ha gal k ff336 万 Gb 3362 Gefangbuch für die evangelisch- lutherische Kirche in Bayern. ADM: D: D: A.P. WITTHER Verkaufspreis: ungebunden 77 Pfennig. Kraft des der allgemeinen Pfarrwittwen- Kaffe zustehenden Verlagsrechts. dermalen im Verlag bei 11. E. Sebald, Buchdruckereibesißer in Nürnberg. 1882. gb 3362 JOTER Univ.- Bibl. Giessen Privilegium. Wir Maximilian Joseph, von Gottes Gnaden König von Bayern. 111 Nachdem Wir unterm 26. December vorigen Jahrs die Einführung eines neuen Gesangbuches für sämmtliche protestantische Gemeinden Unseres Königreiches genehmigt haben, so finden Wir Uns nunmehr bewogen, zur bessern Begründung einer Versorgungs- Anstalt für Pfarrers- Wittwen und Waisen das Privilegium auf dieses Gesangbuch sowohl, als auf alle noch erscheinenden liturgischen Schriften zum kirchlichen Gebrauche, so wie auf die protestantischen Religionsbücher zum Unterrichte in Schulen, der zu errichtenden allgemeinen PfarrWittwen- Kasse zu verleihen. Wir ertheilen daher dieser allgemeinen Pfarr- WittwenKaffe das Recht, die obgedachten Bücher, zur Erzielung der möglich wohlfeilsten Preise und der nöthigen Gleichförmigfeit, ganz allein zu verlegen, zu drucken, auszugeben und feil zu haben, und dieselben durch ihre aufgestellten Kommis fionarien im ganzen Königreiche verkaufen zu lassen. Demzufolge verbieten Wir allen Unsern Unterthanen, insonderheit aber allen, in Unsern Staaten angesessenen Buchdruckern und Buchhändlern bei Vermeidung Unserer allerhöchsten Ungnade und einer Strafe von Ein Hundert Dukaten, wovon jedesmal die Hälfte Unserer Staats- Kasse, die andere Hälfte aber der allgemeinen Pfarr- Wittwen- Kaffe zufallen soll, sich unter keinerlei Form und Vorwand, weder mitteloder unmittelbar, einen Nachdruck oder Debit gemeldter Bücher und Schriften zu erlauben. IV Zugleich ermächtigen Wir die allgemeine Pfarr- WittwenKaffe- Administration zur Sicherung dieses Privilegiums, bei verspürten Eingriffen mit Hülfe Unserer Obrigkeiten gegen die Beeinträchtigenden einzuschreiten, die unrechtmäßigen Auflagen wegnehmen zu lassen, und nach den darüber erhaltenen Weisungen damit zu schalten; weswegen auch zu Jedermanns Kenntniß und Warnung, die in dem Verlage der Pfarr- Wittwen- Kaffe erscheinenden Schriften mit einem besondern Stempel vor der Abgabe bezeichnet werden sollen. Zu dessen Urkunde haben Wir diesen Brief allerhöchst eigenhändig unterschrieben, Unser königliches geheimes Instegel aufdrucken lassen und die Bekanntmachung desselben durch das Regierungsblatt befohlen. Gegeben in Unserer Haupt- und Residenzstadt München den vierten August im Ein Tausend acht hundert und eilften Jahre, Unsers Reiches im Sechsten. Max Joseph. Graf von Montgelas Auf königl. allerhöchsten Befehl, der General- Secretär F. Kobell. Inhalts- Verzeichniß. Erste Abtheilung. Allgemeine Gesänge für den öffentlichen Gottesdienst. Lob und Danklieder Nr. 1-14. Gebetlieder Nr. 15-31. Sonntags und allgemeine Gottesdienstlieder Nr. 32-43. = Bweite Abtheilung. Hohe Fest- und Feiertagslieder. 1) Die hohen Feste und Festzeiten. Advent Nr. 44-54. Anfang des Kirchenjahrs Nr. 55-56. Weihnacht Nr. 57-71. Neujahr Nr. 72-82. Epiphanias Nr. 83- 87. ( Darstellung Christi Nr. 88-89.) Passionszeit und Charfreitag Nr. 90- 111. ( Begräbniß Jesu Nr. 112-114.) Ostern Nr. 115-133. ( Oftermontag Nr. 134.) Himmelfahrt Nr. 135-145. Pfingsten Nr. 146-161. Trinitatisfest Nr. 162-169. 2) Kirchliche Feiertage. Reformationsfest Nr. 170-171. Kirchweihfest Nr. 172-173. Bußtag Nr. 174-177. Erntefest Nr. 178- 179. Geburts- und Namenstag des Landesherrn Nr. 180-181. Dritte Abtheilung. Kirchliche Handlungen. 1) Die heiligen Sacramente. Taufe Nr. 182-186. Abendmahl Nr. 187-201. ( Nach dem Abendmahl Nr. 202-207.) 2) Die andern kirchlichen Handlungen. Confirmation Nr. 208-211. Beichte Nr. 212-218. Ordination Nr. 219-220. Trauung Nr. 221-224. Begräbniß Nr. 225-230. ( Bei Kinderleichen Nr. 231-232.) V AXCAL Inhalts- Verzeichniß. Vierte Abtheilung. Der christliche Glaube. Allgemeine Glaubenslieder Nr. 233-239. Gott der Vater. Wesen und Eigenschaften Nr. 240-248. Schöpfung und Erhaltung Nr. 249-254. ( Von den Engeln Nr. 255-256.) Vorsehung und Regierung Nr. 257-264. Gott der Sohn. Versöhnung und Erlösung Nr. 265-278. Jesuslieder Nr. 279-296. Gott der heilige Geift Nr. 297-300. Wort Gottes Nr. 301-311. Kirche und Reich Gottes Nr. 312-327. Missionslieder Nr. 328-336. Fünfte Abtheilung. Das christliche Leben. Sündenbekenntniß und Buße Nr. 337-349. Rechtfertigung und Gnadenstand Nr. 350-367. Kampf der Heiligung Nr. 368-380. Früchte der Wiedergeburt Nr. 381-402. Kreuz und Trostlieder Nr. 403- 430. 2 Morgenlieder Nr. 431-456. Tischlieder Nr. 457-461. Abendlieder Nr. 462-485. ( Am Schluß der Woche Nr. 486-487.) ( Am Sonntagabend Nr. 488-489.) Haus- und Ehestand Nr. 490-495. ( Kinder Nr. 496-497.) ( Freunde Nr. 498.) Obrigkeit Nr. 499- 500. Krieg und Friede Nr. 501-504. Mißwachs und Theuerung Nr. 505-507. Krankheit und Seuchen Nr. 508-510. Allerlei gemeine Noth Nr. 511-514. Sechste Abtheilung. Von den letzten Dingen. Tod Nr. 515-546. ( Tod und Begräbniß von Kindern Nr. 547-549.) Auferstehung, Gericht und ewiges Leben Nr. 550-568. Erste Abtheilung. Allgemeine Gesänge für den öffentlichen Gottesdienst. Lob und Danklieder. Eigne Melodie. Erster Chor. Zweiter Chor. 1. Herr Gott, dich loben Herr Gott, wir danken wir, dir. Dich, Vater in Ewigkeit, All Engel und Himmelsheer auch Cherubim und Seraphim Heilig ist unser Gott! Beide Heilig ist unser Gott, Erster Chor. 2. Dein göttlich Macht und Herrlichkeit Der heiligen zwölf Boten Zahl die theuren Märtrer allzumal Die ganze werthe Christenheit dich, Gott Vater, im höchsten Thron, den heiligen Geist und Tröster werth 3. Du König der Ehren, Jesu Christ, der Jungfrau Leib nicht haft verschmäht, du haft dem Tod zerstört sein Macht ehrt die Welt weit und breit. und was dienet deiner Ehr, singen immer mit hoher Stimm: Heilig ist unser Gott! Chöre. der Herre Zebaoth! 3 weiter Chør. geht über Himmel und Erden weit. und die lieben Propheten all, loben dich, Herr, mit großem Schall. rühmt dich auf Erden allezeit: deinen rechten und einigen Sohn, mit rechtem Dienst fie lobt und ehrt. Gott Vaters ewiger Sohn du bist; zurlösen das menschlich Geschlecht; und all Christen zum Himmel bracht; 1 2 Lob und Tanflieder. Erster Chor. du izst zur Rechten Gottes gleich ein Richter du zukünftig bist 4. Nun hilf uns, Herr, den Dienern dein, taß uns im Himmel haben Theil hilf deinem Volf, Herr Jesu Christ, wart und pfleg ihr zu aller Zeit, 5. Täglich, Herr Gott, wir loben dich Behüt uns heut, o treuer treuer Gott, Sep uns gnädig, o Herre Gott, Zweiter Chor. mit aller Ehr ins Vaters Reich; alles, das todt und lebend ist. die mit deim theurn Blut erlöset seyn; mit den Heiligen in ewigem Heil; und segen, das dein Erbtheil ist; und heb fie hoch in Ewigfeit. sev uns gnädig in aller Noth! Zeig uns deine Barmherzigkeit, wie unserHoffnung zu dir steht; auf dich hoffen wir, lieber in Schanden laß uns nimmerHerr, mehr. Eigne Melodie. 2. Nun lob, mein Seel, den Herren, was in mir ist, den Namen sein; sein Wohlthat thut er mehren, vergiß es nicht, o Herze mein! Hat dir dein und ehrn dein Namen stetiglich. vor aller Sünd und Missethat! Beide Chöre. Amen! and vergeben und heilt dein Schwachheit groß, errett dein armes Leben, nimmt dich in seinen Schoß, mit rechtem Trost beschüttet, verjüngt dem Adler gleich; der Herr schafft Recht, behütet, die leiden in feum Reich. Dr. Martin Lutber, geb. 1483, † 1546. 2. Er hat uns wissen lassen sein herrlich Recht und sein Gericht, darzu sein Güt ohn Maßen; es mangelt an Erbarmung nicht. Sein Zorn läßt er wohl fahren, straft nicht nach unsrer Schuld; die Gnad thut er nicht sparen, den Blöden ist er hold; sein Güt ist hoch erhaben ob den, die fürchten ihn; so fern der Ost vom Abend, ist unser Sünd dahin. 3. Wie sich ein Mann er barmet über sein junge Kinde Lob und Tanklieder, lein, so thut der Herr uns Armen, wenn wir ihn findlich fürchten rein; er kennt das arm Gemächte und weiß, wir sind nur Staub, ein nichtiges Geschlechte, ein Blum und fallend Laub: der Wind nur drüber wehet, so ist es nimmer da: also der Mensch vergehet, sein End das ist ihm nah. 4. Die Gottesgnad alleine bleibt stet und fest in Ewigfeit bei seiner lieben G'meine, die steht in seiner Furcht bereit, die seinen Bund behalten. Er herrscht im Himmelreich. Ihr starken Engel, waltet seins Lobs und dient zugleich dem großen Herrn zu Ehren, und treibt sein heiligs Wort; mein Seel soll auch vermehren sein Lob an allem Ort. Johann Graumann, geb. 1487, † 1541. Eigne Melodie. 3. Nun danfet alle Gott mit Herzen, Mund und Händen, der große Dinge thut an uns und allen Enden, der uns von Mutterleib und Kindesbeinen an unzählig viel zu Gut und noch jezund gethan. 2. Der ewig. reiche Gott woll uns bei unserm Leben ein immer fröhlich Herz und edlen Frieden geben, und uns in seiner Gnad erhalten fort und fort, ja, uns aus aller Noth erlösen hier und dort. 3. Lob, Ehr und Preis sey 3 Gott, dem Vater und dem Sohne, und dem, der beiden gleich, im höchsten Himmelsthrone: dem dreieinigen Gott, als der im Anfang war, und ist und bleiben wird jetzund und immerdar. Martin Rindart, geb. 1586, † 1649. Eigne Melodie. 4. Nun preiset alle Gottes Barmherzigkeit, lob ihn mit Schalle, wertheste Christenheit! Er läßt dich freundlich zu sich laden, frene dich, Israel, seiner Gnaden.:,: 2. Der Herr regieret über die ganze Welt, was sich nur rühret, alles zu Fuß ihm fällt. Viel tausend Engel um ihn schweben, Pfalter und Harfen ihm Ehre geben.:,: 3. Wohlauf, ihr Heiden, lasset das Trauern. seyn, zu grünen Weiden stellet euch wil lig ein; da läßt er uns sein Wort verkünden, machet uns ledig von allen Sünden.:,: 4. Er gibet Speise reichlich und überall, nach Vaters Weise sättigt er allzumal; er schaffet früh und spaten Regen, füllet uns alle mit seinem Segen.:,: 5. Drum preis und ehre seine Barmherzigkeit, sein Lob vermehre, wertheste Christenheit! Uns soll hinfort fein Unfall schaden: freue dich, Israel, ſeiner Gnaden.:,: Matth. Apelles von Löwenstern. geb. 1594, † 1648. Lob und Danklieder. Eigne Melodie. 5. Nun danfet all und bringet Ehr, ihr Menschen in der Welt, dem, dessen Lob der Engel Heer im Himmel stets vermeldt. 2. Ermuntert euch und singt mit Schall Gott, unserm höchsten Gut, der seine Wunder überall und große Dinge thut. 3. Der uns von Mutterleibe an frisch und gesund erhält, und wo kein Mensch nicht helfen kann, sich selbst zum Helfer stellt. 4. Der, ob wir ihn gleich hoch betrübt, doch bleibet gutes Muths, die Straf erläßt, die Schuld vergibt und thut uns alles Guts. 5. Er gebe uns ein fröhlich Herz, erfrische Geist und Sinn und werf all Angst, Furcht, Sorg und Schmerz ins Meeres Tiefe bin. 6. Er laffe seinen Frieden ruhn in Israelis Land; er gebe Glück zu unserm Thun und Heil in allem Stand. 7. Er lasse seine Lieb und Güt um, bei und mit uns gehn, was aber ängstet und bemüht, gar ferne von uns stehn. 8. So lange dieses Leben währt, sey er stets unser Heil, und bleib auch, wann wir von der Erd abscheiden, unser Theil. 9. Er drücke, wenn das Herze bricht, uns unsre Augen Angesicht dort in der ewgen zeig uns drauf sein Ruh. Baul Gerhardt, geb. 1606, † 1676. Mel. Nun danket all und bringet Ehr 2c. 6. Ich finge dir mit Herz und Mund, Herr, meines Herund mach auf Erden fund, was mir von auf Erden fund, was mir von dir bewußt. 2. Ich weiß, daß du der Brunn der Gnad und ewge Quelle seyst, daraus uns allen früh und spat viel Heil und Gutes fleußt. 3. Was sind wir doch, was haben wir auf dieser ganzen Erd, das uns, o Vater, nicht von dir allein gegeben werd? 4. Wer hat das schöne Himmelszelt hoch über uns geſetzt? Wer ist es, der uns unser Feld mit Thau und Regen nett? 5. Wer wärmet uns in Kält und Frost? Wer schüßt uns vor dem Wind? Wer macht es, daß man Oel und Most zu seinen Zeiten findt? 6. Wer gibt uns Leben und Geblüt? Wer hält mit seiner Hand den güldnen, edlen, werthen Fried in unserm Vaterland? 7. Ach, Herr mein Gott, das kommt von dir, und du mußt alles thun; du hältst die Wach an unsrer Thür und läßt uns sicher ruhn. Lob- und Danflieder. 8. Du nährest uns von Jahr zu Jahr, bleibst immer fromm und treu und stehst uns, wenn wir in Gefahr gerathen, herzlich bei. 9. Du strafft uns Sünder mit Geduld und schlägst nicht allzu sehr; ja, endlich nimmst du unsre Schuld und wirfst fie in das Meer. 10. Wenn unser Herze seufzt und schreit, wirst du gar leicht erweicht und gibst uns, was uns hoch erfreut und dir zu Ehren reicht. 12. Du füllst des Lebens Mangel aus mit dem, was ewig steht, und führst uns in des Himmels Hans, wann uns die Erd entgeht. 300 13. Wohlauf, mein Herze, sing und spring und habe guten Muth! Dein Gott, der Ürsprung aller Ding, ist selbst und bleibt dein Gut. 14. Er ist dein Schatz, dein Erb und Theil, dein Glanz und Freudenlicht, dein Schirm und Schild, dein HülfundHeil, schafft Rath und läßt dich nicht. 5 11. Du zählst, wie oft ein Christe wein, und was sein Kummer sey; kein Zähr- und Thränlein ist so klein, du hebst 7. Sollt ich meinem Gott und legst es bei. nicht singen? Sollt ich ihm nicht fröhlich seyn? Denn ich seh in allen Dingen, wie so gut ers mit mir mein. Ist doch nichts als lauter Lieben, das sein treues Herze regt, das ohn Ende hebt und trägt, die in seinem Dienst sich üben. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit. 15. Was fränkst du dich in deinem Sinn und grämst dich Tag und Nacht? Nimm deine Sorg und wirf sie hin auf den, der dich gemacht! 16. Hat er dich nicht von Jugend auf versorget und ernährt? Wie manchen schweren Unglückslauf hat er zurückgefehrt! 17. Er hat noch niemals was versehn in seinem Regiment. Nein, was er thut und läßt geschehn, das nimmt ein gutes End. 18. Ei nun, so laß ihn ferner thun und red ihm nichts darein, so wirst du hier in Frieden ruhn und ewig fröhlich seyn. Paul Gerhardt, geb. 1606, † 1676. Mel. Laffet uns den Herren preisen 2c. 2. Wie ein Adler sein Gefieder über seine Jungen streckt, also hat auch hin und wieder mich des Höchsten Arm gedeckt, alsobald im Mutterleibe, da er mir mein Wesen gab und das Leben, das ich hab und noch diese Stunde treibe. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit. 6 Lob und Danklieder. 3. Sein Sohn ist ihm nicht zu theuer, nein, er gibt ihn für mich hin, daß er mich vom ewgen Feuer durch sein theures Blut gewinn. Ddu ungegründter Brunnen, wie will doch mein schwacher Geist, ob er sich gleich hoch befleißt, deine Tief ergründen können? Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit. 4. Seinen Geist, den edlen Führer, gibt er mir in seinem Wort, daß er werde mein Regierer durch die Welt zur Himmelspfort; daß er mir mein Herz erfülle mit dem hetlen Glaubenslicht, das des Todes Reich zerbricht und die Hölle selbst macht stille. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit. 5. Meiner Seele Wohlerge hen hat er ja recht wohl bedacht; will dem Leibe Noth zustehen, nimmt ers gleichfalls wohl in Acht. Wenn mein Können, mein Vermögen nichts vermag, nichts helfen kann, kommt mein Gott und hebt mir an sein Vermögen beizulegen. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigfeit. 6 Gründen, in der Höh, in den Büschen, in der See, überall ist meine Weide. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit. 6. Himmel, Erd und ihre Heere hat er mir zum Dienst bestellt; wo ich nur mein Aug hinkehre, find ich, was mich nährt und hält. Thier und Kräuter und Getreide in den 7. Wenn ich schlafe, wacht sein Sorgen und ermuntert mein Gemüth, daß ich alle liebe Morgen schaue neue Lieb und Güt. Wäre mein Gott nicht gewesen, hätte mich sein Angesicht nicht geleitet, wär ich nicht aus so mancher Angst genesen. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit. * 8. Wie so manche schwere Plage wird vom Satan umgeführt, die mich doch mein Lebetage niemals noch bisher gerührt. Gottes Engel, den er sendet, hat das Böse, was der Feind anzurichten ist gemeint, in die Ferne weggewendet. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit. 9. Wie ein Vater seinem Kinde sein Herz niemals ganz entzeucht, ob es gleich bisweilen Sünde thut und aus der Bahne weicht: also hält auch mein Verbrechen mir mein frommer Gott zu Gut, will mein Fehlen mit der Ruth und nicht mit dem Schwerte rächen. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit. 10. Seine Strafen, ſeine Schläge, ob sie mir gleich bitter seind, dennoch, wenn ichs recht erwäge, sind es Zeichen, Lob- und Danklieder. daß mein Freund, der mich liebet, mein gedenke und mich von der schnöden Welt, die uns hart gefangen hält, durch das Kreuze zu ihm lenke. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit. 11. Das weiß ich fürwahr und lasse mirs nicht aus dem Sinn entgehn: Christenkreuz hat seine Maße und muß endlich stille stehn. Wann der Winter ausgeschneiet, tritt der schöne Sommer ein: also wird auch nach der Pein, wers erwarten fann, erfreuet. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit. Paul Gerhardt, geb. 1606, † 1676. 12. Weil denn weder Ziel noch Ende sich in Gottes Liebe findt, ei, so heb ich meine Hände zu dir, Vater, als dein Kind, bitte, wollst mir Gnade geben, dich aus aller meiner Macht zu umfangen Tag und Nacht hier in meinem ganzen Leben, bis ich dich nach dieſer Zeit 9. ey Lob und Ehr dem Mel. Es ist das Heil uns 2c. Lob und lieb in Ewigkeit. höchsten Gut, dem Vater aller Güte, dem Gott, der alle Wunder thut, dem Gott, der mein Gemüthé mit seinem reichen Trost erfüllt, dem Gott, der allen Jammer stillt: Gebt unferm Gott die Ehre! 2. Es danken dir die Himmelsheer, o Herrscher aller Thronen, und die auf Erden, Luft und Meer in deinem Schatten wohnen, die preisen Eigne Melodie. 8. Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren, meine geliebete Seele, das ist mein Begehren; kommet zu Hauf, Psalter und Harfe, wacht aus, lasset den Lobgesang hören! 7 2. Lobe den Herren, der alles so herrlich regieret, der dich auf Adelers Fittigen sicher geführet, der dich erhält, wie es dir immer gefällt; hast du nicht dieses verspüret? 3. Lobe den Herren, der künstlich und fein dich bereitet, der dir Gesundheit verliehen, dich freundlich geleitet; in wie viel Noth hat nicht der gnädige Gott über dir Flügel gebreitet? 4. Lobe den Herren, der deinen Stand sichtbar gesegnet, der aus dem Himmel mit Strömen der Liebe geregnet; denke daran, was der Allmächtige kann, der dir mit Liebe begegnet! 5. Lobe den Herren, was in mir ist, lobe den Namen! Alles, was Odem hat, lobe mit Abrahams Samen! Er ist dein Licht; Seele, vergiß es ja nicht; lobend beschließe mit Amen! Joachim Neander, geb. 1640, † 1680. 8 Lob und Danklieder deine Schöpfermacht, die alles also wohl bedacht: Gebt unferm Gott die Ehre! 3. Was unser Gott geschaffen hat, das will er auch erhalten; darüber will er früh und spat mit seiner Gnade walten. In seinem ganzen Königreich ist alles recht und alles gleich: Gebt unserm Gott die Ehre! 4. Ich rief dem Herrn in meiner Noth: ach Gott, vernimm mein Schreien! Da half mein Helfer mir vom Tod und ließ mir Trost gedeihen. Drum danf, ach Gott, drum dank ich dir; ach danket, danket Gott mit mir! Gebt unserm Gott die Ehre! 5. Der Herr ist noch und nimmer nicht von seinem Volk geschieden; er bleibet ihre Zuversicht, ihr Segen, Heil und Frieden. Mit Mutterbänden leitet er die Seinen stetig hin und her: Gebt unserm Gott Die Ehre! 6. Wenn Trost und Hülf er mangeln muß, die alle Welt erzeiget, so fommt, so hilft der Uleberfluß, der Schöpfer selbst, und neiget die Vateraugen denen zu, die sonsten nirgends finden Ruh: Gebt unserm Gott die Ehre! 7. Ich will dich all mein Leben lang, o Gott, von nun an ehren; man soll, o Gott, dein Lobgefang an allen Orten hören. Mein ganzes Herz ermuntre sich, mein Geist und Leib erfreue dich! Gebt unserm Gott die Ehre! 8. Ihr, die ihr Christi Namen nennt, gebt unserm Gott die Ehre! Ihr, die ihr Gottes Macht bekennt, gebt unserm Gott die Ehre! Die falschen Gözzen macht zu Spott; der Herr ist Gott, der Herr ist Gott: Gebt unserm Gott die Ehre! 9. So fommet vor sein Angesicht mit jauchzenvollem Springen, bezahlet die gelobte Pflicht, und laßt uns fröhlich singen: Gott hat es alles wohl bedacht und alles, alles recht gemacht: Gebt unserm Gott die Ehre! Joh. Jat. Schüß, geb. 1640, † 1690. Mel. Allein Gott in der Höh c. 10. Bringt her dem Herren Lob und Ehr aus freudigem Gemüthe; ein Jeder Gottes Ruhm vermehr und preise seine Güte. Ach lobet, lobet alle Gott, der uns befreiet aus der Noth, und danket seinem Namen. 2. Lobt Gott und rühmet allezeit die großen Wunderwerke, die Majestät und Herrlichkeit, die Weisheit, Kraft und Stärfe, die er beweist in aller Welt und dadurch alle Ding erhält: drum danfet seinem Namen. Lob- und Danflieder. 3. Lobt Gott, der uns erEigne Melodie. schaffen hat, Leib, Seele, Geist 11. O daß ich tausend zunund Leben aus lauter väterlicher Gnad uns allen hat gegeben; der uns durch seine Engel schüßt und täglich gibet, was uns nüßt: drum danket ſeinem Namen. 4. Lobt Gott, der uns schenkt seinen Sohn, der für uns ist gestorben, und uns die selge Lebenskron durch seinen Tod erworben; der worden ist der Höll ein Gift und Frieden hat mit Gott gestift: drum danket feinem Namen. 5. Lobt Gott, der in uns durch den Geist den Glauben angezündet, und alles Gute noch verheißt, uns stärket, fräftigt, gründet; der uns erleuchtet durch sein Wort, regiert und treibet fort und fort: drum danfet seinem Namen. 6. Lobt Gott, der auch dieß gute Werk, so in uns angefangen, vollführen wird und geben Stärk, das Kleinod zu erlangen, das er hat Allen dargestellt und seinen Gläubgen vorbehält: drum danket seinem Namen. 9 7. Lobt Gott, ihr starken Seraphim, ihr Fürstenthum und Thronen! Es loben Gott mit heller Stimm, die hier auf Erden wohnen. Lobt Gott und preist ihn früh und spat; ja alles, was nur Odem hat, das danke seinem Namen. Cyriakus Günther, geb. 1650, † 1704. fachen Mund! so stimmt ich gen hätte und einen tausenddamit in die Wette vom allertiefsten Herzensgrund ein Loblied nach dem andern an von dem, was Gott an mir gethan. me schallte bis dahin, wo die 2. O daß doch meine Stim Sonne steht! O daß mein Blut mit Jauchzen wallte, so lang es noch im Laufe geht! Ach wär ein jeder Puls ein Dank, und jeder Odem ein Gesang! ihr meine Kräfte? Auf, auf! 3. Was schweigt ihr denn, braucht allen euren Fleiß, und stehet munter im Geschäfte zu Gottes, meines Herren, Preis! Mein Leib und Seele, schicke dich und lobe Gott herzinniglich! den Wäldern, bewegt und regt 4. Jhr grünen Blätter in euch doch mit mir. Ihr schwanfen Gräslein in den Feldern, ihr Blumen, laßt doch eure Zier zu Gottes Ruhm belebet seyn, und stimmet lieblich mit mir ein. Leben und einen Odem in sich 5. Ach alles, alles, was ein hat, soll sich mir zum Gehüls fen geben; denn mein Vermögen ist zu matt, die großen Wunder zu erhöhn, die allenthalben um mich stehn. 6. Dir sey, o allerliebster Vater, unendlich Lob für jede 10 Lob- und Danklieder. Gab; Lob sey dir, mildester Berather, für alles, was ich bin und hab, für alles Gute in der Welt, das du zu meinem Heil bestellt. 7. Mein treuster Jesu, sey gepriesen, daß dein erbarmungsvolles Herz sich mir so hülfreich hat erwiesen, und mich durch Blut und Todesschmerz von Satans Macht und Grausamkeit zu deinem Eigenthum befreit. 8. Auch dir sey ewig Ruhm und Ehre, o heilig werther Gottes Geist, für deines Trostes süße Lehre, die mich ein Kind des Lebens heißt. Ach, wo was Guts von mir geschicht, das wirket nur dein göttlich Licht. der größesten Gefahr ward ich dein Trostlicht stets gewahr. unsäglich gnädige Geduld. 10. Vor Andern füß ich deine Ruthe, die du mir aufgebunden hast. Wie viel thut sie mir doch zu Gute, und ist mir eine sanfte Last. Sie macht mich fromm und zeigt dabei, daß ich von deinen Liebsten sey. 11. Ich hab es ja mein Lebetage schon so manch liebes Mal gespürt, daß du mich unter vieler Plage getren durch alles hast geführt. Denn in 12. Wie sollt ich nun nicht voller Freuden in deinem steten Lobe stehn? Wie wollt ich auch im tiefsten Leiden nicht triumphirend einher gehn? Und fiele auch der Himmel ein, so will ich doch nicht traurig seyn. 13. Ich will von deiner Güte singen, so lange sich die Zunge regt; ich will dir Freudenopfer bringen, so lange sich mein Herz bewegt; ja, wann der Mund wird kraftlos seyn, so stimm ich doch mit Seufzen ein. 14. Ach, nimm das arme Lob auf Erden, mein Gott, in allen Gnaden hin. Im Himmel foll es besser werden, wann ich bei deinen Engeln bin; da sing ich dir im höhern Chor viel tausend Halleluja vor. Jobann Menger, geb. 1658, † 1734 9. Wer überströmet mich mit Segen? Bist du es nicht, o reicher Gott? Wer schüßet mich auf meinen Wegen? Du, du, o Herr Gott Zebaoth! Du Mel. Jesu, meines Lebens 2c. trägst mit meiner Sündenschuld 12. Womit soll ich dich wohl loben, mächtiger Herr Zebaoth? Sende mir dazu von oben deines Geistes Kraft, mein Gott! Denn ich kann mit nichts erreichen deine Gnad und Liebeszeichen. Tausend, tausendmal sey dir, großer König, Dank dafür! 2. Herr, entzünde mein Gemüthe, daß ich deine Wundermacht, deine Gnade, Treu und Güte stets erhebe Tag und Nacht; denn von deinen Gna Lob und Danklieder. dengüssen Leib und Seele zeugen müssen. Tausend, tausendmal sey dir, großer König, Dank dafür! 3. Denk ich nur der Sündenstraßen, drauf ich häufte Schuld mit Schuld, so möcht ich vor Scham erblassen vor der Langmuth und Geduld, womit du, o Gott, mich Armen hast getragen mit Erbarmen. Tausend, tausendmal sey dir, großer König, Dank dafür! 4. Ach ja, wenn ich überlege, mit was Lieb und Gütigkeit du durch so viel Wunderwege mich geführt die Lebenszeit, so weiß ich kein Ziel zu finden, noch den Grund hie zu ergründen. Tausend, tausendmal sey dir, großer König, Dank dafür! 5. O wie hast du meine Seele stets gesucht zu dir zu ziehn, daß ich aus der Sündenhöhle möchte zu den Wunden fliehn, die mich ausgeföhnet haben und mit Kraft zum Leben laben. Tausend, tausendmal sey dir, großer König, Dank dafür! 6. Ja, Herr, lauter Gnad und Wahrheit sind vor deinem Angesicht; du, du trittst hervor in Klarheit, in Gerechtigkeit, Gericht, daß man soll aus deinen Werken deine Güt und Allmacht merken. Tausend, tausendmal sey dir, großer König, Dank dafür! 11 7. Bald mit Lieben, bald mit Leiden kamst du, Herr, mein Gott, zu mir, nur mein Herze zu bereiten, sich ganz zu ergeben dir, daß mein gänzliches Verlangen möcht an deinem Willen hangen. Tausend, tausendmal sey dir, großer König, Dank dafür! 8. Wie ein Vater nimmt und gibet, nachdems Kindern nüglich ist, so hast du mich auch geliebet, Herr, mein Gott, zu jeder Frist, und dich meiner angenommen, wenns auch gleich aufs Höchste kommen. Tausend, tausendmal sey dir, großer König, Dank dafür! 9. Mich hast du auf Adlersflügeln oft getragen väterlich), in den Thälern, auf den Hügeln wunderbar errettet mich; wenn schien alles zu zerrinnen, ward ich deiner Hülf doch innen. Tausend, tausendmal sey dir, großer König, Dank dafür! 10. Fielen tausend mir zur Seiten und zur Rechten zehnmal mehr, ließest du mich doch begleiten durch der Engel starkes Heer, daß den Nöthen, die mich drangen, ich bin dennoch stets entgangen. Tausend, tausendmal sey dir, großer König, Dank dafür! 11. Vater, du hast mir erzeiget lauter Gnad und Gütigkeit; und du hast zu mir geneiget, Jesu, deine Freundlichkeit; und durch dich, o Geist 12 Lob- und Danklieder. der Gnaden, werd ich stets noch eingeladen. Tausend, tausendmal sey dir, großer König, Dank dafür! 12. Tausendmal sey dir gefungen, Herr, mein Gott, Preis Lob und Dank, daß es mir bisher gelungen; ach, laß meines Lebens Gang ferner doch durch Jesu Leiten nur gehn in die Ewigkeiten; da will ich, Herr, für und für, ewig, ewig danken dir! Ludw. Andr. Gotter, geb. 1661, † 1735. Eigne Melodie. 13. Lobe den Herren, o meine Seele! Ich will ihn loben bis in Tod; weil ich noch Stunden auf Erden zähle, will ich lobsingen meinem Gott. Der Leib und Seel gegeben hat, werde gepriesen früh und spat. Halleluja, Halleluja! 2. Fürsten sind Menschen, vom Weib geboren, und kehren um zu ihrem Staub; ihre Anschläge sind auch verloren, wenn nun das Grab nimmt seinen Raub. Weil dann kein Mensch uns helfen kann, rufe man Gott um Hülfe an. Halleluja, Halleluja! 3. Selig, ja selig ist der zu nennen, des Hülfe der Gott Jakobs ist; welcher vom Glauben sich nichts läßt trennen und hofft getrost auf Jesum Christ. Wer diesen Herrn zum Beistand hat, findet am besten Rath und That. Halleluja, Halleluja! 4. Dieser hat Himmel, Meer und die Erden, und was darinnen ist, gemacht. Alles muß pünktlich erfüllet werden, was er uns einmal zugedacht. Er ists, der Herrscher aller Welt, welcher uns ewig Glauben hält. Halleluja, Halleluja! 5. Zeigen sich welche, die Unrecht leiden, er ists, der ihnen Recht verschafft; Hungrigen will er zur Speis bescheiden, was ihnen dient zur Lebenskraft; die hart Gebundnen macht er frei; seine Genad ist mancherlei. Halleluja, Halleluja! 6. Sehende Augen gibt er den Blinden, erhebt, die tief gebeuget gehn. Wo er kann einige Fromme finden, die läßt er seine Liebe sehn. Sein Aufsicht ist der Fremden Truß; Wittwen und Waisen hält er Schuß. Halleluja, Halleluja! 7. Aber der Gottesvergeßnen Tritte kehrt er mit starker Hand zurück, daß sie nur machen verkehrte Schritte, und fallen selbst in ihren Strick. Der Herr ist König ewiglich. Zion, dein Gott sorgt stets für dich. Halleluja, Halleluja! 8. Rühmet, ihr Menschen, den hohen Namen des, der so große Wunder thut. Alles, was Odem hat, rufe Amen und bringe Lob mit frohem Gebetlieder. Muth. Ihr Kinder Gottes, lobt und preist Vater und Sohn und heilgen Geist. Halleluja, Halleluja! Johann Daniel Herrnschmidt, geb. 1675,+ 1723. Eigne Melodie. 14. Jehova, Jehova, Je- Halleluja! Gebetlieder. Eigne Melodie. 15. Vater unser im Himmelreich, der du uns alle hei Best gleich Brüder seyn und dich rufen an, und willt das Beten von uns han; gib, daß nicht bet allein der Mund, hilf, daß es geh von Herzensgrund! 2. Geheilget werd der Name dein, dein Wort bei uns hilf halten rein, daß auch wir le ben heiliglich, nach deinem Namen würdiglich. Herr, behüt uns für falscher Lehr, das arm verführet Volf befehr! 3. Es komm dein Reich zu dieser Zeit und dort hernach in Ewigkeit; der heilig Geist uns wohne bei mit seinen Gaben mancherlei; des Satans Zorn und groß Gewalt zerbrich, für ihm dein Kirch erhalt! hova! Deinem Namen sey Ehre, Macht und Ruhm. Amen, Amen! Bis einst der Tempel dieser Welt auf dein Wort in Staub zerfällt, soll in unsern Hallen das Heilig! Heilig! Heilig! erschallen. Halleluja, 4. Dein Will gescheh, Herr Gott, zugleich auf Erden wie im Himmelreich, gib uns Geduld in Leidenszeit, gehorsam 13 seyn in Lieb und Leid, wehr und steur allem Fleisch und Blut, das wider deinen Willen thut. 5. Gib uns heut unser täglich Brod, und was man darf zur Leibesnoth; b'hüt uns, Herr, für Unfried und Streit, für Seuchen und für theurer Zeit, daß wir in gutem Frieden stehn, der Sorg und Geizes müßig gehn. 6. All unser Schuld vergib uns, Herr, daß sie uns nicht betrüben mehr, wie wir auch unsern Schuldigern ihr Schuld und Fehl vergeben gern. Zu dienen mach uns all bereit in rechter Lieb und Einigkeit. 7. Führ uns, Herr, in Versuchung nicht; wenn uns der böse Geist ansicht, zur linken und zur rechten Hand hilf uns thun starken Widerstand, im Glauben fest und wohlgerüst, und durch des heilgen Geistes Trost! 0 14 Gebetlieder. 8. Von allem Ulebel uns erlös, es sind die Zeit und Tage bös; erlös uns vom ewigen Tod und tröst uns in der leßten Noth; bescher uns auch ein seligs End, nimm unser Seel in deine Händ. 9. Amen, das ist, es werde wahr! Stärk unsern Glauben immerdar, auf daß wir ja nicht zweifeln dran, das wir hiemit gebeten han; auf dein Wort in dem Namen dein, so spre chen wir das Amen fein. Dr. M. Luther, geb. 1483, † 1546. * 3. Mein Gott und Schirmer, steh mir bei, sey mir ein Burg, darin ich frei und ritterlich mög streiten, wider mein Feind, der gar viel seind an mich auf beiden Seiten. Noth: wer mag mir widerstreben? 4. Du bist mein Stärk, mein Fels, mein Hort, mein Schild, mein Kraft, sagt mir dein Wort, mein Hülf, mein Heil, mein Leben, mein starker Gott in aller 5. Mir hat die Welt trüglich gericht mit Lügen und mit falschem G'dicht viel Neg und heimlich Stricke; Herr, nimm mein wahr, in dieser G'fahr; b'hüt mich vor falscher Tücke. fehl ich dir, mein Gott, mein 6. Herr, meinen Geist beGott, weich nicht von mir, nimm mich in deine Hände! wahrer Gott, aus aller Noth hilf mir am legten Ende! Eigne Melodie. 16. In dich hab ich gehoffet, Herr, hilf, daß ich nicht zu Schanden werd noch ewiglich zu Spotte; das bitt ich dich: erhalte mich in deiner Treu, Herr Gotte. Eigne Melodie. 2. Dein gnädig Ohr neig 17. Ich ruf zu dir, Herr her zu mir, erhör mein Bitt, thu dich herfür, eil, bald mich zu erretten; in Angst und Weh ich lieg und steh, hilf mir in meinen Nötben. Jesu Christ, ich bitt, erhör mein Klagen! Verkeih mir Gnad zu dieser Frist, laß mich doch nicht verzagen. Den rechten Weg o Herr, ich mein, den wollest du mir geben, dir zu leben, meim Nächsten nüz ſeyn, dein Wort zu halten eben. 7. Glori, Lob, Ehr und Herrlichkeit seyGott Vaterund mit Namen; die göttlich Kraft Sohn bereit, dem heilgen Geist mach uns siegħaft durch Jesum Christum. Amen! Adam Reißner, geb. 1471,+ 1563 2. Ich bitt noch mehr, o Herre Gott, du kannst es mir wohl geben, daß ich nicht wieder werd zu Spott, die Hoffnung gib daneben; vorans, wenn ich muß hie davon, daß ich dir mög vertrauen und nicht bauen auf Gebetlieder alles mein Thun, sonst wirds mich ewig reuen. 3. Verleih, daß ich aus Herzensgrund mein Feinden mög vergeben, verzeih mir auch zu dieser Stund, schaff mir ein neues Leben. Dein Wort mein Speis laß allweg seyn, damit mein Seel zu nähren, mich zu wehren, wenn Unglück geht daher, das mich bald möcht verkehren. 4. Laß mich kein Lust noch Furcht von dir in dieser Welt abwenden; beständig seyn ins End gib mir; du hasts allein in Händen! Und wem dus gibst, der hats umsonst; es mag Niemand erwerben noch ererben durch Werk deine Gnad, die uns errett vom Sterben. 5. Ich lieg im Streit und widerstreb; hilf, o Herr Christ, dem Schwachen! An deiner Gnad allein ich kleb; du kannst mich stärker machen. Kommt nun Anfechtung her, so wehr, daß sie mich nicht umstoße; du kannſt maßen, daß mirs nicht bring Gefähr. Ich weiß, du wirsts nicht lassen. Paul Speratus, geb. 1484,+ 1554. Eigne Melodie. + 18. Herzlich lieb hab ich dich, o Herr! Ich bitt, wollst seyn von mir nicht fern mit deiner Güt und Gnaden! Die ganze Welt nicht freuet mich, nach Himm'l und Erden nicht frag ich, wenn ich dich nur kann haben. Und wenn mir gleic mein Herz zerbricht, so bist doch du mein Zuversicht, mein Theil und meines Herzens Trost, der mich durch sein Blut hat erlöst. Herr Jesu Christ, mein Gott und Herr, mein Gott und Herr, in Schanden laß mich nimmermehr. 2. Es ist ja, Herr, dein G'schenf und Gab mein Leib und Seel und was ich hab in diesem armen Leben; damit ichs brauch zum Lobe dein, zu Nuß und Dienst des Nächsten mein, wollst mir dein Gnade geben! Behüt mich, Herr, vor falscher Lehr, des Satans Mord und Lügen wehr, in allem Kreuz erhalte mich, auf daß ichs trag geduldiglich! Herr Jesu Christ, mein Herr und Gott, mein Herr und Gott, tröst mir mein Seel in Todesnoth. Engelein am lezten End die 3. Ach, Herr, laß dein lieb Seele mein Schoß tragen, den Leib in in Abrahams seim Schlaffämmerlein gar fanft ohn einge Qual und Bein ruhn bis am jüngsten Tage. Alsdann vom Tod erwecke mich, daß meine Augen dich in aller Freud, o Gottessohn, mein Heiland und mein Gnadenthron! Herr Jesu Christ, erhöre mich, erhöre mich, ich will dich preisen ewiglich. Martin Schalling, geb. 1532, † 1608 0 6 Gebetlieder. Mel. Herzlich thut mich 2c. muth überwind, und wenn ich 19. Laß mich dein seyn und Rath bedarf, auch guten Rath erfind. bleiben, du treuer Gott und Herr! Von dir laß mich nichts treiben; halt mich bei reiner Lehr. Herr, laß mich nur nicht wanken; gib mir Beständigkeit; dafür will ich dir danken in alle Ewigkeit. Nitol. Selnecker, geb. 1532,+ 1592. Eigne Melodie. 20. Gott, du frommer Gott, du Brunnquell guter Gaben, ohn den nichts ist, was ist, von dem wir alles haben: gefunden Leib gib mir, und daß in solchem Leib ein unverTette Seel und rein Gewissen bleib. 2. Gib, daß ich thu mit Fleiß, was mir zu thun gebühret, wozu mich dein Befehl in meinem Stande führet; gib, daß ichs thue bald zu der Zeit, da ich soll, und wenn ichs thu, so gib, daß es gerathe wobl. 3. Hilf, daß ich rede stets, womit ich kann bestehen, laß fein unnüglich Wort aus meinem Munde gehen; und wenn in meinem Amt ich reden soll und muß, so gib den Worten Kraft und Nachdruck ohn Verdruß. 5. Laß mich mit Jedermann in Fried und Freundschaft leben, so weit es christlich ist; willst du mir etwas geben än Reichthum, Gut und Geld, so gib auch dieß dabei, daß von unrechtem Gut nichts untermenget sey. 6. Soll ich auf dieser Welt mein Leben höher bringen, durch manchen sauern Tritt hindurch ins Alter dringen: so gib Geduld; vor Sünd und Schanden mich bewahr, auf daß ich tragen mag mit Ehren graues Haar. 7. Laß mich an meinem End auf Christi Tod abscheiden; die Seele nimm zu dir hinauf zu deinen Freuden; dem Leib ein Räumlein gönn bei meiner Eltern Grab, auf daß er seine Ruh an ihrer Seiten hab. 4. Finde ich Gefährlichkeit, so laß mich nicht verzagen; gib einen Heldenmuth, das Kreuz hilf selber tragen. Gib, daß ich meinen Feind mit Sanft8. Wenn du die Todten wirst an jenem Tag erwecken, so thu auch deine Hand zu meinem Grab ausstrecken; laß hören deine Stimm und meinen Leib weck auf und führ ihn schön verklärt zum auserwählten Hauf. 9. Gott Vater, dir sev Preis hier und im Himmel oben! Herr Jesu, Gottes Sohn, ich will dich allzeit loben! O beilger Geist, dein Ruhm erschall je mehr und mehr! Dreieinger Gebetlieder. Herr und Gott, dir sey Lob, Preis und Ehr! Jsh. Heermann, geb. 1585,+1647. Mel. Christus, der ist mein 2c. 21. Ach bleib mit deiner Gnade bei uns, Herr Jesu Christ! daß uns hinfort nicht schade des bösen Feindes List. Mel. Allein zu dir, Herr Jesu zc. 2. Ach bleib mit deinem 23. Vergib uns, lieber Worte bei uns, Erlöser werth! daß uns beid hier und dorte sey Güt und Heil beschert. Herre Gott, du Vater aller Güte, all unsre Sünd und Missethat, vor Schaden uns dein streng Gericht, mit deibehüte, und wend von uns daß wir im Glauben recht und nem Geist verlaß uns nicht, rein dir, Herr, allein stets dienen und gehorsam seyn. 2. Erbarm dich unser, Jesu Christ, du Brunnquell der Genaden, und hilf uns; denn allein du bist, der wehren kann dem Schaden. Errett dein Volk aus aller Noth, das du mit deinem theuren Blut erlöset hast von Schuld und Bein der Sünden sein, mit Trost und Rath allzeit erschein. 6. Ach bleib mit deiner Treue bei uns, mein Herr und Gott! Beständigkeit verleihe, hilfuns aus aller Noth! Josua Stegmann, geb. 1588, † 1632. Mel. Kommt her zu mir 2c. 3. Erhör, Gott Vater, unfre Bitt, hilf uns und sey uns gnädig! Herr Christ, hör uns 22. Ach Gott, gib du und uns vertritt, von Sünden uns deine Gnad, daß wir all Sünd und Missethat bußfertiglich erkennen und glauben fest an Jesum Christ, der zu helfen ein Meister ist, wie er sich selbst thut nennen. sprich uns ledig! Erhör uns, heilger Geist, zugleich in unfrer Noth nicht von uns weich! Du willst ja nicht des Sünders Tod, o treuer Gott: hilf uns endlich aus aller Noth! 2 3. Ach bleib mit deinem Glanze bei uns, du werthes Licht! Dein Wahrheit uns umschanze, damit wir irren nicht. 4. Ach bleib mit deinem Segen bei uns, du reicher Herr! Dein Gnad und alls Vermögen in uns reichlich vermehr. 17 5. Ach bleib mit deinem Schuße bei uns, du starker Held! daß uns der Feind nicht truge, noch fäll die böse Welt. 2. Hilf, daß wir auch nach deinem Wort gottselig leben immerfort, zu Ehren deinem Namen; daß uns dein guter Geift regier, auf ebner Bahn zum Himmel führ, durch Jeſum Christum. Amen! Samuel Behner, geb. 1594,+1635 Gebetlieder. 18 Mel. Ach Jesu, beffen Treu c. 24. Ach Gott, verlaß mich nicht! gib mir die GnadenHände; ach führe mich, dein Kind, daß ich den Lauf vollende zu meiner Seligkeit, sey du mein Lebenslicht, mein Stab, mein Hort, mein Schuß; ach Gott, verlaß mich nicht! 2. Ach Gott, verlaß mich nicht! regiere du mein Wallen; ach laß mich nimmermehr in Sünd und Schande fallen, gib mir dein guten Geist, gib Glaubens- Zuversicht, sey meine Stärk und Kraft; ach Gott, verlaß mich nicht! 3. Ach Gott, verlaß mich nicht! ich ruf aus Herzensgrunde, ach Höchster, stärke mich in jeder bösen Stunde; wann mich Versuchung plagt und meine Seel ansicht, so weiche nicht von mir; ach Gott, verlaß mich nicht! = 4. Ach Gott, verlaß mich nicht! ach lasse dich bewegen; ach Vater, fröne du mit reichem Himmels Segen die Werke meines Amts, die Werke meiner Pflicht, zu thun, was dir gefällt; ach Gott, verlaß mich nicht! 5. Ach Gott, verlaß mich nicht! ich bleibe dir ergeben. Hilf mir, o großer Gott, recht glauben, christlich leben und selig scheiden ab, zu sehn dein Angesicht, hilf mir in Noth und Tod; ach Gott, verlaß mich nicht! Salomon Frand geb. 1659,+ 1725. Mel. Herr Chrift, der einig zc. 25. Herr Jesu, Gnadensonne, wahrhaftes Lebenslicht, Laß Leben, Licht und Wonne mein blödes Angesicht nach deiner Gnad erfreuen und meinen Geist erneuen; mein Gott, versag mirs nicht. 2. Vergib mir meine Sünden und wirf sie hinter dich, laß allen Zorn verschwinden und hilf mir gnädiglich. Laß deine Friedensgaben mein armes Herze laben; ach Herr, erhöre mich. 3. Vertreib aus meiner Seelen den alten Adamssinn, und laß mich dich erwählen, auf daß ich mich forthin zu deinem: Dienst ergebe und dir zu Ghrer lebe, weil ich erlöset bin. 4. Befördre dein Erkenntniß in mir, mein Seelenfort, und öffne mein Verständniß durch dein heiliges Wort, damit ich an dich gläube und in der Wahrheit bleibe zu Truß der Höllenpfort. 5. Komm, mich mit Kraft zu rüsten, und freuzge mein Begier sammt allen bösen Lüsten, auf daß ich für und für der Sündenwelt absterbe und nach dem Fleisch verderbe, hingegen leb in dir. 6. Ach zünde deine Liebe in Gebetlieder. meiner Seelen an, daß ich aus innerm Triebe dich ewig lieben kann, und dir zum Wohlgefallen beständig möge wallen auf rechter Lebensbahn. 7. Nun, Herr, verleih mir Stärke, verleih mir Kraft und Muth; denn das sind Gnadenwerke, die dein Geist schafft und thut; hingegen meine Sinnen, mein Lassen und Beginnen ist böse und nicht gut. 8. Darum, du Gott der Gnaden, du Vater aller Treu, wend allen Seelenschaden und mach mich täglich neu; gib, daß ich deinen Willen gedenke zu erfüllen, und steh mir fräftig bei! Ludw. Andr. Gotter, geb. 1661,+ 1735. ich singen; denn wo ist doch ein solcher Gott, wie du? Dir will ich meine Lieder bringen: ach gib mir deines Geistes Kraft dazu, daß ich es thu im Namen Jesu Christ, so wie es dir durch ihn gefällig ist. 2. Zeuch mich, o Vater, zu dem Sohne, damit dein Sohn mich wieder zieh zu dir; dein Geist in meinem Herzen wohne und meine Sinnen und Verstand regier, daß ich den Frieden Gottes schmeckt und fühl, und dir darob im Herzen sing und spiel. 5. Wenn dieß aus meinem Herzen schallet durch deines heilgen Geistes Kraft und Trieb, so bricht dein Vaterherz und wallet ganz brünstig gegen mich vor heißer Lieb, daß mirs die Bitte nicht Eigne Melodie. 26. Dir, dir, Jehova, will die ich nach deinem Willen hab 3. Verleih mir, Höchster, solche Güte, so wird gewiß mein 19 Singen recht gethan; so klingt es schön in meinem Liede, und ich bet dich im Geist und Wahrheit an; so hebt dein Geist mein Herz zu dir empor, daß ich dir Psalmen sing im höhern Chor. 4. Denn der kann mich bei dir vertreten mit Seufzern, die ganz unaussprechlich sind; der lehret mich recht gläubig beten, gibt Zeugniß meinem Geist, daß ich dein Kind und ein Miterbe Jesu Christi sey, daher ich Abba, lieber Vater! schrei. gethan. 6. Was mich dein Geist selbst bitten lehret, das ist nach deinem Willen eingericht, und wird gewiß von dir erhöret, weil es im Namen deines Sohns geschicht, durch welchen ich dein Kind und Erbe bin, und nehme von dir Gnad um Gnade hin. 7. Wohl mir, daß ich dieß Zeugniß habe! Drum bin ich voller Trost und Freudigkeit und weiß, daß alle gute Gabe, die ich von dir verlanget jeder zeit, die gibst du und thus überschwänglich mehr, als ic verstehe, bitte und begehr. 2* 20 Geberlieder. 8. Wohl mir! ich bitt in Jesu Namen, der mich zu deiner Rechten selbst vertritt. In ihm ist alles Ja und Amen, was ich von dir im Geist und Glauben bitt. Wohl mir! Lob dir jetzt und in Ewigkeit, daß du mir schenkest solche SeligBarthol. Craffelius, feit! geb. 1677,+ 1724. Mel. Die Sonn hat sich mit ihrem Glanz 2c. 27. Gedenke mein, mein liebster Gott, im besten! Ich hoff auf dich; wes soll ich sonst mich trösten? Das soll mein Trost im Tod und Leben seyn, wenn du nur sprichst: Mein Kind, ich denke dein. 2. Gedenke mein; doch denke nicht zum Schaden der Sündenschuld, damit mein Herz beladen. Es reuet mich, was ich von Jugend an, auch unerkannt, hab wider dich gethan. 3. Gedenke mein um meines Jesu willen! Laß ihn an mir sein Denkwort auch erfüllen und gültig seyn bei dir: es ist vollbracht. Sein Blut und Tod hat alles wohl gemacht. 4. Gedenke mein; wie könntst du mein vergessen? Es war ja schon dein Lieben unermessen zu meinem Heil, da ich noch nichts bedacht; nun hat dein Sohn mich ganz zu dir gebracht. 5. Gedenfe mein, wenn ich mein Herz ausschütte, um etwas Guts im Namen Jefu bitte Dein heilger Geist steh meiner Schwachheit bei, daß jeder Wunsch in Jesu Amen sey. 6. Gedenke mein, daß ich stets christlich lebe, mit allem Ernst den Sünden widerstrebe. Ach, wirk in mir das Wollen und die That; mein Lebenlang sey du mein treuer Rath. 7. Gedenke mein und lasse mir genügen an deiner Huld, die wenn ich muß unterliegen, wenn mich ein Kreuz und auch Schwermuth drückt; denkst du an mich, so wird mein Herz erquickt. 8. Gedenke mein in frant und schwachen Tagen; sey du mein Arzt, so darf ich nicht verzagen. Ist es mir gut, hilfst du mir wieder auf; kommt meine Zeit, schließ ich getrost den Lauf. 9. Gedenke mein, laß mich mein End bedenken und mich zuvor in Jesu Wunden senken. Verlaß mich nicht im letzten Kampf und Streit; nimm mich zu dir im himmlischen Geleit. 10. Gedenke mein und denke auch der Meinen nach meinem Tod, laß Allen Hülf erscheinen, die mich geliebt und dir sind lieb und werth, daß uns zugleich der Himmel sey beschert. 11. Gedenke mein auch in dem stillen Grabe, daß Seel und Leib vereinte Freude habe. Vergiß mein nicht, ich denke Gebetlieder. ewig dein mit Ruhm undDank; mein Gott, gedenke mein! Joh. Matth. Englert, geb.1661,+ 1733. Mel. Mein Herzens- Jesu zc. 28. Ach Gott des Himmels, laffe mir und Allen auf der Erden den uns so väterlich von dir beschiednen Theil stets werden; gib Jedem immerdar nach Noth sein zugedachtes täglich Brod und ein genügsam Herze! * 2. Gib Mäßigkeit und Dankbarkeit, wenn du uns viel beschieden; und wenn uns weniger bereit, so mach uns doch zufrieden. Leg uns nur dei nen Segen zu; wo man dir traut, erstattest du durch Segen alle Mängel. 3. Gib, daß uns keine Sorge frißt; laß ein abgöttisch Geizen, das alles Uebels Wurzel ist, uns nicht zu Lüsten reizen; laß mich die Lügen nicht zum Schild, das Gold mir nicht zum Gößenbild, den Bauch zum Gott nicht machen. 4. Laß mich nicht Ehre, Luft und Geld mir selbst zum Strick verlangen; gebrauch ich etwa dieser Welt, laß mich nicht daran hangen. Die Zeit ist kurz, uns ruft das Grab; laß mich das haben, was ich hab, als wenn ich es nicht hätte. 5. Ach präge stets mir in den Sinn, daß ich, um hauszuhalten, geseßt in deine Güter 21 bin, sie redlich zu verwalten. Es eilt ja schon der Tag herzu, da willst du, daß ich Rechnung thu von allen deinen Gütern. 6. Gib Frieden und Zufriedenheit auf allen unsern Wegen; verleih uns frommeObrigfeit und fröne fie mit Segen; die Untern lehre insgemein ges wissenhaft, gehorsam seyn und für die Obern beten. 7. Laß deiner Gnade Sonnenschein in unsermlande glänzen; laß keine Feinde bei uns ein und schüße unsre Grenzen; laß deiner Engel starke Schaar um uns bei drohender Gefahr zur festen Mauer werden. Ph. Fr. Hiller, geb. 1699,+ 1769. Mel. Straf mich nicht in deinem zc. 29. Bet- Gemeine, heilge dich mit dem heilgen Dele; Jesu Geist ergieße sich dir in Herz und Seele. Laß den Mund alle Stund vom Gebet und Flehen heilig übergehen. 2. Heilige den heilgen Brand, deines Geists Verlangen, dem, ders Blut an dich gewandt, heilig anzuhangen. Heilger Rauch sev es auch, der zu Gott aufgehet, wenn dein Herze flehet. 3. Das Gebet der frommen Schaar, was sie fleht und bittet, das wird auf dem Rauchaltar vor Gott ausgeschüttet; und da ist Jesus Christ Priester und Verfühner aller seiner Diener. 22 Gebetlieder. 4. Kann ein einiges Gebet einer gläubgen Seelen, wenns zum Herzen Gottes geht, seines Zweds nicht fehlen; was wirds thun, wenn sie nun alle vor ihn treten und zusammen beten! 5. Wenn die Heilgen dort und hier, Große mit den Kleiz nen, Engel, Menschen mit Begier alle sich vereinen, und es geht Ein Gebet aus von ihnen allen: wie muß das erschallen! 6. O, so betet alle drauf, betet immer wieder! Heilge Hände hebet auf, heilget eure Glieder; heiliget das Gebet, das zu Gott sich schwinget; betet, daß es dringet. 7. Betet, daß die lepte Zeit vollends übergehe, daß man Christi Herrlichkeit offenbaret fehe; stimmet ein insgemein mit der Engel Sehnen nach dem Tag, dem schönen. 8. Das Gebet hat Christi Gunst, wo mans ernstlich übet; und das ist der Heilgen Kunst, beten, wie ers liebet; das gescheh je und je, wie ers vorgenommen, auf sein endlichs Kommen. 9. Dieß Verlangen muß vorher in der Seele glimmen, so macht aus dem Bitten er Donner, Blizz und Stimmen, die ergehn und geschehn, daß die Feinde beben und Gott Ehre geben. Christoph Carl Ludwig von Pfeil, geb. 1712, † Mel. Mein Herzens- Jesu, meine ic. 30. Gott, deine Güte reicht so weit, so weit die Wolken gehen; du frönst uns mit Barmherzigkeit und eilst uns beizustehen. Herr, meine Burg, mein Fels, mein Hort, vernimm mein Flehn, mert auf mein Wort; denn ich will vor dir beten. 2. Ich bitte nicht um leberfluß und Schäße dieser Erden. Laß mir, so viel ich haben muß, nach deiner Gnade werden. Gib mir nur Weisheit und Verstand, dich, Gott, und den, den du gesandt, und mich selbst zu erkennen. 3. Ich bitte nicht um Ehr und Ruhm, so sehr sie Menschen rühren; des guten Namens Eigenthum laß mich nur nicht verlieren. Mein wahrer Ruhm sey meine Pflicht, der Ruhm vor deinem Angesicht und frommer Freunde Liebe. 4. So bitt ich dich, Herr Zebaoth, auch nicht um langes Leben. Im Glücke Demuth, Muth in Noth, das wollest du mir geben. In deiner Hand steht meine Zeit; laß du mich nur Barmherzigkeit vor dir im Tode finden. Chrifti. Fürchteg. Gellert, geb. 1715, 1769. Mel. Herr Gott, dich loben alle sc. 31. Ich femme vor dein Angestät, verwirf, o Gott, Sonntags- und allgemeine Gottesdienstlieder. 23 8. Gib von den Gütern dies ser Welt mir, Herr, so viel, als dir gefällt; gib deinem Knecht ein mäßig Theil, zu seinem Fleiße Glück und Heil. mein Flehen nicht, vergib mir alle meine Schuld, du Gott der Gnaden und Geduld. 2. Schaff du ein reines Herz In mir, ein Herz voll frommer Lieb zu dir, ein Herz voll Demuth, Preis und Dank, ein ruhig Herz mein Leben lang. 3. Sey mein Beschüßer in Gefahr; ich harre deiner im merdar. Ist wohl ein Ulebel, das mich schreckt, wenn deine Rechte mich bedeckt? 4. Ich bin ja, Herr, in dei ner Hand; von dir empfing ich den Verstand: erhalt ihn mir, o Herr mein Hort, und stärk ihn durch dein göttlich Wort. 5. Laß, deines Namens mich zu freun, ihn stets vor meinen Augen seyn; laß, meines Glau bens mich zu freun, ihn stets durch Liebe thätig seyn. 6. Das ist mein Glück, was du mich lehrst; das sey mein Glück, daß ich zuerst nach deinem Reiche tracht und treu in allen meinen Pflichten sey. 7. Bin ich zu schwach aus eigner Kraft zum Kampfe mit der Leidenschaft, so ziehe du mit Kraft mich an, daß ich den Sieg erlangen fann. 9. Schenkt deine Hand mir Ueberfluß, so laß mich mäßig im Genuß und, dürftge Brüder Geber seyn. zu erfreun, mich einen frohen verleih, daß ich ste nüß und 10. Gib mir Gesundheit und dankbar sey, und nie aus Liebe gegen sie mich zaghaft einer Pflicht entzieh. 11. Erwecke mir stets einen Freund, ders treu mit meiner Wohlfahrt meint, mit mir in deiner Furcht sich übt, mir Rath und Trost und Beispiel gibt. 12. Bestimmst du mir ein längres Ziel, und werden meiner Tage viel: dann, Herr Herr, meine Zuversicht, verlaß mich auch im Alter nicht! 13. Und wird sich einst mein Ende nahn, so nimm dich meiner herzlich an und sey durch Christum, deinen Sohn, mein Schirm, mein Schild und großer Lohn! Chrifti. Fürchteg. Gellert, geb. 1715, 1769. Sonntags und allgemeine Gottesdienstlieder. Eigne Melodie. wirf alles heut, was Welt ist, 32. Auf, auf, mein Herz, von dir bin! Heut hat das und du, mein ganzer Sinn, Werk der Schöpfung angefan Sonntags und allgemeine Gottesdienstlieder. 24 gen, da diesem Rund das Licht ist aufgegangen. 2. Auf, auf, mein Herz, leg alles Irdsche ab; heut Jesus ist erstanden aus dem Grab; heut hat er sein Erlösungswerk geendet; heut hat er auch den Geift herabgesendet. 3. Dieß heilge Heut heißt dich auch heilig seyn: Gott diesen Tag bei dir will ziehen ein. So ruhe du von Arbeit und von Sünden, daß er in dir mög seine Ruhe finden. 4. Gott gibet dir sechs Tage für den Leib: der siebente der Seele eigen bleib; fie muß ja auch von sieben einen haben, daß ste sich mög mit Himmelsspeise laben. 5. Viel Sünden dir die Woche ladet auf: an diesem Tag mit Bitten Gnade kauf. Leg ab die Last, geb, Gottes Wort zu hören; dieß laß dich heut die Wochenwege lehren. 6. Sechs Tage dich Gott segnet, schüßt und nährt: heut er dafür mit Dank will seyn geehrt. Der erste soll heut für die andern bitten, daß Gott ste woll mit Segen überschütten. 7. Gott wöchentlich gibt sieben Tage dir: gib einen du, den ersten, ihm dafür; der erste wird die andern sechse zieren, wirst du heut Gott im Mund und Herzen führen. 8. Am ersten du nach Gottes Reiche tracht, obschon die Welt nur deiner Andacht lacht; der Schad ist ihr, dir aber wirds gedeihen; Gott alles Glück auf dich wird reichlich streuen. 9. An diesem Tag hab deine Lust am Herrn; was dein Herz wünscht, wird er dir geben gern; befiehl Gott heut all deine Weg und Sachen und hoff auf ihn: gewiß, er wirds wohl machen. 10. Wirst aber du ihm nehmen seinen Tag, so macht er dir die sechse voller Plag. Wer ehret Gott, den ehrt er auch auf Erden; wer ihn veracht, foll auch verachtet werden. Sigm. v. Birken, geb. 1626,+ 1681. Mel. Gott des Himmels 2c. 33. Großer Gott von alten Zeiten, dessen Hand die Welt regiert, dessen Treu auf allen Seiten mich von Jugend auf geführt; heute weckt des Tages Lauf mich zu lauter Andacht auf. 2. Ach, wie lieb ich diese Stunden; denn sie sind des Herren Fest, das mit so viel Trost verbunden, da mein Gott mich ruhen läßt und durch seinen guten Geist mir den Weg zum Himmel weist. 3. Habe Dank für deinen Morgen, der mir Zeit zum Guten schenkt. Das sind unsre besten Sorgen, wenn der Mensch an Gott gedenkt, und von Her Sonntags- und allgemeine Gottesdienstlieder. 25 zen bet und singt, daß es durch dir erschienen und gebe auf die Wolken dringt. dein Winken Acht; wie fann ich dir gefällig dienen, wenn mich dein Geist nicht tüchtig macht? Wie wird mein Herz in dir erfreuet, wenn er nicht stillt der Sünden Qual? Wie bet ich, wenn er meine Schal mit reinem Weihrauch nicht bestreuet? 4. Was ist schöner als Gott dienen, was ist süßer als sein Wort, da wir sammeln wie die Bienen und den Honig tragen fort? Selig ist, wer Tag und Nacht also nach dem Himmel tracht. 5. O mein Gott, sprich selber Amen, denn wir sind dein Eigenthum; alles preise deinen Namen, alles mehre deinen Ruhm, bis es künftig wird geschehn, daß wir dich im Himmel sehn. 4. Kann meine Harfe lieblich klingen, wenn sie dein Finger nicht berührt? Kann ich die düstre Nacht durchdringen, wenn dieser Leitstern mich nicht führt? Kann ich ein süßes geb. 1648,+ 1715. Opfer werden, wenn dieſe Flamm nicht in mich fährt und mich in deiner Lieb Casp. Neumann, Eigne Melodie. 34. Beschwertes Herz, leg und hebet von dem Staub der ab die Sorgen, erhebe dich, gebücktes Haupt; es kommt der angenehme Morgen, da Gott zu ruhen hat erlaubt, da Gott zu ruhen hat befohlen und selbst die Ruhe eingeweiht; auf, auf, du hast vorhin viel Zeit dem Dienst des Herren abgestohlen. 2. Auf, laß Egyptens eitles Wesen, die Stoppeln und die Ziegeln, stehn; du sollst bethautes manna lesen und in des Herren Tempel gehn, ihm zu bezahlen deine Pflichten und zur Vermehrung seines Ruhms die Werke deines Priesterthums in tiefster Andacht zu verrichten. 3. Mein Gott, ich bin vor Erden? 5. Mein Jesus hat mein Herz so theuer zu seinem Tempel eingeweiht; hier ist sein Herd, hier ist sein Feuer, die Fülle seiner Herrlichkeit, sein Heiligthum, sein Stuhl der Gnade, sein Licht und Recht; das Himmelsbrod, die Geistesfrucht, und sein Gebot erfüllen diese Bundeslade. 6. Herr, höre, was ich innig bitte, vergönne meiner from men Seel, die Thür zu hüten deiner Hütte, die ich vor großen Schlöffern wähl. O Paradies, o liebste Kirche, o Außenwerk, o feste Pfort der Gottesstadt, o stiller Port, o zions schönstes Vorgebirge. Sonntags und allgemeine Gottesdienstlieder. 7. Hier such ich mir ein gen und mein Beten ein geNest zu bauen; hier find ich fällig Opfer heißt. Heilge meinem Grab ein Mal. In- du, Herr, Mund und Ohr, dessen geb sich mir zu schauen, zeuch das Herze ganz empor. o Lebenslicht, dein Gnadenstrahl, so feir ich recht den Tag der Sonnen, so hab ich meine Ruh in dir; ach, habe du dein Werk in mir, vollführe, was du hast begonnen. 4. Mache mich zum guten Lande, wenn dein Samkorn in mich fällt; gib mir Licht in dem Verstande, und was mir wird vorgestellt, präge meinem Herzen ein, laß es mir zur Frucht gedeihn. 5. Stärk in mir den schwachen Glauben, lag dein theures Kleinod mir nimmer aus dem Herzen rauben; halte stets dein Wort mir für, daß es mir zum Leitstern dient und zum Trost im Herzen grünt. 6. Rede, Herr, so will ic hören, und dein Wille werd erfüllt. Nichts laß meine Andacht stören, wenn der Brunn des Lebens quillt; speise mich mit Himmelsbrod, tröste mid in aller Noth. 26 8. Wann sich des Lebens Werktag enden, so ruh von allem Frohndienst Los mein Geist in deinen Vaterhänden, mein Leib in seiner Mutter Schoß, bis beides feiern wird dort oben, wo man in sicherm Frieden ruht, nichts denket, redet oder thut, als dich zu lieben, dich zu loben. Christoph Wegleiter, geb. 1659,+ 1706. Mel. Unser Herrscher, unser zc. 35. Thut mir auf die schöne Pforte, führt in Gottes Haus mich ein; ach, wie wird an diesem Orte meine Seele Gottes Eigne Melodie. Angeſicht; hier ist lauter Troft 36. Herr Jesu Chrift, dich und Licht. 2. Ich bin, Herr, zu dir gefommen, fomme du nun auch zu mir. Wo du Wohnung haft genommen, da ist lauter Himmel hier. Zeuch doch in mein Herze ein, laß es deinen Tempel seyn. 3. Laß in Furcht mich vor dich treten, heilge du Leib, Seel und Geist, daß mein SinBenj. Schmold, geb. 1672, † 1727. zu uns wend, dein heilgen Geist du zu uns send, mit Lieb und Gnad er uns regier und uns den Weg zur Wahrheit führ. 2. Thu auf den Mund zum Lobe dein, bereit das Herz zu: Andacht fein, den Glauben mehr, stärk den Verstand, daß uns dein Nam werd wohl bekannt; 3. Bis wir singen mit GotUniv.- Bibl. Giessen Sonntags- und allgemeine Gottesdienstlieder. 27 Christo haft; die Werk der Lieb sind dieser Schein, dadurch wir Christi Jünger seyn. tes Heer: Heilig, heilig ist Gott der Herr, und schauen dich von Angesicht im ewgen Heil und selgem Licht. 4. Ehr sey dem Vater und dem Sohn, dem heilgen Geist in einem Thron, der heiligen Dreifaltigkeit seyLob und Preis in Ewigkeit! Herzog Wilhelm II. von Sachsen. Weimar, geb. 1598, † 1662. Mel. Herr Jesu Christ, dich zu sc. 37. Herr, öffne mir die Herzensthür, zeuch mein Herz durch dein Wort zu dir, laß mich dein Wort bewahren rein, laß mich dein Kind und Erbe seyn. 2. Dein Wort bewegt des Herzens Grund; dein Wort macht teib und Seel gesund; dein Wort ist, das mein Herz erfreut; dein Wort gibt Trost und Seligkeit. 3. Ehr sey dem Vater und dem Sohn, dem heilgen Geist in einem Thron, der heiligen Dreieinigkeit sey Lob und Preis in Ewigkeit! Joh. Olearius, geb. 1611, † 1684. tel. Herr Jefu Chrift, dich zc. 38. Gott, du höchster D Gnadenhort, verleih, daß uns dein göttlich Wort von Ohren so zu. Herzen dring, daß es sein Kraft und Schein vollbring. 2. Der einig Glaub ist dieſe Kraft, der fest an Jesu lieber Herr, daß wir durch dei3. Verschaff bei uns auch, nen Geist je mehr in deim Erkenntniß nehmen zu und endlich bei dir finden Ruh. Konrad Hubert, † 1668. Eigne Melodie. 39. Liebster Jesu, wir ſind hier, dich und dein Wort anBegier auf die süßen Himmelszuhören; lenke Sinnen und lehren, daß die Herzen von der Erden ganz zu dir gezogen werden. stand ist mit Finsterniß um2. Unser Wissen und Verstand ist mit Finsterniß umHand uns mit hellem Licht erhüllet, wo nicht deines Geistes füllet; Gutes denken, thun und dichten mußt du selbst in uns verrichten. lichkeit, Licht vom Licht aus 3. O du Glanz der HerrGott geboren, mach uns alleGott geboren, mach uns allesammt bereit, öffne Herzen, Mund und Ohren; unser Bitten, Flehn und Singen laß, Herr Jesu, wohl gelingen. Tobias Clausnizer, geb. 1619,+ 1684. mel. Liebster Jesu, wir sind zc. 40. Nun Gott Lob! es ist vollbracht Singen, Beten, Lehwohl gemacht, drum laßt uns ren, Hören; Gott hat alles sein Lob vermehren; unser Sonntags und allgemeine Gottesdienstlieder. = 28 Gott sey hochgepreiset, daß er uns so wohl gespeiſet. 2. Weil der Gottesdienst ist aus, und uns mitgetheilt der Segen; so gehn wir mit Freud nach Haus, wandeln fein auf Gottes Wegen. Gottes Geist uns ferner leite und uns alle wohl bereite. 3. Unsern Ausgang segne Gott, unsern Eingang gleichermaßen, segne unser täglich Brod, segne unser Thun und Lassen, segne uns mit selgem Sterben, und mach uns zu Himmelserben. Hartmann Schent, geb. 1634,+ 1681. Mel. Liebster Jesu, wir sind ac. 41.$ err err, vor deinem Angesicht hat die Andacht uns versammelt. Ach, verwirf die Bitten nicht, die dein Volk dir, Höchster, stammelt! Hör auf unsre schwachen Lieder und sieh guädig auf uns nieder. bekannt, und hilf selbst es treulich üben, dich und den, den du gesandt, Jesum Christum, herzlich lieben, daß kein Schmerz und keine Freude uns von deiner Liebe scheide. Dan. Schiebeler, geb. 1741, † 1771. Mel. O Gott, du frommer sc. 42. Bleib ja bei mir, mein Gott, laß mich dein Wort regieren, so wird kein Irrweg mich betrüben noch verführen; komm zu mir durch dein Wort, komm in der letzten Noth, bring mich zur Friedensstadt, ins Leben durch den Tod. 2. Komm mir zu Trost und Freud, wenn diese Welt vergehet, wenn Himmel, Erde, Gut und Ehr nicht mehr bestehet, und führ mich in dein mein König, daß ich dich dort Reich zu deiner Herrlichkeit, lob in Ewigkeit. Mel. Liebster Jefu, wir sind sc.. 2. Laß dein Wort, das hier erschallt, viele gute Früchte 43. Gott versiegle nun bringen, und mit göttlicher Gewalt tief in unsre Seelen dringen. Laß es unsern Sinn erneuen und das Herz mit Troft erfreuen. das Wort in uns, das wir angehöret, daß die Herzen fort und fort bleiben von dem Geist gelehret, der uns durch das Wort erbaue, daß man dessen Früchte schaue. 3. Dein Gebot mach uns Adventlieder. Bweite Abtheilung. Fest: und Feiertagslieder. I. Die hohen Feste und Festzeiten. Adventlieder. Eigne Melodie. 44. Macht hoch die Thür, die Thor macht weit! Es kommt der Herr der Herrlichkeit, ein König aller Königreich, ein Heiland aller Welt zugleich, der Heil und Leben mit sich bringt; derhalben jauchzt, mit Freuden fingt: Gelobet sey mein Gott, mein Schöpfer reich von Rath. 29 4. Macht hoch die Thür, zum Tempel zubereit; die die Thor macht weit, eur Herz Zweiglein der Gottseligkeit steckt auf mit Andacht, Lust und Freud; so kommt der König auch zu euch, ja Heil und Leben mit zugleich. Gelobet sey mein Gott voll Rath, voll That, voll Gnad. 5. Komm, o mein Heiland, Thür dir offen ist; ach, zeuch Jesu Christ, meins Herzens mit deiner Gnade ein, dein Freundlichkeit auch uns erschein; dein heilger Geist uns führ und leit den Weg zur ewgen Seligkeit. Dem Namen dein, o Herr, sey ewig Preis und Ehr! 2. Er ist gerecht, ein Helfer werth, Sanftmüthigkeit ist sein Gefährt, sein Königsfron ist Heiligkeit, sein Scepter ist Barmherzigkeit; all unsre Noth zum End er bringt, derhalben jauchzt, mit Freuden fingt: Gelobet sey mein Gott, mein Heiland groß von That. 3. D wohl dem Land, o wohl der Stadt, diesen KöMel. Nun komm, der Heiden 2c. nig bei sich hat! Wohl allen 45. Gott sey Dank durch Herzen insgemein, da dieser König ziehet ein! Er ist die rechte Freudensonn, bringt mit sich lauter Freud und Wonn. Gelobet sey mein Gott, mein Tröster früh und spat. alle Welt, der sein Wort beständig hält, und der Sünder Trost und Rath zu uns her gewendet hat. 2. Was der alten Väter Schaar höchster Wunsch und Georg Weiffel, geb. 1590,+ 1635. 30 Adventlieder. Sehnung war, und was sie geprophezeit, ist erfüllt nach Herrlichkeit. 3. Zions Hülf und Abrams Lohn, Jakobs Heil, der Jungfrau Sohn, der wohlzweigestammte Held, hat sich treulich eingestellt. 4. Sey willkommen, o mein Heil! dir o mein Theil! Richte du auch eine Bahn dir in meinem Herzen an. 5. Zeuch, du Ehrenkönig, ein, es gehöret dir allein; mach es, wie du gerne thust, rein von allem Sündenwust. 6. Und gleichwie dein Zufunft war voller Sanftmuth, ohn Gefahr, also sey auch jederzeit deine Sanftmuth mir bereit. 7. Tröste, tröste meinen Sinn, weil ich schwach und blöde bin, und des Satans schlaue List sich zu hoch vor mir vermißt. 8. Tritt der Schlangen Kopf entzwei, daß ich, aller Aengsten frei, dir im Glauben um und an selig bleibe zugethan; 9. Daß, wenn du, du Lebensfürst, prächtig wieder kommen wirst, ich dir mög entgegen gehn und vor dir gerecht bestehn. kommen in die Welt und uns zuGut dich eingestellt: 2. Wir danken dir mit Herz und Mund demüthiglich zu aller Stund, daß du uns schenteft zum Erbtheil durch dein zukunst das ewge Heil. 3. Wir bitten dich, o treuer Herr, weil nun das End nicht mehr ist fern, du wollest uns zu Gnaden dein dir lassen stets befohlen seyn. diglich und in dir sterben ſelig. 4. Hilf, daß wir leben würlich, daß wir lieben und loben dich hier zeitlich und dort ewiglich. David Böhme, geb. 1605,+ 1657 Mel. Ach, was soll ich Sünder 2. 47. Kommst du, kommſt du, Licht der Heiden? Ja, du kommst und säumest nicht, weil du weißt, was uns gebricht. du starker Trost im Leiden, Jeſu, meines Herzens Thür steht dir offen, komm zu mir. 2. Ja, du bist bereits zugegen, du Weltheiland, Jungfraun- Sohn! Meine Sinnen spüren schon deinen gnadenvollen Segen und die Wunder deiner Kraft, welche Frucht und Leben schafft. Heinrich Held, um 1643. Mel. Herr Gott, dich loben alle 2c. 3. Adle mich durch deine Liebe, Jesu, nimm mein Fle46. Herr Jesu Christe, hen hin! Schaffe, daß mein Gottes Sohn, der du vom hohen Himmelsthron herab bist Geist und Sinn sich in deinem Lieben übe; sonst zu lieben dich, Adventlieder. mein Licht, steht in meinen Kräften nicht. 4. Jesu, rege mein Gemüthe, Jesu, öffne mir den Mund, daß dich meines Herzens Grund innig preise für die Güte, die du mir, o Seelen- Gast, lebenslang erwiesen hast. 5. Laß durch deines Geistes Gaben: Liebe, Glauben und Geduld und Bereuung meiner Schuld mich zu dir seyn hoch erhaben; dann so will ich für und für Hosianna singen dir. Ernst Christoph Homburg. geb. 1605, † 1681. Mel. Balet will ich dir 2c. 48. Wie soll ich dich empfangen, und wie begegn' ich dir? O aller Welt Verlangen, o meiner Seelen Zier! D Jesu, Jesu, setze mir selbst die Fackel bei, damit, was dich ergöße, mir fund und wissend sey. 2. Dein Zion streut dir Palmen und grüne Zweige hin, und ich will dir in Psalmen ermuntern meinen Sinn. Mein Herze soll dir grünen in stetem Lob und Preis und deinem Namen dienen, so gut es kann und weiß. 3. Was hast du unterlassen zu meinem Trost und Freud? Als Leib und Seele saßen in ihrem größten Leid, als mir das Reich genommen, da Fried und Freude lacht, da bist du, mein Heil, kommen und haft mich froh gemacht. 3f 4. Ich lag in schweren Banden, du kommst und machst mich los; ich stund in Spott und Schanden, du kommst und machst mich groß, und hebst mich hoch zu Ehren und schenkst mir großes Gut, das sich nicht läßt verzehren, wie irdisch Reichthum thut. ' 5. Nichts, nichts hat dich getrieben zu mir vom Him melszelt, als das geliebte Lieben, damit du alle Welt in ihren tausend Plagen und großen Jammerlast, die fein Mund aus kann sagen, so fest umfangen hast. 6. Das schreib dir in dein Herze, du herzbetrübtes Heer, bei denen Gram und Schmerze fich häuft je mehr und mehr. Seyd unverzagt! ihr habet die Hülfe vor der Thür; der eure Herzen labet und tröstet, steht allhier. 7. Ihr dürft euch nicht bes mühen, noch sorgen Tag und Nacht, wie ihr ihn wollet ziehen mit eures Armes Macht. Er fommt, er fommt mit Willen, ist voller Lieb und Lust, all Angst und Noth zu stillen, die ihm an euch bewußt. 8. Auch dürft ihr nicht ers schrecken vor eurer Sündenschuld. Nein, Jesus will sie decken mit seiner Lieb und Huld. Er kommt, er kommt den Sündern zum Trost und wahren Heil, schafft, daß bei Gottes 32 Adventlieder. Kindern verbleib ihr Erb und Theil. 9. Was fragt ihr nach dem Schreien der Feind und ihrer Tüd? Der Herr wird sie zerstreuen in einem Augenblick. Er fommt, er fommt ein König, dem wahrlich alle Feind auf Erden viel zu wenig zum Widerstände seind. 10. Er fommt zum Weltgerichte, zum Fluch dem, der ihn flucht, mit Gnad und süßem Lichte dem, der ihn liebt und sucht. Ach komm, ach komm, o Sonne! und hol uns allzumal zum ewgen Licht und Wonne in deinen Freudensaal. Paul Gerhardt, geb. 1606,+1676. Mel. Aus meines Herzens 2c. 49. Nun jauchzet all, ihr 2. Kein Scepter, feine Krone sucht er auf dieser Welt; im hohen Himmelsthrone ist ihm sein Reich bestellt. Er will hie seine Macht und Majestät verhüllen, bis er des Vaters Willen im Leiden hat vollbracht. gehn die rechte Bahn, die nach dem Himmel führt; sonst, wo ihr ihn verachtet und nur nach Hoheit trachtet, des Höchsten Zorn euch rührt. 4. Ihr Armen und Elenden in dieser bösen Zeit, die ihr an allen Enden müßt haben Angst und Leid, seyd dennoch wohlgemuth, laßt eure Lieder klingen und thut dem König singen; der ist eur höchstes Gut. 3. Ihr Mächtigen auf Erden, nehmt diesen König an, wollt ihr berathen werden und 5. Er wird nun bald erscheinen in seiner Herrlichkeit und all eur Klag und Weinen verwandelen in Freud. Er ists, der helfen kann; halt't eure Lampen fertig und seyd stets sein gewärtig, er ist schon auf der Bahn. Mel. Von Gott will ich zc. weil unser Heil ist kommen, der 50. Mit Ernst, o MenHerr der Herrlichkeit; zwar ohne stolze Pracht, doch mächtig, zu verheeren und gänzlich zu zerstören des Teufels Reich und Macht. Mich. Schirmer, geb. 1606,+ 1673. schenkinder, das Herz in euch bestellt; bald wird das Heil der Sünder, der wunderstärke Held, den Gott aus Gnad allein der Welt zum Licht und Leben versprochen hat zu geben, bei allen kehren ein. 2. Bereitet doch fein tüchtig den Weg dem großen Gast; macht seine Steige richtig, laßt alles, was er haßt. Macht alle Bahnen recht, die Thal laßt seyn erhöhet; macht niedrig, was hoch stehet, was frumm ist, gleich und schlecht. 3. Ein Herz, das Demuth Adventlieder. liebet, bei Gott am höchsten steht; ein Herz, das Hochmuth übet, mit Angst zu Grunde geht; ein Herz, das richtig ist und folget Gottes Leiten, das fann sich recht bereiten, zu dem kommt Jesus Christ. 4. Ach, mache du mich Armen in dieser heilgen Zeit aus Güte und Erbarmen, Herr Jesu, selbst bereit! Zeuch in mein Herz hinein vom Stall und von der Krippen, so werden Herz und Lippen dir ewig dankbar seyn. Balentin Thilo, geb. 1607,+1662. 2. Den die Alten mit Verlangen oft gewünscht, gerufen oft, seinen Eintritt stets gehofft, der läßt sich von uns empfangen. Durch die Welt erschall und geh: Hosianna in der Höh! 6. Seht, ihr Sünder, den Gerechten, der euch seine Heiligkeit anlegt als ein Ehrenkleid und will euer Recht verfechten. Durch die Welt erMel. Ach, was soll ich Sünder 2c. 51. Hosanna Davids Soh- schall und geh: Hosianna in der Höh! ne! der jetzt bei uns fehret ein, der soll hochgelobet seyn, der da kömmt vom Himmelsthrone. Durch die Welt erschall und geh: Hostanna in der Höh! 3. Friede muß vom Himmel thauen; denn erschienen ist die Zeit, daß der Herr der Herrlichkeit sich im Fleische lässet schauen. Durch die Welt er schall und geh: Hostanna in der Höh! 4. Kommt, dem Könige zu 33 hulden treu nach Unterthanenpflicht; denn ihr sollet ferner nicht fremde Dienstbarkeit erdulden. Durch die Welt er schall und geh: Hosianna in der Höh! 5. Kommet her, ihr blöden Herzen, seht des Herren Sanftmuth an; seine Gütigkeit die kann heilen alle Sündenschmerzen. Durch die Welt erschall und geh: Hosianna in der Höh! 7. Seht den Helfer willig kommen, euch zu rathen in der Noth, in dem Leben, in dem Tod, den er hat auf sich genommen. Durch die Welt erschall und geh: Hoflanna in der Höh! 8. Seht, ihr Armen, seht den Armen, der von seiner Armuth euch hier und ewig machet reich; er will euer sich erbarmen. Durch die Welt erschall und geh: Hostanna in der Höh! 9. Herr, o Herr, laß wohl gelingen! Diesen Tag hast du gemacht, dieser Tag hat Freuden bracht; drum wir alle billig singen: durch die Welt erschall und geh: Hosianna in der Höh! 3 34 Adventlieder. 10. Hoftanna Davids Sohne! der jetzt bei uns kehret ein, der soll hochgelobet seyn, der da kömmt vom Himmelsthrone. Durch die Welt erschall und geh: Hostanna in der Höh! Christian Keymann, geb. 1607,+ 1662. Mel. Aus meines Herzens 2c. 52. Auf, auf, ihr Reichsgenossen! Eur König kommt heran, empfahet unverdrossen den großen Wundermann! Ihr Christen, geht herfür, laßt uns vor allen Dingen ihm Hosianna singen mit heiliger Begier. 2. Auf, ihr betrübten Herzen, der König ist gar nah; hinweg all Angst und Schmerzen, der Helfer ist schon da! Seht, wie so mancher Ort hochtröstlich ist zu nennen, da wir ihn finden können im Nachtmahl, Tauf und Wort. 3. Auf, auf, ihr Vielgeplagten, der König ist nicht fern; feyd fröhlich, ihr Verzagten, dort kommt der Morgenstern; der Herr will in der Noth mit reichem Trost euch speisen, er will euch Hülf erweisen, ja dämpfen gar den Tod. 4. Nun hört, ihr frechen Sünder: der König merket drauf, wenn ihr verlornen Kinder in vollem Lasterlauf auf Arges seyd bedacht, ja thut es ohne Sorgen; gar nichts ist ihm verborgen, er gibt auf alles Acht. 5. Seyd fromm, ihr Unterthanen, der König ist gerecht; laßt uns die Weg ihm bahnen und machen alles schlecht. Fürwahr, er meint es gut; drum lasset uns die Plagen, welch er uns schickt, ertragen mit unerschrocknem Muth. 6. Frisch auf in Gott, ihr Armen, der König sorgt für euch; er will durch sein Erbarmen euch machen groß und reich; der an ein Thier gedacht, der wird auch euch ernähren; was Menschen nur begehren, das steht in seiner Macht. 7. Frisch auf, ihr Hochbetrübten, der König kommt mit Macht; an uns, sein Herzgeliebten, hat er schon längst gedacht. Nun wird kein Angst noch Pein noch Zorn hinfür uns schaden, dieweil uns Gott aus Gnaden läßt seine Kin= der feyn. 8. So lauft mit schnellen Schritten, den König zu besehn, dieweil er kommt geritten stark, herrlich, sanft und schön. Nun tretet all heran, den Heiland zu begrüßen, der alles Kreuz versüßen und uns erlösen kann. 9. Der König will bedenken die, welch er herzlich liebt, mit föstlichen Geschenken, als der sich selbst uns gibt durch seine Gnad und Wort. Ja König, hoch erhoben, wir alle wollen loben dich freudig hier und dort. Adventlieder. 10. Nun, Herr, du gibst uns reichlich, wirst selbst doch arm und schwach; du liebest unvergleichlich, du jagst den Sündern nach: drum wollen wir all ein die Stimmen hoch erschwingen, ein Hosianna singen und ewig dankbar seyn. Joh. Rift, geb. 1607, † 1667. Mel. Meinen Jesum 2c. 53. Hoftanna! Davids Sohn kommt in Zion eingezogen. Auf, bereitet ihm den Thron, seßt ihm tausend Ehrenbogen, streuet Palmen, machet Bahn, daß er Einzug halten kann. 2. Hosianna, sey gegrüßt! Komm, wir gehen dir entgegen. Unser Herz ist schon gerüst, will sich dir zu Füßen legen. Zeuch in deinen Thoren ein; du sollst uns willkommen seyn. 3. Hosianna! Friedensfürst, Ehrenkönig, Held im Streite, alles, was du bringen wirst, das ist unsre Siegesbeute. Deine Rechte bleibt erhöht, und dein Reich allein besteht. 4. Hosianna! lieber Gast, wir sind deine Reichsgenossen, die du dir erwählet hast: ach, so laß uns unverdrossen deinem Scepter dienstbar seyn, herrsche du in uns allein. 5. Hosianna! komme bald, die Verheißung zu erfüllen. Sollte gleich die Knechtsgestalt deine Majestät verhüllen, o so 35 kennet Zion schon seinen Herrn und Davids Sohn. 6. Hosianna! steh uns bei; Herr, hilf, laß wohl gelingen, daß wir ohne Heuchelei dir das Herz zum Opfer bringen. Du nimmst keinen Jünger an, der dir nicht gehorchen fann. 7. Hofianna nah und fern! Gesegneter des Herrn, warum Eile, bei uns einzugehen. Du willst du draußen stehen? Hostanna, bist du da? Ja, du kommst, Halleluja! Benjamin Schmold, geb. 1672,+ † 1737. c. mel. Jesus, meine Zuversicht 2. 54. Sich, dein König kommt zu dir! Seele, das sind frohe Worte; sprich: mein König, komm zu mir, sieh, ich öffne dir die Pforte, zeuch mit deiner Sanftmuth ein; was du findest, das ist dein. 2. Komm, ich bin dein Eigenthum schon seit deinem Wasserbade; komm, dein Evangelium werde mir ein Wort der Gnade; du schickst ja dein Wort voran, daß mein König kommen kann. 3. Komm und räume alles aus, was du haffest, was mich reuet; komm und reinige dein Haus, das die Sünde hat ents weihet. Mache selbst mit deinem Blut alles wieder rein und gut. 4. Komm in deinem Abend3* Anfang des Kirchenjahres. 36 mahl, das du uns zum Heil gegeben, daß wir schon im Erdenthal mit dir als im Himmel leben. Komm, Herr Jesu, leb in mir, und mein Leben sey in dir! 5. Komm und bring den Tröster mit, deinen Geist, der dich verkläret, der mich im Gebet vertritt und des Königs Willen lehret, daß ich bis auf jenen Tag: Komm, Herr Jesu! rufen mag. Ph. Fr. Hiller, geb. 1699,+1769. Anfang des Kirchenjahres. Mel. Gelobet seyft du, JesuChrift zc. 55. Nun kommt das neue Kirchenjahr, des freut sich alle Christenschaar; dein König fommt, drum freue dich, du werthes Zion, ewiglich, Halleluja! 2. Wir hören noch das Gnadenwort vom Anfang immer wieder fort, das uns den Weg zum Leben weist; Gott fey für seine Gnad gepreist, Halleluja! 3. Gott, was uns deine Wahrheit lehrt, die unsern Glauben stets vermehrt, laß in uns bleiben, daß wir dir Lob und Preis sagen für und für, Halleluja! Joh. Dlearius, geb. 1611,+1684. Mel. Nun freut euch, lieben 2c. 56. Gott Lob! ein neues Kirchenjahr macht uns die große Treue des ewgen Gottes offenbar; und nun will er aufs Neue den alten hochbeschwornen Bund, den einzig festen Glaubensgrund, durch seinen Geist uns lehren.. 2. Auf, Zion, Preis und Ehr und Ruhm dem höchsten Herrn zu singen! Dein königliches Priesterthum muß Dank zum Opfer bringen. Gelobt sey Gott, der durch sein Wort die Christenheit und diesen Ort zu seinem Tempel weihet. 3. Wir find nicht werth der neuen Huld des Gottes aller Gnaden. Des alten Menschen alte Schuld, die wir auf uns geladen, nimmt unsern eignen Ruhm dahin; denn sie bewies den alten Sinn noch stets mit neuen Sünden. 4. Ach, Herr, gib uns den neuen Geist und mach uns durch die Güte, die sich an uns aufs Neu erweist, erneuert im Gemüthe. Den neuen Menschen zieh uns an, der dir allein gefallen kann in seinem ganzen Leben. 5. Hiezu erhalt uns, Herr, dein Wort sammt Tauf und Abendmahle, so wandern wir mit Freuden fort in diesem finstern Thale. Herr, segne dieses Kirchenjahr, laß Kirche, Schul, Tauf und Altar uns deine Wege zeigen. 6. Gib deinen Hirten Kraft und Geist zu reiner Lehr und Weihnachtslieder. Leben, dein Wort, das Gottes Weide heißt, der Heerde rein zu geben; laß alle Hörer Thäter seyn, damit kein heuchlerischer Schein des Glaubens Kraft verläugne. 7. So halten und vollenden Weihnachtslieder. Eigne Melodie. 57. Gelobet seyst du, Jesu Christ, daß du Mensch geboren bist von einer Jungfrau, das ist wahr, des freuet sich der Engel Schaar. Kyrieleis. 2. Des ewgen Vaters einig Kind jetzt man in der Krippen findt; in unser armes Fleisch und Blut verkleidet sich das ewig Gut. Kyrieleis. 3. Den aller Weltkreis nie beschloß, der liegt in Marien Schoß; er ist ein Kindlein worden klein, der alle Ding erhält allein. Kyrieleis. 4. Das ewig Licht geht da berein, gibt der Welt ein neuen Schein; es leucht wohl mitten in der Nacht und uns des Lichtes Kinder macht. Kyrieleis. 5. Der Sohn des Vaters, Gott von Art, ein Gast in der Welt hie ward, und führt uns aus dem Jammerthal, er macht uns Erben in seim Saal. Kyrieleis. 6. Er ist auf Erden kommen 37 wir das Kirchenjahr auf Erden; dabei befehlen wir es dir, wie wir es enden werden. Hier bleibt die Kirche noch im Streit; kommt aber einst die Ewigkeit, dann wird sie triumphiren. Heinr. Cornel. Hecker, geb. 1699, † 1744. arm, daß er unser sich erbarm und seinen lieben Engeln gleich. und in dem Himmel mache reich Kyrieleis. 7. Das hat er alles uns gethan, sein groß Lieb zu zeigen an. Des freu sich alle Chri stenheit und dank ihm des in Ewigkeit. Kyrieleis. Dr. M. Luther, geb. 1483, † 1546. Ein Kinderlied auf die Weihnachten vom Kindlein Jesu. Eigne Melodie. 58. Vom Himmel hoch da komm ich her, ich bring euch gute neue Mähr, der guten Mähr bring ich so viel, davon ich fing'n und sagen will. 2. Euch ist ein Kindlein heut geborn von einer Jungfrau auserkorn, ein Kindelein so zart und fein, das soll eur Freud und Wonne seyn. 3. Es ist der Herr Christ, unser Gott, der will euch führn aus aller Noth. Er will eur Heiland selber seyn, von allen Šünden machen rein. 38 Weihnachtslieder. 4. Er bringt euch alle Seligkeit, die Gott, der Vater, hat bereit, daß ihr mit uns im Himmelreich sollt leben nun und ewiglich. 5. So merket nun das Zeichen recht, die Krippen, Windelein so schlecht; da findet ihr das Kind gelegt, das alle Welt erhält und trägt. 6. Des laßt uns alle fröhlich seyn und mit den Hirten gehn hinein, zu sehn, was Gott uns hat beschert, mit seinem lieben Sohn verehrt. 12. Das hat also gefallen dir, die Wahrheit anzuzeigen mir: wie aller Welt Macht, Ehr und Gut für dir nichts gilt, nichts hilft, noch thut. 13. Ach, mein herzliebes Jesulein, mach dir ein rein sanft Bettelein, zu ruhen in meins Herzens Schrein, daß ich nimmer vergesse dein. 14. Davon ich allzeit fröhlich sey, zu springen, fingen immer frei das rechte Susannine schon, mit Herzenslust den süßen Ton. 7. Merk auf, mein Herz, und sieh dort hin: was liegt doch in dem Krippelein? was ist das schöne Kindelein? es ist das liebe Jesulein. 8. Bis willefkomm, du edler Gast, den Sünder nicht hast, und kommst Mel. Vom Himmel hoch zc. ins Elend her zu mir: wie soll 59. Vom Himmel kam der ich immer danken dir? Engel Schaar, erschien den Hirten offenbar; sie sagten ihn'n: ein Kindlein zart, das liègt dort in der Krippen hart, 2. Zu Bethlehem, in Davids Stadt, wie Micha das verfündet hat; es ist der Herre Jesus Christ, der euer aller Heiland ist. 3. Des sollt ihr billig fröhlich seyn, daß Gott mit euch ist worden ein; er ist geborn eur Fleisch und Blut, eur Bruder ist das ewig Gut. 4. Was kann euch thun die Sünd und Tod? ihr habt mit 9. Ach Herr, du Schöpfer aller Ding, wie bist du worden so gering, daß du da liegst auf dürrem Gras, davon ein Rind und Efel aß. 10. Und wär die Welt vielmal so weit, von Edelstein und Gold bereit, so wär ste doch dir viel zu klein, zu seyn ein enges Wiegelein. 11. Der Sammet und die Seiden dein, das ist grob Heu und Windelein, drauf du, König fo groß und reich, herprangst, als wärs dein Himmelreich. 15. Lob, Ehr sey Gott im höchsten Thron, der uns schenkt seinen eingen Sohn; des freuen sich der Engel Schaar und singen uns solch neues Jahr. Dr. M. Luther, geb. 1483, † 1546. Weihnachtslieder. euch den wahren Gott. Laßt zürnen Teufel und die Höll: Gotts Sohn ist worden eur Gesell. 5. Er will und kann euch lassen nicht, seßt ihr auf ihn eur Zuversicht. Es mögen euch Viel fechten an: dem sey Troß, ders nicht lassen kann. 6. Zuletzt müßt ihr doch haben Recht; ihr seyd nun worden Gotts Geschlecht. Des danket Gott in Ewigkeit, geduldig, fröhlich alle Zeit. Dr. M. Luther, geb. 1483,+ 1546. Eigne Melodie. komkom 60. Gottes Sohn ist ottes Sohn ist men uns allen zu Frommen hie auf diese Erden in armen Geberden, daß er uns von Sünde freiet' und entbünde. 2. Die fich sein nicht schämen, und sein Dienst annehmen durch ein rechten Glauben, mit ganzem Vertrauen, denen wird er eben ihre Sünd vergeben. 3. Die also bekleiben, und beständig bleiben, dem Herren in allem trachten zu gefallen, die werden mit Freuden auch von hinnen scheiden. 4. Ei nun, Herre Jesu, schicke unser Herzen zu, daß wir alle Stunden rechtgläubig erfunden darinnen verscheiden zur ewigen Freuden. Böhm. Brüder( Joh. Horu), 1544. 39 Eigne Melodie. 61. Lobt Gott, ihr Christen, alle gleich in seinem höchsten Thron, der heut schleußt aufsein Himmelreich und schenkt uns seinen Sohn.:,: 2. Er fömmt aus seines Vaters Schoß und wird ein Kindlein klein; er liegt dort elend, nackt und bloß in einem Krippelein.:,: 3. Er äußert sich all seiner G'walt, wird niedrig und gering, und nimmt an sich eins Knechts Gestalt, der Schöpfer aller Ding.:,: 4. Er liegt an seiner Mutter Brust; ihr Milch die ist sein Speis, an dem die Engel sehn ihr Luft, denn er ist Davids Reis,:,: 5. Das aus seim Stamm entsprießen sollt in dieser lezten Zeit, durch welchen Gott aufrichten wollt sein Reich, die Christenheit.:,: 6. Er wechselt mit uns wunderlich: Fleisch und Blut nimmt er an, und gibt uns in seins Vaters Reich die klare Gottheit dran.:,: 7. Er wird ein Knecht und ich ein Herr; das mag ein Wechsel seyn! Wie könnt er doch seyn freundlicher, der liebe Jesus mein!:,: 8. Heut schleußt er wieder auf die Thür zum schönen Paradeis; der Cherub steht nicht Weihnachtslieder. mehr dafür; Gott sey Lob, Ehr was euch quält, was euch fehlt; und Preis!:,: Nikol. Hermann, † 1561. 40 ich bring alles wieder. Eigne Melodie. 7 Ei, so kommt und laßt uns laufen! Stellt euch ein, Groß und Klein, kommt mit 62. Fröhlich soll mein großen Haufen! Liebt den, der Herze springen dieser Zeit, da vor Freud alle Engel singen. Hört, hört, wie mit vollen Choren alle Luft laute ruft: Christus ist geboren! vor Liebe brennet, schaut den Stern, der uns gern Licht und Labsal gönnet. 2. Heute geht aus seiner Kammer Gottes Held, der die Welt reißt aus allem Jammer. Gott wird Mensch, dir Mensch zu Gute; Gottes Kind, das verbindt sich mit unserm Blute. 8. Die ihr schwebt in großem Leiden, sehet, hier ist die Thür zu den wahren Freuden. Faßt ihn wohl, er wird euch führen an den Ort, da hinfort euch fein Kreuz wird rühren. 3. Sollt uns Gott nun können hafsen, der uns gibt, was er liebt über alle Maßen? Gott gibt, unserm Leid zu wehren, seinen Sohn aus dem Thron seiner Macht und Ehren. 4. Sollte von uns seyn gefehret, der sein Reich und zugleich sich selbst uns verehret? Sollt uns Gottes Sohn nicht lieben, der jetzt kömmt, von uns nimmt, was uns will betrüben? 5. Er nimmt auf sich, was auf Erden wir gethan, gibt sich an unser Lamm zu werden; unser Lamm, das für uns stirbet und bei Gott für den Tod Heil und Fried erwirbet. 6. Nun er liegt in seiner Krippen, ruft zu sich mich und dich, spricht mit süßen Lippen: lasset fahrn, o lieben Brüder, 9. Wer sich findt beschwert im Herzen, wer empfindt seine Sünd und Gewissensschmerzen, sey getrost: hier wird gefunden, der in Eil machet heil die vergiften Wunden. 10. Die ihr arm seyd und elende, kommt herbei, füllet frei eures Glaubens Hände. Hier sind alle gute Gaben und das Gold, da ihr sollt euer Herz mit laben. 11. Süßes Heil! laß dich umfangen, laß mich dir, meine Zier, unberrückt anhangen. Du bist meines Lebens Leben: nun kann ich mich durch dich wohl zufrieden geben. 12. Jch bin rein um deinetwillen; du gibst gnug Ehr und Schmuck mich drin einzuhüllen. Ich will dich ins Herze schließen, o mein Ruhm, edle Blum, laß dich recht genießen. 13. Ich will dich mit Fleiß Weihnachtslieder. bewahren; ich will dir leben hier, dir will ich abfahren. Mit dir will ich endlich schweben voller Freud ohne Zeit dort im andern Leben. Paul Gerhardt, geb. 1606,+ 1676. Mel. Gelobet seyft du, Jesu zc. 63. Wir singen dir, Im- Halleluja. manuel, du Lebensfürst und Gnadenquell, du Himmelsblum und Morgenstern, du Jungfraun- Sohn, Herr aller Herrn! Halleluja. 2. Wir singen dir mit deinem Heer aus aller Kraft Lob, Preis und Ehr, daß du, o lang gewünschter Gast, dich nunmehr eingestellet hast. Halleluja. 3. Vom Anfang, da die Welt gemacht, hat so manch Herz nach dir gewacht; dich hat gehofft so lange Jahr der Väter und Propheten Schaar. Halleluja. 4. Vor Andern hat dein hoch begehrt der Hirt und König deiner Heerd, der Mann, der dir so wohl gefiel, wann er dir sang auf Saitenspiel. Halleluja. 5. Ach, daß der Herr aus Zion käm und unsre Bande von uns nähm! Ach, daß die Hülfe bräch herein, so würde Jakob fröhlich seyn! Halleluja. 6. Nun du bist hier, da liegest du, hältst in dem Kripplein deine Ruh; bist klein und 41 machst doch alles groß, bekleidst die Welt und kommst doch bloß. Halleluja. 7. Du fehrst in fremder Hausung ein, und sind doch alle Himmel dein, trinkst Milch aus einer Menschenbrust, und bist doch aller Engel Lust. 8. Du bist der Ursprung aller Freud und duldest so viel Herzeleid; bist aller Heiden Trost und Licht, suchst selber Trost und findst ihn nicht. Halleluja. 9. Du bist der süßte Menschenfreund, doch sind dir so viel Menschen feind; Herodis Herz hält dich für Greul, und bist doch nichts als lauter Heil. Halleluja. 10. Ich aber, dein geringster Knecht, ich sag es frei und mein es recht: ich liebe dich, doch nicht so viel, als ich dich gerne lieben will. Halleluja. 11. Der Will ist da, die Kraft ist klein; doch wird dir nicht zuwider seyn mein armes Herz; und was es kann, wirst du in Gnaden nehmen an. Halleluja. 12. Hast du doch selbst dich schwach gemacht, erwähltest, was die Welt veracht, warst arm und dürftig, nahmst vorlieb da wo der Mängel dich hintrieb. Halleluja. 13. Darum so hab ich guten Muth, du wirst auch halten 42 Weihnachtslieder. mich für gut. O lieber Herr, dein frommer Sinn macht, daß ich so voll Troftes bin. Halleluja. 14. Bin ich gleich Sünd und Laster voll, hab ich gelebt, nicht wie ich soll, ei, kommst du doch deswegen her, daß sich der Sünder zu dir kehr. Halleluja. 15. Hätt ich nicht auf mir Sündenschuld, hätt ich fein Theil an deiner Huld; vergeblich wärst du mir geborn, wenn ich nicht wär in Gottes Zorn. Halleluja. 16. So faß ich dich nun ohne Scheu, du machst mich alles Jammers frei; du trägst den Zorn, erwürgst den Tod, verkehrst in Freud all Angst und Noth. Halleluja. 17. Du bist mein Haupt, hinwiederum bin ich dein Glied und Eigenthum und will, so viel dein Geist mir gibt, stets dienen dir, wie dirs beliebt. Halleluja. 18. Ich will dein Halleluja hier mit Freuden singen für und für, und dort in deinem Ehrensaal solls schallen ohne Zeit und Zahl. Halleluja. Paul Gerhardt, geb. 1606,+ 1676. Mel. Balet will ich dir geben 2c. 64. Ihr Christen außerforen, hört gute neue Mähr; der Heiland ist geboren, er kommt auf Erden her. Des freuen sich dort oben der heilgen Engel Schaar, die Gott den Vater loben jezzt und fort immerdar. 2. So singen sie mit Schalle: Ihr Christen insgemein, freut euch von Herzen alle ob diesem Kindelein! Euch, euch ist es gegeben, euch ist das Heil bereit, daß ihr bei Gott follt leben in steter Seligkeit. 3. Kein Mensch sich ja betrübe, denn dieses Kindelein euch bringet Fried und Liebe; was wollt ihr traurig seyn? Den Himmel er dem schenket, der an ihn glaubet fest; an diesen Schatz gedenfet, er ist der allerbest. 4. Nun seyd ihr wohl gerochen an eurer Feinde Schaar; denn Christus hat zerbrochen, was euch zuwider war: Tod, Teufel, Sünd und Hölle jetzt liegen ganz geschwächt; Gott gibt die Ehrenstelle dem menschlichen Geschlecht. 5. Drum wir auch nun dich loben, Jesu, zweistammger Held, daß du herab von oben bist fommen in die Welt. Komm auch in unsre Herzen und bleibe für und für, daß weder Glück noch Schmerzen uns trennen ab von dir. Georg Werner, geb. 1607, † 1671. Eigne Melodte. 65. Ermuntre dich, mein schwacher Geist, und trage groß Weihnachtslieder. Verlangen, ein Kind, das Ewigvater heißt, mit Freuden zu empfangen. Dieß ist die Nacht, darin es fam und menschlich Wesen an sich nahm, dadurch die Welt mit Treuen als seine Braut zu freien. 2. Willkomm, o süßer Bräutigam, du König aller Ehren! Willkomm, o Jesu, Gottes Lamm! Ich will dein Lob vermehren; ich will dir all mein Lebenlang von Herzen sagen Preis und Dank, daß du, da wir verloren, für uns bist Mensch geboren. 43 5. Sag an, mein Herzensbräutigam, mein Hoffnung, Freud und Leben, mein edler Zweig aus Jakobs Stamm, was soll ich dir doch geben? Ach, nimm von mir Leib, Seel und Geist, ja alles, was Mensch ist und heißt; ich will mich ganz verschreiben, dir ewig treu zu bleiben. 6. Lob, Preis und Dank, Herr Jesu Christ, sey dir von Bruder worden bist und hast mir gesungen, daß du mein die Welt bezwungen. Hilf, daß ich deine Gütigkeit stets preis in dieser Gnadenzeit und mög hernach dort oben in Ewigkeit dich loben! Johann Rist, geb. 1607, † 1667. Eigne Melodie. ( Das Lied beginnt und schließt mit einem vom Chor gesungenen Halleluja.) 3. O großer Gott, wie konnt es seyn, dein Himmelreich zu 66. Fr Frene lassen, zu kommen in die Welt herein, da nichts denn Neid und Hassen? Wie konntest du die große Macht, dein Königreich, die Himmelspracht, ja selbst dein theures Leben für folche Feinde geben? reuet euch, ihr Christen alle, freue sich, wer immer fann! Gott hat viel an uns gethan. Freuet euch mit groBem Schalle, daß er uns so hoch geacht, sich mit uns befreundi gemacht. Freude, Freude über Freude! Christus wehret allem Leide: Wonne, Wonne über Wonne! Jesus ist die Gnadensonne. 4. D großes Werk, o Wun dernacht! dergleichen nie gefunden, du hast den Heiland hergebracht, der alles überwunden; du hast gebracht den starken Mann, der Feur und Wolken zwingen kann, vor dem die Himmel zittern und alle Berg erschüttern.. 2. Sieh doch, sich, o meine Seele, wie dein Heiland kommt zu dir, brennt in Liebe für für, daß er in der dunkeln Höhle hart sich bettet dir zu Gut, dich zu lösen durch sein Blut. Freude, Freude über Freude! Christus wehret allem Leide: Wonne, Wonne über Wonne! Jesus ist die Gnadenjonne. 44 Weihnachtsneder. 3. Jesu, wie soll ich dir danken? Ich bekenne, daß von dir meine Seligkeit herrühr; so laß mich von dir nicht wanken, nimm mich dir zu eigen hin, so empfindet Herz und Sinn Freude, Freude über Freude! Christus wehret allem Leide: Wonne, Wonne über Wonne! Jesus ist die Gnadensonne. 4. Jesu, nimm dich deiner Glieder ferner auch in Gnaden bitten an, schenke, was man fann, zu erquicken deine Brüder; gib der ganzen Christenschaar Frieden und ein seligs Jahr. Freude, Freude über Freude! Christus wehret allem Leide: Wonne, Wonne über Wonne! Jesus ist die Gnadensonne. Chrift. Keymann, geb. 1607,+ 1662. Mel. Da Christus geboren 2c. 67. Wunderbarer Gnadenthron, Gottes und Marien Sohn, Gott und Mensch, ein fleines Kind, das man in der Krippen findt, großer Held von Ewigkeit, dessen Macht und Herrlichkeit rühmt die ganze Christenheit! 2. Du bist arm und machst zugleich uns an Leib und Seele reich; du wirst klein, du großer Gott, und machst Höll und Tod zu Spott; aller Welt wird of fenbar, ja auch deiner Feinde Schaar, daß du Gott bist wunderbar. 3. Laß mir deine Güt und Tren täglich werden wieder neu; Gott, mein Gott, verlaß mich nicht, wenn mich Noth und Tod ansicht; laß mich deine Herrlichkeit, deine Wundergütigkeit schauen in der Ewigfeit. Joh. Olearius, geb. 1611, † 1684. Mel. O daß ich tausend Zungenic. 68. Dieß ist die Nacht, da mir erschienen des großen Gottes Freundlichkeit; das Kind, dem alle Engel dienen, bringt Licht in meine Dunkelheit; und dieses Welt- und Himmels- Licht weicht hunderttausend Sonnen nicht. 2. Laß dich erleuchten, meine Seele, versäume nicht den Gnadenschein! Der Glanz in dieser kleinen Höhle streckt sich in der Höllen Macht, der Sünden alle Welt hinein; er treibet weg und des Kreuzes Nacht. 3. In diesem Lichte fannst du sehen das Licht der klaren Seligkeit. Wann Sonne, Mond und Stern vergehen vielleicht in noch gar furzer Zeit, wird dieses Licht mit seinem Schein dein Himmel und dein Alles seyn. 4. Laß nur indessen helle scheinen dein Glaubens- und dein Liebeslicht; mit Gott mußt du es treulich meinen, sonst Weihnachtslieder. bilft dir diese Sonne nicht. Willst du genießen diesen Schein, so darfst du nicht mehr dunkel seyn. 5. Drum, Jesu, schöne Weihnachtsonne, bestrahle mich mit deiner Gunst; dein Licht sey meine Weihnachtwonne und lehre mich die Weihnachtkunst, wie ich im Lichte wandeln soll und sey des Weihnachtglaubens voll. Caspar Friedr. Nachtenhöfer, geb. 1624, † 1685. 45 zu, sucht bei dem Kinde die Ruh, die ihr zum Vater wollt gehen. 5. Hast du denn, Höchster, auch meiner noch wollen gedenken? Du willst dich selber, dein Herz voll von Liebe mir schenken; sollt nicht mein Sinn innigst fich freuen darin und sich in Demuth versenken? 6. König der Ehren, aus Liebe geworden zum Kinde, dem ich auch wieder mein Herz in der Liebe verbinde, du sollst es seyn, den ich erwähle allein; Mel. Lobe den Herren, den 2c. 69. Jauchzet, ihr Himmel, ewig entfag ich der Sünde. frohlocket, ihrEngel, in Chören! finget dem Herren, dem Heiland der Menschen, zu Ehren! sehet doch da, Gott will so freundlich, so nah zu den Verfornen sich fehren. 7. Treuer Immanuel, werd auch in mir nun geboren; komm doch, mein Heiland, und laß mich nicht länger verloren; wohne in mir, mach mich ganz eines mit dir, der du mich liebend erforen. 8. Menschenfreund, Jesu, dich lieb ich, dich will ich erheben, laß mich doch einzig nach deiniemGefallen nur streben; Herr, nimm mich hin, hilf mir, in findlichem Sinn ewiglich dir nur zu leben. Gerh. Tersteegen, geb. 1697,+ 1769. 4. Gott ist im Fleische! wer kann dieß Geheimniß verstehen? Hier ist die Pforte des Lebens nun offen zu sehen; tretet her2. Jauchzet, ihr Himmel, froblocket, ihr Enden der Erden! Gott und der Sünder die sol, len zu Freunden nun werden. Friede und Freud wird uns verkündiget heut. Freuet euch, Hirten und Heerden! 3. Sehet dieß Wunder, wie tief sich der Höchste hier beuget! Sehet die Liebe, die ganz sich als Liebe nun Sie mel. Lobt Gott, ihr Christen 2c. wird ein Kind, träget und he 70. Immanuel! der Herr bet die Sünd; alles anbetet und schweiget. ist hier und nimmt mein Fleisch an sich; Immanuel! ist Gott mit mir, wer ist dann wider mich?:,: 2. Also hat Gott die Welt geliebt, daß er aus freiem Trieb 46 den eingebornen Sohn uns gibt, wie hat er uns so lieb!:,: 3. Was sein erbarmungsvoller Rath schon in der Ewigkeit von Jesu fest beschlossen hat, das thut er in der Zeit.:,: 4. Er, unser Heil und höchstes Gut, der Alle segnen kann, nimmt wie die Kinder Fleisch und Blut, doch ohne Sünde an.:,: 5. Du wunderbarer Gott mensch wirst auch mir Rath, Kraft und Held, mein Retter und mein Friedefürst, du Heiland aller Welt.:,: Weihnachtslieder. 6. Was mir zum Seligseyn gebricht, das, Herr, erwarbst du mir: Versöhnung, Leben, Trost und Licht, das hab ich nun an dir.:,: geharrt, bis daß die Zeit erfüllet ward; da sandte Gott von seinem Thron das Heil der Welt, dich, seinen Sohn. Heinr. Corn. Hecker, geb. 1699, † 1743. Mel. Bom Himmel hoch zc. 71. Dies ist der Tag, den Gott gemacht; sein werd in aller Welt gedacht! Ihn preise, was durch Jesum Christ im Himmel und auf Erden ist. 2. Die Völker haben dein 3. Wenn ich dieß Wunder faffen will, so steht mein Geist vor Ehrfurcht still; er betet an, und er ermißt, daß Gottes Lieb unendlich ist. 4. Damit der Sünder Gnad erhält, erniedrigst du dich, Herr der Welt, nimmst selbst an unsrer Menschheit Theil, erscheinst im Fleisch und wirst uns Heil. 5. Dein König, Zion, kommt zu dir. Ich komm, im Buche steht von mir; Gott, deinen Willen thu ich gern"; gelobt sey, der da kommt im Herrn. 6. Herr, der du Mensch geboren wirst, Immanuel und Friedefürst, auf den die Väter hoffend sahn, dich, Gott Mes7. Dein Mangel wird mein reiches Theil, dein Leiden stillt mein Leid; durch deine Knechts- stas, bet ich an. gestalt, mein Heil, gewinn ich Herrlichkeit.:,: 8. Gelobt sey Gott, gelobt sein Sohn in dieser Freudenzeit! Lobt, Engel, ihn vor seinem Thron! Erheb ihn, Christenheit!:,: 7. Du, unser Heil und höchstes Gut, vereinest dich mit Fleisch und Blut, wirst unser Freund und Bruder hier, und Gottes Kinder werden wir. 8. Durch Eines Sünde fiel die Welt; Ein Mittler ists, der sie erhält. Was zagt der Mensch, wenn der ihn schüßt, der in des Vaters Schoße fizt? 9. Jauchzt, Himmel, die ihr ihn erfuhrt, den Tag der heiligsten Geburt; und Erde, die ihn heute sieht, sing ihm, dem Herrn, ein neues Lied! Neujahrslieder. 10. Dieß ist der Tag, den Gott gemacht; sein werd in aller Welt gedacht! Ihn preise, Neujahrslieder. Mel. Nun freut euch, lieben 2c. 72. Das liebe neue Jahr geht an, das alte hat ein Ende; drum Jedermann, erhebt ſein Herz und Hände zu unserm Gott ins Himmels Thron, dankt ihm und seinem lieben Sohn, auch Gott dem heilgen Geiste. 2. Gott Vater hat den Sohn gesandt, Gotts Sohn ist Mensch geboren, Gott heilger Geist macht solchs bekannt uns, die wir warn verloren: im felgen, lieben Gottes Wort geschrieben ists an manchem Ort, und wird uns klar verkündet. 3. Die reine Lehr und Sacrament wir habn in unserm Lande, fromm Obrigkeit, gut Regiment, Glück, Heil in allem Stande; Gott frönt das Jahr mit seinem Gut, hält Kirch und Schul in guter Hut, auch aller Christen Häuser. 4. Das danken wir dem lieben Herrn und freun uns solcher Güte; er woll den Feinden steurn und wehrn und uns hinfort behüten. Er geb ein selges neues Jahr und helf uns 47 was durch Jesum Christ im Himmel und auf Erden ist. Chrifti. Fürchteg. Gellert, geb. 1715, † 1769. zu der Engel Schaar, da wolln wir ihn schön preisen. Cyriakus Schneegaß, † 1597. Mel. Wenn wir in höchsten 2c. 73. Das alte Jahr vergangen ist; wir danken dir, Herr Jesu Christ, daß du uns in so großer G'fahr behütet hast lang Zeit und Jahr. 2. Wir bitten dich, du ewger Sohn des Vaters in dem höchsten Thron, du wollst dein arme Christenheit bewahren ferner alle Zeit. 3. Entzeuch uns nicht dein heilsam Wort, welchs ist der Seelen höchster Hort; vor fals scher Lehr, Abgötterei behüt uns, Herr, und steh uns bei. 4. Hilf, daß wir von der Sünd ablan und fromm zu werden faben an; fein'r Sünd im alten Jahr gedenk; ein gnadenreich Neujahr uns schenk. 5. Christlich zu leben, seliglich zu sterben und hernach fröhlich am jüngsten Tag wied'r aufzustehn, mit dir in Himmel einzugehn; 6. Zu danken und zu loben dich mit allen Engeln ewiglich. 48 D Jesu, unfern Glauben mehr zu deines Namens Lob und Ehr. Neujahrslieder. Joh. Steuerlein, geb. 1546,+ 1613. Mel. O Jesu Chrift, meins 2c. 74. Das as alte Jahr ist nun dahin; erneure, Jesu, Herz und Sinn, zu fliehen aller Laster Schaar in diesem lieben neuen Jahr. 2. Gib neuen Segen, Glück und Heil; hilf, daß wir sämmtlich haben Theil an dem, was uns, du höchstes Gut, erworben hat dein theures Blut. 3. Gedenke nicht der Missethat, damit wir, Jesu, früh und spat so oft gehandelt wider dich; vergib und gib uns gnädiglich. 4. Vergib uns alle Sünd und Schuld, gib in der strengen Noth Geduld; dein guter Geist uns wohne bei, sein Hülf und Trost stets bei uns sey. 5. Gleichwie das güldne Sonnenlicht die Strahlen wieder zu uns richt, so laß, Herr, deinen Gnadenschein uns wieder zugewendet seyn. 6. Laß deine Hülfe allezeit, du Menschenfreund, uns seyn bereit, bis wir einmal nach dieser Zeit eingehen in die Ewigfeit. Ernst Chrift. Homburg, geb. 1605, † 1681. Mel. Nun laßt uns Gott, dem 2c. 75. Nun laßt uns gehn und treten mit Singen und mit Beten zum Herrn, der unserm Leben bis hieher Kraft gegeben. 2. Wir gehn dahin und wandern von einem Jahr zum andern; wir leben und gedeihen vom alten zu dem neuen. 3. Denn wie von trenen Müttern in schweren Ungewittern die Kindlein hier auf Erden mit Fleiß bewahret werden: 4. Also auch und nichts minder läßt Gott ihm seine Kinder, wann Noth und Trübsal bligen, in seinem Schoße sißen. 5. Ach Hüter unsers Lebens! fürwahr, es ist vergebens mit unserm Thun und Machen, wo nicht dein Augen wachen. 6. Gelobt sey deine Treue, die alle Morgen neue; Lob sey den starken Händen, die alles Herzleid wenden. 7. Laß ferner dich erbitten, o Vater, und bleib mitten in unserm Kreuz und Leiden ein Brunnen unsrer Freuden. 8. Gib mir und allen denen, die sich von Herzen sehnen nach dir und deiner Hulde, ein Herz, das sich gedulde. 9. Schleuß zu die Jammerpforten und laß an allen Orten auf so viel Noth und Leiden uns sehen beßre Zeiten. 10. Sprich deinen, milden Segen zu allen unsern Wegen; laß Großen und auch Kleinen die Gnadensonne scheinen. 11. Sey der Verlaßnen Va ter, der Irrenden Berather, der Neujahrslieder. Unversorgten Gabe, der Armen Gut und habe. 12. Hilf gnädig allen Kranken; gib fröhliche Gedanken den hochbetrübten Seelen, die sich mit Schwermuth quälen. 13. Und endlich was das Meiste, füll uns mit deinem Geiste, der uns hier herrlich ziere und dort zum Himmel führe. 14. Das alles wollst du geben, o meines Lebens Leben, mir und der Christenschaare zum felgen neuen Jahre. Paul Gerhardt, geb. 1606,+1676. Werde Licht, du Stadt ic. Me 1. 76. Hilf, Herr Jesu! laß und Tod nicht tödten. gelingen, hilf, das neue Jahr geht an. Laß es neue Kräfte bringen, daß aufs Neu ich wandeln kann. Neues Glück und neues Leben wollest du aus Gnaden geben. 2. Meiner Hände Werk und Thaten, meiner Zunge Red und Wort müsse mir durch dich gerathen und ganz glücklich gehen fort. Neue Kraft laß mich erfüllen, zu verrichten deinen Willen. 3. Was ich dichte, was ich mache, das gescheh in dir allein; wann ich schlafe, wann ich wache, wollest du, Herr, bei mir seyn; geh ich aus, steh mir zur Seiten, fehr ich heim, wollst du mich leiten. 49 Ehr; hilf, daß ich mich stets bemühe, dich zu preisen mehr und mehr. Herr, ich weiß, es wird vor allen dieß mein Opfer dir gefallen. 5. Laß dieß seyn ein Jahr der Gnaden, laß mich büßen meine Sünd; hilf, daß sie mir nicht mög schaden, sondern bald Verzeihung find, Herr, in dir; denn du, mein Leben, fannst die Sünd allein vergeben. 6. Tröste mich mit deiner Liebe, nimm, o Gott, mein Flehen hin. Sich, wie sehr ich mich betrübe, ja voll Angst und Zagen bin. Stärke mich in meinen Nöthen, daß mich Sünd 4. Laß mich beugen meine Kniee nur zu deines Namens 7. Herr, du wollest Gnade geben, daß dieß Jahr mir heilig sey, und ich christlich könne leben sonder Trug und Heuchelei, daß ich noch allhie auf Erden fromm und selig möge werden. 8. Jesu, richte mein Beginnen, Jesu, bleibe stets bei mir; Jesu, zähme mir die Sinnen, Jesu, sey nur mein Begier; Jesu seymir in Gedanken, Jesu, lasſe nie mich wanken. enden dieses angefangne Jahr; 9. Jesu, laß mich fröhlich den, halte bei mir in Gefahr. den Freudig will ich dich umfasſen, wann ich soll die Welt verlaffen. 4 Johann Rift, geb. 1607,+ 1667. 50 Neujahrslieder. Mel. Herzlich thut mich 2c. 77. Durch Trauern und durch Plagen, durch Noth, durch Angst und Pein, durch Hoffnung und durch Klagen, durch manchen Sorgenstein bin ich, Gottlob! gedrungen; dießJahr ist hingelegt: dir, Gott, sey Lob gesungen! Das Herz ist mir bewegt. den? ich will gehorsam seyn. Soll ich von hinnen scheiden? Herr, dein Will ist auch mein. 6. Soll ich zum Himmel dringen? gar gern, o Gott, mein Licht! Soll mich die Höll verschlingen? ach, dieses willst du nicht. Ich habe zwar verdienet die rothe Höllengluth; du aber bist verfühnet durch deines Sohnes Blut. 2. Der du mich hast erbauet, in dir besteht mein Heil; dir ist mein Glück vertrauet, du bist und bleibst mein Theil. Du hast mich wohl erhalten, hast reichlich mich getröst; dich laß ich ferner walten, wenn Unfall mir zustößt. 3. Mein Gott, o meine Liebe, was du willst, will auch ich. Gib, daß ich nichts verübe, was Mel. Meinen Jesum laß ich 2c. irgend wider dich; dir ist mein 78. Jesus soll die Losung Will ergeben, ja er ist nicht mehr mein, dieweil mein ganzes Leben dein eigen wünscht zu seyn. seyn, da ein neues Jahr erschienen; Jesu Name soll allein denen zum Paniere dienen, die in seinem Bunde stehn und auf seinem Wege gehn. 2. Jesu Name, Jesu Wort soll in den Gemeinden schallen; und so oft wir nach dem Ort, der nach ihm genannt ist, wallen, mache seines Namens Ruhm unser Herz zum Heiligthum. 4. Nach dir soll ich mich schiden und, Herr, ich wills auch thun. Soll mich die Armuth drücken? ich will dabei beruhn. Soll mich Verfolgung plagen? ja, Herr, beftehl du mir. Soll ich Verachtung tragen? ach, ich gehorch auch hier. 5. Soll ich verlassen leben? Herr Gott, dein Wille gilt. Soll ich in Aengsten schweben? mein Heiland, wie du willt. Soll ich denn Krankheit lei7. Heut ist das Jahr beschlossen; Herr, deine Gnade sey heut auf mich neu ergossen, mein Herze werd auch neu. Laß ich die alten Sünden, so werd ich, Gott, bei dir auch neuen Segen finden, dein Wort verspricht es mir. G. W. Sacer, geb. 1635, † 1699. 3. Sein Verfühnen und sein Heil wollen wir im Glauben ehren; also wird es uns zu Theil, wird sich täglich bei uns Neujahrslieder. mehren; auch fürs neue Jahr uns beut Jesu Name Seligkeit. laß uns den alten Grund der Wahrheit Niemand rauben. Er neure Herz und Sinn, und das geschenkte Licht des ewig wahren Worts erlösche bei uns nicht. 4. Unsre Wege wollen wir nun in Jesu Namen gehen; geht uns dieser Leitstern für, so wird alles wohl bestehen, und durch seinen Gnadenschein alles voller Segen seyn. 5. Alle Sorgen, alles Leid soll sein Name uns versüßen; so wird alle Bitterfeit uns ein Segen werden müssen. Jesu Nam sey Sonn und Schild, welcher allen Kummer stillt. 5. Entzünde neue Lieb und Sanftmuth in uns allen; und soll uns dieses Jahr auch neue Noth befallen, so stärke die Geduld, und mache deine Treu, o Vater, über uns mit jedem Tage neu. Benj. Schmold, geb. 1672, † 1737. Mel. O Gott, du frommer 2c. 6. Gib, daß wir mehr und mehr den alten Menschen tödten; verleih an Seel und Leib, was Jedem ist vonnöthen, und laß uns, Herr, mit dem, was 79. Ein Jahr der Sterb- deine Weisheit thut, stets wohl zufrieden seyn; du machst doch alles gut. lichkeit, der kurzen Lebenstage, ist abermals dahin mit seiner Lust und Plage, und wiederum ein Theil von unsrer Pilgerschaft nunmehr zurückgelegt durch Gottes Schutz und Kraft. 7. Wem du das Ziel bestimmt, in diesem Jahr zu scheiden, den wollst du, treuer Gott, in Gnaden vollbereiten! Laß ihn im Glauben hier beschließen seinen Lauf, und nimm in deine Hand die Seele gnädig auf! 2. Herr, deine Güte machts, die niemals uns zu lieben ermüdet, noch vergißt, daß wir noch übrig blieben. Nimm unsers Herzens Dank in Gnaden von uns an für das, was du an uns in Jahr gethan. Mel. Machs mit mir, Gott 2c. 3. Wir schließen uns aufs 80. Ein Jahr geht nach dem andern hin der Ewigkeit entgegen. Ach, möchte doch der träge Sinn dieß fleißiger erwägen!, Ach, brächte doch ein jedes Jahr viel neue, gute Früchte dar! Neu in dein so treues Sorgen, in dein Erbarmen ein; da sind wir wohl geborgen, da ist das feste Schloß vor aller Feinde Truß, da findet allezeit dein Volk in Nöthen Schutz. 4. Gib mit dem neuen Jahr uns neue Stärk im Glauben, 51 Univ- Bibl. Giessen Henr. Kath. v. Gersdorf, geb. 1648, † 1726. 2. Allein, allein wo ist die Frucht, die wir bisher getra4* Neujahrslieder. 52 gen? Wie oft hat Gott umsonst gesucht, wie hat er müssen flagen! Es that ihm weh, wenn seine Hand anstatt der Frucht nur Blätter fand. 3. Haut ab, spricht er, den fahlen Baum, der keine Früchte träget. Was nimmt er andern Saft und Raum? Komm, Tod, der alles schläget, komm, leg die Art der Wurzel an, thu einen Streich, so ists gethan. 4. Allein der treue Heiland spricht: Laß ihn noch dieß Jahr stehen! Trägt er noch keine Früchte nicht, ich hoff sie noch zu sehen. Ach, halt des strengen Urtheils Lauf doch dieß Jahr noch, mein Vater, auf. 3. Laß auch dieß Jahr gesegnet seyn, das du uns neu gegeben. Verleih uns Kraft,- die Kraft ist dein, in deiner Furcht zu leben. Du schüßest uns und du vermehrst der Menschen Glück, wenn sie zuerst nach deinem Reiche streben. 4. Gib mir, wofern es dir gefällt, des Lebens Ruh und Freuden. Doch schadet mir das Glück der Welt, so gib mir Kreuz und Leiden; nur stärke mit Geduld mein Herz, und laß mich nicht in Noth und Schmerz die Glücklichern beneiden. 5. Hilf deinem Volfe väterlich in diesem Jahre wieder. Erbarme der Verlaßnen dich und der bedrängten Glieder. Gib Glück zu jeder guten That und laß dich, Gott, mit Heil und Mel. Nun freut euch, lieben 2c. 81. Gott ruft der Sonn Rath auf unsern Fürſten nieder. 6. Daß Weisheit und Gerechtigkeit auf seinem Stuhle throne; daß Tugend und Zufriedenheit in unserm Lande wohne; daß Treu und Liebe bei uns sey: dieß, lieber Vater, dieß verleih in Chrifto, deinem Sohne! 5. So gib denn, lieber Heiland, Krast, dieß Jahr viel Frucht zú bringen. Ach, laß doch deines Geistes Saft in unfre 3weige dringen, und schütte du auf jedes Haus viel Gnade, Kraft und Segen aus. Joh. Jakob Rambach, geb. 1693,+ 1735. da war, von dankerfüllten Zungen sey dir für das verfloßne Jahr ein heilig Lied gesungen für Leben, Wohlfahrt, Trost und Rath, für Fried und Ruh, für jede That, die uns durch dich gelungen. Er und schafft den Mond, die Tag und Jahr uns geben. schüßet, was auf Erden wohnt, er sichert unser Leben; er ists, der schafft und sorgt und wacht; auf! laßt uns ihn, den Gott der Macht, mit Preis und Dank erheben. 2. Herr, der da ist und der - Chrifti. Fürchtegott Gellert, geb. 1715,+ 1769. 33 Mel. Nun lob, mein Seel 2c. denzeit sind ungebraucht verschwunden und im Geräusch 82. Herr, der du deinen per Welt entweiht! Wie viele Neujahrslieder. Namen durch Wohlthun an uns herrlich machst, und über deinem Samen, den du erwählst, nem Samen, den du erwählst, so liebreich wachst, Jehova, dessen Treie uns unverändert liebt, und stündlich sich aufs Neue uns zu bewundern gibt! Entflamme mein Gemüthe, das deinen Ruhm befingt, und für so reiche Güte ein armes Opfer bringt. 2. Unendlicher Erbarmer! Erstaunend bet ich vor dir an. Wer bin ich Staub, ich Armer, daß du so viel an mir gethan? Anstatt im Zorn zu lohnen, wie ich um dich verschuldt, trägst du mich mit Verschonen und zärtlicher Geduld. Dein vielfach milder Segen bekrönte jeden Schritt, und auf gebahnten Wegen ging Gnad und Wahrheit mit. 3. Herr, wie muß ich mich schämen, daß ich so schlecht dafür gedankt! Du ließt mich alles nehmen, was ich von deiner Hand verlangt. Doch dir mich ganz zu geben, im Glauben dir allein mit Leib und Geist zu leben, dir redlich treu zu seyn und ganz in dich zu dringen, fehlt zwar der Wille nicht, wohl aber das Vollbringen, zu dem ich mich verpflicht. 4. Wie manche schöne Stunden der schnell entflohnen Gnavon den Gaben, die du mir haft gegönnt, sind ungenügt vergraben und freventlich verschwendt! Wie war ich doch so träge, zu thun, was mir ge= bührt, wie langsam auf dem Wege, der in den Himmel führt! den die Seele, die nicht ruhen 5. Laß, Jesu, Gnade finfann, als bis die Last der Sünden von dem Gewissen abgethan. Ach, sprich ein Wort und blicke auf dein gebeugtes Kind, wirf hinter dich zurücke, was sich von Schulden findt; laß feine mich beschämen und in das neue Jahr nichts von dem alten nehmen, was dir mißfällig war. 6. Laß deinen Geist mich stärken, zeuch immer näher mich zu dir, und laß mich stündlich merken, wie mächtig deine Kraft in mir. Hilf, Herr, laß wohl gelingen, gib Glauben, Muth und Fleiß, dir viele Frucht zu bringen zu deines Namens Preis. Laß mich stets brünstig flehen und auf die Ewigkeit den guten Samen säen, der sich der Ernte freut. 7. Soll mir ein Jahr der Leiden und Prüfungen bestimmet seyn; stellt sich auf allen Seiten bei mir des Kreuzes Trübsal ein: nun so gescheh 54 Epiphaniaslieder. dein Wille; nur schenke mir in dir Gelassenheit und Stille und halte fest bei mir. Ich weiß, von guten Händen kommt doch nichts Böses her; das Kreuz, das sie mir senden, drückt doch niemals zu schwer. 8. Hast du, Herr meiner Tage, in diesem Jahr mein Ziel bestimmt, in dem der WallEpiphaniaslieder. Mel. Valet will ich dir 2c. 83. D König aller Ehren, Herr Jesu, Davids Sohn, dein Reich soll ewig währen, im Himmel ist dein Thron. Hilf, daß allhier auf Erden den Menschen weit und breit dein Reich bekannt mög werden zur ewgen Seligkeit. 2. Von deinem Reich auch zeugen die Drei aus Morgenland; die Knie sie vor dir bengen, weil du ihn'n bist bekannt. Der neu Stern auf dich weiset, dazu das göttlich Wort; drum man dich billig preiset, daß du bist unser Hort. fahrt Plage und Schmerz und Leid ein Ende nimmt: o mit welch großen Freuden, wenn deine Gottesmacht ihr gnädig Vollbereiten an mir zu Stand gebracht, sink ich dir in die Hände und feire mit der Schaar, die triumphirt ohn Ende, mein Hall- und Jubel- Jahr! Andreas Rehberger, geb. 1716, † 1769. 3. Du bist ein großer König, wie uns die Schrift vermeldt; doch achteff du gar wenig vergänglich Gut und Geld; prangst nicht auf einem Roffe, trägst keine güldne Kron, fizst nicht in festem Schlosse, hier hast du Spott und Hohn. 4. Doch bist du schön geweit; dein Güt allzeit regieret zieret; dein Glanz erstreckt sich und dein Gerechtigkeit. Du wollst die Frommen schüßen durch dein Macht und Gewalt, daß sie im Frieden sizzen, die Bösen stürzen bald. 5. Du wollst dich mein erbarmen, in dein Reich nimm mich auf! Dein Güte schenk mir Armen und segne meinen Lauf; mein Feinden wollst du wehren, dem Teufel, Sünd und Tod, daß sie mich nicht versehren; rett mich aus aller Noth. 6. Du wollst in mir entzünden dein Wort, den schönsten Stern; laß falsche Lehr und Sünden seyn von meim Herzen fern; hilf, daß ich dich erkenne und mit der Christenheit dich meinen König nenne jeßt und in Ewigkeit. Martin Behemb, geb. 1557, † 1622. Epiphaniaslieder. Eigne Melodie. 