nicht treib ihren Spott Aus mir und meinem Fall, Als hätt ich überall Verspielet und verloren. 5. Ich steh und hoffe steif und fest Darauf, daß du die Deinen Nicht endlich untergehen läßt, Kannst's auch nicht böse meinen. Ob's gleich bisweilen scheint, Als wärst du uns feind Und gänzlich abgewendt, So find ich doch behend Dein Vaterherze wieder. 6. Mein Herze lacht vor großer Freud, Wenn ich bei mir bedenke, Wie herzlich gern in böser Zeit Dein Herz sich zu uns lenke. 219 220 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. Der Herr ist frommes Muths, Thut uns nichts, als Guts! Das ist mein Lobgefang, Den ihm zum Ehrendank Ich hier und dort will singen. 70. Der 13te Psalm Davids. Weise: Ach Gott vom Himmel sieh darein. 1660. 1. Ach, Herr! wie lange willt du mein So ganz und gar vergessen? Wie lange soll der Sorgenstein Mich und mein Herze pressen? Wie lange soll dein Angesicht Sich von mir wenden? Willt du nicht Dich meiner mehr erbarmen? 2. Wie lange soll ich armes Kind Der Seelenruh entbehren? Wie lange soll der Sturm und Wind Der Herzensangst gewähren? Wie lange soll mein stolzer Feind, Der's niemals gut, stets böse meint, Sich über mich erheben? 3. Ach! schaue doch, mein Gott und Hort, Von deiner heil'gen Hütte, Und höre meiner Klage Wort Und hochbetrübte Bitte! Gieb meinen Augen Kraft und Macht, Und laß des Todes finstre Nacht Mich nicht so bald befallen. 4. Sonst würde meiner Feinde Mund Des Ruhms kein Ende machen; Sie würden mein, als der zu Grund Und Boden gangen, lachen: Paul Gerhardts Geistliche Lieder. " Da liegt er," würden sie mit Freud Herprahlen, der uns jederzeit So viel zu schaffen machte!" 5. Ich kenne sie, und weiß gar wohl Was sie im Schilde führen; Ihr Herz ist aller Bosheit voll, Läßt sich nichts Guts regieren. Du aber bist der fromme Mann, Herr, mein Gott, der nicht lassen kann Die, so sich zu dir halten. 6. Des tröst ich mich, und hoffe drauf, Du wirst auch mir fromm bleiben, Und aller bösen Tücke Lauf Gewaltig hintertreiben. Mein Herze freut sich, wenn's bedenkt, Wie gern du stets dein Heil geschenkt Dem, der sich dir vertrauet. 7. Das thu ich, Herr! ich traue dir! Du bist mein' ein'ge Freude! Bewehrest mich, thust wohl an mir, Und führst mich aus dem Leide! Dafür will ich mein Leben lang Dir manchen schönen Lobgesang Zum Dank und Opfer bringen. 71. Der 27ste Psalm Davids.. Weise: Es ist das Heil uns kommen her. 221 Nun freut euch, lieben Christen gmein, ober: Eigne Weise. 1653. 1. Gott ist mein Licht, der Herr mein Heil, Das ich erwählet habe; Er ist die Kraft, dahin ich eil Und meine Seele labe. Was will ich mich denn fürchten nun, Und wer kann mir doch Schaden thun Auf dieser ganzen Erden? 222 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 2. Wenn mich die böse Nott anfällt Und mein Fleisch will verschlingen, So kann sie dieser starke Held Gar leicht zu Boden bringen. Wenn sich auch gleich ein ganzes Heer Legt um mich her, was ist's denn mehr? Mein Gott kann sie bald schlagen. 3. Eins bitt ich nur, das hätt ich gern, Wenn mir's Gott wollte geben, Daß ich bei ihm, als meinem Herrn, Stets wohnen sollt und leben, Und alle meine Tag und Jahr In seinem Hause bei der Schaar Der Heiligen vollbringen. 4. Da wollt ich meines Herzens Freud An seinen Diensten sehen, Und rühmen, wie zur bösen Zeit Mir so viel Guts geschehen, Da er mich fleißig hat verdeckt In seiner Hütten und versteckt In einen starken Felsen. 5. Und also wird er ferner noch Mich wissen zu regieren, Er wird mich schützen und sehr hoch In sichre Derter führen. Mein Haupt wird über meine Feind, Ob sie gleich hoch erhoben seind, Allzeit erhöhet bleiben. 6. Dafür will ich denn wiederum Gott auf das best erhöhen. Sein Ruhm soll in dem Heiligthum Aus meinem Munde gehen. Ich will ihm opfern Dank und Preis, Ich will sein Lob, so gut ich weiß, Vor allem Volke singen. Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 7. Herr, mein Gott, höre wie ich schrei Und seufz in meinem Sinne! Gieb, daß mein Bitten kräftig sei Und dein Herz eingewinne! Mein Herz hält dir, o treuer Hort, Beständig vor dein eigen Wort: Ihr sollt mein Antlitz suchen." 8. Nun such ich jetzt( ach, laß mich nicht Entgelten meiner Sünden!) Ich suche, Herr, dein Angesicht, Das laß mich gnädig finden! Verstoße ja nicht deinen Knecht, Denn du bist's, der mir hilft zu Recht Und bringt aus allen Nöthen. 9. Mein Vater, Mutter und was hier Sonst ist von guten Leuten, Die sind zu schwach und können mir Nicht treten an die Seiten: Ich bin entsetzt von aller Welt, Gott aber nimmt mich in sein Zelt, Da find ich alle Gnüge. 10. Herr, mache mir gerade Bahn, Halt mich in deiner Gnade, Und nimm dich meiner herzlich an, Daß mir kein Feind nicht schade; Denn Viel, die reden wider mich, Und zeugen, das sie ewiglich Nicht können überweisen. 11. Noch dennoch hab ich guten Muth, Und glaube, daß ich werde Im Lebenslande Gottes Gut Dort sehn und auf der Erde. Frisch auf, getrost und unverzagt! Wer's nur mit Gott im Glauben wagt, Der wird den Sieg erhalten. 223 224 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 72. Der 42ste psalm Davids. Weise: Zion tlagt mit Angst und Schmerzen. Freu dich sehr, o meine Seele, oder: Eigne Weise. 1653. 1. Wie der Hirsch in großen Dürsten, Schreiet und frisch Wasser sucht, Also sucht dich, Lebensfürsten, Meine Seel in ihrer Flucht. Meine Seele brennt in mir, Lechzet, bürstet, trägt Begier Nach dir, o du süßes Leben, Der mir Leib und Seel gegeben. 2. Ach! wann werd ich dahin kommen, Daß ich Gottes Angesicht, Das gewünschte Licht der Frommen, Schau mit meiner Augen Licht? Meine Thränen sind mein Brot Tag und Nacht in meiner Noth, Wenn mich schmähen meine Spötter: „ Wo ist nun dein Gott und Retter?" 3. Wenn ich denn des innen werde, Schütt ich mein Herz bei mir aus; Wollte gerne mit der Heerde Deiner Kinder in dein Haus, Ja, in dein Haus wollt ich gern Gehen, und dir, meinem Herrn, In der Schaar, die Opfer bringen, Mit erhabner Stimme singen. 4. Was bist du so hoch betrübet Und voll Unruh, meine Seel? Harr auf Gott, der herzlich liebet, Und wohl siehet was dich quäl! Ei, ich werd ihm dennoch hier Fröhlich danken, daß er mir, Wenn mein Herz ich zu ihm richte, Hilft mit seinem Angesichte. Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 5. Mein Gott, ich bin voller Schande, Meine Seele voller Leid; Darum denk ich dein im Lande Bei dem Jordan, an der Seit, Da Hermonim hoch herfür, Und hingegen meine Zier, Zion, ein klein wenig steiget Und dir Kron und Scepter neiget. 6. Deines Zornes Fluten sansen Mit Gewalt auf mich daher; Dein Gericht und Eifer brausen Wie das wilde tiefe Meer; Deine Wellen, heben sich Hoch empor und haben mich Mit ergrimmten Wasserwogen Fast zu Grund hinabgezogen. 7. Gott, der Herr, hat mir versprochen, Wenn es Tag ist, seine Güt, Und wenn sich die Sonn verkrochen, Heb ich zu ihm mein Gemüth, Spreche: ,, Du mein Fels und Stein, Gegen welchen alles klein, Dem ich in dem Schoos gesessen, Warum hast du mein vergessen? 8. Warum muß ich gehn und weinen Ueber meiner Feinde Wort? Es ist mir in meinen Beinen Durch und durch als wie ein Mord, Wenn sie sagen:, Wo ist mun Dein Gott und sein großes Thun, Davon, wenn du sicher lagest, Du so viel zu rühmen pflagest?"" 9. Was bist du so hoch betrübet Und voll Unruh, meine Seel? Harr auf Gott, der herzlich liebet, Und wohl siehet, was dich quäl! Univ.- Bisl. Glessen 15 225 226 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. Ei, ich werd ihm dennoch hier Fröhlich danken für und für, Daß er meinem Angesichte selbst giebt zum Heil und Lichte. 73. Der 52ste Pfalm Davids. In seiner eigenen Weise. 1667. 1. Was trotzest du, stolzer Tyrann, Daß deine stolze Gewalt Den Armen viel Schaden thun kann? Verkreuch dich und schweige nur bald! Denn Gottes des ewigen Güte Bleibt immer in völliger Blüte, Und währet noch täglich und stehet, Ob alles gleich sonsten vergehet. 2. Die Zunge, dein schädliches Glied, Du falscher verlogener Mund, Thut manchen gefährlichen Schnitt, Schlägt alles zu Schanden und wund: Was unrecht, das sprichst du mit Freuden, Was recht ist, das kannst du nicht leiden, Die Wahrheit verdrückst du, die Lügen Muß Oberhand haben und siegen. 3. Dein Dichten, dein Trachten, dein Thun Ist einzig auf Schaden bedacht. Da ist dir unmöglich zu ruhn, Du habest denn Böses vollbracht! Dein Rachen sucht lauter Verderben, Und wenn nur viel Frommen ersterben Von deiner vergälleten Zungen, So meinst du, es sei dir gelungen. Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 4. Drum wird dich auch Gottes Gericht Zerstören, verheeren im Grimm; Die Rechte, die alles zerbricht Mit Donner und blitzender Stimm, Die wird dich zu Grunde zerschlagen, Und wird dich mit schrecklichen Plagen Aus deinem bisherigen Bleiben Sammt allen den Deinen vertreiben. 5. Das werden mit Freuden und Lust Die frommen Gerechten ersehn, Die anders bisher nicht gewußt, Als ob es nun gänzlich geschehn, Die werden mit Schrecken dastehen, Wenn jene zu Grunde vergehen, Und endlich mit heiligem Lachen Sich wiederum lustig bei machen. 6. ,, Ei, siehe!" wird's heißen, da liegt Der prächtige, mächtige Mann, Der, stetig mit Erden vergnügt, Den Himmel bei Seite gethan: Vom Reichthum war immer sein Prangen, Und wenn er die Unschuld gefangen, So hielt er's für treffliche Thaten; Ei, fiehe! wie ist's ihm gerathen?" 7. Ich hoffe mit freudigem Geist Ein anders und besseres Glück; Denn was mir mein Vater verheißt, Das bleibet doch nimmer zurück: Ich werde des Friedens genießen, Auch wird sich der Segen ergießen Und mich mit erwünschtem Gedeihen Sammt allen den Meinen erfreuen. 8. Ich werde nach Weise des Baums, Der Dele trägt, grünen und blühn, Mich freuen des seligen Naums, Den ohne mein eignes Bemühn 15* 227 228 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. Mein Herrscher, mein Helfer, mein Leben Mir selber zu eigen gegeben Im Hause, da täglich mit Loben Sein Name wird herrlich erhoben. 9. Trotz sei dir, du trotzender Koth! Ich habe den Höchsten bei mir: Wo der ist, da hat es nicht Noth, Und fürcht ich mich gar nicht vor dir. Du, mein Gott, kannst alles wohl machen, Dich setz' ich zum Richter der Sachen, Und weiß es, es wird sich mein Leiden Bald enden in Jauchzen und Freuden. 74. Der 62ste psalm Davids. Weise: Du, o schönes Weltgebäude. 1667. 1. Meine Seel ist in der Stille, Tröstet sich des Höchsten Kraft, Deffen Rath und heil'ger Wille Mir bald Rath und Hilfe schafft. Der kann mehr, als alle Götter, Ist mein Hort, mein Heil, mein Retter, Daß kein Fall mich stürzen kann, Tret er noch so heftig an. 2. Meine Haffer, hört! wie lange Stellt ihr alle einem nach? Ihr macht meinem Herzen bange, Mir zur Ehr und euch zur Schmach; Hanget wie zerrissne Mauern Und wie Wände, die nicht dauern, Ueber mir, und seid bedacht, Wie ich werde todt gemacht. Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 3. Ja, fürwahr, das Ein'ge denken Die, so mir zuwider seind, Wie sie mir mein Leben senken Dahin, da kein Licht mehr scheint. Darum geht ihr Mund auf's Lügen Und das Herz auf lauter Trügen, Gute Wort' und falsche Tück Ist ihr bestes Meisterstück. 4. Dennoch bleib' ich ungeschrecket, Und mein Geist ist unverzagt In dem Gotte, der mich decket, Wenn die arge Welt mich plagt. Auf den harret meine Seele, Da ist Trost, den ich erwähle, Da ist Schutz, der mir gefällt, Und Errettung, die mich hält. 5. Nimmer, nimmer werd' ich fallen, Nimmer werd' ich untergehn, Denn hier ist, der mich vor allen, Die mich drücken, kann erhöhn. Bei dem ist mein Heil und Ehre, Meine Stärke, meine Wehre, Meine Freud und Zuversicht Ist nur stets auf Gott gericht't. 6. Hoffet allzeit, lieben Leute, Hoffet allzeit stark auf ihn! Kommt die Hilfe nicht bald heute, Falle doch der Muth nicht hin, Sondern schüttet aus dem Herzen Eures Herzens Sorg und Schmerzen, Legt sie vor sein Angesicht, Traut ihm fest und zweifelt nicht. 7. Gott kann alles Unglück enden, Wird's auch herzlich gerne thun Denen, die sich zu ihm wenden Und auf seiner Güte ruhn. 229 230 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. Aber Menschenhilf ist nichtig, Ihr Vermögen ist nicht tüchtig, Wär' es gleich noch eins so groß, Uns zu machen frei und los. 8. Große Leute, große Thoren, Prangen sehr und sind doch Koth; Füllen Sinnen, Aug und Ohren, Kommt's zur That, so sind sie todt. Will man ihres Thuns und Sachen Eine Prob und Rechnung machen, Nach dem Ausschlag des Gewichts, Sind sie weniger denn nichts. 9. Laßt sie fahren, lieben Kinder, Da ist schlechter Vortheil bei! Habt vor Allem, was die Sünder Frechlich treiben, Furcht und Scheu. Laßt euch Eitelkeit nicht fangen, Nach, was nichts ist, nicht verlangen; Käm auch Gut und Reichthum an, Ei! so hängt das Herz nicht dran. 10. Wo das Herz am besten stehe, Lehrt am besten Gottes Wort Aus der güldnen Himmelshöhe; Denn da hör ich fort und fort, Daß er groß und reich von Kräften, Rein und heilig in Geschäften, Gütig dem, der Gutes thut; Nun, der sei mein schönstes Gut! Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 75. Der 73fte Pfalm Davids. Weise: Es spricht der Unweisen Mund wohl. Es ist das Heil uns kommen her. Gott ist mein Licht, der Herr mein Heil. 1656. 1. Sei wohlgemuth, o Christenseel, Im Hochmuth deiner Feinde! Es hat das rechte Israel Noch dennoch Gott zum Freunde. Wer glaubt und hofft, der wird geliebt Von dem, der unsern Herzen giebt Trost, Friede, Freud und Leben. 2. Zwar thut es weh und ärgert sehr, Wenn man vor Augen siehet, Wie dieser Welt gottloses Heer So schön und herrlich blühet; Sie sind in keiner Todesfahr, Erleben hier so manches Jahr Und stehen wie Paläste. 3. Sie haben Glück und wissen nicht, Wie Armen sei zu Muthe; Gold ist ihr Gott, Geld ist ihr Licht, Sind stolz bei großem Gute. Sie reden hoch, und das gilt schlecht, Was Andre sagen, ist nicht recht, Es ist ihn'n viel zu wenig. 4. Des Pöbelvolks unweiser Hauf Ist auch auf ihrer Seite; Sie sperren Maul und Nase auf Und sprechen:„ Das sind Leute! Das sind ohn allen Zweifel die, Die Gott vor allen Andern hie Zu Kindern auserkoren. 231 232 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 5. Was sollte doch der hohe Gott Nach jenen andern fragen, Die sich mit Armuth, Kreuz und Noth Bis in die Grube tragen? Wem hier des Glückes Gunst und Schein Nicht leuchtet, kann kein Christe sein, Er ist gewiß verstoßen." 6. Soll's denn, mein Gott, vergebens sein, Daß dich mein Herze liebet? Ich liebe dich, und leide Pein, Bin dein, und doch betrübet. Ich hätte bald auch so gedacht Wie jene Notte, die nichts acht't, Als was vor Augen pranget. 7. Sich aber, sieh! in solchem Sinn Wär ich zu weit gekommen; Ich hätte blos verdammt dahin Die ganze Schaar der Frommen. Denn hat auch je einmal gelebt Ein frommer Mensch, der nicht geschwebt In großem Kreuz und Leiden? 8. Ich dachte hin, ich dachte her, Ob ich es möcht ergründen. Es war mir aber allzu schwer, Den rechten Schluß zu finden, Bis daß ich ging in's Heiligthum, Und merkte, wie du, unser Ruhm, Die Bösen führst zum Ende. 9. Ihr Gang ist schlüpfrig, glatt ihr Pfad, Shr Tritt ist ungewisse; Du suchst sie heim nach ihrer That Und stürzest ihre Füße. Im Hui ist alles umgewendt; Da nehmen sie ein plößlich End Und fahren hin mit Schrecken. Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 10. Heut grünen sie gleich wie ein Baum, Ihr Herz ist froh und lachet, Und morgen sind sie wie ein Traum, Von dem der Mensch aufwachet, Ein bloßer Schatt, ein todtes Bild, Das weder Hand noch Auge füllt, Verschwindt im Augenblicke. 11. Es mag drum sein, es währe gleich Mein Kreuz, so lang ich lebe! Ich habe g'nug am Himmelreich, Dahin ich täglich strebe. Hält mich die Welt gleich als ein Thier, Ei! lebst du, Gott, doch über mir, Du bist mein Ehr' und Krone. 12. Du heilest meines Herzens Stich Mit deiner süßen Liebe, Und wehrst dem Unglück, daß es mich Nicht allzu hoch betrübe. Du leitest mich mit deiner Hand, Und wirst mich endlich in den Stand Der rechten Ehren setzen. 13. Wenn ich nur dich, o starker Held, Behalt in meinem Leide, So acht ich's nicht, wenn gleich zerfällt Das große Weltgebäude. Du bist mein Himmel, und dein Schoos Bleibt allzeit meine Burg und Schloß, Wenn diese Erd entweichet. 233 14. Wann mir gleich Leib und Seel verschmacht't, So kann ich doch nicht sterben, Denn du bist meines Lebens Macht, Und läßt mich nicht verderben. Was frag ich nach dem Erb und Theil Auf dieser Welt? Du, du, mein Heil, Du bist mein Theil und Erbe. 234 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 15. Das kann die gottvergessne Rott Mit Wahrheit nimmer sagen; Sie weicht von dir und wird zu Spott, Verdirbt in großen Plagen. Mir aber ist's, wie dir bewußt, Die größte Freud und höchste Lust, Daß ich mich zu dir halte. 16. So will ich nun die Zuversicht Auf dich beständig setzen, Es werde mich dein Angesicht Zu rechter Zeit ergetzen; Indessen will ich stille ruhn, Und deiner weisen Hände Thun Mit meinem Munde preisen. 76. Der 85ste psalm Davids. In Kriegszeiten. Weise: Wär Gott nicht mit uns diese Zeit, oder: Eigne Weise. 1653.*) 1. Herr, der du vormals hast dein Land Mit Gnaden angeblicket, Und des gefangnen Jakobs Band Gelöst und ihn erquicket, Der du die Sünd und Missethat, Die dein Volk vor begangen hat, Hast väterlich verziehen: 2. Herr, der du deines Eifers Glut Zuvor oft abgewendet, Und nach dem Zorn das süße Gut Der Lieb und Huld gesendet: Ach, frommes Herz! ach unser Heil! Nimm weg und heb auf in der Eil, Was uns anjetzo kränket. Gedichtet vor 1648, Paul Gerhardts Geistliche Lieder 3. Lösch aus, Herr, deinen großen Grimm Im Brunnen deiner Gnaden! Erfreu und tröst uns wiederum Nach ausgestandnem Schaden! Willst du denn zürnen ewiglich, Und sollen deine Fluten sich Ohn alles End ergießen? 4. Willst du, o Bater, uns denn nicht Nun einmal wieder laben? Und sollen wir an deinem Licht Nicht wieder Freude haben? Ach! geuß aus deines Himmels Haus, Herr, deine Güt und Segen aus Auf uns und unsre Häuser. 5. Ach, daß ich hören soll das Wort Erschallen bald auf Erden, Daß Friede sollt an allem Ort, Wo Christen wohnen, werden! Ach, daß uns Gott doch sagte zu Des Krieges Schluß, der Waffen Ruh Und alles Unglücks Ende! 235 6. Ach, daß doch diese böse Zeit Sich stellt in guten Tagen, Damit wir in dem großen Leid Nicht möchten ganz verzagen! Doch ist ja Gottes Hilfe nah, Und seine Gnade stehet da All denen, die ihn fürchten. 7. Wenn wir nur fromm sind, wird sich Gott Schon wieder zu uns wenden, Den Krieg und alle andre Noth Nach Wunsch und also enden, Daß seine Ehr in unserm Land Und über alle werd' erkannt, Sa stetig bei uns wohne. 236 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 8. Die Güt und Treue werden schön Einander grüßen müssen, Gerechtigkeit wird einher gehn, Und Friede wird sie küssen. Die Treue wird mit Lust und Freud Auf Erden blühn, Gerechtigkeit Wird von dem Himmel schauen. 9. Der Herr wird uns viel Gutes thun, Das Land wird Früchte geben, Und die in seinem Schooße ruhn, Die werden davon leben; Gerechtigkeit wird dennoch stehn Und stets in vollem Schwange gehn Zur Ehre seines Namens. 77. Der 91ste Psalm Davids. Weise: An Wasserflüssen Babylon. 1656. 1. Wer unterm Schirm des Höchsten sitzt, Der ist sehr wohl bedecket; Wenn alles donnert, kracht und blitzt, Bleibt sein Herz ungeschrecket. Er spricht zum Herrn: Du bist mein Licht, Mein' Hoffnung, meine Zuversicht, Mein Thurm und starke Veste. Du rettest mich von's Jägers Strick, Und treibst des Todes Netz zurück, Und schützest mich auf's beste." 2. Frisch auf, mein Herz! Gott stärket dich Mit Kraft auf allen Seiten. Schau her, wie seine Flügel sich Ganz über dich ausbreiten! Sein Schirm umfängt und deckt dich gar, Sein Schild fängt auf was hier und dar Paul Gerhardts Geistliche Lieder. Von Pfeilen fleucht und tobet: Der Schild ist Gottes wahres Wort, Der Schirm ist was der starke Hort Versprochen und gelobet. 3. Wenn dich die schwarze Nacht umgiebt, Kannst du fein sicher schlafen; Des Tages bleibst du unbetrübt Von deines Feindes Waffen. Die Peste, die im Finstern schleicht Und des Mittags umher freucht, Wird von dir abgeführet. Und wenn gleich tausend fallen hier, Und zehen tausend hart bei dir, Bleibst du doch unberühret. 4. Hingegen wirst du Lust und Freud An deinen Feinden sehen, Wenn ihnen alles Herzeleid Vom Höchsten wird geschehen. Wer Gott verläßt, wird wiederüm Verlassen und mit großem Grimm Zu seiner Zeit geschlagen, Du aber, der du bleibst bei Gott, Findst Gnad und darfst in keiner Noth Ohn Hilf und Trost verzagen. 5. Kein Uebels wird zu deiner Hütt Eingehn und dir begegnen. Gott wird all deine Tritt und Schritt Auf deinen Wegen fegnen; Denn er hat seiner Engelschaar Befohlen, daß sie vor Gefahr Dich ganz genau bewahren, Daß dein Fuß möge sicher sein, Und nicht vielleicht an einen Stein Zu deinem Schaden fahren. 6. Du wirst auf wilden Leuen stehn, Und treten auf die Drachen, 237 Du wirst ihr Gift und scharfe Zähn In deinem Sinn verlachen. 238 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. Das macht's, daß Gott will bei dir sein, Der spricht: ,, Mein Knecht begehret mein, So will ich ihm beispringen. Er fennet meines Namens Zier, Drum will ich ihm auch nach Begier Mein' Hilf und Rettung bringen. 7. Er ruft mich an, so will ich ihn Ganz gnädiglich erhören; Wenn sein Feind auf ihn aus will ziehn, So will ich stehn und wehren. Ich will ihn reißen aus dem Tod, Und nach erlittner Angst und Noth, Mit großer Ehr ergötzen. Ich will ihn machen lebenssatt, Und wenn er g'nug gelebet hat, In's ew'ge Heil versetzen." 78. Ist nicht Ephraim mein theurer Sohn. Jerem. 31, 20. Weise: Herr, straf mich nicht in deinem Zorn. Es ist das Heil uns kommen her, oder: Eigne Weise. 1653. 1. Ist Ephraim nicht meine Kron Und meines Herzens Wonne? Mein trautes Kind, mein theurer Sohn, Mein Stern und meine Sonne? Mein' Augenlust, mein' edle Blum, Mein auserwähltes Eigenthum Und meiner Seele Freude? 2. Ich höre seines Seufzers Stimm Und hochbetrübtes Klagen: Mein Gott hat mich," spricht Ephraim, Gestraft und hart geschlagen; Er sucht mich heim mit harter Zucht, Das ist mein Lohn, das ist die Frucht Und Nutzen meiner Sünden." 11 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 3. Hör alle Welt: Ich bin getreu Und halte mein Versprechen. Was ich geredt, da bleibt es bei, Mein Wort werd ich nicht brechen. Das soll mein Ephraim gar bald Erfahren, und mich dergestalt Recht aus dem Grund erkennen. 4. Ich denk noch wohl an meinen Eid, Den ich geschworen habe, Da ich aus lauter Gütigkeit Mich ihm zu eigen gabe; Ich sprach: du hast mein Herz erfüllt Mit deiner Lieb, ich bin dein Schild, Und will's auch ewig bleiben. 5. Ich will mit meiner starken Hand Dich als ein Vater führen. Dich selbst will ich und auch dein Land Auf's schönst und beste zieren. Und wirst du mir gehorsam sein, So soll dich meines Segens Schein Ohn alles End erfreuen. 6. Wo du dich aber bösen Rath Wirst von mir wenden lassen, So will ich deine Missethat Heimsuchen, doch mit Maßen: Und wenn du wiederkehrst zu mir, So will ich wieder auch zu dir Mich mit Erbarmen kehren." 7. Nun kehrt zu mir mein Ephraim, Sucht Gnad in meinen Armen, Drum bricht mein Herze gegen ihm Und muß mich sein erbarmen. Der Unmuth fällt mir mit Gewalt, Mein Eingeweide hitzt und wallt In treuer Lieb und Gnade. 239 240 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 8. Kommt, alle Sünder, kommt zu mir, Bereuet eure Sünden, Und suchet Gnad an meiner Thür, Shr sollt sie reichlich finden! Wer sich mit Ephraim bekehrt, Wird auch mit Ephraim erhört, Und hier und dort getröstet. 79. Was soll ich aus dir machen, Ephraim. Hof. 11, 8. 9. Weise: An Wasserflüssen Babylon. 1656. 1. Was soll ich doch, o Ephraim, Was soll ich aus dir machen? Der du so oftmals meinen Grimm Haft pflegen zu verlachen? Soll ich dich schützen, Israel? Soll ich dir deine freche Seel Hinfürder noch bewahren, Aus welcher doch von Jugend auf Ein solcher großer Sündenhauf Ohn alle Scheu gefahren? 2. Sollt ich nicht billig deiner That Und Leben gleich mich stellen, Und dich wie Sodom, ohne Gnad Und wie Adama fällen? Sollt ich nicht billig meine Glut Auf dein verfluchtes Gut und Blut, Wie auf Zeboim, schütten? Dieweil du ja mein Wort und Bahn Fast ärger noch, als sie gethan, Bis hieher überschritten? 3. Ja, billig sollt ich dich dahin In alles Herzleid senken. Allein es will mir nicht zu Sinn, Ich hab ein andres Denken. Paul Gerhardts Geistliche Lieder. Mein Herze will durchaus nicht dran, Daß dir es thu, wie du gethan, Es brennt vor Gnad und Liebe; Mich jammert dein von Herzen sehr, Und kann nicht sehen, daß das Heer Der Höllen dich betrübe. 4. Ich kann und mag nicht, wie du wohl Verdienet, dich verderben, Ich bin und bleib Erbarmens voll, Und halte nichts vom Sterben. Denn ich bin Gott, der treue Gott, Mit nichten einer aus der Rott Der bösen Adamskinder, Die ohne Treu und Glauben seind, Und werden ihren Feinden feind Und täglich größre Sünder. 5. So bin ich nicht, das glaube mir, Und nimm's recht zu Gemüthe! Ich bin der Heil'ge unter dir, Der ich aus lauter Güte Für meine Feinde in den Tod Und in des bittern Kreuzes Noth Mich als ein Lamm will geben: Ich, ich will tragen alle Last, Die du dir, Mensch, gehäuset hast, Auf daß du mögest leben. 6. O heil'ger Herr, o ew'ges Heil, Versöhner meiner Sünden! Ach, Heil'ge mich, und laß mich Theil In, bei und an dir finden. Erwecke mich zur wahren Reu, Und gieb, daß ich dein' edle Treu Im festen Glauben faffe; Auch tödte mich durch deinen Tod, Damit ich allen Sündenkoth Hinfort von Herzen hasse. 241 16 212 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 80. Kommt, wir wollen wieder zum Herren. Hof. 6. Weise: Zion tlagt mit Angst und Schmerzen. Wie der Hirsch im großen Dürsten. 1655. 1. Kommt, ihr traurigen Gemüther, Kommt, wir wollen wiederkehrn Zu dem Herren, dessen Güter Kein Verderben kann verzehrn, Deffen Macht kein Unglück fällt, Dessen Gnade wieder stellt, Was sein Eifer umgestürzet, Seine Gnad bleibt unverkürzet. 2. 3war er hat uns ja zerrissen Mit ergrimmtem Angesicht, Und uns, da er uns geschmissen, Sehr erbärmlich zugericht't; Doch deswegen unverzagt! Eben der uns schlägt und plagt, Wird die Wunden unsrer Sünden Wieder heilen und verbinden. 3. Alle Noth, die uns umfangen, Springt vor seinem Arm entzwei: Wenn zwei Tage sind vergangen, Macht er uns vom Tode frei, Daß wir, wenn des dritten Licht Durch des Himmels Fenster bricht, Fröhlich auf erneuter Erden Vor ihm stehn und leben werden. 4. Alsdann wird man Acht drauf haben Und mit großem Fleiße sehn, Was für Wunder, Gnad und Gaben Uns von oben her geschehn. Paul Gerhardts Geistliche Lieder. Da wird dieses nur allein Unsers Herzens Sorge sein, Daß wir Gott, des wir uns nennen, Mögen recht und wohl erkennen. 5. Denn er wird sich zu uns machen Wie die schöne Morgenröth, Ueber welche Lust und Lachen Bei der ganzen Welt entsteht; Er wird kommen uns zur Freud Eben zu der rechten Zeit, Voller süßen Kraft und Segen, Wie die früh und spaten Regen. 6. Ach, wie will ich dich ergötzen, O mein hochgeliebtes Volk! Meine Gnade soll dich netzen Wie ein' ausgespannte Wolk, Eine Wolke, die das Feld, Wenn der Morgen weckt die Welt Und die Sonne noch nicht leuchtet, Mit dem frischen Thau befeuchtet. XII. Lob- und Danklieder. 81. Nun danket alle Gott. Sir. 50, 24. Weise: Lobt Gott, ihr Christen, allegleich. 1647. 1. Nun danket all und bringet Ehr, Ihr Menschen in der Welt, Dem, dessen Lob der Engel Heer Im Himmel stets vermeldt. 2. Ermuntert euch und singt mit Schall Gott, unserm höchsten Gut, Der seine Wunder überall Und große Dinge thut. 16* 243 244 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 3. Der uns von Mutterleibe an Frisch und gesund erhält, Und wo kein Mensch nicht helfen kann, Sich selbst zum Helfer stellt. 4. Der, ob wir ihn gleich hoch betrübt, Doch bleibet gutes Muths, Die Straf erläßt, die Schuld vergiebt Und thut uns alles Guts. 5. Er gebe uns ein fröhlich Herz, Erfrische Geist und Sinn, Und werf all Angst, Furcht, Sorg und Schmerz In's Meeres Tiefe hin. 6. Er laffe seinen Frieden ruhn In Israelis Land, Er gebe Glück zu unserm Thun Und Heil in allem Stand. 7. Er laffe seine Lieb und Güt Um, bei und mit uns gehn, Was aber äugstet und bemüht Gar ferne von uns stehn. 8. So lange dieses Leben währt, Sei er stets unser Heil, Und wenn wir scheiden von der Erd, Verbleib er unser Theil. 9. Er drücke, wenn das Herze bricht, Uns unsre Augen zu, Und zeig uns drauf sein Angesicht Dort in der ew'gen Ruh.*) *) Das Gesangbuch von Joh. Olearius v. 1671 hat folgenden Zusatzvers: Daß wir ihn loben allzugleich Um seine Gütigkeit Und sagen Gott in seinem Reich, Lob, Preis in Ewigkeit. Amen! Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 82. Sollt ich meinem Gott nicht fingen? Cn seiner eigenen Weise, oder: Lasset uns den Herren preisen. 1656. 1. Sollt ich meinem Gott nicht fingen, Sollt ich ihm nicht dankbar sein? Denn ich seh in allen Dingen, Wie so gut er's mit mir mein. Ist doch nichts als lauter Lieben, Das sein treues Herze regt, Das ohn Ende hebt und trägt, Die in seinem Dienst sich üben. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit. 2. Wie ein Adler sein Gefieder Ueber seine Jungen streckt, Also hat auch hin und wieder Mich des Höchsten Arm bedeckt, Alsobald im Mutterleibe, Da er mir mein Wesen gab, Und das Leben, das ich hab Und noch diese Stunde treibe. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit. 245 3. Sein Sohn ist ihm nicht zu theuer, Nein, er giebt ihn für mich hin, Daß er mich vom ew'gen Feuer Durch sein theures Blut gewinn. O du ungegründter Brunnen! Wie will doch mein schwacher Geist, Ob er sich gleich hoch befleißt, Deine Tief ergründen können? Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit. B 246 Paul Gerhardts Geistliche Lieber. 4. Seinen Geist, den edlen Führer, Giebt er mir in seinem Wort, Daß er werde mein Negierer Durch die Welt zur Himmelspfort, Daß er mir mein Herz erfülle Mit dem hellen Glaubenslicht, Das des Todes Reich zerbricht Und die Hölle selbst macht stille. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit. 5. Meiner Seelen Wohlergehen Hat er ja recht wohl bedacht, Will dem Leibe Noth zustehen, Nimmt er's gleichfalls wohl in Acht. Wenn mein Können, mein Vermögen Nichts vermag, nichts helfen kann, Kommt mein Gott und hebt mir an Sein Vermögen beizulegen. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit. 6. Himmel, Erd und ihre Heere Hat er mir zum Dienst bestellt. Wo ich nur mein Aug hinkehre, Find ich, was mich nährt und hält. Thier und Kräuter und Getreide In den Gründen, in der Höh, In den Büschen, in der See, Ueberall ist meine Weide. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit. 7. Wenn ich schlafe, wacht sein Sorgen Und ermuntert mein Gemüth, Daß ich alle liebe Morgen Schaue neue Lieb und Güt. Wäre mein Gott nicht gewesen, Hätte mich sein Angesicht Paul Gerhardts Geistliche Lieder. Nicht geleitet, wär ich nicht Aus so mancher Angst genesen. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit. 8. Wie so manche schwere Plage Wird vom Satan' rumgeführt, Die mich doch mein Lebetage Niemals noch bisher gerührt; Gottes Engel, den er sendet, Hat das Böse, was der Feind Anzurichten war gemeint, In die Ferne weggewendet. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit. 9. Wie ein Vater seinem Kinde Sein Herz niemals ganz entzeucht, Ob es gleich bisweilen Sünde Thut und aus der Bahne weicht, Also hält auch mein Verbrechen Mir mein frommer Gott zu gut, Will mein Fehlen mit der Ruth und nicht mit dem Schwerte rächen. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit. 10. Seine Strafen, seine Schläge, Ob sie mir gleich bitter seind, Dennoch, wenn ich's recht erwäge, Sind es Zeichen, daß mein Freund, Der mich liebet, mein gedenke, Und mich von der schnöden Welt, Die uns hart gefangen hält, Durch das Kreuze zu ihm lenke. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit. 11. Das weiß ich fürwahr und laffe Mir's nicht aus dem Sinne gehn: Christenkreuz hat seine Maße Und muß endlich stille stehn. 247 248 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. Wenn der Winter ausgeschneiet, Tritt der schöne Sommer ein; Also wird auch nach der Pein, Wer's erwarten kann, erfreuet. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit. 12. Weil denn weder Ziel noch Ende Sich in Gottes Liebe findt, Ei! so heb ich meine Hände Zu dir, Vater, als dein Kind, Bitte, wollst mir Gnade geben, Dich aus aller meiner Macht Zu umfangen Tag und Nacht Hier in meinem ganzen Leben. Bis ich dich nach dieser Zeit Lob und lieb in Ewigkeit. 83. Danklied für gute Leibesgesundheit. Weise: Christus, der uns selig macht. 1656. 1. Wer wohl auf ist und gesund, Hebe sein Gemüthe, Und erhöhe seinen Mund, Zu des Höchsten Güte. Laßt uns danken Tag und Nacht Mit gesunden Liedern Unserm Gott, der uns bedacht Mit gesunden Gliedern! 2. Ein gesundes, frisches Blut Hat ein fröhlich's Leben, Giebt uns Gott dies einge Gut, Ist uns g'nug gegeben Paul Gerhardts Geistliche Lieder. Hier in dieser armen Welt, Da die schönsten Gaben Und des güldnen Himmels Zelt Wir noch künftig haben. 3. Wär ich gleich wie Eröfus reich), Hätte Baarschaft liegen, Wär ich Alexandern gleich An Triumph und Siegen, Müßte gleichwohl siech und schwach Pfühl und Betten drücken, Würd auch mich im Ungemach All mein Gut erquicken? 4. Stünde gleich mein ganzer Tisch Voller Lust und Freude, Hätt' ich Wildpret, Wein und Fisch Und die ganze Weide, Die den Hals und Schmack ergötzt, Wozu würd es nützen, Wenn ich dennoch ausgesetzt Müßt in Schmerzen sizzen? 5. Hätt' ich aller Ehren Pracht, Säß im höchsten Stande, Wär ich mächtig aller Macht Und ein Herr im Lande, Mein Leib aber hätte doch Auf und angenommen Der betrübten Krankheit Joch, Was hätt' ich für Frommen? 6. Ich erwähl ein Stücklein Brot, Das mir wohl gedeihet, Vor des rothen Goldes Koth, Da man Ach! bei schreiet. Schmeckt mir peis' und Mahlzeit wohl, Und darf mein nicht schoneu, Halt ich ein Gerichtlein Kohl Höher als Melouen. 249 250 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 7. Sammt und Purpur hilft mir nicht Mein Elende tragen, Wenn mich Hauptweh, Stein und Gicht Und die Schwindsucht plagen. Lieber will ich fröhlich gehn Im geringen Kleide, Als mit Leid und Aengsten stehn In der schönsten Seide. 8. Sollt ich stumm und sprachlos sein Oder lahm an Füßen, Sollt ich nicht des Tages Schein Sehen und genießen, Sollt ich gehen spat und früh Mit verschlofsnen Ohren, Wollt ich wünschen, daß ich nie Wär ein Mensch geboren. 9. Lebt ich ohne Rath und Witz, Wär im Haupt verirret, Hätte meiner Seelen Sitz, Mein Herz, sich verwirret, Wäre mir mein Muth und Sinn Niemals guter Dinge, Wär es besser, daß ich hin, Wo ich her bin, ginge. 10. Aber nun gebricht mir nichts An erzählten Stücken: Ich erfreue mich des Lichts Und der Sonnen Blicken, Mein Gesichte sieht sich üm, Mein Gehöre höret, Wie der Vöglein süße Stimm Ihren Schöpfer ehret. 11. Händ' und Füße, Herz und Geist Sind bei guten Kräften; Alle mein Vermögen fleußt Und geht in Geschäften, Paul Gerhardts Geistliche Lieder. Die mein Herrscher hat gestellt Hier in meinem Bleiben, Also lang es ihm gefällt, In der Welt zu treiben. 12. Ist es Tag, so mach und thu Ich, was mir gebühret, Kommt die Nacht und süße Ruh, Die zum Schlafen führet, Schlaf und ruh ich unbewegt, Bis die Sonne wieder Mit den hellen Strahlen regt Meine Augenlider. 13. Habe Dank, du milde Hand, Die du aus dem Throne Deines Himmels mir gesandt Diese schöne Krone Deiner Gnad und großen Huld, Die ich all mein Tage Niemals hab um dich verschuldt, Und doch an mir trage! 14. Gieb, so lang ich bei mir hab' Ein lebendigs Hauchen, Daß ich solche theure Gab Auch wohl möge brauchen; Hilf, daß mein gesunder Mund Und erfreute Sinnen Dir zu aller Zeit und Stund Alles Lieb's beginnen. 15. Halte mich bei Stärk und Kraft, Wenn ich nun alt werde, Bis mein Stündlein hin mich rafft In das Grab und Erde. Gieb mir meine Lebenszeit Ohne sonderm Leide, Und dort in der Ewigkeit Die vollkommne Freude. 251 252 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 84. Schutz Gottes in bisherigen gefährlichen Kriegszeiten. Weise: Warum betrübst du dich, mein Herz. 1653. 1. Wie ist so groß und schwer die Last, Die du uns aufgeleget haft, O aller Götter Gott! Gott, der du streng und eifrig bist Dem, der nicht fromm und heilig ist! 2. Die Laft, die ist die Kriegesflut, So jetzt die Welt mit rothem Blut Und heißen Thränen füllt; Es ist das Feu'r, das hitzt und brennt, So weit fast Sonn und Mond sich wendt. 3. Groß ist die Last, doch ist dabei Dein starker Schutz und Vatertreu Uns gar nicht unbekannt: Du strafft, und mitten in dem Leid Erzeigst du Lieb und Freundlichkeit. 4. Wir unsers Theils sind dir verpflicht't Dafür, daß du dein Heil und Licht Uns niemals ganz versagt; Viel Andre hast du abgelohnt, Uns hast du ja noch oft verschont. 5. Wie manchmal hat sich hier und dar Ein großes Wetter der Gefahr Um uns gezogen auf: Dein' Hand, die Erd und Himmel trägt, Hat Sturm und Wetter beigelegt. 6. Wie oftmals hat bei Tag und Nacht Der Feinde List und große Macht Uns, deine Heerd, umringt. Du aber, o du treuer Hirt! Hast unsern Wolf zurückgeführt. Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 7. Viel unsrer Brüder sind geplagt, Von Haus und Hof dazu verjagt, Wir aber haben noch Beim Weinstock und beim Feigenbaum Ein jeder seinen Sitz und Raum. 8. Sieh an, mein Herz! wie Stadt und Land An vielen Orten ist gewandt Zum tiefsten Untergang; Der Menschen Hütten sind verstört, Die Gotteshäuser umgekehrt. 9. Bei uns ist ja noch Polizei, Auch leisten wir noch ohne Scheu Dem Herren seinen Dienst: Man lehrt und hört ja fort und fort Alltäglich bei uns Gottes Wort. 10. Wer dieses nun nicht will verstehn, Läßt's in die Luft und Winde gehn, Und bei so hellem Licht Nicht Gottes Gnad und Güt erkennt, Der ist fürwahr durchaus verblendt. 253 11. O frommer Gott, nimm von uns hin Solch Unvernunft, richt unsern Sinn, Daß wir zur Dankbarkeit Mit Lobgesang und süßem Ton Uns finden stets vor deinem Thron! 12. Nicht unserm Werk, nicht unserm Thun, Allein dir, dir, o Gnadenbrunn, Gebührt all Ehr und Ruhm! Wir haben Zorn und Tod verschuldt, Du zahlest uns mit Lieb und Huld. 13. Laß diese Lieb als eine Glut In uns entzünden Herz und Muth, Gieb engelische Brunft, Daß alle unsre Aederlein 3u singen dir bereitet sein. 254 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 14. Laß auch einmal nach so viel Leid Uns wieder scheinen unsre Freud, Des Friedens Angesicht, Das mancher Mensch noch nie einmal Geschaut in diesem Jammerthal. 15. Sind wir's nicht werth, so sich doch an Die, so kein Unrecht je gethan, Die kleinen Kinderlein: Soll'n sie denn in der Wiegen noch Mit tragen solches schweres Joch? 16. Erbarm dich, o barmherzig's Herz, So vieler Seufzer, die der Schmerz Uns aus dem Herzen zwingt! Du bist ja Gott und nicht ein Stein, Wie kannst du denn so harte sein? 17. Wir sind an bösen Wunden krank, Voll Eiter, Striemen, Koth und Stank, Du, Herr, bist unser Arzt! Geuß ein, geuß ein dein Gnadenöl, So wird geheilet Leib und Seel. 18. Nun, du wirst's thun, das glauben wir, Obgleich noch wenig scheinen für Die Mittel in der Welt. Wenn alle Mittel stille stehn, Dann pflegt dein Helfen anzugehn. 85. Danklied für die Verkündigung des Friedens. 1648. Weise: Nun Lob, mein Seel, den Herren. Gebr. 1656. 1. Gott Lob, nun ist erschollen Das edle Fried- und Freudenwort, Daß nunmehr ruhen sollen Die Spieß und Schwerter und ihr Mord! Paul Gerhardts Geistliche Lieder. Wohlauf und nimm nun wieder Dein Saitenspiel hervor, O Deutschland! und sing Lieder Im hohen vollen Chor. Erhebe dein Gemüthe Und danke Gott, und sprich: ,, Herr, deine Gnad und Güte Bleibt dennoch ewiglich!" 2. Wir haben nichts verdienet, Als schwere Straf und großen Zorn, Weil stets noch bei uns grünet Der freche, schnöde Sündendorn. Wir sind fürwahr geschlagen Mit Harter, scharfer Ruth, Und dennoch muß man fragen: ,, Wer ist, der Buße thut?" Wir sind und bleiben böse, Gott ist und bleibet treu, Hilft, daß sich bei uns löse Der Krieg und sein Geschrei. 3. Sei tausendmal willkommen, Du theure, werthe Friedensgab! Jetzt sehn wir, was für Frommen Dein Beiunswohnen in sich hab. In dich hat Gott versenket All unser Glück und Heil; Wer dich betrübt und kränket, Der drückt ihm selbst den Pfeil Des Herzleids in das Herze, Und löscht aus Unverstand Die güldne Freudenkerze Mit seiner eignen Hand. 4. Das drückt uns niemand besser In unsre Seel und Herz hinein, Als ihr zerstörten Schlösser Und Städte voller Schutt und Stein; 255 256 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. Ihr vormals schönen Felder, Mit frischer Saat bestreut, Jetzt aber lauter Wälder Und dürre wüſste Heid, Ihr Gräber voller Leichen Und tapfrem Heldenschweiß Der Helden, derer gleichen Auf Erden man nicht weiß. 5. Hier trübe deine Sinnen, O Mensch, und laß den Thränenbach Aus beiden Augen rinnen! Geh in dein Herz und denke nach! Was Gott bisher gesendet, Das hast du ausgelacht; Nun hat er sich gewendet Und väterlich bedacht, Vom Grimm und scharfen Dringen Zu deinem Heil zu ruhn, Ob er dich möchte zwingen Mit Lieb und Gutesthun. 6. Ach, laß dich doch erwecken! Wach auf! wach auf! du harte Welt, Eh als das harte Schrecken Dich schnell und plötzlich überfällt. Wer aber Christum liebet, Sei unerschrocknes Muths, Der Friede, den er giebet, Bedeutet alles Guts. Er will die Lehre geben: Das Ende naht herzu, Da sollt ihr bei Gott leben In ew'gem Fried und Ruh. Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 86. Lobgefang. Weise: Lobt Gott, ihr Christen, allzugleich.*) 1653. 1. Ich finge dir mit Herz und Mund, Herr, meines Herzens Lust! Ich sing und mach auf Erden kund, Was mir von dir bewußt. 2. Ich weiß, daß du der Brunn der Gnad Und ew'ge Quelle seist, Daraus uns allen früh und spat Viel Heil und Gutes fleußt. 3. Was sind wir doch, was haben wir Auf dieser ganzen Erd, Das uns, o Vater, nicht von dir Allein gegeben werd? 4. Wer hat das schöne Himmelszelt Hoch über uns gesetzt? Wer ist es, der uns unser Feld Mit Thau und Regen netzt? 5. Wer wärmet uns in Kält und Frost? Wer schützt uns vor dem Wind? Wer macht es, daß man Del und Most Zu seinen Zeiten findt? 6. Wer giebt uns Leben und Geblüt? Wer hält mit seiner Hand Den güldnen, werthen, edlen Fried In unserm Vaterland? 257 7. Ach, Herr, mein Gott! das kommt von dir, Du du mußt alles thun; Du hältst die Wacht an unsrer Thür, Und läßt uns sicher ruhn. *) Spätere Weisen zu diesem Liede siehe in Erk's Choralbuch, Berlin 1863. S. 111. 17 258 Paul Gerhardts Geistliche Lieber. 8. Du nährest uns von Jahr zu Jahr, Bleibst immer fromm und treu, Und stehst uns, wenn wir in Gefahr Gerathen, herzlich bei. 9. Du strafft uns Sünder mit Geduld, Und schlägst nicht allzusehr, Ja endlich nimmst du unsre Schuld, Und wirfst sie in das Meer. 10. Wenn unser Herze seufzt und schreit, Wirst du gar leicht erweicht, Und giebst uns, was uns hoch erfreut Und dir zu Ehren reicht. 11. Du zählst, wie oft ein Christe wein' Und was sein Kummer sei: Kein Zähr- und Thränlein ist so klein, Du hebst und legst es bei. 12. Du füllst des Lebens Mangel aus Mit dem, was ewig steht, Und führst uns in des Himmels Haus, Wenn uns die Erd entgeht. 13. Wohl auf, mein Herze, sing und spring, Und habe guten Muth! Dein Gott, der Ursprung aller Ding, Ist selbst und bleibt dein Gut. 14. Er ist dein Schatz, dein Erb und Theil, Dein Glanz und Freudenlicht, Dein Schirm und Schild, dein Hilf und Heil, Schafft Rath und läßt dich nicht. 15. Was kränkst du dich in deinem Sinn Und grämst dich Tag und Nacht? Nimm deine Sorg und wirf sie hin Auf den, der dich gemacht! 16. Hat er dich nicht von Jugend auf Verforget und ernährt? Wie manchen schweren Unglückslauf Hat er zurückgekehrt. Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 17. Er hat noch niemals was versehn In seinem Regiment; Nein, was er thut und läßt geschehn, Das nimmt ein gutes End. 18. Ei nun, so laß ihn ferner thun Und red ihm nichts darein, So wirst du hier in Frieden ruhu Und ewig fröhlich sein. 87. Gott allein die Ehre. Weise: Kommt her zu mir, spricht Gottes Sohn. 1667. 1. Wie ist es möglich, höchstes Licht, Daß, weil vor deinem Angesicht Doch alles muß erblaffen, Ich und mein armes Fleisch und Blut Dir zu entgegnen ein'gen Muth Und Herze sollte faſsen? 259 2. Was bin ich mehr, als Erd und Staub? Was ist mein Leib, als Gras und Laub? Was taugt mein ganzes Leben? Was kann ich, wenn ich alles kann? Was hab und trag ich um und an, Als was du mir gegeben? 3. Ich bin ein' arme Mad und Wurm, Ein Strohhalm, den ein kleiner Sturm Gar leichtlich hin kann treiben: Wenn deine Hand, die alles trägt, Mich nur ein wenig trifft und schlägt, So weiß ich nicht zu bleiben. 17* 260 Paul Gerhardts Geistliche Lieber. 4. Herr, ich bin nichts, du aber bist Der Mann, der alles hat und ist, In dir steht all mein Wesen: Wo du mit deiner Hand mich schreckst, Und nicht mit Huld und Gnaden deckst, So mag ich nicht genesen. 5. Du bist getreu, ich ungerecht, Du fromm, ich gar ein böser Knecht, Und muß mich wahrlich schämen, Daß ich bei solchem schnöden Stand Aus deiner milden Vaterhand Ein einig's Gut foll nehmen. 6. Ich habe dir von Jugend an Nichts anders als Verdruß gethan, Bin fündenvoll geboren, Und wo du nicht durch deine Treu Mich wieder machest los und frei, So wär ich ganz verloren. 7. Drum sei das Rühmen fern von mir! Was dir gebührt, das geb ich dir, Du bist allein zu ehren! Ach, laß, Herr Jesu! meinen Geist Und was aus meinem Geiste fleußt, Zu dir sich allzeit kehren. 8. Auch wenn ich gleich was wohl gemacht, So hab' ich's doch nicht selbst vollbracht, Aus dir ist es entsprungen. Dir sei auch dafür Ehr und Dank, Mein Heiland, all mein Leben lang, Und Lob und Preis gesungen. Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 88. Danklied nach ausgestandenem großen Kummer und Betrübnis. Weise: Singen wir aus Herzensgrund, oder: Eigne Weise. 1656. 1. Auf den Nebel folgt die Sonn, Auf das Trauern Freud und Wonn, Auf die schwere, bittre Pein Stellt sich Trost und Labsal ein; Meine Seele, die zuvor Sank bis zu dem Höllenthor, Steigt nun bis zum Himmelschor. 2. Der, vor dem die Welt erschrickt, Hat mir meinen Geist erquickt, Seine hohe, starke Hand Reißt mich aus der Höllen Band; Alle seine Lieb und Güt Ueberschwemmt mir mein Gemüth Und erfrischt mir mein Geblüt. 3. Hab ich vormals Angst gefühlt, Hat der Gram mein Herz zerwühlt, Hat der Kummer mich beschwert, Hat der Satan mich bethört: Ei! so bin ich nunmehr frei, Heil und Rettung, Schutz und Treu Steht mir wieder treulich bei. 4. Nun erfahr ich, schnöder Feind, Wie du's habst mit mir gemeint! Du hast wahrlich mich mit Macht In dein Netz zu ziehn gedacht. Hätt' ich dir zu viel getraut, Hättst du, eh' ich zugeschaut, Mir zum Fall ein Sieb gebaut. 261 5. Ich erkenne deine List, Da du mit erfüllet bist. Du beleugst mir meinen Gott, Und machst seinen Ruhm zu Spott; 262 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. Wann er setzt, so wirfst du üm, Wann er spricht, verkehrt dein Grimm Seine süße Baterstimm. 6. Hoff' und wart' ich alles Guts, Bin ich froh und gutes Muths, Rückst du mir aus meinem Sinn Alles gute Sinnen hin: 11 Gott ist," sprichst du, fern von dir, Alles Unglück bricht herfür, Steht und liegt vor deiner Thür." 7. Heb' dich weg, verlogner Mund! Hier ist Gott und Gottes Grund, Hier ist Gottes Angesicht, Und das schöne Helle Licht Seines Segens, seiner Gnad, All sein Wort und weiser Nath Steht vor mir in voller That. 8. Gott läßt feinen traurig stehn, Noch mit Schimpf zurücke gehn, Der sich ihm zu eigen schenkt Und ihn in sein Herze senkt. Wer auf Gott sein' Hoffnung setzt, Findet endlich und zuletzt, Was ihm Leib und Seel ergötzt. 9. Kommt's nicht heute, wie man will, Sei man nur ein wenig still; Ist doch morgen auch ein Tag, Da die Wohlfahrt kommen mag. Gottes Zeit hält ihren Schritt, Wann die kommt, kommt unsre Bitt' Und die Freude reichlich mit. 10. Ach! wie ofte dacht ich doch, Da mir noch des Trübsals Joch Auf dem Haupt und Halse saß, Und das Leid mein Herze fraß: WON233 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. ,, Nun ist keine Hoffnung mehr, Auch kein Ruhen, bis ich kehr In das schwarze Todtenmeer." 11. Aber mein Gott wandt es bald, Heilt' und hielt mich dergestalt, Daß ich, was sein Arm gethan, Nimmermehr g'nug preisen kann. Da ich weder hier noch da Ein'gen Weg zur Rettung sah, Hatt' ich seine Hilfe nah. 12. Als ich furchtsam und verzagt Mich selbst und mein Herze plagt, Als ich manche liebe Nacht Mich mit Wachen frank gemacht, Als mir aller Muth entfiel, Tratst du, mein Gott, selbst in's Spiel, Gabst dem Unfall Maß und Ziel. 13. Nun, so lang ich in der Welt Haben werde Haus und Zelt, Soll mir dieser Wunderschein Stets vor meinen Augen sein. Ich will all mein Leben lang Meinem Gott mit Lobgesang Hiefür bringen Lob und Dank. 14. Allen Jammer, allen Schmerz, Den des ew'gen Vaters Herz Mir schon jetzo zugezählt Oder fünftig auserwählt, Will ich hier in diesem Lauf Meines Lebens allzuhauf Frisch und freudig nehmen auf. 15. Ich will gehn in Angst und Noth, Ich will gehn bis in den Tod, Ich will gehn in's Grab hinein, Und doch allzeit fröhlich sein; 263 264 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. Wem der Stärkste bei will stehn, Wen der Höchste will erhöhn, Kann nicht ganz zu Grunde gehn. 89. Das Lied Mofis. 5 Mof. 32. Weise: Lobet Gott, unsern Herren. Herzlich thut mich verlangen. 1667. 1. Merkt auf, merkt, Himmel, Erde Und du, o Meeresgrund, Was ich jetzt fingen werde Aus Gottes heil'gem Mund! Es fließe meine Lehre Wie Thau und Regen fleußt; Wer Ohren hat, der höre, Des Höchsten Wort und Geist! 2. Es läßt der Herr euch weisen Sein' Ehr' und Namenszier: Die soll und will ich preisen, Das thut auch ihr mit mir. Er ist ein Gott der Götter, Ein Tröster in der Noth, Ein Fels, ein ein'ger Retter, Und selbst des Todes Tod. 3. Sein Thun ist lauter Güte, Sein Werk ist rein und klar; Treu ist er am Gemüthe, Im Wort und Reden wahr, Viel heil'ger als die Engel, Die doch nur recht gethan, Frei aller Fehl und Mängel, Fern von der Unrechtsbahn. Paul Gerhardts Geistliche Lieber. 4. Er ist gerecht: wir alle Sind schändlich angesteckt Mit Adams Sünd und Falle, Der täglich in uns heckt Viel böse schwere Thaten, Die unserm großen Gott, Des kein Mensch kann entrathen, Gerathen nur zum Spott. 5. Die ungerathnen Kinder, Die fallen von ihm ab, Und werden freche Sünder, Vergessen aller Gab Und so viel tausend Güter Und so viel süßer Gnad, Die ihnen Gott, ihr Hüter, So oft erwiesen hat. 6. Dankst du denn solcher Maßen, Du toll und thöricht Volk, Dem, der dir regnen lassen Dein Manna aus der Wolk, Und aus des Himmels Kammer Dir Speise zugeschickt, Damit in deinem Jammer Dein Herze würd' erquickt? 7. Woher haft du dein Leben Und deines Leibes Bild? Wer hat das Blut gegeben, Das dir die Adern füllt? Ift's nicht der Herr, dein Schöpfer, Dein Vater und dein Licht, Der dich, gleich als ein Töpfer, Von Erde zugericht't? 8. Gedenk und geh zurücke In die vergangnen Jahr, Erwäge, was für Glücke Gott deiner Väter Schaar 265 266 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. Erzeigt in schweren Zeiten! Das ist den Alten fund, Die werden dir andeuten Den rechten wahren Grund. 9. Er stieß die wilden Heiden Mit seiner starken Hand Aus ihren fetten Weiden, Und gab das schöne Land Des Israels Geschlechte, Zu seines Namens Ruhm, Und Jacob, seinem Knechte, Zum Erb und Eigenthum. 10. Er fand ihn, wo es heulet In dürrer Wüstenei, Er fand ihn und ertheilet Ihm alle Vatertreu; Er lehret ihn was tauge Und er selbst Tugend heiß', Er hielt ihn wie ein Auge Und sparte keinen Fleiß. 11. Gleichwie ein Adler sitzet Auf seiner zarten Brut, Und gar genau beschützet Was ihm am Herzen ruht; Er dehnt die starken Flügel, Wenn sich hoch erschwingt, Und über Thal und Hügel Sein' edlen Jungen bringt. 12. So hat sich auch gebreitet Des Höchsten Lieb und Gnad Auf Jacob, den er leitet, Auf daß ihm ja kein Schad Hier oder da anstieße: Er hub, er trug mit Fleiß, Bewahrt' ihm Gang und Füße Auf seiner ganzen Reis'. Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 13. Er, sein Gott, that's alleine, Und sonst kein andrer Gott; Es gaben Feld und Steine Del, Honig, Wasser, Brot, Ohn alle seine Mühe; Er hatte guten Muth Beim Fett der Schaf' und Kühe, Und trank gut Traubenblut. 14. Da er nun wohl gegessen, Vergaß er Gottes Heil, Und da er des vergessen, Da ward er frech und geil; Da seine Noth geſtillet, Beschimpft' er Gottes Ehr, Und da der Leib gefüllet, Da ward das Herze leer. 15. Leer ward es an dem Guten, Des Bösen ward es voll, Ließ Gözenopfer bluten, Und dient', als wär er toll, Den schändlichen Feldteufeln, Und den, an dessen Macht Die Teufel selbst nicht zweifeln, Den ließ er aus der Acht. 16. Er ließ den ew'gen Netter, Und gab sich in den Schirm Der neuerdachten Götter, Hielt Bestien und Gewürm Und Bilder von Metallen, Von Holz, von Stein und Thon, Den Heiden zu gefallen, Für seiner Seelen Kron. 17. Als das nun der erkannte, Der Herz und Nieren kennt, Da wuchs sein Zorn und brannte, Gleichwie ein Feuer brennt. 267 268 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. Und die er vor so schöne Geliebt an seinem Theil Als Töchter und als Söhne, Die wurden ihm ein Greul. 18. Ich will mich, sprach er, wenden Von dieser schnöden Art, Die so abscheulich schänden Mich, der ich nichts gespart An meiner Treu und Güte; Ich habe recht geliebt, Dafür wird mein Gemüthe Getränket und betrübt. 19. Sie reizen mich mit Sünden: Was gilt's? es soll einmal Sich wieder etwas finden Zu ihrem Zorn und Qual. Es werden Völker kommen, Die blind sind als ein Stein, Die sollen meine frommen Und liebsten Kinder sein. 20. Mein Feuer ist entstanden Und brennet lichterloh In meines Volkes Landen, Die sind ihm wie das Stroh. Es wird weit um sich greifen Bis zu der Höllen Grund, Und alle Frucht abstreifen, Die auf der Erden stund. 21. Ich will mit meinen Pfeilen Sie treiben in den Tod, Es soll sie übereilen Schwert, Pest und Hungersnoth; Ich will viel Thiere schicken Und strenges Schlangengist, Das soll zermartern, drücken Und fressen, wen es trifft. Paul Gerhardts Geistliche Bieder. 22. Sch will sie recht belohnen, Mein Zorn soll gleich ergehn, Auch derer nicht verschonen, Die jung, gerad und schön. Ich will sie all zerstäuben, Und fragen hier und dort: Wo ist denn nun ihr Bleiben? Welch' ist ihr Sitz und Ort?" 23. Doch muß ich gleichwohl scheuen Den ungereimten Wahn Der Feinde, die sich freuen, Als hätten sie's gethan. Sie bleiben wie die Narren Bei ihrem Gaukelspiel, Und ziehn am Thorheitkarren, Ich thu auch, was ich will. 24. O, daß mein Volk verstünde Das edle schöne Gut, Das, wenn's nun seine Sünde Bereut und Buße thut, Ihm nachmals wird begegnen! Denn, was ich jetzt verflucht, Das will ich wieder segnen, So bald es Gnade sucht. 269 25. Mein Volk kommt aus dem Weinen, Sein Feind kommt aus der Ruh, Ihr'r Tausend fliehn vor Einem: Wie geht das immer zu? Ihr Herr, ihr Fels und Leben Ist weg aus ihrem Zelt, Er hat sie übergeben Zur Flucht in's freie Feld. 26. Seid froh, ihr treuen Knechte Des Gottes Israel, Des Arm und starke Rechte Euch schützt an Leib und Seel! 270 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. Habt fröhliches Vertrauen Und Glauben, der da siegt, So wird Gott wieder bauen, Was jetzt darnieder liegt. 27. Er wird am Feinde rächen, Was uns zu viel geschehn; Uns wird er Trost zusprechen Und wieder lassen sehn Die Sonne seiner Gnaden, Die wird in kurzer Zeit Des Landes Klag und Schaden Verkehrn in Glück und Freud. 90. Der 23ste Psalm Davids.. Weise: Nun laßt uns Gott dem Herren. Wach auf, mein Herz, und singe. 1653. 1. Der Herr, der aller Enden Regiert mit seinen Händen, Der Brunn der ew'gen Güter, Der ist mein Hirt und Hüter. 2. So lang ich diesen habe, Fehlt mir's an keiner Gabe, Der Reichthum seiner Fülle Giebt mir die Füll und Hülle. 3. Er lässet mich mit Freuden Auf grüner Auen weiden, Führt mich zum frischen Quellen, Schafft Rath in schweren Fällen. 4. Wenn meine Seele zaget Und sich mit Sorgen plaget, Weiß er sie zu erquicken, Aus aller Noth zu rücken. Paul Gerharbta Geistliche Lieder. 5. Er lehrt mich thun und lassen, Führt mich auf rechter Straßen, Läßt Furcht und Angst sich stillen Um seines Namens willen. 6. Und ob ich gleich vor Andern Im finstern Thal muß wandern, Fürcht ich doch keine Tücke, Bin frei vor'm Ungelücke. 7. Denn du stehst mir zur Seiten, Schützst mich vor bösen Leuten, Dein Stab, Herr, und dein Stecken Benimmt mir all mein Schrecken. 8. Du setzest mich zu Tische, Machst, daß ich mich erfrische, Wenn mir mein Feind viel Schmerzen Erweckt in meinem Herzen. 9. Du falbst mein Haupt mit Dele Und füllest meine Seele, Die leer und durstig saße, Mit vollgeschenktem Maße. 10. Barmherzigkeit und Gutes Wird mein Herz gutes Muthes, Voll Lust, voll Freud und Lachen, So lang ich lebe, machen. 11. Ich will dein Diener bleiben Und dein Lob herrlich treiben Im Hause, da du wohnest Und Frommsein wohl belohnest. 12. Ich will dich hier auf Erden Und dort, da wir dich werden Selbst schaun, im Himmel droben, Hoch rühmen, sing'n und loben. 271 272 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 91. Der 30ste Psalm Davids. Weise: Aus meines Herzens Grunde, oder: Eigne Weise. 1656. 1. Ich preise dich und singe, Herr, deine Wundergnad, Die mir so große Dinge Bisher erwiesen hat. Denn das ist meine Pflicht: In meinem ganzen Leben Dir Lob und Dank zu geben, Mehr hab und kann ich nicht. 2. Du hast mein Herz erhöhet Aus mancher tiefen Noth; Den aber, der da gehet Und suchet meinen Tod Und thut mir Herzleid an, Den hast du weggeschlagen, So daß er meiner Plagen Sich nicht erfreuen kann. 3. Herr, mein Gott, da ich Kranker Vom Bette zu dir schrei, Da war dein Heil mein Anker Und stund mir treulich bei; Da Andre fuhren hin Zur finstern Todeshöhle, Da hieltst du meine Seele Und mich noch, wo ich bin. 4. Ihr Heiligen, lobsinget Und danket eurem Herrn, Der, wenn die Noth herdringet, Bald hört, und herzlich gern Uns Gnad und Hilfe giebt; Rühmt den, des Hand uns träget, Und wenn er uns ja schläget, Nicht allzusehr betrübt. Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 5. Gott hat ja Vaterhände, Und strafet mit Geduld; Sein Zorn nimmt bald ein Ende, Sein Herz ist voller Huld, Und gönnt uns lauter Guts: Den Abend währt das Weinen, Des Morgens macht das Scheinen Der Sonn uns gutes Muths. 6. Ich sprach zur guten Stunde, Da mir's noch wohl erging, Ich steh auf festem Grunde, Acht alles Kreuz gering; Ich werde nimmermehr, Das weiß ich, niederliegen, Denn Gott, der nicht kann trügent, Der liebt mich gar zu sehr. 7. Als aber dein Gesichte, Ach, Gott! sich von mir wandt, Da ward mein Trost zu nichte, Da lag mein Heldenstand. Es ward mir angst und bang, Ich führte schwere Klagen Mit Zittern und mit Zagen: Herr, mein Gott, wie so lang? 8. Hast du dir vorgenommen, Mein ew'ger Feind zu sein? Was werden dir denn frommen Die ausgedorrten Bein' Und der elende Staub, Zu welchem in der Erden Wir werden, wenn wir werden Des blaffen Todes Raub? 9. So lang ich's Leben habe, Lobsing ich deiner Ehr, Dort aber in dem Grabe Gedenk ich dein nicht mehr. 18 273 274 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. Drum eil und hilf mir auf, Und gieb mir Kraft zu leben, Dafür will ich dir geben Mein's ganzen Lebens Lauf." 10. Nun wohl, ich bin erhöret, Mein Seufzen ist erfüllt, Mein Kreuz ist umgekehret, Mein Herzleid ist gestillt, Mein Grämen hat ein End': Es ist von meinem Herzen Der bittern Sorgen Schmerzen Durch dich, Herr, abgewendt. 