50 ORY Joſenie Veart Juster Kreif. Gb G6 3235 Benjamin Schmolkens Gott geheiligte Morgenund Abend- Andachten. Nebst einem Anhang von andächtigen Wetter- Gebeten, angefertigt durch Friedrich Roth- Scholzen, Herrenstadio- Silesium. Neue Auflage. Reutlingen. Druck und Verlag von Wilhelm Baur. 1885. gb 32.35 Univ.- Bibl. Giessen Heilige Vorbereitung zum Gebet, auf alle Tage des Jahres. Herr höre, Herr erhöre, breit deines Namens Ehre an allen Orten aus; behüte die drei Stände, durch deiner Allmacht Hände, beschütze Kirch und Haus. Ach laß dein Wort uns allen noch ferner reichlich schallen, zu unserer Seelen Nuß. Bewahr vor allen Rotten, die deiner Wahrheit spotten, beut allen Feinden Truß. Gib du getreue Lehrer und unverdroßne Hörer, die beide Thäter sein. Auf Pflanzen und Begießen laß dein Gedeihen fließen, und ernte reichlich ein. Gib unsern Häuptern Glücke, laß deine Gnadenblicke auf unser Zion gehn; schütz sie auf ihrem Throne, und lasse ihre Krone in vollem Glanze stehn. Laß alle, die regieren, ihr Amt getreulich führen, schaff Jedermann sein Recht; daß Fried und Treu sich müssen in unserm Lande küssen, ja segne Herrn und Knecht. Wend ab in allen Gnaden, so Feuer- als Wasserschaden, treib Sturm und Hagel ab, bewahr des Landes Früchte, und mache nicht zu nichte, was deine Hand uns gab. Gib uns den lieben Frieden, mach alle Feinde müde, verleih gesunde Luft. Laß keine theure Zeiten auf unsre Grenzen schreiten, da man nach Brode ruft. Die Hungrigen erquicke und bringe die zurücke, die sonst verirret sein: Die Wittwen und die Waisen wollst du mit Troste speisen, wenn sie um Hilfe schrein. Sei Vater aller Kinder, der Schwangeren 1* Benjamin Schmolkens Entbinder, der Säugenden Gedeihn. Zeuch unsre zarte Jugend zur Frömmigkeit und Tugend, daß sich die Eltern freun. Komm als ein Arzt der Kranken, und die im Glauben wanken, laß nicht zu Grunde gehn. Die Alten heb und trage, auf daß sie ihre Plage geduldig überstehn. Bleib der Verfolgten Stütze, die Reisenden beschütze, die Sterbenden begleit mit deinen Engelschaaren, daß sie im Frieden fahren zu Zions Herrlichkeit. Nun, Herr, du wirst erfüllen, was wir nach deinem Willen in Demuth jetzt begehrt. Wir sprechen nun das Amen, in unsers Jesu Namen, so ist der Wunsch gewährt. 4 Allgemeines Morgen- Gebet auf alle Tage in der Woche. Danksagung. Heilige Dreifaltigkeit, ich steh auf in deinen Namen, Vater, Sohn und heiliger Geist, sprich zu meinen Seufzern Amen. Dieſe Nacht ist nun vergangen, und der Tag gibt uns sein Licht; werde munter, mein Gemüthe, und gedenk an deine Pflicht. Großer Schöpfer dieser Welt, du allein bist groß zu nennen, weil dich Erd und Himmel nur als den rechten Meister kennen. Beides Licht und Finsternisse, Zeit und Stunden, Tag und Nacht, hast du uns zu Nutz erschaffen, und in Ordnung auch gebracht. O wie leichte wär es doch die vergangne Nacht geschehen, daß ich meine letzte Nacht und den Todesschlaf gesehen, daß sich jemand von den Meinen plötzlich aus der Welt gemacht, oder sonsten böse Leute mich in Unfall hätten bracht. Aber du mein Wächter 5 allgemeines Morgengebet. hast mich mit Hilf und Schuß umgeben, daß mein Weniges noch da, und die Meinigen noch leben; ja, daß ich noch selbst vorhanden, das kommt alles, Herr, von dir; du schreibst alle meine Tage mir in deinem Buche für. Darum ehr ich deine Macht, darum rühm ich deine Güte, weiser, starker, treuer Gott! dich erhebet mein Gemüthe; sei gepreis't für alle Güte, die mich diese Nacht erfreut, daß du auch mein gestrigs Beten mit Erhörung benedeit. Du hast mir vergnügten Schlaf und ganz sichre Ruh gegeben; du hast mich gesund erweckt, läsfest mich den Tag erleben, deine liebe Sonne scheinen, nnd die Meinen wieder sehn. Das ist alles aus Genaden, Herr, von dir allein geschehn. Habe Dank, daß du von mir so viel Böses abgetrieben: Unter deiner Augenwacht bin ich unversehrt geblieben: Unter deiner Hände Schirmen fand ich ungestörte Ruh: Unter deiner Engel Beistand schloß ich sanft die Augen zu. Da mich Finsterniß umfing, mußte mich dein Licht umfassen; deine Huld verließ mich nicht, obgleich Menschen mich verlassen: Da ich von mir selbst nicht wußte, war ich dir doch wohl bewußt; da ich gleichsam todt gelegen, lebteft dit in meiner Brust. Mächtiglich hast du beschützt, daß mich Sünde nicht beflecket, daß kein Schrecken, kein Verlust, keine Krankheit mich erschrecket; gnädig hast du mich beschirmt, daß des Satans feine Liſt und der bösen Menschen Tücke ganz zu Schanden worden ist. Diese Morgenstunde soll aller deiner Wohlthat denken, und ein dankbarliches Herz für so viele Treue schenken, die du mir Zeit meines Lebens aus der treuen Vaterhand, ob ich es gleich Benjamin Schmolkens nicht verdienet, doch so reichlich zugewandt: wie du mich erschaffen hast, da ich vormals nie gewesen: wie du mich erlöset hast, da ich doch zu Zorn erlesen: wie du ferner mich geheiligt, da ich war verkehrt im Sinn, und mich bis auf heut erhalten, da ichs doch nicht würdig bin. Alles, alles ist von dir, und aus deinem Schooß genommen. Weil ich diesen Morgen nun alles neu geschenkt bekommen, und auch selber ganz von Neuem gleichsam lebend worden bin, ach, so nimm zu einem Opfer alles, was ich habe, hin. Ich will heut und allezeit dich bekennen, an dich denken; Liebe, Lob und Ehren- Preis dir mit Mund und Herzen schenken. Seele, Leib und was ich habe, stehet dir zu Dienst bereit, ich will deine Güte rühmen hier und dort in Ewigkeit. 6 Bitte. Siehe, mein Gott! diesen Tag hab nun abermal erblicket, und du weißst, daß jeder Tag seine neue Plage drücket: Ja du weißt, daß ich noch sündlich, dürftig und beladen sei; und mein Elend, wie du kennest, wird auch alle Morgen neu. Drum so lasse diesen Tag deine Güte nicht verschwinden; straf mich nicht, verwirf mich nicht und verlaß mich nicht in Sünden. Hilf, daß auch der Feind der Seelen keine Macht an mir erhält und mit seinen Höllenstricken mich nicht gar zu Boden fällt. Ach vergib, wenn ich mein Herz schnöden Lüsten eingeräumet, wenn ich Sündliches gedacht, wenn mir Schändliches geträumet, meine Lagerstatt beflecket, mein Gewissen sehr verletzt, meinem Nächsten nachgestellet, und mich wider dich gesetzt. Frommec 7 allgemeines Morgengebet. Gott, verhänge nicht, daß der Tag, der mir erschienen, als ein unglückselger Tag mir zum Falle möge dienen, deine Gnade zu verscherzen, in verstocktem Sinn zu gehn, und also von deinem Himmel ewiglich getrennt zu stehn. Der du Vater bist des Lichts, ach erwecke mein Gewissen, daß es diesen Tag nicht schläft, weil die Augen machen müssen: Laß mich heute nicht Verkehrtes denken, reden oder thun, deinen Zorn und mein Verderben nicht vor meiner Thüre ruhn. Laß die Macht der Finsterniß mit der Nacht sich von mir kehren, laß mich nicht mein Brod umsonst nur mit Müßiggehn verzehren: Hilf, daß ich den Tag nicht brauche, wie ein Kind der Finsterniß, noch das Licht von deiner Sonne meinen Sünden scheinen müß. Faulheit, Unbedachtsamkeit und unordentliches Wesen heiße ferne von mir sein. Was du mir zu thun erlesen, laß mich ungehindert schaffen, daß ich diesen ganzen Tag in Geschäften des Berufes keine Trägheit finden mag. Hilf, daß ich nichts unterlaß, nichts vergesse, nichts verschiebe, nichts zur Unzeit nehme für, oder sonst Versäumniß liebe: Daß die Nacht nicht wird zum Tage und der Tag zur Nacht gemacht, noch mein Leib durch schnödes Sorgen vor der Zeit ins Grab gebracht. Treib durch deinen Schutz von mir böse Menschen, böse Thiere; Laß nicht zu, daß mich mein Gang auf Verführungswege füre, daß ich nicht Gesellschaft finde, die auf mein Verderben sieht, oder sonsten wohin gehe, da mein Unglück blüht; soll ich endlich diesen Tag noch auf Erden überleben, wollest du in Fried und Ruh einen Feierabend geben, daß ich alsdann nicht getränkter und betrübter schlafen geh, als ich jetzt an diesem Morgen, Herr, Benjamin Schmolkens vor deinen Augen steh. Und in Summe: Nimm hinweg, alles, was mich sonst betrübet; hindere alles gnädiglich, was mir etwa Schaden gibet: Soll der Tag der letzte heißen, o! so steh mir endlich bei, daß mein Ende nicht unselig, und mein Tod nicht böse sei. Sebet. Vater, dessen Güt und Treue alle Morgen neu geboren, hör auch jetzund mein Gebet mit genadenreichen Ohren; gib mir, Herr, nach deinem Willen, was ich diesen ganzen Tag sowohl in dem Christenthum, als im Leben brauchen mag. Friste meine Lebenszeit und bewahre mein Gesichte, gib den Gliedern neue Kraft, mach es im Verstande lichte, und erhalte die Gesundheit, mache mich geschickt dazu, daß ich, was du mir befohlen, und was dir gefällig, thu; gib, daß ich im Lichte Licht, dein Erkenntniß mag erblicken: deine Gnade müsse mich, wie ein Morgenthau, erquicken! Hilf, daß ich mit meinen Kleidern Jesum Christum an mich zieh, und als wie ein Kind des Lichtes in dem Guten mich bemüh. Laß Gedanken, Wort und Werk gegen Gott und Menschen spüren Gottesfurcht und Ehrbarkeit, und was sonst für Gaben zieren! Gib, daß ich gerecht, treu, redlich, klug, bescheiden, nüchtern ſei, und mich deines jüngsten Tages stets bei gutem Wandel freu. O Herr Jesu! sei bei mir, ich will alle meine Sachen, was ich denke, red und thu, nur in deinem Namen machen, mache du den Anfang fröhlich, stehe mir mit Segen bei, daß das Mittel ungehindert, und das Ende glücklich sei. Gib mir Kräfte, dem Beruf wohl und treulich vorzustehen: Laß die Tagesstunden mich recht vertheilen, wohl 3 9 allgemeines Morgengebet. begehen: Gib Gelegenheit zu wirken, das, was deines Namens Ehr, Andrer Wohlfahrt, wie auch meinen und der Meinigen Nuß vermehr. Ists mir gut, so laß den Tag enden, wie er angehoben; gib mir heut mein täglich Brod, segne du mein Thun von oben; mache leicht, was schwer und ändre, was Gefahr erwecken mag, daß ich auch an diesem Tage mit Geduld die Last ertrag. Heilige Dreifaltigkeit, dir ergeb ich bester maßen Leib und Seele, Hab und Gut, Wissen, Wollen, Thun und Lassen; Reden, Schweigen, Sißen, Liegen, Stehen, Gehen aus und ein; ja, mein Leben und mein Sterben laß dir, Herr, befohlen sein. Wie du mich versorgen willst, stell ich ganz in dein Gefallen. Laß mich heut und auch hinfort nur in deiner Gnade wallen. Gib mir deinen guten Engel, daß er mich begleitend führ; von dem Morgen bis zum Abend sei und bleibe stets bei mir. O GOtt Vater! deine Macht schütze mich zu allen Zeiten; deine Weisheit, o Gott Sohn! führe mich auf allen Seiten; deine Kraft, du Geist der Gnaden! halte mich in aller Noth. Führe mich im Tod und Leben, dein ist Leben und auch Tod. Ja Herr, segne deinen Knecht ( Magd) und behüte mich vor Schaden; Herr, erleucht dein Angesicht über mich mit Licht und Gnaden; Herr, erhebe du dein Antlit auf dein Kind, und steh mir bei, daß dein Friede heut und immer und auch ewig bei mir sei. Fürbitte. Lieber Vater, frommer Gott, du läßt nicht allein den Deinen, sondern auch der bösenSchaar deineGnadensonne scheinen; ach erbarm dich aller beiden, daß Benjamin Schmolkens kein Mensch auf diesen Tag weder zeitlich hie noch ewig sein Verderben finden mag. Laß in aller Christenheit dir mit Ernst und Eifer dienen. Laß in allem Regiment Rath und That zum Frieden grünen. Laß in allen andern Häusern etwas Nüßliches gedeihn, und den Tag bei allen heilig, dir allein zu Ehren sein. Hör die Frommen, welche dir jetzt ein Morgenopfer schenken; den Boshaftigen verzeih, die an kein Gebete denken, sondern in den Tag hinleben, ohne Furcht und ohne Scheu, als ob ihnen nur zur Sünde Licht und Zeit geschaffen sei. Führe wohl die Reisenden die jetzt auf die Straße müssen, Sorge für die Dürftigen, die noch keine Speise wissen: Gib Gelegenheit zur Arbeit, dem, der was verdienen will. Seg auch- einer jeden Plage ihr bestimmtes Maß und Ziel. Laß getreulich Jedermann sein befohlnes Werk vollbringen; was er thun und schaffen will, das las alles wohl gelingen. Nimm diejenigen in Obacht, derer Arbeit voll Gefahr, und stell endlich auch den Müden nach der Last Erquickung dar: Endlich, Herr, befehl ich auch alle Menschen deiner Güte, Eltern, Geschwister( Weib und Kinder) und wer sonst an Geblüt und an Gemüthe mir verwandt und auch verbunben, so bekannt, als unbekannt, auch die Feinde mit den Freunden nimm in deine Gnadenhand; Leite sie nach deinem Rath, die sich heut zu dir gesellen; stehe mir und ihnen bei, daß uns nichts vermag zu fällen. Alle deine Creaturen laß in deinem Schutze sein, und so bitt ich nur noch dieses: Sprich ein gnädiges Amen drein. 10 11 allgemeines Abendgebet. Allgemeines Abendgebet auf alle Tage in der Woche. Dankia gung. Werde munter, mein Gemüth, eh der Leib zur Ruh sich wendet. Dieser Tag ist nun dahin, und die Arbeit auch vollendet; jezund kommt der Feierabend, und die Nacht bringt ihre Frist, du bist einen Tag schon älter, als du vor gewesen bist. Stelle dein Bemühen ein, spar die Arbeit bis auf morgen. Lege deine Sorgen hin, Gott will jetzund für dich sorgen; denke nunmehr an dich felber, ehe du zu Bette gehst, daß du nur vor deinem Schöpfer mit Gebet und Lobe stehst. Emiger, getreuer Gott, der du feinen Wechsel treibest zwischen Licht und Finsterniß, sondern wie du bist, verbleibest; deine Jahre sind ohn End, beides, Tag und Nacht, ist dein; du machst, daß Sonn, Mond und Sterne in gewissem Laufe sein. Du hilfft immer einen Tag nach dem andern hinterlegen; du weißt täglich eine Laſst nach der andern abzulegen, und durch deine große Güte ist es auch dahin gebracht, daß dein Kind nach seiner Arbeit einen Feierabend macht. Alles, was ich diesen Tag besser binund zugenommen, das ist, Herr, allein von dir und von deiner Gnade kommen. Was ich älter, klüger, reicher und gesünder worden bin, heiß ich alles deinen Segen; denn wo war es mein Gewinn? Darum dank ich deiner Huld auch in dieser Abendstund; ich erhebe deine Treue mit dem Herzen, mit dem Munde: Deine Wohlthat ist unzählig, unbegreiflich deine Macht, der du mir den Tag zur Arbeit, und die Nacht zur Ruh gemacht. Was ich dich am Morgen bat, Benjamin Schmolkens hast du mir den Tag gegeben. Du hast mein Gemüth regiert und erhieltest mir das Leben; du erleuchteteſt die Augen, gabst dem Leibe Speis und Trank, meinen Gliedern die Gesundheit, meiner Arbeit ihren Gang. Und jetzunde, da der Tag von der Nacht hat weichen müssen, läßt du fröhlich und gesund mich die müden Augen schließen, daß ich ruhig und mit Freuden in mein Bette gehen kann, schreib ich alles deiner Güte mit verbundnem Herzen an; es ist alles gut, mein Gott, wenn ich Böses gleich empfangen, oder nicht nach meinem Wunsch alles wäre wohl ergangen: Hab ichs ärger doch verdient, würd auch übel um mich stehen, wenn du mir es nicht gelinder oder besser lassen gehen. O du langmüthiger Gott; du hast mich so wohl erlesen, da ich doch nicht allemal deiner eingedenk gewesen. Manches hab ich nicht gebeten, und du hast mirs doch verliehen. Defters hab ich dich betrübet, und du hast mirs doch verziehen. Nun für dieß und alles das ſei gelobet und gepriesen: Was du mir, den Meinigen, und sonst andern hast erwiesen: Was du Böses abgewendet, was du Gutes hast gethan, dieses nehm ich hier und dorten ewiglich mit Danken an. Bitte. 12 Vater der Barmherzigkeit, ach, vergib um Jesu willen, was ich heute diesen Tag, wider Wissen, wider Willen, öffentlich sowohl, als heimlich, gegen dein Gebot gethan, siehe mich in Christi Wunden mit Genaden- Augen an. Decke meine Sünden zu, wo das Gute unterblieben, wo was Böses ich gedacht, bald geredet, bald getrieben, wider dich und allgemeines Abendgebet. meinen Nächsten, als auch selbsten wider mich; straf mich, Herr, nicht nach Verdienste und vergib genädiglich. Wende diese Nacht von mir alle Macht der Finsternisse, daß ich nicht im Sündenschlaf meine Augenlieder schließe. Ich mag schlafen oder machen, so gieb mir Gedanken ein, welche dir und dem Gewissen keinerlei zuwieder sein. Treib den Satan von mir weg, und was ihm pflegt anzuhangen; laß mich mit den Meinigen eine sanfte Ruherlangen. Schüß uns, Herr, vor Dieb und Mörder, Wassersnoth und Feuersmacht. Steure denen, die nicht schlafen, bis sie böse Ding vollbracht. Laß das Grauen in der Nacht und des bösen Feindes. Schrecken, noch was sonsten Unruh macht, mich vom Schlafe nicht erwecken; lasse traurige Gedanken, Furcht und Schrecken ferne sein, wiege mich in deinem Schooße, ohne Sorg und Kummer ein. Gib, daß mich kein schwerer Traum in der sanften Ruhe hindre, keine Krankheit meine Kraft weder raube noch verhindere: Keine Schmerzen mich befallen, oder sonst Gefahr und Noth: Und zuletzt verhäng mir nicht einen bösen schnellen Tod. 13 Gebet. Herr, Gott Vater, Sohn und Geist, sei auch jegund mir zugegen, ich will mich in deinen Schooß und in deinem Namen legen. Nimm, o Schöpfer, dein Geschöpf, Leib und Seele, Hab und Gut, und was du mir sonst gegeben, gnädiglich in deine Hut. Was ich lebe, leb ich dir, denn du bist allein mein Leben; wenn ich sterbe, sterb ich dir, denn du kannst das Leben geben: Also bin ich in dem Tode, und auch in dem Leben dein; lasse beides, Tod und Benjamin Schmolkens Leben, dir auch wohl befohlen sein. Hilf, daß ich an alles denk, was ich heut von dir empfangen, alle Sünden wohl bereu, die ich diesen Tag begangen. Hab ich heut im Thun und Reden mir zum Schaden was gemacht, ei, so bringe du zurechte, was ich unrecht angebracht. Decke mich in dieser Nacht mit dem Schatten deiner Güte, daß mich deiner Hände Schutz und der Engel Wacht behüte. Gib mir fröhliche Gedanken, wenn ich in mein Bette geh, daß ich ungehindert ruhe, und gesünder aufersteh. Sei bei mir, wenn ich allein; führe mich auf finstern Wegen: Tröste mich in aller Furcht: schlaf ich, wache du dagegen: Wach ich, laß an dich mich denken, warne mich vor der Gefahr. Wecke mich auch morgen frühe, wenn die Arbeit wieder da. Gib ein fröhliches Gemüth und gesunde Leibeskräfte; wenn ich aus dem Bette geh, laß mich die Berufsgeschäfte, mein Gebete vor mich nehmen, frist auch meine Lebenszeit, dir zu Ehren, mit zum Besten und des Nächsten Nußbarkeit. Doch weil auch mein Leben sich endlich muß zum Ende lenken, und ich keine Stunde weiß, ach so laß mich wohl bedenken, wenn ich mich zur Ruhe lege, daß der Tod stets um mich geh, daß der Sarg bei meinem Bette täglich in Gedanken steh. Ja, wenn gar in dieser Nacht mich mein Ende treffen sollte, oder auch dein jüngster Tag mich zur Rechnung rufen wollte, o so sei mir, Herr, gnädig, nimm mich in den Himmel ein; laß den letzten Blick auf Erden dort bei dir den ersten sein. 14 Fürbitte. Herr, du Hüter Israel! welchem aller Schlaf allgemeines Abendgebet. verborgen, wollest auch in dieser Nacht für die lieben Meinen sorgen; ja für alle Menschenkinder sorge heut und morgen früh; laß dein Auge für sie wachen, deine Hand bedecke sie. Höre gnädig, und erhöre, wenn die Frommen jegund beten: Schone der Beleidiger, die dir heut zu nah getreten. Trag Geduld mit deinen Sünden, die bei dieser finstern Nacht, nur auf Fressen, Saufen, Huren und Berauben sind bedacht; Reiß die Trunkenen nicht hin, wenn sie noch in Sünden stehen; laß die Sonne nicht im Zorn bei den Zänkern unter gehen: und erbarme dich auch derer, die sich jetzund zwar gelegt, aber dich durch kein Gebete zur Verföhnlichkeit bewegt. Laß die Müden wohl erquicket ihr gehabtes Werk beschließen; stärke die, so in der Nacht noch aus Noth arbeiten müssen; gib, daß Niemand in dem Finstern seinen Fall und Schaden sind, hilf den Reisenden zurechte, die noch auf der Straße sind; schaffe denen einen Ort, die noch keine Bleibung haben, welche hungrig schlafen gehen, wollest du mit Stärke laben; wache selbsten bei den Kranken, nimm die Kinder wohl in Acht; denen, die nicht schlafen können, kürze du die lange Nacht. Steh mit deinem Troste bei, allen, die in Nöthen stecken, die sich heut mit Angst und Schmerz und mit lauter Kummer decken; mache die elenden Nächte helle durch den Gnadenschein, und laß ihre Last erträglich auf dem Jammerlager sein. Endlich Lasse Stadt und Land unter deinem Schutze stehen, Lärmen, Aufruhr und Gewalt ferne von den Grenzen gehen; Rauben, Stehlen, Mord und Todtschlag, Wassersnoth und Feuersglut, treibe gnädiglich zurücke, daß uns gar nichts schaden thut. Laß die 15 1 Benjamin Schmolkens Wächter auf der Hut treulich für uns alle wachen, und erhalt in Fried und Ruh einem Jeden seine Sachen, bis wir aus den Finsternissen zu dem großen Tage gehen, und alsdann laß uns im Lichte ewiglich erfreuet stehen. 16 Morgensegen am Sonntag. Willkommen lieber Tag, Tag über alle Tage! Du bist des Herren Tag, den er hat selbst gemacht. Mein Herze schläget schon bei deinem Glockenschlage, und gibt der Finsterniß mit Freuden gute Nacht. Wie schöne siehst du aus, du angenehmer Morgen, da deiner Sonne Glanz mir in die Augen lacht, doch lieget unter dir ein größer Licht verborgen, das mir ins Herze scheint und einen Sonntag macht. Mein Jesu, du bist es, du heiBest meine Sonne, dich bet ich nur allein an diesem Morgen an: Geh in der Seele auf mit reiner Lust und Wonne, daß ich durch dich das Licht im Lichte sehen kann. Ich grüße deinen Tag, als einen Tag 17 Morgensegen am Sonntag. der Wunder, weildeine Wunderhand ihn oft gezeichnet hat. O lege du in mir den wahren Glaubenszunder, so fängt mein Herze Glut durch deine Wunderthat. Das war dein Ostertag, an welchem du erstanden, ach! laß mich heute doch aus meinem Grabe gehn! befreie meinen Fuß von allen Todesbanden, und wirke ſelbst in mir ein geistlich Auferstehn, Geuß deinen Geist auf mich, und mache heute Pfingsten, wie weiland dieser Tag dadurch geheiligt ward: dein Wort erleuchte mich, daß ich nicht im Geringsten von diesem weichen mag, was du mir offenbart. Gib Augen, welche dich und deinen Sohn erkennen; gib Ohren, welche dir begierigst offen stehen; gib Lippen, die voll Geistes in deinem Lobe brennen: gib Füße, die mit Luft in deinen Vorhof gehen. Vor allem gib ein Herz, das gleich dem guten Lande im Glauben und Geduld viel hundert Früchte bring. Behüte meinen Sinnvorallem 2 Benjamin Schmolkens Mißverstande, damit das gute Werk hei mir sehr wohl geling. Mein Hirte waide mich auf deiner grünen Aue, und führe mich, dein Schaf, zum frischen Wasser hin; schleuß deinen Himmel auf, daß er mir Manna thaue, laß mir Vergißmeinnicht in deinem Worte blühn, mich hungert, lasse mich mit Lebensbrode speisen, mich dürftet, tränke mich vomBrünnlein Israel. Gib deinen Dienern Kraft, daß sie mich unterweisen: aus ihrem Munde geuß die reine Lebensquell. Dein Weinberg ist für mich, ach, laß mich Trauben bringen und keine Herlinge an meinem Stocke stehn; erwecke Saft und Kraft, die bis zur Wurzel dringen, daß deine Werke bald bei mir ins Leben gehn. Laß mich mein Antlitz nicht im Spiegel so beschauen, wie einer der vergißt, wie er gestaltet war; ein jedes Wort, das du mir läsfest anvertrauen, stell als ein Denkmal nur im ganzen Leben dar. Sobald mich 18 19 Morgensegen am Sonntag. dein Gesetz mit ſeinem Hammer troffen, so bald sei auch mein Herz zermalmet und zerknirscht; dein Evangelium steh mir auch wieder offen, wenn der geängstet Geist nach deinem Worte dürst, laß einen Tempel mich in deinen Tempel bringen; mein Herz dein Predigtstuhl, die Lippen dein Altar, der Weihrauch mein Gebet, das Opfer Flehn und Singen; du aber stell dich selbst zu meinem Priester dar. So geh ich in dein Haus auf deine große Güte, und sehe mich getrost zu deinen Füßen hin; verberge mich allhier in dein Gezelt und Hütte, daß ich ganz ungestört in deinem Dienste bin. Ach Herr, wie lieblich sind die Wohnungen zu nennen! wie freuet sich mein Geist auf Zions Heiligthum! Dort seh ich Licht und Recht auf deinem Heerde brennen, dort predigt man dein Heilund deines Namens Ruhm. So wollest du mein Herz beim Einigen erhalten, daß deinen Namen 2* 20 Benjamin Schmolkens ich mit Ernste fürchten mag, ja lasse deinen Geist in meiner Seele walten, so wird dein Sonntag mir ein rechter Sonnentag. Die Welt mag ihrer Lust nach eitlem Sinne pflegen, ich will, Gott helf es mir, kein Sabbathschänder sein, und diese Worte mir tief in mein Herze prägen: Stellt euch der Welt nicht gleich, dient eurem Gott allein. Bet ich, so schleuß mir auf dein Herz und deinen Himmel; sing ich, so spiele du in meiner Seele drein; mach es ganz still in mir, laß alles Weltgetümmel, das sonst die Andacht stört, von mir verbannet sein. Kein Schlaf verschließe mir die Augen und die Sinnen, fein Nachbar irre mich mit seiner Plauderei: ja, laß mich selbsten nichts noch reden, noch beginnen, was deines Wortes Lauf in mir zuwider sei. Gib, daß dein guter Geist auf alle Seelen falle, die heute, Herr, vor dir in deinem Tempel stehn; damit 21 Morgensegen am Sonntag. das Wort nicht nur in ihren Ohren schalle, so lasse seine Kraft durch ihre Herzen gehn. Erhör die Betenden, und die, für die wir beten, laß auch in ihrer Noth nicht ohne Hilfe stehen; gib, daß die Beichtenden mit Reue vor dich treten, im Glauben würdiglich zu deiner Tafel gehn. Die allgemeine Noth laß dir zu Herzen gehen, nimm deiner Kirchen dich und ihrer Glieder an, daß wir im Geiste hier verknüpft beiſammen stehen, und keines Feindes Macht dein Häuflein stürzen kann. Wohlan, du rufest mich, so will ich mit dem Haufen zum Hause wallen gehen, wo dein Gedächtniß ist; bewahre meinen Fuß, und laß mich also laufen, daß du mir Wahrheit, Weg und auch das Leben bist. Laß mich nicht ohne dich alsdann zurücke gehen, wenn ich gelehrt, vermahnt, gewarnt, getröstet bin. Laß einen Brand in mir nach deinem Wort entstehen, wie dort bei Emaus 22 Benjamin Schmolkens der Jünger Herzen glühn. So ehr ich deinen Tag, o du dreieiniges Wesen! Gott Vater, Sohn und Geist, als dein geweihtes Fest, und werde diese Schrift an allen Wänden lesen: Gedenk des Sabbathes, daß du ihn heiligest. Morgen- Lied. Mel. Meinen Jesum laß ich nicht zc. 1. Licht von Licht erleuchte mich, bei dem neuem Tages- Lichte, Gnadensonne! stelle dich vor mein muntres Angesichte: wohne mir im Glanze bei, daß mein Sabbath lustig sei. 2. Brunnquell aller Süßigkeit! laß mir deine Ströme fließen; mache Mund und Herz bereit, dich in Andacht recht zu küssen. Streu das Wort mit Segen ein, laß es hundertfrüchtig sein. 3. Zünde selbst das Opfer an, das auf meinen Lippen lieget: sei mir Weisheit, Licht und Bahn, daß kein Irrthum mich betrüget, und kein fremdes Feuer brennt, welches dein Altar nicht fennt. 4. Laß mich heut und allezeit Heilig, Heilig, Heilig singen, und mich in die Ewigkeit mit des Geistes Flügel schwingen. Gib mir einen Vorschmack ein, wie es werd im Himmel sein. 5. Ruh in mir und ich in dir, bau ein Paradies ins Herze, offenbare dich doch mir, und geuß meiner Andachtsferze immer neues Dele zu, o du Liebes- Flamme du! 23 Abendsegen am Sonntag. 6. Dieser Tag sei dir geweiht. Weg mit allen Eitelkeiten Ich will deiner Herrlichkeit einen Tempel zubereiten: nichts sonst wollen, nichts sonst thun, als in deiner Liebe ruhn. 7. Du bist mehr als Solomon, laß mich deine Weisheit hören, ich will deinen Gnadenthron mit gebeugten Knieen ehren, bis mir deine Sonne lacht und den schönen Sonntag macht. Abendsegen am Sonntag. Der Sonntag ist vollbracht, der Sonnen Glanz verschwunden, mein Jesu, der du mir mehr als die Sonne bist, bestrahle durch dein Licht die dunklen Abendstunden, gib deinen Schein der Nacht, die schon vorhanden ist. Entreiße meinen Geist den schwarzen Finsternissen, wenn mich der sanfte Schlaf zum Todten- Bilde macht, laß mich die süße Ruh in dir allein genießen, so wird es Sonntag sein auch mitten in der Nacht. Ach aber! wie so schwarz bin ich vor deinen Augen, ich sollte, Herr! vor dir ein Kind des Lichtes sein, so find ich Werke hier, die leider Benjamin Schmolkens gar nichts taugen und mit der Höllen Macht zu einem Lohne dräu'n. Dein lieber Sonntag ist von mir entheiligt worden: wie hab ich doch dein Wort so schläfrig angehört, wie wenig mich bemüht, im wahren Christenorden dasjenige zu thun, was du mich hast gelehrt, mein Ohr ist gleichsam taub, mein Herze todt gewesen, mein ganzer Gottesdienst nur laulicht und verkehrt, und also soll ich wohl ein Urtheil von dir lesen: Der Sünder sei nicht mehr so großer Gnade werth, o eine schwarze Nacht, die meine Sünden machen! Ach, stoß mich darum nicht in Finsternißhinaus! Errettedochmein Gott mich aus des Todes Rachen, und tilge mine Schuld mit Chriſti Unschuld aus. Mein Herze suchet dich, ach laß dich wieder finden, ich klopf an deine Thür, thu mir genädig auf: Ich will von Neuem dir mich ganz und gar verbinden, und gebe Herz und Hand zu einem 24 25 Abendsegen am Sonntag. Pfande drauf. Schreib alles in den Sinn, was diesen Tag geschehen, und laß dein Wort in mir ja nicht vergebens sein: Du Herzenkündiger, kannst in das Herze sehen, ach, so bewahre mich vor allem Heuchelschein. Laß deine Lehren mich wie Milch und Honig speisen, damit der Nachschmack mir die ganze Woche bleibt. Laß die Vermahnungen mir Ziel und Maße weisen, wie man das Christenthum mit rechtem Eifer treibt. Laß deine Tröstungen wie lauter Zucker schmecken, wenn mich das Kreuze drückt, ach; so verlaß mich nie. Laß deine Warnungen mich im Gewissen schrecken, daß ich die Sünde mehr als eine Schlange flieh. Dein Saamkorn muß in mir verlangte Früchte bringen, daß ich kein fauler Baum in deinem Garten bin; dieß Kleinod wecke mich zum Laufen und zum Ringen, dieß Wort befestige in mir des Geistes Sinn. Hat Mosesmich geweckt mit des Gese Beajamin Schmolfens ßes Flüchen, ſo laß mir ſeinenSchall durch OhrundHerzegehen. Hat Jesus mich getröst mit seinen Segenssprüchen, so laß mich darauf fest in Noth und Tod bestehen. Der Glaube werde stark durch deines Geistes Lehren, die Liebe zünde sich beidiesem Feuer an, die Hoffnung müsse sich durch diesen Anker mehren, so grünt ein Kleeblatt hier, das nie verwelken kann. ImGlauben laß mich dich und auch dein Wort bekennen, im Leben. führe mich nach Christi Stapfen hin: im Leiden laß mich nichts von deiner Liebe trennen; im Sterben mache selbstden Todmir zumGewinn. Gib, das ich nicht allein ein Christ im Wifſen heiße, vielmehr ein wahrer Christ nachdem Gewissensei, nun daßichmich mit Ernst der Heiligkeit befleiße, ent= fernt von eitlem Ruhm und schnöder Heuchelei. Laß mich vor allem dich von ganzem Herzen lieben, und meinen Nächsten denn, als wenn ichs selberwär. Ja, laß mir dein Gesetz ins 26 Univ.- Bibl. Giessen 27 Abendsegen am Sonntag. Herze sein geschrieben, und was dein Wille heißt, das seiauch mein Begehr. Bin ich auf dich getauft, und bin dein Glied geworden, so hilf, daß mich kein Feind von deinem Leibe reißt; deinGeistregiere michim reinenChristenorden, der dich als Haupterkennt, und deine Kirche heißt. Ichkann nicht immer hier im Gotteshause bleiben, drum geb ich dir mein Herz zu einem Tempel hin, und will an meine Brust die süße Losung schreiben: Hier ist der Herr, mein Gott, hier ſoll ein Bethel ſein. Gleich wie ein Hirsch, der hier nach frischem Wasser schreiet, so schreiet meine Seel und dürftet, Gott, nach dir; wenn komm ich doch dahin, wenn werd ich doch erfreuet, dein Angesicht zu sehen in 3ions schönster Zier? Wohlan, du wirst mich einst aus dieser Kirche führen, die nur die Streitende auf Erden wird genannt. Dort aber geht man ein zu andern Kirchenthüren, wo man Triumphe Benjamin Schmolkens singt und keinen Feind mehr kennt. Ich werde diese Lust hier in der Ferne schauen, bis daß mein Glaube mich zum wahrenSchauen bringt. Indessenwill ich mich nur deiner Macht vertrauen, da abermal der Schlaf zumeinen Augen dringt. Hast du, mein Gott! in mir die Ruhe heut genommen, so nehm ich meine Ruh auch wiederum in dir: Du bist zu mir ins Herz. mit deinem Wortgekommen, so komme doch nun auch in meine Kammer hier. Sei über mir mit Schuß, sei. neben mir mit Segen, sei in mir, daß ich auch in dir verbleiben kann, so mag der Teufel sich mit allen Schuppen regen, mein Bette bleibet doch ein sichres Canaan. Ich werf in deinen Schoos auch alle meine Lieben, o Vater, lege du auch deine Hand auf sie: Laß weder Stadt noch Land Mord, Raub und Brand betrüben, ſo schallet überall deinLobspruchmorgen früh. Die neue Woche wird von neuer Güte sagen, denn die ist über 28 29 Morgensegen am Montag. uns an allen Morgen neu. Man wird nicht über Noth und über Mängel klagen: Gott ist für uns, wer ist, der uns zuwider sei? So geh ich denn zur Ruh! Ach, wenn du willst, zu Grabe, geuß du mir Glaubensöl in meine Lampen ein: ich weiß, wenn ich genug und sanft geschlafen habe, daß dort im Himmel wird der rechte Sonntag sein. Abend 2ied. Mel. Nun ruhen alle Wälder 2c. 1. Der Sabbath ist vergangen, ich habe mein. Verlangen nach Herzens- Wunsch erfüllt. Gott hat mich unterweiset, mit Lebensbrod gespeiset, und meiner Seelen Durst gestillt. 2. Gott ruht durchs Wort im Herzen drum leg ich ohne Schmerzen auch meinen Leib zur Ruh, denn allen Sündenschaden deckt Jesus nun in Gnaden mit seinem Purpurmantel zu. 3. D du dreieiniges Wesen! mein Geist ist schon genesen, weil ich dein Tempel bin. Ich habe Licht vom Lichte, dein leuchtend Angesichte treibt alle Finsternisse hin. 4. Du wirst schon bei mir wachen, und eine Sonne machen, auch mitten in der Nacht, bis bei den Cherubinen ein Sonntag ist erschienen, der alle Nacht zu Schanden macht. Benjamin Schmolkens 5. Ich schlafe ganz vergnüget, denn wo mein Herze lieget, da ist der Engel Heer. Mich stört kein Weltgetümmel, es träumt mir nur vom Himmel; ach! wer doch nur bald droben wär. 30 Morgensegen am Montag. Gott, der du Sonn und Mond am Himmel lässest scheinen, der Montag hat nunmehr den Sonntag abgelöst, und deine Güt und Treue ist täglich bei den Deinen, weil du mir immer auf- und nimmer untergehst. Ich beuge meine Kniee vor deinem Gnadenthrone, und opfere Dank und Ruhm für den verliehnen Schuß; du warest in der Nacht mein Schild und meine Krone, drum bot ich aller Noth und allen Feinden Truß. Ich schlief, so hattest du die Augen offen stehen; ich lag, du stundest mir zur recht und linken Hand; ich war den Tod= ten gleich, du hießst mich auferstehen, und machest deine Huld aufs Neue mir bekannt. Nimm hin die Erstlinge von dieser neuen Woche, den Anfang soll allein in deinem Namen sein: was du mir gestern schon für Segen hast versprochen, das stelle heute sich in der Erfüllung ein. Der Mond muß ja sein Licht von seiner Sohne nehmen, ich nehme Licht und Heil, mein Jesu, nur von dir; doch laß mich 31 Morgensegen am Montag. nach der Art des blassen Mondes schämen, daß ich nicht unbestand in meinem Schilde führ. Die Ruh ist nun vorbei, die Glieder sind erquicket, ich hülle meinen Leib in seine Kleider ein: gib, daß die Seele sich mit Tugendkleidern schmücket, und wasche nebst der Hand auch das Gewissen rein. Sei meines Leibes Licht und auch das Licht der Seelen, daß ich den ganzen Tag ein Kind des Lichtes bin; vor deiner Augen Licht kann Niemand sich verhehlen, drum leite meinen Fuß auf rechtem Wege hin. Zur Arbeit hast du mich, und nicht zum Müßiggange in diese Welt gebracht, wo Schweiß und Fleiß gebührt: so gib mir deine Kraft, daß ich den Zweck erlange, zu dem mich dein Beruf und mein Gehorsam führt. Erleuchte den Verstand, daß ich wohl unterscheide, was Nuß und Schaden bringt, was Fluch und Segen ist; den Willen bessere, daß ich das Böse meide und das hingegen thu, woraus der Segen fließt. Dein Geist regiere mich, daß ich recht christlich wandle, und denke, daß mein Lauf nur nach dem Himmel geht; steh mir in allem bei, daß, was ich thu und handle, mir und dem Nächsten mußt, und deinen Ruhm erhöht. Gib beides, Rath und That, das Wollen und Vollbringen, daß nichts Benjamin Schmolkens versäumet wird, auch nichts umsonst geſchieht; den Anfang segne du, das Mittel laß gelingen, das Ende benedei, so ist es wohl verricht. Du Aufgang aus der Höh, laß deine Güte thauen auf alles, was ich heut bedenke, red und thu; ich will allein auf dich und deine Gnade trauen, schleuß du dein Herze nicht vor meinem Seufzen zu. Geh mit mir aus und ein auf allen meinen Wegen, dein Auge leite mich, dein Arm beschütze mich, so bald ein Unfall sich will wider mich erregen, sobald verberge du dein Schäflein hinter dich. Es muß ein jeder Tag auch seine Plage haben, drum werd ich heute wohl nicht ohne Kreuze sein; doch wirst du mich, mein Gott! auch in der Trübsal laben, du richtest ja die Last nach unsern Schultern ein. Es sei dir heimgestellt, wie du mit mir willst fahren, ich nehme Lust und Last von deiner Schickung an; es muß dein Herze doch sich endlich offenbaren, wie es zu keiner Zeit was Böses meinen kann. Laß mich mein Bißlein Brod in stiller Ruh genießen, gib wenig oder viel, ich bin mit dir vergnügt, denn hab ich nur dabei ein freudiges Gewissen, so ists ein großer Schatz, der nur im Herzen liegt. Behüte Leib und Seel vor allen Unglücksfällen, besonders vor dem Fall, den 32 33 Morgensegen am Montag. uns die Sünde dräut. Laß deine Gegenwart mir stets vor Augen stellen, die alles sieht und hört und richtet mir der Zeit. Geselle mich ja nicht zu gottsvergeffnen Leuten, man wird von ihrem Thun gar leichtlich angesteckt. Laß mich der Engel Schaar den ganzen Tag begleiten, daß mich der Satan nicht mit seinen Klauen schreckt. Bleib auch der Meinigen getreuer Gott und Vater, bewahre, sättige und überschatte sie. Im Kummer sei ihr Trost, int Mangel ihr Bewahrer, damit durch deine Hand ihr Wohlergehen blüh. Bewahre Stadt und Land vor allen Fährlichkeiten, hilf, daß kein Ungemach Lehr-, Wehr- und Nährstand trennt; ſei deiner Kirchen Fels in diesen letzten Zeiten, erhalt uns gnädiglich dein Wort und Sakrament. Nun, Herr! ich laß dich nicht, du hast mich denn gesegnet, sprich nur ein einzig Wort, so ist mein Wunsch erfüllt. So nehm ich alles an, was heute mir begegnet, und wär es auch der Lod, wenn du, Herr! also willst. Ich leb und sterbe dir, es sei heut oder morgen, es kommt der letzte Tag doch einmal ganz gewiß, drum laß mich in der Zeit für meine Seele sorgen, so tret ich dort ans Licht nach aller Finsterniß. Indessen weil ich noch in dieser 3 Benjamin Schmolkens Hütte wohne, tret ich mein Amt und Pflicht in deinem Namen an, in deinem Namen seis, Gott Vater sammt dem Sohne, und du, o werther Geist, so ist es wohl gethan. 34 Morgen- Lied. Mel. Wer nur den lieben Gott 2c. 1. Ein neuer Tag, ein neues Leben geht mit der neuen Woche an, Gott will mir heut aufs Neue geben, was mir sonst Niemand geben kann. Denn hätt ich seine Gnade nicht, wer gäbe mir sonst Trost und Licht? 2. Ich grüße diesen lieben Morgen und küsse Gottes Vaterhand, die diese Nacht so manche Sorgen in Gnaden von mir abgewandt. Ach Herr! wer bin ich, Armer, doch, dusorgst für mich, ich lebe noch. 3. Nun das erkennet meine Seele und gibt sich ſelbst zum Opfer hin, doch weil ich noch in dieser Höhle mit Noth und Tod umgeben bin, so weich auch geute nicht von mir, denn meine Hilfe steht bei dir. 4. Mein Glück in dieser neuen Woche soll nur in deinem Namen blühn. Ach laß mich nicht am Sündenjoche mit meinem Fleisch und Blute ziehen; gib deinen Geist, der mich regiert und nur nach deinem Willen führt. 5. Soll ich mein Brod mit Kummer essen, so laß es doch gesegnet sein, und was du sonsten zugemessen, das richte mir zum Besten ein; ich bitte keinen Ueberfluß, nur was ich nöthig haben muß. 6. So thue nun, mein Gott, das Deine, und laß mich auch das Meine thun. Behüte beide, Groß und Kleine, daß sie auf deiner Hut beruhn, und daß ein jedes diesen Tag mit dir vergnügt beschließenmag. Abendsegen am Montag. 35 Abendsegen am Montag. So stirbt der erste Tag in dieser neuen Woche; mein Jesu, habe Dank für deine Güt und Treu, und weil die finstre Nacht bereits hereingebrochen, so gib, daß meine Ruh in dir gesegnet sei. Doch denk ich auch zuvor an meine Missethaten, die schon den ersten Tag von mir begangen sein: in was für große Schuld bin ich bei dir gerathen, Gedanken, Wort und Werk sind keines vor dir rein. Dein Auge hats gesehen, dein Ohr hat es gehört, und deine Hand hat es gewißlich aufgemerkt, wie oft mich Satan, Welt und eigne Lust bethöret, ja, in der Bosheit noch erhalten und geſtärkt. Vor dir ist alles bloß, du prüfest Herz und Nieren, es kann das Innerste dir nicht verborgen sein; und wollt ich gleich mein Thun mit eitelm Ruhme zieren, so gilt vor dir kein Scherz, kein falscher Heuchelschein. Allwissender, du weißst die Menge meiner Sünden, die ich nicht alle weiß, und auch nicht zählen kann, die wird man groß und klein in deinem Buche finden; wie übel hab ich doch, o Herr! vor dir gethan. Wenn dein Geseze spricht: ich soll dich herzlich 3* Benjamin Schmolkens lieben, so hab ich mehr die Welt und ihre Lust geliebt. Was mir das Christenthum für Regeln vorgeschrieben, die hab ich niemals recht, wohl gar nicht ausgeübt. Mein Jesus ist mir wohl mit Beispiel vorgegangen: allein, wie folg ich ihm in seinen Stapfen nach? Ich sollte Fleisch und Blut fest an sein Kreuze hängen, so laß ich ihm den Zaum, und scheue seine Schmach. Kein Wunder, wenn du mich gar nicht mehr kennen wolltest, weil ich so ferne nun von dir gewichen bin; ja, wenn du, Herr! nach Recht mit mir verfahren solltest, müßt ich vor deinem Grimm hinab zur Höllen fliehen. Jedoch, du haft gesagt, ich soll dein Antlitz suchen, mein Herze hält jegund dein eigen Wort dir für: kehr deinen Zorn in Huld, und segne für das Fluchen, verstoß mich Aermsten nicht von deiner Gnadenthür. Du willst ja wohl gerecht, doch auch barmherzig heißen, so handle nun mit mir nach Gnaden, nicht nach Recht, und laß mich deine Hand aus dem Verderben reißen, so wird ein Gnadenkind aus einem Sündenknecht. Mein Jesu! mache gut mein sündliches Verbrechen, durchstreich mit deinem Blut der Sünden Handschrift gar; brich deines 36 Abendsegen am Montag. Vaters Herz, wenn es die Schuld will rächen, und stelle dein Verdienst zum Gnadenstuhle dar. Laß keine Sünden mich mit mir ins Bette nehmen, es möchte mir gewiß ein hartes Kissen sein; ja laß mich auch des Nachts vor deinen, Augen schämen, denn dieses dringet auch zur finstern Kammer ein. Mein Geist erquicket sich durch deines Geistes Kräfte, daß, wenn der Leib schon schläft, das Herze dennoch wacht. Ertödte du in mir die sündlichen Geschäfte, dadurch uns oft der Feind die Ruh zur Unruh macht. Zerbrich des Satans List, der in dem Finstern schleichet, du weißt, das Fleisch und Blut nicht widerstehen kann; drum gib, daß seine Macht den Willen nicht erreichet, und lege du ein Schloß an seinen Rachen an. Umgib mich diese Nacht mit deinen Feuerflammen, umlagre Herz und Haus zu deines Namens Ruhm, und schleuß die Meingen in deine Hand zusammen, denn ich befehl sie dir, als wie dein Eigenthum. Die mir mit Muth und Blut befreundet und verbunden, ja meine Feinde selbst, die mir zuwider sein, die leg ich, Jesu! dir in deine Gnadenwunden, dein Flügel hülle sie mit lauter Segen ein. Vergiß, o Hüter! nicht, auch diese zu behüten, die arm, verwaist, 37 20 Benjamin Schmolkens betrübt, krank und in Nöthen sein; steh bei den Sterbenden, und wenn sie gnug gelitten, so führe sie zur Ruh in deinen Himmel ein. Besonders sei dir, Herr! dein Zion anbefohlen, bewahre du dein Haus und was darinnen dient, bis du uns einsten wirst ins andre Zion holen, wo deine Kirchgemein im rechten Flore grünt. Nun will ich schlafen gehen, du wirst mich selber wiegen, die Engel singen mich mit süßen Liedern ein, ja unter meinem Haupt wird deine Linke liegen, die Rechte herzet mich, wie ruhig werd ich sein. Doch sollt es ja mit mir in dieser Nacht geschehen, ich müßt auf dein Geheiß zur letzten Ruhe gehen, so laß mich auch dein Licht im Todesschlafe sehen und an dem großen Tag mit Freuden auferstehen. Schleußt euch, ihr Augen, zu in meines Jesu Namen, er schließet hinter mir auch meine Kammer ein; mein Seufzen ist erhört, denn Gott spricht selbst das Amen, dieß soll mein erstes Wort und auch mein letztes sein. 38 Abend- Lied. Mel. Jesu, meine Freude 2c. 1. Hirte deiner Schafe, der von keinem Schlafe etwas wissen mag. Deine Wunder- Güte war mein Schild und Hütte den vergangnen Tag; sei die 39 Morgensegen am Dienstag. Nacht auch auf der Wacht, und laß mich von deinen Schaaren um und um bewahren. 2. Decke mich von oben vor der Feinde Toben mit der Vaterhuld, ein versühnt Gewissen sei mein Schulterkissen, drum vergib die Schuld. Denn dein Sohn hat mich davon durch die tief geschlagnen Wunden gnädiglich entbunden. 3. Laß auch meine Lieben keine Noth betrüben, sie sind mein und dein. Schleuß uns mit Erbarmen in dein' Vaterarmen ohne Sorgen ein. Du bei mir und ich bei dir, also sind wir ungeschieden und ich schlaf im Frieden. 4. Komm, verschleuß die Kammer und laß allen Jammer ferne von uns sein. Sei du Schloß und Riegel, unter deine Flügel nimm dein Kichlein ein. Decke zu mit Schutz und Ruh, so wird uns nicht dürfen grauen vor des Satans Klauen. 5. Wie, wenn ich meine Bette heut zum Grabe hätte? Wie bald roth, bald todt! Doch hast du beschlossen, daß mein Ziel verflossen, kommt die Todes- Noth, so will ich nicht wider dich; lieg ich nur in Jesu Wunden, sterb ich alle Stunden. 6. Nun wohlan! ich thue in vergnügter Ruhe Mund und Augen zu: Seele, Leib und Leben hab ich dir ergeben, o du Hüter du! gute Nacht; nimm mich in Acht! und erleb ich ja den Morgen, wirst du weiter sorgen. Morgensegen am Dienst a g. Der Tag vertreibt die Nacht, das Dunkle weicht dem Lichte, die Morgenröthe sagt den Glanz der Sonne an: Ach, leuchte mir, mein Benjamin Schmolkens Gott, mit deinem Angesichte, daß ich mit Freudigkeit den Himmel sehen kann. Gibst du mir jekund Kraft, die Augen aufzumachen, so weck auch meinen Geist durch deines Geistes Trieb; laß mein Gewissen jetzt von Neuem wieder wachen: du haft der Seelen Licht mehr als des Leibes, lieb. Soll ich des Tages Werk am Tage nun vollbringen, so reinige den Sinn durch deinen Gnadenschein; laß keine Finsterniß in den Verstand sich drängen, und meinen Willen auch in allem Lichte sein. Mein erster Odem soll dein Morgenopfer heißen, mein erster Anblick soll nach deinen Bergen gehen: laß die Gedanken sich vom Irdischen entreißen und mich vor deinem Thron in heißer Andacht stehen. Das Halleluja tönt aus meines Herzens Grunde, zu deines Namens Ruhm, du Herrscher aller Welt. Der Lippen Harfenklang preist dich in dieser Stunde, daß du die Wache hast bei mir so wohl bestellt. Dein Zelt, die Dunkelheit, hielt meinen Leib bedecket, ich lag, als wie ein Kind, an seiner Mutter Brust, und wenn sonst da und dort die Nacht mit Grauen schreckte, war mir in deinem Schoos nichts Schreckliches bewußt. Nun hebt mich deine Hand auch 40 41 Morgensegen am Dienſtag. selber aus dem Bette, und deine Liebe legt mir meine Kleider an. Ja, wenn mich deine Kraft nicht neu belebet hätte, so gienge längst mein Fuß auf schwarzer Todtenbahn. Nun leb ich wiederum und lobe deine Güte, ich klopfe wieder an vor deiner Gnadenthür, und bitte, Vater! dich, mit kindlichem Gemüthe, ſei diesen Tag aufs Neu mit deiner Huld bei mir. Ich trage meinen Schatz im irdischen Gefässe, die arme Seele schwebt in mancherlei Gefahr, gleich, als ich in der Welt in lauter Dornen säße; drum stelle heute dich zu meinem Schuße dar. Laß meine Tritte nicht von deinen Wegen gleiten, du weißt, wie bald der Feind uns einen Abweg zeigt; sei, wo ich geh und steh, mit deiner Furcht zur Seiten, gib mir ein Herz, das sich nach deinen Rechten neigt. Will mein Beruf und Amt durch Mühe sauer werden, so stell mir für, daß du es so ge= schaffen hast. Wer hat was ohne Fleiß auf dieser rauhen Erde? wenn nicht die Sünde wär, so wäre keine Last. Der ganze Lebenslauf wird wohl ein Dienstag bleiben, o laß mich nur getreu in deinem Dienste sein, und nicht nur obenhin mein Werk und Wesen treiben, so wird mein Egg und Pflug sich Benjamin Schmolkens auch der Ernte freun. Nichts bin ich ohne dich, durch dich vermag ich alles, ohn dich ist alles Fluch, mit dir ist alles Heil; regierst du meinen Gang, so fürcht ich keines Falles; von deinem Segen kommt auch mein bescheiden Theil. Erhalt in meiner Brust ein ruhiges Gewissen, das mich am Ende nicht des Lebens halben beißt; ich bin ein Sterblicher, wie kann ich also wissen, ob mich nicht heute noch der Tod zum Grabe weist. Gib, daß ich lebe so, als müßt ich heute sterben, so findet mich der Tod, wie er mich haben will; und reiß mich, wenn er kommt, durch ihn aus dem Verderben, hier ist ja wenig Guts, und Böses gar zu viel. Nun schreibe diesen Tag in deine Baterhände mit einer solchen Schrift, die lauter Heil bedeut: daß ich ihn als ein Ehrift aufs Christlichste vollende, so gib mir Christi Kraft, des Geistes Willigkeit. Soll ich auch diesen Tag die Vaterruthe küssen, so schlage du nur zu, ich bleibe doch dein Kind, es wird doch alles nur zum Besten dienen müssen, kein Dorn' ist so verwirrt, da man nicht Rosen findt. Nicht bitt ich nur für mich, ich bitt auch für die Meinen, die mein mit Blut und Muth, auch sonst am Glauben sein; laß ihnen insgesammt die Gna42 43 Morgensegen am Dienstag. densonne scheinen, schleuß deine Christenheit in deine Schußhand ein. Laß überall den Fuß von lauter Fette triefen, und fröne Jahr und Tag mit lauter Güt und Treu. Ja, was in dem Gebet nicht alles ist begriffen, erfülle du gleichwohl, damit es Amen sei. Morgen- Lied. Mel. Lieber Gott, wann werd ich sterben 2c. 1. Angenehme Morgenröthe, die mir Gottes Auge macht! ich gedenke noch zurücke an die todtenschwarze Nacht, die mit ihren Finsternissen jetzt der Sonne weichen müssen. 