84. Werde Licht, du Stadt der Heiden, und du Salem, werde Licht; schaue, welch ein Glanz mit Freuden über deinem Haupt anbricht: Gott hat derer nicht vergessen, die im Finstern sind gesessen. 2. Dunkelheit, die mußte weichen, als dieß Licht kam in die Welt, dem kein andres ist zu gleichen, welches alle Ding erhält: die nach diesem Glanze sehen, dürfen nicht im Finstern gehen. 3. Ach, wie waren wir verblendet, ehe noch dieß Licht brach an! Ja, da hatte sich ge= wendet schier vom Himmel Je dermann: unsre Augen und Geberden klebten einzig an der 5. Aber wie hervorge gangen ist der Aufgang aus der Höh, haben wir das Licht empfangen, welches so viel Angst und Weh aus der Welt hinweggetrieben, daß nichts Dunkles überblieben. 55 6. Dieses Licht läßt uns nicht wanken in der rechten Glaubensbahn; ewig, Herr, will ich dir danken, daß du diesen Schap geschenket, der zu haft so wohl gethan und uns deinem Reich uns lenket. 7. Gib, Herr Jesu, Kraft und Stärke, daß wir dir zu jeder Zeit durch geliebte Glaubenswerke folgen in Gerechtigkeit, und hernach im FreudenLeben heller als die Sterne schweben. 8. Dein Erscheinen müß erfüllen mein Gemüth in aller Noth; dein Erscheinen müsſe stillen meine Seel auch gar im Tod; Herr, in Freuden und im Weinen müsse mir dein Licht erscheinen. Erden. 4. Gottes Rath war uns verborgen; seine Gnade schien uns nicht; Klein und Große mußten sorgen, jedem fehlt' es an dem Licht, das zum rechten Mel. Werde munter 2c. Himmelsleben seinen Glanz 85. Freuct euch, ihr Gotuns sollte geben. tes Kinder! preiset mit mir Gottes Macht; freuet euch, ihr armen Sünder! laßt der Welt den Stolz und Pracht; freut euch, daß euch Gott regiert und zu seiner Kirche führt, daß wir armen Heiden können uns nun Gottes Kinder nennen. 9. Jesu, laß mich endlich gehen freudig aus der bösen Welt, dein so belles Licht zu sehen, das mir dort schon ist bestellt, wo wir sollen unter Kronen in der schönsten Klarheit wohnen. Johann Rift, geb. 1607,+1667. 2. Seine Herrschaft sich erstrecket über alles, was da lebt; seine Hand schüßt und bedecket, 56 was sich reget, webt und schwebt. Wenn er spricht, so geht sein Wort schnell wie Blig und Donner fort; es durchdringet Geist und Leben und kann Trost und Hoffnung geben. 3. Nun, ihr Sünder hier auf Erden, wollt ihrs haben endlich gut, wollt ihr Gottes Kinder werden, ei, so ändert euern Muth! Preiset Gottes Güt und Macht, so wird er euch geben Kraft, daß ihr auch zu ihm könnt kommen und euch freuen mit den Frommen. 4. Nimm die Myrrhen bittrer Reu; ach, mich schmerzet meine Sünde. Aber du bist fromm und treu, daß ich Trost und Gnade finde und nun fröhlich sprechen kann: Jesu, nimm mein Opfer an! Erdm. Neumeister, geb. 1671, † 1756. Mel. Wie schön leuchtet zc. 4. Aller Heiden ist kommen, Jeſus, unfer Freudenz 87. Wie herrlich strahlt Epiphaniaslieder. licht, der Beschirmer aller Frommen, unser Schutz und Zuversicht. Preiset seine Güt und Treu, die uns noch wird immer neu, so wird er euch allen geben, hier und dort mit ihm zu leben. Johann Olearius, geb. 1611,+1684. des Gebets, laß ihn gnädig dir genügen; Herz und Lippen sollen stets, ihn zu opfern, vor dir liegen. Wann ich bete, nimm es auf und sprich Ja und Amen drauf. der Morgenstern! O welch ein Glanz geht auf vom Herrn! Wer sollte sein nicht achten? Glanz Gottes, der die Nacht durchbricht, du bringst in finstre Seelen Licht, die nach der Wahrheit schmachten. Dein Wort, Jesu, ist voll Klarheit, führt zur Wahrheit und zum Leben; wer kann dich genug Mel. Jesus, meine Zuversicht 2c. 86. Jefu, großer Wunder- erheben? stern, der aus Jakob ist erschienen, meine Seele will so gern dir an deinem Feste dienen; nimm, ach nimm doch gnädig an, was ich Armer schenken kann. 2. Nimm das Gold des Glaubens hin, wie ichs von dir selber habe und damit beschenfet bin; so ist dirs die liebste Gabe. Laß es auch bewährt und rein in dem Kreuzesofen seyn. 3. Nimm den Weihrauch 2. Du hier mein Trost und dort mein Lohn, Sohn Gottes und des Menschen Sohn, des Himmels großer König! von ganzem Herzen preis ich dich; hab ich dein Heil, so rühret mich das Glück der Erde wenig. Zu dir komm ich; wahrlich Reiner tröstet deiner sich vergebens, sucht er dich nur, Herr des Lebens. 3. Durch dich nur kann ich Darstellung Chriſti. selig seyn; o drücke tief ins Herz mir ein Empfindung deiner Liebe, damit ich ganz dein eigen sey, aus Weltsinn deinen Dienst nicht scheu, gern deinen Willen übe. Nach dir, nach dir, den ich fasse und nicht lasse, ewig wähle, dürstet meine ganze Seele. 4. Von Gott strahlt mir ein Freudenlicht, die Hoffnung, daß dein Angesicht ich einstens werd erblicken. Du wirst indeß durch deine Kraft, die Ruh in müden Seelen schafft, mich stärken und erquicken. Tröste du mich, Seligmacher, daß ich Schwacher auf der Erde Him melsfreuden inne werde. 5. Und wie, Gott Vater, preis ich dich! Von Ewigkeit her hast du mich in deinem Sohn geliebet. Dein Sohn hat mich mit dir vereint; er ist mein Bruder und mein Freund: was ist, das mich betrübet? Seele, wähle ihn, den Besten, ihn, den Größten, dir zum Freunde, und dann fürchte keine Feinde. 6. Ihm, welcher Tod und Grab bezwang, ihm müsse froher Lobgesang mit jedem Tag erschallen! Dem Lamme, das erwürget ist, dem Freunde, der uns nie vergißt, zum Ruhm und Wohlgefallen! Tönet, tönet, Jubellieder, schallet wieder, daß die Erde voll von seinem Lobe werde! 57 7. Wie freu ich mich, o Jesu Christ, daß du der Erst und Letzte bist, der Anfang und das Ende! Ich gebe, Heiland, meinen Geist, wenn er sich einst dem Staub entreißt, in deine treuen Hände. Ewig werd ich, Herr, dort oben hoch dich loben, dem ich trane, wenn ich nun dein Antlig schaue. Joh. Adriph Schlegel, geb. 1721, T 1793. Darstellung Christi. Eigne Melodie. 88. Mit Fried und Freud ich fahr dahin in Gottes Wille. Getroft ist mir mein Herz und Sinn, sanft und stille. Wie Gott mir verheißen hat, der Tod ist mein Schlaf worden. 2. Das macht Christus, wahr Gottes Sohn, der treue Heiland, den du mich, Herr, haſt sehen lan, und macht bekannt, daß er sey das Leben mein und Heil in Noth und Sterben. 3. Den hast du Allen fürgestellt mit großen Gnaden, zu seinem Reich die ganze Welt heißen laden durch dein theuer heilsam Wort, an allem Ort erschollen. 4. Er ist das Heil und selig Licht für die Heiden, zurleuchten, die dich kennen nicht, und zu weiden. Er ist deins Volfs Ifrael der Preis, Ehr, Freud und Wonne. Dr. M. Luther, geb. 1483,+ 1546. 58 Passionslieder. Mel.Herzlich thut mich verlangen 2c. 89. Herr Jesu, Licht der Heiden, der Frommen Schaß und Lieb, wir kommen jetzt mit Freuden durch deines Geistes Trieb in diesen deinen Tempel und suchen mit Begier nach Simeons Exempel dich, großer Gott, allhier. 2. Du wirst von uns gefunden, o Herr, an jedem Ort, dahin du dich verbunden durch dein Verheißungswort; vergönnst noch heut zu Tage, daß man dich gleicherweis aufGlaubensarmen trage, wie hier der alte Greis. 3. Sey unser Glanz in Wonne, ein helles Licht in Pein, in Schrecken unsre Sonne, im Kreuz ein Gnadenschein, in Zagheit Gluth und Flamme, in Noth ein Freudenstrahl, in Krankheit Arzt und Amme, ein Stern in Todesqual. Eigne Melodie. ( Chriftus, der uns selig macht.) 4. Herr, laß auch uns gelingen, daß einst, wie Simeon, ein jeder Christ kann singen den schönen Schwanenton: Mir werden nun mit Frieden mein Augen zugedrückt, nachdem ich schon hieniéden den Heiland hab erblickt. 90. hilf, Christe, Gottes Sohn, durch dein bitter Leiden, daß wir stets dir unterthan all Untugend meiden, deinen Tod und sein Ursach fruchtbarlich bedenken, dafür, wiewohl arm und schwach, dir Dankopfer schenken. Mich. Weiß( 1531). 5. Ja, ja, ich hab im Glauben, mein Jesu, dich geschaut; kein Feind kann dich mir rauben, wie heftig er auch dräut. Ich wohn in deinem Herzen, und in dem meinen du; uns scheiden keine Schmerzen, kein Angst, kein Tod dazu. Passionslieder. 6. Hier blickst du zwar zuweilen mich hart und ängstlich an, daß oft vor Angst und Heulen ich dich nicht kennen kann; dort aber wirds geſchehen, daß ich von Angesicht zu Angesicht soll sehen dein immer flares Licht. Joh. Frand, geb. 1618, † 1677. Eigne Melodie. der! unsre Missethat, darin 91. Ah, wir armen Sünwir empfangen und geboren find, hat gebracht uns alle in solch große Noth, daß wir unterworfen sind dem ewgen Tod. Kyrie eleison! Christe eleison! Kyrie eleison! 2. So nicht wäre kommen Passionslieder. Christus in die Welt und an sich genommen unser arm Gestalt, hätten wir seyn müssen ewiglich in Noth; Christ hat sich gegeben für uns in den Tod. Kyrie:,: 3. Solche große Gnad und väterliche Gunst hat uns Gott erzeiget lauter gar umsonst. Des solln wir uns trösten gegen Sünd und Tod und nicht gar verzagen vor der Höllen Gluth. Kyrie:,: 4. Darum wolln wir loben, danken allezeit dem Vater und Sohne und dem heilgen Geist; bitten, daß fie treiben all Noth von uns fort, und daß wir stets bleiben an Gotts heilgem Wort. Kyrie:,: Nach laus tibi Christe um 1559. Jesu Chrift, meins 2c. Mel. 92. He err Christe, treuer Heiland werth, ein Schöpfer Himmels und der Erd, nimm unser G'bet mit Gnaden an, zu deinem Lob und Preis gethan. 2. Dein Güt so groß ans Kreuz dich bracht, dadurch wir ledig sind gemacht; denn Adams Sünd und Bande schwer trägst du und lösest sie, o Herr! 3. Dein ist der hohe Himmelsthron, noch wirst du eines Menschen Sohn, und weigerst dich des Sterbens nicht, eins schmählichen Tods wirst hingericht. 59 4. Du läßt dir Bande legen an, auf daß wir Freiheit mögen han; die Schuld du trägst, die ewig Schmach zu wenden und all Ungemach. 5. Am Kreuz du hängest angehaft't, die Erd bewegest du mit Kraft, befiehlst den Geist ins Vaters Hand, und Finsterniß bedeckt das Land. 6. Bald stehst du auf, ein Siegesherr, und leuchtest in des Vaters Ehr;-deins Geistes Kraft, du König fromm, uns allezeit zu Hülfe komm! Vincentius Schmuck, ( nach Rex Christe factor omnium.) geb. 1565, 1628. Eigne Melodie. 93. Herzliebster Jefu, was hast du verbrochen, daß man ein solch scharf Urtheil hat gesprochen? Was ist die Schuld, in was für Missethaten bist du gerathen? 2. Du wirst gegeißelt und mit Dorn gekrönet, ins Angesicht geschlagen und verhöhnet, du wirst mit Essig und mit Gall getränket ans Kreuz gehenket. 3. Was ist die Ursach aller solcher Plagen? Ach, meine Sünden haben dich geschlagen! Ich, mein Herr Jesu! habe dieß verschuldet, was du erduldet. 4. Wie wunderbarlich ist doch diese Strafe! Der gute Passionslieder. 60 Hirte leidet für die Schafe; die Schuld bezahlt der Herre, der Gerechte, für seine Knechte. 5. Der Fromme stirbt, der recht und richtig wandelt; der Böse lebt, der wider Gott mißhandelt. Der Mensch verwirkt den Tod und ist entgangen; Gott liegt gefangen. 6. Ich war von Fuß auf voller Schand und Sünden, bis zu der Scheitel war nichts Guts zu finden. Dafür hätt ich dort in der Hölle müssen ewiglich büßen. 7. O große Lieb, o Lieb ohn alle Maße, die dich gebracht auf diese Marterstraße. Ich lebte mit der Welt in Lust und Freuden, und du mußt leiden. 8. Ach großer König, groß zu allen Zeiten! Wie kann ich gnugsam solche Treu ausbreiten! Kein menschlich Herz vermag es auszudenken, was dir zu schenken. in eignen Kräften, dem Kreuze die Begierden anzuheften: so gib mir deinen Geist, der mich regiere, zum Guten führe. 12. Alsdann so werd ich deine Huld betrachten, aus Lieb zu dir die Welt für nichts mehr achten; ich werde mich bemühen, deinen Willen stets zu erfüllen. 13. Ich werde dir zu Ehren alles wagen, kein Kreuz nicht achten, keine Schmach noch Plagen, nichts von Verfolgung, nichts von Todesschmerzen nehmen zu Herzen. schlecht zwar ist zu schätzen, wirst 14. Dieß alles, obs für seßen. In Gnaden wirst du du, o Herr, nicht gar bei Seite dieß von mir annehmen, mich nicht beschämen. 15. Wenn dort, Herr Jesu, wird vor deinem Throne auf meinem Haupte stehn die Ehrenkrone: so will ich dir, wenn alles wird wohlklingen, Lob und Dank singen. 9. Ich fanns mit meinen Sinnen nicht erreichen, womit doch dein Erbarmen zu vergleichen; wie kann ich dir denn Mel. Zion klagt mit sc. deine Liebesthaten im Werk 94. Jesu, deine tiefen erstatten? 10. Doch ist noch etwas, das dir angenehme, wenn ich das Fleisches Lüste dämpf und zähme, daß sie aufs Neue nicht mein Herz entzünden mit alten Sünden. Wunden, deine Qual und bittrer Tod geben mir zu allen Stunden Trost in Leibs- und Seelennoth. Fällt mir etwas Arges ein, denk ich bald an deine Pein, die erlaubet meinem Herzen mit der Sünde nicht zu scherzen. 11. Weil aber dieß nicht steht Johann Heermann, geb. 1585, † 1647. Passtonslieder. 2. Will sich dann in Wolluft weiden mein verderbtes Fleisch und Blut: so gedenk ich an dein Leiden; bald wird alles wieder gut. Kommt der Satan und setzt mir heftig zu, halt ich ihm für deine Gnad und Gnadenzeichen, bald muß er von dannen weichen. 3. Will die Welt mein Herze führen auf die breite Wollustbahn, da nichts ist als Jubiliren, alsdann schau ich emsig an deiner Marter Centnerlast, die du ausgestanden hast: so kann ich in Andacht bleiben, alle böse Lust vertreiben. 4. Ja für alles, was mich kränket, mir dein Leiden Hülfe schafft; wenn mein Herz hinein sich senket, schöpft es neue Lebenskraft; deines Trostes Süßigkeit wendt in mir das bittre Leid, der du mir das Heil erworben, da du bist für mich gestorben. 5. Auf dich seß ich mein Vertrauen; du bist meine Zuversicht. Dein Tod hat den Tod zerhauen, daß er mich kann tödten nicht. Daß ich an dir habe Theil, bringet mir Trost, Schuß und Heil; deine Gnade wird mir geben Auferstehung, Licht und Leben. 6. Hab ich dich in meinem Herzen, du Brunn aller Gütigkeit, so empfind ich keine Schmerzen auch im letzten 61 Kampf und Streit; ich verberge mich in dich, welch Feind will verletzen mich? Wer sich legt in deine Wunden, der hat glücklich überwunden. Joh. Heermann, geb. 1585, † 1647. Eigne Melodie. 95. Du großer Schmerzenmann, vom Vater so geschlagen, Herr Jesu, dir sey Dank für alle deine Plagen, für deine Seelenangst, für deine Band und Noth, für deine Geißelung, für deinen bittern Tod. 2. Ach, das hat unsre Sünd und Missethat verschuldet, was du an unsrer Statt, was du für uns erduldet. Ach, unsre Sünde bringt dich an das Kreuz hinan, o unbeflecktes Lamm, was hast du sonst gethan? 3. Dein Kampf ist unser Sieg, dein Tod ist unser Leben; in deinen Banden ist die Freiheit uns gegeben; dein Kreuz ist unser Trost, die Wunden unser Heil, dein Blut das Lösegeld, der armen Sünder Theil. 4. D hilf, daß wir uns auch zum Kampf und Leiden wagen und unter unsrer Last des Kreuzes nicht verzagen; hilf tragen mit Geduld durch deine Dornenkron, wenns kommen soll mit uns zum Blute, Schmach und Hohn. 62 Passionslieder. 5. Dein Angst komm uns zu Gut, wenn wir in Aengsten liegen; durch deinen Todeskampf laß uns im Tode stegen; durch deine Bande, Herr, bind uns, wie dirs gefällt; hilf, daß wir freuzigen durch dein Kreuz Fleisch und Welt. 6. Laß deine Wunden seyn die Heilung unsrer Sünden; laß uns auf deinen Tod den Trost im Tode gründen; o Jesu, laß an uns durch dein Kreuz, Angst und Pein dein Leiden, Angst und Noth ja nicht verloren seyn. Adam Thebesius, geb. 1596, † 1652. Mel. Herr Chrift, der einig c. 96. Wenn meine Sünd mich fränken, o mein Herr Jesu Christ, so laß mich wohl bedenken, wie du geſtorben bist, und alle meine Schuldenlast am Stamm des heilgen Kreuzes auf dich genommen hast. 2. O Wunder ohne Maßen, wer es betrachtet recht: es hat sich martern lassen der Herr für seinen Knecht! Es hat sich felbst der wahre Gott für mich verlornen Menschen gegeben in den Tod. 3. Was kann mir denn nun schaden der Sünden große Zahl? Ich bin bei Gott in Gnaden; die Schuld ist allzumal bezahlt durch Christi theures Blut, daß ich nicht mehr darf fürchten der Hölle Qual und Gluth. 4. Drum sag ich dir von Herzen jetzt und mein Lebenlang für solche Pein und Schmerzen, o Jesu, Lob und Dank, für deine Noth und Angstgeschrei, für dein unschuldig Sterben, für deine Lieb und Treu. 5. Herr, laß dein bitter Leiden mich reizen für und für, mit allem Ernst zu meiden die sündliche Begier, daß mir nie komme aus dem Sinn, wie viel es dich gekostet, daß ich erlöset bin. 6. Mein Kreuz und meine Plagen, sollts auch seyn Schmach und Spott, hilf mir geduldig tragen; gib, o mein Herr und Gott, daß ich verläugne diese Welt und folge dem Exempel, das du mir vorgestellt. 7. Laß mich an Andern und meinen Nächsten lieben, üben, was du an mir gethan, gern dienen Jedermann, ohn Eigennuß und Heuchelschein, und wie du mir erwiesen, aus reiner Lieb allein. 8. Laß endlich deine Wunmeinen letzten Stunden und den mich trösten kräftiglich in des versichern mich: weil ich auf dein Verdienst nur trau, du werdest mich annehmen, daß ich dich ewig schau. Justus Gesenius, geb. 1601, † 1671. Passionslieder. Eigne Melodie. 97. Jesu, meines Lebens Leben, Jesu, meines Todes Tod, der du dich für mich gegeben in die tiefste Seelennoth, in das äußerste Verderben, nur daß ich nicht möchte sterben. Tausend, tausendmal sey dir, liebster Jesu, Dankdafür. 2. Du, ach du hast ausgestanden Lästerreden, Spott und Hohn, Speichel, Schläge, Strick und Banden, du gerechter Gottes- Sohn, nur mich Armen zu erretten von des Teufels Sündenketten. Tausend, tausendmal sey dir, liebster Jesu, Dank dafür. 3. Wunden läsfest du dir schlagen; alle Marter trägest du, um zu heilen meine Plagen und zu sehen mich in Ruh; ach, du haft zu meinem Segen lassen dich mit Fluch belegen. Tausend, tausendmal ſey dir, liebster Jesu, Dank dafür. 4. Man hat dich sehr hart verhöhnet, dich mit großem Schimpf belegt, gar mit Dornen dich gekrönet. Was hat dich dazu bewegt? daß du möchtest mich ergößen, mir die Ehrenfron aufseßen. Tausend, tausendmal sey dir, liebster Jesu, Dank dafür. 5. Du hast wollen seyn geschlagen, mich zu lösen von der Pein; fälschlich lassen dich an63 klagen, daß ich könnte sicher seyn; daß ich möchte troftreich prangen, hast du sonder Troft mal sey dir, liebster Jesu, Dank gehangen. Tausend, tausenddafür. 6. Du hast dich mit Schmach bedecket, haft gelitten mit Ge duld, gar den herben Tod geschmecket, um zu büßen meine Schuld; daß ich würde losgezählet, hast du wollen seyn gequälet. Tausend, tausendmal sey dir, liebster Jesu, Dank dafür. 7. Deine Demuth hat gebüßet meinen Stolz und Uebermuth; dein Tod meinen Tod versüßet, es kommt alles mir zu Gut; dein Verspotten, dein Verspeien muß zu Ehren mir gedeihen. Tausend, tauſendmal sey dir, liebster Jeſu, Dank dafür. 8. Nun ich danke dir von Herzen, Herr, für die geſammte Noth, für die Wunden, für die Schmerzen, für den herben, bittern Tod. Für dein Zittern, für dein Zagen, für dein tausendfaches Plagen, für dein Ach und tiefe Pein will ich ewig dankbar seyn. Ernst Christoph Homburg. geb. 1605, † 1681. Mel. An Wasserflüssen Babylon 2c. 98. Ein Lämmlein geht und trägt die Schuld der Welt und ihrer Kinder; es geht und 64 Passionslieder. träget mit Geduld die Sünden aller Sünder; es geht dahin, wird matt und krank, ergibt sich auf die Würgebank, verzeiht sich aller Freuden; es nimmet an Schmach, Hohn und Spott, Angst, Wunden, Striemen, Kreuz und Tod, und spricht: Ich wills gern leiden. 2. Das Lämmlein ist der große Freund und Heiland meiner Seelen; den, den hat Gott zum Sündenfeind und Sühner wollen wählen. Geh bin, mein Kind, und nimm dich an der Kinder, die ich ausgethan zur Straf und Zornes Ruthen; die Straf ist schwer, der Zorn ist groß; du kannst und sollst sie machen los durch Sterben und durch Bluten. 3. Ja, Vater, ja von Herzensgrund, leg auf, ich will dirs tragen. Mein Wollen hängt an deinem Mund; mein Wirken ist dein Sagen. O Wunderlieb, o Liebesmacht, du fannst, was nie kein Mensch gedacht, Gott seinen Sohn abzwingen. Liebe, Liebe, du O bist stark, du streckest den ins Grab und Sarg, vor dem die Felsen springen. 4. Mein Lebetage will ich dich aus meinem Sinn nicht lassen; dich will ich stets, gleichwie du mich, mit Liebesarmen fassen. Du sollt seyn meines Herzens Licht, und wann mein Herz in Stücke bricht, sollt du mein Herze bleiben. Ich will mich dir, mein höchster Rahm, hiermit zu deinem Eigenthum beständiglich verschreiben. 5. Ich will von deiner Lieblichkeit bei Nacht und Tage fingen, mich selbst auch dir zu aller Zeit zum Freudenopfer bringen. Mein Bach des Lebens soll sich dir und deinem Namen für und für in Dankbarkeit ergießen; und was du mir zu Gut gethan, das will ich stets, so tief ich kann, in mein Gedächtniß schließen. 6. Erweitre dich, mein Herzensschrein, du sollt ein Schatzhaus werden der Schätze, die viel größer seyn, als Himmel, Meer und Erden. Weg mit den Schäßen dieser Welt, weg Ehre, Wollust, Pracht und Geld! Ich hab ein Beffers funden: mein großer Schatz, Herr Jesu Christ, ist dieses, was geflossen ist aus deines Leibes Wunden. 7. Das soll und will ich mir zu Nuß zu allen Zeiten machen; im Streite soll es seyn mein Schuß, in Traurigkeit mein Lachen, in Fröhlichkeit mein Saitenspiel, und wann mir nichts mehr schmecken will, soll mich dieß Manna speisen; im Durst solls meine Quelle seyn, bin ich verlassen und allein, soll es mein Tröster heißen. 8. Was schadet mir des Todes Gift? Dein Blut das iſt mein Leben. Wann mich der Passionslieder. Sonnen Hige trifft, so kann mirs Schatten geben. Seßt mir der Wehmuth Schmerzen zu, so find ich bei dir meine Ruh, als auf dem Bett ein Kranker; und wann des Kreuzes Ungestüm mein Schifflein treibet um und um, so bist du dann mein Anker. 9. Wenn endlich ich soll treten ein in deines Reiches Freuden, so laß dieß Blut mein Purpur seyn, ich will mich darein kleiden; es soll seyn meines Hauptes Kron, in welcher ich will vor den Thron des höchsten Vaters gehen, und dir, dem er mich anvertraut, als eine wohlgeschmückte Braut an deiner Seite stehen. Paul Gerhardt, geb. 1606,+1676. Mel. O Welt, ich muß dich zc. 99. Welt, sieh hier dein Leben am Stamm des Kreuzes schweben: dein Heil sinkt in den Tod; der große Fürst der Ehren läßt willig sich beschweren mit Schlägen, Hohn und großem Spott. 2. Tritt her und schau mit Fleiße, sein Leib ist ganz mit Schweiße des Blutes überfüllt. Aus seinem edlen Herzen vor unerschöpftem Schmerzen ein Seufzer nach dem andern quillt. 3. Wer hat dich so geschlagen, mein Heil, und dich mit Plagen so übel zugericht? Du bist ja nicht ein Sünder, wie 1 65 wir und unsre Kinder, von Ulebelthaten weißt du nicht. 4. Ich, ich und meine Sünden, die sich wie Körnlein finden des Sandes an dem Meer, die haben dir erreget das Elend, das dich schläget, und das betrübte Marterheer. 5. Ich bins, ich sollte büßen, an Händen und an Füßen gebunden in der Höll. Die Geißeln und die Banden, und was du ausgestanden, das hat verdienet meine Seel. 6. Du nimmst auf deinen Rücken die Lasten, die mich drüden viel schwerer als ein Stein. Du wirst ein Fluch; dagegen verehrst du mir den Segen, dein Schmerzen muß mein Labsal seyn. 7. Du sehest dich zum Bürfür mich und meine Schuld. gen, ja läsfest dich gar würgen Mir läsfest du dich krönen mit Dornen, die dich höhnen, und leidest alles mit Geduld. bunden all Augenblick und 8. Ich bin, mein Heil, verStunden dir überhoch und sehr. Was Leib und Seel vermögen, das soll ich billig legen allzeit an deinen Dienst und Ehr. 9. Nun ich kann nicht viel geben in diesem armen Leben; Eins aber will ich thun: es soll dein Tod und Leiden, bis Leib und Seele scheiden, mir stets in meinem Herzen ruhn. 10. Ich wills vor Augen 5 66 Passionslieder. segen, mich stets daran ergößen, ich sey auch, wo ich sey; es soll mir seyn ein Spiegel der Unschuld und ein Siegel der Lieb und unverfälschten Treu. 11. Wie heftig unsre Sünden den frommen Gott ent= zünden, wie Rach und Eifer gehn, wie schrecklich seine Ruthen, wie zornig seine Fluthen, will ich aus deinem Leiden sehn. 12. Ich will darin erblicken, wie ich mein Herz soll schmücken mit stillem, sanftem Muth; und wie ich die soll lieben, die mich doch sehr bettüben mit Werken, so die Bosheit thut. 13. Wenn böse Zungen stechen, mir Glimpf und Namen brechen, so will ich zähmen mich; das Unrecht will ich dulden, dem Nächsten seine Schulden verzeihen gern und williglich. 14. Ich will mich mit dir schlagen ans Kreuz und dem absagen, was meinem Geist gelüft. Was deine Augen hassen, das will ich fliehn und lassen, so viel mir immer möglich ist. 15. Dein Seufzen und dein Stöhnen und die viel tausend Thränen, die dir geflossen zu, die sollen mich am Ende in deinen Schoß und Hände begleiten zu der ewgen Ruh. Paul Gerhardt, geb. 1606, † 1676. Mel. Herzlich thut mich 2c. 100. und Wunden, voll Schmerz und Haupt voll Blut voller Hohn! O Haupt, zum Spott gebunden mit einer Dornenkron! O Haupt, sonst schön gezieret mit höchster Ehr und Zier, jetzt aber höchst schimpfiret, gegrüßet seyst du mir! 2. Du edles Angesichte, davor sonst schrickt und scheut das große Weltgewichte, wie bist du so bespeit, wie bist du so erbleichet, wer hat dein Augenlicht, dem sonst kein Licht nicht gleichet, so schändlich zugericht? 3. Nun, was du, Herr, erduldet, ist alles meine Last; ich hab es selbst verschuldet, was du getragen hast! Schau her, hier steh ich Armer, der Zorn verdienet hat, gib mir, o mein Erbarmer, den Anblick deiner Gnad. 4. Erkenne mich, mein Hüter; mein Hirte, nimm mich an! Von dir, Quell aller Güter, ist mir viel Guts gethan. Dein Mund hat mich gelabet mit Milch und süßer Kost; dein Geist hat mich begabet mit mancher Himmelslust. 5. Ich will hier bei dir stehen, verachte mich doch nicht! Von dir will ich nicht gehen, wenn dir dein Herze bricht. Wenn dein Haupt wird erblassen im letzten Todesstoß, alsdann will ich dich fassen in meinen Arm und Schoß. 6. Es dient zu meinen Freuden und kömmt mir herzlich wohl, wenn ich in deinem Lei 67 2. Heile mich, o Heil der Seelen, wo ich frank und traurig bin; nimm die Schmerzen, die mich quälen, und den ganzen Schaden hin, den mir Adams Fall gebracht, und ich selber mir gemacht; wird, o Arzt, dein Blut mich neßen, wird sich all mein Jammer seßen. Passionslieder. den, mein Heil, mich finden soll. Ach möcht ich, o mein Leben, an deinem Kreuze hier mein Leben von mir geben, wie wohl geschähe mir! 7. Ich danke dir von Herzen, o Jesu, liebster Freund, für deines Todes Schmerzen, da dus so gut gemeint. Ach gib, daß ich mich halte zu dir und deiner Treu, und wenn ich nun erfalte, in dir mein Ende sey. 8. Wann ich einmal soll scheiden, so scheide nicht von mir; wann ich den Tod soll leiden, so tritt du dann herfür. Wann mir am allerbängsten wird um das Herze seyn, so reiß mich aus den Äengsten kraft deiner Angst und Pein. 9. Erscheine mir zum Schilde, zum Trost in meinem Tod, und laß mich sehn dein Bilde in deiner Kreuzesnoth. Da will ich nach dir blicken; da will ich glaubensvoll dich fest an mein Herz drücken. Wer so stirbt, der stirbt wohl. Paul Gerhardt, geb. 1606, † 1676. Mel. Zion klagt mit Angst zc. Mel. Herr Jesu Christ, du sc. 101. ey mir tausendmal 102. Herr Jesu, deine gegrüßet, der mich je und je geliebt, Jesu, der du selbst gebüßet das, womit ich dich betrübt; ach, wie ist mir doch so wohl, wann ich fnien und liegen soll an dem Kreuze, da du stirbest und um meine Seele wirbest. 3. Schreibe deine blutgen Wunden mir, Herr, in das Herz hinein, daß sie mögen alle Stunden bei mir unvergessen seyn; du bist doch mein schönstes Gut, da mein ganzes Herze ruht; laß mich hier zu deinen Füßen deiner Lieb und Gunst genießen. 4. Diese Füße will ich halten, auf das Best ich immer Falten und mich selber freundtann; schaue meiner Hände lich an von des hohen Kreuzes Baum, und gib meiner Bitte Raum; sprich: Laß all dein Trauren schwinden; ich, ich tilg all deine Sünden. Paul Gerhardt( nach Bernhard von Clairvaux), geb. 1606, † 1676. Angst und Pein und dein betrübtes Leiden laß mir vor Augen allzeit seyn, die Sünde zu vermeiden. Laß mich an deine große Noth und deinen herben, bittern Tod, dieweil ich lebe, denken. 2. Die Wunden alle, die 5* 68 du hast, hab ich dir helfen schlagen, auch meine große Sündenlast dir aufgelegt zu tragen. Ach, liebster Heiland, schone mein, laß diese Schuld vergessen seyn, laß Gnad für Recht ergehen. Passionslieder. 3. Du hast verlassen deinen Thron, bist in das Elend gan gen, vertrugest Schläge, Spott und Hohn, mußtest am Kreuze hangen, auf daß du für uns schafftest Rath und unsre schwere Missethat bei Gott versöhnen möchtest. 4. Drum will ich jetzt zur Dankbarkeit von Herzen dir lobsingen; und wenn du zu der Seligkeit mich wirst hinkünftig bringen, so will ich daselbst noch vielmehr zusammt dem ganzen Himmelsheer dich ewig dafür loben. 5. Herr Jesu, deine Angst und Bein und dein betrübtes Leiden laß meine legte Zuflucht seyn, wenn ich von hier soll scheiden. Ach hilf, daß ich durch deinen Tod fein sanft beschließe meine Noth und selig sterbe. Amen! Mel. Herr Jesu Christ, du 2c. 103. Ich danke dir für deinen Tod, Herr Jesu, und die Schmerzen, die du in deiner legten Noth empfandst in deinem Herzen. Laß die Verdienste solcher Pein ein Labsal meiner Seelen seyn, wenn mir die Augen brechen. 2. Ich danke dir für deine Huld, die du mir hast erzeiget, da du mit Zahlung meiner Schuld dein Haupt zu mir ges neiget. Ach, neig dich auch zu mir, mein Gott, wenn ich gerath in Todesnoth, damit ich Gnade spüre. 3. Laß meine Seel in deiner Gunst aus ihrem Leibe scheiden, auf daß an mir nicht sey umsonst dein theuer werthes Leiden; nimm sie hinauf zur Jesus bist, und laß mich ewig selben Frist, wo du ihr liebster leben. Johann Scheffler, geb. 1624, † 1677. Eigne Melodie. 104. du Liebe meiner giebe, du erwünschte Seligkeit, in das jammervolle Leid deines die du dich aus höchstem Triebe Leidens, mir zu Gute, als ein bezahlt mit deinem Blute alle Schlachtschaf eingestellt, und Missethat der Welt. 2. Liebe, die mit Schweiß und Thränen an dem Delberg sich betrübt; Liebe, die mit Blut und Sehnen unaufhörlich fest geliebt; Liebe, die mit allem Willen Gottes Zorn und Eifer trägt, den, so Niemand konnte stillen, hat dein Sterben hingelegt. 3. Liebe, die mit starkem Herzen alle Schmach und Hohn Passionslieder. gehört; Liebe, die mit Angst und Schmerzen nicht der strengste Tod versehrt; Liebe, die sich liebend zeiget, da sich Kraft und Athem endt; Liebe, die sich liebend neiget, da sich Leib und Seele trennt. 4. Liebe, die mit so viel Wunden gegen mich, als seine Braut, unauflöslich sich verbunden und auf ewig anvertraut; Liebe, laß auch meine Schmerzen, meines Lebens Jammerpein in dem blutverwundten Herzen sanft in dir gestillet seyn. 5. Liebe, die für mich gestorben und ein immerwährend Gut an dem Kreuzesholz erworben, ach, wie denk ich an dein Blut! Ach, wie dank ich deinen Wunden, du verwundte Liebe du, wenn ich in den leßten Stunden sanft in deiner Seiten ruh! 6. Liebe, die sich todt gefränfet und für mein erfaltes Herz in ein faltes Grab gesenfet, ach, wie dank ich deinem Schmerz! Habe Dank, daß du gestorben, daß ich ewig leben kann, und der Seelen Heil erworben; nimm mich ewig liebend an! Johann Scheffler, geb. 1624, 1677. Mel. Jesu, der du meine Seele 2c. 105. Jesu, der du wollen büßen für die Sünden aller Welt durch dein theures Blut69 vergießen, der du dich haft dargestellt als ein Opfer für die Sünder, die verdammten Adamskinder: ach, laß deine Todespein nicht an mir verloren seyn! 2. Rette mich durch deine Plagen, wenn mich meine Sünde plagt; laß, ach laß mich nicht verzagen, weil du selbst für mich gezagt; hilf, daß mich dein Angstschweiß fühle, wenn ich Drangsalshige fühle. Ach, laß deine Todespein nicht an mir verloren seyn! 3. Mache mich durch deine Bande von des Satans Banden frei; hilf, daß dein erlittne Schande meine Kron und Ehre sey. Trost der Seelen, Heil der Erden, laß mich nicht zu Schanden werden! Ach, laß deine Todespein nicht an mir verloren seyn! 4. Rede durch dein Stilleschweigen, liebster Jesu, mir das Wort. Wenn mich Sünden überzeugen und verklagen fort und fort, wenn mein bös Gewissen schreiet und mir mit Verdammniß dräuet: ach, laß deine Todespein nicht an mir verloren seyn! 5. Laß mich Freudenrosen brechen, liebster Jesu, meine Zier, von den Dornen, die dich stechen; Jesu, nahe dich zu mir! Kröne mich mit Huld und Gnade, daß kein Sündendorn mir schade. Ach, laß deine Todes 70 Passionslieder. pein nicht an mir verloren seyn! 6. Heile des Gewissens Striemen, nimm von mir der Schmerzen Last durch die Geiz Beln, durch die Riemen, welche du gefühlet hast, daß ich böser Knecht der Sünde Satans Streiche nicht empfinde. Ach, laß deine Todespein nicht an mir verloren seyn! 7. Ach, laß deine tiefen Wunden frische Lebensbrunnen seyn, wenn mir alle Kraft verschwunden, wenn ich schmacht in Seelenpein. Senf die Schuld, die mich beladen, in den Abgrund deiner Gnaden. Ach, laß deine Todespein nicht an mir verloren seyn! 8. Ach, zerbrich des Eifers Ruthe, ach, erzeige Gnad und Huld, tilge doch mit deinem Blute meine schwere Sündenschuld; laß mich in der Angst von Sünden Ruh in deiner Seite finden. Ach, laß deine Todespein nicht an mir verloren seyu! 9. Jesu, komm, mich zu bes freien durch dein lautes Angstgeschrei; wenn viel tausend Sünden schreien, stehe doch mir Armen bei; wenn mir Wort und Sprach entfallen, laß mich sanft von hinnen wallen. Laß mir deine Todespein Leben, Heil und Himmel seyn! Eigne Melodie. 106. Als Jesus an dem Kreuze hing, der Tod schier Seel und Leib umfing, da hatt er Angst und Schmerzen. Was da aus seinem Munde ging, das faß, o Mensch, zu Herzen. 2. Die erste Rede, wie er bat, betraf des Vaters Güt die Sünden; es fennt nicht und Rath: Vergib dem Volk seine Missethat; ach, laß es Gnade finden! 3. Das andre Wort, womit er lehrt, ward zu des Schächers Trost gehört: Dein Leid wird in Vertrauen, dein Tod ins Paradies verkehrt, mich heut allda zu schauen. 4. 3um dritten stund die Mutter dar, da sprach er: Weib, das mich gebar, dieß ist dein Sohn geblieben; Johannes, nimm der Mutter wahr, die sollt du findlich lieben. 5. 3um vierten rief er aus: Mich dürft! Wornach, du großer Lebensfürst? den Menschen Heil zu bringen. Wenn du von hinnen scheiden wirst, so wird es dir gelingen. 6. 3um fünften schrie er heftiglich: Mein Gott, mein Gott, entzeuchst du dich? Wie? hast du mich verlassen? Ich leide Noth und ängste mich: Passionslieder. doch kannst du mich nicht haffen. 7. 3um sechsten nehmet dieß in Acht: Mein Leiden ist nunmehr vollbracht, so viel die Schrift erweiset. Ein Sünder, der in Buß erwacht, wird hier mit Trost gespeiset. 8. Das stebent ist sein leßtes Wort: Herr, zeuch mit meinem Geiste fort; es geht nunmehr zum Ende; den übergeb ich dir, mein Hort, in deine Vaterhände. 9. Wer recht hierüber in sich schlägt, wer Christi Pein und Wort erwägt und sich zu Gott erhebet, dem wird die Gnade beigelegt, wodurch er ewig lebet. Ernst Lange. geb. 1650,+1727. Mel. Wer weiß, wie nahe 2c. 107. Es ist vollbracht! Er ist verschieden, mein schließt die Augen zu; der Friedefürst entschläft im Frieden; die Lebenssonne geht zur Ruh und sinkt in stille Todesnacht; o großes Wort: es ist vollbracht! 2. Es ist vollbracht! Er hats gesprochen; das ewge Wort muß sprachlos seyn; das Herz der Treue wird gebrochen; den Fels des Heils umfaßt ein Stein; die höchste Kraft ist nun verschmacht; o wahres Wort: es ist vollbracht! 3. Es ist vollbracht! Ihr 71 meine Sünden, verdammet nun mein Herz nicht mehr. Vom Himmel her hör ich verkünden: des Sohnes Blut erlangt Gehör; am Kreuz hats Frieden uns gemacht. O süßes Wort: es ist vollbracht! 4. Es ist vollbracht! Dwelch Verlangen zieht mich zu deinem Leichnam hin; dich wünschen Engel zu umfangen: ruh auch in meinem Herzen drin, wo dir die Liebe Raum gemacht; o tröstlich Wort: es ist vollbracht! 5. Es ist vollbracht! Ich will mich legen zur Ruh auf Christi Grabesstein; die Engel find allhie zugegen; ich schlummre sanft mit Jakob ein: die Himmelspfort ist aufgemacht. O Lebenswort: es ist vollbracht! Salomon Frand, geb. 1659,+ 1725. Mel. Jesus, meine Zuverſicht sc. 108. Seele, geh auf Golgatha, seß dich unter Jeſu Kreuze und bedenke, was dich da für ein Trieb zur Buße reize; willst du unempfindlich seyn, o so bist du mehr als Stein. 2. Schaue doch das Jammerbild zwischen Erd und Himmel hangen, wie das Blut mit Strömen quillt, daß ihm alle Kraft vergangen. Ach der übergroßen Noth! es ist ja mein Jesus todt. 3. O Lamm Gottes ohne 72 Passionslieder. Schuld, alles das hab ich verschuldet, und du hast aus großer Huld Pein und Tod für mich erduldet. Daß ich nicht verloren bin, gibst du dich ans Kreuze hin. 4. Unbeflecktes Gotteslamm, ich verehre deine Liebe. Schaue von des Stamm, wie mel. Herzliebster Jefu, was ic. ich mich um dich betrübe. Dein 109. Herr, stärke mich, dein im Blute wallend Herz setzet mich in tausend Schmerz. 5. Ich kann nimmer, nimmermehr diese Plagen dir vergelten; du verbindest mich zu sehr: alle Güter, tausend Welten, alles wäre noch kein Dank nur für deinen Gallentrant. 6. Nun, ich weiß noch was für dich: ich will dir mein Herze geben. Dieses soll be ständiglich unter deinem Kreuze leben. Wie du mein, so will ich dein lebend, leidend, sterbend seyn. 7. Laß dein Herz mir offen stehn, öffne deiner Wunden Thüre; da hinein will ich stets gehn, wenn ich Kreuz und Noth verspüre, wie ein Hirsch nach Wasser dürst, bis du mich erquicken wirst. Noth auch geduldig überwinden; nirgend sonst wird mich der Tod als in deinen Wunden finden. Wer sich hier ein Bette macht, spricht zulegt: Es ist vollbracht! Benj. Schmold, geb. 1672, † 1737. 8. Kreuzige mein Fleisch und Blut, lehre mich die Welt verschmähen; laß mich dich, du höchstes Gut, immer vor den Augen sehen; führ in allem Kreuze mich wunderlich und feliglich. 9. Endlich laß mich meine Leiden zu bedenken, mich in das Meer der Liebe zu versenfen, die dich bewog, von aller Schuld des Bösen uns zu erlösen! 2. Du wolltest, Herr, ein Mensch gleich uns auf Erden und bis zum Tod am Kreuz gehorsam werden, an unfrer Statt gemartert und zerschlagen, die Sünde tragen. 3. Welch wundervoll hochheiliges Geschäfte! Sinn ich ihm nach, so zagen meine Kräfte, mein Herz erbebt; ich seh und ich empfinde den Fluch der Sünde. 4. Gott ist gerecht, ein Nächer alles Bösen; Gott ist die Lieb und läßt die Welt erlösen. Dieß kann mein Geist mit Schrecken und Entzücken am Kreuz erblicken. 5. Es schlägt den Stolz und mein Verdienst darnieder; es stürzt mich tief, und es erhebt mich wieder, lehrt mich mein Glück, macht mich aus Gottes Feinde zu Gottes Freunde. 6. Herr, mein Heil, an Passionslieder. dessen Blut ich glaube, ich liege hier vor dir gebückt im Staube, verliere mich mit dankendem Gemüthe in deine Güte. 7. Sie übersteigt die menschlichen Gedanken; allein sollt ich darum im Glauben wanken? Ich bin ein Mensch; darf der sich unterwinden, Gott zu ergründen? 8. Das Größt in Gott ist, Gnad und Lieb erweisen; uns kömmt es zu, fie demuthsvoll zu preisen, zu sehn, wie hoch, wenn Gott uns Gnad erzeiget, die Gnade steiget. 9. So sey denn ewig auch von mir gepriesen für das Erbarmen, das du mir bewiesen. Lu hast, mein Heiland, auch für mich dein Leben dahin gegeben. 10. Du liebtest mich; ich will dich wieder lieben und stets mit Freuden deinen Willen üben. O gib zu diesem seligen Geschäfte mir neue Kräfte. Christian Fürchtegott Gellert, geb. 1715, † 1769. 73 2. Ein heilger Schmerz durchdringt mein Herz, und, Herr, was kann ich sagen? Nur an meine Brust kann ich tief gebenget schlagen. 3. Du liebtest mich und gabest dich zum Opfer für die Sünden. Wo ist größre Liebe je, größre Huld zu finden? 4. Du hasts gethan; dich bet ich an, du könig der Erlösten! Dein will ich im Tode mich glaubensvoll getrösten. 5. Es ist vollbracht! riefft du dein Leben, mein Versöhdu mit Macht; du zeigst, daß ner, göttlich frei habest hingegeben. 6. Hochheilge That! des Höchsten Rath will ich in Demeines Heils wird mirs einst muth ehren. Der Erfinder erklären. 7. Allmächtig rief er, der entschlief, den Todten, sie erstanden! Leicht entschwingt der Lebensfürst sich den Todesbanden. 8. Das finstre Thal will ich einmal durchwandeln ohne Grauen; denn durch dich, Erlöser, ists mir der Weg zum Schauen. Mel. O Traurigkeit zc. 9. Ich preise dich, erforsche mich und siehe, wie ichs meine; 110. Am Kreuz erblaßt, ja, du stehest, wenn ich still meinen Dank dir weine. der Marter Last, der Todesqualen müde, findet mein Erlöser erst in dem Grabe Friede. werde mein in Ewigkeit ver10. Vergeß ich dein, so gessen. Herr, ich will, so lang ich bin, deine Lieb ermessen. Christoph Friedr. Neander geb. 1724,+1802. 74 Passionslieder. Mel. Nun laßt uns den Feib c. richtet, da du durch die Missethat warest ganz vernichtet. 111. Wir danken dir, Herr Jesu Christ, daß du für uns gestorben bist, und haft uns durch dein theures Blut gemacht vor Gott gerecht und gut. 2. Und bitten dich, wahr Mensch und Gott, durch dein heilig fünf Wunden roth, erlös uns von dem ewgen Tod und tröst uns in der letzten Noth. 3. Behüt uns auch vor Sünd und Schand, rett uns durch dein allmächtig Hand, daß wir im Kreuz geduldig seyn, uns trösten deiner schweren Pein, 4. Und schöpfen draus die Zuversicht, daß du uns wirst verlassen nicht, sondern ganz treulich bei uns stehn, bis wir durchs Kreuz ins Leben gehn. Christoph Bischer,+ 1600. 4. Dein Bräutigam, das Gotteslamm, liegt hier mit Blut beflossen, welches er ganz mildiglich hat für dich vergossen. 3. O Menschenkind! nur deine Sünd hat dieses ange 5. O süßer Mund, o Glaubensgrund, wie bist du doch zerschlagen! Alles, was auf Erden lebt, muß dich ja beklagen. 6. O lieblichs Bild, schön, zart und mild, du Schmerzsohn der Jungfrauen, Niemand kann dein heißes Blut sonder Reu anschauen. 7. O selig ist zu jeder Frist, der dieses recht bedenket, wie der Herr der Herrlichkeit wird ins Grab gesenket. 8. O Jesu, du mein Hülf und Ruh, ich bitte dich mit Thränen, hilf, daß ich mich bis ins Grab nach dir möge sehnen. Johann Rist, geb. 1607, † 1667. Mel. Nun laßt uns den Leib 2c. Begräbnis Jesu. Eigne Melodie. 113. Der du, Herr Jeſu, 112. O Traurigkeit, o Ruh und Rast in deinem Grab Herzeleid, ist das nicht zu beflagen? Gott, des Vaters einigs Kind, wird ins Grab getragen. gehalten hast, gib, daß wir in dir ruhen all, und unser Leben dir gefall. 2. O große Noth, Gott selbst liegt todt; am Kreuz ist er gestorben, hat dadurch das Himmelreich uns aus Lieb er worben. 2. Verleih, o Herr, uns Stärk und Muth, die du erkauft mit deinem Blut, und führ uns in des Himmels Licht zu deines Vaters Angesicht. 3. Wir danken dir, o Gottes Lamm, getödtet an des Kreuzes Stamm. Laß ja uns Ofterlieder. Sündern deine Pein den Eingang in das Leben seyn. Georg Werner, geb. 1607,+1671. Mel. O Traurigkeit, o Herzeleid zc. 114. So ruhest du, o meine Ruh, in deiner Grabeshöhle, und erweckst durch deinen Tod meine todte Seele. 2. Man senkt dich ein nach vieler Pein, du meines Lebens Leben! Dich hat jeßt ein Felsengrab, Fels des Heils, umgeben. 3. Ach, du bist kalt, mein Aufenthalt! das macht die heiße Liebe, die dich in das falte Grab durch ihr Feuer triebe. 4. O Lebensfürst, ich weiß, von der Marter alle; des solln wir alle froh seyn, Christ soll unser Trost seyn. Kyrieleis! 2. Wär er nicht erstanden, die Welt die wär feit daß er erstanden ist, so lob'n wir den Herren Jesum Christ. Kyrieleis! 75 du wirst mich wieder auferwecken; sollte denn mein gläubig Herz vor der Gruft erschrecken? Osterlieder. 3. Halleluja, Halleluja, Halleluja! Des solln wir alle froh seyn, Christ soll unser Trost seyn; Kyrieleis! Alte Kirche. 5. Sie wird mir seyn ein Kämmerlein, da ich auf Rosen liege, weil ich nun durch deinen Tod Tod und Grab bestege. 6. Gar nichts verdirbt; der Leib nur stirbt; doch wird er auferstehen und in ganz verklärter Zier aus dem Grabe gehen. 7. Indeß will ich, mein Jesu, dich in meine Seele senten, und an deinen bittern Tod bis in Tod gedenken. Eigne Melodie. Eigne Melodie. 115. Christ ist erstanden 116. Jesus Christus, unser Heiland, der den Tod überwand, ist auferstanden; die Sünd hat er gefangen. Kyrie eleison! Salomon Frand, geb. 1659, † 1725. 2. Der ohn Sünden war geboren, trug für uns Gottes uns Gott sein Huld gönnet. Zorn, hat uns versöhnet, daß Kyrie eleison! 3. Tod, Sünd, Leben und Genad, alls in Händen er hat Er fann erretten Alle, die zu ihm treten. Kyrie eleison! Dr. M. Luther, geb. 1483, † 1546. 76 Osterlieder. Eigne Melodie. den Glanz erleucht unser Her 117. Christ laq in Todes- zen ganz; der Sünden Nacht ist vergangen. Halleluja! banden, für unser Sünd gegeben; der ist wieder erstanden und hat uns bracht das Leben. Des wir sollen fröhlich seyn, Gott loben und dankbar seyn und singen: Halleluja, Halleluja! 2. Den Tod Niemand zwingen konnt bei allen Menschenkindern; das macht alles unser Sünd, kein Unschuld war zu finden; davon kam der Tod so bald und nahm über uns Gewalt, hielt uns in seim Reich gefangen. Halleluja! 3. Jesus Christus, Gottes Sohn, an unsrer Statt ist kommen und hat die Sünde abgethan, damit dem Tod genommen all sein Recht und sein Gewalt; da bleibt nichts denn Todsgestalt; den Stachel hat er verloren. Halleluja! 4. Es war ein wunderlich Krieg, da Tod und Leben rungen; das Leben behielt den Sieg, es hat den Tod verschlungen; die Schrift hat verkündet das, wie ein Tod den andern fraß; ein Spott aus dem Tod ist worden. Halleluja! 5. So feiern wir das hoh Fest mit Herzensfreud und Wonne, das uns der Herr scheinen läßt; er ist selber die Sonne, der durch seiner GnaDr. M. Luther, geb. 1483, † 1546. Eigne Melodie. 118. Chriſtus ist erstanden von des Todes Banden; des freuet sich der Engel immerdar. Halleluja! Schaar und singt im Himmel 2. Der für uns sein Leben in den Tod gegeben, der ist uns freuen allesammt. Hallenun unser Osterlamm, daß wir luja! 3. Der am Kreuz gehangen, fein Trost fonnt erlangen, der lebet nun in Herrlichreit. Halleluja! feit, uns zu vertreten stets be4. Der so ganz verschwiegen zur Höllen gestiegen, den wohlgerüsten Starken band, der wird nun in der Höh erkannt. Halleluja! 5. Der da lag begraben, der ist nun erhaben, und sein Thun wird kräftig erweist und in der Christenheit gepreist. Halleluja! 6. Er läßt nun verkünden Vergebung der Sünden, und wie man die durch rechte Buß nach seiner Ordnung suchen muß. Halleluja! 7. O Christe, Osterlamm, speis uns heut allesammt, nimm weg all unser Miffethat, daß 77 wir dir singen früh und spat. heut vom Tod erstanden ist. Halleluja! Ofterlieder. Halleluja! Eigne Melodie. 3. Sein Raub der Tod mußt geben her; das Leben siegt und ward ihm Herr; zerstört ist 119. Gelobt fey Gott im nun all seine Macht; Christ hat das Leben wiederbracht. Halleluja! 4. Die Sonn, die Erd, all Creatur, und was betrübet war zuvor, das freut sich heut an diesem Tag, da der Welt Fürst darnieder lag. Halleluja! 5. Drum wir auch billig fröhlich seyn, singen das Halleluja fein und loben dich, Herr Jesu Christ, zum Trost du uns erstanden bist. Halleluja! Nikol. Hermann, † 1561. Böhmische Brüder 1531. höchsten Thron sammt seinem eingebornen Sohn, der für uns hat genug gethan. Halleluja, Halleluja, Halleluja! 2. Des Morgens früh am dritten Tag, weil noch der Stein am Grabe lag, erstund er frei ohn alle Klag. Halleluja:::: 3. Er ist erstanden von dem Tod, hat überwunden alle Noth, verfühnet Sünd und Missethat. Halleluja.:,::,: 4. Nun bitten wir dich, Jesu Christ, weil du vom Tod erstanden bist, verleihe, was uns felig ist. Halleluja:,::,: 5. O mache unser Herz bereit, damit wir, von der Sünd befreit, dir mögen singen allezeit: Halleluja:,::,: Böhmische Brüder 1531. Eigne Melodie. 120. Erschienen ist der herrlich Tag, dran sich Niemand gnug freuen mag. Christ, unser Herr, heut triumphirt; all sein Feind er gefangen führt. Halleluja! 2. Die alte Schlang, die Sünd und Tod, die Höll, all Jammer, Angst und Noth hat überwunden Jesus Christ, der Eigne Melodie. 121. Sent eut triumphiret Gottes Sohn, der von dem Tod erstanden schon, Halleluja, Halleluja! mit großer Pracht und Herrlichkeit, des dank'n wir ihm in Ewigkeit. Halleluja, Halleluja! 2. Dem Teufel hat er sein Gewalt zerstört, verheert in aller G'stalt, Halleluja, Halleluja! wie pflegt zu thun ein starker Held, der seinen Feindgewaltig fällt. Halleluja, Halleluja! 3. O süßer Herre Jesu Christ, der du der Sünder Heiland bist, Halleluja, Halleluja! führ uns durch dein 78 Ofterlieder. Barmherzigkeit mit Freuden in dein Herrlichkeit. Halleluja, Halleluja! 4. Hier ist doch nichts denn Angst und Noth; wer glaubet und hält dein Gebot, Halleluja, Halleluja! der Welt ist er ein Hohn und Spott, muß leiden oft ein schnöden Tod. Halleluja, Halleluja! 5. Nun kann uns kein Feind schaden mehr, ob er gleich murrt, ists ohn Gefähr. Hallejuja, Halleluja! Er liegt bes fiegt, der arge Feind, dagegen wir Gotts Kinder seind. Hal. leluja, Halleluja! 6. Dafür danken wir alle gleich und sehnen uns ins Himmelreich, Halleluja, Halleluja! Es ist am End; Gott helf uns all, so singen wir mit großem Schall: Halleluja, Halleluja! 7. Gott dem Vater im höchsten Thron, sammt Christo, seinem lieben Sohn, Halleluja, Halleluja! dem heilgen Geist zu gleicher Weis in Ewigkeit sey Lob und Preis. Halleluja, Halleluja! Bafilius Förtsch, † 1619. Mel. Heut triumphiret Gottes Sohn 2c. 122. Früh morgens, da die Sonn aufgeht, mein Heiland Christus aufersteht! Halleluja, Halleluja! Vertrieben ist der Sünden Nacht, Licht, Heil und Leben wiederbracht. Halleluja!: 2. Wenn ich des Nachts oft lieg in Noth verschlossen, gleich als wär ich todt, Halleluja:,: läßt du mir früh die Gnadensonn aufgehn, nach Trauern Freud und Wonn, Halleluja!:,: 3. Nicht mehr als nur drei Tage lang mein Heiland bleibt im Todeszwang. Halleluja:,: Den dritten Tag durchs Grab er dringt, mit EhrenseineSiegsfahn schwingt. Halleluja!:,: 4. Jetzt ist der Tag, da mich die Welt mitSchmach am Kreuz gefangen hält. Halleluja:,: Drauffolgt derSabbath in dem Grab, darin ich Ruh und Frieden hab. Halleluja!:,: 5. In Kurzem wach ich fröhlich auf; mein Ostertag ist schon im Lauf. Halleluja!:,: Ich wach auf durch des Herren Stimm, veracht den Tod mit seinem Grimm. Halleluja!:,: 6. Am Kreuz läßt Christus öffentlich vor allem Volke tödten sich. Halleluja:,: Da er durchs Todes Kerker bricht, läßt ers die Menschen sehen nicht. Halleluja!:,: 7. Sein Reich ist nicht von dieser Welt; fein groß Gepräng ihm hie gefällt. Halleluja:: Was schlecht und niedrig geht herein, soll ihm das Allerliebste seyn. Halleluja!:,: 8. Hier ist noch nicht ganz kund gemacht, was er aus seinem Grab gebracht, Halleluja:: der große Schap, die Ofterlieder. reiche Beut, drauf sich ein Christ so herzlich freut. Halle luja!:: 9. Der jüngste Tag wird zeigen an, was er für Thaten hat gethan, Halleluja:,: wie er der Schlangen Kopf zerknickt, die Höll zerstört, den Tod zerdrückt. Halleluja!:,: 10. Da werd ich Christi Herrlichkeit anschauen ewig voller Freud; Halleluja:,: ich werde sehn, wie alle Feind zur Höllenpein gestürzet seind. Halleluja!:,: 11. Der Herr den Tod zu Boden schlägt, da er selbst todt und sich nicht regt, Halleluja ,: geht aus dem Grab in eigner Kraft; Tod, Teufel, Höll nichts an ihm schafft. Halleluja!:,: 12. O Wunder groß, o starker Held! Wo ist ein Feind, den er nicht fällt? Halleluja:: Kein Angststein liegt so schwer auf mir, er wälzt ihn von des Herzens Thür. Halleluja!:,: 13. Lebt Christus, was bin ich betrübt? Ich weiß, daß er mich herzlich liebt; Halleluja:,: wenn mir gleich alle Welt stürb ab, gnug, daß ich Christum bei mir hab. Halleluja!:,: 14. Er nährt, er schüßt, er tröstet mich; sterb ich, so nimmt er mich zu sich. Halleluja:: Wo er jetzt lebt, da muß ich hin, weil ich ein Glied seins Leibes bin. Halleluja!:,: 15. Durch seiner Auferstehung Kraft komm ich zur Engel Brüderschaft. Halleluja:: Durch ihn bin ich mit Gott versöhnt; die Feindschaft ist ganz abgelehnt. Halleluja!:,: 16. Mein Herz darf nicht entseßen sich; Gott und die Engel lieben mich. Halleluja :: Die Freude, die mir ist bereit, vertreibetFurcht und Traurigkeit. Halleluja!:,: 79 17. Für diesen Trost, o großer Held, Herr Jesu, dankt dir alle Welt. Halleluja!:,: Dort wollen wir auf begre Weis erheben deinen Ruhm und Preis. Halleluja!:,: Johann Heermann, geb. 1585, † 1647. Mel. Es ist das Heil uns xc. 123. Tod, wo ist dein Stachel nun? Wo ist dein Sieg, der Teufel thun, wie grausam o Hölle? Was kann uns jetzt er sich stelle? Gott sey gedankt, der uns den Sieg so herrlich hat nach diesem Krieg durch Jesum Christ gegeben. 2. Wie sträubte sich die alte Schlang, da Christus mit ihr kämpfte! Mit List und Macht sie auf ihn drang; jedennoch er sie dämpste. Ob sie ihn in die Ferse sticht, so steget ste doch darum nicht; der Kopf ist ihr zertreten. 3. Lebendig Christus kommt herfür; den Feind nimmt er 80 Ofterlieder. gefangen, zerbricht der Höllen Schloß und Thür, trägt weg den Raub mit Prangen; nichts ist, das in dem Siegeslauf den starken Held kann halten auf; er ist der Ueberwinder. 4. Des Herren Rechte die behält den Sieg und ist erhöhet; des Herren Rechte mächtig fällt, was ihr entgegen stehet. Tod, Teufel, Höll und alle Feind durch Christi Sieg gedämpset seind; ihr Zorn ist fraftlos worden. 5. Es war getödtet Jesus Chrift, und sieh, er lebet wieder. Weil nun das Haupt erstanden ist, stehn wir auch auf, die Glieder. So Jemand Christi Worten gläubt, im Tod und Grabe der nicht bleibt; er lebt, ob er gleich stirbet. 6. Wer. täglich hier durch wahre Reu mit Christo auferstehet, ist dort vom andern Tode frei, derselb ihn nicht angehet. Genommen ist dem Tod die Macht, Unschuld und Leben wiederbracht, und unvergänglich Wesen. 7. Das ist die rechte Osterbeut, der wir theilhaftig werden: Fried, Freude, Heil, Gerechtigkeit im Himmel und auf Erden. Hier sind wir still und warten fort, bis unser Leib wird ähnlich dort Christi verklärtem Leibe. 8. D Tod, wo ist dein Stachel nun? Wo ist dein Sieg, o Hölle? Was kann uns jetzt der Teufel thun, wie grausam er sich stelle? Gott sey gedankt, der uns den Sieg so herrlich hat in diesem Krieg durch Jesum Christ gegeben. Justus Gesenius, geb. 1601, 1671. Mel. Es ist das Heil uns 2c. sind 124. Der Hölle Pforten zerstört; der Tod ist nun verschlungen; des Satans Reich zerstört; der Tod ist nun ist ganz verheert; Lob sey dir, Macht ist abgethan; durch Gott, gesungen! Der Sünden Christum ist die Himmelsbahn uns wieder ausgeschlossen. 2. Was uns des ersten Adams Schuld im Paradies verloren, das und noch mehr hat Christi Huld uns wieder um erkoren. Der starke Held aus Davids Stamm hat seines Vaters Zornesflamm gelöscht mit seinem Blute. 3. Heut ist er aus dem Grab herfür mit großer Macht gebrochen, und stecket auf das Heilspanier, gleichwie er hat versprochen; er bringt nach wohlgeführtem Streit uns wieder Fried und Freudigkeit, ja alle Himmelsschätze. 4. Drum lasset uns in Fröhlichkeit Herz und Gemüth erheben, weil uns ist diese Gnadenzeit vom Himmel neu ge geben. Wir haben Christt Reich und Macht; er ist hin Osterlieder. weg, der Tag und Nacht vor Gott uns hat verklaget. 5. Der alle Welt verführt in Noth, liegt in dem Staub der Noth, liegt in dem Staub der Erden; der vormals starke Seelentod hat müssen kraftlos werden. Des Lammes Blut hat ihn bekriegt, sein wahres Beugniß obgesiegt und uns zum Heil erhalten. 6. Wir werden auch nach dieser Zeit, wie Christus, auf erstehen und mit ihm in die Herrlichkeit und Himmelsfreud eingehen; denn wo das Haupt da zu aller Frist die andern Glie zu aller Frist die andern Glieder wohnen. Mich. Schirmer, geb. 1606, † 1673, Mel. Erschienen ist der sc. 125. Wir danken dir, Herr Jesu Christ, daß du vom Tod erstanden bist, und hast dem Tod zerstört sein Macht und uns das Leben wiederbracht. Halleluja! 2. Wir bitten dich durch deine Gnad, nimm von uns unfre Missethat und hilf uns durch die Güte dein, daß wir dein treue Diener seyn. Halleluja! 81 Mel. Nun freut euch, lieben 2c. 126. Wach auf, mein Herz, die Nacht ist hin, die Sonn ist aufgegangen; er= muntre deinen Geist und Sinn, den Heiland zu empfangen, der heute durch des Todes Thür gebrochen aus dem Grab herfür der ganzen Welt zur Wonne. 3. Gott Vater in dem höchsten Thron sammt seinem eingebornen Sohn, dem heilgen Geist in gleicher Weis in Ewigkeit sey Lob und Preis. Halleluja! Sünden auf und such ein neues 2. Steh aus dem Grab der Leben, vollführe deinen Glauheben gen Himmel, da dein Jebenslauf und laß dein Herz sich sus ist, und such, was droben, als ein Chriſt, der geiſtlich auferstanden. 3. Vergiß nur, was dahinten ist, und tracht nach dem, was droben, damit dein Herz zu jeder Frist zu Jesu ſey erhoben. Tritt unter dich die böse Welt und siehe nach des Himmels Zelt, wo Jesus ist zu finden. 4. Quält dich ein schwerer Sorgenstein, dein Jesus wird ihn heben; es fann ein Christ bei Kreuzespein in Freud und Wonne leben. Wirf dein Anliegen auf den Herrn und sorge nicht; er ist nicht fern, weil er ist auferstanden. 5. Es hat der Löw aus Juda Stamm heut siegreich überwunden, und das erwürgte Gotteslamm hat uns zum Heil gefunden das Leben und Gerechtigs feit, weil er nach überwund6 Ofterlieder. 82 nem Streit die Feinde Schau getragen. 6. Drum auf, mein Herz, fang an den Streit, weil Je sus überwunden; er wird auch überwinden weit in dir, weil er gebunden der Feinde Macht, daß du aufstehst und in ein neues Leben gehst und Gott im Glauben dienest. 7. Scheu weder Teufel, Welt, noch Tod, noch gar der Höllen Rachen; dein Jesus lebt, es hat kein Noth; er ist noch bei den Schwachen und den Geringen in der Welt, als ein gekrönter Siegesheld; drum wirst du überwinden. 8. Ach, mein Herr Jesu, der du bist von Todten auferstanden, rett uns aus Satans Macht und List und aus des Todes Banden, daß wir zufammen insgemein zum neuen Leben gehen ein, das du uns bast erworben. 9. Sey hochgelobt in dieser Zeit von allen Gotteskindern, und ewig in der Herrlichkeit von allen Ueberwindern, die überwunden durch dein Blut; Herr Jesu, gib uns Kraft und Muth, daß wir auch überwinden. Laurentius Laurentit, geb. 1660, 1722. Mel. Christus der ist mein Leben sc. 127. Willkommen, Held im Streite, aus deines Grabes Kluft! Wir triumphiren heute um deine leere Gruft. 2. Der Feind wird Schau getragen und heißt nunmehr ein Spott; wir aber können sagen: Mit uns ist unser Gott. 3. In der Gerechten Hütten schallt schon das Siegeslied; du trittst selbst in die Mitten und bringst den Osterfried. 4. Ach, theile doch die Beute alle kommen heute deswegen in bei deinen Gliedern aus; wir dein Haus. ins Grab verscharret seyn, uns 5. Laß unser aller Sünden ins Grab verscharret seyn, uns einen Schaß hier finden, der ewig fann erfreun. 6. Wir sind mit dir gestorben, so leben wir mit dir; was uns dein Tod erworben, das stell uns täglich für. 7. Wir wollen hier ganz fröhlich mit dir zu Grabe gehn, wenn wir nur dorten selig mit dir auch auferstehn. 8. Der Tod fann uns nicht schaden, sein Pfeil ist nunmehr stumpf; wir stehn bei Gott in Gnaden und rufen schon! Triumph! Benj. Schmold, geb. 1672, 1737. Mel. Werde munter 2c. 128. Jaudzet Gott in allen Landen! Jauchze, du erlöste Schaar! Denn der Herr ist auf erstanden, der für uns getödtet war. Jesus hat durch seine Macht das Erlösungswerk voll Ofterlieder. bracht, welches er auf sich genommen, da er in das Fleisch gekommen. 2. Sünde, was kannst du mir schaden? Nun erweckst du keine Noth; alle Schuld, die mich beladen, ist bezahlt durch Christi Tod; das Gesetz hat er erfüllt, also Fluch und Zorn gestillt und mir durch sein Wiederleben die Gerechtigkeit gegeben. 3. Hölle, wo sind deine Banden? Strick und Ketten sind entzwei; da mein Jesus auferstanden, bin ich vom Gefängniß frei; und wie seine Höllenfahrt im Triumph vollzogen ward, so ist seinen Reichsgenossen nun der Himmel aufgeschlossen. 4. Tod, du kannst an mir nichts haben, muß ich gleich zu Grabe gehn; die mit Jesu find begraben, werden mit ihm auf erstehn. Sterben ist nun mein Gewinn, also fahr ich freudig hin, da der Trost vor Augen schwebet: Jesus, dein Erlöser, lebet. 83 Mel. Laffet uns den Herren 2c. 129. Uleberwinder, nimm die Palmen, die dein Volk dir heute bringt, das mit frohen Osterpsalmen den erkämpften Sieg besingt. Wo ist nun der Feinde Pochen und der Würger Mordgeschrei, da des Todes Nacht vorbei, und sein Stachel ist zerbrochen? Tod und Hölle liegen da: Gott sey Dank, Halleluja! 5. Jesus, mein Erlöser, lebet, welches ich gewißlich weiß; gebet, ihr Erlösten, gebet seinem Namen Dank und Preis! Singet, fingt Halleluja! Rufet, ruft: Der Sieg ist da! Singt und ruft in allen Landen: Heut ist Christus auferstanden! Erdm. Neumeister, geb. 1671,+ 1756. 2. Stecke nun dein Siegeszeichen auf der dunklen Gruft empor! Was kann deinem Ruhme gleichen? Held und König, tritt hervor! Laß dir tausend Engel dienen; denn nach harter Leidenszeit ist dein Tag der Herrlichkeit, höchste Majestät, erschienen. Erd und Himmel jauchzen da: Gott sey Dank, Halleluja! 3. Theile, großer Fürst, die Beute deiner armen Heerde mit, die in froher Sehnsucht heute vor den Thron der Gnade tritt. Deinen Frieden gib uns allen, o so jauchzet Herz und Muth, weil das Loos uns wundergut und aufs Liebliche gefallen. Freud und Wonne grünen da: Gott sey Dank, Halleluja! 4. Laß, o Sonne der Gerechten, deinen Strahl ins Herze gehn; gib Erleuchtung deinen Knechten, daß sie geistlich auf erstehn. Hält der Schlaf uns noch gefangen, o so fördre du 6* Ofterlieder. 84 den Lauf; rufe mächtig: Wachet auf! denn die Schatten sind vergangen, und der helle Tag ist da: Gott sey Dant, Halle luja! 5. Tilg in uns des Todes 5. Tilg in uns des Todes Grauen, wenn die lette Stunde schlägt, weil du denen, die dir trauen, schon die Krone beigelegt. Gib uns in den höchsten Nöthen, gib uns mitten in der Pein deinen Trost und Glauz ben ein, o so kann der Tod nicht tödten; denn die Hoffnung blühet da: Gott sey Dank, Halleluja! 6. Zeige, wenn der blöde Kummer über Sarg und Grüften weint, wie die Schwachheit nach dem Schlummer dort in voller Kraft erscheint. Sind wir sterblich hier geboren, o so streift das fühle Grab nur, was sterblich heißt, uns ab, und der Staub ist unverloren; unser Hirte hütet da: Gott sey Dank, Halleluja! 7. Rufe die zerfallnen Glieder endlich aus der dunklen Nacht, wenn der Deinen Asche wieder in verklärtem Glanz erwacht. Dann wirst du die Krone geben; dann wird unsre volle Brust, Herr, mit engelgleicher Lust ewig deinen Sieg erheben, und wir sprechen auch allda: Gott sey Dank, Halleluja! Christian Ludw. Taddel, geb. 1706,+ 1775. Mel. Vom Himmel hoch zc. 130, Erinnre dich, mein Geist, erfreut des hohen Tags der Herrlichkeit. Halt im Gedächtniß Jesum Christ, der von dem Tod erstanden ist. 2. Fühl alle Dankbarkeit für ihn, als ob er heute dir erschien, als spräch er: Friede sey mit dir! so freue dich, mein Geist, in mir. 3. Schau über dich und bet ihn an. Er mißt den Sternen ihre Bahn; er lebt und herrscht mit Gott vereint; er ist dein König und dein Freund. 4. Macht, Ruhm und Hoheit immerdar dem, der da ist, und der da war! Sein Name sey gebenedeit von nun an bis in Ewigkeit! 5. D Glaube, der das Herz erhöht! Was ist der Erde Majestät, wenn sie mein Geist mit der vergleicht, die ich durch Gottes Sohn erreicht? 6. Vor seinem Thron, in seinem Reich unsterblich, heilig, Engeln gleich und ewig, ewig selig seyn, Herr, diese Herrlichkeit ist mein. 7. Du, der du in den Himmeln thronst, ich soll da wohnen, wo du wohnst; und du erfüllst einst mein Vertraun, in meinem Fleische dich zu schaun. 8. Ich soll, wann du, des Lebens Fürst, in Wolken göttlich kommen wirst, erweckt aus Ofterlieder. meinem Grabe gehn und rein zu deiner Rechten stehn. 9. Mit Engeln und mit Seraphim, mit Thronen und mit Cherubim, mit allen Frommen aller Zeit soll ich mich freun in Ewigkeit. 10. Zu welchem Glück, zu welchem Ruhm erhebt uns nicht das Christenthum! Mit dir ge= freuzigt, Gottes Sohn, find wir auch auferstanden schon. 11. Nie komm es mir aus meinem Sinn, was ich, mein Heil, dir schuldig bin, damit ich mich in Lieb und Treu zu deinem Bilde stets erneu. 12. Er ists, der alles in uns schafft; sein ist das Reich, sein ist die Kraft. Halt im Gedächtniß Jesum Christ, der von dem Tod erstanden ist. Christian Fürchteg. Gellert, geb. 1715, † 1769. 85 3. Jesus lebt, wer nun verzagt, sündigt wider Gottes Ehre; Gnade hat er zugesagt, daß der Sünder sich befehre. Gott verstößt in Christo nicht; dieß ist meine Zuversicht. 4. Jesus lebt, sein Heil ist mein; sein sey auch mein gan= zes Leben. Reines Herzens will streben. Er verläßt denSchwaich seyn und den Lüsten widerchen nicht; dieß ist meine Zuversicht. wiß, nichts soll mich von Jesu 5. Jesus lebt; ich bin gescheiden, keine Macht der Finsterniß, keine Herrlichkeit, fein Leiden. Er gibt Kraft zu dieser Pflicht; dieß ist meine Zuversicht. 2. Jesus lebt, ihm ist das Reich über alle Welt gegeben; mit ihm werd auch ich zugleich ewig herrschen, ewig leben. Gott erfüllt, was er verspricht; dieß ist meine Zuversicht. 6. Jesus lebt, nun ist der Tod mir der Eingang in das Leben. Welchen Trost in Todesnoth wird er meiner Seele geben, wenn sie gläubig zu ihm spricht: Herr, Herr, meine Zuversicht! christian Fürchteg. Gellert, geb. 1715, † 1769. Mel. Jesus, meine Zuversicht 2c. 131. Jesus lebt, mit ihm auch ich: Tod, wo sind nun deine er lebt Mel. Wachet auf, ruft zc. 1 und wird auch mich von den 132. Halleluja, jauchzt, Todten auferwecken. Er verEr verklärt mich in sein Licht; dieß ist meine Zuversicht. ihr Chöre, singt Jesu Christo Lob und Ehre! Wie groß, wie heilig ist sein Tag! Er, der Held, zerriß die Banden des Todes und ist auferstanden, er, der für uns im Grabe lag. Sein ist Gewalt und Macht, Preis ihm, er hats vollbracht! Halleluja! Er hats vollbracht, Osterlieder. 86 er, der die Macht des Todes und des Grabes hat. 2. Glorreich hat der Held gerungen, hat mächtig Satans Reich bezwungen, von Todesketten uns befreit. Wir, von fetten uns befreit. Wir, von Gott gefallne Sünder, sind nun mit ihm versöhnt, sind Kinder und Erben seiner Seligkeit. Bald, bald entschlafen wir, entschlafen, Christe, dir, ruhn im Frieden die kurze Nacht, bis deine Macht den Tag der Ewigkeiten ruft. 3. Unsern Staub mag Staub bedecken, du wirst ihn herrlich auferwecken, der du des Staubes Schöpfer bist! Du wirst unvergänglich Leben und Kraft und Herrlichkeit ihm geben, dem Staube, der dir theuer ist. Wir werden ewig dein, gerecht und selig seyn, Halleluja! Tod und Gericht erschreckt uns nicht; denn Jesus, unser Mittler, lebt. 4. Tag des Lebens, Tag der Wonne, wie wird uns seyn, wenn Gottes Sonne durch unfres Grabes Dunkel bricht! D was werden wir empfinden, wenn Nacht und Finsterniß verschwinden, und uns umstrahlt des Himmels Licht. Vollender, führe du uns die sem Tage zu, uns, die Deinen! Die Todesbahn gingst du voran; wir folgen dir in deine Ruh. Gottfr. Bened. Funk, geb. 1734, † 1814. Mel. Wachet auf, ruft 2c. 133. Lobt den Höchsten, Jesus lebet! Erlöste Menschen, kommt, erhebet des Welterlösers Majestät. Hörts, betrübte Sünder, gebet der Freude Raum, denn Jesus lebet; Gott hat ihn aus dem Staub erböht. D Seele, dein Gefang erschall auch ihm zum Dank, ihm zur Ehre. Dich, großer Held, erhebt die Welt, weil deine Hand den Sieg behält. 2. Jesu Jünger, wehrt dem Leide; lobsinget ihm und nehmt voll Freude am Siege Theil, den er erstritt. Seyd ihr gleich des Grabes Kinder, er ist des Todeslleberwinder; er herrscht, der für euch starb und litt. Was wollt ihr traurig seyn? Getrost könnt ihr euch freun. Jesus lebet in Ewigkeit; zu aller Zeit ist er zur Hülfe uns bereit. 3. Tod, wo sind nun deine Schrecken? Nicht ewig wird das Grab uns decken, verwest der Leib gleich in der Gruft. Einst wird er zum bessern Le ben sich von der Erde Staub erheben, wann Jesus den Ent schlafnen ruft. Dann wird des Todes Feld zu einer regen Welt. Alles lebet, sowie erneut zur Frühlingszeit junge Schöpfung sich erfreut. die 4. Auferstandner, welch ein Segen erwartet une, wenn wir Osterlieder. auf- Wegen einhergehn, die dein Fuß betrat. Nie gefühlte Seligkeiten, die ewig währen, sind die Beuten, die uns dein Sieg errungen hat. Einst sind ste unser Theil; einst frönet uns das Heil deines Lebens. Halleluja, der Herr ist nah! Bald ist der Tag des Sieges da. Oftermontag. Mel. Jesu, meines Lebens Leben 2c. 134. 3ween der Jünger gehn mit Sehnen über Feld nach Emmaus; ihre Augen sind voll Thränen, ihre Seele voll Verdruß, und sie wechseln Klageworte; doch es ist von ihrem Orte unser Jesus gar nicht weit und vertreibt die Traurigkeit. 2. Ach, es gehn noch manche Herzen ihrem stillen Kummer nach; sie bejammern voller Schmerzen ihre Noth und Ungemach. Manches wandert gar alleine, daß es nur zur Gnüge weine; doch mein Jesus ist dabei, fragt, was man so traurig sey? 87 alles im Gesicht; seine Treu verläßt uns nicht. 4. Jesus ist mir nachgegangen, wenn ich meiner Eitelkeit und der Sünde nachgehangen; o der unglückselgen Zeit, die man dergestalt verloren! Doch er hat mich neu geboren; Jesus hat an mich gedacht und das Schäflein wiederbracht. 3. Wenn zwei Seelen sich besprechen, so ist Christ der dritte Mann; er bemerket die Gebrechen, redet, was uns trösten kann. Denn er kann uns nicht versäumen, wie wir glaubenslos oft träumen. Er hat 5. Hat sich eine Noth gefunden, so ließ er mich nicht allein; Jesus stellt zur rechten Stunden sich mit seinem Beistand ein. Wenn ich mich bei ihm beschwere, gleich als ob er ferne wäre, o so ist er mehr als nah und mit seiner Hülfe da.. 6. Treuster Freund von allen Freunden, bleibe ferner noch bei mir. Kommt die Welt, mich anzufeinden, ach, so sey du auch allhier. Wenn die Teufel auf mich blizen, wollst du trösten und beschüßen; fomm, in meinem Geist zu ruhn; was du willst, das will ich thun. 7. Bin ich traurig und betrübet, so gib nur in meinen Sinn, daß mich deine Seele liebet, und daß ich der Deine bin. Laß dein Wort mich feste gründen, laß es auch mein Herz entzünden, daß es voller Liebe brennt und dich immer besser kennt. 8. Tröst auch andre fromme Seelen, wenn sie tief in Kum Himmelfahrtsueder. 88 mer stehn; wenn sie in verborgnen Höhlen, Kammern, Feld und Wäldern gehn, ihrem Kummer nachzusinnen, daß sle satt sich weinen können, so sprich ihrer Seele zu: Liebes Kind, was trauerst du? 9. Kannst du bei der Welt nicht weilen, ach, so nimm mich Eigne Melodie. 135. Chrift fuhrgen Him. mel, was fandt er uns herniemel, was fandt er uns hernieder? Den Tröster, den heiligen Geist, zu Trost der armen Christenheit. Kyrieleis! Himmelfahrtslieder. auch mit dir; laß mich deine Freuden theilen, sey und bleibe stets bei mir. Bleibe doch in unsrer Mitten, wie dich deine Kinder bitten. Dank sey dir, o lieber Gast, daß du mich getröstet haſt. 2. Halleluja, Halleluja, Halleluja! des solln wir alle froh seyn, Christ will unser Trost seyn. Kyrieleis! Alte Kirche aus dem 15. Jahrh. Joh. Neunherz, geb. 1653,+ 1737. 2. Drum sey Gott Lob, der Weg ist g'macht, und steht der Himmel offen. Christus schließt auf mit großer Pracht; vorhin 3. Wer nicht folgt und sein Willen thut, dem ist nicht Ernst zum Herren; denn er wird auch vor Fleisch und Blut sein Himmelreich versperren. Am Glauben liegts: soll der seyn recht, wird auch gewiß das Leben schlecht zu Gott Eigne Melodie. 136. Auf diesen Tag be- im Himmel g'richtet. Halleluja, Halleluja! denken wir, daß Christ gen Himmel g'fahren, und danken Gott aus höchster B'gier, mit Bitt, er woll bewahren uns arme Sünder hie auf Erd, die wir von wegen mancher G'fährd ohn ihn kein Hoffnung haben. Halleluja, Halleluja! war alls verschlossen. Wers glaubt, des Herz ist freudenvoll; dabei er sich doch rüsten soll, dem Herren nachzufolgen. Halleluja, Halleluja! 4. Solch Himmelfahrt fäht in uns an, bis wir den Vater finden und fliehen stets die weltlich Bahn, thun uns zu Gottes Kindern: die sehn hinauf, und Gott herab, an Treu und Lieb geht ihn'n nichts ab, bis sie zusammen kommen. Halleluja, Halleluja! 5. Dann wird der Tag erst freudenreich, wann uns Gott 89 6. So danket nun dem lieben Herrn und lobet ihn von Herzen gern; lobsinget mit der Engel Chor, daß es zum Himmel schall empor. Halleluja! 7. Gott Vater in der Ewigfeit, es sagt dir deine Christenheit groß Ehr und Dank mit höchstem Fleiß, zu allen 137. Nun freut euch, Got- Zeiten Lob und Preis. Haltes Kinder all! Der Herr fährt auf mit großem Schall. Lobfinget ihm, lobsinget ihm, lobfinget ihm mit lauter Stimm. Halleluja! Himmelfahrtslieder. zu ihm nehmen und seinem Sohn wird machen gleich, als wir dann jetzt bekennen! Da wird sich finden Freud und Muth zu ewger Zeit beim höchsten Gut; Gott woll, daß wirs erleben! Halleluja, Halleluja! Joh. Zwick,+1542. Mel. Erschienen ist zc. leluja! 8. Herr Jesu Christe, Gottes Sohn, gewaltig, herrlich, prächtig, schön, es dankt dir deine Christenheit von nun an bis in Ewigkeit. Halleluja! 9. O heilger Geist, du wahrer Gott, der du uns tröst in aller Noth, wir rühmen dich, wir loben dich und sagen dir Dank ewiglich. Halleluja! Erasmus Alberus, † 1553. 2. Die Engel und all Himmelsheer erzeigen Christo göttlich Ehr und jauchzen ihm mit frohem Schall, das thun die lieben Engel all. Halleluja! 3. Daß unser Heiland Jesus Christ, wahr Gottes Sohn, worden des Mel. Erschienen ist zc. ſich die Engel ſehr und gönnen 138. Es fähret heute uns gern solche Ehr. Halleluja! Gottes Sohn hinauf zu seines Vaters Thron. Er gehet ein zur Herrlichkeit, die überall ist ausgebreit't. Halleluja! 4. Der Herr hat uns die Stätt bereit, bei ihm zu seyn in Ewigkeit. Wir erben nun das Himmelreich, wir sind den lieben Engeln gleich. Halleluja! 2. Er hat zerstört des Teufels Macht, sein Heer erlegt und umgebracht, wie mit Gewalt ein starker Held im Treffen seine Feinde fällt. Halleluja! 5. Es hat mit uns nun nimmer Noth. Die Sünd, der Satan und der Tod allfammt zuSchanden worden sind durch Gottes und Marien Kind. Halleluja! 3. 3wing unser Fleisch, Herr Jesu Christ, der du der Sünder Heiland bist, daß wir, indem du uns machst rein, theils 90 Himmelfahrtslieder. haftig deines Sieges seyn. Halleluja! 4. Laß seyn den Feind in uns gedämpft, weil du uns hast das Heil erkämpft, tilg aus sein Werk, daß er nicht mehr sich wider unsre Seel empör. Halleluja! Mel. Wie schön leuchtet 2c. 5. Zeuch und führ uns mit 140. Ach, wundergroßer dir zugleich als Gotteskinder in dein Reich, da wir ein ewig Freudenlied dir aufzuopfern sind bemüht. Halleluja! 6. Gott Vater, sey von uns gepreist sammt deinem Sohn und heilgen Geist, der heilge unsrer Seelen Grund, damit dir danke Herz und Mund. Halleluja! Siegesheld, du Sündenträger aller Welt, heut hast du dich geseßet zur Rechten deines Vaters Kraft, der Feinde Schaar gebracht zur Haft, bis auf den Tod verlezet; mächtig, prächtig triumphirest, jubilirest; Tod und Leben ist, Herr Christ, dir untergeben. 2. Dir dienen alle Cherubim; viel tausend hohe Seraphim dich, Siegesfürsten, loben, weil du den Segen wiederbracht, mit Majestät und großer Macht zur Glorie bist erhoben; finget, klinget, rühmt und ehret den, so fähret auf gen Himmel mit Posaunen und Getümmel. Mel. Nun freut euch, lieben 2c. 139. Auf Chriſti Himmelfahrt allein ich meine Nachfahrt gründe, und allen Zweifel, Angst und Pein hiemit stets überwinde. Denn weil das Haupt im Himmel ist, wird seine Glieder Jesus Christ zur rechten Zeit nachholen. 2. Weil er gezogen himmel an und große Gab empfangen, mein Herz auch nur im Himmel kann, sonst nirgends Ruh erlangen. Denn wo mein Schatz gekommen hin, da ist auch stets mein Herz und Sinn; nach ihm mich sehr verlanget. 3. Ach, Herr, laß dieseGnade mich von deiner Auffahrt spüren, daß mit dem wahren Glauben ich mög meine Nachfahrt zieren und dann einmal, wenn dirs gefällt, mit Freuden scheiden aus der Welt. Herr, höre dieß mein Flehen. Josua Wegelin, † 1640. 3. Du bist das Haupt, hingegen wir sind Glieder, ja es kommt von dir auf uns Licht, Troft und Leben; Heil, Friede, Freude, Stärk und Kraft, Erquickung, Labsal, Herzenssaft wird uns von dir gegeben. Bringe, zwinge mein Gemüthe, mein Geblüte, daß es preise, dir als Siegsherrn Ehr erweise. 4. Zeuch, Jesu, uns, zeuch Himmelfahrtslieder. uns nach dir; hilf, daß wir forthin für und für nach deinem Reiche trachten. Laß unser Thun und Wandel seyn, wo Zucht und Demuth tritt herein, all Ueppigkeit verachten; Unart, Hoffart laß uns meiden, christlich leiden, wohl ergründen, wo die Gnade sey zu finden. 5. Sey, Jesu, unser Schuß und Schatz, sey unser Ruhm und fester Platz, darauf wir uns verlassen; laß suchen uns, was droben ist; auf Erden wohnet Trug und List, es ist auf allen Straßen Lügen, Trügen, Angst und Plagen, die da nagen, die da quälen stündlich arme Christenseelen. 6. Herr Jesu, komm, du Gnadenthron, du Siegesfürst, Held, Davids Sohn, komm, stille das Verlangen; du, du bist allein uns zu Gut, o Jesu, durch dein theures Blut ins Heiligthum gegangen; komm schier, bilf mir, denn so sollen, denn so wollen wir am Ende fröhlich klopfen in die Hände. Ernst Christoph Homburg, geb. 1605,+ 1681. Mel. Zeuch ein zu meinen 2c. 141. Gott fähret auf gen Himmel mit frohem Jubelschall, mit prächtigem Getümmel und mit Posaunenhall. Lobsingt, lobsinget Gott! lobfingt, lobsingt mit Freuden 91 dem Könige der Heiden, dem Herren Zebaoth! 2. Der Herr wird aufgenommen, der ganze Himmel lacht, um ihn gehn alle Frommen, die er hat frei gemacht. Es holen Jesum ein die lantern Cherubinen, den hellen Seraphinen muß er willkommen seyn. 3. Wir wissen nun die Stiege, die unser Haupt erhöht; wir wissen zur Genüge, wie man zum Himmel geht. Der Heiland geht voran, will uns nicht nach sich lassen; er zeiget uns die Straßen, er bricht uns sichre Bahn. 4. Wir sollen himmlisch werden, der Herre macht uns Plazz; wir gehen von der Erden dorthin, wo unser Schatz. Ihr Herzen, macht euch auf! Wo Jesus hingegangen, dahin sey das Verlangen, dorthin sey euer Lauf! 5. Laßt uns gen Himmel dringen mit herzlicher Begier, laßt uns zugleich auch singen: dich, Jesu, suchen wir, dich, o du Gottes Sohn, dich Weg, dich wahres Leben, dem alle Macht gegeben, dich, unfres Hauptes Kron. 6. Fahr hin mit deinen Schäßen, du trugesvolle Welt! Dein Koth kann nicht ergößen; weißt du, was uns gefällt? Der Herr ist unser Preis; der Herr ist unsre Freude und köst 92 Himmelfahrtslieder. liches Geschmeide; zu ihm gilt unsre Reis. 7. Wann soll es doch geschehen? wann kommt die liebe Zeit, daß wir ihn werden sehen in seiner Herrlichkeit? Du Tag, wann wirst du seyn, daß wir den Heiland grüßen, ihn ewig nicht mehr missen? Komm, stelle dich doch ein! Gottfr. Wilh. Sacer, geb. 1635, † 1699. Mel. Ach, Gott und Herr 2c. 142. 3euch uns nach dir, so laufen wir mit herzlichem Verlangen hin, da du bist, o Jesu Christ, aus dieser Welt gegangen. 2. Zeuch uns nach dir, Herr Christ, und führ uns deine Himmelsstege. Wir irrn sonst leicht und sind verscheucht vom rechten Lebenswege. 3. Zeuch uns nach dir, so folgen wir dir nach in deinen Himmel, daß uns nicht mehr allhier beschwer das böse Weltgetümmel. 4. Zeuch uns nach dir nur für und für und gib, daß wir nachfahren dir in dein Reich, und mach uns gleich den auserwählten Schaaren. jestät! Alle Himmel sind zu wenig, du bist drüber hoch erhöht; sollt ich nicht zu Fuß dir fallen, und mein Herz vor Freude wallen, wenn mein Glaubensaug entzückt deine Herrlichkeit erblickt? 4. Sollt ich deinen Kelch nicht trinken, da ich deine Klarheit seh? Sollt mein Muth noch wollen sinken, da ich deine Macht versteh? Meinem König will ich trauen, nicht vor Welt und Teufel grauen, nur in Jesu Namen mich beugen hier und ewiglich. 5. Geist und Kraft nun überfließen; drum wirk in mir kräftiglich, bis zum Schemel deinen Füßen alle Feinde legen Mel. Alle Menschen müssen 2c. 143. Siegesfürst und sich. Aus Zion den Scepter Ehrenkönig, du verklärte Ma- sende weit und breit bis zur Ludämilia Elisabetha, Gräfin von Schwarzburg- Rudolstadt, geb. 1640, † 1672. 2. Seh ich dich gen Himmel fahren, seh ich dich zur Rechten da, seh ich, wie der Engel Schaaren alle rufen Gloria, sollt ich nicht zu Fuße fallen, und mein Herz vor Freude wallen, da der Himmel jubilirt, weil mein König triumphirt? 3. Weit und breit, du Himmelssonne, deine Klarheit sich ergeußt, und mit neuem Glanz und Wonne alle Himmelsgeister speist; prächtig wirst du aufgenommen, freudig heißt man dich willkommen. Schau, ich armes Kindlein hier schrei auch Hostanna dir! Himmelfahrtslieder. Welt Ende, mache dir auf Erden Bahn, alle Herzen unterthan. 6. Du kannst alles aller Orten nun erfülln und nahe seyn; meines armen Herzens Pforten stell ich offen, komm herein! Komm, du König aller Ehren, du mußt auch bei mir einkehren; ewig in mir leb und wohn, als in deinem Himmelsthron. 7. Deine Auffahrt bringt mir eben Gott und Himmel innig nah; lehr mich nur im Geiste leben als vor deinen Augen da; fremd der Welt, der Zeit, den Sinnen, bei dir abgeschieden drinnen, in das Himmelreich verseßt, da mich Jesus nur ergößt. Gerh. Zersteegen, geb. 1697, † 1769. Mel. Alles ist an Gottes ic. 144. Jesus Christus herrscht als König; alles wird ihm unterthänig, alles legt ihm Gott zu Fuß. Alle Zunge soll bekennen, Jesus sey der Herr zu nennen, dem man Ehre geben muß. 2. Fürstenthümer und Gewalten, Mächte, die die Thronwacht halten, geben ihm die Herrlichkeit. Alle Herrschaft, dort im Himmel, hier im irdischen Getümmel, ist zu seinem Dienst bereit. 3. Gott ist Herr, der Herr ist Einer, und demselben glei93 chet keiner; nur der Sohn der ist ihm gleich. Dessen Stuhl ist unumstößlich, dessen Leben unauflöslich, dessen Reich ein ewig Reich. 4. Gleicher Macht und gleicher Ehren sigt er unter lichten Chören über Gottes Cherubim. Aller Welt und Himmel Enden hat er alles in den Händen; denn der Vater gab es ihm. 5. Jauchz ihm, Menge heilger Knechte, rühmt, vollendete Gerechte, und du Schaar, die Palmen trägt, und ihr Märtrer mit der Krone, und du Chor vor seinem Throne, der die Gottesharfen schlägt! 6. Ich auch auf der tiefsten Stufen, ich will glauben, reden, rufen, weil ich noch ein Pilgrim bin: Jesus Christus herrscht als König; alles sey lobet ihn! ihm unterthänig; ehret, liebet, Phil. Friedr. Hiller, geb. 1699, † 1769. Mel. Weil nichts gemeiner ist als sterben ic. 145. 3um Himmel bist du eingegangen, mit Preis gekrönt, Herr Jesu Christ; wie sollte mich nun nicht verlangen, auch dort zu seyn, wo du nun bist? Ich bin ja nur ein Pilgrim hier; nimm in die Heimath mich zu dir. 2. Vom Tode standst du auf zum Leben und gingst verflärt zum Himmel ein; so muß fich Pfingstlieder. 94 auch mein Geist erheben, soll ich nicht todt in Sünden seyn. Ein neues Leben wirk in mir, so komm ich einst gewiß zu dir 3. Am Delberg fingen deine Leiden mit bittern Todesängsten an; am Delberg gingst in hohen Freuden du siegreich deine Himmelsbahn. So folgt auf Leiden Herrlichkeit; zu beiden mache mich bereit. 4. Du hobest segnend deine Hände beim Scheiden von den Deinen auf; o hilf, daß einst auch ich vollende, von dir gesegnet, meinen Lauf. Wenn ich von dir gesegnet bin, dann fahr in Frieden ich dahin. 5. Ich sehe dir mit Glaubensblicken in deinen Freudenhimmel nach; mein Herz soll sich an dir erquicken, der mir die Bahn zum Himmel brach. Sieht dich auch hier mein Auge nicht, doch bleibst du meine Zuversicht. 6. Einst wirst du herrlich wiederkommen, gleichwie du aufgefahren bist; dann werd ich völlig aufgenommen, wo mir bereit mein Erbtheil ist. So leb ich nun im Glauben hier, im Schauen aber dort mit dir. Pfingstlieder. Mel. Komm, Gott Schöpfer zc. schwaches Fleisch und Blut durch deiner Gottheit starken Muth. 4. Zünd uns ein Licht an im Verstand, entflamm das Herz in Liebesbrand, stärk unser 146. Komm, heitgerGeist, o Schöpfer du, sprich deinen armen Seelen zu; erfüll mit Gnaden, süßer Gast, die Brust, die du geschaffen hast. 2. Der du ein Tröster bist genannt, des allerhöchsten Gottes Pfand, du Liebesquell, du Lebensbronn, du Herzenssalbung, Gnadensonn! 3. Du siebenfaches Gnadengut, du Hand des Herrn, die Wunder du lösest aller Eigne Melodie. Zungen Band, gibſt frei das 147. Komm, Gott SchöWort in alle Land. 5. Den Feind treib von uns fern hinweg und bring uns auf des Friedens Steg, daß wir, durch deine Huld geführt, vom Argen bleiben unberührt. 6. Lehr uns den Vater fennen wohl, und wie den Sohn man ehren soll; im Glauben mache uns bekannt, wie du von beiden wirst gesandt. Alte Kirche. pfer, heiliger Geist, besuch das Herz der Menschen dein, mit Gnaden sie füll, wie du weißt, daß dein Geschöpf vorhin seyn. Pfingstlieder. 2. Denn du bist der Tröster genannt, des Allerhöchsten Gabe theur, ein geistlich Salb an uns gewandt, ein lebend Brunn, Lieb und Feur. 3. Zünd uns ein Licht an im Verstand, gib uns ins Herz der Liebe Brunst, das schwach Fleisch in uns dir bekannt, erhalt fest dein Kräft und Gunst. 4. Du bist, mit Gaben fiebenfalt, der Finger an Gotts rechter Hand; des Vaters Wort gibst du gar bald mit Zungen in alle Land. 5. Des Feindes List treib von uns fern, den Fried schaff bei uns deine Gnad, daß wir deim Leiten folgen gern und meiden der Seelen Schad. 6. Lehr uns den Vater kennen wohl, dazu Jesum Christ, sein Sohn, daß wir des Glaubens werden voll, dich, beider Geist, zu verstehn. 7. Gott Vater sey Lob und dem Sohn, der von den Todten auferstund, dem Tröster sey dasselb gethan in Ewigkeit alle Stund. Dr. M. Luther, geb. 1483, 1546. Eigne Melodie. 148. Komm, Komm, heiliger Geist, Herre Gott! Erfüll mit deiner Gnaden Gut deiner Gläubgen Herz, Muth und Sinn, dein brünstig Lieb entzünd in ihn'n. O Herr, durch deines Lichtes Glast zu dem Glauben versammlet haft das Volf aus aller Welt Zungen; das sey dir, Herr, zu Lob gesungen: Halleluja, Halleluja! 2. Du heiliges Licht, edler Hort! Laß uns leuchten des Lebens Wort, und lehr uns Gott recht erkennen, von Herzen Vater ihn nennen. O Herr, behüt vor fremder Lehr, daß wir nicht Meister suchen mehr, denn Jesum mit rechtem Glauben, und ihm aus ganzer Macht vertrauen: Halleluja, Halleluja! 95 3. Du heilige Brunst, süßer Trost! Nun hilf uns fröhlich und getrost in deim Dienst beständig bleiben, die Trübfal uns nicht abtreiben. Herr, durch dein Kraft uns bereit, und stärk des Fleisches Blödigfeit, daß wir hie ritterlich ringen, durch Tod und Leben zu dir dringen: Halleluja, Halluja! Dr. M. Luther, geb. 1483,+ 1546. Eigne Melodie. 149. Nun bitten wir den heilgen Geist um den rechten Glauben allermeist, daß er uns behüte an unserm Ende, wann wir heimfahrn aus diesem Elende. Kyrieleis! 2. Du werthes Licht, gib uns deinen Schein; lehr uns Jefum Christ kennen allein, daß wir an ihm bleiben, dem treuen 96 Pfingstlieder. Heiland, der uns bracht hat zum rechten Vaterland. Kyrieleis! 3. Du süße Lieb, schenk uns deine Gunst, laß uns empfinden der Liebe Brunst, daß wir uns von Herzen einander lieben und im Friede auf einem Sinn bleiben. Kyrieleis! 4. Du höchster Tröster in aller Noth, hilf, daß wir nicht fürchten Schand noch Tod, daß in uns die Sinne nicht verzagen, wenn der Feind wird das Leben verklagen. Kyrieleis! Dr. M. Luther, geb. 1483, † 1546. Mel. Komm, Gott Schöpfer ic. 150. heilger Geist, du ewger Gott, du höchster Tröster in der Noth, von Herzensgrund ich ruf dich an, wollst meine Bitt nicht fehlen Ian. 2. Ach, sey mein Trost und Zuversicht, laß mich in Sünd verzagen nicht; wend ab von mir des Feindes List, erhalt mich fest an Jesum Christ; Mel. O Jefulein süß, o Jefuleiv mild 2c. 151. heiliger Geist, o heiliger Gott, du Tröster werth in aller Noth, du bist gesandt vons Himmels Thron, von Gott dem Vater und dem Sohn. O heiliger Geist, o heiliger Gott! 3. Daß ich demselben alle zeit treulich zu dienen sey bereit, und ihn in wahrem Glauben rein erkenne für den Heiland mein. 4. Leit mich auf rechter, ebner Bahn, christlich mein Lebn zu stellen an, daß ich nach diefer Sterblichkeit erlangen mög die ewge Freud. 2. O heiliger Geist, o heiliger Gott, gib uns die Lieb zu deinem Wort, zünd an in uns der Liebe Flamm, darnach zu lieben allesammt. O beiliger Geist, o heiliger Gott! 3. O heiliger Geist, o heiliger Gott, mehr unsern Glauben immerfort. An Christum Niemand glauben kann, es sey denn durch dein Hülf gethan. O heiliger Geist, o heiliger Gott! 4. O heiliger Geist, o heiliger Gott, erleucht uns durch dein göttlich Wort, lehr uns den Vater kennen schon, dazu auch seinen lieben Sohn. D heiliger Geist, o heiliger Gott! 5. O heiliger Geist, o heiliger Gott, du zeigest uns die Himmelspfort, laß uns hier fämpfen ritterlich und zu dir dringen seliglich. O heiliger Geist, o heiliger Gott! 6. O heiliger Geist, o heis liger Gott, verlaß uns nicht in Noth und Tod. Wir fingen dir Lob, Ehr und Dank allzeit und unser Lebenlang. Pfingstlieder. O heiliger Geist, o heiliger Gott! Eigne Melodie. 152. 3euch ein zu meinen Thoren, sey meines Herzens Gast, der du, da ich geboren, mich neu geboren hast, o hochgeliebter Geist des Vaters und des Sohnes, mit beiden gleichen Thrones, mit beiden gleich gepreist. 2. Zeuch ein, laß mich empfinden und schmecken deine Kraft, die Kraft, die uns von Sünden Hülf und Errettung schafft. Entsündge meinen Sinn, daß ich mit reinem Geiste dir Ehr und Dienste leiste, die ich dir schuldig bin. 3. Ich war ein wilder Reben, du hast mich gut gemacht; der Tod durchdrang mein Le ben, du hast ihn umgebracht und in der Tauf erstickt, als wie mit einer Fluthe mit dessen Tod und Blute, der uns im Tod erquickt. 4. Du bist das heilig Dele, dadurch gesalbet ist mein Leib und meine Seele dem Herren Jesu Christ zum wahren Eigenthum, zum Priester und Propheten, zum König, den in Nöthen Gott schützt im Heiligthum. 5. Du bist ein Geist, der lehret, wie man recht beten soll; dein Beten wird erhöret, dein Singen klinget wohl. Es 97 steigt zum Himmel an, es steigt und läßt nicht abe, bis der geholfen habe, der Allen helfen fann. 6. Du bist ein Geist der Freuden, vom Trauern hältst du nicht, erleuchtest uns im Leiden mit deines Trostes Licht. Ach ja, wie manchesmal hast du mit süßen Worten mir aufgethan die Pforten zum güldnen Freudensaal. 7. Du bist ein Geist der Liebe, ein Freund der Freundlichkeit; willst nicht, daß uns betrübe Zorn, Zank, Haß, Neid und Streit. Der Feindschaft bist du feind, willst, daß durch Liebesflammen sich wieder thun zusammen, die voller Zwietracht seind. 8. Du, Herr, haft selbst in Händen die ganze weite Welt; kannst Menschenherzen wenden, wie dir es wohlgefällt; so gib doch deine Gnad zu Fried und Liebesbanden, verknüpf in allen Landen, was sich getrennet hat. 9. Beschirm die Obrigkeiten, bau unsrer Fürsten Thron, daß sie und wir gedeihen; schmück als mit einer Kron die Alten mit Verstand, mit Frömmigkeit die Jugend, mit Gottesfurcht und Tugend das Volk im ganzen Land. 10. Erfülle die Gemüther mit reiner Glaubenszier, die Häuser und die Güter mit Se7 98 Pfingstlieder. gen für und für; vertreib den bösen Geist, der dir sich widerfeget und, was dein Herz ergözet, aus unserm Herzen reißt. 11. Gib Freudigkeit und Stärke, zu stehen in dem Streit, den Satans Reich und Werke uns täglich anerbeut. Hilf kämpfen ritterlich, damit wir überwinden, und ja zum Dienst der Sünden kein Christ ergebe fich. 12. Richt unser ganzes Leben allzeit nach deinem Sinn; und wenn wirs sollen geben ins Todes Hände hin, wenns mit uns hie wird aus, so hilf uns fröhlich sterben und nach dem Tod ererben des ewgen Lebens Haus. 3. Du wirst aus des Himmels Throne wie ein Regen ausgeschütt, bringst vom Bater und vom Sohne nichts als lauter Segen mit: laß doch, o du werther Gast, Gottes Segen, den du hast und verwaltst nach deinem Willen, mich an Leib und Seele füllen. de, o du allerschönstes Licht, der du uns in Lieb und Leide unbesuchet läsfest nicht: Geist des Höchsten, höchster Fürst, der du hältst und halten wirst ohn Aufhören alle Dinge, höre, höre, was ich singe. 2. Du bist ja die beste Gabe, die ein Mensch nur nennen kann. Wenn ich dich erwünsch und habe, geb ich alles Wünschen an. Ach, ergib dich, komm zu mir in mein Herze, das du dir, da ich in die Welt geboren, selbst zum Tempel auserføren. 4. Du bist weis und voll Verstandes, was geheim ist, ist dir fund; zählst den Staub des kleinen Sandes, gründst des tiefen Meeres Grund: nun du weißt auch zweifelsfrei, wie verderbt und blind ich sey; drum gib Weisheit und vor allen, wie ich möge Gott gefallen. Paul Gerhardt, geb. 1606, † 1676. Mel. Freu dich sehr, o meine 2c. 5. Du bist heilig, läßt dich finden, wo man rein und sauber ist, fleuchst hingegen Schand und Sünden, hasfest Schlan153. du allerfüßte Freu- gentrug und List: mache mich, o Gnadenquell, durch dein Waschen rein und hell; laß mich fliehen, was du fliehest, gib mir, was du gerne stehest. 6. Du bist, wie ein Schäflein pfleget, frommes Herzens, fanftes Muths, bleibst im Lieben unbeweget, thust uns Bösen alles Guts: ach, verleih und gib mir auch diesen edlen Sinn und Brauch, daß ich Freund und Feinde liebe, Keinen, den du liebst, betrübe. 7. Mein Hort, ich bin wohl zufrieden, wenn du mich nur nicht verstößt; bleib ich von Pfingstlieder. dir ungeschieden, ei so bin ich gnug getröst. Laß mich seyn dein Eigenthum, ich versprech hinwiederum, hier und dort all mein Vermögen dir zu Ehren anzulegen. 8. Ich entsage, Herr, dem allen, was dir deinen Ruhm benimmt; meiner Seel soll nichts gefallen, als allein was von dir kömmt. Was der Satan will und sucht, will ich halten als verflucht; ich will seinen schnöden Wegen mich mit Ernst zuwider legen. 9. Nur allein, daß du mich stärfest und mir treulich stehest bei. Hilf, mein Helfer, wo du merkest, daß mir Hülfe nöthig sey. Brich des bösen Fleisches Sinn, nimm den alten Willen hin, mach ihn allerdinge neue, daß sich mein Gott meiner freue. 10. Sey mein Retter, halt mich eben; wenn ich sinke, sey mein Stab; wenn ich sterbe, sey mein Leben; wenn ich liege, sey mein Grab. Wenn ich wieder aufersteh, ei so hilf mir, daß ich geh hin, da du in ewgen Freuden wirst dein' Auserwählten weiden. Paul Gerhardt, geb. 1606,+1676. 99 licht, laß deinen Schein bei uns und in uns kräftig seyn zu steter Freud und Wonne! Sonne, Wonne, himmlisch Leben willst du geben, wenn wir beten: zu dir kommen wir getreten. 2. Du Quell, draus alle Weisheit fleußt, die sich in fromme Seelen geußt, laß deinen Trost uns hören, daß wir in Glaubenseinigkeit auch fönnen alle Christenheit dein wahres Zeugniß lehren. Höre, lehre, daß wir können Herz und Sinnen dir ergeben, dir zum Lob und uns zum Leben. 3. Steh uns stets bei mit deinem Rath und führ uns selbst den rechten Pfad, die wir den Weg nicht wissen. Gib uns Beständigkeit, daß wir getreu dir bleiben für und für, wenn wir nun leiden müssen. Schaue, baue, was zerrissen und geflissen, dich zu schauen und auf deinen Trost zu bauen. 4. Laß uns dein edle Balsamkraft empfinden und zur Ritterschaft dadurch gestärket werden, auf daß wir unter Feinde Truß mit freudigen Ges deinem Schuß begegnen aller berden. Laß dich reichlich auf uns nieder, daß wir wieder Mel. Wie schön leuchtet sc. 154. Oheilger Geift, fehr Trost empfinden, alles Unglück bei uns ein und laß uns deine Wohnung seyn, o komm, du Herzenssonne! Du Himmelsüberwinden. 5. O starker Fels und Lebenshort, laß uns dein him7* 100 Pfingstlieder. melfüßes Wort in unsern Herzen brennen, daß wir uns mögen nimmermehr von deiner Weisheit reichen Lehr und reinen Liebe trennen. Fließe, gieße deine Güte ins Gemüthe, daß wir können Christum unfern Heiland nennen. 6. Du süßer Himmelsthau, laß dich in unsre Herzen kräftiglich und schenk uns deine Liebe, daß unser Sinn verbunden sey dem Nächsten stets mit Liebestreu und sich darinnen übe. Kein Neid, kein Streit dich betrübe, Fried und Liebe müssen schweben, Fried und Freude wirst du geben. 7. Gib, daß in reiner Heiligkeit wir führen unsre Lebenszeit, sey unsers Geistes Stärke, daß uns forthin sey unbewußt die Eitelkeit, des Fleisches Lust und seine todten Werke. Rühre, führe unsre Sinnen und Beginnen von der Erden, daß wir Himmelserben werden. Michael Schirmer, geb. 1606,+ 1673. Mel. Gott des Himmels 2c. 155. Komm, Comm, o komm, du Geist des Lebens, wahrer Gott von Ewigkeit! Deine Kraft sey nicht vergebens, sie erfüll uns jederzeit; so wird Geist und Licht und Schein in dem dunklen Herzen seyn. 2. Gib in unser Herz und Sinnen Weisheit, Rath, Verstand und Zucht, daß wir anders nichts beginnen, als nur was dein Wille sucht. Dein Erkenntniß werde groß und mach uns vom Irrthum los. 3. Zeige, Herr, die Wohlfahrtsstege; das, was wider dich gethan, räume ferner aus dem Wege; schlecht und recht sey um und an. Wirke Reu an Sünden Statt, wenn der Fuß gestrauchelt hat. 4. Laß dein Zeugniß uns empfinden, daß wir Gottes Kinder sind, die auf ihn allein fich gründen, wenn sich Noth und Drangsal findt; denn des Vaters liebe Ruth ist uns alle Wege gut. 5. Reiz uns, daß wir zu ihm treten frei mit aller Freudigkeit; seufz auch in uns, wann wir beten, und vertritt uns allezeit; so wird unfre Bitt erhört und die Zuversicht gemehrt. 6. Wird uns auch nach Troste bange, daß das Herz oft rufen muß: Ach, mein Gott, mein Gott, wie lange? o so mach du den Beschluß; sprich der Seele tröstlich zu und gib Muth, Geduld und Ruh. 7. O du Geist der Kraft und Stärke, du gewisser, neuer Geist, fördre in uns deine Werke, wenn des Satans macht sich weist. Schenk uns Waffen in dem Krieg und erhalt in uns den Sieg. Pfingstlieder. 8. Herr, bewahr auch unfern Glauben, daß kein Teufel, Tod noch Spott uns denfelben möge rauben; du bist unser Schuß und Gott. Sagt das Fleisch gleich immer nein, laß dein Wort gewisser seyn! 9. Wenn wir endlich sollen sterben, so versichr' uns mehr und mehr als des Himmelreiches Erben jener Herrlichkeit und Ehr, die uns unser Gott erkiest und nicht auszusprechen ist. Joachim Neander, geb. 1640, † 1680 Mel. Freu dich sehr, o meine ic. 156. Gott, gib einen milden Regen; denn mein Herz ist dürr wie Sand. Vater, gib vom Himmel Segen, tränke du dein durstig Land! Laß des beilgen Geistes Gab über mich von oben ab wie die starken Ströme fließen und mein ganzes Herz durchgießen. 2. Kann ein Vater hier imkeben, der doch bös ist von Natur, seinen lieben Kindern geben nichts als gute Gaben nur: solltest du denn, der du heißt guter Vater, deinen Geist mir nicht geben und mich laben mit den guten Himmelsgaben? 3. Jesu, der du hingegangen zu dem Vater, sende mir deinen Geist, den mit Verlangen ich erwarte, Herr, von dir. Laß den Tröster ewiglich bei mir seyn und lehren mich 101 in der Wahrheit feste stehen und auf dich im Glauben sehen. 4. Heilger Geist, du Kraft der Frommen, fehre bei mir Armen ein und sey tausendmal willkommen, laß mich deinen Tempel seyn. Reinige du selbst das Haus meines Herzens, wirf hinaus alles, was mich bier kann scheiden von den süßen Himmelsfreuden. 5. Schmücke mich mit dei nen Gaben, mache mich neu, rein und schön, laß mich wahre Liebe haben und in deiner Gnade stehn. Gib mir einen Fleisch und Blut, lehre mich starken Muth, heilige mein vor Gott hintreten und im Geist und Wahrheit beten. 6. So will ich mich dir erSinn dem, was himmlisch ist, geben; dir zu Ehren soll mein nachstreben, bis ich werde kommen hin, da mit Vater und Himmelsthron ich erheben kann dem Sohn dich im höchsten und preisen mit den süßen Engelsweisen. Morig Kramer, geb. 1646, † 1702. Mel. Komm, heiliger Geist 2c. 157. Wer recht die Pfingsten feiern will, der werd in seinem Herzen still; Ruh, Friede, Lieb und Einigkeit sind Zeichen einer solchen Zeit, worin der heilge Geist regiert: der ist es, der zur Andacht führt. Er kann fein Weltge 102 Pfingstlieder. tümmel leiden; wer jenes liebt, muß dieses meiden und Gott allein gehorsam seyn. 2. Sein Tempel ist da aufgericht; da dient man ihm nach rechter Pflicht, da gibt, er Klugheit und Verstand, da wird der Sprachen Grund erfannt, der Zungen Feuereifer glimmt; er zeigt, was Niemand sonst vernimmt, schenkt das Vermögen auszusprechen, was der Vernunft, dem Witz der Frechen und aller List zu mächtig ist. 3. Nun dieses ist der Geist aus Gott, der Frommen Trost, der Bösen Spott. Die sich der Sündenlust entziehn und Buße thun, empfahen ihn. Auf wem er ruhet, der wird rein. Er geht zu keinem Stolzen ein, verleiht der Demuth reiche Gaben; der geistlich Arme soll sie haben; denn sein Gebet wird nicht verschmäht. 4. Es ist der Odem und der Wind, der Seelen anbläst und entzündt, der von des Herren Munde webt und, was erstorben ist, belebt. Es ist ein Wort, das neu gebiert, des Deutung man im Werke spürt, ein Zeugniß, das zum Glauben treibet und das Gesetz ins Herz einschreibet, daß Jedermann es wissen kann. 5. Es ist die Kraft, die alles regt, ein Strahl, der durch die Felsen schlägt, ein heller Glanz, der uns erleucht, ein Licht, dem Nacht und Schatten weicht, ein Lehrer, der aufs Gute dringt, ein Helfer, welcher Stärke bringt, ein Rath, der uns zurechte weiset, ein Labsal, das mit Gnade speiſet und den erquickt, den Elend drückt. 6. Es ist der Ausfluß aus der Höh, der Weisheit unerschöpfte See, ein Wasser, das vom Unrecht wäscht, ein Quell, der Durst und Sehnsucht löscht, ein Brunnen, welcher ewig quillt und das Gemüth mit Gütern füllt, ein Vorrath und verheißner Segen, ein Himmelsthau und milder Regen, der das erzieht, was grünt und blüht. 7. Es ist ein Del, des Lauterkeit zu Königen und Priestern weiht, die Salbung, die, uns mitgetheilt, die Wunden und Verderbniß heilt; ein Abgrund, drin die Wahrheit steckt, die sich dem innern Aug entdeckt, wogegen Kunst und menschlich Wissen der Thorheit ähnlich werden müssen; sie machet frei von Heuchelei. 8. Du theurer Gast und höchste Gab, sey unser Beistand, Trost und Stab, an den sich das Vertrauen hält, wenn uns Versuchung überfällt. Vermehr in uns die Zuversicht, wehr aller Furcht, verlaß uns Pfingstlieder. nicht, daß wir in Noth nicht unterliegen, vielmehr beherzt den Tod bestegen, wenn uns die Zeit das Ende dräut. Ernst Lange, geb. 1650, † 1727. Mel. Jesu, meine Freude zc. 158. Schmückt das Fest mit Maien, lasset Blumen streuen, zündet Opfer an; denn der Geist der Gnaden hat sich eingeladen: machet ihm die Bahn. Nehmt ihn ein, so wird sein Schein euch mit Licht und Heil erfüllen und den Kummer stillen. 2. Tröster der Betrübten, Siegel der Geliebten, Geist voll Rath und That, starker Gottesfinger, Friedensüberbringer, Licht auf unserm Pfad, gib uns Kraft zur Pilgrim schaft, laß uns deine theuern Gaben zur Genüge laben. 3. Laß die Zungen brennen, wenn wir Jesum nennen; führ den Geist empor. Gib uns Kraft, zu beten und vor Gott zu treten, sprich du selbst uns vor. Gib uns Muth, du höchstes Gut, tröst uns fräftiglich von oben bei der Feinde Toben. 103 dertfältig Frucht zu bringen, laß ihm stets gelingen. 5. Schlage deine Flammen über uns zusammen, heilge Liebesgluth; laß dein sanftes Wehen über uns ergehen, dämpfe Fleisch und Blut; laß uns doch am Sündenjoch nicht mehr wie vor diesem ziehen, und das Böse fliehen. 6. Gib zu allen Dingen Wollen und Vollbringen, führ uns ein und aus; wohn in unsrer Seele, unser Herz erwähle dir zum eignen Haus. Werthes Pfand, mach uns befennen und Gott Vater nennen. fannt, wie wir Jesum recht ersüße und durch Finsternisse sey 7. Mach das Kreuz uns Hügeln uns mit Glaubensflüdu unser Licht; trag nach Zions geln und verlaß uns nicht, wenn der Tod, die lepte Noth daß wir fröhlich siegen. mit uns will zu Felde liegen, nimmermehr vergessen, daß wir 8. Laß uns hier indeffen Gott verwandt. Dem laß uns stets dienen und im Guten grünen als ein fruchtbar Land, bis wir dort, du werther Hort, bei den grünen Himmelsmaien ewig uns erfreuen. Benj. Schmold, geb. 1672, † 1737. 4. Goldner Himmelsregen, schütte deinen Segen auf das Kirchenfeld; Ströme mel. Fröhlich soll mein Herze zc. ßen, die das Land begießen, 159. Höchster Tröſster, wo dein Wort hinfällt, und verleih, daß es gedeih; hunkomm hernieder, Geist des Herrn, sey nicht fern, salbe Pfingstlieder. 104 Jesu Glieder. Er, der nie sein Wort gebrochen, Jesus, hat deinen Rath seinem Volf versprochen. 2. Schöpfer unsers neuen Lebens, jeder Schritt, jeder Tritt ist ohn dich vergebens. Ach, das Seelenwerk ist wichtig! Wer ist wohl, wie er soll, treu zu handeln tüchtig? 8. Hilf uns nach dem Besten streben, schenk uns Kraft, tugendhaft und gerecht zu leben. Gib, daß wir nie stille stehen, treib uns an, froh die Bahn deines Worts zu gehen. 3. Herr, wir fallen dir zu Fuße; Eins ist noth für den Tod: Buße, wahre Buße. Zeig uns selbst den Greul der Sünde, daß das Herz Angst und Schmerz, Reu und Scham empfinde. 9. Sey in Schwachheit unsre Stüße, steh uns bei, mach uns treu in der Prüfungshize. Führ, wenn Gott uns nach dem Leide sterben heißt, unsern Geist freudig in die Freude. Ehrenfried Liebich, geb. 1713,+ 1780. Mel. Freu dich sehr zc. 4. Zeig uns des Erlösers 160. Der du uns als Wunden, ruf uns zu: Ihr habt Ruh, ihr habt Heil gefunden! Unsre Sünd wird nicht gerochen; Jesu Blut machet gut, was die Welt verbrochen. 5. Weck uns auf vom Sündenschlafe, rette doch heute noch die verlornen Schafe; reiß die Welt aus dem Verderben, laß sie nicht im Gericht der Verstockung sterben. 6. Geist der Weisheit, gib uns allen durch dein Licht Unterricht, wie wir Gott gefallen; lehr uns freudig vor Gott treten, sey uns nah und sprich: Ja, wenn wir gläubig beten. 7. Hilf den Kampf des Glaubens kämpfen, gib uns Muth, Fleisch und Blut, Sünd und Welt zu dämpfen; laß uns Trübsal, Kreuz und Leiden, Angst und Noth, Schmerz und Tod nicht von Jesu scheiden. Vater liebest, treuer Gott, und deinen Geist denen, die dich bitten, gibest, ja nur um ihn bitten heißt; demuthsvoll fleh ich zu dir: Vater, sende ihn auch mir, daß er meinen Geist erneue und ihn dir zum Tempel weihe. 2. Ohne ihn fehlt meinem WissenLeben, Kraft und Fruchtbarkeit, und mein Herz bleibt dir entrissen und dem Dienst der Welt geweiht, wenn er nicht durch seine Kraft die Gesinnung in mir schafft, daß ich dir mich ganz ergebe und zu deiner Ehre lebe. 3. Auch dich kann ich nicht erkennen, Jesu, noch mit echter Treu meinen Gott und Herrn dich nennen, stehet mir dein Geist nicht bei. Drum Pfingstlieder. so laß ihn kräftiglich in mir wirken, daß ich dich glaubensvoll als Mittler ehre und auf deine Stimme höre. 4. Ewge Quelle wahrer Güter, hochgelobter Gottesgeist, der du menschliche Gemüther besserst und mit Trost erfreust! Nach dir, Herr, verlangt auch mich; ich ergebe mich an dich. Mache mich zu Gottes Preise heilig und zum Himmel weiſe. 5. Fülle mich mit heilgen Trieben, daß ich dich, mein höchstes Gut, über alles möge lieben, daß ich mit getrostem Muth deiner Vaterhuld mich freu und mit wahrer Kindestreu stets vor deinen Augen wandle und rechtschaffen denk und handle. 7. Lehre du mich selber fennen, die verborgnen Sünden fehn, sie voll Reue Gott be kennen und ihn um Vergebung flehn. Mache täglich Ernst und Treu, mich zu bessern, in mir neu; zu dem Heiligungs105 geschäfte gib mir immer neue Kräfte. 8. Wenn der Anblick meiner Sünden mein Gewissen niederschlägt; wenn sich in mir Zweifel finden, die mein Herz mit Zittern hegt; wenn mein Aug in Nöthen weint, und Gott nicht zu hören scheint: o dann laß es meiner Seelen nicht an Trost und Stärkung fehlen. findet, ist dein Gnadenwerk in 9. Was sich Gutes in mir mir; selbst den Trieb hast du entzündet, daß mich, Herr, vers langt nach dir. O so sezze durch dein Wort deine Gnadenwirfung fort, bis sie durch ein selges Ende herrlich sich an mir vollende! 6. Geist des Friedens und der Liebe, bilde mich nach deiMel. Liebster Jefu zc. nem Sinn, daß ich lieb und 161. Komm auf uns, o Sanftmuth übe und mirs rechne zum Gewinn, wenn ich je ein Friedensband knüpfen kann, wenn meine Hand zur Erleichtrung der Beschwerden kann dem Nächsten nüßlich Geist des Herrn, lehr uns zu dem Vater beten, und beleb uns, daß wir gern und voll Glaubens zu ihm treten, so wird er um Christi willen unser Bitten werden. gern erfüllen. David Bruhn, geb. 1727,+ 1782, [ Siehe Lieder vom heiligen Geift.] 2. O du Geist der Herr- lichkeit, wohn und wirke in uns allen; jedes Herz sey dir ge= weiht, schmück es aus nach Wohlgefallen. Reich sind wir versehn mit Gaben, wenn wir deine Salbung haben. 106 Trinitatisfestlieder. Trinitatisfestlieder. Das Sanctus deutsch. Eigne Melodie. 162. Jesaia, dem Propheten, das geschah, daß er im Geist den Herren sißen sah auf einem hohen Thron in hellem Glanz, seines Kleides Saum den Chor füllet ganz. Es stunden zween Seraph bei ihm daran; sechs Flügel sah er einen jeden han; mit zween verbargen sie ihr Antlig klar, mit zween bedeckten sie die Füße gar, und mit den andern zween fie flogen frei; gen ander riefen sie mit großem G'schrei: Heilig ist Gott, der Herre Zebaoth! Heilig ist Gott, der Herre Zebaoth! Heilig ist Gott, der Herre Zebaoth! Sein Ehr die ganze Welt erfüllet hat! Von dem G'schrei zittert Schwelk und Balken gar; das Haus auch ganz voll Rauchs und Nebel war. Dr. M. Luther, geb. 1483,+ 1546. Eigne Melodie. 163. Gott, der Vater, wohn uns bei und laß uns nicht verderben, mach uns aller Sünden frei und helf uns selig sterben: für dem Teufel uns bewahr, halt uns bei festem Glauben, und auf dich laß uns bauen, aus Herzensgrund vertrauen, dir uns lassen ganz und gar, mit allen rechten Christen entfliehen Teufels Listen, mit Waffen Gotts uns fristen: Amen, Amen! das sey wahr, so singen wir Halleluja! 2. Jesus Christus wohn uns bei u. f. w. uns bei u. f. w. 3. Heilig Geist der wohn Dr. M. Luther, geb. 1483,+ 1546. Eigne Melodie. 164. Allein Gott in der Höh sey Ehr und Dank für seine Gnade, darum daß nun und nimmermehr uns rühren kann kein Schade. Ein Wohlgefalln Gott an uns hat; nun ist groß Fried ohn Unterlaß; all Fehd hat nun ein Ende. 2. Wir loben, preis'n, anbeten dich für deine Ehr, wir danken, daß du, Gott Vater, ewiglich regierst ohn alles Wanken. Ganz ungemessen ist dein Macht, fort g'schieht, was dein Will hat bedacht; wohl uns des feinen Herren! 3. O Jesu Christ, Sohn eingeborn deines himmlischen Vaters, Versöhner der, die warn verlorn, du Stiller unsers Haders: Lamm Gottes, heilger Herr und Gott! nimm an die Bitt von unsrer Noth; erbarm dich unser aller. Trinitatisfestlieder. 4. O heilger Geist, du höchstes Gut, du all'rheilsamster Tröster, vors Teufels G'walt fortan behüt, die Jesus Christ erlöset durch große Mart'r und bittern Tod! Abwend all unsern Jamm'r und Noth, dazu wir uns verlaffen. Nikolaus Decius, um 1526. 5. Heiland, Immanuel, Lamm Gottes ohne Sünden, mein Jesu, deine Lieb fann kein Verstand ergründen; das Halleluja singt dir, als dem wahren Christ, das menschliche Geschlecht, das nun erlöſet ist. 6. Du nahmest Fleisch an dich und tratest in die Mitten, trugst unsre Sündenschuld, hast bis aufs Blut gelitten. Doch Mel. Nun dantet alle 2c. 165. Du dreimal großer dieß dein Blut und Tod erwirbt uns lauter Heil, macht, daß wir selbst an Gott nun können nehmen Theil. Gott, dem Erd und Himmel dienen, dem Heilig, Heilig! singt die Schaar der Seraphinen; du höchste Majestät, du Helfer in der Noth, du aller Herren Herr, Jehova Zebaoth! Geist, du Geist voll reiner 7. O Herr, Gott heilger Flammen, durchs Evangelium bringst du das Volk zusammen, das Christum kennt und ehrt; du machest alles licht, gibst neue Feuergluth, damit fein Glaub gebricht. 8. Ach, allerhöchster Trost und bester Weisheitslehrer, Erleuchter, Heiliger, Africhter und Befehrer, du theilst die Gaben aus, erfülleft uns mit Kraft, die der Verderbniß wehrt und Gutes in uns schafft. 2. Dich bet ich jegund an, dir Lob und Dank zu lallen, mein Halleluja laß dir gnädig wohlgefallen, du allerhöchstes Gut und gnadenvolle Sonn, du aller Gaben Meer und unerschöpfter Bronn. 3. Mein Schöpfer! Mensch und Thier und alles andre Wesen läßt deiner Allmacht Pracht ganz klärlich an sich lesen; ein jedes Wunder lobt dich ja in der Natur: Stern', Element, Gewölk und alle Creatur. 107 4. Es muß dich Jedermann - den treuen Vater preisen; du führest wunderbar, willst Leib und Seele speisen, erhörest das Gebet, erfrischest unsern Muth; wir sind viel zu gering, was deine Treue thut. Geist, Ein Gott und Eins in 9. Gott, Vater, Sohn und Dreien, gepriesne Majestät, die stets zu benedeien: laß auf der rechten Bahn uns allezeit bestehn, und durch ein seligs End zu unserm Erb eingehn. 10. Laß, o dreieinger Gott, dein Gnadenantlig leuchten; Trinitatisfestlieder. 108 dein edler Segensthau woll unser Herz befeuchten! Wir hoffen ja auf dich, du läßt uns nicht im Spott; wir singen: Gloria! Gelobt, gelobt sey Gott! Mel. Nun dantet alle Gott 2c. 166. Gelobet fey der Herr, mein Gott, mein Licht, mein Leben, mein Schöpfer, der mir hat mein Leib und Seel gegeben, mein Vater, der mich schüßt von Mutterleibe an, der jeden Augenblick viel Guts an mir gethan. 2. Gelobet fey der Herr, mein Gott, mein Heil, mein Leben, des Vaters liebster Sohn, der sich für mich gegeben, der mich erlöset hat mit seinem theuren Blut, der mir im Glauben schenkt sich selbst, das höchste Gut. 3. Gelobet sey der Herr, mein Gott, mein Trost, mein Leben, des Vaters werther Geist, den mir der Sohn gegeben, der mir mein Herz erquickt, der mir gibt neue Kraft, der mir in aller Noth Rath, Trost und Hülfe schafft. 4. Gelobet sey der Herr, mein Gott, der ewig lebet, den alles rühmt und lobt, was in den Lüften schwebet. Gelobet sey der Herr, des Name heilig heißt, Gott Vater, Gott der Sohn und Gott der heilge Geist, 5. Dem wir Halleluja mit Freuden lassen klingen und mit der Engelschaar das Heilig, Heilig! singen; den herzlich lobt und preist die ganze Christenheit: gelobet sey mein Gott in alle Ewigkeit! Johann Dlearius, geb. 1611, t 1684. mel. Die Sonn hat sich mit 2c. 167. Dreieinigkeit, der Gottheit wahrer Spiegel, o Licht vom Licht, als dessen Allmachtflügel sich um und um durch diesen Erdkreis streckt und alle Welt mit seinem Schirm bedeckt! 2. Wir loben dich, sobald die Sonn erwachet, und wenn sie jetzt den späten Abend machet; was lebt und webt auf dieser Erde weit, ist alles, Herr, zu deinem Dienst bereit. 3. D reicher Schat, o unumschränktes Wesen, wer hat wohl je dein Heimlichkeit gelesen? O tiefer Brunn, o unerforschte Pracht, wie groß, ach Gott, wie groß ist deine Macht! 4. Wer kann doch hier, Herr, deine Weg erfinden? Wie sollt ein Mensch wohl dein Gericht ergründen? Wo Gott nicht selbst mich unterweisen wird, so bleibe ich verloren und verirrt. 5. Drum lehre, Herr, du selbst uns, ohne Trennen, in Einem Drei, in Dreien Eins Trinitatisfestlieder. erkennen! Ach, lehr uns doch, Gott Vater, Sohn und Geist, daß du ein Gott in drei Perfonen heißt. 7. Dein Nam ist groß; dein Reich, Herr, in uns wohne; dein Will uns leit; ernähr uns und verschone; Versuchung wehr; erlös aus böser Zeit. Dein ist das Reich, die Kraft und Herrlichkeit. Joh. Frand, geb. 1618, † 1677. Eigne Melodie. 168. Wir glauben all an Einen Gott, Vater, Sohn und heilgen Geist, der uns hilft in aller Noth, den die Schaar der Engel preist, der durch seine große Kraft alles wirket, thut und schafft. Mel. Wie schön leuchtet zc. 6. Gib, daß dieß Wort tief unsern Sinn durchdringe: von 169. Halleluja! Lob, Preis ihm, durch ihn, in ihm sind alle Dinge! Dem großen Gott sey Ehr in Ewigkeit! Ja, Amen, ja, singt alle Christenheit. 2. Wir glauben auch an Jefum Christ, Gottes und Marien Sohn, der vom Himmel kommen ist und uns führt ins Himmels Thron, der uns durch sein Blut und Tod hat erlöst aus aller Noth. 109 3. Wir glauben an den heilgen Geist, der von beiden gehet aus, der uns Trost und Beistand leist wider alle Furcht und Graus. Heilige Dreifaltigkeit, sey gepreist zu aller Zeit! Tobias Clausniper, geb. 1619,+1684. und Ehr sey unserm Gott je mehr und mehr für alle seine Werke; von Ewigkeit zu Ewigfeit sey in uns allen ihm bereit Dank, Weisheit, Kraft und Stärke! Klinget, finget: Dreimal heilig, hoch und herrlich! Preis und Ehre sey dem Herrn der Himmelsheere! und macht sey auch dem Got2. Halleluja! Preis, Ehr teslamm gebracht, in dem wir sind erwählet, das uns mit seinem Blut erkauft, damit besprenget und getauft, und sich mit uns vermählet. Heilig, selig ist die Freundschaft und Gemeinschaft, die wir haben und darinnen uns erlaben. Geist sey ewiglich von uns ge3. Halleluja! Gott heilger preist, durch den wir neu geboren, der uns mit Glauben ausgeziert, dem Bräutigam uns zugeführt, den Hochzeittag erforen! Heil uns, Heil uns! Da ist Freude, da ist Weide, da ist Manna und ein ewig Hosianna. 4. Halleluja! Lob, Preis und Ehr sey unserm Gott je mehr und mehr und seinem großen Namen! Stimmt an 110 Reformanonsfestlieder. mit aller Himmel Schaar und finget nun und immerdar mit Freuden Amen, Amen! Klinget, singet: Dreimal heilig, II. Kirchliche Feiertage. Reformationsfestlieder. Eigne Melodie. 170. Ein feste Burg ist unser Gott, ein gute Wehr und Waffen. Er hilft uns frei aus aller Noth, die uns jetzt hat betroffen. Der alt böse Feind mit. Ernst ers jetzt meint; groß Macht und viel List sein grausam Rüstung ist; auf Erd ist nicht seins gleichen. 2. Mit unsrer Macht ist nichts gethan, wir sind gar bald verloren; es streit für uns der rechte Mann, den Gott hat selbst erforen. Fragst du, wer der ist? Er heißt Jesus Christ, der Herr Zebaoth, und ist kein ander Gott; das Feld muß er behalten. hoch und herrlich! Preis und Ehre sey dem Herrn der Himmelsheere! 3. Und wenn die Welt voll Teufel wär und wollt uns gar verschlingen, so fürchten wir uns nicht so sehr, es soll uns doch gelingen. Der Fürst dieser Welt, wie saur er sich stellt, thut er uns doch nicht, das macht, er ist gericht; ein Wörtlein kann ihn fällen. 4. Das Wort sie sollen las Barthol. Craffelius, geb. 1677,+ 1724. sen stahn und kein Dank dazu dem Plan mit seinem Geist und haben; er ist bei uns wohl auf Gaben. Nehmen sie den Leib, Gut, Ehr, Kind und Weib: laß fahren dahin, sie habens fein Gewinn; das Reich muß uns doch bleiben. Dr. Martin Luther, geb. 1483, † 1546. Eigne Melodie. 171. Wo Gott, der Herr, nicht bei uns hält, wenn unsre nicht bei uns hält, wenn unsre Feinde toben; und er unsrer Sach nicht zufällt im Himmel hoch dort oben; wo er Israels Schuß nicht ist und selber bricht der Feinde List: so ists mit uns verloren. 