11. Du haft mit mir gehandelt Noch besser, als ich will. Mein Klagen ist verwandelt In eines Reigens Spiel, Und für das Trauerkleid, In dem ich vor gestöhnet, Da hast du mich gekrönet Mit süßer Luft und Freud. 12. Auf daß zu deiner Ehre Mein' Ehre sich erhüb Und nimmer stille wäre, Bis daß ich deine Lieb Und ungezählte Zahl Der großen Wunderdinge Mit ew'gen Freuden singe Im güldnen Himmelsfaal. 92. Der 34ste Psalm Davids. Weise: Kommt her zu mir, spricht Gottes Sohn, oder: Eigne Weise. 1656. 1. Ich will erhöhen immerfort Und preisen meiner Seelen Hort, Ich will ihn herzlich ehren! Paul Gerhardts Geistliche Lieder. Wer Gott liebt, stimme mit mir ein, Laßt alle, die betrübet sein, Ein Freudenliedlein hören. 2. Gott ist ein Gott, der reichlich tröst't, Wer ihn nur sucht, der wird erlöst, Ich hab' es selbst erfahren. Sobald ein Ach im Himmel klingt, Kommt Heil und was uns Freude bringt, Vom Himmel abgefahren. 3. Der starken Engel Compagnie Zieht fröhlich an, macht dort und hie Sich selbst zu Wall und Mauern; Da weicht und fleucht die böse Rott, Der Satan wird zu Hohn und Spott, Kein Unglück kann da dauern. 4. Ach, was ist das für Süßigkeit! Ach, schmecket alle, die ihr seid Mit Sinnen wohl begabet! Kein Honig ist mehr auf der Erd Hinfort des süßen Namens werth, Gott ist's, der uns recht labet. 5. D fel'ges Herz, o sel'ges Haus, Das alle Luft stößt von sich aus Und diese Lust beliebet! All' andre Schönheit wird verrückt, Der aber bleibet stets geschmückt, Der sich nur Gott ergiebet. 6. Der Kön'ge Gut, der Fürsten Geld Ist Nichts und bleibet in der Welt, Wenn die Besitzer sterben. Wie oft verarmt ein reicher Mann! Wer Gott vertraut, bleibt reich und kann Die ew'gen Schätz' ererben. 7. Kommt her, ihr Kinder, hört mir zu, Ich will euch zeigen, wie ihr Ruh Und Wohlfahrt fönut erjagen: 18* 275 276 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. Ergebet euch und euren Sinn Zu Gottes Wohlgefallen hin In allen euren Tagen. 8. Bewahrt die Zung, habt solchen Muth, Der Zank und was zum Zanken thut Nicht reget, sondern stillet; So werden eure Tage sein. Mit stillem Fried und süßem Schein Des Segens überfüllet. 9. Laß ab vom Bösen, fleuch die Sünd, O Mensch, und halt dich als ein Kind Des Vaters in der Höhe. Du wirst's erfahren in der That, Wie's dem, der ihm gefolget hat, So herzlich wohl ergehe. 10. Den Frommen ist Gott wieder fromm Und machet, daß geflossen komm Auf uns all' sein Gedeihen; Sein Aug' ist unser Sonnenlicht, Sein Ohr ist Tag und Nacht gericht't Zu hören unser Schreien. 11. Zwar wer Gott dient, muß leiden viel, Doch hat sein Leiden Maß und Ziel, Gott hilft ihm aus dem allen. Er forgt für alle seine Bein, Er hebt sie auf und legt sie ein, Kein einzig's muß verfallen. 12. Gott sieht ins Herz und weiß gar wohl Was uns macht Angst und Sorgen voll, Kein Thränlein fällt vergebens, Er zählt sie all' und legt davor Uns treulich bei im Himmelschor All' Ehr des ew'gen Lebens. Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 93. Der 71ste Psalm Davids. Weltgebäude. Weise: Du, o schönes 1655. 1. Herr, dir trau' ich all' mein' Tage, Laß mich nicht in Schimpf bestehn! Wie ich von dir glaub' und sage, Also laß mir's auch ergehn! Rette mich, laß deine Güte Mir erfrischen mein Gemüthe, Neige deiner Ohren Treu Und vernimm mein Angstgeschrei! 2. Sei mein Aufhalt, laß mich sitzen Bei dir, o mein starker Hort! Laß mich deinen Schutz beschützen, Und erfülle mir dein Wort, Da du selbsten meinem Leben Dich zum Fels und Burg gegeben. Hilf mir aus des Heuchlers Band Und des Ungerechten Hand. 3. Denn dich hab' ich auserlesen Von der zarten Jugend an. Dein Arm ist mein Trost gewesen, Herr, so lang ich denken kann. Auf dich hab' ich mich erwogen, Alsbald du mich der entzogen, Der ich, ehe Nacht und Tag Mich erblickt', im Leibe lag. 277 4. Von dir ist mein Ruhm, mein Sagen, Dein erwähn ich immer zu. Viel die spotten meiner Plagen, Höhnen, was ich red' und thu; Aber du bist meine Stärke; Wenn ich Angst und Trübsal merke, Lauf ich dich an: gönne mir, Fröhlich stets zu sein in dir. 278 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 5. Stoß mich nicht von deiner Seiten, Wenn mein hohes Alter kommt, Da die schwachen Tritte gleiten, Und man Trost vom Stecken nimmt, Da greif du mir an die Arme; Fall ich nieder, so erbarme Du dich, hilf mir in die Höh Und halt, bis ich wieder steh. 6. Mach es nicht, wie mir's die gönnen, Die mein' abgesagten Feind', Auch mir, wo sie immer können, Mit Gewalt zuwider seind, Sprechen: ,, Auf! laßt uns ihn faffen, Sein Gott hat ihn ganz verlassen, Jagt und schlagt ihn immerhin, Niemand schützt und rettet ihn." 7. Ach! mein Helfer, sei nicht ferne, Komm und eile doch zu mir! Hilf mir, mein Gott, bald und gerne, Zeuch mich aus der Noth herfür, Daß sich meine Feinde schämen Und vor Hohn und Schande grämen, Ich hingegen lustig sei Ueber mir erwiesne Tren. 8. Mein Herz soll dir allzeit bringen Deines Lobs gebührlich Theil, Auch soll meine Zunge singen Täglich dein unzählig Heil. Ich bin stark herein zu gehen, Unerschrocken da zu stehen Durch des großen Herrschers Kraft, Der die Erd' und alles schafft. 9. Herr, ich preise deine Tugend, Wahrheit und Gerechtigkeit, Die mich noch in meiner Jugend Hoch ergößzet und erfreut. Paul Gerhardts Geistliche Lieder. Haft mich als ein Kind ernähret, Deine Furcht dabei gelehret, Oftmals wunderlich bedeckt, Daß mein Feind mich nicht erschredt. 10. Fahre fort, o mein Erhalter, Fahre fort und laß mich nicht In dem hohen grauen Alter, Wenn mir Lebenskraft gebricht! Laß mein Leben in dir leben, Bis ich Unterricht kann geben Kindeskindern, daß dein' Hand Ihnen gleichfalls sei bekannt. 11. Gott, du bist sehr hoch zu loben, Dir ist nirgend etwas gleich, Weder hier bei uns, noch drobent, In dem Stern- und Engelreich. Dein Thun ist nicht auszusprechen, Deinen Rath kann niemand brechen, Alles liegt dir in dem Schoos Und dein Werk ist alles groß. 12. Du ergiebst mich großen Nöthen, Giebst auch wieder große Freud. Heute läßt du mich ertödten, Morgen ist die Lebenszeit, Da ermunterst du mich wieder Und erneuerst meine Glieder, Holst sie aus der Erdenkluft, Giebst dem Herzen wieder Luft. 13. Such' ich Trost und finde keinen, Balde werde ich wieder groß. Dein Trost trocknet mir mein Weinen, Das mir aus den Augen floß. Ich selbst werde wie ganz neue, Sing' und klinge deine Treue, Meines Lebens ein'ges Ziel, Auf der Harf' und Pfalterspiel. 279 280 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 14. Ich bin durch und durch entzündet, Fröhlich ist, was in mir ist. Alle mein Geblüt empfindet Dein Heil, das du selber bist. Ich steh im gewünschten Stande, Mein Feind ist voll Scham und Schande, Der mein Unglück hat gesucht, Leidet, was er mir geflucht. 94. Der 111te Psalm Davids. Weise: Nun jauchzet all', ihr Frommen. Aus meines Herzens Grunde. 1656. 1. Ich will mit Danken komment In den gemeinen Rath Der rechten wahren Frommen, Die Gottes Rath und That Mit süßem Lob erhöhn; Zu denen will ich treten, Da soll mein Dank und Beten Von ganzem Herzen gehn. 2. Groß ist der Herr und mächtig, Groß ist auch, was er macht; Wer aufmerkt und andächtig Nimmt seine Werk' in acht, Hat eitel Lust daran. Was seine Weisheit sebzet Und ordnet, das ergötzet Und ist sehr wohl gethan. 3. Sein Heil und große Güte Steht fest und unbewegt; Damit auch dem Gemüthe, Das uns im Herzen schlägt, Paul Gerhardts Geistliche Lieder. Dieselbe nicht entweich, Hat er zum Glaubenszunder Ein Denkmal seiner Wunder Gestift't in seinem Reich. 4. Gott ist voll Gnad' und Gaben, Giebt Speis' aus milder Hand, Die Seinen wohl zu laben, Die ihm allein bekannt; Denkt stets an seinen Bund, Giebt denen, die er weiden Will mit dem Gut der Heiden, All' seine Thaten fund. 5. Das Wirken seiner Hände Und was er uns gebeut, Das hat ein gutes Ende, Bringt reichen Trost und Freud', Und Wahrheit, die nicht treugt. Gott leitet seine Knechte In dem rechtschaffnen Rechte, Das sich zum Leben neigt. 6. Sein Herz läßt ihn nicht reuen, Was uns sein Mund verspricht, Giebt redlich und mit Trenen, Was unser Unglück bricht, Ist freudig, unverzagt, Uns alle zu erlösen Vom Kreuz und allem Bösen, Das seine Kinder plagt. 7. Sein Wort ist wohl gegründet, Sein Mund ist rein und klar, Wozu er sich verbindet, Das macht er fest und wahr, Und wird ihm gar nicht schwer; Sein Name, den er führet, Ist heilig und gezieret Mit großer Pracht und Ehr. 281 282 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 8. Die Furcht des Herren giebet Den ersten besten Grund Zur Weisheit, die Gott liebet Und rühmt mit seinem Mund. O wie klug ist der Sinn, Der diesen Weg verstehet Und fleißig darauf gehet! Des Lob fällt nimmer hin. 95. Der 116te Psalm Davids. Weise: Ein' feste Burg ist unser Gott. 1656. 1. Das ist mir lieb, daß Gott, mein Hort, So treulich bei mir stehet; Wenn ich ihn bitte, wird kein Wort In meiner Bitt' verschmähet. Des schwarzen Todes Hand Sammt der Höllen Band, Umfingen überall Mein Herz mit Angst und Qual, Doch hat mir Gott geholfen. 2. Ich kam in Jammer und in Noth, Und fant fast gar zu Grunde, Und da ich sant, rief ich zu Gott Mit Herzen und mit Munde: O Herr, ich weiß, du wirst, Als des Lebens Fürst, Schon führen meine Sach'!" Und wie ich bat und sprach, So ist's auch nun geschehen. 3. Sei wieder froh und gutes Muths, Mein Herze, sei zufrieden! Der Herr, der thut dir alles Guts, Durch ihn ist nun geschieden Paul Gerhardts Geistliche Lieder. Und ferne weggebracht, Was mich traurig macht; Er hat mich aus dem Loch Und schwarzen Todesjoch Mit seiner Hand gerissen. 4. Mein Aug' ist nun von Thränen frei, Mein Fuß von seinem Gleiten; Das will ich sagen ohne Scheu Und rühmen bei den Leuten. Was gar kein Mensch nicht kann, Das hat Gott gethan. Der Mensch ist Lügen voll, Gott aber weiß gar wohl, Wie er sein Wort soll halten. 5. Ich glaube fest in meinem Sinn, Und was mein Herze gläubet, Das redt mein Mund in Einfalt hin: Wer Gott vertraut, der bleibet. Die Welt und böse Rott Lacht des mir zum Spott, Sa plagt mich noch dazu, Ich aber steh und ruh Auf dir, mein Trost und Helfer. 6. Du stürzest meiner Feinde Rath, Und segnest, wenn sie schelten. Wie soll ich doch die große Gnad Dir immermehr vergelten? Ich will, Herr, meines Theils Den Kelch deines Heils, Der voller Bitterkeit, Doch mir zum Nutz gedeiht, Gehorsamlich annehmen. 283 7. Was du mir zugemessen hast, Das will ich gerne leiden; Wer fröhlich trägt des Kreuzes Laft, Dem Hilfst du aus mit Freuden. 284 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. Du weißt der Deinen Noth, Und hältst ihren Tod Sehr hoch, sehr lieb und werth, Auch läßt du auf der Erd Ihr Blut nicht ungerochen. 8. So zürne nun gleich alle Welt Mit mir, Herr, deinem Knechte. Du, du deckst mich in deinem Zelt Und reichst mir deine Rechte. Darüber will ich dich Allstets inniglich, So gut ich immer kann, Mit Dank vor jedermann In deinem Hause preisen. 96. Der 145ste Psalm Davids. Weise: Nun freut euch lieben Christen g'mein. Wär Gott nicht mit uns diese Zeit. Es ist gewißlich an der Zeit. 1667. 1. Ich, der ich oft in tiefes Leid Und große Noth muß gehen, Will dennoch Gott mit großer Freud Und Herzenslust erhöhen. Mein Gott, du König, höre mich, Ich will ohn' alles Ende dich Und deinen Namen loben! 2. Ich will dir mit der Morgenröth Ein täglich Opfer bringen; So oft die liebe Sonn' aufgeht, So ofte will ich singen Dem großen Namen deiner Macht, Das soll auch in der späten Nacht Mein Werk sein und Geschäfte. Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 285 3. Die Welt, die dünkt uns schön und groß, Und was für Gut und Gaben Sie trägt in ihrem Arm und Schoos, Das will ein jeder haben, Und ist doch alles lauter nichts, Eh, als man's recht geneußt, zerbricht's, Und geht im Hui zu Grunde. 4. Gott ist alleine groß und schön, Unmöglich auszuloben, Auch denen, die doch allzeit stehn Vor seinem Throne droben. Laß sprechen, wer nur sprechen kann, Doch wird kein Engel noch kein Mann Des Höchsten Größ' aussprechen. 5. Die Alten, die nun nicht mehr sind, Die haben ihn gepreiset; So hat ein jeder auch sein Kind Zu folchem Dienst geweiset; Die Kinder werden auch nicht ruhn, Und werden doch, o Gott! dein Thun Und Werk nicht ganz auspreisen. 6. Wie mancher hat vor mir dein Heil Und Lob mit Fleiß getrieben, Und siehe, mir ist doch mein Theil Zu loben übrig blieben. Ich will von deiner Wundermacht Und der so Herrlich schönen Pracht Bis an mein Ende reden. 7. Und was ich rede, wird von mir Manch frommes Herze lernen, Man wird dich heben für und für Hoch über alle Sternen. Dein' Herrlichkeit und starke Hand Wird in der ganzen Welt bekannt Und Hoch berufen werden. 286 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 8. Wer ist so gnädig, als wie du? Wer kann so viel erdulden? Wer sieht mit solcher Langmuth zu So vielen schweren Schulden, Die aus der ganzen weiten Welt Ohn Unterlaß bis an das Zelt Des hohen Himmels steigen? 9. Es muß ein treues Herze sein, Das uns so hoch kann lieben, Da wir doch in den Tag hinein, Was gar nicht gut ist, üben. Gott muß nichts anders sein als gut, Daher fleußt seiner Güte Flut Auf alle seine Werke. 10. Drum, Herr, so sollen dir auch nun All deine Werke danken, Voraus die Heil'gen, deren Thun Sich hält in deinen Schranken, Die sollen deines Reichs Gewalt Und schöne Regimentsgestalt Mit vollem Munde rühmen. 11. Sie sollen rühmen, daß der Ruhm Durch alle Welt erklinge, Daß jedermann zum Heiligthum Dir Dienst und Opfer bringe. Dein Reich, das ist ein ew'ges Reich, Dein' Herrschaft ist dir selber gleich, Der du kein End' erreichest. 12. Der Herr ist bis in unsern Tod Beständig bei uns allen, Erleichtert unsers Kreuzes Noth, Und hält uns, wenn wir fallen. Er steuert manches Unglücks Lauf, Und hilft uns wieder freundlich auf, Wenn wir ganz hingeschlagen. Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 13. Herr, aller Augen sind nach dir Und deinem Stuhl gekehret; Denn du bist's auch, der alles hier So väterlich ernähret. Du thust auf deine milde Hand, Machst froh und satt, was auf dem Land, Im Meer und Lüften lebet. 14. Du meinst es gut, und thust uns Guts, Auch da wir's oft nicht denken; Wie mancher ist betrübtes Muths, Und frißt sein Herz mit Kränken, Besorgt und fürcht't sich Tag und Nacht, Gott hab' ihn gänzlich aus der Acht Gelassen und vergessen. 287 15. Nein, Gott vergißt der Seinen nicht, Er ist uns viel zu treue; Sein Herz ist stets dahin gericht't, Daß er uns letzt erfreue. Geht's gleich bisweilen etwas schlecht, Ist er doch heilig und gerecht In allen seinen Wegen. 16. Der Herr ist nah und stets bereit Ein'm jeden, der ihn ehret, Und wer nur ernstlich zu ihm schreit, Der wird gewiß erhöret. Gott weiß wohl, wer ihm günstig ſei, Und deme steht er dann auch bei, Wenn ihn die Angst nun treibet. 17. Den Frommen wird nichts abgeſagt, Gott thut, was sie begehren. Er mißt das Unglück, das ste plagt, Und zählt all' ihre Zähren, Und reißt sie endlich aus der Last; Den aber, der sie kränkt und haßt, Den stürzt er ganz zu Boden. 288 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 18. Dies Alles und was sonsten mehr Man kann für Lob erzwingen, Das sollt' mein Mund zum Ruhm und Ehr Des Höchsten täglich singen, Und also thut auch immerfort, Was webt und lebt an jedem Ort. Das wird Gott wohlgefallen. 97. Der 146ste psalm Davids. Weise: Herzlich thut mich verlangen. Ich dank dir, lieber Herre. Ihr Christen auserkoren, oder: Eigne Weise. 1653. 1. Du, meine Seele singe, Wohl auf, und singe schön Dem, welchem alle Dinge Zu Dienst und Willen stehn! Ich will den Herren droben Hier preisen auf der Erd', Ich will ihn herzlich loben, So lang ich leben werd'. 2. Ihr Menschen, laßt euch lehren, Es wird sehr nützlich sein! Laßt euch doch nicht bethören Die Welt mit ihrem Schein. Verlaffe sich ja teiner Auf Fürstenmacht und Gunst, Weil sie, wie unser einer, Nichts sind, als nur ein Dunst. 3. Was Mensch ist, muß erblassen Und sinken in den Tod, Er muß den Geist auslassen, Selbst werden Erd' und Koth. 2641 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. Allda ist's dann geschehen Mit seinem klugen Rath, Und ist frei klar zu sehen, Wie schwach sei Menschenthat. 4. Wohl dem, der einzig schauet Nach Jacobs Gott und Heil! Wer dem sich anvertrauet, Der hat das beste Theil, Das höchste Gut erlesen, Den schönsten Schatz geliebt; Sein Herz und ganzes Wesen Bleibt ewig unbetrübt. 5. Hier sind die starken Kräfte, Die unerschöpfte Macht: Das weisen die Geschäfte, Die seine Hand gemacht, Der Himmel und die Erde Mit ihrem ganzen Heer, Der Fisch' unzähl'ge Heerde Im großen wilden Meer. 6. Hier sind die treuen Sinnen, Die niemand Unrecht thun, All denen Gutes gönnen, Die in der Treu' beruhn. Gott hält sein Wort mit Freuden, Und was er spricht, geschicht, Und wer Gewalt muß leiden, Den schützt er im Gericht. 7. Er weiß viel tausend Weisen, zu retten aus dem Tod; Ernährt und giebet Speisen Zur Zeit der Hungersnoth, Macht schöne rothe Wangen Oft bei geringem Mahl, Und die da sind gefangen, Die reißt er aus der Qual. 19 289 290 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 8. Er ist das Licht der Blinden, Erleuchtet ihr Gesicht, NUE Und die sich schwach befinden, l Die stellt er aufgericht't. Er liebet alle Frommen, Und die ihm günstig seind, Die finden, wann sie kommen, haf An ihm den besten Freund. 9. Er ist der Fremden Hütte, Die Waisen nimmt er an, Erfüllt der Witwen Bitte, Wird selbst ihr Trost und Mann. Die aber, die ihn haffen, Bezahlet er im Grimm, Ihr Haus, und wo sie saßen, SIC Das wirft er üim und üm. 10. Ach, ich bin viel zu wenig Zu rühmen seinen Ruhm! Der Herr allein ist König, Ich eine welke Blum. Jedoch weil ich gehöre Gen Zion in sein Zelt, Ist's billig, daß ich ehre Sein Lob vor aller Welt. 98. Dankgebet Sirachs. Sir. 1. Weise: Herzlich thut mich verlangen. Ich dank dir, lieber Herre. 3. bic 1667. 1. Ich danke dir mit Freuden, Mein König und mein Heil, Daß du manch schweres Leiden, So mir zu meinem Theil WIRTSCAN Paul Gerhardts Geistliche Lieder. Oft häufig zugedrungen, Durch deine Wunderhand Gewaltig haft bezwungen Und von mir abgewandt. 2. Du hast in harten Zeiten Mir diese Gnad' ertheilt, Daß meiner Feinde Streiten Mein Leben nicht ereilt, Wenn sie an hohen Orten Mich, der ich's nicht gedacht, Mit bösen, falschen Worten Sehr libel angebracht. 3. Wenn sie wie wilde Leuen Die Zungen ausgestreckt, Und mich mit ihrem Schreien Bis auf den Tod erschreckt, So hat dann dein Erbarmen, Das alles lindern kann, Gewaltet, und mir Armen Den treuen Dienst gethan. 4. Sie haben oft zusammen Sich wider mich gelegt, Und wie die Feuerflammen Gefahr und Brand erregt; Da hab' ich denn gesessen Und Blut vor Angst geschwitzt, Als ob du mein vergessen, Und hast mich doch geschützt. 14 5. Du hast mich aus dem Brande Und aus dem Feur gerückt, Und wenn der Höllen Bande Mich um und um bestrickt, So hast du auf mein Bitten Dich, Herr, zu mir gesellt, Und aus des Unglücks Mitten Mich frei in's Feld gestellt. 10 19* 291 292 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 6. Den Kläffer, der mit Lügen Gleich als mit Waffen kämpft Und nicht's kann, als betrügen, Den hast du oft gedämpft; Wenn er gleich einem Drachen Das Maul hoch aufgezerrt, So hast du ihm den Rachen Durch deine Kraft gesperrt. 7. Ich war nah am Verderben, Du nahmst mich in den Schoos; Es kam mit mir zum Sterben, Du aber sprachst mich los, Und hieltest mich beim Leben, Und gabft mir Nath und That, Die sonst kein Mensch zu geben In seinen Mächten hat. 8. Es war in allen Landen, So weit die Wolken gehn, Kein ein'ger Freund vorhanden, Der bei mir wollte stehn. Da dacht' ich an die Güte, Die du, Herr, täglich thuft, die bis Und hub Herz und Gemüthe Zur Höhe, da du ruhst. 9. Ich rief mit vollem Munde, Du nahmest alles an, Und halfft recht aus dem Grunde, So daß ich's nimmer kann Nach Würden g'nugsam loben. Doch will ich Tag und Nacht Dich in dem Himmel droben 3u preisen sein bedacht. CA ERGLE Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 99. Danklied für einen gnädigen Sonnenschein. Weise: Auf meinen lieben Gott. 1653. 1. Nun ist der Regen hin, Wohlauf, mein Herz und Sinn! Sing nach betrübtem Leiden Gott, deinem Herrn, mit Freuden!! Gott hat sein Herz gekehret Und unsre Bitt' erhöret. 2. Sein Zorn war sehr entbrannt Auf uns und unser Land. Er sprach: Ihr Menschenkinder, Ihr seid und bleibet Sünder, Wollt von der Bosheit Straßen Euch nicht ab wenden lassen. 3. Drum soll mein Himmelslicht Sein klares Angesicht In schwarze, trübe Decken Und dunkle Wolken stecken, Und für das helle Scheinen Nur immer zu euch weinen." 4. Bald aber fiel sein Grimm Durch unsers Seufzens Stimui, Das ewige Gemüthe Dacht' an sein' ew'ge Güte, Und ließ auf unser Schreien Shn seinen Zorn gereuen. 5. Die Wolken flohen weg; Der feuchten Winde Steg, Daher die Wasser flossen, Nahm ab und ward verschlossen, Des hohen Himmels Tiefen, Die hörten auf zu triefen. 293 294 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 6. Steh auf, du mattes Feld Aus deinem Trauerzelt! Steh auf und laß uns wieder Die süßen Sommerlieder Zu deines Schöpfers Ehren Mit Luft und Freuden hören! 7. Sieh hier, der Sonnen Zier Geht wieder schön Herfür, Bringt nach dem Schlack und Regen Den lieben warmen Segen, Und wirkt auf Berg und Thalen Mit wunderreichen Strahlen. 8. Die Erde wird erquickt, Und was durch Näß' erstickt, Das wird nun wieder leben Und reife Früchte geben, Die Necker gut Getreide, Die Wiesen Gras und Weide. 9. Die Bäume werden schön In ihrer Fülle stehn, Die Berge werden fließen Und Wein und Dele gießen, Das Bienlein wird wohl tragen Bei guten warmen Tagen. 10. Davon wird unsern Theil Das ew'ge Gut und Heil Uns allensammt zumeffen, Wir werden's sehn und effen, Und mit dem Gut der Erden Zur G'nüg ersättigt werden. 11. Nun, Gott ist fromm und treu, Sein' Huld ist immer neu Und läßt sich leicht verfühnen, Giebt, was wir nicht verdienen, Läßt gnädiglich sich finden Und nicht nach unsern Sünden. Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 12. Darum so richte nun, O Mensch! auch du dein Thun Zu Gottes Lob und Liebe, Daß dein Herz nicht betrübe Mit mehrerm Zorn und Schmerze Das allerfrömmste Herze. 100. Danklied eines Reisenden auf dem Rückwege. Weise: Lobt Gott, ihr Christen, allzugleich. 1656. 1. Nun geht frisch drauf, es geht nach Haus, Ihr Rößlein, regt die Bein'! Ich will dem, der uns ein und aus Begleitet, dankbar sein. 2. Ich will ihm singen Lob und Preis, So viel ich singen kann, Ich will sein Werk, so gut ich weiß, Mit Freuden zeigen an. 3. Es ist fürwahr nicht Menschenkunst, Auf sichern Wegen gehn, Führt uns nicht Gott und Gottes Gunst, Würd's oftmals seltsam stehn. 4. Wie manches Leid, wie manche Noth, Wie manches Jammerheer Brächt uns in Angst, that uns den Tod, Wo Gott nicht bei uns wär. 295 5. Wie mancher Feind, wie mancher Dieb, Wo ihn nicht Gott gerührt, Hätt' uns das Unsre, das uns lieb, Genommen und entführt. 6. Wie mancher böser, schwarzer Geist Hätt' unser Leib und Seel, ( Wo uns der Herr nicht Guad' erweist,) Erschreckt aus seiner Höhl. 296 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 7. Es ist der alte große Drach' Doch allzeit ohne Nuh: Wohin wir gehn, da geht er nach Und setzt uns heftig zu. COMO FA 8. Er sucht zu Haus, er sucht zu Feld, Er sucht zur See und Land, Er sucht uns in der ganzen Welt Mit unverdross'ner Hand. 9. Noch dennoch trifft er uns nicht an, Sein Anschlag geht zurück; Denn Gottes Schutz hegt unsre Bahn Vor unsers Feindes Tück. 10. Es zeucht der heil'gen Engel Schaar, Mit Waffen ausgerüst't, Und wehren fleißig hie und dar Des Tausendkünstlers List. 11. Es müssen ja noch immerfort Die Mahanaim gehn, Und Gottes Volk auf Gottes Wort Zu Dienst und Willen stehn. 12. Wenn Gott mir meiner Augen Licht Mit Licht erfüllen wollt, Als wie dem Jacob, der sich nicht Vor Esau fürchten sollt: 13. Ach! was für Wunder würd' ich hier Auf meinen Reisen sehn? Wie schön, wie lieblich würde mir In solchem Sehn geschehn? 14. Nun, was den Augen nicht vergunnt, Das sieht mein Herz und Geist, Dem Gott der heil'gen Weisheit Grund In seinem Geiste weist. 15. Es ist sein Wort, er hat's gesagt, Sein Heervolk sei bereit Uns zu umlagern, wenn uns plagt Des Satans Neid und Streit. Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 16. Was Gott gesagt, das ist vollbracht! Mein Herz, sei wohlgemuth, Und laß ja nimmer aus der Acht, Was dein Gott an dir thut. 17. Du siehst und greifft, wie gut er sei Dem, der ihn ehrt und liebt, Er ziert mit Lieb, er führt mit Treu Ein Herz, das ihm sich giebt. 18. Er trägt uns, wie, wenn einherschlägt Blitz, Hagel, Regen, Wind, Ein treuer, frommer Vater trägt Sein kleines, zartes Kind. 168 19. Er deckt uns zu mit seiner Hand, Wie eine Mutter thut, In derer Schoos das süßste Pfand Der keuschen Liebe ruht. sie 20. Er räumt aus unsern Wegen weg Des Unglücks scharfen Stein Und schafft, daß unsre Bahn und Steg Fein schlecht und eben sein. 21. Er führt uns über Berg und Thal, Und wenn's nun rechte Zeit, 297 So führt er uns in seinen Saal Bur ew'gen Himmelsfreud. 22. Alsdann werd' ich die letzte Reis' Und schönste Heimfahrt thun, Und nach dem sauren Erdenschweiß In süßer Stille ruhn. 298 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. XIII. Zeit- und Jahreslieder. 01 02 51 101. Morgensegen. In seiner eigenen Weise. 1667. TO 1. Die güldne Sonne, Voll Freud' und Wonne, Bringt unsern Gränzen Mit ihrem Glänzen Ein herzerquickendes liebliches Licht. Mein Haupt und Glieder, Die lagen darnieder, Aber nun steh' ich, Bin munter und fröhlich, Schaue den Himmel mit meinem Gesicht. 2. Mein Auge schauet Was Gott gebauet Zu seinen Ehren, Und uns zu lehren, Wie sein Vermögen sei mächtig und groß Und wo die Frommen Dann sollen hiukommen, Wann sie mit Frieden Von hinnen geschieden Aus dieser Erden vergänglichem Schoos. 3. Laffet uns singen, Dem Schöpfer bringen Güter und Gaben, Was wir nur haben, Alles sei Gotte zum Opfer gesetzt. Paul Gerhardts Geistliche Lieder. Die besten Güter Sind unsre Gemüther, Dankbare Lieder Sind Weihrauch und Widder, An welchen er sich am meisten ergetzt. 4. Abend und Morgen Sind seine Sorgen, Segnen und mehren, Unglück verwehren Sind seine Werke und Thaten allein. Wenn wir uns legen, So ist er zugegen, Wenn wir aufstehen, So läßt er aufgehen Ueber uns seiner Barmherzigkeit Schein. 5. Ich hab' erhoben Zu dir Hoch droben All' meine Sinnen, Laß mein Beginnen Ohn' allen Anstoß und glücklich ergehn. dan drions Laster und Schande, Des Lucifers Bande, Fallen und Tücke Treib' ferne zurücke, Laß mich auf deinen Geboten bestehu. 6. Laß mich mit Freuden Ohn' alles Neiden Sehen den Segen, Den du wirst legen In meines Bruders und Nähesten Haus. Geiziges Brennen, Unchristliches Rennen Nach Gut mit Sünde, Das tilge geschwinde Von meinem Herzen und wirf es hinaus. 299 300 Paul Gerhardts Geistliche Lieder, 7. Menschliches Wesen, Was ist's gewesen? In einer Stunde Geht es zu Grunde, So bald das Lüftlein des Todes drein bläst. Alles in allen Muß brechen und fallen, Himmel und Erden, dus Die müssen das werden Was sie vor ihrer Erschaffung gewest. 8. Alles vergehet, Gott aber stehet Ohn' alles Wanken, Seine Gedanken, Sein Wort und Willen hat ewigen Grund. Sein Heil und Gnaden, Die nehmen nicht Schaden, Heilen im Herzen Die tödtlichen Schmerzen, Halten uns zeitlich und ewig gesund. 9. Gott, meine Krone, Vergieb und schone! Laß meine Schulden In Gnad' und Hulden QUE Aus deinen Augen sein abgewandt. Sonsten regiere Mich, lenke und führe Wie dir's gefället: Ich habe gestellet Alles in deine Beliebung und Hand. 10. Willt du mir geben, Womit mein Leben Ich kann ernähren, So laß mich hören Allzeit im Herzen dies heilige Wort: Paul Gerhardts Geistliche Lieder. Gott ist das Größte, Das Schönste und Beste, Gott ist das Süßte Und Allergewisste Aus allen Schätzen, der edelste Hort. 11. Willt du mich fränken, Mit Gallen tränken Und soll von Plagen Ich auch was tragen, Wohlan! so mach' es, wie dir es beliebt. Was gut und tüchtig, Was schädlich und nichtig Meinem Gebeine, Das weißt du alleine, Hast niemals keinen zu sehre betrübt. 12. Kreuz und Elende, Das nimmt ein Ende; Nach Meeresbrausen Und Windessaufen Leuchtet der Sonnen gewünschtes Gesicht. Freude die Fülle Und selige Stille Hab' ich zu warten Im himmlischen Garten, Dahin sind meine Gedanken gericht't. 102. stad Wach auf, mein Herz, und ſinge. Weise: Nun laßt uns Gott, den Herren. 1647. 1. Wach auf, mein Herz! und singe Dem Schöpfer aller Dinge, Dem Geber aller Güter, Dem frommen Menschenhüter. 301 302 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 2. Heint, als die dunkeln Schatten Mich ganz umgeben hatten, Hat Satan mein begehret, Gott aber hat's gewehret. 3. Ja, Bater, als er suchte, Daß er mich fressen möchte, War ich in deinem Schooße, Dein Flügel mich beschlosse. 4. Du sprachst:„ Mein Kind, nun liege, Trotz dem, der dich betrüge, Schlaf wohl, laß dir nicht grauen, Du sollst die Sonne schauen." 5. Dein Wort, das ist geschehen, Ich kann das Licht noch sehen, Von Noth bin ich befreiet, Dein Schutz hat mich verneuet. 