Gb 4077 M. Paul von Deschwanden 5824 BENZIGER& CO. Preis dir, o Königin der Engel, die du den Quell alles Segens auf deinen Armen trägst.( S.Epiphanius) N Barfhelmess sc. DEPOSE. EINSIEDELN, SCHWEI f iphanius) D'Aujourd'hui del BENZIGER& CO. Ch M 5920 DEPOSE. P Sonnenleiter se. EINSIEDELN, SCHWEIZ. ene Die Herrlichkeiten Mariens hl. Alphons von Liguori. Dom Für das deutsche Dolk umgearbeitet und mit Andachts- Hebungen vermehrt von Anton Merk, Pfarrer, Verfaffer des, Pilgerstab' 2c. Verbessert herausgegeben von J. B. Kempf, Hospital- Pfarrcurat in Mainz. Mit Approbation des Hochwürdigsten Ordinariats in Mainz. Druck und Verlag der Typographen des Hl. Apoftol. Stuhles Benziger& Co. in Einsiedeln und Waldshut, Nachfolger von Gebr. Karl& Nikolaus Benziger. Benziger Brothers, New- York, Cincinnati, Chicago. go Gb 4 077 / Imprimi permittitur. Moguntiæ, die 19. Marti 1883. ** 0* Car. Al. Ohler, Can. Cap. Mog. et Consil. Eccles. Copyright 1884 by BENZIGER BROTHERS. » All rights reserved.« Univ.- Bibl. Giessen Approbation der sämmtlichen Schriften des heil. Alphons Maria von Liguori. In der Entscheidung der Congregatio Rituum zu Rom über die Werke des heil. Alphons von Liguori heißt es, nach angestellter Prüfung derselben zum Behufe seiner Heiligsprechung: ,, Nachdem die Hochwürdigen Cardinäle Saluzzo und ,, Caraccioli, Eminenzen, der Congregation einen voll ständigen Bericht über die vorstehend genannten, sowohl ,, gedruckten, als auch im Manuscript vorhandenen Werke, ,, abgestattet, so entscheidet dieselbe Congregation, da fich ,, in denselben nichts vorgefunden, was eine Rüge ver,, dient hätte( cum nihil in iis censura dignum reper,, tum fuerit), daß man zu fernerem fortschreiten könne, ,, wenn es Seiner Heiligkeit, unserem Herrn, Pius VII., ..also gefällt." Am 14. Mai 1803. Worin Seine Heiligkeit, nachdem Sie den von mir, dem unterzeichneten Secretär, gemachten Bericht vernommen, gnädigst eingewilligt. Am 18. Mai 1803. ( L. S.) Julius Maria, Cardinal von Somaglia, S. R. C. Præfectus. 2. de Carpineo, S. R. C. Secretarius. Erklärung des Verfassers. Um dem Decrete des Papstes Urban VIII. nachzukommen, erkläre ich, dass ich nicht die Absicht habe, den undern, Offenbarungen, Gnadenerweisungen und Erzählungen, welche sich in diesem Buche mitgetheilt finden, sowie auch in besug auf die Titel, heilig' und ‚ selig, die ich Personen beigelegt, welche noch nicht heilig gesprochen sind, eine andere Glaubwürdigkeit, als eine rein menschliche beisulegen; ausgenommen jene Fälle, welche die römisch- katholische Kirche und der heilige apostolische Stuhl durch ihr Urtheil bekräftigt hat, deren gehorsamer Sohn au sein ich hierdurch bekenne, weshalb ich mich selbst und alles, was ich in diesem Buche niedergeschrieben habe, dem Urtheile derselben Kirche unterwerfe. Erster Theil. Auslegung des Salve Regina. ( Gegrüßet seist du, Königin!) Maria ist, wie der heilige Epiphanius sagt, ein geheimnißreiches Buch, worin die ganze Welt die Geheimnisse des menschgewordenen göttlichen Wortes lesen kann, sie ist ge wissermaßen ein kurzer Abriß aller Wahrheiten des Christens thums. AVE MARIA Erster Theil. Auslegung des Salve Regina. ( Gegrüßzet seist du, Königin!) Erstes Capitel. ‚ Gegrüßet ſeißt du, Königin, Mutter der Barmherzigkeit! §. 1. Maria, eine Königin der Barmherzigkeit. Jenn nun die heilige Kirche, vom Geiste COL Gottes geleitet, der seligsten Jungfrau Maria den glorreichen Titel einer Königin beilegt, so wird dies niemand unpassend finden, sofern er bedenkt, daß sie die Mutter des Königs aller Könige, des eingebornen Sohnes Gottes, geworden ist, und daß, wie der Sohn als König, so auch seine Mutter als Königin begrüßt 8 Erster Theil. Auslegung des Salve Regina. werden darf. Hat sie doch von jenem Augenblicke an, wo sie in die Mutterschaft des ewigen Wortes eingewilligt, das Recht erlangt, eine Königin der Welt und aller erschaffenen Wesen genannt zu werden. Wenn ihr Fleisch zugleich das Fleisch Jesu Christi war, so ziemt es sich, daß sie als Mutter an des Sohnes Gewalt theilnehme; ja wir schließen hieraus, daß Mutter und Sohn nicht nur die Ehre der Herrlichkeit mit einander theilen, sondern daß dieselbe in beiden vereinigt sei, daß alle Engel und Menschen, die Gott unterwürfig sind, es gewissermaßen auch Marien sein sollen. Bei der Krönung eines Königs salbt man sein Haupt mit Del, dem Sinnbilde der Barmherzigkeit, zum Zeichen, daß er zwar Strenge und Gerechtigfeit gegen die Uebertreter der Gesetze walten lassen, aber vor allem durch Milde und Barmherzigkeit sich auszeichnen soll. Maria übt in ihrer Eigenschaft als Königin keine Gerechtigkeit aus, sondern sie beschränkt sich blos darauf, durch ihre Fürbitte bei ihrem göttlichen Sohne Gnade und Erbarmen für jeden bußfertigen Sünder zu erwirken, daher sie die Kirche mit Recht als Mutter der Barmherzigkeit begrüßt. Albert der Große macht eine schöne Anwendung von der Geschichte der Königin Esther auf Maria, die Königin der Barmherzigkeit. Im vierten Capitel des Buches Esther liest man, daß während der Herrschaft des Assuerus in seinem Reiche ein Befehl erlassen worden sei, alle Juden umzubringen; da habe Mardochäus, einer der Verurtheilten, das Heil der Seinen der Esther anempfohlen, damit fie den König bitte, den genannten Befehl zurückzu 1. Capitel., Gegrüßet seist du, Königin'. 9 rufen. Nachdem sie jedoch aus Furcht, sie möchte den König dadurch nur noch mehr erzürnen, dies ausgeschlagen, habe ihr Mardochäus Vorwürfe gemacht und gesagt: sie müsse nicht blos auf sich selbst und ihre eigene Rettung bedacht sein; denn der Herr habe sie darum auf den Thron gesetzt, auf daß sie allen Juden zu Hilfe komme. ,, Glaube nicht," lauten seine Worte, daß du nur dein Leben retten sollst, weil du vor allen Juden im Hause des Königs bist."( Esth. 4, 13.) Als nun Esther vor dem König Assuerus erschien, warf er ihr einen Blick der Liebe und des Wohlwollens entgegen und sagte: Was ist dein Begehren?" Sie gab ihm zur Antwort: ,, Habe ich Gnade ge= funden in deinen Augen, o König, und gefällt es dir, so schenke mir mein Volk, für das ich Fürbitte einlege." Assuerus erhörte sie und ließ den Befehl zurücknehmen. Wenn nun Assuerus der Esther, weil er sie liebte, das Leben der Juden schenkte, wie würde Gott wohl Maria, die Er doch so unendlich liebt, unerhört lassen, wenn sie für Sünder, die zu ihr die Zuflucht nehmen, ihre Fürbitte einlegt? Wenn sie Ihm zuruft: Schenfe mir mein Volk!" wäre es wohl möglich, daß Gott ihr solche Bitte nicht gewährte? Der hl. Bernard fragt, warum die Kirche Maria eine Königin der Barmherzigkeit nenne, und antwortet selbst: ,, Weil wir glauben, daß sie die Tiefe der göttlichen Barmherzigkeit öffnet, wem sie will, wann sie will, und wie sie will, ja, daß es keinen Sünder gebe, der, so groß auch seine Missethaten sein mögen, verloren gehe, wenn Maria ihm beisteht. Erster Theil. Auslegung des Salve Regina. Sollten wir etwa fürchten, sie würde einem Sünder ihren Beistand versagen, weil die Summe seiner Laster und Vergehen allzu groß ist? O nein! Oder soll ihre erhabene Würde und Heiligkeit den Unglücklichen abschrecken, sich an sie zu wenden? Noch viel weniger! Je erhabener und heiliger fie ist, desto milder und barmherziger erweist sie sich gegen jeden Gefallenen, der voll Vertrauen zu ihr seine Zuflucht nimmt. Irdische Könige und Königinnen erregen Furcht durch den Glanz, mit dem sie sich umgeben, und die Unterthanen pfle= gen nur mit Schüchternheit ihrem Throne zu nahen; was aber," sagt der Hl. Bernard, könnte wohl den Sünder zurückhalten, sich dieser huldvollen Königin der Barmherzigkeit zu nähern? Wer sie aufsucht, findet nichts Strenges, nichts Furchtbares in ihr, sie kommt allen mit Milde und Sanftmuth entgegen. Wie wäre es möglich, daß sie als Mutter der Barmherzigkeit einem armen Sünder ihren Beistand verweigern könnte? Bedarf ja nicht der Gerechte, sondern nur der Sünder der Erbarmung. Wie gerne wird ihr göttlicher Sohn, der sie selbst zu seiner Mutter sich erwählt, dem sie so viele Dienste geleistet, und zwar in der reinsten Absicht, aus Dankbarkeit jede Bitte gewähren, die sie für hilflose Sünder bei Ihm einlegt, bei Ihm, der ja selbst aus unendlich liebevoller Erbarmung sein Leben für alle Verlornen am Kreuze aufgeopfert hat!" In den Offenbarungen der hl. Brigitta steht geschrieben, Maria sei die Königin des Himmels und die Mutter der Barmherzigkeit, die Freude der Gerechten und die Pforte, welche die Sünder zu Gott führe. Jeder, 10 1. Capitel., Gegrüßet seist du, Königin'. 11 der es nicht verschmähe, könne an ihrer Barmherzigkeit theilnehmen; und sei auch ein Mensch noch so weit vom Pfade des Heils abgeirrt, er werde, wenn er sich vertrauensvoll um ihre Vermittelung bewerbe, zur Wiederaufnahme in den Stand der Gnade gelangen. Das Bewußtsein, wie vieles Maria bei Gott vermag, und wie barmherzig sie sich gegen jeden bußfertigen Sünder erweist, muß unsren Herzen ein unermeßliches Vertrauen zu ihr einflößen. Wenn darum der Gedanke an die schwere Last unsrer Sünden und Verschuldungen uns darnieder drückt und muthlos macht, so wollen wir es nicht vergessen, daß Maria eine Königin der Barmherzigkeit ge= worden, um durch ihren vielvermögenden Beistand die größten und verlassensten Sünder, die Zuflucht bei ihr suchen, zu retten und in den Schooß der Seligkeit zurückzuführen; wir wollen es nicht unterlassen, mit findlichem Vertrauen ihre VermitteLung anzurufen, um wieder in den Besiz des verlornen Heils zu gelangen. Beispiel. Ein Mann von höherem Stande, der schon lange die heiligen Sacramente nicht mehr empfangen hatte, kam in eine Kirche Unserer Lieben Frau von der immerwährenden Hilfe, nicht um sich zu bekehren, sondern aus Neugierde. Während seine Blicke auf dem Gnadenbilde ruhten, fühlte er sich innerlich erregt und beunruhigt. Furcht und Gewissensbiffe bemächtigten sich seiner Seele. Um sich zu zerstreuen, schaut er auf einen andern Gegenstand, aber das mitleidige Antlitz der Gottesmutter bleibt seiner Seele eingeprägt und erinnert ihn an sein gottloses Leben. - 12 Erster Theil. Auslegung des Salve Regina. Um diese traurigen Gedanken los zu werden, begibt er sich nach einer andern Seite der Kirche, aber auch hier schwebt ihm das mitleidige Antlitz der seligsten Jungfrau vor Augen und scheint ihm bittere Vorwürfe zu machen. Um draußen Ruhe zu finden, verläßt er die Kirche, doch das mitleidige Antlitz der milden Himmelskönigin will nicht aus seinem Gedächtniffe weichen. Ihm ist, als traure Maria seiner Sünden wegen. Endlich entschließt er sich, sein Leben zu bef= fern, legt unter heißen Thränen seine Beicht ab und findet mit der Lossprechung und der Gnade auch den Frieden des Herzens.( Andachtsbuch zu Unserer Lieben Frau von der immerwährenden Hilfe.) Gebet. O seligste Jungfrau Maria, Mutter meines Gottes, Königin des Himmels und der Erde! Mit den Wunden meiner Sünden bedeckt, werfe ich mich zu deinen Füßen und bitte dich, wende deine mitleidsvollen Augen herab vom Throne deiner Herrlichkeit auf mich armen Sünder. Gott hat dich ja so hoch erhoben und so reich gemacht, damit du den Sündern zu Hilfe kommst. Habe Mitleid und Erbarmen mit mir Verlassenen und lasse mich nicht eher von dir scheiden, bis du mir die Gnade erwirkt hast, daß ich mich aus meinem gegenwärtigen, traurigen Zustande aufraffe und wieder zu einem wohlgefälligen Kinde Gottes mich bilde. Wohl weiß ich es, wie wenig ich deinen Beistand verdiene, und wie unwürdig ich mich aller Gnaden gemacht, die mir bis jetzt durch deine Vermittelung vor Gott verliehen worden sind; aber du bist eine Königin der Barmherzigkeit, und vermöge dieser Eigenschaft ist es deine Aufgabe, für 1. Capitel., Gegrüßet seist du, Königin'. 13 jeden, der sich an dich wendet, Erbarmung zu erwirken. Wenn ich auch bis zur Stunde in deinem Dienste nachlässig und träge gewesen, so verspreche ich dir doch heute, daß es fünftig mein. eifrigstes Bestreben sein wird, mich deinen Verehrern anzureihen und jeden Anlaß zu benußen, um dir zu zeigen, wie findlich ich dich liebe und verehre. Amen. §. 2. Maria, unsere Mutter. Durch die Sünde haben wir die Gnade Gottes verloren und sind dem ewigen Tode anheimgefallen. Aus unendlicher Liebe und Erbarmung hat uns Jesus durch seinen Versöhnungstod jene Gnade und jenes Leben wieder erworben und ist dadurch der Vater unsrer Seelen im neuen Gnadenbunde geworden. Ist nun Jesus der Vater unsrer Seelen, so ist Maria unsre Mutter; denn als sie uns Jesum gab, schenkte sie uns das wahre Leben, und als sie das Leben ihres Sohnes auf dem Calvarienberge für unser Heil aufopferte, hat sie uns zugleich zum Leben der göttlichen Gnade wiedergeboren. Der hl. Augustinus lehrt, weil Maria bei dem großen Versöhnungsopfer auf Golgatha durch ihre Liebe mitgewirkt, daß die Gläubigen zum Leben der Gnade wiedergeboren wurden, sei sie hiedurch ebenfalls geistiger Weise unser Aller Mutter geworden, die wir Glieder unsres Hauptes Jesus Christus sind.*) Als Erlöste gehören wir dem Sohne Gottes an. Können wir aber dem Sohne angehören, *) S. Aug. d. Virg. Cap. 6. 14 Erster Theil. Auslegung des Salve Regina. ohne zugleich auch seiner Mutter anzugehören? Sind wir nicht durch die Annahme an Kindesstatt, die uns zu Kindern Jesu macht, mit Maria in die innigste Verbindung getreten? Hat uns nicht Jesus in der Person seines geliebten Jüngers an seine Stelle gesetzt und uns seiner Mutter vom Kreuze herab als Kinder übergeben? Maria nimmt sich ohne Unterlaß als wahre Mutter im Himmel ihrer Kinder an. Unser ewiges Heil liegt ihr zu nahe am Herzen, als daß sie zu den Finsternissen, die uns umgeben, zu den Versuchungen, die uns bestürmen, zu den Gefahren, die uns auf der Pilgerreise durchs irdische Jammerthal drohen, gleichgiltig sein könnte. Die Kirche nennt sie Mutter der schönen Liebe; und wie dürfte sie diesen Ausdruck wagen, wenn Maria nicht die barmherzigen Gesinnungen ihres göttlichen Sohnes gegen uns angenommen hätte? Wird ihr Jesus jenes Mitleid gegen die Sünder, das Ihn bewogen, sich bis zu unsrem Elende herabzulassen, nicht mitgetheilt haben? Wird dieſe Mutter den Sündern und uns elenden Menschen, für welche Jesus sein Herz am Kreuze geöffnet und sein Blut vergossen hat, das Herz verschließen? Doch warum verweilen wir bei ängstlichen Fragen? Haben wir ja die auffallendsten Beweise, die uns von der Güte unsrer liebevollen Mutter überzeugen. Wir wollen zwar weder die Wunder der Bekehrungen, die sie bei Gott erwirkt, noch jene Seelen, die sie von den Wegen des Verderbens zurückgeführt, noch jene lauen Christen, die sie vom Schlafe der Trägheit erweckt hat, uns vorstellen und sie von der Barmherzigkeit Mariens 1. Capitel., Gegrüßet seist du, Königin'. 15 reden lassen; wir wollen mit Stillschweigen übergehen die Versuchten, welche sie unterstützt, die Betrübten, welche sie getröstet, die Gefallenen, denen sie aufgeholfen, die nahezu Verzweifelnden, die sie aufgerichtet, die Sterbenden, welche sie bei dem gefährlichen Uebergange in die Ewigkeit gegen die Anfälle des bösen Feindes vertheidigt hat; denn daß Millionen von Zeugen ihre Liebe zu uns an den Tag gelegt haben, ist eine anerkannte Thatjache: so viele öffentliche Denkmäler, so zahlreiche Schriften werden bis an das Ende der Zeiten reden; nur an den Hauptbeweis wollen wir uns halten. Was denkt und spricht die hei lige Kirche von der Barmherzigkeit unsrer Mutter? Was sagt ein berühmter Kirchenrath? ,, Maria geht unsern Wünschen entgegen und kommt unsern Gebeten zuvor!" Was singen wir im Hause Gottes? Maria ist die Zuflucht der Sünder, der Trost der Betrübten, das Heil der Kranken!" Wie lautet jener uralte Gesang? ,, Daß du, o heilige Jungfrau, eine Mutter der Gnaden, eine Mutter der Barmherzigkeit bist; daß das Mitleid mit dir geboren und von Kindheit an mit dir gewachsen sei." So dachte von jeher die heilige Kirche, so dachten unsre Väter und Voreltern von Maria. Welch eine Fülle des Trostes und der Zuversicht: die Mutter unsres Erlösers ist auch unsere Mutter! " 1 Wenn dich, Verehrer Mariens, die Welt verläßt, sieh, Maria ist deine Mutter, sie wird dich nicht verlassen. Wenn du in trüben Stunden mit schweren Leiden zu kämpfen hast und keinen Menschen mehr findest, der sich deiner annimmt; fieh, 16 Erster Theil. Auslegung des Salve Regina. Maria ist deine Mutter, sie kann und will di helfen, sofern du sie darum bittest. Wenn sich die Versuchung in dir empört und der schlaue Feind deiner Seele dich zu Grunde richten will; sieh' Maria ist deine Mutter, sie wird dir beistehen, dir siegen helfen. Wenn Noth und Elend dich dar nieder drücken, wenn Krankheit dich aufs Schmer zenlager hinlegt, sieh, Maria ist deine Mutter, fie wird dir beistehen, sie kann und will dir helfen, so du dich an sie wendest. Wenn der Feierabend deines Lebens heranrückt, deine Seele beim Hin blicke auf die nahe, strenge Rechenschaft vor dem gerechten Richter erzittert und der böse Feind mit seinen Versuchungen noch einmal auf dich losstürmt; fieh, da ist Maria deine Mutter; fie bittet für dich bei ihrem lieben Sohne, sie em pfiehlt dich ihrem lieben Sohne, sie wird dir als Mutter beistehen und mit liebevoller Erbarmung sich für deine Seligkeit verwenden. - Beispiel. Der hl. Irenäus, Erzbischof zu Lyon und Martyrer( † 202), welcher uns in seinen gelehrten Schrif ten, die er zur Vertheidigung der Wahrheit verfaßt hat, unverwerfliche Zeugnisse seines Eifers wider die Ketzer, Juden und andere Feinde der Kirche darbie tet, gibt uns auch sichere Beweise von seiner Andacht gegen die hl. Jungfrau. Denn, nachdem er in seinem vortrefflichen Werke wider die Irrlehrer( I. 5. c. 19.) die immerwährende Jungfrauschaft der Mutter Gottel gegen die Juden erwiesen und den Irrthum gewisser Irrlehrer, die behaupteten, der Sohn Gottes habe von ihrer Wesenheit nichts an sich genommen, sondern seinen Leib aus dem Himmel herabgeholt, vollkommen 1. Capitel., Gegrüßet seist du, Königin'. 17 widerlegt hatte, war er nicht zufrieden, die Lügen bestritten zu haben, sondern wollte auch die Wahrheit festsetzen und zu erkennen geben, welche Ehrfurcht wir dieser würdigen Gottesmutter schuldig, und wie sehr wir verpflichtet sind, sie nach Jesu Christo als unsere Mittlerin bei Gott anzuſehen. Seine Worte sind folgende: ,, Wie Eva durch das Wort eines Engels der Finsterniß ist getäuscht worden und sich durch ihren Ungehorsam von Gott entfernt hat, so wurde Maria durch das Wort eines Engels angekündigt, fie würde Mutter Gottes werden, wenn sie demselben gehorchte; und wie der Teufel jener eingegeben hatte, Gott zu verlassen, so wurde diese bewogen, Ihm zu folgen, und dadurch ihre Mittlerin. Wiederum, wie das ganze menschliche Geschlecht durch ein Weib dem Tode ist unterworfen worden, so hat es eine Jungfrau davon befreit, indem der Gehorsam dieser letzteren den Ungehorsam jener aufwog und gut machte. Endlich wie die Sünde des ersten Menschen durch das Leiden des Sohnes Gottes ist getilgt worden, so hat die Einfalt der Taube über die Arglist der Schlange den Sieg erhalten, damit wir von den Banden, die uns gefesselt hielten, erledigt würden." Und an einem andern Orte sagt er( I. 3. c. 33.):, Wie die erste Eva durch ihren Ungehorsam sich selbst und dem ganzen menschlichen Geschlechte den Tod verursacht hatte, fo hat Maria, die Jungfrau, durch ihren Gehorsam sich ſelbst und dem ganzen menschlichen Geschlechte das Heil erworben." Das, was hier dieser große Heilige lehrt und in der Folge aus andern Vätern wird bestätigt werden, enthält gewiß eine der vornehmsten Gaben und Eigenschaften, die wir an der heiligen Jungfrau verehren müssen, daß sie nämlich nach ihrem Sohne Jesu Christo durch ihre unvergleichlichen Tugenden, die sie der Mutterschaft Gottes würdig machten, zum Heile der Menschen am meisten mitgewirkt habe. Ja, sie trägt Herrlicht. Mar. 2 18 Erster Theil. Auslegung des Salve Regina. zu diesem Endzwecke noch immer bei, indem sie uns von Gott nach Jesu Christo seinem Sohne zur ersten Fürsprecherin bei dem Throne seiner göttlichen Barmherzigkeit bestimmt worden. Dies ist in Wahrheit eine liebenswürdige Eigenschaft, die uns öfters von der Kirche vor Augen gestellt wird, damit sie uns ein vollkommenes Vertrauen auf diese heiligste Jungfrau einflöße und uns aneifere, in allen Nöthen und Mühseligkeiten unsere Zuflucht zu ihr zu nehmen. Gebet. Allerseligste Jungfrau Maria, wie freue ich mich, daß du, die Mutter meines Gottes, auch meine Mutter bist! Wer dich liebt und auf deinen Beistand vertraut, darf die tröstliche Hoffnung im Herzen tragen, daß er nicht verloren gehe, weil sein Urtheilsspruch von Jesu Christo, der sein Bruder, und von dir, die du seine Mutter geworden, abhängt. Wenn ich an meine zahllosen Sünden und Verirrungen denke, mit denen ich meinen Gott und Herrn so oft und schwer bes leidigt habe, so muß ich voll Beschämung errös thend gestehen, daß ich wahrlich nicht mehr werth bin, dich meine Mutter zu nennen; aber dein liebevolles Mutterherz flößt mir Vertrauen ein, du werdest mich doch nicht verstoßen. Laß mich dir angehören, meine Lebenstage deinem besondern Schuß anempfehlen. Erzeige dich gegen mich als gütige Mutter! Wenn die Versuchung zum Bö sen mein schwaches Herz beschleicht, wenn Gefah ren des Leibes und der Seele mir begegnen, wenn die Welt mit ihren tausendfältigen Fallstricken meiner Unschuld droht, wenn Sorgen und Kümmernisse meine Seele umnachten, wenn schwere 1. Capitel., Gegrüßet seist du, Königin. 19 Prüfungen mich befallen, wenn ich einst auf dem Todbette liege und den letzten Kampf bestehen muß: o so verlaß mich nicht, hilf deinem Kinde durch deine mütterliche Fürbitte und führe mich dorthin, wo ich mit dir meinen Heiland ewig preisen fann! Amen. S. 3. Maria, eine liebevolle Mutter. Der Beweggrund der Liebe unsrer göttlichen Mutter Maria zu uns beruht auf ihrer Liebe zu Gott. Die Liebe Gottes und des Nächsten stehen, nach dem Zeugnisse des hl. Johannes, im innigsten Verhältnisse zu einander. Dies Gebot haben wir von Gott, daß, wer Gott liebt, auch seinen Bruder liebt." Je mehr wir Gott lieben, desto größer wird unsre Liebe gegen den Nächsten. Wie viel Großes haben nicht die Heiligen, die von einer wahren Liebe zu Gott durchdrungen waren, für ihre Mitmenschen geleistet! Sind doch einige so weit gegangen, daß sie Ihm Freiheit, ja selbst ihr Leben deshalb bereitwillig hinopferten. Erinnern wir uns, was ein hl. Franciscus Xaverius in Indien gethan, wo er auf die gefährlichsten Berge stieg und sich tausend Gefahren ausſetzte, um die dortigen Heiden aufzusuchen und ihnen zur Erkenntniß des wahren Gottes zu verhelfen. Erinnern wir uns eines hl. Franz von Sales, der, um die Irrgläubigen von Chablais zu bekehren, lange Zeit hindurch täglich auf einem mit Eis bedeckten Baumstamme, an dem er sich mit Händen und Füßen anklammern mußte, um nicht auszugleiten, über einen Fluß sezte, damit 20 Erster Theil. Auslegung des Salve Regina. er, am jenseitigen Ufer denselben predigen konnte. Erinnern wir uns eines hl. Paulinus, der sich selbst in die Sclaverei begab, um dadurch die Freiheit des Sohnes einer armen Witwe zu erlangen. Erinnern wir uns eines hl. Fidelis, der, um die Irrgläubigen eines Ortes zu befehren, sich durch jeine Predigt dem Tode aussetzte und ihn auch willig erduldete. Solches und Aehnliches haben die Hei ligen für ihrer Mitmenschen Heil gethan, und nur darum, weil sie Gott wahrhaft liebten. Nun aber wissen wir, daß Maria vom ersten Augenblicke ihres Lebens an Gott mehr geliebt hat, als alle Heiligen während ihres ganzen Lebens, ja selbst mehr als die Engel des Himmels. Darum schlie ßen wir mit allem Rechte, daß ihre Liebe zu uns ohne Grenzen sei, und stimmen vollkommen der Behauptung eines Heiligen bei. ,, Wollte man," sagt derselbe, die Liebe, die alle Mütter zu ihren Kindern, alle Gatten zu ihren Gattinnen, alle Hei ligen und Engel zu ihren Verehrern tragen, vereinigen, so würde sie doch nicht jenen Grad der Liebe erreichen, die Maria zu einer einzigen Seele trägt." Diese Liebe Mariens zu uns ist ferner auch aus dem Grunde so groß weil wir ihr von ihrem göttlichen Sohne, ehe Er den Geist aufgab, durd die bekannten Worte an Johannes anempfohlen wurden. Es waren dies Jesu letzte Worte. Nun aber ist uns das letzte Andenken einer geliebten Person, das sie uns in der Todesstunde hinter läßt, zu theuer, als daß wir es je vergessen soll Auch um der großen Schmerzen willen die wir Mariä verursacht haben, ist sie uns mit ten. - 1. Capitel., Gegrüßet seift du, Königin'. 21 besonderer Liebe zugethan; denn die Mütter pfle= gen jene Kinder in der Regel mehr zu lieben, die sie mit größern Schmerzen geboren haben. Wir sind nun jene Kinder, um derentwillen Maria das theure Leben ihres Sohnes, damit wir zum Leben der Gnade gelangten, Gott hat aufopfern, um derentwillen sie Ihn vor ihren Augen an dem Uebermaße seiner Leiden hat sterben sehen müssen. Und gerade darum, weil wir durch dies Wiedergeborenwerden zum Leben der Gnade ihr so viel Schmerzen verursacht, sind wir ihre liebsten Kinder geworden. Was die heilige Schrift sagt von der Liebe des ewigen Vaters zu uns, da Er zu unsrer Erlösung seinen Sohn dahingab, das läßt sich auch, nach dem hl. Bonaventura, auf Maria anwenden: Also hat Maria uns geliebt, daß sie ihren eigenen Sohn dahingab. Sie hat Ihn dahingegeben, da sie kein Wort zu seiner Vertheidigung sagen wollte, um seinen Erlösungstod nicht zu verhindern; sie hat Ihn dahingegeben, da sie drei Stunden lang am Fuße seines Kreuzes verweilte und mit einem Uebermaß von Schmerz und Liebe sein Leben dem himmlischen Vater aufopferte. Sie war so standhaft bei dem Leiden Christi, daß, so behaupten der hl. Anselm und der hl. Antonin, sie in Ermangelung der Richterknechte ihren Sohn selbst gefreuzigt haben würde, nur damit der Wille des ewigen Vaters, der Christum für unser Heil in den Tod geben wollte, erfüllt Wenn Abraham bereit war, mit eigenen Händen seinen Sohn zu opfern, und dadurch einen so großen Beweis von Gottergebenheit an den Tag legte, so können wir sicher annehworden wäre. 22 Erster Theil. Auslegung des Salve Regina. men, daß Maria, die an Heiligkeit und Gehor sam weit über Abraham steht, mit noch größerer Gottergebenheit einen ähnlichen Befehl ausgeführt haben würde. Gott hat Abraham für das Opfer, das Er Ihm durch seines Sohnes Tod dar bringen wollte, reichlich gesegnet; aber welchen Ersat können wir Mariä für das Leben ihres Sohnes darbieten, den sie für uns hingeopfert hat, und der doch unendlich mehr Liebe und Ehrfurcht verdient, als Jsaat, der Sohn Abraham's? „ Wie sehr sind wir also verpflichtet, sie zu lieben," sagt der hl. Bonaventura, da sie uns mehr als alle andern erschaffenen Wesen geliebt, indem sie uns ihren einzigen Sohn, den sie mehr als sich selbst geliebt, geschenkt hat!" Eben hieraus folgt denn auch noch ein anderer Beweggrund ihrer Liebe zu uns, weil sie nämlich weiß, welch großes Opfer es ihren göttlichen Sohn gekostet, uns die verlorne Seligkeit wieder zu erkaufen. Wenn eine Mutter wüßte, daß ein Knecht durch zwanzigjäh rige schmerzhafte Gefangenschaft ihres Sohnes aus seiner Knechtschaft losgekauft worden, wie sehr würde dies Bewußtsein ihre Zuneigung für jenen Knecht vermehren? Wird nun Maria uns nicht mit be sonderer Liebe zugethan sein, weil wir nicht blos durch eine schmerzhafte Gefangenschaft, sondern durd den schauderhaftesten Tod ihres Sohnes aus der Sünde und deren Knechtschaft erlöst worden sind? Sie würde ja sonst den Tod Christi geringschätzen, der das Lösegeld für unsre Seligkeit geworden ist. Wenn Maria so voll zärtlicher Liebe zu uns ist; wenn sie, nach dem Ausdruck des hl. Anto nin, alle an ihrer Barmherzigkeit theilnehmen 1. Capitel., Gegrüßet seist du, Königin'. 23 läßt, weil sie das Heil aller wünscht und an der Beseligung aller mitgewirkt hat; wenn sie, nach der Versicherung des hl. Bernard, für das ganze. Menschengeschlecht Sorge getragen und noch immer Sorge trägt: wenn sie, wie Bernardin von Busto lehrt, sehnlicher wünscht, uns Gutes zu erweisen, Gnaden zu erflehen, als wir wünschen, dieselben zu empfangen, und nach der Behauptung des sel. Richardus, aus übergroßer Liebe zu uns, sobald sie unsre Bedürfnisse entdeckt, uns mütterlich zu Hilfe eilt: so wollen wir aus Dankbarkeit ihr mit findlicher Liebe entgegen kommen. Obgleich es wahr ist," sagt der hl. Martyrer Ignatius:„ daß Maria ihre Pflegekinder weit mehr liebt, als sie von ihnen geliebt wird, so müssen sich diese dennoch bemühen, sie so sehr zu lieben, als es ihnen immer möglich ist; denn je mehr man sie liebt, desto mehr wird man von ihr geliebt." Ja, laßt uns Maria lieben wie der sel. Berchmanns, der zu sagen pflegte:„ Wenn ich Maria liebe, so bin ich versichert, daß ich selig werde." Laßt uns sie lieben wie der hl. Stanislaus, der neue Worte und Ehrentitel erfand, um sie zu preisen, der kein Geschäft begann, ohne vor einem ihrer Bilder vorher den Segen erfleht zu haben, der, wenn er die Tagzeiten oder den Rosenkranz betete oder andere Andachten verrichtete, dies alles mit so heiligem Eifer that, daß man glaubte, er unterhalte sich mit seiner göttlichen Mutter, der endlich, so oft er von ihr redete und ihre Liebe pries, in einen Engel verwandelt zu sein schien. Lieben wir sie, wie der sel. Hermann, der sie seine Braut nannte und verdiente, daß Maria 24 Erster Theil. Auslegung des Salve Regina. einst ihn als ihren Bräutigam begrüßte. Lieben wir sie wie ein hl. Philippus Neri, der in seinem Leiden sogleich getröstet war, wenn er nur an fie dachte oder ihren süßen Namen aussprechen hörte. Lieben wir sie wie ein hl. Bonaventura, der fie nicht nur seine Königin und Mutter, sondern so gar, um ihr die Zärtlichkeit seiner Liebe zu bes weisen, sein Herz, seine Seele nannte. Lieben wir sie, wie ein hl. Bernard, der in den erhabensten Lobsprüchen ihre Vorzüge preist, mit hinreißender Beredsamkeit zu ihrer Verehrung auffordert, der sie so innig liebte, daß er sie eine Räuberin der Herzen hieß. Lieben wir sie wie ein hl. Bernardin von Siena, der sie seine Braut nannte und täglich ihr Bildniß zu besuchen pflegte, um ihr durch zarte Anmuthungen seine Gegenliebe erkennen zu geben. Lieben wir sie wie ein hl. Aloysius von Gonzaga, der fortwährend von so großer Liebe zu ihr entzündet war, daß, wenn er nur ihren heili gen Namen hörte, sein Herz flammend vor Liebe entbrannte, und die Gluth, die ihn durchströmte, sogar auf seinem Gesichte erschien. Lieben wir sie wie der hl. Franz Solanus, der im heißen Drange der Liebe sich vor ihr Bildniß setzte und unter Harfenbegleitung die entzückendsten Lieder zu ihrem Preise sang. Lieben wir sie wie der sel. P. Trero aus der Gesellschaft Jesu, der sich einen Sclaven Mariens nannte, der sie zum Zeichen seiner Dienst barkeit häufig in einer ihrer Kirchen besuchte und aus Liebe zu ihr, sobald er eintrat, den Boden mit Thränen benette. Lieben wir sie wie der jel. Diego Martinez, der häufig in die Worte aus brach: ,, Ich wünschte die Herzen aller Engel und 1. Capitel., Gegrüßet seist du, Königin'. 25 Heiligen zu befißen, um Maria zu lieben, gleichwie sie dieselbe lieben; ja ich wünschte mir das Leben aller Menschen, um es aus Liebe zu Maria hingeben zu können. Möchten wir den liebenswürdigsten Namen Mariens gleichsam mit scharfem Eisen auf unsere Brust graben wie Radegundis, die Gemahlin des Königs Clothar gethan, oder ihn mit glühendem Eisen in unser Fleisch einprägen, wie von Liebe beseelt ihre treuen Diener Johannes Archieto und Augustin Espinoja wirklich gethan. Was wir auch immer aus Liebe zu ihr thun mögen, so wird dies doch niemals gleichkommen der Liebe, die sie für uns trägt. Beispiel. Gegenwärtig wird die Seligsprechung des am Feste Maria Lichtmeß 1853 heiligmäßig gestorbenen P. Maria Paul Franz Libermann vorbereitet, des Stifters der Missionäre vom heiligsten Herzen Mariä' zur Bekehrung der Neger. Dieser heiligmäßige Ordensmann, vordem rationalistischer Jude und Rabbinatscandidat, aus Zabern im Elsaß, empfing 1826 die heilige Taufe. Nach seiner Bekehrung wurde er von der Epilepsie( Fallsucht) befallen und durch dieſe Krankheit ihm der Weg zum Priesterthum und zu seinem Vorhaben versperrt. In dieſer traurigen Lage nahm Libermann seine Zuflucht zur allerseligsten Jungfrau und machte eine Wallfahrt zu Unserer Lieben Frau nach Loretto. Er machte sie zu Fuß, im Bettlergewand, sein Mantel bestand nur aus einem Haufen durch Nadeln und grobe Nähte zusammengehaltener Feben von verschiedener Größe und Farbe, und er erfuhr alle Demüthigungen der Armuth. Er fand, was er suchte; das Licht göttlicher Erleuchtungen kam in Strömen über ihn, seine Krankheit verschwand wie 26 Erster Theil. Auslegung des Salve Regina. bei Pius IX., der auch in Loretto sich Genesung ge holt; er ward 1841 zum Priester geweiht. ( Aus Italien von Dr. Rebbert.) Gebet. mein geliebter Heiland Jesus Christus, un du meine theure Mutter Maria! Von Liebe euch ist mein Herz entzündet, meine Seele gan durchdrungen. Da ich ohne euern Beistand eud nicht zu lieben vermag, o so verleihet, daß i nicht meinetwegen, sondern um eurer Vorzüge wil len, euch so liebe, wie ihr es verdient. Nachdem du, o Königin des Himmels, so seh die Liebe deines Gottes gewonnen, daß Er de Thron seiner Herrlichkeit gegen eine Wohnung i dir vertauscht, kann ich da noch leben, ohne di zu lieben? ich wünschte sehnlichst ein Herz haben, das dich statt aller Undankbaren lieber fönnte; ich wünschte, eine Zunge zu besigen, di dich statt tausend Zungen loben könnte, um al deine Gnadenvorzüge, besonders deine Liebe und Barmherzigkeit zu verkünden. Wenn ich Reichthi mer besäße, so wollte ich sie alle dazu verwenden deine Ehre zu befördern; wenn ich Untergeben hätte, so wollte ich bewirken, daß alle mit find licher Liebe dir dienten: wenn ich in Verhältnis täme, wo deine Ehre es erforderte, wollte ich gen mein Leben aus Liebe zu dir hinopfern. Amen §. 4. Maria, eine Mutter buffertiger Sünder. Wenngleich das Gebet eines Sünders ni schön lautet, da die Liebe Gottes es nicht begle tet; so ist es doch nüßlich und erfolgreich, um di Univ.- Bibl. Giessen 1. Capitel., Gegrüßet seist du, Königin'. 27 Sünde verlassen zu können, weil, wie der hl. Thomas lehrt, das Gebet des Sünders, obschon verdienstlos, dennoch geeignet ist, die Gnade der Verzeihung zu erlangen, da die Kraft, etwas zu erhalten, nicht auf dem Verdienste dessen, der bittet, sondern auf der Güte Gottes und auf dem Versprechen Jesu beruht, der gesagt hat: Jeder, der bittet, empfängt." Dies kann man nun auch auf das Gebet anwenden, das man an Maria richtet. Der hl. Anselm sagt: ,, Wenn der, welcher bittet, auch nicht verdient, erhört zu werden, so werden doch die Verdienste Mariens, an die er sich wendet, bewirken, daß Gott ihn erhöre;" und darum richtet auch der hl. Bernard die Mahnung an alle Sünder, Maria um ihren Beistand zu bitten und ein großes Vertrauen auf die an sie gerichteten Gebete zu setzen, weil, wenn sie als Sünder auch nicht verdienen die Gewährung ihrer Bitten zu erhalten, ihnen dennoch um der Verdienste Mariens willen jene Gnaden ertheilt werden, um die sie durch ihre Vermittelung zu Gott flehen., Wenn eine Mutter wüßte," fügt derselbe Heilige hinzu, ,, ihre beiden Söhne haßten sich dergeſtalt, daß der eine dem Leben des andern nachstellte, so würde sie gewiß die größte Sorge tragen, beide wieder zu versöhnen. Nun ist Maria aber die Mutter Jesu und zugleich die Mutter der Menschen; erblickt sie demnach einen Sünder, der als solcher ein Feind Jesu Christi ist, so gibt fie sich alle mögliche Mühe, ihn wieder mit Jeſu auszujöhnen." Nennt nicht der hl. Ephrem Maria, die Zuflucht der Sünder'? Sagt nicht der hl. Johannes von Damascus, sie sei von Gott für " 1 28 Erster Theil. Auslegung des Salve Regina. alle, die ob ihrer Missethaten den Tod verdient haben, als Zufluchtsstätte bestimmt worden? Ja, Maria ist vorzüglich bestrebt, den Sündern, die fie anrufen, die Gnade einer vollkommenen Bekehrung und Aussöhnung mit Gott zu erlangen, wie dies unzählige Menschen, die durch ihre Fürbitte befehrt und zur Seligkeit geleitet worden sind, bezeugen und alle Sünder erfahren können, die, um von den Banden ihrer Sünden erledigt zu werden, ihren Beistand mit Demuth und Vertrauen anflehen wollen. Aus diesem Grunde vergleicht der Hl. Bonaventura Maria mit der Taube, die den Delzweig, das Sinnbild des Friedens und der Versöhnung, in die Arche gebracht hat; und der Hl. Bernardin sagt, sie sei der wunderbare Regenbogen, welchen Gott nach der Sündfluth zum Zeichen der Versöhnung erscheinen ließ. Papst Innocenz III. nennt sie den Mond, durch den die Finsterniſfe der Sünde zerstreut worden. Endlich ist ein vorzüglicher Geistesmann, der fromme Ludovicus Blo sius, der Meinung, es sei fein jo abscheulicher Sünder auf Erden, welchem die seligste Jungfrau die Hand zu bieten und die Arme ihrer Barm herzigkeit zu öffnen nicht bereit wäre, wenn er ihren Beistand anfleht.„ Und," sest er hinzu, jo lange die Zeit der Gnade währet, kann diese Mut ter der Barmherzigkeit von den elenden Sündern, die sie anrufen und ein Verlangen tragen, sich zu bekehren, ihre gebenedeiten Augen nicht abwenden. Sie bittet Gott für dieselben unablässig mit der Zärtlichkeit einer Mutter und nimmt sich be sonders ihres Heiles an; und darum wird keiner 1. Capitel., Gegrüßet seift du, Königin'. 29 ewig zu Grunde gehen, der Maria andächtig und beharrlich anzurufen pflegt. Auch der größte Sünder, dessen Missethaten zahllos sind, er faſſe Muth, wende sich vertrauensvoll an die Fürbitte Mariens, und er wird zu seinem Heile erfahren, daß sie eine wahre Mutter bußfertiger Sünder ist." - Beispiel. Der hl. Leonardo von Porto Maurizio( † 1751), welcher dreihundert sechsundzwanzig Missionen abgehalten, hat besonders schön über die Hl. Mutter Gottes gepredigt. ,, Wenn ich bedenke," sagte er, alle die Gnaden, die ich von der allerseligsten Jungfrau Maria empfangen habe, dann- zur Verherrlichung meiner erhabenen Beschützerin muß ich es hier bekannt machen glaube ich eine jener Kirchen zu sein, worin ein wunderthätiges Bild der allerseligsten Jungfrau verehrt wird, und deren Wände ganz voll von Gedenktafeln sind, auf welchen steht: Für eine von Maria empfangene Gnade. Dieses mein Amt, das ich ausübe, das Ordensgewand, das ich trage, alles dies sind Gnaden, die ich von Maria empfangen habe. Nicht ein guter Gedanke, nicht eine gute Uebung meines Willens, nicht eine gute Anmuthung meines Herzens, die nicht eine Gnade von Maria wären." Dann rief er: Leset, leset dies auf meinem Leibe und in meiner Seele. Seht ihr nicht, daß auf diesem Herzen, das sie so sehr liebt, geschrieben steht: durch eine Gnade von Maria. Sei mir ewig gepriesen, du meine großmüthige Wohlthäterin. Ja, ich werde dich ewig preisen, wenn ich, wie ich hoffe, gerettet werde; deine Barmherzigkeit werde ich besingen, denn eine Gnade von dir wird es sein. Ich wünsche zu sterben, ich wünsche zu sterben, um mit Maria leben zu können. Ach, mein vielgeliebtes Volk, es ist nicht ein leeres Wort, ich sage es in Wahrheit, ich - 30 Erster Theil. Auslegung des Salve Regina. sage es aus dem Grunde meines Herzens, aus dem Innersten meiner Seele: Ja ich verlange zu sterben, um mit Maria leben zu können. Ach, meine ge liebte Mutter, sieh dein armes Kind, das zu dir kom men will. Und ihr, meine Vielgeliebten, betet leise ein Ave Maria für mich. Möchte ich jetzt sterben, möchtet ihr mir diese Gnade erlangen, damit ich diese Kanzel verlasse und mit der allerseligsten Jungfrau leben könne." So predigte ein Heiliger über Maria. Gebet. Erhabene Königin, würdigste Mutter meines Erlösers, heiligste Jungfrau Maria! Sieh mich hier zu deinen Füßen liegen, mit Sünden und Missethaten beladen, durch welche ich mehr als alle andern die göttliche Majestät beleidigt habe; ich erkenne und verabscheue mein Vergehen und wünsche sehnlichst, mich wieder mit Gott auszusöhnen und durch aufrichtige Buße meine Schuld zu tilgen. Das Bewußtsein meiner Unwürdigkeit und die gläubige Ueberzeugung, daß du, o Mutter bußfertiger Sünder, dich gerne jedes Elenden annimmst, drängen mich, deine vielvermögende Für bitte zur Erreichung einer aufrichtigen Aussöhnung mit dem gerechten Gott anzurufen. O versage mir deinen Beistand nicht und erzeige dich gegen mich, für den ja auch dein göttlicher Sohn am Kreuze sein Blut vergossen, als wahre Mutter, die ihre Kinder vor jedem Unglücke zu retten sucht! Auf deine vielvermögende Fürbitte setze ich mein festes Vertrauen und gelobe dir, wenn ich durch dich aus meinem Elend befreit werde, fortan mich zu bestreben, der Gnade deines göttlichen Sohnes und deiner Liebe täglich mich würdiger zu machen und 2. Capitel., Du unser Leben'. die ganze Zeit meines Lebens dein mütterliches Erbarmen zu preisen. O liebe, o gütige Mutter, erbarme dich meiner armen Seele und errette sie! Amen. Zweites Capitel. Du unser Leben, unsere Süßigkeit. 31 S. 1. Maria ist unser Leben, weil fie uns die Vergebung der Sünden erlangt. Am den Grund recht zu verstehen, warum die heilige Kirche Maria mit dem Titel:, unser Leben' begrüßt, müssen wir bedenken, daß gleichwie die Seele dem Leibe das Leben ertheilt, eben so die Gnade Gottes die Seele belebt. Eine Seele, die mit schweren Sünden behaftet und als Feindin Gottes der heiligmachenden Gnade beraubt ist, wird zwar lebendig genannt; aber sie befindet sich dennoch in dem Zustande des geistlichen Todes, eben weil sie durch die Sünde von Gott, dem Mittelpunkte des geistlichen Lebens, sich ge= trennt hat. So wird zu dem Bischofe in der geheimen Offenbarung, welcher im Stande der Sünde lebte, gesagt: Du hast den Namen, daß du lebeſt, bist aber dennoch todt." Wenn nun Maria durch ihre Vermittelung den Sündern Gottes Gnade wieder erlangt, so gibt sie demselben in diesem Sinne aufs neue das Leben. Es ist daher ein und dasselbe, ob man zu Maria seine Zuflucht nehme, oder ob man Gnade finde, und die Kirche 32 Erster Theil. Auslegung des Salve Regina. hat recht, wenn sie ihr die Worte in den Mund legt: Wer mich findet, findet das Leben und schöpft das Heil vom Herrn." Diesem Grundſat pflichten die heiligen Väter und anerkannten Gei steslehrer aller Jahrhunderte bei. 11 So behauptet der hl. Bernardin von Siena Gott habe blos darum den Menschen nach der Sünde nicht vernichtet, weil Er schon damals ein besondere Liebe zu Maria getragen, deren Kom men Er gewollt; und der genannte Heilige füg hinzu, er zweifle nicht, daß alle Barmherzigkeit und Verzeihung, die Gott im Alten Bunde der Sündern gewährt habe, ihnen vorzugsweise in Hinblicke auf diese gebenedeite Jungfrau ertheil worden sei.*) So schreibt der Hl. Bernard: ,, Suchen wir die Gnade, aber suchen wir sie durd Maria;"**) denn wenn wir sie verloren haben, so ist es Maria, die sie wieder gefunden hat. Derselbe Heilige nennt sie: ,, Jene, die die Gnade gefunden hat;" was der Engel ausdrücklich det seligsten Jungfrau verkündigte, da er zu ihr sagte: „ Fürchte dich nicht, Maria, denn du hast Gnad gefunden." Wenn aber Maria immer aufs in nigste mit Gott vereinigt und im Besitze der Gnade war, wie kann der Engel zu ihr sagen, daß si dieselbe wieder gefunden? Darüber belehrt un der sel. Cardinal Hugo, indem er sagt, daß e die Sünder seien, welche die Gnade verloren, und daß Maria für sie dieselbe wieder gefunden habe Möchten sie denn eilen, die Sünder," lautes - *) S. Bern. de s. t. I. S. **) S. Bern. serm. de Aquæd. 2. Capitel., Du unser Leben'. 33 seine Worte, ,, möchten sie eilen, sie, die durch ihre Sünden die Gnade verloren, hin zu der allerseligsten Jungfrau, damit sie bei ihr dieselbe wieder finden." So ruft ein seliger Richardus aus: ,, Wenn wir die Gnade des Herrn zu finden wünschen, so wenden wir uns an Maria, die sie gefunden, und die sie immer noch findet; und weil dieselbe Gott so lieb gewesen, weil Er sie immer noch so lieb hat, so werden wir sie sicher finden." Hieher gehören auch jene Ermahnungsworte des hl. Bernard: ,, Gehe hin, o Sünder, zu Maria, dieser Mutter der Barmherzigkeit, und zeige ihr die Wunden, womit du deine Seele durch deine eigene Schuld entstellt hast; sie wird dann ihren Sohn bitten, daß Er dir um der mütterlichen Pflege willen, die Er einst von ihr empfangen, verzeihe, und der Sohn, der sie so innig liebt, wird sie gewiß erhören." Auch die heilige Kirche will, daß wir Gott bitten, Er wolle uns den mächtigen Beistand Mariens gewähren, damit wir von unsern Sünden aufstehen, wie dies aus dem bekannten Gebete hervorleuchtet, das da lautet: O barmherziger Gott, stehe unsrer Schwachheit bei, damit, indeß wir der heiligen Mutter Gottes gedenken, wir uns durch ihre Vermittelung von unsren Sünden erheben." Der hl. Bernard nennt Maria sehr sinnreich etne, Leiter der Sünder'. Denn sie, die Mitleidsvolle, reicht den armen Gefallenen ihre hilfreiche Hand, sie führt sie weg von dem Abgrunde der Sünden und hilft ihnen, sich zu Gott zu erheben. Der hl. Augustin begrüßt sie als die einzige Hoffnung der Sünder, indem wir allein durch sie die Herrlicht. Mar. 3 - 34 Erster Theil. Auslegung des Salve Regina. Verzeihung all unsrer Sünden zu erlangen hoffen. Der hl. Chrysostomus behauptet, daß durch die Fürbitte Mariens allein dem Sünder vergeben werde, und ruft aus: ,, Gegrüßet seist du, Mutter unsres Gottes und unsre Mutter! Du, o Him mel, worin Gott selbst wohnt, du, o Thron, von welchem der Herr all seine Gnaden austheilt, bitte Jesum stets für uns, damit wir durch dein Gebet am Tage der Rechenschaft Verzeihung und die ewige Seligkeit erlangen!" Der hl. Germa nus äußert sich im gleichen Sinne mit den Wor ten: O Mutter Gottes, du hörst nicht auf, uns zu vertheidigen, deine Vermittelung ist unser Le ben! Wer immer deinen Namen mit Andacht ausspricht, der mag dies als ein Zeichen betrach ten, daß er sich im Stande der Gnade befindet oder bald dahin gelangen wird." Der fromme Bernardin von Busto gibt die Ermahnung; Werde nicht verzagt, o Sünder, ob du dich auch der größten Missethaten schuldig gemacht; eile nu aufrichtig und vertrauensvoll zu Maria, dieser mächtigen Königin, du wirst sie gewiß voll Er barmen und die Hände voll Gnaden finden; ih Wunsch, dir dieselben mitzutheilen, ist weit größer als dein Verlangen nach ihnen sein kann." Der sel. Andreas von Creta schreibt: daß, wenn di Sünder zu Maria ihre Zuflucht nehmen, um mit Gott versöhnt zu werden, Gott ihnen Verzeihung zusichert, und daß Er, um sie sicher zu stellen ihnen Maria als ein Unterpfand übergibt, sie die Er uns zu einer Fürsprecherin ertheilt und durch deren Vermittelung um der Verdienste Jes Christi willen die Vergebung der Sünden folgt. Did 2. Capitel., Du unser Leben'. werden alle Geschlechter selig preisen, o Jungfrau," spricht endlich der hl. Bernard, weil du allen das Leben der Gnade und die ewige Herrlichkeit verschafft hast! Durch dich erlangen die Sünder Verzeihung, die Gerechten die Beharrlichkeit und darauf das ewige Leben." 35 So möge denn, wer da immer durch die Sünde dem Zustande des geistlichen Todes verfallen ist, sich an Maria wenden, um durch vertrauensvolles, findlich frommes Anrufen ihrer mütterlichen Fürbitte zum Leben der Gnade wieder zurückzukehren. Sie ist, nach dem Ausdrucke des hl. Bernard, jene selige Arche, in welcher alle, die sich zu ihr flüchten, vom Schiffbruche des ewigen Unterganges gerettet werden. Beispiel aus der Kirchengeschichte. Einst eilte eine Menge Volkes in die Kirche des Calvarienberges zu Jerusalem, um das Kreuz zu verehren, an dem unser Erlöser sein Blut vergoffen hat. Vom Vorwitze gereizt, drängt sich auch das eitelste Weltkind dahin, Maria von Aegypten, eine andere Magdalena. An der Thüre der Kirche hält eine unsichtbare Hand sie zurück. Ihr Herz bebt; doch hält sie diesen Vorfall für leere Einbildung und wagt es zum zweitenmal, in die Kirche hineinzubringen, wird aber zum zweitenmal zurückgestoßen. Wie ein beschämter Kämpfer sich zusammenrafft, jetzt seinen Feind zu stürzen, so sammelt die getroffene Sünderin den letzten Muth, sich in das Heiligthum zu drängen, wird aber das drittemal zurückgestoßen und zur Erde hingestreckt. Blaß, wie eine Leiche, liegt sie im Staube. Alle ihre Eitelkeit hat sie verlassen, alle Gebeine sind erschüttert, alle Haare sträuben sich empor. Die Unselige bildet sich, wie Balthasar, der König, dem eine 36 Erfter Theil. Auslegung des Salve Regina. unsichtbare Hand das Verderben vor das Gesicht nie derschrieb, Tod und Hölle vor. Entsetzen befällt sie sie erkennt ihre Unwürdigkeit, und in Reue richtet sie die Augen zum Himmel und bei diesem Aufwärts sehen gewahrt sie am äußern Kirchengebäude das Bildniß der seligsten Jungfrau Maria. Augenblicklich fällt die Sünderin auf ihre Kniee, nimmt ihre Zu flucht zu Maria, setzt ihr ganzes Vertrauen auf sie bittet, seufzt und fleht: ,, Maria, du Zuflucht der Sün der! Reiche du mir doch deine Hand, da dein Sohn mich verstößt. Sei du meine Fürsprecherin, da Jesus wider mich zürnet. Er wird mich nicht ferner versto Ben, sondern gnädig aufnehmen, wenn du für mich bist. Wohin könnte ich mich sonst wenden, als zu dir, du Mutter der Barmherzigkeit!" Thränen strömten jetzt aus ihren Augen und re deten die Sprache eines ganz zerknirschten Herzens. Aufgemuntert durch sanftes Zutrauen, kehrt die Jam mervolle zur Kirche zurück, um sich vor dem Versöh nungsaltare niederzuwerfen. Ungehindert geht sie jet hinein, weil sie an der Pforte des Lebens, bei Ma ria, angeklopft hatte. Ich sage noch mehr, jene, die ein steinerner Tempel wegen ihrer ungeheuren Sün den nicht aufnehmen wollte, wurde auf die Fürbitte Mariens durch eine wahre Buße selbst ein leben diger Tempel des heiligen Geistes. Die schrecklichst Wölfin wurde zahm wie ein Lamm, die kurz zuvor noch trunken war vom Becher der Sünde, trug nu mit vieler Inbrunst Jesu das Kreuz der Abtödtung nach und ward aus einer der größten Sünderinnen ein ausgezeichnetes Muster wahrer Buße und zulet eine Heilige. Jetzt steht ganz nah bei jener Kirche ein kleine Capelle zu Ehren der hl. Maria von Aegypten - Gebet. O Maria, nächst Gott meine größte Hoffnung und Zuversicht! Die ganze Kirche und alle Glär 2. Capitel., Du unser Leben'. 37 bigen nennen dich Zuflucht der Sünder und mächtige Fürsprecherin bei Gott zur Wiedererlangung der verlornen Gnade. In dieser Absicht nehme denn auch ich heute meine Zuflucht zu dir und flehe deinen mütterlichen Beistand an, damit ich, der ich mich durch mein sündhaftes Leben so sehr von Gott und meinem Heile entfernt habe, durch deine gütige Vermittelung zur Erkenntniß meiner Verirrungen, zur aufrichtigen Reue über dieselben, zur Aussöhnung mit Gott und zu einem neuen Leben der Gnade wiedergeboren werde. Dein göttlicher Sohn hat so vieles für die Rettung der Sünder gethan: erinnere dich an die Kälte, die Er im Stalle zu Bethlehem erduldet, an die beschwerliche Reise, die Er nach Aegypten unternommen, an die vielen Mühen und Beschwerden, denen Er sich unterzogen, an den Schweiß und das Blut, das Er vergossen, an die furchtbaren Schmerzen, unter denen Er am Kreuze gestorben, und dies alles that Er aus Liebe für die Menschen, damit ihre Seelen von dem ewigen Tode errettet würden. Ach, diesem Tode bin ich durch meine Sünden aufs neue verfallen! O erbarme dich meiner, Mutter meines Erlösers! Bitte deinen Sohn, Er wolle einen Strahl der Gnade, der Reue und Zerknirschung in mein armes Herz senden, auf daß ich aus meinem traurigen Elende mich rette, durch aufrichtige Thränen der Buße meine Missethaten abwasche, und durch gottgefälligen Wandel der Früchte unsrer Erlösung würdig und theilhaft werde. Unter deinen Schuß und Schirm fliehe ich, o heilige Gottesgebärerin, verschmähe nicht meine Bitte, sondern höre sie gnädig an und erhöre sie! Amen. - 38 Erster Theil. Auslegung des Salve Regina. S. 2. Maria ist unser Leben, weil sie uns die Gnade der Beharrlichkeit erlangt. Die endliche Beharrlichkeit in der Gnade it nach der Erklärung des Kirchenraths von Trient eine so große Gabe Gottes, daß sie der Herr aus reiner, freier Liebe ertheilt und wir sie nicht durch unser Verdienst erlangen können. Indessen lehrt der hl. Augustin, daß alle diejenigen, welche bis zum Ende ihres Lebens sorgfältig und eifrig da rum bitten, sie gewiß von Gott erhalten werden. Wenn es jedoch wahr ist, wie die in der Kirche allgemein angenommene Meinung behauptet, daß alle Gnaden, die uns Gott ertheilt, durch die Hände Mariens an uns gelangen, so ist es ebenfalls wahr, daß wir nur durch ihre Vermittelung hoffen können, die größte Gnade, die endliche Be harrlichkeit, zu erhalten. Wer durch Reue von seinen Sünden erst auf gestanden, bedarf Vorsicht und Wachsamkeit, weil er sowohl von innen als von außen von mancherlei Gefahren bedroht wird. Belebt den Büßer in seinem Herzen noch so große Reue, so trägt er in demselben doch noch mancherlei verborgene Feinde. Die Begierlichkeit empört sich unaufhörlich; die eigene Schwachheit wirft sich als die gefährlichste Feindin auf; di Leidenschaften zehren, um mit dem hl. Augustin zu reden, am Kleide des Fleisches; sie sagen gleich sam zu ihm: Wie, du willst uns verlassen, die wir dir so angenehm waren? Dein Herz willst du uns entreißen, das in unsrem Genusse seine ein zige Freude fand? Du willst uns der Botmäßig 2. Capitel., Du unser Leben'. 39 feit des Geistes unterwerfen, die wir dem Leibe alles Vergnügen verschaffen? Die Buße krönt dich mit Dornen, wir aber haben dich mit Rosen gekrönt; die Buße wirst verwundende Stacheln auf den Weg, den wir mit Blumen bestreut; die Buße tränkt dich mit dem bittersten Wermuthsafte, und wir labten dich mit dem süßesten Honig. Wie angenehm flossen dir in unsrem Genusse die Tage vorüber, welche dir die Buße mit trübseligem Gewölke umhüllt? Und du willst uns verlassen? Wird nun der Büßer diesen Anreizungen, denen er so oft unterlegen ist, widerstehen können? Wird er das Feuer der Leidenschaften dämpfen, damit er nicht wieder zurückfällt? Wer wird seine unerfahrenen Hände das Streiten lehren, seine Füße stärken, daß sie über Drachen wandern und sich vor Basilisken nicht entsetzen? Er flehe zu Maria, die da ist unser Leben, und sie wird ihm unerschütterliche Beharrlichkeit auf dem Wege der Tugend erbitten. Unzählige, die in solchen Umständen ihre Zuflucht zu ihr genommen, können dies bezeugen. Darum nehmen die Heiligen keinen Anstand, frei zu bekennen, daß die Anfechtung schon besiegt war, wenn sie nur zu Maria gerufen haben. Darum wird sie mit der Morgenröthe verglichen, weil, gleichwie beim Anfange dieses herrlichen Lichtes die Raubthiere sich ins Dunkel zurückziehen, die Leidenschaften weichen, wenn Maria auf unser Bitten naht. ,, Nahe dich, Mutter meines Heilandes," ruft der Hl. Johannes Damascenus, nahe dich, und ich werde mitten in den Flamnen der Versuchung nicht brennen; unter tausend Schlingen der Nach 40 Erster Theil. Auslegung des Salve Regina. stellung werde ich sicher sein; unter Winden un Wellen der Anfechtungen wird mich die Gefah vor einem Schiffbruche nicht schrecken. Ich fürcht nichts, wenn du meine Schußfrau bist, bin nic ängstlich über meine Schwachheit, wenn ich vo dir gestärkt werde. Dein Name ist mein Schild dein Beistand meine Rüstung, deine Hilfe mein Schwert. Durch dich greife ich den Feind her haft an; durch dich treibe ich ihn beschämt zurüd und erlange den herrlichsten Sieg." O rufen wir, wenn sich die Leidenschaften em pören, mit kindlichem Vertrauen zu Maria, und wir werden inne werden, daß uns durch ihr Vermittelung die nöthige Stärke zu theil wird das Fleisch zu freuzigen, die bösen Gelüste zu er tödten, den Eitelkeiten der Welt zu entsagen. Mögen auch, o Büßer, deine Leidenschaften von langer Gewohnheit gestärkt oder von der blinden Eigen liebe vertheidigt werden, durch den Beistand Got tes, welchen dir die Fürbitte Mariens verschafft, wirst du sie dennoch überwinden, wie tausend An dere vor dir sie durch dieselbe Hilfe überwunden haben. Alle bösen Begierden müssen vor Maria, wie Dagon vor der Bundes- Arche, zu Boden sin ken. Mögen auch die Leidenschaften, wie sich der hl. Johannes Chrysostomus ausdrückt, immerwäh rende Quellen der Bosheit sein, durch Maria wirst du nicht nur die Bäche abgraben, sondern auch die Quelle verstopfen. Oder wird sie sich deiner weniger annehmen, da du zur Buße ges schritten bist, als sie sich um dein Heil bemüht hat, da du noch Sünder warst? Hat dir die Barmherzige aus den Banden der Laster geholfen, 2. Capitel., Du unser Leben'. 41 so wird dir die Gnädige auch beistehen, daß du durch die Leidenschaften nicht wieder in den früheren, traurigen Zustand zurückfällst. Durch die Buße hat der Sünder das Joch der Hölle von sich geworfen und dem Satan alles Recht genommen, das er ihm durch die Sünde eingeräumt hatte. Jeßt fürchtet der boshafte Feind, es möchte ihm die Seele entkommen, die er beherrschte, und wie der Eifer des Büßers zunimmt, so vermehrt sich beim Satan Furcht und Besorgniß. Darum wagt er alles, um die Seele unter seine Herrschaft zurückzubringen. Bald stellt er heimlich nach, bald kämpft er öffentlich; jetzt schleicht er verborgen einher wie eine Schlange; jest sucht er sie durch allerlei Vorspiegelungen zu überlisten. Er stellt dem Sünder vor, die Arme der göttlichen Barmherzigkeit seien für ihn verschlossen oder nur wenig geöffnet; er zeigt ihm zugleich Menge und Größe seiner Sünden und sucht ihn in Verzweiflung zu stürzen. Er stellt ihm Buße und Tugend als mühsamen, beschwerlichen Weg vor, und muntert sich der Büßer durch das Beispiel anderer auf, so sucht ihm der Satan diesen Trost zu entreißen, indem er jene die Lieblinge Gottes und die bevorzugten Kinder seiner Gnade nennt. Du hast die Gnade nicht, welche jene hatten, und Gott ist nicht so gütig gegen dich, wie Er es gegen jene war," flüstert er dem nacheifernden Büßer ins Ohr. Er spiegelt ihm vor, daß er zu seiner Beschämung schwerlich die Bußwerke das ganze Leben hindurch fortseßen könne, oder durch die Fortsetzung derselben sich das Leben verkürzen werde. Er trachtet ihn jetzt durch die Vorstellung der un" 1 42 Erster Theil. Auslegung des Salve Regina. endlichen Verdienste des Erlösers in Lauigkeit stürzen, und ein andermal will er ihn bereden daß er sich zu wenig auf die Verdienste Christ verlasse, indem er zuviel der Abtödtung nachhänge Manchmal verwandelt er sich in einen Engel del Lichtes und räth dem Büßer, sich aufs strengst abzutödten, um ihn durch diese Uebertreibung für die Zukunft zu allen Bußwerken unfähig zu ma chen. Zuweilen begibt er sich auf die Flucht, abe nicht, um nachzugeben, sondern um hernach mil desto größerer Wuth sein Opfer anzufallen.„ I dieser Ruhe," schreibt der hl. Hieronymus, be reitet er das schrecklichste Ungewitter. Er stellt sid manchmal gänzlich überwunden, um, wenn es ihn auf keine andere Weise gelingen will, den Ueber winder durch den Stolz zu besiegen. Die listig Schlange legt sich gleichsam zu den Füßen de Ueberwinders, um sich auf sein Haupt zu werfen und alsdann ist Satan am fürchterlichsten, wenn er sich am schwächsten ſtellt." 11 Doch, verzage nicht! Rufe in dieser Gefah mit fester Zuversicht zu Maria. Sie ist die fieg prangende Judith, die wider den höllischen Hole fernes gesetzt ist. Sie ist die Jahel, welche all Anschläge des bösen Feindes vereitelt. Immer wa sie noch, gleich einem wohlgeordneten Kriegsheer den bösen Geistern schrecklich; immer noch hat f dieselben entwaffnet, beschämt und in den Abgrun zurückgeworfen. Warum sollte sie dir nicht wide die Hölle streiten helfen und dir zur Beharrlichte im Guten die Hand bieten, da sie dich doch dur ihre mächtige Fürbitte dem Joche der Hölle ent rissen hat? 2. Capitel., Du unser Leben'. O daß doch alle Menschen zu dieser mildreichen, liebevollen Königin ihre Zuflucht in der Stunde der Versuchung nehmen möchten!" sagt ein großer Heiliger; niemand würde dann mehr in irgend eine Sünde fallen, keiner würde mehr verloren gehen; denn nur der fällt und geht zu Grunde, der sich nicht um ihre Hilfe bewirbt." Schließen wir mit den schönen Worten des hl. Bernard: O Mensch, wer du auch immer sein mögest, du hast gewiß schon die Erfahrung gemacht, daß, statt auf festem Grunde zu wandeln, du hier auf Erden häufiger unter Gefahren und Stürmen umhergetrieben wirst. Wenn du daher nicht vom Abgrunde verschlungen werden willst, so wende deine Augen nicht von dem leuchtenden Sterne, wende sie nicht ab von Maria, blicke auf zu diesem Sterne, rufe auf zu Maria. Wehen die Winde der Versuchungen, stößest du auf Klippen der Trübsal, blicke auf zu diesem Sterne, rufe auf zu Maria! Wirst du von den Wellen des Stolzes, von den Wogen der Ehrsucht, der Verleumdung, der Ereiferung umhergetrieben, blicke auf zu diesem Sterne, rufe auf zu Maria! Wirst du von den Schrecken des Gewissens, von Furcht vor dem Gerichte durchdrungen, wähnst du dich vom Abgrunde der Traurigkeit umschlossen, blicke auf zu diesem Sterne, rufe auf zu Maria! In Gefahren, in Aengsten und Nöthen, in zweifelhaften Fällen, in allen widrigen Ereignissen des Lebens, blicke auf zu diesem Sterne, rufe auf zu Maria! Nimmer weiche sie aus deinem Munde, nimmer aus deinem Herzen, und damit dir die Hilfe ihrer Fürbitte werde, weiche nimmer ab von dem Beispiele 43 44 Erster Theil. Auslegung des Salve Regina. ihres Wandels. Ihr folgend, wandelst du auf dem rechten Wege; zu ihr flehend, bist du ihres Beistandes versichert. Wenn sie dich hält, so fäll du nicht! wenn sie dich schüßt, so ist dir nichts furchtbar! wenn sie dich führt, so ermüdest du nicht; wenn sie dir gewogen ist, so erreichst du ficher die Seligkeit." Beispiel. Die hl. Helena, Mutter des Kaisers Konstantin, welche im vierten christlichen Jahrhunderte gelebt, wat wegen ihrer Tugenden würdig, in die Zahl der Hei ligen eingereiht zu werden( Martyr. Rom. 18. Aug.), ja ste verdiente unter diesen einen ansehnlichen Rang, weil sie uns sichere Beweise ihrer Andacht gegen die seligste Jungfrau hinterlaſſen hat. Der Pater Paulinus( Ep. 11. ad Serer.) erzählt, daß sie noch vor ih rem Sohne Konstantin das Christenthum angenommen habe, und daß dessen Bekehrung ihrer Frömmigkeit und ihren inständigen Gebeten zuzuschreiben sei. Ni cephorus( L. 1. hist. Eccl. c. 30.) erzählt ferner, diese fromme Prinzessin habe zu Nazareth, da sie an die heiligen Orte, welche Jesus Christus und seine hei lige Mutter durch ihre Gegenwart geheiligt haben, wallfahrtete, zu deren Ehre eine prächtige Kirche er richtet. So baute sie auch eine zu Bethlehem und eine im Thale Josaphat, an dem Orte des glorreichen Grabes, wo der Leib dieser Himmelskönigin bis zu seiner Aufnahme in den Himmel geruht hatte. Auch zu Neapel findet sich eine Kirche, die Helena errich ten ließ und der heilige Papst Sylvester zur Ehre der Mutter Gottes einweihte. Es wäre zu weitläufig, wenn ich alle jene Orte durchgehen wollte, wo sich Zeichen der Andacht dieser heiligen Kaiserin gegen die Mutter Gottes vorfinden. 2. Capitel., Du unser Leben'. Gebet. 45 O Maria, heiligste Jungfrau, meine hohe Gebieterin! Ich begebe mich unter deinen Schuß; ich werfe mich mit völliger Hingabe in den Schooß deiner Barmherzigkeit; ich empfehle und vertraue dir für alle Augenblicke meines Lebens und vorzüglich für meine Todesstunde meinen Leib und meine Seele und alles, was mir gehört, an. Erflehe mir bei Jesu, deinem Sohne, die Gnade, daß ich der Sünde und allem Bösen gänzlich absterbe und in heiliger Liebe zu euch bis an mein Ende verharren möge. Nimm auch auf, o meine zärtliche Mutter, all meine Hoffnungen und meinen Trost, all meine Aengsten und Leiden! Ich empfehle dir mein Leben und das Ende meines Lebens, auf daß ich durch deine heiligste Fürbitte und deine Verdienste in all meinen Handlungen nur dein Wohlgefallen und den Willen deines göttlichen Sohnes zu meinem Ziel und Ende habe. Amen. §. 3. Maria ift unfre Süßigkeit, weil sie uns einen füßen Tod erlangt. Der Tod ist der verhängnißvolle Zeitpunkt, wo unsere ewige Glückseligkeit oder Unglückseligkeit entschieden wird, und von dem für immer unser Heil oder unser Verderben abhängt. Hat uns der Satan das Leben hindurch so gewaltsam und argliſtig nachgeſtellt, um wie vielmehr wird er dies thun, wann er einmal sieht, daß er, um uns ins Verderben zu stürzen, nur eine kurze Frist noch hat! Ach, wie viele, die zuvor für jeden Feind 46 Erster Theil. Auslegung des Salve Regina. stark genug schienen, sind auf ihrem Sterbebette schändlich unterlegen! Wie viele, die mit dem Schilde des Glaubens, mit dem Panzer der Ge rechtigkeit und mit den Feuerpfeilen des Gebetes ausgerüstet, den Satan so oft besiegt hatten, sind dort, wo es um die ganze Ewigkeit zu thun war, von der Versuchung des Unglaubens, einer Verzweiflung oder einer Vermessenheit u. dgl. überwunden worden und ewig zu Grunde gegangen! Indessen dürfen wir vor jenem entscheidenden Augenblicke nicht bangen, wenn wir stets treue Verehrer und Nachfolger Mariens waren; denn alsdann wird sie unser süßester Trost sein, wird uns gegen alle Feinde in Schutz nehmen und uns bei dem ewigen Richter ein gnädiges Urtheil erflehen. Wer weiß es nicht, wie eifrig Maria sich angelegen sein läßt, ihren aufrichtigen Pflegekindern in jeder Noth beizustehen, wie sie ihnen jetzt den Leib von Schmerzen und Krankheiten, jetzt die Seele von Betrübnissen, jetzt das Herz von peinlichen Unruhen befreit? Unaufhörlich ist sie bereit, wenn sie darum angerufen wird, in Widerwär tigkeiten zu trösten, in Versuchungen zu stärken, in Gefahren zu schüßen. Und weil sie unaufhörlich für unser Bestes wacht, so geschieht es oft, daß fie uns, ohne daß wir den Mund zum Gebete öff nen, die Gnaden, deren wir bedürfen, auswirkt, die Gefahren, die uns bevorstehen, entfernt, die Strafen, womit wir bedroht werden, abwendet, die Erleuchtungen, die uns leiten, ermittelt, und über zeugt uns dadurch, daß sie vielmehr darauf bes dacht ist, uns ihren Beistand angedeihen zu lassen, 2. Capitel. Du unsre Süßigkeit'. 47 als wir uns bemühen, denselben anzurufen. Und was wird Maria, wenn sie sich schon so hilfreich in leiblichen Nöthen gegen ihre Verehrer zeigt, erst in der Todesstunde thun, in jener Stunde, wo furchtbare Leiden uns drücken, wo die Gewissensbisse über unsere Sünden, wo die Angst vor dem nahen Gerichte, wo die Ungewißheit unsres ewigen Looses das arme Herz peinigen, wo vor allem die Hölle sich waffnet und alle Kräfte anwendet, unfre Seele in ihre Gewalt zu bekommen? O, da zeigt sie sich wahrlich als eine besorgte Mutter! Wir wissen, daß sie in der Todesstunde dem hl. Philippus Benitius, wie er furz vor seinem Ende ſelbst bekannte, gegen die bösen Geister beigestanden und seine Seele vor den Anfällen derselben bewahrte. Wir wissen, daß sie der hl. Jungfrau Musa das Abscheiden von dieser Welt durch eine freundliche Einladung zum Himmelreiche erleichterte. Wir wissen, daß sie die Todesängsten eines hl. Johannes von Gott in paradiesische Freuden verwandelte. Wir wissen, daß sie der hl. Jungfrau Adelgund durch ihr Erscheinen die Empfindung der heftigen Schmerzen benommen. Wir wissen, daß sie zum hl. Erzbischof Antonin persönlich herabstieg und ihn mit der größten Freundlichkeit aufmunterte. Ja ,, wir würden fein Ende finden, wenn wir aus den Lebensgeschichten der Heiligen die vielen Thatsachen aufzählen wollten, die uns von der Wahrheit überzeugen, daß Maria ihren eifrigen Verehrern die Bitterfeit des Todes versüßt. Sage mir, lieber Leser, wenn es in der Gewalt deiner lieben Mutter, deines theuren Vaters oder deines treuen Freundes stände, dir die Todes 48 Erster Theil. Auslegung des Salve Regina. stunde zu erleichtern, würdest du bei ihrem Herannahen dich wohl fürchten? Da nun aber Mariens Liebe so groß ist, daß sie die Liebe eines Vaters, die Zärtlichkeit einer Mutter und die Treue eines Freundes unendlich übertrifft, was darfst du nicht erst von ihr erwarten, wenn du ihre Liebe ge winnst? Glaube mir, sie wird dir in jener ernsten Stunde mit ihrer Hilfe nahe sein, sie wird di jene tröstlichen Gesinnungen, die den Geist stärken, einflößen; sie wird dir jenen ungetrübten Frieden, der das Gewissen aufheitert, ins Herz legen; sie wird in dir jenes kindliche Vertrauen, das alle knechtische Furcht ausschließt, befestigen; sie wird in dir jenes heilige Verlangen erwecken, recht bald aufgelöst zu werden, um bei Christo zu sein. Willst du, o Christ, dich einst des Beistandes der göttlichen Mutter auf dem Sterbebette versichern, o so trage dein lebenlang eine kindliche Verehrung, eine eifrige Andacht zu ihr! ,, Tritt zu ihr mit deinem ganzen Gemüthe," rufe ich dir mit dem Sohne des weisen Sirach zu; nicht blos mit etlichen Gebetsformeln, die du ohne Ueberleg ung und Andacht herzusagen pflegst; nicht blos mit einer zeitweisen Besuchung ihrer Altäre, va denen du nur flüchtige Augenblicke zubringst; nicht blos mit äußerlichen Dingen, denen Geist und Leben fehlt; nein, tritt zu ihr mit ganzem Herzen, um ihr zu dienen; aber sei treu in ihrem Dienste; tritt zu ihr, um sie zu ehren, aber belebe ihre Verehrung mit inniger Liebe; tritt zu ihr um sie anzurufen, aber rufe sie mit rückhaltslosem Vertrauen an. Dann kannst du mit aller Ruhe der Stunde deiner Auflösung entgegenharren und 49 2. Capitel., Du unsre Süßigkeit'. getrost der Hoffnung leben, daß sie dir von dem ewigen Richter ein gnädiges Urtheil erflehen wird. Was die Seele im Tode am meisten mit Furcht und Bangigkeit erfüllt, ist das Erscheinen vor dem Richterstuhle Gottes, ein Erscheinen, bei dessen Erinnerung sogar der in rauhen Bußwerken ergraute hl. Hilarion erzitterte, obgleich er im Hinblicke auf seinen durch siebenzig Jahre geführten heiligen Lebenswandel sich nichts besonderes vorzuwerfen hatte. Und in der That, wie läßt sich ohne bange Besorgniß daran denken, daß wir einst vor einem Richter von unerforschlicher Majestät, von unbeugsamer Gerechtigkeit, von unerbittlicher Strenge erscheinen müssen? Vor einem Richter, der die verborgensten Falten unsres Herzens durchschaut, vor dem sogar die geheimsten Gedanken, Worte und Werke unsres ganzen Lebens offen daliegen? Vor einem Richter, dessen Rathschlüsse unveränderlich, dessen Urtheile unwiderruflich sind? Vor einem Richter, der seine eigene Sache wider den Sünder entscheiden muß, der sein Herz, sein Blut, seinen Tod geschändet, seine Näthe verachtet, seine Gnaden mißbraucht, seine Gebote übertreten und die Erlösung an sich unnüß gemacht hat? Nichtsdestoweniger darf ein frommer Verehrer Mariens getrost sein; denn er hat mehr von der Fürbitte dieser getreuen Mutter zu hoffen, als seiner Sünden wegen zu fürchten. Sie bereitet sein Herz zur Gnade und das ihres göttlichen Sohnes zur Verzeihung vor, erwirbt ihm die Reue über die begangenen Sünden und erfleht von dem Richter die Nachlassung derselben, so daß die Seele eher von den Banden der Schuld, als von jenen Herrlicht. Mar. 50 Erster Theil. Auslegung des Salve Regina. des Leibes gelöst wird und auf diese Weise Gna und Erbarmung findet. Es stimmen alle heilige Väter in der Behauptung überein, daß man für das Heil ihrer Verehrer vor dem Throne ihre göttlichen Sohnes mit allem Nachdrucke bitte. Ci ist es," sagt der hl. Ephrem, welche uns de Frieden vom Himmel erhält." Sie ist es," ja der hl. Bonaventura, ,, welche uns vor den Züc tigungen der göttlichen Gerechtigkeit bewahrt " 1 11 11 Sie ist es," sagt der hl. Bernard, welche de wider unsere Laster erzürnten Gott besänftigt Sie ist es," sagt der hl. Vincenz Ferreri welche die Seelen ihrer sterbenden Pflegekinde unter ihren Schußmantel aufnimmt, vor dem Ri ter vertheidigt und ihnen die Seligkeit erwirft. Sie ist es," sagt der hl. Hieronymus, die ihre treuen Dienern in der Todesstunde beisteht, ihne sogar auf dem Wege in den Himmel entgegen kommt, fie ermuthigt, vor den Richterstuhl Gotte begleitet und ihnen ein gnädiges Urtheil erbittet. Mit Recht behauptet daher der hl. Anselm, da es einem Christen, der Maria kindlich verehrt, möglich an einem seligen Tode fehlen werde. ist unmöglich," jagt er, ,, o seligste Jungfrau, d jener, der sich zu dir wendet und von dir be schüßt wird, zu Grunde gehe!" Ja, in der The unmöglich, weil der Trost, den ihm Maria gib dem Tode alle Bitterfeit benimmt: unmöglich, we der Beistand, den Maria ihm leiſtet, alle Anfäl des bösen Feindes vereitelt; unmöglich, weil d Fürbitte, welche Maria für ihn einlegt, die G rechtigkeit des göttlichen Richters besänftigt. 1111 2. Capitel., Du, unsre Süßigkeit'. Beispiel. Aus Madrid in Spanien wurde einst ein Anführer einer revolutionären Bande hinausgeführt, um auf dem Nichtplatze erschossen zu werden. Schon kniete er mit verbundenen Augen da und die Soldaten hatten das Gewehr auf ihn angeschlagen, als es in der Stadt das Ave Maria' läutete. Da es in Spanien Gesetz ist, keinen Verbrecher während des Ave- Maria- Läutens hinzurichten, so setzten die Soldaten das Gewehr ab, und der Verurtheilte hatte nur noch einige Minuten, so lange das Ave Maria ge= läutet wurde, zu leben. Er betete das, Ave Maria' und betete es mit solcher Seelenstimmung, wie er es wohl noch niemals in seinem ganzen Leben gebetet hatte. Und sein Gebet drang durch die Wolken; diesem, Ave Maria' hatte er sein Leben zu verdanken; denn als die Soldaten wieder auf ihn anschlugen, sprengte ein Adjutant der Königin dem Richtplatze zu, mit einem weißen Tuche wehend, dem Zeichen der Begnadigung. Der Begnadigte mußte versprechen, Spanien zu verlassen und nie mehr gegen die gesetzliche Regierung die Waffen zu tragen.( Lauret. Litanei v. Leop. Kift.) Gebet. O mein Jesu! Wenn irgend jemand mit Recht deine Gerechtigkeit fürchten muß, so bin ich es, der ich so lange deinen Dienst vernachlässigt und mit so vielen Sünden Dich beleidigt habe! Mein Vertrauen auf die Hilfe und Fürbitte deiner heiligsten Mutter ist aber indessen so groß, daß sich meine Furcht in volle Hoffnung umgeſtaltet. Mariens Verdienste trösten mich bei allem Mangel der meinigen und verheißen mir deine Huld und Erbarmung. Ja, meine liebreichste Fürsprecherin und süßeste Mutter, auf dich vertraue ich, auf dich 51 52 Erster Theil. Auslegung des Salve Regina. gründe ich alle meine Hoffnung. Mache mich dem nach auch würdig, ich bitte dich durch die Seiten wunde deines göttlichen Sohnes, die dir so viel Schmerzen verursacht hat, mache mich würdig de nes Beistandes die ganze Zeit meines Leben vorzüglich aber in der Todesstunde, wo ich ein sam und verlassen stehe. O komme mir dann mild reich entgegen, nimm meine Seele in deine Händ auf, stelle sie deinem geliebten Sohne dar, leg für mich dein mütterliches Fürwort ein und führ mich in die Wohnungen der Auserwählten! Amen. 451 Drittes Capitel. Unsre Hoffnung, sei gegrüßt. 8. 1. Maria ift die Hoffnung aller. Die Gegner des katholischen Glaubens ne men gewaltigen Anstoß daran, daß wir Mari mit den Worten begrüßen: Unsre Hoffnung und sagen, gestützt auf die Stelle bei Jeremi ( 17, 5.), daß Gott den verfluche, der sein Ver trauen auf Menschen setze. Wir glauben ing schen nichts weniger, als uns im Irrthume befinden, wenn wir dem, was heilige und got erleuchtete Männer aller christlichen Jahrhunder inter dem Beifall der hl. Kirche hierüber in Wo und Schrift behauptet haben, vollkommen beipflichten Auf doppelte Weise können wir, wie der Thomas lehrt, unsre Hoffnung auf jemanden ken, indem wir ihn als mittelbaren oder unm 3. Capitel. Unsre Hoffnung, sei gegrüßt. 53 telbaren Gegenstand der Hoffnung betrachten. Wer von einem Könige eine Gnade wünscht, begehrt sie von ihm als unumschränktem Herrn, der sie von sich aus gewähren kann; er kann sie aber auch durch einen Minister oder Günstling des Königs begehren, durch dessen Vermittelung er sie zu er= langen hofft. Die Gnade kommt nun freilich vom Könige, aber sie kommt doch durch die Vermittelung des Ministers oder Günstlings; daher kann der Bewerber diesen mit Recht seine Hoffnung nennen. Da nun der König Himmels und der Erde die unendliche Güte ist, so wünscht Er aufs innigste, uns mit seinen Gnaden zu bereichern; aber weil dazu ein großes Vertrauen von unsrer Seite erfordert wird, so hat Er, um dasselbe in uns zu vermehren, seine eigene Mutter, welcher Er alle Macht uns zu helfen ertheilt, uns zur Mittlerin und Fürsprecherin gegeben, damit wir die Hoffnung zur Erlangung der Seligkeit im Sinne der oben angeführten Lehre auf sie setzen. Allerdings macht sich des Fluches schuldig, wer mit Hintanseßung Gottes seine Hoffnung blos auf ein Geschöpf baut, wie der, welcher, um die Gunst eines Menschen zu erwerben, den Herrn beleidigt. Wer dagegen auf Maria, als die Mutter unsres Gottes und Erlösers, welcher die Macht verliehen worden, durch ihre mütterliche Fürbitte uns Gnaden bei ihrem göttlichen Sohne zu erflehen, seine Hoffnung setzt, wird gesegnet und erfreut den Herrn, weil es in seinem Willen liegt, daß diejenige, die Ihn auf Erden mehr denn jedes andere Geschöpf geliebt hat, besonders geehrt werde. Mit Recht dürfen wir daher Maria als unsre 54 Erster Theil. Auslegung des Salve Regina. Hoffnung begrüßen; denn durch ihre vielvermö gende Fürsprache sind wir zu der Hoffnung be rechtigt, das von Gott zu erlangen, was wir durch unser Gebet allein nicht erhalten würden. Wir bitten sie, wie der hl. Anselm sich ausdrückt, um ihre Fürsprache, damit die Würde der Vermittlerin unsre Armuth ersetze, und daher geben wir, da wir Maria mit solcher Hoffnung bitten, fein Mißtrauen auf die Barmherzigkeit Gottes zu er kennen, sondern nur die Furcht vor unsrer eige nen Unwürdigkeit, Schon in den heiligen Büchern des Alten Bundes ist von der Mutter der heiligen Hoffnung die Rede, und die Kirche bezieht diese Worte auf Maria. Darauf gestützt, ruft der fromme und heilige Marienverehrer Ephrem aus: ,, Gegrüßet jeist du, Hoffnung meiner Seele! Gegrüßet, du ficheres Heil der Christen, du Helferin der Sün der! Gegrüßet, du Schußwehr der Gläubigen, du Heil der Welt!" Der hl. Bafilius der Große nennt sie, unsre einzige Hoffnung nach Gott! Und wie schön redet nicht der Hl. Germanus die Gottesmutter an: O meine Gebieterin, du allein bist meine Hilfe aus Gott; du bist meine Führe rin auf meiner Pilgerfahrt, du die Kraft gegen meine Schwäche, der Reichthum bei meiner Ar muth, die Arznei für meine Wunden, die Er leichterung meiner Schmerzen, die Erlösung von den Banden, die Hoffnung meines Heils! O er höre mein Bitten, erbarme dich über meine Seuf zer, meine Gebieterin, Zuflucht, Leben, Hilfe, Hoff nung und Stärke für mich!" Wie lieblich und rührend läßt sich wiederum der hl. Ephrem ver 3. Capitel., Unsre Hoffnung, sei gegrüßt'! 55 nehmen: ,, Sei gegrüßet, Ort der Zuflucht und Aufnahme für die Sünder, zu dir können durchaus alle Sünder fliehen! O meine Königin, behüte und bewahre uns unter deinem Schutzmantel; denn nach Gott haben wir ja keine andere Hoffnung, als dich!" Der hl. Bernard behauptet, da Gott alle Menschen erlösen wollte, habe Er den Preis der Erlösung in die Hände Mariens niedergelegt, damit sie denselben nach Gutdünken austheile. ,, Ehe das göttliche Wort in Maria die menschliche Natur annahm," lesen wir beim hl. Irenäus, sandte Gott den Erzengel, um ihre Einwilligung zu erlangen, weil Er wollte, daß die Welt Mariä das Geheimniß der Menschwerdung mit zu verdanken habe." Alle Güter," ruft der sel. Jourdan aus, ,, alle Güter, alle Hilfe, alle Gnaden, welche die Menschen von Gott empfangen und noch bis ans Ende der Welt erhalten werden, haben sie durch Maria empfangen und werden sie durch die Vermittelung Mariens erlangen." 11 O wie viele Hochmüthige sind durch die Andacht zu Maria demüthig, wie viele Verführte auf die Bahn des Heils geleitet, wie viele Zornmüthige sanftmüthig, wie viele Unzüchtige keusch, wie viele Lasterhafte gottselig geworden! Wie vielen Blinden hat sie Licht, wie vielen Verzweifelnden neues Vertrauen, wie vielen, die bereits an dem Abgrunde des Verderbens standen, die Seligkeit erlangt? Der von Liebe zu Jesus und Maria glühende hl. Bonaventura äußert seine Hoffnung auf die göttliche Mutter in folgenden schönen Worten: 56 Erster Theil. Auslegung des Salve Regina. „ Wenn Gott mich auch noch so oft vorher Hölle bestimmt hätte, so wüßte ich doch, daß& ſeine Liebe dem nicht versagen kann, der Ihn liebt und sucht; durch meine Liebe will ich Ihn an mid schließen; ich will Jhn nicht eher verlassen, bi Er mir seinen Segen ertheilt hat, so daß& mich nicht verlassen kann, ohne daß ich Ihn be gleite. Wenn Er mir nichts anderes gestattet, will ich mich wenigstens in seinen Wunden ver bergen, wo ich bleiben will, damit Er mich in sich selbst finden kann. Sollte aber mein Heilan mich um meiner Sünden willen nicht zu seiner Füßen dulden wollen, so würde ich vor seine heiligen Mutter niederknieen und so lange bei ih bleiben, bis sie mir die Verzeihung meiner Sür den erlangt hätte. Gleichwie es dieser Mutter de Barmherzigkeit niemals möglich war, ihr Mitlei bei dem Elende der Menschen zu unterdrücken und die Bedrängten, die sie um Hilfe baten, uner hört zu entlassen, so vermag sie dies auch je nicht, und deshalb wird sie gewiß, wenn sie gleid nicht dazu verpflichtet wäre, dennoch aus Mitlei nicht unterlassen, ihren Sohn zu bewegen, daß mir verzeihe." Beispiel. ( Aus der Geschichte der Religion Jesu, von Stolberg.) Im Anfange des fünften Jahrhunderts entstan zu Constantinopel eine ruchlose Irrlehre, die, weil s ganz besonders die Ehre der allerfeligsten Gottesmut ter angriff, großes Aufsehen in der Kirche erregt Nestorius, der unwürdige Patriarch dieser Stadt, frechte sich öffentlich zu lehren, es seien zwei Perse nen in Christo, eine göttliche und eine menschliche 3. Capitel. Unsre Hoffnung, sei gegrüßt'! 57 und Maria dürfe daher nicht Mutter Gottes genannt werden. Diese lästerliche Behauptung verletzte tief den Glaubenssinn und die Andacht des christlichen Volkes, und allgemein erhob man sich wider diese Neuerung, welche der katholischen Lehre so auffallend widersprach. Einer der eifrigsten Vertheidiger der Wahrheit war der hl. Cyrillus, Patriarch von Alexandrien. Durch dessen Bemühungen und durch das Ansehen des hl. Papstes Cölestin wurde eine allgemeine Kirchenversammlung nach Ephesus ausgeschrieben. Es kamen da in kurzer Zeit über zweihundert Bischöfe zusammen; das Concilium ward eröffnet in einer Kirche, welche zur Ehre der glorreichen jungfräulichen Mutter des Herrn eingeweiht war und auch ihren Namen führte. Die Väter eiferten laut für die herkömmliche Lehre der Kirche, nannten Maria die wahre Mutter Gottes und Gottesgebärerin und sprachen über Nestorius den Bannfluch aus. Die Sitzung dauerte vom frühen Morgen bis in den späten Abend. Das Volk hatte sich schon mit Anbruch des Tages vor den Thüren der Kirche haufenweise versammelt und mit seltener Geduld den ganzen Tag über des entscheidenden Ausspruches geharrt. Als es endlich kund ward, daß das grauenvolle Werk der Finsterniß zerstört und Nestorius abgesetzt sei, brach das Volk in lautem Jubel aus; allenthalben ertönte der Freudenruf: Der Feind der glorreichen Jungfrau ist überwunden! Hoch lebe die herrliche und immer siegreiche Mutter Gottes!" Gleich Engeln, vom Himmel gesandt, wurden die Väter von der frohlockenden Menge begrüßt. Mit flammenden Fackeln, in unabsehbaren Reihen geordnet, begleitete man sie nach ihren Wohnungen. Die vornehmsten Einwohner der Stadt führten den Zug; Frauen und Jungfrauen trugen den Bischöfen goldene und silberne Gefäße vor, in welchen die köstlichsten Rauchwerke des Morgenlandes brannten. Die ganze Stadt war be 38 Erster Theil. Auslegung des Salve Regina. leuchtet; alle Straßen erschollen von dem Lobe Gottes und dem Preise Mariä und von Segnungen auf die Vertheidiger des Glaubens. Die Irrlehre verstummte, und die gesammte, Kirche hob dankbar ihre Hände zum Himmel, weil die Ehre der göttlichen Mutter so feierlich gerettet war. Gebet. O Mutter der heiligen Liebe, unser Leben, unsre Zuflucht, unsre Hoffnung! Du weißt es wohl, daß dein Sohn Jesus Christus nicht zu frieden war, selbst unser Fürsprecher beim ewigen Vater zu werden, sondern daß Er auch gewollt, daß du dich bei Ihm verwendest, um für uns die göttliche Barmherzigkeit zu erlangen. Er hat gewollt, daß dein Gebet zu unsrem Heile mitwirke und hat demselben so große Kraft ertheilt, daß es alles erlangt, um was du bittest. Ich unglücklicher Sünder wende mich demnach an dich, als die Hoffnung der Gläubigen, und mein Vertrauen auf deine mächtige Fürbitte ist so groß, daß, wenn ich selbst über mein ewiges Heil zu verfügen hätte, ich dir diese Macht übergeben würde. O gütige Mutter, stehe mir bei, verlaß mich nicht und bitte für mich deinen lieben Sohn, Er wolle mir gnädigst verzeihen und die Gnade ertheilen, dereinst ſelig zu sterben! Himmel und Erde wissen, daß keiner verloren geht, für den du bittest, den du beschüBest und beschirmst. O Maria, auf dich sezge ich mein Vertrauen, in dieser Hoffnung lebe ich, in dieser Hoffnung will ich sterben und nie auf hören zu rufen: Jesus ist meine einzige Hoffnung, und nach Jesus seße ich all mein Vertrauen auf die allerjeligste Jungfrau Maria! 3. Capitel., Unsre Hoffnung, sei gegrüßt'. 59 §. 2. Maria ist die Boffnung der Sänder. Es ist wohl selten der Fall, daß in einer Familie alle Kinder gleich gut sind; befindet sich unter denselben ein ausgeartetes, so bleibt es nichtsdestoweniger ein Kind seiner Eltern, und dieſe werden ihm sogar in einem gewissen Sinne gröBere Opfer elterlicher Liebe schenken, als den andern; sie werden nämlich für seine gute Erziehung, Besserung und Bekehrung sich mehr Mühe und Anstrengung kosten lassen. Die gute Mutter wird für keinen andern Sohn, keine andere Tochter so viele schlaflose Nächte durchwachen, so viel jammern, seufzen, flehen und beten, als für den verdorbenen Sohn, für die ungerathene Tochter. Dies stellt uns selbst der Erlöser in dem Gleichnisse vom verlornen Sohne vor Augen, in welchem Er zeigt, wie der Vater sich gegen diesen bösen Sohn benimmt, während der andere gute Sohn gleichsam vergessen zu sein scheint. Ebenso zeigt es sich auch in der großen Familie Gottes, in welcher Gott der Vater, die Menschen seine Kinder, oder auch in der Familie Christi, in welcher Christus das Haupt und wir die Glieder sind. Unter den Kindern dieser Familie sind viele ungerathene, böse und sündhafte. Wer wird aber darum behaupten wollen, daß sie nicht mehr zur Familie Christi gehören? Im Gegentheile wissen wir, daß Gott seine Sonne über Gute und Böse aufgehen und über Gerechte und Sünder regnen läßt; daß Christus, der gute Hirt, die neunundneunzig Schafe in der Wüste läßt und dem verlornen nachgeht, bis Er es gefunden. Daher hoffen wir mit Recht, 60 Erster Theil. Auslegung des Salve Regina. daß auch Maria nicht blos die Mutter der Gerechten, sondern ebenfalls der Sünder ist. Mehrere fromme Schriftausleger und Väter der Kirche wollen in jenem Weibe von Thekua ein Vorbild Mariens erkennen. Jene trat vor den König David hin mit den Worten: ,, O Herr, ich hatte zwei Söhne; zum Unglücke hat einer von ihnen den andern getödtet, und jetzt will die Ge rechtigkeit mir auch noch den andern rauben; o König, erbarme dich einer armen Mutter und laß nicht zu, daß ich beider Söhne beraubt werde!" Und David entsprach ihrer Bitte. Ebenso, sagen diese heiligen Männer, ist es bei Maria, indem auch sie zu Gott spricht:, Gott, ich hatte zwei Söhne, Jesum und den Menschen; der Mensch tödtete Jesum, jetzt will deine Gerechtigkeit auch noch den, wenn auch sündigen Menschen, verderben; und ich, die Mutter, wäre somit beider beraubt." Nun ist es aber auch die immerwährende Lehre der hl. Kirche und aller ihrer Väter und Gottesgelehrten, daß Maria wahrhaft wie eine Mutter sich um die verlassenen Sünder annehme. Die ganze katholische Kirche betet im englischen Gruße: Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns arme Sünder jetzt und in der Stunde unsres Absterbens." Der hl. Thomas von Villanova ruft aus: O Maria, wir elende Sünder können keine andere Zufluchtsstätte als bei dir finden. Du bist der einzige Gegenstand unsrer Hoffnung, von dem wir nach Jesus unsre Seligkeit erwarten. Du bist unsre alleinige Fürsprecherin bei unsrem Gott und Heiland, an die wir uns wenden." " 1 Um die Hoffnung der Sünder auf den Ber 3. Capitel., Unsre Hoffnung, sei gegrüßt. 61 stand Mariens zu vermehren, stellt sich der hl. Bonaventura ein stürmisches Meer vor, wo die Sünder von dem Schiffe der göttlichen Gnade herabgestürzt, von Gewissensbissen und Furcht vor der göttlichen Gerechtigkeit auf den Wogen umhergetrieben, ohne Licht und Führer, nahe daran sind, den letzten Athemzug der Hoffnung zu verlieren und in Verzweiflung unterzugehen. Da zeigt ihnen der Herr Maria, die gewöhnlich ein Meeresstern genannt wird, da erhebt sich eine Stimme und ruft ihnen zu: O arme Sünder, die ihr beinahe verloren seid, verzweifelt nicht, blicket hinauf zu diesem Gnadenstern, schöpfet Athem und hoffet auf Maria, die euch aus diesem Sturme erretten und in den Hafen des Heils führen wird! ,, Sie ist ja," wie der hl. Ephrem sich ausdrückt, die Hoffnung der Verzweifelnden, der Hafen der Schiffbrüchigen und der Verlassenen einzige Helferin." „ Dieje Mutter der Barmherzigkeit," schreibt der fromme Blosius, ist voll Wohlwollen und Milde, nicht nur gegen die Gerechten, sondern auch gegen die Sünder und Verzweifelnden. Wenn sie sieht, daß auch die letztern ihre Hoffnung auf sie setzen und aufrichtig bei ihr Hilfe suchen, so zögert sie nicht, ihnen beizustehen, für sie zu bitten und ihnen bei ihrem Sohne Verzeihung und Gnade zu erwirken. Niemanden, wäre er auch noch so unwürdig, verachtet sie; niemanden versagt sie ihren Beistand, alle tröstet sie, wenn sie angerufen wird. Durch ihre Sanftmuth entzündet sie selbst häufig im Herzen der Sünder die Andacht zu ihr, erweckt oft jene aus dem Sündenschlafe, die am weitesten von Gott entfernt, die am tiefsten in dem Schlamme ihrer 62 Erster Theil. Auslegung des Salve Regina.. Sünden versunken sind. Auf solche Weise bereitet sie die Sünder zum Empfange der göttlichen Gnaden vor, durch welche sie der ewigen Seligkeit theilhaft werden. Es ist deshalb unmöglich, daß einer verloren geht, der in Treue und Demuth die Andacht zu Maria in seinem Herzen zu unterhalten sucht." Ein hl. Bafilius spricht den Sündern mit folgenden Worten Muth und Vertrauen ein: ,, Verliere nicht, o Sünder, deine Zuversicht, wende dich in deinen Nöthen vielmehr an Maria, rufe sie um Hilfe an; du wirst sie immer bereit finden, dir beizustehen, da es der Wille Gottes ist, daß fie in allen Bedrängnissen helfe." Ein hl. Bernard redet sie mit den Worten an: O meine Königin, du verachtest keinen Sünder, der sich an dich wendet, mag er auch noch so sehr durch Missethaten verunstaltet und verabscheuungswürdig erscheinen; bit tet er dich um Hilfe, so verschmähst du nicht, ihm deine mildthätige Hand zu reichen und ihn von dem Abgrunde der Verzweiflung zu retten. Zu beklagen ist nur, wer seine Hoffnung nicht auf deine mächtige Vermittelung setzt, und verloren geht nur, wer sich nicht um deine Hilfe bewirbt." Beispiel. Das heilige Haus von Nazareth, in welchem einst der Erzengel Gabriel die Gebenedeite unter den Weibern gegrüßt, in dem der Eingeborne des ewigen Baters durch den heiligen Geist in Maria die mensch liche Natur angenommen, in dem Er mit Maria und Joseph bis zum Beginne seines öffentlichen Lehramtes in Demuth und Verborgenheit gewohnt hat, ist nicht blos unsrer Zeit erhalten, sondern befindet sich 3. Capitel., Unsre Hoffnung, sei gegrüßt'! 63 sogar nicht zu weit von uns, es befindet sich im Dome zu Loretto. Mehr als hundertfünfzig Millionen Pilger hat im Laufe der Jahrhunderte der fromme Glaube zu diesem zweiten Nazareth in Loretto geführt. Die hl. Helena, die Mutter des ersten christlichen Kaisers Constantin kam 325 nach Nazareth und, nachdem sie das Haus des Engelgrußes gefunden, baute sie daselbst einen gar lieblichen Tempel. Am 25. März 1252 besuchte noch König Ludwig IX., der Heilige, König von Frankreich, Nazareth, den Tempel, wohnte dem heiligsten Opfer bei und empfing in tiefster Rührung die heilige Communion. Als im Jahre 1291 um die Mitte April Ptolemais, die letzte christliche Stadt an die Türken verloren ging, sollte, wie einst das heilige Kreuz den Heiden entriffen und der christlichen Kirche wieder geschenkt wurde, auch das Haus von Nazareth in den Schooß der Kirche versetzt werden. Am 9. Mai 1291 verschwand das heilige Haus plötzlich von Nazareth mit dem darin befindlichen Altare, dem Crucifixe, der Statue der hl. Mutter Gottes und andern dort befindlichen Gegenständen. Wunderbar durch die Luft getragen, ließ es sich in Dalmatien nieder, zwischen Tersato und Fiume am adriatischen Meere, an der Italien gegenüber liegenden Küste. Die heilige Jungfrau selbſt offenbarte dem tödtlich krank darniederliegenden Seelenhirten jener Landleute, daß dies ohne Fundament dastehende nach fremder Weise gebaute Haus ihr Haus von Nazareth sei, und sowie das von Helena aufge= fundene heilige Kreuz durch eine wunderbare Krankenheilung seine Bestätigung erhalten, so sollte auch durch die wunderbare Genesung des Pfarrers dem heiligen Hause seine Beglaubigung werden. Nach drei Jahren und sieben Monaten hob sich das heilige Haus von dort weg und schwebte von Engeln getragen über das adriatische Meer an die italienische Küſte und ließ sich im Picenischen Gebiete bei Recanati in 64 Erster Theil. Auslegung des Salve Regina. einem Lorbeerhaine nieder. Am 7. September 129 trugen dieſelben unsichtbaren Hände das heilige Kle nod auf die öffentliche Landstraße, tausend Schritt von dem seitherigen Platze, dahin, wo es noch steht Die verschiedensten Untersuchungen und die täglicher Wunder bestätigen, daß dies das wirkliche heilig Haus der heiligen Familie von Nazareth ist. Gebet. Ich verehre, o allerseligste Jungfrau, dein hei ligstes Herz, das die Freude und der Ruhepla deines Gottes war. Ich Unglücklicher nahe mid dir, mit Wunden bedeckt, die mir die Sünde ge schlagen. Wende dein gütiges Herz nicht von mi ab, sonst gehe ich verloren. Du bist nach Got meine größte Hoffnung und Zuversicht. Bedenke was Jesus für mich gethan und gelitten hat; di Verdienste, die uns sein Blut erworben, sie wer den mir nicht zu theil werden, wenn du mit deine Hilfe versagst. Ich kann und will nic fürchten, daß du mich verstoßen werdest, da es j unerhört ist, daß du jemanden, der sich vertrau ensvoll an dich wendet, unerhört läßt. Ich bit dich nicht um vergängliche Güter dieser Welt, son dern nur um die Aussöhnung mit deinem Sohn um die Liebe Gottes, um die Erfüllung seine Willens und um den Himmel, um Ihn die ganz Ewigkeit hindurch lieben und anbeten zu können Amen. 4. Capitel. Zu dir rufen wir' 2c. 65 Viertes Capitel. Bu dir rufen wir, verbannte Kinder Eva's. S. 1. Wie fdinell Maria bereit ift, denen zu helfen, die fie anrufen. Durch unsre Stammesmutter Eva sind wir Minder des Todes geworden, zweifachem Tode preisgegeben treten wir, vom Weibe geboren, herein in dieses irdische Dasein. Daß wir geistig todt seien, sagt uns die Schrift mit den Worten: Durch einen Menschen kam die Sünde in die Welt und durch die Sünde der Tod." Die Schrift versteht aber diesen Tod als einen geistigen, wie denn der Apostel spricht: ,, Gleichwie die Sünde geherrscht hat zum Tode, also herrscht die Gnade durch Gerechtigkeit zum ewigen Leben durch Jesum Christum, unfren Herrn." Dieser geistige Tod hatte den leiblichen zur Folge und mit ihm Noth, Trübsal und mancherlei Leiden, denen wir als Verbannte in diesem Thränenthale ausgesetzt sind. Wir würden als Kinder der ersten Mutter verloren sein, wenn uns nicht aus göttlicher Liebe und Erbarmung eine zweite Mutter gegeben wor den wäre, aus welcher der Heiland ſeine menschliche Natur annahm. Und diese zweite Mutter ist Maria, die uns so gerne in dem Elende, in den geistlichen und leiblichen Nöthen und Bedrängnissen, welche uns auf dem rauhen Pilgerpfade durch dies irdische Leben begleiten, ihre mächtige Hilfe angedeihen läßt. Herrlicht. Mar. 5 Erster Theil. Auslegung des Salve Regina. Es ist der innigste Wunsch der heiligen Stir che, daß wir fortwährend in allen Anliegen mit Vertrauen unsre liebevolle Beschüßerin anrufen; darum läßt sie ihre Verehrung so dringend an empfehlen, darum läßt sie ihr zu Ehren im Laufe des Jahres so viele Feste begehen, darum läßt si einen Tag in der Woche ganz besonders zu ihrem Dienste weihen, darum läßt sie die Priester in den Tagzeiten im Namen des christlichen Volkes fil täglich anrufen, darum läßt sie alle Gläubiger täglich dreimal auf ein Glockenzeichen sie begri ßen, darum läßt sie endlich durch neuntägige Andachten, durch öffentliche Gebete, durch Procej sionen, durch Besuchung ihrer Kirchen und Bild nisse alle christlichen Herzen auffordern, bei Maria Hilfe zu suchen. Wie bereitwillig fie unsren Bitten Erhörung verschafft, darüber belehren uns viele heilige Väter und fromme Geisteslehrer. 66 Wenn wir uns an die göttliche Mutter wen den, können wir uns nicht nur beruhigen, daß sie ans beistehen wird, sondern dürfen sogar hoffen, oft schneller Erhörung zu finden, als wenn wit Jesum selbst anrufen. Nicht als ob sie mächtige wäre, als ihr göttlicher Sohn, da wir ja wissen, daß Jesus Christus unser alleiniger Erlöser ist der uns durch seine Verdienste die Seligkeit wirkt hat und noch täglich erwirkt, sondern weil wenn wir uns an Jesum wenden und in Ihm zugleich unfren Richter betrachten, der die Undank baren bestraft, uns vielleicht das erforderliche Ver trauen, um erhört zu werden, mangeln könnte; wenn wir dagegen uns an Maria wenden, deren Amt es ist, als Mutter der Barmherzigkeit Mitlei ers 4. Capitel. Zu dir rufen wir zc. 67 mit uns zu tragen und als Fürsprecherin uns zu vertheidigen, dann kann und wird unser Vertrauen besser und größer sein; also lehrt der hl. Anselm. Der hl. Bonaventura behauptet, Ruth sei das Vorbild Mariens gewesen, indem ihr Name so viel bedeute, als, sehend und eilend', und sagt, wenn Maria unser Elend sehe, so eile sie auch schon, uns mit ihrer Barmherzigkeit beizustehen. In diesem Sinne äußert sich auch Novarinus, indem er schreibt, daß der Wunsch Mariens, uns Gutes zu thun, so groß sei, daß sie gar nicht zu zögern vermöge und als Mutter der Barmherzigkeit auch nicht zögern könne, ihre Gnadenschätze, so schnell sie nur fann, ihren Dienern auszutheilen: daß sie uns nicht nur zur Hilfe eile, sondern gleichsam fliege; daß, wenn sie Barmherzigkeit übe, sie es Gott gleich mache, der herbeizufliegen scheine, um denen zu helfen, die um Beistand bitten, indem es Ihm unmöglich wäre, die Verheißung, uns zu erhören, wenn wir Ihn anrufen, nicht zu erfüllen, da Er ja versprochen: Bittet, und ihr werdet empfangen." Das große Mitleid Mariens mit unsrem Elende, das sie drängt, uns beizustehen, zeigte sich schon hier auf Erden bei der Hochzeit von Cana. Sie erkannte die Verlegenheit der Hochzeitleute, welche die Beschämung schmerzte, daß es am Weine zum Mahle mangelte. Ohne daß man sie darum anging, nur vom Mitleiden bewogen, weil sie die Betrübniß anderer nicht sehen kann, ohne abzuhelfen, bat sie ihren Sohn, die Hochzeitleute zu trösten, indem sie Ihm blos das Bedürfniß derselben mittheilte. Darauf wirkte Jesus das be 68 Erster Theil. Auslegung des Salve Regina. kannte Wunder der Verwandlung des Wasser in Wein. ,, Eher würden Himmel und Erde vergehen als daß Maria Dem ihre Hilfe versagte, der si in reiner Absicht um Beistand bittet und auf sein Vertrauen setzt," sagt der fromme Blosin und Papst Innocenz III. fragt:, Wo wäre wo einer, dem Maria nicht geholfen hätte, wenn e sich vertrauensvoll an sie gewendet hat?" Rufen wir daher mit dem hl. Augustin diese Mutter der Barmherzigkeit zu: Gedenke, o mild reiche Mutter, es ist noch nie geschehen, daß d jemanden verlassen hättest. Vergib mir also: dem ich hoffe nicht, der erste Unglückliche zu sein, de zu dir seine Zuflucht genommen und dennoch erhört geblieben wäre. un - Beispiel. all Die Kraft dieses Gebetes hat der hl. Franz vo Sales erfahren, wie es in seinem Leben erzählt wir Als derselbe nämlich ungefähr siebenzehn Jahre war, befand er sich in Paris, wo er studirte und ei gottseliges Leben führte, so daß er, von Liebe Gotte entzündet, schon damals die Freuden des Himmel zu verkosten schien. Gott ließ, um ihn zu prüfe und noch inniger mit sich zu vereinigen, zu, daß de Teufel ihm den schrecklichen Gedanken eingab: G habe von Ewigkeit her beschlossen, ihn zur Hölle verdammen, er möge thun, was er immer wolle, jol chem Unglücke zu entjehen. Die Finsterniß und Ge stesdürre, in der Gott ihn zu gleicher Zeit lasse wollte, so daß die rührendsten Beweise der Liebe G tes zu uns ihn kalt und fühllos ließen, bewirkte, da die Versuchung immer stärker wurde und immer meh das fromme Herz des heiligen Jünglings betrübt 4. Capitel. Zu dir rufen wir' 2c. so daß die Angst und Verlassenheit, die ihn bestürmte, Ursache ward, daß er Eßlust, Schlaf, Gesundheit und Heiterkeit des Geistes verlor und allen, die ihn sahen, Mitleid einflößte. 69 So lange diese Versuchung dauerte, kamen dem Heiligen nur verzweiflungsvolle und traurige Gedanken und Worte in den Sinn. In seinem Leben wird erzählt, daß er oft ausgerufen habe: ,, So soll ich denn der Gnade meines Gottes, der mich sonst so mild und liebevoll behandelt hat, beraubt werden! So soll ich denn, o Liebe, o Erhabenheit, der ich alle meine Neigungen geschenkt habe, fernerhin deine Tröstungen nicht mehr genießen! So soll ich dich denn, allerfeligste Jungfrau, Mutter meines Gottes, erhabenste unter allen Töchtern Jerusalems, so soll ich dich denn niemals im Himmel sehen! Doch wenn ich auch nie dein erhabenes Antlitz sehen soll, o meine Gebieterin, laß wenigstens nicht zu, daß ich dich in der Hölle lästern und verfluchen müsse." Diese Versuchung dauerte einen ganzen Monat: aber endlich gefiel es Gott, seinen Diener durch die Trösterin der Welt, durch Maria, welcher der Heilige schon früher seine Jungfrauschaft geweiht hatte, und in die er, wie er zu sagen pflegte, alle seine Hoffnung setzte, davon zu befreien. Als er nämlich eines Abends nach Hause ging, trat er in eine Kirche, wo er ein Bild an der Wand erblickte, auf dem das folgende Gebet des hl. Augustin geschrieben stand: ,, Gedenke, o mildthätige Jungfrau Maria, daß es immer unerhört gewesen, daß jemand, der sich unter deinen Schutz begeben hätte, verlassen worden wäre." Der Heilige kniete alsdann vor einem Altare der Mutter Gottes nieder, betete andächtig diese Worte, erneuerte das Gelübde der Keuschheit, versprach täglich den Rosenkranz zu beten und fügte noch hinzu:„ O meine Königin, sei du meine Fürsprecherin bei deinem Sohne, an den ich mich nicht zu wenden wage! O meine Mutter, wenn 70 Erster Theil. Auslegung des Salve Regina. ich Unglückſeliger in jener Welt meinen Heiland nid lieben kann, obwohl ich erkenne, wie liebenswürd Er ist, so erlange du mir wenigstens die Gnade, de ich Ihn hier auf Erden so sehr liebe, als ich es nur ve mag; um diese Gnade bitte ich dich, ich hoffe, daß d sie mir gewähren werdest." Nachdem er dies Geb vollendet, warf er sich unbedingt in die Arme d göttlichen Barmherzigkeit, voll Ergebung in den W len seines Gottes. Sieh, da verließ ihn plötzlich di Versuchung, er erlangte den innern Frieden und m demselben seine Gesundheit wieder, und seine Andad zu Maria wuchs so sehr, daß er nicht müde wurd ſein ganzes Leben hindurch die Liebe Mariens und ihr Barmherzigkeit durch seine Schriften zu verkündigen Gebet. Zu dir, o Jungfrau und Mutter Maria, komm ich mit demüthigem Herzen: zu deinem mütterl chen Schuße fliehe ich und empfehle dir meine Leib und meine Seele. Ich hoffe durch dich jene Trost und jene Gnade zu erlangen, deren der h Paulus und die hl. Magdalena sich zu erfreue hatten. Du bist ja so mächtig, so liebreich, gütig und bereitwillig, deiner Kinder Flehen erhören. Du weißt, in welchen Versuchungen un Sünden ich verwickelt bin, welche Feinde mich be kämpfen. Du kennst meine Schwachheit, mein Neigung zum Bösen, mein Unvermögen, meine Ge brechen an Leib und Seele, die Kleinmüthigkei meines Geistes und die Zaghaftigkeit meines Her zens. O komme mit deiner Hilfe meinen Nöther entgegen und erbarme dich desjenigen, der sein Hoffnung auf dich setzt und nie aufhören wir deine Güte zu preisen! Amen. 4. Capitel. Zu dir rufen wir' 2c. S. 2. Wie mächtig Maria ift, den vom böfen Feinde Verfuchten zu helfen. 