2. Was Menschenfraft und Wizz anfäht, soll uns billig nicht schrecken; er sizzet an der höchsten Stätt, der wird ihr'n Rath aufdecken. Wenn sies aufs flügste greifen an, so geht doch Gott ein andre Bahn; es steht in seinen Händen. 3. Sie wüthen fast und fahren her und wolln sich hoch Kirchweihfestlieder. vermessen; zu würgen steht all ihr Begehr, Gott ist bei ihn'n vergessen. Wie Meereswellen hochher gehn, nach Leib und Leben sie uns stehn, des wird fich Gott erbarmen. 4. Ach, Herr Gott, wie reich tröstest du, die gänzlich sind verlassen! Der Gnaden Thür steht nimmer zu; Vernunft kann das nicht fassen. Sie spricht: Es ist nun alls verlorn, da doch das Kreuz hat neugeborn, die deiner Hülf erwarten. 5. Die Feind sind all in dei [ Siehe Kirche und Wort Gottes.] 111 ner Hand, dazu all ihr Gedanken; ihr Anschläg find dir wohlbekannt: hilf nur, daß wir nicht wanken. Vernunft wider den Glauben ficht, aufs Künftig will fie trauen nicht, da du wirst selber trösten. 6. Den Himmel und auch die Erden hast du, Herr Gott, gegründet; dein Licht laß uns helle werden, das Herz uns werd entzündet in rechter Lieb des Glaubens dein, hilf bis ans End beständig seyn, die Welt laß immer murren. Justus Jonas, geb. 1493, † 1555. Kirchweihfestlieder. Mel. Wie schön leuchtet ic. 172. Kommt her, ihrChristen, voller Freud, erzählet Gottes Freundlichkeit, kommt her und laßt erklingen die Stimm des Dankes unserm Gott, laßt uns dem Herren Zebaoth mit frohem Munde fingen. Singet, bringet schöne Weisen, laßt uns preisen Gottes Gaben, die wir hier genossen haben. 2. Wir gehn in diesem Gotteshaus ein Jahr nun wieder ein und aus, und hören da verkünden der edlen Schaß, das Gnadenwort, das uns entdeckt des Lebens Pfort, Vergebung unsrer Sünden. Singet, bringet schöne Weiser, ben, die wir hier genossen laßt uns preisen Gottes Gaben, die wir hier genossen haben. 3. Da sehen wir mit Freuden an die Dienste, die man leisten kann dem Herrn in ſeinem Tempel; da hört man mit Erstaunen zu, was Gott für große Thaten thu, die Wunder ohn Exempel. Singet, bringet schöne Weisen, laßt uns preisen Gottes Gaben, die wir hier genossen haben. gelehrt; da wird Gottseligkeit 4. Da wird Gerechtigkeit gemehrt; da wird der Glaub entzündet, Geduld, Lieb, Hoffnung, keusche Zucht und was 112 Kirchweihfestlieder. noch mehr des Geistes Frucht, wird alles da gegründet. Singet, bringet schöne Weisen, laßt uns preisen Gottes Gaben, die wir hier genossen haben. 5. O große Wohlthat, die Gott thut! o heilig, gnadenreiches Gut! Kommt her, fommt, liebe Christen! Da wohnt der Herr der Herrlichkeit; wohl denen, die sich allezeit zu seinem Dienste rüsten. Singet, bringet schöne Weisen, laßt uns preisen Gottes Gaben, die wir hier genossen haben. 6. Das ist der Ort, den David liebt, dahin er seine Seufzer gibt, da ihm das Reich genommen; er wünscht nicht seine Königszierd; wann werd ich, sagt er mit Begierd, in Gottes Tempel kommen? Singet, bringet schöne Weisen, laßt uns preisen Gottes Gaben, die wir hier genossen haben. 7. Und zwar wie sollte doch jegund nicht seyn voll Jauchzen unser Mund? Was Andre müssen meiden, die gerne mit der Kirchgemein im Hause Gottes wollten seyn, genießen wir mit Freuden. Singet, bringet schöne Weisen, laßt uns preisen Gottes Gaben, die wir hier genossen haben. 8. Wie mancher Ort ist nun zerstört, da sonst ward Gottes Wort gelehrt! Die Kirchen sind zerfallen. Hier stehn noch Thür und Pfeiler fest; wir hören Gottes Wort aufs best in seinem Tempel schallen. Singet, bringet schöne Weisen, laßt uns preisen Gottes Gaben, die wir hier genossen haben. 9. Da Andre mit betrübtem Klang anstimmen müssen den Gesang, ja gar wohl gänzlich schweigen, da singen wir noch voller Freud, man hört der Orgel Lieblichkeit, man darf sich fröhlich zeigen. Singet, bringet schöne Weisen, laßt uns preisen Gottes Gaben, die wir hier empfangen haben. 10. Bedenke dieß, o Christgemein, und jetzt mit Danf vor Gott erschein, laß dich mit Rühmen hören: Gelobt sey Gott, durch dessen Güt hier dieses Kirchhaus ward behüt vor feindlichem Zerstören. Singet, bringet schöne Weisen, laßt uns preisen Gottes Gaben, die wir hier genossen haben. 11. Ja, der du hier hast Feur und Herd, o Gott, dein Nam werd hoch geehrt, der Nam von großen Thaten. Gelobt sey Gott an diesem Ort, allwo sein heilig theures Wort bisher so wohl gerathen. Singet, bringet schöne Weisen, laßt uns preisen Gottes Gaben, die wir hier empfangen haben. 12. O Herr, noch Eines bitten wir, laß uns auch fünf 113 nimmt er ein, daß sie seine Tempel seyn. 3. O welch Heil ist bis hieher diesem Hause widerfahren! Wenn der Herr nicht bei uns wär, der sich uns will of fenbaren, woher hätten wir den Geist, der den Weg zum Himmel weist? Mel. Jesus, meine Zuversicht 2c. 4. O wie lieblich, o wie schön sind des Herren Gottes173. Ach, wie heilig ist dienste! Laßt uns froh zu ihder Ort! Ach, wie selig ist die Stätte! Hier, hier ist des Himmels Pfort; hier erhöret Gott Gebete; hier erschallt sein theures Wort; o wie heilig ist der Ort! nen gehn; hier erlangt man zum Gewinnste einen Schatz, der ewig währt, den fein Rost noch Raub verzehrt. 5. Bleibe bei uns, liebster Gast; speis uns gnädig mit geben hast, Jesu, stets an diedem Worte, das du uns gefem Orte! Laß die Kirche feste ſem stehn, bis die Welt wird untergehn! Bußtagslieder. tig für und für allhier zusammen kommen; bewahr die Kirch und die Gemein und die darinnen Lehrer seyn; so werden dir die Frommen singen, bringen schöne Weisen und dich preisen für die Gaben, die sie zu genießen haben. Job. Christ. Arnschwanger, geb. 1625, † 1696. 2. Heil war in des Zöllners Haus, weil er Christum aufgenommen; und hier rufet Jesus aus: Selig sind, die zu mir kommen! Deren Herzen Bußtagslieder. Eigne Melodie. 174. Aus tiefer Noth schrei ich zu dir, Herr Gott, erbör mein Rufen; dein gnädig Ohren fehr zu mir und meiner Bitt sie öffen. Denn so du willt das sehen an, was Sünd und Unrecht ist gethan, wer kann, Herr, für dir bleiben? 2. Bei dir gilt nichts denn Gnad und Gunst, die Sünde zu vergeben. Es ist doch unser Benj. Schmold, geb. 1672, 1737. Thun umsonst auch in dem besten Leben. Für dir Niemand sich rühmen kann, des muß dich fürchten Jedermann und deiner Gnade leben. fen ich, auf mein Verdienst nicht 3. Darum auf Gott will hofbauen; auf ihn mein Herz soll lassen sich und seiner Güte trauen, die mir zusagt sein werthes Wort, das ist mein Trost und treuer Hort; des will ich allzeit harren. 8 Bußtagslieder. 114 4. Und ob es währt bis in die Nacht und wieder an den Morgen, doch soll mein Herz an Gottes Macht verzweifeln nicht, noch sorgen. So thu Israel rechter Art, der aus dem Geist erzeuget ward, und seines Gotts erharre. 5. Ob bei uns ist der Sünden viel, bei Gott ist viel mehr Gnaden; sein Hand zu helfen hat kein Ziel, wie groß auch sey der Schaden. Er ist allein der gute Hirt, der Israel erlösen wird aus seinen Sünden allen. Dr. M. Luther, geb. 1483, † 1546. Mel. Aus tiefer Noth schrei ich 2c. 175. Aus tiefer Noth laßt uns zu Gott von ganzem Herzen schreien, bitten, daß er aus seiner Gnad uns woll vom Ulebel freien, uns alle Sünd und Missethat, die unser Fleisch begangen hat, als ein Vater verzeihen. 2. Wir flehn: D Gott Vater, sich an uns Armen und Elenden, die wir sehr übel habn gethan mit Herzen, Mund und Händen, und verleih, daß wir Buße thun, und die in Christo, deinem Sohn, zur Seligkeit vollenden. 3. Unser Schuld ist sehr groß und schwer, von uns nicht auszurechnen; doch dein Barmberzigkeit ist mehr, die fein Mensch kann aussprechen. Die suchen und begehren wir, hoffen, du werdests, Herr, an dir mit nicht lassen gebrechen. 4. Du willt nicht, daß der Sünder sterb und in Verdammniß fahre, sondern daß er mehr Gnad erwerb und sich darin bewahre. So hilf uns nun, o Herre Gott, auf daß uns nicht der ewge Tod in Sünden widerfahre. 5. Wenn du nun vor Gerichte gehn und mit uns wolltest rechten, o wie würden wir da bestehn, und wer würd uns verfechten? O Herr, sich uns barmherzig an und hilf uns wieder auf die Bahn zur Pforte. der Gerechten. 6. Wir opfern uns dir, arm und bloß, durch Neu niedergeschlagen; o nimm uns auf in deinen Schoß, und laß uns nicht verzagen! O hilf, daß wir getrost und frei, ohn arge List und Heuchelei, dein Joch zum Ende tragen! 7. Sprich uns durch deine Boten zu, bezeug unser Gewissen; stell unser Herz durch sie zur Ruh, thu uns durch ste zu wissen, wie Christus für deim Angesicht all unsre Sachen hab geschlicht: des Trosts laß uns genießen. 8. Erhalt in unsers Herzens Grund deinen göttlichen Samen, und hilf, daß wir den neuen Bund in deines Sohnes Namen vollenden in aller Wahr Bußtagslieder. heit, also der Kronen der Klarheit versichert werden. Amen! Böhmische Brüder 1531. Eigne Melodie. 176, Straf mich nicht in deinem Zorn, großer Gott, verschone; ach, laß mich nicht seyn verlorn, nach Verdienst nicht lohne! Hat die Sünd dich entzündt, lösch ab in dem Lamme deines Grimmes Flamme. 2. Herr, wer denkt im Tode dein? Wer dankt in der Höllen? Rette mich aus jener Bein der verdammten Seelen, daß ich dir für und für dort an jenem Tage, höchster Gott, Lob sage. 3. Zeig mir deine Vaterhuld, stärk mit Trost mich Schwachen; ach, Herr, hab mit mir Geduld, mein Gebeine frachen; heil die Seel mit dem Del deiner großen Gnaden, wend ab allen Schaden. 4. Ach, sieh mein Gebeine an, wie sie all erstarren; meine Seele gar nicht kann deiner Hülfe harren; ich verschmacht, Tag und Nacht muß mein Lager fließen von den Thränengüffen. 5. Ach, ich bin so müd und matt von den schweren Plagen; mein Herz ist der Seufzer satt, die nach Hülfe fragen: wie so lang machst du 115 bang meiner armen Seele in der Schwermuthshöhle? 6. Weicht, ihr Feinde, weicht von mir, Gott erhört mein Beten. Nunmehr darf ich mit Begier vor sein Antlig treten. Teufel, weich; Hölle, fleuch! Was mich vor gefränket, hat mir Gott geschenket. 7. Vater, dir sey ewig Preis hier und auch dort oben, wie auch Christo gleicher Weis, der allzeit zu loben; heilger Geist, sey gepreist, hochgerühmt, geehret, daß du mich erhöret. Job. Gg. Albinus, geb. 1624, +1679. Mel. Ich armer Mensch zc. 177. Wir liegen hier zu deinen Füßen, ach, Herr von großer Güt und Treu, und fühlen leider im Gewissen, wie sehr dein Zorn entbrennet sey. Das Maß der Sünden ist erfüllt; ach weh uns, wenn du strafen willt! 2. Du bist gerecht, wir lauter Sünder. Wie wollen wir vor dir bestehn? Wir sind die ungerathnen Kinder, die auf verkehrten Wegen gehn. Kein Wunder, wenn dein Racheschwert uns längstens hätte aufgezehrt. deinen Namen; gedenk an dei3. Doh, Vater, denk an nen lieben Sohn. Dein Wort heißt immer Ja und Amen; dein Eidschwur zeuget selbst 8* 116 Erntefestlieder. davon: du willst der Sünder Tod ja nicht; ach, geh nicht mit uns ins Gericht! 4. Der Mittler steht ja in der Mitten; wir schaun zu seinen Wunden auf. Er hat für unfre Schuld gelitten und leistet dir die Zahlung drauf. Verbirgst du deinen Gnadenschein, so muß sein Blut verloren seyn. 5. Dieß theure Blut von deinem Sohne schreit für uns um Barmherzigkeit. Schau doch von deinem Gnadenthrone und denke noch der alten Zeit, da du auch Gnade hast erzeigt, dein Herz dem Sünder zugeneigt. 6. Ach, laß die wohlverdiente Strafe nicht über unsre Häupter gehn, daß wir nicht als verlorne Schafe von deiner Huld verlassen stehn. Ach, sammle uns in deinen Schoß und mach uns aller Plagen los. 7. Steck ein das Schwert, das uns will schlagen, den Würger laß vorüber gehn. Gib unser Brod in unsern Tagen. Laß keine solche Zeit entstehn, daß man dein Wort uns theuer macht, und unser Herz dabei verschmacht. Mel. O daß ich tausend 2c. 178. Gott, von dem wir alles haben, die Welt ist ein sehr großes Haus; du aber theilest deine Gaben recht wie ein Vater drinnen aus. Dein Segen macht uns alle reich; ach, lieber Gott, wer ist dir gleich? 2. Wer kann die Menschen 8. Gib Fried im Land und im Gewissen, gesunde Luft, wohlfeile Zeit. Laß Lieb und Treu fich stetig küssen und fördre die Gerechtigkeit. Krön unſer Feld mit deinem Gut, nimm Kirch und Haus in deine Hut. 9. So wollen wir dir Opfer und Seel. Es soll dein Lob bringen und deine seyn mit Leib gen Himmel dringen, und dein erlöstes Israel wird in der Hütte Jakobs schrein: Der Herr soll mein Gott ewig seyn! Erntefestlieder. Benjamin Schmold, geb. 1672, 1737. alle zählen, die heut bei dir zu Nothdurft keinem fehlen; denn Tische gehn? Doch muß die du weißt allem vorzustehn, und schaffest, daß ein jedes Land sein Brod bekommt aus deiner Hand. 3. Du machst, daß man auf Hoffnung säet und endlich auch die Frucht genießt. Der Wind, der durch die Felder wehet, die Erntefestlieder. Wolke, die das Land begießt, des Himmels Thau, der Sonne Strahl sind deine Diener allzumal. 4. Und also wächst des Menschen Speise, der Acker selbst wird ihm zu Brod; es mehret sich vielfältger Weise, was anfangs schien, als wär es todt, bis in der Ernte Jung und Alt erlanget feinen Unterhalt. 5. Nun, Herr, wer kanns genug bedenken? der Wunder sind hier gar zu viel. So reich als du fann Niemand schenken, und dein Erbarmen hat kein Ziel; denn immer wird uns mehr beschert, als wir zusammen alle werth. 6. Wir wollens auch niemals vergessen, was uns dein Segen bringet ein; ein jeder Bissen, den wir essen, soll deines Namens Denkmal seyn; und Herz und Mund soll lebenslang für unsre Nahrung sagen Dank. Caspar Neumann, geb. 1648,+ 1715. Mel. Was Gott thut c. 179. WasGott thut, das ist wohlgethan; so denken Gottes Kinder. Er siehet sie oft sauer an und liebt sie doch nicht minder. Er zieht ihr Herz nur himmelwärts, wenn er sie läßt auf Erden ein Ziel der Plagen werden. 2. Was Gott thut, das ist wohlgethan; gibt er, so kann 117 man nehmen; nimmt er, wir sind nicht übler dran, wenn wir uns nur bequemen. Die Linke schmerzt, die Rechte herzt, und beide Hände müssen wir doch in Demuth küsſen. 3. Was Gott thut, das ist wohlgethan; er weist uns oft den Segen, und eh er noch gedeihen kann, muß sich die Hoffnung legen. Weil er allein der Schatz will seyn, so macht er andre Güter durch den Verlust uns bitter. 4. Was Gott thut, das ist wohlgethan; wenn man nach reichem Säen doch wenig Garben ernten kann, so ists vielleicht geschehen, weil Gott auch Frucht bei uns gesucht und doch hat müssen klagen, daß wir so schlecht getragen. 5. Was Gott thut, das ist wohlgethan, wir müssen besſer werden; man baue nur die -Herzen an, so folgt die Frucht auf Erden. Den Mangel muß ein Ueberfluß zu andrer Zeit ersetzen und Feld und Herz ergözen. 6. Was Gott thut, das ist wohlgethan; das Feld mag ledig stehen, wir gehn getrost auf Zions Bahn und wollen Gott erhöhen. Sein Wort ist Brod, so hats nicht Noth; die Welt muß eh verderben, als wir vor Hunger sterben. 7. Was Gott thut, das ist wohlgethan; so wollen wir stets 118 3um Geburts- und Namenstag des Landesherrn. schließen, und ist bei uns kein Kanaan, wo Milch und Honig fließen, doch ists genung zur Sättigung, wenn Gott die Nothdurft segnet, obs auch nicht Vorrath regnet. 8. Was Gott thut, das ist [ Siehe Lob und Danklieder.] . wohlgethan; wie er es nun gefüget, so nehmen wir es billig an und sind dabei vergnüget. Er, unser Gott, weiß, was uns noth; laßt in Geduld uns fassen: er wird uns nicht verlassen. Benj. Schmold, geb. 1672,+ 1737. Lieder zum Geburts und Namenstag des Landesherrn. Mel. Zeuch ein zu meinen c. 180. Dir, höchster Herr und König der Könige und Herrn, dir ist man unterthänig, du herrschest nah und fern, du unser Herr und Gott, an Ehren groß und prächtig, zum Schuße stark und mächtig, ein Helfer in der Noth. 2. Nach deines Wortes Lehre ist auch die Obrigkeit von dir und dir zur Ehre; ihr Schwert, das Frevlern dränt, empfing sie nur von dir. Wer ihr zu wider lebet, der, Höchster, widerstrebet dir selbst sowohl als ihr. 3. Du, höchster Herrscher, lehre mich selbst durch deinen Geist, daß ich den König ehre, wie es dein Wort uns heißt. Er trägt ja, Gott, dein Bild; und wenn wir seinen Willen in Furcht und Lieb erfüllen, wird dein Will auch erfüllt. 4. Laß deines Geistes Gaben stets reichlich auf ihm ruhn; laß ihn, auch hoch erhaben, gern deinen Willen thun. Du herrschest selbst im Land; das Herz der Obrigkeiten fannst du wie Bäche leiten; es steht in deiner Hand. 5. Es leuchte, Gott der Güte, dem Könige dein Licht; Gerechtigkeit behüte ihn allzeit im Gericht. Laß stets durch sein Bemühn die Frommen sicher wohnen; nie laß ihn Frevler schonen, selbst stets das Unrecht fliehn. 6. Gib, daß durch sein Regieren wir mit Zufriedenheit ein ruhig Leben führen in wahrer Frömmigkeit. Herr Gott, du segnest gern; wir bitten ohn Ermüden: Gib Segen, Heil und Frieden durch Jesum, unsern Herrn! mel. Es spricht der Unweisen 2c. 181. Der Thron der Weltbeherrscher ist ein Schemel dei Taufe. nen Füßen. Sie sind nur Staub; du aber bist Gott, dem sie dienen müssen. Das Reich ist dein und dein die Welt; du, der sie schuf und sie erhält, du bist allein ihr Herrscher. 2. O Weltbeherrscher, laß sie nie die rechte Bahn verlieren; bewahre stets vor Schmeichlern sie, daß die sie nicht verführen! Lehr sie ihr eigen Herz durchschaun und nur mit Furcht sich selber traun und dich um Weisheit bitten. 3. Gib Friede, halte sie zurück vor ungerechten Kriegen! Ihr Ruhm sey der, mit strengem Blick die Laster zu bestegen. Wenn aber Völker sie zum Streit durch Unrecht reizen, dann gebeut dem Siege, fie zu schützen! 4. Unendlicher, regiere sie, 119 daß sie getreu dir dienen; verlaß mit deiner Huld sie nie, noch ihr Geschlecht nach ihnen. Die Furcht vor dir, Barmherzigkeit und Weisheit und Gerechtigkeit sey ihres Hauptes Krone. 5. Ach, laß dein Wort anch auf dem Thron, Jehova, Glauben finden; laß Fürsten auch auf deinen Sohn fest ihre Hoffnung gründen. Gott, sie sind Sünder sowie wir; laß sie doch nicht ihr Theil bloß hier in diesem Leben suchen. 6. Erhöre, Vater, dieß Gebet, sey gnädig uns und ihnen. So weit dein Reich, die Erde geht, soll, Herr, dir alles dienen. Nimmst du dich allzeit unser an, so werden Fürst und Unterthan in deinem Schatten wohnen. Balth. Münter, geb. 1735, † 1793. Dritte Abtheilung. Kirchliche Handlungen. I. Die heiligen Sacramente. Taufe. Mel. Es woll uns Gott 2c. hann's die Taufe nahm, sein Werk und Amt zurfüllen. Da 182. Chrift, unser Herr, wollt er stiften uns ein Bad, zum Jordan kam nach seines Vaters Willen, von Sanct Jozu waschen uns von Sünden, ersäufen auch den bittern Tod 120 Taufe. durch sein selbst Blut und Wunden; es galt ein neues Leben. 2. So hört und merket alle wohl, was Gott heißt selbst die Taufe, und was ein Christe gläuben soll, zu meiden Kezzerhaufen: Gott spricht und will, daß Wasser sey, doch nicht allein schlecht Wasser; sein heiligs Wort ist auch dabei mit reichem Geist ohn Maßen, der ist allhie der Täufer. Mensch er heißt, der nicht mehr könne sterben, das Himmelreich soll erben. 3. Solchs hat er uns beweiset flar mit Bildern und mit Worten. Des Vaters Stimm man offenbar daselbst am Jordan hörte. Er sprach: Das ist mein lieber Sohn, an dem ich hab Gefallen; den will ich euch befohlen han, daß ihr ihn höret alle, und folget seinen Lehren. 6. Wer nicht gläubt dieser großen Gnad, der bleibt in seinen Sünden und ist verdammt zum ewgen Tod, tief in der Höllen Grunde. Nichts hilft sein eigen Heiligkeit, all fein Thun ist verloren; die Erbsünd machts zur Nichtigkeit, darin er ist geboren, vermag ihm selbst nicht helfen. 7. Das Aug allein das Wasser sieht, wie Menschen Wasser gießen; der Glaub im Geist die Kraft versteht des Blutes Jesu Christi, und ist für ihm ein rothe Fluth, von Christus Blut gefärbet, die allen Schaden heilen thut, von Adam her geerbet, auch von uns selbst begangen. 4. Auch Gottes Sohn hie selber steht in seiner zarten Dr. M. Luther, geb. 1483, † 1546. Mel. In dich hab ich zc. Menschheit; der heilig Geist 183. Gott Vater, höre herniederfährt, in Taubenbild verkleidet, daß wir nicht sollen zweifeln dran, wenn wir ge taufet werden, all drei Person getaufet han, damit bei uns auf Erden zu wohnen sich ergeben. unsre Bitt, theil diesem Kind den Segen mit, erzeig ihm deine Gnade. Es sey dein Kind; nimm weg sein Sünd, daß ihm dieselb nicht schade. 5. Sein Jünger heißt der Herre Christ: Geht hin, all Welt zu lehren, daß sie verlorn in Sünden ist, sich soll zur Buße kehren. Wer gläubet und sich taufen läßt, soll dadurch selig werden; ein neugeborner 2. Herr Christe, nimm es gnädig auf durch dieses Bad der heilgen Tauf zu deinem Glied und Erben, damit es dein mög allzeit seyn im Leben und im Sterben. 3. Und du, o allerwerthster Geist, sammt Vater und dem Taufe. Sohn gepreist, wollst gleichfalls zu uns kommen, damit zur Stund in deinen Bund es werde aufgenommen. Nach der Taufhandlung. 4. O heilige Dreieinigkeit, dir sey Lob, Ehr und Dank bereit für diese große Güte. Gib, daß dafür wir dienen dir; vor Sünden uns behüte. Mel. Alle Menschen müssen 2c. 184. Laffet mich mit Freuden sprechen: Ich bin ein getaufter Christ, der bei menschlichen Gebrechen dennoch ein Kind Gottes ist; was sind alle Schäße nüße, da ich einen Schatz besize, der mir alles Heil gebracht und mich ewig ſelig macht? 2. Keine Sünde macht mir bange; ich bin ein getaufter Christ! Denn ich weiß gewiß, so lange dieser Trost im Her zen ist, kann ich mich von Angst der Sünden, Jesu, durch dein Blut entbinden, weil das theure Wasserbad mich damit beſprenget hat. 3. Satan, laß dir dieses sagen: Ich bin ein getaufter Christ! Und damit kann ich dich schlagen, ob du noch so grausam bist. Da ich bin zur Tanfe kommen, ist dir alle Macht genommen, und von deiner Tyrannei machet Gottes Bund mich frei. 121 4. Freudig sag ich, wenn ich sterbe: Ich bin ein getaufter Christ; denn das bringt mich zu dem Erbe, das im Himmel droben ist. Lieg ich sichert mir der Glaube, daß gleich im Todesstaube, so vermir doch der Taufe Kraft Leib und Leben wieder schafft. 5. Nun, so soll ein solcher Segen mir ein Trost des Lebens seyn. Muß ich mich zu auf solchen ein. Ob mir Herz Grabe legen, schlaf ich auch und Augen brechen, soll die Seele dennoch sprechen: Ich bin ein getaufter Christ, der nun ewig selig ist. Erdmann Neumeister, geb. 1671, † 1756. Mel. Liebster Jesu, wir sind 2c. 185. Liebster Jesu, wir sind hier, deinem Worte nachzuleben; dieses Kindlein kommt zu dir, weil du den Befehl gegeben, daß man sie zu dir hinführe, denn das Himmelreich ist ihre. 2. Ja, es schallet allermeist dieses Wort in unsre Ohren:. Wer durch Wasser und durch Geist nicht zuvor ist neugeboren, wird von dir nicht aufgenommen und in Gottes Reich nicht kommen. Usiv- Bibl. lessen 3. Darum eifen wir zu dir, nimm das Pfand von unsern Armen, tritt mit deinem Glanz herfür und erzeige dein Erbar 122 Taufe. men, daß es dein Kind hier auf Erden und im Himmel möge werden. 4. Wasch es, Jesu, durch dein Blut von den angeerbten Flecken; laß es bald nach dieser Fluth deinen Purpurmantel decken; schenk ihm deiner Unschuld Seide, daß es ganz in dich sich kleide. 5. Hirte, nimm dein Schäflein an; Haupt, mach es zu deinem Gliede; Himmelsweg, zeig ihm die Bahn; Friedefürst, schenk du ihm Friede; Weinstock, hilf, daß diese Rebe auch stock, hilf, daß diese Rebe auch im Glauben dich umgebe! 6. Nun wir legen an dein Herz, was von Herzen ist gegangen; führ die Seufzer himmelwärts und erfülle das Verlangen; ja, den Namen, den wir geben, schreib ins Lebensbuch zum Leben. Wasser und mit Blut; und wenn wir diese Schäße haben, so erben wir das höchste Gut. Wenn ich damit gezeichnet bin, so ist der Himmel mein Gewinn. Meer der Gnaden, wie selig ist dein Wasserbad! es heilet an mir allen Schaden, den Adams Fall verursacht hat. Die Sündfluth gehet überhin, wenn ich in dieser Arche bin. 2. Wie groß sind, Jesu, deine Gaben! Du kommst mit 3. Was frag ich nach der eitlen Ehre? ich bin des Allerhöchsten Kind, weil ich in deren Zahl gehöre, die aus Gott selbst geboren sind. Kein Ehrenstand ist diesem gleich; das ist mein Recht zum Himmelreich. 4. Du schreibeft mich ins Buch des Lebens, du, meines Lebens Leben, ein. Ach, lasse mich doch nicht vergebens auf deinen Tod getaufet seyn. Ja, schreibe mich so kräftig an, daß mich kein Fluch vertilgen kann. 5. Hab ich dir Herz und Hand gegeben, so gib mir, Jeſu, deine Gnad, auch dem Vergeb. 1672,+ 1737. sprechen nachzuleben, das selbst Benj. Schmold, Mel. Wer nur den lieben Gott 2c. dein Geist versiegelt hat. Des Satans Werk und Wesen sey 186. D Du unerforschlichs kein Hinderniß an meiner Treu. 6. Erbalte mich durch deine Taufe im Bündlein der Lebendigen und führe mich in meinem Laufe vom Irdischen zum Himmlischen, daß ich durch diesen Jordan geh und dort im Lebenslande steh! Benjamin Schmold, geb. 1672, † 1737 Abendmahlslieder. Abendmahlslieder. Eigne Melodie. getragen, sonst müßten wir 187. Christe, du Lamm verzagen. Erbarm dich unſer, o Jesu! Gottes, der du trägst die Sünd der Welt: erbarm dich unser! 2. Christe, du Lamm Gottes, der du trägst die Sünd der Welt: erbarm dich unser! 3. Christe, du Lamm Gottes, der du trägst die Sünd der Welt: gib uns deinen Frieden! 123 Eigne Melodie. 189. Lamm Gottes unschuldig, am Stamm des Kreuzes geschlachtet, allzeit gefunden duldig, wiewohl du wardst verachtet: all Sünd hast du getragen, sonst müßten wir verzagen. Erbarm dich unser, .o Jesu! Eigne Melodie. Eigne Melodie. 190. Jesus Christus, un188. Schaffe in mir, ser Heiland, der von uns den Gottes Zorn wandt, durch das bitter Leiden sein half er uns aus der Höllen Pein. Gott, ein reines Herze und gib mir einen neuen, gewissen Geist. 1: Verwirf mich nicht von deinem Angesicht: und nimm deinen heiligen Geist nicht von mir. 2. O Lamm Gottes unschuldig, am Stamm des Kreuzes geschlachtet, allzeit gefunden duldig, wiewohl du wardst verachtet: all Sünd hast du 3. O Lamm Gottes unschuldig, am Stamm des Kreuzes bulvig, wiewohl du wardst geschlachtet, allzeit gefunden verachtet: all Sünd hast du verzagen. Gib uns dein Friegetragen, sonst müßten wir den, o Jesu! Nit Decius, um 1526. vergessen, gab er uns ſein 2. Daß wir nimmer des Leib zu essen, verborgen im Brod so klein, und zu trinken sein Blut im Wein. 3. Wer sich will zu dem Tisch machen, der hab wohl Acht auf sein Sachen! Wer unwürdig hinzugeht, für das Leben den Tod empfäht. 4. Du sollt Gott den Vater preisen, daß er dich so wohl wollt speisen, und für deine Missethat in den Tod sein Sohn geben hat. nicht wanken, daß ein Speise 5. Du sollt glauben und sey den Kranken, den ihr Herz 124 Abendmahlslieder. von Sünden schwer und für Angst ist betrübet sehr. 6. Solch groß Gnad und Barmherzigkeit sucht ein Herz in großer Arbeit; ist dir wohl, so bleib davon, daß du nicht friegest bösen Lohn. 7. Er spricht selber: Kommt, ihr Armen, laßt mich über euch erbarmen; kein Arzt ist dem Starken noth, sein Kunst wird an ihm gar ein Spott. 8. Hättst du dir was fonnt erwerben, was dürft ich denn für dich sterben? Dieser Tisch auch dir nicht gilt, so du selber dir helfen willt. 9. Glaubst du das von Her zensgrunde und befennest mit dem Munde, so bist du recht wohl geschickt, und die Speise dein Seel erquickt. 10. Die Frucht soll auch nicht ausbleiben, deinen Nächsten sollt du lieben, daß er dein genießen kann, wie dein Gott an dir hat gethan. Dr. M. Luther, geb. 1483,+ 1546. Mel. Es ist gewißlich an der 2c. 191. Herr Jesu Christ, du höchstes Gut, du Brunn quell aller Gnaden! Wir kommen, deinen Leib und Blut, wie du uns hast geladen, zu deiner Liebe Herrlichkeit und unfrer Seclen Seligkeit zu es sen und zu trinfen. 2. O Jesu, mach uns selbst bereit zu diesem hohen Werke! Schenk uns dein schönes Eh. renkleid durch deines Geistes Stärke. Hilf, daß wir würdge Gäste seyn, und werden dirgepflanzet ein zum ewgen Himmelswesen. 3. Bleib du in uns, daß wir in dir auch bis ans Ende bleiben; laß Sünd und Noth uns für und für von dir nicht wieder treiben, bis wir durch deines Nachtmahls Kraft in deines Himmels Bürgerschaft dort ewig selig werden. Mel. O Jesu Christ, meins 2c. 192. Jesu, du mein Bräutigam, der du aus Lieb am Kreuzesstamm für mich den Tod gelitten hast, genommen weg der Sünden Laſt: 2. Ich komm zu deinem Abendmahl, verderbt durch manchen Sündenfall; ich bin frank, unrein, nackt und bloß, blind, arm: ach Herr, mich nicht verstoß. 3. Du bist der Arzt, du bist das Licht, du bist der Herr, dem nichts gebricht, du biſt der Brunn der Heiligkeit, du bist das rechte Hochzeitkleid. 4. Drum, o Herr Jeſu, bitt ich dich: In meiner Schwach-. heit heile mich; was unrein ist, das mache rein durch deinen hellen Gnadenschein. 5. Erleuchte mein verfinstert Herz, zünd an die schöne Glaus Abendmahlslieder. benskerz; in Reichthum meine Armuth kehr und meinem Fleische steur und wehr, 6. Daß ich das rechte Himmelsbrod, dich Jesu, wahrer Mensch und Gott, mit solcher Ehrerbietung nehm, wie mir es heilsam, dir genehm. 7. Lösch alle Laster aus in mir; mein Herz mit Lieb und Glauben zier, und was sonst ist von Tugend mehr, das pflanz in mir zu deiner Ehr. 8. Gib, was mir nüßt an Seel und Leib; was schädlich ist, fern von mir treib; komm in mein Herz, laß mich mit dir vereinigt bleiben für und für. 9. Hilf, daß durch dieser Mahlzeit Kraft das Bös in mir werd abgeschafft, erlassen alle Sündenschuld, erlangt des Vaters Lieb und Huld. 10. Vertreibe alle meine Feind, die sichtbar und unsichtbar seind; den guten Vorsaß, den ich führ, durch deinen Geist mach fest in mir. 11. Mein Leben, Sitten, Sinn und Pflicht nach deinem heilgen Willen richt; ach, laß mich meine Tag in Ruh und Friede christlich bringen zu, 12. Bis du mich, o du Le bensfürst, zu dir in Himmel nehmen wirst, daß ich bei dir dort ewiglich an deiner Tafel freue mich. Joh. Heermann, geb. 1585, † 1647. 125 Mel. Gott sey gelobet und 2c. 193. Herr Jeſu Christe, mit Gnaden mich bewirthe! mein getreuer Hirte, komm, bei dir alleine find ich Heil und Leben; was ich darf, fannst du mir geben. Kyriewollest du weiden auf Israels leison! Dein arm Schäflein Bergen in Freuden und zum frischen Wasser führn, da das Leben her thut rührn. Kyrieleison! Trank ist ganz vergebens; du 2. All andre Speis und bist selbst das Brod des Lebens. den, der von dir iffet, alles Kein Hunger plaget Jammers er vergisset. Kyrieleison! Du bist die lebendige Quelle, zu der ich mein Krüglein stelle; laß mit Trost es fließen voll, so wird meiner Seele wohl. Kyrieleison! 3. Laß mich recht trauern über meine Sünde, doch den Glauben auch anzünde, den wahren Glauben, mit dem ich dich fasse, mich auf dein Verdienst verlasse. Kyrieleison! Gib mir ein recht bußfertig Herze, daß ich mit der Sünde nicht scherze, noch durch meine Sicherheit mich bring um die Seligkeit. Kyrieleison! 4. Mir ist befleckt sehr greulich mein Gewissen; ach, laß ein Blutströpflein fließen aus deinen Wunden, welche 126 Abendmahlslieder. du empfangen, da du bist am Kreuz gehangen. Kyrieleison! Wird damit mein Herze gerühret, wirds von Stund an rein gezieret durch dein Blut mit Glauben schön, kann in dir vor Gott bestehn. Kyrieleiſon! 5. Der darf des Arztes, den die Krankheit plaget, mit Begier er nach ihm fraget; o füßer Jesu, schau, wie tiefe Wunden werden auch in mir gefunden. Kyrieleison! Du bist ja der Arzt, den ich rufe, auf den mit Verlangen ich hoffe. Hilf, o wahrer Mensch und Gott! hilfst du nicht, so bin ich todt. Kyrieleison! lenpein, in dir muß ich selig seyn. Kyrieleison! 7. Du wollest Geist und Herze zu dir neigen; nimm mich mir, gib mich dir eigen. Du bist der Weinstock, ich bin deine Rebe; nimm mich in dich, daß ich lebe. Kyrieleison! Ach, in mir find ich eitel Sünden, in dir müssen sie bald verschwinden; in mir find ich Höl8. Komm, o mein Freund, o komm, du schönste Krone! Jesu, fomm und in mir wohne! In mir will ich dich mit Gebet oft grüßen, ja mit Lieb und Glauben füssen. Kyrieleison! Komm und schenke mir deine Liebe, so wird nichts seyn, das mich betrübe, deine Sanftmuth und Geduld, die Frucht deiner Gnad und Huld. Kyrieleison! 9. Dieß sind die Blümlein, die mich können heilen und mir Lebenssaft ertheilen, daß ich aus mir nun all Untugendreiße, dir zu dienen mich befleiße. Kyrieleison! In dir hab ich, was ich soll haben, deiner Gnaden Brünnlein mich laben. Laß mich ewig seyn in dir und bleib ewig auch in mir. Kyrieleiſon! 6. Du rufest Alle zu dir in Genaden, die mühselig und beladen; all ihre Missethat willst du verzeihen, ihrer Bürden sie befreien. Kyrieleison! Ach, komm selbst, leg an deine Hände, und die schwere Eigne Melodie. Last von mir wende. Mache 194. Schmücke dich, o mich von Sünden frei, dir zu dienen Kraft verleih. Kyrieleiſon! liebe Seele! Laß die dunkle Sündenhöhle, komm ans helle - Licht gegangen, fange herrlich an zu prangen; denn der Herr voll Heil und Gnaden will dich jetzt zu Gaste laden; der den Himmel kann verwalten, will jetzt Herberg in dir halten. 2. Eile, wie Verlobte pflegen, deinem Bräutigam entgegen, der mit süßen Gnadenworten klopft an deines HerJoh. Heermann, geb. 1585, † 1647. Abendmahlslieder. zens Pforten. Eile, sie ihm aufzuschließen, wirf dich hin zu seinen Füßen, sprich: Mein Heil, laß dich umfassen; von dir will ich nicht mehr lassen. 3. Ach, wie hungert mein Gemüthe, Menschenfreund, nach deiner Güte! Ach, wie pfleg ich oft mit Thränen. mich nach deiner Kost zu sehnen! Ach, wie pfleget mich zu dürsten nach dem Trank des Lebensfürsten! Wünsche stets, daß mein Gebeine sich durch Gott mit Gott vereine. 127 genießen diesesir Hims melsspeise mir zu... eil und dir zum Preise. 7. Herr, es hat dein treues Lieben dich vom Himmel hergetrieben, daß du willig haft dein Leben in den Tod für uns gegeben und dazu ganz unverdrossen, Herr, dein Blut für uns vergossen, das uns jetzt kann kräftig tränken, deis ner Liebe zu gedenken. Lebens, hilf, daß ich doch nicht 8. Jesu, wahres Brod des vergebens oder mir vielleicht zum Schaden sey zu deinem Tisch geladen; laß mich durch dieß Seelenesen deine Liebe recht ermessen, daß ich auch, wie jezt auf Erden, mög dein Gast im Himmel werden. Johann Franck, geb. 1618, † 1677. 4. Heilge Lust und tiefes Bangen nimmt mein Herze jest gefangen; das Geheimniß dieser Speise und die unerforschte Weise machet, daß ich früh vermerke, Herr, die Größe deiner Werke. Ist wohl auch ein Mensch zu finden, der dein sollt Mel. Freu dich sehr, o meine sc. 5. Nein, Vernunft, die muß 195. Herr, du haſt für hier weichen, kann dieß Wunder nicht erreichen, daß dieß Brod nie wird verzehret, ob es gleich viel tausend nähret, und daß mit dem Saft der Reben uns wird Christi Blut gegeben. O der großen Heimlichkeiten, die nur Gottes Geist fann.deuten! alle Sünder einen reichen Tisch gedeckt, wo das Brod der arLiebe schmeckt. Heute nun bin men Kinder nach des Vaters ich dein Gast, wie du mir befohlen hast; aber hilf auch, daß mein Herze nicht mit deis ner Wohlthat scherze. e rein von allem Argen 2. Räume, bitt ich, mein ar daß auch meines Herzens utte werde dein geweihtes Haus. Denn ich hoffe nur auf dich, liebster Jesu, liebe mich und laß deinen Tisch auf 6. Jesu, meine Lebenssonne, em Jesu, meine Freud und Wonne Jeſu, du mein ganz Beginnen, Lebensquell und Licht der Sinnen, hier fall ich zu deinen Füßen, laß mich würdiglich Abendmahlslieder. 128 Erden mir zum halben Himmel werden. 3. Kann der Herr dem Knechte schenken auch sein eigen Fleisch und Blut: ach, so hilf mir recht bedenken, was hier deine Liebe thut; und verleihe, daß ich nicht eß und trinke zum Gericht, was du, Jesu, für mein Leben zur Erlösung haft gegeben. 4. Nimm jetzt die Vernunft gefangen, daß ich glaube schlecht und recht, und erwecke mein Verlangen, wenn das Fleisch den Eifer schwächt, bis ich fühle meine Noth und mich sehne nach dem Brod, welches allen Hunger stillet und mein Herz mit Gott erfüllet. 5. Denke doch, du Fürst des Lebens, denke, daß du Jesus heißt, denke, daß du nicht vergebens für die Welt gestorben seyst: drum erhöre, was ich bitt, theile mir dich selber mit und laß heut in mein Gewissen Blut aus deinen Wunden fließen. Welt; oder wenn auch Furcht und Schrecken mich zuweilen überfällt, so verschaffe mir dein Blut einen rechten Freudenmuth, daß ich meinen Trost im Glauben mir durch Niemand. lasse rauben. 6. Sind wir doch aus dir geboren, nähr uns auch durch deine Kraft; und weil alles da verloren, wo nicht Jesus Hülfe schafft: ach, so laß dein Brod und Wein meines Herzens Manna seyn, daß die Wirkung dieser Speise künftig in der That sich weise. 7. Laß mich deine Liebe schmecken und die Güter jener 8. Hilf mir recht ins Herze fassen deinen herben, bittern Tod; laß mich auch Niemanden hassen, der mit mir genießt dein Brod; nimm mich ganz vollkommen ein, bis ich werde bei dir seyn und die Fülle deiner Gaben, meinen Gott und alles haben. Gaspar Neumann, geb. 1648, 1715. Mel. Es ist gewißlich zc. 196. Halt im Gedächtniß Jesum Christ, o Mensch, der auf die Erden vom Thron des Himmels kommen ist, dein BruVergiß der da zu werden. nicht, daß er dir zu Gut hat angenommen Fleisch und Blut; dank ihm für diese Liebe. 2. Halt im Gedächtniß Jesum Christ, der für dich hat gelitten, ja gar am Kreuz gestorben ist, und dadurch hat bestritten Welt, Sünde, Teufel, Höll und Tod, und dich erlöst aus aller Noth; dank ihm für diese Liebe. 3. Halt im Gedächtniß Jesum Christ, der auch am dritten Tage siegreich vom Tod erstanden ist, befreit von Noth und Plage. Bedenke, daß er Fried Abendmahlslieder. gemacht, sein Unschuld Leben wiederbracht; dank ihm für diese Liebe. 4. Halt im Gedächtniß Jesum Christ, der nach den Leidenszeiten gen Himmel aufgefahren ist, die Stätt dir zu bereiten, da du sollst bleiben allezeit und sehen seine Herrlichkeit; dank ihm für diese Liebe. 5. Halt im Gedächtniß Jesum Christ, der einst wird wieder kommen und sich, was todt und lebend ist, zu richten vorgenommen. O denke, daß du da bestehst und mit ihm in sein Reich eingehst, ihm ewiglich zu danken. 6. Gib, Jesu, gib, daß ich dich kann mit wahrem Glauben fassen und nie, was du an mir gethan, mög aus dem Herzen lassen, daß dessen ich in aller Noth mich trösten mög und durch den Tod zu dir ins Leben dringen. Cyriatus Günther, geb. 1650, † 1704. Mel. Es ist gewißlich 2c. 197. Wie heilig ist die Stätte hier, wo ich voll Andacht stehe! Sie ist des Himmels Pforte mir, die nun ich offen sehe. O Lebensthor, o Tisch des Herrn! vom Himmel bin ich nicht mehr fern und fühle Gottes Nähe. 2. Wie heilig ist dieß Lebensbrod, dieß theure Gnaden129 zeichen, vor dem des Herzens Angst und Noth und alle Qualen weichen. O Brod, das meine Seele nährt, o Manna, das mir Gott beschert, dich will ich jetzt genießen. Tranf, der mein Verlangen 3. Wie heilig ist doch dieser stillet, der mein Gemüth mit Lob und Dank und heilger Freud erfüllet. O Lebenstrank, o heilges Blut, das einst geflossen mir zu Gut, dich will ich jetzt empfangen. Glück ist mein, welch Heil hab 4. Welch unaussprechlich ich gefunden! Mein Jesus kehret bei mir ein; mit ihm werd ich verbunden. Wie ist mein Herz so freudenvoll, daß ich in Jesu leben soll, und er in mir will leben. 5. D wär doch auch mein Herz geweiht zu einer heilgen Stätte, damit der Herr der Herrlichkeit an mir Gefallen hätte! O wäre doch mein Herz der Ort, an welchem Jesus fort und fort aus Gnaden Wohnung machte! heile mich; was sündlich ist, ver6. Mein Jesu, komm und treibe, damit ich nun und ewiglich dein Tempel sey und bleibe. erfüllt, Herr, laß dein heilig Von dir sey ganz mein Herz Ebenbild beständig an mir leuchten. mich erquickt, du hast dich mir 7. Nun du hast himmlisch 9 130 Abendmahlslieder. gegeben; in dir, der mich so hoch beglückt, will ich nun stündlich leben. Laß mich, mein Heiland, allezeit von nun an bis in Ewigkeit mit dir vereinigt bleiben! Nach Valentin Ernft Löscher, geb. 1673, † 1749. Mel. Ich ruhe nan in Gottes 2c. 198. Mein Jesu, der du vor dem Scheiden in deiner letten Trauernacht uns hast die Früchte deiner Leiden in einem Testament vermacht, es preisen gläubige Gemüther dich, Stifter dieser hohen Güter. Nahrung geben; dieß Blut erquicket unsern Geist. Es mehrt sich unser innres Leben, wenn unser Glaube dich geneußt. Wir fühlen neue Kraft und Stärke in unserm Kampf und Glaubenswerfe. 2. So oft wir dieses Mahl genießen, wird dein Gedächtniß bei uns neu; man kann aus frischen Proben schließen, wie brünstig deine Liebe sey. Dein Blut, dein Tod und deine Schmerzen verneuern sich in unfern Herzen. 3. Es wird dem zitternden Gewissen ein neues Siegel auf gedrückt, daß unser Schuldbrief fey zerrissen, daß unsre Handschrift fey zerstückt, daß wir Vergebung unsrer Sünden in deinen blutgen Wunden finden. 4. Das Band wird fester zugezogen, das dich und uns zusammenfügt. Die Freundschaft, die wir sonst gepflogen, fühlt, wie sie neue Stüßen friegt. Wir werden mehr in solchen Stunden mit dir zu Einem Geist verbunden. 5. Dieß Brod fann wahre 6. Wir treten in genaure Bande mit deines Leibes Gliedern ein, mit denen wir in solchem Stande Ein Herz und Eine Seele seyn. Der Geist muß mehr zusammenfließen, da wir Ein Fleisch und Blut genießen. 7. Dein Fleisch muß uns zum Pfande dienen, daß unser Fleisch, der Schwachheit voll, einst herrlich aus dem Staube grünen und unverweslich werden soll, ja daß du uns ein ewig Leben nach diesem furzen werdest geben. 8. O theures Lamm, so edle Gaben hast du in dieses Mahl gelegt. Da wir dich selbst zur Speise haben, wie wohl ist unser Geist gepflegt! Dieß Mahl ist unter allen Leiden ein wahrer Vorschmack jener Freuden. 9. Dir sey Lob, Ehr und Preis gesungen! Ein solcher hoher Liebesschein verdient, daß aller Engel Zungen zu dessen Ruhm geschäftig seyn. Wird unser Geist zu dir er hoben, so wird er dich vollkommner loben. Jeh. Jak. Rambach geb. 1693,+1735 Abendmahlslieder. Mel. An Wafferflüssen ic. be be199. Ich komme, Herr, und suche dich mühselig und und suche dich mühselig und laden. Gott, mein Erbarmer, würdge mich des Wunders deiner Gnaden. Ich liege hier vor deinem Thron, Sohn Got tes und des Menschen Sohn, mich deiner zu getrösten. Ich fühle meiner Sünden Müh; ich suche Ruh und finde sie im Glauben der Erlösten. 2. Dich bet ich zuversichtlich an; du bist das Heil der Sünder. Du hast die Handschrift abgethan, und wir sind Gottes Kinder. Ich denk an deines Leidens Macht und an dein Wort: Es ist vollbracht! Du bast mein Heil verdienet. Du haft für mich dich dargestellt; Gott war in dir und hat die Welt in dir mit sich verfühnet. 3. So freue dich, mein Herz in mir! Er tilget deine Sünden und läßt an seinem Tische hier dich Gnad um Gnade finden. Du rufft, und er erhört dich schon, spricht liebreich: Sey getrost, mein Sohn! die Schuld ist dir vergeben. Du bist in meinen Tod getauft, und du wirst dem, der dich erkauft, von ganzem Herzen leben. 4. Dein ist das Glück der Seligkeit; bewahr es hier im Glauben und laß durch keine Sicherheit dir deine Krone rauben. Sieh, ich vereine mich mit 131 dir; ich bin der Weinstock, bleib an mir, so wirst du Früchte bringen. Ich helfe dir, ich stärke dich; und durch die Liebe gegen mich wird dir der Sieg gelingen. dein Gebot; ich will es treu 5. Ja, Herr, mein Glück ist erfüllen und bitte dich durch deinen Tod um Kraft zu meinem Willen. Laß mich von nun an würdig seyn, mein ganzes deinen Tod zu preisen. Laß Herz dir, Herr, zu weihn und mich den Ernst der Heiligung durch eine wahre Besserung mir und der Welt beweisen. Christi. Fürchteg. Gellert, geb. 1715,+ 1769. Mel. O Jesu Chrift, meins 2c. 200. Herr, der du als ein stilles Lamm am martervollen ner Sündenlast dich auch für Kreuzesstamm zurTilgung meimich geopfert hast: lertod; hier nährst du mich mit 2. Hier feir ich deinen MittHimmelsbrod; hier ist das unschäßbare Gut, das du mir gibst, dein Leib und Blut. 3. Hier labet mich als deiopfert hast, dein Blut, das, o nen Gast der Leib, den du geHerr Jesu Christ, am Kreuzesstamm vergossen ist. 4. O Heiland, hilf mir, daß ich ja mit tiefer Ehrfurcht dir mich nah! O Herr, mein Mund empfahe nicht des Lebens Speiſe zum Gericht. 9* 132 Abendmahlslieder. 5. Hilf, daß mühselig und beschwert mein gläubges Herz darnach begehrt, der Wohlthat ganze Größ ermißt und deiner Liebe nie vergißt. 6. Jch, Erd und Asche, bins nicht werth, daß so viel Heil mir widerfährt; du willst, o Höchster, nicht verschmähn, zu meinem Herzen einzugehn. 7. Mein Herz steht offen, richte du dirs selbst zu deiner Wohnung zu; wirf alle Laster ganz hinaus, schmückt es mit jeder Tugend aus. 8. Du kommst; gesegnetseyst du mir! Du bleibst in mir, ich bleib in dir; ich end in dir einst meinen Lauf, und du weckst mich vom Tode auf. 9. Ich liebe dich, Herr, unverrückt, wenn auch das fschwere Kreuz mich drückt; wenn Leib und Seel verschmachtet mir, doch lieb ich dich und bleib bei dir. 10. Auch stärkt mich dieses Mahles Kraft auf meiner ganzen Pilgerschaft, mit Allen in den Kampf zu gehn, die mir nach meiner Seele stehn. 11. Es steuert allem Stolz und Neid, verknüpft zu Lieb und Einigkeit, gibt Trost, der nie das Herz verläßt, und macht den guten Vorsatz fest. den ohne Zahl mich dort dein ewges Abendmahl. 12. Und wenn du mich, o Lebensfürst, zur Seligkeit vollenden wirst, erquickt mit FreuJoh. Adolph Schlegel, geb. 1721, † 1793. Mel. Wachet auf, ruft c. 201. 201. Herr, du wollst uns vorbereiten zu deines Mahles Seligkeiten; sey mitten unter uns, o Gott! Laß uns, Leben zu empfahen, mit glaubensvollem Herzen nahen und sprich uns kos von Sünd und Tod! Wir sind, o Jesu, dein; dein laß uns ewig seyn. Amen, Amen! Anbetung dir! Einst feiern wir das große Abendmahl bei dir! Friedr. Gottlieb Klopstod, geb. 1724,+ 1803. Nach dem Abendmahl. Eigne Melodie. 202. Gott sey gelobet und gebenedeiet, der uns selber hat gespeiset mit seinem Fleische und mit seinem Blute; das Kyrieleison! Herr, durch deis gib uns, Herr Gott, zu Gute. nen heiligen Leichnam, der von deiner Mutter Maria kam, und das heilige Blut hilf uns, Herr, aus aller Noth. Kyrieleison! 2. Der heilig Leichnam ist für uns gegeben zum Tod, daß wir dadurch leben. Nicht größer Güte fonnt er uns geschenken, dabei wir sein solln gedenken. Kyrieleison! Herr, dein Lieb so groß dich zwun Abendmahlslieder. gen hat, daß dein Blut an uns groß Wunder that, und bezahlt unsre Schuld, daß uns Gott ist worden hold. Kyrieleison! 3. Gott geb uns allen seiner Gnaden Segen, daß wir gehn auf seinen Wegen in rechter Lieb und brüderlicher Treue, daß uns die Speis nicht gereue. Kyrieleison! Herr, dein heilig Geist uns nimmer laß, der uns geb zu halten rechte Maß, daß dein arm Christenheit leb in Fried und Einigkeit. Kyrieleison! Dr. M. Luther, geb. 1483,+ 1546. Mel. Nun lob, mein Seel 2c. 203. Wie wohl hast du gelabet, o liebster Jesu, deinen Gast, ja mich so reich begabet, daß ich jetzt fühle Freud und Rast. O wundersame Speise, o süßer Lebenstrank, o Liebsmahl, das ich preise mit einem Lobgesang, wie hast du doch erquicket mein Leben, Herz und Muth! Mein Geist der hat er blicket das allerhöchste Gut. 2. Bei dir hab ich gegessen die Speise der Unsterblichkeit; du hast mir voll gemessen den edeln Relch, der mich erfreut. Ach, Gott, du hast erzeiget mir Armen solche Gunst, daß billig jest sich neiget mein Herz in Liebesbrunst. Du hast mich lassen schmecken das edle Himmelsbrod; hinfort fann mich 133 nicht schrecken Welt, Teufel, Sünd und Tod. 3. So lang ich leb auf Erden, preis ich dich, liebster Jeſu, wohl, daß du mich läsfest werden von dir und durch dich satt und voll. Du hast mich selbst getränket mit deinem theuren Blut, dich mir ins Herz gesenfet, o unvergleichlich Gut! Nun werd ich ja nicht sterben, weil mich gespeiset hat, der nimmer kann verderben, mein Trost, Schußz, Hülf und Rath. 4. Wie kann ichs aber fasBegier dich haft so tief gelassen sen, Herr Jesu, daß du mit vom Himmelsfaal herab zu mir? suchest deinen Knecht; ach hilf, Du, Schöpfer aller Dinge, bedaß ich dir bringe ein Herz, das fromm und recht, das gläubig dir vertraue, damit nach dieser Zeit ich ja dein Antliß schaue dort in der Ewigkeit. 5. Du bists, der ewig bleibet; ich aber bin dem Schatten gleich, den bald ein Wind vertreibet; Herr, ich bin arm, und du bist reich; du bist sehr groß von Güte, fein Unrecht ist an dir; ich, sündhaft im Gemüthe, kann sehlen für und für: noch kommest du hernieder und nimmst mich Sünder an; was geb ich dir doch wieder, das dir gefallen kann? reuet, ein Herz, das ganz zer6. Ein Herz, das recht befnirschet ist, das ist, was dich 134 Abendmahlslieder. erfreuet, mein Gott und Herr, zu jeder Frist. Du wirst es nicht verachten; hilf, daß ich emsig bin, nach deiner Gunst zu trachten. Nimm doch in Gnaden hin das Opfer meiner Zungen; dir sey von Herzensgrund jetzt Lob und Preis gefungen, Herr Gott, durch meinen Mund. 7. Wohl mir, ich bin versehen mit Himmelsspeis und Engelstrank; nun will ich rüstig stehen, zu fingen dir Lob, Ehr und Dank. Fahr wohl, du Weltgetümmel, du bist ein eitler Tand; ich seufze nach dem Himmel, dem rechten Vaterland. Fahr wohl, dort werd ich leben ohn Angst und Herzeleid; mein Gott, du wirst mir geben die ewge Seligkeit. Johann Rift, geb. 1607, † 1667. deine Schläg und Wunden, der du so viel empfunden. 5. Dir dank ich für dein Leiden, den Ursprung meiner Freuden; dir dank ich für dein Sehnen und heißvergogne Thränen. 6. Dir dank ich für dein Lieben, das standhaft ist geblieben; dir dank ich für dein Sterben, das mich dein Reich läßt erben. 7. Jest schmecket mein Gemüthe dein übergroße Güte; dieß theure Pfand der Gnaden tilgt allen meinen Schaden. 8. Herr, laß mich nicht vergessen, daß du mir zugemessen die kräftge Himmelsspeise, wofür mein Herz dich preiſe. 204. Mel. Nun laßt uns Gott, dem 2c. Jefu, meine Jesu, meine Wonne, du meiner Seelen Sonne, du Freundlichster auf Erden, laß mich dir dankbar werden. 2. Wie kann ich gnugsam schäßen dieß himmelsüß Ergözen und diese theuren Gaben, die uns gestärket haben? 3. Wie soll ich dirs verdanken, o Herr, daß du mich Kranken gespeiset und getränket, ja selbst dich mir geschenket? 4. Ich lobe dich von Herzen für alle deine Schmerzen, für 9. Du wollest ja die Sünde, die ich annoch empfinde, aus meinem Fleische treiben und fräftig in mir bleiben. 10. Nun bin ich losgezählet von Sünden und vermählet mit dir, mein liebstes Leben! Was kannst du Werthres geben? 11. Ach laß, Herr, meine Seele in dieser Leibeshöhle doch allzeit mit Verlangen an deiner Liebe hangen. 12. Laß mich die Sünde meiden, laß mich geduldig leiden, laß mich mit Andacht beten und von der Welt abtreten. 13. Nun fann ich nicht vers derben; drauf will ich selig Abendmahlslieder. sterben und freudig auferstehen, o Jesu, dich zu sehen. Johann Rist, geb. 1607, † 1667. Mel. Weil nichts gemeiner ist 2c. 205. Gott Lob! ich bin aufs Neu erquicket mit Christi theurem Leib und Blut. Das Heil, das hier mein Geist er blicket, macht allen meinen Schaden gut. Mein Glaube jauchzt und freuet sich; denn Jesus Christus starb für mich. 2. Gott Lob! die ganze Last der Sünden ist nun aus GnaMel. Alle Menschen müssen 2c. den weggeschafft. Mich aller 206. Danfet, danfet Gott Schulden zu entbinden, hat Jefu Blut die volle Kraft. Heut nahm ich ja der Freiheit Pfand beim Abendmahl aus seiner Hand. 3. Gott Lob! mein zagendes Gewissen fühlt sich in Jesu Tod gestillt. Ich seh die Handschrift ganz zerrissen, die mich vorhin mit Furcht erfüllt. Durch ihn bin ich mit Gott versöhnt, werd an sein Vaterherz gewöhnt. 4. Gott Lob! der süße Seelenfriede kehrt wieder in mein Herz zurück. Wie war ich doch so krank, so müde, bis meines Jesu Gnadenblick aufs Neue sich zu mir gelenkt und Trost und Ruhe mir geschenkt. 135. wird das Leiden dieser Zeit. Ein ewigs Glück lacht mir von fern; drum harr und glaub und duld ich gern. 5. Gott Lob! in dem erfreuten Herzen wohnt Jesus und die Seligkeit. Der Hoffnung weichen alle Schmerzen; leicht 6. Gott Lob! mit Freuden will ich sterben; der Himmel ist mir aufgethan. Dort darf ich auch mit Jesu erben nach einst durchwallter Leidensbahn, und mit der auserwählten Zahl halt ich erst dann recht Abendmahl. Maria Clara Silberrad, geb. 1750,+1815. mit Freuden, danket ihm mit Herz und Mund! Macht die großen Seligkeiten dieſes heilgen Mahles fund, was der Herr für Gnade schenket, da er selbst uns speist und tränfet; danket ihm vor dem Altar, daß er uns so freundlich war. 2. Ja, wir preisen Gottes Güte; denn sie währet ewiglich. O wie freut sich das Gemüthe, daß der Herr so gnädig sich gegen uns auch jetzt erwiesen! Immerdar sey er gepriesen; groß ist seine Huld und Treu, und auch heute ward sie neu. 3. Heilig, heilig, heilig werde, Gott, dein Nam uns mehr und mehr; alle Himmel sammt der Erde zeugen laut von deiner Ehr. Dir, Herr, singen Seraphinen dreimal Heilig, die dir dienen. Droben in dem Hei 136 Confirmation. ligthum schallet deines Namens Rubm. 4. Gott, der Herr und Vater, segne uns in seinem lieben Sohn; und des Vaters Sohn begegne uns von seinem Gnadenthron; und der Herr, der Geist, bereite uns zur Herrlichfeit und leite uns zu seinem Frieden! Ja, Amen! sprecht Halleluja! Nikol. Kaiser, geb. 1734, † 1800. II. Die andern kirchlichen Handlungen. Confirmation. Mel. Wer nur den lieben 2c. 208. Ich bin getauft auf deinen Namen, Gott Vater, Sohn und heilger Geist; ich bin gezählt zu deinem Samen, zum Volk, das dir geheiligt heißt; ich bin in Christum eingesenkt, ich bin mit seinem Geist beschenkt. 2. Du hast zu deinem Kind und Erben, mein lieber Vater, mich erklärt; du hast die Frucht von deinem Sterben, mein treuer Heiland, mir gewährt; du willst in aller Noth und Pein, o guter Geist, mein Tröfter seyn. Mel. Wie schön leuchtet zc. 207. Wir nahen uns, o Gottes Sohn, von Dank durchdrungen deinem Thron; du haft uns nun gegeben im Nachtmahl deinen Leib, dein Blut; dieß komm auf ewig uns zu Gut und stärk in uns dein Leben. Amen, Amen! Welche Freuden nach dem Leiden warten droben, wo wir dich ohn Ende loben. 3. Doch habe ich dir Furcht und Liebe, Treu und Gehorsam zugesagt; ich habe mich aus reinem Triebe dein Eigenthum zu ich bis ins Grab des Satans seyn gewagt; hingegen sagt schnöden Werken ab. 4. Mein treuer Gott, auf deiner Seite bleibt dieser Bund wohl feste stehn; wenn aber ich ihn überschreite, so laß mich nicht verloren gehn; nimm mich, dein Kind, zu Gnaden an, wenn ich hab einen Fall gethan. 5. Ich gebe dir, mein Gott, aufs Neue Leib, Seel und Herz zum Opfer hin; erwecke mich zu neuer Treue und nimm Bestz von meinem Sinn; es sey in mir kein Tropfen Blut, der nicht, Herr, deinen Willen thut. 6. Weich, weich, du Fürst der Finsternissen, ich bleibe mit dir Confirmation. unvermengt; hier ist zwar ein befleckt Gewissen, jedoch mit Jesu Blut besprengt. Weich, eitle Welt, du Sünde, weich; Gott hört es, ich entsage euch. 7. Laß diesen Vorsag nimmer wanfen, Gott Vater, Sohn und heilger Geist; halt mich in deines Bundes Schranken, bis mich dein Wille sterben heißt; so leb ich dir, so sterb ich dir, so lob ich dich dort für und für. Joh. Jak. Rambach, geb. 1693,+1735. Mel. Meinen Jesum laß ich zc. 209. Ewig, ewig bin ich dein, theuer dir, mein Gott, erkaufet; bin auf dich, um dein zu seyn, Vater, Sohn und Geist, getaufet. Dessen soll mein Herz sich freun; ewig, ewig bin ich dein. 137. wieder ein; dein, Herr, will ich ewig seyn. dir, o Welt, und dir, o Sünde. 5. Ich entsag, o Satan, dir, Euch entsag ich, weicht von mir, dem erlösten Gotteskinde! Eure Lust ist Tod und Pein; ich will meines Gottes seyn. 3. Jch, ein Sünder von Natur, ich Gefallner soll auf Erden eine neue Creatur, soll, o Gott, dir ähnlich werden. Heilig, heilig soll ich seyn; Jesus und sein Geist ist mein. 4. Treue hab ich oft gelobt, doch verletzt den Bund der Taufe. Wenn die Lust in mir getobt, ließ ich ab vom Glaubenslaufe. Aber nimm mich 6. Wachen will ich, flehn um Kraft, daß ich auf dem schmalen Wege übe gute Ritterschaft und nur Jesu leben möge. Er wird Gnade mir verleihn, treu bis in den Tod zu seyn. dein, theuer dir, mein Gott, er7. Höre mich; denn ich bin kaufet; bin auf dich, um dein zu seyn, Vater, Sohn und Geist, getaufet. Laß mich hier im Glauben dein, dort im Schauen selig seyn. Joh. Andreas Cramer, geb. 1723, † 1788. 2. Welch ein göttlicher Gewinn, daß ich durch der Taufe Gabe nun dein Kind und Mel. Seelenbräutigam c. Erbe bin, daß ich dich zum Vaz 210. Von des Himmels ter habe! Deine Gnade macht mich rein; droben soll ichs ewig seyn. deinen Geist, den Geist der Gottes Stärke; gib uns Kraft zum heilgen Werke, dir uns ganz zu weihn, ewig dein zu seyn. 2. Mach uns selbst bereit, gib uns Freudigkeit, unfern Glauben zu bekennen und dich unsern Herrn zu nennen, des sen theures Blut floß auch uns zu Gut. zu dem Himmel hin, daß wir 3. Richte Herz und Sinn 138 Beichtlieder. unsern Bund erneuern und mit Wahrheit dir bethenern, deine Bahn zu gehn, Weltlust zu verschmähn. 4. Wenn wir betend nahn, Segen zu empfahn, wollest du auf unsre Bitten uns mit Gnade überschütten; Licht und Kraft und Ruh ströme dann als bei dir, Herr Jesu Christ, dem im Himmel und auf Erden alle Macht gegeben ist? 3. Wo ist solch ein Herr zu finden, der, was Jesus that, mir thut, mich erkauft von Tod und Sünden mit dem eignen theuren Blut? Sollt ich dem nicht angehören, der sein Leben für mich gab? Sollt ich ihm nicht Treue schwören, Treue bis in Tod und Grab? uns zu. 5. Gib auch, daß dein Geist, wie dein Wort verheißt, unauflöslich uns vereine mit der gläubigen Gemeine, bis wir dort dich sehn in den Himmelshöhn. Samuel Marot, geb. 1770. Mel. O bu Liebe meiner Liebe zc. 211. Bei dir, Jefu, will Dei dir, Jesu, will ich bleiben, stets in deinem Dienste stehn; nichts soll mich von dir vertreiben, will auf deinen Wegen gehn. Du bist meines Lebens Leben, meiner Seele Trieb und Kraft, wie der Weinstock seinen Reben zuströmt Kraft und Lebenssaft. 2. Könnt ichs irgend besser haben, als bei dir, der allezeit so viel tausend Gnadengaben für mich Armen hat bereit? Könnt ich je getrofter werden, Eigne Melodie. 212. Herr Jesu Christ, du höchstes Gut, du Brunn4. Ja, Herr Jesu, bei dir bleib ich, so in Freude, wie in Leid; bei dir bleib ich, dir verschreib ich mich für Zeit und Ewigkeit. Deines Winks bin ich gewärtig, auch des Rufs aus dieser Welt; denn der ist zum Sterben fertig, der sich lebend zu dir hält. 5. Bleib mir nur auf dieser Erden nahe, bis mein Tag fich neigt. Wenn es einst will Abend werden und die Nacht herniedersteigt, wenn mein Aug wird dunkler, trüber, dann erleuchte meinen Geist, daß ich fröhlich zieh hinüber, wie man nach der Heimath reist. Beichtlieder. Carl Joh. Phil. Spitta, geb. 1801. quell aller Gnaden, sieb doch, wie ich in meinem Muth mit Schmerzen bin beladen, und Beichtlieder. in mir hab der Pfeile viel, die im Gewissen ohne Ziel mich armen Sünder drücken. 2. Erbarm dich mein in solcher Last, nimm sie aus meinem Herzen, dieweil du sie gebüßet hast am Holz mit Todesschmerzen, auf daß ich nicht mit großem Weh in meinen Sünden untergeh, noch ewiglich verzage. 3. Fürwahr, wenn mir das kommet ein, was ich mein Tag begangen, so fällt mir auf das Herz ein Stein, und bin mit Furcht umfangen; ja, ich weiß weder aus noch ein und müßte ganz verloren seyn, wenn ich dein Wort nicht bätte. 4. Aber dein heilsam Wort das macht mit seinem süßen Singen, daß mir das Herze wieder lacht und fast beginnt zu springen, dieweil es alle Gnad verheißt denen, die mit zerknirschtem Geist zu dir, o Jesu, kommen. 5. Und weil ich denn in meinem Sinn, wie ich zuvor geklaget, auch ein betrübter Sünder bin, den sein Gewissen naget, und wollte gern im Blute dein von Sünden abgewaschen seyn, wie David und Manasse: 6. So komme ich zu dir allhie in meiner Noth geschritten, und thu dich mit Knie von ganzem Herzen bitten: Vergib mir alles gnä139 diglich, was ich mein Lebtag wider dich auf Erden hab begangen. 7. Ach, Herr, vergib mirs doch, mein Gott, um deines Namens willen, und thu in mir die große Noth der Uebertretung stillen, daß sich mein Herz zufrieden geb, und dir hinfort zu Ehren leb im findlichen Gehorsam. 8. Stärf mich mit deinem Freudengeist, heil mich durch deine Wunden; hilf mir zu deines Namens Preis in meiner letzten Stunden, und nimm mich einst, wenn dirs gefällt, im wahren Glauben von der Welt zu deinen Auserwählten. Barthol. Ringwaldt, geb. 1530,+ um 1598. Mel. Herzlich lieb hab ich zc. 213. Vor G'richt, Herr Jesu, steh ich hie, beug in Demuth meines Herzens Knie und seufze mit Wehklagen: sethat mich verklagt und verMein große Sünd und Misdammet hat; doch will ich nicht verzagen. Herr Jesu Christ, dein Blut allein macht mich von allen Sünden rein, weil ich fest glaube und dabei im Herzen habe wahre Reu. Herr ich will mich bessern, hilf du mir! Jesu Christ, des dank ich dir:,: Mel. Zion flagt mit Angst zc. 214. O du Schöpfer aller Dinge, höre, höre mein 140 Beichtlieder. Gebet, das ich jego vor dich bringe, weil mein Herz in Aengsten steht. Meine Sünden ångsten mich, darum komm ich auch vor dich und bekenne meine Sünden; ach Herr, laß mich Gnade finden! 2. Weil du heißest Alle kommen, die beladen sind, zu dir, bin ich auch nicht ausgenommen, noch gewiesen von der Thür deiner Gnaden, sondern du willst und wirst mich noch dazu von den Sünden, die mich drücken, ganz entbinden und erquicken. 3. Dein Wort bleibet ungebrochen, das du einmal haft geredt; nun hast du, o Gott, gesprochen: Such mein Antlitz im Gebet. Darum fomm ich auch vor dich, such dein Antlit; ach, laß mich bei dir Trost und Gnade finden, sprich mich los von meinen Sünden! 4. Sieh die Handschrift, die ich gebe hier in deine Hand, o Gott, drin du sprichst: So wahr ich lebe, ich will nicht des Sünders Tod, sondern daß er sich befehr von den Sünden, und begehr ewiglich mit mir zu leben, so will ich ihm alls vergeben. 5. Nun wohlan, du wirst nicht lügen; ich halt mich an deine Wort, will darauf in Demuth biegen meine Knie an diesem Ort, und bekennen meine Sünd: Ich bin das verlorne Kind, das vom Teufel oft verblendet deine Güter hat verschwendet. 6. Weiter will ich nichts mehr sagen und allein an meine Brust mit dem armen Zöllner schlagen: Gott, es ist dir wohl bewußt, daß ich hab gesündigt dir; aber sey doch gnädig mir; ich fall dir in deine Arme: ach Herr, meiner dich erbarme. 7. Ich verläugne nicht die Sünden, ich verläugne nicht die Schuld; aber laß mich Gnade finden, trage, Herr, mit mir Geduld; alles, was ich schuldig bin, will ich zahlen, nimm nur hin die Bezahlung meines Bürgen, der sich ließ für mich erwürgen. 8. Nun, o Vater aller Gnaden, siehe dessen Leiden an! denn er hat erseßt den Schaden; er hat für mich gnug gethan. Durch ihn bin ich ganz erlöst, dessen ich mich jetzo tröst, weil in seinen tiefen Wunden ich nun Fried und Ruh gefunden. 9. Ich will auch hierauf genießen Christi wahren Leib und Blut, meiner Seele und Gewissen zur Erquickung und zu Gut. Gib, daß würdig ich genieß, Jesu, dich, und schmeck, wie süß und wie freundlich du bist denen, die sich nach dir herzlich sehnen. Johann Heinrich Califius.. geb. 1633,+ 1698. Beichtlieder. Eigne Melodie. 215. Ich armer Menſch, charmer Mensch), ich armer Sünder steh hier vor Gottes Angesicht: ach Gott, ach Gott, verfahr gelinder und geh nicht mit mir ins Gericht! Erbarme dich, erbarme dich, Gott, mein Erbarmer, über mich! 2. Wie ist mir doch so herzlich bange von wegen meiner großen Sünd, bis daß ich Gnad von dir erlange, ich armes und verlornes Kind! Erbarme dich:,::,: 3. Hör, ach erhör mein seufzend Schreien, du allerliebstes Vaterherz! Wollst alle Sünde mir verzeihen und lindern meines Herzens Schmerz! Erbarme dich:,::,: 4. Wahr ist es, übel steht der Schade, den Niemand heilet außer du. Ach, aber ach! gib Gnade, Gnade! ich laß dir doch nicht eher Ruh. Erbarme dich:,::,: 5. Nicht wie ich hab verschuldet, lohne, und handle nicht nach meiner Sünd. O treuer Vater, schone, schone, erkenn mich wieder für dein Kind. Erbarme dich:::: 6. Sprich nur Ein Wort, so werd ich leben; sag, daß ich armer Sünder hör: Geh hin, die Sünd ist dir vergeben; nur fündige hinfort nicht mehr! Erbarme dich:,:; 141 7. Ich zweifle nicht, ich bin felsfrei; weil sich der Trost erhöret, erhöret bin ich zweiim Herzen mehret, drum will ich enden mein Geschrei: Erbarme dich:,::,: Christoph Titius, geb. 1641, † 1703. Mel. Meinen Jesum laß ich 2c. 216. Jefus nimmt die Sünder an! saget doch dieß Trostwort Allen, welche von der rechten Bahn auf verkehrten Weg verfallen. Hier ist, was fie retten kann: Jefus nimmt die Sünder an! 2. Keiner Gnade sind wir werth; doch hat er in seinem Worte eidlich sich dazu erklärt; sehet nur, die Gnadenpforte ist hier völlig aufgethan: Jesus nimmt die Sünder an! 3. Wenn ein Schaf verloren ist, suchet es ein treuer Hirte; Jesus, der uns nie vergißt, suchet treulich das verirrte, daß es nicht verderben fann: Jesus nimmt die Sünder an! 4. Rommet alle, kommet her, fommet, ihr betrübten Sünder; Jesus rufet euch, und er macht aus Sündern Gottes Kinder. Glaubt es doch und denkt daran: Jesus nimmt die Sünder an! 5. Ich Betrübter komme hier und bekenne meine Sünden. Laß, mein Heiland, mich bei dir Gnade und Vergebung 142 Beichtlieder. finden, daß dieß Wort mich trösten kann: Jefus nimmt die Sünder an! 6. Ich bin ganz getrosten Muths; ob die Sünden blutroth wären, müssen fie fraft deines Bluts dennoch sich in Schneeweiß kehren, da ich gläubig sprechen kann: Jesus nimmt die Sünder an! 7. Mein Gewissen nagt mich nicht, Moses darf mich nicht verklagen; der mich frei und ledig spricht, hat die Sünden abgetragen, daß mich nichts verdammen kann: Jesus nimmt die Sünder an. 8. Jesus nimmt die Sünder an! Auch mich hat er angenommen und den Himmel aufgethan, daß ich selig zu ihm kommen und auf den Trost sterben kann: Jesus nimmt die Sünder an! Erdmann Neumeister, geb. 1671, † 1756. Mel. Jesu, meines Lebens Leben 2c. 217. Ich erhebe mein Gemüthe sehnsuchtsvoll, mein Gott, zu dir; denn ich kenne deine Güte, o wie thener ist sie mir! Gott der Liebe und des Lebens, Keiner harrt auf dich vergebens. Nur Verächter deiner Huld stürzet ihre eigne Schuld. 2. Lehre mich, Herr, deine Wege, zeige deinen Willen mir; daß ich richtig wandeln möge, führe du mich selbst zu dir. Gott, du siehest mein Vertrauen; ficher fann ich auf dich bauen. Deine Batertreue ist ewig, wie du selber bist. 3. Ach gedenke, Herr, der Sünden meiner Jugendjahre nicht. Laß mich Gnade vor dir finden, geh nicht mit mir ins Gericht. Alle Sünden, die uns reuen, willst du, Vater, ja verzeihen. O so höre denn auch mich! Meine Seele hofft auf dich. 4. Gott, du willst des Sünders Leben; dir ist seine Seele werth. Gnädig willst du ihm vergeben, wenn er sich zu dir befehrt. Mitten auf dem Sündenwege machst du mein Gewissen rege. Wohl dem, der zu seiner Pflicht umkehrt! Du verwirfft ihn nicht. 5. Allen, die zu dir sich wenden, über ihre Schuld betrübt, willst du Trost und Rettung senden, wenn ihr Herz sich dir ergibt. Freude schenket deine Güte dem geängsteten Gemü the, welchem du die Sündenlast liebreich abgenommen haſt. 6. Dir will ich mich denn ergeben; Gott, mein Gott, verlaß mich nicht! Laß mich immer heilig leben, Herr, vor deinem Angesicht. Keine schnöde Lust der Sünden soll mich ferner überwinden. Ach bewahr, ich bitte dich, meinen Geist und stärke mich! Aus dem bayr. Gesangbuch von 1811. Beichtlieder. Mel. Ich armer Mensch 2c. 218. Mein Jesus iſt ein Freund der Seelen, die in der Angst und Sündennoth nur ihn zu ihrem Trost sich wählen, der sie geliebt bis in den Tod. Sie sollen Ruh von ihm empfahn; mein Heiland nimmt die Sünder an. 2. Wenn das verdammende Gewissen sie bis zur Hölle niederbeugt; wenn Thränen obne Hoffnung fließen, ists Jesus doch, der ihnen zeigt, wie man dem Fluch entrinnen fann; mein Heiland nimmt die Sünder an. 3. Er kam vom Himmel zu uns nieder, ein Fluch zu werden für die Welt. Odankt ihm laut, erlöste Brüder! Er hat den Frieden hergestellt, indem er Gott genug gethan; mein Heiland nimmt die Sünder an. 4. Wie willig hat er einst ein Leben zur unerhörten Todespein für uns am Kreuz dahin gegeben! Wer wollte nun noch traurig seyn? Er zeigt zum Himmel uns die Bahn; mein Heiland nimmt die Sünder an. 5. Hört dieß, ihr angefochtnen Seelen; eilt alle, flieht in Jesu Schoß! Er macht von allem, was euch quälen und schaden kann, auf ewig los. Er ist mit Huld euch zuge143 than; mein Heiland nimmt die Sünder an. 6. Er bringt in seinen offnen Armen versöhnt zu eurem Gott euch hin, und neigt zum ewigen Erbarmen des liebevollen Vaters Sinn, den Jesus nur versöhnen kann; mein Heiland nimmt die Sünder an. 7. Auch sendet er in unsre Herzen den wahren Tröster, seinen Geist; der stillet aller Sünden Schmerzen, wenn er auf Jesu Tod uns weist. Wer ist, der uns verdammen kann? Mein Heiland nimmt die Sünder an. 8. Nichts, nichts tilgt seines Mitleids Triebe. Wenn auch kein Strahl der Hoffnung scheint, so zage nicht; er ist die Liebe; er ist dein Retter und dein Freund. Heil Allen, die im Ernst sich nahn; mein Heiland nimmt die Sünder an. stillt dein Sehnen und schließt 9. Komm glaubensvoll! Er des Jammers Pforte zu. Er trocknet liebreich deine Thränen und schenkt den Müden süße Ruh. O selig, wer noch weinen kann! Mein Heiland nimmt die Sünder an! Ruf und zähle mit Vorsicht je10. Vernimm denn seinen den Tag des Heils. Ach eil, Wahl des besten Theils! Flieh errette deine Seele und triff die heute noch der Sünde Bahn 144 Ordinationslieder. und komm; heut nimmt dich Jesus an. 11. Hier sind wir, Heiland aller Sünder! Erbarme dich und mach uns rein; so wollen wir, der Gnade Kinder, dir ewig dafür dankbar seyn, weil dann ein Jeder rühmen kann: Gott Lob, auch mich nahm Jesus an! Mel. O Gott, du frommer 2c. 219. Herr Jesu, der du selbst von Gott als Lehrer kommen und, was du aus dem Schoß des Vaters haft genommen, den rechten Weg zu Gott mit Wort und Werk gelehrt, fey für dein Predigtamt gelobt von deiner Heerd. 2. Du bist zwar in die Höh zum Vater aufgefahren; doch gibst du noch der Welt dein Wort mit großen Schaaren, und baust durch diesen Dienst die Kirche, deinen Leib, daß er im Glauben wachs und fest ans Ende bleib. Ordinationslieder. 3. Hab Dank für dieses Amt, wodurch man dich selbst böret, das uns den Weg zu Gott und die Versöhnung lehret, durchs Evangelium ein Häuflein in der Welt berufet, sammlet, stärkt, lehrt, tröstet und erhält. Aus dem bayr. Gesangbuch von 1811. 4. Erhalt uns diesen Dienst bis an das End der Erden, und weil die Ernte groß, groß Arbeit und Beschwerden, send felbst Arbeiter aus, mach solche flug und treu, daß Feld und Baumann gut, die Ernte reichlich sey. 5. Die du durch deinen Ruf der Kirche haft gegeben, erhalt bei reiner Lehr und einem heilgen Leben; leg deinen Geist ins Herz, das Wort in ihren Mund; was jeder reden soll, das gib du ihm zur Stund. 6. Ach, segne all dein Wort mit Kraft an unsern Seelen; laß deinen Schäflein nie an guter Weid es fehlen; such das verirrte selbst, bind das verwundte zu, das schlafende weck auf, das müde bring zur Ruh. 7. Bewahr vor Keßerei, vor Menschenlehr und Dünkel; lehr uns nach deiner Art im Tempel, nicht im Winkel; behüt vor Aergerniß, vor Spaltung, welche trennt; erhalte rein und ganz dein Wort und Sacrament. 8. Bring, was noch draußen ist, zu deiner kleinen Heerde; Ordinationslieder. was drinnen ist, erhalt, daß es gestärket werde; durchdring mit deinem Wort, bis Heerde und der Hirt im Glauben, Herr, an dich zusammen selig wird. Eberhard Ludwig Fischer, geb. 1695,+ 1773. Mel. Wie schön leuchtet zc. 220. O Jesu, Herr der Herrlichkeit, du König deiner Christenheit, du Hirte deiner Heerden, du stehst auf die erlöste Welt, regierst sie, wie es dir gefällt, sorgst, daß sie selig werden. Von dir sind wir auch erwählet, zugezählet den Erlösten, die du segnen willst und trösten. 2. Wohl deinem Voll, daß du es liebst, nach deinem Sinn ihm Hirten gibst, die es zum Himmel führen, und die voll Eifer, Geist und Kraft, gottselig und gewissenhaft das Herz der Sünder rühren. Treue Hirten laß den Seelen niemals fehlen und die Heerden mit den Hirten selig werden. 3. Wir nehmen hier von deiner Hand den Lehrer, den du uns gesandt; Herr, segne sein Geschäfte. Die Seelen, die sich ihm vertraun, durch Lehr und Leben zu erbaun, gib Weisheit ihm und Kräfte. Lehr 145 ihn, hilf ihm thun und leiden, dulden, streiten, beten, wachen, selig sich und uns zu machen. 4. Herr, deinen Geist las auf ihm ruhn; laß ihn sein Amt mit Freuden thun; nichts sey, das ihn betrübe! Wenn er uns deine Wahrheit lehrt, gib uns ein Herz, das folgsam hört, ein Herz voll treuer Liebe. Lehrer, Hörer laß in Freundschaft und Gemeinschaft feste stehen und den Weg zum Himmel gehen. Tag erscheint, laß unsern Leh5. Wenn einst dein großer rer, unsern Freund, uns dir entgegen führen! Du gibſt Seelen als ein theures Pfand; ihm unter seine Hand die laß keine ihn verlieren! Jesu, hilf du, beut die Hände, daß am Ende Hirt und Heerde treu vor dir erfunden werde. des Herrn! Wir heißen dich 6. Sey uns gesegnet, Knecht willkommen gern in Jesu Christi Namen. Hirte, nimm uns ewgen Vaterland! Gott mit bei der Hand, führ uns zum dir! Amen, Amen! Mit dir gehn wir durch die Leiden diefer Zeiten zu dem Leben, das uns unser Gott will geben. Joh. Daniel Garl Bickel, geb. 1737,+1809. 10 146 Trauungslieder. Trauungslieder. Mel. Es spricht der Unweisen c. 221. Herr Gott, der du den Ehestand geordnet hast auf Erden, daß dein Geschöpfdurch dieses Band soll froh und glücklich werden; o laß durch deinen Gnadenschein ihn allezeit voll Segen seyn und setze ihn zu Ehren. 2. Du wollst des Feindes Hinterlist durch deinen Schuß verwehren; du weißt, wie er geschäftig ist, dein heilsam Werk zu stören. Daß nun durch seine Bosheit nicht des Herzens Fried und Eintracht bricht, so steure seinen Werken. welchen du gefüllt, ist niemals auszuleeren. Aus Mangel machst du Ueberfluß, und sprichst du nur ein Wort, so muß auch Wein aus Wasser werden. 6. Dringt auch das liebe Kreuz herein, so darf man nicht verzagen. Es muß ja wohl ein Wechsel seyn von gut und bösen Tagen. Du hast uns schon den Trost geseßt, daß alle Dinge doch zuletzt zu unserm Besten dienen. 7. Das Brod des Lebens wirst du uns im Himmel endlich schenken. Die Quelle deines Freudenbrunns wird uns da ewig tränken, so daß uns hier und dort nichts fehlt; denn wir sind hier und dort vermählt dem Bräutgam unsrer Seelen. 3. Die Seelen laß in Lieb und Leid getreu beisammen stehen und in der wahren Frömmigkeit auf deinen Wegen gehen. Wohl dem, der dich vor Augen hat! In allem wird ihm Rath und That nach seinem Wunsch gelingen. Mel. Ich armer Mensch 2c. 4. Laß auch dabei Beruf und 222. Es hat der Herr zu Stand sich deiner Güte freuen, durch deine reiche Segenshand die Arbeit wohl gedeihen; so fehlet unsrer Nahrung nichts, ob wir im Schweiß des Angesichts das Brod gleich müssen effen. 5. Herr, wenn du Jemand fegnen willt, so kann es Niemand wehren. Der Delfrug, Erdm. Neumeister, geb. 1671, 1756. allen Zeiten der Seinen ganzen Lauf bedacht; er ist es, der auf. allen Seiten von Anfang ihren Weg bewacht bis auf ein Haar von ihrem Haupt; wohl dem, der seiner Führung glaubt! 2. Er spricht: Befiehl mir deine Wege; sie sind in mir schon ausersehn. Trau meiner treuen Vaterpflege, so wird es Begräbnißlieder. gut und selig gehn; so geb ich dir auf jedem Schritt auch meines Geistes Leitung mit. 3. Sieh nun, o Herr, auf diese Seelen und laß sie dir befohlen seyn; laß sie nur deine Wege wählen, mach sie mit deinem Blute rein, bis sie zu deinem Reich eingehn und ewig jauchzend vor dir stehn! Mel. Seelenbräutigam 2c. 223. Jesu, geh voran auf der Lebensbahn; und wir wollen nicht verweilen, dir getreulich nachzueilen; führ uns an der Hand bis ins Vaterland. 2. Solls uns hart ergehn, laß uns feste stehn und auch in den schwersten Tagen niemals über Lasten klagen; denn durch Trübsal hier geht der Weg zu dir. 3. Rühret eigner Schmerz 1 Eigne Melodie. 225. Nun laßt uns den Leib begraben, daran wir kein Zweifel haben, er werd am jüngsten Tag aufstehn und unverweslich hervorgehn. 2. Erd ist er, und von der Erden, wird auch zu Erd wieder werden, und von der Erd wieder aufstehn, wenn Gottes Posaun wird angehn. jemals unser Herz, kümmert uns ein fremdes Leiden, o so gib Geduld zu beiden; richte unsern Sinn auf das Ende hin. 147 ster, lebenslang; führst du uns 4. Ordne unsern Gang, Liebdurch rauhe Wege, gib uns auch die nöthge Pflege; thu uns nach dem Lauf deine Thüre auf. [ Siehe Haus und Ehestand.] Nik. Ludwig, Graf v. Zinzendorf, geb. 1700, † 1760. Mel. Jesu, meines Lebens Leben 2c. 224. Mach, Herr, Ein Herz aus den zweien durch der gen und Gedeihen auf den neuLiebe festes Band; gieße Seerwählten Stand; laß sie alt beisammen werden und viel Gutes sehn auf Erden. Steh bei ihnen in der Noth, und sey ewig unser Gott. Caspar Neumann, geb. 1648, † 1715. Begräbnißlieder. 3. Sein Seele lebt ewig in Gott, der sie allhier aus lauter Gnad von aller Sünd und Missethat durch seinen Sohn erlöset hat. 4. Sein Jammer, Trübfal und Elend ist kommen zu eim selgen End; er hat getragen Christi Joch, ist gestorben und lebet noch. 5. Die Seele lebt ohn alle 10* 148 Begräbnißlieder. Klag; der Leib schläft bis an jüngsten Tag, an welchem Gott ihn verklären und ewger Freud wird gewähren. 6. Hier ist er in Angst gewesen; dort aber wird er genesen in ewiger Freud und Wonne, leuchten wie die helle Sonne. 4. Nein, die fann der Tod nicht halten, die des Herren Glieder sind. Muß der Leib im Grab erkalten, da man nichts als Asche findt, wird doch Gott, was vor gewesen, wieder neu zusammen leſen. 5. Jesus wird, wie er erstanden selber an dem dritten Tag, gleichfalls seine Reichsverwandten führen aus des Todes Schmach zu dem ewgen Himmelsfrieden, den er seinem Volk beschieden. 6. Rubet wohl und sanft im Kühlen eine noch so kurze Zeit; es läßt sich schon nahe fühlen die so frohe Ewigkeit, da ihr sollt mit neuem Leben Eigne Melodie. 226. Nuhet wohl, ihr euch vor Gottes Thron erheben. Todtenbeine, in der stillen Einfamkeit! ruhet, bis das End erscheine, da der Herr euch zu Friedr. Conrad Hiller, geb. 1662,1726. Mel. Nun sich der Tag 2c. der wird aus euren Grüften zu den freien 227. Et, wie so sanft Himmelslüften. 7. Nun lassen wir ihn hier schlafen, und gehn all heim unsre Straßen, schicken uns auch mit allem Fleiß; denn der Tod kömmt uns gleicher Weis. einverleiben seiner auserwählten Schaar, die er selbst mit Blut und Sterben hat gemacht zu Himmelserben? 8. Das helf uns Christus, unser Trost, der uns durch sein Blut hat erlöst vons Teufels G'walt und ewger Pein; ihm sey Lob, Preis und Ehr allein. M. Weiß( 1531). 2. Nur getrost, ihr werdet leben, weil das Leben, euer Hort, die Verheißung hat gegeben durch sein theuer werthes Wort: Keiner soll im Tod verderben, die in seinem Namen sterben. 3. Und wie soll im Grabe bleiben, der ein Tempel Gottes war, den der Herr ließ entschliefest du nach manchem schweren Stand, und liegst nun da in süßer Ruh in deines Heilands Hand. 2. Sein Leiden hat dich frei gemacht von aller Angst und Pein; sein letztes Wort: Es ist vollbracht! das singt dich lieblich ein. 3. Du läßt dich zur Verwandelung in dieß Gefilde Begräbnißlieder. fän, mit Hoffnung und Versicherung, viel schöner aufzustehn. 4. Verbirg dich unserm Angesicht im fühlen Erdenschoß! Du hast das Deine ausgericht, empfängst ein selig Loos. 5. Wir wissen, daß der Bräutigam, der ewig treue Hirt, dich, sein schon hier geliebtes Lamm, auch dort nicht lassen wird. 6. Er führe seine ganze Heerd, die sich zu ihm gesellt, und die ihm ist so theur und werth, auch vollends durch die Welt! Gottfried Neumann, um 1736. Mel. Der lieben Sonne Licht 2c. 228. Die Christen gehn von Ort zu Ort durch mannigfaltgen Jammer und kommen in den Friedensport und ruhn in ihrer Kammer. Gott nimmt sie nach dem Lauf mit seinen Armen auf; das Waizenkorn wird in sein Beet auf Hoffnung schöner Frucht geſät. 2. Wie seyd ihr doch so wohl gereist! Gelobt seyn eure Schritte, du friedevoll befreiter Geist, du jetzt verlaßne Hütte! Du, Seele, bist beim Herrn, dir glänzt der Morgenstern; euch, Glieder, deckt mit sanfter Ruh der Liebe stiller Schatten zu. 3. Wir freun uns in Gelaffenheit der großen Offenbarung; indessen bleibt das Pil149 gerkleid in heiliger Verwahrung. Wie ist das Glück so groß in Jesu Arm und Schoß! Die Liebe führ uns gleiche Bahn, so tief hinab, so hoch hinan. Nif. Ludw. Gr. v. Zinzendorf, geb. 1700, † 1760. Mel. Nun laßt uns den Leib zc. 229. Nun bringen wir den Leib zur Ruh und decken ihn mit Erde zu, den Leib, der nach des Schöpfers Schluß zu Staub und Erde werden muß. 2. Er bleibt nicht immer Asch und Staub, nicht immer der Verwesung Raub; er wird, wann Christus einst erscheint, mit seiner Seele neu vereint. 3. Hier, Mensch, hier lerne, was du bist; lern hier, was unser Leben ist. Nach Sorge, Furcht und mancher Noth kommt endlich noch zuletzt der Tod. 4. Schnell schwindet unfre Lebenszeit; auf Sterben folgt hier angewandt, so folgt der die Ewigkeit. Wie wir die Zeit Lohn aus Gottes Hand. 5. So währen Reichthum, Ehr und Glück, wie wir selbst, einen Augenblick; so währt auch Kreuz und Traurigkeit, wie unser Leben, kurze Zeit. 6. O sichrer Mensch, besinne nahen sich. In allem, was du dich! Tod, Grab und Richter denkst und thust, bedenke, daß du sterben mußt. 150 Begräbnißlieder. 7. Hier, wo wir bei den Gräbern stehn, soll Jeder zu dem Vater flehn: Jch bitt, o Gott, durch Christi Blut, machs einst mit meinem Ende gut. 8. Laßt alle Sünden uns bereun, vor unserm Gott uns findlich scheun. Wir sind hier immer in Gefahr; nehm Jeder seiner Seele wahr! Jesu gehn wir ein zu seinen Freuden. Der müden Pilger Leiden sind dann nicht mehr. 5. Ach, ins Allerheiligste führt mich mein Mittler dann, lebt ich im Heiligthume zu seines Namens Ruhme. Halleluja! Friedrich Gottlieb Klopstock, geb. 1724, † 1803. Mel. O Gott, du frommer 2c. 9. Wann unser vollendet ist, so sey uns nah, Herr 231. Ihr Eltern, gute Jesu Christ! Mach uns das Sterben zum Gewinn; zieh unsre Seelen zu dir hin. 10. Und wann du einst, du Lebensfürst, die Gräber mächtig öffnen wirst, dann laß uns fröhlich auferstehn und dort dein Antlig ewig sehn. Nacht! nun geht es an ein Scheiden; ich fahr zu Jesu hin in seine Himmelsfreuden, zu Jesu, welcher mich in Ewigkeit anlacht; ach, weinet, weinet nicht, ihr Eltern, gute Nacht! Ehrenfr. Liebich, geb. 1713, † 1780. Eigne Melodie. 230. Auferstehn, ja auferstehn wirst du, mein Staub, nach kurzer Ruh! Unsterblichs Leben wird, der dich schuf, dir geben. Halleluja! 2. Wieder aufzublühn, werd ich gesät. Der Herr der Ernte geht und sammelt Garben uns ein, die mit ihm starben. Halleluja! 3. Tag des Danks, der Freudenthränen Tag, du meines Gottes Tag! wenn ich im Grabe genug geschlummert habe, erweckst du mich. 4. Wie den Träumenden wirds dann uns seyn. Mit 2. Ihr Eltern, gute Nacht! hört auf, um mich zu klagen, da jetzt mein zarter Leib wird in das Grab getragen; wißt, daß die Seele ist zur Himmelsruh gebracht; ach, weinet 2c. 3. Ihr Eltern, gute Nacht! sehr herrlich ist zu wohnen im schönen Himmelsschloß, da man erblicket Kronen, die Gott den Frommen hat aus Gnaden zugedacht; ach, weinet 2c. 4. Ihr Eltern, gute Nacht! muß ich euch schon verlaffen, so werdet ihr mich doch mit Herzenslust umfassen, wenn Gott mit euch und mit der Welt ein Ende macht; ach, weinet 2c. 5. Ihr Eltern, gute Nacht! Der Glaube im Allgemeinen. die Angst und Marterstunden, die sind in dieser Welt nun völlig überwunden; mein Leib schläft sanft, bis daß er wiederum erwacht; ach, weinet 2c. Mel. Welt, ich muß dich 2c. melserben in ihrer Unschuld sterben, so büßt man sie nicht ein; sie werden nur dort oben vom Vater aufgehoben, damit sie unverloren seyn. 3. D wohl auch diesem 232. Wenn kleine Him- Kinde; es stirbt nicht zu geschwinde. Zieh hin, du liebes Kind! Du gehest ja nur schlafen und bleibest bei den Schafen, die ewig unsers Jesu sind. Joh. Andr. Rothe, geb. 1688, † 1758. 151 2. Sie sind ja in der Taufe zu ihrem Christenlaufe für Jesum eingeweiht und noch bei Gott in Gnaden; was sollt es ihnen schaden, wenn er nun über sie gebeut? Vierte Abtheilung. 2. Wir glauben auch an Jefum Christ, seinen Sohn und unsern Herren, der ewig bei Der christliche Glaube. Der Glaube im Allgemeinen. Eigne Melodie. dem Vater ist, gleicher Gott von Macht und Ehren, von 233. Wir glauben all an Einen Gott, Schöpfer Himmels und der Erden, der sich zum Vater geben hat, daß wir seine Kinder werden. Er will uns allzeit ernähren, Leib und Seel auch wohl bewahren; al lem Unfall will er wehren, kein Leid soll uns widerfahren; er forget für uns, l: hüt't und |: wacht, es steht alles in seiner Macht. Maria der Jungfrauen ist ein wahrer Mensch geboren durch den heilgen Geist im Glauben, für uns, die wir warn verloren, am Kreuz gestorben: und vom Tod: wieder auferstanden durch Gott. heilgen Geist, Gott mit Vater 3. Wir glauben an den und dem Sohne, der aller Blöden Tröster heißt, und mit Gaben zieret schöne; die ganz Einem Sinn gar eben. Hier Christenheit auf Erden hält in all Sünd vergeben werden; 152 Der Glaube im Allgemeinen. das Fleisch soll auch wieder leben, nach diesem Elend: ist bereit:| uns ein Leben in Ewigfeit. Dr. M. Luther, geb. 1483, † 1546. Mel. Es ist gewißlich an der 2c. 234. Gottes Sohn, Herr Jesu Christ, daß man recht könne gläuben, nicht Jedermannes Ding es ist, noch standhaft zu verbleiben. Drum hilf du mir von oben her, des wahren Glaubens mich gewähr, und, daß ich drin verharre. 2. Lehr du und unterweise mich, daß ich den Vater kenne, daß ich, o Jesu Christe, dich den Sohn des Höchsten nenne, daß ich auch ehr den heilgen Geist, zugleich gelobet und gepreist in dem dreieingen Wesen. 3. Laß mich vom großen Gnadenheil das wahr Erkenntniß finden, wie der nur an dir habe Theil, dem du vergibst die Sünden. Hilf, daß ichs such, wie mir gebührt; du bist der Weg, der mich recht führt, die Wahrheit und das Leben. 4. Gib, daß ich traue deinem Wort, ins Herze es wohl fasse, daß sich mein Glaube immerfort auf dein Verdienst verlasse, daß zur Gerechtigkeit mir werd, wenn ich von Sünden bin beschwert, mein lebendiges Glaube. 5. Den Glauben, Herr, laß trösten sich des Bluts, so du vergossen, auf daß in deinen Wunden ich bleib allzeit eingeschlossen, und durch den Glauben auch die Welt, und was dieselb am höchsten hält, allzeit für Schaden achte. 6. Wär auch mein Glaub wie Senfforn klein, und daß man ihn kaum merke, wollst du doch in mir mächtig seyn, daß deine Gnad mich stärke, die das zerbrochne Rohr nicht bricht, das glimmend Docht auch vollends nicht auslöschet in den Schwachen. 7. Hilf, daß ich stets sorgfältig sey, den Glauben zu behalten, ein gut Gewissen auch dabei, und daß ich so mög walten, daß ich sey lauter jederzeit, ohn Anstoß, mit Gerechtigkeit erfüllt und ihren Früchten. 8. Herr, durch den Glauben wohn in mir, laß ihn sich immer stärken, daß er sey fruchtbar für und für und reich an guten Werken, daß er sey thätig durch die Lieb, mit Freuden und Geduld sich üb, dem Nächsten fort zu dienen. 9. Insonderheit gib mir die Kraft, daß vollends bei dem Ende ich übe gute Ritterschaft, zu dir allein mich wende in meiner letzten Stund und Noth, des Glaubens End durch deinen Tod, die Seligkeit erlange. Der Glaube im Allgemeinen. 10. Herr Jesu, der du an- soll wissen frei, daß sein Glaub gezündt das Fünklein in mir Schwachen, was sich vom Glauben in mir findt, du wollst es stärker machen. Was du gefangen an, vollführ bis an das End, daß dort bei dir auf Glauben folg das Schauen. mer Christ mit Ernst seyn an5. Drum lasse sich ein fromgelegen, daß er aufrichtig jeder Frist sich halt in Gottes Wegen, daß sein Glaub ohne Heuchelei vor Gott dem Herrn rechtschaffen sey und vor dem Nächsten leuchte. David Denicke, geb. 1603,+ 1680. Mel. Es ist das Heil uns zc. 235. Der Glaub ist eine Zuversicht zu Gottes Gnad und der thut Ludw. Andr. Gotter(?), geb. 1661,+ 1735. Mel. Nun lob, mein Seel 2c. es nicht, es muß Herz und Ge- 236. Ich weiß, an wen müthe zu Gott völlig gerichtet seyn und gründen sich auf ihn allein ohn Wanken und ohn Zweifel. ich gläube. Mein Jesus ist des Glaubens Grund, bei dessen Wort ich bleibe, und das benunft darf hier nichts sagen, kennet Herz und Mund. Versie sey auch noch so klug. Wer Fleisch und Blut will fragen, der fällt in Selbstbetrug. Ich folg in Glaubenslehren der heilgen Schrift allein; was diese mich läßt hören, muß unbeweglich seyn. 2. Wer sein Herz also stärkt und steift in völligem Vertrauen, und Jesum Christum recht ergreift, auf sein Verdienst thut bauen, der hat des Glaubens rechte Art und kann zur seligen Hinfahrt sich schicken ohne Grauen. 3. Das aber ist kein Menschenwerk, der Glaub fommt von dem Herren; drum bitt, daß er ihn in dir stärk und täglich woll vermehren. Laß aber auch des Glaubens Schein, die guten Werke, bei dir seyn; sonst ist dein Glauben eitel. 4. Es ist ein schändlich böser Wahn, des Glaubens sich wolln rühmen und böse Werke nehmen an, so Christen nicht geziemen. Wer das thut, der 153 nur sey Heuchelei und werd zur Höll ihn bringen. Glauben; denn Satan trachtet 2. Herr, stärke mir den Nacht und Tag, wie er dieß Kleinod rauben und um mein Heil mich bringen mag. Wenn deine Hand mich führet, fo werd ich sicher gehn; wenn mich um mich stehn. Ach, segne mein dein Geist regieret, wirds felig Vertrauen und bleib mit mir vereint: so laß ich mir nicht grauen und fürchte keinen Feind. 1 Der Glaube im Allgemeinen. 3. Laß mich im Glauben le- Trost, Schuß und Heiland ben; soll auch Verfolgung, nennen. Laß mich im Glauben Angst und Pein mich auf der thun, was mir dein Mund geWelt umgeben, so laß mich treu lehrt, daß dich Herz, Mund im Glauben seyn. Im Glauben und That als den Erlöser ehrt. laß mich sterben, wenn sich mein Lauf beschließt, und mich das Leben erben, das mir verheißen ist. Nimm mich in deine Hände bei Leb- und Sterbenszeit, so ist des Glaubens Ende der Seelen Seligkeit. Erdmann Neumeister, geb. 1671, † 1756. 154 5. Mein König und Prophet, fomm, herrsch in meiner Seelen. Regier und führe mich, wollst dich mit mir vermählen. Du sollst mein König seyn, dem ich gehorchen will, mein Lehrer und Prophet, des Willen ich erfüll. Mel. O Gott, du frommer Gott zc. 237. Herr, ohne Glauben den Grund des Glaubens blei6. Ich will auch, Herr, an dich, als Hohenpriester, gläuben; laß, Jesu, dein Verdienst ben, daß meine Seele sich hierauf getreu und fest, als auf mein einzig Heil und wahren Trost verläßt. fann dir Niemand wohlgefallen; ach, darum lege mir vor andern Gaben allen den wahren Glauben bei: denn der ist, wie du weißt, nicht Jedermannes Ding und kommt von deinem Geist. 2. Laß mich infonderheit, daß du seyst, herzlich gläuben; was mir dein Wort verheißt, bei dem laß fest mich bleiben: daß du dem, der dich sucht, stets ein Vergelter seyst, und daß ihn deine Hand aus allen Nöthen reißt. 3. Herr, laß mich dein Mel. Kommt her zu mir zc. Wort von ganzem Herzen 238. So hoff ich denn trauen, und stets auf deine Treu und Wahrheit feste bauen. Gib, daß ich dir in Noth und Kreuz und Tod getreu und durch des Glaubens Kraft allzeit gehorsam sey. 4. Mein Jesu, laß mich dich im Glauben wohl erkennen, dich meinen Herrn und Gott, 7. Ach, Jesu, stärke mich in diesem meinem Glauben; laß mir ihn weder Tod, noch Welt, noch Teufel rauben. Bleib in demselben stets genau mit mir vereint, daß ich dein und du mein, o theurer Seelenfreund! Peter Busch, geb. 1682, † 1744. mit festem Muth auf Gottes Gnad und Christi Blut; ich hoff ein ewig Leben. Gott ist ein Vater, der verzeiht, hat mir das Recht zur Seligkeit in seinem Sohn gegeben. 2. Herr, welch ein unaussprechlich Heil, an dir, an deis ner Gnade Theil, Theil an Der Glaube im Allgemeinen. 155 dem Himmel haben, im Her- ganzer Ruhm, mein Trost in zen durch den Glauben rein, dich lieben und versichert seyn von deines Geistes Gaben! diesem Leben, in jener Welt mein Eigenthum, du hast dich mir gegeben. Von fern lacht mir mein Kleinod zu; drum eile ich ihm freudig zu, du reichst mir meine Krone. 3. Dein Wort, das Wort der Seligkeit, wirkt göttliche Zufriedenheit, wenn wir es treu bewahren. Es spricht uns Trost im Elend zu, versüßet uns des Lebens Ruh und stärkt uns in Gefahren. 4. Erhalte mir, o Herr, mein Hort, den Glauben an dein göttlich Wort um deines Namens willen; laß ihn mein Licht auf Erden seyn, ihn täglich mehr mein Herz erneun und mich mit Trost erfüllen! Christian Fürchteg. Gellert, geb. 1715, 4. Herr, lenke meines Geistes Blick von dieser Welt Getümmel auf dich, auf meiner Seele Glück, auf Ewigkeit und Himmel. Die Welt mit ihrer Herrlichkeit vergeht und währt nur kurze Zeit. Im Himmel sey mein Wandel! 5. Jetzt, da mich dieser Leib beschwert, ist mir noch nicht erschienen, was jene beßre Welt gewährt, wo wir Gott heilig dienen. Dann, wenn mein Auge nicht mehr weint, und Mel. Nun freut euch, lieben 2c. 239. Ich weiß, an wen mein Erlösungstag erscheint, dann werd ichs froh empfinden. mein Glaub sich hält; fein Feind soll mir ihn rauben. Als Bürger einer bessern Welt leb ich hier nur im Glauben. Dort schau ich, was ich hier geglaubt. Wer ist, der mir mein Erbtheil raubt? Es ruht in Jesu Händen. 6. Zu diesem Glück bin ich erkauft, o Herr, durch deine Leiden; auf deinen Tod bin ich getauft; wer will mich von dir scheiden? Du zeichnest mich in deine Hand; Herr, du bist mir, ich dir bekannt: mein find des Himmels Freuden. 2. Mein Leben ist ein fur zer Streit; lang ist der Tag des Sieges. Ich kämpfe für die Ewigkeit, erwünschter Lohn des Krieges! Der du für mich den Tod geschmeckt, durch dei nen Schild werd ich bedeckt; was kann mir denn nun schaden? 3. O Herr, du bist mein 7. Wie groß ist meine Herrlichkeit, empfinde fie, o Seele! Vom Land der Erde unentweiht, erhebe Gott, o Seele! Der Erde glänzend Nichts vergeht; nur des Gerechten Ruhm besteht durch alle Ewigkeiten. Christoph Christian Sturm, geb. 1740, † 1786. 156 Wesen und Eigenschaften Gottes. Gott der Vater. Wesen und Eigenschaften. Mel. Nun lob, mein Seel 2c. erheben und preisen weit und 240. Man lobt dich in Leben und dort in Ewigkeit. breit dich, Herr, mein Gott, im der Stille, du hocherhabner Zions- Gott! Des Rühmens ist die Fülle vor dir, o Herr Gott Joh. Rift, geb. 1607, † 1667. Mel. Wunderbarer König 2c. Zebaoth! Du bist doch Herr auf Erden, der Frommen zu versicht; in Trübsal und Beschwerden läßt du die Deinen nicht. Drum soll dich stündlich ehren mein Mund vor Je241. Unumschränkte Liebe, gönne blöden Augen, die sonst kaum auf Erden taugen, daß sie in die Strahlen deiner Langmuth blicken, die den Erdkreis wärmend schmücken, und zu gleich freudenreich Bösen und den Deinen mit der Sonne scheinen. 2. Wasser, Luft und Erde, ja dein ganz Gebiete ist ein Schauplaß deiner Güte; deiner Langmuth Ehre wird durch neue Proben immer herrlicher erhoben. O wie weit, o wie breit über Berg und Hügel streckt sie ihre Flügel! dermann und deinen Ruhm vermehren, so lang er fallen fann. 2. Dein müssen, Herr, sich freuen die Gläubigen von ganzer Seel und unaufhörlich schreien: Gelobt sey der Gott Ifrael! Sein Name sey gepriesen, der große Wunder thut, und der auch mir erwiesen das, was mir nüß und gut. Nun das ist meine Freude, daß ich an ihm stets fleb und niemals von ihm scheide, so lang ich leb und schweb. 3. Herr, du hast deinen Namen sehr herrlich in der Welt gemacht; denn als die Schwachen kamen, hast du gar bald an sie gedacht. Du bast mir Gnad erzeiget; nun wie vergelt ichs dir? Ach, bleibe mir geneiget, so will ich für und für den Kelch des Heils 3. Was wir davon denken, was wir sagen können, ist ein Schatten nur zu nennen. Tag für Tag zu leiden, Tag für Tag zu dulden so viel Millionen Schulden, und dazu ohne Ruh lieben für das Hassen: Herr, wer kann das fassen? 4. Du vergibest Sünde, hörst der Sünder Flehen, wenn sie weinend vor dir stehen; deine Rechte dräuet und er Wesen und Eigenschaften Gottes. barmt sich wieder, legt die Pfeile gerne nieder. Tiefen Schmerz fühlt dein Herz, wenn durch ernste Strafen du mußt Beßrung schaffen. 5. Herr, es hat noch keiner, der zu dir gegangen, statt der Gnade Recht empfangen. Wer zu deinen Füßen sich mit Thränen senket, dem wird Straf und Schuld geschenfet. Unser Schmerz rührt dein Herz, und du willst der Armen gnädig dich erbarmen. 6. König, sey gepriesen, daß du so verschonest und uns nicht nach Werken lohnest; deiner Hand sey Ehre, die so wohl regieret und mit Ruhm den Scepter führet. Fahre fort, 3ions Hort, Langmuth auszuüben und die Welt zu lieben. Joh. Jak. Rambach, geb. 1693,+ 1735. Mel. Wunderbarer König c. 242, Gott ist gegenwärtig; lasset uns anbeten und in Ehrfurcht vor ihn treten. Gott ist in der Mitten! alles in uns schweige und sich innigst vor ihm beuge. Wer ihn fennt, wer ihn nennt, schlagt die Augen nieder, kommt, ergebt euch wieder. 2. Gott ist gegenwärtig, dem die Cherubinen Tag und Nacht gebucket dienen. Heilig, Heilig! fingen alle Engelchören, wann sie dieses Wesen ehren. Herr, vernimm unfre Stimm, 157 da auch wir Geringen unsre Opfer bringen. Eitelkeiten, aller Erdenlust und 3. Wir entsagen willig allen Freuden; da liegt unser Wille, Seele, Leib und Leben dir zum Eigenthum ergeben. Du allein sollst es seyn, unser Gott und Herre; dir gebührt die Ehre. ich recht dich preisen und im 4. Majestätisch Wesen, möcht Geist dir Dienst erweiſen! Möcht ich, wie die Engel, immer vor dir stehen und dich gegenwärtig sehen! Laß mich dir für und für trachten zu gefallen, liebster Gott, in allen. drin wir immer schweben, aller 5. Luft, die alles füllet, Dinge Grund und Leben! Meer ohn Grund und Ende, Wunder aller Wunder! Ich senk mich in dich hinunter; ich in dir, du in mir, laß mich ganz verschwinden, dich nur sehn und finden. laß dein schönstes Lichte, Herr, 6. Du durchdringest alles, berühren mein Gesichte. Wie die zarten Blumen willig sich entfalten und der Sonne stille halten, laß mich so still und froh deine Strahlen fassen und dich wirken lassen. nig abgeschieden, sanfte und 7. Mache mich einfältig, inim stillen Frieden; mach mich reines Herzens, daß ich deine Klarheit schauen mag in Geist und Wahrheit; laß mein Herz 158 Wesen und Eigenschaften Gottes. überwärts, wie ein Adler, schweben und in dir nur leben. 8. Herr, komm in mir wohnen, laß mein Geist auf Erden dir ein Heiligthum noch werden; komm, du nahes Wesen, dich in mir verkläre, daß ich dich stets lieb und ehre. Wo ich geh, siz und steh, laß mich dich erblicken und vor dir mich bücken. Gerb. Tersteegen, geb. 1697,+ 1769. 4. D so laß uns nicht verscherzen, was du uns noch zugedacht. Schaff in uns stets reine Herzen, tödt in uns der Sünden Macht! Denn was sind wir, Gott, vor dir? Du bist heilig, aber wir sind verderbt; und wer kann zählen, großer Gott, wie oft wir fehlen? 5. Uns von Sünden zu erlösen, gabst du deinen Sohn dahin; o so reinige vom Bösen Gib uns, wie du selbst verdurch ihn unsern ganzen Sinn! heißt, gib uns deinen guten Geist, daß er unsern Geist regiere und zu allem Guten führe. 6. Keiner fündlichen Begierde bleibe unser Herz geweiht; unsers Wandels größte Zierde sey rechtschaffne Heiligkeit. Mach uns deinem Bilde gleich; denn zu deinem Himmelreich wirst du, Herr, nur die erheben, die im Glauben heilig leben. Mel. Freu dich sehr, o meine 2c. 243. Gott, vor dessen Angesichte nur ein reiner Wandel gilt; ewges Licht, aus dessen Lichte stets die reinste Klarheit quillt, deines Namens Heiligkeit werde stets von uns gescheut; laß sie uns doch kräftig dringen, nach der Heiligung zu ringen. 2. Heilig ist dein ganzes Wefen, und kein Böses ist an dir; ewig bist du so gewesen, und so bleibst du für und für; was dein Wille wählt und thut, ist unsträflich, recht und gut, und Mel. O daß ich tausend 2c. mit deines Armes Stärke wirfst 244. Geht hin, ihr gläudu stets vollkommne Werke. bigen Gedanken, ins weite Feld der Ewigkeit; erhebt euch übe alle Schranken der alten und der neuen Zeit; erwägt, daß Gott die Liebe sey, die ewig alt und ewig neu. 3. Herr, du willst, daß deine Kinder ähnlich deinem Bilde seyn. Nie besteht vor dir der Sünder, denn du bist vollkommen rein; du bist nur der Frommen Freund, Ulebelthätern bist du feind; wer beharrt in seinen Sünden, kann vor dir nicht Gnade finden. 3. C. Zimmermann, geb. 1702,+1783. 2. Der Grund der Welt war nicht geleget, der Himmel war noch nicht gemacht, so hat Gott schon den Trieb geheget, der Wesen und Eigenschaften Gottes. mir das Beste zugedacht; da ich noch nicht geschaffen war, da reicht er mir schon Gnade dar. 3. Sein Rathschluß war, ich follte leben durch seinen eingebornen Sohn; den wollt er mir zum Mittler geben, den macht er mir zum Gnadenthron, in dessen Blute sollt ich rein, geheiliget und selig seyn. 4. O Wunderliebe, die mich wählte vor allem Anbeginn der Welt und mich zu ihren Kindern zählte, für welche sie das Reich bestellt! O Vaterhand, o Gnadentrieb, der mich ins Buch des Lebens schrieb! 5. Wie wohl ist mir, wenn mein Gemüthe empor zu diefer Quelle steigt, von welcher sich ein Strom der Güte zu mir durch alle Zeiten neigt, daß jeder Tag sein Zeugniß gibt: Gott hat mich je und je geliebt! 6. Wer bin ich unter Millionen der Creaturen seiner Macht, die in der Höh und Tiefe wohnen, daß er mich bis hieher gebracht! Ich bin ja nur ein dürres Blatt, ein Staub, der feine Stätte hat. 7. Ja freilich bin ich zu geringe der herzlichen Barmherzigkeit, womit, o Schöpfer aller Dinge, mich deine Liebe stets erfreut; ich bin, o Vater, selbst nicht mein; dein bin ich, Herr, und bleibe dein. 8. Im sichern Schatten deiner Flügel find ich die unge159 störte Ruh. Der feste Grund hat dieses Siegel: Wer dein ist, Herr, den kennest du! Laß Erd und Himmel untergehn, dieß Wort der Wahrheit bleibet stehn. 9. Wenn in dem Kampfe und Kraft gebricht, so salbest schwererleiden der Seele Muth so tröstet mich dein Angesicht; du mein Haupt mit Freuden, da spür ich deines Geistes Kraft, die in der Schwachheit alles schafft. 10. Die Hoffnung schauet in die Ferne durch alle Schatten dieser Zeit. Der Glaube schwingt sich durch die Sterne und steht ins Reich der Ewigkeit; da zeigt mir deine milde Hand mein Erbtheil und gelobtes Land. 11. Ach, könnt ich dich nur besser ehren, welch edles Loblied stimmt ich an! Es follten Erd und Himmel hören, was du, mein Gott, an mir gethan; nichts ist so köstlich, nichts so schön, als, höchster Vater, dich erhöhn. 12. Doch nur Geduld, es kommt die Stunde, da mein durch dich erlöster Geist im höhern Chor mit frohem Munde dich, schönste Liebe, schöner preist; drum eilt mein Herz nach der Ewigkeit. aus dieser Zeit und sehnt sich Joh. Gottfr. Hermann, geb. 1707, † 1791. 160 Wesen und Eigenschaften Gottes. Eigne Melodie. 245. Wie groß ist des Allmächtgen Güte! Ist der ein Mensch, den sie nicht rührt, der mit verhärtetem Gemüthe den Dank erstickt, der ihr gebührt? Nein, seine Liebe zu ermessen, sey ewig meine größte Pflicht. Der Herr hat mein noch nie vergessen; vergiß, mein Herz, auch seiner nicht. 2. Wer hat mich wunderbar bereitet? der Gott, der meiner nicht bedarf. Wer hat mit Langmuth mich geleitet? er, dessen Rath ich oft verwarf. Wer stärkt den Frieden im Gewissen? Wer gibt dem Geiste neue Kraft? Wer läßt mich so viel Glück genießen? Ists nicht sein Arm, der alles schafft? ewiglich: Gott soll ich über alles lieben und meinen Nächsten gleich als mich. ist sein Wille: ich soll vollkom5. Dieß ist mein Dank, dieß men seyn, wie er. Je mehr ich dieß Gebot erfülle, stell ich sein Bildniß in mir her. Lebt seine Lieb in meiner Seele, so treibt sie mich zu jeder Pflicht; und ob ich schon aus Schwachheit fehle, herrscht doch in mir die Sünde nicht. 4. Und diesen Gott sollt ich nicht ehren? und seine Güte nicht verstehn? er sollte rufen, ich nicht hören? den Weg, den er mir zeigt, nicht gehn? Sein Will ist mir ins Herz geschrieben; sein Wort bestärkt ihn 6. D Gott, laß deine Güt und Liebe mir immerdar vor Augen seyn! Sie stärk in mir die guten Triebe, mein ganzes Leben dir zu weihn. Sie tröste mich zur Zeit der Schmerzen, sie leite mich zur Zeit des Glücks, und sie besieg in meinem Herzen die Furcht des legten Augenblicks. 3. Schau, o mein Geist, in jenes Leben, zu welchem du erschaffen bist, wo du, mit Herrlichkeit umgeben, Gott ewig 246. Gott ist mein Lied! Eigne Melodie. sehn wirst, wie er ist. Du hast ein Recht zu diesen Freuden; durch Gottes Güte sind sie dein. Sieh, darum mußte Christus leiden, damit du könntest selig seyn. er ist der Gott der Stärke; groß ist sein Nam und groß sind seine Werke, und alle Himmel sein Gebiet. 2. Er will und sprichts, so sind und leben Welten; und er gebeut, so fallen durch sein Schelten die Himmel wieder in ihr Nichts. Chrifti. Fürchteg. Gellert, geb. 1715, 1769. 3. Licht ist sein Kleid, und seine Wahl das Beste. Er herrscht als Gott, und seines Wesen und Eigenschaften Gottes. Thrones Veste ist Wahrheit und Gerechtigkeit. 4. Unendlich reich, ein Meer von Seligkeiten, ohn Anfang Gott und Gott in ewgen Zeiten, Herr aller Welt, wer ist dir gleich? 5. Was ist und war in Himmel, Erd und Meere, das fennet Gott, und seiner Werke Heere sind ewig vor ihm offenbar. 6. Er ist um mich, schafft, daß ich sicher ruhe; er schafft, was ich vor oder nachmals thue, und er erforschet mich und dich. 7. Er ist dir nah, du sigest oder gehest; ob du ans Meer, ob du gen Himmel flöhest, so ist er allenthalben da. 8. Er fennt mein Flehn und allen Rath der Seele. Er weiß, wie oft ich Gutes thu und fehle, und eilt, mir gnädig beizustehn. 9. Er wog mir dar, was er mir geben wollte, schrieb auf sein Buch, wie lang ich leben follte, da ich noch unbereitet war. 10. Nichts, nichts ist mein, das Gott nicht angehöre. Herr, immerdar soll deines Namens Ehre, dein Lob in meinem Munde seyn. 11. Wer kann die Pracht von deinen Wundern fassen? Ein jeder Staub, den du hast werden lassen, verkündigt seines Schöpfers Macht. 12. Der kleinste Halm ist 161 deiner Weisheit Spiegel. Du Luft und Meer, ihr Auen, Thal und Hügel, ihr seyd sein Loblied und sein Pfalm. 13. Du tränfst das Land, führst uns auf grüne Weiden; und Nacht und Tag und Korn und Wein und Freuden empfangen wir aus deiner Hand. 14. Kein Sperling fällt, Herr, ohne deinen Willen; sollt ich mein Herz nicht mit dem Troste stillen, daß deine Hand mein Leben hält? 15. Ist Gott mein Schuß, will Gott mein Netter werden, so frag ich nichts nach Himmel und nach Erden und biete selbst der Hölle Truß. Christian Fürchteg. Gellert, geb. 1715, 1769. Eigne Melodie. 247. Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre; ihr Schall pflanzt seinen Namen fort. Ihn rühmt der Erdkreis, ihn preisen die Meere; vernimm, o Mensch, ihr göttlich Wort! 2. Wer trägt der Himmel unzählbare Sterne? wer führt die Sonn aus ihrem Zelt? Sie kömmt und leuchtet und lacht uns von ferne, und läuft den Weg gleich als ein Held. 3. Vernimms und siehe die Wunder der Werke, die die Natur dir aufgestellt! Verkündigt Weisheit und Ordnung und Stärke dir nicht den Herrn, den Herrn der Welt? 11 162 Wesen und Eigenschaften Gottes. 4. Kannst du der Wesen unzählbare Heere, den kleinsten Staub fühllos beschaun? Durch wen ist alles? O gib ihm die Ehre! Mir, ruft der Herr, sollst du vertraun. 5. Mein ist die Kraft, mein Himmel und Erde; an meinen Werken kennst du mich. Ich bins und werde seyn, der ich seyn werde, dein Gott und Vater ewiglich. 6. Ich bin dein Schöpfer, bin Weisheit und Güte, ein Gott der Ordnung und dein Heil. Ich bins; mich liebe von ganzem Gemüthe und nimm an meiner Gnade Theil. Chriſtian Fürchteg. Gellert, geb. 1715, 1769. und feiner mehr! Frohlockt ihm, alle Frommen! Wer ist ihm gleich? wer ist, wie er, so herrlich, so vollkommen? Der Herr ist groß, sein Nam ist groß! Er ist unendlich, grenzenlos in seinem ganzen Wesen. uns verhüllet; ihn faffen alle Himmel nicht, die seine Größ erfüllet. Er bleibet ewig, wie er war, verborgen und doch offenbar in seiner Werke Wundern. 2. Er ist und bleibet, wie er ist. Wer strebet nicht vergebens, ihn auszusprechen? wer ermißt die Dauer seines Lebens? Wir Menschen sind von gestern her; eh noch die Erde ward, war er, war, eh die Himmel waren. 3. Des Ewgen Thron umgibt ein Licht, das ihn vor 4. Wo wären wir, wenn seine Kraft uns nicht gebildet hätte? Er kennt uns, fennet, was er schafft, der Wesen ganze Kette. Bei ihm ist Weisheit und Verstand, und er umspannt mit seiner Hand die Erde sammt dem Himmel. Mel. Es ist das Heil 2c. 248. Der Herr ist Gott es schon von ferne. nicht fern? weiß er nicht Aller 5. Ist er nicht nah? ist er Wege? Wo ist die Nacht, da sich dem Herrn ein Mensch verbergen möge? Umsonst hüllt ihr in Finsterniß, was ihr beginnt; er siehts gewiß, er steht 6. Wer schützt den Weltbau ohne dich, o Herr, vor seinem Falle? Allgegenwärtig breitet sich dein Fittig über Alle; du bist voll Freundlichkeit, voll Huld, barmherzig, gnädig, voll Geduld, ein Vater, ein Verschoner. 7. Untadelhaft bist du und gut und reiner als die Sonne. Wohl dem, der deinen Willen thut, denn du vergiltst mit Wonne; du hast Unsterblichkeit allein, bist selig, wirst es ewig seyn, hast Freuden, Gott, die Fülle. 8. Dir nur gebühret Lob Schöpfung und Erhaltung. 163 und Dank, Anbetung, Preis und feiner mehr; wer ist ihm und Ehre; kommt, werdet Gottes Lobgesang, ihr alle seine Heere. Der Herr ist Gott Schöpfung und Erhaltung. Mel. Dank sey Gott in der Höhe 2c. 249. Du, meine Seele, ewig unbetrübt. finge, wohlauf und singe schön dem, welchem alle Dinge zu Dienst und Willen stehn. Ich will den Herren droben hier preisen auf der Erd; ich will ihn herzlich loben, so lang ich leben werd. 2. Ihr Menschen, laßt euch lehren, es wird euch nüßlich seyn; laßt euch doch nicht bethören die Welt mit ihrem Schein. Verlasse sich ja keiner auf Fürsten Macht und Gunst, weil sie, wie unser einer, nichts find als nur ein Dunst. gleich? wer ist, wie er, so herrlich, so vollkommen? Joh. Andr. Cramer, geb. 1723, † 1788. 3. Was Mensch ist, muß erblassen und sinken in den Tod; er muß den Geist auslassen, ſelbst werden Erd und Koth. Allda ists denn geschehen mit seinem klugen Rath, und ist frei klar zu sehen, wie schwach sey Menschenthat. 4. Wohl dem, der einzig schauet nach Jakobs Gott und Heil! Wer dem sich anvertrauet, der hat das beste Theil, das höchste Gut erlesen, den schönsten Schatz geliebt; sein Herz und ganzes Wesen bleibt 5. Hier sind die starken Kräfte, die unerschöpfte Macht; das weisen die Geschäfte, die seine Hand gemacht, der Himmel und die Erde mit ihrem ganzen Heer, der Fisch' unzählge Heerde im großen, wilden Meer. Sinnen, die Niemand Unrecht 6. Hier sind die treuen thun, all denen Gutes gönnen, die in der Treu beruhn. Gott hält sein Wort mit Freuden, und was er spricht, geschicht, und wer Gewalt muß leiden, den schützt er im Gericht. 7. Er weiß viel tausend Weisen, zu retten aus dem Tod; er nährt und gibet Speisen zur Zeit der Hungersnoth; macht schöne, rothe Wangen oft bei geringem Mahl, und die da sind gefangen, die reißt er aus der Qual. 8. Er ist das Licht der Blinden, erleuchtet ihr Gesicht, und die sich schwach befinden, die stellt er aufgericht; er liebet alle Frommen, und die ihm 11* 164 Schöpfung und Erhaltung. günstig seind, die finden, wann fie kommen, an ihm den besten Freund. 9. Er ist der Fremden Hütte; die Waisen nimmt er an, erfüllt der Wittwen Bitte, wird selbst ihr Trost und Mann. Die aber, die ihn hassen, bezahlet er mit Grimm; ihr Haus, und wo ste saßen, stürzt er mit Ungestüm. 10. Ach, ich bin viel zu wenig, zu rühmen seinen Ruhm. Der Herr ist ewger König, ich eine welke Blum. Jedoch weil ich gehöre gen Zion in sein Zelt, ists billig, daß ich ehre sein Lob vor aller Welt. Paul Gerhardt, geb. 1606, † 1676. Eigne Melodie. 250. Wunderbarer König, Herrscher von uns allen, laß dir unser Lob gefallen. Deine Vaters- Güte hast du laffen triefen, ob wir schon von dir wegliefen. Hilf uns noch, stärk uns doch, laß die Zungen fingen, laß die Stimm erklingen. 2. Himmel, lobe prächtig deines Schöpfers Thaten, mehr als aller Menschen Staaten. Großes Licht der Sonnen, schieße deine Strahlen, die das große Rund bemalen; lobet gern, Mond und Stern, seyd bereit, zu ehren einen solchen Herren. 3. O du, meine Seele, singe fröhlich, singe, singe deineGlaubenslieder! Was den Odem holet, jauchze, preise, klinge; wirf dich in den Staub darnieder. Er ist Gott Zebaoth; er nur ist zu loben hier und ewig droben. 4. Halleluja bringe, wer den Herren kennet, wer den Herren Jesum liebet; Halleluja singe, welcher Christum nennet, sich von Herzen ihm ergibet. Owohl dir, glaube mir, endlich wirst du droben ohne Sünd ihn loben. Joachim Neander, geb. 1640, † 1680. Mel. Herr, wie du willst 2c. 251. Herr Gott, du biſt von Ewigkeit und bleibest sonder Ende; die Welt so groß, das Meer so breit sind Werke deiner Hände; des Himmels Bau, der Erden Last, und was du, Herr, geschaffen hast, zeugt uns von deinem Wesen. 2. Du bist voll Glanz und Majestät, voll Herrlichkeit und Stärke, und wer dein Wesen nicht versteht, dem zeigen deine Werke, daß du ein Herr der Herren bist, und deine Macht unendlich ist im Himmel und auf Erden. 3. Ich ehre dich in solcher Pracht im Herzen und mit Worten; mein Geist erwäget Tag und Nacht dein Heil an allen Orten; mein Mund bekennet Jedem frei, daß sonst kein Schöpfung und Erhaltung. Gott und Herrscher sey, als du, den wir verebren. 4. Ach, aber wie entseßlich blind sind Menschen, die doch sehen! Ja, Menschen, die vernünftig sind, verläugnen dich und schmähen: Wo ist der Herr? es ist kein Gott! Vermeßnes Wort, verruchter Spott, der aus der Hölle stammet. 5. Zeigt euch denn nicht der Sinnen Licht, was euer Wahn bestreitet? Wer hat das Erdreich zugericht, den Himmel ausgebreitet? Wer hat der Sterne großes Heer, das tief und reich belebte Meer so wunderbar geschaffen? 6. Es muß ein großer Meister seyn, ein Wesen, dem nichts gleichet, das diesem allen Glanz und Schein, Kraft und Bewegung reichet. Gewiß, wer dieſes überlegt, dem wird sein steinern Herz bewegt, den wahren Gott zu glauben. 7. Ach, Gott, erwecke doch die Welt, die ganz im Argen lieget, dich und dein Wort verächtlich hält und Sünd zur Sünde füget; du schlägest sie, fie fühlens nicht; ach, wenn sie Doch dein Strafgericht noch zur Erkenntniß brächte. 8. Ich glaube, Herr, du bist mein Gott, und will es Alle lehren, sollt auch der fremden Kinder Spott sich noch darüber mehren; ich weiß gewiß, ich traue dir, du wirst noch ihnen 165 und auch mir, daß du regiereſt, zeigen. Martin Günther, geb. 1720. Mel. Machs mit mir, Gott c. 252. Herr, deine Allmacht reicht so weit, als selbst dein Wesen reichet. Nichts ist, das deiner Herrlichkeit und deinen Thaten gleichet. Es ist kein dir zu thun unmöglich wär. Ding so groß und schwer, das 2. Du hast dieß große Weltgebäu allmächtig aufgeführet; frei, daß sie dein Arm regieret. es zeugen Erd und Himmel Dein Wort, das sie geschaffen hat, ist ihnen an der Pfeiler Statt. 3. Die Menge deiner Wunder zeigt, daß, Schöpfer, dein Vermögen weit über die Geseze steigt, so die Natur bewegen. Du hast gemacht der Ordnung Band und hebst es auf durch deine Hand. 4. Die Größe deiner Wundermacht, die Christum auferwecket, der todt war in das Grab gebracht, wird kund und aufgedecket, wenn unsres blöden Glaubens Licht durch alle Nacht der Zweifel bricht. 5. O welche Wunder deiner Macht wird unser Aug einst sehen, wenn nach der langen Todesnacht die Leiber auferstehen, wenn du des Leibes armen Rest mit Herrlichkeit umfleiden läßt! 166 Schöpfung und Erhaltung. 6. O Allmacht, mein erstaunter Geist wirft sich vor dir zu Boden; Herr, der mit Recht ein König heißt von Lebenden und Todten, mach mich zum Zeugen deiner Kraft, die aus dem Tode Leben schafft. 7. Ach, zünd in mir den Glauben an, der einzig an dir hange, daß mein Herz muthig werden kann, indem ich dich umfange, und traue deiner Gotteskraft, die alles kann, die alles schafft. NachJoh.Jak.Rambach.( 3) Mel. Lasset uns den Herren 2c. 253. Gott, durch dessen Wort entsproffen Himmel, Erde ſammt dem Meer, dessen Allmacht ausgeflossen in der Creaturen Heer, Engel machst du gleich den Winden und zu Flammen deine Knecht, daß dir dienet ihr Geschlecht, die zu deinem Preis sich finden: Gott, dich lob ich in der Zeit und dort in der Ewigkeit. 2. Herrlich ist dein schönes Wesen; Licht und Sonne ist dein Kleid, der du vor der Welt gewesen unverändert ohne Zeit; der den Himmel du gezieret mit den Sternen ohne Zahl, sie mit Schönheit allzumal majestätisch aufgeführet: Gott, dich lob ich in der Zeit und dort in der Ewigkeit. 3. Welche Zunge kann erreichen deine Weisheit, deine Macht? Herr, wer ist dir zu vergleichen, wer hat solches je erdacht? Um von dir gespeiſt zu werden, reget sich das ganze Feld; deiner Güt ist voll die Welt; alles rühmet hoch auf Erden: Gott, dich lob ich in der Zeit und dort in der Ewigkeit. 4. Herr, dir wollen wir lobsingen, ewig rühmen, preisen dich, Jauchzen soll dir, Vater, klingen, der uns führt so gnädiglich, bis du uns wirst Wohnung geben in der schönen Himmelsstadt, die kein Aug erMund erheben deinen Ruhm schauet hat; da soll Herz und nach dieser Zeit in der süßen Ewigkeit. Mel. Es ist das Heil ic. 254. Wenn ich, o Schöpfer, deine Macht, die Weisheit Alle wacht, anbetend überlege, deiner Wege, die Liebe, die für so weiß ich, von Bewundrung voll, nicht, wie ich dich erheben soll, mein Gott, mein Herr und Vater! 2. Mein Auge steht, wohin es blickt, die Wunder deiner Werke. Der Himmel, prächtig ausgeschmückt, preist dich, du Gott der Stärke. Wer hat die Sonn an ihm erhöht? wer fleidet sie mit Majestät? wer ruft dem Heer der Sterne? 3. Wermißt dem Winde seinen Lauf? wer heißt die Him Schöpfung und Erhaltung. 167 mel regnen? wer schließt den du wundergroßer Meister der Schoß der Erden auf, mit reinen Himmelsgeister, mein Vorrath uns zu segnen? O Mund soll deinen Ruhm erGott der Macht und Herrlich- höhn. feit, Gott, deine Güte reicht so weit, so weit die Wolken reichen. 4. Dich predigt Sonnenschein und Sturm; dich preist der Sand am Meere. Bringt, ruft auch der geringste Wurm, bringt meinem Schöpfer Ehre! Mich, ruft der Baum in seiner Pracht, mich, ruft die Saat, hat Gott gemacht, bringt unserm Schöpfer Ehre! 5. Der Mensch, ein Leib, den deine Hand so wunderbar bereitet, der Mensch, ein Geist, den sein Verstand dich zu erkennen leitet, der Mensch, der Schöpfung Ruhm und Preis, ist sich ein täglicher Beweis von deiner Güt und Größe. 