6. Du willst ein Opfer haben: Hier bring' ich meine Gaben. Mein Weihrauch, Farr und Widder Sind mein Gebet und Lieder. 7. Die wirst du nicht verschmähen, Du kannst in's Herze sehen Und weißt wohl, daß zur Gabe Ich ja nichts beffres habe. 8. So wollst du nun vollenden Dein Werk an mir, und senden, Der mich an diesem Tage Auf seinen Hände trage. 9. Sprich Ja zu meinen Thaten, Hilf selbst das Beste rathen, Den Anfang, Mitt'l und Ende Ach! Herr, zum Besten wende. Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 10. Mit Segen mich beſchütte, Mein Herz sei deine Hütte, Dein Wort sei meine Speise, Bis ich gen Himmel reise. 103. Lobgesang. Beije: Lobet den Herren, denn er ist sehr freundlich, oder: Eigne Weise. 1653. 1. Lobet den Herren Alle, die ihn fürchten! Laßt uns mit Freuden seinen Namen fingen Und Preis und Dank zu seinem Altar bringen. Lobet den Herren. 2. Der unser Leben, Das er uns hat geben, In dieser Nacht so väterlich bedecket Und aus dem Schlaf uns fröhlich auferwecket, Lobet den Herren. 3. Daß unsre Sinnen Wir noch brauchen können, Und Händ' und Füße, Zung' und Lippen regen, Das haben wir zu danken seinem Segen. Lobet den Herren. 4. Daß Feuerflammen Uns nicht allzusammen Mit unsern Häusern unversehns gefressen, Das macht's, daß wir in seinem Schoos gesessen. Lobet den Herren. 303 5. Daß Dieb' und Näuber Unser Gut und Leiber Nicht angetast't und grausamlich verletzet, Darwider hat sein Engel sich gesebzet. Lobet den Herren. 304 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 6. O treuer Hüter, Brunnen aller Güter! Ach! laß doch ferner über unser Leben Bei Tag und Nacht dein' Hut und Güte schweben. Lobet den Herren. 7. Gieb, daß wir heute, Herr, durch dein Geleite Auf unsern Wegen unverhindert gehen, Und überall in deiner Gnade stehen. Lobet den Herren. 8. Treib unsern Willen, Dein Wort zu erfüllen. Lehr uns verrichten heilige Geschäfte, Und wo wir schwach sind, da gieb du uns Kräfte. Lobet den Herren. 9. Nicht unsre Herzen, Daß wir ja nicht scherzen Mit deinen Strafen, sondern fromm zu werden. Vor deiner Zukunft uns bemühn auf Erden. Lobet den Herren. 10. Herr, du wirst kommen Und all deine Frommen, Die sich bekehren, gnädig dahin bringen, Da alle Engel ewig, ewig singen: Lobet den Herren. 104. Abendfegen. In seiner eigenen Weise. 1667. 1. Der Tag mit seinem Lichte Fleucht hin und wird zu nichte; Die Nacht kommt angegangen, Mit Ruhe zu umfangen Den matten Erdenkreis. Paul Gerhardts Geistliche Lieder. Der Tag der ist geendet; Mein Herz zu dir sich wendet, Der Tag und Nacht geschaffen Zu wachen und zu schlafen, Will singen deinen Preis. 2. Wohlauf, wohlauf, mein Psalter! Erhebe den Erhalter, Der mir an Leib und Seelen Viel mehr, als ich kann zählen, Hat heute Guts gethan. All Augenblick und Stunden Hat sich gar viel gefunden, Womit er sein Gemüthe Und unerschöpfte Güte Mir klar gezeiget an. 3. Gleich wie des Hirten Freude, Ein Schäflein an der Weide, Sich unter seiner Treue Ohn' alle Furcht und Scheue Ergötzet in dem Feld, Und sich mit Blumen füllet, Den Durst mit Quellen stillet, So hat mich heut' geführet, Mit manchem Gut gezieret Der Hirt in aller Welt. schon dun uinsd 4. Gott hat mich nicht verlassen, Ich aber hab' ohn Maßen Mich nicht gescheut, mit Sünden Und Unrecht zu entzünden nie Das treue Vaterherz. Ach, Vater! laß nicht brennen Den Eifer, noch mich trennen Von deiner Hand und Seiten; Mein Thun und Ueberschreiten Erweckt mir Reu und Schmerz. 20 305 306 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 5. Erhöre, Herr, mein Beten Und laß mein Uebertreten Zur Rechten und zur Linken In's Meeres Tiefe sinken Und ewig untergehn. Laß aber, laß hergegen Sich deine Engel legen Um mich mit ihren Waffen; Mit dir will ich entschlafen, Mit dir auch auferstehn. 6. Darauf so laß ich nieder Mein Haupt und Augenlider, Will ruhen ohne Sorgen, Bis daß der güldne Morgen Mich wieder munter macht. Dein Flügel wird mich decken, So wird mich nicht erschrecken Der Feind mit tausend Listen, Der mich und alle Christen Verfolget Tag und Nacht. 7. Ich lieg' hier oder stehe, Ich sitz' auch oder gehe, So bleib' ich dir ergeben, Und du bist auch mein Leben, Das ist ein wahres Wort. Was ich beginn und mache, Ich schlaf ein oder wache, Wohn' ich als wie im Schloffe In deinem Arm und Schooße, Bin selig hier und dort. Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 105. Abendlied. Weise: O Welt, ich muß dich lassen, oder: Eigne Weise. 1647. 1. Nun ruhen alle Wälder, Vieh, Menschen, Städt und Felder, Es schläft die ganze Welt: Ihr aber, meine Sinnen, Auf, auf! ihr sollt beginnen, Was eurem Schöpfer wohlgefällt. MAG 2. Wo bist du, Sonne, blieben? Die Nacht hat dich vertrieben, Die Nacht, des Tages Feind: Fahr hin, ein' andre Sonne, Mein Jesus, meine Wonne, Gar hell in meinem Herzen scheint. 3. Der Tag ist nun vergangen, Die güldnen Sterne prangen Am blauen Himmelsfaal: Also werd' ich auch stehen, Wenn mich wird heißen gehen Mein Gott aus diesem Jammerthal. 4. Der Leib eilt nun zur Ruhe, Legt ab das Kleid und Schuhe, Das Bild der Sterblichkeit: Die zieh ich aus, dagegen Wird Christus mir anlegen Den Rock der Ehr und Herrlichkeit. 5. Das Haupt, die Füß und Hände Sind froh, daß nun zum Ende Die Arbeit kommen sei: Herz, freu dich, du sollst werden Vom Elend dieser Erden Und von der Sünden Arbeit frei. 20* 307 308 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 6. Nun geht, ihr matten Glieder, Geht hin und legt euch nieder, Der Betten ihr begehrt: Es kommen Stund und Zeiten, Da man euch wird bereiten Zur Nuh ein Bettlein in der Erd. 7. Mein' Augen stehn verdrossen, Im Hui sind sie geschlossen, Wo bleibt dann Leib und Seel? Nimm sie zu deinen Gnaden, Sei gut für allen Schaden, Du Aug' und Wächter Ifrael! 8. Breit aus die Flügel beide, Jesu, meine Freude, Und nimm dein Küchlein ein! Will Satan mich verschlingen, So laß die Englein fingen: Dies Kind soll unverletet sein." 11 9. Auch euch, ihr meine Lieben, Soll heute nicht betrüben Ein Unfall noch Gefahr! Gott laß euch selig schlafen, Stell euch die güldnen Waffen Um's Bett und seiner Engel Schaar! 106. Sommerlied. Weise: Den Herren meine Seel erhebt. Kommt her zu mir, spricht Gottes Sohn, oder: Eigne Weise. 1656, 1. Geh aus, mein Herz, und suche Freud In dieser lieben Sommerzeit An deines Gottes Gaben; Schau an der schönen Gärten Zier, Und siehe, wie sie mir und dir Sich ausgeschmücket haben. Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 2. Die Bäume stehen voller Laub, Das Erdreich decket seinen Staub Mit einem grünen Kleide. Narzissus und die Tulipan, Die ziehen sich viel schöner an, Als Salomonis Seide. 3. Die Lerche schwingt sich in die Luft, Das Täublein fleugt aus seiner Kluft Und macht sich in die Wälder; Die hochbegabte Nachtigall Ergötzt und füllt mit ihrem Schall Berg, Hügel, Thal und Felder: 4. Die Glucke führt ihr Völklein aus, Der Storch baut und bewohnt sein Haus, Das Schwälblein speist die Jungen, Der schnelle Hirsch, das leichte Reh Ist froh und kommt aus seiner Höh In's tiefe Gras gesprungen. 5. Die Bächlein rauschen in dem Sand Und malen sich und ihren Rand Mit schattenreichen Myrthen, Die Wiesen liegen hart dabei Und klingen ganz vom Lustgeschrei Der Schaf und ihrer Hirten. 6. Die unverdroffne Bienenschaar Zeucht hin und her, sucht hier und dar Ihr' edle Honigspeise, Des süßen Weinstocks starker Saft Bringt täglich neue Stärk und Kraft In seinem schwachen Reise. 7. Der Weizen wächset mit Gewalt, Darüber jauchzet jung und alt, Und rühmt die große Güte Des, der so überflüssig labt Und mit so manchem Gut begabt Das menschliche Gemüthe. 309 310 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 8. Ich selbsten kann und mag nicht ruhn, Des großen Gottes großes Thun Erweckt mir alle Sinnen: Ich finge mit, wenn alles singt, Und lasse was dem Höchsten klingt Aus meinem Herzen rinnen. 9. Ach, denk ich, bist du hie so schön, Und läßt du's uns so lieblich gehn Auf dieser armen Erden, Was will doch wohl nach dieser Welt Dort in dem reichen Himmelszelt Und güldnem Schlosse werden? 10. Welch hohe Luft, welch heller Schein Wird wohl in Christi Garten sein? Wie muß es da wohl klingen, Da so viel tausend Seraphim Mit eingestimmtem Mund und Stimm Ihr Allelujah singen? 11. O wär ich da! O stünd ich schon, Ach, süßer Gott! vor deinem Thron Und trüge meine Palmen! So wollt' ich nach der Engel Weis' Erhöhen deines Namens Preis Mit tausend schönen Psalmen. 12. Doch will ich gleichwohl, weil ich noch Hier trage dieses Leibes Joch, Auch nicht gar stille schweigen, Mein Herze soll sich fort und fort An diesem und an allem Ort Zu deinem Lobe neigen. 13. Hilf mir und segne meinen Geist Mit Segen, der vom Himmel fleußt, Daß ich dir stetig blühe! Gieb, daß der Sommer deiner Gnad In meiner Seelen früh und spat Viel Glaubensfrücht' erziehe. Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 14. Mach in mir deinem Geiste Naum, Daß ich dir werd' ein guter Baum, Und laß mich wohl bekleiben; Verleihe, daß zu deinem ihm Ich deines Gartens schöne Blum Und Pflanze möge bleiben. 15. Erwähle mich zum Paradeis Und laß mich bis zur letzten Reis' Au Leib und Seele grünen: So will ich dir und deiner Ehr Allein und sonsten keinem mehr Hier und dort ewig dienen. XIV. Ehestands- Lieder. Bus 107. Der wundervolle Ehestand. Weise: Nicht so traurig, nicht so sehr. 1666. 1. Voller Wunder, voller Kunst, Voller Weisheit, voller Kraft, Voller Hulde, Gnad und Gunst, Voller Labsal, Troft und Saft, ple Voller Wunder, sag' ich noch, Ist der keuschen Liebe Joch. istakes 2. Die sich nach dem Angesicht Niemals hie bevor gekannt, Auch sonst im geringsten nicht Mit Gedanken zugewandt, Derer Herzen, derer Hand Knüpft Gott in ein Liebesband. 311 312 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 3. Dieser Vater zeucht sein Kind, Jener seins dagegen auf, Beide treibt ihr sondrer Wind, Ihre sondre Bahn und Lauf, Aber wenn die Zeit nun dar, Wird's ein wohlgerathnes Paar. 4. Hier wächst ein geschickter Sohn, Dort ein' edle Tochter zu, Eines ist des andern Kron, Eines ist des andern Ruh, Eines ist des andern Licht, Wissen's aber beide nicht. 5. Bis so lang es dem beliebt, Der die Welt im Schooße hält Und zur rechten Stunde giebt Sedem, was ihm wohlgefällt, Da erscheint im Werk und That Der so tief verborgne Nath. 6. Da wählt Ahasverus Blick Ihm die stille Esther aus, Den Tobias führt das Glück In der frommen Sara Haus, 1998 Davids bald gewandter Will Holt die klug' Abigail. Stoma Come rallore 7. Jacob fleucht vor Esaus Schwert Und trifft seine Rahel an, dastle Joseph dient auf fremder Erdo Und wird Asnath Herr und Mann, Mose spricht bei Jethro ein, Da wird die Zipora sein. Toome 8. Jeder findet, jeder nimmt, Was der Höchst' ihm ausersehn, Was im Himmel ist bestimmt, Pflegt auf Erden zu geschehn, Und was denn nun so geschicht, Das ist sehr wohl ausgericht't. AZERE Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 9. Defters denkt man, dies und dies Hätte können besser sein; Aber wie die Finsternis Nicht erreicht der Sonne Schein, Also geht auch Menschensinn Hinter Gottes Weisheit hin. LO SH 150 10. Laß zusammen, was Gott fügt, Der weiß, wie's am besten sei: Unser Denken fehlt und trügt, Sein Gedank ist mangelfrei, Gottes Werk hat festen Fuß, Wenn sonst alles fallen muß. 11. Siehe frommen Kindern zu, Die im heil'gen Stande stehn, Wie so wohl Gott ihnen thu, Wie so schön er lasse gehn Alle Thaten ihrer Händ' Auf ein gutes sel'ges End'. dull 10 12. Ihrer Tugend werther Ruhm Steht in steter voller Blüt', Wenn sonst aller Liebe Blum', Als ein Schatten sich verzicht, Und wenn aufhört alle Tren, Ist doch ihre Treue neu. mon. 13. Ihre Lieb' ist immer frisch Und verjüngt sich fort und fort, Liebe zieret ihren Tisch Und verzuckert alle Wort, Liebe giebt dem Herzen Rast In der Mith' und Sorgenlast. 14. Geht's nicht allzeit, wie es soll, Ist doch diese Liebe still, Hält sich in dem Kreuze wohl, Denkt, es sei des Herren Will, Und versichert sich mit Freud' Einer fünftig bessern Zeit. 313 314 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 15. Unterdessen geht und fleußt Gottes reicher Segenbach, Speist die Leiber, tränkt den Geist, Stärkt des Hauses Grund und Dach, Und was klein, gering und bloß, Macht er mächtig, viel und groß. 16. Endlich, wenn nun ganz vollbracht, Was Gott hier in dieser Welt Frommen Kindern zugedacht, Nimmt er sie in's Himmelszelt Und drückt sie mit großer Lust Selbst an seinen Mund und Brust. 17. Nun so bleibt ja voller Gunst, Voller Labsal, Troft und Saft, Voller Wunder, voller Kunst, Voller Weisheit, voller Kraft, Voller Wunder sag ich noch, Bleibt der keuschen Liebe Joch. 108: Troftgesang christlicher Eheleute.*) Weise: Wie schön leuchtet der Morgenstern. 1666. 1. Wie schön ist's doch, Herr Jesu Christ, Im Stande, da dein Segen ist, Im Stande heil'ger Ehe. Wie steigt und neigt sich deine Gab Und alles Gut so mild herab Aus deiner heil'gen Höhe, Wenn sich An dich Fleißig halten Jung und Alten, Die im Orden Eines Lebens einig worden. *) Nach Psalm 128. Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 315 2. Wenn Mann und Weib sich wohl begehn Und unverrückt beisammen stehn Im Bande reiner Treue, Da geht das Glück in vollem Lauf, Da sieht man, wie der Engel Hauf Im Himmel selbst sich freue. Kein Sturm, Kein Wurm Kann zerschlagen, Kann zernagen, Was Gott giebet Dem Paar, das in ihm sich liebet. 3. Vor allen giebt er seine Gnad, In derer Schoos er früh und spat Sein' Hochgeliebten heget. Da spannt sein Arm sich täglich aus, Da faßt er uns und unser Haus Gleich als ein Vater pfleget. Da muß Ein Fluß Nach dem andern Gehn und wandern, Bis sie kommen In das Zelt und Sitz der Frommen. 4. Der Mann wird einem Baume gleich, An Aesten schön, an Zweigen reich, Das Weib gleich einem Neben, Der seine Träublein trägt und nährt Und sich je mehr und mehr vermehrt Mit Früchten, die da leben. Wohl dir, Ogier, Mannessonne, Hanseswonne, Ehrenkrone! Gott denkt dein bei seinem Throne. 316 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 5. Dich, dich hat er ihm auserkorn, Daß aus dir ward herausgeborn Das Volk, das sein Reich bauet. Sein Wunderwerk geht immer fort, Und seines Mundes starkes Wort Macht, daß dein Auge schauet Schöne Söhne, Und die Tocken, Die den Wocken Fein abspinnen Und mit Kunst die Zeit gewinnen. 6. Sei gutes Muths! wir sind es nicht, Die diesen Orden aufgericht't, Es ist ein höhrer Vater, Der uns hat je und je geliebt Und bleibt, wenn unsre Sorg' uns trübt, Der beste Freund und Nather; Anfang, Ausgang Aller Sachen, Die zu machen Wir gedenken, Wird er wohl uns weislich lenken. 7. 3war bleibt's nicht aus, es kommt ja wohl Ein Stündlein, da man leidesvoll Die Thränen läffet schießen. Jedennoch wer sich in Geduld Ergiebt, des Leid wird Gottes Huld In großen Freuden schließen. Sitze, Schwitze Nur ein wenig, Unser König Wird behende Machen, daß die Angst sich wende. Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 8. Wohl her, mein König, nah herzu! Gieb Nath im Kreuz, in Nöthen Ruh, In Aengsten Trost und Freude! Des sollst du haben Ruhm und Preis; Wir wollen singen bester Weis' Und danken alle beide, Bis wir Bei dir, Deinen Willen Zu erfüllen, Deinen Namen Ewig loben werden. Amen! 109. Frauenlob. Spr. Sal. 31. Weise: Wo Gott zum Haus nicht giebt sein' Gunst, oder: Eigne Weise. 1656. 1. Ein Weib, das Gott den Herren liebt, Und sich stets in der Tugend übt, Ist viel mehr Lobs und Liebens werth, Als alle Perlen auf der Erd. 2. Ihr Mann darf mit dem Herzen frei Verlassen sich auf ihre Treu, Sein Haus ist voller Freud und Licht, An Nahrung wird's ihm mangeln nicht. 3. Sie thut ihm Liebes und kein Leid, Durchfüßet seine Lebenszeit, Sie nimmt sich seines Kummers an Mit Troft und Nath, so gut sie kann. 317 4. Die Woll' und Flachs sind ihre Luft, Was hierzu dient, ist ihr bewußt, Shr Händlein greifet selber zu, Hat oftmals Müh und selten Ruh. 318 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 5. Sie ist ein Schifflein auf dem Meer, Wenn dieses kommt, so kommt's nicht leer, So schafft auch sie aus allem Ort Und setzet ihre Nahrung fort. 6. Sie schläft mit Sorg, ist früh heraus, Giebt Futter, wo sie soll, im Haus, Und speist die Dirnen, derer Hand Zu ihren Diensten ist gewandt. 7. Sie gürtet ihre Lenden fest Und stärket ihre Arm' auf's best, Ist froh, wenn's wohl von statten geht, Worauf ihr Sinn und Herze steht. 8. Wenn andre löschen Feu'r und Licht, Verlöscht doch ihre Leuchte nicht; Ihr Herze wachet Tag und Nacht Zu dem, der Tag und Nacht gemacht. 9. Sie nimmt den Rocken, setzt sich hin Und schämt sich nicht, daß sie ihn spinn, Shr Finger fast die Spindel wohl Und macht sie schnell mit Garne voll. 10. Sie hört gar leicht der Armen Bitt', Ist gütig, theilet gerne mit, Ihr Haus und alles Hausgesind Ist wohl verwahrt vor Schnee und Wind. 11. Sie sitzt und näht und wirkt mit Fleiß, Macht Decken nach der Künstler Weis', Hält sich selbst sauber, weiße Seid Und Purpur ist ihr schönes Kleid. 12. Ihr Mann ist in der Stadt berühmt, Bestellt sein Amt, wie sich's geziemt; Er geht, steht und sitzt oben an, Und was er thut, ist wohl gethan. Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 319 13. Ihr Schmuck ist, daß sie reinlich ist, Ihr' Ehr ist, daß sie ausgerüst't Mit Fleiße, der gewiß zuletzt Den, der ihn liebet, hoch ergötzt. 14. Sie öffnet ihren weisen Mund, Thut Kindern und Gesinde kund Des Höchsten Wort, und lehrt sie fein Fromm, ehrbar und gehorsam sein. 15. Sie schaut, wie es im Hause steht, Und wie es hie und dort ergeht; Sie ist ihr Brot und sagt dabei, Wie so groß Unrecht Faulsein sei. 16. Die Söhne, die ihr Gott beschert, Die halten sie hoch, lieb und werth; Ihr Mann, der lobt sie spat und früh Und preiset selig sich und sie. 17. Viel Töchter bringen Geld und Gut, Sind zart am Leib und stolz am Muth; Du aber, meine Kron und Zier, Gehst wahrlich ihnen allen für. 18. Was hilft der äußerliche Schein? Was ist's doch, schön und lieblich sein? Ein Weib, das Gott liebt, ehrt und schent, Das soll man loben weit und breit. 19. Die Werke, die sie hier verricht't, Sind wie ein schönes, helles Licht, Sie dringen bis zur Himmelspfort Und werden leuchten hie und dort. 320 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. XV. Von den letzten Dingen. 110. Vom Tod und Sterben, Croftgefang. Psalm 39. Weise: Auf meinen lieben Gott. 1648. 1. Mein Gott, ich habe mir Gar festgesetzet füir, Ich will mich fleißig hüten, Wenn meine Feinde wüthen, Daß, wenn ich ja was spreche, Ich dein Gesetz nicht breche. 2. Wenn mein Geblüt entbrennt, So hab' ich mich gewöhnt, Vor deinen Stuhl zu treten, Laß Herz und Zunge beten: ,, Herr, zeige deinem Knechte Zu thun nach deinem Nechte." 3. Herr, lehre mich doch wohl Bedenken, daß ich soll Einmal von dieser Erden Hinweggeraffet werden, Und daß mir deine Hände Gesetzet Ziel und Ende. 4. Die Tage meiner Zeit Sind einer Hande breit, Und wenn man dies mein Bleiben Soll recht und wohl beschreiben, So ist's ein Nichts, und bleibet Ein Stäublein, das zerstäubet. SARING CAR 26 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 5. Ach! wie so gar nichts werth Sind Menschen auf der Erd, Die doch so sicher leben Und gar nicht Acht drauf geben, Daß all ihr Thun und Glücke Verschwind im Augenblicke. 6. Sie gehen in der Welt Und suchen Gut und Geld, Der Schatten einen Schemen, Und können nichts mitnehmen, Wenn nach der Menschen Weise Sie thun des Todes Reise. 7. Sie schlafen ohne Ruh, Arbeiten immerzu, Sind Tag und Nacht geflissen, Und können doch nicht wissen, Wer, wenn sie niederliegen, Ihr Erbe werde kriegen. 8. Nun, Herr, wo soll ich hin? Wer tröstet meinen Sinn? Ich komm an deine Pforten, Der du mit Werk und Worten Erfreuest, die dich schenen Und dein allein sich freuen. 9. Wenn sich mein Feind erzegt Und mir viel Dampfs anlegt, So will ich stille schweigen, Mein Herz zur Ruhe neigen: Du Richter aller Sachen, Du kannst und wirst's wohl machen. 10. Wenn du dein Hand ausstreckst, Des Menschen Herz erschreckst, Wenn du die Sünd heimsuchest, Den Sünder schiltst und fluchest, So geht in einer Stunde All Herrlichkeit zu Grunde. 21 321 322 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 11. Der schönen Jugend Kranz, Der rothen Wangen Glanz Wird wie ein Kleid verzehret, So hier die Motten nähret. Ach, wie gar nichts im Leben Sind, die auf Erden schweben! 12. Du aber, du mein Hort, Du bleibest fort und fort Mein Helfer, siehst mein Sehnen, Mein' Angst und heiße Thränen, Erhörest meine Bitte, Wann ich mein Herz ausschütte. 13. Drum ruhet mein Gemüth Allein auf deiner Güt; Ich laß dein Herze sorgen, Als deme nicht verborgen, Wie meiner Feinde Tücke Du treiben sollst zurücke. 14. Ich bin dein Knecht und Kind, Dein Erb' und Hausgesind, Dein Pilgrim und dein Bürger, Der, wenn der Menschenwürger Mein Leben mir genommen, Zu dir gewiß wird kommen. 15. Zur Welt muß ich hinaus, Der Himmel ist mein Haus, Da in der Engel Schaaren Mein' Eltern und Vorfahren, Auch Schwestern, Freund und Brüder Jetzt fingen ihre Lieder. 16. Hier ist nur Qual und Pein, Dort, dort wird Freude sein. Dahin, wenn es dein Wille, Ich fröhlich, sanst und stille Aus diesen Sammerjahren Zur Ruhe will abfahren. Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 111. Vom Tod und Sterben. Psalm 90. Weise: Herr Jesu Christ, ich weiß gar wohl, oder: Eigne Weise. 1667. 1. Herr Gott, du bist ja für und für Die Zuflucht deiner Heerde. Du bist gewesen, eh allhier Gelegt der Grund zur Erde, Und da noch kein Berg war bereit't, Da warst du in der Ewigkeit, O Anfang aller Dinge! 2. Du läßt die Menschen in das Thor Des Todes häufig wandern, Und sprichst: Kommt wieder, Menschen, vor Und folget jenen andern." Denn dir sind, Höchster! tausend Jahr Als wie ein Tag, der gestern war Und nunmehr ist vergangen. 3. Du läßt das schnöde Menschenheer Wie einen Strom verfließen, Und wie die Schifflein auf dem Meer Bei gutem Wind hinschießen, Gleich wie ein Schlaf und Traum bei Nacht, Der, wenn der Mensch vom Schlaf erwacht, Entfallen und vergessen. 4. Wir sind ein Kraut, das bald verdorrt, Ein Gras, das jetzt aufgehet, Wird aber schnell von seinem Ort Entführet und verwehet. So ist ein Mensch: heut blühet er, Und morgen, wenn ihn ungefähr Ein Wind rührt, liegt er nieder. 323 21* 324 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 5. Das macht, Herr! deines Zornes Grimm, Daß wir so bald verschwinden. Dein Eifer stößt und wirft uns üm Von wegen unsrer Sünden. Die Sünden stellest du vor dich, Davon brennt und entrüstet sich Dein allzeit reines Herze. 6. Das ist das Feu'r, das uns versehrt Das Mark in allen Beinen. Daher kommt's, daß der Tod verzehrt Die Großen und die Kleinen; Drum fahren unsre Tage hin Wie ein Geschwätze durch den Sinn, Wenn wir die Zeit vertreiben. 7. Wie lang hält doch dies Leben aus? Gar selten siebzig Jahre, Wenn's hoch kommt, werden achtzig draus, Und wenn man alle Waare, Die hier gewonnen, nimmt zu Hauf, Ist's lauter Müh von Jugend auf Und lauter Angst gewesen. 8. Wir rennen, laufen, sorgen viel, Und eh wir's uns versehen, Da kommt der Tod, steckt uns das Ziel Und da ist's dann geschehen; Wir flichen eilend und behend, Und doch ist niemand, der sein End Und Gottes Zorn bedenke. 9. Lehr uns bedenken, frommer Gott, Das Elend dieser Erden, Auf daß wir, wenn wir an den Tod Gedenken, flüger werden. Ach! kehre wieder, kehr uns zu Dein Angesicht und steh in Ruh Mit deinen bösen Knechten. Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 10. Erfüll' uns früh mit deiner Gnad' Am Leib und an der Seelen, So wollen wir dir früh und spat Dein Lob mit Dank erzählen. Erfreu uns, o du höchste Freud, Und gieb uns wieder gute Zeit Nach so viel bösen Tagen! 11. Bisher hat's lauter Kreuz geschneit, Laß nun die Sonne scheinen; Bescher uns Freude nach dem Leid Und Lachen nach dem Weinen. Laß deiner Werke süßen Schein, Herr, deinen Knechten kundbar sein Und dein' Ehr' ihren Kindern! 12. Bleib unser Gott und treuer Freund, Halt uns auf festem Fuße, Und wenn wir etwa irrig seind, So gieb, daß sich mit Buße Das Herze wieder zu dir wend, Auch fördre das Thun unsrer Händ' Und segn' all' unsre Werke. 112. Ich bin ein Gast auf Erden. Psalm 119, 19 u. Hebr. 11, 3. Weise: Herzlich thut mich verlangen. 1666. 1. Ich bin ein Gast auf Erden Und hab' hier keinen Stand; Der Himmel soll mir werden, Da ist mein Vaterland. Hier reis' ich aus und abe, Dort in der ew'gen Ruh 3ft Gottes Gnadengabe, Die schleußt all' Arbeit zu. 325 326 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 2. Was ist mein ganzes Wesen Von meiner Jugend an Als Müh und Noth gewesen? So lang ich denken kann, Hab' ich so manchen Morgen, So manche liebe Nacht Mit Kummer und mit Sorgen Des Herzens zugebracht. 3. Mich hat auf meinen Wegen Manch harter Sturm erschreckt; Blitz, Donner, Wind und Regen Hat mir manch' Angst erweckt; Verfolgung, Haß und Neiden, Ob ich's gleich nicht verschuldt, Hab' ich doch müſsen leiden Und tragen mit Geduld. 4. So ging's den lieben Alten, An derer Fuß und Pfad Wir uns noch täglich halten, Wenn's fehlt an gutem Rath. Wie mußte sich doch schmiegen Der Vater Abraham, Eh als ihm sein Vergnügen Und rechte Wohnstatt kam? 5. Wie manche schwere Bürde Trug Ifaac, sein Sohn? Und Jacob, dessen Würde Stieg bis zum Himmelsthron, Wie mußte der sich plagen! In was für Weh und Schmerz, In was für Furcht und Zagen Sank oft sein armes Herz! 6. Die frommen, heil'gen Seelen, Die gingen fort und fort Und änderten mit Quälen Den erst bewohnten Ort. AZERE Paul Gerhardts Geistliche Lieder. Sie zogen hin und wieder, Ihr Kreuz war immer groß, Bis daß der Tod sie nieder Legt' in des Grabes Schoos. 7. Ich habe mich ergeben In gleiches Glück und Leid. Was will ich besser leben, Als solche große Leut? Es muß ja durchgedrungen, Es muß gelitten sein. Wer nicht hat wohl gerungen, Geht nicht zur Freud hinein. 8. So will ich zwar nun treiben Mein Leben durch die Welt, Doch denk ich nicht zu bleiben In diesem fremden Zelt. Ich wandre meine Straßen, Die zu der Heimat führt, Da mich ohn' alle Maßen Mein Vater tröſten wird. 9. Mein' Heimat ist dort droben, Da aller Engel Schaar Den großen Herrscher loben, Der alles ganz und gar In seinen Händen träget Und für und für erhält, Auch alles hebt und leget, Nachdem's ihm wohlgefällt. 10. Zu dem steht mein Verlangen, Da wollt ich gerne hin: Die Welt bin ich durchgangen, Daß ich's fast müde bin: Se länger ich hier walle, Je wen'ger find' ich Lust, Die meinem Geist gefalle, Das meist ist Stank und Wust. 327 328 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 11. Die Herberg ist zu böse, Der Trübsal ist zu viel. Ach! komm, mein Gott, und löse Mein Herz, wenn dein Herz will! Komm, mach' ein selig's Ende An meiner Wanderschaft, Und was mich fränkt, das wende Durch deinen Arm und Kraft! 12. Wo ich bisher gesessen, Ist nicht mein rechtes Haus. Wenn mein Ziel ausgemessen, So tret' ich dann hinaus, Und was ich hie gebrauchet, Das leg' ich alles ab, Und wenn ich ausgehauchet, So scharrt man mich in's Grab. 13. Du aber, meine Freude, Du meines Lebens Licht, Du zeuchst mich, wenn ich scheide, Hin vor dein Angesicht, In's Haus der ew'gen Wonne, Da ich stets freudenvoll, Gleich als die helle Sonne, Nebst andern leuchten soll. 14. Da will ich immer wohnen, Und nicht nur als ein Gast, Bei denen, die mit Kronen Du ausgeschmücket haſt. Da will ich herrlich singen Von deinem großen Thun Und, frei von schnöden Dingen, In meinem Erbtheil ruhn. Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 113. Chriftliche Todesfreude. 1. Cor. 15, 55 ff. Weise: So wünsch ich mir ein' gute Nacht, oder: Eigne Weise. 1666. 1. Was trauerst du, mein Angesicht, Wenn du den Tod hörst nennen? Sei ohne Furcht, er schad't dir nicht, Lern' ihn nur recht erkennen! Kennst du den Tod, So hat's nicht Noth, All' Angst wird sich zertrennen. 2. Für's erste zeuch die Larven ab Der alten rothen Schlangen, Sieh an, daß sie kein Gift mehr hab', Es ist ihr abgefangen Durch Jesum Christ, Der für uns ist In's Grab und Tod gegangen. 3. Ja, Herr, du tratst ihm an das Herz, Brachst seines Stachels Spizen; Nunmehr ist er ein lauter Scherz Und kann uns gar nicht rißen. Dein edles Blut Dämpft seine Glut, Dein' Flammen zwingt sein Hitzen. 329 4. Die Sünde war des Todes Kraft, Die uns zum Sterben triebe. Nun ist die Sünd' all' abgeschafft Durch Christi Treu und Liebe; Ihr Ernst und Macht Ist matt gemacht, Troß, daß sie uns betrübe. 330 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 5. Die Sünd' ist todt; Gott ist verfühnt Durch seines Sohnes Dulden. Der Grimm ist hin, den wir verdient Mit unsers Lebens Schulden; Der vor war Feind, Ist nunmehr Freund, Voll süßer Gnad' und Hulden. 6. Bist du denn Freund, so kannst du mich, Mein Gott, ja nicht umbringen; Dein Baterherze läffet sich Zum Mord und Tod nicht dringen. Wer sich befind't Dein Erb' und Kind, Ist frei von bösen Dingen. 7. Das aber, Vater, thust du wohl, Wenn uns die Trübsal kränket, Wenn wir des Lebens satt und voll Des Jammers, der uns tränket, Daß dann dein' Hand An's Vaterland Uns aus den Fluten lenket. 8. Wenn sich das starke Wetter regt, Davor die Höhen fallen, Wenn deines Zornes Donner schlägt, Daß Berg und Thal erschallen, So trittst du zu Und bringst zur Ruh Uns, die dir wohlgefallen. 9. Wenn unsre Freunde um uns her Uns bringen in die Mitten, Wenn Ottern, Löwen, Wölf' und Bär Ihr Gift auf uns ausschütten, Nimmst du dein Schaf, Bringst's in den Schlaf Bei dir in deiner Hütten. Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 10. Wenn diese Welt giebt bösen Lohn Dem, der dich treulich ehret, So sprichst du: ,, Komm zu mir, mein Sohn! Hier hab' ich, was dich nähret, Lust, Ehr und Freud, Die keine Zeit In Ewigkeit verzehret." 