71 Die Juden erlangten beim Einzuge ins gelobte Land durch die Bundeslade den Sieg; durch dieselbe fiel Jericho, durch sie wurden die Philister geschlagen. Aus den Schriftauslegungen vieler heiligen Väter entnehmen wir, daß jene Bundeslade ein Vorbild Mariens war. Gleichwie die Lade das Manna enthielt, so barg Maria als jungfräuliche Mutter Christum, den Herrn, der durch das Manna vorgebildet wurde, und der uns durch diese heilige Bundeslade, d. h. durch Maria, den Sieg über den Feind unsrer Seelen verleihen will. „ Die bösen Geister zittern vor Maria und ihrem heiligen Namen," sagt der hl. Bonaventura; er vergleicht sie mit jenen Feinden, von welchen im Buche Job geschrieben steht: Im Finstern brechen sie in die Häuser ein, erscheint plößlich die Morgenröthe, so halten sie dieselbe für Todesschatten." Im Finstern suchen die Diebe das Haus zu bestehlen; wenn aber die Morgenröthe erscheint, dann fliehen sie, als ob sich ihnen das Bild des Todes darstellte. Auf dieselbe Weise schleicht der böse Feind in unser Herz; sobald wir aber den mächtigen Namen Mariens um Hilfe anrufen und die Gnade und Barmherzigkeit unsrer göttlichen Mutter erscheint, flieht auch der Widersacher davon. Wie das Wachs vor der Hitze des Feuers schmilzt, so verliert der böse Feind seine Macht an jenen Seelen, die oft an den süßen Namen Mariens denken, die ihn andächtig anrufen und vor allem bemüht sind, die Tugenden der seligsten - 72 Erster Theil. Auslegung des Salve Regina. Jungfrau nachzuahmen; und wie die Mensche vor Schrecken zu Boden fallen, wenn der Blizz in ihrer Nähe einschlägt, so sinken die bösen Geiste nieder und zittern vor Schrecken, wenn sie den Namen der heiligsten Gottesmutter Maria aus sprechen hören. Wir wissen aus den Lebensge schichten vieler großen Heiligen, daß, wenn sie in den vielfachen Versuchungen, die ihnen der Teufel bereitete, den heiligen Namen Mariens mit An dacht angerufen haben, sogleich befreit wurden, und der Hl. Anselm versichert uns, er wisse aus eigener Erfahrung, daß viele durch bloße Anrufung Mariens- aus leiblichen und geistlichen Ge fahren errettet worden seien. Preiswürdig und wunderbar, o Maria, ist dein erhabener Name," lauten die Worte des hl. Bernard, alle, die ihn in den letzten Augenblicken des Lebens ausspre chen, haben sich vor den Mächten der Hölle nicht zu fürchten; wenn die bösen Geister diesen Namen nur hören, so verlassen sie die arme Seele. Hier auf Erden fürchtet sich kein Kriegsheer so sehr vor dem Feinde, wie die Mächte der Unterwelt sich vor dem Namen Mariens und dem mächtigen Bei stande, den er gewährt, fürchten: Wie ein geord. netes Kriegsheer ist Maria von Gott zur Besiegung der Hölle ausgerüstet und darum ist auch die Anrufung ihres Namens ein bewährtes Mittel, um alle Versuchungen, besonders jene gegen die Rei nigkeit, alle Gefahren des Seelenheils zu besiegen." Wem alle diese Behauptungen gotterleuchteter Männer zu übertrieben scheinen mögen, der versuche es, sich der Liebe der göttlichen Mutter würdig zu machen, und rufe dann mit kindlichem Ver 4. Capitel. Zu dir rufen wir' 2c. 73 trauen in der Stunde der Versuchung ihren heiligen Namen an, und er wird zu seinem Troste inne werden, wie wahr es ist, daß sich noch keiner vergeblich an sie gewendet hat. Beispiel. Das heilige Haus von Nazareth im Dome zu Loretto hat dreißig Fuß Länge, dreizehn Fuß Breite und dreizehn Fuß Höhe. Die Dicke der Mauern beträgt einen starken Fuß. Die Steine der Mauer sind kleine Bruchsteine von dem Tuffe, mit welchem zu Nazareth gebaut wird, wie dies durch chemische Untersuchung dargethan ist. Von Innen sind die Mauern im ursprünglichen Zustande gelassen, vom Alter und Rauch geschwärzt, von Andächtigen an vielen Stellen glatt geküßt. Von dem alten Holzwerk an der Decke( es ist aus Cedernholz), hängen zweiundfünfzig immer brennende Lampen herab. An der westlichen Mauer sieht man das Cruzifirbild, welches mit dem heiligen Hause herübergekommen ist. In der Mitte des heiligen Hauses steht der Altar, reich verziert und mit den silbernen Brustbildern des hl. Jo= seph und der hl. Anna geschmückt. In diesem Altare ist der alte, steinerne Altar verschlossen, auf welchem schon der hl. Petrus die heiligen Geheimnisse gefeiert haben soll. In der Rückwand hinter dem Altar über dem Herde, auf welchem einst die Himmelskönigin dem menschgewordenen Gott die Speisen bereitete, steht in einer Vertiefung das uralte, wunderbare Muttergottesbild mit dem Jesuskind, aus Cedernholz, mit einer dreifachen Krone von Edelsteinen, umkleidet mit Goldstoffen, auf denen zahllose kleine und große Edelsteine, Gold- und Silberschmuck befestigt sind. Das Bild ist mit dem heiligen Hauſe herübergekommen. Das Bild der Mutter Gottes ist ganz geschwärzt, zwei Fuß acht Zoll lang, die Haare 74 Erster Theil. Auslegung des Salve Regina. wallen nach Sitte der Nazarener ungeflochten übe die Schultern herab; die Statue des Jesuskindes i einen Fuß und zwei Zoll lang; Es ruht auf den Arme der Jungfrau, hält die vorderen Finger de rechten Hand wie zum Segnen empor; in der linke trägt Es eine goldene Weltkugel, auch Ihm wallen di Haare über die Schultern herab. Gebet. ( Nach dem Hl. Anguſtin.) Glorwürdiges wird von dir erzählt, o heilig Gottesgebärerin, du Arche des Neuen Bundes Doch ist dein Lob noch nicht erschöpft; es stamme jede Zunge, die dich zu preisen sich erhebt. Den teine Sprache hienieden, die Zunge von feinen Volke unter dem Himmel ist vermögend, dein Herrlichkeit, o große, o milde, o gütige Jungfrau genügend darzustellen. Selbst genannt fannst d nicht werden, ohne daß du das Herz entzündest ja sogar nicht gedacht werden, ohne daß du dal Gefühl der dich Liebenden erfreueſt: stets erfüll von der dir von Gott verliehenen Süßigkeit wird unser Herz, wenn es sich dein erinnert. Und nun folgen wir dir, o Herrscherin! Aus ganzem Her zen rufen wir zu dir: Hilf unsrem Unvermögen, unterstüße unsre Schwachheit. Es sinke der dicht Nebel vor unsren Augen, daß wir, mit verklär tem Antlige die Glorie des Herrn schauend, seinem Geiste in das endlose Meer des göttlichen Lichtes versenkt werden und vereint in den Ban den der Liebe, eins mit unsrem Gott seien. Dies verleih uns durch deine Fürbitte unser Gott und Herr, dem Lob, Preis und Dank jei von nun an bis in Ewigkeit. Amen. vonl 5. Capitel. Zu dir seufzen wir' 2c. 75 Fünftes Capitel. Bu dir seufzen wir Trauernde und Weinende in diesem Thale der Thränen'. §. 1. ie nothwendig uns die Vermittelung Mariens ift, um felig zu werden. Daß es nicht nur erlaubt, sondern daß es ein nüßlicher und heiliger Gebrauch ist, die Heiligen und vor allem die Königin der Heiligen, die allerseligste Jungfrau anzurufen und zu bitten, sie möge uns die Gnade Gottes durch ihre Fürsprache erlangen, ist als ein Glaubenssaß von der heiligen Kirche in mehreren Concilien gegen die Irrlehrer entschieden, die jene Behauptung als eine Beleidigung Christi, der, wie sie sagen, unser einziger Mittler ist, verwerfen. Wenn der Prophet Jeremias nach seinem Tode für Jerusalem Gott bat ( II. Mach. 15.), wenn die Greise in der Offenbarung Gott die Gebete der Heiligen darbrachten, wenn der Hl. Petrus seinen Jüngern versprach, nach seinem Tode ihrer eingedenk sein zu wollen, wenn der hl. Stephanus für seine Verfolger betete, wenn der Hl. Paulus seine Begleiter Gott anempfahl, wenn, mit einem Worte, wie dies sich aus der heiligen Schrift ergibt, die Heiligen für uns beten können: warum sollen wir alsdann sie nicht bitten dürfen, sich bei Gott für uns zu verwenden? Empfiehlt sich doch selbst der hl. Paulus in das Gebet jeiner Jünger: Brüder, betet für uns."( I. Theffal. 5, 25.) Ermahnt uns doch der 76 Erster Theil. Auslegung des Salve Regina. hl. Jacobus:„ Betet für einander, damit ihr selig werdet!"( Jac. 5, 16.) Daraus müssen wir schlie ßen, daß wir arme Sünder dies mit noch weit größerm Rechte thun dürfen. Niemand leugnet, daß Jesus der einzige Mittler der Gerechtigkeit ist, der allein durch seine Verdienste Gott mit uns versöhnt hat; aber gottlos wäre es, wenn man deshalb zugleich leugnen wollte, daß Gott gerne seine Gnade ertheilt, wenn die Heiligen und besonders wenn seine Mutter Maria sich für uns verwendet, sie, die so sehr wünscht, daß Jesus von allen Menschen geliebt und geehrt werde. Wer könnte auch daran zweifeln, daß die Ehre, die man den Müttern beweist, zu gleicher Zeit den Söhnen erwiesen werde.„ Der Ruhm der Kinder sind ihre Eltern."( Sprüchw. 17, 6.) Deshalb, bemerkt der hl. Bernard,*) kommt es dem, der eine Mutter lobt, gar nicht in den Sinn, daß er hierdurch den Ruhm des Sohnes vermindere, denn je mehr man die Mutter ehrt, desto mehr lobt man den Sohn; auch bemerkt der hl. Ildephons, daß alle Ehre, die man einer Mutter und einer Königin erweist, auf den Sohn und auf den König selbst zurückfalle. Wir zweifeln auch nicht, daß um der Verdienste Jesu willen die allerseligste Jungfrau die Würde einer Vermittle rin unsres Heils erhalten habe, zwar nicht einer Mittlerin der Gerechtigkeit, sondern einer Mittlerin der Gnade und Fürsprache. In diesem Sinne nennt sie der Hl. Bonaventura eine treue Vermittlerin unsres Heiles, und der hl. Lorenz Ju *) S. Bern. Hom. sup. Miss. est. 77 5. Capitel. Zu dir seufzen wir' zc. stinian ruft aus: ,, Wie sollte denn auch die nicht voll von Gnade sein, die eine Himmelsleiter, die eine Pforte des Himmels geworden, die eine wahrhafte Mittlerin zwischen Gott und den Menschen iſt!"*) " 1 Wenn wir die allerseligste Jungfrau um Gnade bitten," sagt der hl. Anselm, so jezen wir kein Mißtrauen auf die Barmherzigkeit Gottes; nein, wir fürchten uns nur wegen unsrer eigenen Unwürdigkeit und empfehlen uns deshalb Maria an, damit ihre Verdienste unser Elend ersetzen mögen." Nur ein Ungläubiger kann daran zweifeln, daß es ein heiliger und nüßlicher Gebrauch sei, Maria um ihre Vermittelung anzurufen;- indeß habe ich mir vorgenommen, hier noch etwas anderes zu beweisen, daß nämlich die Vermittelung Mariens zu unsrer Seligkeit nothwendig sei, zwar nicht unumgänglich, aber doch gewissermaßen nothwendig sei. Die Ursache hiervon ist allein der Wille Gottes, der gewollt, daß alle Gnaden, die uns zukommen, uns durch die Hände Mariens zukommen, wie dies der hl. Bernard gelehrt hat, und wie es heutigen Tages allgemein von den Gottesgelehrten und Lehrern in der katholischen Kirche behauptet wird. Vega, Mendoza, Pacciuchelli, Segneri, Crasset und eine unzählige Menge gelehrter Schriftsteller haben diese Meinung vertheidigt, sogar Alerander Natalis, der sonst so zurückhaltend mit seinen Behauptungen ist, lehrt, es ſei der Wille Gottes, daß wir alle Gnaden durch die ") Serm. de Anselm. 11 78 Erster Theil. Auslegung des Salve Regina. Vermittelung Mariens erwarten;*) er führt, um dies zu bestätigen, die berühmte Stelle des hl. Bernard an: Das ist sein( Gottes) Wille, daß wir alles durch Maria erhalten." Contenjon theilt dieselbe Meinung, da er die Worte, die Jesus vom Kreuze herab an Maria richtete: ,, Siehe, deine Mutter," auf folgende Weise auslegt: Jesus lehrt uns dadurch, daß niemand theil haben werde an den Verdiensten, die Er uns durch sein Blut erworben, ohne die Vermittelung seiner Mutter; seine Wunden," sagt er, sind die Quellen aller Gnaden; aber diese Quellen fließen nur durch Maria bis zu uns herab. O mein Jünger Johannes, ruft Jesus vom Kreuze herab, wenn du meine Mutter innig liebst, so werde auch Ich dich lieben!"**) Diese Behauptung, daß alles Gute, was wir von Gott erhalten, durch Maria an uns gelange. mißfällt einem gewissen Schriftsteller, der, obgleich es den Anschein hat, als ob er mit Gelehrsamkeit und Frömmigkeit von wahrer und falscher Andacht spreche, dennoch, wenn er auf die Andacht zur Mutter Gottes zu reden kömmt, sehr karg ist, ihr jene Ehre widerfahren zu lassen, die ein heiliger Germanus, Damascenus, Bonaventura, Antonius, Bernardin von Siena und so viele andre Gottesgelehrten nicht glaubten, ihr verjagen zu dürfen, daß nämlich, um der angeführten Ursache willen, die Vermittelung Mariens nicht nur möglich, sondern auch nothwendig sei, um selig zu werden. Der genannte Schriftsteller meint, daß *) Epist. 76. in calce. 1. 4. Moral. **) Theol. mentis et cord. tom. 2. 1. 10. D. 4. c. 1. 5. Capitel. Zu dir seufzen wir' 2c. 79 die Behauptung, Gott gewähre feine Gnade ohne die Vermittelung Mariens, eine Uebertreibung sei, die dem Eifer einiger Heiligen entfallen, und die man folgendermaßen verstehen müsse: daß wir nämlich durch Maria Jesum Christum erhalten hätten, durch dessen Verdienste allein wir alle Gnaden erlangen; denn," fügt er hinzu, es wäre ein Irrthum, wenn man glauben wollte, Gott könne uns ohne die Vermittelung Mariens feine Gnaden gewähren, da doch der Apostel sage, daß wir nur Einen Gott und nur Einen Mittler zwischen Gott und den Menschen Jesum Christum haben."( I. Timoth. 2, 5.) Darauf sei mir nun gestattet zu erwidern, daß der genannte Verfasser selbst in seinem Buche die Vermittelung durch eigene Verdienste von der Vermittelung durch Fürsprache unterscheidet. Auch sieht man ein, daß es ganz etwas anderes ist, wenn man sagt: Gott könne, oder Gott wolle die Gnade nicht ohne die Vermittelung Mariens austheilen. Es ist auch meine Ueberzeugung, daß Gott allein die Quelle alles Guten, der unumschränkte Herr aller Gnaden ist, und daß Maria nur ein Geschöpf ist, das alles, was es empfangen hat, allein der Gnade Gottes verdankt. Wer kann indeß leugnen, es sei zugleich durchaus der Vernunft gemäß, wenn man behauptet, daß Gott, um dies erhabene Geschöpf zu erhöhen, das Ihn mehr als alle andren, so lange es auf Erden gelebt hat, ehrte und liebte, nachdem Er Maria jogar zur Mutter seines Sohnes, des Erlösers des menschlichen Geschlechtes, erwählt, nun auch wolle, daß alle Gnaden, die Er erlösten Seelen - 80 Erster Theil. Auslegung des Salve Regina. ertheilen will, durch die Hände Mariens an fi gelangen? Freilich behaupten auch wir, wie schon oben bemerkt worden ist, daß Jesus der einzige Mittler der Gerechtigkeit sei, der durch seine Ver dienste uns seine Gnaden und die Seligkeit erlangt hat: aber zugleich behaupten wir auch, daß Maria eine Mittlerin der Gnade sei, in der Weise, daß ihr alles, was sie von Gott erhält, nur um det Verdienste Jesu Christi willen gewährt wird, we halb sie im Namen Jesu darum bittet, daß aber deßungeachtet alle Gnaden, um die wir bitten, nut durch die Vermittelung Mariens an uns gelangen. Dies ist gewiß nicht nur nicht im geringsten den Glaubenswahrheiten entgegen, sondern im Ge gentheil der Meinung der Kirche ganz gemäß, da dieselbe uns in den öffentlichen Gebeten, die von ihr gebilligt worden sind, ausdrücklich lehrt, fort während zu dieser göttlichen Mutter unsre 3u flucht zu nehmen und ihr zuzurufen: Du Heil der Kranken, du Zuflucht der Sünder, d Hilfe der Christen, du unser Leben, un sre Hoffnung! Die Kirche selbst bezieht in den Tagzeiten, die sie an den Festen Mariens den Priestern zu beten vorgeschrieben hat, mehrere Stel len aus dem Buche der Weisheit auf Maria und gibt uns dadurch zu erkennen, daß sie einerseits der Gegenstand unsrer Hoffnung sei: In mir i alle Hoffnung des Lebens und der Tugend," an drerseits, daß sie die Quelle der Gnade sei: 3 mir ist alle Gnade des Lebens und der Wahrheit," ja, daß wir in Maria das Leben und die ewige Seligkeit finden; Wer mich findet, findet das Leben und schöpfet das Heil von dem Herrn!" 81 5. Capitel. Zu dir seufzen wir' zc. Und an einer andern Stelle: Wer in mir seine Werke thut, sündigt nicht; die mich ins Licht seBen, erhalten das ewige Leben," was alles die Nothwendigkeit der Vermittelung Mariens lehrt. Dies ist nun auch eine Meinung, in der wir durch eine große Menge von Gottesgelehrten und heiligen Vätern unterstützt werden, gegen die man gewiß nicht reden darf wie der angeführte Verfasser, der behauptet, daß sie sich Uebertreibungen hätten zu Schulden kommen lassen, um die Ehre Mariens zu erhöhen. Man übertreibt, wenn man die Grenzen der Wahrheit überschreitet; dies aber von den Heiligen zu behaupten, ziemt sich nicht, da dieselben vom Geiste Gottes, der ein Geist der Wahrheit ist, beſeelt waren. Der Leser wolle verzeihen, wenn ich ein wenig von meinem Gegenstande abweiche, um eine Bemerkung zu machen, die zu einem bessern Verständnisse dienen kann. Es scheint mir nämlich wenig Andacht zur Mutter Gottes zu verrathen, wenn man eine Behauptung, die ehrenvoll für Maria ist, die einen guten Grund für sich hat, und die nicht dem Glauben oder den Entscheidungen der Kirche oder einer anerkannten Wahrheit widerspricht, blos deshalb nicht zulaſsen will oder ihr sogar widerstrebt, weil die entgegengejezte Meinung auch wahr sein kann. Ich möchte nicht zur Zahl dieser schwachen Verehrer Mariens gehören, und es würde mir leid thun, wenn mein Leser ein solcher wäre; nein, ich wünschte, daß alle, nach dem Ausspruche des Abtes Rupertus,*) *) Aus Deutz bei Köln. Herrlicht. Mar. Univ.- Bibl. Giessen 6 82 Erster Theil. Auslegung des Salve Regina. alles fest und unbezweifelt glaubten, was ma ohne offenbaren Irrthum von der hohen Würd Mariens glauben kann. Abt Rupertus meint so gar, daß es auch unter die Ehrenbezeigungen, di man der Mutter Gottes erweisen kann, gehöre daß man fest alles glaube, was ihr zur Ehre ge reicht.*) Um uns alle Furcht, im Lobe Ma riens zu weit zu gehen, zu benehmen, müssen wit uns den Ausspruch des hl. Augustin merken, daß nämlich alles, was wir zur Ehre Mariens sagen, nur wenig sei im Vergleich mit dem, was fie wegen der hohen Würde einer Mutter Gottes verdient. Uebrigens legt die heilige Kirche selb in der Messe der allerseligsten Jungfrau uns di Worte in den Mund:: ,, Selig bist du, heilig Jungfrau Maria, und alles Lobes würdig." Betrachten wir indeß jetzt die Aussprüche de Heiligen in bezug auf das, was ich mir in die sem Capitel zu beweisen vorgenommen habe. De hl. Bernard sagt, daß Gott Maria mit allen Gnaden erfüllt habe, damit die Menschen durch sie gleichwie durch einen Canal alles Gute, was ihnen zukomme, erhielten.**) Der Heilige mad hier noch die wichtige Bemerkung, daß vor der Geburt der allerseligsten Jungfrau vielen dieje Strom von Gnaden unzugänglich war, weil dieser erwünschte Canal( d. h. Maria) ihnen fehlte, und daß Gott deshalb der Welt Maria geschenkt habe, damit die Gnade Gottes durch sie fortwährend it größerer Fülle an uns gelange.***) *) De Laud, Virg. **) S. Bern. Serm de Aquad ***) Ibid. 5. Capitel. Zu dir seufzen wir' 2c. 83 Gleichwie Holofernes, um Bethulien in seine Gewalt zu bekommen, befahl, man solle die Wasſerleitungen zerstören, so sucht auch der Teufel so viel als möglich den Seelen die Andacht zur Mutter Gottes zu rauben; denn wenn es ihm einmal gelungen ist, diesen Canal der Gnaden zu schlieBen, so bekommt er dieselben bald in seine Gewalt. Deshalb fährt der hl. Bernard fort:„ Ihr ſeht also, liebe Seelen, mit welcher Liebe und Andacht wir nach Gottes Willen diese große Königin ehren, wie wir immer zu ihr unsere Zuflucht nehmen, wie wir auf ihren Beistand vertrauen sollen, denn in ihr hat Er die Fülle aller Güter niedergelegt, damit wir erkennen lernen, daß all unsre Hoffnung, daß alle Gnade, alles Heil aus den Händen Mariens an uns gelange.*) Gleichwie, um mit einem hl. Bonaventura zu reden, der Mond sich zwischen der Sonne und der Erde befindet, und was er von der ersteren erhält, der letzteren mittheilt, so empfängt Maria die Gnaden von der göttlichen Sonne, um sie uns, die wir noch auf Erden sind, mitzutheilen.**) Die heilige Kirche nennt Maria eine selige Himmelspforte', wobei der Hl. Bernard bemerkt, daß gleichwie jeder Gnadenbeschluß, den der König ergehen läßt, durch die Pforte seines Palastes an die Unterthanen gelange, so auch keine Gnade vom Himmel auf die Erde komme, die nicht durch die Hand Mariens gegangen wäre.***) *) Serm. de Nat. Virg. **) S. Bon. Serm. 74. de Nat. Dom. ***) S. Bern. Serm. 3. in vig. Nat. 84 Erster Theil. Auslegung des Salve Regina. Vo In einer Schrift, die dem hl. Hieronymu zugeschrieben wird, heißt es, in Jesu finde sich di Fülle der Gnaden gleichwie in dem Haupte, vo dem aus die Kraft auf die Glieder, d. h. auf di mit ihm verbundenen Gläubigen, ausströme, un diese Gnadenfülle finde sich auch in Maria, welcher aus der Beistand zum übernatürlichen e ben von dem Haupte Jesus sich auf die Gläubi gen verbreite. Wie der hl. Bonaventura*) und der hl. Bernardin von Siena**) lehren, hat de Herr der seligen Jungfrau wegen seiner Menso werdung in ihr und durch sie auch eine gewisse Gewalt über alle Gnaden ertheilt, so daß ohne ihre Vermittelung feinem Sterblichen irgend ein höherer Beistand beschieden wird. Der Pater Crasset legt jenen Tert des Pro pyeten Jeremias, wo derselbe von der Mensch werdung Jesu und von Maria seiner Mutter spricht und verkündigt, daß ein Weib diesen Gott menschen umschließen werde: ,, Ein Weib wird einen Mann umschließen', auf folgende Weise aus: daß gleichwie eine Linie, die aus einem Zirkel hervor geht, nothwendiger Weise den Umfang des Kreise durchschneiden müsse, auf dieselbe Weise keine Gnad von Jesus an uns gelangen könne, die nicht durd Maria, die gleichsam der Umfang dieses Gott menschen geworden, da sie Ihn in ihrem Leibe aufgenommen, zu uns gelange. So kommt es auch," sagt der hl. Bernard, „ daß alle Gaben, alle Tugenden, alle Gnaden *) S. Bonav. in Spec. Cap. 3. **) S. Bern. Sen. Serm. 61. Tract. 1. art. 8. 85 5. Capitel. Zu dir seufzen wir' zc. durch die Hand Mariens vertheilt werden, an wen, wann und wie sie es will.*) Richardus behauptet ebenfalls, es sei Gottes Wille, daß alles Gute, das Er seinen Geschöpfen erweist, durch die Hände Mariens an sie gelange. Der ehrwürdige Abt von Celles ermahnt alle Menschen, ihre Zuflucht zu dieser Schatzmeisterin der Gnaden, wie er Maria nennt, zu nehmen, denn," sagt er, nur durch sie können die Menschen die Gnaden, die sie begehren, zu erlangen hoffen."**) Daraus sieht man deutlich, daß die angeführten Heiligen und Schriftsteller, wenn sie behauptet haben, daß alle Gnaden durch Maria an uns gelangen, damit nicht nur haben sagen wollen, sie sei deshalb die Quelle alles Guten, weil wir durch sie Jesum erhalten haben, wie dies der genannte Verfaffer meint, nein, sie versichern uns, daß, nachdem Gott uns Jesum Christum geschenkt hat, Er auch wolle, daß alle Gnaden, die von jener Zeit an ausgetheilt worden, die noch ausgetheilt werden, und die an die Menschen bis ans Ende der Zeit um der Verdienste Jesu Christi willen ausgetheilt werden sollen, nur durch die Vermittelung Mariens an uns gelangen. 11 So ist es denn," schließt der Pater Suarez, heutzutage eine allgemeine Meinung in der Kirche, daß die Vermittelung Mariens uns nicht nur nüglich, sondern auch nothwendig sei.***) Freilich nicht durchaus nothwendig, wie ich dies *) Dict. Serm. 1. **) De Cont. V. in Psal. ***) Tom 2 in 3 par. Disp. 23. sect. 3. 86 Erster Theil. Auslegung des Salve Regina. später ausführlicher erklären werde, aber gewisser, maßen nothwendig, und zwar deshalb, weil die Kirche mit dem hl. Bernard glaubt, es sei der Wille Gottes, daß alle Gnaden nur durch die Hände Mariens an uns gelangen.*) Vor dem Hl. Bernard hat dies schon der hl. Ildefons behauptet, da er der allerseligsten Jungfrau zurief: " O Maria, Gott will, daß alles Gute, was Er den Menschen zu ertheilen beschlossen, dir anvertraut werde, weshalb Er dir alle Gnadenschäße und Reichthümer übertragen hat!"**)„ Gott wollte," sagt der heilige Peter Damian, nicht ohne die Einwilligung Mariens Mensch werden, damit einerseits unsre Dankbarkeit zu ihr desto größer sei, und wir andererseits hieraus erkennen. möchten, daß das Heil aller Menschen sich in den Händen dieser Jungfrau befinde." Man kann, um mit dem Hl. Bonaventura zu reden, Jesum nur bei oder durch Maria finden und sucht Ihn anderswo wohl vergeblich. Beispiel. Andachtsübungen junger Heiligen. Der sel. Hermann aus dem Prämonstratenser Or den, dem man wegen seiner bewunderungswürdigen Hingabe an Maria, den Beinamen Joseph gab, ent fernte sich schon als Kind von den Spielen seiner Altersgenossen, um sich stundenlang mit der heiligen Jungfrau und ihrem göttlichen Sohne vor einem Bilde zu unterhalten, auf welchem sie mit dem Jesuskinde auf dem Arme dargestellt war. Er nannte Ma*) Serm. 3. in vig. Nat. **) S. Ildeph. Cor. Virg. cap. 15. 5. Capitel. Zu dir seufzen wir' 2c. 87 ria nicht anders als seine gute Mutter, und er brachte ihr öfter die Süßigkeiten, welche man ihm schenkte, damit sie dieselben ihrem göttlichen Kinde gebe. Durch die findliche Einfalt, mit der er die allerseligste Jungfrau verehrte, gelangte er nicht selten zu dem Glücke, wirklich mit Maria reden zu dürfen: durch ihren Beistand erwarb er sich auch die erhabensten Tugenden, die wir in seinem Leben bewundern. Der hl. Stanislaus Kostka hatte sich schon in zartester Jugend Maria zur Mutter erwählt und zeichnete sich bis zu seinem Tode durch eine innige und kindliche Liebe zu Maria aus. Er war unermüdlich und unerschöpflich, von ihr und von ihren Vorzügen zu sprechen. Tag und Nacht trug er den Rosenkranz bei sich; in der Nacht hing er ihn um den Hals. Wo er irgend eine passende Gelegenheit fand, suchte er andre für ihre Verehrung zu gewinnen. Im Jahre 1568 gegen Anfang August wurde eine große Sehnsucht nach dem Tode in ihm wach, und bei dem Gedanken, wie glänzend Mariä Himmelfahrt, dieser schönste Tag seiner lieben Herrin und Mutter, wohl im Himmel gefeiert würde, erfüllt von dem sehnsüchtigen Verlangen, dieser Feier beiwohnen zu können, bat er sie inständigst um diese Gnade. Er schrieb einen Brief an Maria, worin er diese seine Sehnsucht ihr mittheilte. Da für den Monat August der Hl. Laurentius sein Patron war, schrieb er ihn so, als würde er ihr wirklich durch den hl. Laurentius überreicht. Am Festtage dieses Heiligen( am 10. August) empfing er die heilige Communion, trug den Brief bei sich und bat den Heiligen in kindlicher Einfalt, dessen Inhalt der Königin der Engel ebenso innig vorzutragen, wie er es selbst thun würde, wofern er sich zu ihren Füßen niederwerfen könnte, und ihn durch seine eigne Fürbitte zu unterstützen. Und siehe, am Abende desselben Tages befiel ihn ein Unwohlsein, und er starb wirklich am 15. August morgens zwischen 88 Erster Theil. Auslegung des Salve Regina. drei und vier Uhr und konnte sonach im Himm die glorreiche Aufnahme Mariä mitfeiern. Obgleid noch nicht ganz neunzehn Jahre alt, hatte er dennod eine große Heiligkeit erlangt. Die hl. Theresia war, als ihre Mutter starb noch nicht zwölf Jahre alt.„ Ich verstand einiger maßen," so erzählt sie selbst, ,, was ich verlor, ging tief betrübt zu einem Bilde der allerfeligsten Jungfrau und bat sie mit tausend Thränen, von nun an meine Mutter zu sein. Ich that dies mit kindlicher Einfalt, aber es hat mir geholfen; denn zu jeder Zeit, wo ich sie anrief, hat sie sich offenbar meiner ange nommen und endlich an sich gezogen und mich bekehrt, d. h. Maria hat ihr den Beruf zum Kloster erwirk und durch ihre Fürbitte ihr zu der erhabensten Stufe der Heiligkeit verholfen. ( Monat Mariä des P. Franz Lalomia S. J.) Gebet. ( Nach dem Hr. Peter Damian.) O Mutter meines Gottes, während ich die findlich grüße, bitte ich dich zugleich, daß du deine liebreichen und barmherzigen Blicke von mir nicht abwendest! Ich weiß, o erhabenste Gebieterin, daß du voll Güte bist und uns Menschen mit solcher Liebe umfängst, die jede erschaffene Liebe weit über steigt. O wie oft hast du die Gerechtigkeit des göttlichen Richters besänftigt, da Er seinen stra fenden Arm schon über uns ausgestreckt hatte! Alle Schätze der Barmherzigkeit Gottes sind in deinen Händen. Mögest du doch nie ablaffen, bei Gott für uns zu sprechen, die du selbst Gelegen heit suchest, alle selig zu machen und an deinen Erbarmungen theilnehmen zu lassen. Deine Herr lichkeit wird einigermaßen noch vermehrt, wenn 5. Capitel. Zu dir seufzen wir' zc. 89 Sünder durch deine Vermittelung bei Gott Gnade und Verzeihung erlangen und gerechtfertigt in die ewige Seligkeit eingehen. Wende denn deine barmherzigen Augen auf mich, damit auch mir dieses Heil werde, damit ich ewig deine Herrlichkeit schaue. Dies sei mein größtes Gut, meine einzige Ehre, durch dich zur Anschauung Gottes zugelassen zu werden, nächst Gott dich ewig zu lieben und hier unter deinem Schuße zu wohnen. Dein Sohn will dich dadurch ehren, daß Er keine deiner Bitten unerhört läßt; flehe also um diese einzige Gnade für mich! Amen §. 2. Wie nothwendig uns die Vermittelung Mariens ift, um felig zu werden. ( Fortsetung.) " 1 Hören wir noch weiter, was die Heiligen von der Nothwendigkeit der Vermittelung Mariens lehren. Die Worte des hl. Bernard lauten: Es war zweckmäßig, daß, da ein Mann und ein Weib schuld an unsrem Untergange gewesen, auch ein anderer Mann und ein anderes Weib zu unsrer Erlösung mitwirkten, wie dies denn auch durch Jesum und seine heilige Mutter Maria geschehen ist. Uebrigens ist es keinem Zweifel unterworfen, daß Jesus mehr als hinlänglich genügt hätte, um uns zu erlösen. Gott konnte die Welt aus dem Nichts erschaffen, aber nachdem die Menschen durch eigene Schuld verloren gegangen, so hat Er sie nicht ohne Mitwirken Mariens wieder erlösen wollen." Nach der Behauptung des P. Suarez hat 90 Erster Theil. Auslegung des Salve Regina. Maria auf dreierlei Weise an unsrem Heile mit gewirkt: da sie vorerst durch ihre Verdienste( ex congruo) gewiſsermaßen die Menschwerdung des göttlichen Wortes verdient, dann durch die vielen Gebete, welche sie während ihres irdischen Lebens für uns verrichtet, und endlich indem sie freiwil lig das Leben ihres Sohnes Gott zu unsrem Heile dargebracht hat. Sie wird, um mit dem hl. Bernard zu reden, die Mitwirkerin an unsrer Rechtfertigung genannt, weil Gott ihr alle Gnaden übergeben, um sie an uns auszutheilen, und sie daher alle Menschen, die je gelebt, die noch leben und später noch leben werden, als eine Mittlerin des Heiles zu betrachten haben. Gleichwie wir nur durch Jesum Zutritt zum ewigen Vater erlangen, so haben wir gewissermaßen nur durch Maria Zutritt zu Jesus, und zwar aus dem Grunde, weil es in des Herrn Wille lag, daß alle durch Mariens Vermittelung selig werden sollen, so daß wir dem Heilande, der durch Maria zu uns gekommen ist, durch Maria wieder über geben werden. Mit Recht nennen wir sie daher Mutter der Gnade, Mutter unsres Heiles, und stimmen ein in die Worte eines hl. Germanus: ,, Was würde wohl aus uns werden, wie könnten wir die ewige Glückseligkeit erlangen, wenn du, o Maria, uns verließest, die du das Leben der Christen bist!" ,, Niemand," spricht Jesus, ,, kann zu Mir kommen, wenn ihn mein Vater nicht zieht." Diese Worte sind auch in gewisser Beziehung auf Maria anzuwenden: Niemand kann zu ihrem Sohne kommen, wenn sie ihn nicht durch ihre Fürbitte 91 " 1 5. Capitel. Zu dir seufzen wir' zc. zieht. Jesus war eine Frucht Mariens, wie dies die hl. Elisabeth ausgesprochen: Gebenedeit ist die Frucht deines Leibes!" Wer die Frucht will, muß sie auf dem Baume suchen; wer zu Jesus kommen will, muß sich an Maria wenden; und wer einmal Maria gefunden, der findet sicher auch Jesum. Als Elisabeth sah, daß die allerseligſte Jungfrau selbst sie in ihrem Hause heimsuchte, wußte sie nicht, wie sie ihr danken sollte und rief voll Demuth aus: Woher geschieht mir dies, daß die Mutter meines Herrn zu mir kommt?" Elisabeth wußte, daß Maria wirklich die Mutter unsres Heilandes sei. Warum nannte sie sich aber nur unwürdig, die Mutter zu empfangen, und warum sagte sie nicht vielmehr, sie verdiene es nicht, daß der Sohn Gottes sie heimsuche?- Deshalb, weil sie wußte, daß, wenn Maria kommt, sie Jesum bei sich hat, und es genügt, der Mutter zu danken, wenn man den Sohn auch nicht nennt. * Gleichwie, wenn man einem Gebäude das Fundament, auf dem es ruht, hinwegnimmt, dasselbe zusammenstürzt, so muß auch eine Seele, wenn man ihr die Hilfe Mariens raubt, nothwendig in Sünden fallen und zu Grunde gehen. In diesem Sinne spricht der Hl. Bonaventura, wenn er sagt, daß uns Gott nicht ohne den Beistand Mariens retten werde; denn wie ein Kind, das keine Amme habe, die es nähre, nicht leben könne, so vermöge auch der, dem der Schuß und die Hilfe Mariens fehle, nicht zur Seligkeit zu gelangen. Siehe darum zu, o christliche Seele, daß du einen großen Durst nach der Andacht zu Maria erlangest, und 92 Erster Theil. Auslegung des Salve Regina. wenn du sie erlangt hast, so sei ernstlich besorgt, fie treu zu bewahren. Verlasse diese Andacht nie, bis du im Himmel ihren mütterlichen Segen empfangen haſt. Schließen wir diesen Abschnitt mit den Worten des hl. Bernard: ,, Suchen wir die Gnade, und suchen wir sie durch Maria! Bemühen wir uns aus ganzem Herzen die göttliche Mutter zu verehren: denn es ist des Herrn Wille, daß alles Gute durch ihre Hand an uns gelangt. So oft wir einer Gnade bedürfen und darum bitten, unterlassen wir es ja nicht, uns an Maria zu wenden, voll Vertrauen, daß sie uns dieselbe erwirken werde: denn wenn wir auch nicht verdienen, von Gott erhört zu werden, so verdient es doch gewiß seine heilige Mutter. Wollen wir auch, daß Gott un fre guten Werke und verschiedenen Andachten gnädig aufnehme, so vergessen wir nicht, Ihm dieselben durch Maria anempfehlen zu lassen." Beispiel. Der hl. Peter Damian lebte zu einer Zeit, von welcher man in Wahrheit sagen konnte, es habe alles Fleisch seinen Weg verderbt; denn die Unordnungen drungen bis ins Heiligthum und vergifteten viele un ter jenen, die andren zur sittlichen Erbauung dienen sollten. Um diesen traurigen Erscheinungen kräftig entgegen zu wirken, bemühte sich der heilige Peter Damian, nicht ohne höhere Erleuchtung, bei der damaligen Geistlichkeit die Gesinnungen des Vertrauens auf die Fürbitte Mariens zu erneuern und führte mit Genehmigung des Papstes in mehreren Klöstern und Kirchen die fromme Gewohnheit ein, ihre besondern Tagzeiten täglich zu beten. Eine merkwürdige 5. Capitel. Zu dir seufzen wir' zc. 93 Begebenheit, die vom hl. Damian als einem Augenzeugen( Baron. an. 1056.) erzählt wird, trug sich bei dieser Gelegenheit zu. Die Eremiten des Klosters Gonurgei pflegten schon drei Jahre lang die erwähnten Tagzeiten zu beten, als einer aus ihnen, mit Namen Gozon, der seine ungeistliche Denkungsart unter dem geistlichen Kleide verhüllte, diese Andacht zu tadeln anfing, weil es seinem Vorgeben nach genug wäre, das vom hl. Benedict vorgeschriebene Brevier zu singen, ohne etwas hinzuzufügen, welches nur ehrsüchtige Leute, die sich auf Kosten anderer den Ruhm der Heiligkeit erwerben wollten, erfunden hätten. Dieses machte auf die übrigen Mönche so starken Eindruck, daß sie einhellig beschlossen, gedachte Andacht zu unterlassen. Aber wie bewunderungswürdig sind nicht die Urtheile Gottes! Kaum faßten sie diesen Entschluß, stießen ihnen sogleich von allen Seiten nichts als Drangsale und Mühseligkeiten auf. Die Soldaten und Räuber entrissen ihnen einen Theil ihrer Güter, des Uebrigen bemächtigten sich ihre mißvergnügten Nachbarn unter verschiedenen Vorwänden. Einige von ihren Meierhöfen wurden vom Feuer ergriffen und zu Asche verbrannt, ihre Hausleute mußten ungemeine Gewaltthätigkeiten aushalten, ja mehrere davon wurden meuchelmörderisch getödtet. Endlich verfielen sie auch unter einander in Uneinigkeit. So vieles Elend öffnete ihnen die Augen; sie nahmen endlich ihre Zuflucht zum hl. Damian und holten sich bei ihm Rath. Dieser gab ihnen als Ursache des Ulebels die unterlassene Andacht zu Maria an. Sie demüthigten sich nun, flehten ihre Barmherzigkeit an und versprachen, die fromme Gewohnheit, die sie aus Leichtsinn vernachlässigt hatten, wieder zu ergreifen und ihre besondern Tagzeiten täglich zu beten. Da sie dieses mit wahrer Rene über den begangenen Fehler anfingen, änderte sich alles. Die Räuber verschwanden, ihre Feinde suchten ihre Freundschaft, 94. Erster Theil. Auslegung des Salve Regina. Segen und Ueberfluß verbreiteten sich über ihre Gü ter, Friede und Einigkeit kamen zurück; sie erfuhren mit einem Wort in kurzer Zeit, wie gut es sei, un ter dem Schutze der Himmelskönigin zu leben, und wie viel Unheil jenen bevorstehe, die sich davon entfernen. Gebet. OKönigin und Mutter der Barmherzigkeit, die du die Gnaden allen denen, die zu dir ihre Zuflucht nehmen, mit so großer Freigebigkeit und Liebe austheilst und zwar deshalb, weil du eine Königin der Barmherzigkeit, unsre liebevolle Mutter bist: Siehe, heute empfehle ich mich dir an, der ich so arm an Verdiensten und so schwer mit Schulden, die ich der göttlichen Gerechtigkeit abzutragen habe, beladen bin. O Maria, du besigest die Schlüssel der göttlichen Barmherzigkeit; vergiß nicht mein Elend, laß nicht zu, daß ich so arm und elend bleibe. Du bist ja gewohnt, mehr zu geben, als man von dir verlangt; handle auch auf gleiche Weise mit mir. O meine Königin, stehe mir bei; das ist alles, was ich begehre. Wenn du mich unter deinen Schuß nimmst, so bin ich ficher geborgen, dann fürchte ich den Teufel nicht, weil du mehr Macht hast als die ganze Hölle; dann fürchte ich auch meine Sünden nicht, weil du mir, wenn du nur ein Wort zu Gott sprichst, die Verzeihung derselben erlangen fannst; bist du mir gewogen, so habe ich selbst die Gerechtigkeit Got tes nicht zu fürchten, weil ein Gebet von dir Ihn sogleich besänftigt. Mit einem Worte, ich hoffe alles, wenn du mir beistehst, weil du alles vermagst. O Mutter der Barmherzigkeit! Ich weiß, 6. Capitel., Eja unsre Fürsprecherin'. 95 daß du deine Freude daran findest, daß du deine Ehre darin sekest, wenn du dem Elendesten helfen fannst, und du willst demselben immer helfen, so= fern er nur nicht hartnäckig sich dir widersetzt. Siehe, ich bin ein Sünder; aber ich will mich bekehren, ich will mein Leben ändern. Du kannst mir helfen, o Maria, nun so hilf mir und erwirke, daß ich selig werde. Ich übergebe mich dir jezt ganz; sage mir nur, was ich zu thun habe, um meinem Gott zu gefallen, und ich will es thun. Ja, ich hoffe, daß ich es mit deiner Hilfe thun werde, o Maria, die du meine Mutter, mein Licht, mein Trost, meine Zuflucht, meine Hoffnung bist? Amen. Amen. Amen. s Sechstes Capitel. ‚ Eja unsre Fürſprecherin“. §. 1. Maria ist eine mächtige Fürsprechierin, um allen die ewige Seligkeit zu erwirken. Das Ansehen der Mütter über ihre Söhne ist so groß, daß, wenn selbst diese regierende Fürsten werden und die Gewalt über alle Unterthanen ihres Reiches ausüben, dennoch die Mütter nie wahrhafte Unterthanen ihrer Söhne werden können. Es ist wahr, daß Jesus jetzt im Himmel über alle erschaffenen Wesen und folglich auch über Maria( und das auch als Mensch nach der Erklärung des hl. Thomas, wegen der persönlichen[ hypostatischen] Vereinigung seiner heili 96 Erster Theil. Auslegung des Salve Regina. gen Menschheit mit dem göttlichen Worte), die höchste Gewalt ausübt und zwar nicht nur als Gott, sondern auch als Mensch; aber dennoch bleibt es auch wahr, daß unser Heiland, als Er auf Erden erschien, sich so tief verdemüthigen wollte, daß Er sich seiner göttlichen Mutter unterwarf, wie das der hl. Lucas uns lehrt:„ Er war ihnen unterthan."( Luc. 2.) Der hl. Ambrosius bemerkt, daß, nachdem Jesus Christus Maria einmal gewürdigt hatte, seine Mutter zu sein, Er sogar verpflichtet war, ihr als Sohn zu gehorchen, weshalb Richardus sagt, daß man von den übrigen Heiligen zu sagen pflegt, sie seien mit Gottes Willen vereinigt gewesen, daß man aber von Maria sagen könne, daß sie nicht nur dem Willen Gottes untergeben, sondern daß sogar der Wille Gottes ihrem Willen sich unterworfen habe,*) und daß gleichwie von den andern Heiligen gejagt wird, daß sie dem göttlichen Lamme folgen, wo hin Es sie leitet"( Offenb. 14.), man von der allerjeligsten Jungfrau Maria sagen könne, daß das göttliche Lamm, weil Es ihr Unterthan geworden, ihr hier auf Erden überall nachgefolgt. Hieraus schließe ich nun, daß, obgleich Maria im Himmel nicht mehr ihrem göttlichen Sohne befehlen kann, dennoch ihre Bitten immerhin die Bitten einer Mutter sind und mächtig genug blei ben, um alles zu erlangen, was sie begehrt. ,, Maria," sagt der hl. Bonaventura,„ wird von ihrem Sohne vor allen andern dadurch ausgezeichnet, daß sie allmächtig ist, um zu erlangen, was *) Ricc. de S. Laur. 1. 1. de Laud. Virg. c. 5. 6. Capitel., Eja unsre Fürsprecherin'. 97 ste begehrt,*) und dies aus der angeführten Urjache, weil nämlich das Gebet Mariens die Bitte einer Mutter ist. Deshalb lehrt auch der HI. Peter Damian, daß Maria im Himmel und auf Erden alles vermöge, und sie selbst jene, die der Verzweiflung nahe sind, zur Hoffnung aufzurichten im stande sei;**), denn," fügt er hinzu, wenn diese Mutter, welche die Heiligen einen Altar der Barmherzigkeit nennen, auf dem die Sünder mit Gott ausgeföhnt werden, für uns bei Jesus um eine Gnade bittet, so sezzt der Sohn einen so hohen Werth auf ihr Gebet, so hat Er einen so innigen Wunsch, ihr Freude zu machen, daß es scheint, sie befehle vielmehr, als daß sie bitte, und daß man eher eine Herrscherin, als eine Magd in ihr zu erkennen glaubt."***) Gleichwie Jesus auf Erden seine Mutter dadurch ehrte, daß Er ihr alles jogleich gewährte, um was sie ihn bat, so will Er sie auch noch jetzt im Himmel auf dieselbe Weise ehren, was der hl. Germanus t) bestätigt, da er der allerseligsten Jungfrau zuruft: Du bist allmächtig, o Mutter meines Gottes, die Sünder zu retten, du bedarfst keiner andern Empfehlung bei Gott, denn du bist ja die Mutter des wahrhaftigen Lebens." 11 Indessen nennen wir, wie bereits bemerkt worden, die Mutter des Herrn nur in dem Sinne allmächtig, in welchem man dies von einem Geschöpfe sagen kann, das die göttliche Eigenschaft *) S. Bonav. Spec. c. 8. **) S. Petr. Dam. Serm. 1. de Nat. B. Virg. ***) Ibidem. †) Serm. 3. in Dorm. B. V. Herrlicht. Mar. 7 98 Erster Theil. Auslegung des Salve Regina. der Allmacht nicht besigt. Diese Allmacht oder dies Allvermögen gründet sich blos darauf, daß ihr alles, wofür fie Fürbitte einlegt, gewährt wird. In solcher Beziehung ist die Ausdrucksweise der Heiligen zu verstehen, wenn sie von der Allmacht Mariens reden. So ruft ihr der hl. Bernard zu: ,, Wenn du nur willst, so geschieht alles;" der hl. Anselm: ,, Was du, o Jungfrau, begehrst, das kann nicht ungeschehen bleiben; wenn du nur willst, so geschieht gewiß alles;*) wenn du selbst den gottlosesten Sünder auf eine hohe Stufe der Hei ligkeit erheben willst, so wird es sicher geschehen;" und endlich der Hl. Peter Damian: ,, Maria, o geliebte Fürsprecherin! Weil du ein so liebevolles Herz hast, so kannst du unser Elend nicht ansehen, ohne von Mitleid bewegt zu werden; weil du nun aber auch zu gleicher Zeit so mächtig bei Gott bist, um alle, die du vertheidigst, vom Untergange zu retten, so bitte ich dich, da ich alle Hoffnung auf dich seze, du wollest dich meiner annehmen. Sollte meine Bitte dich nicht zum Mitleid bewegen, so möge dir dein wohlwollendes Herz Mitleid einflößen, so möge wenigstens deine große Macht dich bewegen, mir beizustehen, da Gott dich deshalb so mächtig gemacht hat, damit, je mächtiger du bist, uns zu helfen, du auch um so barmherziger sein mögest, uns deine Hilfe zukommen zu lassen."**) Der hl. Bernard gibt uns gleichfalls die Versicherung, daß Maria wirklich unendlich reich sei an Macht und *) S. Anselm. de exc. Virg. c. 12. **) Serm. 1. de Nat. B. Virg. 6. Capitel., Eja unsre Fürsprecherin. 99 Barmherzigkeit; durch ihre Liebe zu Gott," sagt er, ist sie so mächtig geworden, aber voll Barmherzigkeit trägt sie zu gleicher Zeit Mitleid mit mir, wie sie dies fortwährend durch die That bewährt."*) Alle Gedanken Mariens waren, so lange sie auf Erden lebte, nur auf die Ehre Gottes und auf den Beistand der Elenden gerichtet; schon damals hatte sie die große Gnade erlangt, daß ihr alles, um was sie bat, gewährt wurde; das beweist uns die Begebenheit bei der Hochzeit von Cana, wo der Wein fehlte, und wo die allerseligste Jungfrau Mitleid mit der Betrübniß und der Beschämung der Hochzeitleute hatte. Sie bat ihren Sohn, Er möge dieselben durch ein Wunder trösten, indem sie Ihm den Mangel des Weines zu erkennen gab: Sie haben keinen Wein!" worauf aber Jesus antwortete: ,, Weib, was habe Ich mit dir zu schaffen, meine Stunde ist noch nicht gekommen." Bedenken wir hier; obgleich es scheint, der Herr habe die Bitte der Mutter abgeschlagen, da Er sagte, was geht uns das an, ob der Wein fehlt oder nicht, denn es geziemt sich noch nicht, ein Wunder zu wirken, weil die Zeit, d. h. die Zeit der Verkündigung meiner Lehre, die Ich durch Wunder bestätigen muß, noch nicht gekommen ist, so sprach dennoch Maria zu den Dienern, als ob ihr Sohn ihren Wunsch erfüllt hätte: Was Er euch sagt, das thut, und euer Wunsch wird gewiß erfüllt werden;" worauf dann auch Christus, um seiner Mutter zu gefallen, alsbald das Wasser 11 *) S. Bern. 4. de Assumpt. 100 Erster Theil. Auslegung des Salve Regina. in Wein verwandelte. Aber,' kann hier gefrag werden,, wie ist es möglich, daß, wenn die für die Wunder bestimmte Zeit, welche mit der Ver kündigung des Evangeliums beginnen sollte, nod nicht gekommen, dieses Wunder dennoch wider der göttlichen Rathschluß vorher stattfand?" Darau erwidert man, daß nichts wider den Rathschluß Gottes geschehen kann, und daß, obgleich die eigent liche Zeit der Wunder noch nicht begonnen, Gott dennoch von Ewigkeit her beschlossen hatte, daß Er der göttlichen Mutter nichts, um was sie Ihr bitten würde, abschlagen wolle. Da nun Maria dies ihr von Gott gewährte Vorrecht kannte, so sagte sie den Dienern, trotz der scheinbar abschlä gigen Antwort ihres Sohnes, sie sollten nur thun, was Er ihnen sagen würde, als ob ihre Bitte schon erfüllt wäre. So versteht der Hl. Chryso stomus diese Stelle des Evangeliums, wenn er sagt, daß, obgleich Jesus solch eine Antwort ers theilte, Er dennoch, um seine Mutter zu ehren, nicht ermangelte, ihrer Bitte zu willfahren. Dies bestätigt auch der hl. Thomas, da er sagt, daß Jesus Christus durch jene Worte: Meine Stunde ist noch nicht gekommen," zu verstehen geben wollte, daß Er dies Wunder aufgeschoben hätte, wenn ein anderer Ihn darum gebeten, aber daß Er es so gleich verrichtet, weil seine Mutter es wünschte.*) Der hl. Cyrillus und der Hl. Hieronymus lehren das selbe, und Jansenius von Gent behauptet, daß der Herr, um seine Mutter zu ehren, der für die Wunder sonst bestimmt gewesenen Zeit zuvorgekommen sei. *) Thom. apud defens. cultus Mariani, auctore R D. Henr. de Cerf. pag. 129. 6. Capitel., Eja unsre Fürsprecherin'. 101 Uebrigens ist es gewiß, daß kein Geschöpf auf Erden uns Elenden so viele Gnaden erlangen fann, als unsre heilige Fürsprecherin Maria, die Gott mit diesem Vorrechte nicht nur als seine geliebte Magd, sondern als seine wahrhaftige Mutter geehrt hat. Wenn einst Coriolan ungeachtet der flehendsten Bitten seiner Freunde und Mitbürger fortfuhr, Rom zu belagern und von seinem Entschlusse erst abging, als seine Mutter Fürbitte eingelegt; wie viel einflußreicher werden nicht erst die Bitten Mariens bei ihrem göttlichen Sohne sein! O gewiß vermag ein leiser Wunsch oder Seufzer ihres mütterlichen Herzens mehr bei Ihm zu erwirken, als die vereinten Bitten aller Himmelsbewohner; denn da ihre Gebete die Gebete einer Mutter sind, so sind sie für Jesum Christum gleichsam Befehle, die Er als dankbarer Sohn nicht unerfüllt läßt. ,, Oder," fragen wir mit dem hl. Augustin, geziemt es sich nicht für den Herrn, auf solche Weise jeine Mutter zu ehren, für Jhn, der nach seinem eigenen Ausdrucke nicht auf die Welt gekommen, um das Gesetz aufzulösen, sondern zu erfüllen, und unter diesem gewiß auch das Gebot: Du sollst Vater und Mutter ehren!" Schon um der Verpflichtung willen, die Er seiner Mutter wegen ihrer Einwilligung zu seiner Menschwerdung schuldet, läßt sich schließen, Er werde all ihren Wünschen und Bitten zuvorkommen. Weil Maria die Gnade verdient hat, das göttliche Wort mit ihrem Fleische zu bekleiden und dadurch den Preis der Erlösung zu bereiten, wodurch wir alle vom ewigen Tode befreit worden sind, ist sie auch mächtiger, sagt der hl. Augustin, 102 Erster Theil. Auslegung des Salve Regina. 11 als alle andren, um uns unsre Seligkeit zu er wirken. Der hl. Theophilus, Bischof von Aleran drien, der zur Zeit des hl. Hieronymus lebte hat uns folgende Worte hinterlassen: Der So freut sich, wenn seine Mutter Ihn um etwas b tet, denn Er wünscht, daß Er uns alles, was t uns gewährt, um seiner Mutter willen gewährer fönne, um auf solche Weise die Wohlthaten F belohnen, die Er von ihr empfangen, da Er i seinen Leib zu verdanken hat." Johannes De mascenus richtet folgende Worte an Maria: du, o Maria, die Mutter deines Gottes bist, kannst du alle durch dein Gebet retten, weil dein Gebete von deiner göttlichen Mutterschaft ihr Kraft erlangen."*) Schließen wir endlich mit den Worten des h Bonaventura: ,, Ach, gewiß ist die Güte unsre Gottes unendlich und bewunderungswürdig, we Er uns Elenden dich, o göttliche Mutter, zu eine Fürsprecherin schenken wollte, damit du durch dein mächtige Vermittelung alle Güter, die du für un begehrst, erlangen möchtest. Wahrlich, groß ist du Barmherzigkeit des Herrn, der, damit wir nic aus Furcht vor dem göttlichen Urtheilsspruche un ganz von Ihm entfernten, uns seine eigene Mut ter zur Fürsprecherin und zu einer Vermittlerin der Gnade gegeben hat."**) Beispiel aus der Kirchengeschichte. Im Jahre 1683 drangen die Türken, welche ga Deutschland unterjochen wollten, über Ungarn *) Ex. Men. 1. Jan. Ode 4. **) S. Bonav. in Salve Reg. 103 6. Capitel., Eja unsre Fürsprecherin'. Wien vor und belagerten diese Stadt mit 200,000 Mann. Als der Papst Innocenz XI. von dieser Bedrängniß Nachricht erhielt, schrieb er ein allgemeines Jubiläum aus, ertheilte allen vollkommene Ablässe, die den Kaiser Leopold I. durch ihr Gebet, Geld, Waffen und Mannschaft unterstützen würden. Er ermahnte die Christen zur Buße und Besserung, besonders aber dazu, ihre größte Hoffnung auf Maria, die alles bei ihrem Sohne vermöge, zu setzen und durch eifriges Gebet ihre Vermittelung anzuflehen: denn es stand zu befürchten, daß, wenn Wien in die Gewalt der Türken fiele, diese gleich einem wilden, aus seinen Ufern getretenen Strome alles weit und breit überschwemmen und mit Feuer und Schwert verwüsten würden. Sechzig Tage dauerte die Belagerung, und es schien unmöglich, sich länger zu halten. Aber we die Noth am größten, ist Gottes Hilfe am nächsten. Sobiesky, König von Polen, kam in Eilmärschen dem Kaiser zu Hilfe und vereinigte seine Truppen mit denen Karl's, Herzogs von Lothringen, welcher Generalissimus der Armee war. Die Türken waren zwar noch dem vereinigten christlichen Heere weit überlegen; allein die christlichen Anführer mit ihren Kriegern vertrauten auf den Schutz des Himmels und der heiligen Jungfrau Maria. Laut rief der Polenkönig den Soldaten zu: Wohlan, laßt uns mit vollem Vertrauen auf den Schutz Gottes und auf den Beistand der heiligen Jungfrau dem Feinde entgegen gehen!" Die Tapfern stürzten mit dem Feldgeschrei: Jesus und Maria! muthig auf den Feind los.- Schrecken und Bestürzung überfiel die Türken, sie leisteten nur schwachen Widerstand, warfen bald die Waffen weg und ergriffen in wilder Verwirrung die Flucht. Die Christen erbeuteten das ganze feindliche Lager, alle Kanonen, die ganze Munition, unzählige Lebensmittel und viele Schätze. " 1 Dieser glänzende Sieg ward nun so allgemein 104 Erster Theil. Auslegung des Salve Regina. und einstimmig der Fürbitte Mariens zugeschrieben, daß Papst Innocenz XI. befahl, zum ewigen Andenken an den mächtigen Schutz der Himmelskönigin das Fest ihres Namens am Sonntage nach dem Feste ihrer Geburt alljährlich in der ganzen Christenheit zu feiern. Gebet. ( Nach dem Hl. Franz von Aſsifi.) Ich grüße dich, Maria, Mutter Gottes, allzeit Jungfrau, allerheiligste Königin und Gebieterin, in welcher die ganze Fülle der Gnade und der Seelengüter wohnt! Keine unter allen deines Geschlechtes vermag dir gleichzukommen. Du bist die Tochter und Magd des himmlischen Vaters, des großen Königs; dich hat Er erwählt zur Mutter seines vielgeliebten Sohnes; du bist die Braut des heiligen Geistes, des Trösters. Sei gegrüßt du Paradies, Tempel und Mutter unsres Herrn Jesu Christi! Ich verehre alle Tugenden, mit denen du ausgerüstet bist. Du, die du so milde und so erhaben bist, bitte Jesum, deinen geliebtesten Sohn für uns, und beschwöre Ihn durch seine unendlich große Barmherzigkeit und durch die Kraft seiner heiligsten Menschwerdung und seines bittern Todes, daß Er uns unjre Sünden verzeihe. Amen. S. 2. Maria ist eine mitleidsvolle Fürsprecherin für alle Sünder. Groß und vielfältig sind die Beweggründe, die uns zu einer innigen Liebe und Verehrung der heiligsten Gottesmutter auffordern. Wenn man auch in der ganzen Welt ihr Lob verfündete, in allen Predigten nur von ihr spräche, wenn sogar 6 Capitel., Eja unsre Fürsprecherin'. 105 alle Menschen ihr Leben für sie hingäben, so wäre dies immerhin ein nur schwacher Ersatz für die Liebe und Sorgfalt, die sie unsrem ganzen Geschlechte, auch den größten Sündern, erweist, sofern fie Verehrung für sie bewähren. Eine wahrhaft liebende Mutter sorgt sie für unser aller Heil und jetzt ihren Ruhm darein, Fürsprecherin der Sünder genannt zu werden. Fortwährend steht fie vor Gott, um durch ihr vielvermögendes Gebet uns Gnaden zu erflehen; sie bringt dem Herrn selbst jene Bitten dar, die an sie gerichtet werden: und wie der Heiland sich für uns beim himmlischen Vater verwendet, so verwendet sie sich für uns bei dem Heiland. Ihr Mitleid und ihre Barmherzigkeit ist so groß, daß niemand, und wäre er auch noch so sehr aller Hilfe beraubt, zu fürchten braucht, von ihr unerhört zu bleiben. Sollte jemand zwar nicht in ihre Macht, wohl aber in ihre Mildthätigkeit Mistrauen setzen und fürchten, daß sie ihn wegen der Menge seiner Sünden verschmähe, der achte auf die eben so tröstlichen als erhebenden Versicherungen der heiligen Väter. Von ihnen spricht zunächst der hl. Anselm also: ,, Ein großer Vorzug ist der seligsten Jungfrau von Gott gewährt, daß sie durch ihre Fürbitte von ihrem Sohne alles erlangt, was sie begehrt. Was würde uns ihre große Macht nüßen, wenn sie dieselbe nicht zu unsrem Besten verwendete? O lassen wir unser Vertrauen durch keine Zweifel trüben! Beruhigen wir uns, und danken wir dem Heilande und seiner göttlichen Mutter; denn gleichwie sie unter allen Heiligen am mächtigsten bei Gott ist, so ist sie auch unsre liebevolle Fürsprecherin und trägt die 106 Erster Theil. Auslegung des Salve Regina. größte Sorge für unsre Seligkeit."- Du allein, o Maria," ruft der hl. Bernard aus, ,, trägst wahrhaft Sorge für uns im Himmel. Wohl wünschen alle Heiligen unsre Seligkeit und bitten dafür; aber die Liebe und Zärtlichkeit, die du uns beweisest, indem du uns durch deine Fürbitte so viele Gnaden erlangst, nöthigt uns zu dem Bekenntnisse, daß wir im Himmel eigentlich nur eine wahre Fürsprecherin haben, und diese bist du, o süße Mutter, die sich mit allem möglichsten Eifer so sehr um unser Seelenheil annimmt." An einer andern Stelle spricht derselbe Heilige also: Jesus ist allerdings der einzige Vermittler der Gerechtigkeit zwischen Gott und den Menschen, da Er vermöge seiner Verdienste und gemäß seinem Versprechen uns die Verzeihung unsrer Sünden und die göttliche Gnade erhalten kann und will; weil aber die Menschen in Jesu Christo Gott selbst und seine Majestät erkennen und fürchten, so war es nothwendig, uns an eine andere Fürsprecherin zu weisen, zu welcher wir mit weniger Furcht und größerem Zutrauen unsre Zuflucht nehmen können. Diese Fürsprecherin ist nun Maria; außer ihr gibt es bei Gott keine mächtigere Vermittlerin, die größeres Erbarmen mit uns trägt. Du hätteſt sehr Unrecht, o Sünder, wenn du dich mit Furcht und Zagen dieser mildreichen Fürsprecherin nahtest; denn in ihr erscheint nichts Strenges, nichts Furchterregendes; sie ist vielmehr ganz Güte, ganz Liebenswürdigkeit, ganz Milde. Durchgehe die heilige Schrift, und wenn du auch nur etwas Strenges an Maria findest, so magst du fürchten, ihr zu nahen; aber du wirst nichts dergleichen - 107 6. Capitel., Eja unsre Fürsprecherin'. finden, und darum nimm mit Freuden deine Zuflucht zu ihr; sie wird dir durch ihre Vermittelung gewiß zur Seligkeit verhelfen." Der heilige Bonaventura nennt Maria die weise Abigail, jene Frau, die durch ihre Bitten den König David, da er gegen Nabal aufgebracht war, so gut zu besänftigen verstand, daß er sie selbst segnete und ihr dafür danfte, durch ihre Fürsprache verhindert worden zu sein, sich an ihrem Gatten zu rächen. Ein Gleiches thut Maria im Himmel fortwährend für unzählige Sünder; durch ihre Bitten besänftigt sie so gut die göttliche Gerechtigkeit, daß sie der Herr selbst deshalb segnet. ,, Tröstet euch denn, ihr Kleinmüthigen," rufe ich euch mit einem hl. Thomas von Villanova zu: faffet Muth und Zuversicht; denn Maria ist die Mutter eueres Gottes und Richters, sie ist die Fürsprecherin des Menschengeschlechtes, die alles, was sie will, bei Gott vermag, die Ihn zu besänftigen bemüht ist, die alle annimmt und es nie verschmäht, jemanden zu vertheidigen, er sei, wer er wolle." Beiſpiel. Im Maimonat 1867 feierten die P. P. Redemptoristen von Huete in Spanien eine neuntägige Andacht zu Ehren Unsrer Lieben Frau von der immerwährenden Hilfe, deren Bild in ihrer Kirche verehrt wird. Die ganze Stadt betheiligte sich an diesem schönen Feste. Eine Frau kam mit ihrem siebenjährigen Knaben, der seit drei Monaten infolge einer Pockenkrankheit gänzlich erblindet war. Unter Thränen betend fiel sie vor dem Bilde nieder und sagte ihrem Kinde: Liebes Kind, rufe die Jungfrau von der 108 Erster Theil. Auslegung des Salve Regina. immerwährenden Hilfe an, damit sie dich heile und dir das Gesicht wieder gebe." Da streckte der kleine Blinde seine Hände aus und rief: O Jungfrau von der immerwährenden Hilfe, ich habe meine Augen verloren, gib mir meine Augen wieder!" Kaum hatte er diese Worte gesprochen, als er ganz außer sich vor Freude mit lauter Stimme rief: ,, Mutter, Mutter, ich sehe die heiligste Jungfrau! O wie schön ist sie, ich sehe auch dich; ich sehe auch meine Hände." Die Mutter preßte ihr glückliches Kind an ihr Herz und bedeckte seine Augen mit Thränen der Freude. Der Knabe ward nun ein Gegenstand der frommen Neugierde der ganzen Stadt.( Andachtsbuch zu Ehren Unsrer Lieben Frau von der immerwährenden Hilfe.) Gebet. ( Aus den Schriften des Hl. Wilhelm.) O Mutter meines Gottes, in dem elenden Zustande, in den mich meine Sünden gebracht haben, nehme ich voll Vertrauen zu dir meine Zuflucht; solltest du mich von dir verstoßen wollen, so werde ich zu dir sagen, daß du gewissermaßen verpflichtet bist, mir zu helfen, da die ganze Kirche dich eine Mutter der Barmherzigkeit nennt und als solche preist. O Maria, weil du Gott so wohlgefällig bist, so wirst du immer von Ihm erhört; dein Mitleid hat noch niemanden ohne Hilfe gelassen; dein süßes Wohlwollen hat noch nie einen Sünder, so sehr er auch Gott beleidigt hatte, wenn er sich an dich wandte, verstoßen. Hätte die Kirche etwa unrecht, wären es nur leere Worte, wenn fie dich ihre Fürsprecherin und die Zuflucht der Elenden nennt? Ach, nein, geliebte Mutter, meine Sünden können dich nicht hindern, das große Amt, das deine Liebe zu uns dir auferlegt hat, aus 109 6. Capitel., Eja unsre Fürsprecherin'. zuüben; das Amt nämlich, das dich zu einer Fürsprecherin und zugleich zu einer Friedensvermittlerin zwischen Gott und den Menschen macht, und weshalb du, nach deinem göttlichen Sohne, die einzige Hoffnung und die sichere Zuflucht der Elenden bist. Siehe, alle Gnaden, alle Herrlichkeit, die du befizest, ja die Würde einer Mutter Gottes selbst verdankst du gleichsam allein den Sündern; denn um ihretwillen hat das ewige Wort dich zu seiner Mutter erwählt. Fern sei es, zu glauben, daß die göttliche Mutter, die die Quelle der Barmherzigkeit in die Welt gebracht, einem Elenden, der zu ihr seine Zuflucht nimmt, ihre Erbarmung versagen werde. Weil es also dein Amt ist, o Maria, zwischen Gott und den Menschen den Frieden zu vermitteln, so möge deine Barmherzigkeit, die größer ist als alle meine Sünden, dich bewegen, mir beizustehen.*) S.3. odurdi wir uns der fürbitte Mariens würdig machen. Wir dürfen, wie es sich von selbst versteht, nur dann mit Grund erwarten, daß die jungfräuliche Gottesmutter unsren Bitten bei Gott Erhörung erwirken werde, wenn wir sie den Absichten der heiligen Kirche gemäß verehren. Diese Verehrung aber ist sowohl eine innerliche als eine äußerliche. Die innerliche besteht in der Anerkennung ihrer Tugenden, und zu dieser Anerkennung führt die Betrachtung ihres Lebens und Wandels. *) Guill. Paris. de R. Div. c. 18. 110 Erster Theil. Auslegung des Salve Regina. Sieh, wie Maria ihren Eltern so willig und freudig gehorsamte, wie sie sich so still, so sanft, so sittsam bezeigte, wie sie die lautere Unschuld war, wie sie ihr reines Herz immer in Gott versenkte, wie sie im eifrigen Gebete erglühte, welch eine liebevolle Lebensgefährtin fie dem heiligen Joseph gewesen, welch sorgsame Mutter dem göttlichen Kinde, welch andächtige Hörerin und eifrige Befolgerin des göttlichen Wortes, wie zufrieden in ihrer Niedrigkeit, wie demüthig in ihrer Erhebung, wie geduldig und gottergeben in der höchsten Trübsal, wie voll heiliger Sehnsucht in der Nähe des Todes! Sage mir, muß nicht dein Herz von innigster Verehrung gegen diejenige erfüllt werden, an der du solch hellleuchtendes Bild aller Tugenden siehst? Wir verehren ferner Maria innerlich, wenn wir ihre Würde anerkennen. Weil sie wie ein Engel im Fleische war, himmlischrein ihr Herz, von himmlischer Liebe erfüllt ihre Seele, so ward sie vom Herrn Himmels und der Erde auch zur höchsten menschlichen Würde berufen, zur Würde der Mutter seines eingebornen Sohnes. Und nun ist sie auch von Gott erhöht im Himmel über alle Engel und Erzengel und ist gekrönt mit der höchsten Ehre und Herrlichkeit, der ein menschliches Wesen theilhaft werden kann. Erkennen wir diese erhabene Würde an, so muß uns auch die innigste Hochachtung gegen fie erfüllen, die da unter allen Töchtern Eva's am höchsten gestellt ist, und die der Herr selbst so sehr ehret. Wir verehren Maria innerlich, wenn wir ihr 6. Capitel., Eja unsre Fürsprecherin'. 111 Verhältniß zu uns anerkennen. Sie ist unsre himmlische Mutter. Jesus hat sie seinem lieben Jünger Johannes und in ihm all seinen Jüngern, zu denen auch wir gehören, als solche gegeben. Oder wie, sollte sie nicht unsre Mutter sein, nicht uns lieben mit Mutterliebe, uns, die ihr göttlicher Sohn seine Jünger, seine Brüder nennt? Uns, für welche Er aus Liebe sein Leben dahingegeben hat? Erkennen wir es aber, daß sie unsre Mutter ist und als Mutter uns liebt, muß dann nicht findliche Gegenliebe unsre Herzen erfüllen? Diese innere Hochschätzung und Liebe gibt sich äußerlich kund, und zwar durch andächtige und ehrerbietige Begrüßung der seligsten Jungfrau. 11 " 1 Ist unser Herz voll Bewunderung ihrer Tugenden, so werden wir gewiß oft mit Worten den Gruß, den ihr der Engel vom Himmel gebracht hat, auch herzlich entgegenbringen: Sei gegrüßet, Maria, du Gnadenvolle, der Herr ist mit dir!" Ist unser Herz voll Verwunderung ihrer Würde, so werden wir sie gewiß auch oft mit der hl. Elisabeth ehrfurchtsvoll begrüßen: Du bist gebenedeit unter den Weibern, und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes!" Ist unser Herz voll Vertrauen zu ihrer Mutterliebe, so werden wir gewiß häufig mit der heiligen Kirche zu ihr flehen: Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns arme Sünder jetzt und in der Stunde unsres Todes!" So wird denn auch das schöne Salve Regina einer unsrer Lieblingsgesänge sein, durch die lauretanische Litanei zur Erlangung einer glückseligen Sterbestunde, durch fromme Lieder zu ihren Ehren, durch das Rosenkranzgebet werden wir 11 112 Erster Theil. Auslegung des Salve Regina. unsre Liebe, unser Vertrauen, unsre Bewunde rung gegen Maria auszudrücken suchen. Die äußerliche Verehrung Mariens bewegt uns, auch ihre Bildnisse in Ehren zu halten. Wer die Mutter Gottes selbst hochschäßt, wird gewiß ihre Bildnisse, die uns an ihre Freuden, Leiden und Tugenden erinnern, in Ehren halten, gleichwie fromme Kinder das Bild ihrer Eltern hochachten. Ja, dadurch, daß wir ihre Bilder ehren, zeigen wir, daß wir Maria selbst ehren, und geben unsrem innern Drange einen äußerlichen Ausdruck. Wer die seligste Jungfrau wahrhaft liebt und ehrt, der wird sich ferner beeifern, die von der heiligen Kirche ihrem Andenken geweihten Tage recht heilig zuzubringen, an denselben dem Gottesdienste fleißig beizuwohnen und wo möglich die heiligen Sacramente der Buße und des Altars zu empfangen. Der Schlußstein wahrer Verehrung Mariens ist endlich ein heiliger Lebenswandel nach ihrem Vorbilde. Verehrest du die seligste Jungfrau wahr. haft in deinem Herzen, dann wirst du beſorgt sein, ihr Wohlwollen zu verdienen; du wirst nichts denken, reden, thun oder lassen, was ihr, die alles Böse, wie ihr göttlicher Sohn, verabscheut, mißfallen könnte. Du wirst dich ferner befleißen, je nen herrlichen Tugenden nachzustreben, die einst an ihr so glänzend hervorgeleuchtet haben, und jene guten Werke auszuüben, die ihr mütterliches Wohlgefallen verdienen. Die wahre Verehrung der göttlichen Mutter macht daher ihren Verehrer selbst fromm, gottesfürchtig, sanft, sittsam, demüthig, geduldig, wie 6. Capitel. ,, Eja unsre Fürsprecherin'. 113 sie es selbst war, und diese Verehrung nöthigt den Verehrer, so unermüdet Gott zu dienen, so andächtig zu beten, so strenge die sinnliche Natur abzutödten, so viel Liebes und Gutes den Menschen zu erweisen, wie sie es auf Erden gethan hat. Nur eine solche Verehrung macht uns würdig der Fürbitte der allerseligsten Jungfrau. ( Um Mißverständnisse zu vermeiden, sei ausdrücklich erwähnt, daß die Nachahmung der Tugenden Mariens zwar zur Vollkommenheit, aber nicht zum Wesen der Verehrung Mariens gehört.) Beispiel. Der hl. Bernardin von Siena, geboren zu MassaCarrara in Italien im Jahre 1383, war von Gott beſtimmt, die Kirche durch eine außerordentliche Demuth, große Abtödtungen und viele Wunder zu verherrlichen, sich besonders dem Dienste der von der Pest befallenen Menschen zu widmen, viele tausend Christen durch seine Predigten dem Himmel zuzuführen und selbst den Orden des hl. Franciscus von der strengen Observanz zu verbessern. Er war von einer seltenen Liebe und Hochschätzung zu der seligsten Sungfrau erfüllt und betrachtete ihre Verehrung als eines der wirksamsten Mittel, sich immer höhere Gnaden zu erwerben und glücklicher für das Heil andrer zu arbeiten. Schon in seiner frühesten Jugend gewöhnte er sich an, alle Samstage zu ihrer Ehre zu fasten und beobachtete diese von vielen heiligen und frommen Männern empfohlene Uebung, so lange er lebte. Unter dem Schutze Mariens zeichnete er sich durch eine außerordentliche Liebe zur Reinigkeit aus. Seine Wangen überflossen von einer heiligen Schamröthe, so oft er ein zweideutiges Wort anhören mußte; ſelbst seine bloße Gegenwart war im stande, die frechsten jungen Gefährten zum Schweigen zu bringen. ,, Still, still," rief man, Bernardin kommt!"* Herrlicht. Mar. 8 114 Erster Theil. Auslegung des Salve Regina. Als siebenzehnjähriger Jüngling trat er in die zu Siena gegründete und der Mutter Gottes gewidmete Bruderschaft, um im Spitale von Skala die Kranken zu bedienen. Bald nach seinem Eintritte in dieses Spital brach die Pest, welche schon einen groBen Theil Italiens verwüstet hatte, auch in Siena aus. Täglich starben im Spitale achtzehn bis zwanzig Personen. Die Pest wüthete so heftig, daß alle, welche den von ihr angesteckten Kranken körperliche oder geistliche Hilfe erwiesen, wegstarben. Bernardin ließ sich durch nichts entmuthigen; bald hatte er zwölf Männer um sich gesammelt, durch deren Hilfe die Kranken so lange auf das sorgfältigste verpflegt wurden, bis diese Geißel Gottes gänzlich verschwunden war. Der Herr, der keinen Schritt unbeachtet läßt, belohnte seinen Eifer dadurch, daß Er ihn zum klösterlichen Leben unter der Regel des hl. Franciscus berief. Seine Gelübde legte er am 8. September, am Feste der Geburt Mariens, ab. Dieses Fest war ihm eines der liebsten; denn an diesem Tage war er geboren, feierlich in den Stand der Vollkommenheit aufgenommen; an diesem Feste las er seine erste heilige Messe und verkündete auch zuerst das Wort Gottes. Alle seine wichtigen Angelegenheiten empfahl er der heiligen Jungfrau, unter deren Beistand er in der Tugend der Demuth so weit kam, daß er die ihm angebotenen Bisthümer von Siena, von Ferrara und Urbino ausschlug. Seine apostolischen Arbeiten wurden mit dem glücklichsten Erfolge gekrönt, weil er sie stets ihrem mächtigen Schutze empfohlen hatte. Nebstdem gründete er fast dreihundert Klöster. Heilig lebte er, und als Heiliger starb er den 10. Mai im Jahre 1444. Seine Heiligkeit war so allgemein anerkannt und durch so viele nach dem Tode gewirkte Wunder erprobt, daß ihn Papst Nikolaus V. schon im sechsten Jahre nach seinem Hinscheiden feierlich in die Zahl der Heiligen versetzt erklärte. 6. Capitel., Eja unsre Fürsprecherin'. Gebet. 115 O unbefleckte, heilige Jungfrau Maria, o demüthigste unter allen Geschöpfen! Du warst in deinen Augen so gering, aber so groß vor Gott, daß derselbe dich zu der hohen Würde seiner Mutter erwählte und deshalb dich zur Königin des Himmels und der Erde machte. Ich armer, hoffährtiger Mensch, der ich zugleich mit so vielen Sünden beladen bin, schäme mich vor dir zu erscheinen, die du, ungeachtet deiner Vorzüge, so demüthig bist. Gleichwohl getraue ich mir, dich mit den Worten des Engels zu grüßen: ,, Gegrüßet seist du Maria, voll der Gnade!" Weil du voll der Gnade bist, so laß auch mich theil daran haben. Siehe, Gott ist dein Sohn geworden, damit dein Gebet die Kraft erlange, jeden Sünder, wer er auch sei, selig zu machen. Bitte also für uns, o heilige Maria, jetzt, da wir noch am Leben und so vielen Versuchungen und Gefahren, Gott zu verlieren, ausgesetzt sind; aber bitte besonders für uns in der Stunde des Todes, weil wir alsdann die Welt verlassen werden, um vor Gottes Richterstuhl zu erscheinen. Erwirke, daß wir durch die Verdienste Jesu Christi und durch deine Vermittelung selig werden und im Himmel die ganze Ewigkeit dich und deinen Sohn loben und preisen mögen. Amen. 196822 116 Erster Theil. Auslegung des Salve Regina. Siebentes Capitel. Wende deine barmherzigen Augen zu uns. §. 1. Wie Maria ftets voll Mitleid auf uns fierabfieht, um uns zu helfen. Als Maria noch auf Erden lebte, war, wie der hl. Hieronymus bezeugt, ihr Herz so voll Barmherzigkeit und Liebe gegen die Menschen, daß nie ein Sterblicher so viele Schmerzen wegen seiner eigenen Leiden gelitten, als sie wegen der Leiden anderer ausgestanden hat. Einen Beweis hievon gibt uns die wunderbare Begebenheit bei der Hochzeit zu Cana, wo sie, ohne darum gebeten zu sein, nur aus Mitleid gegen die Brautleute, das Amt einer Mittlerin übernommen. Was wird sie nun im Himmel thun, da sie über ihr Verhältniß zu uns vollständige Kenntniß hat? Wird sie nicht gleichsam mit Eifersucht, wenn dieser Ausdruck gebraucht werden darf, uns fortwäh rend beobachten, um uns in jeder Gefahr, die uns von den Wegen ihres göttlichen Sohnes entfernen könnte, mit ihrer mächtigen Hilfe beizuspringen? Ja, wie eine gute Mutter auf Erden ihre Kinder beaufsichtigt und, wenn einem ein Unfall droht, herbeieilt, um dasselbe zu beschützen; so schaut Maria unablässig vom Himmel auf uns herab, um uns in jeder Noth und Heilsgefahr ihre Hilfe angedeihen zu lassen. Diese fromme Meinung sprechen die heiligen Väter und frommen Geisteslehrer aller Jahrhunderte in ihren Schriften 7. Capitel., Wende deine barmh. Augen zu uns'. 117 übereinstimmend aus. Der hl. Peter Damian ruft sie mit den Worten an:„ Wäre es möglich, o Gottesmutter, daß, nachdem du zu einer Himmelskönigin erhoben worden, du uns elende Sünder vergessen könntest? Nein, nein, ferne sei dieser Gedanke! Es würde sich ja nicht geziemen, daß eine so große Barmherzigkeit wie die, welche in deinem Herzen wohnt, unser großes Elend vergäße." Auf Maria läßt sich jenes Sprüchwort nicht anwenden:, Ehren ändern Sitten'; das kann nur von Menschen gesagt werden, welche, wenn sie zu Ehren und Würden erhoben werden, dem Stolze huldigen und ihre alten, ärmern Freunde vergessen. So verhält es sich nicht mit Maria; denn sie erfreut sich ihrer Erhöhung nur deshalb, weil sie den Unglücklichen eher beistehen kann. Die Ueberzeugung hievon bewog den hl. Bonaventura zu dem Ausspruche: Wenn die Barmherzigkeit Mariens gegen die Elenden groß war, so lange sie auf Erden lebte, so ist solche jetzt, da sie im Himmel wohnt, unvergleichlich größer, weil sie unser Elend und unsre Nöthen weit besjer kennt, als früher." Ja, gleichwie der Glanz der Sonne heller ist als jener des Mondes, so ist ihre Barmherzigkeit jetzt größer als ihre Liebe zu uns es war, solange sie noch auf Erden weilte. Sollte es wohl jemanden hienieden geben, der des Lichtes der Sonne entbehrte, auf den die Barmherzigkeit Mariens nicht herabftrahlte? Der hl. Bernard bezeugt, daß Maria allen alles geworden sei und ihr mitleidvolles Herz allen offen stehe, damit alle bei ihr finden, was sie bedürfen: der Sclave sein Lösegeld, der Kranke 118 Erster Theil. Auslegung des Salve Regina. seine Gesundheit, der Betrübte Trost und Stärfung, der Sünder Verzeihung und Gott die Vermehrung seiner Ehre, so daß es niemand gebe. der nicht theilhabe an der Wärme, die aus dieser Sonne hervorgeht. Der Wunsch dieser liebevollen Mutter, uns allen Wohlthaten zu erweisen, ist so groß, daß nicht nur diejenigen sie beleidigen, die fie offenbar beschimpfen, sondern sogar jene, die sie nicht um Beistand anrufen und überhaupt sowohl in ihre Macht, als in ihren Willen Mißtrauen setzen. Der Prophet Jjaias hat es schon verkündet, daß, wenn die Zeit der Erlösung des Menschengeschlechtes gekommen sein würde, für uns Arme ein Gnadenthron errichtet werden solle. Dieser Gnadenthron ist Maria, auf dem die Gerechten und die Sünder von der göttlichen Barmherzigkeit getröstet werden; denn gleichwie Gott voll Barmherzigkeit ist, so ist auch Maria erbarmungsvoll gegen alle; und gleichwie der Sohn, so kann auch die Mutter niemand, der sie anfleht, ihre Barmherzigkeit versagen. Wenn unsre Sünden uns Mißtrauen einflößen wollen, so rufen wir der je ligsten Jungfrau mit dem hl. Wilhelm zu: 0 meine Gebieterin, halte mir meine Sünden nicht vor, sonst würde ich dir deine milde Barmherzigfeit, welche dieselben zum wenigsten aufwiegt, vor Augen stellen. Niemals soll gesagt werden, daß meine Sünden sich mit deiner Barmherzigkeit mes sen können, da diese weit mächtiger ist, mir Verzeihung zu erlangen, als meine Sünden es sind, mich ins ewige Verderben zu stürzen!" 7. Capitel., Wende deine barmh. Augen zu uns. 119 Beispiel. Im Anfange des dreizehnten Jahrhunderts lebten in Florenz sieben Männer, ausgezeichnet durch Reichthum und Adel, besonders aber durch Frömmigkeit und Tugend, welche zu gleicher Zeit den Beruf in sich fühlten, die Welt zu verlassen und in stiller Zurückgezogenheit unter dem Schutze Mariens nach höherer Vollkommenheit zu streben. Dies war die Veranlassung zur Gründung des berühmten Ordens der Diener Mariens oder der Serviten. Dieser Orden, so ehrwürdig durch seinen Namen und durch seine der Kirche geleisteten Dienste, verdankt sein Aufblühen und Gedeihen den Bemühungen des hl. Philipp Beniti, welcher eine vorzügliche Zierde desselben war und als Generalvorsteher ihn zu hohem Glanze emporhob. Philipp war kaum fünf Monate alt, als er einige Religiosen des Servitenordens sah, die Almosen sammelten; da wurde plötzlich seine Zunge gelöst, und er sagte zu seiner Mutter: Siehe da die Diener Mariens! Als er in seinem fünfzehnten Jahre mit dem Gedanken an seinen zukünftigen Lebensberuf umging und am Donnerstag in der Osterwoche in der Servitencapelle, zur Verkündigung Mariä' genannt, die heilige Messe hörte, fühlte er sich bei Anhörung der Epistel innerlich aufgefordert, in den Orden der Diener Mariens einzutreten. Ein geheimnißvoller Traum, den er in der folgenden Nacht hatte, unt woraus er die großen Gefahren der Welt erkannte verbunden mit einer Erscheinung der allerfeligsten Jungfrau, die ihn zu sich einlud, brachte seinen Ent schluß zur Reife. Von dieser Zeit an war seine Andacht zu Maria noch inniger; er verharrte bisweilen stundenlang vor ihrem Bildnisse im Gebete und befliß sich vorzüglich durch Nachahmung ihrer Tugenden seinem hohen Berufe zu entsprechen. Er unter 120 Erster Theil. Auslegung des Salve Regina. nahm in der Folge apostolische Reisen nach Frankreich, nach den Niederlanden und nach Sachsen; überall verkündigte er die Herrlichkeiten der göttlichen Mutter und war bemüht, ihre Verehrung zu fördern, so daß er den Beinamen Apostel Mariä erhielt. Im Jahre 1285 durchwachte er die Nacht vor dem Festtage der Himmelfahrt Mariä im Gebete und hielt dann am Feste selbst eine Predigt von der Glorie der Auserwählten. Darauf befiel ihn ein leichtes Fieber, das ihn dennoch in wenigen Tagen dem Tode nahe brachte. In seinen letzten Stunden bezeugte er vor seinen Ordensbrüdern, daß er alle empfangenen Gnaden nächst Gott der heiligsten Jungfrau verdanke; er ermahnte sie zur treuen Verehrung derselben und fügte bei, derjenige werde sicher sein Heil wirken, welcher Mariä von Herzen ergeben sei. Nachdem er die Schrecken des Todes und die Versuchungen des Satans durch den Beistand seiner mächtigen Beschützerin überwunden hatte, begehrte er sterbend sein Buch, das Bildniß des Gekreuzigten, rief noch die heiligsten Namen Jesu und Mariä an und gab zuversichtsvoll seinen Geist in ihre Hände auf an der Octav des Himmelfahrtsfestes. Gebet. ( Nach dem Hl. Cyrillus.) Sei von mir gegrüßt, o Maria, Mutter Gottes, verehrungswürdige Beschüßerin der ganzen Welt; Leuchte, die nicht erlischt, glänzende Krone der Jungfrauschaft, Scepter der wahren Lehre!- Sei gegrüßt, o Maria, die du in deinem jungfräulichen Leibe den Unendlichen und Unbegreiflichen trugst; durch die der allerheiligsten Dreieinigkeit Ehre und Anbetung erwiesen wird; durch die das heilbringende Kreuz des Erlösers auf der 8. Capitel., Nach diesem Elende zeige uns Jesum'. 121 ganzen Erde erhöht ist; durch die der Himmel triumphirt, die Engel frohlocken, die höllischen Geister in die Flucht gejagt, der Versucher überwunden, das strafbare Geschöpf bis in den Himmel erhoben, die Erkenntniß der Wahrheit auf den Trümmern des Gößenthums aufgepflanzt, die Gläubigen der Taufe theilhaftig und mit dem Dele der Freude gejalbt werden; durch die alle Kirchen der Welt gestiftet und die Völker zur Buße zurückgeführt worden sind! Sei gegrüßt, o Maria, durch die der eingeborne Sohn Gottes, das Licht der Welt, jene, die da in dem Schatten des Todes saßen, erleuchtet hat! 42122 Achtes Capitel. Und nach diesem Elende zeige uns Jesum, die gebenedeite Frucht deines Leibes." §. 1. Maria bewahrt ihre Verehrer vor der Bölle. Die Behauptung, es ſei unmöglich, daß ein wahrer, eifriger Verehrer der göttlichen Mutter verloren gehen könne, mag vielen wohl als gewagt erscheinen; allein ich bitte solche, sie nicht eher verwerfen zu wollen, bis sie die hierauf bezügliche Beweisführung gelesen haben. Wenn ich sage, daß ein Verehrer der göttlichen Mutter nicht verloren gehen könne, so verstehe ich natürlich darunter keinen solchen, der seine Andacht zu dem Zwecke mißbraucht, um mit größerer Zuversicht fündigen zu dürfen. Jedoch haben diejenigen un 122 Erster Theil. Auslegung des Salve Regina. recht, die es mißbilligen, daß man die Barmherzigkeit Mariens so hoch preise, weil, wie sie behaupten, die Sünder dies mißbrauchen, um nur noch mehr zu sündigen; denn solche verwegene Menschen, die das thun, verdienen für ihr tollfühnes Vertrauen keine Barmherzigkeit, sondern gerechte Strafe. Ich meine hier also nur solche Verehrer Mariens, die sich mit dem aufrichtigen Wunsche nach Besserung der Mutter Gottes anempfehlen und in den Andachtsübungen zu ihr treu verharren; von diesen behaupte ich, wie viele Heilige und Gottesgelehrte, sie können beinahe unmöglich verloren gehen. Der hl. Anselm äußert sich offen dahin: wie derjenige unmöglich selig werden könne, der keine große Andacht zu Maria habe, und der von ihr nicht beschüßt werde; ſo werde derjenige unmöglich verloren gehen, der die Mutter des Herrn findlich verehre und sich ihre Huld erwerbe.*) Auf ähnliche Weise drückt sich ein hl. Antonin aus: ,, Gleichwie es unmöglich ist, daß die, von denen Maria die Augen ihrer Barmherzigkeit abwendet, zur Seligkeit gelangen; so müssen nothwendiger Weise auch jene, auf die sie ihre Augen wendet, und für welche sie Fürbitte einlegt, gerettet und verherrlicht werden.**) Mögen wir den gemeinsamen Ausdruck beider Heiligen wohl zu Herzen faffen, es sei unmöglich, die Seligkeit zu erlangen, ohne die Mutter Gottes zli verehren. Der hl. Bonaventura wagt sogar die Behauptung, wer den Dienst Mariens vernach*) De Exc. Virg. c. 11. **) Part. 4. tit. 50. 8. Capitel., Nach diesem Elende zeige uns Jesum'. 123 lässige, werde in der Sünde sterben, für ihn bleibe feine Hoffnung zur Seligkeit übrig.*) Der hl. Martyrer Ignatius hat dasselbe schon lange vorher behauptet, da er sagte, daß der Sünder nur durch die Vermittelung Mariens gerettet werden könne, und daß sie durch ihre liebevolle Vermittelung noch sehr viele rette, die nach dem Ausspruche der göttlichen Gerechtigkeit hätten verdammt werden sollen.**) Nach dem Gesagten läßt sich leicht begreifen, warum der böse Feind sich so große Mühe gibt, jenen Seelen, die unter seiner Mitwirkung be reits die Gnade Gottes verloren haben, auch noch Geringschätzung der Andacht zur göttlichen Mutter beizubringen. Als Sara sah, wie ihr kleiner Isaak durch den Verkehr mit Jsmael allmählich des lettern Unarten annahm, bat sie Abraham, nicht blos den Sohn, sondern auch die Mutter aus dem Hause zu entfernen, damit dieser keinen Anlaß mehr hätte, des Besuches wegen zurückzukehren. In ähnlicher Weise verleitet der böse Feind die Seele, nicht nur Jesum aus dem Herzen zu vertreiben, sondern auch dessen Mutter zu entfernen, weil er fürchtet, es möchte sonst die Mutter durch ihr Bitten den Sohn wieder zurückbringen; , denn ihre Fürbitte fann," um mit dem hl. Bernard zu reden, ,, nie ohne Erfolg sein, indem ihr alles gewährt wird, was sie begehrt." Auch der Wunsch, uns zu retten, kann ihr nicht fehlen, weil ste inniger, als wir selbst, unser Heil verlangt. *) Bonav. in Psl. 116 et 99. **) Ap. Celada in Jud. Fig.§. 10. 124 Erster Theil. Auslegung des Salve Regina. Unter diesen Umständen darf ein aufrichtiger Verehrer Mariens nicht fürchten, verloren zu gehen. Befindet er sich auch noch im Stande der Todsünde, ist er aber fest entschlossen, sich zu bessern, und fleht in dieser Absicht mit kindlichem Vertrauen zu Maria, so wird sie ihm vom Herrn gewiß die erforderliche Gnade erflehen, seinen traurigen Zustand zu verlassen, die begangenen Sünden wahrhaft zu bereuen und in der Gnade bis ans Ende des Lebens zu verharren. Dürfen wir wohl den Gedanken in uns aufkommen lassen, daß Maria, die die liebevollste Mutter ist, welche ihre Verehrer nur finden könnten, dies dennoch unterlassen sollte, da es ihr doch so leicht ist, eines ihrer Kinder vom ewigen Tode zu retten? Danke Gott, mein lieber Leser, wenn du erkennst, daß Gott dir Liebe und Vertrauen zu dieser Himmelskönigin eingeflößt hat, und sprich mit dem hl. Johannes Damascenus: O Mutter meines Gottes, wenn ich mein Vertrauen auf dich seße, so werde ich gewiß selig; wenn ich unter deinem Schuße bin, so habe ich nichts zu fürchten, denn die Andacht zu dir ist eine sichere Waffe des Heiles, die Gott nur denen ertheilt, dir Er selig sehen will."*) Auch Erasmus pflegte Maria mit folgenden Worten zu begrüßen:„ Gegrüßet seist du, die du der Schrecken der Hölle und die Hoffnung der Christen bist, das Vertrauen auf dich versichert uns unsrer Seligkeit."**) ,, Wie viele," ruft der fromme Thomas von *) Serm. de B. M. **) Orat. ad Virg. 8. Capitel., Nach diesem Elende zeige uns Jesum'. 125 Kempis aus, wie viele wären ewig verdammt worden, wie viele wären bis ans Ende hartnäckig in der Sünde verharrt, wenn Maria sich nicht für sie bei ihrem göttlichen Sohne verwendet, wenn sie denselben nicht bewogen hätte, Barmherzigkeit an ihnen zu üben!"*) Zum Schlusse wollen wir uns noch an die schönen Worte des sel. Heinrich Sujo erinnern, der da spricht: ,, Meine Seele habe ich in die Hände Mariens gelegt. Sollte der göttliche Richter mich verdammen, so muß sein Urtheilsspruch zuerst durch die Hände Mariens gehen; wenn aber mein Strafurtheil in jo mildreiche Hände gelangt, so lebe ich der süßesten Hoffnung, die Vollziehung desselben werde gewiß unterbleiben."**) Dasselbe hoffen auch wir und stimmen ein in die Worte des hl. Bonaventura: ,, Auf dich, o meine Gebieterin, habe ich gehofft, ich werde in Ewigkeit nicht zu Schanden werden; auf dich habe ich all mein Vertrauen gesetzt, ich hoffe deswegen zuversichtlich, daß ich nicht verloren gehe, sondern daß ich selig im Himmel die ganze Ewigkeit hindurch dich lieben und loben werde." Beispiel. ( Aus dem, wohlunterrichteten Christen von Paul Segneri.) Ein Jüngling, der sich schwer und oft gegen die Keuschheit versündigt hatte, ging einst in Rom zur hl. Beicht und klagte dem Beichtvater, der das größte Mitleiden mit ihm hatte, daß er ungeachtet aller guten Vorsätze immer wieder in das Laster der Unlau*) Thomas a Kempis Vid. ap. Pep. Lez. t. 7. **) Hor. Sap. I. c. 21. 126 Erster Theil. Auslegung des Salve Regina. terkeit falle, indem dasselbe bei ihm zur völligen Gewohnheit geworden und eine unwiderstehliche Gewalt über ihn gewonnen habe. Der fromme Priester rieth ihm an, mit kindlichem Vertrauen seine Zuflucht zur Mutter Gottes zu nehmen, und gab ihm zur Buße auf, an jedem Morgen und Abende bis zur nächsten Beicht andächtig ein, Ave Maria zu beten und sich recht eifrig dem Schutze der Himmelskönigin anzuempfehlen. Der Jüngling folgte diesem Auftrag und verrichtete täglich das vorgeschriebene Gebet, ohne daß er sich viel gebeffert hätte; allein der Beichtvater redete ihm zu wiederholten Malen zu, das Gebet ja nie zu unterlassen und das Vertrauen nie zu verlieBald darauf machte der Jüngling eine Reise durch mehrere Länder und blieb einige Jahre von Rom weg. Bei seiner Rückkehr suchte er alsbald seinen Beichtvater auf, und dieser erkannte mit großer Freude, daß der Jüngling von seiner Gewohnheitssünde befreit worden sei. Auf die Frage, wie dies gekommen, gab der Jüngling zur Antwort: der seligsten Jungfrau habe ich dies zu verdanken; denn sie hat mir wegen der kleinen Andacht, die ich nach ihrem Rathe täglich ihr zu Ehren verrichtete, die Gnade beständiger Enthaltsamkeit und der Beharrlichkeit in meinen guten Vorsätzen von ihrem göttlichen Sohne erfleht. ren. Gebet. ( Nach dem Hl. Bernard.) Der schweige von deiner Erbarmung, seligste Jungfrau, der in seinen Nöthen dich anrief und teine Hilfe bei dir fand. Wir, deine geringen Diener, freuen uns deinetwegen ob deiner übrigen Tugenden, doch über deine Erbarmung freuen wir uns um unser selbst willen. Wir preisen deine Jungfrauschaft, wir bewundern deine Demuth; 8. Capitel., Nach diesem Elende zeige uns Jesum'. 127 aber dem Elenden tönt die Erbarmung lieblicher; inniger umfangen wir die Erbarmung, öfter gedenken wir ihrer, rufen öfter sie an. Du verschmähst den Sünder nicht, so widerlich er auch ſei; nimmer verachtest du ihn, wenn er seufzend und mit zerknirschtem Herzen um deine Vermittelung dich anfleht. Du reißest ihn zurück mit milder Hand von dem Abgrunde der Verzweiflung und verläsfest ihn nicht, bis du des Elenden Versöhnung bei dem furchtbaren Richter bewirkt hast. Und kein Wunder ist es, o Gebieterin, wenn dein liebevolles Herz so reichlich von dem Dele der Erbarmung überströmt, da jenes unschäßbare Werk der Erbarmung, das Gott von Ewigkeit zu unsrer Rettung bestimmt hatte, von dem Urheber der Welt in dir bewirkt wurde. So rede denn für uns, o Gebieterin; denn dein Sohn hört dich, und was du immer begehrst, das wirst du erhalten. Amen. §. 2. Maria geleitet ihre Diener in den Bimmel. Wenn die wahre Andacht zur jungfräulichen Gottesmutter ein Hauptkennzeichen der Auserwählung ist, wie die heiligen Väter lehren, so wird wohl niemand die Behauptung tadeln wollen, daß Maria ihre Diener in den Himmel geleite. Der echte Verehrer der Gottesmutter bestrebt sich sowohl durch eifriges Gebet als durch Nachahmung ihrer Tugendbeispiele den Weg zu wandeln, der ihn seiner Bestimmung, der Seligkeit, entgegenführt. Wenn er auch zuweilen aus Schwachheit in Sünden fällt, so hegt er gleichwohl das Vertrauen, durch 128 Erster Theil. Auslegung des Salve Regina. Maria Gottes Gnade wieder zu erlangen, in der Buße zu verharren und in der Liebe Gottes aus diesem Leben zu scheiden. In diesem Sinne sind die folgenden Aussprüche der heiligen Väter zu verstehen. Der hl. Peter Damian heißt Maria eine Himmelsleiter, weil Gott durch sie auf die Erde niedersteige, damit sich die Menschen durch sie in den Himmel erheben können. Der hl. Athanafius sagt: sie sei mit Gnaden erfüllt worden, damit sie für uns der Weg des Heiles und eine Stufe zum Himmel werde." Der hl. Bernard nennt fie eine Geleiterin in den Himmel. Der hl. Bonaventura schreibt:„ Selig sind diejenigen, welche dich kennen, o heilige Mutter Gottes! Denn wer dich kennt und findlich verehrt, der wandelt auf dem Wege zum ewigen Leben, und wer deine Tugenden verkündigt, der ist auf dem Wege des Heiles."- Der hl. Johannes Damascenus sagt: ,, Maria dienen und ihr folgen ist die größte Ehre, zu der wir gelangen können; denn derjenige, der dieser Königin des Himmels dient, der herrscht schon im Himmel, und wer in ihrem Dienste lebt, der ist mächtiger, als wenn er herrschte. Hingegen werden diejenigen, die ihr nicht dienen, auch gewiß verloren gehen; denn der, dem die Hilfe dieser mächtigen Rönigin mangelt, entbehrt der Hilfe des Sohnes, und ihn verläßt der ganze himmlische Hof."- Der hl. Bernard ruft aus: ,, Danken wir Gott, daß Er uns Maria als eine Fürsprecherin im Himmel gegeben hat; denn da sie die Mutter unsres Richters und zu gleich eine Mutter der Barmherzigkeit ist, so fann sie sich wirksam für unser ewiges Heil verwenden." - - 8. Capitel., Nach diesem Elende zeige uns Jesum'. 129 Aber auch die Unglücklichen, die durch ihre Missethaten sich schon in diesem Leben das Urtheil der Verdammniß zugezogen, dürfen an ihrer Seligkeit nicht verzweifeln, sofern sie nur durch Maria um Gnade bitten und sich entschließen, eifrige Diener dieser guten Mutter zu werden. Wie viele Sünder haben durch sie ihren Gott wieder gefunden, wie viele Verlorne sind durch ihre Vermittelung selig geworden! Du, o mächtige Mutter unsres Gottes," sagt der hl. Methodius, bist der Ursprung, die Mitte und das Ende unsrer Seligkeit; der Ursprung, weil wir durch deine Vermitteluug die Verzeihung unsrer Sünden erlangen; die Mitte, weil wir durch deine Fürsprache in der Gnade Gottes verharren; das Ende, weil wir durch dich die Seligkeit erreichen." „ Durch dich, o Maria," lauten die Worte eines hl. Bernard, durch dich ist der Himmel ge= öffnet, durch dich die Hölle leerer geblieben, durch dich das Paradies wieder hergestellt, durch dich so vielen Unglücklichen, die schon den ewigen Tod verdient hatten, das ewige Leben wieder ertheilt worden." ,, Glückselig diejenigen," sagt der hl. Bonaventura, ,, welche die Gunst Mariens erlangen; Die Seligen im Himmel betrachten sie schon als ihre Mitgenossen; denn wer zur wahren Dienerschaft Mariens gehört, ist ins Buch des ewigen Lebens eingeschrieben." 11 Was nüßt es also, sich beunruhigen zu lassen durch die Streitfrage der Gelehrten, ob die Vorherbestimmung zur ewigen Seligkeit der Vorhersehung der guten Werke vorangehe oder folge, ob wir Herrlicht. Mar. 9 130 Erster Theil. Auslegung des Salve Regina. ins Buch des ewigen Lebens eingeschrieben seien oder nicht? Wenn wir wahrhaft Diener Mariens sind, wenn sie uns beisteht, so werden wir gewiß selig; denn," bemerkt der hl. Johannes Damascenus, Gott ertheilt die Andacht zur göttlichen Mutter nur denen, die Er selig machen will." Es scheint dieser Ausspruch vollkommen mit dem übereinzuſtimmen, was der Herr dem hl. Johannes offenbarte: Wer überwindet, auf den will Ich schreiben den Namen meines Gottes und der Stadt meines Gottes;" wer überwindet, der wird in seinem Herzen den Namen der Stadt Gottes eingeschrieben tragen. Aber wer anders," bemerkt der hl. Gregorius über die Worte David's:, Herrliches wird von dir gesagt, o Stadt Gottes!' wer anders wäre wohl diese Stadt Gottes, als Maria?" 11 11 So können wir also mit dem Hl. Paulus sagen: ,, Er hat dieses Siegel: es kennt der Herr die Seinen."( II. Tim. 2, 19.) Wer diese Andacht zu Maria als ein Siegel an sich trägt, den erkennt Gott als den Seinigen, und er kann dies mit dem hl. Bernard als ein sicheres Zeichen zur Erlangung der fünftigen Seligkeit betrachten. Die Diener der göttlichen Mutter erhalten nicht nur hier auf Erden besondere Vorrechte und GünstErweisungen, sondern es wird sie der Herr einst auch im Himmel vorzüglich ehren und ihnen die Liebe, das Vertrauen, die Treue und Verehrung gegen diejenige vergelten, aus deren reinem Leibe Er einst seinen menschlichen Leib angenommen hat. Einst erblickte die hl. Magdalena von Pazzis in einer Entzückung mitten im Meere ein Schiff, in welchem alle Verehrer Mariens sich befan 8. Capitel., Nach diesem Elende zeige uns Jesum'. 131 den, dessen Steuerruder Maria selbst führte, und worauf sie alle sicher in den Hafen geleitete. Daraus erkannte die Heilige, daß alle, die unter dem Schuße Mariens leben, mitten in den Gefahren der Welt vor dem Schiffbruche der Sünde und der ewigen Verdammniß behütet werden, weil sie dieselben sicher in den Himmel führt. Tragen wir also Sorge, in dies selige Schiff unter dem Schutzmantel der göttlichen Mutter zu treten, wo wir sicher sind, in die ewige Seligkeit einzugehen; denn der allerfeligsten Jungfrau ruft die heilige Kirche zu: In dir, o heilige Gottesgebärerin finden wir eine freudenreiche Wohnung." Heilige Mutter Gottes, alle, die der ewigen Seligkeit theilhaftig werden, wohnen in dir, da sie unter deinem Schuße leben! Beiſpiel. Welch mächtige Hilfe Maria uns in allen Versuchungen und Anfechtungen, denen wir in diesem Leibesleben ausgesetzt sind, gewährt, wenn wir zu ihr unsre Zuflucht nehmen, zeigt die Geschichte der Hl. Jungfrau Justina, welche der große Kirchenlehrer Gregorius von Nazianz in seiner Rede auf den hl. Cyprianus erzählt. Sie war aus Antiochia gebürtig, von adeligen und reichen Eltern, und mit einer ausnehmenden Schönheit begabt; noch vollkommener aber war ihre Seele mit Tugenden, besonders mit jener der Keuschheit, die sie ihr lebenlang zu beobachten entschlossen war, geschmückt. Sie hatte sich innigst mit Jesu Christo als eine treue Braut verbunden, und wie Gregorius jagt, alle Anmuthungen ihres Herzens, das einem geschlossenen und unzugänglichen Garten glich, Ihm geopfert. Zu eben dieser Zeit befand sich zu Antio 132 Erster Theil. Auslegung des Salve Regina. chia ein junger Mensch, mit Namen Cyprian, der sich aus einem verdammlichen Vorwiße nach erlernten Wissenschaften auf die Zauberei verlegte. Da er nun eines Tages die keusche Jungfrau erblickte, befiel ihn eine heftige Leidenschaft gegen dieselbe, welche täglich mehr entbrannte, und bis dahin ausartete, daß, nachdem er alle andern Kunstgriffe, ihre Standhaftigkeit zu erschüttern, vergebens angewandt hatte, er sich endlich entschloß, durch die Zauberkunst und die Tücke des Höllischen Verführers das zu erzwingen, was er durch kein anderes Mittel erreichen konnte. Es gelang ihm soviel, daß die keusche Jungfrau von den heftigsten Anfechtungen befallen wurde, die ihr allen Widerstand unmöglich zu machen schienen. In dieser äußersten Gefahr hob sie ihre Augen gen Himmel, erinnerte sich derjenigen, die eine Königin der Jungfrauen genannt wird, und rief ihren Schutz und Beistand an. Sie ward erhört; der Geist der Unlauterkeit, der ihre unschuldige Seele bestürmte, mußte weichen, und der Schatz ihrer Jungfräulichkeit blieb ihr gesichert. Ueberdies erlangte die Mutter der Barmherzigkeit jenem Elenden, der Justina ins Verderben zu stürzen suchte, die Gnade der Bekehrung; denn er erkannte das Unvermögen der höllischen Geister, die durch ein christliches Mädchen überwunden wurden, schwur der verdammlichen Gemeinschaft ab, nahm den Glauben Jesu Christi an und wirkte der göttlichen Gnade so getreu mit, daß er nach Empfang der Taufe dem Beispiele der hl. Justina in dem Marterkampfe folgte, und den Triumph dieser christlichen Jungfrau durch jene Krone verschönerte, die sie ihm durch Vermittelung der Gottesmutter erfleht hatte. Gebet. OKönigin des Himmels und Mutter meines Gottes! Verschmähe nicht die Liebe des undant 8. Capitel., Nach diesem Elende zeige uns Jesum'. 133 barsten Sünders, der auf Erden lebt; erkennt er doch, daß er allein durch deine Vermittelung, ohne eine solche Wohlthat verdient zu haben, von der ewigen Verdammniß befreit worden ist. O daß ich allen Menschen zeigen könnte, wie liebenswürdig du bist, damit alle dich lieben und ehren! Ja, ich möchte aus Liebe zu dir für die Vertheidigung deiner Jungfrauschaft, deiner hohen Würde als Gottesmutter und deiner unbefleckten Empfängniß sterben, sofern dies zur Beförderung deiner Ehre erfordert würde. O meine geliebteste Mutter, nimm wohlgefällig die Zeichen meiner Liebe an und erlaube nicht, daß einer deiner Diener, der dich liebt, je wieder ein Feind deines Gottes werde, deines Gottes, den du so innig liebst. Ach, ich Unglücklicher! da ich Gott beleidigte, da hatte ich seine Freundschaft verloren; ach, damals liebte ich auch dich nicht, meine Mutter, damals war mir wenig daran gelegen, ob du mich liebteſt oder nicht. Aber siehe, jetzt wünsche ich nach der Gnade Gottes nichts mehr als dich zu lieben und von dir geliebt zu werden. Der Gedanke an meine frühern Sünden soll mein Vertrauen nicht vermindern: denn ich weiß, o liebevolle und mitleidige Gebieterin meines Herzens, daß du den elendesten Sündern, die dich lieben, deine Liebe nicht verweigerst, und daß du nicht gestattest, daß an= dere dich in der Liebe übertreffen. Ach, meine liebenswürdige Königin, ich will dich im Himmel lieben. Wenn ich dort zu deinen Füßen knieen werde, o dann werde ich erst erkennen, wie liebenswürdig du bist, und was du alles gethan hast, um mir die ewige Seligkeit zu erlangen. O 134 Erster Theil. Auslegung des Salve Regina. Maria, ich hoffe durch deine Vermittelung ganz gewiß selig zu werden. Bitte Jesum für mich, ich verlange keinen andern Beistand als dich, du mußt meine Seligkeit bei Gott bewirken! O Maria, meine Hoffnung, erwirke, daß ich selig werde! Amen. 10 Neuntes Capitel. .O gütige, o milde!“ Wie gütig und mild Maria ift. Als der hl. Bonaventura betrachtete, wie Maria nur um der Elenden willen Mutter des Sohnes Gottes geworden und ihr das Amt, die Gnaden des Herrn auszuspenden, übertragen sei, welche Sorge sie mit allen Unglücklichen habe, und wie sie keinen andern Wunsch hege, als den Nothleidenden zu helfen, da rief er aus, es komme ihm vor, wenn er Maria ansehe, als erblicke er nicht mehr die göttliche Gerechtigkeit, sondern nur die Barmherzigkeit, mit welcher die Mutter des Herrn erfüllt sei. Wir können wahrlich keinen sicherern Zufluchtsort finden, als das gütige und barmherzige Mutterherz der Himmelskönigin! Da findet der Arme ein Unterkommen, der Kranke die nöthigen Hilfsmittel, der Betrübte Erleichterung, der Zweifelnde Rath, der Verlassene Unterstützung. Wie unglücklich wären wir, wenn uns diese gute Mutter fehlte, dieje Mutter, die uns größere Wohlthaten erweisen kann, als alle irdischen Mütter, 9. Capitel. O gütige, o milde'! 135 und welche uns aus Güte fie auch so gerne mittheilt, wenn wir uns nur mit kindlichem Vertrauen an sie wenden und uns nicht durch Verachtung ihrer Liebe unwürdig machen! Wie unglücklich wären wir, wenn wir eines so mächtigen Beistandes bei Gott, einer so viel vermögenden Fürsprecherin beraubt sein müßten! Nie wird sie müde, das Amt der Barmherzigkeit an uns auszuüben; sie erkennt unsre traurige Lage weit besser, als wir sie begreifen, und erweist uns um so größere Hilfe, je größer unsre Nöthen und Bedürfnisſe sind. Ihre Begierde, uns Gnaden zu erweisen, ist größer als unser Wunsch, dieselben von ihr zu empfangen, weshalb wir sie auch jedesmal, wenn wir zu ihr unsre Zuflucht nehmen, Schätze der Barmherzigkeit und Gnade uns darreichend, antreffen. Rebecca war ein Vorbild Mariens; denn als der Knecht Abraham's dieselbe bat, ihm ein wenig Wasser zu schöpfen, da antwortete sie ihm, daß sie nicht nur ihm, sondern auch seinen Kameelen das nöthige Wasser reichen wolle: Auch deinen Kameelen will ich Wasser schöpfen, bis sie alle getrunken haben."( I. Mos. 24.) Der hl. Bernard richtet daher an Maria folgende Worte: ,, O meine Königin, du bist noch viel barmherziger und freigebiger als Rebecca, und deshalb begnügst du dich nicht damit, die Gnaden, von denen deine unerschöpfliche Barmherzigkeit überströmt, nur den Dienern Abraham's, die ein Vorbild der treuen Diener Gottes sind, sondern auch den Kameelen, welche die Sünder bedeuten, mitzutheilen."*) Gleichwie *) Serm. sup. Miss. 136 Erfter Theil. Auslegung des Salve Regina. Rebecca mehr gab, als man von ihr verlangte, so ertheilt auch Maria mehr, als man von ihr wünscht. Ihre Freigebigkeit gleicht jener ihres Sohnes, der immer mehr gibt, als man verlangt, und der deswegen vom hl. Paulus,, reich für alle, die ihn anrufen' genannt wird.( Röm. 10, 12.) Ein frommer Schriftsteller richtet folgende Worte an Maria: O meine Gebieterin, bitte für mich, denn du wirst mit größerer Andacht für mich um Gnaden bitten als ich, und du wirst von Gott mehr erhalten, als ich zu begehren wage." die Samaritaner sich weigerten, Jesum und seine Lehre aufzunehmen, da fragten die heiligen Apostel Johannes und Jacobus ihren Meister: ,, Herr! willst Du, sollen wir sagen, daß Feuer vom Himmel falle und sie verzehre?" Aber der Heiland antwortete: ,, Ihr wisset nicht, wessen Geistes ihr seid;"( Luc. 9, 55.) als ob er gejagt hätte: ,, Ich bin überaus barmherzig und mild; denn Ich bin vom Himmel auf die Erde gekommen, nicht um die Sünder zu strafen, sondern um sie selig zu machen, aber ihr wollt, daß sie verloren gehen. Warum verlangt ihr Feuer und Strafe? Schweigt und redet nicht mehr von Strafe, denn das ist nicht mein Geist." Hieraus schließen wir mit Recht, auch Maria jei geneigt, Barmherzigkeit an uns zu üben; ist doch ihr Geist jenem ihres Sohnes völlig gleichförmig, und wird sie ja darum die , Mutter der Barmherzigkeit' genannt, weil Gottes Liebe und Erbarmung sie so mild und barmherzig gegen alle gemacht hat. Als der Hl. Bernard bes trachtete, daß der Apostel Johannes Maria mit der Sonne bekleidet erblickt habe: Und es erschien 11 9. Capitel. O gütige, o milde'! 137 ein großes Zeichen im Himmel, ein Weib mit der Sonne bekleidet," so rief er aus:„ O meine Königin, du hast die ewige Sonne, das göttliche Wort mit dem menschlichen Leibe bekleidet; aber siehe, Er hat dafür auch dich mit seiner Macht und Barmherzigkeit angethan!" ,, Unsre Königin ist so barmherzig und liebevoll," sagt derselbe Heilige, daß, wenn ein Sünder sich ihr anempfiehlt, sie nicht etwa seine Verdienste untersucht, und ob er würdig oder unwürdig sei, von ihr erhört zu werden, sondern daß sie alle ohne Unterschied erhört, daß sie allen hilft."*) Alles in ihr ist voll Gnade und Barmherzigkeit; sie ist als Mutter der Barmherzigkeit allen alles geworden: um ihrer großen Liebe willen ist sie eine Schuldnerin der Gerechten und der Sünder, allen öffnet sie die Arme ihrer Erbarmung, damit alle an ihrer Fülle theilhaben. O wie viele," ruft der hl. Jourdan aus, „ die verdient hätten, von der göttlichen Gerechtigkeit ewig verdammt zu werden, sind durch die Barmherzigkeit Mariens gerettet; denn sie ist der Schaß Gottes und die Schatzmeisterin aller Gnaden, so daß unsre Seligkeit in ihren Händen ruht."**) Wenden wir uns daher immer zu dieser barmherzigen Mutter, und hoffen wir zuversichtlich, sie werde uns durch ihre Vermittelung zu unsrem Heile verhelfen. Ist sie ja der Thron der Gnaden, zu welchem der Apostel uns ermahnt, voll Vertrauen unsre Zuflucht zu nehmen, damit *) Serm. in Sign. Magn. **) Prolog. in Contempl. V. Univ.- Bibl. Giessen 138 Erster Theil. Auslegung des Salve Regina. Gott uns gnädig sei und uns allen Beistand gewähre, um unsre Seligkeit zu wirken.*) Darum lasset uns mit Zuversicht hinzutreten zum Throne der Gnade, damit wir Barmherzigkeit erlangen und Gnade finden, wenn wir Hilfe nöthig haben." ( Hebr. 4, 16.) 11 Daher wollen wir mit den Worten des hl. Bernard schließen, die er dem Gebet, gütige, o milde, o süße Jungfrau Maria" hinzufügt: Gütig bist du gegen die Nothleidenden; mild gegen die, welche dich um Beistand unrufen; süß für die, die dich lieben;- gütig bist du gegen die Bußfertigen, mild gegen die, welche in der Tugend zunehmen, süß für die Vollkommenen. Du gibst uns deine Güte zu erkennen, wenn du uns von der Strafe befreist; deine Milde, wenn du uns Gnaden austheilst; deine Süßigkeit, wenn du dich denen schenkst, die dich suchen."**) Beispiel. ( Ans Bütler's Leben der Heiligen.) Der hl. Philipp Neri, im Jahre 1515 zu Florenz geboren, war eine der schönsten Zierden der Kirche Gottes im sechzehnten Jahrhundert und erwarb sich durch seinen unermüdlichen Seeleneifer große Verdienste um die Christenheit, vorzüglich zu Rom, wo der Hauptschauplatz seines apostolischen Wirkens war. *) P. 4. t. 15. cap. 14.§. 7. **) O clemens, o pia, o dulcis Virgo Maria! Cle mens indigentibus, pia exorantibus, dulcis diligentibus. O clemens poenitentibus, pia proficientibus, dulcis contemplantibus. O clemens liberando, o pia largiendo, o dulcis te donando. Sup. Salv. Reg. 9. Capitel. O gütige, o milde'. 139 Er hatte von Kindheit an eine zärtliche Andacht und Liebe gegen Maria und erlangte vermittels derselben ausgezeichnete Gnaden von Gott für sich und für andere. Er nannte die göttliche Mutter seine Liebe, seine Freude und seinen Trost und sprach von ihr mit solcher Salbung, daß diejenigen, welche ihn hörten, innig ergriffen wurden. Den Seelen, die er auf dem Wege des Heiles leitete, empfahl er die Andacht zur Mutter des Herrn als ein vorzügliches Mittel, viele Gnaden zu erlangen und lehrte sie oft die Worte sagen: ,, Jungfrau Maria, Mutter Gottes, bitte deinen Jesum für mich." Er war aber auch beflissen, durch Ausübung der Tugenden Mariä ähnlich zu werden. Schon als Kind gehorsamte er seinen Eltern mit pünktlicher Genauigkeit. Er gewann in der Folge einen so hohen Begriff von dieser Tugend, daß er sagte:„ Der Gehorsam sei der kürzeste und sicherste Weg zur Vollkommenheit." Seine Liebe zu Gott bewährte sich in vielen Trübsalen und Leiden, die er mit völliger Hingabe seines Willens an den göttlichen ertrug. Sein Verdienst wurde mißkannt, böſe Menschen verleumdeten ihn; dazu hatte er eine ge= brechliche Gesundheit und wurde oft auf das Kranfenlager hingeworfen. Allein dieses alles beugte ihn nicht; Gottes heiligster Wille galt ihm über alles; er war auch in den Schmerzen heiter und freudig. In ſeinen letzten Lebensjahren wurde er von einer schweren Krankheit plötzlich durch eine Erscheinung seiner geliebten Mutter befreit. ,, O meine theuerste Gebieterin!" rief er in einem Zustande der Entzückung aus, ich bin es nicht würdig, daß du zu mir kommst, mich zu besuchen und zu heilen." Die Anwesenden geriethen darüber in großes Erstaunen, und ein Arzt fragte ihn, was er wollte. Philippus antwortete: Habt ihr denn nicht die seligste Jungfrau gesehen, die gekommen ist, meine Schmerzen hinwegzunehmen?" Die Aerzte fanden ihn auch wirklich genesen; er stand 140 Erster Theil. Auslegung des Salve Regina. auf und ging an seine gewohnte Arbeit für Gottes Ehre und der Menschen Heil. Er erreichte ein sehr hohes Alter und starb, wie er gelebt hatte, unter dem Schutze Mariens- als ein Heiliger am 26. Mai 1595. Gebet. O Mutter der Barmherzigkeit, weil du so gütig bist und so sehr wünschest, uns Elenden Gutes zu thun und unsre Bitten zu erfüllen, so nehme ich, der elendeste von allen, heute zu dir meine Zuflucht und bitte dich, du wollest mir meine Bitte gewähren. Mögen andre was immer suchen, Gesundheit des Leibes, Gewinn und Vortheile auf Erden; ich, o meine Königin, ich bitte dich um nichts anders, als um das, was du selbst wünschest, daß ich es besize, und was deinem heiligsten Herzen am wohlgefälligsten ist. Du bist so demüthig, erlange mir also eine große Demuth und den innigen Wunsch, von andern mißachtet zu werden. Du warst so geduldig in dem Leiden dieses Lebens, erlange auch mir die Geduld in den Widerwärtigkeiten. Du warst so erfüllt von Liebe zu Gott, erlange auch mir die große Gabe der heiligen und reinen Liebe Gottes. Dein Herz war von Liebe zu den Nächsten beſeelt, erflehe, daß auch ich alle Menschen liebe und vorzüglich jene, gegen die ich die meiste Abneigung empfinde. Dein Wille war ganz mit dem Willen deines Gottes vereinigt, erlange auch mir eine vollkommene Ergebung bei allem, was Gott über mich verhängt. Du, o Maria, du warst das heiligste unter allen Geschöpfen; erwirke, daß auch ich heilig werde. Dir mangelt nicht die Liebe zu uns; du bist zu 141 10. Capitel. O süße Jungfrau Maria'! gleicher Zeit so mächtig, daß nur meine Nachläsfigkeit, zu dir meine Zuflucht zu nehmen, oder mein geringes Vertrauen auf deinen mächtigen Beistand mich verhindern kann, Gnaden von dir zu empfangen. Aber siehe, meine liebe Mutter, dies Vertrauen und diese Sorgfalt, zu dir meine Zuflucht zu nehmen, mußt du mir auch noch erlangen; um diese beiden Gnaden bitte ich dich, und ich erwarte sie voll Vertrauen von dir. O Maria, meine Mutter, meine Hoffnung, meine Liebe, mein Leben, meine Zuflucht, mein Beistand und mein Trost, stehe mir bei! Zehntes Capitel. , 0 süße Jungfrau Maria'! Wie füß der Name Mariens im Leben und im Tode ift. Der erhabene Name Maria, welcher der göttlichen Mutter ertheilt wurde, ist weder auf Erden erfunden noch von menschlicher Willkür gewählt, sondern, wie viele Heilige lehren, der göttlichen Mutter auf des Herrn Anordnung gegeben worden. Nach dem hochheiligen Namen Jesus ist der Name Maria so reich an Gnaden, daß im Himmel und auf Erden kein anderer Name ertönt, der frommen Seelen so viel Gnade, Hoffnung und Süßigkeit gewährt; er schließt etwas so Wunderbares, so Süßes und Beseligendes in sich, daß, 142 Erster Theil. Auslegung des Salve Regina. wenn er in ein befreundetes Herz Eingang findet, er süßen Wohlgeruch in demselben verbreitet. So versichert uns der selige Heinrich Suso, wenn er den Namen Maria nenne, wachse sein Vertrauen jedesmal so gewaltig, und er werde zu so inniger Liebe entzündet, daß er wünsche, es möge sein Herz aus seinem Munde hervorgehen, und es ihm scheine, als wenn dieser süße Name wie Honigseim im Grunde seiner Seele schmelze. Der hl. Bernard ruft von Liebe entzündet aus: O große, o fromme, o alles Lobes würdige Jungfrau Maria! Dein Name ist so süß und lieblich, und man kann ihn nicht nennen, ohne von Liebe zu dir und zu Gott, der ihn dir ertheilt hat, entflammt zu werden.