6. Erheb ihn ewig, o mein Geist, erhebe seinen Namen! Gott unser Vater sey gepreist, und alle Welt fag: Amen! und alle Welt fürcht ihren Herrn, und hoff auf ihn und dien ihm gern! Wer wollte Gott nicht dienen? Christian Fürchteg. Gellert, geb. 1715,+ 1769. Von den Engeln. Mel. O Welt, ich muß dich lassen 2c. 255. Du Herr der Seraphinen, dem tausend Engel dienen und zu Gebote stehn, 2. Die Fürsten und die Thronen, die in dem Himmel wohnen, gibst du zu meiner Wacht; sie sehn dein Angesichte im höchst vollkommnen Lichte, doch nehmen sie auch mich in Acht. dankbarem Gemüthe für dieſe 3. Ich preise deine Güte mit Wunderschaar; ich rühme deine Rechte für diese deine Knechte, fahr. die mich beschirmen vor Ge4. Laß ferner mich behüten vor aller Feinde Wüthen durch diese Himmelswach; laß sie auf unterlegen, so bleib ich frei von meinen Wegen die Hand mir Ungemach. 5. Doch sollen sie nicht weichen, so laß mich ihnen gleichen in wahrer Heiligkeit; wie fie die Kinder lieben und sich in Demuth üben, so mach auch mich dazu bereit. 6. Sie thun ja deinen Willen, den laß mich auch erfüllen; sie leben keusch und rein: o laß mich nichts beflecken, und mich an allen Ecken vor diesen reinen Geistern scheun. 7. Und endlich, wenn ich scheide, so führe mich zur Freude auf ihren Armen ein; da werd ich dich erst loben und in dem 168 Vorsehung und Regierung. Himmel droben dir und den Engeln ähnlich seyn. Nach Benjamin Schmold, † 1737. Mel. Fren dich sehr, o meine ic. 256. Schußgott, desſen starke Rechte Zuflucht, Schirm und Schatten gibt, der das menschliche Geschlechte wie ein treuer Vater liebt, der in dieser großen Welt alles, was er schuf, erhält, der als Herr der Engelschaaren alles kann und will bewahren. 2. Viele heilge Seraphinen fingen dir ein Heilig für; zehnmal hunderttausend dienen, viele tausend jauchzen dir. Was befannt und unbekannt, ist ein Werk von deiner Hand. Die Herrschaften und die Thronen loben Gott in lichten Kronen. 3. Herr, was sind wir, daß du Engel uns zu unsern Wächtern gibst? Menschen sind wir voller Mängel, Menschen, die du dennoch liebst. Engel, die dich allzeit sehn, sollen uns zu Mel. O Welt, ich muß dich lassen 2c. 257, In allen meinen Diensten stehn; Engel hüten uns als Kinder, heilge Engel schützen Sünder. 4. Engel sinds, die nach den Proben nun beständig Gutes thun, die dich unaufhörlich loben, die in deinem Himmel ruhn, die gehorsam, keusch und rein, die der Menschen Freunde seyn, die ihr Antlig ohne Flecken doch vor dir in Demuth decken. • Thaten laß ich den Höchsten rathen, der alles kann und hat; er muß zu allen Dingen, solls anders wohl gelingen, selbst geben Segen, Rath und That. chen, die dich fürchten, großer 5. Heere, welche die bewaGott, die ein schrecklich Lager machen gegen aller Feinde Rott; ter, stets dein Angesicht; Diediese sehn in deinem Licht, Vain Ehrfurcht dienen müssen. ner, die zu deinen Füßen dir Vorsehung und der Helden, ach, was sind wir 6. Gott der Engel, Herr Menschen doch, daß wir so viel du uns so hoch! Deine Engel vor dir gelten? O wie hältst dienen uns, sind die Zeugen unsres Thuns. Laß uns auch mit diesen Chören ewig dich im Himmel ehren. Ph. Fr. Hiller, geb. 1699, † 1769. Regierung. 2. Nichts ist es spät und frühe um alle meine Mühe; mein Sorgen ist umsonst. Er mags mit meinen Sachen nach seinem Willen machen; ich stells in seine Vatergunst. 3. Es fann mir nichts ge Vorsehung und Regierung. schehen, als was er hat ver= sehen, und was mir selig ist; ich nehm es, wie ers gibet; was ihm von mir geliebet, dasselbe hab ich auch erfiest. 4. Ich traue seiner Gnaden, die mich vor allem Schaden, vor allem Uebel schüßt; leb ich nach seinen Säzen, so wird mich nichts verlegen, nichts fehlen, was mir ewig nüßt. 5. Er wolle meiner Sünden in Gnaden mich entbinden, durchstreichen meine Schuld; er wird auf mein Verbrechen nicht stracks das Urtheil sprechen und mit mir haben noch Geduld. 6. Leg ich mich späte nieder, erwach ich frühe wieder, kieg oder zieh ich fort, in Schwachheit und in Banden, und was mir stößt zu Handen, so tröstet mich allzeit sein Wort. 7. Hat er es denn beschlossen, so will ich unverdrossen an mein Verhängniß gehn; kein Unfall unter allen wird je zu hart mir fallen; mit Gott will ich ihn überstehn. 8. Ihm hab ich mich ergeben, zu sterben und zu leben, ſobald er mir gebeut; es sey heut oder morgen, dafür laß ich ihn sorgen; er weiß allein die rechte Zeit. 9. So sey nun, Seele, deine, und traue dem alleine, der dich geschaffen hat; es gehe, wie es gehe; dein Vater in der Höhe, der weiß zu allen Sachen Rach. 169 Auf der Reise. 10. Ich zieh in ferne Lande, zu nüßzen einem Stande, zu dem er mich bestellt; sein Segen wird mich lassen, was gut und recht ist, fassen, zu dienen treulich seiner Welt. 11. Bin ich in wilder Wüz sten, so bin ich doch bei Christen, und Christus ist bei mir; der Helfer in Gefahren, der kann mich doch bewahren, wie dorten, ebenso auch hier. 12. Er wird zu diesen Reisen gewünschten Fortgang weisen, wohl helfen hin und her, Gesundheit, Heil und Leben, Zeit, Wind und Wetter geben und alles, was ich noch begehr. 13. Sein Engel, der getreue, macht meine Feinde scheue, tritt zwischen mich und sie; durch seinen Schuß den frommen sind wir so weit nun kommen, und wissen selber fast nicht wie. 14. Gefällt es seiner Güte, und sagt mir mein Gemüthe nicht was Vergeblichs zu, so werd ich Gott noch preisen mit manchen schönen Weisen daheim in meiner stillen Ruh. 15. Indeß wird er den Meiihr Schuß wie meiner seyn, nen mit Segen auch erscheinen, wird beiderseits gewähren, was unser Wunsch und Zähren ihn bitten können überein. Paul Flemming, geb. 1609, † 1640. Vorsehung und Regierung. 70 Mel. Nun laßt uns Gott, dem Herren 2c. 258. Der Herr, der aller Enden regiert mit seinen Hän den, der Brunn der ewgen Güter, der ist mein Hirt und Hüter. 2. So lang ich diesen habe, fehlt mirs an feiner Gabe; der Reichthum seiner Fülle gibt mir die Füll und Hülle. 3. Er läffet mich mit Freuden auf grüner Auen weiden, führt mich zum frischen Quellen, schafft Rath in schweren Fällen. 4. Wenn meine Seele zaget und sich mit Sorgen plaget, weiß er sie zu erquicken, aus aller Noth zu rücken. 5. Er lehrt mich thun und lassen, führt mich auf rechter Straßen, läßt Furcht und Angst sich stillen um seines Namens willen. 6. Und ob ich gleich vor Andern in finsterm Chal muß wandern, fürcht ich doch keine Tücke, bin frei vom Ungelücke. 7. Denn du stehst mir zur Seiten, schüßst mich vor bösen Leuten; dein Stab, Herr, und dein Stecken benimmt mir all mein Schrecken. 8. Du setzest mich zu Tische, machst, daß ich mich erfrische, wenn mir mein Feind viel Schmerzen erweckt in meinem Herzen. 9. Du salbst mein Haupt mit Dele und füllest meine Seele, die leer und durstig saße, mit vollgeschenktem Maße. 10. Barmherzigkeit und Gutes wird mein Herz gutes Muthes, voll Lust, voll Freud und Lachen, so lang ich lebe, machen. 11. Ich will dein Diener bleiben und dein Lob herrlich treiben im Hause, da du wohnest und Frommseyn wohl belohnest. Erden und dort, wo wir dich 12. Ich will dich hier auf werden selbst schaun im Himmel droben, hoch rühmen, sing'n und loben. Paul Gerhardt, geb. 1606,+ 1676. Mel. Als Jesus an dem Kreuze ic. 259. Ich weiß, mein Gott, daß all mein Thun und Werk auf deinem Willen ruhn, von dir kommt Glück und Segen: steht auf rechten, guten Wegen. was du regierst, das geht und 2. Es steht in feines Men schen Macht, daß sein Rath werd ins Werk gebracht und seines Gangs sich freue; des Höchsten Rath der machts allein, daß Menschenrath gedeihe. 3. Oft denft der Mensch in seinem Muth, dieß oder jenes sey ihm gut, und ist doch weit gefehlet; oft sieht er auch für schädlich an, was doch Gott selbst erwählet. 4. Drum, lieber Vater, der du Kron und Scepter trägst im Himmelsthron und aus den Vorsehung und Regierung. Wolken blißest, vernimm mein Wort und höre mich vom Stuhle, da du sigest. 5. Verleihe mir das edle Licht, das sich von deinem Angesicht in fromme Seelen strecket und da der rechten Weisheit Kraft durch deine Kraft erwecket. 6. Gib mir Verstand aus deiner Höh, auf daß ich ja nicht ruh und steh auf meinem eignen Willen; sey du mein Freund und treuer Rath, was gut ist, zu erfüllen. 7. Prüf alles wohl und was mir gut, das gib mir ein; was Fleisch und Blut erwählet, das verwehre. Der höchste Zweck, das beste Theil sey deine Lieb und Ehre. 8. Ists Werk von dir, so hilf zu Glück; ists Menschenthun, so treibs zurück und ändre meine Sinnen; was du nicht wirkst, pflegt von ihm selbst in Kurzem zu zerrinnen. 9. Tritt du zu mir und mache leicht, was mir sonst fast unmöglich deucht, und bring zum guten Ende, was du selbst angefangen hast, durch Weisheit deiner Hände. 10. Ist gleich der Anfang etwas schwer, und muß ich auch ins tiefe Meer der bittern Sorgen treten, so treib mich nur, ohn Unterlaß zu seufzen und zu beten. 11. Wer fleißig betet und 171 dir traut, wird alles, da ihm sonst vor graut, mit tapfrem Muth bezwingen; sein Sorgenstein wird in der Eil in tausend Stücke springen. 12. Der Weg zum Guten ist fast wild, mit Dorn und Hecken ausgefüllt; doch wer ihn freudig gehet, fommt endlich, Herr, durch deinen Geist, wo Freud und Wonne stehet. 13. Du bist mein Vater, ich dein Kind; was ich bei mir nicht hab und sind, hast du zu aller Gnüge; so hilf nun, daß ich meinen Stand wohl halt und herrlich siege. 14. Dein soll seyn aller Ruhm und Ehr; ich will dein Thun je mehr und mehr aus hocherfreuter Seelen vor deinem Volk und aller Welt, so lang ich leb, erzählen. Paul Gerhardt, geb. 1606, † 1676. Eigne Melodie. 260. Alles ist an Gottes Segen und an seiner Gnad gelegen über alles Geld und Gut; wer auf Gott sein Hoffnung seget, der behält ganz unverleget einen freien Heldenmuth. 2. Der mich hat bisher ernähret und so manches Glück bescheret, ist und bleibet ewig mein; der mich wunderlich geführet und noch leitet und regieret, wird forthin mein Helfer seyn. 3. Viel bemühen sich um 172 Vorsehung und Regierung. Sachen, die nur Sorg und Unruh machen und ganz unbeständig sind; ich begehr nach dem zu ringen, was der Seele Ruh fann bringen, und man jetzt gar selten findt. 4. Hoffnung kann das Herz erquicken; was ich wünsche, wird sich schicken, so es anders Gott gefällt; meine Seele, Leib und Leben hab ich seiner Gnad ergeben und ihm alles heimgestellt. 5. Er weiß schon nach seinem Willen mein Verlangen zu erfüllen; es hat alles seine Zeit. Ich hab ihm nichts vorzuschreiben; wie Gott will, so muß es bleiben; wann Gott will, bin ich bereit. 6. Soll ich länger allhier leben, will ich ihm nicht widerstreben; ich verlasse mich auf ihn. Ist doch nichts, das lang bestehet; alles Irdische vergehet und fährt wie ein Strom dahin. Um 1676. Mel. Jesu, meine Freude ic. 261. Gott der wirds wohl machen, dem ich alle Sachen allzeit heimgestellt. Er hat mich erkoren, eh ich noch ge boren bin in diese Welt; hat mir auch nach seinem Brauch, was vonnöthen, stets gegeben hier in diesem Leben. 2. Gott der wirds wohl machen, der mir manches Lachen, Freud und Lust geschenkt, der mich nie vergessen, der mit Kleid und Essen täglich mich bedenkt; auch wenn fast die Kreuzeslast oft die Seinen ziemlich drücket, hat er mich erquicket. 3. Gott der wirds wohl machen; er wird selber wachen über deiner Noth. Wenn du willst verzagen unter deinen Plagen, ist der fromme Gott auf dem Plan und nimmt dich an; dann verstäubt die Angst geschwinde, wie der Rauch im Winde. 4. Gott der wirds wohl machen; mächtig in den Schwachen ist er allezeit. Wem hats je gefehlet, der auf ihn geſtellet alles Herzeleid? Drum, mein Herz, vergiß den Schmerz; alles steht in seinen Händen, Gott kann alles wenden. 5. Gott der wirds wohl machen, wenn des Todes Rachen gleich ist aufgethan; wenn die Lebensjahre liegen auf der Bahre, führt er himmelan. Dieser Bund hat seinen Grund: die gelebt und leben werden, kommen in die Erden. die Erden. machen, der den alten Drachen 6. Gott der wirds wohl dämpfet ritterlich; führt er gleich die Seinen über Stock und Steinen vielmals wunderlich: sey bereit zu Freud deine Sachen, Gott der wirds und Leid; Gott befiehl nur wohl machen. Ernst Stockmann, geb. 1634, † 1712, Vorsehung und Regierung. Mel. Jehova ist mein Licht 2c. 262. So führst du doch recht selig, Herr, die Deinen, ja selig und doch meistens wunderlich! Wie könntest du es böse mit uns meinen, da deine Tren nicht kann verläugnen fich? Die Wege sind oft krumm und doch gerad, darauf du läßt die Kinder zu dir gehn; da pflegt es wunderseltsam auszusehn; doch triumphirt zuletzt dein hoher Nath. 2. Dein Geist hängt nie an menschlichen Gesetzen, so die Vernunft und gute Meinung stellt. Den Zweifelsknoten fann dein Schwert verlegen und lösen auf, nachdem es dir gefällt. Du reißest wohl die stärksten Band entzwei, was sich entgegen seßt, muß sinken hin; ein Wort bricht oft den allerhärtsten Sinn; dann geht dein Fuß auch durch Unwege frei. 3. Was unsre Klugheit will zusammenfügen, theilt dein Verstand in Oft und Westen aus; was Mancher unter Joch und Last will biegen, setzt deine Hand frei an der Sterne Haus. Die Welt zerreißt, und du verknüpfst in Kraft; sie bricht, du baust; sie baut, du reißest ein; ihr Glanz muß dir ein dunkler Schatten seyn; dein Geist bei Todten Kraft und Leben schafft. 173 4. Will die Vernunft was fromm und selig preisen, so hast dus schon aus deinem Buch gethan; wem aber Niemand will dieß Zeugniß weiselbst himmelan. Den Tisch der den du in der Still Pharisäer läßt du stehn und speisest mit den Sündern, sprichst sie frei. Wer weiß, was öfters deine Absicht sey? Wer kann der tiefsten Weisheit Abgrund sehn? 5. Was alles ist, gilt nichts in deinen Augen; was nichts ist, hast du, großer Herr, recht lieb. Der Worte Pracht und Ruhm mag dir nicht taugen; du gibst den Nachdruck durch des Geistes Trieb. Die besten Werke bringen dir kein Lob, sie sind versteckt, der Blinde geht vorbei; wer Augen hat, sieht sie, doch nie so frei; die Sachen sind zu klar, der Sinn zu grob. 6. O Herrscher, sey von uns gebenedeiet, der du uns tödtest und lebendig machst! Wenn uns dein Geist der Weisheit Schatz verleihet, so sehn wir erst, wie wohl du für uns wachst. Die Weisheit spielt bei uns, wir spielen mit; bei uns zu wohnen ist dir lauter Lust, die reget sich in deiner Vaterbrust und gängelt uns mit zartem Kinderschritt. 7. Du kennst, o Vater, wobl das schwache Wesen, die Obn= 174 Vorsehung und Regierung. macht und der Sinnen Unverstand; man kann uns fast an unsrer Stirn ablesen, wie es um schwache Kinder sey bewandt. Drum greifst du zu und hältst und trägest sie, brauchst Vaterrecht und zeigest Muttertreu; wo Niemand meint, daß etwas deine sey, da hegst du selbst dein Schäfchen je und je. noch Heucheln leidet, gib mir der Klugheit scharfen Unterscheid, dadurch Natur von Gnade wird entscheidet, das eigne Licht von deiner Heiter keit. Laß doch mein Herz dich niemals meistern nicht, brich ganz entzwei den Willen, der sich liebt; erweck die Lust, die sich nur dir ergibt und tadelt nie dein heimliches Gericht. Geist die Furcht und Lüste überwind. Du bist mein Alles, denn dein Sohn ist mein; dein Geist regt sich ganz kräftiglich in mir. Ich brenne nun nach dir in Liebsbegier; wie oft erquickt mich deiner Klarheit Schein! 8. Also gehst du nicht die gemeinen Wege; dein Fuß wird selten öffentlich gesehn, damit du sehst, was sich im Herzen rege, wenn du in Dunkelheit mit uns willst gehn. Das Widerspiel legst du vor Augen dar von dem, was du in deinem Sinne hast; wer meint, er habe deinen Rath gefaßt, der wird am End ein Anders oft gewahr. Mel. Was Gott thut, das ist 2c. 9. Auge, das nicht Trug 263. Du, Herr, bist meine O 10. So zieh mich denn hinein in deinen Willen und trag und heg und führ dein armes Kind; dein innres Zeugniß soll den Zweifel stillen, dein 11. Drum muß die Creatur mir immer dienen, kein Engel schämt nun der Gemeinschaft sich; die Geister, die vor dir vollendet grünen, sind meine Brüder und erwarten mich. Wie oft erquicket meinen Geist ein Herz, das dich und mich und alle Christen liebt! Ists möglich, daß mich etwas noch betrübt? Komm, Freudenquell, weich ewig, aller Schmerz! Gottfr. Arnold, geb. 1666, † 1714. Zuversicht, mein bester Trost im Leben. Nie fehlt es mir an Trost und Licht, dir hab ich mich ergeben. Du bist mein Gott; auf dein Gebot wird meine Seele stille; mir gnügt dein weiser Wille. 2. Wer wollte dir, mein Gott, nicht traun? Du bist der Schwachen Stärke; die Augen, die auf dich nur schaun, sehn deine Wunderwerke. Herr, groß von Rath und stark von That, mit gnadenvollen Händen wirst du dein Werk vollenden. Vorsehung und Regierung. 3. Noch nie hat sich, wer dich geliebt, verlassen sehen müssen; du läßt ihn, wenn ihn Noth umgibt, doch deinen Trost genießen. Des Frommen Herz wird frei von Schmerz; der Sünder eitles Dichten eilst du, Herr, zu zernichten. 4. Drum hoff, o Seele, hoff auf Gott; der Thoren Trost verschwindet, wann der GeMel. Es spricht der Unweisen 2c. rechte in der Noth Hülf und 264. Der Herr ist mein Erbarmung findet. Wann jener fällt, ist er ein Held; er steht, wann Sünder zittern, ein Fels in Ungewittern. getreuer Hirt, mir wird kein nicht schläft noch irrt, kann Gutes fehlen; der Hüter, der weidet mich auf grüner Au, mir nur Heil erwählen. Erdie Speise gibt vom Lebensthau des Geistes seiner Gnade. 5. Sieh auf das große Beispiel hin, das Jesus dir gelas sen; sieh ihn im Kampf, sich sterbend ihn den Vater noch umfassen! O möchtest du zu deiner Ruh auf Jesum Christum schauen und lernen Gott vertrauen! 6. Drum bebe nicht, wann um dich her sich Wetterwolken sammeln. Gott hilft, wann Christen freudenleer zu ihm um Gnade stammeln. Die Zeit der Qual, der Thränen Zahl zählt er; er wägt die Schmerzen und wälzt sie weg vom Herzen. 175 7. Herr, du bist meine Zuversicht; auf dich hofft meine Seele. Du weißt, was meinem Glück gebricht, wann ich mich sorgend quäle. Wer wollte sich nicht ganz auf dich, Allmächtiger, verlassen und sich im Rummer fassen? 8. In deine Hand empfehl ich mich, mein Wohlseyn und mein Leben. Mein hoffend Auge blickt auf dich; dir will ich mich ergeben. Sey du mein Gott und einst im Tod mein Fels, auf den ich traue, bis ich dein Antlig schaue. Christ. Christian Sturm, geb. 1740, † 1786. 2. Er führet mich zum reinen Quell, der mein Gemüth beglücket, zum Wasser, welches frisch und hell den schwachen Muth erquicket. Er leitet mich auf rechter Bahn; er nimmt sich meines Ganges an um seines Namens willen. 3. Und ob ich wall im finstern Thal, fürcht ich doch keinen Schaden; sein Auge wachet überall, ich bin der Sorg entladen. Sein Stab und Stecken trösten mich; auf seine Treu und Macht kann ich gar ruhig mich verlassen. 4. Du machst mir einen Tisch bereit im Auge meiner Feinde, verscheuchest Angst und Traurigkeit, sprichst freundlich 176 Gott der Sohn. zu dem Freunde; du salbst mein Haupt mit Del, du schenkst mir voll den Becher ein und lenkst zum Himmel hin mein Sehnen. 5. Ja, Gutes und Barmherzigkeit wird lebenslang mir Gott der Eigne Melodie. 265. Nun freut euch, lieben Christen gmein, und laßt uns fröhlich springen, daß wir getroft und all in Ein mit Lust und Liebe singen, was Gott an uns gewendet hat, und seine süße Wunderthat; gar theur hat ers erworben. werden; ich bleib im Haus des Herrn die Zeit, die ich noch leb auf Erden; und ist des Lebens Wallfahrt aus, dann trägt mich in sein Vaterhaus der Flügel treuer Liebe. 2. Dem Teufel ich gefangen lag, im Tod war ich verloren; mein Sünd mich quälet' Nacht und Tag, darin ich war geboren; ich fiel auch immer tiefer drein, es war kein Guts am Leben mein: die Sünd hat mich besessen. Versöhnung und Erlösung. 3. Mein gute Werk die galten nicht, es war mit ihn'n verdorben; der frei Will hasset Gotts Gericht, er war zum Gut'n erstorben; die Angst mich zu verzweifeln trieb, daß nichts denn sterben bei mir blieb: zur Höllen mußt ich sinfen. 4. Da jammerts Gott in Dr. Joh. Friedr. v. Meyer, geb. 1772,+ 1848. Sohn. Ewigkeit mein Elend übermaßen; er dacht an sein Barmherzigkeit, er wollt mir helfen lassen; er wandt zu mir das Vaterherz, es war bei ihm fürwahr kein Scherz, er ließ sein Bestes fosten. ben Sohn: Die Zeit ist hie 5. Er sprach zu seinem liezurbarmen; fahr hin, meins Herzens werthe Kron, und sey das Heil dem Armen, und hilf ihm aus der Sünden Noth, erwürg für ihn den bittern Tod und laß ihn mit dir leben. 6. Der Sohn dem Vater g'horsam ward; er kam zu mir auf Erden, von einer Jungfrau rein und zart; er sollt mein Bruder werden. Gar heimlich führt er sein Gewalt; er ging in meiner armen G'stalt; den Teufel wollt er fangen. 7. Er sprach zu mir: Halt dich an mich, es soll dir jetzt gelingen; ich geb mich selber ganz für dich, da will ich für Versöhnung und Erlösung. dich ringen; denn ich bin dein und du bist mein, und wo ich bleib, da sollt du seyn; uns soll der Feind nicht scheiden. 8. Vergießen wird er mir mein Blut, dazu mein Leben rauben: das leid ich alles dir zu Gut, das halt mit festem Glauben. Den Tod verschlingt das Leben mein, mein Unschuld trägt die Sünde dein: da bist du selig worden. 9. Gen Himmel zu dem Vater mein fahr ich von diesem Leben. Da will ich seyn der Meister dein, den Geist will ich dir geben, der dich in Trübz niß trösten soll und lehren mich erkennen wohl und in der Wahrheit leiten. 10. Was ich gethan hab und gelehrt, das sollt du thun und lehren, damit das Reich Gotts werd gemehrt zu Lob und seinen Ehren; und büt und seinen Ehren; und hüt dich für der Menschen G'saß, davon verdirbt der edle Schaß. Das laß ich dir zur Lezzte! Dr. M. Luther, geb. 1483,+ 1546. Mel. Mein Seel erhebt den 2c. 266. Durch Adams Fall ist ganz verderbt menschlich Natur und Wesen; dasselb Gift ist auf uns geerbt, daß wir nicht mochten g'nesen ohn Gottes Trost, der uns erlöst hat von dem großen Schaden, darein die Schlang Evam be177 zwang, Gotts Zorn auf sich zu laden. 2. Weil denn die Schlang Evam hat bracht, daß sie ist abgefallen von Gottes Wort, welchs sie veracht, dadurch sie in uns allen bracht hat den Tod, so war je noth, daß uns auch Gott sollt geben sein lieben Sohn, der Gnaden Thron, in dem wir möchten leben. 3. Wie uns nun eine fremde Schuld in Adam all verhöhnet, also hat uns ein fremde Huld in Christo all versöhnet; und wie wir all durch Adams Fall sind ewigs Tods gestorben, also hat Gott durch Christus Tod verneut, das war verdorben. 4. So er uns denn sein sein Feind noch waren, der Sohn hat g'schenkt, da wir für uns ist ans Kreuz gehenft, getödt't, gen Himmel g'fahren, dadurch wir seyn von Tod und Pein erlöst, so wir vertrauen in diesen Hort, des Baters Wort: wem wollt für Sterben grauen? 5. Er ist der Weg, das Licht, die Pfort, die Wahrheit und das Leben, des Vaters Rath und ewigs Wort, den er uns hat gegeben zu einem Schuß, daß wir mit Truß an ihn fest sollen glauben, darum uns bald kein Macht noch G'walt aus seiner Hand wird rauben. 6. Der Mensch ist gottlos und verrucht; sein Heil ist auch 12 Gott der Sohn. 178 noch ferren, der Trost bei einem Menschen sucht und nicht bei Gott dem Herren; denn wer ihm will ein ander Ziel ohn diesen Tröster stecken, den mag gar bald des Teufels G'walt mit seiner List erschrecken. 7. Wer hofft in Gott und dem vertraut, der wird je nicht zu Schanden; denn wer auf diesen Felsen baut, ob ihm gleich geht zu Handen viel Unfall hie, hab ich doch nie den Menschen sehen fallen, der sich verläßt auf Gettes Trost, er hilft sein Gläubgen allen. 8. Ich bitt, o Herr, aus Herzens Grund, du wollst nicht von mir nehmen dein heilges Wort aus meinem Mund, so wird mich nicht beschämen mein Sünd und Schuld, denn in dein Huld seg ich all mein Vertrauen; wer sich nun fest darauf verläßt, der wird den Tod nicht schauen. 9. Mein Füßen ist dein heilges Wort ein brennende Lucerne, ein Licht, das mir den Weg weist fort; so dieser Morgensterne in uns aufgeht, sobald versteht der Mensch die hohen Gaben, die Gottes Geist den'n g'wiß verheißt, die Hoffnung darein haben. Lazarus Spengler, geb. 1479,+ 1534. Eigne Melodie. 267. Es ist das Heil uns kommen her von Gnad und lauter Güten; die Werke helfen nimmermehr, sie mögen nicht behüten. Der Glaub sieht Jesum Christum an, der hat gnug für uns all gethan; er ist der Mittler worden. 2. Was Gott im G'setz geboten hat, da man es nicht fonnt halten, erhob sich Zorn und große Noth vor Gott so mannigfalten. Vom Fleisch wollt nicht heraus der Geist, vom G'seß erfordert allermeist; es war mit uns verloren. 3. Es war ein falscher Wahn dabei, Gott hätt sein G'setz drum geben, als ob wir möchten selber frei nach seinem Willen leben; so ist es nur ein Spiegel zart, der uns zeigt an die fündig Art, in unserm Fleisch verborgen. 4. Nicht möglich war, dieselbig Art aus eignen Kräften lassen, wiewohl es oft versuchet ward, noch mehrt sich Sünd ohn Maßen, wann Gleißners Werk er hoch verdammt, und je dem Fleisch der SündeSchand allzeit war angeboren. 5. Noch mußt Gesetz erfüllet seyn, sonst wärn wir all verdorben; darum schickt Gott sein Sohn herein, der selber Mensch ist worden; das ganz Gesetz hat er erfüllt, damit seins Vaters Zorn gestillt, der über uns ging alle. 6. Und wenn es nun erfüllet ist durch den, der es fonnt hal Versöhnung und Erlösung. ten, so lerne jetzt ein frommer Christ des Glaubens recht Gestalte: Nicht mehr denn: lieber Herre mein! dein Tod wird mir das Leben seyn, du hast für mich bezahlet. 7. Daran ich keinen Zweifel trag, dein Wort kann nicht betrügen; nun sagst du, daß kein Mensch verzag, das wirst du nimmer lügen: wer glaubt in mich und wird getauft, demselben ist der Himm'l erkauft, daß er nicht wird verloren. 8. Er ist gerecht vor Gott allein, der diesen Glauben fasset; der Glaub gibt aus von ihm den Schein, so er die Werk nicht lasset. Mit Gott der Glaub ist wohl daran, dem Nächsten wird die Lieb Guts thun, bist du aus Gott geboren. 9. Es wird die Sünd durchs G'seß erkannt und schlägt das G'wissen nieder: das Evangelium kommt zur Hand und stärkt den Sünder wieder und ſpricht: Nur kreuch zum Kreuz herzu, im G'seß ist weder Rast noch Ruh mit allen seinen Werfen. 10. Die Werk die kommen g'wißlich her aus einem rechten Glauben; denn das kein rechter Glaube wolltst ihn der Werk berauben. Doch macht allein der Glaub gerecht, die Werke sind des Nächsten Knecht, dabei wir'n Glauben merken. 11. Die Hoffnung wart't 179 der rechten Zeit, was Gottes Wort zusage; wenn das geschehen soll zurFreud, setzt Gott kein g'wisse Tage; er weiß wohl, wenns am besten ist, er braucht an uns kein arge List, das solln wir ihm vertrauen. 12. Ob sichs anließ, als wollt er nicht, laß dich es nicht erschrecken; denn wo er ist am besten mit, da will ers nicht entdecken; sein Wort das laß dir g'wisser seyn, und ob dein Fleisch spräch lauter Nein, so laß doch dir nicht grauen. 13. Sey Lob und Ehr mit hohem Preis um dieser Gutthat willen Gott Vater, Sohn und heilgem Geist; der woll mit Gnad erfüllen, was er in uns ang'fangen hat zu Ehren ſeiner Majestät, daß heilig werd sein Name. 14. Sein Reich zukomm, sein Will auf Erd steh wie im Himmelsthrone, das täglich Brod noch heut uns werd, wohl unsrer Schuld verschone, als wir auch unsern Schuldgern thun, mach uns nicht in Versuchung stehn, lös uns vom. Ulebel. Amen! Paul Speratus, geb. 1484, † 1554. Mel. Nun freut euch, lieben 2c. 268. Wenn dein herzliebster Sohn, o Gott, nicht wär auf Erden kommen und hätt, da ich in Sünden todt, mein Fleisch nicht angenommen; 12* 180 Gott der Sohn. so müßt ich ganz verloren seyn und ewig leiden Qual und Pein um meiner Sünden willen. 2. Jetzt aber hab ich Ruh und Rast, darf nimmermehr verzagen, weil er die schwere Sündenlaſt für mich hat ſelbst getragen. Er hat mit dir verföhnet mich, da er am Kreuz ließ tödten sich, auf daß ich selig würde. 3. Drum ist getrost mein Herz und Muth mit kindlichem Vertrauen; auf dieß sein theures Mittlerblut will ich mein Hoffnung bauen, das er für mich vergossen hat, gewaschen ab die Missethat und mir das Heil erworben. 4. In seinem Blut erquick ich mich und komm zu dir mit Freuden; ich suche Gnad und hoff auf dich, von dir soll mich nichts scheiden. Was mir durch seine Marterfron erworben hat dein lieber Sohn, soll mir kein Teufel rauben. 5. Nichts hilft mir die Gerechtigkeit, die vom Gesetz herrühret; wer sich in eignem Werk erfreut, wird jämmerlich verführet; des Herren Jesu Werk allein, das machts, daß ich kann selig seyn, der ichs mit Glauben fasſe. 6. Gott Vater, der du alle deinen Sohn get, Herr Jeſu, deſſen Lieb und Huld all meine Sünde träget, o heilger Geist, des Gnad und Kraft allein das Gute in mir schafft, laß mich ans End beharren! Johann Heermann, geb. 1585, † 1647. Mel. Jesus, meine Zuversicht 2c. 269. Gottes und Marien Sohn, Priester, König und Prophete, Mittler, Bürge, Gnadenthron, der am Kreuze sich erhöhte, gib, daß dich mein Glaube kenn und dich meinen Jesum nenn. 2. Du, mein süßer Jesus, bist mir geboren, mir gestorben. Was zerstört in Adam ist, hast du wiederum erworben; gib, daß ich in wahrer Treu auch dein Eigenthum stets sey. 3. Alles Heil kommt mir Sünder. Dein Tod war die von dir, Heiland aller armen Lebensthür und des Todes Ueberwinder; laß auch deines und Glaube seyn. Leidens Pein mein Verdienst 4. Tod und Hölle sind durch dich, großer Sieger, überwunden, und durch diesen Sieg hab ich Ruh im Tod und Grab gefunden; durch dich werd ich auferstehn und getrost zum Richter gehn. Caspar Neumann, geb. 1648, † 1715. Mel. O Gott, du frommer 2c. 270, Du wesentliches Wort, vom Anfang her gewe Versöhnung und Erlösung. fen, du Gott von Gott geo zeugt, von Ewigkeit erlesen zum Heil der ganzen Welt, mein Herr Jesu Christ, will kommen, der du mir zum Heil geboren bist. 2. Was hat, o Jesu, dich vom Anfang doch bewogen? Was hat vom Himmelsthron dich in die Welt gezogen? Ach, deine große Lieb und meine große Noth hat deine Gluth entflammt, die stärker als der Tod. 3. Gib, daß ich dir zum Dienst mein ganzes Herz ergebe, auch dir allein zum Preis auf dieser Erden lebe. Ja, Jesu, laß mein Herz ganz neu geschaffen seyn und dir bis in den Tod gewidmet seyn allein. 4. Laß gar nichts in mir seyn, was du nicht hast geschaffen, reut alles Unkraut aus und brich des Feindes Waffen. Was bös, ist nicht von dir, das hat der Feind gethan; du aber führ mein Herz und Fuß auf ebner Bahn. 5. Das Leben ist in dir und alles Licht des Lebens; ach, laß an mir dein Glanz, mein Gott, nicht seyn vergebens. Weil du das Licht der Welt, so sey mein Lebenslicht, o Jesu, bis mir dort dein Sonnenlicht anbricht. Laur. Laurentii, geb. 1660, † 1722. 181 Mel. O Durchbrecher aller 2c. 271. Du bist in die Welt gekommen, Gottes Sohn, du höchstes Gut, da hast du an. dich genommen unser menschlich Fleisch und Blut; und wir allzumal, wir Sünder, sind durch dich mit Gott verſöhnt, daß er nun als seine Kinder uns mit Heil und Gnade frönt. des trösten und ist ewig mein 2. Ich, auch ich kann mich Gewinn, daß ich unter den Erlösten und dein Bruder worden bin. Liebster Jesu, o mein Leben, sage doch mir Armen und wie ich dir danken kann. an, was ich dir dagegen geben, Herz gefallen, ist die Gabe 3. Mag dir denn mein nicht zu klein? Ach, gewiß vor andern allen wird dir das gefällig seyn. Zwar das Opfer ist geringe und verächtlich anzusehn; doch weil ichs im Glauben bringe, wirst du solches nicht verschmähn. sich nieder, o Immanuel, vor 4. Nun so legt mein Herz dir; aber ich will auch hinwieder dein getreues Herz dafür. Ohne dieß kann ich nicht leben und nicht leben ohne dich; doch du hast dein Wort gegeben, daß du mein bist ewiglich. 5. Leib und Seele mag verschmachten, Erd und Himmel fahre hin! Nichts ist ne Gott der Sohn. 182 ben dem zu achten, daß Gott worden, was ich bin. Und ich armer Staub und Erde habe diese Herrlichkeit, daß ich auch, wie er ist, werde, wenn ich ende meine Zeit. 6. O wie hoch bin ich gefegnet! Ob mir Elend, Schmach und Noth, ob mir alles Kreuz begegnet, ob auch endlich selbst der Lod, Jesu, mich will von dir reißen, reißt mich dennoch nichts von dir; denn dieß Wort muß ewig heißen: Ich in dir und du in mir! E. Neumeister, geb. 1671, † 1756. Mel. Jesu, meines Lebens 2c. 272. Großer Mittler, der zur Rechten seines großen Vaters sigt und die Schaar von seinen Knechten in dem Reich der Gnaden schüßt, den auf dem erhabnen Throne in der königlichen Krone alles Heer der Ewigkeit mit verhülltem Antlig scheut. 2. Dein Geschäft auf dieser Erden und dein Opfer ist voll bracht; was vollendet sollte werden, das ist gänzlich ausgemacht; da du, bist für uns gestorben, ist uns Gnad und Heil erworben, und dein siegreich Auferstehn läßt uns in die Freiheit gehn. 3. Nun ist dieses dein Geschäfte in dem obern Heiligthum, die erworbnen Segenskräfte durch dein Evangelium allen denen mitzutheilen, die zum Thron der Gnaden eilen; nun wird uns durch deine Hand Heil und Segen zugewandt. 4. Deines Volkes werthe Namen trägest du auf deiner Brust, und an den gerechten Samen denfest du mit vieler Lust; du vertrittst, die an dich gläuben, daß sie dir vereinigt bleiben; bittest in des Vaters Haus ihnen eine Wohnung aus. 5. Doch vergißt du auch der Armen, die der Welt noch dienen, nicht, weil dein Herz dir vor Erbarmen über ihrem Elend bricht; daß dein Vater ihrer schone, daß er nicht nach Werken lohne, daß er ändre ihren Sinn, ach, da zielt dein Bitten hin. 6. 3war in deines Fleisches Tagen, da die Sünden aller Welt dir auf deinen Schultern lagen, hast du dich vor Gott gestellt, bald mit Seufzen, bald mit Weinen für die Sünder zu erscheinen; o mit welcher Niedrigkeit batest du zur selben Zeit! 7. Aber nun wird deine Bitte von der Allmacht unterstüßt, da in der vollkommnen Hütte die verklärte Menschheit sigt; nun kannst du des Satans Klagen majestätiſch niederschlagen, und nun macht Versöhnung und Erlösung. dein redend Blut unsre böse Sache gut. 8. Die Verdienste deiner Leiden stellest du dem Vater dar, und vertrittst vor ihm mit Freuden deine theur erlöste Schaar, daß er wolle Kraft und Leben deinem Volk auf Erden geben, und die Seelen zu dir ziehn, die noch deine Freundschaft fliehn. 9. Großer Mittler, sey gepriesen, daß du in dem Heiligthum so viel Tren an uns bewiesen; dir sey Ehre, Dank und Ruhm! Laß uns dein Verdienst vertreten, wenn wir zu dem Vater beten; sprich für uns in letzter Noth, wenn den Mund verschließt der Tod. Joh. Jak. Rambach, geb. 1693, 1735. 183 2. Himmel, Erde, Luft und Meere nebst dem ungezählten Heere der Geschöpfe in den Feldern, in den Seen, in den Wäldern sind, Herr über Tod und Leben, dir zum Eigenthum gegeben. Thiere, Menschen, Geister scheuen, Menschensohn, dein mächtig Dräuen. 4. In dem Reiche deiner Ehren kann man stets dich loben hören von dem himmlischen Geschlechte, von der Menge deiner Knechte, die dort ohne Furcht und Grauen dein verflärtes Antlig schauen, die dich unermüdet preisen und dir Ehr und Dienst erweisen. Mel. Schmücke dich, o liebe zc. 5. D Monarch in dreien Reichen, dir ist Niemand zu 273. König, dem kein vergleichen an dem Ueberfluß König gleichet, dessen Ruhm kein Mund erreichet, dem als Gott das Reich gebühret, der als Mensch den Scepter führet, dem das Recht gehört zum Throne als des Vaters eingem Sohne, den so viel Vollkommenheiten frönen, zieren und begleiten! der Schäße, an der Ordnung der Gesetze, an Vollkommenheit der Gaben, welche deine Bürger haben; du beschüßest deine Freunde, du bezwingest deine Feinde. 3. In des Gnadenreiches Grenzen sieht man dich am schönsten glänzen, wo viel tausend treue Seelen dich zu ihrem Haupt erwählen, die durchs Scepter deines Mundes, nach dem Recht des Gnadenbundes, sich von dir regieren lassen und, wie du, das Unrecht hassen. 6. Herrsche auch in meinem Herzen über Zorn, Lust, Furcht und Schmerzen; laß mich deinen Schuß genießen, gläubig dich ins Herze schließen, ehren, fürchten, loben, lieben und mich in Gehorsam üben; hier mit ringen, dulden, streiten, 184 dort mit herrschen dir zur Seiten. Johann Jakob Rambach, geb. 1693,+ 1735. Gott der Sohn. deiner Kräfte, war dein tägliches Geschäfte. Mel. Schmücke dich, o liebe 2c. 5. O wie hoch stieg dein Erbarmen, da du für die ärmsten Armen dein unschäßbar theures Leben in den ärgsten 274. Heiland, deine Lod gegeben, da du in der Menschenliebe war die Quelle jener Triebe, die dein treues Herz bewogen, dich in unser Fleisch gezogen, dich mit Schwachheit überdecket, dich vom Kreuz ins Grab gestrecket. O der wunderbaren Triebe deiner treuen Menschenliebe! Sünder Händen, alle Leiden zu vollenden und den Segen zu erwerben, als ein Fluch hast wollen sterben. 2. Ueber seine Feinde weinen, Jedermann mit Hülf erscheinen, sich der Blinden, Lahmen, Armen mehr als väterlich erbarmen, der Betrübten Klagen hören, sich in Andrer Dienst verzehren, sterben für die ärgsten Sünder: das ist Lieb, o Menschenfinder! 3. D du Zuflucht der Elenden, wer hat nicht von deinen Händen Segen, Hülf und Heil genommen, der gebeugt zu dir gekommen? O wie ist dein Herz gebrochen, wenn dich Kranke angesprochen! O wie pflegtest du zu eilen, das Gebetne mitzutheilen! 4. Die Betrübten zu erquiden, zu den Kleinen dich zu bücken, die Unwissenden zu lehren, die Verführten zu bekehren, Sünder, die sich selbst verstocken, täglich liebreich zu dir locken, mit Verzehrung trieben, Sanftmuth und Ge6. Deine Lieb hat dich geduld zu üben; ohne SchelSchmach und Last zu tragen, ten, Drohen, Klagen Andrer Allen freundlich zu begegnen, für die Lästerung zu ſegnen, für der Feinde Schaar zu beten und die Mörder zu vertreten. 7. Demuth war bei Spott undHohne deinerLiebe Schmuck und Krone; diese machte dich zum Knechte einem fündlichen Geschlechte; diese Demuth, gleich den Tauben, war ohn Falsch, voll Treu und Glauben, mit Gerechtigkeit gepaaret und durch Vorsicht wohl bewahret. 8. Herr, laß deine Liebe decken meiner Sünden Meng und Flecken. Du hast das Geseß erfüllet, des Gesetzes Fluch gestillet; laß mich wider dessen Stürmen deiner Liebe Schild beschirmen. Heilge meines Herzens Triebe, salbe sie mit deiner Liebe. Johann Jakob Rambach geb. 1693,+ 1735. Versöhnung und Erlösung. Mel. Weil nichts gemeiner ist 2c. 275. Herr von unendlichem Erbarmen, du unergründlich Liebesmeer, ich danke dir mit andern Armen, mit einem ganzen Sünderheer für deine Huld in Jesu Christ, die vor der Welt gewesen ist. 2. Für dein so allgemein Erlösen, für die Bezahlung aller Schuld, für deinen Ruf an alle Bösen und für das Wort von deiner Huld, ja für die Kraft in deinem Wort dankt dir mein Herze hier und dort. 3. Für deinen heilgen Geist der Liebe, der Glauben wirkt in unserm Geist, weil doch des Glaubens Kraft und Triebe ein Werk der Allmacht Gottes heißt, für die Befestigung darin dankt dir mein neu geschaffner Sinn. 6. Ja, Mund und Herze soll doch bittet auch mein Herz und Mund: Laß weder Mund noch Herze wanken und gründe mich auf durch deine Tren mich bis ans diesen Grund. Erhalte nur Ende auch dabei. 4. Für dein so tröstliches Versprechen, daß deine Gnade ewig sey; wenn Berge bersten, Hügel brechen, so bleibt dein Bund und deine Treu; wenn Erd und Himmel weicht und fällt, so lebt doch Gott, der Glauben hält. 5. Für deine theuern Sacramente, die Siegel deiner wahren Schrift, wo Gott, damit ich glauben könnte, ein Denkmal seiner Wunder stift, für diese Gnaden in der Zeit dankt dir mein Herz in Ewigkeit. 185 und Lüste mich in dem bösen 7. Und fechten Satan, Welt Stündlein an, gib, daß ich mit dem Schild mich rüste, der ihre Pfeile löschen kann. Doch weil ich schwach, so lasse du kein allzustark Versuchen zu. 8. Laß mir dein allgemein segeld, den allgemeinen Ruf Erbarmen, das allgemeine Löder Armen, den allgemeinen Trost der Welt, die Mittel, welche allgemein, zum feſten Grund des Glaubens seyn. solche Gnaden, auch ich, ich 9. Du gabst ja mir auch habe Theil daran; ich lag ja mit in gleichem Sthaden, für mich ist auch genug gethan; an deinen Worten, Trost und Heil gehört mir mein besondres Theil. 10. Laß mich in Liebe heilig leben, unsträflich dir zum Lobe seyn; versichere mein Herz daneben, es reiße weder Lust noch Pein mich von der Liebe Gottes hin, weil ich in Jesu Christo bin. 11. Tod, Leben, Trübfal, Angst und Leiden, was Welt und Hölle in sich schließt, 186 Gott der Sohn. nichts soll mich von der Liebe scheiden, die da in Christo Jesu ist. Ja, Amen! Vater aller Tren, zähl mich den Auserwählten bei. Phil. Friedr. Hiller, geb. 1699,+ 1769. Mel. O Jesu Christ, mein 2c. 276. Christi Blut und Gerechtigkeit, das ist mein Schmuck und Ehrenkleid, damit will ich vor Gott bestehn, wenn ich zum Himmel werd eingehn. 2. Das heilige, unschuldge Lamm, das an dem rauhen Kreuzesstamm für meine Seel gestorben ist, erkenn ich für den Herrn und Christ. 3. Ich glaube, daß sein theures Blut das allerunschätzbarste Gut, und daß es Gottes Schäße füllt und ewig in dem Himmel gilt. konnt ich was Guts thun, that ichs gern. 7. Und weil ich wußte, daß sein Blut die Sünd wegschwemmt mit seiner Fluth, und daß man nicht muß willgen ein, ließ ich mirs eine Freude seyn. 8. Wenn nun kam eine böse Lust, so dankt ich Gott, daß ich nicht mußt; ich sprach zur Lust, zum Stolz und Geiz: Dafür hing unser Herr am Kreuz. 9. So lang ich noch hienieden bin, so ist und bleibet das mein Sinn: ich will die Gnad in Jesu Blut bezeugen mit getrostem Muth. 10. Gelobet seyst du, Jesu Christ, daß du ein Mensch geboren bist, und haft für mich und alle Welt bezahlt ein ewig Lösegeld. 4. Und würd ich durch des Herrn Verdienst auch noch so treu in seinem Dienst, gewänns auch allem Bösen ab und stürb der Sünde bis zum Grab; 5. So will ich, wenn ich zu ihm komm, nicht denken mehr an gut und fromm, sondern: da kommt ein Sünder Mel. Es ist das Heil 2c. her, der gern ums Lösgeld 277. Auf, Chriſten, laßt selig wär! 6. Wird dann die Frage vorgebracht: Was hast du in der Welt gemacht? so sprech ich: Dank sey meinem Herrn, 11. König der Ehren, Jeſu Christ, des Vaters einger Sohn du bist; erbarme dich der ganzen Welt und segne, was sich zu dir hält. Nik. Ludw., Graf v. Zinzendorf, geb. 1700,+ 1760. uns unsern Gott mit frohem Dank erheben! Er hat nicht Lust an unserm Tod, will, daß wir ewig leben. Was uns zum Heile nöthig ist, das Versöhnung und Erlösung. 187 hat er uns durch Jesum Christ auf dem man friedevoll, auch erbarmungsvoll bereitet. schon auf Erden wandelt. 2. Nach seinem gnadenvollen Rath kam er, sein Sohn, auf Erden, für unsre Schuld und Missethat ein Retter uns zu werden. Er wards und hat sein Werk vollbracht und sich nach kurzer Grabesnacht gen Himmel aufgeschwungen. 3. Wo ist des Todes Herrschaft nun? Hier ist sein Ueberwinder! Die Furcht vor ihm hinwegzuthun, starb er, das Heil der Sünder. EröffEröff net ist uns nun die Bahn, die von der Erd uns himmelan zur ewgen Wonne leitet. 4. Wie hat uns doch der Herr so lieb! wie sucht er unser Bestes! Er gibt für uns aus freiem Trieb sein Liebstes und sein Größtes. Preis ihm, der so viel an uns thut! Preis seinem Sohn, der uns zu Gut sich bis zum Tod erniedrigt! 5. Was er zum Leben uns verschafft, das ist in seinen Händen; sein ist das Reich, sein ist die Kraft, das Heil uns zuzuwenden, das er so liebreich uns erwarb, als er für uns am Kreuze starb. Wohl Allen, die ihm trauen! 6. O laßt uns ihm uns anvertraun und seine Stimme hören, auf unsers Mittlers Hülfe baun, ihn mit Gehorsam ehren. Das ist der Weg zum ewgen Wohl, der Weg, 7. Herr, leite uns auf dieser Bahn, zieh uns zu deinem Sohne! Er ging als Vorbild uns voran; dort reicht er uns die Krone. Dort haben wir an seinem Heil, an seinem Himmel ewig Theil und preisen deine Liebe. Joh. Sam. Diterich, geb. 1721, 1797. Mel. O Ewigkeit, du zc. 278. Ich schäme mich des Heilands nicht, vor dem voll froher Zuversicht mein Knie sich dankbar beuget. Gott, welch ein theures, werthes Wort: ich hier dein Kind, dein Erbe dort, wie mir dein Geist bezeuget; ich soll durch Jesum Christum rein, durch ihn gerecht und selig seyn. 2. Froh fühlt mein Herz die Gotteskraft, die in der selgen Wissenschaft von dem Erlöser lieget; die alle Kenntniß dieser Welt, und was ste Reizendes enthält, unendlich überwieget. Mein größtes Glück, mein höchster Ruhm ist Jesu Evangelium. 3. Auf ewig ists mein bestes Theil; in keinem Andern ist mir Heil und Recht zum ewgen Leben, Vergebung meiner Sündenschuld, der Beifall Gottes, seine Huld und Seelenruh gegeben. Ich steh im 188 Jesuslieder. Glauben, bin ein Christ, an dem nun nichts verdammlich ist. 4. Mir widerfuhr Barmherzigkeit; mit himmlischer Zufriedenheit lohnt Gott mich schon hienieden. Ich bete voller Zuversicht; mich schreckt kein Tod und kein Gericht; mein Geist fühlt Gottes Frieden. Auf ewig ist mein Herz, Gott, dein, auf ewig deine Gnade mein. Jesuslieder. Eigne Melodie. 279. Wie schön leucht uns der Morgenſtern voll Gnad und Wahrheit von dem Herrn, die süße Wurzel Jeffe; du Sohn Davids aus Jakobs Stamm, mein König und mein Bräutigam, hast mir mein Herz besessen, lieblich, freundlich, schön und herrlich, groß und ehrlich, reich von Gaben, hoch und sehr prächtig erhaben. 5. Ich weiß, worauf mein Glaube ruht; nichts raubt mir meinen Trost und Muth, nicht Leiden, nicht Gefahren. Durch den ich alles hier vermag, mein Gott wird bis auf jenen Tag mein Erbtheil mir bewahren. Ja du, der mich berief, bist treu; gib, daß ichs auch im Glauben sey. 2. Ei meine Perl, du werthe Kron, wahr Gottes und Marien Sohn, ein hochgeborner König! Du bist des Herzens schönste Blum; dein süßes Evangelium ist lauter Milch und Honig. Ei méin Blümlein, Hosianna! himmlisch Manna, das wir essen, deiner kann ich nicht vergessen. 3. Geuß sehr tief in mein Friedr. Wilh. Loder, geb. 1757, † 1823. Herz hinein, du heller Jaspis, edler Stein, die Flamme deiner Liebe. Ach, möcht es seyn, daß ich durch dich an deinem Leibe ewiglich ein lebend Gliedmaß bliebe! Nach dir wallt mir mein Gemüthe, ewge Güte, bis es findet dich, des Liebe es entzündet. ein Freudenschein, wenn du 4. Von Gott kommt mir mich mit den Augen dein ſo freundlich thust anblicken. O Herr Jesu, mein trautes Gut, dein Wort, dein Geist, dein Leib und Blut mich innerlich erquicken. Nimm mich freundlich in dein Arme, daß ich warme werd von Gnaden; auf dein Wort komm ich geladen. 5. Herr Gott Vater, mein starker Held, du hast mich ewig vor der Welt in deinem Sohn geliebet. Dein Sohn hat mich Jesuslieder. ihm selbst vertraut; er ist mein Schaß, ich bin sein Braut, sehr hoch in ihm erfreuet. Eia, Eia, himmlisch Leben wird er geben mir dort oben. Ewig soll mein Herz ihn loben. 6. 3wingt die Saiten zu süßem Klang und laßt den hohen Lobgesang ganz freudenreich erschallen: daß ich möge mit Jesu fein, dem wunderschönen Bräntgam mein, in steter Liebe wallen. Singet, springet, jubiliret, triumphiret, dankt dem Herren! Groß ist der König der Ehren. 7. Wie bin ich doch so herzlich froh, daß mein Schatz ist das A und O, der Anfang und das Ende. Er wird mich doch zu seinem Preis aufnehmen in das Paradeis, des klopf ich in die Hände. Amen, Amen! Komm, du schöne Freudenkrone, bleib nicht lange, deiner wart ich mit Verlangen. Phil. Nicolai, geb. 1556, † 1608. Mel. Nun freut euch, lieben c. 280. Such, wer da will, ein ander Ziel, die Seligkeit zu finden; mein Herz allein bedacht soll seyn, auf Christum sich zu gründen. Sein Wort ist wahr; ſein Werk ist kflar; sein heilger Mund hat Kraft und Grund, all Feind zu überwinden. 2. Such, wer da will, Noth. helfer viel, die uns doch nichts 189 erworben; hier ist der Mann, der helfen kann, bei dem nie was verdorben. Uns wird das Heil durch ihn zu Theil; uns macht gerecht der treue Knecht, der für uns ist gestorben. 3. Ach, sucht doch den, laßt alles stehn, die ihr das Heil begehret; er ist der Herr, und keiner mehr, der euch das Heil gewähret. Sucht ihn all Stund von Herzensgrund, sucht ihn allein; denn wohl wird seyn dem, der ihn herzlich ehret. 4. mein Meins Herzens Kron, Freudensonn sollst du, Herr Jesu, bleiben; laß mich doch nicht von deinem Licht durch Eitelkeit vertreiben; bleib du mein Preis, dein Wort mich speis; bleib du mein Ehr, dein Wort mich lehr, an dich stets fest zu gläuben. 5. Wend von mir nicht dein Angesicht, laß mich in Kreuz nicht zagen; weich nicht von mir, mein höchste Zier, hilf mir mein Leiden tragen; hilf mir zur Freud nach diesem Leid, hilf, daß ich mag nach dieser Klag dir ewig dort Lob sagen. Georg Weissel, geb. 1590, † 1635. Eigne Melodie. 281. Meinen Jeſum laß ich nicht; weil er sich für mich gegeben, so erfordert meine Pflicht, unverrückt an ihm zu fleben. Er ist meines Lebens 190 Licht; meinen Jesum laß ich nicht. Jesuslieder. 2. Jesum laß ich nimmer nicht, weil ich soll auf Erden leben; ihm hab ich voll Zuversicht, was ich bin und hab, ergeben. Alles ist auf ihn gericht; meinen Jesum laß ich nicht. 3. Laß vergehen das Gesicht, alle meine Sinne weichen; laß das letzte Tageslicht mich auf dieser Welt erreichen; wenn der Lebensfaden bricht, meinen Jesum laß ich nicht. 4. Ich werd ihn auch lassen nicht, wenn ich nun dahin gelanget, wo vor seinem Angeficht frommer Christen Glaube pranget. Mich erfreut sein Angesicht; meinen Jesum laß ich nicht. 5. Nicht nach Welt, nach Himmel nicht meine Seele seufzt und stöhnet; Jesum wünscht sie und sein Licht, der mich hat mit Gott versöhnet, der mich freiet vom Gericht; meinen Jesum laß ich nicht. 6. Jesum laß ich nicht von mir, geh ihm ewig an der Seiten; Christus wird mich für und für zu den Lebensbächlein leiten. Selig, wer mit mir so spricht: Meinen Jesum laß ich nicht. Christ. Keymann, geb. 1607,+ 1662. Eigne Melodie. 282. Jesu, meine Freude, meines Herzens Weide, Jesu, meine Zier! Ach, wie lang, ach lange ist dem Herzen bange und verlangt nach dir! Gottes Lamm, mein Bräutigam, außer dir soll mir auf Erden nichts sonst Liebers werden. 2. Unter deinen Schirmen bin ich vor den Stürmen aller Feinde frei; laß sie Unheil brüten, laß den Satan wüthen, mir steht Jesus bei. Ob die Welt gleich bricht und fällt, ob gleich Sünd und Hölle schrecken, Jesus will mich decken. 3. Trotz dem alten Drachen, Troß dem Todesrachen, Trotz der Furcht dazu! Tobe, Welt, und springe, ich steh hier und singe in gar sichrer Ruh; Gottes Macht hält mich in Acht; Erd und Abgruud muß sich scheuen, ob sie noch so drauen. 4. Weg mit allen Schätzen! Du bist mein Ergößen, Jesu, meine Lust. Weg, ihr eitlen Ehren! Ich mag euch nicht hören, bleibt mir unbewußt! Elend, Noth, Kreuz, Schmach und Tod soll mich, muß ich gleich viel leiden, nicht von Jesu scheiden. 5. Gute Nacht, o Wesen, das die Welt erlesen, mir gefällst du nicht. Gute Nacht, ihr Sünden, bleibet weit dahinten, kommt nicht mehr ans Licht. Gute Nacht, o Stolz und Pracht, dir sey ganz, o Lasterleben, gute Nacht gegeben Jesuslieder. 6. Weicht, ihr Trauergeister; denn mein Freudenmeister, Jesus, tritt herein. Denen, die Gott lieben, muß auch ihr Betrüben lauter Manna seyn. Duld ich schon hier Spott und Hohn, dennoch bleibst du auch im Leide, Jesu, meine Freude. Johann Franck, geb. 1618, † 1677. Eigne Melodie. 283. Ich will dich lieben, meine Stärke; ich will dich lieben, meine Zier; ich will dich lieben mit dem Werke und immerwährender Begier; ich will dich lieben, schönstes Licht, bis mir das Herze bricht. 2. Ich will dich lieben, o mein Leben, als meinen allerbesten Freund; ich will dich lieben und erheben, so lange mich dein Glanz bescheint; ich will dich lieben, Gottes Lamm, als meinen Bräutigam. 3. Ach, daß ich dich so spät erkennet, du hochgelobte Schönheit du, und dich nicht eher mein genennet, du höchstes Gut und wahre Ruh; es ist mir leid und bin betrübt, daß ich so spät geliebt. 4. Ich lief verirrt und war verblendet; ich suchte dich und fand dich nicht; ich hatte mich von dir gewendet und liebte das geschaffne Licht; nun aber ist durch dich geschehn, daß ich dich hab ersehn. 5. Ich danke dir, du wahre 191 Sonne, daß mir dein Glanz hat Licht gebracht; ich danke dir, du Himmelswonne, daß du mich froh und frei gemacht; ich danke dir, du süßer Mund, daß du mich machst gesund. 6. Erhalte mich auf deinen Stegen, und laß mich nicht mehr irre gehn; laß meinen Fuß in deinen Wegen nicht straucheln oder stille stehn; erleuchte Leib und Seele ganz, du ſtarker Himmelsglanz. Krone; ich will dich lieben, mei7. Ich will dich lieben, meine ohne Lohne, auch in der allernen Gott; ich will dich lieben größten Noth; ich will dich lieben, schönstes Licht, bis mir das Herze bricht: Johann Scheffler, geb. 1624, † 1677. Mel. Gott des Himmels 2c. 284. Liebe, die du mich zum Bilde deiner Gottheit hast gemacht; Liebe, die du mich so milde nach dem Fall hast wiederbracht: Liebe, dir ergeb ich mich, dein zu bleiben ewiglich. 2. Liebe, die du mich erforen, eh als ich geschaffen war; Liebe, die du Mensch geboren und mir gleich wardst ganz und gar: Liebe, dir ergeb ich mich, dein zu bleiben ewiglich. 3. Liebe, die für mich gelitten und gestorben in der Zeit; Liebe, die mir hat erstritten ewge Luft und Selig 192 Jeſuslieder. keit: Liebe, dir ergeb ich mich, dein zu bleiben ewiglich. 4. Liebe, die mich hat gebunden an ihr Joch mit Leib und Sinn; Liebe, die mich überwunden und mein Herz hat ganz dahin: Liebe, dir ergeb ich mich, dein zu bleiben ewiglich. 5. Liebe, die mich ewig liebet und für meine Seele bitt; Liebe, die das Lösgeld gibet und mich fräftiglich vertritt: Liebe, dir ergeb ich mich, dein zu bleiben ewiglich. 6. Liebe, die mich wird er wecken aus dem Grab derSterblichkeit; Liebe, die mich wird umstecken mit dem Laub der Herrlichkeit: Liebe, dir ergeb ich mich, dein zu bleiben ewiglich. Johann Scheffler, geb. 1624, † 1677. Mel. Jesu, der du meine 2c. 285. Jefu, meiner Seele Leben, meines Herzens höchste Freud, dir will ich mich ganz ergeben, jego und in Ewigkeit. Meinen Gott will ich dich nennen und vor aller Welt bekennen, daß ich dein bin und du mein; ich will keines Andern seyn. 2. Deine Güt hat mich umfangen, eh mich noch die Welt umfing; dir bin ich schon angehangen, als an Mutterbrust ich hing; dein Schoß hat mich aufgenommen, da ich an das Licht gekommen: ich bin dein, und du bist mein; ich will keines Andern seyn. 3. Auf der Kindheit wilden Wegen folgte mir stets deine Güt; deines Geistes Trieb und Segen regte mir oft mein Gemüth, so ich etwa ausgetreten, daß ich wieder kam mit Beten: ich bin dein, und du bist mein; ich will feines Andern seyn. 4. Ja, in meinem ganzen Leben hat mich stets dein Licht geführt; du hast, was ich hab, gegeben, du hast meinen Lauf regiert; deine Güt, die täglich währet, hat mich immerdar ernähret: ich bin dein, und du bist mein; ich will keines Andern seyn. 5. Irr ich, sucht mich deine Liebe; fall ich, hilfet sie mir auf; ist es, daß ich mich betrübe, tröst sie mich in meinem Lauf; bin ich arm, sie gibt mir Güter; schlaf ich ein, ſie iſt mein Hüter: ich bin dein, und du bist mein; ich will keines Andern seyn. 6. Dein Geist zeiget mir das Erbe, das im Himmel beigelegt; ich weiß, wenn ich heute sterbe, wo man meine Seel hinträgt: zu dir, Jeſu, in die Freude, troß daß mich was von dir scheide! Ich bin dein, und du bist mein; ich will keines Andern seyn. 7. Drum ich sterbe oder lebe, bleib ich doch dein Eigenthum; dir allein ich mich er Jesuslieder. gebe, du bist meiner Seelen Ruhm, meine Zuversicht und Freude, meine Süßigkeit im Leide: ich bin dein, und du bist mein; ich will feines Andern feyn. 8. Höre, Jesu, noch ein Flehen, schlag mir diese Bitt nicht ab: wenn mein Augen nicht mehr sehen, wenn ich keine Kraft mehr bab, mit dem Mund was vorzutragen, laß mich seufzend doch noch sagen: Ich bin dein, und du bist mein; ich will feines Andern seyn. Christian Scriver, geb. 1629, † 1693. 2. Deine Liebesgluth stärfet Muth und Blut. Wenn du freundlich mich anblickest und an deine Brust mich drückest, macht mich wohlgemuth deine Liebesgluth. Eigne Melodie. 286, Seelenbräutigam, defürst. Jesu, Gottes Lamm! habe Dank für deine Liebe, die mich zieht aus reinem Triebe von der Sünden Schlamm, Jesu, Gottes Lamm! 3. Wahrer Mensch und Gott, Trost in Noth und Tod, du bist darum Mensch geboren, zu ersehen, was verloren, durch dein Blut so roth, wahrer Mensch und Gott. 4. Meines Glaubens Licht laß verlöschen nicht! Salbe mich mit Freudenöle, daß hinfort in meiner Seele ja ver193 Lösche nicht meines Glaubens Licht. 5. So werd ich in dir bleiben für und für. Deine Liebe will ich ehren und in dir dein Lob vermehren, weil ich für und für bleiben werd in dir. 6: Held aus Davids Stamm, deine Liebesflamm mich ernähre, und verwehre, daß die Welt mich nicht versehre, ob sie mir auch gram, Held aus Davids Stamm! 7. Großer Friedefürst! wie hast du gedürst nach der Menschen Heil und Leben und dich in den Tod gegeben, da du riefst: Mich dürft! großer Frie8. Deinen Frieden gib aus so großer Lieb uns, den Deinen, die dich kennen und nach dir sich Christen nennen; denen du bist lieb, deinen Frieden gib! 9. Wer der Welt abstirbt, emsig sich bewirbt um den lebendigen Glauben, der wird bald empfindlich schauen, daß Niemand verdirbt, der der Welt abstirbt. 10. Nun ergreif ich dich, mein ganzes Ich; ich will nimmermehr dich lassen, sondern gläubig dich umfassen, weil im Glauben ich nun ergreife dich. 11. Wenn ich weinen muß, wird dein Thränenfluß meine Thränen auch begleiten und zu deinen Wunden leiten, daß 13 194 Jesuslieder. mein Thränenfluß bald sich stillen muß. 12. Wenn ich mich aufs Neu wiederum erfreu, freuest du dich auch zugleiche, bis ich dort in deinem Reiche ewiglich aufs Neu mich mit dir erfreu. 13. Hier durch Spott und Hohn, dort die Ehrenfron; hier im Hoffen und im Glauben, dort im Haben und im Schauen; denn die Ehrenfron folgt auf Spott und Hohn. 14. Jesu, hilf, daß ich allhier ritterlich alles durch dich überwinde, und in deinem Sieg empfinde, wie so ritterlich du gekämpft für mich. 15. Du mein Preis und Ruhm, werthe Himmelsblum! in mir soll nun nichts erschal len, als was dir nur kann gefallen, werthe Himmelsblum, du mein Preis und Ruhm! Adam Drese, geb. 1630, † 1718. Eigne Melodie. 287. Wie wohl ist mir, o Freund der Seelen, wenn ich in deiner Liebe ruh! Ich steige aus der Schwermuth " Höhlen und eile deinen Armen zu. Da muß die Nacht des Trauerns scheiden, wenn mit so angenehmen Freuden die Liebe strahlt aus deiner Brust. Hier ist mein Himmel schon auf Erden: wer wollte nicht vergnüget werden, der in dir suchet Ruh und Lust? 2. Die Welt mag meine Feindin heißen: es sey also! Ich trau ihr nicht, wenn sie mir gleich will Lieb erweisen bei einem freundlichen Gesicht. In dir vergnügt sich meine Seele; du bist mein Freund, den ich erwähle; du bleibst mein Freund, wenn Freundschaft weicht. Der Welt Haß kann mich doch nicht fällen, weil in den stärksten Unglückswellen mir deine Treu den Anfer reicht. 3. Will mich des Moses Eifer drücken, blizt auf mich des Gesetzes Weh, droht Straf und Hölle mir im Rücken, so steig ich gläubig in die Höh und flieh in deine heilgen Wunden, da hab ich schon den Ort gefunden, wo mich kein Fluchstrahl treffen kann. Tritt alles wider mich zusammen: du bist mein Heil, wer will verdammen? die Liebe nimmt sich meiner an. 4. Führst du mich in die Kreuzeswüsten, ich folg und lehne mich auf dich. Du nährest aus den Wolkenbrüsten und labest aus dem Felsen mich. Ich traue deinen Wunderwegen, sie enden sich in Lieb und Segen: genug, wenn ich dich bei mir hab. Ich weiß, wen du willst herrlich zieren und über Sonn und Sterne führen, den führest du zuvor hinab. Jesuslieder. 5. Der Tod mag Andern düster scheinen, mir nicht, weil Seele, Herz und Muth in dir, der du verläsfest Keinen, o allerliebstes Leben, ruht. Wen kann des Weges End erschreden, wenn er aus mördervollen Hecken gelanget in die Sicherheit? Mein Licht, so will ich auch mit Freuden aus dieser finstern Wildniß scheiden zu deiner Ruh der Ewigfeit. 6. Wie ist mir dann, o Freund der Seelen, so wohl, wenn ich mich lehn auf dich! Mich kann Welt, Noth und Tod nicht quälen, weil du, mein Gott, vergnügest mich. Laß solche Ruh in dem Gemüthe nach deiner unumschränkten Güte des Himmels süßen Vorschmack seyn. Weg, Welt, mit allen Schmeicheleien! nichts kann als Jesus mich erfreuen. O reicher Trost: mein Freund ist mein! Wolfgang Christoph Deßler, geb. 1660, 1722. Eigne Melodie. 288. Eins ist noth; ach Herr, dieß Eine lehre mich erkennen doch! Alles Andre, wie's auch scheine, ist ja nur ein schweres Joch, darunter das Herze sich naget und plaget und dennoch kein wahres Vergnügen erjaget. Erlang ich dieß Eine, das alles ersetzt, 195 so werd ich mit Einem in Allem ergößt. 2. Seele, willt du dieses finden, suchs bei keiner Creatur; laß, was irdisch ist, dahinten, schwing dich über die Natur, wo Gott und die Menschheit in Einem vereinet, wo alle vollkommene Fülle erscheinet, da, da ist das beste, nothwendigste Theil, mein Ein und mein Alles, mein seligstes Heil. 3. Wie Maria war beslissen auf des Einigen Genieß, da sie sich zu Jesu Füßen voller Andacht niederließ, ihr Herze entbrannte, dieß einzig zu hören, was Jesus, ihr Heiland, sie wollte belehren; ihr Alles war gänzlich in Jesum versenkt, und wurde ihr Alles in Einem geschenkt. 4. Also ist auch mein Verlangen, liebster Jeſu, nur nach dir; laß mich treulich an dir hangen, schenke dich zu eigen mir. Ob Viele zum größeren Haufen sich kehren, so soll doch mein Herze dir einzig gehören; denn dein Wort, o Jesu, ist Leben und Geist; was ist wohl, das man nicht in Jeſu gez neußt? 5. Aller Weisheit höchste Fülle in dir ja verborgen liegt. Gib nur, daß sich auch mein Wille fein in solche Schranken fügt, worinnen die Demuth und Einfalt regieret und mich zu der Weisheit, die himmlisch 13* 1 196 Jesuslieder. ist, führet. Ach, wenn ich nur Jesum recht kenne und weiß, so hab ich der Weisheit vollkommenen Preis. 6. Nichts kann ich vor Gott ja bringen, als nur dich, mein höchstes Gut. Jesu, es muß mir gelingen durch dein theures Opferblut. Die höchste Gerechtigkeit ist mir erworben, da du bist am Stamme des Kreuzes gestorben; die Kleider des Heils ich da habe erlangt, worinnen mein Glaube in Ewigkeit prangt. 7. Nun so gib, daß meine Seele auch nach deinem Bild erwacht; du bist ja, den ich erwähle, mir zur Heiligung gemacht. Was dienet zum göttlichen Wandel und Leben, ist in dir, mein mir Mel. Seelenbräutigam 2c. alles gegeben; entreiße mich 289. Wer ist wohl wie aller vergänglichen Lust; dein Leben sey, Jesu, mir einzig bewußt. 8. Ja, was soll ich mehr verlangen? Mich bedeckt die Gnadenfluth; du bist einmal ein gegangen in das Heilge durch dein Blut; da hast du die ewge Erlösung erfunden, daß ich nun der höllischen Herrschaft entbunden; dein Eingang die völlige Freiheit mir bringt, in findlichem Geiste das Abba nun klingt. Weide mein Hirt Jeſus mich gesett. Nichts Süßres kann also mein Herze erlaben, als wenn ich nur, Jesu, dich immer# soll haben; nichts, nichts ist, das also mich innig erquickt, als wenn ich dich, Jesu, im Glauben erblickt. 10. Drum auch, Jesu, du alleine sollst mein Ein und Alles seyn. Prüf, erfahre, wie ichs meine, tilge allen Heuchelschein; sieh, ob ich auf bösem, betrüglichem Stege, und leite mich, Höchster, auf ewigem Wege; gib, daß ich hier alles nur achte für Koth, und Jesum gewinne: Dieß Eine ist noth. 9. Volles Gnügen, Fried und Freude jeto meine Seel ergößt, weil auf eine frische Johann Heinr. Schröder, geb. 1666,+ 1728. du, Jesu, süße Ruh! Unter Vielen auserforen, Leben derer, die verloren, und ihr Licht. dazu, Jesu, süße Ruh! 2. Leben, das den Tod, mich aus aller Noth zu erlösen, hat geschmecket, meine Schuldenzugedecket und mich aus der Noth hat geführt zu Gott. 3. Glanz der Herrlichkeit, du bist vor der Zeit zum Erlöser uns geschenket und in unser Fleisch versenket in der Füll der Zeit, Glanz der Herrlichkeit! 4. Großer Siegesheld! Tod, Sünd, Höll und Welt, alle Jesuslieder. Kraft des großen Drachen hast du wolln zu Schanden machen durch das Lösegeld deines Bluts, o Held! 5. Höchste Majestät, König und Prophet! deinen Scepter will ich küssen; ich will sizen dir zu Füßen, wie Maria thät, höchste Majestät! 6. Laß mich deinen Ruhm als dein Eigenthum durch des Geistes Licht erkennen, stets in deiner Liebe brennen als dein Eigenthum, allerschönster Ruhm! 7. DeinerSanftmuthSchild, deiner Demuth Bild mir anlege, in mich präge, daß kein Zorn noch Stolz sich rege; vor dir sonst nichts gilt, als dein eigen Bild. 8. Steure meinem Sinn, der zur Welt will hin, daß ich nicht mög von dir wanken, sondern bleiben in den Schranken; sey du mein Gewinn, gib mir deinen Sinn. zu 9. Wecke mich recht auf, daß ich meinen Lauf unverrückt dir fortseße, und mich nicht in seinem Nege Satan halte auf; fördre meinen Lauf. 10. Deines Geistes Trieb in die Seele gib, daß ich wachen mög und beten, freudig vor dein Antlig treten; ungefärbte Lieb in die Seele gib. 11. Wenn der Wellen Macht in der trüben Nacht will des Herzens Schifflein decken, wollst 197 du deine Hand ausstrecken. Habe auf mich Acht, Hüter in der Nacht! 12. Einen Heldenmuth, der da Gut und Blut gern um deinetwillen lasse und des Fleisches Lüste hasse, gib mir, höchstes Gut, durch dein theures Blut. 13. Solls zum Sterben gehn ,. wollst du bei mir stehn, mich durchs Todesthal begleiten und zur Herrlichkeit bereiten, daß ich einst mag sehn mich zur Rechten stehn. Joh. Anaft. Freylinghausen, geb. 1670, † 1739. Mel. Alles ist an Gottes Segen 2c. 290. O wie felig sind die Seelen, die mit Jesu ſich hauch durchweht, daß ihr Herz vermählen, die sein Lebensmit heißem Triebe stündlich nur auf seine Liebe und auf seine Nähe geht. 2. O wer fasset ihre Würde, die bei dieses Leibes Bürde im Verborgnen schon sie schmückt! Alle Himmel sind zu wenig für die Seele, der ihr König solches Siegel aufgedrückt. Univ.- Bibl. Giessen 3. Wenn die Seraphim mit Schrecken sich vor seinem Glanz bedecken, spiegelt sich sein Angesticht in der Seele, die ihn fennet und von seiner Liebe brennet, hier schon mit enthülltem Licht. 4. Nach Jehovas höchsten Jeſuslieder. 198 Ehren wird in allen Himmelschören nichts, das herrlicher, geschaut, als ein Herz, das er erlesen, und mit dem das höchste Wesen sich zu einem Geist vertraut. 5. Drum wer wollte sonst was lieben und sich nicht beständig üben, dieses Königs Freund zu seyn? Muß man gleich dabei was leiden, sich von allen Dingen scheiden, bringts ein Tag doch wieder ein. 6. Schenke, Herr, auf meine Bitte mir ein göttliches Gemüthe, einen königlichen Geist, mich als dir verlobt zu tragen, allem frendig abzusagen, was nur Welt und irdisch heißt. 7. So will ich mich selbst nicht achten, sollte gleich der Leib verschmachten, bleib ich Jesu doch getreu. Sollt ich feinen Trost erblicken, will ich mich damit erquicken, daß ich meines Jesu sev. 8. Ohne Fühlen will ich trauen, bis die Zeit kommt, ihn zu schauen, und vorbei die letzte Nacht, da mein Geist zum obern Leben aus der Tiefe darf entschweben und nach seinem Bild erwacht. Nach Christian Friedrich Nichter ( aus Knapps Liederschap), geb. 1676, † 1711. sich und zu Staub und Asche werden? Suche Jeſum und sein Licht; allesAndre hilft dir nicht. 2. Sammle den zerstreuten Sinn, laß ihn sich zu Gott aufschwingen, richt ihn stets zum Himmel hin, laß ihn in die Gnad eindringen. Suche Jesum und sein Licht; alles Andre hilft dir nicht. 3. Du verlangst oft süße Ruh, dein betrübtes Herz zu laben; eil der Lebensquelle zu, da kannst du sie reichlich haben. Suche Jesum und sein Licht; alles Andre hilft dir nicht. 4. Fliehe die unselge Pein, die das finstre Reich gebieret; laß nur den dein Labsal seyn, der zur Glaubensfreude führet. Suche Jesum und sein Licht; alles Andre hilft dir nicht. 5. Geh einfältig stets einher, laß dir nichts das Ziel verrücken; Gott wird aus dem Liebesmeer dich, den Kranken, wohl erquicken. Suche Jesum und sein Licht; alles Andre hilft dir nicht. 6. Weißt du nicht, daß diese Welt ein ganz ander Wesen heget, als dem Höchsten wohlgefällt, und dein Ursprung dir vorleget? Suche Jesum und sein Licht; alles Andre hilft dir nicht. aus Mel. Meinen Jesum laß zc. 7. Du bist ein 291. Seele, was ermüdst Gott und aus ſeinem Geiſt gedu dich in den Dingen dieser Erden, die doch bald verzehren boren; bleib nicht liegen in dem Tod! bist du nicht zum Reich Jesuslieder. erforen? Suche Jesum und sein Licht; alles Andre hilft dir nicht. 8. Schwinge dich fein oft im Geist über alle Himmelshöhen; laß, was dich zur Erde reißt, weit von dir entfernet stehen. Suche Jesum und sein Licht; alles Andre hilft dir nicht. 9. Nahe dich dem lautern Strom, der vom Thron des Lammes fließet und auf die, so keusch und fromm, sich in reichem Maß ergießet. Suche Jefum und sein Licht; alles Andre hilft dir nicht. 10. Laß dir seine Majestät immerdar vor Augen schweben; laß mit brünstigem Gebet sich dein Herz zu ihm erheben. Suche Jesum und sein Licht; alles Andre hilft dir nicht. 11. Sey im Ulebrigen ganz still, du wirst schon zum Ziel gelangen; glaube, daß sein Liebeswill stillen werde dein Verlangen. Drum such Jesum und sein Licht; alles Andre hilft dir nicht. Jakob Gabriel Wolf, geb. 1684, † 1754. 199 trifft ein solches Schaf bei seinem Hirten an. 2. Hier findet es die angenehmsten Auen, hier wird ihm stets ein frischer Quell entdeckt; kein Auge kann die Gnade überschauen, die es allhier in reicher Menge schmeckt, hier wird ein Leben mitgetheilt, das unaufhörlich ist und nie vorübereilt. ein Schäflein Christi werden, und in der Huld des treusten Hirten stehn! Kein höhrer Stand ist auf der ganzen Erden, als unverrückt dem Heiland nachzugehn. Was alle Welt nicht geben kann, das 3. Wie läßt sichs da so froh und ruhig sterben, wenn hier das Schaf im Schoß des Hirten liegt! Es darf sich nicht vor Höll und Tod entfärben, sein treuer Hirt hat Höll und Tod besiegt. Büßt gleich der Leib die Regung ein, so wird die Seele doch kein Raub des Moders seyn. 4. Das Schäflein bleibt in seines Hirten Händen, wenn gleich vor Zorn der ganze Abgrund schnaubt; es wird es ihm kein wilder Wolf entwenden, weil der allmächtig ist, an den es glaubt. Es kommt nicht um in Ewigkeit, und wird im Todesthal von Furcht und Fall befreit. Mel. Mein Freund zerschmelzt 2c. 5. Wer leben will und gute 292. Wie herrlich ists, Tage sehen, der mache sich zu dieses Hirten Stab; hier wird sein Fuß auf süßer Weide gehen, da ihm die Welt vorhin nur Träber gab. Hier wird nichts Gutes je vermißt, dieweil der Hirt ein Herr der Schäße Gottes ist. 200 Jesuslieder. 6. Doch dieß ist nur der Vorschmack größrer Freuden; es folget noch die lange Ewigfeit; da wird das Lamm die Seinen herrlich weiden, wo der krystallne Strom das Wasser beut. Da siehet man erst klar und frei, wie schön und anserwählt ein Schäflein Jesu sey. Joh. Jakob Rambach, geb. 1693,+ 1735. Mel. Wie wohl ist mir 2c. 293. Ich will dich immer treuer lieben, mein Heiland, gib mir Kraft dazu. Die Welt hat mich lang umgetrieben; nun schenkst du mir die wahre Ruh: die Ruh, mit der nichts zu vergleichen, der alle Königskronen weichen, die uns den Himmel offen zeigt. Ach, daß ich ganz in Lieb zerflöße vor deiner Liebe Wundergröße, die alles Wissen übersteigt. 2. Wie freundlich hast du mich gezogen, wie ging mir dein Erbarmen nach! Ich flohe dich und griff betrogen nach Herzeleid und Ungemach; du aber nahmst ohn mein Verlangen in deiner Liebe mich gefangen und wecktest meinen todten Sinn. Nimm, Seelenfreund, für diese Treue mein ganzes Herz, das ich dir weihe; entreiß mirs doch und nimms dir hin. 3. Ich hange nicht an deinen Gaben, dich, Jesu, such ich ganz allein; soll ich nichts zu genießen haben, ich will auch so zufrieden seyn. Vertausch den Trieb nach Süßigkeiten mit der Begierde, still zu leiden, und mach in allem mich getreu. Nimm hin mein Wollen, Denken, Richten, mein eignes Laufen, Wirken, Dichten, daß nichts denn du mehr übrig sey. 4. Mir ist am seligsten gerathen, wenn ich aus eigner Wahl nichts thu; ein Andrer finn auf große Thaten; mein Geist erblicket eine Ruh, worin er leidend das vollführet, was von des Geistes Trieben rühret, und das heißt recht in Gott gethan. O mischte sich doch in mein Lieben nichts mehr von meinen eignen Trieben, so fing ich recht zu lieben an. 5. Getreuer Jesu, soll ich hoffen, daß meine Liebe treuer werd? Ach ja, dein Herze steht noch offen dem, welcher ernstlich Hülf begehrt. Ich flieh zum Reichthum deiner Güte, durchleucht mein finsteres Gemüthe, daß ich, was du nicht selber bist, erfenn und haß und dämpf und tödte; so schau ich nach der Morgenröthe, wie hell die Sonne selber ist. 3. Adam Flessa, geb. 1694, † 1776. mel. Den die Hirten lobten 2c. 294. Jesu, deiner zu gedenken, kann dem Herzen Jesuslieder. Freude schenken; doch mit welchen Himmelstränken labt uns deine Gegenwart! 2. Lieblicher hat nichts geklungen, holder ist noch nichts gesungen, sanfter nichts ins Herz gedrungen, als: Mein Jesus, Gottes Sohn! 3. Tröstlich, wenn man reuig stehet, herzlich, wenn man vor dir flehet, lieblich, wenn man zu dir gehet, unaussprechlich, wenn du da. 4. Du erquickst das Herz von innen, Lebensquell und Licht der Sinnen! Freude muß vor dir zerrinnen; Niemand sehnt sich gnug nach dir. 5. Schweigt, ihr ungeübten Zungen! welches Lied hat ihn besungen? Niemand weiß, als ders errungen, was die Liebe Christi sey. 6. Mit Maria will ich flehen; ich will früh zum Grabe gehen und ihm nach dem Herzen sehen mit den Augen des Gemüths. 7. Jesu, wunderbarer König, dem die Völker unterthänig; alles ist vor dir zu wenig, du allein bist liebenswerth. 8. Wenn du uns trittst vors, Gesichte, wird es in dem Herzen lichte, alles Eitle wird zunichte, und die Liebe glühet auf. 9. Milder Jesu, laß mirs glücken, laß mich deine Füll erquicken, laß mich dich im 201 Geist erblicken, Herr, in deiner Glorie. 10. Wo ich lebe auf der Erde, such ich dich, o Hirt der Heerde, fröhlich, wenn ich finden werde, selig, wenn ich dich erhalt. 11. König, würdig aller Kränze, Quell der Klarheit ohne Grenze, komm der Seele näher, glänze, bleib du, längst Erwarteter! 12. Jesu, Glorie der Zeiten, gehst du? ich will dich begleiten; bleibt mein Herz nur dir zur Seiten, o so raubt dich Niemand mir. 13. Himmelsbürger, kommt gezogen, öffnet eurer Thore Bogen, ruft, von Freuden überwogen: Holder König, sey gegrüßt! 14. Brunnen der Barmherzigkeiten, Licht der unumschränkten Weiten, treibe weg die Dunkelheiten, gib uns deiner Klarheit Blick. 15. Dich erhöhn des Himmels Heere, dich besingen unsre Chöre; du bist unsre Macht und Ehre, du hast uns mit Gott versöhnt. 16. Jesus herrscht in großem Frieden; er bewahrt ſein Volf hienieden, daß es von ihm ungeschieden, fröhlich ihn erwarten kann. 17. Jesus ist zum Vater gangen, hat den vorgen Glanz empfangen; aber meines Geists 202 Jesuslieder. Verlangen ist ihm dorthin nachgeeilt. 18. Jesus, den wir jetzt mit Loben und mit Psalmen hoch erhoben, Jesus hat aus Gnaden droben Friedensstätten uns bestellt. Nik. Ludwig, Graf v. Zinzendorf ( nach Bernhard v. Clairvaux), geb. 1700,+1760. Mel. Jesu, meine Freude zc. 295. Jesus ist mein Leben, dem ich mich ergeben fest bis in den Tod; er ist meine Sonne, meine Freud und Wonne in der größten Noth. Leid ich gleich in seinem Reich, so werd ich mit ihm regieren und dort triumphiren. 2. Die mit Jesu leiden, werden mit ihm weiden in dem Sternenfeld; die mit Jesu sterben, werden mit ihm erben, wo ihr Reich bestellt. Ihre Kron und Siegeslohn sind, wo Gott die Engel loben, sicher aufgehoben. erscheinet, wenn euch Kreuz befällt; denket doch bei diesem Joch an die Kron in jenem Leben, die euch Gott wird geben. sie allhie dulden, wird sie Gott ergößen mit des Himmels Schätzen. 4. D ihr frommen Seelen, die ihr euch mit Quälen bringet durch die Welt; die ihr öfters weinet, wenn kein Trost 5. Wenn die Sünden kränken, so laßt uns bedenken, daß nach Gottes Rath Jesus Straf erduldet, und was wir verschuldet, ausgestanden hat. Kämpfen wir mit ihm allhier, so wird er uns helfen kämpfen und die Sünde dämpfen. 6. Seyd getreu, ihr Herzen, bei des Kreuzes Schmerzen bis an euer End! Jesus wird euch trösten, wenn er den Erlösten ihr Gefängniß wendt. Nach dem Nu folgt eine Ruh; Gott wird laffen nach dem Weinen euch die Sonne scheinen. 7. Nun, Herr Jesu, stärke, die des Satans Werke und das Reich der Welt in sich lassen stören und sich zu dir kehren, sey ihr starker Held, sey ihr Schuß und starker Truß, Truß im Leben und im Sterben, bis sie alles erben. 3. Die mit Thränen säen, wenn die Winde wehen, die der Feind erweckt, werden dort mit Freuden ernten nach dem Leiden, wo kein Feind mehr ( Aus Freylinghausens Gesangbuch.) Mel. Was Gott thut c. schreckt. Nach der Müh, die 296. Dich, Jeſum, laß ich ewig nicht; dir bleibt mein Herz ergeben. Du kennst dieß Herz, das redlich spricht: Nur Einem will ich leben. Du, du allein, du sollst es seyn; du sollst mein Trost auf Erden, mein Glück im Himmel werden Gott der heilige Geist. 2. Dich, Jesum, laß ich ewig eilst zu mir; wann mich die nicht; ich halte dich im Glau- Feinde haffen, wirst du mich ben. Nichts fann mir meine nicht verlassen. Zuversicht und deine Gnade rauben. Der Glaubensbund hat festen Grund: Die deiner sich nicht schämen, die kann dir Niemand nehmen. 3. Dich, Jesum, laß ich ewig nicht; aus göttlichem Erbarmen gingst du für Sünder ins Gericht und büßtest für mich Armen. Aus Dankbarkeit will ich erfreut um deines Leidens willen die Pflicht der Treu erfüllen. 4. Dich, Jesum, laß ich ewig nicht; du stärkest mich von oben. Auf dich steht meine Zuversicht, wann meine Feinde toben. Ich flieh zu dir; du Gott der heilige Geist. deinen Geist, den uns dein Sohn erbitten heißt, aus deines Himmels Höhen! Wir bitten, wie er uns gelehrt; laß uns doch ja nicht unerhört von deinem Throne gehen. 203 5. Dich, Jesum, laß ich ewig nicht; das Kreuz soll uns nicht scheiden. Es bleibet jedes Gliedes Pflicht, mit seinem Haupt zu leiden. Doch all mein Leid währt kurze Zeit; bald ist es überstanden, und Ruh ist dann vorhanden. 2. Kein Menschenkind hier auf der Erd ist dieser edlen Gabe werth; bei uns ist kein Verdienen; hier gilt gar nichts als Lieb und Gnad, die Christus uns verdienet hat mit Büßen und Verfühnen. 6. Dich, Jesum, laß ich ewig nicht, nie soll mein Glaube wanken; und wann des Leibes Hütte bricht, sterb ich mit dem Gedanken: Mein Freund ist mein, und ich bin sein; er ist mein Schuß, mein Tröster, und ich bin fein Erlöfster. Ehrenfried Liebich, geb. 1713, † 1780. Mel. Kommt her zu mir zc. 3. Es jammert deinen Vader da 297. Gott Bater, sende wir hin durch Adams Fall gefallen; durch dieses Fallen ist die Macht des bösen Geistes leider! bracht auf ihn und auf uns allen. 4. Wir halten, Herr, an unferm Heil und find gewiß, daß wir dein Theil in Christo werden bleiben, die wir durch seinen Tod und Blut des Himmels Erb und höchstes Gut zu haben treulich gläuben. 5. Und das ist auch ein Gnadenwerk und deines heil 204 Gott der heilige Geist. gen Geistes Stärk; in uns ist kein Vermögen. Wie bald würd unser Glaub und Treu, Herr, wo du uns nicht stündest bei, sich in die Asche legen! 6. Dein Geist hält unsers Glaubens Licht, wenn alle Welt darwider ficht mit Sturm und vielen Waffen; und wenn auch gleich der Fürst der Welt selbst wider uns sich legt ins Feld, so kann er doch nichts schaffen. 7. Wo Gottes Geist ist, da ist Sieg; wo dieser hilft, da wird der Krieg gewißlich wohl ablaufen. Was ist doch Satans Reich und Stand? Wenn Gott, der Herr, erhebt die Hand, liegt alles schon bei Haufen. 8. Er reißt der Höllen Band entzwei; er tröst und macht das Herze frei von allem, was uns fränket. Wenn uns des Unglücks Wetter schreckt, so ist ers, der uns schüßt und deckt viel besser, als man denfet. 9. Er macht das bittre Kreuze süß, ist unser Licht in Finsterniß, führt uns als seine Schafe, hält über uns sein Schild und macht, daß seine Heerd in tiefer Nacht mit Fried und Ruhe schlafe. 10. Der Geist, den Gott vom Himmel gibt, der leitet alles, was ihn liebt, auf wohlgebahnten Wegen. Er setzt und richtet unsern Fuß, daß er nicht anders treten muß, als we man findet Segen. 11. Er macht geschickt und rüstet aus die Diener, die des Herren Haus in diesem Leben bauen; er ziert ihr Herz, Muth und Verstand, läßt ihnen, was uns unbekannt, zu unserm Besten schauen. 12. Er öffnet unsers Herzens Thor, wann sie sein Wort in unser Ohr als edlen Samen streuen; er gibet Kraft demselben Wort, und wenn es fället, bringt ers fort und lässets wohl gedeihen. 13. Er lehret uns die Furcht des Herrn, liebt Reinigkeit und wohnet gern in frommen, keuschen Seelen. Was niedrig ist, was Tugend ehrt, was Buße thut und sich befehrt, das pflegt er zu erwählen. 14. Er ist und bleibet stets getren und steht uns auch im Tode bei, wenn alle Ding abstehen; er lindert unsre lette Qual, läßt uns hindurch zum Himmelssaal getrost und fröhlich gehen. 15. O selig, wer in dieser Welt läßt diesem Gaste Haus und Zelt in seiner Seel aufschlagen. Wer ihn aufnimmt in dieser Zeit, den wird er dort zur ewgen Freud in Gottes Hütte tragen. 16. Nun, Herr und Vater aller Güt, hör unsern Wunsch, Gott der heilige Geist. mir Schwachen werd erkannt. geuß ins Gemüth uns allen die Stärke deiner Hand an diese Gabe. Gib deinen Geist, der uns allhier regiere und dort für und für im ewgen Leben labe. Paul Gerhardt, geb. 1606,+1676. Mel. Herr Jesu Christ, meins 2c. 298. Erneure mich, o ewges Licht, und laß von deinem Angesicht mein Herz und Seel mit deinem Schein durchleuchtet und erfüllet seyn. 2. Ertödt in mir die schnöde Luft, feg aus den alten Sündenwust; ach, rüst mich aus mit Kraft und Muth, zu streiten wider Fleisch und Blut. 3. Schaff in mir, Herr, den neuen Geist, der dir mit Lust Gehorsam leist und nichts sonst, als was du willst, will. Ach Herr, mit ihm mein Herz erfüll. 4. Auf dich laß meine Sinnen gehn, laß sie nach dem, was droben, stehn, bis ich dich schau, o ewges Licht, von Angesicht zu Angesicht. Joh. Friedr. Ruopp, † 1708. Mel. Jesu, der du meine Seele zc. 299. Geist vom Bater und vom Sohne, gleicher Majestät und Kraft in dem höchsten Himmelsthrone, gieße neuen Lebenssaft in mein Herz, Seel und Gemüthe, daß der Reichthum deiner Güte und 205 2. Komm, erleuchte meine Sinne; komm, durchstrahle den Verstand, daß die Finsterniß errinne und nicht nehme überhand. Deffne meiner Seelen Augen, daß sie zu erkennen taugen der Geheimniß tiefen Grund, die uns lehret Christi Mund. 3. Niemand ohne dich verspüret reiner Gottesliebe Brunst; wen nicht deine Gnade rühret, den bethöret eitler Dunſt. Komm, ach komm, mein Herz entzünde, daß ich nichts in mir empfinde, als der Liebe heiße Gluth, die allein in Jesu ruht. 4. Laß mich alles Eitle hassen, da die Welt sich drin verliebt, und mit Liebesarmen fassen, dem sich Seel und Geist ergibt, Jesum, den die feuschen Seelen sich für ihren Schatz erwählen, daß ich dessen ganz allein und zu eigen möge seyn. 5. Ach, der Ünflath meiner Sünden ist dir mehr als mir bewußt. Du allein, Herr, fannst ergründen, wie die angeborne Lust, die von Adam ist ererbet, Leib und Seele hat verderbet; drum so steure Fleisch und Blut, das sonst nichts als Böses thut. 6. Gib mir Kraft, zu widerstehen, wenn die böse Lust sich regt. Laß es nimmermehr ge 206 Gott der heilige Geist. schehen, daß ich werde gar erlegt; steh mir in dem Kampf zur Seiten, hilf mir ritterlich bestreiten diesen Feind, der in mir wohnt und mit Tod und Hölle lohnt. 7. Du bist heilig, laß mich werden rein und heilig immer mehr; tödt die Glieder, die auf Erden widerstreben deiner Ehr. Laß mich in dem neuen Leben wachsen und dahin bestreben, daß die Seel mit Gottes Bild auf ein Neues werd erfüllt. 8. Endlich, wenn ich soll durchs Leiden meinem Heiland folgen nach, und zu meines HerrenFreuden gehen durch viel Ungemach: leite mich durch deine Güte, daß mein Geist, Seel und Gemüthe lobe dich in füßem Ton sammt dem Vater und dem Sohn. Gottfried Hoffmann, geb. 1669, 1728. Himmelsthrone, Eines Wesens, Einer Kraft mit Gott Vater und dem Sohne, schwacher Seelen Lebenssaft: ach, ergieße deine Treu in mein Herz und mach es neu, daß Gott selbst mit seiner Gabe Lust, in mir zu wohnen, habe. mir ein, ach, so wird mein Herze rein und auch schon auf diefer Erden eine Wohnung Gottes werden. 2. Du bist Gottes starker Finger, der der Sünden Macht zerbricht, Satans mächtiger Bezwinger, meiner Seelen helles Licht; fehrest du nur bei 3. Geist der Weisheit, komm und leite mich zum rechten Weisheitsquell, geh und stehe mir zur Seite, mach mein finſtres Herze hell; Himmelsglanz es ganz durchleucht, daß es Gottes Sinn erreicht, bis ich nach den Trauerstunden jene Seligkeit gefunden. 5. Geist des Raths, wie oft verschwindet Rath und That in Angst und Noth! Wenn Mel. Freu dich sehr, o 2c. 300. Edler Geiſt im mein Herz nicht Hülfe findet, wenn ich leide, wenn der Tod Herz und Augen niederdrückt, wenn ich traurig und gebückt und vor Jammer muß vergehen, ach, so bleib du bei mir stehen. Leiden steh mir allzeit kräftig 4. Geist des Trostes, in dem bei; wenn die besten Freunde scheiden, bleib du mir bestån dig treu; gib mir ein gelassen Schmerz Trost der Seelen bei Herz, daß ich in dem größten die finde und mich stets mit dir verbinde. 6. Geist der Freuden, mein Gemüthe suchet an dir seine Lust. Schmeckt mein Herz nur deine Güte, so verlachet meine Brust, was die Welt für Lust erdenkt; Weltlust nur die Seele kränkt; rechte Freude muß den Wort Gottes. Frommen einzig von Gott selber kommen. 7. Geist des Betens, lehr mich beten: Abba, Vater in der Höh! Treibe mich, vor Gott zu treten, und gib, wenn Wort 2. Sie lehren eitel falsche List, was eigen Wiß erfindet; ihr Herz nicht Eines Sinnes ist in Gottes Wort gegründet. Der wählet dieß, der ander das; sie trennen uns ohn alle Maß und gleißen schön von außen. Gottes. Psalm 12. Eigne Melodie. zu mir herein; ich hab ihr Klag erhöret. Mein heilsam Wort 301. Ach, Gott vom Him- ſoll auf den Plan, getrost und frisch sie greifen an und seyn die Kraft der Armen. mel, sieh darein und laß dich des erbarmen! Wie wenig sind der Heilgen dein, verlassen sind wir Armen. Dein Wort man läßt nicht haben wahr; der Glaub ist auch verloschen gar bei allen Menschenkindern. 3. Gott woll ausrotten alle Lahr, die falschen Schein uns lehren; dazu ihr Zung stolz offenbar spricht: Trop! wer wills uns wehren? Wir haben Recht und Macht allein; was wir sehzen, das gilt gemein; wer ist, der uns soll meistern? 207 4. Darum spricht Gott: Ich muß auf seyn; die Armen sind verstöret; ihr Seufzen dringt ich vor ihm steh, daß mein Bitten kräftig sey; steh mir stets mit Seufzen bei, sprich in mir in Gottes Namen nach dem Flehn ein kräftig Amen! Johann Gottfried Hermann, geb. 1707, † 1791. 5. Das Silber, durchs Feur siebenmal bewährt, wird lauter funden; an Gottes Wort man warten soll desgleichen alle Stunden. Es will durchs Kreuz bewähret seyn, da wird sein Kraft erkannt und Schein, und leucht stark in die Lande. wahren rein vor diesem argen 6. Das wollst du, Gott, beG'schlechte, und laß uns dir befohlen seyn, daß sichs in uns nicht slechte! Der gottlos Hauf sich umher findt, wo diese lose Leute sind in deinem Volk erhaben. Dr. Martin Luther, geb. 1483,+ 1546. Eigne Melodie. 302. Dieß sind die heilgen zehn Gebot, die uns gab unser Herre Gott durch Mosen, seinen Diener treu, hoch auf dem Berg Sinai. Kyrie eleison! 208 Wort Gottes. 2. Ich bin allein dein Gott, der Herr; fein Götter sollt du baben mehr; du sollt mir ganz vertrauen dich, von Herzensgrund lieben mich. Kyrie eleison! 3. Du sollt nicht führen zu Unehrn den Namen Gottes, deines Herrn; du sollt nicht preisen recht noch gut, ohn was Gott selbst redt und thut. Kyrie eleison! 4. Du sollt heilgen den siebten Tag, daß du und dein Haus ruhen mag; du sollt von deim Thun lassen ab, daß Gott sein Werk in dir hab. Kyrie eleison! 5. Du sollt ehrn und gehorsam seyn dem Vater und der Mutter dein, und wo dein Hand ihn'n dienen kann, so wirst du langs Leben han. Kyrie eleison! 6. Du sollt nicht tödten zorniglich, nicht haffen, noch rächen Geduld ben und sanften Muth, und auch dem Feind thun das Gut. Kyrie eleison! Hand den Armen in deinem Land. Kyrie eleiſon! 9. Du sollt fein falscher Zeuge seyn, nicht lügen auf den Nächsten dein; sein Unschuld sollt auch retten du und seine Schand decken zu. Kyrie eleison! 7. Dein Eh sollt du bewahren rein, daß auch dein Herz kein andre mein, und halten keusch das Leben dein, mit Zucht und Mäßigkeit fein. Kyrie eleison! 10. Du follt deins Nächsten Weib und Haus begehren nicht, noch etwas draus; du sollt ihm wünschen alles Gut, wie dir dein Herz selber thut. Kyrie eleison! 11. Die Gebot all uns geben sind, daß du dein Sünd, o Menschenkind, erkennen sollt und lernen wohl, wie man vor Gott leben soll. Kyrie eleison! 12. Das helf uns der Herr Jesus Christ, der unser Mittler worden ist; es ist mit unserm Thun verlorn, verdienen doch eitel Zorn. Kyrie eleison! Dr. M. Luther, geb. 1483,+ 1546. Eigne Melodie. 303. Herre Gott, dein göttlich Wort ist lang verdunfelt blieben, bis durch dein Gnad uns ist gesagt, was Paulus hat geschrieben und andere Apostel mehr aus deim göttlichen Munde. Das danfen dir mit Fleiß, daß wir erlebet hab'n die Stunde, 8. Du sollt nicht stehlen Geld noch Gut, nicht wuchern Jemands Schweiß und Blut; du sollt aufthun dein milde 2. Daß es mit Macht an Tag ist bracht, wie klärlich ist vor Augen. Ach Gott, mein Herr, erbarm dich der, die dich Wort Gottes. noch jetzt verläugnen, und achten sehr auf Menschenlehr, darin ste doch verderben. Deins Worts Verstand mach ihn'n bekannt, daß sie nicht ewig sterben. Mel. Es spricht der Unweisen 2c. 3. Hilf, Herre Gott, in die- 304. Wir Menschen find ser Noth, daß sich die auch bekehren, die nichts betrachtn, dein Wort verachtn, und wollens auch nicht lehren. Sie sprechen schlecht, es sey nicht recht, und habens nie gelesen, auch nie gehört das edle Wort; ists nicht ein teuflisch Wesen? 4. Ich glaub g'wiß gar, daß es sey wahr, was Paulus uns thut schreiben. Eh muß geschehn, daß alls vergeh, dein göttlich Wort soll bleiben in Ewigkeit, wär es auch leid viel hart verstockten Herzen; kehrn sie nicht um, werden sie darum leiden gar große Schmerzen. 5. Gott ist mein Herr! so bin ich der, dem sterben kommt zu Gute. Dadurch uns hast aus aller Last erlöst mit deinem Blute. Das dank ich dir, drum wirst du mir nach dein'r Verheißung geben, was ich dich bitt; versag mirs nit im Tod und auch im Leben. 209 6. Herr, ich hoff je, du werdest die in keiner Noth verlassen, die dein Wort recht als treue Knecht im Herz und Glauben fassen. Gibst ihn'n bereit die Seligkeit, und läßt sie nicht verderben. O Herr, durch dich, bitt ich, laß mich fröhlich und willig sterben. Paul Speratus(?), geb. 1484, † 1554. zu dem, o Gott, was geistlich ist, untüchtig; dein Wesen, Wille und Gebot ist viel zu hoch und wichtig; wir wissens und verstehens nicht, wo uns dein göttlich Wort und Licht den Weg zu dir nicht weiset. 2. Drum sind vor Zeiten ausgesandt Propheten, deine Knechte, daß durch sie würde wohlbekannt dein Will und deine Rechte; zum letzten ist dein lieber Sohn, o Vater, von des Himmels Thron selbst kommen, uns zu lehren. 3. Für solches Heil, Herr, sey gepreist; laß uns dabek verbleiben, und gib uns deinen guten Geist, daß wir dem Worte gläuben, dasselb annehmen jederzeit mit Sanftmuth, Ehre, Lieb und Freud als Gottes, nicht der Menschen. 4. Hilf, daß der losen Spötter Hauf uns nicht vom Wort abwende; denn ihr Gespött sammt ihnen drauf mit Schrecken nimmt ein Ende. Gib du selbst deinem Donner Kraft, daß deine Lehre in uns haft, auch reichlich bei uns wohne. 5. Deffn uns die Ohren und das Herz, daß wir das Wort 14 210 Wort Gottes. recht fassen, in Lieb und Leid, in Freud und Schmerz es aus der Acht nicht lassen; daß wir nicht Hörer nur allein des Wortes, sondern Thäter seyn, Frucht hundertfältig bringen. 6. Am Wege wird der Same fort vom Mel. O Herre Gott, dein 2c. men; in Fels und Steinen 305, Herr zebaoth, dein kann das Wort die Wurzel nicht bekommen; der Same, so in Dornen fällt, von Sorg und Wollust dieser Welt verdirbet und ersticket. 7. Ach hilf, Herr, daß wir werden gleich allhie dem guten Lande und seyn an guten Werken reich in unserm Amt und Stande, viel Früchte bringen in Geduld, bewahren deine Lehr und Huld in feinem, gutem Herzen. 8. Laß uns, dieweil wir leben hier, den Weg der Sünder meiden; gib, daß wir halten fest an dir in Anfechtung und Leiden. Rott aus die Dornen allzumal, hilf uns die Weltsorg überall und böse Lüste dämpfen. 9. Dein Wort, o Herr, laß allweg seyn die Leuchte unsern erhalt es bei uns flar und rein; hilf, daß wir draus genießen Kraft, Rath und Trost in aller Noth, daß wir im Leben und im Tod beständig darauf trauen. deine Lehr erleuchten mög und leiten. Oheilger Geist, dein göttlich Wort laß in uns wirfen fort und fort Glaub, Lieb, Geduld und Hoffnung. David Denicke, geb. 1603,+ 1680. 10. Gott Vater, laß zu deiner Ehr dein Wort sich weit ausbreiten. Hilf, Jesu, daß uns heilges Wort, das du uns hast gegeben, daß wir darnach an allem Ort solln richten Lehr und Leben, ist worden fund aus deinem Mund und in der Schrift beschrieben rein, schlecht und recht, durch deine Knecht, vom heilgen Geist getrieben. 2. Dieß Wort, das jetzt in Schriften steht, ist fest und unbeweglich; zwar Erd und Himmel untergeht, doch Gottes Wort bleibt ewig; kein Höll, kein Plag, noch jüngster Tag vermag es zu vernichten; drum denen soll seyn ewig wohl, die sich darnach recht richten. 3. Es ist vollkommen, hell und klar, die Richtschnur reiner Lehre; es zeigt uns auch ganz offenbar Gott, feinen Dienst und Ehre, und wie man soll hie leben wohl, Lieb, Hoffnung, Glauben üben; drum fort und fort wir dieses Wort von Herzen sollen lieben. 4. Im Kreuz gibts Luft, in Traurigkeit zeigt es die Freudenquelle; den Sünder, dem die Sünd ist leid, entreißt Wort Gottes. es aus der Hölle, gibt Trost an Hand und macht bekannt, wie man soll willig sterben, und wie zugleich das Himmelreich durch Christum zu ererben. 5. Nun, Herr, erhalt dein heilges Wort, laß uns sein Kraft empfinden; den Feinden steur an allem Ort, zeuch uns zurück von Sünden, so wollen wir dir für und für von ganzem Herzen danken. Herr, unser Hort, laß uns dein Wort fest halten und nicht wanken. Christian Knorr von Rosenroth, geb. 1636, † 1689. Mel. Herzlich thut mich 2c. 306. Wohl dem, der Jesum liebet und dessen Himmelswort, der wird niemals betrübet vons Teufels Höllenmord. Wo Jesus sich befindet, da stehet alles wohl; wer sich auf Jesum gründet, der lebet lebensvoll. rechte Tugendbahn, darauf du müssest reisen, wenn du willst himmelan. 211 3. Bist du vielleicht betrübet, ja wirst du fort und fort in Kreuz und Noth geübet: komm, hier ist Gottes Wort; dieß wird dich schon erquicken, daß, wenn gleich Höll und Welt dich wollten unterdrücken, du doch behältst das Feld. 4. Hast du dich lassen blenden, so daß bald hier, bald dort du tappest an den Wänden: fomm, hier ist Gottes Wort; dieß machet, daß die Blinden sich zu dem rechten Steg hinwieder können finden von ihrem Irreweg. 5. Wirst du gleich auch geführet durch den stockfinstern Ort, da sonst der Tod regieret: komm, hier ist Gottes Wort; dieß ist der Stab und Stecken, mit diesem kannst du dich vors Teufels List und Schrecken beschüßen mächtiglich. 2. Bist du vielleicht verirret vom rechten Lebensport, hat dich die Welt verwirret: komm, hier ist Gottes Wort; dieß Mel. Zeuch meinen Geift 2c. wird dir klärlich weisen die 307. Sollt ich aus Furcht dein seligmachend Wort, daß 6. Hilf, Jesu, daß ich liebe ich mich stets drin übe; hilf, liebster Seelenhort, daß ichs in meinem Herzen bewahr durch deine Huld, damit in Kreuzes Schmerzen es Frucht trag in Geduld. Anna Sophia, Landgräfin von Hessen geb. 1638, † 1683. vor Menschenkindern des Geistes Trieb in mir verhindern und nicht, bei so viel Heuchelschein, ein treuer Zeuge Gottes seyn? 2. Sollt ich des Höchsten Wort verschweigen, und nicht dem Hause Jakob zeigen, wie schändlich sichs vor Gott ver14* 212 Wort Gottes. stellt, darum, weils Menschen nicht gefällt? 3. Sollt ich den falschen Christen heucheln und der gottlosen Rotte schmeicheln um eine Hand voll zeitlich Korn, und zu entgehn der Menschen Zorn? 4. Sollt ich die Bösen selig preisen, die weder Licht noch Glauben weisen, um deren Gunst und Liebeswind, die doch nur Feinde Gottes find? 5. Wer sind sie denn, die mich verlassen und mich als ein Fegopfer hassen? Wer sind ste, die so zorniglich ihr Herz verbittern wider mich? 6. Es sind nur Menschen, die mit Sünden und losen Stricken sich verbinden, ein Nichts, ein Gras, ein schnödes Heu, ein Dampf und leichtverwehte Spreu. 7. So hoch sie sind in ihren Sinnen, so werden sie doch endlich innen, daß all ihr Thun zur Hölle fährt und nur auf kurze Zeit hie währt. 8. Wer bin ich denn, den sie verschmähen? Ists denn auf mich nur angesehen? Ist Gott nicht, der mich reden heißt, und treibt mich nicht sein werther Geist? 9. Wes ist das Amt, das ich hier trage? Wer forderts, daß ichs ihnen sage? Ists nicht des großen Gottes Mund, der thut durch mich sich ihnen fund? 10. Ei, sollt mein Gott mich nicht auch schüßen, wenn sie mit Wüthen auf mich blizen? Sollt dessen Huld in aller Pein mir nicht ein süßes Labsfal seyn? 11. Du kennst mich ja, du Menschenhüter, daß mirs nicht um die schnöden Güter zu thun, noch um die Gunst der Welt, die Manchen so gefangen hält. 12. Die Liebe Christi, die mich dringet, die ists, die mich im Geiste zwinget, mit Rufen, Locken, Bitten, Flehn der Menschen Seelen nachzugehn. 13. Darüber will ich gerne leiden, kein Kreuz noch Spott der Bösen meiden; sey du mir nur bei Hohn und Spott nicht schrecklich, du getreuer Gott! 14. Ich weiß, dein Wort wird endlich siegen, das finstre Reich muß unterliegen; den Sieg wird man in Kurzem sehn, sollts auch durch Märtrerblut geschehn. 15. Ach, stärke du mich doch, mein Retter, damit auch unter Sturm und Wetter mein Es ist gewagt! Gott steh mir Zeugniß fest und freudig sey. bei! Joh. Jof. Windler, geb. 1670, † 1722 Wort Gottes. Mel. Durchbrecher aller c. Seele Werth, Unsterblichkeit und Leben. Zur Ewigkeit ist 308. Herr, dein Wort, diese Zeit von dir mir überdie edle Gabe, diesen Schatz erhalte mir; denn ich zieh es aller Habe und dem größten für. Wort nicht mehr soll gelten, worauf soll der Glaube rubn? Mir ists nicht um tausend Welten, aber um dein Wort zu Ibun. 2. Halleluja, Ja und Amen! Herr, du wolleft auf mich sehn, daß ich mög in deinem Namen fest bei deinem Worte stehn! Laß mich eifrig seyn befliffen, dir zu dienen früh und spat, und zugleich zu deinen Füßen siten, wie Maria Nit. Ludw., Graf v. Zinzendorf, that. geb. 1700, † 1760. Mel. Ach, Gott und Herr 2c. 309. Gott ist mein Hort, und auf sein Wort soll meine Seele trauen. Ich wandle hier, mein Gott, vor dir im Glauben, nicht im Schauen. 2. Dein Wort ist wahr; laß immerdar mich seine Kräfte schmecken; laß keinen Spott, o Herr, mein Gott, mich von dem Glauben schrecken. 213 3. Wo hätt ich Licht, wofern mich nicht dein Wort die Wahrheit lehrte? Gott, ohne sie verstünd ich nie, wie ich dich würdig ehrte. 4. Dein Wort erklärt der geben. Missethat der Sünder zu ver5. Des Ewgen Rath, die fühnen, den kennt ich nicht, wär mir dieß Licht nicht durch dein Wort erschienen. Neu und Schmerz der Sünden 6. Nun darf mein Herz in nicht verzagen; nein, du verzeihst, lehrst meinen Geist ein gläubig Abba sagen. 7. Mich zu erneun, mich dir zu weihn, ist meines Heils Geschäfte. Durch meine Müh vermag ichs nie; dein Wort gibt mir die Kräfte. 8. Herr, unser Hort, laß uns dieß Wort; denn du hasts uns gegeben. Es sey mein Theil ,. es sey mir Heil und Kraft zum ewgen Leben! Christian Fürchteg. Gellert, geb. 1715,+ 1769. Mel. Ich armer Mensch zc. 310. Dein Wort, o Höchster, ist vollkommen; es lehrt uns unsre ganze Pflicht; es gibt dem Sünder und dem Frommen zum Leben sichern Unterricht. O selig, wer es achtsam hört, bewahrt und mit Gehorsam ehrt! 2. Es leuchtet uns auf unsern Wegen, zerstreut des Irrthums Finsterniß, verkündigt Gnade, Heil und Segen und 214 Wort Gottes. machet unser Herz gewiß. Es lehrt uns, Höchster, was du bist, und was dir wohlgefällig ist. 3. Dein Wort ermuntert, dich zu lieben, lehrt, wie viel Guts du denen gibst, die dein Gebot mit Freuden üben, und wie du väterlich uns liebst. Und was, o Herr, dein Mund verspricht, bleibt ewig wahr und trüget nicht. 4. Herr, deine Tröstungen sind besser, als alles Silber, Gold und Geld, ein Schaß, weit köstlicher und größer, als alle Schäße dieser Welt. Wer das thut, was dein Wort gebeut, dem ist dein Segen stets bereit. 5. Drum laß auch mich mit Lust betrachten, was mich dein Wort, o Höchster, lehrt. Laß mich darauf gehorsam achten, was dein Befehl von mir begehrt: so fließen Trost und Seelenruh auch mir aus deinem Worte zu. J. A. Cramer, geb. 1723,+1788,( nach dem bayr. Gesangbuch von 1811.) Mel. Liebster Jesu, wir sind 2c. 311. Herr, mein Licht, erleuchte mich, daß ich dich und mich erkenne; daß ich voll Vertrauen dich meinen Gott und Vater nenne. Wahrheit lehrt dein Wort auf Erden; laß mich dadurch weise werden. 2. Lautre Wahrheit ist dein Wort; lehre mich es recht verstehen; hilf du selbst mir, immerfort deutlicher es einzusehen, was zu meinem Heil mich führet, was zu meiden mir gebühret. 3. Aber laß mich nicht allein richtig seinen Sinn verstehen; laß mich auch beslissen seyn, den erkannten Weg zu gehen; sonst würd ich bei allem Wissen seinen Trost entbehren müssen. 4. Folg ich seinem Unterricht, so werd ichs an mir erfahren, was es denen fest verspricht, die es hören und bewahren; mir auch wird es dann im Leiden eine Quelle wahrer Freuden. 5. Laß mich hier schon in der Zeit dein Erkenntniß stets vermehren. Find ich manche Dunkelheit bei des Glaubens hohen Lehren: laß mich Zweifelsucht entfernen und in Demuth glauben lernen. 6. Immer lenke meinen Sinn von dem Wechselglück der Erde auf den ewigen Gewinn, daß ich frei und selig werde. Was sind Güter dieser Zeiten gegen jene Herrlichkeiten? 7. Gib mir täglich neue Kraft, deinem Wort gemäß zu handeln und vor dir gewissenhaft als dein treues Kind zu wandeln, so wird einst in jez nem Leben mich ein hellres Licht umgeben. Nach Heinrich Corn. Hecker, geb. 1699, † 1743, von Johann Sam. Diterich geb. 1721, † 1797. Kirche und Reich Gottes. Kirche und Reich Gottes. Mel. Wo Gott, der Herr, nicht zc. 312. War Gott nicht mit uns diese Zeit, so soll If rael sagen, wär Gott nicht mit uns diese Zeit, wir bätten mußt verzagen, die so ein armes Häuflein sind, veracht von so viel Menschenkind, die an uns setzen alle. 2. Auf uns ist so zornig ihr Sinn, wo Gott hätt das zugeben, verschlungen hätten fie uns hin mit ganzem Leib und Leben; wir wärn als die ein Fluth ersäuft, und über die groß Wasser läuft und mit Gewalt verschwemmet. 3. Gott Lob und Dank, der nicht zugab, daß ihr Schlund uns möcht fangen; wie ein Vogel des Stricks kommt ab, ist unser Seel entgangen; Strick ist entzwei, und wir sind frei; des Herren Name steht uns bei, des Gotts Himmels und Erden. Dr. M. Luther, geb. 1483, † 1546. Eigne Melodie. 313. Erhalt uns, Herr, bei deinem Wort und steure deiner Feinde Mord, die Jefum Christum, deinen Sohn, wollen stürzen von deinem Thron. 2. Beweis dein Macht, Herr Jesu Christ, der du 215 Herr aller Herren bist, bedaß sie dich lob in Ewigkeit. schirm dein arme Christenheit, daß sie dich lob in Ewigkeit. 3. Gott, heilger Geist, du Tröster werth, gib deim Voll ein'rlei Sinn auf Erd, steh bei uns in der letzten Noth, gleit uns ins Leben aus dem Tod. Dr. M. Luther, geb. 1483, 1546. Mel. Erhalt uns, Herr 2c. 314. Ach bleib bei uns, Herr Jesu Christ, weil es nun Abend worden ist; dein göttlichs Wort, das helle Licht, laß ja bei uns auslöschen nicht. 2. In dieser schwer'n, betrübten Zeit verleih uns, Herr, Beständigkeit, daß wir dein Wort und Sacrament rein b'halten bis an unser End. 3. Du aber selbst dein Kirch erhalt, wir sind ſonst sicher, faul und kalt; gib Glück und Heil zu deinem Wort, schaff, daß es schall an manchem Ort. 4. Erhalt uns nur bei deinem Wort und wehr des Teufels Trug und Mord. Gib deiner Kirchen Gnad und Huld, Fried, Einigkeit, Muth und Geduld. 5. Ach Gott, es geht gar übel zu; auf dieser Erd ist keine Ruh; viel Secten und 216 Kirche und Reich Gottes. groß Schwärmerei auf einen Haufen kommt herbei. 6. Den frechen Geistern wehre doch, die sich mit G'walt erheben hoch, und bringen stets was Neues her, zu fälschen deine rechte Lehr. 7. Die Lehr und Ehr, Herr Jesu Christ, nicht unser, sondern ja dein ist; darum so steh du denen bei, die bei deim Wort fich finden frei. 8. Dein Wort ist unsers Herzens Truß und deiner Kirchen starker Schuß; dabei erhalt uns, lieber Herr, daß wir nichts Bessers suchen mehr. 9. Gib, daß wir leben in deim Wort und darauf muthig fahren fort von hinnen aus dem Jammerthal zu dir in deinen Himmelsfaal. Nif. Selnecker, geb. 1582, † 1592. Eigne Melodie. 315. 3ion flagt mit Angst und Schmerzen, Zion, Gottes werthe Stadt, die er trägt in seinem Herzen, die er ihm erwählet hat. Ach, spricht sie, wie hat mein Gott mich verlassen in der Noth, und läßt mich mit Jammer pressen! Meiner hat er ganz vergessen. 2. Der Gott, der mir hat versprochen seinen Beistand in dem Leid, der läßt sich vergebens suchen jetzt in meiner Traurigkeit. Ach, will er denn für und für grauſam zürnen über mir? Kann und will er sich der Armen jetzt nicht, wie vorhin, erbarmen? 3. Zion, o du Vielgeliebte, sprach zu ihr des Herren Mund, zwar du bist jetzt die Betrübte, Seel und Geist ist dir verwundt; doch stell alles Trauern ein; wo mag eine Mutter seyn, die ihr eigen Kind fann hassen und aus ihrer Sorge lassen? 4. Ja, wenn man auch sollte finden einen solchen Mutterfinn, da die Liebe könnt verschwinden, so bleib ich doch, der ich bin; meine Treu bleibt gegen dir, Zion, o du meine 3ier! mein Herz hast du mir besessen; deiner fann ich nicht vergessen. 5. Laß dich nicht den Satan blenden, der sonst nichts als schrecken kann; schau doch, hier in meinen Händen hab ich dich geschrieben an. Wie kann es denn anders seyn? Ich muß ja gedenken dein; deine Mauern will ich bauen und dich fort und fort anschauen. den Augen; du liegst mir in 6. Du bist mir stets vor meinem Schoß, wie die KindLein, die noch saugen; meine Treu zu dir ist groß. Dich und mich soll keine Zeit, keine Noth, Gefahr noch Streit, ja die Hölle selbst nicht scheiden. Bleib getreu in allem Leiden! Joh. Heermann, geb. 1585, † 1647. Kirche und Reich Gottes. Mel. Kommt her zu mir ic. zugleich der Obrigkeit gewähre; Friede dem Herzen, Friede dem 316. Verzage nicht, du Gewissen gib zu genießen. obschon die Güt erhoben; also wird ewig 4. Also wird zeitlich deine und ohn Ende loben dich, o du Wächter deiner Heerde, Himmel und Erde. Matthä. Apelles von Löwenstern, geb. 1594,+ 1648. armen Häuflein klein, Feinde willens seyn, dich gänzlich zu verstören, und suchen deinen Untergang, davon dir wird recht angst und bang; es wird nicht lange währen. 2. Tröste dich nur, daß deine Sach ist Gottes, dem befiehl die Rach und laß es ihn nur walten; er wird durch seinen Gideon, den er wohl weiß, dir helfen schon, dich und sein Wort erhalten. 3. So wahr Gott Gott ist und sein Wort, muß Welt, Teufel und Höllenpfort, und was dem thut anhangen, endlich werden zu Schand und Spott. Gott ist mit uns, und wir mit Gott; den Sieg wolln wir erlangen. 1654. ( Guſtav Adolphs Schlachtgefang bei Füßen.) 7 Me 1. Herzliebster Jefu zc. 317. Christe, du Beistand deiner Kreuzgemeine, eile, mit Hülf und Rettung uns erscheine; steure den Feinden, ihre Blutgerichte mache zu nichte. 2. Streite doch selber für uns arme Kinder; wehre dem Teufel, seine Macht verhinder; alles, was kämpfet wider deine Glieder, stürze darnieder. 217 3. Friede bei Kirch und Schulen uns beschere; Friede Mel. Zion klagt mit Angst zc. 318. 3ion, gib dich nur zufrieden, Gott ist noch bei dir darin; du bist nicht von ihm geschieden, er hat einen Vatersinn. Wenn er straft, so liebt er auch, dieß ist sein geliebter Brauch: Zion, lerne dieß bedenken; warum willst du dich so fränken? 2. Treiben dich die Meereswellen in der wilden, tiefen See, wollen sie dich gar zerschellen, mußt du rufen: Ach und Weh! schweigt dein Heiland still dazu, gleich als fend in der Ruh: Zion, laß dich nicht bewegen; diese Fluth wird bald sich legen. 3. Berg und Felsen mögen weichen, ob sie noch so feste stehn; ja die ganze Welt desgleichen möchte gar auch untergehn; dennoch hat es feine Noth in dem Leben und im Tod: Zion, du kannst doch nicht wanken aus des ewgen Bundes Schranken. 4. Müssen schon allhier die Kirche und Reich Gottes. Thränen oft dein Trank und ten sterben, sollen leben für Speise seyn; stimmt dein Seufzen und dein Stöhnen auch in deine Lieder ein; fränkt der Neid dir Herz und Muth, kommst du hier um Hab und Gut: Zion, laß dir doch nicht grauen; du kannst deinem Gott vertrauen. und für. Dort ist nicht mehr Angst und Qual in dem schönen Himmelsfaal: Zion, wer will dich nun scheiden von dem Lamm und ewgen Freuden? Joachim Pauli, um 1660. mit 5. Droht man dir mit Schmach und Banden, viel Qual und Herzeleid, den noch wirst du nicht zu Schan noch wirst du nicht zu Schanden, denk nur an die Ewigfeit; sey getrost und wohlge muth; denn der Herr ists, der es thut: Zion, Gott wird dich schon stärken; dieses mußt du eben merken. 218 6. Freue dich, es kommt das Ende und der Abend schon herbei; gib dich nur in Gottes Hände, der macht dich von allem frei. Für die Trübfal, Spott und Hohn gibt er dir die Freudenkron: Zion, Gott, dein Schuß, wird wachen und die Welt zu Schanden machen. 7. Halleluja! deine Wonne bricht anjeßt mit Macht herfür; denn die schöne Gnaden sonne, Jesus Christus, naht zu dir, gibt dir einen Freudengruß und den rechten Friedenskuß: Zion, wo ist nun dein Klagen? jetzt kannst du von Freuden sagen. 8. Freuet euch, ihr Himmélserben, freuet euch mit Zion hier! Die vor Jammer wollMel. Mein Herzens- Jesu zc. 319. Bater der Barmherzigkeit, der du dir deine Heerden gesammelt zur Apostelzeit und herrlich lassen werden, du hast durch deines Geistes Kraft die große Schaar der Heidenschaft zu deinem Reich berufen. 2. Aus ihrer Mannigfaltigkeit des Streits und vieler Sprachen, dadurch sie in der Welt zerstreut sich von einander brachen, hat sie dein guter Geist geführt und sie mit Herrlichkeit geziert in Einigkeit des Glaubens. 3. Ach, sey doch auch zu dieser Zeit uns, Vater, wieder gnädig, und mach uns von dem Zank und Streit hinwieder frei und ledig. Gib, daß dein Häuflein für und für in Einem Geiste diene dir, in deiner Liebe lebe. 4. Ach, sich doch, wie des Satans List sie jämmerlich zertrennet, wie man im Streit der Lieb vergißt, im Unver stande brennet, wie alles in Verwirrung geht, da Eins das Kirche und Reich Gottes. Andre nicht versteht und sich um nichts entzweiet. 5. Ach, Herr, hilfsolchem Uebel ab, versammle deine Heerde, daß unter deines Wortes Stab sie wieder einig werde, und das Band der Vollkommenheit, die Liebe, uns aus allem Streit in deinem Geiste bringe. 6. Wie lieblich ists, wenn Brüder sich in rechter Treu verbinden, im Haus des Herrn einmüthiglich sich stets zusammenfinden, wenn sie im Geist zusammenstehn, zu Gott in Einem Sinne gehn und halten an mit Beten. 7. Gleichwie der edle Balsam dort von Aarons Haupte quillet, der ringsumher den ganzen Ort mit Wohlgeruch erfüllet, und wie vom Hermon fällt der Thau ringsum auf Zions Berg und Au und alles Land erquicket: 8. Also fleußt Gottes Geist und Gnad von Christo zu uns nieder auf die, so er erwählet hat, auf alle seine Glieder. Das ist die Frucht der Einigfeit: Heil, Segen, Leben alle Zeit und alle Himmelsgüter. Heinr. Georg Neuß, geb. 1654,+1716. Eigne Melodie. 219 dringe durch die enge Pfort! fahre fort, fahre fort! 2. Leide dich, leide dich, Zion, leide ohne Scheu Trübsal, Angst mit Spott und Hohne, sey bis in den Tod getreu, siehe auf die Lebensfrone! Zion, fühlest du der Schlangen Stich: leide dich, leide dich! 3. Folge nicht, folge nicht, Zion, folge nicht der Welt, die dich suchet groß zu machen; achte nichts ihr Gut und Geld, nimm nicht an das Bild des Drachen! Zion, wenn sie dir viel Lust verspricht, folge nicht, folge nicht! 4. Prüfe recht, prüfe recht, Zion, prüfe recht den Geist, der dir ruft zu beiden Seiten; thue nicht, was er dich heißt, laß nur deinen Stern dich leiten; Zion, beides das, was frumm und schlecht, prüfe recht, prüfe recht! 5. Dringe ein, dringe ein, Zion, dringe ein in Gott, stärke dich mit Geist und Leben; sey nicht wie die Andern todt, sey du gleich den grünen Reben; Zion, in die Kraft für Heuchelschein dringe ein, dringe ein! 6. Brich herfür, brich her320. Jahre fort, fahre für, Zion, brich herfür in Kraft, fort, Zion, fahre fort im Licht! mache deinen Leuchter helle, laß die erste Liebe nicht, suche stets die Lebensquelle; Zion, weil die Bruderliebe brennet; zeige, was der in dir schafft, der als seine Braut dich fennet; Zion, durch die dir ge 220 Kirche und Reich Gottes. gebne Thür brich herfür, brich berfür! 7. Halte aus, halte aus, Zion, halte deine Treu, laß dich ja nicht laulich finden; auf, das Kleinod rückt herbei; auf, verlasse, was dahinten: Zion, in dem letzten Kampf und Strauß halte aus, halte aus! Joh. Euseb. Schmidt, geb. 1669, † 1745. Mel. Jesu, hilf fiegen 2c. 321. Großer Immanuel, schaue von oben auf dein erlöstes, erkauftes Geschlecht; siehe doch, wie die Tyrannen noch toben, wie sie verkehren die Wahrheit und Recht! Lügen und Irrthum muß gelten auf Erden; Unschuld und Wahrheit muß Keßerei werden. 2. Seelen, die sonsten sehr eifrig gerungen, werden jetzt müde und schlafen fast ein. Scheints doch, als wenn sie der Arge bezwungen, nicht mehr so eifrig im Kampfe zu seyn Alles wird irre, weil Argwohn regieret und auch einfältige Herzen verführet. 3. Schmerzlich erfährt man, wie Kinder sich trennen, welche die himmlische Mutter gebiert; wie auch die Brüder einander nicht kennen, herzliche Freundschaft sich täglich verliert, Viele sich scheiden, und Viele sich spalten, weil man die Liebe so läsſet erfalten. 4. Lange, ach lange schon seufzen die Deinen, daß man uns Freiheit und Freudigkeit kränkt, mit dir, o Heiland, es treulich zu meinen, recht zu gebrauchen, was du uns geschenkt. Wolln wir dir dienen in heiliger Stille, sagt man, es sey das nur eigener Wille. 5. Weil denn die Armen so seufzen und stöhnen, komm doch, o Jesu, und mache dich auf; rett uns von Allen, die froßig uns höhnen und uns aufhalten in unserem Lauf; kräftig und freudig die Wahrheit zu lehren, wollest du schenken, dem Vater zu Ehren. dann dir bringen nach dem 6. Willige Opfer wird alsTriumphe die heilige Schaar; liebliche Lieder da werden erklingen, wenn nun beginnet das selige Jahr, welches zu Zions Errettung erscheinet und uns zur völligen Freude vereinet. Christian Andr. Bernstein, † 1699. Mel. Wie groß ist des ic. 322. Ich lobe dich von ganzer Seelen, daß du auf diesem Erdenkreis dir wollen eine Kirch erwählen, o Gott, zu deines Namens Preis, darinnen sich viel Menschen finden zu einer heiligen Gemein, auf daß von allen ihren Sünden sie Christi Blut nun wasche rein. Kirche und Reich Gottes. 2. Du rufest auch noch heut in Lieb und Treu sich rüsten zu Tage, daß Jedermann erscheinen soll; man höret immer deine Klage, daß nicht dein Haus will werden voll; deswegen schickst du auf die Straßen, zu laden Alle, die man findt, und willst auch die berufen lassen, die blind und lahm und Krüppel sind. 3. Du hast dir, Gott, aus vielen Zungen der Völker eine Kirch erbaut, darinnen dein Lob wird besungen, die deinem Worte gläubig traut; du haft ihr Christum ja gegeben zu ihrem königlichen Haupt: so führ es nun zum rechten Leben, was deine heilge Kirche glaubt. 4. Wir wollen auf nichts Andres gründen, als auf den Grund, den du gelegt; hilf uns aus Gnaden überwinden, weil stets auch noch der Feind sich regt; und wo noch Runzeln sind und Flecken, die Christi Braut sich angehängt, die wollst du mit der Liebe decken, mit der du uns den Sohn geschenkt. 5. Erhalt uns, Herr, im wahren Glauben und frommen Leben bis ans End; ach, laß uns ja den Schatz nicht rauben: dein heilig Wort und Sacrament. Erfüll die Herzen deiner Christen mit Geistessegen, Fried und Freud, daß sie 221 zur ungefärbten Einigkeit. Friedr. Conr. Hiller, geb. 1662, † 1726. Mel. Mein Herzens- Jesu 2c. 323. Ich glaube, daß die Heiligen im Geist Gemeinschaft haben, weil sie in Einer Gnade stehn und Eines Geistes Gaben. So Viele Christus machet rein, die haben all sein Gut gemein und alle Himmelsschätze. 2. 3war nicht das gleiche Schicksal fällt hienieden jedem Gliede; es dauern noch in dieser Welt die äußern Unterschiede: dem Einen fällt ein armes Loos, der Andre ist geehrt und groß; das will ein Christ nicht ändern. 3. Doch in der neuen Creatur ist Keiner klein, noch gröBer; wir haben Einen Christus nur, den einigen Erlöser, das Licht, das Heil, den Morgenstern; Wort, Tauf und Nachtmahl unsers Herrn ist Allen gleich geschenket. 4. Da ist fein Knecht, noch Freier mehr; da sind sie alle Kinder; der Reichthum macht hier feine Ehr, die Armuth feinen Sünder. Gott sieht hier nicht Personen an, indem der Reiche arm seyn kann, der Arme reich an Gnaden. 5. Die Sonne der Gerechtigkeit will Allen Gnade geben; der Geist gibt Allen allezeit als 222 Kirche und Reich Gottes. Gottes Odem Leben, weil uns der Vater alle liebt, so wie der Himmel uns umgibt; wir haben gleiche Güter. 6. Ein Himmel, Eine Seligkeit, Ein Vorbild und Ein Hoffen, Ein Recht, Ein Vaterherz im Leid, Ein Segen steht uns offen. Uns führt Gin Weg dem Himmel zu, wir hoffen alle Eine Ruh, allein durch Einen Glauben. 7. Wir leiden mit, wir ziehen an ein herzliches Erbarmen; und wenn das Herz nichts weiter kann, so seufzt es für die Armen. Denn solch ein Glied, dem durch sein Herz nicht geht der andern Glieder Schmerz, das hat gewiß fein Leben. 8. So trägt ein Glied des andern Last um seines Hauptes willen; wer seiner Brüder Lasten faßt, lernt das Geseß erfüllen, wo Christus uns zum Vorbild geht; dieß königlich Gebot besteht in Einem Wörtlein: Liebe! 9. Wie ist der Heilige so groß, der mir hier vorgegangen, mit dem ich als ein Kreuzgenoß Gemeinschaft soll erlangen! Bedenk, mein Herze, wer es ist! es ist der Heiland, Jesus Christ, der Sohn des Allerhöchsten. 