2. Ach, wie tief lag ich begraben in dem Schlaf, als in dem Tod! Jetzt kann ich mich wieder laben, daß ich lebe, macht mein Gott. Ach Herr! über Tod und Leben, soll ich nicht dein Lob erheben? 3. Gib mir heut ein neues Leben, das nicht todt in Lastern sei. Laß mich nicht am Eiteln kleben, mache mich vom Dienste frei, der das Joch der Hölle träget, den der Sünden Dienstag heget. 4. Niemand kann zwei Herren dienen: Ach so gib mir dich allein. Laß den Tag, der mir erschienen, einen heiligen Dienstag sein, daß ich dir zu Ehren lebe und des Glaubens Früchte gebe. 5. Dein Herze mit meinem Herzen, deine Hand mit meiner Hand; macht mir deine Ruthe Schmerzen, wird ein Kreuze zugesandt, ach so gib Geduld zum Leiden, nach dem Leiden wieder Freuden. 6. Laß Gedanken, Wort und Werke, heilig Benjamin Schmolkens und gesegnet sein, und des guten Geistes Stärke mir so Kraft als Trost verleihn; diesen Führer laß mich führen, diesen Beistand nicht verlieren. 44 7. Nun, du wirsts am besten machen, denn auf dich kommt alles an; drum vollführe meine Sachen, daß ich klüglich handeln kann. Morgen Mittag, Abend müssen nichts als lauter Gnade wissen. Abendsegen am Dienst a g. Mein Gott, der Abend hat sich wieder eingefunden, daß ich nun einen Schritt dem Grabe näher bin. Ach, wie vergeht die Zeit, wie eilen alle Stunden, wie bald ist doch ein Tag von meinem Leben hin! Drum gib mir Herr ein Herz, das stets ans Ende denket, so ofte Tag und Nacht an ihrem Wechsel stehn; denn wie die Sonne sich zum Untergang gelentet, so wird auch dermaleins mein Leben untergehn. Eh ich zu Bette geh, so laß mich selber fragen, ob ich den Dienstag auch dir einen Dienst gethan? und ob ich dem Beruf, den du mir aufgetragen, ſo treulich nachgelebt, daß ich bestehen kann? Es ist ja nicht genug, nur bloß gelebt zu haben, und wenn der Tag vorbei, so liefe man zur Nuh; du forderst Rechenschaft von allen deinen Gaben, thu Rechnung! rufft 45 Abendsegen am Dienstag. du mir von meinem Bette zu. Ach, hier muß ich mein Knie in tiefer Demuth beugen, wenn du, Herr, rechnen willst, weiß ich kein Wörtlein nicht, und muß aus lauter Scham vor deinem Throne schweigen, nur schrei ich, Herr, o geh nicht mit mir ins Gericht! wo ist der Wucher denn von meinem Pfunde blieben, das du mir anvertraut in dieser Sterblichkeit? du haft den Ueberschlag in allem aufgeschrieben, verschwendet hab ich nur die theure Gnadenzeit. Ich habe wohl geschmeckt, wie freundlich du gewesen, es gieng kein Augenblick ohn deinen Segen hin. Doch du hast wenig Frucht für deine Huld gelesen, weil ich ein Schuldner stets in deinem Buche bin. Du hast mich mit Geduld so lange Zeit getragen, und den und jenen dort in Sünden hingerafft, ja nun auch billig mich zu Boden können schlagen, weil deine Langmuth nichts zur Buße hat geschafft. Wenn du mich auch gestraft, ſo hab ich wohl versprochen, ich wollte frömmer sein und deinen Willen thun. Allein wie öfters ist der Vorsatz schon gebrochen, die Sünde will nur stets vor meiner Thüre ruhn. Jetzt schrecket mich dein Zorn, jetzt weckt mich mein Gewissen, wo soll ich aber hin 46 Benjamin Schmolkens vor deinem Antlik gehn? Hier wind ich armer Wurm mich, Herr, vor deinen Füßen, laß Gnade gehn vor Recht, sonst kann ich nicht bestehn. Mein Hirte, suche doch das arme Schäflein wieder, nimm das verlorne Kind, du lieber Vater, auf: Laß deinen Gnadenstuhl zu meinen Seufzern nieder, hingegen meine Noth vor deinen Thron hinauf. Ach hast du noch ein Herz, so laß es jetzo wallen, hast du noch einen Trost, so ruf ihn mir doch zu: Es darf ein Wörtlein nur aus deinem Munde schallen, das von der Gnade spricht, so geb ich mich zur Ruh. Wohlan! ich zweifle nicht, mein Glaube heißt mich hoffen, der Friede zwischen uns ist wiederum gemacht: dein Sohn hat den Vergleich mit seinem Blut getroffen, so geb ich künftig nun den Sünden gute Nacht. Du wirst in mir, o Gott! ein reines Herze geben, und einen neuen Geist durch deine Kraft verleihn, ich will dir nimmermehr mit Bosheit widerstreben und ein gehorsam Kind vor deinen Augen sein. Das Wollen ist bereit, gib du nur das Vollbringen, und mache morgen mich zur neuen Kreatur, so will ich dir, mein Gott! ein neues Danklied singen, Abendsegen am Dienstag. und mein Gelübde thun, das dir mein Herze schwur. Ich gehe nun gehe nun verfühnt mit dir, mein Gott! zu Bette, ich führe dich zu mir in meine Kammer ein, und wenn ich sonsten nichts zu meinem Lager hätte, so soll dein Gnadenschoos die sanfte Ruhstatt sein. Du Hüter Israel, ich werfe meinen Rummer. auf deinen Rücken hin, der alles tragen kann: komm, lege meinen Leib in einen süßen Schlummer, doch schaue dich mein Geist auch in dem Dunkeln an. Solls aber anders sein, daß sich nach deinem Willen die legte Lagerstatt in einen Sarg verkehrt, so sterb ich auf dein Wort, und ruhe ganz im Stillen, weil meines Jesu Blut den Schlaftrunk mir gewährt. O welch ein Morgen wird in Zion dort erscheinen! Dort wird kein Dienstag nicht, ein rechter Freitag sein; Egypten, gute Nacht! Gott führt zuletzt die Seinen, wo da kein Diensthaus ist, zur Himmels- Freiheit ein. Indessen schlaf ich nun, sei du bei Groß und Kleinen, sie seien hie und da, mit deiner Vaterhut, du wirst es treu mit uns, wie wir mit dir es meinen. Versiegle dieß Gebet mit deines Sohnes Blut. 47 48 Benjamin Schmolkens Abend- Lied. Mel. Christ, der du bist der helle Tag 2c. 1. Ein Tag geht nach dem andern hin, da ich noch stets im Leben bin: die Zeit verlauft und ich mit ihr, nur du, mein Gott, bist stets bei mir. 2. Du gibest, daß ich manchen Tag mit Segen hinterlegen mag: und wenn mich eine Last gedrückt, so bist du es, der mich erquickt. 3. Hingegen ist mein Wandel nicht nach deinem Willen eingericht. Ich bin nicht werth, daß deine Gnad so lange mich verschonet hat. 4. Doch trau ich fest auf deine Huld, die größer ist, als meine Schuld. Ich halte dich und laß dich nicht, bis nur dein Mund den Segen spricht. 5. Ach segne, Vater, meine Ruh und gib mir dein Geleite zu, so schlaf ich wie ein Jakob ein, weil Mahanaim um mich sein. 6. Getreuer Jesu, steh mir bei und tritt des Satans Kopf entzwei, daß, wenn mich seine List betrügt, er bald zu meinen Füßen liegt. 7. Gib, guter Geist, daß mir dein Licht auch in dem Dunkeln nicht gebricht; verleih mir einen solchen Sinn, daß ich im Schlaf auch machend bin. 8. Du heilige Dreifaltigkeit, dein bin und bleib ich allezeit, soll diese Nacht die lette ſein, fo leb und sterb ich dir allein. Morgensegen am Mittwoch. Mein Gott, es kommet hier bei frühen Morgenröthen ein Jakob, Morgensegen am Mittwoch. der mit dir im Glauben ringen will; es hat mich diese Nacht kein Esau können tödten, denndeinestarke Hand war allerFeinde Ziel. Ich preise dich dafürmit aufgehobnen Händen, mein Mund und auch mein Herz erhebet deine Macht; es soll sich Leib und SeelzurDankbarkeitverpfänden dieweil du beides hast so väterlich bewacht. Doch Esau lebet noch, der Feind ist noch vorhanden, der mein am Tage so, wie in der Nacht, begehrt. Bewahr auch heute mich vor den gelegten Bänden, und gib, daß Pfeil und List bei mir vorüber fährt. Ich lasse dich nun nicht, bis du mich, Herr! gesegnet, ich hab und halte dich, bis mir die Sonne lacht; ſo fürcht ich keinen Feind, der heute mir begegnet, ich habe Gott besiegt, trotz aller Feinde Macht! die Morgenstunde trägt sonst lauter Gold im Munde, ich aber trage Gott in meinem Herzen ein, so hab ich mehr als Gold, und kann mit gutem Grunde 4 49 50 Benjamin Schmolkens bei deiner Vaterhuld reich und gesegnet sein. Nun bin ich heut ein Mensch, gleichwie die andern Tage, ich kann was Menschliches erfahren und begehn; drum brauch ich deinen Geist, der sich ins Mittel schlage, daß ich der Sünde kann mit Ernste widerstehn. Durch diesen führe mich auf der gebahnten Straße, die man die richtige vor allen andern heißt; und leite meinen Gang nach deines Wortes Maße, daß mich kein Sündenfall so leicht zu Boden reißt. Nächst dem werf ich mein Netz in deines Sohnes Namen mit allen Freuden aus, wie du befohlen haſt; gib einen Segenszug, wie dort in Petri Hamen, und wenn mirs sauer wird, so mache Lust aus Last. Es lebt Niemand davon, daß er viel Güter heget; der größte Reichthum ist nur die Vergänglichkeit. Hast du mir diesen Schatz im Herzen beigeleget, so frag ich nicht darnach, was andrer Herz erfreut. Du weißt, was 51 Morgensegen am Mittwoch. ich bedarf, ich will dich lassen sorgen, weil du so lange Zeit schon hausgehalten hast: gibst du mir heute was, so gibst du es auch morgen, denn mein bescheiden Theil hast du schon abgefaßt. Laß mich vernünftig sein bei allen meinen Werken, auch nichts zur Unzeit thun, auch nichts versäumet sein; gibt sich ein Fehler an, so laß mich ihn bald merken, und gib mir Besserung zu meinem Besten an. Du wirst mich heute wohl des Kreuzes nicht verschonen, es ſei groß oder klein, so bring es immer her! Wer ohne Dornen will in dieser Wüste wohnen, der ist kein rechter Christ und alles Trostes leer. Sind meine Schultern schwach, du hast den breiten Rücken, der aller Frommen Kreuz und Trübſal überträgt: drückst du, so wirst du auch zur rechten Beit erquicken, du heilst mit einer Hand, wenn gleich die andere schlägt. Und weil so 4* Benjamin Schmolkens in der Welt die Lebenszeit vergeht, wenn immerfort ein Tag den andern abgelöst, so gib, daß auch der Tod mir stets vor Augen steht, der uns nach aller Noth mit sanfter Ruhe tröst. Wer weiß, ob ich den Tag zum Ende bringen werde? dut weißt es wohl, mein Gott! drum mache mich geschickt; ich bin doch weiter nichts, als eine Handvoll Erde, wohl mir, wenn deine Hand mein Auge zugedrückt. Doch bin ich dir, mein Gott! noch in der Welt was nüße, so flöße heute mir ein neues Leben ein, erhalte, kräftige, versorge, leite, schüße mich, als dein Eigenthum, ich will dir dankbar sein. Leib, Seele, Freund und Feind, die Deinen und die Meinen, Kirch, Regiment und Haus befehl ich deiner Hand, laß allen überall dein Gnadenantliß scheinen, mach frucht= bar unser Herz und auch das liebe Land. So bleibe denn bei uns auch mitten in der Wochen, auch 52 Morgensegen am Mittwoch. mitten im Beruf, auch mitten in der Noth. Du wirst es alles thun, der Mittler hats versprochen, zuletzt bist du bei uns auch mitten in dem Tod. 53 Morgen- Lied. Mel. Aus meines Herzens Grunde 2c. 1. Du Anfang aus der Höhe, du Glang der Herrlichkeit, durch deine Gnade gehe ich aus der Dunkelheit, den hellen Tag zu sehen. Ach lasse seine Strahlen mir recht vor Augen malen, wie wohl ist mir geschehen. 2. Ich lag in sanftem Schlummer, in der vergangnen Nacht, und dacht an keinen Kummer, der Andre traurig macht. Jetzt, da das Licht erblickt, so leb ich gleichsam wieder, und habe meine Glieder mit neuer Kraft erquickt. 3. Nun Herr! von deinem Sorgen kommt alles Wohlergehn; der Abend und der Morgen muß deinen Ruhm erhöhn. Auch halte ferner an, daß mein Berufsgeschäfte der neuen Lebenskräfte auch wohl genießen kann. 4. Erfüll mit deiner Gnade mein Herze früh und spat, daß mir kein Unfall schade; gib beides Rath und That. Erhalt in Lieb und Leid ein ruhiges Gewissen, soll sich mein Leben schließen! ach komm! ich bin bereit. 54 Benjamin Schmolkens Abendsegen am Mittwoch. Die Nacht ist wieder, da, mein Bette ruft mich wieder, doch ruft mich auch mein Gott vorher zur Dankbarkeit, drum werf ich mich allhiervor seinemThrone nieder, und habe Herz und Hand zur Andacht ihm geweiht; allein wie darf sich wohl ein Sünder unterstehen, vor den gerechten Gott, so ungerecht zu gehn; es donnert ja sein Grimm von den entbranntenHöhen, kein Missethäter kann vor seinem Wetter stehn. Ach ja, mein Herze will mich leider selbſt verdammen, der Satan zeiget mir der Sünden Handschrift für, mich schrecket Gottes Zorn wie auch der Höllen Flammen, ach, wo verberg ich mich! mein Gott, ich flich zu dir. Der Mittwoch lässet mich wohl mitten in der Sünde; ich seh, wohin ich will, so ist nichts recht gethan: doch dieses ist mein Trost, 55 Abensegen am Mittwoch. daß ich den Mittler finde, der mitten in dem Zorn dich, Vater, stillen kann. Bin ich es gleich nicht werth, doch hats dein Sohn verdienet, daß du noch gnädig bist, wenn man zum Kreuze kriecht; er hat mich durch sein Blut bei dir schon ausgefühnet, weil er gerichtet ward, so fürcht ich kein Gericht. Bedecke meine Schuld mit seinem Purpurkleide, und zeuch mir sein Verdienst als einen Schlafrock an, mein Hirte lasse nicht das Schäflein deiner Waide, daß mir der Höllenwolf kein Schrecken bringen kann. Mein Glaube sagt es mir, du wirst mich nicht verschmähen, es läßt es deine Huld und Chriſti Tod nicht zu: Denn ich will nur getrost auf deine Güte sehen, in der allein besteht ihr allerbeste Ruh. Doch weil ich noch an mir den Leib der Sünden trage, so lehre künftig mich dem Fleische widerstehn, daß kein Gewissenswurm an meinem 56 Benjamin Schmolkens Herzen nage, und meine Füße stets auf deinen Wegen gehn. Ich will, vollbringe du; und soll ich morgen leben, so wirke selbst in mir rechtschaffne Besserung; mein ganzer Wandel sei nur dir allein ergeben, ich leb und sterbe dir, so hab ich schon genug. Kein süßers Wort fann mir in meinen Ohren schallen, als wenn du mir versprichst: Ich bin bei dir in Noth: Ob tausend und noch mehr zur Recht und Linken fallen, so steh ich dennoch fest bei dir, Herr Zebaoth. Besonders laß die Nacht mich überall erfahren, du eben seist der Gott, der unsere 3uflucht ist, wo deine Hand mich nur will decken und bewahren, so frag ich nicht ein Haar nach aller Feinde List. An Davids Bette stund: Ich lieg und schlaf in Frieden, denn du, Herr! hilfest mir, auf daß ich sicher wohn: O! tröste du auch mich mit deinem Abendliede, ich lege mich mit dir, sei du mein Schild und Lohn. 57 Abendsegen am Mittwoch. Sei, Jesu, du mein Licht bei diesen Finsternissen, sei meine Sonne mir auch mitten in der Nacht: laß deiner Engel Schaar den Feind an Ketten schließen, der wie ein Löwe nur auf mein Verderben wacht. Dein Name sei das Schloß, die Liebe sei das Zeichen, so mir als ein Panier an meinem Bette steht: Ich will dein theures Blut an Haus u. Herze streichen, damit des Würgers Schwert umsonst vorübergeht. Hilf, daß kein Raub nochBrand, noch anders Ungewitter, uns von dem Schlafe weckt, und unsre Ruhe stört; sei auch der Meinen Schuß u. gnädiger Behüter, daß keinen, wer sie sein, ein Ungemach versehr. Träumt uns, so bilde dich in unsere Gedanken, und leg uns unbemerkt die Jakobs- Leiter an: Sei bei den Traurigen, Verfolgeten undKranken, daß jeder seine Noth bei dir vergessen kann. Laß den verblichnen Tag mir diese Lehre geben, wie er als Mittwoch dir der Wochen Mittel 58 Benjamin Schmolkens sei; so sei ich Sterblicher auch mitten in dem Leben mit Noth und Tod umringt, und nie von Sterben frei. Soll heute nun mein Schlaf sich mit dem Tode küssen, so nehm ich deinen Tod, o Jesu, mit ins Grab, der kann die Bitterfeit im Tode mir versüßen: O selig, wer so stirbt, der scheidet fröhlich ab. Abend- Lied. Mel. Christ, der du bist der helle Tag 2c. 1. Des Morgens, wenn ich früh aufsteh, und des Abends zu Bette geh, seh'n meine Augen, Herr! auf dich; o Jesu, dir befehl ich mich. 2. In den heiligen fünf Wunden dein, da kann ich ruhen und sicher sein, mein Leib und Seele, Hab und Gut, mein Schatz ist dein heiligs Blut. 3. Dann, Herr Christ, am Kreuzesstamm, dein heilig Blut die Sünd hinnahm, drum ich wach oder schlafe ein, thust du, Herr, allezeit bei mir sein. 4. Dein Engel mir stets halten Wacht, drum ich Tod, Teufel, Feind nicht acht, denn wo ich bin, bist du bei mir; mein Glück und Kreuz kommt alls von dir. 5. Ich leb oder sterb, so bin ich dein, darum ich dir die Seele mein, befehl jegund und auch im Tod; nimm sie zu dir, o treuer Gott. Morgensegen am Donnerstag. 59 Morgensegen am Donnerstag. Ermuntre dich, mein Geist, in dieser Morgenstunde, und feure meinen Mund zum Lobe Gottes an. Erneure die Pflicht von seinem Gnadenbunde, daß ich den neuen Tag auch recht begehen kann. Herr, der du meine Zeit in deinen Händen trägest, und meine Tage haft in deinem Buche stehn, der du den Odem noch in meiner Brust bewegest und deine Kräfte läßst in meine Seele gehn. Ich rühme deine Huld, die nach den dunkeln Schatten ein helles Tageslicht mir wieder aufgesteckt, die Augen, welche sich mit Schlaf verhüllet hatten, hat deine sanfte Hand gemächlich aufgeweckt. Daß mir mein Bette nicht zum Grabe könne werden, daß mich kein Feind gestört, kein Unfall hat berührt, und daß ich sonst noch frei von anderen Beschwerden, und alles hast du, Herr! ganz glücklich ausgeführt. Drum nimm, du höchstes Gut, den Dank für deine Güte, ſo sehr ich in der Zeit aus Schwachheit danken fann. Nun kommt der neue Tag mit einer neuen Bitte; nimm sie auch gnädiglich in mir Christi Namen an. Dieweil ich von selbst nichts Gutes kann vollbringen, so sei Benjamin Schmolkens du überall bei, in und neben mir, laß alles, was ich thu, durch deine Kraft gelingen, und stecke mir ein Licht in deinem Worte für. Ich bin ein armes Schaf, wie leichte kann ich irren, drum gehe mir, mein Hirt, stets auf dem Fuße nach, und laß mich nicht im Netz der Eitelkeit verwirren, so stürzt der Thorheit Schuld mich in kein Ungemach. Gib, daß ich heute mag mit frommen Leuten wandeln, auch mit der bösen Schaar stets unanstößig sein. Laß denken, reden, thun, mich nach Gewissen handeln, und schleuß mich überall in deine Vorsicht ein. Soll ich mein täglich Brod mit Kummersalze essen, so lege deine Huld als einen Zucker bei, ich weiß, du wirst mich auch im Kreuze nicht vergessen, dein Herze sagt es mir, das über alles treu. Ich gebe dir mein Herz, lenk es nach deinem Willen; ich gebe dir das Ohr, gib ihm des Wortes Frucht; ich gebe dir den Mund, laß ihn dein Lob, erfüllen; mein Auge geb ich dir, halt es in deiner Zucht. Ich gebe dir die Hand, laß sie was Gutes machen; ich gebe dir den Fuß, führ ihn auf ebner Bahn; ja alles geb ich dir; in allen meinen Sachen will ich dein eigen sein, was ich 60 61 Morgensegen am Donnerstag. nur bin und kann. Gib dich hinwieder mir, laß mich dein Auge leiten; dein Ohr erhöre mich, dein Mund erfreue mich; es steh mir deine Hand in aller Noth zur Seiten, sei meines Herzens Herz, so hab und halt ich dich. Gib, daß ich leb in dir, laß alles in mir sterben, was deines Reiches Macht in mir verhindern kann; denn Satan, Welt und Fleisch, gehn nur auf mein Verderben, und locken meinen Fuß auf breite Höllenbahn. Versalze mir die Welt, die in dem Argen lieget, und halt das wilde Fleisch durch dein Gesetz im Zaum, gib, daß der Seelen Feind mich nicht ins Netze kriege, und wenn er an mich setzt, so find er feinen Raum. Nun, ich befehle dir mein Leben und mein Leiden, und sollte beides auch den Tag zu Ende gehn, so will ich gerne mich auf dein Geheiß bescheiden, laß mich im Tode nur auf Christum feste stehn. Es ist das letzte doch, wenn wir gelebet haben, ſo macht der Tod den Schluß, und führt uns aus der Welt; da wird der Himmel uns nach aller Arbeit lachen, wo keine Hitze mehr auf unsre Glieder fällt. In dieser Hoffnung will ich an die Arbeit gehen, und an dem Joche noch, so lang ich lebe, ziehn. Ach laß in deiner Huld Benjamin Schmolkens mich und die Meinen stehen und deine Segenskraft an allen Orten blühn. Sei unser aller Gott jetzt und zu allen Zeiten, so werden wir dein Volk und deine Kinder sein; es decket uns dein Schild bei allen Fährlichkeiten, und deine milde Hand versorget Groß und Klein. So wird kein Donner uns am Donnerstage schrecken, und lauter Sonnenlicht um unsre Scheitel fein; ja wenn dein Donner uns wird zum Gerichte wecken, so gehn wir freudenvoll ins stille Zion ein. 62 Morgen- Lied. Mel. Gott des Himmels und der Erden. 1. Gott, du wohnst in einem Lichte, dahin Niemand kommen kann; doch dein helles Angesichte schaut uns alle Morgen an, daß uns ein solch Licht umfaßt, welches du geschaffen hast. 2. Da der Vorhang aufgezogen, den die Nacht um uns gehüllt, und die Träume hingeflogen, die mit Schrecken angefüllt, sehen wir mit Freuden an, was du, Herr! an uns gethan. 3. Deinen Schild, der uns bedecket, salben wir mit Dankbarkeit. Deine Hand, die uns gewecket, küssen wir, und sind erfreut, daß du noch an uns gedenkst, und uns neues Leben schenkst. 4. Unser wäre längst vergessen, unser Bette längst ein Grab; doch du wachtest unterdessen, bis der Schlaf sich weg begab, und so ists, als stünden wir neugeboren hier vor dir. 63 Abendsegen am Donnerstag. 5. O du hochgepriesner Schöpfer! laß nicht deiner Hände Werk; wir sind Thon, du bist der Töpfer, wir voll Schwachheit, du voll, Stärf. Hast du uns ans Licht gebracht, schütz uns auch durch deine Macht. 6. Schreib du das, was wir verrichten, in das große Segensbuch. Unser Reden, Thun und Dichten sei vor dir ein Wohlgeruch, daß die angewandte Müh viel Gedeihen nach sich zieh. 7. Lock uns stets mit deinem Himmel, schreck uns mit der Hölle ab; zeig uns mit dem Weltgetümmel, was zuletzte folg, das Grab, daß man an das Ende denkt, und das Herz auf Klugheit lenkt. 8. Folgt der Tod uns auf dem Fuße, ach ſo schärf uns täglich ein, wie man immer in der Buße seiner muß gewärtig sein, daß auf diesen Donnerstag uns kein Donner schrecken mag. Adendsegen am Donnerstag. Gott Lob! der Donnerstag ist auch nun überlebet, ach donnerte, mein Gott, nur dein Gesetze nicht! Denn weil ich diesen Tag dir öfter widerstrebet, so zieht ein Wetter Mein auf, und dräut mir dein Gericht. Herze schlägt mir schon, ach schone du mit Schlägen; doch wo du schlagen willst, so denk an deinen Sohn, der hat ja meine Schuld und deinen Zorn getragen, ich werfe mit zerknirscht vor diesen Gnadenthron. Ist Benjamin Schmolkens meine Sünde groß, du hast viel größre Gnad, ist sie wie Sand am Meer, gehäufter denn mein Haar, ich weiß, daß deine Huld sie dennoch überlade, und meines Jesu Blut stellt viel mehr Tropfen dar. Nimm diesen Bürgen an, und schreib die Sündenschulden aus dem Gerichtsbuch ab, in die Vergessenheit: mein hoher Priester will das alles für mich dulden, was die Gerechtigkeit für Strafe mir gebeut. Laß deinen Donner sich in Sonnenschein verkehren; verwandle deinen Fluch in Segen und Gedeihn; denn sollt ich deinen Blick in dieser Nacht entbehren, so wollt ich lieber todt, als so verlassen sein. Nun du herzfreundlicher und allertreuster Vater! nimm das verlorne Kind noch einmal wieder auf, und sei inskünftige mein Führer und Berather, dein Geist verbeuge mir den alten Sündenlauf. Hilf mir mein Fleisch und Blut durch Kraft von Oben dämpfen; vergälle mir die Welt, die man verleugnen muß; und will mein ärger Feind, der Satan mit mir kämpfen, so tritt den Belial selbst unter meinen Fuß. Hast du mich diesen Tag auf deiner Hand getragen, so küß ich sie dafür in tiefster Dankbarkeit: bat deine Ruthe mich, als wie ein Kind, geschlagen, 64 Abendsegen am Donnerstag. so dank ich dir, mein Gott! von dir kommt Lieb und Leid. Du hast mir manches Kreuz schon helfen überwinden; war mir die Last zu schwer, so warf ich sie auf dich, und lerne mich nunmehr in deine Weise finden: du führest wunderlich, doch aber seliglich. Du wirst es immer gut mit deinen Kindern machen, wer seine Wege dir mit Ernste nur befiehlt, kann mitten in der Noth, wie in den Rosen lachen, weil deine Ruhe stets auf unser Bestes zielt. Du bist mein Licht, mein Heil, vor wem soll ich erschrecken? Du bist des Lebens Kraft, so grauet mir vor nichts: du bist mein Schirm und Schild, mein Stab und auch mein Stecken, so acht ich keine List des alten Bösewichts. Drei Hütten hab ich hier, mein Jesus! bei dir funden, die erste gebe mir der Füße Nägelmal, die andere bau ich mir in deiner Hände Wunden, und deine offne Brust zeigt mir die dritte Zahl. O Jesu! laß mich hier die süße Ruh genießen! ein andrer hülle sich in Sammt und Seiden ein, ich will mich nur allein in deine Wunden schließen, und sage ganz getrost: D Herr! hier ist gut sein. Laß morgen deine Kraft mich wieder neu beleben, und wecke mich zu dem, was 5 65 Benjamin Schmolkens mein Beruf mich heißt; soll aber mich mein Schlaf den Todten übergeben, so bitt ich, daß du mir mein Weg zum Himmel seist. Ich bitt auch, Herr! für die, die du mir anvertrauet; laß Krankheit, Furcht und Noth von ihnen ferne sein: die Kirche, die auf dich, als ihren Fels gebauet! beleuchte Tag und Nacht durch deinen Gnadenschein. Wohlan! ich lege mich, verschleuß du meine Kammer, ich schlafe, wache du, bis daß die Nacht verschwindt, so ruhet Leib und Seel befreit von allem Jammer, und an dem Bette steht: hier schlafet Gottes Kind. 66 Abend- Lied. Mel. Die Nacht ist vor der Thür zc. 1. Die Nacht ist Niemands Freund, doch weil ich Jesum habe, so fürcht ich keinen Feind Lei solcher Uebergabe. Er ist's, der mir die Nacht zur guten Freundin macht. 2. Heb alle Feindschaft auf, Freund, den mein Herze liebet; und wo mein Lebenslauf dich da und dort betrübet, so tilge meine Schuld mit Huld und mit Geduld. 3. Zwar hab ich einen Feind, der voller List und Tücke, doch wo dein Antlitz scheint, da fällt er bald zurücke, troß Teufel und die Höll! hier ist Immanuel. Morgensegen am Freitag. 4. Ich werde diese Nacht als wie ein Todter liegen, drum lasse deine Macht sich um mein Lager fügen, und deiner Allmacht Schein bei meiner Ohnmacht sein. 67 5. Der Schlaf, des Todes Bild, heißt mich ans Grab gedenken; doch komme, wenn du willst, ich will mich gar nicht kränken, mich bringt der letzte Feind zu dir, mein bester Freund. Morgensegen am Freitag. Gott Lob! der Freitag hat mich von der Nacht befreit, die in dem dunkeln Schoos mich ganz gefangen hielt: es hat sich meine Kraft erholet und erneut, mich schrecket nun nicht mehr der Träume Todtenbild. Der helle Himmel zeugt von meines Schöpfers Güte, die immer neues Licht und neues Leben gibt, und fordert jezund auf mein dankbares Gemüthe, daß es mit Freuden sich in deinem Lobe übt. Du überreicher Gott, du Brunnquell aller Gnaden, groß von Barmherzigkeit und übergroß an Treu! vor deinem Vaterschutz wich aller Seelenschade, der Leib war von Gefahr in deinen Armen frei. Du hattest meine Ruh mit Engeln ganz umgeben, und ihre Wagenburg war um mein Lagerstatt; so durfte nicht ein Haar vor Satans Grimme beben, wie eifrig 5* Benjamin Schmolkens er die Nacht mir nachgestellet hat. Ach Herr, ich bin zu schwach, für Alles dich zu preisen, so nimm nur für die That den guten Willen an; ich will dir Lebenslang verbundne Pflicht erweisen, bis ich im Himmel dort mein Lob verbessern kann. Doch meine Dankbarkeit ist eine neue Bitte; der Freitag brauchet auch die Blicke deiner Huld; so zeichne demnach ihn mit deiner Wundergüte, verbinde heute mich zu einer neuen Schuld. Laß mich den Tag begehen zu deines Sohnes Ehren, es war sein Leidenstag und auch sein Sterbetag, was könnt ich Schöners wohl von seinem Tode hören, als daß ich, Vater dich, in Christo nennen mag. Die Morgenröthe kann mit ihrem Purpur prangen: mir heißet Jesu Blut das schönste Morgenroth, darin die Sonne mir zum Leben aufgegangen, sonst wär ich in der Nacht, ja gar in Sünden todt. Gib also, daß ich stets an den Erlöser denke, daß ich ihn heute nicht auf's Neue freuzige, und meine Blicke stets auf seine Wunden lenke, damit ein Wohlgeruch zum Leben draus entsteh. Wenn sich Gelegenheit zu einer Sünde zeiget, so zeige mir sein Blut und seine Todespein, und weun mein Herze sich zur Welt und 68 Morgensegen am Freitag. Wollust neiget, laß deinen Dornenkranz mir bald Augen sein. Laß seinen Angstschweiß sich mit meinem Schweiße mischen, den mein Beruf mir hie aus meinen Adern treibt. Laß seinen Gallentrank mein Thränenmaß erfrischen, und gib, daß mir sein Kreuz ein Trost im Kreuze bleibt. Mit seinen Banden zeuch mich immer von der Erden, in seine offne Seit begrabe meine Noth, und soll ich heute noch zur blassen Leiche werden, so sei durch seinen Tod auch meines Todes Tod. So wird mir dieser Tag ein rechter Feitag bleiben, und keinesweges nicht der Bosheit Deckel sein, du wirst ihn in dein Buch mit Christi Blute schreiben, dasselbe machet mich von allen Sünden rein. Und du, o Gotteslamm, laß mich dein Vorbild lieben, daß ich gehorsam bin, wie du gewesen bist: daß ich geduldig sei, wenn man mich will betrüben, daß meine Liebe treu, so wie die deine iſt. Denn bleibet mir der Trost: du hast so viel gelitten, daß meine Seele nun nicht darf verloren gehn, so wirst du auch den Leib mit Segen überschütten, und mich dein Gliedmaß nicht in Kummer lassen stehn. Die Schädelstätte wird mit lauter Gnade thauen, wo du gedür69 Benjamin Schmolkens stet hast, werd ich gesättigt sein: Wo dich dein Gott verließ, werd ich sein Antlitz schauen, wo du getrauert hast, da werd ich mich erfreun. Wo man dir alles nahm, wirst du mir alles geben, wo man dich hat entblößt, ziehst du dich selbst mir an, wo du geſtorben bist, da wirst du mir das Leben, dein Weg zum Kreuze hin ist meine Himmelsbahn. Du wirst ein Fluch für mich und ich durch dich ein Segen, du trugest Gottes Zorn und ich die Huld davon, das laß mich heute nun mit rechtem Ernst erwägen, daß ich die Sünde flieh, die dir gab solchen Lohn. Laß auch den Meinigen aus deinen Wunden fließen, was sie vergnügen kann, dein Blut, ihr rothes Heil, bei dessen Zeichen sie von keinem Unfall wissen, es sei ihr Trost, ihr Schuß, ihr allerbestes Theil. Und endlich ſei auch stets bei deiner Kreuzgemeine, die deiner Fahne folgt und dich als König schätzt. Gib, daß uns dermaleins ein Freitag dort erscheine, der aus Egypten uns ins freie Land versetzt. Amen. 70 Morgen- Lied. Mel. Meinen Jesum laß ich nicht 2c. 1. Schließet euch ihr Augen auf, denn das 71 Morgensegen am Freitag. Auge dieser Erden will durch seinen neuen Lauf euch zur Morgenfakel werden. Seht die Sonne geht euch vor, und weist euch zu Gott empor. 2. Lasset euren ersten Blick sich nach Zions Höhe wenden. Sehet auf die Nacht zurück, die Gott half so glücklich enden. Ach! ein solcher Gott verdient, daß sein Lob beständig grünt. 3. Herr Zebaoth; deine Treu hat wie Flügel mich bedecket, und jetzt wird sie wieder neu, da du mich haft aufgewecket, ach, was geb ich doch dafür? Ich verehr mich selber dir. 4. Bin ich nun dein Eigenthum, so versorge mich auch heute, daß zu deines Namens Ruhm, Heil und Segen mich begleite. Was ich thun und reden soll, alles dieß gerathe wohl. 5. Laß den Himmel offen sein, wenn mein Herz sich zu dir hebet, und laß meine Seufzer ein, wenn die Noth vor Augen schwebet. Sprich ein gnädigs Wort zu mir: Fürcht dich nicht, ich bin bei dir. 6. Laß mich dein Augapfel sein, den du, Herr! wirst wohl bewahren, und mir deinen Gegenschein aller Orten widerfahren. Sei mir immer Sonn und Schild, sonsten maches, wieduwillt. 7. Gib, daß ich kein Brandmal mir ins Gewissen heute mache. Schieb der Sünden Riegel für, hilf mir, daß ich bet und wache. Denn, wer weiß, ob diesen Tag nicht mein Ende kommen mag. 8. Nun, ich werfe mich auf dich, du kannst alles übertragen; deine Hand erhalte mich, wenn mich Kreuz und Unglück plagen. Kommt der Abend dann herbei, gib, daß ich gebessert sei. Benjamin Schmolkens Abendsegen am Freitag. Herr Jesu! bleib bei mir, denn es will Abend werden, der Tag hat sich geneigt, die finstere Nacht ist da; komm, fehre bei mir ein, mein bester Trost anf Erden, sei mir mit deiner Huld auch in dem Finstern nah. Der Feitag ist vorbei, ach wär ich frei von Sünden, so würd ich auch bei dir frei von der Strafe sein; allein so muß ich mich auch heute schuldig finden, mir kommt viel Böses jetzt und wenig Gutes ein. Ich hab es schlecht bedacht, wie du an diesem Tage für aller Menschen Schuld so schmerzhaft haft gebüßt, wie Dir dein Leidenstag durch ungemeine Plage bis an des Kreuzes Stamm so sauer worden ist. Die Bande, die du trugst, die Dornen, die dich riten, die Geißel, die dein Leib mit Striemen angefüllt, die Wunden, welche Blut mit ganzen Strömen schwitzten, dein dein Durst, dein Gallentrank, dein blasses Todtenbild, die hätten heuté mir vor Augen sollen schweben. Dir, du Gefreuzigter! sollt ich gekreuzigt sein: allein mich überzeugt mein sündenvolles Leben, dein Blut will über mich und meine Bosheit schrein. Dunbeflecktes Lamm! ich habe dich erwür 73 Abendsegen am Freitag. get, und meine Missethat hat dich ans Kreuz gebracht: doch hast du meine Schuld mit Blut und Tod verbürget, und selbst dich für mich zum Schuldener gemacht. Ich zeige dir dein Blut, das du für mich vergossen, soll dieser theure Schaß an mir verloren sein? Du hast ja deine Brust den Sündern aufgeschlossen, so nimm mich Aermsten auch in deine Wunden ein. Aus deinen Dornen laß mir lauter Rosen blühen, durch deiner Bande Kraft verbinde mich mit dir. Dein Kreuze müsse mich recht nach der Höhe ziehen, die offne Seite fei mein Weg zur Gnadenthür. Ach sprenge doch mein Blut auf mein zerknirschtes Herze, lösch ab des Vaters Zorn in dieser rothen Fluth; hilf mir durch deinen Schmerz von meinem Sündenschmerze, was ich nicht recht gethan, mach alles wieder gut. Ich will mein Fleisch und Blut hinfort ans Kreuze heften, die Welt soll künftig mir, ich ihr gekreuzigt sein. Doch weil ich viel zu schwach in meinen eignen Kräften; so pflanze du mir selbst dein Kreuz ins Herz hinein. Laß deine Nägel mir durch mein Gewissen gehen, so oft auch mich die Lust zu einer Sünde trägt: traf dieß das grüne Benjamin Schmolkens Holz, wie wirds ums dürre stehn? wie wird der Knecht gestraft, wenn Gott den Sohn so schlägt! ganz ferne sei von mir, mich von was anders rühmen, als Jesus nur von dir und deinem Kreuz allein. Das will ich nur allein als meinen Trost annehmen, in deinen Wunden soll mein einzigs Labsal sein. Laß auch in dieser Nacht dein hochgepries' nes Kreuze zum Zeichen über mir und meinem Bette stehn, daß mich mein Fleisch und Blut zu feiner Sünde reize, und alle Feinde sonst bei mir vorübergehn. Laß deine Trauernacht zur Freudennacht mir werden, der Engel fei bei mir, der dich gestärket hat, dein hartes Lager dort am Delberg auf der Erde verwandle sich bei mir zur sanften Ruheſtatt. Doch lasse mich nicht so, wie deine Jünger, schlafen; Gebet und Wachsamkeit erfordert auch mein Stand, kommt Judas und die Schaar mit Satans Wehr und Waffen, so gib des Geistes Schwert mir in die Glaubenshand. Will mich der arge Feind als wie den Waizen sichten, so bete du für mich, damit mein Glaube bleibt; bewahre meinen Schlaf vor Satans Mordgerichte, die er sonst in der Nacht mit seinen Schuppen treibt. Wie 74 75 Abendsegen am Freitag. du am Kreuze dich dem Vater hast befohlen: so laß auch meinen Geist dir jetzt ergeben sein. Willst du mich heute noch in deinen Himmel holen, so schlaf ich ganz getrost in deinen Wunden ein. Dein Kreuzweg führet mich aus allem Kreuz und Leiden, dein Tod macht meinen Tod zur rechten Lebensbahn, dein letztes Angstgeschrei erwirbt mir Himmelsfreuden, auf deinem Golgatha treff ich mein Thabor an. Du hast dich in der Noth der Deinen angenommen, so laß die Meinen auch in deiner Obsicht stehn; will ihnen dieſe Nacht etwas zu nahe kommen, sprich nur ein einzig Wort: Fort, laß mir diese gehn. Wir machen dein Verdienst zu unserm Schulterkissen, und legen uns zur Ruh, weil du für uns gewacht, so können wir getroft die müden Augen schließen, und auf den Freitag folgt auch eine freie Nacht. Abend Lied. In bekannter Melodie. 1. Christ, der du bist der helle Tag, vor dir die Nacht nicht bleiben mag, du leuchtest uns vom Vater her und bist des Lichtes Prediger. 2. Ach, lieber Herr! behüt uns heut in dieser Nacht vorm bösen Feind, und laß uns in dir ruhen ein und vor dem Satan sicher sein. Benjamin Schmolkens 3. Obschon die Augen schlafen ein, so laß das Herz doch wacker sein: Halt über uns dein rechte Hand, daß wir nicht falln in Sünd und Schand. 76 4. Wir bitten dich: Herr Jesu Christ! behüt uns vor des Teufels List, der stets nach unserer Seele tracht, daß er an uns findt keine Macht. 5. Sind wir doch dein ererbtes Gut, erworben durch dein theures Blut, das war des ew'gen Vaters Rath, als er uns dir geschenket hat. 6. Befiehl dem Engel, daß er komm, und uns bewach, dein Eigenthum, gib uns die lieben Wächter zu, daß wir vorm Satan haben Ruh. 7. So schlafen wir im Namen dein, dieweil die Engel bei uns sein: Du heilige Dreifaltigfeit! wir loben dich in Ewigkeit. Morgensegen am Sonnabend Das Auge dieser Welt zeigt wieder seine Strahlen, ach brenne doch, mein Herz, die Andachtsflamme an. Die Sonne suchet dir im Bilde vorzumalen, wie man zu Gottes Ruhm am Morgen leuchten kann. O Vater alles Lichts! erleuchte mein Gewissen, damit die Sündenmacht im Herzen Abschied nimmt: denn deine Kindschaft weiß von keinen Finsternissen, so wenig 77 Morgensegen am Sonnabend. Tag und Nacht jemals zusammenstimmt. Entzünde meinen Mund zu lauter Lobessprüchen, und mache dir mein Herz zu einem Dankaltar, weil du die ganze Nacht nicht bist von mir gewichen, und alles abgewandt, was zu befürchten war. Nimm meine Seele hin zu deinem Eigenthume, ich gebe dir den Leib zu einem Tempel ein, verkläre dich in mir zu deines Namens Ruhme, und laß mich festiglich mit dir vereinigt sein. Ich bin jetzund bereit, die Kleider anzuziehen, zeuch deine Liebe mir als deinen Leibrock an, und laß den güldnen Schmuck in allen Werken blühen, der mich in Christo nur gefällig machen kann. Ja schmücke du mich selbst mit Glauben und mit Liebe, mit Keuschheit, mit Geduld, mit Demuth, Mäßigkeit, und führe meinen Fuß nach deines Geistes Triebe, in wahrer Gottesfurcht und auch Gelassenheit. Laß deine Gegenwart mir Benjamin Schmolkens stets vor Augen schweben, die, wo ich geh und steh, mich wie die Luft umgibt: und weil du alles siehst, so gib mir so zu leben, daß sich dein Vaterblick nicht über mich betrübt. Verleihe deine Kraft, mir selbsten abzusterben, und für den alten Menschen den neuen anzuziehn; ja was die Welt sonst liebt zu ihrem Selbst- Verderben, das laß mich allemal als eine Schlange fliehn. Der Feind läßt seine Pfeil auch an dem Tage fliegen, drum gib mir einen Schild, an dem kein Stoß nicht haft, und sucht mich seine List in Sünden einzuwiegen, so weck und schrecke mich mit deines Donners Kraft. Gib beides, Rath und That, zum Sinnen und Beginnen; was ich in Chrifto thu, sei alles wohl gethan: und laß in die ser Welt mich nur zu viel gewinnen, daß ich den Meinigen die Nothdurft reichen kann. Dein Segen machet reich, nicht aber unsre 78 79 Abendsegen am Sonnabend. Mühe, doch gibst du keinem was, der müßig gehen will; so schaff, daß meine Hand die Arbeit niemals fliehe, und fülle sie alsdann mit wenig oder viel. Kehrst du mit Trübsal ein, so mach es nur erträglich, das ist kein guter Tag, da man kein Kreuze hat; dein süßer Trost macht mir die größte Noth behaglich, und alles Leid verschwindt, wenn Jesus zu mir naht. Die schwere Kreuzeslaſt macht doch ein leicht Gemüthe, das Herze hebt sich nur drunter mehr empor, und endlich scheinet doch die treue Vatergüte, der Zucker deiner Huld schmeckt allem Wermuth vor. Sei du mir Sonn und Schild, bei mir und bei den Meinen, wend ab Gefahr und Leid, Pest, Krieg und Hungersnoth; und sollte diesen Tag mein Ende gar erscheinen, so gib durch Christi Blut mir einen sanften Tod. Ich lebe länger nicht, als Benjamin Schmolkens du mein Ziel gestecket, der Tod klopft täglich auch bei meiner Schwachheit an, drum gib, daß jeder Tag zum Sterben mich erwecket, und ich ihm freudiglich entgegen gehen kann. Laß mich indessen nicht dem Namen nach nur leben, wer dich nicht liebt und ehrt, der ist lebendig todt. Vielmehr laß allezeit mir zu erkennen geben, mein Leben sei aus dir, so hats mit mir nicht Noth. Denn Keiner lebt ihm selbst, kann auch ihm selbst nicht sterben, drum leb ich, leb ich dir, sterb ich, so sterb ich dir, nun also kann ich todt und lebend nicht verderben; du bist des Todes Herr, und meine Lebensthür. Die Woche wird auch sich mit diesem Tage schließen, ein gutes Ende macht auch alles Andre gut, das aber wirst du Herr! mir selbst verleihen müssen, du bist das A und O, so schließ ich wohlgemuth. Noch heute währt 80 81 Morgensegen am Sonnabend. die Mühe, denn morgen ist gut feiern, ein einz'ger Tag wird mich auf alle sechs erfreun, da werd ich meine Kraft in deiner Kraft erneun, der Sonnen- Abend wird mein Feier- Abend sein. Morgen- Lied. Mel. Die Nacht ist vor der Thür 2c. 1. Die Nacht gibt gute Nacht, der Tag herrscht schon auf Erden, Gott, der da beides Du Herr macht, soll hoch gepriesen werden. der ganzen Welt hast alles wohl bestellt. 2. Ja mehr und mehr als wohl hat mich dein Schild bedecket, daß ich erkennen soll, wie deine Güte schmecket, und daß sonst keine Treu so groß als deine ſei. 3. Ach laß dir meinen Dank in Schwachheit hier gefallen, dein Lob soll Lebenslang in meinem Munde schallen; ich werde niemals mein, nur dein alleine sein. 4. Du wollst mich diesen Tag ins Buch des Segens schreiben, daß ich so leben mag, wie mich dein Geist wird treiben, durch dessen Leitung führ mich mehr und mehr zu dir. 5. Mein Thun und Lassen laß dein Aufsehn nicht verlassen; dein Wort sei mein Compaß, den Lauf darnach zu fassen; gib ein bescheiden Theil am Kreuz und auch am Heil. 6 Benjamin Schmolkens 6. Versorge meinen Mund, doch aber mehr die Seele, erhalte sie gesund in ihrer Leibeshöhle, gib einen Gnadenblick auch zu der Meinen Glück. 82 7. Die Woche laufet nun an diesem Tag zu Ende, drum hilf, daß ich mein Thun in deiner Kraft vollende, daß morgen mich der Tag geruhig finden mag. 8. Laß mich die kurze Zeit des Lebens klüglich theilen, und nach der Ewigkeit mit frohen Schritten eilen; so leb ich, weil es gilt; so sterb ich, wenn du willt. Abendsegen am Sonnabend. So endigt sich der Tag, zugleich it diesen Wochen, ach endige, nein Gott, nun deine Gnade nicht. Ich habe heute zwar aufs Neue viel verbrochen, doch tröstet mich dein Wort, du willst mein Sterben nicht. Und also werf ich hier mein Herz zu deinen Füßen, mit Wehmuth ganz zerfuirscht, doch glaubig und getrost, laß mich nur einen Blick von deiner Huld genießen, und hemme deinen Grimm, der sonst zur Höllen stoßt. Kein Mensch ist engelrein, wir 83 Abendsegen am Sonnabend. allzumal sind Sünder, es mangelt uns der Ruhm, der uns vor Gott gebührt. Jedoch dein Sohn hat dich und andre Sündenkinder für deinen Gnadenstuhl durch sein Verdienst geführt. Ach, streich die Schulden aus mit seinem rothen Blute, und fühle deinen 3orn in diesen Strömen ab: was er gelitten hat, das komme mir zu gute, der Wunden tiefes Meer seimeinerSünden Grab. In diesem Glauben geht mein mattes Herz zu Bette, ich werde wieder Kind, du wieder Vater sein; wenn ich auch diesen Trost bei meiner Ruhnicht hätte, so schlief ich ganz gewiß auf lauter Dornen ein. Doch ehe sich mein Haupt zum Schlafe niedersenket, so brenn ich dir zuvor der Lippen Weihrauch an; du hast mir so viel Heil die Woche durch geschenket, daß ich dir deine Treu nicht g'nug verdanken kann. Kein Tag gieng mir vorbei, ich zählte keine Stunde, es war kein 6* Benjamin Schmolkens Augenblick, der nicht gesegnet hieß, mein Wohlfein stund bei dir auf einem festen Grunde, daran der arge Feind sich selbst den Kopf zerstieß. Du hast im Geistlichen die Seele. wohl berathen, und auch im Irdischen den armen Leib bedacht; mein armes Leben zeugt von deinen Wunderthaten, du hast es auch mit mir im Kreuze gut gemacht. Dein Segen war bei mir, daß ich in meinem Schweiße mein Brod mit Freuden aß, und mir begnügen ließ; es kam von deiner Kraft nun nicht von meinem Fleiße, wenn ich was Nüßliches in meinem Amt erwies. Wer weiß, was sonsten mich vor Elend hätte troffen, wenn du das Beste nicht, o Gott, bei mir ge= than: so hast du über mir dein Auge täglich offen, daß ich von mancher Noth befreiet leben kann. Was bin ich besser wohl, als andre Menschenkinder, die du die Woche durch im Zorne heimgesucht? die an= 84 85 Abendsegen am Sonnabend. dern strafest du, und fährst mit mir gelinder, da dein Gefeße mir sowohl als ihnen flucht. O Langmuth! o Geduld! o freundliches Erbarmen! wo schreib ich ſolche Treu und solche Gnade hin? ich werfe mich davor in deine Liebes- Armen, und sage, daß ich ganz und gar dein eigen bin. Vater voller Huld! o Heiland voller Leben! o Geist voll Süßigkeit! nimm dieses Opfer an; Herz, Mund und Hand soll dir Lob, Preis und Ehre geben, bis ich im Himmel dort vollkommen danken kann. Fahr aber immer fort mit deiner großen Gnade; voraus in dieser Nacht sei du mein Trost und Licht, daß mir kein Ungemach an Leib und Seele schade, so gönne mir nur, Herr, dein gnädigs Angesicht. Laß in der Dunkelheit dein helles Auge machen, dein Arm umfasse mich, daß mich nichts trennen mag. Treib ab die Grausamkeit des alten Höllendrachen, und stecke Benjamin Schmolkens vor mein Bett des Glaubens Siegesfahn. Der Träume Larvenspiel laß meinen Sinn nicht schrecken, Flut, Glut und Satansbrut ſei fern von meiner Ruh, es müsse mich kein Leid und keine Sorge wecken, dein Flügel decke mich als wie ein Kichlein zu. Schließ eine Wagenburg um mich und um die Meinen, sei Mauer, Schild und Wacht durch einen Cherubim: ruth etwa Haupt und Herz auf harten Kummersteinen, so stelle mir zum Trost auch Jakobs Leiter hin. Wie süße werden wir in deinem Namen schlafen, wie ruhig wird der Leib und auch die Seele sein, denn du, der Hirte, bist bei deinen lieben Schafen, und wirst dein Eigenthum von aller Noth befrein. Laß morgen mich gesund zudeinemThrone treten, dein Sonntag wecke mich mit Leben wieder auf, so werd ich vor dir stehn mit Hören, Singen, Beten, ach wie sehr freuet sich mein Herze schon 86 87 Abendsegen am Sonnabend. darauf. Soll aber in der Nacht der Tod die Augen brechen, und dieser Wochen Schluß der Schluß des Lebens sein, so laß mir deinen Mund ein gnädigs Urtheil sprechen, und binde meine Seel ins Lebensbündlein ein. Wo kann mir besser sein, als droben in dem Himmel? Man trifft doch in der Welt nur Marterwochen an. Mein Jesu eile doch, daß ich dem Weltgetümmel die letzte gute Nacht auf Erden sagen kann. Indessen will ich mich dem Irdischen entreißen, und nur des Himmlischen im Glauben mich erfreu'n: Ein sanfter Tod wird mir ein Sonnen- Abend heißen, und wenn ich aufersteh, mein Sonnen- Morgen ſein. Abend- Lied. Mel. Herzlich thut mich verlangen. 1. Die Woche geht zum Ende, nicht aber Gottes Treu, denn wo ich mich hinwende, da ist sie immer neu. Die Zeit fann wohl verschwin Benjamin Schmolkens den, nur. Gottes Güte nicht, sie läßt sich täglicht finden und gibt uns Trost und Licht. 2. O gnädiger Erhalter von allem, was ich bin, hör meines Mundes Psalter, und nimm mein Opfer hin, es sind ja deine Gaben, die nicht zu zählen sein, und was ich kann nur haben, das ist ja alles dein. 3. 88 Die ganze Woche zeuget von deiner Gütigkeit, die du zu mir geneiget; ja, meine Lebenszeit, rühmt anfangs bis jetunder, auf diesen Augenblick, rühmt deine Gnadenwunder, im Glück und Ungelück. 4. Allein meine Herze bebet, wenn es zurücke denkt, wie übel ich gelebet, und dich, mein Gott! gekränkt; je mehr du mich geliebet und meiner hast verschont, je mehr ich dich betrübet, und nur mit Haß belohnt. 5. Ach strafe nicht im Grimme gehäufte Missethat: weil deine Vaterstimme mich selbst gerufen hat, so schrei ich Erbarmen, erbarm dich über mich! ich fall dir in die Armen, ach schone gnädiglich. 6. Mein Glaube heißt mich hoffen, es sei durch Christi Blut ein neuer Bund getroffen, und alles wieder gut, drum will ich dir geloben, auf ewig treu zu sein; dein guter Geist von oben wird mir die Kraft verleihn. 7. Ich bin dein Kind aufs Neue, drum gib, daß diese Nacht mich auch dein Schuß erfreue, der alles sicher macht. Ich werde gleichsam sterben, der Schlaf ist wie ein Tod, doch kann ich nicht verderben, du lebst in mir, mein Gott. 8. Ja du, mein Gott, wirst wachen, ich werde ruhig sein; so mag der Höllenrachen gleich Donner auf mich spein, dein Kind wird nichts empfinden, 89 Morgen- und Abendlieder. als wenn's im Himmel wär, von vornen und von hinten deckt mich der Engel Heer. 9. Du wirst auch die versorgen, die mein und deine sein! so werden wir uns morgen in deiner Kraft erfreun. Wir werden Opfer bringen mit Herzen, Mund und Hand, und dir ein Loblied singen, wo du, Herr! bist bekannt. 10. Soll das in diesem Leben die letzte Woche sein, will ich nicht widerstreben und mich im Geiste freun auf einen Feierabend, den Christi Tod gemacht, und diese Hoffnung habend, sprech ich nun gute Nacht! Wöchentliche Morgen- und Abendlieder. Morgenlied am Sonntag. Mel. Des Morgens, wenn ich früh aufsteh 2c. 1. Mein Gott! die Sonne geht herfür, sei du die Sonne selbst in mir, du Sonne der Gerechtigkeit, vertreib der Sünde Dunkelheit. 2. Mein erstes Opfer ist dein Ruhm, mein Herz ist selbst dein Eigenthum, ach fehre gnädig bei mir ein, du mußt dir selbst den Tempel weihn. 3. Gib, daß ich meinen Fuß bewahr, eh ich mit deiner Kirchenschaar zum Hause Gottes wallen geh, daß ich auch heilig vor dir steh. 4. Bereite Herze, Mund und Hand, und gib mir Weisheit und Verstand, daß ich dein Wort mit Andacht hör, zu deines großen Namens Ehr. Benjamin Schmolkens 5. Schreib alles fest in meinen Sinn, daß ich nicht nur ein Hörer bin, verleihe deine Kraft dabei, daß ich zugleich ein Thäter ſei. 6. Hilf, daß ich diesen ganzen Tag mit Leib und Seele feiern mag. Bewahr mich vor der argen Welt, die deinen Sabbath sündlich hält. 7. So geh ich denn mit Freuden hin, wo ich bei dir zu Hause bin, mein Herz ist willig und bereit, o heilige Dreifaltigkeit. 