27 खेत में www * #tytt २४ M ॐ 22 * Hi वर 46.98 * #tytt * XX ** भने ५४ థుల్లో कैसे * 2 खेरौद्र ज स * देते VEN ** खेते v ए *** XX प्रोस * * Fuperh फोटोग्र ***** ** मोटोर stytt & डलर प्रवेश कै ** дв 4698 12 3 uns Jesum, deinen Sohn. Vollständiges Shriftkatholisches Gebethbu ch. Von Michael Hauber, -Erzbischöfl. geistl. Rathe, Hofprediger und Hofkaplan. Neueste Auflage. Mit Bewilligung des Fürsterzbischöflichen Ordinariates Bien, der hochwürdigsten General Vicariate der Erzbisthümer Münchens Freysing und Bamberg, und der Bisthümer Augsburg, Eichstadt, Linz, Pasau, Regensburg und Speyer. Reutlingen, in der J. R. Englin'schen Buchhandlung. 1833. GB. 4698 Wer recht zu bethen weiß, der weiß auch recht zu leben. Der heilige Augustin. Univ. Bibl. Giessen 130 Vorwort an den frommen Bether, das recht oft betrachtet und beherziget werden soll. Was heißt bethen? Bethen im Geiste und nach der Anleitung Jesus heißt, sich im Geiste über die wirkliche Welt hinweg, zum Göttlichen und Ewigen emporschwingen, und sich in Gemeinschaft mit Gott seßen, um von Ihm Licht, Rath und Trost, und alle guten Gaben zu empfangen, die allein von Oben kommen- vom Vater des Lichtes. Die bethende Seele spricht mit ihrem Schi pfer und Heilande aus der Tiefe ihrer Nichtigkeit, ihrer Ohnmacht und ihres Elendes und seufzet bethend oder dankend, oder flehend ans zu Ihm auf; je nach in fie und ihr Schöpfer und Heiland spricht gegenseitig zur Seele, und leitet den Strom seiner Gnaden ihrem Bedürfnisse und ihrer Empfänglichkeit berab. Sie sehnt sich nach Ihm und athmet in Jhm auf; Er theilt sich ihr mit, und ergießt seinen Geist in sie, der dann selbst wieder in ihr bethet mit unaussprechlichen Seufzern. Wo aber der Geist Gottes bethet, wer möchte da am Erfolge des Gebethes zweifeln? Was wird der Vas ter und Sohn dem bethenden Geiste in der MenschenSeele( feinem geheiligten Tempel) versagen können? - T 1 IV Vorwort in der Menschenseele, die der Vater schuf zu seiner Verherrlichung, und für welche der Sohn sein Leben gab, um sie vom Tode zu retten! O wenn das bethen heißt, wer möchte nicht gerne bethen? wer sich nicht glücklich preisen, bethen zu können, und nicht die Augenblicke des Gebethes für die schönsten und seligsten seines Lebens halten? Aber wer lehrt uns also bethen? Gott selbst durch Jesus Christus, und seine hei lige Kirche. Da lernen wir im Namen Gottes die Sprache Gottes zu Gott reden. Der Mensch spricht so gerne, selbst vor Gott, die Sprache seiner Eigenliebe; er bethet in sei nem eigenen Namen, ohne zu wissen, was er thut; er kommt über diese Welt und sich selbst nicht so leicht hinweg; er verlangt immer weniger nach Gott, als nach feinen zeitlichen Gaben; ja, bethend abnet er oft kaum, was ihm eigentlich Noth thut. Daher kömmt es, daß sein Gebeth häufig unnüş bleibt, und daß er über Mangel an Gebeths- Erhörung klaget. Sein Bethen ist thbricht; er will Gott Gewalt anthun. Das wahre Gebeth trågt seine Erhörung schon in sich. Christus selbst spricht: ,, Um was ihr immer den Vater in meinem Namen bitten werdet, das wird Er euch geben. Wenn ihr, die ihr doch böse seyd, wisset, euern Kindern gute Gaben zu geben, so wird ja auch Gott seinen gu ten Geist denen geben, die ihn darum bitten." Und wenn ihr in diesem Geiste wollte der Heiland fagen immer bitten werdet; so ist auch immer die Erhörung gewiß. Die geistigen Gaben, die dann im mer unser Erstes sind: die Sündenvergebung, die Heiz ligung, die Einigung mit Gott, kurz die Umwandlung - an den fremmen ether. des Geistes nach Gottes Billen, theilen sich uns durch das wahre Gebeth zum Theile schon wirklich mit, theils machen wir uns derselben würdig und empfänglich; und die leiblichen Gaben folgen immer den geistigen nach Gottes ewiger Ordnung schon von selbst nach. Auch dieses versichert Christus ausdrücklich: Suchet vorerst das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit; das Uebrige wird euch als Zu gabe zu Theil werden." Die Erfüllung der gåttlichen Gebote erfüllt auch das Haus mit dem Segen der zeitlich n Nothdurft. Was den Ueberfluß bes trifft, so ist er dem Menschen nicht immer zum Segen; und wer möchte sich denselben auch nur wünschen, wenn Gott ihn versaget, weil Er unser gegenwärtiges und künftiges Leben zugleich im Auge hat? Vor Gott giebt es in Bezug auf uns nur Ein wahres Gut unser ewiges Heil; alles Uebrige ist nur insoferne gut, als es zu unserm ewigen Heile( zu unserer Besserung und geistigen BVervollkommnung) beytrågt, und wird ein Uebel, sobald es uns in Rücksicht auf dasselbe binderlich wird. Darum können äußere Glücks: Umstände, Reichthum, hohe Würden, und selbst die Gesundheit, allerdings große Uebel für die Menschen werden; und wirklich scheinen sie einem großen Theile derselben mehr zum Falle, als zur Auferstehung zu dienen. Denn der irdisch gesinnte Mensch sieht sie mehr als Zweck, denn als Mittel an, und wenn er um sie thörichter Weise zu Gott bethet, so will er nichts anders, als seine Thorheit Gott selber aufbürden, und Ihn zum Theilnehmer derselben machen. - V - Lassen wir uns von einem so gewöhnlichen Wahne heilen, und bethen wir nimmermchr anders, als zuerst um das Eine Nothwendige: ,, Bater! dein Name werde geheiliget; dein Reich komme zu uns, VI Vorwort dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden!" dann erst um unsern täglichen Unterhalt. In diesem Geiste ist gegenwärtiges Gebeth- und Erbauungs Buch abgefaßt. Damit nun auch dein Herz, frommer Bether! von diesem Geiste beseelet werde, so erhebe es öfters mit möglichster Andacht zum Bater der Lichter, von welchem alle guten Gaben und alle vollkommenen Geschenke herabkommen, und sprich folgendes Gebeth, als Anweisung, wie man bethen soll. 1119 Ueberall bist Du ben mir, mein Gott! zu jeder Stunde giebst Du mir Gehör. Auch außer der Kir che, mitten in meinen Geschäften, zu Hause und auf freyem Feld, wenn ich meine Wege gehe, oder mich zur Ruhe lege; wenn ich zu Tische size, oder davon aufstehe; wenn ich zu Nachts oder Morgens erwache; wenn ich allein oder bey Andern bin; in fröhlichen oder traurigen Stunden kann ich meine Gedanken 311 Dir erheben. Alles, ja Alles kann und soll mich an Dich erinnern, zum Lob und Dank, und Vertrauen ge gen Dich ermuntern. Wenn ich etwas anfange, so sey mein erster Gedanke, ob es vor Dir auch recht und gut ist; und dann gehe ich mit Muth daran, im Vertrauen auf deinen Beystand und Segen. Ist es vollendet, so sey's Dir gedankt und heimgestellt. Gehet es mir wohl, so preise ich Dich dafür, und freue mich Deiner. Stehet mir Gefahr und Noth bevor: warum soll ich zagen? Du, Gott mein Vater! bist bey mir. Du verlangst keine langen Gebethe, weil mein schwacher Geist bald ermattet und zerstreuet wird. Du willst nicht einmal, daß ich viele Worte brauchen VII an den frommen Bether. soll. Desto dfter und inniger aber soll sich mein Herz zu Dir erheben, und in kindlicher Einfalt mit Dir reden. Ich darf nicht erst auf Worte sinnen; sondern darf mit Dir reden, wie ein Kind mit seinem Vater, wie ein Freund mit dem andern. Und das sollte mir schwer ankommen? Dir, mein bester Vater, Wohlthäter und Freund! sollte ich nichts zu sagen wissen? Dir nicht meine Hochschäßung und Liebe bezeugen kön Habe ich Dir denn nichts zu danken? nichts Habe ich abzubitten? nichts von Dir zu hoffen? Dir kein Anliegen vorzutragen, seinen Trost bey Dir zu suchen? nen? - Gott! wie muß ich mich schämen, daß ich so we= nig Lust am Bethen habe; daß ich oft nur aus Zwang, aus Gewohnheit dem Schein nach bethe, aber mit den Gedanken ganz anderswo bin, und selbst nicht weiß, was ich sage; oder Dir meine Gebethe gleichsam vor: zähle, und mehr darauf sehe, wie viel, als wie gut ich gebethet habe. Ach! ich erkenne und liebe Dich eben noch allzuwes nig, mein himmlischer Bater! Deiner täglichen Wohls thaten bin ich schon gewohnt, die größten Gnaden, die wahren Güter, die Du mir bereitest, weiß ich nicht genug zu schäßen, und fühle auch nicht viel Verlangen darnach; was mir das Angenehmste seyn soll, ist es mir oft am wenigsten; es dringt immer nur das Zeits liche, das Gegenwärtige vor. Darum wird es meinem Herzen so schwer, sich von der Erde gegen den Himmel, vom Sichtbaren zu dem Unsichtbaren zu erheben; darum hat es so wenig Eifer zum Gebeth, so wenig Andacht dabey. Wann werde ich doch einmal diese Trägheit über IIV VIII - 1900 winden! Mit deinem Beystande, o Gott! wird es mir gelingen, wenn ich Dich mir allzeit als gegenwärtig vorstelle, und wohl bedenke, was ich thue, wenn ich bethe; mit wem ich rede, wie groß, wie gut, wie heilig Du bist. Dieß wird mich mit Ehrfurcht, Zutrauen und Liebe erfüllen, und vor dem Frevel bewahren, Dir etwas vorzusagen, das mir nicht von Herzen gienge, etwas zu versprechen, was ich nicht odpo zu halten gesinnt wäre, um Güter zu bitten, die bis 1 ich mir nicht ernfilich erwerben und zu Nußen machen wollte. 2319 [ 190 Vorwort Pa - 1 Zerstreuungen, die mir selbst unlich sind, rechneft Du mir nicht zur Schuld. Ich will nur, sobald ich fie merke, meine Gedanken sammeln, und sie wieder auf das richten, was ich bethe. Wenn es mir gleich nicht allzeit von statten gehet, wenn ich schon den süßen Trost des Gebethes oft nicht empfinde; so soll mich das nicht abwendig machen. Du siehst auf den guten Willen; und es kommt Alles darauf an, wie Du diesen ben mir findest. und niom pin Gebethes. Kraft und Frucht des O Gott! Du heißest mich bethen. Ich werde fo oft dazu ermahnt; und ich erkenné es auch selbst gar wohl, wie gut und nothwendig es ist. Aber die wahre Absicht und Kraft des Gebethes bedenke ich noch allzu wenig; und darum habe ich so geringen Eifer dazu, und forfelten rechten Nußen davon. Ich bethe oft nur, um zu bethen, des Gebrauches wegen, und weil es seyn muß, um Dir gleichsam die schuldige Aufwartung zu machen, um einen Dienst zu entrichten, den Du mir wieder vergelten solltest: oder es treibt mich die Noth zum Gebeth, weil ich dadurch gleichsam zu erzwingen 107 an den frommen Bether. . IX hoffe, was ich wünsche. Aber das ist oft ein unverstäns diges Gebeth, das Du nicht erhören kannst; und dann klage ich doch noch, daß ich umsonst gebethet habe.us Du, o großer Gott! brauchst zu deiner Berherrlis chung mein armes Gebeth nicht. Du darfst nicht so, wie ehrgeizige, oder bartherzige Menschen erst durch wehmüthige Bitten bewegt werden. erdenlydss Aus eigener Güte bist Du immer geneigt zum Erbarmen und Wohlthun; Du kommst so oft unsern Wünschen mit Liebe zuvor, Goldy Dimen und thust uns unzählig viel Gutes, obne daß wir's ers kennen und erbitten; Du weißt was ich will, ehe ich Dir's sage; und ehe ich und ehe ich Dich anrufe, ist mir schon Hülfe bereit, wenn es nur an mir selbst nicht fehlt. Also bloß zu unserm Besten willst Du angebethet seyn, damit wir ein kindliches Herz zu Dir bekommen, Dir immer fester anbängen, und Deiner nie vergessen sollen. Durch mein Gebeth lege ich das tägliche Bekenntniß ab, daß ich alles Gute Dir zu verdanken, von 1 Dir zu erwarten habe. Sollte ich einen so guten Gott und Vater nicht über Alles lieben, Jhm nicht willig gehors chen, mich Ihm nicht mit vollem Zutrauen ergeben?- Sollten meine guten Vorsäge, die ich vor deinen Aus gen gefaßt habe, nicht dadurch mehr Dauer und Festigs Feit erhalten? Je öfter ich mich mit Dir, dem Besten und Feiligsten! unterhalte, um so besser und heilis ger muß auch ich selbst dadurch werden. Je tiefer ich im Gebethe das Andenken an deine Gegenwart meinem Herzen einpräge; um so weniger werde ich zur Stunde der Versuchung Deiner vergessen. Du siehst, stärkest, belohnest mich. - Ich nenne Dich im Gebeth meinen Vater im Himmel. Es muß also dort meine wahre Heimath, mein wahres Vaterland seyn; dieses Leben ist mir eine Reise, eine Vorbereitung zu jenem himmlischen. Wenn X Vorwort ich das bedenke, so kommt mir alles Zeitliche ganz anders vor, so daß ich mich über nichts mehr ausschweifend erfreuen, noch kleinmüthig betrüben, noch etwas zu ängstlich verlangen, oder befürchten mag. Ich erhebe mich über die Kleinigkeiten dieser Erde, und strebe nach meinem höhern Ziele zu Dir hinauf. Wenn ich in meinem Gebeth das Gute, das ich besige und erlange, als deine Gabe, und als Mittel zum Wohlthun betrachte, so lerne ich es erst recht schåßen, gut anwenden, und dankbar froh genießen. So werde ich im Wohlstande nie leichtsinnig und übermüthig werden. Und wie könnte ich gegen meinen Nächsten hartherzig, neidisch und feindselig werden, wenn ich bedenke, wie mild Du gegen mich bist! S Mit heiterem Muth gehe ich vom Gebeth an meine Arbeit und Pflicht, aufgemuntert durch den Gedanken, daß Du sie mir angewiesen hast, und mich dafür belehnen willst, wenn ich sie auch nach deinem Willen thue. Will sie mir zu schwer werden, so schaue ich zu Dir hinauf, wie Du auf mich herabsiehst; und schöpfe neue Kraft. Du wirst meinen wohlüberlegten und gutgemeinten Unternehmungen einen guten Ausgans geben und die Mittel angedeihen lassen, die ich dazu nach deiner Anordnung gebrauche. So ist auch dein zeitlicher Segen eine Frucht des Gebethes, wenn es so beschaffen ist, daß ich dadurch fleißig und rechtschaffen werde, und also meinen Mitmenschen mich schäßbar mache. 4 In Anliegen und Leiden wende ich mich zu Dir, o Gott! ben Dir suche ich Zuflucht und Trost. Du bist mein Vater, Dir vertraue ich, Dir ergebe ich mich, Dir überlasse ich, was nicht in meiner Macht stetyt. O gewiß! Du wirst Alles recht machen, und zu an den frommen Wether. XI meinem Besten lenken. Ja es ist schon besser um mich, wenn ich recht gebethet habe. Ist es doch schon Ers leichterung, wenn man einem Freunde seine Noth klagen kann? Welcher Trost für mich, daß Du, o Gott! meine Klagen und stillsten Seuffer hörest, daß ich mein Herz vor Dir ausschütten, und meines Kummers mich entladen kann! So wird es mir dann leichter, um's Herz, heiterer im Gemüthe; ich werde beruhigt, gestärkt und auf Alles gefaßt, was Du, mein Gott! mit mir machen wirst, und ich fase neuen Muth. Soll auch das, um was ich bitte, gleich nicht ge= schehen können; so weiß ich doch, daß Alles nach deinem Willen gehen muß, und der ist immer der beste. Selbst Jesus, mein Erlöser, konnte mit sei nem Flehen den bittern Kelch nicht von sich entfernen. Aber wie gestärkt stand Er vom Gebethe auf; wie standhaft ging Er seinem Leiden entgegen; und wie selig war der Ausgang desselben! Dieß sen auch mein Trost, wenn ich nicht gleich und allezeit Hülfe er lange, wie ich es wünsche. - Dwie groß ist die Wohlthat und Kraft des wahren Gebethes! wie tröstend und stärkend ist es!- Es soll mich immer besser, und edler gesinnt, zufriedener und deiner Gaben würdiger machen; darum hast Du es zum Mittel und zur Bedingniß verordnet, viele deiner Gaben und Wohlthaten zu erhalten. Kann mir wohl das Bethen noch eine beschwerliche Pflicht seyn? Muß ich es nicht für mein größtes Glück schäßen, daß ich armes Geschöpf mit Dir, meinem Schöpfer, mich so nahe bekannt machen, so vertraulich umgehen, und von meinen Angelegenheiten reden kann, wie ein Kind mit seinem Vater! O laß mich daben nur die wahre Absicht und Weise zu bethen nie verfehlen, da- Vorwort XII mit ich auch Frucht und Nutzen davon habe. Jedes Gebeth bringe einen guten Vorfa's in mir hervor, oder bestårke mich darin. So werde ich erfahren, was das Gebeth vermag. Gebeth zur Anweisung, um was man bethen soll. O Gott! mein Herz liegt vor Dir offen; Du siehst meine Wünsche, ehe ich sie als Bitten Dir vortragen will. O möchten sie auch so beschaffen seyn, daß sie Dir gefallen, und erfüllet werden können! night Herr! Du hast gesagt: ,, Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgethan." Ja, alles wahre Gute, dessen ich be dürftig und fähig bin, kann ich von deiner weisen Güte erwarten, wenn ich es mit ernstlichem Willen verlange, auf den rechten Wegen suche, und mit anhaltendem Eifer mich darum bestrebe. Nur durch Tugend, Rechtschaffenheit und Besserung kann ich wahrhaft glücklich werden. Das ist auch dein Wille, o Gott! das soll mein eifrigstes Verlangen, und der Hauptinhalt all' meines Gebethes seyn. Ich wünsche es wohl auch, und bitte Dich herzlich darum. Aber meine Wünsche und Bitten müssen zugleich ernstliche, gute Borsäge seyn. Wenn ich zu Dir rufe: Herr erleuchte, bekehre, regiere mich; verleih mir Gnade, gieb mir Weisheit und Tugend; mache mich fromm, zufrieden und selig; laß mich nicht fündigen; laß mich geduldig, sanftmüthig, teusch seyn; bewahre mich vor Thorheit und Laster; erlöse, rette mich an den frommen Bether. XIII vom Verderben: so bekenne ich durch dieses Gebeth, daß ich ohne Dich nichts vermag; daß alles Gute, und alle Kraft es zu vollbringen, von Dir herkömmt. Und das bestärket mich im Vertrauen auf Dich und macht mir neuen Muth. Aber fern sey es von mir, mich so darauf zu verlassen, daß Du Alles als lein thun, ohne mein Wollen und Bestreben, durch ein Wunder deiner Gnadenkraft mich zum Heiligen umschaffen, und mich mit Gewalt in den Himmel zies hen werdest. Nein, meine Trägheit und meinen Leichtsinn unterstüßest Du nicht: ohne meine ernstliche Mitwirkung kannst und willst Du mich weder heilig, noch selig machen; nur mit meinem freyen Willen, mit Anstrengung meiner eigenen Kräfte muß ich es werden. Nur unter dieser Bedingniß kann ich auf Dich vertrauen und hoffen. - Du erlaubest mir auch, mein Vater! um mein zeit Aber da habe ich erst liches Wohl Dich zu bitten. wohl zu bedenken, ob das, was ich wünsche, auch wahrs haft gut ist, ob es mir schon jest, und in der Zukunft ersprießlich seyn wird, ob es mich selbst bess ser machen kann; denn wie oft werde ich vom Schein geblendet, wie oft schon hat mich meine Einbildung und Erwartung betrogen! Und wie dürfte ich etwas verlangen, das zwar mir vortheilhaft, aber meinem Nächsten nachtheilig seyn könnte, der auch dein Kind ist, wie ich, und für den Du auch, wie für mich, vás terlich sorgest? Vielmehr soll ich ja nur darum meinen Zustand zu verbessern suchen, damit ich auch Andern dadurch nůzlich werden möge. Aber auch bey der besten Meinung und Absicht XIV Vorwort darf ich von Dir nicht Wunder fodern, noch erwarten, daß Du meinetwegen von deiner weisen Ordnung, nach welcher Du den Gang der Dinge eingerichtet hast, ab. gehen sollst, obwohl dein Arm nicht abgekürzt ist, und Du als Herr der Natur auch den Elementen gebietest. Das hast Du mir niemals verheißen, sondern Du hast mir Vernunft gegeben, um nachzudenken, wie ich mir erst selbst helfen, oder wo ich Hülfe suchen soll, welche Mittel und Vorsicht ich anzuwenden, Sindernisse ich zu überwinden, welche wahrscheinliche Aussichten ich vor mir habe; damit ich mich nicht mit vergeblichen Wünschen und Hoffnungen aufhalte und quale. welche -- - Vater! nicht mein, sondern dein Wille ges fchehe! Dieß Gebeth deines Sohnes sen auch allzeit das meinige. Es ist das beste, das sicherste, das trist. lichste. Kein Eigensinn, kein Kleinmuth, keine Ungeduld mische sich darein. Ich bin ein kurzsichtiges Kind, das oft selbst nicht weiß, was es begehrt. Du Vater! verstehst und meinst Alles auf's Beste; Dir überlasse ich getrost den Erfolg, wenn ich mein Möglichstes gethan habe. Erhalte ich nicht, was ich suche, seßen sich meinen redlichsten Bemühungen Hindernisse entgegen, die ich nicht vorhersehen, noch heben kann; so will ich doch nicht murren, noch zagen, sondern mich dadurch beruhigen, daß Du, o Gott! es nicht ges. wollt, nicht für gut gefunden hast; daß es mir vielleicht, wenigstens jest noch nicht nüglich, oder nicht möglich war; daß Du mir dafür ein größe res Glück bereitest, wenn ich mich durch fortgesente Besserung, Fleiß und Tugendübung dazu fähig mache; daß endlich unter deiner weisen Regierung auch aus - an den frommen Bether. XV tem Uebel Gutes entsteht, und daß Du derren, die Dich lieben; Alles zu ihrem Besten zu lenken weißt. So unterwerfe ich meine Wünsche und Bitten mit kindlicher. Ergebung deinem heiligsten Willen; und so hoffe ich nach der Anweisung Jesus, auf eine Dir ges fällige, und mir heilsame Weise gebethet zu haben. Amen. எல் வா ē sd dim 1961 dis ved Erster Abschnitt. In This Tägliche Andachten. i 1194 38 sch Morgenandacht. H Beym Erwachen. Es fegne mich mein Gott und Vater, und wasche und reinige mich mit dem Blute Jesus, und heilige mich durch die Gnade des heiligen Geistes. Amen. obant Benm Anziehen und Waschen. Gott! dieß Kleid erinnert mich an das Kleid der Uns schuld, mit dem unsere ersten Aeltern vor ihrer großen Sün de bekleidet waren. Sie hatten ein köstliches Kleid des Friedens, der Liebe Gottes und der Seligkeit. O barmherziger Gott! Du hast uns dieses reine Kleid der Unschuld, das unsere Stammåltern im Paradiese schon verloren hatten, in deinem Sohne Jesus Christus wieder gebracht. Zieh es meiner Seele an, denn der irdische Leib ist es jest nicht werth; aber wenn die Auferweckungsstimme vom Himmel herab ertönt, dann wirst Du ihn als einen uns. verweslichen, geistigen Leib, mit deiner Herrlichkeit bekleis det, aus dem Grabe hervorrufen, das glaube und hoffe ich nach deinen Worten. 1 Wie ich mich jest äußerlich mit Wasser wasche, also, lieber Gott! wasche du mein Herz und meine Seele mit dem Blute des Lammes Jesus Christus, auf daß ich vor Dir rein sey, als dein Kind Dir wohlgefalle, und einen Eckel und Abscheu bekomme an aller Falschheit, Unreinigkeit, Lüge, Hoffart, Geiz, Neid, Zorn und an Allem, was Dir, o Gott! mißfällig ist. I. Abschnitt. Fasse mich in deine Arme als dein liebes Kind, und gieb mir deine Gnade, daß auch ich Dich innig umfaffe mit den Armen des Glaubens und der vertrauenden Liebe. 2 O Gott! heiliger Geist! laß mich einhergehen und wandeln in deiner Kraft. Dein heiliger Engel, den Du mir zum Schuße gegeben hast, leite mich durch Jesus Christus, unsern Herrn. Amen, Lieber Vater! ich lobe und preise Dich für diese Nacht, die Du mich haft überleben lassen, und danke Dir für diesen Tag, den mir deine Güte wieder geschenket hat. Laß das rechte göttliche Leben, das aus Dir ist, durch die Gnade des heiligen Geistes in mir neu werden, damit nicht ich lebe, sondern Christus in mir. Laß mich im Glauben des Sohnes Gottes stets erneuert werden, damit ich als eine Pflanze der Gerechtigkeit grüne, blühe, und lebendige Früchte trage, die Dir wohlgefällig, und meinem Nächsien nüßlich und beilsam sind. wim og 20 Ich übergebe mich Dir auf's Neue, mein Vater! mache mit mir, was Dir wohlgefällt; reinige, heilige und bewahre mich, daß ich ein rechtschaffener Christ werde, und ein lebendiges Mitglied der heiligen Kirche Gottes, über welcher Friede und Barmberzigkeit waltet. Ich begehre keine andere Ehre, als deine Kindschaft; keinen andern Reichthum als die Gerechtigkeit Jesu Christi; keine andere Wonne und Lust, als die gnadenreiche Inwohnung des heiligen Geistes. Auch für mein Leibliches wirst Du sorgen. Denn Du hast gesagt: Ich will dich nicht als Waise lassen, noch versäumen. Eifrig und standhaft will ich aber auch mit deiner våterlichen Gnade mitwirken. Von ganzem Herzen will ich den Müßiggang als den Anfang aller Lafter verabscheuen und fliehen; freudig und aus Liebe zu Dir will ich die Arbeiten und Geschäfte verrichten, die Du mir heute anweisest; und wenn Ungeduld, Verzagtheit oder Unzufriedenheit mit mei nem Stande meine Seele beunruhigen sollte, so will ich mit kindlicher Ergebung zu Dir, o himmlischer Bater! aufblicken, meinen Willen mit dem deinigen vereinigen, alle Mühe und Arbeit Dir aufopfern, und mich auf den gro ßen Feyerabend freuen, an welchem ich in die Freude Tägliche Andachten. des Herrn eingehen werde, wenn ich als ein guter und getreuer Knecht mit den empfangenen Talenten und Kräften Haus gehalten habe. Deine Barmherzigkeit breite sich aus über alle menschen, und deine Güte über alle deine Geschöpfe. Sey Du selbst eine ewige Bergeltung allen denen, die mir Liebe be weisen. Meine Beleidiger sich mit erbarmenden Augen an, und vergieb ihnen, gleichwie ich ihnen von Herzen vergebe. Alle meine Verwandten lege ich in deine Bater- Arme. Alle Vorsteher der heiligen katholischen Kirche, alle Obrigkeiten und Unterthanen empfehle ich Dir, mein Gott! Ach, sich an den elenden Zustand in allen Ständen; mache Dich auf, und hilf uns, daß deine Ehre gerettet werde, und das gottlofe Wesen, ein Ende nehme. Hilf den Armen und Elenden, die zu Dir schreven. Gieb den Verstorbenen die ewige Ruhe, und laß ihnen leuchten das ewige Licht, welches ist Jesus Christus, unser Gott und Heiland. Amen. - - 3 oll Wenn du die Kammer verläffeft, um an dein Tagwerk zu gehen, ſo nimm Weihwasser, und bethe: ad Himmlischer Vater!+ ich bezeichne meine Stirn mit dem heiligen Kreuze, zum Zeichen, daß ich Dir all meine Gedanken übergebe. Schenke mir einen lebendigen Glauben. Olieber Heiland, Jesus Christus!+ ich bezeichne meinen Mund mit dem heiligen Kreuze, zum Zeichen, daß ich Dir meine Zunge übergebe, damit sie bewahret werde vor allen sündhaften Reden. Schent mir allezeit freudige Hoffnung. Gott, heiliger Geist!+ ich bezeichne mein Herz mit dem heiligen Kreuz, zum Zeichen, daß ich Dir alle meine Begierden, Wünsche und Neigungen übergebe. Schenke mir deine göttliche Liebe. Heilige Maria, Mutter Gottes, und ihr Engel und Heilige alle, bittet für mich armen Sünder, jetzt und in der Stunde meines Absterbens! Amen. unde meia Wenn man die Stunde schlagen hört: Jetzt und in meiner Todesstunde segne und behüte mich der allmächtige Gott, der+ Bater, und der+ Sohn, und der+ heilige Geist. Amen. onnet mo 153 bin I. Abschnitt. Gemeinschaftliches man Morgengebeth einer gots tesfürchtigen Familie. Im Namen Gottes des Vaters+, der uns erschaffen; des Sohnes t, der uns erlöset, und des heiligen Geistes+, der uns geheiliget hat, wollen wir diesen Tag anfangen. Wir fallen jest nieder auf unsere Knie, und bethen Dich an, Du großer allmächtiger Gott, Schöpfer und Herr des Him! mels und der Erde! dein Geschenk ist der heutige Tag, den Du uns wieder gesund hast erleben lassen. Du hast durch den Schlaf unsere müden Glieder gestärkt, und uns neue Kräfte zu deinem Dienste verliehen. Mancherley Unglücksfälle båtten uns während der Nacht treffen können, wenn sie deine Güte nicht so gnådiglich abgewendet håtte. Dafür danken wir Dir von ganzem Herzen, und preisen deine Güte, die sich mit jedem Tage an uns erneuert. Amen. Vater unser ic. dat ontors Vorsaß. Du hast uns zu deinem Dienste erschaffen, und deinen heiligen Willen uns geoffenbaret. Wir wollen Dir heute mit allem Eifer dienen, und deinen heiligen Willen recht fleißig befolgen. Wir wollen sorgfältig acht haben, daß wir nichts denken, nichts reden, nichts thun oder zulasfen, was Dir mißfallen und Dich beleidigen könnte. Den Gelegenheiten zur Sünde wollen wir, so viel es möglich ist, ausweichen, und den Versuchungen herzhaft mit deiner Gnade widerstehen. Sple Du, o Allgegenwärtiger! bist unsichtbarer Weise überall bey uns. Du kennst unser ganzes Thun; auch die geheimsten Gedanken und Wünsche unsers Herzens sind Dir offenbar. Laß uns, o Gott! dieses nie vergessen, damit wir durch diesen Gedanken an deine unsichtbare Gegenwart vor dem Bösen bewahret, und zum Guten kräftig ermuntert werden. Auch dein allerheiligstes Beyspiel, mit welchem Du uns vorgeleuchtet hast, o göttlicher Erldser! und die Liebe, mit der Du Dich am Kreuze für uns fündige Menschen aufgeopfert hast, schwebe uns stets vor Augen, und sey die Richtschnur unsers Lebens. Amen. Vater unser c.. 152 Bitte. Wir bitten Dich, o liebreicher Bater! nimm uns auch heute wieder in deinen göttlichen Schuß auf, segne unsere Arbeit, gieb uns den nothdürftigen Unterhalt, und 5 Tägliche Andachten. wende Schaden und Unglück gnädig von uns ab. Solltest Du aber nach deiner unerforschlichen Weisheit es für gut finden, uns mit Unglück und Leiden heimzusuchen, so geschehe dein Wille! Wir bitten Dich nur um die Gnade zur Geduld, daß wir standhaft ohne Murren aushalten, unser Bertrauen auf Dich nicht verlieren, sondern durch Leiden gebessert, noch inniger mit Dir vereinigt, und der ewigen Seligkeit würdig werden. Vor Allem aber bitten wir Dich um deinen heiligen Geist, der uns zu allem Guten erleuchte, zum Kampf gegen die Sünde stärke, im Unglück tröste, und das Feuer der göttlichen Liebe in unsern Herzen entzünde. Amen. Vater unser. RO 800 GRIL 009 Heilige Maria, Mutter Gottes! Heiliger Schußengel und ihr auserwählten Freunde Gottes! Bittet für uns ben Gott, daß wir euch hier im Leben treulich nachfolgen, und einst dort im Himmel eurer Seligkeit theilhaftig werden. Amen. od tisddaf dan 3974076 In deinem Namen, o Herr! gehen wir jetzt zur Arbeit, wohin uns dein Wille ruft. Aus Gehorsam und aus Liebe zu Dir wollen wir sie mit allem Fleiß und mit aller nur möge lichen Geduld verrichten, und deine unsichtbare Gegenwart stets vor Augen haben. Wir opfern Dir auf all unser Thun und Lassen, unsere Worte und Werke, Schritte und Tritte. Alle bethen zusammen: Also soll geschehen, o mein Gott und Herr! Dir zu Lieb' und zu deiner Ehre.— Ehre sen Gott dem Vater, dem Sohne und dem heiligen Geiste! wie sie war im Anfang, jetzt und allezeit, und in Ewigkeit! Amen. Tägliche Hingabe an den dreyeinigen Gott. ( Nach dem heiligen Augustin.) Herr! mein Gott! mein Herz, meine ganze Seele sehnet sich nach Dir, und suchet Dich; denn du haft uns für Dich geschaffen, und unser Herz ist unruhig, bis es Ruhe findet in Dir. In Dir allein ist Friede und Freude, Leben und Selig feit. Gieb mir heute die Gnade, daß ich Dich suche, finde und liebe, aus Liebe zu Dir meine Sündenschuld abtrage, und die verziehene nicht wieder erneuere. Herr! mein Gott! erwecke in meinem Herzen die Gefühle der Reue! gieb meinem Geifte Zerknirschung; laß meine Augen wie eine Quelle von Thránen überfließen, und meine Hände zu I. Abschnitt. guten Werken sich öffnen. Mein Regierer! lösche in mir aus die Gelüfte des Fleisches, und entzünde das Feuer deiner Lies be. Mein Erldser! nimm von mir den Geist des Stolzes, und verleih mir gnädig den Schaß deiner Demuth. Mein Hei ligmacher! nimm von mir die heftigen Begierden zum Zorn, und gieb mir in deiner Liebe den Schild der Duldsamkeit, und den süßen Frieden eines fanften Geistes. Verleih mir, gütig, fter Bater! einen unerschütterlichen Glauben, eine zuversichtli che Hoffnung und eine unwandelbare Liebe. Wende ab von mir alles Eitle, die Unbeständigkeiten des Gemüthes, die Zers rüttungen des Herzens, die unbedachtsame Geschwähigkeit des Mundes, und das lasterhafte Schmähen und Verläumden meis nes Mitmenschen. Wende ab, o mein weisester Regierer! das Herumschweifen meiner Augen, die eitle Neugierde, Rechthai berey, Ehrsucht und das Gift der Schmeicheley; wende ab von mir die unmäßige Begierde nach Reichthum, allen Geiz, und jegliche Ungerechtigkeit. toile apilis O mein Erschaffer! nimm jede unbedachtsame Leichtfertigs keit von mir, allen Starrsinn, und alles ruhestörende Betras gen; nimm von mir Müßiggang, Schläfrigkeit, Trägheit, Blos digkeit des Gemüthes, Blindheit des Herzens, Eigensinn des Kopfes und Rohheit des Betragens. O mein Erschaffer! nimm von mir allen Ungehorsam zum Guten, stolze Selbstflugheit, Zügellosigkeit der Zunge, Hintergebung der Armen, Unters drückung der Schwachen, Anschwärzung der Unschuldigen, Bernachláßigung der Untergebenen, Hárte gegen Hausgenoss fen, Lieblosigkeit gegen Freunde und Hartnäckigkeit gegen den Nächsten. O mein Gott! mein Erbarmer! durch deinen geliebten Sebn bitte ich Dich: laß mich die Werke der Barmherzigkeit und der Gottseligkeit ausüben, und Mitleid baben mit den Bedrångs ten, die Irrenden belehren, den Hülflosen beistehen, den Armen aushelfen, die Weinenden trösten, meinen Schuldnern nachlafs fen, Beleidigungen verzeihen, meine Feinde lieben, Boses mit Gutem vergelten, Niemand verachten, sondern Jedermann cha ren, nachahmen den Guten, und wider die Bösen auf der Hut seyn, nach jeder Tugend streben, und das Böse verabscheuen und entfernen; in Widerwártigkeiten laß mich geduldig und im Glücke mäßig seyn; über den Mund und über jedes Wort, das über die Lippen kommt, wachen; alles Irdische unter die Füße treten, und nur nach dem Himmlischen dürften, durch Jesus Christus, unsern Herrn. Amen. is a 6 mbas da in 150 910 53 cob Studiour of food 7 Geistreiche Anmuthungen zu Jesus Christus auf alle Tage im Monate. 3 aiesdor ( Aus den Schriften der Heiligen und gottseliger Seelen.) 98 moinse in nos? BallonstND? DENSO THSS hin Borre de. Aus dem Briefe des heil. Ap. Paulus an die Philip. 11. H. 5. 11. V. Send Alle so gesinnt, wie es Christus Jesus war: Ob schon Er in der Gestalt Gottes( Gett gleich) war; so ernies drigte Er sich doch selbst, nahm die Gestalt eines Knechts an, ward den Menschen áhnlich, und dem Aeußerlichen nach wie ein Mensch befunden. Er erniedrigte sich selbst, und ward bis zum Tod gehorsam, und zwar bis zum Tod am Kreuze. Darum erhöhte Ihn auch Gott, und gab Jhm einen Namen, der über alle Namen erhaben ist, daß sich alle Knie im Hims mel, auf Erden, und unter der Erde im Namen Jesus beus gen, und jede Zunge bekenne, daß Jesus Christus der Herr sey, in der Herrlichkeit des Vaters. 1. Nur dein Angesicht zeige mir, o Jesus! und mir wird alles Heil; nur mit deiner Nähe erfreue mich immer; dann sind meine liebsten Wünsche erfüllt. Komm ach Du lieb licher Friedensfürft!- fomm herab in mein Herz, und nimm Herberge in demselben; denn Du bist der ewig neue Gegen stand meiner Liebe, meines Suchens, und all meiner Sebne sucht. Nach Dir dürfte ich, nach Dir feufset und schmachtet mein ganzes Wesen. S. Anselm. fon Miran 2. Es giebt keine größere Befeligung, als mit Dir, o Jes fus! seyn, und Dir anhangen, und Dich suchen, der Du Dich so gern finden läßt. In Dir haben wir alles. Drückt mich die Last der Sünden, so bist Du- der Gerechtezugleich mein Erbarmer und Versohner. Bin ich hilfsbedürfe tig, fo bist Du meine Zuflucht. Schaudert mich vor der Fins fierniß dieses Lebens, so finde ich in Dir ren ebenen und sichern Weg dahin. Quält mich der Hunger, so sáttigest Du mich mit dem Brode des Lebens. Macht mich Todesfurcht bange, so bist Du meine Stärke und mein Leben. Regt sich schmerzliche Sehnsucht nach der Heimath dort oben in meiner ermüdeten Seele, so finde ich in Dir den ebenen und sichern Weg dahin. S. Ambros, 3. Wer Dich in sein Inneres oufnimmt, der genießt die höchsten Vergnügen und die erhobensten Freuden; denn wo Du wohnest, da ist Leben und Seligkeit. Darum bitte ich Dich, v Jesus! laß mir nichts, lieblich nichts wohlgefällig fenn ohne Dich, nichts fostbar, nichts reizend ohne Dich. Was Dir zuwider ist, laß mich baffen, und was Dir gefällt, darnach laß mich unaufhörlich verlangen. Du, der Eine 8 I. Abschnitt. Geistreiche Anmuthungen bist mein Glaube, meine Zuversicht, meine Liebe, mein Alles. S. Ambrosius et Augustinus. 4. Willst Du, o Jesus! in deinen Acker- in mein Herz - guten Samen aussäen, so muß die Hand deiner Liebe erst die Dörner meiner Sünden ausrotten. Umhülle daher mein sündenvolles Leben mit deinen Verdiensten. Laß mein Leben mit dem deinigen vereiniget seyn, damit dadurch alles Unreis ne in mir rein, und alles Unvollkommene vollkommen wer de. Mache mich durch deine Liebe von aller Eigenliebe frey. Sey Du mein Denken und Trachten- Du meine einzige Sen Mache Freude und Seligkeit.- In Dir, o Jesus! laß mich leben und wirken, leiden und sterben. Deine Liebe reinige, heilige und vereinige mich mit Dir. Schreib das heilige Vers giß mein nicht mit unaustifgbaren Zügen in mein Herz, damit kein fleischlicher, fein unedler Gedanke mich entweihe, und jede Bewegung des Geistes, jede Anmuthung des Hers zens nur Dich zum Gegenstand habe, du allerliebenswürdige ftes Gut, mein Gott, mein Herr! S. Ambrosius. " 1 L 5. Wenn ich manchmal glaube, in der Zugend fest zu ste hen, so sinke ich schnell wieder in Sünden und Vergehungen herab. Was kann, was soll ich thun? Wohin soll ich- ich Sünder, ich Gefangener von der Sünde- mich wen den? Wer wird mich befreyen von diesem Todesleibe? Nur deine Gnade, o Jesus!- Sey mir also nahe, o Du treuer Hirt meiner Seele! und erfreue mich mit deiner Ge genwart. Verleib mir die göttliche Waffenrüstung! Die Lans ze sey dein Wort, das Schwert der Glaube, der Hars nisch die Liebe, der Schild die Geduld. Und so bring mich an der Hand der Demuth immer vorwärts auf der Zus gendbahn, und laß mich nie zurück gehen. Den Tag über sey du mein Augenmerk; sey mein Gefühl im Schlafe; zu Dir bethe oft mein Geist, und eine Unterredung mit Dir sey mein schönster Feyerabend.- S. Anselm.- S. Brigitta. 6. Ich bitte Dich, du meine Hoffnung! bey all deiner Lies be, pergieb mir meine Misfetbaten; und durch deinen heil. Namen laß ich gern deine Gebote hören. Meine volle Zuversicht und meine ganze Hoffnung ruht auf deinem kost baren Blute, o mein Erlöser! das Du um unsers Heiles wil len vergoffen hast. Du bist das wahre unbefleckte Lamm, daß die Sünden der Welt hinwegnimmt. Du hast durch dein Sterben unfern Tod zerstört, und durch deine Auferstehung uns das Leben wieder gebracht. Ich danke mit Herz und Mund und aus allen Kräften deiner unendlichen Barmherzigs feit, mit der Du uns, in der Sünde Verlorne, erlöset und selig gemacht haft. S. Augustinus. 7. O Jesus! unsere Erlösung, Liebe und unser Verlangen! Komm in meine Seele; befeite sie nach deinem Wohlgefallen, und reinige sie von aller Mackel. Heilige mich durch und durch, und erfülle mein Herz mit deiner unaussprechlichen Liebe und der immerwährenden Erinnerung an Dich, daß ich des zu Jesus Christus. le 9 Dich entgegen liebe, und im Verlangen nach Dir ablege die Last aller fleischlichen Begierden, und die so schwere Bürde irdischer Gelüfte, die meine arme Seele anfechten und nieders drücken, damit ich frey werde, und laufe, und nicht ermüde, bis ich zur fáttigenden Anschauung deiner Schönheit gelange. S. Augustin, duic nomain ch 8. Wie so wunderbarlich ist die Süßigkeit deiner Gegens liebe, die Du denen zu genießen giebst, die außer dir nichts lieben, nichts suchen, nichts wünschen. Es wäre mir beffer, gar nicht zu seyn, als ohne Jesus. Beffer nicht zu leben, als seyn ohne das wahre geben. Gütigster Jesus! vers fahre mit mir armen Sünder nicht nach deiner Gerechtigkeit, fondern sey gegen dein Geschöpf deiner Güte eingedent! Jes sus! was bist Du anders, als der Seligmacher? Darum komm mir zu Hülfe, und sprich zu meiner Seele: Ich bin dein Heil!"- S. Augustin.dsil 9. Liebster Jesus! wasch meine Seele in deinem kostbaren Blute rein von aller Sünde. Tilge alle meine Missethaten. L- du Reinster, Heiligster! Alles, was Dir an meiner Seele noch mißfällt, zerstöre das alles in mir. Mein einziger und erster Wunsch ist der, Dir zu gefallen, und Dich zu lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und aus allen Kräften. Schmücke mich mit den Verdiensten und Tugenden deiner heiligen Menschheit. Gieb meiner Seele Ruhe und Himmelsheiterkeit. Wecke in mir die Inbrunst reiner Liebe. O laß Himmelsluft in meine Seele wehen; dann schmilzt in mir das Eis, und die Segnungen deiner Gnade erfüllen mein Herz.- Blosius.stat com 10. Jefus, meine Freude! Du bist das ewige Licht, die unendlich glänzende Schönheit. Erleuchte meine Secte, ers helle sie in Dir. Laß mich froh werden in deinem Lichte; nach Dir lechzet meine Seele; nie sollen mich umfassen des Todes Finsterniffe. Herr! sieh, mein Innerstes verlangt nach deiner Liebe; hilf meiner Schwäche, und laß mich die lebens dige Kraft deiner Liebe erfahren. Du bist meiner Seele Les ben, Ehre, Trost und einziges Gut! Mache mich gänzlich zerfließen in heiliger Liebe, damit ich ein Dir angenehmes Opfer und deines Wohlgefallens Gegenstand werde.- Blosius, 11. Mein Herr! Dir sey alle Anbetung, Ehre und Ruhm und alle Verherrlichung. Du bist die Zierde und Grende der Himmel. Dir übergebe ich mich ganz. Du bist meine Zus versicht. Dir opfere ich mich ganz auf. Du bist meiner Hoff nung Fels. Du bist mein einziges Heil. Ich lege mich ganz in die Arme deiner Liebe; erleuchte, leite und besitze mich ganz. Blosius. - 12. Herr! deine Vaterliebe höre deines Kindes Flehen. Um Liebe zu dir flebe ich nur, damit mein ganzes Leben ein Lob. gefang( deiner Erbarmungen) werde.- Jefus, Kraft Gottes, Grundveste der Ewigkeit! wer Dich liebt, besiegt den Lod. O 1. Abschnitt. Geistreiche Anmuthungen 5 belebe mich mit deinem Geiste, befestige mich in der Vereinigung mit Dir. Du selbst haft gefagt, Du feyest gekommen, Feuer zu fenden, und es sey dein einziger Wunsch, daß es gewaltig ents brenne; nun fich da mein Herz, entzünde es mit diesem Feuer, damit ich Dich liebe und lobe aus ganzer Seele. Blosius. 13. Herr! Iaß mich nirgends Ruhe, nirgends Freude, nirgends Trost suchen, als nur in Dir. Gieb mir die Gnade, überall und allzeit vor deinem Angesichte zu wandeln, und Dich im Herzen, im Munde und Ange zu haben; damit die unheilige Liebe nie ein Pláßchen in mir finde. Ja, Dich liebe ich, und fühle nun feine andere Lust mehr, als Dich zu lieben, und immer mehr zu lieben. O schenke mir eine solche Kraft der Liebe, die mich zu deinem Ebenbilde, und zu einem Dir angenehmen Brandopfer auf ewig mache. Blosius. 10 — T - 14. Wo mein Schaß ist, dort muß auch mein Herz feyn. Mein Schaß bist Du, liebenswürdigster Jesus! mio theurer, als alle Geschöpfe; und du sißest zur Rechten des Baters; für mich würdest du Mensch, und für mich Mitberrscher mit dem Bater. Du gabest mir das Beyspiel auf Erden, und harrest meiner im Himmel als mein Lohn. Auf dich sind meine Augen, und nach dir alle meine Schritte gerichtet. Zich mich nach Dir, damit ich eifrig anfange, nach Dir zu laufen. Ich bedarf des mächtigen Zuges deiner Gnade; denn mein irdischer Mensch zicht mich immer zur Erde nieder, und ohne diese götte liche Hülfe kann ich nicht weiter kommen, ja nicht einmal eis nen Schritt vorwärts machen. Th. v. Kempis.sizi 2015. O Du Eine wahre Lebensfonne für Alle, die irren und suchen! Strahle mir immer, fehre mit deinem holden Lichte in meiner Hütte ein, bis mir im himmlischen Jerusalem der ewige Tag aufleuchtet... Das schwache Andenken an Dich gibt mir jetzt schon so großen Trost, o welche Seligkeit wird mir erst deine herrliche Gegenwart geben! is desta ters - Allein Wie gern ich bei Dir wäre, das weißt Du, o Jesus! ich will geduldig warten, und all mein Verlangen in deine Hand legen. Willst Du meine Wanderschaft verlängern, so will ich unter deinem göttlichen Beystande noch langer hienieden kám: pfen und barren; damit ich es aber williger thue, will ich stets gen Himmel schauen, wo mein Vaterland ist, und Friede, Freude und seliges Leben in Ewigkeit.Th. v. Kempis. 16. Ohne Licht kann ich freylich nicht sehen; wenn ich aber mr verschloffenen Augen, am hellen Mittage nicht sehe, so ist es wahrlich meine Schuld, und nicht etwa der Fehler von der Son ne, deren hohes Licht Alles beleuchtet. Den Weg des Heils haft Du uns gezeigt, Jesus Chriftus! Was für einen Weg? Den Weg der Unschuld, der Herzensreinbeit, Keufchheit, Demuth, Liebe, Heiligkeit. Da kommt man in's ewige Leben. 17. Du bist der Weg, die Wahrheit und das Leben: deine Lehre muß man also glauben, Dir nachfolgen in Liebe, und in froher Hoffnung auf diesem Wege dem ewigen Leben entgegen Hondin zu Jeses Christus. E gehen. Dir wollen wir nachfolgen- o Du ewiges Licht!- und nie den Weg verlassen, den unsere Båter wandelten; sie waren weife, beilige Vänner, deren Namen aufgeschrieben sind Thomas von Villa nova. im Buche des Lebens. 18. Jesus! Du liebevollster Heiland Aller, die an Dich glans ben, und sich von Dir wollen beilen laffen! Du hast uns ohne Maß geliebt, auch wir fellen Dich ohne Maß entgegen lieben. Du hingst für uns am Kreuze, war das nicht eine unermeßliche Liebe? Du Allerunschuldigster starbit für Schuldige den schmache vollsten Tod der Verbrecher am Kreuze,- war das nicht eine unermeßliche Liebe?- Allein, was mein ist, liebe ich; Du, o ewige Liebe, bist mein, und ich sollte Dich von meiner Liebe ausschließen? Du bist mehr, als Alles, mein, und ich wollte Dich am wenigsten lieben? Du unendliche Liebe? lehre mich lieben. Thomas von Villa nova. - 1 19. Erheb mich zu. Dir, daß mich die Sehnsucht nach Dir auf die Eitelkeit der Welt ganz vergessen mache. Dem Mens fchen, der in deiner Gerechtigkeit lebt, ist so himmlisch wehl; dem aber, der die eitle Welt und das Fleischliche lieb hat, lase Dauernde fen Ang und Verwirrung nimmer wohl werden. Rube findet das Menschenherz nur bei Dir. Wer sich mit Dir vereiniget, der wandelt in der Freude seines Herrn. O so bes flügle meinen Geist, daß er emporfliege wie ein Adler, ohne müde zu werden;- immer aufwärts, bis er gelange zu der Herrlichkeit deines Hauses.- S. Anselm, 20. Mein Herz ist gleich einem wegenden Meere, nur in Dir, o Friedengeber! findet es Ruhe. Wenn mir die Sorgen wegen der zeitlichen Dinge beiß machen, so flich meine Seele unter den Schatten deiner Flügel, und wenn sie da der götts lichen Kühlung genießt, so finge sie freudig: In diesem Fries den will ich schlafen und ruhen für und für!" Für mich giebt es feine rechte Annehmlichkeit, als das bei Dir seyn." So lange ich fern von Dir seyn muß, fühle ich der Sehnsucht Schmerz. 21. Quelle der Liebe! liebe Du meine Geliebten. Rühre ihre Herzen, daß sie Dich über Alles lieben, und nur dag wol len, was Dir gefällt, und was Du zu ihrem Besten leiten willst. Nimm, e getreuer Hirt! die Meinigen in deinen Schuß, und führe sie auf rechter Bahn, damit sie hineinkommen, wo fie mit mir, und ich mit ihnen, uns freuen der Herrlichkeit, die ewig dauert. Du versöhnende Liebe am Kreuze! gicb meis nen Feinden alles das, was ich ihnen nach deiner Lehre und nach deinem Beispiele wünschen soll. Ewiges Licht! erleuchte ihre Blindheit; nimm thnen den Irrthum, ewige Wahrheit! belebe ihre Seelen, Du ewiges Leben! S. Anselm, 15 An this aut hodnoty 22. Leite, o göttliches Licht! meine Schritte im dunkeln Thale dieses Pilgerlebens zum heiligen Ziele, und verleih, daß ich zum Angesichte deiner Herrlichkeit gelange. Dein Kreuz und I. Abschnitt. Geistreiche Anmuthungen Tod seyen mir der höchste Trost, o Christus! Erlöser der Welt und König der Herrlichkeit! Verleih mir den Geist des Gehors sams, der Ehrerbietung und Zuversicht, damit ich in allen meinen Nöthen und Gefahren zu Dir, wie ein Kind zu sei nem Bater, fliehe. Sey Du allein mein Friede, meine Freu de und mein Trost. Bleib Du in mir, und zieh mich nach Dir, damit ich mich niemals von deiner Gnade trenne, son dern Eins mit Dir in heiliger Liebe dir allezeit anbange, der Du uns der Weg, die Wahrheit und das Leben bist, in wel chem allein unser Heil ist und unsere Auferstehung. Amen Petr. Canisius. 12 - 23. Ach, wie konnte ich weichen von Dir, o Jesus, mein höchstes Gut! Wie konnte ich wohnen im Elende ferne von Dir? Sieh, ganz elend und stockblind bin ich ohne Dich, Jesus! erbarme Dich meiner. Ich bin eine unfrucht bare, dürre Erde, schaffe Du mich zum fruchtbaren und was ferreichen Lande um. Die Kräfte meiner Seele sind gebrochen und verdorben; ergänze und heile Du sie, mein Jesus! durch die Kräfte deiner heiligsten Seele. Nur zwey Gnaden verlange ich von Dir, vollkommenen Haß gegen meine böse Begierlichkeit, und vollkommene Liebe gegen Dich. 24. O holder Jesus! Du meine Hoffnung und meine Zu flucht, Du meine Liebe! Du bist meines Herzens Wonne und das Leben meiner Seele. Wann doch lebt nichts mehr in mir, als dein Wille und Du?- Wann doch bin ich ganz Liebesflamme, ganz wie verschmolzen in Dich! hätte ich doch niemals die Wirkungen deiner Gnade in mir gehemmt! 200 wäre ich jetzt, hätte ich deinem äußern und innern Rufe allemal gefolgt?- Blosius. dig 1947 nar 25. Immer wie Du willst, nicht wie ich will! Sollte es Dir gefallen, so will ich mit Dir in Armuth und Leiden leben! Ich will gerne der Mindeste unter deinen Kindern seyn! Wegen meiner Sünden will ich mich unter alle Kreaturen verdemüthigen. Alle Menschen will ich mir vorziehen; um Deinetwillen Allen dienen. Meinen Feinden schenke ich aus Liebe zu Dir meine Liebe, und meinen Verfolgern mein Herz. Keine Eitelkeit, kein Vergnügen das nicht aus Dir ist, verlange ich, keinen Eigenwillen, keine Sinnens Just! Alles, was nicht Du bist, und was mich zu Dir wicht führet, verlasse und verschmähe ich ganz. Du bist mein Einziges ewiglich! Und sieh! da hast du mich ganz! Sieb, ich bin bereit, um deiner Ehre willen zu dulden alle Unbild, allen Schimpf, alle Verachtung, allen Spott, alle Trübsal, allen Schmerz.- Blosius. - 26. Herr! es ist schon Erquichung für mich, wenn ich an die Seligkeit denke, die ich durch deine Gnade dort oben zu genießen hoffe. Ach wie spåt lebet meine Liebe für dich auf! ach für Dich, der Du mit ewiger Liebe mich liebtest, und fo frühe zu Dir locktest! Halt mich feft durch Furcht, feßle mich durch Liebe an Dich, und besänftige mich durch deis zu Jesus Christus. 13 nen Frieden. Ich bitte Dich, laß mir wieder geben das Kleid der Liebe, den Ring des eifervollen Glaubens, und meinen Füßen anziehen die Schuhe der Hoffnung, die mich erhebe und befestige. Mein Herg werde ganz Eins mit Dir! Ich will nichts wissen, nichts lieben, nichts begehren, als nur Dich, Jesus Christus, und zwar den Gekreuzigten. S. Theresia. 27. Jesus! Du bist das rechte Leben unserer Herzen. Wer Dir, mein Heiland! nicht leben will, ist des Todes fchuldig ist schon wirklich todt. Wer für Dich keinen Sinn hat unsinnig. Wie die Seele das Leben des Leibes ist, so bist Du das Leben der Seele. Durch dein heilig Gebot der Liebe hast Du uns zwey Flügel gegeben; der rechte Flüs gel ist Liebe Gottes, der linke Liebe des Nachs sten; nur mit Einem von diesen zwey Flügeln kann Niemand in den Himmel fliegen. Liebevollster Gott! verleib mir die Gnade, daß ich nur liebe, was Dich ergößt, den Vers suchungen männlich widerstehe, und deiner Nähe mich freue. Gieb mir Licht in die Seele, damit ich das Gute recht erkenne, und erfälle mich ganz mit Kraft von Oben, damit ich das Erfannte vollbringe, und im Vollbringen nimmer ermüde alle Tage meines Lebens.- S. Bernardus. 28. D Du! der Du Alle unterstüßest, die ihre Zuversicht auf Dich gründen und bauen, verlaß mich nicht; deine Gnade herrsche in mir. Du ludst mich zu Dir ein, hilf mir doch vorwärts. Mein Gott! ich flehe zu Dir, gieb mir Erkennts niß Deiner, und Liebe zu Dir, und Freude an Dir. Wer an Dich glaubt, der geht zu Dir, der hat Dich. Und Dich has ben, heißt das ewige Leben haben. Du sprachst: Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Damit willst Du mir sagen: Willst du wandeln? Ich bin der Weg. Willst du nicht irren? Ich bin die Wahrheit. Willst du nicht sterben? Ich bin das Leben. Du bist uns der Weg ges worden, und wir sollten zweifeln, an das Ziel zu kommen? S. Anselm. Augustin. — - 29. Erbarme Dich meiner; denn Du hast Dich für Alle verblutet! Laß deine Braut, die katholische Kirche, in ihren Bedrängnissen Gnade vor deinem Angesichte finden. Ach der elenden Sünder! führe Du sie zu Dir zurück.- Die Jrrgläus bigen rufe zurück in den Schoos deiner Kirche, ihrer Mutter, die sie verließen, und noch mißkennen und lästern. So Viele schmachten noch in Finsterniß, und wissen nichts von Dir; holde Sonne, geh' auch über ihnen auf! So viele Elende jammern, Herr! erböre sie! Jesus! dein Blut sey auch mein Bittopfer für Alle! Möchten doch Alle Dich kennen, Alle Erlöser Dich nennen, immer Dich suchen mit inniger Liebe, immer Dir flammen voll heiliger Triebe.- Blosius. 30. Mache mich zum Kinde, zu deinem Lieblinge mein Leben lang. Mache mein Herz unfähig, sich stolz zu erheben. Beuge mein Innerstes wieder, damit ich auf meinem Wege nicht irre, und sicher zu Dir hinkomme. Lächelt das Glück mich an, leite ETTER - 14¹ 1. Abschnitt. Du mich; drückt Trübfal mich nieder, richte Du mich auf; habe ich Freude, bewache mith; habe ich Traurigkeit, tröste mich! Dich fürchte meine Seele, und scheute sich vor Sün de, wie vor Schlangenbiß. Nichts- ewiglich nichts müsſe mir lieber seyn, als Du! Blosius. 31. Was wäre mir des Himmels Herrlichkeit, liebte mich der Eine nicht? Dhy' Ibn it finster selbst das Licht, und selbst die Freude Traurigkeit. Ja, ohn' Ihn starrt das Pas radies, wie eine Mitternacht voll Finsterniß. Werd' ich manch mal måde auf meinem Tugendpfade, so erquickt mich deine Gnade, mich unterstützt dein Friede. All mein Leben bist Du; ohne Dich nur Zod. Meine Nahrung bist Du; ohne Dich nur Noth. Meine Freude bist Du; ohne Dich nur Leid. Meine Ruhe bist Du; obne Dich nur Streit. on Gelobt feyst Du, Jesus Christus! Dir sey Dank, Ehre, Ruhm und Macht in Ewigkeit. Amen. in odote vaniss du einadiec difundo, olla 2019 S Christliche Stundenuhr, besonders für arbeitfame Leute, damit sie unter ihren Geschäften gottselige Gedanken fassen, und ihre Arbeit verdienslich für den Himmel machen können. DIN HOM NC 5100 Stred dat chi 100 hp 15mbarag # has si no 200012 I. U br. Madne 2013 JulS DIC: Die Uhr hat Eins geschlagen und mir Gottes Einheit verkündet. Es ist also. Ein Gott, Ein Herr, Ein Schöpfer. Himmel und Erde, und alle Geschöpfe rufen uns zu: Er hat uns gemacht, nicht wir selbst haben uns hervorgebracht; alle verfünden uns feine Aumacht, Weisheit und Güte. Diefen Gott, meinen Herrn, foll ich anbethen, und Ihm allein dies nen. Das ist mein erstes, mein größtes, mein wichtigstes Ges schaft auf Erden das ist das einzig Nothwendige wovon Als les abbängt. Gott dienen, macht meine ganze Zufriedenheit und Seligkeit schon in diesem Leben, und meine ewige Glücks seligkeit einst in dem andern Leben aus.- Habe ich aber nicht in meinem Herzen so vielen falschen Göttern Altäre errichtet, als ich Sünden begangen babe? Habe ich nicht durch die Sün de meinen Willen dem Willen Gottes vorgezogen, und Gott selbst den Gefchöpfen nachgesetzt? Jenen Gott, der die Güte selbst ist, habe ich verlassen, und zu dem besten Herrn habe ich, wo nicht mit Worten, doch durch meine bösen Thaten gesagt: Sch will Dir nicht dienen. Aber reuevoll und zerknirfcbt febre ich zu Dir zurück, o Du mein Gott und mein Herr! Du wirst deine Knecht, der Dich um Barmherzigkeit anflehet, in Gnaden ansehen, und Dich meiner nach deiner großen Barmherzigkeit ers barmen. So will ich denn wenigstens meine übrigen Lebenss tage in deinem Dienste eifrigst zubringen. Ich werde Dir Christliche Stundenuhr. 15 1 allein dienen- Dir alle meine Gedanken, Worte und Werke beiligen, alle bösen Ne ungen bekämpfen, und alles Gute Dir aufopfern. Dir allein werde ich hinfür leben, v Du mein Einziger liebreicher Herr! mein Anfang und Ende! MSTOM mil II. U hr. 3 wey Gebote sind es, die Gott durch seinen Sohn uns auf gelegt hat; nur zwey Gebote, die aber alle übrigen und das ganze Geset enthalten. Das Erfte, welches das größte ist, betrifft die Liebe Gottes: Liebe den Herrn deinen Gott aus deinem ganzen Herzen, aus deiner ganz zen Seele uno aus allen deinen Kräften. Das Andere, welches dem Ersten gleich ist, betrifft die Liebe des Nächsten: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst. Das ist nun Alles, was der Herr von seinen Knechten fordert. Konnte er weniger fordern- Er, der Herr ist, dem Alles, was wir sind und haben, vermöge feiner wesentlichen Obers herrschaft zugehöret? Und doch, wie wenig babe ich viel leicht dieses Wenige beobachtet? Wie vielmal habe ich sein heiligstes Gefeß, das lauter Liebe ist, übertreten? Wie eft habe ich Ihn durch memen Ungehorsam beleidiget?- Ach! ich bekenne meine Schuld, meine überaus große Schuld. Voll der bittersten Neue und Beschámung bekenne ich, o mein Gott! daß ich deine heiligen Gebote übertreten, das Joch deis nes Gehorsams abgeworfen habe; jenes Joch, welches mir durch deine Gnade ein sanftes Joch und eine leichte Bürde war. Aber fünftig will ich weiser werden. Ich will Dich lies ben, o Gott! aus ganzem Herzen und mit ungetheiltem Ges muth. O daß ich Dich lieben konnte, wie Du es würdig bist, geliebt zu werden, mit einer unendlichen Liebe! Auch den Nächsten will ich lieben, und zwar wegen Deiner, wie mich felbst mit aufrichtigem und uneigennützigem Herzen will ich ihn lieben ihm Gutes wünschen, Gutes gönnen, Gus tes thun so viel ich kann ihn mit Geduld ertragen bei feinen Fehlern, und Mitleiden haben gegen feine Schwachbeis ten, wie ich es mir auch von Andern wünsche. Sogar auch meine Feinde will ich Deinetwegen lieben, ihnen von Herzen alle erlittenen Unbilden verzeihen, damit auch Du mir meine Sünden verzeihest. Nur so verdiene ich den Namen eines wahren Christen. 10:08 HOT III. 1 hr. no 83500 360 25 Drey Personen sind in der Gottheit, der Vater, der Sohn, und der heilige Geist, und diese drey find Eins. Der Va. ter hat mich erschaffen, der Sohn hat mich erlöset, und der heilige Geist geheiliget. Vor fo viel tausend Andern hat mich der Vater aus Nichts hervorgezogen, mir sein göttliches Ebenbild eingeprägt, das erhabensie Ziel und Ende mir vors gesteckt. Habe ich mich wohl dem göttlichen Vater für diese - — 1. Abschnitt. d unaussprechlichen Wohlthaten dankbar erzeiget? bin ich meis nem Ziel und Ende nachgekommen? habe ich sein schönes Bildniß in meiner Seele unbefleckt erhalten, selbes durch Sünde nicht zerstöret? Der göttliche Sohn hat aus Liebe meiner die menschliche Natur angenommen, aus Liebe meiner im menschlichen Fleische gelitten; fein Blut, sein Leben, Alles hat Er für mich hingegeben; für mich ist Er am Kreuze in der allerschrecklichsten Marter, von Himmel und Erde vers laffen, gestorben. Habe ich diesem meinem Erlöser die schuldige Gegenliebe erzeigt? Habe ich nicht vielmehr durch meine Sünden sein Leiden erneuert, Ihn oft auf ein Neues gefreuziget, die Früchte seines Leidens an mir zernichtet? Der heil. Geist hat mich geheiliget, mich zu seinem Tempel eingewethet, zu einem Kinde Gottes und Erben des Himmels gemacht. wie oft habe ich seine Gnade mißbrauchet, O feinen Eingebungen mich widersetzet, aus einem Kinde Got tes mich zum Sclaven des Teufels gemacht? Aber von nun an soll es in Ewigkeit nicht mehr geschehen. Dem dreis einigen Gott will ich nun die drey Kräfte meiner Seele für allzeit widmen: den Verstand, damit er nur Gott und Gottesgesetze erkenne; das Gedächtniß, damit es sich im mer der Wohlthaten Gottes, und der Werke seiner Liebe ers innere; den Willen, damit er in Allem den Willen Gottes erfülle; feinen heiligsten Willen in Haltung der Gebote; seis nen gerechtesten Willen in geduldiger Ertragung des zuges schickten Leidens. An diesen dreyeinigen Gott will ich forts hin glauben, auf ihn mit Zuversicht hoffen, Ihn über Alles von ganzem Herzen lieben. Bive pittoul 1: madle mismos aunts 110 20- ma 16 - IV. 11 hr. Es sind vier lette Dinge des Menschen: der Zod, welcher gewiß ist in einer ungewiffen Stunde; das Gericht, welches auch die größten Heiligen zittern ges macht hat; die Hölle, welche zwar einen Eingang, aber keinen Ausgang hat; und der Himmel, der für alle Mens fchen ist erschaffen worden, aber nur jenen zu Theil wird, die in Furcht und Bittern ihr Heil wirken.- Erschütterns de Gedanken! Hätte ich mich doch ihrer allezeit erinnert, ich würde niemals gesündiget haben. Das erste unter den vier letzten Dingen ist der Tod, dem sich auch die Gerechs ten nicht ohne Furcht nähern, weil sie nicht wissen, ob sie der Liebe oder des Hasses würdig sind; wie schrecklich muß der Tod erst den Sündern seyn, besonders da sie keinen Aus genblick davor sicher sind, jeden Augenblick davon können überfallen werden. Und Gort, Gott wird mein Rich ter seyn; jener Gott, der allwissend, allmächtig und uns endlich gerecht ist; jener Gott, dessen Gericht den frommen Job in solchen Schrecken verfeßte, daß er sich wünschte, in den tiefsten Abgrund begraben zu werden, bis das Gericht des Herrn, der auch die Gerechtigkeit richtet, vorbeigegangen; jener 17 Chriftliche Stundenuhr. Gott, der Leib und Seele zugleich in die Hölle stürzen kann. In die Hölle, einen Ort der Peinen, der den Sündern bereitet ist, wo das entseßlichste Feuer mit der schrecklichsten Finsterniß, ein ewiger Tod mit einem immerwährenden Leben vereinbaret ist: wo kein Strahl der Hoffnung hinleuchtet: wo der Jammer ohne Linderung, die Schmerzen ohne Mitleiden, die Thränen ohne Frucht, die Qualen ohne Ende sind. End, lich der Himmel, der Wohnsik der Heiligen, der Inbegriff aller Glückseligkeit, wo der unendliche Gott mit seiner ganzen Allmacht, Weisheit und Güte feine getreuen Diener ewig bes lohnt, wo diese ewig trinken werden aus einem Strome der süßesten Freude und Seligkeit, die kein Auge gesehen, kein Ohr gehöret, und feines Menschen Herz jemals empfunden hat.- Ist es möglich, daß ich dieser letzten Dinge gedenke, und nur noch ein einziges Mal mehr fündige? V. Ut hr. Fünf Sinne hab ich von meinem Schöpfer empfangen; habe ich selbe aber auch zu seiner Ehre angewendet? Ihr, meine Augen, habt ihr wohl den Schöpfer in seinen Geschos pfen jederzeit aufgesucht? habt ihr euch von der Erde zum Himmel, dem wahren, ewigen Vaterlande, oft erhoben? oder hat euch die Begierlichkeit nur an irdische, eitle, vergängliche, fündhafte Gegenstände geheftet? habt ihr euch niemals durch freche Blicke verunreiniget, und send aus Werkzeugen Gottes, Werkzeuge des Satans geworden? Ach! freylich sind ofts mals Sünde und Tod durch die Augen, wie durch Fenster, in das Herz gedrungen; freylich waren sie mir oft Führer zur Sünde. Aber von nun an will ich einen Bund mit meinen Augen schließen. Ich werde sie nicht nur zwischen den Schranken der Ehrbarkeit halten, ihnen nicht nur nichts Unerlaubtes gestatten, sondern auch manches Erlaubte verfas gen; sie sollen mir ihre vorigen Freyheiten und Frechheiten mit heißen Bußthránen abwaschen. Und du, meine 3 uns ge! hast du dich zur Ehre Gottes und Erbauung des Nách, ften allezeit gelöfet? Ach! wie vielmal hat sich diese unbáns dige Zunge, die einem wilden Thiere gleich war, gegen die Heiligkeit Gottes mit Fluchen, gegen die Gerechtigkeit Gots tes mit Murren, gegen die Liebe mit Schmábreden, gegen die Unschuld mit schallhaften und árgerlichen Zweydeutigkeis ten verfündiget?- Ich werde sie aber künftig nicht nur alle Worte genau abwägen lehren, sondern sie soll mir immerhin ihre Freyheiten mit reumüthigen Seufzern abbüßen; ich wers de sie zu einem strengen Stillschweigen verdammen, zum öf tern Gebethe, zum Lobe Gottes und zur Danksagung für feine Wohltbaten, zum Bekenntniß meiner Sünden, zur Vers theidigung der Ehre und Erbauung des Nebenmenschen ans, halten. Ihr meine bren! habt ihr mit Begierde das Wort Gottes aufgenommen? oder vielmehr zu den Gesprås chen der Sünde euch gewendet, an verführerischen Reden 2 - 18 I. Abschnitt. wider Glauben und Gottseligkeit euer Vergnügen gefunden? David der König umzäunte feine Ohren mit Dornen, die Gespräche der Sünder nicht zu hören; die ersten Christen vers ftopften die Ohren, sobald sie nur das Lispeln eines Sünders hörten, und fiohen vor seinen Gesprächen, wie vor dem Ges zifche der Schlange. In der That sind soldfe Reden gefährs licher, als Schlangenbiffe; denn von diesen kann nur der Leib getödtet werden; von jenen aber wird die Seele getöd tet, wird Glaube und Gottesfurcht ersticket. Aber künftigs hin will ich meine Ohren zu verführerischen Gesprächen gleich sam taub machen, will davor flichen, und sollte ich körpers lich nicht fliehen können, so werde ich mich wenigstens in ands re gute Gedanken vertiefen, und auf diese Weise dem Gemüs the nach mich entfernen. Auch den Geschmack, den Geruch, und alles Gefühl will ich mit deiner Gnade, o Gott, abtod, ten, den Leib freuzigen, und das Fleisch der Botmäßigkeit des Geistes unterwerfen, damit ich dem Leibe und der Seele nach, dem Herrn diene, weil Leib und Seele vom Herrn und für den Herrn sind. - - VI. 11 b r. Es ist die sech 8 te Stunde) gewesen, da Du Dich, mein Jesus! můde von der Reise bey dem Jakobsbrunnen nieders gesetzt, und mit dem Werbe von Samarien Dich in ein Ges ſpräch eingelassen hast. Sie war eine Sünderinn, die fünf Männer gehabt, und mit dem sechsten verbotenen Umgang gepflogen hat: und doch hast Du selbe nicht verstoßen; Du hast sie vielmehr als ein verirrtes Scháflein aufgefuchet, bist ihr nachgegangen, und haft ihr Verzeihung ihrer Sünden und das Wasser des ewigen Lebens angeboten. Ounaussprechliche Liebe! was werde ich von dieser Liebe nicht hoffen dürfen? denn auch ich bin ein Sünder, ein vers irrtes Schäflein. Wirst Du mich wohl verstoßen? barmhers zigfter Heiland! wirst Du mich nicht auch, wie jenes Weib, gnädig aufnehmen, der ich Dir reuevoll über meine Sünden entgegenseufze, und nach Dir, meinem Hirten rufe: Ich bin müde geworden auf dem Wege der Sünden: alle meine Gebeine find ausgetrocknet, und jetzt leide ich den bittersten Durst; ich dürfte nach Dir, o Quelle des Lebens! nach Dir, o Jesu! dürfte ich. Wirst Du mir wohl das versagen, was Du selbst diesem Weibe von Samarien so gnädig angeboten hast, einen Trunk aus der Lebensquelle?- Bist Du nicht auch mein Jesus, mein Erlöser und Seligmas cher! It nicht das Blut aus deiner Seite auch für mich ges floffen? O ja! ich hoffe es von deiner unendlichen Barms berzigkeit; denn Du bist gekommen zu suchen und selig zu machen Alles, was verloren war. *) Nach jüdischem Zeiger wird hier die Stunde bemerkt. Chriftliche Stundenuhr. VII. Ut hr. WAS Sieben Sacramente sind es, aus denen uns, als aus so vielen Lebensquellen die Gnaden Gottes, und alles Heil zufließet. Kaum hatte ich das Licht der Welt erblicket, so ist mir schon das erste der heiligen Sacramente zu Theil gewor den. In der Sünde empfangen und geboren, konnte ich nichts anders seyn, als ein Gegenstand des göttlichen Hasses, ein Kind des Zorns, ein Sclave der Hölle. Kaum aber floß das Wasser der heiligen Taufe über mein Haupt, so verwandelte sich der Haß in Liebe, der Zorn in Gnade; der heilige Geist kleidete meine Seele mit der Unschuld, und ich war ein Gegenstand des göttlichen Wohlgefallens, ein Kind und Erbe Gottes, ein Glied und Miterbe Jesu Christi, ein geheiligter Tempel der göttlichen Dreyfaltigkeit. Habe ich auf die Ehre dieser Kindschaft geachtet, und das Kleid der Unschuld ohne Mackel erhalten? wie bald war sie verloren diese Unschuld, der größte Schatz des Men schen. Meine Bosheit hat bald das Alter übertroffen; in meiner zarten Jugend war ich vielleicht schon ein großer Sünder, und nachdem ich einmal Furcht und Schamhaftig, feit verscheuchet hatte, fündigte ich frech fort, verwundete meis ne Seele tödtlich, scherzte noch dazu, und setzte sie der erschreck lichen Gefahr des ewigen Todes aus. Aber auch da hast Du mich nicht verlaffen, barmherziger Gott! deine Gnade erleuchtete und rührte mich auf ein neues, und durch das heilige Sacrament der Buße hat sie mich vom Zode in's Leben zurückgeführt.- Noch mehr haft Du gethan, unend lich liebender Gott! in dem beiligen Sacrament des Altars hast Du mir einen Tisch bereitet, wo Du mich wider alle meine Feinde, und sogar wider meine eigene Schwachs heit, als den stärksten von allen meinen Feinden, schon so oft geſtärket. Werde ich denn nicht auch einmal anfangen, ein göttlicher Mensch zu werden, da ich durch Empfangs ung der heiligen Sacramente so genau und innigst mit Gott vereiniget werde? Werde ich nicht endlich als ein neuer Mensch in Christo wandeln, und auf Erden ein himmlisches Leben führen? - 1 19 - VIII. 11 hr. Am achten Tage ist der göttliche Knabe von Bethlehem Jesus genannt worden. O! der Name meines Jesus! der süßeste Name! diefen Namen will ich in mein Herz einschreis ben, und selben niemals aus meinen Gedanken entlassen; diesen Namen will ich an meiner Stiine tragen, und mich einzig und allein in dem Namen meines Jefus rühmen. Dies ser Name sey in meinen anden, damit ich alles, was ich thue, zu seiner Ehre thue. Dieser Name sey das Gewürz meiner Speisen, er sey mein Trost, meine Freude, mein Les ben. möchte dieser Name meines Erlösers, der Ihn sein 2 1. Abschnitt. Blut gefoffet hat, in mein Herz, wie in das Herz des heili gen Märtyrers Ignatius von der Liebe mit brennenden Buchstaben eingeáßet werden! Dieser Name, der die Höhe mit Jubel, die Erde mit Freude, die Liefe mit Schrecken erfüllet, fey meine einzige Zuflucht im Leben, mein einziger Trost auf dem Sterbebette. Wenn alsdann meine Augen brechen, und sich verfinstern, so sey mein Licht, du heiligster Name Jesus! Wenn meine Ohren nichts mehr hören, so laß Dich in meis nem Herzen hören, o Du lieblicher Name Jesus! Wenn mir der bittere Trd den Mund vergallet, sey meine Erquickung, o Du süßer Name Jesus! Wenn sich die Todesschwäche aller Glieder bemächtiget, sey Du meine Stárke, o ermunternder Name Jesus! Wenn mich der rasende Höllenfeind mit aller feiner Macht bestürmet, da fey Du mein Schild, o stárfender Name Jesus! Wenn ich endlich die große Reise in die Ewige teit antrete, da sey Du mein Wegweiser, Du mein Licht und mein Heil, o Jesus! und führe mich dahin, wo dein Name ewig gebenedeyt wird. 20 20 IX. U hr. - Um die neunte Stunde schrie Jesus: O Gott, o mein Gott! warum hast Du mich verlassen? O Süns de! welchen Leidensstrom hast du über das Haupt der Uns schuld ausgegeffen? Ich, ich habe verdient wegen meinen so vielen Sünden von Gott verlassen, ewig von seinem Ans gefichte verstoßen zu werden. Ich, der ich durch die Sünde Gott verlassen, ich habe verdient, von Ihm verlassen, und allem Elende überlassen zu werden, um zu empfinden, wie bitter es fey, Gott verlaffen zu haben. Was thut aber die Liebe meines Erlösers? Um mich von dieser erschrecklichsten Sündenstrafe, von dieser Verlaffenheit Gottes zu befreyen, unterwirft Er sich freywillig derselben. Zwischen Himmel und Erde am Kreuze hangend, alles Trostes beraubt, ruft Er vor dem Uetermaß des Leidens laut auf: mein Gott, mein Gott! warum hast Du mich verlassen?- Und ich, ich Sander will nichts meinem Jesus zu Liebe leiden? Kaum, daß eine kleine Widerwärtigkeit, die geringste Unpáßlichkeit, ein plötzliches Unglück mich überfällt, so flage ich schon, als wenn ich ganz und gar von Gott verlaffen wäre. Aber nein, mein Gott! ich werde künftighin nicht mehr flagen, daß Du mich verlassen habest; nur weinen, bitterlich weinen werde ich, daß ich Dich so oft verlassen habe. Ich werde bey allem meinem Leiden mit dem heiligen Augustin rufen: Herr! hier brenne, hier schneide, hier verschone meiner nicht; nur dort in der Ewigkeit verschone meiner, und verlaß mich nicht! X. U hr. 3ehn Jungfrauen waren es, unter deren Bild Jesus Chris fius feine gläubige Kirche auf Erden vorstellt. Alle find zum hochzeitlichen Gastmahle eingeladen, alle zur ewigen Glücks Chriftliche Stundenuhr. feligkeit berufen; aber nur fünf erlangen diefe Seligkeit: nämlich die weisen, die ihre Lampen mit hinlänglichem Dele versehen hatten, und so bereitet, die Ankunft des Bräutigains erwarteten; nur diese giengen mit Ihm hinein in den Hochs zeit- Saal, und darauf ward die Thür zugeschlossen. Die fünf übrigen waren so thöricht und unklug, daß sie aus Unvorsichtigkeit nicht Del genug für ihre Lampen batten, und erst dann bey der Ankunft des Bräutigams sich selbes zu vers schaffen hingiengen; indessen aber kommen sie zu spät; sie fine den den hochzeitlichen Saal schon verschlossen, auf ewig für fie verschlossen. Unter welche Zahl gehöre ich? bin ich nicht etwa auch so unklug und thbricht, wie diese Lettern was ren? verschiebe ich nicht auch meine Bekehrung, die Before gung meines Heils, den Erwerb der Liebe und Freundschaft Gottes, welche unter dem Dele verstanden werden, von Tag zu Tag, vielleicht gar bis in's Zodbett? Wehe mir, wenn der Herr unversehens kommt, und mich in die Ewigkeit unbes reitet abfordert; wie erschrecklich würde alsdann mein Loos feyn! und bin ich wohl einen Augenblick davor gesichert? kann ich nicht jeden Augenblick sterben? Aber nein, o Gott! fo thöricht will ich nicht mehr seyn; ich will meine bisherige Thorheit beweinen, und jetzt, da es noch Zeit ist, mich bess fern; ich will wachen und immer bereitet auf deine Ans funft warten; ich will mich im Stande deiner Gnade forgfäls tig bewahren, und mich mit dem Dele deiner göttlichen Liebe, und mit guten Werken auf die große Reise in die Ewigkeit versehen. Alsdann darf ich hoffen von deiner unendlichen Barmherzigkeit, in den himmlischen Hochzeit Saal, in die ewige Glückseligkeit eingelaffen zu werden. - 21 XI. U hr. Der Hausvater, von dem das heilige Evangelium meldet, ging früh und spät aus, Arbeiter in seinen Weinberg zu dins gen; auch um die eilfte und letzte Stunde kam er noch auf den Markt, fand einige müßig dastehen, und schickte sie in feinen Weinberg. Als der Abend dem Arbeiten ein Ende machte, ließ Er iedem den versprochenen Lohn auszahlen; die Leßten wie die Ersten, erhielten einen Zehner.- Welcher Trost für mich, o mein Gott! der ich so spát in deine Diens fte getreten bin! 3war schmerzt es mich unaussprechlich: und, o fonnte ich zurückrufen die im Dienste der Welt verfloffene Zeit! wie wollte ich Dir von ganzem Herzen und aus allen Kräften dienen!- Aber nun ist die Zeit dahin, auf immer dahin, und ich komme sehr spát; vielleicht erst in der eilften, letzten Stunde, erst in meinen letzten Lebenstagen zu Dir. Ach! wirst Du mich wohl verschmähen? Du, der Du dem Mörder am Kreuze noch in der letzten Stunde das Paras dies versprochen hast. Auch diefer ist spåt gekommen, aber nicht zu spät für deine Barmherzigkeit. Eben diese deine liebevolle Barmherzigkeit ruft mir ja selbst zu: In I. Abschnitt. Christliche Stundenuhr. dem Augenblicke, wo der Sünder sich bekehren wird, werde ich aller feiner Missethaten nicht mehr gedenken. O daß ich von einem zweyfachen Eifer angeflammt würde, um jenes wieder hereinzubringen, was ich versäumt habe! o daß ich mit desto größern, ja verdoppel: ten Schritten meinem Ziele zueilte, ie später ich angefangen habe: und so die verlorne Zeit und Stunden wieder einlöfte. Herr! um deine absonderliche Gnade hiezu bitte ich Dich. 22 XII. 11 hr. 3 wolf Stunden hat der Zag. Eine gute Zeit, wenn sie gut angewendet wird!- O! hätten die Verdammten nur eine einzige dieser Stunden: nur eine einzige; sie würden in selber alle ihre Schulden austilgen, sich der erschrecklichsten Sclaverey, worin sie seufzen, entledigen, und ihre feurigen Ketten gegen unverweltliche Kronen vers wechseln. Nun zerschmelzen sie in den bittersten, aber un fruchtbaren Chránen: dürfen an keine Erbarmung und Vers zeihung denken, weil ihrer Reue, ihren Chránen der Werth der Zeit abgebet. Die Zeit der Gnade, der Arbeit, der Vers dienste, hat bey ihnen ein Ende, ist immer und ewig vorbey. - Und diese Zeit, von welcher der mindeste Theil, jeder Augenblick, wie der heilige Hieronymus sagt, ein Preis ist, wofür die Ewigkeit kann eingehandelt werden; diese Zeit, welche so viel als Gott selbst gilt, weil die Anschauung Gottes nicht anders, als durch gute Anwendung der Zeit kann erlangt werden; diefe unfcháßbare Zeit ist noch in meinen Händen. Wehe mir, wenn ich selbe nicht an wende, meine Sünden abzubüßen, neue Gnaden zu erlangen, und den Himmel zu verdienen: denn die Zeit führt zur Ewigs keit, welche glücklich oder unglücklich seyn wird, nach dem jene ist angewendet worden. Ihr Verlust ist uns erfeßlich: sie kehrt nicht mehr aus dem Abgrund der Ewigkeit zurück. Und wie lange werde ich die Zeit dieses Lebens, diefe einzige zur Erlangung der Seligkeit verliehene Zeit noch genießen?