*) Es genügt deinen Verehrern, sich nur deines Namens zu erinnern, um von Liebe und Trost erfüllt zu werden. Wenn die Reichthümer die Armen trösten, da sie ihnen Hilfe in ihrer Noth darbieten, ach wie weit mehr tröstet dein Name, o Maria, uns Elende, inden er uns in den Leiden dieser Welt weit mehr Trost bereitet, als alle Reichthümer der Erde uns verschaffen könnten."**) Mit einem Worte, dein Name, o heilige Mutter Gottes, ist reich an Gnaden und an Segen,***) und man kann denselben mit Andacht nicht aussprechen, ohne zugleich irgend einer Gnade theilhaftig zu werden. t) Möge ein Herz noch so ver*) S. Bern. ap. S. Bon. Spec. c. 8. **) Rich. S. Laur. de Laud. Virg. c. 2. ***) Or. in Hyp. +) Spec. B. V. cap. 8. 10. Capitel. O süße Jungfrau Maria' 143 härtet sein, möge ein Mensch noch so sehr an der Barmherzigkeit Gottes zweifeln, wenn er nur dich nennt, o mildeste Jungfrau Maria, so kann es nicht fehlen, daß die Kraft deines Namens auf wunderbare Weise sein hartes Herz erweiche und ihn mit neuer Hoffnung belebe; denn du flößest den Sündern Hoffnung ein, daß Gott ihnen verzeihen, und daß Er ihnen seine Gnade verleihen werde.*) Dein süßer Name, bemerkt der hl. Ambrofius, ist ein wohlriechendes Del, welches den Wohlgeruch der göttlichen Gnade verbreitet. Möge dies Del des Heiles ins Innerste unsres Herzens herabfließen!" Er will damit sagen: Erwirke, o mächtige Königin, daß wir häufig mit Liebe und Vertrauen deinen Namen nennen; denn es ist ein Zeichen, daß man entweder die Gnade Gottes schon besigt, oder doch bald derselben theilhaftig werden wird, wenn man deinen Namen mit Liebe ausspricht."**) Gleichwie das Athemschöpfen als ein Zeichen des vorhandenen Lebens betrachtet wird, so ist auch das öftere Anrufen des Namens Mariä als ein Zeichen des vorhandenen Lebens in der Gnade oder wenigstens als ein Merkmal nahe bevorstehender Aussohnung mit Gott anzusehen. Dieser mächtige Name hat die Kraft, allen, die ihn mit Vertrauen anrufen, Hilfe und das Leben der Gnade zu erwirken; er gleicht einem Thurme, in welchem der Sünder, wenn er sich darin verbirgt, *) Idiot. ap. Alph. Mar. p. 827. **) De Instit. Virg. c. 13. 144 Erster Theil. Auslegung des Salve Regina, Schuß vor dem Tode und sichere Vertheidigung seines Heiles findet. Aber der Name Mariens ist nicht nur ein fester Thurm, der die Sünder vor der Strafe bewahrt, sondern auch für die Gerechten eine Schußwehr gegen die Angriffe der Hölle; denn nach dem Namen Jeju gibt es keinen andern Namen, in welchem man so mächtige Hilfe fände, und der den Menschen so große Gnaden erlange, als der Name Mariens.*) Es ist bekannt und die Verehrer Mariens machen täglich die Erfahrung davon, wie der Name Mariens ganz besondere Kraft ertheilt, die Versuchungen gegen die Reinigkeit zu besiegen. Ueber die Worte der heiligen Schrift: Und der Name der Jungfrau war Maria' ( Luc. 1, 27.) bemerkt Richardus, daß der Evangelist diese beiden Namen, Jungfrau und Maria' zuſammen nenne, damit wir erkennen, wie man immer, wenn man an Maria denke, auch zugleich an die heilige Reinigkeit denken müsse. Der Name Mariens ist ein Zeichen der Reinigkeit; wer zweifelt, ob er in eine Versuchung gegen diese Tugend eingewilligt, der darf sich völlig beruhigen, sofern er sich bewußt ist, bei der Versuchung mit Vertrauen den Namen Mariens angerufen zu haben.**) Folgen wir immer dem Rathe des hl. Bernard, der uns ermahnt: ,, In aller Gefahr, die Gnade Gottes zu verlieren, müsset ihr an Maria denken, müsset ihr ihren Namen und den Namen Jesu anrufen, denn dies sind zwei Namen, *) De Laud. Virg. c. 2. **) Chrysol. Serm. 146. 10. Capitel. O süße Jungfrau Maria'! 145 die man nie trennen sollte. Möchten doch dieſe süßen und mächtigen Namen nie unsren Herzen, nie unsren Lippen fern bleiben, denn sie werden uns die nöthige Kraft verleihen, nie den Verjuchungen zu weichen und dieselben immer zu besiegen.*) Wollt ihr," lauten die Worte eines Thomas von Kempis, ,, in allen euern Müheseligkeiten Trost finden, meine Kinder, so nehmet eure Zuflucht zu Maria, so ruft Maria an, dienet ihr und empfehlt euch stets ihr an; freuet euch mit Maria, weinet mit Maria, betet mit Maria, wandelt mit Maria, sucht mit Maria euren Jesum, faßt den Entschluß, mit Jesu und Maria vereinigt zu leben und zu sterben. Wenn ihr das thut, so werdet ihr immer mehr auf den Wegen des Herrn fortschreiten, Maria wird dann gern für euch beten, und der Sohn wird gewiß seine Mutter erhören."**) 11 Wir haben aus allem bisher Gejagten erkannt, daß der heilige Name Maria ihren Verehrern während ihres Lebens gar jüß sei um der vielen Gnaden willen, die sie durch denselben erlangen. Aber noch weit süßer ist ihnen derselbe in ihrer Sterbestunde, weil er ihnen alsdann einen ruhigen und heiligen Tod erlangt. Der Pater Sartorius Caputo aus der Gesellschaft Jeju pflegte alle, die Sterbenden beizustehen haben, zu ermahnen, sie *) In periculis, in angustiis, in rebus dubiis, Mariam cogita, Mariam invoca. Non recedat ab ore, non recedat a corde. Hom. 2. sup. Miss. **) Ap. Paciucch. Exc. 22. in Sal. Agn Herrlicht. Mar. 10 146 Erster Theil. Auslegung des Salve Regina. sollen denselben recht oft den Namen Maria nennen; denn," sagte er, ,, es reicht hin, wenn man nur diesen Namen in der Todesstunde ausspricht, um alle Feinde zu verscheuchen und die Sterbenden in allen ihren Aengsten zu trösten." Auch der hl. Camillus Lellis ermahnte seine Ordensbrüder, sie sollten häufig die Sterbenden daran erinnern, die Namen Jesus und Maria anzurufen, wie er das immer bei andern zu thun pflegte; er selbst beobachtete diesen Rath in seiner Todesstunde auf weit vollkommenere Weise; denn man erzählt in seiner Lebensgeschichte, er habe die geliebten Namen Jesus und Maria mit so zarter Andacht angerufen, daß alle Anwesenden dadurch von Liebe entflammt worden seien. Endlich gab er den Geist auf, die Augen geheftet auf zwei Bilder Jeju und Mariä, mit gekreuzten Armen, indeß auf seinem Antlige himmlischer Friede leuchtete: seine letzten Worte waren die süßen Namen Jesus und Maria. Die Anrufung der heiligsten Namen Jejus und Maria gleicht einem kurzen Gebete, welches leicht für das Gedächtniß, zugleich lieblich für die Er innerung und mächtig genug ist, den Betenden gegen alle Feinde seines Heiles zu beschüßen. Ja, wer diese herrlichen und mächtigen Namen in seiner Todesstunde mit gläubigem Vertrauen anruft, hat sich vor den Angriffen des bösen Feindes nimmer zu fürchten. O wie glücklich ist der zu preisen, der einst wie der hl. Fulgentius im Sterben ausrufen kann: O Maria, du Erhabenste unter allen Geschöpfen, mit dir vereint will ich in den Himmel eingehen!" 10. Capitel. O füße Jungfrau Maria'! 147 Wie glücklich, dem es beschieden, wie einem hl. Heinrich( Cisterzienser † 1109), unter Anrufung des süßen Namens Maria den Geist aufzugeben! Bitten wir Gott, mein lieber Leser, Er wolle uns die große Gnade gewähren, daß die letzten Worte, die über unsre Lippen gehen, der Name Mariens sei, so wie dies der hl. Germanus wünschte, der Gott bat, der Name der göttlichen Mutter möge das letzte Wort sein, das seine Zunge bewege.*) O süßer Tod, o glückseliger Tod, den ein solcher Name des Heiles begleitet und beschützt! Gott ertheilt nur denen, die Er selig machen will, die Gnade, denselben in ihrer Todesstunde ausrufen zu können. Schließen wir mit den Worten des hl. Bonaventura: ,, gebenedeite Jungfrau, wenn meine Seele diese Welt verläßt, so komme du um deines glorreichen Namens willen mir entgegen und schließe mich in deine Arme. Tröste mich alsdann, o Maria, durch deine liebliche Gegenwart, sei mir eine Stufe und ein Weg zum Himmel. Erlange mir Vergebung bei Gott und ewige Ruhe. D meine mächtige Fürsprecherin Maria, du mußt deine Verehrer vertheidigen und dich ihrer vor dem Richterstuhle Christi annehmen."**) Beispiel. ( Aus: Leben des Hl. Alphons Maria von Liguori, von Jeancard.) Der Verfasser dieses Buches von den, Herrlichkeiten Mariens', Alphons Maria von Liguori, Stifter *) Orat. 6. d. A. V. **) Psalt. Deip. 148 Erster Theil. Auslegung des Salve Regina. der Redemptoristen, erscheint als ein von der göttlichen Vorsehung in den letzten Zeiten aufgestelltes Muster der erhabensten Tugenden und vorzüglich einer findlichen Liebe und Andacht zur Mutter des Herrn. Schon als Jüngling ließ er feinen Tag vorbeigehen, ohne einen Tempel oder einen Altar, der zur Ehre Mariens eingeweiht war, zu besuchen. An Samstagen fastete er zu ihrer Ehre bei Wasser und Brod, und auf ihre Hauptfeste bereitete er sich während neun Tagen durch mancherlei Andachts- und Tugendübungen vor. Der hl. Rosenkranz war sein Alltagsgebet. Wenn die Stunde schlug, pflegte er selbst in Gesellschaft die Rede zu unterbrechen, um seine geliebte Mutter mit dem englischen Gruße zu verehren. Denn er achtete, wie er selbst gestand, dieses Gebet mehr, als die ganze Welt. So oft er von Hause ging oder zurückkam, knieete er vor einem Marienbilde nieder und empfahl sich ihrem mütterlichen Schutze. Da er Priester und später Bischof von St. Agatha war, hielt er an Samstagen gewöhnlich eine Predigt über ihre Berehrung, und selbst in seinen Privatgesprächen schien dieses sein Lieblingsgegenstand zu sein. Seine Schrif ten allein wären schon ein unsterbliches Denkmal ſeiner zärtlichen Liebe zu Maria. Er bewies aber seine Liebe vorzüglich durch treue Nachahmung ihrer schönen Tugenden. Sein Glaube, obgleich durch schwere Versuchungen geprüft, stand so fest und unerschüttert, daß er aus den heftigen Stürmen, welche der böſe Feind gegen ihn erregte, durch Anrufung der heiligsten Namen Jesus und Maria stets siegreich hervorging. Er schätzte die Wohlthat, in der katholischen Kirche geboren zu sein, sehr hoch und wünschte oft, die Lehre derselben auch unter den Ungläubigen zu verbreiten und für dieselbe sein Blut und Leben zu opfern. Sein Vertrauen auf Gott und Maria grenzte an Wunder, als er ungeachtet schwerer Hindernisse der Welt entfagte, in der Folge unter den größten Beschwerden 10. Capitel, süße Jungfrau Maria'! 149 den neuen Orden gründete und die empfindlichsten Leiden, mit denen er von innen und außen heimgeſucht wurde, standhaft ertrug. Eines Tages, als seine Seele ganz trostlos war und mit harten Versuchungen kämpfte, suchte man ihn zu trösten durch Erwähnung des vielen Guten, welches er gewirkt hatte. Da entgegnete der Mann Gottes mit einiger Lebhaftigkeit: Nicht auf meine Werke vertraue ich, sondern auf die unendliche Barmherzigkeit meines göttlichen Heilandes und auf die Fürsprache seiner heiligen Mutter!" Noch in seiner Todesstunde und in seinen letzten Zügen bemerkte man, daß sein Antlitz sich erheiterte und seine Seele von heiliger Wonne überströmt wurde, so oft man ihm das Bildniß seiner geliebten Mutter vorhielt. Er drückte dasselbe mit inniger Zärtlichkeit an seine Brust und ließ es nicht eher, bis er seine Seele in die Hände des Schöpfers übergeben hatte. Gebet. O meine liebe Mutter Maria, o mein geliebter Jesu, mögen eure süßen Namen immer in meinem und in aller Menschen Herzen leben! Möchte ich alle andern Namen vergessen, um nur an die eurigen zu denken und sie immer anzurufen. Jesu, mein Erlöser, o meine Mutter Maria! Wenn meine Todesstunde, in der meine arme Seele diese Welt verlassen wird, nahe ist, o dann bereitet mir die Gnade um eurer Verdienste willen, daß meine letzten Worte, die ich alsdann oft zu wiederholen wünsche, also lauten: Ich liebe Euch, o Jesu und Maria! Euch schenke ich mein Herz und meine Seele. Vielleicht kann ich in dieser letzten Stunde deinen heiligen Namen nicht mehr aussprechen; darum rufe ich jetzt schon zu 150 Erster Theil. Auslegung des Salve Regina. dir: O Maria, hilf mir! O Maria, führe mich zu deinem göttlichen Sohne! O Maria, dir empfehle ich meine arme Seele! O meine Herrin, heilige Maria, ich empfehle mich in deine besondere Obhut heut und täglich und in der Stunde meines Abscheidens. In die mächtigen Arme deiner Barmherzigkeit lege ich meinen Leib und meine Seele, alle meine Hoffnung und Tröstung, alle meine Drangsale und Trübsale, mein Leben und Sterben, damit durch deine heiligste Fürbitte und durch deine Verdienste all mein Thun und Lassen deinem und deines Sohnes Willen entspreche. Mit dir und mit Jesu will ich jetzt leben! Mit dir und mit Jesu will ist einst sterben! Amen. * MARIA Von den Sugenden der allerfeligsten Jungfrau Daria. Vorerinnerung. Wollen wir uns die Fürbitte und den Beistand der Heiligen Gottes um so sicherer und mächtiger erwerben, müssen wir, wie der hl. Augustin lehrt, ihre Tugendbeispiele nachzuahmen uns bestreben. Wenn die Königin der Heiligen, unsre mächtige Fürsprecherin Maria, eine Seele aus den Händen des Teufels befreit und mit Gott wieder vereinigt hat, so will sie, daß dieselbe ihr auch nachfolge, denn sonst könnte sie dieselbe nicht nach Wunsch mit Gnaden bereichern, weil der alte Wandel im Stande der Sünde dies unmöglich machte. Maria nennt den selig, der sich bemüht, ihr nachzufolgen: Nun also, ihr Kinder, glückselig sind, die meine Wege bewahren." ( Sprüchw. 8. 32.) Wer liebt, der ist entweder der geliebten Person schon ähnlich, oder er sucht es zu werden, gemäß jenem Ausspruche: ,, Die Liebe findet oder macht Gleichgesinnte." Deshalb ermahnt uns der hl. Hieronymus, daß, wenn wir Maria verehren und lieben, wir suchen müssen, ihr nachzufolgen, weil dies die vollkommenste Verehrung ist, die wir bethätigen können.*) Diejenigen nur sind ihre wahren Söhne *) S. Hier. S. de Ass. ap. Lohn. 152 Erster Theil. Die Tugenden der sel. Jungfrau. und verdienen diesen schönen Namen, die nach Mög lichkeit ihren herrlichen Lebenswandel nachzuahmen sich bemühen. Der Sohn trete in die Fußstapfen der Mutter, wenn er ihre Zuneigung gewinnen will; denn dann sieht sie als Mutter sich geehrt und behandelt und begünstigt ihn als geliebten Sohn. Obgleich in den Evangelien wenig von den Tugenden Mariens aufgezeichnet ist, so heißt es doch daselbst, daß sie voll der Gnade war", woraus wir zur Genüge zu erkennen vermögen, daß sie alle Tngenden als Vollkommenheiten besaß und in heldenmüthiger Weise geübt hat. Ihr Leben ist ein genügendes Mufter für alle geworden, daher der hl. Ambrosius mit Recht sagen konnte: Es bleibe euch wie ein Bild vor euren Augen die Jungfräulichkeit und das Leben Mariens, in der uns ein Beispiel aller Tugenden vorleuchtet. Betrachtet sie als ein Muster eures Wandels und erkennt an ihr, was ihr verbessern, was ihr fliehen, was ihr behalten sollt.*) " 1 Weil nun nach dem Ausspruche der Väter die Demuth die Grundlage aller Tugenden ist, so wollen wir zuerst betrachten, wie groß die Demuth der Mutter Gottes gewesen ist. §. 1. Von der Demuth Mariens. Die Demuth ist die Grundlage und Hüterin aller Tugenden, ohne sie kann keine andere in des Menschen Herzen gedeihen. Vor der Ankunft Chrifti war diese nothwendige Tugend größtentheils un bekannt, durch den Heiland aber zu einer Bedingung seiner wahren Jüngerschaft anbefohlen worden: ,, Lernet von Mir; denn Ich bin sanftmüthig und von Herzen demüthig." Gleichwie nun Maria die *) 1. 2 de Virg. §. 1. Von der Demuth Mariens. 153 erste und vollkommenste Schülerin Jesu in allen Tugenden war, so ganz besonders auch in der Demuth. Die Heiligste und Vollkommenste unter allen Geschöpfen betrachtet sich nur als die niedrigste, als die letzte der Mägde Gottes. Ihre Losschälung von aller Eigenliebe, ihre Verzichtleistung auf alle Eitelkeiten und Ehren der Welt von dem ersten Augenblicke an, da sie von ihren Eltern im Tempel dem Herrn geopfert wurde; ihr verborgenes Leben, dem sie sich widmete, unbeachtet von den Menschen, aber desto bekannter und herrlicher vor Gott; ihr aufrichtiges Verschmähen auch des verdientesten Lobes, das ihr zu theil wurde; ihre Verlegenheit und Beschämung, in die sie bei dem Gruße des Engels gerieth; ihr Verlangen, in allen Dingen nur die eigene Erniedrigung zu suchen, obwohl sie mit so vielen Gnadengaben ausgeſtattet und so ganz heilig war; ihre Begierde, alle Strengheiten der Buße zu üben, obschon sie ihre erste Unschuld nie verloren hatte; das in ihr vorgegangene Wunder der Menschwerdung des göttlichen Sohnes, selbst sogar ihrem jungfräulichen Bräutigam zu verheimlichen; den nur ihr zukommenden Vorzug, die Mutterwürde verbunden mit der Ehre der Jungfräulichteit vor den Augen der Welt sorgfältig zu verbergen, daher sich dem Gesetze der Reinigung, gleich gewöhnlichen Weibern, zu unterwerfen, ungeachtet sie die Reinigkeit selbst und über jedes Gesetz erhaben war; ihre Sehnsucht nach Verachtung, nach Schmerzen und Leiden, eine Sehnsucht, welcher nur allzusehr entsprochen wurde, besonders als fie unter dem Kreuze ihres geliebten 154 Erster Theil. Die Tugenden der sel. Jungfrau. Sohnes stand und als die Mutter eines am Holze der Schmach angehefteten Missethäters verhöhnt und gelästert wurde; ihre Sorgfalt, immer nur Gott zu verherrlichen und alles Ihm allein zuzuschreiben, während Er an ihr die größten Wunder seiner Gnade wirkte, find alle diese Thatsachen nicht die glänzendsten Belege einer Demuth, von welcher noch kein Geschöpf auf Erden ein Beiſpiel gegeben, einer Demuth, durch welche Maria so sehr das Wohlgefallen Gottes verdiente? Wohl gibt es für unsre durch die Sünde verdorbene Natur feine Tugend, die ein größeres Maaß von Selbstüberwindung forderte, als die Uebung der Demuth. Indessen dürfen wir uns der Hoffnung nicht überlassen, wahre Söhne und Töchter Mariens zu sein und demgemäß von ihr in Huld und Gnaden angenommen zu werden, wenn wir uns nicht befleißen, ihre Demuth nachzuahmen. „ Kannst du die Reinigkeit der allerseligsten Jungs frau nicht nachahmen," spricht der hl. Bernard, so ahme ihre Demuth nach. Sie haßt eben so sehr als ihr göttlicher Sohn den Stolz und alle sündhafte Selbstüberschäßung." „ Je größer du bist," spricht der heilige Geist durch den Mund des weisen Sirach, desto mehr verdemüthige dich in allen Dingen." Je größer du bist, mein lieber Christ, je vortrefflicher und reicher die Gaben sind, die dir beschieden worden, desto mehr hüte dich vor aller Hoffahrt, dieser Ausgeburt der Hölle. Deine Verdemüthigung gebe sich in dem Maaße fund, in dem dich die Güte deines Schöpfers vor andern Menschen auszeichnet. Erniedrige dich selbst, indem du nach dem §. 1. Von der Demuth Mariens. 155 Beispiele der göttlichen Mutter die Vorzüge, Gaben und Gnaden, welche dir der Herr ertheilt, nie andern aus Eitelkeit bekannt machest, sondern sie vielmehr mit dem Mantel der Demuth bedeckst. Verdemüthige dich ferner dadurch, daß du alles Lob, das dir zukommen mag, auf Denjenigen zurückweisest, durch Den du bist, was du biſt, und durch Den du hast, was du hast, und daß du von der Erkenntniß deines Unvermögens durchdrungen wie Maria bekennest: ,, Meine Seele preise den Herrn, der Großes an mir gethan hat!" Gleichwie eine Bettlerin nicht stolz darauf sein darf, wenn man sie mit einem reichen Anzuge bekleidet, sondern sich vor ihrem Wohlthäter nur noch mehr verdemüthigt, weil sie dadurch an ihre Armuth erinnert wird, so verdemüthigte sich Maria um so mehr, je mehr sie mit Gnaden bereichert wurde, und eben diese tiefe Demuth machte sie ihrer Erhebung würdig. Es ist unmöglich, o meine Mutter, daß ich dein wahres Pflegekind sein kann, wenn ich nicht demüthig werde; stehe mir darum bei und erflehe mir durch die Verdienste deiner Demuth die Gnade, dir in dieser gottgefälligen Tugend treu nachzufolgen. §. 2. Von der Liebe Mariens zu Gott. Je demüthiger und reiner ein Herz ist, um so mehr gedeiht die Liebe Gottes in demselben, und da noch kein Sterblicher eine so tiefe Demuth und mackellose Reinheit, wie die hochgebenedeite Gottesmutter, besessen, so nehmen wir mit Recht an, daß auch noch keiner Gott so sehr wie sie geliebt hat. 11 156 Erster Theil. Die Tugenden der sel. Jungfrau. Wenn sich irgendwie die wahre Gesinnung eines Menschen aufrichtig zeigt und zu erkennen gibt, so ist es in der Schule des Kreuzes. Die Leiden find, wie das Sprüchwort sagt, der Prüfstein der Liebe. Wie aber hat sich Maria in den vielfachen Drangsalen, in der häufigen Angst und Noth ihres heiligen Lebens Gott gegenüber gezeigt? Gedenken wir des herben Schmerzes, den ihr liebevolles Mutterherz empfunden, als sie bei der Opferung ihres Sohnes im Tempel aus dem Munde Simeon's die erschütternden Worte hörte: ,, Dein Herz wird ein Schwert durchbohren." Gedenken wir der großen Angst und Betrübniß, die ihr zärtliches Mutterherz erfüllte, als ein Engel dem hl. Joseph die Nachricht brachte, daß der grausame Herodes dem Kinde nach dem Leben strebe, und ihm die Anweisung gab, mit ihr und dem Kinde nach Aegypten zu fliehen. Gedenken wir jener großen Angst und Betrübniß, die ihr Mutterherz empfunden, als sie ihren geliebten Sohn zu Jeruſalem verloren und drei Tage mit Schmerzen gejucht hat. Gedenken wir der großen Betrübniß, die ihr heiliges Mutterherz zerrissen, als sie ih ren unschuldigen und innigstgeliebten Sohn wie einen Missethäter gefangen nehmen, von grausamen Henkersknechten geißeln, mit Dornen frönen, mit Spott überhäufen, zum Tode verurtheilen und sein schweres Kreuz auf den Stichtplaß tragen sah. Gedenken wir des schneidenden Schwertes, das ihre Seele durchbohrte, als sie Jesum, die Wonne ihres Herzens, von allen verlassen, mit unsäglichen Wunden am Kreuze hangen und unter dem Hohngelächter seines Volkes den Geist aufgeben sah. Ge §. 2. Von der Liebe Mariens zu Gott. 157 denken wir der bittern Qual, die ihr zärtliches Mutterherz empfunden, als sie nach der Abnahme ihres geliebten Sohnes vom Kreuze seinen entfeelten Leib auf ihren mütterlichen Schooß genommen und Ihn bei der Betrachtung seiner heiligen Wunden mit ihren Thränen beneşte. Gedenken wir endlich der großen Trostlosigkeit, die ihr Innerstes erfüllte, als der Leichnam ihres geliebten Sohnes in das Grab gelegt wurde und ihre Augen zum letzten Male den Gegenstand ihrer innigsten Liebe erblickt haben. Wie hat sie sich in all diesen traurigen Verhältnissen benommen? Hat fie wider Gott geflagt oder gemurrt? Hat sie die Mörder ihres Sohnes gehaßt und verflucht? Hat sie aufgehört, Gott zu lieben? Nein, wir wissen im Gegentheile, daß ihre Liebe zu Gott in dem Ofen der Trübsal nur noch um so feuriger geworden ist. ,, Die göttliche Liebe," sagt der hl. Bernard, , hatte das Herz Mariens so tief verwundet und durchdrungen, daß nichts darin übrig blieb, was nicht von Liebe erfüllt gewesen wäre." Gott entflammte kein Herz so sehr mit seiner Liebe, wie das Herz der seligsten Jungfrau; denn da sie ganz frei von Anhänglichkeiten an irdische Dinge lebte, so war sie am empfänglichsten von diesem seligen Feuer entzündet zu werden. Nach der Behauptung eines hl. Ildephons hatte der heilige Geist Maria wie das Feuer das Eisen ganz durchglüht, so daß man in ihr nur die Flamme dieſer heiligen Gluth erblickte und nur das Feuer der Liebe Gottes an ihr gewahrte. Der hl. Thomas von Villanova sagt, daß der Dornbusch, den Mo 158 Erster Theil. Die Tugenden der sel. Jungfrau. ses brennen sah, ohne daß er sich verzehrte, ein Vorbild Mariens gewesen sei, und der hl. Bernard bezeugt, der hl. Johannes habe in der Offenbarung Maria mit der Sonne bekleidet erblickt: Und es erschien ein großes Zeichen am Himmel, ein Weib mit der Sonne bekleidet', weil Maria durch die Liebe so eng mit Gott verbunden war, daß es scheint, ein bloßes Geschöpf könne sich nicht inniger mit dem Herrn vereinigen. Da Maria durch ihre Liebe zu Gott ein hellbrennendes Feuer ist, so entzündet sie alle, die sie lieben und ihr nahen, und bewirkt, daß sie ihr gleich werden. Wünschen wir daher, daß sich auch unsre Herzen von dieser Liebe entzünden, so bestreben wir uns, durch Gebet und durch Anmuthungen zu Gott uns immer mehr unsrer geliebten Mutter Maria zu nähern. OKönigin der Liebe, einst batest du deinen Sohn für jene Brautleute, die keinen Wein mehr hatten; solltest du nicht auch Gott für uns bitten, uns, denen die Liebe mangelt, die wir den Herrn nicht lieben, wie wir verpflichtet sind! Sage Jhm: Sie haben keine Liebe," und erflehe uns dieselbe. Wir bitten dich um keine andere Gnade, als um die Liebe zu Gott. D liebenswürdigste Mutter, erwirke, daß wir unser ganzes Leben hindurch nach nichts anderm so sehr eifern, als unsren Gott in Wahrheit zu lieben, der uns zuerst und von Ewigkeit her so innig geliebt hat! §. 3. Von der Liebe Mariens zu dem Nächsten. 159 §. 3. Von der Liebe Mariens zu dem Nächsten. Die Gottesliebe und die Nächstenliebe sind in einem und demselben Gebote anbefohlen: ,, Wer Gott liebt, der liebt auch seinen Nächsten."( L. Joh. 4, 21.) Hat es auf Erden noch kein Geschöpf gegeben, das Gott so innig geliebt, wie Maria, so muß ihre Liebe zu den Menschen auch den höchsten Grad erreicht haben. So lange sie hienieden weilte, kam sie den Bedürftigen zu Hilfe, ohne darum ange= sprochen worden zu sein, wie uns die Begebenheit bei der Hochzeit zu Cana lehrt. Als sie aus Nächstenliebe ihre Verwandte Elisabeth besuchte,, ging sie eilends auf das Gebirg'.( Luc. 1, 39.) Aber eine größere Liebe konnte sie uns nicht bezeugen, als da sie ihren Sohn für unser Heil zum Tode aufopferte. Jetzt, da sie im Himmel ist, hat sich ihre Liebe zu uns vergrößert, indem sie unser Elend und unsre Nöthen weit besser kennt. Das Feuer ist, wie sich ein frommer Schriftsteller ausdrückt, das Sinnbild der Liebe. Wie dieses, so lange es brennt, nimmer ruht, sondern in fortwährender Bewegung und Thätigkeit ist, so bleibt auch die Liebe, wenn sie eine wahre ist, nicht im Innern verschlossen und ruhig, sondern gibt sich fund durch Wirken und Wohlthun. Es wird demnach auch die Mutterliebe Mariens gegen uns Menschen nicht unthätig sein. Nein! Mutterliebe erzeugt Muttersorgen, und diese offenbaren sich durch Werke. Maria thut mehr für uns, als irgend eine Mutter für den Liebling ihres Herzens zu thun im stande wäre; sie nährt uns mit der Milch der göttlichen Gnaden; fie deckt uns in Gefahren mit 160 Erster Theil. Die Tugenden der sel. Jungfrau. ihrem mütterlichen Schuße; sie vertritt unsre Sache bei dem ewigen Richter; sie leitet uns hinan auf dem Wege der Tugend zum Besiße des himmlischen Erbes, das uns ihr göttlicher Sohn erworben hat. Wäre es uns vergönnt, hineinzuschauen in die Geheimnisse der göttlichen Vorsehung, wie vieles würden wir da wahrnehmen, das uns die Muttersorge Mariens und ihr huldreiches Verwenden für unser Heil zeigte! Wie vieles wird uns schon gezeigt durch die Geschichte? Alle Heiligen, welche seit achtzehn Jahrhunderten die Kirche Gottes verherrlicht haben und jetzt der himmlischen Glückseligkeit genießen, verdanken nächst Gott der Fürsprache seiner heiligen Mutter ihr Heil. Wir selbst, wie viele Gnaden haben wir schon empfangen durch Maria! Wie viele Segnungen dürfen wir noch durch sie für die Zukunft erwarten! ,, Erkennen sollen wir," sagt der Hl. Bernard, daß wenn irgend Hoffnung, wenn irgend Gnade in uns ist, sie von derjenigen zu uns tam, die von Lieblichkeit überfließend zum Himmel auffuhr." Ein Garten heiliger Wonne ist sie, den nicht nur der ankommende Mittagwind anwehte, sondern auch der über sie kommende Hauch Gottes durchdrang, auf daß ihre Balsamgerüche, die Salbungen der Gnade nämlich, ausströmten und sich ergössen! Ist aber die Mutterliebe Mariens so thätig, so wirksam zu unserm Heile, und ist sie die Quelle so reichlichen Segens für uns, so möge hienieden auch unsre Liebe sich durch Werke offenbaren. Erfüllen wir unsrerseits die Pflichten guter Rins der; bringen wir täglich unsrer geliebten Mutter den Zoll andächtiger Verehrung; suchen wir ihre 161 §. 4. Von dem Glauben Mariens. Ehre auch bei andern zu fördern, und lassen wir es uns vorzüglich angelegen sein, durch Nachahmung ihrer Tugenden uns als würdige Söhne und Töchter dieser Himmelskönigin zu erweisen! §. 4. Von dem Glauben Mariens. Gleichwie die allerseligste Jungfrau die Mut ter der Liebe und der Hoffnung ist, so ist sie auch die Mutter des Glaubens, sie hat den Schaden, welchen der Unglaube Eva's angerichtet, durch ihren Glauben wieder gutgemacht; sie ist jenes gläubige Weib, durch deren Glauben der ungläubige Adam und seine Nachkommenschaft gerettet worden sind. Um ihres Glaubens willen rief ihr Elisabeth zu: ,, Selig bist du, daß du geglaubt hast; denn was dir vom Herrn verkündet worden, wird in Erfüllung gehen." Und der hl. Augustin setzt hinzu: Maria war seliger zu preisen, da sie durch ihren Glauben Jejum Christum in ihrem Herzen aufnahm, als da sie den Heiland in ihrem Leibe empfing." " 1 Wenn Abraham in der heiligen Schrift gepriesen wird, weil er glaubte, Gott könne ihm, dem hundertjährigen Greise, noch einen Sohn geben und denselben, wenn er ihn auf seinen Befehl schlachten würde, wieder vom Tode erwecken, wie weit mehr verdient Maria erhoben zu werden? Gin Engel des Herrn verkündigt ihr, daß der Sohn Gottes mit einem menschlichen Leibe bekleidet erscheinen, aus ihr, ohne Verlegung ihrer Jungfrauschaft, werde geboren, das Reich David's herstellen und ein ewiges Reich stiften werde. Sie glaubt Herrlicht. Mar. 11 162 Erster Theil. Die Tugenden der sel. Jungfrau. fest und wird selbst vom heiligen Geiste wegen dieses großmüthigen Glaubens gepriesen. Sie er blickt ihren Sohn im Stalle zu Bethlehem und glaubt dennoch, daß Er der Schöpfer Himmels und der Erde sei; sie sieht Ihn fliehen vor Herodes und zweifelt dennoch nicht, daß Er der König der Könige sei; sie sieht Ihn vor sich als Kind und glaubt dennoch, daß Er von Ewigkeit ist; sie sieht Ihn arm, sie sieht Ihn Speise und Trank gebrauchen und hält Ihn dennoch für den Herrn der ganzen Welt; sie sieht Ihn auf dem Stroh und betet Ihn dennoch an als den allmächtigen Gott; sie hört Ihn nicht reden und verehrt Ihn dennoch als die unendliche Weisheit; sie sieht Ihn weinen und glaubt dennoch, daß Er die Freude des Himmels sei; sie sieht, wie Er mißkannt, verachtet, vom Volke mit Lästerungen überhäuft, endlich am Kreuze stirbt, und obgleich der Glaube seiner Jünger schwankt, so zweifelt sie dennoch nicht und bleibt in der festen Ueberzeugung von seiner Gottheit; sie weiht Jesum Christum, ihren einzi gen Sohn, durch heilige Anmuthungen ihres Herzens dem Tode, weil es Gott von ihr fordert und den Menschen sein Versöhnungstod nothwendig ist. Der Glaube ist eine Gabe Gottes, insofern er ein Licht ist, das Gott der Seele mittheilt; er ist eine Tugend, insofern die Seele ausübt, was fie glaubt. Der Glaube enthält nicht nur Vorschriften in bezug auf das, was wir glauben müssen, nein, er enthält auch Lebensregeln, und deswegen fonnte der hl. Gregor mit Recht sagen: „ Der glaubt wahrhaft, der das bethätigt, was er glaubt;" und der hl. Augustin: Du sagst: Ich 163 §. 5. Von der Hoffnung Mariens. glaube; thue, was du sagst, alsdann hast du den Glauben. Der hat einen lebendigen Glauben, der da lebt, wie der Glaube ihm zu leben befiehlt." Mein Gerechter aber lebt aus dem Glauben."( Hebr. 10, 38.) So lebte Maria, und dadurch unterscheidet sie sich von denen, die nicht thun, was sie glauben, und deren Glaube, wie der hl. Jacobus schreibt, todt ist: Der Glaube ohne die Werke ist todt." Diogenes suchte auf Erden einen wahren Menschen; so scheint es, daß auch Gott unter so vielen Gläubigen einen wahren Christen suche. Denn es gibt nur wenige, in denen die Werke eines Christen zu finden wären, so daß die meisten nur den Namen eines Christen tragen. Solchen sollte man zurufen, was Alexander der Große einst zu einem furchtsamen Soldaten, der auch Alerander hieß, sagte:„ Du mußt entweder deinen Namen oder deine Sitten ändern." Ihre Ueberzeugungen und Handlungen stehen zu einander in einem schroffen Gegensaße, indem sie dem Glauben beipflichten, ein gottseliger Wandel habe eine glückselige, ein sündhafter aber eine unglückjelige Ewigkeit zu erwarten, und dennoch leben, als wüßten sie nichts von diesem Glauben. Bitten wir daher die seligste Jungfrau, sie möge uns, um ihrer Verdienste willen, einen lebendigen Glauben erwirken. S. 5. Von der Hoffnung Mariens. Aus dem Glauben entspringt die Hoffnung; denn Gott erleuchtet uns deshalb durch den Glauben, damit wir seine Güte und seine Versprechun 164 Erster Theil. Die Tugenden der sel. Jungfrau. gen erkennen und darauf mittels der Hoffnung die Begierde in uns entzünden, Ihn zu besigen. Da nun Maria den Glauben in einem ausgezeichnet hohen Grade besessen, so hatte sie auch eine sehr große Hoffnung, so daß sie wie David ausrufen konnte: ,, Mir aber ist es gut, Gott anhangen und auf Gott den Herrn meine Hoffnung sezen." Sie betrachtete die Welt als eine Wüste, da sie frei war von aller Anhänglichkeit an dieselbe, weder auf die Geschöpfe, noch auf ihre eigenen Verdienste das geringste Vertrauen setzte und so immer mehr in der Liebe Gottes wuchs. Die allerseligste Jungfrau gab einen Beweis ihres großen Vertrauens auf Gott, als sie bemerkte, wie der hl. Joseph, der nicht wußte, auf welche wunderbare Weise sie Mutter Jesu geworden, unruhig wurde, und mit dem Gedanken umging, sie zu entlassen:, Joseph aber gedachte, sie heimlich zu entlassen'. Es schien damals nothwendig, ihrem Gemahl das Geheimniß zu entdecken; aber nein, sie selbst wollte nicht die empfangene Gnade offenbaren und meinte, es sei besser, sich der göttlichen Vorsehung zu überlassen, und war voll Vertrauen, Gott werde schon ihre Unschuld und ihren guten Ruf zu bewahren wisſen. Aber auch in jener Nacht gab Maria einen Beweis ihres Vertrauens auf Gott, als sie, da Jesu Geburt nahe bevorstand, aus den ärmlichsten Herbergen verstoßen, sogar in einem Stalle ihr Kind zur Welt bringen mußte.„ Sie legte ihn in eine Krippe, weil in der Herberge kein Platz für sie war."( Luc. 2, 7.) Man hörte keine Klage von ihr, sie übergab sich ganz Gott, voll Vertrauen, - §. 5. Von der Hoffnung Mariens. Er werde auch an diesem Orte über sie machen. Als ihr später der durch einen Engel dem hl. Joseph aufgetragene Befehl zur Flucht nach Aegypten mitgetheilt wurde, gab sie einen neuen schönen Beweis ihres Vertrauens auf die göttliche Vorsehung; denn in derselben Nacht noch war sie bereit, eine so große Reise in ein fremdes und unbekanntes Land zu unternehmen, ohne Lebensvorrath, ohne. Geld, ohne andre Begleitung als die ihres Jesuskindleins und ihres armen Gemahls, „ der aufstand und das Kind und seine Mutter bei Nacht nahm, und fortzog nach Aegypten." ( Matth. 2. 14.) Dasselbe unerschütterliche Vertrauen bethätigte sie, als bei der Hochzeit zu Cana der Wein ausgegangen war und der Sohn ihr auf ihre Fürbitte, durch seine Allmacht zu helfen, einen abschlägigen Bescheid ertheilt hatte; sie vertraute auf die Güte ihres Gottes und forderte die Hochzeitsleute auf, zu thun, was Jesus ihnen sagen werde, fest überzeugt, Er werde ihre Bitte erfüllen, wie es denn auch wirklich geschehen ist. Lernen wir von Maria, ein wahres Vertrauen pflegen, hauptsächlich in allem, was Bezug hat auf die große Angelegenheit unsrer ewigen Seligfeit; denn obgleich wir hiezu mitwirken müssen, so können wir doch nur von Gott die Gnade hoffen, dahin zu gelangen, wenn wir gänzlich anf unsre eigenen Kräfte mißtrauen und mit dem Apostel ausrufen:„ Ich vermag alles in Dem, der mich stärkt."( Phil. 4, 13.) 165 - O göttliche Mutter, du wirst in der heiligen Schrift, eine Mutter der heiligen Hoffnung genannt, und auch die Kirche begrüßt dich mit den 166 Erster Theil. Die Tugenden der sel. Jungfrau. Worten:, Unsre Hoffnung, sei gegrüßt!' So will denn auch ich dich stets nach Jesus meine größte Hoffnung nennen und dich als das Heil derer betrachten, die ihr Vertrauen auf dich setzen. §. 6. Von der Reinigkeit Mariens. Nicht alle Menschen sind zum jungfräulichen Stande berufen; wer aber dem Herrn seine Jungfrauschaft angelobt hat, der danke Jhm für diese hohe Gnade und schätze sich glücklich, unter die Zahl jener auserwählten Seelen zu gehören, an deren Spitze die jungfräuliche Gottesmutter steht; wer sich hingegen zu einem andern Stande berufen fühlt oder einen solchen bereits angetreten hat, möge immerhin bedenken, daß die stets unversehrte Jung frauschaft Mariens eine ihrer Haupttugenden, einer der schönsten Edelsteine ist, welcher in ihrer Krone strahlt; daß die jungfräuliche Reinigkeit die menschliche Natur auf ausgezeichnete Weise veredelt, und daß der Mensch stets zu einer seinem Stande augemessenen Reinigkeit verpflichtet ist. Es stimmen alle heiligen Väter in der Behauptung überein, und zwar gestüßt auf das Evangelium und die mündliche Erblehre, Maria würde eher auf die größte aller Würden und selbst auf die göttliche Mutterschaft verzichtet haben, als daß sie jemals der jungfräulichen Reinigkeit entsagt hätte. Die heilige Kirche wird nicht müde, ihre Jungfrauschaft zu preisen, und wo sie nur immer Maria nennt, fügt sie den Namen Jungfrau hinzu. Sie begrüßt Maria in den feierlichen Gebeten und Tagzeiten als: die gebenedeite Jung 167 §. 6. Von der Reinigkeit Mariens. frau, die heilige Jungfrau, die Jungfrau im ausgezeichneten Sinne, die Jungfrau der Jungfrauen. Sie befingt sogar mit den Worten des hl. Augustin die göttliche Mutterschaft Mariens als eine Wirkung ihrer erhabenen Jungfrauschaft. ,, O heilige und unbefleckte Jungfräulichkeit," ruft sie voll Entzücken aus, wie kann ich dich würdig genug loben! Denn Derjenige, welchen die Himmel der Himmel uicht fassen können, hat sich in dir eingeschlossen." Wirklich verleiht die jungfräuliche Mutterschaft der zeitlichen Geburt des Sohnes Gottes eine auffallende Aehnlichkeit mit seiner ewigen Geburt. Hören wir, wie der hl. Augustin darüber spricht: ,, Der Vater," sagt er, seinen Sohn von aller Ewigkeit in dem seiner Herrlichkeit; Maria, die Jungfrau, gebar Ihn in der Zeit in der Herrlichkeit ihrer unverjehrten Reinigkeit. Gott der Vater hat die Unfähigkeit zum Leiden, die Mutter hat die Unverderblichkeit; in dem Vater wohnt die ewige Gottheit, in der Mutter die immerwährende Jungfräulichfeit." Wie groß, wie erhaben steht nicht die Königin der Jungfrauen vor uns da! Wie ruhmvoll ist es nicht, ihr anzugehören, auf ihren Pfaden zu wandeln, wie ein Engel im sterblichen Leibe zu leben und nur nach jenen großen Gnaden zu ringen, von denen sie erfüllt war! Die vollkommene Jungfrauschaft hat nebſtdem noch eine andere Aehnlichkeit mit Gott und seiner Heiligkeit. Gott ist heilig, weil seine ganze Wesenheit nichts als Heiligkeit ist; Gott ist heilig, weil Er alle möglichen Vollkommenheiten in sich vereinigt: Gott ist heilig, weil die Ihm von Ewigkeit erzeugte Glanze 168 Erster Theil. Die Tugenden der sel. Jungfrau. innewohnende Heiligkeit, unveränderlich ist. Mit dieser Heiligkeit Gottes hat die Heiligkeit, die vollkommene Reinigkeit Mariens eine auffallende Aehnlichkeit. Maria ist heilig nicht von Natur, sondern weil sie ihr ganzes Wesen und Dasein Gott durch das Gelübde der Jungfrauschaft angelobt hatte und also Ihm möglichst ähnlich sein wollte; Maria ist heilig, weil sie nebst allen Tugenden eines vollkommenen Geschöpfes eine mehr als englische Reinigkeit beobachtete; sie ist heilig, weil sie in Ausübung aller Tugenden eine stets unerschütterliche Standhaftigkeit bewies. Deswegen erwählte sie Gott als das unter allen Geschöpfen vollkommenste Ebenbild seiner Heiligkeit zu seinem lebendigen Tabernakel. Nichts Irdisches war an ihr zu finden; sie wollte nur Gott gefallen; daher beraubte sie sich nicht nur aller körperlichen, irdischen, erlaubten Vergnügungen, sondern entsagte gänzlich und für immer dem Rechte und der Freiheit, je nach denselben streben zu können. Sie , die Morgenröthe der aufgehenden Sonne', gelobte unter allen Sterblichen Gott zuerst ewige Jungfrauschaft und verschönerte den Garten Gottes durch die schönste Blume, die Lilie der Unschuld. Vom heiligen Geiste erfüllt prophezeite der Psalmist, daß nach ihr unzählige Jungfrauen in den Palast des Königs würden geführt werden. ( Pf. 44, 16.) Dies geschah dadurch, daß sie dieselben durch ihr Beispiel zu solchem Entschlusse begeisterte, und ihnen die Gnade erflehte, muthig auf der so schönen, wahrhaft überirdischen Lebensbahn fortzuschreiten. Kurz, Maria ist die Königir der Jungfrauen, weil sie dieselben zu einem sol 169 §. 6. Von der Reinigkeit Mariens. chen Entschlusse bewegt, leitet, beschützt und ihnen den herrlichsten Triumph über alle Feinde verschafft. Mit unaussprechlicher Freude blickt die Reinste unter den Reinen auf alle wahren Jungfrauen herab und betrachtet sie als die auserwählte Schaar der Erbschaft des Herrn und als ihr eigenes Erbe. Ist es denn nicht wahr, daß der Hl. Johannes, dieser jungfräuliche Apostel, vom Sohne Gottes ſeiner jungfräulichen Mutter ganz besonders empfohlen und als ihr würdiger Sohn anvertraut wurde? Was der Liebesjünger für Maria war, das sind für sie jetzt noch alle Jungfrauen. Indeß ist Maria nicht blos die Königin der reinen Bräute des göttlichen Erlösers, sondern auch jeder andern Seele, welche die standesmäßige Reuschheit beobachtet, ,, Die körperliche Jungfrauschaft ist sehr selten," sagt der hl. Auguſtin, und ist nicht nothwendig, um selig zu werden; nothwendig aber ist es, das Herz immer rein und unbefleckt zu erhalten, da nichts Unreines in den Himmel eingehen kann." Die Reinigkeit ist eine für alle Stände und für jedes Alter vorgeschriebene Tugend. Die heilige Reinigkeit hat ihre Helden nicht nur in den Klöstern und Einöden, sondern mitten in der Welt aufzuweisen, und die Siege, welche im Getümmel der Welt erfochten werden, sind Gott öfters wohlgefälliger, weil sie mit größerer Anstrengung erkämpft werden. Wer immer durch große Herzensreinigkeit sich ausgezeichnet hat, ist gewiß ein besondrer Verehrer Mariens gewesen; zu ihr floh er, wenn die Anfechtung heftig war; ihr dankte er, wenn er den Sieg davon trug; ihr empfahl er sich stets, weil sie von Gott 170 Erster Theil. Die Tugenden der sel. Jungfrau. als Beschüßerin der nach Reinigkeit strebenden Seelen aufgestellt ist, und weil sie sich immer als die erste Feindin des unreinen Geistes bewiesen hat. 8. 7. Don der Armuth Mariens. 11 Um irdische Reichthümer ist es nach der Lehre der täglichen Erfahrung ein zweifelhaftes Ding. Wer sich auf Reichthum verläßt," spricht Salomon, der wird untergehen," und es ist laut der Versicherung unsers Erlösers gar schwer, daß die, welche auf Geld ihr Vertrauen seken, in das Reich Gottes eingehen. Abgesehen aber davon, daß äußere Besitthümer auch das Herz an das Sinnliche fesseln, was ist es denn um all diese Schäße? Eine verhängnißvolle Stunde raubt sie uns, und was wir vor der Zerstörung des Rostes und der Motten, vor Diebeshänden und der Elemente verheerender Gewalt gerettet, müssen wir am Ende doch zurücklassen und abtreten, wenn die Todesstunde schlägt und des Herrn Ruf uns in die andere Welt hinüberfordert. Zeigen wir uns daher, wie der Apostel ermahnt, vielmehr als solche, die da arm sind und doch viele bereichern; als solche, die da nichts haben und doch alles besigen'. Das ist der Reichthum, durch den die Mutter des Hei landes sich auszeichnete, und der nicht von ihr genommen werden wird. Erdengüter waren ihr nicht zugewiesen; in Armuth geboren und erzogen, blieb sie arm ihr lebenlang. Wie der Sohn, obwohl Er der Herr Himmels und der Erde war, , nicht hatte, wohin Er sein Haupt legen sollte, so hatte auch die Mutter nichts. Die Geschenke, §. 7. Von der Armuth Mariens. 171 welche die heiligen drei Könige opferten, waren gewiß von hohem Werthe; aber nach dem hl. Bernard, soll sie dieselben unter die Armen vertheilt haben, was auch aus dem Umstande ge= schlossen werden kann, weil sie bald darauf, da sie sich in den Tempel begab, nicht ein Lamm, welches das Opfer der Reichen war, sondern ein Paar Turteltauben, das gewöhnliche Opfer der Armen, darbrachte. Aus Liebe zur Armuth schämte sie sich nicht, einen dürftigen Zimmermann, den Hl. Joseph, zum Gemahl zu nehmen und ihren Unterhalt durch Arbeit zu verdienen. Und wie sie arm gelebt, so starb sie auch in der Armuth; denn man weiß nicht, daß sie nach ihrem Tode etwas anderes hinterlassen hätte, als zwei ärmliche Kleider, die sie, nach dem Berichte Metaphraft's und Nicephor's, zwei Frauen geschenkt haben soll, die ihr, so lange sie lebte, beigestanden hatten. Anstatt vergänglicher Reichthümer besaß Maria den Mensch gewordenen Sohn Gottes und in Jhm das Unterpfand ihres Lebens und ihrer Seligkeit. Sie fand in Ihm die Kraft zur Uebung all ihrer Pflichten, die Stärke zur Ertragung all ihrer Leiden, den Urquell ihres Friedens und ihrer stillen Beseligung. Das war ihr Reichthum, und dafür sind wir alle berufen. Auf diese Weise reich zu sein in der Armuth als solche, die, ob sie auch manches ihr eigen nennen, nichts haben und doch alles besitzen', das ist unsre Aufgabe. Wer, der je ein Gefühl dieses Reichthums gehabt, zieht dasselbe nicht aller irdischen Herrlichkeit vor? Wer, dem sein Gewissen Zeugniß von seiner Unschuld und Tugend gibt, 172 Erster Theil. Die Tugenden der sel. Jungfrau. möchte dies Zeugniß für alles Gold in der Welt verkaufen? Es sind der Armen wohl viele unter uns, die den Glauben bewahrt und Tugend geübt haben; ob sie aber bei all ihren Sorgen und Mühen in dem Bewußtsein solchen Eigenthums mit den Reichen der Welt tauschen möchten? O seligste Jungfrau, die du auf Erden kein andres Gut suchtest und liebtest als Gott, ziehe mich zu dir, auf daß ich mein Herz den vergänglichen Gütern immer mehr entziehe und nur Gott liebe, der allein geliebt zu werden verdient! §. 8. Von dem Gehorsam Mariens. Aus Liebe zum Gehorsam legte sich Maria bei der Verkündigung des Engels den Namen einer Magd bei:, Sieh, ich bin eine Magd des Herrn', und zwar nannte sie sich also, weil sie niemals dem Herrn weder durch ihre Handlungen, noch durch ihre Gedanken widersprach, sondern ohne allen Eigenwillen immer und in allen Dingen dem göttlichen Willen unterworfen blieb. Sie selbst erklärt uns, daß dieser Gehorsam Gott wohlgefallen habe. ,, Er hat angesehen die Niedrigkeit sei ner Magd, denn gerade darin besteht die De muth oder Niedrigkeit einer Magd, daß sie immer bereit ist, ihrem Herrn zu gehorchen. Gleichwie Eva durch ihren Ungehorsam für sich und das ganze menschliche Geschlecht eine Ursache des Todes geworden ist, so ward Maria durch ihren Gehorsam für sich und alle Menschen eine Ursache des Heiles. Der Gehorsam der göttlichen Mutter übertrifft 175 §. 8. Von dem Gehorsam Mariens. an Vollkommenheit jenen der übrigen Heiligen, welche infolge der Erbsünde die Neigung zum Bösen in sich trugen und das Gute nur mit Mühe zu vollbringen vermochten; denn ohne Erbsünde empfangen und geboren, empfand sie keinen Widerstand in der Ausübung dessen, was Gott von ihr forderte, sondern sie folgte der geringsten Anregung des heiligen Geistes, so daß es auf Erden ihre stete Beschäftigung war, fortwährend darauf zu achten, was Gott von ihr wolle, um seinen Willen sogleich ins Werk zu setzen. Maria zeigte auch ihre Bereitwilligkeit, sich in alles zu fügen, durch die That, da sie aus Liebe zu Gott dem römischen Kaiser gehorchte und die an fünfzehn Meilen weite Reise nach Bethlehem unternahm mitten im Winter, trotz ihrer Mutterschaft und ungeachtet einer so großen Armuth, durch die sie genöthigt war, den Welterlöser in einem zerfallenen Stalle niederzulegen. Eben so schnell gehorchte sie auch dem hl. Joseph, als sie sich mitten in der Nacht auf die weit längere und mühsamere Reise nach Aegypten begab. Wenn der Befehl zu dieser Flucht nicht ihr, sondern dem hl. Joseph gegeben ward, so geschah dies blos aus dem Grunde, um ihr einen neuen Anlaß zu bieten, die Tugend des Gehorsams durch ihre Unterwerfung auszuüben. Aber vor allem gab Maria einen Beweis von ihrem heldenmüthigen Gehorsam, als sie, um sich nicht dem Willen Gottes zu widersetzen, ihren eigenen Sohn jo muthvoll aufopferte, daß sie, wie der heilige Ildephons sagt, bereit gewesen wäre, wenn die Henfersknechte gefehlt hätten, ihren Heiland mit ihren eigenen Händen ans Kreuz zu 174 Erster Theil. Die Tugenden der sel. Jungfrau. schlagen. Durch den Gehorsam, mit welchem fie sich den Fügungen des Herrn unterwarf und dessen Willen vollführte, war sie, wie der ehrwürdige Beda lehrt, seliger und glücklicher, als selbst durch ihre göttliche Mutterschaft. O meine geliebte Königin, bitte Jejum für uns und erlange uns um deines Gehorsams willen die Gnade, daß wir den Willen Gottes und die Vorschriften unsrer geistlichen Führer treu befolgen! §. 9. Von der Geduld Mariens. Diese Erde, auf welcher wir für das bessere Leben uns Verdienste sammeln sollen, wird mit Recht ein Thränenthal genannt, in dem alle Menschen leiden müssen, um durch die Geduld den Himmel zu verdienen, wie uns dies unser Heiland selbst gelehrt hat: In eurer Geduld werdet ihr eure Seelen besigen."( Luc. 21, 19.) Gott stellte uns die allerseligste Jungfrau Maria als ein Beispiel aller Tugenden, vorzüglich aber der Geduld vor. Der hl. Franz von Sales behauptet, Jesus Christus habe bei der Hochzeit von Cana gerade deshalb jene Antwort:, Was habe Ich mit dir zu schaffen, durch welche Er ihre Bitte gering zu schätzen schien, ertheilt, damit Er uns in Maria ein Beispiel der Geduld vor Augen stelle. Es wäre überflüssig, hierfür Beweise zu suchen, da das ganze Leben Mariens eine fortwährende Uebung dieser Tugend war. Das Mitleid, das sie mit den Leiden ihres Heilandes trug, reichte allein schon hin, eine Martyrin der Geduld aus §. 9. Von der Geduld Mariens. 175 ihr zu machen, weshalb der hl. Bonaventura von ihr sagen konnte: Die Gekreuzigte hat den Gefreuzigten empfangen." Wir haben schon früher betrachtet, wie viel Maria auf der Reise und während des Aufenthaltes in Aegypten, so wie auch in Nazareth gelitten hat; allein wir dürfen, um einen rechten Begriff von ihrer heldenmüthigen Geduld zu erhalten, uns blos die Thatsache in die Erinnerung zurückrufen, daß sie auf dem Calvarienberge unter dem Kreuze bei ihrem sterbenden Sohne standhaft ausgeharrt hat. Beseelt uns das Verlangen, wahrhaft Kinder Mariens zu werden, so jei auch der Entschluß damit verbunden, ihre Geduld nachzuahmen. Kann uns doch nichts hier auf Erden mit mehr Verdiensten und jenseits im Himmel mit größerer Herrlichkeit bereichern als das geduldige Ertragen der über uns verhängten Leiden und Prüfungen. Gleichwie der Dornenzaun den Weinberg beschützt, so umgibt der Herr seine Auserwählten mit mancherlei Drangsalen, damit sie ihre Neigungen nicht zu sehr an die Erde und deren eitle Güter heften und ihre Seelen vor dem Verderben um so eher bewahren. Die Geduld heiligt uns, denn sie hat ein vollkommenes Werk,"( Jac. 1, 4.) sie gibt uns Kraft mit ungestörtem Frieden, sowohl das Kreuz, das uns unmittelbar von Gott zugeschickt wird, nämlich Krankheit, Armuth 2c., als auch die Leiden, die uns von den Menschen widerfahren, Verfolgungen, Beleidigungen 2c. zu ertragen. Der hl. Johannes sah alle Heiligen mit Palmen, dem Zeichen des Martyriums in den Händen: Nach diesem sah ich eine große Schaar- die hatten Balmen " 1 11 176 Erster Theil. Die Tugendent der sel. Jungfrau. in den Händen,"( Offenb. 7, 9.) wodurch uns angedeutet wird, daß alle Erwachsene, die selig werden, entweder Martyrer durch ihr vergossenes Blut oder durch ihre Geduld werden müssen. So konnte also der hl. Gregorius freudig ausrufen: Wenn wir immer geduldig bleiben, so können wir ohne das Schwert Martyrer werden." Welch großer Lohn wartet auf uns im Himmel für alle Leiden, die wir aus Liebe zu Gott ertragen haben! Dieser Gedanke gab auch dem hl. Paulus Muth zum beharrlichen Dulden; denn unsre gegenwärtige Trübsal, die von kurzer Dauer und leicht ist, bewirkt eine alles überwiegende Herrlichkeit in uns."( II. Cor. 4, 17.) Wer das Kreuz mit Liebe umfaßt, der fühlt es nicht, und wenn jemand sich entschließt, zu leiden, ſo empfindet er alsbald keine Pein mehr. Will die Bürde unsrer Pflichten, der Druck bittrer Heimsuchungen, das Kreuz schmerzlicher Leiden uns muthlos machen, so wenden wir uns voll Vertrauen an die göttliche Mutter, die da von der Kirche, Trösterin der Betrübten' genannt wird, und ihr Flehen wird uns die Kraft erwirken, nach ihrem schönen Beiſpiele die Tugend der Geduld auszuüben. O meine süßeste Königin, du hast, obgleich du unschuldig warst, mit so großer Geduld gelitten, und ich, der ich die Hölle verdient habe, ich sollte nicht leiden wollen? Ich bitte dich heute, meine liebe Mutter, um die Gnade, nicht etwa von dem Kreuze befreit zu werden, sondern dasselbe mit Geduld zu tragen. Aus Liebe zu Jesu erflehe mir diese Gnade, die ich voll Vertrauen durch deine Vermittelung zu erlangen hoffe. §. 10. Vollkommenheit der Tugenden Mariens. 177 §. 10. Von der Vollkommenheit der Tugenden Mariens. Der hl. Bernard nennt die jungfräuliche Gottesmutter den Himmel Gottes, weil sie mehr Gnaden und Gaben in sich enthält, als der ganze himmlische von Myriaden der schönsten Geister zusammengesetzte Hof; und der hl. Gregorius sagt, daß die bewunderungswürdigen Tugenden Mariens nicht nur über alle Tugenden der Menschen, sondern auch über alle Vollkommenheiten und Verdienste der Engel erhaben seien. Von gleicher Ansicht geleitet, spricht sich der hl. Justin ein berühmter Blutzeuge und erleuchteter Weltweiser des zweiten christlichen Jahrhunderts, also aus:„ Da Gott beschlossen hatte, sich eine Mutter zu wählen, so mußte Er eine solche nehmen, deren Tugenden nicht gewöhnlich und allgemein waren, sondern welche die Tugenden und Vollkommenheiten aller andern Geschöpfe weit übertraf." " 1 Was kannst du mir für ein heiligeres Geschöpf nennen, als Maria?" ruft der hl. Chrysostomus aus. Weder die Propheten noch die Martyrer, weder die Engel noch die Erzengel, weder irgend ein sichtbares noch unsichtbares Wesen kann mit der Heiligkeit Mariens verglichen werden. Der große Papst Gregor VII. bekennt, daß keines Menschen Zunge die Größe und Vollkommenheit Mariens hinlänglich preisen könne. Seine Worte lauten: Was soll ich dir, o Christ, von der heiligsten Jungfrau sagen, wenn Himmel und Erde nicht aufhören, sie zu erheben und sie dennoch nicht nach Verdienst kann erhoben werden? Sei nichtsdeſtoHerrlicht. Mar. 12 178 Erster Theil. Die Tugenden der sel. Jungfrau. weniger versichert, daß sie sich gegen reuevolle Sünder um so huldvoller erweist, je höher sie an Herrlichkeit, an Verdiensten und Heiligkeit steht." Wenn hier alle Zeugnisse der Kirchenväter und der Heiligen über die Erhabenheit der Tugenden Mariens angeführt würden, so könntest dv ſehen, o christliche Seele, daß sie alle, von der Schönheit ihrer Vollkommenheiten entzückt, miteinander gleichsam wetteifern, wer aus ihnen ihre Größe am würdigsten darstellen werde, und daß sie zuletzt sich immerhin für unfähig halten, dieselbe nach Verdienst beschreiben zu können. Gleichwie die Tugenden Mariens einen herr lichen Glanz ausstrahlen, so verbreiten sie auch einen himmlischen Wohlgeruch, der die Seelen an sich zieht. Durchgehe die großen Reihen jener Personen beiderlei Geschlechtes, welche wie Engel hie nieden ihr zur Seite wandelten und ihren Lauf so herrlich vollendeten; betrachte jene, die im Hinblicke auf Mariens Tugenden ihr bis ans Ende der Welt folgen werden. Was hat sie vorzüglich bewogen, die Neigungen der Natur, die Anhänglichkeit an die Welt, den Zauber der Vergnü gungen ihrem Gott zu opfern? Wer hat sie zu einem solchen für die menschliche Schwäche jo abs schreckenden, in sich aber höchst ruhmvollen Opfer fähig gemacht? Es ist die Betrachtung der erhabenen und liebenswürdigen Tugenden Mariens, der öftere Hinblick auf ihre Beiſpiele, die Treue in ihrem Dienste, welche durch so außerordentliche Gnaden belohnt wird. Wie viele verirrte Seelen zieht sie noch täglich zur Gerechtigkeit, zur Wahrheit und Gottseligkeit hin! Wie vielen ent §. 10. Vollkommenheit der Tugenden Mariens. 179 muthigten Seelen haucht sie wahres Vertrauen ein, den heißen Kampf gegen die Sünde glücklich bestehen zu können! Wie vielen beunruhigten, kränkelnden Menschen hat die Erinnerung an ihre Liebe neues geistliches Leben verschafft! Wirst du nun noch zögern, o christliche Seele, nach allem, was du bisher vernommen, Maria stets nach der Größe ihrer Tugenden zu huldigen und dich durch die Betrachtung derselben zur treuen Nachfolge hinziehen zu lassen? Oder befürchteſt du auch jetzt noch, eines übertriebenen Eifers in ihrer Verehrung beschuldigt zu werden, ungeachtet die Worte und Beispiele so vieler ausgezeichneter Heiligen und hochbegnadigter Seelen aus allen christlichen Jahrhunderten vor deiner Seele stehen und die vom heiligen Geiste geleitete Kirche nimmer müde wird, der Hochgebenedeiten die herrlichsten Lobsprüche in ihren Gejängen und Gebeten zu ertheilen und täglich mit neuer heiliger Freude zu wiederholen? Nein, so lange du in den Grenzen des Glaubens wandelst und die von der Kirche in bezug auf die Verehrung Mariens vorgeschriebenen Regeln beobachtest, verdienst du gewiß nicht getadelt zu werden, wohl aber im Gegentheil, wenn du die Andacht und Verehrung der erhabenen Gottesmutter geringschäßest. Es ist eben so tröstlich als rühmlich, seine Pflichten treu erfüllt zu haben, gleichwie es ein unumstößlicher Beweis von dem Heldenmuthe einer Seele ist, wenn sie sich über die armseligen Spöttereien glaubensarmer, verkommener Alltagsmenschen hinwegseßt. 11 Höre zum Schlusse den hl. Bernard: Wer du auch seist, Sterblicher, wende, da du einsiehst, daß 180 Erster Theil. Die Tugenden der sel. Jungfrau. du auf dem Strome dieser Welt mehr durch Stürme und Ungewitter schwarkest, als auf festem Boden fußest: wende dein Auge nicht ab vom Glanze dieses Sternes, falls du von den Stürmen nicht willst verschlungen werden. Wehen die Winde der Versuchungen, stoßest du an Klippen der Trübjale, blide auf zu dem Sterne, rufe zu Maria! Wirst du von den Wellen des Stolzes, von den Wogen der Ehrsucht, der Verleumdung umhergetrieben: blicke auf zu dem Sterne, rufe zu Maria! Stürmt der Zorn, der Geiz, die Lockung des Fleisches auf das Schifflein deiner Seele: rufe auf zu Maria! Wirst du von dem Gräuel deiner Sünden, von den Schrecken des Gewissens, von Schauern vor dem Gerichte durchdrungen; siehst du von dem Abgrunde der Traurigkeit, der Verzweiflung dich verschlun gen: denke an Maria! In Gefahren, in Noth und Angst, in zwei felhaften Fällen denke an Maria! Nimmer weiche sie aus deinem Munde, nimmer aus deinem Herzen! Und damit dir die Hilfe ihrer Fürbitte werde, weiche nimmer ab von den Beispielen ihres Wandels! Ihr folgend, lenkst du nicht ab vom rechten Wege; zu ihr flehend, wirst du nimmer verzweifeln; hält sie dich, nimmer fällst du dann; schüßt sie dich, nichts ist dann dir furchtbar; führt ſie dich, dann ermüdest du nicht; ist sie dir hold, dann gelangst du in den Hafen des Friedens." Zweiter Theil. Andachts- Hebungen zu Ehren der allerfelighten Jungfrau. 309 Der wunderbare Stern, welcher die drei Könige aus dem Morgenlande zur Erkenntniß und Anbetung des Messias zu Bethlehem führte, war das Sinnbild Mariä, denn sie hat das Licht des eingebornen Sohnes Gottes unter den Dölfern leuchten lassen. So spricht von Maria der hl. Cprillus bon Alexandria. 3weiter Theil. Andachts- Tebungen zu Ehren der allerseligsten Jungfrau. Erste Abtheilung. Anleitung zu verschiedenen marianiſchen Andachten. Erste Andachts- gebung. Vom Ave Maria.. Gegrüket seist du. ieser Gruß, bestehend aus den Worten des Engels, der hl. Elisabeth und der heiligen Kirche, ist der seligsten Jungfrau sehr wohlgefällig; denn es scheint, als ob man ihr alsdann die Freude, die sie empfand, da der Erzengel Gabriel ihr verkündigte, sie sei zur Mutter des Erlösers erwählt, erneuere. Wir finden in den Lebensgeschichten vieler Heiligen, daß dieselben diesen Gebetsgruß sehr häufig zu verrichten pflegten, nach ihrer eigenen Jad - 184 3weiter Theil. 1. Anleitung zu marian. Andachten. Versicherung dadurch große und oft sogar wunderbare Gnaden erlangten und denselben ihren Mitchristen eifrig zu beten anempfohlen haben. Mache es dir, mein lieber Leser, demnach zur süßen Pflicht: 1. Wenn du vom Bette aufstehst oder dich in dasselbe niederlegst, auf den Knieen drei Ave Maria zu beten und zu jedem folgende Worte zuzufügen: ,, Um deiner reinen und unbefleckten Empfängniß willen reinige, o reinste Jungfrau Maria, meinen Leib und meine Seele." 2. Pflege am Morgen, am Mittage und Abend den englischen Gruß mit den gewöhnlichen drei Ave Maria zu verrichten. Papst Johann XXII. hat auf diese Andacht zuerst einen Ablaß ertheilt. Benedict XIII. wünschte, daß dieses Gebet zur seligsten Jungfrau mehrere Male des Tages verrichtet und hiebei das Geheimniß der Menschwerdung verehrt werde, und verlieh demnach mit allgemeinem Breve vom 14. September 1724 allen Christgläubigen, welche bei dem morgens, mittags und abends gegebenen Glockenzeichen alle Tage knieend das Gebet:, Der Engel des Herrn 2c. mit drei Ave sprechen würden, einen vollkommenen Ablaß, einmal in jedem Monate und zwar an jenem Tage zu gewinnen, wo sie die heiligen Sacramente empfangen und für die Kirche beten würden; dann einen Ablaß von 100 Tagen jedesmal, so oft dies Gebet mit bußfertigem Sinne gesprochen wird. Infolge Rescriptes Pius' VI. vom 18. März 1781 fönnen die Christgläubigen diese Ablässe auch dann gewinnen, wenn sie sich in solchen Orten befinden, wo kein Glockenzeichen gegeben oder gehört wird, sofern sie nur beiläufig 2. Andachts- Uebung. Neuntägige Andachten. 185 zu jenen Stunden den, Engel des Herrn oder zur österlichen Zeit das, Regina cœli beten. 3. Begrüße die seligste Jungfrau mit einem frommen Ave, wenn die Uhr schlägt, wenn du ein- oder ausgehst, wenn du eines ihrer Bildnisse erblicst, wenn du eine förperliche oder geistige Arbeit beginnst oder endigst. Jene Geschäfte, die mit diesem Gruße an Maria angefangen und vollendet werden, bringen gewiß reichlichen Segen. Ueberdies werden bei jedem Ave zwanzig Tage Ablaß gewonnen. 3weite Andachts- Nebung. Neuntägige Andachten zu Ehren Mariens. Am die Feste der göttlichen Mutter auf eine ihr gefällige und zugleich segensvolle Weise zu begehen, pflegen viele fromme Christen neun Tage vor denselben gewisse Andachten täglich zu verrichten, wie die weiter unten in diesem Buche angeführten Gebetsformeln zeigen, welche die heilige Kirche mit verschiedenen Gnaden und Ablässen bereichert hat. Was diese Andachten betrifft, merke dir Folgendes. 1. Vor allem verrichte pünktlich die vorgeschriebenen Gebete. 2. Du kannst die göttliche Mutter nicht besser verehren, als wenn du trachtest, ihre herrlichen Tugenden nachzuahmen. Nimm dir daher bei jeder neuntägigen Andacht vor, eine besondere Tugend Mariens, die auf das Geheimniß, welches du betrachtest, Bezug hat, nachzuahmen, z. B. beim Feste der unbefleckten Empfängniß Mariens ent 186 Zweiter Theil. 1. Anleitung zu marian. Andachten. schließe dich, die gute Meinung zu üben; bei der Geburt Mariens die Erneuerung des Geistes, mit dem Vorsaße, den Stand der Lauigkeit zu verlassen; bei der Aufopferung Mariens die Losschälung von all den Dingen, an welche du noch eine übergroße Anhänglichkeit in dir empfindest; bei der Verkündigung Mariens die Demuth und Ertragung der Verachtung 2c.; bei der Heimsuchung Mariens die Nächstenliebe durch Almosengeben oder durch Gebet für die Sünder; bei der Reinigung Mariens den Gehorsam gegen die Obern und endlich bei der Himmelfahrt Mariens die Losschälung von allem, mit dem Entschlusse, alle Pflichten so zu erfüllen, als ob jeder Tag der letzte deines Lebens wäre. 3. Je nachdem es deine Standes- Verhältnisse gestatten und dein Gewissensführer es dir erlaubt, empfange ein oder mehrere Male während der neun Tage die heiligen Sacramente der Buße und des Altars; denn du kannst Maria nicht besser ehren, als wenn du dich mit Jesu so innig vereinigst. Am betreffenden Feste selbst bringe dich nach der heiligen Communion der seligsten Jungfrau zu ihrem Dienste dar und bitte sie besonders, sie wolle dir die Gnade erlangen, die vorgenommene Tugend beharrlich auszuüben. Auf solche Weise wirft du aus den neuntägigen Andachten großen zeit lichen und geistlichen Segen schöpfen. 3. Andachts- Uebung. Das Rosenkranz- Gebet. 187 Dritte Andachts- Nebung. Das Rosenkranz- Gebet. Am der Irrlehre der Albigenser Einhalt zu gebieten, die seiner Zeit das Volt besonders in Frankreich mit ihren Lehren verführten, empfahl der hl. Dominicus, Stifter des Predigerordens, nach einer Offenbarung von Maria der seligsten Jungfrau, die er deshalb um Hilfe angerufen hatte, um das Jahr 1206 die Andacht des heiligen Rosenkranzes, die er allenthalben zu verbreiten suchte, und deren wunderbarer Erfolg im Verlaufe von einigen Jahrhunderten in der Christenheit offenkundig war. Um die Christgläubigen zur öftern Uebung dieser Andacht zu Maria anzueifern, verlieh Benedict XIII. mittelst des Breve Sanctissimus', vom 13. April. 1726, allen Christgläubigen, welche wenigstens mit reumüthiger Gesinnung den ganzen heiligen Rosenkranz mit 15 Gesäßlein, oder den dritten Theil desselben mit 5 Gejäßlein, abbeten, einen Ablaß von 100 Tagen für jedes Vater unser und für jedes Ave Maria. Wenn sie aber ein ganzes Jahr hindurch alle Tage, wenigstens den dritten Theil des Rosenkranzes abbeten, gewinnen sie an jenem Tage des Jahres einen vollkommenen Ablaß, an welchem sie beichten und communiciren. Zur Erlangung dieser Ablässe ist jedoch erforderlich, daß die Rosenkränze von Priestern geweiht seien, welche hiezu Vollmacht besitzen, und daß man beim Gebete des heiligen Rosenkranzes auch an die Geheimnisse der Geburt, des Lei 188 3weiter Theil. 1. Anleitung zu marian. Andachten. dens, des Todes und der Auferstehung unfres Herrn Jesu Christi, wie sie unten folgen, denke, und sich dieselben zu Gemüthe führe. Für die unwis senden, des betrachtenden Gebetes unfähigen Personen, ist es genug, wenn sie den Rosenkranz andächtig abbeten; laut dem Decrete der heiligen Congregation der Ablässe vom 12. August 1716, und laut der Constitution Benedict's XIII., Pretiosus' vom 26. Mai 1727, 4.§. Es ist hier zu bemerken, daß für jene Christgläubigen, welche in die Rosenkranz- Bruderschaft, es mag solche in was immer für einem Lande canonisch errichtet sein, eingeschrieben sind, noch viele andere Ablässe verliehen wurden, wenn sie den Rosenkranz beten oder andere gute Werke verrichten; wie aus dem Breve, Nuper pro parte', vom ehrwürdigen Papste Innocenz XI. vom 31. Juli 1679, und jenem Pius VII., Ad augendam', vom 16. Februar 1808, zu ersehen iſt. Endlich hat Se. Heiligkeit, Pius IX., um die Andacht gegen die heilige Jungfrau, besonders durch das so mächtige Rosenkranz- Gebet, in dem auch die Geheimnisse unsrer Erlösung beherzigt verden, stets mehr zu fördern,( mit Decret für Rom und die ganze katholische Welt vom 12. Mai 1851) auf Ansuchen des Cardinal- Generalvicars und des General- Procurators der Dominicaner nach vorläufiger Bestätigung aller Ablässe, welche von seinen Vorfahren sowohl den Mitgliedern der Rosenkranz- Bruderschaft, als auch den Gläubigen insgesammt, die den Rosenkranz beten, waren verliehen worden, beiden neue Ablässe ertheilt. Nämlich: Allen Gläubigen, die mit Liebesreue im 189 Die 15 Geheimnisse des Rosenkranzes. Herzen und andächtig den Rosenkranz von 5 Gesetlein in einer Kirche oder Capelle oder zu Hause gemeinsam beten, verlieh er für einmal im Tage einen Ablaß von 10 Jahren und 10 Quadragenen; und wenn solche, die der Rosenkranz- Bruderschaft nicht ange= hören, den Rosenkranz von 5 Gejeßlein in jeder Woche dreimal auf die nämliche Weise zu beten pflegen, einen vollkommenen Ablaß für jeden letzten Monats- Sonntag, wenn sie nach dem würdigen Empfange der heiligen Sacramente eine Kirche oder eine öffentliche Capelle besuchen, und dort nach der Meinung Sr. Heiligkeit eine Zeitlang beten. Diese Ablässe können auch den armen Seelen zugewendet werden. kurze Anmeifung, wie man die fünfzehn Geheimniffe des Rosenkranzes betrachten soll. Im ersten freudenreichen Geheimnisſe: Den du, o Jungfrau, vom heiligen Geist empfangen hast, betrachtet man, wie der hl. Erzengel Gabriel der allerjeligsten Jungfrau verkündigte, daß sie Mutter des Sohnes Gottes werden und mitwirken dürfe zur Erlösung der Menschheit. Betrachte die Liebe unfres Gottes, der uns auf andre Weise hätte selig machen können, selbst aber kommen wollte, um für unser Heil zu sterben. Wo findet man die Liebe und den Dank, den die Menschen einem so liebenswürdigen Gott schuldig find? 190 3weiter Theil. 1. Anleitung zu marian. Andachten. Bitten wir Maria, während wir diesen Theil des Rosenfranzes beten, sie wolle uns diese Liebe Gottes erlangen. O heilige Mutter Gottes, du warst immer von Liebe zu deinem Heilande entzündet, der, um uns von der Hölle zu befreien, dein Sohn hat werden wollen. Erlange uns von Jesu Christo die Gnade, Ihn von ganzem Herzen zu lieben. Im zweiten freudenreichen Geheimniſſe: Den du, o Jungfrau, zu Elisabeth getragen haft, betrachtet man, wie die allerseligste Jungfrau Maria, nachdem sie erfahren hatte, daß ihre Base Elisabeth Mutter sei, schleunig zu ihr reiste und drei Monate bei ihr blieb. Betrachte, daß der Besuch Mariens dem ganzen Hause zum Heile gereichte. Selig ist der, den Maria besucht. Bitten wir Maria, daß sie häufig unser Herz heimsuchen und uns heiligen wolle. Im dritten freudenreichen Geheimniſſe: Den du, o Jungfrau, geboren haſt, betrachtet man, wie bei der Geburt Jesu Christi die allerseligste Jungfrau, unsren Heiland in Bethlehem in der Krippe eines Stalles niederlegte, nachdem sie Ihn in Windeln gewickelt. Betrachte, wie Maria, da die Zeit der Geburt Christi nahe war, sich in Bethlehem befand, wo man sie nirgends aufnehmen wollte, so daß fie in einer Höhle, die Thieren als Stall diente, ein Unterfommen suchen mußte. 191 Die 15 Geheimnisse des Rosenkranzes. Jesus wollte es so aus Liebe zur Demuth und zur Armuth; insbesondere aber wollte Er auf Erden als fleines Kind in einer Krippe erscheinen, um den Sündern Vertrauen einzuflößen. Bitten wir Maria, daß sie uns ein großes Vertrauen auf Gott erhalte. Im vierten freudenreichen Geheimniſse: Den du, o Jungfrau, im Tempel aufgeopfert haft, betrachtet man, wie die allerseligste Jungfrau vierzig Tage nach der Geburt Christi, da die Zeit der Reinigung erfüllt war, ihren göttlichen Sohn im Tempel aufopferte und denselben in die Arme des heiligen Greises Simeon legte. Maria wollte einem Geseße genügen, zu dem sie eigentlich gar nicht verpflichtet war; Maria hatte nicht nöthig, sich zu reinigen, da sie immer ohne alle Makel war; aber um dem Gesetze zu gehorchen und aus Demuth wollte sie mit den andern Frauen dort erscheinen. Bitte die allerfeligste Jungfrau, damit sie dir helfe, alle falsche Scham in der heiligen Beicht zu überwinden. Im fünften freudenreichen Geheimnisse: Den du, o Jungfrau, im Tempel wieder gefunden haft, betrachtet man, wie Maria, nachdem sie ihren göttlichen Sohn verloren und drei Tage geſucht hatte, Ihn endlich am dritten Tage lehrend unter den Schriftgelehrten im Tempel fand, da Er kaum zwölf Jahre alt war. Betrachte, wie die allerseligste Jungfrau mit 192 Zweiter Theil. 1. Anleitung zu marian. Andachten. dem hl. Joseph, nachdem sie mit Jesu den Tempel besucht hatte, denselben auf der Rückkehr verloren; weinend und seufzend suchten sie Ihn drei Tage lang und fanden Ihn endlich im Tempel wieder. Maria hatte nie die Gnade Jeju Christi verloren, sondern nur seine persönliche Gegenwart, und dennoch hat sie Ihn mit so vielen Thränen gesucht. Um wie viel mehr sollte der, der seine Gnade verloren hat, Jesum weinend suchen? Wer Ihn auf solche Weise sucht, findet Ihn gewiß wieder. Bitten wir Maria, daß sie uns wahren Schmerz über unsre Sünden erlange. Im ersten schmerzhaften Geheimnisse: Der für uns Blut geschwitzet hat, betrachtet man, wie Jesus, da Er im Garten betete, Blut schwitte. Betrachte, wie unser Heiland, sobald Er im Garten angekommen war, solcher Traurigkeit sich überließ, daß Er selbst sagte:„ Meine Seele ist betrübt bis zum Tode." Fragen wir uns, wer Jesum Christum im Garten so sehr betrübt hat? wer Ursache gewesen ist, daß Er Blut geschwißet hat? Der Anblick unsrer Sünden hat Ihm diese Todesangst verursacht. Vereinigen wir unsre Schmeren mit den Schmerzen Jesu Christi. Bitten wir die allerseligste Jungfrau, sie wolle uns Schmerz über unsre Sünden erlangen. Die 15 Geheimnisse des Rosenkranzes. 193 Im zweiten schmerzhaften Geheimnisse: Der für uns gegeißelt worden ist, betrachtet man die grausame Geißelung Jesu Christi im Hause des Pilatus, durch welche der heilige Leib Jesu Christi, des unschuldigen Lammes, so jämmerlich zerrissen wurde. Betrachte, daß diese Geißelung so grausam war, daß sein heiliger Leib nach der Prophezeiung des Isaias vom Kopfe bis zu den Füßen mit Wunden bedeckt war. Die Gottesgelehrten sagen, daß Christus diese furchtbaren Schmerzen besonders deshalb hat leiden wollen, um für die Sünden der Unkeuschheit genugzuthun. Habt ihr es verstanden, ihr Sünder? Eure Unkeuschheit hat Jesum Christum gegeißelt; geißelt Jesum denn doch nicht wieder! Bitten wir Maria, daß sie uns von diesem Laster, das die Hölle anfüllt, befreie. Im dritten schmerzhaften Geheimnisse: Der für uns mit Dornen gekrönt worden ist, betrachtet man die Dornenkrönung Jesu Christi, der zum Spott wie ein König behandelt wurde. Betrachte, wie die grausamen Henter, nachdem sie Jesum gegeißelt, Ihn auf einen Stein niederſetzten, wie sie Ihm darauf ein Rohr statt eines Scepters in die Hand gaben, Ihm einen Lumpen statt eines königlichen Mantels um die Schultern warfen, Ihm einen Kranz von Dornen statt einer Krone auss Haupt setzten und mit Stöcken auf die Dornen schlugen, damit sie durch den Kopf bringen möchten. Darauf verspotteten sie Ihn und Herrlicht. Mar. 13 194 Zweiter Theil. 1. Anleitung zu marian. Andachten. riefen Ihm zu: ,, Gegrüßet seist Du, König der Juden!" und schlugen Ihn ins Angesicht. Ebenso machen es die Sünder, die gleich, nachdem sie gebeichtet haben, die Kirche verlassen und durch ihre Sünden Jesum von neuem beleidigen und Ihm wie die Juden in sein heiliges Antliz schlagen. Bitten wir Maria, sie wolle erwirken, daß wir eher sterben, als daß wir Jejum von neuem schwer beleidigen. Im vierten schmerzhaften Geheimnisse: Der für uns das Kreuz getragen hat, betrachtet man, daß dem Heiland, nachdem Ihn Pilatus verurtheilt hatte, um seine Schmach und seine Schmerzen zu vermehren, das Kreuz auf die Schultern gelegt worden ist. Betrachte, wie Jesus liebevoll das Kreuz umfaßt, um für unsre Sünden genugzuthun. Es ist billig, daß wir, um Gott für so viele Beleidigungen, die wir Ihm zugefügt haben, ge nugzuthun, bereitwillig alles Kreuz und Leiden, das Er uns zuschickt, annehmen. Bitten wir Maria, daß sie uns Ergebung und Geduld in all unsren Leiden erlange. Im fünften schmerzhaften Geheimniſse: Der für uns gekreuziget worden ist, betrachtet man, daß Jesus, auf dem Calvarienberge angekommen, seiner Kleider beraubt und ans Kreuz genagelt worden ist, worauf Er in Gegenwart seiner betrübten Mutter unter den entseßlichsten Schmerzen starb. 195 Die 15 Geheimnisse des Rosenkranzes. Betrachte, welch einen bittern Tod unser Heiland hat leiden wollen, um unsre Liebe zu erlangen. Blicken wir oft auf ein Crucifix, und sagen wir unserm Heilande: Jch liebe Dich, mein Jesu, da Du aus Liebe zu mir gestorben bist. Bitten wir Maria, sie wolle uns die Gnade erlangen, oft an die Liebe zu denken, die Christus am Kreuze zu uns getragen hat. Im ersten glorreichen Geheimnisse: Der von den Todten auferstanden ist, betrachtet man, wie Jesus am dritten Tage nach jeinem Tode fiegreich und glorreich auferstanden ist, um nie wieder zu sterben. Betrachten wir die Herrlichkeit unfres Heilandes in seiner Auferstehung, da Er durch seinen Tod den Teufel besiegt und die Menschen aus der Gefangenschaft desselben befreit hat. Welch eine Thorheit begeht der Sünder: nachdem Jesus ihn aus der Gewalt des Teufels be= freit hat, will er um eines elenden Vergnügens oder um irgend eines irdischen Gutes willen, von neuem ein Sclave Satans werden. Bitten wir Maria, sie wolle uns durch die Liebe so eng mit Jeju vereinigen, daß wir nie wieder vom Teufel besiegt werden. Im zweiten glorreichen Geheimnisse: Der in den Himmel aufgefahren ist, betrachtet man, wie Jesus vierzig Tage nach seiner Auferstehung in Gegenwart seiner heiligen Mutter und seiner Jünger glorreich in den Himmel auffuhr. 196 Zweiter Theil. 1. Anleitung zu marian. Andachten. Betrachte, wie der Himmel bis zum Tode Jesu verschlossen war, und wie unser Heiland ihn für alle geöffnet hat, die Ihn lieben wollen. Welch ein Elend ist es, wenn man bedenkt, daß unser Heiland so viel hat leiden wollen, um uns den Himmel zu erwerben, und daß dessenun geachtet so viele thörichte Sünder dem Himmel entsagen und um einen elenden Genuß, um ein Nichts sich selbst zur Hölle verdammen. Bitten wir Maria, daß sie uns bei Gott Erleuchtung erlange, damit wir erkennen, wie eitel die Güter dieser Welt sind, und wie groß die Freuden sein werden, die Gott denen im Himmel bereitet, die Ihn auf Erden geliebt haben. Im dritten glorreichen Geheimnisse: Der oen heiligen Geist gesandt hat, betrachtet man, wie Jesus Christus, der da siz: zur Rechten des himmlischen Vaters, den Aposteln, die mit Maria im Speisesaale zu Jerusalem vers sammelt waren, den heiligen Geist sandte. Betrachte, wie die Apostel, ehe sie den heili gen Geist empfangen hatten, so schwach und armselig in der Liebe Gottes waren, so daß während des Leidens Jesu Christi der eine Ihn verrieth, der andere Ihn verleugnete, alle Ihn verließen; wie aber, nachdem sie den heiligen Geist empfangen hatten, sie von solcher Liebe zu Jesus entflammt wurden, daß sie muthig ihr Leben für Jesu Christo aufopferten. Der hl. Augustin sagt: ,, daß, wer liebt, feine Mühe hat; wer Gott liebt, dem verursacht Kreuz und Leiden keinen Schmerz, sondern vielmehr Freude." Die 15 Geheimnisse des Rosenkranzes. 197 Bitten wir Maria, sie wolle uns vom heiligen Geiste die Gabe der Liebe Gottes erlangen, weil uns alsdann alle Leiden dieser Welt süß vorkommen werden. Im vierten glorreichen Geheimnisse: Der dich in den Himmel aufgenommen hat, betrachtet man, wie Maria fünfzehn Jahre nach der Auferstehung Jesu Christi dieſe Welt verließ und von den Engeln in den Himmel getragen ward. Weil Maria heilig gelebt hatte, so war für sie der Tod sanft und trostreich. Unser Tod wird nicht so sein wie der Tod Mariens, weil unsre Sünden uns in diesem entscheidenden Augenblicke erschrecken werden. Wer indeß eine unordentliche Lebensweise verläßt und sich in den Dienst Mariens begibt, der kann hoffen, daß seine gute Mutter Maria ihm beistehen werde, damit er gut sterbe, wie dies so viele Diener Mariens erfahren haben. Ich begebe mich unter deinen Schuß, o Maria, ich bin entschlossen, mich zu bessern; ich bitte dich, du wollest mir in meiner Todesstunde beistehen. Im fünften glorreichen Geheimnisse: Der dich im Himmel gekrönt hat, betrachtet man, wie Maria von ihrem göttlichen Sohne gekrönt wird, und welche Herrlichkeit sie als Königin der Heiligen im Himmel genießt. Als Maria im Himmel von Gott gekrönt ward, wurde sie zugleich zu unsrer Fürsprecherin bestimmt, weshalb sie fortwährend für uns bittet. 198 Zweiter Theil. 1. Anleitung zu marian. Andachten. Es ist zwar wahr, daß Maria für alle bittet; aber es ist auch gewiß, daß sie auf ganz besondere Weise für diejenigen bittet, die sie häufig um ihre Fürbitte anrufen. Bitten wir Maria mit der heiligen Kirche: Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns! und mit dem hl. Philipp Neri: Maria, Mutter Gottes, bitte Jesum für uns! Bierte Andachts- Nebung. Die Tagzeiten Unsrer Lieben Frau und die lauretanische Litanei. Der hl. Papst Pius V. verlieh mittelst Bulle , Quod a nobis', vom 9. Juli 1568, jenen Christgläubigen, welche verbunden sind, das Officium der seligsten Jungfrau Maria zu beten, wenn sie es an den von den Rubriken des römischen Breviers vorgeschriebenen Tagen andächtig abbeten, für jedesmal einen Ablaß von 100 Tagen. Jenen aber, welche aus eigener Andacht dieses Officium abbeten, verleiht der nämliche Papst einen Ablaß von 50 Tagen für jedesmal, wie aus einer andern Bulle, Superni Omnipotentis Dei', vom 5. April 1571, zu entnehmen ist. Die Litanei der Mutter Gottes wird in den Constitutionen folgender Päpste: Sirtus V. vom 11. Juli 1587, Reddituri', Clemens VIII. vom 6. September 1601, Sanctissimus', und Alerander VII. vom 28. Mai 1664, In supremo', die lauretanische Litanei genannt, weil sie mit besonderer Feierlichkeit in dem heiligen Hause von 4. And. Tagzeiten U. 2. Frau u. die lauret. Litanei. 199 Loreto alle Samstage gesungen wird. Diese Litanei ist sehr alt, und nicht ohne Grund behauptet man, daß sie schon in den ersten Jahrhunderten der Kirche eingeführt worden sei. Sie enthält demüthige Bitten und andächtige Gebete zu Gott ( denn dies bedeutet das Wort Litanei), wobei die mächtige Fürsprache der heiligsten Mutter angerufen wird, welche durch die verschiedenen Titel, mystischen Bilder, erhabenen Lobsprüche und glorwürdigen Namen, die wir ihr beilegen, auf eine ganz vorzügliche Art geehrt und gepriesen wird. Wie uns die älteste Tradition dieser Litanei überliefert hat, so wurde sie schon seit undenklichen Zeiten, sowohl in öffentlichen Kirchen als in Privathäusern abgebetet. Damit sich nun dieselbe immer so erhalten möge, hat Alerander VII. in ſeiner obenerwähnten Constitution verboten, in derselben was immer für eine Veränderung zu veranlassen. Damit aber die Christgläubigen immer mehr. angeeifert würden, ihre Zuflucht zur heiligsten Mutter zu nehmen, hat Sirtus V. in der obenerwähnten Bulle, Reddituri' vom 11. Juli 1587, 200 Tage Ablaß jedesmal verliehen, so oft man die lauretanische Litanei mit Andacht und reumüthigem Herzen betet. Benedict XIII. hat mit Decret der heiligen Congregation der Ablässe vom 12. Januar 1728 diesen Ablaß bestätigt, und Pius VII. hat ihn nicht nur neuerdings laut Decret, Urbis et Orbis' vom 30. Sept. 1817 bestätigt, sondern ihn auch auf 300 Tage für ewige Zeiten ausgedehnt, und nebſtbei jenen, welche alle Tage diese Litanei beten, einen 200 3weiter Theil. 1. Anleitung zu marian. Andachten. vollkommenen Ablaß an jedem der fünf vorzüglichsten Festtage der seligsten Jungfrau, nämlich: der Empfängniß, Geburt, Verfündigung, Reinigung und Himmelfahrt Maria verliehen, wenn sie an diesen Festtagen wahrhaft reumüthig beichten, communiciren und bei Besuchung einer Kirche nach der Meinung des obersten Hirten der Kirche die gewöhnlichen Gebete verrichten: diese Ablässe fönnen auch den Seelen im Fegfeuer zugewendet werden. Die Litanei ist S. 491 zu finden. Nach dem legten O Du Lamm Gottes" pflegt man noch beizusetzen: V. Bitt für uns, heilige Gottesgebärerin, R. Auf daß wir 2c., mit dem Gebete: Wir bitten Dich, o Herr, Du wollest deine Gnade in unsre Herzen eingießen 2c. Fünfte Andachts- Nebung. Das Faften zu Ehren Mariens. Nach Anordnung der heiligen Kirche soll der Samstag als ein der Ehre Mariens besonders bestimmter Tag betrachtet werden, weil, wie der hl. Bernard sagt, Maria an diesem Tage, nachdem ihr göttlicher Sohn gestorben war, unerschüt terlich fest im Glauben verharrte. Es haben deshalb viele eifrige Verehrer Mariens die heilsame Uebung eingeführt, an diesem Tage eine besondere Andacht zu ihrer Ehre zu verrichten, hauptsächlich bei Wasser und Brod zu fasten, wie der hl. Karl Borromäus, Cardinal Toledus und viele andre Heilige. Wenn dir, mein lieber Leser, Beruf und Lebensverhältnisse auch nicht gestatten, nach dem Vorbilde der Heiligen ein so ausgedehntes Fasten zu beobachten, so wird es für dich doch von gro 6. Andachts- Uebung. Besuchung d. Bilder Mariens. 201 ßem Segen sein, wenn du dasselbe wenigstens einigermaßen befolgest, indem du nämlich dich an Samstagen nur mit einer einzigen Speise begnügst oder die gewöhnlichen Fasten hältst oder dir in dem einen und andern, wozu die sinnliche Neigung dich besonders reizt, Abbruch thust. Sechste Andachts- gebung. Die Besuchung der Bilder Mariens. Die heilige Kirche hat die Bilder sogar durch das Blut ihrer Martyrer vertheidigt, und die göttliche Mutter hat es durch viele Wunder selbst zu erkennen gegeben, wie wohlgefällig es ihr sei, wenn man ihre Bilder besucht und in Ehren hält. Der Hl. Johannes Damascenus sagt, fie seien Zufluchtsstätten, wo wir Hilfe gegen die Versuchungen und Abwendung der um unsrer Sünden willen verdienten Strafen finden. Wir finden in den Lebensgeschichten der Heiligen, daß sie die Bilder der seligsten Jungfrau besonders in Ehren hielten, dieselben in ihren Wohnstätten aufhingen und öfters in Kirchen und Capellen besuchten. Daher soll auch dir, mein lieber Leser, daran gelegen sein, in deinem Zimmer irgend ein Bildniß der Gottesmutter anzubringen, um durch den Anblick desselben recht oft an Maria erinnert und zu heilsamen Gedanken angeregt zu werden. Trachte ferner, wenn es dir möglich ist, zuweilen die zu ihrer Ehre errichteten Altäre zu besuchen, und sei überzeugt, daß du dir, wie so viele Heilige, aus dieser frommen Uebung reichlichen Segen bereitest. 202 3weiter Theil. 1. Anleitung zu marian. Andachten. Siebente Andachts- Nebung. Das Tragen des Scapuliers. Gleichwie es die Menschen für eine Ehre halten, wenn sie einige Personen haben, welche ihre Livre tragen, so sieht es Maria auch gern, wenn ihre Verehrer das Scapulier tragen, zum Zeichen, daß sie sich ihrem Dienste geweiht haben, und daß sie zur Dienerschaft der Mutter Gottes gehören. Diese Andacht wurde in der Mitte des XIII. Jahrhunderts durch den hl. Simon Stock einges führt. Die allerfeligste Jungfrau erschien ihm und sagte, indem sie ihm das Scapulier überreichte, zu ihm: ,, Nimm hin, mein lieber Sohn, dies Scapulier deines Ordens, es ist das besondere Gnadenzei chen, welches ich für dich und für die Kinder vom Berge Carmel erfleht habe. Es sei dir ein Erinnerungszeichen an die ewige Seligkeit, ein Pfand des Friedens und eines ewigen Bundes. Wer mit diesem Gewande bekleidet stirbt, wird vor den ewigen Flammen bewahrt bleiben." Papst Benedict XIV. betrachtet diese Erschei nung als eine wahre Thatsache. Sie hatte sich am 16. Juli ereignet, weshalb denn auch die Kirche, um das Andenken daran zu verewigen, für diesen Tag das Fest Unsrer Frau vom Berge Carmel angeordnet hat. Clemens VIII. ermächtigte durch seine Constitution vom 13. November 1600 den General der Carmeliter überall nach Gutbesinden die Bruderschaft vom Berge Carmel zu errichten, selbst oder. durch einen Stellvertreter die Weltleute darin auf zunehmen. 7. Andachts- Uebung. Das Tragen des Scapuliers 203 Im Jahre 1322 erließ der Bapst Johann XXII. zu Avignon die berühmte sogenannte SabbathsBulle, worin gesagt wird, die allerfeligste Jungfrau jei ihm erschienen und habe ihm befohlen, zu erklären und kund zu machen, daß sie Samstags nach dem Tode diejenigen, welche in dem Orden oder in der Bruderschaft vom Berge Carmel das Scapulier tragen, aus dem Fegfeuer befreien und glorreich auf den heiligen Berg führen werde. Diese Bulle ist von mehreren Päpsten beſtätigt worden. Benedict XIV. führt drei derselben an: Clemens VII., Pius V. und Gregor XIII. und zeigt, daß man nicht leicht mit Grund an ihrer Echtheit zweifeln fönne.( Can. Sanctor. tom. IV. part. 2. c. 9. et de Festis 1. 2. c. 6.) Um der Gnaden und Privilegien des Scapuliers Unsrer Frau vom Berge Carmel theilhaft zu werden, wird erfordert: 1. Daß man es von einem Priester empfange, der Gewalt hat, es zu geben; 2. daß man es mit Andacht trage und sich in das Bruderschafts- Register einschreiben laſſe. Jedoch kraft eines den Priestern der Versammlung des allerheiligsten Erlösers verliehenen Privilegiums sind diejenigen, welchen diese das Scapulier verleihen, von der Verpflichtung entbunden, ihre Namen einschreiben zu lassen. Was das Privilegium der Sabbaths- Bulle angeht, d. h. daß man bald nach dem Tode aus dem Fegfeuer befreit werde( wie es Paulus V. und das römische Brevier in der zweiten Lection des Officiums vom 16. Juli erklären): so muß 204 Zweiter Theil. 1. Anleitung zu marian. Andachten. derjenige, welcher besondere Ansprüche auf dieses Privilegium machen will: 1. Die standesmäßige Reuschheit beobachten; 2. das Brevier beten oder die kleinen Tagzeiten der allerfeligsten Jungfrau Maria, wie fie in der Kirche im Gebrauche sind. Die, welche nicht leſen können oder daran verhindert sind, müssen statt der Abbetung der Tagzeiten fich am Mittwoch und Samstag der Fleischspeisen enthalten und die kirchlichen Fasten beobachten. Jene aber, welche auch diese Bedingung nicht zu erfüllen im stande sind, können alle Tage oder einige Male in der Woche sieben Vater unser und Ave Maria beten oder irgend ein anderes verdienstliches Werk verrichten, nachdem ihnen von einem Beichtvater, der Vollmacht dazu hat, diese Veränderung gestattet wurde. Der größte Trost derjenigen, welche das Scapulier tragen, ist das Versprechen, welches die allerseligste Jungfrau in einer Erscheinung dem hl. Simon Stod gegeben hat, nämlich: daß die jenigen, welche das Scapulier tragend sterben, vor dem ewigen Feuer bewahrt werden. Die andern besondern Gnaden, welche uns diese Andacht verschafft, sind unzählig, wie es aus den Gebeten der Einsegnung erhellt. Dies unter andern sind die Worte, welche der Priester spricht, wenn er das heilige Kleid auf die Person, welche er in die Bruderschaft Unsrer Frau vom Berge Carmel auf nimmt, gelegt hat: ,, Kraft der Gewalt, die mir verliehen worben, nehme ich dich auf in die Bruderschaft des heiligen Carmeliten- Ordens, und, indem ich dich 7. Andachts- Uebung. Das Tragen des Scapuliers. 205 demgemäß bekleide, gebe ich dir Theilnahme an allen Seelengütern desselben Ordens( also an den Gebeten, Disciplinen, Almosen, Fasten, Wachen, Messen, Tageszeiten und an allen guten Werken, welche die Ordensgeistlichen mit der Gnade und Barmherzigkeit Jesu Christi während des Tages und der Nacht verrichten) im Namen des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen. Außer diesen Gnaden haben die römischen Päpste dafür noch andre besondre Ablässe verliehen, von welchen wir hier die vorzüglichsten, die nicht an den Besuch einer bestimmten Kirche ge= knüpft sind, aufzeichnen wollen.- Paulus V. hat durch sein Breve vom 30. October 1606, 31. August 1609 und vom 31. Juli 1614, wie Clemens X. durch das vom 8. Mai 1673, Innocenz XI. durch das vom 10. Februar 1660, vom 1. September 1681 und vom 24. October 1682, und Clemens XI. durch seine Constitution vom 12. Mai 1710 folgende Ablässe erlassen: 1. Vollkommenen Ablaß am Tage, an welchem man das Scapulier erhält und die hochheiligen Sacramente empfängt; 2. Vollkommenen Ablaß in der Sterbestunde unter denselben Bedingungen; 3. Vollkommenen Ablaß für denjenigen, welcher die heiligen Sacramente empfängt und nach der Meinung der Kirche betet, am Feste Unsrer Lieben Frau vom Berge Carmel, welches auf den 16. Juli fällt und gewöhnlich den ersten Sonntag darauf gefeiert wird. Benedict XIV. hat im Jahre 1752 diese Gnade und Erlaubniß dahin ausgedehnt, daß man an allen Tagen in der Octav diesen 206 Zweiter Theil. 1. Anleitung zu marian. Andachten. Ablaß gewinnen kann, falls man ihn am Festtage selbst nicht hat gewinnen können; 4. Vollkommenen Ablaß( Clemens X. 1673) an den Festen Mariä Empfängniß, Geburt, Opferung, Verkündigung, Heimsuchung, Reinigung und Himmelfahrt; ferner 5. An den Festen des hl. Joseph, des hl. Simon Stock( 16. Mai), der hl. Anna, des hl. Michael, der hl. Theresia. Jedoch muß man an den( 4 und 5) angegebenen Tagen das Gebet für die Kirche in einer Carmeliten- Kirche( wo solche nicht ist, in der Pfarrkirche) verrichten; 6. Fünf Jahre und fünf Quadragenen, wenn man monatlich einmal communicirt und nach der Meinung der Kirche betet; 7. Drei Jahre und drei Quadragenen für Erfüllung derselben Bedingungen an den MutterGottes- Festen; 8. Fünf Jahre und fünf Quadragenen für diejenigen, welche die heilige Wegzehrung zu den Kranten begleiten; 9. Ablaß von 300 Tagen für Enthaltung von Fleischspeisen Mittwochs und Samstags. 10. Ablaß von 100 Tagen für Begleitung einer Leiche auf den Kirchhof oder irgend ein Werk der Frömmigkeit oder der Nächstenliebe. Diese Ablässe sind sämmtlich den Verstorbenen zuwendbar fraft einer Constitution Clemens' X. vom 2. Januar 1672, welche mit den Worten beginnt:, Cum sicut accepimus'. 8. Andachts- Uebung. Aufnahme in Bruderschaften. 207 Achte Andachts- Alebung. Die Aufnahme in die Bruderschaften der Mutter Gottes. Der hl. Franz von Sales ermahnt in ſeiner Anleitung zu einem gottseligen Leben alle Weltleute sehr dringend, sich in eine fromme Bruderschaft aufnehmen zu lassen, und der hl. Karl Borromäus leitete in seinen Kirchen- Versammlungen die Beichtväter an, sie möchten ihre Beichtfinder zum Eintritt in fromme Vereine zu bewegen suchen. Und dies mit allem Rechte; denn solche Bruderschaften, besonders jene der Mutter Gottes, sind eben so viele Archen Noe's, in welchen die armen Weltleute vor dem Strome der Versuchungen und der Sünden, welche die Welt überschwemmen, eine Zuflucht finden. Die Mitglieder der Bruderschaften haben Gelegenheit, sich recht oft im Geiste zu sammeln und über die wichtigsten Wahrheiten des Heiles nachzudenken, indem sie so häufig Predigten, Ermahnungen, geistliche Lesungen und Betrachtungen anhören können. Sie gewinnen durch Verrichtung der vorgeschriebenen Gebete viele Gnaden und Erleuchtungen; haben häufig Anlaß vermöge der Statuten die heiligen Sacramente zu empfangen und sich dadurch im innerlichen Leben zu stärken; endlich werden sie zu Uebung der Tugenden der Demuth, der Abtödtung und Nächstenliebe, die dem Christen so nöthig sind, vielfach angeleitet. In den Bruderschaften der Mutter Gottes weiht man sich gleich anfangs ihrem Dienste, indem man sie auf 208 Zweiter Theil. 1. Anleitung zu marian. Andachten. ganz besondere Weise zur Mutter und Gebieterin erwählt und daher auch ganz besondere Gnaden im Leben und Sterben durch ihre Vermittelung erwarten darf. Es braucht nicht erst bemerkt zu werden, daß ein Mitglied solcher Bruderschaften nur dann sich der versprochenen Gnaden theilhaft macht, wenn es aus feiner andern Absicht der Bruderschaft beitritt, als um der göttlichen Mutter eifrig zu dienen und seine Seele mit Verdiensten zu bereichern, und wenn es die vorgeschriebenen Verpflichtungen gewissenhaft beobachtet. Berschiedene Andachts- Aebungen zu Ehren Mariens. 1. Ich behaupte, daß es unter allen AndachtsUebungen feine gibt, die Maria mehr Freude gewährt, als wenn man sie häufig um ihre Fürbitte anruft und in allen Nöthen bei ihr Hilfe sucht, z. B. wenn man sich Raths erholen oder andern rathen muß, wenn man sich in Gefahr oder in Versuchungen befindet, wenn man betrübt ist und besonders mit Anfechtungen gegen die Reinigkeit bedroht wird. Wenn wir alsdann das Gebet, Unter deinen Schuß und Schirm' 2c. oder das Ave Maria' beten, oder auch nur den heiligen Namen Mariens aussprechen, so wird sie uns gewiß aus aller Gefahr befreien. 2. Ein eifriger Verehrer Mariens möge es sich angelegen sein lassen, täglich oder etwa an den Samstagen ein kleines Almosen zu ihrer Ehre zu geben; und ist ihm auch dies unmöglich, so verrichte er irgend ein Liebeswerk, stehe etwa einem Kranken bei oder bete für die leidenden Seelen im Fegfeuer. Verschied. Andachts- Uebungen zu Ehren Mariens. 209 3. Er lasse zuweilen eine heilige Messe zu Ehren Mariens lesen oder wohne wenigstens den heiligen Messen bei, die zu Ehren der göttlichen Mutter gelesen werden. Das heilige Meßopfer fann allerdings nur Gott dargebracht werden; allein dies hindert nicht, wie der heilige Kirchenrath von Trient( Sig. 22. C. 3.) sagt, daß wir Gott dasselbe als Danksagung für die Gnaden, die Er den Heiligen und seiner göttlichen Mutter mitgetheilt hat, aufopfern, damit, während wir ihrer eingedenk sind, auch sie für uns ihre Fürbitte bei Gott einlegen. Darum heißt es in der Hl. Messe: ,, Damit es ihnen zur Ehre, uns aber zum Heile gereiche." 4. Endlich wird jedem Pflegekind Mariens empfohlen, diejenigen Heiligen besonders zu verehren, die am innigsten mit der göttlichen Mutter verbunden waren; täglich oder doch öfters in einem Buche zu lesen, das von den Tugenden und Vorzügen Mariens handelt; die Andacht zu ihr nach Kräften unter andern zu verbreiten und für die Lebenden und Abgestorbenen zu beten. Es folgt hier ein Verzeichniß von Ablässen, welche die Päpste denen bewilligt haben, die auf verschiedene andächtige Weise die Himmelskönigin verehren. 1. Derjenige, welcher sagt: ,, Gepriesen sei die heilige und unbefleckte Empfängniß der allerseligsten Jungfrau Maria," kann 100 Tage Ablaß gewinnen. Ebenso durch das Gebet: ,, In deiner Empfängniß, 0 Jungfrau Maria, bist du unbefleckt gewesen; bitte für uns den Vater, dessen Sohn Jesus du vom heiligen Geiste empfangen und geboren hast." 2.„ Süßes Herz Mariä, sei meine Rettung." 300 Tage Ablaß jedesmal. Herrlicht. Mar. 14 210 3weiter Theil. 1. Anleitung zu marian. Andachten. 3. ,, Erkannt, gelobt, gebenedeit, geliebt, ver. ehrt und verherrlicht seien allezeit und überall das göttliche Herz Jesu und das reinste Herz Mariä. Amen." Einmal des Tags 60 Tage Ablaß. 4. ,, Jesus, Maria und Joseph, Euch schenke ich mein Herz und meine Seele. Jejus, Maria und Joseph, stehet mir bei im legten Todesfampfe. Jejus, Maria und Joseph, möge meine Seele mit Euch im Frieden scheiden." 300 Tage Ablaß. 11 Zum Nutzen frommer Seelen füge ich hier noch einige andere Ablässe hinzu, welche die Päpste mit an dern Andachts- Uebungen verbunden haben. 1. Ablaß von fünf Jahren für alle, welche an den Sonntagen und Festtagen die heilige Communion empfangen und dabei für den Papst beten. 2. Wer die drei göttlichen Tugenden erweckt, Ablaß von sieben Jahren und sieben Quadrage= nen; vollkommenen Ablaß einmal im Monat für alle, welche sie oft erweckt haben: dabei muß aber sein Beicht und Communion und Gebet für die Kirche. Vollkommenen Ablaß in der Todesstunde für alle, welche sie im Leben öfters erweckt haben. ( Benedict XIV., 28. Januar 1756.) 3. Wer die löbliche Gewohnheit übt, alle Wochen einmal z11 beichten, kann während der Woche alle einfallenden vollkommenen Ablässe gewinnen, ohne jedesmal zu beichten, es sei denn, er habe sich einer neuen Todsünde schuldig gemacht. 4. Demjenigen, der täglich eine halbe oder wenigstens eine ViertelStunde betrachtet, sind von Papst Benedict XIV. mehrere Ablässe und einmal im Monate, wenn derjelbe beichtet und communicirt und für die Kirche betet, ein vollkommener Ablaß bewilligt worden. Verschied. Andachts- Uebungen zu Ehren Mariens. 211 5. Wer das Gebet, Anima Christi'(, Seele Christi') verrichtet, gewinnt 300 Tage Ablaß. 6. Wer das hochwürdigste Gut zu Kranken begleitet, fann fünf Jahre und fünf Quadragenen, und wenn er es mit brennenden Kerzen begleitet, sieben Jahre und sieben Quadragenen Ablaß, und wenn er dies nicht kann, aber statt dessen ein Vater unser und Ave Maria in der Meinung des Papstes betet, 100 Tage Ablaß gewinnen. 7. Wer zu Ehren Jesu, Maria und Joseph drei Arme speist, hat einen Ablaß von sieben Jahren und sieben Quadragenen, aber einen vollkommenen Ablaß, wenn er an solchem Tage die heiligen Sacramente empfängt und nach der Meinung des Papstes betet. 8. Wer dreimal betet;, Ehre sei dem Vater", 2c. gewinnt 100 Tage Ablaß. 9. Priester, die vor der Hl. Messe das Gebet verrichten:, Ego volo celebrare' etc. gewinnen 50 Jahre Ablaß. 10. Ewiger Vater, ich opfere Dir auf das kostbarste Blut Jesu Christi zur Sühnung für meine Sünden und für die Anliegen der heiligen Kirche. 100 Tage Ablaß. 11. Wer das De profundis auf den Knieen beim Zeichen der Glode betet, fann 100 Jahre Ablaß gewinnen. Ueber alle diese Ablässe siehe:, Die Ablässe, ihr Wesen und Gebrauch von P. A. Maurel, Pr. der Ges. Jesu, übersetzt von P. J. Schneider, Pr. derselben Gesellschaft. Es suche ein jeder, der die genannten Abläffe benußen will, daß er vorher Reue und Leid erwecke, denn dadurch macht er sich fähig, den Ablaß zu gewinnen. Ich übergehe andere AndachtsUebungen, die man in andern Büchern finden kann, wie z. B. die Andacht zu den sieben Freuden Mariens, zu den zwölf Tugenden der göttlichen Mut 212 3weiter Theil. 1. Anleitung zu marian. Undachten. ter 2c. und schließe diesen Abschnitt mit den schönen Worten des Hl. Bernard: O heilige Jungfrau, die du unter allen Jungfrauen hochgebenedeit bist, du bist die Ehre des ganzen Menschengeschlechtes, das Heil der Völker. Dein Verdienst hat kein Ende, deine Gewalt über alle Geschöpfe ist unumschränkt. Du bist die Mutter Gottes, die Ges bieterin der Welt, die Königin des Himmels. Du bist die Ausspenderin aller Gnaden, der Schmuck der heiligen Kirche. Du bist ein Beispiel für die Gerechten, der Trost der Heiligen, der Anfang unsrer Seligkeit. Du bist die Freude des Paradieses, die Pforte des Himmels, die Ehre deines Gottes. Siehe, wir haben dein Lob verfündigt. Wir bitten dich also, o Mutter der Güte, unsre Schwachheit zu ersetzen, unsre Verwegenheit zu entschuldigen, unsren Dienst gnädig anzunehmen, un fre Mühe zu segnen und in den Herzen aller Menschen deine Liebe zu entzünden, damit, nachdem wir hier auf Erden deinen Sohn geliebt und geehrt haben, wir Ihn die ganze Ewigkeit hindurch im Himmel loben und preisen können. Der dichte Nebel sinke vor unsren Augen, damit wir mit verklärtem Antlik die Glorie des Herrn schauen, von seinem Geiste in das schrankenlose Meer seines göttlichen Lichtes versenkt werden und, vereint in den Banden der Liebe, eins mit unsrem Gotte seien! Dies verleihe uns durch deine Fürbitte Jesus Christus, dein Sohn, unser Gott und Herr, dem Lob, Preis, Dank und Anbetung sei von nun an bis in alle Ewigkeit! Amen." Zweite Abtheilung. Andachten und Novenen für die Marienfeste. Betrachtungen über die lauretanische Litanei, die man an den neun Tagen vor den Seften Mariens verrichten kann. 20 Für den ersten Tag der neuntägigen Andacht. eilige Maria, bitte für uns! Da die heilige Kirche will, daß wir in der Litanei der allerseligsten Jungfrau Maria so oft die Worte: Bitte für uns, wiederholen, so wollen wir, ehe wir die verschiedenen Ehrentitel betrachten, mit denen wir sie anrufen, ein wenig darüber nachdenken, wie mächtig ihre Fürbitte bei Gott ist. Jesus findet sein Wohlgefallen daran, wenn Ihn seine geliebte Mutter um etwas bittet, weil sie Ihm dadurch Gelegenheit gibt, ihre Wünsche zu erfüllen; wie es denn einem guten Sohne nur zur süßesten Freude gereichen kann, wenn er irgend welchen Anlaß findet, denjenigen gefällig zu sein oder einen Dienst zu erweisen, welchen er so vieles schuldet. Maria hatte auf Erden ihrem Sohne nichts verweigert, und darum wird Er auch ihr im Himmel alles gewähren, um was sie bittet. 1 214 Zweiter Theil. 2. Andachten und Novenen 2c. Diese Voraussetzung hat den hl. Bernard zu dem Ausspruche veranlaßt: Wenn der Sohn sie nur hört, so hat Er sie auch schon erhört; es genügt, daß Maria ein Wort sagt: der Sohn gewährt ihr alles, um was sie Ihn bittet." Wollen wir selig werden, so wenden wir uns mit allem Eifer an ihren mütterlichen Beistand, und rufen wir sie öfters mit den Worten eines hl. Andreas von Candia an: Wir bitten dich, o heilige Jungfrau, stehe uns durch deine Fürbitte bei Gott bei, denn dein Gebet ist kostbarer als alle Schäße der Welt; dein Gebet erlangt uns die größten Gnaden, dein Gebet macht unsre Feinde zu Schanden, und erlangt uns den Sieg über alle ihre Angriffe. 2. Heilige Maria.- Der Name Maria ist ein Name des Heils, es ist kein irdischer, es ist ein himmlischer Name, weshalb denn auch der hl. Epiphanius sagt, daß nicht ihre Eltern, sondern Gott selbst ihr diesen Namen ertheilt habe. Nach dem Namen Jesus ist der Name Maria über alle Namen erhaben, denn Gott hat ihm solche Süßigkeit und Anmuth ertheilt, daß der, welcher ihn nennt, alles Gute, was er begehrt, erlangt. O Maria!" ruft der hl. Bernard aus, man kann dich nicht nennen, ohne von Liebe zu dir entflammt zu werden. Wenn dein Name schon so lieblich und süß ist, wie liebenswürdig mußt du dann selbst sein."" Man kann den Namen Maria nicht aussprechen," sagt der hl. Bonaventura, ,, ohne großen Nutzen daraus zu ziehen. Aber vor allem hat derselbe die Kraft, die Versuchungen des Teufels zu besiegen." O meine Königin, wenn ich dich immer in den Versuchungen angerufen hätte, so wäre ich gewiß nicht überwunden worden. Ich will in Betrachtungen über die lauretanische Litanei. 