90 Abendlied am Sonntag. In voriger Melodie. 1. Mein Gott! die Sonne geht zur Ruh, komm, drücke mir die Augen zu, laß mich vor deinem Antlitz stehn und höre meines Herzens Flehn. 2. Dein Schäflein kommt in deinen Schoos, ach mach es aller Sünden los, ist dieser Tag nicht recht vollbracht, dein Sohn hat alles gut gemacht. 3. Nimm du sein Blut für meine Schuld, erneure deine Vaterhuld, und nimm dein Kind zu Gnaden an, daß ich fein sanfte ruhen kann. 4. Du bist der Wächter Israel, bewahre beides Leib und Seel, sei mir und auch der Meinen Schild, wenn Satan in dem Finstern brüllt. 5. Und störet etwas meine Ruh, so ruf mir deine Worte zu, die heute mich so wohl erquickt, so werd ich träumend auch entzückt. 6. Des Schlafes Bruder ist der Tod, doch hat es mit mir keine Noth, ich leb und sterbe dir allein, so schlaf ich sanft und selig ein. Schleuß dich, o Herzenstempel, zu, denn Gott hat in mir seine Ruh. Die Ueberschrift 7. Morgen- und Abendlieder. steht an der Thür: Gott Vater, Sohn und Geist ist hier. 91 Morgenlied am Montag. In der vorigen Melodie. 1. Mein Gott, erwecke Herz und Mund, erneure deinen Gnadenbund, daß dieser Wochen erster Tag in dir gesegnet heißen mag. 2. Die Nacht war mir, als wie der Tag, weil ich in deinen Armen lag. Steh mir nur in Genaden bei, daß mir der Tag nicht finster sei. 3. Laß mich in deinem Lichte stehn, kein Werk der Finsterniß begehn. Gib mir ein dir ergebnes Herz, daß ich nicht deine Huld verscherz. 4. Dein Auge sieht mich, wo ich bin, dein Ohr hört aller Orten hin. Du wirst von allem Richter sein, das binde mir zur Warnung ein. 5. Weil deine Hand der Brunnquell ist, aus welchem alles Gute fließt, so wirke du damit bei mir, daß ich mein Lauf mit Freuden führ. 6. Kehrt auch das Kreuze bei mir ein, so laß es nur erträglich sein. Ein Blick von deiner Gnade macht, daß auch mein Herz in Dornen lacht. 7. So geh ich freudig zum Beruf; Gott, der die Welt und mich erschuf, wird Kraft von oben mir verleihn, der Anfang und das Ende sein. Abendlied am Montag. In voriger Melodie. 1. Herr Zebaoth! dein Ruhm verdient, daß er in meinem Herzen grünt; drum nimm auch diesen Abend an, was deinen Rühm vermehren kann. Benjamin Schmolkens 2. Du hast mich heute sehr geliebt, da ich dich leider sehr betrübt, und mein Gewissen stellet mir die allergrößten Sünden für. 92 3. Mein Mund beklagt, mein Herz bereut des Wandels Ungerechtigkeit, und hätt' ich meinen Jesum nicht, so käm ich billig ins Gericht. 4. Den lasse meinen Bürgen sein, sein Blut wird kräftig vor mir schrein; sieh doch in seinen Wunden an, was er, und nicht, was ich gethan. 5. Um Christi willen bleib bei mir, versiegle meine Kammerthür, und streich das Blut des Lammes dran, daß mich kein Würger tödten kann. 6. So heil' ge denn nun meine Ruh und schließe meine Augen zu; Soll ich den Tod im Schlafe sehn? Wer dir stirbt, dem ist wohl geschehn. 7. Nun gute Nacht! mein Jesus wacht, der nimmt die Meinen auch in Acht: Mein Gott ist mein, und ich bin sein. Morgenlied am Dienstag. Nach der vorigen Melodie. 1. Du alter Gott machst deine Treu an diesem Morgen wieder neu: so komm ich auch von Neuem hier und trage dir mein Herze für. 2. Ach habe Dank für deine Hut, du höchstes Gute, machst alles gut. Im Schlafe war ich außer mir, du aber in mir für und für. 3. Der Feind hat Böses wohl gedacht, du aber haft es gut gemacht: das ist nunmehr am Tage da, mein Herze sing: Halleluja! 4. Ach sei mir heute wie ein Thau, daß ich Morgen- und Abendlieder. mein Werk im Segen bau; der Schweiß in meinem Angesicht fließ ohne deinen Segen nicht. 5. Fall ich, so hebe du mich auf, laß Fleisch und Blut nicht seinen Lauf, Der Dienstag fördre deinen Dienst, dein Gnadenlohn sei mein Gewinnst. 6. Sei du mein Schild und großer Lohn, und mein Immanuel dein Sohn. Schlägst du, verbinde du mich auch, und handle nach Vatersbrauch. 93 7. Nun geht es auf die Arbeit los, mein Gott! eröffne deinen Schoos, gib du mir wenig oder viel; denn was Gott will, das ist mein Ziel.. Abendlied am Dienst a g. In voriger Melodie. 1. Die Nacht verlöscht des Tages Licht, mein Gott! nimm deinen Glanz mir nicht; zeuch du in meinem Herzen ein, so hab ich immer Sonnenschein. 2. Allein die Nacht der Sünden schreckt, die mein Gewissen aufgeweckt, der Dienstag ist ein Sündentag, da ich im Sündendienste lag. 3. Doch das Verdienst von deinem Sohn wird mir ein rechter Gnadenthron: Ach siehe, lieber Vater, drauf, schreib ab die Schulden und nicht auf. 4. O Menschenhüter, hüte mein, die Geister, die dir dienstbar sein, gib mir zu einer starken Wacht, die Satans List zu Schanden macht. 5. Bleib bei mir, weil es Abend wird, mein Gott, mein Trost, mein guter Hirt; mein Bett sieht wie Egypten aus, ach mach ein lichtes Gosen draus. Benjamin Schmolkens 6. Halt mir dein Wort, das immer gilt, daß du mich nicht versäumen willt, und hilf mir endlich dorten hin, wo ich in keiner Nacht mehr bin. 94 7. Komm, süßer Schlaf, erquicke mich; der müde Leib begehret dich, bis daß die Nacht ihr Ende find't. Gott selber ruft: Nun schlaf, mein Kind. Morgenlied am Mittwoch. Nach der vorigen Melodie. 1. Brich an, gewünschte Morgenstund, es träget lauter Gold dein Mund; in meinem Munde soll allein, mein Gott, mein Gold, mein Alles sein. 2. Gott Vater, nimm mein Opfer hin, das ich mit Leib und Seele bin, denn beide hast du wohl bedacht und wieder an das Licht gebracht. 3. Ich breite meine Hände dar, ach nimm auch heute meiner wahr, du siehst, was ich nicht sehen kann, wie schlüpfrig meine Lebensbahn. 4. Welt, Fleisch und Teufel gehn mir nach, und droben mir viel Ungemach, ach waffne mich mit Tapferkeit und stärke mich in diesem Streit. 5. Laß deine Weisheit bei mir stehn und mich auf guten Wegen gehn; was du mir hier befohlen hast, das mache mir zu keiner Last. 6. Gesegne mir mein täglich Brod, gib, daß ich denke an den Tod; ein Tag geht nach dem andern hin, daß ich stets fromm und fertig bin. 7. Auf dich, mein Gott, kommt alles an, was du nicht thust, heißt nicht gethan; so thu auch heute wohl an mir, gib mir den Nuß, die Ehre dir. Morgen- und Abendlieder. 95 Abendlied am Mittwoch. In eigener Melodie. 1. Die Last ist aus, nun kommt die Luft, die mir in sanfter Ruh bewußt; mit Jesu wach und schlaf ich ein, wie sollt ich denn nicht fröhlich sein? 2. Ach aber, wie betrübt bin ich, ich denk jebund, mein Gott, an dich, und mein Gewissen klagt mich an, weil ich die Schuld nicht läugnen kann. 3. Ach dieser Abend stellet mir des Tages finstre Werke für. Für deine Liebe gab ich Haß, zum Bösen schnell, zum Guten laß. 4. Ach laß den Fluch nicht auf mir ruhn, und Jesum die Bezahlung thun; bin ich nicht heilig und gerecht, ist er ja der gerechte Knecht. 5. Der Feierabend stellt sich ein, laß mein Gebet jezt feurig sein, und gib, daß meine Lagerstatt Elias Roß und Wagen hat. 6. Verberge mich in dein Gezelt, wo ſelbst die Liebe Wache hält. Des Löwen Rachen stopfe zu, daß er mir keinen Schaden thu. 7. So schlaf ich wohl in deiner Hand, die alles Grauen abgewandt. Ich fürchte weder Noth noch Tod, denn wo ich bin, da ist mein Gott. Morgenlied am Donnerstag. In voriger Melodie. 1. Mein Gott, du schufest dieses Licht, das jetzt und durch die Wolken bricht, laß es auch lichte bei mir sein, durch deinen neuen Gnadenschein. 2. Der Donnerstag ist auch erlebt, darüber Benjamin Schmolkens dich mein Herz erhebt, mein erstes Wort ist Jakobs Wort: der Herr ist wahrlich an dem Ort. 3. Nimm auch nun mein Gelübde hin, mit dem ich dir verbunden bin, und gib, daß ich den ganzen Tag dir solches auch bezahlen mag. 4. Laß Jesum heute mir allein Weg, Wahrheit und das Leben sein; sein Name heilige mein Thun, so wird dein Segen auf mir ruhn. 5. Verleih mir ein vergnügtes Herz und lenk es immer himmelwärts: Laß mich im Rath der Frommen gehn und allem Bösen widerstehn. 96 6. Ich werfe meine Noth auf dich, es ist dein Joch, erquicke mich; du hast ja wohl ein Thränenmaß, doch aber auch ein Stundenglas. 7. Gib, daß ich diesen Donnerstag an den Gerichtstag denken, mag, und also hier mein Leben führ, daß mich alsdann kein Donner rühr. Abendlied am Donnerstag. Zu eigener Melodie. 1. Dir, o du Herr der Herrlichkeit! sei Lob und Dank und Ruhm bereit, daß ich nun wieder einen Tag im Segen hinterlegen mag. 2. Ich bin nicht werth der großen Huld, ja es verdiente meine Schuld nur lauter Zorn und Ungenad, dieweil sie dich verworfen hat. 3. Ach! Herr, verwirf mich darum nicht, schau, wie der Sohn dein Herze bricht; den halt ich dir im Glauben für, sei gnädig und verzeihe mir. 4. Geselle mir bei meiner Ruh die Starken Salomonis zu, und laß sie um mein Bette stehn, daß sie der Noth entgegen gehn. 97 Abend- Gebet am Donnerstag. Wenn ich mich zu Bette lege, so denke ich an dich, und wenn ich erwache, so rede ich von dir. O reicher und liebreicher GOtt und Vater! hier komme ich abermals mit vielen Wohlthaten von dir überhäuft und begnadigt in dieser Abendstunde mit dankbarem Herzen vor dein Angesicht. O wie gnädig hast du mich angesehen, und wie ein Vater über sein Kind, dich über mich erbarmet, daß ich den Abend unbeschädigt habe erlebt; deine Langmuth hat meiner geschonet, daß du mich nicht nach Verdienst geſtrafet hast. Ach! verzeihe mir alle Ulebertretungen, womit ich heimlich oder öffentlich dich beleidiget habe. Ich sollte stärker werden, wieder die Sünde zu kämpfen, eifriger in dem Guten, andächtiger zum Gebet, behutsamer im Reden, frömmer im Wandel: aber wer kann merken, wie oft er fehle? verzeihe mir auch die verborgenen Fehler. Laß mich doch inskünftige mit Fleiß meiden, womit ich dich heute beleidiget habe. Ist meine Sünde groß, viel größer ist dein Erbarmen; wärest du nicht ein so barmherziger Gott, HErr! wer würde noch leben? Ich lege mich nun zur Ruhe, mein GOtt! ach, schließe du selbst die Thür hin7 98 Abend- Gebet am Donnerstag. ter mir zu, wie an dem Kasten Noah's, daß kein Wasser der Trübsal mich überschwemme. Laß die heiligen Engel mich in ihren Schuß nehmen, daß meine sichtbaren und unsichtbaren Feinde meine Ruhe nicht stören. Laß mich bei meinem Niederlegen in's Bette auch gedenken, wie ich dereinsten werde mit Erdezugedeckt, aber am jüngſten Tage wieder aufgewecket werden. Laß mich alle age also hinbringen u. schließen, daß ich mich eines gnädigen GOttes und guten Gewissens getrösten könne, auf daß ich bereit sei, zu welcher Stunde du kommen wirst, mich heimzuführen. Wie ich liege u. schlafe, und doch noch Athem hole, o JEsu so sei auch im Schlaf mit mir vereinigt. Odreieiniger GOtt! unter deinem Schirm und Schild kann mich weder Noth noch Tod verletzen, oder mir schaden. Deine Liebe u. dein Schuß, oVater! deine Wunden, oJEsu! dein Beistand, o werther heiliger Geist! sind die Wagenburg; darin ruhe ich sanft, und liege darin wohlverwahrt, davor muß der Satan fliehen und sich ferne machen. Laß auch die Meinigen deines Schußes genießen, wie auch alle Armen und Elenden. Stärke im Schlaf meine Kraft, und laß mich nach deinem Wohlgefallendas TagesLicht morgen wieder erblicken. Der glaubige Christ erkennt 2c. 99 HErr laß mich ruhig schlafen ein, Hilf, daß mich nichts erschrecke, Und wenn die rechte Zeit wird sein, alsdann mich wieder wecke, Daß ich an meine Arbeit tret', Wenn ich zuvor hab durch's Gebet Dir meine Werk befohlen. Verschmäh, o GOtt, mein Vater, nicht Mein Seufzen, Bitt' und Fle= hen; Laß mich dich, JEsu, wahres Licht, Auch in dem Finstern sehen; O heiliger Geist; am letzten End' Mit deinem Trost dich zu mir wend' Daß ich drauf sanft einschlafe. Amen. Der glaubige Christ erkennet, daß GOtt allein das höchste Gut set. Aufmunterung. Wenn ich nur dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erde. Wenn mir gleich Leib und Seele verschmachtet, so bist du doch, GOtt! allezeit meines Herzens Trost und mein Theil. Pf. 73, v. 25. 26. Das höchste Gut zu haben u. zu besitzen ist der Menschen Verlangen zu allen Zeiten gewesen; allein darinnen haben die Menschen gefehlt, daß sie nicht gewußt, welches das allerhöchste u. allerbeste Gut set. Das allerhöchsteGut muß beständig und vollkommen sein, u. muß uns im Leben u. Tode, im Glück u. Unglück aufrichten und trösten können. Nach dieser Beschreibung ist das allerhöchste Gut: 1) nicht Reichthum, welchen Viele für ihr höchstes Gut gehalten haben, u. noch halten, denn er verläßt uns im Tode, ul. kann alsdann keine Erquickung geben. 2) Ehre und Glückseligkeit ist auch das höchste Gut nicht, denn wie oft fällt der Geehrte in Verachtung u. Schande, und wie oft wird nicht die Glückseligkeit verwandelt in Jammern u. Elend. 3) Weisheit und Geschicklichkeit haben zwar den Vorzug vor andern irdischen Gütern, daß man sie uns nicht rauben kann, abersieverschwinden doch im Tode. Deßhalben sucht ein glaubiger 7* 100 Der glaubige Christ erkennet, Christ sich ein wahres beständiges Gut, welches aber: 4) allein GOtt ist. Hat er GOtt, so hat er alles, die größte Ehre, den größten Reichthum, die größte Weisheit, u. zwar in Zeit u. Ewigkeit. Gott erfreuet den Menschen in glücklichen Tagen, erhält ihn in Trübsal, erquicket ihn im Tode, bleibet mit ihm vereiniget in Ewigkeit. Zu diesem Gutkönnen wir gelangen: 5) durch's Gebet, durch andächtige Anhörung des göttlichen Wortes, durch fleißige Betrachtung desselben u. durch den Beistand des heiligen Geistes; nur muß man zusehen: 6) daß manGOtt nicht wieder von sich stoße, u. die Weltliebe, Eitelkeit und sündliche Lustsein höchstes Gut sein lasse. Gebet. Odu gnadenreicher GOtt! wie bist du doch so herrlich, so schön, so vollkommen! Wer dich hat, der hat alles, der weiß alles, der kann alles, ja, der hat das allerhöchste, das beste und vortrefflichste Gut. Ach! schreibe doch diese Erkenntniß tief in mein Herz hinein, daß ich allein dich suchen und dich finden möge. Ach! bewahre mein Herz vor der Welt- Menschen Thorheit, welche meinen, wenn sie große Ehre in der Welt haben, oder großen Reichthum besizzen, oder groß Vergnügen und große Herrlichkeit erlangen, so hätten sie das höchste Gut. Allein weit gefehlt; diese Güter verlassen die Menschen im Tode, folgen ihnen nicht nach in die Ewigkeit, trösten sie nicht in der letzten Stunde; solche Menschen treten in die Ewig 101 daß Gott allein das höchste Gut sei. keit nackt und bloß, ja, ohne GOtt. Odarum gieb, daß ich das wahre Gut von dem vergänglichen wohl unterscheide! o du dreieiniger Gott! du bist allein mein höchstes, liebstes, wahres u. allerbestes Gut, du willst dich mir schenken, dich mit mir vereinigen; o so vereinige dich dann mit meiner Seele in Zeit und Ewigkeit! Sind alle irdischen Dinge den Feinden, Mottenund Rost unterworfen, kann sie der Feind rauben, ein Unglück sie zernichten, so bleibet mein GOtt; als mein höchstes Gut, allezeit mein eigen; mit dem geheich aus, mit demselben gehe ich ein; ihn nehme ich mit mir auf die Reise; mit ihm lege ich mich zur Ruhe, ja, mit ihm komme ich dereinsten auch in die frohe Ewigkeit. Darum, mein GOtt! wenn ich dich nur habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erde; habe ich dich, so habe ich das wahre Leben, den größten Reichthum, die wahre Herrlichkeit, das allerbeste Gut. O! darum lebe in mir, wohne in mir, bleibe bei mir, so habe ich einen Helfer in Kreuz und Elend, einen Beistand in Nöthen, den größten Reichthum in Armuth, den allerkräftigsten Trost in Krankheit, ja, die allersüßeste Erquickung in der letzten Stunde. Wenn mich die Welt und ihr Gut verläßt, so verläßt mich doch GOtt nicht; dieses höchste Gut Morgen- Gebet am Freitag. behalte ich im Abscheiden aus dieser Welt, ja es wird mir alsdann noch vollkommener, noch trefflicher und noch herrlicher mit völligem Glanz und unaussprechlichem Genuß geschenket werden. Ach! HErr wenn ich nur dich hab', Sodann sag ich allem ab, Legt man mich gleich in das Grab, Ach HErr! wenn ich nur dich hab'. Amen. Gesang. 102 Mel. Alle Menschen müssen sterben. 1. Jn GOtt bin ich immer fröhlich, In GOtt hab ich lauter Freud', In GOtt bin ich reich und selig, GOtt ist selbst die Seligkeit. Darum laß die Welt vergehen, Laß die Ungewitter wehen, Bleibet doch der Höchste mein, So kann ich vergnüget sein. 2. Jn GOtt hab ich Trost und Frieden, Denn ich bin mit ihm versöhnt; Der den Himmel mir beschieden, Ist mein JEsus, der mich frönt; Drum kann ich im Frieden sterben, und in Fried' den Himmel erben; Fried' in dieser Lebenszeit, Friede in der Ewigkeit. 3. Jn GOtt kann ich sicher rasten, er ist meiner Seele Ruh', Zu GOtt, wie zu Noah's Kasten, Eil' ich, wie das Täublein, zu; Ruh im Leben, Ruh im Herzen, Ruh in Trübsal, Ruh in Schmerzen, Ruh im Leiden, Ruh in Noth, Ruh im Grabe, Ruh im Tod. 4. In GOtt bin ich reich an Schäßen, Welche keine Zeit verstreut, Freud, Vergnügen und Ergößen. Und des Trostes Süßigkeit, Wird mir schon von GOtt gegeben, Schaue doch, in diesem Leben! Wie wird's nicht mit vollem Schein, Herrlich in dem Himmel sein. 5. Drum will ich in GOtt verbleiben, Er ist meiner Seele Zier, Nichts soll mich von ihm abtreiben, So bin ich vergnüget hier, Und bin auch mit GOtt verbunden In den letzten Todes- Stunden! Mein GOtt, meines Lebens Licht, Weicht von mir im Tod auch nicht. Morgen- Gebet am Freitag. Mein Herz ist bereit, GOtt! mein Herz 103 Morgen- Gebet am Feiertag. 1 ist bereit, daß ich singe und lobe, gnädiger und liebreicher Gott! mein Vater, Erlöser und Heiligmacher; ich hebe in dieser Morgenstunde mein Herz und meine Hände auf zu dem Thron deiner göttlichen Majestät, von welchen mir Zeit meines Lebens und auch die vergangene Nacht gar viele Wohlthatenzugeflossen sind. Du bist in derselben meine Stärke, mein Schuß, mein Erretter, meine Burg, mein Nothhelfer, mein Trost, mein Schirm, ja, mein alles gewesen. Aller dieser Wohlthaten, mein Gott und Herr! erkenne ich mich unwürdig. Du hast mitten in der Finsterniß an mich gedacht u. da mich die dunkeln Schatten umgaben, hast du meinen Leib u. meine Seele vor allem Schaden u. Gefahr väterlich behütet; darum preiſe ich dich, und lobsinge deinen Namen. Der Herr hat Großes an mir gethan, deß bin ich fröhlich! Sei, o liebreicher GOtt! auch diesen Tag mein Beistand, leite und führe mich nach deinem Rath, und nimm mich endlich mit Ehren an. Wenn ich nur dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erde. Gieb mir heute und allezeit ein, was ich reden soll, daß ich dich mit meinem Mund nicht beleidige. Lehre mich, was ich thun soll, daß ich nichts Böses thue. Laß des Geistes Zucht allezeit an mein Herz Morgen- Gebet am Freitag. klopfen, wenn sich meine Gedanken vor dir verirren wollen. Laß mich, o Jesu! dein blutiges Bild, wie du an einem Freitag, zur Zeit deines bittern Leidens, hast blutigen Schweiß für mich am Delberg geschwißet, blutig bist in dem Richthaus gegeißelt, und blutig an's Kreuz angenagelt worden, vor Augen sehen, wenn Fleisch und Blut sündliche Lüste in mir erregen. Zeiget sich heute außer mir vielleicht Gelegenheit zur Sünde, durein mein Herz willigen wollte, sozeige mir eben dieß blutige Bild, daß dadurch alle Lust zur Sünde in mir erlöschet, ertödtet u. vertrieben werde. Also wird dieser Freitag ein rechter Freiheitstag von Sünden Zeit meines Lebens bleiben, wenn ich den Sünden absterbe u. in dem neuen Wesen des Geistes wandle. Gedenke auch im Leiblichen an mich, u. segne mich, u. laß mich alles Irdische als einvergängliches Gutansehen, daß ich mein Herz nicht daran hänge, sondern nach dem Ewigen trachte. Wenn ich arbeite, so stärke mich; wenn ich bete, so erhöre mich; wenn ich ausgehe, so begleite mich; wenn ich heimgehe, so weiche nicht von mir. Umgieb auch mich und die Meinigen mit deinem Schutz wie das Haus Hiobs; bewahre mich wieden Jakob; hab' Acht auf mich, wie auf Elias, daß ich unter deinem Schuß den Abend wie104 Der glaubige Christ bittet um Demuth. 105 derum fröhlich erlebe. Laß vor mich nicht kommen eine traurige Botschaft, sondern laß mich hören Freude und Wonne. Meinen Leib u. meine Seele Sammt dem Willen und Verstand, Großer Gott! ich dir befehle unter deine starke Hand. HErr, mein Schild, mein' Ehr' u.Ruhm, Nimm mich auf, dein Eigenthum. Amen. Der glaubige Christ bittet um Demuth. Saltet fest an der Demuth, denn GOtt wiederstehet den Hoffärtigen, aber den Demüthigen gibt er Gnade. So demüthiget euch nun unter die gewaltige Hand GOttes, daß er euch erhöhe zu seiner Zeit. 1, Petri 5, v. 5. 6. Unter den Sünden, dagegen ein glaubiger Christ zu kämpfen hat, ist auch der Stolz u. Hochmuth desherzens, welcher hernach in Wortenu.Werkenausbricht. Stolz sind wir von Natur nachdemSündenfall, aber demüthig müssen wir werden durch die Gnade. Wer nicht demüthig wird, kann Gott nicht gefallen u. auch nicht Christi Jünger sein. Wenn nun dieses ein glaubiger Christerwäget, sobitte er GOtt umeindemüthiges Herz: 1) gegen GOtt. Denn es ist dir gesagt, Mensch! was gut ist, und was der HErr von dir fordert, nämlich: GOttes Wort halten, Liebe üben, und demüthig sein vor deinem GOtt. Mich. 6, v. 8. Er wird gegen GOtt aber demüthig werden, wenn er bedenket GOttes Hoheit, Majestät u. Herrlichkeit, wie ihn alle Engel undSeraphinen, Cherubinen und alle Auswärtigen anbetenundpreisen, und hingegen auch erwäget, wie er ein armer Wurm u. Made, ja nichts, als ein elender Mensch ist, den GOtt in einem Augenblickverderben kann. Es wird ein glaubiger Christ demüthig werden: 2) gegen den Nächsten, wenn ersichgering gegen ihn achtet, und gedenket, wie sein Nächster 106 Der glaubige Christ bittet um Demuth. vielleicht viel frömmer, andächtiger und daher GOtt angenehmer sei, als er; wie er mit ihm habeein Wort, eine Taufe, ein heilig Abendmahl, einenHimmel, ja, daß erim Grabe wie der ärmste Bettler, wird verfaulen und zu Asche werden. Es wird einglaubiger Chrift auch demüthigwerden: 3) gegen sich selbst, wenn er erwäget, daß er alles, was er hat, alle Gaben: Geschicklichkeit, Segen, Leben, Glück, Wohlergehen, nicht von sich selbst, sondern allein von GOtt habe, der ihm alles bald nehmen könne, daher er nicht damit prangen, sich dessen überheben, oder das Lob der Schmeichler anhören soll. Er stelle sich, damit er auf keinerlei Weisestolzwerde, fleißigvordas Erempeldes demüthigen JEsu, der sich unter GOttundallenCreaturen erniedrigte, und uns zurufet: Lernet von mir, ich bin sanftmüthig und von Herzen demüthig. Gebet. Großer, heiliger und barmherziger GOtt! der du bist der Hohen. Erhabene, vor dessen Thron Cherubinen, Seraphinen und alle Auserwählten in Demuth ihr Antlig bedecken; ich bekenne und klage dir, daß ich von Natur zu eigener Ehre u. zum Hochmuth, mich über alles zu erheben, geneigt bin. Es hat durch den Sündenfall der Satan mein Herz mit Hoffart, welcher ein Anfang aller Sünde ist, vergiftet, daß ichoftmals vergesse, daß ich Staub, Erde u. Aschebin. Ach mein GOtt! gieb mir doch ein demüthiges Herz, daß ich recht tief einsehen möge, wie ich von dir Leben, Segen, Odem und alles habe, 107 Der glaubige Christ bittet um Demuth. damit ich mich unter deine gewaltige Hand demüthigen, und nicht freventlich dich mit Worten, Gedanken oder Werken beleidigen möge. Lehre mich mein Elend und deine hohe Majestät erkennen, da ich von mir nichts habe, als Sünde, Tod und Verdammniß, was ich aber Gutes an mir finde, daß ich solches alles von deiner gnädigen Hand empfangen habe, damit ich mit nichts prangen, sondern alles als dein Geschenk und Gabe ansehe, welches du mir bald wieder nehmen kannſt, wenn ich über die Menge der Wohlthaten deiner vergessen wollte. Pflanze die wahre Demuth in mein Herz, daß ich dir gehorchen, dich fürchten, dich ehren, dir dienen, dich anbeten, und allein loben und preisen möge. Pflanze auch in mein Herz die wahre Demuth gegen meinem Nächſten, daß ich ihn niemals gegen mich verachten, oder mich ihm vorziehen möge. Hilf, daß ich erwäge, wie dir die Hoffärtigen noch nie gefallen haben, aber daß du auf die demüthigen Seelen dein Licht, deinen Trost, Gnade u. Güte hast reichlich fließen lassen. Wende von mir ab alle hoffärtigen Gedanken; gieb, daß ich mich hüte vor stolzen Worten; bewahre mich vor Ehrgeiz, Ruhmredigkeit, daraus nichts als Verachtung gegen den nächsten entspringet. Drücke in 108 Der glaubige Christ bittet um Demuth. mein Herz das Bild meines demüthigen Heilandes, der sich unter Engelnu. Menschen erniedriget hat, welcher auch mir zuruft: Lerne von mir, denn ich bin von Herzen demüthig; daß die Stimme alle Augenblick, wenn sich mein Herz erheben will, in mir erschallen möge! Ist mein Nächster gering, ſo behüte mich, daß ich mich nicht über ihn erhebe; ist mein Nächster hoch, reich, geehrt, so laß mich dieses also ansehen, daß du ihn dazugemacht, dazu erhoben u. dazu berufen habest, und mich darüber gegen dich nicht beschweren, oder ihm deine Gaben mißgönnen, vielmehr mich darüber erfreuen möge. Ach, mein Gott! hilf, daß ich umkehre, und werde wie die Kinder, die nichts von sich machen, daß ich nichts in meinen Augen werde. Gieb mir deinen heil. Geist, daß ich der Sünde des Hochmuths täglich absterbe, mich keiner Ehre würdig achte, und von Niemanden Ehre begehre, sondern alle Ehre, allen Ruhm dir allein beilege. Gieb mir in wahrer Demuth des Herzens zu erkennen, daß alles, was ich bin und habe, durch deine Gnade mir gehöre, daß ich mich nichts als meiner Schwachheit rühme. Lehre mich durch solche Demuth, in Frieden und Einigkeit mit Jedermann zu leben. Laß mein Herz allezeit eine Wohnung des demüthigen Der glaubige Christ bittet um Demuth. 109 JEsu sein, so werde ich mich niemals erheben, Stolz und Hochmuth ist des Satans Sünde, davor bewahre mich in Gnaden. Und so es dir ja gefallen sollte, mein Gott mich in Spottu. Verachtung fallen zu lasſen, daß mich mein Feind schmähet, und der Verächter mich mit Füßen tritt: so gieb mir Kraft u. Stärke, daß ich alles mit Demuth, Gelassenheitu. Geduld ertragen möge, auch dieses zu meiner Demüthigung und desto größeren Behutsamkeit in meinem Wandel mir dienen laffe. Ach Herr, Herr! verleihe mir Kraft und Stärke, durch deinen mächtigen Beistand dieses alles zu vollbringen. Selig sind, die Demuth haben, Und sind allezeit arm imGeist, Rühmen sich gar keiner Gaben, Daß GOtt werd' allein gepreis't, Danken ihm auch für und für; Denn das Himmelreich ist ihr; GOtt wird dort zu Ehrenseßen, Dich selbst gering hier schäßen. Amen. Gesang. Mel. Alle Menschen müssen sterben. 1. Demuth ist die schönste Tugend, Aller Christen Ruhm und Ehr', Denn sie zieret uns're Jugend, Und das Alter noch viel mehr! Pflegen sie nicht auch zu loben, Die zum großen Glück erhoben? Sie ist mehr als Gold und Geld, Und was herrlich in der Welt. 2. Siehe Jesus war demüthig, Er erhob sich selbsten nicht, Er war freundlich, liebreich, gütig, wie uns 60ttes Wort bericht't; Ja man fand in seinem Leben Gar kein Prangen und Erheben; Drum spricht er zu mir und dir: Lerne Demuth doch von mir. 3. Wer der Demuth ist beflissen, Ist bei Jedermann geliebt. Wer da nichts will sein und wissen, Der ist's, 110 Der glaubige Christ bittet um Sanftmuth. dem GOtt Ehre giebt! Demuth hat Gott stets gefallen, Sie gefällt auch denen allen, Die auf GOttes Wegen geh'n, Und in JEsu Liebe steh'n. 4. Demuth machet nicht verächtlich, Wie die stolze Welt ausschreit, Wenn sie frech und unbedächtlich Die Demüthigen anspeit; Stolze müssen selbst gestehen, Wenn fie Fromme um sich sehen, Daß doch Demuth edler ist, Als ein frecher, stolzer Christ. 5. Demuth bringet großen Segen, Und erlanget GOttes Gnad'. An ihr ist gar viel gelegen, Denn wer diese Tugend hat. Der ist an der Seel geschmücket, Und in seinem Thun beglücket, Er ist glücklich in der Zeit, Selig auch in Ewigkeit. 6. Diese edle Demuthsgaben, So da sind des Glaubens Frucht, Wird ein jeder Christ auch haben, Welcher fie von Herzen sucht! Wo der Glaub' wird angezündet, Da ist Demuth auch gegründet; Glaube, Hoffnung, Demuth, Lieb' Kommt aus GOttes Geistes Trieb. 7. Ich will auch demüthig werden, Demuth macht das Herze rein! Es soll Demuth in Gebärden, Demuth soll im Herzen sein, Demuth gegen meine Freunde, Demuth gegen meine Feinde, Demuth gegen meinen GOtt, Demuth auch in Kreuz und Spott. 8. Auf die Demuth folget Wonne, GOttes Gnade in der Zeit, Und dort in der Freuden- Sonne Friede, Licht und Herrlichkeit; Da wird Demuth herrlich prangen und die Ehrenfron erlangen; Was man hier gering geacht't, Leuchtet dort in Himmelspracht. Der glaubige Christ bittet um Sanftmuth. Aufmunterung. Christus hat uns ein Vorbild gelassen, daß wir sollen nachfolgen seinen Fustapfen; welcher keine Sünde gethan hat, ist auch kein Betrug in seinem Munde erfunden worden. Welcher nicht wieder schalt, da er gescholten ward, nicht drohete, da er litte; er stellete es aber dem heim, der da recht richtet. 1. Petr. 2, 21-23. Wenn ein Mensch in seinem Christenthum undinsetner Bekehrung hat einen guten Anfang gemacht, daß er sich vonäußerlichen groben Sünden gereinigt, als da sind: Fluchen, Enth. iligung des Sabbaths, Uep Der glaubige Christ bittet um Sanftmuth. 111 pigkeit, Leichtfertigkeit, Ungerechtigkeit, Spielen, Welt- Gesellschaften, so muß er bedachtsein, auchdas Inwendige zu reinigen, sonderlich von Stolz, Neid, Zorn, Haß und Rachgier, u. sich mit dem Gebet der Sanftmuth befleißigen. Die besteht darin: daß man nicht Böses mit Bösem vergelte, nicht wieder schelte, wenn man gescholten wird, nicht aus Haß, Zorn und Rachgier dem Nächsten drohe. 1( Obwir fanffmüthig sind u. diese edle Tugendbesißen, könnenwirnichteher wissen, bis uns ein Feind angreift, der uns nachunserer Ehre, Gutu. Namen trachtet: denn wer da gleich im Zorn entbrennet, fluchet, schilt, drohet, bei dem wohnet der sanftmüthige Geist Christi nicht. 3) Jedoch ist es nicht widerdieSanftmuth, Schußgegenseine Feinde beider Obrigkeitzusuchen, wie sich auch Paulus auf den Kaiser berief, u. sich in des Kaisers Schuß begab, als man ihn in Lebensgefahr bringen wollte. Ap. Gesch. 25, v. 11. 4) Gs stehet wahren Kindern GOttes nicht an, wie Hunde zubeißen, wieLöwensich zu zerreißen, wie wilde Thiere in Grimmu.Bitterfeit zu verfolgen. 5) Bei solcher Verfolgung, wenn uns einFeind drücket, willGOtt eine Probe unsers Glaubenssehen, das uns zur Erkenntniß der vorherbegangenenSündenführet, obwir vielleicht mit unserm ungerechten Verfahren andern Leuten Seufzer ausgepressethaben.6) DieKennzeichenderSanftmuthsind: Im Herzen verzeihen, für die Feinde beten, Matth. 5, v. 44., ihnen Gutes wünschen, alles Gute thun, alles Gutegönnen, nicht alleScheltworte hören, nicht alles beantworten, und zur Versöhnung willig sein. Sebet. O du liebreicher GOtt! der du die Liebe ſelbsten bist, und willst deine Liebe in un 112 Der glaubige Chrift bittet um Sanftmuth. sere Herzen ausgießen durch deinen heiligen Geist, ach! ich klage dir mit betrübter Seele, daß mein Herz oftmals gar widerspenstig und unbändig ist. Es sollte in demselben Demuth, Liebe, Sanftmuth und Gelassenheit sein, zur Zeit, wenn mich mein Feind dränget, verfolget und hafset: aber ach! ich finde leider anstatt dieſer christlichen und nothwendigen Tugenden Eigensinn, Haß, Zorn, Rachgier, Feindschaft, durch welche ich angetrieben werde, wieder zu schelten den, der mich schilt, Böses zu vergelten dem, der mir Unrecht thut, und Rache an dem auszuüben, der mich unbilliger Weise angegriffen hat. Wenn ich aber, o GOtt! an deinem heiligen Wort weiß, daß, die solches thun, nicht sollen in's Reich Gottes kommen, und daß dergleichen Aufführung gegen die Feinde nicht sei der Kinder Gottes und der wahren Christen Art: ach! so erschrecke ich über mich selbst, daß ich noch des Teufels Unart an mir habe, als welcher rachgierig, boshaftig und unversöhnlich ist und bitte dich, erbarme dich meiner, o du liebreicher GOtt! Und gieb mir deinen heiligen Geist, der mein Herz heilige und reinige 113 Morgen- und Abendandacht. Gott! stelle mir mein Ende stets vor Augen, weil nichts Gewissers doc) einmal erfolgen kann; eh mir der Toddiekraft beginnet auszusaugen, so führe fleißig mich die letzte Todesbahn. Es ist mir Jahr und Tag und Augenblick verborgen, der Tod mahnt seine Schuld oft unversehens ein; drum laß, o liebster Gott, von allen meinen Sorgen, die größt und wichtigste die Todessorge sein. Es ist nicht Rath, daß ich die Buße wollte sparen bis auf den letzten Punkt: die späte Reu ist schwer; wie übel würd ich doch in meine Grube fahren, wenn in der Eil kein Raum zu meiner Buße wär. Da kommt die Sünde dann mit Haufen vor das Bette, der Satan leget uns ein schwarz Register für, die Hölle schnabt nach uns, man wünschet, daß man hätte nicht in der Welt gelebt, als ſo gesündigt hier. Das alles lehre mich im Leben wohl erwägen, weil es noch heute heißt, so laß 8 Benjamin Schmolkens mich Buße thun. Verleih mir deine Kraft, die Sünden abzulegen, ich würdeſonstenschweraufdiesemkissen ruhn. Werfröhlichsterben will, muß sterben, ch er stirbet; so sterbe denn mein Herz der Sünde zeitlich ab; gib, daß in mir die Welt mit ihrer Lust verdirbet, und zeige stündlich mir der Eitelkeiten Grab. Ach reiß das Herze los von dem, was irdisch heißet. Befreie meinen Sinn, der an der Erden klebt; denn wer sich allzusehr aufs Zeitliche befleißet, vergiß das Ewige und stirbt schon, weil er lebt. Betäube Fleisch und Blut und tödte meine Glieder, damit die Sündenichtdarinnenherrschen kann; denn wirft mich diese Last aufs Kranfenbette nieder, so seh ich meinenTod als eine Marter an. Ein gut Gewissen kann das Ende leichte machen, gib, daß ich diesen Schaß stets rein bei mir bewahr; denn wenn es erst beginnt im Sterben aufzuwachen, und Satan bläset zu, so steht man 114 115 Morgen- und Abendandacht. in Gefahr. Laß mich des Lebens Wort mit Lust und Andacht hören, weil ich noch bin gesund; das gibt im Todekraft: man hat den Vorschmack schon in solchen Himmelslehren, was uns für Süßigkeit das andere Leben schafft. In Liebe laß mich auch mit meinem Nächsten leben, denn dort im Himmel wird nur lauter Liebe sein! Und wenn ich dann der Welt die gute Nacht soll geben, so schleuß vor allem mich in Jesu Wunden ein. Gib, daß ich in den Tod, als auf den Kampfplatz gehe, darauf dein eigner Sohn für mich gerungen hat, und daß ich wie ein Held im Glauben feste stehe, je näher sich der Tod zu meinem Herzen naht. Vergeht mir alle Kraft, die Zunge kann nicht sprechen, die Hände werden laß, die Füße faltes Eis, das Ohr verstopfet sich, die müden Augen brechen, durch meinen ganzen Leib lauft falter Todesschweiß: Mein Angesicht verfällt, es starren alle 8* Benjamin Schmolkens Sinnen, die Kraft zerfleußt wie Wachs, der letzte Stoß ist da: alsdann so weiche doch, mein Jesu, nicht von hinnen und zeige mir im Geist dein blutigs Golgatha. Hilf, daß ich als ein Christ auf deine Wunden sterbe, und daß der letzte Blick in deine Seite flieht, im Tode zeige mir das schöne Himmelserbe, wie dort ein Stephanus den offnen Himmel sieht. Dein rother Purpur soll mein Sterbefittel werden, der Lippen letzter Hauch dein süßer Jesusnam. Alsdann so komm mein Leib, die Erde, zu der Erden, der Geist zu dir, mein Gott! von dem er erstlich kam. Nun ich befehle dir mein Leben und mein Sterben; leb ich, so leb ich dir, sterb ich, so sterb ich dir; dein Sterben läßt mich auch im Sterben nicht verderben, und weil du ewig lebst, so lebst du auch in mir. Indessen lasse mich das Ende stets bedenken, das Ende meiner Noth, das Ende 116 117 Morgen- und Abendandacht. meiner Zeit, und wenn sich Leib und Geist zu ihrem Ursprung lenken, so führe mich erlöst zur süßen Ewigkeit. Amen. Täglicher Blick in das Grab. Mel. Wer nur den lieben Gott 2c. 1. Das Grab ist da! hier steht mein Bette, da ich den Tod umarmen soll; ach, wer sich gut gebettet hätte, der schliefe sanft und ruhte wohl. Man denket gar zu wenig dran, daß man so leichte sterben kann. 2. Das Grab ist da! so heißt es immer, wir gehen ein und gehen aus. Die Welt ist wohl ein schönes Zimmer, doch aber ein geborgtes Haus. Bequemet man sich am besten hier, so weiset uns der Tod die Thür. 3. Das Grab ist da! oft bei der Wiegen, wie manches Kind grüßt kaum die Welt, ſo muß es schon im Sarge liegen, dieweil der Tod nicht Ordnung hält und alles ohn Erbarmen bricht, die Frucht sei zeitig oder nicht. 4. Das Grab ist da! die besten Jahre sind auch des blassen Todes Raub, der wirft den Stärksten auf die Bahre und legt den Schönsten in den Staub. Ein jeder Schritt, den man vollbracht, naht sich mit uns zur Grabesnacht. 5. Das Grab ist da! so bald wir älter, so gehn wir auf den Kirchhof zu. Die Glieder werden immer kälter und sehnen sich selbst nach der Ruh; denn Sterben ist der feste Schluß: der Junge kann, der Alte muß. Benjamin Schmolkens 6. Das Grab ist da! was sollt ich wähnen, daß es noch ferne von mir sei? denn man begräbt ja den und jenen, und jeder muß an dieſe Reih. Wie Manchen legt man auf die Bahr, der jünger und gesünder war. 7. Das Grab ist da! ich will mit Buße dahin stets meine Wallfahrt thun. Ich falle dir, mein Gott! zu Fuße, ach laß mich nicht in Sünden ruhn. Wer Sünde mit sich nimmt ins Grab, der stirbt nun auch dem Himmel ab. 8. Das Grab ist da! wo michs soll laben, so muß ich auch im Glauben mich in meines Jeſu Wunden graben, mein Heiland, ichumfassedich. Denn dubistmeines Todes Tod, stehmir beiinderlegtenNoth. 9. Das Grab ist da! mein kurzes Leben soll fünftig desto frömmer sein und nicht nach Pracht und Reichthum streben, das ist ein kalter Leichenstein. Die Grabschrift, die die Tugend gräbt, macht, daß man auch im Tode lebt. 10. Das Grab ist da! kein Weltgetümmel stört mich bei dem Gedanken nicht: Je näher Grab, je näher Himmel, wer weiß, wie bald mein Herze bricht? und doch erschreck ich nicht dafür, mein Grab wird mir zur Himmelsthür. 11. Das Grab ist da! ich steh vielleichte mit einem Fuße drinnen schon, wie, wenn ichs heute noch erreichte? Die Zeit eilt flügelschnell davon, doch ich bin immerdar bereit, das Grab sei nahe oder weit. 118. 12. Das Grab ist da! weg Gitelkeiten! bei euch vergißt man nur das Grab. Ich will mich täglich ſo bereiten, daß ich den Tod vor Augen hab. Ich bin ein Mensch, so heißt es ja: Das Grab ist da! Das Grab ist da! Morgen- und Abendlieber. Das wohlbedachte Ende. Mel. Herzlich thut mich verlangen. 119 1. O Mensch, gedenk ans Ende, willst du nichts Uebels thun; der Tod bringt oft behende das allerleße Nu. An einem Augenblicke hängt gar oft Wohl und Weh, drum denke nur zurücke, wohin dein Leben geh. 2. O Mensch! gedenk ans Ende, wer weiß, ob nicht noch heut der Tod sich zu dir wende; drum mache dich bereit, wenn du sollst Rechnung geben von dem, was du gethan, damit dein eigen Leben dich nicht verklagen kann. 3. O Mensch! gedenk ans Ende, stirb stets den Sünden ab; gib dich in Gottes Hände und fürchte nicht das Grab. Sei fertig alle Stunden, halt dich an Christi Blut; stirbst du in Jesu Wunden, so ist dein Ende gut. Testament frommer Christen. In voriger Melodie. 1. Ich habe Lust zu scheiden, mein Sinn geht aus der Welt, ich sehne mich mit Freuden nach Zions Rosenfeld. Weil aber keine Stunde zum Abschied ist benennt, so hört aus meinem Munde mein letztes Testament. 2. Gott Vater, meine Seele bescheid ich deiner Hand, führ sie aus dieser Höhle ins rechte Vaterland. Du hast sie mir gegeben: so nimm sie wieder hin, daß ich im Tod und Leben nur dein alleine bin. 3. Was werd ich, Jesu, finden, das dir gefallen kann? Ach, nimm du meine Sünden als ein Benjamin Schmolkens Bermächtniß an! wirf sie in deine Wunden, ins rothe Meer hinein, so hab ich Heil gefunden und schlafe selig ein. 120 4. Dir, o du Geist der Gnaden, laß ich den letzten Blick. Werd ich im Schweiße baden, so sich auf mich zurück; ach schrei in meinem Herzen, wenn ich kein Glied mehr rühr, und stell in meinen Schmerzen mir nichts als Jesum für. 5. Ihr Engel, nehmt die Thränen von meinen Wangen an, ich weiß, daß euer Sehnen sonst nichts erfreuen kann. Wenn Leib und Seele scheiden, tragt mich in Abrams Schoos, so bin ich voller Freuden und aller Thränen los. 6. Euch aber, meine Lieben! die ihr mich dann beweint, euch hab ich was verschrieben, Gott, curen besten Freund; drum nehmt den letzten Segen, es wird gewiß geschehn, daß wir auf Zions Wegen einander wieder sehen. 7. Zulegt sei dir, o Erde! mein blasser Leib vermacht, damit dir wieder werde, was du mir zugebracht. Mach ihn zu Asch und Staube, bis Gottes Stimme ruft; denn dieses sagt mein Glaube: Er bleibt nicht in der Gruft. 8. Das ist mein letzter Wille, Gott drückt das Siegel drauf; nun wart ich in der Stille, bis daß ich meinen Lauf durch Christi Tod vollende. So geh ich freudig hin, und weiß, daß ich ohn Ende des Himmels Erbe bin. Etliche Lieder von Christian Hirsch, Diaconus zu St. Sebald. Mel. Ach, was soll ich Sünder machen 2c. Vater! siehe deine Kinder, welche sich von 1. Morgen- und Abendlieder. dir verloren und für dich die Welt erkoren, liegen hier als große Sünder, beichten ihre Missethat, die dich, Herr, erzürnet hat. Ach! es reut uns, was geschehen, was wir Böses ausgeübt, daß wir Fleisch und Blut geliebt und gar schlecht auf dich gesehen, thöricht Koth für Gold erwählt und dem Satan uns vermählt. 121 3. Aber, Herr! wir kommen wieder zu dir, unserm treuen Gott, hassen die verfluchte Rott aller weltgesinnten Brüder, unsre Lust ist nichts als Last, die wir thöricht aufgefaßt. 4. Drum so nimm uns an zu Gnaden, rechne nicht, was wir gethan, siehe unsern Jesum an, der die Straf auf sich geladen und die Schuld für uns gebüßt, die uns sonst den Himmel schließt. 5. Forthin wollen wir dir folgen, wie der Kinder Pflicht erheischt, meiden, was uns hat getäuscht, halten uns allein zu solchen, die der Kinder Schuld und Pflicht aus den Augen sehen nicht. Von Gottes Regierung. Ueber den 24sten Vers und 73sten Psalms. Nach eigener Melodie. 1. Wie wohl ist mir, wenn ich gedenk, was Gottes weise Leitung thu, wie er die Seinen führt und lenkt, nach vieler Unruh zu der Ruh! wie er sie führet durch die Wüsten an ein vergnüglich feines Ort; drum mach ich es wie rechte Christen und wähl zum Wahlspruch diese Wort: Gott wird nach seinem Rath mich leiten und endlich nehmen an mit Freuden. 2. Ich hab zum Grund des Herren Leitung, Benjamin Schmolfens das was sein theures Wort mir zeigt, das bringt mir die erwünschte Zeitung, wie er zu meinem Wohl geneigt; ich hab zum Grund, wie er geführet, sehr viel, zwar wunderlich, doch gut; davon mein Herz oft Trost gespüret, der dann in diesen Worten ruht: Gott wird nach seinem Rath mich leiten und endlich zc. 122 3. Mein Joseph, sag mir doch die Wege, die dich des Herren Hand geführt; was hatten deine Füß für Stege, was hat für Zustand dich berührt? Du sprichst, er führte mich durch Krümmen und Umweg zu dem schönsten Glück. Wohl, in dem Wort soll jeho schimmern mein Herze, daß es sich erquickt; Gott wird nach 2c. 4. Ja, Joseph, du warst wohl geleitet recht ſeltsam und recht wunderbar; du warst ein Hirt, der Schaf geweidet, hernach als Sklav in viel Gefahr; bald in Gefängniß und in Banden, in einer unverschuld'ten Schmach, doch bald ein Herr in vielen Landen; dieß macht, daß ich im Troste sag: Gott wird nach 2c. 5. Sag, Israel, sag mir die Weise, mit welcher dich dein Gott geführt, gelt, du thast eine Lange Reise, bis dein Fuß Kanaan berührt? da du viel kürzer könntest wallen nach dem so schön gelobten Land; allein, so wollt' es Gott gefallen, drumt denkt mein Herz u. sagt mein Mund: Gott wirdnach zc. 6. O wenn ich Davids Glück erwäge, zu dem ihn endlich Gott gebracht, wie er ihn von der Schafe Pflege nahm und zum großen König macht, aus einem Hirten zum Monarchen, und dieß durch manche saure Gäng, troß aller seiner Feinde Schnarchen, so sag ich stets in Kreuz- Gedräng: Gott wird nach seinem 2c. Morgen- und Abendlieder. 7. Du liebe Ehster, fromme Waise! wie seltsam führte dich dein Gott? das Thränenbrod war erst die Speise, die dich ernährt in mancher Noth. Doch nein! wie ward dir da zu Muthe, als du wardst eines Königs Braut, als du kriegst fönigliches Gute? Dieß Glück macht, daß mein Herz Gott traut. Gott wird nach 2c. 8. Was aber macht dieß seltsam Führen, daß Gott durch Weh zum Wohl uns bringt? Dieß, er will nur damit probieren, wie unser Mund im Unglück klingt, ob wir auch ihn im Kreuze loben und unverändert bleiben treu. Sieht er die schönen Glaubensproben, so macht er, daß man sich erfreu: Er könn' nach seinem Rath wohl leiten und zc. 123 9. Auch siehet Gott, wie falsch die Stege, die das verderbte Fleisch uns zeigt, wie es nur führt auf solche Wege, darauf der Fuß zur Hölle steigt. Er sieht, wie unser Fleisch und Blute nicht wohl ertrage gute Tag, drum nimmt er lieber Kreuz und Ruthe, macht doch, daß man hernachmals fag: Er kann nach seinem Rath wohl leiten und endlich nehmen an 2c. 10. Ei nun! so stell ich mein Geschicke in Gottes Güt und weisen Rath: Ich weiß, er machet wohl mein Glücke, obs gleich zuerst kein Ansehen hat. Er führ mich über Stock und Steine, er führ durch Dorn und Hecken mich, ich achts nicht, daß mein Auge weine, und sag vielmehr recht dreistiglich: Gott wird nach seinem Rath mich leiten und endlich zc. 11. Sein Rath ist wunderbar, doch herrlich, obs gleich von Anfang widrig scheint; es endet. glücklich, was gefährlich man oft zu sein zuerst ge Benjamin Schmolkens meint, was aber man für Glück gehalten, gieng oft auf großes Unglück aus; drum laß ich meinen Vater walten und sag in allem TrübfalsStrauß: Gott wird nach seinem 2c. 12. Ja, ich will wählen Gottes Willen, zur Richtschnur nehmen seinen Rath; ich will mit dem mein Herze stillen, daß Gott nie bös geführet hat, die so sich ihm ganz übergeben und seiner Führung halten still, so bleibe dieß mein Trost im Leben, was Assaps Mund mich lehren will: Gott wird nach seinem Rath mich leiten und endlich nehmen an mit Freuden. 124 Am Fest der Heimsuchung Mariä. Hierinnen ist der ordentliche Text in der Ordnung behalten worden. Mel. Jesu, der du meine Seele 2c. 1. Mein Gott ergebne Seele preiset und erhebt den Herrn, und mein Geist in seiner Höhle freuet sichdes JakobsStern, Gottes, meines Heilands immer, der da mit erhöhtem Schimmer scheint und aufgeht hell und klar derverlornen Menschen- Schaar. 2. Denn er hat ohn all Verschmähen seine ganz elende Magd wohl recht gnädig angesehen und mit großer Ehr bedacht. Sieh, von nun an, so wirds heißen, werden mich fein selig preisen' immer alle Kindes- Kind, die bei Gott in Diensten sind. 3. Denn er hat gar große Dinge an mir, seiner Magd, gethan, denn das Größt ist ganz geringe, der da mächtig alles kann, und deß hocherhabner Name, als des Guten Duell und Same, stetig und zu aller Frist hie und dorten heilig ist. Morgen- und Abendlieder. 4. Und noch mehr, es höret nimmer, glaubts, auf sein Barmherzigkeit, ja vielmehr sie währet immer für und für zu aller Zeit, meist bei denen, die ihn fürchten, die da theuer sich verbürgten, ihm zu widmen ihren Lauf, als er sie genommen auf. 5. Seht noch ferner, wie er übet auch Gewalt mit seinem Arm, der, der sonsten Liebet und sieht, wie er sich erbarm, und zerstreut auch aller Orten, die hoffärtig sind geworden, in des Herzens Sinn und Muth, wie der Wind den Spreuer thut. 125 6. Schaut den Eifer, wie er stößet die Gewaltigen vom Stuhl, den, der denkt, er sei vergrößert, stürzt er in den tiefen Pfuhl, und erhebet die Elenden; also muß das Blatt sich wenden, den, der liegt in Schmach und Hohn, hebt er auf den Ehren- Thron. 7. Merkt, die Hungerigen füllet er mit Gütern ohne Zahl, denen er den Hunger stillet mit dem rechten Gnadenmahl, und dagegen läßt die Reichen er am Hungertuch erbleichen, leer von seiner reichen Gnad, die der fromme Arme hat. 8. Denkt noch mehrers, wie er denket immer der Barmherzigkeit, die er denen gnädig schenket, die ihm stehn zu Dienst bereit, und er hilft als ein Verfühner seinem ihm versühnten Diener, Jsrael, in Gnaden auf und beglücket seinen Lauf. So wie er geredt hat, Amen! unsern Vätern Abraham, und auch seinem lieben Samen, der aus seinen Lenden kam, nicht nur viele Jahr und Zeiten, die in Tausend sich verbreiten, sondern wie er fennet sich, ohne End und ewiglich. 9. 126 Benjamin Schmolkens Trostlied im Waisenstande, über den 10. Vers des 27sten Psalms. In voriger Melodie. 1. Herber Schmerz! wenn diese mich verlassen, die als Eltern mich geboren und gezeugt, wenn sie mit mich Lieb nicht mehr umfassen und sich Hand und Herz zur Hilfe nimmer neigt. Ach, was kann das Herz in heißen Nengsten trösten? Doch dieß wieder tröstet: Gott, der nimmt mich auf. 2. Laß es sein, daß Israel muß lechzen, und vor hartem Durst fast gar verschmacht und stirbt, ob schon sehr die Mutter- Lippen ächzen, sieht man doch nicht, was sie damit erwirbt, aber es kommt Hilf, der Engel zeigt den Brunnen, es kommt Trost gewonnen; Gott der nimmt ihn auf. 3. Weil ein Kind mit Brod den Hunger stillen, das zu Zarphat ihm die Mutter reichen soll! kann sie ihm die Bitte nicht erfüllen, weil kein Mehl im Cad, sie Schuld und Aengsten voll. Ach so muß das Mehl und Dele sich vermehren, weilen er kann hören, daß Gott ihn nimmt auf. 4. Fügt es sich, daß Freund, als unsre Stäbe, wie ein schwaches Rohr zerbrochen fallen hin; hat man nicht, womit man sie erhebe, fehlt es uns an Muth, zu klären auf den Sinn: Ach! so schallt die Stimm: Der Herr will Freund uns heißen und sich auch so weisen; Er, er nimmt uns auf. 5. Trübet sich der vor so klare Himmel und zeigt anders nichts, als Donner, Bliß und Güß, findet sich vom Unglück ein Gewimmel, das uns kläglich gibt viel Schmerzensstich und Riß; wart, es scheint die Sonn, der Herr wills besser meinen, und eilt in die Scheunen, denn er nimmt uns auf. Morgen- und Abendlieder. 