- Bin ich wohl von einem Tage, von einer Stunde, ja nur von einem Augenblicke in Zukunft vers fichert?- Ach! wie thöricht handle ich also, wenn ich dieſe kostbare Zeit, Stunden und Augenblicke unnuß verliere: wenn ich mir nicht in dieser Zeit Schäße und Reichthümer für den Himmel durch gute Werke sammle; denn nur diese gehen mit mir in die Ewigkeit: alles Uebrige verläßt mich am Ran de des Grabes; nur meine guten Werke verlaffen mich nicht; nur diese begleiten mich zum Richterstuhle Gottes; und wenn der Richter die zum Zeugniß aufgerufene Zeit für mich wird reden bören, daß ich sie gut angewendet habe; dann wird ein ewiger Ruhetag, ein ewiger Freudentag, eine ewige Glückse ligkeit für mich folgen. - - Herr! laß doch durch deine Gnade diese großen Wahrs heiten tief in meiner Seele eingeprägt bleiben! Laß sie mich Andacht bei dem heil. Mesopfer. keinen Tag meines Lebens vergessen! Laß mich durch treue Befolgung derselben endlich einst zu Dir, meinem einzigen Ziel und Ende, glücklich gelangen. Amen. Andacht bey Vollbringung des heiligsten Meßopfers. 23 Vorerinnerung. Die feyerlichste Verehrung, welche wir Gott bezeigen kons nen, bestehet darin, daß wir ihm ein Opfer bringen, und das durch unsere gänzliche Abhängigkeit von Ihm öffentlich bes kennen. Wer Gott opfert, der bekennt Gott- als das hoch, ste Wesen, als den Schöpfer und Herrn aller Dinge, als den Urheber alles Guten, Dem wir Lob, Dank, Ehre und Anbes thung schuldig sind. - Welche Gaben, welche Geschenke können wir Dem, der die Quelle aller guten Gaben, der Geber aller. vollkommenen Geschenke ist, darbringen; vor Dem wir Staub, vor Dem wir Sünder sind? Ein Opfer, und nur ein Einziges has ben wir, welches dem ewigen Vater unendlich werth und ans genehm seyn muß, weil es in der Darbringung Desjenis gen bestehet, an welchem Er das innigste Weblgefallen bat; und dieses reinste, heiligste, Gott wohlgefälligste Opfer legte uns die Liebe Jefu in die Hände. Alle Opfer des alten Bun des waren nur Vorbilder dieses einzigen Opfers, und nur in fofern Gott angenehm. 1 Jesus Christus, der eingeborne Sohn Gottes, des allmächtigen Vaters, ist selbst dieses Opfer. Er der Gott gleich, ja selbst Gott war, entäußerte sich felbst, nahm Knech, tesgestalt an, und ward seinem himmlischen Vater gehors sam bis zum Tod, ja bis zum Tod am Kreuze. Der Allerhöchste, Reinste und Heiligste wird selbst die Opfergabe für das Heil der Welt, eine Opfergabe von unends lichem Werthe, wie Gott unendlich ist. Jesus Christus, der eingeborne Sohn des himmlischen Vaters, wird am Altare des Kreuzes felbst das Opferlamm, das hinwegnimmt die Sünden der Welt- das Lamm Gottes, das durch sei nen unaussprechlich verdienstlichen Tod der ewigen Gerechtigs feit für unsere Sünden genug thut, und die durch unsern Une gehorsam beleidigte Majestät Gottes verföhnt. Seine Liebe ließ es aber dabei nicht bewenden. Er wollte auch noch, um unserer finnlichen Natur zu Hülfe zu kommen, daß dieses ewig gültige Opfer immerfort auf eine sinnliche Art erneuert, und hiedurch das Andenken an feine unendliche Liebe ewig erhalten und fortgepflanzt werden sollte. In dies ser Absicht nahm Er beym letzten Abendmahle, das Er mit I. Abschnitt. Andacht seinen Jüngern hielt, und wodurch Er bei seinem bevorstehen. den Tode von ihnen Abschied nahm, Brod und Wein in feine heiligen und ehrwürdigen Hände, segnete es, theilte ihnen mit, und hieß sie davon essen und trinken. Dieß ist, sprach er, mein Leib, der für euch hingegeben; dieß ist mein Blut, das für euch vergessen wird, zur Vergebung der Sünden; was ihr mich da thun sebet, das thut auch ihr in Zukunft zu meinem Andenken. Nach diesem Auftrage Jesu an seine Apostel und ihre Nachfolger- Bischöfe und Priester wird nun eben diefelbe heilige Handlung, die Jesus beim Abendmahle verrichtete, und wodurch Er Brod und Wein wahrhaft und wesentlich in seinen Leib und in sein Blut verwandelte, feit den Zeiten der Apos stel noch immerfort von der katholischen Kirche gefeyert in dem Geheimnisse der heiligen Messe und in der heiligen Coms munion, welche immer, wenn sie gleich in der Zeit getrennt sind, als verbunden, und als eine zusammenhängende Handlung angesehen werden müssen. 24 Da es im Christenthume kein Opfer giebt, als das Opfer Jefu Chrifti am Kreuze; so kann das, was in der heiligen Messe in Brodes- und Weines Gestalt dem allmächtigen Bas ter geopfert und genossen wird, nur Jesus Christus selbst- fein Leib, der für uns hingegeben ist, und sein Blut sevn, das für uns vergossen wurde zur Vergebung der Süne den. Das ist der uralte und allgemeine, durch die unvers werflichsten Zeugnisse erprobte Glaube der fathol. Kirche, übers aus tröstlich, wirksam und fruchtbar, wenn gleich unbegreiflich für unser beschränktes Erkenntnißvermögen, bis wir cinsi im Lichte himmlischer Klarheit schauen, was wir hier in Demuth glaubig anbethen. Was die heilige Schrift bezeuget, daß sich Christus, nach, dem Er sich am Kreuze für uns geopfert hat, noch immerfort dem himmlisden Vater für uns darstelle, das wird in der heis ligen Messe durch die heilige Handlung des Priesters verfinns lichet, indem er nach dem Auftrage Jesu, so, wie Er es beym Ießten Abendmahle that, Brod und Wein zum Leib und Blut Jefu Chrifti, des ewigen hohen Priesters, opfernd weibet und zum Genusfe austheilt. Seib und Blut waren Bestandtheile der alten Opfer, als des Vorbildes, und sind nun die Bestandtheile des neuen Opfers, als des Urbildes, des Wesens. Das heilige Mesopfer ist also kein neues, eigenes, für sich beste: hendes Opfer, sondern eines und ebendasselbe mit dem Kreu zesopfer eine immerwährende Darstellung und wesentliche Erneuerung desselben auf unblutige Weise, nach der Ordnung Melchifedechs, ein reines Opfer dargebracht, an allen Orten, vom Aufganae der Sonne, bis zum Niedergange,- ein Opfer, worin der Mensch gewordene Sohn Gottes felbft mit Leib und Seele, mit Fleisch und Blut, mit Gottheit und Mensche beit geopfert und geneffen wird, ein Opfer, unendlich beis Tiger, vortrefflicher und Gott wohlgefälliaer, als alle Opfer des alten Bundes. Dieses einzige unschätzbare Opfer ist zu 1 bei dem heil. Mesopfer. gleich ein Anbethungsopfer, wodurch die höchste Majes stát Gottes unendlich geehrt, würdigst gepriesen, schuldigft ans gebethet wird; ein Versöhnungs- und Genugthu ungsopfer für der ganzen Welt Sünden;- ein Danks opfer für alle von Gott empfangenen Gnaden und Wohls thaten; endlich ein Bittopfer, für die Lebendigen und Verstorbenen, um dadurch von Gott in Ansehung seines ges liebtesten Sohnes, der da geopfert wird, alle Hülfes und Heils mittel, alle Gnaden und Gaben zu erhalten, die zur Wohle fahrt der Seele und zur Erlangung des ewigen Lebens so nothwendig sind. Diese hohen Begriffe von dem heiligsten Opfer follen uns fere Seele erfüllen, und uns ermuntern, mit möglichster Uns dacht demselben beyzuwohnen; sollen in uns Glauben und Ehrfurcht wecken, unsere Hoffnung beleben und unsere Liebe entzünden, so daß wir uns in Vereinigung mit den Verdiensten Jesu Christi, durch Ihn, dem himmlischen Vater aufopfern. Erste Meßandacht. - 25 Vorbereitungsgebeth. Jesus Christus, ewiges Wort des Vaters! der Du das allerheiligste Sakrament deines Leibes und Blutes am legten Abendmahle eingesest, und deinen Gläubia gen befohlen hast, dasselbe zum Andenken an dein bitteres Leiden und Sterben feyerlich im heiligen Meßopfer zu wiederholen, ich bitte Dich, mache mich der Vers dienste und Güter, die Du uns durch deinen Tod am Krenze erworben, und in diesem geheimnisvollen Opfer hinterlegt hast, theilhaftig, und verleibe mir die Gnade, daß ich mit innigster Andacht, mit lebendigem Glauben, mit fester Zuversicht und mit feurigster Liebe demselben jest beywohne. O mein göttlicher Herr und Heiland! in tiefster Demuth opfere ich Dir diese heilige Mesa fe zum Andenken an dein Leiden und Sterben, zur Ehre deiner feligsten jungfräulichen Mutter Marid und aller lieben Heiligen, zur Nachlassung und Vergebung meiner Sünden, zum Heil meiner armen Seele, zur Wohlfahrt der ganzen katholischen Kirche, und zum Troste der abgestorbenen, christglaubigen Seelen, die noch gereiniget werden, wie das Gold im Gluthofen, damit sie deiner allerfeligsten Anschauung bald würdig werden. Erhöre, o Herr, Jesus Christus! mein demüthiges Fle hen, und laß allen den Deinigen zum Heile gereichen, was Du zu ihrer Erldsung eingesehet hast. I. Abschnitt. Andacht Zum Anfange der heiligen Messe. Zu deinem heiligen Altare will ich also hinzutreten, ewiger, allmächtiger Gott! Du meine Freude von Jugend auf. Dich hab' ich erwählet als meinen Schuß und Schirm; zu Dir eile ich, bey Dir suche ich Hülfe gegen alle Feinde meiner Seele. Warum bist du aber so traurig, meine Seele? O verzage nicht, und laß deine Hoffnung nicht wanken; Er ist ja dein Gott und Herr, und läßt dich nicht zu Schanden werden. Aber was siehst Du Gutes, was Verdienstliches an mir, o mein Gott und Bater! daß Du Dich meiner erbarmest, und mich mit Liebe umfångst? Ach nichts findet dein heiliges Auge an mir, als Ungehorsam, Undank, Sünde und Elend! O wie könnte, wie dürfte ich zu Dir aufschau: en? Ferne stehen will ich, und in Demuth und Reue gleich dem Zöllner meine Sünden bekennen. 26 Allmächtiger Vater! Vor Dir, vor allen Heiligen vor dem Priester am Altare und vor der hier versammelten Gemeinde der Gläubigen, bekenne ich reumüthig, daß ich ein großer daß ich ach der größte Sünder bin. Deshalb klopfe ich an mein fündiges Herz, und sprecbe mit dem öffentlichen Sünder: ,, Herr! sey gnädig mir armen Sünder!"- Erbarme Dich meiner o allgütiger und barmherziger Bater! Zur Vergebung meiner und aller Welt Sünden, zur Erlangung deiner beiligmachenden Gnade und des ewigen Lebens, opfere ich Dir das Leben, Leiden und Sterben deines eingebornen Sobnes, sammt den Verdiensten seiner seligsten Mutter und aller lieben Heiligen auf. 1 - 1 Göttlicher Heiland, Jesus Christus! erbarme Dich meiner, und mache mich deiner Verdienste theilhaftig, damit ich in Liebe mit Dir, wie der Rebzweig mit dem Weinstocke, vereiniget, und von deiner Gnade erfüllet, Frucht bringe; durch treue Nachfolge Dir immer ähnlicher, und deiner seligen Verheißungen immer würdiger werde. Heiliger Geist! Du Trister der Gläubigen! erbarme Dich meiner! Erleuchte meinen Verstand, rühre mein Herz, und stärke meinen Willen, daß ich die Wahrheit erkenne, die Lüge hasse, und alles unheilige böse Wesen verabscheue und hasse. Verleihe mir zweifellosen Glauz Univ.- Bibl. Giessen bey dem heil. Mesopfer. 27 ben, feste Hoffnung, vollkommene Liebe und willigen Gehorsam, daß ich mich auf dem Wege der Gebote stets von Dir leiten und führen lasse die Wege des Heils. Lob, Ehre und Anbethung sey Dir- dreyeiniger Gott, Bater, Sohn und heiliger Geist, jest und allezeit, und in Ewigkeit. Amen. Von dem Kirchengebethe bis zur Aufopferung. Allmächtiger, ewiger Gott! sich herab- wir bitten Dich auf uns, deine Kinder, und nimm gnädig auf die frommen Gebethe deiner Kirche.. Nach deiner unendlichen Barmherzigkeit verzeihe uns unsere Sünden, reinige unsere Herzen, und heilige Dir unsere Seelen und Leiber; gieb uns unser täglich Brod, und laß es uns in Frieden genießen. Erhalte in Einigkeit die Gläubigen; bekehre die Irrenden; zernichte die Anschläge der Gottlosen, und laß dein heiliges Reich- die wahre Religion Jeſu Christi immer weiter unter uns verbreitet werden. Segne die Verkündigung des heiligen Evangeliums, welches dein geliebter Sohn vom Himmel gebracht, und seine Apostel geprediget haben, damit es in den Herzen der Gläubigen sich immer mehr und mehr als eine Kraft Gottes zeige, selig zu machen Alle, die daran glauben. Enta zünde unsere Herzen mit Liebe und Frömmigkeit, mit Kraft und Vertrauen, damit wir Gott ergeben im Leiden, froh in der Hoffnung, selig im Tode werden, und im Leben und Sterben Dich verherrlichen, und Den, den Du uns gesendet hast, Jesum Christum, deinen Sohn, unsern Herrn; der mit Dir, o himmlischer Bater! und mit dem heiligen Geiste, gleicher Gott, lebet und regieret von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. - - 3 ur Opferung. Heiligster Bater, allmächtiger, ewiger Gott! mit dem unbefleckten Opfer, welches Dir der Priester jetzt auf dem Altare darbringt, opfere ich Dir auch alle Gaben und Wohlthaten, die ich von deiner Güte bis auf diese Stunde empfangen habe, und vereinige dieses mein Dankopfer mit jes ner unaussprechlichen Liebe, die deinen eingebornen Sohn bewogen hat, den Schooß seiner Herrlichkeit zu verlassen, die menschliche Natur und die Gestalt eines Knechtes an I. Abschnitt. Andacht zunehmen, und Dir gehorsam zu werden, bis zum Tod am Kreuze. Siel mit gnådigem Auge auf dieses ewige Lobopfer, und auf die unendlichen Verdienste deines Eingebornen, die ich vereint deiner unendlichen Majestät, in tiefster Anbethung darbringe. Du, o himmlischer Vater! verlangst vor allem mein Herz. In Demuth und Reue lege ich es auf deinen Altar; aber ach- es ist so verkehrt, so von Dir weggewendet, so befleckt mit Sünden, daß Du unmöglich ein Wohlgefallen daran haben kannst; ich will es daher in den Kelch unsers Heils versenken, in welchem der Wein jest in das wahre Blut unsers Herrn Jesu Christi verwandelt werden wird, damit es abgewaschen, gereiniget und geheiliget werde durch die Kraft dieser unerschöpflichen Quelle des Lebens und der Seligkeit. 28 In Vereinigung der Liebe und Bereitwilligkeit, mit wel cher Jesus Christus alle Leiden und Mühseligkeiten geduldig ertragen und Dir aufgeopfert hat, lege auch ich alles Kreuz und Leiden, was deine Baterhand zu meinem und aller Menschen Beßten uns sendet, auf den Altar, und bitte Dich, Du wollest zugleich mit dem Opfer der heiligen Messe auch dieses Opfer unserer treuen Ergebenheit in deinen hei ligen Willen gnädig aufnehmen, und zu unserm Seelenheile gedeihen lassen. Alle meine Gedanken und Begierden, alle meine Worte und Werke, meine Ruhe und mein Gebeth- Alles, was ich bin und habe- opfere und weihe ich Dir zu deinem Dienste und zur Verherrlichung deines allerheiligsten Namens. Nimm mich, gleich dem verlornen Sohne, wieder auf in die Arme deiner unermeßlichen Barmherzigkeit, und laß mich) ewig nicht mehr von Dir geschieden werden. Im Bertrauen auf deine Vaterliebe, die das demüthige Opfer meiner Gegenliebe nicht verschmåben, sondern um der Verdienste Jesu willen, gnådig annehmen wird, wage ich es, in den himmlischen Lobgesang aller seligen Geister einzustimmen, und in tiefster Anbethung zu rufen! Heilig! heilig! heilig! ist der Herr, der Gott der Heerschaaren! Himmel und Erde sind voll deiner Herrlichkeit! Hosanna! in der Höhe! Gepriesen sey, der da kömmt im Namen des Herrn. Hosanna in der Höhe! bey dem heil. Mesopfer. Vor der Wandlung. Höchster Priester und Erlöser der Welt, Jesus Chris stus! Du hast dein kostbares Blut am Altar des Kreuz zes als ein wahres, vollgültiges Opfer für unsere Sünden dem himmlischen Vater freywillig dargebracht. Sey gepriesen, Du Sohn des lebendigen Gottes! Du hast uns im allerheiligsten Altarssakramente deinen Leib und dein Blut als ein immerwährendes Unterpfand deiner Liebe, als ein heiliges Andenken an deinen blutigen Versöhnungstod, und als eine geistliche Nahrung der Seele zum heiligen, ewigen Leben hinterlassen. Sen geprieſen Jesus Christus, Sohn des lebendigen Gottes! Du hast das Opfer, das am Altare von den Priestern dargebracht wird, eingeseßt, und befohlen, daß es bis an's Ende der Welt in deiner Kirche gefeyert werden soll. Jesus von Nazareth! der Du um unserer Sünden willen gestorben bist, sen mir und allen Sündern gnädig, und gieb, daß uns die Kraft dieses Opfers an Leib und Seele zur Reinigung und Heiligung diene. - 29 Fürbitten. Erbarme Dich unser! die wir ohne deine Gnade nichts vermögen, und komm deiner heiligen Kirche, welche über den ganzen Erdkreis ausgebreitet ist, zu Hülfe, damit deine Gläubigen durch Dich den Frieden haben, und unter allen Nationen sich deines Schußes erfreuen. Seße über deine Heerde wahrhaft apostolische Hirten, und unterstüße die Obrigkeiten in ihrem Amte, daß sie nach deinem sillen den Staaten vorstehen, und das wahre Wohl der linterthanen redlich befördern. Bekehre, o Herr! die unglücklichen Brüder, welche im Glauben sich verirrt haben, damit sie unter deiner Leitung auf den Weg der Wahrheit wiederkehren. Erleuchte die Ungläubigen, triste die Bedrängten, heile die Kranken, und komm den Elenden und Armen zu Hülfe.- Beschüße unsere Eltern; erhalte die Anverwandten, Wohlthäter und Freunde, daß sie treu in ihrem Glauben verharren, ihr Leben darnach einrichten, und einst die Krone der Seligkeit erlangen. Was Dir aber an uns mißfällig ist, das entferne guds dig, und gieb uns Kraft, das Böse zu meiden und das Gute 30 I. Abschnitt. Andacht zu üben, damit wir deinem Willen und unserm Berufe trei nachleben..- Nimm dieses beilbringende Opfer, welches Dir die Priester der Kirche darbringen, zur vollen Versöhnung unserer Sünden und zur Danksagung für alle empfan: genen Gnaden und Wohlthaten auf; erfülle uns ganz mit deiner allerheiligsten Gegenwart, damit wir ungezweifelt glauben, was wir nicht sehen, und suchen, was uns erhalten und nåhren kann, zum ewigen Leben. Amen. Während der Wandlung. Ich bethe Dich an, o Herr Jesus Christus, unser König und Hoherpriester! und preise Dich, der Du durch dein bitteres Leiden und Sterben die Welt erlöset, und durch das Opfer deines Leibes und Blutes uns Verlorne mit Gott dem Vater wieder versöhnet hast. Sen gepriesen, jezt und in Ewigkeit! Jesus, sen mir gnädig; o Jesus, sen mir barmherzig; o Jesus, verzeihe mir meine Sünden! Sen gegrüßt, o allerheiligstes Blut Jesu Christi! das ich in diesem Kelche des neuen und ewigen Bundes anbethe. Reinige mich von allen meinen Sünden! Stårte mich wider den Rückfall in die Sünde, und erquicke meine Seele, weil sie ohne Dich, wie durres Erdreich vor Dir ist. Jesus, Dir leb' ich! Jesus, Dir sterb' ich! Jesus, dein bin ich todt und lebendig! Amen. Anbethung Jesus im allerheiligsten Altarssacramente. ( Aus den Schriften des erleuchteten Ludwigs von Granada.) Jesus Christus! lieben will ich Dich, Du, mein Gott, und mein Alles!- lieben will ich Dich, Du, meine Stärke! lieben will ich Dich, Du Kraft meiner Seele! im merdar will ich ich lieben, Du unaussprechliche Freude meines Herzens! Nicht mir, Dir will ich die ganze Zeit meines Lebens leben, welches Du, als es durch mein großes Elend verloren war, durch deine Barmherzigkeit erneuert hast. Mein Erneuerer bist Du; denn Du erneuertest die menschliche Natur, welche durch die Sünde von Grund aus geschwächt und verderbt war. Du bist mein Bes freyer; denn durch die Fesseln, mit welchen Du selbst Dich binden ließest, befreytest Du mich von der Tyranney der Sünde, des Todes, der Hölle und des Teufels, des graus samsten aller Tyrannen. Du bist mein Erlöser; denn um den Preis deines, alle Schäße überwiegenden, hoch, bey dem heil. Mesopfer. 31 heiligen Blutes hast Du aus der Gefangenschaft mich erlist, in welche ich durch die Sünde gerathen war. Du bist mein König; denn durch deinen Geist kennest Du mich; für mich kämpftest Du, und errettetest mich aus den Händen meiner Feinde. Du bist mein Priester; denn Du flehtest, und noch flehest Du vor dem Antlig deines ewigen Vaters unablässig für mich. Du bist mein Opfer; denn Dich selbst opfertest Du für mich auf dem Altare des Kreudamit Du liebreich mein Verbrechen fühntest. Du bist mein Mittler; denn Du bist Gott und Mensch; als wahrer Mensch bist Du ein Freund der Menschen; als eingeborner Sohn Gottes allvermögend bei Gott, und deßhalb auch allein fähig, als Mittler zwischen Gott und die Menschen zu treten. Du bist mein Haupt, und das Haupt der ganzen Kirche; denn als wahres Haupt ertheilest Du ihr und allen ihren Gliedern Kraft, Leben und geistigen Sinn. Du bist meine Ehre und mein Ruhm; denn für mich wurdest Du Mensch, und machtest zu deinem Bruder mich, den Du zum Gefährten deiner Natur erhobest. Gelobt und angebethet sey Jesus Christus im allerheiligsten Altarssacrament in Ewigteit. Amen. 3 ur Communion. ODu allerheiligstes, Du unschuldigstes für uns getödtetes Gotteslamm! Du wolltest aus höchster Liebe zu zu uns den bittersten Tod sterben- damit wir das ewige Leben ers hielten! Du bist aufgeopfert worden, weil Du selbst ges wollt hast; um deiner unendlichen Liebe willen erbarme Dich unser, und schenk uns deinen Frieden. Verborgener Gott und Seligmacher Jesus Christus von ganzem Herzen glaube ich an deine wesentliche Gegenwart unter den Brodsgestalten und bethe Dich in tiefster Demuth an.— Ob ich schon ein Sünder und nicht würdig bin, daß Du in mein Herz eingehest; so hoffe ich dennoch wegen deiner uns endlichen Güte, die noch weit größer als meine Unwürdigfeit ist, Du werdest mich Unwürdigen des geistigen Empfanges dieser süßesten Mahlzeit durch deine unendliche Gnade würdig machen, und mir etwas davon zu Theil werden lassen, weil auch die Hündlein von den Brosamen effen, die vom Tische ihrer Herren herabfallen. Unsere Väter ha kor- kil 1. Abschnitt. Andacht 32 ben das Manna oder Himmelsbrod in der Wüste gegessen, und sind doch gestorben; wer aber dieses Engelbrod mit gläubiger Andacht isset, wird leben in Ewigkeit.- Ach! wenn die bloße Berührung des Saumes von deinem Kleide die körperlichen Krankheiten heilte, lieber Jesus! was wird nicht die Berührung deines heiligen Leibes vermögen, sey es auch blos in einem brennenden Verlangen? Herr! sieh, wie der Hirsch nach der Wasserquelle sich sehnt, so schmachtet meine Seele nach Dir, daß sie im Geiste von deinem Fleische gespeiset, und von deinem Blute getrånket werden möge. So komm denn, o mein Herr und mein Gott! komm, o höchstes Gut! mit deiner Gnade und Liebe in mein Herz, zu mir reumüthigen und bußfertigen Sünder. Milder Heiland! komm und nimm mich, wie der vom Mitleiden gerührte Vater den verlornen Sohn, in deine Arme auf. Sey mir der barmherzige Samariter! gieß den stärkenden Wein deiner Gnade, und das heilende Del deiner allerbarmenden Liebe in mein durch die Sünde verwundetes Herz ein, und sprich aus das Wort des Lebens: ,, Sen getrost, deine Sünden sind dir vergeben!"- * Stelle dir jeßt vor, als wenn die heiligste Hostie dir zum Em pfang dargereicht wurde, dann sprich mit innigster Andacht: Jesus Christus! Sohn des lebendigen Gottes! Allerheiligster Herr und Seligmacher! Du- in mir, Du mit mir! Ich bethe Dich an, und danke Dir. Dich, o süße: ster Gast meiner Seele,- Dich liebe ich nunmehr über Alles, und das ist mein größter Schmerz, daß ich Dich nicht allezeit so geliebet; daß ich Dich vielmehr- ach so oft durch die Sünde betrübet habe. O könnte ich doch endlich Dich recht- ja aus ganzem Herzen und aus ganzer Seele über Alles lieben, Du höchstes, Du allerliebenswürdigstes Gut! Sieh! mein armes, sündhaftes Herz lege ich zum Fuße deines Kreuzes. Du hast verspro chen: ,, Wenn ich am Kreuze erhöhet seyn werde, will Ich Alle nach Mir ziehen!"- ziehe mein Herz nach Dir zieh mich ganz zu Dir, und halte mich fest in den Armen deiner Liebe, daß es der Welt, dem Fleische und dem Satan nicht mehr gelinge, mich von Dir loszureißen. Dein Eigen thum bin ich, dein Eigenthum will ich bletgen für Zeit und Ewigkeit, o mein Gott! mein Ruhm, meine Hoffnung, - bei dem heil. Mesopfer. mein ganzer Reichthum, mein Alles. Es fegne, bekräf tige und heilige diese meine Vorsäße der allmächtige und barmherzige Gott, Bater t, Sohnt und heilige Geist+. Amen. - Zum Ende der heiligen Meffe. Ewiger Vater! nimm das unblutige Opfer der Messe zu Ehren deines Namens, und zum Heil der Welt eben so gnädig und erbarmend an, wie Du das blutige Opfer Jesus aufgenommen hast, das Er Dir am Kreuze zur Vergebung unserer Sünden dargebracht hat, und in Ansehung desselben sich huldvoll auf deine heilige Kirche und ihre Vorsteher, auf unser Vaterland und dessen Regenten; erbarme Dich aller Lebendigen und Verstorbenen, unserer Anvers wandten und Wohlthäter, unserer Freunde und Feinde, vorzüglich derjenigen, für die wir diese heilige Messe deiner unermeßlichen Majestät aufgeopfert haben. Laß uns die Früchte der Erlösung Jesu ewig genießen, damit wir hier und dort deine Erbarmungen anbethen, loben und preisen, durch denselben Herrn Jesum Christum, deinen Sohn, der mit Dir in Einigkeit des heiligen Geistes Gott lebt und regiert in Ewigkeit. Amen. - 33 - 3 weyte Meßandacht. ( Aus den Schriften des gottseligen Thomas von Kempis.) 1. Barmherzigster Bater! sieh herab von deinem Hei ligthume,- vom hohen Himmel auf dieses Opfer, das Dir so sehr angenehm ist; sieh herab auf dieses heiligste Opfer deines Eingebornen, das er selbst für uns vor deis nem Angesichte darbringt. Er selbst ist der Hohepriester, -und Er selbst legte sich auf den Kreuzaltar hin, um für das Leben der Welt geopfert zu werden. Um dieses heilbringenden Opfers willen sey heute mir Sünder gnådig! Sen nicht unerbittlich gegen mich Schwachen und Hinfäl ligen, der ich, meiner Sünden wegen, nicht würdig bin, gen Himmel zu schauen, und nicht mehr verdiene, daß mich die Erde trage. Ach! ich habe dich oft beleidigt, indem ich frech und unbesonnen wider deine Gebote handelte, redete und dachte. Darum wäre es billig, wenn Du über mich zurnen, und die ganze Natur sich wider mich empören würde. 3 1. Abschnitt. Andacht Denn es ist billig, daß die Natur dem nicht diene, der Dich beleidiget und hintangeseht hat. Aber, allmächtiger Gott - Du Gott des Trostes, erbarme Dich meiner! sieh, Reue und Schmerz zerknirschet mein Innerstes. Erbarme Dich dessen, der aus Nichts erschaffen, und in Sünden gezeugt, als gebrechlicher Mensch abermal in Sünden fiel. Schone meiner, o Herr! und gehe mit mir nicht zu Ges richt. Bergieb dem verschwenderischen Sohne, der jetzt von dem Elend der Sünde zurückkommt, und im Staube liegend vor dem Throne deiner Herrlichkeit, vom frühen Morgen bis in die spåte Nacht deine Barmherzigkeit anfleht, so lan ge anflehet, bis der Gnadenthau und der Segen des himmlischen Trostes herabfällt in das Erdreich meines Herzens, das schon verdorret, und von meiner Sündenlast in den Staub gedrückt ist. Um deiner Selbst willen neige dein Ohr zu mir und erhöre mein Flehen. Berherrliche in mir deine Barmherzigkeit, die Alle beseliget, die auf Dich hoffen; nur um deiner Güte willen, nicht meiner Verdienste wes gen,( wenn ich doch welche haben sollte,) wirst Du Dich an mir verherrlichen. Verdienste kann ich Dir keine vorbalten, als die deines liebsten Sohnes, der für uns am Kreuze starb, um die Sünden Aller durch sein Leiden zu tilgen. 34 2. Gütigster Vater! erinnere Dich seiner unschäßbaren Liebe, wie Er sein Leben dem Tode preis gab, um seinem Volke das Leben zu geben. Er schonte sich in keinem Stücke, um der Schuldigen ewig zu schonen.- Erinnere Dich sei nes bittersten Leidens. Welchen Leiden, welchen Unbilden unterzog Er sich! Wie hatte Er Mühe, von der Krippe an, und Leiden aller Art, bis zu seinem Hinscheiden am Kreuze! Sein vergossenes Blut schrie um Versöhnung der Kinder mit dem Bater. Er machte aus Feinden Freunde, und nahm Flüchtlinge zu Söhnen auf. Heiligster Bater! ich stelle Dir heute die Zeichen der Leiden deines Eingebornen vor, und vereinige damit unser Fleben und die Fürbitte aller seligen Blutzeugen, die Jesus in seinem Leiden nachge olget sind, und, freudig um seines Namens willen den Martertod erduldet haben. Sich seine Todesangst und seinen blutigen Schweiß, die Backenstreiche und Geißeln, die Dornenkrone und den Purpur mantel, die Nägel und das Kreuz, und die Lanze, welche das - bey dem heiligen Meßepfer. allerliebevollste Herz durchstach. Diese Zeichen des Leidens waren der kostbare Schmuck und die königliche Fahne, womit dein Eingeborner hervortrat, die feindlichen Mächte der Hölle zu besiegen. Diese Waffen waren es, wodurch der Tod zerstöret, und das Menschengeschlecht wieder her. gestellt wurde. Um dieser herrlichen Siegeszeichen wegen, Vater! verzeihe mir meine Sünden, und erbarme Dich meiner.- Sie sollen mir seyn ein Schild wider alle Sünden und eine Schußwehr wider alle Versuchungen. Dein bitteres Leiden und Sterben o Jesus! sey der heiligste Gegenstand meiner Liebe, und der süßeste Trost meiner Seele. - - 3. Heiligster Bater! nimm dies Dir so angenehme Opfer deines Sohnes- für uns an; Du selbst hast es Dir vor bereitet, damit es das Opfer der ewigen Versöhnung sey, und unendlich hinreiche zur Tilgung aller unserer Sünden, Nimm aber mit diesem Opfer zugleich auch mich Unwürdi gen an. O dies göttliche Opfer ist das heiligste und kostbare ste! Täglich wird es Dir durch die Hände der Priester mit heiliger Ehrfurcht für die Lebendigen und Abgestorbenen dargebracht. Dieses Opfer sey daher die Quelle des Se: gens für mich und Alle, die meinem Gebethe empfohlen sind, und deren Bedürfnisse und Glauben Du kennst. Ihr Flehen und der Wohlgeruch ihrer Andacht steige bis zu deinem Throne empor, und ihnen wirke mit zum ewigen Heile die unaussprechliche Kraft dieses Geheimnisses, das der Mensch eben darum, weil Du es eingeseßt hast, nicht durch: forschen, sondern mit Andacht verehren, mit inniger Huls digung anbethen, fest glauben, und bis an's Ende der Welt erneuern soll. O unendlich kostbares, unendlich wohlgefälliges Opfer! das Dir, ewiger Vater! dein einiger Sohn für uns dar brachte, indem Er selbst das wahre, Eine, vollkommene Opfer wurde; Er, der allein der unbefleckte, heilige und ganz sündenfreye Priester war, und nicht nöthig hatte, erst für sich selber zu bethen und zu opfern, sondern nur einmal starb als Mittler für uns des Todes Schuldige, die wir nichts hatten, und in der ganzen Schöpfung nichts fanden, das wir für unsere Sünden hätten erstatten können. Nun verzweifle ich nicht mehr; und nimmer, so oft 3 I. Abschnitt. Andacht mein Gewissen gegen meine obgleich aufrichtigen Vorsäge und eifrigen Bestrebungen, wieder wund werden sollte, werde ich aufhören, Heilung zu hoffen. Denn ich habe gefunden die Quelle, zu der ich gehen darf, um mich rein zu waschen; ich habe gefunden den Arzt, zu dem ich zurückeile, um wieder geheilt zu werden. Ich weiß, wo meine Hoffnung und all mein Trost ist; die Leiden und die Wunden Jesus sind die überfließende Quelle meines Heils, der ewig unerschütterliche Grund meiner Hoffnung. Meine Seele preise deinen Namen für diese unermeßlichen Wohlthaten, die mir von deiner gütigsten Vaterhand zufloßen; diese Wohlthaten müssen mein Herz stets entzünden, Dir und deinem geliebten Sohne allen nur möglichen Dank zu erwiedern. 36 4. Heiliger Vater! wie soll ich aber nur anfangen, da ich in mir nichts Würdiges finde, das ich für deine Gnaden Dir darbringen könnte? Ich weiß zwar wohl, Du bedarfst meiner Geschenke nicht, aber doch hast Du daran Wohlgefallen, denn Du weißt, daß sie aus Liebe und reiner Huldigung Dir dargebracht werden. Hätte nur Jemand Herz genug, sich Dir vollkommen, und ohne Wanfelmuth zu schenken, wahrhaftig, Du würdest dafür Dich felbst entgegengeben, und das Wort, welches dem Munde Jesus, unsers Hauptes, entfloß, gienge in Erfüllung: gebet, so wird euch gegeben werden." Würdigst Du mich nun, meine kleine Gabe anzunehmen, so opfere ich Dir mich selbst, und überlasse deiner Anordnung Seele und Leib mit gänzlicher Zuversicht. Auch auf meinen eigenen Willen- die größte Gabe, die ein Mensch geben kann, verzichte ich von dieser Stunde an auf immer ganz bereitwillig, wie dein geliebter Sohn, Jesus Christus, unser Herr, seinen Willen Dir heimstellte, damit Er durch seine Selbstverläugnung uns das Heil erwerben, und seinen getreuen Nachfolgern in dem kurzen aber sinnvollen Worte den Kern seiner Lehre geben möchte: ,, Vater, nicht wie Ich will, sondern wie Du willst;- dein Wille geschehe. 5. Durch dein holdes Beispiel ermuntert, und von deinem Geiste angetrieben und gestärkt gebe ich mich Dir von neuem hin, und beurlaube mich von Allem, was die Welt Böses und Eiteles hat. Alle schnöden Gelüste ver bey dem heil. Mesopfer. abscheue ich von Herzen; Satans Werke und Eingebium, gen verachte ich; mit Allem, was ich bin und habe, weihe ich mich deinem heiligen Dienste. Die Tage meines Lebens durch getreue Erfüllung meiner Pflichten heiligen, Eins mit Dir seyn, das ist mein Wunsch, und das größte Geschäft, woran ich von diesem Augenblicke an meine Hand lege. Um deinem Willen vollkommener Genüge zu leisten, bin ich bereit, den meinen zu verläugnen durch) wahren Gehorsam, den ich Dir in meinen Obrigkeiten und Vorges festen zu erweisen schuldig bin; denn ihnen gehorchen, heißt Dir gehorchen. Ich beuge mich unter ihre Hand, und gehorche, wenn es mich auch schwer ankommt, ihnen willig aus Liebe zu Dir. Das thue ich als ein Wiedergeborner in Christo, der sich, obgleich Gott- Mensch, demüthig unter die Hände seiner menschlichen Eltern, seines Taufers, und sogar unter die Hände seiner Feinde beugte. Selbst den Rath und die Ermahnungen von meines Gleis chen werde ich( foferne Klugheit und Ordnung dasselbe gestatten), mit Herzens Demuth und zärtlicher Liebe be folgen; warum sollte ich das nicht thun, da ich sie ger ne für weiser und besser halte, als ich bin. nati 6. Du kennst meine Unvollkommenheit, und ich klage mich mit Kindersinn vor Dir, meinem Vater, an, daß meine Seele noch voll Wunden ist. Im Gefühle der ZerEnirschung bitte ich Dich um die nothwendigen Mittel zur vollkommenen Genesung; deine gütigste Vaterhand heilet ja jede Wunde und stärket die Ohnmacht; moge sie sich auch von mir Armseligen nicht abziehen. Amen. Es segne mich der allmächtige Gott, Batert, Sohn t, und heiliger Geist+, Amen. di Gebeth nach der heiligen Messe. Liebevollster Bater! ich danke Dir aus findlichem Herzen, daß Du mich an dem Liebesmahle Jesu, und an der Gedächtnißfeyer seines Todes bast Theil nehmen lassen.- Verzeihe mir alle dabey begangene Fehler der Lauigkeit und der Zerstreuung. Ich fasse vor deinem allerheiligsten Angesichte den festen Entschluß, dem Benspiele deines Eingebornen in Allem nachzufolgen, und Jhm, so viel meine 37 1. Abschnitt. Andacht Kräfte erlauben, ähnlich zu werden, um so die Früchte dieses großen und heiligen Opfers zu erlangen. Verleihe mir die Gnade, diesen Vorsaß zu halten, durch eben diesen unsern Herrn Jesus Christus, deinen Sohn. 38 Haus Messe, - oder Erhebungen des Herzens während des Gottesdienstes, für diejenigen, welche gehindert sind, in der Kirche dem heiligen Meßopfer beyzurwohnen. I. Herzliches Verlangen, am heil. Mesopfer Theil zu nehmen. Allerheiligste Dreyeinigkeit! Gott Vater, Sohn und hei. liger Geist! allmächtiger Ursprung aller Dinge; Du mein bester Bater, barmherziger Erlöser, Quelle meiner Heiligung und Seligkeit;- ich, dein unwürdiges Geschöpf wage es, vor Dir zu erscheinen, um Dir, meinem wahren Gott und Erschaffer, alle Ehre, Anbetung und zuversichtvolle Ergebung zu erweisen; Dir zu danken für die zahllosen Wohlthaten, die ich von Dir empfangen; deine Herrlichkeit zu preisen, weil ich zu deinem Lob erschaffen bin; deine Erbarmungen anzuflehen, und deine Gerechtigkeit zu versöhnen, weil ich so viel und schwer wider Dich gesündiget habe. Dieses Alles kann ich nicht würdiger und vollkommener thun, als durch andächtige und gläubige Anhörung des heiligen Meßopfers Denn in demselben wird Dir geopfert das höchste Lobund Dankopfer, das kräftigste Bitt: und Versöhnopfer, das allerwürdigste Genugthuungsopfer, das wirksamste Opfer des Heils für Lebende und Abgestorbene. Weil ich aber heute der heiligen Messe leiblicher Weise nicht beywohnen kann, so will ich wenigstens im Geiste mich vor den Altar hinstel len, wo nun Jesus Christus unblutiger Weise sich Dir, o himmlischer Bater! zum Opfer darbringt. Ich vereinige mein gegenwärtiges Gebet mit diesem herrlichen Opfer; ich verlange inbrünstig, vereinigt mit dem Sohne Gottes, Dich, o himmlischer Vater! auf die kräftigste Weise zu loben, zu lieben, zu bitten, Dir zu danken, alle zugefügte Unbild und Schmach abzutragen, und Alles, was durch die heilige Mes se kann ausgewirkt werden, auf das vollkommenste auszu wirken. Verleihe mir dazu deine göttliche Gnade, und gieb, daß ich dies Alles mit herzlicher Andacht verrichten möge. Amen. bey dem heil. Meßopfer. 39 II. Reue über die Sünden, mit Glauben und Vertrauen auf Jesus Christus, und Opferung seiner kostbaren Verdienste. Heiligster Vater! ich bekenne reumüthig, daß ich Dir höchst selten mit ungetheiltem Herzen gedient, sondern viel mehr Dich sehr oft beleidiget, und durch meine Trägheit und Nachläßigkeit bey Dir eine unendlich große Sündenschuld gemacht habe. Darum nehme ich meine Zuflucht zu den Verdiensten deines geliebten Sohnes, welcher jeßt auf dem Altare gegenwärtig ist, und uns seine Huld und Gnade so frengebig anbietet und ertheilt. Im Opfer der heiligen Messe bringt Dir Jesus für mich die höchste Ehre und Liebe, das vollkom: menste Lob, den herzlichsten Dank und die gütigste Versöhnung dar. Zur vollkommenen Verzeihung meiner Sünden opfere ich Dir auf, o himmlischer Bater! das ganze bittere Leiden und Sterben Jesu Christi, welches jest auf dem Altare unblutiger Weise erneuert wird. O gütigster Vater! auch für mich armen Sünder hat dein Sohn gelitten, und ist zur Vergebung meiner Sünden gestorben. Mit dankbarer Liebe bring' ich Dir die unendlichen Verdienste seines Leidens und Sterbens zur kostbaren gefälligen Opfergabe. Ich vertraue fest, Du werdest mir um dieses unschågbaren Opfers deines Sohnes willen meine Schulden nachlassen, und in mir reichlich deine Gnade vermehren. Amen. O Vater der Barmherzigkeit, Gott alles Trostes! ben Dir suche ich Hülfe und Gnade. Ach, sich doch meinen Jammer und mein Elend mit gnädigen Augen an, und laß mein Flehen zu Dir kommen! Damit ich gewisser erhöret werde, erscheine ich vor dem Throne deiner Gnade, welcher im heili. gen Meßopfer zu unserem Heile errichtet worden ist, und wo das unschuldige Lamm Gottes auf geheimnisvolle Weise Dir, heiliger Vater, allmächtiger ewiger Gott! durch die Hände der Priester, zur Vergebung der Sünden geopfert wird. Um dieses allerheiligsten Opfers willen bitte ich Dich, Du wollest dessen Unschuld anschauen, und um Seinetwegen mir Barmherzigkeit erzeigen. O mein Heiland! wie groß war deine Liebe zu mir, welche Dich antrieb, so viele und so bittere Peinen und den Tod für mich zu leiden, um für meine Sünden genug zu thun, und die Huld deines Vaters mir zu erwerben. O wie groß ist auch jest deine Liebe zu mir, welche Dich antreibet, deinen Versöhnungstod in allen heiligen 1. Abschnitt. Andacht Messe unblutiger Weise zu erneuern, auf daß Du mir deine Verdienste zueignen und mittheilen könnest. Aus ganzem Herzen danke ich Dir für diese deine große Liebe; und von Grund meiner Seele bitte ich Dich, Du wollest mich aller Früchte derselben theilhaftig machen und mich durch die Gnade des heiligen Geistes stärken und befestigen, daß ich die Sünde und alles unheilige Wesen verabscheue, mein Fleisch mit seiner Begierlichkeit kreuzige, mich selbst ver läugne, und in deine Fußstapfen eintrete und Dir nachfol ge, damit all mein Denken und Reden, Thun und Lassen ein lebendiger Gottesdienst und ein Gott wohlgefälliges Opfer werde. 40 Wie Du dem himmlischen Vater Dich aufgeopfert hast, so nimm auch mich in die Arme deiner Liebe und Barmherzigkeit und bring mich armen verirrten Sünder deinem Vater zum Opfer dar, und laß mich nie mehr von seiner Liebe geschieden werden. Amen. 111. Anbethung des allerheiligsten Leibes und Blutes Jesu Chrifti unter den Gestalten des Brodes und Weines. O gütigster Jesus! vor Dir knieen die himmlischen Chöre und bethen an; mit ihnen erhebe ich meine Stimme, und rufe: Heilig! heilig! heilig! bist Du, o Gott der Heerschaaren, Himmel und Erde ist voll deiner Gnade und Herrlichkeit. Du bist gegenwärtig, o mein Jesus! unter den Gestalten des Brodes und Weines. Höre, ach höre mein Gebeth! Ich schlage auf meine Brust, und bekenne meine Unwürdigkeit; aber mit festem Bertrauen bitte ich, o Jesus! sey mir barmherzig, o gütigster Jesus! verzeihe mir meine Sünden. O heiliges Blut! wasche mich von meinen Sünden. O theyres Blut Jesu, o gnadenreiches Blut Jesu! schreye für mich zum Himmel um Barmherzigkeit. Allerheiligster Gott! nimm dieses kostbare Blut sammt aller Liebe, mit welcher dasselbe ist vergessen worden, nimm es als ein Opfer meiner Liebe und meines Dankes zu deiner höchsten Ehre, zur Verzeibung meiner Sünden, zur Genugthuung für meine verdienten Strafen, zur Abwaschung meiner Sündenmackeln, zum Ersage meiner Bersäumnisse, und zur Tilgung aller aus Unwissenheit oder Schwachheit begangenen Sünden; wie auch zum Troste der Betrübten, zur Bekehrung der Sün der, zum Heile der Kranken und Leidenden, zur Stärkung 41 bey dem heiligen Meßopfer. der Sterbenden und zur Erquickung, Reinigung und ErIdfung aller abgestorbenen Seelen im Fegfeuer. Amen. IV. Unerschütterliches Vertrauen auf Jesus Jar Christus. Zu Dir, o gütigster Jesus! erhebe ich meine Augen und mein Herz! Ach, wende auch Du dein huldvolles Angesicht und deine treue Liebe zu mir; sieh an, o Herr! meine äußerste Noth und größte Gefahr meiner Seele. Ach! nimm Dich meiner an, als mein einzig treuer Mittler und Helfer! sey nun Du durch das Opfer der heiligen Messe mein Heil, und erwirb mir vollkommene Verzeihung meiner Sünden. O stelle deinem Vater vor, wie schmerzlich Du für uns gegeißelt, getrdnet, gekreuziget und getödtet worden seyest, und versöhne dadurch mich armen Sünder mit der strengen göttlichen Gerechtigkeit.- Gü tigster Jesus! ich bitte Dich, laß mir deine Verdienste reichlich zukommen, damit ich theilhaftig werde deiner Ehre und Seligkeit im Himmel. Amen.( Vater unser u. s. w.) V. Wer im Namen Jefus bittet, der wird empfangen. O Du Lamm Gottes! welches Du für uns arme Sünder gelitten hast; ach! erbarme Dich meiner, und opfere Gott dem Vater dein Leiden zur Verzeihung meiner Sünden. hos Du Lamm Gottes! welches Du für uns arme Sünder gestorben bist; ach! erbarme Dich meiner, und opfere Gott dem Vater deinen Tod zur Zahlung mei ner Sündenschulden.com tin O Du Lamm Gottes! welches Du für uns arme Sünder Dich selbst geopfert hast, erbarme Dich meiner und opfere Gott dem Vater dein heiliges Blut zur Reinigung meiner Seele.d T Himmlischer Vater! ich bringe Dir dar diese kostbare höchstwerthe Opfergabe. Meiner Sünden, sind zwar mehr als Haare auf meinem Haupte; aber lege, o gerechter barmherziger Gott! dies theure Opfergeschenk auf die eine, und meine Sünden in die andre Waagschale; so wird ja jenes diese meine Schulden weit überwägen. O barmherziger heiliger Gott! segne mich, ach fegne mich noch, ehe ich mein Gebeth schließe; und durch diesen Se I. Abschnitt. gen laß mir die Gnade zukommen, daß ich sogleich anfange mein Leben zu bessern, und Allem zu entsagen, was Sünde ist, und Dir mißfällt. Deine Wahrheit sey mein Licht; deine Verheißungen meine Freude und Hoffnung; deine Liebe mein Leben. Unterstüße mich in meiner Schwach heit; bewahre mich vor Sünden; stärke mich, wenn Vers suchungen mich anfechten, und laß mich deine Nähe nimmer vergessen. O kostbarer Tag, aber vielleicht der lehte meines Lebens! o glückseliger Tag, wenn er mich besser machen wird. 42 Heilige Mutter Gottes, Maria! heilige Engel und Freunde Gottes! bittet für mich, und leitet mich auf dem Wege der Wahrheit. Gott! gieb deine Liebe den Lebendigen und deinen Frieden den Abgestorbenen. Amen. A bendandacht. the Es segne mich der dreyeinige ewige Gott, der Vas ter t, der Sohn t, und der heilige Geist+. Amen. Ich lobe und preise deinen heiligen Namen, daß Du mich erhöret, und nicht verschmåhet hast mein Gebeth, das ich heute in der Morgenstunde vor dein heiliges Angesicht gebracht habe. Zwar ist mir deine wunderba re Güte wegen meiner Kurzsichtigkeit noch größtentheils verborgen; darum kann ich Dich nicht so völlig und kräftig loben, als ich's schuldig bin, ja als ich's durch deine Gnade wünsche und verlange. Doch preise ich Dich mit meinen Lippen, so viel ich dies mit deiner Gnade vermag, sowohl für die er kannten, als unerkannten Wohlthaten, bis ich einst da hin gelange, daß ich sie alle erkennnen, und dich selbst von Angesicht zu Angesicht schauen werde. Weil ich nun da bin, will ich dich insbesondere preiz fen für das liebe Kreuz, welches Du mir täglich als einem Jünger Christi auflegst, damit meine Seele von den Lüsten dieser Welt weg, und zu Dir hingewöhnet werde. Nun ist die Last dieses Tages überwunden, und so ein Schritt nach dem andern von diesem mühseligen Pilgerleben zurückgelegt, und wir sind wieder näher ges kommen der ewigen Herrlichkeit. Abendandacht. 43 Indessen hast Du, lieber Vater! Geduld mit uns, und vergiebst uns täglich und reichlich alle unsere Sünden; darum habe ich auch freyen Zutritt zu Dir in dem Blute Jesus, welches mich abgewaschen und gereiniget hat von allen meinen Sünden. Wie groß ist deine Liebe, daß Du mich aus Gnade schon jetzt in der Hoffnung selig ge macht hast. Mein Vater! ich lasse diese Hoffnung nicht fahren, ob ich wohl meine Gebrechen und Untugenden ertenne. Du weißt, daß es meines Herzens Verlangen ist, völlig davon befreyt zu werden, und daß mich deßwegen dieser sterbliche Leib am meisten drücket, weil ich von ihm gehindert werde, mich recht aufzuschwingen zu Dir, und mich völlig mit Dir zu vereinigen. En sebay -- Doch laß mir nur diese Gnade widerfahren, mein Bater! daß mein Christenthum thätig sey im Werke, und daß ich deine Gnade nicht vergebens empfange zu meinem täglichen Wachsthum im Guten. - Laß mich nun ruhen, lieber Vater! ich lege mich in deine Arme. Schließ du meine Augen zu durch deine Baterliebe, und bleib während des Schlafes vereiniget mit meinem Geiste, daß der Satan nichts über mich vermöge. Denn du bist ja der Hüter und Wächter Israels, der nicht schläft noch schlummert. Du wollest meinen Leib und meine Seele, und Alles, was du mir gegeben hast, gnädiglich behüten und bewahren; dann auch Dich erbar: men aller meiner Brüder, Freunde und Feinde, der Lebenden und der Verstorbenen; laß sie der Früchte meines armen Gebethes mitgenießen. THE de de sald Endlich öffne am Morgen meine Augen zu einem neuen Leben, und erfülle meinen Mund auf's Neue mit deinem Lobe, damit ich Dich so lange preise, und Dir zur Ehre lebe, bis herankommt der Abend dieses zeitlichen Lebens, nach welchem ich mich so herzlich sehne, und Du mich in's Grab zur Ruhe legest, und mich wieder auferweckest an dem rechten Ruhe und Freudentag deiner Kina der, da mir die Sonne ewig nicht mehr untergehen wird; sondern ich in ewiger Wahrheit und Klarheit vor Dir, Allerheiligster! leben werde. Amen. I. Abschnitt. Abendgebeth. Gemeinschaftliches Nachtgebeth einer gottesfürchtigen Familie. 44 Gott Vater! Sohn und heiliger Geist, dreyeiniger Gott! Du höchstes Gut! in deinem Namen haben wir den heutigen Tag angefangen; in deinem Namen wollen wir ihn wieder beschließen. Steh! wir fallen jetzt am Ende dieses Tages nie der auf die Knie, und danken Dir für alles Gute, das Du uns den ganzen Tag hindurch erwiesen, und für alles Uebel, welches Du so gnädig von uns abgewendet hast. Wir erkens nen es mit dankbarem Herzen, daß jeder Bissen Brod, ia sogar jeder Athemzug ein Geschenk deiner väterlichen Güte ist. Wie haben wir aber deine Wohlthaten angewendet? Has ben wir keine Sünde begangen? O verzeih, barmherzigster Bater! wenn wir Böses gethan, Gutes unterlassen, oder dass felbe schlecht oder nachläßig verrichtet haben. a Es reuen uns diese und alle Sünden unseres ganzen Les bens, weil wir Dich, o höchstes, liebenswürdigstes Gut! o bester, liebster Bater! beleidiget, und deine Wohlthaten so fehlecht vergelten haben. Habe Geduld mit unsern Schwach heiten und Fehlern, und verzeih uns um Jefus, deines Soh nes willen, der sein kostbares Blut für unsere Sünden vers gosfen hat. Wir wollen und diese Nacht hüten vor bösen Gedanken, ind vor allen Werken der Finsterniß; und morgen wollen wir Dir wieder mit neuem Eifer dienen, und unaufhörlich an uns serer Besserung arbeiten.- Vater unfer ic. Wir begeben uns nun bald zur Ruhe; aber Du, o Gott! wacheft über uns, auch wenn wir schlafen. Wir bitten Dich, beschüße uns diese Nacht vor allen Gefahren des Leibes und der Seele. Wende von uns ab Krankheiten, Feuersbrünste und alle Angriffe boshafter Menschen. Laß uns diese Nacht in Frieden ruhen, und morgen wieder froh und gesund zu deinem Dienste aufstehen, wenn dieß anders deinen weifesten Rathschlüssen und unserm Seelenheile nicht zuwider ist. In deiner Hand, o Gott! ftehet Leben und Tod. Du als Tein weißt es, ob wir morgen noch leben; in deine Hände empfehlen wir unsern Geist.- Vater unser ic. lords Heilige Maria! Mutter Gottes! und ihr lieben Engel und Heiligen! Ersetet durch Eure Fürbitte, was unserm unwürdis gen Gebethe abgebet, und erbittet uns den Schuß und Bey stand des allmächtigen Gottes! Du Gott der Barmherzigkeit! verzeihe den Seelen der Vers storbenen, was sie aus menschlicher Schwachheit gefündiget haben, und laß sie bald zur ewigen Seligreit gelangen. Wir bitten Dich durch die Verdienste unsers Herrn Jesus Chriftus, unsers Erlösers, welcher für sie, wie für uns, fein Festbares Blut vergossen hat. Amen. Zweyter Abschnitt. Sonntägliche Andachten. 45 Von der Heiligung der Sonn- und Fevertage. Jeder katholische Christ muß nach den Geboten Gottes, und nach den Forderungen seiner heiligen Religion den Sonn tag und die von der katholischen Kirche gebotenen Fevers tage, als Tage der Andacht und des öffentlichen Gottesdiens stes, mit guten Gedanken und gottseligen Werken zubringen; dies heißt den Fevertag heiligen. Dahin soll schon frühe Morgens unser ernstlicher Vorsak gerichtet seyn. Es soll zwar das ganze Leben des Christen Gottesdienst seyn; denn Gott dienen, heißt: Gott gehorsamen, thun, was Gott haben will. Insbesondre aber nennt man die d f fentlichen Andachtsübungen in der Kirche den fonn und fevertäglichen Gottesdienst. Diesem sollst du also, mein Christ! fleißig beywohnen, denn du bist schuldig: 1) auch außerlich und öffentlich zu zeigen, daß du Gott ehrest und anbethest, und 2) daß du Andern ein gutes Beispiel gebeft; 3) du wirst auch selbst mehr zur Andacht aufgemuns tett, wenn du den Eifer und die Andacht der übrigen Mitchristen siebst. Ja der Ort selbst, wo Gott auf eine besondere Weise gegenwärtig, und eine ganze Gemeinde bei dem Gebethe vereiniget ist, trägt Vieles zur wahren innerlichen Andacht bey. Allein, mit dem Gottesdienste in der Frühe endiget sich noch der Sonn- oder Feyertag nicht. Es ist auch nach mits tags und auf den Abend noch Feiertag; und diese Zeit follst du gut zubringen. Auch zu Hause sollst du an diesen Tagen entweder von geistlichen Sachen reden, oder was Nütze Itches lesen, und Andern vorlesen; daher sind auch eigene Abend Bethstunden und Andachten für alle Zeiten und Feste in diesem Buche enthalten. Ferner sollst du Kins der unterweisen, einen Kranken besuchen, einen Betrübten trös sten, um nach deinen Umständen Gutes zu thun, und ienes herbeizubringen trachten, was du die Woche hindurch wegen zeitlicher Geschäfte nicht thun konntest. Vorzüglich aber sollst du an diesen Tagen dem öffent lichen Gottesdienste, nämlich dem Amte und der Pres digt, oder der christlichen Lehre in deiner Pfarrkirche beiwohnen; denn sie ist deine Mutterkirche; von dir aus 46 II. Abschnitt. Sonntägliche fließen dir alle geistlichen Gnaden, Wohlthaten und Segnuns gen zu, durch welche dein ewiges Heil von der ersten Kind heit an, bis hin zum Grabe befördert wird. In deiner Pfarrkirche bringt dein Seelenhirt an, Sonn- und Feier: tagen auch für dich, für dein Seelenheil unsern göttli chen Erlöser Jesus Christus dem himmlischen Vater zum angenehmen Opfer dar, verkündet dir das heilige Evangelium, und ist bereitet, deinem Bußeifer und Verlangen nach Vereis nigung mit Jefus durch Ausspendung der heiligen Sacramen te zu Hülfe zu kommen. Wie kann er einst vor dem ewis gen Richter für deine unsterbliche Seele Rechenschaft ablegen, wenn du den Besuch deiner Pfarrkirche, dieser heiligen Stätte, die dir der Herr zu deiner Belehrung, Besserung und Heili gung angewiesen, an Sonn- und Feiertagen vernachláßis geft, und auf fremder Weide Nahrung für deine Seele fuchest, oder wohl gar allen christlichen Unterricht vernachläßigest? Wenn der Herr deine Seele von ihm fordert, wird er als dann sagen: err! ich kenne fie nicht." -- - Zwar verlangt Gott nicht von dir, daß du an diesen Tas gen unausgesetzt bethest, oder den Andachts Uebungen obliegest; du darfst dich auch erholen, von deinen wochen langen Arbeiten ausruhen, eine unfchuldige Freude und erlaubte Ergöglichkeit genießen; doch soll dieses nicht zu lange, und Alles mit Máßigung, Ehrbarkeit und Bes scheidenheit geschehen. Also ist es nicht gefehlt, wenn du besonders, in sofers ne du vem årmern Stande, oder ein Dienstbote bist, auch an Sonn- oder gebotenen Feiertagen für dich und die Deinis gen etwas arbeitest, flickest oder nähest, nachdem du den übrigen Tag gut und zu deinem Seelenheis le angewendet hast. Auch wenn es die Noth fordert, das ist, wenn du eis ne Arbeit ohne deinen, oder deines Náchsten großen Schaden nicht verschieben kannst, so arbeite ohne Bedenken und Gewissens Scrupel, so lange es nöthig ist. teignt Endlich, an Sonn- und Feiertagen hast du mehr Zeit, dein Gewissen, und den Zustand deiner Seele långer und genauer zu durchforschen, über dich selbst nachzudenken, und zu sehen, ob du auf dem Wege der Tugend vorwärts oder rückwärts gegangen bist, und neue Vorsätze für die Zukunft zu machen. Indeffen geschieht es leider! nur gar zu oft, daß an eben diesen heiligen Tagen die meisten und schwersten Sünden bes gangen werden. Viele glauben wenn sie nur einer heilis gen Meffe beigewohnt haben, so sey das Kirchenges bot schon erfüllt; den übrigen Tag dürfen sie dann ganz nach ihrem Belieben verwenden. Da sind dann diese Leute oft mehr als den halben Tag můßig, und bringen ihn mit Nichtss thun zu: oder im Müßiggange verfallen sie gar auf fündhafte Gedanken und Werke. Viele berauschen sich, sitzen halbe Tas abr Andachten. ge, oft noch bis in die spåte Nacht hinein, im Wirthshause: es wird lange und theuer gespielt, leichtfertig und üppig ges tanzt: oft wird bey der Zeche, bey allerley Besuchen und nachts lichen Zusammenfünften, unfeusches Gespräch geführt, und der größte Muthwillen und die frechste Ausgelassenheit getrieben. So werden die größten Festtage, und der heilige Sonntag selbst unverantwortlich entheiliget. Und wer macht sich wohl ein Gewissen daraus? wer klagt sich deswegen im Beichtstuhle an? Mit einem Worte: - 47 Aus dem, wie einer die. Fevertage hält, kann man am besten den guten oder schlechten Chris sten kennen lernen. Von Anhörung der Predigt. Die Predigt, oder der öffentliche christliche Unterricht, macht, wie ich schon gesagt habe, einen Haupttheil des Got tesdienstes und der Sonntagsfeyer aus; und man soll sie eben so wenig ohne wichtige Ursache versäumen, als die heilige Messe. Diejenigen haben also unrecht, welche lieber mehrere Mes fen, als die Predigt hören, oder während derselben bethen, sich zur Beichte vorbereiten, oder etwas Anderes vornehmen. Da kannst du nichts Besferes thun, als fleißig aufmerken. Jin Gebethe redest du mit Gott, und in der Predigt redet gleichsam Gott selbst mit dir, denn die christliche Wahrheit, die da verkündiget wird, ist Gottes Wort; und eben aus Vernachläßigung der Predigten und des göttlichen Wortes entstehet heut zu Tage die erschreckliche Unwissenheit, oder wes nigstens Vergessenheit der vornehmsten Heils Wahrheiten, auch bey so vielen erwachsenen Leuten. 3 Wer aus Gott ist, sagt Christus, wer Gottes Kind seyn will, der höret sein Wort gern an; darum möget ihr es nicht hören, weil ihr nicht aus Gott seyd. Aber es kommt nur darauf an, wie du es anhöreft, mers fest, und auf dich selbst anwendest. Höre jede Predigt nur aus der redlichen Absicht, etwas Gutes daraus zu lernen, und dadurch besser zu werden. Es ist keine Predigt so schlecht, aus der du nicht etwas lernen könntest: und die beste Predigt ist dir unnüß, wenn du sie dir nicht selbst zu Nußen machen willst. Darum sollst du dir aus jeder Predigt das herauss nehmen was dich besonders angehet. Was du jetzt nicht braus chest, kannst du dir für die Zukunft merken. Denke oft an das Gleichniß vom Saamen, der nur dann reichliche Frucht bringt, wenn er auf einen guten, wohlbereiteten Acker fällt. II. Abschnitt. Sonntägliche 1. Heilige Gedanken an einem Sonntage. Heut ist der Tag des Herrn, darum ermuntere dich, mein Geist! Es ist ein Tag, den du heiligen, das ist, den du ans ders, als gemeine Tage begehen sollst. Ziere dich vor allem andern mit heiliger Andacht, und denk' an die Wohlthaten Gottes. Schaff Ruhe deiner Seele und deinem Leibe; denn es ist ein von Gott geordneter Ruhetag. Wende dich mit Bethen zur Sonne der Gerechtigkeit; denn es ist ein he is Tiger Sonntag.- Gott will heute dein Herz allein haz ben für alles Gute, das Er dir die ganze Woche über geschenkt hat; schlag' es Ihm nicht ab. Er will in deiner Seele ruhen; o store Jhn nicht, sondern sprich vielmehr: 48 Jesus! Du König des Himmels und der Erden! heute ist der Tag, da deine Unterthanen zu Dir in den Tempel kommen, um dich zu loben und anzubethen. Ich bin unter ihrer Zahl. Ich will heute den Kelch des Heiles nehmen, und des Herrn Ruhm verkündigen. Heute fevern wir Christen den Ruhetag, den Du am Anfang der Welt geordnet hast. Heute denke ich an deine Güte, da Du in sechs Tagen Alles, was wir sehen und haben, aus Nichts gemacht, und bis auf den heutigen Tag zu deiner Ehre, und zu unserem NuHen und Heil so gnädig erhalten hast. Heute ist der Tag, an welchem Du, Herr Jesus Christus! nach Ueberwindung des Todes und der Hölle, aus dem Grabe hervorgegangen bist. Dank, ewiger Dank für deine unaussprechlich große Gnade! Das ist der Tag, den uns der Herr im neuen Testamente ge macht hat. Hallelujah! An diesem Tage gieng die Predigt der Apostel in die ganze Welt aus, da der heilige Geist über sie aus gegossen ward.- Darum will ich auch heute mit Freude und Begierde Gottes Wort hören. Gieb, heiliger Geist! daß es in mein Herz, als in ein gutes, fruchtbares Erdreich, falle, darin wurzle, und Früchte in Geduld bringen möge. - Aber was kann ich ohnmächtiger armer Sünder, ohne Dich?- Herr! der Du das Wollen und Vollbringen im Menschen wirkest, fang' Du in mir an, und führe es herrlich hinaus; sey Du, o Jesus! der Anfang, das Mittel und das Ende, ja Alles und Alles in mir. Andachten. 49 Glaube, Liebe, Hoffnung und Andacht sind Dir, mein Gott! die angenehmsten Dinge, die Du von mir verlangest. So soll denn durch deine Gnade dem Glaus ben mein Herz, der Siebe mein Mund, der Hoffnung meine Augen, der Andacht meine Ohren, Dir aber, mein Herr! Alles ergeben sein. Vater unfer ic. II. Gebeth bey dem Eintritt in den Tempel des Herrn. Ich bin jest in deinem heiligen Tempel, o mein Gott! um Dich, den Ewigen und Allmächtigen, mit der höchsten Ehrfurcht anzubethen; um Dir für deine Wohlthaten zu danken, die Du mir vom ersten Augenblick meines Lebens bis auf diese Stunde erwies sen hast; um Dich zu bitten, daß Du mir meine Missethaten und meine vielfältigen llebertretungen nach deiner großen Barmherzigkeit erlasseft, und zugleich alle jene Gaben mittheilest, die mir an Leib und Seele nöthig sind. Vater der Barmherzigkeit! o so unterstüße mich also mit deiner Gnade, daß ich recht andächtig, rechtglaubig und vertrauungsvoll zu Dir bethe. Laß mich es bedenken, wie groß die Gnade ist, daß ich armer, würdiger Mensch zu Dir, dem Unendlichen, dem Gott der höchsten Majestát, treten darf, und daß Du mich mit väterlicher Huld anhörest Laß mich es bedenken, daß Du allein es bist, der meine ganze Liebe verdient, Du allein, von dem ich mit freudiger Zuversicht Hülfe und Trost in allen meinen Anliegen erwarten darf. Laß mein Gebeth kindlich, innig, und Dir wohlgefällig seyn, und erhöre mich nach deiner Güte, im Namen und um der Verdienste unsers Herrn und Heilandes Jesus Christus willen. Amen. III. Ben der Segnung des Weihwassers. Wir flehen zu Dir, allmächtiger ewiger Gott! fegne durch die Hand des Priesters dieses Salz und Wasser, auf daß es allen Gläubigen ein Heilmittel für Leib und Seele werde. Um dieses bitten wir durch Jesus Christus unsern Herrn, der da kommen wird zu richten die Lebendigen und die Todten, und die Welt, durch das Feuergericht. Amen. 4 II. Abschnitt. Sonntägliche Besprenge mich mit Hysop, Herr! Erbarme Dich, Barmherziger! und wasche mich von Sünden rein, lag meine Schuld getilget fenn! Ehre sey dem Vater ic. Beige uns, Herr! deine Barmherzigkeit; und krone uns mit deinem Heile! Herr, erhöre mein Gebeth; und laß mein Rufen zu Dir kommen. Der Herr sey mit uns! und mit unserm Geifte. 50 - Gebeth. Allmächtiger, ewiger Gott und Vater! wir bitten demüthig, Du wolleft uns, die wir in diesem Tempel als deine Kinder zu Dir rufen, den heiligen Geist vom Himmel herabsenden, damit Er uns Arme mit sei nem göttlichen Besuche erquicke, triste, beschirme und bewahre vor allen Gefahren, des Leibes und der Seele, vorzüglich aber vor der Sünde und dem ewigen Tode, durch unsern Herrn Jesus Christus. Amen. IV. Gebeth vor der Predigt. Liebster Jesus! der Priester geht nun auf die Kanzel, und verkündigt uns in deinem Namen das göttliche Wort. Reinige seine Lippen, wie dem Propheten Jesaias; legé ihm dein Wort in seinen Mund, und erleuchte sein Herz mit dem heiligen Geiste, daß er nichts rede, was deinem heiligen Worte entgegen sen. Eröffne auch unsere Herzen und Ohren, daß wir Acht haben auf die Predigt des Evangeliura, Hilf, lieber Vater im Himmel! daß dieser dein Ge sandter mit uns Allen möge selig werden, durch Jesus Christus, unsern Herrn. Amen. V. Nach der Predigt. Sohn Gottes, Jesus Christus! Du hast Worte des ewigen Lebens, und dein Diener hat sie uns jetzt durch deinen Beistand erklärt. Ich danke Dir dafür von ganzem Herzen, und preise deinen heiligen Namen. Hilf, allmächtiger Gott! daß ich nicht nur ein Hirer, sondern auch ein Thäter deines Wortes seyn möge, auf daß ich mich nicht selbst betrüge. Gieb, daß dieser Unterricht mir nüßlich werde zur Lehre, zur Strafe, zur Besserung und zur Züchtigung in der Gerechtigkeit, daß ich vollkommen werde, und tüchtig zu allen guten Werken. Gieb, daß ich deinem Evangelium treu nachwendle, und deinen Namen nicht schände durch ein unchristliches Leben. Andachten. 51 Verstehe ich noch nicht Alles, so offenbare Du mir, wessen ich sonst noch bedarf, um zur vollständigen Erkenntniß deines heiligen Willens zu gelangen, damit ich frucht bar ser in guten Werken, und gestårket werde mit deiner Kraft in aller Geduld und Langmuth; damit ich endlich in der Stunde meines Absterbens erfahre, daß ich wirk lich von Dir empfangen habe Worte des ewigen Lebens, durch Jesus Christus unsern Herrn. Amen. VI. Unter dem Hochamte. Wie lieblich ist deine Wohnung, Herr der Heerschaaren! Ich sehne mich- ja meine ganze Seele schmachtet nach deinen Vorhöfen. Früh komm' ich daher zu Dir, o Gott! Dich ans zubethen in deinem heiligen Tempel, und in der heiligen Messe dem geheimnisvollen, unblutigen Opfer beyzuwohnen, das einst dein lieber Sohn, unser göttlicher Herr und Heiland Jesus Christus, Dir auf Golgatha darbrachte, da Er seinen Leib in den Tod hingab, und sein Blut vergoß, zur Vergebung unserer Sünden. Erleuchte meinen Verstand, und belebe meinen Glaus ben!- Rühre und zerknirsche mein Herz, daß ich diesem heiligen Opfer der Liebe mit den Empfindungen der Ans dacht, der Reue und Gegenliebe, der Dankbarkeit und Hoffnung beywohne, dadurch der Früchte des Leidens und To des Jesus theilhaftig werde, und Verzeihung der Sün den, Gnade zum Guten, und das ewige Leben erlange. Nimm dieses Opfer, o heiligster Bater! das ich vers eint mit dem Priester Dir darbringe, gnådig auf, zum Lob und Preis deines Namens, zum Heil meiner Sees le, für die heilige katholische Kirche, für alle Gläubige, damit sie im wahren lebendigen Glauben gestärkt, für alle Frrende und Ungläubige, damit sie zum wahren lebendigen Glauben bekehret werden, für die Lebendigen und für die Verstorbenen, besonders für jene, für die ich zu bethen verpflichtet bin, und die in mein Gebeth sich empfohlen haben, damit sie von deiner unendlichen Batergüte Alles erlangen, was sie gut und selig machen kann. Aber darf ich es wagen, Allerheiligster! Deinem - II. Abschnitt. Sonntägliche - Altare mich zu nahen, und der Fever dieses geheimnisvollen Opfers benzuwohnen? Ach! meine Sünden und mein Elend drücken mich bis in die Tiefe meines Nichts vor deinem Angesichte hinab; mit Betrübniß und Reue fühle ich meine große Unwürdigkeit, und demüthig will ich von Ferne stehen, gleich dem bußfertigen Zöllner an meine Brust schlagen, und mit Glauben und Vertrauen rufen: barmherziger, heiliger Gott! erbarme Dich über mich. Sich mich an mit den Augen deiner Barmherzigkeit, wie Du ansahest jenen Zöllner, der da sprach: Herr Gott, fey mir armen Sünder gnädig! Sieh mich an, so wie Du den verlornen Sohn angesehen hast, da er sprach: Ich bin nicht werth, daß ich dein Sohn heiße, halte mich als einen deiner Taglöhner. Ich bin der sündige Zöllner, ich der verirrte, verarmte, von Dir gewichene verlorne Sohn; aber ich bin wieder zurückgekommen, und darf nun zutrauensvoll sprechen: Du bist mein Gott, mein Herr und mein Vater; so sieh mich denn an, als ein gütiger, milder und liebevoller Bater, und vergieb mir völlig alle meine Christus er Sünden. Herr erbarme Dich meiner!- barme Dich meiner! Herr erbarme Dich meiner! Gloria. 52 Seele erlöfete, begnadigte Seele! Schwinge dich himmelan, und stimme mit begeisterter Liebe ein in den Lobgefang der englischen Heerschaaren. Chre sey Gott in der Höhe. Und Friede auf Erden den Menschen, die eines guten Willens sind! wir loben Dich, wir preisen Dich, wir bethen Dich an. Wir verherrlichen Dich, wir danken Dir wegen deiner großen Herrlichkeit! Herr, Gott, himmlischer König! Gott, Bater, Allmächtiger! Herr, einges borner Sohn, Jesus Christus! Herr, Gott, Lamm Gottes, Sohn des Vaters, der Du hinwegnimmst die Sünden der Welt, nimm unser Flehen an! der Du sizest zur Rechten des Vaters, erbarme Dich unser! denn Du allein bist heilig. Du allein bist der Herr. Du allein bist der Höchste, Jesus Christus! mit dem heiligen Geiste in der Herrlichkeit Gottes des Vaters. Amen. Kirchengebeth. Gott! Du Stärke Aller, die auf Dich bauen, erhôre gnädig unser Flehen. Ohne Dich vermag die Ohnmacht der Sterblichen nichts. Darum schenke uns den Bey Andachten. stand deiner Gnade, daß wir deine Gebote treu beobachten, und hierdurch unser Wille und unser Wandel Dir gefällig werde durch Jesus Christus, deinen Sehn, unfern Herrn! der mit Dir lebt und regiert in Einigkeit des heiligen Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. - - - 53 Zu der Epistel. Allmächtiger, ewiger Gott, unser Herr und Vater! Wie weise und gütig hast Du zu allen Zeiten die Menschen deine Kinder geleitet und geführet! Mit den Urvåtern redetest Du wie ein Freund mit seinem Freunde. Dem Volke Israel gabst Du Moses und die Propheten. Deinem Christenvolke sendetest Du die Apostel und ihre Jünger! Wir lesen und hören die heiligen Schriften des alten und neuen Bundes. Alle weisen sie auf Einen hin, Der da ist der Anfang und das Ende; durch Den allein zu Dir gelangen kann, wer zu Dir gelangen will. O gieb, daß ich diesen lange Verheißenen, sehnlich Erwarteten, von Dir gesendeten Jesus Christus. stets suche, den Gefundenen festhalte, und in seiner Vereinigung Leben und Seligkeit finde, durch denselben Jesus Christus. Amen. - 3 um Evangelium. Jesus Christus! o Du anbethungswürdigster Wohlthäter der Menschen, Du einziger guter Lehrer, den wir hdren, Du erhabenstes Vorbild, dem wir nachfolgen sollen! wie kann ich Dir feurig, wie innig genug danken, daß Du uns dein heiliges Evangelium, die frohe Botschaft unserer Erldsung und Heiligung, vom Himmel herabges bracht hast.. O laß es nicht bloß in meinen Ohren er: schallen, sondern tief in mein Herz eindringen, und würdige Früchte der Bekehrung und Gerechtigkeit wirken, damit es sich auch an mir offenbare als eine Kraft Gottes, selig zu machen Alle, die daran glauben. O Du Abglanz der Wahrheit und Heiligkeit des Vaters! Laß das Licht deines heiligen Evangeliums allen denen leuchten, die noch in den Finsternissen der Unwissenheit und in den Schatten des Todes sizzen, damit ſie in das Reich der Wahrheit und der Gerechtigkeit versetzt werden, und durch Dich zum Bater, und beym Vater zum Genusse des ewigen Lebens gelangen. Amen. 54 II. Abschnitt. Sonntägliche 3 um Credo. Ich glaube an Gott den Vater u. s. w. 3um Offertorium. Heiliger Bater, allmächtiger ewiger Gott! Nimm auf das unbefleckte Opfer, das ich Unwürdiger durch die Hände deines Priesters Dir darbringe, meinem lebendigen und wahren Gott, für meine unzählbaren Sünden, Uebertretun gen und Nachlässigkeiten, für alle Anwesenden, und für alle gläubigen Christen, Lebendige und Abgestorbene, daß es mir und ihnen zum Heile gereiche in Ewigkeit! Amen. Mit diesem Opfer des Brodes und Weines, das da soll verwandelt werden in den Leib und das Blut uns fers Herrn Jesus Christus, opfere ich Dir, o himmlischer Vater! mich selbst und Alles, was ich bin und habe. Wie Jesus mit Dir Eins ist, so laß auch mich durch die heilige Liebe Eins seyn mit Jhm. Das Blut Je fus, deines Sohnes reinige mich von meinen Sünden! das Feuer deiner göttlichen Liebe vertilge an mir Alles, was böse und Dir mißfällig ist! dein heil. Geist führe mich in alle Wahrheit und Gerechtigkeit, damit mein ganzes Leben ein Dir wohlgefälliges Dank- und Lobopfer werde, durch Jesus Christus, unsern Herrn! Amen. Im Geifte der Demuth, und mit zerknirschtem Herzen flebe ich zu Dir, sieh gnädig her auf den Altar, und laß Dir unser Opfer gefallen um Jesus, deines Soh nes, willen, der sich für uns am Kreuze geopfert hat. Komm, o Heiligmacher, allmächtiger ewiger Gott! und segne dieses Opfer, das wir zur Ehre deines heiligen Namens zubereitet haben. Nimm, heilige Dreyeinigkeit! nimm dieses Opfer gná dig auf, das wir Dir darbringen zum Andenken des Leidens, der Auferstehung und Himmelfahrt Jesu Christi, unsers Herrn; zur Ehre der heiligen Jungfrau Maria, und des heiligen Täufers Johannes, und der heiligen Apostel Petrus und Paulus, und dieser und aller Heiligen, daß es ihnen gereiche zur Chre, und uns zum Heile, und daß diejenigen für uns im Himmel unsere Fürbitter werden, deren Andenken wir auf Erden feyern, durch denselben Jesus Christus, unsern Herrn! Amen. Andachten. Allmächtiger Gott und Vater! nimm das Opfer von den Händen des Priesters gnädig auf, und laß es zum Lobe und zur Verherrlichung deines Namens, auch zu uns serm Nußen und zum Besten deiner ganzen heiligen Kirchbe gereichen; durch Jesus Christus, unsern Herrn! Amen. Zur Prå fation. Und so mich hingebend in Gehorsam und Liebe, erheb' ich Herz und Hände zum Himmel, und bethe dankerfüllt dei: ne unendliche Batergüte an. Ja- würdig und gerecht ist es, billig und heilsam, daß wir immer und überall Dir dans len, o Heiligster, allmächtiger Bater, ewiger Gott und Herr! durch Christus unsern Herrn. Durch Ihn loben deine Mas jestät die Engel, bethen an die Herrschaften, und beben in heiliger Ehrfurcht die Mächte.- Durch ihn preisen Dich die Himmel, und die Kräfte der Himmel, und die Seraphin und Cherubin im vereinten Jubelchore. Laß uns, wir bitten Dich! mit ihren Anbethungen auch unsere Stimmen vereis nigen, indem wir zugleich mit ihnen in tieffter Ehrfurcht aus. rufen: Heilig! heilig! heilig ist der Herr, der Gott der Heerschaaren! Himmel und Erde sind deiner Herrlichkeit voll! Hosanna! in der Höhe! Hochgelobt sev, der da kommt im Namen des Herrn, Heil Dir in der Höhe! Vor der Wandlung. Dich, gütigster Bater! bitten wir durch Jesus Christus, deinen Sohn, unsern Herrn, und flehen zu Dir in tiefster Demuth. Nimm gnådig an, und segne das heilige und una befleckte Opfer, welches wir Dir darbringen, vorzüglich für deine heilige allgemeine Kirche! Reinige und erhalte sie auf dem ganzen Erdkreise in Einigkeit der Liebe und des Fries dens; segne mit der Fülle deines Segens deinen Diener, uns sern Pabst N., und unsern Oberhirten N., und alle Bekenner des wahren, allgemeinen und apostolischen Glaubens. Gieb den Königen und Fürsten, und allen Obrigkeiten Frie den und Eintracht, gieb ihnen Weisheit, daß sie die Völker der Erde nach deinem heiligen Willen leiten, damit dein Reich auf Erden immer weiter verbreitet werde! Gedenke auch, o Herr! deines Priesters, welcher Dir am Altare opfert, und aller Gegenwärtigen, deren Glaube und Andacht Dir bekannt ist! insonderheit empfehle ich Dir aber 56 II. Abschnitt. Sonntägliche alle diejenigen, für welche ich aus Dankbarkeit und aus Liebe zu bethen schuldig bin- meine Eltern, Wohlthäter, Geschwister, Freunde und Bekannte. Triste alle Betrübte und Hülfsbedürftige, bekehre die Sünder, stårke die Gerechten, nimm die Sterbenden in deine Gnade auf. Wende alle Gefahren des Leibes und der Seele von uns ab! Ihr Heiligen und Auserwählten Gottes im Himmel! deren Gedächtniß wir auf Erden feveru, vereiniget eure Fürbitten mit meinem Flehen, durch Christus, unsern Herrn. Amen. Ben der Wandlung. Jesus! Du Sohn des lebendigen Gottes! ich glaube, daß Du hier unter der Gestalt des Brodes wahrhaftig gegenwärtig bist! Ich bethe Dich an! Laß die Verdienste deines Leidens und deines Todes an mir armen Sünder nicht verloren seyn! Jesus, sen mir gnädig! Jesus, sey mir barmherzig! Jesus, verzeih mir meine Sünden! O du wahres, lebendiges Blut meines Herrn und Erldfers Jesus Christus, einst am Kreuze für unsere Versöhnung geflossen! ich bethe Dich an mit allen Engeln und Heiligen! Wasche ab meine Sünden, und stärke meine Seele, daß dein Leben, deine Liebe, deine Kraft in mir sey, in mir wachse, und endlich mich unzertrennlich mit Dir einige im ewigen Leben! Jesus, Dir lebe ich!