215 der Folge nie wieder unterlassen, dich anzurufen und dich zu bitten: O Maria, stehe mir bei! Maria, hilf mir! Erlange du mir nur die Gnade, dich jedesmal anzurufen, wenn meine Seele in Gefahr ist, in die Sünde einzuwilligen. 3. Heilige Gottesgebärerin.- Was wird das Gebet Mariens wohl bei Gott vermögen, wenn die Fürbitte der Heiligen schon so mächtig ist? Die Gebete der Heiligen sind Gebete der Diener Gottes, aber das Gebet Mariens ist die Bitte seiner Mutter, und Jesus hält dieselbe gleichsam für einen Befehl, so daß sich mit allem Rechte annehmen läßt, es könne feine Fürbitte, die sie bei Ihm einlegt, unerhört bleiben. Der hl. Bernard ermahnt uns, alle Gnaden, die wir von Gott verlangen, durch die Vermittelung Mariens zu erbitten; denn," sagt er, sie ist seine Mutter, und ihr Begehren wird sicher immer erfüllt werden." Ogroße Mutter Gottes, bitte Jesum für mich; siehe wie elend ich bin, habe Mitleid mit mir! Bitte für mich und werde nicht müde, für mich zu flehen, bis du mich selig im Himmel siehst. Maria, du bist meine Hoffnung, verlasse mich nicht! Heilige Gottesgebärerin, bitte für uns! Für den zweiten Tag der neuntägigen Andacht. 1. Mutter der göttlichen Gnaden.- Der hl. Anselm nennt Maria eine Mutter aller Gnaden, und der sel. Jourdan sagt, sie sei eine Schatzmeisterin der Gnaden, weshalb denn auch der hl. Bernardin von Siena ausrief: Durch sie werden alle Güter und Gnaden, wem sie will, wann sie will und 24 25 216 Zweiter Theil. 2. Andachten und Novenen 2c. wie sie will, mitgetheilt." Maria sagt von sich selbst:„ Bei mir sind die Reichthümer damit ich reich mache, die mich lieben."( Sprüchw. 8, 18. 21.) n meine Hände hat der Herr alle Gnadenschäße nieder. gelegt, damit ich die, welche mich lieben, damit be reichere." - Wenn ich dich also liebe, o meine Königin, so werde ich nicht so arm bleiben, wie ich es jetzt bin. Nach Gott liebe ich dich über alles. Erlange du mir die Gnade, dich inniger und zärtlicher zu lieben. Der hl. Bonaventura sagt, daß jeder, den du retten willst, gewiß selig werde; deshalb rufe ich zu dir mit demselben Heiligen: Heil derer, die dich anrufen, rette mich! Rette mich von der Hölle, beschüßze mich vor der Sünde, denn sie allein kann mich zur Hölle verdammen. 2. Allerreinste Mutter.- Diese jungfräu liche Mutter, die ohne alle Makel und ganz rein ist, erwirkt auch ihren treuen Dienern und Verehrern die Gnade, einen reinen und keuschen Wandel zu führen. Nach der Versicherung eines hl. Ambrosius flößte sie, als sie noch auf Erden lebte, denen, welche sich in ihrer Gegenwart befanden, durch ihren bloßen Anblick Liebe zur heiligen Reinigkeit ein. Sie wird deshalb eine Lilie unter den Dornen genannt:„ Wie eine Lilie unter den Dornen, so ist meine Freundin unter den Jungfrauen."( Hohel. 2. 2.) Alle andern Jungfrauen sind entweder für sich selbst oder für andere Dornen. Maria hingegen flößte jedem, der fie anblickte, heilige und reine Anmuthungen ein. Die tägliche Erfahrung lehrt, wie selbst die Betrachtung ihrer Bildnisse so ganz geeignet ist, jeden unheiligen Gedanken zu unterdrücken und reine Anmuthungen in der Seele hervorzurufen, und unzählig Betrachtungen über die lauretanische Litanei. 217 ist die Menge derjenigen, die zur Stunde unreiner Versuchungen vertrauensvoll ihren bloßen Namen angerufen und von jeder sündhaften Lockung sogleich befreit worden sind. Allerreinste Mutter Maria, befreie du mich von diesem Laster und bewirke, daß ich in der Versuchung immer zu dir meine Zuflucht nehme, und daß ich, so lange dieselbe dauert, nicht aufhöre, dich anzurufen. Maria war 3. Du unbefleckte Mutter. jene unbefleckte Jungfrau, die ganz schön und ohne Matel vor den Augen Gottes erschien. Ganz schön bist du, meine Freundin, und keine Makel ist an dir."( Hohel. 4, 7.) Deshalb ward sie denn auch erwählt, um den Sündern den Frieden zu erwirken, fie, die der hl. Ephrem die Vermittlerin des Friedens nennt, und die von sich selbst im Hohenliede ge= sagt hat: Ich bin vor Gott gleich geworden Einer, die den Frieden fand."( Sohel. 8, 10.) Erschiene ein Aufrührer, der sich an der Empörung gegen den König des Landes betheiligt, vor diesem letzteren, um ihn zu besänftigen, so würde er statt seinen Zweck zu erreichen, denselben nur noch mehr erzürnen. Darum durfte denn auch Maria, die bestimmt war, den Frieden zwischen Gott und den Menschen zu vermitteln, nicht als Sünderin und Mitschuldige an dem Verbrechen Adam's vor dem Herrn erscheinen, und deshalb wurde sie vor aller Sündenschuld bewahrt. O unbefleckte Königin, die du Gott so theuer bist, wende deine Augen nicht ab von den Fle= cken und Wunden, die meine Seele bedecken, blicke gnädig auf mich herab und hilf mir. Gott, der dich so innig liebt, versagt dir nichts; könn 218 3weiter Theil. 2. Andachten und Novenen. ic. test du dich weigern, den zu erhören, der dich anruft? O Maria, ich nehme zu dir meine Zuflucht, habe Mitleid mit mir: unbefleckte Mut◆ ter, bitte für uns! Für den dritten Tag der neuntägigen Andacht. " 1 1. Du liebliche Mutter. Mehrere heilige Väter und fromme Schriftsteller wenden jene Stelle im Hohenliede: Wie schön bist du, meine Freundin, wie schön bist du!" in dem Sinne auf Gott an, als sei Ihm die seligste Jungfrau so lieblich und holdselig erschienen wie kein anderes Geschöpf, das Er ins Dasein gerufen, und sei ihre Liebe zu Ihm weit größer gewesen, als jene aller Engel und Heiligen zusammen. Oliebliche, o liebenswürdige Jungfrau Maria! Du hast das Herz deines Gottes gewonnen, nimm denn auch mein armes Herz in Besiz und heilige es. Ich liebe dich, ich vertraue auf dich, liebliche Mutter Gottes, bitte für uns! 2. Du Mutter unsres Erlösers. Aus doppeltem Grunde wird Maria Erlöserin der Welt und Vermittlerin der Gnade genannt, gleichwie Christus ein Mittler der Gerechtigkeit heißt, und zwar, weil sie in freiwilliger Entschließung die Mutterschaft des Welterlösers, durch den die Menschheit das verlorne Heil wieder erlangt, angenommen, und weil sie in den Sühnungstod desselben auf Golgatha, durch welchen das Reich der Gnade uns wieder eröffnet ward, vollkommen eingewilligt hat. 11 Ich bitte dich, o Maria, die du eines Tages das Leben deines eigenen Sohnes Gott zum Betrachtungen über die lauretanische Litanei. 219 Opfer darbrachtest, bewirke durch deine Fürsprache, daß ich selig werde. 3. Du ehrwürdige Jungfrau.- Die Hochschätzung einer Sache entspringt aus dem Begriffe von ihrem Werthe. Wenn wir nun die erhabene Heiligkeit, womit Mariens Seele geziert war, die Fülle der göttlichen Gnaden, welche der heilige Geist in ihr Herz ausgegossen hat, und alle Vorzüge, womit sie von Gott beehrt worden ist, ins Auge fassen und zugleich erwägen, wie ihre Größe und unaussprechliche Würde einer Mutter Gottes nur allein vom Herrn selbst erkannt wird; so müssen wir nothwendig von tiefer Ehrfurcht gegen sie erfüllt werden und das Bedürfniß in uns fühlen, ihr mit der heiligen Kirche unsre aufrichtigste Verehrung darzubringen. Mutter Gottes, meine Mutter Maria! Ich bezeuge dir meine Verehrung; ich wünschte, daß alle in dir eine so mächtige Königin verehrten! Habe Mitleid mit einem armen Sünder, der dich liebt, und der auf dich sein Vertrauen setzt. Ehrwürdige Jungfrau, bitte für uns! Aus der Für den vierten Tag der neuntägigen Andacht. 1. Du lobwürdige Jungfrau. Hochachtung geht das Lob hervor, wodurch jene ausgedrückt und andern kund gemacht wird; dieses Lob aber gleicht einer aus Blumen geflochtenen Krone, die wir der Himmelskönigin nicht auf das Haupt jeßen( denn Gott hat sie mit Sternen gekrönt), sondern zu ihren Füßen hinlegen sollen. Wir loben sie, wenn wir unser Geistesauge zum Himmel wenden, unsre Meinung mit dem Lobe, das ihr die triumphirende Kirche immerwährend anstimmt, vereinigen - 320 Zweiter Theil. 2. Andachten und Novenen 2c. und dann mit der streitenden ihre Hymnen und Lobgesänge beten oder singen; wenn wir bei jeder Gelegenheit mit Hochachtung von ihr sprechen, ihre Tugenden preisen, die durch ihre Fürbitte erlangten Wohlthaten verkünden und mit Freude von ihren Vorzügen sprechen, damit auch andere zu ihrer Ver ehrung aufgemuntert werden. Himmelskönigin, von heute an will ich mein Möglichstes thun, damit alle dich verehren und lieben. Nimm du diesen meinen Wunsch gnädig an und hilf mir, damit ich ihn ausführe. Nimm mich zu deinem Diener an und gestatte nicht, daß ich von neuem ein Diener des Teufels werde. 2. Du mächtige Jungfrau.- Es ist schon im ersten Theile dieses Buches ausführlich nachgewiesen worden, wie mächtig und vielvermögend die ſeligste Jungfrau durch ihre Erhebung zur Mutterwürde des Sohnes Gottes geworden. Wer unter allen Engeln und Heiligen könnte wohl so vieles beim Herrn vermögen, als fie? Jesus Christus ehrt sie vorzüglich dadurch, daß Er ihr jede Bitte gewährt, die sie an Ihn stellt, zumal, wenn es sich um die Bekehrung eines Sünders und um Erlangung noth wendiger Gnaden handelt. O Maria, es ist dir vom Herrn beschieden, mich zur Seligkeit zu geleiten! O stehe mir bei, ich will im Vertrauen auf deinen Beistand verharren! 3. Du gütige Jungfrau.- Wenn Maria mächtig bei Gott ist, so ist sie zugleich gütig und voll Mitleid gegen die Sünder. Weder die Macht noch der Wille kann ihr hiezu fehlen. Wie sollte ihr auch die Macht mangeln, unser Heil zu er " 1 Betrachtungen über die lauretanische Litanei. 221 wirken, da sie die Mutter Gottes ist; wie wäre es möglich, daß sie uns nicht helfen wollte, da wir ihre Kinder sind? Wer sich erinnern kann, daß er, nachdem er dich, o Maria, angerufen hat, unerhört geblieben wäre, der möge es unterlassen, fernerhin deine Barmherzigkeit zu preisen," sagt der hl. Bernard. Ihr Wunsch, uns Gnaden zu erweisen, ist so groß, daß nicht nur derjenige sie beleidigt, der sich unehrerbietig gegen sie benimmt, sondern selbst der, der sie nicht um Gnaden anruft. Man muß nicht lange bitten, um von dieser Mutter der Barmherzigkeit Hilfe zu erlangen. Ehe wir sie anrufen, kommt ihre Güte uns zuvor und zwar deshalb, weil sie unser Elend nicht ansehen kann, ohne uns zu helfen. Blicke, o Maria, blicke auf mein Elend und hilf mir. Du gütige Jungfrau, bitte für mich! Für den fünften Tag der neuntägigen Andacht. 1. Du getreue Jungfrau.- Selig wer betend an der Pforte Mariens wacht, gleichwie die Armen, die an der Pforte der Reichen warten, bis ihnen geholfen wird. Glückselig der Mensch, der mich hört und der täglich an meinen Thüren wachet."( Sprüchw. 8, 34.) wenn wir doch dieser göttlichen Mutter mit derselben Treue dienten, mit der sie uns hilft, sobald wir sie um ihren Beistand anrufen! Maria verspricht dem, der ihr dient und sie verehrt, daß er nicht mehr sündigen, und daß er das ewige Leben erlangen werde: Wer in mir seine Werke thut, sündigt nicht, er wird das ewige Leben erhalten."( Sir. 24, 30. 31.) Sie selbst fordert alle auf, zu ihr ihre Zuflucht zu nehmen und verspricht ihnen alle Gnaden, die sie nur hoffen können. Bei mir ist alle Gnade des Lebens und der Wahrheit, bei mir ist alle Hoffnung des Lebens und der Tugend; 222 3weiter Theil. 2. Andachten und Novenen ic. fommet alle her zu mir."( Sir. 24, 25. 26.) Der hl. Lorenz Justiniani bezieht auf sie jene Worte der hl. Schrift: " Ihre Bande sind Bande des Heils," und fragt: „ Warum sind es Bande? Deshalb weil sie ihre Diener fesselt, damit sie sich nicht allzugroße Freiheiten geſtatten, da dieſelben Ursache ihres Verderbens sein würden. Heilige Mutter Gottes, auf dich setze ich alle meine Hoffnung, du mußt mir helfen, damit ich nicht von neuem sündige! O meine Königin, verlasse mich nicht, sondern erlange mir die Gnade, eher zu sterben, als die Gnade Gottes wiederum zu verlieren. 2. Du Ursache unsres Heils.- Gleichwie die Morgenröthe, die einer düstern und finstern Nacht folgt, uns erheitert, so brachte auch die Geburt Mariens, nachdem viertausend Jahre lang die Finster niß der Sünde die Welt bedeckt hatte, Freude auf die Erde. Als sie geboren ward," sagt ein Kirchenvater, da ging das Morgenroth auf." Das Morgenroth ist der Vorbote des Sonnenaufgangs, so war auch Maria der Vorbote des menschgewordenen Wortes, der Sonne der Gerechtigkeit, uns res Heilandes. Mit Recht singt die heilige Kirche bei der Geburt Mariens: Deine Geburt, o heilige Gottesgebärerin, verkündigte Freude der gan zen Welt." Gleichwie Maria die erste Ursache unsrer Freude war, so bleibt sie fortwährend der Gegenstand derselben, denn," sagt der hl. Bernard, Jesus Christus hat alle seine Verdienste in die Hände seiner Mutter niedergelegt, damit alles Gute, das wir besißen, uns durch sie zukomme." Heilige Mutter Gottes, du bist der Gegenstand meiner Freude und meiner Hoffnung, denn Betrachtungen über die lauretanische Litanei. 223 du versagst niemanden deinen Beistand und erlangst bei Gott alles, was du begehrst. 3. Du vortreffliches Gefäß der Andacht. - Das Herz Mariens war mit keinem Geschöpfe getheilt, es hing durch die vollkommenste Gottergebenheit im Willen Gott allein an, und diese bethätigte sie nicht blos durch innere Anmuthungen sondern auch durch äußere Werke, indem sie sich in allen Tugenden übte, um dem Herrn zu gefallen. Weil sie wußte, daß der sicherste Beweis der Gottergebenheit darin besteht, für Gott zu leben und zu leiden, benußte sie jeden Anlaß, Gottergebenheit und Gott wohlgefälligkeit zu erstreben. Und da endlich diese, wo sie lebendig ist, auch ein inneres Leben der Einigung mit Gott übt, so war ihre Seele durch das Gebet mit Gott vereint und ihr heiliges Herz im eigentlichen Sinne ein vortreffliches Gefäß der Andacht. Selig bist du, o meine Königin, denn du warst immer vollkommen ergeben in den Willen deines Gottes. Erlange auch mir die Gnade daß ich die Zeit, die mir noch zu leben übrig bleibt, immer nur das wolle, was Gott wohlgefällig ist. Für den sechsten Tag der neuntägigen Andacht. 1. Du geistliche Rose. Im Hohenliede wird Maria der verschlossene Garten des Herrn genannt: Ein verschlossener Garten bist du, meine Schwester, meine Braut'. Der Herr pflanzte in diesen Garten," sagt der hl. Bernard,„ alle Blumen, die die heilige Kirche zieren, unter andern das Veilchen der Demuth, die Lilie der Reinigkeit und die Rose der Liebe Gottes." Maria wird eine Rose 224 3weiter Theil. 2. Andachten und Novenen.: c. genannt, weil ihr Herz von brennender Liebe zu Gott und zu den Menschen entflammt war. Wo könnten wir auch nur eine Fürsprecherin finden, die sich unser Heil mehr angelegen sein ließe, die uns inniger liebte als sie? Nur eine," sagt der hl. Augustin, nämlich Maria trägt im Himmel wahrhaft Sorge um uns." Geliebte Mutter Maria, wenn doch auch ich dich liebte, gleichwie du mich liebst! Ich will mein Möglichstes thun, um dich zu ehren und zu lieben. Süßeste Königin, erlange mir die Gnade, daß ich dir treu bleibe. 2. Du Thurm David's. Maria wird im Hohenliede ein Thurm David's genannt:„ Dein Hals ist wie der Thurm David's, der mit Schutzwehren gebaut ist: tausend Schilde hängen daran, die ganze Rüstung der Starken."( Hohe!. 4,4.) Der Thurm David's stand auf einer Höhe, nämlich auf dem Berge Sion, und deshalb ward Maria so genannt, um dadurch die Erhabenheit der göttlichen Mutter zu be zeichnen. Deshalb heißt es denn auch in den Pfal men, daß gleich im Anfange ihres Daseins ihre Heiligkeit an Größe gleichsam die höchsten Berge über stieg. Seine Grundfesten sind auf hl. Bergen." 11 ( Pf. 86, 2.) Der hl. Gregorius legt diese Worte dahin aus, daß Maria in den ersten Augenblicken ihres Daseins heiliger war, als die größten Heiligen am Ende ihres Lebens. O meine Königin, geliebte Mutter Maria! Ich freue mich über deine hohe Würde, und ich bin bereit, lieber mein Leben zu lassen, als zu gestatten, daß man dir, wenn dies möglich wäre, auch nur den kleinsten Theil deiner Herrlichkeit raubte. O könnte ich doch durch Vergießung mei Betrachtungen über die lauretanische Litanei. 225 nes Blutes bewirken, daß alle Menschen auf Erden dich, o große Königin, verehrten und liebten. 11 3. Du elfenbeinerner Thurm. In der heiligen Schrift heißt es von Maria: Dein Hals ist wie ein elfenbeinerner Thurm." Ihr Hals wird deshalb mit einem Thurme verglichen, weil die Lebensgeister, das heißt die göttlichen Gnaden, durch die wir mit Gott vereinigt bleiben, mittels Maria von unsrem Haupte Jesus Christus in seinen Leib, die heilige Kirche strömen. Von dem Augenblicke an, da sie das göttliche Wort vom heiligen Geiste empfing, hat sie der Herr so hoch erhoben, daß nach seinem Rathschlusse fortan niemand mehr eine Gnade ohne ihre Vermittelung erhalten soll. Das Elfenbein ist stark und zugleich lieblich anzuschauen, weshalb der Abt Rupertus ausruft: ,, Gleich einem elfenbeinernen Thurme erscheinst du Gott lieblich und dem Teufel furchtbar." Weil du denn, o meine Königin, um der Liebe willen, die Gott zu dir trägt, uns alle Güter erlangen kannst, und weil der Teufel dich fürchtet, so kannst du auch mich vor seinen Angriffen vertheidigen. Habe Mitleid mit uns, die wir uns rühmen, unter deinem Schuhe zu wohnen. - Für den siebenten Tag der neuntägigen Andacht. 1. Du goldenes Haus. Das Gold bezeichnet die Liebe, und darum wird Maria mit Recht einem goldenen Tempel der Liebe Gottes verglichen; denn wie im Tempel zu Jerusalem alles mit Gold bedeckt war, so erglänzte ihre schöne Seele vom Glanze der Heiligkeit. Sie war jenes goldene Haus, das die ewige Weisheit, das göttliche Wort, hier auf Herrlicht. Mar. 15 226 Zweiter Theil. Andachten und Novenen 2c. Erden zu seiner Wohnung erwählte. ,, Die Weisheit hat sich ein Haus erbaut."( Sprüchw. 9, 1.) Dieses Haus, das Gott bewohnte, ist so reich, daß all unfrem Elende dadurch leicht abgeholfen werden kann. O Maria, weil du Gott so sehr liebst, wünschest du, daß alle Ihn lieben. Vor allem bitte ich dich, erlange mir diese Gnade, denn von dir hoffe ich, derselben theilhaftig zu werden; erhalte mir eine große Liebe zu Gott. 2. Du Arche des Bundes.- Maria war eine geräumigere Arche als die Arche Noe's; denn in dieser fanden nur zwei Thiere von jeder Gattung Raum, indeß unter dem Mantel Mariens alle, Gerechte und Sünder, Platz finden. Die wilden Thiere, die in der Arche Noe's ein Obdach fanden, blieben wild; aber die Sünder, die unter den Mantel Mariens fliehen, bleiben nicht Sünder, denn sie ändert ihr Herz und macht, daß sie in die Freundschaft Gottes zurückkehren. So oft auch der Mensch sündigt, wenn er wahrhaft gebessert oder mit dem auf richtigsten Verlangen nach Besserung zu ihr zurüd fehrt, ist sie stets bereit, ihn aufzunehmen; denn sie fieht nicht auf die Menge seiner Vergehen, sondern auf die Bereitsamkeit seines Willens. Sie verschmäht es nicht, seine Wunden zu pflegen und zu heilen, weil sie ja eine Mutter der Barmherzigkeit ist. O Mutter der Barmherzigkeit, rufe ich dir zu, gedenke, daß es unerhört ist, daß du einen Sünder, der zu dir seine Zuflucht genommen hat, abgewiesen hättest; ich Elender nehme zu dir meine Zuflucht und vertraue auf deinen Beistand. 3. Du Pforte des Himmels.- Die Liebe Mariens zu uns ist durch keine Grenzen eingeschränkt, sondern erstreckt sich auf alles, was zu unsrem Nu Betrachtungen über die lauretanische Litanei. 227 Ben gereicht. Sie ist den Kleinen eine Mutter, den Verwaisten eine Vormünderin, den Bedrängten eine Trösterin. Sie erhört unser Gebet nicht nur in wichtigen, sondern auch in kleinern Anliegen, be= wahrt uns durch ihren Schuß vor dem Bösen und führt uns an ihrer Hand, wie eine gute Mutter, nach dem himmlischen Vaterlande, wenn wir uns mit findlichem Vertrauen ihrer Obhut überlassen und uns als würdige Kinder erweiſen. O meine Mutter, auf dich setze ich alle Hoffnung meines Heils. Ich liebe dich, verleihe, daß ich selig werde, und gestatte nicht, daß ich zur Hölle verdammt werde, wo ich dir ewig fluchen würde. Für den achten Tag der neuntägigen Andacht. 1. Du Morgenstern.- Wie der Morgenstern dem Aufgange der Sonne vorangeht, so geht die Andacht zur seligsten Jungfrau der Sonne der göttlichen Gnade voran. Diese Andacht wird als ein zuverlässiges Zeichen betrachtet, daß jemand sich im Stande der Freundschaft Gottes befindet oder wenigstens die verlorne Gnade wieder erlangen werde. Gleichwie der Meeresstern die, welche auf hohem Meere in Gefahr find, von den Wellen verschlungen zu werden, in einen sichern Hafen geleitet, so ge leitet Maria auch uns durch das wilde Meer dieses Lebens in den Himmel. Der hl. Bernard ermahnt uns, wir sollten, wenn wir nicht von den Wellen der Versuchungen verschlungen werden wollen, die Augen nicht von Maria, diesem Sterne des Heiles, abwenden, und fügt hinzu:„ Wenn du ihr folgst, wirst du nicht auf Abwege gerathen; wenn sie dir beiſteht, hast du nichts zu fürchten; wenn sie dir gnädig ist, wirst du sicher selig werden." Univ.- Bibl. Giessen 228 3weiter Theil. 2. Andachten und Novenen 2c. O Maria, meine Mutter! Blicke auf mich Armen herab, der sehr bedroht vom Sturm der Versuchungen und Leidenschaften, zu dir um Hilfe ruft. Maria, Morgenstern, geleite mich in den sichern Hafen des Heiles! 2. Du Heil der Kranken.- Der hl. Simon Stock nennt Maria ein Heilsmittel für die Sünder, und der hl. Ephrem nennt sie nicht nur Heilsmittel, sondern sogar das Heil derer, die zu ihr ihre Zuflucht nehmen. Wer sich also in der Noth an sie wendet, der findet nicht nur ein Heilsmittel in ihr, er findet sogar sein Heil, wie Maria selbst es denen versprochen hat, die sich an sie wenden:„ Wer mich findet, findet das Leben und schöpfet das Heil von dem Herrn."( Sprüchw. 8, 35.) Wir dürfen also nicht fürchten, daß der Ekel, den unsre Wunden erregen, sie abhalten werde, uns zu helfen, denn sie ist unfre Mutter; und gleichwie eine Mutter sich durch nichts abhalten läßt, ihren verwundeten Sohn zu perpflegen, so wird auch Maria nicht ermangeln, ihre franken Diener, die zu ihr ihre Zuflucht nehmen, zu heilen. Deshalb ruft der Hl. Bernard aus: Heilige Mutter Gottes, wie verächtlich ein Sünder auch sei, du verschmähest ihn nicht, und wenn er dich um deine Hilfe anfleht, so hilfst du ihm und läßt nicht zu, daß er verzweifle. 3. Du Zuflucht der Sünder.- Die gött liche Mutter ist nach der einstimmigen Behauptung vieler heiligen Väter vom Herrn zu einer Zufluchtsstätte für alle bestimmt worden, die durch ihre Misſethaten den ewigen Tod verdient haben. Ist sie ja vorzüglich befliffen, den Sündern, die ihre Vermit telung anrufen, die Gnade einer vollkommenen Bekehrung und Aussöhnung mit Gott zu erlangen, Betrachtungen über die lauretanische Litanei. 229 wie es unzählige Menschen aus Erfahrung befennen müssen, und wovon sich alle Gefallenen selbst überzeugen können, die, um von den Banden ihrer Sünden befreit zu werden, in Demuth ihren Beistand anflehen. Mit Recht ruft ihr daher der hl. Anselm zu: Mit mütterlicher Liebe nimmst du den Sünder auf, den die ganze Welt seiner Miſſethaten wegen verabscheut und wirst nimmer müde, bis du den Unglücklichen mit deinem Sohne, unserm Richter Jesus Christus, vollkommen ausgeföhnt hast." 11 Wenn du also, o meine Königin, die Zuflucht aller Sünder bist, so bist du auch meine Zuflucht; und da du keinen verachtest, der sich an dich um Hilfe wendet, so wirst du auch mich nicht verachten, wenn ich dich um Beistand anrufe. Buflucht der Sünder, bitte für uns! Maria, bitte für uns, denn alsdann werden wir gewiß gerettet! Für den neunten Tag der neuntägigen Andacht. 1. Du Trösterin der Betrübten.- Gibt es keinen Heiligen, der so viel Mitleid mit unsrem Elend hegt, als Maria, und sind die Krankheiten der Seele die gefährlichsten Leiden, dann ist offenbar, daß wir am besten zu Maria unsre Zuflucht nehmen. Wenn wir demnach Maria als unsre beste Mutter lieben, werden wir auch in allen widrigen Begegnissen Trost und Beistand bei ihr suchen. Und hiezu haben wir alle Ursache; denn nach Jesus Christus trägt niemand so große Sorge um unser Heil, tröstet uns niemand mehr in unsren Leiden und Prüfungen, hat niemand so aufrichtiges Mitleid mit unsrem Elende, als eben sie. Säumen wir daher nicht, in den Stunden bitterer Heimsuchung und zumal bei innerer 230 3weiter Theil. 2. Andachten und Novenen zc. Trostlosigkeit an ihr mütterliches Herz uns zu wen den, uniren Rummer in ihren Schooß auszugießen, und wir werden es zu unsrer Beruhigung inne werden, wie sie wahrhaft eine Trösterin der Betrübten iſt. O Maria, unterlasse nicht, uns stets zu trösten, aber hauptsächlich in unsrer Todesstunde; nimm du alsdann unsre Seele in Empfang und übergib sie deinem göttlichen Sohne, der über unsre Seligkeit zu entscheiden hat. 2. Du Hilfe der Christen.- Der Seelen feind bekämpft nicht nur unfren Glauben, er legt uns auch viele andere Fallstricke und ist auf alle Mittel bedacht, uns ins Verderben zu stürzen. Wir bedürfen daher eines mächtigen Beistandes, der uns gegen die Anfechtungen bewahrt, uns stärkt und ermuthigt. Wo könnten wir aber diese Hilfe sicherer erhalten, als bei Mmaria? Die Kirchengeschichte bes stätigt uns mit vielen Beispielen, daß wir nach Gott alle Hilfe und allen Beistand getrost von ihr erwarten dürfen, sofern wir sie darum anflehen. Es würde hier indessen zu weit führen, wenn ich die vielen offenbaren Wunder und alles anführen wollte, das sie nicht nur einzelnen, sondern ganzen Nationen, ja der gesammten Christenheit zum Schuße durch ihre Fürbitte erwirkt hat. Jhr, die da, furchtbar wie ein wohlgeordnetes Heerlager genannt wird, ruft daher der Hl. Bernard zu: Du bist eine unbezwingbare Kämpferin, wenn du deine Diener ges gen die Angriffe des Teufels vertheidigst." O meine Königin, hätte ich doch immer meine Zuflucht zu dir genommen, dann hätten mich meine Feinde nie besiegt; von heute an will ich mich auf deinen Beistand verlassen und Betrachtungen über die lauretanische Litanei. 23. in all meinen Versuchungen zu dir meine 3uflucht nehmen und von dir zuversichtlich den Sieg über meine Feinde erwarten. 3. Du Königin der Martyrer. Mit Recht nennen wir Maria eine Königin der Martyrer; denn als ihr Sohn am Kreuze hing, da litt sie gröBere Schmerzen, als je ein Blutzeuge erduldet hat. Es genügt die Erinnerung an die Thatsache, daß sie unter dem Kreuze ihres Sohnes stand, um uns einigermaßen den Umfang ihrer Leiden vorzustellen. Die Mütter leiden entseßlich, wenn sie ihre Kinder sterben sehen und ihnen nicht helfen können; Maria litt nach dem Maße ihrer Liebe, und dennoch harrte sie aus bei Jesus bis zum letzten Augenblicke seines Lebens. Sie stand unter dem Kreuze'. Während Jesus den Geist aufgab, brachte sie dem ewigen Vater den Tod ihres Sohnes als Opfer für unsre Sünden dar; unterdessen litt sie Todespein und größere Schmerzen, als wenn sie selbst den furchtharsten Tod erduldet hätte. O meine geliebte Mutter, um der Verdienste jener Schmerzen willen, die du beim Kreuze ausgestanden hast, erlange mir wahren Schmerz über alle meine Sünden und die Liebe zu meinem Heilande Jesu Christo. Um jenes Schwertes willen, das dein Herz durchbohrte, als du Jesum das Haupt neigen und den Geist aufgeben sahest, stehe mir in meiner Todesstunde bei, und erlange mir dann die ewige Seligkeit, damit ich dich und Jesum die ganze Ewigkeit hindurch lieben könne. www 232 3weiter Theil. 2. Andachten und Nobenen 2c. Das Feft der unbefleckten Empfängnik Mariens. ( Am 8. December.) Geschichtliche Dorerinnerung. Schon um das Jahr 406 findet man dieses Fest in dem Officium( Verzeichniß der priesterlichen Amtss pflichten) der griechischen Kirche am 9. December; in der Mitte des siebenten Jahrhunderts feierte sie es unter dem Namen Panagia, die lateinische in Italien um das Jahr achthundert. Im eilften Jahrhundert( 1074) ward es in England gefeiert. Anselm, Bischof von Kanterbury, schrieb die Feier dieses Festes in seinem Sprengel vor, und so verpflanzte sie sich nach und nach in alle englischen Kirchen. Eben so erklärte sich die Synode von London vom Jahre 1328 für dasselbe. Anfangs stellte man es dem Volke frei, dieses Fest zu feiern: später aber- im Jahre 1328- gebot es eine andere Kirchenversammlung von London. Um die nämliche Zeit fing man auch in Frankreich an, diesen Tag als Fest zu verordnen. So wohl das Concilium von Tours vom Jahre 1247, als auch das vom Jahre 1300 geboten die Feier desselben. In Deutschland soll der hl. Norbertus der eifrigste Beförderer dieses Festes gewesen sein. Endlich im Jahre 1476 erließ Bapst Sirtus IV. zwei Constitutionen, in denen er das Fest für die ganze Kirche anordnete und ein Officium für dasfelbe verfassen ließ, ohne es jedoch zu einem allgemein gebotenen Feiertage zu erheben. Papst Clemens VIII. erhob es zu einem Feste der zweiten Classe; Clemen IX. fügte die Octavfeier hinzu, und Clemens XI. Das Fest der unbefleckten Empfängniß Mariens. 233 verordnete es als Hauptfest, das unter Verpflichtung gefeiert werden müsse. Pius V. begünstigte es mit vielen Ablässen, und Pius IX. erklärte endlich am 8. December 1854 nach einem in Rom abgehaltenen Concilium, bei welchem über 200 Bischöfe und Prälaten aus allen Theilen der Welt sich einfanden, die unbefleckte Empfängniß der seligsten Jungfrau Maria als einen Glaubenssaß der katholischen Kirche. 1. Novene zur Vorbereitung auf das Fest der unbefleckten Empfängniß Mariens.*) ( Beginnt am 29. November.) Vorbereitungsgebete, alle neun Gage zu beten. Komm, heiliger Geist, erfülle die Herzen deiner Gläubigen, und entzünde in ihnen das Feuer deiner Liebe. *) Jedem Christgläubigen, welcher entweder allein oder in Gemeinschaft mit andern, in einer Kirche oder in seiner Wohnung, eine von den nachbenannten neuntägigen Andachten, als Vorbereitung auf die fünf vorzüglichsten Feste der heilig sten Jungfrau Maria, halten würde, verlieh Pius VII. mit Rescripten vom 4. August und 24. November 1808 und vom 11. Januar 1809 auf ewige Zeiten 300 Tage Ablaß für jeden Tag der Andacht und einen vollkommenen Ablaß, wenn er sie durch alle 9 Tage verrichten, am Tage des darauf folgenden Festes oder während der Octav desselben die heiligen Sacramente empfangen und den Herrn und die feligste Jungfrau nach der frommen Meinung Sr. Heiligkeit anrufen würde. Diese Ablässe können auch den Seelen im Fegfeuer geschenkt werden. 234 Zweiter Theil. 2. Andachten und Novenen 2c. V. Sende aus deinen Geist, und sie werden neu geschaffen werden: R. Und Du wirst das Angesicht der Erde erneuern. O Gott, der Du die Herzen deiner Gläubigen durch die Erleuchtung des heiligen Geistes belehret hast; verleihe, daß wir in dem nämlichen Geiste das Rechte erkennen und seines Trostes uns allezeit erfreuen mögen. Durch Christum, unsren Herrn. Amen. Gebet. O reinste Jungfrau, ohne Makel der Sünde empfangen, und von diesem ersten Augenblicke an voll der Schönheit und ohne Makel, glorreiche Maria, voll der Gnaden, und Mutter meines Gottes, Königin der Engel und der Menschen! Ich verehre dich demüthig, als die Mutter meines Erlösers, der, obwohl Er Gott ist, durch seine Hochachtung, durch seine Ehrfurcht und durch seine Unterwerfung vor dir mich gelehrt hat, welche Ehren und Huldigungen ich dir erweisen soll. Ich bitte dich, nimm gnädig an, was ich in die ser neuntägigen Andacht dir darbringe. Du bist die sichere Zuflucht der bußfertigen Sünder; ich habe also recht, wenn ich zu dir meine Zuflucht nehme. Du bist die Mutter der Barmherzigkeit; es müssen also meine Armseligkeiten dir zu Herzen gehen; du bist nach Jesus Christus meine ganze Hoffnung; und so wirst du das zärtliche Das Fest der unbefleckten Empfängniß Mariens. 235 Vertrauen, das ich zu dir habe, nicht anders als wohlgefällig aufnehmen können. Mache mich würdig, dein Kind zu heißen, damit ich mit Zuversicht zu dir sagen kann: Zeige, daß du meine Mutter bist! Nun betet man neun, Gegrüßet seist du Maria' 2c. und ein, Ehre sei Gott dem Vater 2c. und dann an den einzelnen Tagen die hier folgenden Gebete. Am ersten Tage, den 29. November. Sieh mich zu deinen Füßen, o unbefleckte Jungfrau! Ich erfreue mich hoch mit dir, daß du von Ewigkeit her zur Mutter des ewigen Wortes auserwählt und vor der Erbsünde bewahrt worden bist. Ich danke und lobsinge der allerheiligsten Dreieinigkeit, welche dich in deiner Empfängniß mit diesen Vorzügen ausgestattet hat, und flehe dich demüthig an, erbitte mir die Gnade, jene traurigen Wirkungen, die die Erbsünde in mir hervorgebracht hat, zu besiegen. O erlange, daß ich sie überwinde und nie ablasse meinen Gott zu lieben! Hierauf betet man die lauretanische Litanei, oder folgende Lobsprüche: V. Ganz schön bist du, Maria! B. Ganz schön bist du, Maria! V. Und die Makel der Erbsünde ist nicht in dir. B. Und die Makel der Erbsünde ist nicht in dir. V. Du bist der Ruhm Jerusalema! B. Du bist die Freude Israels! 236 Zweiter Theil. 2. Andachten und Novenen 2c. V. Du die Ehre unsres Volkes! R. Du die Fürsprecherin der Sünder! V. O Maria! R. O Maria! V. Weiseste Jungfrau! R. Mildeste Mutter! V. Bitte für uns! R. Sei unsre Fürbitterin bei unsrem Herrn Jesus Christus. Nach diesem oder nach der Litanei spricht man: V. In deiner Empfängniß, o Jungfrau, bist du ohne Makel gewesen! R. Bitte für uns den Vater, dessen Sohn du geboren hast. Gebet. O Gott, der Du durch die unbefleckte Empfängniß der Jungfrau Maria deinem Sohne eine würdige Wohnung bereitet hast; wir bitten Dich, Du wolleft, gleichwie Du sie durch den vor= hergesehenen Tod ihres Sohnes vor aller Sünde bewahrt hast, auf ihre Fürbitte auch uns mit reinem Herzen zu Dir gelangen lassen. O Gott, Du Hirt und Lenker aller Gläubigen, siehe gnädig herab auf deinen Diener, unsern Papst N., den Du zum Hirten deiner Kirche bestimmt hast; verleihe ihm, wir bitten Dich, daß er das Heil aller, welchen er vorsteht, mit Wort und Beispiel befördere; damit er einst sammt der ihm anvertrauten Heerde zum ewigen Leben gelangen möge. Das Fest der unbefleckten Empfängniß Mariens. 237 O Gott, unsre Zuflucht und Stärke! erhöre gnädig die frommen Gebete deiner Kirche, der Du selbst der Urheber aller Frömmigkeit bist; und lasse uns erlangen, um was wir vertrauensvoll bitten. Durch Jesum Christum, unfren Herrn. Amen. Am zweiten Tage, den 30. November. O Maria, du unbefleckte Lilie der Reinigkeit! Ich wünsche dir Glück, daß du schon vom ersten Augenblicke deiner Empfängniß an mit Gnade erfüllt wurdeft, und dir überdies der vollfommene Gebrauch der Vernunft schon damals verliehen worden. Ich sage Lob und Dank der allerheiligsten Dreieinigkeit, daß Sie dir so erhabene Gnaden ertheilt hat, und stehe ganz beschämt vor dir da, weil ich mich so arm an Gnaden sehe. O du, die du in solcher Fülle mit himmlischer Gnade bist überschüttet worden, laß doch auch meiner Seele etwas davon zukommen und mich theilnehmen an den Schätzen deiner unbefleckten Empfängniß! Am dritten Tage, den 1. December. Maria, du geheimnißvolle Rose der Reinigkeit, ich freue mich mit dir, daß du in deiner unbefleckten Empfängniß glorreich über die höllische Schlange triumphirt hast, und ohne Makel der Erbjünde empfangen wurdest. Ich danke 238 3weiter Theil. 2. Andachten und Novenen 2c. und Lobsinge aus ganzem Herzen der allerheiligsten Dreieinigkeit, welche dir diesen Vorzug verliehen hat und bitte dich, mir Muth und Kraft zu erbitten, damit ich alle Nachstellungen des bösen Feindes überwinde und meine Seele durch keine Sünde verunreinige. Ach, hilf mir jederzeit, und lasse mich durch deinen Beistand über die gemeinsamen Feinde unsres Heiles jederzeit den Sieg erringen. Am vierten Tage, den 2. December. O Spiegel der Reinigkeit, unbefleckte Jungfrau Maria, ich fühle die innigste Freude, wenn ich betrachte, daß dir schon in deiner Empfängniß die erhabensten und vollkommensten Tugenden, sammt allen Gaben des heiligen Geistes, sind eingegossen worden. Ich lobsinge und danke der allerheiligsten Dreieinigkeit, daß Sie dich mit diesen Vorzügen ausgezeichnet hat und bitte dich, gütigste Mutter, du wollest mir Fertigkeit in Uebung der Tugenden erwirken, damit ich würdig werde, die Gaben und Gnaden des heiligen Geistes zu empfangen. Am fünften Tage, den 3. December. O mildglänzender Mond der Reinigkeit, Maria! Ich wünsche dir Glück, daß das Geheimniß deiner unbefleckten Empfängniß der Anfang des Heiles der ganzen Menschheit und Das Fest der unbefleckten Empfängniß Mariens. 239 die Freude der ganzen Welt geworden ist. Ich danke und lobsinge der allerheiligsten Dreieinigfeit, welche deine Person so hoch erhöht und ver= herrlicht hat, und bitte dich, mir die Gnade zu erlangen, daß ich aus dem Leiden und Tode deines Jesus Nußen ziehe, und daß sein am Kreuze vergossenes Blut an mir nicht verloren sei, daß ich heilig lebe und mein ewiges Heil erlange. Am fediften Tage, den 4. December. O du hellstrahlender Stern der Reinigkeit, Maria, ohne Makel, ich freue mich mit dir, daß deine unbefleckte Empfängniß unter allen Engeln des Himmels einen so unbeschreiblichen Jubel verursacht hat. Ich danke und lobsinge der allerheiligsten Dreieinigkeit, welche dich mit einem so herrlichen Vorzuge ausgestattet hat. O erwirke doch, daß ich einst an dieser Freude Antheil erlange, und in Gemeinschaft der Engel dich ewig loben und preisen möge. Am fiebenten Tage, den 5. December. O Maria, unbefleckte Jungfrau, aufsteigende Morgenröthe der Reinigkeit! Ich freue mich mit dir und bin in Bewunderung versunken, daß du im Augenblicke deiner Empfängniß in der Gnade fest gegründet und jeglicher Sünde unfähig ge= macht worden bist. Ich danke und lobsinge der 240 3weiter Theil. 2. Andachten und Novenen zc. allerheiligsten Dreieinigkeit, daß Sie mit diesem besondern Vorzuge vor allen dich allein ausgezeichnet hat. O erflehe mir, heilige Jungfrau, daß ich einen vollkommenen und immerwährenden Abscheu vor der Sünde mehr als vor jedem anderen Uebel habe und lieber sterbe, als je wie der eine solche zu begehen. Am achten Tage, den 6. December. Oheiligste Jungfrau Maria, du Sonne ohne Makel, ich wünsche dir Glück und erfreue mich mit dir und frohlocke, daß dir in deiner Empfängniß von Gott eine größere und reichlichere Gnade verliehen wurde, als alle Engel und alle Heiligen auf der höchsten Stufe ihrer Verdienste gehabt haben. Ich sage der allerheiligsten Dreieinigkeit Dank und bewundere ihre höchste Freigebigkeit, welche dir diesen Vorrang ertheilt hat. Verleihe doch, daß ich mit der göttlichen Gnade mitwirke und dieselbe niemals mißbrauche. Wandle um mein Herz, und gib, daß ich in dieser Stunde noch meine Besserung beginne. Am neunten Tage, den 7. December. lebendiges Licht der Heiligkeit und Vor= bild der Reinigkeit, makellose Jungfrau und Mut ter Maria! Kaum warst du empfangen, so hast du schon Gott in tiefster Demuth angebetet und Ihm gedankt, weil durch deine Mitwirkung der Das Fest der unbefleckten Empfängniß Mariens. 241 alte Fluch gelöst werden und die Fülle des Segens auf die Kinder Adam's kommen sollte. Verleihe doch, daß diejer Segen die Liebe zu Gott in meinem Herzen entzünde; entflamme mein Herz, damit ich Ihn hier beständig liebe und dereinst im Himmel ewig besige, um Ihm dort für die besondern dir verliehenen Vorzüge mit größerer Inbrunst danken, und mich mit dir, die du mit so großer Herrlichkeit gekrönt biſt, erfreuen zu können. Heft- Betrachtung. Erster Yunkt. Es geziemte sich, daß der ewige Vater Maria vor der Erbsünde bewahrte; denn sie war seine erstgeborne Tochter gemäß jenem Worte, welches die Schrift- Ausleger, die heiligen Bäter und die heilige Kirche auf sie beziehen: Ich bin aus dem Munde des Allerhöchsten hervorgegangen, zuerst gezeugt vor aller Schöpfung."( Sir. 24, 5.) Es geziemte sich, daß der ewige Vater Maria in jeiner Gnade erschuf, weil sie eine Friedens- Vermittlerin zwischen Gott und den Menschen werden jollte; denn also nennen sie die heiligen Väter und vor allen der Hl. Johannes Damascenus, der ihr zuruft: O hochgebenedeite Jungfrau, du bist geboren, um zum Heile der ganzen Welt mitzuwirken!" Die Arche Noe's war, um mit dem hl. Bernard zu reden, ein Vorbild Mariens; denn gleichwie Noe und die Seinen durch die Arche aus der Sündfluth errettet wurden, so wurden auch Herrlicht. Mar. 16 242 3weiter Theil. 2. Andachten und Novenen 2c. wir durch Maria aus dem Schiffbruch der Sünde gerettet, aber mit dem Unterschiede, daß durch die Arche nur wenige gerettet wurden, hingegen durch Maria das ganze Menschengeschlecht. Wenn sie nun eine Vermittlerin des Friedens zwischen Gott und den Menschen sein sollte, so durfte sie ja nicht als ein von der Erbjünde beflecktes Geschöpf, folglich als Feindin Gottes, sondern nur als makellose Jungfrau und Freundin des Herrn erscheinen. Es geziemte sich, daß der ewige Vater Maria vor der Erbsünde bewahrte, weil Er sie dazu bestimmt hatte, der höllischen Schlange den Kopf zu zertreten, jener Schlange, welche, indem sie unsre ersten Eltern verführte, den Tod aller Menschen bewirkt hat. Der Herr hatte aber von Maria verheißen: Ich will Feindschaft seßen zwischen dir und dem Weibe, zwischen deinem Samen und ihrem Samen; und sie wird deinen Kopf zertreten." Wenn aber Maria, jene starke Frau war, die in die Welt kommen sollte, um den Teufel zu befiegen, so geziemte es sich nicht, daß der Teufel fie vorher besiegte und zu seiner Sclavin machte; es war im Gegentheil erforderlich, daß sie von allen Flecken der Sünde und aller Dienstbarkeit des höllischen Geistes befreit blieb. Es geziemte sich, daß der ewige Vater seine geliebte Tochter vorzüglich darum vor der Erbsünde bewahrte, um seinen göttlichen Sohn zu ehren, zu dessen Mutter sie erkoren war. Es ist ja die größte Ehre, von unbescholtenen Eltern abzustammen, wie es hinwieder als ein Schandfled angesehen wird, wenn denselben die Makel eines Vergehens anhaftet. Dürfen wir daher wohl glaus Das Fest der unbefleckten Empfängniß Mariens. 243 ben, Gott habe seinem Sohne eine von der Sünde befleckte Mutter geben wollen? Er habe es zugelaffen, daß der Teufel seinem göttlichen Sohne die Schande hätte vorhalten können, daß Er von einer Mutter geboren sei, welche zuvor seine Sclavin und eine Feindin Gottes gewesen wäre? Nein! Er gab der Jungfrau Maria einen Leib und eine Seele, wie der Hl. Johannes Damascenus sagt, wie es sich für jene geziemt, in welcher Gott Mensch werden wollte; denn da Er heilig ist, so kann Er auch nur in Heiligen ruhen! 3weiter Punkt. Es geziemte jich ferner, daß auch der Sohn Gottes seine Mutter vor aller Sündenschuld bewahrte. Jesus selbst hatte Maria zu seiner Mutter erwählt. Wer würde wohl glauben, daß ein Sohn, der eine Königin zur Mutter haben könnte, sich eine Sclavin wählen würde? Wie kann man also denken, daß Christus, welcher eine von aller Schuld freie Mutter haben konnte, die immer durch die Liebe mit Gott vereinigt gewesen, eine durch die Sünde befleckte Mutter wählen würde, eine Mutter, die eine Zeitlang in der Feindschaft Gottes gelebt hätte? Nicht ein irdisches, sondern ein himmlisches Gefäß, sagt der hl. Ambrosius, wählte sich Christus, in welches Er sich niederließ; Er weihte sich einen Tempel heiliger Reinigkeit. Wir dürfen ferner nicht vergessen, daß das Fleisch Jesu Christi das Fleisch Mariens ist. Gewiß hätte der Sohn Gottes seinen heiligen Leib nicht von einer hl. Agnes, von einer hl. Gertrud 244 Zweiter Theil. 2. Andachten und Novenen zc. oder Theresia annehmen wollen, weil diese heiligen Jungfrauen vor ihrer Taufe durch die Sündenschuld befleckt waren, und weil der Teufel alsdann dem Herrn den Vorwurf hätte machen können, daß Er seinen Leib von einem Geschöpfe empfangen habe, das ihm eine Zeitlang unterworfen gewesen wäre. Allein Jesus empfand gar keinen Widerwillen, in Maria Mensch zu werden, eben weil sie immer rein und makellos geblieben ist. Der hl. Thomas sagt: Maria sei von Gott bewahrt worden, daß sie nie das geringste Böse beging, weil sich dies für die hohe Würde einer Mutter Gottes nicht geziemt hätte: aber wie viel unwürdiger wäre es für sie gewesen, wenn sie mit der Erbsünde, durch welche die Seele ein Gegenstand des Widerwillens vor Gott wird, befleckt wor den wäre? Dritter Punkt. Es geziemte sich endlich, daß Maria als eine geliebte Braut des heiligen Gei stes eine unbefleckte Jungfrau war. Nachdem die Erlösung der sündigen Menschen beschlossen war, wollte der heilige Geist, daß seine auserwählte Braut auf erhabnere Weise als alle andern Menschen erlöst würde, und deshalb bewahrte Er sie vor aller Sünde. Wenn Gott den Leib Mariens nach ihrem Tode vor Verwesung bewahrte, wie viel mehr muß man nicht annehmen, Er werde ihre Seele vor der Fäulniß der Sünde behütet haben? Daher nennt ihr himmlischer Bräutigam sie einen verschlossenen Garten und eine versiegelte Quelle', weil die Feinde nie Eingang fanden Das Fest der unbefleckten Empfängniß Mariens. 245 in die gebenedeite Seele Mariens. Er verkündet ihr Lob, nennt sie ganz schön und sagt, daß sie seine Freundin und ganz rein sei.( Hohel. 4,7.) Beispiel. In einem der Häuser, welche der RedemptoristenOrden im frühern Königreiche Neapel besaß, fam eines Tages eine Frau zu einem der Priester und klagte ihm, daß ihr Mann schon seit mehrern Jahren nicht gebeichtet habe, und daß sie nicht wisse, wie sie es anfangen sollte, ihn dazu zu bewegen, weil jedesmal, wenn sie nur vom Beichten rede, er ihr mit Stockschlägen zu antworten pflege. Der Priester gab der Frau den Rath, sie solle ihrem Manne ein Bild von der unbefleckten Empfängniß Mariens geben. Am jelben Abend bat die Frau von neuem ihren Mann, er möchte doch beichten. Da er aber wie gewöhnlich taub gegen ihre Ermahnungen blieb, so gab sie ihm das Bild. Kaum hatte der Mann dasselbe empfangen, so sprach er zu seiner Frau: Wann willst du, daß ich beichten soll? Siehe, ich bin dazu bereit!" Als die Frau diese plötzliche Veränderung sah, da fing sie vor Freude an zu weinen. Am andern Morgen kam der Mann wirklich in die Kirche; der Priester fragte ihn, wie lange er nicht mehr gebeichtet habe. Seit achtundzwanzig Jahren," erwiderte er. Was hat euch denn bewogen, gerade heute Morgen zu kommen?" fuhr der Priester fort. Ich war in der Sünde verhärtet," antwortete der Mann, aber gestern Abend gab mir meine Frau ein Bildchen der Mutter Gottes, da fühlte ich mit einem Male, daß mein Herz ganz umgewandelt ward: es war mir auch in dieser Nacht, als ob jeder Augenblick tausend Jahre dauere, so gerne hätte ich gesehen, daß es Tag werde, damit ich beichten könnte." Hierauf beichtete der Mann mit " 1 246 Zweiter Theil. 2. Andachten und Novenen 2c. großer Zerknirschung, änderte sein Leben und fuhr fort, bei demselben Priester zu beichten. festgebet. O unbefleckte Königin Maria, ich freue mich mit dir, daß Gott dich mit so großer Reinigkeit gesegnet hat. Ich danke unsrem Schöpfer, weil Er dich vor aller Sündenmafel bewahrt hat; ich bin fest von dieser Wahrheit überzeugt und bin bereit, stets diesen großen, außerordentlichen Vorzug der unbefleckten Empfängniß, womit Gott dich begnadigt hat, zu vertheidigen. Ich wünschte, daß die ganze Welt dich kennen und preisen möchte als jenes schöne Morgenroth, welches immer mit dem göttlichen Lichte geziert war; als jene auserwählte Arche des Heiles, welche vor dem allge= meinen Schiffbruche der Sünde bewahrt blieb; als jene vollkommene und unbefleckte Taube, für welche dein göttlicher Bräutigam selbst dich erklärt hat; als jenen verschlossenen Garten, welcher der Lieblingsaufenthalt deines Gottes ist; als jene versiegelte Quelle, zu welcher der böse Feind nie Zutritt fand, um sie zu trüben; ich wünschte, daß die ganze Welt dich kennen möchte als jene weiße Lilie, welche zwischen den Dornen( den Kindern Adam's) wächst, welche alle von der Sünde befleckt, in der Feindschaft Gottes gebo= ren werden, indeß du allein ganz rein, ganz heilig, aufs innigste von deinem Schöpfer geliebt, geboren wurdest. Das Fest der unbefleckten Empfängniß Mariens. 247 11 Laß mich also dich loben, gleichwie dein Gott selbst dich lobte: Du bist ganz schön, und es ist keine Makel an dir," o reinste Taube! die du ganz heilig, ganz schön, die du immer eine Freundin deines Gottes gewesen bist. O wie schön bist du, meine Freundin! wie schön bist du!" süßeste, liebenswürdigste, unbefleckte Jungfrau Maria! o wie schön erscheinst du deinem Gott selbst! O blicke mit deinen barmher= zigen Augen auf die schrecklichen Wunden meiner armen Seele! Blicke mich an, habe Mitleid mit mir und heile mich, o Maria! O schöne Freundin des Herrn, ziehe auch mein elendes Herz zu dir! O Maria, die du vom ersten Augenblicke deines Lebens an ganz rein und schön vor den Augen deines Gottes erschienen bist, erbarme dich meiner, der ich nicht nur in der Sünde geboren, nein, der ich sogar nach meiner Taufe meine Seele durch Sünden befleckt habe. Welche Gnade follte dir Gott wohl versagen, nachdem Er dich zu seiner Tochter, zu seiner Mutter und zu seiner Braut erwählt, dich vor aller Sündenmakel bewahrt und allen Geschöpfen vorgezogen hat. O unbefleckte Jungfrau Maria, will ich dir mit dem heiligen Philippus Neri zurufen, siehe, du mußt erwirken, daß ich selig werde. Gib, daß ich immer an dich denke, und vergiß mich nicht. Ich sehne mich nach dir; es scheint mir, als wären es noch tausend Jahre, ehe 248 3weiter Theil. 2. Andachten und Novenen 2c. ich deine Gottwohlgefälligkeit im Himmel erbliden werde, wo ich dich in Ewigkeit loben und lieben werde, meine Mutter, meine Königin, du reinste und unbefleckte Jungfrau Maria! Rosenkränzlein zu Ehren der unbefleckten Empfängnik Mariens. Gott, merke auf meine Hilfe! Herr, eile mir zu helfen! Ehre sei dem Vater 2c. Ewiger, göttlicher Vater, ich bete Dich in tiefster Demuth an, und von ganzem Herzen danke ich Dir, daß Du mit deiner Allmacht die allerseligste Jungfrau, deine geliebteste Tochter, vor der Erbjünde bewahrt hast! Vater unser 2C. Gelobt und gebenedeit sei in alle Ewigkeit die heilige, unbefleckte und reinste Empfängniß der allerseligsten Jungfrau Maria. Gegrüßet seist du 2c. ( Gelobt 2c. viermal und jedesmal anschließend Gegrüßet seist du zc. Ehre sei dem Vater ic.) Ewiger, göttlicher Sohn, ich bete Dich in tiefster Demuth an, und von ganzem Herzen danke ich Dir, daß Du mit deiner unendlichen Weißheit die allerfeligste Jungfrau, deine wahre und süßeste Mutter, vor der Erbsünde bewahrt hast. Vater unser 2c. ( Gelobt 2c. viermal und jedesmal dabei Gegrüßet seist du 2c. Ehre sei dem Vater 2c.) Das Fest der unbefleckten Empfängniß Mariens. 249 Ewiger, göttlicher heiliger Geist, ich bete Dich in tiefster Demuth an, und von ganzem Herzen danke ich Dir, daß Du mit deiner unendlichen Liebe die allerfeligste Jungfrau, deine reinste Braut, vor der Erbsünde bewahrt haſt. Vater unser 2c. ( Gelobt 2c. viermal und jedesmal dabei Gegrüßet seist du zc. Ehre sei dem Vater 2c.) Allerheiligste Dreifaltigkeit, ich bete Dich in tiefster Demuth an, und von ganzem Herzen danke ich Dir für den Gnadenvorzug, welchen Du der Mutter der allerseligsten Jungfrau, der hl. Anna, verliehen hast, daß sie einzig unter allen Müttern ein von der Erbsünde ganz reines Kind zur Welt gebracht hat. Ehre sei dem Vater 2c.( dreimal). V. Bitt für uns, o anbefleckte Jungfrau Maria! B. Auf daß wir theilhaftig werden der Verheißungen Christi. Gebet. Wir bitten Dich, o Herr, Du wollest deinen Dienern das Geschenk der himmlischen Gnade verleihen, damit, gleichwie uns der Eingeborne der Jungfrau zum Urheber des Heiles geworden ist, die festliche Feier ihrer Empfängniß uns zum Wachsthum des Friedens gereiche. Amen. 250 3weiter Theil. 2. Andachten und Nobenen 2. Das Feft der Reinigung Mariens. ( Am 2. Februar.) Geschichtliche Vorerinnerung. Das Fest Mariä- Lichtmeß oder Mariä- Reinigung ist eingesetzt zum Andenken daran, daß die seligste Jungfrau das vierzig Tage alte Jesuskind in den Tempel brachte. Man glaubt, daß zuerst Kaiſer Justinian im Jahre 542 dieses Fest zu feiern be fohlen habe, da in diesem Jahre zu Constantinopel eine furchtbare Seuche wüthete und eine große Menge Menschen dahinraffte. Später wurde das Fest auf die ganze griechische Kirche ausgedehnt.- Baronius aber ist der Meinung( Annal. eccl. ad ann. 544.), daß dieses Fest im Abendlande schon früher von Papst Gelasius( im Jahre 494) eingeführt worden sei. Die Sitte, am Mariä Reinigungsfeste eine Prozej sion mit brennenden Kerzen zu halten, ist jedenfalls ſehr alt, indem der hl. Ildephons von Toledo und der hl. Eligius von Noyon, welche beide im siebenten Jahrhundert lebten, diese Ceremonie nicht allein schon kennen, sondern auch zu erklären suchen. Durch die Lichterprozession," sagt nämlich der Hl. Eligius, legt die christliche Gemeinde ihren Entschluß an den Tag, im Lichte Jesu Christi wandeln zu wollen, und bittet zugleich um die Gnade, diesen Ent schluß befolgen zu können, um einst in jenes Reich zu kommen, wo ewiger Mittag ist." 251 Das Fest der Reinigung Mariens. 2. Novene zur Vorbereitung auf das Fest der Reinigung Mariens. ( Beginnt am 24. Januar.) Die Vorbereitungsgebete für jeden Tag. Komm, heiliger Geist, erfülle die Herzen deiner Gläubigen, und entzünde in ihnen das Feuer deiner Liebe. V. Sende aus deinen Geist, und sie werden neu geschaffen werden: B. Und Du wirst das Angesicht der Erde erneuern. Gott, der Du die Herzen deiner Gläubigen durch die Erleuchtung des heiligen Geistes belehrt haft: verleihe, daß wir in dem nämlichen Geiste das Rechte erkennen und seines Trostes uns allezeit erfreuen mögen. Durch Christum, unsren Herrn. Amen. Am ersten Tag, den 24. Januar. Oheiligste Mutter Maria, du hellster Spiegel jeder Tugend! Als kaum vierzig Tage nach der Geburt deines Jesus verflossen waren, wolltest du, obschon die reinste unter den Jungfrauen, dich nach dem Gesetze im Tempel zur vorgeschriebenen Reinigung darstellen! O laß auch uns nach deinem Beispiele unser Herz vor aller Schuld rein bewahren, damit wir einst verdie 252 3weiter Theil. 2. Andachten und Novenen zc. nen, in dem Tempel der Herrlichkeit dargestellt zu werden. Gegrüßet seist du 2c. Hier betet man die lauretanische Litanei, dann folgende Gebete: - V. Es war dem Simeon vom heiligen Geiste geoffenbaret worden, R. Daß er den Tod nicht sehen werde, ehedenn er den Gesalbten des Herrn gesehen hätte. Gebet. Allmächtiger, ewiger Gott, wir flehen deine Majestät fußfällig an, daß gleichwie dein eingeborner Sohn mit der Wesenheit unsres Fleisches im Tempel dargestellt wurde, Du auch uns verleihen mögest, daß wir mit gereinigtem Herzen Dir vorgestellt werden. Gott, Du Hirt und Lenker aller Gläubigen, siehe auf deinen Diener, unsren Papst N., den Du zum Hirten deiner Kirche bestimmt hast, gnädig herab; verleihe ihm, wir bitten Dich, daß er das Heil aller, welchen er vorsteht, mit Wort und Beispiel befördere, damit er einst sammt der ihm anvertrauten Heerde zum ewigen Leben gelangen möge. O Gott, unsre Zuflucht und Stärfle! Erhöre gnädig die frommen Gebete deiner Kirche, Du selbst der Urheber aller Frömmigkeit, und asse uns das, um was wir vertrauensvoll bitten, wirksam erlangen. Durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. Das Fest der Reinigung Mariens. Am zweiten Tag, den 25. Januar. Die Vorbereitungsgebete, wie oben. Du, gehorsamste Jungfrau, wollteſt, als du dich in den Tempel begabst, nach der Art aller andern Frauen, das vorgeschriebene Reinigungsopfer darbringen; o verleihe, daß auch wir deinem Beispiele nachfolgen und stets bereit seien, durch Ausübung aller Tugenden uns selbst Gott zum Opfer darzubringen. Gegrüßet seist du zc. Litanei und Gebete wie am ersten Tage. - 253 Am dritten Tag, den 26. Januar. Die Vorbereitungsgebete, wie oben. O reinste Jungfrau, als du die Vorschrift des Gesetzes befolgtest, achtetest du dessen nicht, von den Menschen für unrein gehalten zu wer= den. O erwirke uns bei Gott die Gnade, daß wir unser Herz stets rein erhalten und auch dann ruhig bleiben, wenn wir in den Augen der Welt als Schuldige erscheinen sollten.- Gegrüßet seist du 2c. Litanei und Gebete, wie am ersten Tage. Am vierten Tag, den 27. Januar. Die Vorbereitungsgebete, wie oben. Oheiligste Jungfrau, als du deinen göttlichen Sohn dem ewigen Vater zum Opfer brachtest, warst du das Wohlgefallen aller Himmelsbewohner; o stelle doch auch unser armes Herz 254 Zweiter Theil. 2. Andachten und Nobenen/ 2c. dem ewigen Vater vor, damit es durch seine Gnade vor der Todsünde allezeit bewahrt werde. Gegrüßet seist du zc. Litanei und Gebete, wie am ersten Tage. Am fünften Tag, den 28. Januar. Die Vorbereitungsgebete, wie oben. Demüthigste Jungfrau, als du Jesum in die Arme des heiligen Greises Simeon legtest, haft du seine Seele mit himmlischer Wonne erfüllt; o übergib auch unser Herz Gott dem Herrn, damit Er es ganz mit seinem heiligen Geiste erfülle. Gegrüßet seist du zc. Litanei und Gebete, wie am ersten Tage. - Am feciften Tag, den 29. Januar. Die Vorbereitungsgebete, wie oben. Oheiligste Jungfrau, voll der Sorgsamkeit, du hast durch Auslösung deines eingebornen Sohnes Jesu, nach dem Gesetze, zum Heile der Welt mitgewirkt; o erlöse auch unser armes Herz von der Sclaverei der Sünde, damit es vor Gott stets rein verbleibe.- Gegrüßet seist du zc. Litanei und Gebete, wie am ersten Tage. Am fiebenten Tag, den 30. Januar. Die Vorbereitungsgebete, wie oben. hochherzige Jungfrau, als du von Simeon die Weissagung deiner bevorstehenden Leiden hörtest, hast du dich bereit gezeigt, allen 255 Das Fest der Reinigung Mariens. Anordnungen Gottes dich willig zu unterwerfen; o verleihe, daß auch wir uns allezeit den göttlichen Anordnungen unterwerfen und die Trüb= sale mit Geduld ertragen.- Gegrüßet seist du 2c. Litanei und Gebete, wie am ersten Tage. Am aditen Tag, den 31. Januar. Die Vorbereitungsgebete, wie oben. Mitleidigste Jungfrau, die du die Prophetin Anna durch dein göttliches Kind mit höherem Lichte erfülltest, daß sie in heiliger Freude die Barmherzigkeit Gottes preisend erhob, weil sie Jesum als den Erlöser der Welt erkannte: erfülle auch unsren Geist mit himmlischen Gnaden, damit wir uns reichlicher Früchte der göttlichen Erlösung erfreuen können.- Gegrüßet seist 2c. Litanei und Gebete, wie am ersten Tage. Am neunten Tag, den 1. februar. Die Vorbereitungsgebete, wie oben. Starkmüthigste Jungfrau, die du in Vorhersehung des schmerzlichsten Leidens deines Sohnes, das Schwert des Schmerzes deine Seele durchdringen fühltest und den hl. Joseph, deinen Bräutigam, im Hinblick auf seine Betrübniß wegen deiner künftigen Leiden mit heiligen Worten getröstet hast; erfülle unser Herz mit wahrem Schmerz über unsre Sünden, damit wir einst die Freude erlangen, deiner Herrlichkeit im Paradieſe theilhaft zu werden. Gegrüßet seist du zc. Litanei und Gebete, wie am ersten Tage. - 256 Zweiter Theil. 2. Andachten und Novenen. 2c. Het- Betrachtung. Erster Punkt. Im Alten Bunde gab es zwei Gefeße für die Geburt der erstgebornen Kinder; das eine befahl, daß die Mutter des neugebornen Kindes als unrein angesehen werde, und deshalb vierzig Tage lang ganz zurückgezogen in ihrem Hause bleiben und sich alsdann im Tempel reinigen sollte. Das andre Gesek schrieb vor, daß die Eltern ihr erstgebornes Kind in den Tempel bringen und daselbſt dem Herrn aufopfern sollten. Heute wollte die allerfeligste Jungfrau diesen beiden Gesetzen gehorchen. Obgleich sie nicht vers pflichtet war, das Geseß der Reinigung zu erfüllen, weil sie immer eine Jungfrau und ganz rein war, so wollte sie desungeachtet aus Liebe zur Demuth und zum Gehorsam sich gleichwie die andern Mütter reinigen lassen. Auch das andere Gesetz, welches ihr befahl, ihren Sohn dem ewigen Vater aufzuopfern, befolgte Maria:„ Und da die Tage ihrer Reinigung, nach dem Gesetze Moses, erfüllt waren, brachten sie Ihn nach Jerusalem, um Ihn dem Herrn darzustellen."( Luc. 2, 22.) Aber auf eine ganz andre Weise, als die andren Mütter ihre Kinder aufopferten, brachte Maria ihren Jejus Gott dar. Die andren Frauen betrachteten diese Aufopferung nur als eine gesetzliche Ceremonie, nach deren Beendigung sie ihre Kinder wieder erhielten; Maria hingegen brachte Gott das Leben ihres Sohnes dar; sie wußte, daß dieses Opfer einst auf dem Altare des Kreuzes vollendet werden sollte. Die unendliche Liebe, die sie zu ihrem Sohne trug, Das Fest der Reinigung Mariens. 257 bewirkte, daß sie mit demselben auch sich selbst dem Herrn opferte: die Größe dieses Opfers sei der Gegenstand unsrer Fest- Betrachtung. Erbarmungsvoll beliebte der ewige Vater, die Menschen, die sich durch eigene Schuld ins Verderben gestürzt hatten, zu erretten und vom ewigen Tode zu befreien. Weil Er aber entschied, daß zugleich seine göttliche Gerechtigkeit einer entsprechenden Genugthuung nicht beraubt werde, so wollte Er das Leben seines Sohnes, welcher bereits Mensch geworden war, um die Menschen zu erlösen, nicht verschonen und beschloß, derselbe jolle nach strengster Gerechtigkeit alle Strafen tragen, welche die Menschen verdient hatten: Er hat seines eigenen Sohnes, nicht geschont," sagt der heilige Paulus, sondern hat Ihn für uns alle dahingegeben."( Röm. 8, 32.) Gleichwie nun aber Gott nicht wollte, daß das göttliche Wort ein Sohn Mariens werde, ehe diese eingewilligt habe, so wollte Er auch nicht, daß Jesus ohne ihre Einwilligung sein Leben für das Heil der Menschen aufopfere, damit das Herz der Mutter zugleich mit dem Leben des Sohnes aufgeopfert werde. Obgleich Maria schon damals, als sie die Mutter Jesu Christi wurde, diese Einwilligung in den Tod ihres Sohnes gegeben hatte, so wollte Gott dennoch, daß sie am heutigen Tage sich selbst feierlich dem Herrn aufopfere, indem sie der ewigen Gerechtigkeit das kostbare Leben ihres Sohnes zum Opfer brachte. Deshalb nennt auch der hl. Epiphanius die allerjeligste Jungfrau eine Priesterin.*) *) Virginem appello velut sacerdotem.( Or. de L. V.), Herrlicht. Mar. 17 258 Zweiter Theil. 2. Andachten und Novenen 2c. Betrachten wir demnach, wie viel Schmerzen das Opfer sie kostete, und welch heldenmüthige Tugend sie üben mußte, als von ihr verlangt wurde, fie selbst solle gleichsam das Todesurtheil ihres geliebten Jesus unterschreiben. Maria macht sich auf den Weg nach Jerusalem: fie trägt ihr geliebtes Schlachtopfer auf den Armen, und bringt Es vor dem Altare in Demuth und Anbetung dem Allerhöchsten dar. In demselben Augenblicke nimmt der hl. Simeon, wel chem der Herr versprochen hatte, er solle nicht sterben, ehe er den verheißenen Messias gesehen, das göttliche Kind aus den Händen Mariens und, erleuchtet vom heiligen Geiste, verkündigt er der Mutter Gottes, wie viel ihr das Opfer ihres Sohnes, das sie jest darbringe und mit welchem auch ihre gebenedeite Seele aufgeopfert werden follte, dereinst kosten würde. Der hl. Thomas von Villanova betrachtet den frommen Greis, welcher, als er die furchtbare Weissagung aussprechen mußte, ganz bestürzt wurde und schwieg. Darauf betrachtet der Heilige, wie Maria ihn fragt: Warum bist du so bestürzt, o Simeon! Gerade jetzt, da Gott dir einen so groBen Trost widerfahren läßt? Dedle, o heilige Jungfrau, antwortrte der heilige Greis, ich wollte, daß ich nicht der Bote einer so bittern Nachricht sein müßte; aber da es Gott nun einmal also beschlossen hat, um deine Verdienste zu vermehren, so vernimm, was ich dir mittheilen muß. Dieſes Kind, welches dir jetzt mit Recht so viele Freude macht, o mein Gott! Es wird eine Stunde kommen, da es dir den bittersten Schmerz verur- - 259 Das Fest der Reinigung Mariens. fachen wird, den je auf Erden ein Geschöpf gelitten. Du wirst nämlich dereinst deinen Sohn von allen Menschen verfolgt, als einen Gegenstand des Spottes und der Mißhandlungen erblicken und Ihn endlich mit eigenen Augen am Kreuze durch die Hände der Menschen sterben sehen. Wisse auch, daß es nach seinem Tode viele Martyrer geben wird, die aus Liebe zu deinem Sohne Mißhandlungen und den Tod erdulden werden; aber während alle diese Martyrer nur an ihrem Leibe die Marter erdulden, wirst du, o göttliche Mutter, in deinem Herzen gemartert werden!*) 3weiter Punkt. Maria sollte im Herzen leiden; denn das Mitleid mit den Peinen des geliebten Sohnes war das Schmerzenschwert, welches nach der Weissagung des hl. Simeon das Herz der Mutter durchbohren würde. Deine eigene Seele wird ein Schmerzenschwert durchdringen. Sie wußte zwar schon vorher, welche Leiden ihren Jesum im Leben und im Tode treffen würden: als sie aber die Worte Simeon's vernahm, da erkannte sie alle einzelnen Umstände, welche jene Leiden begleiten sollten, und willigte in alles ein mit einer Standhaftigkeit, welche selbst die Engel in Erstaunen setzte. Wir müßten die Liebe begreifen können, welche Maria zu ihrem Jesus trug, um zu erkennen, welche Gewalt sie sich anthun mußte, als sie denselben dem Herrn aufopferte. Die Mütter lieben gewöhnlich ihre Kinder sehr zärtlich; wenn dieselben am Sterben sind, so vergessen sie all ihre *) Serm. de Purit. 260 3weiter Theil. 2. Andachten und Novenen 2c. Fehler, ihre Mängel, ja sogar die Beleidigungen, die sie ihnen zugefügt haben. Aber die Liebe dieser Mütter ist dennoch eine getheilte Liebe, weil sie sich entweder noch auf andere Kinder oder wenigstens auf andere Menschen ausdehnt. Maria hingegen hatte nur einen einzigen Sohn, welcher weit schöner als andre Kinder Adam's, welcher der liebenswürdigste von allen war, weil Er in jeder Beziehung Liebe verdiente; Er war sehr gehorsam, sehr tugendhaft, ganz unschuldig und heilig, mit einem Worte- Gott selbst. Die Liebe dieser heiligen Mutter war auch nicht durch andere Gegen. stände getheilt; sie liebte nichts anderes als diesen ihren einzigen Sohn und mußte nicht fürchten, denselben allzusehr zu lieben, weil Er zugleich ihr Gott war, welcher eine unendliche Liebe verdient. Und diesen ihren Sohn sollte sie nun freiwillig zum Tode aufopfern! Erwägen wir doch einmal, was es Mariu kosten, welch eine Seelenstärke sie besitzen mußte, als sie das Leben eines so liebenswürdigen Soh nes Gott zum Kreuztode aufopferte! Als Mutter eines Gottes war sie gewiß die glücklichste unter allen Müttern; aber gerade deshalb verdiente sie auch mehr Mitleiden als jede andere; denn sie hatte ungleich mehr zu leiden, indem sie schon bei der Annahme der Mutterschaft ihres göttlichen Sohnes dessen Versöhnungstod am Kreuze voraussah. Welche Mutter würde wohl einen Sohn annehmen wollen, von dem sie vorher wüßte, daß sie ihn durch einen schimpflichen Tod, bei welchem sie selbst gegenwärtig sein müßte, verlieren sollte! Allein Maria nahm bereitwillig den göttlichen 261 Das Fest der Reinigung Mariens. Sohn unter einer so harten Bedingung an, ja, sie nahm Ihn nicht nur an, sondern brachte Ihn jogar eigenhändig der göttlichen Gerechtigkeit zum Tode dar. Der hl. Bonaventura sagt, daß die allerfeligste Jungfrau weit lieber für sich selbst den schmerzhaften Tod und alle Beinen, welche ihrem Sohne bevorstanden, angenommen hätte; daß fie aber, blos um Gott zu gehorchen, Jhm das göttliche Leben ihres geliebten Jesu darbrachte und so unter den furchtbarsten Schmerzen die zärtliche Liebe, welche sie zu Ihm trug, besiegte.*) Bei diesem Opfer fostete es sie mehr Selbstüberwindung, und sie handelte dabei weit großmüthiger, als die Martyrer, die nur ihr eigenes Leben dahingaben, während sie das Leben ihres Sohnes, Las fie unendlich höher schätzte, als ihr eigenes, Gott aufopferte. In anbetracht der Verdienste dieser Schmerzen und dieses großen Opfers, wodurch sie eine Mutter aller Erlösten geworden, schließen die heiligen Väter mit Recht, Gott habe das Lösegeld für uns in ihre Hände niedergelegt, so daß durch ihre Vermittelung die Gnaden, welche der Preis der Verdienste Christi sind, den Menschen zugewendet werden. Beispiel. Der ehrwürdige Ludwig von Granada erzählt folgende Geschichte: Zu Lissabon in Portugal war ein adeliges Fräulein in ihrem vierzehnten Jahre schwer erkrankt. Alle ärztliche Hilfe fruchtete nichts, und man sah ihrem Tode so gewiß entgegen, daß man bereits an die Vorbereitungen zu ihrem Be*) In p. I. dist. 48. qu. 2. 262 3weiter Theil. 2. Andachten und Novenen zc. gräbniß dachte. Die Amme dieses Fräuleins, welche zu der Kranken von deren Kindheit an die zärtlichste Liebe getragen, war fast außer sich vor Betrübniß, eilte in die nächste Kirche und flehte da vor einem Mutter- Gottes- Bilde unter heißen Thränen um das Leben ihres Lieblings. Und sieh da, diese Anrufung Mariens war so wirksam, daß zum größten Erstaunen aller die Todesgefahr sogleich verschwand; doch blieb die Gerettete am halben Leibe lahm und fühlte auch fortwährend am linken Arme ein hefti ges Zucken. Alle dagegen angewandte Hilfe blieb wirkungslos. Da aber die Leidende von ihrer treuen Dienerin vernommen, bei wem diese ihr die Befreiung vom Tode erfleht hatte, so ließ sie sich in eine, ihrem Landgute bei Lissabon nahestehende Kloster Kirche tragen, welche der allerseligsten Jungfrau ge weiht war, in der Hoffnung, die barmherzige GottesMutter werde ihr auch ferner helfen. Während sie daſelbst betete, hörte sie hinter sich eine alte Frau unter vielen Senszern laut zu Maria um das Leben ihres Sohnes flehen.. ,, Ach," fuhr nun die Lahme in ihrem Gebete fort, hätte ich doch auch den festen Glauben dieses Weibes! Gewiß, o Reinste aller Reinen, würde ich dann deiner Hilfe würdig sein! Darum, o gute Mutter, bitte für mich zuerst um die Gnade eines festen Glaubens und aller andern Eigenschaften, die mein Gebet haben soll, damit mir geholfen werde." Kaum hatte sie so gebetet, so fühlte sie sich wie neugeboren. Vol Entzücken stand ste auf und versuchte zu gehen. Wie erstaunten aber jene, die sie hergetragen hatten! Laut riefen sie: Wunder, o Wunder!" Es versammelte sich alsbald eine Menge Volkes,- die Geistlichen des Klosters untersuchten die Sache und erfannten, daß hier auf die Fürbitte Mariens ein Wunder geschehen ſei. Sogleich wurde ein feierliches Te Deum zum Danke angestimmt.( Lud. de Symb. fid. part. 2. 10.) 263 Das Fest der Reinigung Mariens. festgebet. Oheilige Mutter Gottes, meine liebe Mutter Maria! Du hast so großen Antheil an meiner Seligkeit genommen, daß du sogar den geliebtesten Gegenstand deines Herzens, deinen geliebten Jesus zum Opfer am Kreuze hast darbringen wollen. Wenn du also so sehr mein Heil wün= schest, so geziemt es sich auch, daß ich, nach Gott, alle meine Hoffnung auf dich setze. Siehe, hochgebenedeite Jungfrau Maria, auf dich setze ich all mein Vertrauen. Um der Verdienste willen, die du heute durch das große Opfer deines Sohnes, welches du Gott dargebracht, erworben hast, bitte ich dich, du wollest dich meiner armen Seele erbarmen, für welche dies unschuldige Lamm, dein Jesus, am Kreuze hat sterben wollen. Auch ich, o meine Königin, möchte heute gleichwie du mein armes Herz Gott aufopfern, aber ich fürchte, Er möchte sich weigern, es an= zunehmen, wenn Er es so von Sünden befleckt und entstellt erblickt. Aber alles, was deine reinsten Hände Ihm darbieten, das nimmt Er gerne an. Mit all meinem Elende bringe ich mich also heute dir dar, o Maria, schenke ich mich dir ganz und gar. Bringe mich, als ob ich dir angehöre, dem ewigen Vater und seinem göttlichen Sohne Jesus zum Opfer; bitte Gott, Er wolle um der Verdienste Jesu Christi willen, aus Liebe zu dir mich als sein Eigenthum annehmen. O 264 Zweiter Theil. 2. Andachten und Novenen 2c. meine süßeste Mutter, aus Liebe zu deinem ge= opferten Sohne stehe mir bei und verlaß mich nicht; lasse nicht zu, daß ich jemals wieder durch meine Sünden meinen liebenswürdigsten Erlöser verliere, welchen du heute mit so großen Schmerzen zum Kreuztode aufgeopfert haſt. Das Feft des heiligen, unbefleckten Herzens Mariens jur Bekehrung der Sünder. ( Bu Paris am Sonntage vor Septuagesima.) Geschichtliche Dorerinnerung. Die Andacht zum heiligen und unbefleckten Herzen Mariens zur Bekehrung der Sünder, obwohl schon vor zwei Jahrhunderten in Frankreich und Italien eingeführt, hat eigentlich erst seit 1838 eine allgemeine Verbreitung von der Stadt Paris aus gefunden. Nachdem der dortige Seelsorger zu Un frer Lieben Frau vom Siege jahrelang seinen Eifer in fruchtlosen Bemühungen für die Verbesse rung seiner großen, im Christenthum faft gänzlich erfalteten Pfarrei erschöpft hatte, kam ihm am 3. December 1836 plößlich und gleichsam auf wunderbare Weise während des heiligen Mesopfers der Gedanke, die unglücklichen, seiner Sorge anvertrauten Seelen dem heiligsten und unbefleckten Herzen Mariens anzuempfehlen, und von ihm ihre Bekehrung zu erflehen. Der Gedanke ward verwirklicht durch die Gründung der Bruderschaft vom unbefleckten Herzen Mariens für die Bekehrung der Sünder, welche nach den glänzenden Wundern der Befehrung, die überall auf das Gebet der Mitglieder geschahen, zu erst vom Hochwürdigsten Erzbischof von Paris, und Das Fest des hl. unbefleckten Herzens Mariens. 265 dann unterm 24. April 1838 vom Papste Gregor XVI. gutgeheißen, mit vielen Gnaden und Ablässen ausgestattet, und ſogar zu einer Erzbruderschaft für die ganze Christenheit erhoben wurde. Mit reißender Schnelligkeit verbreitete sie sich bald in allen Theilen der Welt, und die Tausende, welche dieser neu entdeckten Gnadenquelle zuströmten, um die Bekehrung verstockter Sünder, vorzüglich solcher, die ihnen theuer waren, zu erlangen, vermehrten sich in kurzer Zeit zu Millionen, so daß hentzutage fein fatholisches Land mehr gefunden wird, wo nicht mehrere der Erzbruderschaft einverleibte Filialbruderschaften bestehen. Um dieser Bruderschaft anzugehören und der ihr verliehenen Gnaden theilhaft zu werden, ist wesentlich nothwendig: 1. Daß man sich mit Tauf- und Familiennamen in das Bruderschaftsregister einschreiben lasſe; 2. daß man täglich ein, Gegrüßet seist du, Maria, für die Bekehrung der Sünder zu Ehren des unbefleckten Herzens Mariens bete. Es wird allen Mitgliedern angerathen, täglich am Morgen alle guten Werke, welche sie den Tag über verrichten, dem unbefleckten Herzen Mariens anzuempfehlen, und in Vereinigung mit den Verdiensten desselben die heilige Dreieinigkeit um die Bekehrung der Irr- und Ungläubigen anzuflehen, täglich das schöne Gebet des heiligen Bernard: Gedenke zc., zu verrichten, mit dem Stoßseufzer: Heilige Maria, ohne Makel der Erbsünde empfangen, bitte für uns, die wir zu dir unsre Zuflucht nehmen!"- und:, Maria, Zuflucht der Sünder, bitte für uns! öfters die heiligen Sacramente zu empfangen und den Bruderschafts- Andachten in der Pfarrkirche fleißig beizuwohnen. 266 3weiter Theil. 2. Andachten und Novenen 2c. Die Mitglieder haben Antheil: 1. An der Bekehrung der Sünder; 2. an den Gebeten und Verdiensten aller Einverleibten, deren bereits mehrere Millionen sind; 3. an den vielen tausend heiligen Messen, welche in allen Theilen der Welt für sie vor und nach ihrem Tode gelesen werden; 4. an allen vom Papste Gregor XVI. der Erzbruderschaft verliehenen vollkommenen Ablässen, die an bestimmten Tagen und Festen nach würdigem Empfange der heiligen Sacramente der Buße und des Altars gewonnen werden. Diese Tage und Feste sind: 1. Der Tag der Aufnahme in die Bruderschaft; 2. der Jahrestag der heiligen Taufe; 3. die Todesstunde; es genügt, falls man die heiligen Sacramente nicht mehr empfangen kann, den heiligsten Namen Jesu reumüthig im Herzen anzurufen; 4. die Feste der Erzbruderschaft, nämlich: das Hauptfest des heiligen Herzens Mariens, das jährlich am Sonntage vor Septuagesima begangen wird; das Fest der sieben Schmerzen Mariens, Beschnei. dung des Herrn, Mariä Lichtmeß, Verkündigung, Geburt, Himmelfahrt und unbefleckte Empfängniß; Pauli Bekehrung und das Fest der heiligen Maria Magdalena; 5. zwei beliebige Tage in jedem Monate, wo fern man die heiligen Sacramente empfängt, eine Kirche oder öffentliche Capelle besucht und daselbst nach der Meinung des Papstes betet. Endlich können alle Christgläubigen einen Ablaß von 500 Tagen gewinnen, wenn sie am Samstag der heiligen Messe beiwohnen, welche für die Betehrung der Sünder gelesen wird, und dabei ebenfalls für die Bekehrung der Sünder beten. Das Fest des hl. unbefleckten Herzens Mariens. 267 Het- Betrachtung. Erster Punkt. Betrachte heute mit Ehrfurcht das Herz Mariens, denn es ist ein Heiligthum der Gnade. Bestrebe dich, in dieses Heiligthum vermittelst eines kindlichen Vertrauens und einer aufrichtigen Liebe einzudringen: der Eingang in dasselbe steht allen offen; alle Menschen können von der Fülle ihrer Gnaden gesättigt werden; denn es versichern uns die größten Heiligen, daß Maria nach der Absicht Gottes nicht blos für sich mit den himmlischen Gnaden erfüllt wurde, sondern daß sie gleich einem großen Wasserstrome, der über verschiedene Länder sich ergießend, Wiesen und Auen erfrischt und belebt, die Kinder Evens mit ihren herrlichen Gaben beschenke und bereichere. Verlange von ihr die erste aller Gaben, jene Gabe, ohne welche alle andern dir entweder nichts nüßen oder gar gefährlich sind, nämlich die heiligmachende Gnade. Wenige Christen schäßen die heiligmachende Gnade nach ihrem wahren Werthe; dennoch ist sie nicht blos das Leben und die Schönheit aller Tugenden, sondern die einzige Zierde des Geistes und des Herzens, ja die Seele unserer Seele. Diese kostbare Gabe wurde, wie der hl. Gregorius sagt, Maria nicht nach einem bestimmten Maße, sondern in solcher Fülle ertheilt, daß sie dadurch der Heiligkeit aller Engel und aller Heiligen insge= sammt mehr als gleichkam. Deswegen begrüßte sie der Erzengel mit den Worten; Sei gegrüßt, o Gnadenvolle!" Du bist voll der erhabensten 11 268 Zweiter Theil. 2. Andachten und Nobenen zc. und ausgezeichnetsten Gnade, sagen die heiligen Väter; das ist, die Fülle der Gnade wohnt in dir so sehr, daß sie nur dir in eben dem Grade mitgetheilt wurde. Von Ewigkeit her bestimmte Gott allen Christen die heiligmachende Gnade; allein Maria be rief Er nicht zu der allen Christen zukommenden rechtfertigenden Gnade, sondern zu einer Gnade, welche sie über alle himmlischen Chöre erhebt. Das heilige Sacrament der Taufe macht den Menschen zu einem Gegenstand des Wohlgefallens Gottes, und alle heiligen Sacramente ertheilen ihm nebst der heiligmachenden Gnade die nothwendigen Gnaden, um alle seine Pflichten in den verschiedensten Lebensverhältnissen getreu zu erfüllen, das Gewiss sen fleckenlos zu erhalten und so zur Anschauung Gottes zu gelangen. Die Gnade aber, welche über Maria ausgegossen wurde, mußte sie zur göttlichen Mutterschaft vorbereiten und sie würdig machen, Mutter Gottes zu werden. Befinne dich nun, o christliche Seele, wie hoch du bis jetzt die heiligmachende Gnade schättest. Diese Gnade war der vorzüglichste Titel der Herrlichkeit Mariens, und der einzige Grund, warum sie vom Erzengel beglückwünscht wurde. Wo ist deine Sorgfalt, sie zu bewahren; wo deine Furcht, sie zu verlieren; wo dein eifriges Bemühen, sie zu vermehren? Weit entfernt, die nöthigen Vorsichtsmaßregeln zu ihrer Erhaltung und Vermehrung anzuwenden, setest du sie durch deine Sorglosigkeit und tägliche Untreue der größten Gefahr aus. O Mensch, wie ungerecht handelst du gegen dich! Sieh, gleichwie die Seele das Leben des Leibes Das Fest des hl. unbefleckten Herzens Mariens. 269 ist, eben so ist die heiligmachende Gnade das Leben der Seele. Du trauerst, ruft der hl. Augustin aus, über einen Leib, welchem so eben die Seele entwichen, aber du seufzest nicht über eine Seele, welche Gott verloren hat! Was der Anblick einer verwesenden, menschlichen Leiche für dich ist, das ist in den Augen Gottes eine Seele, welche durch die Sünde der Gnade und Freundschaft Gottes beraubt wurde; d. h. sie ist gleichsam eine Leiche, ein Gegenstand des Ekels. Wer wird uns aber die Schönheit einer Seele, in welcher die Gnade herrscht, schildern können? O Maria, du, o Gnadenvolle, sage du uns, was die heiligmachende Gnade für ein unschätzbares Gut ist, und was sie in dir wirkte, damit wir sie desto mehr schätzen mögen! Blicke ich in das Innere deines Herzens, wie rein, wie unschuldsvoll ist es! Wie flammt es von Liebe zu Gott! Mit welch hoher Erbarmung blickt es auf die Menschen herab! Welch tiefer Friede, welch süße Freude wohnt darin! Wie sehr stimmen alle deine Anmuthungen und Neigungen mit denen des Herzens Jesu überein! In deinem Herzen und in dem Herzen Jesu ist nur ein Gedanke, ein Wille, eine Handlung. Nicht du lebst, sondern Jesus lebt wirklich in dir; in Ihm, durch Ihn und für Ihn lebst du, leidest du; nur in Ihm und durch Ihn erfreust du dich, nur Ihn liebſt du. O mein Gott, wie beschämt stehe ich vor Dir! Ich erkenne nun, was ich sein und was deine Gnade in mir hervorbringen sollte. Wenn aber selbst der Gerechte nicht weiß, ob er der Liebe 270 3weiter Theil. 2. Andachten und Novenen 2c. oder des Hasses würdig ist,*) wie vielmehr habe ich Ursache zu zittern, der ich den Werth der Gnade so lange verkannt, sie so vielfältig vernach lässigt und wohl gar aus meinem Herzen verdrängt habe! Du, o allerseligste Mutter Gottes, haft die Gnade, die wir leider so unglücklich verloren, stets bewahrt; gib sie uns durch deine Für sprache zurück. 3weiter Punkt. Die Gnade Gottes war in dem Herzen Mariens fruchtbar. Was ich bin, bin ich durch die Gnade Gottes, sagte der hl. Paulus, und seine Gnade war in mir nicht unfruchtbar.**) Dieses Zeugniß des Apostels läßt sich in einem noch weit höhern Maße auf Maria anwenden. Sie ließ die Gnade Gottes in ihrem Herzen auf doppelte Weise fruchtbar werden, da sie nämlich mit der Gnade getreu mitwirkte und ihre Diener zu beschützen nicht aufhört. Die Kirche nennt Maria die Mutter der Gnade; in diesem glorreichen und nur ihr zukommenden Titel liegt ein tiefer Sinn. Maria wird von der Kirche zwar auch deswegen Mutter der Gnade genannt, weil sie der Welt den Urheber der Gnade gegeben, allein sie wird auch noch deshalb so genannt, weil fie freudig ihre Thätigkeit entfaltet, alle Gnadenschäße, womit sie bereichert wurde, über die Menschen auszugießen. Daher vergleichen die heiligen Kirchenlehrer Maria mit dem Meere; denn gleichwie das Meer ein Behälter aller Gewässer ist, die *) Pred. 9, 1. **) I. Cor. 15, 10. Das Fest des hl. unbefleckten Herzens Mariens. 271 den Erdboden befruchten, ebenso ist Maria der Canal, durch welchen, sagen sie, uns die heilsamen Gewässer der Gnade mitgetheilt werden. Hier stellen sich uns drei kräftige Gründe dar, daß wir mit großem Vertrauen uns an Maria wenden sollen. Erstens schätte sie die heiligmachende Gnade über alles hoch und zeigt uns, wie wir dieselbe schätzen sollen; zweitens ist uns die heiligmachende Gnade unumgänglich nothwendig, und drittens will und kann Maria uns dieselbe durch ihre Fürsprache wieder verschaffen. Oder wer kann uns besser als Maria über den unschäßbaren Werth der Gnade belehren, da sie dieselbe allen Gütern der Welt vorzog? Sieh, das große Geheimniß der Menschwerdung des Sohnes Gottes wurde in ihr vollzogen, und der Erlöser der Welt verdiente uns den Schaß der Gnade vor ihren Augen durch seine Beschwerden, Erniedrigungen und Leiden. Die Gnade ist also der Preis des Blutes ihres Sohnes, der Grund ihrer Erhöhung und ihres Glückes. Betrachtest du die Gnade von diesem erhabenen Gesichtspunkte aus? Die Gaben des Geistes, die Eigenschaften des Herzens, die Schönheit des Körpers, die Reichthümer und zeitlichen Vortheile sind zwar Güter, aber doch nur hinfällige Güter, die schnell verschwinden und dich einstens auf dem Todbette ängstigen werden; du aber schäßest sie über ihren Werth. Die Gnade ist der Grund aller Tugenden, die Quelle aller Verdienste, die eigenthümliche Gabe der Auserwählten; wie hast du sie bisher geschätzt? Maria weiß wohl, daß wir ohne diese Gnade nichts Gott Wohlgefälliges thun können; Maria 272 Zweiter Theil. 2. Andachten und Novenen 2c. weiß, daß die heiligmachende Gnade das Herz erleuchtet, die Gottergebenheit pflegt, den Men schen in seinen Leiden tröstet und jene köstlichen Bußthränen erzeugt, welche seine Seele von den Mateln reinigen; sie weiß, daß mit ihr alle Güter kommen. Aber du, mein Christ, glaubst du das, was du so eben gelesen hast? Und wenn du es glaubst, entspricht dein Benehmen deinem Glauben? Wenn dir diese Gnade gespendet wird, zeigst du dich auch dankbar dafür, und bestrebst du dich, sie durch Demuth und Wachsamkeit zu bewahren? Befürchteſt du, sie etwa verloren zu haben, wie benimmſt du dich in einem solchen Falle? Fühlst du auch, daß du an ihr deinen Führer und deine Stütze verloren? Erkennst du, daß durch ihren Verlust die einzige Quelle der wahren Freude für dich versiegt sei? Bemühest du dich hierauf, sie durch Thränen und Seufzer baldmöglichst in dein Herz zurückzurufen? Maria ist ganz von göttlicher Liebe erfüllt; ein glühender Eifer drängt sie, uns alle für die Gnade zu gewinnen; wenn wir uns nur bemühen, ihren Schuß anzuflehen, so ist sie schon ges neigt, uns zu helfen. Ihre Liebe zu Gott, ihre Erkenntlichkeit gegen seine Wohlthaten, ihr herz. lichster Wunsch, Gott immer mehr verherrlicht zu sehen und vorzüglich ihre vielfache Erfahrung, wie huldvoll Er alle ihre Bitten erhört, spornen sie mächtig an, uns zu helfen. Nun denn wirst du nicht endlich dich aufmachen, um diese ihre mütterliche Gesinnung gegen dich zu benüßen? Willst du nicht ihren Beistand anflehen, damit du einmal beginnst, die Gnade zu schätzen, darnach zu ver Das Fest des hl. unbefleckten Herzens Mariens. 273 langen und um dieselbe beharrlich zu bitten? Willst du nicht Maria ganz besonders deswegen anrufen, daß die Gnade in dir lebe und dir nie wieder geraubt werde? O Mutter der göttlichen Gnade, ich bitte dich weder um Reichthümer, noch um Menschengunst, noch um den eitlen Beifall der Welt; denn durch deine Beispiele lehrtest du mich alles dieses verachten. Ich will von nun an, wie du, nichts anderes wünschen, hochschätzen und suchen, als die heiligmachende Gnade. Diese Gabe allein soll mein höchster Schmuck, mein einziger Schatz sein; ja diese Gabe wird mich deiner würdig machen. Beispiel. Nachstehender Bericht, der an den Herrn Pfarrer zu U. L. Fr. vom Siege zu Paris gerichtet wurde, ist dem fünften Hefte der Annalen der Erzbruderschaft des heiligen und unbefleckten Herzens Mariä entnommen. Voll des innigsten Dankes gegen die erhabene Himmelskönigin zeige ich Ihnen nachstehend die durch die mächtige Vermittelung derselben bewirkte Bekehrung dreier Sünder an. Seit vierzig Jahren verharrten drei Personen, mit denen ich in enger Verbindung stand, stets im Zustande der Sünde, und wollten von keiner Religionsübung mehr etwas hören. Nur eine davon wagte es, um ihre schändlichen Ausschweifungen unter dem Schleier der Frömmigkeit zu verhüllen, aus fluchwürdiger Heuchelei von Zeit zu Zeit, jedoch ohne vorher gebeichtet zu haben, die heilige Communion zu empfangen. Es läßt sich leicht annehmen, wie schrecklich ihr Herz durch so viele Sacrilegien verstockt und verhärtet wurde. Sechs Jahre Herrlicht. Mar. 18 274 3weiter Theil. 2. Andachten und Novenen 2c. lang versuchte ich alle Mittel und Wege, um die Bedaurungswürdige auf die rechte Bahn zurückzu führen; konnte aber meinen Zweck nie erreichen, und mußte stets fürchten, daß sie in der Unbußfertigkeit sterben werde. Unerwartet befiel sie eine schwere Krankheit und brachte sie in wenigen Tagen an den Rand des Grabes. Man drang von neuem in fie, doch an das Heil ihrer unsterblichen Seele zu denken; da aber ihre Verstockung bereits auf dem Hö hepunkt angelangt, waren alle Bitten, Ermahnungen, Drohungen und Zureden erfolglos. In dieser Lage wandte sich ihre äußerst betrübte Familie an jene, die da mit Recht nicht blos als Zuflucht der Sünder, sondern auch als, Trösterin der Betrübten angerufen wird, und veranstaltete eine neuntägige Andacht zum heiligsten und unbefleckten Herzen Maria. Bereits in den ersten Tagen derfelben versuchte man es, der Unglücklichen eine Medaille des unbefleckten Herzens anzulegen. Sie nahm sie willig an; weiter wollte sie sich aber noch zu nichts verstehen. Dies war indessen schon viel, denn man lebte der Hoffnung, daß Maria eine Sünderin, welche ihr Schutzkleid trage, gewiß nicht werde verloren gehen lassen. Kaum hatte man ihr die Medaille angelegt, so wurde ihr steinernes Herz auf einmal erschüttert, gerührt, erweicht und erschloß sich den Eindrücken der Gnade. Nach paar Tagen verlangte sie inständigst einen Priester, legte unter den Anmuthungen der bittersten Reue eine Generalbeicht ab, bezeigte eine unaussprechliche Freude über ihre Aussöhnung mit Gott, empfing die heilige Communion und konnte nicht müde werden, zu ihrer Familie beständig von dem unbegreiflichen, unschät baren Glücke zu sprechen, das ihr durch die Bekehrung zu theil geworden war. Die Krankheit nahm zusehends einen ernstern Charafter an, und nach Verlauf einiger Tage entschlief die Beglückte im Das Fest des hl. unbefleckten Herzens Mariens. 275 Herrn. O wie unergründlich sind doch die Gnadenschäße Mariens! Wer wollte nach so vielen Beweisen ihrer Güte noch zögern, zu ihr seine Zuflucht zu nehmen! Hiemit ist indessen die Geschichte noch nicht zu Ende. Die zwei über siebenzig Stunden entfernten Brüder der erwähnten Person, welche, wie sie, in der Verstockung des Herzens dahinlebten, vernahmen ihre unerwartete Rückkehr zu Gott und ihren erbaulichen Tod mit einer unbeschreiblichen Gleichgiltigfeit. Sie betrachteten die Seele nur als ein geringfügiges Nebending, und mochten kaum noch deren Unsterblichkeit Glauben beimessen. Indessen ersuchte sie eine ihrer Nichten, die zu Ehren des unbefleckten Herzens Mariä geprägte Medaille zu tragen, und erwirkte nach langen, anhaltenden Bitten ihre Einwilligung. Unverzüglich ließ sie die Verstockten ebenfalls in die Erzbruderschaft aufnehmen und sie dem Gebete der Mitglieder dringendst anempfehlen. Kurze Zeit darauf fiel der eine in eine schwere Krankheit. Es war nothwendig, ihm von der bevorstehenden Gefahr Kenntniß zu geben, ihn zu einer ernstlichen Vorbereitung auf den nahen Tod zu ermahnen; aber wie sollte man ihm von einem Priester sprechen, ihm, der schon über vierzig Jahre keinen Glauben mehr hatte? In diesen gefährlichen Umständen blieb feine andere Hoffnung übrig, als sich an Maria, die Zuflucht der Sünder, zu wenden. Es wurde deshalb eine neuntägige Andacht zum unbefleckten Herzen Mariä begonnen; man betete mit Inbrunst für die Bekehrung des verhärteten Sünders; fromme Klosterfrauen beteten fortwährend in derselben Meinung. Wird Maria ihr mütterliches Herz so vielen Bitten verschließen! O wer hat sie jemals umsonst angerufen! Je mehr die Krankheit um sich griff, desto erleuchteter wurde ſeine Seele; auf einmal begehrt er einen Priester, - 276 Zweiter Theil. 2. Andachten und Novenen 2c. will sich bekehren, wieder ein Kind Gottes werden und als ein guter Christ sterben. Unverzüglich verrichtete er die heilige Beicht und empfing nach derselben die heilige Communion. O Maria, deine Güte übersteigt unsre kühnsten Erwartungen. Du willst diese Seele nicht allein retten, du willst noch mehr thun! Sobald der Befehrte die heiligen Sacramente empfangen hatte, fühlte er sich von der ganzen Krankheit befreit und verließ vollkommen gesund das Bett. Gerührt und ergriffen über diese Begebenheit bekehrte sich auch sein Bruder; und er, der sich noch unlängst jeder, sogar der unscheinbarsten Religionsübung geſchämt hatte, naht sich jetzt oft den heiligen Sacramenten und erbaut durch seinen Wandel alle, die ihn kennen. festgebet.*) ( Verordnet vom Papste Pius VII.) Herz Mariens, Mutter Gottes und unsre Mutter! Liebenswürdigstes Herz, Gegenstand des Wohlgefallens der anbetungswürdigen Dreieinigkeit, du bist würdig, von den Engeln und Menschen innigst verehrt und geliebt zu werden. Herz Mariens, das du mit dem Herzen Jeſu, dessen vollkommenstes Ebenbild du bist, die größte Aehnlichkeit hast und mit dem höchsten Mitleiden auf unser so großes Elend hinblickst, erweiche unsre harten Herzen und ziehe sie hin zu dem Herzen unsres göttlichen Erlösers; erfülle sie *) Täglich 60 Tage Ablaß für dieses Gebet mit dem Lobspruch.- Pius VII. 18. August 1807. Das Fest des hl. unbefleckten Herzens Mariens. 277 mit der Liebe zu deinen Tugenden; entflamme sie mit jener seligen Gluth, von welcher du unaufhörlich entflammt warest. Bewahre die heilige Kirche und beschütze sie: sei stets ihre süße Zufluchtsstätte und ihre unüberwindliche Stärke wi= der alle Angriffe der Hölle. Sei unser Weg zu Jesus Christus und der Canal, durch den wir alle Gnaden erlangen, die zu unsrem Heile nothwendig sind. Sei unsre Zuflucht in der Noth, unser Trost in unsren Trübsalen, unsre heilsame Stärke in den Versuchungen, unsre Hilfe in allen Gefahren; vorzüglich aber steh' uns bei in dem legten Kampfe, in der Stunde des Todes, in welcher die ganze Hölle sich zum Verderben unfrer Seelen entfesseln wird; ja unterstüße uns in dem furchtbaren Augenblicke, der über unsre Ewigkeit entscheidet. O liebevollste Jungfrau, laß uns dann die Huld deines mütterlichen Herzens und die Kraft deiner Fürsprache bei Jesus vorzüglich dadurch erfahren, daß du uns selbst in der Quelle der Erbarmung eine sichere Zuflucht eröffnest, damit wir so in das Himmelreich eingehen und Ihn mit dir in alle Ewigkeit loben mögen. Amen. Lobspruch. Gelobt und gebenedeit seien stets und an allen Orten das göttliche Herz Jesu und das reinste Herz Mariens! Amen. 278 Zweiter Theil. 2. Andachten und Novenen 2c. Tagzeiten von dem heiligsten Herzen Mariens. Bur Mette. Maria, Mutter Jesu, bilde mein Herz nach deinem Herzen und nach dem Herzen deines geliebtesten Sohnes, unsres Herrn Jesu Christi! V. Jeju, öffne meine Lippen! R. Und mein Mund wird das Lob des Hergens deiner Mutter verkünden. V. O Gott, merk' auf meine Hilfe! R. Herr, eile mir zu helfen! Ehre sei zc. Lobgefang an das unbefleckte Herz. O Maria, du vor allen Hast dem höchsten Gott gefallen, Nie verlorst du seine Huld, Du bliebst frei von aller Schuld. Keine Sünd' hat dich beflecket; Kein Verbrechen angestecket; Voll der Gnad' und Heiligkeit War dein Herz zu aller Zeit. O Maria, Trost der Sünder, Sich're Zuflucht deiner Kinder, Deffne uns dein Mutterherz, Dann flieht Bitterfeit und Schmerz! Antiphon. Maria ist die Mutter der schönen Liebe, der Furcht Gottes, der Erkenntniß und der heiligen Hoffnung; sie ist voll der Gnaden. V. Kommet denn alle zu ihr, die ihr Verlangen nach ihr traget; R. Empfanget von der Fülle ihrer Gnaden und ersättiget euch mit ihren Früchten! Tagzeiten von dem hl. Herzen Mariens. Gebet. O Gott der Barmherzigkeit und des Trostes, Du hast uns das reinste Herz Mariens zur Zuflucht gegeben und es zu unsrem Heile mit Gnaden erfüllt. Gib, daß wir uns beflei= ßen, unser Herz vor aller Sünde zu bewahren und mit Tugenden zu zieren, damit wir nach dem Verlangen deines Herzens leben und in deiner Liebe sterben! Durch unsren Herrn Jesum Christum, der mit Dir und dem heiligen Geiste lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit. A. Sur Prim. O Maria, Mutter Jesu, bilde mein Herz nach deinem Herzen und nach dem Herzen deines geliebtesten Sohnes, unsres Herrn Jesu Christi! V. O Gott, mert auf meine Hilfe! R. Herr, eile mir zu helfen! Ehre sei 2c. 279 Lobgefang an das jungfräuliche Herz. Einzig Gott dein Herz zu schenken, Dieses nur nach Ihm zu lenken, Willst du ewig teusch und rein, Ewig eine Jungfrau sein. Schnöde Freud' hast du verachtet, Immer nur nach Gott getrachtet; Gott allein nur liebest du; Er ist deiner Seele Ruh'. O Maria, Trost der Sünder, Sich're Zuflucht deiner Kinder, Deffne uns dein Mutterherz, Dann flieht Bitterkeit und Schmerz! 280 3weiter Theil. 2. Andachten und Novenen zc. Antiphon. Maria ist die Mutter der schö nen Liebe, der Furcht Gottes, der Erkenntniß und der heiligen Hoffnung; sie ist voll der Gnaden. V. Kommet denn alle zu ihr, die ihr Verlangen nach ihr traget; R. Empfanget von der Fülle ihrer Gnaden, und ersättigt euch mit ihren Früchten! Gebet. O Gott der Barmherzigkeit 2c.( wie oben.) Bur Terz. O Maria, Mutter Jesu, bilde mein Herz nach deinem Herzen und nach dem Herzen deines geliebtesten Sohnes, unsres Herrn Jesu Christi! V. O Gott, mert' auf meine Hilfe! R. Herr, eile mir zu helfen! Ehre sei 2c. Tobgefang an das mütterliche Herz. Gottes Sohn will in dir wohnen Und in deinem Herzen thronen; Dies nimmt Er zur Wohnung ein, Du mußt Gottes Mutter sein. Du vereinst die Mutter- Würde Mit der reinsten Unschuld Zierde; Dieses ist dein höchster Ruhm Und allein dein Eigenthum. O Maria, Trost der Sünder, Sich're Zuflucht deiner Kinder, Deffne uns dein Mutterherz, Dann flieht Bitterkeit und Schmerz! Antiphon. Maria ist die Mutter der schö nen Liebe, der Furcht Gottes, der Erkenntniß und der heiligen Hoffnung; sie ist voll der Gnaden. Tagzeiten von dem hl. Herzen Mariens. 281 V. Kommet denn alle zu ihr, die ihr Verlangen nach ihr traget; R. Empfanget von der Fülle ihrer Gnaden, und ersättiget euch mit ihren Früchten! Gebet. O Gott der Barmherzigkeit 2c.( wie oben.) Bur Sert. O Maria, Mutter Jesu, bilde mein Herz nach deinem Herzen und nach dem Herzen deines geliebtesten Sohnes, unsres Herrn Jesu Christi! V. O Gott, merk' auf meine Hilfe! R. Herr, eile mir zu helfen! Ehre sei 2c. Tobgefang an das gütige Herz. O Maria, voll Erbarmen, Du verstoßeft nicht die Armen, Die voll Hoffnung zu dir geh'n Und um Hilf' zur Mutter fleh'n. Du empfind'st in deinem Herzen Ihre Drangsal, ihre Schmerzen; Du erquickst fie in der Noth, Und versöhnest fie mit Gott. O Maria, Trost der Sünder, Sich're Zuflucht deiner Kinder, Deffne uns dein Mutterherz, Dann flieht Bitterkeit und Schmerz! Antiphon. Maria ist die Mutter der schö nen Liebe, der Furcht Gottes, der Erkenntniß und der heiligen Hoffnung; sie ist voll der Gnaden. V. Kommet denn alle zu ihr, die ihr Ver. langen nach ihr traget; R. Empfanget von der Fülle ihrer Gnaden, und ersättigt euch mit ihren Früchten! Gebet. O Gott der Barmherzigkeit 2c.( wie oben.) 282 3weiter Theil. 2. Andachten und Novenen 2c. Sur non. O Maria, Mutter Jesu, bilde mein Herz nach deinem Herzen und nach dem Herzen deines geliebtesten Sohnes, unsres Herrn Jesu Christi! V. O Gott, mert auf meine Hilfe! R. Herr, eile mir zu helfen! Ehre sei zc. Tobgefang an das leidende Herz. Ach, wie quält das traurig' Scheiden Und des Sohnes bitt'res Leiden Das betroff'ne Mutterherz! Wie durchwühlet es der Schmerz! Alle Schmerzen, alle Wunden Hat der Mutter Herz empfunden. Und sie will nach dieser Pein Noch der Sünder Mutter sein. O Maria, Trost der Sünder, Sich're Zuflucht deiner Kinder, Deffne uns dein Mutterherz, Dann flieht Bitterfeit und Schmerz! Antiphon. Maria ist die Mutter der schönen Liebe, der Furcht Gottes, der Erkenntniß und der heiligen Hoffnung; sie ist voll der Gnaden. V. Kommet denn alle zu ihr, die ihr Verlangen nach ihr traget; R. Empfanget von der Fülle ihrer Gnaden, und ersättiget euch mit ihren Früchten! Gebet. Gott der Barmherzigkeit z2c.( wie oben.) Sur Desper. O Maria, Mutter Jesu, bilde mein Herz nach deinem Herzen und nach dem Herzen deines geliebtesten Sohnes, unsres Herrn Jesu Christi! Tagzeiten von dem hl. Herzen Variens. V. D Gott, mert auf meine Hilfe! R. Herr, eile mir zu helfen! Ehre sei 2c. Lobgefang an das hilfreiche Berz. Herz Mariens voll der Gnade, Du des Neuen Bundes Lade! Deine Hilf' steht allezeit Für uns Arme schon bereit. Du willst alles Leid versüßen, Deine Huld auf uns ergießen; Du trägst Sorg' für unser Heil, Wascheft uns vom Sünden- Gräu'l. 283 O Maria, Trost der Sünder, Sich're Zuflucht deiner Kinder, Deffne uns dein Mutterherz, Dann flieht Bitterkeit und Schmerz! Antiphon. Maria ist die Mutter der schönen Liebe, der Furcht Gottes, der Erkenntniß und der heiligen Hoffnung; sie ist voll der Gnaden. V. Kommet denn alle zu ihr, die ihr Verlangen nach ihr traget; R. Empfanget von der Fülle ihrer Gnaden, und ersättigt euch mit ihren Früchten! Gebet. Gott der Barmherzigkeit 2c.( wie oben.) Bur Complet. Maria, Mutter Jesu, bilde mein Herz nach deinem Herzen und nach dem Herzen deines geliebtesten Sohnes, unsres Herrn Jesu Christi! V. O Gott, merk' auf meine Hilfe! R. Herr, eile mir zu helfen! Ehre sei 2c. 284 Zweiter Theil. 2. Andachten und Novenen 2c. Tobgefang an das verherrlichte Herz. Wie soll ich dich würdig preisen, Wie dir, Mutter, Ehr' erweisen! Dir, der Menschen Mittlerin, Und der Engel Königin? Nach des Lebens kurzem Leiden Wohnst du ewig in den Freuden, Nächst bei Jesu, deinem Sohn, Auf dem höchst erhab'nen Thron. O Maria, Troft der Sünder, Sich're Zuflucht deiner Kinder, Deffne uns dein Mutterherz, Dann flieht Bitterkeit und Schmerz! Antiphon. Maria ist die Mutter der schönen Liebe, der Furcht Gottes, der Erkenntniß und der heiligen Hoffnung; sie ist voll der Gnaden. V. Kommet denn alle zu ihr, die ihr Verlangen nach ihr traget; R. Empfanget von der Fülle ihrer Gnaden, und ersättigt euch mit ihren Früchten! Gebet. Gott der Barmherzigkeit 2c.( wie oben.) Beschluß. Ach, verachte nicht uns Sünder, Sieh uns an als deine Kinder! In dem Leben und im Tod Bist du unser Troft nach Gott. O Maria, in Gefahren Woll'st uns mütterlich bewahren! Diese Bitt' versag' uns nicht; Du bist uns're Zuversicht. Du bist, Mutter, voll Erbarmen, Nimm uns auf mit Mutterarmen, Deffne uns dein mildes Herz, Dann flieht Bitterkeit und Schmerz! 285 Das Fest der Verkündigung Mariens. Das Fest der Verkündigung Mariens. ( Am 25. März.) Geschichtliche Dorerinnerung. Die wahrscheinlichste Meinung sett den Ur sprung dieses Festes in der griechischen Kirche gegen das Ende des vierten Jahrhunderts,- etwas später begann man es auch in der abendländischen Kirche zu feiern. Proclus, der Nachfolger des hl. Chryſostomus( in der ersten Hälfte des fünften Jahrhunderts), hielt schon an diesem Feste mehrere Reden; er gibt demselben auch die Bezeichnung: Ankunft unsres Herrn', weil bei dem Gruße des Engels das Wort Fleisch geworden ist. Auch ward es: Christi Ankündigung und Anfang der Erlösung', sowie Tag des Engelgrußes' genannt. In der Regel wird dieses Fest am 25. März gefeiert. In frühern Zeiten beging man es in einigen Kirchen, z. B. in Spanien*) am 18. December. dem Feste Maria Erwartung', in Mailand am letzten Sonntage vor Weihnachten. 3. Novene zur Vorbereitung auf das Fest der Verkündigung Mariens. ( Beginnt am 16. März.) Komm, heiliger Geist, erfülle die Herzen deiner Gläubigen, und entzünde in ihnen das Feuer deiner Liebe. V. Sende aus deinen Geist, und sie werden neu geschaffen werden; *) Concil. Toled. ann. 656. c. 1. Zweiter Theil. 2. Andachten und Novenen zc. B. Und Du wirst das Angesicht der Erde erneuern. O Gott, der Du die Herzen deiner Gläubigen durch die Erleuchtung des heiligen Geistes gelehret haft: verleihe, daß wir in dem nämlichen Geiste das Rechte erkennen und seines Tro= stes uns allezeit erfreuen mögen. Durch Christum, unsren Herrn. Amen. 286 Am ersten Tage, den 16. März. Ich verehre und bewundere dich, heiligste Jungfrau Maria, als die demüthigste unter allen erschaffenen Wesen vor Gott, zu jener Zeit, Er dich am Tage deiner Verkündigung zur er habensten Würde seiner Mutter erhob. Verleihe, o mächtige Jungfrau, daß ich elender Sünder doch einmal mein Nichts erkenne und mich mit aufrichtigem Herzen demüthige. Gegrüßet feist du 2c. - Hier wird die lauretanische Litanei gebetet, dann spricht man: V. Der Engel des Herrn brachte Maria die Botschaft: R. Und sie empfing vom heiligen Geiste. Gebet. O Gott, der Du nach der Verkündigung des Engels, dein Wort vom Leibe der seligsten Jungfrau Maria wolltest Fleisch annehmen las sen: gewähre unser demüthiges Flehen, daß uns, 287 Das Fest der Verkündigung Mariens. die wir sie wahrhaft als Gottesgebärerin erkennen, durch ihre Fürbitte bei Dir geholfen werde. O Gott, Du Hirt und Lenker aller Gläubigen, siehe auf deinen Diener, unsren Papst N., den Du zum Hirten deiner Kirche bestimmt hast, gnädig herab; verleihe ihm, wir bitten Dich, daß er das Heil aller, welchen er vorsteht, mit Wort und Beispiel befördere, damit er einst sammt der ihm anvertrauten Heerde zum ewigen Leben gelangen möge. O Gott, unsre Zuflucht und Stärke, erhöre gnädig die frommen Gebete deiner Kirche, Du selbst der Urheber aller Frömmigkeit, und lasse uns das, um was wir vertrauensvoll bitten, wirksam erlangen. Durch Jesum Christum, unfren Herrn. Amen. Am zweiten Tage, den 17. März. Die Vorbereitungsgebete, wie oben. Oheiligste Jungfrau Maria, die du, geehrt durch den Gruß und die Verkündigung des Erz= engels Gabriel und von Gott über alle Chöre der Engel erhoben, dich nur als eine Magd des Herrn betennest:„ Sieh, ich bin eine Dienerin des Herrn;" erlange mir wahre Demuth und wahrhaft englische Reinigkeit, damit ich stets ein Leben, würdig des göttlichen Wohlgefallens, führe Gegrüßet seist du zc. Litanei und Gebete, wie oben. 288 3weiter Theil. 2. Andachten und Rovenen zc. Am dritten Tage, den 18. März. Die Vorbereitungsgebete, wie oben. Ich freue mich mit dir, o seligste Jungfrau, daß du mit dem einzigen Worte:„ Es geschehe!" welches du mit so viel Demuth aussprachest, das göttliche Wort aus dem Schooße des ewigen Vaters empfangen hast. Oziehe allezeit mein Herz zu Gott und mit Gott die Gnade in mein Herz, damit ich von Herzen dein„ Es geſchehe!" allezeit benedeien und mit Andacht ausrufen könne: O kräftiges Wort:„ Es ge= schehe!" verehrungswürdig über jedes andere: „ Es geschehe!"- Gegrüßet seist du zc. Litanei und Gebete, wie oben. - Am vierten Tage, den 19. März. Die Vorbereitungsgebete, wie oben. Du, o erhabene Jungfrau Maria, wurdest am Tage deiner Verkündigung von dem Erzengel Gabriel so bereitwillig gefunden, dem göttlichen Willen und dem Verlangen der allerheiligsten Dreieinigkeit zu entsprechen, welche deine Einstimmung begehrte, um durch deinen Sohn die Welt zu erlösen: verleihe, daß ich bei jedem angenehmen oder unangenehmen Vorfalle mich allezeit zu Gott wende und mit Ergebung ausrufe: Mir geschehe nach deinem Worte!" Gegrüßet seist du zc. Litanei und Gebete, wie oben. Das Fest der Verkündigung Mariens. Am fünften Tage, den 20. März. Die Vorbereitungsgebete, wie oben. Ich sehe wohl, heiligste Jungfrau, wie dein Gehorsam dich so eng mit Gott verband, daß fein anderes bloßes Geschöpf einer gleichen Vereinigung fähig ist. Du konntest nicht inniger mit Gott vereiniget sein. Allein um so mehr betrübe ich mich, daß ich wegen meiner Sünden so sehr von Gott entfremdet bin. Ach, gütigste Mutter, hilf mir, daß ich herzliche Reue darob erwecke und würdig werde, mich mit deinem lieben Jesu zu vereinigen. Gegrüßet seist du 2c. Litanei und Gebete, wie oben. - Am feciften Tage, den 21. März. Die Dorbereitungsgebete, wie oben. 289 Wenn du, heiligste Mutter Maria, beim Erscheinen des Erzengels Gabriel in deinem Hause aus jungfräulicher Sittsamkeit erschrakest; so entseße ich mich vor meiner großen Dreistigkeit, wenn ich vor dir erscheine; aber durch deine unbegreifliche Demuth, die nach dem Ausspruche des hl. Augustinus uns Menschen einen Gott gebar, den Himmel öffnete und die Seelen von der Hölle befreite, bitte ich dich, mich aus der Tiefe meiner Verschuldungen herauszuziehen und mir das ewige Heil zu erwirken.