6. Leget uns der Teufel Netz u. Stricke und stellt immer uns mit List und Bosheit nach! zeiget uns die Welt auch ihre Tücke, überschwemme uns von Belial ein Bach! nur getrost, der Herr reißt uns aus ihren Rachenu.willihrerlachen, dennernimmtunsauf. 7. Wirft man mich wie Koth dahin im Staube und gibt mich im Grimm den wilden Thieren hin, läßt man mich denselben gar zum Raube, daß auf solche Weis' ich ihre Speise bin; doch noch nicht verzagt, der Herr hält Rach und Klauen, und ich darf noch schauen, daß Gott mich nimmt auf. 127 8. Es mag sein, daß Angst und Noth mich decket, wie die Saat im Winter faltes Eis und Schnee, und wie da die Rosenstaude strecket nichts als scharfe Spitzhund Stacheln in die Höh; ach, es fommt die Zeit, da beides wird grün prangen, weil ich fann erlangen, daß Gott mich nimmt auf. 9. Ach! ja, der will mich getreu aufnehmen, der der Waisen Vater und ihr Helfer ist, der da sieht verlassener LeuteGrämen, welcher ihr Gebet und Flehen nicht vergißt, der sich hat den Schutz und Hilfe vorbehalten, der will ob mir walten, diesernimmt mich auf. 10. Ja, Herr! dir, du Herr von weisem Rathe, der du überschwenglich hilist und reichlich gibst; dir, Herr! dir, du Herr von Macht, und Gnade, und der du verlaßne Herz' inbrünstig liebst: ja, dir traue ich, du wirst mich nicht verlassen, sondern fest umfassen und mich nehmen auf. 11. Nimm mich auf, wenn meine Eltern sterben; nimm mich auf, wenn meine Freunde ferne stehn; nimm mich auf, wenn alles wird zu Trümmern gehn; ja, wenn endlich wird die Seele von mir weichen, und ich muß erbleichen, Herr, so nimm mich auf. Benjamin Schmolkens Frasmi Franzici bewegliches Sterbelied. Mel. Herr Jesu Christ! ich weiß gar wohl zc. 1. Gerechter Gott, ich weiß gar wohl, daß ich nach diesem Leben, dir sehr genau verrechnen soll das Pfund, so du mir geben und ich auf Wucher nicht gethan, ich träge Schneck auf deiner Bahn, der goldnen Zeit Verschwender. 2. Den ganzen Lebenslauf, so mir aus Gnaden ist verliehen, hab ich ohn meiner Seelen Zier verbracht in schnöden Mühen; denn zeuchst du vor dein scharfes Recht, wie darf ich ungerechter Knecht dir unter Augen treten? 3. Ach ich! ich soll dir Rechenschaft von deinen Gütern schaffen? Ich, welcher dich aus aller Kraft gereizt zu Zorn und Strafen, der deinen Geist so oft betrübt und gar, viel Arges hat verübt, das dein Gesetz verfluchet. 4. Ein großer Rest beschweret mich, auch in geringsten Sachen. Ach, nimmer, nimmermehr weiß ich, ich weiß es nicht zu machen. Eins aber ist mir noch bewußt, das mir die Angst erhitzte Brust als wie ein Frühthau kühlet. 5. Dieß nämlich, daß du, o Herr Christ! mein und der ganzen Erden, Herr, Heil und die Erlösung bist, dadurch wir schuldfrei, werden; und daß dein Vater dir mich hat, als seinem lieben Sohn und Rath, in deine Hand gegeben. 6. Drum sent ich armer Sünder mich ins Gnadenmeer der Wunden, die du so schmerzund bitterlich für mich am Kreuz empfunden; in dein für mich vergoßnes Blut, die allerheiligst reine Fluth, so Zions Unflath wäschet. 128 Morgen- und Abendlieder. 7. Laß diesen rosinfarbne Saft an meiner Rechnung kleben, daß ich anstatt der Rechenschaft von meiner Zeit und Leben, dein Kreuz, Dorn, Rohr und Purpurkleid, dein Unschuld und Ge rechtigkeit mög ins Register setzen. 129 8. Mach aber, liebster Herr, mich doch fein tüchtig unterdessen, daß in der Zeit, die du mir noch allhie haft zugemessen, du deines Willens heilige Lust,( ach Herr! ach, schenk sie meiner Brust,) durch mich vollbringen könnteſt. 9. Kein Mehres wünsch ich auf der Welt, als mich in allen Kräften der Seelen, eh ein Grab mich hält, durch Liebe an dich heften; dir aufzuopfern Herz und Muth, gleichwie du hast Herz, Leib und Blut geopfert für mein Leben. 10. Eh aber ich von hinnen weich ins dunkle Haus der Erden, so laß, mein Heiland! mich so reich an deiner Gnade werden, daß ich zuvor dein Fleisch und Blut, in glaubig reiner Andachtsglut, recht würdiglich genieße. 11. Dein unbefleckter Leichnam sei mein Proviant und Speise, dein edles Blut mein Trank dabei, womit ich zu dir reise, und also, zeitlich angethan, steh unter deiner Freiheitsfahn, fein sicher, wenn, wenn du richteſt. 12. Weil ich nun deine Zeit nicht weiß, er= geb ich deinem Willen gehorsamst mich zu seinem Preis, magst ihn an mir erfüllen, wenn dirs gefällt; gib nur die Kraft, daß ich, wenn mirs derselbe schafft und winkt, bereit erscheine. 13. Ich weiß zwar wohl, daß keine Zeit, wie schnell sie sich auch stürzet, o Allmacht! deine Möglichkeit zu helfen mir verkürzet, so steh ich dir jetzt 9 Benjamin Schmolkens zum Voraus, so mir vielleicht der Tod ins Haus des Herzens plötzlich breche. 14. Jetzt, eh ich nur noch einen Schritt vom Grab entfernet liege, jetzt opfre, Jesu, ich hiemit dir meine letzten Züge, dir meinen letzten Blick und Tag, den letzten Hauch und Herzensschlag, dir in dein Herz und Hände. 15. Laß nicht umsonst mein Seufzen gehn nach deiner Unschuld Wunden, laß deinen Geist bei meinem stehn in meinen Scheidungsstunden. Und wenn ich bin aus diesem Licht, so stelle zwischen dein Gericht mich und dein bittres Sterben. 16. Verbirg die Seel in deinen Tod, gib eine Turteltaub, für die du littest Todesnoth, ja nicht dem Thier zum Raub; laß kommen mich zu deiner Ruh, du, der sein Aug in Thränen zu für meine Ruh geschlossen. Ja, 130 Nimm mich auf, wenn mein Lauf wird geschlosfen. Laß in deiner Seitenschrein meine Seele sicher sein, weil dein Blut für sie vergossen. Fort, o Welt, mir gefällt nichts auf Erden. Leid ist in der Eitelkeit, Luft in der Seligkeit. Jeſu, laß mich selig werden. Morgen- Lied. 1. Mel. Schöner Abend, sei willkommen 2c. Güldner Morgen, sei willkommen, nunmehr ist die Nacht vollbracht, nun die Sonn ist angekommnen, wir sind aus dem Schlaferwacht, auf, ihr ausgeruhte Glieder, schicket euch zur Arbeit wieder, wozu euch in eurem Stand hat verordnet Gottes Hand. 2. Ernstlich will vor allen Dingen in dem Hüter Israel meiner Lippen Opfer bringen, daß er sich hat meiner Seel heut so treulich angenommen, Morgen- und Abendlieder. daß sie nicht zu Schanden kommen, und des Teufels Macht und List an mir kraftlos worden ist. 3. Ferner sei sein Nam gepriesen für das Gute, das er mir hat in dieser Nacht erwiesen, daß er meines Hauses Thür hat mit seiner Macht umgeben, daß er mir mein Leib und Leben, meine Lieben, Hab und Gut, hat bedeckt mit seiner Hut. 131 4. Drauf will ich den Tag so leben, wie mich lehret Gottes Geist, nichts sonst thun, nach nichts sonst streben, als wozu er mich sonst weist; ich will allesfliehen, hafsen, wasermirbefiehltzulassen, damit diesen ganzen Tag mein Lauf Gott gefallen mag. 5. Wenn ich thu, was Gott will haben, so wird seine Gütigkeit mir noch manche Segensgaben zuzuwerfen sein bereit; will er aber Unglück schicken, wohl, ich beuge meinen Rücken willig unter seine Ruth; ist Gott gut, ist alles gut. 6. Käm auch vor des Tages Ende meines Lebens End herbei, so befehl ich seinen Händen und zu seines Vaters Treu meinen Geist und will mit Freuden scheiden ab zu Jesu Leiden und auf sein vergoßnes Blut; sterb ich so, so sterb ich gut. Ein anderes andächtiges Lied. Mel. Sollt es gleich bisweilen scheinen 2c. 1. Gott, ichhabedirergebenmeine Seele, Leibund Leben, alles ist dir unterthan, was ich habeumundan. 2. Ach, verleihe mir die Gnade, daß kein Unfall mir nicht schade, daß kein Uebel mich berühr heut und allzeit für und für. 3. Laß mich deine Hilf empfinden, daß ich, unbefleckt von Sünden, heilig, christlich lebe wohl, wie ein Christ sich halten ſoll. 9* Benjamin Schmolkens 4. Ja, laß mir und auch den Meinen deine Gnadensonne scheinen, daß wir all in deinem Schutz unsern Feinden bieten Truß. 5. Sei bei uns auf Weg und Stegen und verleih uns deinen Segen, daß wir unser täglich Brod haben, und was mehr ist noth. 6. Leite unsre Tritt und Schritte und erhöre unsre Bitte, und befördre nach der Zeit uns zur fel'gen Ewigkeit. 132 M. Johann Adam Leonhard Reizens einige erbauliche Lieder. Morgen- Lied. Mel. Vom Himmel hoch, da komm ich her 2c. 1. Die Nacht ist hin, der Tag bricht án, Gott, Lob, daß ich aufstehen kann. Ich preise, Vater, deine Macht, die mich im Schlaf so wohl bewacht. 2. Mein Leib und Seel stund in Gefahr, doch half mir deiner Engel Schaar, die du, Herr, um mein Bett gestellt, daß mich der Satan nicht gefällt. 3. Kein Ungestüm hat mich bethört, kein Zufall meine Ruh gestört, ich blieb befreit von Wassersnoth, von Diebstahl, Brand und schnellem Tod. 4. Der müde Leib ist wohl erquickt, daß er sich nun zur Arbeit schickt, die du, o Gott! zur Tageslast mir gnädig auferleget hast. 5. Drum lob ich dich mit Herz und Mund in dieser frohen Morgenstund, und bitt, vergib mir meine Sünd, daß sie mit dieser Nacht verschwind. 6. Laß aber mit der Sonnen Lauf mir deine Gnad auch gehen auf, damit ich meine Lebenszeit erfüll in Buß und Frömmigkeit. Morgen- und Abendlieder. 7. O Jesu Christe, Gottes Sohn! du Seelenhort und Gnadenthron, mach alle meine Fehler gut durch dein Verdienst und theures Blut. 133 8. Gott heil'ger Geist, du werthes Licht, verklär der Seelen Angesicht, geuß deine Gaben in mein Herz und wend es allzeit himmelwärts. 9. Du seligste Dreifaltigkeit, bewahre mich vor allem Leid, und steur' des Teufels Trug und List, gib aber, was mir nüßlich ist. 10. Verleih mir heute Kraft und Stärk und segne meiner Hände Werk, daß alles wohl gerathen mag, was ich anfange diesen Tag. 11. Und bleib ich nicht von Trübsal frei, so schenke mir Geduld dabei, ja, tröste mich mit deiner Lieb, daß mich kein Kreuz zu sehr betrüb. 12. Dein Wort laß mir ein Labsal sein in aller Angst, Gefahr und Bein; stärk mich, wenn ich im Glauben schwach, und führe selber meine Sach. 13. Mein Leib und Seel und was ich hab, als dein Geschenk und Gnadengab, befehl ich, Herr, in deine Händ; ach, steh mir bei bis an mein End! Abend 2ieb. Mel. Wenn wir in höchsten Nöthen sein 2c. 1. Wohlan, der Tag ist auch vollbracht, es rückt heran die stille Nacht, so mir den Feierabend bringt, daher mein Danklied auch erklingt. 2. D Herr, wie groß ist deine Gnad, die meiner heut gepfleget hat, daß ich von keinem Unfall weiß, hiefür sei dir Lob, Ehr und Preis. 3. Der müde Leib schläft nunmehr ein, Gott Benjamin Schmolkens soll indeß mein Wächter sein. Ich lieg in Christi Wundenhöhl, da sicher ist mein Leib und Seel. 134 4. Jhr bangen Sorgen, fahret hin, weil ich so wohl versorget bin. Weg, Trauer- Geist, weg, Kummer- Last! Mein Heiland schafft mir Hilf und Rast. 5. Weg, Sünde, Teufel, Höll und Tod, ich fürchte von euch keine Noth; denn ich gehör dem Joel an, der mich von euch erretten kann. 6. Und ob ich heut gestrauchelt hab, so bitt ichs Gott demüthig ab, und halte mich an seine Gnad, die schenkt mir alle Missethat. 7. Käm auch nun stracks mein End herbei, so glaub ich, daß ich selig sei, denn ich bin Gottes, Gott ist mein, dem leb und sterb ich nur allein. 8. D Herr, ich schlafe, deck mich zu, daß ich nach dieser sanften Ruh zu deines Namens Lob erwach und preise dich all meine Tag. 9. Mein Leib und Seel, mein Hab und Gut empfehl ich deiner Lieb und Hut; beschirm uns alle diese Nacht durch deiner Engel starke Wacht. 10. Wenn auch mein Lebens- Tag dahin und ich des Elends müde bin, so hilf mir in der letzten Noth, mach sanft und selig meinen Tod. Die beliebte Todtensch ul. In einem Namenslied. Mel. O Gott, du frommer Gott 2c. 1. Freu dich, o tolle Welt, in deinen Eitelkeiten, Ruhm, Wollust, Reichthum, Ehr und Glück und guten Zeiten: Ich weiß, wie man so leicht dabei verderben kann, Ein hoher Gottestrieb weist mich viel besser an. Morgen- und Abendlieder. 2. Darauf studir ich stets, wie ich möcht selig sterben, Einst dort die Lebens- Kron durch Christi Gnad ererben; Ruft Satan und lockt mich zur Last in Sünden- Phul, 135 Ist meine Wehr und Schanz die liebe Todesschul. 3. Kreuz, Jammer, Angst und Leid, darin wir öfter stecken, Hat zwar auch große Kraft, vom Bösen abzuschrecken. Recht wie mit Ruthen straft die väterliche Zucht, Ohn welche ja kein Mensch der Kinder Bestes ſucht. 4. Thuts aber noch vielmehr, wenn Jemand ab der Sünde Hört, daß der Richter schon den letzten Spruch verkünde; So wird die Sicherheit am besten, wie ich acht, Curiretu. verbannt, wenn man den Tod betracht. 5. Hier ist kein Aufenthalt. Es heißt: Fort, wandert alle, Ob gleich jetzt keiner weiß, wo, wenn und wie er falle, Liegt es am Ende nur an einem Streich; wie bald Zerbricht ein Glas und Ei? so sterben Jung und Alt. 6. Bin ich heut noch gesund? Ei morgen kann es fehlen, Und wohl noch diese Nacht der Tod sich mir vermählen. Eardan, der, wie bekannt, den Sternen viel vertraut, Hat dennoch seine Stund daran nicht vorgeschaut. Benjamin Schmolkens 7. Fällt man sich nicht auch todt? Wird man nicht schnell ersoffen? Und vom ergrimmtsten Feind mit Dolch und Spieß durchstochen? Hat man die Bestilenz nicht alsobald am Hals? Rührt einen gleich kein Schlag, kein Steckfluß ebenfalls? 8. Gi wahrlich! es gibt sonst noch viel, viel Todes- Wege! Ras't denn der Satannicht, daß er uns niederlege? Zieht nicht manch Wetter auf? Blizz, Donner, Schlag und Strahl? Vermelden mir und dir: Halt dich bereit zumal! 9. Nun, wenn ich dennoch sollt in Sicherheit verweilen, Kind nicht durch Buße bald zu meinem Heiland eilen. catschaffen in der Lieb, so brächt ein Augenblick. Doch etwa unversehns mich an den Höllenstrick. 10. Barmherzig treuster Gott, ich flehe denn von Herzen: Erleuchte meinen Sinn, der Tod läßt ja nicht scherzen. Regiere mich, deinkind, bis mir die Todtenschul GeöffnetThür u. Thor hinzudes LammesStuhl. 136 Lebens- und Sterbens- Gedanken, über Röm. 24, 7-8. Mel. Meinen Jesum ich erwähle zc. 1. Ach! ja wahrlich, unser keiner lebt ihm selber in die Welt, obs ein Großer oder Kleiner, Morgen- und Abendlieder. voller Mangel oder Geld! Merket, wem der Ruhm gebühr; dir allein, Herr, leben wir. 2. Nun von dir stammt unser Wesen, und durch deines Sohnes Blut sind wir von der Sünd genesen und befreit von Satans Wuth. Gott, dein Geist regier uns hier; drum heißt's auch: Dir leben wir. 137 3. Doch das wird oft schlecht geachtet, wenn man für das Recht die That und der Menschen Sinn betrachtet, der sich ganz verlaufen hat in die Weltlust, und doch gern sagen wollt: Man lebt dem Herrn. 4. Ich will dir mit Wahrheit leben, daß ich dein auch sterbend sei; ich will dir mich ganz ergeben, denn so gilts mir einerlei: Ich leb oder fahr dahin, wenn ich nur des Herren bin. 5. Niemand kann ihm selber sterben. Es kommt auf den Höchsten an. Die durch Eigenmord verderben, gehen die Sauls- und Kainsbahn. Wünscht ihr nun des Herrn zu sein, ei, so sterbt ihm auch allein. 6. Ich erlaß mich seinem Willen; leb ich, so leb ich nur Gott. Soll ich wandern zu den Stillen? sterb ich ihm ohn alle Noth. Meines Lebens beste Frucht wird zuletzt im Tod gesucht. 7. Nichts fann mich von Jesu trennen, ich mag leben oder nicht. Er wird doch sein Glied erkennen auch dereinsten vor Gericht, und mich führen aus dem Grab, weil ich ihm gelebet hab. 8. Dort wird sich das Sterben enden, dort wird nichts denn Leben sein, und ich trag in meinen Händen lauter Sieges- Palmen ein: leb im Himmel ohne Leid, bei dem Herrn in Ewigkeit. 138 Morgen- und Abendlieder. Mel. Machs mit mir, Gott, nach deiner Güte zc. 1. O süßes Wohl! o Himmelsfreund! nach dir steht mein Verlangen. Käm nur die liebe Stund noch heut, da du mich wirst umfangen, mir eckelt hier; ach wär ich dort, in sicher stil lem Hoffnungs- Port. 2. Weh aber, weh! ach ewig weh! den frevelhaften Sündern; die Höllenpein im Schwefelsee währt fort ohn einzigs Mindern, davor bewahre mich, o Gott! durch Christi Wunden, Blut und Tod. 3. Laß mich nicht mit der großen Schaar die breite Straße wandeln. Die Sicherheit ist voll Gefahr, stürzt einen nach dem andern, und bringt auf kurze Sünden- Freud unendlich groBes Herze- Leid. 4. Ein Christ muß gnug im Jammerthal der bösen Welt schon leiden. Ei! sollt er sich vermehrte Qual auch nach der Zeit bereiten? Steh bald von Sünden ab, mein Herz, eh ich die Seligkeit verscherz. 5. Auf Buß und Glauben kommt es an, daß man der Höll entrinnen und in den Himmel dringen kann, drum lenke meine Sinnen, Gott heiliger Geist! auf dieser Erd, daß ich hie fromm, dort selig werd. Herrn Benjamin Schmolkens gottgeheiligte Morgen- und Abendandachten. 3 weiter Theil. Nebst M. Christian Scrivers. 139 gottgeheiligtem Bet Altar frommer Christen. Geneigter Leser! Weilen Herrn Inspektor Schmolkens Gottgeheiligte Morgen- und Abendandachten in gebundener Rede, die ich aus seinen geistreichen Schriften. zusammen gelesen und in der Tauberischen Buchhandlung Anno 1720 in ein Octav- Bändchen habe drücken lassen, von vielen andächtigen Betern, auch selbst von Herrn Schmolken, sind wohl aufgenommen worden, so trage ich nun um so viel weniger Bedenken, dir auch seine Morgen- und Abendandachten in ungebundener Rede, als den zweiten Theil darzureichen, hoffe auch, sie werden dir nicht weniger angenehm, als die vorigen sein. Was ich nun damals gehoffet habe, siehe, das ist auch durch göttlichen Segen in der That geschehen, davon nicht nur die öfteren und vielen Auflagen, sondern auch verschiedene Briefe werther Benjamin Schmolkens Gönner und gute Freunde sattsames Zeugnis geben könnten, wenn es für nöthig zu sein erachtet würde, dieselben hiemit beizusetzen, wie denn dieſe Andachten noch täglich von andächtigen Betern eifrig begehrt werden; deßwegen sowohl der erste, als auch dieser zweite Theil in kurzer Zeit nunmehr zu so vielenmalen hat müssen gedruckt werden, und ich glaube auch, Gott wird seinen Segen noch weiter darauf legen, damit die Andachten noch von vielen frommen Christen je mehr und mehr zu erbaulicher Andacht werden können gelesen werden. Der geneigte Leser lebe wohl und gebrauche sich dieser Schmolkenschen Morgen- und Abendandachten zur Verehrung Gottes, zu seinem eigenen Trost, Andacht und Erbauung, zu welchem Ende sie Herr Inspektor Schmolke geschrieben, ich aus gleichem Absehen sie lediglich zusammen getragen habe und zum Druke befördert. Friedrich Roth- Scholz. 140 Andächtiger Beter! Ich habe schon lange angestanden, mit meiner wenigen Arbeit die Menge der Gebetbücher zu vermehren. Ob ich zwar dafür halte, daß das beste Gebetbuch in dem Herzen eines glaubigen Anrufers seie, so bin ich doch auch überredet, daß die geistreichen Gebetbücher gar nützliche Gefässe des Heiligthums sind. Da aber von denselben schon ein gesegneter Vorrath vorhanden ist, hätte ich gewünscht, daß die wenigen Bogen, die ich vor etliche Jahren allbereits einer Person zu Liebe Vorrede. 141 verfertiget, im Verborgenen geblieben wären. Allein das gütige Verlangen anderer, die gerne mit mir beten wollten, hat mich zur Fortsetzung solcher Andachten aufgemuntert. Hier steht nun mein BetAltar.*) Du siehst, daß er keinem unbekannten Gott gewidmet ist. Was Paulus zu Athen gefunden, das muß man nicht in Zion antreffen. Was ich zu deiner Andacht aufgebauet, führet die Ueberschrift: Zur heiligen Dreifaltigkeit. Du findest hier Gelegenheit, wie du dich zu jeder Person mit besondern Seufzern wenden kannst. Das war schon eine Weise der ersten Kirche, und so wenig diese sich an die dawider lästernden Arianer und Macedonier kehrte, eben so wenig fragen die heutigen Beter darnach, was ein Sandius und Wisthon ihnen noch für gottlose Einwendungen machen. Opfere deine Gabe ungehindert auf diesem Altare. Bringe hieher die Farren deiner Lippen. Schütte hier aus die güldnen Schaalen deines Rauchwerks, auch die Fülle deiner Thränen. Je kleiner dieser Betaltar ist, desto leichter kannst du ihn für deinen Scherf anschaffen. Ein reicher Obed- Edom mag sich eine ganze Bundeslade in sein Haus holen, du aber nimm vorlieb mit diesem kleinen Bet- Tische. Die Steine dazu sind in dem geistlichen Jordan gesammelt, und das Holz darauf in dem Wald Zions geholet, die Kohlen aus den Seufzern der Heiligen genommen. Ja, die Stiftshüte und Tempel war ein Altar mit Gold überzogen. Opfere Gott ein Herz voller Glauben und Liebe, so wird dein Altar gülden, der Allmächtige selbst dein Gold sein. *) Woraus diese Morgen- und Abend- Andachten entlehnt sind.. Benjamin Schmolkens Bitte von dem Höchsten, daß sein Feuer und Herd unter uns bleibe und der Himmel selbsten unsere Flammen entzünden möge. Der Herr rieche den lieblichen Geruch deines Opfers, und das Lamm, welches sich selbsten ohne Wandel geopfert hat, besprenge dasselbe mit dem Blut des Bundes, daß es ein gerader Rauch gen Himmel sei. Deine Trübsal sei kein Wasser, sondern Del in deine Flammen, und der Sturm des Unglücks blase sie nicht aus, sondern auf. Kurz: Dein Betaltar werde allemal zu einem Dankaltar, bis du dermaleins ein ewiges Feuer opfern wirst auf einem Altar, der nicht mit Händen gemacht iſt. 142 Gott, erhöre und vermehre Deiner Andacht heiße Glut, Laß die Flammen nur zusammen, Geuß darein die Thränen- Fluth, Das heißt Del in Feuer schütten, Du wirst nicht vergeblich bitten: Dein Gebete, Flehn und Schrein, Das wird Abels Opfer sein, Komm und bet in Jesu Namen. Heil'ge Vorbereitung zum Gebet Gott, Vater, Sohn und Geist verleih, Daß mein Gebet erhörlich sei, Hör, Vater, und vertritt mich, Sohn, Geist des Gebets, gib du den Ton. Gott Vater, mein Vater! ich, dein Kind, erscheine vor deinem Angesichte und klopfe mit Heilige Vorbereitung zum Gebet. einem brünstigen Abba an dein väterliches Herze. Ich will beten, denn mich locket deine Barmherzigkeit. Ich soll beten, so erfordert es meine Dürf tigkeit. Wie kann ich aber beten, ohne deines Geistes Beredtsamkeit? Drum laß mir denselben in meiner Schwachheit aufhelfen. Hast du mich gerufen, daß ich zu dir kommen soll, so rufe ich jezund dich, daß du zu mir kommen mögest. Ich weiß wohl, daß ich nicht werth bin, dein Kind zu heißen. Aber ich weiß auch, daß du dich über mich erbarmest, wie ein Vater über sein Kind. Ach, erzeige mir deine Gnade, und verbirg dein Angesicht nicht vor dir. Laß dir wohlgefallen die Rede meines Mundes und das Gespräch meines Herzens. Neige dein Ohr, gönne mir deinen Blick, öffne mir dein Herz. O wie fröhlich werde ich sein über deine Hilfe, wenn du mein Gebet wirst erhöret und meine Thränen gesehen haben. Gott Sohn, mein Erlöser! Löse meine Zunge mit dem Finger deiner Allmacht. Thue auf den Mund zum Lobe, das Herz zum Gebete. Laß dein Blut heute reden für mich, daß ich mit Freudigkeit hinzu trete zum Gnadenstuhl, und Hilfe suche zur Zeit, da es noth ist. Zerreiß den Himmel über mir, daß mein Gebet hindurchdringe. Zeige mir durch deine Wunden das brünstige Herz deines himmlischen Vaters. Ja, wo ich nicht beten kann, so sei du selbst mein Fürsprecher und vertritt mich zur Rechten Gottes. Mache mich frei von der Sünde, damit ich desto freier mit Gott reden möge. Schweige den Satan, bedräue die Welt, tödte Fleisch und Blut, daß mein Gebet im Glauben desto lebendiger, in der Liebe deſto 143 Benjamin Schmolfens himmlischer, in der Versuchung desto sieghafter sei. Du wirsts wohl machen. Gott heiliger Geist, mein Tröster! Ach, seufze in meinem Herzen und schrei in meinem Munde. Ohne dich kann ich meinen Sesum keinen Herrn heißen. Ohne dich habe ich kein Zeugniß der göttlichen Kindschaft. Ohne dich kann ich nichts thun. Ach, so wirke doch in mir jetzt, du Geist des Gebets. Lege alle Worte auf meine Lippen. Presse alle Seufzer aus meiner Seele. Gib mir ein heilige Stille, reinige die Sinnen von aller eiteln Absicht. Erleuchte den Verstand, heilige den Willen, befestige den Vorsatz, vermehre das Vertrauen, gründe die Hoffnung, erwecke die Geduld. Mein Herz sei ein Bethaus, meine Seele dein Sela. Laß mich also beten, damit ich nicht die Antwort hören möge: Ihr wisset nicht, was ihr betet. O heilige Dreifaltigkeit, erhöre mich! erhöre mich, erhöre mich, ich bete an zu deinem Fußschemel. Ich liege vor dir auf deine Barmherzigkeit. Heiliger Gott! barmherziger Gott! wahrhaftiger Gott! ich halte dir vor deine Allmacht. Ich berufe mich auf deine Liebe. Ich gründe mich auf alle deine Verheißungen. Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn. Sprich nur ein Wort, so heißt es Amen, in deinem allerglorwürdigsten Namen. Amen! 144 Du hochgepriesne Majeſtät, Erhör mein sehnliches Gebete, Daß es vom Herzen geht; Und da ich jezund vor dich trete, So sieh auf mich von deiner Höh, Bis ich mit Amen von dir geh. Morgensegen am Sonntag. 145 Morgenandacht am heiligen Sonntag. Mein Gott! die Sonne geht herfür, Sei du ein helles Licht in mir, Du Sonne der Gerechtigkeit, Vertreib der Sünden Dunkelheit. Gott Vater, mein Schöpfer! o wie heilig ist der Tag, an welchem du ſelbst geruhet hast. Ich komme von der Ruhe und gehe zur Ruhe. Geruhet habe ich diese Nacht in deinen Armen, dafür dank ich dir. Diesen Tag willst du in meinem Herzen ruhen, darüber freue ich mich. Die Nacht ist vergangen, der Tag aber herbei kommen. Laß es nun auch lichte werden in meinem Herzen, du Vater des Lichts, daß ich in deinem Lichte sehe das Licht und darinnen wandle. Bewahremeinen Fuß, wann ichheutezudeinem Hausegehe. Meine Seele verlanget und sehnet sich nach deinen Vorhöfen. Lege deinWort in meinen Mund. Erfülle mit deiner Stimme meine Ohren. Erleuchtemit deiner Wahrheitmeine Augen. Rüh10 Univ.- Bibl. Glessen 146 Benjamin Schmolkens re mit deinem Finger meine Lippen. Erfülle mit deiner Süßigkeit mein Herz. Laß meine Gottesfurcht nicht Heuchelei sein und meinen Gottesdienstnicht Menschenwerk. Wenn ich mit dem Zöllner in deinem Vorhofe stehe, so sei mein erster Seufzer: Gott sei mir Sünder gnädig! Gott Sohn, mein Heiland! dieser Tag ist dein, an dem du bist auferstanden. Ach, laß mich heute auferstehen vom Irrthum zur Wahrheit, von der Sünde zur Heiligkeit, vom Trauern zu der Zufriedenheit. Du bist der Weg, die Wahrheit und das Leben. Ach, rede heute in deinem Heiligthum, so bin ich froh. Ich lege mich an deine Brust. Tränke mich mit der Milch des lautern Evangelii. Du aber lege dich durch dein Wort in mein Herz, daß ich reichen Trost von deinem Hauſe habe. Erhalte mein Herz bei dem Einigen, daß ich deinen Namen fürchte. Baue dieses Land, und Morgensegen am Sonntag. wässere es. Denn deine Brünnlein haben Wassers die Fülle. Streue deinen Samen auf ein gutes Feld, daßes hundertfältigeFrüchte bringe. Laß dein Wort sein mein Licht auf dem Wege, meinen Weg zum Himmel, meinen HimmelimHerzen. So werde ich Lust an deinen Zeugnissen und selbst einen lustigen Sabbath haben. 147 Gott heiliger Geist, mein Tröster! der Tag ist auch ein Tag, an welchem du sichtbarlich bist ausgegossen worden. Ergieße dich heute über mich, gieße dich heute in mich. Zeige mir an diesem Sonntage die Sonne der Gerechtigkeit und Heil unter ihren Flügeln. Falle du auf mich, wenn ich das Wort höre. Laß mirs durch die Ohren ins Herze gehen. Schreibe es durch deinen Finger in meinen Sinn. Reinige mich in der Buße. Befestige mich im Glauben. Erbaue mich in der Liebe. Bessere mich im Leben. Tröste mich in der 10* Benjamin Schmolkens Anfechtung. Bereite mich zu einem seligen Sterben. So werde ich nicht nur ein Hörer, sondern auch ein Thäter sein. Du aber wirst geben das WollenundVollbringen und die gute Beilageinmirbewahren, javersiegeln bis auf den Tag meiner Erlösung. Heilige Dreifaltigkeit! heilige mich heute durch und durch. Sei du alles in mir, so vermag ich alles durch dich. Mache dir einen Tempel in meinem Herzen, so wird meinem Hause heute Heil widerfahren. Wohne nicht nur bei mir, sondern bleibe auch in mir. Die Gemeine der Glaubigen sei an diesem Tage ein Herz und eine Seele. Niemand diene dir mit falschem Herzen. Behalt alle Frommen in einer heiligen Ruhe, bis wir noch eine Ruhe finden, welche dem Volk Gottes vorhanden ist. Dort werden wir mit allen Auserwählten einen Sabbath nach dem andern halten. 148 Abendsegen am Sonntag. Mein Herz ist willig und bereit, Dir, heilige Dreifaltigkeit, Ein Heiligthum in sich zu bauen, Ach, kehre gnädig bei mir ein Und laß mich deinen Sonnenschein Bis auf den späten Abend schauen. 149 Abendandacht am heiligen Sonntag. Mein Gott! die Sonne geht zur Ruh, Komm, drücke mir die Augen zu: Doch lasse meinen Geist dich schauen, So darf mir vor der Nacht nicht grauen. Gott Vater, mein Wächter! du Hüter Israel! Ich nehme meine Zuflucht an diesem Abend zu deinen offenen Augen. Du schläfest noch schlummerst nicht. Ich aber muß beides thun, daß der müde Leib erquicket werde. Erleuchte demnach meine Augen, daß ich nicht im Tode entschlafe. Ich habe heute die Wunder in deinem Gesetze gesehen. Wie deutlich hast du mich gelehret, wie väterlich vermahnet, wie treulich gewarnet, wie herzlich getröstet. Aber ich erschrecke, wenn ich dagegen auf mich sehe. Wie sparsam habe ich dich gehöret, wie laulicht dich geliebet, wie ungerne dir gefolget, wie muthwillig deinen Zug verachtet! Ach! laß mich das Wort, welches ich verachtet Benjamin Schmolkens habe, nicht richten an jenem Tage. Laß nicht die Sonne über meiner Bosheit und deinem Zorn untergehen. Gnade vor Recht bitte ich, Erbarmung vor Züchtigung. Sei auch in der Finsterniß mein Licht, daß ich morgen zu einem neuen Licht und Wandel aufstehe. 150 Gott Sohn, mein Hirte! dein Schäflein Leget sich in deinen Schoos. Bewahre mich wie deinen Augapfel. Setze mich wie einen Siegel auf deinen Arm. Laß deine Liebe meinen Traum und dein Wort das Gespräch meines Herzens auf meinem Lager ſein. Kleide mich aus von den heutigen Sünden und kleide mich an mit dem Purpur deines Verdienstes. In diesem Schlafkleide werde ich süße ruhen, bis der Tag anbricht und der Morgenstern aufgeht in meinem Herzen. Gott heiliger Geist, mein Beistand! versiegle in mir, was ich diesen Tag gehöret habe. Du hast mir Himmel und Hölle vorgestellet, Segen und Fluch angekündiget, Leben und Tod zur Wahl gegeben. Laß mich also wählen, daß ich das Beste und Einige erwählen möge. Sei in mir ein 151 Abendsegen am Sonntag. Brunn des lebendigen Wassers, das ins ewige Leben quillt. Zertheile in mir die angeborne Finsterniß durch dein himmlisches Licht, lösche dagegen die Liebe der Welt in meinem Herzen aus. Laß mich die bevorstehende Nacht in deiner Liebe einschlafen und in derselben auch fröhlich wieder erwachen. Ermuntere meine Seele durch heilige Bewegungen, daß ich stets zu dir wache, ob gleich der Leib schläft. Zeige mir auch im Bette meinen Sarg und in meinem Schlafe den Tod, daß mich der letzte Schlaf nicht übereilen, sondern wachend und betend finden möge. Tröste die Betrübten, beruhige die Unruhigen, bekehre die Boshaften. Heilige Dreifaltigkeit, meiner Våter Gott! Erbarme dich der Meinen und aller Menschen. Laß deinen heiligen Sonntag überall Strahlen der Liebe und Gnade zurücklassen. Deine Sonne gehe Keinem unter, der dich nur erfennet und liebet. Niemand ist gut, denn du, einiger Gott. Laß uns von dir nichts trennen, o du unzertrennliches Wesen, bis wir zu dem ewigen Sabbath kommen und das Dreimal Heilig unaufhörlich rufen werden. Amen. 152 Benjamin Schmolkens Schleuß dich, o Herzenstempel, zu, Denn Gott hat in dir seine Ruh, Die Ueberschrift steht an der Thür: Gott Vater, Sohn und Geist ist hier! Morgenandacht am Montag. Mein Gott! erwecke Herz und Mund," Erneure deinen Gnadenbund, Daß dieser Wochen erster Tag In dir gesegnet heißen mag. Gott Vater, mein Herr! das ist dein Name, denn du willst deine Ehre keinem Andern geben. In diesem allerheiligsten Namen ſtehe ich, jezund auf und bringe dir am ersten Wochentage die Erstlinge meiner Lippen. Ich preise dich, Vater und Herr Himmels und der Erden, daß du mich die abgewichene Nacht mit deiner Gnade bedecket, mit deiner Liebe überschattet und mit deiner Allmacht umgeben hast. Sei gelobet, D du verborgener Gott! daß du mich so wohl verbargest und jetzo aus dem Verborgenen wiederum ans Licht hervortreten ließest. Fülle mich nun auch frühe mit deiner Gnade, frühe wollest du meine Stimme hören, frühe will ich mich zu dir schicken und darauf merken. Ich komme heut zum Anfange der neuen Woche. Im Namen unsers Got Morgensegen am Montag. tes werfe ich mein Panier auf. Ich rufe dich, daß du mir beistehest in dem, wozu du mich berufen hast. Du bist der Brunnquell alles Guten, laß deine Brünnlein reichlich auf mich fließen. Du bist meines Kraft, kräftige mein Leib und Seel. Du bist mein Licht, sende deine Weisheit herab von deinem heiligen Himmel, daß sie bei mir sei und mit mir ar= beite, damit ich erkenne, was dir wohlgefalle. Gott Sohn, mein A und O! du bist der Erste und der Letzte. Mit dir trete ich in die neue Woche, vertritt mich mit deiner fräftigen Fürbitte, daß ich in deinem süßesten Jesus- Namen viel Segen erbitte. Der Tag führet den Namen den Namen von dem Monde, der Mond hat sein Licht von der Sonne. Du bist das wahre Licht und der Glanz der Herrlichkeit. Ertheile mir nur ein Fünklein von deinem Lichte deiner Gnade, so werde ich heller sein, als der Mond. Der Mond nimmt ab und zu, laß mich im Bösen abund im Guten hingegen zunehmen. Und follte heute der Tag kommen, an welchem Sonne, Mond und Sterne sich verfinstern werden, so mache mich theilhaftig deines ewigen Lichtes, daß ich in deinem Reiche 153 154 Benjamin Schmolkens leuchte wie des Himmels Glanz, wie die Sterne immer und ewiglich. Indessen segne mich, so lange ich in dieser Hütte wohne. Segne alle Tritte, die ich auf deinen Wegen thue. Segne alle Worte, die von meinen Lippen gehen. Segne alle Werke, die ich in meinem Berufe treibe. Segne alle Bisfen, die ich in meinen Mund stecke. Segne alle Menschen, mit denen ich umgehe. Segne auch alles Kreuz, daß es zu meinem Besten diene. Gott heiliger Geist, mein Pfleger! pflegemeiner mit Geist und Gnade. Mache in der neuen Woche aus mir einen neuen Menschen und laß mich in einem neuen Leben wandeln. Gib mir Liebe, daß ich dieſelbe Gott und meinem Nächsten wieder geben kann. Erwecke in mir Lust und Fleiß zu den Werken meines Berufes und betäube hingegen mein Fleisch und Blut, welches zu lauter Trägheit geneigt ist. Mache meinen Verstand weise aufs Gute, meinen Willen begierig zum Guten, mein Herz beständig im Guten. Guter Geist! Guter Geist! führe mich auf ebener Bahn. Führe auch alle meine Lieben und behüte uns und alle Frommen vor Unsegen. Abendsegen am Montag. Heilige Dreifaltigkeit! du bist reich an Barmherzigkeit. Erbarme dich unser. Du bist die Liebe selbst, ach, so liebe uns je und je und zeuch uns zu dir aus lauter Güte. Gib Frieden im Lande, segne einen Jeden in seinem Stande. Laß unser Herz und Haus deines Ruhmes voll werden. Wenn die Tage unsers Leidens werde ein Ende haben, so laß uns einen Tag anbrechen in deinen Vorhöfen, der besser ist, denn sonst tausend. Indessen rufen wir: Gelobet sei der Herr täglich. Amen. Gott Lob! der Anfang ist gemacht, Ich habe mein Gebet vollbracht Und gehe nun an den Beruf. Gott, der die Welt und mich erschuf, Wird Kraft von Oben mir verleihn, Der Anfang und das Ende sein. 155 Abendandacht am Montag. Herr Zebaoth! dein Lob verdient, Daß es in meinem Herzen grünt, Daß es ein Tag dem andern Tage Und eine Nacht der andern sage. Drum nimm auch diesen Abend an, Was deinen Ruhm vermehren kann. Gott Vater, meine Stärke! Dank sei dir, daß du mich stark gemacht, des Tages Last und Hitze zu ertragen. Lob sei dir, Benjamin Schmolkens daß du ein väterliches Aufsehen auf mich gehabt und in meinem Beruf mannigfaltig gesegnet hast. Groß sind deine Wunder und deine Wohlthaten. Ich will sie verkündigen und davon sagen, wiewohl sie nicht zu zählen sind. Du hast mir heute viel Gutes gethan, allein ich habe dir leider viel Böses dafür erwiesen. Mein Gewissen zeiget mir mehr Fleden, als der Mond in seinem Lichte. Ja, der Montag überzeuget mich einer großen Finsterniß meines Herzens. Mein Mund beklaget es, mein Herz bereuet es. Ach richte, Herr! dein Angesicht nicht wider mich, sondern auf mich. Sei mir Sünder gnädig. Errette mich von der Obrigkeit der Finsterniß und laß mich nicht im Schatten des Todes sizen. Ueberschatte mich aber mit deiner Rechten in der gegenwärtigen Nacht und laß meine Zuversicht unter deinen Flügeln sein. Sei mir eine feurige Mauer. mein Schild wider allen Schrecken, meine Ruhe in der Unruhe, mein Leben, wenn ich als ein Todter liegen werde. 156 Gott Sohn, mein Heil! ach nimm doch alles Unheil von mir, welches meine Sünden heute angerichtet. Heile die Wunden Abendsegen am Montag. meines Gewissens, daß ich nicht heulen dürfe vor Unruhe meines Herzens. Streich dein Blut an die Pfosten meiner Kammer, daß der Würgengel vorübergeh. Ich will mein Herz mit deinem theuren Namen versiegeln. Laß dieses meine Losung, laß dieses mein Zeichen sein, daß ich dir zugehöre und der Satan keinen Theil an mir habe. Bleibe bei mir, denn es will Abend werden und der Tag hat sich geneiget. Sehe ich um mein Lager nichts als ein finsteres Egypten, so laß doch ein lichtes Gosen durch deinen Glanz in meinem Herzen sein. Denn auch Finsterniß ist nicht finster bei dir, und die Nacht leuchtet wie der Tag, wo du bist, o du Licht vom Lichte! Himmlischer Salomon! stelle deine Starken um mein Bette und laß mich mit Augen des Geistes sehen, daß derer mehr, die bei mir sind, als derer, die wider mich sind. Du Engel des großen Raths, laß mich nicht der Engel mangeln, sondern berathe Leib und Seel mit dieſen heiligen Wächtern, daß ich bei deinem Schuß ficher ruhen möge. Gott heiliger Geist, mein Trost! habe Dank, daß du viel Gutes heute in mir gewirket hast. Sei gepreiset, daß du viel 157 Benjamin Schmolkens Böses heute in mir verhindert haft. Es ist dein, was ich Löbliches gethan habe, mein aber, pas gefehlet und versehen ist. Habe ich heute den Tempel meines Herzens verunreiniget, ach, so weiche darum nicht von mir. Heilige und reinige ihn wiederum in dem Blute des Lammes. Setze das Siegel wieder auf mein Herz, welches ich durch meine Sünden abgerissen. Ueberschatte mich heute, du Kraft des Höchsten. Bezeuge in mir die göttliche Kindschaft, zeige mir im Schlafe die himmlische Erbschaft und bereite mich durch Erblickung des Todes zu meines Lebens seliger Endschaft. 158 Heilige Dreifaltigkeit! von dir sind alle Dinge, und wir in dir. O du unerforschliche Tiefe des Reichthums, erbarme dich heute über Reiche und Arme. Habe ein Aufsehen auf deine Auserwählten. Behüte Verwandte und Bekannte. Schüße Einheimische und Fremde. Segne Freunde und Feinde. Sei aller Nothleidenden Gott, aller Betrübten Trost, aller Schlafenden Hüter und Wächter. Niemand ist gut, als du, einiger Gott. Also verleihe auch uns allen in dir eine gute Nacht. Amen. Zu guter Nacht mein Jesus wacht, Daß mir die Nacht kein Grauen macht, Morgensegen am Dienstag. Jetzt schließt die Ruh mein Auge zu. Mein Gott ist mein und ich bin sein. Das soll die letzte Losung sein. Morgenandacht am Dienst a g. Du, alter Gott, machst deiner Treu An diesem Morgen wieder neu; So komm ich auch von Neuem hier Und trage dir mein Herze für. 159 Gott Vater, mein Erhalter! der Dienstag erfordert einen neuen Dienst von mir. Ach, sei gepreiſet für deinen gnädigen Schuß, der mich die vergangne Nacht umgeben hat. Im Schlafe wär ich außer mir, aber du warest in mir. Der arge Feind gedachte es böse mit mir zu machen, aber du, Gott! hast es gut gemacht, wie es jetzt am Tage ist. O du allergetreuester Menschenhüter, wie groß ist deine Güte, daß Menschen unter dem Schatten deiner Flügel trauen. Habe Dank, daß du meines Angesichts Hilfe und mein Gott bist. Laß aber auch diesen Morgen Benjamin Schmolkens mit dem neuen Lichte dein Antlitz aufs Neue über mich leuchten, daß mein Leib und Seel genese. Hat einjeglicher Tag seine eigene Plage, so laß auch einen jeglichen Tag seinen Segen finden. Sei mir heute wie ein Thau, der das Land befeuchtet. Laß mich nicht nur im Schweiß meines Angesichts, sondern auch im Preis deiner göttlichen Güte mein Brodessen. Deine Hand ſei mit mir im Werke, daß ich mit meinen Händen etwas Gutes schaffe. Willst du mich züchtigen, ach, so thu es nicht im Grimm, daß du mich nicht aufreibeſt. 160 Gott Sohn, mein Immanuel, Gott mit uns! sei auch heute mit mir. Mache an diesem Tage ein Gefäß deiner Gnade und Ehre aus mir. Bei dir allein ist Gnade und viel Erlösung. Sündige ich, ach! so behalte meine Sünden nicht. Falle ich, so laß mich nicht liegen. Schreibe meine Schulden nicht auf, sondern Morgensegen am Dienstag. ab. Tilge meinen Namen nicht aus dem Buche der Lebendigen. Laßmich an diesem Dienstag nicht dienen der Sünde, denn sie belohnt mit lauter Reue; nicht dienen der Welt, denn sie bezahlet uns mit unserm eigenen Verderben; nicht dienen dem Satan, denn sein Lohn ist in dem Pfuhl. Gib, daß ich dir diene in Heiligkeit und Gerechtigkeit, welche dir gefällig ist. Und alsdann sei auch mein Schild und mein sehr großer Lohn, ich will vor dir wandeln und fromm sein. Laß mich deinen Geist unter den vielfältigen Versuchungen in alle Wahrheit führen. Unter den mancherlei Trübsalen aber gib mir ein Herz nach deinem Willen. Schlägest du, so verbinde auch; betrübest du, so erfreue auch. Soll ich mit Thränen säen, so laß mich auch mit Freuden ernten. Ich will des Morgens deine Gnade und des Nachts deine Wahrheit. ver kündigen. 11 161 Benjamin Schmolkens Gott heiliger Gott, mein Gnadengeist, laß mich auch heute wandeln im Geiste, und die Lüste des Fleisches nicht vollbringen. Erleuchte die Augen meines Verstandes, daß ich erkennen möge, welches da sei die Hoffnung meines Berufs. Verleihe das Wollen, wirke das Vollbringen. Du bist der Finger Gottes, schreibe Jesum Christum in mein Herz. Erneure mich an dem inwendigen Menschen. Herrsche in allen meinen Gliedern. Gib 162 ir Einfalt des Herzens und Lauterkeit des Mundes. Wirke alles in allem nach deinem Wohlgefallen. Laß mich jederzeit prüfen, welches das Beste sei, und erfülle mich mit Früchten der Gerechtigkeit, die durch Jesum Christum geschehen zur Ehre und Lob Gottes. Bewahre den theuren Schatz, den ich in einem irdischen Gefässe trage. Und sollte heute mein letztes Stündlein fom Morgensegen am Dienstag. men, so bewahre und erhalte mich zum ewigen Lebeu. O heilige Dreifaltigkeit, ich begebe mich dir zu einem Opfer, das da lebendig, heilig und Gott wohlgefällig ist. Sei mit mir und den Meinen im Glück und Unglück, in Gesundheit und Krankheit, in allen Anliegen. Laß weder mich noch irgend eine Seele verloren gehen. Erhalte uns in Ewigkeit des Glaubens, im Bunde des Friedens und in der Hoffnung unsers Erbes. Mache endlich durch einen seligen Tod unsern mühseligenDienstag zu einem himmlischen Frei- und Frendentag und führe uns aus Egypten durchs rothe Meer der Wunden Jesu ins ewige Canaan. Da wollen wir dir dienen in deinem Tempel Tag und Nacht. Amen. Nun geht es auf die Arbeit los, Mein Gott, eröffne deinen Schoos. 163 11* 164 Benjamin Schmolkens Und schütte Segen aus die Fülle. Nur deine Ehre heißt mein Ziel, Gibst du mir wenig oder viel, Ach! so geschehe, Herr! dein Wille. Abendandacht am Dienst a g. Die Nacht verlöscht das Tageslicht, Mein Gott, nimm deinen Glanz mir nicht! Zeuch du in meinem Herzen ein, So hab ich immer Sonnenschein. Gott Vater, mein Hort und Heil, es ist abermal ein Tag zu Ende, aber deine Güte nicht, welche kein Ende hat. Ach daß doch meine Sünde auch ein Ende hätte, mit welcher ich diesen Tag mein Gewissen beschweret habe. O ich elender Mensch! wer wird mich erlösen von dem Leibe dieses Todes? ich habe leider an diesem Dienstage meine Glieder sehr wenig begeben zum Dienste der Gerechtigkeit, daß sie heilig würden. Ich hätte dir alleine dienen sollen, denn Niemand kann zwei Herren dienen. Aber so habe ich dem Geschöpf mehr Abendsegen am Dienstag. gedient, als dem Schöpfer. Ich bin der Sünden Knecht( Magd) worden und habe sie lassen herrschen in meinem sterblichen Leibe, ihr Gehorsam zu leisten in meinen Lüsten. Was habe ich nun zu der Zeit für Frucht, derer ich mich schämen muß, denn das Ende derſelben ist der Tod. Ach Vater! strafe mich nicht, wie ich verdienet habe. Laß auch an diesem Dienstage das Verdienst deines Sohnes gelten für alle meine Sünde. Weil es dunkel wird, so stelle meine Sünden nicht ins Licht vor deinem Angesicht, sondern laß sie in den Wunden Jeſu vergraben sein. Gott Sohn, mein Herr und mein Gott! du bist unter uns wie ein Diener gewesen und hast Knechtsgestalt an dich genommen, daß du uns von der Sünden Knechtschaft befreien und zur himmlischen Freiheit der Kinder Gottes bringen möchteſt. Aber befreie mich auch heute von 165 Benjamin Schmolkens dem Dienst der Ungerechtigkeit, daß ich hinfort der Sünde nicht mehr diene. Gib mir deine dienstbaren Geister zu, die um deinen Thron stehen. Hast du mich heute mit deinen Augen geleitet, so drücke auch nun selber meine müden Augen zu. Bewahre mich und das Meinige, denn es ist das Deinige, wende ab Wasser- und Feuersnoth, denn du bist der Nothhelfer. Behüte vor Grauen undErschrecken, deine Hand kann alles ändern. Du hast mir heute viel Gutes erwiesen, ach, sebze auch dieses hinzu, daß ich ein mit dir verfühntes Herz zur Ruhe bringen möge. Soll etwa das Bette zu meinem Grabe werden, so laß mich an dein Grab gedenken, und meine Seele in deinen Wunden betten. 166 Gott heiliger Geist, mein Licht vom Licht! laß mir dein Gnadenlicht nicht mit der Sonne zurücke gehen. Schlafen die Augen, so laß doch mein 167 Abendsegen am Dienstag. Gewissen wachen. Laß mich mein Lager lieber mit Thränen, als mit Sünden beflecken. Behüte mich vor ärgerlichen und entseßlichen Träumen. Mache mein Herz zu deinem Heiligthum und heilige es in meiner Ruhe durch deine süßen Regungen. Befreie mein Gemüth von der Last aller irdischen Sorgen und laß mich keine als menschliche Bersuchungen betreten. So oft ich einen Dienstag beschließe, so oft gib mir zu bedenken, daß dieſes Leben nur ein Diensthaus sei, damit ich mich freue, den Dienst der Eitelkeit abzulegen, und mich stets bereite, dir dermaleins im ewigen Lichte zu dienen. Erhalte mich in deinem Dienst getreu bis in den Tod, auf daß, wo mein Jesus ist, auch alsdann ich, sein Diener( Dienerin, ſein möge. Heilige Dreifaltigkeit! offenbare deineHerrlichkeit auch diese Nachtan mir und allen Menschen, die deiner Benjamin Schmolkens Macht vertrauen, deine Gnade suchen, deines Schußzes bedürfen. Gedenke an deine Verheißung: Ich will dich nicht verlassen noch versäumen. Sei du, großer Gott, bei deinem kleinen Häuflein, du reicher Gott bei deinen Armen, du starker Gott bei deinen Schwachen, du Vater des Trostes bei deinen Betrübten, du Arzt Israel bei deinen Kranken, du ewiges Leben bei deinen Sterbenden. Verhilf uns allen endlich dahin, wo keine Nacht mehr ist, sondern lauter Licht immer und ewiglich. Amen. 168 Komm, süßer Schlaf, erquicke mich, Mein müder Leib begehret dich, Wirf meine Glieder sanste hin, Laß alles Schrecken von mir fliehn, Bis daß die Nacht ihr Ende findt. Gott selbsten ruft: Nun schlaf, mein Kind. Morgenandacht am Mittwoch. Brich an, gewünschte Morgenstunde, Du trägest lauter Gold im Munde. In meinem Munde soll allein Mein Gott, mein Gold, mein Alles sein. Morgensegen am Mittwoch. Gott Vater, mein Erbarmer! mein Herz ist bereit, Gott, mein Herz ist bereit; ich will fingen und dichten. Deine Barmherzigkeit ist es, daß ich nicht gar aus bin. Der anbrechende Tag leuchtet mir nicht so sehr in die Augen, als deine Güte und Treue, die alle Morgen bei mir neu ist. O wie soll ich dich genugsam preisen, daß du so wohl an mir thust. Mitten in der Woche, mitten in dem Leben, mit dem Tode umfangen. Ich lag, als wäre ich begraben. Wie leicht hätte mich der Schlaf seinem Bruder, dem Tode, überantworten können? aber in deiner Kraft stehe ich gesund von meinem Lager auf. Du hast durch dein Aufsehen meinen Odem bewahret, ich will dich preisen, so lange ein Odem in mir ist. Du hast mich behütet wie einen Augapfel, mein Auge soll dafür den Herrn sehen. Du hast meine Hände gestärket, ich breite sie aus zu dir. Du hast mein Herze erquicket, ich werfe es dafür als ein Opfer in deinen Schoos. Mein ganzes Leben sei dir ergeben, weil du mich lebendig erhalten hast. Gedenke auch heute meiner am besten. Behüte den Leib vor Krankheit, die Seele vor Verführung. 169 Benjamin Schmolkens Laß dir all mein Thun und Lassen in deine Hände befohlen ſein. Gott Sohn, mein Mittler! laß mir alle Tage eine Mittwoche sein. Tritt mitten ein bei mir und den Meinen, wie bei deinen Jüngern durch den Kuß des Friedens. Mittle alles heute zu meiner Seligkeit. Segne in meinem Thun Anfang, Mitte und Ende. Sei bei mir mitten in der Arbeit, erleichtere mir die Last meines Berufes. Sei bei mir mitten im Kreuze und versuche mich nicht über mein Vermögen. Wenn ich mitten in der Angst wandele, so erquicke mich. Sündige ich, so tritt mitten zwischen mich und den erzürnten Vater mit dem Rauchwerk deiner hohenpriesterlichen Fürbitte, damit der Plage gewehret werde. Laß mich auch die Mittwoche erinnern, wie du mich in deinen Weinberg gemiethet, daß ich nicht müßig stehe an dem Markt dieser Welt, sondern als ein getreuer Arbeiter in demselben erfunden werde. Soll ich heute sein als eine Rose mitten unter den Dornen, als ein Schaf mitten unter den Wölfen, ach, so verlaß mich nicht mit deinem Trost, denn mit dir kann ich alles überwinden. 