- Jesus, Dir sterbe ich! Jesus, Dein bin ich todt und lebendig! Amen. Nach der Wandlung. Du mein Jesus Christus! D Du ewige Liebe! Erldser, mein Heiland, mein Seligmacher! bis zu dem Ende der Tage, bis Du wieder kommen wirst, soll deine Christenheit fevern das Andenken deiner unbeschreiblichen Liebe und deines beilbringenden Todes; dazu sehtest Du das heilige Altar Sacrament ein, das in der heiligen Messe als das große Versöhnungsopfer des neuen Testamentes dem Allmächtigen dargebracht, und den Gläubigen als eine geistige Nahrung und als ein Unterpfand der zukünftigen Aufer. stehung und des ewigen Lebens ausgespendet wird. Eins follen wir mit Dir ſeyn in heiliger Liebe, und unser Geist soll sich mit deinem Geiste auf's Jnnigste vereinigen. Q so werde denn die Nahrung meines Geistes und meines Herzens!- Laß mich eines Sinnes und Willens mit Andachten. Dir werden; so daß ich mit dem Apostel sagen kann: ,, Ich lebe zwar noch; aber nicht mehr ich, sondern Christus lebt in mir. Ob ich zwar schon im Körper noch lebe, so lebe ich doch im Glanben des Sohnes Gottes, der mich geliebt, und sich selbst für mich hingegeben hat."( Gal. II. 20.) Dein Glaube, o Jesus! sey mein Glaube- dein Vertrauen, dein Gehorsam, deine Geduld und Demuth sollen mein Eigenthum deine Liebe die Seele aller meiner Handlungen werden! Diesen treuen Jünger- Sinn- leg' ihn- o göttlicher Heiland in mein Herz, und laß ihn in meinem ganzen Leben sichtbar werden, daß es ein reines, Gott wohlgefälliges Opfer werde, wie das Opfer rein, heilig und unbefleckt war, das Du am Kreuze Ihm brachtest. 57 Im Geiste der Liebe erinnern wir uns vor Dir, Du alls mächtigster Freund der Menschen! auch unserer abgestors benen Brüder und Schwestern, besonders unserer Eltern und Wohlthäter; sie sind auch deine Erldseten, o Herr! ers barme Dich ihrer! Reinige sie von den Fehlern, die sie bey dem Eintritte in die Ewigkeit noch nicht abgebüßt haben; vollende ihre Tugend und Glückseligkeit nach deiner weisen Güte, und führe uns endlich Alle nach überstandener Prüfungszeit in die Wohnungen der Auserwählten, in den Himmel, ein, zu deinem Vater und zu unserm Bas ter, zu deinem Gott und zu unserm Gott, an den ich mich jest gläubig wende, indem ich das Gebeth an Ihn richte, das Du uns selbst gelehret hast; Vater unser ic. 3 um Agnus Dei. Du Lamm Gottes, welches Du hinwegnimmst die Sünden der Welt! Erbarme Dich unser schenk' uns deinen Frieden.( Dreymal) Jesus Christus! unser Herr und Heiland! der Du zu deinen Aposteln gesprochen hast: Ich hinterlasse euch den Frieden, ich gebe euch den Frieden; sich nicht auf meine Sünden, sondern auf den Glauben deiner Kirche, und erhalte sie nach deinem Willen in Friede und Einigkeit: der Du als Gott lebest und regierest in alle Ewigkeit! Amen. Jesus Christus! Sohn des lebendigen Gottes! der Du nach dem Willen des Vaters, unter der Mitwirkung des und II. Abschnitt. Sonntägliche heiligen Geistes, durch deinen Tod der Welt das Leben gegeben hast, befreye mich durch diesen deinen allerheiligsten Leib, und durch dein allerheiligstes Blut, von allen meinen Sünden und von allen Uebeln. Gieb, daß ich immer deinen Geboten nachlebe, und laß mich nie von Dir geschieden werden. O mein Heiland! laß den Genuß deines Leibes, den ich Unwürdiger jeßt geistiger Weise zu empfangen wage, mir nicht zum Gerichte und zur Verdammniß gereichen, sondern gieb nach deiner Güte, daß er mir zum Schuße für Seele und Leib, und zum Heilmittel meiner Schwachheit werde. Und so öffne ich Dir- ach ich Sünder- mein Herz, und rufe, von Reue durchdrungen, mit Demuth und Inbrunst: 58 O Herr! ich bin nicht würdig, daß Du eingehest unter mein Dach, sondern sprich nur ein Wort, so wird meine Seele gesund.( Dreymal) Der Leib und das Blut unsers Herrn Jesus Chris Amen. stus bewahre meine Seele zum ewigen Leben. Nach der Communion des Priesters. Was soll ich Dir, o mein Gott und Heiland! was soll ich Dir erwiedern für deine erbarmende Güte, nach welcher Du uns dein Fleisch und Blut zum Unterpfand der ewigen Seligkeit gegeben hast?- Mein Herz will ich Dir opfern mit allen Kräften meiner Seele; ich will aus Liebe zu Dir meine Begierden und Neigungen unter dein heiliges Gesch beugen. Nimm dieses Dankopfer gnädig an, und laß mich nimmermehr Dir untreu werden. Rüste mich mit höherer Kraft aus, damit ich meine Leidenschaften bezähme, und den Reizungen der Sünde widerstehe. Gieb mir Lust und Freude am Guten, und einen standhaften Abscheu vor der Sünde. Zerstöre in mir alle Anhänglichkeit an das, was deinem heiligsten Willen zuwider ist, und flöße mir Gefin nungen ein, die deines Schülers und Nachfolgers würdig sind. Berleihe mir deinen Beystand, daß ich Gott über Alles, und meinen Nächsten wie mich selbst liebe; daß ich alle Irdischen Vortheile, die ich durch Uebertretung deines Ges sebes erhalten könnte, verschmähe, und durch standhaftes Fortschreiten auf dem Wege der Tugend für jene Seliga keit mich empfänglich mache, deren Unterpfand Du uns in dem heiligsten Altars Sacramente gegeben past. Andachten. Schlußgebeth. Die Theilnahme an dem allerheiligsten Sacramente deines Leibes und Blutes gewähre uns Reinigung von unsern Sünden, und Vereinigung mit Dir, o Gott! durch Jesus Christus tc. 59 Aufopferung. O allerheiligste Drencinigkeit! nimm gnädig das Opfer an, das wir deiner Majestät durch die Hand des Priesters dargebracht haben, damit es uns und Allen, die wir deiner unendlichen Barmherzigkeit in unserm Gebethe anempfohlen haben, zur Bersöhnung und zum Heile gereiche, durch Jesus Christus unsern Herrn. Amen. Es segne uns der allmächtige Gott, der Vater t der Sohn't und der heilige+ Geist. Amen. 3um legten Evangelium. Ewiges Wort des Vaters! durch welches alle Dinge erschaffen sind, Du ewiges, selbstständiges Leben, Du vollkommenster Abglanz der Gottheit, Leben und Licht der Menschen! In tieffter Ehrfurcht bethe ich Dich an, und danke Dir für die Früchte deiner Erldsung. Du bist erschienen in Menschengestalt, bist Fleisch geworden, hast unter uns gewohnet, und uns zu Kindern Gottes gemacht. Wer kann Deine Liebe begreifen! wer deine Erbarmungen- ermessen! Derleuchte mich, mein Gott! daß ich Dich als meinen Herrn durch thätige Liebe ehre, und so den Namen eines Kindes Gottes verdiene! Du, wandeltest unter den Menschen voll Gnade und Wahrheit gieb mir, daß ich dieses Bild, an dem Himmel und Erde Freude hatten, durch meinen Wandel fo vollkommen als möglich ausdrücke. Sohn Gottes! sey gelobt, gepriesen und gebenedent, mit dem Vater und heiligen Geiste, jest, zu allen Zeiten und in Ewigkeit. Amen. VIII. Besper Andacht an den Sonntagen und Festtagen des Herrn und seiner Heiligen. Vorbereitungs Gebeth. göttlicher heiliger Geist! erleuchte meinen Verstand, reis nige mein Herz, öffne meinen Mund, und entzünde meinen Eis fer, daß ich andächtig und aufmerksam mein Gebeth verrichte. Erhöre mein Flehen, Vater im Himmel! Ich bitte Dich im Namen deines Sohnes, im Namen Jesus! Amen. 11. Abschnitt. Sonntägliche Sen bedacht, o Herr! auf meine Hülfe. Herr, eile, mir zu helfen. Ehre sey dem Vater und dem Sohne und dem heiligen Geiste, gleich wie sie war vom Anfange, ickt und allezeit von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. 60 I. Pfalm. - Lobe den Herrn, meine Seele! und was in mir ift, feinen heiligen Namen. Lobe den Herrn, meine Seele! und vers giß nicht, was Er dir Gutes gethan hat:- Der dir vergiebt Der alle deine Sünde, und alle deine Gebrechen heilet. dein Leben vom Verderben erlöset; der dich frönet mit Gnade und Barmherzigkeit. Der deinen Mund fröhlich macht, daß du wieder jung wirft, wie ein Adler. Der Herr schaffet Ges rechtigkeit und Gericht Allen, die Unrecht leiden. Barmhers zig und gnädig ist der Herr, geduldig und von großer Güte.- Erihandelt nicht mit uns nach unsern Sünden, und vergift uns nicht nach unserer Missethat. Wie sich ein Vater über feine Kinder erbarmet, so erbarmet sich der Herr über die, fo Ibn fürchten. Denn Er fennet, welch ein Geschöpf wir find, Er gedenket daran, daß wir Staub sind. Ein Mensch ist in seinem Leben wie Gras; wenn der Wind darüber geht, so ist es nimmer da. Die Gnade des Herrn aber währet von Ewigkeit zu Ewigkeit über Alle, die seinen Bund halten. 11. Pfalm. - 1- Dich will ich erhöhen, mein Gott, mein König! deinen Namen in Ewigkeit preifen.- Kein Zag soll verfließen, ohne daß ich Dich preise.- Groß ist der Herr, ja uneimeßlich feis ne Größe.- Alle Geschlechter werden deine Werke loben, o Herr! und verkündigen deine Macht. Sie werden denken an deine Milde, und frohlockend befingen deine Gerechtigkeit.- Der Herr ist gnädig und barmherzig, langmüthig und reich an Erbarmen. Gåtig ist Er gegen Alle, und seine Gnade ers ftreckt sich über alle Geschüpfe. Alle deine Werke, Herr! fol. len Dich loben, und die Dir geheiliget sind, follen Dich preis fen. Dein Reich ist ein ewiges Reich, deine Herrschaft währt von Geschlecht auf Geschlecht. Der Herr baltet, die im Falle begriffen sind, und richtet auf, die der Fall beschädiget hat. Alle Augen warten auf Dich, und Du giebst ihnen ihre Nah rung zu rechter Zeit. Du öffnest deine Hand und erfáttigest Alles, was da lebt, mit deinem Segen.- Derr Herr ist ges recht in Allem, was Er vornimmt, beilig in feinen Werken ist Er. Der Herr ist Allen nahe, die Ihn aufrichtig anrufen. Er erfüllet die Wünsche derer, die Ihn findlich fürchten, Er erhöret ihr Flehen und erlöset sie.- Ehre sey dem Vater. 11 - - - - 111. Pfalm. Das ist mir lieb, daß der Herr meine Stimme böret; dars um will ich Ihn anrufen mein Lebenlang.- Ich kam in Jammer und Noth, aber ich rief zum Herrn, und Er errettete meine Seele. Der Herr ist gnädig und gerecht, und barmhers 61 zig ist unser Gott. Die Herzenseinfältigen behütet der Herr; Er hilft mir, wenn ich unterliege. Sey nun wieder zufries den, meine Seele! denn der Herr thut dir Gutes. Ich will wandeln vor dem Herrn, in der Gemeinde der Lebendigen. Ich glaube, darum rede ich, wenn ich auch oft sehr heimges sucht werde. Wie soll ich dem Herrn vergelten alle seine Wohlthat, die Er an mir thut? Ich will annehmen den heilsamen Kelch, und anrufen den Namen des Herrn.- Eh re sey dem Vater zc. Andachten. - - IV. pfa I m. Wie lieblich sind deine Wohnungen, Herr der Heerschaa ren! Meine Seele ist voll Sehnsucht nach ihnen. Mein Herz und mein Leib frohlocken vor Liebe des lebendigen Gottes. Selig sind, welche in deinem Hause wohnen. Ewig, Herr! werden sie Dich preisen.- Herr der Heerschaaren! erhöre mein Gebeth; erhöre mich gnädig, mein Gott! Gott der Herr, der unsere Sonne und unser Schuh ist, und Barmherzigkeit und Wahrheit liebet,- Er wird jenen, die unschuldig leben, kein wahres. Gut abgehen lassen.- Herr der Heers schaaren! selig ist der Mensch, der auf Dich vertraut. Ehre sey 2c. 1 - V. Pfalm. Lobet, ihr Diener des Herrn, lobet den Namen des Herrn! Gelobet sey der Herr von nun an bis in Ewigkeit, vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergange.- Der Herr ist hocherhaben über alle Völker der Erde; seine Ehre geht, so weit der Himmel reicht.- Wer ist so, wie der Herr, unser Gott? Welcher wohnet in der Höhe, und siehet dennoch hers ab auf das Niedrige; Der den Geringen und Armen aus dem Staube zieht und erhöht, und ihn neben den Fürsten seines Volkes seket. Ehre ic. - Hymnus. Unser Gebeth steige zu Dir hinauf, o Herr! und über uns sirome herab deine Barmherzigkeit. 1. Preis Ihm! Er schuf und Er erhält mit Macht und Güte seine Welt. Du sprachst; da wurden, Herr! auch wir; wir leben und wir sterben Dir. Hallelujah!- 2. Preis Ihm! Er liebt von Ewigkeit; Er wird ein Mensch, stirbt in der Zeit. Erlöst, erlöst hast Du uns Dir; Dir leben und Dir sterben wir. Hallelujah!- 3. Preis Jhm! Er führt des Himmels Bahn, Er führt den schmalen Weg hinan. Ges heiliget hast Du uns Dir; Dir leben und Dir sterben wir. Hallelujah! Kapitel( 2. Corinth. 1, 3.) Gelobt fey Gott, der Vater un fers Herrn Jesus Christus, der Vater der Barmherzigkeit, der Gott des Trostes, der uns tröstet in aller Trübfal. Magnifika t. Meine Seele erhebt den Herrn, und mein Geist froblocket in Gott meinem Heilande. Denn Er hat die Niedrigkeit II. Abschnitt. Sonntägliche Andachten. feiner Magd angesehen: sich, von nun an werden mich selig preifen alle Geschlechter. Denn er hat große Dinge an mir gethan, der da máchtig, und dessen Name heilig ist. Seis ne Barmherzigkeit währet immer, für und für, bey denen, die ihn fürchten. Er übet Gewalt mit seinem Arm, und zers ftoret, die in ihrem Herzen hoffártig sind. Die Gewaltigen stößt Er vom Chron, und erhebet die Niedrigen.- Die Hung, rigen fegnet Er mit Gütern, und läßt leer die Reichen.- Er gedenkt seiner Barmherzigkeit, und hilft feinem Knechte Ifrael. Wie Er verheißen hat unsern Vätern, Abraham und seinen Nachkommen ewiglich. Ehre ic. 62 - - Gebeth. O allerheiligste Dreyeinigkeit! wir liegen im Staub unserer Unwürdigkeit vor dem Throne deiner Majestát, bethen Dich an und flehen: Sieh gnådig auf uns Erlöfte, und führe uns durch dieses gefährliche Jammerthal, daß wir durch das kostbare Blut deines Sohnes gereiniget, und durch seinen Geist geheiliget, in das ewige Reich der Herrlichkeit eingehen mögen. Das gieb uns, Bater! durch Jesus Christus deinen Sohn, unsern Herrn. Amen. Laß, o Gott! die Seelen der abgestorbenen Gläubigen rus hen im Frieden. Vater unser u. f. w.- Gieb uns, o Herr! deinen Frieden, und das ewige Leben! Amen. Schlußgebeth zur seligsten Jungfrau Maria. O Mutter mit der Himmelskinde, das jedes Leiden uns verfüßt, und uns erlöst von Tod und Sünde, sey, milde Jungfrau, uns gegrüßt. Sieh aus dem Himmel deiner Freus den auf uns herab mit Mutterblick, die wir im Thal der Thränen leiden, uns sehnend nach des Himmels Glück! Bitt' daß nach deinem schönen Bilde, stets heilig unser Wandel sey ,voll Unschuld, Demuth, Sanftmuth, Milde; in Allem Gots tes Willen treu. Dann zeigst Du freundlich uns einst droben im Vaterlande deinen Sohn; und Er, der Dich so hoch erho ben, reicht dann auch uns die Siegestron". Gebeth. Allmächtiger, ewiger Gott! der Du den Geist und das Herz, den Leib und die Seele der seligsten Jungfrau Maria durch die Kraft des heiligen Geistes zu einer würdigen Wohnung deines geliebten Sohnes bereitet haft; verleihe uns, die wir ihr Andenken mit heiliger Freude fevern, daß wir durch ihre mütterliche Fürbitte von den uns drohenden Uebeln, und von dem ewigen Lode befreyet werden, durch denselben Christus, unfern Herrn. Amen. Gottes Schuß fen und bleibe bey uns! Amen. - Dritter Abschnitt. 63 Buß- und Communion- Andachten. Bußandachten. Morgengebeth am Beichttage. Himmlischer Vater! Du hast mich heute einen besonders wichtigen Tag erleben lassen. Es soll ein Tag der strengen Selbstprüfung, des reumüthigen Sündenbekenntnisses, und der aufrichtigsten Buße, aber auch ein Tag ausgezeichneter Erfahrungen deiner Gnade werden. Erleuchte mich mit dem Lichte deines heiligen Geistes, daß ich mein Innerstes ganz so sehen möge, wie es vor deinen, Alles durchschauenden Blicken, Dir offenbar ist. Was nüßt es mich, wenn ich aus Eigenliebe oder ge= heimer Anhänglichkeit der Sünde, mich anders sehen wollte, als ich bin!- Betrachte ich Dich nur als den Allwissenden, Heiligen und Gerechten, so zittre ich vor deiner Größe. Aber wohl mir! Ich kenne Dich zugleich durch Jesus, deinen eingebornen Sohn, meinen Herrn und Heiland, als verzeihenden Vater. Du kommst meiner reumüthigen Beichte mit dem holden Worte der Gnade entgegen; ,, Sey getrost! deine Sünden sind dir bergeben!" Du willst nicht, daß jemand verloren gehe; sondern daß jeder Sünder sich bekehre und lebe. Laß auch mich heute durch die Gnade des heiligen BußSacramentes hievon auf's Neue versichert werden. Erhöre das Flehen der Demuth und des Glaubens, um Jesus Christus, deines Sohnes, unsers Herrn und Heilandes willen! der mit Dir, o himmlischer Vater! und mit dem heiligen Geiste gleicher Gett, lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen. Uniy.- Bibl. Glessen III. Abschnitt. Buß Eine heilsame Betrachtung, um den Geist der Buße in sich zu erwecken.. 64 ( Vom ehrwürdigen Vater Johann Craffet.) I. Der verlorne Sohn ist ein Bild des Sünders, der das Haus Gottes, seines Baters, verläßt, um allen Ausschweis fungen sich zu überlassen. Er entfernte sich aus der Gegenwart Gottes, und entsagt den Ansprüchen auf die göttliche Kindschaft. Ferne verschwendet er in seiner Zügellosigkeit alle Gaben der Natur und der Gnade, die Gott ihm verliehen hatte. Dieß habe ich gethan, als ich Gott verließ. Fern wandelte ich aus seiner Gegenwart, und sagte von seiner Leitung mich Ios. Alle Schätze der Gnade und Verdienste, die ich erlangt hatte, verschwendete ich! O wer giebt mir Thránen, diesen Verlust zu beweinen! Wie große Rechenschaft wird Gott von mir fordern, wenn seine Barmherzigkeit mir nicht hilft. II. Bedenke, v Christ! die unglückliche Lage, in die jener verlorne Sohn gerieth, als er seine Habe verschwendet hatte, und plötzlich eine große Hungersnoth entstand, die ihn zwang, Dienste bey einem Herrn zu nehmen, dessen Schweine er hüten mußte! So elend war er, und so sehr quälte ihn der Hunger, daß er sogar das Futter gern gegessen hatte, welches man den Schweinen vorwarf; allein Niemand gab es ihm. Wie kraftig ist hier der Stand der Seele geschildert, die ihren Gott verließ! denn da es an allem himmlischen Troste ihr gebricht; da die göttlichen Sacramente sie nicht mehr nåh, ren, nimmt sie Dienste bey dem bösen Feinde, der ihr Schweiz ne zu hüten und zu weiden giebt, nämlich thierische Leiden schaften, die sie in seinem Dienste stillt. Gern möchte die ed le und geistige Seele mit sinnlichen Lüften sich ersättigen; doch nimmermehr vermag sie dieß; denn nicht dieß ist ihre Nah, rung. O welcher bittere Wechsel, welch ein tiefes Elend! der Mensch nach dem Bilde Gottes erschaffen, ward ähnlich dem vernunfts Iofen Vieh; grafet gleich den Thieren, und wälzt gleich ihnen sich im Schlamme. Was thust du, meine Seele? Was suchest, was verlangst du? Glaubst du, daß solche schåndliche Lüfte dich ersättigen werden? Nabrung für Thiere sind sie; eine Seele, die fü hig ist, Gott felbst zu erfaffen, kann auch nur durch Gott als Tein gesättigt werden. III. Als der unglückselige verlorne Sohn sah, wie kläglich sein Zustand war, kehrte er in sich selbst zurück, und rief feufs zend aus: ,, Ach, wie viele Zaglöhner im Haufe meines Va ters haben Brod im lleberfluß, und ich muß hier Hungers sters ben! Auf denn! feft ist mein Entschluß; verlaffen will ich dies Land, und zu meinem Vater, zurückkehren. Sprechen will ich zu ihm: Bater! ich habe gefündiget gegen den Himmel und vor dir, und ich bin es nicht werth, dein Kind genannt zu wers und Communion Andachten. den; laß mich aus Gnaden wie einer deiner Zaglöhner seyn!" Er sprach's, und stand sogleich auf, und machte sich unges fáumt auf den Weg. 65 Also wirkt die Trübfal dahin, daß wir in uns selbst heims kehren. Immer besucht Gott durch seine Gnade die Seelen, die Er mit Trübfal heimsucht. Er erleuchtet ihren Verstand, rührt ihren Willen, zeigt ihnen das tiefe Elend, wohin die Sünde führt, und spricht in ihrer Betrübniß zu ihrem Hers zen: Sich nun, was es heißt, mich beleidigen! Was hast du nun gewonnen, daß du mich verlassen hast? Was für Freus den hast du nun von den Geschöpfen? Hast du je Ruhe ges funden, feit du meiner väterlichen Leitung dich entrissen haft? War es billig, daß du so schåndlicher, so kurzer und veráchts licher Lüfte wegen, deinen Gott verließest, dem Himmel ents sagtest, meine Gnade und die Ruhe des Gewissens verlorest? Kehre zurück, mein Sohn! kehre zurück zu deinem Vater! Und dieß sollst denn auch du, Sünder! nach dem Beyspiele des verlornen Sohnes thun. Ohne zu zögern, sollst du zu deiner Bekehrung schreiten; denn sonst geht die Gnade vors über, und der Vorsatz erkaltet. Gott, der heute dich ruft, ruft vielleicht morgen dich nicht wieder; sicherlich aber wirst du morgen schwerer denn heute dich bekehren. IV. Kaum sicht der Vater den verlornen Sohn von weis tem, so geht er, von Mitleid gerührt, ihm entgegen, küßt und umarmt ihn, und giebt ihm nicht Zeit, sich zu entschuls digen; er läßt ihm alsbald ein neues Kleid anziehen, steckt ihm einen Ring an seinen Finger, und befiehlt, das gemästete Kalb zu einem festlichen Gastmahle zu schlachten. Also nimmt Gott den Sünder auf, der zur Buße zuracks fehrt. Er kommt ihm zupor, und giebt ihn den Kuß des Friedens; vergißt seiner Misfethaten, nimmt auf's Neue in feine Gnade ihn auf; erfüllt sein Herz mit süßem Treste, und alle heiligen Engel nehmen Theil an seiner Freude, G e be et b. Gott der Güte und der Erbarmungen! der Du den Sündern mit so väterlicher Zartheit begegnest, sich bier den größten aus allen zu deinen Füßen, und erbarme Dich seiner! Ich bin jener verlorne Sohn, der dein Vaterhaus verließ, aus deiner Gegenwart sich entfernte, deine liebreichen Einflißungen verachtete, und deine Wohlthaten auf das Undankbarste verschwendete! Ganz arm bin ich nun, und in der tiefsten Noth seufze ich auf zu Dir! Kein frommer Gedanke ist mehr in meinem Gemüthe, keine fromme Neigung mehr in meinem Herzen! In einem schändlichen Pfuhle bin ich versenkt, und vermag es nicht, daraus zu entkommen, wenn nicht Du deine Hand mir reichest. 5 II. Abschnitt. Buß nur Ach, wo ist jene Zeit, da ich im Frieden und in der Freybeit der Kinder Gottes lebte; wo ich die süße Luft des Paradicses cinathmete, wo ich das Brod der Engel genoß, und im innerlichen Gebeth und der heiligen Communion den süßesten Trost empfand!- Ach, sie ist nicht mehr jene Zeit! Die Macht der Sinnlichkeit hat mich zum Thiere herabgezegen, und so suche ich ach so oft die Lust der Thiere! Soll ich denn ewig in so gro sem Elende samachten?- Nie diesem Berderben mich entreißen? Ohne Unterlaß ein Sclave meiner Leidenschaften seyn?- fort und fort ein verwundetes Gewissen umbertragen? immerdar ein Feind meines Gottes seyn, und im Stande der Verdammniß leben?- Ach, wie sehr verabscheue ich ein solches Leben! keine Freude kann ich mehr finden bey hinfälligen Geschöpfen, die wahren Trost mit versprechen, und mein Herz mit Bitterkeit erfüllen! Auf denn, meine Seele! verlaß dies Land des Flu ches und der Missethat, verlaß die Gesellschaft unreiner Thiere, und kehre zu deinem Gott zurück. Sieh, schon ruft Er Dich; sieh, schon harret Er deiner, und breitet seine Baterarme dir entgegen. Bethe daher im Geiste der Demuth und mit zerknitschtem Herzen: Heiliger, gerechter Gott! wenn ich mein Herz und mein Leben mit deinem Geseße vergleiche, so bemerke ich Abweichungen ohne Zahl. Ich bin ein Sünder- ein großer Sander; Thorheiten, Schwachheiten, Verschul dungen und Fehltritte aller Art belasten meine Seele. Ich hänge noch so sehr an der Welt und ihrer Eitel: teit, und trachte so wenig nach deinem Reiche und nach dem Einen Nothwendigen. Ja, ich liebe Dich, mein einziges, höchstes Gut! so wenig über Alles, daß ich Dir vielmehr gar oft einen geringen, zeitlichen Vortheil, eine kurze sinnliche Lust vorziehe, und deine heiligsten Gebote übertrete! Ich thue täglich, was ich nicht thun soll, und unterlasse, was meine Pflicht wäre. Ich res de so viel Unnüßes, Liebloses und Sündhaftes, was nie in den Mund eines wahren Christen kommen sollte. Ich verweile oft mit meinen Gedanken ben Dingen, bey denen ich keinen Augenblick verweilen, und ver geffe dagegen das, was mir unvergeßlich seyn sollte 66 — - - - - und Communion Andachten. 67 Dich, o mein Gott! deine Allwiffenheit und Güte, dein heiliges Gesen, und meine Bestimmung und Pflicht. Mein Herz ist voll thörichter, eitler, oft schåndlicher Wünsche, Begierden und Absichten, die ich keinem Vertrauten sagen dürfte, ja, die ich mich schämen würde, einem wohlgesitteten Menschen zu gestehen, deren Genuß erniedrigt und entehrt. Ich bin ein Sünder ach ein vielfacher Sünder - und doch denke ich so selten ernsthaft genug an meine Verschuldungen. Meine Eigenliebe, mein Stolz, meine Flatterhaftigkeit, halten mich von der ernsten Betrachtung meines tiefen Berderbens ab, und bedecken den Abgrund, an dem ich stehe, damit mein Gewissen nicht erwache, und mich zur Buße treibe. So lebe ich denn fortwährend in einem heimlichen Verständnisse mit der Sünde, und mein schwaches Herz will nicht daran, die ganze Schändlichkeit und Verkehrtheit eines solchen Verständnisses einzusehen. Dich Berblendeter ich Treuioser! Ich kann mich ja unmöglich bessern, wenn ich nicht klar einsehe, wie verderblich für mich, und wie schåndlich, o Gott! in deinen Augen die Sünde ist. Darum wende ich mich glaubig zu Dir, o Du ewiges Licht! erleuchte meinen verfinsterten Verstand, und erwarme mein Faltes Herz; erlöse mich aus dem Zustande der Lauigkeit; wecke mich aus dem Todesschlafe der Gewissenslosigkeit, daß ich vor Dir, Allwissender! streng und unpartheiisch mein Gewissen erforsche, meine Sünden erkenne und bereue, und endlich mich einmal vom Grunde aus bessere. - - ich muß einmal, o mein Gott! ganz und auf eine dauerhafte Weise mich zu Dir bekehren. Wie oft habe ich nun schon das heilige Sakrament der Buße empfangen, und immer fiel ich wieder entweder in mei ne alten, oder in neue und noch größere Sünden zurück. Es fehlte mir also immer am wahren Bußgeiste; ich rottete meine bösen Gewohnheiten nicht von der Wurjel aus; ich floh die Gelegenheiten nicht- kurz wollte der Welt und ihren bösen Gelüsten nicht Abschied geben, um mit ungetheilter Seele Dich zu lieben und Dir allein zu dienen. Deßwegen wurden die verdächtiich 5 III. Abschnitt. Bußs gen, kaum halb aufrichtigen Vorsäge so leicht wieder vergessen und gebrochen; deßwegen unterlag ich wieder den geringsten Reißungen, und sank so von Jahr zu Jahr, von Tiefe zu Tiefe in's sinnliche, irdische Leben, so, daß ich nach so vielen Scheinbußen bald Ursache habe, an einer jemaligen, aufrichtigen und vollständigen Bekehrung zu verzweifeln. Während diesem o ewige, grundlose Barmherzigkeit! fahrest Du fort, mich mit Wohl thaten zu überhäufen, fristest mir fortwährend mein unwürdiges Leben, und siehst langmüthig zu, ob ich nicht doch einmal in mich gehen, und einsehen werde, was mir zum Heile dient. Ø der Schändlichkeit! O des schwarzen Undankes! Verdiente ich etwas anders, als von Dir verlassen und verworfen zu werden? Ich lebe täglich und stündlich von deiner Erbarmung, und vergelte hienieden die Gaben deiner Liebe unermüdet mit Beleidigungen über Beleidigungen. Ich genieße sie nach meiner Willkühr, und vergeude sie wohl auch mit dem stråflichsten Leichtsinn, als hatte ich Dir nie darüber Rechenschaft zu geben, ja als wären sie von mir selbst, und nicht von Dir. So gieng mit die Eitelkeit dieser Welt über mein höchstes Gut, die Erde über den Himmel, die Zeit über die Ewigkeit. Wie lange, o mein Gott! wird etwa deine Geduld mit mir noch dauern? Vielleicht hast Du in diesem Augenblicke deine Hand schon gegen mich aufgehoben, vielleicht ist die fes die letzte Beicht, in der Du noch so våterlich warnend und liebreich einladend zu meinem Herzen sprichst. Liebreichster Vater! von diesem Augenblick an will ich Dich nicht länger mehr versuchen, und mich der augenscheinlichen Gefahr aussehen, der Verstockung preis gege ben zu werden. Ich will nicht mit Gewalt dein Gericht über mich herabrufen, und in deiner Ungnade jener ewis gen Nacht entgegen gehen, wo sich nichts mehr wirken läßt, und Jeder årndten wird, was er gesået hat. Heute will ich mich aufmachen, und mit dem verlornen Sohne in's Baterhaus auf immer einkehren. wenn ich mit denselben Gefühlen der Reue und Zerknirschung, mit demselben gebesserten Sinne vor Dir, o Gott! erscheine, so wirst Du mir auch dieselbe gnädige Ausnahme angedeihen lassen. 68 - und Communion Andachten. Verleihe mir darum die Gnade der tiefsten Betrübniß über meine Berirrungen und Missethaten; laß mich mein ganzes Elend recht erkennen; laß mich es in seiner Quelle auffinden, und diese dann auf immer verstopfen!- Beichtspiegel. Wider das erste Gebot. In Glaubenssachen zweifeln, ohne um Erläuterung nach zusuchen. Bücher lesen, die in der Religion irre machen. Sich zu einer falschen Lehre ernstlich oder aus Furcht beken nen. Religiöse Dinge, Ceremonien der Kirche verachten, oder schimpflich davon reden. Sich mit Aberglauben, Zaus bereien und dergleichen abgeben, Andern dazu rathen. Sich wahrsagen lassen. An der Barmherzigkeit Gottes verzweis feln. Bermeffen auf Gottes Barmherzigkeit fündigen. Sich freywillig in gotteslästerlichen Gedanken aufhalten. Wider das zweyte Gebot. 1 — 3 ten. Ohne Noth oder auch falsch schwören. Etwas verfluchen. Einen Schwur in billigen Dingen, ein Gelübde nicht hals Wider Gott murren, Gott låstern. Den Namen Gottes, die heil. Schrift oder religiöse Dinge aus Muthwillen gebrauchen. — Wider das dritte Gebot. An Sonn- und Fevertagen die Gottesdienste, die Predigt versäumen, Andre davon abhalten, oder ihnen andachtslos beiwohnen; zu spát dabei eischeinen. An diesen Tagen un nöthige Arbeit vornehmen. Sie mit Schwelgereien und fündhaften Ergöglichkeiten entheiligen. Wider das vierte Gebot. Eltern oder Obrigkeiten erzürnen, betrüben, ihnen unges horsam seyn. 69 - - Max mon? Wider das fünfte Gebot. Feindschaft und Haß wider den Nächsten haben lange oder turze Zeit, oder solche bey Andern anstiften. Rachgierig seyn in großen oder kleinen Dingen. Verwünschungen, Schimpfworte, Zánkereien, Verläumdungen sich erlauben. Den Nebenmenschen schlagen oder ihm Schaden zufügen. Aergerniß geben, oder wie immer den nächsten zur Sünde reizen. - Wider das sechste und neunte Gebot. Unreine Gedanken nachläßig ausschlagen; Vergnügen dars über haben; in fie willigen. Sich mit unanständigen Blis den, Worten, Anhören, Betasten, verfündigen. Zu dergleis chen Andern Gelegenheit geben. Auf was immer für eine Art Unkeuschheit treiben. Wider das siebente und zehnte Gebot. Einem mit Gewalt etwas nehmen. Etwas entfremden. Seinen Mitmenschen betrügen.- Fremdes Eigenthum bes figen, annehmen, nicht zurückgeben, Entwendetes wiffentlich III. Abschnitt. Bußkaufen.-Dem Mitmenschen in seinem Eigenthum Schaden thun, durch Wucher oder andere Uebervortheilungs Arten.- Den Dienstboten ihren Lohn entziehen.- Wünschen, fremdes Gut entfremden zu können, oder dazu helfen. 70 blond Wider das achte Gebot. Vor Gericht und vor der Obrigkeit fälschlich etwas bezeugen; Lügen reden. Andern den guten Namen rauben, durch Ehrs abschneidung oder Verláumdung. Berláumder gerne, anhos, Ungegründeten Argwohn haben; lieblos oder fälschlich ren. urtheilen. — Wider die Gebote der Kirche. An verbotenen Zagen Fleisch effen. Die Festtage nicht halten. Nicht zu rechter Zeit beichten und die Communion empfangen. Sündhaft die heil. Sakramente empfangen. Durch die sieben Hauptsünden. Stolzen, eiteln Gedanken c. nachhängen; Andere verach ten. Ruhmsichtig seyn in Worten, in bösen Sachen. Hoffart in Werken äußern. Aus Neid sich freuen über des Nächsten Unglück; ihm sein Glück mißgonnen. Unmáßig effen, trinken, mit Verlust des Gebrauchs seiner Vernunft; Andere dazu verleiten. 3orn haben, und ihn zeigen.— Trág, faul, nachläßig seyn in geistlichen Dingen. - Einige Hauptfragen. Hast du Gott aus ganzem Herzen, aus ganzer Seele über Alles geliebt? Hast du aus Liebe zu Gott deine Standespflichten willig, treu und vollkommen erfüllt; auch wenn sie beschwerlich wa ren und Selbstverläugnung forderten? Hast du nie etwas gedacht, geredet, gethan oder unters Taffen, was dem Nebenmenschen an seinem leiblichen oder wohl gar an seinem geistlichen Wohl schädlich war? Hast du die Leiden und Widerwärtigkeiten, die dich getroff fen haben, mit findlicher Ergebung in Gottes Willen getras gen, und zu deiner Befferung und Heiligung angewendet? Welche Sünde würdest du am schmerzlichsten bereuen, wenn du jeßt sterben müßteft? Welche Sünde begehst du am öftesten? Welche Veranlassungen, Gelegenheiten, Orte, Personen reizen dich gewöhnlich zu dieser Sünde? Worüber mußt du dich zuerst und vorzüglich vor dem Stellvertreter Gottes im Beichtstuhle anklagen? Gebeth nach beendigter Gewissenserforschung. O mein Gott und mein Vater! Gefündiget habe ich vor Dir, meinem Gott! und bin es nicht werth, dein Kind ges nannt zu werden; denn nicht geehret habe ich Dich, als meis nen Bater; nicht gedient habe ich Dir, als meinem Herrn; und Communien Andachten. dennoch, mein Gott! flehe ich zu Dir: Nimm als einen deiz ner Knechte mich auf, und handle mit mir wie mit einem dei ner Taglöhner. Sieh die größte Bitterfeit meiner Seele, daß ich Dich, als das höchste und liebenswürdigste Gut, be leidiget, und mich von Dir entfernt habe! Erbarme Dich meiner, o Gott der Güte und Barmherzigkeit! und nimm noch einmal in dein våterliches Haus mich auf! Gieb mir den Kuß des Friedens! Sich, fest steht mein Entschluß, Dich nie mehr zu verlassen. Mit unwandelbarer Treue will ich Dir dienen, so lange ich noch in diesem Leben athme, und alle Vergehungen durch wahre Buße fühnen. - Nur Dich allein sucht jest mein Herz; Alles, was Du nicht bist, o mein Vater! will ich nichts anders als nach deinem Willen, und wegen Dir lieben. Diese Liebe wird mich mit deiner Gnade vor jedem Rückfall bewahren. Mehre, o Bater der Liebe! diese heilige Liebe in mir, und gieb, daß nichts mehr nicht meine eigene Gebrechlichkeit, nicht das böse Beispiel der Welt, weder die Reize noch die Trübsal der Erde, weder Leben noch Tod mich von deiner Liebe scheiden mögen! Mein einziges Verlangen, meine Freude, mein Trost sey nur mehr dein heiliger Willedein göttliches Geset! Gebeth zu Jesus Christus. Reue - 1 71 ( nach Blosius.) Und nun wende ich mich zu Dir, o mein göttlicher Heiz land, Jesus Christus! zu Dir- Du Zuflucht der Eů der, Du Heil der Büßer, und fiche um Gnade und Vergebung. Ach, wie schwer habe ich mein Leben hindurch Dich beleidiget! Ich häufte Undank auf Undank; deiner so lieblich in mir wirkenden Gnade that ich vielfältigen Widerstand; ach, Sünden thürmte ich auf Sünden! Schauderlich, welch eine Menge und Größe meiner Missethaten! Doch was ist sie gegen die Menge und Größe deiner Erbarmungen! Du, o Jesus! bist meine Zuversicht, Du der Erbarmungen Quelle, der keinen Unreinen, der zu Ihm flieht, von sich stößt, sondern ihn rein wäschet. ten Sich! ich femme- durch meine Sünden so tief gefun komme ich zu Dir; nichts kann ich deinen heiligen Aus gen vorweisen, als meine Sünderbürde. Heiland! Sündenvergeber! ich falle zu deinen Füßen hin, und siehe deine Baterliebe um Erbarmung an; rette mich, o mein Erlöser! um III. Abschnitt. Buß, deines Namens willen rette mich! Ich glaube fest, kein Verbrechen sey so groß und ungeheuer, daß es durch die Verdienste deiner heiligsten Menschwerdung, deines Lebens, Leidens und Sterbens, nicht könne getilget werden. 72 1 Jesus! Quelle unsers Heiles, und selbst unser einziges Heil! Zur vollkommenen Tilgung aller meiner Sünden opfere ich Dir also auf- alle Geheimnisse unserer Erlösung, deine Menschwerdung und Geburt, deinen Wandel, dein Leiden, deinen Tod. So auch Alles, was Dir an deiner glorreichsten Mutter, Maria, der Jungfrau, und an je: dem deiner lieben Heiligen wohlgefällt. Holder Jesus! Deine unübertreffliche Unschuld sey dem Vater Ersaß für meine Sündenschulden. Umbülle mein sündenvolles Leben mit deinen Verdiensten. Laß mein Leben mit dem deinigen vereinigt seyn, damit ich durch Dich rein und vollkommen werde. Du bist ja noch ebenderselbe gute, barmherzige Gott, der die Zöllner und Sünder angenommen, die sich zu Dir bekehret haben. Solltest Du mich allein von deiner Gnade verstoßen?- dieser kleingläubige Gedanke sey ferne von mir! Deine Barmherzigkeit währet immer von Ewigkeit zu Ewigkeit, und deine Güte hat nie ein Ende. Du bist meine Hoffnung und mein Trost, meine Beruhigung und meine Zuvers sicht! Sünden vergeben ist deine höchste Freude, und Bes gnadigen deine Lust! Du wirst mir meine Sünden vergeben, wie Du deinen Kreuzigern ihre Sünden vergeben hast. Gieb mir, o Du huldreicher Begnadiger! deinen göttlichen Beistand, daß ich vor dem Priester, deinem Stellvertreter, ein reumüthiges Bekenntniß aller meiner, seit der leşten gülti gen Beicht begangenen Sünden ablege, daß ich seiner våter lichen Leitung mich willig überlasse, seine Ermahnungen treu befolge, und aus seinem Munde dein Wort der Begnadigung vernehme: Sey getrost! deine Sün den sind dir vergeben! Amen.. Anstatt des vorhergehenden Gebeths kann auch das nach folgende gebethet werden. Buffeufzer eines wahrhaft zerknirschten Herzens. ( Nach dem beiligen Augustin.) Herr Jesus Christus, Sohn des lebendigen Gottes! der Du am Kreuze mit ausgestreckten Händen, um alle Menschen zu und Communion Andachten. 73 erlöfen, den Kelch des Leidens getrunken haft; wende Dich doch heute mit deiner Hülfe zu mir! Sich, ich Armer komme zu Dir Reichen; ich Armseliger zu Dir Barmherzigen; laß mich nicht leer oder trostlos von Dir gehen. Ach! ich schmach te nach Gnade, nach Erquickung von Dir; o richte mich auf, fattige mich aus dem unerschöpflichen Reichthum deiner Barms herzigkeit!- Vor allem bekenne ich, o gütigfter Jesus! meine Undanks barkeit gegen Dich. Sieh, o Herr! in Sünden war ich em pfangen und geboren, Du hast mich abgewaschen und geheilis get, und ich?- ich habe mich nachher mit noch größern Sünden befleckt! Denn in der Erbsünde war ich geboren; aber ich wälzte nich nachher in freywilligen Sünden. - Aber Du, o Herr! erbarmtest Dich meiner, entrisfest mich dem Verderben der Sünde, und gabst es mir in den Sinn, ich soll Dir mit dem Geschlechte derjenigen nachfolgen, die dein Angesicht suchen( Pf. 23, 6.), ich soll auf den Wegen des Heiles wandeln, wohnen unter den Lilien der Keuschheit, und mit Dir im Saale der höchsten Anmuth zu Zische sitzen. - Und ich?- ach, ich bin für so viele Wohlthaten undanks bar gewesen; ich habe die Gnade der heiligen Taufe durch so viele Sünden und Vergebungen verscherzt, das Kleid der Unschuld befleckt, und, anstatt nach Bekehrung und Beffes rung zu ringen, häufte ich vielmehr eine Sünde auf die andere. Sich, o Herr! meine Miffetbaten sind mir über mein Haupt gewachsen, und sie drücken mich, gleich einer schweren Bürde, tief darnieder( Pf. 37, 5.). Und wenn Du, ewig Barmherziger! meiner nicht schonest, und mich mit deiner Gnade nicht unterstüßest, so muß ich jämmerlich in den Abs grund binabsinfen. Sieh her auf mich, mein Herr und Gott! denn Du bist beilig; sich, wie mein Feind meiner spottet, indem er spricht: Sein Gott hat ihn verlassen. Ich will ihm nachstellen und ihn ergreifen; denn es ist Niemand, der ihn rettet( Pf. 70, 11.). Wo verweilest Du, v Herr? Wende Dich zu mir, und errette meine Seele! Heile mich um deiner Barmherzige feit willen( Pf. 6, 5.). Erbarme Dich deines Sohnes, den Du mit großen Schmerzen wieder neu geboren haft; wende dein Angesicht von meinen Sünden weg, und laß mic) Barm herzigkeit erfahren. Wo ist ein Vater, der nicht feinen Sohn befreyt? oder wo ein Sohn, ten nicht oft der Vater III. Abschnitt. Buğ S mit der beffernden Zuchtruthe strafen muß?- Ja!— ob gleich ein Sünder, bin ich dennoch dein Sohn, und du bist mein Vater! denn Du hast mich erschaffen und wieder geboren. Beffere mich Sünder, und so mich deine Strafruthe gebeffert hat, laß Gnade für Gerechtigkeit ergehen. Kann wohl eine Mutter ihres Kindes vergessen? Und könns te sie dessen auch vergessen, so wirst Du, o Bater! meiner nicht vergessen. Du hast mich jetzt wieder erweckt vom Schlas fe der Sünde, und meine Missethaten alle mir vor meine Au gen gerückt. O, welch' ein Erwachen! Was soll ich Armseligster sagen oder thun?- Weh mir! von welch' einem großen Glück bin ich in ein großes Uebel gefallen! Wo wollte ich hin, und wo hin, bin ich gekommen? Wo bin ich, und wo sollte ich seyn? Wonach verlangte ich, und in welchem Zustande seufze ich jest?- Ich suchte Klarheit und Frieden, und sieh, da ist lauter Verwirrung und Elend! Weh mir Erbarmungswürdigen! wenn der Tag des Gerichtes kommen wird, die Bücher des Gewiss fens geöffnet werden, und von mir gesagt werden soll: Sehet den Menschen mit allen feinen Werken! Was soll ich dann thun? mein Herr und mein Gott! wenn die Himmel meine Misfethaten offenbaren, und die Erde wider mich aufstehen wird!( Joh. 20, 27.) Sieh! ich werde nichts zu antworten wissen; mit niedergeschlagenem Haupte werde ich zitternd und zaghaft in Schande vor Dir dastehen! Weh mir Elenden,- mir von Gott Losgetrennten! das Verderben nahet dann, und Jesus erkennt mich nicht als den Seinigen! Es wäre mir beffer, gar nicht zu seyn, als ohne meinen Heiland zu feyn! Besser nicht zu leben, als seyn ohne das wahre Leben. D Du Lamm Gottes! das die Sünden der Welt hinweg nimmt, Du bist auch für mich geschlachtet worden! Zu deinen ewigen Erbarmungen flüchte ich; Du wirst mir nicht bis an's Ende zürnen. Erbarme Dich meiner, und wende dein Anges ficht nicht von mir ab, das Du, um auch mich zu erlösen, von denen nicht abgewendet haft, die Dich gelästert, und die in dasselbe gespieen haben( Jfa. 50, 6.). Ich bitte Dich, gütigs ster Erlöser! rechne mir insbesondere meine Jugendfünden nicht mehr auf, und gehe nicht zürnend mit mir zu Gericht; sondern nach der Größe deiner Erbarmungen sen mir gnädig und vernichte meine Missethaten!- Und wenn ich schon so viel verschuldet habe, daß ich verworfen zu werden verdiente; und Communion Andachten. so wirst Du, ewiger Erbarmer! mich doch nicht verwerfen. Nein, Herr! Du willst nicht den Tod des Sünders, und hast kein Wohlgefallen am Verderben der Gottlosen..... Ja, noch mehr! Du bist gestorben, daß die Todten wieder leben follten. Dein Lod hat den Tod der Sünder getödtet. Jdh Ich bitte Dich also, o Herr! daß ich, weil Du lebest, nicht sterbe des ewigen Lodes. Reiche mir deine Hand von der Höhe, und befreye mich von der Gewalt der Feinde meines Heils, daß sie nicht über mich frohlocken, und sagen: Wir haben ihn verschlungen( Pf. 34, 25.) Barmherziger Gott! ich flehe abermal zu Dir, verfahre mit mir Sünder nicht nach deiner Gerechtigkeit, sondern sey gegen dein Geschöpf deiner Güte eingedent! Vergiß den Süns der, der Dich zum Zorne aufforderte, und schaue auf den Elens den, der zu Dir um Hülfe ruft. Jesus! was bist Du anders, als ein Seligmacher? darum komm mir zu Hülfe, und sprich zu meiner Seele: Ich bin dein heil( Pf. 34, 3). Viel, o herr! hoffe ich von deiner Güte, weil Du uns selbst lebrest, daß wir bitten, suchen und anklopfen sollen. Ermuntert durch dein Wort, bitte, suche und klopfe ich an. Herr! der Du uns bitten heißest, mache auch, daß ich erhört werde; der Du zu suchen ratheft, gieb auch das Finden; der Du mich anklopfen lehrst, öffne dem Klopfenden. Stárke mich Schwachen, rette mich Verlornen, erwecke mich Todten, und regiere und leite meine Sinne, Gedanken und Werke nach deinem Wohlgefal. len, damit ich in Zukunft Dir allein diene und lebe, und mich Dir ganz überlasse. Mein Herr und Gott! ich weiß wehl, daß ich dein Geschöpf und dein Erlöster, und Dir also viel mehr schuldig bin, als ich zu leisten vermag. Was könnte ich Dir aber geben, was nicht ohnehin schon Dein ist? und wenn ich mich selbst Dir aufopfern und weihen will, so mußt Du dazu das Wollen und das Vollbringen geben; denn ohne Dich vermag und kann ich nichts. So ziehe Du mich selbst zu Dir, daß ich durch Nachfolgung und Liebe dein fey, wie ich durch Natur und Erschaffung dein bin, der Du lebest und regierest in Ewigkeit! Amen. - 75 Gebeth nach der Beicht. Ich erfreue mich, Du gnädigster Gott! über deine Gü te, daß Du mein Elend ansiehest. Laß leuchten dein Ange: sicht über mich. Wie groß ist deine Güte, die Du erzeigest denen, die Dich fürchten, und auf Dich vertrauen! Gelobt ser 76 III. Abschnitt. Buß der Herr, daß er seine wunderbare Gnade an mir bewiesen; denn ich sprach in meiner Angst: ich bin von deinen Augen verstoßen, und doch hörtest Du die Stimme meines Flehens. Wie theuer ist deine Güte, o Gott! daß Du Sünden vergibst, den heiligen Geist schenkest, und die Gerechten unter dem Schatten deiner Flügel bewahrest. Sie werden voll von den Gütern deines Hauses; Du trånkest sie mit himmlischer Wonne, wie mit einem lebendigen Strome. Herr, mein Gott! groß sind deine Wunder; ich will sie verkündigen, obschon sie nicht zu zählen sind. Nur deine Barmherzigkeit wende von mir nimmer ab, und deine Güte und Treue behüte mich allezeit. Es müssen sich freuen und fröhlich seyn Alle, die nach Dir fragen, und dein Heil lieben; sie müssen sagen immerdar: ,, Hochgelobt sey der Herr! denn ich bin arm und elend, der Herr aber forget für. mich." Ja, Du bist mein Helfer und Erretter, mein Gott, der nicht verweilet mit seiner Güte, Treue und Hülfe. Mein Herz ist bereitet, o Gott! daß ich singe und lobe; denn deine Güte ist, so weit der Himmel ist, und deine Wahrheit, so weit die Wolken gehen. a) Wenn ich mich zu Bette lege, so denke ich an Dich; wenn ich erwache, so rede ich von Dir; denn deine rech te Hand hålt mich, und meine Seele hanget an Dir. Barmherzig und gnädig ist der Herr, geduldig und von großer Güte. Er handelt nicht mit uns nach unsern Sünden, und vergilt uns nicht nach unserer Missethat. So hoch der Himmel über der Erde ist, låst Er seine Gnade walten über Alle, die ihn fürchten; so weit der Abend vom Morgen ist, so weit låst Er unsere Uebertretung von uns seyn. Wie sich ein Vater. über seine Kinder erbarmet, ſo er barmet sich der Herr über die, so Ihn fürchten.- Vas ter! deine Gnade befelige mich von Ewigkeit zu Ewigkeit, durch deinen Sohn Jesus Christus, unsern Herrn. Amen. Ein anderes Gebeth nach der Beicht. Sin Geiste der Demuth bitte ich Dich, ewiger barmherziger Gott laß Dir diese meine verrichtete Beicht guådig gefallen, und verleihe mir noch ferner deine göttliche Gnade, daß mein alter Mensch mit Jefus, deinem lieben Sohne, gekreuziget sey, auf daß ich der Sünde hinfort nimmer diene, und Communion Andachten. sondern, errettet aus der Hand meiner Feinde, Dir, meinem liebsten Gott und Bater, in Heiligkeit und Gerechtigteit alle die Tage meines Lebens allein dienen möge: Feyerlich hab' ich Dir angelobt, o Gott! und Du, Herzenskenner, weißt, wie aufrichtig ich mein Versprechen zu erfüllen entschlossen bin; ich habe es Dir angelobt, von nun an die Geseße deiner Gerechtigkeit mit gewissenhafter Treue zu beobachten, um Dich, meinen liebenswürdigsten Vater, mit keiner Sünde mehr zu beleidigen. Ach, wie wäre es auch möglich, daß ich Dich je wieder beleidigte, nachdem Du so großer Gnaden mich gewürdiget hast? Nie nimmermehr will ich mich von Dir trennen! Nimmermehr will ich mich durch eine vorsägliche Sünde deiner Gnade unwürdig machen; wachen will ich über meine Begierden und Neigungen; jede Gelegenheit zur Sünde vermeiden, und wandeln vor deinem heiligen Auge, in Selbstverläugnung und Demuth, als ein treuer Nachfolger Jesus. - Aber, o Herr! vor dem mein ganzes Herz offen steht, Du kennest auch meine Hinfälligkeit und Schwäche; Du weißt, wie veranderlich und unståt mein Wille ist. Ach! wie oft schon habe ich die nämlichen Vorsäße gefaßt, und sie dennoch nicht gehalten! Wie bin ich so unvermögend, aus mir selbst das geringste Gute zu denken, und es auszuüben! All' unsere Kraft kommt von Dir; Du gibst Bei- das Wollen und das Vollbringen des Guten. Darum bitte ich Dich, im Namen und durch die Vers dienste meines göttlichen Erldsers Jesus Christus, stärke und befestige meinen Willen durch die allvermögende Kraft deiner Gnade. Gieb mir einen so tiefen Abscheu vor der Sünde, und einen so beharrlichen Eifer in der Vollziehung deines heiligen Willens, daß nichts mehr von deiner heiligen Liebe mich trenne, daß ich im Besize deiner Gnade und Freundschaft bis an's Ende meines Lebens beharre. Ach! nimm mich nicht weg, bis mich deine göttliche Huld, welche mir dein geliebter Sohn durch seinen Gehorsam bis zum Tode am Kreuze erworben, tüchtig und geschickt gemacht hat, zum Erbtheil der Heiligen im Lichte der Ewigkeit zu kommen, und nach diesem elenden Leben die ewige 77 III. Abschnitt. Buß un Freude und Seligkeit zu erlangen, durch die reichen Verdienste deines einigen Sohnes, Jesus Christus! Amen. 78 Gebeth zu Jesus Christus. Freund und Begnadiger der reumüthigen Sünder, Jesus Christus! der Du in die Welt gekommen bist, zu suchen und selig zu machen, was verloren war. Du weißt es, welchen Gefahren und Anfechtungen ich in dem nothwendigen Verkehre mit einer Welt, die ihren Gott so wenig kennt und liebet, stets ausgeseßt bin. O du treuer Hirt! steh mir unter den vielfältigen Versuchungen bey; wache über mich; ermahne mich, führe mich und stärke mich durch deinen heiligen Geist, daß ich nimmermehr in das Elend der Sünde zurückfalle, aus welchem deine Erbarmungen mich heute errettet haben. Heilige Maria! und ihr Heiligen Gottes alle, bittet für mich am Throne des Höchsten um die Gnade der Beharrlichkeit im Guten, damit ich einst, nach meinem Hinscheiden aus diesem Leben, seine Güte und Barmherzigkeit ewig mit euch im Himmel loben und preisen möge! Amen. Bater unser u. s. w. Kirchengebeth. Gott! der Du feinen Sünder, auch den größten nicht, der sich mit zerknirschtem Herzen zu Dir nahet, zurückweisest, sons dern Milde, Erbarmung und Versöhnung finden lásfest- sich mit dem Blicke der Gnade herab auf mein Flehen, das ich im Gefühle meiner Niedrigkeit darbringe, und erleuchte mein Herz, daß ich machtig werde, deine Gebote zu erfüllen. Gieb mir, o Herr! Beständigkeit im Glauben an Dich und Beständigkeit im aufrichtigen Wandel vor Dir, damit mein Gemüth in der göttlichen Liebe feft gegründet, und die Vollkommenheit dieser Liebe durch keine Versuchung geschwächt werde. Durch Jesus Christus, deinen Sohn, unsern Herrn! Amen. Zweyte Bußandacht. Gebeth vor der Erforschung des Gewiffens. Vater der Lichter! o mein Gott! der Du die Geheim. nisse der Menschen kennest, und ihre verborgensten Gedanten weißt, erleuchte die Finsternisse meines Geistes, damit ich mich selbst recht unpartheiisch erkenne; daß ich meine Sünden, Schwachheiten und Gebrechen einsehe, wahre und Communion- Andachten. Neue darüber habe, sie aufrichtig deinem Priester bekenne, mit wahrer Buße mich selbst dafür bestrafe, und den festen Vorsaß fasse, mein fehlerhaftes Leben zu ändern, meine bös sen Gewohnheiten abzulegen, und Dir, meinem ewigen Gott und Herrn, von jest an beständig bis an mein Ende zu dienen und treu zu bleiben, durch Jesus Christus, unsern Herrn! Amen. ( Beichtspiegel, sieh Scite 69.) TENES 79 Gebeth nach beendigter Gewissens- Erforschung. Ich bin mit mir selbst zu Gericht gegangen, o Gott! Ich habe mein Gewissen und die geheimsten Falten desselben mit Fleiße und Aufrichtigkeit, wie ich glaube, durchforschet. Darf ich mir aber deßwegen schmeicheln, Alles entdeckt zu haben, was sündhaft in mir ist, und mich deiner Gerechtigs keit verantwortlich macht? Das Herz des Menschen ist ein Abgrund! Wer anders durchblicket es, als Du, o Herr! der du Herzen und Nieren durchforschest? Wie sehr fürchte ich, daß in dem meinigen noch Vieles verborgen liege, das Dir mißfällt, und das eine unglückfelige, geheime Eigenliebe mich vielleicht zu erkennen hindert, oder entschuldiget. Gott! Du bist lauter Liebe und Gnade. Bedecke, ich bitt Dich, durch deine grenzenlose Barmherzigkeit Alles, was strafwürdig in mir ist. Reinige mich von den Sünden, die ich nicht dafür erkenne, und verzeihe mir diejenigen, die ich vielleicht aus dem Gedächtnisse verloren habe. Der Mangel einer vollständigen Erkenntniß meiner Sünden beunruhiget mich jedoch weniger, o Gott! als der Kaltsinn, die Gleichgültigkeit meines Herzens bey dem Anblicke der vielfältigen Bergehungen, die ich wirklich in mir entdeckt und erkannt habe. Diesen Kaltsinn, diese Gleichgültigkeit, womit will ich sie entschuldigen? Ich bin so ges fühlvoll für Alles, was die Sinne reizet; für Vergnügun gen, Dinge und Geschöpfe, die meiner Tugend fast immer Nachtheil bringen, oder doch gefährlich sind. Der Wunsch, ihnen zu gefallen, beschäftigt mich; die Zuneigung und Liebe, die sie mir erweisen, reißet mich hin; ich fürchte nichts so sehr, als den Berlust ihrer Gunst, ihrer Liebe, ihrer Freundschaft! Und dein Mißfallen, o Schöpfer, Herr und Gott und Bater! der Verlust deiner Liebe und Freundschaft rührt mich nicht, III. Abschnitt. Buß, macht keinen Eindruck, wenigstens keinen bleibenden Eindruck auf mich. O Gott! der Du aus harten Felsen, wenn es Dir gefällt, Quellen lebendigen Wassers hervorrufest; Du allein kannst auch Dieses, gegen Dich so kaltsinnige, ge fühllose Herz erweichen und zu Thránen einer aufrichtigen Reue bewegen. Alle unsere Kraft kommt von Dir her; und ich bekenne es zur Ehre deines allerheiligsten Namens, daß kein Mensch, wer er auch immer seyn mag, aus sich selbst und ohne einen besondern Beistand deiner Gnade zu seinem Heile sich betrüben und seine Sünden aus Liebe zu Dir bereuen könne. So verleihe mir denn diese heilige Traurigkeit, diese übernatürliche Reue. Rühre, bewege, erweiche mein Herz. Durchbohre dasselbe mit heilsamer Furcht vor deinen Ges richten, oder vielmehr, entflamme es ganz mit dem Feuer deiner heiligen Liebe, daß es seine Sünden aufrichtig beweis ne und verabscheue, und dadurch zur unschäßbaren Gnade der Versöhnung mit Dir gelange und darin verharre. 80 Reue über seine Sünden und Vorsatz der Besserung. Gütigster Gott! ich glaube von Herzen deiner unendlichen Weisheit und Wahrheit; glaube Alles, was Du und deine heilige katholische Kirche zu glauben vorstellest. Ich glaube, daß bey Dir Vergebung der Sünden zu hoffen sey, und daß Du deßwegen das heilige Sakrament der Buße eingesest hast. Ich hoffe, o treuer Gott! auf deine unend. liche Barmherzigkeit, und daß Du durch die Verdienste meines Erldsers, deines Eingebornen, alle meine Sünden vergeben werdest. Auch liebe ich Dich aus ganzer Seele, aus ganzem Herzen, aus allen meinen Kräften, liebenswür digstes Wesen! Und aus diesem Glauben, dieser Hoffnung, dieser meiner Liebe zu Dir entspringt meine allgemeine berz liche und übernatürliche Reue über meine Sünden und Vers irrungen; ich verabscheue sie, nicht nur weil ich wegen ihrer deine Züchtigung verdiente, und deiner Belohnungen bes raubt wurde, sondern weil ich Dich liebe, o Du mein Gott, mein Vater, mein Erbarmer! Laß mich Gnade finden vor Dir! nimm mit våterlicher Huld den verlornen Sohn wie Dir der auf, der mit gedemüthigtem zerknirschtem Herzen zu zurückkehrt; durch die Verdienste Jesus, meines Erlösers, durch seine Wunden, sein Blut, seinen Tod, hab' Erbarmen mit mir. Daß meine Rene aufrichtig, meine Liebe redlich und Communion- Andachten. 81 und herzlich sey, will ich dadurch zeigen, daß ich alle Süne den verabscheue, daß ich mich bessern, die böse Gelegenheit meiden, und sorgfältig über mein Herz und meine Sinne wachen will; daß ich standhaft auf dem Weg des Guten ges hen, und mich nicht mehr durch die falschen Reizungen der verführerischen Sünde von Dir abwendig machen lassen will. Verleihe mir dazu deine nothwendige Gnade, damit ich standhaft ausführe, was ich Dir jest aufrichtig und von ganzem Herzen verspreche. Amen. Kurze Gemüthserhebung vor der heiligen Beicht. 1. Gott, Vater im Himmel! erbarme Dich meiner, und gieb mir Gnade, meine Sünden recht zu bekennen. Gott Sohn, Erldser der Welt! erbarme Dich meiner, und gieb mir Gnade, meine Sünden recht zu bereuen. Gott, heiliger Geist erbarme Dich meiner, und nimm mich wieder auf in deine Gnade. 2. Jesus, Du Sohn David's! erbarme Dich meiner; Jesus! sey mir armen Sünder gnädig und barmherzig! Jesus! laß dein bitteres Leiden und Sterben an mir nicht verloren seyn!- Jesus! gieb mir ein zerknirschtes und demüthiges Herz, und verwirf mich nicht vor deinem Angesichte. O Du Lamm Gottes! welches Du hinnimmst die Sünden der Welt, erhdre mich, schone, erbarme Dich meiner! Nimm hinweg von mir alle meine Sünden, womit ich Dich während meiner Lebenszeit beleidiget habe. 3. An Dich, o ewige Wahrheit! glaube ich; auf Dich o unendliche Barmherzigkeit! hoffe ich; Dich, o allerhöchftes Gut! liebe ich von Herzen über Alles. Ach, hätte ich Dich allezeit von ganzem Herzen und über Alles geliebt. 4. Dir allein habe ich gesündiget, o Gott! und vor Dir habe ich Boses gethan. Ich habe gefündiget gegen den Himmel und wider Dich, o himmlischer Bater! Ich bin nicht mehr würdig, dein Kind zu heißen. Dennoch bitte ich durch das kostbare Blut Jesus, sey mir Sünder gnädig und barmherzig. 5. Mein Herr und mein Gott! es schmerzet, es reuet mich von Herzen, daß ich Dich jemals beleidiget. habe. Lieber sterben, als noch einmal in eine Sünde willigen. Keine Sünde mehr, o Gott! keine Sünde mehr! gieb mir deine Gnade. 6 111. Abschnitt. Buß. 6. Liebreichster Jesus! der Du die große Sünderin Magdalena nicht verstoßen, der Du den Petrus, welcher Dich verläugnete, wieder mit gnädigen Augen angesehen; der Du den mit Dir gekreuzigten Mörder zu Gnaden auf verstoße auch mich nicht; sich auch genommen hast, mich wieder mit gnådigen Augen an; nimm auch mich Erld. wieder in deine Gnade auf; sen mir ein Jesus fer, Seligmacher, und reinige mich von meinen Sünden; verdamme mich nicht, mache mich selig, daß ich Dich ewig anbethen, loben und preisen kann. Wenn du in den Beichtstuhl trittst, so bezeichne Dich mit dem heil. Kreuz und sprich: 82 1 - - Ich danke Euer Hochwürden für den empfangenen Segen, und bekenne Gott, dem Allmächtigen, Mariá, seiner, lieben Muts ter, und Ihnen, Priester an Gottes Statt, daß ich seit meiner letzten Beicht, welche geschehen ist vor N. Wochen, oft und viel gesündiget habe. Insonderheit aber gebe ich mich schuldig, daß( Nun bekenne deine Sünden.) Nachdem du Alles, so weit du es dir bewußt bist, bekannt hast, so schließe deine Beicht mit folgenden Worten: Diese und alle meine Sünden sind mir leid vom Grund meines Herzens, weil ich Dich, o Gott! das höchste Gut, dadurch beleidigt habe; ich nehme mir ernstlich vor, mich zu bessern, und bitte um eine heilsame Buße und die Lossprechung. I. Gebeth nach der Beicht. Anbethung, Preis und Dank sey Dir, o Gott der Güte und der Barmherzigkeit! Du hast meine Reue nicht ver schmäht, sondern mit Baterliebe mich wieder aufgenommen, und durch das heilige Sacrament der Buße mir alle meine Sünden vergeben. Nun sind die Bande der Sünde, die mich an das ewige Verderben fesselten, zerrissen; nun bin ich wieder in die Freyheit deiner Kinder gestellt, und mit deinem Himmelsfrieden beseliget;- meine Sünden sind mir vergeben! Preise, o meine begnadigte See le preise den Herrn, und Alles, was in mir ist, lo seinen heiligen Namen! Wie unverdient ist die Gnade, die ich von Dir, o gütiger! empfangen. Wie liebreich hast Du in meinen Bet irrungen mir nachgesehen, wie väterlich mich zur Rückkehr und Besserung eingeladen! Und nun, nachdem ich, wie der verlorene Sohn, reumüthig und aufrichtig meine Sünden vor Dir, und vor deinem Stellvertreter, dem Priester, be und Communion. Andachten. 83 kennt habe, wie schnell, wie huldvoll hast Du Dich erbars met, und mein Elend von mir genommen!- O Gott! Du bist die Liebe, und Erbarmen und Beseligen ist deine Freude! Nicht den Tod des Sünders willst Du, sondern seine Bekehrung, damit er leben möge ewiglich! D Du ewige, Du unaussprechliche Liebe! durchdringe meine Seele und entflamme mein Herz, daß ich Dich entgegen liebe, und aus Liebe zu Dir die Sünde und alles Böse hasse und verabscheue. Ja- von diesem Augenblicke an, o mein Erbarmer! will ich Dich ewig lieben, und, so gut es mit möglich ist, durch meinen Eifer, durch wahre Rechtschaffenheit, durch kindlichen Gehorsam, durch immerwährendes Andenken an Dich, durch fromme Ergebenheit in deinen heiligen Vaterwillen, durch sorgfältige Wachsamkeit über mich, und durch treue Erfüllung meiner Pflichten das erseßen, was ich in meiner bisherigen un glücklichen Verblendung versäumte. Du siehst in mein Herz; Du weißt alle Dinge, o Herr! Du weißt auch, daß ich Dich liebe, daß ich aufrichtig nach Besserung und Heiligung meines Lebens ringe: o, tomm meiner Schwachheit zu Hülfe; unterstüße mich im Kampf gegen die Sünde; rüste mich aus, daß ich Gewalt brauche, das Himmelreich an mich zu reißen; erhebe meine Seele, daß ich das suche und nach dem trachte, was Oben ist; gieb mir, o Du unerschöpfliche Quelle aller guten Gaben! gieb mir Beharrlichkeit im Guten, damit ich in treuer Liebe Dir dienen möge ewiglich. Amen. 2. 3 u Gott dem Bater. Barmherziger Vater! ich danke Dir von ganzem Herzen, daß Du mich aus dem Wust meiner Sünden, aus der Grube des ewigen Verderbens herausziehest, und in den herrlichen Stand deiner lieben Kinder und Auserwählten versehest. was soll ich Dir, mein Erbarmer! für alle deine Wohltbaren vergelten, die Du mir erwiesen. Meine Seele, und Alles, was in mir ist, preise deinen heiligen Namen und deine unendliche Güte. Wie sich ein Vater über seine Kinder erbarmet, also erbarmest Du Dich meiner, und bist mir gnådig. Ich will Dir danken dafür mein Leben hindurch, und Dir, meinem Gott! lobsingen, so lange ich 6* 34 III. Abschnitt. Buß, bin. Aber ich bitte Dich demüthigst, befestige das, was Du jest in mir angefangen, und durch das heilige Sacrament der Buße zu meinem eile bewirket hast; gieb mir Stärke, wider die Versuchungen zu streiten; laß mich weder durch Glück noch durch Unglück von deiner Liebe und våter: lichen Gnade getrennt werden. Durch Jesus Christus, deinen Sohn, unsern Herrn! Amen. 3. 3u Gott dem Sohne. O gütigster Jesus! Du verstoßest keinen von denen, die Dich suchen; und deine unermeßliche Liebe, durch die Du am heiligen Kreuze haft wollen erhöhet werden, ziehet Alles zu Dir und hat auch mich jest zu Dir gezogen; darum glaube ich fest und zuversichtlich, daß Du mir meine Sünden vergeben habest. Vermehre in mir, o mein Erbarmer! dieses Vertrauen, und entzünde zugleich in mir eine innige Begierde, mich zu besleißen, durch wahre Reinigkeit mich fest an Dich zu halten. Verleihe mir, daß ich Dich durch Sünden nicht mehr auf's Neue betrübe; sondern durch die Kraft der Verdienste deines Leidens, meine vorigen Verirrungen recht beweine und abbüße, allen Versuchungen widerstehe, und im Guten beståndig bleibe. Dir will ich leben und sterben; in deine Hände empfehle ich mein Thun und Lassen, mich sammt allen den Meinigen, meine Freun de, Wohlthäter und Feinde, Lebendige und Verstorbene. Erbarme Dich meiner, o Jesus! Du Sohn Davids! erbarme Dich über mich und über uns Alle; hilf uns die Sünden meiden, gerecht leben, deinem Willen in Allem gehorchen, Dir zum ewigen Lobe, uns aber zur Seligkeit, Amen. 4. Zu Gott dem heiligen Geiste. O heiliger Geist! Du liebevollster Erbarmer der Sün der, Du Trister aller Betrübten! Dir sei Dank, daß Du mir die Verdienste Jesus Christus in dem heiligen Sacras mente der Buße haft mitgetheilet, Daß Du mein Gewissen beruhiget, und mein Herz wieder zu deiner Wohnung bereis tet hast. Durch deine Gnade, durch deine Liebe, die Du in meine Seele gegeben, bitte ich Dich, mache mich ganz, meinen Leib und meine Seele zu deinem heiligen Tempel, zu deiner Wohnung, und gieb mir Stärke, daß ich alles Böse meide, den Versuchungen, die wahrscheinlich mich wieder bestürmen werden, standhaft entgegen streite, und nicht und Communion, Andachten. $ 5 mehr in die Sünden zurückfalle, die ich jest bereut und dem Priester bekannt habe. Fest nehme ich mir vor, diese Ge legenheit N. sorgfältig zu fliehen; denn ich weiß es, wer die Gelegenheit nicht meidet, meidet auch die Sünde nicht; und wer die Gefahr liebet, wird in ihr zu Grunde gehen: Du aber hilf mir, leite mich durch deinen göttlichen Rath, gieb mir Kraft durch die wohlthätigen Gaben, deren Quelle Du bist, nämlich durch Gottesfurcht und Gottesliebe, durch Weisheit und kluges Betragen so zu leben, daß ich von Tag zu Tag an Vollkommenheit zunehme, und mich deiner Liebe und deines Schußes würdiger mache. Amen. 5. Trostgründe für bekümmerte Christen, die es ihrer Sünden oder Anfechtung wegen sind. 1. Gott wird sich unser Erbarmen, unsere Misfethat tils gen, und unsere Sünden in die Tiefe des Meeres werfen. ( Mich. 8.) 2. Wenn auch euere Sünden fo roth wären wie Schar lach, so sollen sie so weiß werden wie Schnee; und wenn sie auch blutroth wären, sollen sie doch weiß werden, wie Wolle. ( Ifai. 1.) 3. So wahr ich lebe, spricht der Herr, dein Gott, ich habe feinen Gefallen an dem Tode des Gottlofen, sondern ich will, daß er sich bekebre und febe.( Ezech. 38.) 4. Also hat Gott die Welt gelicbt, daß Er seinen eingebors nen Sohn dahin gab, daß Alle, die an Ihn glauben, nicht verloren geben, sondern das ewige Leben haben.( Job. 3.) 5. Der Gottlose verlasse feine Wege, und der llebelthäter feine Gedanken, und bekehre sich zum Herrn; so wird er sich seiner erbarmen.( Jefai. 55.) 6. Wo die Sünde mächtig geworden, da ist die Gnade noch viel mächtiger.( Rom. 5.) 7. Gott ist getreu; Er wird euch nicht über eure Kräfte versuchen lassen, sondern Er wird die Versuchung so einrichten, daß ihr sie ertragen könnet.( I. Cor. 10.) 8. Der Herr weiß die Gottseligen aus der Versuchung zu erlöfen.( I. Petr. 2.) 9. Das Blut Jesus reiniget uns von allen Sünden. ( J. Joh. 1.). 10. In Christus haben wir die Erlösung durch sein Blut, nämlich die Vergebung der Sünden.( Eph. 1.) 11. Christus hat uns geliebt und uns von unsern Sünden gewaschen mit seinem Blute.( Offenb. 1.) 12. Er hat uns erlöset vom Fluche des Gesetzes, indem Er selbst ein Fluch für uns ward.( Galat. 5.) 13. Ist Gott für uns, wer mag wider uns fern? Der auch seines eignen Sohnes nicht verschonet, sondern Ihn - 86 III. Abschnitt. Bußfür uns Alle, in den Tod dahin gegeben hat, wie sollte Er uns mit Jhm nicht Alles schenken?( Rom. 8.) 1035 14. Seyd also nicht so furchtsam, ihr Kleingläubigen! Christus ist die Versöhnung für unsere Sünden, nicht nur für unsere, sondern für die Sünden der ganzen Welt.( 1. Joh. 2.) 15. Darum bitte ich an Christus Statt: Lasset euch versöhnen mit Gott!( II. Cor. 5.) Abendgebeth an Beichttagen. 6. Gott! mit kindlichem Dankgefühl erhebt sich mein Herz noch einmal zu Dir, in dieser stillen Abendstunde zu Dir, der Du reich bist an Gnade und Barmherzigkeit. Du hast mich, dein reumüthiges Kind, auf's Neue, um der Verdienste Jesus willen, deiner Liebe versichert; ich dagegen habe mich Dir auf's Neue zum vollkommensten Gehorsam verpflichtet. Befestige diese heilige Entschließung, nach deis nem Wohlgefallen zu wandeln, und segne mir zur Beförde rung der Beharrlichkeit im Guten den Genuß des Him. melbrodes, dem ich sehnsuchtsvoll entgegen sehe. Ich überlasse mich der Freude eines mit seinem beßten Vater ausgeföhnten Kindes, und erwarte, daß ich morgen am heiligen Tische, wo Jesus in mein Herz eingehen, in mit wohnen, und ganz in meinen Geist übergehen will, die Står kung zum Guten finden werde, wonach mein Herz sich- sehnet. Segne, o Vater! die nächtliche Ruhe, und vertilge in meinem Gemüthe alle noch übrigen Reste sündhafter Eindrücke, daß ich mit neuer Freude an deinem heiligen Gesetze, mit neuer Liebe zu Dir erwache, und durch deine Gnade in mir finde, was ich mir nicht selbst geben kann- den Hun ger und Durst nach der Gerechtigkeit, dem Du herrliche Sättigung zugefaget und bereitet hast, durch Jesus Chri stus, unsern Herrn! Amen. Das allerheiligste Sacrament des Altars. Morgengebeth am Communiontage. Zu einem ausgezeichnet festlichen Tage hast Du mich an diesem Morgen erweckt, lieber himmlischer Bater! denn auf's Feverlichste, Wohlthätigste und Rührendste soll ich heute von deiner Liebe versichert werden, die Dich bewogen hat, deinen Eingebornen für uns Alle in den Tod dahin zu geben. Verleih mir deine Gnade, daß ich alle Gedanken und Communion Andachten. 87 und Empfindungen meiner Seele auf das heilige Opfer richte, welches ich genieße, um mit Dem in innigste Vereinigung zu kommen, an welchen Du dein größtes Wohlgefallen hast. Bewahre mich vor allen Zerstreuungen, damit ich es tief zu Herzen nehme, welches Glück es sen, zu den Tischgenossen Jesus zu gehören. Göttlicher Herr und Heiland, Jesus Christus! erfülle an mir das Wort der Verheißung: So jemand meine Stimme hören und sein Herz mir ausschließen wird, zu dem werde Ich eingehen und das Abendmahl mit ih halten. Der Genuß deines heiligen Fleisches und Blutes sen mir gesegnet zur Stärkung meines Glaubens, zur Beförderung der Gottseligkeit, zur Geduld im Leiden, und zur seligen Hoffnung des ewigen Lebens. Amen. - 9 Erste Communion- Andacht. Erwäge, mein Chrift! folgende Gedanken zur Beförderung der Andacht bei dem Tische des Herrn: ,, Um Gott anschauen zu können, wird ein reines Herz ers fordert; wie viel mehr, um an seinem heiligen Zische aufges nommen zu werden! Sey rein, sey demüthig und friedfers tig, damit Jesus bey dir wohnen könne!" Wer Jesus genießen will, kann nicht zugleich die Welt ges nießen, sondern muß der Welt gefreuziget und getödtet seyn." Du jammerst so oft über die Verschlimmerung dieses Zeitalters. Wohlan! Suchst du ein Verwahrungsmittel gegen dies felbe? Das kräftigfte ist die heilige Communion. Sie gewährt dir bei der Zerstreuungssucht der Weltfinder- Samms lung des Geistes; bey ihrer Sinnlichkeit- Erhebung über das Irdische; bey ihrem Unglauben- Befestigung im Glauben; bey ihrer Selbstsucht Erweiterung der Menschenliebe; bey ihrer Gewaltthätigkeit- Beruhigung; bey ihrer Beschránkung auf das irdische Leben- Unsterblichkeit. Was soll dich trößßen uns ter den Drangsalen der gegenwärtigen Zeit Was die ers sten Christen in ihren Widerwärtigkeiten getröstet hat- der Tifch des Herrn. Mögen Zweifelsucht, Unglaube und Gefühllosigkeit Alles um uns her an die Erde fesseln, uns eröffnet sich eine bessere Welt; denn wir stehen an der Pforte des Himmels, so oft wir am Altare des Herrn Jhn selbst, als die unentbehrliche Nahrung unseres geistlichen Lebens in uns aufnehmen." Zwey Zeitpunkte in dem Leben des Menschen sind von unaussprechlicher Wichtigkeit: der Zeitpunkt des herannahens den Todes; denn da soll der Mensch vor seinem Richter ers scheinen; und der Zeitpunkt der heiligen Communion; denn da will der Mensch seinen Richter bey sich beherbergen. Bey 88 III. Abschnitt. Bußdem Gerichte offenbart Jesus feine Gerechtigkeit; bey dem Abendmahle das Uebermaß seiner Liebe. Die beste Vorberei tung zum Erscheinen vor dem göttlichen Richter ist- die gu te Aufnahme desselben in der heiligen Communion. Genieße daher dieses Geheimnisvolle Engelbrod mit einer solchen Vors bereitung, als sey es deine letzte Wegzehrung! Jeder Commu niontag sey für dich ein Zeitpunkt, wo du dir selbst abstirbst, um nur für Jesus, und in Ihm zu leben! Männlich ernst ruft Er in schweren Leiden, lieblich sanft bey ungehofften Freuden, laut, auf der Versuchung glattem Pfa de, leise, bey des heil'gen Mahles Gnade: Freund und Jünger! liebst du mich? Möchte doch dein Herz, o Christ! Möchte doch dein ganzes Leben Ihm die frohe Antwort ges ben: err! Du weißt's, ich liebe Dich.!! Wenn du zum heiligen Abendmahle gehest, so bedenke, daß, der Herr aller Herren dort gegenwärtig sey; denn er ist dort wahrhaftig gegenwärtig, und sieht und erkennt, was in jedes Menschen Herzen ist.( Der heil. Joh. Chrysosto mus.) Empfindungen vor der heiligen Communion. Jesus Christus! Du Heil aller Menschen, Du guter, getreuer Hirt meiner Seele! der Du gesagt haft:„ Ich bin das lebendige Brod, Ich, der ich vom Himmel berabgekommen bin. Wer von dies sem Brode essen wird, der wird ewig leben. Das Brod, das Ich geben werde, ist mein Fleisch, das Ich für das Leben der Welt ge ben werde... Fürwahr! Ich sage euch: Wenn ihr das Fleisch des Menschensohnes nicht ef sen, und sein Blut nicht trinken werdet, ſo werdet ihr das Leben nicht in euch baben. Wer aber mein Fleisch ist, und mein Blut trinkt, der hat das ewige Leben, und Ich werde ihn am jüngsten Tage auferwecken. Er wird in Mir, und Ich in ihm bleiben." Sieh liebe: vollster Heiland! ich komme jeszt zu Dir, und bitte Dich demüthiglich, mache mich durch einen lebendigen Glauben zu einem würdigen. Gast dieser himmlischen Mahlzeit; fübre mich zur frischen Quelle des Lebens, und weide mich, dein armes Schäffein; erquicke meine Seele, und führe mich auf rechter Straße, um deines Namens willen. 1 und Communion Andachten. 89 Ach, Du wahres, süßes Himmelsbrod! erwecke in mir einen geistlichen Hunger und Durst, daß ich nach Dir verlange, wie ein Hirsch verlanget nach frischem Wasser. Vor allen Dingen aber gieb mir durch deinen heiligen Geist wahre, herzliche Reue über meine Sünden, und lege mir an das rechte, hochzeitliche Kleid deiner Gerechtigkeit, damit ich nicht ein unwürdiger Gast sey. Gieb mir ein demüthiges, versöhnliches Herz, tilge aus meiner Seele alle Bitterkeit und Feindschaft, und pflanze da für in mein Herz Liebe und Barmherzigkeit, daß ich alle Menschen in Die lieb habe. Jesus, Du wahres Ofterlamm! laß mich essen dein Fleisch, und trinken dein Blut unter Thränen der Neue über den Aussaß und Gräuel meiner Seele. Ach, reinige mich, Du höchste Reinigkeit! damit ich Dich in einem ganz reinen Herzen bewahre. ? Herr, mein Gott! Du hast ja selbst gesagt: ,, Die Starten und Gesunden brauchen keinen Arzt, sondern die Schwachen und Kranken." Ach! ich bin krank und schwach, ich brauche Dich, sey also Du der Arzt meiner Seele; erquicke mich, mein Heiland! und nimm sie weg von mir, die Sünden, mit denen ich so schwer beladen bin; erledige mich von dieser schweren Last. Allerbarmer! suche mich Berlornen, reinige mich Unreinen, erleuchte mich Blinden, mache reich mich Armen. Jesus, Du Bräutigam meiner Seele! führe mich weg von mir, nimm mich auf zu Dir; gieb, daß ich sterbe in mir, und lebe in Dir; in Dir bin ich gerecht, in mir bin ich lauter Sünde; in Dir bin ich selig, in mir bin ich lauter Verdammniß. Ach, tomm zu mir, Du himmlischer Bräutigam! komm, ich will Dich führen in das innerste Gemach meines Herzens; da will ich Dich lieben, loben und anbethen. Ziere mich mit deinen Tugenden, erfülle mein Herz mit deiner Gnade, mit deinem heiligen Geiste, mit deiner Liebe, mit Deiner Sanftmuth, mit deiner Demuth, mit deiner Ges duld.