10. Ich will mich der Gemeinschaft nicht der Heiligen entziehen; wenn meine Brüder Noth ansicht, so will ich sie nicht fliehen. Hab ich Gemeinschaft an dem Leid, so laß mich an der Herrlichkeit auch einst Gemeinschaft haben! Phil. Fr. Hiller, geb. 1699,+ 1769, Mel. Mein Jesu, dem die Seraphinen 2c. 324. Dein Wort, o Herr, bringt uns zusammen, daß wir in der Gemeinschaft stehn; es läßt an uns die süßen Flammen des Glaubens und der Liebe sehn; wir werden durch das Wort der Gnaden auch zur Gemeinschaft jener Schaar, die um das Lamm beständig war, gelockt und kräftig eingeladen. 2. Nur Menschen, die von Gott geboren, die unter Einem Haupte stehn, die hat der Herr sich auserforen ,. die läßt er Wunderliebe sehn. Gemeinschaft mit dem Vater haben und mit dem Sohn im heilgen Geist, das ist, was ihre Seele speist; nur das kann sie vollkommen laben. 3. Der Glaubensgrund, auf dem wir stehen, ist Christus und sein theures Blut; das einge Ziel, darauf wir sehen, istChristus, unser höchstesGut; sein Wort die Regel, die wir kennen, sein Geist das Band, das uns umschlingt; die Seelen all, die er durchdringt, sind, was wir beilge Kirche nennen. Kirche und Reich Gottes. 4. Was ist das für ein himmlisch Leben, mit Vater, Sohn und heilgem Geist in seliger Gemeinschaft schweben, genießen das, was Gott geneußt! Wie flammen da die ſüßen Triebe! Gott schüttet in sein geistlich Haus die ganze Gnadenfülle aus; hie wohnet Gott, die ewge Liebe. 5. Der Vater liebt und herzt die Kinder und schenkt den Geist, der Abba schreit; des Sohnes Treue schmückt die Sünder mit ewiger Gerechtigfeit; der heilge Geist tritt mit dem Dele des Friedens und der Freude zu; dann schmeckt das Herz die Gottes- Ruh; die Kraft durchdringet Leib und Seele. 6. Die Eines Herren Leib gegessen, die stehen auch für Einen Mann; macht sich der Feind an eins vermessen, sobald greift er sie alle an; sie fallen betend Gott zu Füßen und siegen in des Herren Kraft; sie wollen von der Brüderschaft der Heilgen nicht das Kleinste missen. 7. Sie wallen mit verbundnen Herzen durchs Thränenthal ins Vaterland, versüßen sich die bittern Schmerzen; eins reicht dem andern seine Hand, und wollen sich mit Freuden dienen, mit Herz und Auge, Hand und Fuß, bis zu dem 223 völligen. Genuß des großen Guts: ich, ich in ihnen! Aus Bunsens Gesangbuch. 325. Wenn 325. Wenn Chriſtus ſeine Kirche schützt, so mag die Rechten Gottes fizt, hat Macht, Hölle wüthen; er, der zur ihr zu gebieten. Er ist mit stehts da. Hülfe nah; wenn er gebeut, Er schüßet seinen Ruhm und hält das Christenthum; mag doch die Hölle wüthen. 2. Gott sieht die Fürsten auf dem Thron sich wider ihn empören; denn den Gesalbten, seinen Sohn, den wollen sie nicht ehren. Sie schämen sich des Worts, des Heilands, uns fers Horts; sein Kreuz ist selbst ihr Spott; doch ihrer Lachet Gott. Sie mögen sich empören! 3. Der Frevler mag die Wahrheit schmähn; uns kann er sie nicht rauben. Der Unchrist mag ihr widerstehn; wir halten fest am Glauben. Gelobt sey Jesus Christ! Wer hier sein Jünger ist, sein Wort von Herzen hält, dem kann die ganze Welt die Seligkeit nicht rauben. 4. Auf, Christen, die ihr ihm vertraut, laßt euch kein Drohn erschrecken! Der Gott, der von dem, Himmel, schaut, wird uns gewiß bedecken. Der 224 Kirche und Reich Gottes. Herr Herr Zebaoth hält über fein Gebot, gibt uns Geduld in Noth und Kraft und Muth im Tod; was will uns denn erschrecken? Ghriftian Fürchteg. Gellert, geb. 1715, † 1769. Mel. Es ist das Heil zc. 326. Die Feinde deines Kreuzes drohn, dein Reich, Herr, zu zerstören. Du aber, Mittler, Gottes Sohn, kannst ihrem Troße wehren. Dein Thron bestehet ewiglich; vergeblich wird sich wider dich die Macht der Hölle rüsten. 2. Dein Reich ist nicht von dieser Welt, kein Werk von Menschenkindern; drum konnt auch keine Macht der Welt, Herr, seinen Fortgang hindern. Dein Erbe bleibt dir immerdar und wird selbst durch der Feinde Schaar zu deinem Ruhm sich mehren. 3. Du wollest deine Herrschaft noch auf Erden weit verbreiten, und unter deinem sanften Joch zum Heil die Völker leiten! Vom Aufgang bis zum Niedergang bring alle Welt dir Preis und Dank und glaub an deinen Namen! 4. Auch deine Feinde, die dich schmähn, die frevelnd sich empören, laß deiner Gnade Wunder sehn, daß sie sich noch befehren! Lehr sie mit uns gen Himmel schaun und unerschüttert im Vertraun auf deine Zukunft warten. 5. Uns, deine Gläubgen, wollest du fest in der Wahrheit gründen, daß wir für unsre Seelen Ruh in deiner Gnade finden. Mach unsers Glaubens uns gewiß; vor Irrthum und vor Finsterniß bewahr uns bis ans Ende. 6. Dein Geist führ uns auf ebner Bahn und heilge unsern Willen, so wird dein Volk dir unterthan, gern dein Geseß erfüllen, bis du erscheinest zum Gericht und dann vor deinem Angesicht die Menschenkinder sammelst 7. Voll Zuversicht erwarten dich, Herr, alle deine Frommen, und freun des großen derkommen. Dann werden wir, Tages sich, da du wirst wieo Gottessohn, den uns verheißnen Gnadenlohn, dein Himmelreich, ererben. Balthaf. Münter, geb. 1735, † 1793. Mel. Mein Herzens- Jesu zc. 327. Jefu, Licht und Heil der Welt, der du in die fem Leben dein Wort, das Gottes Rath enthält, zur Nichtschnur uns gegeben, du bist der Herr der Christenheit, die du voll Huld und Freundlichfeit dir aus den Menschen sammelst. 2. Du willst sie als dein Eigenthum zur wahren Weis Missionslieder. heit leiten, und durch dein Evangelium zur Seligkeit bereiten. Du, Herr, bist groß von Rath und That, und was dein Mund versprochen hat, wirst du gewiß erfüllen. 3. Du bist der Deinen Trost und Heil; so viel nur an dich glauben, die haben an dem Segen Theil, den uns kein Feind kann rauben. Zufrieden heit und Himmelsruh fließt allen schon auf Erden zu; dein ist des Guten Fülle. 4. Mag auch der Spötter immerhin auf deinen Ruf nicht hören, und mancher in verkehrtem Sinn sich wider dich empören: es fällt doch deine Kirche nie; du hältst, und du beschüßest sie durch deines Geiz ftes Weisheit. 5. Dein ist das Reich und dein die Kraft; wer sollte dir 225 nicht trauen? auf dich, der alles kann und schafft, nicht seine Hoffnung bauen? Dein Heil ist unser höchstes Gut; hilf, daß wir stets mit frohem Muth dich vor der Welt bekennen. Eigne Melodie. 328. Es woll uns Gott genädig seyn und seinen Segen geben; sein Antlig uns mit hellem Schein erleucht zum ewgen Leben, daß wir erkennen seine Werk, und was ihm liebt auf Erden, und Jesus Christus Heil und Stärk befannt den Heiden werden und sie zu Gott bekehren. manchen Streit auch mit uns 6. Zwar kämpfen wir noch selbst auf Erden; doch werden Streit auch mit uns erhoben werden. Dann endet zur Vollkommenheit auch wir sich der Deinen Müh; dan frönest und belohnst du sie mit Preis und ewger Freude. 7. Dann sehn wir dich in Majestät, und uns gleich deinen Engeln zu nie empfundnem Glück erhöht, befreit von allen Mängeln. Dann preisen wir frohlockend dich, daß deine Macht und Gnade sich so hoch an uns verherrlicht! Joh. Sam. Diterich, geb. 1721, † 1797. Missionslieder. 2. So danken, Gott, und loben dich die Heiden überalle, und alle Welt die freue sich und sing mit großem Schalle, daß du auf Erden Richter bist und läßt die Sünd nicht walten; dein Wort die Hut und Weide ist, die alles Volk erhalten, in rechter Bahn zu wallen. 3. Es danke, Gott, und lobe dich das Volk in guten Tha15 226 Missionslieder. ten; das Land bringt Frucht und bessert sich, dein Wort ist wohl gerathen. Uns segen Vater und der Sohn, uns segen Gott der heilig Geist, dem Mel. O Ewigkeit, du 2c. alle Welt die Ehre thu, vor 330. Die Macht der ihm sich fürchte allermeist. Nun sprecht von Herzen: Amen! Dr. M. Luther, geb. 1483, † 1546. Mel. Herr Jesu Christ, meins ic. 329. Jesu Christe, wahres Licht, erleuchte, die dich kennen nicht, und bringe sie zu deiner Heerd, daß ihre Seel auch selig werd. 2. Erfüll mit deinem Gnadenschein, die in Irrthum verführet seyn, auch die, so heimlich fichtet an in ihrem Sinn ein falscher Wahn. 3. Und was sich sonst verlaufen hat von dir, das suche du mit Gnad, und sein verwundt Gewissen heil, laß sie am Himmel haben Theil. 4. Den Tauben öffne das Gehör; die Stummen richtig reden lehr, die nicht bekennen wollen frei, was ihres Herzens Glaube sey. 5. Erleuchte, die da sind verblendt; bring her, die sich von uns getrennt; versammle, die zerstreuet gehn; mach feste, die im Zweifel stehn: dort ewiglich für solche Gnade preisen dich. 6. So werden sie mit uns zugleich auf Erden und im Himmelreich hier zeitlich und Johann Heermann, geb. 1585, † 1647. Wahrheit bricht herfür und klopft an vieler Herzen Thür, daß man sie woll einlassen; des Reichs Erkenntniß gehet auf und führet ihren schnellen Lauf durch aller Völfer Straßen; ja, das Erkenntniß sammt dem Reich eröffnet sich nun allzugleich. 2. Seht, was der Herr für Wunder thut! Er gibet seinen Boten Muth und Kraft den Wahrheitszeugen, die er aussendet spät und früh; was sie gehört, posaunen sie und könnens nicht verschweigen. Sie breiten aus zu seinem Ruhm das ewge Evangelium. 3. Ich lasse, spricht das A und D, vom ewgen Evangelio die Botschaft nun ertönen; ich laß ausrufen Fried und Freud, wie alles Volk soll feynt bereit, mit mir sich zu versöh nen. Mein Engel, der die Botschaft bringt, sich mitten durch den Himmel schwingt. 4. Er wird gesehen überall; man höret seinen Friedenshall; den Völkern, Sprachen, Zun gen wird meine Gnade weit und breit, der Reichthum meiner Gütigkeit verkündigt und gesungen; man rufet aus bald Missionslieder. hier, bald dar das große Hallund Jubeljahr. 227 Güte stets mit dankbarem Gemüthe. 5. Es hören die Geheimniffe jetzt Würdge und Unwürdige, die hier auf Erden leben; sie hören diese Freudenpost, dieß große Zeugniß nun getrost und können sich ergeben dem großen König aller Welt, der Liebe, Bund und Gnade hält. 2. Alle Völker, preiset Gott, der aus unverdienter Gnade hat durch seinen Sohn gemacht, daß der alte Fall nicht schade, der euch hilft durch Christi Tod aus der Sünd und aller Noth; preiset solche große Güte stets mit dankbarem Gemüthe. 3. Gnad und Wahrheit, die da ist durch den Herren Christum kommen, so wir auch von seiner Füll durch den Glauben angenommen, walte mächtig allezeit über uns in Ewigkeit; rühmet solche große Güte stets mit dankbarem Gemüthe. 6. Ich habe die Unwissenheit bisher in der vergangnen Zeit aus Gnaden übersehen; nunmehro da aufgeht das Licht, werd ichs so übersehen nicht, wie bis daher geschehen. Die Wahrheit will, wie sichs gebührt, mit Dank seyn zu Gemüth geführt. Mel. Dir, dir Jehova zc. 7. Ich, ich will machen alles 332. Wach auf, du Geist neu; die Creatur soll werden frei vom Dienst der Eitelkeiten. Wohl dem, der dieses faffen kann, und nimmt in meinem Sohn mich an zu diesen frohen Zeiten. Wie selig ist, der diesen Tag des Heiles jeßt erkennen mag! Aus v. Raumer's Gef. Buch. der ersten Zeugen, der Wächter, die auf Zions Mauern stehn, die Tag und Nächte nimmer schweigen, und die getrost dem Feind entgegen gehn, ja deren Schall die ganze Welt durchdringt und aller Völker Schaaren zu dir bringt. Eigne Melodie. 2. O daß doch bald dein Feuer brännte! O möcht es doch in alle Lande Gib 331. Auf, ihr Heiden, zu der Ernte doch die Hände! lobet Gott, der euch aus des Todes Schatten, so euch in der Finsterniß vormals ganz umgeben hatten, zu dem wahren Licht gebracht, und euch Arme nicht veracht't; lobet seine große Gib Knechte, die in treuer Arbei stehn! Herr der Ernte, siehe doch darein: die Ernt ist groß, die Zahl der Knechte klein. 3. Dein Sohn hat ja mit 15* Missionslieder. 228 klaren Worten uns diese Bitt in unsern Mund gelegt. O fiehe, wie an allen Orten sich deiner Kinder Herz und Sinn bewegt, dich herzinbrünstig darum anzuflehn; drum hör, o Herr, und sprich: Es soll geschehn. 5. Ach, daß die Hülf aus Zion käme! O daß dein Geist, so wie dein Wort verspricht, dein Volk aus dem Gefängniß nähme! O würd es doch nur bald vor Abend licht! Ach, reiß, o Herr, den Himmel bald entzwei und komm herab zur Hülf und mach uns frei! 6. Ach, laß dein Wort recht schnelle laufen! Es sey fein Ort ohn dessen Glanz und Schein! Ach, führe bald dadurch mit Haufen der Heiden Füll zu allen Thoren ein! Ja, wecke doch auch Israel bald auf und also segne deines Wortes Lauf! Glaubenswahn und mach uns bald von jedem Miethling frei, daß Kirch und Schul ein Garten Gottes sey. 4. So gib dein Wort mit großen Schaaren, die in der Kraft Evangelisten seyn; laß eilend Hülf uns widerfahren und brich in Satans Reich und Macht hinein. O breite, Herr, auf weitem Erdenkreis dein Mel. Freu dich sehr, o ic. Reich bald aus zu deines Na- 333. Herr, wie sind noch mens Preis! 7. O beßre Zions wüste Stege, und was dein Wort im Laufe hindern kann, das räume bald aus jedem Wege. Vertilg, o Herr, den falschen 8. Laß jede hoh und niedre Schule die Werkstatt deines guten Geistes seyn; ja, size du nur auf dem Stühle und präge dich der Jugend selber ein, daß treue Lehrer überall erstehn, die für die ganze Kirche betend flehn. Carl Heinr. v. Bogazky, geb. 1690, † 1774. viel der Heiden, die in Todesschatten gehn! Komm, o Hirt, auch sie zu weiden; kannst du ste verirret sehn? Nimm der Heerde selbst dich an, führe sie des Lebens Bahn; all auf weitem Erdenrunde füge zu dem Gnadenbunde. 2. Herr, laß deine Boten eilen, sende Knechte mehr noch aus, deine Gaben auszutheilen, sie zu laden in dein Haus. Manchen Jüngling, dir verföhnt, laß mit Gnad und Geist gekrönt dem gebundnen Knecht der Sünden deinen großen Namen fünden. 3. Herr, wir sind ja deine Christen, sollten wir nicht Herz und Hand zu dem großen Baue rüsten deines Reichs in allem Land? Gib ein Herz in Liebe warm, das des Jammers fich Missionslieder. erbarm, und die vielen weit Mel. Wie schön leuchtet zc. Verirrten bring zu dir, dem 335. Wie groß, wie anguten Hirten. gebetet ist dein Name, Herrscher Jesu Christ, wie theuer deinem Volke! Wie hell wards in der Finsterniß durch deine Lehre, wie zerriß, wie floh des Irrthums Wolke! Als du, Herr, kamst, hörten Taube, und der Glaube half den Kranken; Stumme sangen, dir zu danken. Mel. Nun komm, der Heiden 2c. 334. Jesu, bittend kommen wir mit den Deinen jetzt zu dir; hör auf unser kindlich Flehn, was wir bitten, laß geschehn! 2. Jesu, ziehe bei uns ein, laß uns ganz dein eigen ſeyn; schenk uns allen deinen Geist, den dein theures Wort verheißt. 3. Weck die tødte Christenheit aus dem Schlaf der Sicher heit; mache deinen Ruhm befannt überall im ganzen Land. 4. Laß dein Wort zu dieser Zeit kräftig schallen weit und breit! Allen Heiden werde fund deiner Gnade Friedensbund. 5. Thu der Völker Thüren auf; deines Himmelreiches Lauf hemme feine List noch Macht; schaffe Licht in dunkler Nacht. 6. Gib den Boten Kraft und Muth, Glaubenshoffnung, Liebesgluth; laß viel Früchte deiner Gnad folgen ihrer Thränenfaat! 229 7. Zion, danke deinem Herrn, was du bittest, thut er gern; ja, er kommt mit seinem Reich; was ist seinen Freuden gleich? 2. Nur Schwache warens, die dein Licht verbreiteten, die Weisen nicht. Wo sind sie? wo die Hohen? und wo die ReiChen? wo die Macht, vor der des Gößendienstes Nacht und ihre Schatten flohen? Nicht sie, Jesu, deine Lehren, die wir hören, machen weise, dir zum Ruhm und Gott zum Preise. 3. Wir werden deinen Ruhm erhöhn; wir werden deinen Himmel sehn, den Preis von deinen Leiden genießen, weil du für uns starbst, was du uns durch dein Blut erwarbst, der Engel hohe Freuden. Was sind Menschen, daß auch Sünder Gottes Kinder werden ſollen, wenn an dich sie glauben wollen? 4. Du hast dich deiner Herrlichkeit entäußert, eine kurze Zeit für uns von Gott verlaſsen. Und nun mit Preis und Ruhm gefrönt, nun machst du selig, die versöhnt der Sünde Missionslieder. 230 Greuel hassen. Sündern willst du Heil und Leben wieder geben; richtest Alle, die nur wollen, auf vom Falle. 5. Vom Aufgang schallt zum Niedergang dein Wort und auch der Lobgesang erretteter Gerechten. Unzählbar sind die Schaaren schon, die gerne dir vor deinem Thron ein würdig Loblied brächten. Ihrer, Jesu, Jesu, werden mehr auf Erden dir lobsingen, Preis und Ruhm und Dank dir bringen. 6. Wie groß, wie angebetet ist dein Name, Herrscher Jesu Christ, wie herrlich bei den Deinen! Doch, führst du uns zu deiner Ruh, o wie weit herrlicher wirst du den Deinen dann erscheinen! Ewig müsse dir zur Ehre ihrer Chöre Lob erschallen, durch die Himmel wiederhallen! Nach dem bayr. Ges. Buch von 1811. Mel. Mein Herzens- Jesu 2c. 336. Wir sind vereint, Herr Jesu Christ, in deinem heilgen Namen; der Menschensohn allein du bist, der säet guten Samen; der Acker ist die ganze Welt; o pflanze selbst im wüsten Feld dir deines Reiches Kinder! 2. Ja Erstgeborner, ewger Fürst der Könige auf Erden, von allen Heiden sollst und wirst du angebetet werden. Das glauben und drum hoffen wir, die du zum Werke rufft, von dir auch unsrer Saat Gedeihen. 3. Gib uns durch deines Geistes Kraft, Herr Jesu, heiße Liebe, die Eintracht, Muth und Eifer schafft, daß sich ein Jeder übe, für sich und Andre stets zugleich nach dem verheißnen Gottesreich vor allem Ding zu trachten. 4. Was wirds doch einst für Freude seyn, wenn deine Schnitter ernten, und Alle dann sich ewig freun, die deiner harren lernten! Wir harren dein; o siege du in deinen Gliedern, bis die Ruh für Gottes Volk erscheinet. Rud. Stier, geb. 1800. +1862 Sünde und Buße. Fünfte Abtheilung. Das christliche Leben. Sünde und Buße. Eigne Melodie. 337. Allein zu dir, Herr Jesu Christ, mein Hoffnung steht auf Erden. Ich weiß, daß du mein Tröster bist; kein Trost mag mir sonst werden. Von Anbeginn ist nichts erforn, auf Erden war kein Mensch geborn, der mir aus Nöthen helfen kann; ich ruf dich an, zu dem ich mein Vertrauen han. 231 3. Gib mir nach dein'r Barmherzigkeit den wahren Christenglauben, auf daß ich deine Süßigkeit mög inniglich anschauen; vor allen Dingen lieben dich, und meinen Näch sten gleich als mich; am letzten End dein Hülf mir send, dadurch behend des Teufels List sich von mir wend. 4. Ehr sey Gott in dem höchsten Thron, dem Vater aller Güte, und Jesu Christ, seim liebsten Sohn, der uns allzeit behüte, und Gott dem werthen heilgen Geist, der allezeit uns Hülfe leift, daß wir ihm seyn zum Dienst bereit hier in der Zeit und dort hernach in Ewigkeit. Johann Schneefing, † 1567 2. Mein Sünd ist schwer Eigne Melodie. und übergroß, und reuet mich 338. Ach, Gottund Herr, von Herzen; derselben mach mich frei und los durch deinen Tod und Schmerzen, und zeig mich deinem Vater an, daß du haft gnug für mich gethan, so werd ich los der Sündenlast; Herr, halt mir fest, wes du dich mir versprochen hast. wie groß und schwer sind mein begangne Sünden; da ist Niemand, der helfen kann, in dieser Welt zu finden. 2. Lief ich gleich weit zu dieser Zeit, bis an der Welte Enden, und wollt los seyn des Kreuzes mein, würd ich doch solchs nicht wenden. 3. Zu dir flieh ich, verstoß mich nicht, wie ichs wohl hab verdienet; ach Gott, zűrn nicht, geh nicht ins G'richt, dein Sohn hat mich verfühnet. 4. Solls ja so seyn, daß Straf und Bein auf Sünde folgen müssen, so fahr hie fort, 232 Sünde und Buße. nur schone dort und laß mich hier wohl büßen. 5. Gib, Herr, Geduld, vergib die Schuld, verleih ein g'horsam Herze; laß mich nur nicht, wie's oft geschicht, mein Heil murrend verscherzen. 6. Handle mit mir, wie's dünket dir, durch dein Gnad will ichs leiden; wollst mich nur nicht dort ewiglich von deiner Liebe scheiden. Martin Rutilius, geb. 1550, † 1618. Mel. Vater unser 2c. 339. So wahr ich lebe, spricht dein Gott, mir ist nicht lieb des Sünders Tod; vielmehr ist dieß mein Wunsch und Will, daß er von Sünden halte still, von seiner Bosheit fehre sich und lebe mit mir ewiglich. 2. Dieß Wort bedenk, Menschenkind, verzweifle nicht in deiner Sünd; hier findest du Trost, Heil und Gnad, die Gott dir zugesaget hat, und zwar durch einen theuern Eid; o selig, dem die Sünd ist leid! o 3. Doch hüte dich vor Siz cherheit, denk nicht: es ist noch gute Zeit; ich will erst fröhlich seyn auf Erd, und wenn ich lebensmüde werd, alsdann will ich befehren mich Goft wird wohl mein erbarmen sich. id 4. Wahr ists, Gott ist zwar stets bereit dem Sünder mit Barmherzigkeit; doch wer auf Gnade sündigt hin, fährt fart in seinem bösen Sinn, und seiner Seelen selbst nicht schont, der wird mit Ungnad abgelohnt. 5. Gnad hat dir zugesaget Gott von wegen Christi Blut und Tod; doch sagen hat er nicht gewollt, ob du bis morgen leben sollt; daß du mußt sterben, ist dir fund, verborgen ist des Todes Stund. 6. Heut lebst du, heut befehre dich; eh morgen kommt, fanns ändern sich; wer heut ist frisch, gesund und roth, ist morso du nun stirbest ohne Buß, gen krank, ja wohl gar todt. So dein Leib und Seel dort brennen muß. 7. Hilf, o Herr Jeſu, hilf Du mir, daß ich jetzt komme bald zu dir und Buße thu den Augenblick, eh mich der schnelle Tod hinrück, auf daß ich heut und jederzeit zu meiner Heimfahrt sey bereit. Johann Heermann, geb. 1585, † 1647. Mel. Auf meinen lieben Gott 2c. 340. Wo soll ich fliehen hin, weil ich beschweret bin mit viel und großen Sünden? wo kann ich Rettung finden? Wenn alle Welt herkäme, mein Angst sie nicht wegnähme. 2. O Jesu voller Gnad, auf dein Gebot und Rath kommt mein betrübt Gemüthe zu deiner großen Güte; laß du auf Sünde und Buße. mein Gewissen ein Gnaden- jetzt kann ich nicht verderben, tröpflein fließen. dein Reich muß ich ererben; denn du hast mirs erworben, da du für mich gestorben. 3. Durch dein unschuldig Blut, vergossen mir zu Gut, wasch ab all meine Sünde, mit Trost mein Herz verbinde und ihr nicht mehr gedenke, ins Meer fie tief versenke. 10. Führ auch mein Herz und Sinn durch deinen Geist dahin, daß ich mög alles meiden, was mich und dich kann scheiden, und ich an deinem Leibe ein Glied auf ewig bleibe. 4. Du bist der, der mich tröst, weil du mich haft erlöst. Was ich gesündigt habe, hast du verscharrt im Grabe; da hast du es verschlossen, da wirds auch bleiben Mel. Aus tiefer Noth 2c. 5. Ist meine Bosheit groß, 341. O Vater der Barmso werd ich ihr doch los, wenn ich dein Kreuz umfasse, und mich darauf verlasse; wer sich zu dir nur findet, all Angst ihm bald verschwindet. 6. Mir mangelt zwar sehr viel; doch was ich haben will, ist alles mir zu Gute erlangt mit deinem Blute, damit ich überwinde Tod, Teufel, Höll und Sünde. 233 7. Und wenn des Satans Heer mir ganz entgegen wär, darf ich doch nicht verzagen, mit dir kann ich sie schlagen: dein Blut darf ich nur zeigen, so muß ihr Truß bald schweigen. 8. Dein Blut, der edle Saft, hat solche Stärk und Kraft, daß auch ein Tröpflein kleine die ganze Welt fann reine, ja gar aus Teufels Rachen frei, los und ledig machen. 9. Darum allein auf dich, Herr Chrift, verlaß ich mich; Johann Heermann, geb. 1585, † 1647. herzigkeit, ich falle dir zu Fuße; verstoß den nicht, der zu dir schreit und thut noch endlich Buße; was ich) begangen wider dich, verzeih mir alles gnädiglich durch deine große Güte. 2. Durch deiner Allmacht Meisterthat nimm von mir, was mich quälet; durch deine Weisheit schaffe Rath, worin es mir sonst fehlet; gib Willen, Mittel, Kraft und Stärf, daß ich mit dir all meine Werk anfange und vollende. 3. O Jesu Christe, der du hast am Kreuze für mich Armen getragen aller Sünden Last, wollst meiner dich erbarmen. O wahrer Gott, o Davids Sohn, erbarm dich mein und mein verschon, sieh an mein täglich Rufen. 4. Laß deiner Wunden theures Blut, dein Todespein und 234 Sünde und Buße. Sterben mir kommen kräftiglich zu Gut, daß ich nicht muß verderben. Bitt du den Vater, daß er mir im Zorn nicht lohne nach Gebühr, wie ich es hab verschuldet. 5. O heilger Geist, du wahres Licht, Regierer der Gedanken, wenn mich die Sündenlust ansicht, laß mich von dir nicht wanken; verleih, daß nun und nimmermehr Begier nach Wollust, Geld und Ehr in meinem Herzen herrsche. 6. Und wenn mein Stündlein kommen ist, so hilf mir treulich kämpfen, daß ich des Satans Truß und List durch Christi Sieg mög dämpfen, auf daß mir Krankheit, Angst und Noth und dann der letzte Feind, der Tod, nur sey die Thür zum Leben. David Denice, geb. 1603,+ 1680. Mel. Ach Jesu, dessen Treu c. 342. Jesu, voller Kraft! Heiland, voller Güte! Laß deine Lieb und Kraft erfüllen mein Gemüthe; ich weiß sonst keinen Trost auf dieser ganzen Welt, wo nicht sich deine Gnad mir Armen zugesellt. 2. Betrübt ist mir mein Herz von wegen meiner Sünde, die ich mit Traurigkeit und tiefster Reu empfinde; o wie hat doch das Gift, das auf uns ist geerbt, aufs allergreulichste uns durch und durch verderbt! 3. Wie oft hat mir dein Wort das Böse untersaget, und mein Gewissen mich in Aengsten angeklaget! Wie oft hat mich dein Wort bald so, bald so geschreckt, und mein Verderben mir im Grunde aufgedeckt!. 4. Doch bleib ich immer noch in meinem Elend liegen, und kann nicht über mich und meine Sünde stegen; mich schließet ihre Macht in ihre Fesseln ein; ich muß ein Sklav der Lust und meines Fleisches seyn. 5. O Jesu, der du hast die Finsterniß der Höllen durch Blut und Tod besiegt, du kannst die Feinde fällen, die jego wider mich und meine Seele stehn; sprich nur Ein Wort, so muß ihr Troß und Macht vergehn. 6. Ach, laß mir offen stehn die Quelle deiner Wunden, dadurch hab ich doch schon die Sünden überwunden; dem Vater bin ich ja durch dich schon ausgeföhnt, daß mich nun seine Gnad durch dein Verdienst bekrönt. 7. Dieß glaub ich, fühl ich schon die Menge meiner Sünden, drückt mich gleich ihre Last, muß ich gleich Zorn empfinden, so weiß ich doch, du haft schon solchen Zorn gestillt, Sünde und Buße. der Sünden Macht zerstört und das Geseß erfüllt. 8. Ich wende mich zu dir, der du mich kannst erquicken; läßt du mich deine Huld und Freundlichkeit erblicken, so weicht die Unruh weg, der Sünden Macht zerbricht, ich finde Fried und Ruh ia deinem Angesicht. 9. Nun du, mein Heiland, du kannst mich doch nicht verlassen, da meine Glaubensarm' dich suchen zu umfassen; schließ ewig mich in dich und deine Liebe ein; dein will ich hier und dort, und keines Andern seyn. Eigne Melodie. 343. Jefu, der du meine Seele hast durch deinen bittern Tod aus des Teufels finstrer Höhle und der schweren Sündennoth fräftiglich herausgerissen, und mich solches lassen wissen durch dein gnadenreiches Wort: sey doch jetzt, o Gott, mein Hort. 2. Herr, ich muß es ja bekennen, daß nichts Gutes wohnt in mir; das zwar, was wir Wollen nennen, halt ich meiner Seele für; aber Fleisch und Blut zu zwingen und das Gute zu vollbringen, folget gar nicht, wie es foll; was ich nicht will, thu ich wohl ziser 3. Aber, Herr, ich kann o 235 nicht wissen aller meiner Fehler Zahl; mein Gemüth ist ganz zerrissen durch der Sünden Schmerz und Qual, und mein Herz ist matt von Sorgen; ach, vergib mir, was verborgen; rechne nicht die Missethat, die dich, Herr, erzürnet hat. 4. Jesu, du hast weggenommen meine Schulden durch dein Blut; laß es, o Erlöser, kommen meiner Seligkeit zu Gut; und dieweil du so zerschlagen hast die Sünd am Kreuz getragen, o so sprich mich endlich frei, daß ich ganz dein eigen sey. 5. Wann ich vor Gericht soll treten, da man nicht entfliehen kann, ach, so wollest du mich retten und dich meiner nehmen an. Du allein, Herr, fannst es wehren, daß ich nicht den Fluch darf hören: Ihr zu meiner linken Hand seyd von mir noch nie erkannt. 6. Du ergründest meine Schmerzen, du erkennest meine Pein; es ist nichts in meinem Herzen, als dein herber Tod allein. Dieß mein Herz von Leid bedränget und mit deinem Blut besprenget, das am Kreuz vergessen ist, geb ich dir, Herr Jesu Christ. 7. Nun ich weiß, du wirst mir stillen mein Gewissen, das mich plagt; deine Treue wird erfüllen, was du selber haft 236 Sünde und Buße. gesagt, daß auf dieser weiten Erden Reiner soll verloren werden, sondern ewig leben soll, wenn er nur ist glaubensvoll. 8. Herr, ich glaube, hilf mir Schwachen, laß mich ja verzagen nicht; du, du fannst mich stärker machen, wenn mich Sünd und Tod ansicht; deiner Güte will ich trauen, bis ich fröhlich werde schauen dich, Herr Jesu, nach dem Streit in der süßen Ewigkeit. Johann Rist, geb. 1607, † 1667. Mel. Es ist gewißlich 2c. 344. Ich will von meiner Missethat zum Herren mich bekehren; du wollest selbst mir Hülf und Rath hiezu, o Gott, bescheren und deines guten Geistes Kraft, der neue Herzen in uns schafft, aus Gnaden mir gewähren. 2. Ein Mensch kann von Natur doch nicht sein Elend selbst empfinden; er ist ohn deines Geistes Licht blind, taub und todt in Sünden. Verkehrt ist Wille, Sinn und Thun; des großen Jammers wollst du nun, o Vater, mich entbinden. 3. Du hast in Christo mich erwählt tief aus der Hölle Fluthen; es hat mir sonst auch nicht gefehlt an irgend einem Guten; und daß ich ja dein eigen sey, hast du mich auch aus großer Treu gestäupt mit Vaterruthen. 4. Hab ich denn nun auch gegen dich Gehorsams mich beflissen? Nein! eines Andern zeihet mich mein Herz und mein Gewissen; darin ist leider nichts gesund, an allen Orten ist es wund, von Sündenschuld zerrissen. 5. Die Thorheit meiner jungen Jahr, die Menge meiner Sünden verklagen mich zu offenbar; sie sind nicht zu ergründen. Und ihrer feine ist so klein, daß sie nicht sollte schon allein dein Strafgericht entzünden. cherheit ganz unbesorgt geschla6. Bisher hab ich in Sifen, gedacht: es hat noch lange Zeit, Gott pflegt nicht bald zu strafen; er fähret nicht mit un frer Schuld so strenge fort, es hat Geduld der Hirte mit den Schafen. 7. Dieß alles jetzt zugleich erwacht, mein Herz will mir zerspringen; ich sehe deines Donners Macht und Feuer auf mich dringen; du regest wider mich zugleich des Todes und der Hölle Reich, die wollen mich verschlingen. 8. Herr Jesu, nimm mich zu dir ein, ich flieh zu deinen Wunden; laß mich da eingeschlossen seyn und bleiben alle Stunden; du hast ja, o du Gotteslamm, all unsre Sünd Sünde und Buße. am Kreuzesstamm gebüßt und überwunden. 9. Dieß stelle deinem Vater für, daß er sein Herze lenke, und gnädig wiederkehr zu mir, nicht meiner Schuld gedenke, und alle meine Sündenlast, die du auf dich genommen hast, ins tiefe Meer versenke. 10. Hierauf will ich nun jederzeit mit Ernst und Sorgfalt meiden der schnöden Lüste Eitelkeit und lieber alles leiden, denn daß ich Sünd mit Willen thu; ach Herr, gib du stets Kraft dazu, bis ich von hinnen scheide. Louise Henriette, Churfürstin von Brandenburg, geb. 1627, † 1667. ( Nach dem Bayrenth. G..B.) Mel. Herr, wie du willst 2c. 345. chaff in mir, Gott, ein reines Herz, mein Herz ist ganz verderbet; es fühlt von Sünden großen Schmerz, die ihm sind angeerbet, und die es noch thut ohne Schen; ach mache, daß es wieder sey, wie du es hast erschaffen. 2. Gib mir auch einen neuen Geist, der wie du sey gesinnet, der stets dir anhangt allermeist und was du willt, beginnet; gib, daß ich haffe Fleisch und Blut, den Glauben üb in sanftem Muth, Zucht, Demuth, Hoffnung, Liebe. 3. Verwirf von deinem Angesicht, ob ich es gleich verdie237 net, mich, allerliebster Vater, nicht, weil Jesus mich verfühnet. Ach, laß doch nun und nimmermehr mich fallen als dein Kind so sehr, daß du es von dir würfest. 4. Den heilgen Geist nimm nicht von mir, den bösen Geist vertreibe, daß ich, als nie entführt von dir, stets deine sey und bleibe; beherrsche mein Herz, Sinn und Muth durch deinen Geist, so ist es gut im Leben und im Sterben. 5. Mit deiner Hülfe tröste mich, hilf und vergib die Sünden, und sucht dann meine Seele dich, so laß dich von ihr finden, und dein Verdienst, Herr Jesu Christ, darinnen Trost und Leben ist: Troß Sünde, Tod und Teufel! 6. Dein heilger Geist erhalt mich doch mit seinem Freudenöle, damit nicht das Verzweiflungsjoch verderbe meine Seele; sey du mein Freund, o Herr, allein; ach, laß mich deine Freude seyn und führe mich zur Freude. Ludäm. Elisab., Gr. zu Schwarzb. Rudolstadt, geb. 1640, † 1672. Eigne Melodie. 346. An dir allein, an dir hab ich gesündigt und übel oft an dir gethan. Du ſiehst die Schuld, die mir den Fluch verkündigt. Sieh, Gott, auch meinen Jammer an. 238 Sünde und Buße. 2. Dir ist mein Flehn, mein Seufzen nicht verborgen, und meine Thränen sind vor dir. Ach, Gott, mein Gott! wie lange soll ich sorgen? wie lang entfernst du dich von mir? 3. Herr, handle nicht mit mir nach meinen Sünden, vergilt mir nicht nach meiner Schuld. Ich suche dich; laß mich dein Antlig finden, du Gott der Langmuth und Geduld. 4. Früh wollst du mich mit deiner Gnade füllen, Gott, Vater der Barmherzigkeit. Er freue mich um deines Sohnes willen, du bist ein Gott, der gern erfreut. 5. Laß deinen Weg mich wieder freudig wallen und lehre du dein heilig Recht mich täglich thun nach deinem Wohlgefallen; du bist mein Gott, ich bin dein Knecht. 6. Herr, eile, du mein Schuß, mir beizustehen und leite mich auf ebner Bahn. Er hört mein Schrein, der Herr erhört mein Flehen und nimmt sich meiner Seelen an. Cbr. F. Gellert, geb. 1715,+ † 1769. Mel. Wer nur den lieben 2c. 347. Herr, der du in der Höhe wohnest, ich liege tief gebeugt vor dir. Herr, der du richtest und belohnest, wie tief ist Sünd und Schuld in mir! Wie hoch, wie beilig dein Gebot! O Abgrund tiefer Seelennoth! 2. Aus meiner Noth, aus meiner Tiefe ruf ich zu dir, zu dir allein. Wenn ich zu einem Andern riefe, es würde doch vergeblich seyn. Mein Schreien steigt zu dir empor: Herr, öffne mir dein gnädig Ohr! 3. Herr, willst du ins Gerichte gehen, der du unendlich heilig bist: ach, wer wird dann vor dir bestehen, wenn er auch sonst unsträflich ist? Dein Auge, das nicht fehlen kann, trifft überall noch Fehler an. 4. Und, ach, mir wird die Welt zu enge, wenn des Gesetzes Donner schlägt, und meiner Uebertretung Menge das ängstliche Gewissen regt, das dich als einen Richter scheut, derRechnung heischt und Strafe dräut. 5. In deiner Hand steht Tod und Leben; du bist es, den man fürchten muß. Doch, Herr, du kannst und willst vergeben aus deiner Gnaden Ueberfluß. Dein Wort, das Wort des Lebens, spricht: du willst den Tod des Sünders nicht! 6. Es heißt mich auf das Opfer schauen, das mehr als alle Sünden gilt. Es heißt mich auf den Felsen bauen, aus dem der Strom der Gnade quillt, die alles tilget, was Sünde und Buße. mich quält, und gibt mir alles, was mir fehlt. 7. Dein guter Geist will mich erfreuen, und sich mein Herz zum Tempel weihn; ich soll den Richter nicht mehr scheuen, aus Gnaden frei und selig seyn. O Licht, das durch die Seele dringt und Licht in finstre Tiefen bringt! 8. Trifft mich denn hier das Loos der Deinen, dein Kreuz, das jeder Jünger trug: o endlich wird ein Tag erscheinen, da du mir rufft: Es ist genug! Nur sey mein Leiter, bis es tagt, mein Trost, wenn alles Trost versagt! 9. Ich hoff auf dich, du Kraft der Schwachen, auf dich, du Licht in Finsterniß, auf dich, mein Hüter, du wirst wachen, mein Heil, du kommst und hilfst gewiß, wie angst mir auch die Trübsalsnacht um Hoffnung, Troft und Hülfe macht. 10. Genug, ich bin befreit von Sünden, ich bin von Straf und Knechtschaft los. Gnade, die nicht zu ergründen, Erlösung, die unendlich groß, die aus der tiefsten Noth befreit, und führt zur höchsten Seligkeit! 11. O Vater, nimm für dein Erbarmen, o Sohn, für dein Versöhnungsblut, o Geist, du Trost der geistlich Armen, für deiner Gaben reiches Gut 239 von Herz und Lippen Dank und Ruhm, und mich zu deinem Eigenthum. Paul Gottl. Werlhof,+ 1767. Mel Freu dich sehr, o meine zc. 348. Höchster, denk ich an die Güte, die du mir bisher erzeigt, o so wird mein ganz Gemüthe zu der tiefsten Scham gebeugt, daß ich dich gering gesetzt und dich, der du mich geschätzt, dein Gebot hintangeliebet, mit Vergehungen betrübet. 2. Alle meine Seelenkräfte, meine Glieder sind ja dein, und sie sollten zum Geschäfte deines Dienstes fertig seyn. wie hab ich sie entweiht! Ach, zur Ungerechtigkeit und zum schnöden Dienst der Sünden ließ ich mich oft willig finden. 3. Deine Huld war jeden Morgen über mir, o Vater, neu. Von wie manchen schweren Sorgen machte sie das Herz mir frei! Was mir nüßte, gabst du mir; aber ach, wie dankt ich dir? O wie hab ich so vermessen deines Wohlthuns Zweck vergessen! 4. Bei dem hellen Licht der Gnaden sollt ich ja die Sünde fliehn, und von meinem Seelenschaden frei zu werden mich bemühn. Deine Güte lockte mich oft zur Buße; aber ich 240 Sünde und Buße. floh vor ihrem sanften Locken, suchte selbst mich zu verstocken. 5. Ach, an dir hab ich gefündigt, Gott, mein Vater, ohne Scheu; dir hab ich oft aufgekündigt meine schuldge Kindestreu. Ach, vergib, was ich gethan; nimm mich doch erbarmend an, führe mich vom Sündenpfade schnell zurück durch deine Gnade. 6. Dir ergeb ich mich aufs Neue; gib, daß mein gebeugter Geist deiner Vaterhuld sich freue, die dein tröstend Wort verheißt. Was dein Sohn auch mir erwarb, da er für die Sünder starb, Fried und Freude im Gewissen, ach, das laß auch mich genießen. 7. Stärke selbst in meiner Seele den Entschluß, mich dir zu weihn. Gib, daß keine Kraft mir fehle, folgsam deinem Wort zu seyn. Stehe mir stets mächtig bei, daß mein Herz dir lieben, dir zu leben, sey mein herzliches Bestreben. 3. S. Diterich, geb. 1721, † 1797. Mel. Wer nur den lieben Gott 2c. 349. Gott, dir gefällt kein gottlos Wesen; wer bös ist, bleibet nicht vor dir. Drum laß von Sünden mich genesen und schaff ein reines Herz in mir, ein Herz, das sich vom Sinn der Welt entfernt und unbefleckt erhält! 2. Laß mich auf die begangnen Sünden mit inniger Beschämung sehn, durch Christum vor dir Gnade finden und standhaft deine Wege gehn. Ich will forthin das Unrecht scheun, mein Leben deinem Dienste weihn. 3. O stärke mich in dem Gedanken, gib meinem Vorsatz Festigkeit; und will mein schwaches Herz je wanken, so hilf der Unentschlossenheit. viel vermag ich, Gott, mit dir! Nimm deinen Geist nur nicht von mir! Wie 4. Gib, daß er mir stets Hülfe leiste und Muth und Kräfte mir verleih, daß ich mit findlich treuem Geiste dir bis ich über Sünd und Welt und zum Tod ergeben sey; so steg thue, was dir wohlgefällt. 5. Doch wenn ich je aus Schwachheit fehle, mein Bater, so verwirf mich nicht. Verbirg nicht der betrübten Seele, wenn sie dich sucht, dein Angesicht; o Herr, mach in Bekümmerniß mein Herz von deiner Huld gewiß! 6. Erquicke mich mit deinen Freuden, schaff ein getrostes Herz in mir und stärke mich in allen Leiden mit froher Zuversicht zu dir, bis nach vollbrachter Prüfungszeit mich ungestörtes Glück erfreut. I. S Diterich, geb. 1721.+ 1797. Rechtfertigung und Gnadenstand. Rechtfertigung und Gnadenstand. Mel. Es ist das Heil uns 2c. 350. Der Glaube macht allein gerecht durch Christum, ders erworben; kein Werk erwirbt das Himmelreich, weil alls an uns verdorben; doch ist ohn Lieb der Glaube todt; drum, willst du meiden ewge Noth, thu Buße, glaub und liebe. 2. Die Liebe ist des Nächsten Knecht, die thu aus gutem Herzen; dabei nur glaube recht und schlecht, daß bloß durch Christi Schmerzen und seinen Tod du seyst gerecht, und flieh, zu seyn der Sünden Knecht: Gott will uns all befehren. Mel. Dank sey Gott in der 2c. 351. Ich bin bei Gott in Gnaden durch Christi Blut und Tod; was kann mir endlich schaden? Was acht ich alle Noth? Ist er auf meiner Seiten, gleichwie er wahrlich ist, laß immer mich bestreiten auch alle Höllenliſt. 2. Was wird mich können scheiden von Gottes Lieb und Tren? Verfolgung, Armuth, Leiden und Trübsal mancherlei? Laß Schwert und Blöße walten; man mag durch tausend Pein mich für ein Schlachtschaf halten: der Sieg bleibt dennoch mein. 241 3. Ich kann um dessentwillen, der mich geliebet hat, und fassen Trost und Rath; gnug meinen Unmuth stillen denn das ist mein Vertrauen, der Hoffnung bin ich voll, die weder Drang noch Grauen mir ewig rauben soll: 4. Daß weder Tod noch Leben und keiner Engel Macht, wie hoch sie möchte schweben, fein Fürstenthum, kein Pracht, nichts dessen, was zugegen, nichts, was die Zukunft hegt, nichts, welches hochgelegen, nichts, was die Tiefe trägt, 5. Noch sonst, was je erschaffen, von Gottes Liebe mich soll scheiden oder raffen. Denn diese gründet sich auf Christi Tod und Sterben; ihn fleh ich gläubig an, der mich, sein Kind und Erben, nicht lassen will noch kann. Simon Dach, geb. 1605, † 1659. Mel. Balet will ich dir zc. 352. Ift Gott für mich, so trete gleich alles wider mich; so oft ich ruf und bete, weicht alles hinter sich. Hab ich das Haupt zum Freunde und bin geliebt bei Gott, was kann mir thun der Feinde und Widerfacher Rott? 2. Nun weiß und glaub ich feste, ich rühms auch ohne 16 242 Rechtfertigung und Gnadenstand. Scheu, daß Gott, der Höchst und Beste, mein Freund und Vater sey, und daß in allen Fällen er mir zur Rechten steh und dämpfe Sturm und Wellen, und was mir bringet Weh. 3. Der Grund, da ich mich gründe, ist Christus und sein Blut; das machet, daß ich finde das ewge, wahre Gut. An mir und meinem Leben ist nichts auf dieser Erd; was Christus mir gegeben, das ist der Liebe werth. 4. Mein Jesus ist mein Ehre, mein Glanz und helles Licht; wenn der nicht in mir wäre, so dürft und könnt ich nicht vor Gottes Augen stehen und vor dem strengen Siß: ich müßte stracks vergehen, wie Wachs in Feuerhiß. 5. Mein Jesus hat gelöschet, was mit sich führt den Tod; der ists, der rein mich wäschet, macht schneeweiß, was ist roth; in ihm kann ich mich freuen, hab einen Heldenmuth, darf fein Gerichte scheuen, wie sonst ein Sünder thut. 6. Nichts, nichts kann mich verdammen, nichts nimmt mir meinen Muth; die Höll und ihre Flammen löscht meines Heilands Blut. Kein Urtheil mich erschrecket, kein Unheil mich betrübt, weil mich mit Flügeln decket mein Heiland, der mich liebt. 7. Sein Geist wohnt mir im Herzen, regieret meinen Sinn, vertreibt mir Sorg und Schmerzen, nimmt allen Kummer hin, gibt Segen und Gedeihen dem, was er in mir schafft, hilft mir das Abba schreien aus aller meiner Kraft. 8. Und wenn an meinem Orte sich Furcht und Schwachheit findt, so seufzt und spricht er Worte, die unaussprechlich sind mir zwar und meinem Munde, Gott aber wohl bewußt, der an des Herzens Grunde erstehet seine Lust. 9. Sein Geist spricht meinem Geiste manch füßes Trostwort zu, wie Gott dem Hülfe leiste, der bei ihm suchet Ruh, und wie er hab erbauet ein edle, neue Stadt, da Aug und Herze schauet, was es geglaubet hat. 10. Da ist mein Theil, mein Erbe mir prächtig zugericht; wenn ich gleich fall und sterbe, fällt doch mein Himmel nicht. Muß ich auch gleich hier feuchten mit Thränen meine Zeit, mein Jesus und sein Leuchten durchfüßet alles Leid. 11. Wer sich mit dem verbindet, den Satan fleucht und haßt, der wird verfolgt und findet ein harte, schwere Last zu leiden und zu tragen, ge räth in Hohn und Spott, das Kreuz und alle Plagen die sind sein täglich Brod. Rechtfertigung und Gnadenstand. 12. Das ist mir nicht ver- Satans List? er will durch borgen, doch bin ich unver- sein Kämpfen deinen Trost, zagt; dich will ich lassen sor- den Jesus Christ dir erworgen, dem ich mich zugesagt. ben, dämpfen. Es foste Leib und Leben und alles, was ich hab; an dir will ich fest fleben und nimmer lassen ab. 2. Schüttle deinen Kopf und sprich: fleuch, du alte Schlange! was erneurst du deinen Stich, machst mir angst und bange? Ist dir doch der Kopf zerknickt, und ich bin durchs Leiden meines Heilands dir entrückt in den Saal der Freuden. 13. Die Welt die mag zerbrechen, du stehst mir ewiglich. Kein Brennen, Hauen, Stechen soll trennen mich und dich; kein Hungern und kein Dürsten, kein Armuth, keine Pein, kein Zorn der großen Fürsten soll mir ein Hindrung seyn. 14. Kein Engel, feine Frenden, kein Thron, fein Herrlichkeit, kein Lieben und fein Leiden, kein Angst, kein Herzeleid, was man nur kann erdenfen, es sey klein oder groß, der feines soll mich lenken aus dei nem Arm und Schoß. 15. Mein Herze geht in Springen und kann nicht traurig seyn, ist voller Freud und Singen, steht lauter Sonnenschein. Die Sonne, die mir lachet, ist mein Herr Jesus Christ; das, was mich singen machet, ist, was im Himmel ist. Paul Gerhardt, geb. 1606, † 1676. Eigne Melodie. 243 353. chwing dich auf zu deinem Gott, du betrübte Seele! Warum liegst du Gott zum Spott in der Schwermuthshöhle? Merfest du nicht 3. Hab ich was nicht recht gethan, ist mirs leid von Herzen; dahingegen nehm ich an Christi Blut und Schmerzen. Denn das ist das Lösegeld meiner Missethaten; damit ist der ganzen Welt und auch mir gerathen. 4. Christi Unschuld ist mein Rubm, fein Recht meine Krone, sein Verdienst mein Eigenthum, da ich frei in wohne als in einem festen Schloß, das kein Feind kann fällen, brächt er gleich davor Geschoß und Gewalt der Höllen. 5. Stürme, Teufel und du Tod, was könnt ihr mir ſchaden? deckt mich doch in meiner Noth Gott mit seiner Gnaden; der Gott, der mir seinen Sohn selbst verehrt aus Liebe, daß der ewge Spott und Hohn mich nicht dort betrübe. 6. Nun auf diesen heilgen Grund bau ich mein Gemüthe, sehe, wie der Feind zur Stund 16* 244 zwar dawider wüthe; gleichwohl muß er lassen stehn, was Gott aufgerichtet; aber schändlich muß vergehn, was er selber dichtet. Rechtfertigung und Gnadenstand. 7. Ich bin Gottes, Gott ist mein; wer ist, der uns scheide? das liebe Kreuz herein mit dem bittern Leide, laß es dringen, kommt es doch von geliebten Händen, und geschwind zerbricht sein Joch, wenn es Gott will wenden. 8. Kinder, die der Vater soll ziehn zu allem Guten, die gedeihen selten wohl ohne Zucht und Ruthen; bin ich denn nun Gottes Kind, warum will ich fliehen, wenn er mich von meiner Sünd will aufs Gute ziehen? 9. Es ist herzlich gut gemeint mit der Christen Plagen. Wer hier zeitlich wohl geweint, darf nicht ewig klagen, sondern hat vollkommne Lust dort in Christi Garten, dem er einig recht bewußt, endlich zu gewarten. 4 laß dess Trostes Kerzen dich entzünden mehr und mehr! Gib dem großen Namen deines Gottes Preis und Ehr; er wird helfen. Amen! Paul Gerhardt, geb. 1606, † 1676. 11. Ei, so faß, o Christenherz, alle deine Schmerzen, wirf sie fröhlich hinterwärts, Mel. O Jesu Chrift, meins 2c. 354. Herr Jeſu Christ, dein theures Blut ist meiner Seelen höchstesGut; das stärkt, das labt, das macht allein mein Herz von allen Sünden rein. 2. Dein Blut, mein Schmuck, mein Ehrenkleid, dein Unschuld und Gerechtigkeit macht, daß ich kann vor Gott bestehn und zu der Himmelsfreud eingehn. 3. O Jesu Christe, Gottes Sohn, mein Trost, mein Heil, mein Gnadenthron, dein theures Blut, dein Lebenssaft gibt mir stets neue Lebenskraft. 4. Herr Jesu, in der letzten Noth, wenn mich schreckt Teufel, Höll und Tod, so laß ja dieß mein Labsal seyn: dein Blut macht mich von Sünden rein. 10. Gottes Kindersäenzwar traurig und mit Thränen; aber endlich bringt das Jahr, wonach sie sich sehnen. Denn es kommt die da Mel. Mit meinem Gott geh ich c. Garben machen; da wird all 355. Ich freue mich, mein ihr Gram und Leid lauter Freud und Lachen. Johann Olearius, geb. 1611,+ 1684. Gott, in dir und bin getrost, wenn ich dich hier zu meinem Theil mir wähle. Du, Herr, bist mein, und ich bin dein: was mangelt meiner Seele? Rechtfertigung und Gnadenstand. 2. Du hast mich von der wahrer Freuden. An dir wird Welt erwählt und deinen Kin- sich dann ewiglich mein ganzes dern zugezählt; mag mich die Herze weiden. Welt doch hassen. Du liebst mein Wohl, wirst gnadenvoll mich nimmermehr verlassen. 9. Noch hats fein menschlich Ohr gehört, was uns dein Himmel einst gewährt; doch seh ichs schon im Glauben. Vollkommnes Heil ist da mein Theil, das wird mir Niemand rauben. 3. Du trägst mich liebreich mit Geduld, vergibst in Christo mir die Schuld, wenn ich aus Schwachheit fehle. Du gibst mir Theil an seinem Heil: dieß tröstet meine Seele. Du bist mir der bewährte Freund, der es aufs Beste mit mir meint, wo find ich deines gleichen? Du stehst mir bei und bleibst mir treu, wenn Berg und Hügel weichen. 5. Du bist mein Leben, Trost und Licht, mein Fels und Heil; drum frag ich nicht nach Himmel und nach Erde. Herr, ohne dich ist nichts für mich, das mir erfreulich werde. 6. Du bist mein allerhöchstes Gut, darauf mein wahres Wohl beruht; in dir leb ich zufrieden. So dort als hier, Herr, bleiben wir in Liebe un geschieden. 7. Du segnest mich, wenn man mir flucht, und wer hier mein Verderben sucht, dem wirds doch nicht gelingen. Mit deiner Treu stehst du mir bei, daß ich kann fröhlich singen. 8. Du läßt mirs ewig wohl ergehn. Einst werd ich dich noch näher sehn, du Ursprung 245 Salomo Liscow, geb. 1640, † 1689. Eigne Melodie. 356. Beschränkt, ihr Weisen dieser Welt, die Freundschaft immer auf die Gleichen und läugnet, daß sich Gott gefellt mit denen, die ihn nicht erreichen; ist Gott schon alles und ich nichts, ich Schatten, er der Quell des Lichts, er noch so stark, ich noch so blöde, er noch so rein, ich noch so schnöde, er noch so groß, ich noch so klein: mein Freund ist mein, und ich bin sein! 2. Mein Goel, mein Immanuel, mein Mittler konnte Mittel finden, sich meiner hochbedrängten Seel, die ihn herabzog, zu verbinden; mein Salomo, mein Jonathan, mein Bräutigam, mein Gott und Mann kam von dem Himmel auf die Erden, mein Muthund Blutesfreund zu werden, Ein Leib und Geist, mein Fleisch und Bein: mein Freund ist mein, und ich bin sein! 3. Gott, welcher seinen Sohn Rechtfertigung und Gnadenstand. 246 mir gab, gewährt mir alles mit dem Sohne, nicht nur seinKreuz, nicht nur sein Grab, auch seinen Thron, auch seine Krone; ja was er redet, hat und thut, sein Wort, sein Geist, sein Fleisch und Blut, was er geleistet und erstritten, was er gewonnen und erlitten, das räumet er mir alles ein: mein Freund ist mein, und ich bin sein! 4. Ich finde Nußen, Luft und Ehr bei unsrem Bund im höchsten Grade; er heischet von mir sonst nichts mehr als Glauben, und ich nichts als Gnade. O wohl der Wahl, die uns gefügt! weg Reu und Tausch, ich bin vergnügt in ihm und er mit mir zufrieden; drum bleibt bei beiden ungeschieden ein Herz und Mund, ein Ja und Nein! mein Freund ist mein, und ich bin sein! 5. Zwar fann er aller Christen Muth mit seiner Liebe sattsam weiden; wir dürfen um das höchste Gut nicht eifern, noch einander neiden. Durch unsern größesten Genuß erschöpft sich nicht sein Uleberfluß; so will ich ihn zwar Keinem läugnen, doch mir vor allen Andern eignen. Welt, zanf dich um das Mein und Dein: mein Freund ist mein, und ich bin sein! 6. Mein Freund ist meiner Seele Geist, mein Freund ist meines Lebens Leben; nach ihm, der mich sein eigen heißt, und sonst nach einem will ich streben, dem ich mich, der sich mir ergibt, den ich und der mich wieder liebt, von dem ich nichts mehr kann begehren, der mir nichts Beßres kann gewähren. Dieß Licht verdunkelt jeden Schein: mein Freund ist mein, und ich bin sein! 7. Ohn ihn ist mir der Himmel trüb, die Erd ein offner Höllenrachen; hingegen kann mir seine Lieb die Einöd selbst zu Eden machen. Ohn ihn ist mir trotz aller Meng die Weil zu lang, die Welt zu eng; ich bin, wenn Feind und Freunde fliehen, wenn sich die Engel selbst entziehen, zwar einsam, aber nicht allein: mein Freund ist mein, und ich bin sein! 8. Sein ist mein Leib und meine Seel, die er erschuf und auch erlöste, hier nährt und salbt mit seinem Del, bis er dort beide ewig tröste. Sein ist mein Muth, sein ist mein Sinn, sein ist, was ich vermag und bin; ja was ich in und an mir habe, ist alles seine Gnadengabe, die macht mich auch vom Undank rein: mein Freund ist mein, und ich bin sein! 9. Sein ist mein Glück und meine Zeit, sein ist mein Sterben und mein Leben, zu seinem Ehrendienst geweiht, von ihm Rechtfertigung und Gnadenstand. bestimmt und ihm ergeben. Es kommet, was ich laß und thu, von ihm her und ihm wieder zu; sein sind auch alle meine Schmerzen, die er ihm zärtlich zieht zu Herzen, er fühlt und ahndet meine Pein: mein Freund ist mein, und ich bin sein! Grund gefunden, der meinen Anker ewig hält; wo anders als in Jesu Wunden? da lag er vor der Zeit der Welt, der Grund, der unbeweglich steht, wenn Erd und Himmel untergeht. 247 2. Es ist das ewige Erbarmen, das alles Denken übersteigt; es sind die offnen Liebesarme des, der sich zu dem Sünder neigt, dem allemal das Herze bricht, wir kommen oder kommen nicht. 3. Wir sollen nicht verloren werden, Gott will, uns soll geholfen seyn; deswegen fam der Sohn auf Erden und nahm hernach den Himmel ein; deswegen klopft er für und für so stark an unsers Herzens Thür. 10. Es zürn und stürme jeder Feind; er macht nicht, daß ich viel erstaune. Der Richter ist mein bester Freund; drum schreckt mich nicht die Weckposaune. Ob Erd und Himmel bricht und kracht, ob Leib und Seele mir verschmacht, ob mein Gebeine muß verwesen, so wird mein Wahlspruch doch zu lesen noch haften an dem GrabesStein: mein Freund ist mein, und ich bin sein! 5. Darein will ich mich gläubig senken, dem will ich mich getrost vertraun; und wenn mich meine Sünden fränfen, nur bald nach Gottes Herze schaun; da findet sich zu aller Zeit unendliche Barmherzigkeit. Christ. Wegleiter, geb. 1659, † 1706. Mel. Wer nur den lieben Gott 2c. 6. Wird alles Andre wegge357. Ich habe nun den rissen, was Seel und Leib erquicken kann; darf ich von keinem Troste wissen, und scheine völlig ausgethan; ist die Errettung noch so weit: mir bleibet die Barmherzigkeit. 4. O Abgrund, welcher alle Sünden durch Christi Tod verschlungen hat! Das heißt die Wunden recht verbinden; da findet kein Verdammen statt, weil Christi Blut beständig schreit: Barmherzigkeit, Barmherzigkeit! 7. Beginnt das Irdische zu drücken, ja, häuft sich Kummer und Verdruß, daß ich mich noch in vielen Stücken mit eitlen Dingen mühen muß, darüber sich mein Geist zerstreut, doch hoff ich auf Barmherzigkeit. 8. Muß ich an meinen be 248 Rechtfertigung und Gnadenstand. sten Werken, darinnen ich ge- erfunden und bin in ihm gewandelt bin, viel Unvollkommenheit bemerken, so fällt wohl alles Rühmen hin; doch ist auch dieser Trost bereit: ich hoffe auf Barmherzigkeit. recht und rein; bleib ich mit ihm nur stets verbunden, so kann ich immer sicher seyn; Gott sieht auch mich in Christo an, wer ists, der mich verdammen kann? 9. Es gehe nur nach dessen Willen, bei dem so viel Erbarmen ist; er wolle selbst mein Herze stillen, damit es das nur nicht vergißt; so stehet es in Lieb und Leid in, durch und auf Barmherzigkeit. 10. Bei diesem Grunde will ich bleiben, so lange mich die Erde trägt; das will ich den ken, thun und treiben, so lange sich ein Glied bewegt; so sing ich einstens hocherfreut: o Abgrund der Barmherzigkeit! Joh. Andr. Rothe, geb. 1688,+ 1758. Mel. Wer nur den lieben 2c. 358. Ich 6. suche stets vor ihm Ich weiß von kei- zu stehen und seh in allem ihn nur an, nach seinem Wink einherzugehen, daß nichts mein Ziel verrücken kann. Ich seufze stets: Herr, steh mir bei, daß ich dein rechter Jünger sey! 7. Und da ich so in Christo bleibe, stets vor ihm wandelnd auf ihn seh, das Wort des Friedens fröhlich treibe und unablässig zu ihm fleh, so bleib ich stets im Grunde stehn; da kann mein Wachsthum vor sich gehn. nem andern Grunde, als den der Glaub in Christo hat; ich weiß von keinem andern Bunde, von feinem andern Weg und Rath, als daß man elend, arm und bloß sich legt in seinesVaters Schoß. 4. Ich fühle noch in mir die Sünde; doch schaden kann sie mir nicht mehr, weil ich in Chrifto mich befinde; wohl aber beuget sie mich sehr. Ich halte nichts gering und klein, sonst dringt ein sichres Wesen ein. 5. Ich kämpfe gegen mein Verderben im Glauben und in Christi Kraft; der alte Mensch muß täglich sterben, der noch nicht todt am Kreuze haft; dieß aber macht mich rein und klein und lehrt zu Jesu ernstlich schrein. 2. Ich bin zu meinem Heiland kommen und eil ihm im mer besser zu; ich bin auch von ihm aufgenommen und finde bei ihm wahre Ruh; er ist mein Kleinod und mein Theil, und außer ihm weiß ich kein Heil. 3. Ich bleib in Christo nun 8. Ich bleib im tiefsten Demuthsgrunde und will von Christo nimmer gehn; ich bleib Rechtfertigung und Gnadenstand. im allgemeinen Bunde, in all- bens Hochzeitkleid nur in des gemeiner Liebe stehn, und hang Lammes Blute färben, so geb an Christo ganz allein; dieß ich ein zur Seligkeit und zu soll mein Grund auf ewig seyn. dem großen Abendmahl. O freudenvolle Gnadenwahl! 9. O Jesu, laß mich in dir bleiben; o Jesu, bleibe du in mir. Laß deinen guten Geist mich treiben, daß ich im Glauben folge dir. Laß mich stets fromm und wachsam seyn, so reißet nichts den Grund mir ein. Carl Heinr. v. Bogazky, geb. 1690, † 1774. 2. Das Lamm hat mich mit seinem Blute gezeichnet in des Lebens Buch, und mir erlanget alles Gute, Erlösung von dem Tod und Fluch. Was ists doch, was mein Herze quält? Ich bin zum Himmel auserwählt. 249 3. Obgleich im schwarzen Buch der Sünden viel Stunden aufgeschrieben stehn, läßt Jesus mich doch Gnade finden und läßt das Lebensbuch mich sehn; da schau ich meine Gnadenwahl und steh in seiner Kinder Zahl. Mel. Wer nur den lieben 2c. Mel. Wer nur den lieben 2c. 359. Ich bin im Himmel 360. Mir ist Erbarmung angeschrieben; ich bin ein Kind der Seligkeit. Was kann die Sünde mich betrüben und alles Leiden dieser Zeit? Ich weiß, daß ich von Anbeginn in Christo auserwählet bin. widerfahren, Erbarmung, deren ich nicht werth; das zähl ich zu dem Wunderbaren, mein stolzes Herz hats nie begehrt. Nun weiß ich das und bin erfreut und rühme die Barmherzigkeit. 2. Ich hatte Gottes Zorn verdienet und soll bei Gott in Gnaden seyn; er hat mich mit sich selbst verfühnet, macht durch das Blut des Sohns mich rein. Warum? ich war ja Gottes Feind!- Erbarmung hats so treu gemeint! 4. Auf Jesum will ich fröhlich sterben; ich will des Glau5. Kein Teufel soll den Trost mir rauben, daß ich erwählt von Anbeginn, daß ich aus Gnaden durch den Glauben an Christi Blut erlöset bin. So. leb ich denn und sterbe drauf. Auf Christum schließ ich meinen Lauf. Joh. Ernst Wenigt, um 1732. 3. Das muß ich dir, mein Gott, bekennen, das rühm ich, wenn ein Mensch mich fragt; ich kann es nur Erbarmung nennen, so ist mein ganzes Herz gesagt. Ich beuge mich und bin erfreut und rühme die Barmherzigkeit. 250 Rechtfertigung und Gnadenstand. 4. Dieß laß ich kein Geschöpf mir rauben, dieß soll mein einzig Rühmen seyn; auf dieß Erbarmen will ich glauben, auf dieses bet ich auch allein, auf dieses duld ich in der Noth, auf dieses hoff ich noch im Tod. 5. Gott, der du reich bist an Erbarmen, nimm dein Erbarmen nicht von mir und führe einst im Tod mich Armen durch meines Heilands Tod zu dir; da bin ich ewig hocherfreut und rühme die Barmherzigkeit. Phil. Friedr. Hiller, geb. 1699, † 1769. Mel. Unser Herrscher, anser c. 361. Weicht, ihr Berge, fallt, ihr Hügel! Gottes Gnade weicht mir nicht; und der Friede hat dieß Siegel, daß. Gott seinen Bund nicht bricht! Dieses macht mich unverzagt, weil es mein Erbarmer sagt. 2. Das sind Worte für die Blöden, die sind alles Glaubens werth; das heißt an die Herzen reden, das ist Trost, wie man begehrt: Gottes Gnade weicht dir nicht, weil es dein Erbarmer spricht. 3. Hier ist Kraft für alle Müden, die so manches Elend beugt. Man findt Gnade, man hat Frieden, welcher alles übersteigt. Mein Erbarmer, sprich mir du dieß in allen Nöthen zu. 4. Wenn mich meine Sünden schmerzen und der Strafen lange Pein, ach, so rede meinem Herzen deinen Trost und Frieden ein: daß du mir in Jesu Christ ewig ein Erbarmer bist. 5. Gib mir einen starken Glauben, der dein Wort mit Freuden faßt, so kann mir der Tod nicht rauben, was du mir geschenket hast; auch die Hölle nimmt mir nicht, was mein Heiland mir verspricht. Philipp Friedrich Hiller. geb. 1699,+ 1769. Mel. O Welt, ich muß dich lassen 2c. 362. Die Sünden sind vergeben! das ist ein Wort zum Leben für den gequälten Geist; sie sinds in Jesu Namen, in dem ist Ja und Amen, was Gott uns Sündern je verheißt. 2. Das ist auch mir geschrieben, auch ich bin von den Lieben, weil Gott die Welt geliebt: auch ich kann für die Sünden bei Gott noch Gnade finden; ich glaube, daß er mir vergibt. 3. Mein Hauptgesuch auf Erden soll die Vergebung werden, so wird mein Tod nicht schwer. O in den Sünden sterben, ist ewiges Verderben; denn Gott vergibt dort keine mehr. 4. Hier ist die Zeit der Gnaden, der Angst sich zu entladen, auf Gottes Wort zu Rechtfertigung und Gnadenstand. ruhn, die Seele zu erretten, zu glauben und zu beten, und das in Jesu Namen thun. 5. Ach Gott, laß meiner Seelen es an dem Trost nicht fehlen, daß du die Schuld vergibst; wenn ich mich betend beuge, so sey dein Geift mein Zeuge, daß du dein Kind in Christo liebst. nimmt die Sünder an; die unter ihrer Last der Sünden kein Mensch, kein Engel trösten kann, die nirgend Ruh und Rettung finden, den'n selbst die weite Welt zu klein, die sich und Gott ein Greuel seyn, den'n Moses schon den Stab gebrochen und sie der Hölle zugesprochen, wird diese Freistatt aufgethan: mein Heiland nimmt die Sünder an. 251 2. Sein mehr als mütterliches Herz trieb ihn von seinem Thron auf Erden; ihn drang der Sünder We und Schmerz, an ihrer Statt ein Fluch zu werden; er senkte sich in ihre Noth und litt für sie den bittern Tod; nun da er denn sein eigen Leben zur theuern Zahlung hingegeben und seinem Vater gnug gethan, so heißts: er nimmt die Sünder an. 6. Wenn ich von hinnen scheide, so mach mir das zur Freude, daß ich begnadigt bin! digt bin! Im Glauben der Vergebung, in Hoffnung der Belebung geh ich alsdann im Frieden hin. Ph. Fr. Hiller, geb. 1699,+ 1769. Mel. Beschränkt, ihr Weisen 2c. 4. So bringt er ste dem Vater hin in seinen blutbe363. Mein Heiland floßnen Armen; das neiget dann den Vatersinn zu ewig Er währendem Erbarmen. nimmt sie an an Kindesstatt, ja alles, was er ist und hat, wird ihnen eigen übergeben, und selbst die Thür zum ewgen Leben wird ihnen fröhlich aufgethan. Mein Heiland nimmt die Sünder an. 5. O solltest du sein Herze sehn, wie sichs nach armen Sündern sehnet, sowohl wenn sie noch irre gehn, als wenn ihr Auge vor ihm thränet! Wie streckt er sich nach Zöllnern aus, wie eilt er in 3achäi Haus, wie sanft stillt er dort Magdalenen den Strom der bittern Reuethränen, und denkt nicht, was sie sonst ge3. Nun ist sein aufgethaner Schoß ein sichres Schloß gejagter Seelen; er spricht sie von dem Urtheil los und tilget bald ihr ängstlich Quälen; es wird ihr ganzes Sündenheer ins unergründlich tiefe Meer von seinem reinen Blut versenket; der Geist, der ihnen wird geschenket, schwingt über fie die Gnadenfahn: mein Heiland nimmt die Sünder an. 252 Rechtfertigung und Gnadenstand. than. Mein Heiland nimmt die Sünder an. 6. Wie freundlich blickt er Petrum an, ob er gleich noch so tief gefallen. Nun dieß hat er nicht nur gethan, da er auf Erden mußte wallen; nein, er ist immer einerlei, gerecht und fromm und ewig treu; und wie er unter Schmach und Leiden, so ist er auf dem Thron der Freuden den Sündern liebreich zugethan. Mein Heiland nimmt die Sünder an. 7. So komme denn, wer Sünder heißt, und wen sein Sündengreul betrübet, zu dem, der keinen von sich weist, der sich gebeugt zu ihm begibet. Wie? willst du dir im Lichte stehn und ohne Noth verloren gehn? Willst du der Sünde länger dienen, da dich zu retten er erschienen? D nein! verlaß die Sündenbahn. Mein Heiland nimmt die Sünder an. 8. Komm nur mühselig und gebückt, komm nur, so gut du weißt zu kommen; wenn gleich die Last dich niederdrückt, du wirst auch friechend angenommen. Sieh, wie sein Herz dir offen steht, und wie er dir entgegengeht; wie lang hat er mit vielem Flehen sich brünstig nach dir umgesehen! So komm denn, armer Mensch, heran. Mein Heiland nimmt die Sünder an. 9. Sprich nicht: ich habs zu arg gemacht, ich hab die Güter seiner Gnaden zu lang und schändlich umgebracht; er hat mich oft umsonst geladen. Wofern dus jetzt nur redlich meinst und deinen Fall mit Ernst beweinst, so soll ihm nichts die Hände binden, und du sollst seine Gnade finden. Er hilft, wenn sonst nichts helfen kann. Mein Heiland nimmt die Sünder an 10. Doch sprich auch nicht: es ist noch Zeit, ich muß erst diese Lust genießen; Gott wird ja eben nicht gleich heut die offne Gnadenpforte schließen. Nein, weil er ruft, so höre du und greif mit beiden Händen zu; wer seiner Seelen Heil verträumet, der hat die Gnadenzeit versäumet, ihm wird hernach nicht aufgethan; heut komm, heut nimmt dich Jesus an. 11. Ja, zeuch uns selber recht zu dir, holdselig süßer Freund der Sünder, erfüll mit sehnender Begier auch uns und alle Adamskinder. Zeig uns bei un serm Seelenschmerz dein aufgeschloßnes Liebesherz; und wenn wir unser Elend sehen, so laß uns ja nicht stille stehen, bis daß ein Jeder sagen kann: Gott Lob! auch mich nimmt Jesus an. Leop. Franz Friedr. Lehr geb. 1709,+ 1744. Rechtfertigung und Gradenstand. Mel. O daß ich tausend 2c. 364. Aus Gnaden soll ich selig werden; Herz, glaubst dus oder glaubst dus nicht? Was willst du dich so blöd geberden? Jsts Wahrheit, was die Schrift verspricht, so muß auch dieses Wahrheit seyn: aus Gnaden ist der Himmel dein. 2. Aus Gnaden! hier gilt kein Verdienen, die eignen Werke fallen hin; Gott, der aus Lieb im Fleisch erschienen, bringt uns den seligen Gewinn, daß uns sein Tod das Heil gez bracht und uns aus Gnaden selig macht. 3. Aus Gnaden! merk dieß Wort: aus Gnaden, so oft dich deine Sünde plagt, so oft dir will der Satan schaden, so oft dich dein Gewissen nagt. Was die Vernunft nicht faffen kann, das biet't dir Gott aus Gnaden an. 4. Aus Gnaden kam sein Sohn auf Erden und übernahm die Sündenlast. Was nöthigt' ihn, dein Freund zu werden sags, wenn du was zu rühmen hast! Wars nicht, daß er dein Bestes wollt und dir aus Gnaden helfen sollt? 5. Aus Gnaden! dieser Grund wird bleiben, so lange Gott wahrhaftig heißt; was alle Knechte Jesu schreiben, was Gott in seinem Wort an253 preist, worauf all unser Glaube ruht, ist Gnade durch des Lammes Blut. 6. Aus Gnaden! doch du, sichrer Sünder, denk nicht: wohlan! ich greif auch zu. Wahr ists, Gott rufet Adams Kinder aus Gnaden zur verheißnen Ruh. Doch den geht seine Gnad nicht an, wer noch auf Gnade sündgen kann. 7. Aus Gnaden! wer dieß Wort gehöret, tret ab von aller Heuchelei. Dann, wann der Sünder sich bekehret, so beim Sündgen scheint die lernt er erst, was Gnade sey; Gnad gering, dem Glauben ists ein Wunderding. 8. Aus Gnaden bleibt dem blöden Herzen das Herz des Vaters aufgethan, wanns unter den Verzweiflungsschmerzen nichts sieht und nichts mehr hoffen kann. Wo nähm ich oftmals Stärfung her, wenn Gnade nicht mein Anker wär? 9. Aus Gnaden! hierauf will ich sterben; ich fühle nichts, doch mir ist wohl; ich kenn mein sündliches Verderben, doch auch den, der mich heilen soll; mein Geist ist froh, die Seele lacht, weil mich die Gnade selig macht. 10. Aus Gnaden! die wird mich bedecken; ich schwinge meine Glaubensfahn und geh getrost trog aller Schrecken und 254 Rechtfertigung und Gnadenstand. 4. Sollt ich vor deinem Fluche beben? Mich trifft er nicht, denn ich bin rein; mein Heiland starb, so muß ich leben; er überwand, der Sieg ist mein! Was schaden mir der Hölle Flammen? ich erbe Mel. Wie groß ist des 2c. 365. Verlaß mich nicht, meines Vaters Gut! Ich bin sein Kind, wer will verdammen? Ich bin versöhnt durch Christi Blut. bis ich erfalte! Erleuchte mich, mein Lebenslicht! Stärk mich, daß ich dich glaubig halte, o Herr, du meine Zuversicht! Führ mich in meinen Prüfungsjahren den Weg, den ich nicht finden kann! Ich bin, wie meine Väter waren, dein Bürger und dein Wanders 5. O fomm, du Blut des Menschensohnes mit aller deiner Seligkeit! Gib mir zur Rechten deines Thrones das Erbe deiner Herrlichkeit! Ich mag sie nicht, die Erdenkronen, fie sind für meinen Wunsch zu klein! Weg, Staub, ich soll bei Jesu wohnen; ich soll, wie er, unsterblich seyn. 6. Zum selgen Anschaun Gottes kommen, den großen Bundesfürsten sehn, mit Gottes Heer, mit tausend Frommen durch alle Himmel ihn erhöhn; ohn Thränen, Furcht, Gefahr und Leiden, mehr Glück genießen, als ich weiß: das, Herr, sind deines Reiches Freuden, und nach vollbrachtem Kampf der Preis. Zweifel fort nach Kanaan. Ich glaub, was Jesu Wort verspricht, ich fühl es, oder fühl es nicht. Christian Ludw. Scheidt, geb. 1709,+ 1761. mann. 2. Erhör mich, wann ich zu dir schreie, gib meiner Seele große Kraft; umgürte mich nach deiner Treue mit Waffen deiner Ritterschaft! Und wenn, gleich Löwen nach dem Raube, der Feind nach meiner Seele brüllt, dann sey dein Wort, dein Geist, dein Glaube mein Schwert, mein Harnisch, Helm und Schild! 3. Ich suche dich, laß mich dich finden! Laut seuszt mein durstig Herz nach dir; verbirg im Aufruhr meiner Sünden dein gnädig Antlig nicht vor mir! Was willst du mit dem Staube rechten? du kennst mein fündiges Geschlecht; prüfst du, so ist von deinen Knechten fein einziger vor dir gerecht! 7. So gib denn Glauben deinem Streiter, der durch die Liebe thätig sey. Mach mich getrost, in Hoffnung heiter, demüthig, keusch, versöhnlich, treu, gutthätig, weich bei fremden Schmerzen, heiß im Gebet und still im Spott, zum Tode Rechtfertigung und Gnadenstand. reif, voll Ruh im Herzen, arm vor der Welt, und reich in Gott. 8. Und wird nun bald der Tag erscheinen, der Tag des Kampfes und der Ruh: dann lächle mir, wenn Freunde weinen, die Freude jenes Lebens zu. Dann sey mein Ende, wie dein Ende; dann schmück sich meine Seele schön, um im Triumph durch deine Hände zu deinen Wonnen einzugehn! A. G. L. Hering, † 1770. Mel. O daß ich tausend 2c. 366. Gott, deine Gnade bringt uns Leben; sie schafft uns Heil und Seelenruh. Dein ists, die Sünden zu vergeben, und willig ist dein Herz dazu. Du nimmst die Sünder gnädig an, die sich voll Reue zu dir nahn. 2. Uns, uns Verlorne zu erretten, gabst du für uns selbst deinen Sohn. Er litt, damit wir Frieden hätten, für uns den Tod, der Sünde Lohn. Gott, wie hast du uns geliebt, welch ein Erbarmen ausgeübt! 3. Dank, ewig Dank sey deiner Treue, die Niemand gnug erheben kann! Nun nimmst du jede wahre Reue um Christi willen gnädig an. Wohl dem, der sich zu dir befehrt und glaubig seinen Mittfer ehrt! 255 4. Du rettest ihn von allen Plagen, die dem Gewissen furchtbar sind; er kann getroft und freudig sagen: Gott ist für mich, ich bin sein Kind. Mein Jesus ists, der für mich litt und mich noch jetzt bei Gott vertritt. 5. D Herr, wie ruhig ist die Seele, die ganz sich deiner Gnade freut! Seys auch, daß irdisch Glück ihr fehle; nie fehlt ihr doch Zufriedenheit. Denn überwiegt dein Heil nicht weit die Welt und ihre Herrlichkeit? 6. Dein Friede stärkt mit frohem Muthe das Herz auch in der größten Noth, gibt Hoffnung zu dem ewgen Gute und macht getrost selbst in dem Tod. Er ist schon in der Pilgerzeit ein Vorschmack jener Seligkeit. 7. Laß, Vater, denn auch mich empfinden, wie föstlich dieser Friede sey! Auch mich sprachst du von meinen Sünden und ihren Strafen völlig frei. Denn der, der Aller Sünden trug, that sterbend auch für mich genug. 8. O laß mich dieß im Glaubenfassen und, Vater, mich voll Zuversicht auf deine Treue stets verlassen! Wenn alles wankt, wankt sie ooch nicht. Wohl dem, der sich auf dich verläßt; sein Heil steht unbeweglich fest. Rechtfertigung und Gnadenstand. 9. Lobsingend will ich dich den. Hoffnung und Zufrieerheben,.mich ewig deiner denheit wohnen mir im HerGnade freun, und deinem zen, trösten und erhöhn mich Dienst mein ganzes Leben in weit über alle Schmerzen. kindlichem Gehorsam weihn. Herr, du vergabst mir meine Schuld; nie, nie vergeß ich diese Huld! 5. Du bist mein! so jauchz ich dann; wer ist, der mir schade? Heil mir, daß ich rühmen fann: mein ist deine Gnade! Dir ist meine Wohl= fahrt werth, du gabst mir das Leben, und du wirst auch, was Mel. Schwing dich auf 2c. 367. Deines Gottes freue mich nährt und erfreut, mir geben. 256 3. S. Diterich, geb. 1721, † 1797. dich, dank ihm, meine Seele! Sorget er nicht väterlich, daß kein Gut dir fehle? Schüßt dich seine Vorsicht nicht, wann Gefahren dräuen? Ists nicht Seligkeit und Pflicht, seiner dich zu freuen? 2. Ja, mein Gott, ich hab an dir, was mein Herz begehret, einen Vater, welcher mir, was mir nüßt, gewähret; der mich durch sein göttlich Wort hier zum Guten lenket und mit- Himmelswonne dort meine Seele tränfet. 3. Wenn ich dich, mein Herr und Gott, kindlich fürcht und liebe; wenn ich redlich dein Gebot und mit Freuden übe, o wie ist mir dann so wohl! wie ist mein Gemüthe seliger Empfindung voll, voll von deiner Güte! 4. Dann darf ich mit Zuversicht auf zum Himmel bliden; selbst der zeiden acht ich nicht, wie sie mich auch drü6. Jefus ist nach deinem alle meine Missethat hat er Rath in die Welt gekommen; weggenommen. Ihm vertrau ich, bet ihn an, glaub an seine Leiden, folg ihm treulich, und so kann nichts von ihm mich scheiden. 7. Dich, du Trost der Sterblichkeit, Heil des bessern Lebens, himmlische Vollkommenheit, such ich nicht vergebens. Wann mein Lauf vollendet ist, und vollbracht mein Leiden, ruft mein Mittler Jesus Christ mich zu seinen Freuden. 8. Gib mir nur, so lang ich hier als ein Pilger walle, das Bewußtseyn, daß ich dir, Herr, mein Gott, gefalle! Dieſe sanfte Freudigkeit, die zu dir ich habe, sey mein Glück in dieser Zeit und mein Trost am Grabe. 9. Laß die Luft zur Sünde nie dieses Heil mir rauben! Rüfte selbst mich wider sie mit Kampf der Heiligung. 257 entschloßnem Glauben! Gib ich mein Vertraun auf dich mir deinen Geist, der mich ewig nicht verliere. und mein Thun regiere, daß Balthasar Münter, geb. 1735, † 1793. Kampf der Heiligung. Mel. Herr, wie du willst 2c. 368. Laß, Vater, deinen guten Geist mich innerlich regieren, daß ich allzeit thu, was du heißt, und mich nicht laß verführen, daß ich dem Argen widersteh und nicht von deinem Weg abgeh zur Rechten oder Linken. 2. Ob böse Lust noch mannigfalt mich ansicht, weil ich Tebe, so hilf, daß ich ihr also bald im Anfang widerstrebe, und daß ich da vergesse nicht die Todesstunde, das Gericht, den Himmel und die Hölle. 3. Gib, daß ich denke jeder zeit an diese letzten Dinge und dadurch alle Sündenfreud aus meinem Herzen bringe, damit ich mög mein Leben lang dir dienen ohne Furcht und Zwang in willigem Gehorſam. 4. Gott Vater, deine Kraft und Treu laß reichlich mich empfinden. Jesu Christe, steh mir bei, daß ich könn überwinden. Hilf, heilger Geist, in diesem Krieg, daß ich da immer einen Sieg, erhalte nach dem andern. David Denicke, geb. 1603,+ 1680. Mel. Was mein Gott will 26. 369. ey Gott getreu, halt seinen Bund, o Mensch, in deinem Leben, leg diesen Stein zum ersten Grund, bleib ihm allein ergeben. Denk an den Kauf in deiner Tauf, da er sich dir verschrieben bei seinem Eid, in Ewigkeit als Vater dich zu lieben. 2. Sey Gott getreu, laß keinen Wind des Kreuzes dich abfkehren; ist er dein Vater, du sein Kind, was willst du mehr begehren? Dieß höchste Gut macht rechten Muth; kann seine Huld dir werden, nichts Bessers ist, mein lieber Christ, im Himmel und auf Erden. 3. Sey Gott getreu von Jugend auf, laß dich nicht Luft noch Leiden in deinem ganzen Lebenslauf von dessen Liebe scheiden. Sein alte Tren wird täglich neu, sein Wort steht nicht auf Schrauben; was er verspricht, das bricht er nicht, das sollst du fühnlich glauben. 4. Sey Gott getreu in deinem Stand, darein er dich geseget; wenn er dich hält mit seiner Hand, wer ist, der dich 17 258 Kampf der Heiligung. verleget? Wer seine Gnad zum Schilde hat, dem kann kein Teufel schaden; ist diese Wehr um einen her, so bleibt ihm wohl gerathen. 5. Sey Gott getreu, sein liebes Wort standhaftig zu betennen; steh fest darauf an allem Ort, laß dich davon nicht trennen. Was diese Welt in Armen hält, muß alles noch vergehen; sein liebes Wort bleibt ewig fort ohn alles Wanfen stehen. 6. Sey Gott getreu, als welcher sich läßt treu und gnä. dig finden; streit unter ihm nur ritterlich, laß über dich den Sünden ja wider Pflicht den Zügel nicht; wär ja der Fall geschehen, so sey bereit, durch Buß bei Zeit nur wieder aufzustehen. 7. Sey Gott getreu bis in den Tod und laß dich nichts den Tod und laß dich nichts abwenden; er wird und kann in aller Noth dir treuen Bei stand senden. Und käm auch gleich das höllisch Reich mit aller Macht gedrungen, wollt auf dich zu, so glaube du, du bleibest unbezwungen. 8. Wirst du Gott also bleiben treu, wird er sich dir erweisen, daß er dein lieber Vater sey, wie er dir hat verheißen, und eine Kron zum Gnadenlohn im Himmel dir aufseßen, da wirst du dich fort ewiglich in seiner Treu ergößen. Michael Franck, geb. 1609, † 1667. Mel. Machs mit mir, Gott: c. 370. Mir nach, spricht Christus, unser Held, mir nach, ihr Christen alle! Verläugnet euch, verlaßt die Welt, folgt meinem Ruf und Schalle; nehmt euer Kreuz und Ungemach auf euch, folgt meinem Wandel nach. 2. Ich bin das Licht, ich leucht euch für mit heilgem Tugendleben; wer zu mir fommt und folget mir, darf nicht im Finstern schweben; ich bin der Weg, ich weise wohl, wie man wahrhaftig wandeln soll. 3. Mein Herz ist voll Demüthigkeit, voll Liebe meine Seele; mein Mund der fleußt zu jeder Zeit von süßem Sanft muthöle. Mein Geist, Gez müthe, Kraft und Sinn ist Gott ergeben, schaut auf ihn. 4. Fällts euch zu schwer, ich geh voran, ich steh euch an der Seite; ich kämpfe ſelbst, ich brech die Bahn, bin alles in dem Streite. Ein böser Knecht, der still darf stehn, wenn er den Feldherrn an sieht gehn. 5. Wer seine Seel zu fin den meint, wird sie ohn mich verlieren; wer sie hier zu verlieren scheint, wird sie in Gott Kampf der Heiligung. einführen. Wer nicht sein Kreuz nimmt und folgt mir, ist mein nicht werth und meiner Zier. 6. So laßt uns nun dem lieben Herrn mit Leib und Seel nachgehen und wohlgemuth, getroft und gern bei ihm im Leiden stehen! Denn wer nicht kämpft, trägt auch die Kron des ewgen Lebens nicht davon. Johann Scheffler, geb. 1624,+ 1677. Mel. Machs mit mir, Gott 2c. 371. Auf, Christenmensch! von ihm weit und fern. auf, auf zum Streit! Auf, auf zum Ueberwinden! In dieser Welt, in dieser Zeit ist keine Ruh zu finden. Wer nicht will streiten, trägt die Kron des ewgen Lebens nicht davon. 2. Der Teufel fommt mit seiner List, die Welt mit Pracht und Prangen, das Fleisch mit Wollust, dich, o Christ, zu fällen und zu fangen; streitst du nicht wie ein tapfrer Held, so bist du hin und schon gefällt. 3. Gedenke, daß du zu der Fahn deins Feldherrn haft geschworen; denk ferner, daß du als ein Mann zum Streit bist auserforen, ja denke, daß ohn Streit und Sieg nie Keiner zum Triumph aufstieg. 4. Wer überwindt und kriegt den Raum der Feinde, die vermessen, der wird im Paradies vom Baum des ewgen 259 Lebens essen. Wer überwindt, den soll kein Leid noch Tod berührn in Ewigkeit. 5. Wer überwindet, der soll dort in weißen Kleidern gehen; sein guter Name soll sofort im Buch des Lebens stehen; ja, Christus wird ihn offenbar bekennen vor der Engel Schaar. 6. Wer überwindt, soll ewig nicht aus Gottes Tempel gehen; er soll drin wie ein himmlisch Licht und güldne Säule stehen; der Name Gottes, unsers Herrn, soll leuchten 7. So streit denn wohl, streit keck und fühn, daß du mögst überwinden; streng an die Kräfte, Muth und Sinn, daß du dieß Gut mögst finden. Wer nicht will streiten um die Kron, bleibt ewiglich in Spott und Hohn. Joh. Scheffler, geb. 1624, † 1677. Mel. Herr Jesu Christ, dich zu uns wend 2c. 372. Ein reines Herz, Herr, schaff in mir, schleuß zu der Sünde Thor und Thür, vertreibe sie und laß nicht zu, daß sie in meinem Herzen ruh. 2. Dir öffn ich, Jesu, meine Thür; ach komm und wohne du bei mir, treib all Unreinigfeit hinaus aus deinem Tempel und Wohnhaus. 3. Laß deines guten Geistes Licht und dein hellglänzend 17* 260 Kampf der Heiligung. Angesicht erleuchten mein Herz und Gemüth, o Brunnen unerschöpfter Güt. 4. Und mache denn mein Herz zugleich an Himmelsgut und Segen reich; gib Weisheit, Stärke, Rath, Verstand aus deiner milden Gnaden hand: 5. So will ich deines Namens Ruhm ausbreiten als dein Eigenthum und dieses achten für Gewinn, wenn ich nur dir ergeben bin. Heinr. Georg Neuß, geb. 1654,+ 1716. Mel. Frea dich sehr, o meine ic. 373. Schaffet, schaffet, Menschenkinder, schaffet eure Seligkeit; bauet nicht wie freche Sünder nur auf gegenwärtge Zeit, sondern schauet über euch, ringet nach dem Himmelreich, und bemühet euch auf Erden, wie ihr möget selig werden. 2. Daß nun dieses mög geschehen, müßt ihr nicht nach Fleisch und Blut und desselben Neigung gehen; sondern was Gott will und thut, das muß einzig und allein eures Lebens Richtschnur seyn, es mag Fleisch und Blut in allem übel oder wohl gefallen. 3. Ihr habt Ursach, zu bekennen, daß in euch noch Sünde steckt; daß ihr Fleisch von Fleisch zu nennen, daß euch lauter Elend deckt, und daß Gottes Gnadenkraft nur allein das Gute schafft, ja, aß außer seiner Gnade in euch nichts denn Seelenschade. 4. Selig, wer im Glauben kämpfet, selig, wer im Kampf besteht und die Sünden in sich dämpfet, selig, wer die Welt verschmäht. Unter Christi Kreuzesschmach jaget man dem Frieden nach; wer den Himmel will ererben, muß zuvor mit Christo sterben. 5. Werdet ihr nicht treulich ringen, sondern träg und lässig seyn, eure Neigung zu bezwingen, so bricht eure Hoffnung ein; ohne tapfern Streit und Krieg folget niemals rechter Sieg; wahren Siegern wird dir Krone nur zum beigelegten Lohne. 6. Mit der Welt sich lustig machen, hat bei Christen keine Statt; sündlich Reden, üppig Lachen schwächt den Geist und macht ihn matt. Ach, bei Christi Kreuzesfahn geht es wahrlich niemals an, daß man noch mit frechem Herzen sicher wolle thun und scherzen. 7. Furcht muß man vor Gott stets tragen; denn er kann mit Leib und Seel uns zur Hölle niederschlagen; er ists, der des Geistes Del und, nachdem es ihm beliebt, Wollen und Vollbringen gibt. so laßt uns zu ihm gehen, ihn um Gnade anzuflehen. 8. Und dann schlagt die Kampf der Heiligung. Sündenger, welche Adam in euch regt, in den Kreuzestod darnieder, bis ihm seine Macht gelegt. Hauet Händ und Füße ab; was euch ärgert, fenft ins Grab und denkt mehr mals an die Worte: Dringet durch die enge Pforte. 9. Zittern will ich vor der Sünde und dabei auf Jesum sehn, bis ich seinen Beistand finde, in der Gnade zu bestehn. Ach, mein Heiland, geh doch mit mir Armen ins Gericht; gib mir deines Geistes Waffen, meine Seligkeit zu schaffen. 10. Amen! es geschehe, Amen! Gott versiegle dieß in mir, auf daß ich in Jesu Namen so den Glaubenskampf ausführ. Er, er gebe Kraft und Stärk und regiere selbst das Werk, daß ich wache, bete, ringe und also zum Himmel dringe. Ludw. Andr. Gotter, geb. 1661, † 1735. Eigne Melodie. 374. Durchbrecher aller Bande, der du immer bei uns bist, bei dem Schaden, Spott und Schande lauter Lust und Himmel ist: übe ferner dein Gerichte wider unsern AdamsSinn, bis dein treues Angesichte uns führt aus dem Kerker hin. 2. Ists doch deines Vaters Wille, daß du endest dieses Werk. Hiezu wohnt in dir die 261 Fülle aller Weisheit, Lieb und Stärk, daß du nichts von dem verlierest, was er dir geschenket hat, und es von dem Treiben führeft zu der süßen Ruhestatt. 3. Ach, so mußt du uns vollenden, willst und kannst ja anders nicht; denn wir sind in deinen Händen, dein Herz ist auf uns gericht, ob wir wohl vor allen Leuten als gefangen sind geacht, weil des Kreuzes Niedrigkeiten uns veracht't und schnöd gemacht. 4. Schau doch aber unsre Ketten, da wir mit der Creatur um Erlösung seufzen, beten von der Schwachheit der Natur, von dem Dienst der Eitelkeiten, der uns noch so hart bedrückt, wenn auch schon der Geist in Zeiten sich auf etwas Beßres schickt. 5. Ach, erheb die matten Kräfte, reiße du das Band entzwei, daß wir durch die Weltgeschäfte durchgebrochen stehen mit und Zagen, weich, Vernunftbedenklichkeit, fort mit Scheu vor Schmach und Plagen, weg des Fleisches Zärtlichkeit. 6. Herr, zermalme, brich und reiße die verboste Macht entzwei, denke, daß ein armer Mensche dir im Tod nichts nüße sey. Heb ihn aus dem Staub der Sünden, wirf die Schlangenbrut hinaus, laß uns 262 Kampf der Heiligung. wahre Freiheit finden in des Vaters Hochzeithaus. 7. Wir verlangen keine Ruhe für das Fleisch in Ewigkeit. Wie dus nöthig findst, so thue noch vor unsrer Abschiedszeit; aber unser Geist der bindet dich im Glauben, läßt dich nicht, bis er die Erlösung findet, die dein treuer Mund verspricht. 8. Herrscher, herrsche; Sieger, stege; König, brauch dein Regiment, führe deines Reiches Kriege, mach der Sklaverei ein End! Aus dem Kerker laß die Seelen durch des neuen Bundes Blut; laß uns länger nicht so quälen, denn du meinsts mit uns ja gut. 9. Haben wir uns selbst gefangen in Lust und Gefälligkeit, ach, so laß uns nicht stets hangen in dem Tod der Eitelkeit; denn die Last treibt uns, zu rufen, alle schreien wir dich an; zeig doch nur die ersten Stufen der gebrochnen Freiheitsbahn. 10. Ach, wie theur sind wir erworben, nicht der Menschen Knecht zu seyn; drum so wahr du bist gestorben, mußt du uns auch machen rein, rein und frei und ganz vollkommen und verklärt ins beste Bild. Der hat Gnad um Gnad genommen, wer aus deiner Füll sich füllt. 11. Liebe, zeuch uns in dein Sterben, laß uns mit gekreuzigt seyn, was dein Reich nicht fann ererben; führ ins Paradies uns ein. Doch wohlan! du wirst nicht säumen, laß uns nur nicht lässig seyn; werden wir doch als wie träumen, wann die Freiheit bricht herein. Gottfried Arnold, geb. 1666, † 1714. Mel. Straf mich nicht in 2c. 375. Mache dich, mein Geist, bereit, wache, fleh und bete, daß dich nicht die böse Zeit unverhofft betrete; denn es ist Satans List über viele Frommen zur Versuchung kommen. 2. Aber wache erst recht auf von dem Sündenschlafe; denn es folgef sonst darauf eine lange Strafe, und die Noth sammt dem Tod möchte dich in Sünden unvermuthet finden. 3. Wache auf, sonst kann dich nicht unser Herr erleuchten; wache, sonsten wird dein Licht dir noch ferne deuchten; denn Gott will für die Füll seiner Gnadengaben offne Augen haben. 4. Wache, daß dich Satans List nicht im Schlaf mag finden, weils ihm sonst ein Leichtes ist, dich zu überwinden; und Gott gibt, die er liebt, oft in seine Strafen, wenn sie sicher schlafen. 5. Wache, daß dich nicht die. Welt durch Gewalt bezwinge, oder wenn sie sich verstellt, Kampf der Heiligung. wieder an sich bringe; wach Mel. Wachet auf, ruft zc. und sieh, damit nie viel von 376. Nüstet euch, ihr Chrifalschen Brüdern unter deinen Gliedern. stenleute; die Feinde suchen euch zur Beute, ja Satan ſelbst euch mit Gottes Worte und hat eur begehrt. Wappnet kämpfet frisch an jedem Orte, damit ihr bleibet unversehrt. Ist euch der Feind zu schnell, hier ist Immanuel. Hosianna! Der Starke fällt durch diesen Held, und wir behalten mit das Feld. 6. Wach dazu auch über dich, über Fleisch und Herze, damit es nicht freventlich Gottes Gnad verscherze; denn es ist voller List, kann sich selber heucheln und in Hoffart schmeicheln. 7. Bete aber auch dabei mitten in dem Wachen; denn der Herre muß dich frei von dem allen machen, was dich drückt und bestrickt, daß du schläfrig bleibest und sein Werk nicht treibest. 8. Ja, er will gebeten seyn, wenn er soll was geben; er verlanget unser Schrein, wenn wir wollen leben und durch ihn unsern Sinn, Feind, Welt, Fleisch und Sünden kräftig überwinden. 9. Doch wohl gut! es muß uns schon alles glücklich gehen, wenn wir ihn durch seinen Sohn im Gebet anflehen; denn er will uns mit Füll seiner Gunst beschütten, wenn wir gläubig bitten. 263 10. Drum so laßt uns immerdar wachen, flehen, beten, weil die Angst, Noth und Gefahr immer näher treten; denn die Zeit ist nicht weit, da uns Gott wird richten und die Welt vernichten. Joh. Burchard Freystein, † 1720. 2. Reinigt euch von euren Lüsten, besieget fie, die ihr seyd Christen, und stehet in des Herren Kraft. Stärket euch in Jesu Namen, daß ihr nicht strauchelt wie die Lahmen. Wo ist des Glaubens Eigenschaft? Wer hier ermüden will, der schaue auf das Ziel, da ist Freude. Wohlan, so seyd zum Kampf bereit, so krönet euch die Ewigkeit. 3. Streitet recht die wenig Jahre, eh ihr kommt auf die Todtenbahre; kurz, kurz ist unfer Lebenslauf. Wann Gott wird die Todten wecken, und Christus wird die Welt er= schrecken, so stehen wir mit Freuden auf. Gott Lob! wir sind versöhnt; daß uns die Welt noch höhnt, währt nicht lange, und Gottes Sohn hat längstens schon uns beigelegt die Ehrenfron. 4. Jesu, stärke deine Kin 264 Kampf der Heiligung. der und mache die zu Ueberwindern, die du erkauft mit deinem Blut. Schaffe in uns neues Leben, daß wir uns stets zu dir erheben, wenn uns entfallen will der Muth. Geuß aus auf uns den Geist, dadurch die Liebe fleußt in die Herzen, so halten wir getreu an dir im Tod und Leben für und für. Wilh. Erasm. Arends,(?) † 1721. Eigne Melodie. 5. Jesu, hilf stegen und lege gefangen in mir die Lüste des Fleisches und gib, daß bei mir 377. Jefu, hilf slegen, du lebe des Geistes Verlangen, Fürste des Lebens; sieh, wie die Finsterniß dringet herein; wie sie ihr höllisches Heer nicht vergebens mächtig aufführet, mir schädlich zu seyn; Satan der sinnet auf allerhand Ränke, wie er mich sichte, verstöre und fränfe. 2. Jesu, hilf siegen, der du mich erkaufet, rette, wennFleisch und Blut, Satan und Welt mich zu berücken ganz grimmig anlaufet, oder auch schmeichelnd sich listig verstellt. Wüthen die Feinde von außen und innen, laß mir, Herr, niemals die Hülfe zerrinnen. 4. Jesu, hilf stegen, wenn in mir die Sünde, Eigenlieb, Hoffart und Mißgunſt sich regt, wenn ich die Macht der Begierden empfinde, und sich mein tiefes Verderben darlegt; hilf, daß ich dann vor mir selber erröthe und durch dein Leiden mein sündlich Fleisch tödte. 3. Jesu, hilf stegen! ach wer muß nicht klagen: Herr, mein Gebrechen ist immer vor mir! Hilf, wenn die Sünden der Jugend mich nagen, die mein Gewissen mir täglich hält für; laß es zu meiner Demüthigung dienen, und mich doch schmecken dein kräftig Verfühnen. aufwärts sich schwingend durch heiligen Trieb; laß mich eindringen ins göttliche Wesen, so wird mein Geist, Leib und Seele genesen. 6. Jesu, hilf siegen und laß mich nicht sinken, wenn sich die Kräfte der Lügen aufblähn und mit dem Scheine der Wahrheit sich schminken; laß dann viel heller doch deine Kraft sehn; steh mir zur Rechten, o König und Meister, lehre mich kämpfen und prüfen die Geister. 7. Jesu, hilf stegen im Wachen und Beten! Hüter, du schläfest und schlummerst nicht ein; laß dein Gebet mich unendlich vertreten, der du verheißen, mein Fürsprech zu seyn; wenn mich die Nacht mit Ermüdung will decken, wollst du mich, Jesu, ermuntern und wecken. 8. Jesu, hilf stegen, wenn Kampf der Heiligung. alles verschwindet, und ich mein Nichts und Verderben nur seh, wenn kein Vermögen zu beten sich findet, wenn ich muß seyn ein verschüchtertes Reh; ach Herr, so wollst du im Grunde der Seelen dich mit dem innersten Seufzen vermählen. 9. Jesu, hilf stegen und laß mirs gelingen, daß ich das Zeichen des Sieges erlang, so will ich ewig dir Lob und Dank singen, Jesu, mein Heiland, mit frohem Gesang. Wie wird dein Name da werden gepriesen, wo du, o Held, dich so mächtig erwiesen! 10. Jesu, hilfsiegen! Wenns nun kommt zum Sterben, mach du mich würdig und stetig bereit, daß ich mich könne recht nennen dein'n Erben dort in der Ewigkeit, hier in der Zeit. Jeſu, mein Jeſu, dir bleib ich ergeben, hilf du mir stegen, mein Heil, Trost und Leben! Johann Heinrich Schröder, geb. 1666, † 1728. 265 3. Kämpfe bis aufs Blut und Leben, dring hinein in Gottes Reich; will der Satan widerstreben, werde weder matt noch weich. 2. Ringe, denn die Pfort ist enge, und der Lebensweg ist schmal; hier bleibt alles im Gedränge, was nicht zielt zum Himmelssaal. 4. Ringe, daß dein Eifer glühe, und die erste Liebe dich von der ganzen Welt abziehe; halbe Liebe hält nicht Stich). 5. Ringe mit Gebet und Schreien, halte damit feurig an; laß dich keine Zeit gereuen, wärs auch Tag und Nacht gethan. 6. Hast du dann die Perl errungen, denke ja nicht, daß du nun alles Böse haft bezwungen, das uns Schaden pflegt zu thun. 7. Nimm mit Furcht ja deiner Seele, deines Heils mit Zittern wahr; hier in dieser Leibeshöhle schwebst du täglich in Gefahr. 8. Halt ja deine Krone feste, halte männlich, was du hast; recht beharren ist das Beste, Rückfall ist ein böser Gast. Eigne Melodie. 378. Ninge recht, wenn gaffen nach der schnöden Eitel9. Laß dein Auge ja nicht Gottes Gnade dich nun ziehet und bekehrt, daß dein Geist sich recht entlade von der Last, die ihn beschwert. feit; bleibe Tag und Nacht in Waffen; fliehe träge Sicherheit. 10. Laß dem Fleische nicht den Willen; gib der Lust den Zügel nicht. Willst du die Begierden füllen, so verlischt das Gnadenlicht. 11. Fleischesfreiheit macht die Seele falt und sicher, frech Kampf der Heiligung. 266 und stolz; frißt hinweg des Glaubens Dele, läßt nichts als ein faules Holz. 12. Wahre Tren führt mit der Sünde bis ins Grab beständig Krieg, richtet sich nach keinem Winde, sucht in jedem Kampf den Sieg. 13. Wahre Treu liebt Christi Wege, steht beherzt auf ihrer Hut, weiß von feiner Wollustpflege, hält sich selber nichts zu Gut. 14. Wahre Treu hat viel zu weinen, spricht zum Lachen: du bist toll! weil es, wann Gott wird erscheinen, lauter Heulen werden soll. 15. Wahre Treu kommt dem Getümmel dieser Welt niemals zu nah; ist ihr Schatz doch in dem Himmel, drum ist auch ihr Herz allda. 16. Dieß bedenket wohl, ihr Streiter, streitet recht und fürchtet euch; geht doch alle Tage weiter, bis ihr kommt ins Himmelreich. 17. Denkt bei jedem Augenblicke, obs vielleicht der letzte sey; bringt die Lampen ins Geschicke, holt stets neues Del herbei. 18. Liegt nicht alle Welt im Bösen? Steht nicht Sodom in der Gluth? Seele, wer soll dich erlösen? Eilen, eilen ist hier gut. 19. Eile, wo du dich erretten und nicht mit verderben willt; mach dich los von allen Ketten, fleuch als ein gejagtes Wild. 20. Lauf der Welt doch aus den Händen, dring ins stille Zoar ein. Eile, daß du mögst vollenden, mache dich von allem rein. 21. Laß dir nichts am Herzen kleben, fleuch vor dem verborgnen Bann, such in Gott geheim zu leben, daß dich nichts beflecken kann. 22. Eile, zähle Tag und Stunden, bis dein Bräutgam kommt und winkt und, wenn du nun überwunden, dich zum Schauen Gottes bringt. 23. Eile, lauf ihm doch entgegen, sprich: Mein Licht, ich bin bereit, nun mein Hüttlein abzulegen, mich dürst nach der Ewigkeit! Joh. Jos. Windler, geb. 1670,+ 1722. Mel. Weil nichts gemeiner ist sc. 379. Du Bater deiner Menschenkinder, der du die Liebe selber bist, und dessen Herz auch gegen Sünder noch gütig und voll Mitleid ist, laß mich von ganzem Herzen dein im Leben und im Tode seyn. 2. Gib, daß ich als dein Kind dich liebe, da du mich als ein Vater liebst, und so gesinnt zu seyn mich übe, wie du mir selbst die Vorschrift gibst. Was dir gefällt, gefall Kampf der Heiligung. auch mir; nichts scheide mich, mein Gott, von dir. 3. Vertilge, Herr, durch deine Liebe in mir die Liebe zu der Welt und gib, daß ich Verläugnung übe, wenn mir das Eitle noch gefällt. Wie könnt ich je die Creatur dir vorziehn, Schöpfer der Natur? 4. Laß mich um deines Namens willen gern thun, was mir dein Wort gebeut. Kann ichs nicht, wie ich soll, erfüllen, so steh auf meine Willigkeit und rechne mir nach deiner Huld die Schwachheit, Vater, nicht zur Schuld. 5. Der liebt dich nicht, der noch mit Freuden das thut, was dir, o Gott, mißfällt. Drum laß es mich mit Sorgfalt meiden, gefiel es auch der ganzen Welt. Die kleinste Sünde selbst zu scheun, laß, Vater, mich beslissen seyn. 6. Aus Liebe laß mich alles leiden, was mir dein weiser Rath bestimmt. Auch Trübsal führt zu ewgen Freuden; wer ihre Last gern auf sich nimmt, sie willig trägt und weislich nüßt, wird mächtig von dir unterstüßt. 7. In deiner Liebe laß mich sterben, so ist auch Sterben mein Gewinn; so werd ich deinen Himmel erben, wo ich dir ewig nahe bin. Da lieb ich in Vollkommenheit dich, Vater der Barmherzigkeit. Balthasar Münter, geb. 1735,+ 1793. 267 Mel. Wo Gott, der Herr, nicht zc. 380. Herr, stärke meinen schwachen Muth, dich treulich zu bekennen und trotz der Feinde Hohn und Wuth den Deinen mich zu nennen. Gib, daß ich ohne Heuchelei durch deine Gnade stark und frei dein ewig Lob verkünde. 2. Ich weiß, es geht der Zeugen Pfad durch manches Ungewitter; denn wen dein Licht erleuchtet hat, dem wird die Weltlust bitter. Je mehr er Welt und Sünde haßt, um desto schwerer wird die Last; des Kampfes wird kein Ende. 3. Wer Sünde thut, der haßt das Licht, mag nicht die Wahrheit hören; und wer ihm von der Buße spricht, will nur den Frieden stören. Das Wort vom Kreuz war allezeit der armen Welt, und ists noch heut, gar eine harte Rede. 4. Und doch will ich verzagen nicht, mag sie gleich drohn und lügen; denn Gottes Wort und Gottes Licht muß doch am Ende stiegen. Wie sollt ich zweifeln noch daran? Hat er doch mein Herz aufgethan, das troßge und verzagte! 5. Und der mein stolzes Herz gewann, das ganz und gar verkehrte, der Allen helfen will und kann, gleichwie er mich befehrte: sein Scepter bleibt in Ewigkeit; zulegt doch 268 Früchte der Wiedergeburt. werden weit und breit die Starken seine Beute. 6. So bleib ich ruhig denn dabei, von seiner Huld zu zeugen, und stören soll mich kein Geschrei, ihm meine Knie zu beugen! Es hilft mir ja der starke Held, daß nicht die Furcht vor dieser Welt mich treibt, ihn zu verläugnen. 7. Und will die Welt, nach seinem Rath, mich drum mit Füßen treten: er lehrt für ihre Missethat mich glaubig flehn Früchte der Wiedergeburt. Mel. Wenn wir in höchsten 2c. 381. 3wei Ding, o Herr, bitt ich von dir, die wollest du nicht weigern mir, weil ich in diesem Elend bin, bis mich mein Stündlein nimmt dahin. 2. Verfälschte Lehr, Abgötterei, auch Lügen ferne von mir sey; Armuth und Reichthum gib mir nicht, doch solches ich noch ferner bitt: 3. Ein ziemlich Nothdurft schaff dem kann nähren Kind und Weib, oder kein Noth und Mangel sey, und auch kein Ueberfluß dabei. und beten. Und regt sich noch des Zornes Flamm: ein Blick auf ihn am Kreuzesstamm dämpft ihr unheilges Feuer. 8. Der Feinde Fluch verfehret er erbarmungsvoll in Segen und stärket mich, der treue Herr, auch unter harten Schlägen, hilft, daß ich ohne Heuchelei von seiner Gnade stark und frei durch Wort und Wandel zeuge. Aus Knapp's Liederschap. 4. Sonst wenn zu satte ich würd seyn, verläugnet ich den Herren mein, und saget: Was frag ich nach Gott? ich bin versorgt in aller Noth. 5. Oder wenn Armuth drückte mich, zum Stehlen möcht gerathen ich, oder mit Sünd trachten nach Gut, ohn Gottes Scheu, wie Mancher thut. 6. Des Herren Segen machet reich ohn alle Sorg, wenn du zugleich in deim Stand treu und fleißig bist und thust, was dir befohlen ist. Paul Eber, geb. 1511, † 1569. Eigne Melodie. 382. Von Gott will ich nicht lassen; denn er läßt nicht von mir, führt mich auf rechter Straßen, da ich sonst irret sehr, reichet mir seine Hand; den Abend wie den Morgen thut er mich wohl versorgen, sey, wo ich woll, im Land. Früchte der Wiedergeburt. 2. Wann sich der Menschen Hulde und Wohlthat all verkehrt, so findt sich Gott gar balde; sein Macht und Gnad bewährt hilfet aus aller Noth, errett von Sünd und Schanden, von Ketten und von Banden, und wenns auch wär der Tod. 3. Auf ihn will ich vertrauen in meiner schweren Zeit. Es kann mich nicht gereuen, er wendet alles Leid. Ihm sey es heimgestellt, mein Leib, mein Seel, mein Leben sey Gott, dem Herrn, ergeben; er schaffs, wie's ihm gefällt. 4. Es kann ihm nichts gefallen, denn was mir nüßlich ist. Er meints gut mit uns allen, schenkt uns den Herren Christ, sein allerliebsten Sohn, durch ihn er uns bescheret, was Leib und Seel ernähret: lobt ihn ins Himmels Thron. 5. Lobt ihn mit Herz und Munde, welch's er uns beides schenkt; das ist ein selge Stunde, darin man sein gedenkt. Sonst verdirbt alle Zeit, die wir zubring'n auf Erden. Wir sollen selig werden und bleib'n in Ewigkeit. 269 geschlafen haben, will uns erwecken Gott. 7. Die Seel bleibt unverloren geführt in Abrams Schoß; der Leib wird neu geboren, von allen Sünden los, ganz heilig, rein und zart, ein Kind und Erb des Herren; daran muß uns nicht irren des Teufels listig Art. 8. Darum, ob ich schon dulde hier Widerwärtigkeit, wie ich auch wohl verschulde, kommt doch die Ewigkeit, ist aller Freude voll; dieselb ohn einig Ende, dieweil ich Chriſtum fenne, mir widerfahren soll. 9. Das ist des Vaters Wille, der uns geschaffen hat; sein Sohn hat Guts die Fülle er= Sohn hat Guts die Fülle erworben uns und Gnad. Auch Gott, der heilig Geist, im Glauben uns regieret, zum Reich der Himmel führet; ihm sey Lob, Ehr und Preis. Ludwig Helmbold, geb. 1532, † 1598. Mel. Was mein Gott will 2c. 383. Wer Gott vertraut, hat wohl gebaut im Himmel und auf Erden; wer sich verläßt auf Jesum Christ, dem muß der Himmel werden. Darum auf dich all Hoffnung ich ganz fest und steif thu seßen; Herr Jesu Christ, mein Trost du bist in Todes Noth und Schmerzen. 2. 6. Auch wenn die Welt vergehet mit ihrer stolzen Pracht, nicht Ehr noch Gut bestehet, das vor war groß geacht. Wir werden nach dem Tod tief in Und wenns gleich wär die Erd begraben; wenn wir dem Teufel sehr und aller Früchte der Wiedergeburt. 270 Welt zuwider, dennoch so bist du, Jesu Christ, der sie all schlägt darnieder; und wenn ich dich nur hab um mich mit deinem Geist und Gnaden, so kann fürwahr mir ganz und gar nicht Tod noch Teufel schaden. 3. Dein tröst ich mich ganz sicherlich; denn du fannst mir wohl geben, was mir ist noth, du treuer Gott, in diesm und jenem Leben. Gib wahre Reu, mein Herz erneu, errette Leib und Seele. Ach, höre, Herr, dieß mein Begehr und laß mein Bitt nicht fehlen. dich mit meinem Mund ohn Herzensandacht nenne, daß ich bedenke jeden Tag, wie stark mich meine Taufzusag zum Dienste dir verbindet. 4. Am Tage deiner heilgen Ruh laß mich früh vor dich treten, die Zeit auch heilig bringen zu mit Danken und mit Beten, daß ich hab alle Lust an dir, dein Wort gern hör und dir dafür mein dankbar Opfer bringe. 5. Die Eltern, Lehrer, Obrigkeit, so vorgesetzt mir werden, laß mich ja ehren allezeit, daß mirs wohl geh auf Erden; für ihre Sorg und Treu laß mich, wann sie auch werden wunderlich, Furcht, Ehr und 384. Herr, deine Rechte Dank erweisen. Aus dem 16. Jahrh. Mel. Es spricht der Unweisen 2c. und Gebot, darnach wir sollen leben, wollst du mir, o getreuer Gott, ins Herze selber geben, daß ich zum Guten willig sey, und ohne Falsch und Heuchelei, was du befiehlst, vollbringe. 6. Hilf, daß ich nimmer eigne Rach aus Zorn und Feindschaft übe, dem, der mir anthut Troß und Schmach, verzeihe und ihn liebe, sein Glück und Wohlfahrt Jedem gönn, schau, ob ich Jemand dienen könn, und thu es dann mit Freuden. 2. Gib, daß ich dir allein vertrau, allein dich fürcht und liebe, auf Menschentrost und Hülf nicht bau, noch mich darum betrübe, daß großer Leute Gnad und Gunst, Gewalt, Pracht, Reichthum, Wiß und Kunst mir nicht zum Abgott 7. Unreine Werk der Finsterniß laß mich mein Lebtag meiden, daß ich für böse Lust nicht müß der Hölle Qual dort leiden; schaff in mir, Gott, ein reines Herz, daß ich schandbare Wort und Scherz und alle Unzucht fliehe. werde. 3. Hilf, daß ich deinen Nam'n und Bund aus deinem Wort erkenne, auch niemals 8. Verleih, daß ich mich redlich nähr und böser Ränke Früchte der Wiedergeburt. schäme; mein Herz von Geiz und Unrecht kehr, und fremdes Gut nicht nehme, auch von der Arbeit meiner Händ, was übrig ist, auf Arme wend, und nicht auf Pracht und Hoffart. 9. Hilf, daß ich meines Nächsten Glimpf zu retten mich befleiße, von ihm abwende Schmach und Schimpf, doch Böses nicht gut heiße. Gib, daß ich lieb Aufrichtigkeit, und Abscheu habe jederzeit am Lästern und am Lügen. 10. Laß mich des Nächsten Haus und Gut nicht wünschen noch begehren; was aber mir vonnöthen thut, das wollst du mir gewähren; doch daß es Niemand schädlich sey, ich auch ein ruhig Herz dabei und deine Gnad behalte. 11. Ach, Herr, ich wollte deine Recht und deinen heilgen Willen, wie mir gebührt als deinem Knecht, ohn Mangelgern erfüllen; doch fühl ich wohl, was mir aebricht, und wie ich das Geringste nicht vermag aus eignen Kräften. 12. Drum gib du mir von deinem Thron, Gott Vater, Gnad und Stärke; verleih, o Jeſu, Gottes Sohn, daß ich thu rechte Werke; o heilger Geist, hilf, daß ich dich von ganzem Herzen und als mich den Nächsten treulich liebe. Lucas Osiander, geb. 1534, † 1604. 271 Mel. Freu dich sehr, o meine sc 385. Kommt und laßt euch Jesum lehren, kommt und lernet allzumal, welche die sind, die gehören in der rechten Christen Zahl: die bekennen mit dem Mund, glauben auch von Herzensgrund, und be= mühen sich daneben, Guts zu thun, so lang sie leben. 2. Selig sind, die Demuth haben und sind allzeit arm im Geist, rühmen sich gar keiner Gaben, daß Gott werd allein gepreist, danken dem auch für und für: denn das Himmelreich ist ihr. Gott wird dort zu Ehren seßen, die sich selbst gering hier schätzen. 3. Selig sind, die Leide tragen, da sich göttlich Trauern findt, die beseufzen und beklagen ihr und andrer Leute Sünd; welche deshalb traurig gehn, oft vor Gott mit Thränen stehn: diese sollen noch auf Erden und dann dort getröstet werden. 4. Selig sind die frommen Herzen, da man Sanftmuth spüren kann, welche Hohn und Troß verschmerzen, gerne weichen Jedermann; die nicht suchen eigne Rach und befehlen Gott die Sach: dieſe will der Herr beschüßen, daß sie noch das Land besitzen. 5. Selig sind, die sehnlich streben nach Gerechtigkeit und 272 Früchte der Wiedergeburt. Treu, daß an ihrem Thun und Leben fein Gewalt noch Unrecht sey; die da lieben gleich und recht, sind aufrichtig, fromm und schlecht, Geiz, Betrug und Unrecht haffen: die wird Gott satt werden lassen. 6. Selig sind, die aus Er barmen sich annehmen fremder Noth, sind mitleidig mit den Armen, bitten treulich für sie Gott; die behülflich sind mit Rath, auch wo möglich mit der That, werden wieder Hülf empfangen und Barmherzigkeit erlangen. 7. Selig sind, die funden werden reines Herzens jederzeit, die in Werk, Wort und Geberden lieben Zucht und Heiligkeit. Diese, welchen nicht gefällt die unreine Lust der Welt, sondern die mit Ernst sie meiden, werden schauen Gott mit Freuden. 8. Selig sind, die Friede machen und drauf sehn ohn Unterlaß, daß man mög in allen Sachen fliehen Hader, Streit und Haß; die da stiften Fried und Ruh, rathen allerseits dazu, sich auch Friedens selbst befleißen, werden Gottes Kinder heißen. 9. Selig sind, die müssen dulden Schmach, Verfolgung, Angst und Pein, da sie es doch nicht verschulden und gerecht befunden seyn. Ob des Kreuzes gleich ist viel, seget Gott doch Maß und Ziel, und hernach wird ers belohnen ewig mit der Ehrenkronen. 10. Herr, regier zu allen Zeiten meinen Wandel hier auf Erd, daß ich solcher Seligkeiten doch aus Gnaden fähig werd. Vater, hilf von deinem Thron, daß ich glaub an deinen Sohn und durch deines Geistes Stärke mich befleiße rechter Werke. Joh. Heermann, geb. 1585, † 1647. mel. Freut dich sehr, o meine c. 386. Wohl dem, der den Herren scheuet und sich fürcht vor seinem Gott! Selig, der sich herzlich freuet, zu erfüllen sein Gebot; wer den Höchsten liebt und ehrt, wird erfahren, wie sich mehrt alles, was in seinem Leben ihm vom Himmel ist gegeben. 2. Seine Kinder werden stehen, wie die Rosen in der Blüth; sein Geschlecht wird einher gehen voller Gnad und Gottes Güt; und was diesen Leib erhält, wird der Herrscher aller Welt reichlich und mit vollen Händen ihnen in die Häuser senden. 3. Das gerechte Thun der Frommen steht gewiß und wanket nicht; sollt auch gleich ein Wetter kommen, bleibt doch Gott, der Herr, ihr Licht; tröstet, stärket, schützt und macht, daß nach ausgestandner Nacht Früchte der Wiedergeburt. und nach hochbetrübtem Weinén Frend und Sonne wieder scheinen. 4. Gottes Gnad, Huld und Erbarmen bleibt den From men immer fest; wohl dem, der die Noth der Armen ihm zu Herzen gehen läßt und mit Liebe Gutes thut, den wird Gott, das höchste Gut, aus der Fülle seiner Gaben, als der liebste Vater laben. 5. Wer Betrübte gern erfreuet, wird vom Höchsten hoch ergößt; was die milde Hand ausstreuet, wird vom Himmel wohl ersetzt. Wer viel gibt, erlanget viel; was sein Herze wünscht und will, das wird Gott mit gutem Willen schon zu rechter Zeit erfüllen. 6. Wenn das Unglück will ankommen, das den rohen Sünder plagt, bleibt der Muth ihm unbenommen und sein Herze unverzagt; unverzagt, ohn Angst und Bein bleibt das Herz, das sich allein seinem Gott und Herrn ergibet und in ihm die Brüder liebet. Paul Gerhardt, geb, 1606, † 1676. 273 der der Spötter Freundschaft fleucht, und von ihren Sesseln weicht, der hingegen liebt und ehret, was uns Gott vom Himmel lehret. 2. Wohl dem, der mit Luft und Freude das Geseß des Höchsten treibt, und hier als auf süßer Weide Tag und Nacht verharrend bleibt; defsen Segen wächst und blüht wie ein Palmbaum, den man steht bei den Flüssen an den Seiten seine frischen 3weig ausbreiten. 3. Also, sag ich, wird auch sich übt; Luft und Erde wird grünen, wer in Gottes Wort ihm dienen, bis er reife Früchte gibt; seine Blätter werden alt und doch niemals ungestalt; Thaten; was er macht, muß Gott gibt Glück zu seinen wohlgerathen. 4. Aber wen die Sünd erfreuet, mit dem gehts viel anders zu: er wird wie die Spren zerstreuet von dem Nu. Wo Wind im schnellen Nu. der Herr sein Häuflein richt't, da bleibt kein Gottloser nicht. Summa: Gott liebt alle Frommen, und wer bös ist, muß umfommen. Mel. Werde munter, mein 2c. Pf. 1.. 387. Wohl dem Menschen, der nicht wandelt in gottloser Lente Rath; wohl Mel. Freu dich sehr, o meine ic. dem, der nicht unrecht handelt, 388. Sey getreu bis an noch tritt auf der Sünder Pfad; das Ende, daure redlich aus 18 P. Gerhardt, geb. 1606, † 1676. Früchte der Wiedergeburt. 274 den Streit! Leidest du gleich harte Stände, endlich ist der Sieg bereit. Ach, das Leiden dieser Zeit ist nicht werth der Herrlichkeit, die dein Jesus dir will geben dort in jenem Freudenleben. 2. Sey getreu in deinem Glauben! Lasse dir den festen Grund niemals aus dem Herzen rauben, halte den Gewissensbund, der geschlossen in der Tauf, sag ihn Gott nicht wieder auf. Der ist gottlos und verloren, wer meineidig ihm geschworen. 3. Sey getreu in deiner Liebe gegen Gott, der dich geliebt! An dem Nächsten Gutes übe, ob er dich gleich hat betrübt. Denke, wie dein Heiland that, als er für die Feinde bat, so mußt du verzeihen eben, soll Gott anders dir vergeben. 4. Sey getreu in deinem Leiden! Lasse dich kein Ungemach von der Liebe Jesu scheiden, murre nicht mit Weh und Ach. Hilft dir denn die Ungeduld? Nein, sie häufet nur die Schuld. Der trägt leichter, wer da träget mit Geduld, was Gott aufleget. 5. Sey getreu in deinem Hoffen! Hilft Gott gleich nicht, wie du willt, er hat bald ein Mittel troffen, daß dein Wünschen werd erfüllt. Hoffe fest, Gott ist schon hier, sein Herz bricht ihm gegen dir; hoffe nur, Gott ist vorhanden; Hoffnung macht dich nicht zu Schanden. 6. Sey getreu bis an das Ende, daß nicht Marter, Angst und Noth dich von deinem Jesu wende, sey ihm treu bis in den Tod! Ach, das Leiden dieser Zeit ist nicht werth der Herrlichkeit, die dein Jeſus dir will geben dort in jenem Freudenleben. Benj. Prätorius, um 1661. Mel. Laffet uns den Herren 2c. 389. Laffet uns mit Jeſu ziehen, seinem Vorbild folgen nach, in der Welt der Welt entfliehen, auf der Bahn, die er uns brach, immerfort zum Himmel reisen, irdisch noch, doch himmlisch seyn, glauben recht und leben fein, in der Lieb den Glauben weisen. Treuer Jesu, bleib bei mir; gehe vor, ich folge dir. 2. Lasset uns mit Jesu leiden, seinem Vorbild werden gleich. Nach dem Leiden folgen Freuden; Armuth hier macht dorten reich. Thränensaat die erntet Lachen; Hoffnung tröstet mit Geduld. Es kann leichtlich Gottes Huld aus dem Regen Sonne machen. Jesu, hier leid ich mit dir; dort theil deine Freud mit mir. 3. Lasset uns mit Jefu sterben; sein Tod uns vom andern Früchte der Wiedergeburt. Tod rettet und vom Seelverderben, von der ewiglichen Noth. Laßt uns tödten, weil wir leben, unser Fleisch, ihm sterben ab, so wird er uns aus dem Grab in das Himmelsleben heben. Jesu, sterb ich, sterb ich dir, daß ich lebe für und für. 4. Lasset uns mit Jesu leben; weil er auferstanden ist, muß das Grab uns wieder geben. Jesu, unser Haupt du bist, wir sind deines Leibes Glieder; wo du lebst, da leben wir. Ach, erkenn uns für und für, trauter Freund, als deine Brüder. Jesu, dir ich lebe hier, dorten ewig auch bei dir. Sigmund v. Birken, geb. 1626, † 1681. Mel. O Gott, du frommer 2c. 390. Versuchet euch doch selbst, ob ihr im Glauben stehet, ob Christus in euch ist, ob ihr ihm auch nachgehet in Demuth und Geduld, in Sanftmuth, Freundlichkeit, in Lieb, dem Nächsten stets zu dienen seyd bereit. 2. Der Glaube ist ein Licht, im Herzen tief verborgen, bricht als ein Glanz hervor, scheint als der helle Morgen, erweiset seine Kraft, macht Christo gleich gesinnt, erneuert Herz und Muth, macht uns zu Gottes Kind. 3. Er schöpft aus Christo Heil, Gerechtigkeit und Leben, 6 275 und thut in Einfalt es dem Nächsten wiedergeben; dieweil er überreich in Christo worden ist, preist er die Gnade hoch, bekennet Jesum Chriſt. 4. Er hofft in Zuversicht, was Gott im Wort zusaget; drum muß der Zweifel fort, die Schwermuth wird verjaget. Sich, wie der Glaube bringt die Hoffnung an den Tag, hält Sturm und Wetter aus, besteht in Ungemach. 5. Aus Hoffnung wächst die Lieb, weil man aus Gottes Händen nimmt alle Dinge an, nicht zürnen thut, nicht schänden; denn alles uns zu Nuß und Besten ist gemeint, drum dringt die Liebe durch auf Freunde und auf Feind. 6. Wir waren Gottes Feind, er gibt zum Gnadenthrone ſein eingebornes Kind; er liebt uns in dem Sohne, setzt Liebe gegen Haß; wer gläubig dieß erkennt, wird bald in Lieb entzündt, die allen Haß verbrennt. 7. Wie uns nun Gott gethan, thun wir dem Nächsten eben; droht er uns mit dem Tod, wir zeigen ihm das Leben; flucht er, so seguen wir. In Schande, Spott und Hohn ist unser bester Trost des Himmels Ehrenkron. 8. Segt Gott uns auf die Prob, ein schweres Kreuz zu tragen: der Glaube bringt Geduld, erleichtert alle Pla18* Früchte der Wiedergeburt. 276 gen; statt Murren, Ungeberd wird das Gebet erweckt, weil aller Angst und Noth von Gott ein Ziel gesteckt. 9. Man lernet nur dadurch sein Glend recht verstehen, wie auch des Höchsten Güt, hält an mit Bitten, Flehen; verzaget an sich selbst, erkennet sich für nichts, sucht bloß in Christo Kraft, der Quelle alles Lichts; 10. Hält sich an sein Verdienst, erlanget Geist und Stärke, in solcher Zuversicht zu üben gute Werke; steht ab vom Eigensinn, flieht die Vermessenheit, hält sich in Gottesfurcht, im Glück und schwerer Zeit. 11. So prüfe dich denn wohl, ob Christus in dir lebet; denn Christi Leben ists, wonach der Glaube strebet; erst machet er gerecht, dann heilig, wirket Lust zu allem guten Werk; sieh, ob du auch so thust. 12. O Herr, so mehre doch in mir den wahren Glauben, so fann mich keine Macht der guten Werk berauben. Wo Licht ist, geht der Schein freiwillig davon aus; du bist mein Gott und Herr, bewahr mich als dein Haus. Joachim Justus Breithaupt(?), 1719. Zuversicht! Meine Augen zu dir schauen, deine Hülf versag mir nicht: laß mich nicht vergeblich schreien, sondern hör und laß gedeihen; so will ich Gott halten still: Gott, dein Will ist auch mein Will. Mel. Jesu, meines Lebens ic. 391. Gott, mein einziges Vertrauen, Gott, du meine 2. Du hast mich von Kindesbeinen stets geleitet und geführt; durch mein Klagen und mein Weinen wird dein Vaterherz gerührt, daß mirs Hülf und Nahrung sende, Noth und Trübsal von mir wende; drum halt ich dir ferner still: Gott, dein Will ist auch mein Will. 3. Führe mich, wohin du denkest, daß es mir am besten ist; wenn du nur, mein Gott, mich lenkest, geht mirs wohl zu jeder Frist; laß mich dir, mein Gott, vertrauen, und auf deine Gnade bauen; laß mich dir nur halten still: Gott, dein Will ist auch mein Will. 4. Muß ich Schmerz und Qual empfinden, und mit Galle seyn getränkt, mich gleich einem Würmlein winden, mit viel Unglück seyn umschränkt; doch will ich es alles tragen, und darum doch nicht verzagen, sondern will Gott halten still: Gott, dein Will ist auch mein Will. 5. Bin ich gleich veracht auf Erden, und muß dulden Spott und Hohn, werd ich doch erhöhet werden dort in Früchte der Wiedergeburt. deinem Himmelsthron. Wenn mich alle Menschen hassen, will ich mich auf Gott verlassen; so will ich Gott halten still: Gott, dein Will ist auch mein Will. 6. Alles sey dir heimgestellet, schaff es, wie du willt, mit mir: Tod und Leben mir gefället, willig, willig folg ich dir; wird des Kreuzes Joch mich drücken, wirst du wieder mich erquicken. Drum will ich Gott halten still: Gott, dein Will ist auch mein Will. 7. Laß mich nur den Himmel erben, mach mich weder arm noch reich; christlich leben, selig sterben, so werd ich, den Engeln gleich, Heilig, Heilig, Heilig! singen und dir mein Lobopfer bringen; so will ich Gott halten still: Gott, dein Will ist auch mein Will. 8. Nun, mein Gott, in deine Hände geb ich Seele, Leib und Gut; alles mir zum Besten wende, und halt mich in deiner Hut! Dieses bitt ich noch mals fühnlich, gib mir nur, was mir ist dienlich, so will ich dir halten ſtill: Gott, dein Will ist auch mein Will. Elisabetha Eleonora, Herzogin zu Sachsen- Meiningen, geb. 1658,+ 1729. Eigne Melodie. 392. Es foſtet viel, ein Christ zu seyn und nach dem Sinn des reinen Geistes leben; denn der Natur geht es gar 277 sauer ein, sich immerdar in Christi Tod zu geben; und ist hier gleich ein Kampf wohl ausgericht, das machts noch nicht. 2. Man muß hier stets auf Schlangen gehn, die leicht ihr Gift in unsre Fersen bringen; da kostets Müh, auf seiner Hut zu stehn, daß nicht das Gift kann in die Seele dringen. Wenn mans versucht, so spürt man mit der Zeit die Wichtigkeit. 3. Doch ist es wohl der Mühe werth, wenn man mit Ernst die Herrlichkeit bedenket, die ewiglich ein solcher Mensch erfährt, der sich hier stets ins Himmlische versenket. Wohl kostets Müh; die Gnade aber macht, daß mans nicht acht. 4. Man soll ein Kind des Höchsten ſeyn, ein reiner Glanz, Wie wird der Leib so stark, ein Licht im großen Lichte. seyn, so lieblich im Gesichte, so herrlich dieweil ihn da die wesentliche Pracht vollkommen macht! 