- Gegrüßet jeist du zc. Litanei und Gebete, wie oben. Herrlicht. Mar. 19 290 3weiter Theil. 2. Andachten und Novenen 2c. Am fiebenten Tage, den 22. März. Die Vorbereitungsgebete, wie oben. 11 Obschon meine Zunge nicht rein ist, o reinste Jungfrau, wage ich dennoch, zu allen Stunden dich zu grüßen mit den Worten: Sei gegrüßet, voll der Gnaden!" und bitte dich von Herzen, meiner Seele etwas Weniges von jener Gnadenfülle mitzutheilen, womit du, als der heilige Geift dich überschattete, überschwänglich erfüllt wurdest. Gegrüßet seist du zc. Litanei und Gebete, wie oben. Am aditen Tage, den 23. März. Die Vorbereitungsgebete, wie oben. 11 Ich glaube, o heiligste Jungfrau Maria, daß der allmächtige Gott, der von deiner Empfängniß an allezeit mit dir war:- Der Herr ist mit dir!" noch mehr durch seine Menschwerdung mit dir sich vereinigt hat. Darum bitte ich dich, mir beizustehen, damit ich im Herzen immerdar mit Jesus durch die heiligmachende Gnade vereinigt bleibe.- Gegrüßet seist du zc. Litanei und Gebete, wie oben. Am neunten Tage, den 24. März. Die Vorbereitungsgebete, wie oben. Ich flehe dich an, o heiligste Jungfrau, daß du mein Herz und meine Seele segnen wollest, gleichwie du allezeit die Gesegnetste aus allen Das Fest der Verkündigung Mariens. 291 " 1 Weibern." Weibern warst.- Du bist gebenedeit unter den Ich lebe der zuversichtlichsten Hoffnung, daß, wenn du, liebe Mutter, mich jetzt im Leben segnen wirst, ich auch nach dem Tode durch alle Ewigkeit gesegnet sein werde in der himmlischen Glorie. Gegrüßet seist du 2c. Litanei und Gebete, wie oben. Het- Betrachtung. Erster Punkt. Der Sohn Gottes wählte die seligste Jungfrau vorzüglich wegen ihrer großen Demuth zu seiner Mutter. Um ihr aber mehr Verdienste und eine größere Herrlichkeit zu bereiten, wollte Er nicht ohne ihre Einwilligung seinen Leib von ihr annehmen. Der Erzengel Gabriel tritt zu ihr und begrüßt sie mit den Worten: ,, Gegrüßet seist du, voll der Gnade; der Herr ist mit dir: du bist gebenedeit unter den Weibern." Sei gegrüßt, o Jungfrau voll der Gnaden, denn du warst immer reicher an Gnaden, als alle andern Jungfrauen. Sieh, der Herr ist mit dir, weil du so demüthig bist. Du allein bist gebenedeit unter den Weibern; denn alle andern haben den Fluch der Sünde auf sich gezogen. 11 - - Was antwortete aber Maria auf diesen Gruß? Sie erschrat über die Lobes- Erhebungen des Engels, weil ihre tiefe Demuth alles Lob verschmähte und sie innigst wünschte, daß ihr Schöpfer, welcher der Geber aller guten Gaben ist, allein gelobt und gepriesen werde. Als sie der Engel so sehr erschreckt 292 3weiter Theil. 2. Andachten und Novenen 2c. sah, sprach er ihr Muth zu:„ Fürchte dich nicht, Maria, denn du hast Gnade gefunden bei Gott!" Wundere dich nicht über die hohen Ehrentitel, die ich dir beigelegt habe: denn wenn du dir selbst auch klein und niedrig erscheinst, so hat doch Gott, welcher die Demüthigen erhöht, dich würdig bes funden, seine Mutter zu werden. Sieh, du wirst empfangen und einen Sohn gebären, und du sollst seinen Namen Jesus heißen." " 1 Doch was zögerst du, o Maria," ruft ihr der hl. Bernard zu; siehe, der Engel wartet auf eine Antwort." Auch wir, o allerheiligste Jungfrau, warten auf das Wort der Barmherzigkeit, wir, die wir von dem Urtheilsspruche der ewigen Verdammniß gepeinigt werden. Siehe, liebe Mutter, der Kaufpreis für unsre Seligkeit, das göttliche Wort, welches in dir Mensch werden soll, wird dir schon dargeboten; wenn du dasselbe als deinen Sohn annimmst, so werden wir alle vom Tode befreit. Dein Heiland selbst, der um deiner GottWohlgefälligkeit willen von Liebe zu dir erfüllt ist, wünscht eben so sehr deine Einwilligung, durch welche Er beschlossen hat, die Welt selig zu machen.*), Antworte, o heilige Jungfrau," ruft ihr der hl. Augustin zu; warum willst du das Heil der Welt, welches ja nur allein von deiner Einwilligung abhängt, noch länger verzögern!"**) Doch Maria antwortete:„ Siehe, ich bin eine Magd des Herrn, mir geschehe nach deinem Worte." O herrliche Antwort, die du den Himmel er freust und ein unendliches Meer von Gnaden und *) Hom. 4. sup. Miss. est. *) Serm. 21. de Temp. 293 Das Fest der Verkündigung Mariens. Gütern auf die Erde herabbringst; Antwort, die, beschlossen im Willen der demüthigen Jungfrau, den eingebornen Sohn Gottes aus dem Herzen des ewigen Vaters zur Menschwerdung herabgezogen hat! Denn siehe, kaum waren die Worte ausgesprochen:„ Siehe, ich bin eine Magd des Herrn, mir geschehe nach deinem Worte," da ist alsogleich das Wort Fleisch geworden, da ist der Sohn Gottes der Sohn Mariens geworden. ,, O mächtiges: Es geschehe', ruft der hl. Thomas von Villanova aus, o wirksames: Es geschehe!" o ehrwürdiges, über alles preiswürdiges: Es geschehe! Durch das erste:, Es geschehe" erschuf Gott Licht, Himmel und Erde; aber durch dies: Es geschehe ist ein Gott aus Liebe zu uns Mensch geworden."*) Obgleich die seligste Jungfrau, sagt der hl. Bernard, Gott durch ihre Jungfräulichkeit sehr wohlgefällig war, jo verdiente sie doch eigentlich nur durch ihre Demuth( insoweit ein Geschöpf eine so große Auszeichnung verdienen kann,) die große Gnade, Mutter des Sohnes Gottes zu werden. Das Gleiche behauptet auch der hl. Hieronymus, welcher sagt: daß Gott Maria mehr um ihrer Demuth, als um all ihrer andern erhabenen Tugenden willen zu seiner Mutter erwählt habe. 3weiter Punkt. Um die erhabene Würde Mariens gebührend zu erfassen, müßten wir die Größe und Erhabenheit Gottes selbst begreifen können. Genug, daß *) Conc. 2. de Ann. 294 3weiter Theil. 2. Andachten und Novenen 2c. der Herr sie zu seiner Mutter erwählt; dadurch ist sie zu einer Würde erhoben, die sie über alle Engel und Heiligen erhebt, und besitzt eine Größe und Vollkommenheit, die Gott allein begreifen kann. Daher dürfen wir uns auch nicht wundern, wenn die Evangelisten, die so weitläufig sind, da sie von einem heiligen Johannes, dem Täufer, von einer heiligen Maria Magdalena u. s. f. reden, uns so wenig von den Tugenden Mariens erzählen; denn es ist genug, wenn sie von ihr sagen: von welcher Jesus geboren ist." ,, Maria, Die Erhebung zu dieser Würde übersteigt alles, was man sich nach Gott denken und nennen kann. Weder der Name einer Königin des Himmels, noch einer Gebieterin der Engel, oder irgend ein anderer Ehrentitel könnte sie so sehr ehren, als wenn man sie Mutter Gottes' nennt. Diese Würde gehört einer höhern Ordnung an, als jede andere, da sie gewissermaßen zur Rangordnung der mit der Gottheit verbundenen Menschheit gehört, mit welcher sie ebenfalls nothwendig in enger Verbindung steht. Die Vereinigung, die hier stattfindet, ist die engste Vereinigung, welche zwischen einem bloßen Geschöpfe und Gott stattfinden kann. Auf die Würde Gottes folgt unmittelbar die Würde seiner Mutter, so daß diese nicht enger mit Gott hätte verbunden sein können, als da sie seine Mutter ward, ausgenommen, sie wäre Gott selbst geworden. Dies bewog auch den hl. Bonaventura zu dem berühmten Ausspruche, daß Gott freilich eine grös Bere Welt und einen geräumigern Himmel erschaf fen könnte, daß es Ihm aber unmöglich sei, ein 295 Das Fest der Verkündigung Mariens. Geschöpf höher zu erheben, als wenn Er sie zu seiner Mutter machte.*) Aber besser als alle andern lehrt uns Maria selbst, zu welcher Würde Gott sie erhoben, indem sie der hl. Elisabeth auf ihren Gruß mit den Worten antwortet: ,, Großes hat an mir gethan, der da mächtig ist." Warum erklärt uns die allerseligste Jungfrau nicht, worin diese großen Dinge bestanden haben, die Gott an ihr gethan hat? Deshalb, weil sie so groß waren, daß Maria selbst sie nicht hätte erklären können. Aus dem allem ersehen wir, daß die göttliche Mutter zwar unendlich tiefer steht als Gott, daß sie aber unendlich über alle andern Geschöpfe hervorragt. Gleichwie es unmöglich ist, einen edleren Sohn zu finden als Jesus, so ist es auch unmög. lich, sich eine edlere Mutter zu denken als Maria. Diese Betrachtung muß den Verehrern unsrer groBen Königin nicht nur dazu dienen, sich über die hohe Würde derselben zu erfreuen, nein, sie muß auch das Vertrauen auf ihren mächtigen Schuß vermehren; denn da sie die Mutter des Herrn ist, So hat sie gewiß Anspruch auf seine Gaben, um dieſelben denen, für welche sie bittet, zu erlangen. So fehlt dir denn, o Mutter unsres Gottes, die du zugleich unsre Mutter bist, weder die Macht noch der Wille, uns beizustehen. Du weißt es ja, daß Gott dich nicht nur für dich selbst erschaffen hat; durch deine Vermittelung erlangen wir die Gnade Gottes wieder, durch dich wird unser Feind besiegt und vernichtet. *) S. Bonav. Spec. B. V. L. 10. 296 3weiter Theil. 2. Andachten und Noben en zc. Beispiel. Der hl. Franz Xaver, der gleich der Aposteln, mit der Kraft von oben ausgerüstet, die Leuchte des Glaubens in die entferntesten Länder trug, und zur Ehre Gottes und der Menschen Heil segenvollst wirkte, verdankte den Erfolg seiner Arbeiten vors züglich der allerseligsten Jungfrau, deren eifriger Verehrer er war. Er hatte ein so lebendiges Vertrauen auf ihre Fürsprache, daß er sich fast alle Gnaden durch ihre Vermittelung erbat. In der Mutter- Gottes- Kirche auf Montmartre in Paris ( 1534) weihte er sich am Feste ihrer Himmelfahrt dem apostolischen Leben, und in der Marien- Kirche zu Loreto ward ihm der innere Ruf, nach Indien zu gehen. Um sich öffentlich als einen Diener Mariens zu bekennen, trug er den Rosenkranz auf der Brust und wirkte durch Berührung mit demselben viele Wunder. Eines wollen wir anführen. Ein Kaufmann von Meliapor, im Begriffe, nach Malacca abzusegeln, bat den Heiligen um ein Andenken. Er gab ihm seinen Rosenkranz mit dem Bedeuten, derselbe werde ihm gute Dienste leisten, wenn er Vertrauen auf Maria habe. Kaum hatte man die Anfer gelichtet, als ein furchtbarer Sturm fich erhob, das Schiff fortriß und an einem Felsen zerschmetterte. Alles schien verloren zu sein. Da erinnerte sich der Kaufmann des gegebenen Wortes, griff mit Vertrauen nach seinem Rosenkranze, und bald befand er sich am Ufer und in Sicherheit. Wenn der Heilige den Indianern die Lehren unsrer heiligen Religion erklärte, schloß er seinen Unterricht gewöhnlich mit dem Salve Regina, fle hend zur Mutter der Gnaden, diesen armen Menschen den Glauben zu erhalten. Häufig brachte Franz Xaver die Nacht in der Kirche betend zu, fast immer vor dem Bildnisse der heiligen Jungfrau; sie rief er mit kindlichem Vertrauen in eigenen und 297 Das Fest der Verkündigung Mariens. fremden Angelegenheiten an, besonders wenn es sich um die Bekehrung eines verhärteten Sünders handelte. Mit besonderer Andacht verehrte er das Geheimniß ihrer unbefleckten Empfängniß und verband sich durch ein Gelübde, dasselbe nach Vermögen zu pertheidigen. Da er in seinen Predigten sowohl als im Umgange mit den Menschen oft und mit Salbung von Maria sprach, so gewann er viele Seelen für ihren Dienst. Sterbend rief er sie noch mit großer Innigkeit an und gab mit Zuversicht seinen Geist in ihre und ihres Sohnes Hände auf. festgebet. O unbefleckte, heilige Jungfrau Maria, o demüthigstes unter allen Geschöpfen, welches du erhabener bist als alle andren vor den Augen deines Gottes! Du erschienst dir selbst so gering, aber dennoch warst du so groß vor Gott, daß derselbe dich sogar zur hohen Würde seiner Mutter erwählen wollte und dich deshalb zur Königin des Himmels und der Erde machte. Ich danke Gott, daß Er dich so hoch erhoben hat; ich freue mich mit dir, daß du so eng mit Gott bist verbunden worden, daß eine innigere Vereinigung einem bloßen Geschöpfe unmöglich wäre. Ich armer hoffährtiger Mensch, der ich mit so vielen Sünden beladen bin, schäme mich, vor dir zu erscheinen, die du ungeachtet all deiner Vorzüge so demüthig bist. Aber trotz all meines Elendes will ich dich doch mit den Worten begrüßen: ,, Gegrüßet seist du, Maria, voll der Gna 11 298 3weiter Theil. 2. Andachten und Nobenen 2c. den." Weil du voll von Gnaden bist, so erwirke, daß auch ich Antheil daran habe. Der Herr ist mit dir." Dieser Herr, welcher vom ersten Augenblicke deiner Erschaffung an mit dir war, ist jetzt, nachdem Er dein Sohn geworden, noch weit inniger mit dir verbunden.„ Du bist gebenedeit unter den Weibern." Gebenedeite unter den Weibern, erlange auch mir den Segen Gottes! Und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes." Oglückselige Pflanze, die du der Welt eine so edle und heilige Frucht geschenkt haft. 11 Heilige Maria, Mutter Gottes," siehe ich bekenne, daß du wahrhaft die Mutter Gottes bist, und ich bin bereit, für die Vertheidigung dieser Wahrheit mein Blut zu vergießen! Bitte für uns arme Sünder." Wenn du die Mutter Gottes bist, o Maria, dann bist du auch die Mutter unsrer Seligkeit, dann bist du die Mutter der armen Sünder, weil Gott, um die Sünder selig zu machen, Mensch geworden ist; siehe, Gott ist dein Sohn geworden, damit dein Gebet die Kraft erlange, einen jeden Sünder, wer er auch sei, selig zu machen. Bitte denn für uns, o Maria, jetzt und in der Stunde unfres Todes!" Bitte immer für uns, bitte jetzt für uns, da wir noch am Leben sind, da so viele Versuchungen und Gefahren, Gott zn verlieren, uns umgeben; aber bitte noch mehr für uns in der Stunde unsres Todes, weil wir alsdann diese M.Paul v. Deschwanden pinx 5822. BENZIGER& CO. Was mich, Mutter, mit dir weinen, als mich theilen deinen Schmerz!( Stabat mater.) EINSIEDELN, SCHWEIZ JL.Raab sc. DEPOSE. 299 na Toft her fiehen Schmerzen Mariens. verloffen müssen, um vor dem Tichterstable es zu erscheinen verleihe, bag wir burd Bermittelung felig werden und bereinst, Gefahr, dich von neuem ju verlieren, im el bie ganje Crototell hindurch dich and Sohn loben und preisen können. Ament. Feft der fieben Schmerzen Mariens. ( Am Freitag vor dan Palmsonntag) Geschichtliche Dorerinnerung. e erste Spur des Schmerzenfeites, bas auch Namen Maria Mitleiden obet ber tzen- Freitag bekannt ist, findet sich in des fünfzehnten Jahrhunderts in Denisch3m Jahre 1418 verjammelte unter dem ote Theoboricus eine Synode in Köln und bie Feier besselben, um hierdurch den en Irrlehren der Hussiten, welche bejon Bildnisse ber schmerzhaften Mutter ger eien, fraftig Einhalt zu thun, IV. verlich eine eigene Meſſe für bes Benedict XIII. fübrie basselbe für bie che ein und zwar auf den Freitag vor dem Andacht zu diesem Geheimnisse wurde gang he burch den Cifterciemer- Erden und durch jenen epiten oder Diener Mariens befördert; erfice e dasselbe don Jeber am 17. April, feste Sonntag im September, Gewik s lig, bas Andenten an die Leiden ber StomiMartorer burde ein eigenes el u jeieri. as much Muller, mit uns 4s inich in deinen Schater! Stabat a CEM 299 Das Fest der fieben Schmerzen Mariens. Welt verlassen müssen, um vor dem Richterstuhle Gottes zu erscheinen; verleihe, daß wir durch deine Vermittelung selig werden und dereinst, ohne Gefahr, dich von neuem zu verlieren, im Himmel die ganze Ewigkeit hindurch dich und deinen Sohn loben und preisen können. Amen. Das Feft der sieben Schmerzen Mariens. ( Am Freitag vor dem Palmsonntag.) Geschichtliche Vorerinnerung. Die erste Spur des Schmerzenfestes, das auch unter dem Namen Mariä Mitleiden oder der Schmerzen- Freitag' bekannt ist, findet sich im Anfange des fünfzehnten Jahrhunderts in Deutschland. Im Jahre 1413 versammelte sich unter dem Erzbischofe Theodoricus eine Synode in Köln und verordnete die Feier desselben, um hierdurch den verderblichen Irrlehren der Hussiten, welche besonders die Bildnisse der schmerzhaften Mutter zertrümmerten, fräftig Einhalt zu thun. Sirtus IV. verlieh eine eigene Messe für das Fest, und Benedict XIII. führte dasselbe für die ganze Kirche ein und zwar auf den Freitag vor dem Palmsonntag. Die Andacht zu diesem Geheimnisse wurde ganz be-. sonders durch den Cistercienser- Orden und durch jenen der Serviten oder Diener Mariens befördert; ersterer feierte dasselbe von jeher am 17. April, letterer am 3. Sonntag im September. Gewiß ist es höchst billig, das ÅÄndenken an die Leiden der Königin der Martyrer durch ein eigenes Fest zu feiern. 300 3weiter Theil. 2. Andachten und Novenen 2c. Betrachtungen über die sieben Schmerzen Mariens. Der erste Schmerz: Die Prophezeiung Simeons. Wir werden in diesem Thränenthale geboren, um zu weinen, und haben viel Leid und Bitterkeit zu tragen. Indessen würde unser Loos noch viel peinlicher sein, wenn wir die uns treffenden Leiden zum voraus kännten. Der Herr läßt uns aber aus Mitleid das uns zugedachte Kreuz nicht vorher wissen, damit wir die Bürde desselben nur einmal zu tragen haben. Maria ist jedoch nicht mit so großer Schonung behandelt worden: denn da Gott sie zu einer Königin der Martyrer bestimmt hatte, und da Er wollte, daß sie ihrem göttlichen Sohne ähnlich sei, so mußte sie immerfort leiden und fortwährend alle Leiden vor Augen haben, die ihrer warteten. Diese ihre Leiden waren jene, die ihr geliebter Jesus bei seinem schmerzhaften Tode einstens ausstehen sollte. Sieh, wie der hl. Simeon im Tempel, nachdem er das göttliche Kind in seine Arme genommen, der göttlichen Mutter verkündigt, daß ihr geliebtes Kind ein Gegenstand des Widerspruches und der Verfolgung von seiten der Menschen sein werde: Siehe, dieser ist gesetzt als ein Zeichen, dem man widersprechen wird," und daß ein Schmerzenschwert ihr Herz durchbohren werde: Und ein Schwert wird deine eigene Seele durchdringen."( Luc. 2, 35.) Schon damals sah Maria alle Leiden und Verfolgungen voraus, die später ihrem Sohne zu 11 301 Das Fest der sieben Schmerzen Mariens. theil wurden und fühlte daher auch schon damals das Schmerzenschwert. Sie erkannte im Geiste, wie man Jhm widersprechen, Ihn einen Gotteslästerer, einen falschen Propheten, einen Freund der Zöllner und Sünder, einen mit dem Teufel im Bunde stehenden Zauberer, einen Verführer und Aufwiegler des Volkes nennen und unter die Miſjethäter rechnen werde. Sie sah voraus, wie man Ihn als einen so verderblichen Menschen betrachten werde, daß man zum Behufe seiner Verurtheilung zum Tode feine nähere Untersuchung der vorgeblichen Verbrechen veranstalten werde. Sie sah voraus, wie der himmlische Vater selbst Jhn am Delberg bei dem blutigen Schweiße, den Ihm die Todesangst auspreßte, auf das Gebet: Mein Vater, wenn es möglich ist, so lasse diejen Kelch an Mir vorübergehen!" nicht erhören, sondern der Furcht, der Betrübniß und Traurigkeit überlassen werde. Sie sah endlich alle die Leiden voraus, die Er an seinen heiligen Gliedern, an seinen Händen, an seinen Füßen, in seinem Antlige, an seinem Haupte, an seinem ganzen Leibe bis zum blutigen Tode am Kreuze ausstehen werde. Wie groß muß demnach der Schmerz Mariens gewesen sein, da sie ihren göttlichen Sohn immer vor Augen hatte, Worte des ewigen Lebens von Ihm hörte, Ihn unaussprechlich liebte und seines heiligen Wandels wegen bewunderte! Wohl hat es in ihrem ganzen übrigen Leben von der Zeit jener Weissagung an keine Stunde gegeben, in welcher ihr dieser Schmerz nicht das Herz durchbohrt hätte. So oft sie Ihn anjah, so oft fie Ihn in Windeln wickelte, so oft sie Ihm 302 3weiter Theil. 2. Andachten und Novenen ic Nahrung reichte und seine Hände und Füße betrachtete, mußte der schmerzliche Gedanke ihr Mutterherz erfüllen, daß dieser ihr theurer Sohn einst am Kreuze des grausamsten Todes sterben werde. Bei der Betrachtung dieses ersten Schmerzes der göttlichen Mutter darf billig auch unser Herz mit heiliger Trauer erfüllt werden; denn wir leben in einer Welt und gehören einer Zeit an, in der nach jüdischer und heidnischer Weise dem aus Maria gebornen Sohne Gottes widersprochen, seine vom Himmel gebrachte Religion durch frechen Un glauben verdrängt, seine heilige Kirche mißachtet und geschmäht wird. Und dies geschieht, weil sie ihrem Berufe gemäß sich warnend und mahnend gegen das Streben der Leidenschaften erhebt. Mit tiefer Trauer soll unser Herz ferner bei dem Gedanken erfüllt werden, daß es so viele Menschen, so viele Christen, ja so viele fatholische Christen gibt, denen Christus unmöglich zur Auferstehung gereichen kann, sondern denen Er zum Falle dienen muß, weil sie sich an Ihm, an seiner Kirche und deren Heilsmitteln stoßen und ärgern. Beispiel. Franz von Hieronymo, dieser Heilige des letzten Jahrhunderts, zeichnete sich, wie durch seine aposto lischen Arbeiten, so durch eine kindliche Liebe und Andacht gegen Maria aus. An allen Samstagen und an den Vigilien der Mutter- Gottes- Feste beobachtete er strenges Jasten bei Wasser und Brod und legte sich noch andre Bußübungen zur Ehre Mariens auf. In Zweifeln und Beschwerden war die göttliche Mutter seine Rathgeberin, in Arbeiten seine Stärke, in Gefahren seine Zuflucht, in der Noth 303 Das Fest der sieben Schmerzen Mariens. jeine Hilfe und Rettung. Den heiligen Rosenkranz betete er täglich, selbst auf den Missionen, wenn er auch bis in die späte Nacht gearbeitet hatte. Zudem bestrebte er sich stets, das schöne Tugendbeispiel Mariens nachzuahmen, vorzüglich ihre großmüthige und werkthätige Nächstenliebe. Unermüdet arbeitete er zu Neapel und in vielen andern Städten des Reiches an der Bekehrung der Sünder und überhaupt an dem Heile seiner Mitmenschen, auf der Kanzel, im heiligen Richterstuhle, am Sterbelager, in den Gefängnissen und überall, wo sein Seeleneifer angesprochen wurde. Und weil er wohl wußte, welch ein wirksames Heilmittel die Andacht zur Mutter des Herrn ist, und selbst in herzlicher Liebe ihr ergeben war, so bemühte er sich, die Verehrung derselben allenthalben zu verbreiten und ihren Dienst nachdrucksamst zu befördern. In seinen Predigten und Privat- Unterredungen sprach er oft und mit rührender Salbung von den erhabenen Vorzügen der allerseligsten Jungfrau, von ihren Tugenden, von ihrem Ansehen bei Gott und pou ihrer Güte gegen die Menschen, von dem groBen Nußen, der aus ihrer Verehrung erwächst. Jünglingen besonders empfahl er die Andacht zu Maria als eines der wirksamsten Mittel zur Bewahrung ihrer Unschuld, und legte ihnen tief in das Herz den Grundsaß: Wer nicht ein aufrichtiger Verehrer der göttlichen Mutter ist, wird schwerlich die Seligkeit erlangen." Unter den Mitgliedern der Congregation, deren Leitung ihm anvertraut war, führte er den frommen Gebrauch ein, daß sie sich alle Monate in einer öffentlichen Versammlung aufs neue dem Dienste Mariens weihten. Ueberall, wo er zum Heile der Seelen thätig war, bemerkte man, daß die Andacht zu ihr neues Leben und großen Zuwachs erhielt. Auf diese Weise heiligte sich Franz von Hieronymo selbst in seinem apostolischen - 304 3weiter Theil. 2. Andachten und Novenen 2c. Wirken und ward zugleich für tausende der Weg weiser zum ewigen Heile. So viel vermag eine Seele, welche Maria herzlich liebt und diese heilige Gluth auch in andern, wo sie nur kann, zu weden und zu unterhalten iucht! Franz von Hieronymo starb am 11. Mai 1716 in einem Alter von vierundsiebenzig Jahren, nachdem er vierzig Jahre lang als Missionär gewirkt. Gebet. O meine geliebte Mutter Maria, nicht nur ein Schwert, nein eben so viele Schwerter als ich Sünden begangen, habe ich von neuem in dein Herz gestoßen! Nicht dir, o meine unschuldigste Königin, nein, mir gebührt die Strafe für so viele Sünden. Weil du nun aber so viel für mich hast leiden wollen, so bitte ich dich, du wollest mir um deiner Verdienste willen einen großen Schmerz über meine Sünden und die Gnade erlangen, alle Leiden dieses Lebens stets geduldig zu ertragen. Der zweite Schmerz: Die Flucht Jefu nach Aegypten. Nachdem Herodes Kunde erhalten hatte, daß der längst erwartete Messias geboren sei, ward er von Furcht und Besorgniß erfüllt, derselbe möchte ihn seiner Herrschaft berauben. Daher beschloß er, in der Hoffnung, seinen Aufenthalt durch die drei Weisen aus dem Morgenlande zu erfahren, Ihn tödten zu lassen. Als er sich aber in dieser Erwartung getäuscht sah, denn die heiligen drei 305 Das Fest der sieben Schmerzen Mariens. Könige tehrten nicht mehr zu ihm zurück,- ließ er den grausamen Befehl ergehen, alle neugebornen Kinder zu Bethlehem umzubringen. Dem hl. Joseph aber erschien ein Engel im Traume und befahl ihm: ,, Stehe auf, und nimm das Kind und seine Mutter, und fliehe nach Aegypten." Welch ein Schmerz," sagt der Hl. Chrysostomus, ,, mußte es für das Herz Mariens sein, als ihr der harte Befehl ertheilt ward, mit ihrem göttlichen Sohne in die Verbannung zu ziehen," der Befehl: Verlaß die Deinigen, fliehe zu fremden, heidnischen Menschen, begib dich vom Tempel des wahren Gottes zu den Tempeln des Teufels! Welch ein Schmerz mußte es gewesen sein, als Maria sah, daß Derjenige, der aus unendlicher Liebe gekommen war, alle Menschen zu erlösen, dem die Engel des Himmels huldigten und die Könige der Erde anbetend Geschenke brachten, nun genöthigt sei, vor eben diesen Menschen zu fliehen und zwar zu fliehen zu einer Zeit, in welcher Er noch als zartes Kind allen Armseligkeiten dieses Alters unterworfen, die Mühen und Beschwerden einer wenigstens dreißig Tage langen Reise doppelt schwer empfand, zu fliehen in ein Land, wo Er und die Eltern keine Heimat, keine Freunde, keine Verwandte, kein Einkommen, kein Vermögen hatten, sondern genöthiat waren, durch Almosen und ihrer Hände Arbeit die kümmerliche Nahrung zu suchen, um das Leben zu fristen." Hast du, christlicher Leser, den Schmerz Mariens erwogen, der ihr Inneres bei Ankündigung der Flucht nach Aegypten erfüllte, so kehre jetzt in dich selbst zurück, und bedenke, wie heilsam es für Herrlicht. Mar. 20 306 Zweiter Theil. 2. Andachten und Nobenen 2c. dich gewesen wäre, wenn du dich bisher wie Maria auf die Flucht begeben hättest, so oft es dir Gott durch Vermittelung deines Schußengels sagen ließ, - ich meine auf die Flucht vor der Sünde. Wärest du geflohen vor der Sünde und vor den Gelegenheiten und Anlockungen zu derselben, wie dir dein Vater, deine Mutter, dein Erzieher, dein Prediger, dein Beichtvater, dein eigenes Gewissen es so oft geſagt, so stände es jetzt um dich ganz anders, und es wären Unschuld und ein unbeflecktes Gewissen und innerlicher Friede und Got tes Wohlgefallen dein Eigenthum geblieben. Aber als du der verführerischen Stimme der Leidenschaften dein Ohr leihtest, überhörtest du den Ruf zur Flucht, büßtest die Ruhe, den Frieden und die Reinheit deines Gewissens ein und kannst nun nicht mehr in Unschuld aufschauen zu deinem ges freuzigten Heilande und zur schmerzhaften Mutter Maria. Nachdem du die Unschuld verloren, bleibt dir nur noch eines übrig, um selig zu werden: aufrichtige Buße. Wirf dich hin vor das Bild der schmerzhaften Mutter, und flehe sie unter hei ligen Reuethränen um ihren Beistand an; sie wird auch für dich eine geneigte Zuflucht der Sünder sein. Beispiel. In der Lebensgeschichte des hl. Alphons von Liguori wird erzählt, daß er einst einer großen Sünderin, die ihm unter Seufzen und Thränen den trostlosen Zustand ihrer Seele klagte, also Trost und Vertrauen zugesprochen habe: Sei guten Muthes, meine Tochter, ich will dir einen Weg zeigen, auf dem du recht sicher wieder zu deinem von dir verlassenen Heilande zurückkehren kannst. Siehe, wir Das Fest der sieben Schmerzeu Mariens. 307 haben ja eine gute Mutter, die seligste Jungfrau Maria; auf sie dürfen wir die größte Hoffnung seBen, denn die Kirche begrüßt sie als eine Zuflucht der Sünder. Wie viel sorgt und thut nicht eine gute Mutter für ihre Kinder? Fällt eines, so läßt sie schnell die andern stehen und eilt dem gefallenen zu, um ihm aufzuhelfen; dann reinigt sie es vom Schmuße und stillt seine Schmerzen. Wende daher auch du, als gefallenes Kind, dich mit kindlichem Gebete an unsre liebevolle Mutter, und sie wird dir gewiß aufhelfen von deinem schweren Falle und mit zärtlicher Muttersorgfalt deine Seele von dem Unrathe reinigen und deine Seelenschmerzen stillen." Und die Sünderin that, wie ihr gerathen worden, und erfuhr zum Heile ihrer Seele, daß sie nicht umsonst ihre Hoffnung auf Maria geſetzt habe. Gebet. ben. Ach, meine liebe Mutter Maria! Obgleich dein Sohn durch die Grausamkeit der Menschen, die Ihn bis zu seinem Tode verfolgt haben, schon den Tod erlitten, so hören dennoch diese Undankbaren nicht auf, Ihn durch ihre Sünden zu verfolgen und von neuem dich zu betrüMein Gott, auch ich bin einer dieser Unglücklichen gewesen. Ach, meine süße Mutter Maria, erbitte mir Thränen, um einen so gro= ßen Undank zu beweinen. Um der Leiden willen, die du auf der Reise nach Aegypten ausgestanden, stehe mir bei auf meiner Reise in die Ewigkeit, damit ich endlich mit dir vereinigt, meinen verfolgten Heiland im Vaterlande der Seligen ewig lieben könne. 308 3weiter Theil. 2. Andachten und Novenen 2c. Der dritte Schmerz: Das dreitägige Burückbleiben Sefu im Tempel. Einer der größten Schmerzen, den die göttliche Mutter auf Erden zu leiden hatte, war der Verluft Jesu, als Er drei Tage im Tempel zurückblieb. Wer blind geboren wird, hat keinen rechten Begriff von der unschäßbaren Wohlthat des Augenlichtes und kann die Entbehrung desselben leicht verschmerzen; wer aber eine Zeitlang den Gebrauch seines Augenlichtes genossen und plößlich erblindet, für den gibt es gewiß keinen größeren und herberen Verlust. So empfinden es auch jene Menschen, die in der Welt und Sünde Ketten gefangen liegen, nicht besonders, wenn sie Gott verlieren; für Seelen hingegen, die von oben erleuchtet und gewürdigt worden sind, mit der Liebe zugleich die süße Gegenwart des höchsten Gutes zu genießen, kann es keinen Verlust geben ,, der ihnen ein empfindlicheres Weh verursachte als Gott verloren zu haben. Daraus läßt sich einigermaßen schlie ßen, wie schmerzhaft für Maria, die an die süße Gegenwart ihres Jesu gewohnt war, das dritte Schmerzenschwert sein mußte, das ihr Inneres durchbohrte, als sie Ihn zu Jerusalem verloren hatte und drei Tage lang von Ihm getrennt blieb. Viele heilige Väter und fromme Schriftsteller behaupten, es sei dies einer der größten und bittersten Schmerzen gewesen, den Maria zu erdulden gehabt. Bei allen andern Leiden, die sie trafen, hatte sie doch ihren geliebten Sohn bei sich; sie litt freilich, als ihr der greise Simeon im Temvel die fünftigen Schmerzen verkündete sie litt Das Fest der sieben Schmerzen Mariens. 309 auch bei der Flucht nach Aegypten, aber es war doch immer Jesus bei ihr; allein als sie Ihn verloren, ohne zu wissen, wohin Er gekommen sein mochte, da war sie in tiefstem Kummer. Deshalb stimmen wir auch einem Origenes bei, wenn er sagt:„ Es habe die göttliche Mutter um der Liebe zu ihrem innigstgeliebten Sohne willen bei dessen Verlust mehr Schmerzen als irgend ein Martyrer bei seinem Tode gelitten." Zu dieser Annahme bestärkt uns ferner der Umstand, daß, während sie bei den andern Schmerzen Ursache und Zweck, nämlich die Erlösung der Menschheit und den Willen Gottes erkannte, es ihr unmöglich war, die Absicht Gottes bei der Trennung von ihrem Jesu zu begreifen. Manche bittere Ahnung mochte ihren Geist bedrängen, und gewiß auch der betrübende Gedanke sie beunruhigen: sie habe sich vielleicht eines Fehlers schuldig gemacht oder sei sonst nicht mehr würdig, den fernern Umgang ihres göttlichen Sohnes zu genießen. Kann es ja für eine wahrhaft Gott liebende Seele keinen herberen Schmerz geben, als die Furcht, sich eines Fehlers und Mißfallens schuldig gemacht zu haben! Auch nur bei diesem Schmerze gab Maria ihr inneres Leid äußerlich zu erkennen, indem sie sich, als sie Jesum wiedergefunden, mit den Worten beklagte:„ O mein Sohn, warum hast Du uns das gethan! Siehe, dein Vater und ich, wir haben Dich mit Schmerzen geſucht!" Dieser Schmerz Mariens soll jenen Seelen, die an innerer Trostlosigkeit und Verlassenheit leiden und der süßen Gegenwart ihres Gottes auf eine Zeitlang beraubt sind, Trost einflößen. Mö 310 3weiter Theil. 2. Andachten und Novenen 2c. gen sie immerhin weinen; wenn dies nur, wie bei Maria, als sie von ihrem Sohne getrennt war, im Bewußtsein eines durch keine Sünde befleckten Gewissens geschieht! Mögen sie Muth faj sen und deshalb nicht fürchten, die Gnade Gottes verloren zu haben; denn diese verliert niemand, ohne es zu erkennen; keiner wird hierin betrogen, der nicht betrogen sein will. Wenn auch eine nach Vollkommenheit strebende Seele den Herrn aus den Augen verliert, so verliert sie Ihn deshalb doch nicht aus dem Herzen. Der Herr läßt fie manchmal nur darum seine jüße Gegenwart nicht fühlen, um sie zu prüfen und zu veranlassen, daß sie Ihn mit größerer Begierde und innigerer Liebe wieder suche. Wer Jesum finden will, muß Jhn nicht in Süßigkeiten und sinnlich fühlbaren Freuden, sondern unter Selbstverleugnung, unter Kreuz und Abtödtungen suchen, wie Maria, die Ihm jagen konnte:„ Wir haben Dich mit Schmerzen gesucht!" Beispiel. Im fiebenzehnten Jahrhundert befand sich zu Turin eine Nonne aus dem Orden der Heimsuchung, die in einem Zustande der ungewöhnlichsten Vereinigung mit dem Heilande lebte. Ihr Name war Johanna Benigna Goyos. Sie hatte eine besondere Andacht zur heiligen Menschheit Jesu, und die eigentliche Form ihres geistlichen Lebens bestand in der Aufopferung aller ihrer Handlungen an den ewigen Vater in Vereinigung mit den Handlungen Jesu. Es war ihr geoffenbart worden, daß dies die besondere Andacht Mariens und Joseph's auf Erden gewesen ,, eine liebreiche Erfindung' wie sie es nannte, wodurch sie unermeßliche Gnaden gewonnen hatte. 311 Das Fest der sieben Schmerzen Mariens. Wenn Johanna Benigna in ihrem Geiste die verschiedenen Geheimnisse der drei und dreißig Lebensjahre unfres Herrn durchging, so fühlte sie sich übernatürlich angezogen, ihre Seele mit Ihm in den Geheimnissen des Schmerzes zu vereinigen, den Er empfunden, als Er drei Tage lang Mariä und Joseph verloren war. Dies wurde ihre innere Beschäftigung, bis es zuletzt dem Herrn gefiel, ihr einige Geheimnisse seines heiligsten Herzens darüber ju offenbaren. Er sagte ihr, daß es Ihm mehr Leiden gekostet habe, als alle übrigen Beinen seines Lebens; denn damals sah Er in dem Kummer seiner Mutter, den ihr die Trennung von Ihm verursachte, all jenen Kummer eingeschlossen, der auf dem Calvarienberge ihr Martyrthum sein sollte. Ferner sagte Er ihr, daß gleichwie Leib und Seele Mariä auf dem Calvarienberge durch den tödtlichen Kummer von einander geschieden worden wären, wenn Er sie nicht durch seine Allmacht verbunden gehalten hätte, ebenso in dem Schmerze jener drei Tage seine allmächtige Liebe Maria und Joseph mit ihm vereinigt gehalten habe, und die Grausamkeit der Bein sei so groß gewesen, daß sie selbe ohne diesen geheimnisvollen Beistand nicht überlebt hätten. Er setzte überdies hinzu, daß ihr Schmerz mit einem Worte unbegreiflich war, und daß niemand ihn verstehen konnte als er selbst.( Nach Liebfrauengarten.) Gebet. Gebenedeite Jungfrau Maria, du empfandest so herben Schmerz bei dem Verlust deines göttlichen Sohnes, den du so innig liebest; ach, laß mich und so viele Sünder seufzen und weinen, die wir Ihn nicht lieben und durch viel fache Beleidigungen verloren haben. O meine 312 3weiter Theil. 2. Andachten und Novenen 2c. liebenswürdige Mutter, wenn dein Sohn um meiner Sünden willen noch nicht in mein Herz zurückgekehrt ist, so erwirke du, daß ich Ihn wiederfinde. Ich weiß es wohl, daß derjenige, der Ihn sucht, Ihn findet. Gut ist der Herr der Seele, die Ihn sucht."( Klagl. 3, 25.) Aber erflehe, daß ich Ihn suche, wie ich Ihn suchen soll; du bist die Pforte, durch die alle zu Jesus gelangen, durch dich hoffe ich zu Demselben zu kommen. 17 Der vierte Schmerz: Die Begegnung Jesu auf seinem Wege nach Golgatha. Nachdem Jesus gefangen genommen, von einem Richterstuhle zum andern geschleppt und endlich zum Kreuzestode verurtheilt war, mochte wohl der hl. Johannes der seligsten Jungfrau diese Nachricht mit den Worten überbracht haben: ,, Liebe Mutter, dein Sohn ist zum Tode verurtheilt, Er wird schon hinausgeführt,- man hat Jhm bereits das Kreuz auf seine Schultern gelegt, damit Er es selbst auf den Calvarienberg trage. Wenn du deinen Jesum noch einmal sehen und Abschied von Ihm nehmen willst, so komme mit mir in eine Gasse, durch welche Er gehen muß." Wiewohl vom Schmerze über diese Nachricht niedergedrückt, machte sich Maria, von Liebe zu ihrem leidenden Sohne hingerissen, auf, eilte durch die Straßen, bis sie endlich Jesu begegnete. Welch ein Jammer! Welch ein Schmerz! Ist es hinreichend, ihn mit einem Schwerte zu vergleichen, das mit doppelter Schneide in das Herz - Das Fest der fieben Schmerzen Mariens. 313 eindringt? Maria, die zartefte aller Mütter, sieht ihren Sohn dem Richtplaße entgegenführen. Er ist vom Haupte bis zu den Füßen voll Blut und Wunden, eine Dornenkrone drückt auf seinem Haupte, und ein schweres Kreuz lastet auf seinen verwundeten Schultern, und nirgends ein Mitleid, nirgends ein menschlich mit Ihm fühlendes Herz, auf allen Seiten nur Spott und Hohn, gräßliche Beschimpfung und Mißhandlung! Welch einen Schmerz mußte ihr nicht der Anblick der Nägel, der Hämmer, der Stricke und aller übrigen Leidenswerfzeuge verursachen! Sie blickt Ihn an, aber sie muß mit Isaias ausrufen:„ Wir sehen Jhn, aber da ist keine Gestalt;" denn die Streiche, die Mißhandlungen und das vergossene Blut entstellen Ihn bis zur Unkenntlichkeit! Wer vermöchte die Gefühle zu beschreiben, die der Mutter und des Sohnes Brust bei ihrer Begegnung erfüllten? Jesus, mitten unter den unbarmherzigen Henkersknechten mußte zuerst das Blut aus den Augen trocknen, um seine Mutter noch einmal sehen zu können, und diese hätte Jhn zum lettenmal noch so gerne umarmt, aber auch dieser Trost sollte ihr nicht mehr vergönnt sein. Als Margaretha, die Tochter des Thomas Morus, ihrem Vater auf dem Gange nach der Richtstätte begegnete, konnte sie nur, von Schmerz überwältigt, die Worte stammeln: ,, O mein Vater! mein Vater!" Dann fiel sie ohnmächtig zu seinen Füßen nieder. Wie vielmal größer aber mochte der Schmerz der seligsten Jungfrau sein, als sie ihren göttlichen Sohn zur Richtstätte führen sah! O schmerzhafte Mutter, wir theilen den bitteren 314 3weiter Theil. 2. Andachten und Novenen 22. Schmerz mit dir und begleiten dich und deinen Sohn im Geiste auf dem blutigen Wege nach Golgatha. Wir wollen fortan nicht gezwungen wie Simon, der Eyrenäer, sondern willig und geduldig das Kreuz tragen, das der Herr uns zum Heile auferlegt und gerne daran sterben, wenn es sein heiliger Wille fordert. Der hl. Johannes Chrysostomus sagt: Jesus hat bei allen übrigen Leiden allein sein wollen; nur bei der Kreuztragung ließ Er sich von Simon helfen, damit du, o Christ, erkennen mögest, daß, um selig zu werden, das Leiden Christi allein nicht genüge, wenn nicht auch du mit Ergebung das Kreuz bis zum Tode mitträgſt." Beispiel. Als der hl. Hieronymus Aemilianus noch Sol dat und tief in Sünden versunken war, geschah es, daß er als Gefangener in einen Thurm eingeschlos sen wurde. Als da ein schweres Leiden über ihn tam, erleuchtete ihn Gott und ließ ihn erkennen, daß er sein Leben ändern müsse. Er nahm hierauf zu Maria seine Zuflucht und begann sogleich mit dem Beistande der göttlichen Mutter ein tugendhaf tes Leben zu führen. Er verdiente die große Gnade, eines Tages im Himmel den hohen Platz zu erbliden, den Gott ihm bestimmt hatte. Später wurde er Ordensstifter, starb heiligmäßig und ist von der heiligen Kirche in das Verzeichniß der Heiligen auf genommen worden. Gebet. O meine liebe Mutter, um des Verdienstes jenes Schmerzes willen, den du empfandest, als du deinen geliebten Jesum zum Tode führen sahst, 315 Das Fest der sieben Schmerzen Mariens. erlange mir die Gnade, daß auch ich geduldig das Kreuz trage, das Gott mir auferlegt. Selig bin ich, wenn auch ich bis zu meinem Tode dich mit meinem Kreuze begleite! Du und dein unschuldiger Jesus habet ein so schweres Kreuz ge= tragen, und ich Sünder, der ich die Hölle oft= mals verdient habe, ich sollte das Kreuz von mir stoßen? unbefleckte Jungfrau Maria, ich hoffe auf deinen Beistand, damit ich geduldig mein Kreuz trage. Amen. Der fünfte Schmerz: Der Tod Jesu Chrifti. Sehet, hier steht eine Mutter, die verurtheilt ist, ihren Sohn sterben zu sehen, den sie so innig liebt, und der ungeachtet seiner Unschuld grausam zum Tod gemartert wird. Am Kreuz aber stand seine Mutter." Hierdurch ist die ganze Größe des Martyrthums Mariens ausgedrückt. Schauet, wie sie am Kreuze vor ihrem sterbenden Sohne steht, und beherziget, ob wohl je ein Schmerz dem ihris gen gleiche! Nachdem Jesus auf dem Richtplate angekommen war, rissen Ihm die Henker seine Kleider vom Leibe, durchbohrten seine heiligen Hände und Füße mit Nägeln, schlugen Ihn an das Kreuz, hoben dasselbe in die Höhe und ließen Jhn langsam daran sterben. Henter und Zuschauer gingen nach der blutigen That allmählich auseinander; Maria jedoch entfernte sich nicht, obwohl sie wußte, daß die Schmach des Sohnes auch auf sie, als seine Mutter, zurückfalle. Sie dachte nicht an die 316 3weiter Theil. 2. Andachten und Novenen 2c. eigenen Leiden und die Qual, die ihr Inneres zerrissen, sondern nur an die Schmerzen und den fürchterlichen Tod des geliebten Sohnes, bei dem fie gegenwärtig sein und den sie wenigstens be mitleiden wollte. Jesus hing, mit dem Tode ringend am Kreuze; seine Augen waren geschlossen und erstarben: der Mund war geöffnet, das Angesicht voll Schmerz und Wehmuth, das Haupt auf die Brust gelehnt, der heilige Leib ganz mit Wunden und Blut bedeckt. - Mütter vermögen gewöhnlich den Anblick eines lieben, sterbenden Kindes nicht zu ertragen, ohne dem. ſelben alle nur möglichen Erleichterungen zu verschaffen. Maria aber, die schmerzhafte Mutter, mußte beim Tode ihres Sohnes gegenwärtig sein, ohne daß ihr vergönnt war, auch nur das Mindeste zu dessen Linderung beitragen zu können. Sie hörte Ihn rufen: ,, Mich dürstet," konnte Ihm aber kein Wasser reichen, um seinen brennenden Durst zu stillen. Sie sah Ihn mit eisernen Nägeln an die Kreuzesbalken geheftet; sie wünschte Ihn zu umarmen, aber es fonnte nicht geschehen. Sie mußte hören, wie die Vorübergehenden und selbst ein Mitge kreuzigter Ihn verspotteten; mußte vernehmen, daß Er sich auch vom ewigen Vater verlassen fühle, mußte sehen, daß alle Schmerzen über Ihn hereingebrochen seien. Und bei diesem schrecklichen Anblicke verursachte ihr der Gedanke, daß sie den Schmerz und die Leiden des sterbenden Sohnes nicht lindern könne, die größte Bein. Ob auch der Mund Mariens damals schwieg, so opferte doch ihr mütterliches Herz der göttlichen Gerechtigkeit das Leben ihres Sohnes für unser 317 „ Weib, Das Fest der sieben Schmerzen Mariens. Heil auf. Durch ihre Schmerzen wirkte sie mit zu unsrem Heile, so daß wir wirklich auch Kinder ihrer Schmerzen sind. Durch die letzten Worte, mit welchen Jesus vor seinem Tode noch Abschied von ihr nahm, empfahl Er uns in der Person des hl. Johannes derselben, indem Er sprach: fiehe, dein Sohn!" Von jener Zeit an denn auch Maria das Amt einer guten Mutter der Menschen auszuüben, und Geschichte und Erfahrung weisen uns unzählige Belege auf, wie wahrhaft mütterlich sie sich bis zur Stunde gegen jede gläubige Seele erwiesen, die sich durch ihr Vertrauen und ihren Wandel als ihr eifriges Pflegekind benommen hat. begann Beispiel. Als die Hl. Mechtildis einst die Worte betrachtete, die der sterbende Heiland an die allerseligste Jungfrau richtete: Weib, jiehe, dein Sohn!" fühlte sie sich mächtig angetrieben, den Heiland zu bitten, Er möge dieselbe Gnade, die Er hierdurch dem hl. Johannes erwiesen, auch ihr zu theil werden lajsen; Er möge auch in bezug auf sie der allerseligsten Jungfrau sagen: Weib, siehe, deine Tochter!" Ihr Verlangen wurde erhört; sie vernahm, wie sie der göttliche Heiland der besonderen Fürsorge seiner Mutter anempfahl im Hinblick auf das Blut, das Er für sie vergossen, auf den Tod, den Er für sie gelitten, sowie weil sie durch ihre Gelübde seine Braut jei. Die Hl. Mechtildis, durch diese GunstErweisung mit übergroßer Freude und Zuversicht erfüllt, bat den Heiland, dieselbe Gnade doch auch allen jenen zu ertheilen, die Ihn darum bitten würden. Und der Heiland gab ihr fund, Er wolle sie niemanden verweigern, der mit Inbrunst Ihn darum 318 3weiter Theil. 2. Andachten und Novenen zc. bitten werde. Erflehen wir denn also mit Demuth und Eifer diese ausgezeichnete Gnade, und bitten wir Jesum, Er möge uns doch behilflich sein, würdige Kinder einer solchen Mutter zu werden. Gebet. Gib, o meine liebste Mutter, daß ich mit dir unter dem Kreuze Jesu weine; denn ich habe weit mehr Ursache zum Weinen als du, weil ich deinen Sohn so oft beleidigt habe. O Mutter der Barmherzigkeit, ich hoffe, um des Todes Jesu und um der Verdienste deiner Schmerzen willen, daß dein Sohn mir alle meine Sünden verzei= hen und die ewige Seligkeit verleihen werde Amen. Der sechste Schmerz: Der Lanzenstich und die Herabnahme Jefu vom Kreuze. Das sechste Leidensschwert drang in die Seele Mariens, als das Herz Jesu mit einer Lanze geöffnet, der Leichnam vom Kreuze abgenommen und in ihren Schooß gelegt ward. Die Juden verlangten diese Herabnahme, damit die Freude des folgenden Ostertages nicht gestört würde; da man aber die Hingerichteten vor ihrem Tode nicht herabnehmen konnte, so famen einige HenfersKnechte mit eisernen Stangen, um Ihm die Beine zu zerschlagen, wie sie dies bei den andern zwei Mitgefreuzigten gethan hatten; allein Er war schon todt. Nun ergriff ein Kriegsknecht die Lanze und öffnete mit derselben die Seite Jeju, worauf Blut und Wasser herausfloß. Nur wenige Tropfen Blu 319 Das Fest der fieben Schmerzen Mariens. tes und Wassers waren in dem Leibe geblieben; aber auch diese wollte Er noch vergießen, damit wir erkennen möchten, wie Er all sein Blut bis auf den letzten Tropfen aus Liebe zu uns vergoffen habe. In ängstlicher Besorgniß, man möchte den Leichnam ihres geliebten Sohnes noch auf andere Weise mißhandeln, bewirkte Maria bei Joseph von Arimathäa, daß dieser von Pilatus den Leib Jeju sich erbat, um Ihn aufzubewahren und vor den Beschimpfungen der Juden sicher zu stellen. Welches Schmerzgefühl wird das Herz der betrübten Mutter durchdrungen haben, als man ihren unter namenlosen Qualen getödteten Sohn vom blutigen Kreuze herabnahm und die Nägel aus den erstorbenen Händen und Füßen herauszog! Welch bitteres Wehgefühl für ihr hart gedrücktes Herz, als man ihr den Leichnam Jesu, der nur eine Wunde war, in den Schooß legte! Sie betrachtet seinen offenen Mund, blickt seine glanzlosen Augen an, un tersucht seinen zerrissenen Leib, die entfleischten Gebeine, nimmt Ihm die Dornenkrone ab und sieht, wie schrecklich sein Haupt davon zerrissen worden! Wie sehr wird nicht das Mitleid und die Betrübniß einer Mutter aufgeweckt, wenn sie ihren todten Sohn vor sich sieht, ob Er im Leben ihre Liebe auch nicht verdient hat! Und was läßt sich erst von Maria denken; was mag ihr Herz empfunden haben, nachdem sie ihren liebenswürdigen Sohn, der mit so beispiellosen Leiden getödtet worden, in einem solchen Zustande auf ihrem Schooße betrachtete! Die Stunde der Prüfung ist jetzt für sie vor 320 3weiter Theil. 2. Andachten und Noventen. 2c. über, und sie triumphirt im Himmel. Aber was würde sie wohl sagen, wenn sie noch auf Erden wandelte und leidensfähig wäre! Welche Schmerzen würde ihr nicht die Wahrnehmung bereiten, daß so viele die Erlösung ihres Sohnes an sich fruchtlos machen, so viele denselben durch Beharrlichkeit in der Sünde und Unbußfertigkeit täglich von neuem kreuzigen; so viele, denen sie unter dem Kreuze geistiger Weise Mutter geworden, dennoch auf ewig verloren gehen! O betrachten wir im heiligen Ernste, wie theuer Jesus unsre Seelen erfaufen mußte, wie viel Schreckliches und Empörendes Er zu leiden und zu dulden hatte, um uns vom ewigen Tode zu erlösen; schauen wir sein durchbohrtes Herz, seine durchstochenen Hände und Füße, sein entstelltes Angesicht, und kehren wir jetzt noch zurück zu Ihm, unsrem Heilande; Er wird uns nicht verstoßen, sondern sich mit seiner göttlichen Mutter im Himmel erfreuen, wenn wir Ihm geloben, den Weg wahrer Buße und Bes serung zu betreten, und uns der Früchte seiner Erlösung würdig zu machen. Beispiel. Nachfolgende Erzählung entnehmen wir der Le bensgeschichte des Hl. Alphons von Liguort und fügen bei, daß ihre Aechtheit von dem Heiligen selbst durch einen feierlichen Eid bezeugt wird. Im Jahre 1731 hatte ein heftiges Erdbeben in der italienischen Provinz Apulien die schrecklichsten Verwüstungen angerichtet. Zu Foggia, der Hauptstadt, wurde fast alles zu Grunde gerichtet; unter andern war auch die Collegialkirche gänzlich eingestürzt. Das Fest der sieben Schmerzen Mariens. 321 Diese Kirche war im Besitze eines uralten Gnadenbildes, das die seligste Jungfrau vorstellte, deſ sen Malerei aber beinahe erloschen war. Gleichwohl wurde es in hohen Ehren gehalten, und als man es damals in die Capuzinerkirche versetzt hatte, flüchteten sich die Christen dorthin unter den Schutz Mariens. Eines Tages erschien plößlich das veraltete Angesicht mit den frischfarbigen Zügen des jugendlichen Alters und blickte liebevoll und mitleidig auf das verjammelte Volt. Dieses Wunder geschah während mehreren Tagen. Zur nämlichen Zeit wurde der hl. Alphons von Liguori vom Bischofe nach Foggia berufen, um daſelbst in den allgemeinen Drangsalen eine neuntägige Andacht zu Ehren der Himmelskönigin zu predigen. Eines Abends, nachdem das Volk entlassen war, bestieg Alphons den Altar, voll heiligen Verlangens, ein Bildniß, von dem man so viele Wunder erzählte, etwas näher zu betrachten. Plößlich gerieth er in Entzückung und blieb während einer ganzen Stunde unbeweglich. Als er wieder zu sich kam, stimmte er den Hymmus, Ave maris stella an, und sang ihn mit noch einigen Personen, die auch in der Kirche verweilten. Am folgenden Tage erzählte der Heilige öffentlich, was er gesehen hatte, und ließ zum Andenken ein Bildniß verfertigen, welches Maria so vorstellte, wie sie ihm erschienen war, und das noch heutigen Tages zu sehen ist. Und damit niemand an der Wahrheit dieser Erscheinung zweifeln möchte, so gefiel es dem Herrn, dieselbe durch ein neues Wunder zu bekräftigen. Als nämlich nach einigen Tagen Alphons mit feuriger Liebe von der Andacht zu Maria predigte und mit allem Nachdrucke zum Vertrauen auf die mächtige Himmelskönigin aufforderte, ward das AnHerrlicht. Mar. 21 322 3weifer Theil. 2. Andachten und Novenen 2c. gesicht des Bildnisses, welches gewöhnlich verdedt war, plößlich entschleicrt; es zeigte sich mit den Zügen einer vierzehnjährigen Jungfrau; ein heller Lichtstrahl blißte aus demselben und ruhte auf dem Haupte des frommen Bußpredigers. Sogleich er tönte der Ruf: ,, Wunder! Wunder!" Thränen flossen aus vielen Augen, und die Herzen waren so gerührt, daß mehrere öffentliche Sünder sich augenblicklich mit seltenen Neußerungen der Reue bekehrten. Gebet. O meine betrübte Mutter Maria, du bist zwar groß in den Tugenden, aber auch groß in deinen Schmerzen gewesen, denn deine Tugenden sowohl als deine Schmerzen fanden ihren Ursprung in jenen Liebesflammen, die in deinem Herzen brannten, das nichts anderes als Gott zu lieben vermochte. Trage Mitleid mit mir, der ich Gott nicht geliebt, der ich Ihn so oft beleidigt habe. Um deiner Schmerzen willen hoffe ich zuversichtlich, daß Gott mir alle meine Sünden verzeihen werde. Indeß ist mir das noch nicht genug, ich will auch meinen Gott lieben; aber wer könnte mir leichter zu einer großen Liebe Gottes verhelfen als du, die du die Mutter der schönen Liebe bist. O Maria, du tröstest alle, tröste auch mich. Amen. Der siebente Schmerz: Das Begräbniß Beſu. Das letzte Leidensschwert, welches das Herz der göttlichen Mutter verwundete, war das Begräbniß ihres geliebten Sohnes. Vom Schmerze 323 Dos Fest der sieben Schmerzen Mariens. ganz verzehrt, hielt sie den theuren Leichnam nach immer auf ihrem Schooße; da aber die Jünger fürchteten, es möchte die arme Mutter zulegt dem Uebermaße der Schmerzen erliegen, nahmen sie denselben aus ihren Armen, um Ihn zu begraben, balsamirten Ihn mit Gewürz ein und wickelten Ihn in ein Leintuch. Betrachte, frommer Christ, wie man Jesum in die Grabeshöhle trägt, wie der traurigste aller Leichenzüge begiunt: die Jünger nehmen den heiligen Leib auf ihre Schultern, Engelchöre begleiten Ihn, die hl. Frauen folgen Ihm und zuletzt wankt die betrübte Mutter nach. O wie gerne hätte sich die Tiefgebeugte mit dem geliebten Sohne ins dunkle Grab verschließen lassen, wenn es des Herrn Wille gewesen wäre! Wer kann das Leid und Weh ermessen, das ihr mütterliches Herz zerriß, als man Jesum, ihren Sohn und Erlöjer, den Gegenstand ihrer einzigen Liebe, ins finstere Grab legte, Jhn ihren Augen entzog und sie genöthigt war, Abschied von Ihm zu nehmen! Die arme verlassene Mutter ging so betrübt und traurig umher, daß sie, wie der hl. Bernard versichert, viele zu Thränen bewegte und allen, die ihr begegneten, das größte Herzleid einflößte, ja daß die Jünger und frommen Frauen, welche fie begleiteten, fast mehr noch über ihre Betrübniß, als über den gestorbenen Heiland weinten. Nachdem Maria von diesem schmerzlichen Gange nach Hause gekommen war, da mochte sie wohl überall herumschauen, um ihren geliebten Sohn wieder zu erblicken, aber umsonst; es trat vielmehr die Erinnerung an sein heiliges Leben und 324 3weiter Theil. 2. Andachten und Novenen 2c. an seinen grausamen Tod in ihr Gedächtniß zu rück. Sie stellte sich vor, wie sie Ihn einst als zartes Knäblein in Bethlehems Stalle so herzlich umarmt und an ihr Matterherz gedrückt; wie sie sich in der Werkstätte zu Nazareth mit Ihm unterhalten, wie innig sie einander geliebt, wie zärtlich sie einander so oft angeblickt, und wie oft fie Worte des ewigen Lebens aus seinem göttlichen Munde vernommen hat. Darauf tritt die furchtbare Begebenheit, deren Zeuge sie am nämlichen Tage gewesen war, vor ihre Seele; sie erblickt die Nägel, die Dornen, die Lanze, den zerrissenen Leib ihres Sohnes, seine Wunden, seine entblößten Gebeine, seinen offenen Mund, seine dunkeln mit Blut überronnenen Augen. Im Gefühle der tiefsten Verlassenheit brach sie, nach der frommen Meinung des heiligen Bernard, in die Klage aus: O Du eingeborner Sohn Gottes, Du warst für mich ein Vater, ein Sohn, Du warst gleichsam meine eigene Seele. Jetzt bin ich meines Vaters beraubt, bin eine arme, verlassene Witwe, bin durch den Tod meines Sohnes in das tiefste Weh, in die größte Traurigkeit versetzt; denn mit Ihm habe ich alles, alles, was mir auf dieser Welt noch lieb sein konnte, verloren! Gestatte uns, o schmerzhafte Mutter unsres Erlösers, daß wir unsre Thränen mit den deinigen vereinen. Du bist unschuldig, wir aber nicht; denn unsre Sünden und Missethaten nur haben den Tod deines geliebten Sohnes veranlaßt. Du weinest aus Liebe, wir aber sollten Thränen des bittersten Schmerzes über unsre zahllosen Vergehen weinen. Derflehe uns die Gnade solcher Thrä Das Fest der fieben Schmerzen Mariens. 325 nen, denn sie führen uns zur Erkenntniß unsrer Verirrungen, zur innigen Reue über dieselben und zum heiligen Entschlusse, uns immer mehr für das Heil würdig zu machen, das uns dein göttlicher Sohn durch sein bitteres Leiden und Sterben erworben hat. Beispiel. Einige Tage vor dem Feste Mariä Verkündigung, wurde einmal ein Priester von Straßburg gebeten, einen Herrn, der gefährlich krank lag, zu besuchen. Der Priester stattete den Besuch ab, bemerkte aber gleich in der ersten Unterredung, daß er es mit einem Menschen zu thun hatte, der längst am Glauben Schiffbruch gelitten, und dessen Geist sich mit all den Ungereimtheiten einer sogenannten neuern Philosophie speiste. Der Beichtvater gerieth, nachdem er alle Mittel vergeblich angewandt hatte, um das hartnäckige Gemüth zu beugen und das verstockte Herz zu rühren, endlich auf den Gedanken, den Verblendeten an die Mutter der Barmherzigkeit hinzuweisen. Lieber Freund," sprach er, mit Angst und Betrübniß sehe ich, wie Sie sich ohne Versöhnung, der Pforte der Ewigkeit nahen. Haben Sie mir bisher auch alles versagt, o so versagen sie mir nicht, ein kleines Gebet zu Maria zu verrichten. Und follte es Ihnen an Zutrauen fehlen, so bringen Sie der seligsten Jungfrau das meinige dar; sie ist so gütig, daß sie auch auf ein fremdes hinsehen wird. Wenn Sie mir dieses versprechen wollen, so getraue ich mir, Ihnen die Versicherung zu geben, daß Sie sich am nächsten Maria- Feste mit Gott ausföhnen werden." Diese einfachen Worte hatten gewirkt; Thränen beneßten die Wangen des Kranken, der mit gerührtem Herzen versprach, das Gebet verrich 326 3weiter Theil. 2. Andachten und Novenen 2c. ten zu wollen. Es war das berühmte Gebet, Gedenke', des hl. Bernard zur allerseligsten Jungfrau. Am Tage der Verkündigung machte der Priester den dritten Besuch; aber der Kranke war indessen ein anderer Mensch geworden. Jene, die wahrlich mit allem Rechte als die Mutter der Barmherzigkeit begrüßt wird, hatte dem Verirrten die Gnade einer aufrichtigen Bekehrung erfleht. Der Kranke beichtete unter vorzüglichen Neußerungen einer wahren Reue und empfing die heiligen Sterb- Sacramente mit innigster Andacht. Bald hernach starb er eines wahrhaft erbaulichen Todes. Gebet. O meine liebe Mutter Maria, ich will dich nicht allein weinen lassen, nein, auch ich will mit dir weinen. Ich bitte dich heute um die Gnade, daß ich immer mit zärtlicher Andacht an das Leiden Jesu und an deine Schmerzen denke, damit ich alle noch übrigen Tage dazu verwende, deine Schmerzen und die Leiden meines Erlösers zu beweinen. Ich hoffe, daß der Gedanke an diese Schmerzen mir in meiner Todesstunde Vertrauen und Kraft einflößen werde, damit ich nicht beim Anblicke der Beleidigungen, die ich meinem Gott zugefügt habe, verzweifle. Diese Schmerzen müssen mir Verzeihung meiner Sünden, die Beharrlichkeit bis ans Ende und den Himmel erlangen, wo ich hoffe, mich die ganze Ewigkeit mit dir zu erfreuen und die unendliche Barmherzigkeit Gottes preisen zu können. Also hoffe ich es, also sei es. Amen. Andachts- Uebung zu den sieben Schmerzen Mariens. 327 Andachts- Alebung zu den sieben Schmerzen Mariens, ( Dom hf. P. Leonhard von Portu Mauritio.) V. O Gott, mert auf meine Hilfe! B. Herr, eile mir zu helfen! Ehre sei dem Vater 2. Erster Schmerz. Ich trage Mitleiden mit dir, o meine schmerzhafte Mutter, wegen des ersten Schmerzes, welcher dir das Herz durchbohrt hat, da du von Simeon hörtest, wie viel dein geliebter Sohn würde leiden müssen: ich bitte dich durch deine bitteren Zähren, du wollest mein steinhartes Herz erweichen, damit es von Mitleiden innigst durch= drungen werde, und damit ich aus Liebe be= weine das Leiden und den Tod meines liebsten Heilandes und deine bittersten Schmerzen. Vater unser. Ave Maria. Ehre sei dem Vater 2c. Präge deines Sohnes Wunden, Wie du selbst sie haft empfunden, Tief in meine Seele ein. Zweiter Schmerz. Ich trage Mitleiden mit dir, o meine schmerzhafte Mutter, wegen des zweiten Schmerzes, welcher dir das Herz durchbohrt hat, da du sahest, wie dein unschuldiger Sohn gleich nach seiner Geburt von Herodes verfolgt wurde, und da du 328 3weiter Theil. 2. Andachten und Novenen 2c. unter so vielen Gefahren, Beinen und Mühseligkeiten nach Aegypten fliehen mußtest. Ich bitte dich, erlange mir die Gnade, daß ich die Drangsale und Plagen dieses armseligen Lebens mit dir und meinem geliebten Jesu geduldig leide und mit Freuden umfange, damit ich Gott in dieser Welt für meine Sünden genugthue und von den harten Peinen des andern Lebens befreit werde. Vater unser. Ave Maria. Ehre sei dem Vater 2. Präge 2c.( wie oben.) Dritter Schmerz. Ich trage Mitleiden mit dir, o meine schmerzhafte Mutter, wegen des dritten Schmerzes, welcher dir das Herz durchbohrt hat, da du deinen lieben Sohn verloren hattest. Ich bitte dich durch jene Zähren und Seufzer, unter denen du Ihn drei Tage gesucht hast, erflehe mir die Gnade, daß ich die wahre Liebe meines Gottes finde und sie bis in den Tod niemals mehr verliere, damit ich Ihn sodann im Himmel durch die ganze Ewigkeit lieben und verherrlichen möge, Vater unser. Ave Maria. Ehre sei dem Vater z Präge 2c.( wie oben.) Vierter Schmerz. Ich trage Mitleiden mit dir, o meine schmerz hafte Mutter, wegen des vierten Schmerzes, welcher dir das Herz durchbohrt hat, da du saheſt, wie Jesus zum Tode verurtheilt, mit Stricken und Ketten gebunden, mit Blut und Wunden Andachts- Uebung zu den sieben Schmerzen Mariens. 329 bedeckt und mit Dornen gekrönt, unter der schweren Last des Kreuzes, welches Er auf seinen ver= wundeten Schultern auf den Calvarienberg trug, zu Boden fiel. Ich bitte dich durch jene Angst, welche du gelitten hast, da du Ihn mit Blut ganz überronnen sahest, als Er dir begegnete; erwirke mir die Gnade, daß ich allzeit in vollkommener Ergebung in den Willen Gottes lebe und bis zu meinem letzten Athemzuge nichts anderes suche, als seine größere Ehre und seine Liebe. Vater unser. Ave Maria. Ehre sei dem Vater 2c. Präge 2c.( wie oben.) Fünfter Schmerz. Ich trage Mitleiden mit dir, o meine schmerzhafte Mutter, wegen des fünften Schmerzes, welcher dir das Herz durchbohrt hat, da du sahest, wie dein lieber Sohn an Händen und Füßen durchschlagen, und auf die grausamste Weise an das Kreuz genagelt wurde, und wie Er sodann, vom Blute überronnen den Todeskampf litt, und unter so großen Beinen sein heiligstes Leben endigte, ohne daß du Jhm Hilfe leisten, oder die mindeste Linderung bringen konntest. Ich bitte dich durch deine unüberwindliche Beharrlichkeit, mit welcher du die furchtbarsten Schmerzen bei dem sterbenden Jesu empfunden: stehe auch mir bei in der Stunde meines Todes, und ver= süße mir die schmerzliche Bitterkeit meiner Todes= angst. Durch jene Liebe, welche dein sterbender 330 Zweiter Theil. 2. Andachten und Novenen ic. Jesus gegen dich und gegen uns bethätigt hat, da Er dich uns als Mutter und in Johannes uns dir zu Kindern übergehen hat: nimm auch mich für deinen Sohn auf und erwirke, daß ich dich als meine Mutter bis in den Tod von ganzem Herzen liebe und verehre. Vater unser. Ave Maria. Ehre sei dem Vater 2. Präge 2c.( wie oben.) Sechster Schmerz. Ich trage Mitleiden mit dir, o meine schmerzhafte Mutter, wegen des sechsten Schmerzes, welcher dir das Herz durchbohrt hat, da du sahest, wie die heilige Seite deines schon verstorbenen Sohnes von der grausamen Lanze durchstochen wurde, und wie Blut und Wasser herausfloß, unsre Seele von ihren Makeln zu reinigen. Ich bitte dich, o Mutter, durch diesen bitteren Schmerz, welchen du allein gelitten haft: erlange mir die Gnade, daß ich in dem Herzen Jesu wohnen möge, welches aus Liebe zu mir ist eröffnet wor= den, und daß in mein Herz feine andre Liebe eingehe, als deine Liebe und die Liebe meines Gottes. Heiligste Jungfrau, du kannst mir so vortreffliche Gnaden erwirken, ja, du kannst es, ich hoffe sie von dir. Vater unser. Ave Maria. Ehre sei dem Vater 2. Präge zc. ( wie oben.) Andachts- Uebung zu den sieben Schmerzen Mariens. 331 Siebenter Schmerz. Ich trage Mitleiden mit dir, o meine schmerzhafte Mutter, wegen des siebenten Schmerzes, welcher dir das Herz durchbohrt hat, da du deinen todten Sohn erblaßt, von Schlägen mißhandelt, mit Blut überronnen, am ganzen Leibe zerfleischt, in deinem Schooße ansahest, und da du endlich seine Grablegung, weil Er es so gewollt, zugabest. O wie sehr war dein Herz betrübt, als du Jesum, dein Leben, deine Liebe, deine Seligkeit im Grabe lassen mußtest! Ich bitte dich, o heiligste Jungfrau, durch so viele Zähren und Beinen, erlange mir Verzeihung meiner Sünden, die endliche Gnade und die himm= lische Glückseligkeit. Ach, erhöre diese Bitte, o meine Mutter! Vater unser. Ave Maria. Ehre sei dem Vater 2c. Präge 2c.( wie oben.) Bitte für uns, o schmerzhafte Mutter! Damit wir würdig werden der Verheißungen Chrifti. Gebet. O Gott, bei dessen Leiden das Schwert des Schmerzes die süßeste Seele der glorreichen Jungfrau und Mutter Maria nach der Weissagung des Simeon durchdrungen hat: verleihe gnädig, daß wir, die wir ihre Schmerzen mit Andacht verehren, die glückselige Wirkung deines Leidens erlangen. Der Du lebest und herrschest mit Gott 332 3weiter Thtil. 2. Andachten und Novenen 2c. dem Vater in Einigkeit des heiligen Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Bufluchtsgebet zur schmerzhaften Mutter Gottes. Schmerzhafte Mutter und Jungfrau Maria, du Trösterin der Betrübten, du Zuflucht der Verlassenen! Siehe, ich armer Sünder komme in dieser Trübsal zu dir und klage dir mit traurigem Herzen meine Noth, gleichwie ein Kind seiner Mutter; denn du bist ja meine Mutter, weil Christus bei seinem Sterben dich mir zur Mutter gegeben hat, als Er sprach: „ Siehe, deine Mutter!" Darum flehe ich zu dir, o liebste Mutter, mit der demüthigsten Bitte, du wolleft mich in meinem jezigen Anliegen trösten und mir bei deinem Sohne erlangen, daß Er mich in selbem erhören wolle. Ach, habe doch Mitleiden mit mir, deinem Kinde gleichwie du mit Jesu, deinem mit Leiden gesättigten Sohne, Mitleiden gehabt hast, und komme mir eilends zu Hilfe. O Mutter, stehe mir bei; gleichwie du Ihn so herzlich gerne von seinem Kreuze erlöset hätteft, also wollest du mich jetzt in meinem Anliegen erhören. Ich bitte dich überdies durch alle deine erlittenen Schmerzen demüthigst für jene Zeit, wenn es einmal mit mir zum Sterben kommt; du wollest dann deine barmherzigen Augen auf mich wenden, mir gnädig beistehen und meine arme Seele in deine mütterlichen Hände aufnehmen. Andachts- Uebung zu den sieben Schmerzen Mariens. 333 Um dies bitte ich dich, o gütige, o milde, o allersüßeste Jungfrau Maria! Amen. Klagelied zu Maria unter dem Kreuze. ( Stabat Mater.) Schaut die Mutter voller Schmerzen, Wie sie mit zerriff'nem Herzen Bei dem Kreuz des Sohnes steht! Wie fie traurig, seufzend ringet, Tiefes Wehe sie durchdringet, Durch die Seel' ein Schwert ihr geht. Wie betrübt im stummen Leide Steht die Hochgebenedeite, Des Erlösers Mutter da! Wie sie zittert, wie sie zaget, Um den Eingebornen tlaget, Den so sehr sie leiden sah! Wessen Auge kann der Zähren Bei dem Jammer sich erwehren, Der die Mutter Christi drückt? Wer nicht innig sich betrüben, Der die Mutter mit dem lieben Sohn in folcher Noth erblickt? Für die Sünden seiner Brüder Sieht sie, ach, wie Jesu Glieder Schwerer Geißeln Wuth zerreißt; Sieht den lieben Sohn erblassen, Trostberaubt, von Gott verlaffen, Still ausathmen seinen Geist. Gib, o Mutter, Quell der Liebe, Daß ich mich mit dir betrübe, Flöße deinen Schmerz mir ein. Laß mich liebend Jhn umfangen, Der zum Tod für mich gegangen, Und gefallen Ihm allein. 334 3weiter Theil. 2. Andachten und Novenen zc. Drück', o Heilige, die Bunden, Die dein Sohn für mich empfunden, Tief in meine Seele ein; Ach, das Blut, das Er vergossen, Ist für mich dahingeflossen, Laß mich theilen seine Pein. Weinen möcht' ich, mit dir weinen, Mit dem Kreuze mich vereinen Gern und all mein Leben lang: Bei dem Kreuze mit dir stehen, Nimmer wieder von dir gehen, Das ist meiner Seele Drang. Jungfrau, hochverklärt vor allen, Laß mein Flehen dir gefallen, Gib mir Theil an deiner Qual: Laß mich erben Christi Sterben, Seines Leidens Pein erwerben Und der Wunden große Zahl. Laß mich tragen seine Wunden, Durch des Kreuzes Kraft gefunden, Liebend mit dem Sohn vereint: Wenn ich so in Liebe leide, Steh' mir gnädig einst zur Seite, Wenn Er zum Gericht erscheint. Gib auch, daß das Kreuz mich stüße, Christi Tod mich mächtig schütze, Gnad' mich stärke jederzeit. Gilt dem Leib es einst, zu sterben, Hilf dann meiner Seel' erwerben Paradieses Herrlichkeit. Amen. ( 100 Tage Ablaß, Innocenz XI. 1. September 1681, Das Fest der Heimsuchung Mariens. Das Fest der Beimsuchung Mariens. ( Am 2. Juli.) 335 Geschichtliche Vorerinnerung. Die älteste Spur dieses Festes findet sich( wenn man es nämlich als ein eigenes Kirchenfest auffaßt) in der Mitte des dreizehnten Jahrhunderts. Schon das Concilium zu Mans vom Jahre 1247 jetzt dasselbe unter die in dieser Diözese gebotenen Feiertage. Seit dem Jahre 1263 wurde es von dem Orden des hl. Franciscus gefeiert. Der eifrigste Beförderer desselben war der hl. Bonaventura, der als General- Minister des Franciscaner- Ordens im Jahre 1263 in der allgemeinen Ordens- Versammlung den Antrag stellte, man möchte dieses Fest in dem ganzen Orden feierlich begehen. Papst Ürban IV. genehmigte dieses Gesuch. Urban VI. faßte im letzten Jahre seines Pontificats( 1389) den Entschluß, das Fest Mariä Heimsuchung auf die ganze Kirche auszudehnen. Allein noch im nämlichen Jahre starb er, ehe das Decret publicirt worden war. Dieses geschah jedoch schon im nächsten Jahre ( 1390) unter seinem Nachfolger Bonifaz IX.; und da das Ausschreiben dieses Papstes nicht allgemein geachtet wurde, so befahl die Synode von Basel im Jahre 1441 aufs neue, das Fest Mariä Heimsuchung in der ganzen Kirche zu feiern. Het- Betrachtung. Erster Punkt. Nachdem die allerfeligste Jungfrau vom Erzengel Gabriel erfahren hatte, daß ihre Base Eli 336 3weiter Theil. 2. Andachten und Novenen 2c. sabeth seit sechs Monaten Mutter sei, ward sie innerlich vom heiligen Geiste erleuchtet und er= kannte, daß der Mensch gewordene Sohn Gottes die Schäße seiner Barmherzigkeit zuerst durch die großen Gnaden offenbaren wollte, die Er dieser heiligen Familie mitzutheilen beschlossen. Deshalb, ohne auch nur einen Augenblick zu zögern,, machte Maria sich auf und ging eilends auf das Gebirg.' Sie erhob sich von der Betrachtung himmlischer Dinge, womit sie immer beschäftigt war und verließ ihre geliebte Einsamkeit, um Elisabeth heimzusuchen. Wie doch die heilige Liebe alles gut ordnet, wie sie keinen Augenblick zu zögern vermag, denn, sagt der hl. Ambrosius: die Gnade des heiligen Geistes ist nicht gewohnt, langsam zu Werke zu gehen." Darum begab die zarte Jungs frau, ohne auf die Beschwerden der Reiſe zu achten, sich sogleich auf den Weg. Sobald Maria in dem Hause der hl. Elisabeth angekommen war, begrüßte sie zuerst ihre Base: Sie trat in das Haus des Zacharias und grüßte Elisabeth. Ihr Besuch glich nicht demjenigen, welche Weltleute zu machen pflegen, die sich dabei blos auf äußere Förmlichkeiten beschränken, er brachte vielmehr eine Fülle von Gnaden. Kaum war sie in dieses Haus eingetreten, kaum hatte sie die Bewohner desselben begrüßt, da wurde Elisabeth erfüllt vom heiligen Geiste, da wurde der hl. Johannes von der Erbsünde befreit und geheiligt. Wenn nun diese ersten Früchte der Erlösung durch die Vermittelung Mariens an die Menschen gelangen mußten, wenn Maria der Canal war, 337 Das Fest der Heimsuchung Mariens. durch welchen Johannes der Täufer die heiligmachende Gnade, seine Mutter Elisabeth den heiligen Geist, Zacharias die Gabe der Weissagung empfangen hat, und alle drei noch so manche andre Gnade empfangen sollten, so darf man mit Recht annehmen, daß Gott von dieser Zeit an Maria zu jenem allgemeinen Canale, wie sie der heilige Bernard nennt, gemacht habe, durch den in der Folge alle andern Gnaden, die der Herr uns mit= theilen wollte, an uns gelangen sollten.*) Mit Recht nennt man also Maria die Schatzmeisterin und die Ausspenderin der göttlichen Gnaden. Der hl. Petrus Damian nennt sie den Schat der göttlichen Gnaden; Albert der Große: die Schatzmeisterin Jesu Christi; der Hl. Bernardin: die Ausspenderin der Gnaden; ein griechischer Gottesgelehrter, den Betavius anführt: die Vorraths- Kammer aller Güter, und Gregorius der Wunderthäter: das Füllhorn der Gnaden. Erwägen wir zum Schlusse die Worte des hl. Bernard: ,, Suchen wir die Gnade Gottes, aber suchen wir sie durch Maria; denn was sie sucht, das findet sie: ihre Hoffnung kann nicht getäuscht werden. Wenn wir also Gnaden zu erlangen wünschen, so müssen wir uns an diese Schatzmeisterin, an diese Ausspenderin der Gnaden wenden, denn es ist der Wille dessen, von dem alles Gute kommt, daß alle Gnaden durch die Hände Mariens ausgetheilt werden." *) Siehe 5. Capitel des ersten Theiles S. 75. Herrlicht. Mar. 22 338 Zweiter Theil. 2. Andachten und Novenen zc. Zweiter Punkt. " 1 Warum hätte Jesus Christus wohl alle Schäße der Barmherzigkeit, die Er uns mittheilen will, in die Hände seiner Mutter niedergelegt, als damit sie ihre Verehrer, welche sie lieben, verehren und vertrauensvoll anrufen, damit bereichere. Die allerseligste Jungfrau sagt uns dies selbst, mit fol genden Worten, welche die heilige Kirche auf sie bezieht: Bei mir ist Reichthum, damit ich reich mache, die mich lieben."( Sprüchw. 8, 18 u. 21.) Nur um uns zu helfen, bewahrt sie diese Schäße des ewigen Lebens, und der Herr hat dieselbe blos darum in ihr Herz niedergelegt, damit durch deren Mittheilung die Armen bereichert werden. ,, Maria," sagt der hl. Bernard, ist der Welt geschenkt worden, gleichwie ein Canal der göttlichen Barmherzigkeit, durch welchen die Gnaden fortwährend vom Himmel zu den Menschen herabkommen sollen." - Derselbe Heilige untersucht, warum der Erzengel Gabriel, nachdem er die göttliche Mutter schon voll von Gnaden gefunden:, Gegrüßet seist du, voll der Gnaden!' ihr dennoch sagt, daß der heilige Geist über sie herabkommen werde, um sie mit noch mehr Gnaden zu erfüllen. Wenn Maria schon voll von Gnade war, was konnte da die Herabkunft des heiligen Geistes noch in ihr bewirken? Freilich," sagt der Heilige, war sie schon voll Gnaden, aber der heilige Geist sollte sie um unsertwillen mit noch mehr Gnaden erfüllen, damit wir Elende durch ihre Ueberfülle mit Gnaden versehen würden."*) *) Serm. 2. de Ass. - Das Fest der Heimsuchung Mariens. 339 O ihr Verehrer Mariens, erneuert also jedesmal euer Vertrauen, wenn ihr Maria um Gnaden bittet. Denket immer an zwei große Vorzüge der Mutter Gottes, nämlich wie sehr Maria wünscht, uns Gutes zu thun, und wie mächtig sie bei ihrem Sohne ist, uns alles zu erlangen, um was wir sie bitten. Um zu erkennen, wie sehr sie wünscht, allent Menschen zu helfen, dürfen wir nur das Geheimniß, welches wir heute feiern, betrachten. Die Entfernung von Nazareth, wo die allerfeligste Jungfrau sich damals aufhielt, bis zur Stadt Hebron in Judäa, woſelbst die hl. Elisabeth wohnte, beträgt ungefähr gegen dreißig Stunden. Aber diese weite Entfernung konnte Maria, obwohl sie eine zarte Jungfrau war, nicht abhalten, sich sogleich auf den Weg zu begeben. Die große Liebe, von der ihr Herz immer erfüllt war, bewog sie, sich sogleich auf den Weg zu machen, um das erhabene Amt einer Ausspenderin der Gnaden auszuüben. Das lehrt uns der hl. Ambrosius. ,, Maria," sagt er, begab sich nicht deshalb auf den Weg, um zu jehen, ob das, was der Engel ihr von der Mutterschaft der hl. Elisabeth gesagt hatte, auch wahr sei, nein, da sie voll Eifer war wegen ihres Wunsches, diesem Hause helfen zu können, beflügelte die Freude, andern Gutes thun zu können, ihre Schritte und bewirkte, daß sie nur auf großen Liebesdienst, welchen sie leisten wollte, bedacht war."*), Sie machte sich auf und ging eilends." Bemerken wir, daß der Evangelist, wo er von ") S. Ambr. in c. 1. Luc. 340 3weiter Theil. 2. Andachten und Novenen 2c. der Hinreise zu Elisabeth spricht, ausdrücklich bemerkt, daß Maria eilends' ging, daß er aber, wo er ihre Rückkehr erwähnt, nicht mehr von Eile spricht, sondern blos erzählt: ,, Maria blieb bei Elisabeth ungefähr drei Monate und kehrte dann zurück in ihr Haus."( Luc. 1, 56.) Hätte die Mutter Gottes wohl eine andere Ursache gehabt, fich so sehr zu beeilen, da sie die Eltern des heiligen Johannes heimsuchte, als den Wunsch, dieser Fa milie Gutes zu thun?" Nachdem Maria in den Himmel eingegangen ist, hat ihre liebevolle Neigung zu den Menschen sich nicht vermindert, sondern sie hat vielmehr zugenommen, weil sie jeßt unsere Bedürfnisse besser kennt und größeres Mitleid mit unsrem Elende hat. Ihr Wunsch, uns Gutes zu erweisen, ist größer als unser Verlangen nach demselben, und ihre Liebe zu uns so überfreigebig, daß sie sich beleidigt fühlt, wenn jemand sie nicht um Gnaden bittet.*) Darum hat der, welcher Maria gefunden, alles gefunden. Jedermann, selbsſt der elendeſte Sünder kann sie finden; denn sie ist so mildthätig, daß sie niemanden, der zu ihr seine Zuflucht nimmt, zurückstoßen könnte. Die Nachfolge Christi' legt ihr folgende Worte in den Mund: Alle lade ich ein, zu mir ihre Zuflucht zu nehmen: alle erwarte ich, alle wünsche ich; niemals verachte ich einen Sünder, möge derselbe *) In te Domina, peccant non solum qui tibi injuriam irrogant, sed etiam qui te non rogant. S. Bonav. Sp. Virginis. 341 Das Fest der Heimsuchung Mariens. auch noch so verworfen sein, wenn er mich nur um Beistand bittet." Ein jeder, der sie um Gnaden bittet, findet sie immer bereitwillig und geneigt, ihm zu helfen und ihm durch ihr mächtiges Gebet alle Hilfe zu erlangen, deren er bedarf, um selig zu werden. Beispiel. Die hl. Johanna Francisca von Chantal, Stifterin des Ordens der Heimsuchung Mariä, hatte schon in früher Kindheit ihre Mutter verloren. Allein jo schmerzlich dieser Verlust für sie war, so tröstete sie sich doch mit dem Gedanken, daß Maria unsre Mutter sei, und befliß sich eifrig, ihrer mütterlichen Obhut und Sorgfalt sich würdig zu machen. Wohl erfuhr sie auch in der Folge die Wirkung ihres mächtigen Schußes, da sie aus einer schweren Gefahr befreit wurde, in die durch den nähern Umgang mit einer leichtsinnigen Person ihre Unschuld gerathen war. Als sie nachher in den Ehestand trat, stellte fie sich das Leben Mariens als Muster des ihrigen vor, und ließ sich vorzüglich angelegen sein, ihre häuslichen Tugenden nachzuahmen. Sie lebte, ihres hohen Standes ungeachtet, in stiller Zurüdgezogenheit, und widmete sich thätig dem Hausweſen, der christlichen Erziehung ihrer Kinder und den Werken der Nächstenliebe. Ihre Stunden waren getheilt zwischen Gebet und Arbeit. Dieselbe Lebensweise beobachtete sie in ihrem Witwenstande. Als sie später mit dem hl. Franz von Sales den Orden der Heimsuchung stiftete, theilte sie denselben Geist des Gebetes und der Arbeitsamkeit zugleich mit der Andacht gegen die göttliche Mutter ihren geistlichen Töchtern mit. Sie stellte ihnen das innere, verborgene Leben Mariens zur Nachahmung vor, und wollte, daß sie durch Uebung stiller und 342 3weiter Theil. 2. Andachten und Nobenen 2c. bescheidener Tugend nach Aehnlichkeit mit diesem schönen Vorbilde strebten. Sie schätzte sehr hoch den Rosenkranz, welchen sie täglich betete, und andere Andachts- Uebungen, die man zur Ehre Mariens verrichtet; doch pflegte sie zu sagen, eine Uebung der Demuth, der Selbstverleugnung, der Nächstenliebe sei ihr oft wohlgefälliger, als ein langes mündliches Gebet. Dieser Geist, den sie als ein köstliches Erbe ihrem Orden hinterließ, hat sich in demſelben erhalten und lebt noch in unsren Tagen mit großem Segen fort. festgebet. O unbefleckte und hochgebenedeite Jungfrau Maria, wie sehr beeiltest du dich, um die Familie der Hl. Elisabeth aufzusuchen und durch deinen Besuch zu heiligen. Obesuche auch bald die arme Wohnung meiner Seele! Beeile dich, o Maria, denn du weißt es ja besser als ich, wie arm ich bin, wie viele Ulebel mich bedrohen, von wie vielen unge= regelten Neigungen, von wie vielen bösen Gewohnheiten, von wie vielen früher begangenen Sünden mein armes Herz gedrückt wird. Du kannst mein Herz bereichern, o Schatzmeiſterin Gottes, du fannst mich von allen Krankheiten meiner Seele heilen! Besuche mich häufig während meines Lebens, hauptsächlich aber in der Stunde meines Todes, denn alsdann wird mir dein Beistand am nothwendigsten sein. Ich übergebe mich ganz und gar in deine Hände und bitte Gott, Er wolle mir- um Das Fest der sel. Jungfrau vom Berge Carmel. 343 der Verdienste meines Herrn und Heilandes Jesu Chrifti willen alle jene Gnaden gewähren, um die du, o allergütigste Jungfrau, für mich bittest. Amen. Das Feft der feligften Jungfrau vom Berge Carmel, gewöhnlich Scapulierfest genannt. ( Am 16. Juli.) Geschichtliche Vorerinnerung. Auf dem Berge Carmel dienten der Prophet Elias und nach ihm andre Diener Gottes dem Herrn Tag und Nacht in heiligen Betrachtungen und im Gebete. Von dieſem Berge erhielt späterhin der Carmeliten- Orden seinen Namen. Einem dieser Ordensmänner erschien einmal die seligste Jungfrau und überreichte ihm das Scapulier, mit der Verheißung, daß sie jene stets schüßen werde, besonders in der Todesstunde, welche das Scapulier im Geiſte wahrer Buße tragen. Dieses Kleid trugen von nun an nicht nur mehrere geistliche Orden, sondern es entstand auch unter diesem Namen die ScapulierBruderschaft, in der sich die Mitglieder zur gegenseitigen Ermunterung zur Verehrung und Nachfolge Mariens vereinigen. Man muß also, wenn man das Bild Mariens auf dem Herzen trägt, im Herzen die Keuschheit lieben; wer dabei an unkeuschen Gedanken, Gelüsten und Werken seine Freude hat, spottet der unbefleckten Jungfrau. Hep- Betrachtung. Erster Punkt. Die Erde ist nicht nur ein Aufenthaltsort für Leidende, sondern ein feindliches Land, in welchem - 344 3weiter Theil. 2. Andachten und Novenen 2c. der Mensch allen möglichen Angriffen und Gefahren ausgesetzt ist. Diese Angriffe sind so groß und vielfach, daß er nothwendig unterliegen müßte, wenn er nicht durch eine vom Himmel herab beschützende Hand unterstützt würde. Es muß dir also, christliche Seele, außerordentlich viel daran liegen, sowohl die vielfachen Gefahren deines Heiles, als auch die himmlische Beschüßerin zu fennen, die der Allerhöchste dir in der Person der Mutter seines Sohnes gegeben hat. Gegenwärtige Betrachtung wird dich darüber belehren. Es gibt Gefahren, denen man sich in blindem Vertrauen auf seine eigenen Kräfte feineswegs ausjeßen darf; es gibt Gefahren, die man mit aller möglichen Sorgfalt nicht vermeiden kann, unbedingt nothwendige Gefahren. Es gibt Gefahren von seiten der Welt, d. i. der vielen Christen, welche durch ihre Reden und Beispiele die Mitmenschen ärgern, und deren Umgang man nicht wohl vermeiden kann; Gefahren von seiten der Familie, der Freunde, der Personen, mit denen man täglich umgehen muß, ungeachtet sie durch böse Grundsäße das Seelenheil gefährden; Gefahren von seiten lauer, gleichgiltiger Christen, die zwar den Glauben nicht abgeschworen, aber dennoch bei Ausübung der noch beibehaltenen Andachts- Uebungen nicht mehr vom wahren Geiste beseelt sind; Gefahren von seiten gottloser Christen, die dein Benehmen befritteln, dich wegen eifriger Ausübung gewisser ReligionsVorschriften einen überspannten Kopf, einen Son derling, Pharisäer, Gleißner nennen, und die alles wagen, um dich zur Vernachlässigung gewisser res ligiöser Uebungen, die ein zartes Gewissen nicht Das Fest der sel. Jungfrau vom Berge Carmel. 345 unterlaffen darf, hinzureißen. O wie sehr bedarfst du da des besonderen Schußes Mariens, um sowohl gegen Gott eine unverbrüchliche Treue, als in Hinsicht des Nächsten eine sich stets gleich bleibende Liebe und Klugheit zu bewähren, dadurch Gott zu verherrlichen und das Heil anderer zu befördern! Allein alle diese Gefahren sind klein im Vergleiche mit denjenigen, deren Grund und Wurzel du in dir selbst trägst. Dein Geist, durch die Erbsünde einer sündhaften Richtung unterworfen, wünscht so vieles zu wissen, was ihm verderblich werden kann; deine Einbildungskraft ist ganz ge= eignet, die Vernunft zu täuschen und in tausend Berirrungen hinein zu ziehen. Das menschliche Herz gibt sich so leicht allen Gegenständen hin, nur dem höchsten Gute nicht, ist in nichts beständig als in seiner Unbeständigkeit, wird leicht für das Irdische leidenschaftlich eingenommen, während es gegen Gott und himmlische Dinge kalt und gleichgiltig bleibt. Und was für Gefahren werden dir erst nicht von seiten deines Fleisches bereitet! Kaum willst du die Sinnlichkeit, durch welche der Tod in die Seele tömmt, zügeln, so empört fie sich wieder und erhebt sich gegen dich gleich einem unbändigen Rosse, das auch den geübtesten Reiter abzuwerfen im stande ist. Du bist also, christliche Seele, nicht blos von dem Feinde belagert, um zingelt, sondern der Feind ist in dir, ja du selbſt bist dein furchtbarster Feind. Kann man sich für eine Stadt größere Schrecknisse denken, als wenn die grausamen Feinde nach anhaltender Belagerung die Mauern ersteigen und in die Stadt hineinzu 346 Zweiter Theil. 2. Andachten und Nobenen 2c. dringen bereit sind? Doch ja, noch größere Noth und Gefahr ist da, wenn dann sogar Bürger gegen Bürger innerhalb der Mauern bewaffnet einander gegenüberstehen. So verhält es sich mit dir, christliche Seele! Dein Körper stellt sich in gewaffneter Rüstung deinem Geiste und Herzen gegenüber, fündigt dir den Krieg an und will dich unter seine Botmäßigkeit bringen, dich mit seinen eisernen Banden fesseln und dann tödten. Diesen Kampf hast du täglich, mehr oder weniger, zu bestehen; schmei chelst du dem Körper heute durch eine geringe Nachgiebigkeit, durch Müßiggang, durch zu gute und zu viele Speise, durch Freiheit der Sinne, so hast du ihm schon eine gewisse Gewalt über dich eingeräumt, die du ihm nur mit größerer Gegengewalt entreißen kannst, wenn du nicht gar bald als ein gefangenes Schlachtopfer von ihm behandelt werden willst. Wie nothwendig wird dir also der Schutz Mariens! Sie wird nie ermangeln, ihn dir zu gewähren, sobald du sie voll innigen Vertrauens anrufen wirst. Die Geschichte jedes from men Ratholiken liefert tausend Beweise dieser Wahrheit; die Heiligen werden nicht müde, Maria zu preisen, die ihnen in den gefährlichsten Kämpfen so mächtig beiſtand. Endlich bist du noch besonders von dem Feinde des menschlichen Geschlechtes bedroht, der uns in der heiligen Schrift bald als ein furchtbar gewaffneter Mann, dessen feurige Pfeile schnell tödten, bald als ein brüllender Löwe dargestellt wird, der immer umhergeht, um die Unvorsichtigen zu verschlingen. Wie willst du ihm glücklich wider Das Fest der fel. Jungfrau vom Berge Carmel. 347 stehen? Der heilige Bernardin von Siena antwortet: ,, Eile zu Maria, denn Maria ist die Beherrscherin der bösen Geister." Sie ist für sie eben so furchtbar, als ein in Schlachtordnung gestelltes Kriegsheer. Dieses in Schlachtordnung geſtellte Heer sind die Tugenden Mariens, ihre Macht, ihre Barmherzigkeit, ihre Gebete, welche sie gleich einem flugen Feldherrn zur Bekämpfung ihrer Feinde und zum Schutze ihrer Diener anwendet. Der hl. Bonaventura bedient fich folgenden Gleichnisses, das Vertrauen der Christen auf Maria zu wecken:„ Gleichwie ein Feind die Dunkelheit der Nacht benützt, um in ein Haus einzubrechen, zu stehlen und bei nahender Morgenröthe mit größter Eile davonflieht, als würde der Tod ihn überfallen, eben so stürmt der höllische Drache auch dann auf eine Seele hin, wenn sie von den Finsternissen der Unwissenheit umhüllt ist; leuchtet aber die Gnade und die Huld der heiligen Jungfrau über diese arme Seele, dann strahlt für sie die Morgenröthe, welche die Nacht verscheucht und die Geister des Abgrundes vertreibt." Ganz gewiß kann jeder wahre Diener Mariens mit dem hl. Johannes Damascenus ausrufen: ,, O Mutter Gottes, meine Hoffnung auf dich macht mich unüberwindlich; durch deinen mächtigen Schuß gefräftigt, werde ich meine Feinde sicher verfolgen; denn ich werde ihnen deinen Schuß gleich einem undurchdringlichen Schilde entgegenhalten." 3weiter Punkt. Wer mit Aufmerksamkeit betrachtet, wie häufig und mit welch außerordentlichem Vertrauen die 348 Zweiter Theil. 2. Andachten und Nobenen 2c. heilige Kirche in allen Angelegenheiten zur seligsten Jungfrau fleht, kann sich auf gewisse Art des Staunens nicht enthalten. Wie? Hat denn der Sohn des lebendigen Gottes den vollkommenen Triumph der Kirche nicht bestimmt ausgesprochen, ohne auch im geringsten von Maria etwas zu melden? Ist es denn nicht eine göttliche Wahrheit, daß die Kirche auf einen Felsen gegründet ist, wider welchen die Pforten der Hölle nie siegen werden? Hat Er nicht ausdrücklich gesagt, Er werde bei seiner Kirche bis ans Ende der Welt bleiben? Ja, so ist es in der That, und die heilige Kirche weiß es auch, daß es so ist; diese göttliche Ueberzeugung macht ihre Stärke, ihren Ruhm aus, und ist für sie der Grund eines unzerstörbaren Friedens, selbst dann, wenn die Ungewitter von allen Seiten über sie losbrechen. Allein sie weiß auch, daß Gott die versprochenen Gaben an das Gebet geknüpft und daß es Ihm frei steht, seine Kirche durch verschiedene Werkzeuge zu beschützen; sie weiß, daß der Heiland, da Er am Kreuze die heilige Jungfrau als Mutter seiner verlassenen, betrübten, geängstigten Kirche gab, dadurch erklärt, der Beistand Mariens werde immer als eines der vorzüglichsten Mittel zur Aufrechthaltung und zum Siege seiner Kirche anges sehen werden müssen. Sie weiß, daß sie durch Anrufung Mariä als Beschützerin der Kirche Jesum Christum ehrt, weil Er sie mit einer solchen Macht ausgerüstet hat, daß auch die mächtigsten Feinde seiner Kirche ihr nicht widerstehen können. Die heilige Kirche handelt also ganz im Geiste Jesu Christi, wenn sie die heilige Jungfrau als Das Fest der sel. Jungfrau vom Berge Carmel. 349 ihre mächtigste Beschüßerin anruft; zugleich belehrt sie uns durch ihr Beispiel, wie eifrig jeder einzelne Christ, der keine so außerordentliche Verheißungen erhalten, wohl aber den Kampf mit der Hölle nicht immer bestanden hat, den Schuß Mariens anflehen soll. Und dadurch Maria der ganze geiſtige Leib Jesu Christi, die Kirche, beschützt wird, will dieselbe, daß die Christen erkennen mögen, was sie als Glieder dieses Leibes dem schüßenden Arme Mariens schuldig sind. Wer den ganzen Leib beschüßt, hat die gerechtesten Ansprüche auf die Dankbarkeit aller Glieder. Was hat nun Maria für die ganze Kirche gethan? Die hl. Kirche antwortet: ,, Maria habe die Macht erhalten, alle Reßereien aufzulösen und fie durch ihre Fürbitte gänzlich zu zerstören." In dieser Ueberzeugung wandte sich die heilige Kirche an Maria, um durch ihre Fürsprache in den Concilien das nothwendige Licht zur Entscheidung über streitige Lehrjätze zu erhalten. Sollen die Bande der katholischen Einigkeit enger geknüpft werden, so ist es wieder Maria, zu welcher die Kirche fleht; denn gleichwie die geheimnisvolle Vereinigung der göttlichen und menschlichen Natur in ihr und durch sie vollbracht wurde, so wird sie von der Kirche als ein mächtiges Werkzeug betrachtet, die Glieder enger mit dem Haupte zu vereinigen und die Kinder fester an die Mutter anzuschließen. Sieht die Kirche Gottes sich von einem furchtbaren Sturme bedroht, so richtet sie ihre Blicke stets auf Maria; denn wenn Maria durch ihre Liebe und Heiligkeit wie die Sonne strahlt, so ist sie zu eben der Zeit fürch 350 3weiter Theil. 2. Andachten und Novenen 2c. terlich, gleich einem wohlgeordneten Kriegsheere. Bald bittet sie, gleich der Königin Esther, für die Rettung des ganzen gläubigen Volkes und spricht: ,, Gib mir mein Volk, für welches ich um Erbarmung flehe."*) Bald bewaffnet sie sich wider die Feinde der Kirche, wie einstens Judith, welche begeistert ausrief: Weh der Nation, die sich wider mein Volk erhebt; der Allmächtige wird als Rächer auftreten."**) Durchforsche die Geschichte der Kirche, die Hirtenbriefe der Bäpste und der Bi schöfe, das Leben der berühmtesten Heiligen, die Geschichte des Entstehens und der Erhaltung der vielen heiligen Orden, so wirst du die unbestreitbarsten Beweise von dem durch Maria der Kirche erwiesenen Schutze finden. Ueberall werden sich dir Denkmäler darbieten, die von der Güte und Macht Mariens zeugen; überall werden dir die Nationen entgegenrufen: Wir haben den Beistand Mariens auf außerordentliche Weise erfahren. In tausend Tempeln und christlichen Häusern erschallt der Ruf: Gott hat uns durch Maria große Dinge gethan, auf ihre Fürbitte hat Er den Arm seiner Allmacht ausgestreckt und uns dem Untergange entrissen. " 1 Wenn du, christliche Seele, dies ernstlich bedenkst, wie viele Beweggründe hast du nicht, dich eifriger der Verehrung der heiligen Jungfrau zu widmen und sie um Beistand für die Kirche anzuflehen! Bedarf denn das Oberhaupt der Kirche nicht besonderer Kraft, Weisheit und Erleuchtung, *) Esther 7, 3. **) Judith 16, 20. Das Fest der sel. Jungfrau vom Berge Carmel. 351 um das seiner Objorge anvertraute Schiff glücklich ans Land zu führen? Rufe Maria für den heiligen Vater der Christenheit an, und sie wird sich ihm als den freundlich leuchtenden Meeresstern offenbaren. Was für außerordentliche Gnaden haben nicht die Bischöfe und Priester nöthig, um das große Werk der Heiligung der Seelen raftlos und liebevoll zu vollbringen! Siehst du denn nicht, wie das Amt der Seelenhirten durch die freche Sprache der Gottlosen, durch die zahllosesten und schändlichsten Verläumdungen erschwert wird? Einstens erhoben sich nur die Ungläubigen und Rezer gegen die Kirche; jetzt aber machen sich die Glieder, die eigenen Kinder auf, um die Kirche, diesen Leib Jesu Christi, zu zerfleischen. Erflehe also in heißem Gebete den Beistand Mariens, damit der Plan der Gottlosen zerstört werde, die freche Zunge des Uebermuths und der Unwissenheit verstumme, die Verirrten in den Schafstall Jesu Christi zurückkehren und sich fester an ihren Hirten anschließen. Beispiel. Es ist die Meinung mehrerer Heiligen, daß die heilige Jungfrau ihre Diener in ihren letzten Augenblicken durch ihre Gegenwart tröste und stärke; wemgstens kann man sagen, daß sie sich besonders angelegen sein lasse, die Gnade eines guten Todes denen zu erwirken, die oft so zu ihr gefleht haben: Bitt für uns arme Sünder, jetzt und in der Stunde unfres Absterbens. In der Stadt Amiens hatte ein Mann von angesehener Familie und gründlicher Tugend( Herr von Lahaye) eine bedeutende Handlung niedergelegt, um sich einzig seiner Seele, dem wichtigen Geschäfte des Heils zu widmen. 352 3weiter Theil. 2. Andachten und Novenen 2c. Seine Gattin war nicht weniger fromm als er; beide beteten, beseelt von einer herzlichen Andacht zu Maria, den Rosenkranz, communicirten an ihren Festen und heiligten ihr zu Ehren besonders den Samstag. Ein ehrwürdiger Seelsorger,*) dessen Andenken in dieser Stadt noch im Segen ist, und der ihr Beichtvater war, wurde einst gerufen, Madame von Lahaye, die gefährlich krank lag, Beicht zu hören. Nachdem er diese Amtsverrichtung vollendet, ging er noch in das Zimmer ihres Mannes, um ihn vor seinem Weggehen zu begrüßen. Da verwunderte er sich nun sehr, als er auch ihn im Bette antraf. ,, Ei wie, sind Sie auch krank?" ſagte er zu ihm.-Nein, ich bin es nicht; es ist mir gar nicht übel; aber ich weiß nicht warum, ein beinahe unwiderstehlicher Antrieb führte mich zu Bette; ja es ist noch mehr, und deswegen gehen Sie doch nicht fort, bis Sie mich Beicht gehört haben." Der Geistliche mochte ihm vorstellen, wie er wollte, er habe gar keine Ursache, so zu handeln, und er solle wie die übrigen Gläubigen in die Pfarrfirche kommen, um da zu beichten und seine Andacht zu verrichten; er mußte seinen inständigen Bitten nachgeben und hörte seine Beicht. Darauf bringt Herr von Lahaye einen noch sonderbarern Wunsch; er bittet ihn nämlich, seine Gattin noch einmal zu besuchen und sie in seinem Namen, der Leiden wegen, die er ihr während der Zeit ihrer ehelichen Verbindung möchte verursacht haben, um Verzeihung zu bitten. Bei dieser Bitte fragt ihn der Diener des Herrn zum zweitenmal, ob er sich krank fühle. Durchaus nicht; ich befinde mich sehr wohl," erwidert dieser.-„ Aber Sie würden ja, wenn Sie dem Sterben nahe wären, nicht anders handeln; warum *) Herr Bicheron, Pfarrer von St. Remigius, gestorben im Jahre 1824. " 1 Das Fest der sel. Jungfrau vom Berge Carmel. 353 wollen Sie denn, daß ich mit ihrer Gemahlin reden soll? Wie könnte ich sie so um Vergebung bitten, ohne ihr Furcht zu machen und ihren Zustand zu erschweren?" Dies gebe ich zu, und doch bitte ich Sie inständig, leisten Sie mir doch diesen Dienst!" Der Beichtvater konnte sich endlich nicht mehr erwehren und ging zur Kranken, um sich dieses lästigen Auftrages bei ihr zu entledigen. Darauf kehrte er wieder zu ihrem Manne zurück, um ihm Rechenschaft davon zu geben; wie erstaunte er aber, als er ihn sterbend antraf, ihn, der noch wenige Minuren vorher voll Leben und Gesundheit war! Er bewunderte die mütterliche Vorsicht Mariens, die über die letzten Augenblicke ihrer Diener wacht, und er zweifelte nicht daran, diese zärtliche Mutter habe selbst oder durch den Dienst der heiligen Engel jener Seele, die ihr gewidmet war, ein Verlangen eingeflößt, von dem sie sich zwar keinen Grund angeben konnte, dessen Erfüllung aber sie doch vorbereiten sollte, vor Gott zu erscheinen. - festgebet. ( Domt heiligen Bernard.) Oheilige Jungfrau, die du unter allen Jungfrauen hochgebenedeit bist: du bist die Ehre des ganzen Menschengeschlechtes und das Heil der Völker! Dein Verdienst hat keine Grenze, und deine Gewalt über alle Geschöpfe ist beinahe unumschränkt! Du bist die Mutter Gottes, die Gebieterin der Welt, die Königin des Him= mels! Du bist die Ausspenderin aller Gnaden, der Schmuck der heiligen Kirche! Du bist ein Vorbild für die Gerechten, der Trost der HeiHerrlicht. Mar. 23 354 3weiter Theil. 2. Andachten und Novenen zc. ligen, der Anfang unsrer Seligkeit! Du bist die Freude des Paradieses, die Pforte des Himmels, die Ehre deines Gottes! Siehe, wir haben dein Lob verkündigt! Wir bitten dich also, o Mutter der Güte, du wollest unsre Schwachheit erseßen, unsre Verwegenheit entschuldigen, unsren Dienst gnädig annehmen, unsre Mühe segnen und in den Herzen aller Menschen deine Liebe entzünden, damit, nachdem wir deinen Sohn auf Erden geliebt und verherrlicht haben, wir Ihn die ganze Ewigkeit hindurch loben und preisen können. Dieses erwirke uns, o glorwürdige Königin, durch deine allvermögende Fürbitte. Amen. Das Feft der Bimmelfahrt Mariens. ( Am 15. Auguft.) Geschichtliche Dorerinnerung. Fie gelehrten Geschichtsforscher Colvenerius, Surius und andere halten dafür, dieses Fest habe von den heiligen Aposteln seinen Ursprung. Schon zu den Lebzeiten Constantin's, des ersten christlichen Kaisers, wurde es mit unbeschreiblicher Pracht gefeiert, ungefähr um das Jahr 330 nach Christi Geburt. Gewiß," so meldet Jakob Pamelius, Chorherr zu Brügge, ward das Fest der Aufnahme Mariens in den Himmel schon zur Zeit des hl. Hieronymus und Augustin gefeiert;"- der hl. Athanasius, Andreas von Creta und mehrere andere bestätigen diese Behauptung. Auf Ansuchen und Verlangen des Kaisers Mauritius wurde dasselbe, wie Nicephorus berichtet, 355 Das Fest der Himmelfahrt Mariens. etwa um das Jahr 582 von dem 18. Januar, dem bisherigen Festtage, auf den 15. August verlegt. Nach dem Zeugnisse des Bibliothekars Anastafius erließ Papst Sergius I.( 687 bis 701) eine Verordnung, wie die Feier dieses Festes zu begehen sei, nämlich als Hauptfest mit Procession, Litanei und Vigil. Für die frühe und vorzügliche Feier bei den Franken und Deutschen zeugt der hl. Gregor von Tours, das Concilium zu Rheims, und das uralte Sacramentarium zu Rheinau. Das Bußbuch des hl. Bonifacius, die Regeln Chrodegang's und die Statuten von Salzburg be fahlen diese Feier auch für das Volk. Daß sie aber noch nicht überall eingeführt war, ergibt sich aus dem Concilium zu Aachen( 809), wo Mariens Himmelfahrt noch zu den unentschiedenen Festtagen gezählt wird. Erst durch einen Beschluß des Conciliums zu Mainz( 813) wurde es zu einem allgemeinen Feier tage erhoben, der vorzüglich in Frankreich und Deutschland von jeher mit ausgezeichneter Pracht begangen wurde. Papst Leo IV. verherrlichte dieses Fest im Jahre 847 mit einer Faste und Octav, und befahl, daß es in der ganzen katholischen Christenheit unter Verpflichtung gefeiert werde. 4. Novene zur Vorbereitung auf das Fest der Himmelfahrt Mariens. Am ersten Tage, den 6. Auguft. Komm, heiliger Geist, erfülle die Herzen deiner Gläubigen, und entzünde in ihnen das Feuer deiner Liebe. 356 Zweiter Theil. 2. Andachten und Novenen 2c. V. Sende aus deinen Geist, und sie werden neu geschaffen werden; B. Und Du wirst das Angesicht der Erde erneuern. O Gott, der Du die Herzen deiner Gläubigen durch die Erleuchtung des heiligen Geistes belehret hast: verleihe, daß wir in dem nämlichen Geiste das Rechte erkennen und seines Trostes uns allezeit erfreuen mögen. Durch Christum, unsren Herrn. Amen. Hymnus. ( 0 gloríosa virginum.) Der Jungfrau'n herrlichste bist du, Erhöhet zu des Himmels Lust, Der dich erschuf, lag still in Ruh' Als Säugling einst an deiner Brust. Was Eva allen uns verlor, Das gab zurück dein göttlich Kind; So öffnest du des Himmels Thor Den Büßern, die es wahrhaft find. Du führest sie zum König hin, Bist selbst des Himmels Heiligthum! O fingt der Lebens- Spenderin, Erlöste Völker! Preis und Ruhm. Dir, Jesus Christus, bringen wir, Den uns Mariens Schooß gebar, Dir, Vater, und, o Geist, auch Dir Der Seele ew'gen Jubel dar. Amen. Die Herrlichkeit Mariens im Tode. Erwägen wir, wie Maria in dem Augenblicke ihres Todes verherrlicht ward, weil sie ihr ganzes Leben hindurch vorbereitet war, gut zu sterben, durch 357 Das Fest der Himmelfahrt Mariens. die feurigste Sehnsucht, Gott zu sehen und mit ihrem Sohne vereinigt zu werden, und durch das Verdienst ihrer Vollkommenheit, welche für uns unerreichbar ist. Beherzigen wir, wie sehr verschieden unser Verhalten in der Vorbereitung zum Tode von jenem der gebenedeiten Mutter ist, und bitten wir fie also: - Oheiligste Jungfrau, die du, um dich zu einem heiligen Tode vorzubereiten, dein Leben in ununterbrochener Sehnsucht nach der seligen Anschauung Gottes zugebracht hast; verleihe, daß die eitlen Wünsche nach den vergänglichen Gütern dieser Erde von uns genommen werden. Drei Gegrüßet seist du zc. Oheiligste Jungfrau, die du, um dich zu einem heiligen Tode vorzubereiten, in deinem Leben dich sehntest, auf immer mit deinem Sohne Jesus dich zu vereinigen; verleihe, daß wir Jesu getreu bleiben bis in den Tod.- Drei Gegrü= Bet jeiſt du 2c. Oheiligste Jungfrau, die du, um heilig zu sterben, dir eine Fülle von Verdiensten und Tugenden sammeltest; erwirke uns jenes Licht, mittelst dessen wir allein die Tugend und die Gnade des Herrn als den einzigen Weg erkennen, der uns sicher zum Heile führt. Drei Gegrüßet jeist du zc. Wir wollen Maria preisen, daß sie so beflissen war, eines heiligen Todes zu sterben; und indem wir ihre Herrlichkeit erheben, wollen wir uns mit den neun Chören der Engel vereinigen, welche fie 358 Zweiter Theil. 2. Andachten und Novenen 2c. bei ihrer Aufnahme in den Himmel begleiteten, in dem wir mit dem ersten Chore sprechen: Hier wird die lauretanische Litanei( Siehe S. 491.) gebetet, dann spricht man: V. Erhöhet ward die heilige Gottesgebärerin: R. Ueber die Chöre der Engel im Reiche der Himmel. Gebet. Herr, verzeihe gnädig die Sünden deiner Diener, und laß uns, die wir mit unsren Werten Dir nicht zu gefallen vermögen, auf die Fürbitte der Mutter deines Sohnes, unsres Herrn, das Heil erlangen. O Gott, Du Hirt und Lenker aller Gläubigen, sieh gnädig herab auf deinen Diener, unsern Papst N., den Du zum Hirten deiner Kirche bestimmt hast, und verleihe ihm, daß er das Heil aller, welchen er vorsteht, mit Wort und Beispiel befördere; damit er einst sammt der ihm anvertrauten Heerde zum ewigen Leben gelangen möge. O Gott, unsre Zuflucht und Stärke; erhöre gnädig die frommen Gebete deiner Kirche, der Du selbst der Urheber aller Frömmigkeit bist; und lasse uns das, um was wir vertrauensvoll bitten, erlangen. Durch Jesum Christum, unfren Herrn. Amen. 359 Das Fest der Himmelfahrt Mariens. Am zweiten Tage, den 7. Auguft. Komm, heiliger Geist 2c., Hymnus, wie am ersten Tage. Die Herrlichkeit Mariens im Tode. Betrachten wir, wie glorreich Maria in dem Augenblicke ihres Todes war; denn sie wurde nicht nur von den Aposteln, sondern auch von ihrem Sohne, Jesu Christo, selbst getröstet. Indem wir also den überschwänglichen Trost erwägen, den sie bei ihrem Hinscheiden über eine so vorzügliche Gnade empfand, wollen wir uns ihr folgendermaßen empfehlen: O glorwürdige Jungfrau, die' du zu deinem größten Troste gewürdigt wurdeft, im Beiſein der Apostel zu sterben; erwirke uns bei Gott die Gnade, daß auch unsre Seele in deiner Gegenwart und im Beisein unsrer heiligen Fürsprecher verscheide.- Drei Gegrüßet seist du zc. O glorwürdige Jungfrau, die du in deiner Todesstunde durch die Erscheinung deines Sohnes Jesu getröstet wurdest; bitte für uns, daß auch wir in jener Stunde Jesum Christum in der heiligen Wegzehrung empfangen und durch seine Gegenwart himmlische Tröstung verkosten. Drei Gegrüßet seist du zc. - O glorwürdige Jungfrau, die du deinen Geist in die Hände Jesu übergeben hast, hilf uns, daß wir sowohl im Leben als im Tode unsre Seele in die Hände Jesu übergeben und 360 Zweiter Theil. 2. Andachten und Novenen 2c. allezeit bereit seien, seinen heiligsten Willen zu vollbringen. Drei Gegrüßet seist du zc. Wir wollen die Herrlichkeit Mariens erheben, welcher in der Stunde ihres Hinscheidens die Apostel und ihr Sohn Jesus beigestanden haben, und indem wir uns ihres Triumphes erfreuen, sprechen wir voll des Trostes mit dem zweiten Chore der Engel: Litanei und Gebete, wie S. 358. - Am dritten Tage, den 8. Auguft. Komm, heiliger Geist 2c., Hymnus, wie am ersten Tage. Die Herrlichkeit Mariens im Tode. Betrachten wir, wie die heiligste Jungfrau Maria im Tode verherrlicht ward, da sie blos vermöge der Uebermacht der göttlichen Liebe ihren Geist auf gab: und indem wir ein sehnliches Verlangen tragen, auch durch ein solch heiliges Liebesfeuer im letzten Kampfe gestärkt zu werden, flehen wir zu ihr: O Maria, glückseligste der Jungfrauen, die bu allein durch den Andrang der heftigsten Liebe zu Gott dies sterbliche Leben verließest; nimm dich unser an, damit diese lebendige Flamme der Liebe dem göttlichen Willen gemäß, auch in uns angezündet werde,- Drei Gegrüßet seist du 2c. O Maria, glückseligste der Jungfrauen, die du, vermöge der Uebermacht der göttlichen Liebe sterbend, uns lehrtest, wie unsre Liebe zu Gott beschaffen sein sollte; verleihe, daß wir uns von Ihm weder im Leben noch im Tode mehr trennen. Drei Gegrüßet jeist du 2c. 361 Das Fest der Himmelfahrt Mariens. O Maria, glückseligste der Jungfrauen, die du bei deinem Hinscheiden aus diesem Leben durch die Entzückung deines Geistes bewieſest, wie groß jenes Feuer war, das stets in deinem Herzen brannte; erlange uns nur einen Funken dieses göttlichen Feuers, damit wir alle unsre Sünden wahrhaft bereuen können. Drei Gegrüßet seist du 2c. Wir erheben lobpreijend mit dem dritten Chore der Engel die unaussprechliche Glorie Mariens, die ganz entflammt ist von Liebe zu ihrem Gott, und sprechen: Litanei und Gebete, wie S. 358. Am vierten Tage, den 9. Auguft. Komm, heiliger Geist 2c., Hymnus, wie am ersten Tage. Die Herrlichkeit Mariens nach dem Tode. Betrachten wir, wie glorreich nach dem Tode Mariens ihr entseelter Leib war, der mit wunderbarem Glanze und hoher Majestät umgeben, paradiesischen Wohlgeruch verbreitete, und durch den zahlreiche Wunder geschahen. Indem wir unser Elend erwägen, wollen wir sie folgendermaßen bitten: O unversehrteste Herrin, die du wegen deiner jungfräulichen Reinigkeit verdient hast, an deinem entseelten Leibe so hellleuchtend und in solcher Majestät zu erscheinen; erlange uns Kraft, damit wir jeden unreinen Geist von uns abhalten. Drei Gegrüßet seist du 2. O unversehrteste Herrin, die du wegen dei 362 3weiter Theil. 