- O Du süßes Brod des Lebens! speise mich zum ewigen Leben, daß mich ewig nimmer hungere, und nimmer dürste; in Dir bin ich ganz satt; Du bist mir Alles; bleibe ewig in mir, und laß mich ewig in Dir bleiben, wie III. Abschnitt. BußDu gesagt haft: Wer mein Fleisch iffet und mein Blut trinket, der bleibt in Mir, und Ich in ihm, und Ich werde ihn auferwecken am Jüngsten Tage." Amen. 90 Sehnsucht nach Vereinigung mit Christus. ( Aus Kempis Nachfolge Chrifti.) Wann wird dann die selige Stunde schlagen, wann wird mir die Gnade werden, daß ich Dich endlich fin de, vor Dir mein ganzes Herz ausgieße, deiner nach Herzenslust genieße, und von allen Geschöpfen ungesehen und unangefochten, fern von allen Zeugen und den mich verschmähenden Blicken der Menschen, mit Dir allein reden, und Du mit mir, wie ein Freund zum Freunde, wie ein Geliebter zu seinem Geliebten beym freundlichen Mahle? Das ist jest mein Gebeth, das der glühende Wunsch meines Herzens, daß ich ganz mit Dir vereiniget werde, und von allem Irdischen und Fleischlichen abgeschieden, und durch die heilige Communion, durch die wiederholte Feyer des großen Opfers am Kreuze, neubelebet, das Himmlische und Ewige kosten und lie ben, lieben und genießen lerne. Mein Gott und Herr! wann werde ich meiner ganz vergessen, und Eins mit Dir seyn- ganz Eins mit Dir, und wie verschlungen in die Tiefe deines heiligen We sens! Du in mir und ich in Dir das ist mein Wunsch. Laß mich Eins mit Dir werden, und Eins mit Dir bleiben, das ist mein Gebeth. Wahrhaftig! Du bist mein Geliebter, mein Auserwählter aus Tausenden; das ist die Himmelslust meiner Seele, ben Dir zu seyn alle Tage meines Lebens. Wahrhaftig! Du bist mein Friedensfürst; denn in Dir finde ich den vollkommensten Frieden, und die wahre Ruhe, und außer Dir nichts als Plag' und Schmerz und Pein ohne Ende. - - - Wahrhaftig! Du bist ein verborgener Gott; die Gott lofen wissen nichts um deinen geheimen Rathschluß, aber die Demüthigen und Einfältigen sind deine Bertraus ten,- die Nächsten deinem Vaterherzen. Wie freundlich ist dein Geist, o Herr! Um deine Freundlichkeit gegen deine Kinder zu beweisen, erquickest Du sie mit dem schmack. und Communion Andachten. haftesten Brode, das vom Himmel kam. Wie bist Du, unser Gott! doch Allen, die an Dich glauben, so unaussprechlich nahe? kein andres Volk ist so groß, kein andres Volk kann sich eines solchen traulichen Umganges mit Gott rüh men, wie sich alle deine Gläubigen deiner Nähe freuen! Um unser Herz täglich zu erquicken und zum Himmel empor zu richten, giebst Du Dich selbst uns zum täglichen Genuße, zum täglichen Mahle der Liebe hin. Wo ist ein Bolt, so selig, wie das Christenvolt! Wo ist unter der Sonne ein Geschöpf, das solche Liebe erfährt, wie die andächtige Seele, die ihr Herr und Gott befuchet, um sie mit seinem Leib und Blut zu nähren und zu bewahren zum ewigen Leben. D Gnade, die kein Gedanke, o Milde, die keine Verwunderung erreichen kann! O Liebe ohne Maß, die sich ganz zum Besten der Menschen geopfert hat! Was werde ich aber für diese Gnade, für diese Liebe, die allen Begriff übersteigt, dem Herrn wieder geben können? es ist kein Geschenk, das ich Ihm geben, keines, das Jhm gefälliger seyn kann, als dies mein Herz - das will ich Ihm ganz, ohne Rückbehalt geben; das soll vollkommen Eins mit Ihm werden. Und dann- wenn ich Eins mit Gott seyn werde,- dann wird mein Innerstes ein ewiges Jubellied seyn. Dann wird Cr zu mir sagen: Ich bin gerne ben dir: magst du denn gerne ben Mir seyn? Und ich werde ihm antworten: Lieber Herr! sen so gütig und bleib ben mir; ich will gerne ben Dir seyn. Denn das ist mein einziges Verlangen, daß mein Herz Eins mit Dir werde Eins mit Dir bleibe ewig! Amen. und Vor dem Empfange der heiligen Hostie. Der allmächtige Gott erbarme sich meiner! Er vergebe mir meine Sünden und führe mich zum ewigen Leben! Amen. 91 Der allmächtige und barmherzige Gott verleihe mir seine Huld, und eine gånzliche Lossprechung und Nachlaffung meiner Sünden! Amen. Sehet das Lamm Gettes, welches hinwegnimmt die Sünden der Welt!( Dreymal.) Herr ich bin nicht würdig, daß Du eingehest unter mein Dach, sondern sprich nur ein Wort, so wird meine Seele gesund. 111. Abschnitt. Buß, Danksagung nach der heiligen Communion. O Du, freundlicher, liebreicher Jesus! ich danke Dir von ganzem Herzen, daß Du mich mit der kost: baren Speise deines heiligen Leibes gespeiset und mit dem theuren Trank deines Blutes erquicket hast. 92 Ach! wer bin ich, daß Du mich Unwürdigen gewürdiget hast, von deinem Tische zu essen?- Ich danke Dir, für alle deine Liebe und Treue, für deine Menschwerdung, für dein Evangelium, für deinen Todeskampf und blutigen Schweiß, für die Schmach und Verspottung, für deine schmerzliche Geißlung und Krönung; ich danke Dir für deine Wunden, für alle deine Schmerzen und Thränen, für deine Angst und Seufzer, für deine Kreuzigung und deinen bittern Tod;- ich danke Dir für alle deine Wohlthaten, die Du mir dadurch erworben; für die Erfüllung des Geseges, für die Vergebung der Sünden, für die vollkommene Genugthnung und Bezahlung aller meiner Schulden und Missethaten, für die Versöhnung deines himmlischen Vaters, für die erworbene und geschenkte Gerechtigkeit, für die Heiligung durch den heiligen Geist, für das ewige le ben; für den Glauben, durch welchen Du mich aller dei ner Wohlthaten theilhaftig gemacht, und durch das theure Unterpfand deines Leibes und Blutes im heiligen Sacrament versichert hast. Gieb mir die Gnade, daß ich deiner großen Liebe nimmermehr vergesse.- Dein Leib und dein Blut, diese gött. liche Nahrung, segne und heilige meinen Leib und meine Seele, und behüte mich vor allen Sünden. Ach mein Erldser und Seligmacher! lebe Du in mir, und laß mich leben in Dir; vertreibe aus meinem Herzen alle Untugen den, behalte und besize Du es allein, als Wohnung nur für Dich. Ziere meine Seele mit geistlichem Schmuck, mit himm fischer Schönheit, mit lebendigem Glauben, mit feuriger Liebe, mit starkem Bertrauen, mit Hoffnung, mit Demuth und Geduld, mit Sanftmuth und Andacht, mit heißem Verlangen nach Dir allein, daß ich immer mit Dir in Ge meinschaft stehe, ich effe oder trinke, ich schlafe oder wache, ich lebe oder sterbe, daß Du bey mir und in mir, und ich bey Dir und in Dir ewig bleibe, stets mit Dir esse und trinke und Communion, Andachten. von Dir rede und singe, und ohne Unterlaß an Dich gedente, damit ich in diesem Glauben entschlafen, am jüngsten Tage fröhlich auferstehen, und in die ewige Freude eingehen möge, die Du mir erworben und vorbereitet hast bey deinem und meinem Gott und Vater im Himmel! Amen. 93 Selbstaufopferung.( Thom. v. Kempis.) Here! Dein ist Alles im Himmel und auf Erden. Darum möchte ich mich auch selbst als ein freywilliges Opfer Dir hingeben, und aus freyer Wahl ewig Dein seyn und Dein bleiben. So bringe ich denn, in Einfalt meines Herzens, mich selbst und mich ganz Dir zum Opfer dar, und weihe mich heute zu deinem Dienste, und zur Lobpreisung deines Namens, auf ewig ein. Nimm mich also auf, und heilige und beselige mich durch das geheimnißvolle Opfer deines Leibes und Blutes, das ich jest in Gegenwart der Engel, dieser unsichtbaren Zeugen und Mitanbether, im allerheiligsten Altars Sacramente empfangen habe zum Unterpfand des ewigen Lebens. = Ich lege jetzt nochmal alle meine Sünden und Laster, die ich von der ersten Stunde des erwachenden Gewissens, bis auf diesen Augenblick, in deinem Angesichte und vor deinen heiligen Engeln begangen habe, hin auf deinen Sühnaltar, damit Du sie mit dem Feuer deiner Liebe verbrennen, alle Mackeln, die sie in mir zurückgelassen haben, austilgen, mein Gewissen von allen Schulden reinigen, mir die Gnade, die ich durch die Sünde verloren habe, wieder schenken, und das Siegel der vollkommenen Verzeihung den Friedenskuß, geben mögest. Was kann ich für alle meine Sünden thun, als sie mit demüthigem Herzen und thrånendem Auge bekennen, und deine Gnade ohne Unterlaß anflehen?- So flehe ich denn zu Dir, o mein Gott!- So erhöre mich denn, und lass mich Gnade finden- indem ich vor Dir kniee und weine. Alle meine Sünden sind jetzt ein Gråuel in meinen Augen; nicht mehr will ich sie begeben; Reue und Schmerz fühl ich über sie, und will dieß Reu- und Schmerzgefühl tren in mic bewahren; Buße will ich thun, so lang ich lebe; will deiner Gerechtigkeit in Allem Genüge thun- so gut ich es vermag. Verzeih mir alle meine Sünden um deines heiligen Namens willen. Mache selig die unsterbliche Seele, die - 94 III. Abschnitt. Buß, Du mit deinem kostbaren Blute erlöset hast, Sieh!- deinen Erbarmungen übergebe ich mich ganz, in deine Hand lege ich mich und alle meine Hoffnungen nieder! Handle mit mir, nicht nach meinem bösen, ungerechten Sinne, sondern nach deinem guten, liebenden Herzen. Jest lege ich auch all mein Gutes, so wenig und unvoll. kommen es immer seyn mag, als Opfergabe auf deinen Altar, damit Du es verbessern und heiligen, damit Du es Dir gefällig und angenehm machen, damit Du alles Mangels bafte mir zum Guten lenken, und mich den trågen, un nůzen Knecht immer vorwärts, zum herrlichen, seligen Ende meiner Laufbahn hingeleiten mögest. - 1 Ich lege auch auf deinen heiligen Altar nieder die heiligen Wünsche Aller, die mit mir das nämliche Himmels. brod genossen haben; alle frommen Gebethe der Undächti: gen, und die geheimen Anliegen meiner Eltern und Freunde, Brüder und Schwestern, und aller meiner Lieben, die mit oder Andern aus Liebe zu Dir wohlgethan, die sich und die Ihrigen in meine Communionandacht und in mein Gebeth empfohlen haben, sie mögen noch mit uns auf der Erde das ich Pilgerkleid tragen, oder schon heimgegangen seyn bitte für sie Alle, daß sie alle deine heffende Gnade und deine tröstende Hülfe, Schuß vor Gefahren und Befreyung von Strafen erfahren, und von allem lebel erlöſet in heiliger Fever Dank- und Jubellieder singen mögen. Endlich opfere ich Dir auch diese heilige Communion und mein unwürdiges Gebeth besonders für die auf, welche mich beleidiget, betrübet, gelåstert, beschädiget, gekrånket habet; auch für Alle die, welche ich betrübet, gefrånket, bes schädiget, und mit Worten oder Thaten, mit oder ohne Wiss sen geärgert habe; vergieb uns Allen miteinander alle Sün den und Beleidigungen, mit denen wir einander betrübet haben. Nimm von unserm Herzen hinweg Alles, was Argwohn, Zorn, Erbitterung, Zant heißt- und das zarte Band brüderlicher Liebe auflösen oder schwächen kann. Ers barme, erbarme Dich, o Herr! Aller, die deine Erbarmungen anflehen; gieb Gnade Allen, die deiner Gnade bedürfen, und bilde aus uns solche Menschen, die werth sind, deine Gnade zu genießen, und tüchtig werden, das ewige Leben zu erwerben, durch Jesus Christus unsern Herrn! Amen. — - - - und Communion- Andachten. 95 Kirchengebeth. In Demuth flehe ich, o Herr! deine Majestát an. So wie Du mich mit der Nahrung deines heilis gen Leibes und Blutes gespeifet haft; also mache mich theils haftig der ewigen Bereinigung mit Dir, der Du lebest und regierest in Ewigkeit! Sende, o Herr! den Geist deiner Liebe in unser Herz, damit wir alle, die Du mit dem Einen Brode des Himmels gesäts tigt hast, durch deine Milde Ein Herz und Eine Seele werden. durch Jesus Christus, deinen Sohn, unsern Herrn! Amen. Zweyte Andacht bey der heil. Communion. Ein andächtiges Vorbereitungsgebeth zum Empfaug des heiligen Abendmahls.( Taulerus.) Mein Jesus, Herr, allmächtiger Gott! Du Wort des Baters, Du ewige Wahrheit- barmherzigster Erldser, gerechtester Richter! Unbegreiflich sind deine Gerichte über die Menschenkinder! Wie erschrecklich erzeigest Du Dich gegen die Gottlosen, wie gütig und liebreich aber gegen die Gottesfürchtigen. Sieh! ein, ein armer, beladener und sündhafter Mensch- komme zitternd und voll innerer Angst meines Herzens zu Dir! Du ewige Wahrheit, vor dem Alles bloß und aufgedeckt ist, dessen Augen nicht nur die äußerlichen Werke, sondern den innersten Grund des Menschen selbst beleuchten, wie nämlich sein Herz beschaffen sey, was er für Gedanken führe, und was er für Werke verrichte. O mein getreuester Gott! deine strenge Gerechtigkeit, deine durchdringende Wahrheit, deine erstaunungswürdis ge Weisheit, und deine erschrecklichen Gerichte ångstigen mich fast bis zum Tode, und machen, daß ich mit Zittern vor dein heiliges Angesicht komme, weil ich mit vielen Sünden verunreiniget bin, und dadurch leider deinen Zorn wieder mich gereizet habe. Aber deine unendliche Gnade, deine große Güte und Barmherzigkeit, welche alle deine Werke übertreffen, lassen mich wieder Lebens- Odem schöpfen, und geben mir hoffnung, Gnade und Vergebung der Sünden zu verlangen. Jene betrügerische, neidisches Schlange hat mir die Speise des Todes unter dem Scheine einer süßen Wollust vorgestellet, und ich, leider! entfremdet von dem Lichte deiner Gnade, habe nicht das Böse von dem Guten unter III. Abschnitt. Buß schieden, sondern in die bbse That, gewilligt. Ich habe gegessen, und bin nun von diesem Gift angesteckt. Wohin soll ich nun meine Zuflucht nehmen, allgütigster Gott! als zu Dir? Denn Du bist das Heil der Menschen, das unbefleckte Lamm, der Du tragest die Sündenflecken der ganzen Welt, und waschest und heilest durch dein reines und heiliges Blut Alles, was durch die giftige Schlange angestecket und verderbet war. 96 Deswegen fliehe ich in Eindlicher Zuversicht unter die Flügel deiner Mildigkeit und Güte; ich werfe mich in tiefs ster Demuth vor deinen Füßen nieder, nicht etwa von falscher Zuversicht angetrieben, als sey etwas Gutes an mir, son: dern beladen mit einer fast unerträglichen Sündenlast, um Dich, meinen Gott, durch Seufzen, Bitten und Flehen wo möglich wieder zu versöhnen, denn ich habe Dich durch uns geziemende Begierden, sündhafte Lust, Hoffart, Eitelkeit und Eigenwillen zu schwer beleidiget. Ich komme ganz unrein zu Dir; weil Du aber die Quelle aller Gnade und Erbarmung bist, kannst Du, wenn Du willst, mich wohl reinigen; ich, bis auf den Tod verwundet, komme zu Dir, weil Du, mein Gott! die Arzney meines Lebens bist. Sieh, ich zeige Dir meine Wunden; sieh, ich bekenne Dir meine Sünden. Herr! wenn Du willst, kannst Du mir helfen, und zwar Du allein bist es, der die ses kann; es ist für Dich nur ein Geringes, dasjenige zu geben, was mir, wenn ich es empfange, sehr großen, ja ewigen Rußen schaffet. to e O treuester Jesus! ich halte mich fest an das tristende Wort, welches Du, o ewige Wahrheit! geredet hast, näm lich, daß Du nicht willst den Tod des Sünders, sondern daß er sich bekehre und lebe. O freunds lichster Liebhaber der Menschen! sieh, ich wende mich aus ganzem Herzen und allem meinem Vermögen zu Dir. hilf mir, daß nicht etwa meine Seele sterbe, denn ohne Dich würde ich gewiß sterben, weil Du selber sprichst: Werdet ihr nicht essen das Fleisch des Men schensohnes, und nicht trinken sein Blut, fo habt ihr kein Leben in euch." Ich bin dem Tode nahe gewesen, als ich mich von Dir, der Arzney meiner Seele, und dem Brode des Lebens abgewendet hatte. Mein und Communion: Antachten. Herz verschmacht: te, ich suchte mich mit irdischem Brode, d. i. mit zeitlichem Troste und vergänglichen Freuden zu erquicken, und hatte die himmlische Speise, das himmlische Labsal verlassen. Nun komm' ich aber hungrig, krank und ungestaltet zu Dir, o Quelle der Gütigkeit und Vater der Erbar: mungen! und klopfe mit demüthigem Gebethe an die Thüre deiner göttlichen Gnade und Langmuth, und an dein mildes Vaterherz. Erhöre mein Gebeth, erfülle das Verlangen meines Herzens, sättige mich Hungrigen, trånke mich Dürstenden, erquicke mich Matten und Kraftlosen, heile mich Kranken! Du bist mein Arzt, Du allein kannst mich heilen. 97 barmherziger Samaritan! geh nicht bey deinem schwachen Knechte vorüber, sondern habe Mitleiden mit mir, und gieß in meine Wunden Del und Wein. Die Liebe, welche Dich, o Jesus! vom Himmel herabgezogen hat, unsern verlornen Vater Adam wieder zu erlösen, bewege Dich, mich, dein schwaches Glied, zu heilen. Ich verlange Dich, o gütigster Jesus! nicht allein deße wegen zu empfangen, weil Du mir in meiner Schwachheit so höchst nothwendig bist, sondern es treibet mich auch die große Liebe dazu, die ich gegen Dich habe, o Du mein Herr und Erlöser, Du einzige Liebe meines Herzens! Die Gnade und Liebe, die ich bereits schon von Dir empfangen habe, bat mein Herz so im Glauben, in der Hoffnung und Liebe zu Dir bestårket, daß ich mich nun nicht mehr vor Dir scheuen, und vor Dir, wie vor einem schrecklichen und unversöhnli chen Richter nicht mehr fiiehen kann, sondern ich werde gedrungen, Dir entgegen zu gehen, Dich in herzlicher Lie be als meinen Vater zu begrüßen, und als mein einziges höchstes Gut zu empfangen. Denn Du bist an Kraft der allmächtigste, an Weisheit der Allervortrefflichste, an Güte der Allervollkommenste, an Gaben der Allerreichste, nach der Natur der Allerschönste, nach dem Wandel der Allerheiligste, nach dem Genuß der Allbelebende, mein Herr, -mein Gott!- Du bist voll Trost und Gnade, und ganz boldselig. Aber ach, mein Herr und Heiland! obgleich die Himmel deine Größe nicht faffen, und obgleich ich ein so nichtiges Erdhäublein bin, daß ich 7 - 98 III. Abschnitt. Buß, mich nicht werth achte, die geringste deiner Wohlthaten zu genießen, so ist das Veríangen meines Herzens so unendlich, daß Du es nur damit ganz stillen und in Seligkeit verwandeln kannst, wenn Du Dich selbst mir giebst. Um so viel ge ringer ich bin, als Du, um so viel wird alsdann deine Güte gepriesen werden, und so viel mehr werden sich Alle darüber verwundern, daß Du, Herr der Herrlichkeit mich elenden Menschen würdigest, zu mir zu kommen. O sanftmüthigster Jesus! der Du das Gastmahl der Zöllner und Sünder nicht verschmåhet hast, der Du Dich von einer öffentlichen Sünderin berühren ließest, ach! besuche auch meine so oft durch Sünden befleckte Seele. Komm und sprich zu meiner Seele: dein Heil stehet allein bey Mir. D Du unergründlicher Quell der Güte Gottes! der Du Alles erfüllest, was im Himmel und auf Erden ist, von dessen Fülle alle Heiligen überflüssig gesättigt, und mit Bonne getränket werden, erfülle Du mich ganz mit Dir selbst. Dei. ne Allmacht vermag es auszurichten; deine Weisheit weiß, wie es geschehen soll; deine Güte wird es thun. Würdige mein Herz, mit dem Reichthum deiner Gnade dergestalt zu schmücken, daß ich außer Dir teis nen fremden Schmuck begehre oder suche, sondern alles Zeitliche nur für Auskebricht halte. O himmlische Süßigkeit! wie sehr verlange ich Dich zu genießen, wie sehr wünsche ich, innigst mit Dir vereiniget zu werden. Ich begehre ganz von Dir verzehret, und in mir selbst zu Nichts zu werden. Ich wünsche mir abzusterben, und in Dir allein zu leben; ich wünsche Dir einverleibet und Dir gleichförmig zu werden, damit ich ewig in Dir, meinent heiligsten Ursprunge, ruhen möchte. Denn Du bist die Quelle und der Ursprung alles dessen, was ist, und aus Dir und in Dir leben und sind wir von Ewigkeit. Und wahr lich, unser Herz ist immer unruhig, wenn es nicht in Dir, seinem Ursprunge, ruhet. Zieh mich also, o Du allmächtiger Erhalter meines Wesens! zich mich kräftig zu Dir, und neige Dich gnädig zu mir. Erneure das verborgene Bild Gottes in mir, und gieb ihm wieder seine vorige Reinheit und Vollkommenheit. Du reinster unerschaffener Ursprung meines erschaffe nen Wesens! ich bitte Dich um der inbrünstigen Liebe wils und Communion, Andachten. 99 len, mit der Du dein gütiges Herz durchbohren ließest, ja ich fiebe um dieses deines zerstochenen und eröffneten Herzens willen, führe mich zu Dir; ja komm eilig in mich hernieder, und bringe deinen himmlischen Vater mit Dir; Du weißt ja, daß dieß sein heiligster Wille ist, Er will Dich nicht von sich lassen, Er will selbst. mit und bey Dir seyn. Ich bitte Dich, süßester Jesus! reinige und heilige mich so lange, bis ich würdig werde, mit Dir eingeführt zu wer: den in das liebreichste Herz deines ewigen Vaters, wo Er mich als seinen an Kindesstatt angenommenen Sohn ewig aufzunehmen würdigen wolle, durch dich seinen einigen Sohn, der mit Ihm und dem heiligen Geiste gleicher Macht und Herrlichkeit ist, Gott von nun an bis in Ewigkeit! Amen. - Vor der heiligen Communion. I. Wer ist der, der zu mir kommt? Er ist mein Herr und mein Gott, der mich aus Nichts erschaffen hat, der mich jeden Augenblick erhält, der für mich am heiligen Kreuze mit dem nämlichen Leibe und der nämlichen Seele starb, mit der Er sich jest selbst mir zur geistlichen Speise dargeben will. Uebung des Glaubens. O Gott! mein ganzes Herz ist überzeugt, so wenig es auch mein Verstand fassen kann, daß du mit Fleisch und Blut, mit Leib und Seele, sowohl jest, als jedesmal, in diesem Geheimnisse deiner unbegrenzten Liebe zugegen bist, und so auch in mein Herz kommen willst. Auch glaube ich, Alles fest und unerschütterlich, was Du durch deine heilige Kirche mündlich oder schriftlich mir als wahr anzuneh men befohlen hast; in diesem seligmachenden Glauben will ich leben und sterben. O mein Herr und mein Gott! stärke mich in diesem Glauben, und mache Jhn in mir lebendig. 11. Wer ist aber der, zu dem mein Erlöfer kommt? Ach, ich bin es! ich, der ich vor Dir Staub und Asche bin! ich, der ich mit so vielen Sünden Dich, meinen besten Wohlthäter, mein Leben hindurch betrübet habe. Uebung der reumüthigen Demuth. Jesus! ich weiß, daß Du ein demüthiges und zerknirschtes Herz nicht verwirfst; ich erkenne meine Sünden und Missethaten, mit denen ich Dich so oft und so sehr beleidiget habe. Wehmuth darüber erfüllt mein ganzes Herz, nicht daß ich dadurch deine mir verheißenen Belohnungen vers 7.* III. Abschnitt. Buß loren und deine gedrohten Strafen verdient, sondern weil ich Dich, meinen besten Bater, meinen liebenswürdigsten Wohltbåter, beleidiget habe. Könnte ich doch mit meinem Blute meine begangenen Sünden tilgen, ich würde es gerne geben; aber reinige Du mich, o mein Erldser! der Du dein Blut für mich vergossen, den Tod für mich geduldet hast; heile die Wunden meiner Seele, damit ich rein und Dir gefällig Dich in meine Seele aufnehmen darf! Amen. 100 111. Barum aber kommt mein Erlöser zu mir? Er kommt zu mir aus Erbarmen und Liebe; und so wie diese unendlich ist, will Er sie mir auf eine unbegrenzte Art erweisen; Er will meine Seele stärken, meinen Verstand erleuchten, mein Herz zum Guten entflammen, und mir seine himmlischen Gaben und Gnaden schenken. Uebung der Hoffnung. O barmherziger Gott! auf Dich seße ich mein ganzes Vertrauen; denn ich weiß es gewiß, wofern ich mir nicht selbst ein Hinderniß bin, so willst Du nichts, als mein wah. res Bestes, und meine künftige ewige Seligkeit. Zwar ångstiget mich mein Gewissen, und die Last meiner Sünden; aber da ich überzeugt bin, daß deine Erbarmungen unendlich größer sind, als die Missethaten der ganzen Welt, da deine Wunden, dein Blut, dein Tod auf eine überwiegende Art für mich genug gethan; da Du den Mörder am Kreuze, der zu Dir um Gnade rief, nicht verlassen haft: so wirst Du Dich auch meiner erbarmen, wirst väterlich meiner Seele geden ken jest im Leben, und einst in meiner legten Stunde. Du bist der Anker meiner Hoffnung, o Jesus! auf deine Barm herzigkeit, auf dein bitteres Leiden, auf den Werth deines Todes gründe, ich mein Vertrauen; und keine Versuchung, keine irdische Gewalt foll mich kleinmüthig machen. Gott! auf Dich hab ich gehoffet, ich werden in Ewigkeit nicht zu Schanden werden! Amen. IV. Wie kommt Er zu mir? Er kommt zu mir mit der freundlichsten, uneigennüßigsten Liebe; so wie Er mich vor so vielen Millionen Wesen zum Menschen geschaffen und eriöset bat, so will Er sich mir zur Speise geben, sich innig mit mir vereinigen. Uebung der Liebe. Liebenswürdigster Gottmensch! so darf denn auch ich Dich lieben? ich, der ich Staub und Asche bin? ich darf Dich lieben, den Herrn der Herrlichkeit, den großen, wunderbaren, unendlichen Gott? Ach ja, ich liebe Dich mit mei ner ganzen Seele. Zwar kann ich Dich nicht mit der hohen, und Communion Andachten. beiligen, reinen Liebe lieben, wie es deine Engel und userwählten können; aber doch liebe ich dich über Alles; ich nähme die ganze Erde nicht, ich würde ihre Herrlichkeiten und ihre Freuden verschmähen, wenn sie meiner Herzlichkeit zu Dir hinderlich wäre. Lieber wollte ich alles Elend dulden, als Dich, Du Liebenswürdigster! mit einer schweren Sünde beleidigen. Mit dieser Meinung opsere ich mich Dir gånzlich auf; alle meine Gedanken, Worte und Handlungen sollen von jetzt an bis an's Ende meines Lebens Dir gewidmet seyn; was ich bin und habe, sey geweiht zu deiner Ehre, zur Genugthuung meiner Sünden, zur Erfüllung deines beiligsten Willens. Mit kindlicher Zärtlichkeit will ich Dich in mein Herz aufnehmen, und alle meine Wünsche, und jedes Verlangen meines Herzens soll auf Dich gerichtet seyn; denn obschon ich nicht würdig bin, Dich in meine Seele aufzunehmen, da Du bloß mit einem Worte diese tranke Seele heilen könntest, so will ich doch, da es dein Befehl ist, mich mit Dir vereinigen; und ich sehne mich nach Dir, o Du Bester unter allen Menschenkindern! Du mein Gott, mein Netter, mein Freund und Erbarmer! Komm zu mir, himmlischer Freund meiner Seele! weihe mich zu deiner Wohnung ein! Dir gehört mein Herz, Dir soll es ewig geschenket seyn. Amen. 101 Gebeth des heiligen Thomas von Aquin, vor der heil. Communion. O barmherziger und ewiger Gett! sieh, ich nahe mich, den Leib und das Blut deines eingebornen Sohnes, unsers Herrn Jesus Christus, zu empfangen! ich komm wie ein Kranker zum Arzt des Lebens; wie ein Unreiner zur Quelle der Erbarmungen; wie ein Blinder zum Lichte der Klarheit; wie ein Armer und Dürftiger zum Herrn des Himmels und der Erde; wie ein Nackter zum König der Herrlichkeit. Ich bitte Dich daher durch deine unbegrenzte Barmherzigkeit, heile mich Schwachen und Kranken, reinige mich von meis nen Flecken, erleuchte meine Blindheit, unterstüße meine Armuth, und kleide meine Bldse, damit ich das Brod der Engel, den König aller Könige und den Herrn der Gewaltigen mit solcher Ehrerbietung und Reue über meine Sün den, mit solch einem Glauben, mit solcher Reinigkeit und tiefen Demuth, mit diesem Vorsage und dieser Demuth 102 III. Abschnitt. Bußin mein Herz aufnehme, daß meiner Seele Trost und Heil zu Theil werde. Gütigster Gott! hilf mir den Leib Jesus, deines Sohnes, den er von der reinsten junfräulichen Mut ter angenommen, so empfangen, daß ich seine Gnade erhalte und unter seine Glieder gezählet werde. Verleihe mir auch, bester Vater! daß ich einst diesen deinen Eingebornen im Lande des Friedens von Angesicht zu Angesicht schaue, den ich jest verhüllt im heil. Sacramente genießen werde, der mit Dir lebet und regieret mit dem heil. Geiste, glei cher Gott, von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen. Gute Meinung vor der heiligen Communion. Ich opfere Dir, o mein Gott! diese heilige Communion auf zur Berherrlichung deiner göttlichen Majestät, zur Er kenntniß deiner Macht über uns, zum Andenken der Mensch. werdung und des Leidens meines göttlichen Erlösers, mit herzlicher Andacht und inniger kindlicher Liebe, und auch zur Danksagung für alle Wohlthaten, die Du mir und allen meinen Brüdern erwiesen hast; zudem, daß Du Einigkeit unter die christlichen Fürsten senden, und die Verbreitung der katholischen Kirche segnen wolleft; daß Du die gläubi gen Seelen im Fegfeuer errettest; ich opfere sie Dir in Ber einigung mit jenem Opfer, das mein Erlöser im letzten Abendmahle und am Kreuze entrichtet hat Nimm es an, o mein Vater! nimm dieses Versöhnopfer, nimm deinen liebsten Sohn mit allen seinen Verdiensten, seinem Blut und seinem Tode gnädig an zur Vertilgung meiner Missethaten. Amen. Anrufung der Heiligen. O ihr Auserwählten meines Gottes! o ihr Engel des Himmels! begleitet mich zu eurem König, meinem Erbar mer! Bittet für mich, daß mein Herz rein werde, mit Tugenden gezieret, und ein würdiger Tempel des Königs der Ehre; daß ich Ihn mit der Liebe, der Demuth und dem Vertrauen empfange, die ihr einst gehabt habet. O ihr meine Schuß. heiligen N. N. und Du, reine gebenedeyte Königin des Himmels! die Du würdig warst, die Mutter meines Erldsers zu seyn, erlange mir durch deine mütterliche Fürbitte, daß mein Herz eine Jhm gefällige Wohnung sev. Heiliger Joseph! der du das Glück hattest, einst diesen König des und Communion- Andachten. 103 Himmels und der Erde in seiner Kindheit auf deinen Armen zu tragen, erbitte mir ein reines, schuldloses Herz, daß er mich nicht verschmähe, und auch seine Wohnung in mir nebme. Erlange mir jene innige Liebe, die Du empfandest, als du den Sohn Gottes in der Krippe sahst, und in Ihm den Erlöser, den Erretter der Menschen anbethetest. Komm, o mein Erldser! und weile nicht länger! mein Herz ist bereitet, komm, o Du Gott meiner Seele! Du mein Heil, Du Leben meines Lebens, Du mein Gott! Du Inbegriff mei ner Wünsche; komm, o Jesus! und sey mein Heiland, mache mich selig! Amen. Wenn dir die heil. Hoftie gezeigt wird, sprich: Sieh das Lamm Gottes! weiches hinwegnimmt die Sün den der Welt. O Herr! ich bin nicht würdig, daß Du eingehest in mein fündiges Herz, sondern sprich nur ein Wort, so wird meine Seele gesund.( Dieses wiederhole Dreymal.) Sobald du deinen Eriöser empfangen hast, so bethe: Fest ist mein Glaube an Dich, o Du untrügliche Wahrheit! unerschütterlich meine Hoffnung auf Dich, o Du uns endliche Güte! herzlich und innig meine Liebe zu Dir, höchstes, liebenswürdigstes Wesen! mein Gott und mein Wohlthåter! Dir will ich ergeben seyn, Dich lieben und preisen mein Leben hindurch und in Ewigkeit! Amen. Nach der heiligen Communion. Nun besitze ich Dich, o mein Erldser! und mit Dir und durch Dich Alles, was wahrhaft auf Erden wünschens. würdig ist. Ach, mein Gott! ich verlange nicht die Schäße, die Wolliste, die Ehren der Welt, sie sind eitel, flüchtig und unrein; mein Herz sehnt sich nach Dir; und o mich Glückseligen! ich besige Dich! mit unendlicher Huld hast Du Dich mir geschenket; in Dir ist wahre Freude und fromme Zufrie denheit. Preis sey Dir und Anbethung; Dich liebt meine Seele als ihr größtes, ihr einziges Gut. Laß mich es recht erkennen, mein Gott! wie gut es ist, mit Dir zu seyn; erfülle mein ganzes Herz mit eifriger Liebe zu Dir, daß ich alle meine Handlungen Dir weihe, daß ich Dir lebe, Dir einst sterbe, und dein sey in der Ewigkeit! Amen. Du kannst am besten meine Wunden und Schwach beiten heilen; deiner wohlthätigen Liebe überlasse ich mich. III. Abschnitt. Buß, Bater meiner Seele! erbarme Dich über mich, und mamich gesund. O Jesus! Du wurdest mein Versöhnopfer bei dem himmlischen Bater; unaussprechlich ist diese Wohlthat und diese Liebe; auch ich opfere mich Dir mit Leib und Seele, mit allen meinen Kräften and Fähigkeiten; mein herzlichster Wunsch ist der, Dir zu gefallen, und für Dich zu leben. Du bist mein Vater und mein Erbarmer! o mein Gott! gieb mir, daß ich Dich mit kindlichem Gehorsam ehre und liebe. 104 Du bist der Gott meines Herzens! Dich will ich lieben, Dir treu dienen bis in meinen Tod. In deiner Gegenwart will ich wandeln, will ich leben und sterben. Gieb mir, o mein Erldser! daß ich von nun an nichts mehr verabscheue, als die Sünde, nichts sorgfältiger liebe und auch übe, als das, was Dir gefällig ist! Amen. Gebeth des heil. Thomas von Aquin an Gott den Vater. Heiligster Bater, allmächtiger Gott! von ganzem Herzen danke ich Dir, daß Du mich Unwürdigen, ohne alle Verdienste, und bloß aus Gnade und Erbarmung, mit dem Leibe und dem Blute deines Sohnes, meines Herrn Jefus Christus, gesättiget hast. Ich bitte Dich, laß mir dieses hei lige Geheimniß nicht zu meinem Schaden und Verderben seyn, sondern laß es mir Segensquelle werden; laß mich daz durch stark im Glauben, fest im guten Willen werden; hilf mir, daß ich alle bösen Begierden in mir vertilge und reicher werde an Liebe, Geduld, Demuth und Gehorsam, und in allen Tugenden. Mein Erldser schüße mich vor den Nachstellungen meiner Feinde, vor allen heimlichen und offenbaren Gefahren; Er stille jeden Aufruhr der Leidenschaften in mir; Er befte mein Herz unzertrennlich an Dich, meinen einzigen und wahren Gott; Er verleihe mir einst ein seliges Ende, und dann führe Er mich zu Dir, zu deinem herrlichen Freudenmahle, wo Du mit diesem deinem geliebten Sohn, und dem heiligen Geist durch Dich selbst deinen Auserwähl ten das wahre Licht und unaussprechliche Befriedigung ihrer Wünsche, ewig Freude und Seligkeit bist von Ewigteit zu Ewigkeit! Amen. und Communion Andachten. Gebeth desheiligen Bonaventura an den Erldser. O mein gütigster Erldser! laß mein ganzes Herz durchdrungen werden von Dankbarkeit und Liebe für deine un. aussprechliche Wohlthat, für deine Liebe, die Du mir jest erwiesen; laß mich's recht innig erkennen, wie gut Du es mit mir meynest, und daß Du nichts von mir willst, als mein wahres Bestes, damit ich auch Dich von ganzer Seele über Alles hochschäße, Dich liebe, und mit Freuden Alles thue, was dein heiliges Gesetz verlangt; daß ich nichts wünsche, als mit Dir zu seyn. Laß mein Herz mit frommer Sehnsucht erfüllet werden nach deinen Gaben; laß mich dürften nach Dir, der Quelle des ewigen Lebens, damit ich Dir treu diene, deinen Willen beständig erfülle, mit Herzhaftigkeit allen Versuchungen widerstehe, fest an der Tugend hange, nur Dich in allen Dingen allein suche, mein Gott, mein böchstes Gut! und Dich auch finde und zu Dir komme, in's Land der Freuden und der Belohnungen! Amen. 105 3 Zu Gott, dem heiligen Geiste. Gott heiliger Geist, der Du fromme Seelen liebest, ich bitte Dich, laß dieses ehrwürdige Geheimniß, an dem ich Theil genommen habe, den Leib meines Erldfers und sein kostbares Blut mir nicht zum Gericht und zur Verdammniß, sondern zur Vergebung meiner Sünden seyn. Wie Jes ſus zu mir gekommen ist, erfülle auch Du mein Herz mit heiliger Liebe zu Ihm und zu göttlichen Dingen, und gieb mir wahren Abscheu vor Allem, was böse und sündhaft ist; tomm zu mir mit deinen Gaben; bewahre mich in Gefahren, heile meine Schwachheiten, vermehre deine Gnaden in mir, stärke meinen Glauben, mein Vertrauen, meine Liebe; laß mich klug, weise, gottesfürchtig werden, mich stets mit dankbarem Herzen des Lebens, Leidens und Todes meines Erldfers erinnern; sey mein Gefährte auf meiner Lebensreise, mein Führer zum Himmel. Segne mich und alle meine Mitmenschen, deine Kirche und alle ihre Glieder; erbarme Dich Aller derer, für die ich zu bethen schuldig bin, durch Jesus Christus, unsern Herrn! Amen. Schlußerinnerung. Der Tag, an welchem du, o Chrift! durch die Sacramente der Buße und des Altars dich mit deinem Gott versöhnet, und mit deinem göttlichen Heilande vereiniger hast, muß dir ein vorzüglich beiliger Tag, ein Tag dankbarer Frende, begeisterter Lobpreisung 106 111. Abschnitt. Buß, und Liebe Gottes seyn. Wie schrecklich, wenn du noch an eben dem Tage, an welchem du Vergebung deiner Sünden erhalten, an welchem du die kräftigsten Entschließungen, dein Leben zu bessern, gefaßt und durch den Genuß des heiligen Abendmalls bestätiget hast, eidbrüchig würdest, und zur Sünde, der du auf ewig entsagtest, zu den Ergößlichkeiten, und den Gesellschaften, die dich so oft zur Sünde verleite ten, zurückkehren wolltest! Meide daher mehr als jemals die Gefahr, Böses zu thun, oder auch nur zu denken. Halte dein Gemüth, durch Lesung eines geistreichen Buches, versammelt, und erinnere dich oft, welches Heil dir heut wiederfahren, und welcher Gast in deinem Herzen eingekehrt sey. Halte ihn mit den Armen des Glaubens und der Liebe fest, und verlange von Ihm Gnade um Gnade mit kindlichem Vertrauen, und du wirst es inne werden- mit Freude und Anbethung inne werden, wie selig der ist, in dessen Herzen Christus, und mit Ihm Gottes Friede, Freude im heiligen Geiste, Wahrheit und Leben wohnt. Halte an Christus; bleibe Jhm treu!- Jesus! All mein Leben bist Du; ohne Dich nur Tod. Meine Nahrung bist Du; ohne Dich nur Noth. Meine Freude bist Du; ohne Dich nur Leid. Meine Ruhe bist Du; ohne Dich nur Streit. Nachmittags= Andacht. an Communion und andern Festtagen. I. ( Aus der Nachfolge Christi. IV. Buch. 11. Hauptstück.) Im Vertrauen auf deine Liebe und Barmherzigkeit, die ſo groß ist, wie Du, o mein Gott und Herr! habe ich mich heu te deinem Zische genahet, ich- ein Kranker zu seinem Heilande, ein Durstiger zur Quelle des Lebens, ein Dürftiger zum Könige des Himmels, ein Knecht zu seinem Herrn, ein Geschöpf zu seinem Schöpfer, ein Trostloser zu seinem freundlichen Eröster. Aber wie wird mir das, daß Du zu mir kommst? Wer bin ich, daß Du Dich selbst mir hingibst? Ich, ein Sünder, wie durft ich es wagen, vor Dir zu erscheinen, und Du, der Heilige, wie kannst Du so gütig seyn, zu einem Sünder zu kommen?- Du kennst doch deinen Knecht, und weißt am Besten, daß er nichts Gutes an sich hat, das ihn einer solchen Gabe würdig machte. Wahrhaftig! ich gestehe meine Nichtswürdigkeit, ich erkenne deis ne Gütigkeit, ich preife deine Baterhuld, ich danke deiner Liebe, die keine Grenze hat. Denn das, was Du hierin und in Allem zu meinem Besten thust, das thust Du nicht um meiner Vers dienste, sondern bloß um deiner Liebe willen; das thust Du nur, um deine Gnade noch herrlicher an mir zu beweisen, und mir selbst noch mehr Liebe und mehr Demuth in das Herz zu legen. O Du! die Liebe und die Lieblichkeit selbst! welche Berch und Communion- Andachten. 107 rung, welchen Dank, welche Lobpreisung bin ich Dir nicht schul dig dafür, daß Du mich mit deinem heiligen Leibe speisest? Es ist doch kein Menschenverstand fähig, die unbegreifliche Würde dieser deiner Liebe zu begreifen,- deiner Liebe, die lauter heil und Segen für mich ist! Darum weiß ich nichts Besses res zu thun, als mich ganz vor Dir zu erniedrigen, und deis ne grenzenlose Liebe im stillen Lobpreisen zu erhöhen. So bethe denn an in treffter Demuth, und freue Dich, meine Seele! und danke dem Herrn für dieses lebendige Hims melsbrod, und für den erquickenden Trost, den Er uns in dies sem Thale der Thránen zugelassen hat. Denn so oft du dies ses Geheimniß dankbar erwågest, und den Leib Christi genies Best, so oft wirst du aller Verdienste Christus theilhaftig, so oft wird das Werk der Erlösung, wie von Neuem, in dir vollbracht. Denn er ist gestern und heute und in Ewigkeit die Liebe, unser Erlöser vom ewigen Verderben, unser Heiland vom Sünden- Elende, unser Seligmacher im Hause des Bas ters. Amen. II. Die Liebe Jesus zu uns, der mächtigste Bewegs grund unserer Gegenliebe zu Ihm. ( Aus den Schriften des heil. Bonaventura.) O mein Herr und Gott! was thaten wir Dir Gutes, daß Du Dich, das höchsie Gut, uns so gerne mittheileft? Was ges winnest Du, wenn wir Dich besißen? Gewiß nichts; und doch liebst Du uns so innigst, daß Du selber gestehst, es sey deine Freude, ben uns zu seyn... Du verlangst sonst nichts von mir, als in mein Herz einzugehen; Du hast schon so lange, so lieb, reich angeklopfet und ich,- o des Schmerzens- wollte nie hören, nie mein Herz Dir öffnen! Jetzt aber bist du in mir, und ich, nun, auch ich will nichts anders mehr, als Dich felbst. Wahrlich! Du liebest mich mehr, als ich mich selbst liebe. Deswegen will ich über mich keine unnüße, unheilige Sorge mehr tragen, sondern forthin ruhig deiner Leitung folgen, und im Besitze deiner Liebe felig seyn; alle Sorge über mich stelle ich Dir anheim; wollte ich auf mich( ångstlich und unordents lich denken), so müßte ich Dich viel zu oft aus den Augen verlieren, und das will ich nicht mehr. Gieb du auf meine Schwachheit Acht, um sie mit mächtiger Hand zu unterstüßen; ich aber richte all meinen Sinn auf deine Huld und Güte, auf deine Lehre und Beyspiele, auf deine Erbarmung und Lies III. Abschnitt. Buß, benswürdigkeit, um mich darüber hoch zu erfreuen, und im mer Dir áhnlicher zu werden. Ob ich schon an Dir Alles gewinne, und Du an mir gar nichts, bin ich doch überzeugt, daß Du lieber bey mir bist, um mich besser und seliger zu machen, und zu erhalten, als ich bey Dir bin, um deine Güte zu genießen. Und daraus lerne ich zu meiner Beschamung, daß ich mich im eigentlichen Sins ne selbst äußerst hasse, und Du mich grenzenlos liebest. 108 O! es wäre mir nicht möglich, alle die Beweise deiner flammenden Liebe gegen mich nur oberflächlich zu übersehen. Die Güter der Natur, des Glückes, der Gnade und der zus künftigen Herrlichkeit dort oben, wie konnte ich sie alle, hätte ich auch die Beredtsamkeit aller Menschen und der Engel, nur obenhin erklären. Von allen diesen Wohlthaten will ich mit staunendem Dankgefühl schweigen, und jetzt meine Betrach tung auf Dich richten, göttlicher Sohn! den uns der Vater zum Beweife seiner Liebe gab. Der Mensch sollte zu Gott hin aufgezogen, und Gott zum Menschen herabgezogen werden; so wollte es die ewige unaussprechliche Liebe. Was konntest Du dem Menschen mehr thun, da Du ihn unzertrennlich mit Dir- vereiniget haft?! Du Gottes Eingeborner der Sohn einer Jungfrau- ein Mensch- mir gleich! Die Engel staunten Sber diesen Beweis deiner Liebe, den Du nicht für sie, fon. dern für Adamskinder gabst. Es ist doch unbegreiflich, wie nach diesem Beweise der göttlichen Liebe die Herzeh der Mens schenkinder nicht brechen vor Gegenliebe!.... - O Mensch! der du diese höchste Liebe siehst, und ohne vor Gegenliebe zu schmachten, ungerührt bleiben kannst, ist dein Herz nicht von Stein?- Gott hat nur dieß Eine Verlangen, uns durch das Brod der Liebe mit sich unauflöslich zu vereinigen; wie mag nun das Menschenherz für ganz was Anders Neigung haben? Höchster! uns zu erhöhen, erniedrigtest Du Dich bis zur Kindheit herab, um uns, die wir durch die Sünde nun thierisch geworden waren, himmlisch zu machen, fliegst Du vom Himmel, und ließest Dich in eine Krippe zwischen Thiere legen. Liebe! o Erbarmen von Seite Gottes! o Blind heit! o Gefühllosigkeit von Seite der Menschen! Ach, Menschenherz! wenn du nicht Herz, sondern Eis bist, warum schmelzest du nicht an diesem Feuer der Liebe? und wenn du nicht Fleisch, sondern Stein bist, warum fann dich dieß Feuer der Liebe nicht sprengen? Weh mir! Nachs dem Gott durch diese Beweise der Liebe mich nicht gewinnen - - und Communion Andachten. 109 - fennte, wie wird Er mir denn sonst noch beykommen?- Dein ganzer Lebenslauf, o Jesus! war ein fortwährender Beweis deiner Liebe zu mir. Würde ich mein ganzes Leben einzig zur Betrachtung deines Lebens verwenden, so könnte ich dies sen durch dein ganzes Leben fortgefehten Beweis deiner Liebe nicht ausdenken.... Wie offenbarte sich erst im Leiden deine Liebe! O da in deiner allertiefsten Erniedrigung, in deis ner schmerzlichen Entäußerung, da liebest Du mich so heftig, daß es scheint, als hasfest, Du meinetwegen Dich selbst. Ach es war der Sündenhaß in Dir, Heiligster! und die Sün denschuld an mir Strafwürdigen, die Dich an die Sünder hingab, um von ihnen und für sie verurtheilt, gegeißelt, verspottet, mit Dörnern gekrönet, an Hånd' und Füßßen mit Någeln durchbohret, mit Galle und Essig getiánket, und am schimpflichen Kreuze zwischen Verbrechern zu Tode gemartert zu werden!... O Du heilige Liebe! o was konntest Du für mich noch mehr thun?- Gewiß, wenn der allerniedrigste Mensch von der Welt so viel für mich gethan hátte; so müß te ja mein Herz ihn ewig lieben; und Du- mein Gott - solltest mein Herz nicht haben?!- anders III. - D, Du ewiger Friedensfürst! Jesus! Du Licht der Welt, Du höchste und seligste Ruhe aller gläubigen Seelen! Du hastgesagt: ,, Kommet zu Mir, so werdet ihr Ruhe finden; in der Welt habt ihr Angst, in Mir habt ihr Friede." Ach! wie oft habe ich Ruhe gesucht in dieser elenden Welt, und habe sie nicht gefunden, weil die unsterbliche Seele mit sterblichen Gütern nicht gestillt, nicht gesättiget, nicht befriedis get werden kann, sondern nur in Dir, und mit Dir allein. O Du Heil Gottes, Du Ausspender des wahren, himmlis schen Friedens! Du hast mich gewürdiget, heute in der heilis gen Communion in mein Herz zu kommen; Du hast Dich selbst mir gegeben; gieb mir nun auch deinen Frieden, den Fries den Gottes gieb mir, den die Welt nicht geben kann. O Du, unsterblicher Gott! wo Du nicht bist, da ist keine Rube; denn alles Zeitliche, alles Irdische, eilet zum Ende, jum Untergang, und zerreißt wie ein Kleie; die Erde veraltet wie ein Gewand, sie verwandelt sich, und Du Herr! wirst sie verwandeln; wie sollte denn meine unsterbliche Seele in den sterblichen, vergänglichen Dingen Rube finden? Darum hungert und dürftet meine Seele nach Dir, mein Gott und Heis land! und kann nicht eher ruhen und gesättigt werden, sie has 110 III. Abschnitt. Bußs be denn Dich selbst; deßwegen hast Du ja gesagt: ,, Wen da dürstet, der komme zu mir." Demüthig habe ich heute dieser Einladung gefolget, und mich deinem heiligen Zifche genahet, und Du hast mich nicht nur mit deinen himmlischen Gaben, sondern mit Dir selbst, erfüllet, und mit deiner Fleisch und Blute meine Seele ges náhret zum heiligen, seligen, ewigen Leben. O mein Gott und mein Herr! wie innig, wie rein, wie vollkommen, wie unbeschreiblich ist deine Liebe zu mir armen, sündigen Men schen. 384 In dieser deiner Liebe laß meine Seele ruhen, laß sie ru hen in deinem Herzen, in welchem kein Falsch, kein Betrug ist, wie in der Welt. Alle meine Sinne ruhen in Dir, das mit ich höre dein freundliches Gespräch, und sebe deine Schön heit, und schmecke deine Süßigkeit, und empfinde die Kraft deines Lebens. Du schönste Blume des Himmels! laß Dich mit Liebe umfangen, laß mein Herz jauchzen in Dir, Du ewige Weisheit! O Jesus! meine Liebe, mein Friede, meine Freude! nimm weg aus meinem Herzen Alles, was Du nicht selber bist. Bin ich arm, so bist Du mein Reichthum; bin ich verachtet, so bist Du meine Ehre; werde ich verläumdet, fo bist Du mein Leb und Ruhm; werde ich verfolgt, fo bist Du mein Schuß. In der Schwachheit bist Du meine Stärke, im Tode mein Leben. Warum sollte ich in Dir nicht ruhen, da Du mir doch Alles bist? Ja, Du bist meine Gerechtigkeit, Du meine Weiss heit, Du meine Heiligkeit, Du meine Erlösung von allem Uebel. Komm zu mir, und stille mein Herz, triste, erquis de, erfreue und erleuchte mich. Laß mich ausgehen von mir felbst, laß mein Herz leer werden von der Welt, damit Du es mit himmlischen Gaben erfülleft, und mich einführest in die Ruhe der Ewigkeit, wo Friede ist im Ueberfluß, und Se ligkeit zu deiner Rechten ewiglich! Amen. IV. Allgemeines Gebeth zu Jesus Christus an Communion Tagen. Herr Jesus Christus! Sohn des lebendigen Gottes! der Du mich gewürdige haft, in mein unwürdiges Herz einzuges hen, und mit den Gütern deiner Gnade meine Franke Seele gesund zu machen: Dir empfehle ich heute und allezeit meine Seele, meinen Leib und meine Sinne, und alle meine schwa chen Anfänge in der Zugend, daß Du sie Tag und Nacht, alle Stunden und Augenblicke bewahrest. Erhöre mich, o mein - und Communion Andachten. 111 göttlicher Erlöser und Heiland! Bewahre mich vor jeder Sün de, besonders vor der Todsünde, vor allen heimlichen Nach, stellungen und BVersuchungen des Satans, sichtbarer und un sichtbarer Feinde, durch das Gebet der Patriarchen, durch die Verdienste der Propheten, durch die Fürbitte der Apostel, durch die Standhaftigkeit der Märtyrer, durch den Glauben der Beichtiger, durch die Reinigkeit der Jungfrauen, an denen du vom Anfange der Welt dein Wohlgefallen hattest. Treibe aus von mir den stolzen Sinn, und vermehre die Zerknirschung des Herzens. Zerstöre meinen Hochmuth, und mache mich wahrhaft demüthig. Rühre mich zu Thránen, und erweiche mein bartes, steinernes Herz. Befreie, o Herr! meine Seele von allen Nachstellungen des Satans, und ers halte mich in deinem Willen. Lehre mich, o Herr! deinen Willen vollziehen; denn Du bist mein Gott( Ps. 142, 10.). Herr! verleihe mir einen reinen Sinn und Verstand! daß ich die Tiefe deiner Güte zu erkennen vermöge. Laß mich um dasjenige bitten, was Dir wohlgefällig und mir någlich ist. Gieb mir Ihránen der innigsten Nührung, welche die Bande der Sünde aufzulöfen vermogen. Erhöre mich, mein Herr und mein Gott! erhöre mich, Du Licht meiner Augen. Wenn Du deinen Blick von mir wendest, so sterbe ich; blickst Du mich aber wieder an, so lebe ich neu auf! Willst Du bey mir auf Gerechtigkeit sehen, ach! so ers scheine ich vor Dir als ein lebloser Leichnam; siehst Du aber mit deiner Barmherzigkeit auf mich, so erweckst Du mich schon im Verwesungsgeruch aus dem Grabe auf. - Entferne weit von mir, was Dir an mir mißfällt, und pflanze mir den Geist der Weisheit und Liebe, der Demuth und Keuschheit ein, damit keine meiner Bitten, was ich auch erflehen möge, Dir mißfällig sey. Nimm von mir, was mir schädlich ist, und gieb mir, was zu meinem Besten gereicht. Verleihe mir, o Herr! eine Arzney, durch die meine Wunden, welche mir die Sünde geschlagen, geheilt werden können. Gieb mir, o Herr! deine Furcht, Zerknirschung des Herzens, Des muth des Geistes und ein reines Gewissen. Verleihe mir, o Herr! daß ich immer in der bråderlichen Nächstenliebe verhar ren möge, meiner Sündhaftigkeit nie vergesse, und nach dem Thun und Laffen meines Mitmenschen nicht forsche, und wes der urtheile noch richte, damit- armer Sünder- nicht auch von Dir unbarmherzig gerichtet und verurtheilt werde. D Du liebvoller Heiland aller heilsbedürftigen Gläubigen! 112 Schone meine Seele, sey nachsichtsvoll gegen meine Sünden. Sich an mich Schwachen; pflege mich Kranken; heile mich Kraftlosen, und erquicke mich Zodten. Herr! gieb mir ein Herz, das Dich fürchtet; ein Gemüth, das Dich liebt; einen Verstand, der Dich erkennt; Ohren, die Dich hören, und Augen, die Dich sehen. Erbarme Dich meiner, o mein Gott! erbarme Dich meiner! sich auf mich herab von dem heiligen Throne deiner Majestät, und erleuchte die Finsternisfe meines Herzens mit einem Strahl deines Lichtes. Gieb mir, o Herr! die wahre Weisheit, damit ich jederzeit das erkennen und wäh len möge, was vor deinem heiligen Auge recht ist; und deine Lehre im Herzen, dein Beyspiel vor Augen habe, und meinen Sinn und Wandel darnach einrichte. 111. Abschnitt. Buß ៖ 2 Heilige und unbefleckte Jungfrau Maria, Gottes Gebähres rinn und Mutter unsers Herrn Jesus Christus! bitte für mich bey Dem, dessen Tempel zu werden du gewürdiget wurdest; heiliger Michael! heiliger Gabriel; heiliger Raphael, alle heis lige Chöre der Engel und Erzengel, der Patriarchen und Pros pheten, der Apostel und Evangelisten, der Märtyrer und Beich tiger, der Jungfrauen und aller Heiligen! ich glaube euch alle durch Den bitten zu dürfen, der cuch auserwählet hat, und in dessen Anschauung ihr jetzt frohlocket: Bittet, o biket für mich armen Sünder, daß ich von allen Versuchungen und vom ewigen Tode errettet werden möge. Schenke mir, o mein göttlicher Seligmacher; nach deiner Güte und mildesten Barmherzigkeit das ewige Leben. — - Verleihe o ewiger Hohepriester und unsichtbares Haupt deiner heiligen Gemeinde! Einigkeit unter den Priestern; Ru he und Friees den Königen und Fürsten, die die Gerechtigkeit aufrecht halten. Ich bitte Dich, o Herr! für die ganze het lige katholische Kirche, und für alle Mitglieder derselben; für Geistliche und Laven, für alle Vorsteher der Christenheit, für Alle, die an Dich glauben, und- ausgerüstet mit deinem beil. Geifte für die Ausbreitung deines Reiches arbeiten, damit sie standhaft in ihren guten Werken beharren. Herr, ewiger König! verleihe die Keuschheit den Jungfraus en, den Dir Verlobten Enthaltsamkeit, den Berehelichten eis nen heiligen Wandel, den Wittwen und Waisen Unterhalt, und den Armen Versorgung, den Büßenden Verzeihung, den Betrübten Tröstung, den Reisenden glückliche Zurückkunft, den Schiffenden die Erreichung des Hafens des Heiles, den vers storbenen Gläubigen die ewige Ruhe. Verleihe, o Du Lieb und Communion- Andachten. 113 haber der Unschuld und Gerechtigkeit! den Gottfeligen, daß sie beständig in der Frömmigkeit verharren, den Wankelmů. thigen, daß sie in Dir Stärkung suchen, den Uebelthätern und Sündern, wie ich Armseliger bin, daß sie sich ohne Verz zug bessern wollen. O süßeſter, barmherzigster Herr Jesus Christus! Sohn des lebendigen Gottes, Erlöser der Welt! ich bekenne mich vor Dir und allen Heiligen als einen armseltgen Sünder; aber Du Allgütiger! der Du Dich eines Jeden erbarmest, laß mich von deiner Barmherzigkeit nicht ausgeschloffen seyn. Wenn mir deine unendliche Gnade mein Leben noch verlängert, o so stårke in mir den frommen Entschluß, daß ich fortfahre, mein Leben zu bessern. Erwecke mein Gemüth, daß es Dich suche, nur nach Dir verlange, und Dich immer vor Allem liebe, Dich fürchte, und deinen Willen vollbringe. 100 Besonders aber bitte ich Dich, Herr! heiliger Gott! der Du in alle Ewigkeit gepriesen und verherrlichet wirst, für jes ne, die in ihrem Gebethe meiner gedenken, und in mein une würdiges Gebeth sich empfehlen; die mir irgend einen Liebess dienst, oder eine Sorgfalt für meine Seele erwiesen haben; ingleichen für jene, die mir durch Blut oder Geistesverwandts schaft find befreundet sind, sie mögen noch leben oder schon unter den Verstorbenen seyn, daß Du sie nach deiner Barmherzigs keit vom Verderben erretten und beseligen wolleft. Verleihe allen noch lebenden Christen deinen Beystand, und allen Vers storbenen Verzeihung ihrer Sünden, und die ewige Ruhe. Und kommt endlich mein letzter Zag, und das Ende meines Lebens, dann Herr! der Du der Anfang und das Ende bist, dann stehe mir bey, und erbarme dich meiner, daß ich den Nachstellungen des alten Feindes meiner Seele nicht unterlies ge, und gegen seine Anklagen in Dir einen barmherzigen Richs ter finden, und in die Gesellschaft deiner Engel und Heiligen gelangen möge, der Du bist hochgelobt in alle Ewigkeit. ge apontam Sp V. Litaney von dem allerheiligsten Sacramente des Altars. Herr, erbarme Dich unser! Christus, erbarme Dich unser! Herr, erbarme Dich unser! Christus, hdre uns! Christus, erhöre uns! Gott Vater im Himmel! erbarme Dich unser! mam ne je Gott Sohn, Erlöser der Welt 2c. so i sustav O Gost heiliger Geist! omp Heilige Drevfaltigkeit, ein einiger Gott! lebendiges Brod, das vom Himmel herabgestiegen ist, Du verborgener Gott und Heiland Du Speise der Engel! Erbarme Dich unser! 12 mnd Du Andenken der göttlichen Wunder, 8 114 Du allergrößtes Wunder, Du besonderes Denkmal der göttlichen Liebe! Erbarme Dich unfer! Du immerwährende Erinnerung des Leidens und Sterbens Jeful Chriftus, Du Wort, das Fleisch geworden ist, und in uns wohnet, Du allerheiligstes Sacrament, Du unblutiges und reinstes Opfer, III. Abschnitt. Bu Du wahres Anbethungsopfer des neuen Bundes, Du vollkommenstes Dankopfer für alle Wohlthaten, Du träftigstes Versöhnungsopfer für Lebendige und Todte, Du werthestes Bittopfer in allen Anliegen des Leibes und der Seele, Du himmlisches Bewahrungsmittel wider alle Sünden, Du lleberfluß der göttlichen Freygebigkeit, Du Arzney der feligen Unsterblichkeit, Du Erquicung frommer und bedrängter Seelen, Du Wegzehrung der im Herrn Sterbenden, Du Unterpfand der künftigen Herrlichkeit. Sey uns gnädig, verschone uns, o Herr! Von aller Sünde, erlöse uns, o Herr! Von der Hoffart des Lebens, c. Von der Begierlichkeit der Augen und des Fleisches, Von dem unwürdigen Genusse deines heiligsten Fleisches und Blutes, Von Unandacht und Lauigkeit bey dessen Empfange, Von schädlicher Unwissenbeit, allem Un- und Aberglauben, Von Kaltsinn und Trägheit im Geschäfte des Heiles, Von Lieblosigkeit und Mißhandlung des Nächsten, Von Pest, Hunger und Krieg, Von allem llebel des Leibes und der Seele, Durch die brünstige Liebe, mit der Du dieß göttliche Geheimniß einfestest, Durch dein kostbares Blut, das Du uns auf dem Altare zurückgelassen hast, Durch jene Großmuth und Geduld, welche Du bey deinem Leiden und Sterben bewiesen hast, Durch deine heiligsten fünf Wunden. Wir armen Sünder, wir bitten Dich, erhöre uns! Daß Du in uns den Glauben, die Ehrfürcht und Andacht gegen diefes heiligste Sacrament vermehrest und erhalteft, wir ic. Daß Du uns durch ein aufrichtiges Sündenbekenntniß zum würdigen Genusfe dieses heiligsten Sacramentes führest, Daß Du durch dieses heiligste Sacrament in uns wahre Gottes- und Menschenliebe entzündest und beförderst, onist Daß wir dadurch in der Schwachheit gestärkt, und in Betrübnissen getröstet werden, Daß wir dadurch mit Abschen gegen die Sünde, und mit reiner Liebe der Tugend erfüllet werden, wir bitten Dich, erhöre uns! Daß wir es allezeit mit reinem Gewissen und wahrer Andacht des Herzens empfangen, Daß Du, o Jesus! Dich mit uns dadurch vereinigest, und uns eines Herzens und Sinnes mit Dir machest, C Daß Du unsern Dank für alle Wohlthaten annehmest, Daß Du uns unsere Bitten gewährest, Daß wir vor unserm Tode dieses heiligste Sacrament würdig empfan an gen, Daß wir dadurch der seligen Unsterblichkeit theilhaftig werden; Daß Du die Seelen des Fegfeuers crlöseft, wir bitten Dich, erhöre uns! Jesus! Du Sohn Gottes, und Heiland der Menschen, au und Communion- Andachten. D Du Lamm Gottes, das binwegnimmt die Sünden der Welt, Verschone uns, o Herr! 103 11756 D Du Lamm Gottes 2c. Erhöre uns, o Herr! D Du Lamm Gottes ic. Erbarme Dich unser, o Herr! Christus, höre uns! Christus, erhöre uns! Vater unfer zc. 115 Gebeth. Gott! der Du uns in dem wunderbaren Sacrament das Andenken deines Leidens hinterlas sen hast, laß mich das heilige Geheimniß deines Leibes und Blutes also verehren, daß ich die Frucht deiner Erlösung in mir kräftig erfahre. Herr Jesus Christus! mein Gott und mein Heiland! dem das ganze Heer der Engel mit Zittern dient, welche Lobpreisung und Danksagung soll ich Dir darbringen, da Du mich fündigen Menschen heute felbst beſuchen, trösten und nähren wolltest, da Du in der heiligen Hostie, die ich genossen, selbst ganz mit Fleisch und Blut, mit Gottheit und Menschheit wahrhaftig gegenwärtig bist.- Gepriesen sen deine gnadenreiche Menschwerdung! Gepriesen sey dein heiliges Versöhnungsopfer, das Du am Kreuze blutig entrichtet hast! Gepriesen sey deine unaussprechliche Liebe gegen uns in der Einsehung und Hinterlassung dieses Sacramentes, durch welches unsere Seelen genährt und erquickt werden, und Du Ein wahrer Gott mit unsbis an das Ende der Welt eben so lieblich als wahrhaft bey uns verharrest. - thiths Anush mund t Segne mich, o Herr! der ich nun dein Tempel gewor den bin, entferne Alles von mir, was dein heiliges Auge beleidigen konnte, stelle wieder her, was die Sünde verunstaltet hat, und baue in mir eine neue Wohnung, die Dir angenehm ist, erfülle mein Herz mit einer kindlich treuen Liebe zu Dir, und verleihe mir den Geist des Gehorsams, der Ehrerbietung und Zuversicht, damit ich in all meinen Nöthen und Gefahren zu Dir, wie ein Kind zum Vater, flehe, und aus Liebe zu Dir die Sünde, und alle Lust und Gelegenheit zum Bösen von ganzem Herzen verabscheue und fliehe.- Sey von nun an mein Reichthum, mein Friede, meine Freude; bleibe ganz in mir; ich will mich von deiner Gnade niemals mehr trennen, son8 III. Abschnitt. Buß dern Dir allezeit anhangen, der Du der Weg, die Wahr: heit und das Leben bist, in welchem allein unser Heil ist und unsere Auferstehung. 116 Dir singen Cherubim und Seraphim, ja alle Heili gen, Lob und Ehre ewiglich! Amen. Von Abbüßung seiner Sünden und dem Ablaß. Der wahre Büßer kann zwar von Gott Verzeihung seiner Sünden sicher und getroft hoffen; aber das kann er nicht vers langen, daß Gott durch ein Wunder seiner Allmacht alle natur lichen Folgen seiner Sünden und Thorheiten aufhebe. Die Sündenvergebung würde uns nur noch sorgloser und leichtsin niger machen. Unter einer weisen Regierung können Unordnung, Leichtsinn und Frevel nicht unbestraft bleiben. Wer ges fündiget hat, muß auch büßen. Gott ist eben so gerecht, als barmherzig, ein eben so weiser als gütiger Vater. Das unges horsame Kind muß es also empfinden, wie elend es sich selbst machet, wenn es der väterlichen Warnung Gottes nicht folget, und dessen gute heilsame Gebote übertritt; es muß durch leis Gott dige Erfahrung Flüger gemacht und gebessert werden. will uns nämlich durch zeitliche Uebel vor ewigem Unglück bes wahren, durch bittere Arzneyen schärfere Mittel uns vom Vers derben retten, wenn die gelinden nicht fruchten. Und so ist also Gottes Gerechtigkeit selbst nur weise Güte; wenn Er züchtiget, fo thut Er's als Vater zur Befferung, und aus Liebe; nicht aber aus Zorn und Rache, wie ein beleidigter Mensch, der sich Genugthuung verschaffen will. Folglich, was man Gottes 3orn nennt, ist nichts anders, als sein ge rechtes Mißfallen an allem Bösen, das Er als Regent der Welt, als das vollkommenste und heiligste Wesen nicht unbe straft laffen kann. Wenn dich also Leiden treffen, die du dir entweder selbst zugezogen, oder sonst durch deine Sünden verschuldet haft; fo trage sie mit Geduld, nimmn sie mit Demuth und Ergebung, ohne Murren aus Gottes Vaterhand an; erschwere ſie dir durch Ungeduld und Zaghaftigkeit nicht noch mehr; Gottes Beystand wird sie dir erleichtern und tragen helfen; und du büßest deine Sünden ab, wenn du dadurch gebessert, vorsichti ger, frömmer und fleißiger wirft. Dann ist Gottes Absicht erfüllt; Er ist, wie man sagt, wieder ausgeföhnt, und sieht mit Zufriedenheit und Wohlgefallen auf dich herab. Auch und Communion Andachten. kannst du durch ein jedes gute Werk, durch jede Buß-, Liebes. und Andachtsübung etwas von deinen Sünden abbüßen, so oft du nämlich dadurch einen Theil des Uebels, daß du ges than hast, wieder gut zu machen suchest, deiner bösen Neis gung Abbruch thust, und dich immer mehr besserst. Wenn du thust, was du kannst, so hast du Gott genug gethan. Er wird dir gnädig nachlassen, was du aus menschlicher Schwachheit nicht mehr zu vergüten vermagst. Zu diesem Ziel und Ende sind von der katholischen Kirche auch die heiligen Ablässe verlichen; sie heben keineswegs die Nothwendigkeit auf, christliche Buße zu thun; denn sie were den nur den wahrhaft Reumüthigen, und nach Besser rung ernstlich strebenden Sündern verliehen. Wenn daher die heilige katholische Kirche, auf den Tag, an welchem du die heiligen Sacramente der Beicht und der Communion empfängst, einen Ablaß ertheilet; so befleißige dich durch ei nen wahren Bußeifer, dieser Wohlthat auch theilhaftig zu werden. Der Ablaß ersehet das, was wir aus eigenen Kräften nicht vollkommen zur Genugthuung für unsere Sün den thun können; er tilget die Strafen, die wir, auch nach erlangter Verzeihung der Missethaten, noch würden zu leiden haben, und unterstützt unsere Schwachheit, daß wir würdige Früchte der Buße bringen können. xxx 117 Verrichte daher mit Andacht und mit Eifer die Gebethe, die von der katholischen Kirche vorgeschrieben find; nur glaube nicht, mein Chrift! daß du an gewißen Tagen, auf welche ein Ablaß verkündiget ift, deine Sünden gleich auf einmal auslöschen, und schon dadurch genug thun kannst, wenn du nur beichtest, communicireft, und gewiße Gebethe verrichtest. Dies sind nur nöthige Vorbereitungsmittel dazu; die Haupts fache besteht im ernstlichen Bestreben nach Beffes rung, und je größer dein Eifer hierin, je vollkommener deis ne Besserung, desto vollkommener ist der Ablaß, den du gewinnest. sited th Auch werden darum an so vielen Tagen des Jahres Ab. läffe verkündiget, damit man sich einige davon wählen möge, wo man der Andacht am besten abwarten kann. Der zu gros Be Zulauf hindert oftmals die wahre Frucht davon. Laß dir nur die Besserung recht angelegen seyn; thue, so viel du kannst; was noch abgehet, wird dir durch Gottes Barmherzigkeit aus den unendlichen Berdiensten Jesus Chris stus kraft des heiligen Ablasses verlichen werden. III. Abschnitt. Buß: Abiaßgebethe. Jesus! der Du in diese Welt gekommen bist, damit wir das Leben haben, und es im Ueberflusse haben möchten! ich glaube, daß Du in dieser Absicht deiner heiligen Kirche die Schlüssel des Himmelreiches mit der Verheißung anvertrauet hast, daß alles, was sie auf Erden binden oder Ibsen würde, auch im Himmel sollte gebunden oder geldset werden. Ich glaube ferner, daß Du, o Jesus! deiner heiligen Kirche die Gewalt gegeben hast, Ablaß zu ertheilen, und daß der Gebrauch des Ablasses heilsam ist. Higit n 118 SEL Diese liebevolle Mutter öffnet heute die ihr anver: trauten Gnadenfchåße. Sie bietet aus denselben einen vollkommenen Ablaß Allen denjenigen an, die nach ab gelegter Beicht und empfangener heiliger Communion, bußfertig und im Herzen zerknirscht, zugleich als dank bare Kinder für sie und ihre Erhöhung auf Erden, für Ausreutung der Irrlehren, für Erhaltung des Friedens und der Eintracht unter den christlichen Monarchen, und für ihr sichtbares Oberhaupt, den Pabst, in Demuth zu Dir bethen werden. Ich habe einen Theil dieser Bedingnisse erfüllet, o o Jes fus! Ich habe meine Sünden und Ungerechtigkeiten dem Priester, deinem Stellvertreter, wider mich selbst bekannt. Ich habe mich an deinem Tische eingefunden, und an dem Geheimnisse deines allerheiligsten Fleisches und Blutes Theil genommen. Möge ich es auf eine würdige Weise gethan haben! Möge ich zur Zahl jener bußfertigen und versöhnten Sünder gehören, auf die Du mit Wohlgefallen her. absiehest, und sie mit der Fülle deiner Gnaden belohnest! Ich hoffe es, o mein Erldser! und mit diesem Vertrau en erscheine ich vor Dir, die letzte Bedingniß zu erfül len, welche die Kirche uns vorgeschrieben hat, und Dir sowohl ihre, als der gesammten Christenheit große Anliegenheiten vorzutragen. 1. O Gott! Du höchster Hirt und Vater der Gläu bigen! Der Du durch deinen heiligen Geist den ganzen Leib der Kirche leitest und heiligest, der Du durch Jesus Christus die Herrlichkeit deines Namens allen Völkern 119 und Communion, Andachten. kund gemacht hast: Erhalte das Werk deiner Erbarmung, damit deine heilige Kirche wachse in allem Guten, und sich ausbreite über die ganze Erde, und in dem Bekenntnisse deines heiligen Namens standhaft ausharre. Daß Du deine heilige Kirche behüten und erhalten wolleft! Wir bitten Dich, erhöre uns. 2 Vater unser, 2 Ave Maria. 2. O Gott: Der Du den Frieden giebst, und die Ei nigkeit liebest, verleihe allen christlichen Fürsten, deinen Dienern, vollkommene Eintracht, entferne alle Kriege und Zwistigkeiten, damit deine Gläubigen in vollkomme ner Freiheit des Glaubens Dir dienen mögen. Daß Du den christlichen Königen und Fürsten Frieden und wahre Eintracht verleihen wolleft! Wir bitten Dich, erhös re uns. 2 Vater unser, 2 Ave Maria. 3. Allmächtiger, ewiger Gott! Der Du Alle selig machest, und nicht willst, daß Einer verloren gehe, sieh gnådig herab auf die Seelen, welche die Arglist des bd. sen Feindes betrogen hat! Verleihe deinen Christen, daß sie alle Spaltungen aufheben, alle Irrthümer ablegen, und zur Einheit deiner Wahrheit zurückkehren, durch Christus unsern Herrn. Amen.is Daß Du die Feinde deiner heil. Kirche demüthigen und be kehren wolleft! Wir bitten Dich, erhöre uns. 2 Bater unser, 2 Ave Maria. heal Höchster und ewiger Hirt, Jesus Christus! ich empfehle Dir unsern heil. Bater, den Pabst N. N., deinen Stellvertreter auf Erden. Erhöre seine Gebethe, und erfülle seine Wünsche, die deine Ehre und das Beste der Kirche bezwecken. Leite, erleuchte, stärke, vertheidige, unters stüße ihn, damit er der heil. Kirche jederzeit würdig vorstehe. Daß Du den apostolischen obersten Hirten, und alle Stände der Kirche in deiner heiligen Religion erhalten wollest! Wir bitten Dich erhöre uns. Vater unser, Ave Maria. Ich glaube an Gott den Vater zc. Gott der Erbarmungen! Du hast deiner heiligen Kirche die Gewalt verlichen, zu binden und zu lösen. Dankbar benuße ich die Gnaden, die sie mir anbietet. Laß benuße ich die mich nicht vergessen, daß nur wahrhaft reuigen Sündern, welche ihr Herz durch die Buße gereiniget haben, die Kraft des Ablasses, und die Nachlassung der zeitlichen Strafen, die wir hier, oder jenseits abzutragen haben, 120 III. Abschnitt. Buß und Communion Andachten. zu Theil werden! Ersetze, was uns von den strengen Buß übungen der ersten Christen abgeht, durch deine Liebe, und durch die unendlichen Verdienste Jesus Christus, in welchen alle Christen Gnade und Erlösung haben, und durch welchen wir von deiner Erbarmung die Se ligkeit des Himmels erwarten. Amen. Abendgebeth am Communiontage. Alle Lobpreisungen, die ich Dir, o Jesus, mein Herr und Gott! am heiligen Tische heute dargebracht habe, möchte ich in dieser Abendstunde mit gerührtem Herzen erneuern. Aber bloße Worte sind noch nicht der wahre Dank. Deinen Willen erfüllen, Dir gehorchen, alle Wider: spånstigkeit der Eigenliebe vernichten, das heißt in Wahr: heit Dir danken. Und diese Uebung gelobe ich Dir auf's Neue. Laß mich verbleiben in deiner Liebe! Immer schwe be mir dein heiliger Gehorsam vor Augen! Der tiefe Eindruck, den dein geheimnißvoller Opfertod auf mich gemacht, sey unvertilgbar in meinem Gemüthe! Behaupte deine Wohnung in meiner Seele, in welcher die Sünde kei nen Raum mehr finden soll! Offenbare dein heiliges Le ben in meinen Gesinnungen und Handlungen! Laß mich die Freude genießen, sagen zu dürfen: ,, Ich lebe nicht mehr, Jesus lebt in mir!" Lehre mich wirken und leiden nach deinem Vorbilde; Du hast Dich ja heu. te auf's Innigste mit mir vereiniget. Diese Vereinigung ist mir das Unterpfand ewiger Seligkeit. Wohl mir! ich soll einst ewig bey Dir im Himmel seyn, wo Licht und Finsterniß nicht mehr abwechseln, wo Du selbst die Son ne ewig bist, die nicht mehr untergeht. Aber auch dann noch wird nichts so sehr an Dir bewundert und ange bethet werden, als dein Tod für das Heil der Menschen deine Liebe bis zum Kreuzestode. Ich überlasse mich nun zwar der Ruhe der Nacht, aber mein Herz wachet, wie am Tage, und erfreuet sich in Dir, meinem Heilande. Amen. - usund 1000 al6 STOC, 7d schlag Conoidle and f oid i sidstou simmed Vierter Abschnitt. O - $ 150 Andachten auf die Sonn- und Festtage des katholischen Kirchenjahres. dan arble bast 121 isadepand gets depres I. Advent. Unterricht über das heilige Advent. simple Nachdem die ersten Menschen gesündiget, und sich durch die Sünde unglücklich und elend gemacht hatten, erbarmte sich der liebe Gott über sie, und versprach ihnen einen Erlöfer der, sie von der Sünde, und allen ihren bösen Folgen wieder frey machen würde. Alle Bessern und Frömmern sehnten sich mit unbeschreiblicher Begierde nach Ihm. Er kam, und alle, die auf Ihn gehofft, und Freude an Gott hatten, freueten sich unaussprechlich seiner Ankunft. th Zum Andenken an diese Ankunft des Erlösers auf Erde, und an die sehnliche Erwartung dieses Gesandten vom Himmel hat die heilige katholische Kirche die vier Wochen vor Weihnachten, als ein Bild der viertausend Jahre vor Christi Geburt, bes stimmt. Obwohl dieser Erlöser schon im Fleische erschienen ist, so ist doch die Absicht seiner Ankunft noch nicht an uns Allen erreicht. Er will zu allen Zeiten in aller Menschen Hers zen kommen. Es follen sich daber alle Menschen nach Ihm sehnen; es follen alle ein unaussprechliches Verlangen haben, Jhn recht kennen und lieben zu lernen; es follen alle mit Jbm Eins, Jhm ähnlich, und durch Ihn gut und selig zu werden trachten; alle sollen sich durch Uebungen der Andacht, und durch Werke der Gottseligkeit und chriftlichen Nächstenliebe Schätze fammeln für die Ewigkeit, und täglich sterben lernen, damit fie freudig der zweyten Ankunft Jesus Christus, als des Riche ters der Welt, entgegen sehen, und aus seinem Munde den Ausspruch hören: Kommet ihr Gebenedente meines Vaters, und nehmet das Reich in Besiß, das für euch vom Anfange der Welt her bestimmt ist." Matth 25, 34. 11 3ur heiligen Messe. Allmächtiger, ewiger Gott und Vater! wir feyern jest wieder die Vorbereitungs- Tage der Ankunft deines lieben Sohnes, unsers Herrn und Heilandes Jesus Christus, zu uns armen, sündigen und verlornen Menschen, um uns von der Sünde und dem ewigen Verderben zu erlösen, um uns zu suchen und selig zu machen. So sehr hast Du uns 122 IV. Abschnitt. also geliebt, o barmherziger Vater! daß Du deinen ein gebornen Sohn hingabst, damit ein Jeder, der an Ihn glaubt, nicht zu Grunde gehe, sondern zum ewigen Leben gelange. Was können wir Dir für diese unaussprechli che Liebe erwiedern, welches Opfer Dir dafür bringen? Ein Opfer haben wir, welches Dir über Alles ange nehm, und ein vollgültiges Versöhnopfer für alle un sere Sünden ist. Jenes nämlich, welches dein Eingebor: ner, unser ewig barmherziger Hoherpriester Jesus Chri stus, zur Genugthuung für unsere Sünden am Kreuze blutig dargebracht hat, und welches nach seinem heiligen Befehl hier auf dem Altare in der heiligen Messe unbluti ger Weise von dem Priester erneuert wird. Verleihe mir deine Gnade, daß ich diesem allerheiligsten Opfer mit lebendigem Glauben, und mit innigster Andacht beywohne; daß ich die Sünde von ganzem Herzen verabscheue, auf's Neue mich in heiliger Liebe mit Christus vereinige, in Verei nigung mit Ihm mich Dir, o himmlischer Vater! auf opfere, und so als ein wohlgefälliges Opfer von Dir aufgenommen werden möge. Herr, erbarme Dich meiner, Christus, erbarme Dich meiner! Herr erbarme Dich meiner, und sey mir armen Sünder gnädig! Amen. Kirchengebeth auf den ersten Adventsonntag. Wir bitten Dich, o Herr! komm uns mit deiner Macht zu Hülfe, damit wir von den uns bevorstehenden Gefahren der Sünde durch deinen Schuß befreyet, und durch deinen Bey stand selig werden mögen, der Du lebst und regierst mit Gott dem Vater, in Einigkeit des heiligen Geistes, Gott von Ewigs keit zu Ewigkeit! Amen. Advent Ermahnung der katholischen Kirche. ,, Brüder! wir wissen, daß die Stunde da ist, vom Schlafe aufzuste hen, denn die Zeit unserer Errettung ist schon näher gerückt, als sie war, da wir gläubig wurden. Die Nacht ist vorüber, der Tag ist angebrochen. Hinweg also mit den Werken der Finsterniſſe! Lasset uns die Waffen des Lichtes anziehen! Lasset uns ebrbar, wie am Tage wandeln. Nicht in Völlerey; nicht in Unzucht und Geilbeit; nicht in Zank und Neid. Sondern ziehet den Herrn Jesus Christus an." Röm. 13, 11- 14. strin onde Der Tag des Evangeliums ist auch für mich angebrochen. Schon in der heiligen Taufe bin ich zu seinem wunderbaren Lichte berufen, und von meiner Kindheit an in demselben uns Advents Andachten. 123 terwiesen worden. Ich bin ein Kind des Lichtes; denn Jesus Coristus, an den ich glaube, in deffen heiliger Kirche ich lebe, ist das wahre Licht der Welt. Wandle ich aber auch im Lichte der Wahrheit und der Ges Jedunt mi pompinime hen Jesus Christus hat sich für unsere Sünden willig zum Opfer dargegeben, und ist aus Liebe zu uns am Kreuze gestorben, damit wir ewig Leben möchten. In Vereinigung IV. Abschnitt. alfo geliebt, o barmherziger Vater! daß Du deinen ei gebornen Sohn hingabst, damit ein Jeder, der an Ih glaubt, nicht zu Grunde gehe, sondern zum ewigen Lebe gelange. Was können wir Dir für diese unaussprechl 122 - Gebet um Wiedervereinigung im Glauben. Gegrüßet seist du Maria.... Vater unser V. Bittet für uns alle Heilige Gottes, R. Auf daß wir würdig werden der Verheißungen Chrifti. Lasset uns beten! Herr, himmlischer Vater, der du fein Wohigefallen haft an Spaltung und Trennung und willst, daß wir Alle in der Einheit des Glaubens und der Liebe wanden, gedenke der Christen des Morgenlandes, die von dem apostolischen Felsen losgerissen sind, worauf deine Kirche gebaut ist, und erleuchte sie mit deiner Gnade, auf daß sie der Spaltung entsagen, und zu dem Hirten zurücktehren, der als Nachfolger Petri die ganze Heerde leiten soll. Gewähre auch, o erbarmungsvoller Gott, allen Jenen die durch die Glaubensspaltung, welche das Abendland zerreißt, der heiligen katholischen Kirche entfremdet sind, die baldige Wiedererkennung ihrer Mutter. Erbarme dich ins besondere über unser Vaterland und führe alle seine Bewohner wieder zur Einheit des Glaubens zurück. Gib, daß Alle, die nach dem Namen deines göttlichen Sohnes sich nennen, Eins seien in der Erkenntniß der göttlichen Wahrheit, die du uns geoffenbaret haft und durch deine Kirche zu glauben vorstellst. Laß sie vollkommen Eins werden, wie du Eins bist mit dem Sohne und dem heiligen Geiste. Dies erflehen wir von dir, o himmlischer Vater! durch die Verdienste deines eingeborenen Sohnes Jesu Christi, der mit dir und dem heiligen Geiste als wahrer Gott lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen! en nge un por bri uz ger ati nic ena Dab ente tel: ufe Dir ich en cht der Cy ott 5.gs fufte als 1 r Tag rniſſe! ebrbar, cht und A Herra 下午, Der Tag des Evangeliums ist auch für mich angebrochen. Schon in der heiligen Taufe bin ich zu seinem wunderbaren Lichte berufen, und von meiner Kindheit an in demselben un Advents Andachten. 