170 171 Morgensegen am Mittwoch. führe. Gott heiliger Geist, mein Führer! mich auch an diesem Tage nach dem Wort meines Gottes, daß ich als ein Kind Gottes sei ohne Tadel, lauter und unsträflich, mitten unter dem unartigen und argen Geschlechte. Mache meinen Gang gewiß auf deinem Fußsteige. Zähme meine Zunge, halte meine Augen, betäube meine Ohren, binde meine Hände und Füße, bewahre mein Herz, wenn böſe Gedanken, Worte und Werke hervorbrechen wollen. Behüte mich vor meinem eigenen Willen und gib mir ein Herz nach deinem Willen. Reiß die Welt aus meiner Brust und pflanze hingegen in derselben das Reich Gottes. Laß mich alle meine Berussgeschäfte im Glauben ohne Zweifel anfangen, in der Liebe ohne Hinderniß fortsegen, in der Hoffnung ohne Unsegen vollenden. Mache mich tüchtig, wo ich untüchtig; mache mich erleuchtet, wo ich thöricht; mache mich getrost, wo ich betrübt bin. Ohne dich kann ich nichts, durch dich will ich alles thun. Heilige Dreifaltigkeit! Sei an diesem Mittwoche mit uns, unter uns, in uns. Wenn alle Berge mit uns ins Meer sänken Benjamin Schmolkens und die Welt unterginge, so laß uns dennoch erfahren, daß du mitten unter Israel seiſt, und daß du der Herr unser Gott seist. Wie du, o starker Gott! dein Volk mitten durchs rothe Meer führtest, so führe uns auch mitten durch alle Angstfluthen hindurch. Erhalte uns mitten in der Anfechtung, wie die frommen Männer mitten im feurigen Ofen. Endlich bringe uns mitten durch Noth und Tod hindurch ins ewige Leben, so wollen wir dir mitten in der Gemeinde Lobsingen, die bei dir im Himmel ist. Amen. 172 Es wolle mich nun segnen Gott Vater, Sohn und Geist, So kann mir nicht begegnen, Was Noth und Uebel heißt. Es muß mir alles Nußen geben, Lieb oder Leid, Tod oder Leben. Abendandacht am Mittwoch. Die Laft ist aus, nun kommt die Luft, Die mir in sanfter Ruh bewußt. Mit Jesu wach und schlaf ich ein, Wie sollt ich dann nicht fröhlich sein? Gott Vater, mein Erretter! Ich will abermal ein Freuden- Opfer thun und deinem Namen danken, daß er so tröstlich ist. Du 173 Abendsegen am Mittwoch. errettest mich aus aller meiner Noth. Je mehr ich Tage hinter mich lege, je mehr erfahre ich deine Treu, je mehr genieße ich deine Liebe, je mehr schmecke ich deine Freundlichkeit, je näher aber kommme ich auch dem Tage, der allen meinen Tagen ein Ende macht. Ach! daß ich doch einen jeden und also auch den heutigen Tag also zugebracht hätte, daß deine Liebe nicht wäre beleidiget, deine Gerechtigkeit nicht gereizet, mein Gewissen nicht beschweret, meine Strafe nicht gehäufet worden. Ach, ich erkenne die Finsterniß meines Herzens bei diesem dunkeln Abend. Die Mittwoche zeiget mir eine Mitternacht meiner Sünde. Wo soll ich hingehen vor deinem Angesichte? Sollte mich nicht dein Fluch treffen, daß meine Leuchte verlöschte mitten in der Finsterniß? Ach, mein Gott! züchtige mich nicht nach deiner Gerechtigkeit. Verwandle deinen Richterstuhl zu einem Gnadenstuhl. Laß meine Sünde wohl ferne von mir sein, du aber sei nicht ferne von mir. Vergib und vergiß meine Sünde, gedenke an deine Huld und sei auch in der zukünftigen Nacht mein Gott, der sich über mich erbarmet. Benjamin Schmolkens Gott Sohn, mein Fürsprecher, tilge aus die Handschrift, so wider mich ist. Thue aus dem Mittel, was ich an dieser Mittwoche gefündiget habe. Du Baum des Lebens mitten im Paradiese Gottes, laß mich heute nur in deinem Schatten ruhen. Ich suche auch des Nachts dich, den meine Seele liebet. Ruhe bei mir, so schlafe ich sicher. Ruhe in mir, so schlaf ich selig. Wo meine Feinde nicht ruhen, ſo widerstehe ihnen mit deinem Arm. Liege ich mitten unter den Löwen, so laß mich auch mitten unter den Engeln liegen, die ihren Rachen zuhalten. Bin ich wie ein Mensch, der mitten im Meere schläft, so gib dennoch eine Stille in meinem Herzen, daß meine Seele nicht unruhig sein dürfe. Verbirg mich heimlich in deinem Gezelte, welches die Losung hat: Die Liebe ist sein Panier über mir. 174 Gott heiliger Geist, mein Redner! laß mich diesen Feierabend mit feurigem Gebete machen. Bin ich heute kaltsinnig gewesen in meinem Christenthum, so entzünde deine brünstige Liebe in mir und laß das Fünklein meines Glaubens nicht in der Asche ersticken. Habe ich gewandelt nach dem Fleisch, so er Abendsegen am Mittwoch. neure mich im Geist. Lege ich meine Kleider ab, so ziehe mir Jesum Christum an. Schließe ich meine Augen zu, so erwecke du mein Gewissen. Seufze ich in der Nacht, so schreie du selbsten das Abba für mich. Rede ich mit meinem Herzen auf meinem Lager, so laß den Inhalt meines Gesprächs nichts als meinen Jesum sein. Will mich eine Furcht ankommen, so halte mir vor, daß ich nicht einen knechtischen, sondern einen findlichen Geist empfangen habe und mich also nicht fürchten dürfe. Heilige Dreifaltigkeit! Auf deine Gnade lege ich mich, mit deiner Barmherzigkeit decke ich mich, hinter deiner Allmacht verberge ich mich. Verriegle mein Haus, versiegle mein Herz mit deinem Schuß. Sei bei mir zur Rechten und Linken. Sei meiner Freunde Freud. Erquicke alle Mühseligen und Beladenen. Gib uns auf eine geruhigte Nacht einen fröhlichen Morgen, bis endlich keine Mittwoche mehr sein wird und wir alle dort versammelt werden, wo das Lamm mitten auf dem Stuhl uns weiden wird. Dir sei Ehre in Zeit und Ewigkeit. Amen. 175 So bin ich nun in Gottes Hand, Die alles Grauen hat verbannt, 176 Benjamin Schmolkens Ich fürchte weder Noth noch Tod: Denn wo ich bin, da ist mein Gott. Mit Jesu will ich schlafen gehn, Mit Jesu wider auferstehen. Morgenandacht am Donnerstag. Mein Gott! Du schaffest dieses Licht, Das jetzund durch die Wolken bricht. Laß es auch lichte bei mir werden, Gib einen Himmel auf der Erden. Gott Vater! mein Versorger! meine ersten Sorgen an diesem Morgen ist das Lob deiner unanssprechlichen Güte. Der Donnerstag ist nun auch erlebet, und ich lebe noch. Dafür bring ich dir das Opfer meiner Lippen und bezahle dir das Gelübde meines Herzen. Ich sage mit Jakob, da er aufwachte: wahrlich ist der Herr an diesem Orte. Um mein Bette finde ich die Fußstapfen deiner Liebe. Die hat meine Wache bestellet, die hat meine Ruhe gewirket, die hat mich jeßo sanft wiederum aufgewecket. Ach wer bin Morgensegen am Donnerstag. 177 ich Herr! daß du dich meiner so herzlich angenommen? Du hast mein Lager nicht zur Todtenbahre, noch meinHaus zur Mördergrube werden lassen. Unter deinem Schirm verlache ich den Sturm der Gottlosen. Deine Macht widerstund der Macht der Finsterniß. Nun haben sich meineKräfte gesammelt, meineGlieder erquicket, und ich stehe gesund vor deinen Augen. Ach Vater, nimm dich auch heute deines Kindes an. Laß deine Barmherzigkeit herfür brechen wie die Morgenröthe, und deine Gnade, wie einen Thau, der das Land befeuchtet. Gib, daß alle meine Tritte vom Segen triefen, die ich auf deinen Wegen thun werde. Schlecht und recht behüte mich, denn ich harre dein, erlöse mich aus aller meiner Noth. Gott Sohn, mein König! laß mich auch an diesem Morgen den Scepter deiner Gnade küssen. Wenn dein Angesichte freundlich ist, so Benjamin Schmolkens ists mein Leben. Laß auch an diesem Donnerstage dasselbe leuchten, daß meine Seele genese. Sei mir freundlich und fördere das Werk meiner Hände. Sollte ich ja heute ein verwirrtes und verlornes Schäflein werden, ach! so suche deinen Knecht. Bekehre du mich, Herr! so werde ich bekehret, hilf du mir, Herr! so ist mir geholfen. Behüte mich vor Sicherheit des Herzens und vor Gottlosigkeit des Wandels. Zeige mir deine Fußstapfen, daß ich nicht mir, noch der Welt oder dem Satan folgen möge. Beuch mich dir nach, so lauf ich, und wo du mir ein menschliches Joch auflegest, so laß mich doch dabei den ganzen Tag in den Seilen der Liebe gehen. Gib, daß dieser und ein jeder Tag, den ich noch zu leben habe, mein Donnerstag sei, daß ich mich erinnere des letzten Gerichtsdonners, erschrecke vor dem gegenwärtigen Geseßdonner, und 178 Morgensegen am Donnerstag. also täglich in wahrer Buße erfunden werde, weil ich nicht weiß, wenn das letzte Stündlein kommt, so laß mich alle Stunden bereit sein, dir, meinem Könige, entgegen zu gehen. Gott heiliger Geist, meine Stärke, sei auch in mir Schwachen heute mächtig. Laß mich diesen Tag also leben, das es mich auf den Abend nicht reuen möge, gelebt zu haben. Zünde mir ein Licht an in dem Verstande und baue dir ein Heiligthum in meinem Willen. Laß mich in dem Rathe der Frommen wandeln. Meine Seele komme nicht in den Rath der Gottlosen. Mein Fuß trete nicht auf den Weg der Sünder. Lege meinen sündlichen Neigungen Raum und Gebiß an, daß sie in dem Gehorsam des Reichs Christi behalten werden. Beruhige mein Gewissen, daß Gerechtigkeit und Friede sich in meiner Seele küſsen. Verwandle alle Bitterkeit des 12* 179 Benjamin Schmolkens Kreuzes in eine Arznei und bringe das Licht des Trostes mitten aus der Finsterniß der Trübsalen herfür. Gib mir ein vergnügtes Herz bei meinem bescheidenen Theile. Laß mich nicht begierig sein nach Gütern, die mich eitel machen, sondern pflanze in mir eine Sehnsucht nach den wahren Schäßen, die eine beständige Vergnügung geben, und die ich auch im Sterben mitnehmen kann. Heilige Dreifaltigkeit! ich heilige dir heute meinen Leib und Seele. Ach laß mein Leben und Weben ein stetes Lob deiner Herrlichkeit sein. Wende dich auch zum Gebet der Verlassenen. Erbarme dich deines Erbes. Segne dein Volk. Laß die Meinen nicht aus deinen Augen, noch aus deinem Herzen. Leite uns nach deinem Rath und nimm uns endlich mit Ehren an. Ehre sei dir, Gott, in der Höhe, Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen. 180 Abendsegen am Donnerstag. So zieh ich meine Kleider an Und bin mit Jesu angethan, Der kann den rechten Schmuck mir schenken; Jedoch bei allem, was ich thu, Will ich auch an die letzte Ruh Und an den Sterbefittel denken. 181 Abendandacht am Donnerstag. Dank und Ruhm sei dir bereit, O du Herr der Herrlichkeit, Daß ich wieder einen Tag Fröhlich hinterleget hab. Gott Vater, mein höchstes Gut! wie gut hast du es abermals den vergangenen Tag mit mir gemacht. Deine Güte ist besser denn Leben. Wenn ich meine Unwürdigkeit mit der Größe deiner Barmherzigkeit vergleiche, so muß ich mit Jakob sagen: Ich bin dessen nicht werth, was du an mir gethan hast. Mit was für väterlicher Vorsorge haft du mich berathen? Mit was für getreuer Wachsamkeit hast du mich so viel tausend Gefährlichkeiten entrissen? Mit was für Langmuth Benjamin Schmolkens hast du mich in meinen Sünden ver= tragen? Mit was für Geduld und Liebe hast du mich zur Buße geleitet? Ach! gib mir doch eine rechte Empfindung von der Größe dessen, das ich dir schuldig bin. Aber wie erschreck ich auch, wenn ich bei allem diesem Guten in meinem Fleische nichts Gutes finde. Du haſt mich wohl mit Wohlthaten überschüttet, aber ich habe deine Gnade und Gabe mißbrauchet. Die Seile der Liebe habe ich zerrissen. Meine Sünde ist jetzt vor mir, dein Zorn über mir, die Angst der Höllen in mir. O Vater der Barmherzigkeit, wie sündlich ich auch bin, so nehme ich dennoch meine Zuflucht zu dir. Bei dir ist die Vergebung, daß man dich fürchte. Ach Herr, vergib nach deiner Liebe, die du feſt zu mir trägeſt. Gott Sohn, meine einzige 3uflucht! zu dir fliche ich, verstoße mich nicht. Ich höre wohl an die182 Abendsegen am Donnerstag. sem Donnerstage dein Gesetz donnern, aber auch dein süß Evangelium Friede und Gerechtigkeit predigen. Habe ich schon große Ursache, traurig zu sein über meine Sünde, so habe ich doch noch viel größere Ursache, mich zu erfreuen über deine Liebe, die mich nicht will lassen verloren gehen. Verwandle durch diese Liebe den Zorn deines himmlischen Baters in lauter Gnaden: die Finsterniß der gegenwärtigen Nacht in lauter Licht, ja meinen Tod, wenn er heute erfolgen sollte, in lauter Leben. Ach! bist du bei mir, so werde ich wohl bleiben. 183 Gott heiliger Geist, mein Pfand und Siegel! versiegle michauch heute mit dem Zeichen der göttlichen Kindschaft. Erinnere mich meines Taufbundes, damit ich im Bündlein der Lebendigen eingebunden bleibe. Baue dir auch im Schlaf einen Tempel in mein Herz und erfülle dasUniv.- Bibl. Giessen Benjamin Schmolkens selbe mit süßen Träumen. Verlaß mich nicht, wenn mich alle Menschen verlassen. Wenn ich von mir selbst nichts weiß, so denke du au mich. Befreie meinen Geist von der Last aller irdischen Sorgen, welche mir oft die Nacht zum Tage machen. Verbanne aus meinen Gedanken alle unreinen Lüste, aus meinen Ohren alle bösen Zeitungen, aus meinen Augen alle Schreckbilder der Höllen. Wecke mich wieder zu einer glückseligen Stunde. Ist aber mein letztes Stündlein vor der Thür, so laß meinen ersten Blick in die Wunden Jesu gehen. Nur selig, obgleich plößlich. Auf Christum und in Christo ist es am besten schlafen gehen. 184 Heilige Dreifaltigkeit! laß auch heute die Meinen dieses Siegel haben: Der Herr kennet die Seinen. Mache zu nichte den Rath.der Gottlosen. Heilige die Ruhe aller Frommen. Schüße die Wohnungen Ja Morgensegen am Freitag. fobs. Gib uns diejenigen zu, die um deinen Thron stehen, so wollen wir uns morgen vor diesem Throne bücken und sagen: Der Gott Israel schüßet uns. In deinem Namen sprechen wir indessen: Amen. In Jesu Namen schlaf ich ein, Der Feind mag lauter Donner spein; Ich werde darum nicht erwachen. Gott wendet ein jeden Schlag, Und kann auf einen Donnerstag Die angenehmste Stille machen. 185 Morgenandacht am Freitag. Gib, Jesu, daß die Morgenröthe Die Nacht der Finsternissen tödte. In deinem Blute stelle mir Den rechten Himmels- Purpur für. Gott Vater, meine Freunde! so stehe Wache ich wieder auf zu deinem Lobe. auf, meine Ehre. Das Herze, mein Psalter, die Lippen, meine Harfen, klingen von deinem Ruhm. Dieser Freitag mein Freitag. Mein Auge frei von der Finsternis; mein Ohr frei von Schrecken; meine Füße Benjamin Schmolkens frei vom Stricke des Jägers; mein Herz frei von allem Grauen der Nacht. O herrliche Freiheit! Das Auge siehet es, der Mund rühmet es, rühmet es, die Seele tennet es. Fahre fort, o allgütigster Vater! in solcher Freiheit mich zu befestigen. Befreie mich von allem, was mir schädlich und dir mißfällig ist. Ziehe meinen Fuß aus dem Netz, das mir Welt und Satan gestellet hat. Zerschneide alle Bande der Eitelkeit, die mich feste an die Erde heften und vom Himmel LosreiBen. Laß meine Begierden nicht ruhen auf Dingen, die keine Ruhe haben. Schütte in mir aus deine Gnade und gib mir keinen geringen Reichthum, als dich selbst. Mache mich in meinem Beruf emsig und vergnügt. Deine Liebe und dein Segen versüße mir, was mir zu sauer wird. Frei vom Kreuze will ich an diesem Freitag nicht sein; ich werde auch, leider! nicht frei von der Sünde bleiben. Dort aber laß mich deinen Trost und hier deine Gnade finden, wenn ich sie suchen werde. Laß mich im Kreuze nicht verzagt, in der Sünde nicht verstockt sein, in jenem Linderung, in dieser aber Vergebung, erhalten. Sei mein Gott, der mir 186 187 Morgensegen am Freitag. hilft, und meine Hilfe, die mich in keiner Noth verläßt. Gott Sohn, meine Freiheit! der Freitag war dein Sterbetag. Durch deinen Tod hast du mich frei gemacht vom ewigen Tode. Hast du, Sohn Gottes, mich frei gemacht, so bin ich recht frei. Gib, daß dieser Tag mir heute und nimmer aus aus dem Gedächtniß komme. Heute bin ich mit Israel aus dem Diensthause gegangen, heute hast du meine Seele aus dem Kerker geführet, das danke ich deinem Namen. Ach? laß mich die herrliche Freiheit, die du mit deinen Banden erworben hast, nicht brauchen zum Deckmantel der Bosheit, daß deine Gnade an mir nicht vergebens ſei. Gib vielmehr, daß ich eine Dienstbarkeit mit der andern verwechsele, die Dienstbarkeit der Sünden mit der Dienstbarkeit der Gerechtigkeit. Du hast mich theuer erkauft, laß mich heute und fünftig dein eigen sein, damit ich mich nicht wieder von dem knechtischen Joch fangen lasse. Pflanze heute dein Kreuz in mein Herz. Drücke deine Dornen in mein Fleisch, daß es nicht geil werde. Hefte mich an dich mit Nägeln der Liebe. Zeige mir durch die geöffnete Brust dein im Blute Benjamin Schmolkens wallendes Herz, als meine einzige Freistatt, wenn die Seele in Aengsten ist. Gib Balsam her aus deinen heiligen Wunden für mein geängstetes Gewissen. Dein im Tode geneigtes Haupt laß mich heute küssen, wo ich nach deinem Willen dem Tode begegnen sollte. Das sei meine Losung an diesem Tage: Jesus, meine Liebe, ist gekreuziget. Gott heiliger Geist, mein Freund! bewahre mich heute vor aller Sünde, welche ist eine Feindschaft wider Gott. Laß mich der Welt Feind und Gottes Freund sein, und alsdann auch schmecken und sehen, wie freundlich der Herr ist. D was für Freiheit werde ich an diesem Freitage besitzen, wenn ich meinen Verstand und Willen dir völlig unterwerfen werde. Denn Wo der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit. Gib, daß ich dem Fleische nicht Raum gebe, noch mich lasse den eiteln Wahn der Welt gefangen nehmen. Reiß mich je mehr und mehr los von dem, was irdisch ist, und zeige mir bei allen Trübsalen, daß auch dermaleins die Creatur frei werden wird vom Dienste der Eitelkeit zur herrlichen Freiheit der Kinder Gottes. Wir sind Kinder der Freiheit 188 189 Abendsegen am Freitag. und warten auf Jerusalem, das droben ist, das ist die Freie, die unser aller Mutter ist. Da werden wir vollkommen frei sein, unsere Seele aus dem Tode gerissen, unser Auge frei von Thränen, unser Fuß frei von Geleiten. Eija, wären wir da! Heilige Dreifaltigkeit! sei heute nicht ferne von einem jeglichen unter uns, in dir leben, weben und sind wir. Israel hoffet auf dich, laß unsere Hoffnung nicht zu Schanden werden, denn du bist unser Gott. Erhebe über uns das Licht deines Antlites, vermehre dein Reich in uns. Bleibe mit deiner Wahrheit bei uns. Laß uns muthig glauben, heilig leben, geduldig leiden, selig sterben. Wir lassen dich nicht, du segnest uns denn. Amen. Ich bitte, Jesu, dich, Dein Blut komm über mich, Doch aber in Genaden, So kann mir keine Noth, Kein Glend und kein Tod, Auch gar kein Teufel schaden. Abendandacht am Freitag. Ihr blutigen Wunden der leidenden Liebe, Ich lege mein Herze im Glauben in euch, Benjamin Schmolkens So hab ich ein Bette dem Salomon gleich Und fürchte nicht, daß mich ein Unfall betrübe. 190 Gott Vater, mein Geber alles Gutes! was gebe ich dir wieder für alle deine Gaben, die ich den verflossnen Tag von dir empfangen habe. Ich bin ein Kind des Zorns, und dennoch hast du mir deine Gnade so reichlich erwieſen. Da ich nichts verdienet, so hast du mir alles gegeben, was mir noth iſt. Alle Wohlthaten, die du über mich ausgeschüttet, sind Früchte deiner erbarmenden Liebe. Alles Kreuz, das du mir zugeschicket, ist eine Wirkung deiner väterlichen Neigung. Und diesen Augenblick muß ich sagen: Bis hierher hat mir der Herr geholfen. Aber warum habe ich nicht Engelzungen, deine Treue und Barmherzigkeit nach Würden zu erheben? Allein wie beschämt mich meine Sünde vor deinem Angesichte, daß ich mich fürchten muß, mein Dankopfer werde dir nicht gefällig sein. Es ist wahr, daß der Sünder vor dir nicht bestehen kann, aber das ist auch gewiß, daß du den Sünder in seiner Buße nicht verstoßen willst. Ich muß deine heilige Verheißung ergreifen, daß, wer an Jesum Christum glaubt, soll nicht verloren werden. In 191 Abendsegen am Freitag. diesem Glauben rechtfertige mich; in dieser Gerechtigkeit absolvire mich. Sei mir um Christi willen gnädig und barmherzig. Finsterniß bedecket nun das Erdreich, du aber decke mich mit deiner allertreuesten Liebe. Sende mir deine Nachtwache bis zur fröhlichen Morgenwache. Gott Sohn, mein Alles in Allem! Jedermann denket jegund an seine Ruhe, ich aber denke an meine Sünden. Ach, meine Gedanken sind heute nicht allemal deine Gedanken, und meine Wege nicht immer deine Wege gewesen. Ich weiß aber, daß du nicht Gedanken des Leides, sondern Gedanken des Friedens über mich hast. hast. O so denke an mich in deiner Barmherzigkeit, wie du am Kreuze des armen Schächers gedacht haſt. Wirf meine Sünden in die Tiefe des Meers, daß ihrer nimmermehr gedacht werde. Gedenk, o Herr, der schweren Zeit, darin der Leib gefangen liegt. Der Seele, die du haft erlöst, gib, o Herr Jesu! deinen Trost. Tröste mich in dieser Nacht durch das Andenken deiner Wunden. Weil du mich in denselben von der Obrigkeit der Finsterniß errettet hast, so laß mich auch jetzo vor des Satans Grauen und Klauen sicher ruhen. Benjamin Schmolkens Dein letztes Wort sei auch mein Wort: Vater ich befehle meinen Geist in deine Hände. Sollte ich diese Nacht mein Haupt neigen müssen, so lasse es dir auf deine blutrünstige Brust fallen. Soll mir mein Herz brechen, ach so breche es in deiner geöffneten Seite. Das sei mein Weg ins Paradies. Ich küsse küſſe deine hohepriesterlichen Wunden und sage: dir leb ich, dir sterb ich, dein bin ich todt und lebendig. Gott heiliger Geist, mein Vertreter! Beschleuß meine Seufzer mit deinem Abba. Besprenge sie mit dem Blute des unschuldigen Lammes. Versiegle sie mit dem letzten Angstgeschrei meines sterbenden Jesu. Wenn ich jetzt mein Licht auslöschen werde, so sei du das Licht in meinem Herzen. Wenn ich meine Kleider ablege, so zeuch mich an mit Kraft aus der Höhe, daß ich wider alle listigen Anläufe des Satans bestehen möge. Wenn ich die matten Glieder auf mein Lager werfe, so versichere meine Seele, daß ich in den Wunden meines Jesu ruhe. Laß auch mein Bette mir von meinem Grabe predigen, daß ich nicht in Sicherheit schlafe, wie die Jünger at Delberg, sondern alle Augen192 Abendfegen am Freitag. blick meines Endes erwarte. Stecke das Kreuz meines Erlösers als ein Siegeszeichen vor mein Bette. Das soll meine Ruhe, das soll meine Ehre sein. Bekehre auch alle Feinde des Kreuzes Christi, daß sie sich unter dieses Panier sammeln und der Verdammniß entgehen mögen. Versiegle auch mit diesem Gnadenzeichen die Ruhe der Meinigen, und laß keinen verloren gehen, den du damit bezeichnet hast. Heilige Dreifaltigkeit! deine Gnade sei unsern Licht im Finstern. Deine Kraft ſei. unsere Stärke in der Schwachheit. Dein Schuß sei unser Schild in der Gefahr, so wird sich keine Plage zu unsern Hütten nahen. Sei mit uns, o Vater! in deinem Sohne, mit deinem Geiste. Laß diese Schrift an unser Haus und Herz geschrieben sein: Hier ist der Herr. Ift Gott für uns, wer will wider unser sein? Amen. 193 So ist der Freitag nun vorbei, Und du, mein Jesu, machst mich frei, Daß ich in deinen tiefen Wunden Der Kinder Gottes Freiheit funden, Gib auch nunmehr durch deine Macht Zum Freitag eine freie Macht. 13 194 Benjamin Schmolkens Morgenandacht am Sonnabend. Mein Jesu! sei mein Morgenthau, Erquicke meines Herzens Au, Und laß mich heute fruchtbar ſein Mit Früchten, welche dich erfreun. Gott Vater, meine Hilfe! bis hieher hast du abermals geholfen. Du hast Großes an mir gethan, deß bin ich fröhlich. Groß war die Gefahr, darinnenichdiesevergangene Nacht schwebete, groß die Macht und List der Feinde, die auf meine Seele lauerten. Noch viel größer aber deine Kraft, die mich wider Alles mächtiglich beschüßzet hat. Darum will ich des Morgens deine Güte und des Abends deine Wahrheit verkündigen. Wie soll ich dir aber deine Wohlthaten vergelten, ich, der ich nichts habe, was nicht dein ist? Ich will dir alles wieder geben, was dir gehöret. Ich heilige dir meinen Leib zu einem lebendigen Opfer, und meine Seele zu einem immer 195 Morgensegen am Sonnabend. währenden Eigenthum. Mein Herz soll dich lieben, mein Mund soll dich loben, alle meine Gliedmaßen sollen dir dienen, alle meine Sinnen dir gehorchen. Ich bitte aber auch für diesen Tag, daß du denselben mit deinem Segen heiligen wollest. Laß mich wandein, wie es sich gebühret in meinem Beruf, darein ich berufen bin. Regiere die Zufälle meines Lebens nach deiner Weisheit ich will dir in Allem stille halten. Du kannst mir mehr geben, als ich bitte. Du kannst mir etwas Besseres geben, als ich begehre. Ich bitte aber nichts mehr als dieses: Herr! dein Wille geschehe. Du wirst, du kannst, du willst nichts Böses über mich wollen. Dein Wille ist der beste. Gott Sohn! mein Hoherpriester! ich bringe dir diesen Morgen ein Lamm zum Dopfer. Was könnt ich dir wohl Angenehmeres bringen, als mich selber? Ich richte mich jetzt auf 13* Benjamin Schmolkens in deinen Wunden, in welchen ich gestern zu Bette gieng. Lasse dieſes die Brunnen sein, aus welchen mir heute alles Heil zufließet. Lasse dieses die Fenster sein, durch welche mir heute dein himmlischer Vater die Gnadenblicke zuwerfe. Lasse dieses die Felsenrißen sein, in welche ich mich heute bei aller Gefahr als ein schüchternes Täublein verbergen könne. Lasse dieses die Lippen sein, welche heute mich bei Gott vertreten, wenn ich in Sünde und Strafe fallen sollte. Rathe mir heute nach deinem Herzen, daß ich nicht auf Ab= wege gerathe. Bei dir ist Rath und That, du kannst mir geben, was mein Herzewünschet. Rüste mich mitKraft aus der Höhe und mache meine Wege ohne Wandel. Ich hoffe darauf, daß du so gnädig bist, meine Herz freuet sich, daß du so gerne hilfest. Breite beine Güte über die, so dich kennen, u. deine Gerechtigkeit über die Frommen. Laß mich den letzten Tag in die196 Morgensegen am Sonnabend. ser Woche also zubringen, daß, wenn es der letzte meines Lebens sein sollte, ich denselben in dir sanft und selig beschließen möge. Gott heiliger Geist, mein Leitstern! leite mich heute auf rechter Bahn. Schaffe, daß ich mich übe, ein gutes Gewissen zu haben, damit dasselbe mich nicht beißen möge meines ganzen Lebens halben. Bewahre mich wider die Verführung. Erhalte mich in den Versuchungen. Stärke mich wider die Verfolgungen. Sei mein Rathgeber, wenn ich zweifle. Sei mein Geleitsmann, wenn ich wandele. Stärke mich bei dem Ende dieses mühseligen Lebens mit der Hoffnung eines bessern und ewigen Lebens. Herrsche über alle meine Neigungen. Gebiete über alle meine Werke, mache allen meinen Wandel zu einem guten Geruch vor Gott. Befriedige mein Herz durch deineheilige Verordnung, daßesaller unordentlichen Sorge müßig gehe 197 Benjamin Schmolkens und deiner göttlichen Vorsehung keinen Eintrag thue. Laß mich zuvörderst das Reich Gottes suchen und alsdann versichert sein, daß mir das andere alles zufallen werde. Und nach allen deinen Gaben gib du dich mir selber, wie ich von meiner Seite wünsche, dir ganz und gar ergeben zu sein. Heilige Dreifaltigkeit! vollende das gute Werk in mir beim Ende dieser Woche. Mach an diesem Tage gut, was ich in den übrigen böse gemacht. Schütze und errette deine arme Christenheit bis an das Ende der Welt. Gib uns des Glaubens Beständigkeit, Geduld in Kreuz und Widerwärtigkeit. Gib unsern Grenzen Frieden, unsern Häusern Segen, unsern Angehörigen Leben und volle Genüge. Erlöse uns, so lange wir leben. 198 Nun, Jesu! sprich den Segen Auf allen meinen Wegen, Und stecke selbst das Ziel, Abendsegen am Sonnabend. So wird das Werk vollführet, Was mir zu thun gebühret, Wie deine Ehr es haben will. 199. Abendandacht am Sonnabend. Die Sonne geht zurücke, Ach bleib bei mir, Herr Christe; So hab ich Licht und Leben, Wenn mich die Nacht umgeben. * Gott Vater, mein Anfang und Ende in allen meinen Dingen! wie ich diese Woche mit deiner Gnade angefangen, also habe ich sie auch durch dieselbe zu Ende gebracht. Ach was für Dankbarkeit, was für Liebe bin ich dir, meinem Gott, schuldig für so viel unaussprechliche Wohlthaten, die ich zwischen diesem Anfang und Ende genossen habe. Du hast mir so viel Liebe erwiesen, da ich dich doch beleidiget habe. Du bist so nahe bei mir gewesen, da ich doch meine Augen so oft von dir abgewendet. Du haft Gutes, ich Böses gehäuft. Ach! ich kann die Größe deiner Liebe nicht genugsam Benjamin Schmolkens begreifen, aber auch leider! die Menge meiner Uebertretungen nicht übersehen. Jedoch, o barmherziger Bater! nehme ich meine Zuflucht zu deiner theuren Verheißung. Wo meine Sünde mächtig ist, da ist deine Gnade noch viel mächtiger. Ach Herr! der du das Werk deiner Hände nicht verschmähest, was erwartest du anders von mir armen Sünder, als ein zerknirschtes Herz, wel hes sich von ganzem Herzen zu dir bekehret und von deiner Gerechtigkeit zu deiner Barmherzigkeit seine Zuflucht nimmt. Laß doch heute deine Gnade sein wie ein Abendregen. So serne der Morgen ist vom Abend, so ferne laß auch meine Sünde an diesem Sonnabend von mir sein. Gib, daß ich das Ende dieser Woche also mache, daß ich nicht ein Ende nehme mit Schrecken, wie die Gottlosen, deren Ende ist die Verdammniß, sondern laß mich aus Gnaden davon brin200 201 Abnedsegen am Sonnabend. gen das Ende des Glaubens, welches ist der Seelen Seligkeit. Gott Sohn, meine Gerechtigkeit, du bist des Gesetzes Ende; wer an dich glaubet, der wird gerecht. Ichschließe mich beim Schlusse dieser Woche in deine Wunden. Stelle mich deinem himmlischen Vater vor in deinem Blute. Bekleide mich mit deiner Gerechtigkeit. Tilge meine Sünden durch deine ewige Liebe. Ich befehle dir Leib und Seele, du hast beides erlöset, und getreuer Gott. Zeichne mich in deine durchbohrten Hände. Laß heut deine Haupt über mir voll Thanes, und deine Locken voller Nachttropfen sein. Gib auch, daß ich allezeit unter den klugen Jungfrauen erfunden werde, und, wenn du um Mitternacht kommst, mit dem Dele des Glaubens dir entgegen gehen möge. Weil ich auch unter denen bin, auf welche das Ende der Welt kommen ist, so lasse mich beim Ende Benjamin Schmolkens dieser Woche auf eine selige Bereitschaft bedacht sein, deine Zukunft mit Freuden zu erwarten. Wie du die Deinen bis an's Ende geliebet, so bleibe auch bei uns bis an's Ende der Welt, nach deiner allergetreuesten Berheißung. Gib uns Beständigkeit des Glaubens in der Liebe und erfülle endlich dein Wort an uns: Wer beharret bis an's Ende, der soll selig werden. So wollen wir dich ohn Ende rühmen, dort, wo deines Königreichs wird kein Ende sein. 202 Gott heiliger Geist, mein Lehrer! lehre mich heute inbrünſtig beten: Herr! lehre mich bedenken, daß es ein Ende mit mir haben muß, daß mein Leben ein Ziel hat und ich davon muß. Bereite mich alle Abend zum Tode und lasse mich niemals in Sicherheit zu Bette gehen. Gib, daß ich allezeit warte auf die Offenbarung Jesu Christi, welcher auch mich wird feste behalten bis an's 203 Abendsegen am Sonnabend. Ende, daß ich unsträflich sei auf den Tag seiner Zukunft. Soll ich morgen leben, so erwecke mich zu einem geistlichen Leben. Morgen ist des Herrn Fest. Bereite mich dazu in heiliger Frucht. Indessen versiegle meine Ruhe heute mit der Gnade und Liebe meines Jeſu. Breite deine Flügel über alle meine Angehörigen. Sei der Traurigen Leuchte in der Finsterniß. Erleichtere die Last der Müden. Schaffe, daß bei deinen Kreuzträgern die Versuchung so ein Ende gewinne, daß sie es ertragen können. Laß heute alle Menschen an ihr Ende gedenken, so werden sie nimmermehr Uebels thun. Heilige Dreifaltigkeit! deine Jahre nehmen kein Ende, aber bei uns ist nahe kommen das Ende aller Dinge. Ach, laß es nicht gar aus sein mit uns, sondern deine Barmherzigkeit fein Ende habe. Und wenn sich das Ende unsers Lebens Abendsegen am Sonnabend. herzunahen ſollte, so lasse uns kommen zum Anfang der großen himmlischen Woche, die du deinem Erbe vor längsten verheißen hast. Lasse uns sterben des Todes der Gerechten, und unser Ende sein, wie das Ende der Frommen, so heißt es: Ende gut, Alles gut. Amen. 204 So ist die Woche nun beschlossen, Und auch zugleich der Tag verschlossen: Wer weiß, wie nah mein Ende sei? Nimm, Jesu! mich in deine Hände, So komme, wann du willst, mein Ende, Ich warte dessen ohne Scheu. Denn was mein Ende hier auf Erden, Das muß mir dort der Anfang werden. Herrn M. Christian Scrivers gottgeheiligter Bet- Altar frommer Christen, darauf sie ihr 205 tägliches Haus- Opfer mit brennendem Feuer der Liebe zu Gott bringen.. Zur Erweckung wahrer Herzens- Andacht, die an diesem Ort von neuem aufgerichtet durch Friedrich Roth- Scholz. Tägliches Haus- und Herzens- Opfer frommer Christen, damit sie Gott für geistliche und leibliche Wohlthaten danken, um Glück und Segen bitten, auch ferner sich und die lieben Ihrigen, sammt der ganzen Christenheit, dem großen Gott und Vater mit Demuth empfehlen. Allmächtiger, ewiger, gütigster Gott, Vater unsers Herrn Jesu Christi, du Gott. aller Gnaden, du Vater der Barmherzigkeit und Gott alles Trostes, mein lieber Vater und gnädiger Gott in Christo Jesu! Mein Herr Jesu Christe, du ewiger eingeborner Sohn Gottes, du Heiland der Welt, mein M. Christian Scrivers theuerster Erlöser, getreuer Hirte, liebreichster Mittler, ewiger Hohepriester und Seligmacher. Gott heiliger Geist, du süßer Tröster aller Betrübten, du Kraft der Schwachen, du Licht der Irrenden, du Lehrer der Unwissenden, du Beistand der Betenden, mein bester Freund, meine Kraft, mein Leben, mein Licht und mein Heil! 206 Du einiger, ewiger, wahrer Gott, hochgelobet in Ewigkeit! Ich armer, sündhafter Mensch komme vor dein allerheiligstes Angesicht, daß ich vor dir beten will, wie es dein Befehl und meine Noth und Schuldigkeit erfordert. Weil ich mich aber hiezu unwürdig und untüchtig befinde, so bitte ich anfangs herzlich und demüthig, daß du mir meine Sünde nach deiner großen Barmherzigkeit vergeben, in meinem Herzen kindliche Furcht und Andacht erwecken, allen fremden, flatternden, sündlichen Gedanken steuern, und mir die Gnade geben wollest, dich im Geist und in der Wahrheit anzurufen. Laß dir auch mein armes Gebet in Gnaden wohlgefallen und erhöre es um dein selbst willen. Amen. Mein Gott und Vater, ich danke dir erst billig für alle deine geistlichen und leiblichen Wohlthaten, die du mir mein Lebenlang erwiesen und noch täglich erweisest; ich danke dir, daß du mich zu der Zeit, die dir beliebet, haft erschaffen, das Leben und Wesen mir gegeben, mit einer feinen, vernünftigen Seele und einem wohlgestalteten gesunden Leibe begabet, mich aus Mutterleibe gezogen und gesund und wohl an's Licht der Welt gebracht hast. Ich danke dir, daß du mich in deiner recht 207 Tägliches Haus- und Herzensopfer. gläubigen evangelischen Kirche von christlichen, ehrlichen, gottseligen Eltern hast lassen geboren und mit der vernünftigen lautern Milch des Evangelii zu aller Gottseligkeit lassen angewiesen und erzogen werden. Ich danke dir auch insonderheit, daß du mich durch die heilige Taufe wiedergeboren zu einer lebendigen Hoffnung, mir die Herrlichkeit deiner Kindschaft geschenket, mich von der Obrigkeit der Finsterniß errettet und in das Gnadenreich deines lieben Sohnes Jesu Christi versetzet und darin wider des Teufels Macht und List und aller Welt Aergerniß und Bosheit erhalten hast. Ich danke dir, daß du von solcher Zeit an mich stets als dein liebes Kind erhalten, mich herzlich geliebet, väterlich versorget, mächtiglich beschützet, mich wunderbarlich, dochseliglichgeführet, deinegöttlicheLangmuth an mir reichlich erzeiget, mich aus mancher Noth und Gefahr Leibes und der Seelen errettet und bis hieher erhalten haft. Ich danke dir für das tägliche Brod und den zeitlichen Segen, den du mir über alles mein Vermuthen, ohne all mein Verdienst und Würdigkeit, nach deiner Güte überflüssig und reichlich gegeben, also, daß ich Ursache habe, mit dem Erzvater Jakob von Herzen zu sagen: aller Barmherzigkeit und Treue, die du an mir gethan hast. Ueber alles aber danke ich dir, daß du mir auch deinen allerliebsten Sohn Jesum Christum zum Heiland geschenkt und zum Gnadenstuhl in seinem Blut vorgestellt hast, daß du mich im Glauben an ihn halten und ich in ihm die Gerechtigkeit, das Leben und volles Genüge haben soll; wie auch, daß du mir die Mittel der Selig M. Christian Scrivers keit, dein heiliges Wort und die hochwürdigen Sakramente gegeben, und mich dadurch zu deiner seligen Ertenntniß gebracht, in deinem Lichte geleitet und in deiner Gnade bisher bewahret und erhalten hast. Ich danke dir, mein Herr Jesu Christe, mein allerliebster Erlöser! daß du in die Welt kommen bist, nebst andern auch mich Sünder selig zu machen. Du hast auch mich geliebet, dich selbst für mich dahin gegeben und mich dir zum Eigenthum nicht mit vergänglichem Silber oder Gold, sondern mit deinem göttlichen theuern Blut erkaufet, du haft mich in deine selige Gemeinschaft aufgenommen, dein ganzes heiliges Verdienst, deine Gerechtigkeit. und deine Seligkeit mir in der heiligen Taufe geschenket hast mich auch mein Lebenlang als ein getreuer Hirte behütet, bist mir auf allen meinen Wegen mit deiner Güte nachgefolget; hast, wenn' ich mich verirret, mich gesuchet und zurechte gebracht; hast es mir nie an irgend einem Guten ermangeln lassen, mich wider Teufel und Welt geschützet, mich bei deinem ewigen lieben Vater vertreten, mich stets in deine Liebe und Gnade eingeschlossen und mit deiner Güte umfangen. 208 Ich danke dir, Gott heiliger Geist! daß du mich durchs Wort und die Sakramente geheiliget, zur Gemeinschaft Jesu Christi und seiner Kirchen mit berufen, den Glauben in mir erwecket, und ob ich gleich manchmal einem glimmenden Docht ähnlich gewesen, wider des Teufels Macht und List in meinem Herzen erhalten; du hast dich meiner Seele jederzeit herrlich angenommen, mich in Trübsal getröstet, in Schwachheiten gestärkt, in Krankheiten Tägliches Haus- und Herzensopfer. 209 erquickt, im Zweifel mir gerathen, und durch dein innerliches, kräftiges Zeugniß mich meiner Kindschaft bei Gott und des himmlischen, ewigen Erbes versichert und dadurch manchmal mein Herz mit Friede und Freude erfüllet. Nun, mein Gott, mein Vater! mein Erlöser! mein Tröster! Ich danke dir von Herzen für dieſe und alle andere deine Wohlthaten, die du mir in meinem ganzen Leben erwiesen, ich lege mich deßwegen zu deinen allerheiligsten Füßen, opfere und ergebe mich dir mit Leib und Seele zu einem Opfer, das lebendig, heilig und dir wohlgefällig sei; mache mich zu einem solchen Opfer, laß deinen glorwürdigsten Namen durch mich auch geheiliget, verherrlichet, gepreiset, dein Reich auch durch mich erbauet, fortgepflanzet und erhalten, und deinen heiligen Willen mit, in mir und durch mich in Zeit und Ewigkeit vollbracht werden. Gelobet sei Gott, der Herr, der Gott Jsraels, der allein Wunder thut! und gelobet sei sein herrlicher Name ewiglich, und alle Lande müssen seiner Ehre voll werden. Amen, Amen! Ach Herr! nimm vorlieb mit meinem schlechten Lob- und Dankopfer, so gut ichs dir in dieser Sterblichkeit bringen kann, hilf mir zum Himmel und bringe mich zu der Menge deiner Auserwählten, daß wir dich, unsern Gott, vollkommentlich, heiliglich und ewiglich preisen mögen. Amen! Hienächst, mein Gott, erinnere ich mich auch und mein Gewissen überzeugt mich, daß ich deine mannigfaltige Güte, welche du reichlich an mir erzeiget, nicht allezeit, wie ich gefollt, erkannt, dich nicht so herzlich geliebet, so findlich gefürchtet, 14 M. Christian Scrivers dir so festiglich vertraut und so heiliglich und eifrig gedienet, wie es deine Hoheit, deine Liebe, dein Gebot und mein Taufbund erfordert; sondern ich habe mit Worten, Werken und Gedanken, mit Unterlassung des Guten, mit Vollbringung des Bösen, wissentlich und unwissentlich von meiner Kindheit an bis auf diese Stunde dawider gesündiget, und damit deinen gerechten Zorn, zeitliche und ewige Strafe verdienet. Weil du aber, du gnädiger und barmherziger Herr, nicht willst den Tod des Sünders, sondern daß er sich bekehre und lebe, und du, mein allerliebster Herr Jesu! bist in die Welt kommen, die Sünder selig zu machen, du auch mein Tröster, Gott heiliger Geist, durch das Wort der Gnaden die Sünder zur Buße rufest und ihnen Vergebung der Sünden in Christo verheißest: so verlaß ich mich gänzlich auf deine Gnade und Barmherzigkeit und bitte in herzlichem Vertrauen auf das theure Verdienst und vergossene Blut des Sohnes Gottes, daß du mir alle meine Sünden vergeben, mich solcher Gnade versichern, mein Gewissen beruhigen, mein Herz mit Friede und Freude im heiligen Geist erfüllen, mich von Tag zu Tag mehr und mehr erneuern, erleuchten, heiligen, segnen, und dir in Heiligkeit und Gerechtigkeit zu dienen bereit und tüchtig machen wolleft. Hierauf erneure ich den Bund meiner heiligen Taufe, ich sage ab dem Teufel und allen seinen Werken und allem seinem Wesen, der gottlosen bösen Welt und meinem sündlichen Fleisch und Blut; Ich ergebe mich aber dir, Gott Vater, Sohn und heiliger Geist, mit Leib und Seel. Ich empfehle dir mein und der lieben Meinigen zeitliche 210 Tägliches Haus- und Herzensopfer. 211 und ewige Wohlfahrt. Ich überlasse mich willig deiner Vorsorge, Barmherzigkeit, Liebe und Treue, Gott Vater! Ich wickle mich ein in deine selige Gemeinschaft, in dein Verdienst, Gerechtigkeit, Blut, Tod und Wunden, Herr Jesu, mein Heiland! Ich ergebe mich gänzlich in deine Regierung, Leitung, Licht, Troft und Bewahrung, Gott heiliger Geist! so bist du nun mein und ich bin dein; du bist mein Vater, ich bin dein Kind; du bist mein Hirte, ich bin dein Schäflein, du bist mein Herr, ich bin dein Eigenthum. Ach Gott, gnädiger und gütigster Gott! wie kann ich dir genug danken, daß du mich armen, sündhaften Menschen solcher hohen Gnade gewürdiget und mich in solchen seligen Stand geſetzt hast! Ach, erhalte mich darin bis an mein seliges Ende; vermehre in mir dein seliges Erkenntniß, bewahre in mir den Glauben und laß dieses Licht in mir nimmermehr verlöschen; gib auch, daß mein Glaube durch die Liebe thätig sei, daß ich dich, meinen Gott, von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von allen Kräften lieben, dich kindlich fürchten, dir festiglich vertrauen, in kindlichem Gehorsam vor dir wandeln, dich stets vor Augen und im Herzen haben, aus reiner Liebe zu dir allem sündlichen Wesen von Herzen feind sein und dich nimmermehr mit Wissen und Willen beleidigen möge. Erneuere, erleuchte, bekehre, heilige und segne mich in geistlichen Gütern je mehr und mehr; gib mir christliche Demuth, Sanftmuth, Liebe, Freundlichkeit, Friedfertigkeit, Verfühnlichkeit, Gutthätigkeit; weise mir gottselige und fromme Armen zu, die, Herr Jesu! deine wahren Glieder sind, und lenke sodann 14* M. Christian Scrivers mein Herz, daß ich ihnen, als dir selbst, mit fröhlichem Herzen Gutes thue und von dem Segen, den du mir gegeben hast, ihnen mildiglich mit einfältiger Seele mittheile. Gib mir auch ein reines, keusches, nüchternes und mäßiges Herz. Bewahre mich vor Geiz und Ungerechtigkeit. Gib, daß ich mein Herz an das Zeitliche und Vergängliche nicht hänge, sondern dich und deine geistlichen und himmlischen Güter für meinen höchsten Schatz, und die Gottseligkeit und Genügsamkeit für meinen größten Gewinn halte; lehre mich je mehr und mehr mich selbsten verläugnen, die Welt und was darinnen ist, verschmähen und nach dem Himmlischen und Ewigen mich sehnen. Ach mein Gott! du hast nach deinem Wohlgefallen ein Wunder deiner Güte an mir erwieſen, indem du mich, da ich arm und elend war,( und als ich in diese Stadt kam, nichts hatte, als etwa einen Stab), hervorgezogen, mich in meiner Handelschaft und Gewerbe mit einem ungemein reichen und großen Segen überschüttet hast: von dir, mein lieber himmlischer Vater! ist alles kommen, von deiner Hand habe ichs empfangen, und es ist alles dein. Gib mir Gnade und zeige mir Gelegenheit, daß ichs zu deinen Ehren im Dienste deiner Kirchen und in der Liebe meines Nächsten anwenden, und im übrigen einer von denen sein möge, von welchen dein heiliger Apostel sagt, daß sie sich freuen, als freuten sie sich nicht, daß sie kaufen, als besäßen sie es nicht, daß sie der Welt zwar brauchen, jedoch ihrer nicht mißbrauchen, weil sie wissen, daß das Wesen dieser Welt vergehet. Gib mir auch ein stilles, geduldiges, dir ergebenes und 212 Tägliches Haus- und Herzensopfer. 213 gelassenes Herz, daß ich in Lieb und Leid, im Glück und Unglück mit deinem heiligen Willen zufrieden sei, dich stets für meinen Schatz, Trost und Stärke halte, und in findlich willigem, unverrücktem Gehorsam dir nachwandle. Weil du auch, mein lieber Gott und Vater! mich durch einen heiligen Beruf zur Gemeinschaft deiner Auserwählten, Heiligen und Geliebten in deiner Kirche auf Erden gebracht hast, also, daß sie mit mir und ich mit ihnen im Glauben, Liebe und Hoffnung zu dir, Herr Jesu! durch deinen Geist vereiniget sein: so bitte ich dich herzlich, daß du alle meine lieben Mitbrüder und Mitschwestern an allen ihren und unsern Orten wollest segnen, heiligen, erneuern, schützen, versorgen, trösten und sie durch deine Macht zur Seligkeit bewahren und erhalten; Herr! du allwissender Gott, dir ist aller ihr Zustand, Anliegen, Noth und Gefahr nicht unbekannt, hilf ihnen allen und jeden, wie, wo und wann sie deiner Hilfe bedürftig und begierig sind. Tröste alle Betrübten, tröste die Schwachen, hilftden Gefallenen wieder auf, bringe die Irrenden und Verführten zurecht und heilige sie in deiner Wahrheit, dein Wort ist die Wahrheit. Erquicke die Kranken und sei ihr Labsal, Trost, Arzt und Pfleger. Ernähre die Armen und Dürftigen. Versorge und schütze die Wittwen und Waisen. Sei eine Zuflucht aller Flüchtigen und Verjagten, die um deines Namens und der Wahrheit willen Verfolgung gelitten haben und noch leiden, die in hartem Bedrängniß und Gefängniß leben. Bekehre auch die Sünder und Gottlosen, errette ihre Seelen aus den Stricken des Satans; eröffne ihnen die M. Christian Scrivers Augen, daß sie ihr Elend erkennen und sich von ganzem Herzen zu dir bekehren mögen. Bewahre fie durch deine Barmherzigkeit und Langmuth vor dem ewigen Verderben! bringe auch die Ungläubigen in der Welt, die blinden Heiden, Türken und Juden zu der Erkenntniß deines lieben Sohnes, Jesu Christi, und erbarme dich aller Menschen. Segne und erhalte deine evangelische Kirche, die kleine Heerde, das verlassene, trostlose, elende Häuflein, welches jetzt allenthalben bedränget ist. bei der himmlischen Wahrheit deines Wortes und dem Gebrauch deiner heiligen Sakramente, schütze sie wider des Teufels Macht und List und aller Welt Bosheit, und erhalte sie bis ans Ende der Welt, erhebe und erweitere sie und steure denen, die deinem Wort seinen Lauf durch Macht und List zu wehren sich unterstehen. Mache ihre gefährlichen Anschläge zu nichte durch ihren Hochmuth, mache ihre Macht zur Ohnmacht, laß ihre Weisheit zur Thorheit und ihren Rath zu nichte werden, gib ihnen einen Meister, daß sie erkennen müssen, daß sie Menschen sind und wieder dein Volk, das du dir erwählet hast, und das sich allein auf dich verlässet, nichts vermögen. 214 Versorge auch uns und alle Gemeine jederzeit mit gottseligen, geistreichen, erleuchteten und treuen Hirten, Lehrern und Predigern. Rüste sie mit Gaben und Kraft vom Himmel aus, segne ihre Arbeit und laß sie den ihnen anvertrauten Seelen zum gründlichen Unterricht, zumlebendigenGlauben, zu kräftigem Trost und seliger Erbauung gedeihen. Gib ihnen Muth und Freudigkeit und schüße sie wider Teufel und Welt; erhalte sie in deiner Tägliches Haus- und Herzensopfer. 