2. Andachten und Novenen 2c. ner seltenen Tugenden die lieblichsten Wohlgerüche des Himmels um deinen entseelten Leib verbreitet hast; verleihe, daß unser Leben dem Nächsten zur Erbauung diene, und daß wir niemals mit unsrem bösen Beispiele ihm zum Aergernisse werden. Drei Gegrüßet seist du zc. O unversehrteste Herrin, schon durch das Ansehen deines heiligen Leibes wurden viele körperliche Krankheiten geheilt; erflehe uns die Gnade, daß wir von allen Krankheiten unsrer Seele ge= heilt werden. Drei Gegrüßet seist du 2c. Freuen wir uns wegen der Herrlichkeit, die sich an dem entseelten Leibe Mariens offenbarte, und vereinigen wir uns mit dem vierten Chore der Engel, um ihre Hoheit zu lobpreisen, indem wir sprechen: 2itanei und Gebete, wie S. 358. Am fünften Tage, den 10. Auguft. Komm, heiliger Geist 2c. Hymnus, wie am ersten Tage. Die Herrlichkeit Mariens nach dem Tode. Betrachten wir, wie glorwürdig Maria nach ihrem Tode war, als ihr heiliger Leib, durch die Kraft des Allerhöchsten, zum Leben wieder erstand, und die Eigenschaften der verklärten Leiber, die Klars heit, Feinheit( Geistigkeit), Behendigkeit und Leidensunfähigkeit erhielt. Freuen wir uns über den Vorzug ihrer Herrlichkeit, und rufen wir sie also an: Oerhabenste Herrin, die du von deinem Gott so glorreich zum Leben erweckt wurdest, er Das Fest der Himmelfahrt Mariens. 363 zeige dich uns gnädig; auf daß auch wir am Tage des allgemeinen Gerichtes also erweckt werden. Drei Gegrüßet seist du 2c. O erhabenste Herrin, die du wegen deiner Demuth und deiner erhabenen Tugendbeispiele während deines sterblichen Lebens, durch die Gabe der Klarheit und Feinheit( Geistigkeit) in deinem erstandenen Leibe erhöhet wurdest; verleihe, daß wir jede sündhafte Gewohnheit, besonders die verderbliche Hochschätzung unsrer selbst ablegen, damit die heilige Demuth, als unser wahrer Schmuck, ihre Wohnung in uns nehmen könne. - Drei Gegrüßet seist du 2c. O erhabenste Herrin, durch jene Behendigkeit und Leidensunfähigkeit, womit du wegen deines Eifers und deiner großen Geduld, welche dich hier auf Erden vor andern auszeichnete, in deinem wiedererstandenen Leibe verherrlicht wurdest, erbitte uns Muth, unsren Leib zu bezwingen und wider seine ungeordneten Neigungen mit Geduld zu streiten. Drei Gegrüßet seist du zc. - Verehren wir nun pflichtschuldigst Maria, und indem wir sie wegen der Herrlichkeit, die sie an ihrem erstandenen Leibe erlangte, hoch erheben, preisen wir sie mit dem fünften Chore der Engel, und sprechen: Litanei und Gebete, wie S. 358. 364 3weiter Theil. 2. Andachten und Novenen 2c. Am fediften Tage, den 11. Auguft. Komm, heiliger Geist 2c. Hymnus, wie am ersten Tage. Die Herrlichkeit Mariens nach dem Tode. Betrachten wir, wie glorreich Maria in den Himmel aufgenommen wurde, indem sie von den vielen Legionen der Engel, und von den Seelen, die sie durch ihre Verdienste aus dem Fegfeuer erlöste, dahin begleitet ward; und indem wir bei ihrem herrlichen Triumphe frohlocken, legen wir unsre Bitte ihr demüthig zu Füßen, und rufen sie also an: O große Königin, die du mit solcher Herrlichkeit in das Reich des ewigen Friedens einge= zogen bist, verleihe, daß auf deine Fürbitte jede irdische Neigung von uns genommen und unsre Herzen in der Betrachtung der unvergänglichen Güter des Himmels befestigt werden.- Drei Gegrüßet seist du zc. O große Königin, die du bei deiner Auffahrt in den Himmel von allen Chören der Engel begleitet wurdeft, erwirke uns von Gott Klugheit und Muth, die Anfälle unsrer Feinde zurückzuschlagen, und gib uns Folgsamkeit gegen die Mahnungen des heiligen Schußengels, der uns beständig nahe ist und uns leitet.- Drei Gegrüßet seist du zc. O große Königin, durch jene Verherrlichung, welche dir bei deiner Aufnahme in den Himmel durch das Geleit jener Seelen zu theil ward, 365 Das Fest der Himmelfahrt Mariens. welche du durch deine Verdienste aus dem Fegfeuer erlöst hatteſt, nimm dich jetzt unser an, auf daß wir von der Sclaverei der Sünde befreit und würdig befunden werden, dich die ganze Ewigkeit hindurch zu preisen.- Drei Gegrüßet ſeist du 2c. Wir wollen ohne Unterlaß über den erhabenen Triumph Mariens uns freuen und über jene hohe Verherrlichung, die ihr bei ihrer feierlichen Aufnahme in den Himmel zu theil wurde; und indem wir unsre Verehrung mit dem sechsten Chore der Engel vereinigen, sprechen wir: Litanei und Gebete, wie S. 358. Am fiebenten Tage, den 12. Auguft. Komm, heiliger Geist 2c. Hymnus, wie am ersten Tage. Die Herrlichkeit Mariens nach dem Tode. Betrachten wir, wie Maria im Himmel verherrlicht wird, indem sie, zur Königin des Himmels und der Erde erhoben, von der unzähligen Schaar der Engel und Heiligen einen fortwährenden Tribut des Lobes und der Verehrung empfängt; daher wollen wir uns niederwerfend vor dem Throne ihrer Herrlichkeit, ihren Beistand mit folgendem Gebete anrufen: Oerhabenste Mutter, Königin der ganzen Welt, die du durch deine unvergleichlichen Verdienste zu solcher Herrlichkeit im Himmel erhoben wurdest; siehe mitleidig auf unser Elend herab, und regiere uns durch deinen wirksamen Schuß. Drei Gegrüßet seist du zc. Oerhabenste Mutter, Königin der ganzen - 366 Zweiter Theil. 2. Andachten und Novenen 2c. Welt, die du ohne Unterlaß die Verehrung und Huldigung aller himmlischen Geister empfängst, erlaube uns gnädig, dich anzurufen, und ver= leihe, daß wir unsre Anliegen mit jener Ehrerbietung dir vortragen, welche deiner Würde und Hoheit angemessen ist.- Drei Gegrüßet seist du zc. O erhabenste Mutter, Königin der ganzen Welt, durch jene Herrlichkeit, die dir gebührt wegen des höchsten Ranges, welchen du nach Gott im Himmel einnimmst, würdige dich, uns in die Zahl deiner Diener aufzunehmen, und erwir.e uns die Gnade, daß wir allezeit bereit seien, die Gebote unsres Gottes und Herrn getreu zu erfüllen. Drei Gegrüßet seist du zc. - Nehmen auch wir an jener Freude theil, welche die Engel über die Verherrlichung Mariens empfinden, und indem wir uns hoch erfreuen, daß sie zur Königin der ganzen Welt glorreich erhoben wurde, sprechen wir mit dem siebenten Chore der Engel: Litanei und Gebete, wie S. 358. Am aditen Tage, den 13. Auguft. Komm, heiliger Geist 2c. Hymnus, wie am ersten Tage. Die Herrlichkeit Mariens nach dem Tode. Betrachten wir die Herrlichkeit Mariens in dem königlichen Diadem, das sie von ihrem göttlichen Sohne erhielt, und in der tiefsten Einsicht in die erhabensten und verborgensten, vergangenen, gegenwärtigen und zukünftigen Dinge, die ihr verliehen Das Fest der Himmelfahrt Mariens. ward; und voll Ehrfurcht vor der ausgezeichneten Würde dieser großen Königin, flehen wir zu ihr mit folgendem Gebete: O unvergleichliche Königin, die du im Himmel den erhabenen Vorzug genießest, mit einem kostbaren Diadem von deinem göttlichen Sohne gekrönt zu sein; mache uns theilhaft deiner ausgezeichneten Tugenden und verleihe, daß wir durch die Lauterkeit unsrer Gesinnungen würdig befunden werden, einst mit dir im Himmel gekrönt zu werden. Drei Gegrüßet seist du 2c. O unvergleichliche Königin, durch jene hohe Erkenntniß über alle Dinge der Welt, die dir verliehen wurde; verzeihe unsre bisherige Bosheit und gestatte nicht, daß wir je wieder durch die Ausgelassenheit unsrer Zunge und unsrer Gedanken dir mißfällig werden. Drei Ge= grüßet seist du 2c. - 367 - 11 O unvergleichliche Königin, die du den sehnlichsten Wunsch hegst, daß alle Menschen rein und unbefleckt und dadurch würdig wären, bei Gott zu sein; erwirke uns Verzeihung unsrer Sünden, und hilf uns, daß alle unsre Blicke, Geberden und Handlungen seiner göttlichen Majestät wohlgefällig ſeien. Drei Gegrüßet jeiſt 2c. Reinigen wir unser Herz, um Maria würdig zu loben, und vereinigen wir mit der Lobpreisung, die sie wegen ihrer Krone empfängt, die demüthigen Neußerungen unsrer Liebe, indem wir mit dem achten Chore der Engel freudig sprechen: Litanei und Gebete, wie S. 358. 368 3weiter Theil. 2. Andachten und Novenen 2c. Am neunten Tage, den 14. Auguft. Komm, heiliger Geist 2c., Hymnus, wie am ersten Tage. Die Herrlichkeit Mariens nach dem Tode. Betrachten wir, daß Maria auch darum im Himmel herrlich erscheint, weil sie eine Beschüßerin der Menschen ist, und ihnen mit größter Bereitwilligfeit in ihren Nöthen beisteht; und beseelt von lebendigem Vertrauen, weil wir im Himmel die Mutter unfres Gottes jelbst zur Beschüßerin haben, flehen wir sie an: Maria, unsre mächtigste Beschüßerin, die du in deiner Herrlichkeit im Himmel die Fürsprecherin der Menschen bist; entreiße uns der Gewalt des höllischen Feindes und übergib uns wieder in die Arme unsres Schöpfers und Got tes. Drei Gegrüßet seist du zc. - Maria, unsre mächtigste Beschüzerin! Weil du im Himmel die Fürsprecherin der Menschen bist, ſo bleibst du stets besorgt, daß alle zum ewigen Heile gelangen möchten; laß doch nicht zu, daß wir bei der Erinnerung an unsre begangenen Sünden und Rückfälle verzweifeln.- Drei Gegrüßet seiſt du zc. Maria, unsre mächtigste Beschützerin, die du, um das Amt einer Schußfrau auszuüben, den Menschen vergönnest, dich jederzeit anzuflehen; erwirke uns den Geist wahrer Andacht, und nimm dich unser an, damit wir während unfres ganzen 369 Das Fest der Himmelfahrt Mariens. Lebens, und vorzüglich in dem furchtbaren Augenblicke unsres Hinscheidens dich anrufen.- Drei Gegrüßet seist du 2c. Feiern wir nun mit höchster Verehrung die Herrlichkeit Mariens; und von Trost erfüllt, im Himmel an ihr eine Fürsprecherin zu haben, vereinigen wir uns mit dem neunten Chore der Engel, um sie zu preisen, und sprechen: Litanei und Gebete, wie S. 358. Het- Betrachtung. Erster Punkt. Der hl. Bernard jagt, es scheine, als ob die heilige Kirche uns am Feste der Himmelfahrt Mariens eher einladen sollte, zu weinen, als fröhlich zu sein, weil unsre süße Mutter von dieser Erde scheidet, uns ihrer geliebten Gegenwart beraubt und uns allein zurückläßt.*) Aber nein, die Kirche ladet uns heute im Eingange der Messe zu heiliger Freude ein mit den Worten: Frohlocken wir in dem Herrn, da wir einen Festtag zu Ehren der seligsten Jungfrau feierlich begehen!" Oder sollten wir uns über die Herrlichkeit unsrer geliebten Mutter nicht von Herzen freuen? Welcher Sohn würde nicht froh sein und müßte er sich auch von seiner Mutter trennen, wenn er wüßte, daß dieselbe Besitz von einem Königreiche nehmen sollte? Maria soll heute zu einer Himmelskönigin gekrönt werden; wenn wir sie also wirklich lieben, so ist es unmöglich, daß nicht auch wir diesen Tag festlich begehen. *) Serm I. de ass. Herrlicht. Mar. 24 370 Zweiter Theil. 2. Andachten und Novenen 2c. Viele heiligen Väter sind der Meinung, daß Jesus, um den Triumphzug der seligsten Jungfrau zu verherrlichen, ihr selbst vom Himmel herab entgegen geeilt sei und sie begleitet habe. Unser göttlicher Erlöser wollte vor seiner Mutter in den Himmel auffahren, um ihr dort ihren Sitz zu bereiten, und ihren Einzug dadurch zu verherrlichen, daß Er selbst mit allen seligen Geistern sie begleitete. Der hl. Petrus Damianus sagt, daß die Himmelfahrt Mariens gewissermaßen glorreicher gewesen sei, als jene des Erlösers, weil diesem nur die Engel entgegengekommen, während jene, von dem Herrn der Herrlichkeit begleitet und umgeben von der Gesellschaft der Engel und Heiligen, ihren Einzug in den Himmel gehalten habe. Betrachte, wie Jesus seiner geliebten Mutter entgegenkommt und ihr zuruft: Komme mit Leib und Seele, um den Lohn für dein heiliges Leben zu empfangen. Wenn du auch viel auf Erden hast leiden müssen, so ist doch die Herrlichkeit, welche dir jetzt zu theil wird, ein reichlicher Erjazz. Komme, um dich in meiner Nähe niederzuseßen, um die Krone zu empfangen, mit der Ich dich zu einer Königin der Welt krönen will!" Die heiligen Engel rufen ihr entgegen: Dies ist die Mutter unsres Königs, die Gebenedeite unter den Weibern, die Gnadenvolle, die Heilige der Heili gen, die Braut Gottes, die unbefleckte Jungfrau, die Gottgefälligste unter allen Geschöpfen." Es fingen und loben sie alle seligen Geister und rufen ihr zu, mit weit mehr Recht als dies ehemals die Juden der Judith zuriefen: Du bist der Ruhm 11 Das Fest der Himmelfahrt Mariens. 371 Jerusalems, du die Freude Israels, du die Ehre unfres Volkes!" Es begrüßen sie die heiligen Jungfrauen als ihre Königin und danken ihr für das große Beispiel, das sie ihnen gegeben, indem sie ihre Jungfrauschaft dem Herrn aufopferte. Es begrüßen fie die heiligen Bekenner als ihre Lehrmeisterin, indem sie durch ihren heiligen Lebenswandel sie so schöne Tugenden gelehrt. Es begrüßen sie die heiligen Martyrer als ihre Königin, weil sie ihnen durch ihre Ausdauer bei dem Leiden ihres Sohnes gezeigt, wie auch sie ihr Leben für den Glauben aufzuopfern hätten, und weil sie ihnen durch ihre Verdienste die Kraft erlangt, ihre Martern geduldig zu leiden. Es begrüßt fie im Namen der übrigen Apostel der ihr bereits in den Himmel vorangegangene hl. Jakobus und preist sie für all die Hilfe und den Beistand, welchen sie den Jüngern des Herrn geleistet. Es begrüßen sie die Propheten als die erhabene Königin, die sie einst der Welt in ihren Weissagungen vorherverkündet. Es begrüßen sie die Patriarchen als die selige Hoffnung, nach welcher sie so lange und sehnlich geſeufzt hatten. Es begrüßen sie die StammEltern Adam und Eva, und danken ihr, daß durch ihre Mitwirkung das Uebel wieder gut gemacht worden, welches sie durch ihre Schuld über das Menschengeschlecht gebracht. Es begrüßen sie ein heiliger Simeon, ein hl. Zacharias, eine hl. Elijabeth, ein hl. Johannes der Täufer, und preisen fie für die vielen Wohlthaten, die sie ihnen einst erwiesen. Mit welchen Glückwünschen und Lobpreisungen werden ihr erst ihre heiligen Eltern, 372 Zweiter Theil. 2. Andachten und Novenen zc. Joachim und Anna entgegen gekommen sein! Wer könnte wohl die selige Wonne schildern, welche der Hl. Joseph empfand, als er seine geliebte Braut so glorreich in den Himmel einziehen sah. Mit welcher Liebe und Zärtlichkeit wird er ihr für das hohe Glück gedankt haben, von ihr, der Mutter des Herrn als Bräutigam angenommen worden zu sein! Endlich läßt sich denken, welch freudigen Empfang der ewige Vater seiner Tochter, der göttliche Sohn seiner Mutter, der heilige Geist seiner Braut bereitet haben wird. Der Vater krönte sie, indem Er sie theilnehmen ließ an seiner Macht; der Sohn, indem Er ihr an seiner Liebe, und der hl. Geist, indem Er ihr an seiner Weisheit Antheil gab. Alle drei göttlichen Personen erklärten sie zu einer Königin des Himmels und der Erde, sie wiesen ihr einen Thron zur Rechten Jesu Christi an; sie befahlen den Engeln und allen Geschöpfen, ihr als ihrer Königin zu gehorchen und zu dienen. Zweiter Punkt. Wenn der menschliche Verstand, nach dem Ausspruche des hl. Paulus, nicht begreifen kann, welch unendliche Herrlichkeit Gott im Himmel denen bereitet, welche Ihn auf Erden lieben, wer wird alsdann wohl, ruft der hl. Bernard aus, begreifen können, welche Herrlichkeit der Herr ſeiner geliebten Mutter bereitet haben wird, die Ihn von dem ersten Augenblicke ihres Lebens an mehr als alle Menschen und Engel geliebt hat! So hat denn die heilige Kirche recht, wenn sie freudig ausruft, daß, weil Maria Gott mehr geliebt hat 373 Das Fest der Himmelfahrt Mariens. als alle Engel, sie auch über alle Engel im Himmel erhaben sei. Die Heiligen im Himmel genießen zwar einen vollkommenen Frieden. Aber obgleich sie nichts mehr verlangen, als was sie genießen, so könnten sie doch eine höhere Stufe der Seligkeit wünschen, wenn sie größere Liebe zu Gott bethätigt hätten. Auch die Sünden, die sie begangen, und die Zeit, die sie verloren haben, verursachen ihnen im Himmel feinen Schmerz mehr; aber ihre Zufriedenheit müßte die höchste sein, wenn sie die Unschuld nie befleckt und die Zeit noch treuer benußt hätten. Maria, die Reinste unter den Heiligen, hat den höchsten Grad der Seligkeit erreicht, sie fann nichts mehr wünschen. Es ist nach der Entscheidung des Kirchenraths von Trient( Sitz. 6. C. 23.) gewiß, daß sie nicht eine einzige Sünde, nie den geringsten Fehler begangen; nicht allein hat sie nie die Gnade Gottes verloren, oder auch nur im geringsten verdunkelt, sondern sie ließ dieſelbe nicht einen Augenblick unbenutt, fie that nie eine Handlung, die ohne Verdienst gewesen; sie sagte nie ein Wort, sie hatte nie einen Gedanken, sie stieß nie einen Seufzer aus, welchen sie nicht auf die größere Ehre Gottes bezogen hätte; mit einem Worte, fie erfaltete niemals, sie hielt nie einen Augenblick inne, sich enger und enger mit Gott zu vereinigen. Auf solche Weise entsprach sie fortwährend und aus allen ihren Kräften der göttlichen Gnade und liebte ihren Gott, so sehr sie Ihn nur lieben konnte. Nach dem Ausdrucke des heiligen Paulus gibt es verschiedenartige Gnadengaben, so daß jeder 374 3weiter Theil. 2. Andachten und Novenen 2c. Heilige durch treues Mitwirken mit denjenigen, die ihm beschieden worden, sich in irgend einer Tugend ausgezeichnet hat, der eine durch seinen Eifer für das Heil der Seelen, der andre durch ein bußfertiges Leben, ein dritter durch Erduldung großer Leiden und Martern u. s. w. Nach dem Verdienst ist auch der Grad der Seligkeit jedes Heiligen verschieden. Die Apostel unterscheiden sich von den Martyrern, die Bekenner von den Jungfrauen, die Unschuldigen von den Büßern. Weil aber die allerjeligste Jungfrau, voll von Gnaden war, so ist sie auch in einer jeden Tugend weit erhabener, als jeder andere Heilige. Sie war wie ein Apostel für die Apostel; sie war die Königin der Martyrer, weil sie mehr zu leiden hatte als alle Martyrer zusammen; sie stand an der Spitze der Jungfrauen; sie war ein Beispiel für die Verehelichten; sie vereinigte die vollkommenste Unschuld mit der vollkommensten Abtödtung; in ihrem Herzen fand man vereinigt die heldenmüthigsten Tugenden, welche je ein Heiliger auf Erden ausgeübt hat; deshalb heißt es auch von ihr in der heiligen Schrift: Die Königin steht zu deiner Rechten im goldenen Kleide, im bunten Gewande,"( Pf. 44, 10.) weil alle Gnaden, alle Vorzüge, alle Verdienste der übrigen Heiligen in ihr vereinigt sind. 11 Freuen wir uns daher mit Maria, daß Gott fie im Himmel auf einen so hohen Thron gesetzt hat. Freuen wir uns aber auch über uns selbst, denn wenn auch die leibliche Gegenwart unsrer lieben Mutter uns durch ihre Himmelfahrt entzo= gen ist, so hat sich doch ihr liebevolles Herz nicht Das Fest der Himmelfahrt Mariens. 375 von uns getrennt. Ja, weil sie jetzt Gott näher steht und aufs innigste mit Ihm vereinigt ist, so fennt sie unser Elend besser, hat mit uns größeres Mitleiden und kann uns wirksamer helfen. Widmen wir uns also gänzlich dem Dienste dieser großen Königin, nehmen wir uns vor, sie zu ehren, zu lieben, ihren Tugendbeispielen nachzufolgen und bitten wir, sie möge von dem Throne ihrer Herrlichkeit stets mitleidig auf uns herabschauen und uns, so lange wir noch in diesem Thränen- Thale weilen, ihren vielvermögenden Beistand angedeihen lassen. Beispiel. Der hl. Karl Borromäus, Erzbischof von Mailand und Cardinal der heiligen römischen Kirche, nimmt unter den Verehrern der allerieligsten Jungfrau einen verzüglichen Rang ein. Dieser eifrige Oberhirt, der in bösen Zeiten mit unermüdeter Thätigkeit für das Wohl seiner Heerde arbeitete, war fest überzeugt, daß die Bemühungen des Menschen zum Heile der Seelen ohne den Beistand von oben wenig fruchteten; in dieser Ueberzeugung nahm er gewöhnlich seine Zuflucht zu Jesus und Maria. Schon als Knabe besuchte er häufig eine Kirche, in welcher Maria besonders verehrt wurde, und ihrem mütterlichen Schuße befahl er sich in den Gefahren, denen seine Reinigkeit ausgesetzt war. Mit Heldenmuth besiegte er auch die Versuchungen, welche er als Jüngling zu bestehen hatte. Täglich betete er knieend den Rosenkranz und die Tagzeiten Mariens, und fastete an den Vigilien ihrer Festtage bei Wasser und Brod. Befand er sich zufällig auf der Straße, wenn das Zeichen zum englischen Gruße gegeben wurde, so knieete er auf der Stelle nieder, um sein Gebet zu verrichten. Durch sein oberhirtliches Ansehen trug er sehr viel bei, die Andacht 376 3weiter Theil. 2. Andachten und Novenen 2c. zu Maria in seiner ganzen Diöcese zu verbreiten. Er verordnete sogar, daß am Eingange einer jeden Kirche ihr Bildniß aufgestellt werden sollte, um die Gläubigen zu erinnern, daß wir durch sie Zutritt zu Gott, dem Urquell aller Gnaden, suchen müssen, und nicht anders in den Tempel der ewigen Herrlichkeit eingehen können, als durch die Vermittelung derjenigen, welche von der Kirche die Pforte des Himmels genannt wird. In gleicher Weise forderte er die Gläubigen auf, jedesmal, wenn sie den Namen Mariens aussprachen, ihr auch die gebührende Ehrerbietung zu erweisen. Kurz, er hatte ſelbst eine kindliche Andacht zu der göttlichen Mutter und bemühte sich, dieselbe auch bei andern, vorzüglich bei den seiner Hirtensorge empfohlenen Seelen zu wecken und zu erhalten. Wie heilsam dieſelbe ihm selbst und seiner Kirche gewesen sei, beweist hinlänglich seine vorzügliche Heiligkeit und das viele Gute, welches er in seiner Diöcese und selbst außer derjelben gewirkt hat. festgebet. Ogroße, erhabene, glorwürdige Königin Maria, aus diesem Thränenthale rufen wir Lob und Preis dir zu. Wir freuen uns über die unendliche Herrlichkeit, mit welcher Gott dich ge= schmückt hat. O vergiß uns, deine elenden Diener, nicht, jetzt, da du zu einer Königin des Himmels und der Erde erhoben bist. Verschmähe es nicht, mit deinen barmherzigen Augen von dem erhabenen Throne, auf welchem du jetzt herrschest, auf uns elende Sünder herabzublicken. Je näher du der Quelle des Heiles bist, desto besser kannst du uns Gnaden zukommen lassen. 377 Das Fest der Himmelfahrt Mariens. Du kennst jetzt im Himmel weit besser als ehemals unser Elend und daher mußt du uns auch desto mehr Mitleid und Hilfe erweisen. Verleihe, daß wir hier auf Erden deine getreuen Diener werden, damit wir dich im Himmel die ganze Ewigkeit hindurch preisen und loben können. Wir weihen uns an dem heutigen Tage, da du eine Königin des Himmels und der Erde geworden bist, deinem Dienste. Tröste uns, die du einer so großen Freude theilhaftig geworden bist, tröste uns, indem du uns zu deinen Dienern annimmst. Du bist ja unsre Mutter; nun denn, o süßeste, o liebenswürdigste Mutter; siehe wie viele Menschen deine Altäre umgeben, wie der eine dich um Heilung eines Uebels, der andere um Beistand in seiner Noth, dieser um eine glückliche Ernte, jener um den glücklichen Ausgang eines Streithandels bittet. Doch wir bitten dein liebevolles Herz um höhere Güter; erlange uns die Gnade, daß wir recht demüthig werden, daß wir alle Anhänglichkeit an die Dinge dieser Welt verlieren; daß wir Gott fürchten, daß wir selig sterben und dereinst in den Himmel kommen. O meine Königin, bitte für uns, damit wir aus Sündern Heilige werden; wirke dieses Wunder, wodurch dir mehr Ehre zukommen wird, als wenn du tausend Blinden das Gesicht erlangt, als wenn du tausend Todte wieder zum Leben 378 3weiter Theil. 2. Andachten und Novenen 2c. erweckt hättest. Siehe, du bist so mächtig bei Gott; es genügt, daß du Ihm sagest, du seiest seine liebe Mutter, du seiest voll seiner Gnade; was könnte dir der Herr alsdann wohl abschlagen? O unsre Königin, wir wagen es nicht zu hoffen, dich hier auf Erden noch zu sehen, aber wir möchten dich im Himmel sehen, diese Gnade mußt du uns erlangen. Amen. Das Feft der Geburt Mariens. ( Am 8. September.) Geschichtliche Vorerinnerung. Wahrscheinlich begann man in der griechischen Kirche dieses Fest zu feiern schon nach der allgemeinen Kirchen- Versammlung zu Ephesus im Jahre 431, in welcher der heiligen Jungfrau der Titel, Mutter Gottes gegen die Irrlehre des Nestorius ist bestätigt worden. Im Abendlande, auf welches ohnehin die Regerei des Nestorius keinen starten Einfluß übte, fand, wie die Marienfeste überhaupt, auch dieses Fest nicht so schnell Verbreitung. Schon mehr als tausend Jahre wird indessen das Fest der Geburt Mariens mit großer Feierlichkeit in der Kirche begangen. In der römischen Ordnung der Homilien wird gemäß der Verfügung des Papstes Sergius vom Jahre 688 davon gesprochen. In dem Sacramentarium Gregor's des Großen findet man Collecten, eine Procession und Metten auf dieses Fest mit einer eigenen Präfation für die Messe dieses Tages. Ebenso find auch eine eigene Messe und Collecten für dieses Fest in dem alten, römischen Sacramentarium, welches der Cardinal Tomasi herausgegeben, Das Fest der Geburt Mariens. 379 und das nach dem Urtheile der Gelehrten dasselbe ist, dessen sich der Hl. Papst Leo der Große und einige seiner Vorfahren bedienten. Der hl. Ildephons, der im siebenten Jahrhundert lebte, spricht von eben diesem Feste. 5. Novene zur Vorbereitung auf das Fest der Geburt Mariens. ( Beginnt mit dem 30. Auguft.) Komm, heiliger Geist, erfülle die Herzen deiner Gläubigen, und entzünde in ihnen das Feuer deiner Liebe. V. Sende aus deinen Geist, und sie werden neu geschaffen werden; B. Und Du wirst das Angesicht der Erde erneuern. O Gott, der Du die Herzen deiner Gläubigen durch die Erleuchtung des heiligen Geistes belehret hast; verleihe, daß wir in dem nämlichen Geiste das Rechte erkennen und seines Trostes uns allezeit erfreuen mögen. Durch Christum, unsern Herrn. Gebet. O allerheiligste Jungfrau Maria, die du von Ewigkeit her von dem dreieinigen Gott zur Mutter des eingebornen Sohnes des Vaters erwählt und vorbestimmt, von den Propheten vorher verkündigt, von den Patriarchen erwartet und 380 Zweiter Theil. 2. Andachten und Novenen zc. von allen Völkern ersehnt wurdest; du Schatzfammer und lebendiger Tempel des heiligen Geistes, du fleckenlose Sonne, empfangen ohne Makel der Erbjünde, Gebieterin des Himmels und der Erde, Königin der Engel! Wir verehren dich tiefgeneigt und erfreuen uns der jährlichen Ge= dächtnißfeier deiner für uns so segensreichen Geburt, und aus dem Innersten unsres Herzens flehen wir zu dir, daß du dich gütigst würdigen wollest, in unsern Seelen geistiger Weise wiedergeboren zu werden; damit sie, von deiner Lieblichkeit und Süßigkeit eingenommen, stets mit deinem süßesten und liebenswürdigsten Herzen vereint bleiben. Amen. Dieses Vorbereitungs- Gebet wird an allen Tagen der neuntägigen Andacht gebetet. Am ersten Tage, den 30. Auguft. Mit neun besondern Begrüßungen begehen wir die Vorfeier deiner Geburt, und preisen dich, daß du, aus dem königlichen Stamme David's entsprossen, mit großen Ehren von deiner glückseligsten Mutter, der hl. Anna, zur Welt gebo= ren wurdest. Gegrüßet seist du zc. Gebet. Oliebenswürdigstes Kind, welches du durch deine gnadenvolle Geburt die Welt getröstet, den Himmel erfreut und die Hölle erschreckt haft; welches du den Gefallenen eine Stüke, den Betrübten eine Stärkung, den Kranken ein Heil - Das Fest der Geburt Mariens. 381 und allen ein Trost geworden; wir bitten dich mit innigstem Verlangen, du wollest heute in unsrer Seele mit deiner heiligen Liebe geistiger Weise wieder geboren werden. Belebe und erneuere unsern Geist zu deinem Dienste; entflamme unsre Herzen zur Liebe zu dir; laß in uns jene Tugenden aufblühen, durch die wir mehr und mehr Gnade finden in deinen Augen. O Maria, laß uns allezeit verkosten die wunderbare SüBigkeit deines anmuthigsten Namens. Die Anrufung dieses Namens sei unsre Tröstung in der Kümmerniß, unsre Hoffnung in Gefahren, unſer Schild in den Versuchungen, unsre Stärkung im Tode. Dein Name, o Maria, sei Honig in meinem Munde, meinen Ohren eine sanfte Melodie und ein Jubelruf in meinem Herzen. Amen. Hier folgt die lauretanische Litanei( Siehe S. 491), dann betet man: V. Deine Geburt, o heilige Jungfrau und Gottesgebärerin; B. Hat Freude verkündet der ganzen Welt! Wir bitten Dich, o Herr, Du wollest deinen Dienern das Geschenk der himmlischen Gnade verleihen; damit, gleichwie uns der Eingeborne der heiligen Jungfrau zum Ursprunge des Heiles geworden ist, die festliche Feier ihrer Geburt uns zum Wachsthum des Friedens gereiche. O Gott, Du Hirt und Lenker aller Gläubigen, siehe gnädig herab auf deinen Diener, un 382 3weiter Theil. 2. Andachten und Novenen 2c. sern Papst N., den Du zum Hirten deiner Kirche bestimmt hast; verleihe ihm, wir bitten Dich, daß er das Heil aller, welchen er vorsteht, mit Wort und Beispiel befördere; damit er einst sammt der ihm anvertrauten Heerde zum ewigen Leben gelangen möge. O Gott, unsre Zuflucht und Stärke! erhöre gnädig die frommen Gebete deiner Kirche, der Du selbst der Urheber aller Frömmigkeit bist; und lasse uns das, um was wir vertrauensvoll bitten, erlangen. Durch Jesum Christum, unsren Herrn. Amen. Am zweiten Tage, den 31. Auguft. Die Vorbereitungsgebete, wie S. 379. Wir grüßen dich, himmlisches Kind, schneeweiße Taube der Reinigkeit, die du zur Beschämung des höllischen Drachen ohne Erbsünde bist empfangen worden. Gegrüßet seist du zc. Litanei und Gebete, wie am ersten Tage. - Am dritten Tage, den 1. September. Die Vorbereitungsgebete, wie S. 379. Wir grüßen dich, hellschimmernde Morgenröthe, die du, als die Vorherverkünderin der göttlichen Sonne der Gerechtigkeit, das erste Licht der Erde wieder gebracht hast. Gegrüßet seist du 2c. - Litanei und Gebete, wie am ersten Tage. Das Fest der Geburt Mariens. Am vierten Tage, den 2. September. Die Vorbereitungsgebete, wie S. 379. Wir grüßen dich, o Auserwählte, die du in der dunkelsten Nacht der Sünde wie die heiterste Sonne aufgingest. Gegrüßet seist du 2c. Litanei und Gebete, wie am ersten Tage. - 383 Am fünften Tage, den 3. September. Die Vorbereitungsgebete, wie S. 379. Wir grüßen dich, schönster Mond, der du die Welt, die in die dichteste Finsterniß des Heidenthums gehüllt war, ganz erhellt haft. grüßet seist du 2c. Ge= Litanei und Gebete, wie am ersten Tage. - Am fediften Tage, den 4. September. Die Vorbereitungsgebete, wie S. 379. Wir grüßen dich als eine Schrecken erregende Kriegerin, die du, gleich einem geordneten Kriegsheere, allein die ganze Hölle in die Flucht Jeschlagen hast. Gegrüßet seist du, zc. Litanei und Gebete, wie am ersten Tage. Am fiebenten Tage, den 5. September. Die Vorbereitungsgebete, wie S. 379. Wir grüßen dich, Maria, du schönste Seele, die du von Ewigkeit her ganz besonders ein Eigenthum Gottes warst!- Gegrüßet seist du 2c. Litanei und Gebete, wie am ersten Tage. 384 3weiter Theil. 2. Andachten und Novenen zc. Am aditen Tage, den 6. September. Die Vorbereitungsgebete, wie S. 379. Wir grüßen dich, o liebes Kind, eingehüllt in Windeln, in deiner Wiege, in der du ruhtest, und benedeien die Zeit und den Augenblick, wo du geboren wurdeft. Gegrüßet seist du zc. Litanei und Gebete, wie am ersten Tage. Am neunten Tage, den 7. September. Die Vorbereitungsgebete, wie S. 379. Wir grüßen dich, o geliebtes Kindlein, ge= ziert mit allen Tugenden in einem weit erhabeneren Grade, als alle Heiligen; würdig daher, die Mutter des Erlösers zu werden, und überschattet von der Kraft des heiligen Geistes, um das göttliche Wort zu gebären. Gegrüßet seist du zc. Litanei und Gebete, wie am ersten Tage. Heft- Betrachtung. Erster Punkt. Es ist gewiß, daß Maria die schönste Seele und, nach der Menschwerdung des göttlichen Wor tes, das größte, des Herrn allerwürdigste Werk ist, das der Allmächtige auf Erden hervorgebracht hat. Die Gnaden, deren sie schon vor ihrer Geburt theilhaft geworden, übertreffen, nach der Behauptung vieler Gottesgelehrten,( Suarez, Cornelius Das Fest der Geburt Mariens. 385 a Lapide, Henriquez und andere) nicht nur jene, die jeder einzelne Heilige, sondern sogar die sämmt= lichen Gnaden, welche alle Heiligen und Engel zusammen empfangen haben. Der erste Grund besteht darin, daß Gott die seligste Jungfrau zur Mutter seines göttlichen Sohnes bestimmt hat. Da nun diese erhabene Würde zur Ordnung der hypostatischen Vereinigung( der Vereinigung einer menschlichen Natur mit der zweiten göttlichen Person in Christus) gehört, so mußten ihr auch vom Beginne ihres Lebens an Gnaden höherer Ordnung, als den übrigen Geschöpfen, ertheilt werden, indem jedem eine mit seiner Würde und Bestimmung im Verhältniß stehende Gnade vom Herrn zukommt, gemäß den Worten des hl. Paulus:( Gott) der uns tüchtig gemacht hat, Diener des Neuen Bundes zu sein."( II. Cor. 3, 6.) Wenn jemand, um mit dem hl. Bernardin von Siena zu reden, von Gott zu einem Stande erwählt worden ist, so wird er nicht nur zur Ausführung dessen, was in den Bereich seines Wirtens fällt, tauglich gemacht, sondern er empfängt auch besondere Gnaden, deren er zur würdigen Verwaltung seines Amtes bedarf. Deshalb geziemte es sich auch, daß Gott Maria, die Er zur Mutter seines Sohnes erwählt, vom ersten Augenblicke ihres Lebens an mit Gnaden ausstattete, die größer als die Gnaden aller andern Menschen und Engel waren, indem sie mit der erhabenen Würde, zu welcher Gott fie erheben wollte, im Verhältniß stehen mußten.*) Diesen Schluß machen alle *) S. Thom. 3. p. q. 27 a. 4. Herrlicht. Mar. 25 386 Zweiter Theil. 2. Andachten und Novenen 2c. Gottes- Gelehrten mit dem hl. Thomas, welcher behauptet, daß Maria, ehe sie noch Mutter Gottes gewesen sei, mit so großer Heiligkeit begnadigt war, daß sie hierdurch schon ganz geeignet für dieses hohe Amt befunden wurde.*) Der zweite Grund, woraus hervorgeht, daß Maria im ersten Augenblicke ihres Lebens heiliger war, als alle andern Heiligen zusammen, beruht darauf, daß sie vom Beginne ihres Lebens an das große Amt einer Mittlerin der Menschen empfangen hatte, und daß sie deswegen gleich anfangs größere Gnaden besigen mußte, als alle Menschen zusammen. Es ist bekannt, wie allgemein die heiligen Väter und die Gottes- Gelehrten Maria diesen Namen einer Mittlerin beilegen, weil sie nämlich durch ihre mächtige Fürbitte und durch ihre Verdienste einigermaßen für alle das Heil erlangt hat. Freilich war ihr Verdienst nur ein Verdienst im uneigentlichen Sinne( ein Verdienst der Billigkeit und Ziemlichkeit, das sich auf die Gnade, die Liebe, die Freigebigkeit und Erbarmung Gottes gründet), weil Jesus allein Mittler der Gerechtigkeit ist, da Er durch seine Verdienste im eigentlichen und strengen Sinne( nach dem Gejeße der Gerechtigkeit, der Art, daß die Verweigerung des Lohnes eine Ungerechtigkeit wäre) den ewigen Vater versöhnt hat. Maria hingegen ist nur eine Mittlerin der Gnade durch ihre mächtige Fürsprache und durch ihr Verdienst der Ziemlichkeit, *) In B. Virgine fuit perfectio quasi dispositiva, per quam reddebatur idonea ad hoc quod esset Mater Christi; et hoc fuit perfectio sanctificationis. Idem a. 5. ad 2. 387 Das Fest der Geburt Mariens. indem sie, wie die Gottesgelehrten mit dem hl. Bonaventura lehren, Gott ihre Verdienste für das Heil aller Menschen darbrachte, worauf Gott dieſelben mit den Verdiensten Christi qus Gnade hat annehmen wollen. Daher konnte auch der hl. Arnold von Chartres sagen:„ Für unser Heil erlangte sie dasselbe, was Christus uns erlangt hat;" und Richard von St. Victor: Das Heil aller hat sie gewünscht, hat sie gesucht, hat sie erlangt; ja fie ist sogar die Ursache der Seligkeit aller Menschen geworden.*) Deswegen sind alle Güter, alle Gaben des ewigen Lebens, welche die Heiligen jemals empfangen haben, denjelben durch Maria mitgetheilt worden." Wenn sie, die der ewige Vater zur Mutter des Erlösers bestimmt, von Anfang an das Amt einer Mittlerin aller Menschen und folglich aller Heiligen empfangen hatte, so muß sie auch von Anfang an größere Gnaden erhalten haben als alle Heiligen, für die sie sich verwenden mußte. Ich will dies noch deutlicher erklären: Wenn durch die Vermittelung Mariens alle Menschen Gott lieb und wohlgefällig werden sollten, so mußte Maria nothwendiger Weise heiliger und Gott wohlgefälliger sein, als alle Menschen zusammen. Denn wie hätte sie sonst für die andern das Amt einer Mittlerin ausüben können? Damit jemand für die Unterthanen eines Fürsten Gnade bei demselben erlange, ist es durchaus nothwendig, daß dieser Friedensstifter dem Fürsten wohlgefälliger sei als seine andern Unterthanen. *) C. 26. in Cant. 388 3weiter Theil. 2. Andachten und Novenen 2c. 3weiter Punkt. Es ist eine von den Theologen allgemein ange nommene Meinung, daß Maria, als sie vor ihrer Geburt die heiligmachende Gnade empfing, auch schon den vollkommenen Gebrauch der Vernunft und eine mit den ihr verliehenen Gnaden im Verhältniß stehende große Erkenntniß Gottes erhalten habe. Hiernach( was indessen kein Glaubenssaß ist) wurde ihre schöne Seele schon bei der Vereinigung mit ihrem allerreinsten Leibe von der göttlichen Weisheit mit all der Erkenntniß erleuchtet, welcher fie bedurfte, um die ewigen Wahrheiten, die Schönheit der Tugend und vor allem die unendliche Güte ihres Gottes zu erkennen; sie sah ein, wie sehr Gott es verdient, daß alle Ihn lieben, wie sehr vor allem sie selbst Ihn lieben mußte, weil Er sie mit so besondern Vorzügen ausgestattet und vor allen Geschöpfen ausgezeichnet, indem Er sie vor der Erbsünde bewahrt und ihr die Gnade ertheilt hatte, die Mutter des ewigen Wortes und die Königin der Welt zu werden. Daher bestrebte sich Maria von dem ersten Augenblicke ihres Lebens an, voll Dankbarkeit gegen Gott alles, was in ihren Kräften stand, zu erfüllen und mit zarter Treue jenen großen Gnadenschaß, welcher ihr anvertraut war, zu benutzen. Sie war auf das sorgfältigste darauf bedacht, der göttlichen Güte zu gefallen und ihr Beweise der Liebe zu geben; schon von jener Zeit an liebte sie Gott aus allen ihren Kräften; jeden Augenblick vereinigte sie sich durch erhabene Uebungen der Liebe, immer enger mit Gott. Weil sie bewahrt vor der Das Fest der Geburt Mariens. 389 Erbsünde, nie davon befleckt war, so war sie auch frei von aller Anhänglichkeit an irdische Dinge, von allen ungeordneten Gemüthsbewegungen, von jeder Zerstreuung, von jedem Widerstande der sinnlichen Natur, der sie in der Liebe ihres Gottes hätte hindern können; überdies war ihr Gemüth ganz vollkommen ihrem Geiste unterworfen und diente ihr nur dazu, sich mit Gott enger zu vereinigen, jo daß ihre schöne Seele, befreit von jedem Hindernisse, sich ohne Unterlaß zum Herrn emporhob, Ihn immer liebte und immer mehr in seiner Liebe wuchs. Mehrere angesehene Gottesgelehrte behaupten: wenn eine Seele die Fertigkeit in einer Tugend besitzt und treu mit der wirklichen Gnade, die sie von Gott empfängt, mitwirkt, dann bringt sie jedesmal eine Tugendübung hervor, welche der Fertigkeit, die sie schon in der Tugend erlangt hat, an Kraft gleichkommt, so daß die Seele jedesmal ein neues und doppeltes Verdienst erlangt, welches all den früher erworbenen Verdiensten zusammen genommen gleichkommt. So verdoppelte Maria jeden Augenblick den großen Gnadenschatz, welchen sie vom ersten Augenblick ihres Daseins an besaß. Weil sie nämlich aus allen Kräften und mit der größten Vollkommenheit bei allem, was sie that, mit der Gnade Gottes mitwirkte, so verdoppelte sie auch jeden Augenblick ihre Verdienste. Mit welchen Gnadenschäßen, mit wie großen Verdiensten und wie heilig muß Maria bei ihrer Geburt auf die Welt gekommen sein! Strahlend im Lichtglanze vor dem Auge des Vaters, der sie ertiefen von Ewigkeit, und des 390 Zweiter Theil. 2. Andachten und Novenen 2c. Geistes, der mit ihr sich vermählte, ward sie mit dem Siegel der Beharrlichkeit bezeichnet, wirkte fie freithätig zu allen ihr von Gott verliehenen Gnaden mit. So gebührte es ihr, damit die Mutter des Sohnes würdig sei, und damit die, welche das nächste und unmittelbare Werkzeug werden sollte der Geburt des Erlösers im Fleische, zuerst in ausgezeichnetster Weise Antheil empfange an der Erlösung Gnaden.( Hettinger, Dogmen I, 500.) Der hl. Thomas lehrt, daß die allerseligste Jungfrau in dreifachem Sinne voll von Gnaden war. Erstens war sie voll von Gnade in ihrer Seele; denn von Anfang an gehörte dieselbe ganz und gar ihrem Gott an. Zweitens war sie voll von Gnade an ihrem Leibe, weil ihr der Vorzug zu theil wurde, mit ihrem allerreinsten Leibe das ewige Wort zu bekleiden. Drittens war sie auch voll von Gnaden für das allgemeine Wohl, damit alle Menschen daran theilnehmen könnten. Einige Heilige, fügt der englische Lehrer hinzu, haben so viele Gnaden, daß dieſelben nicht nur für sie, sondern auch für das Heil vieler andern Menschen hinreichen, indeß sind diese Gnaden doch nicht hinreichend für alle; nur Jesus und Maria hatten eine Fülle der Gnade, die für alle hinreichte. Indessen müssen wir bemerken, daß wir von Jesu die Gnaden als von dem Urheber derselben empfangen, von Maria hingegen als von der Mittlerin der Gnade; von Jesu als von unfrem Heilande, von Maria als von einer Fürsprecherin; von Jesu als von der Quelle, von Maria als von einem Canale. Darum, sagt der hl. Bernard, beſtimmte Gott Das Fest der Geburt Mariens. 391 Maria zu einem Canal, durch welchen die Gnaden, die Er den Menschen mittheilen wollte, an dieselben gelangen sollten, und daher bereicherte Er auch sie mit so vielen Gnaden, damit sie jedermann seinen Theil zukommen lassen könne. Der Heilige ermahnt alle, zu betrachten, mit welcher Liebe Gott will, daß wir diese Jungfrau ehren, indem Er in ihr all seine Gnadenschäße niedergelegt hat, da wir alle Hoffnung, alle Gnaden, alles Heil und allen Segen unsrer geliebten Königin Maria verdanken, indem alles durch ihre Hände, durch ihre Vermittelung an uns gelangt. Sehen wir," jo fährt der hl. Bernard fort, mit welcher Andacht wir nach Gottes Willen Maria ehren sollen, da Er die Fülle alles Guten in ihr niederlegte, damit wir erkennen, daß all unsre Hoffnung, all unser Heil von ihr komme."*) Ach, wie unglücklich ist jene Seele, für welche dieser Canal der göttlichen Gnade nicht fließt, welche es nämlich vernachlässigt, sich Maria anzuempfehlen. Als Holofernes sich der Stadt Bethulia bemächtigen wollte, trug er zuerst Sorge, die Gräben abzuleiten: ,, Er befahl: ihre Wasserleitung abzuschneiden." Diesen Kunstgriff unternimmt auch der böse Feind. Wenn derselbe sich einer Seele bemächtigen will, so sucht er zu bewirken, daß sie die Andacht zur allerseligsten Jungfrau Maria verlasse; denn wenn eine Seele die Mittel zur Gnade einmal verloren hat, so wird sie auch leicht die Erkenntniß und Furcht Gottes und endlich die ewige Seligkeit verlieren. *) Serm. de Aquad. P 392 3weiter Theil. 2. Andachten und Novenen zc. Beispiel. Wir wollen hier eine vom heiligen Alphons von Liguori selbst erzählte Begebenheit anführen, aus welcher hervorgeht, wie sehr Maria sich angelegen sein läßt, ihre Verehrer vor dem ewigen Untergange zu bewahren. Ein Priester aus der vom hl. Alphons gestifteten Congregation war in der Kirche mit Beichthören beschäftigt. Da jah er einen Jüngling in seine Nähe kommen, der ein sonderbar verwirrtes Aussehen hatte, und einen schweren Kampf mit sich zu kämpfen schien. Der Priester, welcher den innern Zustand des Menschen ahnte, stand über eine Weile auf und fragte ihn liebreich, ob er etwa auch beichten wollte. Der Jüngling bejahte seine Frage, bat aber, ihn an einen einsamen Ort zu führen, weil seine Beicht lang sein dürfte. Als sie nun allein beisammen waren, hob der Jüngling also an:„ Ich bin ein verruchter Bösewicht, und habe alle Arten von Grenelthaten verübt. Ich dachte nicht mehr an Bekehrung, weil ich meinte, meine Sünden wären zu groß, als daß ich Verzeihung hoffen dürfte. Als ich aber heute bei dieser Kirche vorüberging, fühlte ich in mir einen ungewohnten Drang, einzutreten; schreckliche Gewissensunruhe erhob sich in meinem Innern, und es wandelte mich ein Verlangen zu beichten an. Ich nahte mich dem heiligen Richterstuhle; allein das Schamgefühl, welches sich meiner bemächtigte, und mein Mißtrauen gegen Gottes Erbarmung waren so groß, daß ich im Begriffe war, mich wieder zu entfernen. Da kamen Sie, mein Vater; nun liege ich zu Ihren Füßen, und will- beichten." Der Priester fragte ihn nun, ob er nicht bei seinen Unordnungen irgend ein gutes Werk verrichtet, und namentlich, ob er nicht der göttlichen Mutter sich empfohlen oder irgend ein Opfer zu ihrer Das Fest der Geburt Mariens. 393 Ehre gebracht hätte; denn solche Gnaden," fügte er bei, werden gewöhnlich durch sie, die Zuflucht der Sünder, vermittelt." Glauben Sie wohl mein Vater," versetzte der Büßer, daß ich dergleithen gethan hätte? Ich glaubte selbst ein Opfer der Hölle zu sein. Nur dieses," fuhr er fort, indem er das Scapulier hervorzog, nur dieses habe ich noch bewahrt." ,, Ach, mein Sohn," entgegnete ihm der Beichtvater gerührt, siehst du es nicht ein: die heiligste Jungfrau hat dir diese Gnade erlangt. Auch diese Kirche, in die du, von der Gnade angezogen, hineingingest, ist dieser guten Mutter geweiht." Da fing der Jüngling an zu seufzen und zu weinen, und beichtete darauf umständlich mit solchem Schmerzgefühl, daß er ohnmächtig zur Erde hinsank. Als er wieder zu sich fam, empfing er die heilige Lossprechung, und gestattete seinem Beichtvater, die durch Maria empfangene Gnade bekannt zu machen. - festgebet. Oheiliges, himmlisches Kind, Maria, bestimmt, die Mutter meines Erlösers und die Vermittlerin der armen Sünder zu werden, erbarme dich meiner! Sieh' hier vor dir einen Undankbaren auf den Knieen liegen, der zu dir seine Zuflucht nimmt, der dich um Barmherzigkeit anruft. Es ist wahr, daß ich wegen meines Undankes gegen Gott und gegen dich von Gott und von dir verlassen zu werden verdient habe. Aber ich glaube es fest, weil ich weiß, wie groß deine Barmherzigkeit ist, daß du dich nie weigerst, dem zu helfen, der sich mit Vertrauen dir anempfiehlt. 394 3weiter Theil. 2. Andachten und Novenen. 2c. Odu erhabenstes Geschöpf der Welt, denn nur Gott ist größer als du und die Größten im Himmel erscheinen klein vor dir; o Heiligste aller Heiligen, die du voll von Gnaden bist, stehe einem Elenden bei, der durch seine eigene Schuld die Gnade Gottes verloren hat! Ich weiß, daß es dir lieb ist, wenn dir deine große Macht zur Hilfe der elenden Sünder verwenden kannst, und daß der Herr dir keine Bitte versagt. Zeige also, wie viel du bei Ihm vermagst und erlange mir so große Erkenntniß und so brennende Liebe, daß ich aus einem Sünder in einen Heiligen verwandelt und, von allen irdischen Neigungen losgeschält, vollkommen von der Liebe Gottes entzündet werde. Bewirke dies meine Königin, denn du kannst es bewirken! Thue es aus Liebe zu dem Gott, der dich so mächtig, so erhaben und so barmherzig gemacht hat. Amen. Das Feft des heiligen Namens Mariens. ( Am Sonntage in der Octav ihrer Geburt.) Geschichtliche Vorerinnerung. Das Fest des heiligen Namens Mariens ward vom Papste Innocenz XI. auf den Sonntag während der Octav der Geburtsfeier in der katholischen Kirche angeordnet zur Danksagung für den wunderbaren Sieg, den Leopold I. im Jahre 1683 unter dem Schuße der siegreichen Jungfrau über die Türken erfochten hat, die Wien schon belagert hielten. Der Name Maria bedeutet Erleuchterin; was sie denn auch 395 Das Fest des heiligen Namens Mariens. war durch ihre Gnaden und ihr hellleuchtendes Tugendbeispiel. Auch bedeutet das Wort Maria Herrin, und auch das war sie durch Unterwerfung ihrer natürlichen Neigungen unter die Herrschaft ihres Geistes, worin auch wir ihr nachfolgen sollen. Heft- Betrachtung. Erster Punkt. Vereinige dich, christliche Seele, mit allen Chören der Engel, mit allen Heiligen des Himmels und mit allen wahren Kindern der Kirche, um den Namen Maria würdig zu ehren und zu preisen. Entferne deine Gedanken von jeder Erinnerung an alle andern Geschöpfe, ziehe dich in dein Inneres wie in tiefste Einsamkeit zurück, um die ganze Lieblichkeit des Namens Mariens desto besser zu kosten. Betrachte die tröstlichen Erinnerungen, die er in den Herzen jedes Gläubigen wach ruft. Der Name Maria ist der Name des mit allen Vorzügen ausgerüsteten Geschöpfes, welches Gnade vor Gott gefunden. Gnade fand Maria für sich selbst, wegen ihrer unvergleichlichen Reinigkeit, wodurch sie ein Gegenstand seines Wohlgefallens wurde; Gnade fand sie für das menschliche Geschlecht, zu dessen Erlösung sie durch ihre Einwilligung in die angebotene Würde der göttlichen Mutterschaft mitwirkte, und als dessen huldvolle Fürsprecherin sie von Jesu Christo wegen ihrer Verdienste aufgestellt wurde. Maria ist der Name der Mutter des Erlösers und der Name unsrer Mutter. Wie viele Anziehungskraft besitzt dieser Name für die reinen Seelen! Welche Lin 396 Zweiter Theil. 2. Andachten und Novenen 2c. derung verschafft er dem bedrängten, entmuthigten Herzen! Mit welcher Andacht also mußt du ihn aussprechen! Mit welch herzlichem Zutrauen sollst du ihn in deinen Widerwärtigkeiten und Leiden anrufen! Mit welch heißem Danke mußt du in glücklichen Umständen dieses heiligsten Namens dich erinnern! Wer immer den Namen Mariens mit wahrer Andacht, Hochachtung und Vertrauen aussprach, erfuhr, daß dadurch die tiefsten, gefährlichsten Wunden seiner Seele geheilt wurden. Tausende und tausende bekannten und bekennen, durch die Anrufung des Namens Maria die Traurigkeit verscheucht, das Vertraueu auf Gott erweckt und die christliche Hoffnung mit allen ihren seligen Früchten in sich belebt zu haben. Warum beeilt man sich nicht, diesen heilsamen Namen öfters anzurufen? Wer fühlt nicht bisweilen Widerwillen, Kälte und Abneigung gegen die gewöhnlichen Andachtsübungen? Wie häufig ist der Mensch faum im stande, einen guten Gedanken zu fassen oder sich durch eifriges Gebet zum Himmel zu erheben? Erinnere dich, o christliche Seele, in solchen Um standen des Namens Mariens; denn dieser hochgefeierte Name wird dich erfrischen und dein Herz den himmlischen Einwirkungen der Gnade öffnen. Sprich ihn öfters mit Andacht aus, und du wirst es bald so weit bringen, daß du bei deinem Erwachen den Namen Jesu nicht nennen wirst, ohne zugleich dem Namen Maria deine Huldigung darzubringen; ja dieser Name wird dir so lieb und verehrungswürdig erscheinen, daß er auch bei deinem Einschlafen zuletzt auf deinen Lippen weilen wird. 397 Das Fest des heiligen Namens Mariens. Nun, meine Seele, warum ließest du dich zu der unglücklichen Nachlässigkeit hinreißen, den Namen Maria, der dem wahren Gläubigen so theuer und dem Feinde des Heiles so furchtbar ist, nicht zu deinem Schuße anzurufen? Die Kirche, welche in diesem Namen lauter Trost und eine große Stüße findet, läßt ihn bei allen ihren Tagzeiten einfügen, befingt ihn bei allen ihren Feierlichkeiten und legt ihn ununterbrochen auf den Mund ihrer Diener. Bin ich wohl ein wahres Kind der Kirche, wenn ich mich nicht sorgfältig bestrebe, ihn zu ehren und öfters voll des Vertrauens anzúrufen? Bin ich wohl auch dein Kind, o liebenswürdigste Mutter, wenn ich nicht meine Freude, meine Stärke und meine Wonne in deinem Namen finde, oder wenn ich ganze Tage zubringe, ohne mich desselben zu erinnern? Vergiß, o Maria, meine Unempfindsamkeit und mein undankbares Herz. Mein Entschluß ist gefaßt, nie werde ich aufhören, dich anzurufen und deinen Namen zu preisen. 3weiter Punkt. Wenn dieser Name mit Trost und Süßigkeit erfüllt, so ist er auch noch ein Name voll der Kraft: wenn er denjenigen, die Maria dienen, werth ist, so erfüllt er die bösen Geister mit Furcht und Schrecken. Der Satan verführte die Stammeltern, dafür hörte er das Verdammungsurtheil, welches einstens an ihm vollzogen werden sollte. Seit dieser Zeit fürchtete er stets jenes Weib, welches von Gott bestimmt worden war, durch die Geburt des Erlösers sein Haupt zu zertreten. 398 Zweiter Theil. 2. Andachten und Novenen zc. Einigemal glaubte er, dieses Weib in den israelitischen Heldinnen zu erkennen, deren Siege den unsterblichen Triumph der jungfräulichen Mutter Gottes nur vorbildeten; aber keine derselben trug jenen geheimnißvollen Namen, an welchem seine ganze Macht sich brechen sollte. Erst dann, als das göttliche Wort Fleisch geworden, lernte er diesen Namen kennen. Dieser glorreiche Name, der auf dem ganzen Erdboden angerufen, täglich tausendmal wiederholt und mit Jubel gepriesen wird, ist eine große Qual des Fürsten der Finsternisse. Dieser Name beschützt die Kirche wider seine Fallstricke, die Königreiche wider seine Wuth, die Familien wider seine schwarze Bosheit und alle Christen wider seine Nachstellungen. Seine von Haß entflammten Bemühungen werden wider alle jene Seelen, die getreu in Anrufung dieses Namens verharren, fruchtlos bleiben. Dieser Name wird stets die Stärfe des Christen in seinen Versuchungen, seine Erleuchtung in dem Augenblicke der über den Verstand hereinbrechenden Finsterniſſe sein. Fühlt sich irgend ein Gläubiger entmuthigt und entkräftet, so wird der Name Maria ihm zu einem mächtigen Antriebe dienen, seine Kräfte zu beleben und den Muth zu entflammen. Oder wie, ist es nicht so? Hast du, o christliche Seele, nicht schon mehr als einmal die Erfahrung gemacht, daß der Name Maria das Herz reinigt, wider die Lockungen des Bösen stärkt, die niedergebeugte Seele aufrichtet und ihr ganz himmlische Kraft mittheilt? Solltest du aber diese Erfahrung noch nicht gemacht haben, so kannst du sie noch immer machen. Bitte Gott, dir die Gnade zu 399 Das Fest des heiligen Namens Mariens. verleihen, diesen verehrungswürdigen Namen mit so inniger Andacht und Ehrfurcht auszusprechen, wie es die Würde der himmlischen Königin und jungfräulichen Gottesmutter fordert. Denn das ist reine Gnade. Rufe mit der ganzen Inbrunst eines liebenden Herzens:, Maria!" Durch dies einzige Wort thust du eben so viel, als wenn du die Barmherzigkeit, die Hoffnung und das Leben anrufest; ja, du befizest beinahe schon, was du durch diese Anrufung erst noch suchest. O mein Christ! Warum hast du dir diese trostreiche Wahrheit nicht früher oder tiefer eingeprägt! Wie viele Fehltritte würdest du vermieden, wie viele Schmerzen, Traurigkeit und Unluft dir erspart haben! Oder wie, glaubst du wohl, daß, wenn du in jener mißlichen Lage, die nur Gott und dir bekannt ist, Maria findlich angerufen hättest, du dich von menschlichem Ansehen und eitler Menschenfurcht würdest zur Treulosigkeit gegen Gott, deinen Schöpfer und Richter, haben hinreißen lassen? Glaubst du, dir würde jemals das Unglück widerfahren sein, dich des Bekenntnisses Jesu Christi, seines Evangeliums, jeines Kreuzes, der genauen Beobachtung der firchlichen Gesetze zu schämen? O hättest du doch Maria von ganzem Herzen angefleht, sie wolle dir in jener schlimmen Gelegenheit, wo dein Benehmen deinem Glauben widersprach, und wo deine Unschuld eine so gefährliche Wunde erhielt, beistehen! Wie viele und bittere Vorwürfe deines Gewissens würdest du dir erspart haben! Ja, hättest du dich des siegreichen Namens Mariens in den heftigen Kämpfen wider dich selbst, die Welt und die Hölle, 400 3weiter Theil. 2. Andachten und Novenen 2c. als des Feldgeschreies der streitenden Auserwählten bedient, du würdest gesehen haben, wie schnell der Feind sammt all der häßlichen Schaar von unsaubern Vorstellungen und verderblichen Einflüsterungen von dir würden gewichen sein. Von ganzem Herzen danke ich Dir, o höchste Güte meines Gottes, für die Erkenntniß dieser heilsamen Lehre! Wie glücklich bin ich nicht! Von heute an kannst du, o meine Seele, dein Unrecht und deinen Verlust wieder gut machen! Noch jetzt ist der Name Maria mächtig genug, dich auf jede Weise zu unterstüßen: noch kannst du dich seines träftigen Schußes, dessen du dich aus undankbarer Vergessenheit beraubtest, versichern. Nun denn, o hochgepriesener Name, von diesem Augenblicke an sollst du meine Zuflucht, mein Schuß und meine Stüße sein. Nahe bei meinem Ruhebette will ich ihn lesen und auf meine Lippen drücken, vorzüglich in meinem Herzen eingraben. Anrufen will ich ihn bei meinem Erwachen, und einschlafend will ich denselben stets wiederholen; durch seine Kraft unterstüßt, werde ich bei dem Heranrücken meiner letzten Stunde mich wider den Feind des Heiles vertheidigen und seine Drohungen verachten. Beispiel. ( Aus dem römischen Brevier vom Seste Mariä- Schnee.) Unter dem Papste Liberius hatte der Patricier Johannes, einem der erlauchtesten Häuser zu Rom entsprossen, mit Eiwilligung seiner nicht minder edeln Gattin, die gleich ihm die zärtlichste Andacht zur allerseligsten Jungfrau Maria im Herzen trug, be 401 Das Fest des heiligen Namens Mariens. schlossen, weil beide kinderlos und ohne Erben waren, die jungfräuliche Mutter des Herrn zur Erbin ihres großen Reichthums einzusetzen. Beide Gatten hielten nun im Gebete an und ertheilten reichliches Almosen, in der Absicht, den Willen der hochgebenedeiten Jungfrau zu erfahren, welche auch die Bitten und Wünsche ihrer getreuen Diener liebreich erhörte und diese Erhörung durch folgendes Wunder bethätigte. Maria erschien jedem einzeln im Schlafe, und gab ihr Wohlgefallen an diesem frommen Vorhaben fund; sie zeigte ihnen einen Hügel, den erquilinischen genannt, auf welchem sie, nach dem Willen ihres göttlichen Sohnes und dem ihrigen, eine Kirche ihr zu Ehren erbauen sollten, und fügte hinzu: fie würden diese Stätte selbst, wo diese Kirche zu erbauen sei, mit Schnee bedeckt finden. Als am folgenden Morgen beide einander diesen Traum erzählten, wurden sie mit großem Troste erfüllt und zeigten ihn dem Papste Liberius an, der in derselben Nacht die nämliche Erscheinung gehabt zu haben bezeugte. Ueber dieses, in der Mitte des Augustmonats, wo die größte Hiße in Rom zu herrschen pflegt, geschehene Wunder erstaunt, ließ der Papst sogleich die Geistlichkeit versammeln und begab sich dann selbst in Begleitung derselben und einer großen Volksmenge in feierlichem Zuge, zu dieſem Hügel, wo sie die bezeichnete Stätte mit Schnee bedeckt fanden und in Lobgesänge Gottes und der wunderbaren Jungfrau ausbrachen. Hierauf ward der Plan der Kirche abgesteckt, die dann der fromme Patricier mit aller Pracht aufführen ließ. Sie trug verschiedene Namen: die Basilica des Liberius; die heilige Mazur Krippe; sie ward aber später, theils weil bereits mehrere in Rom der Mutter Gottes geweiht waren, theils auch weil dieses herrliche Gebäude, welches der Papst Xystus ebenfalls zu verschönern Herrlicht. Mar. ria 26 402 3weiter Theil. 2. Andachten und Novenen 2c. bemüht gewesen, durch seine Pracht vor allen übrigen sich auszeichnete: Maria Maggiore, oder Maria, die Größere genannt; und der Herr, der die Verehrung, die seiner heiligen Mutter erwiesen wird, mit Wohlgefallen ansieht, verherrlichte sie durch viele wunderbare Gnaden, die Er daselbst auf ihre Fürbitte den frommen Gläubigen verlich. Die Weihe dieser herrlichen Kirche wird jährlich am 5. August unter dem Titel: ,, Maria- Schnee' gefeiert. festgebet. Sei gegrüßt durch das süßeste Herz Jesu, deines Sohnes, o gütige, o milde, o süße Jungfrau Maria, deren heilverkündender Name den Himmel und die Erde erfreuet! Viel süßer ist er dem Munde als Honig, angenehmer den Ohren als der schönste Gesang; er ist die Freude und der Jubel aller frommen Seelen! O Maria, mächtigste Herrin des Himmels und der Erde, glorreiche Herrscherin, demüthigst bitte ich dich, verleihe mir die Gnade, dir mich ganz und unbedingt zu unterwerfen, getreu dir zu dienen alle Tage und alle Stunden meines Lebens. Jesus, dein göttlicher Sohn, sei mein König; du, o Maria, meine Königin! Hilf, o erhabene Gebieterin, daß auch ich herrsche und siege über die Feinde meiner Seele, über meine bösen Anmuthungen und innerlichen Neigungen; daß ich siege über alles, was die Ehre deines heiligen Namens vermindern und das Heil meiner Seele gefährden könnte. 403 Das Fest des heiligen Rosenkranzes. O Maria, du von Gott so hoch Erleuchtete, erleuchte auch mich und laß mich erkennen, was zu meinem Frieden dienet in Zeit und Ewigkeit. Gieße aus und verbreite das Licht der Weis= heit, daß nicht die Finsternisse dieser Welt das Auge meines Geistes verblenden. Führe mich den Weg der geistlichen Vollkommenheit, hinan zum Erbe der Heiligen im Lichte der seligen Ewigkeit! Du, o Maria, bist der heilverkündende Morgenstern! O geh' doch auch in meinem Herzen auf, daß jener glückselige Tag mir anbreche, da Jesus, dein gebenedeiter Sohn, in meiner Seele geboren wird! Du bist aber auch ein Stern des Meeres. Umgeben von Gefahren des Leibes und der Seele, rufe ich umhergetrieben von den Wogen des zu dir empor: Hilf, o stürmevollen Lebens Maria, hilf! Amen. Das Feft des heiligen Rosenkranzes. ( Am 1. Sonntag im October.) Geschichtliche Dorerinnerung. Als um das Jahr 1208 die Irrlehre der Albigenser in der Gegend von Toulouse in Frankreich sich immer weiter verbreitete, strengte der hl. Dominicus, der kurz zuvor den Prediger- Orden geſtiftet hatte, alle seine Kräfte an, um dem weitern, frebsartigen Umsichgreifen dieser Irrlehre Einhalt zu thun, und wo möglich dieselbe ganz zu vertilgen. Er verdoppelte seine Gebete und Bußwerke und 404 3weiter Theil. 2. Andachten und Novenen 2c. wendete sich in glühender Andacht an die erhabene Himmelskönigin, deren Würde durch die erwähnte Irrlehre tief verletzt ward, und von welcher die heilige Kirche rühmt: Du allein, o Jungfrau, haft alle Irrlehren auf der ganzen Welt zernichtet." Unter heißen Thränen flehte er zu ihr, die Herzen der verblendeten Albigenser zu wenden, und ihn in seinem mühesamen und schwierigen Arbeiten zu unterstüßen. Da erschien ihm einmal die heilige Jungfrau und lehrte ihn das Gebet des Rosenkranzes, wobei sie ihn versicherte, daß sich dasselbe als eine der siegreichsten Waffen gegen Irrlehre und Laster bewähren werde. Und so geschah es auch. Innert kurzer Zeit führte der Hl. Dominicus mittelst der Rosenkranz- Andacht über 100,000 Jrrgläubige in den Schooß der Kirche Gottes zurück und befehrte eine zahllose Menge großer Sünder. Bald verbreitete sich diese Andacht über die ganze Christenheit. Es bildeten sich Bruderschaften unter dem Namen des heiligen Rosenkranzes, und die heilige Kirche erlaubte dem Orden des hl. Dominicus, den fie durch öffentliche Urkunden als den Begründer dieser Gebetsweise erklärte, ein eigenes RosenkranzFest zu feiern. Als unwiderlegbare Belege von der wahrhaft wunderbaren Wirkung des Rosenkranzgebetes mögen statt aller andern noch folgende welthistorische Thatjachen angeführt werden, deren Wahrheit nicht dem geringsten Zweifel unterliegt. Als im Jahre 1571 Sultan Selim II., der Sohn des furchtbaren Soliman, mit einem ungeheuern Kriegsheere auszog und keinen geringern Vorsatz hatte, als die christliche Religion von der Erde zu vertilgen, kam es am 7. October zwischen ihm und dem Heere Don Juan's von Desterreich zu einem entscheidenden Seetreffen bei Lepanto, in der Nähe des forinthischen Meerbusens. Unter Anrufung der 405 Das Fest des heiligen Rosenkranzes. Himmelskönigin erfocht das christliche Heer einen vollkommenen Sieg über die Türken. Die Türken hatten auf 250 großen und vielen kleineren Schiffen 120,000 Mann und den furchtverbreitenden Ruf der Unbesiegbarkeit. Die Christen hatten auf 300 Schiffen 80,000 Mann. Trotzdem errangen die Christen einen durchaus vollkommenen Sieg in der größten Seeschlacht, die bisdahin geliefert wurde. 210 große Schiffe der Türken wurden versenkt oder erobert, und auf einem Admiralschiff allein 170,000 Goldzechinen erbeutet. Den Christen wurden nur fünfzehn Galeeren versenkt und 8000 Mann getödtet. ( Weltgeschichte von Weiß.) Dieser glänzende und wunderbare Sieg wurde am nämlichen Tage errungen, an welchem das Rosenkranzfest gefeiert wurde, wobei die Mitglieder aller Bruderschaften desselben öffentliche Processionen hielten, um durch die Fürbitte der allerseligsten Jungfrau die großen Vedrängnisse der Türken von den Christen abzuwenden. Mit Recht ward daher ein so unerhörter Sieg als eine Wirkung ihrer mächtigen Fürbitte betrachtet, weshalb denn auch der Hl. Papst Pius V. ein eigenes Fest der Dankbarkeit auf diesen Tag anordnete, unter dem Namen Maria vom Siege'. Gregor XIII. bestätigte dasſelbe im Jahre 1573 und befahl zugleich, es solle in Zukunft in allen jenen Kirchen, in welchen eine Capelle oder ein Altar zu Ehren des Rosenkranzes errichtet ſei, am ersten Sonntage im October ein Rosenkranzfest gefeiert werden, welche Verordnung von Clemens X. im Jahre 1671 auf ganz Spanien ausgedehnt wurde. Als endlich der zum römischen Kaiser erwählte Karl VI. im Jahre 1716 bei Temeswar in Ungarn einen eben jo merkwürdigen Sieg über 180,000 Türten erfocht am Tage des Festes Maria zum Schnee, 406 Zweiter Theil. 2. Andachten und Novenen 2c. und beinahe in der nämlichen Zeit, da die Mitglieder der Rosenkranzbruderschaft in Rom einen feierlichen Bittgang hielten, und überdies die türfische Belagerung von Corfu in der Octav von Mariä Himmelfahrt aufgehoben wurde,- fühlte sich Papst Clemens XI. zu der Erklärung gedrungen, daß auch diese glorwürdigen Ereignisse dem Schuße der göttlichen Mutter zugeschrieben werden müssen. Infolge dessen verfaßte er eine Bulle, des Inhalts: daß die Feier des Rosenkranzfestes von nun an in allen Kirchen der fatholischen Christenheit gehalten werden soll, um die Herzen der Gläubigen dadurch desto mehr zur Verehrung der glorwürdigsten, hei ligen Jungfrau zu entflammen, und damit das Andenken zur schuldigen Danksagung für die damals empfangene Hilfe von oben niemals erlösche". Papst Benedict XIII. verordnete, daß dieses alles in das römische Brevier, d. h. in die priesterlichen Tageszeiten eingetragen werde. Het- Betrachtung. Erster Funkt. An vielen der Verehrung der allerseligsten Jungfrau besonders gewidmeten Orten, dann an ihren höhern Festen, sowie bei den feierlichen Monats- Proceffionen, wird sie am Schlusse der lauretanischen Litanei noch mit dem schönen Gruße: Königin des heiligen Rosenkranzes beehrt. Wundere dich nicht, mein Christ, wenn die heilige Kirche nicht müde wird, die jeligste Jungfrau, dieses Meisterwerk der Allmacht und Güte Gottes, mit neuen Titeln zu begrüßen, um dadurch die Gluth der Andacht zu ihr in den Herzen aller Gläubigen immer mehr zu entflammen: kannten 6 407 Das Fest des heiligen Rosenkranzes. doch einzelne Seelen und in der katholischen Kirche berühmte Heilige keine süßere Freude, als durch Nachdenken über Schönheit und Liebenswürdigkeit der jungfräulichen Gottesgebärerin, neue Vollkommenheiten entdeckt zu haben, um sodann mit Gott in Verherrlichung derselben einzustimmen. Noch weniger wundere dich, wenn die heilige Kirche obigen besonderen Titel seit mehreren Jahrhunderten gebilligt hat, und will, daß Maria täglich und überall als Königin des Rosenkranzes geehrt werde, sondern wundere dich vielmehr, die Bedeutung dieses ihr so billig zukommenden Lobspruches bis jetzt noch nie tief erforscht zu haben. Maria wird, Königin des Rosenkranzes' genannt, weil sie als Beschüzerin der Rosenkranz- Bruderschaft angerufen wird, deren Mitglieder sich vereinigen, um nebst der öftern Betrachtung der Geheimnisse unfrer Erlösung die allerseligste Jungfrau besonders zu verehren, und durch ihre Fürsprache desto kräftiger in allen Anliegen erhört zu werden. Auch wird sie Königin des Rosenkranzes genannt, weil sie sich seit sechshundert Jahren als Beschüberin dieser Bruderschaft erwiesen und an den Tagen, wo sie von deren Mitgliedern besonders durch das Rosenkranzgebet angerufen ward, der ganzen Christenheit die glänzendsten Siege über den furchtbarsten Feind erkämpfen half. Willst du nun, daß Maria sich dir gleichfalls als huldvolle Königin erzeige, so schließe dich an dieſe Bruderschaft an; und damit du ein eifriges Mitglied derselben werdest, so bemühe dich, den Rosenkranz kennen zu lernen, damit du ihn stets ſo betest, wie er gebetet sein will. Wie solltest du dich nicht 408 3weiter Theil. 2. Andachten und Novenen 2c. ernstlich bestreben, ihn in allen seinen Theilen vollkommen zu kennen: ist er doch ein Gebet, das sowohl in Hinsicht seines Inhalts als dessen trefflicher Einrichtung an die Spiße aller mündlichen Gebete gestellt und ein königliches Gebet genannt zu werden verdient. Nicht so spricht die Welt von dem Rosenkranze. Vielleicht hörtest du selbſt, wie man über die Form desselben muthwillig spottete. Aber die Welt, die in Sinnlichkeit und Sünden begrabene Welt, hat ja den Geist Jesu Christi nicht und kann ihn nicht haben. Und wie vermag sie, die in Lüsten versunkene Welt, das Geistige, das Himmlische, das Uebersinnliche zu fassen! Sie ist eine Feindin des Gebetes; wohl berechnend, daß durch Abschaffung des Rosenkranzes der Geist des Gebetes, der Frömmigkeit und der Andacht vom Volke weiche, muß sie zur Erreichung dieses Endzweckes dieses Gebet verächtlich machen. Die heilige Kirche, vom Geiste des Gebetes belebt, will, daß alle Christen öfters beten, im Gebete wachen. Zur Erhaltung, Belebung und Beförderung des Geistes des Gebetes benennt sie das allgemein verbreitete, allen Ständen angemessene und selbst dem Ungebildetsten faßliche Gebet mit dem liebenswürdigen Namen:, Rosenkranz. Die Rose ist das schönste Sinnbild der Tugend, welche durch ihre Schöne und Lieblichkeit alle Herzen erquickt und Gottes hl. Geist vom Himmel herabzieht. Gleichwie ein offener Rosengarten den Wanderer gleichsam hinzieht zum Pflücken einer oder mehrerer Rosen, eben so ist es dringendes Bedürfniß, daß die gläubige, von vielen Leiden, Angst und Sorgen gepeinigte Seele gerne bei den Das Fest des heiligen Rosenkranzes. 409 vielen Wahrheiten verweile, die im Rosenkranze von allen Seiten gleich schönen Rosen ihr entgegenblicken, ihre erschlafften Kräfte beleben. Oder thut es dem niedergebeugten Herzen nicht wohl, wenn es kräftig erinnert wird, daß Gott, der Himmel und Erde erschaffen, des Menschen nicht vergißt, ihn so sehr liebt, daß Er seinen eingebornen Sohn dahin gab, ihm in Kraft der Leiden und Auferstehung des Gottmenschen alle Sünden verzeiht und ihn einst vom Grabe auferwecken wird, damit Er die Herrlichkeit mit ihm theile? Dies lehrt das apostolische Glaubensbekenntniß als Anfang des Rosenkranzes. Wird das menschliche Herz nicht innigst erfreut, wenn das erste Wort, das wir zu Gott sprechen, mit dem süßen Namen: Vater, beginnt und wir Ihm unsre Bitten mit seinen eigenen Worten vortragen können? Dies lehrt nun das Vater unser, das öfters im Rosenkranze wiederholt wird. Fühlt sich die Seele nicht neu belebt, wenn sie hinblickt auf Jesum, den Urheber und Vollender unsres Glaubens, auf seinen Gott versöhnenden Tod, auf die unaussprechlich große Gnade der Erlösung? Wer bricht dann nicht gerne in die Worte aus, die von allen ſeligen Geistern ewig besungen werden: Gebenedeit jei die Frucht der reinsten Jungfrau, Jesus Christus! Dies lehrt dich der erste Theil des englischen Grußes. Wächst endlich nicht auf fühlbar wohlthuende Weise des Christen Hoffnung, Trost und Zuversicht, wenn ihm so oft zu Gemüthe geführt wird, daß eine innige, mit mütterlichem Herzen liebende, fleckenlose, höchst liebenswürdige und Gott äußerst wohlgefällige Freundin seine schwachen 410 Zweiter Theil. 2. Andachten und Novenen 2c. Gebete unterstüßt, sich seiner stets als huldvollste Mutter und mächtige Königin in allen Lagen und Umständen annimmt? Dies lehrt dich der zweite Theil des englischen Grußes. Wie viele also und wie schöne Rosen in dem Rosenkranzgebete! Himm lischen Geruch verbreiten die liebenswürdigen Tugenden des Heilandes, die alle als eben so viele Rosen betrachtet werden können. Gleichfalls überaus lieblich duften die Vollkommenheiten seiner jungfräulichen Mutter, und endlich dürfen, wie oben angedeutet worden, die vielen trostreichen und herzerhebenden Wahrheiten, die in diesem Gebete enthalten sind, als himmlische Rosen angesehen werden. Warum gehst du, christliche Seele, nicht recht oft in diesen Rosengarten? Er ist ein offe ner Rosengarten, und der Rosenstock sowohl als die Rosen sind vom himmlischen Vater gepflanzt. Durchdringe den trefflichen Inhalt dieses Gebetes, und du wirst dabei immer neue Wonne, Trost und Kraft gewinnen. Brich alle Tage eine von diesen geistlichen Rosen ab, ergöße dein Auge an deren himmlischer Schönheit und trachte, dich dadurch der ewigen Urschönheit ähnlich und wohlgefällig zu machen. Schön ist jede einzelne Rose, die auf fruchtbarem Boden in der Fülle des Saftes ihre Blätter entfaltet: schön auch jene, die aus grünendem Dornengehede in Blättern kleinerer Gestalt hervorblickt. Angenehm ist die Rose, welche in röthlicher Farbe prangt; nicht minder lieblich jene, die mit dem weißen Gewande der Lilie sich schmückt. Schöner denn viele unordentlich hingelegte Rosen ist ein aus den schönsten, vielfarbigen, vielgestal 411 Das Fest des heiligen Rosenkranzes. tigen Rosen funstreich und in lieblicher Ordnung geflochtener Kranz. Wenn du die trefflich schöne Zusammensetzung der verschiedenen Gebete und Wahrheiten des Rosenkranzgebetes untersuchest, so wirst du dieses Gebet als einen wahrhaft lieblichen Rosenkranz bewundern. An der Spitze desselben steht das apostolische Glaubensbekenntniß, durch welches der Christ seinen göttlichen Glauben an die hochheilige Dreieinigkeit, an die Schöpfung, Erlösung, Kirche und an das ewige Leben ausspricht und sich so zur Erhörung der folgenden Bittgebete vorbereitet, weil einmal der Mensch ohne Glauben Gott nicht gefallen kann. Als fester Grund des hl. Rosenkranzes ist das apostolische Glaubensbekenntniß gelegt, das von den Aposteln und ihren Nachfolgern allen Christen als Schutzwehr gegen sämmtliche Irrlehren in die Hand gegeben, bei den heiligen Kirchenversammlungen stets als Richtschnur des Glaubens aufgestellt und von allen Bischöfen feierlich beschworen wurde, bevor die Erörterung einer angegriffenen Lehre begann. Durch dies hochheilige Bekenntniß zum Glauben erweckt und zu Gott erhoben, stimmt nun der Christ unmittelbar in den schönen Lobgesang ein:, Ehre sei Gott dem Vater, dem Sohne und dem heiligen Geiste zc. Diesem, aus den frühesten Zeiten des Christenthums entnommenen Lobspruche reiht sich in natürlicher Ordnung das Gebet des Herrn als die dritte Rose erster Größe an. Voll lebhaften Glaubens an alle Wahrheiten des apostolischen Glaubensbekenntnisses, voll der innigsten Liebe und findlichen Hingabe gegen einen so unendlich liebenden Gott, nennt der Christ, von 412 Zweiter Theil. 2. Andachten und Novenen 2c. Jesus Christus selbst aufgefordert, seinen Gott , Vater', wünscht von ganzem Herzen, daß Er durch die heiligsten Gesinnungen und Handlungen der Menschen verherrlicht werde, und bittet Ihn dann mit findlichem Sinne um die Gewährung des Gebetes für die vielfachen Bedürfnisse des Leibes und der Seele. In nicht minder schöner Ordnung folgt nun der englische Gruß als vierte größere Rose voll himmlischen Wohlgeruches. Wie jollte nach Gott, nach Jesum Christum nicht jene genannt und begrüßt werden, die Gottes reinste Wohnung war und von Ihm über alle Geschöpfe, über alle Chöre der Engel erhoben wurde! Wie sollte nicht der Gerechte und der Sünder seine Blicke sehnsuchtsvoll auf jene werfen, die allen gegeben ist als zärtlichste Mutter und kräftigste Be schüßerin in allen Angelegenheiten! Wessen Auge glänzt nicht vor Freude, wenn er sich erinnert, Maria, die Gnadenvolle, bittet für mich bei ihrem Sohne und unterstüzt mein Gebet! Und solltest du, fromme Seele, müde werden, bei jedem Zehner dieſes Gebetes zehnmal jene zu begrüßen, die da wohl zehnmal mehr gelitten, als du zu fassen vermagst, um so für dich eine gnadenvolle Mutter zu werden? Wolltest du müde werden, zehnmal mit dem menschgewordenen Sohne Gottes jene zu preisen, die dich mehr denn zehnmal dem Abgrunde entriß, und deren Beistand dir die Gnade der Beharrlichkeit jetzt und in der Stunde des Todes erwerben wird? Dringe noch tiefer in die Ordnung dieses Gebetes ein! du wirst an demselben immer neue Schönheiten und große Zweckmäßigkeit für die Bedürfnisse des menschlichen Herzens entdecken. 413 Das Fest des heiligen Rosenkranzes. Wunderjam schön wechseln das Gebet des Herrn, der englische Gruß und der Lobspruch zu Ehren des dreieinigen Gottes mit einander ab, so daß jett Bittgebete, dann Lob- und Dankgebete folgen, und die Gedanken bald auf Gott, bald auf den unendlich großen Mittler, dann wieder auf die gnadenvolle Jungfrau und auf die der Gnade so sehr bedürftige Menschheit gerichtet werden. Den Schluß bildet, wie billig, das Gebet um wirksamern Glauben, lebhaftere Hoffnung und eifrigere Liebe, diese göttlichen Tugenden, die alle Handlungen des Menschen begründen und heiligen sol. len. Du siehst also, christliche Seele, daß das Rosenkranzgebet nichts weniger als ein ewiges Einerlei ist, das den Bedürfnissen des Menschen nicht entspricht, sondern daß es wirklich verdiene, einem aus den schönsten Gebeten und Wahrheiten des Christenthums lieblich zusammengesetzten Kranze verglichen zu werden. Ja, dieses Gebet ist ein wahrer Rosenkranz, der Geist und Herz eben so jehr erquict, als Auge und Geruch durch einen aus natürlichen Rosen gewundenen Kranz erquict werden. Mögest du künftighin dieses Gebet von diesem Gesichtspunkte aus betrachten! Andächtiger und öfter wirst du ihn dann beten und dich freuen, wenn auch blos sein Name erklingt. Aber noch liebenswürdiger wirst du diese Gebetweise finden, wenn du bedenkst, daß es die heilige Kirche ist, die dir selbe als einen wahren Kranz von Rosen übergibt. Da sie ihn dir übergibt, scheint sie gleichsam zu sprechen: Nimm ihn hin, diesen Kranz; ich habe ihn geflochten und aus himmlischen Rosen, die vom Himmel kommen und in den 414 Zweiter Theil. 2. Andachten und Novenen zc. Himmel führen, zusammengesett. Nimm ihn hin als ein Zeichen meiner Liebe; Liebe zu Gott, zu Jesus Christus und seiner jungfräulichen Mutter hat ihn gewunden; meine Liebe zu dir hat ihn bis jetzt unversehrt erhalten und wird ihn allen Geschlechtern als eines der trefflichsten, bewährtesten und faßlichsten Gebete überliefern. Nimm ihn hin; denn er ist und wird billig der heiligste Rosenkranz genannt. Alles ist heilig an demselben; heilig sind die göttlichen Vorbilder, auf die wir hinblicken sollen; heilig sind die Wahrheiten, die er enthält, weil sie Heiligkeit bezwecken. Er ist ein Abriß alles dessen, was Gott für uns gethan - ein Abriß des heiligen Evangeliums der Lebens- und Leidensgeschichte Jesu und der merkwürdigsten Lebensumstände der seligsten Jungfrauein Abriß unsrer großen Pflichten gegen Gott und die Menschen. Nun, wie betrachtetest du bis jetzt dieses Gebet? Wie willst du künftig davon denken und reden? Denke und rede davon, wie die Kirche denkt und redet. Nenne es einen wahren Rosenfranz einen heiligen Rosenkranz. Bete ihn gern, oft und fromm; dann wirst du nicht ermangeln, für dich und die Mitmenschen die größten Vortheile zu sammeln. - 3weiter Punkt. Höchst wundersam würde dir, christliche Seele, ein aus natürlichen Rosen gewundener Kranz vorkommen, wenn er in ewig frischer Kraft blühte, stets die lieblichsten Wohlgerüche verbreitete oder wohl gar andere schöne Kränze hervorbrächte. Doch dem ist nicht also. Die herrlichsten Rosen welken, ihr Geruch verschwindet, und du hast in kurzem 415 Das Fest des heiligen Rosenkranzes. nichts mehr als einen dürren Wisch, den du mit Unwillen wegwirfst. Der Rosenkranz aber, den die heilige Kirche dir in die Hand gibt, ist von der Art, daß er nie verwelkt, sondern in unveränderter Schönheit von einem Jahrhunderte zum andern, von einem Geschlechte zum andern da steht, stets die lieblichsten Wohlgerüche ausduftet, und jede Seele, die mit dessen Inhalt sich durchdringt, zu einem lebendigen heiligen Rosenkranze bildet, der mit allen Tugenden geschmückt, Gottes Wohlgefallen auf sich zieht und den Mitmenschen eine Quelle höchster Wonne wird. Kenntniß und Liebe des wahren Gottes und seines Gesandten, Jesu Christi, geben ewiges Leben; so sprach der Sohn Gottes selbst am Vorabende seines Versöhnungstodes. Wird nun durch das Rosenkranzgebet nicht vorzugsweise diese Kenntniß und Liebe Gottes und die daraus quellenden Tugenden angestrebt? Die freudenreichen Geheimnisse erinnern dich an die überausgroße Liebe Gottes, des Vaters, der seinen eingebornen Sohn zur Rettung der Welt dahingab: an die unbegreifliche Liebe Jesu Christi zu den Menschen, an seine tiefe Erniedrigung, Armuth und vollkommensten Gehorsam bis in den Tod. Die schmerzhaften Geheimnisse zeigen dir die Bosheit der Sünde, die Schwere der Strafen, so der schuldbare Mensch hätte ewig dulden sollen, und ermuntern dich, das Kreuz täglich zu tragen, um so dem gekreuzigten Gottmenschen ähnlich zu werden. Wenn das am grünen Holze geschieht, ruft sich der Sünder zu, was wird am dürren geschehen? Auch ist nichts natürlicher, als daß derjenige, welcher lange in dem 416 3weiter Theil. 2. Andachten und Novenen 2c. blühendsten Rosengarten lustgewandelt, mit Abscheu vor jedem Geruche zurückweicht, der aus Giftpflanzen oder aus faulendem Wasser einer Pfüße ihm entgegenwallt; eben so wird jeder vor der häßlichen Gestalt und dem Todesgeruche der Sünde zurückbeben, wenn er seine Seele mit den erhabenen, himmlischen Wahrheiten des Rosenkranzes durchdrungen haben wird. Wie sehr über alles erhebt die öftere Erinnerung an die glorreichen Geheimnisse Jesu Christi, an seine Auferstehung als den Grund unsrer Hoffnung, an die Sendung des heiligen Geistes, als des Unterpfandes un frer Erlösung! Was für großen Trost gewährt in eben denselben glorreichen Geheimnissen der öftere Hinblick auf die jungfräuliche Gottesmutter, die nach langen Leiden sich unaussprechlicher Herrlichkeit erfreut und ihre Macht zum besten ihrer Kinder anwendet! Und wenn endlich der Mensch mehr durch schöne Beispiele als heilige Lehren zu allem Guten angespornt wird, so ist nicht zu leugnen, daß der Rosenkranz, welcher die erhabensten Vorbilder der Tugend, nämlich Jesum Christum und seine heilige Mutter, in ihren wichtigsten Zeiten öfters vor die Seele führt, in den Gläubigen die lieblichsten Tugenden hervorbringen, die schönen Rosen der Geduld, Liebe, Demuth 2c. erzeugen muß. Sieh da, christliche Seele, einen neuen Beweggrund, dieses Gebet zu lieben, sich mit ihm vertraut zu machen, und es auch andern zu empfehlen. Doch vielleicht wirken bei dir die Beis spiele großer Heiligen mehr denn die kräftigsten Belehrungen und gründlichsten Beweise. Nun denn, so wisse, daß viele der berühmteſten Heiligen, z. B. 417 Das Fest des heiligen Rosenkranzes. der Hl. Philippus Neri, der hl. Franciscus von Borgia, der hl. Vinzenz von Paula, die hl. Theresia, der hl. Franciscus von Sales den Rosenfranz unter die wichtigsten und heilsamsten ihrer Adachtsübungen setzten und sich vermittelst desselben zu allem Guten angeregt fühlten. Wisse, daß die eifrigsten Missionäre dieses Gebet bei den Neubekehrten der heidnischen Länder als eines der wirksamsten Mittel ansahen, das Reich des Teufels und der Sünde zu zerstören, das Reich Jesu Christi und der Tugend zu gründen, und daher mit dem lebhaftesten Eifer auf dessen allgemeine Einführung und häufigen Gebrauch bedacht waren. Sollte aber auch dies dir noch nicht genügen, so erinnere dich, daß, als es dem hl. Dominicus gelang, den Rosenkranz bei den damals in Frankreich vielfach gefährdeten, theils sehr unwissenden, theils von der greulichen Irrlehre der Albigenser höchst bedrohten Christen einzuführen, diese Irrlehre bald vertilgt, die Gottlosigkeit beschämt, die Unwissenheit verbannt, die Sittenlosigkeit vermindert, die wahre, heilige katholische Religion neu belebt und die heilige Kirche mit unbeschreiblichem Troste erfüllt wurde. Was verkünden dir der berühmte von den Mitgliedern der Rosenkranz- Bruderschaft erflehte Sieg des christlichen Heeres über die geübteren, größeren und mehr geeinigten Schaaren der Türken bei Lepanto, die Standhaftigkeit so vieler Christen ungeachtet der heftigsten Versuchungen und die Bekehrung so vieler Sünder, die in diesem Gebete Treue beobachten? Ja was verkünden sie dir, als daß Maria die Hilfe der Christen, die Zuflucht aller Bedrängten und die Herrlicht. Mar. 27 418 3weiter Theil. 2. Andachten und Novenen zc. liebevollste Königin des heiligen Rosenkranzes sei. Ja, wohl verdient dieses Gebet ein heiliger Rosenkranz genannt zu werden, indem es zu allem Guten ermuntert und von der Sünde zurückschreckt, die Sünder bekehrt, die Schwachen stärkt, die Heiligen zu höherer Vollkommenheit antreibt, überall, wo es fromm und häufig gebraucht wird, Tugend und Frömmigkeit aufblühen macht, und die Gnade der Beharrlichkeit im letzten Kampfe wider die höllischen Mächte erwirbt. Bedenkst du endlich, christliche Seele, wie viele vollkommene Ablässe an allen höheren Festtagen Mariens, an den Tagen der Geheimnisse des Rosenkranzes und an den sogenannten Monats- Processionen den Mitgliedern dies ser Bruderschaft von mehr denn achtzehn Papsten zugesichert sind, so wirst du leicht bemerken, wie sehr die heilige Kirche die Verbreitung und den frommen Gebrauch dieses Gebetes wünscht, und wie sehr sie von dessen Heilsamkeit überzeugt ist. Solltest du den frommen Wunsch der heiligen Kirche nicht zuerst an dir selbst auszuführen trachten, um dich durch eigene Erfahrung von den trefflichen Wirkungen des Rosenkranzes zu überzeugen und dann ihn mit desto lebendigerer Ueberzeugung den Mitmenschen empfehlen zu können? Hast du aber dessen heilsame Früchte durch eigene Erfahrung kennen gelernt, so sei standhaft in dieser schönen Andachtsübung, unverdrossen, dich stets erinnernd, daß tausend und abermal tausend Mitglieder für dich beten, dir den Schutz der allerseligsten Jungfrau für jeßt und in der Stunde des Absterbens erflehen. Pflücke täglich von diesen Rosen; herrlich wird dann einstens deine Krone strahlen. Das Fest des heiligen Rosenkranzes. 41.9 Beispiel. Der fromme Verfasser des Buches:, Geheimniß um alle Gnaden zu erlangen', erzählt zu Ehren des heiligen Rosenkranzes, daß der hl. Vincenz Ferrerius eines Tages zu einem Sterbenden, der an seiner Seligkeit verzweifelte, sprach: Warum willst du dich denn ins Verderben stürzen, da Jesus Christus dich doch selig machen will?" Jener antwortete, daß er Jesu Christo zum Troß verdammt werden wolle. Hierauf isprach der Heilige: Du wirst dennoch dir selber zum Troß selig werden." Da fing der hl. Vincenz an mit den Hausbewohnern den Rosenkranz zu beten, worauf der Sterbende sogleich zu beichten verlangte und unter vielen Thränen die heilige Beicht ablegte und in diesen Gesinnungen starb. Derselbe Verfasser erzählt, daß man bei dem letten Erdbeben eine Frau unter den Ruinen eines Hauses, welches über derselben zusammengestürzt war, hervorgezogen habe. Ein Priester ließ namlich die Steine wegräumen und fand unter denselben diese Frau mit ihren zwei Kindern in den Armen, welche alle unbeschädigt und ganz gesund waren. Als man sie alsdann fragte, welche Andacht fie geübt habe, da sprach sie, daß sie nie unterlajsen habe, täglich den Rosenkranz zu beten und eine gewisse Mutter- Gottes- Capelle zu besuchen. Er erzählt ferner noch, daß eine andere Frau einen schlechten Umgang unterhielt, so daß sie glaubte, es jei ihr unmöglich, ohne denselben zu leben. Man ertheilte ihr hierauf den Rath, sie solle den Rosenfranz beten und sich der göttlichen Mutter anempfehlen. Da sie dies gethan hatte, erschien ihr einmal mitten in der Nacht die göttliche Mutter und iprach zu ihr; Verlasse die Sünde und habe ein festes Vertrauen, daß ich gewiß für deinen Unter 420 3weiter Theil. 2. Andachten und Novenen 2c. halt sorgen werde." Am andern Morgen beichtete die Sünderin, besserte sich, und Maria trug Sorge für sie. Ein Sünder, welcher es für ganz unmöglich hielt, gewisse Sünden gegen die heilige Reinigkeit zu las sen, fing an den Rosenkranz zu beten und wurde ganz von der Sünde befreit. Eine andere Person, welche einen schlechten Umgang mit jemanden hatte, empfand mit einem Male, da sie den Rosenkranz betete, einen großen Abscheu vor dieser Sünde. Mehrmals fiel sie indeß wieder in dieselbe Sünde zurück, aber durch den Rosenfranz gelang es ihr endlich, die Sünde ganz und gar zu lassen. Eine Frau war am Sterben und bewahrte immerfort noch einen großen Haß gegen ihren Mann. Da ein frommer Priester, welcher ihr in ihren leßten Augenblicken beistand, gar nicht mehr wußte, was er thun solle, um sie zu befehren, so verließ er das Zimmer, um den Rosenkranz zu beten. Unterdessen ging die arme Frau noch in den letzten Augenblicken ihres Lebens in sich, bereute ihre Sünde und verzieh ihrem Manne. Derselbe fromme Verfasser erzählt endlich noch, daß, als er einmal bei den Galeerensclaven in Neapel eine Mission gehalten habe, einige derselben fich hartnäckig weigerten zu beichten. Der fromme Priester gab nun ihnen den Rath, sie sollten sich wenigstens in die Rosenkranz- Bruderschaft einschrei ben lassen und selbst anfangen, den Rosenkranz zu beten. Das thaten die Galeerensclaven, und kaum hatten sie angefangen, den Rosenkranz zu beten, da verlangten sie zu beichten und legten reumüthige Beichten ab, nachdem sie seit vielen Jahren nicht mehr dies heilige Sacrament empfangen hatten. Diese Beispiele aus der neuesten Zeit müssen gewiß unser Vertrauen auf Maria neu beleben, 421 Das Fest der Aufopferung Mariens. denn wir können daraus erkennen, daß Maria denjenigen, der zu ihr seine Zuflucht nimmt, noch heutzutage ebenso behandelt, wie sonst. festgebet. Liebreiche Jungfrau und Mutter meines Herrn, die du in deinem Herzen Tag und Nacht die Geheimnisse der Erbarmungen unsres Erlösers erwogen hast, erflehe mir die Gnade, daß ich glaube, was die Geheimnisse des Rosenkranzes mich lehren, und erlange, was sie mir verheißen. Befreie durch die Betrachtung derselben mein Herz von jeder Anhänglichkeit an die vergänglichen Dinge, damit es für die göttliche Gnade immer mehr empfänglich werde zur Vollziehung der göttlichen Gebote, um ihre Verheißungen zu verdienen. Durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. Kurze Anweisung, wie man die fünfzehn Geheimnisse des Rosenkranzes betrachten soll. Siehe S. 189. Das Feft der Aufopferung Mariens. ( Am 21. November.) Geschichtliche Vorerinnerung. Die abendländische oder lateinische Kirche führte dieses Fest erst vor einigen Jahrhunderten ein; bei den Griechen wurde es viel früher gefeiert. Einige leiten seinen Ursprung aus dem achten Jahrhundert her. Kaiser Emanuel Comnenus führte es als ein allgemeines Fest für die griechische Kirche ein. Der Gesandte Karl's V., Königs von Frankreich, 422 3weiter Theil. 2. Andachten und Novenen 2c. regte die Feier in der lateinischen Kirche an. König Karl stellte die Sache dem damals zu Avignon refidirenden Papste Gregor XI. vor, der das Fest im Jahre 1372 zuerst in seiner Capelle halten ließ. Bald darauf führte es der Erzbischof Balduin von Trier in seinem Bisthum ein. Im Jahre 1460, nachdem dasselbe sich bereits über ganz Frankreich ausgedehnt hatte, begehrte es Herzog Wilhelm von Sachsen für sein Land, und zwar mit einer Vigilie, welche von den Päpsten Pius II. und Paul II. genehmigt wurde. Gleich darauf führten es Adolf, Bischof zu Mainz, und Robert, Bischof zu Köln, in ihren Diöcesen ein. Papst Sirtus IV. begünstigte dieses Fest dadurch, daß er das Officium desselben in das römische Brevier einrücken ließ. Endlich schrieb es Sirtus V. im Jahre 1585 für die ganze Kirche vor. Het- Betrachtung. Erster Punkt. Willst du dich eines herzerhebenden Schauspiels erfreuen, so verseße dich im Geiste in den Tempel von Jerusalem. Sieh, die Jungfrau der Jungfrauen wird von ihren frommen Eltern in den Tempel geführt, und wirft sich vor dem Altare des Herrn nieder, um sich seinem Dienste unwiderruflich zu weihen. Wie sittsam, wie de müthig steht sie da! Wie entzückend ist die Einfachheit in der Haltung ihres Körpers und in dem Schmucke ihrer Kleider. Schon lange glühte dieses heilige Kind vor Begierde, dem Herrn im Tempel dargestellt zu werden und Ihm mit dem königlichen Propheten zu sagen:„ Du, o Herr, 423 Das Fest der Aufopferung Mariens. bist allein mein Antheil für immer." Nun ist ihr Wunsch erfüllt; sie steht vor dem Altare, um das große Opfer darzubringen. Sie opfert mit großem Edelmuthe dem Herrn ihr Herz, ihre Seele, ihren Leib, ihre ganze Person. In was besteht aber das außerordentliche, bis dahin unerhörte Gelübde, welches sie ausspricht? Es ist das Gelübde der ewigen jungfräulichen Reinigkeit, wodurch sie den Herrn zum Bräutigam ihrer Seele wählt und Ihm auf ewig angehören will. Allein, o Maria, wo und aus welchem heiligen Buche, aus welchem Beispiele der heiligen Patriarchen und deiner königlichen Vorfahren ent= nahmst du den Gedanken zu einem solch erhabenen Opfer? Von wem wurdest du zur muthigen Vollbringung desselben begeistert? Wer offenbarte dir die ganze Größe der jungfräulichen Reinigkeit? Wer lehrte dich, mitten in dem entarteten Israel und in dem durch schändliche Gelüste zerrütteten Heidenthum, als die erste die Fahne der jungfräulichen Reinigkeit aufzupflanzen? Ganz gewiß war niemand anders dein Lehrer als der heilige Geist, dessen Früchte sind die Sittsamkeit, die Züchtigkeit, die Reinigkeit. Dieser heilige Geist erfüllte dich mit seinem Lichte, bevor Er dich überschattete, und der Sohn Gottes, welcher aus dir sollte geboren werden, erleuchtete dich mit der Erkenntniß der erhabensten Tugenden, bevor Er dein Sohn wurde; ja der Sohn Gottes nahm deine Seele in Besit, bevor Er die menschliche Natur von dir entnahm. Bei dem Anblicke eines so heldenmüthigen Opfers, o christliche Seele, wirf einen ernstlichen 424 3weiter Theil. 2. Andachten und Novenen zc. Blick auf dein Inneres. Magst du zu dem englischen Stande jungfräulicher Reinigkeit berufen sein oder nicht, stets wird dir das großmüthige Benehmen Mariens sehr wichtige Verhaltungsregeln zu Gemüthe führen. Sieh, Maria entschloß sich schon in ihrer frühesten Jugend zu dem ihr von Gott angewiesenen Stande; entschließe dich eben so, von Jugend an dem Herrn zu dienen; warte nicht bis auf die letzten Tage deines Le= bens. Wie leicht könntest du in deiner Sünde vom Tode überrascht werden? Wie leicht könnte der gerechte Gott dir die nöthige Gnade entziehen, um dich deinem sündhaften Lebenswandel zu entreißen und ein neuer Mensch in Jesu Christo zu werden? Der Allerhöchste verlangt die Erstlinge deines Lebens; wie kannst du aber hoffen, Jhm zu gefallen, wenn du Ihm nur die Ueberreste deiner Eitelkeit und die selbst in den Augen der Welt verächtlichen Tage eir es dahinweltenden Alters schenken wollteſt? Schreckt dich vielleicht die Größe des Opfers ab, das Gott von dir verlangt, so bedenke, daß der Allgütige dich in eben dem Masse belohnt, als du dich großmüthig gegen Ihn erweiseft. Er beraubt dich nur, um dich zu bereichern; und Er ruft dich nur deswegen zum Opfer, um dich zu krönen. Spricht die Stimme Gottes zu dir oder wirst du von der Gnade zur Ausführung einer guten Handlung angetrieben, dann dürfen weder zeitliches Interesse, noch die süßen Bande der Freundschaft und des Blutes, noch die eitlen Urtheile der Menschen berücksichtigt werden. Ruft dich Gott, der König der Könige, was fümmert dich das Rufen der Geschöpfe? Das Fest der Aufopferung Mariens. 425 O mein Gott, wie sehr habe ich Ursache, mich zu betrüben und voll der bittersten Reue Dich um Erbarmung anzuflehen! Wie oft hörte ich die Stimme deiner Gnade in meinem Inneren rufen! Vorzüglich sprach sie zu mir in den Tagen meiner Unschuld, in der tiefen Sammlung meiner Seele, oder wenn ich im Verborgenen zu Dir, o Vater der Liebe, betete, oder wenn ich, durch das heiligste Altarssacrament gestärkt, mit dem hl. Baulus zu Dir sprach:" Herr, was willst Du, daß ich thun soll!"*) Wie oft drängte mich eine innere Stimme, mich Dir gänzlich zu schenken, Dir gewisse flüchtige Vergnügungen aufzuopfern, auf diese und jene trügerischen Hoffnungen Verzicht zu leisten und gefährlichen Anhänglichkeiten zu entsagen! Was that ich aber, mein Gott? Ich betrübte deinen heiligen Geist, wies deine Gnade von mir und verlor tausend Gelegenheiten, Verdienste zu sammeln und deine Ehre durch Vervollkommnung meiner Seele zu befördern. Ach, mit dem königlichen Büßer muß ich ausrufen: Verwirf mich nicht von deinem Angesichte; genehmige das Opfer eines zerknirschten und demüthigen Herzens."**) Verlange von mir, was Du willst, oder vielmehr, gebiete als höchster Herr, sieh, ich bin dein Diener und ein Sohn deiner Magd. 3weiter Punkt. Maria ist nun im Tempel, ganz dem Dienste des Herrn geweiht. Fürchte nicht, o christliche Seele, fie möchte sich vom Hause Gottes entfernen, sich *) Apg. 9, 6. **) Pf. 50, 13. 29. 426 3weiter Theil. 2. Andachten und Novenen 2c. nach dem, was sie verlassen, zurücksehnen, oder in ihrem glühenden Eifer erkalten. Nein, nein; sie erfährt die Tröstungen des heiligen Geistes und fühlt mit dem von Gott begeisterten Sänger David, daß ein einziger in den Vorhöfen des Tempels zugebrachter Tag höhere Wonnen gewähre als tausend Tage, die in den Hütten der Gottlosen, in Mitte der Welt verlebt werden.*) Sie sieht das Blut der Opferthiere fließen, und sie vereinigt damit ihr Opfer; sie sieht, wie das heilige Feuer Tag und Nacht vor dem Herrn flammt, und sie facht in ihrem Herzen das Feuer der göttlichen Liebe an. Sie opfert, sozusagen, in jeder Stunde, und zwar ihren Geist durch die Demuth der Gesinnungen, ihren Leib durch die Abtödtung der Sinne, ihr Herz durch die Losschälung von allen Geschöpfen; alle ihre Gedanken, ihre Begierden und ihre Handlungen sind eine ununterbrochene Reihe von Opfern. O Jungfrau der Jungfrauen, welch ein er habenes Vorbild bist du für alle Christen durch dieses dein immer fortgesetztes Opfer! Aber wessen Leben ist dem ihrigen ähnlich? Und dennoch sollte es so sein: sind denn nicht alle Christen von der Taufe, also vom ersten Hauche dieses Lebens an, Gott gewidmet? Sind denn nicht alle Christen vom heiligen Paulus aufgefordert, und um der Erbarmung Gottes willen innigst gebeten: ihre Leiber Gott stets als ein lebendiges, heiliges und Gott wohlgefälliges Opfer darzustellen und heilig zu bewahren; sich nicht dieser Welt gleichförmig 11 *) Pf. 83, 10. 427 Das Fest der Aufopferung Mariens. zu machen, sondern sich umzuwandeln in Erneuerung des Sinnes?"*) Durchforsche nun dein Herz, auf wie vielface Weise du von deinem ersten feierlichen Versprechen abgewichen bist. Du wurdest mit dem Siegel des heiligen Geistes bezeichnet; glaubst da, dies ſei geschehen, damit du dein Herz allen Lüsten, deinen Verstand allen Thorheiten und deine Sinne allen sündhaften Vergnügungen preisgeben könntest? Gott heiligte deine Seele, sie wurde sein Tempel, in welchem Er mit Freude wohnen wollte. Nun frage dich, ob eitle, nichtswürdige Beschäftigungen, ganz natürliche Neigungen und gefährliche Belustigungen einer so hoch erhobenen Seele würdig sind? Verdrängen sie denn nicht den Frieden des Herzens? Sind sie nicht mächtig genug, dieses Heiligthum Gottes zu entheiligen? Allein es ist unmöglich, sagst du, daß ein Mensch, der in Mitte der Welt leben muß, nicht Antheil an den verschiedenen ErAllerdings eignissen und Gewohnheiten nehme. muß man in der Welt vieles mitansehen und mitmachen, Beweise der Freundschaft annehmen und wiedergeben u. s. w.; aber dennoch bleibt wahr, daß du nach dem Beispiele so vieler Heiligen und noch jetzt gottselig lebender Seelen die Freiheit der Kinder Gottes mitten in dem Geräusche der Welt aufrecht erhalten, dir in deinem Herzen eine unsichtbare Einsamkeit bauen, dich mit deinem Schöpfer vereinigen, das Feuer der göttlichen Liebe beständig nähren und so leben kannst, wie Maria im Tempel gelebt hat. Der wahre Gläubige fin. *) Röm. 12. 1-3. 428 3weiter Theil. 2. Andachten und Novenen 2c. det seinen Gott überall und zu jeder Zeit; muß er mit der Welt umgehen, so schenkt er ihr nie sein ganzes Herz, und gibt sich nachher mit desto größerer Freude den Uebungen des innern Lebens hin. Nur die Pflicht, die Anordnung der Vorsehung, die Liebe rufen ihn in die Welt; die Sinnlichkeit, die Eitelkeit finden bei ihm kein Gehör. Beurtheile nun dein Betragen nach diesen Grundsäßen; denke nach, ob du die Zurückgezogenheit liebst und die für deine Tugend gefährlichen Gelegenheiten fliehest; prüfe dich, ob du ungeachtet deiner so häufig erprobten Schwachheit dennoch gerne in die Deffentlichkeit trittst und dich den größten Gefahren ohne Vorsicht und Mißtrauen aussetzest! O Maria, du hattest feine Ursache, vor der Welt zu erschrecken, dennoch fliehst du sie schon in den ersten Jahren deiner Kindheit; du suchest die großen Schäße der Unschuld und Heiligkeit, welche du schon seit dem ersten Augenblicke deiner Empfängniß besaßest, in der Verborgenheit des Tempels zu bewahren. Wir aber, in der Sünde empfangen, wir fürchten weder die Gefahr, noch wollen wir uns selbst mißtrauen. Die Welt, weit entfernt, uns mit Bangigkeit zu erfüllen, bezaubert uns und zieht uns immer mehr an sich. Erbarme dich unser, o Jungfrau der Jungfrauen, erflehe uns die nöthige Einsicht und Stärke, Großmuth und Beharrlichkeit! Erflehe uns die wahre Erkenntniß der Größe und Beschaffenheit der Gefahren, denen wir ausgesetzt sind, und die Kraft, uns ihnen zu entreißen oder sie zu meiden. Bitte für uns, daß wir mit Großmuth uns dem Herrn 429 Das Fest der Aufopferung Mariens. gänzlich und unwiderruflich schenken und beharrlich in seinem Dinste wandeln mögen. Beispiel. Die ehrwürdige Mutter Maria Elisabeth von Ranfain, wegen ihrer Liebe zum Kreuze Maria Elisabeth vom Kreuze genannt, erduldete schon von ihrer frühesten Jugend an viele und unglaublich große Leiden. Sie wurde sowohl von ihren Eltern, als von ihrem Gemahl und ihren Hausgenossen auf das ſchimpflichste mißhandelt; dieses aber war nur der Anfang weit größerer Trübsale. Die göttliche Vorsehung, welche die große Tugend dieser Seele fannte, ließ es zu, daß sie gleich einem hl. Job sowohl in der Seele, als am Körper den grimmigsten Anfällen und Anfechtungen der Hölle ausgesetzt wurde. Gegen zwanzigmal stand sie in der höchsten Gefahr, vergiftet, ermordet, entehrt zu werden, und dennoch entging sie glücklich allen diesen Schlingen; denn Maria, zu welcher sie stets ihre Zuflucht nahm, wachte über sie und befreite sie endlich gänzlich von allen diesen Versuchungen und Gefahren. Aus Dankbarkeit gegen sie bemühte sie sich nun, ihrem göttlichen Sohne jo viele Seelen zu gewinnen, als ihr nur möglich war. Sie entschloß sich, solche Personen, die den Gefahren am meisten ausgesetzt waren, in ihr Haus aufzunehmen und an ihrem Heile zu arbeiten. Bald sah sie ihr Bemühen mit dem glücklichsten Erfolge gekrönt. Die fleine Gesellschaft wuchs mehr und mehr sowohl an Zahl als an Tugend, und ruhte auf ihr so sichtbar Gottes Segen, daß der Bischof von Toul sich entichloß, sie in eine Ordensgesellschaft umzuwandeln. Dieses Haus, eine wahre Zufluchtsstätte für büßende Seelen, eristirt jetzt noch zu Nancy unter dem Namen Mariä- Zuflucht( Notre- Dame du Refuge). 430 3weiter Theil. 2. Andachten und Novenen zc. festgebet. O Auserwählte meines Herrn, hochgebenenedeite Jungfrau Maria! Könnte auch ich heute, gleichwie du dich einst im Tempel der Ehre und Liebe deines Gottes weihtest, dir die ersten Jahre meines Lebens darbringen und mich ganz deinem Dienste widmen. Aber ach, die Zeit ist schon vorüber, ich Unglückseliger habe viele Jahre im Dienste der Welt und meiner bösen Neigungen verloren und ganz und gar dich und meinen Gott vergessen! Unglückselige Zeit, in der ich dich, o Maria, nicht geliebt habe! Aber es ist doch besſer spät als gar nicht anzufangen. Darum erscheine ich heute vor dir; siehe, ich will dir die übrigen Tage meines Lebens auf Erden dienen. So weihe ich dir jetzt o meine Königin, meinen Verstand, damit ich immer an die Liebe denken möge, die du verdienst, dir weihe ich meine Zunge, um dich zu loben, mein Herz, um dich zu lieben. Nimm das Geschenk an, welches dir ein so elender Sünder darbietet; hilf, o Mutter der Barmherzigkeit, durch deine mächtige Fürbitte meiner Schwachheit ab, und erlange mir von Jesu die Beharrlichkeit und die Kraft, dir bis zu meinem Tod treu zu bleiben. Amen. سمعهم Dritte Abtheilung. Andachten für den Monat Mai. Einleitung. reimal des Tages wendet sich der Gläubige zu 26 wählteste Werkzeug der Erbarmungen Gottes und als die fräftigste, liebevollste Fürsprecherin des menschlichen Geschlechtes. Damit noch nicht zu= frieden, weihte die christliche Frömmigkeit seit langen Zeiten einen Tag in jeder Woche, den Samstag, der Ehre der Himmelskönigin, um an der Gluth ihrer himmlischen Liebe sich zu entzünden und am Schlusse jeder Woche im Hinblick auf sie, sich zu stärken zur Treue in der Liebe bis in den Tod. Auch ordnete die heilige Kirche fast in jedem Monate einen Festtag zur Verherrlichung Mariens an, da sie würdig ist, nach Gott der geliebteste Gegenstand der Herzen zu sein. Doch dies alles genügte noch nicht dem frommen Sinne ihrer Verehrer: ein ganzer Monat, der Monat Mai, wurde ihrer besondern Verherrlichung gewidmet.*) *) Im Jahre 1724 ist in Dillingen in einer von Jesuiten geleiteten Studien- Anstalt für die unter den Zöglingen bestehende Congregation der erste MaiMonat zu Ehren der heiligen Mutter Gottes heraus 432 3weiter Theil. 3. Andachten für den Monat Mai. In dem Monat Mai erwacht die ganze Natur, schmückt sich mit dem schönsten Gewande und ladet die Menschen auf die freundlichste Weise zur geistigen Erneuerung ein. Nicht ohne besondere Fügung Gottes geschah es," sagt der hl. Gregorius, daß die Feier der Auferstehung Jesu Christi in die Zeit des Frühlings fällt. Wessen Herz fühlt sich nicht in diesen Tagen, wo der Schöpfer der Welten als Ueberwinder des Todes, als Besieger der Hölle fich ihm darstellt und die ganze Natur aus dem Grabe erwachend in jugendlicher Kraft sich erhebt, fast unwiderstehlich zu einem himmlischen Leben hingezogen?" Gleicher Ansicht huldigend, bestimmte die christliche Frömmigkeit den lieblichsten Monat des Frühlings als denjenigen, in welchem die zur Ehre Mariens verrichteten Andachts- Uebungen die heilsamsten Wirkungen hervorbringen dürften. Der ses lige Heinrich Suso( gestorben 25. Januar 1365) hielt einen geistlichen Mai, d. h. erneuerte sich im geistlichen Leben durch gottselige Uebungen. Der Hl. Philipp Neri( gestorben 1595) leitete die Jus gend an, den Mai durch geistliche und gottselige Uebungen zu heiligen, Wenn die heilige Kirche die Auferstehung des Gottmenschen vierzig Tage hindurch feiert, ziemt es sich nicht auch, daß die gnadenvolle Mutter des glorreich Erstandenen, die ja zugleich Mutter aller Auserwählten ist, einige Zeit hindurch ganz besonders geehrt wird? Papst Pius VII. hat durch Schreiben vom 21. März 1815 die Mai- Andacht feierlich gebilligt und die Gläubigen durch sehr reichliche Ablässe zur Theilnahme an derselben eingeladen. Allen Gläubigen nämlich, welche in einer Kirche oder zu Hause, wähgekommen.