123 terwiesen worden. Ich bin ein Kind des Lichtes; denn Jesus Coristus, an den ich glaube, in deffen heiliger Kirche ich lebe, en ist das wahre Licht der Welt. i Wandle ich aber auch im Lichte der Wahrheit und der Ges rechtigkeit, und dürfen alle meine Werke offenbar werden vor dem heiligen Auge meines göttlichen Richters? Ach! nein in mir ist noch immer so viel Nacht und Finfierniß, so viel Weltliebe und Eitelkeit! noch immer herrscht die Sünde so fehr in mir, und die Werke der Finsternig schånden mein Les ben. Aber o gerechter Gott! was wird, was muß endlich mein Schicksal seyn, wenn ich in Sünden leichtsinnig und frevelnd verharre, bis die Stunde der Ewigkeit schlägt, und die Posaune des Gerichtes mich aufweckt zum Lage der ewis gen Vergeltung? Welch namenloser Jammer, welch unbe schreibliches Elend muß das seyn, von Dir verworfen, ewig von deiner Himmelsfeligkeit ausgeschlossen zu werden? niste Kann ich diesen Gedanken ernstlich zu Gemüthe nehmen, ohne Angst und Schrecken, kann ich an das Gericht denken ohne Furcht und Zittern? O des verdammlichen Leichtsinnes, in welchem ich schon einen so großen Theil meines Lebens im Schlafe der Sünde zugebracht habe. Laß, o Du mein zufünftiger Richter, Jesus Christus! lag mich doch erkennen, was zu meinem Heile dient; laß mich recht oft daran denken, daß ich sterben muß, und stärke mich, daß ich meine noch übrige Lebenszeit deinem Dienste widme, und ehrbar und fromm wandle, so lange es noch Tag für mich ist, damit mich nicht übereile die Nacht des Todes in meiner Unbußfertigkeit. - es ist schrecklich, in einem solchen Zustande in die Hans de des gerechten Richters zu fallen, der nicht nur den Leib todten, sondern auch die Seele in die Hölle stürzen kann! Darum erhebe ich Herz und Hände zu Dir, Allgütiger! und bethe mit Inbrunst: itim antal O Gott! der Du uns alle Jahre mit der feyerlichen Erwartung unserer Erlösung erfreuest, verleihe mir die Gnade, daß ich deinen Eingebornen, den ich als meinen Heiland freudig( in mein Herz) aufnehme, einst als Weltrichter mit froher Zuversicht kommen sehe, Ihn unsern Herrn Jesus Christus, der mit Dir lebt und regiert in Einigkeit des heiligen Geistes Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. 3um Credo: Ich glaube an Gott Vater sc. M 490 Zur Aufopferung. Jesus Christus hat sich für unsere Sünden willig zum Opfer dargegeben, und ist aus Liebe zu uns am Kreuze gestorben, damit wir ewig Leben möchten. In Vereinigung 124 IV. Abschnitt. dieses kostbaren Opfers, nimm, o himmlischer Vater! auch das Opfer meines Herzens an, das ich Dir auf's New fammt allen meinen Kräften mit meinem ganzen Leben weihe. Aber mein Herz kann Dir nur dann wohlgefällig seyn, wenn es mit reiner und kindlich frommer Liebe Dir entgegenschlågt; und nur dann kann ich Dich durch mein Leben verherrlichen, wenn ich es zu deiner Ehre und zum Wohl der Menschen anwende, meine Pflichten treu erfülle, das Böse standhaft meide, und alle Widerwärtigkeiten des Lebens mit Ergebung in deinen Baterwillen ertrage. Allgütiger Gott! Du siehst in mein Innerstes, Du kennst meinen redlichen Willen; Du kennst aber auch meine Schwäche, meine Schuld. Im Geiste der Demuth, und mit zerknirschtem reumüthigen Herzen weihe ich mich zum Opfer. Ein zerknirschter Geist ist ja das Opfer, das Dir gefällig ist, und ein gedemüthigtes Herz voll Sún denreue wirst Du nicht verachten.- Erbarme Dich mei ner! erschaffe in mir ein reines Herz, und erneuere den Geist der Rechtschaffenheit in meinem Innersten. Verwirf mich nicht vor deinem Angesichte, und entzieh mir nicht deinen heiligen Geist; sondern um des reinen heiligen Opfers Jesus willen, reinige, heilige auch Du mich, da mit ich ein wohlgefälliges Opfer vor Dir werde. Amen. Cont Vor dem Sanctus. Herr, Allmächtiger! sey mit mir und mit meinem Geiste. Und du mein Herz erhebe dich hinauf zum Herrn, und preise dankbar seine Erbarmungen. Ja wahrhaftig! es ist bil lig und recht, pflichtmäßig und heilsam, daß ich Dich alle zeit dankbar preise, Dich, heiliger Herr! allmächtiger Ba ter! ewiger Gott! daß ich Dich auch preise, lobe, und verherrliche in Erinnerung an die Botschaft, die der Engel gebracht hat, der seligen, stets unbefleckten Jungfrau Maria, die durch Ueberschattung des heiligen Geistes dei nen Eingebornen empfangen, und, ohne die jungfräuliche Würde zu verlieren, das ewige Licht zur Welt geboren bat, Jesus Christus, unsern Herrn! durch den alle Engel deine Majestät preisen, alle Herrschaften anbetben, alle Gewals tige beben, und alle Himmel und alle Kräfte der Himmel, mit den seligen Seraphinen, im gemeinsamen Jubelchor zu - Advents Andachten. deinem Lobe sich vereinigen. O, daß auch meine Stimme mit den ihrigen erschallen dürfte, da ich in Demuth ausrufe: Ton ,, Heilig, heilig, heilig ist der Herr! Gott, Sabaoth! Himmel und Erde sind seiner Herrlichkeit voll! Heil Dir in der Höhe! Hochgelobt sey, der da kommt, im Namen des Herrn. Heil Dir in der Höhe. sang ad Jesus Christus, eine biblische Betrachtung. 1. Jesus Christus! in Dir allein ist Heil, und es ist den Menschen kein anderer Name gegeben, in dem sie selig werden können, als dein hochheiliger Name. Jesus, Du Sohn Davids, erbarme Dich meiner! - 125 2. Jesus Christus! deine Menschwerdung ist mir ein Eöstliches Unterpfand der Liebe des himmlischen Vaters. Daran hat sich die Liebe Gottes gegen uns geoffenbaret, daß Gott seinen eingebornen Sohn in die Welt gesandt hat, daß wir durch Ihn leben sollen. Darum, o meine Seele, liebe Gott! weil Er dich zuerst geliebt hat. 3. Jesus Christus! Dein Kommen in die Welt ist mein Leben und meine Seligkeit. Das ist ja gewiß wahr, und ein theures werthes Wort, daß Du in die Welt gekommen bist, die Sünder selig zu machen.- D Herr! Du weißt Alles, Du weißt auch, daß ich Dich liebe. - 4. Jesus Christus! Deine Armuth ist mein Segen, mein Reichthum; denn dazu hat Dich der Vater zut uns gesendet, daß Du uns segnetest. Reich warst Du, und wurdest um unsertwillen arm, damit wir durch deine Armuth reich würden. D Herr! ich bin viel zu gering, viel zu unwerth aller Gnaden, die Du mir erzeigest. 5. Jesus Christus! Deine Erniedrigung war meine Erhöhung. Du kamst in dein Eigenthum; aber die Deinigen nahmen Dich nicht auf. Denen aber, die Dich aufnahmen, und an deinen Namen glaubten, gabst Du Macht, Kinder Gottes zu werden. Dir sey Dank, Ehre, Ruhm und Macht, in Ewigkeit. Amen. Zur heiligen Wandlung. 6. Jesus Christus, Sohn des lebendigen Gottes! Du bist jest unter den Gestalten des Brodes und Weines im allerheiligsten Sacramente wahrhaft und wirklich zugegen. Ich bethe deine ewige Gottheit in tiefster - IV. Abschnitt. Demuth an! In Dir wohnt die ganze Fülle der Gott heit leibhaftig. Du bist der Abglanz der Herrlichkeit Got tes, und das Ebenbild des unsichtbaren Gottes. Wer Dich sieht, der sieht den Vater; denn Du bist im Vater, und der Vater ist in Dir. Du bist der wahrhaftige Gott und das ewige Leben. O Jesus! verzeihe mir alle meine Sün den. Amen. 126 7. Jesus Christus! Sohn der allerfeligsten Jungfrau Maria! ich verehre im geheimnißvol len Altars- Sacrament mit deiner allerheiligsten Gott heit auch zugleich deine vollkommene Menschheit. Du ewiges Wort des Vaters bist Fleisch geworden, und hast unter uns gewohnet! Ob Du gleich göttlicher Natur warst, so erniedrigtest Du Dich selbst, nahmst Knechtes stelle an, und wurdest den Menschen jedoch ohne Sünde ganz gleich, und dem Aeußerlichen nach wie ein Mensch befunden. Jesus, Dir leb' ich! D Jesus, Dir sterb' ich! O Jesu, Dein bin ich im Leben und im Tode! Amen. - 1 Inst Nach der Wandlung. 8. Jesus Christus, innigst geliebter Sohn des ewigen Vaters! Du bist der Lehrer, den ich hören soll. Deine Lehre ist aus Gott. Wer von Dir abweicht, und nicht in deiner Lehre bleibt, der ist von Gott gewichen. Wer aber deine Worte höret, und Dem glaubet, der Dich gesandt hat, der hat das ewige Leben, und kommt nicht in das Gericht, sondern er ist vom Tod ins Leben hindurch gedrungen! Wer Dich hat, der hat das Leben! wer Dich nicht hat, der hat auch das Leben nicht.- Herr wohin soll ich gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens. 1 9. Jesus Christus! Du bist die Offenbarung des Baters, und der Weg zum Bater. Niemand hat Gott je gesehen. Du, der eingeborne Sohn, der vom Be ter gekommen ist, Du hast Jhn uns verkündet und geof fenbaret. Du bist der Weg, die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater, als durch Dich. Durch Dich aber haben wir Alle ein freudiges Vertrauen, und freyen zuversichtlichen Zutritt zum Bater, wenn wir an Ihn glauben. Herr, ich glaube! komm meinem Unglauben zu Hülfe, und zieh mich Dir nach! - - Advents Andachten. 127 10. Jesus Christus! Du bist das Licht der Welt; wer Dir nachfolgt, der wird nicht in der Finster: niß wandeln, sondern das Licht des Lebens haben.- Du bist der Weinstock, ich bin die Rebe. Wenn ich in Dir bleibe, und Du in mir, so bring' ich viele Früchte. Wenn ich aber nicht in Dir bleibe, so werde ich verdorren, wie ein Rebzweig der von seinem Stamme los ist, und hinausgeworfen worden, um im Feuer zu verbrennen. Du Lamm Gottes! welches hinwegnimmt die Sünden der Welt, erbarme Dich meiner und schenke mit deinen Frieden! 1 Vor der heiligen Communion.uns 11. Jesus Christus! Du bist das lebendige Brod des Lebens, das vom Himmel gekommen ist. Wer von diesem Brode ißt, der wird leben in Ewigkeit. Das Brod, das Du uns giebst, ist dein Fleisch, das Du hingeopfert hast, für das Leben der Welt. Dein Fleisch st wahrhaftig eine Speise, und Dein Blut wahrhaftig ein Getränk. Wer dein Fleisch ist, und dein Blut trinkt, der bleibt in Dir, und Du in ihm. Jest stehst Du vor der Thür meines Herzens, und klopfest an. Wer deine Stimme hört, und Dir aufthut, zu dem gehest Du hinein, und haltest der Liebe Mahl mit ihm, und er mit Dir. Darf ich es wagen, Dir mein Herz zu öffnen? Ach ich bin ein fündiger Mensch, und meine Seele hat kein hochjeitliches Gewand an.- of Herr! ich bin nicht würdig, daß Du eingehest un ter mein Dach; sondern sprich nur Ein Wort, so wird meine Seele gesund. -- Bey der heiligen Communion. 12. Jesus Christus! Du suchest und machest felig, was verloren war; denn Du bist mitleidig und voll Erbarmen. Auch um meiner Missethaten willen wurdest Du verwundet, und um meiner Sünden willen geschlagen. Die Strafe lag auf Dir, damit ich den Frieden erlangte. Du trugst auch meine Sünden an deinem Leibe auf dem Kreuzholze, damit ich der Sünde sterben, und der Gerechtigkeit leben möchte.. Du bist Gott; und der Mittler zwis schen Gott und den Menschen.- Du bist die Versöhnung für meine Sünden; nicht nur für meine, sondern für der ganzen Welt Sünden. Du hast mich geliebt, und mich IV. Abschnitt. E A gewaschen von meinen Sünden mit deinem Blute!- Du bist der Herr, und es ist außer Dir kein Heiland! Was kann ich Dir erwiedern, o Herr! für Alles, was Du mir Gutes erwiesen hast? den Kelch deines Heils deines versöhnenden Blutes will ich nehmen, mit Gott mich versöhnen lassen, und deinen Namen preisen. Ved subid nach der heiligen Communion doll m 13. Jesus Christus! Du bist die Auferste hung und das Leben. Wer an Dich glaubt, wird leben in Ewigkeit, und wenn er gleich stirbt. Wie DuUeberwinder des Todes und der Hölle durch die herr liche Macht deines Vaters von den Todten auferstanden bist, so soll auch ich von dem Tode der Sünde auferstehen, und in einem neuen Leben wandeln. Bin ich mit Chri stus auferstanden, so muß ich auch suchen, was Oben ist, wo Christus sizet zur Rechten Gottes. Troen 14. Jesus Christus! Du bist in den Himmel eingegangen, um für uns vor dem Angesichte Gottes zu erscheinen; dort sizest Du in der Herrlichkeit zur Rech tem Gottes, und vertrittst uns. Dort bereitest Du allen den Deinigen Wohnstätten; und holest sie einst zu Dir heim, damit sie auch sind, wo Du bist. - aid 15. O mein Heiland! bleibe ben mir alle Tage, bis an das Ende meines Lebens, daß ich nicht fündige; habe ich aber gesündiget, so sey mein Fürsprecher bey dem Bater, dessen Kind ich durch deine Verdienste geworden bin. Bin ich aber Gottes Kind, so bin ich auch Gottes Erbe, und dein Miterbe ewiglich. Durch die Gnade des heiligen Geistes, denn Gott durch Dich reichlich über uns ausgegossen hat, werde ich gerecht, und ein Erbe des ewigen Lebens werden. Amen. 128 - L - od 3um heiligen Segen des Priesters. 16. Die Gnade unsers Herrn Jesus Christus, und die Biebe Gottes, und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sen mit mir, und mit uns Allen! Amen. bo zum Schluß des heil. Meßopfers. 17. Jesus Christus! Du wirst einst wieder kommen in deiner Herrlichkeit, und alle heilige Engel mit Dir. Dann wirst Du sigen auf dem Throne deiner Majestät, und alle Völker werden vor Dir versammelt wets Advents Andachten. den.- Wiederkommen wirst Du, und mit der Strenge deiner Gerechtigkeit richten Alle, die Gott nicht kennen, und seinem Evangelium nicht gehorsam waren. Auch ich muß dann offenbar werden vor deinem Richterstuble, o Jesus! und nachdem ich hier Gutes oder Böses gethan habe, wird mir dort vergolten werden. Verleihe mir, um des allerheiligsten Opfers willen, dem ich jetzt beygewohnt habe, und wegen der Verdienste deines bittern Leidens und Sterbens, die Gnade, daß mein Leben verborgen mit Gott in Dir, und mein Wandel im Himmel sey, von woher ich Dich, o Jesus erwarte. Dann wirst Du meinen hinfälligen Körper verklären, und deinem herrlichen Leibe ähnlich machen, und ich werde dann immerdar bey Dir seyn. Amen. 129 18. Das Lamm Gottes, das getödtet worden, ist würdig, Kraft, Weisheit, Stårke, Ehre, Preis und Lob zu empfangen. Dem dreyeinigen Gott, Batert, Sohnt und heiligen+ Geist, sen Preis, Ehre, Ruhm und Macht in alle Ewigkeit! Amen. Die Seelen der Abgestorbenen ruhen durch Gottes Barmherzigkeit im Frieden. Amen. * Diese biblische Betrachtung von unserm göttlichen Herrn und Heilande Jesus Christus, kann bei jedem heiligen Meßopfer oder Hochamte eingeschaltet werden. Bethstunde während der heil. Adventszeit.( Nach Fenelon.) I. In dieser heiligen Zeit, o Gott! will ich mich sammeln, um stillschweigend die Geheimnisse deines Sohnes zu feyern und das Gedächtniß seiner Geburt im Grunde meines Herzens andächtig zu verehren. Komm, o mein Heiland! Du ewige Wahrheit und erleuchte mich; fomm, o ewige Liebe! und ers warme mich; komm, o ewiges Leben, und belebe mich! Ich harre Dein, Heiligster! wie die Propheten und Pas triarchen Dein geharret haben. Von ganzem Herzen rufe ich mit ihnen aus:( Isai. 1, 5.) ,, Zhauet ihn berab, ihr himmel, und ihr Wolken regnet den Gerechten! die Erde öffne sich und bringe den Erlöser!" Die Gerechten der Vorzeit haben den Heiland, den Troft der. Völker gesehen; aber die Seinigen haben Ihn nicht erkannt. ( Joh. 1, 5.) Das Licht hat in den Finsterniffen geschies nen, und die Finsternisfe haben es nicht begriffen. Warum 9 IV. Abschnitt. zögerst Du? O König! von dem die Fürsten der Erde nur ein schwaches Bild sind, dein Reich komme! Wann wird es doch erscheinen dieses Reich der Gerechtigkeit, des Friedens und der Wahrheit? Dein Vater hat Dir alle Völker zum Eigenthum gegeben; Er hat Dir gegeben alle Macht, im Him mel und auf Erden; und doch wirst Du von den Deinen vers kannt, verachtet, beleidiget, verrathen! 130 O mein Herr und Gott! Wie sehr schmerzt es mich, wenn ich sehe, daß die Ungerechtigkeit auf Erden überhand nimmt, und dein Evangelium zum Spotte dient! Ach, wie noch weit tiefer schmerzt es mich, wenn ich sehe, daß ich selbst wider meinen Willen der Eitelkeit fröhne, und den Gelüsten der Welt! Wie lange, Herr, wirst Du dein Erbtheil ohne Hülfe lassen! Komm doch, Herr Jesus! wende das Licht deines An gesichts wieder zu uns. Ich will keinem der Dinge anhangen, die mich hienieden umgeben. Sie werden alle in Kurzem nicht mehr seyn. Du wirst Dich erheben, o Gott! und deine eigene Sache richten, und den Gottlosen mit dem Hauch deis nes Mundes vernichten.- Hereinbrechen wird das Gericht über diese verhärtete Welt, und der Tag deiner Verherrlichung. Die unermeßlichen Festen des Himmels werden zusammenstürs zen, diese mit Sünden bedeckte Erde wird durch das richende Feuer verzehrt und erneuert werden. Die Sterne werden hers abfallen, ihr Licht wird verlöschen; die Elemente werden zus sammenschmelzen; die ganze Natur wird sich auflösen. O Gott meines Heiles! Züchtige mich, um mich zu reinigen und dei ner würdiger zu machen. Ach! diese unverständige Welt is immer nur mit dem gegenwärtigen Augenblick beschäftiget, der geschwind vorübergeht. Wie ist Alles hienieden fo eitel und hinfällig, und man will es doch so genießen, als wenn es ewig dauerte! Himmel und Erde werden vergehen, wie Rauch; dein Wort allein bleibt: ewiglich. Dewige Wahrheit, wie wenig wirst Du gekannt und beherzigt! Die Lüge wird geglaubt, und erfüllet des Menschen ganzes Herz. Alles Uns göttliche ist falsch, Alles trügerisch. Alles, was gesehen, ges hört, gefühlt wird, alles blos Sinnliche und Zeitliche- it Nichts. Soll man denn diese eiteln Trugbilder für Wirklich Feiten, und deine unwandelbare Wahrheit für Traum halten? Ach, Herr! die ganze Erde ist in Todesschlaf versunken; wecke fie auf durch dein allbelebendes Licht. Sende auch mir einen Strahl deiner himinlischen Weisheit, damit ich erkennen und suchen möge, was zu meinem Heile dient. Entflamme. mein Advents Andachten. 131 Herz mit heiliger Liebe und Sehnsucht nach Dir!- Du bist die Liebe, und Dich lieben ist Seligkeit. O mein Seligs macher! o wie sehne ich mich nach deiner Ankunft! Ich erhes be mein Haupt, mein Auge und Herz, um Dir entgegen zu eilen. Ich bin zwar schwach, elend und gebrechlich; ich habe Alles zu fürchten, wenn Du mich nach der Strenge deiner Gerechtigkeit richtest. Allein je schwächer, elender, gebrechli cher ich bin, desto mehr fühle ich, daß ich deiner Gnade und Erbarmung bedürftig bin. ble id/ O Herr! nimm hinweg meine Sünden, nimm Besitz von meinem Herzen; entreiße mich mir selbst, und ich werde dein Eigenthum werden. Was habe ich sonst auf der Erde zu thun? Was kann ich hoffen in diesem Thränenthale, wo das Bose so gewaltig, und das Gute so unvollkommen ist. Nur dein Wille kann mich ferner darin zurückhalten. Du bist mir das höchste, das liedenswürdigste Gut; an Dir hängt von nun an mein ganzes Herz; ich entfage mir selbst, und harre nur liebend auf Deine Zukunft. Ja, mein Gott! ich will mich Dir hingeben, stårke meinen schwachen Willen, der da seufzet nach Dir. Ich habe zwar nicht die Kraft, mich Dir hinzugeben; aber du ziehst mich durch die Bande deiner Liebe. Herr! was follte ich seyn, wenn ich nicht Dein bin? Ich wäre ein Sclave meiner Selbsts fucht, ein Knecht meiner Leidenschaften. Welch eine schåndlis che und bittere Knechtschaft! - O Du wahre Freyheit der Kinder Gottes, man fennet Dich nur nicht! Warum fürchtet man sich, göttlicher Bräutis gam! feine Ketten zu brechen, um ewig nur von Dir abzus hängen und Dir zu dienen? Sind die vergånglichen Eitelkeis ten beffer, als Du selbst und deine ewige Herrlichkeit? Thstichter Wahn! man will aus Egypten nicht ausziehen, da uns frey ſieht, in das gelobte land in die Freyheit der Kinder Gottes einzugehen. - - Gerne und ohne Bedenken weihe ich Dir, o mein Jesus! mein Herz. Welch eine Seligkeit, mit Dir in der Einsamkeit zu seyn; nicht mehr zu hören und zu sehen, was eitel und unnük ist, auf daß man dich höre, und lerne von deiner Weisheit. O Liebe, die Du nichts thust als lieben; soll ich denn fürchten, mich Dir zu nahen? Dein Joch ist süß, und deine Bürde leicht. Ja die Beschwerlichkeiten des Weltdienstes müssen Schrecken erregen, und es ist eine große Blindheit, sie nicht zu fürchten. 9* Bod IV. Abschnitt. O herr! von dem Elende der Sünde befreye mich, und gieb mir alles, was mir fehlt, gieb mir Dich selbst, und al les, was in mir ist, soll ewiglich deine Gnade preisen! Amen. 132 II. Erinnerung an die Wohlthaten, die uns Jesus erwiesen hat. Höchster Wohlthåter der Menschheit! Heiland und Erlöser Aller, die an Dich glauben!- Um mein Herz zur frommen Dankbarkeit und zur heiligen Liebe gegen Dich, da wir die Lage der Erinnerung an deine heilige Ankunft wieder feyern, zu ermuntern, will ich jetzt einige von den Wohlthaten bes trachten, die ich, und die mit mir das ganze Menschenges schlecht durch deine Güte erhalten hat. Uns zu Liebe verließest Du die Herrlichkeit des Himmels, und kamst herab auf die Erde; uns zu Liebe wurdest Du ein Mensch, und nahmest die demüthige Gestalt eines Kindes an, damit wir Kinder Gottes würden. Für unser Heil floß schon dein Blut am achten Tas ge deines Lebens; für uns trugst Du die Mühseligkeiten der Armuth und die Verfolgungen eines ungerechten Fürsten, der Dich als zartes Kind schon zu morden suchte. Für uns gingst Du hinab mit deinen Eltern nach Nazareth und wurdest ihnen unterthan, und arbeitetest mit ihnen, so daß Dich deine Be kannten für nicht mehr, als für den Zimmermanns- Sohn von Nazareth hielten, obwohl in Dir die Fülle der Gottheit wohns te. Für uns tratest Du im dreyßigsten Jahre öffentlich unter die Menschen, und verkündigtest ihnen das Reich Gottes, und den Willen des himmlischen Vaters. 2 Für uns gabst Du die erhabensten Beyspiele der Sanft muth und der Demuth, der Milde, der Gottes und Men schenliebe, des kindlichsten Gehorsams gegen den Willen des Allmächtigen, des frömmsten Eifers für seine Ehre und jeder liebenswürdigen Zugend. Für uns gabst Du Dich dann hin in die Hände grausamer und blutdürftiger Feinde; für uns duldetest Du die unmensch lichsten Mißhandlungen; für uns vergoßest Du aus taufend Wunden dein Blut, und starbest den qualvollsten und schimpfs lichsten Tod am Kreuze, um uns vom ewigen Lode zu erlöfen. Uns zu Liebe stiftetest Du die göttliche Religion mit allen ihren Tröftungen und ehrwürdigen Geheimnissen; Du hast es uns verheißen, Du werdest unser Mittler und Fürsprecher bey Gott dem Vater seyn, der Dir alle Gewalt übergeben hat. Du hast es uns verheißen, Du wollest mit uns seyn, bis an das Ende der Welt. Advents- Andachten. 133 Und Du bist, o liebreichster Menschenfreund!- Du bist unter uns im heiligsten Geheimnisse des Altars, wie ein Ba ter unter seinen Kindern, und tröftest die Trauernden, und bist der großmüthige Freund der Hülfebedürftigen, und der allmächtige Retter aus allen Nöthen und Gefahren. Dein heiligster Leib ist die Speise unserer Seelen, und dein theures Blut ist unsre Labung in diesem Thale der Thränen. Wie Du einst riefest, so rufest Du noch: Kommet her zu mir, ihr Alle, die ihr mit Kummer und Elend beladen send; und ich will euch erquicken. Und gewiß, o gütigfter Wohl thäter! wer ward nicht erquickt, der zu Die kam? Wer fand nicht Trost und Hülfe, wenn er demüthig und herzlich zu Dir rief? Zu deinem Gnadenthrone dürfen wir ohne Furcht und Mißtrauen treten; denn Du wirst ja nicht müde, uns anzus hören, und Dich unser zu erbarmen, wie sich ein Bater seis ner Kinder erbarmet. Der Arme ist dir so willkommen wie der Mächtige; Du bist eigentlich der Gott der Armen, und der Freund der Demüthigen. Den Armen wird ja- wie Du selbst sagst das Evangelium geprediget, und die Demüthis gen werden erhöhet. Der Hülflose, der Verachtete findet bey Dir den allmächtigen und liebreichen Freund, der ihm helfen kann und helfen will. - Wenn der Fromme zu Dir bethet, damit er Stärke bekoms me auf dem Wege der Tugend, damit die Sünde ihn nicht vergifte, und die gefährlichen Versuchungen ihm nicht schaden; erhörst Du sein Gebeth; deine Gnade kommt in fein Herz, und er fühlt sich stark, den guten Kampf zu kämpfen, und auszuharren bis an's Ende. Wenn der Schwache zu Dir ruft, daß Du ihn unterstü Ben, daß Du fein wankelmüthiges Herz befestigen wolleft, das mit es nicht wie ein schwaches Rohr bey jedem Windstoße der Versuchungen hin und her schwanke; so empfängt er die erbes thene Hülfe von Dir, und die nöthige Wachsamkeit über feine Triebe; Du stellst die Zugend in ihrer ganzen Liebenswürdigs feit vor sein Angesicht, und ihre Belohnungen und deinen Himmel; und er wird ein muthiger Streiter für deine Ehre und für sein Seelenheil. Fleht der zerknirschte Sünder mit aufrichtiger Reue und mit lebendigem Borsaße der Besserung um dein Erbarmen, Jesus! Du verstoßest den Unglücklichen nicht; deine Arme find offen, ihn aufzunehmen; Du gibst den Frieden in seine 134 IV. Abschnitt. Seele; er wird frey von seinen Missethaten; denn Du opfeift für ihn den Werth deines Blutes und deines Todes der ewis gen Gerechtigkeit. Der arme Waise findet an Dir einen Vater; die hülflose Wittwe einen Beschüßer; dem Hungernden gibst Du Brod, und dem Elenden Trost. Du verläßest uns im Leben nicht; Du bist auch da noch unser Freund, wenn wir sonst keinen mehr haben; in unserer Todesstunde bist Du unser Gefährte in's unbekannte Land; und wie könnten wir unglücklich seyn, so lang Du bey uns und mit uns bist? Dieses Alles, und noch unendlich mehr bist Du uns, o ewige Liebe! und was Du Allen bist, das bist Du auch mir; Du bist mein Gott, mein Helfer, auf den ich mich verlassen darf. Wie viele Wohlthaten habe ich schon von deiner Milde erhalten, und wie viele kann ich noch erwarten? O meine Seele! danke dem Herrn, und Alles, was in mir ist, lobe seinen heiligen Namen!- O mein göttlicher Erbarmer! Du meinst es in allen Dingen so gut mit mir, ich will Dich ents gegen lieben, so sehr ich kann, und Dir danken durch ein frommes Leben, und durch eifrige Erfüllung deiner heiligen Gebote. Dir will ich leben, Dir sterben, und einst im Himmel Dich ewig lieben! Amen. III. Empfindungen des Dankes gegen den wohl thätigen Erlöser. 1. Ich danke Dir, o liebreicher Erlöser! daß Du um meis ner und aller Menschen willen unsere Natur haft annehmen wollen; Du kleidetest Dich in die Gestalt des Knechtes, das mit wir Kinder Gottes würden. 2. Ich danke Dir, daß Du uns die erhabensten Wahrheis ten, die wichtigsten Lehren, die troftvollsten Hoffnungen, und die vortrefflichsten Beyspiele in allen Zugenden gegeben haft. Verleihe mir deinen göttlichen Beystand, daß ich mit standhaf ter Treue in deine Fußstapfen eintrete, und Dir nachfolge in frommer Liebe, damit Du mich einst am Zage des Gerichtes als den Deinigen erkennen mögest. 3. Ich danke Dir, daß Du, um uns zu erlösen, Dich dei nen Feinden überlaffen, und unter den schrecklichsten Leiden all' dein Blut vergoffen, und endlich dein Leben am Kreuze für uns dargebracht hast. 4. Ich danke Dir für deine göttliche Religion, und für die Advents Andachten. 155 unaussprechliche Gnade, daß Du mich in derselben haft gebos ren und unterrichtet werden lassen. Gieb mir, o Jesus! daß ich mit unausgefeßtem Eiser allen Vorschriften derselben ges horche. 5. Ich danke Dir, daß Du aus zarter Liebe gegen uns das allerheiligste Geheimniß des Altars gestiftet hast; in dies sem bist Du eigentlich und persönlich mitten unter uns, ats unfer Gott, unfer Helfer und Freund. Ich will Dir für deis ne Liebe ewig dankbar seyn, und Dich dafür wieder zu lieben nimmer aufhören. Amen. $ IV. Empfindungen der Liebe zu Jesus. O mein himmlischer Freund und Wohlthäter! erbarmungsvoller Erldser! ich gelob' es Dir jetzt feyerlich: nimmermehr will ich mein Herz an solche Dinge hängen, die mich am Ens de durch ihre Eitelkeit doch nur unglücklich, oder wenigstens unbefriedigt lassen würden. Was sind die Freuden der Sins ne und die wollüstigen Vergnügungen anders, als ein Tod für die Seele? Was sind Reichthümer und Ehrenstellen, als meineidige Freunde, die mich zur Zeit der Noth verlassen? Was ist diese ganze Erde, wenn ich mich ihr widmen wollte, als für mich hinfällig und meiner Anhänglichkeit unwerth. Aber Dich will ich lieben, Du Ewiger, Du Allerbester! die fromme kindliche Liebe zu Dir heiligt mich; sie macht meinen Glauben dn Dich und an die großen Wahrheiten meiner ehrs würdigen Religion lebendig; fie macht mein Vertrauen zu Dir stark und unerschütterlich: sie giebt mit Muth in Gefah, ren, Kraft in Versuchungen, Mäßigkeit im Genuß desjenigen, was ich zu meinem Leben bedarf; sie schenkt mir Freudigkeit zur treuen Erfüllung meiner Pflichten; sie tröstet mich in den Leiden und Widerwärtigkeiten, die über mich kommen; fie offs net mir die frohesten Aussichten in eine schöne Zukunft; sie láßt mich den Tod nicht nur nicht fürchten, sondern vielmehr wünschen; sie verschafft mir allein die wahre Zufriedenheit im Leben und den Himmel nach dem Tode. O mein Erbarmer! wie glücklich bin ich, wenn ich Dich kindlich, herzlich und aufrichtig liebe; und wie unendlich würs dig bist Du es, daß ich Dich ganz und mit ungetheiltem Hers gen liebe? Segne mich, erhore meine Bitte um Liebe zu Dir; und laß diese Liebe erstarken, und unaustilgbar in meis nem Herzen bleiben, ewiglich. Amen. IV. Abschnitt. V. Ermunterung, dem Erlöfer nachzufolgen. Ich bethe Dich an, und preise Dich, o Jesus! der Du uns in allen Zugenden ein Beispiel hinterlassen hast. Hilf mir, daß ich Dir, so weit nur meine Kräfte reichen, nachfolge. Laß mich zur Ehre meines Vaters im Himmel leben, wie Du; laß mich sanftmüthig und demüthig seyn, und reinen Herzens, wie es auch Du warst; freylich warst Du es unend lich mehr, als alle Sterbliche es zu seyn vermögen. Laß mich Dir nachfolgen in deiner großmüthigen. Mens schenliebe; entferne alle Bitterkeit, Neid und Schadenfreude aus meinem Herzen. Gieb mir, daß ich freudig und freund lich meinen Brüdern helfe, wo ich kann, und mein Brod mit dem Hungernden theile und meinen Trank mit dem Dürstens den; daß ich auch denjenigen liebe, der mich nicht liebt. Hast Du nicht am Kreuze noch für deine Mörder gebethen, und über das undankbare Jerusalem sogar Thránen vergossen? 136 Hilf mir, liebenswürdigster Erlöser! muthvoll seyn- und ers geben in Gottes Willen, auch dann, wenn er mich durch Trübsale prüft. Erhebe meine Augen und mein Herz nach oben, daß ich in der Welt, wo des Bösen so viel ist, nicht mein Herz an ihre flüchtigen Güter hänge, sondern mit finds lichem Vertrauen auf Dich, und mit froher Liebe zu Dir nach deinem Befehle zuerst den Himmel- die Tugend fus che, und das Andere, was ich nöthig habe, durch meine Are beitsamkeit erwerbe, die Du dann gewiß segnen wirst. Amen. VI. Schlußgebeth an den Erlöser. 1. Mit demüthigem Vertrauen bitte ich Dich, o mein gött licher Erlöser! um die Gnade, daß ich einmal vom Schlafe der Sinnlichkeit erwache, und mein Herz losreiße von den Thorheiten und Eitelkeiten irdischer Dinge, die bisher eine so große Gewalt über mich ausgeübt haben. Laß es mich erkennen, daß ich nicht für diese Erde geschaffen bin, sondern daß Du mich für deinen Himmel bestimmt hast, damit ich nach demselben mit Eifer strebe, und mich würdig auf deine zweyte Ankunft vorbereite. 2. Du bist mein Vorbild in jeder christlichen Zugend. Gieb mir Muth und freudige Standhaftigkeit, Dir nachzufolgen, o Jesus! laß mich demüthig und fanftmüthig werden von Herzen, wie Du es warest; laß mich zu Gottes Ehre leben, und meine Mitmenschen herzlich lieben, wie Du sie geliebet; laß mich die Widerwärtigkeiten, die mir mein Vater sendet, Advents Andachten. mit Geduld und Ergebung in seinen heiligen Willen tragen; und wenn ich Trost bedarf, o mein Erlöser! nicht bey Menschen, bey Dir laß mich ihn suchen. 3. Verleih' mir die Gnade, daß ich mit jedem Lage so tebe, als fing ich erst an Dir zu dienen, und als wäre er der letzte meines Lebens. Laß mich die große Kunst lernen, einst gut zu sterben. Meine Stunden eilen dahin, ich nähere mich immer mehr dem Grabe; o Jesus! hilf mir Böses meiden, und Gus. tes thun, damit ich einst, wenn Du mir rufest, mit kindlicher Liebe und mit der Freudigkeit eines Gerechten meine Seele in deine Hände gebe. Amen. 137 II. Auf das Fest der gnadenreichen Geburt un sers Herrn und Heilandes Jesus Christus. Zur ersten heiligen Messe. Allmächtiger, barmherziger Gott, Vater unsers Herrn Jesus Christus! Du hast schon unfern Stammeltern, nachdem sie gesündiget hatten, einen Erlöser von der Sünde und dem ewigen Verderben versprochen; Du hast eben diese Verheißung den Patriarchen gemacht, und durch die Propheten deinem auserwählten Volke wiederholt, und in der Fülle, der Zeit dein theures Versprechen gehalten. Heute gedenken wir wieder jener hochheiligen Nacht, in welcher das ewige Wort Fleisch geworden ist, und unter uns gewohnet hat. Ein Kind ist uns geboren, und ein Sohn ist uns geschenket worden. Herrscherwürde ruhet auf seinen Schultern. Er ist dein Sohn, o Allerhöchster! und Du hast Ihm den Thron seines Vaters Davids gegeben; Er herrschet ewiglich, und sein Reich wird kein Ende nehmen. Sein Name ist- Rathgeber. Er macht uns mit deinen verborgenen Rathschlüssen, und mit deinem heiligen Willen bekannt; Er lehrte uns Dich anbethen, im Geiste und in der Wahrheit, und erwarb uns die Gnade, in deinen Geboten zu wandeln. Sein Name ist- Wunderbarer. Ein Wunder der - Liebe war seine Menschwerdung, sein Leben, sein Tod, seine Auferstehung, seine Himmelfahrt. Zeugen seiner wunderbaren, allmächtigen Liebe waren alle die Blinden, Lahmen, - IV. Abschnitt. Tauben, Ausfähigen und Kranken, die Er mit einem Worte geheilet, und die Todten, die Er wieder in's Leben gerufen. Sein Name ist Gott. Er ist der Abglanz deiner Herrlichkeit, und das Abbild deines Wesens, selbst Gott! hochgelobt in Ewigkeit. Sein Name ist- Friedensfürst. Er hat das gute Vernehmen zwischen Dir und den Menschen wieder hergestellt; Er hat uns den Zutritt zu deinem Gnadenthrone wie: der eröffnet, und deinen Frieden uns vom Himmel gebracht. Sein Name ist: Vater der zukünftigen Zei ten. Ihm hast Du alle Gewalt im Himmel und auf Erden und einen Namen gegeben, der über alle Namen ist, in welchem wir alle selig werden sollen. Sein Thron steht in Ewigkeit fest; der Scepter deines Reiches ist der Scepter der Gerechtigkeit. 138 - Dieses göttliche Kind, das Du, o himmlischer Vater! und als ein Unterpfand deiner unendlichen Liebe und Barm herzigkeit geschenket hast, bringe ich Dir in dieser heiligen Messe als ein Lob- und Dankopfer für alle gute Gaben und für alle vollkommene Geschenke dar, die Du uns durch Ihn gegeben, und als ein Versöhnopfer für meine Sünden, und bitte Dich demüthigst, Du wol lest mich aller himmlischen Güter theilhaftig machen, die Jesus Christus vom Schooße deiner Herrlichkeit zu uns armen Menschen herabgebracht hat. Neugeborner Weltheiland, Sohn des Allerhöchsten, und unser Bruber nach der menschlichen Natur! in tiefster Demuth beuge ich meine Knie vor deiner Krippe, und bethe Dich an mit lebendigem Glauben, mit innig ster Liebe, als meinen Herrn und Gott, wie Dich Maria und Joseph, wie Dich die Hirten von Bethlehem, und die Weisen aus Morgenland angebethet haben. Um deiner unendlichen Liebe willen, die Dich in das menschliche Elend herabgezogen hat, bitte ich Dich, erbarme Dich meiner, und segne mich, wie Du deine ersten Anbether gesegnet hast!- Anbethend stimme ich nun in den Lobgefang der Engel ein, mit dem sie deine gnadenreiche Geburt fenerten: Ehre sey Gott in der Hohe! Friede auf Erden den Menschen, die einen guten Willen haben! Weihnachts Andachten. 139 Kirchengebeth. O Gott! der Du diese heilige Nacht durch die Strahlen des wahren Lichtes preiswürdig gemacht hast! Verleih uns, wir bitten, daß, wie wir die Geheimnisse des Lichtes auf Erden erkannt haben, wir auch zum Freudengenusfe desselben im Himmel gelangen mögen, durch denselben Jesus Christus. Unter der Epistel und dem Evangelium. Holdseligster, freundlichster Sohn Gottes, Jesus Christus! Du getreuester Liebhaber des menschlichen Geschlechtes! Dir sey ewig Lob, Ehre und Dank, für deine gebenedeyte Menschwerdung und Geburt, für deine große Liebe und Freundlichkeit, daß Du unser Fleisch und Blut angenommen hast, und so unser Bruder geworden bist und ewig bleibst. Du hast uns alle so hoch geehret, daß wir durch Dich Gottes Kinder, Gottes Geschlecht worden sind. Der Herr, aller Herren, der höchste, mächtigste, gewaltigste, reichste König, nimmt die niedere, schwache, elende und armselige menschliche Natur an sich. D Gott! wie haft Du uns so hoch erhoben, daß Du die menschliche Natur mit deiner göttlichen Natur vereiniget, und sie auf den Thron deiner hochheiligen Dreyeinigkeit gebracht und gesehet hast. Du hast Dich in des Menschen Leib und Seele gekleidet weil Du beschlossen hast, uns an Leib und Seele zu helfen und selig zu machen. Unsere Natur war durch die Sünde ganz verdorben; in Dir ist sie gereiniget und geheiliget; sie war verflucht, in Dir ist sie gesegnet wor den. Unsere Natur war von Gott abgerissen, in Dir ist sie wieder an Gott angebunden; sie war vom Satan befleckt und geschåndet, in Dir ist sie wieder zu Ehren gebracht; sie lag unter dem Zorne Gottes, in Dir ist sie wieder ein Gegenstand des göttlichen Wohlgefallens geworden. Gleichwie nun das Band der Vereinigung zwischen der göttlichen und menschlichen Natur in alle Ewigkeit unauflöslich ist, also hat sich Gott durch die Menschwerdung feines Sohnes mit uns auf ewig verbunden, hat eine ewige Freundschaft, eine ewige Liebe, eine ewige Versöhnung, eine ewige Vereinigung, eine ewige Kindschaft, einen ewigen Frieden gestiftet. Deswegen bist Du, Gottes- und Menschensohn! unser Mittler geworden, damit Du zwi schen Gott und Menschen handeln, deinen Vater versöh IV. Abschnitt. nen, unsere Noth erkennen und uns trösten könntest. Du bist das rechte Licht, das uns erleuchtet; der rechte Weg, der uns zum Bater führt; die ewige Wahr beit, die uns lehret; das ewige Leben, das uns le bendig macht; durch Dich kommt Gottes Liebe mit allen Gnadenschäßen zu uns, deine Gerechtigkeit nämlich und deine Verdienste kommen uns zu Statten, auf daß wir durch sie selig werden. Du bist unser ewiger Hoherprie ster, der uns segnet, der für uns bittet, der sich selbst für uns geopfert hat als Versöhnopfer, als Schuld opfer und als Friedensopfer, wodurch eine vollkom mene, ja überflüssige Zahlung und Genugthuung für un sere Sünden und Missethaten geschehen ist. Auf daß wir leben möchten, ist das Leben zu uns gekommen; auf daß wir erleuchtet würden, ist das Licht Mensch gewor den; auf daß wir Trost hätten in unserm Elend, ist der Brunnen alles Trostes vom Himmel in dieses Jammer thal berabgeflossen. 140 O holdseligstes Jesus- Kind! wie lieblich bist Du in deiner Krippe, wie schön ist deine Gestalt, wie freundlich sind deine Geberden, Du schönstes unter den Menschen. Eindern! Komm zu mir in mein Herz, verschmäh' es nicht, segne mich mit deinem Frieden, vereinige Dich mit mir, und bleib eins mit mir in beiliger Liebe ewiglich. göttliches Jesus- Kind, o Du meine Liebe! Du bist Mensch geworden; Du, meine Liebe, bist gekreuziget wor den und für mich gestorben, auf daß ich in deiner Liebe lebe und sterbe, auf daß ich Ruhe, Friede, Trost, Si cherheit und ewige Freude haben möge! Amen. - 3 um Credo. Ich glaube an Gott zc.( nebst den übrigen Meßgebethen in der Adventsmesſe, S. 123.) Zur zweiten heiligen Messe. 1. Die Seele bittet, daß Chriftus in ihr möge wiedergeboren werden. Vorbereitung.( Nach den Kirchengebethen.) Heute ist das wahre Licht über uns aufgegangen; denn es ist uns der Herr geboren worden, und die Güte und Liebe Gottes unsers Heilandes ist uns erschienen. Weihnachts Andachten. Ja heute erneuern wir, o Herr! das Geheimniß deiner Menschwerdung an deinem heiligen Geburtstage. O laß auch heute unsere Herzen neugeboren, von der Knechtschaft der Sünde befreyet, und Dir geheiliget werden, nachdem der alte Mensch durch deine wunderbare Geburt in uns getilget, und die Menschheit durch Dich in uns ist erneuert worden. 1 141 Du aber, o Herr, himmlischer Vater! verleihe uns die Gnade, daß wir Dir am Feste der Geburt deines Sohnes folche Opfer bringen, die dieses höchsten Geheimnisſes würdig sind. Gieb uns den Frieden, den heute deine heil. Engel auf Erden verkündet haben, und nimm in Vereinigung der Menschwerdung deines Eingebornen auch unfere Opfergaben, uns selbst, und Alles, was wir sind und haben, zum wohlgefälligen Opfer an.- Laß Dir, o Herr! das Opfer der heutigen Feyerlichkeit angenehm seyn, damit wir durch deine Gnade, und diese heiligen Geheimnisse Demjenigen gleichförmig werden, der unsere menschliche Natur angenommen hat, und durch einen gottseligen Lebenswandel zur Seligkeit Desjenigen gelangen, dessen Geburtsfest wir heute mit Dank und Frohlocken feyerlich begehen, und der da ist unser Herr und Heiz land, Jesus Christus! Amen. Meßandacht. ( Nach dem heiligen Augustin.) erkennt, wie elend sie ohne Christus ist, und wie felig mit Christus. 3 um Eingange. II. Die Seele Dich, Du liebenswürdigster, für uns Mensch gewor dener Weltheiland, rufe ich in meine Seele berab! Du selbst hast mir die heilige Sehnsucht nach Dir eingehaucht, und dadurch meine Seele zu deiner Aufnahme bereitet. Komm in sie, ich bitte Dich, und bilde sie nach deinem Wohlgefallen, um sie zu besißen, zu heiligen und zu befeligen. Du hast mich zuerst geliebt, aus Liebe aufgesucht, auf deine Schultern genommen, und zur Heerde der Kinder Gottes zurückgebracht; soll ich Dich nicht entgegen lieben, Dich nicht herabwünschen in mein Herz, Dir nicht auch zur Krippe dienen? - O wie unglücklich ist eine Seele, die Dich, o göttli 142 IV. Abschnitt. cher Heiland, nicht sucht und nicht liebt! Wer Dich nicht liebt, der lebt zu seinem Untergange. Wer nicht für Dich o Herr! zu leben trachtet, der bleibt elend und todt.- Weh mir Elenden, daß ich Christus noch nie mit wahrem Eifer gesucht, noch nie mit ganzem Herzen geliebet habe! O eine Seele, die Dich nicht sucht und nicht liebet, die liebet die Welt, dient den Sünden, und ist den Lastern unterworfen; niemals ruhig, niemals glücklich. Er barmer! sieh mein durch Sünde und Weltliebe verwunde tes Herz mitleidsvoll an, und heile es. Dich verlangt mein Herz, auf Dich vertraue und hoffe ich Du bist meine ganze Zuversicht; Dich liebe ich, Dich bethe ich an; denn Du bist mir Alles- meine Auferstehung, mein Le ben, meine Seligkeit.. Du reichlichster Ausspender himmlischer Erquickungen! speise mich Ermüdeten, sammle mich Zerstreuten, erledige mich Gefangenen, und heile mich Verwundeten! Sieh! ich stehe vor der Thür und klopfe an. Durch deine innigste Barmherzigkeit, womit Du uns, aus der Sbe kommend, beim gesucht hast, bitte ich Dich, eröffne mir die Schäße deiner Erbarmungen, und erquicke mich mit dem Himmels brode. Denn Du bist das Brod und die Quelle des fe bens, Du bist das Licht der ewigen Klarheit, und Alles, wovon die Frommen leben, die Dich lieben. - III. Die Seele sehnt sich nach dem Besite Jesus, ihres höch sten Gutes. Nach dem Gloria. O gieb Dich mir selbst, göttlicher Heiland! gieb Dich mir wieder! Sieh, ich liebe Dich, und ist es zu wenig, so laß mich Dich mehr und mehr lieben! Ich schmachte vor Verlangen nach Dir, und erfreue mich im süßen Andenken an Dich, und je mehr ich mich in Liebe Dich ergebe, und meinen Willen mit dem Deinigen vereinige, desto ruhiger und friedlicher wird es in meinem Sperzen; die Leidenschaften verstummen, die Mühseligkeiten drücken mich weniger, selbst der Tod gewinnt ein freundlicheres Ansehen. Das Herz erhebt sich in Liebe zu Dir, das Gemüth erheitert sich, und der ganze Geist sieht sich vom Verlangen nach deiner Anschauung entzündet, und zur Liebe des Unsichtbaren hingezogen. Weihnachts Andachten. 143 So laß denn meinen Geist die Flügel eines Adlers an sich nehmen; laß ihn fliegen und nicht müde werden, ( Jef. 40, 31.) bis er zum Throne deiner Herrlichkeit gelangt, und von Dir, Du unerschöpfliche Quelle alles Lebens, Gnade um Gnade empfängt. Sey Du der Ges genstand meines Frohlockens, der Du meine Hoffnung, mein Heil und meine Erldsung bist. Sey Du meine Freude, der Du einst mein Lohn seyn wirst, und unterstüße meine schwache Kraft, damit ich nicht ermüde, Dich zu suchen. Du bist ja nahe denen, die Dich suchen. Laß mich Dich finden, und wenn ich Dich gefunden habe, Dich nicht mehr verlieren. Jesus! Du Licht der Herzen, die auf Dich sehen! Dit Leben der Seelen, die Dich lieben! Du Kraft der Gedanken, die Dich suchen! laß mich Dir in heiliger Liebe ungetheilt anhangen. Ich bitte Dich, komm in mein Herz, und entzunde es mit der Fülle deiner Seligkeit, damit ich alles Zeitliche vergesse, und nur Dir lebe, nur Dich suche, in Dir mich freue, und durch Dich einst selig werde. IV. Die Seele opfert sich Dem in Liebe hin, der sie zuerst geliebt hat, und ewig beseligen will. 3um Offertorium. 1 O meine Seele! mit Gottes Bild ausgezeichnet, durch das Blut Christi erlöset, durch den Glauben mit Jesus verlobt, begabt mit dem heiligen Geiste, mit göttlichen Kräf ten ausgerüstet, und zur Gesellschaft der Engel bestimmt: o liebe Den, der dich so sehr geliebet hat; merke auf Den, der immer auf dich sieht; suche Den, der dich unabläßig sucht; ergieb dich Dem, der sich dir so ganz ergiebt, deffen Liebe der deinen zuvorgekommen, der der höchste Gegenstand deiner Liebe ist. Er ist dein Berdienst, deine Frucht, dein Genuß und Ziel. Sen sorgfältig in der Liebe mit dem Sorgfältigen, rein mit dem Reinen, und heilig mit dem Heiligen. Wie du vor deinem Heiland erscheinen wirst, so wird er sich auch dir bezeugen. Der freundliche, milde und erbarmungsvolle Gott will freundliche, milde, gedemüthigte, reine und mitleidsvolle Seelen. Liebe Den, der dich aus der Grube des Elendes, und aus dem Schlamme der Sünde gezogen hat. Wähle Ihn dir vor allen deinen Freunden aus, der 144 IV. Abschnitt. allein noch Treue halten wird, wenn dich Alles wird ver lassen haben. An deinem Sterbetage, wenn alle deine Freunde von dir weichen, wird Er dich nicht verlassen, sondern dich vor deinen grimmigen Feinden schüßen, die bereit sind, dich zu verschlingen. Durch ein unbekanntes Land wird Er dich führen, und bis zu den Wohnungen der himmlischen Stadt Zion bringen. Dort ist die höchste Seligkeit, eine Alles übertreffende Herrlichkeit, überflie: ßende Freude und alles Gute. Dort ist der Freudenge: sang, die Stimme des Jubels und des Heils; dort ist Danksagung und Lobgesang, und das Alleluja in Ewigkeit. Dort wird dich Jesus, wenn du hier mit Jhm dich ver einiget, Ihm dich zum Opfer gebracht hast, vor dem Angesichte seiner Herrlichkeit den heiligen Engeln beygesellen, wo du in ihren Gesang einstimmen wirst: Heilig! heilig, beilig ist der Gott der Heerschaa ren, Himmel und Erde sind seiner Herrlichkeit voll! - and V. Die Seele verlangt nichts höheres mehr, als nur Jesus ungetheilt zu lieben. Vor der Wandlung. Ich liebe Dich, o mein Herr und mein Gott! Du weißt es, daß ich Dich liebe, und Dich immer inniger zu lieben verlange.- So Du unermeßlich bist, sollst Du auch ohne Maß geliebt werden; besonders von uns Menschen, die Du so geliebt, so gerettet, und für die Du so Vieles ge than hast. D Du ewig flammende Liebe, anbethungswür digster Jesus! mein Gott und meine Liebe! entzünde mich ganz mit deiner Liebe, mit der Süßigkeit deiner Huld, mit dem einzigen Verlangen nach Dir, mit deiner Mildigkeit und Freundlichkeit, mit deinem Frieden und deiner Sehn sucht nach Dir, die da rein und teusch, heilig und gut iſt, damit ich ganz vom Feuer deiner Huld und Liebe entzün det, Dich, meinen anbethungswürdigsten Gott und lie benswürdigsten Herrn aus ganzem Herzen, aus ganzer Seele, aus allen Kräften, mit meinem ganzen Willen, mit wahrer Zerknirschung des Herzens, mit Ehrfurcht und heiligem Leben liebe, und Dich allezeit und überall so im Herzen, im Munde und vor den Augen habe, daß jeder Weihnachts Andachten. 145 unordentlichen Liebe, die mich Dir untreu machen könnte, der Eingang in mein Herz ganz unmöglich werde. VI. Die Seele dankt dem himmlischen Vater für die Erlös fung durch seinen Sohn. Nach der Wandlung. Du, o Herr! kannst des Menschen nicht vergessen; wenn auch eine Mutter ihres Kindes vergessen könnte, so vergißt Du unser nicht; Du erbarmest Dich unser, weil Du uns erschaffen hast, und wohl weißt, daß wir Staub sind. Allerdings hätte ich über meine vielen Sünden und Bergehungen, durch welche ich von jeher deine Liebe mit Undank, deine Barmherzigkeit mit Bermessenheit vergolten habe, verzagen und verzweifeln müssen, wenn dein Wort, o Bater! nicht Fleisch geworden wäre, und nicht unter uns gewohnt hätte. Nun aber darf ich nicht mehr verzweifeln: da Jesus Dir gehorsam bis zum Tod, ja bis zum Tod am Kreuze war, und dadurch die Schuldschrift unserer Sünden an's Kreuz geheftet und ausgetilget( Koloff. 2, 14.), und somit die Sünde und den Tod der Sünde gekreuziget hat. Der Verherrlichte, der nun zu deiner Rechten siz het, und für uns bittet, flößt mir zuversichtlichen Muth ein. Auf Den vertrauend, Der uns vom Tode der Sünde auferweckét, und aus der Finsterniß zu seinem wunderbaten Lichte berufen hat, wünsche ich zu Dir zu gelangen. Dir sey Lob, Preis, Ehre und Dank für unsere Erld. fung durch deinen Sohn, jest und in der Ewigkeit. VII. Die Seele bittet Jesus, daß er fie der Gnaden und himmlischen Früchte der geistlichen Eommunion theils haftig mache. Vor der heil. Communion. Ich bitte Dich, Herr Jesus Christus, Du allerliebenswürdigstes Gut! durch die gnadenreiche Vergießung deines kostbarsten Blutes, wodurch wir erlöset worden sind: verleihe mir jest ein zerknirschtes Herz, da ich- obwohl unwürdig, auf deinem heiligen Altare das Geheimniß unserer Erlösung anbethe, und an dem wundervollen, bimmlischen Abendmahle geistlicher Weise Antheil nehme, welthes Du, Herr, mein Gott! Da unbefleckter Hoherpriester! 10 146 IV. Abschnitt. zum Denkmale deiner Liebe, nämlich deines Leidens und Sterbens, eingesetzet, und zu unserem Heile und zur täglichen Stärkung unserer Schwachheit Dir dar zubringen befohlen hast. Jesus Christus! Du Brod des Lebens! der Du uns erquickest, und dadurch in Dir niemals abnimmst; der Du täglich genossen wirst, und immer ganz bleibst,- leuchte mir, und entzünde mich; erhelle und heilige dein Gefäß; reinige es von der Sünde; erfülle es mit deiner Gnade, und erhalte es in deiner Liebe, damit ich dein Fleisch und Blut zum Heile meiner Seele genieße, und durch den Genuß von Dir, und durch Dich lebe, zu Dir gelange, und in Dir ewig selig bleibe. VIII. Die Seele bittet Gott um die Gnade, daß ihr Wans del stets im Himmel sey. Nach der heil. Communion. O mein Gott, meine Liebe! Du bist mein Leben, von dem ich lebe; meine Hoffnung, worauf ich mich verlasse, und die Herrlichkeit, die ich zu erreichen wünsche! Nimm Du mein Herz in Besiz, beherrsche mein Gemüth, leite meinen Verstand, richte meine Neigungen aufwärts, laß mein Verlangen nur zu Dir sich erheben, meinen Geist nur nach Dir dürsten, und an den Quellen des lebens digen Wassers sich erquicken. Barmherzigster Herr! der Du uns so sehr geliebet und so theuer erkauft, ſo sehr gerechtfertiget, und so hoch erhoben hast! wie selig ist mein Herz, wenn es deine unendlichen Er barmungen betrachtet, und deine unbegreifliche Liebe erwäs get: nur nach Dir, nach deinem Anblicke, nach deiner Ge meinschaft sehnet, sich meine Seele. Darum will ich auch, so lange ich noch als Pilgrim auf dieser Erde wandle, über mich recht wachsam seyn, und durch frommen Sinn und reinen Wandel Dich, meinen Schöpfer und Erldser! aus allen Kräften preisen. Mit meinem Geiste will ich in den Himmel eindringen, um mit meiner Liebe bei Dir zu seyn, daß ich nur noch mit dem Leibe hier gehalten werde, mit mei nen Gedanken, meinem Verlangen, und mit meiner unges theilten Liebe aber unaufhörlich bei Dir bin, damit dott mein Herz sey, wo Du, mein höchstes, mein liebenswürdig stes Gut, bist, wo mein wahres Vaterland ist, wo Du - . Weihnachts- Andachten. 147 auch mir eine Wohnung bereitet hast, und wo Du mit dem Vater und dem heiligen Geiste gleicher Gott lebest und regierest von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen. Zur dritten heiligen Messe.( Sich das Hochamt Seite 51.) Bethstunde, oder Nachmittags Andacht an den Weihnachtstagen. I. Von der höchsterhabenen Wohlthat der Menschwerdung Jesus. ( Von dem ehrwürdigen Ludwig von Granada.) Ich bethe Dich an, o mein göttlicher Erlöser! König des Himmels, Licht der Erde, Herrscher der Herrscher, Fürst des Friedens, Kraft Gottes und Weisheit des ewigen Vaters! Jch bethe Dich an, o Versöhner der Menschen, Fürsprecher der Sünder, Erquickung der Mäden, Trost der Betrübten, unend licher Lohn der Gerechten! Ich bethe Dich an, o Brod des Lebens, Arzney der Seele, Erlöser der Welt, liebliches Opfer, Opfer des Friedens, der Du durch den Wohlgeruch deiner Tus genden das Herz des himmlischen Vaters gerührt hast, daß Er auf unsere Drangsale hernieder fah, unsere Seufzer hörte, und mit Gnade uns annahm! Sieh, o neugeborner Welthepland! zu deiner ehrwürdigen Krippe komme ich, diese unschäßbare Milde zu preisen, die Du ohne alle unsere Verdienste uns ers wiesest, und das Opfer des Dankes für alle unzähligen Wohl thaten Dir zu bringen, die Du uns ausgespendet hast. Ach wir waren ein verlornes Geschlecht; wir waren Gefäße des Zorns, Kinder des Fluches, und unnüße und des Todes schuldige Knechte; und Du erbarmtest Dich unser, und blicktest aus den himmlischen Höhen auf unser tiefftes Elend, und auf die Trübfale deines Volkes; und vom ewigen Throne herabsteis gend, kamst Du selbst, es zu erlöfen.- Du, der wahre und eingeborne Sohn Gottes, der durch seine Kraft alle Wesen ers hält, und mit unerschaffener Weisheit fie lenkt; Du, in deffen Namen alle Knie sich beugen müßen, ließest Dich herab, den Glanz deiner Glorie zu verlassen, den finstern Kerker dieser Erde zu besuchen, unser Elend auf Dich zu laden, und in das Gewand unserer Sterblichkeit Dich zu kleiden, damit Du durch deine Kraft unsere Schwäche tilgest, und unsere Sterblichkeit in ewiges Leben verwandeltest, daß Du unsere Sünden durch dein Blut abwüscheft, und unserer verderbten Natur die vers lorne Unschuld zurückbråchtest. - 10 - IV. Abschnitt. Nicht einen deiner Engel fandtest Du zu diesem großen Werke der Versöhnung, nicht einen Seraph noch einen Cherub, sondern Du selbst wolltest, nach dem Willen deines himmlis schen Vaters, zu uns kommen, dessen unendliche Gåte in Dir, seinem lebendigen Bilde, sich offenbarte; Du selbst wolltest dei ne göttliche Natur mit der menschlichen vereinigen.... D wunderbare, alle menschliche Fassungskraft übersteigende Ver einigung! Der Herr der ewigen Glorie vereiniget feine unend liche Gottheit mit der Niedrigkeit unserer Menschheit! der Schöpfer der Welten erniedriget sich so sehr, daß er die Ges stalt eines Knechtes annimmt, und sich unter die Sünder rech nen läßt, obwohl Er der Heiligste war! O liebreichster Jesus! bis in welche Liefe führte Dich deine Liebe zu uns! Du bes gnügtest Dich nicht damit, unser Herr und Schöpfer und Bes schirmer zu feyn; auch unser Gefährte, unser Bruder, unser Fleisch und Blut wurdest Du! und so tratest Du mit der Fülle deiner Erbarmungen unter uns, in dieses mühselige Ers denleben ein. Da war Gott in der Krippe zu schauen, als ein armes Menschenkind, in einem harten und dürftigen Bettlein liegend, in Windeln eingehüllt; und seine allmächtigen Arme in schwas che Wickelbinden gebunden. O unaussprechliche Demuth, o überaus hoch zu preisende Armuth, o unerforschliche Liebe! Sich, wie der unermeßliche Gott in der Krippe liegt, dessen Glorie Himmel und Erde erfüllt. Wie mit dürftiger Nahrung Derjenige gesättiget wird, durch dessen Freygebigkeit der Spers ling auf dem Dache nicht hungert! Wie Sener in der Krippe weint, dessen Donner am Himmel rollen, und auf dessen alle machtige Stimme die Kräfte der Himmel erbeben, und die Cherubim mit ihren Flügeln sich ihr Angesicht bedecken!- Und warum, o mein Herrscher! diese so tief erniedrigende Ge burt? Wozu diese so tiefe Demuth und Armuth?- Ach, die erste deiner Lehren wolltest Du uns geben, und durch dein Beyfpiel die Demuth, die Quelle und den Grund aller Tus genden, uns lehren. 148 Und was soll ich zu der tiefen Armuth sagen, in wel cher Du geboren wurdest? da ein Stall deine königliche Burg, eine Krippe deine Wiege, Heu dein Lager, dein Purpur dürf tige Windeln sind? Wo ist das fühllose Herz, o mein Jesus! das nicht zur Liebe und Andacht angeregt wird, wenn es nicht nur diese Ar muth, sondern auch die unendliche Liebe erwägt, die Du hier Weihnachts- Andachten. 149 offenbartest! So arm wurdest Du Dir selbst, so reich uns Ars men! Meine Menschheit nahmst Du an, daß Du deine Gotts heit mir schenktest; ein Menschenkind wurdest Du, daß Du mich zu einem Kinde Gottes machtest, und mir den Geist der Liebe erwarbest, mit welchem erfüllt ich zu Gott ,, Abba, Bas ter!" rufen darf. Und wenn ich deinen Lebensweg, von der Krippe an bis hinauf nach Golgatha, betrachte, so vermag ich die Mühen und Trübfale nicht auszusprechen, Die Du in deinem allers heiligsten Fleische und in deinem liebevollsten Gemüthe erdaldet, nicht auszusprechen vermag ich die Beyfpiele der höch sten Zugend, die Du im Laufe deines Lebens gegeben haft. Denn was anders war dein ganzes Leben, als ein Licht und ein Spiegel der vollkommensten Tugenden? Wenn ich selbst mich erkennen will, blick' ich, gleich als in den reinsien Spies gel, in dein heiliges Leben, und offenbar sehe ich darin, wor an es mir gebricht. Dort finde ich den wahren Gehorsam, die tiefite Demuth, die freywillige Armuth, die wunderbare Ge duld, die unerschütterliche Beharrlichkeit, die unglaublichste Langmuth, die alles übersteigende Liebe, und jene freundliche, unserm Elende höchst nothwendige Tugend der Erbarmung. Kurz, was immer für Zugenden ich ersinnen kann, alle finde ich dort in dem glänzendsten, lebendigsten Urbilde. Wie also, o huldreichster, o süßester Jesus! soll ich so viele Wohlthaten Dir vergelten? Wahrlich, Herr! hätte ich als lein das Leben aller Kinder Adams, alle ihre Mühe und Verdienste in mir vereinigt, so wäre dieß Alles nicht hinreichend, auch nur die geringste deiner Wohlthaten zu lohnen. Da ich jedoch nichts vermag, und Du, Herr! Alles dieses für mich gethan haft, so flehe ich in Demuth zu Dir: Füge den vielen Gnaden, die Du mir bereits erwiesen, noch diese bey, daß ich dieselben erkenne, und für so viele Liebe Dir dankbar sey, und ganzem Herzen und Sinne Dir diene. mit - - O mein göttlicher, wohlthätiger und liebenswürdigster Er lofer! sey mir an dem Feste deiner gnadenreichen Geburt mit demüthigster Ehrfurcht gegrüßt! Sey mir willkommen, Du vem Himmel Gesandter, in unserm Land der Thránen! Im Namen aller Menschen preise ich Dich wegen deiner unaus, forechlichen Güte. Alles, was ich bin und habe mein gans zes Herz, alle meine Neigungen und Empfindungen opfere ich Dir. Deiner Ehre will ich sie widmen, und bitte Dich daher: Sich mit einem barmherzigen Blick auf mich; stärke mich, und 150 IV. Abschnitt. gieb mir Festigkeit zum Guten. Laß mich es recht lebhaft zu Herzen nehmen, daß Du gekommen bist, mir die Liebe des himmlischen Vaters mitzutheilen, und durch die Fülle seiner Erbarmungen mich zu beseligen.- Du hast mir den Himmel aufgeschlossen, wenn ich anders an Dich und an dein Wort glaube, und dem Bey piele nachfolge, das Du mir gegeben. O führe mich, leite mich auf deinen Wegen, daß ich sicher und glücklich einst in's himmlische Vaterland komme, wenn ich diese irdische Pilgerschaft vollendet habe. O Jesus! erhö re mein Gebeth! Amen. 11. Das Wort ist Fleisch geworden, und hat unter uns gewohnet. ( Joh. 1, 14.) Preise den Herrn, meine Seele, und Alles, was in mir ist, Tobe feinen heiligen Namen!- Der Sohn des ewigen Bas ters in Menschengestalt ist der Heiland der Welt! Der Abglanz seiner Herrlichkeit und das Abbild seines Wesens ist der Erlöser der Welt!- O preise den Herrn, meine Seele, und Alles, was in mir ist, lobe seinen heiligen Namen! Heute feyern wir das Andenken an jene hochselige Nacht, die durch den Glanz des wahren, himmlischen Lichtes erleuch, tet wurde, jener heiligen Nacht, in welcher Jesus aus Maria, der reinsten Jungfrau, geboren ward. Wer vermag die unendliche, die unaussprechliche Liebe zu faffen, welche Dich, o ewiger Vater! bewogen hat, für uns ungehorsame, abtrünnige Kinder, für verirrte, dem Verders ben preis gegebene Sünder dein Liebstes- deinen einges bornen Sohn hinzugeben? Wer vermag die unaussprechliche Liebe zu fassen, welche Dich, Jesus Christus, von dem Him mel auf die Erde, von dem Vaterlande der Seligen in das Thal der Thránen und des Todes herabgezogen hat?- Begreifen und ermeffen kann ich freylich nicht diese unaus, sprechliche Liebe, diese unendliche Huld und Gnade; aber glaus ben, lieben, danken, anbethen, und in den Jubel der himm lischen Heerschaaren einstimmen, das kann ich das will ich O felige Weihnachtsfreude!-" Ehre sey Dir, himmlischer Vater, in der Höhe! Du hast uns deinen Sohn, und mit Ihm Alles, was uns wahrhaft glücklich macht, gegeben. Durch ihn sind wir mit Dir ausges föhnet worden; durch Ihn haben wir freyen Zutritt zu deinem Gnadenthrone, und die Macht erhalten, Kinder Gottes zu werden. - - - Eingeborner Ehre sey Dir, Als ein schwaches, ewiges Wort des Vaters! hülfebedürftiges, armes Kind trittst Du in eine Welt ein, die durch Dich gemacht ist. Als der Heiland aller menschlichen Gebrechen fångst Du schon bey deiner Ges burt an, alle Lasten der armen Menschen zu tragen, alles Bits tere selbst zu versuchen, um die Mühseligen zu erquicken, die Niedergebeugten aufzurichten, und den Beladenen die Bürde abzunehmen, um Allen Ruhe zu verschaffen für ihre Seele! Du verbirgst unter der Hülle der menschlichen Natur deine göttliche Majestát, daß wir ohne Furcht uns Dir náhern und vertraut mit Dir umgehen können. Welcher Sterbliche konnte sonst Dich, Göttlicher! in deiner Herrlichkeit mit seinen Aus gen schauen! " Weihnachts- Andachten. - O Du Wunder der ewigen Erbarmung und Liebe, göttlis ches Jesus Kind! Gieb mir deine Gnade, daß ich Dich mit dem allerdemüthigsten Vertrauen anbethe! Du Gepriesener von allen Engeln! Du Erwünschter von allen Propheten und Ges rechten! Du Verehrer von allen Frommen! Du Freude aller Glaubenden! Du Hoffnung aller Erlösungsbedürftigen! Ers wecke in mir die innigste, lebendigste Freude an deiner Mensche heit, Du Erstgeborner des ewigen Vaters von Ewigkeit! Lehre mich den Werth erkennen, den Du durch deine Menschs werdung auf die menschliche Natur legtest! Lehre mich innig empfinden, wie theuer wir Menschen in deinen Augen sind! Du Allerhöchster! deffen Höhe kein Gedanke erreichen kann, Du schämst Dich nicht, Dich unfern Bruder zu nennen. Und wir dürfen Dich hinwieder Bruder nennen, Dich- o du Herr aller Heerschaaren der Erde und des Himmels! Welche Erhöhung, welche Würde der menschlichen Natur!- Wir find durch Dich Glieder eines Leibes geworden, dessen Haupt Du bist, vereint mit Dir, durch ein ewiges, uns zertrennliches Band, vereint- wie die Rebe mit dem Weinstocke. Und das ist unser Leben und unsere Seligkeit, daß wir mit Dir vereint sind. Denn außer Dir ist Lod, Finsters. niß und Verderben. Nur im Glauben an Dich, und in der freuen Befolgung deiner Lehre ist Seligkeit und ein ewiges Leben. - 151 - - So komme denn, o göttliches Kind! laß mich Eins werden mit Dir in ewiger Liebe! Stille mein Verlangen, Dich, alle machtiger Menschenfreund! zu besitzen; bleibe in mir, wirs te mit deiner Gnade in mir, und erschaff' in mir einen neuen Geist und ein liebendes Herz, damit ich Dich immer standhaft 452 IV. Abschnitt. liebe, Dir treuer diene, und in allen Dingen deinen heiligen Willen erfülle! Amen. 111. Litaney vom heiligsten Namen Jesus. Herr, erbarme Dich unser! Christus, erbarme Dich unser! Herr, erbarme Dich unser! Jesus Christus, höre uns! Jesus Christus, erhöre uns! Gott Vater vom Himmel, erbarme Dich unser! Gott, Sohn, Erlöser Welt! 2c. Gott, heiliger Geist! Heiliger, dreveiniger Gott! Jesus, Du Sohn des lebendigen Gottes. Jesus, Du Sohn der Jungfrau Maria! Jesus, wahrer Gott und Mensch zugleich! Heiligster Jesus! Allmächtiger und barmherziger Jesus! 790 Gehorsamster und demüthigster Jesus! Sanftmüthigster und geduldigster Jefus! Jesus, Du Vorbild aller Tugenden! Erbarme Dich unser! Jesus, Du Heiland der Welt! Jesus, unser Mittler! Jesus, Du guter Hirt! Jesus, Du Zuflucht der Schwachen! Jesus, Du Retter der Seelen! Jesus, Du Quelle der Wahrheit! Jesus, Du ewige Weisheit! Jesus, Du unendliche Güte! Jesus, Du Vater der Armen! Jesus, Du Tröster der Betrübten! Jesus, Du Freude der Engel! Jesus, Du König der Patriarchen! Jefus, Du Licht der Propheten! Jesus, Du Meister der Apostel! Jesus, Du Lehrer der Evangelisten! Jefus, Du Stärke der Märtyrer! Jesus, Du Hoffnung der Beichtiger! Jesus, Du Bräutigam der jungfräulichen Seelen! Jesus, Du Krone aller Heiligen! Sey uns gnädig! Verschone uns, o Herr! Sey uns gnädig! Erhöre uns, o Herr! Von allem llebel! Erlöse uns, o Herr! Von aller Sünde zc. Durch deine gnadenreiche Geburt; Durch dein bitteres Leiden und Sterben; 5452 Durch deine glorreiche Auferstehung und Himmelfahrt; Durch die wunderbare Sendung des heiligen Geistes; Durch die Fürbitte der allerfeligsten Gottesgebährerin Maria; Durch die Fürbitte aller Engel und Heiligen; Am Tage des Gerichtes, Vom ewigen Tode! erlöse uns, o Herr! D Du Lamm Gottes! c.( Dreymal.) Jesus Christus, böre uns!- Jesus Christus, erhdre uns! Herr, erbarme Dich unser! Vater unfer ic. Ave Maria sc.- Gelobt sey der Name des Herrn, von nun an bis in Ewigkeit. Weihnachts Andachten. 153 Gebeth. O Jesus! vor Dir beugen sich alle Knie im Himmel, auf Erden und unter der Erde, und alle Zungen bekennen, daß Du seyest Christus, der Sohn des lebendigen Gottes, unser einziger Helfer und Heiland! Gieb uns, daß wir durch Anrufung deines heiligsten Namens seine Kraft erfahren; und erwecke in uns ein heftiges Verlangen nach deiner göttlichen Liebe, auf daß wir aus gans zem Herzen mit Mund und That Dich lieben, und niemals Dich zu loben aufhören. Du aber, allmächtiger Gott! laß uns durch den Heiland der Welt, dessen heiliges Geburtsfest wir heute ferern, zu Kindern Gottes neu geboren, und einst zum unsterblichen Leben erwecket werden; der mit Dir lebet und regieret zc. Amen. Am Feste des heiligen Stephanus, ersten Märtyrers. ( Betrachtung nach dem heil. Augustin und Fulgenz.) Gestern haben wir die Geburt des Herrn gefeyert; beute feyern wir das Fest der( himmlischen) Geburt feines feligen Dieners, des heiligen Stephanus. Gestern haben wir den Tag gefeyert, wo der König der Märtyrer der Welt geboren war; heute feyern wir den Tag, wo der Anführer der Märtyrer aus der Welt gieng. Die Geburt des Herrn feyerten wir an dem Lage, wo er sich herabließ, geboren zu werden; die Geburt feines feligen Dieners feyern wir an dem Zage, wo er gekrönt ward. Wir feyern die Geburt des Herrn an dem Tage, wo Er die Hülle unsers Körpers annahm; die Geburt feines felis gen Dieners feiern wir an dem Tage, wo er die Hülle seines Korpers ablegte, und nach dem heißen Kampfe dieses Lebens in die Ruhe seines Herrn cinging, mit dem er durch seinen Tod auf immer verbunden würde. Stephanus fürchtete den Tod nicht, weil er feinen göttli chen Meister, der für ihn getödtet ward, leben fah; fondern von innigster Liebe ergriffen, wünschte er, diesen Körper so bald als möglich zu verlassen, für den Herrn zu sterben, das mit er mit Jhm leben möchte. Denn er fabia den Hims meloffen, und Christus zur Rechten Gottes ftes ben. Jesus blickte also herab auf den, der für ihn tämpften und ab dem Streiter, damit er nicht unterliege, die Kraft des Siegers. Stephanus errang die Krone des Lebens, weil er an Den glaubte und Dem mit Jüngertreue nachfolgte, in Den allein Heil ist, in dessen Namen allein die Menschen selig verden können. Chistus wandelte als der Eingeborne des Baters voll Gnade und Wahrheit; Stephanus folgte Jhm nach als ein Mann voll Gnade und Stärke. Chriftus betbete für die, welche Ihn frens jigten; Stephanus für die, welche ihn steinigten. Unser Sperr 154 IV. Abschnitt. Jefus bethete an's Kreuz geheftet; Stephanus unter tödten. den Steinwürfen niederknieend. Als er noch stand, befahl er seinen Geist dem Herrn; als er niederkniete, bethete er für seine Feinde, wie ein Freund, indem er sprach: ,, Sich, ich Icide, ich wurde gesteiniget; gegen mich wüthen, gegen mich toben sie; aber rechne ihnen diese Sünde nicht zu; denn, was ich jest bitte, habe ich zuerst Dich am Kreuze bitten gehört. Ich, dein Knecht leide; Du littest vor mir, und es ist ein großer Unterschied zwischen mir und Dir. Du bist der Herr, ich der Knecht; Du der Meister, ich der Jünger; Du der Schöpfer, ich das Geschöpf; Du Gott, ich Mensch; Du der Heiligste, ich der Sünder! Auch ist ein großer Unterschied zwischen der Sünde derer, die mich steinigen, und der Sünde derer, die Dich freuzigten. Als Du sprachest: ,, Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie thun;" da bathest du für eine schwere Sünde, und lehrtest mich für eine leichte bitten; darum, o Herr! rechne meinen Steinigern ihre Sünde nicht zu. So bethete der heil. Stephanus, und als er das gesagt hatte, entschlief er im Herrn. O Schlaf des Friedens, o Rus he der Seligen! was kann erquickender, was wünschenswerther seyn! Wohlan! so will ich Dir nachfolgen, Du Erstling der christlichen Märtyrer! damit ich gekrönet werde wie Du. Nach folgen will ich Dir und ähnlich werden vor Allem in der Feindesliebe. Du spracheft nicht: ,, Herr! halte Gericht über meinen Zod!" sondern: Herr: nimm meinen Geift auf!" - Du spracheft nicht: ,, Herr Jesus! ráche deinen Knecht, den Du solchen Tod erleiden siehst!" sondern: ,, Herr! rechne ih nen diese Sünde nicht zu!" Von der Menge deiner Feinde umringt, blicktest Du unter ihren Steinwürfen fanftmüthig verzeihend auf sie herum, und standhaft liebend auf Denje nigen bin, für welchen Du getödtet warst, und der Dir zum Lohne deiner beharrlichen Treue die Krone des Lebens gab. - Noch jetzt bångt sie vom Himmel herab, diese herrliche Kros ne; wer standhaft um dieselbe kämpft, wird ewig mit dersels ben geschmückt werden; wer Gewalt brauchet, wird das Him. melreich an sich reißen. Gebeth. Darum, o Herr! verleihe mir die Kraft, nachzuahmen, was ich ehre und bewundere; lehre mich auch meine Feinde lieben, durch die Fürbitte des heiligen Stephanus, der selbst für seine Mörder und Verfolger um Gnade und Verzeihung gebethen hat zu Jesus Christus, deinem Sohne!- Allmächtiger, ewiger Gott! Du hast Dir die Erstlinge der Märtyrer in dem Blute des beligen Stephanus eingeweiht; laß den bey Dir einen Fürbitter für uns werden, der auch für seine Verfolger bath bey Jesus Christus, deinem Sohne, unsern Herrn! Amen. Weihnachts- Andachten. 155 Da am Feste des heil. Stephanus zugleich die Gedächtniß aller heil. Blutzeugen Jesus Christys unsers Herrn von der katholischen Kirche gefevert wird, so bethe an diesem Tage auch noch das nachfolgende Gebeth: Andacht zu Ehren der heiligen Mårtyrer. Wie verehrungswürdig seyd ihr uns, ihr heldenmüthigen Bekenner und Blutzeugen Jesus Christus, die ihr euch lieber martern und todten, als von der Wahrheit seiner Lehre ab. trúnnig machen ließet. Ihr habt das Christenthum mit eus rem Blute bezeuget und fortgepflanzt. Wie vielen Dank sind auch wir euch schuldig! aber zugleich wie ermunterno ist uns euer heiliges Beyspie!! - Sid Zwar hoffen wir, daß jene Zeiten verbey sind, wo die Christen des Glaubens wegen die schwersten Drangfalen und Berfolgungen auszustehen hatten. Aber ach! wie Vieles will auch mich noch von der Ausübung meines Christenthums abs wendig machen. Bald reizt mich eine schnöde Lust, ein scheins barer Vortheil, ein verführerishes Beyspiel; bald macht mich Furcht und Trägheit wankend. Wie schwach bin ich noch, wie wenig noch in der Geduld geübt! Wie muß ich mich scház men, wenn ich mich euch vergleiche, ihr glorreichen Märtyrer! Freylich sage ich oft: ich will lieber sterben, als fündigen!- und doch fündige ich lieber, als daß ich nur ein geringes Unrecht leide, eine harte Rede vertrage, ein furs zes falsches Vergnügen entbehre, einen schlechten zeitlichen Gewinn fahren lasse, oder eine kleine Beschwerniß überwinde; die mindeste Versuchung wirft meine besten Vorsätze zu Boden. Wie würde ich bestehen, wenn ich die Feuerprobe des Marters thums aushalten, Leben und Blut für mein Christenthum aufopfern sollte? So viel forderst Du dermalen nicht von mir, o Gott! Du willst nur, daß ich durch ein christliches Leben meinen Glauben standhaft bekenne, wider alle Reizung und Neigung zur Sünde, wider alle Hindernisse und Feinde meines Heils ritterlich kämpfe, und mich durch nichts in der Welt gegen Pflicht und Gewissen zu handeln, verleiten lasse. Dazu wirst Du mich durch deine Gnade stårken, wie Du die heiligen Märtyrer in ihren weit hårteren Kämpfen gestärket hast, wenn ich Dich nur um diese Gnade eifrig bitte, und derselben getreulich mitwirke. So will ich denn, o Gott! fern von aller Scheinheiligfeit, mich nie meines Christenthums schämen; es auch nicht achten, wenn ich deßwegen Spitterey, Verfolgung oder zeitlichen Schaden zu erdulden hätte. Tausendmal lieber will ich Unrecht Leiden, als Unrecht thun. 1 IV. Abschnitt. Meinen Feinden will ich mit Liebe begegnen, und sie mit Sanftmuth und Wohlthun zu gewinnen suchen. Unver drossen und standhaft will ich meine Christen- und Standes Pflichten erfüllen, und da ich mein Blut nicht, wie die heili gen Märtyrer, vergießen kann, so soll es wenigstens nur das zu in meinen Adern fließen, daß es mich bis zum legten Puls schlag zu unermüdet nüßlicher Thätigkeit und Ausübung guter Werke befebe. Auf solche Weise will ich meinen Glauben durch That und Leben bekennen, und mich mit so vielem Vertrauen zu Dir, o Gott! mit so viel Muth und Entschlossenheit, mit so viel Geduld und Standhaftigkeit ausrüsten, daß ich einst würdig werde, nach glücklich über: standenen Kämpfen und Leiden in der heiligen Gesellschaft deiner ruhmvollen Märtyrer, der Siegeskrone der himm lischen Herrlichkeit mich zu erfreuen. Amen. Kirchengebeth. Wir bitten Dich, o Herr! da wir heute auch das Andenken an alle heiligen Märtyrer feyern, Du wolleft uns in deiner Liebe fest gründen, und kräfs tige Wurzel faffen lassen, damit wir die Leiden dieser Welt aus Liebe zu jener Herrlichkeit, die an uns einst soll geoffen, ret werden, freudig und mit unüberwindlichem Muthe ertras gen mögen, durch Jesus Christus, unsern Herrn! Amen. 156 Bethstunde am lezten Abende des Jahrs. 