11. Alsbald schließt uns der Engel Schaar Mit Freud' in ihren Bogen Und nehmen unsrer Seelen wahr, Die, wenn sie ausgeflogen In ihre Hut Mit stillem Muth Zu Gott kommt angezogen. 12. Der Herr empfänget seine Braut Und spricht: ,, Sei mir willkommen! Du bist's, die ich mir anvertraut, Komm, wohne bei den Frommen, Die ich vor dir Anher zu mir Aus jener Welt genommen. 331 13. Du hast behalten Glaub und Treu Im Herzen, da ich wohne; So geb' und leg' ich dir nun bei Die schöne Freudenkrone. Ich bin dein Heil, Dein Erb und Theil, Tritt her zu meinem Throne! 14. Hier trockn' ich deiner Augen Flut, Hier still' ich deine Thränen; Hier setzt sich in dem höchsten Gut Dein Seufzen, Klag' und Sehnen; Dein Jammermeer Wird niemand mehr, Als nur in Freud', erwähnen. 332 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 15. Hier fleid' ich meiner Christen Zahl Mit reiner weißer Seide; Hier springen sie im Himmelssaal Und ist nicht, der sie neide; Hier ist kein Tod, Kein Kreuz und Noth, Das gute Freunde scheide!" 16. Ach Gott, mein Herr, was will ich doch Mich vor dem Tode schenen? Er ist's ja, der mich von dem Joch Des Elends will befreien; Er nimmt mich aus Dem Marterhaus, Das kann mich nicht gereuen. 17. Der Tod, der ist mein rothes Meer, Dadurch auf trocknem Sande Dein Israel, das fromme Heer, Geht zum gelobten Lande, Da Milch und Wein Stets fleußt herein, Wie Ström in ihrem Rande. 18. Er ist das güldne Himmelsthor Und des Eliä Wagen, Darauf mich Gott zum Engelchor Gar bald wird lafsen tragen, Wenn er, der letzt Und Erste, setzt Ein End' an meinen Tagen. 19. Osüße Luft! o edle Ruh! O frommer Seelen Freude! Komm, schleuß mir meine Augen zu, Daß ich mit Fried' abscheide Hin, da mein Hirt Mich leiten wird Zur immergrünen Weide. Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 20. Daselbst wird er mit vollem Maß, Was hier gefehlt, einbringen; Dafür wird ihm ohn' Unterlaß Sein Alleluja klingen; Da will auch ich Ihm williglich Eins nach dem andern singen. 114. Fröhliche Ergebung zu einem seligen Abschiede aus dieser mühseligen Welt. Weise: Wenn mein Stündlein vorhanden ist. 1667. 1. Nun sei getrost und unbetrübt, Du mein Geist und Gemüthe! Dein Jesus lebt, der dich geliebt, Eh als dir dein Geblüte Und Fleisch und Haut ward zugericht't, Der wird dich auch gewißlich nicht An deinem Ende Hassen. 2. Erschrecke nicht vor deinem End, Es ist nichts Böses drinnen. Dein lieber Herr streckt seine Händ' 299 ᎧᎧᎧ Und fordert dich von hinnen, Aus so viel tausend Angst und Qual, Die du in diesem Sammerthal Bisher haft ausgestanden. 3. Zwar heißt's ja Tod und Sterbensnoth, Doch ist da gar kein Sterben, Denn Jesus ist des Todes Tod Und nimmt ihm das Verderben, Daß alle seine Stärk' und Kraft Mir, wenn ich jetzt werd' hingerafft, Nicht auf ein Härlein schade. 334 Paul Gerhardts Geistliche Lieber. 4. Des Todes Kraft steht in der Sünd Und schnöden Missethaten, Darin ich armes Adamskind So oft und viel gerathen. Nun ist die Sünd' in Jesu Blut Ersäuft, erstickt, getilgt und thut Fort gar nichts mehr zur Sachen. 5. Die Sünd' ist hin und ich bin rein, Trotz dem, der mir das nehme! Hinfüro ist das Leben mein, Darf nicht, daß ich mich gräme Um ein'ger Sünden Lohn und Sold: Wer ausgeföhnt, dem ist man hold Und thut ihm nichts zuwider. 6. Ei nun, so nehm' ich Gottes Gnad' Und alle seine Freude Mit mir auf meinen letzten Pfad Und weiß von keinem Leide. Der wilde Feind muß mir ein Schaf, Sein Ungestütm ein süßer Schlaf Und sanfte Ruhe werden. 7. Du, Sesu, allerliebster Freund, Bist selbst mein Licht und Leben; Du hältst mir fest und kann kein Feind Dich, wo du stehest, heben. In dir steh ich, und du in mir, Und wie wir stehn, so bleiben wir Hier und dort ungeschieden. 8. Mein Leib, der legt sich hin zur Ruh, Als der fast müde worden; Die Seele fährt dem Himmel zu, Und mischt sich in den Orden Der auserwählten Gottesschaar, Und hält das ew'ge Jubeljahr Mit allen heil'gen Engeln. WARNA Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 335 9. Kommt denn der Tag, o höchster Fürst Der Kleinen und der Großen, Da du zum allerletzten wirst In die Posaune stoßen, So soll dann Seel' und Leib zugleich Mit dir in deines Vaters Reich Zu deiner Freud eingehen. 10. Ift's nun dein Will', so stell' dich ein, Mich selig zu versetzen. Ach, ewig bei und mit dir sein, Wie hoch muß das ergötzen! Eröffne dich, du Todespfort, Auf daß an solchen schönen Ort Ich durch dich möge fahren! 115. Trostgesang in der Person eines verstorbenen Kindes. Weise: An Wasserflüssen Babylon. 1649. 1. Mein herzer Vater, weint ihr noch, Und ihr, die mich geboren? Was grämt ihr euch? Was macht ihr doch? Ich bin ja unverloren. Ach! sollt't ihr sehen, wie mir's geht, Und wie mich der so hoch erhöht, Der selbst so hoch erhoben, Ich weiß, ihr würdet anders thun, Und meiner Seele süßes Ruhn, Mit eurem Munde loben. 2. Der saure Kampf, den ich dort hab' In eurer Welt empfunden, Der ist durch Gottes Gnad und Gab All' glücklich überwunden. Es ging mir, wie es pflegt zu gehu 336 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. All' denen, die bei Christo stehn Und von der Welt sich scheiden: Wer Christo folgt, der muß mit ihm Das, Kreuz und alles Ungestüm Auf seinen Wegen leiden. 3. Nun bin ich durch, Gott Lob und Dank! Hier fommt ein ander Leben; Hier wird mir, was mein Leben lang Ich nicht gesehn, gegeben: Ein ganzer Himmel voller Licht, Ein Licht, davon mein Angesicht So schön wird als die Sonne. Hier ist ein ew'ges Freudenmeer, Wohin ich nur die Augen kehr, Ist alles voller Wonne. 4. Nun lobt, ihr Menschen, wie ihr wollt, Des Erdenlebens Güte: Was ist darinnen, das mir sollt Jetzt neigen mein Gemüthe? Was ist das Beste, das ihr liebt? Was giebt die Erde, wenn sie giebt, Als Augst und bittre Schmerzen? Was ist das güldne Gut und Geld? Was bringt der Schein und Pracht der Welt, Als Kummer euren Herzen? 5. Was ist der großen Leute Gunst, Als Zunder großes Neides? Was ist das Wissen vieler Kunst, Als Ursprung vieles Leides? Denn wer viel weiß, der grämt sich viel, Und welcher Andre lehren will, Muß leiden und viel tragen. Seht alles an, Ruhm, Lob und Ehr, Habt Freud und Lust, was habt ihr mehr, Als endlich Weh und Klagen? Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 6. Nichts ist so schön und wohlbestellt, Da man hier wohl auf stehe; Drum nimmt Gott, was ihm wohlgefällt, Bei Zeiten in die Höhe Und setzet es in seinen Schoos: Da ist es alles Kummers 108, Darf nicht, wie ihr, sich fränken, Die ihr oft denket, wie doch wohl Dies oder jenes werden soll, Und könnet's nicht erdenken. 7. Wer selig stirbt, der schleußet zu Die schwarzen Jammerthore; Hingegen schwingt er sich zur Ruh Sm güldnen Engelchore, Legt Aschen weg, kriegt Freudenöl, Zeucht aus das Fleisch und schmückt die Seel In reiner, weißer Seiden. Er läßt die Erd' und nimmet ein Die Luft, da Christi Schäfelein In lauter Rosen weiden. 8. So gebt, ihr Liebsten, euch doch schlecht Dahin in Gottes Willen. Sein Rath ist gut, sein Thun ist recht, Und wird wohl wieder stillen 337 Den Schmerzen, den er euch gemacht. Und hiermit sei euch gute Nacht Von eurem Sohn gegönnet. Es kommt die Zeit, da mich und euch Verein'gen wird in seinem Reich, Der euch und mich getrennet. 9. Da will ich eure Treu und Müh Und was ihr eurem Kranken Erwiesen habt, im Himmel hie, So bald ihr kommt, verdanken. Ich will erzählen, wie ihr habt Euch selbst betrübt und mich gelabt, 22 338 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. Vor Christo und vor allen, Und für den heißen Thränenfluß Will ich mit mehr als einem Kuß Um euren Hals euch fallen. 116. Der betrübte Vater tröstet sich über seinen nunmehr seligen Sohn. 1650. Weise: Ermuntre dich, mein schwacher Geist. Gebr. 1667. 1. Du bist zwar mein und bleibest mein, Wer will mir's anders sagen? Doch bist du nicht nur mein allein, Der Herr von ew'gen Tagen, Der hat das meiste Recht an dir, Der fordert und erhebt von mir Dich, o mein Sohn, mein Wille, Mein Herz und Wunsches Fülle! 2. Ach! gält es wünschen, wollt ich dich, Du Sternlein meiner Seelen, Vor allem Weltgut williglich Mir wünschen und erwählen. Ich wollte sagen: ,, Bleib bei mir! Du sollst sein meines Hauses Zier, An dir will ich mein Lieben Bis in mein Sterben üben." 3. So sagt mein Herz, und meint es gut, Gott aber meint's noch besser. Groß ist die Lieb' in meinem Muth, In Gott ist sie noch größer. Ich bin ein Vater und nichts mehr, Gott ist der Väter Haupt und Ehr, Ein Quell, da Alt und Jungen In aller Welt entsprungen. Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 4. Ich sehne mich nach deinem Sohn Und der mir ihn gegeben, Will, daß er nah an seinem Thron Im Himmel solle leben. Ich sprech:" Ach, weh! mein Licht verschwindt!" Gott spricht: Willkomm'n, du liebes Kind, Dich will ich bei mir haben Und ewig reichlich laben!" 5. O süßer Rath, o schönes Wort Und heil'ger, als wir denken! Bei Gott ist ja kein böser Ort, Kein Unglück und kein Kränken, Kein Angst, kein Mangel, kein Verfehn, Bei Gott kann keinem Leid geschehn; Wen Gott versorgt und liebet, Wird nimmermehr betrübet. 6. Wir Menschen sind ja auch bedacht Die Unsrigen zu zieren: Wir gehn und sorgen Tag und Nacht, Wie wir sie wollen führen In einen feinen sel'gen Stand, Und ist doch selten so bewandt Mit dem, wohin sie kommen, Als wir's uns vorgenommen. 7. Wie manches junges, frommes Blut Wird jämmerlich verführet Durch bös Exempel, daß es thut, Was Christen nicht gebühret. Da hat's denn Gottes Zorn zu Lohn, Auf Erden nichts, als Spott und Hohn, Der Vater muß mit Grämen Sich seines Kindes schämen. 8. Ein solches darf ich ja nun nicht Un meinem Sohn erwarten. Der steht vor Gottes Angesicht Und geht in Chrifti Garten, 339 22* 340 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. Hat Freude, die ihn recht erfreut Und ruht von allem Herzeleid; Er sieht und hört die Schaaren, Die uns allhier bewahren. 9. Er sieht und hört der Engel Mund, Sein Mündlein hilft selbst singen; Weiß alle Weisheit aus dem Grund Und redt von solchen Dingen, Die unser keiner noch nicht weiß, Die auch durch unsern Fleiß und Schweiß Wir, weil wir sind auf Erden, Nicht ausstudiren werden. 10. Ach! sollt ich doch von ferne stehn Und nur ein wenig hören, Wenn deine Sinne sich erhöhn Und Gottes Namen ehren, Der Heilig, Heilig, Heilig ist, Durch den auch du geheiligt bist; Ich weiß, ich würde müssen Vor Freuden Thränen gießen. 11. Ich würde sprechen: ,, Bleib allhier, Nun will ich nicht mehr klagen: Ach, mein Sohn, wärst du noch bei mir! Nein, sondern komm, du Wagen Eliä, hole mich geschwind Und bring mich dahin, da mein Kind Und so viel liebe Seelen So schöne Ding erzählen!" 12. Nun es sei ja und bleib also, Ich will dich nicht mehr weinen; Du lebst und bist von Herzen froh, Siehst lauter Sonnen scheinen, Die Sonnen ew'ger Freud' und Ruh: Hier leb und bleib nun immerzu, Ich will, will's Gott, mit andern Auch bald hernacher wandern. Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 117.*) Freudige Empfahung des Todes. Weise: Wenn mein Stündlein vorhanden ist. 1667. 1. O Tod! o Tod! du gräulich's Bild Und Feind voll Zorns und Blitzen, Wie machst du dich so groß und wild Mit deiner Pfeile Spitzen? Hier ist ein Herz, das dich nicht acht't Und spottet deiner schnöden Macht Und der verbrochnen Pfeile. 2. Komm nur mit deinem Bogen bald Und ziele mir zum Herzen In deiner seltsamen Gestalt, Versuch's mit Pein und Schmerzen! Was wirst du damit richten aus? Ich werde dir doch aus dem Haus Einmal gewiß entlaufen. 3. Ich weiß, daß dir zerschlagen ist Dein Schloß und seine Riegel Durch meinen Heiland Jesum Christ, Der brach des Grabes Siegel Und führte dich zur Siegesschau, Auf daß uns nicht mehr vor dir grau, Ein Spott ist aus dir worden. 4. Bestehe deinen Palast wohl Und deines Reiches Wesen, Ob's noch anjetzo sei so voll, Als es zuvor gewesen? Ist Moses nicht aus deiner Hand Entwischt und im gelobten Land Auf Tabor schön erschienen? 341 *) Ganz nach Paul Röbers( † 1651 als Professor und GeneralSuperintendent zu Wittenberg.) Lied: O Tod, o Tod, schreckliches Bild" gearbeitet. Zahl der Berse, Gedankengang und Fassung des Originals sind großentheils beibehalten. Das Gedicht kann daher kaum ein Lied Gerhardts genannt werden. S. Bachmann'sche Ausg. S. 284. 342 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 5. Wo ist der alten Heil'gen Zahl, Die auch daselbst begraben? Sie sind erhöht im Himmelssaal, Da sie sich ewig laben. Des starken Jesus Heldenhand Hat dir zersprengt all' deine Band, Als er dein Kämpfer wurde. 6. Was soll's denn nun, o Jesu, sein, Daß mich der Tod so schrecket? Hat doch Elisä Todtenbein, Was tobt war, auferwecket, Vielmehr wirst du, den Trost hab' ich, Zum Leben kräftig rüsten mich, Drum schlaf' ich ein mit Freuden. 118. Ich weiß, daß mein Erlöser lebt. Hiob 19, 25-27. Weise: Herr, straf mich nicht in deinem Zorn. Aus tiefer Noth schrei ich zu dir. 1667. 1. Sch weiß, daß mein Erlöser lebt, Das soll mir niemand nehmen. Er lebt, und was ihm widerstrebt, Das muß sich endlich schämen. Er lebt fürwahr, der starke Held, Sein Arm, der alle Feinde fällt, Hat auch den Tod bezwungen. 2. Des bin ich herzlich hoch erfreut, Und habe gar kein Schenen Vor dem, der alles Fleisch zerstreut, Gleichwie der Wind die Spreuen. Nimmt er gleich mich und mein Gebein Und scharrt uns in die Gruft hinein, Was kann er damit schaden? Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 3. Mein Heiland lebt, ob ich nun werd' In's Todes Staub mich strecken, So wird er mich doch aus der Erd' Hernachmals auferwecken; Er wird mich reißen aus dem Grab Und aus dem Lager, da ich hab' Ein kleines ausgeschlafen. 4. Da werd' ich eben diese Haut Und eben diese Glieder, Die jeder jetzo an mir schaut, Auch was sich hin und wieder Von Adern und Gelenken find't Und meinen Leib zusammen bindt, Ganz richtig wieder haben. 5. Zwar alles, was der Mensche trägt, Das Fleisch und seine Knochen, Wird, wenn er sich hin sterben legt, Zermalmet und zerbrochen Von Maden, Motten und was mehr Gehöret zu der Würmer Heer, Doch soll's nicht stets so bleiben. 6. Es soll doch alles wieder stehn In seinem vor'gen Wesen; Was niederlag, wird Gott erhöhn, Was umkam, wird genesen, Was die Verfaulung hat verheert Und die Verwesung ausgezehrt, Wird alles wiederkommen. 7. Das hab' ich je und je gegläubt Und faff' ein fest Vertrauen, Ich werde den, der ewig bleibt, In meinem Fleische schauen, Ja, in dem Fleische, das hier stirbt Und in dem Stank und Koth verdirbt, Da werd' ich Gott in sehen. 343 344 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 8. Ich selber werd' in seinem Licht Ihn sehn und mich erquicken, Mein Auge wird sein Angesicht Mit großer Lust erblicken, Ich werd' ihn mir sehn, mir zur Freud, Und werd' ihm dienen ohne Zeit, Ich selber und kein Fremder. 9. Trotz sei nun allem, was mir will Mein Herze blöde machen; Wär's noch so mächtig, groß und viel, Kann ich doch fröhlich lachen. Man treib und spanne noch so hoch Sarg, Grab und Tod, so bleibet doch Gott, mein Erlöser, leben. 119. Vom jüngsten Tage. Weise: Auf meinen lieben Gott. 1653. 1. Die Zeit ist nunmehr nah, Herr Jesu, du bist da. Die Wunder, die den Leuten Dein' Ankunft sollen deuten, Die sind, wie wir gesehen, In großer Zahl geschehen. 2. Was soll ich denn nun thun? Ich soll auf dem beruhn, Was du mir hast verheißen, Daß du mich wollest reißen Aus meines Grabes Kammer Und allem andern Jammer. ESTING OFHD HAZE 3. Ach, Jesu! wie so schön Wird mir's alsdann ergehn. Paul Gerhardts Geistliche Lieder. Du wirst mit tausend Blicken Mich durch und durch erquicken, Wenn ich hier von der Erde Zu dir mich schwingen werde. 4. Ach! was wird doch dein Wort, O süßer Seelenhort, Was wird doch sein dein Sprechen, Wenn dein Herz aus wird brechen Zu mir und meinen Brüdern, Als deines Leibes Gliedern? 5. Werd' ich denn auch vor. Freud' In solcher Gnadenzeit Den Augen ihre Zähren Und Thränen können wehren, Daß sie mir nicht in Haufen Auf meine Wangen laufen? 6. Was für ein schönes Licht Wird mir dein Angesicht, Das ich in jenem Leben Werd' erstmals sehen, geben? Wie wird mir deine Güte Entzücken mein Gemüthe! 7. Dein' Augen, deinen Mund, Den Leib, der noch verwundt, Da wir so fest auf trauen, Das werd' ich alles schauen, Auch innig, herzlich grüßen Die Maal an Händ' und Füßen. 8. Dir ist allein bewußt Die ungefälschte Lust Und edle Seelenspeiſe In deinem Paradeiſe, Die kannst du wohl beschreiben, Ich kann nicht mehr, als gläuben. 345 346 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 9. Doch was ich hier gegläubt, Das steht gewiß, und bleibt Mein Theil, dem gar nicht gleichen Die Güter aller Reichen; All' andres Gut vergehet, Mein Erbtheil, das bestehet. 10. Ach, Herr! mein schönstes Gut, Wie wird sich all' mein Blut In allen Adern freuen, Und auf das Neu erneuen, Wenn du mir wirst mit Lachen Dein' Himmelsthür aufmachen? 11. Komm her, komm und empfind, O auserwähltes Kind! Komm, schmecke, was für Gaben Ich und mein Vater haben! komm, wirst du sagen, weide Dein Herz in ew'ger Freude! 12. Ach, du so arme Welt! Was ist dein Gold und Geld Hier gegen diese Kronen Und mehr als güldne Thronen, Die Christus hingestellet Dem Volk, das ihm gefället? 13. Hier ist der Engel Land, Der sel'gen Seelen Stand, Hier hör' ich nichts als singen, Hier seh' ich nichts als springen, Hier ist kein Kreuz, kein Leiden, Kein Tod, kein bittres Scheiden. 14. Halt ein, mein schwacher Sinn, Halt ein, wo denkst du hin? Willst du, was gründlos, gründen? Was unbegreiflich, finden? Hier muß der Witz sich neigen, Und alle Redner schweigen. Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 15. Dich aber, meine Zier, Dich laß ich nicht von mir, Dein will ich stets gedenken, Herr, der du mir wirst schenken Mehr, als mit meiner Seelen Ich wünschen kann und zählen. 16. Ach! wie ist mir so weh, Eh ich dich aus der Höh, Herr, sehe zu uns kommen! Ach, daß zum Heil der Frommen Du meinen Wunsch und Willen Noch möchtest heut erfüllen! 17. Doch du weißt deine Zeit; Mir ziemt nur, stets bereit Und fertig da zu stehen, Und so herein zu gehen, Daß alle Stund' und Tage Mein Herz mich zu dir trage. 18. Dies gieb, Herr, und verleih, Auf daß dein Huld und Tren Ohn' Unterlaß mich wecke, Daß mich dein Tag nicht schrecke, Da unser Schreck auf Erden Soll Fried' und Freude werden. 120. Aus der Offenbarung Johannis. Cap. 7. Weise: Mag ich Unglück nicht widerstahn. 1667. 1. Johannes sahe durch Gesicht Ein edles Licht Und liebliches Gemälde: Er sah ein'n Haufen Völker stehn, Sehr hell und schön Im güldnen Himmelsfelde; 347 348 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. Ihr Herz und Muth Schwebt' in dem Gut, Das hier kein Mann Bezahlen kann Mit allem Gut und Gelde. 2. Sie trugen Palmen in der Hand, Ihr Ort und Stand War vor des Lammes Throne. Ihr Wund war voller Lob und Preis, Die Kleider weiß, Ihr Lied im höhern Tone Klang süß und fang Des Höchsten Dank, Und dieser Stimm Half um und um Der Engel heil'ge Krone. 3. ,, Wer," sprach Johannes, sind doch die, Die ich allhie In weißem Schmuck seh halten?" Es sind," antwortet' aus der Schaar, Die um ihn war, Der eine von den Alten: Es sind, mein Sohn, Die sich den Hohn Und Spott der Welt Von Gottes Zelt Nicht lassen abehalten. 4. Es sind die, so vor dieser Zeit In großem Leid Auf Erden sich befunden, Die bei des Herren Jesu Ehr Und seiner Lehr All' Angst und Trübfalswunden Zwar ohne Schuld, Doch mit Geduld Durch Gott gefühlt, Recht wohl gefühlt Und fröhlich überwunden. Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 5. Dieselben haben all' ihr Kleid, Als treue Leut, Im Glaubensbad verkläret. Sie haben sich der Höllen List, So viel der ist, Mit starkem Muth erwehret, Und nicht geacht't Der Erden Pracht, Des Lammes Blut Zu ihrem Gut Erwählet und begehret. 6. Darum so stehen sie auch nun Und all' ihr Thun, Wo Gottes Tempel stehet, Der Tempel, da man Tag und Nacht Dem Höchsten wacht Und seinen Ruhm erhöhet. Da leben sie Ohn' alle Müh, Ohn' alle Qual Im Freudensaal, Der nimmermehr vergehet. 7. Daselbst sitzt Gott in seinem Haus Und breitet aus Die Hütte seiner Güte, Und deckt mit sanfter Wollust zu In stiller Ruh Manch' trauriges Gemüthe. Was Freude giebt, Dem Herzen liebt, Die Augen füllt, Das Sehnen stillt, Steht da in voller Blüte. 349 8. Da ist kein Durst, kein' Hungersnoth, Das Himmelsbrot Läßt keinen Mangel leiden; Da scheint die Sonne keinem mehr Zu heiß und schr, 350 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. Ihr Glanz bringt lauter Freuden. Die Himmelsfonn' Und Herzenswonn' Ist unser Hirt, Der große Wirth Und Herr der ew'gen Weiden. 9. Das Lamm wird weiden seine Heerd', Als sie's begehrt, Auf Auen, die schön prangen. Es wird sie leiten zu dem Quell, Der frisch und hell, Das Heil draus zu erlangen, Und wird gewiß Nicht ruhen, bis Er uns erfrischt Und abgewischt Die Thränen unsrer Wangen." Anhang. 1. Am Hochzeitstage christlicher Brautleute. Obe. 1643. 1. Der aller Herz und Willen lenkt Und wie er will, regieret, Der ist's, der euch, Herr Bräut'gam, schenkt Die man euch hinzuführet. Glück zu, Glück zu! ruft jedermann, Gott gebe, daß es sei gethan Zu beider Wohlergehen. 2. Wie sollte nicht sein wohlgethan, Was Gott denkt zu vollbringen? Sein Will' und Rath nicht fehlen kann, Es wird ihm nichts mißlingen. Er regt den Mund und spricht ein Wort, So geht das Werk und bringet fort, Muß alles wohlgerathen. 3. Wie Gott will, brennen auf der Erd Die ehelichen Flammen; Wie eins dem andern ist beschert, So kommen sie zusammen. Im Himmel wird der Schluß gemacht, Auf Erden wird das Werk verbracht, Das giebt ein schönes Leben. 4. Ein Leben, das sehr hochbeliebt Dem, der es hat erfunden, Da er auch seinen Segen giebt Und mehret alle Stunden. Das ist und bleibet sein Gebrauch: Was er gestift't, das hält er auch Und lässet es nicht fallen. 352 Paul Gerharbts Geistliche Lieder. 5. Die Bäumlein, die man fort gefegt In wohlbestallten Garten, Die pfleget man zur erst und legt Vor allen wohl zu warten. Ihr Bäumlein Gottes, freuet euch, Der Gärtner ist von Liebe reich, Der ihm euch heut erwählet. 6. Was er gepflanzt mit seiner Hand, Hält er in großen Ehren. Sein Sinn und Aug' ist stets gewandt Dasselbe zu vermehren, Kommt oft und sieht aus reiner Treu, Was seines Gartens Zustand sei, Was seine Reislein machen. 7. Und wenn denn unterweilen will Ein rauhes Lüftlein wehen, Ist er bald da, setzt Maß und Ziel, Läßt's eilend über gehen. Wenn er betrübt, ist's gut gemeint, Er stellt sich hart und ist doch Freund Voll süßer Gnad' und Hulde. 8. selig, der, wenn's Gott gefällt, Ein Wölflein einzuführen, Ein treues fröhlich's Herz behält, Läßt keinen Unmuth spüren. Ein Wölklein geht ja bald vorbei, Es währt ein Stündlein oder zwei, So kommt die Sonne wieder. 9. Ein Schifflein, das im Meere läuft, Muß manchen Sturm erfahren Und bleibet dennoch überhäuft Mit edlem Gut und Waaren, Es streicht dahin, und Gottes Hand, Die führt und bringt es an das Land Bei gutem Wind und Wetter. Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 10. Ein Röslein, wenn's im Lenze lacht Und in den Farben pranget, Wird oft vom Regen matt gemacht, Daß es sein Köpflein hanget, Doch wenn die Sonne leucht herfür, Sieht's wieder auf und bleibt die Zier Und Fürstin aller Blumen. 11. Wohlan, laß Regen, Reif und Wind Bald oder lang ansetzen, Wer Gott liebt, bleibet Gottes Kind, Kein Fall wird ihn verletzen. Er sitzet in des Vaters Arm, Der giebt ihm Schutz, der hält ihn warm Und spricht: sei unerschrocken." 12. Wer fromm ist, hat schon großen Theil Der Wohlfahrt in den Händen, Gott gönnt ihm Guts und kann sein Heil Von ihme nicht abwenden. 353 Der Mann ist fromm, das weiß man wohl, Drum er nichts anders haben soll, Als lauter Glück und Freude. 13. Die auch, die ihm zur Seiten geht, Und die Gott selbst gezieret, Was Menschenseelen wohl ansteht Und Himmelsgunst gebieret: Was Tugend bringt, was Tugend heißt, Was Tugend auch selbst lobt und preist, Das findt sich hier beisammen. 14. Ein züchtig Herz, ein reiner Muth, Von denen angeboren, Die ihnen Gottesfurcht zum Gut Und Schatze auserforen: Was ist doch gut ohn' dieses Gut? Wenn dies Gut nicht im Herzen ruht, Ist alles Gut verworfen. 23 354 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 15. Die Augen Gottes sehen bald, Die ihm sein Herz erfreuen. Wen er nur findet recht gestalt' Dem giebt er sein Gedeihen, Ja schütt's mit vollen Händen aus, Da wird denn ein gesegnet's Haus, Dem's nicht kann übel gehen. 16. Und dieses wird, o edles Paar, Euch beiden auch geschehen. Was Gott verspricht ist Sa und wahr, Man wird's mit Augen sehen. Es fehlt ihm nicht an Gütigkeit, Auch fehlt's ihm nicht an Möglichkeit, Wie sollt' er Gut's versagen? 17. So gehet nun mit Freuden ein Zu eurem Stand und Orden, Der Weg wird ohne Schaden sein, Der euch gezeiget worden, Es geht ein Engel vornen an, Und wo er geht, streut er die Bahn Mit Rosen und Violen. 18. Ein einz'ger Wunsch vermag den Saal Des Himmels durch zu bringen. Hier gehn die Wünsch' in voller Zahl, Sie werden Gutes bringen, Der Frommen Lohn, der euch bereit, Euch, die ihr tragt die Frömmigkeit Im Herzen und im Namen.*) συγχαίρω f. Paulus Gerhardus, S. S. Theol. Studiosus. *) Diese Ode wurde von Paul Gerhard zur Hochzeitsfeier seiner nachmaligen Schwägerin Sabina Berthold( Tochter seines damaligen Patrons) mit dem Archidiakonus M. Joachim Fromm an der St. Nikolai- Kirche zu Berlin gedichtet. Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 2. Ein Trauer- und Troftgedicht.*) Weise: Werde munter, mein Gemüthe. Zion klagt mit Angst und Schmerzen. 1648. 1. Nun, du lebest, unsre Krone, In der süßen sanften Ruh, Bringst die Zeit bei Gottes Throne Ohne Zeit und Ende zu, Du hast ew'ge Freud' und Zier, Und wir sollen für und für Uns mit unsern Thränen kränken? Auf, und laßt uns recht bedenken! 2. Freunden soll man Freude gönnen, Lachen, wenn sie fröhlich sein; Thränen laß zu der Zeit rinnen, Wenn sie liegen in der Pein. Aber wenn der Sieg erlangt, Und der Held im Kreuze prangt, Wenn das Herzleid weg geschlagen, Legt sich billig Schmerz und Klagen. 3. Edles Herz, du hast bezwungen Alles, was dir widrig war, Alle Schmerzen, die sich drungen In dein Herz mit großer Schaar, Allen Jammer, alle Müh, Alle Sorgen, die dich früh, Auch oft bei den späten Nachten Voller Angst und Wehmuth machten. 4. Gott weiß wohl, was wir vermögen, Und wie stark die Schulter sei, Da er will sein Kreuz hinlegen, Dessen Huld und Vatertreu 355 *) Gedichtet beim Tode des Kurf. Hoftammergerichts- Raths und Consistorial- Präsidenten Dr. Frik. 23* 356 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. Hat auch dir die schwere Last, Die du ausgestanden hast, Ueber dein Haupt lassen gehen; Wer viel kann, muß viel ausstehen. 5. Wärst du einer aus dem Orden, Denen Herz und Muth entfällt, Wenn sie nur berühret worden Von des rauhen Unglücks Kält: Ei, so würde nimmermehr Ein so großes Jammerheer Gott, der Geber aller Gaben, Ueber dir verhänget haben. 6. Freue dich, du hast gewonnen, Durch des Höchsten Stärk' und Kraft! Jetzo gehst du gleich der Sonnen Mitten in der Bürgerschaft Der sehr schönen neuen Stadt, Die uns Gott gebauet hat, Springst und singst und holeft wieder Mit den Engeln süße Lieder. 7. Christus wischet selbst die Thränen Dir von deinem Angesicht, Dein Herz hört auf sich zu sehnen, Weiß von keinem Mangel nicht, Ohne daß du, die du hier Haft gelassen hinter dir, Auch in solchem Freudenleben Balde möchtest sehen schweben. 8. Nun, wir werden balde kommen Aus dem Leide zu der Freud, Und dich mit viel tausend Frommen Schauen in der Seligkeit. O wie herrlich, o wie schön Wirst du und wir mit dir gehn, Wenn uns wird anstatt der Erden Gottes Reich zu Theile werden! Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 3. Ein Lobgedicht auf Michael Schirmer. Obe. 1650. 1. Welt- Scribenten und Poeten Haben ihren Glanz und Schein, Mögen auch zu lesen sein, Wenn wir leben außer Nöthen, In dem Unglück, Kreuz und Uebel Ist nichts besser's, als die Bibel. 2. Cato däuchte sich zu stellen In der Angst mit Plato Buch: Aber Gottes Zorn und Fluch Drückt ihn gleichwohl bis zur Höllen; Sein verirrter blinder Sinn Ging und wußte nicht wohin. 3. Was Homerus hat gesungen Und des Maro hoher Geist, Wird gerühmet und gepreist Und hat alle Welt durchdrungen. Aber wenn der Tod uns trifft, Was hilft da Homerus Schrift? 4. Gottes Wort, das ist's für allen, So uns, wenn das Herz erschrickt, Wie ein fühler Thau erquickt, Daß wir nicht zu Boden fallen. Wenn die ganze Welt verzagt, Steht und siegt, was Gott gesagt. 5. Wenn die Schaaren aller Teufel Sich empören und bemühen Dich von Christo abzuziehen Und zu stürzen in den Zweifel, Und du sprichst nur: So spricht Gott; Werden sie zu Schand und Spott. 357 358 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 6. Darum liebt, ihr lieben Herzen, Gottes Schriften, die gewiß In der Herzens- Finsternis Besser sind, als alle Kerzen; Hier sind Strahlen, hier ist Licht, Das durch alles Herzleid bricht. 7. Unser Schirmer wird's euch lehren, Wenn ihr, was sein heil'ger Fleiß Ihm zum Trost und Gott zum Preis Hier gesetzet, werdet hören, Lobt das Werk, und liebt den Mann, Der das gute Werk gethan. Paul Gerhard. 4. An die Eltern bei dem Grabe ihres Kindes. Weise: Herr, ich habe mißgehandelt. 1659. 1. Leid ist mir's in meinem Herzen Um die, so dir, liebes Kind, Mit so großem Weh und Schmerzen Um den Hals gefallen sind, Da du dich bei deinem Ende Gabst in deines Gottes Hände. 