( Der älteste Monat Mariä', von einem Priester der Gesellschaft Jesu, herausgegeben in Dillingen 1724 Deutsch von J. B. Kempf, Hospital- Pfarrcurat in Mainz. Mainz, Franz Kirchheim 1878.) 3. Andachten für den Monat Mai. 433 rend des Monates Mai die heilige Jungfrau durch Huldigung, Gebete und andre Tugendübungen ehren, ertheilt dieser Papst für jeden Tag des Monats einen Ablaß von dreihundert Tagen und einmal im Monate einen vollkommenen Ablaß an jenem Tage, an welchem sie die heiligen Sacramente der Beicht und des Altars empfangen und für die Bedürfnisse der Kirche nach der frommen Meinung Sr. Heiligfeit beten. Diese Ablässe können auch den Seelen im Reinigungsorte zugewendet werden. Art und Weise, diese Andacht nüklich zu begehen. 1. Empfange im Laufe des Monats die heiligen Sacramente der Buße und des Altars. 2. Opfere täglich des Morgens alle deine Handlungen der seligsten Jungfrau und durch sie ihrem göttlichen Sohne auf. 3. Wohne, wenn du irgend fannst, täglich dem heiligen Meßopfer bei. 4. Arbeite den ganzen Monat hindurch an der Ausrottung einer böjen Gewohnheit und an der Er werbung einer Tugend, die dir besonders nöthig iſt, 3. B. der Geduld, der Reinigkeit 2c. und rufe zu diesem Zwecke die Fürbitte Mariens an. 5. Halte täglich eine der nachfolgenden Betrachtungen oder auch andre nach deinem Belieben, oder lies in einem christlichen Erbauungs- Buche, oder bete den Rosenkranz. Vorbereitungsgebet, das täglich zu Anfang der Betrachtung verrichtet wird. Gegrüßet seist du auch von uns und hochverehrt, du unbefleckte Jungfrau und liebreiche Mutter unsres Herrn! Mit Ehrerbietung spre28 Herrlicht. Mar. 434 3weiter Theil. 3. Andachten für den Monat Mai. chen wir die Worte des Engels nach, der dir die so erfreuliche Botschaft gebracht hat. Gepriesen sei Gott für alle Gnade, die Er dir und durch dich auch uns erzeigt hat. Du hast dich durch deine Demuth und treue Mitwirkung der göttlilichen Gnade in vollem Maße würdig gemacht. Der Herr ist mit dir, und du bist mit Ihm innigst vereint geblieben. Sein Wille war allezeit auch der deinige. Du hattest deine einzige Freude an Gott, und Gott hatte an dir sein größtes Wohlgefallen. Du Gebenedeite unter den Weibern, auserwählt aus allen und zur höchsten Würde erhoben, warst du doch in deinen Augen nichts, als die geringste Magd des Herrn. Du rühmtest nur die Gnade des Allmächtigen, der die Demüthigen erhebt, und Barmherzigkeit ausübt nach seiner gnädigen Verheißung. Gebenedeit ist die Frucht deines Leibes, Jesus Christus, der Sohn Gottes, der Mensch geworden und als dein Sohn in die Welt gekommen ist, uns zu erlösen und selig zu machen. Wie liebenswürdig und verehrungswürdig bist du uns auch um Seinetwillen! Du zeigst Ihn uns in deinen Armen und weisest uns auf Ihn hin, den du uns zum Heile hingegeben hast. Heilige Maria, deiner Heiligkeit wegen verdientest du die Mutter Gottes zu werden. Der Heilige konnte nur die reinste Jungfrau zur Mut 435 Andachten für den Monat Mai. 1. Tag. fer wählen. Gleich deiner hohen Würde verehren wir deine erhabenste Tugend, die sich uns als das schönste Vorbild zur Nachahmung darstellt. Als Mutter unfres Heilandes bist du auch unsre Mutter; du schließst uns alle, für welche dein Sohn gestorben ist, in dein mütterliches Herz und Gebet ein. Bitte für uns arme Sünder, um die Gnade einer wahren Bekehrung und fortschreitenden Besserung und der Beharrlichkeit im Guten bitte für uns zur Zeit der Prüfung und Versuchung, in der Gefahr der Noth und einst in der entscheidenden Stunde unfres Abscheidens von dieser Welt, damit wir nach überstandenen Kämpfen, Mühen und Leiden dort zu dir in den Himmel kommen. Durch Jesum Christum, deinen Sohn, unsren Herrn. Amen. - Erster Tay. Betrachtung über die Heilsbestimmung. Der Allerhöchste hat dich, lieber Christ, ohne dein Verdienst nach seinem Ebenbilde und mit der hohen Bestimmung erschaffen, daß du Jhn hienieden erkennen, Ihn lieben, Jhm dienen sollst und jenjeits ewig glückselig werdest. Es läßt sich fürwahr nichts Schöneres und Erhabeners denken, als Demjenigen zu dienen, dessen Befehle Zeit und Ewigfeit gehorchen; Denjenigen zu lieben, welcher der Inbegriff aller Vollkommenheiten ist; Denjenigen einst ewig zu genießen, dessen Anschauung die Seligkeit der Auserwählten ausmacht. Für dein 436 3weiter Theil. 3. Andachten für den Monat Mai. Seelenheil hat Jesus Christus am Kreuze sein Blut vergossen und in seiner Kirche eine siebenfache Gnadenquelle eröffnet, d. h. die heiligen Sacramente, die dir die verlorne heiligmachende Gnade wieder ertheilen, oder dieselbe in dir vermehren und dich im Streben nach deiner Bestimmung kräftig unterstützen. Arbeitest du eifrig an dem Heile deiner Seele, dann werden dir die Freuden des Himmels als Belohnung zu theil, und du wirst mit allen Engeln und Auserwählten in ewig seliger Wonne triumphiren. Vernachlässigest du aber deine Heiligung, dann trifft dich das Urtheil der Verdammniß, und dort in jenem schrecklichen Abgrunde, wo der Wurm nicht stirbt und das Feuer nicht erlischt und Heulen und Zähneknirschen nicht aufhö ren, werden ewige Peinen dich foltern. Kann es demnach für dich hienieden etwas Wichtigeres geben, als gemäß deiner Heilsbestimmung thätig zu sein? Hast du dies bisher genugsam erkannt und nach dieser Erkenntniß gehandelt? Oder klagt dich dein Gewissen der Vernachlässigung vielleicht sogar des freiwilligen Entgegenwirkens an? Prüfe dein Inneres und fasse noch beizeiten ernstliche Vorsätze. Schlußgebet. - - Heiligste, unbefleckte Jungfrau, meine Mutter Maria! Zu dir, der Mutter meines Herrn, der Königin der Welt, der Fürsprecherin, der Hoffnung und dem Schuße der Sünder, nehme ich heute meine Zuflucht, ich, der Armseligste von 437 Andachten für den Monat Mai. 1. Tag. allen. Ich wende mich an dich, o große Königin, und danke dir für so viele mir erwieſenen Gnaden, besonders dafür, daß du mich von der von mir so oft verdienten Höllenstrafe befreit hast. Ich liebe dich, o liebenswürdigste Königin, und aus Liebe zu dir verspreche ich, dir immer dienen zu wollen und mein Möglichstes zu thun, damit auch andere dich lieben. Ich setze alle meine Hoffnung auf dich und erwarte durch deine Vermittelung mein Heil. Nimm mich an zu deinem Diener und bewahre mich unter deinem Schuße, o Mutter der Barmherzigkeit! Und weil du so mächtig bei Gott bist, so befreie mich von allen Versuchungen, oder erhalte mir wenigstens die Kraft, sie bis an meinen Tod zu besiegen; von dir erbitte ich die wahre Libe Jesu, von dir hoffe ich einen seligen Tod. O meine Mutter, um deiner Liebe willen zu Gott, bitte ich dich, stehe mir bei bis zum letzten Augenblicke meines Lebens. Verlasse mich nicht, bis du mich selig im Himmel siehst, wo ich dir danken und deine Barmherzigkeit die ganze Ewigkeit hindurch verkündigen werde. Amen. Also hoffe ich es, also sei es. ( Dies Gebet ist vom hl. Alphons Liguori; er berrichtete es täglich.) 438 Zweiter Theil. 3. Andachten für den Monat Mai. Zweifer Tag. Vorbereitungsgebet, wie Seite 433. Betrachtung über den Gebrauch der Zeit. Ob wir einst mit den Heiligen im Himmel Gott anzuschauen gewürdigt werden, hängt beson ders davon ab, welchen Gebrauch wir von der Zeit unfres Lebens machen. Je fürzer die Zeit ist, desto sorgfältiger soll sie benügt werden. In jedem Augenblice können wir Gott gewinnen oder auch verlieren; jeder Augenblick ist der Heiligung und des Verdienstes fähig und auch dazu bestimmt und hat dafür seine Gnade; jeder Augenblick kann uns zu einer neuen Stufe der Herrlichkeit im Himmel verhelfen. Wenn es sich nur darum handelte, eine einzige Stunde zu verlieren, so sollte man sich fürchten, ein so kostbares Geschenk zu vergeuden, das Gottes Barmherzigkeit uns vergönnt, auf daß wir damit unendlich werthvolle Schäße der Gnade und des Heils erwerben. Schnell eilt die Zeit vorüber,- ein Augenblick verdrängt den andern, keine Sekunde kann mehr zurückgenommen werden.- Könnten die Heiligen im Himmel noch etwas bereuen, so wäre es gewiß das Einzige, daß sie die Zeit nicht sorgfältiger benutzt haben. Der größte Schmerz, der die Verdammten peinigt, ist der Vorwurf, daß sie die Zeit anstatt zu ihrem Heile, nur zu ihrem Verderben angewendet. Du hast, mein lieber Christ, vielleicht schon zwanzig, dreißig, vierzig und mehr Jahre verlebt und diese Zeit, in welcher du dir einen unschäß 439 Andachten für den Monat Mai. 3. Tag. baren Reichthum an Verdiensten hättest erwerben fönnen, mit Sünden und schweren Vergehen zugebracht. Um alle Schäße der Erde kannſt du keinen Augenblick mehr zurücknehmen. Willst du so fortfahren? Kann nicht jede nächste Minute die letzte deines Lebens sein?- Benüße die Zeit zu deinem Heile, so lange es dir möglich ist, damit du später nicht Ursache hast, ihren Verlust umsonst zu beweinen! Schlußgebet, wie Seite 436. - Drikker Tag. Dorbereitungsgebet, wie Seite 433. Betrachtung über die Gnade. Ohne die Gnade oder den Beistand des Herrn können wir keine Handlung verrichten, die etwas zu unsrem Heile beiträgt, wie Christus und seine Apostel lehren. Die Gnade aber gibt sich fund durch fromme Anmuthungen, heilsame Gedanken, gute Einsprechungen, innerliche Antriebe zur Ausübung dieser oder jener gottgefälligen Handlung, durch Vorwürfe des Gewissens, durch Abscheu vor dem Bösen, wodurch wir zu guten Vorsäßen angeregt und dabei durch einen höhern Beistand in unsrer Schwachheit unterstüßt werden. Jede dieser Gnaden hat einen unendlichen Werth; der heilige Geist selbst ist es, der da zu uns spricht, uns ermahnt, tröstet, stärkt und ermuntert. Sie ist dem Sünder ein Schlüssel, womit er den Himmel eröffnen kann, und dem Gerechten ein Mittel, um die Liebe und heiligmachende Gnade zu vermehren. Wer sie 440 3weiter Theil. 3. Andachten für den Monat Mai. nicht benußt, weist gleichsam die Hand von sich. die ihn dem Himmel entgegenführt. Willst du, lieber Christ, dir durch Ausübung guter Werke einen Schatz von Verdiensten erwerben, der dich des ewigen Lebens würdig macht, o so achte sorgfältig auf die Einsprechungen der Gnade und bemühe dich, dem, wozu sie dich auffordert, eifrig nachzukommen. Keine Gnade steht für sich allein da, sondern jede ist das Glied einer großen Rette, deren Anfang und Ende Gott allein kennt. Ist diese Gnadenkette aber durch Vernachlässigung einer entscheidenden Gnade des Heils einmal zerbrochen, so wird sie nur schwer wieder angeknüpft. Forsche nach, wie du bisher die dir von Gott ertheilten Gnaden benutzteft- oder mißbrauchtest.Bereue deinen Leichtsinn und entschließe dich fortan zum treuen Mitwirken mit den Gnaden, die dir des Herrn Güte noch ertheilen wird! Schlußgebet, wie Seite 436. Vierter Gag. Dorbereitungsgebet, wie Seite 433. Betrachtung über die läßliche Sünde. Jede mit freiem Willen begangene läßliche Sünde ist eine Beleidigung und ein Undant gegen Gott, unsren größten Wohlthäter, und ein unendlicher Greuel in dessen heiligen Augen. Könten wir die unermeßliche Größe und Heiligkeit Gottes und die ganze Tiefe und Niedrigkeit unsrer ſelbst erfassen, so würden wir einsehen, daß die 441 Andachten für den Monat Mai. 4. Tag. fleinste läßliche Sünde ein abscheuliches, unendlich hassenswerthes Uebel ist, daß wir durch sie die anbetungswürdige Majestät Gottes beleidigen, defjen heiligem Willen uns widerseßen, dessen Namen entehren, Ihn mit Verachtung behandeln und abscheulichen Undank an den Tag legen. Durch jede läßliche Sünde ziehen wir uns eine zeitliche Strafe zu, welche, wenn wir sie im Leben nicht durch freiwillige Bußwerke, durch Geduld in Leiden und bittern Heimsuchungen austilgen, wir noch im Reinigungsorte abbüßen müssen, wo die Peinen so groß sind, daß sie mit feinen irdischen Leiden verglichen werden können. ,, O mein Gott," sprach die hl. Katharina von Genua, wenn ich mich in einem mit geschmolzenem Blei gefüllten Teiche befände und könnte blos unter der Bedingung hinauskommen, daß ich eine läßliche Sünde beginge, so wollte ich lieber die ganze Ewigkeit darin bleiben, als unter einer solchen Bedingung mich freimachen." Obgleich die läßliche Sünde das Leben der Seele nicht geradezu tödtet, so bewirkt sie doch, daß sich Gott immer mehr von uns zurückzieht, uns weniger Gnaden mittheilt; sie trübt und befledt die Reinheit unsrer Seele, flößt uns allmählich Efel an heiligen Dingen ein, greift wie ein nagender Wurm unsre guten Werke an, verdirbt die Früchte der Tugend, führt uns zur Lauheit, beraubt uns des übernatürlichen Beistandes und bildet somit eine Brücke zur Todsünde! Hast du, mein Christ, die läßliche Sünde bisher in dieser Weise betrachtet? Muß fie dir nicht abscheulich und verwerflich erscheinen?- Wie - 442 Zweiter Theil. 3. Andachten für den Monat Mai. gedenkst du dich fortan ihr gegenüber zu verhal ten?- Ueberlege es in heiligem Ernste, fasse geeignete Vorjäße und erflehe dir zu deren Ausführang den Beistand der seligsten Jungfrau! Schlußgebet, wie Seite 436. Hünffer Tag. Dorbereitungsgebet, wie Seite 433. Betrachtung über die Todsünde. Gott ist der unumschränkte Herr und Gebieter über Zeit und Ewigkeit; die Engel des Himmels vollziehen in zitternder Ehrfurcht seine Befehle, Ihm huldigen die Gestirne und alle Elemente, und nach seinem Willen fügen sich alle Geschöpfe; der Mensch allein, welcher eine schwere Sünde begeht, empört sich gegen den Allerhöchsten, indem er dessen Gebote freiwillig übertritt, macht sich dadurch einer Schmach und Unehre gegen Gott schuldig, die er aus sich selbst nicht mehr zu tilgen vermag und legt den schwärzesten Undank an den Tag. Sieh, der Herr gab dir das Leben, eine unsterbliche Seele, einen Leib, Gesundheit, Glück und Wohlergehen; Er gab dir seinen einzigen vielgeliebten Sohn, der dich durch sein bitteres Leiden und Sterben erlöste; der heilige Geist heiligte dich in der Taufe, schmückte dich mit dem Rechte der Erbschaft des Himmels, ertheilte dir schon so viele Gnaden, Erleuchtungen und Unterstüßungen zur Ausübung guter Handlungen. Und doch wendest du alle diese unschäßbaren Wohlthaten wider Gott, deinen größten Wohlthäter, da du Verstand, Sinne, 443 Andachten für den Monat Mai. 6. Tag. freien Willen zur Vollziehung deiner Sünden mißbrauchst. Wie abscheulich und fluchwürdig handelst du, wenn du deinem liebenswürdigsten Vater im Himmel mit solcher Schmach und Unehre begegnest? Könntest du gegen einen Todfeind boshafter verfahren? Wohl trägst du ein undankbares Herz in dir, wenn du dich durch die Sünde gegen Gott empörst, der dich fortwährend mit Wohlthaten überhäuft und einst jelig machen will! - - Beherzige, welch unergründliche Bosheit in jeder schweren Sünde liegt- fasse einen ernstlichen Entschluß, dieselbe fünftig aus allen Kräften zu meiden und bitte Gott und die seligste Jungfrau um die Gnade, diesen Entschluß standhaft auszuführen. Schlußgebet, wie Seite 436. Sechster Sag. Vorbereitungsgebet, wie Seite 433. Betrachtung über die Folgen der Sünde. Die Sünde, als Beleidigung der unendlichen Majestät Gottes betrachtet, ist in sich so schrecklich, daß der Mensch sie aus sich selbst durch kein erdenkliches Bußwert austilgen kann, und nur Jesus Christus als Gottmensch die beleidigte Gottheit durch sein Leiden zu versöhnen vermochte. Nimm die Gebete und guten Werke aller Heiligen, das Blut der Märtyrer, die Liebe aller Engel, die Bußwerte aller Gerechten und selbst die hohen Verdienste Mariens zusammen, sie sind nicht im stande, für eine einzige Sünde der ewigen Gerechtigkeit hinlängliche Genugthuung zu leisten. - 444 3weiter Theil. 3. Andachten für den Monat Mai. Bist du im Stande der Gnade und begehst eine schwere Sünde, so wirst du plößlich aus einem Kinde Gottes ein Aufrührer, hörst auf, ein lebendiges Glied des Erlösers Jesu Christi zu sein; bist nicht mehr ein Tempel des heiligen Geistes, nicht mehr Gottes Diener, sondern Satans Sclave; nicht mehr ein Freund, sondern ein Feind Gottes; nicht mehr ein Auserwählter, sondern ein Verworfener, der sich der Hölle schuldig gemacht. Hättest du auch von Jugend auf einen heiligen Lebenswandel geführt, Millionen Verdienste gesammelt, hättest du so unschuldig wie ein Engel gelebt, ach, eine einzige schwere Sünde, und würdest du sie blos in Gedanken begehen, raubt dir alle Verdienste, so zwar, daß wenn du in diesem Zustande stirbst, du auf immer verloren gehst.- Kurz, eine Seele im Stande der Sünde ist eine Seele, die den Weg zum Himmel verlassen hat; eine Seele, die aus dem Schafstalle des göttlichen Hirten entflohen ist; eine Seele, auf welcher der Fluch des Himmels lastet; eine Seele, die nicht mehr Gottes Besit, nicht mehr die ewige Seligkeit hoffen darf, sondern nur eine Hölle, ein verzehrendes Feuer und ewige Peinen zu erwarten hat! - O Sünde, o Sünde! Furchtbarer, entsetzlicher Abgrund! Gedneke also, daß nur Jesus Christus diese Sünde gutmachen konnte, gedenke der entsetzlichen Umwandlung durch die Todsünde und des furchtbaren Verlustes durch dieselben und ergreife das Heilmittel dagegen, das heilige BußSacrament, und sei eifrig in guten Werken, damit der liebe Gott seine Gnaden dir wieder verleihe. Schlußgebet, wie Seite 436. - 445 Andachten für den Monat Mai. 7. Tag. Siebenker Tag. Vorbereitungsgebet wie Seite 433. Betrachtung über die Buße. Die Gerechtigkeit des Himmels fordert für jede begangene Sünde gebührende Genugthuung, die entweder hier im Leben durch freiwillige Bußwerke oder einst im Jenseits durch erzwungene Züchtigungen entrichtet werden muß. Willst du den ewigen Strafen ausweichen, so bleibt dir nichts übrig, als zur zeitlichen Buße zu greifen. Aber auch wenn du für keine Sünden zu büßen hättest, ist die Buße dir nothwendig; denn nur so lange wird eine Seele von der Gnade unterstützt, als sie selbst den Versuchungen, den Leidenschaften und Gefahren entgegenwirkt.- Der Himmel über deinem Haupte, die Hölle unter deinen Füßen, der Tod in naher Ferne, das Gericht, die Ewigkeit, die heilige Schrift, die heilige Kirche, das Urtheil deiner eigenen Vernunft, die Beispiele der Heiligen, alles fordert dich zur Buße auf. Erkennst du die Nothwendigkeit der Buße, so schiebe sie nicht in die Ferne hinaus. Sage nimmer: Morgen will ich mich bekehren, morgen Buße thun! Weißt du denn, ob du den nächsten Morgen noch erlebst?- Tausende und tausende jammern jetzt in der Hölle, die ihre Bekehrung von einem Tage auf den andern schoben. Sie trösteten sich stets auf den Morgen; aber es gab für sie teinen Morgen mehr. Das Leben eines Christen, der Gott wahrhaft genugthun will, sagt der Kirchenrath von Trient, muß eine unaufhör- 446 Zweiter Theil. 3. Andachten für den Monat Mai. liche Buße sein; denn es gibt keine Zeit, wo es ihm erlaubt wäre, die Nägel, welche ihn an das Kreuz der Abtödtung heften, abzulösen. Jesus stieg nicht vom Kreuze, bis Er den letzten Blutstropfen vergossen hatte. Petrus, Matthäus, Magdalena, die zuerst vom Heilande begnadigt wurden, verharrten bis zum Tode in der Buße. Wir wissen nicht, wie viel wir der ewigen Gerechtigkeit zu leisten haben. Es ist nicht genug, daß du der Sünde blos auf einige Stunden entsagst, du mußt ihr ewige Feindschaft schwören. Es reicht nicht hin, daß du deine Verirrungen nur etliche Monate beweinst, du mußt dich das ganze Leben hindurch darüber betrüben. ,, Wer ausharrt bis ans Ende," spricht der Herr, wird selig werden." Ermuthige dich zu einem kräftigen Vorsatze! Schlußgebet, wie Seite 436. Achter Gag. Dorbereitungsgebet, wie Seite 433. Betrachtung über den Aufschub der Bekehrung. Es ist höchst ungerecht, wenn du deine Befehrung stets auf die Zukunft verschiebst. Leben, Gesundheit und alles, was du hast, ist des Herrn Eigenthum. Was würdest du sagen, wenn derjenige, welcher dein Land anbaut, dir als Zins nur die schlechtesten Früchte gäbe? Und du opferst der Welt, der Sünde, dem Satan die schönsten Jahre des Lebens, in der Voraussetzung, daß dein Gott und Erlöser mit dem elenden Reste deiner im Bösen verlebten Tage noch zufrieden sein werde?- 447 Andachten für den Monat Mai 8. Tag. Wenn dein Leib eine tödtliche Wunde erhalten hat, zögerst du dann wohl mit ihrer Heilung bis ins späte Alter? Und die Seele, welche du durch die Sünde tödtlich verwundet hast, jolltest du nicht gleich heilen? Du stüßest dich immer auf deine Zukunft, in welcher du das Werk der Bekehrung vornehmen willst; aber weißt du auch, ob du dieſe Zukunft erlebest, ob dich der Tod nicht vorher hinwegrafft?- Jetzt fällt es dir zu schwer, deine Leidenschaften zu überwinden, und später, wenn fie durch lange Gewohnheit dir gleichsam zur zweiten Natur geworden sind, sollte es leichter jein?Du hoffest vielleicht dich noch in der Todesstunde zu bekehren; glaubst du aber, daß es dich dann mit einem sterbenden Leibe, mit einer fraftlojen Seele, mit einem niedergeschlagenen Geiste, mit erschöpften Kräften leicht zu thun ankommen werde, was du nicht thun konntest, da dein Geist und Körper noch gesund und kräftig waren? - Zur Strafe für den Aufschub der Bekehrung wird dich der Herr einst deinen Feinden überlasser, und diese Feinde find: die fürchterlichen Schr.erzen der Krankheit, die dich der Besinnung Lerauben, die Klagen deiner Verwandten, die beine Angst noch vermehren, der Satan, der sich alle Mühe geben wird, dich durch die Vorstellung der verübten Laster in Verzweiflung zu stürzen. Deine letzte Reue, dein letter Vorjat, deine letzte Beicht und Genugthuung werden entweder gänzlich unterbleiben oder nicht in gottgefälligem Sinn geschehen. D suche deshalb durch eine baldige Bekehrung einem solchen Unheil auszuweichen! Wirf dich Maria zu Füßen, du wirst nicht der erste sein, dem 448 Zweiter Theil. 3. Andachten für den Monat Mai. sie durch ihre Fürbitte die Gnade der Bekehrung erwirkt hat! Schlußgebet, wie Seite 436. Deunter Tag. Dorbereitungsgebet, wie Seite 433. Betrachtung über die Barmherzigkeit Gottes. Der Herr ist gütig und langmüthig gegen den Sünder, und wenn Er Gerechtigkeit übt, geschieht es nur, nachdem seine Barmherzigkeit ver schmäht worden ist. Als guter Vater bethätigt Er seine zärtliche Liebe gegen den verlornen Sohn, der von seinen Verirrungen zurückkehrt, gegen die reumüthige Magdalena, gegen Petrus, der seine Verleugnung beweint, gegen den Schächer am Kreuze, der Jesu Güte anfleht. Ja die Menge unsrer Sünden hält Ihn nicht ab, uns selbst gleichsam aufzusuchen, damit wir uns seiner Erbarmung in die Arme werfen. Er sucht uns auf, wie der gute Hirt sein verlornes Schaf. Anfangs ist es eine unwillkürliche Unruhe, die in deinem Herzen entsteht, es sind Gewissensbisse, die Er anregt, um dich von der Sünde zurückzuführen. Darauf erleuchtet Er dich vorübergehend mit einem innern Lichte, das dich die Größe deiner Schuld, die schreckliche Gefahr deines Zustandes, die Nothwendigkeit der Reue erkennen läßt. Er erinnert dich an das Glück eines reinen Herzens, an den Fluch, der auf dem Sünder lastet! Er wendet alle Mittel an, freudige und bittere Heimsuchungen, Glück und Unglück, um dich zur Rückkehr in die Arme seiner Erbarmung zu vermögen. Andachten für den Monat Mai. 10. Tag. 449 Ueberstiege die Zahl deiner Sünden jene der Haare des Hauptes, hättest du mehr Sünden und Missethaten begangen, als Sandkörner am Ufer des Meeres sind, so ist der Herr zu jeder Stunde bereit, dir dieselben zu verzeihen, wenn du mit aufrichtiger Reue und dem ernsten Vorsake der Besserung zu Ihm zurückkehrest. Er will ja nicht den Tod des Sünders, sondern daß er sich bekehre und lebe, und Er versichert uns, daß im Himmel eine größere Freude über die Bekehrung eines Sünders sei, als über die Beharrlichkeit von neun und neunzig Gerechten. Mit einem Worte, die Barmherzigkeit Gottes ist so groß, daß der hl. Augustin behauptet, jener verleugne Gott, welcher nicht glauben wollte, daß Er die Sünden nachlasse. Oso höre denn auf des Herrn Stimme, die dir Verzeihung anbietet, und fliehe zu seiner Erbarmung, auf daß du seiner strafenden Gerechtigkeit nicht anheimfallest! Schlußgebet, wie Seite 436. Zehnter Tag. Dorbereitungsgebet, wie Seite 433. Betrachtung über den Tod. Der Leib des Menschen, gebildet von Staub und Erde, muß wieder zu Staub und Erde werden. Der Reiche wie der Arme, der Gelehrte wie der Unwissende, der Sünder wie der Gerechte eilen mit jedem Bulsschlage dem Grabe entgegen; denn es ist dem Menschen gesetzt, einmal zu sterben. Diese Wahrheit bedarf feiner weitern Bestätigung. Herrlicht. Mar. 29 450 3weiter Theil. 3. Andachten für den Monat Mai. - Wo wirst du aber sterben? Zu Hause, in der Kirche,- im Bette oder auf der Straße?- Was wird deinen Tod herbeiführen? Eine langwierige oder plötliche Krantheit- ein Schuß- ein Fall Wasser oder Feuer? Wann wirst du sterben? Nach zwanzig, dreißig Jahren- oder vielleicht in den nächsten Tagen, vielleicht noch heute Nacht?- Du weißt es nicht, aber du weißt, daß dich der Tod zu einer Stunde ereilen wird, in welcher du es am wenigsten vermuthest. - Und du lebest dennoch, als wenn du nie sterben müßtest! Dein Gewissen ist noch so sehr mit Sünden beschwert; wenn du in diesem Augenblicke stürbest, müßtest du von dieser Stelle, auf der du dich befindest, vielleicht zur Hölle hinabfahren. 1 - Diese Möglichkeit erkennst du und schauderst vor ihr, und dennoch zögerst du, deine Hand nach Du dem Mittel der Rettung auszuſtrecken. wartest von Tag zu Tag, von Monat zu Monat, von Jahr zu Jahr, und zugleich rückt deine Todesstunde immer näher, ohne daß du dich auf sie vorbereitest. O gehe in dich selbst, mache dich auf die große Scheidestunde stets so fertig, daß du nicht den Tod eines unbekehrten Sünders stirbst. Lebe täglich so, wie du einst wünschen wirft, gelebt zu haben, dann wird dein Hingang ein seliger sein! Schlußgebet, wie Seite 436. - - - Andachten für den Monat mai. 11. Tag. € 1ffer Say. Vorbereitungsgebet, wie Seite 433. 451 Betrachtung über das Gericht. Das Gericht, welch freudevoller Zeitpunkt für den Gerechten, welch schrecklicher für den Sünder! Einst wirst du vor dem Richter Jesus Christus erscheinen. Da, wo du den letzten Seufzer ausgehaucht, ist der Richterstuhl aufgerichtet. Ach, Er war dein Vater, und du hast Ihn nicht geliebt; Er war dein König, und du hast Ihn verlassen; Er war dein Gott, und du haft Jhn beleidigt; Er war dein Wohlthäter, und du hast Ihm mit Undank vergolten! In einem Augenblicke wird Er dich die Last deiner Vergehen empfinden lassen; erschrocken, zitternd und mit Sünden bedeckt, stehst du einsam und verlassen vor seinen heiligen Augen. Wo willst du Beistand suchen? Bei Maria? Aber du hast ihr so wenig gedient. Beim Schußengel? Aber du haft seinen Einsprechungen nur selten, oder vielleicht nie gefolgt. Niemand nimmt sich deiner mehr an. Da stehest du denn allein vor dem Richter, der nach den Gesetzen der ewigen Gerechtigkeit über dich urtheilen muß. Das Buch des Lebens und des Todes wird aufgeschlagen; du siehst darin all die Sünden deiner deine begangenen Sünden Kindheit, die Sünden deiner Jugend, die Sünden deines höhern Alters, alles Gute, das du versäumt, die geheimsten Gedanken, Wünsche und Begierden, alles, was du öffentlich oder im Verborgenen gethan, wird jetzt offenbar werden. Und alsdann 452 Zweiter Theil. 3. Andachten für den Monat Mai. folgt der Richterspruch; über die Gerechten lautet er: Kommet, ihr Gesegneten meines Vaters!" Ueber die Verworfenen aber: Fort, hinweg ihr Verfluchten!" Wer vermag den Unterschied dieser zwei Worte zu fassen? Kommet; Wohin? Zu den Freuden der ewigen Seligkeit. Hinweg! Wohin? Zu den Teufeln in die Hölle. Dieſes Urtheil bleibt ewig unwiderruflich. Ewig selig oder ewig verworfen! Welches Loos wird dich treffen? Nur jenes, das du dir jetzt bereiteſt. Schlußgebet, wie Seite 436. Zwölffer Tag. Vorbereitungsgebet, wie Seite 433. - - Betrachtung über das Fegfeuer. Offenbarung und Vernunft überzeugen uns, daß die Seele, welche zwar im Stande der Gnade aber noch nicht ganz gereiniget von läßlichen Sünden und verschuldeten zeitlichen Strafen, von diesem Leben scheidet, bis zur gänzlichen Läuterung im Fegfeuer leiden muß. Und dieser Zustand ist höchst peinlich. Die Seele liebt Gott, und wird doch von Ihm gestraft; sie verlangt sehnsuchtsvoll nach Ihm, und ihr Verlangen bleibt ungeſtillt; sie harrt mit Schmerzen auf ihre Erlösungsstunde, und weiß nicht, wann dieselbe schlagen wird sie leidet Qualen, mit welchen keine irdischen Leiden verglichen werden können.- Was hat sie in diesen traurigen Ort gebracht? Eine nicht reine Absicht bei dieser oder jener Handlung, eine leichtsinnige Zerstreuung im - Andachten für den Monat Mai. 13. Tag. 453 Gebete, eine Unaufrichtigkeit im Umgange mit ihrem Mitmenschen, unnüße, lieblose Worte ,unordentliche Anhänglichkeit an gewisse Dinge,- Mangel an Abtödtung, geringscheinende Lügen u. s. w. Ach, wie wird es dann dir ergehen für so viele Handlungen des Zornes, der Ungeduld; für so viele Unwahrheiten, Ungehorsam, Unehrerbietigkeiten in der Kirche, Nachlässigkeiten in deinen Standespflichten; für so viele eitle, gefallsüchtige, lieblose Reden;- für so viele Vernachlässigungen der Werke der Barmherzigkeit! O da bleibt dir viel zu leiden, und du denkst so wenig daran, dich zu bessern! Ob ein Jahr oder tausend Jahre deine Schmerzen dauern werden, weißt du nicht; aber daß diese Abzahlung eine peinliche, schreckliche sein wird, weißt du. Um ihr zu entgehen, übe darum jetzt Buße, Abtödtung und Selbstverleugnung; denn des Herrn Gnade ist zur Stunde noch bereit, dieselben als Ersatz anzunehmen. Schlußgebet, wie Seite 436. Dreizehnter Gay. Vorbereitungsgebet, wie Seite 433. Betrachtung über die Hölle. Die Hölle ist der schreckliche Ort, wohin der Mensch, der im Stande der Todsünde stirbt, ver= Die stoßen wird, um ewig gestraft zu werden. Seligkeit des Himmels, für welche er geschaffen war, ist auf ewig für ihn verloren, und er muß es unter schrecklichen Vorwürfen und bitterer Reue - - - 454 3weiter Theil. 3. Andachten für den Monat Mai. beweinen. Gott hatte ihn zur ewigen Freude berufen; aber er hat nicht gewollt; Gott hatte sein Herz begehrt; aber er hat es Ihm verweigert; Gott hatte seine Liebe verlangt; aber er hat Ihn gehaßt; nun hat er Seele, Himmel, Seligkeit, alles verloren, und aus eigener Schuld verloren! Der Heiland hatte auch für ihn gelitten, für ihn sein Blut vergossen, ist auch für ihn gestorben; aber er hat dies Leiden, dieses Blut, diese Erlösung an sich nußlos gemacht! Die Erinnerung an die vielen empfangenen Gnaden, durch deren treue Benußung er sich eine ewige Seligkeit hätte verschaffen können, peinigt ihn ohne Unterlaß. Er hätte sich durch ernstliche Bekehrung, durch christlichen Wandel, durch größere Ueberwindung seiner selbst, durch eifriges Gebet, durch findliche Zuflucht zu Maria vor dem ewigen Feuer bewahren können: Prediger, Beichtväter, das eigene Gewissen, die Beispiele frommer Mitchristen haben ihn so oft ermahnt, gebeten, beschworen; aber er hat nicht darauf geachtet! O wenn er nur noch auf einen Tag, oder eine Stunde zurückkehren könnte, wie würde er nicht zu den Heilsmitteln greifen! Und welche Uebel sind in der Hölle weiter über ihn verhängt? Denke dir alle möglichen Peinen, Marter und Qualen hienieden, so geben sie dir noch lange keinen Begriff von der Strafe eines Verdammten. Er ist in einen Feuerteich versenkt, Feuer ist über ihm,- Feuer unter ihm, Feuer rings um ihn, Feuer in seinem Innern. Das Blut siedet ihm in den Adern,- das Mark in seinen Gebeinen. Und diese fürch- - - Ewige Andachten für den Monat Mai. 14. Tag. 455 terliche Qual,- das Heulen und Zähnetknirschen- diese entsetzliche Verwerfung dauert ewig! Wenn hunderttausend Millionen Jahre vorüber sind, steht der Verdammte immer noch im Anfange seiner Leiden; denn die Ewigkeit hat kein Ende.- Verwerfung! Ewige Pein! Keine Rettung, fein Erbarmen mehr! Ach, es ist schrecklich, in die Hände eines erzürnten Gottes zu fallen! O Sünder, überlege es, ob es nicht die größte Thorheit ist, wegen eitler irdischer Dinge sich zu einem solchen unermeßlichen Elende verdammen! Schlußgebet, wie Seite 436. - Viergehnter Tag. Dorbereitungsgebet, wie Seite 433. Betrachtung über den Himmel. Selig, wer am Abende seines Lebens in der Liebe und Freundschaft Gottes entschlummert! denn es öffnen sich ihm die Pforten des Himmels, und er genießt ewig eine Seligkeit, die kein irdischer Gedanke zu erfassen vermag! Dort leuchtet in unvergleichlicher Schönheit die Sonne des Lebens, Jesus Christus; dort steht der Lebensbaum, der immer neue Früchte trägt; dort fließt der Wonnestrom, aus dem die Auserwählten gesättigt werden; dort ist der Thron des dreieinigen Gottes, vor welchem die Engel ihren Lobgesang ertönen lassen; dort wird die Seele Jesum, ihren Erlöser, sehen, den Gegenstand der Beschauung und Entzückung des ganzen Himmels; sie wird Maria sehen, die süße Mutter aller Menschen, die Zierde aller Heiligen; 456 3weiter Theil. 3. Andachten für den Monat Mat. fie wird ihre einstigen Freunde und Verwandten sehen, die ihr ins himmlische Vaterland voran geeilt sind und sich ewig mit ihnen erfreuen. Wie wird sie nun frohlocken, daß sie im Leben der Sünde entsagt, ihre Leidenschaften bekämpft, die Welt mit ihren Eitelkeiten verschmäht, die Wege der Buße und Selbstverleugnung gewandelt ift und im Guten beharrlich war. Wer kann begreifen, was in dem Ausdrucke liegt: Ewig glückselig sein! Das war der Gedankte, der die heiligen Büßer in ihrem Eifer entflammte, der die Märtyrer auf dem Blutgerüste stärkte! Welch ein Gedanke: Immer Gott anschauen, immer Ihn lieben, nie mehr einen Schmerz oder ein Leid fühlen, ewig sich freuen, ewig triumphiren, so lange unaussprechlich glückselig sein, als Gott Gott sein wird! O Himmel! O Ewigkeit voll Wonne! Für dich will ich arbeiten, nach dir will ich streben, so lange ich noch hienieden weile! Schlußgebet, wie Seite 436. Hünfzehnter Gag. Vorbereitungsgebet, wie Seite 433. Betrachtung über die Liebe zu Gott. Es gibt wohl keine süßere Pflicht für den Menschen, als Gott zu lieben, welcher der Urquell und Inbegriff aller Vollkommenheiten ist. Die ganze Natur predigt uns diese Liebe zu Gott; überall umgeben uns seine Wohlthaten. Wo du dich hinwendest, trägt Er dich gleichsam auf den Armen. Jeder Gegenstand, jede Blume, jede Pflanze Andachten für den Monat Mai. 15. Tag. 457 ruft dir stillschweigend zu: Liebe Denjenigen, der dich und mich erschaffen hat! Von Ewigkeit her hat Er an dein Wohl gedacht. In der Zeit sandte Er zu deiner Erlösung seinen eingebornen Sohn. Gab es je ein liebenswürdigeres Herz, als das Herz Jesu? Alle seine Seufzer, seine Schritte, sein. Schweiß, seine Thränen, seine Gebete, seine Reisen, seine Wunder geschahen nur aus Liebe zu dir; für dich ließ Er sich freuzigen; für dich sißt Er zur rechten Hand Gottes als Fürsprecher; für dich hat Er das heiligste Sacrament des Altars eingesetzt, um dich mit seinem Fleische und Blute zum ewigen Leben zu ernähren. Hätte seine Liebe noch mehr thun können? Bedenke ferner, welche Wohlthaten Er dir schon erzeigt hat und noch immer spendet: Er ließ dich von christlichen Eltern geboren werden und erziehen; Er gab dir ein Herz, empfänglich für Tugend; Er schenkte dir einen Schußengel zum Führer; Er hat dir schon so oft im Buß- Sacramente die Sünden, durch welche du die Hölle verdientest, gnädig nachgelassen und dir neue Gnaden und Beweise seiner Liebe geschenkt. Und diese und noch so viele andere Wohlthaten sollten dich nicht zu inniger Gegenliebe bewegen? Oliebe diesen guten Gott, und aus Liebe zu Ihm halte seine Gebote; entziehe dein Herz den Geschöpfen, und bringe es Ihm mit seinen Neigungen zum Opfer dar; nimm jede Prüfung mit Dank aus seinen Händen an; bitte um Erkenntniß seines heiligen Willens, und erfülle denselben mit aller Demuth; mit einem Worte: dein Leben mit all seinem Thun und Lassen sei dem Herrn 458 Zweiter Theil. 3. Andachten für den Monat Mai geweiht, der es sich durch Liebe und Wohlthaten erworben hat! Schlußgebet, wie Seite 436. Sechzehnter Tag. Dorbereitungsgebet, wie Seite 433. Betrachtung über die Allgegenwart Gottes. Wo immer du dich befinden magst, stehst du vor Gott; Er fieht dir ins Angesicht; Er ist um dich, in dir; Er durchschaut dein ganzes Wesen; Er beachtet jede deiner Handlungen, hört jedes Wort, bemerkt jede Anmuthung, die sich in deinem Herzen regt, durchblickt deine geheimsten Gedanken. Sei es im Finstern der Nacht, sei es beim Lichte des Tages, seist du allein oder in Gesellschaft, nie gibt es in deinem ganzen Leben eine Secunde, in welcher Gott nicht bei dir ist.- Und wenn du dich schämst, vor einem Menschen etwas Ungebührliches zu reden oder zu thun; wie vielmehr soll dich der Gedanke an die Gegenwart Gottes bestimmen, alles Böse sorgfältig zu meiden! Welche Frechheit, im Angesichte deines gütigen, liebevollen Gottes zu sündigen, Ihn zu beleidigen. Welche Verachtung gegen den Allerheiligsten, gegen deinen Heiland und einstigen Richter, vor Ihm Handlungen zu begehen, deren du dich vor einem Menschen schämen müßteſt! Wenn du einst vor dem göttlichen Richterstuhle erscheinst, um dein Urtheil zu vernehmen, da bedarf es feiner Ankläger und Zeugen mehr; das Auge Gottes, das dich beständig sah, wird dein 11 459 Andachten für den Monat Mai. 17. Tag. Ankläger sein. Ich bin der Richter,- Ich der Zeuge, wird Jesus sagen. Welche Bestürzung, wenn du nun siehst, wie Er alle deine verborgensten Gedanken, Begierden, Worte und Werke beobachtet hat und dich zur Verantwortung auffordert! Möge der Gedanke an Gottes Allgenwart dich zu dem ernstlichen Entschlusse bringen, nicht nur alles Böse stets eifrig zu vermeiden, sondern auch alles mögliche Gute auszuüben; denn Er ist der Beobachter und Zeuge von dem einen wie vom andern! Schlußgebet, wie Seite 436. Sishengehnter Tag. Vorbereitungsgebet wie Seite 433. Betrachtung über das Gebet. Der Heiland hat uns nicht nur mit Worten, sondern auch mit seinem Beispiel die Nothwendigkeit des Gebetes gelehrt. Und in der That ist dasselbe für das übernatürliche Leben so sehr erforderlich, als das Brod für den Leib. Ohne Gebet ist es unmöglich die Versuchungen zu überwinden, unmöglich nicht mehr in die Sünde zuz rückzufallen, unmöglich vom Falle wieder aufzu= stehen, unmöglich selig zu werden. Die Seele ohne Gebet gleicht einem Soldaten ohne Waffen auf dem Schlachtfelde; einem Steuermanne auf dem stürmischen Meere ohne Segel und Ruder; einer von Feinden belagerten Stadt ohne Schußmauern. Es ist ferner nichts leichter als das Gebet; ein Kind, welches faum lallen kann, weiß dasselbe 460 3weiter Theil. 3. Andachten für den Monat Mai. zu verrichten. Man braucht dazu feine besondere Bildung oder Ausdrucksweise; es genügt, mit Gott in der Einfalt des Herzens zu reden, Jhm die Bedürfnisse vorzutragen und Ihn um Gnade zu bitten. Ermunternd ist auch die Kraft, welche dem Gebete innewohnt. Der Herr hat uns nämlich versichert, daß sein himmlischer Vater uns alles gewähren werde, was wir in seinem Namen begehren. Die Gebete, welche abgewiesen scheinen, sind oft diejenigen, die Gott am gnädigsten erhört, weil Er uns statt derjenigen Gnaden oder Güter, um die wir bitten, solche verleiht, die unendlich besser sind. Der heilige Paulus betete, am von einer Versuchung befreit zu werden; aber er wurde von derselben dennoch gequält; weil er indeß betete, gab ihm Gott eine Gnade, mit deren Hilfe er sich große Verdienste erwarb. Die Eigenschaften, welche das Gebet begleiten müssen, sind: Vertrauen, Andacht, Demuth, Ergebung und Beharrlichkeit. O wie leicht ist es, von Gott alle Hilfe und allen Beistand durch das Gebet zu erlangen, wie angenehm, zu dem Vater im Himmel zu reden! 11 1 Mußt du dir nicht selbst die Schuld zuschreiben, wenn du in Versuchungen ohne Stärke, in Leiden ohne Trost, in deinen Unternehmungen ohne glücklichen Erfolg bist und einst im Sterben ohne Verdienste vom Leben scheidest? Erwäge es reiflich und übe eine Pflicht, die dir so nothwendig und heilsam ist! Schlußgebet, wie Seite 436. Andachten für den Monat Mai. 18. Tag. Achtzehnter Tag. Dorbereitungsgebet, wie Seite 433. Betrachtung über vas Buß- Sacrament, Wer lange Zeit, ohne das Buß- Sacrament zu empfangen, in Sünden verharrt, verliert nach und nach die rechten Begriffe von Gott und Religion, vergißt die Wahrheiten des Christenthums, läßt sich von falschen Grundsäßen leicht bethören, verhärtet sich in den Leidenschaften, wird gleichgiltig gegen Gewissensbisse und unempfänglich für alles Gute. Die öftere Beicht dagegen ist ein kräftiges Mittel, sich in der Gnade Gottes zu erhalten. Je öfter man das Gewissen erforscht, desto besser lernt man sich selbst und seine Neigungen kennen; je öfter man seine Fehler bereut, desto eifriger wird man sie meiden; je öfter man beichtet, desto reichlichere Hilfe wird man nebst der heiligmachenden Gnade von Gott erhalten. 461 Warum verschiebest du deine Beicht oft so lange? Bist du am Leibe krant, so eilest du zum Arzte, aber die kranke Seele läsfest du so lange ohne Heilmittel und Heilsmittel! Je länger du zuwartest, desto schwerer ist dir zu helfen.- Um Ostern oder an einem Feiertage, sagst du, wolleft du beichten. Wenn dich aber der Tod vorher ereilt, ohne daß du gebeichtet hast, wie wird es dir in der Ewigkeit ergehen? Es müßte denn der Tod bis auf Ostern oder bis zum Feiertage warten, um dich mit reinem Herzen zu treffen.- Du wagest es nicht, mit einem Flecken im Angesichte vor einem ehrbaren Menschen zu erscheinen; und du - 462 3weiter Theil. 3. Andachten für den Monat Mai. solltest es zugeben, daß der Allerheiligste in deine mit Sünden verunstaltete Seele blicke? Ach, wie mancher, der nun ewig in der Hölle leiden muß, würde so gerne beichten, wenn er noch die Möglichkeit hätte, die du jetzt hast! Aber es wird auch für dich vielleicht noch eine Zeit kommen, und wer weiß, wie bald wo du dich gerne im Buß- Sacramente von deinen Sünden befreien möchtest, und du wirst es nicht mehr fönnen! O thue jetzt, was du vielleicht später nicht mehr thun kannst! Schlußgebet, wie Seite 436. - - Deunzehnter Tag. Dorbereitungsgebet, wie Seite 433. Betrachtung über die heilige Communion. Das erhabenste Denkmal der Liebe und Erbarmung des Herrn ist das Sacrament des Altars, in welchem Er uns sein eigenes Fleisch und Blut zur Nahrung unsrer Seele gibt: Er erscheint in demselben als unser Freund, unser Gast, unser Bräutigam; unsre Brust, in welche Er niedersteigt, ist dann ein lebendiger Tabernakel Gottes, ein Paradies, in welchem der König des Himmels herrscht. Wir dürfen nach der heiligen Communion mit dem hl. Paulus sagen: Nicht wir sind es, die da leben, sondern Christus lebt in uns!" Wer vermag uns noch zu verderben, wenn Christus in uns ist? Welchen Feind dürften wir noch fürchten, wenn der Herr der Stärke in uns wohnt? Was vermag die Welt, das Fleisch, OLLICEN Andachten für den Monat Mai. 20. Tag. der Satan wider uns, wenn wir den Allerheiligsten im Herzen tragen? In dem Altars- Sacramente empfangen wir alle möglichen Gnaden, alle nöthige Stärke, um die Versuchungen zu überwinden, alle erforderlichen Tröstungen, ein inbrünstiges Verlangen nach Vollkommenheit, eine entschiedene Abneigung gegen alles Böse.- Wie viele Heilige haben sich durch dasselbe zur Seligfeit erschwungen. Wie viele Märtyrer durch die heilige Communion zum Tode gestärkt, wie viele Jungfrauen zur Reinigkeit begeistert! Wie viele Gläubige würden im Dienste Gottes erkalten und einem lasterhaften Leben verfallen, wenn sie sich nicht zuweilen mit dieser göttlichen Speise fräftigten. Welche Ehre erweijest du Jeju in diesem Sacramente? Empfängst du Jhn öfter in der heiligen Communion? Bereitest du dich zu derselben würdig vor, und ziehest du zu deinem geistlichen Vortheile die möglichsten Früchte daraus? Beherzige es wohl, was Jesus in diesem Geheimnisse für dich gethan, was du Jhm dafür schuldest und welch eine Quelle reicher Gnaden in demselben für dich fließt! Schlußgebet, wie Seite 436. - 463 - Zwanziger Tag. Vorbereitungsgebet, wie Seite 433. Betrachtung über die beiden Himmelswege. Wie der hl. Augustin sich ausdrückt, gibt es nur zwei Wege, die zum Himmel führen: der 464 3weiter Theil. 3. Andachten für den Monat Mai. Weg der Unschuld und der Weg der Buße. Wie steht es nun mit deiner Unschuld?- Ach, du haft sie verloren, ehe du sie recht erkanntest!- Hast du sie verloren, ohne ihren Verlust zu beweinen oder zu beklagen? Vielleicht hast du andere sogar dieses Schatzes beraubt! Es bleibt dir demnach nur der Weg der Buße noch offen.- Welche Buße aber hast du bisher für deine Sünden geübt?- Ach, du hast diese vielleicht noch gar nie, oder unvollständig bereut und gebeichtet und die kleine Genugthuung, welche dir der Beichtvater auferlegt, sogar zu beschwerlich gefunden! Freiwillige Bußwerke, wie Gebet, Fasten, Abtödtung, Demuth, Geduld, Selbstverleugnung waren dir zu beschwerlich, und du hast anstatt ihrer die Summe deiner Vergehen nur noch vergrößert! - - Wohin wirst du aber kommen, wenn du auf dieser Bahn fortwandelst? Willst du zur Seligkeit gelangen, so kann dies nach dem Verluste der Unschuld nur auf dem Wege einer ernstlichen, dauerhaften, unverzüglichen Buße geschehen. Betritt diesen Weg, ob er auch hart und beschwerlich scheint, er führt dich zum glücklichen Ziele! Betritt ihn ohne Zögern; denn du weißt nicht, wie lange es währt, bis deines Lebens lette Stunde schlägt! Schlußgebet, wie Seite 436. 465 Andachten für den Monat Mai. 21. Tag. Einundzwanzigster Tag. Vorbereitungsgebet, wie Seite 433. Betrachtung über die Unmöglichkeit eines zweifachen Herrendienstes. Der Freiheit des menschlichen Willens bleibt es überlassen, entweder in den Dienst Gottes oder in jenen des Satans zu treten; denn da beide ihrer Natur nach unendlich von einander verschieden sind, können sie nie vereinbart werden. Die Liebe, Demuth, Reinheit, welche der Herr fordert, stehen im schroffsten Gegensaße zu dem Hasse, dem Hochmuthe, der Unreinigkeit, die Satan von seinen Dienern verlangt. Einen Tag büßen mit dem Malzeichen Christi, den andern Tag Sünder mit den Waffen des Teufels sein, einige Gebete, einige Almosen, eine heilige Messe in Verbindung mit sündhaften Gedanken, Begierden und Worten, heißt so viel, als es ganz mit der Hölle halten. Heute die heiligsten Vorsäge dem Herrn geloben, und morgen dieselben wieder leichtsinnig brechen, heißt dem Satan dienen. Und was bietet dir dieser lettere für einen Lohn? Einen flüchtigen, mit Gewissensbissen vergällten Genuß und ewige Qualen in der Hölle!- Was hast du dagegen von Gott zu erwarten? Nach kurzen Leiden ewige Freuden!- Auf fünfzig, sechzig Jahre der Abtödtung, des frommen Lebens folgt eine unaussprechliche Seligkeit.- Ja der Herr erfüllt seine treuen Diener schon hienieden mit innerem Troste, mit Friede, Freude und seliger Hoffnung! Herrlicht. Mar. 30 466 3weiter Theil. 3. Andachten für den Monat Mai. Welchem von diesen beiden Herren willst du demnach dienen?- O wähle den Dienst Gottes, der dich für Zeit und Ewigkeit glücklich macht, und erbitte dir von Maria die Gnade, in demselben treu zu verharren! Schlußgebet, wie Seite 436. Zweiundzwanzigster Sag. Vorbereitungsgebet, wie Seite 433. Betrachtung über die Gründe zur Hingabe an den Heiland. Der Herr hat für deine Rettung alles gethan und ladet dich durch die Stimme der Barmherzigkeit fortwährend ein, dich Ihm gänzlich zu übergeben. Und was thust du? Du sündigst fort, vermessen auf seine Güte bauend. Läßt Er dich die Stimme seiner Gerechtigkeit vernehmen, so verharrst du gleichfalls im Bösen, kleinmüthig an seiner Erbarmung verzagend. Du benetzest das Bild des gekreuzigten Erlösers mit Thränen, und wenige Stunden darauf öffnest du seine Wunden aufs neue durch deine Sünden. Der Herr hat dich in den Schooß seiner heiligen Kirche gesetzt; Er gab dir Erleuchtung, diese Gnade zu erkennen; Eingebungen, um deinen Eifer anzuregen; Kraft, dem Bösen zu widerstehen; die heiligen Sacramente zur Reinigung und Stärkung; die Beispiele der Heiligen zu deiner Ermuthigung; Leiden und Trübsale, dich von der Welt loszureißen. Du sündigtest, Er hätte dich sogleich sterben lassen und zur Hölle verurtheilen können; 1 467 Andachten für den Monat Mai. 23. Tag. aber Er hat dir verziehen, während Er mit vielen andern streng verfahren ist. Was verlangst du ferner noch zu deiner Rettung von Ihm? Sein Blut? Er hat es bis auf den letzten Tropfen für dich vergossen. Seine Seele? Er hat sie in die Hände seines himmlischen Vaters für dich aufgeopfert. Seinen Leib?- Er ward für dich gefreuziget. Sein Fleisch und Blut? Er bietet dir dasselbe täglich in der heiligen Communion. O laß dich durch diese Gründe bewegen, deinen Leib und deine Seele dem Herrn als ein beständiges Dankopfer darzubringen und bitte Maria, sie wolle dir zu dieser Hingabe Beharrlichkeit erwirken! Schlußgebet, wie Seite 436. Dreiundzwanzigster Sag. Vorbereitungsgebet, wie Seite 433. Betrachtung über Jesum, den Gekreuzigten. Blicke zum Kreuze hinauf und lerne Gott lieben! Jejus bringt sich auf diesem blutigen Altare seinem himmlischen Vater für deine Erlöjung zum Opfer dar. Zwar hätte ein einziger Blutstropfen genügt; aber die Liebe drängte Jhn, all jein Blut zu vergießen. Noch mehr: Kerfer und Bande, Backenstreiche, Verspeiung, Geißelhiebe, eine Dornenkrone, Nägel, Spott und Lästerung nahm Er für dich an, und ließ sich Galle und Essig bieten. -Er wollte zwischen Missethätern des grausamsten Todes sterben, um für deine und der ganzen Welt Sünden genug zu thun. Obgleich Er als - - - 468 3weiter Theil. 3. Andachten für den Monat Mai. Gottessohn ohne Sünde und Schuld war, so mußte Er doch, nachdem Er die Erlösung zu vollbringen übernommen, sich in dieses Meer von Schmerzen verſenken. O welch ein schreckliches, blutgieriges Ungeheuer ist demnach die Sünde, deren Tilgung ein solches Opfer fordert?- Wie unendlich wichtig muß dein Seelenheil vor Gott erscheinen, daß sich sein eingeborner Sohn für dasselbe solchen Leiden unterwarf! Wehe dir, wenn du dessenungeachtet verdammt wirst?- Wehe dir, wenn du nach Erwägung dessen dennoch fortfährst, deinem Erlöser für solche Liebe Undank und Verachtung entgegen zu setzen! - Dringe ein in den Geist dieses unermeßlichen Opfers, laß dich von seiner Liebegluth erwärmen und höre nimmer auf, Den zu lieben und zu preiſen, der so unaussprechlich Großes an dir gethan hat! Schlußgebet, wie Seite 436. Vierundzwanziger Tag. Vorbereitungsgebet, wie Seite 433. Betrachtung über die Reinheit des Herzens. Die heilige Schrift sagt, daß nichts Unreines in den Himmel eingehe, und doch liegt die Welt so tief in Unreinheit, und in ihr gefallen sich so viele Seelen! Wie soll das Herz aber gereinigt werden? Vor allem durch oftmalige, reumüthige Beicht, durch wahre Besserung und durch große Liebe. ,, Wasche dich siebenmal im Jordan," sprach der Herr zu dem Aussäßigen, und du wirst rein EX Andachten für den Monat Mai. 25. Tag. 469 werden." Durch die öftere Beicht verliert sich der Aussatz der sieben Hauptsünden. Wascht aber die Beicht wahrhaft ab, so bestätigt solches die Bes serung: daher spricht der heilige Gregor: Der allein wird bei der Ankunft des strengen Richters fröhlich sein, der die Fehler seiner Seele abgewaschen hat." Endlich tilgt auch die Liebe eine Menge Sünden und deren Strafen. Alsdann ist ja die Reue und der Entschluß zur Besserung um so vollkommner, je mehr die Liebe der eigentliche Beweggrund ist. Ferner bethätigt man Reinigung in Thränen der Zerknirschung, in fortwährender aufrichtiger Reue, in Werken der Selbstverleugnung und vorzüglich in Verrichtung von Liebesdiensten. Viele endlich werden im Feuer der Trübsale gereinigt, wenn sie die Prüfungen und Heimsuchungen, die der Herr ihnen zusendet, mit Geduld und Liebe zu Ihm ertragen. Forsche nach, in welcher Weise du dich bisher verunreinigt hast, und gebrauche die angedeuteten Mittel, um die Reinheit wieder zu erhalten, die dir das Wohlgefallen Gottes verschafft. Schlußgebet, wie Seite 436. Hünfundzwanziger Tag. Vorbereitungsgebet, wie Seite 433. Betrachtung über das Vorbild Jesu. Um dem Heiland wahre Liebe zu erzeigen, ist nöthig, seine Tugendbeispiele nachzuahmen. Es gibt keine echte Weisheit, als die Weisheit Jesu; TWEITEN 470 3weiter Theil. 3. Andachten für den Monat Mai. Er soll demnach dein einziger Lehrer und dein Vorbild sein. Vergleiche dich oft mit diesem erhabenen Muster. Aus Liebe hat dir Jesus so viele Beispiele der Demuth, der Geduld, des Gehorsams gegeben. Ahme sie nach aus Liebe zu Ihm; an Gelegenheiten fehlt es dir nicht. Betest du, so stelle dir seine innere Sammlung vor, wenn Er betete; gehst du zur Kirche, so geschehe es nach seinem Beispiele mit frommem, opferndem Herzen. Gehst du mit Menschen um, so denke an seine Sanftmuth und Bescheidenheit. Willst du seine Demuth nachahmen, so murre nicht in deinen Leiden, vergilt Böses mit Gutem, fliehe die Ehren der Welt und zürne nicht, wenn du mißachtet wirst. Die Ehre Gottes und die Erfüllung seines Willens soll Ziel und Ende deiner Handlungen sein. In allen Lebenslagen frage dich selbst, wie Christus gehandelt und gesprochen haben würde. Du weißt, welches seine Neigungen und Wünsche waren; vergleiche die deinigen damit; aber bedenke; daß eine solche Aehnlichkeit mit Christo nicht an einem Tage zu stande kommt; es bedarf dazu einer entschlossenen Beharrlichkeit. Bitte täglich zum Herrn um diese Gnade, und wende dich auch an Maria, damit sie dir durch ihre Fürbitte zum Aehnlichwerden mit ihrem Sohne verhelfe! Schlußgebet, wie Seite 436. 471 Andachten für den Monat Mai. 26. Tag. Sechsundzwanziger Tag. Vorbereitungsgebet, wie Seite 433. Betrachtung über den Werth der Verdemüthigungen. Die Seele, welche eifrig nach Gottes Wohl gefallen strebt, fragt wenig nach Hochschätzung und Ehrenbezeigungen der Menschen, sondern zieht ein Leben in Demuth und Erniedrigung allem irdischen Glanze vor. Wirklich ist auch die Tugend weit sicherer in der Verborgenheit, als bei Ehrenstellungen und Auszeichnungen. Je mehr sie sich den Augen der Welt entzieht, desto schäßbarer ist fie vor dem Angesichte Gottes. Die wahre Tugend will nichts anderes, als des Herrn Wohlgefallen verdienen. Wird sie verkannt oder verachtet, jo schäßt sie sich darum nur um so glücklicher. Auf dem Wege der Verdemüthigung führt Gott die Gerechten oft zur Herrlichkeit. Wohl fällt es der Eigenliebe hart, wenn sie verdemüthigt wird; aber der Werth der Tugend besteht eben darin, daß fie gegen das entgegenstehende Böse kämpft. Die Heiligen dankten Gott für die Schmähungen herzlich, die sie zu dulden hatten, wie für große Gnaden. Hast du dieselbe Gesinnung noch nicht, so kommt es daher, weil du noch zu fleischlich und irdisch gefinnt bist, und außer Gott viele andre Dinge suchst. Es gab Heilige, welche Gott um große Verdemüthigungen baten, so sehr sehnten sie sich nach Vollkommenheit. Hast du diesen Muth noch nicht, so ertrage wenigstens jene 472 Zweiter Theil. 3. Andachten für den Monat Mai. Verdemüthigungen mit Geduld, die dir der Herr zuschickt, denn Er wird dadurch mehr geehrt, als durch die glänzendsten Opfergaben. Die Verdemüthigungen scheuen, heißt die Aehnlichkeit scheuen, welche sie uns mit Jesus geben. Flehe zur göttlichen Mutter, auf daß sie dir Muth erlange, dich gerne jeder Verdemüthigung zu unterziehen. Schlußgebet, wie Seite 436. Siebenundzwanzigsten Tag. Dorbereitungsgebet, wie Seite 433. Betrachtung über den Eifer für die Ehre Gottes. Der Eifer für die Ehre Gottes ist unzertrennlich von dem Begriffe eines wahren Christen. Diese Tugend gehört so wesentlich zum eigentlichen Chris stenthum, wie die Liebe, welche lettere den Seeleneifer erzeugt. Glaube nicht, daß die Tugend des Eifers für die Ehre Gottes sich nur für apostolische Männer gezieme; sie soll vielmehr jedem Le bensstande eigen sein. Es gibt keinen Beruf, in welchem man diesen Eifer nicht ausüben könnte, durch gutes Beispiel, durch guten Rath, durch Trost, den man den Betrübten spendet, besonders aber durch das Gebet. Die Bekehrung eines Sünders ist zuweilen der Erfolg eifriger Bitten, welche eine fromme, der Welt unbekannte Seele in der Einsamkeit zu Gott gesendet hat. Manchmal, wenn du dich besonders für die Ehre Gottes begeistert fühlest, möchtest du Andachten für den Monat Mai. 28. Tag. 473 mitten unter die Heiden eilen, um an ihrer Bekehrung zu arbeiten; das sind aber nur fromme, erfolglose. Wünsche. Du suchest in weiter Ferne, was dir die Nähe bietet. Arme und Kranke zu unterstüßen, Unwissende zu belehren, Kinder in der Frömmigkeit zu erziehen, Dienstboten zur Erfüllung ihrer Pflichten anzuhalten, die Mitmenschen durch gute Werke zu erbauen, das ist der Wirfungskreis, in welchem du zur Ehre Gottes arbeiten follst. Kannst du gleichgiltig gegen das Seelenheil deines Nächsten sein, für welchen Jesus sein Blut vergossen? Es werden viele gestraft werden, nicht nur weil sie das Gute unterlassen, das sie hätten üben, sondern auch weil sie die Sünden anderer geduldet, die sie hätten verhindern können. Was hast du bisher in dieser Hinsicht gethan? was unterlassen? Gehe mit dir jetzt selbst zu Gericht, damit du später nicht von Gott gerichtet wirst! Schlußgebet, wie Seite 436. Achtundzwanzigster Sag. Dorbereitungsgebet, wie Seite 433. Betrachtung über das Vertrauen auf Gott. Das Vertrauen auf Gott ist eine der größten Huldigungen, die wir Ihm darbringen können; je hingebender dasselbe ist, um so mehr wird Er dadurch geehrt. Durch dieses Vertrauen erkennen wir Gott als das höchste Wesen an, der alles vermag, was es will, und dessen Güte und Erbarmung seiner Macht gleichkommt. Es ist eines der wirksamsten Mittel, reicher Gnaden theilhaft zu 474 3weiter Theil. 3. Andachten für den Monat Mai. werden; denn alles ist dem gläubigen Vertrauen versprochen: der Thau des Himmels, das Fett der Erde, zeitliche Vortheile und Güter für die Ewigkeit. Wer sein Vertrauen auf den Herrn setzt, der gleicht einem fruchtbaren Baum, am Ufer der Gewässer gepflanzt. Sein Laubwerk wird immer grünen und er nie aufhören, Früchte zu bringen. Alles ermahnt uns zum Vertrauen auf Gott: seine Güte, seine Macht, seine Verheißungen, seine Treue; die Kenntniß, welche Er von unsern Bedürfnissen hat, unsere eigene Schwäche, die tägliche Erfahrung von unsrer Ohnmacht und der Treulofigkeit der Menschen. VETRO Nimm darum in allen deinen Drangsalen deine Zuflucht zur göttlichen Vorsehung. Klage nicht, als wenn der Herr dich verlassen wolle; Er wartet blos, bis du Jhn vertrauensvoll um Hilfe bittest. So oft quälst du dich selbst, während eine Uebung des Vertrauens deiner Seele Ruhe und Frieden verschaffen könnte! In deinen Gefahren, Zweifeln und Trübsalen magst du dich um Hilfe und Rath umsehen: aber vor allem sollst du dein Vertrauen auf Gott setzen. Die Menschen haben nur so viel Macht und Einsicht, als der Herr ihnen gibt. So schwach du aus dir selbst bist, so stark wirst du durch findliches Gottvertrauen. Forsche nach, ob du noch nie gegen dieſes Vertrauen gesündigt; ob dir die Hilfe Gottes in Leiden, Prüfungen und schweren Anliegen jedesmal nicht blos deshalb gefehlt hat, weil du mit Mißtrauen gegen den Herrn erfüllt warest?- Flehe zu Maria um inniges Gottvertrauen! Schlußgebet, wie Seite 436. Andachten für den Monat Mai. 29. Tag. Deunundzwanziger Gag. Vorbereitungsgebet, wie Seite. 433. 475 Betrachtung über die Nächstenliebe. Wenn du Gott liebst, wirst du auch deinen Mitmenschen lieben, für den Er vom Himmel herabgestiegen, für den Er Mensch geworden und sein Leben am Kreuze aufgeopfert hat. Aber begnüge dich nicht mit der Liebe im Herzen, sie soll sich auch im Werke zeigen. Es gibt so viele Betrübte, die deines Trostes bedürfen, so viele Unglückliche, die deine Hilfe nöthig haben; hilf schnell, wo du helfen kannst; denn durch das Zögern gehen viele Verdienste verloren. Sei nicht engherzig im Dienste des Nächsten, sonst weichst du den Pflichten der Liebe vielmehr aus, als daß du sie erfüllst. Kannst du selbst einem Bedürftigen nicht helfen, so flehe wenigstens für ihn die Güte Gottes an. Siehe nicht den Men= schen in deinem Nächsten, sondern Gott. Wer es dann auch immer sein mag, der deine Hilfe in Anspruch nimmt, du wirst sie ihm nicht versagen, weil du Gott nichts abschlagen kannst. Vollbringe jene Liebeswerke gern, welche dich Ueberwindung kosten und deiner Eigenliebe besonders schwer fallen. Gott selbst lehrt dich durch sein Beispiel allen Menschen, selbst den Undankbaren Gutes thun. ,, Gib," spricht Er, ,, und es wird dir gegeben werden." Theile auch von deinen zeitlichen Gütern mit, sie werden dir mit ewigen vergolten. Hilf deinem Nächsten mit Rath in seinen Zwei 476 Zweiter Theil. 3. Andachten für den Monat Mai. feln, und Gott wird dir mit seinen Eingebungen in deinen Verlegenheiten helfen.- Tröste die Betrübten, und der Gott alles Trostes wird auch dich in Trübsalen trösten! Schlußgebet, wie Seite 436. Dreißighter Tag. Vorbereitungsgebet, wie Seite 433. Betrachtung über die Standespflichten. Die größte aller Vollkommenheiten besteht darin, daß man seinen Stand liebt, wie gewöhnlich er auch sein mag, und seine Pflichten treu erfüllt, vorausgeseßt, daß dieser Stand selbst von Gott gewollt ist. Ein Handwerker, der im Schweiße des Angesichts sein Brod verdient; ein Familienvater, der ohne Ehrgeiz in der Verborgenheit lebt und sich mit wenigem begnügt, wirken ihr Heil nicht weniger, als jene, welche in höhern Stellungen leben oder die heiligsten Geheimnisse verwalten. Der beste Stand für dich ist nicht derjenige, welcher dir der vollkommenste zu sein scheint, sondern jener, in welchen Gott dich berufen hat. Es ist eine Täuschung, nach seiner Weise und nicht nach Gottes Willen heilig werden zu wollen. Man verrichtet seine Handlungen nur dann mit Vollkommenheit, wenn man sie in der Absicht ausübt, weil es Gott so will. Das Verdienst unsrer Werke hängt nicht von der Natur der Dinge ab, die wir verrichten, sondern von dem Geiste, der uns dabei belebt, und von der Uebereinstimmung mit dem göttlichen Wil$ Andachten für den Monat Mai. 31. Tag. 477 len. In die Kirche gehen, beten, Kranke besuchen, ist allerdings gut; aber wenn du diese Werke zu einer Zeit übest, wo dein Stand etwas ganz anderes von dir fordert, so ist dies gewiß gegen den Willen Gottes. Wohl soll man beten und oft beten; aber dabei keine nothwendigen Pflichten versäumen. - Ach, so viele Werke haben keinen Lohn im Himmel zu erwarten, weil sie nur aus Eigenliebe verrichtet wurden! Viele, welche in deinen Augen wenig Verdienst zu haben scheinen, werden im Himmel hochgestellt werden wegen der großen Treue, mit welcher sie die kleinsten Pflichten ihres Standes erfüllt haben. Hast du in dieser Weise bisher in deinem Stande nach Vollkommenheit gestrebt? Oder ist der Geist der Unzufriedenheit über dich gekommen?- Hat die Eigenliebe dir dein Verdienst getrübt oder geraubt? Prüfe- Entschließe dich zum Bessern und flehe um Beistand von oben! Schlußgebet, wie Seite 436. Einunddreißigher Gay. Vorbereitungsgebet, wie Seite 433. Betrachtung über die Beharrlichkeit. Die Beharrlichkeit ist eine Tugend, die nichts unvollendet läßt, sondern ihre ganze Kraft aufbietet, was sie begonnen hat, standhaft auszuführen. Ob auch eine Seele große Fortschritte in allen Tugenden gemacht, so erscheint sie doch erst dann glorreich vor Gott, wenn sie bis ans Ende 478 3weiter Theil. 3. Andachten für den Monat Mai. ausharrt. Denn kein Lob verdient ein Sterblicher in seinem Leben, wenn er dasselbe nicht durch einen gottseligen Tod beschließt. Daher jagt der hl. Bernard: Nimm die Beharrlichkeit hinweg, und kein Dienst und keine Gnade und kein Bußwerk fruchtet." Nur die Beharrlichkeit empfängt den Preis. Denn nicht wer da anfängt, sondern wer ausharrt bis ans Ende, wird selig werden, wie der Herr spricht. Nicht also der Anfang, nicht die Mitte, sondern die Vollendung krönt das Werk des Heils. Du hast nun, lieber Christ, im Laufe dieses Monats über die ewigen Wahrheiten, über das Häßliche und Nachtheilige der Sünde, über Gottes Liebe und Erbarmung, über die Mittel des Heiles und über die Wege zur christlichen Vollkommenheit betrachtet und, wie ich hoffe, die heiligsten Vorsätze zum Beginne eines gottseligen Wandels gefaßt, das ist gut; allein von der beharrlichen Ausführung dieser Vorsäge hängt alles ab. So harre denn aus und kämpfe den guten Kampf, auf daß, wenn dein letter Tag erscheint, dir die Krone der Herrlichkeit zu theil werde. Eine unaussprechliche Freude erwartet diejenigen, die Gott bis ans Ende geliebt haben! Sei also beharrlich und vollende gut, damit deine Freude überschwänglich werde. Dies betrachte dein Geist; davon spreche deine Zunge; darnach dürfte deine Seele, bis du eingehst zur Freude deines Gottes, zur Gesellschaft der seligsten Jungfrau und aller Auserwählten! 479 Andachten für den Monat Mai. 31. Tag. Schluß- und Aufopferungsgebet. Was soll die höchste und größte Gnade sein, o göttlicher Heiland und Erlöser, um die ich am Schlusse dieser Maiandacht Dich bitte? Was anders, als die Gnade, die Sünde und alles Böse zu hassen, Dich aufrichtig und innig zu lieben, die Wege der Tugend zu wandeln und im Guten zu verharren? O um diese Gnade bitte ich; versage sie mir nicht! Stärke mich in meinen guten Vorsätzen; leite mich auf dem Wege des Heils, damit ich glücklich an mein Ziel gelange! O Maria, meine Mutter und Königin! Nimm diese zu deiner Ehre unternommene MaiAndacht huldvoll an, und erflehe mir von Gott den nöthigen Beistand, die gefaßten frommen Entschlüsse standhaft auszuführen. Laß mir fortan deinen mütterlichen Schuß zu theil werden. Wenn ich falle, so hebe mich wieder auf; wenn ich irre, so führe mich auf den rechten Weg zurück; wenn ich streite, so unterstüße mich; wenn ich schwach bin, so stärke mich; wenn ich Schiffbruch leide, so rette mich, wenn ich krank bin, so heile mich, und in meiner letzten Stunde stehe mir bei, auf daß ich selig vollende und eingehen möge zur ewigen Herrlichkeit! Amen. 480 2weiter Theil. 3. Andachten für den Monat Mai. Lobgesang auf die allerfeligste Jungfrau. ( O sanctissima.) O du heilige, Du jungfräuliche, Holde Mutter, Maria! Selig gepries'ne, Herrlich erwies'ne, Heil dir, Jungfrau Maria! ,, Gott geweihete, Benedeiete!" Jauchzen Engel und Hirten, Himmlische Lieder Tönen hernieder: " Heil dir, Mutter Maria!" Du demüthiglich Schweigst und neigest dich Deinem Kindlein, Maria. Hörest die Weisen Selig dich preisen. Heil dir, Jungfrau Maria! O unschuldige, O geduldige, Treue Mutter Maria. Ach, in dem Herzen Wunden und Schmerzen, Wehe, Mutter Maria! Treubewährete, Hochverklärete, STAR Heil'ge Mutter Maria! Nun bei deinem Sohne Schmückt dich die Krone; Preis dir, Preis dir Maria! Vierte Abtheilung. Marianische Wallfahrts- Andachten. Vorläufiger Unterricht. allfahrten überhaupt sind freiwillig unternommene Reisen, um entfernte heilige Orte, Reliquien oder Bilder der Heiligen Gottes und der allerfeligsten Jungfrau Maria zu besuchen, andächtig zu verehren und von Gott durch die Fürbitte der Heiligen in geistlichen und leiblichen Nöthen Hilfe zu erlangen. Sie haben ihren Grund in der heiligen Schrift des Alten und Neuen Bundes, und man findet fie bei allen Völkern. Schon Abraham machte eine piertägige Reise, um nach dem Geheiße des Herrn ſein Opfer zu verrichten( 1. Moj. 22.), und die Juden reisten zu gewissen Zeiten nach Bethel, welchen Ort einst Jakob geheiligt hatte( 1. Mos. 28, 18.); ebenso wanderten sie nach dem Befehle des Moses alle Jahre dreimal( nämlich zu Ostern, Pfingsten und am Laubhüttenfeste) zur Bundeslade und später zum Tempel nach Jerusalem.( V. Moj. 16, 16.) Der fromme Elkana ging mit seinem Weibe Anna nach Silo, ( I. tön. 1, 2.); die drei Weisen aus dem Morgenlande reisten nach Bethlehem zum göttlichen Kinde Jesus, und kamen dadurch zur Erkenntniß des wahren Gottes. Was sind dies anders als Wallfahrten? Herrlicht. Mar. 31 482 Zweiter Theil. 4. Baufahrts- Andachten. Im Neuen Bunde finden wir, wie die heiligen Eltern mit Jesus, dem göttlichen Kinde, und vielen andern jährlich nach Jerusalem wallten( Quc. 2, 41, 44.), wie die Apostel und fromme Frauen das Grab Christi zu besuchen kamen( Matth. 28., Euc. 24.), und wie der hl. Paulus, obwohl schon Christ, doch nach Jerusalem eilte, um dort das Pfingstfest zu feiern. ( Apftg. 20, 16.) Auch finden wir in der Geschichte der Kirche, daß die Wallfahrten an heilige Orte, namentlich zum heiligen Grabe in Jerusalem, zu den Gräbern der heiligen Martyrer schon in den ersten Zeiten der Kirche gebräuchlich waren und bis auf unsere Zeiten fortbestanden haben. So wallfahrtete die nach mals hl. Jungfrau Lucia mit ihrer Mutter Eutychia zum Grabe der hl. Agatha. Selbst der hl. Augustin, dieses große Licht der Kirche, nahm sich vor, die Reliquien des Hl. Hieronymus in Bethlehem zu besuchen. Es schreibt dieser Heilige in seinem zwanzigsten Briefe( cap. 21.) gegen Faustus: Wir verehren die Heiligen, wenn wir die Orte besuchen, die ihnen zur Ehre Gottes errichtet sind, damit in uns durch die Ermahnung der Orte selbst die edelſte Anmuthung, die Liebe, noch heftiger wirke, sowohl gegen die, denen wir nachfolgen können, als gegen den, durch dessen Hilfe wir es können, und auch deswegen, weil wir wissen, daß der Herr an einigen Orten viele Wunderwerke durch seine Heiligen wirkt, die Er an andern Orten nicht wirken will; gleichwie Er einigen Heiligen, da sie noch in dieser Welt lebten, die Gnade, Kranke gesund zu machen, verliehen hat; denn Er theilt seine Gaben aus, wie Er will." Um aber von Wallfahrten Nußen zu ziehen, muß man solche in reiner, heiliger Absicht, Gott in seinen Heiligen zu verherrlichen, und im Geiste wahrer Andacht und Buße unternehmen. Man soll also nicht des Vergnügens oder der Erholung wegen hei Marianische Wallfahrts- Andachten. 483 lige Orte besuchen; auf dem Wege und an dem. Wallfahrtsorte selbst alles eitle Geschwäß, alle Ausschweifung der Sinne vermeiden, die Beschwerden der Reise, die ungünstige Witterung, harte Lagerstätten im Geiste der Abtödtung gerne dulden, fich jelbst im Essen und Trinken Abbruch thun, eifrig und in Sammlung beten, reumüthig und aufrichtig alle seine Sünden beichten und das allerheiligſte Altars Sacrament ehrerbietig empfangen, für alle Gnaden, die uns Gott erweist, inbrünstig danken, heilige Vorsäße machen und die guten Eindrücke, die man bei dem Wallfahrten erhalten hat, auch nachher bewahren und durch großen Eifer in einem gottseligen Leben bethätigen. Wer so wallfahrtet, der wird wahren Nußen davon haben! Bezüglich der Mißbräuche bei den Wallfahrten sagt der hl. Hieronymus: ,, Deswegen ist man noch nicht zu loben, daß man zu Jerusalem gewesen ist, sondern dann ist man lobenswerth, wenn man zu Jerusalem fromm gelebt hat." Und auch der hl. Chryſostomus behauptet: Die Festtage und Wallfahrten mit Leichtfertigkeit zubringen, heißt statt der göttli chen Gnaden Strafen verdienen." * * Was nun die Marianischen Wallfahrten insbesondere betrifft, so ist die Andacht zur allerseligsten Jungfrau und Gottesmutter Maria, zu dieser Wunderblüthe des Menschengeschlechtes, gewiß sehr löblich und höchst nüßlich, wenn solche im Sinne der katholischen Kirche recht geordnet ist, das ist, wenn wir ihre herrlichen Tugenden, ihre tiefe Demuth, ihre jungfräuliche Reinigkeit, ihre strenge Abtödtung, ihren pünktlichen Gehorsam gegen alle göttlichen Gebote, ihren unwandelbaren Starkmuth in den empfindlichsten Leiden, ihre glühende Liebe Gottes und des Nächsten nicht blos bewundern, sondern 484 Zweiter Theil. 4. Wallfahrts- Andachten. auch nachzuahmen uns bemühen. Die größten Hei ligen und Geisteslehrer, von Gründung der christ lichen Kirche an bis auf unsere Seiten, namentlich der hl. Patriarch Athanasius, der hl. Ephrem, der hl. Patriarch Germanus, der hí. Bernardus, der Hl. Laurentius Justiniani, der hl. Thomas von Villanova, der hl. Franz von Sales, der hl. Alphons Liguori 2c. sind unerschöpflich in dem Lobe und in der Verherrlichung der allerseligsten Jungfrau und zeigen zur Genüge, wie wir durch wahre Verehrung Mariens uns von ihrer mächtigen Fürsprache alles versprechen dürfen. So ertönte durch alle christlichen Jahrhunderte, von Geschlecht zu Geschlecht, das Lob dieser Königin der Propheten, die im Geiste Gottes ausrief: Sieh, von nun an werden mich selig preisen alle Geschlechter:"-„ Denn seit das Licht des katholischen Glaubens die Welt erleuchtet," spricht der Kirchenlehrer Eusebius, verehrten alle Völker, die an Christum glauben, die heilige Mutter desselben! Juden, Griechen, Barbaren, Große und Kleine, Reiche und Arme, Könige und Nationen, Menichen und Engel." Wenn nun schon die Gläubigen einerseits durch die Aussprüche so vieler Heiligen und gotterleuchteter Geisteslehrer aus beinahe allen christlichen Jahrhunderten mit allem Nachdrucke zur findlichen Verehrung der allerseligsten Jungfrau und GottesMutter Maria angeeifert werden, so verbürgen anderseits die unzähligen Gnadenbeweise, welche Gott auf die Fürbitte seiner übergebenedeiten Mutter an gewissen Orten, die Er ihrer besondern Verehrung geheiligt wissen wollte, in reichlichem Maße from. men Gläubigen zu theil werden ließ, wie wohlgerällig 3hm und der seligsten Jungfrau eine solche Andacht an jenen Orten sei. Es ist zwar gewiß, daß die göttliche Mutter überall die Bitter, den Hil 485 Marianische Wallfahrts- Andachten. feruf und die Lobpreisungen ihrer Kinder vernehme, und stets und überall zu helfen bereit sei; allein ebenso gewiß und durch die unleugbarsten, auffallendsten Thatsachen dargethan ist es auch, daß sie sich besondere Orte auserkoren habe, wo sie sich ganz vorzüglich ihren andächtigen Verehrern geneigt bezeigt, und welche daher in diesem Sinne ganz recht Marianische Gnadenorte genannt werden. Der hl. Johannes Damascenus nennt sie wahre Zufluchtsstätten, wo wir Hilfe, Rettung, Sicherheit in den Versuchungen und wider die Züchtigungen und Strafen, die wir für unsere Sünden verschuldet haben, finden. Dahin flohen zu allen Zeiten der christlichen Kirche die Frommgesinnten mit gläubigem, vertrauensvollem Herzen; in diesen geheiligten Hallen, vor den Altären und Bildnissen der Hochgebenedeiten fühlten sie sich wie auf den Armen der Mutter. So wie der gläubige Blick mit frommer Andacht sich zu ihrem Gnadenbilde wandte, hob sich auch die Seele auf den Flügeln der Andacht himmelwärts, wo sie an ihres göttlichen Sohnes Seite thronet, und mit Mutteraugen voll sanfter, liebender Erbarmung niederschaut auf die an ihrer geheiligten Stätte versammelte Kinderschaar. Höher schwingt sich auch die begeisterte Andacht an diesen Orten, wo tausende vor dem Throne der Gnadenmutter, auf ihre Knice hingesunken, mit Einem Herzen wie mit einer Stimme sie preisen, zu ihr um Hilfe rufen und ihr danken. Die Erinnerung an die vielen, die an diesen Stätten Hilfe, Trost, Frieden und Heil auf die Fürbitte der glorreichen Mutter ge= funden; die sprechenden Beweise von den vielen Gebets- Erhörungen, die das Auge hier schaut; dieſes alles ergreift mächtig das Herz eines jeden, der diesen Ort betritt, und zieht ihn näher zur Himmelskönigin hin, damit auch er sein beklommenes 486 Zweiter Theil. 4. Wallfahrts- Andachten. Herz im vertrauensvollen Gebete vor ihrem Angefichte ergieße. Die Kirche hat zu allen Zeiten die Besuche solcher, der Verehrung Mariens besonders gewidmeten Orte, wenn dieselben nach dem von ihr ausgesprochenen Geiste und Sinne gehalten werden, nicht nur gebilligt, sondern auch ganz vorzugsweise dadurch begünstigt, daß sie an solchen Gnadenorten reichliche Schäße der Ablässe für die frommen Besucher niedergelegt hat. Der Wille Gottes ist unfre Heiligung, und diese verlangt auch die Kirche von uns, und sucht sie auf alle mögliche Art zu befördern; diese ist das Ziel, das sie bei allen Andachtsübungen, die sie den Gläubigen empfiehlt, nie aus dem Auge verliert. Wie Gott, dem Höchstheiligen, so können auch der reinsten, heiligsten Jungfrau nur reine Herzen gefallen. Wenn wir also die Last unsrer Missethaten im reuevollen Bekenntniſse zu den Füßen der Priester ablegen; wenn wir uns ernstlich entschlossen haben, den Weg des Lasters zu verlassen und nur für Gott und nach seinem heiligsten Willen zu leben, wenn wir uns mit dieſem Gott, unserm Heiland und Erlöser, im Genusse seines heiligsten Gnaden- Sacramentes vereinigt haben; dann dürfen wir hoffen, auch würdig vor dem Throne seiner auserwählten Mutter zu erscheinen und die Zuversicht hegen, daß sie uns bei ihrem göttlichen Sohne Verzeihung unsrer Sünden und die Gnade erbitten werde, rein und heilig, wie sie durchs Leben zu wandeln. Sie wird unsrem Herzen, das die Wundermacht der göttlichen Liebe und ihrer Milde gerührt hat, den Entschluß einflößen, ihrem TugendBeispiele zu folgen, und heiliger werden wir und unverbrüchlicher den Vorsatz der Besserung, den wir zu ihren Füßen gefaßt, mit der göttlichen Gnade und unter ihrem Beistande und Schuße halten. So werden wir von Sünden gereinigt, im GuS Marianische Wallfahrts- Andachten. 487 ten gestärkt, mit frommen Entschließungen ausge rüstet, mit Gnaden bereichert von der ihr geheiligten Stätte wiederkehren, und unsre Besserung, unfre Vervollkommnung und Heiligung, die das Ziel aller unsrer Andachtsübungen sein soll, wird auch die heilsame Folge und Wirkung unsrer Marianischen Wallfahrten sein. Gebet vor einem Gnadenbilde Mariens. Mit großer Hoffnung komme ich zu dir, o du wunderthätige Himmelskönigin Maria, und werfe mich zu deinen Füßen mit der demüthigsten Bitte, du wollest mich von deinem Gnadenthrone nicht verstoßen. Ich, mit vielen Sünden verunreinigt, sollte freilich vor dir, der reinsten Jungfrau, nicht erscheinen; aber ich weiß, daß Gott darum Mensch geworden, um zu suchen und selig zu machen, was verloren war. Ich weiß auch, daß du die Mutter des liebevollen Sohnes Gottes bist, von der fein Sünder trostlos weggeht. O so siehe auch, gütigste Mutter, mit den Augen deiner Barmherzigkeit auf meine Noth und gib mir deinen mütterlichen Trost und Segen! Strecke aus die Hände deiner Macht, und rette mich Elenden! O du mächtige Helferin der Christen, zu dir rufe ich aus der Tiefe meiner Niedrigkeit, zu dir rufe ich in aller Trübsal und Noth; erbarme dich meiner, o du Trösterin der bekümmerten Herzen! Erfreue mich mit deinem Troste, und erhalte mir von deinem Sohne die 488 Zweiter Theil. 4. Wallfahrts- Andachten. Gnade N. N. und besiegle mein Vertrauen! Ich will nicht aufhören, meine Augen zu dir außzuheben und zu bitten, bis ich Trost und Erhörung finde. O Maria, du mächtige Tochter Gottes des Vaters, erbarme dich meiner! Maria, du gebenedeite Mutter des Eingebornen Sohnes Gottes, jei auch meine Mutter! O Maria, du Braut des heiligen Geistes, hilf mir jetzt und in der Stunde meines Todes! Amen. Gebet um Mariens Schuh. 1. Unter deinen Schuß und Schirm fliehen wir, o jungfräuliche Mittlerin, die du am göttfichen Throne stehst, bekleidet mit dem Gewande ewiger Herrlichkeit. Dem Regenbogen gleich, erscheinst du mit deinen strahlenden Händen uns fündigen Menschen als ein Zeichen des Friedens und der Versöhnung zwischen Himmel und Erde. O breite deine Segen spendenden Hände über uns alle aus, damit wir durch dich zu deinem göttlichen Sohne geführt und durch Ihn versöhnt zum Vater gelangen mögen! Amen. Ein Vater unser und Ave Maria für die Wohlfahrt der Kirche. 2. Unter deinen Schutz und Schirm fliehen wir, o Himmelskönigin, die du durch Gehorsam und Demuth über alle Chöre der seligen Marianische Wallfahrts- Andachten. 489 Geister erhoben zu werden verdient hast. Breite deine Segen spendenden Hände über unser Vaterland aus. Erflehe Licht und Gnade unsern geistlichen und weltlichen Obern; Gehorsam, Liebe und Eintracht den Untergebenen, damit alles be= fördert werde, was zur Ehre Gottes, zu deiner Verherrlichung und auch zu unsrem Heile und zu unsrer Wohlfahrt beitragen kann. Amen. Ein Vater unser und Ave Maria für das Vaterland. 3. Unter deinen Schutz und Schirm fliehen wir, o Trösterin der Betrübten und Mutter der Waisen! Breite in deiner unaussprechlichen Güte deine Segen spendenden Hände über alle deine Pflegekinder aus. Wende besonders deine gütigen Augen auf alle die Leidenden, Armen, Unglück= lichen und Verlassenen, für die wir zu dir fle= hen. Sei ihnen und uns allen eine Mutter und süße Trösterin. Amen. Ein Vater unser und Ave Maria für Kranke und Leidende. 4. Unter deinen Schutz und Schirm fliehen wir, du Zuflucht der Sünder! O breite deine Segen und Gnaden spendenden Hände über uns aus! Der herrliche Glanz deiner jungfräulichen Reinigkeit und Tugend zeige uns die Abscheulichkeit der Sünde. Habe Erbarmen mit unsrem Elende, und wende deine barmherzigen Augen, die einst um deines göttlichen Sohnes willen so viele Thränen vergossen, zu uns Armen, damit 490 3weiter Theil. 4. Wallfahrts- Andachten. auch wir endlich unsre Herzen und Augen weinend zu dir wenden und Er sich unser erbarme. Amen. Ein Vater unser und Ave Maria für alle Sünder. 5. Unter deinen Schutz und Schirm fliehen wir, du Mutter der Menschen, der Lebenden und Abgestorbenen! Breite deine von Segen und Gnaden überfließenden Hände mit mütterlicher Liebe über uns alle aus; besonders aber auch über die armen, leidenden Seelen im Fegfeuer. O wende deine barmherzigen Augen ihnen zu, erbitte ihnen baldige Erlösung aus ihren Leiden und führe sie zu der Seligkeit, die sie einst gehofft und nach der sie jetzt so sehnlichst verlangen! Amen. Ein Vater unser und Ave Maria für die Abgestorbenen. Gebet der heiligen Theresia. du glorreiche Jungfrau Maria, Mutter meines Gottes! Seitdem ich dich auch als meine Mutter auserfor, hast du mir in allem deinen mütterlichen Beistand gezeigt; und ganz besonders dadurch, daß du mich von aller Eitelkeit hinweg und an dein süßestes Herz emporgezogen hast. Gewähre mir diese Ruhe an deinem mütterlichen Herzen mein ganzes Leben hindurch und ganz besonders in meiner Sterbestunde. Amen. 1282 Theodor Deschwanden pinx. 5861 BENZIGER& CO. JL Raab se.. Tod der heiligen Jungfrau. Ich gehöre meinem Geliebten und sein Verlangen geht nach mir. ( Hohelied 7, 10) Das Origind helndet sich in der Mariae- Fad Kapelle Einsiedla DÉPOSÉ. FINSIEDELN, SCHWEIZ. Shafte Abtheilung. Verschiedene Gebete zu Maria. Sanrekanische Litanei.) ere, erbarine Dio unser! Chrifle, erbarme Did urier. Herr, erbarme Die anfer! Christe höre uns! siſte, erhöre uns! sit Bater im Himmel, erbarme Dich unjer Sohn, Erlöfer der Welt, erbarme Dich pr it heiliger Geift, erbarme Dich unser lige Dreifaltigteit, em einiger Gott, erbarme Dich unjer! ge Maria, bitt für uns! lige Gottesgebäterin,**) ilge Jungfron der Jungfrauen, ther ber gouden habe, Jebeemat 0 Tage Wolof; bottommener 2016 n fitur Hanstfesten der allerfeligften Jung Empfängniß, Sichtmes, Verfündigam Geburt) für diejenigen, die sie täglich beten, wenn bent bezeichneten Festen beichten commnicien anb ter Stripe dos ablaßgebet Bereiten. Dins VI Ceptember 1817. Bitt fits aust KIVIDE PR gehere wen BENZIGER& CO. DÉPOSÉ. then geht nach carapente FINSIEDELN, SCHWEIZ. 20 Fünfte Abtheilung. Verschiedene Gebete zu Maria. Lauretanische Litanei.*) err, erbarme Dich unser! Christe, erbarme Dich unser. Herr, erbarme Dich unser! Christe, höre uns! Christe, erhöre uns! Gott Vater im Himmel, erbarme Dich unser! Gott Sohn, Erlöser der Welt, erbarme Dich unser! Gott heiliger Geist, erbarme Dich unser! Heilige Dreifaltigkeit, ein einiger Gott, erbarme Dich unser! Heilige Maria, bitt für uns! Heilige Gottesgebärerin,**) Heilige Jungfrau der Jungfrauen, Mutter Christi, Mutter der göttlichen Gnade, *) Jedesmal 300 Tage Ablaß; vollkommener Ablaß an den fünf Hauptfesten der allerseligsten Jungfrau( unbefleckte Empfängniß, Lichtmeß, Verkündigung, Himmelfahrt, Geburt) für diejenigen, die sie täglich beten, wenn fie an den bezeichneten Festen beichten communiciren und in einer Kirche das Ablaßgebet verrichten. Pius VII., 30. September 1817. **) Bitt für uns! 492 3weiter Theil. 5. Verschiedene Gebete zu Maria. Du reinste Mutter, bitt für uns! Du keuscheste Mutter,*) Du unversehrte Mutter, Du unbefleckte Mutter, Du liebliche Mutter, Du wunderbare Mutter, Du Mutter des Schöpfers, Du Mutter des Erlösers, Du weiseste Jungfrau, Du ehrwürdige Jungfrau, Du lobwürdige Jungfrau, Du mächtige Jungfrau, Du gütige Jungfrau, Du getreue Jungfrau, Du Spiegel der Gerechtigkeit, Du Sit der Weisheit, Du Ursache unsrer Freude, Du geistliches Gefäß ,. Du ehrwürdiges Gefäß, Du vortreffliches Gefäß der Andacht, Du geistliche Rose, Du Thurm David's, Du elfenbeinerner Thurm, Du goldenes Haus, Dn Arche des Bundes, Du Pforte des Himmels, Du Morgenstern, Du Heil der Kranken, Du Zuflucht der Sünder, Du Trösterin der Betrübten, Du Helferin der Christen, Du Königin der Engel, *) Bitt für uns! 493 Lauretanische Litanei. Du Königin der Patriarchen, bitt für uns! Du Königin der Propheten,*) Du Königin der Apostel, Du Königin der Martyrer, Du Königin der Bekenner, Du Königin der Jungfrauen, Du Königin aller Heiligen, Du Königin, ohne Makel der Erbsünde empfangen, Du Königin des hochheil. Rosenkranzes, O Du Lamm Gottes, welches Du hinwegnimmst die Sünden der Welt, verschone uns, o Herr! O Du Lamm Gottes, welches Du hinwegnimmst die Sünden der Welt, erhöre uns, o Herr! O Du Lamm Gottes 2c., erbarme Dich unser, o Herr! Christe, höre uns! Christe, erhöre uns! Herr, erbarme Dich unser! Christe, erbarme Dich unser! Herr, erbarme Dich unser, Vater unser. Gegrüßet seist du zc. Antiphon. Unter deinen Schutz und Schirm fliehen wir, o heilige Gottesgebärerin! Verschmähe nicht unser Gebet in unfren Nöthen, sondern erlöse uns jederzeit von allen Gefahren. O du glorwürdige und gebenedeite Jungfrau, unsre Frau, unsre Mittlerin, unsre Fürsprecherin! Versöhne uns mit deinem Sohne, empfiehl uns deinem Sohne, stelle uns deinem Sohne vor! V. Bitt für uns, o heilige Gottesgebärerin, R. Auf daß wir würdig werden der Verheißungen Christi! *) Bitt für uns! 50517 494 3weiter Theil. 5. Verschiedene Gebete zu Maria. Gebet. Wir bitten Dich, o Herr, gieße deine Gnade in unsre Herzen, auf daß wir, die wir Christi, deines Sohnes Menschwerdung durch des Engels Verkündigung erkannt haben, durch sein Leiden und Kreuz zur Herrlichkeit der Auferstehung geführt werden, durch denselben Christum, unsern Herrn. Amen. V. Bitt für uns, o heiliger Joseph, R. Auf daß wir würdig werden der Verheißungen Christi Gebet. Wir bitten Dich, o Herr, laß uns durch die Verdienste des Bräutigams deiner heiligsten Gebärerin geholfen werden, damit, was unser eignes Vermögen nicht erhalten kann, uns durch seine Fürbitte geschenkt werde, der Du lebst und regierst mit Gott dem Vater in Einigkeit des heiligen Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Das Memorare. ( Dom Hl. Bernard.) Gedenke, o gütigste Jungfrau Maria, daß von Ewigkeit nie gehört worden, daß jemand, der zu dir seine Zuflucht nahm, deinen Beistand anrief und um deine Fürbitte flehte, von dir verlassen wurde. Durch solches Vertrauen ermuntert, nehme ich meine Zuflucht zu dir, o Jungfrau über alle Jungfrauen, Maria, Mutter Jesu Christi! Zu dir komme ich, zu dir eile ich, vor Jnnige Bitten zu Maria für jeden Tag der Woche. 495 dir stehe ich, als Sünder seufzend und zitternd. Wolle nicht, o Mutter des ewigen Wortes, Herrscherin der Welt, meine Worte verschmähen, sondern höre mich gnädig an und erhöre mich Arm= seligen, der ich aus diesem Thränenthale zu dir um Hilfe rufe! Stehe mir bei in allen meinen Nöthen, jetzt und allzeit, besonders in der Stunde meines Todes, o gütige, o milde, o süße Jungfrau Maria! Amen. Innige Bitten zu Waria für jeden Tag der Woche. Wuf Ansuchen des Hochwürdigsten Capitels der Kirche der heiligen Maria in Cosmedin zu Rom, verlieh Pius VII. mit Rescript der heiligen Congregation der Ablässe vom 21. Juni 1808, allen Christgläubigen 300 Tage Ablaß, für einmal im Tage, welcher auch den Seelen im Fegfeuer zuge= wendet werden kann, wenn sie wenigstens mit reumüthigem Herzen folgende für jeden Tag in der Woche bestimmte Gebete, die aus den geistlichen Werken des hl. Bischofs Alphons von Liguori gezogen wurden, nebst drei Gegrüßet seist 2c. zu Ehren der allerjeligsten Jungfrau Maria, in der Absicht sprechen, um ihr einigen Ersaß zu leisten für so viele Lästerungen, die jemals gegen sie ausgestoßen wurden und noch von Irrgläubigen und schlechten Christen ihr zugefügt werden. Welche aber alle Tage, einen ganzen Monat hindurch, benannte Gebete mit drei Gegrüßet feist 2c. in obiger Meinung verrichten und an einem beliebigen Tage beichten, communiciren und Gott für seine heilige Kirche anrufen, gewinnen einen vollkommenen Ablaß. 496 Zweiter Theil. 5. Verschiedene Gebete zu Maria. Gebet für den Sonntag. Siehe mich zu deinen Füßen, o Maria, Mutter Gottes, einen elenden Sünder, der zu dir seine Zuflucht nimmt und auf dich sein gan= zes Vertrauen setzt. Nicht eines Blickes von dir bin ich würdig; doch weiß ich, daß du großes Verlangen Hegst, die Sünder zu retten, weil dein Sohn zu demselben Zwecke den Tod erlitten. O Mutter der Barmherzigkeit, siehe an mein Elend und habe Mitleid mit mir. Uleberall wirft du angerufen als die Zuflucht der Sünder, die Hoffnung der Kleinmüthigen, die Hilfe der Verlassenen; du bist also auch meine Zuflucht, meine Hoffnung, meine Hilfe. Durch deine Fürsprache wirst du mich retten. Durch die Liebe Jesu Christi stehe mir bei, reiche deine Hand dem tief Gefallenen, der sich dir empfiehlt. Ich weiß, du haft große Freude, einem Sünder zu helfen, wenn du es vermagst; hilf mir denn also, denn du fannst mir helfen. Durch meine Sünden habe ich die göttliche Gnade und zugleich meine Seele verloren. Aber nun übergebe ich mich in deine Hände; zeige mir, was ich thun soll, um wieder die Gnade meines Herrn zu erlangen, und ich will es so= gleich vollziehen. Er sendet mich zu dir, damit du mir beistehen sollest; Er will, daß ich 3uflucht nehmen soll zu deiner barmherzigen Milde, damit nicht nur die Verdienste deines Sohnes. Jnnige Bitten zu Maria für jeden Tag der Woche. 497 sondern auch deine Fürbitte mir zu meiner Seligkeit helfen. Zu dir also nehme ich meine Zuflucht; bitte Jesus für mich; laß mir die Gnade zukommen, die du jenen zu theil werden läsfest, welche auf dich ihr Vertrauen setzen. Ja, dies hoffe ich! Amen. Darauf betet man drei Gegrüßet seist 2c. zum Erfage für so viele Lästerungen, welche gegen die seligste Jungfrau Maria ausgestoßen werden. Gebet für den Montag. Königin des Himmels, allerfeligste Jungfrau Maria! Ich, der ich einstmals ein Sclave des höllischen Geistes gewesen, will mich nun auf ewig deinem Dienste weihen, und bin bereit, dich zu loben und dir zu dienen, durch die ganze Zeit meines Lebens. Nimm mich also zu deinem Diener an und verstoß mich nicht, wie ich es freilich wohl verdiente. O meine Mutter, auf dir ruhen alle meine Hoffnungen! Ich preise und danke Gott, daß Er mir durch seine Barmherzigkeit dieses Vertrauen zu dir gegeben hat. Es ist zwar wahr, daß ich vordem der Sünde mich hingab; aber ich hoffe, daß ich durch die Verdienste Jesu Christi und durch deine Fürsprache bereits Verzeihung erlangt habe. Doch meine liebe Mutter, ein Gedanke ängstigt mich noch: daß ich die göttliche Gnade neuerdings verscherzen kann; denn ich schwebe Herrlicht. Mar. 32 498 Zweiter Theil. 5. Verschiedene Gebete zu Maria. stets zwischen Gefahren, meine Feinde schlafen nicht, und neue Versuchungen werden mich überfallen. Ach, so beschüße mich denn, meine Gebieterin! Stehe mir bei wider die Angriffe der Hölle, und gestatte nicht, daß ich aufs neue in Sünden falle und Jesus, deinen göttlichen Sohn, wieder beleidige. Onein, nimmermehr soll es dahin kommen, daß ich abermals meine Seele, den Himmel und den lieben Gott verliere. Um diese Gnade bitte ich dich, o Maria! Diese Gnade begehre ich, diese erbitte mir bei Gott; dies hoffe ich zuversichtlich. Amen. Drei Gegrüßet seist 2c. Gebet für den Dienstag. allerseligste Jungfrau Maria, Mutter der Güte und Barmherzigkeit! Wenn ich meiner Sünden mich erinnere und an den Augenblick meines Todes denke, so werde ich beklommen und zittere. O meine süßeste Mutter, auf das Blut Jesu Christi und auf deine Fürbitte sind alle meine Hoffnungen gebaut. O Trösterin der Betrübten, verlaß mich alsdann nicht, säume nicht, in jener großen Angst und Betrübniß mich zu trösten. Wenn mich jetzt schon die Erinnerung an die begangenen Sünden, die Ungewißheit der Verzeihung, die Furcht vor dem Rückfalle und die Strenge der göttlichen Gerechtigkeit peiniget; wie wird mir erst dann zu Muthe sein? Jnnige Bitten zu Maria für jeden Tag der Woche. 499 Ach, meine Gebieterin, erlange mir, che noch meine Todesstunde naht, Zähren einer aufrichtigen Buße über meine Sünden und eine wahre Besserung und Treue gegen meinen Gott für die noch übrige Zeit meines Lebens. Und wenn einst die Stunde meines Hinscheidens da ist, o Maria, meine Hoffnung, hilf mir dann in jener großen Angst; stärke mich, damit ich nicht zaghaft werde beim Anblicke meiner Vergehungen, die mir der böse Geist vor Augen halten wird. Erbitte mir die Gnade, daß ich dann im stande sei, dich recht oft anzurufen, damit ich mit deinem süßesten Namen und mit dem Namen deines aller= heiligsten Sohnes auf den Lippen meinen Geist aufgebe. Diese Gnade, die du so vielen deiner Verehrer verliehen hast, bitte und hoffe auch ich von dir zu erlangen. Amen. Drei Gegrüßet seiſt 2c. Sebet für den Wittwoch. Mutter meines Gottes, allerseligste Jungfrau Maria, wie oft schon habe ich meiner Sünden wegen die Hölle verdient! Vielleicht bei meiner ersten Sünde schon wäre der Urtheilsspruch vollzogen worden, wenn nicht du, mitleidigſte Mutter, die göttliche Gerechtigkeit zurückgehalten und durch den Sieg deiner Liebe über mein hartes Herz mich bewogen hättest, auf dich mein Vertrauen zu setzen. Und ach, in wie viele an 500 3weiter Theil. 5. Verschiedene Gebere zu Maria. dere Laster und Vergehungen wäre ich dann noch gefallen bei den Gefahren zur Sünde, die mir entgegen famen, wenn nicht du, o liebevollste Mutter, durch jene Gnaden mich davor bewahrt hättest, die du bei deinem Sohne für mich er= langtest. O meine Königin, was wird aber deine Barmherzigkeit und die Gunst mir helfen, die du mir erweisest, wenn ich aus eigener Schuld verloren gehe? War auch eine Zeit, wo ich dich nicht liebte, so liebe ich dich doch jetzt nach Gott über alles. Gib nicht zu, daß ich mich je wieder von dir und von Gott abwende, der mir durch deine Bermittelung so viele Barmherzigkeit erzeigt hat. Meine liebenswürdigste Gebieterin, laß nicht zu, daß ich einst im Orte der Verwerfung immerdar dich hassen und verwünschen müsse. CALLY EX Onein, derjenige geht nicht verloren, der sich mit treuer Liebe dir empfiehlt und zu dir ſeine Zuflucht nimmt. Ach, meine liebe Mutter, überlaß mich nicht meinen eigenen Händen, sonst gehe ich zu Grunde; gib, daß ich allezeit wieder an dich mich wende. Errette mich, du meine Hoffnung, errette mich von dem Abgrunde der Hölle und vorerst von der Sünde, die mich allein dazu verdammen kann. Drei Gegrüßet seist du zc. Innige Bitten zu Maria für jeden Tag der Woche. 501 Gebet für den Donnerstag. Königin des Himmels, die du über alle Chöre der Engel erhoben, zunächst am Throne Gottes fizest! Aus diesem Thale des Jammers sende ich elender Sünder meinen Gruß zu dir hinauf und bitte dich, wende mir deine mitleidigen Augen zu. Siehe, o Maria, wie vielen Gefahren ich ausgesetzt bin und solange ich auf Erden lebe, ausgesetzt sein werde; so daß ich fürchten muß, meine Seele, den Himmel und Gott zu verlieren. Auf dich meine Gebieterin, habe ich alle meine Hoffnung gegründet. Ich liebe dich und sehne mich sehr, dich bald zu sehen und zu loben im Orte der Freuden. Maria, wann wird je= ner Tag anbrechen, wo ich einst zu deinen FüBen mich selig preisen werde? Wann werde ich jene Hand füssen, die mir so viele Gnaden spendete! Wohl bin ich, meine Mutter, gegen dich bisher sehr undankbar gewesen; doch wenn ich in den Himmel gelange, so hat mein Undanf ein Ende; dort werde ich allezeit die ganze Ewigkeit dich lieben und durch unaufhörlichen Preis und Dank meinen Undank ersetzen. Ich danke Gott, daß Er mir ein so großes Vertrauen auf das Blut Jesu Christi und auf deine mächtige Fürbitte verleiht. So viele von deinen wahren Verehrern haben schon auf dich vertraut, und keiner ist jemals getäuscht worden: 502 Zweiter Theil. 5. Verschiedene Gebete zu Maria. so werde denn auch ich nicht umsonst vertrauet haben. Maria, bitte Jesum deinen Sohn, wie auch ich Ihn durch die Verdienste seines Leidens bitte, daß Er diese meine Hoffnung befe stige und in mir immer zuversichtlicher werden lasse. Amen. Drei Gegrüßet ſeist 2c. Gebet für den Freitag. Maria, du bist die Edelste, die Erhabenste, die Reinste, die Schönste und Heiligſte unter allen Geschöpfen! O wenn nur alle dich fennten, erhabeuste Gebieterin, und dich liebten, wie du es verdienst! Doch tröste ich mich damit, daß so viele heilige Seelen im Himmel und so viele Gerechte auf Erden leben, die wegen deiner Güte und Schönheit ganz von Liebe zu dir entflammt sind. Uleber alles freut es mich aber, daß Gott selbst dich allein mehr liebt, als alle Engel und Menschen insgesammt. Meine liebenswürdigste Königin, auch ich elender Sünder liebe dich; aber viel zu gering ist meine Liebe! Ich wünschte, eine viel stärkere und zärtlichere Liebe gegen dich zu haben; o möchtest du mir diese bei Gott erbitten; denn die Liebe zu dir ist ein sicheres Zeichen der Auserwählung und eine Gnade, welche Gott denen verleiht, die das ewige Heil erlangen. Du aber, deren heißester Wunsch es ist, deinen Innige Bitten zu Maria für jeden Tag der Woche. 503 göttlichen Sohn von allen geliebt zu sehen er= lange mir diese Gnade, Jesum Christum über alles zu lieben. Dies erbitte mir, die du alles erlangst, was du von Gott begehrst. Ich suche keine Erdengüter, keine Ehren, keine Reichthümer; ich suche nur das, was dein Herz am meisten verlangt: meinen Gott allein zu lieben. Kann es möglich sein, daß du dies mein Begehren, das dir so überaus gefällt, nicht unterstüzen sollteft? Onein, deine Hilfe ist mir schon nahe, ich vernehme schon dein Flehen zu Gott. So bitte denn, o Maria, bitte und höre nicht auf Gott zu bitten, bis du mich im Himmel siehst, wo ich dann gewiß bin, meinen Gott zugleich mit dir, meiner liebsten Mutter, ganz besitzen und ewig lieben zu können. Amen. Drei Gegrüßet ſeiſt 2c. Gebet für den Samstag. meine seligste Mutter! Ich sehe die Gnaden, die du mir erbeten hast, sehe aber auch den Undank, den ich gegen dich bewies. Ein Undankbarer ist neuer Wohlthaten nicht werth; dennoch aber will ich nicht nachlassen, mein Vertrauen auf deine Barmherzigkeit zu setzen. O meine mächtige Fürsprecherin, habe Mitleid mit mir. Du bist die Ausspenderin aller Gnaden, die Gott uns Elenden zukommen läßt, und deshalb hat Er dich so mächtig, so reich und mildthätig gemacht, damit du uns beiſteheſt. 504 Zweiter Theit. 5. Verschiedene Gebete zu Maria. Sehnlichst verlange ich selig zu werden: siehe, nun lege ich in deine Hände mein ewiges Heil; dir übergebe ich meine Seele. Ich wünschte, unter deine eifrigsten Diener gezählt zu werden, o verstoße mich nicht! Du suchst die Elenden auf, um ihnen zu helfen; o so weise auch mich elenden Sünder nicht ab, der zu dir seine 3uflucht nimmt! Sprich für mich; denn dein Sohn thut alles, um was du Jhn bittest. Nimm mich unter deinen Schuß, und ich bin geborgen, denn wenn du mich beschützest, so habe ich nichts zu fürchten; nichts meiner Sünden wegen, denn ich hoffe, daß du mir deren Verzeihung erbitten wirst; nichts von den höllischen Geistern, denn du biſt mächtiger als die ganze Hölle; nichts von meinem Richter Jesus, denn auf deine Fürbitte wird Er sich besänftigen lassen. Nimm mich also unter deinen Schuh, meine Mutter, und erlange mir die Vergebung meiner Sünden, die Liebe zu Jesus, die heilige Beharrlichkeit, einen guten Tod und zuletzt die ewige Seligkeit. 3war verdiene ich diese Gnaden wahrhaft nicht; doch wenn du bei dem Herrn für mich bittest, so werde ich sie gewiß erlangen. Bitte also Jesus für mich! O Maria, meine Königin, auf dich vertraue ich, in dieser Hoffnung ruhe und lebe ich, mit dieser Hoffnung will ich sterben. Amen. Drei Gegrüßet ſeist 2c. ( Samstag betet man nebstbei die Lauretanische Litanei.) 505 Verschiedene Gebete zu Maria. Seufzer zu Maria in jedem Anliegen. Maria, Anker der Hoffnung, Morgenstern, Trösterin der Betrübten, unsre einzige Mutter! Schenke heute unsren Bitten ein geneigtes Ohr; vernimm die Seufzer, erhöre das Flehen meines armen Herzens; ich weiß nicht, an wen ich mich wenden, wem ich mein Anliegen anvertrauen soll; und doch bin ich unglücklich und leide. Zu dir also, o meine Beschützerin, o Maria, o meine Mutter, nehme ich in vollem Vertrauen meine Zuflucht; stehe mir bei in meiner Betrübniß, weiche nicht von mir in meiner gänzlichen Verlassenheit; ich bin zahllosen Gefahren ausgeseßt. Du bist die Mutter der Unglücklichen; schüße meine Schwachheit, o heilige Jungfrau Maria, wirf einen gnadenvollen Blick auf mich, erhöre die Bitte einer unglücklichen Seele, welche unaufhörlich zu dir rufen möchte: O Maria, ohne Sünde empfangen, bitte für uns, die wir unsere Zuflucht zu dir nehmen' Gebet zu Maria als Eröfterin der Betrübten, in allen Leiden zu sprechen. Maria, dein Sohn, der Gott der Liebe, hat dein Herz mit Liebe und Güte erfüllt. Das Heil der Welt, Jesus Christus, ist von dir geboren, und du bist dadurch ein Gnadenthron geworden. Was kann denn anders aus dem 506 3weiter Theil. 5. Verschiedene Gebete zu Maria. Brunnen der Liebe, der Güte und Barmherzigteit hervorquellen, als Trost, Hilfe und Gnade? Hieraus empfängt ja der Kranke Gesundheit, der Betrübte Trost, der Verlassene Hilfe, der Sünder Verzeihung, der Gerechte Gnade- alle erhalten alles. Daher wende ich meine Augen zu dir, o Maria, du Trösterin der Betrübten! Ich rufe und seusze zu dir, du Helferin der Nothleidenden! Siehe, dieses Unglück hat mich getroffen; diese Widerwärtigkeit hat mich überfallen; jenes Kreuz liegt schwer auf mir; jene Verlaffenheit drückt mich; diese Anfechtung ängstigt mich. Du, o Mutter der Güte, weißt und kennst meine Noth; und es ist unmöglich, daß du die Armseligkeit wissest, und dich nicht erbarmest. Du kannst auch helfen, wenn du willst; denn du vermagst alles bei deinem Sohne; Er will sogar nichts geben ohne dich, sondern alles durch deine gnädige Hand ſpenden. Wohlan also, o Maria, du Trösterin der Betrübten, du Zuflucht aller bedrängten Seelen! O Mutter der schönen Liebe und der heiligen Hoffnung, du meine Mittlerin, Fürsprecherin und Helferin! Wende deine barmherzigen Augen zu mir, neige die Ohren deiner Milde zu meinem Flehen und Seufzen; errette mich aus der gegenwärtigen Noth oder erwirke mir Geduld in meinem Kreuz und Leiden. Zu deinem bis in den Tod betrübten HerCONCE Verschiedene Gebete zu Maria. 507 zen lente ich meine trostlose Seele, mit dem find= lichen Vertrauen, du werdest mich Elenden nicht verlassen, sondern mich gnädig erhören, o milde, o gütige, o süße Jungfrau und Trösterin der Betrübten, Maria! Amen. Bittseufzer einer bußfertigen Seele zu Maria. Gedenke, o Allermildeste, daß von je her niemals vernommen ward, daß jemand, der zu dir seine Zuflucht nahm und deine Hilfe anrief, von dir verlassen worden sei. So fliehe denn auch ich in dieser Hoffnung zu dir und bitte demüthig um Barmherzigkeit. O du Trösterin aller Betrübten! Vor dir flehe ich armer Sünder und seufze mit betrübtem Herzen zu dir. Ach, wolle doch nicht, Mutter des ewigen Wortes, meine Worte verschmähen, sondern wolle mich gnädig erhören. Du weißt, o Maria, wie tief ich in Sünden liege: du weißt, wie schwach und elend ich bin, du weißt auch, wie innig und stark mein Vertrauen auf dich ist; denn ich kann mir nicht denken, daß ich zu Grunde gehen könne, so lange ich dich liebe und dir diene. Ich habe so oft gehört, wie so manche, die der Hölle beinah schon zugehörten, durch deine mächtige Fürbitte gerettet und von ihren Sünden bekehrt worden sind. Darum habe ich auch ein großes Vertrauen 508 Zweiter Their. 5. Verschiedene Gebete zu Maria. auf dich, so daß ich jest glaube, Gott werde mich um deiner willen nicht verstoßen, nicht verlassen. Nun denn, o meine mildeste Fürsprecherin. wende deine barmherzigen Augen zu mir und er= lange mir bei deinem lieben Sohne Gnade und Barmherzigkeit. Ach, verlasse mich nicht in meinen Nöthen, verlasse mich besonders nicht in meinem Tode! O Maria, ich bitte dich um der Liebe deines göttlichen Sohnes willen, du wolleft dich meiner annehmen, wie sich eine Mutter ihres Sohnes annimmt. Ich bitte dich durch den bittern Tod Jesu Christi, du wollest mir vor meinem Ende wahre Reue über meine Sünden erwirken und mir durch einen seligen Tod zum ewigen Leben verhelfen. Amen. Liebesseufzer zum heiligsten Serzen Mariens. Dein Herz, o Maria, eröffne sich! Deine Macht beschütze mich! Deine Geduld ertrage mich! Deine Liebe entflamme mich! Deine Lieblichkeit entzücke mich! Deine Leiden durchdringen mich! Deine Schmerzen verwunden mich! Deine Freuden beseligen mich! Jungfrau Maria, erhöre mich! In dein süßes Herz verschließe mich! Im Leben und im Tod beschütze mich! Auf daß ich stets mehr liebe dich! Hier zeitlich und dort ewiglich! Amen. 16120 Sex 8 Dritter Theil. Die gewöhnlichen AndachtsUebungen. ime FACE wwwwww tex Eine der süßesten freuden der Stammeltern im Paradiese war, daß dam und Eva mit dem lieben Gott, wie mit einein liebevollen Dater reden durften. So der hl. Franz von Sales. Das Gebet ist eine Kraft, womit der Mensch über Erde und Himmel hinaus in das Herz Gottes reicht. So Alban Stolz. Dritter Theil. Die gewöhnlichen AndachtsTehungen. Morgen- Andacht. Beim Erwachen. Jebenedeit sei die heilige, unzertrennliche Dreifaltigkeit, Gott Vater, Gott Sohn, Gott heiliger Geist! Ehre sei dem Vater, der mich erschaffen hat! Ehre sei dem Sohne, der mich erlöset hat!