1. Danksagung, Reue und Vorsaß. Herr meines Lebens! durch deinen huldreichen, väterlichen Willen habe ich auch den letzten Tag dieses Jahres erlebt. Mein Herz sey froh in deiner Güte, und mein Mund preise deine schonende Langmuth! Unaussprechlich viel Gutes haft Du unermüdeter Wohlthäter! mir in dem Laufe dieses Jahres erwiesen; vor unzähligen Gefahren mich bewahret; tausend Beweise deiner våterlichen Fürsehung mir gegeben, tausend gute Gedanken und Empfindungen in mir erweckt und veranlaßtauf tausend Weisen mich belehrt, gewarnt, ermuntert, getröſtet und gestärkt. An jedem Tage, in jeder Stunde hast Du mir Beweise gegeben, daß Du die Liebe, und daß Beseligen deine Luft sey. O Du nie- nie mich verlaffende Liebe! fen angebethet für sey Alles, was Du mir thateft, und was Du über mich verhängs teft. Erwecke mich zum herzlichsten Danke für Alles, und stárke mein Vertrauen auf deine unwandelbare Treue, und deine ununterbrechene Sorge für mich. Neujahrs Andachten. 157 Ach! Herz und Mund sollte von Dank, Jubel und Freude überstromen, daß Du Bater- mein Vater bist, und doch darf ich es kaum wagen, mein Auge zu Dir zu erheben- ich muß mich schämen meiner Unempfindlichkeit, meiner Uns achtsamkeit und Trägheit, mit der ich deine Wohlthaten ges dankenlos annahm und nicht selten gegen deine heiligen Abe sichten mißbrauchte. Je mehr ich nachdenke, je mehr entsetze ich mich vor der Menge Thorheiten, Schwachheiten und Uebers eilungen; meiner thörichten Wünsche, meiner sinnlichen Bes gierden, meiner eigensüchtigen oder heftigen Gemüths- Bewegungen, meiner unnüßen, auch wohl lieblosen und unwahrhafe ten Worte, und meiner Pflicht Vernachläßigungen! O mein Bater! was würde aus mir werden, wenn Du mit mir in's Gericht gehen, wenn Du nach meinen Sünden mir vergelten wolltest? Ich bekenne es mit tiefer Beschámung und Reue bekenne ich es: Herr! ich bin unwürdig aller Barmhers zigkeit und Treue, die Du an mir bewiesen hast. Sey gnås dig mir armen Sünder, und gieb Kraft und Festigkeit meinem heiligen Vorsate und feyerlichen Gelübde, mit dem ich dieses Jahr im Namen Jesus schließe: Meiner Fehltritte, auch der geringern, sollen weniger, und meiner Tugenden täglich mehr werden! Gönnest Du mir noch ein folgendes Jahr ich will es weise benügen: es soll mein unabläßiges, ernstliches Streben seyn- immer reiner zu werden vor deinen Augen, immer unsiráflicher vor der Welt, immer wohlthätiger gegen meinen Nebenmenschen. Bersage mir, o Bater! den Einfluß deines heiligen Geifies nicht; gieb zum Wollen auch das Vollbringen! meine Lebenszeit eilt, meine Tage schwinden Tod und Ewigkeit nahen fich mir mit schnellen Schritten. Herr! lehre mich meine Tage zähe len, ihren Werth erkennen, und jeden auf eine Dir gefällige Weise benügen. Dieß Jahr müffe das letzte meines Leichtsinnes gewesen seyn! Bater! vertrauensvoll übergeb' ich mich, und die Meis nigen, deiner unveränderlichen Güte! Sie werde mir neu eins. leuchtend jeden Tag des folgenden Jahres, den Du mir noch gonnen magst. als Unveränderliche Liebe! sey Du täglich mehr meine Hoffe nung und mein Trost, meine Zuflucht und meine Freude! In deine Arme werfe ich mich mit kindlichem Vertrauen dein Kind, als ein Glied der heiligen Kirche Jesus. chem und durch welchen ich Dich täglich würdiger anzubethen wünsche. Amen. in wels - - - - - 158 IV. Abschnitt. 11. Gottes Größe, unsere Kleinbeit; Gottes Treue, unsere Treulosigkeit. ( Aus den Schriften des ehrwürdigen Abtes Blosius.) Mein Gott! König der Ewigkeit! Du bist die Allmacht und die Hoheit! Du wohnest in unzugänglichem Lichte, und bist doch allgegenwärtig, unsichtbar dem sterblichen Auge, machst Du uns durch tausend Wohlthaten und Segnungen dein Daseyn kund. Deine Größe, Weisheit, Würde und Herrlichkeit haben keine Grenzen; Du bist der Heiligste, Gütigste, Huldvollste,- Du bist das höchste, vollkommenste, liebenswürdigste Gut: Und wer bin ich?- Ach, ein gar schlechtes Würmlein, ein unreiner Sünder, nicht werth, daß die Erde mich trage. Ich bin Staub und Asche, die Dürftigkeit und Armuth, die Schwäche und das Elend selbst. Ich kann nichts, ich habe und bin nichts aus mir selber! Wer bist Du?!- Wer bin ich?!— — Mein Gott! Du warst gegen mich immer getreu. Mit ewis ger Liebe hast Du mich geliebt, und mich ausgezeichnet als dein edelstes und schönstes Ebenbild. Du ließest mich in deiner heis ligen Kirche geboren werden, und gabst mir den wahren christ lichen Glauben. Wunder deiner erbarmenden Liebe! Wels cher Dank, welche Gegenliebe ist deiner würdig?-!- Deine Liebe zu mir zog Dich vom Himmel nieder, und kleidete Dich mit meiner Natur; fie machte Dich zu meinem Bruder, damit ich nicht, ausgeschlossen vom himmlischen Erbe, ewig zu Gruns de ginge. Drey und dreyfig Jahre hattest Du Mühe auf Erden, um mich selig zu machen. Um meinetwillen vergoßer Du all' dein Blut bis auf den letzten Tropfen. Unbilden aller Art, und alle Peinen, endlich den schmählichsten Tod des Kreuzes littest Du mit Geduld und Freude für mich. O wie hast Du mich geliebt! Nachdem ich feindlich Dich verlassen hatte, riefft Du mit aller Freundlichkeit mich zu Dir zurück. Ich sündigte, und Du wars tetest mit unverdroffener Langmuth so lange zu, bis ich mich durch deine Gnade zu Dir bekehret hatte, und Du mir mit váters licher Liebe die ungeheure Sündenlast abnehmen konnteſt. Täglich fall' ich öfters; täglich richtest Du mich wieder auf. So oft ich, wie ein Kind zu seinem Vater, zu Dir gebe, und meine Fehler reumüthig bekenne, nimmst Du mich auf mit aller Baters liebe, wäschest mich rein, und heilest meine Wunden. Du lehe rest, leitest und unterstüßest mich immer. Wie einen Augapfel bewahrest Du mich. Du hast mir deine holdeste Mutter, die heilige Maria, zur Mutter gegeben, die für mich fürspricht, Neujahrs Andachten. 159 durch die Du mich tröstest und mir hilfst. Einem Fürsten des Himmels, meinem Engel, trugst Du auf, mich zu beschüs gen. So forget deine Liebe táglich für mich, als wäre ich allein deine ganze Schöpfung. Mich ewig selig zu machen, leitest Du sowohl Glück, als Unglück zu meinem Besten. Du vergisfest nichts von allem dem, was ich mit guter Meynung zu deiner Ehre thue, rede, hore, lefe, betrachte, bethe und verlange. Nicht den mindesten guten Gedanken, in dem Liebe lebt, lásfest Du verloren gehen. Alles Gute, so unvollkommen und unwürdig es auch immer sey, bleibt Dir im Vaterherzen, um es dem Kinde einst zu belohnen. Du náhrest meine Seele mit Dir selbst, durch den Genuß im heiligsten Altars Geheimniffe. O, welche Nahrung, wels then Trost, welche Erquickung giebst Du mir da!- Auch meinem Leibe lásfest Du täglich das Nothwendige zukommen. Die Wohlthaten, die ich auch im jetzt geendeten Jahre wieder von Dir empfangen habe, und jeden Augenblick empfange, sind unzählbar, und deine Gütigkeit gegen mich ist unauss sprechlich. Zu alle dem habe ich von Dir noch die Verheis Bung deines herrlichen Licht und Freuden Reiches. Der ewis ge Genuß Deiner soll mir werden. Du willst nicht ohne mich selig seyn, wenn nur ich Dir dienen und in deiner Liebe bleiben, und so mit Dir selig seyn will. Nie hat eine Mute ter ihren Erstgebornen mit der Zärtlichkeit geliebt, mit der Du mich liebtest. Deine Liebe zu mir ist lauter Süße und Seligkeit. - - Aber ich! ich vergalt Dir von jeher Güte mit Bosheit, liebe mit Haß, Wohlthaten mit Undank!- Ach, Du die ewige Treue und Liebe gegen mich; und ich die ewige Untreue und lieblosigkeit gegen Dich!- Wie unendlich billig und gerecht ist es, daß ich von nun an, in tiefster Demuth mich Dir, meinem Gott, unterwerfe; daß ich vor deiner Majestät lautere Anbe: thung und zitternde Ehrfurcht sey; daß ich mich selber allezeit vernichte, und mich in deinen Willen ganz versenke; daß ich vor Dir, dem Allgegenwärtigen, und vor deinen heiligen Engeln In findlicher Furcht, Unschuld und Reinheit lebe.- Dieß vers leihe Du selbst zu deiner ewigen Ehre! Amen. - - - III. Ergebung an Jesus. Jesus Christus! Du Trost aller Herzen, die nach Dir vers langen! Du Leben der Seelen, die Dich lieben! Du Licht und Kraft aller Geister, die Dich suchen! laß mich Dir in heis 160 IV. Abschnitt. liger Liebe ungetheilt anhangen. Ich bitte Dich inständigst, bleibe und wirke in mir, und entzünde mich mit dem Feuer deiner Liebe, auf daß ich alles Jrdische nach seinem wahren Werthe schäße, und Dich allein, Du ewiges, höchstes, liebens: würdigstes Gut! aus ganzem Herzen, aus ganzer Seele, aus allen Kräften, das ist, über Alles liebe. Ach! mit Scham und Reue muß ich bekennen, daß ich im. mer noch mit unordentlicher Liebe an den Gütern dieser Welt hange, und Traurigkeit und Unfrieden von dieser eiteln Ans hängigkeit einerndte. O hilf mir, Herr, mein Gott! und gieb mir Liebe zu Dir und Freude an Dir in's Herz, und laß mich deine Nähe immer segenreicher fühlen. Freylich ist der Tempel meiner Seele zu eng, um Dich aufzunehmen; aber Du kannst ihn erweitern; er ist baufällig, aber Du kannst ihn wieder herstellen. Ich weiß und bekenne es, daß Vieles in meinem Herzen ist, was deinen Augen mißfällt. Allein wer kann es reinigen? Zu wem anders als zu Dir foll ich rufen: Reinige mich, o Herr! von meinen Sünden, und wegen fremder Misfethaten schone deines Knechtes( Pf. 18, 14). Du Zuflucht der reumüthigen Sünder, Jesus Christus! Erwecke in mir ein recht sehnsüchtiges Verlangen nach Dir, damit ich aus Liebe zu Dir den Unflath fleischlicher Begiers den und irdischen Neigungen ablege! Laß meinen Geist herrs schen über das Fleisch, die Vernunft über den Geist, und deis ne Gnade über die Bernunft, und unterwirf mich so inners lich und äußerlich deinem heiligen Willen. Verleihe mir, daß meine Seele, meine Zunge und alles in mir deinen Nas men preise, und daß ich auf Erden schon wie im Himmel wandeln möge. Entledige mich aller Bande, die mich an das Irdische fesseln, damit ich über alles Zeitliche hinweg zu Dir eile, Dir diene, Dir allein anhange, Dir unaufhörlich ergeben bleibe, Dir lebe und Dir sterbe!- Amen. ― IV. Herr, Gott, Dich loben wit! Herr, Gott! wir dans ken Dir. Dich, ewiger Vater! verehret der ganze Erdkreis. Dir fingen alle Engel, Dir fingen alle Himmel und alle Kräfte. Dir rufen alle Cherubim und Seraphim mit unermüdeter Stimme zu! Heilig! heilig! heilig ist der Herr, Gott Sabaoth! Himmel und Erde sind voll von der Majestät deines herrlichen Namens. Dich lobet der ehrwürdige Chor der Apostel. Dich rühmet die ers leuchtete Schaar der Propheten. Dich preiset das schimmernde Neujahrs- Andachten. 161 Heer der Märtyrer. Dich bekennet die heilige Kirche durch die ganze Welt; Dich, den Vater unermeßlicher Herrlichkeit, deis nen wahren, einzigen, anbethungswürdigen Sohn, und auch den heiligen Geift, den Tröster. Christus, Du König der Herrlichkeit! Du bist der ewige Sohn Gottes des Vaters! Um die Menschen zu erlösen, hast Du den jungfräulichen Leib nicht gescheuet. Du hast den Stachel des Todes überwunden, und den Gläubigen das Himmelreich eröffnet. Du sißest zur Rechten Gottes, in der Herrlichkeit des Vaters. Als Richter wirst du wieder kommen; unser Glaube erwartet Dich. Dars um bitten wir Dich, komm deinen Dienern zu Hülfe, die Du mit deinem theuren Blut erlöset hast. Laß unsere Namen in der Zahl deiner Heiligen, dort im Lande der ewigen Herrliche keit genennet werden. Herr! rette dein Volk, und segne dein Erbe. Regiere deine Diener, und sey ewig ihr Schuk. Alle Lage preisen wir Dich, und loben deinen Namen in Ewige keit, und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Erhalte uns, o Herr! diesen Tag hindurch ohne Sünde. Erbarme Dich unser, o Herr! erbarme Dich unser. Laß uns deine Erbarmungen so erfahren, wie wir auf dich vertrauet haben. Auf Dich, o Herr! habe ich gehoffet, ich werde ewig nicht zu Schanden werden. Laßt uns preisen den Vater, Sohn und heiligen Geist. Ewig währe unser Lob und unsere Anbethung des dreyeinigen Gottes. Gebeth. Gott! deine Erbarmungen sind ohne Zahl, und die Schäße deiner Güte ohne Maß; Du giebst den Fles henden, um was sie bitten, und bist nahe denen, die Dich anrufen. Wir danken deiner Majestät, die ganz Liebe ist, für alle Gaben, die Du uns geschenket hast, und flehen ohne Unterlaß zu deiner Milde, die ganz Weisheit ist, daß Du uns zu der Belohnung des kommenden Lebens weise vors bereitest und gnädig hinüber leitest, durch Jesus Chris stus, deinen Sohn, unsern Herrn! Amen. maty V. Litaney von der göttlichen Vorsehung. herr, erbarme Dich unser! Christus, erbarme Dich unser! Christus, höre uns! Christus, erhöre uns! Gott, allmächtiger Schöpfer des Himmels und der Erde! Erbarme Dich unser! Allwissender und allweifer Gott! 2c. Allmächtiger und allgütiger Gott! Langmüthiger und barmherziger Gott! Du bestes und liebenswürdigstes Gut! 11 162 IV. Abschnitt.sse Der Du Dich aller deiner Geschöpfe erbarmest, erbarme Dich unser! Der Du Alles, was da lebt, mit Segen erfüllest, Der Du die Lilien und Blumen des Feldes bekleidest, Der Du Alles zum Dienste der Menschen erschaffen hast, s Der Du Alles mit Weisheit und Liebe erhaltest und regierest, Der Du die zeitlichen Trübsale zu unserer Prüfung und Besserung schickest, Der Du denen, die Dich lieben, Alles zum Besten lenkest, Der Du alle Haare unsers Hauptes zählest, Der Du die christliche Geduld mit ewigen Freuden belohnest, Gott, unser einziger Tröster und Helfer, Sey uns gnädig, verschone uns, o Herr! Von allem Uebel des Leibes und der Seele, erlöse uns, o Herr! Von allem Murren und Klagen wider deine heiligsten Anordnungen, Von Kleinmuth und Ungeduld, Von überflüssigen Sorgen für das Zeitliche, Von zu großem Vertrauen auf Reichthum und Menschengunst, Von allem Mißbrauche deiner Gaben und Wohlthaten, Von aller Lieblosigkeit gegen den Nächsten, Von aller Verhärtung in der Sünde, Von Schatter, Hagel, Mißwachs und Theurung, Wir armen Sünder, wir bitten Dich, erhöre uns! Daß wir immer auf deine göttliche Vorsehung vertrauen, Daß wir im Glücke nicht hochmüthig und gottesvergessen werden, Daß wir im Unglücke nicht mißtrauisch und ungeduldig werden, Daß wir allen deinen Fügungen uns findlich unterwerfen, Daß wir deinen Namen preisen, Du magst geben oder nehmen, Daß dein Wille, wie im Himmel, also auch auf Erden geschehe, Daß Du uns gebeft, was wir zur Erhaltung unsers Lebens bedürfen, Daß Du in der Betrübniß Trost und Hülfe uns sendest, Daß uns die Trübfale zur Besserung unsers Lebens verhelfen, Daß Du uns in allen Widerwärtigkeiten stärkest und zur Tugend hinführest, Daß Du uns Allen für die zeitlichen Leiden die ewigen Freuden ertheilest, Daß Du unsere geistlichen und weltlichen Obrigkeiten mit dem Geiste der Weisheit und Frömmigkeit erfüllest, Be Daß Du unsere Arbeiten und Geschäfte segnest, und zu unserm sten lenfest, Daß wir einst ewig deine heilige Vorsehung im Himmel preisen und loben, O. Du Lamm Gottes ic. Herr, erbarme Dich ic. Vater unser ic. Aller Augen sehen auf Dich, o Herr! Und Du glebst ihnen Speiſe zur rechten Zeit, und erfüllest Alles, was da lebt, mit deinem Segen. Ehre sey dem Vater ic. 150 WE d3 aunt, Gud id long dna, ston Gebeth Gütigster Gott und Vater aller Menschen! Du kennest und weißt Alles, was wir denken, reden, thun und leiden.- Du bist überall zugegen, und regies rest wunderbar deine Welt; Du leitest alle Schick sale der Menschen zu ihrem Besten, und erbarmest Dich unser, wie sich ein Vater seiner Kinder erbarmet, selbst die reumüthigen Sünder nimmst Du gnädig auf, wenn sie sich zu Dir bekehren. -- 1 Neujahrs- Andachten. 163 Voll Demuth unterwerfen wir uns deiner göttlichen Majestät, und danken Dir für alle in diesem Jahre uns ers wiesenen Gnaden und Wohlthaten; ja sogar für alle, über uns so väterlich verhängte Drangsale und Leiden danken wir Dir. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, also auch auf Erde; mache mit uns, o Herr und Vater! was und wie Dir gefällt. Deiner Vorsicht überlassen wir Alles, auf deine Güte und Weisheit setzen wir unser ganzes Vertrauen. Erlöse uns von allem Ulebel, besonders von N. N.- Doch herr! nicht wie wir wollen, sondern wie Du willst; gieb uns nur Gnade und Stärke, wenn du Leiden sendest, damit wir Dir wohlgefälliger, deinem lieben Sohne Jesus Christus im Leiden ähnlicher, und einst seiner Freuden theilhaftig werden, wo Er mit Dir und dem heiligen Geiste gleis her Gott, herrschet von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. VI. Gebeth für alle in diesem Jahre Verstorbenen. O Gott! aller Gläubigen Erschaffer und Erlöser! vers leih den Seelen deiner Diener und Dienerinnen Verzeihung ihrer Sünden, damit sie die Nachlassung, die sie allezeit ges wünscht haben, durch unser demüthiges Gebeth erhalten mögen, durch Jesus Christus, unsern Herrn! Amen. Herr! gieb ihnen die ewige Ruhe, und das ewige Licht leuchte ihnen. Laß sie ruhen im Frieden! Amen. Es segne uns Alle der allmächtige Gott, Vater, Sohn und heilige Geist! Amen. VII. Lester Gedanke im alten, und erster Gedanke im neuen Jahre. Gelobt sey Jesus Christus! In Ewigkeit! Amen. Bach' ich früh Morgens auf, so sag ich bald darauf: ,, Gelobt fey Jesus Christus!" auf, fo fa Médann zieh' ich mich an, und fang' zu bethen an: ,, Gelobt sey Jesus Christus!" Beym Gruß der Jungfrau keusch, denk ich: Das Wort ward Fleisch. Gelobt sey Jesus Christus!" In Arbeit, Müh' und Streit, jest und in Ewigkeit: ,, Gelobt ſey Jesus Christus!" Geh ich zur Kirch' hinein, so soll mein Erstes seyn: Gelobt sey Jesus Christus!" Estheilt in diesem Haus' Gott seine Gnaden aus: Jesus Christus!" Führ ich die Arbeit fort, sprech' ich dabey das Wort: Jesus Christus!" 11* - Gelobt sey Gelobt sey 164 IV. Abschnitt. Und ist sie nun vollbracht, so wird der Schluß gemacht: fey Jesus Christus!" ,, Gelobt ,, Gelobt sey ,, Gelobt sey Schickt Gott mir gute Zeit, ruf, ich mit Dankbarkeit: Jesus Christus!" ,, Gelobt sey Und trifft ein Unglück mich, so bethe hoffend ich: ,, Gelobt sey Jesus Wie wird mir Alles ring, wenn ich von Herzen sing': Jesus Christus!" Mag die Verrichtung mein, nun schon wie immer seyn: Jesus Christus!" Christus!" Wenn er mich lieben thut, dann wird's schon wieder gut: ,, Gelobt sey Jesus Christus!" Sey groß auch meine Schuld, doch tilgt sie seine Huld: Jesus Christus!" ,, Gelobt sey ,, Gelobt sep ,, Gelobt fep ,, Gelobt sey Wenn ich gefündigt hab', bitt' ich's mit Thränen ab: ,, Gelobt sey Jesus Christus!" Schmeckt eine Speise mir, dank' ich dem Herrn dafür: Jesus Christus!" Trink' ich, ruf ich dabey: Dem Herrn die Ehre sey: Jesus Christus!" Denk' ich nur immer Dein, werd' ich wohl mäßig seyn: Jesus Christus!" Er giebt nach wahrer Buß', mir dann den Friedenskuß: ,, Gelobt sey Jesus Christus!" Und leg' ich mich zur Ruh', so ruf ich immer zu: ,, Gelobt sey Je sus Christus!" ſo ruf ich im ,, Gelobt sev So singend schlaf' ich ein, in Gott dem Vater mein: Jesus Christus!" Von Jhm ich Alles hab', Jhm sing' ich bis in's Grab: Jesus Christus!" Ich lad' Erd', Himmel ein, daß sie mit stimmen ein: Jesus Christus!" ,, Gelobt sey ,, Gelobt sey Ihr möget nun essen, oder trinken, oder etwas Anderes thun, so geschehe Alles zur Ehre Gottes. 1. Kor. 10, 31. Am Neujahrs- Tage. 1. Neujahrs, Wunsch.( Thomas v. Kempis.) Lehre Jesus vom wahren Frieden. Jesus. Mein Kind! jest will ich dir den Weg in das Land des Friedens und der wahren Freiheit weisen. Seele. Mein Herr! thu nach deinem Wort; denn von Friede und Freyheit höre ich am liebsten reden. - Jesus. 1) Laß es dir angelegen seyn, lieber dem Willen eines Andern, als deinem eigenen nachzuleben. 2) Wähle mn Allem, was vergänglich ist, das Wenige vor dem Vielen. 3) Sebe dich lieber unten bin, und sey gerne unterthänig.-4) Wün sche und bethe immer, daß Gottes Wille in dir vollkommen erfüllet werde.- Wer dieſen Sinn hat, der sehet seinen Fuß in das Land des Friedens und der Ruhe. Neujahrs, Andachten. II. Meßandacht. ( Wie am heil. Weihnachtsfefte zur zweiten beil. Messe S. 140.) III. Bethstunde. - 1. Gebeth zu Jesus. dist Mit Dir Jesus Christus- und in deinem Namen bes ginn' ich dies neue, irdische Lebensjahr.- Du, dessen theurer Name mir heute besonders wichtig ist. Du heiliger Jefus - dein Name, vor dem sich alle Knie beugen, sey von mir gepriesen! BIA Du- Retter, Erlöser, Begnadiger, Befeliger Aller, die an Dich glauben Ich glaube an Dich; erbarme Dich meiner, und laß dieses Jahr ein Jahr des Heiles für mich werden. Sey mir was dein Name sagt ein wahrer Helfer, wo mir Niemand, helfen kann, ein Begnadiger, ein Stårs fer, ein Erfreuer, wie es kein Sterblicher, wie es Niemand außer Dir seyn kann! by haeng 1 Deine Huld gegen alle Menschen deine Huld auch ges. gen mich, werde mir mit jedem Tage gewisser, und der Fries de Gottes, den Du vom Himmel auf die Erde brachtest, bes felige mich immer mehr! Ich vertraue auf deinen heiligen Namen! Du bist meine Stárke, wenn ich schwach bin- mei. ne Freude, wenn ich traurig bin mein Helfer, wenn ich leide mein Befeliger, wenn ich sterben mein höchstes Gut, mein Einziges und Alles, darum erneure ich im neuen Jahre den neuen Bund 33 - - - 165 - Lebe ich, fo lebe ich Dir- flerbe ich, so sterbe ich Dir - ich mag nun leben oder sterben, so bin ich Dein, o Jesus hochgelobt in Ewigkeit! Amen. 4 2. Jefus mein Gott und mein Alles. ( Aus der Nachfolge Jesus, von Thomas v. Kempis.) Mein Gott und mein Alles! was will ich mehr, und was kann ich Seligeres wünschen? Mein Gott, mein Alles! O, ein Wort voll Süße und Lieblichkeit, aber füß und lieblich nur dem, der das ewige Wort lieb hat, und nicht die Welt, und nicht die Güter der Welt! Mein Gott, mein Alles! Es ist mit diesem Worte genug gesagt dem, der's versteht, und wer die Liebe hat, der versteht es, und bört es immer gern, und wenn es wieder und wieder ges Denn, wenn ich Dich, o mein Heiland! besike, fo ist mir Alles lieblich und füß; bist Du fern, so ist Alles bitter und eckelhaft. Du machest das Herz stille, und schafs fest aroßen Frieden und festliche Freude. Du giebst es uns in das Herz, daß wir alle Dinge gut finden, und Dich das höchste Gut in allen Dingen loben. Ohne Dich kann uns nichts auf die Dauer gefallen. Und wenn uns irgend etwas wahrhaft lieblich und angenehm werden soll, so darf deine Gnade nicht fehlen, so muß es durch deine Weisheit fagt wird. gewürzet werden. 6109 IV. Abschnitt. Wer an Dir Geschmack findet, den erfreuet Alles wohl ( was von Dir kömmt, oder zu Dir führt). Und wer an dir Feinen Geschmack findet, was soll ihm Freude schaffen?- Alle die, welche nur an der Weisheit der Welt, oder an der Lust der fünf Sinne Geschmack finden, erliegen, fern von dei ner Weisheit, auf ihrer mühesamen Bahn, weil sie in der Weisheit der Welt nichts als Eitelkeit und Eitelkeit, und in den Freuden der fünf Sinne nichts als Tod und Lod finden können. Die aber, welche durch Verschmähung der Weltfreuden und durch Ertödtung der sündlichen Lüfte des Fleisches Dir nachfolgen, diese beweisen, daß sie die rechte Weisheit besitzen, weil sie von der Eitelkeit zur Wahrheit, vom Fleische zum Geiste durchgedrungen sind. O! diese haben Freude in Gott, und was sie in den Geschöpfen Gutes fins den, das legt ihnen einen neuen Lobgefang auf den Schöpfer in den Mund. O ewiges Licht, das alles erschaffene Licht übersteiget, leuchte mit deinem Strahl aus der Höhe, und durchdringe das Innerste meines Herzens. Reinige, erfreue, verkläre und belebe memen Geist famint feinen Kräften, daß er Dir anhänge mit innigster Liebe, mit überschwänglichem Jubel. O! wann wird kommen die selige und erwünschte Stunde, da Du mich sättigest mit deiner Gegenwart, und mir seyn wirst Alles in Allem? So lange mir dieses nicht wird gegeben, werde ich keine vollkommene Freude bas ben. Aber ach! noch lebet in mir der alte Mensch, noch ist er nicht ganz gefreuziget, noch nicht vollkommen gestorben. Noch gelüftet er gewaltig wider den Geist, erreget innerli che Kriege, und leidet nicht, daß das Reich der Seele ruhig fen.- 23121-1942 19 Aber Du, der Du herrscheft über die Gewalt des Meeres, und stillest das Zoben seiner Wellen, mache Dich auf, und bilf mir einen guten Kampf gegen die Begierlichkeit des Fleis sches kämpfen, wachen und bethen, und in der Versuchung durch Dich überwinden. Außer Dir giebt es kein Heil für mich, und es bleibet mir keine andere Hoffnung noch Zuvers sicht als Du, mein Herr, und mein Gott! E dilden SHUNY 20 3. Gebeth zu Jesus, die Liebe Gottes zu erfleben. ( Vom gottseligen Ludwig von Granada.) Oliebreicher Jesus! Du Heil meiner Seele! Wann,! wann werde ich Dir in Allem und durch Alles wohlgefallen! Wann werde ich aus Liebe zu Dir mir selbst und allen Ge schöpfen ersterben? Erbarme Dich meiner, o Herr! und hilf mir! Bor deiner göttlichen Hocherhabenheit erscheine ich, 0 mein Heiland! und küffe in liebender Andacht deine heiligen Wunden. Verbirg mich, o Gütigster, in denselben, daß ich dort vollkommen gereiniget, und von deiner Liebe ganz erfüllet werde. Herr, mein Gott! mein wunderbarer Ursprung Du einziges Licht meines Verstandes, und Ruhepunkt meines 166 -- Neujahrs Andachten. Willens! Wann werde ich mit aller Glut meines Herzens Dich lieben? O mein Jesus! verwunde mit dem Pfeil deiner innigfien Liebe mein Herz. O Du meine Sehnsucht, mene. Hoffnung, meine Liebe! wäre doch meine Seele würdig, ganz von deiner Liebe entflammt zu werden, daß alle ihre Lauigkeit in diesen göttlichen Gluthen verzehret würde. mein Erlöser! nach Dir verlange ich, Dir opfere ich mich ganzlich auf, eins dem Einen, ganz dem Ganzen, eins zig dem Einzigen. Nichts will ich außer Dir, nichts verlan ge ich, nach nichts sehne ich mich, als nach Dir! denn Du ich mich, als nach Dir! denn Du allein genügst diesem Herzen; o mein König, mein Herrscher, mein Lenker, mein Vater und Alles! Ganz lieblich bist Du, durchaus erfreulich und getreu. Wer ist freigebiger als jes ner, der für ein so geringes Geschöpf sich selbst dargegeben bat! Wer so demüthig, daß er feine hocherhabene Majestát so ganz erschöpfte, ia ablegte? Herr, der Du niemand vers achtest, niemand abweiseft, der Dich sucht, ja der Du viel, mehr dem Dich Suchenden entgegen kommst, thn begleitest, und den Weg ihm zeigest, Du beweiseft fürwahr, daß es deis ne Wonne ist, bei den Kindern der Menschen zu seyn. Es preisen Dich, o Herr! deine heiligen Engel für diese übers aus große Milde; denn was anders fandest Du in uns, als Elend und Sünde, und dennoch wolltest Du bey uns bleiben bis an's Ende der Welt! Genügte es dieser unerschöpflichen Güte nicht, für uns zu sterben, Sakramente uns zu hinters lassen, und die Engeln des Himmels zu Hütern uns zu ges ben, daß Du selbst der Herr der Majestät, bey uns und in unserer Gesellschaft bleiben wollteft! So schließe ich denn im neuen Jahre einen neuen Bund, o mein Gott! den Bund der innigsten Liebe und der treuesten ingebung. Schalte mit mir nach deinem Wohlgefallen, wie Du es mir als zus traglich erachtest; denn Dein, und keines Andern will ich seyn. Berleihe mir, o Herr! daß ich außer Dir nichts verlange, daß ich ganz Dir mich opfere, und Dich nimmermehr vers laffe, 167 uns - Gluth, die mich durchflammt! o Liebe, die mich durch, glüht! o meine Ruhe o ewige Liebe! mann werde ich Dich vollkommen lieben? Wann werde ich mit den Armen des Glaubens und der Liebe Dich umfangen? Wann werde ich mich von meiner Sinnlichkeit und Allem, was mich von dir zurückhalt, tosreißen, daß ich um so frever Dich liebe? Wann wird meine Seele mit allen ihren Kräften und Vermögen voll. fommen mit Dir vereiniget werden?- Du, o liebreichster, vollkommenster, huldvollster, reichster, erhabenster König des Himmels, bist die Liebe und Anbethung aller Wesen: Les ben meiner Seele, das Du gestorben bist, damit ich leben mös de, und sterbend den ewigen Lod ertödtet, baft! ertödte alles Unheilige in mir; vertilge alle meine bösen Triebe, meinen Eigenwillen, und was immer mir Schranken seßen kann, daß ich vollkommen in Dir lebe. Und nach einem solchen Tos de erwecke mich zu einem neuen Leben in deiner Liebe und in 168 IV. Abschnitt.e deinem Gehorsam, daß ich immer deine Gebote, und die Ge bote derjenigen, die Du mir vorgesetzt haft, mit aller Treue befolge, und unabläßig deinen Willen thue. O gütiger Je fus! verleihe mir die Gnade, daß ich alle meine Sünden ver abscheue, vor aller Gottlosigkeit bebe, und von ganzem Her zen mich zu Dir wende; denn in Dir allein find alle meine Gedanken und Wünsche vereinigt; in Dir lebt mein Gedächt niß, mein Verstand, mein Wille und alle Kräfte meiner Seele. Jesus! Alles in Allem! Amen. 5. Litaney vom heiligsten Namen Jesus. ( Wie am heiligen Weihnachtsfeste. Seite 152.)? oron Auf das Fest der Erscheinung des Herrn. Congodbles nop Zur heiligen Messe. Vorbereitungs Gebeth. ( Thomas v. Kempis Nachfolge Christi 111. H. 23. V.) O gütigster Jesus! Du erleuchtest Jeden, der da in die Welt eintritt; erleuchte mich mit der Klarheit dei nes Lichtes, das im Innern leuchtet, und vertreibe aus der Wohnung meines Herzens alle Finsterniß. Unter: drücke die mancherley ausschweifenden Gedanken, und nimm von mir die Versuchungen, die mit Gewalt auf mich einstürmen. Streite Du für mich, denn Du bist und heißest der Starke, und bezwinge die anreizenden Begierden. Deine siegende Kraft stelle den Frieden in mir her, damit ich das Lob deines Namens verkünde mit reinem Herzen. Sende herab dein Licht und deine Wahrheit, und laß fie leuchten auf Erde; denn ich glei che einem leeren, wüsten, unfruchtbaren Lande, bis Du mich erleuchtest. Gieß aus deine Gnade von oben; be feuchte mein Herz mit himmlischem Thau; die heilige Thräne der Andacht beneße dies Erdreich, daß es gute, daß es die besten Früchte bringe. Erhebe mein Gemüth, welches durch die Last der Sün. den niedergedrückt ist, richte mein ganzes Berlangen zu himmlischen Gütern empor, und befestige es in dieser Richtung, damit ich die Seligkeit, die da droben zu Hause ist, verkosten, und, im Vorgeschmack des Himmlischen, das Irdische für nichts achten möge. 0:00 1-4 Erscheinung des Herrn. 169 Verbinde mich mit Dir durch das Band der unzertrennlichen Liebe; denn Du allein genügest den Liebenden, und ohne Dich sind alle Dinge eitel. Kirchengebeth. O Gott! der Du an diesem Tage deis nen Eingebornen den Heiden durch die Wegweisung des Sternes geoffenbaret haft, verleih' uns, daß wir, die im Lich te des Glaubens Dich schon erkannt haben, durch Dich dahin geleitet werden, wo wir deine Herrlichkeit von Anges sicht zu Angesicht schauen können, durch denselben Jesus Chris stus, deinen Sohn, unsern Herrn! Amen. Unter der Epistel und dem Evangelium. Herr Jesus Christus! in dem heutigen Evangelium werden uns herrliche Zeugnisse von deiner Geburt verkündet. Erstlich bekennen die ungläubigen Juden selbst, daß nach dem Ausspruche der Propheten Du unser wahrer Ers löser und Heiland zu Bethlehem geboren werden solltest. Dann hast Du Dich auch den heil. drei Weifen im Morgenlande durch einen Stern wunderbar geoffenbaret; durch ihn geleitet, suchten sie Dich auf, und brachten Dir, wie David der Prophet weissagte, ihre Anbethung dar mit Gold, weil Du ein König des Himmels und der Erde; mit Weihrauch, weil Du bist der wahre Gott und der höchste Pries ster nach der Ordnung Melchifedechs, und mit Myrrhen, weil deine Gottheit unsere schwache, sterbliche MenschenNatur an sich genommen hat. Heute hast Du geoffenbaret den wunderbaren Rathschluß Gottes, daß in Dir alle Heiden und Völker sollen selig werden; heute hast Du deine gnadenreiche Ankunft den dren Weisen kund gethan, sie, obschon sie heiden waren, wunderbar zu Dir berufen und geleitet. Für diese unaussprechliche große Gnade und Barmherzigkeit danken wir Dir herzlich, und bitten Dich demüthig, laß auch in unsern Herzen den Stern deiner Gnade aufgehen, der uns bewege, daß wir aus dem sündigen Wesen und Leben dieser Welt gerettet, uns erheben und auf den Weg machen, um Dich zu suchen, zu finden, anzubethen, zu verehren, und Dir allein zu dienen. Wir bitten auch, o Herr! wie Du durch deine heiligen Engel die drey Weisen vor dem Könige Herodes gewarnet, und sie einen andern Weg in ihr Vaterland zu ziehen gewiesen hast, also wollest Du auch uns durch deine hei 170 IV. Abschnitt.19 ligen lieben Engel vor dem bösen Feinde und allen sei nen Nachstellungen gnädiglich bewahren, und uns leiten und führen lassen auf dem Wege, auf welchem wir zu Dir in das himmlische Vaterland kommen, Dich daselbst mit dem Vater und dem heiligen Geiste einen einigen Gott ewiglich zu ehren, zu loben und anzubethen! Amen. ( Die Fortsesung der heiligen Messe vom Credo an, aus der AdventsMesse Seite 123.) - Bethstunde. 1. Betrachtung und Gebeth auf das Fest der Erscheinung des Herrn. is( Von Fenelon.) Mein Gott! ich komme zu Dir in Zuversicht und Freude meines Herzens. Ich habe nichts in mir, und ich finde Alles in Dir allein. D. wie arm bin ich, und wie reich bist Du! Doch wozu bedarf ich reich zu seyn, da Du es für mich bist? Ich verchre den ewigen Reichthum deiner Gnade, und gefalle mir in meiner Armuth und Nichtigkeit. Verleihe mir deinen Geist, damit ich heute deinen göttlichen Sohn Jesus betrachs ten möge, wie Er von den Weifen angebethet wird. Ich falle mit ihnen nieder, um Ihn im Geiste anzubethen. Diese ehrwürdigen Männer überließen sich der Führung des Sterns, ohne zu vernünfteln. Sie geben ihre Vernunft ges fangen, um einer höheren zu gehorchen. Sie setzen sich über Alles hinaus, über ihre Bequemlichkeit, über ihre Geschäfte, über das Gerede des Volkes. Was soll man von ihnen den ten? Sie gehen, ohne zu wissen, wohin? Was ist aus der Klugbeit dieser Männer geworden, die als Herrscher über Ans dere geboten? Welche Leichtgläubigeit! welcher blinde Eifer! So mochte man vielleicht über sie geurtheilt haben, als man fie abreifen fab. Allein sie achten weder den Zadel der Men schen, noch den Verlust ihrer Ehre, selbst nicht den Vorwurf ihrer eigenen Vernunft, die sie bintanfeßen. Sie scheuen sich nicht, als Thoren zu gelten, und verzichten sogar auf ihre eis gene Rechtfertigung. Sie unternehmen eine lange, beschwers liche Reife, ohne zu wissen, was sie damit bezwecken werden. 3war entdeckten sie einen ganz außerordentlichen Stern; allein wie viele andere sternkundige Männer fanden in diefer Ers scheinung nichts Uebernatürliches? Sie allein fühlten sich aufs geklärt und gerührt bis in den Grund ihres Herzens. Gin inwendiges Licht eines reinen Glaubens führet sie sicherer, als das Licht des Sterns. Und so darf man sich nicht mehr wundern, wenn sie ohne Anstand ein armes Kind in der Krips pe anbethen. O wie so klein sind sie geworden, diese Großen der Erde! Wie sehr ist ihre Weisheit vernichtet! Send ihr denn, o ihr Weisen! darum hieher gekommen aus der Liefe Erscheinung des Herrn. 171 des Morgenlandes, um hier ein Kind anzubethen, das gleich den übrigen ernährt wird, und weinet? Es daucht mich, daß sie mir darauf also antworten: Es ist die Weisheit Gottes, welcher die unsrige sich unterwirft. Je geringer der Gegenstand zu feyn scheint, desto Gottes würdiger is feine Absicht, daß Er uns zur Anbethung desselben erniedriget. O ihr Weisen! ihr mußtet wohl selbst zu Kindern gewors den seyn, um den wahren Gott im Kinde Jesus anzuers kennen. wird wo Aber, wer wird wohl auch mir diese vertrauensvolle Kind lichkeit mittheilen, und diese heilige Einfalt der Weisen? Fers ne von mir die gottlose, unfelige Weisheit des Herodes und der Stadt Jerufalem. Man berathet feine Vernunft; man gefällt sich in seiner Weisheit; man glaubt, felbst unbes greifliche Dinge zu begreifen. O hochmüthige, unheilige Wetss heit! ich fürchte dich, ich hasse dich, ich will dich nicht mehr anhören. Mein einziges Verlangen ist, die Kindheit Jefus in mir darzustellen. Die unverständige Welt mag dazu fas gen, was sie will; sie mag sich selbst daran árgern. Wehe der Welt wegen den Aergernisfen! Ich liebe nun mehr die Schmach und die Selbstentäußerung( die Armuth und den Gehorsam) des Heilandes. Allem Uebrigen bin ich losgesagt. Reine menschliche Rücksicht, feine Furcht vor Spottereyen und fchiefen Urtheilen der falschen Weisen soll mich in meinem Borsake erschüttern. Glücklicher Vorsak! Aber wie werde ich ihn ausfüh ren? Du, Herr! der Du in mir das Verlangen erzeugt haft, gieb mir auch Muth zum Erfüllen. Mir leuchte kein anderes Licht, als das von Oben: Mir gebiete keine andere Vernunft, als diejenige, die den willigen Gehorsam meiner Vernunft zum Opfer verlangt. O Gott! Du ewige Wahrheit, Du reine, höchste Bernunft! sey Du mein einziges Licht, das mir leuch. te in der Finsterniß des Lebens. spilled 11. Jeſus, mein lebendiges Licht! erbarme Dich meiner, und erleuchte mich.( Nach dem h. Augustin.) Jesus Christus! Du Abglanz der Herrlichkeit des Bas ters, der Du über die Cherubim erhöhet sißest und die Ab gründe durchschaueft; laß von deinem Lichte mich erleuchtet werden, und komm, dein Heil mir zu bringen.- Erbarme Dich meiner, und erleuchte mich, damit ich Dich immer fo ehre, wie ich den Vater ehre! Du wahres, erleuchtendes und nie abnehmendes Licht, in das auch die Engel zu schauen gelüftet, erbarme Dich meiner, und erleuchte mich, damit ich im Lichte wandle, wirke, so lang es noch Tag ist, und nicht von der Finsterniß überrascht werde. Denn wer im Finstern wandelt, der weiß nicht, wo er hingeht. Du bist mein leber IV. Abschnitt. bendiger, wahrer Gott. Erbarme Dich meiner, und erleuch te mich, daß ich Dich anbethe im Geiste und in der Wahr heit. 172 Du bist mein heiliger Vater, und mein gütiger Herr! erbarme Dich meiner, und gieß ein in mein Herz den Geist der Kindheit, damit ich in folgfamer Liebe und treuer Anhánglichkeit auf dem Wege deiner Gebote wandle, und einst als ein guter und getreuer Knecht von Dir in die Freude men nes Herrn eingeführt werden möge. Du bist mein einziger Lehrer und machtiger Kb nig! Du hast Worte des ewigen Lebens; erbarme Dich meis ner, und erleuchte mich, daß ich zuerst suche das Reich Gots tes und seine Gerechtigkeit. Du bist mein guter Hirt und mein treuester Heb fer! Du giebst den Schafen, die deine Stimme hören und Dir folgen, das ewige Leben; erbarme Dich meiner, und nimm mich verirrtes Schäflein auf deine Schultern, und tra ge mich zur Heerde der Kinder Gottes zurück. Du bist meine vollkommene Liebe, meine füßeste Freude, mein ewiges Heil! Du hast Dich für uns in den Tod hingegeben aus Liebe; erbarme Dich meiner und ers leuchte mich, daß ich Dich entgegen liebe, nicht mit dem Muns de oder mit dem Worte allein, sondern in der That und Wahrheit. Du bist meine Wonne und mein Erbe; in Dir, o Jesus! will ich mich erfreuen ewiglich. ndo) Du bist meine herrlichste Weisheit, mein wahres Licht, mein rechter Weg, mein Führer zum Vaterlande! Du erleuchtest Jeden, der in diese Welt kommt, und hast uns in deinem heiligen Evangelium eine Kraft gegeben, felig zu machen Alle, die daran glauben; erbarme Dich meiner, und erleuchte mich; zeige mir deine Wege, und lehre mich deine Fußstapfen kennen, damit ich in selbe eintrete und Dir nach folge im Lichte- zum Leben!- - Du bist meine reine Einfalt, und meine friedliche Eintracht, mein reicher Erbarmer, meine größte Stärke in Drangsalen, und mein ficherer Schuß! Du haft die Mühseligen und Beladenen zu Dir eingeladen, und ihnen Erquickung versprochen; erbarme Dich meiner, und erleuchte mich; gieb Ruhe meiner Seele, frommen Kinderfinn meinem Gemüthe und meinem Herzen den Frieden Gottes, der allen Begriff übersteigt. Erscheinung des Herrn. Du bist mein lebendiges Brod und mein Priester in Ewigkeit, mein unbeflecktes Sühnopfer und meine heilige Erlösung! Du hast als das Lamm Gottes die Sünden der Welt hinweggenommen; Du hast uns Dir erkaus fet nicht mit etwas vergänglichem Gold und Silber, sondern mit deinem kostbaren Blute. Erbarme Dich meiner, und ers leuchte mich, daß ich mich versöhnen lasse, der Verdienste deis nes bittern Leidens und Sterbens theilhaftig werde, und durch den Genuß deines allerheiligsten Leibes und Blutes das ewi ge Leben erlange. Du bist meine wahre Auferstehung, mein ewiges Leben und meine feligste Anschauung! Du haft dem Lode den Stachel und der Hölle den Sieg entriffen; Du bist zum Vater heimgegangen, uns in seinem Hause Wohnungen zu bereiten: erbarme Dich meiner, und erleuchte mich, damit ich unverrückt nach dem sehe, was oben ist, und unermüdet dahin trachte, wo Du bist, und wohin Du mich einst auch abholen willst. Du bil, und so ich einftau 173 Lieben will ich Dich, o mein Jesus! mein Gott, meine Stärke! Lieben will ich Dich, Du Kraft meiner Seele! im merdar will ich dich lieben, Du unaussprechliche Freude meis nes Herzens! Nicht mir, Dir will ich die ganze Zeit meines Lebens leben, welches Du, als es durch mein großes Elend verloren war, durch deine Barmherzigkeit erneuert haft.- O wie so spåt wie sogar spát fange ich an, Dich, o ewige Süte, zu lieben! Erbarme Dich meiner, und erleuchte mich! Sieb mir, o Herr! ein Herz, das immerdar Dich liebe; ein Gedächtniß, das nimmermehr Deiner vergeffe, einen Verstand, der beständig Dich betrachte, und einen Willen, der unabläßig Dich liebe. Erbarme Dich meiner und erleuchte mich! Flich nicht aus meinem Herzen; weich nicht von meinem Munde, zeige Dich in meinen Werken; sey immerdar bey mir, als Helfer und Schirmer in jeder Noth. Jesus! erbar me Dich meiner, und erleuchte mich, daß ich Licht werde! Amen. - bie ( I11. 2itaney wie am beil. Weihnachtsfeste, S. 152. Kirchengebethe vom Sonntage nach Weihnachten bis zum ersten Sonntage in der Fasten. Sonntag nach Weihnachten. ger Gott! lenke all unser Thun nach deinem damit wir in dem Namen deines geliebten Sohnes get werden mögen, ein überfließendes Maaß guter Werke zu Allmächtiger, ewis Wohlgefallen, gewürdis haben. IV. Abschnitt. Sonntage nach der Erscheinung des Herrn. 1. Wir bitten Dich, o Herr! begleite die Wünsche deines Volkes mit himmlischer Vaterliebe, damit es, was ihm obs liegt, erkenne, und was es erkennet, zu erfüllen vermögend werde. 174 2. Allmächtiger, ewiger Gott! der Du alle Dinge im Him mel und auf Erden regierest; erhöre gnädig deines Volkes Bit ten, und gewähre unsern Zeiten deinen Frieden. 3. Allmächtiger, ewiger Gott! sieh gnädig auf unsere Schwachheiten herab, und strecke aus die rechte Hand deiner Majestát, uns zu beschüßen durch Jesus Christus, deinen Sohn, der mit Dir lebt zc. 4. O Gott! der Du wohl weißt, daß wir in so großen Gefahren, denen wir ausgesetzt sind, wegen menschlicher Ge brechlichkeit nicht bestehen könnten, wenn Du uns nicht zu Hülfe kámest, gieb uns Heil der Seele und des Leibes, das mit wir, was wir um unserer Sünden willen zu leiden ha ben, unter deinem Beystande überwinden, durch Jesus Chris stus ac. 5. Wir bitten Dich, o Herr! beschüße die Kinder deines Hauses mit beständiger Baterliebe, damit diejenigen, die ihre ganze Hoffnung einzig auf himmlische Gnade gegründet haben, durch deinen immerivährenden Schuß befestiget werden. 6. Berleihe uns, wir bitten Dich, allmächtiger Gott! daß die Gedanken unsers Herzens fiets nach der Beisheit seyen, damit sowohl in Worten, als in Werken, nur was Dir ges fällig ist, von uns gewirket werde. 7.( Septuag.) Laß, o Herr! das Flehen deines Volkes Gnade bei Dir finden, damit wir, die wir um unserer Sün den willen nach Gerechtigkeit gezüchtiget werden, um der Herrs lichkeit deines Namens willen nach Barmherzigkeit erlöſet werden, durch Jesus Christus 2c. 8.( Sexag.) Gott! der Du siehst, daß wir auf feines uns ferer Werke vertrauen, verleib uns gnädiglich, daß wir durch die Beschüßung des Volker Lehrers gegen alles Widrige ges schirmet werden mögen. 9.( Quinquag.) Wir bitten Dich, o Herr! erhöre gnädig unsere Eitten, und beschüße die von den Banden der Sünden Entfesselten vor aller Widerwärtigkeit. Am Feste der Reinigung Marid( Lichtmes). Meßandacht. Vorbereitung.( Einice Kirchengebethe bei der Kerzenweihe.) Allmächtiger, ewiger Gott! heute nahm der fromme Sis meon deinen eingebornen Sohn im Tempel auf seine Arme; heute ließest Du Jhn Dir im Tempel darstellen und opfern. Lichtmeß- Andachten. O wir bitten Dich, durch deine göttliche Barmherzigkeit, segne und heilige die Kerzen, die wir, deine Diener, zur Ehre deines Namens anzünden und feyerlich herumtragen. Segne und heilige sie durch dein Licht, himmlischer Vater! daß wir sie Dir, unserm Herrn und Gott, nicht nur auf eine würdige Art opfern, sondern daß auch in unsern Her: zen das heilige Feuer deiner göttlichen Liebe entzündet, und wir Dir in dem heiligen Tempel deiner Herrlichkeit darges stellt und geheiliget werden, durch Jesus Christus, unsern Herrn. Amen. 175 O Herr Jesus Christus! O wahres Licht, das alle Mene schen erleuchtet, die auf diese Welt kommen, gieß deinen heiligen Segen über diese Kerzen aus. Heilige sie durch das Licht deiner Gnade, und gleichwie diese brennenden Keren die Finsterniß der Nacht sichtbarlich zerstreuen, also er: leuchte auch unsere Herzen durch das unsichtbare Feuer des Glanzes deines göttlichen Geistes, damit wir nicht in der Finsterniß der Sünde und Laster blindlings herum wans deln, sondern mit erleuchtetem Geiste das einsehen und er tennen, was Dir gefällig und unserm Seelenheile ersprieße lich ist, und auf solche Weise durch die gefährlichen und dune feln Wege dieses Lebens glücklich durchkommen, und durch Dich, o Christus Jesus, o Heiland der Welt! zum ewigen Leben gelangen, der Du in vollkommener Dreyeinigkeit mit dem Vater und dem heiligen Geiste in Ewigkeit lebest und regierest. Amen. D Herr Jesus Christus! der Du die menschliche Natur angenommen, und als ein Mensch unter uns erschienen bist. Heute wurdest Du von deinen Eltern im Tempel geopfert. Vom Glanze deines Geistes erleuchtet, nahm Dich heute der ehrwürdige alte Simeon auf seine Arme, und erkannte und pries Dich als seinen Erlöser. O so verleih auch uns gnädigst, daß auch wir Dich für denjenigen erkennen, der Du bist, und Dich als unsern Erlöser von ganzem Herzen lieben, der Du lebest und regierest in Ewigkeit. Amen. Theilnehmen will ich jest an dem anbethungswürdigen Versöhnopfer unsers Herrn Jesus Christus, das auf dem Altare Dir, himmlischer Bater! von dem Priester darges bracht wird; theilnehmen will ich an dem ewigen Denkmale seiner Liebe und seines Todes, und geistlicher Weise seinen IV. Abschnitt. allerheiligsten Leib und sein kostbarstes Blut in der heiligen Communion empfangen. Um der Verdienste deines Ein gebornen willen, die ich in der heil. Messe Dir aufopfere, sieh gnådig herab auf mein Gebeth und Flehen, und bereite Du mich durch die Gnade des heiligen Geistes vor, daß ich Jesus Christus in dem Tempel meines Herzens würdig auf nehme, und Ihn Dir darstelle und aufopfere, wie Ihn seine allerseligste Mutter heute im Tempel Dir dargestellt hat. Erleuchte und treibe mich durch deinen heil. Geist an, daß ich, wie der fromme Simeon, in deinem geliebten Sohne, meinen Herrn und Heiland dankbar anerkenne, für Jhn, zu seiner Ehre, lebe, und Sterben für einen Gewinn halte. Herr! erbarme Dich meiner. Jesus Christus! erbarme Dich meiner, Herr! erbarme Dich meiner. Dir, dreyeiniger Gott, sey Lob, Ruhm, Ehre, Dank und Anbethung dargebracht, jeßt und in Ewigkeit! Amen. hun bl Kirchengebeth. Allmächtiger, ewiger, böchster Gott! wir bitten Dich demüthig, daß, gleichwie Dir heute dein cin geborner Sohn als wahrer Mensch, im Tempel ist aufgeopfert worden, Du auch uns mit ganz reinem Herzen Dir wollest aufopfern lassen. Durch eben denselben unsern Herrn Jesus Christus, deinen Sohn, der ic. 176 dad din 3um heiligen Evangelium. D Herr Jesus Christus! welch' ein herrliches Zeugniß giebst Du uns heute von deiner Gottheit und Menschheit. Der fromme, gerechte Simeon, welchem der heil. Geist die Berheißung gegeben, er werde nicht sterben, bevor er den er warteten und verheißenen Erldser gesehen, kam heute auf Antrieb desselben Geistes in den Tempel, nahm Dich in seine Arme, lobte Gott, und bekannte Dich als den Heiland der Welt, als das Licht zur Erleuchtung der Heiden, als den himmlischen Trost, der auch den Tod lieblich und süß macht. Ja, Du warst es selber, anbethungswürdiger Sohn Got tes! der in schwacher Gestalt eines Kindes in den Armen des frommen Greises lag; denn an diesem Tage bist Du durch deine liebe Mutter, wie es das Geset Moses erforder: te, in den Tempel gebracht, und deinem himmlischen Bater aufgeopfert worden. Darum, o Herr! tragen wir auch heus te, nach der Lehre und dem uralten ehrwürdigen Gebrauche deiner heil. Kirche, brennende Lichter in unsern Händen; be kennen also Dich als das Licht der Welt, und bitten, zünde Lichtmeß Andachten. 177 an in unsern Herzen das Licht deiner Gnade, und mache es hellauf brennen, damit dadurch die Finsternisse der Sünden fammt allen bösen Begierden gänzlich ausgetrieben, der wahre Glaube, die feste Zuversicht und standhafte Liebe sammt allen christlichen Tugenden in uns gepflanzet, und also unsere Herzen Dir zu einem angenehmen Tempel und zur beständigem Wohnung zubereitet werden. Verleih uns die Gnade, allmächtiger Gott! durch die treue Fürbitte und Verehrung der heil. Jungfrau und Himmelskönigin Ma: ria, daß wir dieses heil. Fest mit rechter Andacht und gebührender Danksagung halten und begehen; und wie wir das sichtbare Licht Dir zur Ehre und Erinnerung in unsere Hände nehmen, also laß uns auch Dich, das einzig wahre Licht, in den Tempel unsers Herzens aufnehmen; und so wie heute deine heil. Menschheit im Tempel ist dargebracht und vor: gestelt worden, daß wir dadurch von allen Sünden gereinigt und befreyet würden, so laß auch uns nach diesem Leben Dir in deinem herrlichen Reiche dargebracht und vorgestellt und dessen mit allen deinen Auserwählten in Ewigkeit theilhaftig werden. Amen. 3um Credo( wie in der Adventsmesse, Seite 123.) Bethstunde. 1. Heimwehe.( Aus den Schriften des ehrwürdigen Blofius.) ,, Nun, Herr! entlassest Du deinen Diener nach deinem Worte im Frieden, weil meine Augen dein Heil gesehen haben, das Du für alle Völker zubereitet haft; ein Licht zur Erleuchtung der Völker, ,, und zur Ehre deines Volkes Israel." Luc. 2, 29- 32. Schon die Erinnerung an dein Reich des Lichtes und ewis ge Güter, und die Erinnerung an die Seligkeit der Deis nen dort oben füllt meine Seele mit Heimweh. Ein Tag bey Dir ist besser, als viele tausend Tage ferne von Dir. Bey Dir und in Dir ist alles Gute. wann wird Pann, - o wann werde ich meine Pilgerschaft vollendet haben, und erscheinen vor deinem Angesichte, das in lieblicher Gnade und Herrlichkeit mir entgegen glänzet? in dessen Anschauung all mein Berlangen vollkommen gesättis get feyn? Liebe meines Herzens! wann werde ich Dich ganzlich besigen? wann wirst Du mich zu Dir nehmen, daß ich Dich klar anschauen möge?- Du führest mich ein zu Dir; nun werde ich nimmer befleckt, nimmer beleidige ich Dich; in Sicherheit singe ich von run an die Herrlichkeit und Wuns der deiner Erbarmungen gegen mich! 12 1 IV. Abschnitt. - Geliebter! heb mich Efenden auf vom Staube; und wann Du willst, führe mich aus dem Kerker, und nimm mich zu Dir in den Himmel. O dort oben, wie will ich Dir ewigen Dank für alle deine Wohlthaten jubeln!- Holder Jesus! das Leben der Seligkeit bist nur Du; o wie flammt, wie schmachtet mein Herz nach Dir!- Du bist groß; unser Lob ist deiner nicht würdig,( aber Dich loben dürfen ist Ehre uns und Wonne,) Du bist ganz herrlich; Du bist die unend liche Fülle unaussprechlicher Freude. Wann doch werde ich Dich sehen, wie Du in Dir selbst bist, nicht wie Du im Spiegel der Geschöpfe uns erscheinst? Wie lange muß ich noch warten, bis ich sehe den Schönsten von allen Engeln und Menschen?- Deine unaussprechliche Schönheit zieht mich an, und entflammt in mir eine heilige Begierde.- Dein entzu dendes Licht, dein Glanz voll Herrlichkeit heitert meine Seele auf, wie die Sonne die Welt. In meiner Entfernung von Dir kommt mir mein verweslicher Leib oft wie eine bittere Rinde vor. Ach, dürfte ich die Rinde weglegen, und konnte meine Seele als ein Dir werther Kern in deiner himmlischen Scheuer bey Dir, ihrem wahren Eigenthümer, seyn! 178 O Du höchste Liebe meines Herzens! Du Ziel und Inhalt all meiner Wünsche! höre mein Flehen, erhöre das Seufzen meiner Liebe, die nimmer ruhet, bis sie deine ewig entzückende Schönheit, o Du liebenswürdigstes Gut! betrachtet. Was hat die Erde und die ganze Schöpfung Schöneres für das Auge, was Angenehmeres für das Ohr, und was Lieblicheres für das Herz als die flare Anschauung Deiner dort oben?- O wann doch wirst Du mir Dich zu sehen geben? wann wird meine Freude vollkommen in Anschauung Deiner? wann doch kann ich mich sonnen im Glanze deiner Herrlichkeit? wann trinken und erfüllt werden mit dem Wasser des Lebens?-... wann singen dein Lob mit den Chören der Heiligen in den Höhen der Seligkeit? Sich herab auf das Sehnen und Schmachten meiner Liebe nach Dir! Ach, erbarme Dich mei ner! Merke auf mein anhaltendes Seufzen, und zieh mich nach Dir, damit ich in den Chören der seligen Geister dein Lob anstimme! Dazu bin ich ja von Dir erschaffen, von Dir erlöft!- Wann hat meine Verbannung in dieß Thränenthal ein Ende? wann, o wann rufft Du mich heim in's Vaters land?... O liebes, seliges Vaterland, wo keine Nacht, nur ewiger Tag; wo ewig blühender Lenz und früchtevoller Soms mer; wo Lustgefilde mit immer neuer Schönheit sich schmüs den, und keine Blume welkt; wo ewiger Wohlgeruch uns um duftet, und deines Lobes ewige Harmonien ertönen. Bey Dir ist das wahre Paradies, das alle Vorstellung und alle Erwars tung weit übertrifft, in welchem die Bächlein der reinsten Vers anigungen alle Fluren durchfließen, und welches durch jede Art prangender Schönheit entzückt. Bey Dir ist Lebensquell, heller Mittag, bleibende Heiterkeit ohne Hitze und Kälte, und ein Friede, der nimmermehr gestört wird. Bey und in Dir ist Alles, was das Menschenherz ergößen mag, in höchster - - 1 Lichtmeß Andachten. 179 Fille. Was will ich also außer Dir?- Du bist mir genug! Du bist mein Gott und mein Alles! Herr! ich glaube, was ich nicht febe. Ich glaube die unermeßlichen, ewigen Reichthümer, Freuden und Ergohungen des Himmels. Ich glaube an Dich, die höchste, unerschaffene Schönheit und Lieblichkeit, von der alles erschaffene Schöne und Liebliche nur Ausfluß ist; ich glaube, aber noch sehe ich Dich nicht! So gieb denn, daß ich unwandelbar verbleibe in Dem, was ich glaube, ohne zu sehen, bis ich einst sehe, was ich jest glaube. S 11 Ach, Jesus, meine Liebe! wann doch rufft Du, daß mein Leib der mütterlichen Erde gegeben werde, und mein Geist heimkehre zu Dir, seinem Ursprung? Mein süßester Fries de! wann entschlummere und ruhe ich in Dir, damit ich deine namenlose Herrlichkeit unverhüllt schaue? wann begeistert mich der süße Anhauch deiner Gottheit? wann ist für mich der Tag, der ewige Zag des Anschauens deiner holden Majestát? Mein Geliebter! Dich von Angesicht zu Angesicht zu sehen, Deiner sich zu freuen, dich ewig zu besitzen- o. welch eine Seligkeit! möchte ich dieß irdische Leben in deiner Gnas de und Freundschaft enden! Dieß kann nur deine Allmacht ges ben dieß kann ich nur von deiner Liebe erbitten. Holder Jesus! in meiner Erlösungsstunde von hier segne Du meine Seele. Vereinige meinen Zod mit dem deinen, der meine Erlösung, mein Leben ist. Schicke mir dann ents gegen die getreue, hülfreiche Jungfrau Maria, deine liebliche Mutter, diesen Lichtstern. Sie verkünde mir als die schönste Morgenrothe bey'm Austritt aus diesem Zhránenthale Ankunft der Sonne der Gerechtigkeit. die - - Sage dann meiner Seele das Wort deiner Huld: ,, Dein Schöpfer, dein Erlbfer, deine barmherzige Liebe bin Jch; in den Schmerzen meines Todes fuchte und erwarb Ich dich Mir; Du wirst immer bey Mir seyn; fürchte dich nicht!" Liebenswürdigster Jesus! Du Abglanz der Gottheit, Du Ehre der Menschheit, nimm gnädig mich auf in die felige Woh nung deines ewigen Friedens und Lichtes. Dort laß mich ges nießen die süßen Früchte meiner Erlösung durch dein Leiden, bort laß mich mit Dir in feliger Wonne vereiniget werden, das mit ich lebe von Dir, und frohlocke in Dir, damit ich ohne Ende Dir weihe das Opfer des Lobes und Dankes. Amen. ( Dann bethe Nro. 2. ,, Gebeth zu Jesus," und Nro. 3. u. 4. aus der Bethstunde am neuen Jahre, Seite 166.) - 12* 180 Fünfter Abschnitt. Andachts übungen auf alle Tage in der Fasten. Aschermittwoche. Kirchengebeth. O Gott! wer sich vor Dir demüthiget, findet Gnade bey Dir, und wer über seine Sünden Buße wirkt, besänftiget deis nen Zorn. Erhöre unser Flehen, und gieß über deine Dies ner, die jetzt ihr Haupt mit Asche bestreuen lassen, den reichen Segen deiner Gnade aus. Erfülle sie mit dem Geiste der Zerfnirschung und der Buße; schenk' ihnen, um was sie mit Weisheit bitten; befestige in ihnen, was sie erhaiten; und bewahre, was sie empfangen, durch Jesus Christus, unsern Herrn! Amen. Allmächtiger, ewiger Gott! Du hast den Niniviten, die im Trauergewande und in der Asche Buße gethan, Vergebung ihrer Sünden gnädig angedeihen lassen: Berleih' auch uns, daß wir Buße wirken, wie sie, und Bergebung unserer Sün den erlangen, durch Jesus Christus, unsern Herrn! Amen. O Gott! stárle deine Gläubigen, daß sie die heilige Fas fien würdig anfangen, und zu ihrem Heile vollenden, durd Jesus Christus, unfern Herrn! Amen. Gebeth und Betrachtung in der Fasten. Allmächtiger, ewiger Gott! im demüthigen Aufblicke zu Dir feyern wir jetzt die vierzigtägige Fasten, zum heilsamen Andenken und zur Nachahmung jener Fasien, durch welche unser lieber Herr und Heiland, Jesus Christus, uns cin Vorbild geworden ist. Gieb mir, o Barmherziger! Gnade, daß ich dieses kirchliche Fastengebot nach dem Geiſte Jefus, und nach dem Sinne der Kirche einsehe, und gehörig erfülle.- Dein göttlicher Sohn hat uns gelehrt: ,, Nicht was zum Munde eingebet, verunreiniget den Men schen, sondern was zum Munde ausgehet, und aus Fasten Andachten. G 181 dem bösen Herzen kommt." Wir enthalten uns, nach der Vorschrift deiner heiligen Kirche, gewißer Spetsen, und beschränken unsere Eßlust, nicht als fürchteten wir durch den Genuß dieser Speifen verunreiniget zu werden; nicht als glaubten wir, durch unser Fasten Dir, o Gott! einen Dienst zu erweisen, oder durch dieses äußere Mittel den Mangel der innern Zugend erfeßen zu fonnen. Einen heiligern Zweck setzt sich deine Kirche vor, von deinem Geiste geleitet! Wir sollen dem Körper nicht die nothwendige, sondern die überflüßige Nahrung entziehen. Wir sollen durch eigene Erfahrung lernen, wie wenig die menschliche Nutur bedürfe, um zu bestehen; und wie unerfåttlich die Begierlichkeit in ih ren Forderungen sey. Durch Enthaltung von- an sich- erlaubten Dingen sollen wir eine Fertigkeit erlangen, mit stande bafter Treue verbotene und fündhafte Dinge uns zu versagen. Durch die Abtödtung des Fleisches, welches immer gegen uns sere edlere Natur gelüftet und streitet, soll der Geist geſtärkt, und auf den Flügeln der Andacht, des Gebethes und der Bes trachtung, um so ungehinderter erhoben werden, je weniger ihn die Laft des Körpers auf die Erde niederdrückt. Gehorsam est Dir angenehmer als Opfer. Du siehst nicht auf die Größe oder Geringfügigkeit des Werkes, das wir üben, sondern auf die Anhänglichkeit und findliche Liebe, welche uns bey der Ausübung dieser Werke beseelt, und zum Handeln bestimmt. Präge deine Fasten Vorschrift tief meinem Herzen ein. Rede, o Herr! dein Knecht höret. ,, Bekehret euch so sprichst Du bekehret euch zu Mir von ganzem Herzen, in Fasten, Weinen und Trauern; und zerreißet euere Herzen, und nicht euere Kleider! Es verlasse der Gottlose seinen Weg, und der Ungerechte seine Anschläge, und kehre zurück zum Herrn, und der wird sich erbarmen; er febre zurück zu unserm Gott; denn Er ist gerne geneigt zum Berzeihen. Brich dem Hungrigen dein Brod, die Dürftigen und unstát Irrenden führe in dein Haus; und siehst du einen Nackten, so bekleide ihn. Dieses ist ein Fasten, das Ich ers wähle, spricht der Herr." - - - Ja -ießt sind die Tage des Heiles, der Buße, des Ges bethes, und der christlichen Wohlthätigkeit. Zu diesem hei ligen Zwecke will ich die Fastenzeit verwenden. Ich willGett! gieb Du zum Wollen auch das Bollbringen- ich will mich losmachen von den Zerstreuungen, welchen ich mich bis, - - 182 V. Abschnitt. her- ach nur zu gerne- hingab; ich will einkehren in mein Inneres und mein Gewissen erforschen, damit ich meine Sün den und Vergebungen erkenne, bereue, und mit deiner Gnade mich bessere. Ich will meine Sinne bezähmen, und durch Wachsamkeit und Strenge die Herrschaft des Geistes in mir befestigen. Der Ueberfluß, welcher dem Leibe entzogen wird, foll mich in den Stand setzen, gegen meinen dürftigen Nächs sten wohlthätig zu seyn. ,, Reiner und unbefleckter Gottesdienst ist es vor Dir, himmlischer Vater! Witts wen und Waifen in ihrer Trübfal heimsuchen, und sich vor der Welt rein bewahren. Göttlicher Heiland! diese heilige Fastenzeit ist vor züglich der dankbaren Erwägung deines heiligen Leidens und Todes gewidmet. Du unstråfliches Lamm Got tes das aller Welt Sünden trägt wie, wie soll ich Dich in diesen heiligen Tagen auch nur einigerma ßen würdig verehren? Wie Dir danken für deine ewige, allbeseligende Liebe? Wie tief genug erkennen den un endlichen Werth deines Leidens und Sterbens?- Wie Dir treu genug nachfolgen in deiner heldenmüthigen Ges duld, in deinem Gehorsame, in deiner kindlichen Erges bung an Gott, in deiner allerfreundlichsten Liebe selbst gegen deine Feinde und Kreuziger?--D Du göttliche Langmuth in Menschengestalt, erfülle mich doch ganz mit deinem Geiste, damit ich mir die Geschichte deines heiligen Leidens und Sterbens recht vergegenwärtige; erleuchte mich, o Du Versöhner Gottes! erleuchte mich, daß ich die Früchte Deines Opfertodes, den Werth deines vergoffenen Blutes, die Fülle deiner Liebe recht erkenne, und Dich entgegen liebe, und mich Dir auf opfere, wie Du Dich für mich Sünder, für mich Berfornen hingeopfert hast, damit ich Verzeihung, Gnade und ewiges Leben erlange. ― - Herr! Du weißt Alles; Du weißt auch, daß ich Dich liebe! Du kennest aber auch meine Schwäche! - Du Stärke der Schwachen beweise Dich machtig auch in mir, auf daß diese heiligen Tage mir unvers geßlich und ihre heilsamen Wirkungen in mir sichtbar Laß mich Antheil nehmen an deinem heili werden! Fasten- Undachten. gen Leiden und Sterben! Laß mich der Sünde absterben, wie Du zur Tilgung der Sünde gestorben bist, auf daß ich theilhaftig werde deiner herrlichen Auferstes hung und deiner Seligkeit im Lande der Verklärung. Amen. Meßandacht in der Fasten. ( Siehe Seite 33.) 185 Bethstunde an den Fastensonntagen. Christus ist die Versöhnung für unsere Sünden, nicht nur für unsere, sondern für der ganzen Welt Süne de. 1. Joh. 11., 2. Eingang. Herr! öffne meine Lippen, und mein Mund wird dein Lob verkündigen.- Gott, denk' auf meine Rettung; Herr! cile mir zu helfen. Ehre sey dem Vater ic. 1. Anbethung. Den eingebornen Sohn Gottes und Mariá, der uns geliebet, und uns von unsern Sünden ges waschen hat mit seinem Blute, bethe, o meine Seele! in tiefs ster Demuth an. Unserm Herrn Jesus Christus, der uns ers loset hat vom Fluche des Gefeßes, indem er ein Fluch für uns ward, bring' o meine Seele! ewiges Lob und unendlichen Dank. Unserm Heilande Jesus Christus, der unsere Sünden an seinem Leibe auf dem Kreuzholze trug, damit wir der Sünde sterben, und der Gerechtigkeit leben möchten, bring', o meine Seele! das Dankopfer der innigsten Liebe, und stime me in den Lobgesang aller Engel und Heiligen ein: Heilig! heilig! heilig ist der Herr! der allmächtige Gott! der Herr der Heerschaaren! Himmel und Erde sind seiner Herrlichkeit ,. Majestät und Ehre voll! Ehre sey dem Vater ic. II. Lobgesang. Wir danken Dir, Herr Jesus Christ! daß Du für uns gestorben bist, und unsrer Sünden schwere last am Kreuz auf Dich genommen hast!- Schau liebevoll, Gottes Sohn! auf uns von deines Vaters Thron! Dein heiliges und theures Blut komm' allen Menschen stets zu gut! - Versohner, Jesus, Gottes Sohn! Verherrlicht nun nach Spott und Schn! Sep unfre Zuflucht in der Noth, uird uns ser Trost auch einst im Tod!- Löf auf der Sünde hartes Los Band und reich' uns deine Gnaden- Hand! Hilf uns im Kreuz geduldig seyn! Uns stärke deine Todespein!- D Jesus! uns 184 V. Abschnitt. fere Zuversicht: Verstoß uns nicht! Verlaß uns nicht! Hilf uns der Sünde widerstehn, und durch den Tod in's Leben gehn! Du starbst für uns, wir danken Dir! Dir leben und Dir sterben wir. Erlöst, erlöst hast Du uns Dir! Dir leben af Du und die und Dir sterben wir. 111. Bußpfalm. Erbarme Dich, Gott! über mich nach deiner großen Güte. Ach tilge doch, Barmherziger! die Men ge meiner Misfethaten, und wasche mich mehr und mehr von meinen Sündenflecken, damit ich, Heiligster! vor Dir ganz rein befunden werde. Sieh, ich erkenne meine Schuld, und meine Sünde schwebt mir immer vor meinem Angesichte. Nur wider Dich habe ich gesündiget, und Böses, Herr! vor Dir gethan; doch Du verzeiheft nach deinem Worte, Du bist ge treu und wirst gerecht in dem Gerichte befunden. Ach! sich, in Ungerechtigkeit bin ich empfangen worden, und Sünder war ich schon, da meine Mutter mich geboren. Jedoch Du ließest mich, weil Du die Wahrheit liebest, nicht in der Finsterniß. Ein Strahl von deinem Lichte ging dem Verstande auf, und ließ ihn das erkennen, was sonst für uns Geheimniß ist. Besprenge mich mit jenem Blute, das einst vom Kreuze floß; so werde ich gereiniget, werde weißer als der Schnee. Laß mich das Wort des Troftes hören; dann wird mein Herz sich freuen; frobleden werden meine Glieder, die wie zerschlas gen sind. Sich nicht mehr auf die Bosheit der Sünden, die ich je beging, und tilge alle meine Missethaten. Erschaff, 0 Gott! ein Herz in mir, das Dir gefallen möge; erneure in mir den Geist, der mich Dir ähnlich mache. Verwirf mich ewig nicht von deinem Angesichte, und deinen heiligen Geist lag niemals von mir weichen. O! gieb mir jene Freud' zurück, die ich ehedem in Dir genossen, der Du mein Heiland bist! In jenem edeln Chris stengeiste bestätige Du mich. O! könnt ich alle Ungerechte die Wege, die zu Dir uns führen, lehren!! möchten sich, von mir belehrt, die Sünder insgesammt zu Dir belehren! Bewahre mich, o Gett! mein Heil, vom Rückfall in die Sün de, und meine Zunge wird frohleckend deine Güte preifen. Herr! öffne meinen Mund, daß er dein Lob verkünde. Wenn Dir, wie einst im alten Bunde, noch Opfergaben wohl gefielen, wie gerne wollt' ich Dich mit Brand- und Fries densopfern ehren: allein Du willst sie nicht. Der Geift, der sich Sünden wegen vor Eott betrübet, ist das Opfer, welches Fasten Andachten. 185 Er begehret. Gott! Du verachtest nicht ein Herz, das von der Reue zerknirschet ist! Du wirst auch meines nicht vers achten. Ich lege es auf den Altar zum Opfer deines Soh nes, das Dir unendlich wohlgefällt, und uns mit Dir vers söhnet. " IV. Betrachtungen über das Leiden Jesus. 1. Warum wollte Jesus leiden? Was bewog Dich, o göttlicher Menschenfreund! daß Du freywillig den schrecks lichsten Leiden und dem schimpflichsten und qualvollsten Tode entgegen giengst? Ach! deine unaussprechliche Liebe war's, deine Liebe zu uns armen Verlornen. Wir schmachteten in der schimpflichen Knechtschaft der Sünde, und in den Ketten eines ewigen Todes. Die heilige Gerechtigkeit Gottes mußte strafen, oder eine Genuthuung haben, die ihrer Majestät würs dig und angemessen war. Du aber übernahmst, o angebethes ter Gottmensch! aus Liebe zu uns diese große Genugthuung. Auf Dich lud der Vater alle Sünden der Menschen; und Du folltest nun für alles das gezüchtiget werden, was wir durch unsere Sünden verschuldet hatten. Deine Schmerzen sollten uns losmachen von dem unbeschreiblichen Sündenelende; deis ne Wunden sollten die Krankheiten unserer Seele heilen; dein Blut sollte unser Lösegeld, dem Tod unser Leben seyn. Dir also haben wir Alles zu verdanken; Du bist wahrhaft unser Retter; Du konnteft mit Recht fagen! Niemand hat eine größere Liebe für die Seinen, als wer für sie sein Leben giebt." O mein Erbarmer! wie innig muß ich Dir danken, wie herzlich, wie eifrig Dich lieben, wenn ich bedenke, daß ich ohne deine großmüthige, göttliche Liebe verloren gewesen wäre, und daß ich nun durch Dich mit dem Allmächtigen vers föhnet, und zu seinem Kinde angenommen bin! Welch' ein Antrieb zum tiefen Abscheu gegen die Sünde, und zur Liebe der Tugend muß mir die Betrachtung deines Leidens und Sterbens fyn; wie eifrig muß mich die Liebe treiben, in deis ne Fußstapfen einzutreten und Dir nachzufolgen. Verleihe mir deine Gnade, daß ich von nun an nimmer aufhöre, Dir mit ganzer Stele ergeben zu seyn, und Dir durch fromme Handlungen jeden Augenblick meines Lebens zu weihen. Amen. 2. Was hat Jesus gelitten? O meine- Seele! fich deinen Erbarmer in der Zedesangst im Delgarten, wie Blut 186 V. Abschnitt. über seinen zitternden Körper strömt! wie Ihn sein eigener Schüler den Feinden überliefert; wie Ihn die Grausamen mißhandeln, sein Angesicht zerschlagen, und Ihn von einem Richter zum andern schleppen; betrachte Ihn, wie Ihn ein unwürdiger Fürst durch ein weißes Kleid verhöhnt, wie sein heiliger Leib durch Geißeln und Dörner verwundet wird, wie sein eignes Volk, dem Er so unzählbar viele Wohlthaten er wiesen, das Er so gern gerettet hátte, in blinder Wuth Ihn an's Kreuz verlangt! Betrachte das schuldlose Lamm, wie es ohne feinen Mund zu öffnen das Kreuz auf seine wunden Schultern nimmt, und hinaufträgt zur Schädelstätte; wie es sich geduldig Háände und Füsse durchbohren läßt, und nun das hángt drey lange, schmerzvolle Stunden unter Spott und Hohn, ohne Troft, in unaussprechlichen Schmerzen, im qual vollsten Durst, bis endlich Alles vollendet ist, und das an bethungswürdigste Angesicht, in welches die Engel zu sehen ge lüftet, im Tode sich herabneigt! - Das Alles hat dein Erbarmer für dich erduldet, weil er dich liebte und befeltgen wollte; der Preis seines Blutes bist du! O Jesus! wer wäre ich, wenn eine solche Liebe mich ges fühllos ließe! Ich will Dir ergeben seyn, und durch ein from mes Leben Dir danken. Amen. 3. Wie hat Jesus gelitten? Du hast gelitten, o mein Erlöfer! weil Du wolltest; dein Leiden und dein Tod war ein freywilliges Opfer zur Rettung für uns Alle. Du felbft bewieseft dieß, als ein Wort deiner Allmacht die ganze Rotte der Elenden, die Dich gefangen nehmen wollten, zur Erde niederwarf! wärest Du nicht freywillig in den Tod ges gangen, ach! eine Bitte nur zum Vater, und mehr den zwölf Legionen Engel hätten sich, anbethend und Rache nehmend, um Dich her gelagert. Aber mit kindlicher Ergebung des nes Willens warst Du der ewigen Gerechtigkeit gehorsam bis zum Tod- zum Tod am Kreuze: Du trankest bis auf den Ichten Tropfen den bittern Leidenskelch, und starbst aus Liebe zu uns, weil wir den Tod verdient hatten, damit wir leben! 4. Wie muß ich meinem Erlöser danken? D mein göttlicher Wohlthäter! was bin ich Dir für eine so uns aussprechliche Liebe schuldig! Nur Gegenliebe, Dankbars keit, Ergebung in deinen heiligen Willen, und Gehorsam ge gen deine Gebote, das forderst Du mit vollem Rechte von mir, das will ich nach allen Kräften und mit Freude leisten. Fasten Andachten. 187 Ich bin freilich ein schwacher und sehr sinnlicher Mensch; aber ich weiß ja auch, daß Du mich mit deiner Gnade gern unters stüßest: mögen deine heiligen Gebete meiner verdorbenen Nas tur schwer fallen, so wird mir fie dein göttlicher Beystand und meine Liebe zu Dir leicht machen. Mit demüthigem und vertrauendem Herzen bitte ich dich also, o Jesus! unterstütze meine Schwachheit mit deiner Gnas de, daß ich Dich mein ganzes Leben hindurch herzlich, thátig, und über Alles liebe; daß ich mit einem freudigen Eifer alles das erfülle, was Du mir geboten hast; daß ich an jedem Las ge meines Lebens willig mein Kreuz auf mich nehme, und Dir nachfolge, auf solche Art Dir meinen Dank entrichte, und als dein treuer Jünger unter deinen Augen wandle und felig werde! Amen. V. Sieben Bitten an den leidenden Heiland. Erste Bitte, um wahre Demuth.. Göttlicher Erlöfer! der Du Dich um meines Heiles willen bis zum Tod am Kreuze erniedriget hast! erhöre mein vertraus envolles Gebeth, und pflanze in meine Seele eine wahre, aufs richtige Demuth, ohne welche keine Zugend bestehen kann. Laß mich es erkennen, wie arm, schwach und unvermögend ich bin, und wie sehr ich alles, was ich bin und habe, nur deis ner wohlthätigen Güte verdanken muß, damit sich mein Herz nie übermüthig erhebe. Amen. 7130 Zweyte Bitte, um christliches Wohlwollen gegen den Nächsten. Aus Liebe zu uns Menschen haft Du Dich, o Jesus! in den Tod hingeopfert, und wer dein Jünger feyn will, der muß alle Menschen lieben, wie Du sie geliebet haft; denn das ran willst Du erkennen, daß wir deine Jünger sind, wenn wir die Liebe haben. Verleih mir die Gnade, daß ich dieses Kennzeichen deiner Jüngerschaft an mir trage, daß ich ohne Neid, Haß oder Schadenfreude Jedem das Seine von Hers zen gönne, mit dem Fröhlichen mich freue, und traure mit den Weinenden; daß ich uneigennüßig helfe, wo es mir mögs lich ist, daß ich mich der Verlaffenen annehme, und die Leis denden erquicke, und so Dir nachahme, himmlischer Vater! der Du deine Sonne aufgehen, und deine Regen herabfallen lásfest über die Gerechten und die Sünder. Amen. Dritte Bitte, um wahre Reinigkeit. O mein göttlicher Erlöfer! Du bluteteft für mich aus un V. Abschnitt. zähligen Wunden; Du starbst für mich am Kreuze; und ich Fonnte frech genug seyn, mich den Wollüsten zu ergeben?