2. Ach, es ist ein bittres Leiden Und ein rechter Myrrhentrank, Sich von seinen Kindern scheiden Durch den schweren Todesgang! Hier geschieht ein Herzensbrechen, Das kein Mund recht kann aussprechen. 3. Aber das, was wir beweinen, Weiß hiervon ganz lauter nichts, Sondern sieht die Sonne scheinen Und den Glanz des ew'gen Lichts, Singt und springt, und hört die Schaaren, Die hier seine Wächter waren. Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 4. Muß das Leibchen gleich verwesen, Ist's ihm doch ein schlechter Schad, Gott wird schon zusammenleſen Was der Tod zerstreuet hat. Treu ist er und fromm den Seinen, Trägt sich auch mit ihren Beinen. 5. Diesem Herrn ist nichts verdorben: Wenn des Todes Nacht vorbei, Nimmt er das, was war gestorben Und macht's wieder ganz und neu. Also werden wir zur Erden, Daß wir mögen himmlisch werden. 6. Auf derwegen! Seid zufrieden, Vaterherz und Muttergeist! Lasset schlafen was geschieden Und zu Gott ist hingereift. Was für Thränen ihr vergoffen, Wollen sein mit Trost geschlossen. 7. Wandelt eure Klag' in Singen, Ist doch nunmehr alles gut! Trauern mag nicht wiederbringen Was im Himmelsschooße ruht. Aber wer getrost sich giebet, Ist bei Gott sehr hoch beliebet.*) 359 5. Auf das selige Absterben Herrn Christian Lindholkens, weiland Kurfürstl. Brandenburg. wohlbestallten KammergerichtsAdvokaten. 1659. Herr Lindholtz legt sich hin und schläft in Gottes Namen, Weiß nichts mehr von dem Leid und von dem großen Gramen, Das jetzt die Welt durchstreicht. Sein Grabmal deckt ihn zu, Der Himmel ist sein Sitz, die Erdgruft seine Ruh! *) Gedichtet als dem damaligen Collegen Gerhards an der Nikolaikirche, Diakonus Georg Heinzelmann( der 1687 als Superintendent zu Salzwedel starb) eine Tochter von fünf Jahren starb. 360 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. O schweigt! O schweigt und ruht, ihr hochgeliebten Seinen! Wer in der Freude lebt, den darf man nicht beweinen. Wir schweben in der See, der Sturm trübt unsern Sinn: Herr Lindholtz ist im Port. Gott helf uns allen hin. 6. Auf das frühzeitige, doch wohlselige Absterben des bald zur Vollkommenheit gelangten Knaben Friedrich Ludwig Barlanges. In seiner eigenen Weise. 1660. 1. Liebes Kind, wenn ich bei mir Deines schönen Leibes Zier Und der Seelen Schmuck bedenke, Weiß es Gott, wie ich mich kränfe! 2. Kein Smaragd mag je so schön In dem feinen Golde stehn, Keine Rose mag im Lenzen Dir gleich, schöne Blume, glänzen. 3. Dein' Geberde, dein Gesicht Und der beiden Augen Licht War in Tugend ganz verhüllet Und mit guter Zucht erfüllet. 4. Deine Liebe, deine Gunst Ging und hing nach lauter Kunſt, Viel zu lernen, viel zu wissen War dein edler Geist geflissen. 5. Auch war hier ein guter Grund, Da das ganze Werk ausstund, Nemlich Gott und sein Wort hören Und die heil'ge Bibel ehren. 6. Wollte, wollte Gott, daß nur Deines Lebens schwache Schnur Etwas noch hier auf der Erden Hätte müssen länger werden! Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 7. O wie manche große Freud, O wie manch' Ergötzlichkeit, Würden wir von deinen Gaben Noch zuletzt genossen haben! 8. Nun, mich jammert's, aber du, Liebes Kind, schweigst still dazu, Wohnst in Gottes Stadt und Mauren, Kehrst dich nicht an unser Trauren. 9. Deines Wesens hoher Stand Ist auch nun also bewandt, Daß, wer's gut will mit dir meinen, Dich nicht dürfe mehr beweinen. 10. Du bist ungleich besser dran, Als die Welt hier sinnen kann, Du hast mehr, als wir dir gönnen, Mehr auch, als wir wünschen können. 11. Es ist an dir ganz und gar, Was hier unvollkommen war, Was du hier haft angefangen, Hast dur dort vollauf empfangen. 12. Deine Seel' hat Gottes Reich, Und du bist den Engeln gleich, Alle Himmel hörst du singen, Und du gehst in vollem Springen. 13. Nun fo lebe, wie du lebst, Schweb' in Freuden, wie du schwebſt, Balde, balde wird's geschehen, Daß du uns, wir dich dort sehen.*) 361 *) Dieses Lied findet sich hinter einer diesem Knaben vom Dichter gehaltenen und von demselben 1660 zu Wittenberg in Druck gegebenen Beichenpredigt. 362 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 7. Dem Herrn Landrentmeister, Herrn Chriftian von der Linden. Als desselben Herzgeliebte Hausehre, Frau Ursula Moysie, selig im Herrn entschlafen. 1661. 1. O wie ein so großes Gut Ist es doch, im Frieden scheiden, Und mit wohlvergnügtem Muth In Geduld den Tod erleiden! Lasset uns loben, was jeder nur weiß, Seliges Sterben hat dennoch den Preis. 2. Dieses Gut, das herrlich prangt, Hat aus Gottes Hand und Throne, Mein Herr Linde, wohl erlangt Eures Hauses Ehr' und Krone. Ihre Begierde nach himmlischer Au Ist ihr erfüllet, der seligen Frau. 3. Sie hat ja des Kreuzes Joch Auch zuweilen wohl genossen. Wie gefränket war sie doch, Da ihr Bercow ward erschoffen! Bercków, das seine geschickte Gemüth, Dessen Gedächtnis noch immerzu blüht. 4. Nun, der Gott, der sie gekräuft, Hat sie wieder auch erfreuet, Und Euch ihr zum Mann geschenkt, Welches Euch noch nie gereuet. Setzo geneußt sie der ewigen Ehr In Gottes Reiche: was will sie noch mehr? Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 8. Vorschmack der traurigen und fröhlichen Ewigkeit. 1664. 1. Hörst du hier die Ewigkeit, Der du Schuld mit Schulden häufest, Und in schnöden Wegen läufeft, Wie ein toller Hengst im Streit? Wird das Ewig dich nicht wecken, Wird dich ew'ge Pein erschrecken. 2. Fürchte dich vor Gottes Grimm, Und vermeide deine Tritte, Wende deines Lebens Schritte Von den bösen Wegen üm. Sonsten wird mit ew'gem Nagen Ew'ges Feu'r und Wurm dich plagen. 3. Werde fromm und lebe recht; Diene dem, der dich geschaffen, Mit des Lichts und Glaubens Waffen Als ein treuer, kluger Knecht. Also wird vom ew'gen Leide Dich befrein die ew'ge Freude.*) Paulus Gerhardt, Pred. zu St. Nicolai in Berlin. 9. Bu Joachim Pauli's Liedern. 1. Unter allen, die da leben Hat ein jeder seinen Fleiß Und weiß dessen Frucht zu geben: Doch hat der den größten Preis, Der dem Höchsten Ehre bringt Und von Gottes Namen singt. 363 *) Dieses Lied findet sich hinter vier Liedern, die Joachim Pauli im Jahre 1664 zu Berlin drucken ließ. 364 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 2. Unter allen, die da singen Und mit wohlgefaßter Kunst Ihrem Schöpfer Opfer bringen, Hat ein jeder seine Gunst. Doch ist der am besten dran, Der mit Andacht singen kann.*) Zur Bezeugung guter Zuneigung gegen den Authorn fette dieses Paulus Gerhardt, Prediger zu St. Nicolai in Berlin. 10. Bei frühzeitigem Absterben des frommen herzlieben Töchterleins, Margritgen Barlanges, an desselben herzlich gekränkte und hochbetrübte Eltern. 1667. 1. Weint, und weint gleichwohl nicht zu sehr, Denn was euch abgestorben, Ist wohl daran, und hat nunmehr Das beste Theil erworben. Es ist hindurch in's Vaterland, Nachdem der harte schwere Stand, Der hier war, überstanden. 2. Hier sind wir auf der wilden See, Im Sturm und tiefen Fluten. Da geht's uns, daß vor Ach und Weh Das Herze möchte bluten. Sobald der Mensch ins Leben tritt, Sobald kommt auch die Trübsal mit Und folgt ihm auf dem Fuße. *) Diese Verse finden sich hinter vier andern Liedern, die Joachim Pauli in Berlin ohne Jahreszahl, aber jedenfalls nach den so eben angeführten Liedern vom Jahre 1664 erscheinen ließ. Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 3. Da ist kein Kind so zart und klein, Es muß sein Leiden tragen, Ein jedes hat sein Angst und Pein, Kann's oft nicht von sich sagen, Und wenn's auch gleich noch etwas spricht, So bleibt doch drum das Elend nicht Von seines Leibes Gliedern. 4. Kommt's auf die Bein' und wächst herzu, Lernt schwarz und weiß verstehen, So merit's was man auf Erden thu, Wie Menschenwerke gehen, Sieht lauter Böses, gar nichts Gut's, Darüber wird's betrübtes Muth's Und fängt sich an zu grämen. 5. Hilft endlich Gott zur vollen Kraft Und reifen Mannesjahren, Tritt's in den Stand, da man was schafft, Da kann's denn recht erfahren, Wie alles so voll Mühe sei, Und hat doch selten mehr dabei, Als wenig gute Stunden. 6. Das Alles sieht der Vater att, Die Mutter nimmt's zu Herzen, Und niemand ist, der helfen kann. Da kommen denn die Schmerzen, Die häufen sich ohn' Unterlaß Und halten stets die Augen naß Bei Eltern und bei Kindern. 365 7. Drum laßt's Gott machen, wie er will, Er weiß die besten Weisen. Wer balde kommt zu seinem Ziel, Der darf nicht ferne reisen, Und wer bei Zeit wird ausgespannt, Der darf des Jammers schweren Stand Nicht allzu lange ziehen. 366 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 8. Was unsrer Welt ist zugedacht, Darf euer Kind nicht schmecken, Es schläft und ruht bis Gottes Macht Es wieder wird erwecken, Und wann ihr kommt in's Himmels Saal, So wird euch eurer Kinder Zahl mit großer Luft empfangen. 9. So schlaf nun wohl, du herzes Kind! Doch tröste Gott die Deinen, Wann jetzt ihr Herz und Auge rinnt, Und kehr' ihr bittres Weinen 3u seiner Zeit, die er bestellt, Auf Weis und Art, die ihm gefällt, In Freud' und süßes Singen. Aus Christlichem Mitleiden setzte dieses Paul Gerhard. 11. Auf Herrn Johann Adam Prennels Lehtes Wort, über welchem Er sanft, süß und still eingeschlafen. Ego sum in Christo, et Christus est in me. ( Ich bin in Christo, und Christus ist in mir.) 1668. 1. Wer selig stirbt, stirbt nicht! Ein guter Tod gedeiht zum Leben, Und macht die Seel' in Freuden schweben Für Gottes Angesicht. Laß Alles fallen und vergehen, Wer Christo stirbt, bleibt ewig stehen. 2. Da fehlt's oft vielen an! Herrn Preuneln aber ist's gelungen: Der hat mit Christo durchgedrungen, Ist nun sehr herrlich dran. In Chrifto, sprach er, sei mein Ende, dem geb ich mich in seine Hände. Paul Gerhardts Geistliche Lieder. 3. Herr Jesu, du bist mein! Du hast dich selber mir geschenket, Auch bin ich dir ganz eingesenket, Und leb und sterbe dein. Uns soll kein Kreuz, kein Schmerz, kein Leiden, Ja uns soll auch der Tod nicht scheiden. 4. Und damit ging er hin! Heißt das nun nicht recht selig sterben? Wer kann doch immermehr verderben Bei so gestaltem Sinn? Wer hier in Christo wohl gewesen, Wird dort bei Christo wohl genesen. 5. Drum weinet nicht zu viel, Ihr, die Herr Preunel hat geliebet: Denn der, an dem ihr euch betrübet, Hat sein erwünschtes Ziel! Laßt vielmehr diesen Seufzer hören: Gott woll' auch uns so sterben lehren.*) Paulus Gerhard. 367 Ende. *) Dieses Gedicht ist das letzte Erzeugnis der Muse unfres Dichters, das uns bekannt geworden ist. beim Tode des Kurfürstl. Raths und Breuner gedichtet und gleich darauf diesen gedruckt. Es wurde am 22. Februar 1668 Ober- Licent- Einnehmers J. A. in einer Gedächtnisschrift auf Alphabetisches Tiederverzeichnis. Ach, Herr! wie lange willt du mein Ach! treuer Gott, barmherzig's Herz Alle, die ihr Gott zu Ehren Als Gottes Lamm und Leue Also hat Gott die Welt geliebt Auf, auf mein Herz mit Freuden Auf den Nebel folgt die Sonn Barmherz'ger Vater, höchster Gott Befiehl du deine Wege Das ist mir lieb, daß Gott mein Hort Der aller Herz und Willen lenkt. Der Herr, der aller Enden. Der Tag mit seinem Lichte. Die güldne Sonne. Die Zeit ist nunmehr nah . Du bist ein Mensch, das weißt du wohl Du bist zwar mein und bleibest mein Du liebe Unschuld du, wie schlecht wirst du geacht't!. Du, meine Seele, finge Du Volk, das du getaufet bist Ein Lämmlein geht und trägt die Schuld Ein Weib, das Gott den Herren liebt. Fröhlich soll mein Herze springen Geduld ist euch vonnöthen. Gegrüßet seist du, Gott, mein Heil. Gegrüßet seist du, meine Kron Geh aus, mein Herz, und suche Freud Gieb dich zufrieden, und sei stille Gott ist mein Licht, der Herr mein Heil Gott 2ob, nun ist erschollen Gott Vater, fende deinen Geist Herr, aller Weisheit Quell und Grund Herr, der du vormals haft dein Land Seite 220 180 37 77 109 89 261 183 213 282 351 270 304 298 344 166 338 173 288 116 51 317 32 188 67 62 308 199 221 254 103 132 234 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. Herr, dir trau' ich all' mein' Tage. Herr, du erforschest meinen Sinn Herr Gott, du bist ja für und für. Herr, höre, was mein Mund Herr, ich will gar gerne bleiben Herr Jesu, meine Liebe ♦ Herr Lindholy legt sich hin und schläft in Gottes Namen Herr, was hast du im Sinn?. Hör an! mein Herz, die sieben Wort Hörst du hier die Ewigkeit. Hört an, ihr Völker, hört doch an Ich bin ein Gast auf Erden Ich danke dir demüthiglich. Ich danke dir mit Freuden Ich, der ich oft in tiefes Leid Ich erhebe, Herr, zu dir Ich grüße dich, du frömmster Mann Ich hab in Gottes Herz und Sinn. Ich hab oft bei mir selbst gedacht Ich hab's verdient, was will ich doch Ich preise dich und singe Ich finge dir mit Herz und Mund Ich steh an deiner Krippen hier. Ich weiß, daß mein Erlöser lebt. Ich weiß, mein Gott, daß all mein Thun Ich will erhöhen immerfort Ich will mit Danken kommen Jesu, allerliebster Bruder Johannes sahe durch Gesicht Ist Ephraim nicht meine Kron Ist Gott für mich, so trete Kommt, ihr traurigen Gemüther. Kommt, und läßt uns Christum ehren Leid ist mir's in meinem Herzen Liebes Kind, wenn ich bei mir Lobet den Herren. Meine Seel ist in der Stille Mein Gott, ich habe mir Mein Herzer Vater, weint ihr noch. Merkt auf, merkt, Himmel, Erde. Nach dir, o Herr, verlanget mich 24 ◆ • 369 Seite 277 159 323 126 129 118 359 175 73 363 152 325 144 290 284 157 65 209 163 177 272 257 42 342 135 274 280 141 347 238 203 242 36 358 360 303 228 320 335 264 121 370 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. Nicht so traurig, nicht so sehr Noch dennoch mußt du drum nicht ganz Nun danket all und bringet Ehr. Nun, du lebest, unsre Krone Nun freut euch hier und überall Nun geht frisch drauf, es geht nach Haus Nun ist der Regen hin. Nun laßt uns gehn und treten Nun ruhen alle Wälder. Nun sei getrost und unbetrübt O du allersüßte Freude. O Gott, mein Schöpfer, edler Fürst .. O Haupt voll Blut und Wunden O Herrscher in dem Himmelszelt O Herz des Königs aller Welt D Jesu Christ! Dein Kripplein ist O Jesu Christ, mein schönstes Licht O Mensch, beweine deine Sünd O Tod! o Tod! du gräulich's Bild. O Welt, sieh hier dein Leben O wie ein so großes Gut Schaut! schaut! was ist für Wunder dar? Schwing dich auf zu deinem Gott Sei fröhlich alles weit und breit Sei mir tausendmal gegrüßet. Sei wohl gegrüßet, guter Hirt Sei wohlgemuth, o Christenseel Siehe, mein getreuer Knecht Sollt ich meinem Gott nicht singen. Unter allen, die da leben Voller Wunder, voller Kunst Wach auf, mein Herz! und finge Warum machet solche Schmerzen Warum sollt ich mich denn grämen? Warum willst du draußen stehen Was alle Weisheit in der Welt Was Gott- gefällt, mein frommes Kind Was soll ich doch, o Ephraim. Was trauerst du, mein Angesicht. Was trohest du, stolzer Tyrann Weg, mein Herz, mit den Gedanken Geite 170 216 243 355 93 295 293 49 307 333 100 139 70 161 68 38 1:47 79 341 58 362 30 195 91 61 64 231 54 245 363 311 301 48 206 25 113 192 240 329 226 121 Paul Gerhardts Geistliche Lieder. Weint, und weint gleichwohl nicht zu sehr Welt- Scribenten und Poeten. Wer unterm Schirm des Höchsten sigt. Wer selig stirbt, stirbt nicht! Wer wohl auf ist und gesund Wie der Hirsch in großen Dürsten Wie ist es möglich, höchstes Licht Wie ist so groß und schwer die Laſt Wie lang, o Herr! wie lange foll Wie schön ist's doch, Herr Jesu Christ. Wie soll ich dich empfangen? Wir singen dir, Emanuel Wohl dem, der den Herren scheuet Wohl dem Menschen, der nicht wandelt Zeuch ein zu deinen Thoren Aweierlei bitt ich von dir 21* ● 371 Seite 364 357 236 366 248 224 259 252 218 314 28 45 155 151 106 138 372 Psalm 1. 13. 23. 25. =====" 1 " 1 11 " 1 11 11 " 1 11 " 1 11 Jef. 53. Verzeichnis der Bibelstellen, die einzelnen Liedern zu Grunde liegen. 53, 4-7. " 1 Jer. 10, 23. Hof. 6. 27. 30. 34. 37, 5. 37, 7. 39. 42. 49. 52. 62. 31, 20. 11 mich. 7. Sir. 1. Paul Gerhardts Geistliche Liet er. 11, 8. 9. 1. Moj. 24, 31. Lied No. 32. " 1 5. Hiob 19, 25-27. 23, 1-6. Lied No. 46. 11 11 " 1 11 " 1 11 " 1 " 1 11 11 11 ( 1 11 11 21 " 1 " 1 11 11 11 11 " 1 " 1 " 1 11 11 11 11 11 11 11 11 " 11 Sprüche 30, 7-9. Lied No. 41. Sir. 50, 24. 31. 109. Matth. 25, 27. 13. Marc. 7, 28. 12. Luc. 2, 15. 40. 15. 11 78. Joh. 1, 29. 80. 3. 11 11 11 Pfalmen. 69. 70. 90. 36. 71. 91. 92. 67. 63. 110. 72. 47. 73. 74. 11 11 11 11. " 1 tr 11 7 11 V 11 " 1 Psalm 71. 73. 11 85. 18 90. 91. 111. 112. 116. 119. 121. 71 11 11 11 " 1 11 11 11 " 1 11 11 1. 89. 118. " 1 79. Röm. 8. 139. 143. 145. 146. Lied No. 93. 75. 76. 111. 77. 94. 48. 95. 112. 49. 50. 37. 96. 97. 57. Ebr. 10, 35-37. 98. Offenb. 7. 42. 11 " 1 11 11 11 11 11 11 " 1 " 1 " 1 11 " 1 " f " 1 11 " 1 11 " 1 11 11 11 11 11 11 Lied No. 81. 38. 38. 5. 35. 12. " 1 It 11 " 1 11 " 1 11 11 11 " 1 11 11 11 11 " 1 11 31. 64. 60. 120. Philipp Reclam's Universal- Bibliothek. Preis jeder Nummer 20 Pfennig. Jedes Werk ist einzeln käuflich. Die neuesten completen Kataloge find jederzeit durch alle Buchhand. lungen gratis zu beziehen. Bis Januar 1892 erschienen folgende 2890 Bände. About, Der Mann mit dem abgebrochenen Dhre. 2037. 2038. Abraham a St. Clara, Merts Wien! 1949. 1950. d'Abrest, Pariser Belagerung. 959. Achleitner, Geschichten aus den Bergent. 2625. 2696. 2769. Adler, Das Buch Hiob.. Nur drei Worte. 2869. - Agrell, Einsam. 2728. Gerettet. 1810. Aischylos, Agamemnon. 1059.- Die Eumeniden. 1097. Die Perfer. 1008.- Der gefesselte Prometheus. 988. Die Schußflehenden. 1038. -Die Sieben gegen Theben. 1025. Das Todtenopfer. 1063. Alarcon, Der Dreispit. 2144. Albertus, Die Stubengenossen. 1399. Albini, Die gefährliche Tante. 241. Endlich hat er es doch gut gemacht. 294. Kunst und Natur. 262. Aldrich, Prudence Palfrey und andere Erzählungen. 1387. 1388. Tragödie v. Stillwater. 1837/38. Alfieri, Philipp II. 874. Almeida- Garrett, Der Mönch von Santarem. 972-974. - 1 - 1 1 Alpharts Tod von Schröer. 546. Altwasser, Graf 2eicester. 364. Anatreon. Deutsch von Junghans. 416. Ancelot, Freund Grandet. 1639. Andersen, Bilderbuch ohne Bilder.381 Der Improvisator. 814-817. Nur ein Geiger. 633-636. Sämmtliche Märchen. 691-700. D. 3. 1098-1100. Die Kronenwächter.1504-1506. Die Verkleidungen des franzöfischen Hofmeisters. 128. Arnim, Bettina von, Goethes Briefwechsel m. einem Kinde. 2691-95. Arnim- Brentano, Des Knaben Wunderhorn. 1251-1256. Arnold, Pfingstmontag. 2154. 2155. Arnould und Fournier, Der Mann mit der eisernen Maske. 1887. Ariosto's rasend. Roland.2393-2400. Aucassin und Nicolete. 2848. Augier, Die Abenteurerin. 856.Demimonde- Heirath. 1126.- Der Flötenspieler. 2414. Haus Fourchambault. 1072.- Gabrielle. 1155. Die Goldprobe. 1434.- Die arme Löwin. 1104. Der Pelikan. 622.- Schierlingssaft. Der Schwiegersohn des Herrn Poirier. 1499.- Die Unverschämten. 1729. Augustinus, Bekenntnisse. 2791-94. Aurbacher, Ein Volksbüchlein. I. THI. - 1927. Sein oder Nichtsein.1738-1740. Angely, Der Dachdecker. 203.- Die Hasen in d. Hasenhaide. 1717.- Fest der Handwerker.*) 110.- Die beiden Hofmeister. 1636. Ein kleiner Irrthum. 989.- List u. Phlegma.*) Paris in Pommern. 295. -Reise auf gemeinschaftl. Kosten. 1161. 1162. II. h. 1291. 1292. 355. Babo, Otto von Wittelsbach. 117. Der Puls. 217. Ballestrem, Ein Meteor. 1374. *) Der vollständige Klavier- Auszug ist für M. 1,50 zu haben. - 1 30.Schlafrock u. Uniform. 725. -Nach Sonnenuntergang. 1207.Von Sieben die Häßlichste. 175.7 Mädchen in Uniform. 226. Anicet- Bourgeois, Die Gebieterin von St. Tropez. 2240. Annolied. 1416. - Anthologie, Griechische. 1921-1924. Apel, Junge Männer u.alteWeib.467. Apel u. Laun, Gespensterb.1791-95 Apulejus, Amor und Psyche. 486. Archenholt, 7jähr. Krieg. 134-137. Aristophanes, Die Acharner. 1119.DieFrösche.1154.- DieVögel.1380. Aristoteles, Die Poetit. 2337. Arnim, Drei Novellen. 197. - - - Balzac, Die Blutrache.- Das Haus| Bittong u. Busch, Plaudertasche. 1747. zur ballspielenden Kate. Die Mundtodterklärung. 1895. 1896. Chagrinleder. 2441-2443. Die Chouans. 1426-1429. Frau von 30 Jahren. 1963. 1964. Honorine. Oberst Chabert. 2107. 2108. Björnson, Arne. 1748.- Der Brautmarsch.950.- Ein fröhlicher Bursch. 1891. Kleine Erzählungen. 1867. Das Fischermädchen. 858. 859. Ein Fallissement. 778.- Ein Handschuh. 2437.- Leonarda.1233. Die Neuvermählten. 592. Synnöve Solbatken. 656.- Das neue System. 1358. Ueber die Kraft. 2170. Zwischen den Schlachten. 750. - Mercabet. 631. Vater Goriot. 2268-2270. Banville, Gringoire. 1319. Barrière, Am Klavier. 1488. Baumann, Das Versprechen hinterm Herd.*) 2422. Bayard, Gefangene der Czaarin.1764. -Richelieu's erst. Waffengang.1180. Der Pariser Taugenichts. 1779. Vicomte v. Létorières. 649. Beaumarchais, Barb. v. Sevilla. 600. 3 Figaro's Hochzeit. 661. Die Schuld der Mutter. 1335. Beaumont- Fletcher, Philaster. 1169. Geist ohne Geld. 1226. Bed, Gesch. e. deutsch. Steinmez.1377. Beecher- Stowe, Onkel Tom's Hütte. 961-965. - Beer, Der Paria. 27. Struensee. 299. Bell, Jane Eyre. 2376-2380. Bellamy, Ein Rückblick. 2661. 2662. - Dr.Heidenhoffs Wunderkur. 2757. -MißLudingtonsSchwester.2807/ 8. Bélot, Artikel 47. 1379. Benzon, Surrogat. 1737. Beovulf. Deutsch von Wolzogen. 430. Béranger's Lieber. 452. 453. Berges, Amerikana. 2508. 2698.2829. Bergsöe, Delila u.and.Novellen.2687. Gespenstergeschichten. 996. Italienische Novellen. 786. 787. Bern, Auf schwankem Grunde. 605.Deklamatorium. 2291-95.- Ge- strüpp.785.- DeutscheLyrik.951-55 Meine geschiedene Frau. 1011. Bernard, Die Löwenhaut. 2074. Bernstein, Coeur- Dame. 2424. Mein neuer Hut. 1552. Ein Kuß.- Ritter Blaubart.2234. Berton, Nur nicht Fluchen! 1783. Bhavabhuti, Malati u.Madhava.1844 Biernatti, Die Hallig. 1454. 1455. Blad, Prinzessin v.Thule.2416-2420. Blanche, Erzählungen des Küsters zu Danderyd. 791. 792. Blum, DerBall zu Ellerbrunn.601.Erziehungs- Resultate. 612. Herr und eine Dame. 776.- Ich bleibe ledig.637.- Die Mäntel. 835. Ein Secretair und der Koch. 1325. Blumauer, Aeneis. 173. 174. Blumenhagen, Luthers Ring. 568. Hannovers Spartaner. 1002. Blumenthal, Die Teufelsfelsen.1468. Blüthgen, Die schwarze Kaschka.1597. Böder, Huldigung der Künste. 1390. Bögh, Humor. Vorlesung.1062.1240. Der Theaterkobold. 2467. Bohrmann- Riegen, Verlor.Ehre.857. Bojardo's Verliebt. Roland.2161-68. Börne, Aus meinem Tagebuche. 279. Ausgew. Skizzen. 11. 109. 182. Bornier, Die Tochter Rolands. 1282. Bouilly, Der Abbé de l'Epée. 1020. Boyesen, Gunnar. Unter dem Gletscher. 2342. 2343. Ein Kommentar zu Goethe's Faust. 1521. 1522. Bowitsch, Mariensagen. 272. Sindibad. 342. - - - - - Brant, Narrenschiff. 899. 900. Brandt, Jm Froschteiche. Mus den höchsten Kreisen. 990. Bremer, Die Nachbarn. 1003-1006. Bremer, Friedrich, Handlexikon der Mufit. 1681-1686. Brentano, Geschichte v. brav. Kasperl und dem schönen Annerl. 411. Gockel, Hinkel u. Gackeleia. 450. Brentano, Frit, Heitere Geschichten. 2330. 2564. Breguer, Das Räuschchen. 686. *) Der vollständige Klavier- Auszug ist für M. 1.50 zu haben. Bret Harte, Californ. Erzählungen.| Carlssen, D.Töcht.v.Wiedenau.1189. 571. 607. 629. 671. 712. 1069. 1127. 1164. 1204. 1230. Gabriel Conroy. 771-75. Geschichte einer Mine.1039.1040. Männer von Sandy- Bar. 916. Thankful- Blossom. 870. Brillat- Savarin, Physiologie des Geschmacks. 1971-1974. Brint, Jeanette und Juanito. 1508. Brockes, Jrd. Vergnüg. in Gott. 2015. Brümmer, Lexikon d. deutsch. Dichter bis Ende des 18. Jahrh. 1941-45. Lexikon der deutschen Dichter des 19. Jahrh. 1981-1990. Bülau, Geheime Geschichten. I. 2740. Bulla, Ein neuer Hausarzt. 1846. Der Liebe- Verein. 2446.[ 2554. Büller u. Voges, Engelmanns Rache. Bülow, Der arme Mann im Tockenburg. 2601. 2602. Bulthaupt, Copisten. Lebende Bilder 1340. Corsisches Trauerspiel. 369. Bulwer, Eugen Aram. 1401-1405. Das Mädchen von 2yon. 949. Pelham. 1041-1045. Pompeji. 741-745.- Rienzi. 881-885. Bunge, Der Herzog v. Kurland. 318. Die Zigeunerin. 1085. Burg, Der Gedichtsteller. 2663. Bürger, Gedichte. 227-229. - 1 1 Münchhausens Abenteuer. 121. Burghardt, Epische Gedichte. 160. Burns" Lieder und Balladen. 184. Busch, Bernh., In einer Stunde. Ein Portemonnaie. 1585. - Gerhard, Gedichte. 382. Byr, Lady Gloster. 391. Byron, Cain. 779.- Der Gefangene von Chillon. Mazeppa. 557. Der Gjaur. 669.- Ritter Harold. 516.517. Der Korsar. 406. Lara. 681. Manfred. 586. Caballero, Arme Dolores. 1709. Servil und liberal. 1239. Calderon, Andacht zum Kreuze. 999. Der standhafte Prinz. 1182. Der Arzt seiner Ehre. 590. Das Leben ein Traum. 65. Der Richter von Zalamea. 1425. Calmberg, Theodor Körner. 673. - Der Sefretär. 993. Camoes, Die Luftaden. 1301-1303. - 1 - Aus den Lehrjahren eines Strebers. 1486. 1487. Casanovas Gefangenschaft. 687. Cäsar, Der Bürgerkrieg. 1091. 1092. Der Gallische Krieg.1013-1015. Caßmann u. Tegeler, Wat ut en Scheper warden kann. 2439. Castelnuovo, Novellen. 2011. Cech, Unter Büchern u.Menschen.1648. Novellen. 1854. Cervantes, Cornelia. 151.- Don Quijote. 821-30.-Preciofa.555. Chamiffo, Gedichte. 314-317. 1 Peter Schlemihl. 93. Chateaubriand, Atala.- René. Der letzte Abencerrage. 976. 977. Chinesische Gedichte. 738. Cherbuliez, Têterol's Jdee. 1383-85. Der Graf Koftia. 2296-2298. Cicero, Cato der Neltere. 803. 3 Bücher über die Pflichten. 1889. 1890. Lälius. 868. Reden. 1148. 1170. 1237. 1268. 2233. Scipio's Traum. 1827. Claudius Ausgew.Werke.1691-1695. Clauren, Mimili. 2055. Der Bräutigam aus Merito.2127. Der Wollmarkt. 2086. Collin, Regulus. 329. Colombi, Italienische Kleinstädter u. andere Erzählungen. 2254, 2255. Combe, Electric- Electrac. 2565. - Der arme Marcel. 2428. 2429. Comedie v. d. Geburt Chrifti. 2071. Conscience, Der arme Edelmann. 929. -D. Geizhals.1298.- Der Rekrut. 1208. Die hölzerne Clara. 1789. Contessa, Das Räthfel. 572. Cooper, Der lette Mohikan.875-877. Der Spion. 1016-1018. Coppée, Der Schap. 1456. Cordelia, Erste Kämpfe.. und Sohn. 2464. 2465. - - Mutter Villa Eugenia. Corneille, Der Cid. 487. 1397. Cinna. Horatius. 705. Der Lügner. 1217. Polyeuct der Märtyrer. 577.— Rodogune. 528. Cornelius, König und Dichter. 59. Platen in Venedig. 103. Verhängnißvolle Perrücke. 126. Cosmar, Die Liebe im Eckhause. 420. Drei Frauen auf einmal. 1228. - Coffa, Nero. 591. Cottin, Elisabeth. 1958. Cramm, Schlittenrecht. 2252. Cremer, Holländ. Novellen.1051-1055 Crome- Schwiening, Humorist. Kleinigkeiten. 2827. Cronheim, Fähnrichsgeschichten.1736. Csity, Alte Sünden. 2636. 2637. Cumberland, Der Jude. 142. Cuno, Räuber auf Maria Kulm.2507. Danilewski, Familienchronit.602.603 -Nonnenklöster i.Rußland.751-55. -Mirowicz. 1351-1355.- Nach Indien.1549-50.- Pioniered. Oftens. 542-545. Potemkin. 1167. 1168. Dante, Göttliche Komödie. 796-800. Das Neue Leben. 1153. Danz, Die beiden Finkensteins. 1570. Daudet- Ritter, Neue Liebe. 967. Daudet, Fromont jun.& Risler sen. 1628-1630.- Rünstler- Ehen.1577. -Tartarin aus Tarascon. 1707. Decourcelles, Ich speise bei meiner Mutter. 847. Degen, In der Katerne. 2589. Aus d. Militärlebent. 2668.2835. Delacour u. Hennequin, Die RosaDominos. 2658. - Delavigne, Ludwig XI. 567. Schule der Alten. 1236. Demosthenes Rede für die Krone.914. Olynthische Reden. 1080. Philippische Reden. 957. Denison, So'n Mann wie mein Mann. 2141. 2142. - Dostojewskij, Erzählungen. 2126. Memoiren aus einem Totens haus. 2647-2649. Schuld und Sühne. 2481-2485. Drachmann, See- und Strandgeschichten. 2478. 2479. Drärler- Manfred, Marianne. 264. Dreyfuß, Sprechstunde v.1-3 U. 2881. Droste- Hülshoff, Judenbuche. 1858. Gedichte. 1901-1904. Dufresne, Damespiel. 1965. 1966. - - - Buch der Schachmeisterpartien. Dumanoir, Don Cäsar von Bazan. 2075. Dumas, Rean. 794. Aufforderung zum Tanze. 1663. Fräulein von Belle- Jsle. 1152. Fräulein von St. Cyr. 1238. Der Mann der Wittwe. 1220. Die drei Musketiere. 2021-2026. Die schwarze Tulpe. 2236.2237. Dumas( Sohn), Demi- Monde. 530. Cameliendame. 245. 1 - Schachspiel. 1411-1415. Schachaufgaben. 1. Theil. 1509. 1510. 2. Theil. 1734. 1735. 8. Theil. 2346.2347. [ 2726/27 - Descartes, Betrachtungen über die Grundlagen d. Philosophie. 2887. Detmold, Randzeichnungen. Anleit. zur Kunstkennerschaft. 2230. Deutscher Minnesang. 2618. 2619. Dickens, Copperfield. 1561-1568.Harte Zeiten. 1308-1310.- Heimchen am Herde. 865. Londoner Skizzen. 1157-1160. Martin Chuzzlewit.1771-1778.- Der Kampf d. Lebens. 960.- Nikolas Nickelby. Pariser Leben. 740.759.780.840. 1271-78.- Oliver Twist.593-596. Edda. Deutsch v. Wolzogen. 781-784. -Die Pickwickier. 981-986.- 3wei Edler, Notre Dame des Flots. 2005-2010. Eckstein, Der Besuch im Carcer. 2340. Humoresten. 621. 1640. Maria la Brusca. 1721. Städte. 891-894.- Die SylvesterGlocken. 806.- Der Verwünschte. 1469. Der Weihnachtsabend. 788. Diderot, Rameaus Neffe. 1229. Der Hausvater. 2336. Dörr, Suchet, so werd. ihr find. 2413. Eine Glocknerfahrt. 2128. Eggleston, Weltuntergang. 2405/6. v. Eichendorff, Gedichte. 2351-2353. -Das Marmorbild.- Das Schloß Dürande. 2365.Aus dem Leben eines Taugenichts. 2354. Denise. 2685. Ein Freund der Frauen. 2878. Der natürliche Sohn. 1285. Francillon. 2568. Vater und Sohn. 2635. u. d'Artois, Der Fall Clémenceau. 2671. Dupath, Frauen unter sich. 947. Dygasinsty, Auf dem Edelhofe. 2018. Eberhard, Hanchen u. d. Küchlein. 713. Echegaray, Wahnsinn od. Heiligkeit. 2509. - Edardt, Sokrates. 888. Eckermann, Gespräche mit Goethe. Einhard, Leben Karls b. Gr. 1996. Eliot, Adam Bede. 2431-2436. Die Mühle am Floß. 2711-2716. Silas Marner. 2215. 2216. Engel, Der Philosoph. 362. 363. Herr Lorenz Start. 216. d'Ennery, Bajazzo u. Familie. 2089. Eötvös, Der Dorfnotar. 931-935. Die Müllerstochter. 2374. Epiktets Handbüchlein d. Moral.2001. Erasmus, Lob der Thorheit. 1907. Erdmann- Chatrian, Geschichte eines a. 1813 Conscribirten. 1459. 1460. Madame Therese. 1553. 1554. Die Rankau. 2548. Waterloo. 1997. 1998. Etlar, Arme Leute. 