5. Da wird das Kind den Vater sehn; im Schauen wird es ihn mit Lust empfinden; der lautre Strom wird es da ganz durchgehn, und es mit Gott Geist verbinden. Wer weiß, was da im Geiſte wird geschehn? Wer mags verstehn? 6. Was Gott genießt, ge 278 Früchte der Wiedergeburt. nießt es auch; was Gott besitzt, wird ihm in Gott gegeben; der Himmel steht bereit ihm zum Gebrauch, wie lieblich wird es doch mit Jesu leben! Nichts höher wird an Kraft und Würde seyn, als Gott allein. 7. Auf, auf, mein Geist, ermüde nicht, dich durch die Macht der Finsterniß zu reißen. Was sorgest du, daß dirs an Kraft gebricht? Bedenke, was für Kraft uns Gott verheißen. Wie gut wird sichs doch nach der Arbeit ruhn, wie wohl wirds thun! Christian Friedrich Richter, geb. 1676, 1711. Mel. Es koftet viel zc. 393. Es ist nicht schwer, ein Christ zu sern und nach dem Sinn des reinen Geistes leben. Zwar der Natur geht es gar sauer ein, sich immerdar in Christi Tod zu geben; doch führt die Gnade selbst zu aller Zeit den schweren Streit. 2. Du darfst ja nur ein Kindlein seyn; du darfst ja nur die leichte Liebe üben. O blöder Geist, schau nur, wie gut ers mein; das kleinste Kind kann ja die Mutter lieben. Drum fürchte dich nur ferner nicht so sehr; es ist nicht schwer. reiner Gnade fülle; der fromme Gott macht dir gar keinen Schmerz, die Unlust schafft in dir dein eigner Wille. Drum übergib ihn willig in den Tod so hats nicht Noth. 3. Dein Vater fordert nur das Herz, daß er es selbst mit 4. Wirf nur getrost den Kummer hin, der nur dein Herz vergeblich schwächt und plaget; erwecke nur zum Glauben deinen Sinn, wenn Furcht und Weh dein schwaches Herze naget; sprich: Bater, sich mein Elend gnädig an! so ists gethan. 5. Besitz dein Herze in Geduld, wenn du nicht gleich des Vaters Hülfe merfest. Verstehst dus oft und fehlst aus eigner Schuld, so sich, daß du dich durch die Gnade stärkeſt; so ist dein Fehl und findliches Versehn als nicht geschehn. 6. Laß nur dein Herz im Glauben ruhn, wenn dich wird Nacht und Finsterniß bedecken; dein Vater wird nichts Schlimmes mit dir thun; vor feinem Sturm und Wind darfst du erschrecken; ja, siehst du endlich ferner feine Spur, so glaube nur. 7. So wird dein Licht aufs Neu entstehn, und wirst dein Heil mit großer Klarheit schauen; was du- geglaubt, wirst du dann vor dir sehn drum darfst du nur dem from men Vater trauen. O Seele, Früchte der Wiedergeburt. sich doch, wie ein wahrer Christ so selig ist! 8. Auf, auf, mein Geist! was säumest du, dich deinem Gott ganz findlich zu ergeben? Geh ein, mein Herz, geneuß die süße Ruh; im Frieden sollst du vor dem Vater schweben. Die Sorg und Last wirf nur getrost und kühn allein auf ibn. Christian Friedrich Richter, geb. 1676, † 1711. Mel. O liebster Herr Jesu 2c. 394. Sieh, wie lieblich und wie sein ists, wenn Brüder friedlich seyn; wenn ihr Thun einträchtig ist, ohne Falschheit, Trug und List. 2. Diesen ja verheißt der Herr reichen Segen nach Begehr und das Leben in der Zeit und auch dort in Ewigkeit. 3. Sonne der Gerechtigkeit, gehe auf zu unsrer Zeit; brich in deiner Kirche an, daß die Welt es sehen kann. 4. Jesu, Haupt der Kreuzgemein, mach uns alle, Groß und Klein, durch dein Evangelium ganz zu deinem Eigenthum. 5. Sammle, großer Menschenhirt, alles, was sich hat verirrt; laß in deinem Gnadenschein alles ganz vereinigt seyn. 6. Bind zusammen Herz und Herz; laß uns trennen 279 feinen Schmerz; knüpfe selbst durch deine Hand das geweihte Brüderband. lichkeit sey dem Höchsten alle7. Kraft, Lob, Ehr und Herrzeit, der, wie er ist Drei in Ein, uns in ihm läßt Eines seyn! Michael Müller, geb. 1673, † 1704; und Christian David, geb. 1690, † 1751. Mel. Nun sich der Tag 2c. das große Wort: wenn Jesus 395. Merk, Seele, dir winkt, so geh; wenn er dich zieht, so eile fort; wenn Jesus hält, so steh. 2. Wenn er dich lobet bücke dich; wenn er dich liebt, so ruh; wenn er dich aber schilt, so sprich: Ich brauchs, Herr, schlage zu. 3. Wenn Jesus seine Gnadenzeit bald da, bald dort verklärt, so freu dich der Barmherzigkeit, die Andern widerfährt. 4. Wenn er dich aber brauchen will, so steig in Kraft empor; wird Jesus in der Seele still, so nimm auch du nichts vor. ganzes Herz sey von dem Tage 5. Kurz, liebe Seel, dein an bei Schmach, bei Mangel und bei Schmerz dem Lamme zugethan. 280 Früchte der Wiedergeburt. Mel. Meine Seele, willst du zc. 396. eele, wenn du stets willst ruhn und dir immer Gutes thun, suchst du aller Angst und Plagen dich beständig zu entschlagen, willst du haben, was besteht: laß es gehen, wie es geht. 2. Wenn du, o mein lieber Christ, annoch eigenwillig bist, wär es auch in solchen Dingen, die Gott scheinen Ruhm zu bringen, und Gott denkt nicht auch dahin, so verdirbt dein Eigensinn. 3. Unser Geist ist oft verkehrt, daß er, was ihm dünkt, begehrt, uns gar oft zur sauern Bürde, wenn es nicht verhindert würde. Wohl und selig Wohl und selig ist man dran, wenn es Gott allein gethan. 4. Wenn der Ausgang nicht erfüllt, was das Herz sich eingebildt, und der Sinn sich vorgenommen, dann muß Sorg und Kummer kommen. Sprich, wo bleibt zu solcher Zeit christliche Gelassenheit? 5. Wenn dir jede Kleinigkeit dein verwöhntes Herz zerstreut, und was sich nicht nach dir strecket, Ungeduld und Zorn erwecket: sage, wie gelangest du zu der wahren Christenruh? 6. Gott schickt alles, was geschicht, es gefall uns oder nicht, es entstehe, wie es wolle, daß man dran sich prüfen solle; es ist alles gut gemeint, ob es noch so widrig scheint. 7. Gott hat, wie es sich gebührt, nun so lange Zeit regiert; drum so laß in allen Sachen deinen Schöpfer ferner machen. Endlich singst du mit Bedacht: Gott hat alles wohl gemacht! Joh. Christoph Ruben, um 1712. Mel. Machs mit mir, Gott 2c. 397. So Jemand ſpricht: ich liebe Gott! und haßt doch seine Brüder, der treibt mit Gottes Wahrheit Spott und reißt sie ganz darnieder. Gott ist die Lieb und will, daß ich den Nächsten liebe, gleich als mich. 2. Wer dieser Erden Güter hat, und sieht die Brüder leiden, und macht den Hungrigen nicht satt, läßt Nackende nicht kleiden, der ist ein Feind der ersten Pflicht und hat die Liebe Gottes nicht. 3. Wer seines Nächsten Ehre schmäht und gern sie schmähen höret, sich freut, wenn sich sein Feind vergeht, und nichts zum Besten kehret, nicht dem Verz leumder widerspricht, der liebt auch seinen Bruder nicht. 4. Wer zwar mit Rath, mit Trost und Schuß den Nächsten unterstüßet, doch nur aus Stolz, aus Eigennuß, aus Weichlichkeit ihm nüßet, nicht Früchte der Wiedergeburt. aus Gehorsam, nicht aus Pflicht, der liebt auch seinen Nächsten nicht. 5. Wer harret, bis ihn anzuflehn ein Dürftger erst erscheinet, nicht eilt, dem Frommen beizustehn, der im Verborgnen weinet, nicht gütig forscht, obs ihm gebricht, der liebt auch seinen Nächsten nicht. 6. Wer Andre, wenn er sie beschirmt, mit Härt und Vorwurf quälet und ohne Nachsicht straft und stürmt, sobald sein Nächster fehlet, wie bleibt bei seinem Ungestüm die Liebe Gottes wohl in ihm? 7. Wer für der Armen Heil und Zucht mit Rath und That nicht wachet, dem Uebel nicht zu wehren sucht, das oft sie dürftig machet, nur sorglos ihnen Gaben gibt, der hat sie wenig noch geliebt. 8. Wahr ist es, du vermagst es nicht, stets durch die That zu lieben. Doch bist du nur geneigt, die Pflicht getreulich auszuüben, und wünschest dir die Kraft dazu und sørgst dafür, so liebest du. 9. Ermattet dieser Trieb in dir, so such ihn zu beleben. Sprich oft: Gott ist die Lieb, und mir hat er sein Bild gegeben. Denk oft: Gott, was ich bin, ist dein; sollt ich gleich dir nicht gütig seyn? 10. Du schenfst mir täglich so viel Schuld, du Herr von 281 meinen Tagen! Jch aber sollte nicht Geduld mit meinen Brüdern tragen? dem nicht verzeihn, dem du vergibst, und den nicht lieben, den du liebst? 11. Was ich den Frommen hier gethan, den Kleinsten auch von diesen, das siehet mein Erlöser an, als hätt ichs ihm erwiesen. Und ich, ich sollt ein Mensch noch seyn und Gott in Brüdern nicht erfreun? 12. Ein unbarmherziges Gericht wird über den ergehen, der nicht barmherzig ist, der nicht die rettet, die ihn flehen. Drum- gib mir, Gott, durch deinen Geist ein Herz, das dich durch Liebe preist. Chrifti. Fürchteg. Gellert, geb. 1715,+ 1769. Mel. Machs mit mir, Gott zc. 398. Wer Gottes Wort nicht hält und spricht: Ich kenne Gott! der trüget; in solchem ist die Wahrheit nicht, die durch den Glauben sieget. Wer aber sein Wort glaubt und hält, der ist von Gott, nicht von der Welt. 2. Der Glaube, den sein Wort erzeugt, muß auch die Liebe zeugen. Je höher dein Erkenntniß steigt, je mehr wird diese steigen. Der Glaub erleuchtet nicht allein, er stärkt das Herz und macht es rein. 3. Durch Jesum rein von Missethat, sind wir nun Got. Früchte der Wiedergeburt. 282 tes Kinder. Wer solche Hoff nung zu ihm hat, der flieht den Rath der Sünder, folgt Christi Beispiel als ein Christ, und reinigt sich, wie er rein ist. 4. Alsdann bin ich Gott angenehm, wenn ich Gehorsam übe. Wer die Gebote hält, in dem ist wahrlich Gottes Liebe. Ein täglich thätig Christenthum, das ist des Glaubens Frucht und Ruhm. 5. Der bleibt in Gott und Gott in ihm, wer in der Liebe bleibet. Die Lieb ists, so die Cherubim, Gott zu gehorchen, treibet. Gott ist die Lieb; an seinem Heil hat ohne Liebe Niemand Theil. Christian Fürchteg. Gellert, geb. 1715,+ 1769. Herz begehrt, und hätte, was ich bitte, mir gnädig, ch ichs bat, gewährt, wenns seine Weisheit litte. Er sorgt für mich stets väterlich. Nicht was ich mir ersehe, sein Wille der geschehe! 4. Ist nicht ein ungestörtes Glück weit schwerer oft zu tragen, als selbst das widrige Geschick, bei dessen Last wir klagen? Die größte Noth hebt doch der Tod, und Ehre, Glück und Habe verläßt mich doch im Grabe. 5. An dem, was wahrhaft glücklich macht, läßt Gott es Keinem fehlen; Gesundheit, Ehre, Glück und Pracht sind nicht das Glück der Seelen. Wer Gottes Rath vor Augen hat, dem wird ein gut Gewissen die Trübsal auch versüMel. Was Gott thut, das ic. 399. Auf Gott und nicht ßen. auf meinen Rath will ich mein Glücke bauen und dem, der mich erschaffen hat, mit gan zer Seele trauen. Er, der die Welt allmächtig hält, wird mich in meinen Tagen als Gott und Vater tragen." 2. Er sah von aller Ewigfeit, wie viel mir nüßen würde, bestimmte meine Lebenszeit, mein Glück und meine Bürde. Mel. Herzliebster Jesu 2c. Was zagt mein Herz? ist auch 400. Herr, mein Verſöhein Schmerz, der zu des Glaubens Ehre nicht zu besiegen wäre? ner, der du für mich littest und noch zur Rechten Gottes für mich bittest, erweck in mir, 3. Gott fennet, was mein 6. Was ist des Lebens Herrlichkeit? wie bald ist ſie verschwunden! Was ist das Leiden dieser Zeit? wie bald ists überwunden! Hofft auf den Herrn; er hilft uns gern. Seyd fröhlich, ihr Gerechten. der Herr hilft seinen Knechten Chrifti. Fürchteg. Gellen geb. 1715,+ 1769. Früchte der Wiedergeburt. du Muster wahrer Liebe, der Sanftmuth Triebe. 2. Wann hast du jemals Haß mit Haß vergolten? du schaltst nicht wieder, als man dich gescholten. Du segnetest mit Wohlthun nicht nur Freunde, nein, selbst auch Feinde. 3. Und ich, Herr, sollte mich den Deinen nennen und doch von Nachgier gegen Andre brennen? Ich sollte jemals Haß mit Haß vergelten und wieder schelten? 4. Wie kann ich Vater zu dem Höchsten sagen, und Groll im Herzen gegen Brüder tragen? Wie kann ich zu ihm flehn, mir zu verzeihen, und Rache schreien? 5. Wer nicht vergibt, der wird für seine Sünden auch nicht bei dir, o Herr, Vergebung finden. Dein Jünger ist nur, wer, wie du, vergibet und Feinde liebet. 6. So heilige denn meiner Seele Triebe, mein Heiland, durch den Geist der wahren Liebe, daß ich mich stets versöhnlich finden lasse und Rachgier haffe. 7. Wenn meine Brüder sich an mir vergehen, so lehre mich ihr Unrecht übersehen. Laß mich auch, wenn sie mich empfindlich fränken, an dich gedenken. 8. Laß mich mit Sanftmuth meinem Feind begegnen und 283 so, wie du, den, der mir fluchet, segnen. Herr; mache gegen Alle, die mich hassen, mein Herz gelassen. 9. Will zu der Rachsucht mich die Furcht verführen, als würd ich sonst mein ganzes Glück verlieren, so laß, o Herr, mich, ihr zu widerstehen, auf dich dann sehen. 10. Du schüßest den, der redlich vor dir wandelt und überall nach deinem Vorbild handelt. Drum laß in allem mich schon hier auf Erden dir ähnlich werden. J. S. Diterich, geb. 1721, † 1797. Mel. Schwing dich auf 2c. 401, Sollt ich jest nøch), da mir schon deine Güt erschienen, dich verlassen, Gottes Sohn, und der Sünde dienen? mit den Lüsten dieſer Zeit wieder mich beflecken, und nicht mehr die Süßigkeit deiner Liebe schmecken? 2. Hab ich doch allein bei dir meine Ruh gefunden! Mittler, heiltest du doch mir alle meine Wunden! Und ich sollte dein Gebot gleich dem Frevler hassen, und mein Recht an deinem Tod wieder fahren laffen? 3. Nein, ich bin und bleib ein Christ, halt auf deine Lebren, lasse feine Macht noch List mir den Glauben wehren. Fielen tausend ab, nicht ich; Früchte der Wiedergeburt. 284 mags die Welt verdrießen! ste wird mein Vertraun auf dich mir doch lassen müssen. 4. Zeigt sie mir ein Heil wie du? bringt sie Kraft den Müden, den Bedrängten Trost und Ruh, Sündern Gottes Frieden? gibt sie mir die Zuversicht, daß ich troß dem Grabe deiner Ewigkeiten Licht zu erwarten habe? 5. Rettet sie mich, wenn vor Gott einst die Völker stehen und das Leben und den Tod ihm zur Seite sehen; wenn der Sichre nun zu spät aus dem Schlaf erwachet, und der Spötter, der hier schmäht, staunt und nicht mehr lachet? 6. O wie thöricht, wenn ich mich noch verführen ließe, Jesu, da ich schon durch dich Gottes Huld genieße, da ich weiß, auf wessen Wort ich die Hoffnung gründe, daß auch ich unfehlbar dort Gnad und Leben finde! 7. Nicht das Leben, nicht der Tod, Trübsal nicht und Leiden sollen mich, mein Herr und Gott, jemals von dir scheiden. Sünde, Welt und Eitelkeit und des Fleisches Triebe, alles überwind ich weit, Herr, durch deine Liebe! Balth. Münter, geb. 1735, † 1793. Mel. Wer nur den lieben Gott 2c. 402. Mein bester Troſt in diesem Leben ist ein Gebet zu meinem Gott; dieß fann mir Kraft in Schwachheit geben, Geduld und Muth in jeder Noth, bei jedem Gram, bei jedem Schmerz ein ruhiges, zufriednes Herz. 2. Wie kann ich Trost und Ruhe finden, wenn mein Gewissen mich verklagt? wenn bei der Menge meiner Sünden mein Herz vor seinem Richter zagt? Nichts tröstet mehr, als ein Gebet, das, Gott, bei dir um Gnade fleht. 3. Muß ich um des Gewissens willen ein Spott der Lasterhaften seyn, so bet ich demuthsvoll im Stillen zu meinem Gott; er hört mein Schrein, nimmt väterlich sich meiner an und stärkt mich auf der Tugend Bahn. 4. Ich will mich nie zu rächen suchen, wann mich ein Feind zu fränken sucht; und dem will ich nicht wieder fluchen, der mir aus Unverstand geflucht. Nein, meine Nach ist ein Gebet, das um Vergebung für ihn fleht. 5. Und wenn ein Kummer mich verzehret, den ich der Welt nicht flagen kann, dann ruf ich Gott, der mich erhöret, um Trost in diesem Kummer an. Wer ihm sein Leid mit Zuversicht entdecket, den verwirft er nicht. 6. Ruf ich ihn an bei dem Geschäfte des Standes, den er Kreuz- und Trostlieder. mir verlich, so fleh ich nicht umsonst um Kräfte: der Gott der Stärke gibt mir sie. Er. gibt aus väterlicher Huld mir Segen, Klugheit und Geduld. 7. Wenn meine böse Lust zu dämpfen, mir Schwachen Muth und Kraft gebricht, dann bitt ich Gott; er hilft mir kämpfen und gibt mir Muth zu jeder Pflicht; und stark durch meines Gottes Eigne Melodie. 403. Was mein Gott will, das g'scheh allzeit; sein Will der ist der beste; zu helfen den'n ist er bereit, die an Ahn glauben feste. Er hilft aus Noth, der fromme Gott, und züchtiget mit Maßen: wer Gott vertraut, fest auf ihn baut, den will er nicht verlassen. Kreuz und Trostlieder. 2. Gott ist mein Trost, mein Zuversicht, mein Hoffnung und mein Leben; was mein Gott will, daß mir geschicht, will ich nicht widerstreben; sein Wort ist wahr, denn all mein Haar er selber hat gezählet; er hüt't und wacht, stets für uns tracht't, auf daß uns gar nichts fehlet. 3. Drum will ich gern von dieser Welt hinfahrn nach Gottes Willen zu meinem Gott, wanns ihm gefällt, will ich 285 Kraft bezwing ich jede Leidenschaft. 8. Wenn ich im letztenKampf des Lebens bei Niemand Hülfe finden kann, so ruf ich Gott doch nicht vergebens um seinen Trost und Beistand an, der, wann die Sprache mir vergeht, doch meine Seufzer noch versteht. Aus dem bayr. Ges. Buch von 1811. ihm halten stille. Mein arme Seel ich Gott befehl in meiner letzten Stunden; o fromTod hast du mir überwunden. mer Gott! Sünd, Höll und bitten dich, du wirst mirs nicht 4. Noch Eins, Herr, will ich Geist ansicht, laß mich doch versagen: wenn mich der böse nicht verzagen. Hilf, steur und wehr, ach Gott, mein Herr! zu Ehren deinem Namen; wer das begehrt, dem wirds gewährt, drauf sprech ich fröhlich: Amen! Markgraf Albrecht von Brandenburg- Culmbach, geb. 1522, 1557. Mel. Wenn wir in höchsten zc. 404. Hilf, Helfer, hilf in Angst und Noth; erbarm dich mein, o treuer Gott! Ich bin ja doch dein liebes Kind troßz Teufel, Welt und aller Sünd. 286 Kreuz- und Trostlieder. 2. Ich trau auf dich, mein Gott und Herr; wenn ich dich hab, was will ich mehr? Ich hab ja dich, Herr Jesu Christ, du mein Gott und Erlöſer bist. 3. Des freu ich mich von Herzen fein, bin gutes Muths und barre dein; verlaß mich gänzlich auf dein Nam'n; hilf, Helfer, hilf, drauf sprech ich Am'n! Martin Moller, geb. 1547,+ 1606. Mel. Vater unser im Himmelreich 2c. 405. Ach Gott, wie manches Herzeleid begegnet mir in dieser Zeit; der schmale Weg ist Trübsal voll, den ich zum Himmel wandern soll. Wie schwerlich läßt doch Fleisch und Blut sich zwingen zu dem ewgen Gut! 2. Wo soll ich mich denn wenden hin? Zu dir, Herr Jesu, steht mein Sinn. Bei dir mein Herz Trost, Hülf und Rath. allzeit gewiß gefunden hat; Niemand jemals verlassen ist, der getraut hat auf Jesum Christ. 3. Jesu, mein Herr und Gott allein! wie süß ist mir der Name dein. Es kann kein rauern seyn so schwer, dein süßer Nam erfreut viel mehr; kein Elend mag so bitter seyn, dein süßer Trost der linderts fein. 4. Ob mir gleich Leib und Seel verschmacht, so weißt du, Herr, daß ichs nicht acht; wenn ich dich hab, so hab ich wohl, was ewig mich erfreuen soll. Dein bin ich ja mit Leib und Seel, was kann mir thun Sünd, Tod und Höll? 5. Kein besser Treu auf Erden ist, denn nur bei dir, Herr Jesu Christ! Ich weiß, daß du mich nicht verläßt, dein Wahrheit bleibt mir ewig fest; du bist mein rechter, treuer. Hirt, der ewig mich behüten wird. 6. Wenn ich mein Hoffnung stell zu dir, so fühl ich Fried und Trost in mir. Wenn ich in Nöthen bet und sing, so wird mein Herz recht guter Ding; dein Geist bezeugt, daß solches frei des ewgen Lebens Vorschmack sey. 7. Drum will ich, weil ich lebe noch, das Kreuz dir fröhlich tragen nach. Mein Gott, mach mich dazu bereit, es dient zum Besten allezeit. Hilf mir mein Werk recht greifen an, daß ich mein Lauf vollenden kann. 8. Hilf mir auch zwingen Fleisch und Blut, vor Sünd und Schanden mich behüt! Erhalt mein Herz im Glauben rein, so leb und sterb ich dir allein. Jesu, mein Trost, hör. mein Begier: O mein Heiland, wär ich bei dir! Martin Moller, geb. 1547, † 1606 X Eigne Melodie. Mel. Von Gott will ich nicht zc. 406. Auf meinen lieben 407. Was willt du dich betrüben, o meine liebe Seel? Thu den nur herzlich lieben, der heißt Immanuel; vertrau dich ihm allein, er wird gut alles machen, und fördern deine Sachen, wie dirs wird selig seyn. Kreuz- und Trostlieder. Gott trau ich in Angst und Noth, der kann mich allzeit retten aus Trübfal, Angst und Nöthen; mein Unglück kann er wenden, steht alls in seinen Händen. 2. Ob mich mein Sünd anficht, will ich verzagen nicht; auf Christum will ich bauen und ihm allein vertrauen; ihm thu ich mich ergeben im Tod und auch im Leben. 3. Ob mich der Tod nimmt hin, ist Sterben mein Gewinn, und Christus ist mein Leben, dem hab ich mich ergeben; ich sterb heut oder morgen, mein Seel wird er versorgen. 4. O mein Herr Jesu Christ, der du so g'duldig bist für mich am Kreuz gestorben, hast mir das Heil erworben, auch uns allen zugleiche das ewge Himmelreiche: 5. Erhöre gnädig mich, mein Trost, das bitt ich dich, hilf mir am letzten Ende, nimm mich in deine Hände, daß ich selig abscheide zur ewgen Himmelsfreude. 6. Amen zu aller Stund sprech ich aus Herzensgrund; du wollest selbst uns leiten, Herr Christ, zu allen Zeiten, auf daß wir deinen Namen ewiglich preisen. Amen! Sigmund Weingärtner, um 1609. 287 2. Denn Gott verlässet Keinen, der sich auf ihn verläßt; er bleibt getreu den Seinen, die ihm vertrauen fest. Läßt sichs an wunderlich, laß du dir gar nicht grauen; mit Freuden wirst du schauen, wie Gott wird retten dich. 3. Auf ihn magst du es wagen, getroft mit frischem Muth; mit ihm wirst du erjagen, was dir ist nüß und gut. Denn was Gott haben will, das kann Niemand verhindern, aus allen Menschenkindern, so piel ihr'r sind im Spiel. 4. Wenn auch selbst aus der Höllen der Satan tropiglich mit seinen Rottgesellen sich setzet wider dich, so muß er doch mit Spott von seinen Ränken lassen, damit er dich will fassen; denn dein Werk fördert Gott. 5. Er richt'ts zu seinen Eh ren und deiner Seligkeit; sol seyn, kein Mensch fanns wehren, wenns ihm wär noch so leid. Wills denn Gott haben nicht, so kanns Niemand fortGlessen 288 Kreuz- und Trostlieder. treiben, es muß zurücke bleiben; was Gott will, das geschicht. mein Seufzen und Wehklagen, laß mich in meiner Noth nicht gar verzagen; du weißt mein Schmerz, erkennst mein Herz, hast du mirs aufgelegt, so bilf mirs tragen. 6. Drum ich mich ihm ergebe, ihm sey es heimgestellt; nach nichts ich mehr sonst strebe, denn nur, was ihm gefällt Sein Will ist mein Begier, der ist und bleibt der beste, das glaub ich stets und feste. Wohl dem, der glaubt mit mir. J. Heermann, geb. 1585, † 1647. Eigne Melodie. 408. Ach Gott, erhör facher all bestreiten, 2. Ohn deinen Willen kann mir nichts begegnen; du kannst verstoßen und auch wieder fegnen. Bin ich dein Kind und habs verdient, gib wieder Sonnenschein nach trübem Regen. 3. Pflanz nur Geduld durch deinen Geist ins Herze; hilf, daß ich mit der Züchtigung nicht scherze. Zu deiner Zeit wend ab mein Leid! Durch Mark und Bein dringt mir der große Schmerze. gleich mit Kreuz und Angst thut pressen. 4. Ich weiß, du hast noch meiner nicht vergessen, daß mir mein Leid das Herze sollt abfressen; mitt'n in der Noth denk ich an Gott, wenn er mich 5. Es hat fein Unglück nie so lang gewähret, es hat doch endlich wieder aufgehöret; bent mir dein Händ und mach ein End, auf dieser Erd mein Herz sonst nichts begehret. 6. Soll ich noch mehr nach deinem Willen leiden, so steh mir, Herr, mit deiner Kraft zur Seiten; fein ritterlich, beständiglich hilf mir mein Wider7. Daß ich durch deinen Geist mög überwinden und mich allzeit in deinem Haus laß finden zu Preis und Dank mit Lobgefang; hilf, Herr, in Liebe mich mit dir verbinden. bleiben beisammen, und ich all8. Daß wir in Ewigkeit. zeit dein auserwählten Naich dich, durch Jesum Christum, men preis herziglich, das bitt unsern Herren. Amen! Jakob Peter Schechs, geb. 1607, † 1659. Mel. Herzlich thut mich 2c. 409. Befiehl du deine Wege, und was dein Herze fränft, der allertreusten Pflege des, der den Himmel lenkt: der Wolken, Luft und Winden gibt Wege, Lauf und Bahn, der wird auch Wege finden, da dein Fuß gehen kann. 2. Dem Herren mußt du trauen, wenn dirs soll wohi ergehn; auf sein Werk mußt Kreuz- und Trostlieder. du schauen, wenn dein Werk soll bestehn. Mit Sorgen und mit Grämen und mit selbsteigner Pein läßt Gott ihm gar nichts nehmen, es muß erbeten seyn. 3. Dein ewge Treu und Gnade, o Vater, weiß und sieht, was gut sey oder schade dem sterblichen Geblüt; und was du dann erlesen, das treibst du, starker Held, und bringst zum Stand und Wesen, was deinem Rath gefällt. 4. Weg hast du allerwegen, an Mitteln fehlt dirs nicht; dein Thun ist lauter Segen, dein Gang ist lauter Licht; dein Werk kann Niemand hindern, dein Arbeit darf nicht ruhn, wenn du, was deinen Kindern ersprießlich ist, willst fun. 5. Und ob gleich alle Teufel hie wollten widerstehn, so wird doch ohne Zweifel Gott nicht zurücke gehn; was er ihm vorgenommen, und was er haben will, das muß doch endlich kommen zu seinem Zweck und Ziel. 6. Hoff, o du arme Seele, hoff und sey unverzagt; Gott wird dich aus der Höhle, da dich der Kummer jagt, mit großen Gnaden rücken; erwarte nur der Zeit, so wirst du schon erblicken die Sonn der schönsten Freud. 7. Auf, auf, gib deinem 289 Schmerze und Sorgen gute Nacht; laß fahren, was dein Herze betrübt und traurig macht; bist du doch nicht Regente, der alles führen soll: Gott sigt im Regimente und führet alles wohl. 8. Ihn, ihn laß thun und walten; er ist ein weiser Fürst und wird sich so verhalten, daß du dich wundern wirst, wenn er, wie ihm gebühret, mit wunderbarem Rath die Sach hinausgeführet, die dich bekümmert hat. 9. Er wird zwar eine Weile mit seinem Trost verziehn und thun an seinem Theile, als hätt in seinem Sinn er deiner sich begeben, und solltst du für und für in Angst und Nöthen schweben, fragt er doch nichts nach dir. 10. Wirds aber sich befinden, daß du ihm treu verbleibst, so wird er dich entbinden, da dus am mindsten gläubst; er wird dein Herze lösen von der so schweren Last, die du zu keinem Bösen bisher getragen hast. 11. Wohl dir, du Kind der Treue, du hast und trägst davon mit Ruhm und Dankgeschreie den Sieg und Ehrenfron. Gott gibt dir selbst die Palmen in deine rechte Hand, und du fingst Freudenpsalmen dem, der dein Leid gewandt. 12. Mach End, o Herr 19 Kreuz- und Trostlieder. mach Ende an aller unfrer er dein Treuster werden und Noth; stärk unsre Füß und Hände, und laß bis in den Tod uns allzeit deiner Pflege und Treu empfohlen seyn, so gehen unsre Wege gewiß zum Himmel ein. zu deinem Besten schauen. Er weiß dein Leid und heimlich Grämen; auch weiß er Zeit, dirs zu benehmen. Gib dich zufrieden! 5. Er hört die Seufzer deiner Seelen und des Herzens stilles Klagen; und was du Keinem darfst erzählen, magst 410. Gib dich zufrieden du Gott gar kühnlich sagen. Eigne Melodie. Er ist nicht fern, steht in der Mitten, hört bald und gern der Armen Bitten. Gib dich zufrieden! 6. Laß dich dein Elend nicht bezwingen, halt an Gott, so wirst du stegen; ob alle Fluthen einhergingen, dennoch mußt du oben liegen; denn wenn du wirst zu hoch beschweret, hat Gott, dein Fürst, dich schon erhöret. Gib dich zufrieden! 290 Paul Gerhardt, geb. 1606, † 1676. und sey stille in dem Gotte deines Lebens! In ihm ruht aller Freuden Fülle; ohn ihn mühst du dich vergebens. Er ist dein Quell und deine Sonne, scheint täglich hell zu deiner Wonne. Gib dich zu frieden! 2. Er ist voll Lichtes, Trosts und Gnaden, ungefärbten, treuen Herzens; wo er steht, thut dir feinen Schaden auch die Pein des größten Schmerzens; Kreuz, Angst und Noth kann er bald wenden, ja auch den Tod hat er in Händen. Gib dich zufrieden! 3. Wie dirs und Andern oft ergehe, ist ihm wahrlich nicht verborgen; er sieht und fennet aus der Höhe der betrübten Herzen Sorgen; er zählt den Lauf der heißen Thränen und faßt zu Hauf all unser Sehnen. Gib dich zufrieden! 4. Wenn gar kein Einger mehr auf Erden, dessen Treue du darfst trauen, alsdann will 7. Was sorgst du für dein armes Leben, wie dus halten wollst und nähren? Der dir das Leben hat gegeben, wird auch Unterhalt bescheren. Er hat ein Hand voll aller Gaben, da See und Land sich muß von laben. Gib dich zufrieden! 8. Der allen Vöglein in den Wäldern ihr bescheidnes Körnlein weiset, der Schaf und Rinder in den Feldern alle Tage tränkt und speiset, der wird ja auch dich Eingen füllen und deinen Leib zur Noth Kreuz- und Trostlieder. durft stillen. Gib dich zu frieden! 9. Sprich nicht: ich sehe keine Mittel; wo ich such, ist nichts zum Besten! Denn das ist Gottes Ehrentitel: helfen, wann die Noth am größten. Wenn ich und du ihn nicht mehr spüren, tritt er herzu, uns wohl zu führen. Gib dich zufrieden! 10. Bleibt gleich die Hülf in etwas lange, wird sie den noch endlich kommen; macht dir das Harren angst und bange, glaube mir, es ist dein FromWas langsam schleicht, faßt man gewisser, und was verzeucht, ist desto süßer. Gib dich zufrieden! 11. Nimm nicht zu Herzen, was die Rotten deiner Feinde von dir dichten; laß sie nur immer weidlich spotten, Gott wirds hören und recht richten. Ist Gott dein Freund und Mel. Was mein Gott will 2c. deiner Sachen, was kann dein 411. Ich hab in Gottes Feind, der Mensch, groß machen? Gib dich zufrieden! Herz und Sinn mein Herz und Sinn ergeben; was böse scheint, ist mir Gewinn, der Tod selbst ist mein Leben. Ich bin ein Sohn des, der den Thron des Himmels aufgezogen; ob er gleich schlägt und Kreuz auflegt, bleibt doch sein Herz gewogen. 2. Das kann mir fehlen nimmermehr, mein Vater muß mich lieben; wenn er mich 19* 12. Hat er doch selbst auch wohl das Seine, wenn ers sehen könnt und wollte, wo ist ein Glück so klar und reine, dem nicht etwas fehlen sollte? Wo ist ein Haus, das könnte sagen: ich weiß durchaus von feinen Plagen? Gib dich zufrieden! 291 müssen leiden; was webt und lebet auf der Erden, kann das Unglück nicht vermeiden. Des Kreuzes Stab schlägt unsre Lenden bis in das Grab, da wird sichs enden. Gib dich zufrieden! 14. Es ist ein Ruhetag vors handen, da uns unser Gott wird lösen; er wird uns reißen aus den Banden dieses Leibs und allem Bösen. Es kommt einmal der Tod behende, und alle Qual hat dann ein Ende. Gib dich zufrieden! 15. Er wird uns bringen zu den Schaaren der Erwählten und Getreuen, die hier mit Frieden abgefahren, sich auch nun im Frieden freuen, da sie den Grund, der nicht kann brechen, den ewgen Mund selbst hören sprechen: Gib dich zufrieden! 13. Es kann und mag nicht anders werden, alle Menschen Paul Gerhardt, geb. 1606, † 1676. 292 Kreuz und Trostlieder. auch gleich würf ins Meer, so will er mich nur üben und mein Gemüth in seiner Güt gewöhnen fest zu stehen; halt ich dann Stand, weiß seine Hand mich wieder zu erhöhen. 3. Ich bin ja von mir selber nicht geschaffen in dieß Leben; mein Gott ists, der mich zugericht, mir Leib und Seel gegeben; es ist sein Arm, der alles warm, gesund und fröhlich machet; was er nicht hält, das bricht und fällt; was er erfreut, das lachet. 4. Zudem ist Weisheit und Verstand bei ihm ohn alle Maßen; Zeit, Ort und Stund ist ihm bekannt, zu thun und auch zu lassen. Er weiß, wann Freud, er weiß, wann Leid uns seinen Kindern diene; und was er thut, ist alles gut, obs noch so traurig schiene. 5. Du denkest zwar, wenn du nicht hast, was Fleisch und Blut begehret, als sey mit einer großen Last dein Glück und Heil beschweret; hast spät und früh viel Sorg und Müh, an deinen Wunsch zu kommen, und denkest nicht, daß, was geschicht, gescheh in deinem Frommen. 6. Fürwahr, der dich geschaffen hat und ihm zur Ehr erbauet, der hat schon längst in seinem Rath ersehen und beschauet aus wahrer Treu, was dienlich sey dir und den Deinen allen; laß ihm doch zu, daß er nur thu nach seinem Wohlgefallen. 7. Wenns Gott gefällt, so kanns nicht seyn, es wird dich legt erfreuen; was du jetzt nennest Kreuz und Pein, wird dir zum Trost gedeihen. Wart in Geduld, die Gnad und Huld wird sich doch endlich finden; all Angst und Qual wird auf einmal gleichwie ein Dampf verschwinden. 8. Ei nun, mein Gott, so fall ich dir getrost in deine Hände, nimm mich und mach es du mit mir bis an mein leßtes Ende, wie du wohl weißt, daß meinem Geist dadurch sein Nuß entstehe, und deine Ehr je mehr und mehr sich in ihr selbst erhöhe. 9. Willst du mir geben Sonnenschein, so nehm ichs an mit Freuden; folls aber Kreuz und Unglück seyn, will ichs geduldig leiden; soll mir allhier des Lebens Thür noch ferner offen stehen, wie du mich führst und führen wirst, so will ich gern mitgehen. 10. Soll ich denn auch des Todes Weg und finstre Straßen reisen, wohlan, so tret ich Bahn und Steg, den mir dein Augen weisen. Du bist mein Hirt, der alles wird zu folchem Ende kehren, daß ich einmal in deinem Saal dich ewig möge ehren. Paul Gerhardt, geb. 1606,+1676. Kreuz und Trostlieder. = Eigne Melodie. 412. Warum sollt ich mich denn grämen? Hab ich doch Christum noch, wer will mir den nehmen? Wer will mir den Himmel rauben, den mir schon Gottes Sohn beigelegt im Glauben? 2. Nackend lag ich auf dem Boden, da ich kam, da ich nahm meinen ersten Odem. Nackend werd ich auch hinziehen, wann ich werd von der Erd als ein Schatten fliehen. 3. Gut und Blut, Leib, Seel und Leben ist nicht mein, Gott allein ist es, ders gegeben; will ers tehren, nehm ers hin, ich will ihn dennoch fröhlich ehren. 4. Schickt er mir ein Kreuz zu tragen, dringt herein Angst und Pein, sollt ich drum verzagen? Der es schickt, der wird es wenden; er weiß wohl, wie er soll all mein Unglück enden. 5. Gott hat mich bei guten Tagen oft ergößt, sollt ich jetzt nicht auch etwas tragen? Fromm ist Gott und schärft mit Maßen sein Gericht, kann mich nicht ganz und gar verlassen. 6. Satan, Welt und ihre Rotten können mir nichts mehr hier thun als meiner spotten; laß sie spotten, laß sie lachen! Gott, mein Heil, wird in Eil sie zu Schanden machen. 293 7. Unverzagt und ohne Grauen soll ein Christ, wo er ist, stets sich lassen schauen. wollt ihn auch der Tod aufreiben, soll der Muth dennoch gut und fein stille bleiben. 8. Kann uns doch kein Tod nicht tödten, sondern reißt unsern Geist aus viel tausend Nöthen, schleußt das Thor der bittern Leiden und macht Bahn, da man kann gehn zur Himmelsfreuden. 9. Allda will in süßen SchäSchmerz ewiglich ergößen. Ben ich mein Herz auf den Hier ist kein recht Gut zu finden; was die Welt in sich hält, muß im Nu verschwinden. 10. Was sind dieses Lebens Kummer der Gemüther. Dort, Güter? eine Hand voller Sand, dort sind die edlen Gaben, da mein Hirt Christus wird mich ohn Ende laben. 11. Herr, mein Hirt, Brunn aller Freuden, du bist mein, ich bin dein, Niemand kann uns scheiden; ich bin dein, weil du dein Leben und dein Blut mir zu Gut in den Tod gegeben. 12. Du bist mein, weil ich dich fasse und dich nicht, o mein Licht, aus dem Herzen lasse. Laß mich, laß mich hingelangen, da du mich und ich dich leiblich werd umfangen. Paul Gerhardt, geb. 1606,+ 1676. 294 Kreuz- und Trostlieder. Eigne Melodie. 413. Wer nur den lieben Gott läßt walten und hoffet auf ihn allezeit, den wird er wunderlich erhalten in allem Kreuz und Traurigkeit. Wer Gott, dem Allerhöchsten, traut, der hat auf keinen Sand gebaut. 2. Was helfen uns die schweren Sorgen? was hilft uns unser Weh und Ach? was hilft es, daß wir alle Morgen beseufzen unser Ungemach? Wir machen unser Kreuz und Leid nur größer durch die Traurigkeit. 3. Man halte nur ein wenig stille und sey doch in sich ſelbst vergnügt, wie unsers Gottes Gnadenwille, wie sein Allwissenheit es fügt. Gott, der uns ihm hat auserwählt, der weiß auch gar wohl, was uns fehlt. 4. Er kennt die rechten Freudenstunden, er weiß wohl, was uns nüßlich sey; wenn er uns nur hat treu erfunden und merket keine Heuchelei, so kommt Gott, eh wirs uns versehn, und läsfet uns viel Guts geschehn. 5. Denk nicht in deiner Drangsalshize, daß du von Gott verlassen seyst, und daß ihm der im Schoße size, der sich mit stetem Glücke speist; die Folgezeit verändert viel und setzet Jeglichem sein Ziel. 6. Es find ja Gott sehr schlechte Sachen, und ist dem Höchsten alles gleich, den Reichen klein und arm zu machen, den Armen aber groß und reich. Gott ist der rechte Wundermann, der bald erhöhn, bald stürzen kann. 7. Sing, bet und geh auf Gottes Wegen, verricht das Deine nur getreu und trau des Himmels reichem Segen, so wird er bei dir werden neu; denn welcher seine Zuversicht auf Gott setzt, den verläßt er nicht! Georg Neumark, geb. 1621, † 1681. Eigne Melodie. 414. Gott sorgt für dich, was willst du dich viel plagen mit deiner Sorg, o Mensch, und gar verzagen? Du bist sein Kind, er wird dich nicht verlassen. Trau nur auf ihn, so wirst du Sorgen hassen. 2. Kein Vöglein sorgt für seines Lebens Speise; es steht früh auf und singt nach seiner Weise ein Morgenlied; dann fleugt es in die Wälder, bald anderwärts anderwärts durchſucht es alle Felder. 3. Es weiß noch nicht, wo ihm hab hingeleget ein Körnlein Speis der Gott, der alles träget durch seine Macht; doch find't es alle Morgen sein Speis und Trank, läßt Gott noch ferner sorgen. Kreuz- und Trostlieder. 4. So, Menschenkind, mach es in deinen Sachen, laß Gott für dich nur immer sorgen, wachen; arbeit und bet, er wird dir alles geben, was nöthig ist zu deinem ganzen Leben. 5. Vertraue Gott und ehre seinen Willen, so wird er dich mit Gnad und Gut erfüllen; er forget schon, wie er dich mög erhalten; laß du nur Gott noch ferner für dich walten. Simon Bornmeister, geb. 1652,+1688. Eigne Melodie. 415. Sollt es gleich bisweilen scheinen, als wenn Gott verließ die Seinen, o so glaub und weiß ich dieß: Gott hilft endlich doch gewiß. 2. Hülfe, die er aufgeschoben, hat er drum nicht aufgehoben; hilft er nicht zu jeder Frist, hilft er doch, wenns nöthig iſt. 295 schweren Kreuzesjoch! Gott, mein Vater, lebet noch. 6. Troß des bittern Todes Zähnen! Troß der Welt und allen denen, die mir sind ohn Ursach feind: Gott im Himmel ist mein Freund. 5. Troß dem Teufel! Troß dem Drachen! ich kann ihre Macht verlachen! Troß dem 7. Laß die Welt nur immer neiden! will sie mich nicht länger leiden, ei, so frag ich nichts darnach: Gott ist Richter meiner Sach. 8. Will sie mich gleich von sich treiben, muß mir doch der Himmel bleiben; wenn ich nur den Himmel krieg, hab ich alles zur Genüg. 9. Ich will ihr ja gerne lassen, was ich doch nur müßte hassen; sie hab, was ihr wird zu Spott, und laß mir nur meinen Gott. 10. Ach Herr, wenn ich dich nur habe, sag ich allem Andern abe; legt man mich gleich in das Grab, gnug, Herr, wenn ich dich nur hab. Christoph Titius, geb. 1641,+ 1703. 3. Gleichwie Väter nicht bald geben, wornach ihre KinEigne Melodie. der streben: so hält Gott auch 416. Was Gott thut, Maß und Ziel; er gibt, wem und wann er will. 4. Seiner kann ich mich getrösten, wenn die Noth am allergrößten; er ist gegen mich, sein Kind, mehr als väterlich gefinnt. das ist wohlgethan, es bleibt gerecht sein Wille; wie er fängt meine Sachen an, will ich ihm halten stille. Er ist mein Gott, der in der Noth mich wohl weiß zu erhalten; drum laß ich ihn nur walten. 2. Was Gott thut, das ist wohlgethan, er wird mich nicht 296 Kreuz- und Trostlieder. betrügen; er führet mich auf Mel. Wer nur den lieben ze. rechter Bahn, ſo laß ich mich 417. Ich lasse Gott in begnügen an seiner Huld und hab Geduld. Er wird mein Unglück wenden; es steht in seinen Händen. allem walten, er mach es, wie es ihm gefällt: ich will ihm gerne stille halten, so lang ich hier leb in der Welt. Wie er, mein lieber Gott, es fügt, so bin auch ich sehr wohl vergnügt. 3. Was Gott thut, das ist wohlgethan, er wird mich wohl bedenken; er, als mein Arzt und Wundermann, wird mir nicht Gift einschenken für Arzenei; Gott ist getreu: drum will ich auf ihn bauen und seiner Güte trauen. 4. Was Gott thut, das ist wohlgethan; er ist mein Licht und Leben, der mir nichts Böses gönnen kann; ich will mich ihm ergeben in Freud und Leid; es kommt die Zeit, da öffentlich erscheinet, wie treulich er es meinet. 5. Was Gott thut, das ist wohlgethan; muß ich den Kelch gleich schmecken, der bitter ist nach meinem Wahn, laß ich mich doch nicht schrecken, weil doch zuletzt ich werd ergötzt mit süßem Trost im Herzen; da weichen alle Schmerzen. 6. Was Gott thut, das ist wohlgethan, dabei will ich verbleiben; es mag mich auf die rauhe Bahn Noth, Tod und Elend treiben, so wird Gott mich ganz väterlich in seinen Armen halten; drum laß ich ihn nur walten. Samuel Rodigaft, geb. 1649, 1708. 2. Gehts gleich nicht stets nach meinem Willen, stürmt gleich ein Unfall auf mich zu, soll mich doch Gottes Wille stillen, der seßt mich in vergnügte Ruh: weil ich mit allem, was Gott fügt, im Leb'n und Sterben bin vergnügt. 3. Bin ich gleich nicht so hoch geschäßet, und nicht, wie Andre, groß und reich, werd ich dennoch in Gott ergößet mehr, als wär ich dem Reichsten gleich. Ich bin mit Wenigem vergnügt, wie mein getreuer Gott es fügt. 4. Wie oft entsteht ein Seelenschade durch das erscharrte Geld und Gut? Wie Mancher fällt aus Gottes Gnade durch Reichthum in die Höllengluth? deshalben bin ich wohl vergnügt mit dem, was Gott für mich verfügt. 5. Ich strebe nicht nach hohen Stufen, viel fichrer ist der Mittelstand: wie mich der Him mel hat berufen, wie mich ſelbst führt des Höchsten Hand, und wie ers endlich mit mir fügt, Kreuz- und Trostlieder. so bin ich auch sehr wohl vergnügt. 6. Ich achte nicht des Glückes Lachen, wie freundlich es auch immer sey; ich laß mich auch nicht zaghaft machen durch seinen Grimm und Wütherei. Wie's Gott in beiden Fällen fügt, fo bin und bleib ich wohl vergnügt. 7. In Gottes Hand steh ich geschrieben, der hat ja all mein Haar gezählt; drum kann kein Anstoß mich betrüben, wie sehr Anstoß mich betrüben, wie sehr er gleich sonst und schreckt quält; ich leb in allem höchst vergnügt, wie mein getreuer Gott es fügt.. 8. Mein Wille soll sich stets verpflichten, sowohl im Leben als im Tod nach Gottes Willen sich zu richten, so hat es mit mir keine Noth: weil ich mit dem, was Gott verfügt, im Leb'n und Sterben bin vergnügt. Eigne Melodie. 418. Gott lebet noch! Seele, was verzagst du doch? Gott ist gut, der aus Erbarmen alle Hülf auf Erden thut, der mit Kraft und starken Armen machet alles wohl und gut; Gott kann besser, als wir denken, alle Noth zum Besten lenken. Seele, so bedenke doch: lebt doch unser Herr Gott noch. 297 2. Gott lebet noch! Seele, was verzagst du doch? Sollt der schlummern oder schlafen, der das Aug hat zugericht? der die Ohren hat erschaffen, sollte dieser hören nicht? Gott ist Gott, der hört und siehet, wo den Frommen weh geschiehet. Seele, so bedenke doch: lebt doch unser Herr Gott noch. 3. Gott lebet noch! Seele, was verzagst du doch? Der den Erdenkreis verhüllet mit den Wolken weit und breit, ist von uns nicht fern und der die ganze Welt erfüllet, weit. Wer Gott liebt, dem will er senden Hülf und Trost an allen Enden. Seele, so bedenke doch: lebt doch unser Herr Gott noch. 4. Gott lebet noch! Seele, was verzagst du doch? Bist du schwer mit Kreuz beladen? nimm zu Gott nur deinen Lauf; Gott ist groß und reich von Gnaden, hilft den Schwachen gnädig auf. Gottes Gnade währet immer, ſeine Treu vergehet nimmer. Seele, so bedenke doch: lebt doch unser Herr Gott noch. 5. Gott lebet noch! Seele, was verzagst du doch? Wenn dich deine Sünden fränken, dein Verbrechen quält dich sehr: komm zu Gott, er wird versenken deine Sünden in das Meer; mitten in der Angst 298 Kreuz- und Trostlieder. der Höllen kann er dich zufrieden stellen. Seele, so bedenke doch: lebt doch unser Herr Gott noch. 6. Gott lebet noch! Seele, was verzagst du doch? Will dich alle Welt verlassen, weißt du weder aus noch ein, Gott wird dennoch dich umfassen und im Leiden bei dir seyn. Gott ists, der es herzlich meinet, wo die Noth am größten scheinet. Seele, so bedenke doch: lebt doch unser Herr Gott noch. 7. Gott lebet noch! Seele, was verzagst du doch? Mußt du schon geängstet wallen auf der harten Dornenbahn, es ist Gottes Wohlgefallen, dich zu führen himmelan; Gott wird nach dem Jammerleben Friede, Freud und Wonne geben. Seele, so bedenke doch: lebt doch unser Herr Gott noch! Joh. Friedr. Zihn, geb. 1650, 1719. Mel. Jesu, meine Freude zc. 419. Meine Seel ist stille zu Gott, dessen Wille mir zu helfen steht; mein Herz ist vergnüget mit dem, wie's Gott füget, nimmts an, wie es geht; geht es nur zum Himmel zu, und bleibt Jesus ungeschieden, so bin ich zufrieden. 2. Meine Seele hanget an dir und verlanget, Gott, bei dir zu seyn aller Ort und Zeiten, und mag Keinen leiden, der ihr redet ein von der Welt, Ehr, Lust und Geld; wonach so Viel sind beflissen, mag sie gar nichts wissen. 3. Nein, ach nein, nur Einer, sagt sie, und sonst keiner wird von mir geliebt; Jesus, der Getreue; in dem ich mich freue, sich mir ganz ergibt. Er allein, er soll es seyn, dem ich wieder mich ergebe und ihm einzig lebe. dich gläubig lege in des Va4. Gottes Güt erwäge und ters Schoß; lerne ihm vertrauen, so wirst du bald schauen, wie die Ruh so groß, die da fleußt aus stillem Geist. Wer sich weiß in Gott zu schicken, den kann er erquicken. 5. Meine Seele senket alles, was sie fränket, tief in Jesu Bruft; fie wird stark durch Hoffen, und was sie betroffen, träget sie mit Lust, faffet sich ganz männiglich durch Geduld und Glauben feste; am End kommt das Beste. 6. Amen! es geschiehet, wer zu Jesu fliehet, wird es recht erfahrn, wie Gott seinen Kindern pflegt das Kreuz zu mindern und das Glück zu sparn bis zu End; alsdann sich wendt das zuerst gekost'te Leis den, und gehn an die Freuden. Joh. Casp. Schade, geb. 1666,+ 1698. Kreuz- und Trostlieder. Mel. O Welt, ich muß dich zc. 420. Mein Herz, gib dich zufrieden und bleibe ganz geschieden von Sorge, Furcht und Gram; die Noth, die dich jetzt drücket, hat Gott dir zugeschicket; sey still und halt dich wie ein Lamm. Guten die Seinigen hienieden schlägt. 7. Er will uns dadurch ziehen zu Kindern, die da fliehen das, was ihm mißbehagt, den alten Menschen schwächen, den eignen Willen brechen, die Luft ertödten, die uns plagt. 2. Mit Sorgen und mit Zagen und unmuthsvollen Klagen häufst du nur deine Pein; durch Stilleseyn 8. Er will uns dadurch lehren, wie wir ihn sollen ehren mit Glauben und Geduld, und sollt er uns in Nöthen auch und Hoffen wird, was dich jetzt be- lasſen, ja gar tödten, uns doch getrösten seiner Huld. troffen, erträglich, sanft und lieblich seyn. 9. Denn was will uns auch scheiden von Gott und seinen Freuden, dazu er uns versehn? Man lebe oder sterbe, so bleibet uns das Erbe des Himmels ewiglich doch stehn. 3. Kanns doch nicht ewig währen, oft hat Gott unsre Zähren, eh mans meint, abgewischt; wenns bei uns heißt: wie lange wird mir so angst und bange! so hat er Leib und Seel erfrischt. 4. Gott pflegt es so zu machen: nach Weinen schafft er Lachen, nach Regen Sonnenschein, nach rauhen Wintertagen muß uns der Lenz behagen; er führt in Höll und Himmel ein. 5. Indeß ist abgemessen die Last, die uns soll pressen, auf daß wir werden klein; was aber nicht zu tragen, darf sich nicht an uns wagen, und sollts auch nur ein Quentlein seyn. 299 6. Denn es sind Liebeswenn ich es recht erwäge, womit er uns belegt; nicht Schwerter, sondern Ruthen sinds, damit Gott zum 10. Ist Christus unser Leben, so muß uns, seinen Reben, der Tod seyn ein Gewinn; er mag die Leibeshöhle zerbrechen, doch die Seele fliegt auf zum Bau des Himmels hin.. 11. Drum gib dich ganz zufrieden, mein Herz, und bleib geschieden von Sorge, Furcht und Gram; vielleicht wird Gott bald senden, die dich auf ihren Händen hintragen zu dem Bräutigam. Joh. Anast. Freylinghausen, geb. 1670,+ 1739. Mel. Meinen Jesum laß ich zc. 421. Dennoch bleib ich stets an dir, wenn mir alles gleich zuwider; keine Trübfal Kreuz- und Trostlieder. 300 drückt in mir die gefaßte Hoffnung nieder, daß, wenn alles bricht und fällt, dennoch deine Hand mich hält. 2. Leite mich nach deinem Rath, der wohl wunderlich ge= schiehet, aber endlich in der That auf die schönste Wohl fahrt siehet. Denn du führst es wohl hinaus, sieht es gleich verkehret aus. 3. Nimm mich dort mit Ehren an, wenn ich gnug gekämpfet habe. Führe mich die Lebensbahn zu dem Himmel aus dem Grabe. Endlich zeige mir das Loos in der Auserwählten Schoß. 4. Mag es doch indessen hier wunderlich mit mir ergehen, dennoch bleib ich stets an dir, dennoch will ich feste stehen. Ich muß, Trotz sey aller Pein! dennoch, dennoch felig seyn. Benj. Schmold, geb. 1672, 1737. Mel. Wer nur den lieben c. 422. Je größer Kreuz, je näher Himmel; wer ohne Kreuz, ist ohne Gott; bei Sündenlust und Weltgetümmel vergißt man Hölle, Fluch und Tod; o selig ist der Mann geschätzt, den Gott in Kreuz und Trübsal segzt 2. Je größer Kreuz, je beßre Christen; Gott streicht uns an den Probestein. Wie mancher Garten wird zur Wüsten, fällt nie ein Thränenthau hinein. Das Gold wird auf dem Feuerheerd, ein Christ in mancher Noth bewährt. 3. Je größer Kreuz, je stärkrer Glaube; die Palme wächset bei der Last. Die Süßigfeit fleußt aus der Traube, wenn du sie wohl gefeltert hast; im Kreuze wächset uns der Muth, wie Perlen in gefalzner Fluth. 4. Je größer Kreuz, je größre Liebe; der Wind bläst nur die Flammen auf; und scheinet gleich der Himmel trübe, so lachet doch die Sonne drauf. Das Kreuz vermehrt der Liebe Gluth, gleichwie das Del im Feuer thut. 5. Je größer Kreuz, je mehr Gebete; zerriebne Kräuter riechen wohl. Wenn um das Schiff kein Sturmwind wehte, so fragte man nicht nach dem Pol. Wo kämen Davids Psalmen her, wenn er nicht auch versuchet wär? 6. Je größer Kreuz, je mehr Verlangen; im Thale steiget man bergan; wer durch die Wüsten oft gegangen, der ſehnet sich nach Kanaan; das Täublein, findets hier nicht Ruh, so fleugt es nach der Arche zu. 7. Je größer Kreuz, je lieber Sterben; man freut sich recht auf seinen Tod; denn man entgehet dem Verderben, Kreuz- und Trostlieder. es stirbt auf einmal alle Noth; das Kreuze, das die Gräber ziert, bezeugt, man habe triumphirt. 8. Je größer Kreuz, je schönre Krone, die Gottes Schaß uns beigelegt, und die einmal vor seinem Throne der Ueberwinder Scheitel trägt. Ach, die ses theure Kleinod macht, daß man das größte Kreuz nicht acht. 9. Gefreuzigter, laß mir dein Kreuze je länger und je lieber seyn; daß mich die Ungeduld nicht reize, so pflanz ein solches Herz mir ein, das Glaube, Liebe, Hoffnung hegt, bis dort mein Kreuz die Krone trägt. Benj. Schmold, geb. 1672, 1737. Mel. Jesu, meine Freude 2c. 423. Seele, sey zufrieden; was dir Gott beschieden, das ist alles gut. Treib aus deinem Herzen Ungeduld und Schmerzen, fasse frischen Muth. Ist die Noth dein täglich Brod, mußt du weinen mehr als lachen, Gott wirds doch wohl machen. 301 3. Ungeduld und Grämen kann nichts von uns nehmen, macht nur größern Schmerz. Wer sich widerseßet, wird nur mehr verletzet; drum Geduld, mein Herz! Aus dem Sinn mit Sorgen hin! drücket gleich die Last den Schwachen, Gott wirds doch wohl machen. 4. Auf die Wasserwogen folgt ein Regenbogen, und die Sonne blickt; so muß auf das Weinen lauter Freude scheinen, die das Herz erquickt. Laß es seyn, wenn Angst und Pein mit dir schlafen, mit dir wachen, Gott wirds doch wohl machen. 5. Kronen sollen tragen, die des Kreuzes Plagen in Geduld besiegt. Fröhlich auszuhalten und Gott lassen walten, das macht recht vergnügt. Drum nimm dir, o Seele, für, alles Unglück zu verlachen; Gott wirds doch wohl machen. 6. Nun, so solls verbleiben, ich will mich verschreiben, Gott getreu zu seyn. Beides, Tod und Leben, bleibet ihm ergeben; ich bin sein, er mein. Denn mein Ziel ist: wie Gott will! Drum sag ich in allen Sachen: Gott wirds doch wohl machen. 2. Scheint der Himmel trübe, und der Menschen Liebe stirbet ganz dahin; kommt das Mißgeschicke fast all Augenblicke und quält deinen Sinn: Mel. Ringe recht 2c. nur Geduld! des Himmels 424. Gott wills maHuld sieht auf alle deine Sachen, Gott wirds doch wohl machen. chen, daß die Sachen gehen, Benjamin Schmold, geb. 1672, † 1737. 302 Kreuz und Trostlieder. wie es heilsam ist. Laß die Wellen ringsum schwellen, wenn du nur bei Jesu biſt. 2. Wer sich fränket, weil er denfet, Jesus liege in dem Schlaf, wird mit Klagen nur sich plagen, daß der Unglaub leide Straf. 3. Du Verächter! Gott dein Wächter schläfet ja noch schlummert nicht. Zu den Höhen aufzusehen, wäre deine Glaubenspflicht. 4. Im Verweilen und im Eilen bleibt er stets ein Vater herz; laß dein Weinen bitter scheinen, dein Schmerz ist ihm auch ein Schmerz. 5. Glaub nur feste, daß das Beste über dich beschlossen sey. Wenn dein Wille nur ist stille, wirst du von dem Kummer frei. 6. Laß dir süße seyn die Küsse, die dir Jesu Ruthe gibt. Der sie führet und regieret, hat nie ohne Frucht betrübt. 7. Willst du wanken in Gedanken, faß dich in Gelassenheit. Laß den sorgen, der auch morgen Herr ist über Leid und Freud. 8. Gottes Hände sind ohn Ende; sein Vermögen hat kein Ziel. Ifts beschwerlich, scheints gefährlich, deinem Gott ist nichts zu viel. 9. Seine Wunder sind der Zunder, da der Glaube Funfen fängt. Alle Thaten sind gerathen jedesmal, wie ers verhängt. 10. Wann die Stunden fich gefunden, bricht die Hülf mit Macht herein; und dein Grämen zu beschämen, wird es unversehens seyn. 11. Eignen Willen zu erfüllen, leidet sichs noch ziemlich wohl; da ist Plage, Noth und Klage, wo man leiden muß und soll. 12. Drum wohl denen, die sich sehnen nach der stillen Willensruh! Wenn wir wollen, was wir follen, fällt auch das Vollbringen zu. 13. Hoch zu preisen sind die Weisen, die schon in der Uebung stehn, die das Leiden und die Freuden nur mit Hiobs Aug ansehn. 14. Nun fo trage deine Plage fein getrost und mit Geduld; wer das Leiden will vermeiden, häufet seine Sündenschuld. 15. Die da weichen und das Zeichen ihres Bräutigams verschmähn, müssen fahren mit den Schaaren, die zur linken Seite stehn. 16. Aber denen, die mit Thränen küssen ihres Jesu Joch, wird die Krone auf dem Throne ihres Heilands werden noch. 17. Amen, Amen! in dem Namen meines Jesu halt ich still; es geschehe und ergehe, Kreuz- und Trostlieder. wie und wann und was er will. Johann Daniel Herrnschmidt, geb. 1675, † 1723. Mel. Herr, wie du willst 2c. 425. Wie Gott mich führt, so will ich gehn, ohn alles Eigenwählen; geschieht, was er mir ausersehn, wirds mir an Reinem fehlen: wie er mich führt, so geh ich mit und folge willig Schritt für Schritt in findlichem Vertrauen. 2. Wie Gott mich führt, so bin ich still und folge seinem im Fleisch der Eigenwill will öfters wider- 426. Gott ist und bleibt streiten. Wie Gott mich führt, bin ich bereit, in Zeit und auch in Ewigkeit stets seinen Schluß zu ehren. 3. Wie Gott mich führt, bin ich vergnügt, ich ruh in seinen Händen; wie er es schickt und mit mir fügt, wie ers will kehrn und wenden, sey ihm hiermit ganz heimgestellt, er mache, wie es ihm gefällt, zum Leben oder Sterben. 4. Wie Gott mich führt, so geb ich mich in seinen Vaterwillen; scheints der Vernunft gleich wunderlich, sein Rath wird doch erfüllen, was er in Liebe hat bedacht, eh er mich an das Licht gebracht; ich bin ja nicht mein eigen. 303 seiner Kraft mir bei, was will mich von ihm scheiden? Ich fasse in Geduld mich fest: was Gott mir widerfahren läßt, muß mir zum Besten dienen. 5. Wie Gott mich führt, so bleib ich tren im Glauben, Hoffen, Leiden. Steht er mit 6. Wie Gott mich führt, so will ich gehn, es geh durch Dorn und Hecken; kann ichs auch anfangs nicht verstehn: zuletzt wird er aufdecken, wie er nach seinem Vaterrath mich treu und wohl geführet hat. Dieß sey mein Glaubensanker. Lampertus Gedicke, geb. 1683,+1735. mel. Ach Jesu, dessen Treu 2c. getreu; sein Herze bricht vor Lieben, pflegt er gleichwohl einmal die Seinen zu betrüben. Er prüfet durch das Kreuz wie rein der Glaube sey, wie standhaft die Geduld; Gott ist und bleibt getreu. 2. Gott ist und bleibt getreu; er hilft ja selber tragen, was er uns auferlegt, die Last der schweren Plagen. braucht die Ruthe oft und bleibet doch dabei ein Vater, der uns liebt; Gott ist und bleibt getreu. 3. Gott ist und bleibt getreu; er weiß, was wir vermögen; er pfleget nie zu viel den Schwachen aufzulegen. Er macht sein Israel von Last und Banden frei, wann große Noth entsteht; Gott ist und bleibt getreu. 304 Kreuz- und Trostlieder. 4. Gott ist und bleibt getreu; er tröstet nach dem Weinen; er läßt nach trüber Nacht die Freudensonne scheinen. Es geht der Kreuzessturm im Augenblick vorbei; sey, Seele, nur getrost; Gott ist und bleibt getreut. 5. Gott ist und bleibt getreu; er stillet dein Begehren; er will dein Glaubensgold in Trübfalsgluth bewähren. Nimm an von Gottes Hand den Kreuzkelch ohne Scheu; der Lebensbecher folgt; Gott ist und bleibt getreu. 6. Gott ist und bleibt getreu; laß alle Wetter krachen, Gott wird der Trübsal doch ein solches Ende machen, daß alles Kreuz und Noth dir ewig nüze sey: so liebt der Höchste dich; Gott ist und bleibt getren. Mel. O Welt, ich muß dich 2c. 427. Was ists, daß ich mich quäle? Harr seiner, meine Seele, harr und sey unverzagt! Du weißt nicht, was dir nüz Bet; Gott weiß es, und Gott schüßet; er schüßet den, der nach ihm fragt. 2. Er zählte meine Tage, mein Glück und meine Plage, eh ich die Welt noch sah; eh ich mich selbst noch kannte, eh ich ihn Vater nannte, war er mir schon mit Hülfe nah. 3. Die kleinste meiner Sorgen ist dem Gott nicht verborgen, der alles sieht und hält; und was er mir beschieden, das dient zu meinem Frieden, wärs auch die größte Last der Welt. 4. Ich lebe nicht auf Erden, um glücklich hier zu werden; die Lust der Welt vergeht. Ich lebe hier, im Segen den Grund zum Glück zu legen, das ewig wie mein Geist besteht. 5. Was dieses Glück vermehret, sey mir von dir gewähret! Gott, du gewährst es gern. Was dieses Glück verleßet, wenns alle Welt auch schäßet, sey, Herr, mein Gott, mir ewig fern! 6. Sind auch der Krankheit Plagen, der Mangel schwer zu tragen, noch schwerer Haß und Spott; so harr ich und bin stille zu Gott; denn nicht mein Wille, dein Wille nur gescheh, o Gott! 7. Du bist der Müden Stärke, und aller deiner Werke erbarmst du ewig dich. Was kann mir widerfahren, wenn Gott mich will bewahren? und er mein Gott bewahret mich. Christi. Fürchteg. Gellert, geb. 1715, 1769. Mel. Wenn wir in höchsten 2c. 428. Silf, Helfer, hilf in Angst und Noth! du kannst Krenz und Trostlieder. es thun, du lieber Gott; denn du bist groß von Rath und That, wie's mancher Christ erfahren hat. 2. Hilf, Helfer, hilf in Angst und Noth! du mußt es thun, du starker Gott; denn du sprichst: Ich will reißen dich aus aller Noth, glaubs sicherlich. 3. Hilf, Helfer, hilf in Angst und Noth! du mußt es thun, du treuer Gott; denn dir dein Vaterherze bricht, daß du mich kannst verlassen nicht. 4. Hilf, Helfer, hilf in Angst und Noth! du willst es thun, du Amens- Gott; denn obs gleich währt bis in die Nacht, so hilfst du doch durch deine Macht. 5. So hilf nun Allen in der Welt, wie, wo und wenn es dir gefällt; so hilf auch mir zur rechten Zeit zu meiner Seelen Seligkeit. 6. Du kannst, du willst, du mußt es thun, du willst dein Wort erfüllen nun; so will ich dir stets dankbar seyn; hilf, Jesu, hilf! du kannst allein. Joh. Jak. Lang, geb. 1646, † 1690. Mel. Was Gott thut, das ist zc. 429. Sey stille, müdgequältes Herz, das nur am Kummer flebet! Richt die Gedanken himmelwärts, hin, wo dein Vater lebet. Zuletzt veragt, wer immer klagt. In 305 Gott sollst du dich fassen; er kann dich nicht verlassen. 2. Sey stille, sinne nicht zu weit; was willst du dir ersinnen? was wirst du mit Vermessenheit je gegen Gott gewinnen? Du bist ja Staub; ermann dich, glaub! er hat uns schon versehen, auch was wir nicht verstehen. 3. Sey stille, such bei Menschen nicht, was Menschen nicht vermögen! halt fest an Gott mit Zuversicht; darauf liegt aller Segen. Folg seinem Rath, geh seinen Pfad; laß dir den Herrn der Welten weit über Menschen gelten. 4. Sey stille, hast du lang geweint und wirds noch immer trüber, fag nicht: weil mir fein Licht erscheint, die Hülfe ist vorüber! O harre fort, du haft sein Wort; er wird, so ists verheißen, dich noch aus allem reißen. 5. Sey stille, laß der Zweifel Macht nicht immer dich besiegen; laß Gottes Wahrheit in der Nacht des Kummers überwiegen. Du suchest Ruh; die hinderst du, so lang dich Zweifel quälen; nur Glaube stillt die Seelen. 6. Sey stille; endlich mit dem Tod muß alle Sorge schweigen; dann wird sich von dem Stand der Noth der rechte Anblickzeigen; da, da erscheint, wie gut gemeint die Leidens20 Kreuz- und Trostlieder. 306 proben waren. Herr, laß michs froh erfahren! bid Joh. Gottfr. Schöner, geb. 1749,+ 1818. Glaubens Grund will wanfen, so müß ihm das zur Stüße seyn. 4. Dein Aug mit jenem Mel. Wie groß ist des Allmächt- Blick voll Gnade, das du dem Petrus zugewandt, daß er, verirrt auf dunklem Pfade, gen 2c. dich, guten Hirten, wiederfand: dein Aug begegne meinem Sehnen, das aufwärts seine Seufzer schickt; denn milder fließen meine Thränen, wenn du mich, Jesu, angeblickt. 430. Gefreuzigter, zu deinen Füßen hebt aus dem Staube sich empor mein Herz, wenn es von Gram zerrissen; es sucht dein Herz, dein Aug und Ohr, dein Herz, die Ruhe statt der Armen, die Niemand 5. O du, mein freundlichſonst erquicken kann, dein Herz, ster Regierer, seitdem ich wall das zärtlich voll Erbarmen den Leidenden ist zugethan. 2. Du, unser heilger Blutsverwandter, der einst so heiß für uns geweint, o du mit jeder Noth bekannter, erfahrner Arzt und Seelenfreund, eröffne du dein Herz dem Matten als eine stille Felsenkluft, wo Kühlungen ihn sanft umschatten, wenn oft ein Schmerz dem im Pilgerland, sey ferner noch mein treuer Führer bis zu dem schönen Heimathland! halt mir dein Ohr für alles offen, was ich dir klag im Kämmerlein, und laß mich stets voll Demuth hoffen, daß es soll Ja und Amen seyn. andern ruft. S 3. Wie sich aus deinen Todeswunden dein Blut zu meinem Heil ergießt: das sey in meinen bängsten Stunden, was mir den Leidenskelch versüßt; das gib als Balsam deinem Kranken, den Frieden Gottes flöß ihm ein, und wenn des 6. Du sahest segnend auf die Deinen, Herr, einst vom blutgen Kreuz herab; so sieb auch mich an und die Meinen in jeder Stunde bis zum Grab. Wie wird uns seyn, befreit vom Staube, der oft den Geist mit Angst beschwert, wann endlich Hoffnung, Liebe, Glaube die fühnsten Bitten sieht er bört! Christi. Adam Danu, geb. 1758,+ 1837. Morgenlieder. Morgenlieder. 307 Mel. Herr Jesu Christ, bich 2c. Schaden behütet und bewacht. mir mein Sünd vergeben, woIch bitt demüthiglich, wollst 431. Die helle Sonn leucht jegt herfür, fröhlich vom Schlaf aufstehen wir; Gott Lob! der uns heut diese Nacht mit in diesem Leben ich hab erzürnet dich. 3. Du wollest auch behüten behüt hat vor des Teufels mich gnädig diesen Tag vors Macht. Teufels List und Wüthen, vor Sünden und vor Schmach, vor Feur- und Wassersnoth, vor Armuth und vor Schanden, vor Ketten und vor Banden, vor bösem schnellem Tod. 2. Herr Christ, den Tag uns auch behüt vor Sünd und Schand durch deine Güt; laß deine lieben Engelein unsre Hüter und Wächter seyn, 3. Daß unser Herz im G'horsam leb, deim Wort und Will'n nicht widerstreb, daß wir dich stets vor Augen han in allem, was wir fangen an. 4. Mein Seel, mein Leib, mein Leben, mein Weib, Gut, Ehr und Kind sey dir, Herr, übergeben, dazu mein Hausgesind, als dein Geschenk und Gab, mein Eltern und Verwandten, Geschwister und Befannten und alles, was ich hab. 4. Laß unser Werk gerathen wohl, was ein Jeder ausrichten soll, daß unsre Arbeit, Müh und Fleiß gereich zu deinem Lob und Preis. Nikolaus Hermann, † 1561. Eigne Melodie. 5. Dein Engel laß auch bleiben und weichen nicht von mir, den Satan zu vertreiben, auf daß der bös Feind hier in diesem Jammerthal sein Tück 432. Aus meinesHerzens an mir nicht übe, Leib und Seel nicht betrübe, und bring mich nicht zu Fall. Grunde sag ich dir Lob und Dank in dieser Morgenstunde, dazu mein Lebelang, o Gott in deinem Thron, dir zu Lob, Preis und Ehren, durch Christum, unsern Herren, dein eingebornen Sohn; 6. Gott will ich laffen rathen, denn er all Ding vermag; er segne meine Thaten, mein Vornehmen und Sach; denn ich ihm heimgestellt mein Leib, mein Seel, mein Leben, und was er mir sonst geben, er machs, wie's ihm gefällt. 2. Und daß du mich aus Gnaden in der vergangnen Nacht vor G'fahr und allem 20* Morgenlieder. 308 7. Darauf so sprech ich Amen und zweifle nicht daran, Gott wird es alls zusammen ihm wohlgefallen lan, und streck nun aus mein Hand, greif an das Werk mit Freuden, dazu mich Gott hat b'scheiden in meim Beruf und Stand. Joh. Mathefius, geb. 1504,+ 1565. Mel. Herr Gott, dich loben alle zc. 433. Das walt Gott Vater und Gott Sohn, Gott heilger Geist im Himmelsthron, man dankt dir, eh die- Sonn aufgeht; wenns Licht anbricht, man vor dir steht. 2. Drum beug ich diesen Morgen früh in rechter Andacht meine Knie, und ruf zu dir mit heller Stimm, dein Ohren neig, mein Red vernimm. 3. Ich rühm von Herzen deine Güt, weil du mich gnädig haft behüt, daß ich nun hab die finstre Nacht in Ruh und Friede zugebracht. 4. Mein Gott, ich bitt durch Christi Blut, nimm mich auch diesen Tag in Hut, laß deine lieben Engelein mein Wächter und Gefährten seyn. 5. Dein Geist mein Leib und Seel regier und mich mit deinen Gaben zier; er führ mich heut auf rechter Bahn, daß ich was Guts vollbringen fann. 6. Gib, daß ich meine Werk und Pflicht mit Freuden diesen Tag verricht, zu deinem Lob und meinem Nuß, und meinem Nächsten thue Guts. 7. Bewahr mein Herz vor Sünd und Schand, daß ich vom Ulebel abgewandt, mein Herz mit Sünden nicht beschwer und meim Gewissen nicht versehr. 8. Behüt mich heut und allezeit vor Schaden, Schand und Herzeleid; tritt zwischen mich und meine Feind, so sichtbar und unsichtbar feind. 9. Mein Aus- und Eingang heut bewahr, daß mir fein Uebels widerfahr; behüte mich vor schnellem Tod und hilf mir wo mir Hülf ist noth. Martin Behemb, geb. 1557,+1622. Mel. Herr Jesu Christ, dich zu uns wend 2C. 434. heilige Dreifal tigkeit, du hochgelobte Einigkeit, Gott Vater, Sohn und heilger Geist, heut diesen Tag mir Beistand leist! 2. Mein Seel, Leib, Ehr und Gut bewahr, daß mir kein Böses Böses widerfahr, daß mich der Satan nicht verley, noch mich in Schand und Schaden setz. 3. Des Vaters Huld mich heut anblick, des Sohnes Güte mich erquick, des heilgen Gei stes Glanz und Schein erleucht meins finstern Herzens Schrein. 4. Mein Schöpfer, steh mir Morgenlieder. 309 fräftig bei, Christ, mein Erlö-, dein Segen laß uns füllen ser, bei mir sey, o Tröster werth, weich nicht von mir, mein Herz mit deinen Gaben zier. nach deinem Wort und väterlichen Willen. 5. Herr, segne und behüte mich; erleucht mich, Herr, genädiglich; Herr, heb auf mich dein Angesicht und deinen Frieden auf mich richt. Martin Behemb, geb. 1557,+1622. Eigne Melodie. 435. Jay danke dir, o Gott, in deinem Throne durch Jesum Christum, deinen lieben Sohne, daß du mich wollen diese Nacht bewahren vor Schaden und vor mancherlei Gefahren, und bitte dich, wollst mich an diesem Tage behüten auch vor Sünden, Schand und Plage. 2. Denn ich dir, Herr, in deine Händ befehle mein Leib und Gut und meine arme Seele; dein heiliger Engel zu allen Zeiten, der sey und bleib bei mir auf allen Seiten, auf daß der bös Feind, so arg und geschwinde, ganz keine Macht an mir zu üben finde. 3. Den lieben Frieden ferner uns verleihe, und unfre Nahrung reichlich benedeie; die Pest von unsrer Stadt und Land laß wallen, dein Wort in Ruh und Fried noch länger schallen. Wend Theurung ab, 4. Ich bitt für die, Gott, so dich Vater nennen, insonderheit dein reines Wort bekennen, für alle meine Blutsfreund und Verwandten, fie seyn gleich hier oder in fremden Landen; vor allem Unfall wollst du sie bewahren, laß ihnen alles Gutes widerfahren. 5. All, welche sind betrübt, krank. und gefangen, tragen, o Herr, nach dir in Noth Verlangen, die wollest du von allem ihren Bösen aus lauter Gnaden endlich gar erlösen; all arme Sünder zu dir, Herr, befehre, ein fetges End uns insgesammt beschere! Mel. Lobet den Herren, alle: c. 436. In dieser Morgenstund will ich dich loben, o Gott, mein Vater, in dem Himmel oben; was du für Gnade mir stets thust erweisen, will ich jetzt preiſen. 2. Du hast mich an das Tagslicht lassen kommen, auch durch die Tauf in dein Reich aufgenommen, und läsfest mich) in deinem Sohn entbinden von Schuld und Sünden. 3. Du gibest mir den heilgen Geist daneben, daß er mich lehr und führ in meinem Leben, damit ich lern auf dich 310 Morgenlieder. alleine schauen und dir vertrauen. 4. Du hast mich allzeit väterlich ernähret, was ich bedurft, mir immerzu bescheret, und wenn mich Noth und Unglück hat berühret, bald draus geführet. 5. Jetzt hast du auch durch deiner Engel Schaaren mich lassen heut in dieser Nacht be wahren, daß mich darin fein Unfall hat erschrecket, noch aufgewecket. 6. D Herr, mit meinem Munde und Gemüthe erzähl und rühm ich solche große Güte, die ich empfangen hab an allen Enden aus deinen Händen. de 7. Ich bitt, du wollest über mir fort walten, und mich auch heute diesen Tag erhalten, daß Satan nicht durch seine List und Pfeile mich übereile. 8. Hilf, daß ich bleib, wie zusteht frommen Christen, rein von der Welt und ihren Sünden- Lüsten, daß ich auch meinen eignen bösen Willen nicht mög erfüllen. 9. Herr, laß in deinen Schuß seyn eingeschlossen Leib, Seele, Freunde, Kinder, Hausgenossen, und was ich sonst durch deine milde Gabe auf Erden habe. 10. Die Obrigkeit erhalt bei gutem Stande, gib Friede, Glück und Heil im ganzen Lande; behüt uns allerseits, o Herr, in Gnaden vor Schand und Schaden. 11. Du wollest auch an diesem Tag mich stärken durch deine Kraft in mein's Berufes Werken, auf daß ich möge in denselben allen dir wohlgefallen. 12. Zulegt verleih, wenn ich aus diesem Leiden, es sey heut oder morgen, werd abscheiden, daß ich auf Christi Tod mög fröhlich sterben, den Himmel erben. 13. So bin ich dann an Leib und Seel genesen, und wohl auf dieser Welt allhie gewesen, dort habe ich das rechte Kleinod funden, hier überwunden. 14. Das hilf mir, Vater, der du mit dem Sohne und heilgen Geist regierst in einem Throne; gib, daß ich dessen, was ich jetzt begehret, ja werd gewähret. 3. Reichenwald oder 3. Gesenius, geb. 1601,+ 1671. Eigne Melodie. 437. Gott des Himmels und der Erden, Vater, Sohn und heilger Geist, der es Tag und Nacht läßt werden, Sonn und Mond uns scheinen heißt, dessen starke Hand die Welt und was drinnen ist, erhält. Sanat 2. Gott, ich danke dir von Herzen, daß du mich in dieser Morgenlieder. Nacht vor Gefahr, Angst, Noth und Schmerzen hast behütet und bewacht, daß des bösen Feindes List mein nicht mächtig worden ist. 3. Laß die Nacht auch meiner Sünden jegt mit dieser Nacht vergehn; o Herr Jesu, laß mich finden deine Wunden offen stehn, da alleine Hülf und Rath ist für meine Missethat. 4. Hilf, daß ich mit diesem Morgen geistlich auferstehen mag und für meine Seele sorgen, daß, wenn nun dein großer Tag uns erscheint und dein Gericht, ich davor erschrecke nicht. 5. Führe mich, o Herr, und leite meinen Gang nach deinem Wort; sey und bleibe du auch heute mein Beschüßer und mein Hort; nirgends als von dir allein kann ich recht bewahret seyn. 6. Meinen Leib und meine Seele sammt den Sinnen und Verstand, großer Gott, ich dir befehle unter deine starke Hand; Herr, mein Ehre und mein Ruhm, nimm mich auf, dein Eigenthum! 311 mich zur Ruh trage nach dem Himmel zu. 7. Deinen Engel zu mir sende, der des bösen Feindes Macht, List und Anschlag von mir wende und mich halt in guter Acht, der auch endlich Heinrich Albert, geb. 1604,+1668. Mel. Herr Gott, dich loben alle sc. 438. Vor deinen Thron tret ich hiemit, o Gott, und dich demüthig bitt; ach, wend dein gnädig Angesicht von mir, dem armen Sünder, nicht! 2. Du hast mich, o Gott Vater mild, gemacht zu deinem Ebenbild; in dir web, leb und schwebe ich, vergehen müßt ich ohne dich. 3. Errettet hast du mich gar oft ganz wunderlich und unverhofft, da nur ein Schritt, ja nur ein Haar mir zwischen Tod und Leben war. 4. Verstand und Ehr hab ich von dir; des Lebens Nothdurft gibst du mir, dazu auch einen treuen Freund, der mich im Glück und Unglück meint. 5. Gott Sohn, du hast mich durch dein Blut erlöset vor der Höllengluth, das schwer Geseß für mich erfüllt, damit des Vaters Zorn gestillt. 6. Wenn Sünd und Satan mich anklagt, und mir das Herz im Leib verzagt, alsdann brauchst du dein Mittleramt, daß mich der Vater nicht verdammt. 7. Du bist mein Fürsprech allezeit, mein Heil, mein Troft und meine Freud; ich kann 312 Morgenlieder. durch dein Verdienst allein hier ruhig und dort selig seyn. 8. Gott heilger Geist, du höchste Kraft, des Gnade in mir alles schafft, ist etwas Guts am Leben mein, so ist es wahrlich lauter dein. 9. Dein ists, daß ich Gott recht erkenn, ihn meinen Herrn und Vater nenn, sein wahres Wort und Sacrament behalt and lieb bis an mein End; 10. Daß ich fest in Anfechtung steh und nicht in Trübsal untergeh, daß ich im Herzen Trost empfind, zuletzt mit Freuden überwind. 11. Drum dank ich dir mit Herz und Mund, o Gott, in dieser Morgenstund für alle Güte, Tren und Gnad, die meine Seel empfangen hat, 12. Und bitt, daß deine Gnadenhand bleib über mir heut ausgespannt; mein Amt, Gut, Ehr, Freund, Leib und Seel in deinen Schuß ich dir befehl. 13. Hilf, daß ich sey von Herzen fromm, damit mein ganzes Christenthum aufrichtig und rechtschaffen sey, nicht Augenschein und Heuchelei. 14. Erlaß mir meine Sündenschuld und hab mit deinem Knecht Geduld; zünd in mir Glauben an und Lieb, zu jenem Leben Hoffnung gib. 15. Ein felig Ende mir bescher, am jüngsten Tag erweck mich, Herr, daß ich dich schaue ewiglich. Amen, Amen, erhöre mich! Bodo v. Hodenberg, geb. 1604, † 1650. Eigne Melodie. 439. Die güldne Sonne, voll Freud und Wonne, bringt unsern Grenzen mit ihrem Glänzen ein herzerquickendes, liebliches Licht. Mein Haupt und Glieder die lagen darnieder; aber nun steh ich, bin munter und fröhlich, schaue den Himmel mit meinem Gesicht. 2. Mein Auge schauet, was Gott gebauet zu seinen Ehren und uns zu lehren, wie sein Vermögen sey mächtig und groß, und wo die Frommen dann sollen hinkommen, wann sie mit Frieden von hinnen geschieden aus dieser Erden vergänglichem Schoß. 3. Lasset uns singen, dem Schöpfer bringen Güter und Gaben, was wir nur haben, alles sey Gotte zum Opfer gesetzt. Die besten Güter sind unsre Gemüther; dankbare Lieder sind Weihrauch und Widder, an welchen er sich am meisten ergößt. 4. Abend und Morgen sind seine Sorgen; segnen und mehren, Unglück verwehren sind seine Werke und Thaten allein. Wenn wir uns legen, so ist er zugegen; wenn wir Morgenlieder. aufstehen, so läßt er aufgehen über uns seiner Barmherzigkeit Schein. 5. Ich hab erhoben zu dir hoch droben all meine Sinnen; laß mein Beginnen ohn allen Anstoß und glücklich ergehn. Laster und Schande, des Lucifers Bande, Fallen und Tücke treib ferne zurücke; laß mich auf deinen Geboten bestehn. 6. Laß mich mit Freuden, ohn alles Neiden, sehen den Segen, den du wirst legen in meines Bruders und Nähesten Haus. Geiziges Brennen, unchristliches Rennen nach Gut mit Sünde, das tilge geschwinde von meinem Herzen und wirf es hinaus. 7. Menschliches Wesen, was ists gewesen? In einer Stunde geht es zu Grunde, sobald das Lüftlein des Todes drein bläst. Alles in allen muß brechen und fallen; Himmel und Erden die müssen das werden, was sie vor ihrer Erschaffung gewest. 8. Alles vergehet; Gott aber stebet ohn alles Wanken; feine Gedanken, jein Wort und Wille hat ewigen Grund. Sein Heil und Gnaden die nehmen 313 Schulden in Gnad und Hulden aus deinen Augen seyn abegewandt. Sonsten regiere, mich lenke und führe, wie dirs gefället; ich habe gestellet alles in deine Beliebung und Hand. 10. Willst du mir geben, womit mein Leben ich kann ernähren, so laß mich hören allzeit im Herzen dieß heilige Wort: Gott ist das Größte, das Schönste, das Beste; Gott ist das Süßte und Allergewißte, aus allen Schäßen der edelste Hort. 11. Willst du mich fränken, mit Gallen tränken, und soll von Plagen ich auch was tragen: wohlan, so mach es, wie dir es beliebt. Was gut und tüchtig, was schädlich und nichtig meinem Gebeine, das weißt du alleine, hast niemals Keinen zu sehre betrübt. 9. Gott, meine Krone, vergib und schone; laß meine 12. Kreuz und Elende das nimmt ein Ende; nach Meeres Brausen und Windes Sausen leuchtet der Sonnen erwünschtes Gesicht. Freude die Fülle und selige Stille hab ich zu warten im himmlischen Garten; dahin sind meine Gedanken gericht. E Paul Gerhardt, geb. 1606,+ 1676. in nicht Schaden, heilen im Her- Eigne Melodie. zen die tödtlichen Schmerzen, 440. Lobet den Herren halten uns zeitlich und ewig gefund. alle, die ihn ehren! Laßt uns mit Freuden seinem Namen singen und Preis und Dank 314 Morgenlieder. zu seinem Altar bringen Lobet den Herren! 2. Der unser Leben, das er uns gegeben, in dieser Nacht so väterlich bedecket und aus dem Schlaf uns fröhlich auferwecket. Lobet den Herren! 3. Daß unsre Sinnen wir noch brauchen können, und Händ und Füße, Zung und Lippen regen, das haben wir zu danken seinem Segen. Lobet den Herren! 4. O treuer Hüter, Brunnen aller Güter, ach, laß doch ferner über unser Leben bei Tag und Nacht dein Hut und Güte schweben. Lobet den Herren! 5. Gib, daß wir heute, Herr, durch dein Geleite auf unsern Wegen unverhindert gehen und überall in deiner Gnade stehen. Lobet den Herren! 6. Treib unsern Willen, dein Wort zu erfüllen. Lehr uns verrichten heilige Geschäfte, und wo wir schwach sind, da gib du uns Kräfte. Lobet den Herren! 7. Richt unsre Herzen, daß wir ja nicht scherzen mit deinen Strafen, sondern fromm zu werden vor deiner Zukunft uns bemühn auf Erden. Lorden. Lobet den Herren! 8. Herr, du wirst kommen und all deine Frommen, die sich bekehren, gnädig dahin bringen, da alle Engel ewig, ewig singen: Lobet den Herren! Paul Gerhardt, geb. 1606, 1676. du dos Mel. Nun laßt uns Gott, dem 2c. 441. Wach auf, mein Herz, und singe dem Schöpfer aller Dinge, dem Geber aller Güter, dem frommen Menschenhüter. 2. Heut, als die dunklen Schatten mich ganz umfangen hatten, hat Satan mein begehret, Gott aber hats verwehret. 3. Du sprachst: mein Kind, nun liege; Troß dem, der dich betrüge; schlaf wohl, laß dir nicht grauen, du sollst die Sonne schauen. 4. Dein Wort das ist geschehen, ich kann das Licht noch sehen; von Noth bin ich befreiet, dein Schuß hat mich erneuet. 5. Du willst ein Opfer ha ben, hier bring ich meine Gaben; mein Weihrauch, Farr und Widder sind mein Gebet und Lieder. 6. Die wirst du nicht verschmähen; du kannst ins Herze sehen und weißest, daß zur Gabe ich ja nichts Bessers habe. 7. So wollst du nun vollenden dein Werk an mir und senden, der mich an diesem Tage auf seinen Händen trage. 8. Sprich Ja zu meinen Thaten, hilf selbst das Beſte Morgenlieder. rathen, den Anfang, Mitt und Ende, ach Herr, zum Besten wende. 9. Mit Segen mich beschütte, mein Herz sey deine Hütte, dein Wort sey meine Speise, bis ich gen Himmel reiſe. Paul Gerhardt, geb. 1606,+1676. Eigne Melodie. 442. Morgenglanz der Ewigkeit, Licht vom unerschöpften Lichte, schick uns diese Morgenzeit deine Strahlen zu Gesichte und vertreib durch deine Macht unsre Nacht. 2. Deiner Güte Morgenthau fall auf unser matt Gewissen; laß die dürre Lebensau fauter süßen Trost genießen, und erquick uns, deine Schaar, immerdar. 3. Gib, daß deiner Liebe Gluthunsre falten Werke tödte, und erweck uns Herz und Muth bei erstandner Morgenröthe, daß wir, eh wir gar vergehn, recht aufstehn. 4. Laß uns ja das Sündenkleid durch des Bundes Blut vermeiden, daß uns die Gez rechtigkeit mög als wie ein Rock bekleiden, und wir so vor aller Pein sicher seyn. 5. Ach, du Aufgang aus der Höh, gib, daß auch am jüngsten Tage unser Leichnam aufersteh, und entfernt von aller Plage sich auf jener Freudenbahn freuen kann. 315 6. Leucht uns selbst in jene Welt, du verklärte Gnadensonne; führ uns durch das Thränenfeld in das Land der süßen Wonne, da die Luſt, die uns erhöht, nie vergeht. Christian Knorr von Rosenroth, geb. 1636,+ 1689. Mel. Nun laßt uns Gott 2c. 443. Auf, auf, ihr meine Lieder, mein Herz, mein Geist und Glieder, dem Höchsten Lob zu singen und Opfer ihm zu bringen. 2. Er hat die Nacht gewendet, das Licht herabgesendet, und mich ohn alle Sorgen erweckt an diesem Morgen. 3. Er ist mein Schutz gewesen, daß ich frisch und genesen an diesem Tag aufstehe, und meine Pflicht angehe. 4. Es hätten tausend Schrecen mich grausam fönnen wecken, wo er nicht selbſt gewachet und alles gut gemachet. 5. Mein Leib, Seel und mein Leben sey ferner ihm ergeben; hilf, Herr, auch heut und sende den Beistand deiner Hände, 6. Daß ich, von dir geführet und überall regieret, zu deines Namens Ehre mein ganzes Leben kehre. 7. Behüte mich vor Sünden, und laß mich stets empfinden ein Abschen vor den 316 Morgenlieder. Dingen, die deinen Zorn mir bringen. 8. Begnade mich mit Segen auf allen meinen Wegen, beglücke meine Thaten, und laß sie wohl gerathen. 9. Verleihe Kraft und Stärke, daß des Berufes Werke durch deines Geistes Senden ich möge glücklich enden. 10. Gib, daß mich deine Güte vor Unfall stets behüte, ja daß ich ewig bleibe ein Glied in deinem Leibe. 11. Mein Hoffen und Vertrauen laß nur auf dich hinchauen, daß sich mein Glaube mehre und dich mit Früchten ehre. 12. Laß Freunde und Verwandte, Wohlthäter und Bekannte, und die sich Christen schreiben, von dir bewahret bleiben. 13. Und sollt ich Schmach und Neiden, Krenz und Verfolgung leiden, so bilf mirs fräftig tragen, und laß mich nicht verzagen. 14. Schüß alle hart Geplagten, erfreue die Verjagten, gib Brod und Trost den Armen aus Gnaden und Erbarmen. 15. Erhör auch alle Beter, befehr die llebertreter, sey anädig mir und Allen nach deinem Wohlgefallen. 16. Insonderheit am Ende nimm mich in deine Hände, und laß mich selig sterben und ewges Leben erben. Jobann Lassen, geb. 1636, † 1692. Mel. Ich armer Mensch zc. 444. Mein Gott, nun iſt es wieder Morgen, die Nacht vollendet ihren Lauf; nun wachen alle meine Sorgen auf einmal wieder mit mir auf. Die Ruh ist aus, der Schlaf dahin, und ich seh wieder, wo ich bin. 2. Ich bin noch immer auf der Erde, wo jeder Tag sein Elend hat, wo ich nur immer älter werde und häufe Sünd und Missethat. O Gott, von dessen Brod ich zehr, wenn ich dir doch auch nüße wär! 3. Du siehst am Morgen mich aufstehen, regier mich auch in dieser Welt. Ich weiß nicht, wie mirs heut wird gehen, mach alles so, wie dirs gefällt. Schließ mich in deine Vorsicht ein; dein will ich todt und lebend seyn. 4. Vergib mir, Vater, alle Sünden, die ich bei Tag und Nacht beging, und laß mich vor dir Gnade finden, erhöre, was ich bet und sing; denn wenn ich nur bei dir wohl steh, so acht ich gar nicht, wie es geh. 5. Hilf du in allen Sachen rathen; denn ich bin selber mir nicht flug. Behüte mich vor Missethaten, vor böser Menschen List und Trug; laß Morgenlieder. mich den Tag wohllegen an und Gutes schaffen, wo ich kann. 6. Behüte mir mein Leib und Leben, mein Weib und Kind, mein Hab und Gut, und laß den Himmel Segen geben, wenn meine Hand das Ihre thut; hilf, daß ich alles wohl verricht! Du wirst es thun, ich zweifle nicht. Caspar Neumann, geb. 1648, † 1715. Mel. Hüter, wird die Nacht 2c. 7. Denk, daß er auf deinen Wegen ist zugegen, daß er allen Sündenwust, auch die Schmach verborgner Flecken kann ent445. Seele, du mußt decken und errathen, was du thust. munter werden, denn der Erden blickt hervor ein neuer Tag; fomm, dem Schöpfer dieser Strahlen zu bezahlen, was dein schwacher Trieb vermag. 2. Deine Pflicht die kannst du lernen von den Sternen, deren Gold der Sonne weicht; so laß auch vor Gott zerrin nen, was den Sinnen hier im Finstern schöne deucht. 3. Schau, wie das, was Odem ziehet, sich bemühet um der Sonne holdes Licht, wie sich, was nur Wachsthum spüret, freudig rühret, wenn ihr Glanz die 4. So laß dich auch fertig finden, anzuzünden deinen Weihrauch, weil die Nacht, da dich Gott vor Unglücksstürmen wollen schirmen, ist so glücklich hingebracht. 317 5. Bitte, daß er dir Gedeihen mag verleihen, wenn du auf was Gutes zielst, aber daß er dich mag stören und bekehren, wenn du böse Regung fühlst. 6. Kränkt dich etwas diesen Morgen, laß ihn sorgen, der es wie die Sonne macht, welche freundlich pflegt die Höhen anzusehen und auch in die Thäler lacht. 8. Wir sind an den Lauf der Stunden fest gebunden, der entführt, was eitel heißt, und der dein Gefäß, o Seele, nach der Höhle eines Sterbgewölbes reißt. mein Scheiden nicht ein Lei9. Drum so seufz ich, daß den, sondern sanftes Schlafen sey, und daß ich mit Lust und Wonne seh die Sonne, wann des Todes Nacht vorbei. Friedr. Rudolph Ludw. Freih. v. Canis. geb. 1654, † 1699. Mel. Freu dich sehr sc. 446. Gott, du Licht, das ewig bleibet, das ohn allen Wechsel ist, das die Finsterniß vertreibet, der du bleibeft, wie du bist; ich verlaffe meine Nuh; rufe: werde Licht! mir zu, daß ich, der ich Nacht und Erde, durch dein Licht verkläret werde. 318 Morgenlieder. 2. Wecke, da der Leib geschlafen, auch die Seele geistlich auf; gib ihr deines Lichtes Waffen, richt und leite ihren Lauf; laß mich seyn des Lichtes Kind, hilf mir, weil ich geistlich blind, Jesu, daß ich wieder sehe und in deinem Lichte gehe. 3. Schenke mir, Herr, und gewähre, was die arme Seele stillt; ach, erneure und verfläre stets in mir dein Ebenbild! Sende mir den Geist der Kraft, der ein neues Leben schafft, daß ich himmlisch auf der Erde und Ein Geist mit Christo werde. 4. Segne meiner Hände Werke, fördre mich in meiner Pflicht; bleibe meiner Schwachheit Stärke, meines Lebens Kraft und Licht; laß mein Lebensziel allein deines Namens Ehre seyn; hilf, daß ich stets wahre Liebe gegen meinen Nächsten übe.. 5. Führ mich einst zu jenem Lichte deiner höchsten Majestät, wo vor deinem Angesichte die verklärte Seele steht, heller als der Sonnenschein, schön, unsterblich, engelrein; laß sie seyn mit dir vereinet, wenn mein letter Tag erscheinet. Sal. Franck, geb. 1659, † 1725. Mel. Mein Herzens- Jesu zc. 447. Erhebe dich, o meine Seel! die Finsterniß vergebet; der Herr erscheint in Israel, sein Licht am Himmel stehet. Erhebe dich aus deinem Schlaf, daß er was Gutes in dir schaff, indem er dich erleuchtet. 2. Im Licht muß alles rege seyn und sich zur Arbeit wenden; im Licht singt früh das Vögelein, im Licht will es vollenden; so soll der Mensch in Gottes Licht aufheben billig sein Gesicht zu dem, der ihn erleuchtet. 3. Laßt uns an unsre Arbeit gehn, den Herren zu erheben; laßt uns, indem wir auferstehn, beweisen, daß wir leben; laßt uns in diesem Gnadenschein nicht eine Stunde müßig seyn; Gott ists, der uns erleuchtet. 4. Ein Tag geht nach dem andern forf, und unser Werk bleibt liegen. Ach, hilf uns, Herr, du treuster Hort, daß wir uns nicht betrügen; gib, daß wir greifen an das Werk, gib Gnade, Segen, Kraft und Stärf im Licht, das uns erleuchtet. 5. Du zeigst, was zu verrichten sey auf unsern Glaubens- Wegen; so hilf uns nun und steh uns bei, verleihe deinen Segen, daß das Geschäft von deiner Hand vollführet werd in alle Land, wozu du uns erleuchtet. 6. Ich flehe, Herr, mach uns bereit zu dem, was dir gefällig, Morgenlieder. daß ich recht brauch der Gnadenzeit; so flehen auch einhellig die Kinder, die im Geist geborn und die sich fürchten vor dem Zorn, nachdem du sie erleuchtet. 7. Das Licht des Glaubens sey in mir ein Licht der Kraft und Stärke; es sey die Demuth meine Zier, die Lieb das Werk der Werke. Die Weisheit steht auf diesem Grund und öffnet beides Herz und Mund, dieweil die Seel erleuchtet. 8. Herr, bleib bei mir, du ewges Licht, daß ich stets gehe richtig; erfreu mich durch dein Angesicht, mach mich zum Guten tüchtig, bis ich erreich die goldne Stadt, die deine Hand gegründet hat und ewiglich erleuchtet. Peter Lackmann, + 1713. geendet hat, die Finsterniß zertheilt, wacht Alles, was am Abend spat zu seiner Ruh geeilt. 319 4. Wie soll ich dir, du Seelenlicht, zur Gnüge dankbar seyn? Mein Leib und Seel ist dir verpflicht, und ich bin ewig dein. 2. So wachet auch, ihr Sinnen, wacht, legt euren Schlaf beiseit, zum Lobe Gottes seyd bedacht; denn es ist Dankenszeit. Mel. Nun sich der Tag ic. 9. Hab Dank, o Jesu, habe Dank für deine Lieb und Treu, 448. Nun sich die Nacht lang von Herzen dankbar ſey. hilf, daß ich dir mein Leben 10. Gedenke, Herr, auch heut an mich an diesem ganzen Tag, und wende von mir gnädiglich Noth, Jammer, Angst und Plag. 3. Und du, des Leibes edler Gast, du theure Seele du, die du so sanft geruhet hast, dank Gott für seine Ruh. 5. Dir geb ich, Jesu, diese Gab zu einem Unterpfand, dieweil ich sie empfangen hab von deiner Liebeshand. 6. Und diese deine Liebeshand hat heut bei mir gewacht, und allen Schaden abgewandt in dieser finstern Nacht. 7. In deinen Armen schlief ich ein; drum fonnte Satan nicht mit seiner List mir schädlich seyn, die er auf mich gericht. 8. Vor Wasser- und vor Feuersnoth hat mich, Herr, deine Güt, vor einem böſen schnellen Tod heut diese Nacht bebüt. 11. Erhör, o Jesu, meine Bitt, nimm meine Seufzer an, und laß all meine Tritt und Schritt heut gehn auf rechter Bahn. 12. Ach laß, o Jesu, keine Sünd mich diesen Tag begehn; sonst möcht ich armes Sünden 320 Morgenlieder. find nicht wohl bei dir bestehn. 13. Wend meine Augen gnädig ab von dieser Eitelkeit, damit bis an mein fühles Grab ich alles Böse meid. 14. Gib deinen Segen diesen Tag zu meinem Werk und That, damit ich selig sagen mag: wohl dem, der Jesum bat! 15. Wohl dem, der Jesum bei sich führt, schließt ihn ins Herz hinein: so ist sein ganzes Thun geziert, und er kann selig seyn. 16. Nun dann so fang ich meine Werk in Jesu Namen an; er geb mir seines Geistes Stärk, daß ich sie enden kann. Joh. Friedr. Möckbel, geb.1661, + 1729. Mel. Erschienen ist der c. 449. as walte Gott, der helfen kann! Mit Gott fang ich die Arbeit an; mit Gott nur geht es glücklich fort; drum ist auch dieß mein erstes Wort: das walte Gott! 2. All mein Beginnen, Thun und Werk erfordert Gottes Kraft und Stärk; mein Herz fucht Gottes Angesicht; drum auch mein Mund mit Freuden spricht: das walte Gott! 3. So Gott nicht hilft, so kann ich nichts; wo Gott nicht gibet, da gebrichts; Gott gibt und thut mir alles Guts; drum sprech ich auch nun gutes Muths: das walte Gott! 4. Will Gott mir etwas geben hier, so will ich dankbar seyn dafür; auf sein Wort werf ich aus mein Netz und sag in meiner Arbeit stets: das walte Gott! 5. Anfang und Mitte sammt dem End stell ich allein in Gottes Händ; er gebe, was mir nüßlich ist; drum sprech ich auch zu jeder Frist: das walte Gott! 6. Legt Gott mir seinen Segen bei nach seiner großen Güt und Treu, so gnügets mir zu jeder Stund; drum sprech ich auch von Herzensgrund: das walte Gott! 7. Trifft mich ein Unglück, unverzagt! Ist doch mein Werk mit Gott gewagt; er wird mir gnädig stehen bei; drum dieß walte Gott! auch meine Losung sey: das 8. Er kann mich segnen früh und spat, bis all mein Thun ein Ende hat; er gibt und nimmt, machts, wie er will; drum sprech ich auch fein in der Still: das walte Gott! 9. Gott steht mir bei in aller Noth und gibt mir auch mein täglich Brod; nach seinem alten Vaterbrauch thut er mir Guts; drum sprech ich auch: das walte Gott! 10. Nichts glücket ohne Gottes Gunst, nichts hilft Ver Morgenlieder. stand, Wiß oder Kunst; mit Gott gehts fort, geräth auch wohl, daß ich kann sagen glaubensvoll: das walte Gott! 11. Theilt Gott was mit aus Gütigkeit, so acht ich keiner Feinde Neid; mag hassen, wers nicht lassen kann, ich stimme doch mit Freuden an: das walte Gott! 12. Thu ich denn was mit Gottes Rath, der mir beistehet früh und spat, dann alles wohl gerathen muß; drum sprech ich nochmals zum Beschluß: das walte Gott! Johann Betichius, um 1700. Mel. O Gott, du frommer 2c. 450. Jesu, süßes Licht, nun ist die Nacht vergangen; nun hat dein Gnadenglanz aufs Neue mich umfangen; nun ist, was an mir ist, vom Schlafe aufgeweckt, und hat nun in Begier zu dir sich ausgestreckt. 2. Was soll ich dir denn nun, mein Gott, für Opfer schenken? Ich will mich ganz und gar in deine Gnad einsenfen mit Leib, mit Seel, mit Geist, heut diesen ganzen Tag, das soll mein Opfer seyn, weil ich sonst nichts vermag. 321 Geist, darinnen wollst du dich verklären allermeist. 3. Drum siehe da, mein Gott, da hast du meine Seele, fie sey dein Eigenthum, mit ihr dich heut vermähle in deiner Liebeskraft; da hast du meinen 4. Da sey denn auch mein Leib zum Tempel dir ergeben, zur Wohnung und zum Haus. Ach, allerliebstes Leben, ach wohn, ach leb in mir, beweg und rege mich, so hat Geist, Seel und Leib mit dir vereinigt sich. 5. Dem Leibe hab ich jetzt die Kleider angeleget; laß meiner Seelen seyn dein Bildniß eingepräget im güldnen Glaubensschmuck, in der Gerechtigkeit, so allen Seelen ist das rechte Ehrenkleid. 6. Mein Jesu, schmücke mich mit Weisheit und mit Liebe, mit Keuschheit und Geduld, durch deines Geistes Triebe; auch mit der Demuth mich vor allem kleide an, so bin ich wohlgeschmückt und köstlich angethan. 7. Laß mir dich diesen Tag stets vor den Augen schweben; laß dein Allgegenwart mich wie die Luft umgeben, auf daß mein ganzes Thun durch Herz, durch Sinn und Mund dich lobe inniglich, mein Gott, zu aller Stund. 8. Ach segne, was ich thu, ja rede und gedenke; durch deines Geistes Kraft es also führ und lenke, daß alles nur gescheh zu deines Namens Ruhm, und daß ich unverrückt verbleib dein Eigenthum. Joachim Lange, geb. 1670,+1744. 21 322 Morgenlieder. Eigne Melodie. 451. Gott Lob! Nun iſt die Nacht verschwunden, die Finsterniß ist überwunden, das Licht des Himmels triumphirt; Mel. Gott des Himmels und zc. das Erdreich, so die dunklen 452. HöchsterGott, durch Schatten mit ihrer Macht umgeben hatten, der güldnen Sonne Klarheit ziert. 2. Wach auf, wach auf, mein Geist, und singe dem Vater aller Geister, bringe Preis, Lob, Ehr, Ruhm, Danf, Kraft und Macht; erkenne seine Huld und Treue, die alle Morgen fich aufs Neue ausbreitet und dich stets bewacht. 3. O daß doch mit der äußern Erden mein Innerstes auch licht mög werden! O daß mein Herz ein Himmel wär, ein Firmament, daran die Sonne, mein Jesus, meines Geistes Wonne, möcht scheinen zu des Schöpfers Ehr! 4. O daß der finstern Nacht Geschäfte durch dieser Sonnen neue Kräfte zerstreuet würden, und mein Sinn zu ihrem Licht sich stets erhübe! O daß ihr Einfluß starker Triebe mich führte zu ihr selber hin! 5. Dieß ist mein Wunsch und mein Begehren; du, Vater, wollst mich des gewähren, sprich Amen selbst und Ja dazu; so werd ich auch nach die sen Tagen und überstandnem Leid und Plagen genießen dort des Lichtes Rub. Joh. Anast. Freylinghausen geb. 1670, † 1739. deinen Segen konnt ich fröhlich und gesund diese Nacht zurücke legen; dafür preist dich Herz und Mund; denn du willst für alle Treu nichts, als daß man dankbar sey. 2. Segne heute mich von Neuem, weil du segnen kannst und mußt; denn mit Wohlthun zu erfreuen, das ist deine Herzenslust, und du machst die milde Hand täglich aller Welt bekannt. 3. Segne mich mit deinem Geiste, daß er heut mit seiner Kraft meinem Glauben Beistand leiste, daß er gute Werke schafft, und dem Bösen insgemein mag ein wackrer Gegner seyn. 4. Segne mich mit Christi Blute bei verübter Missethat, weil er das auch mir zu Gute mildiglich vergossen hat. Glänz big halte ich daran, daß mich) nichts verdammen kann. 5. Segne mich mit deinem Worte, schreib es in mein Herz herein, daß es mag an jedem Orte meines Wandels Richtschnur seyn. Leuchtet mir dieß Lebenslicht, o so fehl und fall ich nicht. Morgenlieder. 6. Segne mich in meinem Stande, zeuch mein Herz mit Klugheit an, daß ich solchen ohne Schande und mit Ehren führen kann. Gib dazu mein täglich Brod und was irgend sonst mir noth. 7. Segne mich in Kreuz und Leiden mit Vertrauen und Geduld; segne mich in Glück und Freuden mit dem Reichthum deiner Huld, daß ich dir im Kreuz getreu und im Glück voll Demuth sey. 8. Dann will ich für allen Segen Lob und Ehre, Preis und Dank dir zu deinen Füßen legen und es thun mein Leben lang, bis ich mit den Engeln dort vor dir jauchze fort und fort. Erdm. Neumeister, geb. 1671, † 1756. Eigne Melodie. 453. Hüter, wird die Nacht der Sünden nicht verschwinden? Hüter, ist die Nacht schier hin? Wird die Finsterniß der Sinnen bald zerrinnen, darein ich verwickelt bin? 2. Möcht ich, wie das Rund der Erden, lichte werden; See lensonne, gehe auf! Ich bin finster, falt und trübe; Jesu, Liebe, komm, beschleunige den Lauf! 3. Wir sind ja im neuen Bunde, da die Stunde der Erscheiz nung fommen ist, und ich muß 323 mich stets im Schatten so ermatten, weil du mir so ferne biſt. 4. Wir sind ja der Nacht entnommen, da du kommen; aber ich bin lanter Nacht. Darum wollst du mir, dem Deinen, auch erscheinen, der nach Licht und Rechte tracht. 5. Wie kann ich des Lichtes Werke ohne Stärke in der Finsterniß vollziehn? Wie faun ich die Liebe üben, Demuth lieben und der Nacht Geschäfte fliehn? der Seelen so sich quälen, zünd 6. Laß doch nicht den Geist ein Feuer in mir an; laß mich finstres Kind der Erden helle werden, daß ich Gutes wirken fann. 7. Das Vernunftlicht kann das Leben mir nicht Jesus und ſein heller Schein, Jefus muß das Herz anblicken und erquicken; Jesus muß die Sonne seyn. 8. Nur die Decke vor den Augen kann nicht taugen, seine Klarheit kann nicht ein; wenn sein helles Licht den Seinen soll erscheinen, muß das Auge reine seyn. 9. Jesu, gib gesunde Augen, die was taugen, rühre meine Augen an; denn das ist die größte Plage, wenn am Tage man das Licht nicht sehen kann. Christian Friedrich Richter geb. 1676,+ 1711. 21* Morgenlieder. 324 Mel. Herr Jesu Chrift, dich zu zc. 454. Die ie Nacht nunmehr vergangen ist, wir danken dir, Herr Jesu Christ, daß du uns frei von aller Plag ge sund läßt sehen diesen Tag. 2. Wir bitten dich, du Gnadenstrahl, leucht uns in diesem Jammerthal, beschirm uns täglich und auch heut, bewahr uns ferner allezeit. 3. Darneben gib uns Fried und Ruh, und was uns nöthig ist dazu, durch deine starke Gnadenhand beschüße uns und unser Land. 4. All Sünd und Schwachheit uns verzeih, ein gut Gewissen stets verleih; gib, daß wir deines Namens Ehr ausbreiten immer mehr und mehr. o 5. Und wenn es dir, Herr, gefällt, uns abzufordern aus der Welt, so gib ein selig Ende hier, daß wir dort ewig seyn bei dir. 6. O Jesu Christ, erbarme dich, hör unser Bitten gnädiglich; durch dein Verdienst, durch deinen Tod erlöse uns aus aller Noth. Mel. Ich dank dir schon ic. 455. Jefu, meines S Lebens Licht, nun ist die Nacht vergangen; mein Geistesang zu dir sich richt, dein Anblick zu empfangen. 2. Du hast, da ich nicht sorgen konnt, mich vor Gefahr bedecket, und auch vor Andern mich gesund nun aus dem Schlaf erwecket. 3. Mein Leben schenkst du mir aufs Neu, es sey auch dir verschrieben, mit neuem Ernst, mit neuer Treu dich dieſen Tag zu lieben. 4. Dir, Jesu, ich mich ganz befehl; im Geiste dich verkläre, dein Werkzeug nur sey meine Seel, den Leib bewahr und nähre. 5. Durchdring mit deinem Lebenssaft Herz, Sinnen und Gedanken; bekleide mich mit deiner Kraft, in Proben nicht zu wanken. 6. Mein treuer Hirte, sey mir nah, steh immer mir zur Seiten, und wenn ich irre, wollst du ja mich wieder zu dir leiten. 7. Sey du alleine meine Lust, mein Schap, mein Trost und Leben; kein andres Theil sey mir bewußt, dir bin ich ganz ergeben. genblick, wie ich dir soll gefal8. Zeig mir in jedem Aulen; zieh mich vom Bösen stets zurück, regiere mich in allem. 9. Gib, daß ich meinen Wandel führ im Geift, in deinem Lichte und als ein Fremdling lebe hier vor deinem Angesichte. 10. Ach, balt mich fest mit deiner Hand, daß ich nicht fall Tischlieder. noch weiche; zeuch weiter durch der Liebe Band, bis ich mein Ziel erreiche. Gerb. Tersteegen, geb. 1697,+ 1769. Mel. Ich dank dir schon 2c. 456. Mein erst Gefühl sey Preis und Dank; erhebe Gott, o Seele! Der Herr hört deinen Lobgefang; lobsing ihm, meine Seele! 2. Mich selbst zu schüßenohne Macht, lag ich und schlief im Frieden. Wer schafft die Sicherheit der Nacht und Ruhe für die Müden? 3. Du bist es, Gott und Herr der Welt, und dein ist unser Leben. Du bist es, der es uns erhält und mirs jetzt neu gegeben. 4. Gelobet seyst du, Gott der Macht, gelobt sey deine Treue, daß ich nach einer sanften Nacht mich dieses Tags erfreue. 5. Laß deinen Segen auf mir ruhn, mich deine Wege Eigne Melodie. 457. Nun laßt uns Gott, dem Herren, danksagen und ihn ehren von wegen seiner Gaben, die wir empfangen haben. 2. Den Leib, die Seel, das Leben hat er allein uns geben; 325 wallen, und lehre du mich selber thun nach deinem Wohlgefallen. 6. Nimm meines Lebens gnädig wahr, auf dich hofft meine Seele; sey mir ein Retter in Gefahr, ein Vater, wenn ich fehle. 7. Gib mir ein Herz voll Zuversicht, erfüllt mit Lieb und Ruhe, ein weises Herz, das seine Pflicht erkenn und willig thue, Tischlieder. 8. Daß ich als ein getreuer Knecht nach deinem Reiche strebe, gottselig, züchtig und gerecht durch deine Gnade lebe, 9. Daß ich, dem Nächsten beizustehn, nie Fleiß und Arbeit scheue, mich gern an Anderer Wohlergehn und ihrer Tugend freue, 10. Daß ich das Glück der Lebenszeit in deiner Furcht genieße, und meinen Lauf mit Freudigkeit, wenn du gebeutst, beschließe. Christian Fürchteg. Gellert, geb. 1715, 1769. dieselben zu bewahren, thut er nie etwas sparen. 3. Nahrung gibt er dem Leibe, die Seele muß auch bleiben, wiewohl tödtliche WunDen find kommen von den Sünden. 4. Ein Arzt ist uns gegeben, 326 Tischlieder. der selber ist das Leben: Christus für uns gestorben, der hat das Heil erworben. 5. Sein Wort, sein Tauf, sein Nachtmahl dient wider allen Unfall; der heilge Geist im Glauben lehrt uns darauf vertrauen. 6. Durch ihn ist uns vergeben die Sünd, geschenkt das Leben, im Himmel solln wir haben, o Gott, wie große Gaben! 4. Gedenk nicht unsrer Missethat und Sünd, die dich erzürnet hat; laß scheinen dein Barmherzigkeit, daß wir dich lobn in Ewigkeit. 2. O Herr, thu auf dein milde Hand, mach uns dein Gnad und Güt bekannt, ernähr uns, deine Kinderlein, der du speist alle Vögelein. 3. Erhörst du doch der Raben Stimm, drum unsre Bitt, Herr, auch vernimm; denn aller Ding du Schöpfer bist, und allem Thier sein Futter gibst. 5. OHerr, gib uns ein fruchtbar Jahr, den lieben Kornbau uns bewahr; vor Theurung, Seuchen, Krieg und Streit behüt uns, Herr, zu dieſer Zeit. 7. Wir bitten deine Güte, wollst uns hinfort behüten, uns Große mit den Kleinen, du kannsts nicht böse meinen. 6. Unser lieber Vater du bist, weil Christus unser Bruder ist; drum trauen wir allein auf dich und wolln dich preiſen ewiglich. Nik. Hermann, † 1561. 8. Erhalt uns in der Wahrheit, gib ewigliche Freiheit, zu preisen deinen Namen durch Jesum Christum. Amen! 459. Wir danken Gott für seine Gaben, die wir von ihm empfangen haben; wir bitten unsern lieben Herrn, er woll uns hinfort mehr beschern, er woll uns speisen mit seinem Ludw. Helmbold, geb. 1532,+ 1598. Mel. Wann wir in höchsten 2c. 458. Bescher uns, Herr, Wort, daß wir ſatt werden das täglich Brod; vor Then rung und vor Hungersnoth behüt uns durch dein lieben Sohn, Gott Vater in dem höchsten Thron. hier und dort. Ach, lieber Gott, du wollst uns geben nach dieser Welt das ewge Leben. Wir danken dir, Herr Jeſu Christ, daß du unser Gast gewesen bist. Bleib du bei uns, so hats nicht Noth; du bist das rechte Lebensbrod. Mel. Erhalt uns, Herr, bei zc. 460. Herr Gott, Bater im Himmelreich, wir, deine Kinder allzugleich, bitten dich jetzt aus Herzensgrund, speis uns alle zu dieser Stund Abendlieder. 2. Thu auf dein reiche, milde Hand, behüt uns, Herr, vor Sünd und Schand und gib uns Fried und Einigkeit, bewahr uns auch vor theurer Zeit, 3. Damit wir leben seliglich, dein Reich besitzen ewiglich in unfres Herren Christi Nam'n. Wer das begehrt, der spreche: Am'n! Um 1589. Abendlieder. Mel. Christum wir sollen 2c. 462. D selges Licht, Dreifaltigkeit, du hochgelobte Einigkeit, die Sonne weicht mit ihrem Schein, geuß dein Licht in das Herz hinein. 2. Des Morgens, Herr, dich rühmen wir, am Abend beten wir zu dir, und preisen deine Herrlichkeit von nun an bis in Ewigkeit. 3. Gott Vater in dem höch3. Gott Vater in dem höchsten Thron, und Jesus Christ, sein einger Sohn, mit sammt dem werthen heilgen Geist sey nun und immerdar gepreist. Mel. Chriftum wir sollen 2c. 463. Christe, du biſt der helle Tag, vor dir die Nacht nicht bleiben mag, du leuchtest uns vom Vater her und bist des Lichtes Prediger. 2. Ach, lieber Herr, behüt uns heint in dieser Nacht vorm 327 Mel. Schmücke dich, o liebe 2c. 461. Speis uns, Vater, deine Kinder, tröste die betrübten Sünder, sprich den Segen zu den Gaben, welche wir jetzt vor uns haben, daß sie uns zu diesem Leben Stärke, Kraft und Nahrung geben, bis wir endlich mit den Frommen zu der Himmelsmahlzeit kommen. Joh. Heermann, geb. 1585, † 1647. bösen Feind, und laß uns in dir ruhen fein und vor dem Satan sicher seyn. 3. Obschon die Augen schlafen ein, so laß das Herz doch wacker seyn; halt über uns dein rechte Hand, daß wir nicht falln in Sünd und Schand. 4. Wir bitten dich, Herr Jesu Christ, behüt uns vor des Teufels Lift, der stets nach unfrer Seelen tracht, daß er an uns hab keine Macht. 5. Sind wir doch dein ererbtes Gut, erworben durch dein heiligs Blut; das war des ewgen Vaters Rath, als er uns dir geschenket hat. 6. Befiehl deim Engel, daß er komm, und uns bewach, dein Eigenthum; gib uns die lieben Wächter zu, daß wir vorm Satan haben Ruh. 7. So schlafen wir im Namen dein, dieweil die Engel bei uns 328 seyn. Du heilige Dreifaltigkeit, wir loben dich in Ewigkeit. Abendlieder. Erasmus Alberus,+ 1553. Nach: Christe qui lux es et dies. Eigne Melodie. 464. Die Nacht ist kommen, drin wir ruhen sollen, Gott walts zu Frommeh nach seim Wohlgefallen, daß wir uns legen in seim G'leit und Segen, der Ruh zu pflegen. 2. Treib, Herr, von uns fern die unreinen Geister, halt die Nachtwach gern, sey selbst unser Schußherr! Schirm beid, Leib und Seel, unter deine Flügel, send uns dein Engel! 3. Laß uns einschlafen mit guten Gedanken, fröhlich auf wachen und von dir nicht wanfen, laß uns mit Züchten unser Thun und Dichten zu deim Preis richten. 4. Pfleg auch der Kranken durch deinen Geliebten, hilf den Gefangnen, tröste die Betrübten, pfleg auch der Kinder, sey selbst ihr Vormünder, des Feinds Neid hinder. 5. Vater, dein Name werd von uns gepreiset, dein Reich zukomme, dein Will werd beweifet, frist unser Leben, wollst die Schuld vergeben, erlös uns. Böhmische Brüder, Amen! Mel. Erhalt uns, Herr, bei zc. 465. Sinunter ist der Sonnenschein, die finstre Nacht bricht stark herein; leucht uns, Herr Christ, du wahres Licht, laß uns im Finstern tappen nicht. 2. Dir sey Dank, daß du uns den Tag vor Schaden, deine Engel hast behüt aus Fahr und mancher Plag durch Gnad und väterlicher Güt. 3. Womit wir han erzürnet dich, dasselb verzeih uns gnäSeel nicht zu, laß uns schlafen diglich und rechn es unsrer mit Fried und Ruh. Wacht bestell, daß uns der 4. Durch dein Engel die böse Feind nicht fäll; vor Schrecken, Angst und Feuersnoth behüt uns heut, o lieber Gott! Nikolaus Hermann, † 1561. Mel. Nun laßt uns den Leib 2c. 466. Jeſu, treuſter Heiland mein, ich geh in mein Schlaffämmerlein; ich will mich legen in die Ruh, schleuß du die Thür selbst nach mir zu. 2. Verzeih mein Sünd aus Gnaden mir, schädliche Träum treib all von hier, breit über die Engel um das Haus. mich dein Flügel aus, so stehn Wassersnoth, vor einem böſen 3. Behüt vor Feur und schnellen Tod; vor allem Uebel und Gefahr mich und all fromm Christen bewahr. 4. Wenn ich nun schlaf, wach du für mich, treib alles Unglück hinter sich; laß mich 50's Abendlieder. zu deinem Lob aufstehn und fröhlich an mein Arbeit gehn. Mel. O Jesu Chrift, meins Lebens zc. 467. Wir danken dir, Herr Jesu Christ, daß du unser Erlöser bist, uns b'hütet haft vor aller G'fahr durch deiner lieben Engel Schaar. 2. Wir gehn nun, Herr, zu unsrer Ruh, o rechn es unsrer Seel nicht zu, was wir leider! gesündigt han, vergib uns alls, o Gottes Sohn! 3. Laß dein Engel stets bei uns seyn, die uns allzeit bewahren fein, daß der Teufel bab feine Macht an uns weder zu Tag noch Nacht. 4. Vor Feuer, Seeln- und Leibesnoth behüt uns, lieber Herre Gott; in deinem Namen schlaf'n wir ein, hilf uns, dein armen Kindelein. 5. Es g'scheh, wie's fann, wir sind ja dein, erworb'n durch dein fünf Wunden rein; dir leben wir, dir sterben wir, dein Kindlein sind wir für und für. 6. Amen, Amen! zu guter Nacht, der Engel Gottes uns bewacht; Gott Lob und Dank in Ewigkeit, wir gehn zur Ruh ohn alles Leid. 329 Nik. Selnecker, geb. 1532,+ 1592. was sie soll, auf diesen Tag vollendet; die dunkle Nacht dringt allenthalben zu, bringt Mensch und Thier und alle Welt zur Ruh, 2. Ich preise dich, du Herr der Nächt und Tage, daß du mich heut vor aller Noth und Plage durch deine Hand und hochberühmte Macht hast unverletzt und frei hindurch gebracht. 3. Vergib, wo ich bei Tage so gelebet, daß ich nach dem, was finster ist, gestrebet; laß alle Schuld durch deinen Gnadenschein in Ewigkeit bei dir verloschen seyn. 4. Schaff, daß mein Geist dich ungehindert schaue, indem ich mich der trüben Nacht vertraue, und daß der Leib auf diesen schweren Tag sich seiner Kraft fein sanft erholen mag. 5. Vergönne, daß der lieben Engel Schaaren mich vor der Macht der Finsternig bewahren, auf daß ich vor der List und Tyrannei der argen Feind im Schlafe sicher sey. 6. Herr, wenn mich wird die lange Nacht bedecken und in die Ruh des tiefen Grabs verstecken, so blicke mich mit deinen Augen an, daraus ich Licht im Tode nehmen kann. Eigne Melodie. 7. Und laß hernach zugleich mit allen mich zu 468. Die sonn hat sich dem Glanz des andern Lebens mit ihrem Glanz gewendet und, kommen, da du uns hast den 330 Abendlieder. großen Tag bestimmt, dem feine Nacht sein Licht und Klarheit nimmt. Jofua Stegmann, geb. 1588,+ 1632. Eigne Melodie. 469. Der Tag mit ſeinem Lichte fleucht hin und wird zu nichte; die Nacht kommt angegangen, mit Ruhe zu umfangen den matten Erdenkreis. Der Tag der ist geendet; mein Herz zu dir sich wendet, der Tag und Nacht geschaffen zum Wachen und zum Schlafen, will singen deinen Preis. 2. Wohlauf, wohlauf, mein Psalter, erhebe den Erhalter, der mir an Leib und Seelen viel mehr, als ich kann zählen, hat heute Guts gethan. All Augenblick und Stunden hat sich gar viel gefunden, womit er sein Gemüthe und unerschöpfte Güte mir klar gezeiget an. 3. Gleichwie des Hirten Freude, ein Schäflein an der Weide, sich unter seiner Treue ohn alle Furcht und Scheue ergößet in dem Feld und sich mit Blumen füllet, den Durst mit Quellen stillet, so hat mich heut geführet, mit manchem Gut gezieret der Hirt in aller Welt. 4. Gott hat mich nicht verlassen; ich aber hab ohn Maßen mit Sünmich nicht gescheut, den und Ünrecht zu entzünden das treue Vaterherz. Ach, Vater, laß nicht brennen den Eifer, noch mich trennen von deiner Hand und Seiten; mein Thun und Ueberschreiten erweckt mir Reu und Schmerz. 5. Erhöre, Herr, mein Beten, und laß mein Uebertreten zur Rechten und zur Linken ins Meeres Tiefe sinken und ewig untergehn. Laß aber, laß dagegen sich deine Engel legen um mich mit ihren Waffen; mit dir will ich entschlafen, mit dir auch auferstehn. 6. Darauf so laß ich nieder mein Haupt und Augenlieder, will ruhen ohne Sorgen, bis daß der güldne Morgen mich wieder munter macht. Dein Flügel wird mich decken, so wird mich nicht erschrecken der Feind mit tausend Listen, der mich und alle Christen verfolget Tag und Nacht. 7. Ich lieg bier oder stehe, ich siß auch oder gehe, so bleib ich dir ergeben, und du bist auch mein Leben, das ist ein wahres Wort. Was ich beginn und mache, ich schlaf ein oder wache, wohn ich als wie im Schlosse in deinem Arm und Schoße, bin selig hier und dort. Paul Gerhardt, geb. 1606,+ 1676. Mel. O Welt, ich muß dich: c. 470. Nun ruhen alle Wälder, Vieh, Menschen, Abendlieder. Städt und Felder, es schläft die ganze Welt; ihr aber, meine Sinnen, auf, auf! ihr sollt beginnen, was eurem Schöpfer wohlgefällt. 2. Wo bist du, Sonne, blieben? die Nacht hat dich vertrieben, die Nacht, des Tages Feind; fahr hin, ein andre Sonne, mein Jesus, meine Wonne gar hell in meinem Herzen scheint. 3. Der Tag ist nun vergangen; die güldnen Sternlein prangen am blauen Himmelssaal; so, so werd ich auch stehen, wenn mich wird heißen gehen mein Gott aus diesem Jammerthal. 5. Das Haupt, die Füß und Hände sind froh, daß nun zum Ende die Arbeit kommen sey. Herz, freu dich, dir sollst werden vom Elend dieser Erden und von der Sünden Arbeit frei. 331 7. Mein Augen stehn verdrossen, im Nu sind sie verschlossen, wo bleibt dann Leib und Seel? Nimm sie zu deinen Gnaden, sey gut für allen Schaden, du Aug und Wächter Ifrael. 8. Breit aus die Flügel beide, o Jesu, meine Freude, und nimm dein Küchlein ein. Will Satan mich verschlingen, so laß die Englein singen: dieß Kind soll unverleßet seyn. 4. Der Leib der eilt zur Ruhe, legt ab das Kleid und Schuhe, das Bild der SterbEigne Melodie. lichkeit; die zieh ich aus, da- 471. Werde munter, gegen wird Christus mir anlegen den Rock der Ehr und Herrlichkeit. ihr 6. Nun geht, ihr matten Glieder, geht, geht und legt euch nieder, der Betten begehrt; es kommen Stund und Zeiten, da man euch wird bereiten zur Ruh ein Bettlein in der Erd. 9. Auch euch, ihr meine Lieben, soll heute nicht betrüben kein Unfall noch Gefahr; Gott laß euch ruhig schlafen, stell euch die güldnen Waffen ums Bett und seiner Helden Schaar. Paul Gerhardt, geb. 1606, † 1676. mein Gemüthe, und ihr Sinne, geht herfür, daß ihr preiſet Gottes Güte, welch er hat gethan an mir, als er mich den ganzen Tag vor so mancher schweren Plag durch sein gnadenreiches Walten hat beschüßet und erhalten. 2. Lob und Dank sey dir gesungen, Vater der Barmherzigkeit, daß mir ist mein Werk gelungen, daß du mich vor allem Leid und vor Sünden mancher Art so getreulich haft bewahrt, auch die Feinde weggetrieben, daß ich unbeschädigt blieben. 332 Abendlieder. 3. Keine Klugheit kann verstehen deine Güt und Wunderthat; ja kein Menschenkind kann sehen, was dein Hand erwiesen hat; deiner Wohlthat ist zu viel, sie hat weder Maß noch Ziel; Herr, du hast mich so geführet, daß fein Unfall mich berühret. 4. Herr, verzeihe mir aus Gnaden alle Sünd und Missethat, die mein armes Herz beladen und so sehr vergiftet hat; treibe Satans List und Tück, Gott, durch deine Macht zurück. Du alleine kannst mich retten, strafe nicht mein Uebertreten. 5. Bin ich gleich von dir gewichen, stell ich mich doch wieder ein; denn dein Sohn hat ausgeglichen mein Vergehn durch seine Pein. Ich verläugne nicht die Schuld; aber deine Gnad und Huld ist viel größer als die Sünde, die ich täglich in mir finde. 6. O du Licht der frommen Seelen, o du Glanz der Ewigfeit, dir will ich mich ganz befehlen diese Nacht und allezeit. Bleibe doch, mein Gott, bei mir, weil es nunmehr dunfelt schier; tröste mich mit deiner Liebe, daß fein Unfall mich betrübe. 7. Laß mich diese Nacht empfinden eine sanft und süße Ruh, alles Uebel laß verschwinden, decke mich mit Segen zu; Leib und Seele, Muth und Blut, Weib und Kinder, Hab und Gut, Freunde, Feind und Hausgenossen seind in deinen Schuß geschlossen. 8. Ach, bewahre mich vor Schrecken, schüße mich vor Ueberfall; laß mich Krankheit nicht aufwecken, halte fern des Krieges Schall, wend ab Feur- und Wassersnoth, Pestilenz und schnellen Tod; laß mich nicht in Sünden sterben, noch an Leib und Seel verderben. 9. D du großer Gott, erhöre, was dein Kind gebeten hat; Jesu, den ich stets verehre, bleibe du mein Schuß und Rath; und mein Hort, du werther Geist, der du Freund und Tröster heißt, höre doch mein sehnlich Flehen! Amen, ja, das soll geschehen. Johann Rift, geb. 1607, † 1667. Eigne Melodie. 472. Mit meinem Gott geh ich zur Ruh und thu in Fried mein Augen zu; ach Gott ins Himmels Throne, über uns wach bei Tag und Nacht, auf daß ich sicher wohne. 2. Ich ruf zu dir, Herr Jesu Christ, der du allein mein Helfer bist, laß kein Leid widerfahren, durch durch deinen Schuß vors Teufels Truß dein Engel uns bewahren. 3. Bestehl du deinen Enge Abendlieder. lein, daß sie stets um und bei uns seyn, all Uebel von uns wende. Gott heilger Geist, dein Hülf uns leist an unserm letzten Ende. Mel. Herr Jesu Christ, meins 2c.. 473. Gott Lob! Der Tag ist nun dahin, drum ich, mein Gott, dir dankbar bin, daß ich den Abend hab erlebt, und deine Gnad ob mir auch schwebt. 2. Ach, Herr, sey gnädig, hab Geduld, vergib mir alle Sündenschuld; dein heilger Engel mich bewahr vor aller Angst, Noth und Gefahr. 3. Laß mich auch mit der Morgenstund aufwachen fröhlich und gesund, daß ich, Herr, deine Ehr ausbreit und dich dort lob in Ewigkeit. Mel. Werde munter, mein 2c. 474. Unire müden Augen lieder schließen sich jetzt schläfrig zu, und des Leibes matte Glieder grüßen schon die Abendruh; denn die dunkle, finstre Nacht hat des hellen Tages Pracht in der tiefen See verdecket und die Sterne aufgestecket. 2. Ach bedenk, eh du gehst schlafen, du, o meines Leibes Gast, ob du den, der dich erschaffen, heute nicht erzürnet bast? Thu, ach thu bei Zeiten Buß, ach geh und fall ihm zu 333 Fuß und bitt ihn, daß er aus Gnaden dich der Strafe woll entladen. 3. Sprich: Herr, dir ist unverhohlen, daß ich diesen Tag vollbracht anders, als du mir befohlen, ja ich habe nicht bedacht des Berufes schmalen Steg, deinen vorgeschriebnen Weg, sondern dich, mein Gott, verlassen, bin gefolgt der Wolluft Straßen. 4. Ach, Herr, laß mich Gnad erlangen, gib mir nicht verdienten Lohn; laß mich deine Hut umfangen, sich an deinen lieben Sohn, der für mich genug gethan; Vater, nimm den Bürgen an! Dieser hat für mich erduldet, was mein Unart hat verschuldet. 5. Laß mich, Herr, von dir nicht wanken, in dir schlaf ich fanft und wohl; gib mir heilige Gedanken, und bin ich gleich Schlafes voll, so laß doch den Geist in mir zu dir wachen für und für, bis die Morgenröth angehet, und man von der Ruh aufstehet. 6. Vater droben in der Höhe, dein Nam sey bei uns stets werth; dein Reich komm, dein Will geschehe, unser Brod werd uns beschert, und vergib uns unsre Schuld, schenk uns deine Gnad und Huld, laß uns nicht Versuchung tödten, hilf uns, Herr, aus allen Nöthen. Johann Franck, geb. 1618, † 1677. 334 Abendlieder. Eigne Melodie. gehn, dir will ich mich befehlen; du wirst, mein Schutzherr, 475. Der lieben Sonne auf mich sehn zum Beſten meiner Seelen. Ich fürchte keine Noth, auch selbsten nicht den Tod; denn wer mit Jesu schlafen geht, mit Freuden wieder aufersteht. Licht und Pracht hat nun den Tag vollführet; die Welt hat sich zur Ruh gemacht; thu, Seel, was dir gebühret: tritt an die Himmelsthür und bring ein Lied herfür; laß deine Augen, Herz und Sinn auf Jesum seyn gerichtet hin. 2. 