- Du bist um meiner Missethaten willen verwundet, um ineiner Sünden willen geschlagen worden, und hast ineine Sünden an deinem Leibe auf dem Kreuzholze getragen, damit ich Frie de hätte; und ich könnte gefühllos genug seyn den Werth deis nes Blutes zu verachten, undankbar genug, meinen Leib zum Dienste der Sünde herzugeben, und ein fürchterliches Gericht über meinem Haupte zu sammeln? Ach, mein liebreichster Heiland! hilf mir alle Sünden der Unreinigkeit mit der wach famsten und gewissenhaftesten Sorgfalt fliehen, und es nie ver geffen, daß meine Seele dein Ebenbild, und mein Leib eine Wohnung dernes heil. Geistes sey, den ich durch keine Unzucht entehren darf. Stärke mich in den Versuchungen, rette mich vor den Gefahren der Verführung und des Aergernisses, damit ich rein und unbefleckt vor deinen heiligen Augen wandle. Amen. Vierte Bitte um christliche Mäßigkeit. ristisor 188 Göttlicher Versöhner! der Du am Kreuze im schrecklichsten Durfte mit Galle getränkt wurdeft: ich bitte Dich, entferne von mir den schándlichen Hang zur Unmäßigkeit. Laß mich es bedenken, daß nicht mein Körper, der so hinfällig ist, sondern meine unsterbliche Seele der edlere Theil von mir sey. Flöße mir ein einen tiefen Abscheu von jener entchrenden Vollerey, die den Menschen tief unter das Vieh erniedriget. Verleihe mir, was ich zur Erhaltung meines Lebens und meiner Ges fundheit bedarf; laß mich daffelbe dankbar, genügsam und bes fcheiden genießen, und wenn ich Ueberfluß besige, mit demſels ben die wahre Armuth und Dürftigkeit unterstüßen, damit ich Dir ähnlich sey in thätiger Liebe und einst mit Dir vereiniget werde im Haufe deines himmlischen Vaters. Amen. Fünfte Bitte, um wahre Liebe zur Gerechtigkeit.. Für mich, o allerheiligster Jesus! Liebhaber der Unschuld und Gerechtigkeit! für mich hast Du Dich von ungerechten und undankbaren Menschen mißkennen, und endlich zum Tode vers dammen lassen; verleih mir deine Gnade, daß ich nie lieblos, nie ungerecht gegen die verfahre, die deine Erlösten find, und die ich als meine Geschwisterte, als Miterben des ewigen Les bens erkennen muß. Laß mir jederzeit die Zugend, das Le ben, die Ehre und das Eigenthum meines Nebenmenschen heis lig feyn; verleih mir einen liebreichen friedfertigen Sinn, daß ich lieber etwas von meinen Rechten nachlasſe, als daß Fasten Andachten. 189 ich mich der Gefahr aussege, hart und lieblos gegen meinen Bruder zu seyn. Und verfährt man mit mir ungerecht, o dann, mein Erlöfer! sey Du mein Beyspiel; laß mich große müthig dulden, wie Du geduldet hast. Amen. Sechste Bitte, um wahre Sanftmuth. Du starbst o mein Erlöser! wie ein Lamm, das man zur Schlachtbank führet, und welches feinen Mund zu feiner Klage öffnet. Verleih mir die Gnade, daß ich mich bestrebe, in meinem Herzen eine gleiche Sanftmuth zu ernähren. Laß mich mit Unbilden und die Ungerechtigkeiten irrender oder lasterhafter Menschen, entweder auf eine christlich liebreiche Weise abwenden, oder mit Gelaffenheit und Geduld ertragen; hilf mir der fürchterlichen Leidenschaft des Zorns und der Rachsucht widerstehen. Du haft für deine Mörder zu deinem Bater gebethen: o laß mich gerührt werden von diesem ers habenen Beyfpiele; tilge in mir das unchriftliche Verlangen, Böses mit Bösem zu vergelten. Als dein Jünger, o mein Heiland! muß ich ja thun, was Du gethan haft. Unterstütze mich mit deiner Gnade, daß ich aufrichtig, berzlich und liebes voll, wie Du, so oft ich beleidiget werde, bethen möge: Vers gieb meinem Beleidiger, o mein Vater! er wußte nicht, was er that. Amen. Siebente Bitte, um die Gnade eines frommen Lebens. O mein göttlicher Heiland und Seligmacher! mit dem danks barsten Herzen erkenne ich es, daß Du auf die Erde gekommen bist, zu suchen und selig zu machen, was verloren war. Dess wegen opfertest Du ja dein Blut und dein Leben hin, damit wir, versöhnt mit der ewigen Gerechtigkeit, und erhoben zur Würde der Kinder Gottes und der Erben des göttlichen Reis ches, in einem neuen Leben wandeln sollen. Demüthig also bitte ich Dich, ertheile mir deine Hülfe, daß ich alle Pflichten, die ich als Christ und als Bürger unter meinen Mitbrüdern zu entrichten schuldig bin, auf das Getreueste erfälle. Laß es meinem Herzen zur Freude seyn, Böses zu meiden und Gutes zu thun, und mich nach allen meinen Kräften zu bestreben, meinen Mitmenschen nüglich zu werden. Jeht ist die Zeit der Arbeit, des Streites, des Hinaufringens nach Oben; die Stune de, sich Schätze zu sammeln und Verdienste für die Ewigkeit; mit deiner Gnade will ich sie recht weife benützen, damit ich einst froh, reich, und Dir gefällig mein Auge schließen kann. Amen. V. Abschnitt. VI. Entschluß der wahren Lebensbesserung vor dem Kreuze Jesus. 190 Jesus, Du. Sohn des lebendigen Gottes, und Heiland der Welt! Die Betrachtung deiner Leiden und deiner unbegrenz ten Liebe gegen mich, erweckt mein Herz zu dankbaren Empfins dungen gegen Dich. Wie könnte ich noch ferner meinen bö sen Trieben, den verderbten Leidenschaften meines Herzens, der Ungerechtigkeit, mit einem Worte, meiner zu allen Lastern geneigten Sinnlichkeit unterthan seyn wollen, wenn ich sehe, wie grausam Du um der Sünden willen bist gemartert wors den? Mit bitterer Reue muß ich es gestehen, daß ich mein vergangenes Leben hindurch so manche Zhorheit verübt, und so vieler schåndlichen Handlungen mich schuldig gemacht habe! O wie Vieles muß ich beweinen! wie undankbgr bin ich gegen Dich gewesen! Bergieb mir, o mein Erbarmer! was geschehen ist, ich will zu Dir unter die Fahne deines Kreuzes zurück kehren, und meine Besserung nun nicht mehr länger verzögern. Mir ist es, als riefest Du mir mit der Stimme des Mitleides und der Liebe zu: ,, O Menschenkind! sieh, wie Ich dich geliebet, wie ich Blut und Leben für Dich hingegeben habe! Deinets wegen bin ich so elend geworden, deinetwegen bin ich gestors ben, damit du leben möchtest! Sen nicht länger undankbar gegen Mich, und grausam gegen dich; Ich will dich zu meis ner Seligkeit führen; lauf nicht länger freywillig blind deinem Verderben entgegen. Ich bin bereit, dir zu verzeis hen; nur komm zu Mir zurück, komm zu deinem Gott, der dein Bestes will; Kind! komm zu deinem Vater!" So sprichst Du, o mein leidender Erlöser! zu meinem Herzen. Sieh, mein Erbarmer! ich bin da; ich verlasse Dich nicht mehr; ich umarme dein Kreuz; ich bin ewig Dein; nimm mich in Gnaden auf, und laß durch nichts mehr von Dir mich ges trennet werden. Amen. VII. Litaney von dem bittern Leiden Chrifti. Herr, erbarme Dich unser! Christi, erbarme dich unser! Herr, erbarme Dich unser! Chrifti, höre uns! Chrifti, erhöre uns! Gott Vater im Himmel! Erbarme Dich unser! Gott Sohn, Erlöser der Welt! Erbarme zc. Gott beiliger Geist! xc. Heilige Dreyfaltigkeit, ein einiger Gott! Fasten Andachten. Du für uns leidender und sterbender Jesus! Erbarme Dich unser! Du bis in den Tod betrübter Jesus! Gottergebener Jesus! Gebundener Jesus! Berhöhnter Jesus! Unschuldig verurtheilter Jesus! Gegeißelter Jesus! Mit Dornen gekrönter Jesus! Mit dem Kreuz beladener Jesus! Gekreuzigter Jesus! Durch deine Todesangst am Delberg, Durch deinen blutigen Schweiß, Durch dein dreymaliges Angstgebeth zum Vater, Durch deine Geduld mit den schlafenden Jüngern, Durch deine Sanftmuth gegen Judas, den Verräther, Durch deine ehrwürdige Majestät bey Annäherung der Gerichtsdiener, Durch die harten Bande und Schläge, Durch die Vorstellung vor Annas und Kaiphas, Durch den schmerzlichen Backenstreich, Durch die ungerechte Anklage und Verurtheilung, Durch dein geheimnisvolles Schweigen, Durch dein herrliches Zeugnis für die Wahrheit, Durch die Beschimpfung deines heiligen Angesichts, Durch die Verspottung deines königlichen Namens, Durch die erduldete Lästerung deiner heiligen Gottheit, Durch deine Verhöhnung vor Pilatus und Herodes, Durch das ungerechte Todesurtheil, Durch deinen willigen Gehorsam bis zum Tode des Kreuzes, Durch die schmerzhaften Wunden deines heiligen Leibes, 191 Durch die schmerzliche Beraubung deiner Kleider, Durch deine unaussprechliche Schmerzen bei Anheftung an's Kreuz, Durch deine dreystündigen Leiden am Streuze, Durch dein vergossenes kostbares Blut, Durch das Gebeth der Liebe für deine Kreuziger, Durch deine göttliche Huld gegen den reumüthigen Schächer, Durch die zärtliche Liebe gegen deine Mutter und gegen Johannes, Durch deinen heißen Durst und bange Verlassenheit, Durch die bittere Galle und Effig, die man Dir dargereicht, Durch deinen barten Todeskampf, Durch die siegreiche Vollendung deines Leidens, Durch das sanfte Neigen deines sterbenden Hauptes, Durch die Eröffnung deiner heiligen Seite, Durch die Abnahme vom Kreuze, Durch dein heiliges Begräbniß, Sey uns gnädig, verschone uns, o Herr, Sen uns gnädig, erhöre uns, o Herr! p SNI V. Abschnitt. 192 Von allem Ulebel, erlöse uns, o Herr! Von aller Sünde, 2c. Von einem unglückseligen Tode, Vom Kleinglauben, Von Muthlosigkeit im Leiden, Von aller Geringschäßung deines heiligen Leidens und Sterbens. Durch deine heiligen fünf Wunden, Durch deine Liebe zu allen Leidenden, Durch deine Erbarmung gegen reumüthige Sünder, Durch die Wahrhaftigkeit deiner Verheißungen, Wir arme Sünder, wir bitten Dich, erhöre uns! Daß Du uns zur Betrachtung deines heiligen Leidens und Sterben Gnade geben wollest, wir bitten 2c. Daß Du uns in jeder. Betrübniß durch deine erlittene Angst trösten wollest, ic. Daß Du durch deinen blutigen Schweiß die Luft zur Sünde in un tödten wolleft, Daß Du uns vor allem Zorn durch deine unbesiegte Sanftmuth be hüten wollest, Daß Du uns Liebe zum Kreuze einflößen wollest, Daß Du uns in der Versuchung durch deine Wundenmale bewahren wollest, Daß Du uns durch dein Leiden und Sterben von aller Anhänglich feit an die vergänglichen Dinge losmachen wolleft, Daß Du uns im Tode durch dein kostbares Blut erquicken wollest, O Du Lamm Gottes, welches Du hinwegnimmst die Sünden der Welt, verschone uns, o Herr! D Du Lamm Gottes ic. erhöre uns, o Herr! D Du Lamm Gottes 2c. erbarme Dich unser, o Herr! Herr, erbarme Did) unser! Christi, erbarme Dich unser! Herr! ers barme Dich unser, Heiliger Vater, höre uns! Gerechter Vater, erbós re uns! Vater unser ic. Wir bethen Dich an, Herr Jesus Christus, und preisen Dich! Denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöset. Gebeth. Wir bitten Dich, o Herr! sich grådig auf diese deine Gemeinde herab, für welche unser Herr Jes sus Christus sich den Händen der Sünder überlassen, und am Kreuze sterben wollte, der mit dir in Einigkeit des heiligen Geisies lebt und regieret, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen. Fasten Andachten. 2 193 VIII. Der heilige Kreuzweg, eine Abendandacht, vorzüglich an den Sonntagen in der Fasten. Vorbereitung. Laffet uns des Herrn Leiden und Sters ben bedenken, und den heilsamen Rath des großen Apostels befolgen: Ihr sollt des Herrn Tod verkündigen."- Wer den Tod seines Erlbsers ernst und tief zu Herzen nimmt, wird die kraftigsten Eindrücke der Liebe Gottes, der Reue und des Vertrauens in sich empfinden. Er wird theilhaftig des heilis gen Segens der Kirche, welche dieser Andachtsübung reiche Abe lässe verleihet; er kann dadurch ein Zröster der leidenden Sees len werden, indem er auch ihnen die Verdienste Chrifti fürs bittweise zuwendet. Laffet uns also unter Beystand und Ges leitung des göttlichen Geistes und seiner Heiligen den Kreuze weg unsers Erlösers betreten, seine blutigen Fußtritte danks bar füffen, und uns trösten und stärken mit den Verdiensten seines Leidens und Sterbens. Amen. Gebeth. Allmächtiger, ewiger Gott! ohne dessen Beyhülfe und Leitung wir nicht das mindeste Gute vermögen; lehre uns in dem bittern Leiden und Sterben deines geliebten Sohnes die Quelle unsers Heiles erkennen und sus chen; erwecke uns zur Betrachtung desselben, und gieb das durch Mehrung deiner Gnade, Besserung unserer Herzen, wirksamen Antheil an den Ablässen der Kirche, Trost den Abgestorbenen, und uns Allen das ewige Leben. Amen. I. Station. Pilatus verurtheilet Jesum zum Tode. Wir bethen Dich an, Herr Jesus Christus, und preisen Dich! Denn durch dein heiliges Kreuz hast Du die Welt erlöfet. Christus büßet in diesem Leiden unsere harten und fündhafs ten Urtheile, mit denen wir oft Gottes liebevolle Anordnuns gen schmähen, oder den unschuldigen Mitmenschen verdam men. Jesus wird aber unser Erlöser, indem Er das ewige Todesurtheil, das wir verdienet hatten, auf sich nimmt. Chris stus ist nicht gekommen zu richten, sondern zu segnen und se fig zu machen. Gott wolle uns erleuchten, daß wir Zeitlebens uns deffen mit Danksagung getrösten. Gebeth. Allmächtiger, ewiger Gott! Di haft durch das ungerechte Urtheil, das über deinen unschuldigen Sohn ergieng, uns von der ewigen Verdammniß befreyet; lehre uns mit Mund und Herzen dafür dankbar seyn, und ver13 194 V. Abschnitt. leihe, daß wir nicht durch neue Sünden uns ein zweytes Gericht zuziehen, sondern einstens unter deinen Auserwählten zur Rechten Jesus erfunden werden. Amen. Bater unser. Ave Maria. Gekreuzigter Herr Jesus Christus, erbarme Dich meiner! II. Station. Jesus nimmt das Kreuz auf sich. Wir bethen Dich an, c. Das Kreuz ist das Zeichen unserer Sünden, das Zeichen unserer wohlverdienten Strafe; es ist auch das heilige Zeichen des bittern Leidens und Todes unsers Erlösers. Jesus nimmt das Kreuz, und damit unsere Sünde und Strafe auf sich. Es geschicht, was der Prophet geweisfaget hat: ,, Er ist um uns ferer Missethaten willen verwundet, und um unserer Sünden willen gefchlagen worden; wit waren alle irre gegangen, wie Schafe; jeder war auf seinem Wege abgewichen, und Gott der Herr hat alle unsere Missethaten auf Ihn ge legt." Gebeth. Allmächtiger, ewiger Gott! laß uns deinem mit dem Kreuze beladenen Sohne unaufhörlich dankbar feyn, und Ihm willig mit unserm Leiden nachfolgen ,, damit die Frucht seines Leidens uns hier vor dem Ulebel bewahre, und einst zur ewigen Freude gelangen lasse. Amen. Vater unser: c. III. Station. Jesus fällt unter dem er dem Kreuze. Wir bethen Dich an, ic. In diesem neuen Leiden büßet Christus unsern tiefen Ab fall von Gott. Der Mensch fiel, mit Sünde beladen, von Gott ab, in den Staub dieses sterblichen Lebens; so wie Jes sus Christus, beladen mit dem Kreuze, zur Erde. Aber der Erlöser verföhnete in großer Marter die beleidigte Gottheit. Halte dich fest an dem Glauben dieser Wahrheit- an dem großen Geheimniß deiner Begnadigung. Gebeth. Gott der Erbarmung! wende dein Antlis von unsern Sünden weg, und sich auf deinen für uns büßens den Sohn; verschone unser, und gieb, daß das Leiden deines Eingebornen uns von den begangenen Sünden reinige, und vor künftigen Sünden bewahre, durch eben denselben Herrn und Heiland Jesus Christus. Amen. Vater unser 6. Fasten Andachten. IV. Station. Jesus begegnet seiner lieben Mutter. Wir bethen Dich an ic. Maria! die reine, mackellofe, ist ein Vorbild, wie der Mensch, den Christus erlöset und geheiliget hat, werden kann und soll. In Christus begegnet Gott verföhnt dem Menschen, wie Christus der weinenden Mutter. Und der Mensch darf voll Vertrauen sich seinem Gott nahen, wie Maria ihrem leis denden Sohne. Möchte auch in uns, wie in Maria, das Leiden Jesus kräftig und wirksam ſeyn. 195 tel Gebeth. Gott! der Du uns so mannigfaltige Mitzu unserer Erldsung bereitet hast, gieb, daß wir durch die tiefe Erniedrigung deines Sohnes, welcher dem Sünder so grådig entgegen kommt, mit Dir versöhnt werden und durch die Fürbitte der jungfräulichen Mutter in dieser Versöhnung bis an's Ende verbarren. Durch eben denselben Herrn und Heiland Jesus Christus. Amen. Vater unser. Ave Maria. Gefreuzigter Herr Jesus C. V. Station. Simon von Cyrene hilft Jesus das Kreuz tragen. Wir bethen Dich an ic. Das Leiden Jesus ist der lebendige Brunnquell unserer Reis nigung von Sünden, es ist das Samenkorn unserer künftigen Seligkeit. Wir müssen aber mit leiden, wenn wir mit vers berrlichet werden wollen. Wer Christus Jünger seyn will, verläugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich, und folge Ihm nach." Die göttliche Liebe nimmt auch uns mit Simon unter Jefus heiliges Kreuz. 11 Gebeth. Gott! dessen unergründliche Liebe nur gute Gaben ausspendet, laß uns auch dann, wenn Du züchtigest, diefe deine Liebe dankbar erkennen, und verleih, daß, wenn wir uns deinem göttlichen Willen kindlich unterwerfen, wir Gnade für Recht erlangen, und durch erlangte Barmherzigkeit wieder erquicket werden, durch Jesus Christus unsern Herrn. Amen. Vater unser. Ave Maria. Gekreuzigter zc. V. Station. Veronika reicht Jesus das Schweißtuch. Wir bethen Dich an ic. Jedes Werk, welches Liebe und guter Wille thut, ist angenehm por Gott. Speise die Hungernden, tránke den Dürstenden, gieb 13* 196 V. Abschnitt. dem Armen, erquicte den Kranken, fey fanft gegen den 3års nenden, bring zurecht den Irrenden, und du wirst am großen Tage des Gerichts das Wort hören: ,, Was du dem Ge ringsten gethan hast, das hast du Mir gethan." Thue es um Gottes und Christus willen, so hast du Christi Bildniß im Herzen. Gebeth. Allmächtiger, höchst gütiger Gott! der Du uns wunderbar zu deinem Ebenbilde erschaffen hast, und nach der Zersidrung, welche die Sünde in uns angerichtet hat, uns deinen eingebornen Sohn wieder gleichförmig zu machen verlangest; gieb, daß wir diese geheimnisvolle Gnade erkennen, den alten Menschen in uns ersterben lassen, und nach dem Bilde Jesus erneuert werden mögen. Amen. Vater unser. Ave Maria. Gefreuzigter Herr Jesus ic. VIL Station. Jesus fällt zum zweytenmale unter dem Kreuze. Wir bethen Dich an ic. Jefus mußte hart und lange leiden. Aber wir haben auch schwer und unzählige Mal gefündiget. Zähle, o Sünder! wenn du kannst, die Menge deiner Uebertretungen und Unterlaffuns gen! Aber zähle und wieg auch ab das Gewicht der göttlichen Erbarmungen!- Du kannst jenes nicht, und noch viel weni ger dieses. Der Reichthum der göttlichen Erbarmungen wiegt weit die Menge und Schwere unserer Sünden. übers Gebeth. Gott der Du die Mühseligen und Be ladenen durch die Leiden deines Sohnes erquickest und felig machest, gieb uns eine brünstige Liebe zu unserm Erldser, daß wir stets mehr von unsern Sünden entla den, zur Ausübung guter Werke gestärket, vor neuer Untreue bewahret, und einst des ewigen Friedens theil haftig werden. Wir bitten Dich darum durch denselben unsern Erlöser Jesus Christus. Amen. Bater unfer. Ave Maria. Gekreuzigter Herr. VIII. Station. Jerusalems Tochter beweinen Jesus. Wir bethen Dich an ic. Mit Jesus leiden, heißt nicht, seine Schmerzen be weinen, sondern vielmehr, unser Kreuz entschlossen, und aus Liebe zu Jesus tragen, und werth halten. Selig find aber die Sünder, die ihre eigenen Sünden mit Magdalena Fasten Andachten. 197 and Petrus beweinen. Das Leiden Christus lebrt uns kennen den schrecklichen Fluch, den die Sünde mit sich bringt. ,, Weis net nicht über mich, sondern weinet über euch und über eure Sünden."( Jesus litt ja nicht für eigne, sondern für unsere Sünden.) ,, Geschieht dieses am grünen Holz was wird erst aus dem dürren werden?" Muß der Gerechteste folche Prüfungen bestehen, was erwartet erst den Sünder? Gebeth. Gott! ohne dessen Erbarmen wir der Last unfrer Sünden unterlegen wären, gieb uns festes Vertrauen auf die Leiden deines Sohnes, damit wir in der aufrichtigen schmerzlichen Reue über unsere Sünden allezeit durch den Trost seiner Erlösung aufrecht erhalten, und zu einem heiligen, in guten Werken fruchtbaren Leben erwecket werden. Durch denselben unsern Herrn Jesus Christus. Amen. Vater unser. Ave Maria. Gekreuzigter Herr Jesus Christus*. IX. Station. Jesus fällt das drittemal unter dem Kreuze nieder. Wir bethen Dich an ic. Bergiß nie, o Chrift! um welchen Preis, mit welchen Mengften und Schmerzen Jesus deine Seele erfauft hat. Kannst du wehl die Liebe genug schätzen, die sogar die härteste Todesart nicht scheuet, um dir das wahre Leben mitzutheilen? Kannst tu Jhm deine Gegenliebe verfagen, um die Er knieend, zit tend, schwer verwundet, und noch wenige Stunden vor seis nem Tode dich bittet? nein, du kannst sie Ihm nicht vers fagen, ohne dich selbst zu haffen! - Gebeth. Gott! furchtbar sind deine Gerichte, die fo gar denjenigen treffen, an dem Du dein inniges Wohlgefals len haft; aber auch unerforschlich groß und erhaben ist deine liebe, die des eignen Sohnes nicht verschonte, um uns zu erlösen; verleih uns eine unwandelbare Liebe; Dir, damit die unheilige Lust der Welt in uns getilgt werde, und die gittliche Liebe deines Geistes uns immerdar regiere. Darum bitten wir durch eben denselben Herrn Jesus Christus. Amen. Bater unser. Ave Maria. Gefreuzigter Herr Jesus. X. Station Jesus wird seiner Kleider beraubt. Wir bethen Dich an. Erkenne in diesem Geheimniffe des Leidens Jesu, wie dein Erlöfer an seinem eigenen Leibe die Werke unsers Fleisches båßet. 198 V. Abschnitt. So muß der alte Mensch in uns ausgezogen werden, wie dem Heilande feine Kleider. So müssen wir ohne Heuchelen mit offenem Herzen vor Gott gläubig und zutraulich erscheinen. Alsdann wird uns ein neues Kleid, ein hochzeitliches Gewand durch das Leiden des Herrn geschenket werden. Gebeth. Gütigster, barmherziger Gott! der Du deinen Kindern nur entreißest, was ihnen schädlich ist, und nur nimmst, um ihnen mehr und Besseres dafür zu geben, erlöse uns von aller sündhaften Anhänglichkeit an die Dinge dieser Welt, und kleide unsere Seele mit Gerechtigkeit; gieb dem Herzen Liebe zu Dir, dem guten Willen Kraft und Dauer, und dem Verstande die wahre Erkenntniß. Gieb uns Alles dieses durch Jesus Christus, unsern Herrn. Amen. Vater unser. Ave Maria. Gekreuzigter Herr Jesus Chriftus! erbarme Dich meiner. XI. Station. Christus wird an's Kreuz genagelt. Wir bethen dich an ic. Unbegreiflich ist die Wildheit und Grausamkeit der Kriegs knechte gegen das zarte, fanfte Lamm, und herzerschütternd ihr unmenschliches Verfahren. Aber gewiß ist es, unsere Sünden haben Jesus gemartert und gekreuziget; unser Abfall von Gott, unsere verkehrte Luft und der teuflische Betrug haben das Bild Gottes in uns verwüstet; und um uns dasselbe wieder herzus stellen, sehen wir unsern Erlöfer von der Menge der Wunden entstellt und kaum mehr einer Menschengestalt ähnlich. Gebeth. D Gott! wir erkennen mit tiefer Bes schamung unsere Schuld, die dein eigener Sohn nur durch die große Marter des Kreuzes tilgen konnte; gieb, daß uns die freywillige Demüthigung unsrer Herzen dei ner Gnade würdig mache, und der kostbare Weg dieser Gnade zur ewigen Glückseligkeit führe. Das verleih uns um der schmerzlichen Bunden unsers Heilandes willen, den wir, am Kreuze angebeftet, als unsern wahren Gott anbethen und verherrlichen. Amen. Vater un ser. Ave Maria. Gekreuzigter zc. XII. Station. Jesus wird am Kreuz erhöhet und stirbt. Wir bethen Dich an ic. Das Kreuz, an dem Jesus unser Leben hangt, wird hoch aufgerichtet. Himmel und Erde werden dadurch vereinigt. - Fasten Andachten. 199 Die angehefteten, weit ausgebreiteten Arme des Erlbfers segs nen die ganze Welt. Engel und Menschen sollen das große Wunder anschauen, wie Gott versöhnt, die Sünde getilget, und der Hölle ihre Macht entriffen wird. Freue dich, Süns der, Jesus bittet für dich! Jesus vollendet das Werk der Ers lösung; der gekreuzigte Sohn und der ewige Bater, die vers föhnte Menschheit und die heilige Gottheit, sind wieder vers einiget. Der letzte Hauch Christus giebt der Welt wieder ewiges Leben. Gebeth. Ewiger, barmherziger Gott! der Du deinen Eingebornen nach so heftigen Martern wieder in deinen väterlichen Schooß aufgenommen hast, laß auch uns mit Ihm Dir geopfert seyn und nimm uns nach Vollendung dieses kummervollen Lebens, welches wir im Glauben an unsere erlangte Versöhnung nicht ohne Hoffnung führen, in die Herrlichkeit deines Sohnes auf, den wir als unsern Gott und Herrn anbethen und verherrlichen. Amen. Vater unser Ave Maria. Gekreuzigter Herr Jesus Christus, erbarme Dich meiner! XIII. Station. Der Leichnam Jesus im Schooß Mariens. Wir bethen Dich an ic. Christus ist unser Eigenthum geworden. Und mit Jbm ist alles das Seine unser geworden. Sein Vater ist unser Vater; sein Gott ist unser Gott; feine Mutter ist unsere Mutter; sein Himmel unser Himmel; feine Herrlichkeit unsere Herrlichkeit; sein Fleisch und Blat ist unsere Speif und unser Trank. Rüh, render Anblick! Der Leichnam Jefus auf dem Schooße Mariá! so wird jedes mit Gott überstandene Leiden endigen. Sey stark, mein Herz! dulde und harre, bis ein glückseliges Ende dich bringt zu Jesus und Maria. Gebeth. Gott! barmherziger Vater! Du hast uns ein unaussprechliches Verlangen nach dem Reiche deines geliebten Sohnes gegeben; verleihe uns durch das Sacras ment des Leibes und Blutes Jesu Christi, und durch die Fürbitte der seligsten Mutter Maria, daß wir uns glâubig des Leidens und Todes unsers Erldsers vertrösten, bis an uns offenbar wird seine Herrlichkeit, in welcher wir Ihn ewig anbethen und benedeyen werden. Amen. Vater unser. Ave Maria. Gekreuzigter Herr Jesus Christus ic. .V. Abschnitt. XIV. Station. Der Leichnam Jesus wird in's Grab gelegt. 200 Wir bethen Dich an c. Das Grab Chrifti fey dein Herz. Es sey ein neues Grab, in welchem noch kein Todter begraben wurde. Laß in deinem Herzen keine andere Liebe wohnen, als die Liebe zum höchsten Gut. Es werde ausgeschmückt mit Unschuld und Reinigkeit, mit zierlichen Werken der Liebe; fein Schlußstein sey Wachs famkeit und Gebeth, und fein verwahrendes Siegel das tägli che Kreuz. Dann wirst du durch jede Communion deinen Hei land würdig bestatten, und in der Auferstehung glückselig nach feinem Bilde erwachen. Gebeth. Gott, Du einziges Verlangen der Gläu bigen! bereite deinem angebetheten Sohne eine würdige Wohnung in unsern Herzen, damit der Genuß feines Leibes und Blutes deine Gnade in nus vermehre, auf Erden uns heilige, und im Himmel durch deine An schauung uns ewig selig mache. Amen. Vater unfer. Ave Maria. Gekreuzigter Herr Jesus Christus, erbarme Dich meiner! Beschluß. Nun hast du wieder deinem Heilande dich ergeben, o chriftliche Seele! Sprich nech mit liebevollem treuem Herzen: ,, Herr ich bin ganz Dein', Du ganz mein!" Laß dich nicht wieder von den Dingen dieser Welt gefangen nehmen. Dein Heiland ist für dich gestorben, lebe nun dankbar für Ihn. Berlasse deinen Netter nimmermehr. Es giebt kein anderes Opfer unserer Erlösung, als das Opfer Jes fus. Bewahre sorgfältig diesen kostbaren Schak, er sey die Stárke im Leben, Trost im Tode und Seligkeit jenseits des Grabes. Gebeth. Laß uns, barmherziger Herr! das Leiden unsers Erldsers in dankbarem Andenken halten, und um feiner beißen Pein willen die Lüste der Welt meiden, unser Kreuz willig tragen, in aller Heiligung zunehmen bis wir als Angehörige des himmlischen Reiches Dir unaufhörliches Lob und ewige Anbethung bringen können, in Christus Jesus unserm Herrn. Amen. Fasten: Andachten. Kirchengebethe und Betrachtungen auf alle Zage in der Fasten, über das Leiden und Sterben unsers Herrn Jesus Christus. 201 1. Aschermittwoch. Christus hat für uns gelitten, und uns ein Beyspiel hinterlassen, daß wir in seine Fußstapfen eintreten, und Ihm nachfolgen sollen. ( Wird vor jeder Betrachtung wiederholt.) ,, Meine Seele ist betrübt bis zum Tode." Matth. 26, 38. Wir Alle, Keiner von uns ausgenommen, sind auch Schuld und Ursache an dieser Angst und Qual der Seele, die Jefus gelitten; wir mit unsern Sünden haben Jhm dieses Gericht Gottes, diese Traurigkeit und Todesangst zugezogen; denn Er ist für uns Menschen Bürge gestanden, und hat die Sünden der ganzen Welt auf sich genommen, und die Strafe der Sünde, die wir verdient hatten, für uns erduldet. Gott ist nun gegen uns gnädig, und wir sind mit Jhm versöhnt durch Jesus. O mit welchen Augen, mit welchem Herzen sollen wir jest Jesus ansehen? wie gegen Jbn gesinnet seyn? Bedenke doch nur, o meine Seele! jest, in diesen Tagen des Heiles, was Er für uns arme Sünder gethan und gelitten hat, um uns von der Sünde und dem ewigen Verderben zu erlöfen, und uns gut und selig zu machen. Jesus leidet Todesangst wegen fremder Sünden, und wir betrüben uns sogar nicht wegen unserer eigenen Sünden; wir leben so leichtsinnig in der Sünde dahin, als wenn es Jesus nicht die geringste Mühe gekostet hätte, uns von derselben zu erlösen. — Ist es nicht erschrecklich, daß man Jhn nicht liebt, Jhm nicht dankt, die Gnade der Erlösung sogar nicht anerkennt? O Jesus! erwecke in mir eine innige Liebe zu Dir, und eine heilsame Erkenntniß, Traurigkeit und Reue über meine Sünden, womit ich Gott, unserm Vater, so sehr mißfällig ges worden bin, Ihn beleidigt, und Dich in so tiefe und unaus, sprechliche Angst und Noth gebracht habe. Ich danke Dir, daß Du mich von dem schweren Gerichte Gottes erlöset hast, damit ich es nicht selber erfahren, und von dem tödtlichen Schrecken desselben verzehret werden möchte. Wenn auch mich einst die Angst des Todes überfällt, hilf mir sie überwinden im Glauben an Dich, damit dein Angstschweiß und dein vers goffenes Blut an meiner armen Seele nicht verloren gehe. Vers. Ich bethe Dich an, Herr Jesus Christus! und preife Dich; denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöſet. ( Wird nach jeder Betrachtung wiederholt.) V. Abschnitt. Kirchengebeth. D Herr! verleihe deinen Gläubigen, daß sie die hochwichtige Fastenzeit mit geziemender Frömmig. feit anfangen, und mit unausgesetzter Andacht fortsetzen und vollenden mögen. Amen. 202 Gekreuzigter Herr Jesus Christus, erbarme Dich meiner! Vater unser ic.( Wird nach jedem Kirchengebethe wiederholt.) 2. Donnerstag. Christus hat für uns ic. ,, Nicht wie ich will, sondern wie Du willst." Matth. 26, 39. So bethet Jesus, niedergebeugt von der Last unserer Sünden, zum Bater. Er neigt sein Angesicht zur Erde vor Jhm, der den bittern Leidenskelch von Jhm nehmen, seine Traurigkeit und Betrübniß mil dern kann! aber Er will nichts erzwingen, nichts erstürmen. Kindlich demüthig schmiegt Er sich unter den weisesten Willen seines Vaters. So wurdest Du uns also in allen Dingen gleich, o göttli cher Erlöser! Du mußtest versucht, geprüft und geübt werden, daß Du alle menschlichen Leiden und Beschwerden, alle Schmer zen und Beangstigungen, deren die menschliche Natur fähig war, an deiner eigenen Person erführest. Diese eigene Erfabs rung machte Dich zu einem mitleidigen Hohenpriester, und giebt mir zutrauen und Muth, in Kreuz und Leiden zu Dir zu flüchten, meine Thränen vor Dir zu weinen, und all' meinen Kummer in dein liebendes Bruderherz auszugießen. Du weißt aus unmittelbarer Empfindung, was Bangigkeit der Seele, was unbeschreibliche Beklemmung und Trostlosigkeit ist; ich flage also meine Noth keinem Fremdling im Leiden; und so wahr der Vater Dir in deiner Todesangst einen En gel zur Stärkung gesendet hat, eben so gewiß werde ich bey Dir Ruhe finden für meine Seele, wenn ich so ergeben, wie Du mit kindlichem Glauben in jedem Leiden rufe: Bater - nicht mein, sondern dein Wille geschehe!- Ich bethe Dich an ic. O Kirchengebeth. Gott! der Du durch die Sünde bes leidiget, und durch die Buße verföhnet wirst; sieh gnädig auf die Bitten deines flehenden Volkes, und wende ab die Geißel des Zornes, die wir für unsere Sünden verdienen. Amen Gekreuzigter Herr Jesus Christus 2c. 3. Freytag. Christus hat für uns ic. ,, Ihr schlafet noch und ruhet." Matth. 26, 45. So ruft Jefus im Schmerz mißtannter Liebe seinen Jüngern zu, und verweiset ihnen ihre geringe Theilnahme an seiner Angst und Hefahr und ihre Schläfrigkeit, während dem sein Verräther wacht, und sich nahet, Ihn an seine Feinde auszuliefern. Fasten Andachten. 203 Auch mich,- ja, auch mich trifft dieser Vorwurf, o mein Heiland! So wie hier die Jünger, schlafe ich oft aus stråfli, cher Sorglosigkeit über meinen wichtigsten Pflichten ein. Uebers rascht vom tödlichen Schlummer der Trágheit, laß ich die kosts barsten und unwiderbringlichen Augenblicke, in denen ich mein Heil wirken sollte, unbenußt vorüber gehen. Oder ich wache wohl gar mit Judas: angeflammt von dem wilden Feuer meiner fündlichen Begierden und Leidenschaften, opfere ich zur Befriedigung derselben ganze Nächte auf; während dem ich mich nicht überwinden kann, zum Heile meiner Seele auch nur eine Stunde zu wachen sie im Gebethe, in heiliger Eetrach, tung, mit Werken der Buße, oder der Nächstenliebe zuzubrins gen. Das Wachen ist mir ein Leichtes, wenn es für die un dankbare Welt geschieht, wenn es um zeitliche Vortheile oder Vergnügungen zu thun ist; aber wenn ich zum Dienste Gots tes, für das Heil meiner unsterblichen Seele wachen soll, da überlaß ich mich tråger Ruhe, und schlafe. O unglücklicher Schlaf! O verdammliches Wachen!- - - Nimm hinweg von mir, o Jesus! die Schläfrigkeit und Trägheit des Herzens, und verleihe mir in Gnaden Luft und Antrieb zum Gebeth, zur Anbethung und Verherrlichung deis nes Namens.- Ich bethe Dich an ic. Kirchengebeth. Wir bitten Dich, o Herr! unterstüße uns mildreichst in unserm angefangenen Fasten, damit, was wir dem Leibe nach beobachten, auch mit reinem Herzen ausüben mögen. Amen. Gekreuzigter Herr Jesus c.. 4. Samstag. Christus hat für uns zc. Judas! durch einen Kuß verräthst du den Menschensohn?" Luc. 22, 48. Dwie unbeschreiblich wehe muß es dem Herzen Jesus gethan haben, als er Judas erblickte! Einen von denen, die Er auserwählt hatte zu seiner Nachfolge, die Er zu großen Entzwecken berufen, und zu großer Ehre in seinem Reiche bestimmt hatte; einen Jünger von Ihm, den er aufrichtig liebte, mit dem Er in Freundschaft gelebt hatte, auf dessen Freundschaft und Liebe nun auch Er rechnen durfte- daß gerade dieser sein Verräther ward, und als Anführer feiner Feinde daher kam. O wie web muß es meinem Heilande auch an mir thun, wenn ich, der ich sein Eigenthum bin, ich den Er so unaussprechlich liebt, und mit unzählbaren Gütern seiner Gnade erfüllt, ich für den er gestorben ist, den Er als Freund und Liebling ange= nommen hat, und einst ewig zu sich in seine Herrlichkeit nehmen will, ach, wenn ich mich nun zu seinen Feinden halte, der Welt anhange, und mit dem Teufel in Gemeinschaft stehe, und seine Werke liebe! - V. Abschnitt. O mein göttlicher Herr und Heiland Jesus Christus! er weiche doch mein hartes unempfindliches Herz und öffne mir das Auge meines Geistes, daß ich dein liebes Herz nicht lan ger durch meine Sünden betrübe, nicht langer Dir das Gute mit Bösem vergelte; nicht länger eine schlechte vergängliche Lust deiner Herrlichkeit vorziehe, und der Sünde, die aus dem Teufel ist, anhange, sondern Dir treu bleibe bis in den Tod. Ich bethe Dich an sc. 204 Kirchengebeth. O Herr! sich gnädig auf unser Gebeth bernieder, und verleihe, daß wir diese feverliche Fasten, deren beilsame Einfekung Leib und Seele gesund machen soll, mit frommer Treue vollbringen mögen. Amen. Gekreuzigter Herr Jesus Christus, erbarme Dich unser! - Auf die Sonntage in der Fasten. ( Megandacht Seite 33.) Kirchengebethe. 1. Gott! der Du deine Kirche durch die Beobachtung einer jährlichen vierzigtágigen Fasten reinigeft, verleihe deiner gläubigen Gemeinde, daß sie durch gute Werke thätig vollziebe, was sie sich durch ihre Enthaltsamkeit von Dir zu erlangen bestrebet, durch Jesus Christus. 2. D Gott! der Du uns fraftlos und verlassen sichst, bes wahre unser Inneres und Neußeres, damit der Körper von allen Leiden befreyt, und die Seele von allen bösen Gedanken gereiniget werde, durch Jefus Christus 2c. Amen. 3. Wir bitten Dich, allmächtiger Gott! fich gnädig auf unfer demüthiges Gebeth hernieder, und strecke, uns zu bes schützen, beine rechte Hand deiner Majestät aus; durch Jesus Chriftus c. 4. Verleihe, wir bitten Dich, allmächtiger Gott! daß wir, die wir aus eigenem Verschulden für unsere Handlungen ges züchtiget werden, durch den Trost deiner Gnade Erleichterung finden, durch Jesus Christus ic. 5. Wir bitten Dich, allmächtiger Gott! sich anådig auf deine Familie, damit durch deine Fürsorge ihre irdische Wehls fahrt befördert, und durch deine Bewahrung ihr geistliches Leben beschützet werde, durch Jesus Christus ic. Gekreuzigter Serr 2c. Bethstunde. Seite 183 oder Kreuzweg S. 193. Fasten Andachten. 5. Montag. Christus hat für uns gelitten ze. 300 sdn? Soll ich den Kelch nicht trinken, den mir der Vater gereicht hat?" Joh. 18. 11. So sprach Jesus mit vollkommenstem Gehorsam, mit gänzlicher Ergebenheit in den Willen des Vaters, obwohl mehr den zwölf Legionen Engel zu seiner Hülfe bereit standen. Mit welcher Liebe, mit welchem innigen Wohlgefallen muß der Vater auf seinen gehorfamen Sohn herabgesehen, welche Freude muß ihm seine vollkommene Ergebenheit gemacht haben! Alles Unheil und Elend ist aus dem Uns gehorsam entsprungen: Unser ganzes Wohlergehen bestehet in Gehors sam gegen Gott. So will denn auch ich den Weg des Gehorsa.us einschlagen, und beständig darauf wandeln.- ior sid sonno 15/ 205 sonn@ ssrisd aim thi her fat Jesus Christus! Du hast den Anfang gemacht; Du bist unser Wegweiser und Führer zum Heil! wer Dir nachfolgt, der wandelt nicht im Finstern, sondern er kommt aus der Fins sterniß zum Licht, aus dem Tod zum Leben. Stärke meine schwachen Kräfte, und vermehre meinen Glauben und meine Liebe, daß ich ergeben annehme den Kelch, den mir der Vater darreicht, daß ich mir die Mittel gefallen lasse, durch welche Er mich zum Heile zu führen für gut findet. Erfreuend oder bes trübend, heilend oder schlagend, bleibt er ja immer Vater. Darum will ich befolgen, was der Vater befiehlt, und mit ges horsamem Herzen mich unter seine Hand demüthigen. Dann wird er auch auf mich herabsehen mit Freude, und mich lies ben und segnen als sein Kind; und durch findlichen Gehörsam werde ich dann wieder finden, was ich durch Ungehorsam vers loren habe, meine Seligkeit. Ich bethe Dich an ic. Kirchengebeth. Befehre uns, Gott unsers Heils! und unterweise unsere Seelen in der himmlischen Lehre, damit uns Die vierzigtägige Fasten heilsam werde. Amen.- Gefreuzigs ter Herr Jesus ic. dats 6. Dienstag. Christus hat für uns gelitten 2c. dous scary stoot in sisted Bie nach einem Räuber seyd ihr nach mir mit Schwertern und Knitteln ausgegangen, mich zu fangen." Matth. 26, 55. Nun ist der Befreyer Israels gebunden. Er hat seine wohlthätigen Hände den Stricken der Henfer hingegeben. Der waffenlose König Ifraels, der den Frieden Gottes auf die Erde herabbrachte, wird von seinem Volke des Nachts gewaltsam überfallen, und verlassen von allen Freunden, von Gott selbst, wie es scheint, verlassen, wie das Haupt einer Räuberbande gefangen fortgeführt. Was war vermögend, diefe V. Abschnitt. allmächtigen Hände, die so viele Wunder gewirkt, die zum Helfen und Gegnen immer bereit waren, zu fesseln? Die Liebe war es, die stärker ist, als der Tod; die Liebe zu uns Sündern. 206 Ja, v Herr! unsere Sünden haben Dir diese Bande anges legt, und Du ließest Dich freywillig binden, um unsere Ban de, die uns in der Sclaverey des Satans gefangen hielten, aufzuldsen, und uns in die Freyheit der Kinder Gottes zu sehen. Und dieses Uebermaß von Liebe sollte mich nicht bewe gen, selbst Hand anzulegen, und diese Bande zu zerreißen, dies se Sündenkette zu brechen, um dadurch auch den Händen Jes sus die Freyheit wieder zu geben, mich zu segnen, und mit Gutthaten zu überhäufen? Ja, brechen will ich mit deiner Gnade die Bande der Leis denschaften, die mich an die Welt und Sünde feffeln, und mich von Dir, o Jesus! trennen; fest und immer fester will ich das Band knüpfen, das mich mit Dir, mein Gott und Heiland! ver einiget. Wann, ach! wann wird mich die Liebe einmal mit Dir so vereinigen, daß ich mit Herz und Mund werde aus rufen dürfen: ,, Nichts soll mich von der Liebe Gottes, nichts von der Liebe Jesus scheiden." Jch bethe Dich an ic. Kirchengebeth. Sieh herab, o Herr! auf dein Volk, und gieb, daß unsere Seelen, die in der Züchtigung des Fleis sches Buße wirken, vor Dir in Liebe und Heiligkeit erscheinen. Amen. Gekreuzigter Herr Jesus ic. 7. Mittwoch. Christus hat für uns gelitten ic. In dieser Nacht werdet ihr euch Alle an mir ärgern; denn es steht geschrieben: Ich werde den Hirten schlagen, und die Heerde wird zerstreuet werden." Matth. 26, 31. Was unser göttlicher Heiland seinen Jüngern mit diesen Worten voraussagte, daß traf bald nachher ein. Alle Jünger fliehen von Je fus, und verlassen Ihn; Er allein bleibt, und flieht nicht. Er liebte uns in der That und in der Wahrheit, nicht bloß nur mit schönen Worten, mit gutem Willen, nicht mit Unbeständigkeit, nur in guten frohen Tagen, sondern er beharrte in seiner Liebe auch zur Zeit der Trübsal, und kein Leiden, und keine Todesgefahr machte Ihn abwendig von der Liebe zu uns. a wie beschämt muß ich vor Dir, mein Heiland! da stes hen. Was ist meine Liebe zu Dir gegen die Deinige?- Ach Ich wie kalt, wie zaghaft, wie unbeständig, wie untreu!- 3 liebe Dich nur, so lange mir diese Liebe keine Leiden kostet; an deinen Gaben nur und nicht an Dir hängt mein ganzes Fasten Andachten. 207 Herz. Ach! um Dir treu zu bleiben, muß ich dich eben so willig nach dem Calvarienberge, wo Du am Kreuze dein Les ben aushaucheft, als auf den Tabor begleiten, wo Du Dich in deiner Herlichkeit zeigest. O Jesus! Du einzig Trener und Wahrhaftiger! schenke auch mir eine treue und wahre Liebe zu Dir, lehre mich lieben in der Wahrheit, daß ich auch für Dich leiden, und scheinbare Freuden mir versagen könne, ohne Dich zu verlaffen.- Ich bethe Dich an c. Kirchengebeth. Sieh, o Herr! gnädig auf die Andacht deines Volkes herab, damit wir durch die Früchte guter Werke am Geiste stark werden, so wie wir durch Abtödtung und Ents baltsamkeit die Lüste des Fleisches schwachben. Amen. Ser freuzigter Herr Jesus c. - 8. Donnerstag. Christus hat für uns ic. habe ich unrecht geredet, so beweise es mir; habe ich aber recht geredet, warum schlägst du mich?" Joh. 18, 23. Die bescheidene Antwort, die Jesus dem Annas, der Ihn über ſeis ne Lehre befragte, gab, zog ihm eine schmählige Unbild zu. Einer der Diener wagte es, Jesus einen derben Backenstreich zu versehen, mit gottesräuberischer Hand jenes Angesicht zu schlagen, das die Engel mit Zittern anschauen. Der Heiland, dessen bloßer Hauch diesen Frevler sammt allen seinen Richtern hätte zerstäuben können, nimmt diese allergrößte Unbild mit aller Sanftmuth an, und antwortet dem Beleidiger, nicht um sich zu rechtfertigen, oder Gottes Strafgericht ihm anzukündigen, sondern um ihn auf bessere Gedanken zu bringen, und zur Erkenntniß und Reue zu bewegen. So fanft, o Jesus! wie gegen diesen Gerichtsdiener, hafst Du Dich stets gegen mich Sünder bewiesen. Du konntest mich bey der ersten Beleidigung, die ich deiner Majestät zufügte, auf immer von deinem göttlichen Angesichte verstoßen, Du aber haft mir verziehen, und mir Zeit und Gelegenheit zur Besserung gegeben. Allein zu der ersten Beleidigung fügte ich unzählige andere; und Du, anstatt mich nach Verdienst zu strafen, begnügtest Dich damit, mein undankbares Herz zu fragen: Warum schlägst du mich? Allerbarmherzigs ster! bewahre- ach bewahre mich ferner vor so schåndlichem Undank, daß ich ja nicht weiter deine so namenlose Liebe mit neuen Beleidigungen vergelte; sondern mit unerschütterlicher Gegenliebe, als dein treuer Jünger, Dir nachfolge, und ins gleichen alle Unbilden und Beleidigungen mit christlicher Sanfts muth und Geduld ertrage, wie Du sie ertragen hast.- Ich bethe Dich an. c. V. Abschnitt. Kirchengebeth. Erhöre gnädig unser Gebeth, o Herr! und vor allen Widerwärtigkeiten bewahre uns durch deine götts liche Allmacht. Amen.- Gekreuzigter Herr Jesus ac. 208 9. Freytag. Chriftus hat für uns gelitten c. ,, Von nun an werdet ihr den Menschensohn zur Rechten des allmäch tigen Vaters sißen, und auf den Wolken des Himmels kommen sehen." Matth. 26, 64. Aufgefordert von dem Hohenpriester, und beschworen bey dem le bendigen Gott, zu sagen, ob Er Christus, der Sohn Gottes fey, bes jahte Jesus es auf das Feverlichste: ,, Du sagst es, Jch bin Christus." Danke Jhm, o meine Secle! für dieses öffentliche und feverliche Ber kenntniß, das Er nicht anders als mit Gefahr seines Lebens ablegen konnte, aber dennoch ablegte, uns zur Bestärkung und gänzlichen Ver sicherung, auf daß wir wissen, was wir an 3 hm haben. Du bist Christus, der Sohn des lebendigen Gottes! in Dir allein ist Heil, und kein anderer Name is uns gegeben, in welchem wir selig werden können, als der Name Jesus! Mit freudigem Glauben, mit fester Zuversicht will ich mich allezeit Dir nahen, und von Dir und durch Dich erbitten, was ich bedarf. Ich weiß an wen ich glaube, und wohl mir, wenn ich von ganzem Herzen an Dich, Jesus Christus! als an den Sohn Gottes glaube, und Dich als den Sohn Gottes ehre! Froh werd' ich einst mein Haupt ers heben können, wenn Du kommen wirst in den Wolken des Himmels, zu richten und zu vergelten, einem Jeden nach seis nen Werken. O Herr, vermehre in mir den Glauben!- Ich bethe Dich an ic. Kirchengebeth. Herr! sey gnädig deinem Bolke und weil es durch deine Gnade Dir mit Andacht ergeben ist, fo erhalte es in der Gottseligkeit durch deine gütige Beyhülfe. Amen. Gekreuzigter Herr Jefus ac. 10. Samstag. Christus hat für uns gelitten ic. ,, Ich wandte mein Angesicht von denen nicht weg, die mich lästerten und anspieen." Isai. 50, 6. Also sagt es der Prophet vom Menschensohne voraus, und also geschah es. ,, Sie spieen Jeſum in's Angesicht, und schlugen Ihn mit Fäusten." Matth. 26, 67. Allerheiligstes Angesicht! So wurdest Du mißhandelt und verunstaltet. Eo durften die verruchtesten Hände sich an deiner Majestät vergreifen! So war das Ehrwürdigste, was je ges sehen ward, oder gesehen werden konnte, das unmittelbare Ziel der niederträchtigsten Verhöhnung! Jesus! die göttliche - Fasten Andachten. 209 Langmuth in Person, duldete alles und schwieg. O Wuns der der Liebe, zum Erstaunen und Anbethen! Wie schrecks lich wäre es, wenn ich, der ich auf seinen Namen getauft, aus Gnade zum Glauben und zur Kirche Gottes angenommen, und des heiligen Geiftes theilhaftig geworden bin, wenn ich mich eines ähnlichen Verbrechens gegen Jesus schuldig machen würde! Und beweise ich meinem göttlichen Erlöser nicht die nämliche Verachtung und Verschmähung, wenn ich Ihm untreu werde, wenn ich den Glauben und die empfangene Gnade verläugne, der Stimme Jesus nicht folge, feiner Lehre mich schäme, seinen Geist in mir betrübe, und durch Ungehors sam aus mir vertreibe? Wenn ich Jesus auf solche Weise KIT verhöhne, was werde ich einst aus seinem Munde am Tage des Gerichtes vernehmen müssen? Di Was sonst als jene schrecklichen Worte: ,, Hinweg von mir, ich kenne dich nicht!" Um deiner Barmherzigkeit willen, o Jesus! erbarme Dich meis ner, und bewahre mich vor solch einer schrecklichen Blindheit! - Jch bethe Dich an ic. - - Kirchengebeth. Herr! nimm gütig auf unser Gebeth und gieb durch deine Gnade, daß wir im Glücke demüthig seyn, und im Unglücke aufrecht erhalten werden mögen. Amen. Gekreuzigter Herr Jesus xc. 11. Montag. Christus hat für uns gelitten zc. Ehe noch der Hahn in dieser Nacht krähen wird, wirst du mich dreymal verläugnen." Matth. 26, 34. Diese Warnung gab Jesus wenige Stunden vor seinem Leiden dem Petrus; aber dieser sah die Verläugnung seines geliebten Meisters für eine unmögliche Sache an, und versprach feverlich, wenn auch Alle an Jesus sich ärgern sollten, sich doch an Ihm nicht zu ärgern, sondern vielmehr mit Ihm in den Kerker und Tod zu gehen. So gieng hier, wie allenthalben die Vermessenheit dem Falle, und Großsprecheren den bittersten Thränen voran. Er achtete die Warnung feines göttlichen Meisters nicht, und bereitete sich selbst bange Stunden, dem Heilande aber tiefe Betrübniß. Menschliche Schwach beit, hier bist du recht nach dem Leben gezeichnet! Ach Herr! was hat sich der Mensch von seinen besten Vors fatzen zu versprechen? Nichts, wenn sie nicht im festen Vertrauen auf den Beystand deiner Gnade, und mit Mißtrauen auf eigene Kräfte gemacht werden. Unsere festesten Entschlüsse dauern ges wöhnlich nicht länger, als bis zu dem Augenblicke, wo es darauf 14 V. Abschnitt. ankommt, zu beweisen, daß es uns Ernst damit war. Die Gefahr schrecket uns, die Mühe macht uns verdrießlich, unser Muth sinket, die Liebe erkaltet, und die Gelegenheit bringt uns zum Falle. In der Stunde der Andacht versprechen wir Alles: alle Schwierigkeiten zu verachten, alle Versuchungen zu überwinden; lieber den Tod zu leiden, als Gott zu beleis digen; wir triumphiren schon vorhinein, und halten jeden Sieg für gewiß; und doch ist die leichteste Versuchung, die unbes deutendste Veranlassung im Stande, uns zur Untreue gegen Jesus zu verleiten. O mein göttlicher Erlöser! Du hast Dich meiner nicht geschämt, mich nicht verläugnet, auch in den ab lergrößten Leiden nicht, felbst nicht unter den Qualen des Zo des, obwohl ich ein unglücklicher Sünder, und ein Kind des ewigen Verderbens war; auch ich will mich Deiner nimmer. riehr schämen. Mein Nuhm soll es seyn, zu Jesus von Na zareth zu gehören. Unterstüße Du mit deiner mächtigen Gnade meinen redli chen Wunsch, und verleihe mir deinen heiligen Geist, und mit Ihm Muth, Treue, Kraft, und aufrichtige Liebe zu Dir! Ich bethe Dich an ic. 210 - Kirchengebeth. Allmächtiger Gott! wir bitten Dich, laß es in Gnaden geschehen, daß dein Volk, das durch Enthalts famkeit von Speisen den Leib abtödtet, durch Enthaltsamkeit von Sünden das Fasten vollkommen mache. Amen.- Ges freuzigter Herr Jesus c. 12. Dienstag. Christus hat für uns gelitten 2c. Jesus wandte sich um, und blickte auf den Petrus hin." Luf. 22, 61. Wen Jesus einmal in seine Freundschaft und Liebe aufgenommen hat, dessen Freund bleibt Er für immer.- Jesus wußte vorher, daß ihn Petrus verläugnen würde, und doch entzog Er ihm feine Liebe und Hülfe nicht; sondern Er bethete für ihn, daß sein Glaube nicht erlöschen möchte, daß er Ihm nicht verloren gehe. Und als Petrus wirklich gefallen war, und sich an Jesus hart verfündigt hatte, da ward Er nicht zornig über ihn, noch entzog Er ihm seine Liebe oder vergalt Gleiches mit Gleichem, sondern mit innigem Mitleid fuchte ihn sein Auge, sah ihn voll unbeschreiblicher Huld und Gnade all, und trachtete dadurch den Gefallenen aufzurichten. Du allertreuester Freund der Menschen! der Du auf diese Erde herabgekommen bist, die Sünder zu suchen und fes lig zu machen, Dir übergebe ich mich ganz und aufrichtig, für Beit und Ewigkeit. In Demuth des Herzens bitte ich Dich, verwirf mich Sünder nicht; sondern begnadige mich mit deu Fasten Andachten. ner Freundschaft, nimm mich auf als deinen Jünger; berufe mich zu deiner Nachfolge, und wenn ich falle, und untreu meinem Vorfaß werde, o Du liebenswürdiger Freund Petri! blicke mich an, und dein Blick voll Eruft und Gnade erfülle mich mit Demuth, Reue und Liebe, und bessere mich. Ich bethe Dich an 2c. - 211 Kirchengebeth. Herr! wir bitten Dich, vervollkomms ne nach deiner Gûte in uns den Sinn des heiligen Gehors fams, daß wir durch deine Mitwirkung vollbringen, was wir nach deinem Willen zu thun uns vornehmen. Amen.- Ges freuzigter 2c. 13. Mittwoch. Christus hat für uns gelitten 2c. Petrus ging hinaus und weinte bitterlich." Luc. 22, 62. Wer nicht boshaft ist, den richtet jeder Wink und Blick der Erbarmung bald wieder auf. Wer unvorsichtig fiel, ohne fallen zu wollen, der ergreift gern und schnell die Hand, die sich ihm zur Wiederaufrichtung wohlwollend darbietet- und' ist's noch dazu die Hand des verachteten Warners, des treuliebenden, beleidigten Freundeswelche Thränen der Scham und Demuth sließen dann, um das Herz, das sich selbst verwundet, wieder zu heilen! Darum weinte Petrus bitterlich. Und es ist ja mit Menschenthränen nicht genug zu beweinen, wenn man sich an Gott selbst, an seinem Schöpfer und Seligmacher verfündigt hat. Es geht über allen zeitlichen Schaden, über alles Unglück der Welt, über allen Verlust zeitlicher Güter, wenn man Jesus verloren, wenn man an Ihm keinen Theil mehr haben soll. Dich, o Jesus! verlieren, heißt Alles verlieren; feinen Theil an Dir haben, ist das allergrößte Elend auf Erden. We: n ich Ursache habe, zu weinen, und traurig zu seyn, so ist es, darum, daß ich Dich, o Herr! nicht habe, daß ich ohne Dich ohne Frieden, ohne Hoffnung, d. i. ohne Leben leben soll. Jeder Wink, jede Ermahnung zur Buße sey mir heilig, wie dem dreymal gefunkenen Apostel dein Blick, o Du unaussprech lich milder Erbarmer! heilig war, und bewege mich zu Thrás nen der Bittersten Neue. Du treuer Hirt! suche auch mich, und blicke mich an, wie den Petrus, mit deinen göttlich mil ben, Herz zerschmelzenden Augen, und wende mein Herz um, und bekehre mich; reinige mich, daß ich rein, werde.- Ich bethe Dich an c. Kirchengebeth. Gott! Du Liebhaber und Wiederhersiels ler der Unschuld! leite die Herzen deiner Diener zu Dir, damit fie den Eifer deines Geistes empfangen, und im Glauben bestäns 14 V. Abschnitt. dig, und in guten Werken unermüdlich befunden werden. Amen. Gekreuzigter Herr Jesus ic. 212 14. Donnerstag. Christus hat für uns gelitten z. Ich habe gesündiget, daß ich unschuldiges Blut verrieth." Matth. 27, 4. Als Judas, nachdem er seinen göttlichen Meister in die Hände seis ner Feinde überliefert, und die dreißig Silberlinge in Empfang ges nommen hatte, erfuhr, daß Jesus zum Tode verurtheilt worden sey, gercuete es ihn; er verfluchte seine That, zu der ihn die Habsucht verleitet hatte, und er wurde von den heftigsten Gewissensbissen gemartert. In diesem schrecklichen Zustande, eilt er zu den Oberpriestern, flagt sich selbst als einen reulosen Verräther an, betheuert die Unschuld Jesus, und giebt ihnen das schändliche Blutgeld zurüd.- Anstatt den Büßer aber zu trösten, zurecht zu weisen, die verrathene Unschuld zu befreyen, und ihm zu seinem Heile zu verhelfen, helfen ihm diese entarteten Menschen zur Verzweiflung und zum gänzlichen Verderben. Judas wirft das Geld hin, mehr um sich von der Marter feines Gewissens zu befreyen, als seine himmelschreiende Unges rechtigkeit durch eine rechte Wiedererstattung gut zu machen, und vers läßt den Tempel. Wuth und Verzweiflung bemächtigen sich seiner Seele, und anstatt zu Gottes unendlicher Barmherzigkeit seine Zus flucht zu nehmen, greift er selbst dessen Gerechtigkeit vor, und wird -sein eigener Henker. Welch ein schreckliches Strafgericht!- ersten O mein Herr! tausendmal kommt die Neue zu spät- der Schaden ist unwiderruflich, das Geschehene bleibt geschehen. O laß mich das nie, nie vergeffen, damit ich mich beym ers fien Schritt zur Sünde zurück wende zur Pflicht und Zugend, damit ich meine Neue keine Stunde, die Vergütung keinen Augenblick aufschiebe. Wenn ich den Fuß aufhebe zum Schritt der Sünde, o warne mich, laß meiner Seele das schreckliche Ende deines Verräthers vorschweben, daß ich jeder Verführung, jeder Anreißung und Versuchung, wie Du, zurus fe: Hebe dich weg von mir, Satan! Nicht dir, meinem Gott will ich anhangen und dienen!- D Herr! so schwer und vielfältig auch meine Sünden sind, will ich doch nie an deis ner Gnade und Barmherzigkeit zweifeln. Der unendliche Werth deines Blutes wird mir ein immerwährender Antrieb und Beweggrund eines grenzenlosen Vertrauens seyn. Ich will mir dabey aber auch Mühe geben, deiner Gerechtigkeit durch aufrichtige Buße zuvorzukommen, und mich sorgfältig hüten, sie durch neue Sünden zu reizen. Dazu bitte ich um deine Gnade, Amen.- Ich bethe Dich an ic. O Fasten Andachten. Kirchengebeth. Verleihe uns, o Herr! den Beystand deiner Gnade, daß wir durch das freiwillige Opfer unserer Fas sten und Gebethe von den Feinden sowohl unserer Seele, als unsers Leibes befreyt werden. Amen. Gefreuzigter ic. 15. Freytag. Christus hat für uns gelitten. 2c. Was geht das uns an? sagten sie, da fieb du zu." Matth. 27, 4. So lautet noch immer die Antwort der Sünde, des Verführers, des Gatans. Hohngelächter, nicht Mitleid ist der Lohn des Verführten. Alles steht von ihm ab. Man überläßt ihn seiner Schande und Vers zweiflung ,,, was geht das uns an; da sieh du zu!" Eine fürchterliche Antwort! würdig derer, die gott- und gewissenstoß genug sind, die Unschuld felbst zum Tode zu verurtheilen, und den Auferwecker vom Tode an's Kreuz zu heften. Schreckliche Antwort! das ist also der Lohn, womit Sünde und Verführung ihre unglücklichen Schlachtopfer bezahlen, Verzweiflung und endloses Elend ist der Ausgang, wenn man der Sünde und dem Satan dienet. D eile, eile, meine fün. denbefleckte Seele, aus diesem fürchterlichen Zustande dich zu retten! flich zu Jesus mit Thränen der Reue und mit Demuth, wie der verlerne Sohn, und mit Haß und Abscheu gegen die Sünde, wie Magdalena; Er allein kann dich aus diesem Elende erretten. - 213 Bey Dir, o mein Heiland! ist Troft, bey Dir ist Gnade und Hülfe. Wenn sich der Sünder glaubig an Dich wendet, und reumüthig und aufrichtig feine Sünden beichtet, und aus allen Kräften dafür Genugthuung leistet, und wahre Buße wirket, dann hört er aus deinem Munde nicht die Worte: Was gehen mich deine Sünden an? da siehe du zu! Nein! dann sprichst Du, o Herr! Trost zu: ,, Sey getrost, mein Kind! deine Sünden sind dir vergeben!" D welch gros ßes, unaussprechliches Heil find' ich, wenn ich an Dich, o Jes fus! glaube, Dir anhange, bey Dir allein Verzeihung, Heil und Leben fuche. O lehre mich immer mehr schäßen die uns aussprechliche Wohlthat: einen Heiland haben, nicht verzweis feln müssen, von Sünden frey werden können, mit Gott vers söhnt seyn, und Gnade statt Bestrafung empfangen:- daß ich Dir getreu bleibe, und wenn ich durch die Sünde mich von Dir getrennt habe, in demüthiger Reue gleich wieder zu Dir zurückkehre. Ich bethe Dich an ic. - 1 Kirchengebeth. Schenke deinem Volke die Gesundheit des Leibes und der Seele, daß es im Guten nicht müde, und deines allmächtigen Schußes immer würdiger werde. freuzigter: c. Ges V. Abschnitt. 16. Samstag. Christus hat für uns gelitten 2c. ,, Mein Reich ist nicht von dieser Welt." Joh. 18, 30. Die Sünde hat Jesus ans Kreuz gebracht. Verläumdung und Lüge empörten und vereinigten sich, wie Unschuld und Gerechtigkeit. Arglist und Mordlusk verdrehen das Einfältigste und Geradeste.- Die Oberpriester erscheinen vor dem Palaste des Landpflegers mit Je landpfle fus, als wäre Er ein gefährlicher Staats- Verbrecher, der das Volk aufwiegle, und die öffentliche Ruhe störe; der dem Kaiser die Steuer zu bezahlen verbiete, und sich für Christus, den König der Juden ausgebe.- 214 Mein Heiland! Du wirst angeklagt, daß Du das Volk ver: führest, da Du auf die Erde gekommen bist, dein Volk zu hei ligen und glücklich zu machen. Man beschuldigte Dich, daß Du verbietest, dem Kaiser die Kopfsteuer zu geben, da Du dec selbst für deine geheiligte Person dieselbe entrichtet, und deut lich gesagt haft: ,, Gebet dem Kaiser, was des Kaisers ist." Man giebt ver, Du wolltest die Krone an Dich reißen, der Du die Flucht ergriffen hast, als die Echaaren des Volkes Dir dieselbe aufdringen wollten, und der Du so feyerlich vor Pila tus erklärt haft: ,, Ich bin ein König; aber mein Reich ist nicht von dieser Welt."- Selbst der heidnische Richter muß Dir das Zeugniß der Schuldlosigkeit geben; Du aber, o ges duldiges Lamm! hörest alle diese falschen Anklagen frillschweis gend an, und überläsfest deine Rechtfertigung dem Vater im Himmel. O lehre Du mich, göttlich langmüthiger Dulder! zu rechter Zeit reden, und zu rechter Zeit schweigen; freymů thig die Wahrheit bekennen, wo Pflicht, Beruf und Gewissen ein freyes Bekenntniß federn, und edel und christlich schweis gen und dulden, wo gehörlose Leidenschaft um mich her tobt und wüthet. Ich bethe Dich an ic. Kirchengebeth. Steb, o Herr! unserer Fasten eine heils fame Wirkung, damit die Abtödtung des Fleisches zum Wachés thum unserer Seelen gedeihen möge.- Gekreuzigter 2. 17. Montag. Christus hat für uns gelitten i. - Herodes und seine Hofleute verlachten Jesus." Luc. 23, 11. Pilatus schicket den Heiland von dem er vernommen, daß Er ein Galiläer, und folglich aus dem Gebiete des Herodes seve, diesem gott. losen Fürsten gebunden zu, um so diefes verdrüßlichen Handels los zu werden. Herodes, der lange schon begierig gewesen, den großen Wunderthäter zu sehen, legte Jhm mancherley Fragen aus Neugierde und Muthwihen vor. Jesus schweigt, und würdiget den Elenden kei Fasten Undachten. ner Antwort. Herodes, in seiner Erwartung betrogen, behandelte hn, um sich wegen des Stillschweigens zu rächen, womit ihn Jefus teschämte, als einen blödsinnigen Menschen, der in seiner thörichten Einbildung Anspruch auf die königliche Würde mache, läßt Jhm zum Spotte ein weißes Kleid anlegen, Ihn dem Gelächter seiner Hofund Kriegsbedienten ausstellen, und so zum Pilatus zurück führen, in Begleitung einer Rotte aus dem niedrigsten Pöbel, der Ihn verböhnet und verspottet. So läßt sich der Allerhöchste erniedrigen, um unsern Stolz zu beschámen, so der Allerheiligste sich von Lasterhaften miß. bandeln, so die ewige Weisheit von Thoren verspotten,- und ich sollte nicht gerne Deinetwegen, mein Heiland! den Spott der Welt ertragen? ich sollte es nicht gerne dulden, daß mich die Welt, weil ich an Dich glaube, als einen Thoren verachte, sie, deren Weisheit Thorheit vor Gott ist? Dich, den Herrn hat sie verachtet, wie soll sie mit deinen Dienern besser verfahren?- die Welt, die im Argen liegt, mag mich um Deinetwillen mit Spott und Schande bekleiden; dieses Spottkleid, das ich Dir nachtrage, macht mich nicht schlechter; vielmehr macht es, daß ich von meinem Gott um so mehr geehrt und geliebt, von meinem Heiland als einer der Eeinigen erkannt, und in Gnaden aufgenommen werde. Dies ses Spottkleid wird bald von mir genommen werden; wenn Du in deiner Herrlichkeit wieder femmst, dann erscheine auch ich mit Dir in der Ehre und Herrlichkeit der Kinder Gottes.Diesen Trost des Glaubens schenke mir, o Jesus! und stärke mich dadurch in der ausharrenden Treue und Liebe Gottes, und im standhaften Bekenntnisse Deiner bis in den Tod, das mit ich von Dir als der Deinige wirklich erkannt, die Krone des ewigen Lebens erlange. Amen. Ich bethe Dich an ic.Kirchengebeth. Gütigfter Gott! gieße in unsere Hers zen deine Gnade, damit unsere Sinne vor jeder fündhaften Perirrung bewahrt bleiben, so wie der Leib von verbotenen Speisen und jeder Unmäßigkeit sich enthält. Amen. Gekreus zigter 2c. - 215 - 18. Dienstag. Christus hat für uns gelitten 2c. ,, Weg mit diesem, den Barabbas gieb uns los!" Luk. 23, 18. 12 Der Schuldige wird frey, der Unschuldige muß haften. Dem Sün. der wird die Strafe geschenkt, der Gerechte muß sie leiden. Da sehen wir unsere eigene Geschichte lebendig vor Augen. Wir sind die Schuldigen, die Sünder, und uns ist die Freiheit und Strafe geschenkt, darum, daß Jesus unsere Sünden auf sich genommen, und die Strafe, 16 V. Abschnitt. die wir verdienet haben, für uns gelitten hat. Dadurch haben wir die Gnade und Freundschaft Gottes, und den Frieden des Herzens wieder gewonnen, und sind gerechtfertiget worden vor Gott, unferm Bater. O welche beweinungswürdige Blindheit ist es deßwegen, wenn ich Dich, Du mein Heiland und Versöhner! abermal beleidige, und hintan seße, wenn ich leichtsinnig der Welt anhänge, und nach den Gelüsten des Fleisches lebe. Ach! laß es mich doch recht einsehen und erkennen, wie fürchterlich mich die Sünde und ihr Urheber betrügen; sie rauben mir den Himmel, mein einziges Heil, mein einziges wahres Gut, und geben mir dafür nichtswerthe, heillose Dinge, die meinen Untergang und mein ewiges Verderben bereiten. O Du um unserer Sünden willen Verurtheilter! Verleihe mir Licht und Gnade, daß ich Dich als den einzigen Liebling meines Herzens erwähle, Dir standhaft anhange, und in Dir und durch Dich mein einziges Heil suche für Zeit und Ewig teit. Amen. Ich bethe Dich an ic. Kirchengebeth. Erhöre uns, allmächtiger und barmber: ziger Gott! und verleihe uns gnädig die Früchte der heilsamen Fastenzeit. Gekreuzigter Herr Jesus ic. 19. Mittwoch. Christus hat für uns gelitten tc. Pilatus ließ Jesum geißeln." Matth. 27, 26. Als Pilatus sah, daß er mit allen seinen Vorstellungen bey den ergrimmten Feinden Jesus nichts ausrichte, nahm er Ihn mit sich, und ließ ihn geißeln. Die Soldaten des Landpflegers führen Ihn in den Vorhof des Richtbauses und rufen die ganze Rotte zusammen. Sie berauben Jhn seiner Kleider, und entblößen mit gottesräuberischer Hand den reinen, beiligen Leib- vor den Augen der Gottlosigkeit -binden Ihn an die Schandfäute, und nehmen die schaudervolle Handlung vor. Betrachte, o meine Seele! wenn du es auszuhalten vermagst, die fen blutigen Auftritt, betrachte die Wuth der Geißelnden, das Her rabströmen des Blutes, die ganze Graufamkeit der Henker, das ohnmächtige Niedersinken des Heiligsten, feine Seufzer u. f. f., wie könn test Du Dich der Thränen der mitleidenden Liebe enthalten? hartherziges Ungeheuer ohne menschliches Gefühl müßte ich seyn, wenn bliebe, beſonders wenn ich Ein daß der so graufam mißhandelte Leib Jesus in diesem bejammerungswürdigen Zustand nicht sowohl das Werk der Henter, als eigentlich das meinige ist. Ja, mein Herr und Heiland! ich bekenne es; meine Sün den waren eben so viele Geiseln, wodurch dein heiliger Leib ist zerrissen worden. Meine Habsucht hat Dich deiner Kleider Fasten Andachten. 217 beraubt, meine Wollust deinen Leib entblößt, mein Zorn die Streiche auf Ihn geführt; mein Stolz hat Dich bis zu dieser schimpflichen Strafe erniedriget; mit einem Worte: meine Sün den sind es, und deine Liebe, die Dir diese und alle übrigen unaussprechlichen Leiden verursacht haben. O möchte doch dein theures Blut, das Du unter Geißelstreichen vergoffen hast, mein Herz zur Reue erweichen zur innigen Gegenliebe jur standhaften Treue!- Jch bethe Dich an ic. Kirchengebeth. Verleihe uns, o Herr! daß wir erweckt durch heilsame Fasten von Allem, was fündhaft und schädlich ist, uns enthalten, und deines Wohlgefallens würdig werden mogen.- Gekreuzigter Herr Jesus ic. - 20. Donnerstag. Christus hat für uns gelitten zc. Sie flochten eine Krone von Dornen, und seßten sie Ihm auf das Haupt." Matth. 27, 29. 1 A Die königliche Würde unsers Heilandes ist der Hauptgegenstand der gefühllosesten Verhöhnung und der unmenschlichsten Mißhandlung. Die Rotte der Niederträchtigen wirft sich, wie eine Schaar Wölfe, über das göttliche Lamm her, dem keine Mißhandlung der menschlichen Natur fremd bleiben soll. Sie bekleiden Jhn mit Schmach, und frönen Jhn mit Schande.- Sie können sich nicht satt spotten, nicht satt schlagen. Christus duldet Alles im Namen der Menschbeit und Gottheit. So wird Gott so lange die Erde steht geistlicher Weise mishandelt; so werden es die Verehrer Gottes und Christus zu allen Zeiten. Jeder Bösewicht macht sich über sie her; fpottet ihrer, bea fledt sie mit Speichel, schlägt und fragt sie: ,, Wer ist's, der dich gefchlagen?" u. f. f. So bleiben die Jünger Jesus, wie die Knechte des Satans, stets sich selbst gleich. - - - - es O mein göttlicher Heiland! befestige mich in der Jünger, schaft, in der Treue und Liebe zu Dir; dann mag der Sas tan wüthen, die Bosheit toben, die Frechheit lästern fey mir genug, daß ich's nicht schlimmer, ja nicht so schlimm haben kann, wie mein Meister. aß ich's Muß ich Dir auch die Dors nenkrone nachtragen, o! so geschehe dein heiliger Wille. Du wirst mich nicht über meine Kräfte versucht werden lassen, sondern zur rechten Zeit mir Hülfe senden. Dein Wille ges schehe! Ich bethe Dich an c. -- Kirchengebeth. Dein Volk, Herr! ist deiner Macht uns terthan; laß es durch deine himmlische Gnade immer vollkomme ner werden, und deinen Geboten allezeit von ganzem Herzen ergeben seyn!- Gekreuzigter Herr Jesus 2. V. Abschnitt. 21. Freytag. Christus hat für uns gelitten c. ,, Sehet, welch' ein Mensch!" Joh. 19, 5. Die Schmerzen und Beschimpfungen wechseln bey Jesus miteinan der ab, und vereinigen sich in seinem Herzen, als ihrem Mittelpuntie. Auf die schaudervollen Handlungen der Geißlung und Krönung mit Dornen folgt eine schimpfliche Darstellung vor dem Volke. Etwas Demüthigenderes läßt sich nicht denken; denn sieh, da fommt Jesus. hervor, mit der Dornenkrone und dem Purpurkleide. ,, Welch ein Mensch!" Das Angesicht, welches zu schauen die Freude des ganzen Himmels ist, ist mit Speichel verunstaltet, das Haupt, für welches eine Krone von Gold und Edelsteinen noch viel zu gering wäre, ist mit dem Dornenkranz umwunden. Der König aller Könige, der Herr aller Herren, der Abglanz der Gottheit steht hier- cin Wurm, und kein Mensch, ein Spott der Leute, und eine Verachtung des niedrigsten Pöbels. ,, Sehet, welch ein Mensch" 218 Too mus Ach, O mein göttlicher Heiland! stelle Dich den Augen meines Geistes recht lebhaft vor, und laß mein Herz etwas von dem empfinden, was Du empfunden hast, da man Dich dem Vel ke in meinem Zustande vorstellte, von dem die Engel ihr Aut lih mit Schauder abwenden mußten. Laß mich ganz Mitleid werden, aber auch ganz Liebe, Gehorsam und Treue!- Ad möchten deine todtblaße Farbe, deine Striemen von den Geis Belstreichen, deine von den Dörnern durchbohrte Stirne, und alle Wunden, womit dein heiliger Leib überdeckt war, mein Herz zu Thránen der Liebe erweichen! damit ich niemals durd meine Sünden, gleich jenen Meineidigen, rufe: ,, Kreuzige Freuzige Sbn," sondern voll gläubiger Anhänglichkeit und Dankbarkeit bethe: ,, Lebe, lebe in mir! Ja, mit. Dir und für Dich will ich leben und sterben! Ich bethe Dich an Kirchengebeth. Allmächtiger Gott! wir vertrauen auf deinen Schuß, und hoffen, mit deiner Beyhülfe alle feindlichen Anfälle zu überwinden. Gefreuzigter Herr Jesus ic. - - - 22. Samstag. Christus har für uns gelitten. z. ,, Du hättest nicht die geringste Macht über mich, wenn sie dir nicht von Oben gegeben wäre." Joh. 19, 11. Diese Uleberzeugung erhielt den Heiland aufrecht, und in beständis ger Hingebung in des Vaters Willen bey allen Ereignissen und Wider toärtigkeiten. Es ist des Vaters Wille; ohne seinen Wik len kommt und geschieht nichts. Fasten Andachten. Nun denn, so will auch ich von Dir, o Jesus! lernen, dem Vater gehorsamen, lebendig an Ihn glauben, und ges duldig aus seiner Hand annehmen, was Er mir zu senden für gut findet. Wenn ich Ihn nur kindlich folgfam liebe, wie Du, dann müssen mir alle Dinge zum Beßten gereichen. Wenn ich daher unschuldig leide, so will ich auf Dich sehen, und getroft seyng denn ich bin ja in der Hand meines Gots tes, und die Menschen können mir nicht mehr thun, als Gott will und ihnen zuläßt. Stárke, o Jesus! meinen Vorfah. Ich bethe Dich an ic. - - Kirchengebeth. Herr! reiche deinen Gläubigen deine bülfreiche Hand vom Himmel herab, damit sie von ganzem Herzen nach Dir fragen, und das, um was sie im Vertrauen bitten, zu ihrer Freude erhalten mögen. Gefreuzigter Herr ic. - 219 23. Montag. Christus hat für uns gelitten 2c. „ An's Kreuz mit Ihm,... wir haben keinen König." Joh. 19, 15. ,, Wir haben keinen König!" Welch' ein schreckliches Prophetenwort hat damit das wahnsinnige, aufgeheste Volk der Juden über sich ausgesprochen, und wie wahr, wie schrecklich ist es an ihnen schon längst vollzogen worden, und wird noch vollzogen werden bis an's Ende der Zeiten! Sie haben wahrlich keinen König mehr; ohne eigenes Land und Geset leben sie verirrt und in die ganze Welt zerstreut unter allen Nationen der Erde. Längst schon ist ihre Stadt zur Wüste geworden, ihr Heiligthum geschändet, und von des ehemaligen Tempels Herrlichkeit auch der leßte Stein zerstört worden. Sie haben das Licht der Welt zum Tode gefördert, und sisen nun in Finsterniß und Blindbeit, in Hartherzigkeit und Verstockung, bis sie endlich auch noch erkennen werden, wen sie durchstochen haben. th 14 Univ.- Bibl. Glessen O Jesus! laß mich aus diesem göttlichen Strafgerichte ers fennen, wie unglücklich ein Bolk, wie unglücklich ein Mensch wird, der Dich verwirft, der Dich nicht hat, der an Dich nicht glaubt, nicht gern von Dir hört, der sich an Dir eder an deiner Lehre ärgert, deines Kreuzes, sich schämt, und die Anordnungen deiner heiligen Kirche verachtet. Belebe Du 0 Jesus! meinen Glauben, und laß den unendlichen Werth deis nes vergoffenen Blutes, das die Juden über sich und ihre Kins der zur Strafe gefordert haben, an mir nicht verloren seyn. Ich bethe Dich an 2c. 1 Kirchengebeth. Allmächtiger Gott! laß uns die jährliche Fever der Fasten mit solcher Andacht begehen, daß wir Dir sowohl am leiblichen, als an der Seele Verhalten wohlgefalr len mögen. Gekreuzigter Herr Jesus z. V. Abschnitt. 24. Dienstag. Christus hat für uns gelitten zc. ,, Sie führten Jesus zur Kreuzigung fort." Matth. 27, 31. Kaum hatte der feige Richter Jesus seinen Feinden zur Kreuzigung ausgeliefert, so eilen sie, die leste Handlung ihrer Raserey zu vollbringen. Sie nehmen Jhm den Purpurmantel ab, den man Ihm zum Spotte angethan hatte, und legen Jhm seine eigenen Kleider an, damit Er dem zulaufenden Volke, das Ihn darin so oft die Worte des Lebens vortragen und Wunder wirken gesehen, desto kennbarer wäre. Seine Ausführung noch schimpflicher zu machen, holte man aus dem Gefängnisse zwey Missethäter, und gab sie Ihm zu Gefährten seiner Hinrichtung, damit erfüllet würde der Ausspruch des Propheten: ,, Er ist unter die Missethäter gezählet worden. 220 SUG Ja, mein göttlicher Erldser! mehr als je ein Mensch, bist Du unter die Misfethäter gezählet worden, weil Du selbst wolls test; und Du wolltest, weil Du uns liebtest- und aus Liebe alle unsere Misfethaten auf Dich genommen, und an deinem eigenen Leibe abgebüßet hast!- Obwohl von Blut und Kräfs ten ganz erschöpft, und kaum noch im Stande, Dich aufrecht zu erhalten, nimmst Du das schwere Kreuz auf deine Schul tern, aus Gehorsam, der göttlichen Gerechtigkeit genug zu thun, und aus Liebe zu uns Menschen, uns an demselben zu erlösen. Du bist so bereit, das Kreuz zu tragen, und vers dammst dadurch meine Widerspänstigkeit, die ich zeige, so oft ich ein Kreuz auf mich nehmen, und Dir es nachtragen soll. Und doch kann ich dein Jünger, o Jesus! nicht seyn, wenn ich mich selbst nicht verläugne, das Kreuz auf meine Schul tern nehme, und Dir nachfolge. Stärke und befestige. Sinn und Willen in mir, daß ich in deine Fußstapfen eintrete, Dir nachfolge, und das Kreuz, welches mir mein himmliſcher Vater auflegt, mit kindlicher Ergebenheit Dir nachtrage, so oft und so lange es dein heiliger Wille ist. Weiß ich es ja doch aus dem Munde deines Apostels, daß, wenn ich mit Dit leide, ich einst auch mit Dir verherrlichet werde. Dich an ic. Ich bethe - Kirchengebeth. Herr! laß uns die strengere Lebensweise der beiligen Fasten sowohl ein Mittel unserer aufrich tigen Bekehrung, als auch eine besondere Beyhülfe werden, deine Barmherzigkeit zu erlangen. Gekreuzigter Herr Jes sus: c. Fasten: Andachten. 