- Ehre sei dem heiligen Geiste, der mich geheiliget hat! Beim Aufstehen. Im Namen meines gekreuzigten Heilandes, der mich mit seinem kostbaren Blute erlöset hat, - - text 512 Dritter Theil. Die gewöhnl. Andachts- Uebungen. stehe ich auf. Er wolle mich segnen, leiten, vor allem Uebel bewahren und zum ewigen Leben führen. Morgengebet. Im Namen des Vaters, und des Sohnes, und des heiligen Geistes! Amen. Anbetung und Danksagung. In Demuth werfe ich mich vor deiner göttlichen Majestät nieder, mein Gott und Herr, und bete Dich in tiefster Ehrfurcht an! Ich preise Dich und danke Dir für die besondere Wohlthat, daß Du mich in der verflossenen Nacht vor dem Tode des Leibes und der Seele bewahrt hast. Ich bekenne es, gütiger Schöpfer, daß es einzig und allein ein Geschenk deiner unendlichen, göttlichen Liebe ist, daß ich noch lebe; auch bekenne ich, daß ich ganz unwürdig bin, von Dir mit so viel Liebe überhäuft zu werden. Ja, mildreichster, bester Vater, deine Barmherzigkeit gegen mich ist unendlich und ihre Wirtungen an mir sind zahllos. O daß ich Dich loben und preisen möchte, so viel in meinen Kräften steht! O daß mein Herz immerwährend in Liebe und Dankbarkeit gegen Dich er= glühen möchte! Ich vereinige mich deshalb mit den Engeln, mit den Heiligen des Himmels, mit meinen heiligen Schuppatronen und besonders mit der seligsten Jungfrau Maria, um so Morgen- Andacht. 513 an dem unaufhörlichen Lobe und der heiligen Liebe theilnehmen zu können, welche diese himmlischen Geister Dir heute darbringen und allezeit darbringen werden. Aufopferung und Vorsatz. Ich opfere Dir mit aller Aufrichtigkeit meines Herzens alle meine Gedanken, Wünsche und Begierden dieses Tages auf und mache die gute Meinung, alles für dich zu thun, jede meiner Handlungen, auch die geringste und unbedeutendste zu deiner Verherrlichung zu verrichten.- Auf gleiche Weise nehme ich mir vor, im Laufe dieses Tages in keine Gelegenheit und in keine Versuchung zur Sünde einzuwilligen, welche heute das Fleisch, die Welt und der Teufel mir be= reiten könnten. Ach, lieber laß mich sterben, o Gott, als mich nur ein einziges Mal durch eine schwere Sünde von Dir trennen. Bitte um Gnade. Du aber, mein Heiland, Jesus Christus, wollest mir jetzt von deinem heiligen Kreuze herab, an dem Du Dich selbst dem himmlischen Vater als Opfer der Liebe und Erbarmung für mich dahin gegeben hast, deinen göttlichen Segen ertheilen, auf daß er mich stärke, heilige, von allem Uebel befreie und mich zum ewigen Heile führe, wie Du es zu deiner Verherrlichung liebevoll beabsichtigst. Amen. Herrlicht. Mar. 33 514 Dritter Theil. Die gewöhnl. Andachts- Uebungen. Anrufung der Heiligen. Allerseligste Jungfrau Maria, Mutter Jesu und meine mächtigste Fürsprecherin! Ich stelle mich heute mit findlichem Vertrauen unter deinen mütterlichen Schuß. O gütigste Mutter der Barmherzigkeit, sei meine Zuflucht in allen Anliegen, mein Trost in allen Widerwärtigkeiten und meine Mittlerin bei deinem vielgeliebten Sohne heute und alle Tage meines Lebens, besonders in der Stunde meines Absterbens. Und du, o Engel Gottes, den die göttliche Güte und Weisheit mir zum Beschützer gegeben hat, leite mich heute auf allen meinen Wegen und führe mich unverletzt durch alle Gefahren dieses Tages. Belehre mich in Unwissenheit, warne mich in Versuchungen, tröste mich in Trübsalen, muntere mich auf zum Guten und bewahre mich vor allem Ulebel Leibes und der Seele. Auch ihr, meine besondern Patrone N. N., und alle Heiligen Gottes, erflehet mir durch eure Fürsprache bei Gott, daß dieser Tag für mich und die Meinigen ein Tag der Gnade, des Trostes und des Verdienstes werde. Es segne mich Gott Vater, Sohn und heiliger Geist! Möchten die Seelen der verstorbenen Christgläubigen durch Gottes Barmherzigkeit im Frieden ruhen! Amen. - 698 Abend- Andacht. 515 Abend- Andacht. 1. Danksagung. ütigster Vater, allmächtiger Gott! Mit dankbarem und zerknirschtem Herzen erscheine ich Evor Dir am Schlusse dieses Tages und danke Dir für alle Wohlthaten, die Du mir bis jetzt erwiesen hast. Unter deiner Vorsehung habe ich sicher gelebt, bin vor vielen Uebeln bewahrt geblieben und habe Gesundheit und Leben erhalten. Du haft mir, o Gott, Speise und Trank mit milder dargereicht; unter deinem Beistande habe ich meine Berufsgeschäfte verrichtet, und deinem Segen allein verdanke ich's, wenn sie gut vollzogen sind. Alles, was mir heute Glückliches begegnete, jeder gottgefällige Antrieb, den ich in mir wahrnahm; der Sieg, den ich über mich erhielt; das Gebet, das ich verrichtete; das Tugendbeispiel, das mir in die Augen leuchtete; jeder Gedanke an deine Allgegenwart, Vater, jede Erinnerung an deinen Sohn Jesum Christum, jede Bethätigung des Glaubens an sein heiliges Wort; jeder Blick auf sein Beispiel; jede Freude über seine Liebe; jede Anmuthung zum Guten und alles Gute, das ich gethan habe, ist deine Gabe. Aber ach, wie wenig ist des Guten, das ich gethan habe! Herr, handle nicht mit mir nach meinen Sünden, sondern komm mir zu Hilfe mit deiner Gnade! 516 Dritter Theil. Die gewöhnl. Andachts- Uebungen. 2. Gewissens- Erforschung. Herr, allwissender Gott, der Du meine Blindheit und Lauigkeit im Guten kennst, verscheuche mit deinem Lichte die Finsterniß meines Verstandes und entzünde mit dem Feuer deiner Liebe mein laues Herz, auf daß ich die Sünden, deren ich mich heute vor Dir schuldig ge= macht habe, recht erkenne, sie wahrhaft bereue und mich ernstlich bessere. Hierauf erforsche dein Gewissen. 3. Bitte zu Jesus um Berzeihung. Bütigster Jesu, in Zerknirschung flehe ich zu deiner Barmherzigkeit, vergib mir alle unnügen und sündhaften Gedanken, die ich heute gegen dein Verbot gehegt und wozu ich andern Anlaß gegeben habe! Vergib mir auch barmherzig alle sündhaften Worte, die ich deinem heiligen Willen zuwider heute gesprochen, und wozu ich andere verleitet habe. Endlich flehe ich zu Dir, o mein barmherziger Heiland, erlaß mir kraft der Verdienste deiner hochheiligen Handlungen, die Du auf Erden für unser Heil vollbrachtest, alle Sünden, die ich selbst gegen dein Gesez, gegen deine Ehre und gegen deine göttlichen Eingebungen wissentlich und unwissentlich im Werke begangen, und wozu ich andere verführt habe. Ordne, Du Lenker und Prüfer der Herzen, von nun an alle meine Gedanken, Worte und Abend- Andacht. 517 Werke nach deinem heiligen Willen und zu deiner göttlichen Ehre, auf daß mein noch übriges Leben dem deinigen gleichförmig werde! Ich übergebe mich Dir ganz; schalte mit mir nach deinem göttlichen Wohlgefallen!- O Jesu, Dir lebe ich! O Jesu, Dir sterbe ich! O Jesu, Dein bin ich todt und lebendig! Amen. 4. Empfehlung in den göttlichen Schuk. Gott, himmlischer Vater, sei Du in dieser Nacht mein Schutz und Erretter; schenke mir sanfte Ruhe zur Erquickung meines Leibes, damit ich morgen mit neuen Kräften zu deinem Dienste erwache. Wende alle Gefahren von mir ab, damit keine Plage meiner Wohnung nahe und kein Schrecken meine Ruhe unterbreche. Wäre aber der heutige Tag der letzte meines Lebens, sollte dies mein letztes Abendgebet sein, o mein Gott, so erbarme Dich meiner! Gib, daß der Tod, der so leicht kommen kann, mich reumüthig und gebessert finde; daß er der Uebergang sei in das ewige, glückselige Leben, welches Du bereitet hast denen, die Dich lieben! Amen. 5. Für die Lebendigen und Abgestorbenen. Ertheile auch, o Gott, deinen göttlichen Segen allen meinen Verwandten, Wohlthätern, Freunden und Feinden. Sei mit deiner schü 518 Dritter Theil. Die gewöhnl. Andachts- Uebungen. Benden Hand bei unsrem Fürsten, unsrem Lande und allen Einwohnern desselben. Behüte unsre geistliche und weltliche Obrigkeit. Stehe bei den Armen, Gefangenen, Leidenden, Reisenden, Kranten und Sterbenden. Rette die unerfahrne Unschuld aus den Schlingen des Verführers. Verhindere die Unordnungen, zu welchen Leichtsinn, Ausgelassenheit, Leidenschaft die Nacht mißbrauchen. Führe die Sünder von den Wegen der Finsterniß auf die Bahn der Buße. Verscheuche die Nacht des Irrthums und des Unglaubens. Seligste Jungfrau, heiliger Schutzengel und alle lieben Heiligen, bittet für mich und alle Menschen, daß Gott durch seinen Schutz diese Nacht, die ganze Zeit unsres Lebens, und in der Stunde des Absterbens über uns wache! Gott der Barmherzigkeit, sei auch gnädig den abgestorbenen Gläubigen, die deiner Anschauung noch nicht genießen! Erhöre unser und ihr Gebet; laß ihr Verlangen nach Dir erfüllt werden, und führe alle, vorzüglich die, für welche ich zu beten verpflichtet bin, in die ewige Ruhe und himmlische Freude! Amen. Alsdann bete: die Lauretanische Litanei Seite 491. 6. Dreifacher Gruß an die göttliche Mutter um eine selige Sterbestunde. ( Von der Hl. Mechtild.) meine Herrin, heilige Maria da dich Gott der Vater durch seine Allmacht so mächtig Abend- Andacht. 519 gemacht, so wollest du mir, ich bitte dia, in meiner Todesstunde beistehen und alle Gewalt des Feindes kräftig von mir abwenden. Gegrüßet seist du zc. O meine Herrin, heilige Maria, da der Sohn Gottes dich mit seiner göttlichen Wissenschaft und Weisheit erfüllt hat, so erleuchte und stärke, ich bitte dich, meine Seele in der Stunde des Todes mit dem Lichte des Glaubens, damit sie, weder durch Irrthum noch durch Unwissenheit in Verwirrung gerathe, und nicht in den ewigen Untergang gestürzt werde. Gegrüßet seist du zc. O meine Herrin, heilige Maria! Da der heilige Geist seine Liebe vollkommen in dein Herz ergossen hat, so flöße mir in der Stunde des Todes die Süßigkeit der göttlichen Liebe ein, durch die jede Angst und Bitterfeit von mir ge= nommen und mein Herz durch himmlischen Trost erquickt werde. Gegrüßet seist du zc. Abendfegen. Es segne und beschüße uns der allmächtige und barmherzige Gott, der † Vater, der † Sohn und der † heilige Geist. Amen. 520 Dritter Theil. Die gewöhnl. Andachts- Uebungen. Meh- Andachten. Erste Dek- Andacht. An den Fefttagen Mariens. Bum Eingange. it dir, o Mutter Maria, und unter deinem Schuße wünsche ich diesem allerheiligsten Opfer deines geliebten Sohnes beizuwohnen. Oliebreiche Mutter, theile mir mit von der Andacht, womit du alle seine Thätigkeiten und Werke bis zu seinem Tode begleitet hast, und stelle mich Ihm vor als dein armes Pflegekind, welches auf seine Barmherzigkeit hofft. Bereite und schmücke meine Seele aus dem Ueberflusse der Gnaden und Gaben, mit welchen die heiligste Dreifaltigfeit dich von Anbeginn geehrt hat, damit ich erscheinen darf vor dem Angesichte des Königs, und nicht verstoßen werde von dem Reichthum seiner Erbarmungen. Nimm mich auf, o Maria, in dein gebenedeites Herz, damit ich mit dir deine Liebe und Demuth, deine Freuden und Schmerzen, deine gänzliche Hingabe an Jesum, deinen Sohn und Herrn theile, und dadurch würdig werde der unschäßbaren Wirkung dieses allerheiligsten Opfers. 521 Meß- Andacht an den Festtagen Mariens. Zum Kyrie. O Maria, du Jungfrau aller Jungfrauen! Durch die Demuth, mit welcher du den Gruß des Engels vernommen und durch den Gehorsam, womit du gesagt haft:„ Siehe, ich bin eine Dienstmagd des Herrn," eröffne mir, o Mutter der Barmherzigkeit, du selige Pforte des Himmels, einen Zugang zu dem Urheber alles Erbarmens. Bitte für mich bei dem Allmächtigen, der Großes an dir gethan hat, dessen Name heilig ist und dessen Barmherzigkeit währet von Geschlecht zu Geschlecht; bitte für mich, o du selig Gepriesene, daß der Allerhöchste herabschaue auf meine Niedrigkeit und seiner Barmherzigkeit gedenke, damit meine Seele mit dir hochpreiſe den Herrn, und mein Geist frohlocke in Gott, meinem Heilande. Herr, erbarme Dich unser! Christe, erbarme Dich unser! Herr, erbarme Dich unser! Zum Gloria. Selig bist du und aller Verehrung würdig, o Jungfrau Maria, du Gebenedeite unter den Weibern, die du geboren hast den, der dich erschaffen hat, dem die Engel des Himmels dienen und lobsingen in den Höhen, den da preisen und verherrlichen alle Geschöpfe, den wir anbeten und mit Dantjagung benedeien als den 522 Dritter Theil. Die gewöhnl. Andachts- Uebungen. Herrn aller Kräfte, Jesum Christum, den eingebornen Sohn des Vaters, den König des Himmels, das Lamm Gottes, welches hinwegnimmt die Sünden der Welt; der allein heilig, allein der Allerhöchste ist mit dem heiligen Geiste in der Herrlichkeit des Vaters. Ihm sei Lob und Verherrlichung und Preis und Anbetung in Ewigkeit! Bu den Collecten. Wir bitten dich, o süße Mutter Maria, du Königin des Friedens, du wolleft bei deinem göttlichen Sohne für uns bitten jetzt und alle= zeit, damit der Friede, welchen die Engel bei seiner Geburt verkündigten, sich über uns ergieße und die ganze Kirche mit Gnaden und Segen erfülle. V. Bitte für uns, o heilige Gottesgebärerin! B. Auf daß wir würdig werden der Verheißungen Christi. Verleihe, o Herr und Gott, daß wir uns einer beständigen Gesundheit des Leibes und der Seele erfreuen und durch die glorwürdige Fürsprache der seligen, allezeit jungfräulichen Mutter Maria, von zeitlicher Trübsal befreit werden und einst der ewigen Freude genießen mögen. Durch Jesum Christum 2c. Zur Spistel. ,, Im Anfange und vor aller Zeit bin ich erschaffen," läßt dich, o glorreiche Jungfrau, 523 Meß- Andacht an den Festtagen Mariens. unsre heilige Kirche sprechen, und werde bis in alle Ewigkeit nicht aufhören; in der heiligen Wohnung diente ich vor Ihm; und so ward ich auf Sion befestigt; in der geheiligten Stadt habe ich geruht, und in Jerusalem ist meine Macht. Ich faßte Wurzel bei einem geehrten Volke, bei dem Antheil meines Gottes, den Er zum Erbe sich erkoren; in der Gemeinde der Heiligen ist mein Aufenthalt." Zum Evangelium. Oselige Mutter, durch die Freude, mit welcher du alles, was von deinem göttlichen Sohne gesagt wurde, in deinem Gedächtnisse bewahrtest und in deinem Herzen dorüber nachdachtest, bitte ich dich, du wollest mir die Gnade erwerben, daß ich mit gleichem Verlangen alles, was durch das heilige Evangelium uns von deinem Sohne, unserm Herrn Jesus Christus, verkündigt wird, in mein Gedächtniß aufnehme, in reinem Herzen bewahre und all mein Thun und Denken dar= nach bestimmen und richten möge. Laß mich verfosten die Süßigkeit des Namens Jesu, wie du sie in deinem mütterlichen Herzen verkostet hast, da du zuerst mit diesem Namen dein göttliches Kind nanntest, und erwecke in mir eine solche Andacht und Treue gegen denselben, daß ich auch seiner Kraft und Gnaden im Leben und Tode gewürdiget werde. 524 Dritter Theil. Die gewöhnl. Andachts- Uebungen. Zum Credo. Gedenke, o glorwürdige Jungfrau und Mutter Maria, welche Freude dein Herz erfüllte als die heiligen drei Könige aus fernem Mor= genlande famen und im rechten Glauben erleuchtet dein geliebtes Kind als ihren Herrn und Gott anbeteten und Ihm Opfer darbrachten! Ich bitte dich durch diese deine Freude, du wollest mir die Gnade erwirken, daß ich im wahren Glauben beständig verharre, deinen gebenedeiten Sohn als meinen Herrn und Gott anbete, als meinen ewigen König und Richter fürchte und ehre, und als meinen Heiland und Seligmacher allezeit bekenne und von Herzen liebe, damit ich, wie du, nach einem festen und demüthigen Glauben Ihn dereinst auch von Angesicht schauen und mit dir in seiner Glorie mich erfreuen möge. Zum Offertorium. Siehe gnädig herab, o Herr, heiliger Vater, auf die Opfergaben des Priesters, wie Du herabgesehen hast auf die frommen Gaben, welche die selige jungfräuliche Mutter zugleich mit ihrem geliebten Kinde, deinem eingebornen Sohne, Dir im Tempel darbrachte! Mache unser Herz gleichförmig ihrem allerreinsten Herzen, damit wir in Demuth Dir wohlgefallen, und heilige die Gaben des Brodes und Weines, damit aratres 525 Meß- Andacht an den Festtagen Mariens. sie durch das Geheimniß der Liebe verwandelt werden in das Fleisch und Blut desjenigen, der von Maria Dir im Tempel dargestellt worden, der da ist das Heil vor dem Angesichte aller Völker, das Licht zur Erleuchtung der Heiden und zur Verherrlichung deines Volkes! O Maria, du hochgelobte Jungfrau und gebenedeite Mutter, bitte für mich bei deinem geliebten Sohne, damit Er barmherzig seine holdseligen Augen zu mir wende, mich mit seiner geheimnißreichen Kraft und Allmacht zu sich ziehe, und mir gnädig verleihe die Frucht und Verdienste seiner heiligen Menschheit, darin du Ihn auf deinen jungfräulichen Armen zum Tempel getragen und dem ewigen Vater aufgeopfert hast. Zum Stillgebet. Gedente, o liebreiche Mutter Maria, mit welcher stillen Betrübniß du mit deinem Kinde nach Aegypten geflohen bist, mit welcher Angst und Sorge du Ihn drei Tage lang gesucht, und mit welcher Freude du in dem kleinen Nazareth Ihn hast zunehmen sehen an Gnade und Weisheit vor Gott und den Menschen: und erlange mir durch alle die Liebe, mit welcher du im stillen deinem göttlichen Kinde gedient und dein Leben Ihm geopfert hast, eine inbrünstige Andacht vor seinem heiligen Altare, damit ich der überströmenden Segnungen seiner allerhei 526 Dritter Theil. Die gewöhnl. Andachts- Uebungen. ligsten Gegenwart unter deiner mütterlichen Fürsprache theilhaftig werde. Amen. Zur Fräfation. Wahrhaftig würdig und recht ist es, gebührend und heilsam, daß wir Dir immer und überall Dank sagen, heiliger Herr, allmächtiger Vater, ewiger Gott, und Dich in der Empfängniß( Geburt 2c.*) der seligen, allezeit jungfräulichen Maria lobpreisen, benedeien und verherrlichen, welche deinen Eingebornen durch Ueberschattung des heiligen Geistes empfangen und im unverletzten Glanze ihrer Jungfräulichkeit der Welt als das ewige Licht geboren hat, Jesum Christum, unsren Herrn, durch welchen deine Majestät loben die Engel, anbeten die Herrschaften, die Mächte erzittern, die Himmel und die Kräfte der Himmel und die seligen Seraphim mit vereinigtem Frohlocken feiern. Mit ihnen laß, wir bitten Dich, auch unsre Stimmen zu Dir ge= langen, die wir in demüthigem Bekenntnisse sprechen: Heilig, heilig, heilig ist der Herr Gott Sabaoth; Himmel und Erde sind voll seiner Herrlichkeit! Zum Memento für die Lebenden. Oliebreiche Mutter, du getreueste Gefährtin unsres Herrn und Heilandes Jesu Christi, *) Hier soll das treffende Fest genannt werden. 527 Meß- Andacht an den Festtagen Mariens. wir verehren zugleich mit dem Gedächtnisse deines göttlichen Sohnes das Andenken an deine gnadenreiche Gemeinschaft, in der du an allen seinen Wohlthaten, die Er dem menschlichen Ge= schlechte erwiesen, theilgenommen hast. Auf deine Fürbitte übte Er vor der Welt das erste Zeichen seiner Allmacht, jenes Wunder der Verwandlung, welches ein Vorbild seines letzten und heiligsten Wunders war, dessen Erneuerung hier auf dem Altare begangen wird. Im Vertrauen auf dieſe deine mütterliche Fürsorge für alle Nöthen und Anliegen deiner armen Erdenkinder, bitten wir dich, du wollest auch jetzt bei deinem Sohne unsre gnädige Fürsprecherin sein. Siehe, wir sind arm und voller Gebrechen; stelle uns deinem Sohne vor, damit Er, wie bei seinem Wandel auf Erden, die Hand des Friedens und der Heilung nach uns ausstrecke und uns verleihe, daß wir in Freuden Gott Dank sagen und seinen Namen preisen, Wir empfehlen dir auch, o Königin der Christenheit die ganze heilige Kirche; schmücke sie als die Braut deines göttlichen Sohnes mit den Ehren und Gaben, deren Fülle du von dem hl. Geiſte empfangen hast. Bekehre die Sünder, erleuchte die Irrenden und vernichte die feindlichen Angriffe, du, o Tempel der allerheiligsten Dreifaltigkeit und Spiegel der Wahrheit. Erhöre uns, o Mutter der Gnade, und führe uns entgegen 528 Dritter Theil. Die gewöhnl. Andachts- Uebungen. deinem Sohne, durch welchen du auch eine Mutter aller Erschaffenen geworden biſt. Zur Wandlung. Sei gegrüßt, Du wahrer Leib Jesu Christi, geboren von Maria, der Jungfrau, der Du wahrhaft gelitten haft und für die Menschen geopfert worden bist am Kreuze, Du, derselbe Leib, dessen Seite durchbohrt worden, woraus Blut und Wasser geflossen ist! Sei unsre Speise und Stärkung im Kampfe des Todes, o gütiger, o milder, süßer Jesu! Du Sohn Mariens, erbarme Dich unser! Nach der Wandlung. O Herr Jesu Christe, Gott und Heiland, gegenwärtig hier auf dem Altar, der Du vom Kreuze herab in deinem geliebten Jünger Johannes uns alle deiner liebreichen Mutter empfohlen hast; gedenke der unaussprechlichen Schmerzen, mit welchen diese Mutter bei deinem Kreuze gestanden, und laß ihre Thränen und Seufzer zu Dir um Barmherzigkeit rufen für deine Erlösten, damit wir, durch dein heiliges Blut von allen Sünden gereinigt, deinem himmlischen Vater als Kinder der Gnade mögen vorgestellt und seines Segens gewürdigt werden. Herr Jesu, Du Richter der Lebendigen und der Todten, der Du unter allen Christgläubigen eine heilige Gemeinschaft, nicht allein der 529 Meß- Andacht an den Festtagen Mariens. Gnaden, sondern auch der Fürbitte und des Beistandes angeordnet haft: wir bitten Dich durch dein heiliges Leiden und Sterben und durch die Verdienste und Fürbitte deiner gebenedeiten schmerzhaften Mutter Maria, erbarme Dich der abge= schiedenen Seelen unsrer Eltern, Verwandten und Freunde( besonders N.) und aller Chriftgläubigen: erlöse sie gnädig aus der Strafe des Fegfeuers, von aller Pein und Qual und nimm sie auf in die Wohnungen des ewigen Friedens. Zum Pater nofter. Vater unser 2c. Gegrüßet seist 2c. Zur Communion. Siehe, das ist der Leib des Herrn, welcher im Grabe gelegen und glorwürdig wieder auferstanden ist von den Todten! Mache dich auf, meine Seele, und eile Ihm entgegen, wie Maria, da sie Ihn wiedersah nach den Tagen der Trauer! Komm, o Jeju, umfange meine Seele und sprich zu ihr den Gruß deines Friedens! Birg mich in deine Wunden und laß mich in Ewigkeit nicht mehr von Dir getrennt werden! O du selige Mutter, allerreinste Jungfrau, nimm hin mein Herz und vereinige es mit deinem geliebten Sohne, damit ich durch unzertrennbare Bande mit Ihm verbunden bleibe im Leben und Sterben. Herrlicht. Mar. 34 530 Dritter Theil. Die gewöhnl. Andachts- Uebungen. Nach der Communion. Oliebliche und gütige Mutter, die du nach der Himmelfahrt deines Sohnes mit deinem Herzen nur noch im Himmel wohntest und dein Verlangen, womit du bis in den Tod nach seiner ewigen Ver= einigung dich sehntest, liebreich aufgeopfert haſt für deine armen Kinder in dem Thale der Zähren: ich bitte dich, erhalte mich unter deinem mütterlichen Schuße, und erwirb mir die Gnade eines immerwährenden Verlangens nach dem himmlischen Vaterlande, damit ich auf dem Wege deiner Tugenden fortschreite und durch einen seligen Tod zu dir aufgenommen werde in die ewigen Freuden. Zum Segen. Siehe, o glorreiche Königin, allerseligste Mutter Maria, vom Himmel herab auf deine Kinder! Erhoben über alle Engel, und gepriesen von allen Heiligen, stehst du ganz nahe bei dem königlichen Throne deines göttlichen Sohnes, der dich ewig liebt und ehrt als seine Mutter, und dir nichts berjagt, um was du hn bittest. Siehe, in dir wohnt Macht und Reichthum, Stärke und Weis heit und die Fülle aller Gaben und Gnaden. Zeige, daß du unsere Mutter bist, und breite aus über uns den Mantel deiner Liebe, damit wir unter deinem Namen durch die Verdienste deines Sohnes den Segen des dreieinigen Gottes empfangen. Meß- Andacht an den Festtagen Mariens. 531 In Kraft dieses Segens will ich heute und immerdar als dein Kind wandeln. Verlasse mich nicht, sondern bewahre, und führe du mich als dein Gut und dein Eigenthum! O gütige, o milde, o süße Jungfrau Maria! Amen. Gebete, welche auf Anordnung Sr. Heiligkeit Leo XIII. in allen Kirchen des katholischen Erdkreises am Schlusse jeder stillen Messe knieend verrichtet werden sollen. ( Ablaß von 300 Tagen.) Drei Ave Maria 2c., dann einmal: Sei gegrüßt 2c.( siehe Seite 578.) Lasset uns beten! Gott, unsere Zuflucht und Stärke, schaue gnädig herab auf dein Volk, das zu Dir fleht, und durch die Fürbitte der glorreichen und unbefleckten Jungfrau und Gottesmutter Maria, des heiligen Joseph, ihres Gemahls, der heiligen Apostel Petrus und Paulus und aller Heiligen erhöre in deiner Milde und Barmherzigkeit unsere Gebete für die Bekehrung der Sünder und für die Freiheit und die Erhöhung unserer Mutter, der heiligen Kirche! Durch Christum, deinen Sohn, unsern Herrn. Amen. Heiliger Erzengel Michael, beschirme uns im Kampfe, beschütze uns gegen die Bosheit und die Nachstellungen des bösen Feindes! Ihm möge Gott gebieten, so flehen wir inständig. Du aber, Fürst der himmlischen Heerschaaren, wollest den Satan und alle andern bösen Geister, welche zum Verderben der Seelen in der Welt umhergehen, mit Gottes Kraft in die Hölle hinabstoßen. Amen. exer 532 Dritter Theil. Die gewöhnl. Andachts- Uebungen. Zweife Dek- Andacht. 3u Ehren der Schmerzhaften Mutter Bottes. ( Besonders während der heiligen Sastenzeit und in Tagen des Leidens zu beten.) Vorbereitungsgebet. liebenswürdigster Heiland! Du haft für mich so vieles gelitten, für mich das allerheiligste Sacrament des Altars eingesetzt und am Ende wolltest Du noch eines so schmerzlichen und schmachvollen Todes sterben, um mich von dem ewigen Tode zu erlösen. Gib mir die Gnade, daß ich jetzt deine Liebe recht innig erwäge- jetzt, da jenes Opfer unblutiger Weise erneuert wird, welches Du blutiger Weise auf dem Calvarienberge dargebracht hast. Bei dieser heiligen Handlung will ich auch ganz besonders derjenigen mich erinnern, die als deine jungfräuliche Mutter zugleich die Mutter der Schmerzen gewesen ist. Mit Dir und mit Maria will ich nun mich selbst Gott dem Vater zum Opfer darbringen; siehe, ich bin zu allem bereit, was Er nach seinen Rathschlüssen über mich will kommen lassen. O daß ich doch durch deine Verdienste, o Jesu, und durch die Verdienste deiner heiligsten und immer unbefleckten Mutter die Gnade der heiligen Ergebung in den Willen des Meß- Andacht zu Ehren der schmerzhf. Mutter Gottes. 533 Vaters erlangen möchte, auf daß auch meine Leidenszeit eine Zeit reichlicher Verdienste für mich werde! Jesus und Maria, fommet mir jetzt zu Hilfe, damit mein Gebet wie ein wohlriechender Weihrauch emporsteige, und die Gnade . des Vaters auf mich Schwachen herabsteige! Gebet bis zum Offertorium. Maria, meine geliebteste Mutter! Du hast wohl unbeschreiblich große Freude empfunden, als du bei der Verkündigung der Menschwerdung durch den Engel deine Einwilligung in deine Würde gabst. Und wie magst du von ganzem Herzen frohlockt und den Allerhöchsten geprieſen haben, als die himmlischen Heerschaaren bei der Geburt Jesu den Lobgesang anstimmten: Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erde den Menschen, die eines guten Willens sind!" 11 Doch bald sind deine Freuden in unsägliche Schmerzen verwandelt worden. Bald ist an dir jene Weissagung erfüllt worden, die der fromme Greis Simeon aussprach:„ Ein Schwert wird deine eigene Seele durchdringen." Ja, dieses Schwert hat dich durchdrungen, als du mit dem neugebornen Kindlein eine so lange und beschwer=" liche Reise nach Aegypten machen und vor der Wuth des grausamen Herodes fliehen mußtest. Dieses Schwert hat dich durchdrungen, als du Jesum drei Tage lang verloren und nach Ihm mit mütterlicher Sehnsucht und Angst geseufzt hast. 534 Dritter Theil. Die gewöhnl. Andachts- Uebungen. Durch diese deine Leiden erwirb mir die Gnade, daß ich immerdar und besonders zur Zeit der Versuchung und der Trübsal auf Jesum Christum, als den allmächtigen Gottmenschen und meinen liebevollsten Erlöser in gläubigem Vertrauen hinschaue und durch diesen Hinblick zur Ausdauer in allen Kämpfen und Leiden gestärkt werde. O Maria, durch meine Sünden habe ich deinen Sohn so vielmal verloren. Dies war meine Schuld, meine eigene Schuld, meine größte Schuld. Als der beste Vater sucht Er nun den verlornen Sohn. O daß doch die Trübsal, die jetzt über mich gekommen ist, mir dazu dienen möchte, daß ich aufstehe und zu dem Vater zurückkehre! Auf deine Fürbitte und Vermittelung nimmt Er mich gnädig auf, denn du bist ja die Zuflucht der Sünder; durch dich haben wir wieder Zu= tritt zu demjenigen, der uns durch dich ist ge= geben worden zu Jesus Christus, der da ist hochgelobt in Ewigkeit! Zum Offertorium. Heiliger Vater, allmächtiger, ewiger Gott! Sieh jetzt mit Wohlgefallen auf das Opfer, welches Dir der Priester darbringt. Wie einst Melchisedech Dir Brod und Wein opferte, so geschieht dasselbe jetzt am Altare. Laß Dir diese reine Gabe, welche bald in den heiligsten Leib und arent Meß- Andacht zu Ehren der schmerzhf. Murter Gottes. 535 das kostbarste Blut Jesu deines vielgeliebten Sohnes soll verwandelt werden, genehm sein als ein Opfer der Anbetung, des Dankes und der Versöhnung. Möge aber diese heilige Messe durch die Verdienste Jesu und seiner schmerzhaf ten Mutter ganz besonders ein wirksames Bittopfer sein, damit ich in meiner gegenwärtigen schweren Drangsal deine Hilfe erfahre. " 1 Du hast es ja selbst in den heiligen Schriften gesagt: Rufe Mich an am Tage der Trübsal, so werde Ich dich erretten, und du wirst Mich preisen." Voll Vertrauen auf diese deine Verheißung nehme ich denn meine Zuflucht zu deiner übergroßen Barmherzigkeit. Du allein, Allwijsender, fennst mein Elend und die Angst meines Herzens; und Du allein auch fannst mich aus derselben erretten. Ich lege daher durch die Hände der allerfeligsten Jungfrau alle meine Leiden, meine Sorgen und Anliegen auf den heiligen Altar nieder und bitte Dich, Du wollest mich Schwachen stärken, mich Niedergebeugten aufrichten und mich Trostlosen mit himmlischem Troste erfüllen. Durch die Schmerzen Mariä lindere meine Schmerzen, durch ihre Geduld und Standhaftigkeit im Leiden mache mich zu einem treuen Nachahmer ihrer schönen Tugenden. Wenn Du auch den Leidensfelch nicht von mir nehmen willst, so gib doch, daß er mir ein Kelch des ewigen Heiles werde. - 536 Dritter Theil. Die gewöhnl. Andachts- Uebungen. Du, o trauernde Mutter Jesu, du hast auf dem Calvarienberge( wie dein eifriger Diener, der hl. Bonaventura sagt,) an unsrem Heile mitgewirkt und hast dich da mit deinem göttlichen Sohne dem himmlischen Vater ganz aufgeopfert. Ich danke dir für die großen Leiden, die du beim Tode Jesu für unser Heil freiwillig haft erdulden wollen. Höre doch auch jetzt noch, was Er damals vom Kreuze herab dir zurief:„ Siehe, dein Sohn!" So hat Er mich dir und deiner mütterlichen Sorge anempfohlen. Nimm dich also meiner an und bewirke durch deine gütige Fürsprache, daß ich jetzt vor Gott ein genehmes Opfer werde. Bitte, daß ich einzig in Erfüllung des göttlichen Willens meine Freude finde und durch die zeitlichen Leiden zur ewigen Herrlichkeit im Himmel gelange. Dom Sanctus bis zum Pater noſter. O Gott der Erbarmungen! In Vereinigung mit allen deinen Heiligen und Auserwählten bete ich jetzt deine erhabene Majestät an. Mit dem ganzen himmlischen Hofe bekenne ich, daß Du allein der dreimal heilige, ewige, unendlich große Gott bist. Ich bin dein armes, elendes Geschöpf, das Werk deiner Hände, ein mit Sünden belasteter Mensch. Wie dürfte ich wohl meine Augen und Hände zu Dir erheben, wenn nicht Jesus Christus mein Mittler wäre? Meß- Andacht zu Ehren der schmerzhf. Mutter Gottes. 537 Jetzt wird das große Opfer erneuert, welches Er am Kreuze vollbracht hat. Siehe also, himm= lischer Vater, sich gnädig auf deinen göttlichen Sohn, und aus Liebe zu Jhm erzeige uns deine Barmherzigkeit. Mit dem Priester und mit der ganzen heiligen fatholischen Kirche bringe ich Dir dieses heilige und unbefleckte Opfer dar, und bitte für das Heil aller meiner Mitmenschen, so wie für meine eigene, zeitliche und ewige Wohlfahrt. Erhöre auch die Gebete und Seufzer, welche Maria, die schmerzhafte Mutter bei dem Kreuze Jesu für unsere Errettung zu Dir schickte und um so- mehr, da sie ja niemals aufhört, dort oben bei deinem Throne für uns zu bitt O Jesu, auf dem Altare wahrhaft gegenwärtiger Gott und Heiland! Ich glaube an Dich, Du wahrer Sohn Gottes und zugleich der Sohn der reinsten Jungfrau Maria! Könnte ich jetzt Dich so anbeten, wie deine Mutter es gethan hat, als sie das erstemal in der Krippe Dich erblickte, und damals, als sie neben deinem Kreuze stand und Dich leiden und sterben jah! Erbarme Dich meiner, mein Gott und mein Erlöser! Durch dein kostbares Blut reinige meine Seele von allen ihren Sünden und stärke mich in allem Guten. Ich bin ja auch ein Sohn Mariens; ich liebe Auf ihre und verehre sie als meine Mutter. Fürbitte komm mir zu Hilfe in der Zeit der Trübsal und gib nicht zu, daß ich unter der Last meines Kreuzes erliege. 1 538 Dritter Theil. Die gewöhnl. Andachts- Uebungen. O Jesu, wie ich Dir leben und sterben will, so will ich auch Dir zu Gefallen und in deinem Namen leiden! Du bist das Lamm Gottes, welches hinwegnimmt die Sünden der Welt! Nimm auch meine Sünden hinweg und stärke mich, damit ich nach deinem heiligen Beispiele mit Muth und heiterer Seelenruhe die Lasten dieses mühvollen Lebens trage. O von Dir laß mich Ge= duld und Unterwürfigkeit erlernen! Dieselben Tugenden sehe ich auch an Maria, der Mutter des Herrn. Sie steht neben dem Kreuze Jesu, und in seinen Schmerzen, bei seiner Verlassenheit vom Vater, kann sie Ihm keine Hilfe leisten! O nein, ich darf meine Leiden mit den Schmerzen und dem Verluste der auserwähltesten unter allen Müttern nicht vergleichen! Bitte aber, o Maria, für mich, jetzt, da dein göttlicher Sohn auf dem Altare wieder das Opfer für unsre Sünden ist,- jetzt, da Er uns alle einladet, zu Ihm zu kommen und bei Ihm Erquidung zu suchen- jetzt erwirke mir die Gnade eines lebendigen Glaubens, damit der Gedanke an Gottes Liebe und seine weiseste Fügung mich im Leiden standhaft mache. O wenn du für mich eine einzige Bitte einlegst, so wird dieselbe für mich segensreich sein, und ich werde mit großen Gnaden bereichert werden! Meß- Andacht zu Ehren der schmerzhf. Mutter Gottes. 539 Dom Pater nofter bis ans Ende. O süßester Jesu, wie darf ich es wagen, auch nur geistlicher Weise Dich in mein Herz aufzunehmen? Ach, meine Sünden schrecken mich zurück, aber deine Güte und Barmherzigkeit ladet mich ein. O so hoffe ich denn, Du werdest mich Unwürdigen durch den geistigen Empfang dieser himmlischen Speise zum ewigen Leben ernähren. Wenn einst die bloße Berührung des Saumes von deinem Kleide die körperlichen Krankheiten heilte, was wird nicht die Berührung deines heiligen Leibes vermögen, geschehe sie auch nur in einem sehnsüchtigen Verlangen! Laß mich also, o Jesu, im Geiste mit deinem Fleische gespeist und mit deinem Blute ge= tränkt werden. Sei mir jetzt ein barmherziger Samariter und gieße den stärkenden Wein deiner Gnade und das heilende Del deiner allerbarmenden Liebe in mein verwundetes Herz. Habe ich jetzt in theilnehmender Andacht deines Todes und der Leiden deiner Mutter ge= dacht, o so gib, daß diese Erinnerung mir zur Stärkung in meinen Trübsalen gereiche! Durch die Hände des Priesters steige dein Segen auf mich herab, damit ich bei allen meinen Arbeiten und Leiden, im Leben und im Sterben nichts anders thue, als was der heiligste Wille Gottes von mir verlangt. 540 Dritter Theil. Die gewöhnl. Andachts- Uebungen. Heilige Jungfrau Maria! Beim Schlusse des heiligen Mesopfers gedenke ich noch des bittern Schmerzes, den du empfunden hast, als der entseelte Leichnam Jesu auf deinem Schooße lag. Ach, dieser Anblick muß für dich herzzerreißend gewesen sein! Du konntest da wahrhaftig ausrufen: Ihr alle, die ihr vorübergehet, sehet, ob ein Schmerz sei wie der meine!" O Maria, vereinige jetzt dein Leiden, deine Seufzer und Thränen mit meinem Gebete, und bringe du selbst meine Noth und mein Anliegen vor deinen göttlichen Sohn, der sich nun zu unsrer Versöhnung aufgeopfert hat. Bitte für mich, daß ich nie unwürdig das heiligste Altars- Sacrament in mein Herz aufnehme. Und wenn einmal meine letzte Stunde herannahet, dann möchte ich, mit Jesus Christus im heiligsten Sacramente gestärkt, unter deinem Schuße zum ewigen Leben eingehen. O schmerzhafte Mutter, bleibe mir allzeit eine gütige Mutter und eine Trösterin in allen meinen Betrübnissen. Auf dich habe ich alle meine Hoffnung gesetzt; von dir erwarte ich alle Gnaden, alles Gute und endlich die ewige Se= ligkeit. In dein mit so bittern Schmerzen er= fülltes Herz lege ich daher meine Seele und meinen Leib, mein Kreuz und alle meine Bedrängnisse, mein Leben und das Ende meines Lebens. Maria, voll der Gnade, sei gegrüßt- jetzt und immer. Amen. 4924 X 541 Meß- Andacht für die Verstorbenen. Drikke Dek- Andacht. Meß- Andadit für die Verstorbenen. ( Seelen- oder Todten- Messe.) Vom Anfange der heiligen Messe bis zur Epistel. Vor deiner unendlichen Majestät, o ewiger Vater, kniee ich hier und wohne diesem heiligen Meßopfer bei, insbesondere in der Absicht, durch dasselbe Dich für die Seelen anzuflehen, die im Reinigungsorte für ihre Sünden noch Strafen leiden, während sie von Liebesehnsucht nach deiner Anschauung erglühen. Heiliger Gott, unendlich heiliger Gott, erbarme Dich ihrer! Ewiger Vater, sie sind durch die heiligmachende Gnade, mit der Du sie hienieden durch die Verdienste deines Sohnes Jesus Christus ge= schmückt hast, deine Kinder; erbarme Dich ihrer! Ewiger Vater, wir flehen zu Dir durch deinen Sohn, unsern Erlöser; erbarme Dich ihrer! Sohn des ewigen Vaters, erbarme Dich ihrer! Sie sind Glieder deiner Kirche, die dein geistiger Leib ist; Du bist das Haupt dieser Glieder; erbarme Dich ihrer! Wir flehen zu Dir durch deine heiligsten Leiden, durch deinen heiligsten Tod; wir flehen zu Dir für sie durch das unblutige Opfer, das Du selbst hier auf dem Altare nun bald sein wirst. 542 Dritter Theil. Die gewöhnl. Andachts- Uebungen. Heiliger Geist, Du hast die Seelen, die jenseits im Reinigungsorte sind, hienieden geheiligt und die Liebe in sie ausgegossen; erbarme Dich ihrer! Sie sind deine Tempel; führe sie ein in die Anschauung der ewigen unendlichen Schönheit und Heiligkeit, die Du bist mit dem Vater und mit dem Sohn. Wir bitten Dich darum durch dies heilige Meßopfer! Bur Epistel. Der heilige Apostel und Evangelist Johannes hörte auf der Insel Patmos eine Stimme aus dem Himmel, welche zu ihm sprach: ,, Selig sind die Todten, welche in dem Herrn sterben."- Und Johannes setzte diesen Worten bei:„ Ja, spricht der Geist, damit sie von ihren Werken ausruhen; denn ihre Werke folgen ihnen nach." Oheiliger Geist, laß die Seelen, die in Dir und im Vater und im Sohne von dieser Welt abgeschieden sind, aber für ihre Sünden noch leiden müssen, eingehen in die ewige, unaussprechliche Seligkeit! Dies ira. Tag des Zornes, Tag der Zähren, Wirst die Welt in Asche kehren, Wie die Seher uns belehren. Welch Entsetzen, welches Beben, Wenn, zu richten alles Leben, Sich der Richter wird erheben! Meß- Andacht für die Verstorbenen. Die Posaun' mit Wundertone Sprengt die Gräber jeder Zone, Zwingt dann alle zu dem Throne. Staunend sehen Tod und Leben Die Geschöpfe fich erheben, Rechenschaft dem Herrn zu geben. Und ein Buch wird aufgeschlagen, Dort ist alles eingetragen, Welt, daraus dich z: verklagen. Sitzt der Richter dann und richtet, Wird, was dunkel ist, gelichtet, Keine Schuld bleibt ungeschlichtet. Ach, was werd' ich Armer sagen, Wo mir Schutz und Rath erfragen, Da Gerechte selber zagen? König, furchtbar, hoch erhaben, Frei sind deiner Gnade Gaben; Boll', o Gnadenquell, mich laben! Denke, Jesu, der Beschwerden, Die Du trugst um mich auf Erden; Laß mich nicht verloren werden! Bist, mich suchend, müd' gegangen, Mir zum Heil am Kreuz gehangen, Laß dein Leiden Frucht erlangen! Richter Du, gerecht in Rache, Uebe Gnad' in meiner Sache, Eh' ich zum Gericht erwache! Seufzend fühl' ich mein Vergehen, Schamroth muß ich vor Dir stehen, Doch erhöre, Gott, mein Flehen! Du, der lossprach einst Marien Und dem Schächer selbst verziehen, Haft auch Hoffnung mir verliehen. Unwerth ist zwar mein Begehren, Doch aus Güte kannst Du wehren, Daß nicht Flammer mich verzehren. 543 544 Dritter Theil. Die gewöhnl. Andachts- Uebungen. Bei den Schafen, den gerechten, Laß mich steh'n, nicht bei den Schlechten, Stelle mich zu deiner Rechten! Geh'n Verfluchte ins Verderben, Ew'gen Flammentod zu sterben, Ruf' mich mit des Segens Erben! Mit zerknirschtem Herzen wende Ich im Staub zu Dir die Hände: Schenke mir ein selig Ende! Thränentag, o Tag der Wehen, Wann vom Staube auferstehen Sünder, vor Gericht zu gehen! Milder Jesu, laß hienieden Uns Erbarmen sein beschieden Und den Todten ew'gen Frieden! Amen. Bum Evangelium. 11 Wahrlich, wahrlich, sage Ich euch, wer mein Wort hört und Dem glaubt, der mich gesandt hat, der hat das ewige Leben und kommt nicht ins Gericht, sondern ist vom Tode zum Leben übergegangen!" " Wahrlich, wahrlich, sage Ich euch, es kommt die Stunde, und sie ist schon da, daß die Todten die Stimme des Sohnes Gottes hören werden, und die sie hören, werden leben! Denn gleichwie der Vater das Leben in sich selbst hat, so hat Er auch dem Sohne gegeben, das Leben in sich selbst zu haben; und Er hat Ihm Macht gegeben, auch Gericht zu halten, weil Er der Menschensohn ist.“ Es kommt die Stunde, in der alle, welche 545 Meß- Andacht für die Verstorbenen. in den Gräbern sind, die Stimme des Sohnes Gottes hören werden. Und es werden hervor= gehen, die Gutes gethan haben, zur Auferstehung des Lebens; die aber Böses gethan haben, zur Auferstehung des Gerichtes." Lob sei Dir, Christus! Bei der Opferung des Brodes und des Weines. Herr Jesu Christe, König der Herrlichkeit, errette die Seelen aller abgestorbenen Christgläubigen aus den Strafen des Fegfeuers; befreie alle Seelen vom Rachen des Löwen, auf daß sie die Hölle nicht verschlinge, und daß sie nicht versinken in Finsterniß; dein Heerführer aber, der hl. Michael, möge sie zum ewigen Lichte führen, welches Du ehemals dem Abraham versprochen haft und seinen Nachkommen. Opfer und Gebete bringen wir, o Herr, dar zu deinem Lobe; nimm sie auf für jene Seelen, deren Gedächtniß wir heute begehen; lasse sie o Herr, von dem Tode zum Leben übergehen! Herr, gib ihnen die ewige Ruhe, und das ewige Licht leuchte ihnen! Erlöser aller christlichen Seelen, sende deinen heiligen Erzengel Michael, daß er sie hinausführe aus den Orten der Finsterniß und sie hingeleite in den Schooß Abraham's, in das ewige Licht. Herrlicht. Mar. 35 546 Dritter Theil. Die gewöhnl. Andachts- Uebungen. Siehe uns hier im Geiste der Demuth und mit zerknirschtem Herzen, nimm uns auf, o Herr, damit unser Opfer Dir wohlgefalle, o Herr, unser Gott! Von der Präfation bis zur Wandlung. So blicke denn, barmherziger Vater in der Fülle deiner Erbarmung auf dieses göttliche Versöhnungsopfer nieder, und um dessen unendlichen Werthes willen sende deinen Engel, damit er den leidenden Seelen den Kerker der Finsterniß öffne, die Bande ihrer Gefangenschaft löse und sie führe hinauf in die Wohnungen des Lichtes und des Friedens, damit sie mit allen Chören der seligen Geister im Jubel der Seligkeit den Feiergesang anstimmen und durch die ganze Ewigkeit singen: Heilig, heilig, heilig, ist Gott der Herr der Heerschaaren! Himmel und Erde sind erfüllt mit seiner Glorie und Herrlichkeit! Hosanna in der Höhe! Bei der Wandlung. Jesu, der Du nun zugegen bist unter Brodesgestalt mit deiner Gottheit und Menschheit; ich bete Dich an und bitte Dich für die Seelen im Fegfeuer, denen Du der Gegenstand des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe biſt. Jesu, der Du nun zugegen bist unter Weinsgestalt mit deiner Gottheit und Menschheit: ich bete Dich an. Erbarme Dich der leidenden Meß- Andacht für die Verstorbenen. 547 Seelen im Fegfeuer, für die Du ja dein hochheiliges Blut vergossen hast! Nach der Wandlung. Jesu, unblutiges Opfer der Anbetung, Dich opfere ich auf deinem himmlischen Vater für die leidenden Seelen im Fegfeuer. Laß, gütigster Vater, dieses Opfer von unendlichem Werthe Dir Ersatz sein für alle Versäumnisse und Fehler, deren jene sich auf Erden bei Anbetung deiner Majestät schuldig gemacht haben. O Jesu, unblutiges Dankopfer, Dich opfere ich deinem ewigen Vater auf für die Seelen im Fegfeuer zum Ersage für den Dank, den sie deinem ewigen Vater, Dir und dem heiligen Geiste für die übernatürlichen Gnaden und für die natürlichen Gaben abzustatten versäumten. Dich, o Jesu, das unblutige Opfer der Genugthuung, opfere ich deinem ewigen Vater für die Seelen im Fegfeuer auf zur Genugthuung für alle ihre Sünden, für die sie auf Erden nicht genügende Buße gethan haben. Ich bitte Dich, o Jesu, das unblutige Opfer auf dem Altare hier, sage zu deinem himmlischen Vater die Worte, die Du einst auf Erden gesprochen hast: Vater, Ich will, daß diejenigen, welche Du Mir gegeben hast, seien, wo Ich bin, auf daß sie meine Herrlichkeit sehen, welche Du Mir, weil Du Mich geliebt hast, schon vor Anbeginn der Welt gegeben haſt." 548 Dritter Theil. Die gewöhnl. Andachts- Uebungen. Bei der Communion. O könnte ich jeszt Dich, geliebtester Jesu, empfangen im heiligsten Sacramente, wie Dich der Priester empfängt!- Die wirkliche Communion des Priesters und diese meine geistige Communion opfere ich Dir, o Jesu, für die Seelen im Fegfeuer auf, insbesondere zum Ersatz für alle Nachlässigkeit und für alle Lauigkeit, deren sich dieselben beim Empfange des heiligen AltarsSacramentes mögen schuldig gemacht haben. Gebet nach der Communion. Laß, o Herr, die Fürbitte deiner Kinder den Seelen aller abgestorbenen Gläubigen zur Erquickung und Erlösung gereichen, befreie diese auf unser flehentliches Gebet von allen ihren Sünden, und laß sie alle theilhaben an dem Versöhnungs- Opfer unsres Herrn Jesus Christus. A. Schlußgebet. Wie freuen sich die Seelen im Fegfeuer schon jetzt, daß sie auf Erden an Dich, o Jesu, der Du bist das Licht vom Lichte, der wahre Gott vom wahren Gott, geglaubt haben! Wie freuen sie sich, daß sie unfehlbar Dich, das Licht des Himmels und der Erde, ewig schauen werden! Ach, vollende ihre Freude bald in deiner seligen Anschauung. Herr, gib ihnen die ewige Ruhe, zc. Beicht- Andacht. 549 Beicht- Andacht. Bor der heiligen Beicht. Vorbereitungsgebet. err, mein Gott! Im Staube sinke ich nieder vor dem Angesichte deiner göttlichen Majestät und erkenne in tiefer Beschämung meinen Undank gegen deine zahllosen Wohlthaten. Mit zerknirschtem Herzen rufe ich auf zu Dir, o Gott, verschmähe das Werk deiner Hände nicht, das, obgleich es deinen gerechten Zorn verdiente, dennoch das Werk deiner Hände bleibt und von Dir, dem erzürnten Gott flüchtet zu Dir, dem barmherzigen Gott, der Du geschworen hast, Du wollest den Tod des Sünders nicht, sondern daß er sich bekehre und lebe! O wunderbare Barmherzigkeit meines Gottes! Fürwahr, Du bist über alle seine Werke erhöht! Du selbst, o unendliche Majestät, die ich durch so großen Undank und durch Sünden be= leidigte, die ein Gräuel sind vor den Augen deiner allerhöchsten Reinheit, rufft mich und drängst mein undankbares und verwundetes Herz, zu Dir zu kommen, damit ich mit Dir mich versöhne und den Kuß des Friedens von Dir empfange! O Quell ewiger Erbarmungen, sende das Licht deines heiligen Geistes aus und erleuchte alle Tiefen dieser sündigen Seele, damit ich meine mm 550 Dritter Theil. Die gewöhnl. Andachts- Uebungen. vielfache Untreue gegen Dich, meinen liebevollen Herrn, erkenne, schmerzlich bereue und in dem Versöhnungsquell der Buße, den dein barmherziger Sohn in seinem Blute mir bereitet hat, reinige, auf daß ich das Brod des ewigen Lebens mit reinem Gewissen empfange, und wenn, nach deinem göttlichen Rathschlusse, diese Beicht die letzte meines Lebens sein sollte, ich in deinem heiligen Frieden aus diesem Leben scheide. Amen. ( Jetzt erforsche dein Gewissen.) Keue und Leib nebst Dorſatz. Vater der Barmherzigkeit, was soll ich Dir sagen? Verstummen muß ich Sünder bei dem Anblicke meiner Vergehungen, durch welche ich Dich, troß der ernstlichsten Verheißungen, die ich Dir, meinem Gott und Herrn, gegeben hatte, wiederum beleidigt habe. Ach, Herr, erbarme Dich deines armen Geschöpfes, und gib mir Zerfnirschung und tiefe Reue über meine Sünden! Gib meinen Augen Thränen, damit ich meine Untreue gegen Dich beweine. Siehe, es schmerzt mich von Herzen, daß ich Dich, o ewige Vollkommenheit, beleidigt, das Blut deines eingebornen Sohnes verunehrt, meine Seele befleckt und deinen heiligen Geist in mir betrübt habe. Ich bekenne meine große Schuld vor deiner göttlichen Majestät und bin bereit, mich vor deinem Priester in Demuth und Unterwürfigkeit anzuklagen, und alles zu thun, was Beicht- Andacht. 551 deine göttliche Gerechtigkeit fordert, um die väterliche Liebe deines Herzens wieder zu gewinnen. Auch opfere ich deiner göttlichen Majestät auf zur Genugthuung für meine vielfältigen bewußten und unbewußten Sünden und zum Ersah für meine sehr mangelhafte und unvollkommene Reue die Seufzer, Thränen und das Blut deines göttlichen Sohnes, meines Herrn Jesu, das Er in seinem bittern Leiden und Tode für meine Sünden am Kreuze vergossen hat. O ewiger Vater, erbarme Dich um Jesu Christi willen, und sei mir undankbaren Sünder gnädig! Siehe auf mich herab, o Herr, in deiner Erbarmung, und segne den abermaligen und festen Vorsatz, den ich in deiner allerheiligsten Gegenwart fasse, deine göttliche Liebe nie mehr durch irgend eine Sünde zu beleidigen, sondern alles sorgfältig und ernstlich zu meiden, was immer den Augen deiner allerhöchsten Reinheit mißfallen kann. O mein himmlischer Vater, laß nicht zu, daß ich je wieder durch eine Sünde von Dir getrennt werde; verhänge lieber alle Drangjale über mich, und nimm mich eher hinweg aus diesem sündigen Leben, wenn deine Allwissenheit voraussieht, daß ich die edelste deiner Gaben, meinen freien Willen, je mißbrauchen sollte, Dich meinen Vater, meinen Schöpfer und allerhöchsten Herrn zu beleidigen. 552 Dritter Theil. Die gewöhnl. Andachts- Uebungen. Kurze Anmuthungen vor der Beicht. Dir allein habe ich gesündigt, o Gott, und vor Dir habe ich Böses gethan. Ich habe ge= fündigt gegen den Himmel und wider Dich, o himmlischer Vater; ich bin nicht mehr werth, dein Kind zu heißen. Dennoch bitte ich durch das kostbare Blut Jesu Christi, sei mir Sünder gnädig und barmherzig! Mein Herr und mein Gott! Es schmerzt und reut mich von ganzem Herzen, daß ich Dich jemals beleidigt habe. Lieber will ich sterben, als Dich noch einmal durch eine Sünde freiwillig beleidigen. Keine Sünde mehr, o Gott, feine Sünde mehr! gib mir deine Gnade dazu! Liebreichster Jesu, der Du die große Sünderin Magdalena nicht verstoßen; der Du den Petrus, welcher Dich verleugnete, wieder mit gnädigen Augen angesehen; der Du den mit Dir gekreuzigten Mörder zu Gnaden aufgenommen hast, verstoße auch mich nicht! Siehe auch mich wieder mit gnädigen Augen an; nimm auch mich wieder in deine Gnade auf; sei mir ein Jesus, Erlöser, Seligmacher- und reinige mich von meinen Sünden; verdamme mich nicht, mache mich selig, damit ich Dich ewig anbeten, loben und preisen fann! Amen. - Beicht- Andacht. Nach der heiligen Beicht. Danksagungsgebet. Anbetung, Preis und Dank sei Dir, o Gott der Güte und der Barmherzigkeit! Du hast meine Reue nicht verschmäht, sondern mich mit Vaterliebe wieder aufgenommen und durch das heilige Sacrament der Buße mir alle meine Sünden vergeben. Zerrissen sind die Bande meiner Sünden, die mich an das ewige Verderben fesselten; ich bin der Freiheit deiner Kinder zurückgeſtellt, und mit deinem Himmelsfrieden beseligt; meine Sünden sind mir vergeben! Preise, o meine begnadigte Seele, preise den Herrn und alles, was in mir ist, lobe seinen Hl. Namen! Wie unverdient ist die Gnade, die ich von Dir, o Allgütiger, empfangen! Wie liebreich haft Du in meinen Verirrungen mir nachgesehen, wie väterlich mich zur Rückkehr und Besserung eingeladen! Und nun, nachdem ich, wie der verlorne Sohn, reumüthig und aufrichtig meine Sünden vor Dir und vor deinem Stellvertreter bekannt habe, wie schnell, wie huldvoll hast Du Dich erbarmt, und meine Sündenlast von mir genommen! Gott, Du bist die Liebe, und Erbarmen und Beseligen ist deine Freude! Nicht den Tod des Sünders willst Du, sondern seine Bekehrung, damit er leben möge ewiglich!- O Du ewige, Du unaussprechliche Liebe! Durchdringe meine Seele und entflamme mein Herz, - 553 - - 554 Dritter Theil. Die gewöhnl. Andachts- Uebungen. damit ich Dich wiederum liebe und aus Liebe zu Dir in Zukunft die Sünde und alles Böse meide, hasse und verabscheue. www Ja von diesem Augenblicke an, o mein Erbarmer, will ich Dich ewig lieben, und, so gut es mir möglich ist, durch meinen Eifer, durch wahre Rechtschaffenheit, durch findlichen Gehorsam, durch fromme Ergebenheit in deinen heiligen Vaterwillen, durch sorgfältige Wachsamkeit über mich und meine Sinne, und durch treue Erfüllung aller meiner Pflichten das ersetzen, was ich in meiner bisherigen unglücklichen Verblen= dung und großen Nachlässigkeit versäumte. -- Du siehst in mein Herz; Du weißt alle Dinge, o Herr! Du weißt auch, daß ich Dich liebe, daß ich aufrichtig nach Besserung und Heiligung meines Lebens ringe: o so komme denn meiner Schwachheit zu Hilfe; unterſtüße mich im Kampfe gegen die Sünde; rüste mich aus, damit ich Gewalt brauche, das Himmelreich an mich zu reißen; erhebe meine Seele, damit ich das suche und nach dem trachte, was oben ist! Gib mir, o Du unerschöpfliche Quelle aller guten Gaben, gib mir Beharrlichkeit im Guten, damit ich in treuer Liebe Dir ewig dienen möge. Du aber, o seligste Jungfrau Maria, wolleft dich meiner nun wieder aufs neue mit müt= terlicher Milde annehmen. Bitte, o bitte für mich! Communion- Andacht 555 Communion- Andacht. Bor der heiligen Communion. Glaube und Anbetung. üßester Jesu, komm der Seele deines Dieners mit den milden Segnungen deiner Gnade zuvor, damit ich deinem hocherhabenen und glorreichen Sacramente mich würdig nahe! Erleuchte mein Inneres mit deinem göttlichen Lichte, damit ich Dich, meinen Gott und Herrn, in der Brodsgestalt wahrhaft erkenne; und scheuche den schweren Schlummer der Trägheit von mir, da= mit ich mit allen Kräften meiner Seele Dich umfange und deine Lieblichkeit koste, die in diesem Sacramente, wie in ihrem Urquell, in ganzer Fülle enthalten ist. Wunderbar ist die Liebe, o mein Gott, die Dich bewegt, mit uns armen und sterblichen Geschöpfen Dich so innig zu vereinigen; wunderbar ist die Wirkung dieser unendlichen Liebe, die ein so wunderbares Mittel zu dieser Vereinigung er= jann, das alle Fassungskraft der heiligen Engel übersteigt! Denn in die einfache Gestalt des Brodes hülltest Du deine ewige Gottheit und Menschheit, damit wir von dem Glanze deiner Majestät nicht geblendet würden und Du in unfre Seele eingingest, um sie zu deiner Gottheit zu erheben und des ewigen Lebens würdig zu machen. 556 Dritter Theil. Die gewöhnl. Andachts- Uebungen, O ewige Wahrheit, die Du vom Himmel kamst, um uns dahin zu führen; in Einfalt meines Herzens und mit festem Glauben bete ich Dich in diesem Sacramente deiner Liebe an; denn in unwandelbarer Treue glaube ich, daß deine Allmacht mehr zu wirken vermag, als alle sterblilichen und unsterblichen Geschöpfe in alle Ewigkeit zu begreifen vermögen. Du bist in diesem heiligen Sacramente gegenwärtig- Du das Brod des Lebens und wahre Speise der Seele, die kräftigste Arznei gegen alle ihre Krankheiten, der süßeste Trost ihrer Pilgerschaft auf Erden, ihr mächtigster Schuß gegen alle Versuchungen, die Quelle und Nahrung aller ihrer Tugenden, das Unterpfand und der Spender des ewigen Lebens und ihrer Seligkeit im Himmel. In diesem festen Glauben, den ich bereit bin, mit meinem Blute zu besiegeln, nahe ich diesem Tische des Heiles, den deine unerfaßliche Liebe mir bereitet hat. verleihe mir die Gnade, daß ich in heiliger Ehrfurcht Dich empfange und ganz in Dich versenkt mir selbst ersterbe, und in Dir auflebend, ein neues übernatürliches Leben führe; damit ich einst dahin gelange, wo alle Schatten verschwinden, und ich ohne den Schleier des Sacramentes Dich schaue und liebe in Ewigkeit! Amen. 557 Communion- Andacht. Hoffnung. Jesu, süße und einzige Hoffnung aller Auserwählten, der Du Dich ganz entäußerteſt, um uns dürftige und schwache Geschöpfe zu bereichern und aufzurichten; siehe barmherzig auf das Vertrauen, das meine Seele zu deiner namenlosen Güte hegt. Denn bin ich auch meines gänzlichen Unwerthes mir bewußt, so ermuthigt mich dennoch deine liebevolle Einladung; ja es drängt mich dein Befehl, zu diesem Gastmahle des ewigen Lebens hinzuzutreten, wenn ich nicht in den ewigen Tod versinken will. Denn als eine Quelle des Lebens, der Kraft und des süBesten Trostes setztest Du Dich selbst uns vor, und schenktest mit Dir selbst uns alle Verdienste deines bittern Leidens und Sterbens, alle Gaben und Güter der Seligkeit. Ich hoffe daher, o mein gütigster Erlöser, daß Du, der Du Dich herabließest, mit den Zöllnern und Sündern zu speisen, und alle Schwachen, Armen, Lahmen und Blinden zu deinem Gastmahle beriefest, auch meine arme und fündige Seele nicht verschmähen, sondern sie barmherzig aufnehmen wirst; damit sie durch diese himmlische Speise gestärkt, erleuchtet, gebessert und mit neuen Gnaden bereichert Dir um so eifriger diene, und die lebendige Hoffnung in ihr aufblühe, einst von Dir in die ewigen Wohnungen aufgenommen zu werden. Amen. - 558 Dritter Theil. Die gewöhnl. Andachts- Uebungen. Liebe und Verlangen. Süßester Jesu, Du gedachtest meiner, noch ehe ich geboren war, und liebtest mich in so unendlicher Liebe, daß Du, als ich in Sünden empfangen und geboren, der Hölle verfallen war, in deiner Barmherzigkeit vom Himmel herniederstiegest, in das Gewand meines Fleisches Dich kleidetest, mit starker Hand den Tyrannen, den Teufel, fesseltest, in deinem Blute mich erlöstest, von Sünden mich reinigtest und Dich selbst endlich, die Kraft alles Lebens, mir zur Speise vor= segtest. Ach, entflamme mein Herz, für so unerfaßliche Wohlthaten, Dich aus ganzer Kraft entgegen zu lieben! Rehre ein in dies Herz, o lebendiges Feuer, verzehre darin alles, was von deiner Liebe mich abhält; tilge die eisige Kälte desselben, und fache darin jene gewaltige Gluth an, die Du vom Himmel auf die Erde gebracht hast. O Jesu, der Du für alles, was Du für mich gethan hast, nichts begehrst, als nur aufrichtige, treue und starkmüthige Liebe zu Dir; gib Du selbst mir durch dein göttliches Sacrament diese Liebe, die Du von mir verlangst. Denn kund ist Dir, o Herr, meine große Armuth, meine Ohnmacht und meine sündhafte Neigung, die mich beständig zum Irdischen hin= zieht, und mir so selten gestattet, mein Herz vollfommen zu Dir zu erheben. Sehr wenig Gutes ist in mir; alles hat die Sünde befleckt, und Du Communion- Andacht. 559 allein, Du Urquell aller Liebe, kannst mich aufrichten und heilige Liebe mir einflößen. So komm denn, mein Gott, meine Liebe, Du, nach dem mein Herz verlangt! Komm, mein barmherziger Heiland! der Du nicht die Gerechten, sondern die Sünder berufest; komme himm= lischer Arzt, der Du nicht die Gesunden, sondern die Kranken heilest; fomme, mein Leben, mein Licht, meine Seligkeit und mein alles, komme und bringe deine süßeste Liebe mit Dir; ergieße sie, wie ein himmlisches Oel, in mein armseliges Herz, damit ich mit jenen klugen Jungfrauen Dir, dem ewigen Bräutigam auserwählter Seelen, freudig entgegen gehe, um in ewiger Liebe mich mit Dir zu vermählen! Amen. Anrufung der Heiligen. Oihr Auserwählten meines Gottes, ihr Engel des Himmels, die ihr beständig in heiliger Liebe des Höchsten Willen thuet, kommet zu mir und begleitet mich zu eurem König, meinem Erbarmer. Bittet für mich, damit mein Herz rein, mit Tugenden geziert, und also ein würdiger Tempel des himmlischen Königs werde. Ihr besonders, meine lieben Schußheiligen N. N. bittet für mich, damit ich meinen Heiland mit der Liebe, der Demuth und dem Vertrauen em= pfange, womit ihr Ihn einst selbst empfangen habet. Und du vor allen, o reinste Jungfrau 560 Dritter Theil. Die gewöhnl. Andachts- Uebungen. und gebenedeite Königin des Himmels, die du würdig warst, die Mutter meines göttlichen Erlösers zu sein, erlange mir durch deine mütterliche Fürbitte die Gnade, daß auch mein Herz Ihm eine wohlgefällige Wohnung ſei. So komme, o mein Erlöser, und zögere nicht länger; mein Herz ist bereit! Komme, o Gott meiner Seele, Du mein Heil und das Leben meines Lebens, Du mein Gott, Du der Inbegriff aller meiner Wünsche! Komm, o Jesu, sei mein Heiland und mache mich selig! Amen. ( Wenn der Priester das Ciborium hervornimmt, um die heilige Communion zu ertheilen, so bete ehrfurchtsvoll mit dem Priester:) Der allmächtige Gott erbarme sich meiner, Er vergebe mir meine Sünden und führe mich in das ewige Leben! Amen. ( Wenn die heilige Hoftie erhoben wird, so sprich mit dem Priester:) Siehe das Lamm Gottes, welches hinwegnimmt die Sünden der Welt!- O Herr, ich bin nicht würdig, daß Du eingehest in mein fündiges Herz; aber sprich nur ein Wort, so wird meine Seele gesund! ( Dieses wiederhole dreimal. Wenn dein Erlöser fich dir nähert, bete mit dem Priester:) Der Leib unsres Herrn Jesu Christi bewahre meine Seele zum ewigen Leben! Amen. 561 Communion- Andacht. Nach der heiligen Communion. Danksagungsgebet. O Jesu, mein Gott, meine ewige Freude, Du lebst nun in mir und ich in Dir! Wie soll ich, Herr, die Wohlthat deiner barmherzigen Heimsuchung Dir vergelten, da Du mit allen Reichthümern deiner Herrlichkeit in meine Seele einfehrtest und deine unermeßlichen Verdienste ihr dergestalt schenktest, daß sie dadurch des Himmels würdig wird! Vereint mit deinem heiligen Herzen preise ich Dich, ewige Liebe! Es mögen Dich preisen und Dir Lobgesänge anstimmen alle Chöre der seligen Geister, und emporflammen zu Dir mögen Lobopfer auf den Altären der Herzen aller frommen und heiligen Seelen auf Erden! Laß mich, o gütigster Jesu mit diesem Talente mir Schäße der Ewigkeit sammeln, und deiner göttlichen Liebe durch alle Gedanken, Worte und Handlungen meines Lebens auf würdige Weise danken! Liebe. O Jesu, Du Gott der ewigen Liebe, der Du nun in meinem Herzen ruhest: ach könnte ich Dich lieben mit so inbrünstiger Liebe, wie Dich im Himmel lieben Maria, deine gebene= deite Mutter, alle heiligen Engel und Auser=wählten Gottes! Entzünde und verzehre mein Herz mit dem Feuer deiner göttlichen Liebe. O Herrlicht. Mar. 36 562 Dritter Theil. Die gewöhnl. Andachts- Uebungen. Jesu, Du bist mit mir; o Jesu, Du bist bei mir! o Jesu, Du bist in mir! O Gott meines Herzens, ich liebe Dich über alles, ich liebe Dich allein Deinetwegen, und will auch fünftig nichts, als Dich allein wegen Deiner selbst lieben. Daher bitte ich Dich, Du wollest durch deine Gnade diesen meinen Entschluß stärken, und mein Herz in deiner Liebe beständig erhalten. Aufopferung. Siehe, mein Gott und alles, was immer ich bin und habe, das bin und habe ich durch Dich! Dein ist alles; denn Du bist mein Schöpfer, mein Gebieter und Erhalter! Frei übergebe ich Dir in findlicher Liebe und freudigem Ge= horsam alles, was ich von deiner Güte erhielt. O nimm mich als dein Eigenthum auf! Ganz hast Du heute Dich mir gegeben; ganz und ohne Vorbehalt übergebe auch ich mein ganzes Wesen deinen Händen. Ich opfere Dir alle Kräfte meines Leibes und meiner Seele, mein Herz und meinen Willen. O laß dies Opfer meiner selbst Dir wohlgefällig sein; heilige dasselbe und vereinige es mit dem großen Opfer, das Du deinem himmlischen Vater am Kreuze darbrachtest- zu einem vollkommenen Brandopfer seiner göttlichen Herrlichkeit! Laß nicht zu, o mein göttlicher Erlöser, daß die Sünde und die Welt abermal Antheil an mir erhalten, der ich mich ganz und Communion- Andacht. 563 Schirme mich auf ewig Dir ergeben habe. mit deiner starken Hand, damit der Feind nichts über mich vermöge, und ich in heiliger Treue für Dich lebe und sterbe. Amen. Gebet, um die nothwendigen Gnaden zu erlangen. O Jesu, Du ewige Gnadenquelle der himmlischen Gaben, der Du aus Liebe zu mir, und um deine Gnade mir reichlich mitzutheilen, in mein Herz gekommen bist; ich bitte Dich, Du wollest deine freigebige Hand aufthun, und mir alles dasjenige verleihen, wodurch Dir meine Seele recht gefallen möge. Vertreibe aus meinem Herzen alles, was Dir mißfällig ist; reinige meinen Leib, heilige meine Seele, und mache mich der Verdienste deines Leidens und Todes theilhaftig. Vereinige Dich innig mit mir, o Du Geliebter meiner Seele, und lebe allein in mir, damit auch ich in Dir, und Dir allein allzeit lebe. Gib mir und allen denen, für welche ich zu beten schuldig bin, die Gnaden, deren wir am meisten bedürfen. Verleihe, daß ich alle bösen Anmuthungen und Begierden standhaft überwinde, besonders diejenigen, zu denen ich am meisten geneigt bin. Stehe mir bei, o bester Jesu, damit ich den Sieg erringe, und von deiner Liebe nimmermehr geschieden werde. Amen. 564 Dritter Theil. Die gewöhnl. Andachts- Uebungen. Liebesseufzer und Bitten. ( Nach den hl. Sranz von Sales und Alphons von Liguori.) Fest ist mein Glaube an Dich, o Du unirügliche Wahrheit; unerschütterlich meine Hoffnung auf Dich, o Du unendliche Güte; herzlich und innig meine Liebe zu Dir, höchstes, liebenswürdigstes Wesen! Mein Gott und mein Wohlthäter, Dir will ich ergeben sein, Dich lieben und preisen mein Leben hindurch und in Ewigkeit! Ich habe gefunden, Den meine Seele liebt. Ich halte Ihn fest und werde Ihn nicht mehr lassen, damit ich in Wahrheit sagen könne: Ich lebe, aber nicht so wohl ich, sondern Jesus Christus lebt in mir. Nun, o Jesu, meine Ruhe, meine einzige Freude, meine Seligkeit, nun ent= läsfest Du deinen Diener im Frieden, weil meine Augen dein Heil gesehen haben. Mein Herz erfreut sich Deiner; in Dir frohlockt meine Seele. O Gott meines Herzens, o daß ich in deiner heiligen Umarmung, mit der Versicherung deiner Liebe, jetzt glückselig dahin sterben könnte! Ollebermaß der Liebe, demüthigster Jesu, verborgener Gott, ich bete Dich an in mir! 3u gering ist ein Herz, Dich zu lieben, zu wenig eine Zunge, Dich zu loben! O mein Erlöser, welchen Dank bin ich Dir schuldig, daß Du mich, dein armes Geschöpf, so wunderbar heimsuchst! Keinen geringern, als 565 Communion- Andacht. daß ich mich selbst Dir darbringe und verlange daß Du allein in mir lebst. O Jesu, Du weißt, was mir mangelt, Du kennst meine Schwächen: gib mir Demuth, Reinigkeit des Herzens, Gleichförmigkeit mit deinem heiligen Willen, Stärke gegen böse Gewohnheit und Geduld, um alles, was mir widerfährt, um deiner Liebe willen zu ertragen. O mein Erlöser, durch jene unendliche Liebe, die Dich zur Erde herabgezogen hat und am Kreuze Dich sterben ließ, gib, daß auch ich mir sterbe, damit Du ewiglich lebest in mir. O Gott meiner Seele! Ich ziehe Dich allen Gütern dieser Welt vor, und mir selbst. Ich überlasse mich gänzlich Dir, und unterwerfe mich mit Liebe und Ehrfurcht allen deinen gerechten Fügungen, damit alles, was Du in Zeit und Ewigkeit über mich verordnet hast, erfüllt werde; doch hoffe ich einst dein göttliches Angesicht und deine vollkommene Schönheit zu schauen. Mein Gott und mein Alles, ich will nichts suchen außer Dir, denn in Dir allein kann ich alles finden. O liebreichster Vater, gib, daß meine größte Sorge sei, Dir würdig zu dienen, gleichwie Du für mein Heil so überschwängliche Sorgfalt getragen hast. O menschgewordenes Wort des ewigen Vaters, Jesus Christus! Du bist aus feiner andren Ursache in die Welt gekommen, als um in den 566 Dritter Theil. Die gewöhnl. Andachts- Uebungen. Herzen der Menschen zu wohnen, welche Du mit deinem Blute erlöst hast: mein Herz sei also ganz Dein; besige es, erleuchte es und mache es bereitwillig zur Erfüllung deines allerheiligsten Willens. Allmächtiger Jesu, nimm alles von mir, was die Wirkungen deiner Macht und Güte in mir hemmt, heile mich von aller Unlauterfeit und Untreue, erfülle mich mit deiner Gnade und Weisheit! Oheiliger Geist, erfülle meinen Willen mit jenem heiligen Verlangen, das an Tugenden fruchtbar wird, und laß ihm feine andre Freiheit, als die, sich gänzlich Dir zu opfern! Mein Gott, gib, daß ich Dich schaue durch lebendigen Glauben, damit ich Dich erkenne und liebe. Zeige deinen Willen mir, damit ich ihn erfülle; zeige mich selbst mir, damit ich mich demüthige und fliehe; zeige mir endlich in der Ewigkeit dein göttliches und beseligendes Angesicht. Herr, ich habe Zeit und Kräfte verschwendet, wie der verlorne Sohn, doch konnte ich deine Barmherzigkeit nicht erschöpfen. Lasse von nun an nicht Sinnentrug, nicht Menschenfurcht, sondern deinen Willen die Richtschnur meines Lebens sein; schreibe in mein Herz mit unauslöschlichen Zügen das Geseß deiner Liebe. Mein Gott, wenn auch keine Hölle und Qual für die Sünder wäre, würde ich dennoch nicht Communion- Andacht. 567 unterlassen, Dich zu lieben und für Dich zu leiden. Gib, o Herr, daß ich deinem Verlangen immer entspreche. Laß mir dieses Herz nur, damit ich Dir gehorche; diesen Leib, damit ich ihn Dir darbringe; dies Leben, damit ichs Dir weihe. Unendliche Macht, unterstüße meine Ohnmacht! Ewige Weisheit, erleuchte meine Finsternisse! Unermeßliche Güte, sei nachsichtig mit meiner Bosheit! O Güte, o Liebe, o Weisheit, ach, wie spät habe ich Dich erkannt, wie spät Dich geliebt! Allerseligste Jungfrau, du Gottwohlgefälligste, Liebreichste, Liebenswürdigste! Erlange bei deinem Sohne mir die Gnade, allen seinen Einsprechungen gehorsam zu sein, und lehre mich alle die Tugenden, durch deren Uebung du auf Erden das göttliche Wohlgefallen erworben hast. O gütigste Jungfrau, bitte deinen Sohn, daß Er in seiner sacramentalischen Gegenwart nicht eher von mir scheide, bis Er meiner Seele die Fülle seiner Segnungen zurückgelassen habe! Gebet, um den vollkommenen Ablasz zu gewinnen. ( Vor einem Bilde des Gekreuzigten zu beten. Pius IX. 31. Juli 1858.) Siehe, o gütigster und süßester Jesu, vor deinem Angesichte werfe ich mich auf die Kniee, 568 Dritter Theil. Die gewöhnl. Andachts- Uebungen. und bitte und beschwöre Dich mit der größten Inbrunst meiner Seele, Du wollest meinem Herzen einprägen lebhafte Gesinnungen des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe, eine wahre Reue über meine Sünden und einen festen Willen, mein Leben zu bessern. Um diese Gnade bitte ich Dich, indem ich mit tiefer Rührung und Schmerz meiner Seele deine fünf Wunden betrachte, und dabei in meinem Geiste erwäge, was von Dir, o gütigster Jesu, der Prophet David geweissagt hat: ,, Sie haben meine Hände und Füße durchbohrt, sie haben gezählt alle meine Gebeine." Amen. Anima Christi. Seele Chrifti, heilige mich. Leib Chrifti, erlöse mich. Blut Christi, tränke mich. Wasser der Seite Christi, wasche mich. Leiden Christi, stärke mich. O gütigster Jesu, erhöre mich. In deine Wunden verberge mich. Bon Dir laß nimmer scheiden mich. Vor dem bösen Feinde beschütze mich. In der Todesstunde rufe mich. Und laß zu Dir dann kommen mich. Damit mit allen Heiligen Dich Ich loben möge ewiglich. Amen. Lobspruch. Gelobt und gebenedeit sei ohne End' Das heiligste und göttliche Sacrament! 451 Besper- Andacht zu Ehren der allerfel. Jungfrau. 569 Vesper- Andacht zu Ehren der allerseligsten Jungfrau. ater unser 2c. Gegrüßet seist du zc. V. O Gott, merke auf meine Hilfe: B. Herr, eile mir beizustehen. Die Ehre sei dem Vater und dem Sohne und dem heiligen Geiste. Wie sie war im Anfang, so auch jetzt und immer und in alle Ewigkeiten. Amen. Alleluja. " 1 Antiphon. Der Engel Gabriel wurde von Gott in die Stadt Nazareth gesandt, zu einer Jungfrau mit Namen Maria. Der Engel sprach zu ihr: Sei gegrüßt, du bist voll der Gnade, du bist gebenedeit unter den Weibern! Fürchte dich nicht Maria! denn du hast Gnade gefunden bei Gott. Siehe, du wirst empfangen und einen Sohn gebären, und du sollst seinen Namen Jesus heißen. Dieser wird groß sein und der Sohn des Allerhöchsten genannt werden."( Buc. 1.) Enter Plalm.*) Mächtig groß und überaus lobwürdig bist du, o unsre liebe Frau, in der Stadt unfres Gottes: und in der ganzen Gemeinde der Auserwählten. *) Diese fünf Psalmen find vom hl. Bonaventura verfaßt. 570 Dritter Theil. Die gewöhnl. Andachts- Uebungen. Man preiset überall deine Barmherzigkeit und deine Güte: Gott hat alle Werke deiner Hände geſegnet. Mutter des Herrn! Nimm dich unsrer an, heile unsre Schwachheit: nimm hinweg den Schmerz und die Angst unsres Herzens. Maria, sende uns einen guten Engel zur Hilfe: auf daß wir durch ihn vor allen Feinden beschützt werden. Mitleidig erbarme dich unser am Tage der Trübsal: erleuchte uns mit den Strahlen deiner Wahrheit. Mittlerin unsres Geschlechtes! Erbarme dich unser, erbarme dich unser: denn du bist die Hoffnung und das Licht aller, die auf dich vertrauen. Merke auf uns, du Erretterin der Verlornen: erhöre unfren Klageruf und unsre Seufzer. Mildreiche Frau! Erbarme dich und bitte für uns: verwandle unsre Trauer in heilige Freude. Mit deinen Dienern verfahre nach deinem liebevollen Herzen: Lasse sie in ihren Trübsalen nicht zu sehr geängstigt werden. Mächtige Königin der Ehre und Herrlichkeit: fomm uns zu Hilfe und schüße unser Leben vor jeder Gefahr. Mache gesund, die zerknirschten Herzens sind, o du Gebärerin des Heils: erquicke sie mit deinen füßesten Tröstungen. Die Ehre sei dem Vater 2c. Antiphon. Maria sprach zu dem Engel: Sieh, ich bin eine Magd des Herrn; mir geschehe nach deinem Worte."( Luc. 1.) Besper- Andacht zu Ehren der allersel. Jungfrau. 571 Zweiter Pfalm. Aufrufen will ich zu dir, o unsre liebe Frau, und du wirst mich erhören: da ich dein Lob vertündige, wirst du mein Herz mit Freude erfüllen. Als meine Seele in Trübsal war, rief ich zu dir empor: und du hast mich vom heiligen Berge her erhört. Alle Sünder, fommet herbei! Laßt uns die Fußstapfen Mariens umfangen: und uns hinwerfen zu ihren heiligen Füßen. Andächtig und voll Ehrfurcht tretet hin zu ihr: euer Herz wird die süßeste Freude fühlen, wenn ihr diese lieblichste Mutter begrüßet. An sie wendet euch in all euren Nöthen und Trübsalen: die Heiterkeit ihres Angesichtes wird euch Fröhlichkeit und Muth einflößen. Achtet, ihr Völker, auf die Gebote des Herrn: und vergesset niemals die Königin des Himmels. Aufthun soll sich euer Herz, um sie recht eifrig zu suchen: austhun euer Mund, um fie freudig zu preisen. Angeflammt werden die innersten Regungen eures Herzens, um zu lieben die liebenswürdigſte Gottes- Mutter: dann wird sie eure Feinde mit Schande bedecken. Aus unsren Herzen hat sie Leid und Traurigkeit weggenommen: durch ihre Holdseligkeit hat fie die Bitterfeit unfres Herzens versüßt. Andächtig verehret sie in ihrer lieblichen Schönheit und unvergleichlichen Würde: und preiset den Schöpfer ihrer Herrlichkeit und Größe. Die Ehre sei dem Vater 2c. 572 Dritter Theil. Die gewöhnl. Andachts- Uebungen. 11 Antiphon. Elisabeth, von dem heiligen Geiste erfüllt, sprach zu Maria: Du bist gebenedeit unter den Weibern, und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes! Und woher kommt mir dies, daß die Mutter meines Herrn zu mir kommt? Selig bist du, die du geglaubt hast, denn was dir vom Herrn ist gesagt worden, wird in dir in Erfüllung gehen."( Buc. 1.) Drifter Pfalm. Kettung und Hilfe finden wir bei dir, o Maria, unsre Zuflucht: und du bists, die unsre Feinde zernichtet. Hecht eilends lasset uns fliehen zu ihr in jeder Angst und Noth: sie wird uns von allen Gefahren befreien. Hede doch Gutes für uns, o Mutter: und wende- den Zorn deines Sohnes von uns ab! Kuhmvolle Jungfrau! Siehe unsre Armseligkeit: und verziehe nicht länger, unsrer Trübsal und Roth zu steuern! Feiche deine Hand uns Armen und Elenden: und sei uns durch deinen Beistand eine sichere Zufluchtsstätte. Fiathe uns und trage Sorge für uns, daß die drohenden Uebel uns nicht überwältigen: uach am Ende dieses vergänglichen Lebens stehe uns bei, damit wir das ewige erlangen. Fichte deine barmherzigen Augen auf das Elend deiner Diener: und lasse sie in ihren Bedrängnissen nicht unterliegen. Vesper- Andacht zu Ehren der allerfel. Jungfrau. 573 Leichthum heiliger Tugenden verleihe, o mächtige Königin, deinen Dienern: dann wird der Zorn Gottes sich uns nicht nahen. Feinste Jungfrau! Sei eingedenk deiner groBen Erbarmungen: erleichtere uns die Last der Leiden, die uns auf unsrer Pilgerschaft niederdrücken. Die Ehre sei dem Vater 2c. Antiphon. Zur selben Zeit erhob ein Weib unter dem Volke ihre Stimme und sprach zu Jesus: ,, Selig der Leib, der Dich getragen, und die Brüste, die Du gesogen hast!" Er aber sprach: Ja freilich sind selig, die das Wort Gottes hören und dasselbe auch befolgen."( Luc. 11.) 11 Vierter Pfalm. Ich setze auf dich, o Maria, all mein Vertrauen: wohl bekannt ist mir die unermeßliche Größe deiner Barmherzigkeit. In der ersten Unschuld bin ich leider nicht verblieben: doch ich vertraue auf deine Fürsprache, und so hoffe ich Verzeihung und Gnade. In deine Hände befehle ich meinen Leib und meine Seele: mein ganzes Leben und meine letzte Stunde. Jetzt noch erneuere die alten Zeichen und thue auch an uns Wunder deiner allvermögenden Fürbitte: auf daß auch wir die Macht deines Armes erfahren. Immerdar bitte für uns, o Mutter der Gnade: du hast ja den Engeln und den Menschen das Heil geboren. Inhaberin der göttlichen Gnadenschäße! Laß 574 Dritter Theil. Die gewöhnl. Andachts- Uebungen. uns derselben theilhaft werden; lindere unsre Schmerzen mit der Salbe des himmlischen Trostes. In deinen Händen, o Herrin, steht unser Heil und Leben: durch deine Vermittelung gelangen wir zur ewigen Freude. Ich bitte auch, o Maria: laß Gnade bei Gott finden alle, die in ihren Nöthen dich anrufen. Ja, in allen Gefahren, in Zweifeln und Nöthen flehet zu dieser liebreichsten Mutter: ihr werdet die Wirkungen ihrer mächtigen Hilfe ganz gewiß erfahren. In ihrem mitleidigen Herzen ist die heilsamste Arznei für alle reumüthigen Seelen: mit der SuBigkeit ihrer mütterlichen Liebe erquicket sie diejelben alle. Die Ehre sei dem Vater 2c. Antiphon. Bei dem Kreuze Jesu stand seine Mutter. Als nun Jesus seine Mutter sah, und bei ihr den Jünger, den Er liebte, sprach Er zur Mutter: Weib, siehe, dein Sohn!" Dann sagte Er zu dem Jünger: ,, Siehe, deine Mutter!" Von dieser Stunde an nahm der Jünger sie zu sich.( Joh. 19.) Hünffer Pfalm. Ave Maria! du Gnadenvolle! Der Herr ist mit dir: die du der verlornen Welt das Heil wieder gebracht hast. Auf dich blickt vertrauensvoll meine Seele im Andenken an das göttliche Gericht: zeigst du dich als meine Fürbitterin, so werde ich nicht zu Schanden werden. Vesper- Andacht zu Ehren der allersel. Jungfrau. 575 Aufgefahren bist du, von den Chören der Engel unter abwechselnden Lobgesängen begleitet: mit Rosen und Lilien bist du herrlich gekrönt worden. Alle Makel der Sünde wasche, o Reinste, von unfren Seelen ab: und heile alle unsre Schwachheiten. Auf deine Fürbitte lege fich Gottes Zorn gänzlich: versöhne uns mit Ihm durch deine großen Verdienste und deine allvermögende Fürsprache. Ach, tritt hin zu dem Throne des Herrn und empfiehl uns jeiner Barmherzigkeit: damit wir durch dich von unsren Nengsten errettet werden. Aus der Kraft deines süßesten Namens zukomme uns die göttliche Hilfe: durch dich mögen alle unsre Werke geleitet werden. Allen Unmuth und jede Verwirrung des Geistes nimm von deinen Dienern weg: unter deinem Schuße lasse sie im Frieden ihre Tage durchleben. Allüberall auf der ganzen Erde sollst du verehrt und geliebt werden: droben im Himmel jollen die Chöre der Engel und Heiligen dir lobsingen ohne Ende! Iefung. Ich bin die Mutter der schönen Liebe, der Furcht, der Erkenntniß und der heiligen Hoffnung.( Sir. 24.) 576 Dritter Theil. Die gewöhnl. Andachts- Uebungen. Hymnus. ( Ave maris stella.) Ave Stern der Meere, Gottesmutter hehre, Rein zu allen Zeiten, Thor der Ewigkeiten: Der aus Engelsmunde Ward die frohe Kunde. O durch dich sei Frieden Unsrer Brust beschieden! Brich der Sünde Ketten, Blinde wolle retten, Böses von uns wende, Und das Gute spende. Wolle für uns beten, Uns bei Jhm vertreten, Der für uns geboren, Mutter dich erforen. Gib, o reinste Blüthe, Jungfrau, reich an Güte, Daß wir schuldentbunden Werden rein erfunden. Sichern Weg und Leben Wolle du uns geben, Daß wir voll Entzücken Jesum dort erblicken. Bater, sei gepriesen, Dir sei Ehr' erwiesen Mit dem Geist und Sohne, Auf dem Himmels- Throne! V. Mache mich würdig, dich zu loben, o hochheilige Jungfrau: R. Gib mir Kraft gegen alle deine Feinde. Besper- Andacht zu Ehren der allerfel. Jungfrau. 577 Der Lobgefang Daria. ( Magnificat.) Meine Seele preist hoch den Herrn: und mein Geist frohlockt in Gott, meinem Heilande. Denn herabgesehen hat Er auf die Niedrigkeit seiner Magd: siehe von nun an werden mich selig preisen alle Geschlechter. Denn Großes hat an mir gethan, der da mächtig ist: heilig ist sein Name. Und seine Barmherzigkeit währt von Geschlecht zu Geschlecht: gegen alle, die Ihn fürchten. Er hat geübt Macht mit seinem Arme: die stolzen Herzens sind, hat Er zerstreuet. Die Gewaltigen hat Er gestürzt vom Throne: die Niedrigen erhöhet. Die Hungrigen erfüllt Er mit Gütern: die Reichen läßt Er leer ausgehen. Er hat sich Israels seines Knechtes angenommen: eingedenk seiner Barmherzigkeit; Wie Er unsern Vätern verheißen hat: Abraham und seinen Nachkommen ewiglich. Die Ehre sei dem Vater 2c. Antiphon. Heilige Maria, stehe den Elenden bei, tröste die Kleinmüthigen, pflege barmherzig die Betrübten, bitte für das ganze Volk, zeige dich als Fürsprecherin der Diener des Altars, flehe für die gottgeweihten Frauen und laß alle deine Hilfe erfahren- alle die deinen heiligen Namen verehren. Herrlicht. Mar. 37 578 Dritter Theil. Die gewöhnl. Andachts- Uebungen. Salve Regina. Sei gegrüßt, du Königin, Mutter der Barmherzigkeit, unser Leben, unsere Süßigkeit und unsere Hoffnung, sei gegrüßt! Zu dir rufen wir elende Kinder Eva's; zu dir seuszen wir trauernd und weinend in diesem Thale der Thränen. O wende du, unsere Fürsprecherin, deine barmherzigen Augen uns zu, und nach diejem Elende zeige uns Jesum, die gebenedeite Frucht deines Leibes! O gütige, o milde, o süße Jungfrau Maria! V. Bitte für uns, o heilige Gottesgebärerin, B. Auf daß wir würdig werden der Verheißungen Chriſti! Laffet uns beten! Allmächtiger, ewiger Gott, der Du den Leib und die Seele der glorwürdigen Jungfrau und Mutter Maria, damit sie eine würdige Wohnung deines Sohnes werde, unter Mitwirkung des heiligen Geistes, zubereitet hast: verleihe, daß wir, die wir ihrer Gedächtnißfeier uns erfreuen, durch ihre fromme Fürbitte von den bevorstehenden Ulebeln und dem ewigen Tode befreit werden: durch denselben Christum, unsern Herrn! Amen. V. Gottes Schutz und Hilfe sei immer bei uns. R. Und mit allen Anwesenden. Amen. V. Und die Seelen aller Abgestorbenen mögen ruhen im Frieden. R. Amen. ضهم Kreuzweg- Andacht. Kreuzweg- Andacht. Die vierzehn Stationen des Feidens und Sterbens Jesu Chrifti. 579 Die Päpste haben dem andächtigen und reumüthigen Besuche des heiligen Kreuzweges zahlreiche und große Ablässe verliehen. Beginne deshalb diese Andacht mit einer Anmuthung aufrichtiger, vollkommener Reue und dem Wunsche, alle Gnaden dieser frommen Uebung theilhaftig zu werden. Erste Station. Jefus wird zum Tode verurtheilt. ir beten Dich au, Herr Jesus Christus, und jagen Dir Dank: R. Weil Du durch dein heiliges Kreuz die Welt erlöset haſt. Betrachte, wie Pilatus den unschuldigen Jesus, nach blutiger Geißelung und Krönung mit Dornen, zum Tode verurtheilt, und wie gelassen der Heiland dieses Todes- Urtheil annimmt, damit du von dem Urtheile des ewigen Todes befreit würdest. Jesu, ich danke Dir für diese große Liebe und bitte Dich, nimm das Urtheil des ewigen Todes, welches ich durch meine Sünden verdient habe, zurück, damit ich würdig werde, das ewige Leben zu besigen! V. Gekreuzigter Herr Jesus Christus, R. Erbarme Dich unser! 580 Dritter Theil. Die gewöhnl. Andachts- Uebungen. Zweite Station. Jefus wird mit dem Kreuze beladen. V. Wir beten Dich an 2c. Betrachte, wie Jesus das Kreuz, das deine vielen Sünden so schwer gemacht haben, auf seine Schultern nimmt. Jesu, gib mir die Gnade, daß ich dein Kreuz nicht durch neue Sünden noch schwerer mache, und daß ich das meinige, alle Trübsale und Widerwärtigkeiten, mit aufrichtigem Bußgeiste willig und muthig trage! V. Gekreuzigter 2c. Dritte Station. Jefus fällt das erste Mal. V. Wir beten Dich an 2c. Betrachte, wie Jesus die Last, womit Er beladen war, nicht mehr tragen konnte, und, von Ermattung und Schmerz niedergedrückt, unter dem Kreuze fiel. O Jesu, meine Vergehungen sind die Ursache deines Falles! Verleihe mir die Gnade, daß ich deinen Schmerz durch den Rückfall in die Sünde nicht wieder erneuere. V. Gefreuzigter 2c. Vierte Station. Jefus begegnet feiner heiligen Mutter. V. Wir beten Dich an 2c. Betrachte, welcher Schmerz das Herz Jesu zerriß, als Er Maria sah, und das Herz Mariens, als Kreuzweg- Andacht. 581 Jesus ihr begegnete. Deine Sünden sind die Urjache der gegenseitigen Betrübniß des Sohnes und der Mutter. Jesu, erwecke in mir durch die Fürbitte Mariens einen lebhaften Schmerz über meine Sünden, damit ich sie mein ganzes Leben hindurch beweine und in der Stunde meines Todes Gnade vor Dir finde! V. Gefreuzigter 2c. Fünfte Station. Simon hilft Jefu das Kreuz tragen. V. Wir beten Dich an 2c. Betrachte, wie die Juden beim Anblicke der groBen Schwäche Jesu aus Furcht, Er möchte auf dem Wege zum Calvarienberge den Geist aufgeben, Simon von Cyrene nöthigen, dem Herrn das Kreuz tragen zu helfen. Jesu, mir steht es zu, das Kreuz zu tragen, weil ich gesündigt habe! Verleihe, daß ich Dich wenigstens auf dem Kreuzwege begleite und das Kreuz der Widerwärtigkeiten aus Liebe zu Dir geduldig ertrage. V. Gefreuzigter 2c. Sechste Station. Veronika veidit Jefu das Schweißtuch. V. Wir beten Dich an 2c. Betrachte, wie diese heilige Frau sich bemüht, Jesu Leiden zu lindern, und wie dagegen Jesus fie 582 Dritter Theil. Die gewöhnl. Andachts- Uebungen. belohnt, indem Er in dies Schweißtuch das Bildnik seines heiligsten Angeschtes abdrückt. Jesu, verleihe mir die Gnade, meine Seele von allen Flecken zu reinigen! Drücke dein heiliges Leiden so tief in meinen Geist und in mein Herz ein, daß ich dasselbe nimmer vergesſe. V Gekreuzigter 2c. Siebente Station. Jefus fällt zum zweiten Male. V. Wir beten Dich an 2c. Betrachte die Leiden, welche Jesus bei diesem zweiten Falle empfindet. Du verursachest sie Ihm durch deine öftern Rückfälle in die Sünde. Jesu, wie beschämt stehe ich vor Dir! Gib mir die Gnade, von meinen Sünden so aufzustehen, daß ich nie wieder in dieselben zurückfalle. V. Gekreuzigter 2c. Achte Station. Jefus begegnet den weinenden Frauen. V. Wir beten Dich an 2c. Betrachte, wie Jesus diese Frauen ermahnet, sie sollen nicht über Ihn, sondern über sich selbst weinen, um dich zu belehren, daß du mehr über deine Sünden, als über seine Leiden weinen sollst. O Jesu, gib mir Thränen einer wahren Reue, damit das Mitleid, welches ich über deine Schmerzen trage, mir verdienstlich werde. V. Gefreuzigter 2c. Kreuzweg- Andacht. Deunte Station. Jefus fällt zum dritten Male, 583 V. Wir beten Dich an 2c. Betrachte, wie Jejus zum dritten Male eben sc schmerzlich als die beiden ersten Male fällt. Daran ist deine Verstocktheit schuld, vermöge welcher du stets in neue Sünden fällſt. Jesu, ich bin nun fest entschlossen, meinen Sünden auf immer ein Ende zu machen, um Dir bei deinen Leiden Linderung zu ver= schaffen! Stärke mich in meinem Entschlusse und mache ihn durch deine Gnade wirksam. V. Gekreuzigter 2c. Zehnte Station. Jefus wird entkleidet und mit Galle getränkt. V. Wir beten Dich an 2c. Betrachte die Beschämung, die Jesus erduldete, da man Ihn durch die Entkleidung entblößte und die Bitterkeit, die Er empfand, da man Ihm Wein, mit Myrrhe und Galle gemischt, darreichte. So büßte Er deine Unverschämtheit und Sinnlichkeit. O Jesu, ich bereue die sündhaften Freuden, die ich mir erlaubt und die Unmäßigkeit, der ich mich ergeben habe! Ich fasse den festen Ent= schluß, mit deinem Beistande mein zukünftiges Leben in Sittsamkeit und Mäßigung zuzubringen. V. Gefreuzigter 2c. 584 Dritter Theil. Die gewöhnl. Andachts- Uebungen. Elfte Station. Jefus wird ans Kreuz geheftet. V. Wir beten Dich an 2c. Betrachte die außerordentlichen Schmerzen, welche Jesus erlitt, als die Juden seinen vom Blute schon ganz triefenden Leib auf dem Kreuze ausstreckten und mittels der Durchbohrung seiner heiligsten Hände und Füße mit Nägeln darauf befestigten. O Jesu, befestige meinen widerspänstigen Willen an dein Gesetz! Ich nehme mir ernstlich vor, Dich nicht mehr zu beleidigen und aus Liebe zu Dir alles zu leiden. V. Gekreuzigter 2c. Zwölfte Station. Jefus ftirbt am Kreuze. V. Wir beten Dich an 2c. Betrachte, daß dein Erlöser nach einer dreistündigen Todesangst am Kreuze verschied, um dein Heil zu wirken. O Jesu, nachdem Du dein Leben hingegeben haft für mich, ist es wohl billig, daß ich den Rest des meinigen für Dich verwende! Dies ist mein fester Vorsag. Nur um die Gnade, denselben auszuführen, bitte ich Dich durch die Verdienste deines heiligen Todes. V. Gefreuzigter 2c. Kreuzweg- Andacht. Dreizehnte Station. Der Leidinam Chrifti wird vom kreuze herabgenommen. 585 V. Wir beten Dich an 2c. Betrachte die Betrübniß der Mutter Jefu, als fie den Leichnam ihres göttlichen Sohnes erblaßt, mit Blut überronnen und des Lebens beraubt, auf ihren Schooß nahm. Oheiligste Jungfrau, erbitte mir die Gnade, daß ich Jesum nicht mehr durch neue Sünden kreuzige, sondern Ihn durch Uebung christlicher Tugenden in mir stets lebendig abpräge! V. Gefreuzigter 2c. Dierzehnte Station. Der Leidinam Jefu wird ins Brab gelegt. V. Wir beten Dich an 2c. Betrachte, wie der heilige Leichnam Jesu mit der tiefsten Ehrfurcht in das neue Grab gelegt wurde. O Jesu, ich danke Dir für alles, was Du gelitten hast, um mich zu erlösen, und bitte Dich, gib, daß ich mich stets vorbereite, um den Leib, den Du für mich hingegeben hast, im allerheiligsten Sacramente allzeit würdig zu empfangen, und schlage deine Wohnung für immer in meiner Seele auf. V. Gefreuzigter 2c. 586 Dritter Theil. Die gewöhnl. Andachts- Uebungen. Schlußz des heiligen Kreuzweges. Laß uns, barmherziger Gott, des Leidens unfres Erlösers allzeit in Dankbarkeit gedenken und um seines schrecklichen Todes willen die Lüste der Welt meiden, unser Kreuz willig tragen, in Heiligung zunehmen, bis wir als Angehörige des himmlischen Reiches Dir unaufhörliches Lob und ewige Anbetung bringen können. Herr Jesus Christus, Sohn des lebendigen Gottes, stelle dein Leiden und Sterben zwischen dein Gericht und meine Seele, jetzt und in der Stunde meines Todes, und verleihe huldvoll mir Gnade und Barmherzigkeit, den Lebenden und Verstorbenen Ruhe und Vergebung; deiner Kirche Frieden und Eintracht, und uns Sündern Leben und die ewige Herrlichkeit. Amen. Zum Schluß betet man noch sünf Vater unser und das Glaubensbekenntniß nach der Meinung der Kirche. Inhalts- Verzeichnik. Approbation Erklärung des Verfaffers Erster Theil. Auslegung des Salve Regina. ( Gegrüßet seist du Königin.) I. Capitel., Gegrüßet seist du, Königin, Mutter der Barmherzigkeit. Seite §. 1 Maria, eine Königin der Barmherzigkeit. 7 Beispiel: Bild von der immerwährenden Hilfe, Bekehrung. Gebet §. 2. Maria, unsre Mutter Beispiel: Der hl Irenäus, Erzbischof.( Zeugniß über Maria.) Gebet §. 3. Maria, eine liebevolle Mutter Beispiel: P. Maria Franz Libermann. Gebet §. 4. Maria, eine Mutter bußfertiger Sünder. Beispiel: Der hl. Leonardo Gebet II. Capitel. Du unser Leben, unsre Süßigkeit §. 1. Maria ist unser Leben, weil sie uns die Vergebung der Sünden erlangt Beispiel aus der Kirchengeschichte: Maria von Aegypten. Gebet 434 C 11 12 13 16 18 19 25 26 26 29 30 31 35 36 588 Inhalts- Verzeichniß. §. 2. Maria ist unser Leben, weil sie uns die Gnade der Beharrlichkeit erlangt. Beispiel: Die hl. Helena. Gebet §. 3. Maria ist unsre Süßigkeit, weil sie uns einen süßen Tod erlangt Beispiel: Das Ave Maria Läuten Gebet. . ● III. Capitel., Unsre Hoffnung sei gegrüßt. §. 1. Maria ist die Hoffnung aller Beispiel aus der Geschichte der Religion Jesu. Von Stolberg.( Kirchenversammlung von Ephesus über, hl. Maria Mutter Gottes) Gebet. §. 2. Maria ist die Hoffnung der Sünder Beispiel: Das hl. Haus von Nazareth Gebet. IV. Capitel., 3u dir rufen wir, verbannte Kinder Eva's'. §. 1. Wie schnell Maria bereit ist, denen zu helfen, die sie anrufen Beispiel: Der hl. Franz von Sales Gebet. . §. 2. Wie mächtig Maria ist, dem vom bösen Feinde Versuchten zu helfen Beispiel: Das hl. Haus von Nazareth Gebet. V. Capitel., 3u dir seufzen wir Trauernde und Weinende in diesem Thale der Thränen'. §. 1. Wie nothwendig uns die Vermittelung Mariens ist, um selig zu werden Beispiel: Andachtsübung junger Heiligen Gebet. §. 2. Fortsetzung des vorigen Gegenstandes Seite 88④45 45151 52 38 44 56 58 59 62 64 5 68 70 71 73 74 65 75 86 88 89 Inhalts- Verzeichniß. Beispiel: Nachtheil der Vernachlässigung von Andachts- Uebungen zu Ehren der Hl. Mutter Gottes zur Zeit des hl. Peter Damian. Gebet. VI. Capitel., Eja unsre Fürsprecherin'. §. 1. Maria ist eine mächtige Fürsprecherin, um allen die ewige Seligkeit zu erwirken. Beispiel aus der Kirchengeschichte: Die Türken vor Wien 1683 Gebet §. 2. Maria ist eine mitleidsvolle Fürsprecherin für alle Sünder Beispiel: Der geheilte Blinde. Gebet §. 3. Wodurch wir uns der Fürbitte Mariens würdig machen. Beispiel: Der Hl. Bernardin von Siena Gebet VII. Capitel. Wende deine barmherzigen Augen zu uns'. §. 1. Wie Maria stets voll Mitleid auf uns herabsieht, um uns zu helfen. Beispiel: Die Serviten. Gebet .. VIII. Capitel., Und nach diesem Elende zeige uns Jesum, die gebenedeite Frucht deines Leibes'. 1. Maria bewahrt ihre Verehrer vor der Hölle. Beispiel: Der begnadigte Jüngling Gebet .. 589 Seite §. 2. Maria geleitet ihre Diener in d. Himmel Beispiel: Die hl. Justina. Gebet 92 94 95 102 104 104 107 108 109113 115 116 119 120 121 125 126 127 131 132 Inhalts- Verzeichniß IX. Capitel. O gütige, o milde.. Wie gütig und mild Maria ist Beispiel: Der hl. Philipp Neri. Gebet 590 X. Capitel., O süße Jungfrau Maria'. Wie süß der Name Mariens im Leben und im Tode ist. 141 Beiſpiel: Der hl. Alphons von Liguori 147 Gebet 149 Vorerinnerung §. 1. Von der Demuth Mariens §. 2. Von der Liebe Mariens zu Gott §. 3. Von der Liebe Mariens zu dem Nächsten §. 4. Von dem Glauben Mariens Seite Von den Cugenden der allerseligsten Jungfrau Maria. §. 5. Von der Hoffnung Mariens §. 6. Von der Reinigkeit Mariens §. 7. Von der Armuth Mariens. §. 8. Von dem Gehorsam Mariens §. 9. Von der Geduld Mariens §. 10. Von der Vollkommenheit der Tugenden Mariens. 134 138 140 Bweiter Theil. Andachts- Uebungen zu Ehren der allerfeligsten Jungfrau. Zweite Andachts- Uebung. Neuntägige Andachten zu Ehren Mariens 151 152 155 159 161163 166 170 172 174 177 Erste Abtheilung. Anleitung zu verschiedenen marianischen Andachten. Erste Andachts- Uebung. Vom Ave Maria. Gegrüßet seist du 183 185 Inhalts- Verzeichniß. Dritte Andachts- Uebung. Das Rosenkranz- Gebet Kurze Anweisung, wie man die fünfzehn Geheimnisse des Rosenkranzes betrachten soll. 189 Vierte Andachts- Uebung. Die Tagzeiten Unsrer Lieben Frau und die lauretanische Litanei. 198 Fünfte Andachts- Ulebung. Das Fasten zu Ehren Mariens 200 Sechste Andachts- Uebung. Die Besuchung der Bilder Mariens Siebente Andachts- Uebung. Das Tragen des Scapuliers Achte Andachts- Uebung. Die Aufnahme in die Bruderschaften der Mutter Gottes. Verschiedene Andachts- Ulebungen zu Ehren Mariens 591 Seite 187 Mariens. Geschichtliche Vorerinnerung. 1. Novene zur Vorbereitung auf das Fest der unbefleckten Empfängniß Mariens. 201 202 207 208 3weite Abtheilung. Andachten und Novenen für die Marienfeste. Betrachtungen über die lauretanische Litanei, die man an den neun Tagen vor den Festen Mariens verrichten kann. 218 219 221 Für den 1. Tag der neuntägigen Andacht. 213 Für den 2. Tag der neuntägigen Andacht. 215 Für den 3. Tag der neuntägigen Andacht Für den 4. Tag der neuntägigen Andacht. Für den 5. Tag der neuntägigen Andacht Für den 6. Tag der neuntägigen Andacht Für den 7. Tag der neuntägigen Andacht Für den 8. Tag der neuntägigen Andacht Für den 9. Tag der neuntägigen Andacht. 229 Das Fest der unbefleckten Empfängniß 223 225 227 232 233 Inhalts- Verzeichniß. Seite Vorbereitungsgebete, aile neun Tage zu beten 233 Fest- Betrachtung. 241 592 Beispiel: Das Bild von der unbefleckten Empfängniß Mariens Festgebet. Rosenkränzlein zu Ehren der unbefleckten Empfängniß Mariens Das Fest der Reinigung Mariens Geschichtliche Vorerinnerung. 2. Novene zur Vorbereitung auf das Fest der Reinigung Mariens. Die Vorbereitungsgebete für jeden Tag. Fest- Betrachtung. Beispiel: Die wunderbar Geheilte Festgebet. ● Das Fest des heiligen unbefleckten Herzens Mariens zur Bekehrung der Sünder. Geschichtliche Vorerinnerung Fest- Betrachtung Beispiel: Die drei bekeheten Geschwister Festgebet Tagzeiten von dem heiligsten Herzen Mariens. Das Fest der Verkündigung Mariens. Geschichtliche Vorerinnerung. 3. Novene zur Vorbereitung auf das Fest der Verkündigung Mariens Fest- Betrachtung Beispiel: Der hl. Franz Xaver in seiner Verehrung gegen die hl. Mutter Gottes. Festgebet Das Fest der sieben Schmerzen Mariens. Geschichtliche Vorerinnerung. Betrachtungen über die sieben Schmerzen Mariens. 245 246 248 250 251 256 261 263 264 267 273 276 278 285 285 291 296 297 299 300 T Inhalts- Verzeichniß. Der erste Schmerz: Die Prophezeiung Simeons Beispiel: Franz von Hieronymo Gebet . Der zweite Schmerz: Die Flucht Jefu nach Aegypten Beispiel: Die schöne Beruhigung auf Grund der Liebe Mariens zu uns Gebet. Der dritte Schmerz: Das dreitägige Zurückbleiben Sefu im Tempel Beispiel: Johanna Benigna Goyos in ihren gnadenreichen Uebungen Gebet . Der fünfte Schmerz: Der Tod Jesu Christi Beispiel: Die hl. Mechtildis Gebet 593 Seite Der vierte Schmerz: Die Begegnung Jesu auf seinem Wege nach Golgatha. Beispiel: Der hl. Hieronymus Aemilianus Gebet a 300 302 304 Der sechste Schmerz: Der Lanzenstich und die Herabnahme Jesu vom Kreuze Beispiel: Das Gnadenbild zu Foggia Gebet Das Fest der Heimsuchung Mariens. Geschichtliche Vorerinnerung. Fest- Betrachtung Herrlicht. Mar. O Der siebente Schmerz: Das Begräbniß Jesu Beispiel: Der befehrte lingläubige. 304 306 307 Gebet " Andachts- Uebung zu den sieben Schmerzen Mariens 308 310 311 Zufluchtsgebet zur schmerzhaften Mutter Gottes Klagelied zu Maria unter dem Kreuze 312 314 314 315 317 318 38 318 320 322 322 325 326 327 332 333 335 335 Inhalts- Verzeichniß. Beispiel: Die hl. Johanna von Chantal. Festgebet. Das Fest der seligsten Jungfrau vom Berge Carmel, gewöhnlich Scapulierfest genannt. Geschichtliche Borerinnerung Fest- Betrachtung 594 Beispiel: Die beiden sterbenden Gatten, ihr seliges Sterben zum Lohne für ihre Liebe zu Maria Festgebet Das Fest der Himmelfahrt Mariens. Geschichtliche Vorerinnerung 4. Novene zur Vorbereitung auf das Fest der Himmelfahrt Mariens. Fest- Betrachtung Beispiel: Der hl. Karl Borromäus Festgebet 0 Das Fest der Geburt Mariens. Geschichtliche Vorerinnerung. 5. Novene zur Vorbereitung auf das Fest der Geburt Mariens Fest- Betrachtung Beispiel: Der begnadigte Jüngling Festgebet. Das Fest des heiligen Namens Mariens Geschichtliche Vorerinnerung. Fest- Betrachtung Beispiel: Aus dem römischen Brevier vom Feste Mariä- Schnee Festgebet . . Das Fest des heiligen Rosenkranzes. Geschichtliche Vorerinnerung Fest- Betrachtung Beispiel: Gnadenwirkungen auf das Rosenfranzgebet. Seite 341 342 343 343 351 353 354 355 369 375 376 378 379 384 392 393 394 395 400 402 403 406 419 Festgebet. Das Fest der Aufopferung Mariens. Geschichtliche Vorerinnerung Fest- Betrachtung Beispiel: Die ehrw. Maria Elisabeth von Ranfain Festgebet 234ST 6. 7. 8. 9. 10. 11. 12. 13. 14. 15. 16. 17. 18. 19. 22===Einleitung 431 Art und Weise, diese Andacht nützlich zu begehen. 433 Tägliches Vorbereitungsgebet 433 1. Tag. Betrachtung über die Heilsbestimmung 435 Schlußgebet 436 2. Tag. Betrachtung über d. Gebrauch der Zeit 438 3. über die Gnade 439 " 7 " 1 " 1 " 1 " P " 12 " 7 97 Dritte Abtheilung. Andachten für den Monat Mai. "" " 1 Inhalte- Verzeichniß. "" " 1 22 " 1 " 1 " P " 1 " 1 PP 17 "" " 7 über die läßliche Sünde über die Todsünde über d. Folgen der Sünde über die Buße 595 Seite 421 über den Aufschub der Bekehrung über die Barmherzigkeit Gottes über den Tod. über das Gericht. über das Fegfeuer über die Hölle über den Himmel über die Liebe zu Gott. über d. Gegenwart Gottes über das Gebet 421 422 429 430 440 442 443 445 446 448 449 451 452 : 53 450 456 458 459 über das Buß- Sacrament 421 über die hl. Communion 462 Inhalts- Verzeichniß. 20. Tag. Betrachtung über die beiden Himmels wege. 21. über d. Unmöglichkeit eines 596 22. 23. 24. 25. 26. 27. 28. 29. 30. 31. 27 29 99 DP 77 " P " 1 17 FR EP 07 FP 97 17 " 1 zweifachen Herrendienstes über die Gründe zur Hingabe an den Heiland. über Jesum den Gekreuzigten über die Reinheit des Herzens. über das Vorbild Jesu. über den Werth der Verdemüthigungen über den Eifer für die Ehre Gottes über das Vertrauen auf Gott über die Nächstenliebe über die Standespflichten über die Beharrlichkeit " 1 Schluß- und Aufopferungsgebet Lobgesang auf die allerfeligste Jungfrau. Lauretanische Litanei Das Memorare Vierte Abtheilung. Marianische Wallfahrts- Andachten. Vorläufiger Unterricht Gebet vor einem Gnadenbilde Mariens Gebet um Mariens Schutz Gebet der hl. Theresia Fünfte Abtheilung. Verschiedene Gebete zu Maria. . Seite 463 465 466 467 468 469 471 472 473 475 476 477 479 480 481 487 488 490 491 494 Inhalts- Verzeichniß. 597 Seite Innige Bitten zu Maria für jeden Tag der Woche 495 Gebet für den Sonntag 496 Montag " 1 # 2 #P " 1 " P * 1 " 17 PP * F " 1 " 1 Dienstag Mittwoch Donnerstag Freitag Samstag " 7 ?? Seufzer zu Maria in jedem Anliegen Gebet zu Maria als Trösterin der Betrübten, in allen Leiden zu sprechen 505 Bittseufzer einer bußfertigen Seele zu Maria. 507 Liebesseufzer zum heiligsten Herzen Mariens. 508 Dritter Theil. Die gewöhnlichen Andachts- Ulebungen. Beim Erwachen. Morgengebet Morgen- Andacht. Beim Aufstehen - Abend- Andacht. 497 498 499 501 502 503 505 1. Danksagung. 2. Gewissens- Erforschung. 3. Bitte zu Jesus um Verzeihung 4. Empfehlung in den göttlichen Schutz 5. Für die Lebendigen und Abgestorbenen 6. Dreifacher Gruß an die göttliche Mutter um eine selige Sterbestunde Abendsegen. Meß- Andachten.. Erste Meß- Andacht. An den Festtagen Mariens Gebete nach der heiligen Messe Zweite Meß- Andacht. Zu Ehren der schmerzhaften Mutter Gottes Dritte Meß- Andacht. Für die Verstorbenen 511 512 515 516 516 517 517 518 519 520 531 532 541 598 Vor der Beicht. Inhalts- Verzeichniß. Beicht- Andacht. Vorbereitungsgebet. Reue und Leid nebst Vorsatz Kurze Anmuthungen vor der Beicht Nach der Beicht Danksagungsgebet Communion- Andacht. Vor der heiligen Communion. Glaube und Anbetung Hoffnung. Liebe und Verlangen Anrufung der Heiligen Nach der heiligen Communion. Danksagungsgebet Psalmen, deren Anfangs- Buchstaben den Namen Maria bilden Hymnus. Der Lobgesang Mariä Das Salve Regina Seite 549 550 552 Kreuzweg- Andacht. Die vierzehn Stationen des Leidens und Sterbens Jesu Christi. Schluß des hl. Kreuzweges. 553 Liebe Aufopferung Gebet um die nothwendigen Gnaden zu erlangen. 563 Liebesseuszer und Bitten 564 Gebet, um d. vollkommenen Ablaß zu gewinnen 567 Anima Christi. 568 Lobspruch. 568 Vesper Andacht zu Ehren der allerseligsten Jungfrau. 555 557 558 559 561 561 562 569 576 577 578 579 586 Neu erschienen bei Benziger& Co., Nachfolger von Gebr. Rarf& Nikolaus Benziger in Einsiedeln und Waldshut, und bet Benziger Brothers in New- York, Cincinnati, Chicago: No. 1034. Brunner, 3. L., Pfr. Mariencapelle. Gebet- und Erbauungsbuch für alle Verehrer der sel. Jungfrau und Gottesmutter Maria. Mit 3 Stahlstichen. 576 Seiten. 18. No. 401, Schwarz Leder, verg., Feingoldschnitt, 195 Cts.- No. 405, Schwarz Leder, chagr., Feingoldschnitt, 230 Cts.- No. 501, Unecht Saffian- Leder, Feingoldschnitt, 260 Cts.- No. 502, Unecht Saffian- Leder, verg. oder versilb. Schloß, Feingoldschnitt, 300 Cts. No. 503, Unecht Saffian- Leder, versilb. Rahmen und Schloß, Feingoldschnitt, 320 Cts. No. 1075. Effinger, P. Konr. Mar., O. S. B. Die Sternenkrone der allzeit unbefleckten Gottesmutter Maria. Mit einer Maiandacht und allgemeinen Gebeten, besonders für fromme Verehrer der allersel. Jungfrau. Mit 3 Bild. 464 S. Gr. 18. No. 202, Schwarz Halblederb, Goldschn, 145 Cts.- No. 401, Schwarz Leder, verg., Feingoldschnitt, 165 Cts. No. 1085. Eisenring, K. I., Pfr. Maria und der Pilger. Wallfahrts- Andenken für Pilger zur Gnadenmutter von Maria- Einsiedeln, zugleich Andachtsbuch für Verehrer der heiligsten Jungfrau. Mit 3 Druckphotographieen. 432 S. 18. No. 302, Englisch Leinwand, gepr., Rothschnitt, 150 Cts. No. 402, Schwarz Leder, gerippt, verg. Goldschn., 175 Cts.- No. 501, Unecht Saffian- Leder, Feingoldschnitt, 250 Cts.- No. 502, Unecht SaffianLeder, versilb. oder verg. Schloß, Feingoldschnitt, 290 Cts. No. 503, Unecht Saffian- Leder, versilb. Rahmen und Schloß, Feingoldschnitt, 310 Cts. No. 1093. Fenelon, Erzbischof. Das Innere Seelenleben. Betrachtungen und Andachtsübungen, dargestellt von P. Jacob Brucker, S. J. Mit 2 Stahlstichen. 640 Seiten. 12. No. 302, Engl. Leinwand, gepr., Rothschnitt, 300 Cts. No. 1132. Hausherr, M., S. J. Die Herrlichkeiten des göttlichen Herzens Jefu in seiner Verehrung, wie sie ist und sein soll, nach den Offenbarungen der sel. M. M. Alacoque. Belehrungen und Anmuthungen. Mit 1 Stahlstich. 480 Seiten. 12. No. 302, Englisch Leinwand, gepr., Rothschnitt, 250 Cts.- No. 404, Schwarz Leder, chagr., Carminschnitt, 325 Cts. No. 1182. Lanz, Karl, Pfr. Maria, unsere Zuflucht. Vollständiges Gebet-, und Andachtsbuch, zunächst für fromme Verehrer der allersel. Jungfrau und Gottesmutter Maria. Mit 3 Bildern. 464 Seiten. Gr. 18. No. 202, Schwarz Halblederband, Goldschn., 130 Cts.- No. 401, Schwarz Leder, verg., Feingoldschnitt, 160 Cts.- No. 405, Schwarz Leder, chagr., Feingoldschnitt, 190 Cts. No. 502, Unecht Saffian- Leder, versilb. od. verg. Schloß, Feingoldschn., 270 Cts. No. 1188. Liguori, des hl. Alphons, von. Der vollkommene Chrift. Anleitung zur christlichen Vollkommenheit. Nebst Meß-, Beicht-, Communion-, Nachmittags- Audachten u. s. w. Von P. Joh. Nep. Buchmann, O. S. B. Mit 2 Bildern. 528 Seiten. Gr. 18. No. 302, Engl. Leinwand, gepr., Rothschnitt, 165 Cts.- No. 401, Schwarz Leder, verg., Feingoldschnitt, 195 Cts. No. 1195. Maria, Ansere Liebe Frau von der immerwährenden Hilfe. Unterrichts- und Gebetbuch für fromme Verehrer der allerseligsten Jungfrau und Mutter Gottes Maria. Mit Stahlstichtitel und 1 Stahlstichbild. 432 Seiten. 18. No. 301, Engl. Leinwand, gepr., Marmorschnitt, 130 Cts.- No. 401, Schwarz Leder, verg., Feingoldschn., 160 Cts.- No. 405, Schwarz Leder, chagr., Feingoldschn., 195 Cts.- No. 501, Unecht Saffian- Leder, Feingoldschnitt, 220 Cts.- No. 503, Unecht Saffian- Leder, versilb. Rahm. und Schloß, Feingoldschnitt, 280 Cts. Gebetbuch 1189. Einband 401 2034 Communio paschalis Schwannenkirchen 1895. Inches 1 Centimetres Blue 12 3 4 Cyan 15 ¹6 17 Farbkarte# 13 Green 3 ¹8 Yellow 19 | ₁0| 11 10 Red 12 5 13 Magenta 14 CO 6 15 White T 7 116 117 3/ Color 18 19 B.I.G. Black