215 Wahrheit und gib, daß sie ihr heiliges Amt mit einem heiligen und unsträflichen Wandel allezeit zieren und sich selbst, und die sie hören, durch dein Wort und deinen Geist selig machen. Gib auch aller Orten fromme, friedfertige, väterlichgesinnte, gewissenhafte, gerechte Regenten; gib ihnen den Geist der Weisheit und des Verstandes, des Raths, der Stärke und deiner heiligen Furcht. Segne du ihre Regierung und richte dieselbe zu deines allerheiligsten Namens Ehre, deiner Kirchen Schutz und Trost und aller frommen und treuen Unterthanen zeitliches, geistliches und ewiges Wohlergehen. Erhalte bei uns und in unserm geliebten Vaterlande, ja in der ganzen Christenheit, den edlen Frieden. Laß unserer Sünde willen nicht zu, daß der Satan und seine Werkzeuge neue Kriegsgefahr und Unruhe Blutvergießen und Verwüstung anrichten, mache zu nichte die Anschläge der Völker, die da gerne kriegen. Laß uns unsere Lebenszeit in Fried und Ruhe und in aller Gottseligkeit und Ehrbarkeit hinbringen. Bewahre uns vor der schrecklichen Seuche der Pestilenz und andern anfälligen Krankheiten, vor schrecklichem schwerem Ungewitter, vor Hunger und theurer Zeit, vor Feuer- und Wassersnoth, vor einem bösen schnellen und dem ewigen Tod.. Erhalte auch mich und die lieben Meinigen im Glauben, Liebe und Hoffnung. Bewahre uns, daß wir in das gottlose Wesen der letzten Zeit nicht eingeflochten werden, auch in Seele verderblichen Irrthum nicht verfallen; verleihe uns in Gnaden, daß wir unter denen sein, die deine letzte Zukunft zum Gericht, nach M. Christian Scrivers deinem Wort von Herzen glauben, deine Erscheinung lieb haben und sich täglich dazu bereiten. Bereite du uns, Herr Jesu, so sind wir bereitet! Eile mit dem lieben jüngsten Tag. Mache bald aller Sünden und Schanden und alles Elendes auf Erden ein Ende. Erlöse uns und alle deine Auserwählten aus allem Uebel, und hilf uns zu deinem himmlischen Reich, daß wir dich sehen und in alle Ewigkeit preisen mögen. Amen. Ferner befehle ich dir, mein Gott! mein Leib und Seel heute und allezeit in deine lieb- und gnadenreiche Regierung, in deinen mächtigen Schuß, in deine väterliche Aufsicht, Fürsorge und Treue; laß mir heute kein Uebels begegnen und keine Plage zu meinem Haus sich nahen; laß mich und die lieben Meinigen deine heiligen Engel auf allen meinen Wegen begleiten! Laß uns deinen heiligen Geist träftiglich regieren und unser Herz zum kindlichen Gehorsam lenken, daß wir von den Wegen der wahren Gottseligkeit nicht abweichen. Laß den Satan und die böse Welt keine Macht, uns an Leib oder Seele, an Gut oder Ehre zu schaden, an uns finden. Segne mich heute an Leib und Seele; segne meinen Ausgang und Eingang; segne meine Haushaltung und Nahrung, laß mir in allen meinen Geschäften und Vornehmen dein himmlisches Licht leuchten, deine Kraft mich stärken, deine Liebe mich dringen, deine Furcht mir beiwohnen, daß ich in Gerechtigkeit wandle, meinen Taufbund stets vor Augen habe, meinem Nächsten mit aufrichtiger Liebe, mit Sanftmuth, Demuth, Freundlichkeit, Dienstwilligkeit und Wahrheit begegne und deine Worte im Herzen habe: Wie ihr wollet, daß euch 216 217 Tägliches Haus und Herzensopfer. die Leute thun sollen, also thut ihnen gleich auch ihr! Erhalte mich bei Gesundheit Leibes und Gemüths, so lange ich hier wallen soll. Gib, daß ich die Zeit, so ich noch zu leben habe, wohl und christlich anwende zu deines glorwürdigsten Namens Ehre, meines Nächsten Dienst und meiner Selbstbesserung. Gib mir auch die Gnade, daß ich mich meiner Sterblichkeit stets erinnere und meine Gedanken allezeit aus dem Zeitlichen in das Himmlische und Ewige richte. Und wenn ich dann meinen Lauf vollendet und das Ziel, so du mir in Gnade gesetet, erreichet habe, so verleihe mir nach deiner großen Barmherzigkeit, um Jesu Christi willen, ein sanftes, fröhliches erbauliches und seliges Ende. Laß mich, mein Gott und Vater! in der Versicherung deiner Liebe und des himmlischen, ewigen Erbes, in deiner Gemeinschaft, Herr Jesu! durch wahren Glauben in deinem Trost, Gott heiliger Geist! sanft und selig einschlafen. Mein allerliebster Herr Jesu! du haft für uns alle den Tod geschmecket; ich bitte dich um deines blutigen Schweißes unnd heftiger Todesangst willen, stehe mir bei und hilf mir in meiner letzten Noth. Lindere mir und hilf mir überwinden alle Angst und Schmerzen! Bewahre mich vor schweren Anfechtungen des Satans und laß ihm nicht zu, daß er meine Seele in ihrem Abschied beunruhige und betrübe. Behüte mich vor Ungeduld und Ungebärden; gib mir die Gnade, daß ich alles Irdische willig und fröhlich verlasse, und, um bei dir, mein Jesu! zu sein, mit Lust abscheiden möge. Erfülle in mir alsdann deine theure Verheißung, da du versprochen, du wollest deinen Schäflein, die deine M. Christian Scrivers Stimme hören und dir folgen, das ewigen Leben geben, sie sollen nimmer umkommen und Niemand soll sie dir aus deiner Hand reißen. Ach! so laß mich denn weder Engel noch Fürstenthum, noch Gewalt, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder hohes noch Tiefes, noch keine andere Kreatur von dir und deiner Liebe scheiden. Amen, o Herr Jesu! Amen. 218 Ich befehle dir auch, mein Gott! meine wertheste Ehegenossen, ich danke dir von Herzen, daß du durch deine gnädige Vorsehung sie mir zugeführet, unsere Herzen in treuer, keuscher Liebe verbunden, uns in Friede und Ruhe er= halten, und in währendem Ehestande viel Segen gegeben und uns viel Gutes an Seele und Leib erwiesen hast. Ach! laß sie nebst mir in deiner Erfenntniß, in deiner Liebe und in aller Gottseligkeit immer wachsen. Segne, bewahre, stärke und erhalte fie bei guter Gesundheit und am Leben, weil ich lebe; laß sie ferne meine getreue Gehilfin und liebreiche Pflegerin sein bis an mein seliges Ende; und wenn sie auch ihr Lebensziel nach deinem Rath erreicht hat, so nimm ihre liebe Seele auf in die ewige Ruhe, daß wir vor deinem Angesicht in himmlischer Liebe bei einander leben mögen. Ich danke dir auch, mein Gott, daß du unser keusches Ehebett gesegnet und uns unterschiedene liebe und gesunde wohlgestaltete Kinder gegeben. Du hast sie uns, mein Vater, gegeben, und wir haben sie dir wieder gegeben; wir opfern, heiligen und übergeben sie dir von Herzen; laß sie dein sein und bleiben in Zeit und Ewigkeit; du hast fie, mein Gott! in der heiligen Taufe wiedergeboren, Tägliches Haus- und Herzensopfer. 219 die Herrlichkeit deiner Kindschaft ihnen geschenket und sie zu Erben des ewigen Lebens verordnet. Sie sind deine Schäflein, Herr Jesu! die du mit deinem theuern Blute dir erkaufet hast; sie sind dein Tempel und Eigenthum, Gott heiliger Geist! Ach, erhalte sie in solcher Gnade allezeit, segne, heilige, erneure, erleuchte sie je mehr und mehr, dämpfe die Erbsünde in ihnen, bewahre sie vor des Satans Trug und List, vor der Welt Aergerniß und Verführung, vor Sünden und allem Unheil. Laß sie in allen christlichen Tugenden und feinen Sitten aufwachsen und was Redliches und Nützliches lernen, damit sie dir, deiner Kirche und dem Nächsten künftighin dienen können. Mache aus ihnen rechtschaffene, tüchtige, gottselige Leute Werkzeuge deiner Gnade, Gefäße deiner Ehre und endlich Erben des Himmels und der ewigen Seligkeit. Ich befehle dir endlich auch mein Gesinde und sämmtliche Hausgenossen, danke dir von Herzen, daß du mich, der ich weiland andern diente, nunmehr gewürdiget hast, von Andern meiner Mitchristen bedienet zu werden; ich danke für alle Ehre, Liebe, Treue und Aufwartung, die sie mir täglich erweisen; erhalte sie in deiner heiligen Furcht und Liebe durch die Regierung des heiligen Geistes. Bewahre sie, daß sie nicht vom Teufel, der Welt und ihrem Fleisch und Blut, zum Ungehorsam, Widerspenstigkeit, zur Untreu, Unzucht und andern groben Sünden sich verführen lassen. Gib, daß sie mit Wohlverhalten gegen dich, unsern Gott, und den Nächsten, mir treulich dienen und ihnen selbst eine gute Stufe zur zeitlichen Wohlfahrt erwerben; sorge für sie väterlich, und versorge sie, 220 M. Ch. Scrivers Haus- und Herzensopfer. ein jegliches, wie du es zu deinen Ehren und ihrer Seligkeit gut befindest. Dieß alles, und was sonst mir nüglich und selig ist, bitte ich von dir, mein Gott, im Namen deines lieben Sohnes Jesu Christi, um deßwillen du es geben und mein Gebet erhören wollest, nach deiner Verheißung. Deinem allerheiligsten Namen ſei Lob, Preis, Ehr und Dank jetzt und in Ewigkeit. Amen. Hierauf kann man sprechen die Litanei, und nächst dem Vater Unser mit folgenden Worten schließen: Herr Gott Vater im Himmel, du Schöpfer aller Dinge! erbarme dich über uns und erhöre uns! Herr Gott Sohn, du Heiland der Welt! erbarme dich über uns und bitte für uns! Herr Gott heiliger Geist, du Tröster in aller Noth! erbarme dich über uns und seufze in uns! O du heilige, heilige, heilige, hochgelobte Dreieinigkeit! erbarme dich über uns und sei uns armen Sündern gnädig, vergib uns unsere Sünden, erhalte uns dein reines, seligmachendes Wort bis an's Ende der Welt und schenke uns deinen zeitlichen und ewigen Frieden. Benjamin Schmolkens 221 Morgenandacht eines Reisenden. Mein Herr und Gott, Herr Jesu Christ! Der du Weg, Wahrheit, Leben bist, In deinem Namen will ich reisen. Wirst du in Gnaden mit mir sein Und meine Reise benedein, So soll dich Mund und Herzen preisen. Gott Vater, mein Schuß, deine Gnade bricht über mich herfür wie die schöne Morgenröthe. Du gibst einen hellen Schein in mein Herz von deiner erbarmenden Liebe. In deinem Licht sehe ich das Licht. Gelobet sei dafür dein herrlicher Name vom Aufgang der Sonne bis zum Niedergang. Sei mir aber auch heute ein Licht auf meinem Wege, den ich ziehen soll. Ich bin beides, ein Pilgrim und auch dein Bürger, wie alle meine Väter. Wo du mich nicht leitest, so irre ich; wo du mich nicht trägest, so falle ich; wo du mich nicht führest, so leide ich Gefahr und Unglück. Darum leite mich mit deinen Augen, gängle mich an deinen Händen, bedecke mich unter deinen Flügeln. Ich size oder stehe auf, so weißt du es. Ich gehe oder liege, so bist du um mich und siehest alle meine Wege. Behüte mich vor bösen Menschen, bewahre mich vor gefährlichen Orten. Dein Stecken und Stab trösten mich. Sei in der Noth mein Gott. Gott Sohn, mein Trost! mit dir trok ich allen Gefährlichkeiten, die mir heut begegnen Benjamin Schmolkens können. Schreibe mir einen Paß zu meiner Reiſe mit deinem Blute und sprich wider alle meine geistlichen und leiblichen Feinde: Lasset diesengehen. Du heißest Immanuel, sei auch Gott mit mir. Wo ich gehe und stehe, lasse deine süße Verheißung überall in meinen Ohren schallen: Fürchte dich nicht, ich habe dich erlöset, ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein. Soll ich demnach durchs Wasser gehen, so lasse mich die Ströme nicht ersäufen. Soll ich durchs Feuer gehen, so laß mich die Flamme nicht anzünden. Unter deinem Schirm sei ich von den Stürmen aller Feinde frei. Begegnete mir der höllische Esau, so sei du auch bei mir wie bei dem verlassenen Jakob, und erlöse mich, wie denselben, aus allem Uebel. Deine Begleitung fei mir eine Feuer- und Wolkensäule, wie Israel in der Wüsten. Wenn ich wie ein Schiff auf den Wellen des Unglücks schwebe, so besuche mich wie deine Jünger auf dem Meer. Wo ich meinen Fuß nur werde hinsetzen, da laß einen jeden Ort den Namen führen: Wahrlich ist der Herr an diesem Orte. 222 Gott heiliger Geist, mein Trost! tröste mich auf meinem heutigen Wege mit deiner gnädigen Beiwohnung. Werde ich müde, so sei meine Kraft; werde ich furchtsam, so sei meine Freudigkeit; werde ich einsam, so sei mein Gefährte; werde ich mit Finsterniß umgeben, so sei mein Licht; werde ich von Feinden verfolget, so versichere mich in meinem Herzen, daß derer mehr sind, die bei mir, als die bei ihnen sind. Bewahre den Leib vor Krankheit: bewahre die Seele vor Verführung; befreie das Gewissen vor Verletzung. Geselle mich Morgenandacht eines Reisenden. zu frommen Leuten, sei du aber selbst mein getreuester Gefährte und mein Wegweiser. Laß mich das Meine wohl zu Rathe halten, meine Zunge bedachtsam reden, meine Augen vorsichtig sein und meinen Fuß nicht gleiten, damit ich nicht zu Falle komme. Bringe mich gesund und ungehindert an Ort und Stelle, wo ich zu schaffen habe, und segne meine Verrichtungen, daß ich fröhlich zurückkehre, woher ich kommen bin. Breite indessen deine Flügel über die Meinigen. Sei du Haus- und Schutzherr bei den Verlassnen. VerLeihe uns unter deinem Aufsehen ein fröhliches Widersehen. Sollen wir aber auf der Welt durch dieses Scheiden geschieden werden, so laß uns deßwegen nicht von dir geschieden sein und dort im Himmel einander wieder finden. Unser Wandel ist im Himmel; er wird auch zum Himmel sein. Heilige Dreifaltigkeit, so erhebe denn über mich das Licht deines Antlites. In deinem Namen mache ich mich auf den Weg. Laß mich vor dir wandeln und fromm sein. Sei du mein Schild und mein sehr großer Lohn. Willst du mit mir sein auf diesem Wege, so soll der Herr mein Gott sein. Ich will dir einen Altar bauen in deinem Hause und in meinem Herzen, und das soll mein Halleluja sein: Gelobet sei der Herr täglich. Amen. Segne, Jesu! wie ich bitte, Alle Tritte, alle Schritte, 223 Aus- und Eingang segne du, Leib und Seele wollst du segnen Und mir überall begegnen, 224 Benjamin Schmolkens Wo ich etwas schaff und thu. So reis' ich mit Jesu gar fröhlich davon; So bleibet auch Jesus mein Schild und mein Lohn. Abendandacht eines Reisenden. Mein Jesu! kehre bei mir ein; Der Tag hat sich nunmehr geneiget: Laß deinen Schoos mein Lager sein, Wenn Nacht und Feind mir Grauen zeiget. Wo deine Huld die Wache hält, Da ist die Herberg wohl bestellt. Du bist der Hirte bei den Schafen; Ach laß dein Schäflein sicher schlafen. Gott Vater, meine Hilfe! bis hierher hast du mir geholfen. Du bist Gott, der alle Hilfe thut, so auf Erden geschiehet. Das erkenne ich mit meinem Herzen und preise es mit meinem Munde. Du hast mich heute auf meinen Wegen treulich geführet, väterlich versorget, mächtig beschützet und überall in den Seilen deiner Liebe gehen lassen. Zeige mir nun auch hier einen sichern Ort, wo ich die matten Glieder erquicken und meine Kräfte wieder sammeln kann. Ich schwebe zwischen Noth und Tod. Allein ich vertraue dir, du Hüter Israels. Aus deiner Hand kann mich nichts reißen. Du wirst meinen Fuß aus dem Netz reißen, daß ich dich, errettet, ganz fröhlich rühmen könne. Hadere mit meinen Haderern, streite wider meine Bestreiter. Sprich zu meiner Seele: Ich bin deine Hilfe, sei bei mir, wie bei einem Jakab auf seinem harten Lager; wie bei einem David in der finstern Höhle; Abendandacht eines Reisenden. wie bei einem Paulo in den Fährlichkeiten zu Wasser und Land; wie bei einem Petro in dem Gefängniß. Wenn meine Pilgrimschaft dermaleinst ein Ende hat, so gib meinem Leib ein stille Herberge im Grabe, meiner Seele aber die Einkehr in den Wunden meines Jesu. 225 Gott Sohn, mein Berather! du hast mich heute begleitet zur Rechten und Linken. Lege nun auch meine Linke unter mein Haupt und schütze mich durch die Rechte deiner Gerechtigkeit. Laß mich die Bürde der Sünden von meinen Schultern werfen, die mich diesen Tag über gedrücket hat, daß sie nicht zu einem harten Steine unter meinem Haupt werde. Schaffe, daß ich mich lagere, und lagere auch deine Engel um mich her, daß sie mir aushelfen. Laß keine List der Gottlosen unter der Decke der Finsterniß an mich kommen, und bedecke mich in deiner Hütte, verbirg mich heimlich in deinem Gezelte. Die Erde ist allenthalben dein; ich bin an allen Orten unter Gott; der Him mel ist überall oben über mir. Du wirst mich nicht verlassen noch versäumen. Du bist der Schild für mich, der mich zu Ehren setzet, und mein Haupt aufrichtet. Du hast alle meine Härlein auf dem Haupt gezählt, du wirst derselben keines lassen verloren gehen. In solchem Vertrauen werfe ich mein Haupt in deinen Schoos und sage: Wer will mich von Jesu scheiden? Gott, heiliger Geist, mein Beistand? zeichne mich heute in die Hände meines gekreuzigten Jesu. Ich denke wohl: O möchte ich bis morgen leben! aber ich lebe, und weiß nicht, ob ich das Tageslicht wieder sehen werde. Wie bald könnte sich 15 Benjamin Schmolkens die Herberge in eine, Mördergrube, und meine Lagerstatt in eine Wahlstatt verwandeln. Ach! so weiche nicht von mir, du Geist des Raths, der Kraft und Stärke! stärke mich wider alle Anfechtungen dessen, der ein Mörder von Anfang ist. Waffne mich mit Glauben und Gebet wider alle Bosheit seiner Schuppen. Treibe alles Unglück hinter mich. Warne mich wie die Weisen aus Morgenland, wenn Gefahr vorhanden. Sollte aber auch an diesem Orte der Grenzstein aller meiner Wohlfahrt sein, so führe mich durch die Wunden Jesu aus dem fremden ins Vaterland, von Jericho nach Jerusalem, aus der Pilgerschaft zur himmlischen Bürgerschaft. Heilige Dreifaltigkeit! das Verlangen der Elenden hörest du, mein Herz ist gewiß, daß dein Ohr darauf merket. Wende dich auch zum Bebete meiner Verlassenen und verschmähe an iesem Abend ihr Gebet nicht. Breite deine Güte über sie. Sei ihr Licht und Heil, daß e sich nicht fürchten dürfen. Gib sie nicht in en Willen ihrer Feinde. So soll unsere fröhliche und gesunde Zusammenkunft deines Ruhms voll werden. Ich aber schlafe nun, du wirst machen, du Arche und Wächter Israel. Amen. 226 Und so schlaf ich nun in Friede, Von der Reise matt und müde, Gottes Engel steh bei mir. Ja mein Jesus ruht im Herzen, Also fürcht ich keine Schmerzen, Jakobs Leiter lieget hier. Morgenandacht eines Kranken. Und wenn mir gleich sollte vom Tode was träumen, So werd ich den Himmel nicht drüber versäumen. 227 Morgenandacht eines Kranken oder andern Kreuz- Trägers. Betrübte Nacht! weich nun dem Tage, Du aber, Jesus, sei das Licht, Wenn auch der Tag mir wird zur Plage, Daß mirs am Troste nicht gebricht: Ich leide, weil du selbst gelitten, Nur gib Geduld, das ist mein Bitten. Gott Vater, mein Erbarmer! o wie groß ist deine Barmherzigkeit, die mich Aermsten auch in dieſer elenden Nacht erhalten hat. Wenn diese nicht gewesen, so wäre ich vergangen in meinem Elende. Deine Güte ist es, daß ich nicht gar aus bin. Meine Augen wurden gehalten, daß sie nicht schlafen konnten. Der Schmerz gieng durch alle meine Gliedmaßen. Meine Seele war voll Jammers und mein Leben gleichsam nahe bei der Hölle. Ich suchte Ruhe und fand sie nicht. 15* Benjamin Schmolkens O! bald hätte ich gedacht: Ist der Herr mit mir, warum ist mir solches alles widerfahren? Doch du hast dich meiner Seele herzlich angenommen, daß sie nicht verdürbe. Die Last hat mich wohl drücken, aber nicht unterdrücken können. Du hast mich wohl gezüchtiget, aber dem Tod nicht übergeben. Darum preise ich dich auch jetzt in meinen Thränen. Du, Herr, verstößest nicht ewiglich. Du betrübeſt wohl, aber du erbarmest dich auch wieder nach deiner großen Güte. Ich weiß aber auch, daß dieser Tag wird seine Plage haben. Das Kreuz liegt schon bei meinem Bette, das ich heute auf meine Schultern nehmen soll. Laß du aber auch den Zucker deiner Liebe in den Wermuth- Kelch fallen, den du mir eingeschenket hast, wenn es ja nicht möglich ist, daß er bei mir vorüber= gehe. Lasse mich nicht versucht werden über mein Vermögen, sondern 228 Morgenandacht eines Kranken. schaffe, daß die Versuchung so ein Ende gewinne, daß ichs ertragen könne. Wenn du mich schon tödten willst, so will ich doch auf dich hoffen. 229 Gott Sohn, mein Vorgänger! ich bin dein Jünger( Jüngerin), du mein Haupt, ich dein Glied deines Leibes, wie kann mirs besser gehen, als dir? Welch eine elende Nacht hattest du um meiner Sünden willen. Sollte ich mich deiner blutigen Fußstapfen schämen, die du willig getreten hast? Sollte ich wünschen auf Rosen zu ruhen, da du, mein König, mit Dornen gekrönet bist? Du hast alle meine Leiden geheiliget, wie sollte es mir nicht zum Besten dienen? Deine MalzeichensindmeineSiegeszeichen. Besser ist es mitdir leiden, als mitder Welt ohne dich in Freuden leben. Ach! so laß mir nach der NachtTraurigkeit die Sonne deines Trostes an diesem Morgen aufgehen. Benjamin Schmolkens Du bist der Arzt des Leibes. Wenn weder Kraut noch Pflaster hilft, so ist dein Wort, Herr! welches alles heilet. Heile du mich, Herr! so werd ich heil; hilf du mir, Herr, so ist mir geholfen. Du bist der Arzt der Seelen. Heile du mein verwundetes Gewissen. Vergib mir alle meine Sünden. Reinige mich vom Aussaß der todten Werke. Nimm von mir die Blindheit des Verstandes. Löse meine Zunge von den Banden des faulen Geschwäßes. Deffne meine Ohren vor deiner Bußstimme. Brich mein Herz durch deine göttliche Traurigkeit. Reiß mich aus den Klauen des Satans. Siehe hinein in die Tiefe meines Elendes. Ich rufe an die Tiefe deiner Barmherzigkeit. Doch, Herr! nicht wie ich will, sondern wie du willst. Ich will gerne deinen 3orn tragen, denn ich habe wider dich gesündiget. Ist mir dieses Kreuz( Krankheit) 230 231 Morgenandacht eines Kranken. seliger, ach! so unterwerfe ich mich demselben geduldig und sage: Ich will schweigen, du wirsts wohl machen. Gott heiliger Geist, meint Tröster! ich dachte wohl, mein Bette sollte mich trösten, aber um Trost war mir sehr bange. Ich heulete, und meine Hilfe war doch ferne. Wie wohl mein Jammer sehr groß ist, hat er mir doch nicht die Empfindung deines Trostes rauben können. Du bist in der Schwachheit meine Stärke, in der Nacht mein Licht, im Tode mein Leben gewesen. Ach göttliche Kraft! ohne dich werde ich auch die heutigen Trübsale nicht ertragen können. Ach gib mir zuvörderst eine heilsame Erkenntniß der Liebe Gottes, welche sich in meinem Kreuze offenbare. Je lieber Kind, desto scharfer Ruthe. Wirke in meiner Seele die heilige Geduld und Hoffnung, welche köstlich sind vor Gott. Lasse mein Kreuz die Benjamin Schmolkens ſelige Kraft haben, mich von der Welt loszureißen und an's Kreuz Christi zu heften. Segne geistliche und leibliche Arznei zu einer heilsamen Genesung. Zeige mir auf dem Boden des bittern Kelchs deine Hilfe. Tröste mich in aller Trübsal mit der Herrlichkeit, die dermaleins an mir soll geoffenbaret werden. Bringe endlich meinen Jammer und Elend zu einem seligen Ende. 232 Deilige Dreifaltigkeit, ich opfere dir mein betrübtes Herz. Ich weiß, daß du am allerliebsten Luſt hast, in solchen Herzen zu wohnen. Starker Gott! stärke mich. Gnädiger Gott! heile mich. Trostreicher Gott! tröste mich. Es sei zum Leben oder zum Sterben. Dein Wille ist der beste. Erlöse mich endlich von allem Uebel. Indessen sei heut und allezeit mit mir. Mit dir ins Kreuz, durchs Kreuze, aus dem Kreuze. Amen. Morgenandacht eines Kranken. Das Kreuze beut mir guten Morgen, Ich heiß es auch willkommen sein, Und lasse meinen Jesum sorgen, Der mich mit Troste wird erfreun, Daß auch der allerschlimmste Tag Bei mir ein guter heißen mag. 233 Abendandacht eines Kranken oder andern Kreuzträgers. Des Tages Last ist wohl dahin, Da ich noch an dem Kreuze bin. Wer weiß, ob meine Noth die Nacht Nicht auch zu einem Tage macht. Jedoch, es geh mir, wie Gott will, Geduld und Hoffnung sind mein Ziel. Gott Vater, mein Licht und Heil, wie traurig siehet die gegenwärtige Nacht aus. Aber viel trauriger ist mein Herz unter dem Kreuz, das mich noch immer drückt. Der Tag ist wohl zu Ende, aber nicht mein Leben. Du weißst es besser, als ichs erzählen kann. Ich kann und will mich nicht unschuldig machen, als ob ich solches nicht verdienet hätte. Wer wider seinen Benjamin Schmolkens Schöpfer fündiget, der muß dem Arzt in die Hände fallen. Es ist meiner Bosheit Schuld, daß ich also gestäupet werde. Aber ich weiß auch, daß du diejenigen lieb haft, die du strafest und züchtigest. Also will ich deine Zucht nicht verwerfen, und nicht ungeduldig sein unter deiner Strafe. Legest du mir die Last auf, ach! so hilf mir auch. In deinem Zorn hast du mich geschlagen, aber nach deiner Gnade erbarme dich wieder über mich. Verbinde, was du verletzet hast, deine Hand heile wieder, was sie geschlagen hat. Beruhige mich auch mitten in der Unruhe der gegenwärtigen Nacht und laß mich durch Stillesein und Hoffen stark werden. Verläsfest du mich einen kleinen Augenblick, so sammle mich auch wieder mit großer Barmherzigkeit. 234 Gott Sohn, mein Licht und Leben, du hattest ein hartes Lager Abendandacht eines Kranken. dort am Delberg bei deiner anbrechenden Kreuznacht. Ich lege mich und weiß wohl, daß ich auch heute mein Lager mit Thränen neben werde. Aber du Trost aller Tranrigen, deine heiligen Thränen, dein ausgepreßter Angstschweiß u. deine geronnenen Blutstropfen sollen mein mattes Herz besprißen und erquicken. Ichwillin dieser Nacht gerne mit betrübten Jammerstunden vorlieb nehmen, verkürze mir nur die Zeit mit deiner so geduldig leidenden Liebe. Tröste mein erschrockenes Gewissen, daß ich in dir Friede habe. Wenn ich gedenke, ich ſei von deinen Augen verstoßen, so sprich zu meiner Seele: Ich bin deine Hilfe. In deiner Hand stehet Leben und Tod. Sprich nur ein Wort, so wird dein Knecht ( Magd) gesund. Soll ich aber sterben, ach, so laß nicht von mir ab, daß ich mich erquicke, ehe ich hinfahre. Du bist mein Leben, 235 236 Benjamin Schmolkens Sterben ist mein Gewinn. In deine Hände befehle ich meinen Geist, du hast mich erlöset, Herr, du getreuer Gott. Gott, heiliger Geist, mein Licht und Trost! was soll ich für Freude haben, der ich hier im Finstern size! Herr, weß soll ich mich nun trösten? Ich hoffe auf dich. Laß das zerstoßene Rohr nicht zerbrechen und das glimmende Docht nicht auslöschen. Furcht und Zittern ist mich ankommen, und Grauen hat mich überfallen. Ich winsele wie ein Kranich und girre wie eine Taube. Ich leide Noth, lindere mirs. Thue nicht von mir deine Gnadenhand ab, habe Geduld mit meiner Schwachheit. Erquicke mich mit deinen Tröstungen. Wenn ich müde von Seufzen bin, so seufze du in meinem Herzen. Steh bei mir, getreuester Beistand! und wollen mir diese Nacht meine Augen verdunkeln, ſo erleuchte mein Herz Abendandacht eines Kranken. mit der Klarheit meines Jesu. Ich bitte dich durch Christi Blut, mach nur mein letztes Ende gut. Thu mir die Himmelsthür weit auf, wenn ich beschließ meines Lebens Lauf. Soll ich aber noch länger unter dieser Ruthe bleiben, ach so wirke Geduld in meiner Seele. Vielleicht heißt es auch: Des Herrn Zorn währet einen Augenblick, und er hat Lust zum Leben, den Abend lang währet das Weinen, aber des Morgens die Freude. 237 Heilige Dreifaltigkeit, Herrscher über Tod und Leben! ich bin bereit. Komm heute oder morgen, mitten im Leben bin ich mit dem Tode umfangen. Heiliger Herre Gott! Heiliger starker Gott! Heiliger, barmherziger Heiland! du ewiger Gott, laß mich nicht versinken in der bittern Todesnoth! laß mich nicht verzagen vor der tiefen Höllenglut! laß mich nicht entfallen Benjamin Schmolkens von des rechten Glaubens Trost. Indessen zeige mir auf meinem Kreuzbette den Schoos Abrahams, und in meiner Trübsal des Himmels Labsal. Amen. 238 Nun mag ich schlafen oder machen, Mein Gott wird es erträglich machen, Ich werfe meine Noth auf ihn. Und sollt ich gar im Kreuze sterben, So muß ich doch den Himmel erben, Weil ich ein Kind des Höchsten bin. Die lange Nacht muß doch verschwinden, Die größte Noth ein Ende finden. Tägliche Vorbereitung zum Tode: Der Tod ist wohl gewiß, Doch ungewiß die Stunde. Mein Gott, verleih mir dieß, Daß ich von Herzensgrunde Stets um ein seligs Ende bete, Dem Grabe täglich näher trete. Gott Vater, du hast mir Leib und Seele gegeben, doch also, daß ich dir beides einmal wieder geben muß. Der Tag, da ich sterben muß, wird so gewiß kommen, als der heutige, und ich bin keinen Augenblick sicher, ob er nicht der letzte sei. Ich 239 Tägliche Vorbereitung zum Tode. gehe aus meinem Hause und weiß nicht, ob ich wieder darein gehen werde. Ich fange ein Werk an und weiß nicht, ob ich es vollenden werde. Ich setze mich zu Tische und weiß nicht, ob vielleicht der Tod in den Töpfen sei. Ich lege mich schlafen und weiß nicht, ob ich wieder aufstehen werde. Der Tod folget mir auf allen Schritten, er isset mit mir aus der Schüssel, er lieget bei mir im Bette, ich trage ihn in meinem Busen. Ich bin geboren zum Tode, und werde ferner nicht los, bis ich begraben bin. Da nun mein Tod so unvermeidlich, die Stunde meines Todes so ungewiß ist, so erinnere mich täglich meines Abschiedes, daß mich dieser Fallstrick nicht übereilen möge. Habe ich kein Theil auf der Welt, so laß mich bei Zeiten allem Irdischen entsagen. Reiße aus meinem Herzen alle Sorgen dieses Lebens und gib, daß ich mich um nichts mehr bekümmere, als wie ich dir gefallen möge. Schaffe, daß ich mein Gewissen reinige von den todten Werken, und mich der Tod in keinen herrschenden Sünden finden möge. Laß mich Buße thun im Staub und Asche, ehe du mich in den Staub legest, daß, wenn Benjamin Schmolkens mein Grab vor mir ist, auch meine Sünde immer vor mir stehe, und ich mich ernstlich bemühen möge, mich dem Leibe dieses Todes zu entreißen. Ich befehle dir meinen Geist für immer in deine Hände, weil ich nicht weiß, zu welcher Zeit, an welchem Ort und auf was für Art und Weise der Tod mir begegnen wird, so stelle ich alles deiner heiligen Vorsicht heim. Siehe, hier bin ich, mach es mit mir im Leben und im Sterben, wie es dir gefällig ist. Dein bin ich todt und lebendig. 240 Gott Sohn! du hast mich erlöset, du getreuer Gott! auch vom Tode, doch also, daß ich gleichwohl sterben muß. Wohl mir aber, daß du auch vor mir und für mich gestorben biſt. D O laß mich täglich deines Todes gedenken, so werde ich meines Todes nicht vergessen. Laß mich unter deinem Kreuze recht sterben lernen. Kreuzige mein Fleisch und laß mich auch der Welt gekreuziget sein, daß ich nicht im Fleische Lebe, sondern durch den Geist des Fleisches Geschäfte tödte, daß ich mich nicht in die Welt verliebe, sondern verläugne, was in der Welt ist. Deffne mir deine Wunden zu allen Stunden, daß Vorbereitung zum Tode. mich der Tod sonst nirgends finden, wenn er mich suchen wird. Hefte mich mit Nägeln der Liebe an dein Kreuz, daß mich auch der Tod davon nicht reißen möge. Erwecke in mir einen inbrünstigen Durst nach meiner Seligkeit und nach deiner Herrlichkeit, daß mich keine Bitterfeit des Todes schrecken möge. Dein Blut sei immer das Zeichen an meiner Stirne und die Beilage in meinem Herzen, daß du mich kennen mögest, wenn mich der Tod vor dein Gericht stellt. Laß mein letztes Wort deinen süßen Namen sein, meinen letzten Blick in deine offene Seite gehen, so werde ich auch den Himmel offen finden, wenn ich die Welt gesegnen werde. 241 Gott heiliger Geist, durch dich bin ich zum geistlichen Leben gekommen, daß ich des ewigen Lebens theilhaftig würde. Aber lehre mich doch auch bedenken, was für ein elendes Ding es um ein natürliches Leben sei. Das Letzte ist doch der Tod. Laß aber den Tod immer das Erste in meinen Gedanken sein. Gieb, daß ich täglich sterbe; ob ich gleich noch im Leibe walle, so laß mich doch immer mit meinem Geist im Himmel sein. Ich bin hier ein Fremder, erwecke in mir 16 Benjamin Schmolkens eine sehnliche Begierde nach dem himmlischen Vaterlande. Ich habe vor mir eine schwere Reise, laß mich bei Zeiten die Bürde der Sünden abwerfen. Durch die Sünde ist der Tod in die Welt kommen, aber wehe mir, wenn ich mit der Sünde in den Tod gehen wollte. Zerknirsche mein Herz täglich, daß es zum Tode mürbe werde. Zeuch mir durch wahre Buße die Sündenkleider ab und kleide mich in den Rock der Gerechtigkeit Christi; das wird ein schöner Sterbekittel sein, darinnen werde ich bestehen, wenn ich vor Gott treten soll. Erhalte mich in einem heiligen Wandel, und laß mich sterben des Todes der Gerechten. 242 Heilige Dreifaltigkeit! du läsfest die Menschen sterben und sprichst: Kommet wieder, ihr Menschenkinder! laß mich dir leben, so werde ich auch dir sterben. Ja, lebe du in mir, so werde ich nicht sterben. Du bist mein Leben, und Sterben wird alsdann mein Gewinn sein. An einem kleinen Augenblicke Hängt ewigs Wohl und ewigs Weh, Hilf, Gott, daß, wo ich geh und steh, Ich stets mein Grab vor mir erblicke; Wohl dem, der täglich sterben kann, Der trifft im Tod das Leben an. Gebet eines Kranken. Gebet eines Kranken. Gott heile mich in Gnaden, Denn ich bin schwach und krank, Und lindre meinen Schaden, So opfere ich dir Dank, Hilf mir so, wie mir selig ist, Dich hab ich mir zum Arzt erkiest. 243 Gott Vater, ich fühle deine Ruthe. Kein Wunder, daß du ein ungehorsames Kind züchtigest. Es ist meiner Bosheit Schuld, daß ich also gestäupt werde. Wäre ich meinem Schöpfer nicht ungehorsam gewesen, so dürfte ich nicht dem Arzte in die Hände fallen. Die Sünde ist der Leute Verderben. Es ist nichts Gesundes an meinem Leibe vor deinem Dräuen, und ist kein Friede in meinenGebeinen vor meiner Sünde. Wo soll ich Hilfe suchen, da ich dich, meinen Gott, erzürnet habe? Aber ich küsse deine Ruthe. Es ist mir lieb, Herr, daß du mich gedemüthigest hast, daß ich deine Rechte lerne. Nun, mein Gott, züchtige 16* Benjamin Schmolkens mich, doch mit Maßen, daß du mich nicht gar aufreibest. Wenn du mich gleich tödten wolltest, so will ich doch auf dich hoffen. Heile du mich, Herr! so werde ich heil; hilf du mir, Herr! so ist mir geholfen. Erquicke mich unter dieser meiner Last und laß mich wieder Lust an deiner Gnade sehen. Heilet mich weder Kraut noch Pflaster, so ist ja dein Wort, welches alles heilet. Doch alles nach deinem Willen! dein bin ich frisch und krank, laß mir beides zum Besten dienen. 244 Gott Sohn! fürwahr, du trugest unsere Krankheit. Du bist auch der Arzt Israel. So nehme ich meine Zuflucht zu deiner Liebe und Barmherzigkeit. Du kannst verwunden, aber auch verbinden; tödten, aber auch lebendig machen. So du willst, kannst du mich wohl heilen. Jesu! lieber Meister, erbarme dich meiner. Um deiner Schmerzen willen lindre meine Schmerzen. Dein Name, Gebet eines Kranken. 245 wenn ich ihn anrufe, sei mir eine ausgeschüttete Salbe. Dein Wort, wenn ich mich damit tröste, ergöße meine Seele. Sei mir nicht schrecklich, meine Zuversicht in der Noth. Weiche nicht von mir, stärke mich, hilf mir aus durch die Rechte deiner Gerechtigkeit. Vergib mir alle meine Sünde, heile alle meine Gebrechen, errette mein Leben vom Verderben. Kröne mich mit Gnade und Barmherzigkeit. Soll ich länger leben, so will ich dir leben und deinen Namen loben und deine Rechte lieben. Gott, heiliger Geist! sei durch deine Kraft in mir Schwachen mächtig. Bertritt mich in meinem Herzen mit unaussprechlichen Seufzen. Bewahre meine Seele vor aller Ungeduld. Laß mich nicht hinweggerafft werden mit den Sündern: leide ich am Fleisch, so stärke mich im Geiste. Befördere durch des Leibes Krankheit die Gesundheit Benjamin Schmolkens der Seele. Jage mich durch dieses Kreuz zu Gott. Lehre mich in dieser Noth beten. Führe mich durch dieſe Schwachheit zur Erkenntniß meiner selbst. Verzeihe mir durch diesen Kreuzkelch die Sünde. Verbittere mir durch dieses Elend die Welt. Ist meine Krankheit nicht zum Tode, so sei sie zur Ehre Gottes, zu meiner Besserung, zu meiner Verherrlichung. Durch Stille sein und Hoffen laß mich indessen stark sein, bis dein gnädiger Wille an mir wird erfüllet sein. 246 Heilige Dreifaltigkeit! ich ergebe mich in deinen heiligen Willen. Von dir habe ich das Leben, willst du mir dasselbe fristen, so sollst du mein Gott sein, und ich will dir dienen mein Lebenlang. Willst du mir aber auch dasselbe wieder nehmen, so will ich mit Hiob sagen: der Herr hat es gegeben, der Herr hat es genommen. Der Name des Herrn sei gelobet. Weiß ich doch Gebet eines Kranken. ein besser Leben, da ich nicht mehr sterben werde. Lindre, Jesu, meine Schmerzen Und nimm meine Noth zu Herzen. Hilf mir, wie du willst und weißst, Daß es gut und selig heißt. 247 Gebet bei harter und langwieriger Krankheit. Ach, hast du mein vergessen? Mein Gott! hörst du mich nicht? Mein Herz vor Aengsten bricht, Und will nur Thränen pressen. Ach, sich doch einmal drein! Erhör der Armen Schrei'n! Gott Vater! hast du denn vergessen, ein Vater zu sein, der sich über seine Kinder erbarmet? Will dein Herz nicht mehr brechen, da mein Herz vor Angst zerbricht? Hier liege ich auf meinem Krankenbette, und du legest eine harte Hand auf mich. Mein Saft ist vertrocknet, meine Kraft hat mich verlassen, ich bin ausgeschüttet wie Wasser, mein Benjamin Schmolkens Herz ist in meinem Leibe verzehret. Ich heule, aber meine Hilfe ist ferne. Ich rufe und du antwortest nicht. Deine Pfeile stecken in mir, deine Hand drücket mich. Ach! du Herr, wie lange? Wende dich doch und errette mich. Nach dir, Herr! verlanget mich, mein Gott! ich hoffe auf dich. Habe ich deinen 3orn gereizet durch meine große Sünde, so laß dich doch zur Gnade bewegen durch deine übergroße Barmherzigteit. Leide ich billig, weil ich dich beleidiget habe, so hat ja dein Sohn unschuldig gelitten, daß du wieder verfühnet würdest. Erbarme dich, erbarme dich, Gott, mein Erbarmer! über mich. Was bin ich denn? ein armer Wurm, und wird deine Barmherzigkeit nicht überschwenglicher sein, wenn du mich schonest, als deine Gerechtigkeit, wenn du mich zertreten wolltest? Laß von mir ab, daß ich mich erquicke, ehe ich hinfahre. Und soll ich unter dieser 248 Gebet eines Kranken. 249 Last erliegen, so laß mich doch auch Lust an deiner Gnade sehen. Willst dn mir nicht Besserung verleihen, ach! so vergönne mir doch nur Linderung! soll ich nicht wieder gesund werden, ach so laß mich doch nur bald erlöset werden. Doch dein Wille geschehe, der ist der beste. Gott Sohn! willst du das Girren deiner Taube, meiner geängsteten Seele, nicht hören? Du hast ja nochein Bruderherz, willst du deines Fleisches und Blutes vergessen? Der elenden Nächte sind mir viel geworden, wann wird der Tag des Heils kommen? Mein Gebein klebet an meinem Fleische vor Heulen und Seufzen, wann willst du meine Noth lindern? Ich stimme mit dir an deinem Kreuze an: Mein Gott! mein Gott! warum hast du mich verlassen? Verlaß mich doch nicht, Herr, mein Gott! sei nicht ferne von mir. Eile mir beizustehen, Benjamin Schmolkens Herr, meine Hilfe! Ist kein Pflaster in Gilead, so ist ja Balsam in deinen Wunden. Ist keine Hilfe bei Menschen, so bist du ja der Trost Israels und mein Nothhelfer. Sprich doch nur ein Wort, so wird dein Knecht( Magd) gesund. Ich lege mich in meinem Kreuze auf dein Kreuz. Ich werfe mich an dein treues Herz, wie ich von Mutterleibe auf dich geworfen bin. Herr! ich lasse dich nicht, du segneſt mich denn. Laß mich doch die Stimme hören: Ich will dich nicht verlassen noch versäumen. Nun, ich hoffe auf dich. Du wirst, du willst, du mußt mich hören, aber ich will auch nicht anders erhöret sein, als wie es deine Ehre und mein Bestes ist. Soll ich diesen Kreuzkelch noch länger trinken, versüße ihn mit deiner Liebe, weil auch die krank liegen, die du liebest. Ja, gib mir christliche Geduld, daß ich es wohl fühle, wenn du mich 250 Gebet eines Kranken. 251 schlägest, aber murre nicht wider dich, daß ich mit Beten anhalte, mit Geduld aushalte, und endlich erhalte, was du über mich zu meiner Seligkeit beschlossen hast. Gott heiliger Geist! ach sei mit meinen Geist, der in mir geängstet ist. In dem Leibe dieses Todes weiß ich nicht, wessen ich mich trösten soll. Die Angst meines Herzens ist groß, führe mich aus meinen Nöthen. Siehe an meinen Jammer und Elend und vergib mir alle meine Sünde. Ach! die Sünde ists freilich, die ein Mord in meinen Beinen ist. Mein Gewissen sagt es mir, ich habe nicht nur dieſe zeitliche, sondern auch ewige Strafe verdienet. Du solltest mir in die Hölle betten und mich ewiglich von deinem Angesicht verstoßen. Aber ich schwämme mein Bette die ganze Nacht und netze mit Thränen mein Lager. Meine begangenen Sünden reuen mich, der Gnade Gottes Benjamin Schmolkens tröste ich mich. Zürne du nicht ewiglich. Laß die Gebeine fröhlich werden, die du zerschlagen hast. Verbirg dein Antlitz vor meiner Sünde, nicht aber vor meinen Thränen. Versichere mich nur der Gnade Gottes, alsdann schlage, so lange du willst. Mache mein Kreuz zu einem Zeichen deiner Liebe, so trage ichs mit Geduld. Segne alle heilsamen Mittel, so rühme ich dich in deinen Werken. Richte mich auf, wo es in deinem Rathe beschlossen ist. Nimm mich aber auch weg, wenn es mir rathsam ist. Der Tod ist besser als ein steches Leben: lieber heute als morgen, so bin ich ewig gesund. Heilige Dreifaltigkeit! aus der Tiefe meines Elends rufe ich dem Abgrund deiner Barmherzigkeit. Hilf mir, Herr, um deines Namens willen! Errette mich aus der Noth um deiner Güte willen. Ich werfe mein Anliegen auf dich, du wirst es 252 Gebet eines Kranken. 253 wohl machen. Soll ich das Elend noch länger tragen, so wirst du meine Kraft sein. Soll ich aber durch diesen Kreuzweg aus der Welt gehen, so wirst du im Himmel mein Theil sein. Amen. Reiche deine Hand mir Schwachen, Starker Gott! erquicke mich. Meine Seele hofft auf dich, Du wirst alles besser machen. Wird es auch nicht besser hier, Ist das Beste dort bei dir. Gebet eines zum Tode Kranken. Genug! mein Gott, ich sehne mich Nunmehr nach einem bessern Leben, Ich will mich wieder drein ergeben. Mein Jesu! warum säumst du dich? Zerreiße doch des Elends Kette. Mein Siechbett wird ein Siegesbette. Gott Vater! ich merke es wohl, dein Kind soll ins Vaterland kommen. Es stehet ein harter Bote vor meinem Bette. Meine Krankheit wird sich nicht eher, als mit einem seligen Tode enden; der Tod wird mein bester Arzt sein. Will ich doch gerne mit Benjamin Schmolkens ihm fort; je länger hier, je später dort. Aber Sterben ist nicht Rosen brechen. So stärke mich doch mit deiner Kraft, daß ich mit diesem letzten Feind alle anderen überwinden möge. Es wird nicht nur der Schmerz größer, da der Tod an's Herz kommt. Meine Seele ist auch betrübt bis in den Tod. Nun denke ich an die Menge meiner Sünden, aber denke du an die Größe deiner Barmherzigkeit. Mein Glaube ist ein kleines Docht, aber lasse du es nicht auslöschen. Der Satan will mich wie den Weizen sichten, aber stopfe du ihm seinen Rachen. Der Tod will mir zu einem Könige des Schreckens werden, aber tritt du ihn unter meine Füße. Die Thränen meiner Verlassenen wollen mir das Herz brechen, aber sorge du für sie. Laß mich nur nicht entfallen von des rechten Glaubens Trost. Ich glaube festiglich, daß ich nach deiner Verheißung bald sehen werde das Gute des Herrn im Lande der Lebendigen. Eja! wäre ich schon da. Gott Sohn! denke nun an mich in deinem Reiche. Jetzt liege ich noch am Delberge, dein Blutschweiß versüße meinen Todesschweiß. Dein Todeskampf helfe mir ritterlich ringen. 254 Gebet eines Kranken. 255 Dein Angstgeschrei öffne meinen legten Seufzern den Himmel. Deffne mir das Paradies in deinen Wunden, entbinde meine Seele mit deinen Banden. Vertritt mich mit deinem Seufzen. Labe mich mit deinem Durste. Mache mir deinen Essigtrank zu einem Vorschmack des ewigen Lebens. Nimm meine Seele in deine Hände. Dein Name ſei mein letztes Wort. Nun nichts mehr als Jesus. Jesus meiner Augen Licht im Schatten des Todes. Jesus meines Herzens Theil; auch wenn Leib und Seele verschmachten. Nur Jesus, mein Jesu! Herr Jesu, dir leb ich! Herr Jesu, dir sterb ich! Herr Jesu, dein bin ich todt und lebendig! Herr Jesu, in dir bin ich gerecht und selig! Amen. Ja komm, Herr Jesu! Gott heiliger Geist! mein Trost im Leben! mein Trost auch im Sterben! bewahre meinen Glauben bis an's Ende. Erleuchte meine Augen, wenn ich auch im Tode entschlafe. Versiegle in meinem Herzen Jesum, wenn es brechen wird. Mache mir des Todes Angesicht lieblich, meine Geberden, sonderlich mein letztes Wort und Seufzen erhörlich. Schreie in meinem Herzen, wenn Univ- Bibl. Giessen Benjamin Schmolkens ich nicht mehr schreien kann, und wenn aller menschliche Trost verschwindet, so tröste mich innerlich mit deiner Kraft. Neige ich mein Haupt, so neige du den Himmel zu mir, und wenn der letzte Augenblick vorhanden ist, so laß die Engel meine erlöste Seele in Abrahams Schoos bringen. Erquicke sie alsdann bei den reinen Geistern mit ewiger Freude, mit süßem Frieden. Sprich auch zu meinem Leibe: ruhe von deiner Arbeit, und lasse an jenem Tage beide vor dem Stuhle des Lammes aufs Allerherrlichste vereiniget werden. Heilige Dreifaltigkeit! fegne meinen Ausgang aus der Welt! segne meinen Eingang in den Himmel! oon dir habe ich Leib und Seele, dir gebe ich sie wieder. Gib mir aus Gnaden, was du mir verheißen hast, den Himmel. So fahre ich aus dem Leide zur Freude. So komme ich zu meinem Gott, der mich erschaffen, der mich erlöset, der mich geheiliget hat. Heiliger Herr Gott! heiliger, starker Gott! heiliger, barmherziger Heiland! du ewiger Gott! laß mich nicht versinken in der letzten Todesnoth. Kyrie Eleyson! Christe Eleyson! Kyrie Eleyson! Amen! Amen! Amen! 256 Gebet der Umstehenden. Amen! Gott erhöre mich, Nun ist mir nichts hinderlich, Welt! dir sag ich gute Nacht; Denn mein Lauf ist nun vollbracht. Eile, liebe Seele! fort, Aus den Thränen, an den Port, Nun mag Aug und Herze brechen, Ich will nur noch Jesus! Jesus! Jesus! ſprechen. 257 Gebet der Umstehenden für einen Sterbenden, wenn er nicht mehr beten kann. Herr! Ach Herr! erbarme dich Ueber dein Kind in Genaden! Laß den Tod bald seliglich Es von Noth entladen, Ach verkürz ihm alle Pein, Laß es doch bald bei dir sein. Gott Vater! wir, deine Kinder, legen diesen sterbenden Menschen an dein väterliches Herz. Wasche alle seine Sünden ab mit dem Blute deines Sohnes. Laß ihn der kräftigsten Fürbitte Jesu Christi genießen in der Stunde seines Todes. Sei du sein Stecken und Stab in dem finstern Thal des Todes. Erhalt ihn wider die Anklage des Gewissens und stärke ihn wider die Anläufe 17 Benjamin Schmolkens des Teufels. Deffne ihm die Thür des Himmels und führe ihn aus allem Jammer zur ewigen Freude, durch den Tod ins ewige Leben. 258 Gott Sohn! wir legen dieses sterbende Schäflein in deinen Schoos an dein treues Hirtenherz, führe es zur ewigen Freude und Waide. Die Seele, die du mit deinem Blut erkauft hast, bringe zum Erbtheil der Heiligen im Licht. Du bist allein die Thür zum Leben, laß sie durch dich eingehen und selig werden. Sättige sie nun im Himmel mit langem Leben und zeige ihr dein Heil. Laß kein einziges von deinen Blutströpflein in ihr verloren sein. Nimm sie in deine Hand, daß sie keine Qual anrühre. Gott heiliger Geist! breite deine Flügel über dieses dein Kichlein. Bezeuge die Kindschaft Gottes in seinem Herzen und versiegle in ihm die Beilage des ewigen Lebens. Es ist dieser Christ dein Tempel gewesen, laß ihn nun kommen in den Tempel des Friedens. Heilige ihn durch und durch und bringe ihn ins Allerheiligste, was droben ist. Heilige Dreifaltigkeit! wir arme Sünder Verlangen nach dem ewigen Leben. bitten, du wollest diesem Sterbenden alle Schmerzen verkürzen und ihm nach diesem Elende ein Leben in der Ewigkeit geben. Erhöre uns! Erlöse ihn! Erbarme dich, o Vater aller Barmherzigkeit! nimm ihn zu dir in deine Herrlichkeit! O du Lamm Gottes, das der Welt Sünde trägt, trage ihn durch deine Engel in Abrahams Schoos! o du Geist des Trostes! tröste ihn dort ewiglich! Nun laß ihn im Frieden fahren Zu den auserwählten Schaaren. Hilf aus allem Ungemach Uns, Herr! einmal selig nach. 259 Herzliches Verlangen nach dem ewigen Leben. Ach wann werd ich dahin kommen, Daß ich Gottes Antlig schau? Werd ich nicht bald aufgenommen? Wann zerbricht des Leibes Bau? Ach! wann kommt die Seele hin, Wo ich ewig felig bin? Gott Vater! dein Kind sehnet sich nach dem Vaterland. Laß mich doch bald in dein Reich kommen, welches du bereitet haft denen, die dich lieben. Es ist wohl noch nicht erschienen, was ich sein werde, aber der Morgenstern gehet schon auf 17* Benjamin Schmolkens in meinem Herzen. Dein Wort gibt mir schon die Trauben zu kosten von einem Land, da Milch und Honig fließen. Wer wollte noch länger ein Pilgrim sein und wünschen, ein Bürger zu werden? Sollte ich nicht das zukünftige suchen, da ich hier keine bleibende Stätte habe? O! laß mich doch mein Herz täglich hinschicken, wo mein Schatz ist. Laß meine Zunge ohne Unterlaß davon reden, was mir noch unaussprechlich iſt. Laß mich mein Leben also christlich führen, daß mein Wandel stets zum Himmel ist. 260 Gott Sohn! meine Seele dürftet nach dem Brünnlein der Stadt Gottes. Hier esse ich Aſche mit Brod und mische meinen Trank mit Weinen. Ach! wann werde ich mit Abraham, Isaak und Jakob im Himmelreich zu Tische sitzen? O du Sonne der Gerechtigkeit! laß mir doch das Heil bald aufgehen unter deinen Flügeln. Führe mich aus Babel, errette mich aus Sodom. Bringe mich ins himmlische Jerusalem. Muß ich in der Welt sein, so laß mich der Welt nicht gleich sein, die Welt muß im Glauben überwunden sein. Jm. Im Himmel ist mein Erbe, dahin richte meine Augen, dahin gängle meinen Fuß, dahin versetze mein Herz. O wie will ich dich, mein Bruder, küſsen, wenn ich dich dort küssen werde! Gott heiliger Geist, mein Geist verlanget wieder zu seinem Ursprung. Binde ihm doch Flügel an, daß er sich stets über das Irdische schwinge. Mache mir bereits einen Himmel im Herzen durch herzliches Verlangen nach dem Himmel. Stelle die Welt hinter meinen Rücken, und laß allein das ewige Gut ein Ziel meiner Verlangen nach dem ewigen Leben. 