3hr hellen Sterne, leuch tet wohl und gebet eure Strahlen; ihr macht die Nacht des Lichtes voll: doch noch zu tausendmalen scheint heller in mein Herz die ewge Himmelsferz, mein Jesus, meiner Seele Ruhm, mein Schuß, mein Schap, mein Eigenthum. 3. Der Schlaf zwar herrschet in der Nacht bei Menschen und bei Thieren; doch Einer ist, der droben wacht, bei dem fein Schlaf zu spüren. Es schlummert, Jesu, nicht dein Aug auf mich gericht; drum soll mein Herz auch wachend seyn, daß Jesus wache nicht allein, 4. Verschmähe nicht dieß arme Lied, das ich dir, Jesu, finge; in meinem Herzen ist kein Fried, bis ich es zu dir bringe. Ich bringe, was ich kann, ach nimm es gnädig an; es ist doch herzlich gut gemeint, o Jesu, meiner Seelen Freund! 5. Mit dir will ich zu Bette 6. Ihr Höllengeister, packet euch, hier habt ihr nichts zu schaffen; dieß Haus gehört in Jesu Reich, laßt es nur sicher schlafen. Der Engel starfe Wacht hat es in guter Acht, ihr Heer und Lager hälts im Schuß; drum sey auch allen Teufeln Truß! 7. So will ich denn nun schlafen ein, Jesu, in deinen Armen; dein Aufsicht soll die Decke seyn, mein Bette dein Erbarmen; mein Schirm sey deine Brust, mein Traum die süße Lust, die aus dem Wort des Lebens sleußt und dein Geist in mein Herz ergeußt. 8. So oft die Nacht mein Ader schlägt, soll dich mein Geist umfangen; so vielmal sich mein Herz bewegt, soll dieß seyn mein Verlangen, daß ich mit lautem Schall mög rxfen überall: o Jesu, Jeſu, du bist mein, und ich auch bin und bleibe dein. rk9. Nun, matter Leib, gib dich zur Ruh und schlaf fein sanft und stille; ihr müden Augen, schließt euch zu, denn das ist Gottes Wille; schließt Abendlieder. aber dieß mit ein: Herr Jesu, ich bin dein! so ist der Schluß recht wohl gemacht. Nun, Jesu, Jesu, gute Nacht! 8. Soll diese Nacht die lette seyn in diesem. Jammerthal, so führ mich, Herr, in Himmel ein zur auserwählten Zahl. Christian Scriver, geb. 1629, † 1693. Eigne Melodie. 9. Und also leb und sterb 476. Nun sich der Tag ich dir, du starker Zebaoth! geendet hat, und keine Sonn mehr scheint, schläft alles, was sich abgematt, und was zuvor geweint. Im Tod und Leben hilfst du mir aus aller Angst und Noth. Joh. Friedr. Herzog, geb. 16-17, † 1699. Mel. Werde munter c. 2. Nur du, mein Gott, haft 477. Herr, es ist von meifeine Rast, du schläfst noch schlummerst nicht; die Finsterniß ist dir verhaßt, weil du bist selbst das Licht. nem Leben wiederum ein Tag dahin; lehre mich nun Achtung geben, ob ich fromm gewesen bin; zeige mir auch selber an, so ich was nicht recht gethan, und hilf jetzt in allen Sachen guten Feierabend machen. 3. Gedenke, Herr, doch auch an mich in dieser finstern Nacht, und schenke du mir gnädiglich den Schirm von deiner Wacht. 4. Zwar fühl ich wohl der Sünden Schuld, die mich bei dir klagt an; doch aber deines Sohnes Huld hat gnug für mich gethan. 5. Den seß ich dir zum Bürgen ein, wenn ich soll vors Gericht; ich kann ja nicht verloren seyn in solcher Zuversicht. 335 nem Sinn Gott einen Tempel auf. 6. Drauf thu ich meine Augen zu und schlafe fröhlich ein; mein Gott wacht jetzt in meiner Ruh, wer wollte traurig seyn? 2. Freilich wirst du manches finden, was dir nicht gefallen hat; denn ich bin noch voller Sünden in Gedanken, Wort und That, und zu jeder Tagesstund pfleget Herz und Hand und Mund so geschwind und oft zu fehlen, daß ichs selber nicht kann zählen. 3. Aber, o du Gott der Gnaden, habe noch einmal Geduld. Ich bin freilich schwer beladen; doch vergib mir alle Schuld. Deine große Vatertreu werde diesen Abend neu; so will ich noch deinen Willen 7. Weicht, nichtige Gedan- künftig mehr als heut erfüllen. fen, hin, wo ihr habt euern 4. Heilige mir das GeLauf! Ich baue jeßt in mei- müthe, daß der Schlaf nicht 336 Abendlieder. sündlich sey; decke mich mit dei ner Güte, auch dein Engel steh mir bei. Lösche Feur und Lichter aus, und bewahre du das Haus, daß ich morgen mit den Meinen nicht im Unglück dürfe weinen. 5. Steure den gottlosen Leuten, die im Finstern Böses thun. Sollte man gleich was bereiten, uns zu schaden, wenn wir ruhn, so zerstöre du den Rath und verhindere die That; wend auch allen andern Schrecken, den die Bosheit kann erwecken. 6. Herr, dein Auge geht nicht unter, wenn es bei uns Abend wird; denn du bleibest ewig munter und bist wie ein guter Hirt, der auch in der finstern Nacht über seine Heerde wacht. Darum hilf uns, deinen Schafen, daß wir alle sicher schlafen. 7. Laß mich denn gesund erwachen, wenn es rechte Zeit wird seyn, daß ich ferner meine Sachen richte dir zu Ehren ein; oder hast du, lieber Gott, heut bestimmet meinen Tod, so befehl ich dir am Ende Leib und Seel in deine Hände. Caspar Neumann, geb. 1648, † 1715. Mel. Mein Herzens- Jesu c. 478. Gott Lob! Ein Schritt zur Ewigkeit ist aber mals vollendet; zu dir im Fortgang dieser Zeit mein Herz sich sehnlich wendet, oQuell, daraus mein Leben fleußt, und alle Gnade sich ergeußt in meine Seel zum Leben. 2. Ich zähle Stunden, Tag und Jahr, und wird mir allzulange, bis es erscheine, daß ich gar, o Leben, dich umfange, damit, was sterblich ist in mir, verschlungen werde ganz in dir, und ich unsterblich werde. 3. O daß du selber kämest bald, ich zähl die Augenblicke; ach, komm, eh mir das Herz erfalt und sich zum Sterben schicke. Komm doch in deiner Herrlichkeit! Schau, deine Braut hat sich bereit; die Lampen sind geschmücket. 4. Doch sey dir ganz anheimgestellt die rechte Zeit und Stunde, wiewohl ich weiß, daß dirs gefällt, daß ich mit Herz und Munde dich kommen heiße und darauf von nun an richte meinen Lauf, daß ich dir komm entgegen. 5. Ich bin vergnügt, daß mich nichts kann von deiner Liebe trennen, und daß ich frei vor Jedermann dich darf den Bräutgam nennen, und du, theurer Lebensfürst, dich dort mit mir vermählen wirst und mir das Erbe schenken. 0 6. Drum vreis ich dich aus Dankbarkeit, daß sich der Tag geendet, und also auch von dieser Zeit ein Schritt nochmals vollendet, und schreite Abendlieder. hurtig weiter fort, bis ich gelange an die Pfort Jerusalems dort oben. 7. Wenn auch die Hände lässig sind, und meine Kniee wanken, so biet mir deine Hand geschwind in meines Glaubens Schranken, damit durch deine Kraft mein Herz sich stärke, und ich himmelwärts ohn Unterlaß aufsteige. 8. Geh, Seele, frisch im Glauben dran und sey nur unerschrocken; laß dich nicht von der rechten Bahn die Lust der Welt ablocken; so dir der Lauf zu langsam deucht, so eile, wie ein Adler fleugt, mit Flügeln süßer Liebe. 9. O Jesu, meine Seele ist zu dir schon aufgeflogen; du hast, weil du voll Liebe bist, mich ganz zu dir gezogen. Fahr hin, was heißet Stund und Zeit! Ich bin schon in der Ewigkeit, weil ich in Jeſu lebe, Mug. Herm. Frande, geb. 1663, 1727. Mel. O Traurigkeit zc. 479. Der Tag ist hin, mein Geist und Sinn sehnt sich nach jenem Tage, der uns völlig machen wird frei von aller Plage. 2. Die Nacht ist da, sev du mir nah, Jefu, mit bellen Ker zen; treib der Sünden Dunkelheit weg aus meinem Herzen. 3. Der Sonnen Licht uns 337 jeßt gebricht; o unerschaffne Sonne, brich mit deinem Licht hervor mir zur Freud und Wonne. 4. Des Mondes Schein fällt nun herein, die Finsterniß zu mindern; ach, daß nichts Veränderlichs meinen Lauf möcht hindern! 5. Das Sternenheer zu Gottes Ehr am tiefen Himmel flimmert; wohl dem, der in jener Welt gleich den Sternen schimmert. 6. Was sich geregt und vor bewegt, ruht jetzt von seinen Werken; laß mich, Herr, in stiller Ruh dein Werk in mir merken. 7. Ein Jeder will bei solcher Still der süßen Ruhe pflegen; laß die Unruh dieser Zeit, Jeſu, bald sich legen. 8. Wann aber soll der Wechsel wohl der Tag und Nächte weichen? wann der Tag anbrechen wird, dem kein Tag zu gleichen. 9. In jener Welt, da dieſe fällt, die Zion noch macht weinen, soll noch heller siebenmal Mond und Sterne scheinen. 10. Alsdann wird nicht der Sonnen Licht Jerusalem verlieren; denn das Lamm ist selbst das Licht, das die Stadt wird zieren. 11. Halleluja! o wär ich da, da alles lieblich klinget, 22 Abendlieder. 338 da man ohn Abwechselung Heilig, Heilig! singet. 12. O Jesu du, mein Hülf und Ruh, laß mich dahin gelangen, daß ich mög in deinem Glanz vor dir ewig prangen. Joh. Anaft. Freylinghausen, geb. 1670, † 1739. Mel. Jesu, meine Freude 2c. 480. Sirte deiner Schafe, der von keinem Schlafe etwas wissen mag, deine Wundergüte war mein Schild und Hüte den vergangnen Tag; sey die Nacht auch auf der Wacht, und laß mich von deinen Schaaren um und um bewahren. 2. Decke mich von oben vor der Feinde Toben mit der Vaterhuld; ein versöhnt Gewissen mein drum vergib die Schuld. Denn dein Sohn hat mich davon durch die tiefgeschlagnen Wunden gnädiglich entbunden. 3. Laß auch meine Lieben keine Noth betrüben; sie sind mein und dein. Schließ uns mit Erbarmen in den Vaterarmen ohne Sorgen ein. Du bei mir, und ich bei dir; also sind wir ungeschieden, und ich schlaf in Frieden. 4. Komm, verschließ die Kammer und laß allen Jammer ferne von uns seyn. Sey du Schloß und Riegel; unter deine Flügel nimm dein Küchlein ein! Deck uns zu mit Schuß und Ruh, so wird uns kein Grauen wecken, noch der Feind uns schrecken. 5. Wie, wenn ich mein Bette heut zum Grabe hätte? wie bald roth, bald todt? Drum hast du beschlossen, daß mein Ziel verflossen, kommt die Todesnoth, so will ich nicht wider dich; hab ich Jesum nur gefunden, sterb ich alle Stunden. 6. Nun wohlan, ich thue in getroster Ruhe meine Augen zu. Seele, Leib und Leben hab ich dir ergeben, treuer Hüter du! Gute Nacht! nimm mich in Acht, und erlebe ich den Morgen, wirst du weiter ſorgen. Benj. Schmold, geb. 1672, † 1737. mel. Die Sonn hat sich mit 2c. 481. Der Abend kommt, die Sonne sich verdecket, und alles sich zur Ruh und Stille strecket. O meine Seel, merk auf, wo bleibest du? In Gottes Schoß, sonst nirgends hast du Ruh. 2. Der Wandersmann legt sich ermüdet nieder; das Vöglein fleugt zu seinem Neste wieder; die Schäflein ziehn in ihre Hürden ein; laß mich zu dir, mein Gott, gefehret seyn! 3. Ach, sammle selbst Begierden und Gedanken, die noch so leicht aus Schwachheit von dir wanken; mein Ruhe Abendlieder. plaß und Heimath, thu dich auf, daß ich in dir beschließe meinen Lauf. 4. Recht väterlich hast du mich heut geleitet, bewahrt, verschont, gestärket und geweidet; ich bins nicht werth, daß du so gut und treu; mein Alles dir zum Dank ergeben sey! 5. Vergib es, Herr, wo ich mich heut verirret und mich zu viel durch dieß und das verwirret! Es mir leid, es soll nicht mehr geſchehn; nimm mich nur ein, so werd ich fefter stehn. 6. Da nun der Leib sein Tagwerk hat vollendet, mein Geist sich auch zu seinem Werke wendet, zu beten an, zu lieben inniglich, im stillen Grund, mein Gott, zu schauen dich. 7. Die Dunkelheit ist da, und alles schweiget; mein Geist vor dir, o Majestät, sich benget. Ins Heiligthum, ins Dunkel kehr ich ein; Herr, rede du, laß mich ganz stille seyn. 8. Mein Herz sich dir zum Abendopfer schenket; mein Wille sich in dich gelassen senfet. Begierden, schweigt! Vernunft und Sinnen, still! mein müder Geist im Herrn jetzt ruhen will. 9. Dem Leib wirst du bald seine Ruhe geben; laß nicht den Geist zerstreut in Unruh 339 schweben! Mein treuer Hirt, führ mich in dich hinein, in dir, mit dir kann ich vergnüget seyn. 10. Im Finstern sey des Geistes Licht und Sonne, im Kampf und Kreuz mein Beistand, Kraft und Wonne; deck mich bei dir in deiner Hütte zu, bis ich erreich die volle Sabbathsruh. Gerh. Tersteegen, geb. 1697, † 1769. mel. O Welt, ich muß dich 2c. 482. Nun sich der Tag geendet, mein Herz zu dir fich wendet und danket inniglich; dein holdes Angesichte zum Segen auf mich richte, erleuchte und entzünde mich. 2. Ich schließe mich aufs Neue in deine Vatertreue und Schutz und Herze ein; die fleischlichen Geschäfte und alle finstern Kräfte vertreibe durch dein Naheseyn. 3. Daß du mich herzlich liebest, daß du mich stets umgibest und rufft zu dir hinein, daß du vergnügst alleine so wesentlich und reine, laß allezeit mir heilig seyn. 4. Ein Tag der sagts dem andern, mein Leben sey ein Wandern zur großen Ewigfeit. Ewigkeit, du schöne, mein Herz an dich gewöhne! mein Heim ist nicht in dieſer Zeit. 22* 340 Abendlieder. Eigne Melodie. 483. Mein Auge wacht jetzt in der stillen Nacht; nun ist mein Herz bedacht, dich, Gott, zu loben. Ach, schenke mir Kraft, zu lobsingen dir mit deinen Heilgen hier und denen droben. 2. Die stille Zeit sey, Jesu, dir geweiht; laß nichts die Einsamkeit vor dir entweihen. Schleuß selber du mein Herz vor allem zu, damit es sich in Ruh mög in dir freuen. 3. Wie preis ich dich, mein Jesu, daß du mich aus Gnaden kräftiglich zu dir gezogen! Ach, hätte doch mit größrer Trene noch sich deinem sanften Joch mein Herz gebogen. 4. O Gott voll Huld, du trägst mich mit Geduld, vergabst so oft die Schuld, als ich dich flehte; und dann ſprachst du mir wieder freundlich und schenktest süße Ruh mir im Gebete. zu 5. Herr, ich bin dein und will es ewig seyn; ach, zeuch mich ganz hinein, daß ich nicht wanke. Wann kommt die Zeit, daß ich dir ganz geweiht, zum heilgen Schmuck bereit, als Sieger danke? 6. Doch deine Gnad, die angefangen hat, wird auch nach deinem Rath das Werk vollenden. Ich trau es dir; ach, stärk den Glauben mir; ich laß mich für und für nur deinen Händen. 7. Mein einzges Gut, in dem mein Sehnen rüht, du machst mich wohlgemuth in deiner Liebe; o hauche dann den Funken stärker an, daß ich dich lieben kann mit mächtgem Triebe. 8. Beim Sturm der Welt sey Anker, der mich hält, und birg mich in dein Zelt, wenn alles zaget; in Noth und Pein nimm mich, o Liebe, ein, so harr ich kindlich dein, bis daß es taget. 9. Preis, Lob und Ehr sey dir je mehr und mehr, Jehova hoch und hehr, in Jesu Namen, im Staube hie oft unter Streit und Müh, und einst in Harmonie der Engel. Amen! Gerh. Tersteegen, geb. 1697,+ 1769. mel. Mit meinem Gott geh ich zc. 484. Für alle Güte sey ſey gepreist, Gott, Vater, Sohn und heilger Geist! Ihr bin ich zu geringe. Vernimm den Dank, den Lobgesang, den ich dir kindlich singe. 2. Du nahmst dich meiner herzlich an, hast Großes heut an mir gethan, mir mein Gebet gewähret, hast väterlich mein Haus und mich beschüßet und genähret. 3. Herr, was ich bin, ist dein Geschenk; der Geist, mit dem ich dein gedenk, ein ruhiges Abendlieder. Gemüthe, was ich vermag bis diesen Tag, ist alles deine Güte. 4. Sey auch nach deiner Lieb und Macht mein Schutz und Schirm in dieser Nacht; vergib mir meine Sünden. Und fommt mein Tod, Herr Zebaoth, so laß mich Gnade finden. Chrifti. Fürchteg. Gellert, geb. 1715,+ 1769. Mel. O Welt, ich muß dich sc. 485. Herr, der du mir das Leben bis diesen Tag gegeben, dich bet ich findlich an. Ich bin viel zu geringe der Treue, die ich singe, und die du heut an mir gethan. 2. Mit dankendem Gemüthe freu ich mich deiner Güte; ich freue mich in dir. Du gibst mir Kraft und Stärke, Gedeihn zu meinem Werke, und schaffst ein reines Herz in mir. 3. Gott, welche Ruh der Seelen, nach deines Worts Befehlen einher im Leben gehn, auf deine Güte hoffen, im Geist den Himmel offen und dort den Preis des Glaubens sehn! 4. Ich weiß, an wen ich glaube, und nahe mich im Staube zu dir, o Gott, mein Heil. Ich bin der Schuld entladen; ich bin bei dir in Gnaden, und in dem Himmel ist mein Theil. 5. Bedeckt mit deinem Se341 gen eil ich der Ruh entgegen; dein Name sey gepreist! Mein Leben und mein Ende ist dein; in deine Hände befehl ich, Vater, meinen Geist. Chrifti. Fürchteg. Gellert, geb. 1715, † 1769. And Zum Wochenschluß. Mel. Erhalt uns, Herr, bei zc. 486. Gott Lob! die Woch ist auch dahin; drum ich dir billig dankbar bin, daß ich die Zeit hab überlebt, und deine Gnad noch ob mir schwebt. 2. Gott Lob für seine Güt und Treu, die mir ist alle Morgen neu, der mir beisteht durch seine Kraft, der mir Trost, Rath und Hülfe schafft. 3. Was ich verfehn, vergib, mein Gott, durch deines Sohns Kreuz, Hohn und Spott; gib ferner Segen, Fried und Freud und endlich deine Seligkeit. 4. Ebr sev dem Vater und dem Sohn, dem heilgen Geist in Einem Thron; der heiligen Dreieinigkeit sey Lob und Preis in Ewigkeit. Joh. Olearius, geb. 1611, † 1684. Mel. Wer nur den lieben 2c. 487. So ist die Woche nun geschlossen, doch, treuer Gott, dein Herze nicht; wie sich dein Segensquell ergoffen, so bin ich noch der Zuversicht, daß er sich weiterhin ergießt 342 Abendlieder. und unaufhörlich auf mich fließt. 2. Ich preise dich mit Hand und Munde; ich lobe dich, so hoch ich kann; ich rühme dich von Herzensgrunde für alles, was du mir gethan, und weiß, daß dir durch Jesum Christ mein Dank ein süßer Weihrauch ist. 3. Hat mich bei meinen Wochentagen das liebe Kreuz auch mit besucht, so gibst du auch die Kraft, zu tragen; zudem es ist voll Heil und Frucht durch deine Liebe, Herr, zu mir, und darum dank ich dir dafür. 4. Nur Eines bitt ich über alles; ach, du versagst mir solches nicht: gedenke feines Sündenfalles, weil mich mein Jesus aufgericht, mein Jesus, der die Missethat auf ewig schon gebüßet hat. 5. Dein Schwur ist ja noch nicht gebrochen; du brichst ihn nicht in Ewigkeit, da du dem Sünder hast versprochen, daß er, wenn ihm die Sünd ist leid, nicht sterben, sondern gnadenvoll, als ein Gerechter, leben soll. 6. Mein Glaube hält an diesem Segen, und so will ich den Wochenschluß vergnügt und froh zurückelegen, da mich der Trost erheben muß, daß ich in Christo solle dein und schon in Hoffnung selig seyn. 7. Doch da mein Leben zugenommen, so bin ich auch der Ewigkeit um eine Woche näher kommen, und warte nun der letzten Zeit, da du die Stunde hast bestimmt, die mich zu dir in Himmel nimmt. 8. Und wenn ich morgen früh aufs Neue den Sonntag wieder sehen kann, so blickt die Sonne deiner Treue mich auch mit neuen Gnaden an; ach ja! da theilt dein Wort und Haus den allerbesten Segen aus. 9. So will ich das im Vorauspreisen, was du mir fünftge Woche gibst; du wirst es in der That beweisen, daß du mich je und immer liebst, und leitest mich nach deinem Rath, bis Leid und Zeit ein Ende hat. Erdmann Neumeister, geb. 1671, † 1756. Conntagsabendlied. Mel. Nun sich der Tag geendet hat c. 488. Nun bricht die finstre Nacht herein, des Tages Glanz ist todt; jedoch, mein Herz, schlaf noch nicht ein, geh, rede vor mit Gott. 2. O Gott, du großer Herr der Welt, den Niemand sehen kann, du stehst ja mich in deis nem Zelt, hör auch mein Seuf zen an. zen an. 3. Der Tag, den ich nunmehr vollbracht, der war be Abendlieder. sonders dein; drum hätt er auch bis in die Nacht dir sollen heilig seyn. 4. Vielleicht ist dieses nicht denn ich bin und Blut, und pfleg es öfters zu versehn, wenn gleich der Wille gut. 5. Nun such ich deinen Gnadenthron, sich meine Schuld nicht an, und denke, daß dein lieber Sohn für mich genug gethan. 6. Schreib alles, was man heut gelehrt, in unsre Herzen ein, und lasse die, so es gehört, dir auch gehorsam seyn. 7. Erhalte ferner noch dein Wort, und thu uns immer wohl, damit man stets an die sem Ort Gott diene, wie man foll. 8. Indessen such ich meine Ruh; o Vater, steh mir bei und gib mir deinen Engel zu, daß er mein Wächter sey. 9. Gib Allen eine gute Nacht, die heute recht gelebt, und beßre den, der unbedacht hat wider dich gestrebt. 10. Woferne dir mein Thun gefällt, so hilf mir morgen auf, daß ich noch ferner in der Welt vollbringe meinen Lauf. 11. Und endlich führe, wenn es Zeit, mich in den Himmel ein; da wird in deiner Herr343 lichkeit mein Sabbath ewig seyn. Caspar Reumann. geb. 1648,+ 1715. mel. D Welt, ich muß dich laffen 2c. 489. Der Sabbath ift vergangen, ich habe mein Verlangen nach Herzenswunsch erfüllt; Gott hat mich unterweifet, mit Lebensbrod gespeiset und meiner Seele Durst gestillt. 2. Gott ruht durchs Wort im Herzen; drum leg ich ohne Schmerzen auch meinen Leib zur Ruh; denn allen Sündenschaden deckt Jesus nun in Gnaden mit seinem Purpurmantel zu. 3. O du dreieinigs Wesen mein Geist ist schon genesen. weil ich dein Tempel bin; ich habe Licht vom Lichte, dein Leuchtend Angesichte nimmt alle Finsterniß dahin. 4. Du wirst schon bei mir wachen und eine Sonne machen auch mitten in der Nacht, bis bei den Cherubinen ein Sonntag ist erschienen, der alle Nacht zu Schanden macht. 5. Ich schlafe ganz vergnüget; denn wo mein Herze lieget, da ist der Engel Heer. Mich stört kein Weltgetümmel; es träumt mir nur vom Himmel; ach, wer doch nur bald droben wär! Benj. Schmold, geb. 1672,+ 1737. 344 Haus- und Ehestand. Haus- und Ehestand. Mel. Wo Gott zum Haus zc. 490. Wohl dem, der in Gotts Furchte steht und auch auf seinem Wege geht; dein eigen Hand dich nähren soll, so lebst du recht und geht dir wohl. 2. Dein Weib wird in deim Hause seyn, wie eine Reb voll Trauben fein, und dein KinTrauben fein, und dein Kinder um deinen Tisch, wie Delpflanzen, gesund und frisch. 3. Sieh, so reich Segen hängt dem an, wo in Gotts Furchte lebt ein Mann; von ihm läßt der alt Fluch und Zorn, den Menschenkindern angeborn. 4. Aus Zion wird Gott segnen dich, daß du wirst schauen stetiglich das Glück der Stadt Jerusalem, für Gott in Gnaden angenehm. 5. Fristen wird er das Leben dein und mit Güte stets bei dir seyn, daß du sehen wirst Kindeskind, und daß Ifrael Friede findt. Dr. Martin Luther, geb. 1483,+ 1546. Mel. Wie schön leuchtet zc. dich fleißig halten Jung und Alten, die im Orden eines Lebens einig worden. 2. Wenn Mann und Weib sich wohl begehn und unverrückt beisammen stehn im Bande reiner Treue, da geht das Glück in vollem Lauf, da sieht man, wie der Engel Hauf im Himmel selbst sich freue; fein Šturm, fein Wurm kann zers Gott gibet dem Paar, das in schlagen, kann zernagen, was ihm sich liebet. Herr Jesu Christ, im Stande, da dein Segen ist, im Stande heilger Ehe! Wie steigt und neigt sich deine Gab und alles Gut so mild herab aus deiner beilgen Höhe, wann sich an 3. Der Mann wird einem Baume gleich, an Aesten schön, an Zweigen reich, das Weib gleich einem Reben, der seine Träublein trägt und nährt, und sich je mehr und mehr vermehrt mit Früchten, die da leben; wohl dir, o Zier, Mannessonne, Hauseswonne, Ehrenfrone; Gott denkt dein auf seinem Throne. 4. Seyd gutes Muths! wir sind es nicht, die diesen Orden aufgericht, es ist ein höhrer Vater; der hat uns je und je geliebt und bleibt, wenn unsre 491. Wie schön ists doch, Sorg uns trübt, der beste Freund und Rather; Anfang, Ausgang aller Sachen, die zu machen wir gedenken, wird er wohl und weislich lenken. 5. Zwar bleibts nicht aus, es kömmt ja wohl ein Stünd Haus- und Ehestand. lein, da man Leides voll die Thränen lässet fließen. Jedennoch wer sich in Geduld ergibt, des Leid wird Got des Huld in großen Freuden schließen. Leide, meide nur ein wenig; unser König wird behende machen, daß die Angst sich wende. Paul Gerhardt, geb. 1606,+ 1676. 6. Wohl her, mein König, nah herzu! Gib Rath im Kreuz, in Nöthen Ruh, in Mel. Wo Gott zum Haus 2c. Trost und Freude; des sollt du 493. Wohl einem Haus, haben Ruhm und Preis, wir wollen singen bester Weis und danken alle beide, bis wir bei dir, deinen Willen zu erfüllen, deinen Namen ewig loben werden. Amen! wo Jesus Christ allein das All in Allem ist! Ja, wenn er nicht darinnen wär, wie finster wärs, wie arm und leer! 2. Wohl, wenn der Mann, das Weib, das Kind im rechten Glauben cinig sind, zu dienen ihrem Herrn und Gott nach seinem Willen und Gebot. Mel. Werde munter, mein 2c. 492. Wer den Ehstand will erwählen, daß er ihn bei guter Ruh, ohne Sorge, Gram und Quälen möge glücklich bringen zu, fange es mit Beten an; so ist es recht wohl gethan, und Gott wird es also fügen, daß es beide kann vergnügen. 345 2. Dann ist es wohl angefangen, wenn Gebet und reifer Rath beiderseits vorhergegangen; da verspürt man in der That, daß Gott selbst das Liebesband knüpfet und aus seiner Hand Segen und ein friedlich Leben will dem neuen Paare geben. 3. Dieser Friede, dieser Segen bringet Ehre, Gut und Freud; wo man bleibt auf Gottes Wegen, gibt er auch die Seligkeit. Glücklich geht die Heirath an, wenns heißt: das hat Gott gethan! Gott der hat es so gefüget, daß zwei Herzen sind vergnüget. Joh. Olearius, geb. 1611, † 1684. 3. Wohl, wenn ein solches Haus der Welt ein Vorbild vor die Augen stellt, daß ohne Gottesdienst im Geist das äußre Werk nichts ist und heißt! 4. Wohl, wenn das Räuchwerk im Gebet beständig in die Höhe geht, und man nichts treibet fort und fort, als Gottes Werk und Gottes Wort! 5. Wohl, wenn im äußerlichen Stand mit fleißiger, getreuer Hand ein Jegliches nach seiner Art den Geist der Eintracht offenbart! 6. Wohl, wenn die Eltern gläubig sind, und wenn sie Kind auf Kindeskind versäu Haus- und Ehestand. 346 men nicht am ewgen Glück! Dann bleibet ihrer feins zurück. 7. Wohl solchem Haus, denn es gedeiht; die Eltern werden hoch erfreut, und ihren Kindern sieht mans an, wie Gott die Seinen segnen kann. 8: So mach ich denn zu dieser Stund sammt meinem Hause diesen Bund: wich alles Volf auch von ihm fern, ich und mein Haus stehn bei dem Herrn! Christoph Earl Ludwig von Pfeil, geb. 1712, † 1784. Mel. Schwing dich auf zu ic. 494. Fang dein Werk mit Mel. Wie schön leuchtet 2c. Jeſu an, Jesus hats in Hän- 495. Ich und mein Haus, Beiſtand den; Jesum ruf zum an, Jesus wirds wohl enden. Steh mit Jesu Morgens auf, geh mit Jesu schlafen; führ mit Jesu deinen Lauf, lasse Jesum schaffen. 2. Morgens soll der Anfang seyn, Jesum anzubeten, daß er woll dein Helfer seyn stets in deinen Nöthen. Morgens, Abends und bei Nacht will er stehn zur Seiten, wenn des Satans List und Macht dich fucht zu bestreiten. 4. Wenn denn deine Sach mit Gott also angefangen, o so hat es keine Noth, wirst den Zweck erlangen. Es wird folgen Glück und Heil hier in diesem Leben; endlich wird Dir Gott dein Theil auch im Himmel geben. 5. Nun, Herr Jesu, all mein Sach sey dir übergeben; es nach deinem Willen mach auch im Tod und Leben. All mein Werk greif ich jetzt an, Jesu, in deim Namen, laß es doch seyn wohlgethan! Daraufsprech ich: Amen! 3. Wenn dein Jesus mit dir ist, laß die Feinde wüthen; er wird dich vor ihrer List schüßen und behüten. Seß nur das Vertrauen dein in sein Allmachtshände, und glaub sicher, daß allein er dein Unglück wende. wir sind bereit, dir, Herr, die ganze Lebenszeit mit Šeel und Leib zu dienen. Du sollst der Herr im Hause seyn; gib deinen Segen nur darein, daß wir dir willig dienen. Eine kleine, fromme, reine Hausgemeine mach aus Allen; dir nur soll sie wohlgefallen. 2. Es wirfe durch dein kräftig Wort dein guter Geist stets fort und fort an unser aller Seelen; es leucht uns, wie das Sonnenlicht, damits am rechten Lichte nicht im Hause möge fehlen. Reiche gleiche Seelenspeise auch zur Reise durch dieß Leben uns. die wir uns dir ergeben. 3. Gieß deinen Frieden auf das Haus und Alle, die drin Haus- und Ehestand. wohnen, aus, im Glauben uns Mel. Werde munter, mein 2c. verbinde; laß uns in Liebe 496. Sorge doch für allezeit zum Dulden, Tragen seyn bereit, voll Demuth, sanft und linde. Liebe übejede Seele; Keinem fehle, dran man kennet den, der sich den Deinen meine Kinder, Vater, nimm dich ihrer an; ob sie gleich vor dir sind Sünder, sind sie dir doch zugethan, und durch deines Sohnes Blut gleichwohl wirst du sie aus Gnaden wohl erworbnes darum beschüßen und berathen. 2. Sie sind dir von Kindesnennet. 4. Laß unser Haus gegründet seyn auf deine Gnade ganz allein und deine große Güte. Auch laß uns in der Nächte Graun auf deine treue Hülfe schaun mit kindlichem Gemüthe, felig, fröhlich selbst mit Schmer zen in dem Herzen dir uns lassen und dann in Geduld uns faffen. 5. Gibst du uns irdsches Glück ins Haus, so schließ den Stolz, die Weltlust aus, des Reichthums böse Gäste; denn wenn das Herz an Demuth leer und voll von eitler Weltluft wär, so fehlte uns das Beste: jene schöne, tiefe, stille Gnadenfülle, die mit Schäßen einer Welt nicht zu ersetzen. 6. Und endlich flehn wir allermeist, daß in dem Haus fein andrer Geist, als nur dein Geist regiere. Der ists, der alles wohlbestellt, der gute Zucht und Ordnung hält, der alles lieblich ziere. Sende, sende ihn uns allen, bis wir wallen heim, und oben dich in deinem Hause loben. Carl Johann Phil. Spitta, geb. 1801. 347 # beinen und von ihrer ersten Stund zugeeignet als die Deinen, und durch deinen Gnadenbund hast du sie in ihrer Tauf väterlich genommen auf, daß fie, wenn sie sollten sterben, wären deines Reiches Erben. 3. Du hast sie bisher ernähret und so manchem Unglücksfall mehr als väterlich gewehret, der sie hier und überall hätt in Angst und Noth gestürzt, ja das Leben abgekürzt; aber deine Vatertreue bleibt bei ihnen täglich neue. 4. Sollt ich nicht für solche Güte immer dir verpflichtet seyn und mit dankbarem Gemüthe solchen Glücks- und Segensschein rühmen und für Jedermann deine Wohlthat zeigen an, ach, so müßt ich ganz vermessen Gottes, meines Heils, vergessen. 5. Sammlen Andre große Schäße, suchen in der Welt ihr Heil, daß fie Geld und 348 Gut ergöße, so bist du mein Kindes Fürbitte. einzig Theil. Bleib auch mei- Mel. Mit meinem Gott geh ich zc ner Gott, in keiner Noth und in feinem Kreuz verderben, bis sie endlich selig sterben. Haus- und Ehestand. 6. Schüße sie vor bösen Leuten und vor der Verführer Schaar, daß ihr Fuß nicht möge gleiten; laß sie ihre Lebensjahr in der Gnade bringen zu, bis du sie wie mich zur Ruh wirst ins fühle Grab versenken und die Seligkeit uns schenken. 7. Können sie in diesem Leben hier und, wo es dir gefällt, was zu deiner Ehren geben, so laß in der ganzen Welt ihnen, wo sie immer gehn, deine Furcht vor Augen stehn, daß sie dich im Thun und Lassen stets in ihre Herzen fassen. 8. Gönne mir die große Freude, daß am lieben jüngsten Tag, nach so vielem Kreuz und Leide, ich mit Jauchzen sagen mag: Liebster Bater, ich bin hier und die Kinder, die du mir hast in jener Welt bescheret. Ewig sey dein Nam geehret! suhte nd Ludw. Heinr. Schlosser, geb. 1663, † 1723. 497. S frommer Gott, ich danke dir, daß du so liebe Eltern mir aus Gnaden hast gegeben, und noch zur Zeit sie mir zur Freud erhalten bei dem Leben. 2. Verzeihe mir die Missethat, die dich und sie beleidigt hat, laß mich es nicht entgelten, daß ich, mein Gott, auf dein Gebot geachtet hab so ſelten. 3. Gib mir ein Herz, das dankbar sey und meiner Eltern Eifer scheu, nicht thu, was ihn erreget, auch nimmermehr sich ihrer Lehr aus Bosheit widerleget. 4. Laß oft mir fommen in den Sinn, wie sauer ich der Mutter bin vom Anfang her Bater sich bemühet aller Orten. geworden, und wie für mich der 5. Gib meinen Eltern Fried und Ruh, es decke sie dein Segen zu, hilf ihr Kreuz ihnen tragen, behüte sie doch spat und früh vor Trübsal, Angst und Plagen. 6. Und wenn dahin ist ihre Zeit, so führ sie aus der Sterblichkeit hinauf zum Reich der Ehren; ich bringe dir viel Lob dafür, wenn du mich wirst ers hören. de dive into Freundschaft. Mel. Jesu, meines Lebens 2C. 498. Herr, ich bitte dich, erwähle mir aus aller Menschen Meng eine fromme, heilge Seele, die an dir fein kleb und häng, auch nach deinem Sinn und Geiste mir stets Trost und Hülfe leiste, Trost, der in der Noth besteht, Hülfe, die von Herzen geht. 2. Laß mich Davids Glück erleben, gib mir einen Jonathan, der mir sein Herz möge geben, der auch, wenn nun Jedermann mir nichts Gutes mehr will gönnen, sich nicht lasse von mir trennen, sondern fest in Wohl und Weh als ein Felsen bei mir steh. 3. D wie groß ist meine Habe, o wie köstlich ist mein Gut, Jesu, wenn mit dieser Gabe dein Hand meinen Wil len thut, daß mich meines - Freundschaft. Obrigkeit. Mel. In dich hab ich gehoffet 2c. 499. Der du kannst nichts als gütig seyn, du wollest deiner Güte Schein, o Herr, all denen gönnen, die sich mit Mund und Herzensgrund allein zu dir bekennen. 2. Insonderheit nimm wohl 349 Freundes Treue und beständigs Herz erfreue: wer dich fürchret, liebt und ehrt, dem ist solch ein Schatz beschert. 4. Gute Freunde sind wie Stäbe, da der Menschen Gang sich hält, daß der schwache Fuß sich hebe, wenn der Leib zu Boden fällt. Wehe dem, der nicht zum Frommen solches Stabes weiß zu kommen! der hat einen schweren Lauf; wenn er fällt, wer hilft ihm auf? Obrigkeit. 5. Nun, Herr, laß dirs wohlbis in mein Grab! Bleib gefallen, bleib mein Freund mein Freund, und unter allen mein getreuster, stärkster Stab! Wenn du dich mir wirst verbinden, wird sich schon ein Herze finden, das, durch deinen Geist gerührt, mir was Gutes gönnen wird. Paul Gerhardt, geb. 1606,+ 1676. in Acht den Fürsten, den du des Krone; laß immerzu ſeyn uns gemacht zu unsres LanFried und Ruh auf seinem Stuhl und Throne. 3. Halt unser liebes Vaterland in deinem Schoß und starker Hand, behüt uns allzusammen vor falscher Lehr und 350 Krieg und Friede. Feindes Heer, vor Pest und Feuersflammen. 4. Nimm all der Deinen eben wahr und treib, o Herr, die böse Schaar von Jungen und von Alten, daß deine Heerd hier zeitlich werd und ewig dort erhalten. keit, die deine treue Vaterhand geseget selbst in diesen Stand. 2. Dein guter Geist sie leit und führ und segne ihr Thun für und für, daß sie voll Weisheit und Verstand christlich regiere Leut und Land, 3. Damit wir führen unter ihr ein still, geruhig Leben hier, und dermaleinst mit ihr, mein Hort, bestehen wohl im HimMel. Erhalt uns, Herr, bei 2c. 500. O heilige Dreieinig- mel dort. keit, erhalt uns unsre Obrigden gnädiglich, Herr Gott, zu unsern Zeiten; es ist doch ja kein Andrer nicht, der für uns könnte streiten, denn du, unser Gott, alleine. Dr. M. Luther, geb. 1483,+ 1546. Mel. Nun lob, mein Seel zc. 502. Gott Lob! nun ist erschollen das edle Fried- und Freudenwort, daß nunmehr ruhen sollen die Spieß und Schwerter und ihr Mord. Wohlauf! und nimm nun wieder dein Saitenspiel hervor, o Deutschland, und sing Lieder im hohen, vollen Chor. Erhebe dein Gemüthe und danke Gott und sprich: Herr, deine Gnad und Güte bleibt dennoch ewiglich). se Aemilie Juliane, Gräfin v. Schwarzburg Rudolstadt, geb. 1637, † 1706. Krieg und Friede. Eigne Melodie. 2. Wir haben nichts ver501. Verleih uns Frie- dienet, als schwere Straf und bei uns grünet der freche, großen Zorn, weil stets noch schnöde Sünden- Dorn. Wir sind fürwahr geschlagen mit harter, scharfer Ruth, und dennoch muß man fragen: wer ist, der Buße thut? Wir sind und bleiben böse; Gott ist und bleibet tren, hilft, daß sich bei uns löse der Krieg und sein Geschrei. 3. Sey tausendmal willkommen, du theure, werthe Friedensgab! Jeßt sehn wir, was für Frommen dein bei uns Wohnen in sich hab. In dich hat Gott versenket all unser Glück und Heil; wer dich betrübt und fränket, der drückt ihm selbst den Pfeil des Herzleids in das Herze und löscht Krieg und Friede. aus Unverstand die güldne Mel. Herr, wie du willst 2c. Freudenkerze mit seiner eignen 503. Herr, der du vorHand. 4. Das drückt uns Niemand besser in unsre Seel und Herz hinein, als ihrzerstörten Schlösfer und Städte voller Schutt und Stein; ihr vormals schönen Felder, mit frischer Saat bestreut, jetzt aber lauter Wälder und dürre, wüste Haid; ihr Gräber voller Leichen und tapfrem Heldenschweiß von Männern, derengleichen auf Erden man nicht weiß. 5. Hier trübe deine Sin nen, o Mensch, und laß den Thränenbach aus beiden Augen rinnen; geh in dein Herz und denke nach: was Gott bisher gesendet, das hast du ausgelacht. Nun hat er sich gewendet und väterlich bedacht, vom Grimm und scharfen Dringen zu deinem Heil zu ruhn, ob er dich möchte zwingen mit Lieb und Gutesthun. 351 6. Ach, laß dich doch erweden! wach auf, wach auf, du harte Welt, eh als der letzte Schrecken dich schnell und plößlich überfällt. Wer aber Christum liebet, sey unerschrocknes Muths; der Friede, den er gibet, bedeutet alles Guts; er will die Lehre geben: das Ende naht herzu; da sollt bei Gott ihr leben in ewgem Fried und Ruh. Paul Gerhardt, geb. 1606,+1676. den angeblicket, und des ge= mals hast dein Land mit Gnafangnen Jakobs Band gelöst und ihn erquicket, der du die Sünd und Missethat, die dein Volk vor begangen hat, haft väterlich verziehen; 2. Herr, der du deines Eifers Gluthzuvor oft abgewendet und nach dem Zorn das süße Gut der Lieb und Huld gesendet: ach frommes Herz! ach unser Heil! nimm weg und heb auf in der Eil, was uns anjego fränket. 3. Lösch aus, Herr, deinen großen Grimm im Brunnen deiner Gnaden! erfreu und tröst uns wiederum nach ausgestandnem Schaden! Willst du denn zürnen ewiglich, und sollen deine Fluthen sich ohn alles End ergießen? 4. Willst du, o Vater, uns denn nicht nun einmal wieder laben? und sollen wir an deinem Licht nicht wieder Freude haben? Ach, geuß aus deines Himmels Haus, Herr, deine Güt und Segen aus auf uns und unsre Häuser. 5. Ach, daß ich hören sollt das Wort erschallen bald auf Erden, daß Friede soll an allem Ort, wo Christen wohnen, werden; ach, daß uns Gott doch sagte zu des Krieges 352 Krieg und Friede. Schluß, der Waffen Ruh und alles Unglücks Ende. 6. Ach, daß doch diese böse Zeit jetzt wiche guten Tagen, damit wir in dem großen Leid nicht möchten ganz verzagen! Doch ist ja Gottes Hülfe nah, und seine Gnade stehet da all denen, die ihn fürchten. 7. Wenn wir nur fromm sind, wird sich Gott schon wieder zu uns wenden, den Krieg und alle andre Noth nach Wunsch und also enden, daß seine Ehr in unserm Land und überall recht werd erkannt, ja stetig bei uns wohne. 8. Die Güt und Treue werden schön einander grüßen müssen; Gerechtigkeit wird einhergehn, und Friede wird sie füssen; die Treue wird mit Lust und Freud auf Erden blühn, Gerechtigkeit wird von dem Himmel schauen. 9. Der Herr wird uns viel Gutes thun; das Land wird Früchte geben, und die in seinem Schoße ruhn, die werden davon leben; Gerechtigkeit wird dennoch stehn und stets in vollem Schwange gehn zur Ehre seines Namens. Paul Gerhardt, geb. 1606, † 1676. Mel. Nun danket alle Gott zc. 504. Herr Gott, dich loben wir, regier, Herr, unsre Stimmen, laß deines Geistes Gluth in unsern Herzen glimmen. Komm, komm, o edle Flamm, ach komm zu uns allhier, so singen wir mit Lust: Herr Gott, dich loben wir. 2. Herr Gott, dich loben wir, wir preisen deine Güte, wir rühmen deine Macht mit herzlichem Gemüthe; es steiget unser Lied bis an die Himmelsthür und tönt mit großem Schall: Herr Gott, dich loben wir. 3. Herr Gott, dich loben wir für deine großen Gnaden, daß du das Vaterland von Kriegeslast entladen, daß du uns blicken läßt des güldnen Friedens Zier; drum jauchzet alles Volf: Herr Gott, dich loben wir. 4. Herr Gott, dich loben wir, die wir in langen Jahren der Waffen schweres Joch und frechen Grimm erfahren. Jetzt rühmet unser Mund mit herzlicher Begier: Gott Lob! wir stud in Ruh; Herr Gott, wir danken dir. 5. Herr Gott, dich loben wir, daß du die Pfeil und Wagen, Schild, Bogen, Spieß und Schwert zerbrochen und zerschlagen; der Strick ist nun entzwei, darum so singen wir mit Herz und Zung und Mund: Herr Gott, wir danken dir. 6. Herr Gott, dich loben wir, daß du uns zwar gestrafet, jedoch in deinem Zorn nicht gar haft weggeraffet. Es Migwachs und Theuerung. hat die Vaterhand uns deine Gnadenthür jetzt wieder auf gethan; Herr Gott, wir danfen dir. 500 hus 7. Herr Gott, wir danken dir, daß du Land, Kirch und Häuser, den edlen Fürstenstamm und dessen grüne Reifer bisher erhalten hast; gib ferner Gnad allhier, daß auch Mißwachs und Theuerung. Mel. Jesu, bilf fiegen zc. kann doch ihr Herze den Frieden erhalten, weil es den 505. Christen erwarten Schöpfer in allem läßt walten. 4. Viele verzehren in ängstlichen Sorgen Kräfte, Gesundbeit und Kürze der Zeit, da doch im Rathe des Höchsten verborgen, wann und wo Je= dem sein Ende bereit; sind es nicht alles unnöthige Schmerzen, die ihr euch machet, o thörichte Herzen! 5. Zweifel und Sorge geziemt nicht den Frommen; Glauben und Hoffen bringt Ehre bei Gott. Seele, verlangst du, zur Ruhe zu kommen, hoffe dem höllischen Feinde zu Spott. Ob auch die göttliche Hülfe verborgen, traue dem Höchsten und meide die Sorgen.. in allerlei Fällen Jesum mit seiner allmächtigen Hand; mitten in Stürmen und tobenden Wellen sind sie gebauet auf felsichtes Land; wenn sie bekümmerte Nächte bedecken, kann doch ihr Grauen sie wenig erschrecken. 2. Jauchzen die Feinde zur Rechten und Linken, hauet und frisset das blinkende Schwert, lassen doch Christen die Häupter nicht sinfen, denen sich Jefus im Herzen verklärt. Wüthen die Feinde mit Schnauben und Toben, lernen sie Gottes Gerechtigkeit loben. 353 3. Geben die Felder den Samen nicht wieder, bringen die Gärten und Auen nichts ein, schlagen uns Schlossen die Früchte darnieder, brennen die Berge von hißigem Schein; die Nachwelt sing: Herr Gott, wir danken dir. 8. Herr Gott, wir danken dir und bitten, du wollst geben, daß wir auch künftig stets in guter Ruhe leben. Krön uns mit deinem Gut, erfüll jetzt nach Begier, o Vater, unsern Wunsch; Herr Gott, wir danken dir. Johann Franck, geb. 1618, † 1677. 6. Freue dich, wenn du statt freundlichen Blicken mancherleiJammer, Anfechtung und Noth duldest, und wisse, was 23 354 Mißwachs und Theuerung. Gott will erquicken, muß erst uns verleihen; gib Regen und mit Jesu durch Leiden und den Segen dein um deines Tod. Willst du mit leben, so Namens willn allein, Herr, mußt du mit sterben; anders unser Gott und Tröster! kann Reiner den Himmel ererben. 7. Völlige Wonne, verklärete Freude, himmlische Güter, undenkliches Heil werden dir einsten auf ewiger Weide unter den Engeln und Menschen zu Theil, wann in der Herrlichkeit Christus wird kommen und zu sich sammeln die Schaaren der Frommen. 8. Seine allmächtige Stärke beweiset in den Ohnmächtigen mächtige Kraft; dann wird alleine sein Name gepreiset, wann er den Zagenden Frendigkeit schafft. Darum, o Jesu, gib, daß ich dir traue ,, wenn ich die Hülfe nicht sichtbarlich schaue. Christian Ludw. Edeling, † 1742. In Dürr e. Mel. Ach, Gott vom Himmel 2c. 506. Ad, Herre, du gerechter Gott, wir habens wohl verdienet mit unsrer Sünd und Missethat, daß unser Feld nicht grünet, daß Vieh und Menschen traurig seyn; wenn du zuschleußt den Himmel dein, so müssen wir verschmachten. 3. Gedenke, Herr, an deinen Bund um deines Namens willen; wir bitten dich von Herzensgrund, thu unsre Noth doch stillen vom Himmel mit dem Regen dein; denn dein ist der Himmel allein, ohn dich kann er nicht regnen. 4. G8 steht in feines Andern Hand, daß er sollt Regen geben; den Himmel hast du ausgespannt, darinnen du willst schweben. Allmächtig ist der Name dein; solchs kannst du alles thun allein, Herr, unser Gott und Tröster! 2. Herr, unsre Sünd be-, kennen wir, die wollst du uns verzeihen; all unsre Hoffnung steht zu dir, Trost, Hülf thu Bei anhaltender Näsſe. mel. Ach, Gott vom Himmel 2c. 507. Gott, der du S das Firmament mit Wolfenthust bedecken, und fannst hinwiederum behend das Sonnenlicht erwecken: halt doch mit vielem Regen ein, und gib uns wieder Sonnenschein, daß unser Land sich freue. 2. Die Felder trauern weit und breit; die Früchte leiden Schaden, weil sie von vieler Feuchtigkeit und Nässe sind beladen; dein Segen, Herr, den du gezeigt uns Armen, sich zur Erde neigt und will fast gar verschwinden. Krankheit und Seuchen. 3. Das machet unsre Mis- lich suchen. Wie hält sich so sethat und ganz verkehrtes Leben, so deinen Zorn entzündet hat, daß wir in Nöthen schweben; du zeigest uns, was wir gesollt; weil wir die Buße nicht gewollt, so muß der Himmel weinen. hart dieser Zeit dein Herz und deine Freundlichkeit; du bist ja unser Vater. 4. Doch denke wieder an die Treu, die du uns hast versprochen, und wohne uns in Gnaden bei, die wir dich findKrankheit und Eigne Melodie. 508. Gott, den ich als Liebe fenne, der du Krankheit auf mich legst und des Leidens Hiß erregst, daß ich davon glüh und brenne: brenne doch das Böse ab, das den Geist bisher gehindert und der Liebe Regung mindert, die mir oftmals kommt von dir. 2. In der Schwachheit sey du kräftig, in den Schmerzen sey mir süß, schaffe, daß ich dein genieß, wenn die Krankheit streng und heftig; denn was jetzt den Leib bewegt, was mein Fleisch und Mark verzehret, was den Körper jest beschweret, hat die Liebe selbst erregt. 3. Leiden ist jetzt mein Geschäfte; anders kann ich jetzt nichts thun, als nur in dem 355 5. Gib uns von deinem Himmelssaal dein klares Licht und Sonne, und laß uns wieder überall empfinden Freud und Wonne, daß alle Welt erkenne frei, daß außer dir kein Segen sey im Himmel und auf Erden. Seuchen. Leiden ruhn; leiden müssen mein Gewinnst, das ist jetzt meine Kräfte, Leiden ist jetzt des Vaters Wille, den verehr ich sanft und stille; Leiden ist mein Gottesdienst. 4. Gott, ich nehms aus deinen Händen als ein Liebeszeichen an; denn in solcher Leidensbahn willst du meinen Geist vollenden; auch die Labung, die man mir zu des Leibes Stärkung gibet, kommt von dir, der mich geliebet; alles kommt, mein Gott, von dir. 5. Laß nur nicht den Geist ermüden bei des Leibes Mattigkeit, daß er sich zu aller Zeit in dich sent in Lieb und Frieden; laß des Leibes Angst und Schmerz nicht der Seelen Auffahrt hindern und die Ruhe in mir mindern, unterstüße du das Herz. 23* 356 Krankheit und Seuchen. 6. Hilf mir, daß ich ganz bescheiden, ganz in Ruh mit Freundlichkeit, stille mit Gelaffenheit mög auf meinem Bette leiden. Denn wer hier am Fleische leidt, wird errettet von den Sünden; und je mehr der Leib muß schwinden, wird der Geist in uns erneut. 7. Dir empfehl ich nun mein Leben und dem Kreuze meinen Leib; gib, daß ich mit Freuden bleib an dich völlig übergeben; denn so weiß ich festiglich, ich mag leben oder sterben, daß ich nicht mehr kann verderben, denn die Liebe reinigt mich. 5. Wenn ich in Christo sterbe, bin ich des Himmels Erbe; was schreckt mich Grab und Tod? Auch auf des Todes Pfade vertrau ich deiner Gnade; du, Herr, bist bei m.r in der Noth. 6. Ich will dem Kummer wehren, Gott durch Geduld verehren, im Glauben zu ihm flehn. Ich will den Tod bedenken; der Herr wird alles Mel. O Welt, ich muß dich 2c. 509. Ich hab in guten lenfen, und was mir gut iſt, Stunden des Lebens Glück wird geschehn. Christian Friedrich Richter, geb. 1676, † 1711. empfunden und Freuden ohne Zahl. So will ich denn gelassen mich auch in Leiden fassen; welch Leben hat nicht ſeine Qual? 2. Ja, Herr, ich bin ein Sünder, und stets strafst du gelinder, als es der Mensch verdient. Will ich, beschwert mit Schulden, kein zeitlichs Weh erdulden, das doch zu meinem Besten dient? schen bauen; du hilfft, und du errettest gern. 4. Laß du mich Gnade finden, mich alle meine Sünden erkennen und bereun. Jegt hat mein Geist noch Kräfte; sein Heil laß mein Geschäfte, dein Wort mir Trost und Leben seyn. 3. Dir will ich mich ergeben, nicht meine Ruh, mein Leben mehr lieben als den Herrn. Dir, Gott, will ich vertrauen und nicht auf MenChristian Fürchteg. Gellert, geb. 1715,+ 1769. Mel. Herr Jesu Chrift, du 2c. 510. frommer und getreuer Gott Aller, die auf dich hoffen! Es hat uns eine große Noth durch deine Hand getroffen. Dein Zorn der drückt uns mit Gewalt, und wirft die Menschen jung und alt mit schwerer Krankheit nieder. 2. Du bist gerecht, und dein Gericht kann unser Keiner strafen; von wegen unsrer Sünd geschicht, daß wir so schnell Allerlei gemeine Noth. entschlafen. Ja unsre große Missethat dich so gar hoch bewogen hat, dein Pfeil in uns zu schießen. 3. D Herr, vergib, und straf uns nicht im Zorn so gar geschwinde; fehr doch dein Vaterangesicht zu deinem lieben Kinde. Laß fallen den gerechten Grimm, zu Gnaden uns aufs Neu annimm um dei nes Namens willen. 4. Sieh, Herr, wie wir betrübet gehn, fraftlos, mit Furcht umgeben, in Angst und großen Sorgen stehn, und in viel Kummer schweben. All unsre Nahrung welket sehr; Lehramt und andre Ordnung mehr geht nicht in vollem Schwange. 5. Laß ab von uns mit deiner Ruth, thu deinen Grimm Allerlei 357 aufheben; was hast du Nuß an unserm Blut? du hast ja Lust zum Leben, und bist ein Gott, von Wahrheit fest, der seinen Zorn bald fahren läßt, wenn man dich herzlich bittet. 6. Dein Will gescheh! wir bitten all, in Noth uns nicht verlasse; hilf uns nach deinem Wohlgefalln, du weißt die rechte Maße, und wirst wohl deine Zeit ersehn, wenn uns hierin soll Hülf geschehn, des wolln wir dir vertrauen. Eigne Melodie. 511. Wenn wir in höchsten Nöthen seyn und wissen nicht, wo aus noch ein, und finden weder Hülf noch Rath, ob wir gleich sorgen früh und spat: gemeine Noth. 2. So ist dieß unser Trost allein, daß wir zuſammen insgemein dich anrufen, o treuer Gott, um Rettung aus der Angst und Noth, 3. Und heben unser Aug'n 7. O heilger Geist, mit deiner Kraft, die sterben sollen, stärke, daß man des Glaubens Ritterschaft an ihrem End vermerke, und sie also mit Fried und Freud den Abschied nehmen aus der Zeit in Christo, unserm Herren. und Herz zu dir in wahrer Reu und Schmerz, und suchen der Sünd Vergebung und alfer Strafen Linderung, 4. Die du verheißest gnädiglich Allen, die darum bitten dich im Namen deins Sohns Jesu Christ, der unser Heil und Fürsprech ist. 5. Drum fommen wir, o Herre Gott, und klagen dir all unser Noth, weil wir jetzt stehn verlassen gar in großer Trübsal und Gefahr. 358 Allerlei gemeine Noth. 6. Sieh nicht an unser Shen groß, sprich uns der selb'n aus Gnaden los, steh uns in unserm Elend bei, mach uns von allen Plagen frei, 7. Auf daß von Herzen können wir nachmals mit Frenden danken dir, gehorsam seyn nach deinem Wort, dich allzeit preisen hie und dort. Paul Eber, geb. 1511,+ 1569. Mel. Vater unser im Himmelreich 2c. Wunden roth, die sind ja für die ganze Welt die Zahlung und das Lösegeld; des trösten wir uns allezeit und hoffen auf Barmherzigkeit. 3. Ach, Herr Gott, durch die Treue dein mit Trost und Rettung uns erschein; beweis an uns dein große Gnad, und straf uns nicht auf frischer That; wohn uns mit deiner Güte bei, dein Zorn und Grimm fern von uns sey. 4. Gedenk an deins Sohns bittern Tod, sich an sein heilig 5. Leit uns mit deiner rechten Hand und segne unser Stadt und Land; gib uns allzeit dein heilig Wort, behüt vors Teufels List und Mord, verleih ein selig Stündelein, auf daß wir ewig bei dir seyn. Martin Moller, geb. 1547,+ 1606. 512. Nimm Mel. Lobet den Herren, alle ic. Limm von Herr, du trener Gott, die 513, Herr, unfer Gott, schwere Straf und große Noth, die wir mit Sünden ohne Zahl verdienet haben allzumal; behüt vor Krieg und theurer Zeit, vor Seuchen, Feur und großem Leid. 2. Erbarm dich deiner bösen Knecht, wir flehn um Gnad und nicht um Recht; denn so du, Herr, den rechten Lohn uns geben wollt'st nach unserm Thun, so müßt die ganze Welt vergehn, und könnt kein Mensch vor dir bestehn. laß nicht zu Schanden werden die, so in ihren Nöthen und Beschwerden bei Tag und Nacht auf deine Güte hoffen und zu dir rufen. 2. Mache zu Schanden Alle, die dich hassen, die sich allein auf ihre Macht verlassen. Ach, fehre dich mit Gnaden zu uns Armen, laß dichs erbarmen; 3. Und schaff uns Beistand wider unsre Feinde; wenn du ein Wort sprichst, werden sie bald Freunde; sie müssen Wehr und Waffen niederlegen, fein Glied mehr regen. 4. Wir haben Niemand, dem wir uns vertrauen; vergebens ist auf Menschen Hülfe bauen; mit dir wir wollen Thaten thun und kämpfen, die Feinde dämpfen. 5. Du bist der Held, der sie kann untertreten und das Allerlei gemeine Noth. bedrängte kleine Häuflein ret- dir, klopfen an die Gnadenten; wir traun auf dich, wir schrein in Jesu Namen: hilf, Helfer. Amen! thür, wir, die du mit höchstem Ruhm dir erkauft zum Eigenthum. Dein Erbarmen hat fein End, deines Vaters Zorn abwend, der jest wie ein Feuer brennt. heißt, als ein Jeſus Hülfe 6. Jefu, der du Jeſus leist! Hilf mit deiner starken Hand, Menschenhülf hat sich gewandt; eine Mauer um uns bau, daß dem Feinde davor grau, und mit Zittern sie anschau. Johann Heermann, geb. 1585, 1647. Mel. Da Christus geboren war zc. 514. Trener Wächter Iſ geboren wat rael, des sich freuet Leib und Seel, der du weißest alles Leid deiner armen Christenheit: o du Wächter, der du nicht schlässt noch schlummerst, zu uns richt dein hülfreiches Angesicht. 2. Schau, wie große Noth und Qual trifft dein Volk jeßt überall; täglich wird der Trübsal mehr, hilf, ach hilf, schüß deine Ehr; wir verderben, wir vergehn, nichts wir sonst vor Augen sehn, wo du nicht bei uns wirst stehn. 3. Hohepriester, Jesu Christ, der du eingegangen bist in den beilgen Ort zu Gott durch dein Krenz und bittern Tod, uns versöhnt mit deinem Blut, ausgelöscht der Höllen Gluth, wiederbracht das höchste Gut. 4. Sigest jetzt ins Vaters Reich, ihm an Macht und Ehren gleich, unser einger Gnadenthron, seine höchste Freud und Kron, den er in dem den er in dem Herzen trägt, wie sich selbst zu lieben pflegt, dem er keine Bitt abſchlägt. 5. Kläglich schreien wir zu 359 7. Höchster Hort, Immanuel, du Beschüßer meiner Seel, Gott mit uns in aller Noth, Gott um uns und in uns Gott, Gott für uns zu aller Zeit! Troß dem, der uns thut ein Leid; Gottes Straf ist ihm bereit. 8. Deines Vaters starker Arm, fomm, und unser dich erbarm; laß jetzt sehen deine Macht, drauf wir hoffen Tag und Nacht; aller Feinde Rotten trenn, daß dich alle Welt erkenn, aller Herren Herren nenn. 9. Du bist ja der Held und Mann, der den Kriegen steuren kann, der da Spieß und Schwert zerbricht, der die Bogen macht zunicht, der die Wagen gar verbrennt und der Menschen Herzen wendt, daß der Krieg gewinnt ein End. 10. Jesu, wahrer Friedens Vom Tode. 360 fürst, der der Schlange hat zerknirscht ihren Kopf durch seinen Tod, Frieden wieder bracht bei Gott, gib uns FrieSechste Abtheilung. Von den legten Dingen. Vom den gnädiglich! so wird dein Volk freuen sich, dafür ewig preisen dich. Joh. Heermann, geb. 1585, † 1647. Eigne Melodie. 515. Mitten wir im Les ben sind mit dem Tod umfangen; wen suchn wir, der Hülfe thu, daß wir Gnad erlangen? das bist du, Herr, alleine. Uns reuet unser Missethat, die dich, Herr, erzürnet hat. Heiliger Herre Gott, heiliger, starfer Gott, heiliger, barmherziger Heiland, du ewiger Gott, laß uns nicht versinken in des bittern Todes Noth. Kyrieleiſon! Tode. vor der tiefen Höllen Gluth. Kyrieleison! 3. Mitten in der Höllen Angst unser Sünd uns treiben; wo solln wir denn fliehen hin, da wir mögen bleiben? zu dir, ist dein theures Blut, das Herr Christ, alleine. Vergossen thut. gnug für die Sünde starker Gott, heiliger, barmHeiliger Herre Gott, heiliger, herziger Heiland, du ewiger Gott, laß uns nicht entfallen von des rechten Glaubens Trost. Kyrieleison! 2. Mitten in dem Tod anficht uns der Höllen Rachen; wer will uns aus solcher Noth Dr. M. Luther, geb. 1483, † 1546. Eigne Melodie. frei und ledig machen? das 516. Welt, ich muß bist du, Herr, alleine. Es jammert dein Barmherzigkeit unser Sünd und großes Leid. Heiliger Herre Gott, heiliger, starfer Gott, heiliger, barmherziger Heiland, du ewiger Gott, laß uns nicht verzagen dich lassen, ich fahr dahin mein Straßen ins ewig Vaterland; mein Geist will ich aufgeben, darzu mein Leib und Leben seßen in Gottes gnädig Hand. 2. Mein Zeit ist nun vollendet, der Tod das Leben en Vom Tode. det, Sterben ist mein Gewinn. Kein Bleiben ist auf Erden; das Ewig muß mir werden, mit Fried und Freud ich fahr dahin. 3. Ob mich gleich hat betrogen die Welt, von Gott abzogen durch Schand und Büberei, will ich doch nicht verzagen, sondern mit Glauben sagen, daß mir mein Sünd vergeben sey. 4. Auf Gott steht mein Vertrauen, sein Antlig will ich schauen wahrlich durch Je= sum Christ, der für mich ist gestorben, des Vaters Huld erworben, mein Mittler er auch worden ist. 5. Die Sünd mag mir nicht schaden: erlöst bin ich aus Gnaden, umsonst, durch Christi Blut; fein Werk fömmt mir zu Frommen, so will ich zu ihm fommen allein durch wahren Glauben gut. 6. Ich bin ein unnüß Knechte, mein Thun ist viel zu schlechte, denn daß ich ihm bezahl damit das ewge Leben; umsonst will er mirs geben und nicht nach meim Verdienst und Wahl. 7. Drauf will ich fröhlich sterben, das Himmelreich ererben, wie er mirs hat bereit; hier mag ich nicht mehr bleiben, der Tod thut mich ver. treiben, mein Seele sich vom Leibe scheidt. 1 361 8. Damit fahr ich von hinnen; o Welt, thu dich besinnen, denn du mußt auch hernach; thu dich zu Gott befehren und von ihm Gnad begehren, im Glauben sey du auch nicht schwach. 9. Die Zeit ist schon vor handen, bör auf von Sünd und Schanden, und richt dich auf die Bahn mit Beten und mit Wachen; sonst all irdische Sachen sollst du gutwillig geben dran. 10. Das schenk ich dir am Ende; wohlan, zu Gott dich wende, zu ihm steht mein Begehr. Hüt dich vor Bein und Schmerzen, nimm mein Abschied zu Herzen, meins Bleibens ist jetzt hie nicht mehr. Joh. Heffe, geb. 1490, † 1547. Mel. HerrJesuChrift, du höchstes 2c. 517. Mensch, bedenk zu dieser Frist, was dein Ruhm ist auf Erden; denn nicht allhie dein Bleiben ist, du mußt zur Leiche werden. Es ist dein Leben, wie ein Heu, und fleugt dahin, gleichwie die Spreu, welche der Wind verjaget. 2. Gedenk, du bist hier nur ein Gast und kannst nicht länger bleiben; die Zeit läßt dir fein Ruh noch Rast, bis sie dich thut vertreiben. So eile zu dem Vaterland, das dir Christus hat zugewandt durch sein heiliges Leiden. 362 Vom 3. Daselbst wird rechte Bürgerschaft den Gläubigen gegeben: dazu der Engel Brüderschaft, ein gar herrliches Leben; mit solcher Wonne, Freud und Lust, die auch kein Mensch hat hie gekost, noch je ein Herz erfahren. 4. Nun laßt uns wachen alle Stund und solches wohl betrachten. Die Lust der Welt geht bald zu Grund; die sollen wir verachten und warten auf das höchste Gut, das uns ewig erfreuen thut. Das helf uns Christus. Amen! Johann Hesse, geb. 1490, † 1547. Mel. Vater unser im Himmelreich.c. 518. Herr err Jesu Christ, wahr Mensch und Gott, der du littst Marter, Angst und Spott, für mich am Kreuz auch endlich starbst und mir deins Vaters Huld erwarbst: ich bitt durchs bitter Leiden dein, du wollst mir Sünder gnädig seyn. 2. Wenn ich nun fomm in Sterbensnoth und ringen werde mit dem Tod, wenn mir vergeht all mein Gesicht, und meine Ohren hören nicht, wenn meine Zunge nichts mehr spricht, und mir vor Angst mein Herz zerbricht, 3. Wenn mein Verstand sich nichts mehr b'sinnt, und mir all menschlich Hülf zerrinnt: fo komm, Herr Christe, mir beTode. hend zu Hülf an meinem lezten End und führ mich aus dem Jammerthal, verkürz mir auch des Todes Qual! 4. Die bösen Geister von mir treib, mit deinem Geist stets bei mir bleib, bis sich die Seel vom Leib abwendt, so nimm sie, Herr, in deine Händ. Der Leib hab in der Erd sein Ruh, bis sich der jüngst Tag naht herzu. 5. Ein fröhlich Urständ mir verleih, am jüngsten G'richt mein Fürsprech sey und meiner Sünd nicht mehr gedenk, aus Gnaden mir das Leben schenk, wie du hast zugeſaget mir in deinem Wort, das trau ich dir: 6. Fürwahr, fürwahr, euch sage ich: Wer mein Wort hält und glaubt an mich, der wird nicht kommen ins Gericht und den Tod ewig schmecken nicht; und ob er schon hie zeitlich stirbt, mit nichten er drum gar verdirbt;? 7. Sondern ich will mit starker Hand ihn reißen aus des Todes Band und ihn mitnehmen in mein Reich, da soll er dann mit mir zugleich in Freuden leben ewiglich. Dazu hilf uns ja gnädiglich! 8. Ach, Herr, vergib all unser Schuld; hilf, daß wir warten mit Geduld, bis unser Stündlein kommt herbei, auch unser Glaub stets wacker sey, deim Vom Tode. Wort zu trauen festiglich, bis wir entschlafen seliglich. Paul Eber, geb. 1511, † 1569. Paul Eber, geb. 1511,+ 1569 Mel. Nun laßt uns den 2c. 519. In Christi Wunden schlaf ich ein, die machen mich von Sünden rein, ja Christi Blut und G'rechtigkeit, das ist mein Schmuck und Ehrenkleid, 2. Damit will ich vor Gott bestehn, wenn ich zum Himmel werd eingehn; mit Fried und Freud ich fahr dahin, ein Gotteskind ich allzeit bin. 3. Dank hab, mein Tod! du führest mich, ins ewge Leben wandre ich, mit Christi Blut Eigne Melodie. gereinigt fein; Herr Jesu, stärk 521. Herr, wie du willst, den Glauben mein! so schicks mit mir im Leben und im Sterben. Allein zu dir steht mein Begier, laß mich, Herr, Eigne Melodie. 520. Wenn mein Stünd- nicht verderben; erhalt mich lein vorhanden ist, und soll hinfahrn mein Straße, so g'leit du mich, Herr Jesu Christ, mit Hülf mich nicht verlasse; mein Seel an meinem leßten End befehl ich dir in deine Händ, du wollst sie mir bewahren. 363 2. Mein Sünd mich werden kränken sehr, mein G'wissen wird mich nagen, denn ihr sind viel, wie Sand am Meer; doch will ich nicht verzagen. Gedenken will ich an dein Tod, Herr Jesu, und dein Wunden roth, die werden mich erhalten. 3. Ich bin ein Glied an deinem Leib, des tröst ich mich von Herzen; von dir ich ungeschieden bleib in Todesnoth und Schmerzen. Wenn ich gleich sterb, so sterb ich dir; ein ewigs Leben hast du mir mit deinem Tod erworben. 4. Weil du vom Tod erstanden bist, werd ich im Grab nicht bleiben. Mein höchster Trost dein Auffahrt ist; Tod's Furcht kann sie vertreiben. Denn wo du bist, da komm ich hin, daß ich stets bei dir leb und bin; drum fahr ich hin mit Freuden. Nikolaus Hermann, † 1561. du willst, gib mir Geduld; dein nur in deiner Huld! sonst wie Will der ist der beste. 2. Zucht, Ehr und Treu verleih mir, Herr, und Lieb zu deinem Worte; behüt mich, Herr, vor falscher Lehr und gib mir hier und dorte, was dient zu meiner Seligkeit; wend ab all Ungerechtigkeit in meinem ganzen Leben. 3. Soll ich einmal nach deis nem Rath von dieser Welt abscheiden, verleih, o Herr, mir deine Gnad, daß es gescheh 364 Vom Tode. mit Freuden. Mein Leib und Seel befehl ich dir, o Herr, ein seligs End gib mir durch Jesum Christum. Amen! Casp. Melissander, geb. 1540, † 1591. Eigne Melodie. 522. O Jesu Christ, meins Lebens Licht, mein Hort, mein Trost, mein Zuversicht! Auf Erden bin ich nur ein Gast, und drückt mich sehr der Sünden Last. 2. Ich hab vor mir ein schwere Reis zu dir ins himmlisch Paradeis. Da ist mein rechtes Vaterland, darauf du dein Blut hast gewandt. 3. Zur Reis ist mir mein Herz sehr matt, der Leib gar wenig Kräfte hat; allein mein Seele schreit in mir: Herr, hol mich heim, nimm mich zu dir! 4. Drum stärkmich durch das Leiden dein in meiner legten Todespein: dein Blutschweiß mich tröst und erquick; mach mich frei durch dein Band und Strick. 5. Dein Hohn und Spott, dein Dornenkron laß seyn mein Ehre, Freud und Wonn; dein Durst und Gallentranf mich lab, wenn ich sonst keine Stärfung bab. 6. Dein Angstgeschrei komm mir zu Gut, bewahr mich vor der Höllen Gluth; die heiligen fünf Wunden dein laß in Angst meine Zuflucht seyn. 7. Wenn mein Mund nicht fann reden frei, dein Geist in meinem Herzen schrei; hilf, daß mein Seel den Himmel find, wenn meine Augen werden blind. 8. Dein letztes Wort laß seyn mein Licht, wenn mir der Tod das Herze bricht; behüte mich vor Üngeberd, wenn ich mein Haupt nun neigen werd. 9. Dein Kreuz laß seyn mein Wanderstab, mein Ruh und Rast dein heilig Grab; die reinen Grabetücher dein laß meine Sterbekleider seyn. 10. Laß mich durch deine Nägelmal erblicken meine Gnadenwahl; durch deine aufgespaltne Seit mein arme Seele heimgeleit. 11. Auf deinen Abschied, Herr, ich trau, darauf mein letzte Heimfahrt bau; thu mir die Himmelsthür weit auf, wenn ich beschließ meins Lebens Lauf. 12. Amjüngsten Tag erweck mein Leib; hilf, daß ich dir zur Rechten bleib, daß mich nicht treffe dein Gericht, welchs das erschrecklich Urtheil spricht. 13. Alsdann mein Leib verneure ganz, daß er leucht wie der Sonnen Glanz und ähnlich sey deim klaren Leib, auch gleich den lieben Engeln bleib. 14. Wie werd ich dann so fröhlich seyn, werd singen mit den Engelein und mit der Vom Auserwählten Schaar ewiglich schaun dein Antlig klar. Martin Behemb, geb. 1557,+ 1622. Eigne Melodie. 523. Valet will ich dir geben, du arge, falsche Welt! Dein sündlich, böses Leben durchaus mir nicht gefällt; im da Himmel ist gut wohnen, hinauf steht mein Begier: wird Gott ewig lohnen dem, der ihm dient allhier. 2. Rath mir nach deinem Herzen, o Jesu, Gottes Sohn! Soll ich ja dulden Schmerzen, hilf mir, Herr Christ, davon. Verkürz mir alles Leiden, stärk meinen blöden Muth, laß selig mich abscheiden, seß mich in dein Erbgut. 3. In meines Herzens Grunde dein Nam und Krenz allein funkelt all Zeit und Stunde, drauf kann ich fröhlich seyn. Erschein mir in dem Bilde zu Trost in meiner Noth, wie du, Herr Christ, so milde dich hast geblut't zu todt. 4. Verbirg mein Seel aus Gnaden in deine offne Seit, rück sie aus allem Schaden zu deiner Herrlichkeit. Der ist wohl hier gewesen, wer kommt ins Himmelsschloß; ewig ist der genesen, wer bleibt in deinem Schoß. 5. Schreib meinen Nam aufs Beste ins Buch des Lebens ein, Tode. 365 und bind mein Seel gar feste ins schöne Bündlein ein der, die im Himmel grünen und vor dir leben frei; so will ich ewig rühmen, daß dein Herz trene sey. Valerius Herberger, geb. 1562,+ 1627. Eigne Melodie. 524. Herzlich thut mich verlangen nach einem felgen End, weil ich hier bin umfangen mit Trübfal und Elend; ich hab Lust, abzuscheiden von dieser argen Welt, sehn mich nach ewgen Freuden; o Jeſu, komm nur bald. 2. Du hast mich ja erlöset von Sünd, Tod, Teufl und Höll; es hat dein Blut gefostet, drauf ich mein Hoffnung stell. Warum sollt mir denn grauen vorm Tode, Höll und Sünd? Weil ich auf dich thu bauen, bin ich ein seligs Kind. 3. Obgleich süß ist das Leben, der Tod sehr bitter mir, will ich mich doch ergeben, willig zu sterben dir. Ich weiß ein bessers Leben, da meine Seel fährt hin, des freu ich mich gar eben: Sterben ist mein Gewinn. 4. Der Leib wird in der Erden von Würmern zwar verzehrt, doch auferwecket werden, durch Christum schön verflärt; wird leuchten als die Sonne und leben ohne Noth 366 Vom Tode. in Himmelsfreud und Wonne; was schadet mir der Tod? 5. Ob mich die Welt gleich reizet, länger zu bleiben hier, und mir auch immer zeiget Ehr, Geld, Gut, all ihr Zier, doch ich das gar nicht achte, es währt ein kleine Zeit; das Himmlisch ich betrachte, das bleibt in Ewigkeit. 6. Gesegn euch Gott der Herre, ihr Vielgeliebten mein! trauert nicht allzusehre über den Abschied mein, beständig bleibt im Glauben, wir werd'n in furzer Zeit einander wieder schauen dort in der Ewigkeit. 7. Nun will ich mich ganz wenden zu dir, Herr Christ, allein; gib mir ein seligs Ende, send mir dein Engelein; führ mich ins ewge Leben, das du erworben hast, durch dein Leiden und Sterben und blutiges Verdienst. Der Tod kann mir nicht schaden, er ist nur mein Gewinn; in Gottes Fried und Gnaden fahr ich mit Freud dahin. 2. Mein Weg geht jetzt vorüber; o Welt, was acht ich dein? Der Himmel ist mir lieber, da muß ich trachten ein, mich nicht zu sehr beladen, weil ich wegfertig bin. In Gottes Fried und Gnaden fahr ich mit Freud dahin. 3. Ach, selgeFreud und Wonne hat mir der Herr bereit, da Christus ist die Sonne, Leben und Seligkeit. Was kann mir doch nun schaden, weil ich bei Christo bin? In Gottes Fried und Gnaden fahr ich mit Freud dahin. 4. Gesegn euch Gott, ihr Meinen, ihr Liebsten allzumal! Um mich sollt ihr nicht weinen; ich weiß von keiner Qual. Den rechten Port noch heute nehmt fleißig ja in Acht! In Gottes Fried und Frende fahrt mir bald alle nach. Johann Siegfried, geb. 1564,+ 1637. Eigne Melodie. 8. Hilf, daß ich ja nicht weiche von dir, Herr Jesu Christ! Den schwachen Glauben stärke in mir zu aller Frist. Hilf ritterlich mir ringen, dein Hand mich halt mit Macht, daß ich mag fröhlich fingen: 526. Machs mit mir, Gott Lob! es ist vollbracht. Christoph Knoll, geb. 1563,+ 1621. Mel. Herzlich thut mich 2c. 525. Ich hab mich Gott ergeben, dem liebsten Vater mein; hier ist kein Immerleben, es muß geschieden seyn. Gott, nach deiner Güt, hilf mir in meinem Leiden; versag mir nicht, was ich dich bitt: wenn meine Seel soll scheiden, so nimm sie, Herr, in deinc Händ! Ist alles gut, wenn gut das End. 2. Gern will ich folgen, lie Vom Tode. ber Herr; du wirst mich nicht verderben; ach, du bist ja von mir nicht fern, ob ich gleich hie muß sterben, verlassen meine lieben Freund, die's herzlich gut mit mir gemeint. 3. Ruht doch der Leib sanft in der Erd, die Seel zu dir sich schwinget, in deine Händ sie unversehrt durch Tod ins Leben dringet. Hier ist doch nur ein Thränenthal, Angst, Noth und Trübsal überall. 367 mein Trost und Leb'n, allzeit in meinem Herzen schweb'n. 5. Warum sollt ich denn traurig seyn, weil ich so wohl bestehe, bekleidt mit Christi Unschuld rein, wie eine Braut hergehe? Gehab dich wohl, du schnöde Welt! bei Gott zu leben mir gefällt. Joh. Herm. Schein, geb. 1586, † 1630. Mel. O Jesu Christ, meins 2c. 527. Ich charmer Mensch doch gar nichts bin, Gott's Sohn allein ist mein Gewinn; daß er Mensch worden, ist mein Trost; er hat mich durch sein Blut erlöst. 2. O Gott Vater! regier du mich mit deinem Geist beständiglich; laß deinen Sohn, 3. Wenn mein Stündlein vorhanden ist, nimm mich zu dir, Herr Jesu Christ! denn ich bin dein, und du bist mein; wie gern wollt ich bald bei dir seyn. 4. Tod, Teufel, Höll, die Welt und Sünd mir können nichts mehr schaden; bei dir, o Herr, ich Rettung find, ich Eigne Melodie. tröst mich deiner Gnaden. Dein 528. Herr Gott, nun und einger Sohn aus Lieb Huld für mich bezahlt hat alle Schuld. schleuß den Himmel auf, mein Zeit zum End sich neiget; ich hab vollendet meinen Lauf, des fich mein Seel sehr freuet. Hab gnug gelitten, mich müd gestritten, schick mich fein zu zur ewgen Ruh; laß fahren, was auf Erden, will lieber selig werden. 4. Herr Jesu Christe, hilf du mir, daß ich ein Zweiglein bleib an dir, und nachmals mit dir aufersteh, zu deiner Herrlichkeit eingeh. Nach Ph. Melanchthons: Nil sum, nulla miser novi solatia, Von Joh. Leon, um 1607. 2. Wie du mir, Herr, befohlen hast, hab ich mit wahrem Glauben mein lieben Heiland aufgefaßt in mein Arm, dich zu schauen. Hoff zu bestehen, will frisch eingehen vom Thränenthal zum Freudensaal; laß fahren, was auf Erden, will lieber selig werden. 3. Laß mich nur, Herr, wie Simeon im Frieden zu dir fahren, befiehl mich Christo, Vom Tode. 368 deinem Sohn, der wird mich wohl bewahren, wird mich recht führen, im Himmel zie ren mit Kron und Ehr, will sonst nichts mehr; laß fahren, 530. Freu dich ſehr, o was auf Erden, will lieber selig werden. meine Seele, und vergiß all Noth und Qual, weil dich nun Christus, dein Herre, ruft aus diesem Jammerthal. Aus Trübfal und großem Leid sollst du fahren in die Freud, die kein Ohr je hat gehöret, und in Ewigkeit auch währet. Michael Altenburg(?), geb. 1583,+ 1640. Eigne Melodie. 529. Christus der ist mein Leben, Sterben ist mein Gewinn; dem hab ich mich ergeben, mit Freud fahr ich dahin. 2. Mit Freud fahr ich von dannen zu Christ, dem Bruder mein, daß ich mög zu ihm kommen und ewig bei ihm seyn. 3. Nun hab ich überwunden Kreuz, Leiden, Angst und Noth; durch seine heilgen Wunden bin ich versöhnt mit Gott. 4. Wenn meine Kräfte brechen, mein Athem geht schwer aus, und kann kein Wort mehr sprechen, Herr, nimm mein Seufzen auf! 5. Wenn mir Herz und Gedanken zergehn als wie ein Licht, das hin und her thut wanken, wann ihm die Flamm gebricht; 6. Alsdann fein sanft und stille, Herr, laß mich schlafen ein, nach deinem Rath und Willen, wenn kommt mein Stündelein. 7. Und laß mich an dir kleben und bleiben allezeit, und ewig bei dir leben in Himmelswonn und Freud. Simon Graf(?), geb. 1603,+ 1659. Eigne Melodie. 2. Tag und Nacht hab ich gerufen zu dem Herren, meinem Gott, weil mich stets viel Kreuz betroffen, daß er mir hülf aus der Noth. Wie sich sehnt ein Wandersmann, daß sein Weg ein End mög han: so hab ich gewünschet eben, daß ich enden mög mein Leben. 3. Denn gleichwie die Rosen stehen unter Dornen spißig gar, also auch die Christen gehen in lauter Angst und Gefahr. Wie die Meereswellen sind unter ungestümem Wind, also ist allhier auf Erden unser Lauf voll von Beschwerden. 4. Die Welt, Teufel, Sünd und Hölle, unser eigen Fleisch und Blut plagen stets hier unsre Seele, lassen uns bei keinem Muth. Wir sind voller Angst und Plag, lauter Krenz sind unsre Tag: wann wir nur geboren werden, Jammer gnug findt sich auf Erden. Vom Tode. 5. Wenn die Morgenröth herleuchtet, und der Schlaf sich von uns wendt, Sorg und Kummer daher streichet, Müh sich findt an allem End; unfre Thränen sind das Brod, so wir effen früh und spat; wenn die Sonn hört auf zu scheinen, hört nicht auf das bittre Weinen. 7. In dein Seite will ich fliehen auf meim bittern Todesgang, durch dein Wunden will ich ziehen in mein himmlisch Vaterland; in das schöne Paradies, das dein Wort dem Schächer wies, wirst du mich, Herr Christ, einführen und mit ewger Klarheit zieren. 369 8. Ob mir schon die Augen brechen, ob mir das Gehör verschwindt, meine Zung nichts mehr kann sprechen, mein Verstand sich nicht besinnt, bist du doch mein Licht, mein Hort, bist mein Leben, Weg und Pfort; du wirst selig mich regieren und die Bahn zum Himmel führen. 9. Freu dich sehr, o meine Seele, und vergiß all Noth und Qual, weil dich nun Christus, dein Herre, führt aus diesem Jammerthal; seine Freud und Herrlichkeit sollt du schn in Ewigkeit, mit den Engeln jubiliren, in Ewigkeit triumphiren. Mel. Gottes Sohn ist kommen 2c. 6. du Morgensterne, der du ewig- 531. Herr, nun lağ in lich aufgehst, sey du jetzt von mir nicht ferne, weil mich dein Blut hat erlöst; hilf, daß ich mit Fried und Freud mög von hinnen fahren heut. Ach, sey du mein Licht und Straße, mich mit Beistand nicht verlaffe. Friede, lebenssatt und müde, deinen Diener fahren zu den Himmelsschaaren, selig und im Stillen, doch nach deinem Willen. 2. Gerne will ich sterben und den Himmel erben; Christus mich geleitet, welchen Gott bereitet zu dem Licht der Heiden, das uns setzt in Freuden. 3. Hier hab ich gestritten, Ungemach erlitten, ritterlich gekämpfet, manchen Feind gedämpfet, Glauben auch gehalten richtig mit den Alten. Caspar von Warnberg, um 1620. 4. Thränen muß ich lassen, weinen ohne Maßen, schwere Gänge laufen, mit der Christen Haufen über Sünden klas gen, Kreuz und Trübfal tragen. 5. Nunmehr soll sichs wenden, Kampf und Lauf sich enden; Gott will mich erlöfen bald von allem Bösen; es soll besser werden, als es war auf Erden. 6. Frieden werd ich finden, 24 370 Vom Tode. ledig seyn von Sünden und auf allen Seiten nicht mehr dürfen streiten; mich soll ganz umgeben himmlisch Freudenleben. 7. Mir ist beigeleget, wo man Scepter träget, eine schöne Krone zum Genadenlohne; da werd ich ergößet und zur Ruh geſeget. 8. Mein Erlöser lebet, der mich selber hebet aus des Todes Kammer; da liegt aller Jammer; fröhlich, ohne Schreden will er mich aufwecken. 9. Dieser Leib soll gehen und in Klarheit stehen, wenn die Todten werden erstehn von der Erden; Christum werd ich schauen, darauf kann ich trauen. dich allein, der mir in meiner legten Pein mit Trost und Rath weiß beizuspringen? Wer nimmt sich meiner Seele an, wenn nun mein Leben nichts mehr kann, und ich muß mit dem Tode ringen? wenn allen Sinnen Kraft gebricht, thust du es, Gott, mein Heiland, nicht? 3. Herr Jesu, ich, dein theures Gut, bezeug es selbst mit deinem Blut, daß ich der Sünde nicht gehöre. Was will von mir der Bösewicht, daß er mich schreckt mit dem Gericht? Komm, rette deines Leidens Ehre. Du gibst mich nicht in fremde Hand, da du so viel an mich gewandt. 10. Ihme will ich singen, Lob und Ehre bringen, rühmen seine Güte mit Seel und Gemüthe, preisen seinen Namen ohn Aufhören. Amen! 4. Nein, nein, ich weiß gewiß, mein Heil, du läsfest mich mein wahres Theil in deinen offnen Wunden finden. Hier lach ich aller Macht und Noth; laß kommen Hölle, Fluch und Tod, sie sollen mich nicht überwinden. Dieweil ich lebte, war ich dein; jetzt kann ich feines Andern seyn. Dav. Böhme, geb. 1605, † 1657. Eigne Melodie. 532. Ich binja, Herr, in deiner Macht, du hast mich an das Licht du unterSimon Dach, geb. 1605, † 1659 Mel. Herzlich thut mich zc. hältst mir auch das Leben; du 533. Ich bin ein Gaſt auf fennest meiner Monden Zahl, weißt, wann ich diesem Jammerthal auch wieder gute Nacht muß geben; wo, wie und wann ich sterben soll, das weißt du, Vater, mehr als wohl. Erden und hab hier keinen Stand; der Himmel soll mir werden, da ist mein Vaterland. Hier reis ich bis zum Grabe; dort in der ewgen Ruh ist Gottes Gnadengabe, die schleußt all Arbeit zu. 2. Wen hab ich nun als Vom Tode. 2. Was ist mein ganzes Wesen von meiner Jugend an, als Müh und Noth gewesen? So lang ich denken kann, hab ich so manchen Morgen, so manche liebe Nacht mit Kummer und mit Sorgen des Herzens zugebracht. 3. Mich hat auf meinen Wegen manch harter Sturm erschreckt; manch Wetter fam entgegen und hat mir Angst erweckt; Verfolgung, Haß und Neiden, ob ichs gleich nicht verschuldt, hab ich doch müssen leiden und tragen mit Geduld. 4. So gings den lieben Alten, an deren Fuß und Pfad wir uns noch täglich halten, wenns fehlt an gutem Rath. Wie mußten sie sich plagen, in was für Weh und Schmerz, in was für Furcht und Zagen fank oft ihr armes Herz! 5. Die frommen, heilgen Seelen, sie gingen fort und fort und änderten mit Quälen den erstbewohnten Ort; fie zogen hin und wieder, ihr Kreuz war immer groß, bis daß der Tod sie nieder legt' in des Grabes Schoß. 6. Ich habe mich ergeben in gleiches Glück und Leid; was will ich beffer leben in dieser legten Zeit? Es muß ja durchgedrungen, es muß gelitten seyn; wer nicht bat 371 wohl gerungen, geht nicht zur Freud hinein. 7. So will ich zwar nun treiben mein Leben durch die Welt; doch denk ich nicht zu bleiben in diesem fremden Zelt. Ich wandre meine Straßen, die zu der Heimath führt, da mich ohn alle Maßen mein Vater trösten wird. 8. Mein Heimath ist dort droben, da aller Engel Schaar den großen Herrscher loben, der alles ganz und gar in ſeinen Händen träget und für und für erhält, auch alles hebt und leget, nachdems ihm wohlgefällt. 9. Zu dem steht mein Verlangen, da wollt ich gerne hin; die Welt bin ich durch- gangen, daß ichs fast müde bin; je länger ich hier walle, je minder sind ich Freud, die meinem Geist gefalle, das meiſt ist Herzeleid. 10. Die Herberg ist zu böſe, der Trübsal ist zu viel; ach fomm, mein Gott, und löse mein Herz, wann dein Herz will; komm, mach ein selig Ende an meiner Wanderschaft, und was mich kränkt, das wende durch deinen Arm und Kraft. 11. Was ich bisher besessen, ist nicht mein rechtes Haus; wenn mein Ziel ausgemessen, so tret ich denn hinaus, und was ich hier gebrauchet, das leg ich alles ab, und wenn ich 24* Vom ausgehauchet, so scharrt man mich ins Grab. 372 12. Du aber, meine Freude, du, meines Lebens Licht, du zeuchst mich, wenn ich scheide, hin vor dein Angesicht, ins Haus der ewgen Wonne, da ich stets freudenvoll gleich als die helle Sonne nebst Andern leuchten soll. 13. Da will ich immer wohnen und nicht nur als ein Gast bei denen, die mit Kronen du ausgeschmücket hast; da will ich herrlich singen von deinem großen Thun, und frei von allen Dingen in meinem Erbtheil ruhn. 2. Ach wie flüchtig, ach wie nichtig ist der Menschen Freude! Wie sich wechseln Stund und Zeiten, Licht und Dunkel, Fried und Streiten, so sind unsre Fröhlichkeiten. Tode. 3. Ach wie nichtig, ach wie flüchtig ist der Menschen Schöne! Wie ein Blümlein bald vergehet, wenn ein rauhes Lüftlein wehet, so ist unsre Schöne, sehet! 4. Ach wie flüchtig, ach wie nichtig ist der Menschen Dichten! Der die Kunst hat liebgewonnen und manch schönes Werk ersonnen, ist dem Tod doch nicht entronnen. Paul Gerhardt, geb. 1606,+ 1676. Eigne Melodie. 7. Ach wie flüchtig, ach wie nichtig sind der Menschen Sachen! Alles, alles, was wir sehen, das muß fallen und 534. Ach wie flüchtig, ach vergehen; wer Gott fürcht, wird ewig stehen. wie nichtig ist der Menschen Leben! Wie ein Strom beginnt zu rinnen und mit Laufen nicht hält innen, so fährt unſre Zeit von hinnen. 5. Ach wie nichtig, ach wie flüchtig sind der Menschen Schätze! Es kann Gluth und Fluth entstehen, dadurch, eh wir uns versehen, alles muß zu Trümmern gehen. 6. Ach wie nichtig, ach wie flüchtig ist der Menschen Prangen! Der im Purpur hoch vermessen ist gleichwie ein Gott gesessen, dessen wird im Tod vergessen. Michael Frand, geb. 1609, † 1667. mel. Ich hab mein Sach Gott zc. 535. Wie fleucht dahin der Menschen Zeit, wie eilet man zur Ewigkeit! Wie Wenig denken an die Stund von Herzens Grund, wie schweigt davon der träge Mund! 2. Das Leben ist gleichwie ein Traum, ein nichtger, leerer Wasserschaum; im Augenblick es bald vergeht und nicht besteht, gleichwie ihr dieses täglich seht. 3. Nur du, mein Gott, du bleibest mir das, was du bist; Vom Tode. ich trane dir. Laß Berg und Hügel fallen hin, mir ist Gewinn, wenn ich allein bei Jefu bin. 4. So lang ich in der Hütten wohn, so lehre mich, o Gottes Sohn! Gib, daß ich zähle meine Tag und munter wach, daß, eh ich sterb, ich sterben mag. 5. Was hilft die Welt in letter Noth? Lust, Ehr und Reichthum in dem Tod? O Mensch, du laufst dem Schatten zu! Das merke du, du kommst sonst nicht zu wahrer Ruh. 6. Weg, Eitelkeit, der Thoren Lust! Mir ist das höchste Gut bewußt; das such ich nur, das bleibet mir; o mein Begier, Herr Jesu, zeuch mein Herz nach dir! 7. Was wird das seyn, wenn ich dich seh und bald vor deinem Throne steh? Du unterdessen lehre mich, daß stetig ich mit flugem Herzen suche dich. Ivach. Neander, geb. 1640, † 1680. 373 von hier zu scheiden; es ist vollbracht! 2. Es ist vollbracht! mein Jesus hat auf sich genommen meine Schuld; er selber hat am Kreuzesstamm für mich, o ungemeine Huld! gebüßet, und in Jesu Wunden hab ich die rechte Freistatt funden: es ist vollbracht! Gott Lob, es ist vollbracht! Mein Jesus nimmt mich auf. Fahr hin, o Welt; ihr Freunde, gute Nacht! Ich ende meinen Lauf bei Jesu Kreuz mit tansend Freuden; ich sehne mich, 3. Es ist vollbracht! weg Krankheit, Schmerz und Pein! weg Sorgen! weg Verdruß! Sein Golgatha soll mir ein Thabor seyn; mein matter, müder Fuß wird hier auf diesen Friedenshöhen frei von Beschwerd und Banden gehen; es ist vollbracht! 5. Es ist vollbracht! der Leib mag immerhin der Würmer Speise seyn; ich weiß ja, daß ich Staub und Asche bin. Gott wird mein Fleisch und Mel. Es ist genug 2c. 536. Es ist vollbracht! Bein, wenn er die Gräber 4. 8 ist vollbracht! bier schweb ich frei von Noth; wie wohl, wie wohl ist mir! Hier speiset mich der Herr mit Himmelsbrod und zeigt mir Salems 3ier; hier hör ich mit der Selgen Singen den süßen Ton der Engel klingen: es ist vollbracht! wird aufdecken, an jenem Tage schon erwecken; es ist vollbracht! 6. Es ist vollbracht! Gott Lob, es ist vollbracht! Mein Jesus nimmt mich auf. Fahr 374 hin, o Welt; ihr Freunde, gute Nacht! Ich schließe meinen Lauf und allen Jammer, der mich troffen. Wohl mir, ich seh den Himmel offen; es ist vollbracht! Andreas Gryphius, geb. 1616, † 1664. Vom Mel. O Welt, ich muß dich sc. 537. Die Herrlichkeit der Erden muß Rauch und Asche werden; nicht Stein noch Erz bestehn. Was uns hier kann ergößen, was wir für ewig schäßen, wird als ein leichter Traum vergehn. 2. Der Ruhm, nach dem wir trachten, den wir unsterblich achten, ist nur ein falscher Wahn; sobald der Geist gewichen, und dieser Mund erblichen, so fragt kein Mensch, was wir gethan. 3. Es hilft kein weises Wissen; wir werden hingerissen ohn allen Unterscheid. Was nügt der Schlösser Menge? dem hier die Welt zu enge, dem wird ein enges Grab zu weit. 4. Dieß alles wird zerrinnen, was Müh und Fleiß gewinnen, und saurer Schweiß erwirbt; was Menschen hier besitzen, kann für den Tod nicht nüßen; dieß alles stirbet, wenn man stirbt. 5. Ist eine Lust, ein Scherzen, das nicht ein heimlich Schmerzen mit Herzensangst Tode. vergällt? Was ists, womit wir prangen? wo wirst du Ehr erlangen, die nicht zuletzt in Trümmer fällt? 6. Wie eine Rose blühet, wenn sie die Sonne stehet begrüßen diese Welt, die, eh der Tag sich neiget, eh sich der versehens fällt: Abend zeiget, verwelkt und un7. So wachsen wir auf Erden und hoffen, groß zu werden, von Schmerz und Sorgen frei; doch eh wir zugenommen und recht zur Blüthe kommen, bricht uns des Todes Sturm entzwei. 8. Wir rechnen Jahr auf Jahre, indessen wird die Bahre uns vor die Thür gebracht; drauf müssen wir von hinnen und, eh wir uns besinnen, der Erden sagen gute Nacht. 9. Auf, Herz, wach und bedenke, daß dieser Zeit Geschenke den Augenblick nur dein; was du zuvor genossen, ist wie ein Strom verflossen, und wessen wird das Künftge seyn? 10. Verlache Welt und Ehre sammt ihrer Kunst und Lehre, und ruf den Herren an, der immer König bleibet, den keine Zeit vertreibet, der dich auch ewig machen kann. 11. Wohl dem, der auf ihn trauet! er hat recht fest gebauet, und ob er hier gleich fällt, wird er doch dort be Vom Tode. stehen und nimmermehr vergehen, weil ihn die Allmacht felbit erhält. 5. Es ist genug! Herr, wenn es dir gefällt, so spanne mich doch aus! Mein Jesus kömmt, nun gute Nacht, o Welt! ich fahr ins Himmelhaus, ich fahre sicher hin im Frieden; Eigne Melodie. 538. Es ist genug! so mein großer Jammer bleibt darnieden. Es ist genug! nimm, Herr, meinen Geist zu Zions Geistern hin; lös auf das Band, das allgemach schon reißt; befreie dieſen Sinn, der sich nach seinem Gotte sehnet, der täglich klagt und nächtlich thränet: es ist genug. 2. Es ist genug des Jammers, der mich drückt; die sündliche Begier mit ihrem Gift hat mich fast gar erstickt, nichts Gutes wohnt in mir. Was täglich mich von Gotte trennet, was täglich mein Gewissen brennet, des ist geAndreas Gryphius, geb. 1616, † 1664. nug. 3. Es ist genug des Kreuzes, das mir fast den Rücken wund gemacht. Wie schwer, o Gott, wie hart ist diese Last! Ich nege manche Nacht die harte Lagerstatt mit Thränen; wie lang, wie lang muß ich mich sehnen? Wann ists genug? 4. Es ist genug! wenn nur mein Jesus will, er fennet ja mein Herz; ich harre sein und halt indessen still, bis er mir allen Schmerz, der meine steche Brust abnaget, zurücke legt und zu mir faget: es ist genug. 375 Franz Joach. Burmeister,+ 1688. mel. Liebster Jesu, wir sind zc. 539. Liebster Bater, foll es seyn, daß ich heut an diesem Tage legtmals mit Gebet erschein und dir meine Noth vortrage, ach, so richte meine Sinnen nach den hohen Himmelszinnen. • 2. Tausend- und viel tausendmal sey, o Vater, hoch gepriesen, daß in deiner Kinder Zahl du mir eine Stell gewiesen, daß ich dich hab lernen kennen und in Christo Vater nennen. 3. Heilig, heilig, heilig sey deines hohen Namens Ehre, deine Güte mancherlei, deine Kraft und wahre Lehre. Ich will dich dort ewig loben, wenn ich bin zu dir erhoben. 4. Dein Reich bast du auch zu mir hier in Gnaden lassen kommen, mich berufen und zu dir aus des Satans Macht genommen. Jesus hat mir Heil und Frieden durch sein Blut und Tod beschieden. 5. Darum wart ich mit Begier ganz getroft aufs Reich S 376 Vom Tode. der Ehren; nichts durchaus ist 11. Rückt der letzte Kampf mehr allhier, so mich soll da- herzu, tobet heftig Sünd und von abkehren. Komm, o Kö- Hölle, daß sie mir die Himnig, laß erscheinen, was ich hoff melsruh raub und meinen und all die Deinen. Glauben fälle, so steh du auf meiner Seiten, die Versuchung zu bestreiten. 6. Deinem Willen thu ich mich ganz zu einem Opfer geben; hab ich hier nicht völliglich nach demselben können leben, so werd ich doch dort erfüllen mit den Engeln deinen Willen. 7. Täglich Brod und mancherlei, was zu meinem Stand gehöret, hast du, Vater, mild und treu mir Zeit Lebens auch bescheret. Nun du Himmelsbrod willst geben, laß ich gern dieß arme Leben. 8. Bleiben gleich die Meinen hier, die mich länger möchten sehen, weiß ich doch, daß nur bei dir steht ihr Web und Wohlergehen. Ich befehle deiner Güte, was mir lieget im ● Gemüthe. 9. Nun, o Vater, laß du mir alle Schulden seyn vergeben, daß ich rein und frei zu dir fahr aus diesem Sündenleben. Jesus hat mir Gnad erworben, mit ihm ist die Schuld gestorben. 10. So vergeb ich auch gar leicht, wie du, Vater, hast gebeißen. Aller Zorn und Rach entweicht, ich will lauter Lieb erweisen. Weil du, Gott, so viel erlassen, will ich Mensch auch Niemand haffen. 12. Mach mich alles Uebels. los, gib der Sündennoth ein Ende. Ich ergebe ganz und bloß mich in deine Vaterhände; wollest mich von allem Bösen, wie du weißt und fannst, erlösen. 13. An dem allen zweifl' ich nicht, denn du bist der Himmelskönig. Zu dir ist die Zuversicht, Welt und Höll ist dir zu wenig; deine Kraft wird nie vergehen, deine Herrschaft ewig stehen. Veit Ludwig von Seckendorf, geb. 1626, † 1692. Mel. O Herre Gott, dein göttlich zc. 540. o komm, geliebte Todesstund, komm, Ausgang meiner Leiden; ich seufze recht von Herzensgrund nach jenen Himmelsfreuden. Ach, liebster Tod, komm bald heran, ich warte mit Verlangen, in weißen Kleidern angethan vor Gottes Thron zu prangen. 2. Ihr schwachen Glieder scheut euch zwar, so früh entseelt zu werden; die Seele selber kann nicht gar ohn alle Pein der Erden, darinnen sie bisher gelebt, den letzten Ab Vom Tode. schied sagen; bald ist sie freudenvoll, bald schwebt sie wieder voller Zagen. 3. Doch, Jesu, deine Liebe macht mir alle Furcht verschwinden; ich werd in dieser Todesnacht dich, Lebensfürsten, finden. Ich finde, ja ich halte dich, mein Leben, mein Verlangen; mein Leben, du wirst selber mich mit deinem Licht umfangen. 4. Drum sterb ich nicht in diesem Tod, der Tod ist nur meinleben; nach kurzemKampf, nach kurzer Noth ist dort ein ewig Schweben voll Herrlich feit, voll Ruh und Freud, voll Fried, voll Trost und Wonne, voll Seligkeit, wo allezeit Gott selber ist die Sonne. 5. Der Herzog meines Lebens ist durch Lod zum Leben gangen, und ich werd auch zu meinem Christ auf diesem Weg gelangen. Der letzte Schritt zur Seligkeit geschicht durch selig Sterben. Ist er, mein Haupt, in Herrlichkeit, wie soll sein Glied verderben? 6. Drum zage nicht, mein schwacher Sinn, verlaß den Leib der Erden, wirf alles Eitle willig hin; die Erd muß Erde werden. Die Seele bleibt in Gottes Hand in ewigem Vergnügen, das Menschenweisheit und Verstand zu fas sen nicht genügen. 377 Sterblichkeit, wir selbst sind unverloren; der Leib wird nur der Last befreit und himmlisch neu geboren. Denn was man hier verweslich fsät, was hier verdirbt im Dunkeln, das wird, sobald es aufersteht, voll Glanz und Schönheit funfeln. 7. An uns stirbt nichts als 8. Drum gebt, ihr schwachen Glieder ihr, euch willig hin der Erden; es wird von eurer Zahl und Zier ja nichts verLoren werden. Der Leib, der vormals mich bedeckt, wird dort mich wieder kleiden, wenn ich, in meinem Fleisch erweckt, beschaue Gott in Freuden. 9. Dem ich im Glauben hier gedient, der wird mich dorthin bringen, wo tausend, tausend vor mir sind und ewig Heilig! singen. Herrlichkeit, wie find ich mich, wenn engelreine Seelen mit dem verklärten Leibe sich vor Gottes Stuhl vermählen! 10. Gott selbst mit seinem Angesicht wird ewig mich erquicken; ihn werde ich in seinem Licht zur Wonne mir erblicken. Und was all meine Lebenszeit von ihm mir Guts ge= schehen, das wird im Licht der Ewigkeit vor meinen Augen stehen. Phil. Jaf. Spener, geb. 1635,+1705. Eigne Melodie. 541. Wer weiß, wie nahe mir mein Ende! hin geht die 378 Zeit, her kommt der Tod. Ach, wie geschwinde und behende fann kommen meine Todesnoth! Mein Gott, ich bitt durch Christi Blut, machs nur mit meinem Ende gut. 2. Es kann vor Nacht leicht anders werden, als es am frühen Morgen war; denn weil ich leb auf dieser Erden, leb ich in steter Todsgefahr. Mein Gott, ich bitt durch Christi Blut, machs nur mit meinem Ende gut. Vom Tode. 3. Herr, lehr mich stets mein End bedenken, und wenn ich einmal sterben muß, die Seel in Jesu Wunden senken und ja nicht sparen meine Buß. Mein Gott, ich bitt durch Christi Blut, machs nur mit meinem Ende gut. 4. Laß mich bei Zeit mein Haus bestellen, daß ich bereit fey für und für und seufze stets in allen Fällen: Herr, wie du willt, so schicks mit mir! Mein Gott, ich bitt durch Christi Blut, mach nur mit meinem Ende gut. 5. Mach immer füßer mir den Himmel und immer bittrer diese Welt; gib, daß mir in dem Weltgetümmel die Ewigfeit sey vorgestellt. Mein Gott, ich bitt durch Christi Blut, machs nur mit meinem Ende gut. 6. Ach, Vater, deck all meine Sünde mit dem Verdienste Jesu zu, darin ich mich fest glaubig winde; das gibt mir die ersehnte Ruh. Mein Gott, ich bitt durch Christi Blut, machs nur mit meinem Ende gut. 7. Nichts ist, das mich von Jesu scheide, nichts, es sey Leben oder Tod; ich leg die Hand in seine Seite und sage: mein Herr und mein Gott! Mein Gott, ich bitt durch Christi Blut, machs nur mit meinem Ende gut. 8. Ich habe Jesum angezogen schon längst in meiner heilgen Tauf; daher bist du mir auch gewogen, hast mich zum Kind genommen auf. Mein Gott, ich bitt durch Christi Blut, machs nur mit meinem Ende gut. 9. Ich habe Jesu Leib gegessen, ich hab sein Blut getrunken hier; nun fann er meiner nicht vergessen, ich bleib in ihm und er in mir. Mein Gott, ich bitt durch Christi Blut, machs nur mit meinem Ende gut. 10. So fomm mein End heut oder morgen, ich weiß, daß mirs mit Jesu glückt; ich bin und bleib in deinen Sorgen, mit Jesu Blut schön ausgeschmückt. Mein Gott, ich bitt durch Christi Blut, machs nur mit meinem Ende gut. 11. Ich leb indeß mit dir vergnüget und sterb ohn alles Vom Tode. 379 nicht sterben; Niemand, wie dein Mund selbst spricht, fann ohn dich den Himmel erben; darum bleib, ach bleib in mir, daß ich selig sterb in dir. 6. Jesu! laß auch diese nicht, so dann bitter um mich weinen; laß dein gnädig Angesicht ihnen stets mit Trost erscheinen; zeuch sie aus dem UngeMel. Jesus, meine Zuversicht 2c. 542. Liebster Jesu! laß mach endlich in den Himmel nach! mich nicht, schau auf mich, wenn ich muß kämpfen, wenn der Tod die Glieder bricht, hilf, daß ich ihn möge dämpfen und durch deinen Kreuzestod überwinden alle Noth. 2. Trener Jesu! laß mich nicht, denn du bist ein Arzt der Schwachen; ja, du hast dich mir verpflicht, daß du willt mich selig machen; meine Kräfte neigen sich, o mein Jesu! stärke mich. Kümmernis; mir gnüget, wie mein Gott es füget, ich glaub und bin es ganz gewiß: durch deine Gnad und Christi Blut machst dus mit meinem Ende gut. Nem. Juliane v. Schwarzburg. Rudolstadt(?), geb. 1637,+ 1706. 3. Starker Jesu! laß mich nicht, weil ich doch an dir nur hange; mich erschreckt zwar das Gericht, und die Sünde macht mir bange; aber dein Verdienst und Huld decket alle meine Schuld. 4. Süßer Jesu! laß mich nicht, wenn du siehst, ich soll gesegnen; führe mich, du bist mein Licht, laß die Engel mir begegnen, daß sie mich zur süßen Ruh tragen nach dem Himmel zn. 5. Treuer Jesu! laß mich nicht, denn ohn dich will ich Bach. Herrmann, geb.1643, † 1716. Mel. Wer weiß, wie nahe zc. 543. Ich sterbe täglich, und mein Leben eilt immerfort zum Grabe hin. Wer kann mir einen Bürgen geben, ob ich noch morgen lebend bin? Die Zeit geht hin, der Tod kommt her; ach, wer nur immer fertig wär! 2. Ein Mensch, der sich mit Sünden träget, ist immer reif zu Sarg und Grab; der Apfel, der den Wurm schon heget, fällt endlich unversehens ab. Der alte Bund schleußt Keinen aus; mein Leib ist auch ein Todtenhaus. 3. Es schickt der Tod nicht immer Boten; er kommet oft unangemeldt und fordert uns ins Reich der Todten; wohl dem, der Haus und Herz bestellt! Denn ewig Unglück oder Glück hängt nur an einem Augenblick. 4. Herr aller Herren, Tod 380 und Leben hast du allein in deiner Hand. Wie lange du mir Frist gegeben, das ist und bleibt mir unbekannt; hilf, daß ich jeden Seigerschlag an meinen Abschied denken mag. 5. Es kann vor Abend anz ders werden, als es am Morgen mit mir war. Den einen Fuß hab ich auf Erden, den andern auf der Todtenbahr. Ein kleiner Schritt ist nur dahin, wo ich der Würmer Speise bin. Vom Tode. 6. Ein einzger Schlag kann alles enden, und Fall und Tod beisammen seyn. Doch schlage nur mit Vaterhänden und schleuß in Christi Tod mich ein, daß, wann der Leib zu Boden fällt, die Seel an Jesu Kreuz sich hält. 7. Vielleicht kann ich kein Wort mehr sagen, wenn Auge, Mund und Herz sich schleußt. Drum bet ich bei gesunden Tagen: Herr, ich befehl dir meinen Geist! Verschließen meine Lippen sich, so schreie Jesu Blut für mich. 8. Kann ich die Meinen nicht gesegnen. so segne du sie mehr als ich. Wenn lauter Thränen mir begegnen, o Tröster, so erbarme dich und lasse der Verlaßnen Schrein durch deinen Trost erhörlich seyn. 9. Dringt mir der letzte Stoß zum Herzen, so schließe mir den Himmel auf; verkürze mir des Todes Schmerzen und hole mich zu dir binauf; so wird mein Abschied keine Pein, zwar eilig, dennoch selig seyn. Benjamin Schmold, geb. 1672, † 1737 Mel. Jesus, meine Zuversicht 2c. 544. Meine Lebenszeit 544. verstreicht, stündlich eil ich zu dem Grabe; und wie wenig ists vielleicht, das ich noch zu leben habe? Denk, o Mensch, an deinen Tod, säume nicht; denn Eins ist noth. 2. Lebe, wie du, wann du stirbst, wünschen wirst, gelebt zu haben. Güter, die du hier erwirbst, Würden, die dir Menschen gaben, nichts wird dich im Tod erfreun; dieſe Güter find nicht dein. 3. Nur ein Herz, das Jesum liebt, nur ein ruhiges Gewissen, das vor Gott dir Zeugniß gibt, wird dir deinen Tod versüßen; dieses Herz, von Gott erneut, ist des Todes Freudigkeit. 4. Wenn in deiner letzten Noth Freunde hülflos um dich beben, dann wird über Welt und Tod dich dieß reine Herz erheben; dann erschreckt dich kein Gericht, Gott ist deine Zuversicht. 5. Daß du dieses Herz erwirbst, fürchte Gott und bet und wache. Gorge nicht, wie früh du stirbst; deine Zeit ist Gottes Sache. Lern nicht nur Vom den Tod nicht scheun, lern auch seiner dich erfreun. 6. lleberwind ihn durch Vertraun, sprich: Ich weiß, an wen ich gläube, und ich weiß, ich werd ihn schaun einst in diesem meinem Leibe. Er, der rief: es ist vollbracht! nahm dem Tode seine Macht. 7. Tritt im Geist zum Grab oft hin, stehe dein Gebein versenken; sprich: Herr, daß ich Erde bin, lehre du mich stets bedenken; lehre du michs jeden Tag, daß ich weiser werden mag. Chrifti. Fürchteg. Gellert, geb. 1715, 1769. Mel. Valet will ich dir zc. 545. Die auf der Erde wallen, die Sterblichen sind Staub. Sie blühen auf und fallen, des Todes sichrer Raub. Verborgen ist die Stunde, da Gottes Stimme ruft; doch jede, jede Stunde bringt näher uns der Gruft. Tode. nun das Herz mir bricht: Herr über Tod und Lebex, o dann verlaß mich nicht! 381 2. Getrost gehn Gottes Kinder die öde, dunkle Bahn, zu der Sünder verzweif lungsvoll sich nahn, wo felbst der freche Spötter nicht mehr zu spotten wagt, vor dir, vor feinem Retter, erzittert und verzagt. 3. Wann diese Bahn zu gehen, dein Will einst mir gebeut, wann nahe vor mir stehen Gericht und Ewigkeit, wann meine Kräfte beben, und 4. Hilf, Todesüberwinder, hilf mir in dieser Angst, der du zum Heil der Sünder selbst mit dem Tode rangst. Und wenn des Kampfes Ende gewaltiger mich faßt, nimm mich in deine Hände, den du erlöset hast. 5. Des Himmels Wonn und Freuden faßt nie ein sterblich Herz. O Trost für kurze Leiden, für kurzen Todesschmerz! Dem Todesüberwinder sey ewig Preis und Dank! Preis ihm, der für uns Sünder den Kelch des Todes trank. 6. Heil denen, die auf Erden sich schon dem Himmel weihn, die aufgelöst zu werden mit heilger Furcht sich freun! Bereit, es Gott zu geben, wann er, ihr Herr, gebeut, gehn sie getrost durchs Leben hin zur Unsterblichkeit. Aus dem bayr. Gesangbuch v. 1811. Mel. Jesus, meine Zuversicht 2c. 546. Geht nun bin und grabt mein Grab, denn ich bin des Wanderns müde; von der Erde scheid ich ab, denn mir ruft des Himmels Friede, denn mir ruft die süße Ruh von den Engeln droben zu. 2. Geht nun hin und grabt mein Grab; meinen Lauf hab ich vollendet, lege nun den Vom Wanderstab hin, wo alles Irdsche endet; lege selbst mich nun hinein in das Bette sonder Pein. 3. Was soll ich hienieden noch in dem dunklen Thale machen? Denn wie mächtig, stolz und hoch wir auch stellen unsre Sachen, muß es doch wie Sand zergehn, wann die Winde drüber wehn. 382 4. Darum, Erde, fahre wohl, laß mich nun in Frieden scheiden! Deine Hoffnung, ach, ist hohl, deine Freuden sind nur Leiden, deine Schönheit Unbestand, eitel Wahn und Trug und Tand. 5. Darum letzte gute Nacht, Sonn und Mond und liebe Sterne, fahret wohl mit eurer Pracht! Denn ich reis in weite Ferne, reise hin zu jenem Glanz, worin ihr erbleichet ganz. 6. Ihr, die nun in Trauer geht, fahret wohl, ihr lieben Freunde; was von oben niederweht, tröstet ja des Herrn Gemeinde; weint nicht ob dem eitlen Schein, droben nur kann ewig seyn. 7. Weinet nicht, daß ich nun will von der Welt den Abschied nehmen, daß ich aus dem Irrthum will, aus dem Schatten, aus dem Schemen, aus dem Eitlen, aus dem Nichts hin ins Land des ewgen Lichts. 8. Weinet nicht! Mein süTode. ßes Heil, meinen Heiland hab ich funden, und ich habe auch mein Theil in den warmen Herzenswunden, woraus einst sein heilges Blut floß der ganzen Welt zu Gut. 9. Weint nicht! Mein Erlöser lebt; hoch vom finstern Erdenstaube hell empor die Hoffnung schwebt, und der Himmelsheld, der Glaube, und die ewge Liebe spricht: Kind des Vaters, zittre nicht! Ernst Morik Arndt, geb. 1769. Tod und Begräbniß von Kindern. Mel. Ermuntre dich, mein 2c. 547. Du bist zwar mein und bleibest mein; wer will mirs anders sagen? Doch bist du nicht nur mein allein; der Herr von ewgen Tagen der hat das meiste Recht an dir, der fordert und erhebt von mir dich, o mein Kind, mein Wille, mein Herz und Wunsches Fülle. 2. Ach, gält es wünschen, wollt ich dich, du Sternlein meiner Seelen, vor allem Weltgut ewiglich mir wünschen und erwählen. Ich wollte sagen: Bleib bei mir; du sollst seyn meines Hauses Zier; an dir will ich mein Lieben bis in mein Sterben üben. 3. So fagt mein Herz und meint es gut; Gott aber meints noch besser. Groß ist die Lieb Vom Tode. in meinem Muth; in Gott ist sie noch größer. Ich bin ein Vater und nichts mehr; Gott ist der Väter Haupt und Ehr, ein Quell, draus Alt und Jungen in aller Welt entsprungen. 4. Ich sehne mich nach meinem Sohn; und der mir ihn gegeben, will, daß er nah an seinem Thron im Himmel folle leben. Ich sprech: ach weh! mein Licht verschwindt; Gott spricht: willkomm, du liebes Kind; dich will ich bei mir haben und ewig reichlich laben. 5. O süßer Rath, o schönes Wort, und heilger, als wir denken! Bei Gott ist ja fein böser Ort, fein Unglück und fein Kränken, kein Angst, kein Mangel, kein Versehn; bei Gott fann Keinem Leid geschehn; wen Gott versorgt und liebet, wird nimmermehr betrübet. 6. Ach, sollt ich doch von ferne stehn und nur ein wenig hören, wenn deine Sinne sich erhöhn und Gottes Namen ehren, der heilig, heilig, heilig ist, durch den auch du geheiligt bist; ich weiß, ich würde müssen vor Freuden Thränen gießen. 7. Nun es sey ja! und bleib also: ich will nicht um dich weinen; du lebst und bist von Herzen froh, siehst lauter Sonnen scheinen, die Sonnen ewger Freud und Ruh, da leb und 383 bleib nur immerzu; wills Gott, werd ich mit Andern auch bald hinüber wandern. Baul Gerhardt, geb. 1606, 1676. Mel. Herzlich thut mich zc. 548. So hab ich obgesieget; mein Lauf ist nun vollbracht. Ich bin gar wohl vergnüget; zu tausend guter Nacht! Ihr aber, meine Lieben, thut nicht so ängstiglich. Was wollt ihr euch betrüben? Stehts doch sehr gut um mich. 2. Denkt, Vater, wie viel Sorgen, wie manche wache Nacht, wie manchen düstern Morgen ein liebes Kind oft macht. Was ihm kann widerfahren, das fürchtet, der es liebt; den Kummer fönnt ihr sparen, drum seyd doch unbetrübt. 3. Ach, Mutter, laßt die Zähren, stellt euer Klagen ein, des Höchsten sein Begehren das muß erfüllet seyn; warum ihr jeßo weinet und gar so kläglich thut, das ist sehr wohl gemeinet: Gott machet alles gut. 4. Die Freude, die sich reget bei einem Wandersmann, wenn er die Reis hinleget und kommet glücklich an, die Freude, die empfindet ein Schiffer, wenn er schier ein sichern Hafen findet, die spür ich jetzt bei mir. 5. Fahr hin, o Angst und Schmerzen, fahr immer, immer Vom Tode. 384 hin! Ich freue mich von Herzen, daß ich erlöset bin. Ich leb in tausend Freuden in meines Schöpfers Hand; mich trifft und rührt kein Leiden, so dieser Welt befannt. 6. Die noch auf Erden wallen in irrthumsvoller Zeit, vermögen kaum zu lallen von froher Viel besser, Mel. Es ist genug ic. gestorben, als in der Welt 549. 3euch hin, mein gelebt; die Schwachheit ist verdorben, worinnen ich geschwebt. 7. Schmückt meinen Sarg mit Kränzen, wie sonst ein Siegsmann prangt. Aus jenen Himmelslenzen hat meine Seel erlangt die ewig grüne Krone; die werthe Siegespracht rührt her von Gottes Sohne, der hat mich so bedacht. 8. Noch nezet ihr die Wangen, ihr Eltern, über mir; euch hat das Leid umfangen, das Herze bricht euch schier. Des Vaters treue Liebe steht sehnlich in mein Grab; die Mutter stehet trübe und fehrt die Augen ab. 9. Ich war euch nur geliehen auf eine kurze Zeit. Will Gott mich zu sich ziehen, so werfet hin das Leid und sprecht: Gott hats gegeben, Gott nimmts! er hat es Recht, bei ihm steht Tod und Leben; der Mensch ist Gottes Knecht. chen Stand. Daß es sobald geschehen, thut Gottes Vaters hand. Gott wird das Leid euch stillen; ich sterbe nicht zu jung; wer stirbt nach Gottes Willen, der stirbt schon alt genung. 10. Daß ihr mein Grab müßt sehen, zeigt unsern schwaGottfr. Wilh. Sacer, geb. 1635, † 1699. Kind! denn Gott selbst fordert dich aus dieser argen Welt. Ich leide zwar, dein Tod betrübet mich; doch weil es Gott gefällt, so unterlaß ich alles Klagen und will mit stillem Geiste sagen: Zeuch hin, mein Kind! 2. Zeuch hin, mein Kind! der Schöpfer hat dich mir nur in die Welt geliehn. Die Zeit ist weg; darum befiehlt er dir, jetzt wieder abzuziehn. Zeuch hin! Gott hat es so versehen, was dieser will, das muß geschehen; zeuch hin, mein Kind! 3. Zeuch hin, mein Kind! im Himmel findest du, was dir die Welt versagt; denn nur bei Gott ist wahrer Trost und Ruh, da wird kein Schmerz erfragt. Hier müssen wir in Aengsten schweben; dort kannst du ewig fröhlich leben; zeuch hin, mein Kind! 4. Zeuch hin, mein Kind! wir folgen alle nach, so bald es Gott gerallt. eu eilen fort, eh dir das Ungemuch verbittert Auferstehung, Gericht und ewiges Leben. diese Welt. Wer lange lebt, steht lang im Leide; wer frühe stirbt, kommt bald zur Freude; zeuch hin, mein Kind! 5. Zeuch hin, mein Kind! die Engel warten schon auf deinen frommen Geist. Du 2. Posaunen wird man hören gehn an aller Welte Ende. Darauf bald werden auferstehn all Todten gar bes bende. Die aber noch das Leben han, die wird der Herr von Stunde an verwandeln und verneuen. 385 siehest auch, wie Gottes lieber Sohn dir schon die Krone weist. Nun wohl, dein Seelchen ist entbunden, du hast im Herren überwunden: zeuch hin, mein Kind! Auferstehung, Gericht und ewiges Leben. Eigne Melodie. achtet, und nur auf Erden früh und spat nach großem 550. Es ist gewißlich an der Zeit, daß Gottes Sohn wird kommen in seiner großen Herrlichkeit, zu richten Bös und Frommen. Dann wird das Lachen werden theur, wann alles wird vergehn im Feur, wie Petrus davon schreibet. Gut getrachtet. Der wird fürwahr gar kahl bestehn und mit dem Satan müssen gehn von Christo in die Hölle. 5. O Jesu, hilf zur ſelWunden, daß ich im Buch der ben Zeit von wegen deiner Seligkeit werd eingezeichnet funden. Daran ich denn auch zweifle nicht; denn du hast ja den Feind gericht und meine Schuld bezahlet. 6. Derhalben mein Fürsprecher sey, wenn du nun wirst erscheinen, und lies mich aus dem Buche frei, darinnen stehn die Deinen, auf daß ich sammt den Brüdern mein mit dir geh in den Himmel ein, den du uns hast erworben. 7. O Jesu Christ, du machst es lang mit deinem jüngsten Tage! Den Leuten wird auf Erden bang von wegen vieler Plage. Komm doch, komm doch, du Richter groß, und 25 3. Darnach wird man ablesen bald ein Buch, darin geschrieben, was alle Menschen, jung und alt, auf Erden han getrieben; da dann gewißlich Jedermann wird hören, was er hat gethan in seinem ganzen Leben. 4. O weh demselben, welcher hat des Herren Wort verGottfr. Hoffmann, geb. 1658,+ 1712 Auferstehung, Gericht und ewiges Leben. 386 mach uns bald in Gnaden los von allem Uebel. Amen! Barth. Ringwaldt, geb. 1530, † 1598. Eigne Melodie. 551. Wachet auf, ruft Eigne Melodie. uns die Stimme der Wächter 552. Jerusalem, du hochsehr hoch auf der Zinne; wach auf, du Stadt Jerusalem! Mitternacht heißt diese Stunde; sie rufen uns mit hellem Munde: wo seyd ihr flugen Jungfrauen? Wohlauf, der Bräutgam kömmt! steht auf, die Lampen nehmt! Halleluja! Macht euch bereit zu der Hochzeit; ihr müsset ihm entgegen gehn. 2. Zion hört die Wächter singen; das Herz thut ihr vor Freuden springen; ste wachet und steht eilend auf. Ihr Freund kommt vom Himmel prächtig, von Gnaden stark, von Wahrheit mächtig; ihr Licht wird hell, ihr Stern geht auf. Nun komm, du werthe Kron, Herr Jesu, Gottes Sohn! Hosianna! Wir folgen all zum Freudensaal und halten mit das Abendmahl. solche Freude. Des jauchzen wir und singen dir das Halleluja für und für. Phil. Nicolai, geb. 1556, † 1608. 3. Gloria sey dir gesungen mit Menschen- und mit Engelzungen, mit Harfen und mit Cymbeln schön. Von zwölf Perlen sind die Thore an deiner Stadt; wir stehn im Chore der Engel hoch um deinen Thron. Kein Aug hat je gespürt, kein Ohr hat je gehört gebaute Stadt, wollt Gott, ich wär in dir; mein sehnlich Herz so groß Verlangen hat und ist nicht mehr bei mir. Weit über Berg und Thale, weit über blaches Feld schwingt es sich über alle und eilt aus dieser Welt. 2. O schöner Tag und du viel schönste Stund, wann wirst du kommen schier, da ich mit Lust, mit freiem Freudenmund die Seele geb von mir in Gottes treue Hände zum auserwählten Pfand, daß sie mit Heil anlände in jenem Vaterland? 3. Im Augenblick wird sie erheben sich bis an das Firmament, wenn sie verläßt so sanft, so wunderlich die Stätt der Element, fährt auf Eliä Wagen mit großer Engelschaar, die sie in Händen tragen, umgeben ganz und gar. 4. Ď Ehrenburg, sey nun gegrüßet mir, thu auf die Gnadenpfort; wie große Zeit hat mich verlangt nach dir, eh ich bin kommen fort aus jenem bösen Leben, aus jener Nichtigfeit, und mir Gott hat gegeben das Erb der Ewigkeit. Auferstehung, Gericht und ewiges Leben. 5. Was für ein Volk, was für ein edle Schaar kommt dort gezogen schon? Was auf der Erd von Auserwählten war, seh ich, die beste Kron, die Jesus mir, der Herre, entgegen hat gesandt, da ich noch war so ferne in meinem Thränenland; 6. Propheten groß und Patriarchen hoch, auch Christen insgemein, die weiland dort trugen des Kreuzes Joch und der Tyrannen Pein, schau ich in Ehren schweben, in Freiheit überall, mit mit Klarheit hell umgeben, mit sonnenlichtem Strahl. 7. Wann dann zuletzt ich angelanget bin im schönen Paradeis, von höchster Freud erfüllet wird der Sinn, der Mund von Lob und Preis. Das Halleluja reine man singt in Heiligkeit, das Hostanna feine ohn End in Ewigkeit, 8. Mit Jubelklang, mit Instrumenten schön auf Chören ohne Zahl, daß von dem Schall und lieblichen Getön fich regt der Freudensaal, mit hunderttausend Zungen, mit Stimmen noch vielmehr, wie von Anfang gesungen das große Himmelsheer. Joh. Matth. Meyfart, geb. 1590, † 1642. 387 und ihrer Luft ergeben, und uns selbst scheiden von der FrommenRuh und tausend Freuden? Mel. O wie selig seyb 2c. 553. Dwie mögen wir doch unser Leben so der Welt 2. Müssen wir nicht auch nach kurzen Jahren zu den Todten in die Grube fahren? Es wird geschehen, daß ein Jeder seinen Lohn soll sehen. 3. Wenn die Welt ihr Ende nun genommen, und der Richter wird vom Himmel kommen, der wird entdecken alles, was wir meinten zu verstecken. 4. O was wird er für ein Urtheil fällen, wenn er unser Thun wird vor sich stellen, wenn er wird finden, wie wir hie gelebt in lauter Sünden? 5. D Herr Christe, wolleft meiner schönen, und mir Sünder nach Verdienst nicht lohnen! Ich will verlassen alle Welt und ihre Lüste haffen. 6. Forthin soll mein Leben dir zu Ehren nimmer sich von deinem Wort abfebren. Dein will ich bleiben; feine Welt soll mehr von dir mich treiben. 7. Deine Gnadenthür steht Allen offen, die auf dich in diesem Leben hoffen; die ohn dich sterben, müssen dort mit Leib und Seel verderben. 8. Darum schließ ich mich in deine Wunden, da ich meinen Sünden Rath gefunden; dein Kreuz und Leiden führet mich zu wahren Himmelsfreuden. Heinrich Albert, geb. 1604, 1668 25* 388 Auferstehung, Gericht und ewiges Leben. Eigne Melodie. 554. wie felig seyd ihr doch, ihr Frommen, die ihr durch den Tod zu Gott gekommen! Ihr seyd entgangen aller Noth, die uns noch hält gefangen. 2. Muß man hier doch wie im Kerker leben, da nur Sorge, Furcht und Schrecken schweben; was wir hier kennen, ist nur Müh und Herzeleid zu nennen. 3. Ihr hingegen ruht in eurer Kammer, sicher und befreit von allem Jammer. Kein Kreuz und Leiden ist euch hinderlich in euren Freuden. 4. Christus wischet ab euch alle Thränen; habt das schon, wornach wir uns erst sehnen; euch wird gesungen, was durch Reines Ohr allhie gedrungen. 5. Ach, wer wollte denn nicht gerne sterben und den Himmel für die Welt ererben? Wer wollt hie bleiben, sich den Jammer länger lassen treiben? Jammer länger lassen treiben? 6. Komm, o Christe, komm, uns auszuspannen; lös uns auf und führ uns bald von dannen! Bei dir, o Sonne, ist der frommen Seelen Freud und Wonne. Simon Dach, geb. 1605,+ 1659. Eigne Melodie. 555. Ewigkeit, du Donnerwort! O Schwert, das durch die Seele bohrt! O Ankeit, Zeit ohne Zeit! Ich weiß fang sonder Ende! O Ewigvor großer Traurigkeit nicht, wo ich mich hinwende; mein ganz erschrocknes Herz erbebt, daß mir die Zung am Gaumen flebt. 2. Kein Unglück ist in aller Welt, das endlich mit der Zeit nicht fällt, und ganz wird auf gehoben. Die Ewigkeit hat nur kein Ziel; sie treibet fort und fort ihrSpiel, läßt nimmer ab zu toben. Ja, wie mein Heiland selber spricht: ihr Wurm und Feuer stirbet nicht. id) 3. D Ewigkeit, du machst mir bang! O ewig, ewig ist zu lang! hier gilt fürwahr kein Scherzen. Drum wenn diese lange Nacht zusammt der großen Pein betracht, erschreck ich recht von Herzen. Nichts ist zu finden weit und breit so schrecklich, als die Ewigkeit. 4. Ach Gott, wie bist du so gerecht; wie strafest du den bösen Knecht so hart im Pfuhl der Schmerzen! Auf kurze Sünden dieser Welt hast du die lange Pein bestellt. Ach, nimm es wohl zu Herzen! Betracht es oft, o Menschenkind: kurz ist die Zeit, der Tod geschwind. 5. Wach auf, o Mensch, vom Sündenschlaf; ermuntre dich, verlornes Schaf, und begre bald dein Leben! Wach auf, Auferstehung, Gertcht und ewiges Leben. es ist doch hohe Zeit; es kommt heran die Ewigkeit, dir deinen Lohn zu geben. Vielleicht ist heut der letzte Tag. Wer weiß doch, wann er sterben mag? 6. Ewigkeit, du Donnerwort! O Schwert, das durch die Seele bohrt! Anfang sonder Ende! O Ewigfeit, Zeit ohne Zeit! Ich weiß vor großer Traurigkeit nicht, wo ich mich hinwende. Nimm du mich, wann es dir gefällt, Herr Jesu, in dein Freudenzeft. Joh. Rift, geb. 1607, † 1667. Eigne Melodie. 556. Alle Menschen müssen sterben, alles Fleisch vergeht wie Heu; was da lebet, muß verderben, soll es anders werden neu; dieser Leib der muß verwesen, wenn er anders foll genesen der so großen Herrlichkeit, die den Frommen ist bereit. 2. Drum so will ich dieses Leben, wann es meinem Gott beliebt, auch ganz willig von mir geben, bin darüber nicht betrübt; denn in meines Jefu Wunden hab ich schon Erlösung funden, und mein Trost in Todesnoth ist des Herren Jesu Tod. 389 Freud dahin, hier aus diesem Weltgetümmel in den schönen Gotteshimmel, da ich werde allezeit schauen die Dreieinigfeit. 3. Jesus ist für mich gestorben, und sein Tod ist mein Gewinn; er hat mir das Heil erworben, drum fahr ich mit 4. Da wird seyn das Freudenleben, da viel tausend Seelen schon sind mit Himmelsglanz umgeben, stehen da vor seinem Thron, da die Seraphinen prangen und das hohe Lied anfangen: Heilig, heilig, heilig heißt Gott der Vater, Sohn und Geist. 5. Da die Patriarchen wohnen, die Propheten allzumal, wo auf ihren Ehrenthronen in so viel tausend Jahren alle fizet die gezwölfte Zahl, wo Frommen hingefahren, da wir unserm Gott zu Ehrn ewig Halleluja hörn. 6. O Jerusalem, du schöne, ach, wie belle glänzest du! Ach, wie lieblich Lobgetöne hört man da in sanfter Ruh! O der großen Freud und Wonne! segund gehet auf die Sonne, jeßund gehet an der Tag, der fein Ende nehmen mag. 7. Ach, ich habe schon erblicket diese große Herrlichkeit; jekund werd ich schön geschmüdet mit dem weißen Himmelsfleid; mit der goldnen Ehrenfrone steh ich da vor Gottes Throne, schane solche Freude an, die fein Ende nehmen fann. Johann Georg Albinus, geb. 1624,+1679. Auferstehung, Gericht und ewiges Leben. Eigne Melodie. 557. Welt, ade, ich bin dir ist Angst und Noth, SorSonne scheinen, so verhemmt die Nacht das Licht. Welt, bei gen und der bittre Tod; in dem Himmel allezeit Friede, Ruh und Seligkeit. dein müde, ich will nach dem Himmel zu; da wird seyn der rechte Friede und die stolze Seelenruh. Welt, bei dir ist Krieg und Streit, nichts denn lauter Eitelkeit; in dem Himmel allezeit Friede, Ruh und Seligkeit. 6. Nun es wird dennoch zer zer geschehen, daß ich auch in furZeit meinen Heiland werde Zeit meinen Heiland werde sehen in der großen Herrlichfeit. Denn bei uns ist lauter Noth, Müh und Furcht, zuletzt der Tod; aber dort ist allezeit Friede, Freud und Seligkeit. 2. Wenn ich werde dahin kommen, bin ich aller Krankheit los, und der Traurigkeit entnommen, ruhe sanft in Gottes Schoß. In der Welt ist Angst und Noth, endlich gar der bittre Tod; aber dort ist allezeit Friede, Freud und Seligkeit. 3. Was ist hier die Erden3. Was ist hier die Erdenfreude? Nebel, Dunst und Herzeleid; hier auf dieser schwarzen Haide sind die Laster ausgestreut. Welt, bei dir ist Krieg und Streit, nichts denn lauter Eitelkeit; in dem Himmel allezeit Friede, Ruh und Seligkeit. 390 4. Unaussprechlich schöne finget Gottes auserwählte Schaar. Heilig, Heilig, Heilig! klinget in dem Himmel immerdar. Welt, bei dir ist Spott und Hohn und ein steter Jammerton; aber dort ist allezeit Friede, Freud und Seligkeit. 5. Nichts ist hier denn lauter Weinen, keine Freude bleibet nicht; will uns gleich die 7. D, wer nur dahin gelanget, wo jezund der schöne Chor in vergüldten Kronen pranget, und die Stimme schwingt empor! Denn die Welt hat Krieg und Streit, all ihr Thun ist Eitelkeit; in dem Himmel allezeit Friede, Ruh und Seligkeit. anbrechen? Stunden, o wann 8. Zeit, wann wirst du doch schlaget ihr? daß ich mich doch mög besprechen mit dem Schönsten für und für. Welt, du hast nur Sturm und Streit, lauter Qual und Traurigkeit; aber dort ist allezeit Friede, Freud und Seligkeit. 