1588. 1589. Eulenspiegel. 1687. 1688. Euler, Algebra. 1802-1805. Euripides, Alkestis. 1337.- Hekabe. Bakchantinnen. 940. Iphigenie in Tauris.737.- Medea. Ewald, Blanca. 1727. 1728. Farina, Blinde Liebe. 1166. - - - Gatte. 1797. 1798. Die Liebe hat hundert Augen. 1928-1930. Der Schay Donnina'3.2047-49. Fels, Roderich, Olaf. 1655. Der Schelm von Bergen. 1546. Fénelon, Erlebnisse des Telemach. [ 849. Laurina's - 1327-1330. Ferrari, Die beiden Damen. 1132. Festspiele. I. 2669. Feuillet, Dalila. 618. Ein armer Edelmann. 1859.- Eine vornehme Che. 554. Montjoye. 944. Scylla und Charybdis. 2697. Die Untröstlichen. 305. Feuchtersleben, Diätetitd.Seele.1281 Fichte, Ueber den Gelehrten. 526.527. Die Bestimmung des Menschen. 1201. 1202. - - Geschlossene Handelsstaat. 1324. Reden an die deutsche Nation. 392. 393. Fiedler, Frauenherzen. 360. Fielding, Tom Jones. 1191-1198. Fischart, Das Jesuiterhütlein. 1165. Glückhafte Schiff v. Zürich. 1951. Die Flohhak. 1656. Flaubert, Salambo. 1651-1654. Fleming, Dichtungen. 2454. 2455. Florian, Wilhelm Tell. 2129. Flygare- Carlen, Die Rose v. Tistelö. 1491-1495. Foe, Robinson Crusoe. 2194. 2195. Foscolo, Ortis' Briefe. 246. 247. Fouqué, Undine. 491. Franklins Leben. 2247. 2248. Franzos, Die Here. 1280. Fredro, Der Mentor. 1569. Doctor Müller. fich ewig bindet. 1596. Seine einzige Tochter. 1557. Freidanks Bescheidenheit. 1049. 1050, Frenzel, Das Abenteuer. 1601. - - Der Hausfreund. 1820. Die Uhr. 1435. Frerking, Kurirt.- Ein Geheimnis. -Angenehmelleberraschung. 1835. Fresenius, Die Lebensretter. 433. Allzu scharf macht schartig. 515. Freund, Rätselschak. 2091-2095. Fried, Lexikon deutsch. Citate. 2461/63. Lexikon fremdsprachlicher Citate. 2538-2540. -Falsche - 1 Prüfe, wer - Friedmann, Kirchenraub. Freundschaft. 2260.- Lebensmärchen.1250.- Todesring.-Venusdurchgang. 2430. Vertauscht. 1037.-D. letzte Schuß.- Erzhlg. d. Henkers von Bologna. Ein Kind seiner Zeit. 2871/72. Friedrich der Große, über die deutsche Litteratur. 2211. Frige, Indische Sprüche. 1408. Fuchs Nordhoff, Eine anonyme Korrespondenz. 2003. Fulda, Die Aufrichtigen. 2770. Unter vier Augen. 2300. Das Recht der Frau. 2358. Gadermann, C.Krüger.1078.[ 1786. Gaillardet, Margarethe v. Burgund. Gastineau, Die Ballschuhe. 2029. Gaudy, Ludwiga. 376. Schneidergesell. 289. Venetianische Novellen. 941-943. Schülerliebe u. and. Erzähl.2319. Geijer, Gedichte. 352. Gellert, Fabeln u. Erzähl. 161. 162. Geiftliche Oden und Lieder. 512. Gensichen, Michael Ney. 2563. Gerhardt's geistl. Lieder. 1741-1743. Gerstenberg, Ugolino. 141. Gerstmann, Die Leute von HohenSelchow. 1908. Geher, Bethlehem. Kindermord. 1979. Giacosa, Der rothe Graf. 1624. Girardin, Furcht vor der Freude.975. Lady Tartüffe. 679. Die drei Lebemänner. 2109. Des Uhrmachers Hut. 509. Die Schuld einer Frau. 2036. Girndt, Am andern Tage. 2246. Girschner, Musit. Aphorismen. 2401. Giseke, Die beiden Cagliostro. 408. Gottschall, Lesefrüchte. 2670. Maria de Padilla. 2550. Rose vom Kaukasus. 280. Schulröschen. 2210. DerSpion von Rheinsberg.2137. Der Verräter. 2570. Die zehnte Sprache. Beuglieutenant. 2474. Gottsched, Sterbender Cato. 2097. Göz von Berlichingens Lebensbe fchreibung. 1556. Govean, Die Waldenser. 63. Gozlan, Gott sei Dant, der Tisch ist gedeckt. 1394. Gozzi, Das laute Geheimnis. 757. Grabbe, Gothland. 201. 202.- Don Juan und Fauft. 290.- Napoleon. 259.- Scherz, Satire, Jronie 2c. 397. Gracian's Handorakel. 2771. 2772. Gög von Berlichingen. Grefset, Vert- Vert. Das lebendige ( Bühnenausgabe).879.- Hermann und Dorothea. 55. Iphigenie auf Tauris. 83.- 5 - Mahomet. 122. Die natürliche Tochter. 114.- Die Mitschuldigen. 100.- Reinete Fuchs. 61.- Stella 104.- Torquato Tasso.88.- Werthers Leiden. 67. Tancred. 139. Goethe- Schillers Xenien. 402. 403. Goethes Mutter, Briefe. 2786-88. Gogol, Phantasien und Geschichten. 1716. 1744. 1767. 1836.- Der Revisor. 837.- Die tobten Seelen. 1. Theil. 413. 414. 2. Thetl. 1466. 1467.- Taras Bulba. 997. 998. Goldoni, Diener zweier Herren. 463. Bürgermeister von Berlin. 480. Glaser, Schloß Kattenheim. 1650. Gleim, Ausgew. Werte. 2138. 2139. Godin, Eine Katastrophe. 1842. 1843. Die Madonna mit den Lilien und andere Erzählungen. 2087. Goethe, Clavigo. 96. Egmont. 75. Faust. 1. u. 2. Theil. 1. 2.- Die Geschwister. Die Laune des Verliebten. 108.- Göh von Berlichingen. 71. - - 1 - - - Die neugierigen Frauen. 620. Der Fächer. 674. Impresario von Smyrna. 1497. Goldsmith, Landprediger. 286. 28 Nacht der Täuschungen. 2106. Goncourt, Renée Mauperin. 2136/37. Gondinet, Der Klub. 1975. Gontscharow, Absturz. 2243-2245. Görlit, Kriminalverbrecher. 1450. Ein weiblicher Gutsherr. 1419. Eine Nacht im HyacinthenTunnel. 1745.- Die Romanheldin. 1527. Vergeßlichkeit. 1819. Gotthelf, Ausgew. Erzählungen u. Bilder. I. 2423. Uli der Knecht. 2333-2335. Uli der Pächter. 2672-2675 Gottschall, Die Adlerhere. 2608. - Der Chorpult. 2506. Greville, Dosia. 2002. Grimmelshausen, Der abenteuerliche Simpliciffimus. 761-765. Grosst, Marco Visconti. 1631-1634. Groß, Drei Geschichten. 2307. Groß v. Trodan, Ich heirate meine Tochter. 1995. Grünstein, Die Milchschwester. 1260. Gryphius, Herr Peter Squenz. 917. | Gudrun. Deutsch v.Junghans.465.466. Gunnlaug Schlangenzunge. 2756. Günther, Gedichte. 1295. 1296. Güthner, Die Wahl. 1122. Ghulai, Der lette Herr eines alten Edelhofes. 579. Ein alter Schauspieler. 250. Habberton, Allerhand Leute. 1517/18. Andrer Leute Rinder.2103-2105. Frau Marburgs Zwillinge.2750. Helene's Kinderchen. 1993. 1994. Haber, An der Mosel. 2536. Hadkländer, Der geheime Agent. 2290. Hadenthal, Eine Ehe von heut. 1265. Magnetische Kuren. 2341. Haet, Phantasie: u.Lebensbilder.2860 Haffner, Der verkaufte Schlaf. 255. Hagedorn, Gedichte. 1321-1323. Hamann, Magi undSokratische Denkwürdigkeiten. 926. - Hamm, Wilhelm, Gedichte. 441. In der Steppe. 1336. Hartmann v. Aue, Gregorius. 1787. Der arme Heinrich. 456. 1 147.148. Hartenbusch, Liebende v. Teruel.459. Hauff, Das Bild des Raisers. 131. Bettlerin vom Pont des Arts. 7.Jud Süß. 22.- Mann im Monde. -Memoiren des Satan. 242-244.- Lichtenstein. 85-87. Märchen. 301-303.- Othello. 200.- Phantaften im Br. Rathsteller. 44. Ritter von Marienburg. 159.- Die Sängerin. 179. Haug, Sinngedichte. 1136. Häußer, Der Bergschred. 2349. Hebel, Allemannische Gedichte. 24. Schaktäftlein. 143. 144. Hedberg, Die Hochzeit zu Ulfosa. 628. Hegner, Die Molfentur. 296. 297. Heiberg, König Midas. 2654. Heigel, Freunde. 1120.- Das ewige Licht. 915.- Marfa. 804.- Mosait. 2200. Der Theaterteufel. 980.Die Veranda am Gardasee. 1131. Heine, Buch der Lieber. 2231. 2232. Neue Gedichte. 2241. Atta Troll.- Deutschland. 2261. Die Harzreise. 2221. Memoiren. 2301. Der Rabbi von Bacharach. Aus den Memoiren des Herrn von Schnabelewopsti. 2350. Romanzero. 2251. Helbig, Gregor der Siebente. 1036. Komödie auf d. Hochschule. 956. Hell, Der Hofmeister in tausend Nengsten. 2498. Drei Tage aus dem Leben eines Spielers. 2606. Hölth, Gedichte. 439. Homer, Froschmäusekrieg.873.- Jlias. Obyffee. 281-83. Höppner, Komiter u. Soubrette.2526. Horaz Werke. 431. 432. Hostrup, Eva. 1430. Houwald, Das Bild. 739. Die Heimkehr. 758. Der Leuchtthurm. 717. Hufeland, Makrobiotit. 481-484. Hugo, Victor, Angelo. 1147.König amusirt sich. 729.- 2ucrezia Borgia. 2404.- Hernani. 1093. Marion Delorme. 1448. Ruy Blas. 1205.- Notre- Dame in Paris. 1911-1916.- Maria Tudor. 2566. Henzen, Martin Luther. 1920. Schiller und Lotte. 2766. Herbart, Umriß pädagogischer VorLesungen. 2753. 2754. Herbst- Wittmann, Dilettantenbühne. Humboldt, W. v., Briefe. 1861-1865. Aeschylos' Agamemnon. 508. Die Grenzen der Wirksamkeit des Staats. 1991. 1992. [ 2778. Herder, Der Cid.105.- Legenden.1125. Hunt, Leigh, Liebesmähr v. Rimini. Deutsch v. Meerheimb. 1012. Hutt, Das war ich. 424. Stimmen der Völker.1371-1373. Hermann, Das Verlobungsbad.2312. Hermannsthal, Ghafelen. 371. Herodotos Geschichten. 2201-2206. Hertwig, Goldhärchen. 2196. Marienkind. 2486. Hert, Einquartierung. 1046. Die Sparkasse. 1145. Hutten, Gesprächbüchlein. 2381.2382. Jacobsen, Niels Lyhne. 2551. 2552. Sechs Novellen. 2880. Jacobson, Ein gemachter Mann.2265. - u. Girndt, Weißer Rabe. 2359. Jahn, C., HundertsteSchimmel.2859. - Helmer, Prinz Rosa- Stramin. 2664. Henle, Der Erbontel. 2325. 1 Hert, König René's Tochter. 190. Herzen, Wer ist schuld? 1807-1809. Herzl, Der Flüchtling. 2387. Heyden, Das Wort der Frau. 1660. Seyse, Paul, Zwei Gefangene. 1000. Hildebrand, Die Familie Kegge. 648. Hildeck, Sie hat Talent. 2427. Hill, Diana. 2736. Hillern, Augen der Liebe. 1061. Hippel, Ueber die Ehe. 1959. 1960. Hochzeit Scherz und Ernst. I. 2879. Hoei- lan- ti.( Der Kreidekreis.) 768. Hoffmann, Doge und Dogareffe. Des Vetters Edfenster. 464. Elixire des Teufels. 192-194. Das Fräulein v.Scuderi. 25.- Der goldne Topf. 101.- Das Majorat. 32.- Meister Martin. 52.- Nußknacker u. Mausekönig.1400.- Rater Murr. 153-156.- Der Sandmann. 230.- Klein Zaches. 306. Holberg, Politische Kannengießer.198. Hölderlin, Gedichte. 510. Hyperion. 559. 560. Durch die Intendang. 2834. Entehrt. 2767. - - 251-53. - Der Jahu, Fr. Ludwig, Deutsches Voltstum. 2639. 2640. James, Eugen Pickering. 1058. Jantsch, Ein Excommunicirter. 566. Kaiser Josef II. u. die Schusterstochter. 524. - Jarosh, Im Schneegestöber. 1479. Seine Ottilie. 1894. Jarz, Die letzten Kämpfe um die Mexikanische Kaiserkrone. 2600. Jbsen, Brand. 1531. 1532.- Der Bund d. Jugend. 1514.- Das Fest auf Solhaug. 2375. Die Frau vom Meer. 2560.- Frau Inger auf Öftrot. 2856. Gespenster. 1828. Hedda Gabler. 2773. Die Komödie ber Liebe. 2700. Kaiser und Galiläer. 2368. 2369. Die Kronprätendenten. 2724. Nora. 1257.-- Nordische Heerfahrt. 2633. Stützen der Gesellschaft. 958.- Ein Volksfeind. 1702. Gedichte. 2130. Peer Gynt. 2309. 2310.- Rosmersholm. 2280. Die Wildente. 2317. Jean Paul, Flegeljahre. 77-80. Hesperus.321-326.- Der Jubelsenior. 457. 458.- Immergrin u. and. Kleinere Dichtungen. 1840.Kampaner Thal. 36.- Dr. Razenberger. 18. 19. Der Romet. 221224.- Levana.372-374.- Quintus Firlein. 164. 165.- Schmelzle's Reise.293.- Schulmeisterlein Wuz. 119.- Siebentäs. 274-277. Titan. 1671-1678. - Jerrold, Frau Kaudels Gardinenpredigten. 388. 389. Iffland, Dienstpflicht. 1558. Die Hagestolzen. 171.- Die Jäger. 20. Der Spieler. 106. Jlle, Kaiser Jofeph II. 1999. Immermann, Aleris. 494. 495. Andreas Hofer. 260.- Epigonen. 343-347. Münchhausen.265-270. 1 1 1 1 Carneval und Somnambüle. 395. Die schelmische Gräfin. 444. Merlin. 599.- Der neue Pygmalion. 337.- Tulifäntchen. 300. Tristan und Isolde. 911-913. Joël's Kochbuch. 1073-1076. Jótai, Traurige Tage. 581-583.- Die Dame mit den Meeraugen. 2737-2739. Die goldene Zeit in Siebenbürgen. 521-523. Auf der Flucht. 425. Ein Goldmensch. 561-565. Jósika, Abafi. 1134. 1135. Jost, Christlich oder Päpstlich? 1179. Friarte, Litterarische Fabeln. 2344. Irving, Alhambra. 1571-1573. Skizzenbuch. 1031-1034. Isotrates Panegyrikus. 1666. Julius, Wie 2 Tropfen Waffer. 455 Jünger, Die Entführung. 864. Er mengt sich in Alles. 195. Justinus, Die Ehestifterin. 2242. Griechisches Feuer. 2238. In der Kinderstube. 2594. Die Liebesprobe. 2345. Junggesellenbrevier. 2707. Jung- Stillings Kalidasa, Urvafi. 1465. - Lebensgeschichte. [ 663-67. Malavika und Agnimitra. 1598. Sakuntala. 2751. Kalisch, Doktor Peschke.*) 2838. Kant, Kritik der reinen Vernunft. herausgeg. v.R.Kehrbach.851-855. Von d. Macht d. Gemüths. 1130. Zum ewigen Frieden. 1501. Kritik der praktischen Vernunft. Herausg. v.K.Kehrbach.1111.1112. Kritik der Urtheilskraft. Herauss gegeb. v. K. Rehrbach. 1027-1030. Naturgesch. d. Himmels. 1954/55. Prolegomena. 2469. 2470. Die Religion. 1231. 1232. Der Streit der Facultăten. 1438. Träume ein. Geisterfehers.1320. Kármán, Fanny's Nachlaß. 1378. Kästner, Sinngedichte 2c. 1035. Katscher, Aus England. 2020. 2189. Aus China. 2256. - 1 Keller, Drei Novellen. 1247. 1248. -, 3., Ein Kater. 2222. Kellner, Heliotrop. Ein Küchenbragoner. 1113. Kellner, H., Nala u. Damayantî.2116 Kennan, Sibirien. 2741/42. 2775/76. - 2883. Zeltleben in Sibirien.2795-97. Kielland, Garman& Worse. 1528-30. Novelletten. 1888. Neue Novelletten. 2134. ist für M. 1.50 zu haben. *) Der vollständige Klavier- Auszug 1 Kistner, Ein Schak fürs Haus. 1617. Kleist, E. Ch. v., sämmtl. Werke. 211. H., Die Hermannsschlacht. 348. Familie Schroffenstein. 1768 Käthchen v. Heilbronn. 40. Der zerbrochene Krug. 91. Der zerbr. Krug.( Bühnenausg.) Michael Kohlhaas. 8.[ 2304. Penthefilea. 1305. Prinz von Homburg. 178. Verlobung in St. Domingo. Der Findling. 358. Marquise von D... und andere Erzählungen. 1957. Klingemann, Faust. 2609. Klinger, Raphael de Aquillas. 383/84. Sturm und Drang. 248. Die Zwillinge. 438. Klingner, Ludwig II. 2250. Klopstod, Meffias. 721-724. - - - bruch d. Verzweiflung. 189.- Edukationsrath.- Die Witwe u. das Reitpferd. 1659.-Blind geladen. - Rosen des Herrn von Malesherbes. 668.- Freimaurer.- Verschwiegene wider Willen.341.- Die respectable Gesellschaft. Eifersüchtige Frau. 261.- Gefangene.Feuerprobe. 1190.- Deutsche Kleinstädter. 90.- Beiden Klingsberg. 310.- Menschenhaß u. Reue. 102. Pachter Feldkümmel. 212. Pagenstreiche. 375.- Rehbock. 23. -Posthaus in Treuenbrieken.890. -Schneider Fips.132.- Die Stricknadeln. 115. U. 2. w. g. 199.VielDie Unglücklichen. 2012.wiffer.585.- D.gerade Weg d. beste. 146.- Wirrwarr. 163.- Der häusliche Zwift. 479.- Die Zerstreuten. -Landhaus an der Heerstraße.232. Krackowizer, Dr., Naturgeschichte des österreichischen Studenten. 2699. Krasinski, Jrydion. 1519. 1520. Kraszewski, Der Dämon. 1395.1396. Alte und neue Zeit. 1581. Hetmanssünden. 1711-1714. Jermola. 845. 846. Morituri. 1086-1090. - - Oden u. Epigramme. 1391-1393. Knauff, Redaktionsgeheimnisse.2285. Knigge, Reise nach Braunschweig. 14. Umgang mit Menschen. 1138-40. Knors, Gedichte. 578. Köhler, Englisches Taschen- Wörterbuch. 1341-1345. Italienisches Taschen- Wörterbuch. 1541-1545. Französisches Taschen- WörterRefurrecturi. 1212-1215. buch. 1171-1175. Kraßnigg, Militärerinnerungn.2889. Fremdwörterbuch. 1668-1670. Kreidemann, Reisebekanntschaften. Konrad, Rolandslied. 2745-2748. 2676. Konrad von Würzburg, Die Herz- Kreher, Der Millionenbauer. 2828. märe. Otto mit dem Barte. Krüger, Die Lady in Trauer. 259 9. Der Welt Lohn. 2855. Krummacher, Parabeln. 841-843. Kohn, Prager Ghettobilder. 1825/26. Kruse, Die Herzlofen. 2617. Kolzow, Gedichte. 1961. Kommersbuch. 2610. Kschemisvara, Kausika's Zorn. 172 6. Kühne- Harkort, Lebende Bilder.2239. Kürnberger, Der Amerikamüde. 2611-2615. Labiche, Ich habe keine Zeit. 144 6. Der Kernpunkt. 2175. Ritterdienste. 2743. Lafontaine's Fabeln. 1718 1720. Lamartine, Graziella. 1151. Kopisch, Gedichte. 2281-2283. Körner, Erzählungen. 204.- Hedwig. 68. Der grüne Domino.- Die Gouvernante. 220.- Leyer und Schwert. 4.- Nachtwächter. Deutsche Treue. 185. Rosamunde. 191.- Toni. 157.- Der Better aus Bremen. Der vierjähr. Posten. 172. Briny. 166. Korolento, Sibir. Novellen. 2867/68. Kortum, Die Jobfiade. 398-400. Korzeniowski, Szlachta. 1123. 1124. Kosegarten, Jucunde. 359. Kotzebue, Der Abbé de l'Epée. 1020.Bayard. 127.- Arme Poet.- Aus— - Raphael. 1524. 1525. - Ausgewählte Dichtungen. 1420. Lamennais' Worted. Glaubens.1462. Landsberger, Zwei Uhr 46. 2367. Landsteiner, Erwin. 766. Lange, A- ing- fo- hi. 1458. Künstlerleben. 1386. Recept gegen Schwiegermütter. - - 1 - [ 1649. Laube, Demimonde- Heirath.1126.Eine weint, die Andre lacht. 580. Hauptmann von der Schaarwache. 1026.- Marmorherzen. 1096. Mitten in der Nacht. 525. Laufs, Ein toller Einfall. 2799. Laun, Mann aufFreiers Füßen.1667. Lauria, Sebetia. 2493. Laurin, Zwergfönig. 1235. Läutner, Othello's Erfolg. 2329. - u. Wittmann, Die GeräuschLofen. 2456. Lavater, Worte des Herzens. 350. Lebrün, Nummer 777. 604. Humoristische Studien. 646. Leibniz, Die Theobicee. 1931-1938. Kleinere philosophische Schriften. 1898-1900. Leisewis, Julius v. Tarent. 111. Lembert, Ehrgeiz in der Küche. 547. Sie ist wahnsinnig. 748. 1286-1289. Lichtstrahlen aus dem Talmud. 1733. Lie, Der Hellseher. 1540. Der Dreimaster Zukunft". 2704. 2705. [ 1910. Lebenslänglich verurtheilt. 1909. Ein Mahlstrom. 2402. 2403. Liebesbrevier. 2850. Lindner, Geschichten und Gestalten. - - -Dieses Wasser trink' ich nicht. 2708. Lorm, Die Alten u. die Jungen. 617. Gabriel Solmar. 732-735. Lubomirsti, Tatjana. 1261-1264. Lenau, Albigenser.1600.- DonJuan. Lucian, Ausgewählte Schriften.1047. 1853. Faust. 1502.- Gedichte. 1451-1453.- Savonarola. 1580. Lenz, Ph., Militärische Humoresken. 710. 728. 795. 850. 897. Lenz, R., Der Hofmeister. 1376. Lermontoff, Held unsrer Zeit.968.969. Lesage, Gil Blas. 531-536. Der hinkende Teufel. 353. 354. Lessing, Emilia Galotti. 45.- Der junge Gelehrte. 37. Gedichte. 28.- Laotoon. 271. Minna v. Barnhelm. 10.- Miß Sara Sampfon. 16.- Nathan der Weise. 3. Lessings Leben. 2408. 2409. Lichtenberg, Ausgewählte Schriften. - - 11 861-863. Lindau, Fräulein v. Belle- Jsle. 1152. Die arme Löwin. 1104. Lindenberg, Berlin. 1841. 1870. 1919. 2004. 2131. 2553. Aus dem Berlin Kaiser Wilhelm's I. 2779. 2780. Linguet, Die Bastille. 2121-2125. Liscow, Slende Scribenten. 1406. Livius, Römische Geschichte. I. Bd. 2031-2035. II. Bd. 2076-2080. III. Band. 2111-2115. IV. Band. 2146-2150. Logau, Sinngedichte. 706. Lohengrin. 1199. 1200. Lohmeyer, Der Stammhalter. 2257. Lokroy und Badon, Ein Duell unter Richelieu. 1906. Lombroso, Genie u. Jrrsinn.2313-16. Longfellow, Evangeline. 387.- Gedichte. 328. Der spanische Student. 415. Miles Standish. 540. Hiawatha. 339. 340. Lope de Vega, Die Sklavin ihres Geliebten. 727. 1 - 1133. Luther, An den christlichen Adel. 1578. Sendbrief v. Dolmetschen. 2373. Bon der Freiheit eines Christenmenschen. 1731. Tischreden. 1222-1225. - 1 Wider Hans Wurst. 2088. Lykurg, Rede gegen Leokrates. 1586. Macaulay, Friedrich der Große.1398. -Machiavelli.-Burleigh u. seine Zeit. 1183.- Lord Clive. 1591. Milton. 1095.- Warren Hastings. 1917. Lord Bacon. 2574. 2575. Macchiavelli, Buch vom Fürsten. 1218. 1219. Madách, Tragödie d. Mensch.2389/ 90. Maffei, Merope. 351. Mahlmann, Gedichte. 573. Herodes. 304. De Maistre, Gefangenen i. Kaukasus. Der Aussäßige v. Aosta. 880. Reise um mein Zimmer. 640. Malczewski, Maria. 584. Mallachow, Gute Zeugnisse. 2060. Papa's Liebschaft. 2266. Malot, Jm Banne der Versuchung. 2158-2160. - 1 1 Cara. 1946. 1947. Maltis, Hans Kohlhas. 1338. Der alte Student. 632. Mannstädt und Weller, Die schöne Ungarin. 2318. Manzoni, Die Verlobten. 471-476. Marbach, H., Timoleon. 860. Marbach, S., Papst und König. 608. Marc Aurels Selbstbetrachtungen. Misch, Die Junggesellen. 2299. Möbius, Nervensystem des Menschen. Molbech, Ambrofius. 1071.[ 1410. Der Ring des Pharao. 1243. Molière, Georg Dandin. 550.- Gelehrte Frauen. 113.- Der Geizige. 338.- Die Gezierten. 460.- Der eingebildete krante. 1177.- Liebeszwist. 205.- Der Misanthrop. 394.- Plagegeister. 288.- Schule der Ehemänner. 238.- Schule der Frauen. 588.- Tartüffe. 74. Möller, Graf von Waltron. 1423. Molnár, D.Genfer Ronvention.2303. Montesquieu's Betrachtungen. 1722. 1723. 1241. 1242. Marc- Michel u. Labiche, Ein reizbarer Herr. 2267. Marlowe, Doctor Faustus. 1128. Mark Twain, Ausgewählte Skizzen. 1019. 1079. 1149. 2072. Marrhat, Japhet. 1831-1834. Die drei Rutter. 848. Peter Simpel. 2501-2505. Martial's Gedichte. 1611. Martine, Roger Dumenoir. 1582. Mary, Jacobäa von Bayern. 158. Olympias. 231. Märzroth, Lachende Geschichten. 1266. 1304. 1418. 1599. Mastropasqua, Martin Luther. 970. Mathesius, D. Martin Luthers Leben. 2511-2514. 1 Matthisson, Gedichte. 140. Mattis, Jakob Sten. 2289.[ 2604. Meerheimb, Psychodramen. Mehring, Deutsche Verslehre. 2851. 2410. 2852.2853. Meilhac, Der Attaché. 440. Mann der Debutantin. 1216. Meinhold, Bernsteinhere. 1765.1766. Mejo, Jm dritten Stod. 2339. Meister, Desterreichische Kriegserinnerungen i. 3. 1866. 1662. Méllesville, Michel Perrin. 1313. Mels, Heines Junge Leiden". 662. Mendelssohn, Phädon. 335. Mendoza, Lazarillo v. Tormes. 1389. Mengs, Schönheit und Geschmack in der Malerei. 627. Menhard, Die Patientin. 2627. Mérimée, Carmen. 1602. Colomba. 1244. 1245. Meschtscherski, Einer von unsern Moltkes. 2832. 2833. Meyer, A., Trotköpfchen. 2466. Meyer, Auf der Sternwarte. 2305. Meyern, Die Cavaliere. 492. Das Ehrenwort. 421. Die Malteser. 749. Michaelis, Blick in die Zukunft. 2800. Michailow, Alte Nester. 2326-2328. Michelet, Die Liebe. 2523-2525. Mickiewicz, Sonette. 76. Mikszáth, Der Zauberkaftan. 2790. Milton, Verlor. Paradies. 2191/92. Die Frau. 2678-2680. Mickiewicz, Balladen. 549. - Persische Briefe. 2051-2054. Moore, Frische Melodien. 503. Lalla Ruth. 1314. 1315. Moreto, Donna Diana. 29. Moritz, Götterlehre. 1081-1084. Morus, Utopia. 513. 514. Moscherosch, Philander von Sittewald. 1871-1877. - Moser, Köpnickerstraße 120. 1866. Möser, Patriot. Phantasien. 683.684. Mügge, Barbarina. 1356. Müller, Siegfr. v. Lindenberg. 206/9. Müller aus Guttenbrunn, Im Banne der Pflicht. 1417. Müller( Maler), Die Schaffchur. Das Nußkernen. 1339. Müller- Saalfeld, Cotillontour. 2320. Müllner, Die Albaneserin. 365. Der 29. Februar.- Die Zurückkunft aus Surinam. 407. Der Kaliber. 34.- Die großen Kinder. 167.- Die Ontelei. Der Blik. Die Schuld. 6. Die Zweiflerin.- Der angolische Rater. Die Vertrauten. 97. König Yngurd. 284. 331. 429. Murad Efendi, Selim III. 657. Murger, Aus der komischen Oper.426. Zigeunerleben. 1535-1538. Murner, Die Narrenbeschwörung. 2041 2043. - - 1 - Musäos, Hero und Leander. 2370. Musäus, Rolands Knappen. 176. Legenden von Rübezahl. 254. Stumme Liebe. 589. Musiker- Biographien: Beethoven.| Olden, Julian, Erträumt. 2063. Wenn Frauen lachen. 2117. Opernbücher. Der Blik. 2866. Czaar und Zimmermann. 2549. Ents Don Juan*) 2646. führung aus dem Serail.*) 2667. Euryanthe. 2677. Fidelio. 2555.- Figaros Hochzeit.*) 2655. -Fra Diavolo. 2689.- DerFreischüß.*) 2530.- Die Jüdin. 2826. Oberon. 2774.- Der Postillon v. Lonjumeau. 2749.- Die beiden Schützen. 2798.-Undine. 2626.Der Der Waffenschmied. 2569. Wildschüß. 2760. Die ZauberOpis, Gedichte. 361.[ flöte.*) 2620. Ortnit. Deutsch von Pannier. 971. Offian, Fingal. 168. Bon Nohl. 1181.- Gluck. Von Welti. 2421.- Haydn. Von Noht. 1270.Liszt. I. Von Nohr. 1661.- Liszt. II. Lorking. Von Göllerich. 2392. Von Wittmann. 2634.- Meyerbeer. Von Dr. Kohut. 2734.- Mozart. Bon Nohl. 1121.- Schubert. Von Niggli. 2521. Schumann. Von Batka. 2882. Spohr. Von Nohl. 1780. Wagner. Von Nohl. 1700. Weber. Von Nohl. 1746. Musset, Eine Caprice. 626. Die Launen einer Frau. 767.- Wovon die jungen Mädchen träumen. 682. - Zwischen Thür u. Angel. 417. Mylius, Das Glasmännchen. 418. Frau Dekonomierath. 257. 258. Türken vor Wien. 213. 214. Opfer des Mammon. 1619.1620. Graveneck. 366. 367. Nathusius, Elisabeth. 2531-2535. Tageb. eines a. Fräuleins. 2360 Nekrassow, Wer lebt glücklich in Rußland. 2447-2449. 1 - - Nemcova, Großmutter. 2057-2059. Nepos Biographien. 994. 995. Neruda, Genrebilder. 1759. 1893. - KleinseitnerGeschichten.1976-78. Nesmüller, Freigesprochen. 1806. Neu, All Heil! 2777. Neumann, Nur Jehan. 1156. Newsty, Die Danischeffs. 2207. Nibelungenlied. 642-645. Nissel, Die Florentiner. 1057. Nodier, Girondisten. 707. Jugenderinnerungen. 675. 676. Noël, Kleines Volk. 2768. Nohl, Musikgeschichte. 1511-1513. Nordau, Seifenblasen. 1187. Nötel, Vom Theater. 1206. 1461. 1533. 1664. 1763. 1 - Tentora. 1496. [ 2839/40. Oswald v. Wolkenstein, Gedichte. Quida, Farnmor. 2857. 2858. Wanda. 2171-2174. -Herzogin von Lira. 2458-246. Ovid, Heroiden. 1359. 1360. Verwandlungen. 356. 357. Päivärinta, Finnische Novellen.2659. Pajefen, Aus dem wilden Westen Nordamerikas. 2752. Paludan- Müller, Liebe am Hofe. 327. Parreidt, Die Zähne. 1760. Pascal, Gedanken. 1621-1623. Paul de Kock, Der bucklige Taquinet. 1883. 1884. Pauli, Schimpf und Ernst. 945.946. Paulsen, Falkenström& Söhne. 2066. Pellico, Francesca von Rimini. 380. Meine Gefängnisse. 409. 410. Perron, Ich und meine Schwiegermutter. 2355. Peschkau, Am Abgrund. 2219. Die Prinzessin. 1801. Pestalozzi, Wie Gertrud ihre Kinder lehrt. 991. 992. Lienhard u. Gertrud. 434-437. Petersen, Die Jrrlichter. 2641. Prinzessin Jlse. 2632. Petöfi, Gedichte. 1761. 1762. Der Strick des Henters. 777. Petrarca, Sonette. 886. 887. PetronsGastmahl b.Trimalchio.2616. Pfarrer vom Kalenberg. 2809. Pfeffel, Poetische Werke. 807-810. 1 - Die Sternschnuppe. 1267. Der Herr Hoffchauspieler. 1690. Nuitter- Derley, Tasse Thee. 1516. Dehlenschläger, Correggio. 1555. Arel und Walburg. 1897. Ohnet, Der Hüttenbefizer. 2471. Gräfin Sarah. 2789. Ohorn, Komm' den Frauen zart entgegen. 1407. Olden, Hans, Der Glückstifter. 2886. *) Der vollständige Klavier- Auszug ist für M. 2 zu haben. Phädrus, Fabeln. 1144. Philippi, Der Advokat. 2145. Daniela. 2384. Platen, Die Abassiden. 478. Die verhängnißvolle Gabel. 118. Gedichte. 291. 292. Schatz des Nhampfinit. 183. Platon, Apologie und Kriton. 895.Gastmahl. 927.- Gorgias. 2046. -Laches. 1785. Phädon. 979. Protagoras. 1708. Plautus, Der Bramarbas. 2520. Der Dreigroschentag. 1307. Plötz, Dumm und gelehrt. 2480. Der verwunschene Prinz. 2228. Plouvien u. Adonis, Zu schön! 2056. Poe, Novellen. 1646. 1703. 2176. Plutarch, 2263/64. 2287/88. 2323/24. 2356/ 57.2385/ 86. 2425/26. 2452 53. 2475/ 76.2495/ 96.2527/ 28.2558/ 59. 2591/92. Pohl, Bruder Liederlich. 1592.- Auf eigenen Füßen. 1696.- Der Jongleur.1548.- Der Gold- Onkel.1576. -Eine leichte Person. 1647.- Klein Geld.1715.- Sucinde vom Theater. 1523. Die sieben Raben. 1665. Die Sterne wollen es. 1507.Unruhige Zeiten. 1627. Pöhnl, Mauz und Mizi. 1184. Polterabend Scherz u. Ernst. 2391. 2451. 2590. 2686. Ponsard, Charlotte Corday. 1485. Geld und Ehre. 1299. Lucretia. 558. Pope, Der Lockenraub.- Epistel an eine Dame. 529. [ 2235. Potjéchin, Schlinge des Schicksals. Pötl, Kriminal- Humoresken. 1905. 1980. 2258. Rund um den Stephansturm. 2411. 2412. - - Die Leute von Wien. 2629.2630. Wien. 2065. 2101. 2169. Prevost, Manon Lescaut. 937. 938. Bröll, Vergess. deutsche Brüder. 2308. Properz, Elegieen. 1730. Przyborowski, Die Fähnrichstochter. 2223.2224. Pufendorf, Die Verfassung des deutschen Reiches. 966. Puschtin, Boris Godunow. 2212. Der Gefangene im Kaukasus.386. Hauptmannstochter. 1559. 1560. Puschkin, Novellen. 1612. 1613. Dnegin. 427. 428. Pyat, Sumpensammler v. Paris.2017. Raabe, Zum wilden Mann. 2000. Die Rabenschlacht. 2665. Racine, Andromache. 1137.- Athalia. 385. Bajazet. 839.- Britannicus. 1293.- Esther. 789.Iphigenie in Aulis. 1618. Raimund, Der Alpenkönig. 180. Der Barometermacher. 805. Diamant des Geisterkönigs. 330. Der Bauer als Millionär. 120. Der Verschwender. 49. Randolf, Buch III, Kapitel I. 939. Dir wie mir! 1579.- Er muß auf's Land. 349.- Ich werde den Major einladen. 1279.- Feuer in der Mädchenschule. 898.- Wenn Frauen weinen. 249.- Dr. Robin. 278.Man sucht einen Erzieher. 655.Sand in die Augen! 987.- Eine Memoiren Partie Piquet. 319.- des Teufels. 930. Ein Bengalischer Tiger. 298. Rant, Das Birken- Gräflein. Muckerl der Taubennarr. 1077. Rangabé, A., Leila. 1699. -, E. R., Kriegserinnerungen aus 1870-71. 2572. 1 Räuber, Litter. Salzkörner. 2578-80. Raupach, Isidor und Olga. 1857.Vor 100 Jahren. 1724.- Ver fiegelte Bürgermeister. 1830. Der Degen.- plakregen. 1839.Der Schule des Lebens. 1800. Müller und sein Kind. 1698. Die Der Nasenstüber. 1918.- Royalisten. 1880.- Die Schleichhändler. 1705. Rauscher, In der Hängematte. 470. Reclam, Prof. Dr. Carl, Gesunds heits- Schlüssel. 1001. Rees, Indische Skizzen. 2725. Rebfues, Scipio Cicala. 2581-88. Reich, An der Grenze. 2690. Reichsgesetze, Deutsche: Gewerbegerichtsgeset. 2744.- Gewerbeordnung. 1781/ 82.- Invaliditäts- und AltersversicherungsGefeß. 2571.. Handelsgesetzbuch. 2874/ 75.- Ronkursordnung. 2218. -Preßgesez u. Urheberrecht.1704. - Strafgesetzbuch. 1590.- Strafe prozeßordnung. 1615/ 16.- Unfall- Sallust, VerschwörungCatilina's.889. versicherungsgeset. 2623/ 24.- Ver- Saltykow- Schtschedrin, Die Herren fassung des deutschen Reichs nebst Golomljew. 2118-2120. Wechselord- Salzmann, Ameisenbüchlein. 2450. Sand, George, Claudia. 1249. Des Hauses Dämon. 2157. Die Grille. 2517. 2518. Indiana. 1022-1024. Lavinia. Pauline. Kora.1348/ 49. Der Marquis von Villemer. 2488. Wahlgefeb. 2732. nung, Allg. Deutsche. 1635. Reinfels, Im Negligé.-In eigener Schlinge. 1796. Eßbouquet.- Alte Briefe. 2515. Kapitulirt. 2445. - Reitler, Duelle. 1436. Remin, Der gute Kampf. 2830. Riehl, Die 14 Nothhelfer. 500. Burg Neideck. 811. De la Rochefoucauld, Marimen. 678. Roe, Wie sich jemand in seine Frau verliebt. 2593. - Rollett, Erzählende Dichtungen. 412. Roquette, Schelm von Bergen. 2701. - Hanswurst. 2702.- Der Dämmerungsverein. 2703. Rosengarten. Disch. v. Junghans. 760. Roswitha v. Gandersheim. 2491/92. Rousseau, Bekenntniffe. 1603-1610. Emil. 901-908. Gesellschaftsvertrag. 1769. 1770. Die neue Heloife. 1361-1368. Rovetta, Unterd. Waffer. 2098.2099. Rüben, Muhamed. 48. Jacob Molay. 133. Rudolf, Vater auf Kündigung. 501. Rumohr, Der letzte Savello. 598. Geist der Kochkunft. 2067-2070. Runeberg, Könige auf Salamis. 688. Ruppins, Der Peblar. 1141-1143. -Vermächtniß d. Pedlars.1316-18. Rüttenauer, Sommerfarben. 2499. Rydberg, Singoalla. 2016. Rzewusti, Denkwürdigkeiten des Pan Severin Soplica. 701-704. Sachs, Hans, Ausgewählte dramatische Werke. 1381. 1382. Ausgew. poet. Werke. 1283.1284. Saintine, Picciola. 1749. 1750. Saint- Evremond, Die GelehrtenRepublik. 256. 1 St. Pierre, Die Indische Hütte. 1547. Paul und Virginie. 309. St. Real, Geschichte des Dom Carlos. 2013. Salis, Gedichte. 368. Sallet, Gedichte. 