261 Augen sein. O Herr! ich warte auf dein Heil. Wann werde ich dein Antlig schauen in Gerechtigkeit? wann werde ich satt werden nach deinem Bilde? Heilige Dreifaltigkeit! hier sehe ich dich in einem Spiegel, bringe mich bald dahin, wo ich dich werde schauen von Angesicht zu Angesicht. Da werden alle Feinde zum Schemel. deiner Füße liegen. Da wird Freude sein die Fülle, liebliche Stille, lauter Wonne, lauter Sonne. Reiß dich los von dieser Welt, Seele, laß das Eitle liegen; Dorten find ich nur Vergnügen, Wo mein Loos so lieblich fällt. Jesu, reiche mir die Hände, Mache bald der Noth ein Ende. 262 Tägliche Gewissens- Prüfung sammt andern geistlichen Betrachtungen und Liedern, also ausgefertigt durch Friedrich Roth- Scholz. Die tägliche Gewissensprüfung ist eine von den wichtigsten Pflichten unsers Christenthums. Die hält in sich die Buße und den Glauben, neben der aus dieser nothwendig fließenden Heiligkeit, und beste het eigentlich in einer steten Wache und Achtgebung auf uns selbst und unsere Seele, wie wir in unserm Christenthum und vor Gott stehen, ob man vor oder hinter sich gehe, im Guten zu- oder abnehme. Denn wie ein fluger Kaufmann alle Abend seinen Ueberschlag macht, was er des Tags ausgegeben und eingenommen, damit der Verlust den Gewinnst nicht übertreffe; wie eine sorgfältige Hausmutter und reinliche Menschen täglich ihre Kleider beschauen, ob dieselben besudelt oder zerrissen seien, damit sie sofort wieder gemacht und gereiniget werden: also muß ein Christ sich täglich prüfen, um dadurch sich von dem Unflath und Schuld der Sünden zu reinigen. Kein Gold und Silber ist so rein, es hat seine Läuterung, und kein Christ so fromm, er hat seine Abend- Prüfung nöthig. Wer sanft ruhen will, ( sagt Jener) muß ein gutes Hauptkissen, wer sicher ruhen will, muß eine verschlossene Kammer, wer aber sanft und sicher zugleich ruhen will, muß ein 263 Tägliche Gewissensprüfung. gut Gewissen haben, das ist das beste Hauptkissen und die allerstärkste Wache. In Betrachtung dessen hat der Herausgeber diese so betitelte GewissensPrüfung, was er von dieser Materie in den Schrif ten einiger frommen Gottesgelehrten gefunden, zuſammengetragen und in diesen wenigen Zeilen verfaffet. Es ist nicht für die Gelehrten und Geübten geschrieben,( denn diese wissen schon, wie sie sich prüfen sollen, obwohl leider! Manche es unterlassen, u. daher ihre Verantwortung desto schwerer machen, je mehr sie vor Andern des Herrn Willen wissen, und doch nicht thun,) sondern den Einfältigen zum Besten, und hat der Autor geglaubt, es sei nicht genug, wenn nur er sammt den Seinigen, mit folcher Gewissens- Prüfung alle Abend vor Gott. trete, und der den Tag über mit mancher wissentund unwissentlichen Sünde verscherzten göttlichen Gnade sich wiederum versichere, sondern es sei ein nöthiges Stück seiner christlichen Pflicht, auch Andere dessen zu erinnern, und wie es anzustellen, anzuweisen. Wem nun die gute Meinung des Autors beliebet, den wird es schwerlich jemals gereuen; wer sich aber bedenken lässet, er habe solche Prüfung nicht nöthig, der irret sehr, und gibt damit an den Tag, er glaube nicht, was der Geist des Herrn durch den Propheten sagt: Es ist das Herz ein betrüglich Ding. Jer. 17, V. 9. Liebe Seele! wir sind nun abermal dem Ende unsers Lebens, dem jüngsten Gerichte und der unendlichen Ewigkeit einen Tag näher kommen, und weil derjenige, der nicht zum wenigsten alle Tage Tägliche Gewissensprüfung. einmal nach allen Kräften sich kehret zum Grunde seiner Seele und Gewissen, noch nicht lebet, wie ein frommer Christ leben soll, so lasset uns jetzt hinabsteigen in die Tiefe unsers Herzens und Gewissens, und unser Wesen durchforschen, auch besehen, wie es da aussiehet, damit nicht, wenn wir uns ohne Prüfung zur Ruhe begeben, das Bette unsere Hölle sei, noch wir zur Herberge des Satans werden mögen. Bin ich geschickt zu einem seligen Sterbstündlein, wenn mich der Tod etwa dieſe Stunde, oder diese Nacht überfallen sollte? in welcher Verfassung stehen meine Gedanken? in welchem Zustand befinde ich mich? kann nicht unversehens die Post kommen: Diese Stunde, oder diese Nacht wird man deine Seele von dir nehmen? Getraue ich mich wohl, mit gutem Gewissen und freundlichem Herzen vor dem Richterstuhl Jesu Christi zu erscheinen, vor allen Engeln und Menschen, wenn er, der Richter der Lebendigen und der Todten, dieſe Stunde oder diese Nacht plötzlich vom Himmel kommen sollte? Bin ich in meinem Gewissen versichert, daß ich nicht werde verdammt, sondern selig werden? Habe ich diesen vergangenen Tag mit schuldiger Andacht, mit innerlichem Lob und Preis meines Gottes, mit Anrufung seines heiligen Namens angefangen, meines Taufbundes mich erinnert, und mit allen meinen Kräften und Vermögen zum Dienst Gottes und des Nächsten mich ergeben? Habe ich heute stets als vor dem allerheiligsten Angesichtdes allgegenwärtigen majestätischen Gottes gewandelt, und ihn mit Wissen und Willen nicht erzürnet, noch beleidigt? Habe ich meinen Beruf, Umt und Geschäfte in der Furcht und Liebe Got264 Tägliche Gewissensprüfung. tes, blos zur Ehre seines heiligen Namens, ohne alle Eigenehre und Nutzen, auch zum Dienst, Nut und Liebe des Nächsten verrichtet, die Zeit recht gebraucht, auch sie mit Müßiggang, Spielen oder anderer thörichter Weltlust nicht verderbet? Habe ich mein Weib zur heiligen Furcht Gottes und zur Erkenntniß seines heiligen Willens angeführt, ingleichen meine Kinder und Gesinde? Habe ich diese in der Zucht und Vermahnung zum Herrn auferzogen, für sie gebetet, und also für ihre zeitliche und ewige Wohlfahrt gesorget, und damit ich ihnen das beste Erbgut, nämlich die Gnade Gottes und seinen Segen, hinterlassen möchte, eines heiligen" Wandels mich beflissen? Habe ich sie nicht verzärtelt und in der Bosheit, ohne ernste Strafe fortwachsen laſsen? Bin ich ihnen mit bösen Erempeln in Worten und Werken nicht ärgerlich gewesen? Hab ich hingegen mit guten Erempeln ihnen vorgeleuchtet und nichts verstattet, als was ehrbar und christlich, und sie als eine theure Gottes- Gabe vor der Welt Aergerniß höchsten Fleißes bewahret? Hab ich, wo ich gewesen, und mit denen ich umgegangen, allenthalben und bei Allen eines guten Gewissens und Reinigkeit des Herzens, ingleichem auch der Zucht und Keuschheit mich beflissen, und darum den Höchsten eifrig angerufen? Hab ich mich auch allemal in Gedanken keusch, in den Worten züchtig, in Geberden schamhaft, in der Kleidung ehrbar verhalten; oder aber, hab ich nicht vielmehr unreine Gedanken gehegt? Bin ich von Herzen Feind und meide Ehebruch, Hurerei, schändliche Brunst, viehische Lust, unordentlichen Beischlaf, Buhlerei, Betastung, Küssen, unzüchtige Gesellschaft, Gespräch, Gesang 265 Tägliche Gewissensprüfung. und Bücher? Fliehe ich leichtfertige Tänze und dergleichen Spiel, wie auch Pfeifer und Geiger, als Anreizungen und Lockvögel zu verbotener Weltund Sünden- Lust, meide ich solche ärger als den Teufel selbst oder habe ich Wohlgefallen daran gehabt und ein und anders begangen? Habe ich meinem Nächsten mit Rath und That gerne geholfen, bin ich ihm nicht ärgerlich, sondern erbaulich gewesen? Was hab ich geredet? Habe ich mir Scherz und Narrentheidigung belieben lassen, oder ist nicht Fluchen und Schwören mit untergelaufen? Hab ich meines Nächsten Fehler und Gebrechen mit gebührender Bescheidenheit und christlicher Sanftmuth bestraft, oder durch Stillschweigen mich fremder Sünden theilhaftig gemacht? Hab ich in meinem Haus, Berus oder Geschäften unzeitig geeifert, gepoltert und gestürmt? Hab ich mich auch gegen meinen Nächsten in dem Herzen günstig und liebreich, in den Geberden und Werken holdselig, freundlich und sanftmüthig, auch demüthig und barmherzig in Werken erzeiget? auch Niemand weder an Leib, Ehr noch Gut, weder mit Gewalt noch List, weder mit verstellten Geberden, grimmigen Worten, noch feindseligen Werken betrübet, beleidiget oder erzürnet? Hab ich armen Leuten Gutes gethan, oder sie mit harten Worten abgewiesen und mein Herz vor ihnen verschlossen? Erkenne ich, daß meine Güter nicht mein, sondern Gottes sind, und ich nur zum Haushalter darüber gesetzt, daß ich nicht nur mit solchen, sondern auch mit meinem Leib und Leben dem Nächsten zu dienen schuldig fei? Habe ich heute Niemand übervortheilet, noch mich fündlich bereichert? Bedenke ich auch, daß kein 266 Tägliche Gewissensprüfung. Unreiner, der die Welt, so da ist Fleischeslust, Augenlust und hoffärtiges Leben, lieb hat, ins Reich Gottes eingehen noch Gott schauen kann? Bedenke ich, daß Gott aus Liebe zu mir und allen andern Sündern seinen einig geliebten Sohn, Jesum Christum, in die Welt gesandt, nicht nur für mich und meine Sünden zu sterben, sondern auch uns alle zur Buße zu rufen, von dem Sündendienste los und gerecht, fromm, rein, heilig und selig zu machen? Hab ich solche unermeßliche Liebe in heiliger und schuldiger Gegenliebe sowohl im Thun, Leiden und Lassen erkannt, des festen Entschlusses, eher mein Leben zu fassen, als Gott muthwillig zu erzürnen? Habe ich heute dem heiligen Berufe Gottes gefolget und für meine Seele gesorgt? Habe ich alle meine von Jugend auf bis auf diese Minute begangenen Sünden dem heiligen und gerechten Gott bekennet und abgebeten von Herzen, mit gebogenen Knieen, mit Fasten, Weinen und Klagen? Habe ich auch heute solche Reue und Abbitte widerholt, denselben Taufbund wieder erneuert und mich mit meinem gnädigen Gott verfühnet? Habe ich von vorigen und allen Sünden wahrhaftig abgelassen? Bin ich nunmehro allen Sünden und weltlichen Lüsten von Herzen feind, oder belieben mir noch ein und andere? Welches sind die Sünden, wozu ich am meisten geneigt bin? Schäme ich mich auch vor Gott und vor mir selbsten, daß ich den schnöden Sünden, dem verfluchten Teufel und der bösen verführerischen Welt so eifrig und treulich, hingegen meinem gnädig liebreichen Gott, Schöpfer und Vater, der mir so unzählige Seelen- und Leibes- Wohlthaten gegeben, so viel 267 Tägliche Gewissensprüfung. tausend Böses von mir und den Meinigen an Seel und Leib abgewandt, so wenig und nachläßig gedient habe? Eifere ich nun von Herzen über alle sündund fleischliche Weltweisen? Bin ich durch die Gnade Jesu Christi an Gedanken, Herz, Muth und Sinn, am inn- und äußerlichen Menschen anders worden, als ich gestern war? Bin ich gänzlich verändert und ein neuer Mensch? Arte ich nun Christo nach oder dem alten Adam und der Welt? Denke ich auch an das Wort Christi: Wahrlich, ich sage euch: Es sei denn, daß Jemand von Neuem( von oben herab) geboren werde, kann er das Reich Gottes nicht sehen! Hab ich auch alle die Worte, die ich heute geredet, bedacht? Bedenke ich, daß sie alle in Gottes Tagebuch verzeichnet worden, und daß man müsse dem Richter alles Fleisches Rechenschaft geben von einem jeden unnützen Wort? Habe ich heute die Gaben Gottes mit Dankbarkeit in Erkenntniß meiner Unwürdigkeit mäßig zur Noth und nicht zur Wollust genossen? Habe ich bedacht, daß die Kreaturen über den schändlichen Mißbrauch seufzen, darüber sich ängstigen, und durch solche Angst den Menschen bei ihrem Schöpfer verklagen? Bedenke ich, daß eine schwere Rechnung darauf erfolget, daß durch Unmäßigkeit der heilige Geist vertrieben, Gottes Zorn erwecket, die Amtsgeschäfte. verhindert, ja alle Laster und alles Seelen- und Leibes- Unheil gestiftet wird? Hab ich heut etwa aufs Neue eine schwere Sünde gethan? Von was für Fehlern bin ich übereilt worden? Wo und wie habe ich mit bösen Gedanken, Worten und Werken gesündiget wider Gott oder Menschen? Wie viel 268 Tägliche Gewissensprüfung. Böses habe ich gethan? Habe ich mich von den bösen Lüften überwinden lassen, oder habe ich sie durch Gottes Kraft überwunden, sie gedämpft und meinen bösen Willen gebrochen? Soll mich der Tod oder jüngste Tag in meinen Sünden ergreifen? Ach mein Gott! ich seh nun in dieser Prüfung den Sünden- Schlamm, womit meine Seele besudelt ist, bekenne auch zugleich, daß ich die Menge meiner Sünden nicht recht ergründen noch erforschen kann! Barmherziger, himmlischer Vater, gehe mit mir, deinem unwürdigen Knechte, nicht ins Gericht, ich bin nicht werth, daß ich dein Kind heiße; erbarme dich mein und sei mir gnädig, um Jesu Christi willen, Amen. Ach, mein Gott, gib, daß ich dich, mich und die Welt erkennen möge. Amen. O Mensch! bedenk die letzten Dinge, Was Tod und Auferstehung bringe. Fürchte Gott und sein Gericht; Himmel, Höll ist kein Gedicht. 269 Eine andere tägliche GewissensPrüfung. 1. Ach mein Gott! lehre mich stets meine Tage zählen, auf daß ich, geistlich klug, nicht mög aus Irrthum fehlen, ein Theil ist wieder heut von meinem Leben hin, da deinem Richterstuhl ich so viel näher bin. 2. Allwo ich Rechenschaft von meinem ganzen Leben, wenn du in Wolken kommst, dir dermaleinst muß geben. Ach hilf, daß meine Seel, zur Förderung meiner Ruh, vorher aus Buß und Reu, dir heut noch Rechnung thu. Tägliche Gewissensprüfung. 3. Komm, meine Seele, komm, wir wollen selbst uns richten, auf alles unser Thun recht eifrig denken, dichten. Schon' deiner selbsten nicht, durchsuche dich mit Fleiß, bedenk, daß alles Gott und dein Gewissen weiß. 270 4. Fang von dem Morgen an, vom Tage bis zur Nachte, daß deine Prüfung wohl dieß Folgende betrachte, ob du auch mit Gebet begangen hast den Tag? gelobet deinen Gott bei jedem Glockenschlag? 5. Ob du hast heut gedankt für Christi Tod und Leiden, an Taufbund oft gedacht mit inniglichen Freuden, Gott allermeist geliebt, den Nächsten auch als dich, ob du bist fromm gewest und Niemand ärgerlich? 6. Ob du kein faul Geschwäh, kein Fluchen angefangen? wo du gewesen bist, mit wem du umgegangen; wo du geliebt, gehört, gelesen Gottes Wort, und dich darnach gericht't stets und an jedem Ort? 7. Ob, als vor Gottes Aug, im Glauben du gewandelt? mit Wiss- und Willen ihm zuwider nie gehandelt? ob auch der alte Mensch in dir ist abgelebt, daß du mit keiner Luft ihm ferner nachgeſtrebt? 8. Ob du heut ohne Dank haft Gottes Gab empfangen, dem Geiz und eitler Ehr unbillig nachgehangen, die dir Gott vorgeset, geliebt und so geehrt, daß du auch ihre Fehl zum Besten hast gekehrt. 9. Ob du dem Nächsten nie gestrebt mit Lust zu schaden, mit ſeinem Gut und Blut dich sündlich nie beladen, auch seinen Nutz gesucht, ihn fälschlich Tägliche Gewissensprüfung. nie gericht, den Armen wohl gethan, kraft deiner Christenpflicht. 271 10. Ob du bist keusch gewest in Wort, Gedank und Werken, im Essen, Trinken dich stets mäßig lassen merken? Ob du Geduld erzeigt, wenn Kreuz dich hat betrübt? Nur Gottes Ehr gesucht und Billigkeit geliebt? 11. Ob du bei Gottes Rath gehorsam still gesessen, auch seine Güt und Treu nach deinem Glück gemessen? und endlich so gelebt, daß du dabei gewollt, daß dich dein Gott so fänd, wenn er jetzt kommen sollt? 12. Die Prüfung ist geschehn, da leider! ich befunden, es sei der große Gott beleidigt alle Stunden, die Zeit war mißgebraucht, an Tod gedacht ich nicht, nicht viel an Gottes Wort, noch an sein leßt Gericht. 13. Wer kann der Sünden Art und ihre Meng erzählen? wer weiß, ach Herr! wer weiß, wie oft er pflegt zu fehlen? weil Augen, Mund und Hand voll Sünd und Frevel steckt, und mir, wenn ichs bedenk, das Herz im Leib erschreckt. 14. Nun nimmer, nimmer thun: das ist die beste Buße; dem ich gesündiget hab, dem falle ich zu Fuße, ich schlag an meine Brust und glaub an dich, o Gott! schau mich in Gnaden an durch Christi theuren Tod. 15. Denn ich getröste mich bloß deines Gnadenthrones, und wasch, o Vater! mich im Blute deines Sohnes; dieß, womit er gebüßt, ist, was ich dir bezahl, womit ich Rechnung thu für jetzt und allemal. Tägliche Gewissensprüfung. 16. Laß, Jesu! mich und dich, ich bitte durch dein Leiden, die Sünde, die uns scheidt, fortan nicht wieder scheiden; durch deines Geistes Kraft sag ich nun bis ins Grab dir treue Folge nach und allen Sünden ab. 272 17. Lehr nun, o Herr! mich thun nach deinem Wohlgefallen, daß ich nie wissentlich in Sünden möge fallen! Regier und führ mein Herz, daß ich in Glück und Noth dich fürcht aus allem Ernst und halte dein Gebot. 18. Nun Christi Blut hat mir die Sündenschuld durchstrichen, mit Gott dem Vater mich auf ewig ganz verglichen, die Rechnung gut gemacht durch seine Todespein, wie wird die Ruh so sanft nach dieser Arbeit sein! 19. Wie leicht ist nun mein Herz, ich leb auch oder sterbe, getröst ich mich, daß ich mit meinem Heiland erbe; muß ich gleich offenbar vor seinem Richterstuhl sein: weiß ich doch, daß darauf ich geh zum Leben ein. Tägliches Gebet eines frommen Christen, nach jedem Morgen- und Abendsegen um gute Vorbereitung zum Tode zu sprechen. Ach lieber Gott und Herr! ich lebe, aber, ich weiß nicht wie lang, ich muß sterben und weiß nicht wo oder wann; du, mein himmlischer Vater! weißest es. Wohlan! soll dieses Stündlein oder dieser Tag etwa der letzte Tag( Nacht) meines Lebens sein, Herr! dein Wille geschehe, der ist allein der beste, nach demselben bin ich bereit, in wahrem Tägliche Gewissensprüfung. Glauben an Christum, meinen Erlöser, zu leben und zu sterben: allein, lieber Gott! gewähre mir nun dieſe Bitte, daß ich nicht möge plötzlich meinen Sünden sterben und verderben. Gib mir rechtschaffene Erkenntniß, Reue und Leid über meine begangenen Sünden und stelle sie mir noch in diesem Leben unter Augen, damit sie mir nicht am jüngsten Tag unter Augen gestellet und ich dadurch vor Engeln und Menschen zu Schanden werden möchte; sondern verleihe mir so viel Zeit und Raum zur Buße, daß ich meine Uebertretung von Herzen erkennen, bekennen und derselben Vergebung und Trost aus deinem seligmachenden Wort erlangen möge. Ach, barmherziger Vater! verlaß mich nicht und nimm deinen heiligen Geist nicht von mir, mein Herz und meines Herzens Zuversicht ist dir, o Herzenskündiger! wohl bekannt, in derselben erhalte mich zum ewigen Leben. Laß mich sterben, wann, wie und wo du willst! verleihe mir ein vernünftiges, sanftes und seliges Ende. Amen! Herr Jesu, nimm meine Seele in deine Hände und laß sie dir befohlen sein! Herr Jesu Christ! du höchstes Gut! Ich bitt dich durch dein theures Blut, Mach mir mein letztes Ende gut! Obgleich dasselb ist wunderlich, So laß es doch sein seliglich. 273 Ach, getreuer und barmherziger Gott! behüte mich vor langwieriger, schmerzlichen Krankheit und vor 18 Tägliche Gewissensprüfung. einem bösen schnellen Tod; laß mich ja nicht in unerkannten Sündenübereiltohnewahre Buße sterben; gib mir einvernünftiges, stilles, sanftes und seliges Ende, ohne Furcht und Schrecken, Angst und Schmerzen und laß mich bei guter Vernunft, mit gutem Bedacht, ein gutes christliches und seliges Ende nehmen. Jedoch ich dich nicht lehren will noch dir mein End beschreiben, sondern dir allweg halten still, bei deinem Wort zu bleiben und glauben, daß du als ein Fürst des Lebens mich erhalten wirst, ich sterb gleich, wo ich will. Derhalben ich in meinem Sinn mich dir thu ganz ergeben, denn sich, der Tod ist mein Gewinn, du aber bist mein Leben, und wirst mein'n Leib ohn alle Klag( das weiß ich g'wiß), am jüngstenTag zumLeben auferwecken. Deinen Namen laß mich bis zum leßten Seufzer frei bekennen und anrufen, oder, wo ich ja nicht mehr 274 Tägliche Gewissensprüfung. reden kann, solchen in meinem Herzen haben und meine Seele in deine Hände herzlich befehlen. Das verleihe mir, lieber Gott und Vater, um deines Sohnes Jesu Christi Blut und Todes willen, in Kraft des heiligen Geistes. Amen. 18* 275 276 Thomä von Kempis Todes- Betrachtung zur Erinnerung der Sterblichkeit einer bußfertigen Seele, wie solche in meiner Friedrich Roth- Scholzen wehmüthigen Klage des bußfertigen Sünders zu finden. Diese geistreiche Betrachtung kann auch gesungen. werden nach der Melodie: Treuer Gott! ich muß dir klagen 2c. 1. Denket doch, ihr Menschenkinder, an den legten Todestag! denket doch, ihr frechen Sünder, an den letzten Zeigerschlag! Heute sind wir frisch und stark, morgen füllen wir den Sarg, und die Ehre, die wir haben, wird zugleich mit uns begraben. 2. Doch wir dumme Menschen sehen, nur was in die Augen fällt; was nach diesem soll geschehen, bleibt an seinem Ort gestellt; an der Erde kleben wir, leider! über die Gebühr, aber nach dem andern Leben will der Geist sich nicht erheben. 3. Wo ihr euch nicht selber haffet, ach! so legt die Thorheit ab: Was ihr thut und was ihr lasset, so gedenkt an euer Grab, ewig Glück und Ungelück hängt an einem Augenbick. Niemand kann uns Bürgen geben, daß wir noch bis morgen leben. Todes- Betrachtung. 4. Ungewissenhafte Leute zittern vor es Todes Pein; gute Christen wollen heute lieber aufgelöset sein. Denn sie wissen, daß der Tod ist ein Ausgang ihrer Noth; und gemalte Todtenköpfe sehn sie an als Blumentöpfe. 277 5. Vor der Sünde soll man zittern, weil sie Gottes Zorn entzündt; aber nicht vor Leichenbittern, welche gute Boten sind. Einmal müssen wir daran, lieber bald dazu gethan; heute laßt uns lernen sterben, daß wir morgen nicht verderben. 6. Was hilft doch ein langes Leben ohne Buß und Besserung? wer nicht will nach Tugend sterben, ach, der sterbe lieber jung: Unsre Bosheit nimmt nicht ab, sondern mehr sich bis ins Grab. Frei von Sünden wird man nimmer, Mancher wird ja täglich schlimmer. 7. Daß doch nur ein Tag des Lebens möchte frei von Lastern sein! doch mein Wünschen ist vergebens, unter uns ist Niemand rein. Man bleibt fündig von Natur bei der neuen Kreatur! Viele pflegen Scherz zu treiben, wenn sie sich in Gott verschreiben. 8. Langes Leben, große Sünden! große Sünde, schwerer Tod! lernet das an einem Kinde, dem ist Sterben keine Noth. Selig, wer bei guter Zeit sich auf seinen Tod bereit, und so oft die Glocke schläget, feines Lebens Ziel erwäget. 6. Jede Patientenstube kann euch eine Schule sein; fährt ein Andrer in die Grube, wahrlich, ihr müßt auch hinein. Steht ihr auf, so sprecht zu Gott: Heute kommt vielleicht der Tod! Legt ihr euch, so führt im Munde: Heute kommt vielleicht die Stunde. Thomä von Kempis 10. Stündlich sprecht: In deine Hände, Herr! befehl ich meinen Geist, daß euch nicht ein schnelles Ende unverhofft von hinnen reißt. Selig, wer sein Haus bestellt! Gott kommt oft unangemeld't, und des Menschen Sohn erscheint zu der Zeit, da man's nicht meinet. 278 11. Das Gewissen schläft im Leben, doch im Tode wacht es auf, da sieht man vor Augen schweben seinen ganzen Lebenslauf; alle seine Kostbarkeit gäbe man zur selben Zeit, wenn man nur geschehne Sachen ungeschehen könnte machen. 12. Darum brauchet eure Gaben dergestalt in dieser Zeit, wie ihr wünscht, gethan zu haben, wenn sich Leib und Seele scheidt; Sterben ist kein Kinderspiel; wer im Herren sterben will, der muß ernstlich darnach streben, wie mann soll im Herren leben. 13. Diese Welt geringe schäßen, allen Lastern widerstehn, an der Tugend sich ergößen, willig Gottes Wege gehn, wahre Lebensbesserung, stete Fleisches- Züchtigung, sich verläugnen und mit Freuden Schmach um Christi willen leiden. 14. Das sind Regeln für Gesunde, da man Zeit und Kräfte hat; in der letzten Todesstunde ist es insgemein zu spat. Krankheit gleicht der Pilgrimschaft, keines gibt dem Geiste Kraft; beides macht die Gliedermüde und verstörtdenSeelenfriede. 15. Trauet nicht auf Seelenmessen, die man den Verstorbnen hält; Todte werden bald vergessen, und der Baum liegt, wie er fällt; ach! beſtellt selbst euer Haus, machet hier die Sachen aus, fremde Bitten und Gebete kommen hintennach zu ſpäte. Todes- Betrachtung. 16. Suchet Gott stets zu verfühnen, greifet selbst nach Christi Blut! kein Gebete wird euch dienen, das man nur zur Fröhne thut; denkt ihr selber in der Zeit nicht an eureSterblichkeit, wahrlich in der Grabeshöhle sorgt kein Mensch für eure Seele. 17. Jegund ist der Tag des Heils und die angenehme Zeit: aber leider meistentheils lebt die Welt in Sicherheit! täglich ruft der treue Gott, doch die Welt treibt ihren Spott; ach, die Stunde wird verfließen und Gott wird den Himmel schließen. 18. Da wird Mancher erst nach Dele bei des Bräut'gams Ankunft geh'n, und da wird die arme Seele vor der Thüre müssen stehn; darum haltet euch bereit, füllt die Lampen in der Zeit, sonst erschallt das Lied am Ende: Weicht von mir, ihr Höllen- Brände. 729 19. In dem ganzen Bibelbuche kommt mir nichts so schrecklich für, als die Worte von dem Spruche: Ihr Verfluchten, weicht von mir! Selig, wer davor erschrickt, eh er noch den Tod erblickt: Furcht und Zittern hier auf Erden schafft, daß wir dort selig werden. 20. Hier in lauter Freuden schweben, macht im Tode lauter Noth; denn auch auf ein traurig Leben folgt ein freudenreicher Tod; darum mit der Welt hinweg, achtet sie für Koth und Dreck*, und erhebet eure Sinnen, daß sieChristum lieb gewinnen: 21. Tödtet eure bösen Glieder, freuzigt euer Fleisch und Blut; drückt die böse Lust darnieder, brecht dem Willen seinen Muth: werdet Jesu Christo gleich, nehmt sein Kreuz und Joch auf euch, * Phil. 3, V. 8. 280 Thomä von Kempis Todes- Betrachtung daran wird euch Christus kennen und euch seine Jürger nennen. 22. Auf ein langes Leben harren, da man täglich sterben kann, das gehört für einen Narren, nicht für einen klugen Mann. Mancher spricht bei Geld und Gut: Liebes Herz, sei wohlgemuth, und in vier und zwanzig Stunden ist die Seele schon verschwunden. 23. Ach! wie ofte hört man sagen, daß ein Mensch entleibet sei; ach! wie Mancher wird erschlagen oder bricht den Hals entzwei; einen Andern rührt der Schlag wohl am Sauf- und Spieletag; Mancher schlummert ohne Sorgen und erlebet nicht den Morgen. 24. Feuer, Wasser, Luft und Erden, Blitz und Donner, Krieg und Pest, müssen unsre Mörder werden, wenn es Gott geschehen läßt; Niemand ist vom Tode frei, nur die Art ist mancherlei; insgemein sind unsre Stunden einem Schatten gleich verschwunden. 25. Nach Verfließung dieses Lebens hält Gott keine Gnadenwahl: jener Reiche rief vergebens in der Pein und in der Qual; fremdes Bitten hilft euch nicht, und wer weiß, obs auch geschieht: also fallt in wahrer Buße eurem Gotte selbst zu Fuße. 26. Sammelt euch durch wahren Glauben einen Schatz, der ewig währt, welchen euch kein Dieb kann rauben, und den auch kein Rost verzehrt; nichts ist Ehre, nichts ist Geld, nichts ist Wollust, nichts ist Welt: alles Trachten, alles Dichten muß man auf die Seele richten. 27. Freunde machet euch in Zeiten von dem Mammon, den ihr habt; laffet von bedrängten Zeit- und Wochen- Andacht. Leuten keinen Menschen unbegabt; Christus nimmt die Wohlthat an, gleich als wär fie ihm gethan, und der armen Bettler Bitten hilft euch in des Himmels Hütten. 281 28. Euer Wandel sei im Himmel, da ist euer Bürgerrecht: Lebt in diesem Weltgetümmel unbekannt, gerecht und schlecht; flieht vor aller Sklaverei, machet eure Seele frei, daß sie sich zu Gott erhebe und hier als ein Fremdling lebe. 29. Diese Gnade zu erlangen, sparet das Gebet ja nicht: Netzt mit Thränen eure Wangen, bis daß Gott sein Herze bricht; Rufet Jeſu Christo nach, wie er dort am Kreuze sprach: Vater! nimm an meinem Ende meine Seel in deine Hände. Erbauliche Zeit- und Wochen- Andacht im Anfang, Fortgang und Ausgang jeder Woche heilsamlich zu gebrauchen, in etlichen Liedern verfasset von einem Christen- Hirten an der Zions- Heerde. Jesus sprach meinend: Wann du es wüßteſt, so würdest du auch bedenken zu dieser deiner Zeit, was zu deinem Frieden dienet. Wehe aber, wenn du nicht erkennet hast die Zeit, darinnen du heimgesucht bist. Luc. 16, 42-44. Herr! lehre uns unsere Tage recht zählen( anwenden), auf daß wir klug werden. Ps. 90. jurta Hebr. 282 Christian Hirschens Zum Anfang jeder Woche. Mel. Herr Jesu Christ! ich weiß gar wohl 2c. 1. So fängt sich heute Sonntags an, Herr! wieder eine Woche! mein Werk sei drinn in dir gethan auch unter deinem Joche: gib, daß ich drinnen alle Tage dem, dem du feind bist, gar absag, auch mich dir ganz ergebe. 2. Geh, Sonne der Gerechtigkeit, heut auf in meiner Seelen, treib Finsterniß der Sünden weit, laß mich dein Licht erwählen; daß ich, wie eine Sonnenblum, mich als dein kostbars Eigenthum nach dir beständig richte. 3. Laß mich das Monden gleiche Glück am Montag wohl bedenken, daß sich mein Herz darein nicht drück, noch den Verlust laß kränken; vielmehr mach mir den Unbestand des Zeitlichen recht wohl bekannt, das Ewige zu suchen. 4. Laß mich am Dienstag dienen dir in ungefälschter Treue, und alles machen nach Gebühr, so daß es wohl gedeihe; denn du bist ja mein Herr und Gott, der seinen Diener hilft aus Noth und gnädig sie belohnet. 5. Tritt Mittwochs, Jesu! mitten ein, zu uns mit Gnad und Segen, laß uns in dir bei ſammen sein, dich suchen allerwegen; sei bei uns mitten in der Noth und reiß uns endlich auch dem Tod gar mitten aus dem Rachen. 6. Gib deinem Donner starke Kraft am Donnerstag im Worte, der in der Seel viel Früchte schafft und treibt zur Himmelspforte. Laß der Gerichte Donnerschläg die Furcht des Herren machen reg, daß wir uns vor dir scheuen. Wochenandachten. 7. Mach uns am Freitag geistlich frei von unsern Sündenbanden, und so von Satans Tyrannei, von Strafen, Fluch und Schanden! Gib, daß wir in der Seel erneut, da sie dein Sohn hat recht befreit, zum Dank stets heilig leben. 8. Laß am Sonnabend untergehn ja nicht die Sonn der Gnaden, und feiern nicht noch stille stehn im Christenthum mit Schaden; hört wieder eine Woche auf: so laß der andern ihren Lauf auch wieder wohl anfangen. 9. So sei im Anfang, Mittel, End die Woch von dir gesegnet; laß drinn die Werke unsrer Händ mit Gnade sein beregnet; bis endlich unsre Lebens- Tag sich enden, und dann kommen mag die Zeit ohn Tag und Wochen. Auf alle Tage in der Woche zu gebrauchen. 283 Mel. Herr Jesu Christ! mein Lebens Licht 2c. 1. O welch ein theures Gut die Zeit, die sich senkt in die Ewigkeit! O weh, wer solches Gut verschwendt und übel seine Zeit anwendt. 2. Man denkt, daß jeder Augenblick dahin zwar geh und bleib zurück, doch muß man einst vor Gottes Thron genaue Rechnung thun davon. 3. Genaue Rechnung, wie man sie hab zugebracht im Leben hie, ob jede Stunde und Minut vollbracht sei übel oder gut. 4. Zu dem oft plöglich und geschwind sich ein die letzte Stunde findt, die einen rückt hin aus der Welt und vor den strengen Richter stellt. 5. Weh! wenn sie Einen findt bei Spiel, wem aus beim Schmaus das Lebensziel; wen sie im Christian Hirschens Zorn, Geiz, Scherz wegrafft, und wenn man sonst was Fleischlichs schafft! 284 6. Ach Herr, der du das Leben gibst und einen heil'gen Wandel liebst, gib, daß ich meine Lebenszeit zubring in wahrer Heiligkeit. 7. Gib, daß ich jeden Augenblick mich dir getreu zu dienen schick, daß alle meine Aederlein gericht't zu deinem Dienste sein. 8. Daß kein Moment in Sünd mich seh, ich nie auf üblen Wegen geh; daß ich nicht den Verderb der Zeit bejammern darf in Ewigkeit. 9. Laß alle Tröpflein meines Bluts sein voll des dir ergebnen Muths, die nur beziehen deine Ehr, und wie des Nächsten Heil ich mehr'. 10. Daß jeden und den letzten Tag ich wohl zubring und schließen mag, und wenn verflossen meine Zeit, geh in die sel'ge Ewigkeit. Bei Ausgang jeder Woche. Mel. Wer weiß, wie nahe mir mein Ende 2c. 1. Gott Lob! die Woche ist verflossen und sieben Tage gehn zu End, darin ich deine Güt genossen, die du mir reichlich zugewendt: Drum mach in mir vergnügt den Schluß, mit dir, du Gnaden- Ueberfluß. 2. Es hat am Sonntag mir geschienen die Wahrheit- Sonn in deinem Wort, die mußte mir zur Leuchte dienen, zu reisen hin zur Himmelspfort; laß dieser Sonnen Wärm und Schein zum Seelenwachsthum fördernd sein. 3. Der Montag konnt am Mond mir stellen den Wechsel des Geschickes für, das ist bald finster, bald von hellen, bald wenig hell und dunkel hier. Wochenandachten. 285 Ach! laß im Christenthum mich rein und niemals unbeständig sein. 4. Am Dienstag hast du mir gedienet mit deiner Gnad und reichen Güt, die mir zu meinem Wohl gegründet, ob gleich mein Dienst dir schlecht geblüht! Gib, daß ein jeder Tag mir ſei ein Dienstag, dir zu dienen treu. 5. Am Mittwoch, mitten in der Wochen, warst du auch mitten unter uns, mit Segen, der uns angebrochen, auch in der Mitte unsers Thuns; laß mich hier gehen mitten ein, wo Fromme dort, wo Sel'ge sein. 6. Du ließst am Donnerstag nicht rollen, als einen Donner deinen Zorn, der mich hätt billig treffen sollen, als Sünder, daß ich würd' verlor'n: laß mich, statt dessen, jedes Ortes recht rühr'n den Donner deines Worts. 7. Am Freitag hast du mich befreiet von vielerlei Gefahr und Noth; dein Sohn sei dran gebenedeiet, der mich befreit von Sünd und Tod; gib, daß ich in der Freiheit leb, mich nie in Sünden- Knechtschaft geb. 8. Nun der Sonnenabend ist gekommen, der mir ein Feierabend ist; so rühm ich nun mit allen Frommen, wie du so gut gewesen bist; geht unter meine Lebens- Sonn, so laßmir aufgeh'n ew'geWonn. 9. Dieß denk und bitt ich nun zum Schlusse mit Dank, da diese Woche hin, und fleh zu dir. in wahrer Buße, vergib, was ich gefündigt drin; gib in der neuen Woche mir ein neu Herz, das ergeben dir. 10. Laß deine Sonn mir ferner scheinen, laß mich nicht ändern wie der Mond, laß mich dir Christian Hirschens dienen mit den Meinen, stets mitten, wo dein Name wohnt, mach von dem Unglücksdonner mich frei am Fei'rabend, ewiglich. 286 Die verworfene Welt- und erwählte Christen- Freude. In einem andächtigen Lied vorgestellt von eben diesem Autore. Mel. Straf mich nicht in deinem Zorn 2c. 1. Das ist meine Freude nicht, was die Welt hoch achtet, daß sie, ganz darauf verpicht, nur nach Eitlem trachtet; aber Gott Zebaoth haben stets zur Waide, daß ist meine Freude. 2. Das ist meine Freude nicht Herrengunst auf Erden: Ach! der Großen Augenlicht kann bald finster werden: Gott zum Freund und vereint haben stets zur Seite, das ist meine Freude. 3. Das ist meine Freude nicht, mit den Kleidern prangen, und mit stolzem Angesicht kommen hergegangen: Jesu Blut mir zu gut, und das beste Kleide, das ist meine Freude. 5. Das ist meine Freude nicht, in Weltgütern siten, und sie als zur Zuversicht eine Zeitlang nüßen: Ewigs Gut macht recht Muth, mitten auch im Leide, das ist meine Freude. 5. Das ist meine Freude nicht, mit der Welt wohl leben, und nach niedlichem Gericht guter Bissen streben: Ach! es weiß beffre Speis Du Gebenedeite, das ist meine Freude. 6. Das ist meine Freude nicht, volle Gläser leeren und mit solchem Trunkgewicht Leib und Seel beschweren: in dem Most, von der Kost Jesu, thun Bescheide, das ist meine Freude. Verworfene Welt- und erwählte Chriftenfreude. 287 7. Das ist meine Freude nicht, Hüpfen, Tanzen, Springen, und so nach der Musikpflicht seine Lust vollbringen: Das gelingt, wenn man springt, wie die Himmelsleute, das ist meine Freude. 8. Das ist meine Freude nicht, eitel Musiciren, wie die Welt es eingereicht, Instrumenten rühren! Musiziret man und rührt Gottes Harfenfaite, das ist meine Freude. 9. Das ist meine Freude nicht, für die Langweil spielen, oder, wie es meist geschieht, auf Gewinnste zielen; mein Gewinn, Lust und Sinn, geht zum Sterngebäude, das ist meine Freude. 10. Das ist meine Freude nicht, schwätzen und veriren, lächerliche Weltgeschicht nur zum Spaß anführen: das Gespräch, das den Weg bahnt zur Seelenwaide, das ist meine Freude. 11. Das ist meine Freude nicht, an Geschöpfen hangen, und des Meisters edle Frucht, wie ihn selbst umfangen; er allein muß es sein, von dem ich nicht scheide, das ist meine Freude. 12. Das ist meine Freude nicht, kurz davon zu sagen: was nicht auf den Herrn gericht, noch ihm kann behagen: Aber was zielt auf das, das ihn gibt zur Beute, das ist meine Freude. Georg Christoph Munz, Rector. Das ist meine Freude, daß ich mich zu Gott halte und meine Zuversicht setze auf den Herrn, Herrn, daß ich verkündige all sein Thun. Pf. 73, 28. In eigener Melodie. 1. Nimm hin, o Welt! dein Schein- Vergnügen, wohlan, ich theile mit dir ab. Wähl du das Georg Christoph Munzens Leben, ich das Grab. Erhebe dich, ich will erliegen. Nimm Gold, ich Armuth an. Sei fröhlich, laß mich weinen. Was mein ist, heißet Gott; erquick dich an dem Deinen. 288 2. Du wunderst dich, daß ich nicht wähle, was trefflich in die Augen fällt? Ach! was dein Sinn für lieblich hält, erquickt den Leib, doch nicht die Seele. Was du hier stehen siehst, das wird ein Tag verwehen; was jetzt unsichtbar ist, das werd ich ewig sehen. 3. Wie schlüpfrig bist du doch gestellet, dein Fuß glitt nur auf dünnem Eis; wo der, der deine Tritte weiß, dich ungefähr zu Boden fället. Du liegst in einem Traum, und, eh du kannſt erwachen, wird Gott von deiner Pracht ein End mit Schrecken machen. 4. Drum brüste dich nicht so vermessen: ich strauchle doch deßwegen nicht; ich hab noch nie den Unterricht aus Gottes Heiligthum vergessen. Ich merke auf das End und sah, daß sichs hier scheide: du bist dem Jammer nah; und das ist deine Freude. 5. Ich aber bleib an Gott behangen; ich achte auch des Himmels Licht und dieser Erde Schätze nicht, weil mich des Höchsten Hand umfangen. Klag ich: Gott ist mein Trost, mein Theil und reiche Beute. Leb ich in Traurigkeit: auch das ist meine Freude. 6. Nur das allein ist meine Freude, und darin werd ich nicht zu Spott, daß ich mich wende nur zu Gott, und halte still, daß ich recht leide, und meine Zuversicht, die ich zum Grunde setze, die auf den Herren sieht, im Herren sich ergöße. Lieder. 289 7. Denn ich bin ja dazu erhoben; dazu bin ich auf ihn getauft, so theuer erlöst, so hoch erkauft, daß ich soll seine Güte loben, daß ich verkündige die Wunder seiner Stärke und nur allein sein Thun vor aller Welt bemerke. 8. Hierinnen wird mein süßes Hoffen ein Vorschmack seiner Herrlichkeit; so steht mir schon in dieser Zeit das Land, wo Honig fließet, offen. Kann mich der Glaube hier in solche Freude setzen, ach! wie viel höher wird das Schauen dort ergößen! Georg Christoph Munz, Rector. Mel. Wer weiß, wie nahe mir mein Ende 2c. 1. Der Himmel läßt Vergnügen finden, das sich mit steter Anmuth küßt. Doch der Welt Lust muß bald verschwinden, wo Gott nicht auch darinnen ist. Die Sterne sind auch lauter Nacht, wo Jesus sie nicht licht gemacht. 2. Die Erde stellt betrognen Augen die Töpfe von Egypten für. Sie läßt die Lippen Honig saugen und schenkt kostbaren Malvasier. Allein die Kost ist schlecht bestellt, wo nicht mein Jesus Tafel hält. 3. Die Erde baut erhabne Stufen, da man nach hohen Gipfeln steigt, die lüstern Seelen hin zu rufen, wo Nam und Ruhm den Sternen gleicht. Doch führen sie mich dahin nicht, wo Jesus Kron und Thron verspricht. 4. Die Erde macht in tiefen Fällen den rothen Abgott offenbar. Es öffnet sich das Reich der Wellen und reichet seine Schäße dar. Mir ist ein beffrer Werth bekannt: ein Kleinod in des Höchsten Hand. 19 Georg Christoph Munzens Lieder. 5. Drum bleib ich hieran nicht behangen, mein Geist erhebt sich von der Welt, von Dingen, deren Schein und Prangen wie Reif bei heißer Sonne fällt. Denn was die Erde in sich trägt, hat Unbestand zum Grund gelegt. 290 6. Das aber bleibet meine Freude, daß ich bei meinem Heiland bin. In ihme such ich Trost und Waide; er hat den Grund der Seelen in, wo in ihm, als dem höchsten Gut, die Sehnsucht meiner Liebe ruht. 7. Das ist ein Gut, das ewig währet, wenn Erd und Himmel bricht und sinkt. Die Lust der Zeit ist bald verzehret; und was uns noch so lieblich dünkt, ist eine Perle, deren Bierd gar leicht in Essig fließend wird. 8. Wenn ich schon harte Streiche leide wo zu sein Rath mich hat erkiest, so bleib auch dieses meine Freude. Denn wo er nur noch ici mir ist, da müssen Wolken Sonnenschein, Die Schläge Lebensbalsam sein. 9. Erzittert, ihr verzagten Herzen! wenn ihr an Tod und Sterben denkt. JchüberwindedieſeSchmerzen, weil ichmein HerzinGottgesenkt, der mir die letzte Furcht vertreibt, das Sterben meine Freude bleibt. 10. Und ach! wer weiß, wie nah mein Ende? drum flüchtet sich der schwache Geist, mein Jesu! dir in deine Hände, eh noch des Lebens Band zerreißt, und weiß dabei, es macht dein Blut das Ende meiner Wallfahrt gut. 11. Dort soll ich in dem weißen Kleideu.vordem Thron des Lammes stehn. Nun sehet, das ist meine Freude, die nimmer soll zurücke gehn. Drumgeb ich gern der eitlen Pracht verlarvter Freude gute Nacht. M. Christoph Bezzels, P. L. C. Christliche Morgen- Andacht. 291 Nach der Hällischen Melodie. Mein Vater! zeuge mich, dein Kind, nach 2c. 1. Erhabne Heiligkeit! du drei- vereintes Wesen, Gott Vater, Sohn und Geist, durch dich, Herr Zebaoth! bin ich nach sichrer Ruh des frohen Lichts genesen, mich zieht die Dankbarkeit vor dich und dein Gebot. 2. Ich unterwinde mich, schon früh vor dir zu reden, der ich ein schändlich Nichts, nur Erd und Asche bin; doch wird dein hoher Glanz mich Blöden nicht ertödten, mein Mittler spricht für mich und nimmt die Sünden hin. 3. Er hat in seinem Volk auch mir ein Erb ertheilet: drum ist ein Opferdienst gerechter Christen Pflicht. Der Dank, so jetzt vor dich durch alle Wolken eilet, bleibt meine Morgengab, und du verschmähst sie nicht. 4. Erbarmer! dir sei Preis für alle Lieb und Treue, die mich im Schlaf bewacht und der Gefahr gewehrt. Dein gütigs Wesen zeigt sich alle Morgen neu und deine Langmuth trägt. mich immer unversehrt. 5. Wie düster war die Nacht, wie furchtsam ihre Schatten, doch muß auch dieser Stand den Deinen dienlich sein, denn mit der Finsterniß muß sich die Ruhe gatten, und deren Wechsel zeigt den schönsten Gnadenschein. 19* Christliche Morgenandacht. 6. Der Schlaf, des Todes Bild, hat mich nun erst verlassen, ich steh von meinem Bett, gibauch, vonSünden auf. Am Montag endete mein Heiland sein Erblassen: am Montagendetesichauchmein Sündenlauf! 7. Ich seh die Morgenröth; doch meines Jesu. Lieben macht mich in seinem Blut schön roth versühnt und rein. Die Sonne hat die Nacht und Nebel schier vertrieben: auch meine Sündennacht wird bald am Ende sein. 292 8. Die Perlen von dem Thau sind prächt anzusehen: jedoch der Himmelsthau verspricht mir bessre Frucht: befeuchte meine Seel, so wird, o Gott! geschehen, daß sie kraft deines Geists nur deine Weisheit sucht. 9. Die Arbeit wird sich stets nach deinem Willen wählen, der Glieder Dienst und Kraft bleibt, Abba! dir geweiht, des Leibs Gesundheit soll mein Leben nicht beseelen, wo nicht mein Speis und Trank zu deinem Preis gedeiht. 10. Dieß istderSegen, den ich heutvondirerbitte, um den ich heftiger, als dorten Jakob, ring mit dir, mein Bundes- Gott: er fördert meine Schritte, er tröstet meine Seel, wenn ich in Nöthen sing. 11. Jetzt will ich ganz getrost mein Thun und Werk besorgen, weil heut Jehovah ſelbst in meinen Gliedern wirkt; ein froher Abend folgt auf einen solchen Morgen, kraft dessen uns am Tag des Himmels Huld umzirkt. 12. Noch etwas neben mir muß ich dir, Herr, empfehlen, das Liebste, welches uns Geblüt und Freundschaft zeigt. Heut müssen sie ihr Glück mit deiner Treu vermählen! doch du. bleibst ohnedem dem frommen Volk geneigt. M. Christoph Bezzels, P. L. C. Christliche Abend- Andacht. 293 Nach der Melodie, in des sel. D. Heinrich Müllers Erquickungs- Stunden. Mel. Wer bist du? Ach, ein armer Sünder 2c. 1: Mein Gott, die Nacht ist eingetreten, ich schick mich schon zu ruhen an, und doch ist noch nicht abgebeten, was ich dir, Herr! zu Leid gethan! Es wird schon mein Gewissen reg, mich, Höchster, vor dir anzuklagen, und dennoch scheut es sich zu sagen, was ich im Busen Böses heg. 2. Du aber kennst die Mängel besser, als ich sie zu eröffnen weiß: und dadurch wird das Uebel größer, wenn sich das Fleisch mit höchstem Fleiß vergeblich weiß zu brennen sucht; wenn es die rohe Freiheit preiset und seine Seele täglich speiset mit Sodoms süßer Todesfrucht. 3. Laß mich demnach, gerechter Vater! vom Heuchelwerk entfernet stehn! entdecke mir die Mordgeschwader, die mir mit Sünden nahe gehn! laß die Erkenntniß kräftig sein und bringe mich zu wahrer Reue! Schaff, daß die Buß einmal gedeihe durch deines Lichtes Gnadenschein. 4. In solchem seh ich mir entdecket der Andacht schlechten Fleiß und Kraft; die Lust, die nur dem Fleische schmecket; den Fürwitz, der nichts Gutes schafft; den Unbestand in meinem Thun; die Sicherheit im ganzen Leben; das Aergernis, das ich gegeben; mein Gott! wie sollichSünderruhen? Christliche Abendandacht. 5. Doch Abba! sei mir Armen gnädig! sieh meine Reu und den Entschluß, nach dem ich mich vor dir stets thätig im Christenwandel zeigen muß; nimm mich in Christo wieder auf; kann ich in dem Verdienst bestehen, so sucht mein Dank in Zions Höhen zu dir den ungekränkten Lauf. 6. Wiewohl dir weiht mein ganzes Leben für tausend Güte Ruhm und Preis; nur heut hast du so viel gegeben, als ich nicht auszurechnen weiß; dein Wohlthun nähret Seel und Leib, und lässet Gnad vor Recht ergehen; wie sollt ich nicht noch freudig stehen, da ich in dir gesegnet bleib? 7. Dir, dir ist dankbar zugeschrieben daß ich geſund und lebend bin; muß jener krank im Bette liegen, rafft diesen Tod und Unfall hin: so weiß ich mich von dir geschützt, mich ruhig, satt und wohl bekleidet, ich werde noch vom Glück geweidet, da jener lang im Jammer schwitzt. 8. Auch hat die Sünde heut zu siegen, die größte Kraft an mich gewagt; du aber lehrest mich so kriegen, daß ich noch einen Sieg erjagt. Du haft mir Lehr und Rath ertheilt, du ließest Werk und Wort gedeihen; drum muß mich deine Liebe freuen, die nicht so streng zum Strafen eilt. 9. Hab Dank für diesen großen Segen, den dieses Heute mitgebracht: Laß solchen mich doch stets erwägen! erfreu mich auch in dieser Nacht mit gleichem Glück und Sicherheit, laß mich den Morgen fröhlich sehen und meine Ruh in dir geschehen; dann dir verbleibt mein Wohl geweiht. 294 10. Halt auch die Liebsten, meine Freunde, in deiner Engel Schutz bewahrt; Laß alle Menschen, auch die Feinde, vornehmlich Christen wahrer Art Zufällige Gedanken. vor jedem Zufall sicher sein; laß uns vom Feuer, Wetter, Dieben, Erbarmer, nimmermehr betrüben: so schlafen wir mit Freuden ein. C. S. E. Zufällige Gedanken über die Verirrung und Wiederkehr 295 eines bußfertigen Sünders. Wo flieh ich Sünder hin? wo find ich Sicherheit? Wo soll ich vor dem Grimm des Höchsten mich verstecken? Ach! wer vertheidigt mich vor dessenStrengigkeit? Wer läßt sich gegen ihn zu einem Schutz erwecken? O düstrer Widerschall! der mir in Antwort ruft: Verruchter Bösewicht, verdammter Sklav der Sünden! Kein Fels bedecket dich! du kannst in keiner Kluft Den sichern Aufenthalt vor deinem Richter finden. Du warest in das Kleid der Thorheit eingehüllt: Du bist im weichen Schoos der Sicherheit geſessen; Du haft dein Sündenmaß bis oben angefüllt. Drum wird der Strafe Maß dir völlig zugemessen. Ich Unglückseliger! was hab ich auch gethan, Daß ich den breiten Weg der Bosheit mir erforen? Was aber fang ich jetzt in meinem Jammer. an, Da Erd und Himmel mir den Untergang geschworen: Was fang ich Armer an? Eil ich dem Himmel zu? Zufällige Gedanken. Ach! dieser wird vor mir unfehlbar zugeschlossen. Wähl ich den Bau der Welt und such in solchem Ruh? Daraus wird mich der Tod bald grausamlich verstoßen. 296 Soll ich denn endlich mir den finstern Ort der Qual, Den Schwefel- vollen Pfuhl, den weiten Schlund der Höllen Zum Aufenthalt ersehn? Ach soll ich denn der Zahl Der bösen Geister mich hinkünftig zugesellen? O nein! ich will vielmehr den eingefangnen Fuß Aus dem Verzeiflungs- Net behend zurücke ziehn; Ich will in wahrer Reu und ungefärbter Buß Hin zu demew'gen Gott, als meinem Vater, fliehn. Vor dessen Majestät und hocherhabnem Thron Soll sich mein schwaches Knie in tiefster Demuth beugen: Ich will, wie jenesmal der ungerathne Sohn Vor seinem Vaterthat, mein Unrecht nicht verschweigen. Vielleicht erweist der Herr mir auch Barmherzigkeit Und läßt die wider mich gefaßte Rache schwinden; Vielleicht ertheilt er mir den tröstlichen Bescheid: Tritt her, mein Sohn! ich will dich deiner Last entbinden. Wohlan, es sei gewagt, ich schöpfe frischen Muth, Und will mit rechtem Ernst zum Werk der Reue schreiten; Es soll meinschüchtrerGeist nun inder wildenFluth Zufällige Gedanken. Der Widerspenstigkeit nicht fernerSchiffbruch leiden. Dreieinig großer Gott! du Schöpfer dieser Welt, 297 Hier wirft sich dein Geschöpf gebückt zu deinen Füßen. Der Knecht, der deiner Huld sich selbst nicht würdig hält, Sucht seine Missethat bei Jesu Kreuz zu büßen, Vernimm, Jehovah! doch mein ängstliches Geschrei! Erlaube, daß ich dich darf wieder Vater nennen, Ach, neige doch dein Ohr, dein zartes Ohr herbei, Und höre, denn ich will dir alles gern bekennen; Es heget mein Verstand nur lauter Finsterniß, In meinem Willen steckt nichts als verkehrtes Wesen. Aus meinen Neigungen( ich sag es mit Verdruß), Läßt die Verwirrung sich mehr als zu deutlich lesen, Ich habe dein Gericht oft freventlich verlacht, Und meine Seel sogar selbst wider mich bestochen: Den Bund, den ich mit dir in meiner Tauf gemacht, Hab ich verwegner Mensch in jedem Punkt gebrochen, Und kurz! es ist an mir nicht das Geringste gut. Ich bin ein böser Baum, aus faulem Grund entſproſsen: Herr! siehe nicht auf mich, als durch das theure Blut, Das dein unschuld'ger Sohn am Kreuz für mich vergossen, Zufällige Gedanken. Verbirg dein Antlig nicht vor mir in deinem Grimm! 298 Und lasse dich der Straf, die du gedrohet, reuen: Du Fürst der Herrlichkeit! laß meines Glaubens Stimm, Ach, laß dieselbige dein Urtheil überschreien! Willst du denn ins Gericht mit mir, dem. Sünder, gehn, So wird mein böses Herz gleich Espen- Blättern beben, Und voller Furcht und Auf tausend kann ich dir Scham vor deinen Schranken stehn; nicht eins zur Antwort geben, Es ist kein Advokat der Erden aufzutreiben; Ich muß es frei gestehn: Auf diesem großen Plan Es ist kein Sterblicher, der mit bedachten Rath Für meine böse Sach könnt einen Schutzbrief schreiben. Drum wird mein bleicher Der Sinnen Kraft versinkt in einem Strom der Thränen! Mund nun meiner Worte Grab; Mein kummervoller Geist bricht sein Bekenntniß ab. Und will aus fremdem Mund nur dieses noch erwähnen: Bin ich gleich von dir gewichen, Stell ich mich doch wieder ein: Hat uns doch dein Sohn verglichen Durch seine Angst und Todespein: Benjamin Schmolkens Lieder. Ich verleugne nicht die Schuld; Aber deine Gnad und Huld Ist viel größer als die Sünde, Die ich stets in mir empfinde. Benjamin Schmolkens Lieder. 299 Mel. Wer nur den lieben Gott 2c. 1. Ich schließe mich zu allen Stunden in meines Jesu Wunden ein. Hier hab ich immer Ruhe funden! da soll auch gar mein Himmel sein. Und jagte man mich aus der Welt, hier ist der Ort, der mich behält. 2. In Jesu tiefe Wunden- Male versenk ich meiner Sünden Schuld. Aus Jesu rother Wundenschale schöpf ich auch seines Vaters Huld: Bei Jesu Wunden, Blut und Tod vergeß ich alle meine Noth. 3. Dwundervolle Jesus- Wunden, ich leb und sterbe nur in euch, und hab ich eure Kraft empfunden, so dring ich durch in Gottes Reich, weil ihr die rechte Pforte seid zur allergrößten Herrlichkeit. 4. Gebt meiner Seele eine Stelle, wenn sie wird in die Stille gehn, und werdet mir zur Gnadenquelle, wenn man einmal vor Gott soll stehn. Ja, redet alsdann selbst in mir! ihr theuren Jesus- Wunden! ihr. 300 Benjamin Schmolkens Das Ende. Mel. Was Gott thut, das ist wohlgethan 2c. 1. Wohl dem, der stets ans Ende denkt, der wird nicht sicher leben. Wenn er den Sinn zum Grabe lenkt und lernet Achtung geben, daß uns zulegt ein Ziel gesetzt, so wird er sich bei Zeiten auf seinen Tod bereiten. 