9. Jetzt will ich mich fertig machen, daß mein Thun vor Gott besteh, daß, wenn alles wird zerkrachen, es heißt: komme, und nicht: geh. Welt, bei dir ist Angstgeschrei, Sørge, Furcht und Heuchelei; in Auferstehung, Gericht und ewiges Leben. dem Himmel allezeit Friede, Ruh und Seligkeit. Johann Georg Albinus, geb. 1624, 1679. Eigne Melodie. 558. Jefus, meine Zuversicht und mein Heiland, ist im Leben. Dieses weiß ich; sollt ich nicht darum mich zufrieden geben, was die lange Todesnacht mir auch für Gedan, fen macht? 2. Jesus, er mein Heiland, lebt. Ich werd auch das Leben schauen, seyn, wo mein Erlöser schwebt; warum sollte mir denn grauen? Lässet auch ein Haupt sein Glied, welches es nicht nach sich zieht? 3. Ich bin durch der Hoffnung Band zu genau mit ihm verbunden. Meine starke Glaubenshand wird in ihm gelegt befunden, daß mich auch kein Todesbann ewig von ihm trennen fann. 4. Ich bin Fleisch und muß daher auch einmal zu Aschen werden; das gesteh ich, doch wird er mich erwecken aus der Erden, daß ich in der Herrlich keit um ihn seyn mög allezeit. 5. Dann wird eben diese Haut mich umgeben, wie ich gläube; Gott wird werden an391 land, kennen; ich, ich selbst, fein Fremder nicht, werd in seiner Liebe brennen. Nur die Schwachheit um und an wird von mir seyn abgethan. 6. Dieser meiner Augen Licht wird ihn, meinen Hei7. Was hier franfet, seufzt und fleht, wird dort frisch und herrlich gehen. Irdisch werd ich ausgesät; himmlisch werd ich auferstehen. Hier geh ich natürlich ein; nachmals werd ich geistlich seyn. 8. Seyd getrost und hocherfreut! Jesus trägt euch, meine Glieder; gebt nicht Statt der Traurigkeit! sterbt ihr, Jesus ruft euch wieder, wenn die letzt Posaun erklingt, die auch durch die Gräber dringt. 9. Lacht der finstern Erdenfluft; lacht des Todes und der Höllen! denn ihr sollt euch durch die Luft eurem Heiland zugesellen. Dann wird Schwachheit und Verdruß lies gen unter eurem Fuß. 10. Nur, daß ihr den Geist erhebt von den Lüften dieser Erden, und euch dem schon jetzt ergebt, dem ihr beigefügt wollt werden. Schickt das Herze da hinein, wo ihr ewig wünscht zu seyn. Louise Henriette, Churfürftin von Brandenburg, geb. 1627, † 1667. geschaut dann von mir in dieMel. Valet will ich dir 2c. sem Leibe, und in dieſem Fleisch 559. Ermuntert euch, thr werd ich Jesum sehen ewiglich. Frommen, zeigt eurer Lampen Schein! Der Abend ist ge 392 Auferstehung, Gericht und ewiges Leben. fommen, die finstre Nacht bricht ein. Es hat sich aufgemachet der Bräutigam mit Pracht; auf! betet, kämpft und wachet, bald ist es Mitternacht. 2. Macht eure Lampen fertig und füllet sie mit Del, und seyd. des Heils gewärtig, bereitet Leib und Seel; die Wächter Zions schreien: der Bräutigam ist nah; begegnet ihm im Reihen und singt Halleluja! 3. Ihr klugen Jungfraun alle, hebt nun das Haupt empor mit Jauchzen und mit Schalle zum frohen Engelchor. Die Thür ist aufgeschlossen, die Hochzeit ist bereit; auf, auf, ihr Reichsgenossen! der Bräutgam ist nicht weit. 4. Er wird nicht lang verziehen, drum schlafet nicht mehr ein; man sieht die Bäume bluhen; der schönste Frühlingsschein verheißt Erquicungszeiten; die Abendröthe zeigt den schönen Tag von weiten, da vor das Dunkle weicht. 5. Begegnet ihm auf Erden, ihr, die ihr Zion liebt, mit freudigen Geberden und seyd nicht mehr betrübt; es sind die Freudenstunden gekommen, und der Braut wird, weil sie überwunden, die Krone nun vertraut. 6. Die ihr Geduld getragen und mit gestorben seyd, sollt nun nach Kreuz und Klagen in Freuden sonder Leid mit leben und regieren, und vor des Lammes Thron mit Jauchzen triumphiren in eurer Siegeskron. 7. Hier sind die Siegespalmen; hier ist das weiße Kleid; hier stehn die Waizenhalmen im Frieden nach dem Streit und nach den Wintertagen; hier grünen die Gebein, die dort der Tod erschlagen; hier schenkt man Freudenwein. 8. O Jesu, meine Wonne, komm bald und mach dich auf; geh auf, erwünschte Sonne, und fördre deinen Lauf! O Jesu, mach ein Ende und führ uns aus dem Streit; wir heben Haupt und Hände nach der Erlösungszeit. Laur. Laurentii, geb. 1660, † 1722. Mel. O Jesu Christ, meins C. 560. Sündenmenſch, bedenk den Tod, der letzten Stunde Angst und Noth; mach dich mit wahrer Buß bereit, zu leben in der Ewigkeit. 2. Besißest du die ganze Welt mit höchster Ehr und allem Geld, erfreut es dich ein kleine Zeit und dienet nicht zur Ewigkeit. 3. Erschallt in deinen Ohren nicht: ihr Todten, kommet vor Gericht? Ist doch der jüngste Tag nicht weit, dem folgen wird die Ewigkeit. 4. Wenn du begehrest Gottes Huld, so meid der Sünden Auferstehung, Gericht und ewiges Leben. schwere Schuld, die wider deine Seele streit: so bist du frei in Ewigkeit. 5. Unzählig ist der Sternen Heer, die Tropfen und der Sand am Meer; doch haben fie Maß, Ziel und Zeit und gleichen nicht der Ewigkeit. 6. Besinn und denfe fort und fort, was ewig! für ein Donnerwort. Ach, feiner Zeiten Zeit befreit dich von der ewgen Ewigkeit. Mel. Jesus, meine Zuversicht 2c. 561. Himmelan geht unfre Bahn; wir sind Gäste nur auf Erden, bis wir dort nach Kanaan durch die Wüste kommen werden. Hier ist unser Pilgrimsstand, droben unser Vaterland. 393 schmecket. Nach der Kost im Jammerthal folgt des Lammes Hochzeitmahl. 4. Himmelan! denk ich allzeit, wann er mir die Tafel decket, und mein Geist hier allbereit eine Kraft des Himmels 5. Himmelan! mein Glaube zeigt mir das schöne Loos von ferne, daß mein Herz schon aufwärts steigt über Sonne, Mond und Sterne; denn ihr Licht ist viel zu klein gegen jenen Glanz und Schein. 6. Himmelan wird mich der Tod in die rechte Heimath führen, da ich über alle Noth ewig werde triumphiren. Jesus geht mir selbst voran, daß ich freudig folgen kann. 7. Himmelan, ach himmelan! das soll meine Losung bleiben. Ich will allen eitlen Wahn durch die Himmelsluft vertreiben. Himmelan steht nur mein Sinn, bis ich in dem Himmel bin. Benjamin Schmold, geb. 1672, 1737. 2. Himmelan schwing dich, mein Geist! denn du bist ein himmlisch Wesen und fannst Mel. Valet will ich dir zc. das, was irdisch heißt, nicht zu 562. Ich geh zu deinem deinem Zweck erlesen. Ein von Gott erleuchter Sinn kehrt in seinen Ursprung hin. 3. Himmelan! ruft er mir zu, wenn ich ihn im Worte höre; das weist mir den Ort der Ruh, wo ich einmal hingehöre. Wenn mich dieses Wort bewahrt, halt ich eine Himmelfahrt. Grabe, du großer Osterfürst, weil ich die Hoffnung habe, daß du mir zeigen wirst, wie man kann fröhlich sterben und fröhlich auferstehn, auch mit den Himmelserben ins Land des Lebens gehn. 2. Du liegest in der Erde und hast sie eingeweiht, wenn ich begraben werde, daß sich mein Herz nicht scheut, auch in den Staub zu legen, was zu dem Staube kehrt, weil dir Auferstehung, Gericht und ewiges Leben. 394 doch allerwegen die Erde zu gehört. 3. Du schläfest in dem Grabe, daß ich auch meine Rub an die sem Orte habe; du drückst die Augen zu, so soll mir gar nicht grauen, wenn mein Gesicht vergeht; ich werde den wohl schauen, der mir zur Seiten steht. 4. Dein Grab war wohl versiegelt, doch brichst du es entzwei; wenn mich der Tod verriegelt, so bin ich dennoch frei. Du wirst den Stein schon rücken, der auch mein Grab bedeckt; da werd ich den erblicken, der mich vom Tod erweckt. 5. Du fährest in die Höhe und zeigest mir die Bahn, wohin ich endlich gehe, da ich dich finden kann. Dort ist es ficher wohnen, wo lauter Glanz um dich; da warten lauter Kronen in deiner Hand auf mich. 6. O meines Lebens Leben, o meines Todes Tod! Ich will mich dir ergeben in meiner letzten Noth. Ich will mein Bette machen in deine liebe Gruft; da werd ich schon erwachen, wenn deine Stimme ruft. 7. Du wirst den Delberg zeigen, wo man gen Himmel fährt; da will ich fröhlich steigen, bis daß ich eingekehrt in Salems Friedenshäuser; da heißts: Halleluja! da trägt man Siegesreiser; ach, wär ich nur schon da! Benjamin Schmold, geb. 1672,+ 1737. Mel. Unser Herrscher, unser ic. 563. D Jerusalem, du schöne, da man Gott beständig ehrt und das himmlische Getöne: Heilig, Heilig, Heilig! hört; ach, wann komm ich doch einmal hin zu deiner Bürger Zahl? 2. Ach, wie wünsch ich, dich zu schauen, Jesu, liebster Seelenfreund, dort auf deinen Salemsauen, wo man nicht mehr klagt und weint, sondern in dem höchsten Licht schauet Gottes Angesicht! 3. Komm doch, führe mich mit Freuden aus der Fremde hartem Stand; hol mich heim nach vielen Leiden in das rechte Vaterland, wo dein Lebenswasser quillt, das den Durst auf ewig stillt. 4. O der auserwählten Stätte, o der Wohnung voller Zier! Ach, daß ich doch Flügel hätte, mich zu schwingen bald von hier nach der neuerbauten Stadt, welche Gott zur Sonne hat! 5. Soll ich aber länger bleis ben auf dem ungestümen Meer, wo mich Sturm und Wellen treiben durch so mancherlei Beschwer, ach, so laß in Kreuz und Pein Hoffnung meinen Anker seyn. 6. Laß dein Angesicht nur winken, so ist Wind und Meer gestillt. Christi Schifflein kann Auferstehung, Gericht und ewiges Leben. nicht sinken, wär das Meer auch noch so wild; obgleich Mast und Segel bricht, läßt doch Gott die Seinen nicht. Nach aus dem Württemberger Gesangbuch. Mel. Unser Herrscher, unser 2c. 564. Wer sind die vor Gottes Throne? was ist das für eine Schaar? träget jeder eine Krone, glänzen wie die Sterne klar; Halleluja singen all, loben Gott mit hohem Schall. 2. Wer sind die, so Palmen tragen wie ein Sieger in der Hand, wann er seinen Feind geschlagen, hingestrecket in den Sand? Welcher Streit und welcher Krieg hat gezeuget diesen Sieg? 3. Wer sind die in reiner Seide, welche ist Gerechtigkeit, angethan mit weißem Kleide, das bestäubet keine Zeit und veraltet nimmermehr? Wo sind diese kommen ber? 4. Es sind die, so wohl ge rungen für des großen Gottes Ehr, haben Welt und Tod bezwungen, folgend nicht dem sündgen Heer, die erlanget auf den Krieg durch des Lammes Blut den Sieg. 395 ein End; Gott hat all ihr Leid gewendt. 6. Es sind Zweige eines Stammes, der uns Huld und Heil gebracht; haben in dem Blut des Lammes ihre Kleider hell gemacht; sind geschmückt mit Heiligkeit, prangen nun im Ehrenkleid. 5. Es sind die, so viel erlitz ten Trübfal, Schmerzen, Angst und Noth, im Gebet auch oft geftritten mit den hochgelobten Gott. Nun hat dieser Kampf 7. Es sind die, so stets erschienen hier als Priester vor dem Herrn, Tag und Nacht bereit zu dienen, Leib und Seel geopfert gern; nunmehr stehn fie all herum vor dem Stuhl im Heiligthum. 8. Dahin stred auch ich die Hände, o Herr Jesu, zu dir aus; mein Gebet ich zu dir wende, weil ich noch in deinem Haus hier auf Erden steh im Streit; treibe, Herr, die Feinde weit. 9. Hilf mir in dem Kampfe siegen wider Sünde, Höll und Welt; laß mich nicht darnieder liegen, wenn ein Sturm mich überfällt. Führe mich aus aller Noth, Herr, mein Fels, mein trener Gott! 10. Daß mein Theil sey bei den Frommen, welche, Herr, dir ähnlich sind, daß auch ich der Noth entnommen, als dein dir getreues Kind dann, genahet zu dem Thron, nehme den verheißnen Lohn. 11. Welches Wort faßt diese Wonne, wann ich mit der heilgen Schaar in dem Strahl der Auferstehung, Gericht und ewiges Leben. 396 reinen Sonne leuchte wie die Sterne flar! Amen, Lob sey dir bereit, Dank und Preis in Ewigkeit! seinr. Theobald Schent, † 1727. mehr, das Alte ist nicht mehr, Halleluja! Er sank hinab, wie wir, ins Grab. Er ging zu Gott, wir folgen ihm. 3. Nicht der Mond, nicht mehr die Sonne scheint uns alsdann; er ist die Sonne, der Sohn, die Herrlichkeit des Herrn. Heil, nach dem wir weinend rangen, nun bist du, Heil, uns aufgegangen, nicht mehr im Dunkel, nicht von fern! Nun weinen wir nicht Friedr. Gottlieb Klopstod, geb. 1724, † 1803. Mel. Wachet auf, ruft zc. Mel. Es ist gewißlich an 2c. 565. Selig find des Him- 566. Groß wird des mels Erben, die Todten, die im Herren sterben, zur Auferstehung eingeweiht. Nach den legten Augenblicken des Todes schlummers folgt Entzücken, folgt Wonne der Unsterblich, feit. Im Frieden ruhen sie, los von der Erde Müh. Hostanna! vor Gottes Thron, zu seinem Sohn, begleiten ihre Werke ste. Sünders Elend seyn, unendlich schwer zu tragen. Ach, unter des Gewissens Pein wird seine Seele zagen, wann ihn, den nichts zur Buße weckt, der Tag des Weltgerichts erschreckt, zur Rechenschaft ihn fordert. 2. Danf, Anbetung, Preis und Ehre, Macht, Weisheit, ewig, ewig Ehre sey dir, Verföhner, Jesu Christ! Ihr, der Ueberwinder Chöre, bringt Dank, Anbetung, Preis und Ehre dem Lamme, das geopfert ist! Er fanf, wie wir, ins Grab, wischt unsre Thränen ab, alle Thränen! Er hats vollbracht! nicht Tag, nicht Nacht wird an des Lammes Throne seyn. 2. Verschwendet ist die Gnadenzeit! Wie viele seiner Stunden sind in dem Dienst der Eitelkeit vergebens ihm verschwunden! Er hat des Lebens Zweck verfehlt, o welche Reu ergreift und quält zu spät nun seine Seele! 3. Wo bleibt nun jedes eitle Gut, worauf sein Wunsch sich lenkte? Wo bleibt der Stolz, der llebermuth, womit er Andre fränkte? Gebeugt ist jetzt sein tropig Herz, und jede Luft wird nun in Schmerz, in Pein und Qual verwandelt. 4. Nun flucht ihm, wer des Lasters Bahn, durch ihn verführt, erwählte; nun flagen ihn die Seelen an, die er aus Bosheit quälte; und jeder Schmerz, durch ihn vermehrt, und jedes Glück, durch ihn gestört, tritt furchtbar ihm vor Augen. Auferstehung, Gericht und ewiges Leben. 5. Des Richters ernste Stim- der Sünden Nächer, Gott? me spricht: Weicht von mir, Ulebelthäter! und selber sein Gewissen spricht: Du bist ein Uebelthäter! Von Gottes Angesicht verbannt, fühlt er, was sonst er frech verkannt: Gott ist gerechter Richter. 6. O Sünder, sichre Sünder, eilt, euch reuvoll zu bekehren! Laßt nicht, weil das Gericht verweilt, euch durch den Wahn bethören, zur Beßrung sey noch immer Zeit, und fern fey noch die Ewigkeit, fern des Gerichtes Strafe. 7. Sie kömmt, ihr mögt, was Gott euch droht, bezweifeln oder glauben; und leicht fann euch ein schneller Tod die Zeit zur Beßrung rauben. Jetzt noch will Gott Erbarmer seyn, will eure Sünden noch verzeihn. O suchet seine Gnade! Joh. Christi. Grot, geb. 1733,+ 1800. Mel. Ewigkeit, du zc. 567. Der unfre Menschheit an sich nahm, als er uns zu versöhnen kam, fommt einst zu richten wieder; nicht fern ist seiner Zukunft Zeit, in aller seiner Herrlichkeit steigt Jesus dann hernieder; vernimms, o Welt, und begre dich! Der Tag des Schreckens nahet sich! 397 2. Warum verzeucht er? fragt der Spott. Wo bleibt Hört, Sünder, hörts mit Beben: euch, die ihr frech ihm widerstrebt und in der Bosheit sicher lebt, zur Beßrung Frist zu geben! Doch bald ist euer Maß erfüllt; bald kommt der Richter und vergilt! 3. Dann öffnet um euch her sich weit der Abgrund jener Ewigkeit mit allen seinen Schrecken; dann wird euch, wann der Richter droht, nicht Berg und Meer, nicht Grab und Tod vor seinem Zorne decken; denn nun nicht mehr erbarmt er sich, und sein Gericht ist fürchterlich. 4. Wann furchtbar feiner Donner Schall und tönender Posaunen Hall der Erde Grund erschüttern, und plößlich nun der Bau der Welt wanft, frachend stürzt, in Trümmern fällt, wann selbst die Himmel zittern, und vor den Richter hingerückt der Spötter glaubet und erschrickt: 5. Dann ist nicht mehr zur Buße Zeit; wo werdet ihr Barmherzigkeit und Gnad und Rettung finden, die ihr der Bosheit Maß noch häuft? Fühlt, eh euch dieser Tag ergreift, die Lasten eurer Sünden, daß ihr nicht selbst euch einst verflucht und in Verzweiflung Lindrung sucht. 6. Mein Herz erschrickt; es bebt in mir mein Innerstes 398 Auferstehung, Gericht und ewiges Leben. Gott, vor dir, ich bin ein Missethäter! Begnadige, wenn dein Gericht auch mir mein ewig Urtheil spricht, mich, Herr, den Uebertreter! Du, der die Sünder nicht verstößt, du, Jesu hast auch mich erlöst! 7. Tag Gottes, Tag der Ewigkeit, du predigst uns den Werth der Zeit laut mit des DonnersStimme! Reizt, Menschen, nicht durch eure Schuld den Gott der Langmuth und Geduld, daß er nicht schnell ergrimme; denn schrecklich wird der Sünder Pein, und groß der Frommen Wonne seyn! Gottfr. Bened. Funt, geb. 1734,+ 1814. Mel. Straf mich nicht zc. 568. Herr, ich bin dein Eigenthum, dein ist auch mein Leben; mir zum Heil und dir zum Ruhm hast du mirs gegeben. Väterlich führst du mich auf des Lebens Wegen meinem Ziel entgegen. 2. Einst kommst du mit groBer Kraft zum Gericht auf Erden, und ich soll zur Rechenschaft dann gerufen werden. Dein Gericht schonet nicht, Richter aller Welten; du, du willst vergelten. 3. Weh dann mir in Ewigfeit, wenn ich deine Gabe, meine Kräfte, meine Zeit hier gemißbraucht habe! Wehe mir, hab ich hier sie nicht treu verwendet, sorglos sie verschwendet! 4. Möchte täglich dein Gericht mir vor Augen schweben! Möcht ich immer meiner Pflicht treu zu bleiben streben! daß ich nie thöricht sie außer Augen sege, nie ste frech verlege. 5. Lehre mich gewissenhaft meine Tage zählen, eingedenk der Rechenschaft, nur, was gut ist, wählen. Gib, daß ich ernstlich mich täglich und auch heute darauf vorbereite. 6. Zeigt sich erst die Ewigkeit furchtbar in der Nähe, o dann ist es nicht mehr Zeit, daß ich Gnad erflehe. Wann der Tod schon mir droht, kann ich deinen Willen, Herr, nicht mehr erfüllen. 7. Mein Gewissen strafe mich gleich bei jeder Sünde, daß ich, Mittler, bald durch dich Gnade such und finde. Rufe du dann mir zu: such in mir dein Leben, dann ist dir vergeben. richts werd ich mit den From8. Einst am Tage des Gemen zu dem Anschaun deines Lichts gnädig aufgenommen. Wonnevoll, Jesu, soll dich im höhern Leben dann mein Dank erheben. Balth. Münter, geb. 1735, † 1793 Register. [ Rach den Nummern der Lieder.] Rr. Ach bleib bei uns, Herr Jefu 314 Ach bleib mit deiner Gnade 21 Ach Gott des Himmels, Laffe 28 Ach Gott, erhör mein Seufzen 408 Ach Gott, gib du uns deine. 22 Ach, Gott und Herr, wie groß 338 Ach Gott, verlaß mich nicht. 24 Ach, Gott vom Himmel 301 Ach Gott, wie manches. 405 Ach, Herre, du gerechter Gott 506 Ach wie flüchtig, ach wie nichtig 534 Ach, wie heilig ist der Ort.. 173 Ach, wir armen Sünder.... 91 Ach, wundergroßer Siegesheld 140 Allein Gott in der Höh... 164 Allein zu dir, Herr Jesu Christ 337 Alle Menschen müffen sterben 556 Alles ist an Gottes Segen.. 260 Als Jesus an dem Kreuze.. 106 Am Kreuz erblaßt. 110 An dir allein, an dir hab.. 346 Anf, auf, ihr meine Lieder.. 443 Auf, auf, ihr Reichsgenossen. 52 Auf, auf, mein Herz..... 32 Auf, Christen, laßt uns unsern 277 Auf, Christenmensch! auf, auf 371 Auf Christi Himmelfahrt allein 139 Auf diesen Tag bedenken wir 136 Auferstehn, ja auferstehn.... 230 Auf Gott und nicht auf. 399 Auf, ihr Heiden, lobet 331 Auf meinen lieben Gott. 406 Aus Gnaden soll ich selig.. 364 Aus meines Herzens Grunde 432 Aus tiefer Noth laßt uns... 175 Aus tiefer Noth schrei ich... 174 Befiehl du deine Wege. 409 Bei dir, Jesu, will ich bleiben 211 Bescher uns, Herr, das täglich 458 Beschränkt, ihr Weisen dieser 356 Beschwertes Herz, leg ab Bet Gemeine, heilge dich... Bleib ja bei mir Bringt her dem Herren Lob. 10 Christe, du Beistand deiner.. 317 Christe, du bist der helle Tag 463 1.. 34 29 42 .... .... ..... ... Rr. Chrifte, du Lamm Gottes... 187 Christen erwarten in allerlei 505 Christ fuhr gen Himmel.... 135 Chrifti Blut und Gerechtigkeit 276 Christ ist erstanden 115 118 206 74 73 Christ lag in Todesbanden.. 117 Chrift, unser Herr, zum. 182 Christus der ist mein Leben. 529 Chriftus ift erstanden Dantet, danket Gott mit.. Das alte Jahr ist nun dahin Das alte Jahr vergangen Das liebe neue Jahr geht an 72 Das walte Gott, der helfen. 449 Das walt Gott Vater und Gott 433 Deines Gottes freue dich... 367 Dein Wort, o Herr, bringt. 324 Dein Wort, o Höchster, ist.. 310 Dennoch bleib ich stets an 421 Der Abend kommt, die Sonne 481 Der du, Herr Jesu, Rub und 113. Der du kannst nichts, als gütig 499 Der du uns als Vater liebest 160 Der Glaube macht allein... 350 Der Glaub ist eine Zuversicht 235 Der Herr, der aller Enden. 258 Der Herr ist Gott und keiner 248 Der Herr ist mein getreuer. 264 Der Hölle Pforten sind 124 Der lieben Sonne Licht und 475 Der Sabbath ist vergangen. 489 Der Tag ist hin, mein Geist 479 Der Tag mit seinem Lichte.. 469 Der Thron der Weltbeherrscher 181 Der unsre Menschheit an... 567 Dich, Jesum, laß ich ewig nicht 296 Die auf der Erde wallen... 545 Die Christen gehn von Ort. 228 Die Feinde deines Kreuzes.. 326 Die güldne Sonne, voll Freud 439 Die helle Sonn leucht Die Herrlichkeit der Erden... 537 Die Himmel rühmen.. 247 Die Macht der Wahrheit.... 330Die Nacht ist kommen, drin. 464 Die Nacht nunmehr vergangen 454 431 ... · .. r ..... 400 Nr. 71 68 26 249 266 Dieß ist der Tag, den Gott. Dieß ist die Nacht, da mir Die Sonn hat sich mit ihrem 468 Dieß sind die beilgen zehn.. 302 Die Sünden sind vergeben.. 362 Dir, dir, Jehova, will ich Dir, höchster Herr und König 180 Dreieinigkeit, der Gottheit.. 167 Du bist in die Welt gekommen 271 Du bist zwar mein und bleibeft 547 Du dreimal großer Gott 165 Du großer Schmerzenmann. 95 Du, Herr, bist meine Zuversicht 263 Du Herr der Seraphinen... 255 Du, meine Seele, singe. Durch Adams Fall. Durch Trauern und durch.. 77 Du unerforschlichs Meer der 186 Du Vater deiner Menschenkinder 379 Du wesentliches Wort...... 270 Edler Geift im Himmelsthrone 300 Ein feste Burg... 170 Ein Jahr der Sterblichkeit.. 79 Ein Jahr geht nach dem 80 Ein Lämmlein geht und trägt 98 in reines Herz, Herr... 372 Eins ist noth; ach Herr 288 Ei, wie so fanft entschliefeft. 227 Erhalt uns, Herr, bei...... 313 Erhebe dich, o meine Seel.. 447 Erinnre dich, mein Geist... 130 Ermuntert euch, ihr Frommen. 559 Ermuntre dich, mein schwacher. 65 Erneure mich, o ewges Licht. 298 Erschienen ist der herrlich. 120 Es fähret heute Gottes. 138 Es hat der Herr zu allen Es ist das Heil uns.... Es ist genug, so nimm.. Es ist gewißlich an der Zeit Es ist nicht schwer, ein Christ 393 Es ist vollbracht! Er ist... 107 Es ist vollbracht, Gott Lob.. 536 Es foftet viel, ein Chrift... 392 Es woll uns Gott genädig.. 328 Ewig, ewig bin ich dein.... 209 Fabre fort, fahre fort, Zion 320 Fang dein Werk mit... 494 Freu dich sehr, o meine. ..... 550 ... ... ... Register. .. ... Nr. 484 27 ... Freuet euch, ihr Christen... 66 Freuet euch, ihr Gottes Kinder 85 Fröhlich soll mein Herze.... 62 Früh morgens, da die Sonn 122 Für alle Güte sey. Gedente mein Geht bin, ihr gläubigen.. 244 Geht nun hin und grabt mein 546 Geist vom Vater und vom.. 299 Gefreuzigter, zu deinen Füßen 430 Gelobet sey der Herr, mein. 166 Gelobet feyst du, Jesu Christ 57 Gelobt sey Gott im höchsten 119 Gib dich zufrieden und sey stille 410 Gott, deine Gnade bringt uns 366 Gott, deine Gütte reicht so weit 30 Gott, den ich als Liebe tenne 508 Gott, der Vater, wohn uns. 163 Gott der wirds wohl machen 261 Gott des Himmels und der. 437 Gott, dir gefällt kein 349 Gott, du Licht, das ewig 446 Gott, durch dessen Wort.... Gottes Sohn ist kommen 60 Gottes und Marien Sohn.. 269 Gott fäbret auf gen Himmel 141 Gott, gib einen milden Regen 156 Gott ist gegenwärtig; laffet.. 242 Gott ist mein Hort 309 Gott ist mein Lied... Gott ist und bleibt getreu Gott lebet noch... 253 246 426 418 Gott Lob! Der Tag ist nun 473 Gott Lob! die Woch ist auch 486 Gott Lob! ein neues Kirchen222 267 538 ... ...... jahr.. 56 Gott Tob! Ein Schritt zur. 478 81 ... Gott Lob! ich bin aufs Neu. 205 Gott Lob! Nun ist die Nacht 451 Gott Lob! Nun ist erschollen 502 Gott, mein einziges Vertrauen 391 Gott ruft der Sonn und Gott sey Dank durch alle Welt 45 Gott sey gelobet und gebenedeiet 202 Gott sorgt für dich, was.... 414 Gott Vater, höre unsre Bitt. 183 Gott Vater, sende deinen Geift 297 Gott verfiegle nun das Wort 43 530 Gott, vor dessen Angesichte.. 243 ...... ✰✰✰✰✰✰✰✰ Register. - Nr. Gott wills machen, daß die. 424 Großer Gott von alten Zeiten 33 Großer Immanuel, schaue von 321 Großer Mittler, der zur.... 272 Groß wird der Sünder Elend 566 Halleluja, jauchzt, ihr Chöre 132 Halleluja! Lob, Preis und.. 169 196 Halt im Gedächtniß.... Heiland, deine Menschenliebe 274 Herr Chrifte, treuer Heiland. 92 Herr, deine Allmacht reicht.. 252 Herr, deine Rechte und Gebot 384 Herr, dein Wort, die eble.. 308 Herr, der du als ein stilles. 200 82 Herr, der du deinen Namen. Herr, der du in der Höhe.. 347 Herr, der du mir das Leben 485 Herr, der du vormals haft.. 503 Herr, du haft für alle Sünder 195 Herr, du wollft uns vorbereiten 201 Herr, es ist von meinem Leben 477 Herr Gott, der du den Ehestand 221 Herr Gott, dich loben wir.. Herr Gott, dich loben wir, regier 504 Herr Gott, du bist von Ewigkeit 251 Herr Gott, nun schleuß den. 528 Herr Gott, Vater im. 1 460 212 Herr, ich bin dein Eigenthum 568 Herr, ich bitte dich, erwähle 498 Herr Jesu Christ, dein theures 354 Herr Jesu Christ, dich zu uns 36 Herr Jesu Christ, du höchstes Gut, sieh doch..... Herr Jesu Christ, du höchstes Gut, wir kommen 191 Herr Jesu Christe, Gottes Sohn 46 HerrJesu Christe, mein getreuer 193 Herr Jesu Christ, wahr Mensch 518 Herr Jesu, deine Angst und Pein 102 Herr Jesu, der du selbst von 219 25 Herr Jesu, Gnadensonne ...... Herr Jesu, Licht der Heiden. 89 Herr, mein Licht, erleuchte.. 311 Herr, mein Versöhner, der du 400 Herr, nun laß in Friede... 531 Herr, öffne mir die Herzensthür 37 Herr, ohne Glauben kann... 237 Herr, stärke meinen schwachen 380 Herr, stärke mich, dein Leiden 109 401 Nr. 275 18 Herr, unser Gott, laß nicht. 513 Herr, von unendlichem Herr, vor deinem Angesicht. 41 Herr, wie du willst, so schicks 521 Herr, wie sind noch viel.... 333 Herr Zebaoth, dein heilges.. 305 Herzlich lieb hab ich dich.. Herzlich thut mich verlangen 524 Herzliebster Jesu, was haft.. 93 Heut triumphiret Gottes.... 121 Hilf, Helfer, hilf, du kannst. 428 Hilf, Helfer, hilf in Angst.. 404 Hilf, Herr Jesu! laß gelingen 76 Himmelan geht unsre Bahn. 561 Hinunter ist der Sonnenschein 465 Hirte deiner Schafe.. Höchster, denk ich an Höchster Gott, durch deinen. Höchster Tröster, komm.. Hosianna Davids Sohne Hosianna! Davids Sohn kommt 53 Hüter, wird die Nacht der.. 453 Jauchzet Gott in allen Landen 128 Jauchzet, ihr Himmel....... 69 Ich armer Mensch doch gar. 527 Ich armer Mensch, ich armer 215 Ich bin bei Gott in Gnaden 351 Ich bin ein Gast auf Erden 533 Ich bin getauft auf deinen.. 208 Ich bin ja, Herr, in deiner. 532 359 Ich bin im Himmel 480 51 Ich danke dir für deinen Tod 103 Ich danke dir, o Gott, in... 435 Ich erhebe mein Gemüthe... 217 Ich freue mich, mein Gott.. 355 Ich geh zu deinem Grabe... 562 Ich glaube, daß die Heiligen 323 Ich habe nun den Grund... 357 Ich hab in Gottes Herz und 411 Ich hab in guten Stunden. 509 Ich hab mich Gott ergeben.. 525 Ich komme, Herr, und suche. 199 Ich komme vor dein Angesicht 31 Sch lasse Gott in allem 417 322 17 Ich lobe dich von ganzer Ich ruf zu dir, Herr Jesu. Ich schäme mich des Heilands. 278 Ich finge dir mit Herz und. Ich sterbe täglich. 6 543 26 ... 348 452 159 ... 402 Nr. Ich und mein Haus wir sind 495 Ich weiß, an wen ich gläube 236 Ich weiß, an wen mein Glaub 239 Ich weiß, mein Gott, daß.. 259 Ich weiß von keinem andern 358 Ich will dich immer treuer.. 293 Ich will dich lieben, meine.. 283 Ich will von meiner Missethat 344 Je größer Kreuz, je näher.. 422 Jehova, Jehova, Jehova.... 14 Jerusalem, du hochgebaute.. 552 Jesaja, dem Propheten, bas. 162 Jesu, bittend kommen wir.. 334 Jefu, deiner zu gedenken.... 294 Jefu, deine tiefen Wunden.. 94 Jesu, der du meine Seele.. 343 Jesu, der du wollen büßen. 105 Jesu, geb.voran.. 223 Jesu, großer Wunderstern... 86 Jesu, hilf fiegen, du Fürste. 377 Jesu, meine Freude..... 282 Jesu, meiner Seele Leben... 285 Jesu, meines Lebens Leben.. 97 Jesus Christus herrscht als.. 144 Jesus Christus, unser Heiland, der den Tod.. 116 190 295 .... 78 64 Jesus ist mein Leben.. Jesus lebt, mit ihm auch ich 131 Jesus, meine Zuversicht, 558 Jesus nimmt die Sünder an 216 Jesus soll die Losung seyn. Ihr Christen auserkoren.. Shr Eltern, gute Nacht.. 231 Immanuel! der Herr ist hier 70 In allen meinen Thaten.... 257 In Chrifti Wunden schlaf ich 519 In dich hab ich gehoffet 16 In dieser Morgenstund will. 436 Ist Gott für mich. .... 352 Komm auf uns, o Geist des 161 Komm, Gott Schöpfer, heiliger 147 Komm, heilger Geist, oSchöpfer 146 Komm, heiliger Geist, Herre. 148 Komm, o komm, du Geist des 155 Kommst du, kommst du, Licht 47 Kommt her, ihr Christen, voller 172 Kommt und laßt euch Jesum 385 Jesus Christus, unser Heiland, der von uns.. Register. .... Rr. König, dem tein König..... 273 Lasset mich mitFreuden sprechen 184 Laffet uns mit Jesu ziehen.. 389 Laß mich dein seyn und 19 Laß, Bater, deinen guten Geift 368 Liebe, die du mich zum Bilde 284 Liebster Jesu, laß mich nicht 542 Liebster Jesu, wir sind hier, deinem Worte.. 185 Liebster Jesu, wir sind hier, bich und 39 Liebster Bater, soll es seyn.. 539 Lobe den Herren, o meine.. 13 Lobe den Herrn, den mächtigen 8 Lobet den Herren alle, die ihn 440 Lobt den Höchsten, Jesus lebet 133 Lobt Gott, ihr Christen, alle 61 Mache dich, mein Geist, bereit 375 Mach, Herr, Ein Herz..... 224 Machs mit mir, Gott, nach. 526 Macht hoch die Thür... 44 Man lobt dich in der Stille 240 Mein Auge wacht..... 483 Mein bester Trost in diesem. 402 Mein erst Gefühl sey... 456 Meine Lebenszeit verstreicht. 544 Meine Seel ist stille ...... 419 Meinen Jesum laß ich nicht. 281 Mein Gott, nun ist es wieder 444 Mein Heiland nimmt die... 363 Mein Herz, gib dich zufrieden 420 Mein Jesu, der du vor dem 198 Mein Jesus ist ein Freund. 218 Merk, Seele, dir das große. 395 Mir ist Erbarmung widerfabren 360 Mir nach, spricht Christus.. 370 Mit Ernst, o Menschenkinder 50 Mit Fried und Freud ich fahr 88 Mit meinem Gott geh ich... 472 Mitten wir im Leben 515 Morgenglanz der Ewigkeit.. 442 Nimm von uns, Herr, du.. 512 Nun bitten wir den heilgen. 149 Nun bricht die finstre Nacht. 488 Nun bringen wir den Leib.. 229 Nun danfet alle Gott... Nun danket all und bringet. Nun freut euch, Gottes Kinder 137 Nun freut euch, lieben Christen 265 ..... 3 5 Nr. Nun, Gott Lob! es ist..... 40 Nun jauchzet all, ihr Frommen 49 Nun kommt das neue 55 Nun laßt uns den Leib.... 225 Nun laßt uns gehn und.... 75 Nun laßt uns Gott, dem... 457 Nun lob mein Seel den. 2 Nun preiset alle... 4.4 Nun ruhen alle Wälder.... 470 Nun sich der Tag geendet hat 476 Nun sich der Tag geendet, mein 482 Nun sich die Nacht geendet hat 448 11 daß ich tausend Zungen.. O du allersüßte Freude... 153 O du Liebe meiner Liebe.... 104 O Durchbrecher aller Bande. 374 O du Schöpfer aller Dinge. 214 D Ewigkeit, du Donnerwort. 555 O frommer Gott, ich danke. 497 O frommer und getreuer Gott 510 O Gott, der du das Firmament 507 O Gott, du frommer Gott.. 20 O Gott, du höchster Gnadenhort 38 O Gottes Sohn, Herr Jesu 234 O Gott, von dem wir alles 178 O Haupt voll Blut und.... 100 Oheilger Geist, du ewger.. 150 Oheilger Geist, kehr bei uns 154 O heilige Dreieinigkeit... 500 O heilige Dreifaltigkeit. 434 Oheiliger Geist, o heiliger.. 151 O Herre Gott, dein.. 303 ... Register. ..... O hilf, Christe, Gottes Sohn 90 D Jerusalem, du schöne.... 563 O Jesu Christe, wahres Licht 329 O Jesu Christ, meins Lebens 522 O Jesu, du mein Bräutigam 192 O Jesu, Herr der Herrlichkeit 220 ... Jesu, Licht und Heil der. 327 O Jesu, meines Lebens Licht 455 O Jesu, meine Wonne..... 204 O Jesu, süßes Licht.. 450 O Jesu, treuster Heiland mein 466 O Jesu, voller Kraft.. 342 OKönig aller Ehren. O Lamm Gottes unschuldig. 189 O Mensch, bedenk zu dieser.. 517 O selges Licht, Dreifaltigkeit. 462 O Sündenmensch, bedenk... 560 83 6 Rubet wohl, ihr Todtenbeine 226 Rüstet euch, ihr Christenlente 376 Schaffe in mir, Gott, ein... 188 Schaffet, schaffet, Menschenfinder 373 Schaff in mir, Gott, ein reines 345 Schmücke dich, o liebe Seele 194 Schmückt das Fest mit Maien 158 Schutzgott, dessen starte Rechte 256 Schwing dich auf zu deinem 353 Seele, du mußt munter.... 445 Seele, geb auf Golgatha.... 108 Seelenbräutigam Seele, sey zufrieden. 286 423 Seele, was ermüdst du dich. 291 Seele, wenn du stets willst. 396 Selig find des Himmels.... 565 Sey getreu bis an das Ende 388 Sey Gott getreu.... 369 54 548 238 397 Sey Lob und Ehr dem höchsten 9 Sey mir tausendmal gegrüßet 101 Sey stille, mildgequältes Herz 429 Siegesfürst und Ehrenkönig. 143 Sieh, dein König kommt zu Sieh, wie lieblich und wie.. 394 So führst du doch recht selig 262 So hab ich obgesteget So hoff ich denn mit So Jemand spricht: ich liebe. So ist die Woche nun. 487 So komm, geliebte Todesstund 540 Sollt es gleich bisweilen Sollt ich aus Furcht vor 307 Sollt ich jetzt noch, da mir. 401 Sollt ich meinem Gott nicht. 7 Sorge doch für meine Kinder 496 So ruhest du, o meine Ruh. 114 So wahr ich lebe, spricht... 339 Speis uns, Vater, deine Kinder 461 Straf mich nicht in deinem Zorn 176 26* 415 Nr. O Tod, wo ist dein Stachel 123 O Traurigkeit, o Herzeleid.. 112 O Vater der Barmherzigkeit, der 319 O Vater der Barmherzigkeit, ich 341 O Welt, ich muß dich lassen 516 O Welt, fieh hier dein Leben O wie mögen wir doch unser 553 O wie selig seyd ihr doch, ihr 554 Owie selig sind die Seelen 290 Ninge recht.... ... 378 99 403 ... ..... 404 Register. Nr. Such, wer da will... 280 Thut mir auf die schöne Pforte 35 Treuer Wächter Israel.... 514 Ueberwinder, nimm die Palmen 129 Unsre müden Augenlieder.... 474 Unumschränkte Liebe, gönne.. 241 Valet will ich dir geben.... 523 Vater unser im Himmelreich. 15 Vergib uns, lieber Herre Gott 23 Verlaß mich nicht, bis ich erkalte 365 Verleih uns Frieden gnädiglich 501 Versuchet euch doch selbst.... 390 Verzage nicht, du Häuflein.. 316 Vom Himmel hoch da komm ich 58 Vom Himmel kam der Engel 59 Von des Himmels Thron... 210 Von Gott will ich nicht lassen 382 Vor deinen Thron tret ich.. 438 Vor G'richt, Herr Jesu, steb ich 213 Wach auf, du Geist der ersten 332 Wach auf, mein Herz, die Nacht 126 Wach auf, mein Herz, und.. 441 Wachet auf, ruft uns die... 551 312 Wär Gott nicht mit uns. Warum sollt ich mich denn.. 412 Was Gott thut, das ist wohlgethan, es bleibt Was Gott thut, das ist wohlgethan, so denken... Was ists, daß ich mich quäle 427 Was mein Gott will, das g'scheh 403 Was willt du dich betrüben. 407 Weicht, ihr Berge, fallt..... 361 Welt, ade, ich bin dein müde 557 Wenn Christus seine Kirche. 325 Wenn dein herzliebster Sohn 268 Wenn ich, o Schöpfer, deine 254 Wenn kleine Himmelserben.. 232 Wenn meine Sünd mich kränken 96 Wenn mein Stündlein.... 520 Wenn wir in höchsten Nöthen 511 Werde Licht, du Stadt der.. 84 Werde munter, mein Gemüthe 471 Wer den Ehstand will erwählen 492 Wer Gottes Wort nicht hält 398 Wer Gott vertraut, hat. 383 Wer ist wohl wie du Wer nur den lieben Gott läßt 413 Wer recht die Pfingsten feiern 157 416 179 289 ... .... ***. Nr. Wer sind die vor Gottes... 564 Wer weiß, wie nahe mir mein 541 Wie fleucht dahin der Menschen 535 Wie Gott mich führt, so will 425 Wie groß ist des Allmächtgen 245 Wie groß, wie angebetet ist. 335 Wie heilig ist die Stätte hier 197 Wie herrlich ists, ein Schäflein 292 87 Wie herrlich strahlt der.. Wie schön ists doch, Herr Jesu 491 Wie schön leucht uns der... 279 Wie soll ich dich empfangen. 48 Wie wohl haft bu gelabet... 203 Wie wohl ist mir, o Freund 287 Willkommen, Held im Streite 127 Wir danken dir, Herr Jesu Christ, daß du für uns. 111 Wir danten dir, Herr Jesu 467 Christ, daß du unser... Wir danken dir, Herr Jesu Christ, daß du vom..... 125 Wir danken Gott für seine.. 459 Wir glauben all an Einen Gott, Schöpfer 233 Wir glauben all an Einen Gott, Bater... 168 Wir liegen hier zu deinen Füßen 177 Wir Menschen sind zu dem.. 304 Wir nahen uns, o Gottes... 207 Wir sind vereint, Herr Jesu. 336 Wir singen dir, Immanuel. 63 Wo Gott, der Herr, nicht bei 171 Wohl dem, der den Herren. 386 Wohl dem, der Jesum liebet 306 Wohl dem, der in Gotts Furchte 490 Wohl dem Menschen, der nicht 387 Wohl einem Haus, wo Jesus 493 Womit soll ich vich wohl.... 12 340 Wo soll ich fliehen hin Wunderbarer Gnadenthron. Wunderbarer König... 67 549 142 250 3euch ein zu meinen Thoren 152 Zench hin, mein Kind Zeuch uns nach dir.... Zion, gib dich nur zufrieden 318 Zion flagt mit Angst und.. 315 Zum Himmel bist du..... 3ween der Jünger gehn mit 134 Zwei Ding, o Herr, bitt ich. 381 145 ..... .... Anhang kurzer Gebete, welche sämmtlich aus Habermanns Gebetbuch genommen sind, mit Ausnahme des Reisegebetes und der den Sterbenden in den letzten Zügen vorzusprechenden Gebete. Morgensegen am Sonntag. Herr, himmlischer Vater, ewiger Gott, gebenedeiet sey deine göttliche Kraft und Allmächtigkeit, gelobet sey deine grundlose Güte und Barmherzigkeit, gepreiset sey deine ewige Weisheit und Wahrheit, daß du mich in dieser gefährlichen Nacht mit deiner Hand bedecket und unter dem Schatten deiner Flügel hast sicher ruhen und schlafen lassen, auch vor dem bösen Feind und allen seinen heimlichen Listen und Tücken bewahret und ganz väterlich beschirmet. Darum lobe ich dich um deine Güte und um deine Wunder, die du an den Menschenkindern thust, und will dich bei der Gemeine preisen; dein Lob soll allweg in meinem Munde seyn, meine Seele soll allzeit dich, meinen Herrn, rühmen und was in mir ist, deinen heiligen Namen preisen, und will nimmermehr vergessen alles, was du mir Gutes gethan hast. So laß nun dir gefallen das Lobopfer aus meinem Munde, welches ich dir des Morgens früh in Einfältigkeit meines Herzens bringe. Ich rufe zu dir von ganzem Gemüth, du wollest mich heute diesen Tag auch behüten vor aller Gefahr Leibes und der Seelen und deinen lieben Engeln über mir Befehl thun, daß sie mich behüten auf allen meinen Wegen. Umgib mich zuringst mit deinem Schilde und führe mich auf dem Steig deiner Gebote, daß ich unsträflich wandele in deinem Dienst, wie die Kinder des Tages, zu deinem Wohlgefallen. Wehre dem bösen Feind und allen Aergernissen dieser Welt, darzu steure meinem Fleisch und Blut, daß ich nicht, von ihnen überwältiget, etwan gröblich wider dich handele und dich mit meinen Sünden erzürne Regiere du mich mit deinem heiligen Geist, daß ich nichts vornehme, thue, rede oder gedenke, denn allein was dir gefällig und zu Ehren deiner göttlichen Majestät gereichet. Siehe, mein Gott, ich übergebe und opfere dir mich heut ganz und gar eigen in deinen Willen, mit Leib und Seele, mit allem Vermögen und Kräften, innerlich und äußerlich. Mache du mich dir zu einem Opfer, das da lebendig, heilig und wohlgefällig sey, damit ich dir einen vernünftigen und angenehmen Gottesdienst leiste. Darum, du heiliger Vater, allmächtiger Gott, laß mich dein Eigenthum seyn, regiere mein Herz, Seel und Gemüth, daß ich nichts, denn dich, wisse und verstehe. Herr, früh wollest du meine Stimme hören, früh will ich mich zu dir schicken und darauf merken, früh 406 Abendsegen am Sonntag. will ich dich loben und des Abends nicht aufhören, durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen! Abendsegen am Sonntag. Ewiger Gott, barmherziger Vater, ich hebe meine Hände auf zu dir, wie ein Abendopfer, und sage dir von Herzen Lob, Preis und Dank, daß du mich diesen Tag und die ganze Zeit meines Lebens vor allem Uebel und Unfall durch den Schuß deiner lieben Engel wider den bösen Feind gnädiglich beschirmet hast. Ich bitte dich, du wollest mitr vergeben alle meine Sünde, wo ich unrecht gethan habe, und mich heute diese Nacht ferner mit deinen heiligen Engeln umgeben, daß sie sich zuringst um mich lagern und eine Wagenburg um mich schlagen, auf daß ich des bösen Feindes Fallstrick und arger List möge entfliehen. Laß mich, dein armes Geschöpf, deiner Güte und Barmherzigkeit befohlen seyn. Schüße mich mit deinem ausgestreckten Arm; denn von Herzen begehre ich dein des Nachts, dazu mit meinem Geist in mir wache ich allezeit zu dir. Ich harre deiner Güte, und meine Seele hoffet auf dich, lebendiger Gott; denn du bist meine Zuflucht und treuer Heiland. Siehe, Herr, wir schlafen oder wachen, so sind wir dein; wir leben oder sterben, so bist du ja unser Gott, der uns geschaffen hat. Darum schreie ich zu dir: laß deine Gnade nicht fern von mir seyn, beschirme mich mit deinem Schild. Erhalte mich, daß ich geruhiglich liege und sanft einschlafe und gesund wieder erwache. Decke mich in deiner Hütten zur bösen Zeit, verbirg mich heimlich in deinem Gezelt und erhöhe mich auf einen Felsen, so werd ich mir nicht grauen lassen; und ob ich schon wanderte im finstern Thal, werde ich kein Unglück fürchten; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich. So verleihe mir nun deine Gnade, daß mein Leib schlafe, die Seele aber allzeit zu dir wache, und daß ich dich stets in meinem Herzen habe, und du nimmermehr aus meinem Gemüthe kommest, auf daß mich die Nacht der Sünden nicht überfalle. Bewahre mich vor bösen, schändlichen Träumen, vor unruhigem Wachen und unnüßen Sorgen, vor argen, schweren Gedanken und vor aller Qual. Siehe, mein Gott und Herr, in deinen gnädigen Schuß befehl ich dir mein Leib und Seele( meine liebe Eltern, Geschwister) und Alle, die mir mit Blutfreundschaft oder sonsten verwandt sind. Du getreuer Gott und Vater, du hast uns ge= macht, wir sind deiner Hände Werk und Schafe deiner Weide. Laß dirs gefallen, Herr, daß du uns errettest, wende deine Barmherzigkeit nicht von uns, laß deine Güte und Treue allweg uns behüten. Darum bedecke uns in dieser Nacht mit deiner Güte, umfahe uns mit deiner Gnade auf allen Seiten, unterlege uns mit deiner Barmherzigkeit, daß wir an Seel und Leib behütet werden Amen! Morgen- und Abendsegen am Montag. Morgensegen am Montag. O du unsterblicher, gütiger und barmherziger Gott, Vater unsers Herrn Jesu Christi, dieweil du deinem Volk im Geset geboten hast, dir alle Morgen ein Brandopfer zu thun, dich damit zu loben und dir zu danken für deinen gnädigen Schuß, so bringe ich dir jetzt auch das Lobopfer, das ist, die Frucht meiner Lippen und preise deinen heiligen Namen, daß du mich durch deine große Gnade und Barmherzigkeit heut diese Nacht vor allem Uebel und Schaden an Leib und Seele behütet und wider meinen Widersacher, den bösen Feind, ganz väterlich erhalten hast. Denn wo du nicht mein Schild und Beistand wärest gewesen, so hätte mich unzähliges Unglück verderbet, daß ich nicht gesund hätte mögen aufstehen. Darum danke ich dir jetzt billig für deine gnädige Beschügung. Weiter schreie ich zu dir aus Grund meines Herzens, und mein Gebet kommt früh vor dich, früh suche ich dich und bitte, du wollest mich mit allem, was mir zuständig ist, heut ferner behüten vor der List und Gewalt des Teufels, vor Sünden, Schanden und allem Uebel. Komme du mir zuvor in dieser Frühstunde mit deiner Gnade, sintemal ich ohne dich nichts vermag, und hilf, daß ich an diesem Tage alle meine Werk in deinem Namen christlich anfahe und seliglich vollführe zu Ehren deiner göttlichen Majestät und zu Nuß meines Nächsten. Bewahre meine Seele, Verstand, Vernunft, Sinne und Gedanken, all mein Thun und Lassen, daß der leidige Teufel mir nicht könne schaden. Beschüße mich vor der Seuche, die im Mittag verderbet; behüte mich vor allen meinen Feinden, sichtbaren und unsichtbaren, daß sie mich mit ihren Listen und Tücken, mit all ihrer Gewalt und Bosheit, heimlich und öffentlich nicht können verlegen noch beschädigen. Herr Gott Vater und Herr meines Lebens, behüte mich auch vor unzüchtigem Gesichte und wende von mir alle böse Lüste. Laß mich nicht in Schlemmen und Unkeuschheit gerathen und behüte mich vor unverschämtem Herz zen. Hilf, daß ich durch deine Gnade das Aug, so mich ärgern will, ausreiße und von mir werfe durch Ablegung böser und unreiner Begierden des Herzens. Nimm von mir hinweg alles, was dir mißfällt und mir schädlich ist; gib mir, was dir wohlgefällt und mir nüßlich ist, auf daß ich dir in wahrem Glauben diene. Siehe mich an, du Heiland aller Welt, mit den Augen deiner Barmherzigkeit und erleuchte mein Herz und Augen, daß ich wandele in dem Glanz deiner Gnaden, so über mir aufgehet, auf daß ich dich, das ewige Licht, nimmermehr verliere. Amen! 407 Abendsegen am Montag. du starker, lebendiger Gott, Vater unsers Herrn Jesu Christi, ich danke dir, daß du mich heute diesen Tag durch deinen 408 Morgensegen am Dienstag. göttlichen Schuß vor allem Schaden und Gefahr gnädiglich behütet hast, daß ich nicht bin kommen in Feuersnoth, daß mich Wasserfluthen nicht ersäuft haben, daß ich nicht bin gefallen in die Schärfe des Schwerts, daß mich die Feinde nicht ermordet und böse Leute nicht beschädigt haben, in Summa, daß ich nicht kommen bin in Gefährlichkeit Leibes und Lebens; das alles habe ich allein deiner Barmherzigkeit zu danken, der du mich auf allen meinen Wegen und Stegen behütest. Ich bitte nun ferner, du wollest mir vergeben alle meine Sünde, die ich wider dich gethan habe, und mich sammt Allen, so mir verwandt sind und zugehören, heut diese Nacht und die ganze Zeit unsers Lebens auch gnädiglich bewahren vor aller Angst und Beschwerniß, vor des Teufels List und Geschwindigkeit, damit er uns Tag und Nacht gedenket zu bestricken. Behüte uns auch vor der schädlichen Pestilenz, die im Finstern schleichet; bewahre uns vor dem Strick des Feindes. Errette uns, daß wir nicht kommen in das Netz des Jägers, so unserer Seelen nachstehet. Beschüße uns auch vor schweren Sichtungen und Gebrechen, vor Furcht und Schrecken des Feindes, vor allem Uebel Leibes und der Seelen; denn du bist mein gewaltiger Schuß, meine große Stärke, mein Schirm wider alle Pfeile des Satans, mein Licht in Finsterniß und Schatten des Todes. Du bist unsre feste Burg, unser Wehr und Waffen, unser Nothhelfer, auf den wir hoffen. Darum, du getreuer Gott, laß deine Augen über uns offen seyn und bewahre uns in dieser Nacht vor aller Gewalt und Anfechtung des bösen Feindes, sey unser Wächter und Hüter, umgib uns mit deinem Schuß, auf daß der Teufel uns nicht könne beschädigen; denn bei dir allein steht unser Heil, zu dir allein hebe ich meine Augen auf, daher mir Hülfe kommet; meine Hülfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erden gemacht hat. Siehe, wie die Augen der Knechte auf die Hände ihrer Herren sehen; wie die Augen der Mägde auf die Hände ihrer Frauen: also sehen unsre Augen auf den Herrn, unsern Gott, bis er uns gnädig werde. Sey uns gnädig, Herr, sey uns gnädig; denn wir sind arm und elend. Erhebe über mich das Licht deines Antlißes und erleuchte meine Augen, daß ich nicht im Tod entschlafe, der du lebest und regierest in Ewigkeit. Amen! Morgensegen am Dienstag. Gelobet fey Gott, der Schöpfer Himmels und der Erden, gelobet sey der Herr, der allein Wunder thut, und gelobet sey sein heiliger Name ewiglich! Der den Tag und die Nacht durch seine göttliche Weisheit geschaffen und unterschieden hat, dazu verordnet, daß, so lang die Erde stehet, sie nicht sollen aufhören, auf daß der Mensch des Nachts möge seine Ruhe haben und am Tage wieder an seine Arbeit gehen. Herr, wie sind deine Werke so Abendsegen am Dienstag. 409 groß und viel, du hast sie alle weislich geordnet, und die Erde ist voll deiner Güter. Für solche deine Wohlthaten sollen wir dir danken, ehe die Sonne aufgehet, und vor dich treten, wenn das Licht hervorbricht. Darum preise ich dich jetzt auch, daß du mich in dieser Nacht hast sicher schlafen und ruhen lassen, auch wiederum fröhlich und gesund erwachen, dazu vor aller des Feindes Gewalt und Bosheit väterlich beschirmet. Ich bitte dich, du wollest meine Seele in deine Händ einschließen, meinen Leib nach deinem Wohlgefallen gesund erhalten und mich vor allem Uebel und Schaden behüten. Sey du mein gewaltiger Schuß, meine große Stärke, mein Schirm wider die Hiße, meine Hütte wider den heißen Mittag, meine Hut wider das Straucheln, meine Hülfe wider den Fall, auf daß mich kein Uebel treffe. O gütiger Gott, weil die Stunde auch da ist, aufzustehen vom Schlaf der Sünden und aller Ungerechtigkeit, fintemal unser Heil jetzt gar nahe ist, denn die Nacht ist vergangen, und der Tag herbeikommen, so hilf, daß wir ablegen die Werke der Finsterniß und anlegen die Waffen des Lichts, auf daß wir ehrbarlich wandeln, als am Tage, nicht in Fressen und Saufen, nicht in Geilheit und Unzucht, nicht in Hader und Neid, sondern daß wir anziehen Jesum Christum in wahrem Glauben und christlichem Wandel. Derhalben wecke mich alle Morgen, wecke mir das Ohr, daß ich mit gläubigem Herzen dein heiliges Wort höre, dasselbige in meinem Gedächtniß behalte, auf daß ich meine Ohren neige zu dem Schreien und Flehen der Armen und Elenden, dieselben in ihrer Noth nicht verlasse. Und wenn ich wieder in meiner Angst zu dir rufe, so erhöre du auch die Stimme meines Flehens, und verachte nicht das Seufzen in meiner legten Noth. Laß mein Gebet früh vor dich kommen. Neige deine Ohren zu meinem Schreien. Erfülle uns früh mit deiner Gnade, so wollen wir rühmen und fröhlich seyn in dir unser Leben lang. Amen! Abendsegen am Dienstag. Perr, gütiger Gott, heiliger Vater, des Tages schreie ich zu dir mit meiner Stimme; wenn mir angst ist, rufe ich zu dir, und des Abends gedenke ich an deine Güte und Treue, die du mir erzeiget hast, und sonderlich preise ich dich jegund, daß du mich aus lauter Gnad und Barmherzigkeit, ohn all mein Verdienst und Würdigkeit, heut diesen verschienenen Tag, vor unzähligem Schaden und Gefahr, die mich hätten treffen können, so ganz väterlich behütet hast, daß ich durch keinen bösen jähen Lod dem Satan heimgefallen bin, daß ich von Ungewitter, Hagel und Bliß nicht bin versehret worden, daß mich große Sturmwinde nicht beschädiget haben, und daß mich der böse Feind nach seiner höllischen Sucht auf feine andere Weise hat dürfen antasten. Dafür sag ich dir tegt und allezeit Lob und Dank und bitte dich um des bittern Leis 410 Morgensegen am Mittwoch. dens Jesu Christi willen, du wollest mir verzeihen alle Mißhandlungen, so ich heut wider dich gethan habe, und mich die zukünftige Nacht auch gnädiglich bewahren vor meinem Widersacher, dem leidigen Teufel, sowie vor allem Schrecken und Entsetzen des Nachts. Behüte mich auch mit allem, was ich habe, vor Wassers- und Feuersnöthen, vor allem Uebel Leibes und der Seelen. Laß mich geruhiglich ohn alle Sorg und Bekümmerniß einschlafen, auf daß ich auch in Finsterniß das Licht deines göttlichen Glanzes über mich scheinend möge sehen mit den Augen meines Herzens; denn du bist ein helles und wahrhaftiges Licht, welches da erleuchtet alle Dunkelheit, die uns umfangen hat. Du, Herr Gott, bist bei mir, du bist mein Fels, mein Burg, mein Erretter, mein Hort, auf den ich traue, mein Schild und Horn meines Heils und mein Schuß. Herr, mein Gott, zu dir breite ich des Nachts meine Hände aus: fomme zu mir, wie ein Spatregen, der das Land befeuchtet. Bleibe bei uns, Herr; denn der Tag hat sich ge= neiget, und ist Niemand, der uns in dieser Finsterniß schüße, denn du allein, unser Gott. Eile mir zu helfen und schüße mich in dieser Nacht, daß mein Geist in Sünden nicht entschlafe, und meinem Leibe kein Uebel widerfahre. Wecke mich zu rechter und bequemer Zeit, und laß mich hören Freud und Wonne; denn ich habe Lust zu deinem Wort und Zeugnissen; die sind meines Herzens Trost. Gib, daß für meine Ohren nicht komme eine traurige Botschaft, und wende die Angst meiner Seelen; denn du kannst allein mein Leben fristen und mich mit allerlei Segen erfüllen in Christo Jesu, unserm Herrn. Amen! Morgensegen am Mittwoch. Allmächtiger, barmherziger Gott, nachdem alle deine Creaturen dich ohne Unterlaß loben und preisen sollen, welches auch thun die Vögel unter dem Himmel, die früh gegen dem Tage mit ihrer Stimme aufs lieblichste dich, ewigen Gott, als ihren Herrn und Schöpfer rühmen, so danke ich dir jett auch von Herzen, daß du mich die vergangene Nacht und alle vorige Zeit meines Lebens unter deinem Schuß und Schirm bis auf diese gegenwärtige Stunde erhalten hast, und mich aus dem Schlaf und Finsterniß dieser Nacht erwecket, fröhlich und gesund hast lassen aufstehen. Ich bitte dich durch die heilwärtige Auferstehung Jesu Christi von den Todten, du wollest mich fürder auch behüten vor allem Unglück und lebel, sammt Allen, die mir mit Blutsfreundschaft und sonsten verwandt sind. Herr, hilf deinem Volk und segne dein Erbe, und weide sie und erhöhe ste ewiglich. Du wollest mich auch in dieser Frühstunde mit deiner Barmherzigkeit erfüllen, daß ich heut mit Freuden diesen ganzen Tag in deinen Geboten, ohne alle Todsünde zubringe. Erzeige mir deine Gnade; wie eine Thauwolfe des Morgens und wie ein Abendsegen am Mittwoch. 411 fruchtbarer Thau, der früh Morgens sich ausbreitet und das Land befeuchtet, also wollest du deine Güte über mich ausstrecken, mein träges Gemüth erfrischen, daß ich wacker und fröhlich deinen Willen thue. Regiere mich mit deinem heiligen Geist, daß ich dir mit reinem Herzen möge dienen in rechtschaffener Gerechtigkeit und Heiligkeit, die dir gefällig ist. Behüte mich, daß ich heut nicht wider dich sündige und etwan mein Gewissen beflecke mit fleischlichen Lüsten, welche wider die Seele streiten. Bewahre auch meine Zunge vor Bösem und meine Lippen, daß sie nicht falsch reden oder trügen. Schandbare Wort und Narrentheiding, die den Christen nicht geziemen, laß ferne von mir seyn. Hilf, daß ich mit meinen Lippen Niemand ärgere noch afterrede, urtheile oder verdamme, auch Niemand lästere oder schmähe. O daß ich könnt ein Schloß an meinen Mund legen und ein fest Siegel auf mein Maul drücken, daß ich dadurch nicht zu Fall käme, und meine Zunge mich nicht verderbete! Gib Gnade, daß ich mich selbst in meinen Gebrechen erkenne und strafe, damit ich nicht in dein gestreng Urtheil und Gericht falle. Solches verleihe mir, ewiger Gott, durch Christum, deinen lieben Sohn. Amen! Abendsegen am Mittwoch. du heilige Dreifaltigkeit, in Einem göttlichen Wesen, der du bist mein Leben, Heil und ewiger Trost, dir sage ich mit Mund und Herzen Lob und Dank, daß du mich diesen Tag über gnädiglich hehütet hast. Ich bitte deine göttliche Güte, du wollest alle meine Missethat bedecken, allermeist aber, was ich heut wider dich und deine heilige Gebote mit meiner Zungen, mit unnüten, vergeblichen Worten, mit Afterreden und sonsten gesündiget habe, und wollest mich diese zukünftige Nacht auch bewahren vor allem Schaden und Gefahr; denn zu dir allein habe ich all mein Vertrauen. Gott, wie dein Name ist, so ist auch dein Ruhm bis an der Welt Ende; deine Rechte ist voll Gerechtigkeit. Darum befehle ich meinen Leib und Seele in deine Hände. So gebenedeie mich nun die göttliche Majestät, und beschirme mich die heilige Dreifaltigkeit, und erhalte mich die ewige Einigkeit. Es beschüße mich die unermeßliche Barmherzigkeit, es vertheidige mich die unaussprechliche Mildigkeit, es erfreue mich die unendliche Süßigkeit, mich bedecke die höchste Wahrheit Gottes, mich stärke die tiefeste Erfenntniß Christi, mich bewahre die grundlose Gütigkeit des Herrn. Die Gnade des Va= ters regiere mich, die Weisheit des Sohns erquicke mich, die Kraft des heiligen Geistes erleuchte mich. Mein Schöpfer stehe mir bei, mein Erlöser helfe mir, mein Tröster beiwohne mir. Der Herr segne mich und behüte mich; der Herr erleuchte sein Angesicht über mich und sey mir gnädig; der Herr erhebe sein Angesicht auf mich und gebe mir Friede. Dieser Schutz und Segen der einigen und 412 Morgensegen am Donnerstag. ewigen Gottheit sey heut und allzeit zwischen mir und allen meinen Feinden, sichtbaren und unsichtbaren, daß sie sich zu mir nicht können nahen, noch mich beschädigen. Gleichwie die Wolkensäule in der Wüsten sich machte zwischen das Heer der Egypter und das Heer Israel, daß diese und jene nicht konnten zusammenkommen, damit den Kindern Israel fein Leid widerführe; also wollest du zwischen mir und allen meinen Feinden eine Feuermauer und Unterschied seyn, daß sie mich nicht berühren. Erhalte mich auch an meinem letzten Stündlein, wenn meine Augen nimmer sehen, meine Ohren nimmer hören, und wenn meine Zunge nimmer redet, wenn meine Hände nimmer greifen, und die Füße nimmer gehen mögen, so stehe mir bei, du hochgelobte Dreifaltigkeit, daß der böse Feind keine Macht an mir finde. Amen! Morgensegen am Donnerstag. Herr Jesu Christe, der du bist das ewige, wahre Licht, welches da vertreibet die Finsterniß des Nachts und Schatten des Todes, deinen Namen will ich rühmen, dir will ich lobsingen und danken, daß du mich in dieser Nacht so gnädiglich behütet und aus der Finsterniß an das Licht gebracht hast. Mich hast du bewahret vor dem Grauen des Nachts, vor den Pfeilen, die des Tages fliegen, vor der Bestilenz, die im Finstern schleichet, vor der Seuche, die im Mittag verderbet. Auch hast du meine Seele mit deinem Schild umringet und bewachet, wie ein Hirt seine Heerde bewachet. Dazu alles, was ich habe, ist durch deine große Barmherzigkeit un versehrt behütet worden. Für solchen gnädigen Schuß und alle deine Wohlthaten sey dir Lob und Preis gesagt; von deiner Macht will ich reden und des Morgens deine Güte rühmen; denn du bist meine höchste Zuversicht, meine feste Burg, meine starke Hülfe, mein treuer Gott, auf den ich traue; du erfreuest mein Herz und machest mir fröhlich das Angesicht. Ich bitte dich durch deine heilige Geburt und Menschwerdung, du wollest an diesem Tage deine Barmherzigkeit über mich lassen aufgehen und hervorbrechen, wie die schöne Morgenröthe, und zu mir kommen, wie der Frühregen. Erleuchte meine blinde Natur und verdunkelt Herz mit dem Glanz deines göttlichen Lichtes, auf daß du in meinem Herzen aufgehest, der du bist der rechte Morgenstern und das wahrhaftige Licht, welches erleuchtet die Menschen zum ewigen Leben. Behüte mich auch heut vor allem Uebel, sey mir gnädig, Herr; denn auf dich harre ich, meine Seele wartet auf dich von einer Morgenwache bis zur andern, Sey du mein Arm früh, dazu mein Heil zur Zeit der Trübsal. Beschirme mich an Leib und Seele, daß mir kein Ulebels begegne, und keine Plage zu mir nahe. Treibe fern von mir alle böse Geister, stehe du bei mir wider die Boshaftigen, tritt zu mir wider die Uebelthäter und schüße mich. Abendsegen am Donnerstag. 413 daß die Hand der Widerwärtigen mich nicht berühre. O Herr, unser Gott, fördere das Werk unserer Hände bei uns, ja das Werk unserer Hände wollest du fördern, und unsere Arme stärken, auch unsere Finger lehren halten deine Gebote, daß wir heut nicht wider dich sündigen. Solches verleihe uns um deiner Barmherzigkeit willen, welche für und für währet in Ewigkeit. Amen! Abendsegen am Donnerstag. Gelobet sey Gott der Vater durch Jesum Christum im heiligen Geist, ein einiger, ewiger Gott, der durch seine mannigfaltige Güte mich armen Sünder und elenden Menschen heut diesen Tag gnädiglich bewahret hat vor allen feurigen Pfeilen des Satans, die des Tages fliegen, vor der Seuche, die im Mittage verderbet, dazu vor dem jähen, schnellen Tod, und vor allem Schaden väterlich behütet. Herr, deine Güte reichet, so hoch der Himmel ist, und deine Wahrheit, so weit die Wolken gehen. Du bist gnädig und barmherzig; alle deine Werke sind löblich. Ich bitte dich, mildreicher Gott, du wollest mir aus Gnaden verzeihen alles, was ich heut wider dich gethan habe, es sey mit Werken, Worten und Gedanken. Wollest auch deine Barmherzigkeit zu mir richten und mich die zukünftige Nacht lassen einschlafen und ruhen, daß ich dich, der du bist die ewige Ruhe, nun und nimmermehr verlasse, sondern in dir bleibe durch den Glauben und unter deinem Schirm sicher wohne, auf daß sich der böse Feind nicht dürfe zu mir nahen und mir keinen Schaden könne zufügen. Herr, du bist mein Licht und mein Heil; vor wem sollt ich mich fürchten? Du bist meines Lebens Kraft; vor wem sollte mir grauen? Auf dich verlässet sich mein Herz, und mir ist geholfen. Du bist mein Trost und gewaltiger Schuß, deine rechte Hand stärket mich, deine Rechte tröstet mich, und unter dem Schirm deiner Arme habe ich Zuflucht. Siehe, mein Gott, des Tages rufe ich, so antwortest du mir, und des Wenn ich Nachts schweige ich auch nicht, und du erhörest mich. mich zu Bette lege, so denke ich an dich; wenn ich erwache, so rede ich von dir; denn du bist mein Helfer, und unter dem Schatten deiner Flügel ruhe ich; meine Seele banget dir an, deine rechte Hand erhält mich. Wenn ich im Finstern sige, so ist doch der Herr mein Licht und mein Heil. O gütiger Gott, verleihe mir Gnad, daß, wenn mein Sterbstündlein herzunahet, und ich ins Todbette zur ewigen Ruhe mich soll niederlegen, daß ich durch deine Hülfe im rechten, festen Glauben getrost und unverzagt möge feliglich zum ewigen Leben einschlafen. Indeß enthalte mich dir, daß ich allzeit wache, nüchtern und mäßig lebe und in christlicher Bereitschaft erfunden werde, sintemal ich nicht wissen kann, zu welcher Stunde du, unser Gott, kommen wirst und mich von hinnen abfor= dern, auf daß ich würdig werde, zu stehen vor des Menschen Sohn, 414 Morgensegen am Freitag. und nicht zu Schanden werde in seinem Gericht, der mit dir lebet und regieret in Ewigkeit. Amen! Morgensegen am Freitag. Gebenedeiet sey Gott, mein Schöpfer; gebenedeiet sey Gott, mein Heiland; gebenedeiet sey Gott, mein höchster Trost, der mir gibt Gesundheit, Leben und Segen, der mein Schuß und Hülfe ist und mich an Leib und Seele nach seiner großen und hochberühmten Barmherzigkeit in dieser vergangenen Nacht vor mancherlei Be= schädigung des Satans behütet und gesund an diesen Tag hat fommen lassen. Ich bitte dich, himmlischer Vater, durch den blutigen Schweiß Jesu Christi, deines lieben Sohns, du wollest mich heut diesen Tag auch in deinen göttlichen Schuß nehmen, mich beschirmen und handhaben, innerlich und äußerlich, daß mir kein Arges widerfahre; denn in deine Hände thu ich befehlen heut und alle Tage mein arme Seele, meinen elenden Leib, mein dürftiges Leben, meine Sinne, Vernunft, Verstand und Anschläge, alle meine Gedanken, Wort und Werke, mein Thun und Lassen, meinen Eingang und Ausgang, mein Gehen und Stehen, mein Sißen und Liegen, meinen Willen und Rathschlag, meln Dichten und Trachten, meinen Glauben und Bekenntniß, und was ich auswendig und inwendig bin und vermag, das Ende meines Lebens, den Tag und die Stunde meines Todes, mein Sterben und Auferstehen. O Herr Gott, schaffe du es mit mir, wie du willst und weißest, was zu deiner Ehr und zu meiner Seligkeit das Beste ist. Erhalte mich in deiner Furcht und wahrer Erkenntniß. Behüte mich vor den Werken der Ungerechtigkeit, und so ich etwa wider dich aus Gebrechlichkeit würde sündigen, so bitte ich dich, du wollest deine Barmherzigkeit nicht von mir nehmen, deine Gnade nicht von mir wenden, deine Hülfe mir nicht entziehen; denn es ist sonst kein anderer Gott noch Helfer, vor dir ist kein anderer gemacht, so wird auch nach dir kein anderer seyn; du, du bist der Erste und der Leßte, und außer dir ist kein Gott. Darum rufe ich zu dir allein: laß deine Güte über mich walten, laß mich früh hören deine Gnade; denn ich hoffe auf dich; leite meinen Fuß auf rechter Straßen, daß ich nicht wandele im Rath der Gottlosen, noch trete auf den Weg der Sünder, noch size, da die Spötter fißen, sondern daß ich all meines Herzens Lust und Liebe habe zu deinem Wort und Geboten und in denselbigen mich übe Tag und Nacht, durch unsern Herrn Jesum Christum. Amen! Danksagung für das Leiden Chrifti. Ich danke dir, Herr Jesu Christ, wahrer Gott und Mensch, daß du mich armen Sünder und verdammten Menschen ohn all meine Werke, Verdienst und Würdigkeit durch dein heilig Leiden Abendsegen am Freitag. 415 Sterben und Blutvergießen erlöset hast. D Herr Jesu Christe, wie groß ist dein Leiden! wie schwer ist deine Pein! wie viel ist deiner Marter, wie tief sind deine Wunden, wie bitter und schmerzlich ist dein Tod! wie unaussprechlich ist deine Liebe, damit du mich deinem lieben Vater versöhnet hast, da du am Delberg blutigen Schweiß vor großer Todesangst geschwißet, daß die Blutstropfen auf die Erden gefallen, und daselbst von allen deinen Jüngern verlassen, in die Hände der schnöden Juden und gottlosen Schaar dich willig für mich ergeben, welche dich hart und ungeschwungen gebunden, von einem ungerechten Richter zum andern unbarmherzig geführet. Daselbst bist du fälschlich verklaget, verurtheilet und verſpeiet, verhöhnt und mit Fäusten in das Angesicht geschlagen worden; du bist um unsrer Missethat willen verwundet und um unserer Sünde willen zerschlagen, gegeißelt und mit Dornen gekrönet und jämmerlich zugerichtet, wie ein armer Wurm, der nicht einem Menschen ähnlich gewesen; denn du warest der Allerverachtetst und Unwerthest, voller Schmerzen und Krankheit, also daß es auch ein heidnisch Herz erbarmet hat und gesagt: sehet, welch ein Mensch ist das! Du bist von wegen meiner Mißhandlung mitten unter zweien Uebelthätern gerechnet und als ein Fluch aufgehängt, an Händen und Füßen mit Nägeln durchgraben, dazu in deinem höchsten Durst mit Essig und Gallen getränkt, und mit großen Schmerzen hast du deinen Geist aufgegeben, auf daß du unsere Schuld bezahlest, und wir durch deine Wunden geheilet würden. O Herr Jesu Christe, für diese und andere alle deine Marter und Pein sage ich dir Lob und Dank und bitte dich: laß dein heiliges, bitter Leiden und Sterben an mir nicht verloren seyn, sondern gib, daß ich mich desselben zu jeder Zeit von Herzen tröste und rühme, auch dasselbige also begehe und betrachte, daß alle böse Lüste in mir ausgelöschet und gedämpfet, dagegen aber alle Tugenden eingepflanzet und gemehret werden, auf daß ich, den Sünden abgestorben, der Gerechtigkeit lebe und deinem mir gelassenen Vorbild nachfolge, in deine Fußstapfen trete, das Uebel mit Geduld vertrage und das Unrecht mit gutem Gewissen leide. Amen! Abendsegen am Freitag. Gelobet sey der Herr, der allein Wunder thut, und gelobet fey sein heiliger Name ewiglich, und alle Lande müssen seiner Ehre voll werden. Ich will täglich rühmen von Gott, und des Abends soll ihm mein Mund danken für und für. Denn wenn ich schreie, ſo erhöret er mich, und wenn ich flehe, so neiget er seine Ohren zu mir; wenn ich bete, merket er auf meine Stimme. Der Herr ist meine Zuversicht und Stärke, eine Hülfe in den großen Nöthen, die mich troffen haben. Darum sage ich dir, ewiger Gott, Lob und Preis, daß du mich heut diesen Tag väterlich behütet haft vor 416 Morgensegen am Sonnabend. allem Unfall und Schaden, so mir hätten können begegnen. Mein Herz ist fröhlich, und meine Seele preiset dich um alle deine Güte und Barmherzigkeit. Meine Zunge soll ihr Gespräch von dir haben und immer sagen: hochgelobet sey Gott, gesegnet sey sein heiliger Name! Ich bitte dich, du wollest mir aus Gnaden nachlassen alles, was ich heut wider dich gesündigt habe, und mich diese zukünftige Nacht sammt allem, was mir zustehet, auch schüßen. Sey du mein Schild und mein Schatten über meiner rechten Hand. O Herr, behüte mich vor allem llebel, behüte meine Seele, sey mir gnädig; denn auf dich allein traue ich. Ich hoffe auf den Herrn und rufe zu Gott, dem Allerhöchsten, zu Gott, der meines Jammers ein Ende machet. Siehe, der mich behütet, schläfet nicht. Siehe, der Hüter Israel schläft noch schlummert nicht; er wird meinen Gang erhalten auf rechter Bahn, daß ich nicht strauchele, und meine Tritt nicht wanken; er wird meinen Fuß nicht gleiten lassen, denn sein Wort ist ein Licht auf meinen Wegen. Darum wenn ich mich lege, so werde ich mich nicht fürchten, sondern süße schlafen und werde mich nicht fürchten vor plöglichem Schrecken, noch vor dem Sturm der Gottlosen, wenn er kommt; denn du behütest meinen Fuß, daß er nicht gefangen werde, und errettest mich von den Stricken des Todes. O Herre Gott, erhebe über mich das Licht deines Antlißes, auf daß ich mich lege und schlafe ganz mit Frieden und sicher wohne unter deinem Schirm; denn du allein, Herr, hilfest mir. Auf deinen Namen will ich mich nun zur Ruhe niederlegen und meine Augenlieder lassen schlummern. Du, Herr Gott, wirst mich fröhlich wieder erwecken zu Lob und Ehr deiner göttlichen Majestät, durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen! Morgensegen am Sonnabend. du wahrer, unsterblicher Gott, Vater unsers Herrn Jeſu Chrifti, zu dir erhebe ich mein Gemüth mit schuldiger Dankbarfeit; deine Gerechtigkeit will ich nicht verbergen in meinem Herzen, von deiner Wahrheit und von deinem Heil will ich reden, ich will nicht verhehlen deine Güte und Treue vor der großen Gemeine, und alles, was du mir Gutes gethan hast, will ich nicht verschweigen; denn es ist ein köstlich Ding, dem Herrn danken und lob=" fingen deinem Namen, du Höchster, des Morgens deine Gnade und des Abends deine Wahrheit verkündigen. Darum preiset dich meine Seele, daß du mich in dieser Nacht durch deine überschwängliche Barmherzigkeit beschüßet hast. Gesegnet bist du, Herr Gott Ze= baoth, der du dich gnädig erzeigest Allen, die nach dir fragen und dein Heil lieben. Gesegnet ist dein großer Name in allen Landen, der unser Schutz und Hülfe ist. Gesegnet sind alle deine Werke, die du an den Menschenkindern thust. Ich bitte dich, du wolleft mich heut diesen Tag auch behüten, daß mir der böse Feind keinen Abendsegen am Sonnabend. 417 Schaden zufüge, und die Hand der Gottlosen mich nicht berühre. Herr Gott, mein Heiland, früh wache ich zu dir, früh rufe ich zu dir: bilf, daß ich die Werk meines Berufs und was mir befohlen ist, fleißig und treulich ausrichte zu deinem Lob und meines Nächsten Besserung, damit ich das Licht dieses Tages und deiner Creaturen nicht mißbrauche zur Sünde oder zur Eitelkeit, dich nicht be= leidige mit meinem Thun und Lassen, und den Bund meiner heiligen Taufe nicht übertrete. Verleihe mir auch Gnade, daß ich mich hüte vor den sechs Stücken, die du hassest, und vor dem sieben= ten, daran du einen Greuel hast, als da sind hohe Augen, falsche Zungen, Hände, die unschuldig Blut vergießen, ein Herz, das mit bösen Tücken umgehet, Füße, die behend sind, Schaden zu thun, falscher Zeuge, der frech Lügen redet, und der Hader zwischen Brüdern anrichtet. Vor solchen und dergleichen Lastern bewahre mich, mein Gott, daß ich nimmermehr darein gerathe, oder bewillige, sondern lehre mich thun nach deinem Willen; denn du bist mein Gott und Herr, dein guter Geist führe mich auf ebener Bahn, daß ich dir diene in unsträflichem Wandel, dazu all mein Thun und Leben dir gefalle in Christo Jesu. Amen! Abendsegen am Sonnabend. Lob sey dir, du höchster und unsterblicher Gott, Lob sey deiner milden Güte und Barmherzigkeit, Lob sey deiner ewigen Weisheit und Wahrheit, der du mich diesen Tag vor allem Schaden und Uebel behütet hast. Ich bitte dich, du wollest deine Güte, ſo du an mir angefangen hast, gnädiglich vollenden und mich heut diese Nacht auch lassen ruhen unter deinem höchsten Schirm und mich mit deinen Fittigen bedecken. Laß meine Zuversicht seyn unter dem Schatten deiner Arme, daß ich kein Unglück fürchte. Behüte mich, mein Gott, wie einen Augapfel; beschirme mich unter dem Schatten deiner Flügel. Herr, du bist mein Gut und mein Erbtheil; mein Heil stehet in deinen Händen; hilf mir durch deine Güte, daß nicht Furcht und Zittern über mich komme und mich Grauen des Nachts nicht überfalle. Sey mir gnädig, denn auf dich trauet meine Seele, und unter dem Schatten deiner Flügel habe ich Zuflucht. Ich suche den Herrn in meiner Noth; meine Hand ist des Nachts ausgestreckt und lässet nicht ab; denn meine Seele hat sonst keinen Trost, so weiß ich auch von keinem Helfer im Himmel und auf Erden, denn von dir allein. Zu Mitternacht, so ich erwache, gedenk ich an deinen Namen, daß er so lieblich ist, und an deine Güte und Treue, die du mir erzeiget hast, und danke dir für die Rechte deiner Gerechtigkeit. Wenn ich betrübt bin, so denke ich an Gott; wenn mein Herz in Alengsten ist, so rede ich von meinem Heiland; denn er führet meine Seele aus dem Verderben und errettet mich von den Banden des Todes. Herr Gott, mein Hei27 418 Beicht- und Communiongebete. land, ich schreie Tag und Nacht vor dir, daß du mir vergeben wollest alle meine Mißhandlungen, damit ich diese Wochen und heut wider dich gethan habe. O Herr, errette meine Seele um deiner Barmherzigkeit willen. Du bist gnädig und gerecht, und unser Gott ist barmherzig. Der Herr behütet die Einfältigen. Wenn ich niederliege, so hilft er mir auf. Darum will ich fröhlich seyn und dich preisen und rühmen auf meinem Lager; denn die Zeit meines Lebens wird mir aufgehen, wie der Mittag, und das Finster wird mir ein lichter Morgen seyn, und werde mich des trösten, daß du, Gott, meine Hoffnung und Ruhe bist im Leben und Tode. Ich werde mich legen, und Niemand wird mich aufwecken. So befehl ich nun mein Leib und Seele in deine Hände, du treuer Gott; du hast mich erlöset durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen! Beicht- und Communion- Gebete. Sündenbekenntniß vor Gott. Gerechter Gott, barmherziger Vater, ich armer, elender Mensch bekenne, daß ich nicht allein in Sünden empfangen und geboren bin, sondern auch die ganze Zeit meines Lebens, von Kindheit auf bis auf diese gegenwärtige Stunde, mit vielen schweren Sünden zugebracht habe; denn ich dich, meinen Herrn und Gott, nicht von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von allen Kräften und von ganzem Gemüthe geliebet und gefürchtet, dir auch nicht über alle Dinge vertrauet, deinen heiligen Namen nicht von Herzen ange= rufen und gepreiset habe, sondern denselbigen mißbrauchet mit Fluchen, Schwören, Lügen und Trügen; die Predigt deines heiligen Worts habe ich oftmals versäumet, verachtet, mich gar wenig daraus gebessert. Auch habe ich meinen Nächsten nicht geliebet als mich selbst, sondern ihn gehasset, verachtet, beleidigt, Schaden gethan und lassen geschehen, habe mich also alles Bösen lassen ge= lüsten, und den Bund meiner heiligen Laufe übergangen. Und wie ich wider dich gesündiget habe, es sey mit Werken, Worten oder Gedanken, heimlich oder öffentlich, und alle meine verborgene Fehler, welcher du, als ein Herzenskündiger, mich schuldig weißest besser, denn ich selbst, die bekenne ich mit herzlicher Reue und Leid. Ich bin ja ein unnüßer Knecht, und habe gesündiget in den Himmel und vor dir, bin nicht werth, daß ich dein Kind heiße und meine Augen zu dir aufhebe, denn ich dich mit vielen großen Sünden heftig erzürnet, meine arme Seel und Gewissen hart beschweret habe, welche mich drücken, und wie eine schwere Last sind sie mir zu schwer worden: so komm ich doch in der Zeit der Gnaden und wende mich von deiner strengen Gerechtigkeit zu deiner grundlosen Barmherzigkeit. O Herr Gott, sey gnädig mir armen Sünder, vergib mir meine Sünde, nimm an zur Bezahlung derselbigen den Gebet vor und nach der Beichte. 419 unschuldigen Tod Jesu Christi, deines lieben Sohnes, verleihe mir Besserung meines Lebens. Amen! Gebet vor der Beichte. Allmächtiger Gott, himmlischer Vater, dieweil ich jetzt auf Erkenntniß meiner Sünden, zu Stärkung meines schwachen Glaubens, hingehen will zur Beichte, allda die Absolution und Vergebung der Sünden zu empfahen, so bitte ich dich von Herzen: gib mir deinen heiligen Geist, daß ich dieses hohe Gnadenwerk mit rechtem Glauben und christlichem Verstande ansehen und bedenken möge, und dann nicht zweifeln, sondern fest und gewiß glauben möge, was der Diener deines Worts allda in der Beichte und Absolution nach deinem Befehl mit mir redet und handelt, daß dem allen eigentlich und gewiß also sey, und daß du selbst in der Stimme deines Dieners mich allda von meinen Sünden absolvirest und entbindest. Gib auch, daß ich mich dieser Entbindung und Absolution jetzt und allezeit trösten möge, zu gewisser Versicherung deiner Gnade und des ewigen Lebens, durch deinen Sohn, unsern Herrn und Heiland, Christum Jesum. Amen! Gebet nach der Beichte. D allmächtiger, gnädiger und barmherziger Gott und Vater, ich sage dir von Grund meines Herzens Lob, Ehr und Dank für diese große Gnade und Wohlthat, die du mir jetzt so väterlich erzeiget hast, indem du mich armen Sünder abermal in Gnaden angenommen, und mir durch die heilige Absolution alle meine Sünden verziehen und vergeben und das ewige Leben aufs Neue wiederum zugesaget und versprochen hast, um deines lieben Sohnes Christi Jesu willen. Ich bitte dich herzlich, du wollest mich in folcher Gnade allezeit väterlich erhalten, und mir deinen heiligen Geist verleihen, daß ich dieser jetzt empfangenen gnadenreichen Vergebung festiglich glaube, und mich derselben jegt und allezeit in allen Anfechtungen und Widerwärtigkeiten trösten, und mich daher alles Guten zu dir versehen möge. Verleihe mir auch die Gnade deines heiligen Geistes, daß ich der Sünden hinfort je länger je feinder werde, mich davor fleißig hüte, und meinem Fleische nicht mehr seinen Willen lasse, zu fündigen, sondern daß ich demselben durch ein stark Gebet in meinem Beruf widerstehen und mein ganzes Leben nach deinem Willen anstellen und führen möge. Und was ich darin zu schwach bin, wie ich dir denn meine Schwachheit mit tiefem Seufzen noch immerdar bekenne, so wollest du durch dein starkes Wort und heiligen Geist mir beistehen und überwinden helfen. Alles um und durch deinen lieben Sohn, meinen Herrn und Heiland, Jesum Christum. Amen! Gebet vor Empfahung des h. Abendmahls 2c. Gebet vor Empfahung des heil. Abendmahls. Herr Jesu Christe, der du mit deinem heiligen Munde selber sagest: Wer hungerig und durstig sey, der soll zu dir kommen, du wollest ihn speisen und tränken, daß ihn nimmermehr hungern und dürsten soll. Ach Herr, hier kommt zu dir eine arme, hungerige und dürstige Seele nach einer Speis und Trank der ewigen Gerechtigkeit und Seligkeit. O du Brod des Lebens, speise mich armen Hungrigen mit deinem wahren Leib. O du Brunn des Lebens, tränke und erquicke mich Durstigen mit deinem wahren Blut, auf daß ich, gesättigt und erquicket, aus diesem Jammerthal mich zu dir hinauf in den Himmel erhebe, da du fizest zur Rechten deines himmlischen Vaters und vertrittst uns, da ich dich alsdann ohne Hunger und Durst, in ewiger Freud und Frohlockung sammt deinem Vater und dem heiligen Geist preisen werde in Ewigkeit. Amen! 420 Wenn man zum Altare hingehet. Gott, sey mir armen Sünder gnädig, gib mir deinen heiligen Geist in mein Herz, daß ich das heilige Sacrament würdiglich empfangen, meinen schwachen Glauben stärken, mein blödes Gewissen trösten, mein Leben bessern und ewig selig werden möge. Solches verleihe mir, o Gott, um Jesu Christi willen. Amen! Bei Empfahung des Leibes Chrifti. Sey mir willkommen, du süßer Herr Jesu Christe, mit der edlen Speise deines allerheiligsten Leibes, den du mir jetzt unter dem Brod zu essen gibest, wie du ihn für mich in den bittern Tod gegeben hast!, Den laß mir gedeihen zum ewigen Leben. Amen! Herr Jesu, dein heiliger Leib stärke und bewahre mich im rechten Glauben zum ewigen Leben. Amen! Bei Empfahung des Blutes Chrifti. Sey mir willkommen, du süßer Herr Jesu Christe, mit dem edlen Trank deines theuern Blutes, das du mir jetzt im Wein zu trinken gibest, wie du es am Kreus vergossen hast, zur Vergebung der Sünden. Das laß mir gedeihen zum ewigen Leben. Amen! Herr Jesu, dein heiliges Blut stärke und bewahre mich im rechten Glauben zum ewigen Leben. Amen! Wenn man vom Altare hinweg gehet. Herr Jesu Christe, mit was Herzen, Zunge und Worten soll ich deine große Güte aussprechen, so du mir jegt haft widerfahren lassen, indem du dich selber mit allem, was dein ist und dir zugehöret, mir geschenket und gegeben hast. Ach, laß dir ge Danksagung nach dem heil. Abendmahl. 421 fallen die geringe, demüthige Rede meines Mundes, und sey mit dem einfältigen Lob zufrieden, das ich dir jeßt in diesem meinem gebrechlichen Fleisch und Blut sagen kann, bis du mich gar zu dir einholest, da ich dich von Angesicht zu Angesicht schauen und mit allen Engeln und Auserwählten ohne Aufhören ehren und preisen werde. Amen! Herr Jesu. Amen! Danksagung nach dem heil. Abendmahl. 1. O du mein lieber Herr Jesu Christ, ich sage dir herzlich Lob und Dank, daß du mich jetzo abermal väterlich an deinem Tische mit deinem Leib und Blut gespeiset und getränket hast, und bitte dich von Herzen: laß mir solches gedeihen zu Stärkung meines Glaubens, zu sicherer Begleitung aus diesem Jammerthal in das ewige Leben. Amen! 2. O Jesu Christe, unser rechter und ewiger Hoherpriester, der du sizest zur Rechten Gottes auf dem Stuhl der Majestät im Himmel und bist ein Pfleger der heiligen Güter und der wahrhaftigen Hütten, die nicht mit der Hand gemacht ist, du bist durch dein eigen Blut einmal in das Heilige eingegangen und hast uns eine ewige Erlösung erfunden, da du dich selbst ohn allen Wandel durch den heiligen Geist deinem lieben Vater aufgeopfert haft, unsere Gewissen zu reinigen von den todten Werken, zu dienen dem lebendigen Gott. Wir danken dir von ganzem Herzen, daß du den schmählichen Tod am Kreuz mit willigem Gehorsam, aus herzlicher Liebe, mit großer Unschuld und unaussprechlicher Geduld, für uns arme Sünder gelitten hast, dazu dieß hochwürdige Sacrament zum ewigen Gedächtniß und Erinnerung deiner göttlichen Huld und Treue gegen uns, auch zu einem gewissen Unterpfand, Siegel und Versicherung der Vergebung unserer Sünden eingeseget und uns zu derselbigen Gemeinschaft berufen und kommen hast lassen, damit du unsere hungerige und durstige Seelen gespeiset und getränket haft zum ewigen Leben. O Herr Gott, wie ist deine Liebe so groß, wie unaussprechlich ist deine Barmherzigkeit und unerforschlich deine Gnade, sintemal du Niemand ausschließest von diesem hohen Abendmahl, wo sich nur ein Mensch selbst nicht absondert und unwürdig machet. Wenn nun Jemand hungert oder dürstet, der wird allhie gesättiget; wer dürftig und arm ist, der findet allhie alle Schäße und Reichthum des Lebens. Wer geängstet ist, der überkommt allhie Ruhe; wer krank ist, der erlangt die Arznei und Gesundheit der Seelen; wer mit Sünden beladen ist, der hat allhie Erquickung seines Gewissens; wer im Tode ist, der findet das ewige Leben. So bilf, gütiger Gott, daß uns dieß heilige Sacrament gereiche zur Seligkeit, und daß wir hinfort halten an dem Bekenntniß der Hoffnung und nicht wanken; denn du bist treu in deiner Verheißung, auch daß wir unter einander unser 422 Gebet auf der Reise. Gebet im Ungewitter. selbst wahrnehmen mit Reizen zur Liebe und guten Werken und nicht verlassen unsere Versammlung, sondern uns untereinander ermahnen und das so viel mehr, so viel wir alle sehen, daß sich der Tag nahet, und das Ende unsers Lebens herzu dringet, auf daß wir fröhlich erwarten deiner Zukunft. Amen! Gebet auf der Reise. ( Aus dem alten Ansbacher Gesangbuche.) Herr Jesu Christe, du allmächtiger Hüter und Wächter Israel, unser Immanuel, der du bist der Weg, die Wahrheit und das Leben, in deinem Namen will ich mich jetzt auf den Weg machen; ich bitte dich von Grund meines Herzens, du wollest meinen Aus- und Eingang segnen und behüten von nun an bis in Ewigkeit. Du sprichst ja: ich will dich unterweisen und dir den Weg zeigen, den du wandeln sollt, ich will dich mit meinen Augen leiten. Ach Herr, so bewahre mich nun wie einen Augapfel auf allen meinen Wegen und Stegen, richte deinen Weg vor mir her und leite mich in deiner Gerechtigkeit um meiner Feinde willen. Erhalte mich durch deinen heiligen Geist bei reiner Lehr und deinem heiligen Wort, daß ich nicht abweiche vom rechten Weg deiner Befehle; behüte mich vor falscher Lehre und führe mich auf rechter Straßen um deines Namens Ehre willen; sey mir gnädig um deiner Wahrheit willen und bringe mich nach glücklicher Verrichtung meiner Reise und Geschäfte wieder frisch und gesund nach Hause um deiner Gerechtigkeit willen, so will ich deine Güte und Treue rühmen, so lang ich lebe, und deinen Namen loben und preisen im= mer und ewiglich. Amen! Herr Jesu. Amen! Gebet im Ungewitter. Großmächtiger Gott, deinem Namen sollen alle Gewaltige auf Erden Ehre bringen und dich, ewigen Gott, anbeten im heiligen Schmuck; denn du bist der Herr im höchsten Thron, du beweisest deine Kraft und Macht an allen Orten. Die Stimme des Herrv gehet auf großen Wassern, der Gott der Ehren donnert, die Stimme des Herrn gehet herrlich und mit Macht. Die Erde bebet und wird beweget, und die Grundveste der Berge regen sich. Dampf gehet aus von seiner Nasen, und verzehrend Feuer von seinem Munde, daß es davon blitet. Dein Gezelt um dich her ist finster, und schwarze, dicke Wolken, darinnen du verborgen bist, und Dunkel ist unter deinen Füßen; vom Glanz vor dir trennen sich die Wolfen; der Herr donnert im Himmel, und der Höchste läsfet seinen Donner aus. Du bringest hervor die Winde aus deinen verborge= nen Löchern und treibest sie wieder an ihren Ort, wenn sie deinen Befehl ausgerichtet haben. Es ist dir alles unterworfen; alle Dinge erkennen dich für ihren Schöpfer und zittern vor deiner göttlichen 423 Danksagung nach dem Ungewitter. Majestät. Die hohen Berge und die Abgründe der Tiefen erschrecken, wenn du zornig bist; der ganze Erdboden zittert, Meer und Wasser fliehen vor deinem Zorn. Die Stimme des Herrn hauet wie Feuerflammen; die Stimme des Herrn erreget die Wüsten; der Herr bleibet König in Ewigkeit, er wird seinem Volk Kraft geben, der Herr wird sein Volk segnen mit Frieden. O gü= tiger Gott, behüte uns vor deinem grimmigen Zorn, der unerträg= lich ist; vergib uns unsere Sünde; erleuchte dein Äntlig über uns und sey uns gnädig. Bewahre unser Leib und Leben, Haus und Hof vor Entzündung des Wetters, vor Schießung der Strahlen, vor Donnerschlag und allem Verderben. Desgleichen beschüße die Früchte auf dem Felde vor Schlossen und Hagel, vor großer Wasfer= fluth und vor allem Schaden. O heiliger Gott, behüte uns vor einem bösen Tode. Gott der Vater, der seinen Sohn des Kreuzes Pein für mich hat lassen leiden, erhalte mich. Jesus von Nazareth, ein König der Juden, für mich gestorben, bewahre mich. Der heilige Geist, der mich gezeichnet hat mit der Salbung und mit dem Zeichen des heiligen Kreuzes, beschirme mich, daß mir fein Unfall widerfahre. Amen! Danksagung nach dem Ungewitter. Allmächtiger Gott, himmlischer Vater, der du gesagt hast im 50. Psalmen: rufe mich an in der Noth, so will ich dich erretten, und du sollt mich preisen! wir sagen dir von Grund unserer Herzen Lob und Dank, daß du unser Gebet in Gnaden erhöret und dieß zornige Wetter also haft vergehen lassen, daß uns dadurch an Leib und Gut kein Schade geschehen ist. Damit hast du abermal uns zu erkennen geben wollen dein getreues Vaterherz, daß du nicht mit uns nach unsern Sünden handeln wollest und uns nicht nach unserer Missethat zu vergelten begehrest. Verleihe uns, barmherziger Vater, um deines lieben Sohnes Christi Jefu willen, daß wir uns nach solchen deinen ernstlichen und väterlichen Warnungen beständiglich bessern, in deiner Furcht hinfür leben und auf die Zufunft deines lieben Sohnes uns gefaßt und täglich bereit machen, damit wir ihm mit Freuden entgegen ziehen und den neuen Himmel, in welchem Freude, Friede und Gerechtigkeit wohnen wird, einnehmen und mit dir in deiner seligen Anschauung ewiglich besigen mögen durch denselben deinen lieben Sohn, unsern Herrn und Heiland, Jesum Christum. Amen! Gebete für Kranke und Sterbende. Während der Krankheit. 1. Herr, himmlischer Vater, du bist ja ein getreuer Gott und lässest Niemand über sein Vermögen versucht werden, sondern schaf fest, daß die Versuchung also ein Ende gewinne, daß wir sie er 424 Gebete für Kranke und Sterbende. tragen mögen, ich bitte dich in meinen großen Nöthen und Schmerzen: laß mir das Kreuz nicht zu schwer werden; stärke mich, daß ichs mit Geduld ertragen möge und an deiner Barmherzigkeit nimmermehr verzage. O Christe, des lebendigen Gottes Sohn, der du des Kreuzes Pein für mich gelitten hast und endlich für meine Sünde gestorben bist, zu dir rufe ich aus Grund meines Herzens: erbarme dich über mich armen Sünder, vergib mir alle meine Mißhandlungen, die ich wider dich in meinem ganzen Leben gethan habe, laß mich im Glauben nicht sinken. O Gott, heiliger Geist, du wahrer Tröster in aller Noth, erhalte mich in der Geduld und rechter Anrufung, heilige mich mit wahrer Zuversicht und weiche nicht von mir in meiner leßten Noth, leite mich aus diesem Jammerthal in das rechte Vaterland. Amen! 2. O starker, allmächtiger Gott, der du bist gnädig und barmherzig, geduldig und von großer Güte und Treue, vergibst Sünde und Missethat, zu dir rufe ich, du wollest mir alle meine Sünden aus Gnaden verzeihen und meine Seele wider alle Anfechtung stärken und erhalten. Komm mir zu Hülfe und stehe mir bei, daß der Glaube in mir nicht wanke, die Hoffnung nicht verzage, die Liebe nicht erkalte, menschliche Schwachheit vor Schrecken des Todes nicht versinke. Und wenn mein Stündlein kommt, so laß mich im Frieden fahren; denn meine Augen haben deinen Heiland gesehen, welchen du bereitet hast vor allen Völkern, ein Licht, zu erleuchten die Heiden und zum Preis deines Volks Israel. An diesen Heiland glaube ich, auf ihn hoffe ich. Ach Herr, laß mich nicht zu Schanden werden; denn du bist meine Hülfe und Stärke. Siehe mich an mit den Augen deiner Barmherzigkeit und wende zu mir deine väterliche Huld durch Jesum Christum, deinen Sohn, der mit seinem heiligen Leiden und Sterben uns eine ewige Erlösung er= worben hat. Amen! 3. O Vater aller Gnaden, erbarme dich über meine arme Seele, vergib mir alle meine Sünde, die ich wider dich leider! gethan babe. Verachte nicht dein armes Geschöpf, verschmähe mich nicht, der ich deiner Hände Werk bin, laß den nicht umkommen, welchen du gemacht und geschaffen hast; denn auf dich hoffe ich, du bist meine Hülfe und mein Gott. O Christe, wahrer Heiland, der du bist das Lamm Gottes, welches da trägt die Sünde der Welt, und mich mit deinem Blute gewaschen und gereiniget hast, ich bitte dich durch dein bitteres Leiden, sonderlich und allermeist das du gefühlet haft zu der Stunde, da deine edelste Seele ausging von deinem allerheiligsten Leibe: erbarme dich über meine arme Seele in ihrem Ausgang und führe sie zum ewigen Leben. O Gott hei liger Geist, du süßer Trost, erhalte mein Herz wider alle Anfechtung des bösen Feindes, stärke mein Vertrauen, daß ich festiglich So glaube eine Vergebung der Sünden und ein ewiges Leben. 425 Gebete für Kranke in den letzten Zügen. befehle ich nun, o heilige Dreieinigkeit, meinen Geist in deine Hände, du getreuer Gott, du hast mich erlöset, der du lebest und regiereft in Ewigkeit. Amen! ( Die nachfolgenden Gebete sind aus dem alten Nürnberger Gesangbuche.) Ein Gebet der Umstehenden für den Kranken, der in den letzten Zügen liegt. Allmächtiger, gütiger Gott, der du unser Leben erhältst im Tod und Sterben, wir bitten dich, du wolleft die Augen deiner Barmherzigkeit wenden zu diesem kranken Menschen, und ihn erquicken an Leib und Seele, ihm alle Sünde aus Gnaden vergeben. Nimm das Opfer des unschuldigen Todes Jesu Christi, deines lieben Sohns, für die Bezahlung seiner Missethat; denn er auch auf desselben Namen getauft und mit desselbigen Blut gewaschen und gereiniget ist. So errette ihn nun von des Leibes Qual und Pein, verkürze ihm seine Schmerzen, erhalte ihn wider die Anklage des Gewissens und wider alle Anfechtung des bösen Feindes, auf daß er im Glauben ritterlich kämpfe und überwinde. Verleihe ihm eine selige Heimfahrt zum ewigen Leben; schicke deine heiligen Engel her, daß sie ihn begleiten zur Versammlung aller Auserwählten in Christo Jesu, unserm Herrn. Amen! Andere kurze Gebete, in den letzten Zügen vorzusprechen. 1. Ach Herr, allmächtiger Gott, nun ist mein Zeit dahin, und wird mein Leben abgerissen, da leide ich Noth, daraus du, Herr, allein kannst helfen; verkürz und lindere mir dieselben. Mir ist um Trost sehr bange, o Herr! Nimm dich meiner Seelen herzlich an, daß sie nicht verderbe, und wirf alle meine Sünde hinter dich zurück, um des theuren Verdienstes Jesu Christi, deines Sohnes, willen. Amen! 2. Herr Jesu, du treuer Heiland aller deren, die auf dich trauen, verlaß mich nicht, der ich meine Hoffnung in dieser so großen Noth allein auf deine Barmherzigkeit seße. Laß auch die liebliche und seligmachende Stimme in meinen Ohren erschallen, welche du dem Schächer am Kreuz haft hören lassen: Heut wirst du mit mir in dem Paradiese seyn. Denn ich sage von Herzen mit dem Apostel: Ich habe Lust, abzuscheiden und bei meinem Herrn Christo zu seyn. Amen! 3. O himmlischer Vater, sprich mir diese freudenreiche Trostwort in mein geängstetes Herz hinein: Er begehret meiner, so will ich ihm aushelfen. Er kennet meinen Namen, darum will ich ihn schüßen. Er rufet mich an, so will ich ihn erhören. Ich bin bei 426 Andre Gebete, in den letzten Zügen vorzusprechen. ihm in der Noth, ich will ihn herausreißen und zu Ehren machen. Ich will ihn sättigen mit langem Leben und will ihm zeigen mein Heil. Nun, ich liege jetzt auch da vor dir mit meinem Gebet, nicht auf meine Gerechtigkeit, sondern auf deine große Barmherzigkeit. Ach Herr, höre! Ach Herr, sey gnädig! Ach Herr, merk auf und thue es, und verzeuch nicht, um dein selbst willen, mein Gott! Amen! 4. Ach du getreuer, allmächtiger Gott! Meine Sprach ist mir entfallen; es vergehet mir das Gesicht und Gehör; es verschwinden alle meine Sinn allmählich; meine Kräfte verlassen mich, und will mir jetzt aller Creaturen Hülf zerrinnen. Ich bin sehr schwach und matt, tröste und erquicke du mich, und sprich meiner Seelen zu: Heut, in diesem Nu und Augenblick wirst du bei mir im Paradiese seyn. Mein süßer Herr Jesu Christe! du bist mein Leben; laß Sterben mein Gewinn seyn, weil du mich mit deinem theuern Blut so theuer erkauft hast. Amen! 5. Allmächtiger, ewiger Gott, laß dich erbarmen das ängstliche Seufzen und Wehklagen dieses sterbenden Menschen und nimm ihn auf in dein Himmelreich, das du ihm und allen Glaubigen aus Gnaden von Anfang der Welt bereitet hast. Entbinde ihn gnädiglich, o Herr, und nach Bezahlung menschlicher Schulden tröste ihn mit deinen Auserwählten ewiglich durch deinen lieben Sohn, unsern Herrn Jesum Christum. Amen! Valet- Segen. Es segne dich, du liebe Seele, Gott der Vater, der dich st herrlich nach seinem Ebenbild erschaffen hat! Es segne dich Gott der Sohn, der dich mit seinem Blut und Tod so theuer erkauft und erworben hat! Es segne dich Gott der heilige Geist, der dich zu seinem Tempel bereitet und geheiligt hat! Der gnädige und barmherzige Gott wolle dich durch die Kraft des bittern Leidens und Sterbens Jesu Christi, auch durch den Dienst der heiligen Engel, führen in den Schoß Abrahams, in das ewige Vaterland, daß du daselbst mit allen Auserwählten in unaussprechlicher Freud und Herrlichkeit leben mögest! Unser Herr Jesus Christus sey bei dir, daß er dich beschüge; in dir, daß er dich erquicke; vor dir, daß er dich in Himmel führe; nach, dir, daß er dich erhalte; über dir, daß er dich segne, hie zeitlich und dort ewiglich, der mit dem Vater und heiligen Geist lebet und regieret in alle Ewigkeit. Amen! ganze Natur und all mein Wesen vor seiner Gerechtigkeit sträflich und verdammlich ist. Darum fliehe ich zu seiner grundlosen Barmherzigkeit, suche Gnade und spreche: Gott sei mir Sünder gnädig. -Ja, gnädiger und barmherziger Gott, du wollest dich unser aller erbarmen, uns unsere Sünde verzeihen und deinen heiligen Geist geben, auf daß wir durch denselben deinen göttlichen Willen erfüllen und das ewige Leben empfangen mögen. Amen. Oder folgende kürzere Form: Demüthiget euch Geliebte, vor dem Herrn im Gefühle eurer Unwürdigkeit, Sünde und Schuld. Flehet ihn an um Hilfe, um Gnade und Vergebung. Sprecht mit dem Zöllner: Gott sei mir Sünder gnädig! b) Das Kyrie. Gem. Herr, Herr, er- barm dich un- ser! Christe, er- barm dich un- ser! er- barm dich un- ser! Oder: Geistl. Kyrie eleison! Gem. Herr, er= bar= me dich! 3 Geistl. Christe eleison! Gem. Christe, er bar= me dich! Geistl. Kyrie eleison! Gem. Herr, er barm dich über uns! 3. Die allgemeine Absolution mit dem Gloria. a) Die allgemeine Absolution. Geistl.( Gegen die Gemeinde.) Der allmächtige und barmherzige Gott hat sich unser erbar 4 met, seinen einigen Sohn für unsere Sünde in den Tod gegeben und um seinetwillen uns verziehen; auch allen denen, die an seinen Namen glauben, Gewalt gegeben, Gottes Kinder zu werden und ihnen seinen heiligen Geist verheißen. Lobsinget ihm, lobsinget seinem Namen! Oder: Geistl.( Gegen die Gemeinde.) Gott erbarmet sich unser! Er hat nicht Lust an dem Tode des Sünders, sondern daß der Sünder sich befehre und lebe. Er hat seinen Sohn in die Welt gesendet und in den Tod dahin gegeben, auf daß Alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Darum lobsinget ihm, lobsinget seinem Namen! b) Das Gloria in excelsis, oder: Ehre sei Gott in der Höhe 2c. Geistl.( Gegen den Altar.) Ehre sei Gott in der Höhe! Gem. Und auf Erden Fried, und den Menschen ein Wohl- ge= fal= len. Geistl. Wir loben dich, wir benedeien dich, wir beten dich an, wir preisen dich, wir sagen dir Dank um deiner großen Ehre willen, Herr Gott, himmlischer König! Gott, allmächtiger Vater! Herr, eingeborner Sohn Jesu Christe, du Allerhöchster, und dir, du heiliger Geist! Herr Gott, Lamm Gottes, ein Sohn des Vaters, der du hinnimmst die Sünd der Welt, erbarm dich unser! Der du hinnimmst die Sünd der Welt, nimm auf unser Gebet! Der du fizest zur Rechten des Vaters, erbarm dich unser! Denn du allein bist heilig, du bist allein der Herr, du bist allein der Höchst, Jeſu Christe, mit dem heil'gen Geist in der Herrlichkeit deines Vaters. Gem. ( Ursprünglich.) MDG A= Oder leichter: = = = men. H = men. 2 Bemerkung: Statt des: Und auf Erden Fried 2c. mit dem darauf folgenden: Wir loben dich 2c., kann von der Gemeinde auch das Lied: Allein Gott in der Höh sei Ehr 2c. gesungen werden. 4. Die Collecte mit vorausgehender Salutation. ( Begrüßung.) Geistl.( Gegen die Gemeinde.) Der Herr sei mit euch! Gem. Und mit deinem Geist. Geistl. Laßt uns beten:( Gegen den Altar.) O allmächtiger Gott und Vater! Wir bitten dich, gib deiner Gemeinde deinen Geist und göttliche Weisheit, daß dein Wort unter uns laufe und wachse und mit aller Freudigkeit, wie sichs gebührt, gepredigt, und deine heilige christliche Gemeinde dadurch gebessert werde, auf daß wir mit beständigem Glauben dir dienen, und im Bekenntniß deines Namens bis ans Ende verharren, durch Jesum Christum, deinen Sohn, unsern Herren. Gem. A= men. 5. Die biblische Lection. Nach der Verlesung fyricht der Geiſtliche: Dieß sind die Worte unserer heutigen Epistel( unseres heutigen Evangeliums). Der Herr fegne sie an unsern Seelen durch die Kraft seines heiligen Geistes, und erhalte uns sein heiliges, theures Wort in Ewigkeit. Gem. A = 5 6. men. Das Credo oder Glaubensbekenntniß. Geistl.( Gegen die Gemeinde.) Lasset uns endlich auch vor Gott treten mit dem Lobopfer und Bekenntniß unseres gemeinsamen christlichen Glaubens. Bekennet und sprechet mit mir also:( Gegen den Alltar.) Ich glaube an Gott den Vater, allmächtigen Schöpfer Himmels und der Erden. Und an Jesum Christum, seinen einigen Sohn, unsern Herrn, der empfangen ist von dem heiligen Geist, 6 geboren aus Maria der Jungfrau, gelitten unter Pontio Pilato, gefreuzigt, gestorben und begraben, niedergefahren zur Hölle, am dritten Tage wieder auferstanden von den Todten, aufgefahren gen Himmel, sigend zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters, von dannen er kommen wird, zu richten die Lebendigen und die Todten. Ich glaube an den heiligen Geist, eine heilige christ liche Kirche, die Gemeine der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung des Fleisches und ein ewiges Leben. Amen.* Gem. A = men. * Zur besonderen Außzeichnung der Feste kann an diesen statt des apostolischen das nicänisch- konstantinopolitanische Glaubensbekenntniß gebraucht werden, welches also lautet: s = 1 Ich glaube an einen Gott, allmächtigen Vater, Schöpfer Himmels und der Erden, aller sichtbaren und unsichtbaren Dinge. Und an den einigen Herrn Jesus Christus, den eingebornen Sohn Gottes, aus dem Vater vor aller Zeit geboren, Gott von Gott, Licht vom Lichte, wahren Gott von wahrem Gott, geboren, nicht geschaffen, eines Wesens mit dem Vater, durch welchen alle Dinge gemacht sind, der um uns Menschen und um unserer Seligkeit willen vom Himmel herabgestiegen und Fleisch geworden ist vom hei ligen Geiste aus Maria der Jungfrau, und ist Mensch gewor ben, auch gekreuziget für uns unter Pontio Pilato, gestorben und begraben, auferstanden am dritten Tage nach der Schrift, aufge fahren gen Himmel, sitzet zur Rechten des Vaters, und wird wiederkommen mit Herrlichkeit, zu richten die Lebendigen und die Todten, so daß seines Reiches kein Ende sein wird. Ich glaube auch an den heiligen Geist, der da ist Herr und macht lebendig, der von dem Vater und dem Sohne ausgeht, mit dem Vater und Sohne zugleich angebetet und geehrt wird, und durch die Propheten geredet hat. Ich glaube eine heilige, allgemeine und apostolische Kirche. Auch bekenne ich eine einige Taufe zur Vergebung der Sünden, und warte auf die Auferstehung der Todten und ein Leben der zukünftigen Welt. Gem. A Hierauf folgt: 7. Das Haupt- oder Predigtlied. 8. Die Predigt 9. Das allgemeine Kirchengebet. 10. Fürbitten und Verkündigungen. 11. Vater unser und Segenswunsch. = men. 12. Gesang eines Liederverscs, während dessen der Geistliche an den Altar tritt und sodann 13. den Schluß des Gottesdienstes in folgender Weise abhält: Geistl.( Gegen den Altar.) Unsere Hilfe stehet im Namen des Herrn, Halleluja! Gem. Der Him- mel und Erde ge- macht hat. Hal- le- lu- ja! Geistl.( Gegen die Gemeinde.) Laßt uns beten: ( Gegen den Altar.) Collecte mit Amen der Gemeinde. Geistl.( Gegen die Gemeinde.) Der Herr sei mit euch! Gem. Und mit deinem Geist. Geistl. Laßt uns benedeien den Herren! Gem. Gott ſei e== wig- lich Dank! Oder leichter: Gem. Gott sei e= Geistl. Der Herr segne euch und behüte euch 2c. Oder: wig- lich Dank! 7 A. men. A= men. Bemerkung. Wird das allgemeine Kirchengebet am Altare gesprochen, so ist die Ordnung folgende: 1. Versikel. 2. Kirchengebet mit Vater unser und Amen der Gemeinde. 3. Salutation, Benedicamus und Segen. II. Sonntäglicher Hauptgottesdienst, wenn Communion stattfindet. Wenn sich an den Hauptgottesdienst die Communion anschließt, so wird jener bis zum Segenswunsch nach der Predigt ganz in der oben Nr. I. bezeichneten Weise abgehalten. Nach diesem Segenswunsch singt die Gemeinde, während der Geistliche an den Altar tritt, Nr. 188 des Gesangbuches: ,, Schaffe in mir Gott 2c." oder ein anderes geeig netes Lied, worauf die Handlung in folgender Weise vor sich geht: 1. Präsation mit dem Sanctus. Geistl.( Gegen die Gemeinde.) Der Herr sei mit euch! Gem. Und mit deinem Geistl. Die Herzen in die Höhe! Gem. Er he ben wir zum Herrn. = Geistl. Lasset uns Dank sagen dem Herrn, unserm Gotte. Gem. Get ste. Das ist witr dig und recht. Geistl.( Gegen den Altar.) Wahrhaft würdig und recht, billig und heilsam ists, daß wir dir, Herr, heiliger, allmächtiger Bater, ewiger Gott, allezeit und allenthalben Dank sagen, durch Jesum Christum, unsern Herren, durch welcher deine Majestät loben die Engel, anbeten die Herrschaften, fürchten die Mächte, die Himmel und aller Himmel Kräfte, sammt den seligen Seraphim mit einhelligem Jubel preis sen. Mit ihnen laß auch unsere Stimmen uns vereinen und anbetend zu dir sprechen: Heilig, heilig, hei Al- le Land E lig ist der Herre Ze= ba= oth! sind seiner Ehre voll. Ho- si- an- na f in der Hö Hei- lig, hei AP Namen des Herrn! Host= anna in der Höh= e! Oder: Voll dei = 17 ſei, der = an find ner = he! Ge- bene- deit sei, der da kommt im 3 = Ch = lig heilig ist Gott, derHerr Ze- ba- oth! Him in der Höh e! Ge- be na 7 = mel und re, Ho- st an = = ne = = Erd= na. = dei reich da kommt im Namen des Herrn! Ho- si= e! in der Höh Bemerkung. Statt dieser beiden Sanctus kann auch gesungen werden: 5€ JJ Heilig ist Gott der Vater, heilig ist Gott der Sohn, 9 = et god hei- lig ist Gott der heilge Geist! Er ist der Herre Ze- ba- oth! b Al- leLand sind seiner Sh- re voll. Ho- si- an- na in der Hö- he! io Ge be ne- deit sei, der da kommt im Namen des Her- ren! Ho si an- na in der Höh e! = S a) Abendmahlsgebet. b) Das Vater unser. 11 c) Gefang des Christe du Lamm Gottes 2c." von Seiten der ( Ges.- Buch Nr. 187.) Gemeinde. 2. d) Die Einsehungsworte mit dem darauf folgenden Segenswunsche: Der Friede des Herrn sei mit euch allen. Gem. Geistl.( Gegen die Gemeinde.) : A:: 3. Austheilung des heiligen Abendmahls unter Gemeindegesang. 4. Collecte. = men. Danket dem Herrn; denn er ist freundlich; Gem. A= men. Und seine Gü- te wäh- ret e= wig- lich. Geistl. Laßt uns beten:( Gegen den Altar.) Wir danken dir, allmächtiger Gott, daß du uns durch diese heils fame Gabe des Leibes und Blutes deines lieben Sohnes Jesu Christi haft erquicket, und bitten deine Barmherzigkeit, daß du uns solches gedeihen lasfest zu starkem Glauben gegen dich und zu brünstiger Liebe unter uns allen, um Jesu Christi, unseres Herren willen. Gem. 5. Der Segen. Geistl. Der Herr segne euch und behüte euch u. f. w. Oder: Gem. Gem. 2= men. III. Introiten und Versikel für den Hauptgottesdienst. A. Introiten für die Festtage. 1. Advent. Geistl. 1. Hosianna dem Sohne Davids, Halleluja! 2. Freue dich, du Tochter Zion, 3. Siehe, dein König kommt zu dir, 4. Herr, zeige mir deine Wege, Gem. 2- men. ja! 1. Gelobet sei, der da kommt im Namen des Herrn, Hal- le- lu- 2. Und jauchze, du Tochter Je- ru- sa- lem; 3. Ein Gerechter 4. Und lehre mich deis Geistl. Ehr sei dem Vater 2c. F A= men. 2. Weihnachtsfest. Geistl. 1. Uns ist ein Kind geboren, • 11 . und Helfer. ne Steige. 2. Welches Herrschaft ist auf seiner Schulter, 3. Singet dem Herrn ein neues Lied; Gem. 1. Ein Sohn ist uns ge= ge- ben, 2. Und er heißt Wunderbar, Rath, Kraft, Held, Ewig- Bater, Friedefürst; thut Wunder. 3. Denn er. . 12 Geistl. Ehr sei dem Vater 2c. f Gem. 3. Neujahr. Geistl. 1. Jesus Christus gestern und heute, A- men. 2. Herr, ich bin beides, dein Pilgrim und dein Bürger, 3. Erhalte mein Herz bei dem Einigen. Gem. 1. Und der selbe in = 2. Wie meine Väter al= 3. Daß ich dei- nen Na- men fürch Geistl. Ehr sei dem Vater 2c. Gem. Gem. alle&- f 2= 4. Epiphaniasfest. Geistl. 1. Siehe, nun kommt der Herr, der Herrscher, 2. Gott, gib dein Gericht dem König, 3. Herr, du erleuchtest unsere Leuchte, Gem. . A 1. Und in seiner Hand ist das Reich und dieKraft und dieHerrlich- keit. 2. Und deine Ge- rech- tigkeit des Köne. 3. Und machest unse- re Finnigs Soh ster- niß licht. Geistl. Ehr sei dem Vater 2c. = wig- keit. le. te. men. men. · 5. Bußtag. Geistl. 1. Gott, sei mir gnädig nach deiner Güte, 2. Wasche mich wohl von meiner Missethat, = 3. Denn ich erkenne meine Missethat, 4. Verbirg dein Antlitz vor meinen Sünden, Gem. 1. Und til-ge mei- ne Sünden nach dei- ner großen Barmherzigkeit. 2. Und reinige mich von 3. Und meine Sünde ist 4. Und tilge alle meiGem. ( Das Gloria patri fällt am Bußtage weg.) 6. Gründonnerstag. Geistl. 1. Es sei aber ferne von uns rühmen, A- men. 2. In ihm ist das Heil und Leben und Auferstehung pon den Todten, 3. Gott sei uns gnädig und segne uns, 1. Denn allein von dem Kreuz unseres Herrn Jesu Christi. 2. Durch welchen wir erlö3. Er laffe uns sein Antlig leuchten und Geist I. Ehr sei dem Vater 2c. Gem. . meiner Sünde, immer vor mir. ne Mis- se that. ● • 7. Charfreitag. Geistl. 1. Siehe, das ist Gottes Lamm, set sind und frei. sei uns gnädig. 1. Das der 2. Und lud auf sich uns3. Und um unsrer Sünde willen 4. Aber der Herr warf unser aller Sün 2. Fürwahr er trug unsre Krankheit, 3. Er ist um unsrer Missethat willen verwundet, 4. Wir gingen alle in der Frre wie Schafe, Gem. ● ● 13 = = Welt Sünde trägt. re Schmerzen. zer schlagen. de auf ihn. ( Das Gloria patri fällt an diesem Tage weg.) 14 8. Ofterfest. Geistl. 1. Der Herr ist auferstanden und Simoni erschienen, Halleluja! 2. Was suchet ihr den Lebendigen bei den Todten? Halleluja! 3. Mit Ehre und Schmuck hat ihn Gott gekrönet, Halleluja! Gem. f = 1. Der Herr ist wahrhaftig auf- er stan- den, Hal- le- lu 2. Er ist nicht hier, er ist auf er 3. Und ihn zum Herrn ge- macht über Geistl. Ehr sei dem Vater 2c. f Gem. Gem. 2= men. Gem. = 9. Himmelfahrtsfest. Geistl. Ihr Männer von Galiläa, was stehet ihr und sehet gen Himmel? = Hal- le= lu ja! Geistl. Wie ihr ihn gesehen habt gen Himmel fahren, wird er kommen. ja! stan- den, Hal- le- lu ja! Alles, Hal- le- lu- ja! : 8## T = Halle lu ja, Hal= le- lu Geistl. Frohlocket mit Händen, alle Völker! Gem. = ja, Sal- le- lu= Und jauch- zet Gott mit fröh- li- chem Schal= le. ja! Geistl. Ehr sei dem Vater 2c. Gem. Gem. 10. Pfingstfest. Geistl. 1. Der Weltkreis ist voll Geistes des Herrn. A Gem. men. 1. Hal- le- lu- ja! Geiftl. 2. Aus Zion bricht an der schöne Glanz Gottes. 3. Ich will Wasser gießen auf das Durstige, 4. Ich will meinen Geist auf deinen Samen gießen, 5. Dieß ist der Tag, den der Herr macht; 6. Der Herr ist Gott, der uns erleuchtet. 2. Unser Gott kommet und schweiget nicht, 3. Und Ströme Geistl. Ehr sei dem Vater 2c. Gem. Gem. 4. Und meinen Segen auf deine Nachkommen, 5. Las- set uns freuen und fröhlich. 6. Schmücket das Fest mit Maien bis an die Hörner 2= men. 15 = ja! Hal- le- lu auf das Dür= re. 11. Trinitatis fest. Geistl. 1. Heilig, heilig, heilig ist Gott, der Herr Zebaoth, 2. Drei sind, die da zeugen im Himmel, der Vater, das Wort und der heilige Geist, 3. Von ihm und durch ihn und zu ihm sind alle Dinge; 3. Jhm sei Eh: re in Ewigkeit. A ja! Hal- le- lu- dar- in- nen sein. des Al- tars. 1. Al- le Lan- de sind sei-. ner Ehre voll. 2. Und diese drei sind eins. men. ; 16 Geistl. Ehr sei dem Vater 2c. Gem. A= men. 12. Erntefest. Geistl. 1. Lasset uns dem Herrn frohlocken, 2. Lasset uns mit Danken vor sein Angesicht kommen, 3. Denn in seiner Hand ist, was die Erde bringet, ( Bei dürftiger Ernte.) Geistl. 1. Befiehl dem Herrn deine Wege, Gem. 1. Und jauchzen dem Hort unseres Heils. ihn lo = ben. 3. Und die Höh- en der Ber- ge sind auch sein. 2. Und mit Psalmen chen. ( Bei dürftiger Ernte.) 1. Und hoffe auf ihn; er wirds wohl ma Geistl. Ehr sei dem Vater 2c. Gem. men. A= 13. Reformationsfest. Geistl. 1. Herr, unser Gott, sei mit uns, : 2. Thue wohl an Zion nach deiner Gnade, 3. Herr, dein Wort ist die rechte Lehre; Gem. 2 1. Wie du ge we sen bist mit un 2. Und bauze die Mauern zu = tern. sern Vä Je- ru- sa= lem. 3. Heiligkeit ist die Zier- de deines Hau- ses e= wig- lich. Geistl. Ehr sey dem Vater 2c. Gem. = A men. Bemerkung. Statt des Introitus mit dem Gloria patri fann auch an Festtagen blos ein Anfangslied gesungen werden. 14. Kirchweih fest. Geistl. 1. Jauchzet dem Herrn alle Welt, 2. Gehet zu seinen Thoren ein mit Danken, 3. Danket ihm, lobet seinen Namen; Gem. Gem. A mit Freu mit 1. Dienet dem Herrn. 2. Zu seinen Vorhöfen 3. Denn der Herr ist freundlich und seine Güte wäh- ret e- wig- lich. Geistl. Ehr sei dem Vater 2c. f = men. B. Schlußversikel für die Festtage. 1. Advent. Geistl. Bereitet dem Herrn den Weg, Halleluja! Gem. - den. Lob. Und machet seine Stei- ge richtig, Hal- le- lu- ja! 2. Weihnachtsfest. Geistl. Das Wort ward Fleisch, Halleluja! Gem. Und wohnete unter uns, Halleluja! 3. Neujahr. Geistl. Herr Gott, du bist unsre Zuflucht für und für, Halleluja! 17 Gem. Du bist unser Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit, Halleluja! 4. Epiphaniasfest. Geist l. 2obet den Herrn, alle Heiden, Halleluja! Gem. Preiset ihn, alle Völker, Halleluja! 2 18 5. Bußtag. Geistl. Herr, gehe nicht ins Gericht mit deinem Knecht. Gem. Vor dir ist kein Lebendiger gerecht. 6. Gründonnerstag. Geistl. Er hat ein Gedächtniß gestiftet seiner Wunder. Gem. Der gnädige und barmherzige Gott. 7. Charfreitag. Geistl. Gott hat seines eigenen Sohnes nicht verschonet. Gem. Sondern ihn für uns alle dahin gegeben. O 8. Osterfest. Geistl. Der Tod ist verschlungen in den Sieg, Halleluja! Gem. Gott sei Dank, der uns den Sieg gegeben hat, Halleluja! IAITUinite S 9. Himmelfahrtsfest. Geistl. Gott fähret auf mit Jauchzen, Halleluja! Gem. Der Herr mit heller Posaune, Halleluja! 10. Pfingstfeſt. Geistl. Herr, lehre uns thun nach deinem Wohlgefallen, Halleluja! Gem. Dein guter Geist führe uns auf ebner Bahn, 1/ pengise Halleluja! 11. Trinitatis fest. nif Geistl. Wir loben Gott den Vater, Sohn und heiligen Geist, Halleluja! Gem. Und preisen ihn von nun an bis in Ewigkeit, Halleluja! #pipict are notorer 12. Erntefest. Geistl. Aller Augen warten auf dich, Herr, Halleluja! Gem. Und du gibst ihnen ihre Speise zu seiner Zeit, Halleluja! 13. Reformationsfest. Geistl. Herr, dein Wort bleibet ewiglich, Halleluja! Gem. Deine Wahrheit währet für und für, Halleluja! 14. Kirchweihfest. Geistl. Herr, ich habe lieb die Stätte deines Hauses, Halleluja! Gem. Und den Ort, da deine Ehre wohnet, Halleluja! C. Schlußversikel für die gewöhnlichen Sonntage zur Auswahl. * Geistl. Es fegne uns Gott, unser Gott, Halleluja! Gem. Und alle Welt fürchte den Herrn, Halleluja! The Welt fürch Geistl. Herr, hilf deinem Volke und segne dein Erbtheil, Halleluja! Gem. Weide sie und erhöhe sie ewiglich, Halleluja! Geistl. Rufe mich an in der Noth, so will ich dich erretten, Halleluja! Gem. Und du sollst mich preisen, Halleluja! Geistl. Wir haben einen Gott, der da hilft, Halleluja! Gem. Und einen Herrn, der vom Tode errettet, Halleluja! Geistl. Herr, dein Wort ist unsers Fußes Leuchte, Halleluja Gem. Und ein Licht auf unsern Wegen, Halleluja! Geistl. Heilige uns, Herr, in deiner Wahrheit, Halleluja! Gem. Dein Wort ist die Wahrheit, Halleluja! Geistl. Herr, lehre uns thun nach deinem Wohlgefallen; Gem. Dein guter Geist führe uns auf ebner Bahn. 19 Geistl. Herr, handle nicht mit uns nach unsern Sünden, Gem. Und vergilt uns nicht nach unfrer Miffethat. IPO 20 Gebetsgottesdienst. 1. Bersikel. Geistl.: Herr, verninum mein Flehen um deiner Wahrheit willen. Halleluja. Gem.: Erhöre mich um deiner Gerechtigkeit willen. Halleluja. 2. Salutation und Collette mit dem Amen der Gemeinde. 3. Verlesen eines biblischen Abschnittes. Gem.: Amen. Geistl. Kyrie, Gem. f= Geistl. Christe, Gem. Gem. & lei= = Geistl. Kyrie, 4. Die Litanei. Gem. & lei: Geiftl. Christe, &= lei : son! son! son! Er- höre uns! Geiftl. Herr, Gott Vater im Himmel! Gem. Herr, Gott Sohn, der Welt Heiland! Herr Gott, heiliger Geist! Geistl. Sei uns gnädig! Gem. Er- barm dich über uns! Gem. Geistl. Sei uns gnädig! Ver- schon uns, lie- ber Her- re Gott! Gem. Hilf uns, lieber Herre Geistl. Vor allen Sünden, Vor allem Irrsal, Vor allem Uebel, Gott! Vor des Teufels Trug und List, Vor bösem schnellen Tod, Vor Pestilenz und theurer Zeit, Vor Krieg und Blutvergießen, Vor Aufruhr und Zwietracht, 2² Vor Hagel und Ungewitter, Vor Feuer und Wassersnoth; Vor dem ewigen Tod, Be- hüt uns, lieber Herre Gott! 21 22 Geistl. Durch deine heilige Geburt, Durch deinen Todeskampf und blutigen Schweiß, Durch dein Kreuz und Tod, Durch dein heiliges Auferstehn und Himmelfahrt, In unsrer letzten Noth, Am jüngsten Gericht Gem. Hilf uns, lieber Her- re Gott! Geistl. Wir armen Sünder bitten: Gem. Du wol- lest uns er hören, lieber Herre Gott! = Geift l. Und deine heilige christliche Kirche regieren und führen, Alle Pfarrherren und Diener der Kirche im heilsamen Wort und heiligen Leben behalten, Allen Rotten und Aergernissen wehren, Alle Irrigen und Verführten wieder bringen, Den Satan unter unsre Füße treten, Treue Arbeiter in deine Ernte senden, Deinen Geist und Kraft zum Worte geben, Allen Betrübten und Blöden helfen und sie trösten, Allen Königen und Fürsten Fried und Eintracht geben, Unsern Landesherrn mit allen seinen Gewaltigen leiten und schützen, Unsere Obern, Schule und Gemeine segnen und behüten, Allen, so in Noth und Gefahr sind, mit Hilfe erscheinen, Allen Schwangern und Säugenden fröhliche Frucht und Gedeihen geben, Aller Kinder und Kranken pflegen und warten, Alle unschuldig Gefangene los und ledig lassen, Alle Wittwen und Waisen vertheidigen und versorgen, Aller Menschen dich erbarmen, Unsern Feinden, Verfolgern und Lästerern vergeben und fie bekehren, Die Früchte auf dem Lande geben und bewahren, Und uns gnädiglich erhören. Gem. Er- hör uns, lie- ber Herre Gott! Geistl. O Jesu Christe, Gottes Sohn, Gem. Gem. Geistl. O du Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt! Er- barm dich über uns! Gem. Er barm dich ü- ber uns! Geistl. D du Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt! Gem. Er- barm dich ü- ber uns! 23 de 150 Geistl. O du Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägtl Ver- leih uns ste= ten Fried! 24 Geist I. Christe, Gem. Geistl. Kyrie, Gem. Er höre uns! = Gem. &= lei= Geistl. Christe, &= lei = Geistl. und Gemeinde: son! Kyri= e, e= lei= son! son! 2== men. âu Ạ attg. Liturgie für die Geburts- und Namenstage des Königs und der Königin. Zum Anfang. Geistl.: D Herr, er zeig uns deine Barmherzig- keit, f Gem.: Geistl.: Gem.: Gem.: Und verleihe uns dein Heil. D Herr, segne den Kö Und er höre uns gnä-dig- lich, wenn wir zu dir ru # Geistl.: Geistl.: Gem.: 8 Rüste dei ne Die- ner mit Ge- rech- tig- keit, = Und laß deine Hei- li gen sich freu nig, D Herr, hilf dei- nem Volk, O H Und seg ne dein Erb= theil. = 25 en. fen. 26 Geistl.: Ehr' sei dem Vater 2c. 2C. Gem.: Gem.: Herr, A- men. er barm dich un- ser! Chri- ste, er- barm dich un- ser! Herr, er barm dich unser! Geistl.: Ehre sei Gott in der Höhe Gem.: Und auf Er- den Fried, und den Menschen ein Wohl- ge- fal- len. Chor: Wir loben dich 2c. Amen. Geistl.: Der Herr sei mit euch. Gem.: Und mit deinem Geist. Geistl.: Gebet.+ Gem.: A Geistl.: Biblische Lektion. Gem.: men. A 8 men. Schluß. Geistl.: Der Herr denke an uns und segne uns. Halleluja! Gem.: Er segne, die den Herrn fürchten. Halleluja! Geistl.: Segen. Gem.: Amen. Geistl.: Der Herr sei mit euch. Gem.: Und mit deinem Geist. Geistl.: Laßt uns benedeien den Herren. Gem.: Gott sei ewiglich Dank. Inches 1 Centimetres Blue 2 13 4 Cyan 21 5 ¹6 17 3 Farbkarte# 13 Green 8 Yellow 9 4 10 Red 11 12 5 13 Magenta 14 6 15 White 16 17 7 3/ Color 18 19 B.I.G. Black 8