551-553. Contraste u. Paradoxen.574-576. Laien- Evangelium. 497-499. Sallust, Jugurthinische Krieg. 948. Victorine's Hochzeit. 1101. Sandeau, Fräulein v. Seiglière. 660. Saphir, Deklamationsgeb. 2651-53. Meine Memoiren und anderes. 2510. - 1 Humoristische Vorlesungen.2516. 2529. 2603. Humorist.- satir. Novelletten u. Bluetten. 2546. 2547. Sardou, Der letzte Brief. 606. Cyprienne.( Divorçons!) 2331. Dora. 2366.- Familie Benoiton. 689.- Fedora. 2806.- Fernande. - - 1306.- Ferréol.2209.- Die guten Freunde. 708.- Die alten Junggefellen. 936.- Unfere guten Landleute. 1007.- Marguerite. 2193. Odette. 2519.- Vaterland. 1357. Yankeestreiche. 1409. Schall, Trau, schau, wem. 177. Schandorph, Ein Witwenstand. 1886. Schaufert, Schach dem König. 401. Schent, Belisar. 405. Schenkendorf, Gedichte. 377-379. Scherr, Das rothe Quartal. 1551. Schiller, Braut von Messina. 60. Don Carlos. 38. Fiesco. 51.Der Geisterseher. 70.-Jungfrau von Orleans. 47. Kabale und Liebe. 33.- Macbeth. 149.- Maria Stuart. 64.- Der Neffe als Onkel. 84.- Der Parafit.99.- Phädra.54. Die Räuber.( Bühnenausg.) 878. Die Räuber. 15.- Turandot. - 92. Vom Erhabenen. 2731. Wilhelm Tell. 12. Wallenstein. 1. u. 2. Theil. 41. 42. Schillers Balladen. 1710. Schlegel, Lucinde. 320. Schleiermacher, Monologen. 502. Die Weihnachtsfeier. 587. Schmal, Bürger und Studenten. 2709. 2710. - Schmasow, Kasernenschwänte. 2688.| Schüt, Systematisch. 313. Schmid, Chr. v., Das BlumenkörbDer Weihchen. 2213. Die Ostereier. nachtsabend. 1970. Rosa von Tannenburg. 2028. v. Schmid, Der Zoder. 1294. Der Stein der Weifen. 1290. Die Z'widerwurz'n. 1021. Schmidt, M.,' s Almstummerl. 1851. Schmidt, Judas Jscharioth. 1246. Schmidt, Rud., Grzählungen.2061/ 62. b. Schönthan, Kleine Hände. 1799. - Mädchen aus der Fremde. 1297. Villa Blancmignon. 1956. Die goldne Spinne. 2140. - F. u. P., Humoresken. 1680. 1790. 1939. 2279. 7 P., Kindermund. 2188. Der Ruß. 2311. In Sturm und Not. 2438. Schopenhaner, Die Tante. 233-236. Schopenhauer, A., Sämmtl. Werke. I. 2761-65. II. 2781-2785. III. 2801-2805. IV. 2821-2825. V. 2841-2845. VI. 2861-65. Gracian's Handorakel. 2771/72. Schott, Hero und Leander. 2306. Schreiber, Jefuit u.sein Zögling.2102. Lamm und Löwe. 2253. Lieschen Wildermuth. 2225. -Fr. Reuter, Hanne Nüte 2c. 2338. Schreiner, Moderne Backfische. 2717. Schröder, Der Ring. 285. Schröder, A., DerLügner u.sein Sohn. Ein in Gedanken stehen gebliebener Regenschirm. 802. Schröder, W. u. A., Humoresken.451. 488. 611. 790. 1178. 1575.2706. Schröder, W., Leeder u. Döntjes. 928. - - Studenten und Lühower. 541. Sprückwörder- Schak. 493. Schrut, Emil und Emilie. 1788. Schubart, Gedichte. 1821-1824. Schubert, Der Bauernkrieg. 237. Der Sieg des Lichtes. 647. Und sie bewegt sich doch. 1311/12. Schücking, Die drei Freier. 548. Die Mündel des Papstes. 1116. Schulze, Die bezauberte Rose. 239. Schumann, Ges. Schriften über Musik und Musiter. 2472. 2473. 2561. 2562. 2621. 2622. Schuster, Perpetua. 731. - - Wilhelm der Eroberer. 336. Schwab, Gedichte. 1641-1645. Deutsche Volksbücher. 1424.1447. 1464. 1484.1498. 1503. 1515. 1526. Schwab u. Linden, Ballpause. 1882. Schwegler, Geschichte der Philosophie. 2541-2545. Scott, Der Herr der Inseln. 116. Jungfrau vom See. 866. 867. Ivanhoe. 831-834. Kenilworth. 921-924. Waverley. 2081-2085. Quentin Dur ward. 1106-1110. Scribe, Ach Oscar! 1369.- Adrienne Lecouvreur. 485. Die Camaraderie. 1347. Der Damenkrieg 537. Der Diplomat. 597. Feenhände. 639. Fesseln. 1587. Die Märchen der Königin von Navarra. 419.- Minister u. Seidenhändler. 1048.- Mein Stern. 1056. Das Glas Wasser. 145.Das Glas Waffer.( Bühnenausgabe. 1962.- Der Weg durch's Fenster 477.- Valerie.1892.- Yelva. 2302. Scribe- Olfers, Frauenkampf. 2262. Seefeld, Jm Fluge durch's alte romantische Land. 1489. 1490. Seneca, Ausgew. Schriften. 1847-49. 50 ausgew. Briefe. 2132. 2133. Seffa, Unser Verkehr. 129. Seume, Gedichte. 1431-1433. Mein Leben. 1060. Spaziergang. 186-188. Shakespeare, Antonius u. Cleopatra. 39.- Julius Cäsar. 9.- Coriolan. 69.- Cymbeline. 225.- Die Edeln von Verona. 66. Eduard der Dritte. 685.- Ende gut, Alles gut. 896.Hamlet. 31. Hamlet. ( Bühnenausgabe.) 2444. Heinrich IV. 2 Cheile. 81. 82.-- Heinrich V. 89. Heinrich VI. 3 Theile. 56-58. Heinrich VIII. 94. König Johann. 138. Der Kaufmann von Venedig. 35. Komödie der Srrungen. 273.- König Lear. 13. Macbeth. 17.- Maß für Maß. Othello. 21. Othello. ( Bühnenausgabe.) 2383.- Pericles. 170.- Romeo und Julia. 5. Romeo u. Julia.( Bühnenausg.) 2372. König Richard II. 43.- König - 196. - - 1 - - 1 - - Richard III. 62. Böse Sieben. Stell, Studentenrache u. andere hei26.- Sommernachtstraum. 73. tere Geschichten. 2719. Violanda Robustella. 1300. Die Wiedertäufer. 1625. Sterne, Empfindsame Reise. 169. Timon von Athen. 308. Der Steputat, Disch.Reimlerikon. 2876/77. Sturm. 46.- Titus Andronicus. Stern, Auf fremder Erde. 1129. 869.- Troilus und Cressida. 818. Verlorne Liebes- Müh'. 756.- Viel Lärm um Nichts. 98.- Was ihr wollt. 53.- Wie es euch gefällt. 469.- Das Wintermährchen. 152. - Die lustigen Weiber. 50.- Der Widerspänstigen Zähmung.( Bühnenausgabe.) 2494. - Tristram Shandy. 1441-1445. Stobitzer, Der Sterngucker. 1689. Strachwitz, Gedichte. 1009. 1010. Strakosch, Wer hat gewonnen? 920. Strider, Der, Pfaffe Ameis. 658. Strindberg, Fräulein Julie. 2666. Leute auf Hemsö. 2758. 2759. Der Vater. 2489. Strodtmann, Gedichte. 1102. 1103. Studentenliederbuch. 2870. Swientochowski, Aus dem VolksLeben. 1829. 1 Shelley, Feentönigin. 1114. Sheridan, Die Lästerschule. 449. Die Nebenbuhler. 680. Siemiensti, Erzählungen. 918. 919. Sienkiewicz, Dorfgeschichten. 1437. Bersplittert. 1637. 1638. Sitlósy, Eisenbahngeschichten. 1845. Silberstein, Truk- Nachtigal. 263. Giraudin, Vier Uhr Morgens. 504. -Drei Frauenhüte. 2755. Slavici, Die Glücksmühle. 2156. Solo- Spiele, 2497. 2605. Sophotles, Nias. 677. Antigone. Elektra. 711. König 659. Dedipus. 630.- Dedipus in Ko= Ionos. 641. Philoftetes. 709. Trachinierinnen. 670. Souvestre, Am Kamin. 1583. 1584. Der Fabrikant. 978. Geschichten aus vergangener Zeit. 1258. 1259. Philosophi.d.Dachstube.769.770. - 1 1 - - - Spee, Trutnachtigall. 2596-2598. Spindler, Der Jude. 2181-2186. Spinoza, Die Ethit. 2361-2364. Der Theologisch- politische Traktat. 2177-2180. Abhandlung über die Vervolkommnung des Verstandes. 2487. Spitta, Psalter und Harfe. 2631. Staël, Corinna od. Italien. 1064-68. Ueber Deutschland. 1751-1758. Stagnelius, Blenda. 623-625. Stahl, Tilli. 2407. Mädchenaugen. 2576. Der rechte Schlüffel. 2847. u. Heiden, Der Herr Major auf Urlaub. 2537. Steigentesch, Zeichen der Ehe. 215. Mißverständnisſe. 1539. Stell, Lustigi Thurgauer G'schichte. 2490. 1 Swift, Gulliver's Reisen. 651-654. Tacitus, Leben des Agricola. 836. Germania. 726. Die Annalen. 2642-2645. Die Historien. 2721-2723. Tannenhofer, Fr. Kaffeefiederin. 489. Die Ammergauer Life. 2214. Sonnenaufgang. 793. Das 1. Weihnachtsgeschenk.1094. Tasso, Befreites Jerusalem. 445-448. Taubert, Die Niobide. 1375. Tegnér, Abendmahlskinder. 538. Arel. 747. Frithjofs- Sage. 422. 423. Telmann, Jn Reichenhall. 1449. Tenelli, Die Mönche. 2638. Tennyson, Enoch Arden. 490. Königsidyllen. 1817. 1818. Terenz, Eunuch. 1868. - Phormio. 1869. Teschen, Schnupftabak. 2477. Teuscher, Eine eheliche Anleihe. 2217. Teweles, Ring des Polykrates. 2522. Tewfit, Die Schwänke des Naßr- eddin, und Buadem. 2735. Thackeray, Der Jahrmarkt d. Lebens 1471-1478. - Die vier George. 2030. Thegan, Leben Ludwigs d. Fr. 1996. Theokrits Gedichte. 2718. Theophrast, Charakterbilder. 619. Thoroddsen, Jüngling und Mädchen. 2226. 2227. Thukydides, Geschichte des Peloponnesischen Krieges. 1811-1816. Thümmel, Wilhelmine. 1210. Thibull, Elegieen. 1534. Tied, Gesellschaft auf dem Lande.1881. Des Lebens Ueberfluß.- Musitalische Leiden u. Freuden. 1925. Wunderlichkeiten. 2064. Tied- Wehl, Rotkäppchen. 2044. Tiedge, Urania. 390. Tillier, Onkel Benjamin. 1952.1953. Toepfer, Bube und Dame. 181. Vergils Ländl. Gedichte. Von Voß. 638. Viola, Die Nadel d. Kleopatra. 2577. Visakhadatta, Mudraratschaja.2249. Volney, Die Ruinen. 2151-2153. Voltaire, Henriade. 507.- Geschichte Karls XII. 714-716.- 3aire. 519. -Zeitalter LudwigsXIV.2271-78. Voß, Idyllen und Lieder. 2332. Luise. 72. Die Einfalt vom Lande. 838. Hermann und Dorothea. 2027. Der beste Ton. 844. Voß, Richard, Maria Botti. 1706. Alexandra. 2190. Eva. 2500. Rosenmüller und Finke. 813. Tolstoj, Anna Karenina. 2811-20. Luzern.- Familienglück.1657/ 58 Volkserzählungen. 2556. 2557. Töpffer, Bibliothet meines Onkels. Treptow, Sein Lieb. 1350.[ 505/6. Triesch, Der Herenmeister. 2854. Die Nige. 2873. Mutter Gertrud. 2073. Die neue Zeit. 2890. Treu dem Herrn. 2100. Wehe den Besiegten! 2371. Vrchlicky, Farbige Scherben. 2567 Wachenhusen, Prinz Otto. 1211. Wacht, Reisemasken. 1221. Waiblinger, Britten in Rom. 1326. Lieder und Gedichte. 1470. Wald, Sein Varzin. 2284.[ 496. Waldmüller, Brunhild.511. Walpra. Wall, Amathonte. 454. Tromlit, Die 400v. Pforzheim. 1457. Tschabuschnigg, Sonnenwende. 812. Tschechow, In d. Dämmerung. 2846. Turgenjeff, Dunft. 1439.1440.- Erste Gedichte. 819. 820. Wartenburg, Die Schauspieler des Raisers. 2322. Die beiden Billets. 123. Liebe. 1732. Frühlingswogen. Walther v. d. Vogelweide, Sämmtl. 871.872.- Gedichte in Prosa. 1701. Die neue Generation. 13311334. Lieutenant Jergunoff.- Eine seltsame Geschichte. 1940. Ein König Lear der Steppe. 801.Memoiren e. Jägers. 2197-2199. -DerRaufbold.- Luterja. 1860.Punin und Baburin. 672.- Eine Unglückliche. 468. Väter und Söhne. 718-720. Tagebuch eines Ueberflüsfigen. 1784. Visionen.. Der Fattor. 2045. Turner, Am Frühstückstisch. 2849. Usteri, De Vitari. 609.610. Vacano, Humbug. 2321. Komödianten. 2607. Valera, Pepita Jimenez. 1878.1879. Varnhagen, Fürst Leopold. 2656 57. V. de Velde, Liebhabertheater. 112. Die Lichtensteiner. 1115. Arwed Gyllenstierna. 218. 219. Vercousin, Unser Johann! 2468. Verga, Sicilian. Bauernehre. 2014. Verne, Kurier des Czaaren. 2573. u. d'Ennery, Die Kinder des Kapitän Grant. 2229. Die Reise um die Erde. 2208. Vergils Aeneis. Von Voß. 461.462. 1 - - 1 - - Wartenegg, Der Ring des Ofterdingen. 2810. [ 1176. Weddigen, Geiftliche Oden u. Lieder. Wehl, Alter schüßt vor Thorheit nicht. 1105. Dunkle Blätter. 2440. Zum Vortrage. 1852. Weilen, Der neue Achilles. 396. Graf Horn. 311. Heinrich von der Aue. 570. König Erich. 1480. Weise, Schulkomödie von Tobias u. der Schwalbe. 2019. Weisflog, Das große Loos. 312. Weißenthuru, Das legte Mittel. 1614. Werner, Der 24. Februar. 107. Martin Luther. 210. Wernher, Meier Helmbrecht. 1188. Wichert, Biegen od. Brechen. 520.Bekenntnisse einer armen Seele. 1885.- Dibo. 2143.- Die Fabrik zu Niederbronn. 569.- Die gnädige Frau v. Parek. 1070.- In Feindes Land. 1163.- 25 Dienstjahre. 2050. -Freund des Fürsten. 1269.- Die - - tische Alter. 2286. Wodiczka, Der schwarze Junker. 2388. Woenig, Was die Tannengeister flüsterten. 1679. Am Nil. 2888. - Frau für die Welt. 736. Für Wittmann, H. u. Loebel, Das tritobt erklärt. 1117.- 1 Geige. 3 Weihnachten. 1370.- Das eiserne Kreuz. 1150.- An der Majorsecte. 690.- Peter Munt. 1850.- Der Narr des Glücks. 746.- Die Realisten. 539.- Ein Schritt vom Wege. 730.- Stimme der Natur. 925.- Der geheime Sekretär. 1463. Am Strande. 1227. Die talentvolle Tochter. 2733. Nur Wahrheit. Sie verlangt ihre Strafe. 1500.- Als Verlobte empfehlen fich- 650.- Ihr Taufschein. 1203. Der Mann der Freundin. 2660. Post festum. 2650. [ 2884/85. Wichner, Der Novize u. and. Erzähl. Widram, Rollwagenbüchlein. 1346. Wickede, Amerit. Novellett. 909. 1234. Widmann, Der Redakteur. Als Mädchen. 1926. Wieland, Abderiten. 332-334. Musarion. 95. Oberon. 124. 125. Aus großer Zeit. 2720. Wolff, Preciosa.*) 130. Der Kammerdiener. 240. Wolzogen, Sakuntala. 1209. Zwei Humoresken. 1697.[ 2831. -, H., Erinnerungen an R. Wagner. Württemberg, Alexander Graf v., Gedichte. 1481-1488. Xenophon, Anabasis. 1185. 1186. Erinner. an Sokrates.1855.1856. Gastmahl des Kallias. 2110. Zachariä, Der Renommist. 307. Zalesti, Die heilige Familie. 1118. Zárate, Guzman der Treue. 556. Zeska, Auf dem Garnisonsball. 2457. Ziegler, Parteimuth. 150. Zimmermann, Zumpen- König.2415. Zind, Jede Pott findt sien'n Deckel. De Schoolinspecktschon. 2090. 3ittel, Die Entstehung der Bibel. 2836/37. Zola, Der Todtschläger. 1574. Zschotte, Abellino. 2259.-- Alamontade. 442. 443.- Addrich im Moos. 1593-95. Blondin von Namur. 910.- Der todte Gast. 370.- Das Goldmacherdorf. 1725. Dampf in allen Gassen. 1146. Jonathan Frock. 518.- Die Neujahrsnacht. 404.- Tantchen Rosmarin.-.- Das blaue Wunder. 2096. Die Walpurgisnacht. Kriegerische Abenteuer eines Friedfertigen. Es ist sehr möglich. 2595. Die Fortsetzung der Universal Bibliothef erscheint regelmäßig. *) Der vollständige Klavier- Auszug ist für M. 2 zu haben. - - 1 - 1 Der goldene Spiegel. 613-616. Wijtander, Bertha Malm. 2039. Witelas, Lukis Laras. 1968. 1969. Wilken u. Justinus, Kyrik- Pyrik. 2220. - Gesellschaftliche Pflichten. 2628. Winterhjelm, Intermezzos. 2348. Wiseman, Fabiola. 2681-2684. Witschel, Morgen- und Abendopfer. 1421. 1422. Wittmann, 1 delicater Auftrag. 1626. Er muß taub sein! 1967. Liebe kann Alles. 2135. Ein Morgenbesuch. 1948. Die schöne Müllerin. 2040. - - Hans - Einband- Decken in Ganzleinen zur Universal- Bibliothek( wie dieselben zu folgenden Miniaturausgaben) ohne Titeldruckt in 9 Größen, für Bände im Umfang von 5, 8, 12, 16, 20, 25, 30, 35 und 42 Bogen, sind, pro Stück 30 Pfennig, durch alle Buchhandlungen zu beziehen. Miniaturausgaben in eleganten Ganzleinenbänden. Pf. Pf. Nischilos, Sämmtl. Dramen. 150 Bulwer, Letten Tage v. Pompeji Undersen, Bilderbuch ohneBilder 60 Bärger, Gedichte 150 100 -, Der Improvisator Nur ein Geiger ... 120 120 Mit Goldschnitt 150 Münchhausens Reisen 60 60 -, Sämmtliche Märchen. -, D. 3. 60 60 - Sein oder Nichtsein. Anthologie, Griechische. Upel u. Laun, Gespensterbuch 150 60 80 Urchenholt, Siebenjähr. Krieg. 120- Gefangene v.Chillon.Mazeppa 60 Uriosto, Rasender Roland... 225, Manfred. Aristoteles, Die Poetit 60 60 60 100 250 Urnim, Bettina von, Goethes Briefwechsel mit einem Rinde 150 Arnim Brentano, Des Knaben Wunderhorn . 175 120 Mit Goldschnitt 175 60 Augustinus, Bekenntnisse. 120 Peter Schlemihl Beecher- Stowe, OnkelTomsHütte 150 Chateaubriand, Atala.- René. Bell, Jane Eyre Bellamy, Ein Rückblick Der lette Abencerrage 80 .. 150 80 Claudius' Ausgewählte Werke. 150 60 Cooper, Der lette Mohikan 80-, Der Spion T Dr. Heidenhoffs Wunderkur - Miß Ludingtons Schwester Béranger's Lieder Bern, Deutsche Lyrit 100 mit Goldschn. Dellamatorium.. - . . 100 Busch, Gedichte 100 Byron, Der Gjaur 120 71 Der Korsar Ritter Harold. Biernatzki, Die Hallig. Blumauer, Aeneis Bojardo, Verliebter Roland Börne, Stizzen u. Erzählungen. Boyesen, Faust- Kommentar Brant, Narrenschiff. Bremer, Die Nachbarn Bremer, friedrich, Handlexikon der Musik. 250 Burns' Lieder und Balladen.. .. Mit Goldschnitt 200 . 100 80 Cremer, Holländische Novellen. 150 150 Dante, Göttliche Komödie. 200, Das Neue Leben 150 60 80 80 Calderon, Das Leben ein Traum Camoes, Die Lusiaden Cervantes, Don Quijote Chamisso, Gedichte 150 Daudet, Fromont jun.& Risler - 175 80 Bret Harte, Gabriel Conroy.. 150 - Californische Erzähl. 2 h. à 120 Geschichte einer Mine Thankful Blossom Brillat- Savarin, Physiologie des Geschmacks 60 120 Dickens, Harte Zeiten 120 Brümmer, Lexikon deutsch. Dichter bis Ende des 18. Jahrh.. 150 - Lexikon der deutschen Dichter des 19. Jahrhunderts Bulwer, Eugen Áram - Pelham Rienzi. .. 80 225 100 Detmold, Randzeichnungen.- Anleitung zur Kunstkennerschaft 60 80 Deutscher Minnesang. 80 80 mit Golbschnitt 120 100 225 ... sen. Denison, So'n Mann wie mein Mann.... [ r r r r r r r r T - Copperfield. 2 felnenbbe. -, Heimchen am Herde Der Kampf des Lebens Londoner Skizzen ... 60 60 120 Martin Chuzzlewit. 2 teinbb. 225 Nikolas Nickelby. 2 Leinenbbe. 225 Oliver Twist 120 Die Pickwickier. 2 Leinenbbe. Zwei Städte Die Sylvester- Glocken Der Verwünschte. Der Weihnachtsabend 250 60 150 Dostojewskij, Schuld u. Sühne 150 150- Memoiren aus e. Totenhaus 100 150 Droste- Hülshoff, Gedichte.... 120 100 ... . 200 120 60 60 Dufresne, Damespiel -Schachspiel - -, Schachaufgaben. 3 Cheile à. 80 Schachmeisterpartien. 80 Dumas, Die drei Mustetiere.. 175 Eberhard, Hanchen u. d. Küchlein 60 Edermann, Gespräche m. Goethe 175 Eckstein, Der Besuch im Carcer 60 Edda. Deutsch von Wolzogen 120 1 Eichendorff, Gedichte 100 Mit Goldschn. 150 Aus dem Leben eines Taugenichts ... - 1 60 Mit Goldschnitt 120 Das Marmorbild. Das Schloß Dürande Eliot, Adam Bede. ... - Der Hausfreund Die Uhr .... - 120 Die Mühle am Floß Eötvös, Der Dorfnotar Epiktets Handbüchlein d. Moral Eulenspiegel Euler, Algebra feuchtersleben, Diätetik d. Seele 60 Mit Goldschnitt 120 fichte, Bestimmung d. Menschen Reden an die deutsche Nation fielding, Tom Jones flaubert, Salambo - 120 80 Fleming, Dichtungen flygare- Carlen, Rose v. Tistelö 150 fouqué, Undine. franklins Leben Freidants Bescheidenheit Frenzel, Das Abenteuer - ...... Pf. Pf. 80 Goethe, Gedichte. Mit Golbschnitt 120 150Faust. 2 Theile in 1 Band.. 80 100 60 60 60 Mit Goldschnitt Göz von Berlichingen Hermann und Dorothea. Torquato Tasso -, Dramatische Meisterwerke. ( Göz von Berlichingen. Egmont. Iphigenie auf Lauris. Tasso) - Iphigenie auf Tauris Reinete Fuchs Werthers Leiden Goethe- Schillers Xenien Goethes Mutter, Briefe. 100 100 120 ... Goldsmith, Der Landprediger. 80 60 Gotthelf. Uli der Knecht 175-, Uli der Pächter. 175 Gottschall, Die Rose v. Kautasus 60 150Mit Goldschn. 120 60 Gracian's Handorakel Grimmelshausen, Der abenteuerliche Simplicissimus Grosft, Marco Visconti. 80 80 150 120 Gudrun. Deutsch von Junghans. 80 80 Günther, Gedichte. 80 80 80 Habberton, Allerhand Leute 225-, Andrer Leute Kinder. 100 Pf. -Helene's Kinderchen. 80 Pf. Beide Werke zus. in 1 Bd. mit Goldschnitt 200 60Frau Marburgs Zwillinge 60 Haef, Phantasie- u. Lebensbilder 60 80 Hagedorn, Poetische Werke. 80 100 60 Hamm, Wilhelm, Gedichte... 60 60 Handelsgesetzbuch. 80 60 Hartmann v. Uue, Gregorius 150 Der arme Heinrich Freund, Rätselschak 1 fried, Lerikon deutscher Citate 100 Hauff, Lichtenstein - Lexikon fremdspr. Citate.. 100, Die Bettlerin. frige, Indische Sprüche 7 Gaudy, Schneidergesell. ... .. 60 60 - .. .. .... - .. Memoiren des Satan Der Mann im Monde 100 -, Märchen. 60 Phantasien im Br. Rathsteller 80 60 Hebel, Allemannische Gedichte . . Venetianische Novellen. Geijer, Gedichte Gellert, Fabeln u. Erzählungen 60 Oden und Lieder 60 80 80 Gerhardt's geistliche Lieder.. 100, Schatzkästlein Gewerbegerichtsgesetz 60 Heine, Buch der Lieder Gewerbeordnung. 80 Girschner, Mufit. Aphorismen. 60Mit Goldschn. 120 Gleim, Ausgewählte Werke 80 Goethe, Egmont 60 Mit Goldschn. 120 Deutschland 60 60 Atta Troll. Die Harzreise. Neue Gedichte. Romanzero 60 60 -, Gedichte. In Halbleinenband. 90 Helmer, Prinz Rosa- Stramin. 60 60 60 . 100 60 100 60 60 60 80 . 100 80 100 Pf. 60Herbart, Umriß pädag. Vorles. 80 Kant, Zum ewigen Frieden Herder, Der Cid. Kritik der reinen Vernunft 150 Stimmen der Völker.... 100- Kritild.praktischen Bernunft 80 Hermannsthal, Ghafelen Kritit der Urtheilstraft 60- . 120 Herodotos Geschichten. 2 Bände. 200 Herg, König René's Tochter 60 Heyden, Das Wort der Frau 60 Heyse, Paul, Zwei Gefangene. 60 Hippel, Ueber die Che 80 Hoffmann, Kater Murr - Elixire des Teufels Klein Zaches Hölderlin, Gedichte Hölty, Gedichte Homers Werte. Von Voß. Horaz Werke. Von Voß. Hugo, Victor, Notre- Dame Humboldt, Wilh. v., Briefe an eine Freundin Hunt, Leigh, Liebesmähr von .. Von der Macht des Gemüths 60 -, Naturgeschichte des Himmels -, Prolegomena 80 80 TITT Skizzenbuch. Junggesellenbrevier Die Religion 120 Streit der Facultäten Träume eines Geisterfehers 100 Kennan, Sibirien. Drei Teile 60-, Zeltleben in Sibirien 60 Kleift, E. Chr. v., Werke 60 Klopstock, Messias 150 . 150 ... 100 60 120 175 - Oden und Epigramme ... 100 80 Knigge, Umgang mit Menschen 100 Köhler, Englisches Wörterbuch. 150 - Französisches Wörterbuch. 150 150 -, Italienisches Wörterbuch 150 - Fremdwörterbuch...... 100 . Rimini. Deutsch v. Meerheimb 60 Holzow, Gedichte Hufeland, Makrobiotik 60 40 Hutten, Gesprächbüchlein Jahn, Deutsches Volkstum. Jbsen, Brand -, Gedichte. 120 Kommersbuch( Tascheneinband) Konfursordnung 80 80 Konrad, Das Rolandslied... 80 Kopisch, Gedichte 60 Hörner, Leyer und Schwert Korolenko, Sibirische Novellen Kortum, Die Jobsiade Kofegarten, Jucunde. Pf. 60 60 120 100 60 80 100 ... 60 100 80 Kärnberger, Der Amerikamüde 150 80 Lafontaine's Fabeln . 100 80 Lamartine, Dichtungen 120, Graziella .. -Gesammelte Werke in 32bb. 450 Jean Paul, Flegeljahre ... 120 - Hesperus. 2 Leinenbände 200 Immergrün 2c. Quintus Firlein Der Jubelsenior Dr. Razenberger Der Romet Levana Siebentäs 120Mit Goldschnitt 120 225 Leibniz, Die Theodicee. 225 Titan. 2 Leinenbände Jerrold, Frau Kaudels Gar- Kleinere philosoph. Schriften 100 dinenpredigten. 80 Lenau, Die Albigenser 60 Immermann, Die Epigonen.. 150-, Faust 60 Münchhausen. 175-, Gedichte 100. Mit Goldschnitt 150 100, Savonarola. Tristan und Isolde. Tulifäntchen 60 Invaliditäts- und Altersver= sicherungs- Gesetz 60 Lenz, Militärische Humoresten. 120 Lessing, Minna von Barnhelm. 60 60-, Dramatische Meisterwerke. Joel's Rochbuch. 120 ( Nathan der Weise. Emilta Gaz 150 Lotti. Minna von Barnhelm) Jókai, Ein Goldmensch 80 Die Dame mit d. Meeraugen 100-, Emilia Galotti 60 Jrving, Alhambra 100, Laotoon. 60 60 . 120, Nathan der Weise 60£ ichtenberg, Ausgew. Schriften 120 Jung- Stillings Lebensgeschichte 150£ ichtstrahlen aus dem Talmud. Kalidasa, Sakuntala 60 60 Liebesbrevier 60 60 Krummacher, Parabeln. 80 60 60 .. 60 60 100 Lavater, Worte des Herzens.. 60 .... Linguet, Die Bastille Livius, Römische Geschichte. 4 Bände à Bb. 150Lohengrin. Deutsch v. Junghans 80 Lombroso, Genie und Irrsinn. 120 Petöfl, Gedichte Longfellow, Evangeline -, Gedichte. 60 Petrarca, Sonette. 80 60 Pfarrer v.Kalenberg u.Peterken 60 Hiawatha 80 Pfeffel, Poetische Werke 120 60 platen, Gedichte. 80 60 Pözl, Rund um d. Stephansturm 80 120, Kriminal- Humoresken. 80-, Die Leute von Wien 100 Miles Standish. Luther, Sendbriefv. Dolmetschen -, Tischreden .... Meyer, Auf der Sternwarte Michelet, Die Frau. - Die Liebe Mickiewicz, Balladen. Milton, D. verlorene Paradies möbius, Das Nervensystem. Montesquieu, Persische Briefe. Moore, Jrische Melodien. Lalla Ruth Moreto, Donna Diana Moritz, Götterlehre. Möser, Patriotische Phantasien Müllner, Dramatische Werke Murger, Zigeunerleben. Murner, Narrenbeschwörung Musãos, Hero und Leander.. Nathusius, Elisabeth -, Tagebuch eines arm. Fräul. Nefraffow, Wer lebt glücklich in Rußland?. ... Neumann, Nur Jehan Nibelungenlied Noël, Kleines Volk Nohl, Mufitgeschichte Ovid, Heroiden -, Verwandlungen Pf. 150 80 60 ... 200 Propers, Elegieen. 60 80 Madách, Tragödie des Menschen Mahlmann, Gedichte Manzoni, Die Verlobten Marryat, Peter Simpel 150 Puschkin, Hauptmannstochter Martial's Gedichte 60 Onegin Matheftus, Luthers Leben.. 120, Der Gefangene im Kaukasus 60 Matthisson, Gedichte Meerheimb, Psychodram. 2 Bde.à 60 31 80 60 80 Novellen Raabe, Zum wilden Mann 60 Mehring, Deutsche Verslehre. 100 Rangabé, Kriegserinnerungen Mendelssohn, Phädon aus 1870-71. 60 60 Räuber, Litterar. Salzkörner . 100 Reclam, Prof. Dr. Carl, Gesund100 heits- Schlüssel .. Petersen, Die Irrlichter 60 Mit Goldschnitt 120 60 Mit Goldschnitt 120 80 Prinzessin Ilse ... .... 60 Preßgesetz und Urheberrecht. 60 60 60 Rehfues, Scipio Cicala. 2 lbbe. 225 80 Riehl, Burg Neideck. 60-, Die 14 Nothhelfer 120 Roswitha von Gandersheim 60 Rousseau, Bekenntnisse 60 80 225 80225 80 120 Emil..... 60-, Gesellschaftsvertrag -, Die neue Heloise 80 Rumohr, Geist der Kochkunst. 150 Ruppius, Der Pedlar 225 120 100 120, Vermächtniß des Pedlars. 100 100 Sachs, Hans, Dramatische Werte 80 60, Poetische Werke. 80 150 St. Pierre, Paul und Virginie. 60 Salis, Gedichte Sallet, Gedichte 100, Laien- Evangelium 60 Saphir, Deklamationsgedichte 120 Schenkendorf, Gedichte 60 100 80 Oswald v. Wolkenstein, Gedichte 80 Parreidt, Die Zähne 60 Pascal, Gedanken. 100 80 Wallenstein Pauli, Schimpf und Ernst Pestalozzi, Lienhard u. Gertrud 120 Schleiermacher, Monologen -, WieGertrud ihre Kinder lehrt 80-, Die Weihnachtsfeier Don Carlos. Maria Stuart Jungfrau von Orleans Tell 60 Scherr, Daß rothe Quartal.. 60 100 Schiller, Gedichte. Halbleinwdbb. 60 80 Gedichte. Mit Golbschnitt .. 100 60 60 60 60 80 60 60 60 60 100 100 100 100 Schönthan, p. v., Kindermund. Der Ruß Schopenhauer, U., Sämmtliche Werte. 6 Bände... - Gracian's Handorakel Schubart, Gedichte Schulze, Die bezauberte Rose.. Mit Golbschnitt 120 Schumann, Gs. Schriften. 3 Bbe. à 80 225 60 60 60 Vollst. in 1 Bd. 175 Schwab, Gedichte. .. 150 Colstoj, Anna Karenina. 2 Bde. 250 Tschabuschnigg, Nach der Sonnenwende Mit Golbschnitt 200 60 80 Die deutschen Volksbücher. 200 Schwegler, Geschichte d. Philos. 150 Scott, Jvanhoe Turgenjeff, Dunst Frühlingswogen Gedichte in Prosa 80 120 60 80 120 100 Die neue Generation. ... 120 Memoiren eines Jägers.. 100 150-, Väter und Söhne. 150 Unfallversicherungsgesetz. Usteri, De Vitari Darnhagen, Fürst Leopold Derfassung des deutschen Reichs - Die Jungfrau vom See - Kenilworth -, Quentin Durward -, Waverley. ... à 150, Königsidyllen. Pf. 60 Tegnér, Axel 60 Celmann, In Reichenhall. Tennyson, Enoch Arden .. band) Swift, Gulliver's Reisen Cacitus, Die Annalen 80 Thackeray, Der Jahrmarkt des Lebens 120 Seneca, Ausgewählte Schriften 100 - Fünfzig ausgewählte Briefe Seume, Gedichte. 80 100 Spaziergang Shelley, Feentönigin Silberstein, Truk- Nachtigal 100 Dergils Aeneide. Von Voß 60- Ländliche Gedichte 60 Dolney, Die Ruinen Sophofles, sämmtl. Dramen.. 150 Voß, dyllen und Lieder Spee, Trutnachtigall .... 100 60 Theofrits Gedichte Thümmel, Wilhelmine Tiedge, Urania ... Spinoza, Die Ethit - Der Theol.- polit. Traktat. 120 Spitta, Psalter und Harfe 7 60 Mit Goldschnitt 120 Staël, Corinna oder Italien.. 150 Ueber Deutschland. 2 ebbe.. 225 Steputat, Deutsches Reimlerikon 80 Sterne, Empfindsame Reise... 60 - Tristram Shandy 150 80 Strafgesetzbuch f.d. Deutsche Reich 60 Strachwitz, Gedichte. Strafprozeßordnung für das Deutsche Reich Strodtmann, Gedichte. Höchst eleg. mit Goldschnitt gebunden Studentenliederbuch( Taschenein... Luise 120 Waiblinger, Gedichte Waldmüller, Walpra 80 .. .. ... Pf. 60 .... ..... 60 60 80 80 60 80 60 Walther von der Vogelweide, 80 Sämmtliche Gedichte Weddigen, Geistliche Oden. Wechselordnung, Allg. Deutsche 60 Wichert, Am Strande 60 60 Für tobt erklärt 60 Eine Geige.- 3 Weihnachten 60 Nur Wahrheit.- Sie verlangt ihre Strafe. 60 ..... - Die gnädige Frau von Parek. 3. Aufl. Höchst eleg. mit Goldschnitt 200 80 60 120 Wieland, Abderiten. -, Oberon . 100 . 80 40 Wiseman, Fabiola 100 120 120 Witschel, Morgen- u. Abendopfer 80 Württemberg, Uler. Graf v., Sämmtliche Gedichte. Xenophon's Erinnerungen an Die Historien... Casso, Befreites Jerusalem.. 120 Taubert, Die Niobide 100 60 Sokrates 80 Tegnér, Abendmahlskinder... 60 3alesti, Die heilige Jungfrau. 60 Frithiofs- Sage.. 80 80 3ittel, Entstehung der Bibel Mit Goldschnitt 12013schoffe, Alamontade 80 100 60 60 60 60 100 Philipp Reclam's billigste Classiker- Ausgaben. Börne's gesammelte Schriften. 3 Bände. Geh. 4 M. 50 Pf. In 3 eleg. Leinenbänden 6 M. Byron's sämmtliche Werke. Frei übersest v. Adolf Seubert. 3 Bände. Geheftet 4 M. 50 Pf.- Jn 3 eleg. Leinenbänden 6 M. Goethe's sämmtliche Werke in 45 Bänden. Geh. 11 M. In 10 eleg. braunen Leinenbänden 18 M. In 10 eleg. rothen Leinenbänden 19 M. 1 6 M.- Goethe's Werke. Auswahl. 16 Bände in 4 eleg. Leinenbänden - Jn 4 eleg. rothen Leinenbänden 6 M. 50 Pf. Grabbe's sämmtliche Werke. Herausgegeben von Rud. Gotts schall. 2 Bände. Geh. 3 M.- Jn 2 eleg. Leinenbänden 4 m. 20 Pf. Hauff's sämmtliche Werke. 2 Bände. Geheftet 2 M. 25 Pf.- In 2 eleg. Leinenbänden 3 M. 50 Pf. - Heine's fämmtliche Werke in 4 Bänden. Herausgegeben von D. F. Lachmann. Geh. M. 3.60.- Jn 4 eleg. Ganzleinenbon. 6 M. Herder's ausgewählte Werke. Herausgegeben v. Ad. Stern. 3 Bände. Geheftet 4 M. 50 Pf.- Jn 3 eleg. Leinenbänden 6 M. H.v. Kleist's sämmtliche Werke. Herausgeg. v. Ed. Grisebach. 2 Bände. Geh. 1 m. 25 Pf.- Jn 1 eleg. Leinenband 1 M. 75 Pf. Körner's sämmtliche Werke. Geh. 1M.- In eleg. Enbd. 1 M. 50 Pf. Lenau's sämmtliche Werke. Herausgeg. v. G. Emil Barthel. 2. Aufl. Geh. 1 m. 25 Pf.- In eleg. Leinenbaud 1 M. 75 Pf. Lessing's Werke in 6 Bänden. Geheftet 3 M. In 2 eleg. Leinenbänden 4 M. 20 Pf. In 3 Leinenbänden 5 M. Leffing's poetische und dramatische Werke. Geheftet 1 M. In eleg. Leinenband 1 M. 50 Pf. Longfellow's sämmtliche poetische Werke. Uebersetzt v. Herm. Simon. 2 Bde. Geh. 3 M.- In 2 eleg. Leinenbänden 4 m. 20 Pf. Mignet, Geschichte der französischen Revolution. Deutsch v. Dr. Fr. Röhler. Mit 16 Illustrationen. In eleg. Leinenband 2 M. Milton's poetische Werke. Deutsch v. Adolf Böttger. Geh. 1 M. 50 Pf. In eleg. rothen Leinenband 2 M. 25 Pf. Molière's sämmtliche Werke. Herausgegeben v. E. Schröder. In 2 eleg. Leinenbänden 4 M. 20 Pf. Schiller's sämmtliche Werke in 12 Bänden. Geh. 3 M. In 3 Halbleinenbön. M. 4.50.- In 4 eleg. Leinenbbn. M. 5.40. In 4 eleg. Halbfranzbdn. 6 M.- Jn 4 eleg. rothen Ganzleinenbdn. 6 M. Shakespeare's sämmtliche dramatische Werke. Deutsch von Schlegel, Benda und Voß. 3 Bände. Geheftet 4 M. 50 Pf.- In 3 eleg. Leinenbänden 6 M. 2 Bände. Geh. 3 M. 1 ROX Inches 1 Centimetres Blue 2 3 14 Cyan 2 15 ¹6 7 3 Farbkarte# 13 Green 8 Yellow 9 4 10 Red 11 12 LO 5 13 Magenta 14 () 6 15 White 16 17 7 3/ Color 18 19 B.I.G. Black 8