2. Niemand weiß seinen Sterbetag, Gott hat ihn ausersehen, wohl dem, der jeden Zeigerschlag den Seufzer läsfet wehen: Herr, lehre mich beständiglich nach einem andern Leben vor meinem Tode streben. 3. Die Sünde kann uns zwar den Tod durch ihren Gift verbitten; doch wer ihm nur mit Buße droht, darf nicht vor ihm erzittern. Sein scharfer Pfeil kann keinen Theil an unsrer Seele haben, und nur den Leib begraben. 4. Ein Christe wandelt himmelan, da ist sein rechtes Erbe. Tritt er gleich eine rauhe Bahn und Sterben schmecket herbe. Der Glaube sieht, was dorten blüht, er laufet, kämpfet, ringet, bis er ins Schauen dringet. 5. Die Welt muß doch verläugnet sein, sie hält uns gerne nieder. So geht kein Mensch zum Leben ein, er tödte denn die Glieder: der ist bereit, wer in der Zeit die Fleischeslust begräbet und nur dem Geiste lebet. 6. Mein Gott, vielleicht ist es nicht weit zu meinem Tod und Grabe. Gib, daß ich meine Sterblichkeit stets in Gedanken habe, und immerzu auch Buße thu, daß mich der Tod nicht finde in unbereuter Sünde. Lieder. 301 7. So lang ich lebe, leb ich dir, sterb ich, dir will ich sterben, und tritt der Tod vor meine Thür, so laß mich nicht verderben. Auf Christi Blut sterb ich ganz gut, in seine treuen Hände befehl ich mich am Ende. Der redende Tod. Mel. Jesus, meine Zuversicht 2c. 1. Sterblicher! du gehst vorbei, wo man mich hat hingeleget, schaue hier dein Conterfey, wenn man dich zu Grabe träget. Meine Gruft ist dein Prophet, daß es dir wie mir ergeht. 2. Dieser Staub ist auch vorhin Fleisch und Blut, wie du, gewesen. Wie ich jetzund Asche bin, so wird man von dir auch lesen. Man vergißt im Tode mein, so wird man vergessen dein. 3. Heute mir und morgen dir, dn mußt endlich an den Reihen, darum stirb in Zeiten hier, so darfst du den Tod nicht scheuen, du hast keine Todesfrist: Mensch, bedenke, wie du bist. Mel. Freu dich sehr, o meine Seele zc. 1. Ach Herr, lehre mich bedenken, daß ich einmal sterben muß. Lehre mich die Sinnen lenken auf den letzten Lebensschluß. Stelle mir mein Ende für, und erwecke die Begier, mich, bei noch gesunden Zeiten, auf das Grab wohl zu bereiten. 2. Endlich muß ein Licht verbrennen, endlich Lauft der Zeiger aus; also muß ich wohl bekennen, Benjamin Schmolkens daß ich dieses Leimenhaus endlich auch gesegnen muß, denn es ist der alte Schluß: Menschen, als des Todes Erben, müssen auch im Tode sterben. 3. Wenn wir kaum geboren werden, ist vom ersten Lebenstritt bis ins kühle Grab der Erden nur ein kurz gemeßner Schritt. Ach, ein jeder Augenblick geht mit unserer Kraft zurück, und wir sind in jedem Jahre allzureif zur Todtenbahre. 4. Und wer weiß, in welcher Stunde uns die letzte Stimme weckt, denn Gott hats mit seinem Munde keinem Menschen noch entdeckt. Wer sein Haus nun wohl bestellt, geht mit Freuden aus der Welt; da die Sicherheit hingegen ewigs Sterben kann erregen. 5. Predigen doch meine Glieder täglich von der Sterblichkeit. Leg ich mich zur Ruhe nieder, zeigt sich mir das Leichenkleid; denn der Schlaf stellt für und für seinen Bruder Tod mir für, ja, das Bette will mir sagen: So wird man ins Grab getragen. 302 6. Drum, mein Gott! lehr mich bedenken, daß ich niemals sicher bin. Will die Welt mich anders lenken, ach, so schreib in meinen Sinn: Du mußt sterben, Menschenkind! daß mir alle Lust zerrinnt, die mir sonst in eitlen Sachen kann den Tod geringe machen. 7. Laß mich nicht die Buße sparen, bis die Krankheit mich ergreift, sondern bei geſunden Jahren, ehe sich die Sünde häuft, laß mich täglich Buße thun, daß das allerletzte Nun mich befreit von aller Sünde und mit dir verfühnet finde. 8. Nun, mein Gott! du wirst es machen, daß ich fröhlich sterben kann, ich befehl dir meine Lieder. 303 Sachen, nimm dich meiner Seele an: deines Sohnes theures Blut komme mir alsdann zu gut, daß mein letztes Wort auf Erden Jesus! Jesus! möge werden. Mel. Freu dich sehr, o meine Seele 2c. 1. Ach! wie freu ich mich zu sterben, wenn es meinem Gott gefällt. Denn es blühet nur Verderben in der Elends- vollen Welt. Unser Leben voller Leid, voller Thränen unsre Zeit. O wie selig, wer gestorben! der hat Besserung erworben. 2. Defters sucht man ein Vergnügen, und trifft doch nur Jammer an; was sich soll zur Freude fügen, führt uns eine Dornenbahn. Alle Lieb und Treu ist todt, nnd statt deren wird die Noth alle Stunden neu geboren, daß wir ganz zur Pein erforen. 3. Lieber Gott! mach es ein Ende, wenn es gut und selig ist; reiche mir die Vaterhände in der letzten Todesfrist. Ach, wie wohl wird mir doch sein, wenn ich werde schlafen ein; doch soll es noch länger währen, wirst du, Herr, Geduld bescheren. Mel. Wer nur den lieben Gott 2c. 1. Die Zeit geht hin; ach, wie geschwinde läuft unser ganzes Leben fort! gleichwie ein Schiff, gejagt vom Winde, so eilt es auch zu seinem Port; und was vergeht, kommt nicht zurück, auch nicht ein kleiner Augenblick. Benjamin Schmolkens Lieder. 2. Der Tod kommt her auf allen Schritten, der Reiter auf dem fahlen Pferd hat uns gar leichtlich überritten, wenn man zu leben noch begehrt. Er wartet täglich vor der Thür, mir gilt es heute, morgen dir. 304 3. D Mensch! thu recht in deinem Leben und fürchte Gott, so hats nicht Noth. Es mag die Zeit auf Flügeln schweben, er komme, wann er will, der Tod. So bist du immer wohl bereit und folgt der Zeit die Seligkeit. Anhang. einiger 305 geistreichen Wetter- Gebete. Im Fall der andächtige Beter durch die Heftigkeit des Donners vom Schlaf erweckt, und aus ſeinem Bett aufzustehen bewogen würde, kann er nach seinem gewöhnlichen Segen fortfahren zu seufzen: Gott sei uns gnädig und segne uns! Der Herr Lasse sein Antlik leuchten über uns, daß wir auf Erden erkennen seine Wege! Es segne uns Gott, und alle Welt fürchte ihn! Gott Vater, der seinen Sohn des Kreuzes Pein für uns hat leiden lassen, erhalt uns! Jesus von Nazareth, ein König der Juden, für uns gestorben, bewahre uns! Gott, der heilige Geist, der uns mit der Salbung und Zeichen des heiligen Geistes geheiliget und gezeichnet hat, beschütze uns, daß uns kein Unfall widerfahre. Amen. Unter dem Ankleiden kann hierauf gesungen und gebetet werden: Gott der Vater wohn uns bei zc. Gebet bei entstehendem Wetter. Laß dieses Wetter sonder Schaden Von unserm Haus und Hütten stehn, Und uns die Menge deiner Gnaden Auch aus den schwarzen Wolken sehn. 20 Geistreiche und andächtige Gedenke nicht der schweren Sünden, Ach, liebster Vater! hab Geduld. O Gott! laß uns von unsrer Schuld Das Blut von deinem Sohn entbinden. Amen. 306 O du ewiger, allmächtiger Gott! Beherrscher und Regierer aller Dinge. Wie herrlich ist dein Name in allen Landen, du kleidest den Himmel mit Wolken, machest dieselben zu kleinen Tropfen und treibest sie gewaltig zusammen zum Regen, damit sie herabfließen und triefen auf die Menschenkinder, und crquickest das Dürre. Du machest beinen Blizz entstehen und leuchten über den ganzen Erdenboden und bebeckest alle Enden des Meers. Du läsfest deine Stimme schallen, und donnerst mit deinem Donner in der Höhe, daß man merke deinen ausgereckten Arm, und Niemand kann deiner Macht entrinnen. Du hältſt den Hagel zurück bis zur Zeit der Trübsal; alsdann so müssen seine Strahlen schießen, gleichwie von Wetter- Gebete. einem hart geſpannten Bogen, und bereitest ihn sammt den Feuerflammen den Gottlosen zur Strafe. Ach, Herr! siehe, wir bitten deine große unendliche Güte und Treue, zertrenne und hintertreibe dieses hervordringende Wetter mit deinem alles vermögenden Arm, auf daß es uns, und was du uns bescheret hast, nicht beschädige noch verderbe. Wenn es aber nach deinem gnädigen Willen und Wohlgefallen hereinbrechen und entstehen ſollte, ach, so verwandle die heidnische Furcht und das knechtische Entseßen in eine findliche Zuversicht und Vertrauen zu dir! Denn unsere Seele harret auf dich, und du bist unsere Hoffnung. Beschüße uns, dein erwähltes Israel, in dem Lande Gosen deiner Barmherzigkeit und laß es ohne Schaden wieder weichen. Gedenke nicht an die Menge unserer Sünden und vergilt uns nicht nach unsern Miſsethaten, sondern erbarme dich un20* 307 Geistreiche und andächtige ser! denn wir stehen und verbergen uns vor deinem gerechten Zorn in die theuren, vielgültigen Wunden Jesu Christi, daselbst dein Grimm nicht auf uns Donner strahlen wird. Amen. Ach Gott und Herr, wie groß und schwer zc. 308 Das zweite Gebet. Wann der Höchste donnert, so ist des Wassers die Menge unter dem Himmel und zeucht die Nebel auf vom Ende der Erden, er macht die Blize im Regen und läßst die Winde kommen aus heimlichen Dertern. Jer. 10, 13. Des Donners Knall, Des Hagels Fall, Sind gewißlich helle Glocken, Damit Gott zur Buß will locken. O Gott, du starker Gott! der du ewiglich lebest, gegen welchen alle, die auf Erden wohnen, wie nichts zu rechnen sind! du machest es, wie du willst, beide mit den Kräften im Himmel, und mit denen, die auf Erden wohnen. Dir, Wetter- Gebete. 309 Herr, ist Niemand gleich, dir ist alles unterworfen, und muß alles dein Wort ausrichten. Wer sollte dich nicht fürchten, du König der Heiden? Dir sollt man ja gehorchen. Du thust große Dinge, die nicht zu erforschen sind, und Wunder, deren keine Zahl ist. Du bist ein Gott! deinen Zorn kann Niemand stillen, du verhältst den Hagel auf die Zeit der Trübsal und auf den Tag des Streits und Kriegs. Du hast auch die Winde ein Theil zur Rache erschaffen, und durch ihr Stürmen thun sie Schaden; Feuer und Hagel sind auch zur Rache erschaffen und thun mit Freuden deinen Befehl. Wir hören jetzt, lieber Gott! wie dein Donner zürnet und brüllet, und was für Gespräch von deinem Munde ausgehet, wir hören deine Stimme und zittern vor deiner hohen Majeſtät: dieweil du aber nicht zürnest, wie ein Mensch, und nicht thun willst nach deinem grim Geistreiche und andächtige migen Zorn, noch dich kehren, uns gar zu verderben, so biegen wir die Kniee unserer Herzen und bitten dich demüthiglich, du wollest uns gnädig sein, unsere Sünden tilgen und dämpfen und sie in die Tiefe des Meeres werfen. Behüte uns, o Herr! vor deinem grimmigen Born, der unerträglich ist, daß wir nicht sterben; beschere uns einen gnädigen Regen, der fruchtbar und wachsend mache, und laßdies zornige, ungestüme Wetter ohne Schaden vorübergehen. Gibunskraftu.segne uns, dein Volk, mit Friede, Amen! O großer, starker Gott! Amen. Wann wir in höchsten Nöthen sein 2c. 310 Das dritte Gebet. Du wirst vom Herrn Zebaoth heimgesucht wer: den mit Wetter und Erdbeben und großem Donner, Windwirbel und Ungewitter, und mit Flammen des verzehrenden Feuers. Es. 29, 6. Du, höchster Gott, Siehst unsre Noth, Denk an deine große Güte, Uns vor allem Leid behüte. Wetter- Gebete. 311 Großmächtiger und starker Gott im Himmel und auf Erden, durch diesen Donnerschall willst du uns, als durch die rechten Bußglocken, zur Erkenntniß unserer Sünden und zur wahren Buße locken, damit wir nicht mit der gottlosen bösen Welt verdammet werden. Ach Herr! so mächtig bist du, daß, wenn du der Strenge nach mit uns verfahren wolltest, so könntest du uns und die ganze Welt in einem Augenblick miteinemeinzigen Donnerschlag und Blitz verderben! Ach, lieber Herr, laß doch deinen grimmigen Zorn fallen und sinken! erbarme dich unſer, verschone unser, erhebe über uns dein gnädiges Angesicht und sei uns barmherzig; bewahre unsern Leib und Leben, Haus und Hof, Stadt und Land, Hab und Gut, die Früchte auf dem Feld, und alles, was wir haben, vor allem Nachtheil und Schaden; behüte uns auch vor einem bösen schnellen Tod, Geistreiche und andächtige und verleihe gnädiglich, daß viel Sünder durch dein Wort, Donnern und Blizzen, vom gottlosen Leben und Wesen abgeschrecket, sich von Herzen zu dir bekehren, alle Stund und Augenblick an deine herrliche Zukunft des jüngsten Gerichts denken, und bereit sein, dich mit Freuden zu empfangen und mit dir zur ewigen Freude einzugehen, um Jesu Christti u. seines vergossenen rosenfarbenen Blutes willen. Amen. Herr, erbarme dich über uns 20. Nimm von uns, Herr, du treuer Gott zc. 312 Das vierte Gebet. Bei stark anhaltendem Wetter. Gewaltiger und erschrecklicher Gott! du läsfest deinen Donner abermal hören in den Wolken mit großer Kraft, und deine Blizze leuchten von einem Ende der Welt zum andern! Du fährest auf den Wolken wie auf einem Wagen, und müssen auc die starken Felsen und Steine deinen Wetter- Gebete. 313 Donnerkeil fürchten! Du machtest durch deine Machtstimme, daß sich alle Völker auf Erden entsetzen, alle Thiere in den Wäldern versammeln, alles Gevögel aus den Lüften verstecket, alles Gewürm auf Erden verkriechet, alle Wälder und Felder erschallen, alles Erdreich erzittert und bebet, alle Fische im Meer heftig erschrecken, und weisest damit den Uebertretern und Ungläubigen, daß du, gerechter Gott, im Himmel noch lebest und über ihre Missethat billig zürnest. Ach Herr! sei doch gnädig mir armen Sünder! der ich dich vielleicht auch oft mit meiner Missethat erzürnet und deinen Grimm mit bösen Werken erreget habe! Halt inne mit der Ruthe, verschone mit der Strafe, wende alle gefährlichen Schläge, verhüte alles schädliche Zünden und Feuer, weise ab allen verderblichen Hagel und laß uns ja nicht durch ein plößzliches Unglück übereilt, noch durch Geistreiche und andächtige dieses schreckliche Gewitter gerichtet werden! siehe, mein Herz ist in Aengsten und mein Geist betrübet! Meine Gebeine sind erschrocken und meine Seele ist erschrocken! Gedenke doch an deineüberschwenglicheBarmherzigkeit, nach welcher du Gnade läsfest vor Recht gehen! Erinnere dich deiner großen Largmuth, nach welcher du die Sünder nicht auf frischer That heimsuchest! Erwäge den theuren Eid, der aus deinem Munde gegangen, daß du an keines Sünders Tode noch Verderben einigen Gefallen habest. Ja! siehe an deines ewigen Sohnes bittern Tod und sein heilig fünf Wunden roth! Die sind für die ganze Welt die Zahlung und das Lösegeld; deß trösten wir uns allezeit und hoffen auf Barmherzigkeit! O mein Heiland, Christe Jesu! du bist ja der allermächtigste Mann, dem Wind und Meer, Feuer und Schnee, Hagel und Dampf, Sturm und alle 314 Wetter- Gebete. 315 Wetter gehorchen müssen, stille doch diesesgransamelingewitter, bedräne den Wind, wehre dem Blizz, steure demDonner und laß uns nach diesem finstern Wetter die angenehme Sonne bald wieder scheinen! Und du, Gott, heiliger Geist! steh mir bei mit deinem Trost, stärke mich im Glauben und Vertrauen, befestige mich in der Hoffnung, vertritt mich mit unaussprechlichem Seufzen und laß mich bei diesem Sturm weder an Leib noch Seele verwahrloset werden! Nun der Herr segne mich und behüte mich! Der Herr erleuchte sein Angesicht über mich und sei mir gnädig! Der Herr erhebe sein Angesicht auf mich und gebe mir Friede. Amen. Geistreiche und andächtige Lied bei entstandenem Ungewitter, zur Erweckung der Andacht zu gebrauchen. M. Christoph Bezzels, P. L. C. Mel. Mein Vater, zeuge mich 2c. 1. Jetzt, da das Firmament bewegt und trauernd stehet, die Erde ganz erbebt, das Vieh ganz schüchtern eilt, da selber die Natur vor Gott zu eifern gehet, bin ich, der Mensch, allein, der mit der Buß verweilt. 316 2. Ich sehe Blitz und Feu'r, und höre meinen Schöpfer, der meiner Sicherheit schon mit dem Garaus dräut; mit Recht verwirft mich Gott, gleichwie den Thon der Töpfer, weil ich so mißgebraucht den Schatz der Gnadenzeit. 3. Je öfter ich, mein Gott! die Besserung versprochen, je mehr mich deine Huld an Liebesfeilen zog, je mehr hat nach der Zeit das böse Kind verbrochen, das durch die Heuchelbuß sich bis hieher betrog. 4. Herr! wolltest du mit uns in das Gerichte gehen, wär deine Huld erschöpft und lohntest du nach Recht; wer wollte, Heiligster! vor deiner Macht bestehen? doch deine Langmuth trägt das sündliche Geschlecht. 5. Du willst der armen Erd, der schnöden Asche schonen, die sich voll Blödigkeit vor deinem Throne beugt; du pflegst nicht nach Verdienſt und nur nach Gnad zu lohnen, wenn unser Weihrauch nur dein Vaterherz erreicht. 6. Israel mag gleichwohl am Horeb flüchtig werden, da deine Majestät mit Fluch und Donner Wetter- Gebete. 317 schreckt; mich aber zieht dein Schall zum Himmel von der Erden, so bleib ich vor dem Sturm, vor Noth und Tod bedeckt. 7. Mich hat mein Glaube schon von banger Furcht befreiet; da ich nunmehr dein Kind, nicht Knecht alleine bin, des Geistes Freudigkeit, die deine Furcht erneuet, nimmt, was noch heidnisch, ist, aus meinem Fleische hin. 8. Ich zähle zwar die Meng der Sünden an den Schloßen, die der erregte Sturm auf Frucht und Felder streut; doch mit dem Regen kommt sein Zährenstrom geflossen, der Brust und Herzen hilft zu neuer Fruchtbarkeit. 9. Kaum wach ich, Sünder, auf aus jenem Schlaf der Sünden, der mir den Untergang bereits gedrohet hat, so läßt mein Goel sich als einen Bürgen finden, und wandelt Furcht in Trost, gleichwie den Zorn in Gnad. 10. Er läßt mich mit Vernunft jetzt aus der Wirkung schließen, daß, wie zur Fruchtbarkeit das Donnern dienlich war, so habe Gottes Ernst auch mich erwecken müssen; mithin vergeß. ich schon der Angst und der Gefahr. 11. Immanuel, mein Hort, wird mich, sein Schäflein decken, da er den Himmel selbst zum Schafstall mir geweiht; daß ich die Glaubenshand getrost nach ihm kann strecken, weil er mir auch im Sturm die Hand der Liebe beut. 12. Mein Hort, befestige der Jünger schwachen Glauben, daß sie auf dir, dem Fels, bis in den Tod bestehen, in deiner Seitenhöhl verwahr uns, wie die Tauben, so werden Sturm und Strahl beglückt vorübergehn. Geistreiche und andächtige 13. Heißt aber dieß die Stund, mein Heiland! mich zu richten, so muß die Gnad so groß als meine Sünde sein! Nicht in dem Wetter nur nach deinen Mittlerpflichten, so fährt, Elia gleich, die Seel zum Himmel ein! Amen. 318 Das fünfte Gebet. Herr, unser Gott! du bist groß von Rath und mächtig von That, thust große Dinge, die nicht zu forschen, und Wunder, die nicht zu zählen sind, und ist unbegreislich, wie du regierest; deine Wege sind im Wetter und Sturm; du machest durch deine Kraft die Wolken dick, daß Hagel herausfället: du kleideſt den Himmel mit Dunkel und machest seine Decke als einen Sack; Herr, du machest die Blizze im Regen und läsfest den Wind kommen aus heimlichen Orten, du suchest die Gottlosen heim mit Wetter und Erdbeben, mit Windwirbel und Ungewitter und mit Flammen des verzehrenden Feuers. Weil wir denn nun bis daher wider dich miß Wetter- Gebete. 319 gehandelt und gottlos gewesen, so ſtehen wir in großen Sorgen, es möchte an uns erfüllet werden, was der heilige Prophet Jeremias gesprochen hat und gedrohet: Siehe, es wird ein Wetter des Herrn mit Grimm kommen, ein erschreckliches Ungewitter wird den Gottlosen auf den Kopf fallen. Denn des Herrn grimmiger Zorn wird nicht nachlafsen, bis ers thue und ausrichte, was er im Sinn hat. Weil du aber, o du Liebhaber des Lebens! Buße für die Sünde willst annehmen, so biegen wir die Kniee unsers Herzens, und bitten dich, Herr, um Gnad: Wir bitten und flehen, vergib uns, o Herr! vergib uns, laß uns nicht in unsern Sünden verderben und laß die Strafe nicht ewiglich auf uns bleiben. Siehe an die Striemen, die Wunden und das Blut deines lieben Sohnes Jesu Christi, unsers einigen Heilandes! und sei uns gnädig, vergib die Geistreiche und andächtige Sünden, und erlasse auch zugleich die Strafen der Sünden, so wollen wir danken unser Lebenlang und deine Treue verkündigen für und für. Herr! deine Güte sei über uns, wie wir auf dich hoffen. Amen. 320 Um demüthige und gnägdige Errettung. 1. Ach schone, schone, lieber Gott! ach handle doch mit Gnaden! es kostet dich nur ein Gebot, so sind wir ohne Schaden; was du befiehlst, das muß geschehn! dir, Herr! kann gar nichts widerstehn, es muß dir alles folgen. 2. So wird demnach dieß Wetter nun, das in der Luft vorhanden, auch ohne dich gar nicht es thun, und wenn es schon entstanden, so stellst du ihm noch Maß und Ziel, ob es soll wenig oder viel in dieser Welt verrichten. 3. Demnach so kommen wir zu dir, als denen angst und bange, und klopfen an vor deiner Thür, daß man die Gnad erlange; daß dieser Blitz und Feuerstrahl, Herr! unsre Sünden nicht bezahl, noch uns der Donner tödte. 4. Dann wenn du, wie wir würdig sind, wirst unser Thun belohnen, so kann kein Sonnenschein noch Wind der armen Menschen schonen, und wird also in aller Eil, uns nun vielmehr dein Donnerkeil zerschlagen und zerschmettern. Wetter- Gebete. 321 5. Doch Herr! du wirst dir deinen Ruhm ja nimmer lassen nehmen, wir sind ja doch dein Eigenthum, wiewohl wir uns fast schämen, und billig mit gesammter Hand verfluchen unsern Sündenstand, darein wir sind gerathen. 6. Es ist uns leid, was wir gethan, hilf, daß man sich bekehre und führ uns, Gott, auf ebner Bahn, und deinen Willen lehre! Erhör, Herr, unsers Herzens Stimm und straf uns nicht in deinem Grimm, auch nicht in deinem Gifer. 7. Laß diesen Donner nur allein ein Zeichen deiner Gnaden, nicht aber deines Eifers sein, und laß ihn ohne Schaden, o liebster Gott! vorüber gehn, damit wie alle klärlich sehn, daß du seist reine Güte. 8. So wollen wir hinwiederum, so viel hier unser leben, ganz wohl bedacht mit heller Stimm dir die Gelübde geben, daß wir, o Gott! bei dir allein im Tod und Leben wollen sein; es geh uns, wie es wolle. Das sechste Gebet. O ewiger, allmächtiger, wahrhafter, lieber, treuer Gott, himmlischer Vater! ich erkenne und bekenne von Grund meines Herzens, daß ich, leider! ein großer, schrecklicher Sünder bin und die Zeit meines Lebens böslich, mit wissentlichen und unwissentlichen Sünden zugebracht, 21 Geistreiche und andächtige auch damit nicht allein zeitliche, sondern auch ewige Strafe und Verdammniß, leider! nur allzuwohl verschuldet habe. Aber ach, mein lieber Vater! ich komme in der Zeit der Gnaden zu dir und bitte dich um deines lieben Sohnes Jesu Christi, meines lieben Sündenträgers und Gnadenthrons willen, du wollest mir alle meine gräulichen Sünden verzeihen, deinen gerechten Zorn gegen mich schwinden und fallen lassen, mich auch sammt den Meinigen in deinen gnädigen allmächtigen Schuß und Geleite fassen, deine Flügel über mich ausbreiten, und da es zu deinen Ehren und meiner Seligkeit gereichen soll, mich in diesem Wetter unbeschädiget erhalten. Wo es aber in deinem Rath beschlossen ist, daß ich soll von hinnen scheiden, wollest du mich gnädiglich aus diesem betrübten Jammerthal in deinen himmlischen Freudensaal leiten. Hilf, allerliebster Vater! daß 322 Wetter- Gebete. 323 der Donner mein schlafendes Gewissen erwecke, daß ich dich, starker Gott! fürchte und vor Augen habe, verfürze die Zeit und laß einmal den letzten Donner und Posaunen erschallen, daß ich sammt allen, die in den Gräbern sind, auf solches Getöne mit Freuden aufwache, deinem lieben Sohn in den Lüften entgegen gerücket werde, dich von Angesicht zn Angesicht sehe, und unter deine Schäflein gestellet, die freudenreiche Stimme meines Herrn Christi höre: Kommet her, ihr Gesegneten meines Vaters! ererbet das Reich, das euch von Anbeginn bereitet ist. Amen. Demüthiges Bußlied. 1. Ach Gott! dein schrecklich großer Grimm uns blöd und zaghaft machet, wenn deine starke Donnerstimm ob uns in Wolken krachet, dieweil das Wetter saust und braust, darum uns schwachen Menschen graust, die Blitze uns erschrecken. 2. Der Erdenkreis erschüttert sich, der sich sonst gar nicht reget, wenn du nur schnaubest, fürchtet 21* Geistreiche und andächtige dich, der Berggrund wird beweget, dein Arm ist stark, dein Hand ist schwer, die Strahlen wirfst du hin und her, daß wir darob erzittern. 3. Wir hätten wohl verdient, o Gott, mit unsern Uebelthaten, daß du uns solltest schlagen todt, weil Niemand ihm läßt rathen; doch weil wir deine Kinderlein, die Schafe deiner Heerde sein, so hoffen wir das Beste. 324 4. Kein Ort wir wissen in der Welt, dahin wir sicher fliehen, die Kreatur zur Rach sich stellt, des Schöpfers Wort vollziehen: Wir wissen nichts als deine Gnad, wie groß wie du, kein Ende hat und täglich neu aufgehet. 5. Wir schreien aus dem Jammerthal durch Christum, deinem Sohne, hinauf zu dir im Himmelssaal, um seinetwillen schone. Ach Vater! hab mit uns Geduld und straf uns nicht, wie wirs verschuldt, Gnad, Gnad wir herzlich bitten. 6. Laß nicht anzünden deinen Bliß, was du uns hast verehret; vor Donnerschlägen uns beschütz, der Leib bleib unversehret. Sei du bei uns in dieser Noth, behüt vor bösem schnellem. Tod, auf dich die Hoffnung stehet. 7. Bedeck mit deiner starken Hand Haus, Hab, Vieh, Leib und Leben, erhalt die Früchte auf dem Land und was du sonst uns geben, vor Hagel, Feuer und Wassersfluth, halt uns, o Gott, in deiner Hut, so preisen wir dein' Güte. 8. Du bist allein der große Gott, dem Donner, Blizz, Feu'r, Winde, all Creatur steht zu Gebot, dein Willen thun geschwinde. Ach Herr! wo ist dir Jemand gleich? Wer hat ein solch gewaltig Reich, dem alles untergeben? Wetter- Gebete. 325 9. Darum ſprich nur ein Wort, so weicht des schweren Wetters Grauen, denn dein Wort mit Gewalt durchstreicht, dem wir allein vertrauen Ach komm! ach komm! uns Hilf beweis, so wollen wir dir sagen Preis, von deiner Allmacht singen. Ein anders. Gott lebet noch. Seele, was 2c. Das siebente Gebet. Großmächtiger Gott! deinem Namen sollen alle Gewaltige auf Erden Ehre bringen und dich, ewigen Gott, anbeten in dem heiligen Schmuck: denn du bist der Herr im höchsten Thron, du beweisest deine Kraft an allen Orten. Die Stimme des Herrn gehet auf den großen Wassern. Der Gott der Ehre donnert. Die Stimme des Herrn gehet herrlich und mit Macht. Die Erde bebet und wird bewegt, und die Grundfeste der Berge regen sich. Dampf gehet aus von deiner Nase und verzehrend Feuer von Geistreiche und andächtige deinem Munde, daß esdavon blißet. Dein Gezelt um dich her ist finster und schwarze dicke Wolken, darinnen du verborgen bist, und Dunkel iſt unter deinen Füßen. Vom Glanz vor dir trennen sich die Wolken. Der Herr donnert im Himmel, und der Höchste lässet seinen Donner aus. Du bringst hervor die Winde aus deinen verborgenen Löchern und treibest sie wieder an ihren Ort, wenn sie deinen Befehl ausgerichtet haben. Es ist dies alles unterworfen, alle Ding erkennen dich für ihren Schöpfer und zittern vor deiner göttlichen Majestät. Die hohen Berge und die Abgründe der Tiefen erschrecken, wenn du zornig bist, der ganze Erdboden zittert, Meer und Wasser fliehen vor deinem Zorn. Die Stimme des Herrn hauet die Feuerflammen. Die Stimme des Herrn reget die Wüsten. Der Herr bleibet König in Ewigkeit. Er wird seinem Volk 326 Wetter- Gebete. 327 Kraft geben, der Herr wird sein Volk segnen mit Frieden. O gütiger Gott! behüte uns vor deinem grimmigen Zorn, der unerträglich ist, und vergib uns unsere Sünde. Erleuchte dein Antlitz über uns und ſei uns gnädig. Verschone unser, daßdiesesbevorstehende, zornige, ungestüme, grausame und sehr schwere Wetter ohne allen Schaden ab- und vorübergehe. Bewahre unser Leib und Leben, Haus und Hof vor Entzündung des Wetters, vor Schießung der Strahlen, vor Donnerschlägen und allem Verderben. Deßgleichen beschüße die Früchte auf dem Felde vor Schloßen und Hagel, vor großer Wasserfluth und vor allem Schaden. O heiliger Gott! behüte uns vor einem bösen Tod. Gott der Vater, der seinen Sohn des Kreuzes Pein für mich hat lassen leiden, erhalte mich. Jesus von Nazareth, ein König der Juden, für mich gestor Geistreiche und andächtige ben, bewahre mich. Der heilige Geist, der mich gezeichnet hat mit der Salbung und mit dem Zeichen des heilgen Kreuzes, beschirme mich, daß mir kein Unfall widerfahre. Lied. O großer Gott von Macht und zc. 328 Das achte Gebet. Wenn das Wetter lang anhält. Allmächtiger, ewiger GOtt! barmherziger, lieber Vater, der du gewaltig, schrecklich und herrlich biſt, wenn du deine Macht in den Wolken hören läsfest. Wir arme, schwache, furchtsame und blöde Creaturen erkennen deine Gewalt und große, herrliche Macht; du bewegest die Erde, daß sie bebet vor deinem Donner, und die Grundfesten der Berge regen sich; vom Glanz vor dir her trennen sich die Wolken, denn der Herr donnert im Himmel, und der Höchste lässet seinen Donner aus, deine Blize leuchten auf dem Erd Wetter- Gebete. 329 boden, das Erdreich siehets und erschricket. Berge zerschmelzen wie Wachs vor dem Herrn, vor dem Herrscher des ganzen Erdbodens: Herr! von deinem Schelten, von dem Odem und Schnauben deiner Nasen. Herr! wir sehen und hören deine Gewalt, stark ist dein Arm, und hoch ist deine Rechte, wir loben, preisen und fürchten dieselbige und erschrecken billig vor deiner Macht und vor deinem Zorn, erkennen auch, daß wir mit unsern Sünden wohl verdienet hätten, daß du uns mit deinem Grimm verderbest und zerschmetterst. Aber weil wir dein armes Geschöpf und Kinder sein, und sonsten nirgends vor deinem Zorn hinfliehen könnten, denn zu deiner grundlosen, holdſeligen, väterlichen Gnade und Barmherzigkeit, so rufen wir aus diesem Elende und Jammerthal zu dir in Himmel, und bitten um Hilfe und Gnade, durch deinen lie Geistreiche und andächtige ben Sohn Jesum Christum. Ach, Herr Gott! der du bist ein Vater der Barmherzigkeit und Gott alles Trostes, strafe uns nicht in deinem Zorn und züchtige uns nicht in deinem Grimm, laß uns deine Blize, so da schrecklich leuchten, nicht beschädigen, unser Haus und Hof nicht anzünden, noch die harten Donnerschläge zerschmettern, sei du bei uns in der Noth und behüte uns vor einem bösen, schnellen Tod. Tröste, stärke und erhalte uns in wahrem Glauben und herzlicher, findlicher Zuversicht und Vertrauen auf deine große Gnade und Barmherzigkeit. Bedecke mit deiner allmächtigen Hand unsern Leib und Leben, Haus und Hof, Vieh und Früchte auf dem Felde, und alles was wir haben; beschirme dieselben vor Schloßen, Hagel und Wasserfluthen. Bedecke uns mit deinen Gnadenflügeln, bis dein Zorn und das schreckliche Ungewitter vorüber330 331 gehe. Ach Herr! es müssen ja vor dir Donner und Blizz, Feuer und Wasser, HagelundSturmwinde deinen Befehl ausrichten, aber ſei uns gnädig und schone unser! Ach Herr! wer ist dir gleich, der sich herrlich, lieblich, heilig, schrecklich und wunderthätig ist? Beweise an uns, daß du der rechte Nothhelfer bist, ein Schuß zur Zeit der Noth, und laß uns dein Vaterherz wieder sehen, durch deinen heiligen und starken Namen Jesum Christum, welchem mit dir und dem heiligen Geiste sei Ehre und Herrlichkeit, Lob und Preis in alle Ewigkeit. Amen. Wetter- Gebete. Seufzer bei harten Donnerschlägen. Abba! mein Gott und Vater im Himmel! erhöre unser ängstlich Gebet und Flehen und hilf uns in dieſer Noth, da keine Kreatur uns Geistreiche und andächtige helfen kann. Laß dein liebreiches Herz über uns, deine Kinder, brechen, uns nach dem trüben Unglückswetter bald die Sonne deiner Gnaden wieder scheinen. Herr Jesu! sei uns gnädig und laß deine heiligen Wunden und alle theure Blutstropfen für uns bitten. Bedecke uns mit deinem Schutzund Gnadenflügel, wie eine Henne ihre Kichlein unter ihren Flügeln beschirmet, und gib, daß dieses Zornwetter bald vorüber gehe. 332 Oheiliger Geist! vertritt uns mit unaussprechlichem Seufzen vor dem Thron der göttlichen Majestät im Himmel, und tröste unsere erschrockene Herzen, daß sie nicht vor Angst verzagen, sondern sich auf Gottes Gnade und Barmherzigkeit gewiß verlassen. Ach Herr, du dreieiniger Gott! sei uns armen Sündern gnädig, so wollen wir dich loben und deinem Namen danken hier zeitlich und dort ewiglich. Amen. Wetter- Gebete. 333 Gebet, wenn das Wetter Schaden gethan hat. DallmächtigerbarmherzigerGott und Vater unsers lieben Herrn Jesu Christi, du hast uns, leider! indiesemschädlichen Wetter erschrecklich heimgesucht und mit Strahl, Hagelund Wassersfluth deinen Zorn über uns ausgeschüttet, darüber mit uns Laub und Gras, Aecker und Weinberge und andere unsererFeldgüter trauern. Denn das Feld ist verwüstet, die Aecker stehen jämmerlich, das Getreide ist zerschlagen, so sehen auch die Weinberge kläglich, und die Bäume auf dem Felde sind verderbet, das Erdgewächse ist verdorret und sonst viel Schaden und Jammer geschehen. Nun, unſer Gott! du bist gerecht in allem, was du uns jetzt gethan hast, alle deine Werke sind rechtschaffen, und alle deine Gerichte sind unsträflich, denn wir haben übel gethan, damit, daß Geistreiche und andächtige wir von dir männiglich abgewichen und dir bisher ungehorsam gewesen sind. Zwar du hast uns ein Hartes versetzet, und das Brod, Wein und Nahrung vor unserm Maul hinweggenommen, aber du hast dennoch in deinem 3orn um deines Namens willen uns, dein Volk, nicht gar verstoßen, noch deine Barmherzigkeit von uns genommen, sondern uns in dieser Trübsal die Gnade erzeiget, daß wir an Leib und Leben, an unserm Haus und Hof unversehret geblieben sind, und noch etliches Feldes verschonet wor= den. Daran ist, o Herr! deine Güte schuld, daß wir nicht gar aus sind, dafür wir dir auch von Herzen Dank sagen. Wir bitten dich aber, herzlicher Vater! demüthiglich und kommen vor dich mit zerschlagenem, betrübtem Geist, du wollest uns in unserm Kreuz und Elend durch deinen heiligen Geist trösten und lehren, daß wir nicht wider dich 334 Wetter- Gebete. 335 und deine Kreatur, sondern vielmehr wider unsere Sünden, mit welchen wir noch wohl größern Fluch verdienet hätten, murren, solchen zugefügten Schaden für eine väterliche Züchtigung mit Geduld erkennen und ertragen und hinfüro unſer sündliches Leben bessern. Dieweil aber deine Hand nicht zu kurz iſt, noch dir zu schwer, durch viel oder wenig zu helfen, so wollest du, o treuer Gott! uns das Wenige, so in dem Wetter auf dem Felde überblieben, desto reichlicher segnen, deine Kinder zu dieser bösen Zeit speisen und ernähren und vor großem Unfall hinfüro väterlich behüten. Erhalte uns doch noch länger bei deinem heiligen Wort in gutem beständigem Frieden; gib uns gesunden Leib, und pflanze in unſer Herz die brüderliche Liebe, daß einer sich des andern in unserer Trübsal von Herzen annehme und erbarme, und wollest nach deinem Geistreiche und andächtige väterlichen Willen diesen Abgang und Verlust künstig in andern Wegen gnädig erstatten, und nach diesem elenden mühseligen Leben uns allen geben die himmlische Freude und ewige Seligkeit, durch Jesum Christum, unsern einigen Seligmacher, in Kraft des heiligen Geistes. Amen. 336 Danksagung, wenn das Wetter glücklich abgegangen. Der Donner höret auf: Ach Gott und Vater! Laß den Donner deines Zorns auch aufhören gegen uns! Das Blißen lässet nach: Ach hilf, Herr Jesu, daß wir immerdar gedenken an die letzte Zukunft, welche wird schnell kommen wie der Bliß. Das Donnern und Blizen hat uns erschreckt: Ach, edler Tröster, heiliger Geist, tröste uns wieder jetzt und allezeit, daß wir unserm Gott getrost vertrauen, auf Wetter- Gebete. seine große Macht festiglich bauen, und immer zu ihm in den Himmel schauen. Nun ist das Wetter vorüber und hat sich gewendet: darum solle sich teiner verdrießen lassen, sich mit einem schönen Dankspaimen zu Gott in dem Himmel zu wenden: weil wir im Werk erfahren, daß Gott unser in Gnaden gedacht, unsern Wunsch wegen väterlicher Erlösung erfüllet, sollen wir billig auch seiner mit einer schuldigen Dankſagung gedenken. Alsdann sind wir recht glaubig, wenn wir das, so wir mit Worten versprochen, im Werk erfüllen. Denn wer seine Augen im kindlichen Vertrauen zu Gott im Himmel erhebt, denselbigen schauet er hinwiederum väterlich an; wer fleißig Gott, seinem Wohlthäter und Beschüßzer, für alles danket, an den gedenket er auch mit Wohlthaten und Schuß je länger je mehr. Darum so lasset uns mit 22 Geistreiche und andächtige unserer Dankſagung mit fröhlichem Gemüthe vor Gott kommen, weil er uns aus dieser Noth geholfen hat. Ihme gebühret hierüber Ehre, weil er den Donner heißet kommen und wiederaufhören; Ihmegebühret Preis und Würde, weil die Blize nach seinem Befehl sich wieder begeben haben in ihre Hütten. Die Wetter- Stimme des Herrn hat sich auf unser Gebet gelegt, darum ſollen wir nun auch unsere Stimme zu seinem Lob erheben; des Donners Grausamkeit hat er verwandelt in eine ſtille Lieblichkeit, zu vernehmen unsere schuldige Dankbarkeit: darum jollen wir auch hören lassen, Gott mit gebührender Danksagung zu berehren, daß er uns zur andern Zeit wiederum erhöre, und auf unser demüthiges Flehen gnädige Hilfe beschere. Denn es sollte ein Unterschied sein unter uns Christen und dem gottlosen Welthaufen, welche, wie das unvernünftige Vieh, 338 Wetter- Gebete. 339 der Gaben und Gutthaten Gottes ohne alles Nachdenken genießen, auf ihre Seele hinfressen, nie an Gott gedenken, alle seine Hilfe und Rettung in Wind schlagen, ja wohl nie zu Gemüth führen, daß die Errettung von Gott komme, und sie deßwegen, wenn sie einem großen Unglück und Gefahr entgangen, ihm zu danken schuldig seien: Daher findet man immer neun oder mehr Undankbare, bis sich nur ein Dankbarer findet. Von diesen sollen wir uns absondern und es mit denen halten, deren größte Freude iſt, wenn sie Gott ohn Unterlaß, mit fröhlichem Schall loben sollen. Denn, wie Gott dem Herrn nichts so sehr mißfällt, als der Undank, welchen er seinem Volk oft mit hartem Dräuwort hat lassen vorwerfen, und durch Salomon gesagt: Eines Undankbaren Hoffnung wird wie eine Reife im Winter zergehen und wie ein unnüßes Wasser fließen: 22* Geistreiche und andächtige Also läßt er ihm die Dankbarkeit über alles gefallen, darum sagt er selber: Opfere Gott Dank und be= zahle dem Höchsten deine Gelübde; und David sagt: Ich will den Namen GOttes loben mit einem Lied und will ihn hoch ehren mit Dank, das wird dem Herrn besser gefallen, denn ein Farr, der Hörner und Klauen hat. In allen Gutthaten des Herrn unsers Gottes, in aller Züchtigung, in aller Verzeihung, da er uns nicht gestraft hat, wie wir es verdienet haben, soll unsere Seele den Herrn loben, sagt Augustinus. Denn der ist würdig, noch größere Gutthaten zu empfangen, der da beweiset, daß er der vorigen in seinem Herzen nicht vergessen hat, sagt Cassio= dorus. Was GOtt den Darkbaren gibt, nimmt er den Undankbaren, ſagt Auguſtinus. Und so Feuer, Hagel, Schnee, Dampf und Sturmwind auf ihre Weise Gott loben: 340 Wetter- Gebete. vielmehr sollen wir Christen dieses thun. So auch wir Dank sagen sollen für alles, Gott und dem Vater in dem Namen Jesu Christi; alſo sollen wir ihm insonderheit dafür danken, wenn er ein gefährliches, schreckliches Wetter ohn allen Schaden gnädiglich abgehen lassen, und seine gerechte Rache an uns nicht geübet hat; denn es ist ein köstlich Ding, dem Herrn danken und seinem Namen lobsingen, des Morgens seine Gnade und des Nachts seine Wahrheit verkündigen. 341 Ein anderes. Allmächtiger Gott, himmlischer Vater! der du uns gesagt haft: Rufe mich an in der Zeit der Noth, so will ich dich erretten, so sollst du mich preisen. Wir sagen dir von Grund unserer Herzen Lob und Dank, daß du unser Gebet gnädig erhöret und dieß zornige Wetter also hast vergehen lassen, daß uns dadurch an Leib und Gut fein 342 Geistreiche und andächtige Wetter- Gebete. Schaden geschehen ist. Damit haſt du abermals dein getreues Vaterherz zu erkennen gegeben, daß du nicht mit uns handeln wollest nach unsern Sünden, und uns nicht vergelten nach unsern Missethaten. Verleihe nur, barmherziger Vater, uns um deines eingebornen Sohnes Jesu Christi willen, daß wir uns auf solche deine ernstlichen Warnungen beständiglich bessern, in deiner Furcht hinfüro leben und auf die Zukunft deines lieben Sohnes uns bereit machen, damit wir ihm mit Frenden entgegen ziehen, den neuen Himmel, in welchem Gerechtigkeit wohnet, mit Jauchzen und Frohlocken einnehmen und mit dir in deiner seligen Anschauung ewiglich besitzen mögen, durch denselben deinen lieben Sohn, unsern Herrn und Heiland, Jesum Christum. Amen. Gebet um fruchtbare Zeit durch das ganze Jahr. Du suchest das Land heim und wässerst es und machest es sehr reich: Gottes Brünnlein hat Wassers die Fülle, du läsfest ihr Getraide wohl gerathen, denn also bauest du das Land. Du tränkest seine Furchen und feuchtest sein Gepflügtes: mit Regen machest du es weich und segneft seine Gewächse: Du krönest das Jahr mit deinem Gut, und deine Fußstapfen triefen vom Fett. Ps. 95, V. 10-12. Gib Korn, Getreid Zu rechter Zeit, 343 Such das Land heim und die Erde, Daß sie reich und trächtig werde. O HErr, allmächtiger Gott, ein Herrscher Himmels und der Erden! der du durch deine große Güte den ganzen Erdboden mit allerlei Früchten zierest, erfüllest und segnest, davon Menschen und Vich ihre Nahrung haben und deiner Gaben genießen: Wir, als deine armen und dürftigen Kreaturen, bitten dich demüthiglich, du wollest unser Land segnen und ein gnädiges fruchtbares Wetter geben, daß alle Früchte der Gebet um fruchtbare Zeit Erden ohne Hinderniß wachsen und die Bäume wohl tragen: Wollest sie auch vor Schloßen und Hagel, vor Plaßregen, Raupen, Ungeziefer, Brand, Mehlthau und allem, was ihnen schädlich ist, väterlich behüten! Auch allen Samen und alle Früchte des Feldes, in Frost, Kälte, Eis, Schnee, Hiße und Dürre, im starken Regen und allem vorfallenden Wetter, gnädiglich erhalten, daß sie nicht Schaden nehmen, und wir also durch deine väterliche Fürsorge vor Mißmachs, Theurung, Hunger und Kummer mächtiglich beschüßet und Menschen und Vieh mit deinem reichen Segen erfüllet werden. Ach Herr, strafe uns nicht in deinem Born! und laß das Land nicht feiren in deinem Grimm, daß es nicht wüst liege und unfruchtbar bleibe: Schließe den Himmel nicht zu um unsrer Sünde willen, daß er nicht werde wie Eisen, und die Erde wie Erz; sondern thue uns Gutes, 344 durch das ganze Jahr. gib Regen und fruchtbare Zeiten, und erfülle unsere Herzen mit Speiſe und Freuden, thue deine Hand auf und sättige alles, was lebt, mit Wohlgefallen. Ach, Herr, verlaß uns nicht mit zeitlicher Nahrung, sondern versorge uns reichlich; gib uns unsern unsern bescheidenen Theil Speise und unser tägliches Auskommen, auf daß wir in allen Dingen deine göttliche Kraft und milde Hand mit Danksagung erkennen und dich immerdar loben und preisen, der du uns reichlich ernährest an Leib und Seele, hie zeitlich und dort ewiglich. Amen. Herr Gott, weil du die Erd gezieret, Daß man an allen Orten spüret, Dein Güte, Treu und Vaterhand, Und machest sie in allem Land 345 Genug bekannt. Des Feldes Früchte hievon zeugen, Das Gras, die Blümlein und die Zweigen, Darum sich unser Herz erfreut Und rühmet deine Gütigkeit Zu jeder Zeit. Gebet um fruchtbare Zeit. Uns diese Augenlust bewahre, Daß ihr kein Unfall widerfahre, Gut fruchtbar Wetter auch bescher, Was jetzt vor Augen, täglich mehr, Dem Fresser wehr! 346 Durch Hagel, Frost laß nichts verderben, Und keinen Menschen Hungers sterben, Gib, was zu diesem Leben noth, Und dort bei dir das Himmelbrod, Du' frommer Gott! EN DE. VACKEY Inhalt. Seite Heilige Vorbereitung zum Gebet, auf alle Tage des Jahres 3 Allgemeines Morgengebet auf alle Tage in der Woche Allgemeines Abendgebet auf alle Tage in der Woche 4 11 Morgen- und Abendsegen. Morgensegen am Sonntag Abendsegen am Sonntag Morgensegen am Monntag Abendse gen am Montag. Morgensegen am Dienstag Abendsegen am Dienstag Morgensegen am Mittwoch Abendsegen am Mittwoch Morgensegen am Donnerstag. Abendsegen am Donnerstag Morgensegen am Freitag Abendsegen am Freitag. Morgensegen am Sonnabend. Abendsegen am Sonnabend Wöchentliche Morgen- und Abendlieder. Morgenlied am Sonntag Abendlied am Sonntag. Morgenlied am Montag Abendlied am Montag Morgenlied am Dienstag Abendlied am Dienstag. Morgenlied am Mittwoch Abendlied am Mittwoch ● Morgenlied am Donnerstag Abendlied am Donnerstag 16 23 30 35 39 44 48 54 59 63 67 72 76 82 89 90 91 91 92. 93 94 95 95 96 348 Morgenlied am Freitag. Abendlied am Freitag Morgenlied am Sonnabend Abendlied am Sonnabend Morgenlied Abendlied Muntere Frühstunde Gott geheiligte Nachtstunde Morgenlied Abendlied Geistliche Frühwache Geistliche Nachtwache Inhalt. Mit Gott zur Arbeit Morgenlied bei ungesunden Lüften Tägliches Gebet um ein seliges Ende Morgen- und Abendlieder Morgen- und Abendandachten. Morgenandacht am Sonntag. Abendandacht am Sonntag Morgenandacht am Montag Abendandacht am Montag Morgenandacht am Dienstag. Abendandacht am Dienstag Morgenandacht am Mittwoch. Abendandacht am Mittwoch Morgenandacht am Donnerstag Abendandacht am Donnerstag Morgenandacht am Freitag Abendandacht am Freitag Morgenandacht am Sonnabend Abendandacht am Sonnabend Tägliches Haus- und Herzensopfer Morgenandacht eines Reisenden Abendandacht eines Reisenden Morgenandacht eines Kranken . ● ♦ • . . ● • • ♦ . ● Seite 97 98 98 99 100 101 102 103 104 105 106 107 108 109 111 117 145 149 152 155 159 164 168 172 176 181 185 189 194 199 205 221 224 227 Abendandacht eines Kranken oder andern Kreuzträgers Tägliche Vorbereitung zum Tode Gebet eines Kranken Inhalt. Gebet bei harter und langwieriger Krankheit Gebet eines zum Tode Kranken - Schmolkens Lieder Gebet der Umstehenden für einen Sterbenden Tägliche Gewissens- Prüfung Thomä von Kempis/ Todes Betrachtung Christian Hirschen's Wochenandachten Georg Christoph Munzen's Christoph Beezel's Morgenandacht. Abendandacht Zufällige Gedanken über die Verwirrung und Wiederkehr eines bußfertigen Sünders. Wetter- Gebete. ♦ Geistreiche Wetter- Gebete Wenn das Wetter Schaden gethan hat Danksagung, wenn das Wetter glücklich abgegangen Gebet um fruchtbare Zeit durch das ganze Jahr 349 Sette 233 238 243 247 253 257 262 276 281 287 291 293 295 299 305 333 336 343 W Evangel. Verlag von Wilhelm Baur in Reutlingen. Augustinus, des Kirchenvaters, Bekenntnisse. Für Leser jeden Standes, neu bearbeitet auf Grund der von Raumer'schen Ausgabe. broch. geb. in Goldschnitt und engl. Leinwand 60 Pf. 85 Pf. AusgeBeicht- und Abendmahls- Büchlein. zogen aus den Schriften von Dr. Martin Luther. 12º. cart. 70 Pf. geb. in engl. Leinwand M. 1.- Bengel, Joh. Albrecht, Dr. Zeitrechnung übersichtlich dargestellt von M. Joh. Ludwig Fricker, Pfarrer in Dettingen. broch. 75 Pf. Habermann, Johann, Dr. Christl. Morgen- und Abend- Gebete, auf alle Tage in der Woche, wie auch schöne Beicht-, Communion- und andere Gebete, nebſt Morgen-, Abend- und andern neuen Liedern. Stereotyp- Ausgabe. Taschenformat. cart. 20 Pf. geb. in engl. Leinwand und Futteral 35 Pf. Hahn, Philipp Matthäus( † Pfarrer in Echterdingen), Auslegung des Briefs an die Hebräer, in einem kurzen, gemeinfaßlichen Auszug von Pfarrer M. Flattich, d. j., klein Oct. M. 1. - Hartmann, Karl Friedrich,( weil. Decan und Stadtpfarrer.) Licht und Recht. Evangelien- Predigten. broch. M. 3.- Hegler, Stadtpfarrer, und Renner, Pfarrer. Christlich- evangelisches Hausbuch zum täglichen Morgenund Abendgebet. gr. Oct. M. 3. geb. in Halbfranzband M. 3. 60 Herz des Menschen in 10 Figuren bildlich dargestellt als ein Tempel Gottes, oder eine Werkstätte des Satans. Zur Erweckung und Beförderung des christlichen Sinnes. 12°. broch. 50 Pf. - Himmelsleiter, geistliche, wahrer Christen, insonderheit eines gottseligen Simeons und Hannä, oder geistreiches Hand- und Gebet- Buch für alte Leute; darinnen sowohl Morgen- und Abend-, als besonders Sonn- und Festtägliche, auch Beicht-, Communion-, Standes- und Berufs-, in andern Zeiten, Noth-, Krankheits- und Todesfällen dienliche Gebete. Nebſt angehängter Historia der Passion. Von einem Liebhaber Jesu aus geistreichen Schriften zusammengetragen und mit einer Vorrede, auch gar deutlich und mit großem Druck herausgegeben. Sterotyp= Ausgabe. 85 Pf. geb. in Halbfranzband oder Lederband mit Schloß M. 1. 35 Kempis, Thomas, v. Vier Bücher von der Nachfolge Christi. Aus der lateinischen Urschrift auf's Neue übersetzt und mit einer Lebensbeschreibung nebst Bildniß des sel. Thomas und mit 4 weiteren Kupfern versehen. Zweite Auflage. Taschenformat. geb. in Goldschnitt und englischer Leinwand 80 Pf. M. 1. 20 Kempis,- der kleine, oder kurze Sprüche und Gebetlein, aus den meistens unbekannten Werklein 20 des Thomas von Kempis zusammengetragen, zurErbauung der Kleinen von G. T. St. Taschenformat. 60 Pf. geb. in Halbfranzband 80 Pf. Lutherstab, aus Gottes Wort, zur Pilgerfahrt durch alle Tage des Jahrs. Taschenformat. cart. 90 Pf. geb. in Goldschnitt und englischer Leinwand M. 1. 10 Perlen, köstliche, des Gebets für die häusliche Andacht eines wahren Christen. Herausgegeben von einem Verein ächter Gottesmänner. Vierte Auflage. Gebunden in englischer Leinwand mit Rückenvergoldung. Mt. 1. 20 Roos, Magnus Friedrich, weil. Generalsuperintendenten. Beweis, daß die ganze Bibel von Gott eingegeben und die darauf gegründete christliche Religion wahr sei. M. 1. 70 Stark, Johann Friedrich,( weil evangelischer: Prediger zu Frankfurt a. Main.). Communionbuch, oder die andächtige Seele in der Beicht und bei dem heiligen Abendmahl, sammt 12 Regeln einer feinen äußerlichen Zucht, wie man sich zu des Herrn Tisch nahen soll. Neue durchgesehene Ausgabe. Geb. M. 1. - Steinhofer, Friedrich Christoph, M.( weil. Decan in Weinsberg.) Reden über die Versöhnung der Welt mit Gott. broch. in Umschlag M. 2. 60 ㅛ Jeg Ferrarkid Inches 1 Centimetres Blue 2 och 3 4 Cyan 2 5 4+ 4,2 6 3 Farbkarte# 13 Green 8 Yellow 9 10 Red 11 12 5 13 Magenta 14 6 15 White 16 17 7 3/ Color 18 19 8 19 B.I.G. Black