25. Mittwoch. Christus hat für uns gelitten 2c. ,, Er trug sein Kreuz." Joh. 19, 17. Es geht nun der bis in den Tod gehorsame Sohn, wie einst Isaak, und trägt das Holz zum Berge, auf dem Er soll geopfert werden; aber Er wird nicht, wie Jfaak( sein schwaches Vorbild), ungeschlachtet zurück kommen. Der Engel des Herrn, der Ihm den Kelch des To= des gereicht hat, wird nicht von Ihm, wie von Abrahams Sohn, den tödtlichen Streich abhalten. Jesus wird den Jhm dargereichten Kelch bis auf die Hefe trinken; Er wird geopfert werden, und sein Blut wird über das Opferholz fließen, für die Sünden der Welt. 221 O wie unbeschreiblich, wie unendlich haft Du, o Jesus! uns geliebt; was bättest Du noch mehr für uns thun können, das Du nicht gethan haft? Möchten, o mein Heiland! die Thránen, die ich Dir auf deinem Kreuzwege nachweine, Zeichen einer aufrichtigen Liebe gegen Dich, und meines ins nigsten bitteren Schmerzens über meine Sünden seyn, für die Du unter der Last des Kreuzes- büßteſt! Ich bethe Dich an ic. - Kirchengebeth. Gott! der Du den Gerechten die Bes lohnungen ihrer Verdienste, den Büßenden aber Gnade zu Theil werden läsfest, erbarme Dich unser! und laß das Bes kenntniß unserer Schuld deren Nachlassung bey Dir bewirken. - Gekreuzigter Herr Jesus uc. 26. Donnerstag. Christus hat für uns gelitten sic. Sie hielten einen gewissen Simon don Eyrene an,... und legten ihm das Kreuz auf, daß er es Jefus nachtragen sollte." Luk. 23, 26. Dieser Kreuzträger Simon ist ein lehrreiches Sinnbild vom Christenthum. Denn das Christenthum ist eigentlich eine Nachfolge Christus, cine Theilnahme an seinen Leiden und Freuden, an seiner Schmach und Ehre. Erst that's der sinnlichen Natur wehe- sie muß, wie Simon, unter das Kreuz Jesus gezwungen werden. Nachher, wenn man weiß, wessen Kreuz man trägt, wem man die Leidenslast nachträgt, wird man froh und selig mitten im Leiden, und rühmt sich am Ende der Trübfal, vor welcher man sich anfangs entfeste. Und gerade jest muß derjenige, der fromm leben und Christus nachs folgen will, Schmach von den Kindern dieser Welt ertragen; denn die Welt hasset Jesus, sie hat die vielen und großen von Jhm empfangenen Wohlthaten undankbar vergessen, und begreift darum nicht die Wahrheit und Seligkeit seines Wortes; sie verachtet seine Lehren und Anweisungen, und schämt sich derselben; sie hat keinen Glauben daran, daß es ein seliges Ende mit allen Gläubigen nehmen werde. Darum macht man sich bey der Welt verächtlich, wenn man sich zu Jesus hält, und wer Jesus nachfolgt, und in seiner Nachfolge bleibt, ist angesehen, 222 V. Abschnitt. wie Simeon, da er Christus das Kreuz nachtrug. Aber ich will mich nicht dessen schämen, sondern mich damit trösten, daß ich weiß, wer Jesus ist, daß Er der Herr der Herrlichkeit ist, der sich nur um unsert. willen seiner Herrlichkeit entäußert, und so tief erniedriget hat. Um Deinetwillen Schmach zu leiden, o göttlicher Heiland! ist keine Unebre, sondern die größte Ehre und das wahre Glück der Auserwählten. Das wird einmal alle Welt sehen und bekennen müssen, wenn Du wiederkommst in der Herrlichkeit des Baters. Alsdann wird Jedermann wünschen, zu Jesus sich gehalten, Ihn bekannt, für Ihn gelitten zu haben. Uns aussprechlich groß wird dann meine Freude seyn, daß ich um deines Namens willen Schmach getragen, und mit Dir ges litten habe. Denn die mit Dir leiden, werden auch mit Dir in deine Herrlichkeit eingehen. Ich bethe Dich an ic. Kirchengebeth. Allmächtiger Gott! laß unsere Fastens Ulebungen durch die Freuden einer heiligen Andacht versüßt werden damit wir der irdischen Begiciden Meister und der himmlischen Gaben theilhaftig werden mögen, und das Himm lische leichter erlangen! Gekreuzigter Herr Jesus ic. — 27. Freytag. Christus hat für uns gelitten zc. ,, Und nachdem sie an dem Plaße angekommen waren, den man die Schädelstätte heißt, kreuzigten sie Ihn." Luk. 23, 33. Jesus kommt mit der Last des Kreuzes auf dem, Berge an, der von den Schädeln hingerichteter Menschen Schädelstätte oder Calvaria heißt. Dieser schauerliche, mit dem Blute lasterhafter Menschen befleckte Ort soll nun das unendliche kostbare Blut des Sohnes Gottes aufnehmen, welches zur Erlösung der Menschen fließen soll. Mit Ungestüm reißen Ihm gefühllose Henker seine Kleider vom Leibe, die an der wunden Haut kleben, und erneuern Ihm dadurch die alten Wunden und Schmerzen. Entblößt wird Er den Augen ausgearteter Menschen dargestellt. Allerkeuschester! was muß bey dieser Entblößung dein reis nes Herz empfunden haben! Nun liegt das unschuldige Osterlamm darnieder auf dem Kreuzesholze, und reicht still, schweigend seine Hände hin, sie durchbohren und annageln zu laffen;- jene allmächtigen Hände, die so viele Wunder ges than; jene wohlthätigen Hände, die so vielen Unglücklichen geholfen, die man tausendmal fúffen sollte, um von ihnen ges segnet zu werden. Die Henker ergreifen sie unbarmherzig, durchbohren sie auf das Grausamste, so, daß bey den wieders holten Hammerschlagen das Fleisch mit dem eisernen Nagel in das Kreuzholz dringt, und das heilige Blut hoch auffprist. Ach! das sind die anbethungswürdigen Hände dessen, der Him - Fasten Andachten. mel und Erde gemacht hat, und die auch mich gestaltet baben! jene allmächtigen Hände, die auch jetzt noch Sliße schleudern konnten zum Verderben seiner Feinde, aus denen aber Blut fließt, das nicht um Rache, sondern um Gnade und Verzei bung zum Himmel ruft. Du ewige Liebe! ich werfe mich in deine Arme, die Du auch für mich ausgestrecket hast, mich mit Liebe zu umfangen; was soll künftig mich Dir mehr entreißen? Um meinen Heiland noch mehr am Kieuze zu befestigen, um mir noch mehrere Quellen meines Heiles zu öffnen, werden auch seine Füße durchbohrt und angenageit. Ach, jene kostbaren Füße; die uns, wie der Prophet sagt, die Bothschaft des Friedens und alles Gute gebracht haben; jene anbethungswürdigen Füße, die so viele mühsame Schritte zum Heile der Menschen gethan; jene Füße, welche die fromme Büßerin in des Pharisáers Haus mit ihren Thránen benett und mit Balsam gesalbet, und vor welchen sie Gnade und Verzeihung aller Sünden erlangt hat, sind jetzt an das schimpfliche Holz geheftet, und leiden unbeschreibliche Schmers zen! - 2 O mein anbethungswürdiger Heiland! hefte mich mit Dir an's Kreuz; mit Dir will ich leben und sterben. Laß deine leidenden Hände mich von den Wegen der Sünde abführen; laß deine schmerzvollen Füße mich auf den Pfad der christlis chen Abtödtung und Zugend leiten, damit ich, mit Dir, meis nem gekreuzigten Erlöser vereiniget, der Welt gekreuzigt sey, wie es die Welt mir ist! Ich bethe Dich an c. - 223 - Kirchengebeth. Allmächtiger Gott! wir fühlen tief uns fere Schwachheit, und vertrauen allein auf deine stärkende Gnade; laß uns also stets deine Güte freudig genießen.- Gekreuzigter Herr Jesus Christus zc. 28. Samstag. Christus hat für uns gelitten 2c. ,, Die Kriegsknechte theilten seine Kleider unter sich, und warfen das Loos darüber." Matth. 27, 35. So weit ist es also mit Dir gekommen, o mein göttlicher Erlöser! daß Du all' dein Eigenthum verlierst. Alles, Alles hast Du um unsertwillen hingeopfert; nichts, nicht das Mine deste zurücke behalten; Du bist der Allerármste unter den Menschenkindern geworden, um uns Aermste reich zu machen! Wenn ich meine Liebe mit der Deinigen vergleiche; ach wie muß ich erröthen, wie zittern, und verstummen vor Dir! 224 V. Abschnitt. Nur mit Halbem Herzen, nur wenige Augenblicke, und- un beständig liebe ich Dich! Nur hie und da etwas, was mir eben nicht sehr am Herzen liegt, opfere ich Dir, und verlasse um Deinetwillen höchstens das, was mir nicht gar zu große Schmerzen macht. Aber Du, o Jesus! lehrest ja: ,, Wer nicht Allem, was er hat, absagt, kann mein Jünger nicht seyn; wer etwas anderes mehr liebt als Mich, ist meiner nicht werth." - O laß mich oft und ernstlich deine Liebe erwägen, die Du uns mit deinem Beyspiele gelehret, und durch dein Wort ges boten hast, damit ich inniglich Dich entgegen liebe, weil Du mich zuerst geliebet, und mich Dir ganz übergebe und auf opfere, wie Du Dich für mich gänzlich entäußert und aufges opfert haft.- Ich bethe Dich an ic. Kirchengebeth. Gott! Du willst Dich lieber derer, die auf Dich hoffen, erbarmen, als über sie zürnen; gieb uns Gnade, daß wir die Sünden, die wir begangen, von Herzen beweinen, und dadurch fähig werden, die Gnade deiner Zrd stungen zu erfahren. Gekreuzigter Herr Jesus x. 29. Montag. Christus hat für uns gelitten tc. Die aber vorübergiengen, schüttelten, die Köpfe, und lästerten Jesus." Matth. 27, 39. Das ist also der Dank für die unzähligen Wohlthaten, die Jesus dem Volke Israel erwiesen hat Schimpf und Schande, beissende und kränkende Spottreden, wemit sie sein sterbendes Herz noch qual ten. Aber Alles dieses konnte Jesus nicht abhalten, fortzufahren in seinen Segnungen bis an's Ende. Er litt und starb für sie, obgleich Er es zum Voraus wußte, welchen Undank Er davon haben würde. So aufrichtig und brennend war seine Begierde, den gefallenen Menschen zu helfen! Wahrlich, durch alle Ewigkeiten hindurch ist die Liebe nie Gottes zu den Menschen, die sich in Christus Jesus offenbarte, genug zu bewundern und zu preisen! Nun aber hat Jefus auch mir die nämlichen Wohlthaten erwiesen. Auch für mich hat Er ge litten, und ist für mith gestorben; und ich? will ich Ihm auch so begegnen, wie sein Volk, und Ihm für all' seine Wohlthaten Undant und Unehre erweisen: wie sie, Ihn zum zweytenmale lästern und verwerfen, und kreuzigen? L - L Nein, o barmherzige Liebe! das will ich nicht! Ich will, v unterstüße mein schwaches Wollen mit deiner mächtigen Kraft- ich will von nun an mit mehr Glauben und Liebe an Dich denken, deine Gnaden und Wohlthaten, dein Leiden und Sterben besser zu Herzen nehmen, als ich bisher gethan, die Fasten Andachten. Sünde haffen und fliehen, und Dich lieben, Dir nachfolgen, Dir dienen, daß ja dein Blut nicht umsonst für mich vergoss fen wurde! Du Lamm Gottes! durchdringe mein Herz mit Dank und Liebe gegen Dich, daß ich Dich immer mehr erkenne und ehre, wie Du es würdig bist. Ich bethe. ic. Kirchengebeth. Heilige, o Herr! unser Fasten und verleihe uns gnädigst Nachlaffung. aller unserer Verschuldun gen. Gefreuzigter Herr Jesus 2c. - 225 30. Dienstag. Christus hat für uns gelitten ic. ,, Er hat auf Gott vertraut; der helfe Jhm nun, wenn er Jhn lieb bat." Matth. 27, 43. Die schönste und findlichste Tugend in Christus Jefus, feinen Glanben an Gott, sein Vertrauen und seinen Gehorsam gegen Ihn, maden seine Feinde öffentlich lächerlich, und zum Gefpötte. Die Hölle fann nichts weniger sehen und ertragen, als Glauben, Gehorsam und Vertrauen. Das ist diesen stolzen und abtrünnigen Geißern eine schmählige und schimpfliche Gesinnung, worüber sie spotten und lachen. Die Hölle spottete und lachte aus den Juden, die in der Gewalt der Finsternis lagen. So ist jetzt noch des Menschen schönste Tugend: an Gott glauben, auf Ihn bauen und vertrauen, und Ihm gehorsam seyn; aber eben diese schönen Tugenden werden am meisten von der Welt verachtet, verlacht und verspottet, weil die Welt im Argen liegt. 276 277 Wenn ich ein gleiches Schicksal mit Dir theile, o mein Heiland! so will ich nur allein auf Dich sehen, im Glauben beharren, im Vertrauen fest stehen, und die Welt spotten und lästern lassen. Es wird schon auch für mich die Zeit kommen, wie sie für Dich kam, da sich mein Gott zeigen und beweisen wird als den wahren Gott, als meinen Helfer und Freund. Stärke mich, o Jesus! in diesem Glauben und Vertrauen, daß ich mich durch nichts von Dir scheiden lasse, sondern ausharre bey Dir bis an's Ende. Ich bethe Dich an ic. - Kirchengebeth. Gieb uns, o Herr! cine Unterthänigkeit gegen deinen Willen( die durch keine Sünde unterbrochen, und durch kein Leiden geschwächt wird), laß dein Volk, das sich deinem Willen treu ergeben hat, so wie an Zahl, so auch an Heiligkeit immer zunehmen. Gekreuzigter Herr Jesus xc. 31. Mittwoch. Christus hat für uns gelitten ic. Bater vergieb ihnen: denn sie wissen nicht, was sie thur." Luk. 23, 54. Für wen, o Du stillleidendes Gotteslamm! für wen hast Du gebethet? Für deine Mörder, die Dich gekreuziget, für die 15 V. Abschnitt. Richter, Pricfier und Obersten, die Dich verurtheilet, für das ganze Volk, das in deinen Tod eingewilliget und gerufen hat: ,, An's Kreuz mit Ihm!" und für Alle, die Schuld und Ursache deines Todes sind. Ach, wir Alle sind Schuld und Ursache deines Todes! denn um unserer Sünden willen hast Du, o Jesus, sterben müssen; wir mit unsern Sünden haben Dic) in den Tod gebracht. O welch' eine heilbringende Quelle des Trostes öffnet sich in diesem deinem Gebethe zum Vater für uns Sünder! dein Gebeth ist erhöret worden; der Vater hat verzichen, und will nun Gnade erweisen Allen, die zu deinem Kreuze flichen, und Dich um Hülfe anrufen. 226 - Ja, o göttlicher Mittler und Fürsprecher beym Vater! wie Du am Kreuze laut und öffentlich für uns gebethet haft: ,, Vas ter, verzeih thnen!" so rufft und bittest Du auch noch jetzt im Himmel für einen Jeden, der mit Reue und Buße über seine Sünden zu Dir kommt, und durch Dich Gnade und Verges bung der Sünden von Gott erfleht. Und für welchen Du, o Jesus! bittest, dem wird verziehen; dem werden die Sünden vergeben, der empfängt Gnade, und wird aufgenommen von Gott als ein versöhntes Kind. Mit bußfertigem Herzen eile ich zu deinem Kreuze, o Jes fus! und flage Dir meine Sündennoth, und bitte Dich um Vermittlung und Fürsprache beym Vater! Ich vereinige mein Gebeth mit dem deinigen: ,, Bater vergieb mir!"- Ich bethe ic. Kirchengebeth. Gott! Allbarmherziger! erleuchte durch diese geheiligte Fasten die Herzen deiner Gläubigen, und Allen, denen Du die Gabe der Undacht in das Herz legest, verleihe mildreiche Erhörung ihrer Gebethe. Gekreuzigter ic. - 32. Donnerstag. Christus hat für uns gelitten ut. med Medus matan ,, Heute noch wirst du bey mir im Paradiese seyn." Luk. 23, 43. Welch ein Trost, daß man zu den Menschenkindern nun wieder felche Worte sprechen hört! das Paradies, daraus die Menschen vers trieben worden, und welches ihnen auf ewig versperrt geblieben wäre, ist nun wieder durch den Gehorsam gewonnen. Jesus hat es ges wonnen. Er hat den Eingang in dasselbe geöffnet; was durch die € ünde des Menschen verloren gegangen, ist nun wieder durch den Tod des Gottmensen gewonnen. Nun ist er der König; Jbm gchört das Reich, und Er hat Macht, in sein seliges Reich aufzunehmen welche Er will. Der Anfang ist schon gemacht mit dem Schächer, der am Kreuze Buge that. Und feit diesem seligen Augenblicke, wie viele Fasten Andachten. 227 Tausende und abermal Tausende sind schon aufgenommen worden, die gläubig und reumüthig an Jesus sich gewendet haben! 6 Das ist nun der Lohn deiner Leiden, o mein göttlicher Ers löser! daß Du uns Menschen um deiner Berdienste willen befeligen kannst. Zu Dir will ich eilen, an Dich mich halten, daß auch ich in dein feliges Reich komme; denn so gewiß Du für Alle gestorben bist, so gewiß willst Du auch Alle selig mas chen. Das Ende unfers Glaubens ist unsere Seligkeit. Stárfe mich, o Jesus! in diesem Glauben, in dieser sichern Erwartung deines Reiches. Triste mich mit dieser erfreulis chen Versicherung, so oft ich mich reumüthig und bußfertig zu Dir wende, daß Du mich nicht ausschließest aus deinem Reiche. Und wenn ich in diesem Glauben aus der Welt scheis de, ruf alsdann auch mir: ,, Komm zu mir in mein Reich!" Ich bethe Dich an 2c. sid Kirchengebeth. Allmächtiger Gott! die Würde der menschlichen Natur wird sehr verroundet durch Unenthaltsame feit, laß Du sie durch die Arzney der Enthaltsamkeit wieder geheilt werden!- Gekreuzigter Herr Jesus ic. Rod 33. Freytag. Christus hat für uns gelitten ic. „ Sieh da deinen Sohn!... Sich da deine Mutter!" Joh. 19, 26. 27. Sich da deine Mu So eine innige, aufrichtige Liebe zu Jesus hatten diese auserwählten Seelen, daß sie ohne Jesus nicht mehr leben konnten. Obwohl es eine große Schmach für Ihn war, am Kreuze zu sterben, und für sie, unter dem Kreuze zu stehen; so war ihnen, doch dieses Bleiben und Stehen bey Jesus das Allerliebste, das Allerehrenvollste. So eine Liebe und Freude an Jesus follte auch ich haben, daß ohne Ihn mich nichts erfreuen könnte, daß ich für Ihn die ganze Welt hingäbe. Christus sollte mein Leben, und sein Kreuz mein liebster Aufenthalt seyn. Hier kann ich mit Augen sehen und wahrnehmen, wie wahrhaft mich Gott liebet, wie ernstlich Er meine Erlösung und mein Heil sucht, wie gewiß Er mich felig machen will, indem Er seinen Eingebornen für mich wie für Alle dahin gab, daß keiner verloren gehen foll. Unter dein Kreuz, o Jefus! fliehen, und auf Dich den Gekreuzigten und Sterbenden sehen, ist auch das zuverläßigste Külfsmittel gegen alle Anreizungen und Versuchungen zur Sünde. Dein Lod ist der Sünde Lod. Wer in der Versuchung zur Sünde geschwind unter dein Kreuz flieht, und dein bitteres Leiden und Sterben betrachtet, der wird es empfinden, daß 15 V. Abschnitt. die Lust zur Sünde in ihm sterbe, daß das Fleisch mit seinen Begierden kraftlos und tod in ihm werde. Zu deinem Kreuz ze, o Jesus! will ich fliehen, wenn mich meine Sünden ängs , wenn ich vor Gott, vor seinem Gerichte und vor der erdammniß zittere. Zu Diro Du Lamm Gottes! das der Welt Sünden trägt und wegnimmt, will ich bitten: O nimm auch meine Sünden auf Dich; nimm sie mir ab von dem Herzen; behüte mich vor dem Gerichte und vor der Strafe, die ich fürchte; fage zu meiner Seele: ,, Ich bin dein Heil! aus meinen Wunden strömt Dir Bergebung au!" 15 229 - Zu deinem Kreuze, o Jesus! will ich flüchten in jeder Leis densnoth, wenn das Herz voll Kummer ist, und nirgends eis ne Hülfe erscheint; die liebende Fürsorge für deine schmerzhafte Mutter, und deinen treuen Freund sagt es mir laut: ,, die Du einmal liebest, die liebest Du bis an's Ende." Und Alle lies best Du uns, und sorgest für Alle, und ordnest Alles zu uns ferm Speil, und wendest Alles zum Besten denen, die Dich lies ben. Auch mich hast Du in deine Hand geschrieben, und so hab' ich nur noch eine Hauptsorge, Dich zu lieben, für als les Andere sorgest dann Du, o Jesus! Amen. Dich an Or GTON 31 341 3 Ich bethe Kirchengebeth. Herr! laß deine Gnade in unser Herz kommen, damit wir unsere Gelüsten nach Sünde durch freys willige Selbstzüchtigung bezähmen, und durch eine zeitliche Abtödtung der ewigen Strafe entkommen. Gekreuzigter*. The medi 34. Samstag. Christus hat für uns gelitten 2c. - Mein Gott! mein Gott! Warum hast Du mich verlassen!" Matth. 27,46. Die Folge und Strafe der Sünde ist die Verlassenheit von Gott. Gott ist heilig und gerecht; Er kann mit Unheiligen und Ungerechten, in keiner Gemeinschaft stehen; Er muß sich von ihnen scheiden, und in dieser Abgeschiedenheit von Ihm weicht auch alles Gute, aller Trost, alle Rube, aller Friede des Herzens, und Elend, Finsterniß und Tod umgeben uns. In diesem jämmerlichen Zustande lag die ganze Mensch heit, und wäre darin ohne Rettung geblieben, wenn nicht Jesus aus freiem Antriebe feiner Liebe sich unser erbarmet, unsere Sündenschuld auf sich genommen, und die Folge und Strafe der Sünde, nämlich die Verlaffenbeit von Gott, für uns getragen hätte. Seine tiefe Berlassenheit im Tode, und in dieser Verlassenheit sein Gebeth und sein Glauben, hat uns mit Gott wieder vereiniget, so, daß wir nun wieder Gottes Nähe, Gottes Frieden, Gottes Huld und Gnade genießen. hind Just be usonigms 63 229 Ach Du um unserer Sünden willen Berlaffener! drücke die Schmerzen deiner geheimnißvollen Verlaffenheit unfern Hers zen ein, daß wir nie vergessen, wenn wir auch von der gans zen Welt verlaffen zu seyn scheinen, unsern Zroft in deiner Trostlosigkeit am Kreuze zu suchen. Verlaß Du uns nie, gött. licher Heiland! besonders verlaß uns nicht in dem Augenblicke, wo uns beym Zode Alles verlassen wird; daß auch wir Dich nicht verlassen, sondern Dir treu bleiben in der Zeit, und bey Dir selig werden in Ewigkeit. Ich bethe Dich an x. Faften Andachten. 4 Kirchengebeth. Laß, o Herr! dein Volk, das Du zu deinem Dienste eingeweibet hast, stets an Andacht und Heis ligkeit zunehmen, damit es deiner Majestát immer gefälliger, und( von deiner Güte) immer mit herrlichern Gaben bereis chert werde. Gekreuzigter Herr Jesus z. Auf den heiligen Palmsonntag. Einige Kirchengebethe aus der Palmweibe. Gott! den wir von ganzem Herzen lieben sollen, mehre in uns die Gaben deiner unermeßlichen Gnade, und so wie Du unfern Glauben durch den Tod deines Sohnes zur gegründes ten Hoffnung erhoben hast, so bewirke auch, daß wir das Ziel unserer Sehnsucht, und unsers Strebens, durch deine Aufers stehung erreichen, der mit Dir und dem heiligen Geiste als ein einiger Gott lebet und regieret von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen. Gott! vermehre den Glauben deiner Diener, die auf Dich vertrauen, und erhöre gnådig das Gebeth aller Gläubigen, die Dich in Demuth anrufen! Laß deine unerschöpfliche Barms berzigkeit über uns walten! Segne auch diese Palmen und Delzweige, und wie Du die Vorbilder deiner Kirche, den Noe, als er aus der Arche gieng, und den Moses, als er mit den Kindern Ifraels aus Egypten zog, gesegnet baft; eben so stars fe uns, damit wir Alle, die wir Palmen und Delzweige in den Händen tragen, Christus dem Herrn auch mit guten Wers fen entgegen ziehen, und zur ewigen Freude eingeben mögen, durch Ihn, der mit Dir und dem heiligen Geist als ein einis ger Gott lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen. Bir bitten Dich, o Herr! fegne die Palmen und Delzweis ge, und verleihe, daß dein Bolk die fromme Handlung, welche wir zu deiner Verehrung an dem heutigen Tage äußerlich vers richten, auch geiſtig mit inniger Andacht vollende; daß es über den Feind siegen, und seine Liebe durch Werke der Barmhers igkeit thatig beweisen möge, durch Jesus Christus, deinen Sohn, unsern Herrn! Amen. V. Abfd nitt. Gott! der Du deinen Schn Jesus Christus, unfern Herrn, zu unserer Erlösung in diese Welt gefandt bast, daß Er sic zu uns erniedrigte, und uns zu Dir zurückführen solite; dem auch, als Er nach Jerusalem kam, um die Schrift zu erfüllen, die Schaaren des gläubigen Volkes ihre Kleider und Palms zweige mit eifriger Andacht auf den Weg streuten; wir bittin Dich, verleihe uns, daß wir Ihm im Lichte des Glaubens den Weg bereiten, daß wir jeden Stein des Anstoßes entfernen, und daß unsere Liebe vor Dir in fruchtbaren Zweigen aufs blühe, damit wir würdig werden, Jhm nadzufolgen, der mit Dir und dem heiligen Geiste ic. Amen. 230 Allmächtiger, ewiger Gett! auf deinen Befehl zeg das Volk unserm Herrn Jesus Christus entgegen, als er auf einer Efelin zu Jerusalem feinen Einzug bielt. Auf deinen Befehl streuten sie Kleider und Baumzweige auf den Weg; auf deinen Befehl fangen die Kinder Hosanna zu seinem Lobe. Wir bitten Dich, gieb, daß wir ihre Einfalt nachahmen, und ihr Verdienst uns zus eignen mögen, durch denselben Chrisius, unsern Herrn! Amen. Zur Prozession. Antiphon. Als die Leute hörten, daß Jesus nach Jerusalem kommen werde, so nahmen sie Palmzweige, und gingen ihm entgegen. Die Kinder aber riefen und sprachen: Dieser ist es, der kommen wird zur Nettung des Volkes. Dieser ist unser Heil und der Erlöser Ifraels. Wie mächtig ist Er, dem die Thronen und Herrschaften entgegen ziehen! Fürchte dich nicht, du Tochter Sion! Sieh, dein König kommt zu dir. Er sist auf dem Füllen einer Eselin, wie die Schrift sagt. Sev gegrüßt, o König! Du Schöpfer der Welt! der Du gekommen bist, uns zu erlöfen. Lasset uns mit den Engeln und Kindern im Glauben wandeln; lasset uns mit ihnen dem Uleberwinder des Todes singen: Hosanna in der Höhe! Hymnus. 1. Lob, Ehre, Dank und Ruhm sey Dir! Erlöser! Christus, unser König! dem heute die fromme Kinderschaar mit Lob. gefang entgegen wallt! 2. Hosanna, sey gebenedeyt, der Du im Namen Eottes kommet! Sohn David's, König Israels! Hosanna in der Höhe! 3. Dich preisen alle deine Himmel. Alle Welten verkünden deine Herrlichkeit. Auch der sterbliche Mensch wagt es im Staube, dein Lob zu stammeln. - 4. Mit Palmen und Zweigen eilt Judäa Dir frohlockend entgegen. Auch wir huldigen und opfern Dir Gebethe, Gelübde und Hymnen. 5. Den leidenden Heiland empfängt heute Salem mit freudiger Ehrfurcht. Dankbar befingen auch wir heute den Fürsten des Lebens, und den Glanz feines ewigen Reiches. 6. D Du, dem alles Gute wohlgefällt, Du König der Liebe und Gnade! Mit Wohlgefallen hörtest Du den Lobgesang der Kinder; D Fasten, Andachten. 231 Laß auch unsere Andacht, unsere Demuth, unsere Einfalt Dir ge= fallen! Shadow Kirchengebeth. Lob, Ehre, Ruhm und Dank sey Dir, Erlöser, Christus, unser König! dem heut die fromme Kinderschaar mit Lobgefang entgegen wallt! Allmächtiger, ewiger Gott! der Du dem menschlichen Geschlechte in der Menschwerdung und in dem Kreuztode deines Sohnes, unsers Erlösers, ein Berspiel der Demuth zur Nachfolge aufgestellt baft, verleihe gnáorg, daß wir seine Geduld gnädig nachahmen, und uns würdig machen, an seiner Auferstehung Theil zu nehmen, durch den selben Jesus Christus ic. 35. Montag. Christus hat für uns gelitten 2c. ,, Mich dürftet!" Joh. 19, 28. Auch die verworfensten Menschen werden in ihrer Todesangst gelabt und erquickt; aber Ihn, den gemarterten und gequälten Menfchensohn, haben ste vergessen und verlassen! Er selbst mußte die harts berzigen und grausamen Menschen erinnern und laut flagen: ,, Mich dürftet!" Allen Leidenden, Vergessenen und Verlassenen zum Trost und Vorbilde, wie auch sie sich mit Gelassenheit in folche Leiden erges ben und Alles von der Hand ihres Gottes geduldig annehmen sollen. - ,, Mich dürstet! Der Durst, den Jesus im Geiste hatte, war viel größer, als der leibliche, den Er litt. Er kostete nur, da Ihm Efs sig gereicht wurde, und redete nur, daß die Schrift erfülletwürde. Jesus dürftete nach der Verherrlichung des Vaters; die Menschheit hatte Ihn durch Ungehorsam entehrt; Er- der Menschensohn wollte Ihn durch seinen Gehorsam bis in den Tod wieder vollkommen ehren. Jesus dürstete nach dem Heil und nach der Erlösung der Menschen, daß sie, von der Gewalt der Finsternig errettet, nur dem wahren Gott dienten, und in diesem Dienste felig würden. Jesus dürstete und sehnte sich darnach, daß Er bald unzähl= bare Schaaren von geretteten Sündern bey sich sehen möchte, die sich ihrer Erlösung erfreueten, wie der begnadigte und erfreute Schächer am Kreuze; daß bald an vielen Tausenden seine Begierde, ihr Heiz land zu seyn, gestillt werden möchte. Da nun Jesus so sehr auch nach meinem Heile dürftet, soll ich nicht mein Heil bey Jhm suchen? foll ich nicht mit Freude zu Ihm eilen, und mich von Ihm selig mas then lassen? und eben so freudig an dem Seelenheile meines Nebenmenschen arbeiten? - 31 mein göttlicher Herr und Heiland! verleih mir die Gnade, daß ich mir deinen geheimnisvollen Durst zueigne, damit auch ich fünftighin einen wahren Durst, ein inbrünstiges Verlangen nach Dir, nach deiner Gerechtigkeit, und nach meinem und meis ner Brüder Heile haben möge; daß auch ich alle mir dadurch verursachten Bitterkeiten, alle mir beschiedene Leiden willig, V. Abschnitt. als von deiner Hand annehme, und den vergifteten Eüßig keiten der unordentlichen Lüfte und sündhaften Weltfreuden vollkommen entfage.- Ich bethe Dich an 2c. 232 Kirchengebeth. Allmächtiger Gott! unsere Schwachbeit unterliegt fast der Menge der Widerwärtigkeiten; gieb also, daß uns durch das Leiden und Sterben deines eingebornen Gehnes Hülfe und neues Leben zukomme. Gefreuzig te:: c. - 36. Dienstag. Christus hat für uns gelitten 2c. ,, Es ist vollbracht!" Joh. 19, 30. Nun hat Jesus aus unendlicher Liebe für uns Menschen Alles voll bracht, Alles gewirkt, Alles getragen, Alles geleistet, was Gott zum Heil der Menschen forderte, und was zu unserer Erldsung nothwendig war. - Es ist vollbracht! Durch Jesus haben die Menschen ihre vorige Würde, ihren vorigen seligen Stand wieder erlangt; sie stehen nun wieder in der Reihe der von Gott geliebten Geschöpfe; der Weg ist ihnen gebahnt, der zum Leben führt, die Thüre zum Himmel ge öffnet, die Seligkeit erworben. Es ist vollbracht! O ja, mein Heiland! es ist von deiner Seite Alles voll: bracht! aber ach, ich bitte, vollbringe auch, oder hilf mir volls bringen, was noch von meiner Seite zu vollbringen ist! Vok lende mein Heil, es ist dein Werk; es hat Dich schon zu viel gefoftet, um es unvollendet zu lassen. Ich weiß es, daß mir dein Leiden, so vollkommen es an sich ist, im Augenblicke meis nes Todes den Himmel nicht öffnen wird, wenn ich Dir nicht ähnlich seyn werde; wenn ich mir die Verdienste deines Leidens nicht zueigne, wenn ich nicht, nach der Lehre deines Apostels, das selbst in meinem Fleische erfülle, was deinem Leiden übrig geblieben ist; wenn ich nicht an meinem Leibe durch Abtödtung und Selbstverläugnung deine Wundmale tras ge. Ich muß nach dem Beyspiele dieses Apostels meinen Glaus ben an Dich rein bewahren; ich muß ihn durch Werke lebens dig erhalten, ich muß einen guten Kampf kámpfen, meine Laufbahn vollenden, damit ich dorthin gelange, wo mir die Krone der Gerechtigkeit von Dir, meinem gerechten Richter, aufbewahret ist; ich muß am Ende, wie Du, mein Jeſus! sagen können: ,, Es ist vollbracht!" Allein dieß kann ich nicht ohne Dich; es ist das Werk deiner Gnade. Um dieſe Gnade bitte ich Dich durch alle deine Wunden, durch all' dem vergoffenes Blut. Fasten Andachten. 233 Mein Gott und Erlöser! Du hast mir durch dein Blut diese Gnade verdient; o laß sie mir aus deinen heiligen Wuns den zufließen; diese siegreiche Gnade, die Gabe der endlichen Seharrlichkeit, welche die kostbarste unter allen deinen Gas ben ist, damit Du an mir vollbringest, was Du selbst anges fangen hast.- Ich bethe Dich an ic. Kirchengebeth. Allmächtiger, ewiger Gott! verleihe, daß wir die Geheimnisse des Leidens und Sterbens unfers Herrn Jesus Christus also begehen, daß wir Vergebung unserer Sünden erlangen. Gekreuzigter Herr Jesus Chris stus 2c. 1 $ 13 37. Mittwoch. Christus hat für uns gelitten 2c. ,, Vater! in deine Hände empfehle ich meinen Geist! Lut. 23, 46. Unmittelbar vorher, ehe Jesus verschied, empfahl Er mit lauter Stimme seine heilige Seele in die Hände des Vaters, und mit seiner Seele übergab Er Jhm auch die Seelen aller Menschen, für die Er farb. Ja, mein Gott und Heiland! da Du deinen Geist in die Hände deines Vaters empfiehlst, sorgest Du auch für meis nen Geist; o vereinige ihn unzertrennlich mit dem deinigen, um ihn mit demselben deinem himmlischen Vater zu übers geben; denn ich bin nun durch Dich zum Kinde Gottes anges nommen, weil Du mein Bruder geworden bist. Mit dop peltem Rechte darf ich Dich meinen Vater nennen. Ich ems pfehle und übergebe darum Dir meinen Geist, in der Uebers zeugung, daß er sich in deinen Händen unendlich besser befin det, als in den meinigen, und durch Dich auch in den Häns den deines Vaters ist; denn Du und der Vater ihr seyd Cins. - Erleuchte diesen meinen Geist mit deinem Lichte; stärke ihn mit deiner Kraft, heilige ihn durch deine Gnade, und nimm ihn dann, wenn er von diesem Leibe scheiden wird, zur Herrs lichkeit auf, die Du ihm durch deinen Lod erworben hast, saß er Dich, den Vater und den heiligen Geist unterdessen liebe, lobe und verehre, bis Du einst auch diese irdische Hülle erwes c'est und verklärest, um, mit ihm wieder vereiniget, ewig an seiner Seligkeit Theil zu nehmen. Ich bethe Dich an: c. Kirchengebeth. Allmächtiger Gott! noch immer büßen wir unsere Uebertretungen; laß uns also durch das Leiden deines Eingebornen baldige Erlösung zu Theil werden. Gekreuzigter Herr Jesus Christus*. - 234 V. Abschnitt. 38. Gründonnerstag. Christus hat für uns gelitten z. Jesus neigte das Haupt, und gab seinen Geist auf." Joh. 19, 30. Erreicht hat Jesus das äußerste Ziel seiner Walfahrt im Fleische, alle Bitterkeiten des menschlichen Lebens hat Er verkostet, und sie alle bis auf den lezten Tropfen versucht, auch den Ted versucht für alle Menschen. Er war dem Bater gehorsam bis zum Tod am Kreuze, und am heutigen heiligen Tage feste Er im allerheiligsten Altars- Eacramente ein immerwährendes Denkmal seines Versöhnungstodes ein, das sich in seiner Kirche fortpflanzen sollte bis an's Ende der Tage. 11 Jesus starb! Sein Tod war das Gott wohlgefällige Sühnopfer für die Sünden der Welt. So wie Er, konnte kein Eterblicher, so kein Sünder sterben. Auf jeden Sünder hatte der Tod ein Recht; auf den Alleinreinen durchaus nicht; denn der Tod ist die Strafe der Sünde. Christus aber hatte nie gesündiget; Er hatte keine eigene Schuld zu bezahlen, und das ewige Leben war in Ihm. Sein Tod ist also im erhabensten Sinne ein Opfer für Andere, ein Opfer für uns Sünder. Ja, unsere Sünden trug er an seinem Leibe auf dem Kreuzholz. Er- der Gerechte starb um der linge rechten willen,- und im Tode noch neigt er mit unendlicher Liebe sein Haupt zu denen, für die Er gestorben ist die Ihn getödtet baben; sein lester Blick ist auf Diejenigen gerichtet, die Er erlöset hat, die Er beseligen will! - O Liebe sterbende Liebe! fegne mich mit dem Verdien: fte deines heiligen Zodes, und entzünde mein Herz mit der feurigsten Gegenliebe, daß ich nicht mehr mir, sondern Dir lebe- Dir sterbe dein Eigenthum bleibe ewiglich. Lamm Gottes, das geschlachtet ward, Du bist würdig, zu empfangen Preis und Ehre und Anbethung von Ewigkeit zu Ewigkeit! Ich bethe Dich an ic. Amen. - - Kirchengebeth. Gott! von dem Judas die Strafe für feinen schändlichen Verrath, der gekreuzigte Mörder aber we gen feiner bußfertigen Reue die Krone des Lebens empfangen hat; laß uns die Früchte seiner unermeßlichen Erbarmungen zufließen, damit unser Herr Jesus Christus, so wie Er beyden die ihren verschiedenen Verdiensten angemessene Vergeltung während seines Leidens angeordnet hat, auch uns von dem Irr thum des alten Verderbens heile, und uns die Gnade feiner Auferstehung verleihen möge, der mit Dir und dem heiligen Geifte, als ein einiger Gott, lebt und regieret von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen. Gekreuzigter Herr Jesus Christus*. Fasten Andachten, 3 ur heiligen Meffe. Vorbereitungs- Gebeth. 1. Jesus Christus! mein Gott, mein Herr und Heiland! der Du die Deinigen, die an Dich glaubten, liebtest bis an's Ende; deine Kirche fevert heute jenen heiligen Abend, an welchem Du das Geheimniß deiner unbes schreiblichen Liebe und deines heilbringenden Todes- das wundervolle Mahl der Erldsung eingeseßt, und uns allen ein ewiges Denkmal deiner Gnade, und ein Unterpfand des ewigen Lebens hinterlassen hast. Du nahmst das Brod in deine heiligen und ehrwürdigen Hände, blicktest auf, und, dankend deinem himmlischen Bater, segnetest Du das Brod, brachst es, und sagtest: ,, Nehmet hin und esset, dieß ist mein Leib!" Deßgleichen nahmst Du auch den Kelch in deine heiligen und ehrwürdigen Hände, danktest und segnetest denselben, gabst ihn deinen Jüngern, und sagtest: Rehmet hin, und trinket Alle daraus; dieß ist mein Blut, welches für euch und für Viele wird vergossen werden zur Vergebung der Sünden. Das thut zu meinem Andenken!" she Dieß ist also das herrliche Abendmahl des Erldsers, die Gedächtnißfeyer des großen Todes, in welchem die ganze Menschheit ihre Seligkeit findet; dieß ist das heilige Liebesmahl, wo wir Alle Enien vor dem Tische des Herrn, und öffentlich bekennen, daß wir an den hier gegenwärtigen Jesus glauben, in Ihm und durch Ihn allein Verzeihung, Gnade und ewiges Leben suchen, und Alle, die mit uns Theil nehmen an dem Einen Himmelsbrode, als unsere Brüder anerkennen, und lieben. D Herr! mache mich durch die fromme Theilnahme an dem heiligen Mesopfer dieser Gnade würdig, damit meine Seele gesund, und ich erlöset werde von allem Uebel. Ich sehue mich an deinem Tische gespeiset zu werden, ach, verlaß mich nicht; denn ich bin blöd und schwach. Komm mir in aller Armuth zu Hülfe. Ich bethe Dich an; ich ehre und lobe Dich, und glaube, daß Du ganz und wahrhaft zugegen feyeft in dem heiligen Sacrament des Altars. D Herr! ver: zeihe mir, wenn ich nicht würdig genug zu deinem Tische gehe. Herr! bewahre mich, daß ich nicht nachher wieder treulos werde, und anfange, wider Dich zu sündigen. Laß mich nicht 235 V. Abschnitt. von Dir losgerissen werden, sondern behalte mich in deiner Liebe und Gnade. 236 Ehre und Preis sey Dir, der Du das heiligste Sa crament heut eingeseßt, und uns so gnädig dazu einge laden hast. D Du Reiniger der Seelen! mache mic rein von meinen Sünden, daß ich Dich würdig empfan gen möge; wasche mich, wie Du heute die Füße der Jünger gewaschen, und bleibe mir nahe mit deiner Gne de; denn ohne deine Hülfe gehe ich in diesem Jammers thale zu Grund. Verlaß mich nicht, sondern lehre mich gehen den rechten Weg in deinen Fußstapfen. haft uns geboten, Dir nachzufolgen, aber keiner vermag es aus eigner Kraft, wenn Du ihn nicht unterstüßest, zu thun, was Du befiehlst. Erldse mich von aller meiner Unvollkommenheit, daß ich Dir, meinem Vorbilde und Begleiter, nachfolgen möge. Wie Du Dich in Liebe mit uns vereinigest, und uns in der heiligen Com munion nährest zum heiligen, ewigen Leben, so will ich mich mit deiner Gnade bey dem unblutigen Opfer der heiligen Messe auf's Neue mit Dir, und durch Dich mit dem himmlischen Vater und dem heiligen Geiste vereinigen ewiglich. Amen. - ( Die Meßgebethe werden aus der zweyten Meßandacht am Weihnachtsfeste, Seite 141, von Nro. 2. angefangen genommen.) Abendbethstunde am Gründonnerstage. Eingang. Ich bin das Brod des Lebens, das vom Himmel bers abgekommen ist.( Joh. 6, 51.) Herr, öffne meine Lippen, und mein Mund wird dein Lob verkündigen. Gott denk' auf meine Nettung; Herr, eile mir zu helfen! Ehre sey dem Vater ic. I. Anbethung. Den eingebornen Sohn Gottes und Marid, das wahre Himmelsbrod, das der Vater uns gegeben hat, bethe, o meis ne Seele! in tiefster Demuth an. Unserm Herrn Jesus Christus, der uns fein heiliges Blut im wunderbaren Geheimnisse des allerheiligsten Altar- Sacramentes heute gegeben hat, bring', o meine Seele! ewiges Lob und uns endlichen Dank. Unserm verborgenen Gott, Jesus Chriftus, der uns durch seinen heiligen Leib und durch sein kostbares Blut das ewige Leben giebt bring', o meine Seele! das Dankopfer der ins nigsten Liebe, und ſtimme in den Lobgesang aller Engel und Heilis Fasten Andachten. 237 gen ein: Heilig! heilig! heilig ist der Herr, der allmächtige Gott! der Herr der Heerschaaren! Himmel und Erde sind seiner Herrs lichkeit, Majestät und Ehre voll! Ehre sey dem Vater tc. II. Gemüthserhebung. unendliches Geheimniß, an welches der heutige Fests tag uns erinnert; O Wunder der Allmacht und Güte, daß cin armer fündiger Mensch den höchsten Herrn und Gott ges nießen soll! Mein Gott und Heiland! wie unbegreiflich hoch sind die Beweise deiner Liebe! Mit deinem eigenen Leib und Blute willst Du uns ein föstliches, ein himmlisches Gastmahl bereiten, und Dich selbst als eine Speise zum ewigen Leben uns dargeben! O lebendiges und unendlich heiliges Brod, das uns das Leben der Seele ertheilet! in treffter Anbethung finke ich vor deinem heiligen Altare nieder.- Jesus, mein Leben und mein Alles! nach Dir seufzt mein Herz; nach Vers einigung mit Dir sehnt sich mein Geist! Erfülle meine Seele mit dem Lichte des Glaubens, mit dem Feuer der Liebe, und mit der Stärke des Vertrauens, daß ich in dieser Bethstunde die heiligen Geheimnisse deines Leibes und Blutes mit innigs fter Andacht verehre und anbethe, damit diese heilige Speise mir jederzeit das Leben der Seele, eine beständige Gesunds beit des Gemüthes, und eine stärkende Kraft in meiner Schwache beit werde. O Jesus! sey mir gnädig; verzeibe mir alle meine Sünden, und führe mich zum ewigen Leben! Amen. - III. Danksagung für die Einsetzung des allerheiligs ften Altars Sacramentes. O Jesus! mein Herr und mein Gott! Du- mein höche fter Weblthäter und Freund meiner Seele! Du mein Retter und mein einzig wahres Gut! Du haft die Deinigen, die auf der Welt waren, immer geliebt, Du haft sie bis an's Ende geliebt, und am heutigen Abende, bevor Du hingingst, für uns zu fierben, damit wir ewig leben möchten, das aller heiligste Sacrament des Altars, eingesetzt, als ein Denkmal deiner unaussprechlichen Liebe, und ein Unterpfand des ewie gen Lebens. santus was the Anbethungswürdiger Gottmensch! ich danke Dir für deine Huld, daß Du mitten unter uns wohnen, uns immerwährend segnen, und unsere Seelen nähren wills zum heiligen, seligen Leben. Wer konnte ein folches Wunder der Liebe glauben, wenn Du es nicht felbst gesagt háttest!- Du bist die Wahrheit und das Leben; darum glaube ich nach deinem eigenen Worte, mit der fas V. Abschnitt. tholischen Kirche, deine wahre und wesentliche Gegenwart im allerheiligsten Altars Geheimnisse, mit Fleisch und Blut, mit Leib und Seele, mit Gottheit und Menschheit. Dieine ganze Seele bethet Dich an; mit Entzücken darf ich rufen: Wo ist ein anderes Volk, dem der Herr so nahe ist, als Er uns ist? 238 Preis und Ehre sey Dir, Du Gott der Majestät und der ewigen Erbarmungen! Himmel und Erde sind deiner Herrs lichkeit voll. Preis und Ehre sey Dir, Sohn des ewigen Baters! der Du wie ein Vater unter Kindern, wie ein Freund unter seinen Vertrauten, wie ein theurer Wohlthäter unter hülfsbedürftigen Armen wohnest. Wie voll der frohesten Zu versicht darf mein Herz gegen Dich seyn, unendliche Liebe! denn Du hattest ia feine andere Absicht bey der Einfeßung dieses heiligen Sacramentes, als daß wir uns dankbar erin nern sollten, wie viel Gutes Du an uns gethan, und mit welcher treuen Liebe Du fortfahren werdest, uns zu fegnen und zu erfreuen. Darum wohneft Du in unserer Mitte, o Du erbarmungsreicher Heiland! daß wir bey Dir Rath in uns fern Verlegenheiten, Schuß in Gefahren, Stärke wider Vers fuchungen, Trost unter Thránen und Leiden, und Hülfe in al len Nöthen finden. Im eigentlichen Sinne willst Du es an uns Allen wahr machen, was Du zu deinen Freunden einst ges fagt haft: ,, Ich bin bey euch bis an das Ende der Welt!" O mein Wohlthäter! O Du Gott der reinsten, heiligsten Liebe! ich weihe Dir mein armes Herz; es liebt Dich, und es ist nur deßwegen bekümmert, weil es Dich nicht jederzeit ges liebet, und noch jetzt Dich nicht so innig und kindlich liebt, als ich es wünschte. Laß mich immer mehr von deiner treuen Vaterliche und Vaterforgfalt überzeugt und durchdrungen wers den, damit ich Dich immer dankbarer, treuer und beständiger entgegen licbe, damit ich hasse, was Du hasfest und was mich die Sünde; und liebe, was Du Liebest, und was mich selig macht das Gute. Darin besteht der Dank, den Du für deine aufopfernde Liebe von mir fors derst, und den ich Dir- ach wie gern- bringen möchte. Allwissender! dem die geheimsten Gedanken und Empfindun gen meines Herzens bekannt sind, Du siehst meinen aufrich tigen Willen, gut zu werden, in deine Fußstapfen einzutreten, und Dir nachzufolgen; Du kennst aber auch die Schwachheit, die Verführbarkeit und die Unbeständigkeit meines Herzens, elend macht - Fasten Andachten. 239 und wirft mich nicht verlassen. Ich vertraute auf Dich, und Du bilfft mir, und unterstüßest mich. Segne meine redlichen Vorsätze, o Du liebreicher Mitts ler! uud laß diese Gebetbfiunde den Anfang meines neuen Les bens, eine Stunde des freudigsten Segens seyn. Nichts soll mich mehr von Dir trennen. Ich lebe, aber nicht mehr id); Du, Jesus! lebst in mir; Du bist mein Leben, und Sterben ist dann Gewinn für mich. Amen. IV. Dankbarer Rückblick auf das Leben, Leiden und Sterben Jesus Christus. Anbethung, Preis und Ehre bring' ich Dir, o Du Anfänger und Vollender unserer Seligkeit, Du unser größter Wohl thäter! Du nahmst die menschliche Natur an, und wandeltest unter den Menschen als ein Beyfpiel der erhabensten Gottess und Nächstenliebe, und der reinsten Zugend. Freundlich und fanftmüthig, helfend und erfreuend, erschienest Du überall im lande, wie die Sonne, und verbreitetest Segen und Wohlthas ten. Meine Freude soll es seyn, Dich zu loben, und nach deinem heiligen Willen zu leben. Ich will Dich preisen, großmüthiger Menschenfreund! für mich gabst Du Dich in die Hände deiner ungerechten Feinde! für mich floß dein Blut am Delberg, unter den Geißelstreichen, unter den Dornen, und aus den schmerzlichen Wunden am Kreuze; für mich duldetest Du unaussprechliche Qualen; für mich rannen deine Zhránen, für mich stieg dein Gebeth zum ewigen Erbarmer in den Himmel. Du bist mein Versöhner, mein Retter, mein größter Wohlthäter! Mein ganzes Leben hindurch will ich Dich preisen, o götte licher Erlöfer! Denn nie, nie hörst Du auf, mir Gutes zu thun. An dein liebendes Bruderherz darf ich mich im heiligs ften Geheimnisse des Altars wenden, und Dir meine Noth klagen, und der gütigsten Erhörung versichert seyn; selbst in meine Seele willst Du kommen, damit ich Eins mit Dir werde, und Du mich um so vertrauter hinleiten kannst in's Land des Friedens. O führe mich hin, mein Erbarmer! Dort will ich Dich unaussprechlich, dort will ich Dich ewig preis sen! Amen. V. Jesus am Delberge. Meine Seele ift betrübt bis in den Tod!" So sprachst Du o mein göttlicher Erlöser! als Du dem Garten zugiengst, in 240 V. Abschnitt. welchem Du Dich zum Heile der Menschen deinen Feinden in die Hände überliefern wolltest. Deine Seele ist betrübt bis in den Zod. Ach! die Gerichte des Allmächtigen nahmen ihren Anfang; Er sah in Dir jetzt einzig noch das freywillig sich hingebende Opferlamm für die Sünden der Welt; was wir Sünder verschuldet hatten, das duldetest Du uns zu lie be. O mein Erbarmer! ich danke Dir, ich liebe Dich wegen deiner edelmüthigen Liebe; Du bist mein Gott, der Gott meis nes Herzens; Bater unser 2c. Bater! wenn es möglich ist, daß dieser Kelch vorüber gehe, so rimm ihn von mir; doch geschehe nicht mein Wille, sondern der deine." So bethest Du, o Jesus! während dein edles Herz unter den heftigsten Gefühlen der Angst rin get. Ach! laß dein großes Beyspiel einen tiefen Eindruck auf mich machen; gieb auch mir unter den Leiden und Wi derwärtigkeiten dieses Lebens jene fromme Ergebenheit in den Willen des himmlischen Vaters, mit der Du Dich hingeges ben hast, um für uns Alle zu leiden und zu sterben. Bater unfer t nodol#A Jesus warf sich auf sein Antlik nieder und bethete, und sein Schweiß war wie Blutstropfen, die auf die Erde nies derrannen." O mein Wohlthäter! die Sünden aller Mens schen, auch die meinen, waren die entfeßliche Last, die dein Blut aus den Adern drängte! Gott, mein Erbarmer! vor Dir bereue ich meine Misfethaten! Durch deine Todesangst, durch dein inniges Gebeth, durch deinen blutigen Schweiß bitte ich Dich, vergieb mir, was ich fündigte; ich will mich bessern; ich will von dieser Stunde an dein treuer Jünger werden. Ach! verlassen hab' ich Dich, Heiland meiner Seele! treus los verlassen hab' ich Dich! aber sieh! ich eile zu Dir zurück; verstoß den Unwürdigen nicht; nimm mich auf, unendliche Güte! und hilf mir, daß ich wache und bethe, damit ich in der Versuchung nicht falle, sondern treu Dir nachfolge im Les ben und im Tode! Amen. Vater unser C. VI. Litaney vom Leiden und Sterben Jesu Christi. ( f. S.190.) 39. Am heiligen Charfreytage. Christus bat für uns gelitten, und uns ein Beyspiel hinterlassen, daß wir seinen Fußstapfen nachfolgen sollen. Fasten Andachten. L 59. Joseph nahm den Leichnam Jefus, wickelte Jbn in feine Leinwand ein, und legte Ihn in sein neues Grab., Matth. 27, 58- So hattest Du denn endlich, erhabener Anfänger und Vollender unserer Versöhnung und Beseligung- den lange erfeufzten Punkt der Ruhe im Grabe erreicht! So bereitete dein Gott, dem Du deine reine Seele empfohlen hattest, und deinem Leichnam eine ehrevolle Stätte der Ruhe!- So fieng sich also gleich nach deinem Tode deine Verherrlichung an, und selbst durch dein Begräbniß sollte die Schrift erfüllet werden, die sagt: Bey Missethätern ward Ihm sein Grab bestimmt; Er fand aber feine Grabstätte bey einem Reichen."( Jfai. 53, 9.) Joseph von Arimathäa, einer der reichsten und ansehnlichsten Juden, und Mitglied des hohen Rathes, der nicht in den Anschlag wider Jesus eingewilliget hatte, und als ein wahrer Gläubiger auf die Erlösung Israels wartete, eilte, vom heiligen Muthe beseelt, zu Pilatus, und verlangte von ihm den Leichnam Jesus. Er erhielt, was er verlangte. Das Schönste, Reinste, Heiligste, was die Schöpfung hatte, ward sein Eigenthum, und nun that er dem heiligen Leichnam so viele Ehre an, als ihm möglich war. Er lieh dem Herrn sein eigenes Grab, welches in einem Garten lag. - 241 In einem Garten soll sich das Unheil endigen, das im Garten seinen Anfang genommen. Das Grab ist in einen Felsen gehauen, und Niemand ist noch in demselben gelegen. gelege Es geziemet sich ein neues Grab für einen neuen Menschen, der durch seinen Tod und seine Auferstehung die Gestalt der ganzen Erde erneuert hat. Auch bey mir, o mein göttlicher Heiland! dauert es nur noch eine furze Zeit, dann hat alles Leiden, jeder Kampf ein Ende, und ich komme zur Rube, zur ewigen Ruhe. Auf dein Beispiel, Du Heers führer zur Seligkeit, will ich beständig sehen und ausharren im Streite, bis Du mich endlich zur Ruhe bringst. Sie kommt gewiß die Stunde der Ruhe; dann bin ich ungestört im Frieden Gottes, in Ruh und Freude, die mir Niemand mehr nehmen kann. - Und nun dank ich Dir, und bethe Dich an im Staube für deine unbegreiflich große Liebe, womit Du so unermüdet mein Heil ges sucht und gewirkt haft, o Jesus, Du unschuldiges Gottes Lamm! Ich danke Dir für alle deine Leiden, für das Blutvergießen, für die ausgestandene Marter an Seele und Leib, für den bittern Tod, den Du gelitten haft, zu unserer Erlösung. Ich bitte Dich, fegne mich mit dem ganzen Verdienste deines bittern Leidens und Sterbens. Laß an mir geschehen und erfüllet werden, was Du durch die Aufopferung deines Lebens gesucht haft. Schenke mir einen recht lebendigen Glauben an Dich, und eine recht innige Liebe und feste Zuversicht zu Dir! Berleihe mir Vergebung meis 16 242 V. Abschnitt. ner Sünden, Frieden des Herzens, Gehorsam gegen Dich, Wandel vor Dir, mit Dir, und selige Gemeinschaft mit dem Bater! Schaffe mich durch deinen heiligen Geist zu einem wah ren Kinde Gottes um, bring' mich in dein Reich, und führe mich in's ewige Leben. O Jesus! mein Heiland, mein Erlöser! mein Herr, mein Gott und Seligmacher! Amen. Ich bether. Wir bitten Dich, Herr sich gnädig auf Kirchengebeth. diese deine Gemeinde herab, für welche unser Herr Jesus Chris ftus sich den Händen der Sünder überlassen, und am Kreuze sterben wollte.- Gekreuzigter Herr Jesus ic. mar - Vorbereitungs. Gebeth zur heiligen Messe. Heiliger, als irgend ein Tag, sey mir, o mein Herr! o mein Gott und Heiland! dieser Tag des Andenkens an dein unbeschreibliches Leiden, und an deinen geheimniß vollen Tod für das sündige arme Menschengeschlecht. Dein heil. Geist entzünde in meinem Herzen die innigste, die heiligste Gegenliebe und Treue für deine unaus sprechliche Liebe und Gnade bis in den Tod.- O dieser Tag unserer Erldsung von der Sünde und von der ewigen Verdammniß, dieser Tag unsers Heiles und unserer wiedererlangten Seligkeit, welch ein schrecklicher Tag war er für Dich, Du allerheiligste Unschuld! Leiden d.ängten sich an Leiden, Mißhandlungen, an Mißhandlungen, Marter an Marter! Ich bethe Dich an, o Du ewige, o Du allerreinste Lie be! auch für mich ewig verlornen Sünder ertrugst Du freywillig alle diese Peinen; aus deinen Wunden floß meine Net. tung und mein Heil auf ewig! Nichts soll mich mehr von Dir, o Du ewige Liebe! scheiden. Ich bethe Dich an, still duldendes Gotteslamm, das zur Schlachtbank sich führen ließ, ohne ſeinen Mund zu öffnen! Dir will ich nachahmen, und geduldig und gottergeben die Beschwerden und Leiden dieses Lebens ertragen. Ich bethe Dich an, allergehorsamster Sohn des himmlischen Baters- gehorsam bis zum Tode,- ach, und zu welchem Tode! zum allerschimpf lichsten, gewaltsamsten, und allerschmerzlichsten Tode zum Tod' am Kreuze! Ich bethe Dich an, wegen deines Gehorsams, jeßt über alles erhöheter Sohn Gottes! in dessen Namen sich jedes Knie beugt, und in dessen Namen allein Heil ist, und Leben und Seligkeit! - Fasten Andachten. 243 D Du Wohlgefallen des Baters, Du Freude des Himmels, Du Ehre der Menschheit! Du meine Zuflucht in allen Leiden, meine Hoffnung im Sterben; mein Heil in Ewigkeit! Ich will o gieb meinem Wollen Kraft und Ausdauer- ich will von nun an die Sünde, die Dich an's Kreuz brachte, als das allergrößte Ulebel verabscheuen! Ich will der Sünde ab sterben, weil Du für die Sünde gestorben bist, und Dir gehorsam seyn bis in den Tod, wie Du deinem himme lischen Vater gehorsam warst bis zum Tod' am Kreuze! Segne, o gekreuzigter Heiland! segne meinen Vors saz, und verleih mir deine Gnade, daß ich deinen heilis geu Todestag würdig begehe, und der Früchte deines bite tern Leidens und Sterbens theilhaftig werde. D Du allerreinstes Lamm Gottes, das hinweggenommen hat die Sünden der Welt! Für alle Menschen bist Du gestorben; Alle sind sie deine Erlösten; Alle sollen sie felig werden. Darum richte ich jest mit gläubigem Vertrauen in deinem Namen die allgemeinen Fürbite ten der heil. katholischen Kirche für alle Ståns de an das versöhnte Baterherz Gottes. — 1. Gebeth für die heilige Kirche Gottes, daß unser Herr und Gott sie auf dem ganzen Erdkreise im Frieden ers halten, vereinigen und bewahren;- daß Er alle Fürsten und Mächte in ihren feligmachenden Schoos einführen, uns aber ein ruhiges und friedliches Leben gewähren wolle, damit wir Gott den allmächtigen Bater loben, preifen und verherrlichen mögen. Allmächtiger, ewiger Gott! der Du deine Herrliche keit allen Völkern in Christus kund gemacht hast, be wahre und schirme die Stiftung deiner Barmherzigkeit, damit deine Kirche sich durch die ganze Welt verbreite, und standhaft in dem Glauben und in dem Bekenntniß deines Namens verharre, durch denselben Jesus Chris stus, deinen Sohn unsern Herrn, der mit Dir und dem beil. Geiste, als ein einziger Gott, lebet und regiert von Ewigkeit. Amen. 2. Gebeth für Seine päpstliche Heiligkeit N. N. daß unser Gott und Herr, der ihn zum obersten Hirtenamte berufen hat, ihn seiner heiligen Kirche gefund erhalten, und ihm Kraft verleihen wolle, das heil. Volk Goties zu regieren. 16 V. Abschnitt. Allmächtiger, ewiger Gott! auf dessen Anordnung alle Dinge gegründet sind, sieh gnädig herab auf unser demithiges Gebeth, und erhalte durch deine Güte unsern Pabst, den Du uns zum obersten Bischofe erwählet hast, damit das christliche Volk, welches durch Dich regieret wird, unter einem so erhabenen Vorsteher im Glauben wachse, und an Berdiensten reich werde, durch Jesus Christus. Amen. 244 3. Gebeth für Bischöfe, Priester und Alle, die geistliche Aemter verwalten, für alle Bekenner, Jungfraus en und Wittwen, und für das gesammte heil. Volk Gottes. Allmächtiger, ewiger Gott! durch dessen Geist die ganze Gemeinde der Kirche geheiliget und regieret wird, erhöre uns, die wir für alle Stånde bitten, und verleihe uns deine Gnade, damit wir Dir in allen Stånden treu bleiben mögen, durch Jesus Christus. Amen. 4. Gebeth für unsern aller christlichsten König N. ( Kaiser N.), daß unser Gott und Herr seine Regierung sege nen, uns aber einen immerwährenden Frieden schenken wolle. Allmächtiger, ewiger Gott! laß deinen Diener, unsern König N., der nach deiner Anordnung die Regierung des Reiches übernommen hat, nun auch in allen Fürstentu genden wachsen und gedeihen, die als seine unsichtbare Krone ihn schmücken und stärken, daß er Alles, was böse ist, meiden, und zu Dir, der Du der Weg, die Wahrheit und das Leben bist, durch die Fülle deiner Gnade gelangen möge, durch Jesus Christus. Amen. 5. Gebeth für unsere Catechumenen, daß unser Herr und Gott ihre Ohren und ihre Herzen öffnen, und das Thor der Gnade erweitern wolle, damit sie durch die Wieders geburt der heiligen Taufe Vergebung aller ihrer Sünden ers langen, und Heil und Seeligkeit finden, in Christus Jesus unferm Herrn! Allmächtiger, ewiger Gott! der Du deine Kirche zu allen Zeiten mit neuen Zweigen befruchtest; vermehre den Glauben und erleuchte den Verstand aller Derjenigen, die sich in unserer heiligen Religion unterweisen lassen, da mit sie durch das Wasser der heiligen Taufe wieder ges boren, und in die Zahl der Kinder Gottes aufgenom men werden, durch Jesus Christus! Amen. Fasten Andachten. 6. Gebeth zu Gott dem allmächtigen Vater, daß Er die ganze weite Welt von allem Irrthum reinige; die Krankheiten heile, Hunger und Theurung abwende, die Kerker öffne, die Banden und Ketten löse, den Reisenden eine glücklis che Heimkunft, den Kranken eine dauerhafte Gesundheit, den Schiffenden einen sichern Hafen verleihe; 245 Allmächtiger, ewiger Gott! Du Trost der Betrübten! Du Kraft der Schwachen und Müden! Erhöre alle Hülflosen und Nothleidenden, die in ihrer Angst zu Dir rufen! Hore erhöre ihr Gebeth, damit Alle sich in ihren Drangsalen deiner hülfreichen Barmherzigkeit erfreuen mögen, durch Jesus Christus Amen. - 7. Gebeth für die Ketzer, und für alle von der Eins heit der heiligen Kirche Getrennte, daß unser Gott und Herr fie von allem Irrthum retten, und in den Schooß unserer heiligen Mutter, der katholischen und apostolischen Kirche, durch das Licht seiner Gnade zurückführen wolle! Allmächtiger, ewiger Gott! der Du Allen deine Hülfe bietest, und nicht willst, daß Jemand verloren gehe; erbarme Dich der betrogenen, durch satanische List verführten Seelen, damit sie das Verderben ihres Abfalls einsehen, dem Irrthume entsagen, ihr Herz bessern, und zur Einigkeit der Kirche zurückkehren, durch unsern Herrn Jesus Christus. Amen. 8. Gebeth für die treulofen Juden, daß unser Gott und Herr die Binde der Blindheit löse, welche ihre Herzen fesselt, damit auch sie Jesus Christus unsern Herrn erkennen mögen... Allmächtiger, ewiger Gott! der Du auch die hartnädigsten Juden von deinen Erbarmungen nicht ausschließest; erhöre unfer Gebeth für dieses verblendete Volk, damit sie das Licht deiner Wahrheit, welche Christus ist, erkennen, und aus ihrer Finsterniß erldset werden. Durch denselben Jesus Christus ic. 9. Gebetb für die Heiden, daß der allmächtige Gott Frevel und Unrecht aus ihrem Herzen verbanne, damit sie ihren Göhendienst verlassen, und sich bekehren zu dem lebens digen wahren Gott, und zu seinem einzigen Schne Jesus Christus, unserm Gott und Herrn. V. Abschnitt. Allmächtiger, ewiger Gott! Du willst nicht den Tod der Sünder, sondern, daß sie sich bekehren und leben; nimm unser Gebeth gnådig auf, und befreye die in heidnischer Unwissenheit schmachtenden Völker von dem Joche des Gi kendienstes, und vereinige sie mit deiner heiligen Kirche, zum Preise und zur Ehre deines Namens, durch Jesus Christus unsern Herrn! Amen. 246 ( Bey der Aufdeckung und Aufhebung des heil. Kreuzes bethe mit der allertiefsten Demuth und Liebe den Anbethungswürdigsten an, der für uns Sünder am Kreuze starb, und sprich mit Andacht dreymal:) Betrachte, o meine erlöf'te Seele! das Holz des Kreuzes, an dem das Heil der Welt gehangen ist, und sink' nieder in den Staub, und bethe an!- Jcb rühme mich des Kreuzes unsers Ich Herrn Jesus Christus. Er ist unser Heil, unser Leben und uns fere Auferstehung. Durch Ihn sind wir geheilet und erlöset.- Vergegenwärtige dir jest den sterbenden Erldser, und beherzige die Klagen, die ihm das Erbarmen und die Liebe über den Undank der Sünder auspreßt. Klagen des sterbenden Erffers an fein Volk, und an das Herz eines jeden Sünders. Christus. Mein Volk! Was that ich dir, oder wie hab' ich dich betrübet? Antworte mir! Ich habe dich aus Egypten( aus der Knechtschaft der Sünde) geführt, und du hast deinen Heiland an das Kreuz genagelt! Seele. Jesus Christus! Aus Liebe zu mir bast Du die Herrlich keit des Vaters verlassen, Dich erniedriget und Knechtesgestalt an genommen, um mich zu erhöhen, und aus einem Gegenstande des göttlichen Zorns, zu einem Kinde Gottes mich umzugestalten; und ich ach! ich vergelte Dir deine Liebe mit Undank, und verharre freywillig in der Knechtschaft der Sünde! Heiliger Gott! heiliger Starker! heiliger Unsterblicher! erbarme Dich meiner! - Christus. Mein Voll! Vierzig Jahre führte ich Dich durch die Wüste, ich nährte dich mit Manna, ich gab dir ein schönes frucht bares Land, und du bast deinen Retter gekreuziget. Seele. Jesus Christus, Du hast mir das Wort des Lebens verkündet, und den Rückweg ins bimmlische Vaterland mir gezeigt; und ich- ach! ich liebe die Finsterniß noch immer mehr als das Licht, und wandle frevelnd auf der breiten Straße, die zum Verderben führt.- Heiliger Gott, Heiliger, Starker! Heiliger, Unsterblicher! erbarme Dich meiner! Fasten Andachten. Christus. Mein Volk! Was sollte ich dir noch weiter thun"; und was that ich nicht? Ich pflanzte dich als meinen herrlichen Weinberg; und du hast mich mit Bitterkeit überhäuft; denn mit Essig tränktest du meinen Durst, und durchbohrtest die Brust deines Erlösers mit einer Lanze. : Seele. Jesus Chriftus! Du hast mir ein Beyspiel des Gehors sams gegen den himmlischen Vater gegeben, und zwar bis zum Tod am Kreuze, um für meinen Ungehorsam genug zu thun; und ich ach! ich bleibe ungehorsam, und vereitle dadurch die Frucht deines Gehorsames; ich habe nur Ohren für die Stimme der Sinnlichkeit, nur Augen für das verderbliche Beispiel der Welt! Heiliger Gott! 2c. - - Christus. Mein Volk! wegen deiner geißelte ich Egypten und tödtete seine Erstgeburt, und du hast mich gegeißelt, hast mich in die Hände meiner Feinde zum Tode hingegeben. Seele. Jesus Christus! Du verachtetest die hinfällige Gestalt dieser Erde, und hattest nicht so viel, wo Du dein Haupt binlegen konntest, um mich von der unordentlichen Anhänglichkeit an das Irdische zu heilen; und ich- ach, ich hange mit ganzem Herzen an dieser Welt; ich liebe den Schein mehr, als die Wahrheit, die Zeit mehr, als die Ewigkeit!- Heiliger Gott! sc. Christus. Mein Volk! Ich führte dich aus Egypten, versenkte den Pharao ins rothe Meer, und du hast mich den Hohenpriestern überliefert. Seele. Jesus Christus! Wunderbar hast Du so viele Kranke geſund gemacht, und Todie zum Leben erweckt, um mir zu zeigen, daß Du Macht habest, die Sünder zu begnadigen, und das ewige Leben zu ertheilen; und ich – ach! ich habe Augen und sehe nicht, Ohren und höre nicht, um ja nicht geheilt und gerettet zu werden! Heiliger Gott! 2c. - Christus. Mein Volk! ich dffnete das Meer, theilte die Flus then vor dir, und du öffnetest meine Seite mit einer Lanze! 4 Seele. Jesus Christus! Du bist jeden Augenblick bereitet, mir meine Sünden zu vergeben; Du ladest mich unabläßig ein, zu Dir zu kommen, und im heiligen Buß- und Altars Sacramente mich zu erquicken, zu stärken und zu beseligen; und ich- ach, ich finde dazu keine Zeit, oder ich empfange zwar die äußerlichen Zeichen, obne der innerlichen Gnade mich theilhaftig zu machen!- Heiliger Gott 2c. Christus. Mein Volk! in der Wolkensäule ging ich ber vor dir, und du hast mich in den Gerichtshof des Pilatus geführet! Seele. Jesus Christus! Unermüdet arbeitetest Du für mein Heil; Du ertrugst Hunger und Durst, Hise und Kälte, Undank und Verachtung, Schmach und Verfolgung von der Krippe an bis V. Abschnitt. zum Kreuze; und mir ach, mir ist für Dich Alles zu schwer, jeder Kampf zu abschreckend. Für mich, für meinen Leib, oft für die eitel ſsten und beweinenswerthesten Dinge, was thue ich nicht Alles? Nur für Dich, o Du erbarmende Liebe, nur für das Reich Gottes und meine Seligkeit thue ich nichts, weniger als nichts ich häufe Schuld auf Schuld! Heiliger Gott ic. Christus. Mein Volk! Ich stärkte dich in der Wüste mit Manna, du aber hast mich mit Backenstreichen und Geißeln mißhandelt! Seele. Jesus Christus! Du kämpftest um meiner Sünden willen am Delberge den heißesten Kampf mit dem Tode; Du übergabst Dich freywillig in die Hände deiner Peiniger und Mörder; Du ließeft Dich von einem Richter zum andern schleppen, deinen heiligen Leib mit Geiss feln zerfleischen, dein ehrwürdiges Haupt von Dörnern durchstechen, mit Schmach und Sport Dich bedecken, und so- keinem Menschen mehr gleichfehend dem Volke darstellen, um seinen Fluch zu vernehmen: ,, An's Kreuz mit Jhm!"- Du trugst dann selbst dein Kreuz zur Richts stätte, ließest Dich in Mitte zweyer Missethäter erhöhen, und, zwischen Himmel und Erde hängend, von Gott und Menschen verlassen, duldetest Du die namenlosesten Schmerzen an Leib und an Seele, deren die menschliche Natur fähig ist, bis Du endlich langsam zu Tode gemartert- die lesten Worte, ausrufen konntest: ,, Es ist vollbracht!- Vater, in deine Hände empfehle ich meinen Geist!"- mich aber, mich rühret Alles dieses nicht! Die Felsen spalteten sich, die Natur hüllte fich in Trauer; einige der Mörder gingen in sich und schlugen an ihre Brust; mich ach, mich nur rührt Alles diefes nicht. Härter, als die Felfen, unempfindlicher, als die leblose Natur, verblendeter noch, als die Kreuziger, bin ich!- Was, o ewige Liebe, was wirk Du noch für mich thun müssen, mich zu retten, mich zu bewegen, mich zu erleuchten, zu bekehren, und selig zu machen?-!- Heiliger Gott 26. Christus. Mein Volk! Aus der Felfenquelle tränke ich dich mit heilsamem Wasser, du aber haft mich mit Galle und Effig getränkt. Seele. Jesus Christus! So groß war die Liebe und Erbarmung deis nes himmlischen Vaters, daß Er Dich, seinen eingebornen Sohn, dahins gab um meinetwillen; und mir ach! mir lohnt es nicht einmal der Mühe, dieses recht zu Herzen zu nehmen!- Heiliger Gott! ic. Christus. Mein Volk! Für dich erschlug ich die Könige der Cananäer, und du haft mein Haupt mit einem Rohr geschlagen! Seele. Jesus Christus! so groß war deine Liebe zu mir, doß Du um meinetwillen dein Leben ließeft; und ich ach! ich lasse nicht die Sünde um Deinetwillen; o nein! vielmehr erneuere ich unaufhörlich die Ursache deiner Leiden und deines Todes. Mein fündhaftes Leben spricht noch immer: ,, An's Kreuz mit Ihm- an's Kreuz mit Ihm!" Heiliger Gott! sc. 6 248 - - - - - - Fasten Andachten. 249 Christus. Mein Volk! Ich gab dir den königlichen Scepter; du aber haft eine Dornenkrone auf mein Haupt geseßt. Seele. Jesus Christus! Von dem Eintritte in die Welt bis zum lesten Athemzuge suchte deine treue Hirtenstimme daß verlorne Schäflein, und rief ihm liebreich zu: ,, D, daß du es einsehen würdest, was dir zum Frieden diente."- Jch aber ach! ich floh bis zur Stunde von Dir, o Du ewiger Erbarmer! wie vor einem reißenden Wolfe, wie vor meinem Todfeinde. Heiliger Gott! ic. - Christus. Mein Volk! Ich habe dich mit großer Kraft erhöhet, und du hast mich am Kreuz erhöhet. Mein Volk! was that ich dir? oder wo habe ich dich betrübt? Antworte mir! Seele. Ach mein Heiland! immer und immer feßte ich der Stimme, den Einflögungen deines heiligen Geistes Verachtung und Verftodung entgegen. Ich selbst sammle mir aus eigener Schuld das Gericht und den ewigen Tod über meinem Haupte, und wenn ich nicht umwende und zu Dir mich bekehre, jest, da mich deine verzeihende Stimme vom Kreuze herab einladet, so wird mich die Zeit übereilen, wo ich Dich suchen, aber nimmermehr finden, wo ich von der Sünde das Verderben einerndten werde! Heiliger Gott! Heiliger, Starker! Heiliger, Unsterblicher! erbarme Dich meiner! Herr, ich verehre dein Kreuz in tiefer Ehrfurcht; ich lobe und preife deine heilige Auferste= hung. Denn sieh', dieß Holz hat Freude verbreitet über die ganze Welt.- O Gott, sey mir gnädig! fegne mich, und laß dein Antlis mich erleuchten; erbarme Dich meiner! Amen. 3 ur Prozession. Hymnus. 1. Das Kreuz, des Königs Fahne, glångt geheimnisvoll durch Finsterniß und Nacht. Das Leben stirbt am Kreuz; in seinem Zode leben wir. - 2. Aus heißen Wunden strömt vom Kreuz sein Blut des Gottverföhners Blut. Mit stumpfem Frevelsinn durchs bohrt des Knechtes Lanze feine Brust. 1 3. Entwaffnet ist der Hölle Spott. Es ist erfüllt- es ist erfüllt, was David einst den Völkern fang: Vom Holz hat er die Welt regiert. 4. Des Königs Purpur glänzt an Dir, Du Baum des Lebens! Mächtig strahlt aus deinen Zweigen Gottes Heil, Versöhnuug, Friede, Seligkeit. 5. Gefesselt ist des Todes Macht. Vom Kreuze fließt der Liebe Born; vom Kreuze tont durch Nacht und Tod der Gnade Ruf: ,, Es ist vollbracht!" V. Abschnitt. 6. Du, der für uns am Kreuze starb, Du Hoffnung als Ier Sterblichen! Gieb deinen Frommen Trost und Licht; vers gieb den Sündern ihre Schuld. 7. Gieb uns im Himmel einst den Lohn, den uns dein Sieg am Kreuz erwarb! Gelobt seyst Du, Barmherziger, Unendlicher, Dreyeiniger! Amen. 250 Nach der Prozession, während der h. Messe. Zu Gott dem Vater; Aufopferung der Leiden und des Xodes Jefus. Allmächtiger Vater! sieh vom Himmel berab auf dei nen eingebornen, duldenden, huldvollen, geliebtesten Sohn, unter welchen Schmerzen Er am Kreuz gehangen, wie Er sein kostbares Blut für die Sünden der Menschen so reich. lich vergossen hat. Sieh sein heiliges Haupt, o Bater! wie es mit Dornen durchstochen, vor großem Wehe ohnmächtig gesenket! fich, wie sein freundliches Angesicht verunrei niget und zerschlagen ist, daß man keine Menschengestalt mehr daran erkennet! steh seine eingesunkenen Augen, seine zerrissenen Wangen; seine Arme sind ausgespannt, feine Brust verwundet, seine Hände und Füße mit eisernen Någeln durchgraben. Erinnere Dich dieses schrecklichen Lei dens deines Eingebornen, o gütigster Vater und denke, daß dieses dein lieber Sohn sey, an dem Du von Ewigkeit ber dein Wohlgefallen hattest. Er hat Alles für uns gethan. Ihn und den unendlichen Werth seines Leidens opfere ich Dir zur Genugthuung aller meiner begangenen Missetha ten, und der dadurch verdienten Strafen. Nimm dieses theure Opfer zugleich mit meiner Reue huldreich an, liebe voller Bater! und erbarme Dich meiner nach deiner großen Barmherzigkeit hier auf Erden und dort in Ewigkeit. Amen. Zu dem gekreuzigten Erlöfer. Neue über die Sünden. An dieses Kreuz also, o Jesus! haben Dich deine Liebe zu mir, und mein Undank und meine Sünden gebracht! Du leidest, Du blutest, Du stirbst des qualvollsten Todes, weil ich die ernste Gerechtigkeit des Allerhöchsten gereizt, und den Tod verdient habe. Biebe, die keine Grenzen fennt! werde ich noch ferner die Sünde lieben, und ein gefühlloses Herz gegen Dich has Fasten Andachten. 251 ben können? Nein! ich vereinige meinen Schmerz über meine Sünden mit deinem Leiden; so wie dein Blut und deine Wunden für mich zum himmlischen Vater um Vers gebung rufen, so rufe auch ich zu Ihm, und sage: Gott der Barmherzigkeit! vor deinem heiligen Angesichte und vor meinem für mich sterbenden Erlöser bereue ich herzlich und aufrichtig alle meine Sünden und Missethaten, und fasse den festen Entschluß, der Sünde abzusterben, wie Er für unsere Sünden gestorben ist, und ein neues, Dir wohlgefälliges Leben mit deiner Gnade anzufangen. Habe Mitleid mit dem Verirrten! Dein eingeborner Sohn hat mich aufgesucht, und mich gefunden; und nun steh ich vor Dir, o mein Gott! voll Reue und voll Beschämung. Verzeih mir meine Sünden; tilge meine Schulden durch Jesus Verdienste; schaff in mir ein neues und ein reines Herz; wasche mich im Blute des Lammes, das für uns am Altare des Kreuzes geschlachtet worden. Amen. Dankgebeth zu dem Erlöser am Kreuze. Ich wäre verloren gewesen, o mein gütigster Erbar. mer, Jesus Christus! wenn Du nicht ein göttliches Mitleid mit meinem traurigen Zustande gehabt hättest. Aus Liebe zu mir verließest Du die Herrlichkeit des Himmels, nahmst die Gestalt des Knechtes an, und führtest drey und dreyßig Jahre ein armes und beschwerliches Leben; aus Liebe zu mir warst Du deinem Vater gehorsam, bis in den Tod, um für meinen Ungehorsam genug zu thun, und gabst Dich freywillig als ein Opfer für meine und aller Menschen Sünden hin. Du duldetest die grausamsten Mißhandlun gen deiner Feinde, um mich von den Qualen einer unglückfeligen Ewigkeit zu retten. Dein Blut erkaufte mich aus der furchtbaren Knechtschaft der Sünde; dein Tod wurde mein Leben. Du warst es, der das Himmelreich mir öffnete, der mich zu seinem Bruder, zum Miterben seiner Herrlichkeit annahm; Du erwarbst mir die Liebe deines himmlischen Baters, und erhobst mich zur Würde seiner Kinder. Du bist meine Hoffnung und meine Zuversicht; o wie soll, wie kann ich Dir genug für deine Liebe danken? Du selbst hast es mir gesagt, wie ich Dir danken soll: Derjenige, der meine Gebote hält, der liebt mich auch." Sieh, göttlicher Heiland! ich eile zu deinem Kreuze; ich V. Abschnitt. rühme mich in demselben; ich will leben, wie Du es von mir verlangst; ich will meine bösen Neigungen zähmen und Gutes thun. Sey der Weg der Tugend auch ein Dor nenpfad; genug für mich, daß Du ihn gingst, und daß er zum Himmel führt. Du haft für mich gelitten und mir ein Beyspiel hinterlassen; verleihe mir auch die Gnade, daß ich in deine Fußstapfen eintreten, und Dir nachfolgen, und so Dir für dein Leiden und Ster ben danken kann. Amen. 252 Bethstunde vor dem heil. Grabe Jesus. 1. Um die Gnade, stets an das Leiden und Sterben des Herrn zu denken, und mit Ihm zu leiden. ( Thomas von Kempis.) Bedenket, daß ihr nicht mit etwas Vergänglichem, mit Silber und Gold, sondern mit dem kostbaren Blute Christus, des unschuldigen. und unbefleckten Lammes, von euerm fündhaften Wandel erlöset worden scyd. 1. Petr. 1, 18. Jesus Christus, Sohn des lebendigen Gottes, mein Herr und Heiland! Du bist in die Welt gekommen, für mich zu leiden, und am Kreuze zu fierben; präge doch dieß dein Leiden und Sterben tief in meine Seele ein, und verleih mir die Gnade, daß daß ich in deine Fußstapfen eintrete, und Dir nachfolge, ich alle Leiden und Unbilden- wie von deiner Hand annehme, und mich inniglich freue, auch für Dich etwas zu leiden. Würs den mich alle Menschen mit allen erdenklichen Lästerungen übers häufen, was wäre es auch gegen dasjenige, was Du für mich littest? und jetzt sollte es mir zu viel seyn, ein rauhes Wörtchen, oder irgend ein unangenehmes Betragen, ohne innere Erbittes rung zu dulden? Ferne sey von mir jede Klage, aller Un wille lege sich! Kein Argwohn empöre sich; in holder Geduld und süßer Herzensdemuth will ich bey ieder Gelegenheit bes kennen, daß meine Sünden ungleich Mehreres verdient haben, als mir je ein Mensch anthun kann. Ich habe die rechtz Liebe nicht, wenn ich meinen Beleidis gern nicht ganz und gar vergebe, nicht mit ihnen Mitleid babe, für sie mein Gebeth vor Dir ausgieße, und sie vor Dir und vor den Menschen entschuldige, und Dir Dank fage, daß du mir Gelegenheit gabft, Schätze der Geduld zu sammeln. Gieb mir doch die rechte Liebe, die dieß Alles gerne thut. Ich habe Dir noch so vieles abzutragen, wenn ich für meine beweinens: - 1 233 Fasten Andachten. werthen Missethaten genug thun will. Das ausgenommen, was deine Gnade, oft auch über meine Kräfte in mir wirkt, - habe ich nichts als niederdrückende Schuldenlast von meis nen vergangenen und noch täglichen Sünden; und in was darf ich mehr Zuversicht, die Sünden abzutragen, sehen, als in die Geduld, in die Vergebung der Unbilden, und in die demüthige Fürbitte für meine Widerfacher? Du, die Unschuld am Kreuze, bethend für die, welche Dich freuzigten, gibst mir das Beyspiel der rechten Liebe. O bethe auch für mich Sünder zum Vater, daß Er die wohlverdiente Strafe mir erlasse. Du bist unser gerechter und treuer Fürsprecher beym Vater; Du hast uns mit deinem Blute erkauft, und durch dein heiliges Beyspiel eingeladen, Dir in vollkommener Demuth, Sanftmuth und Geduld nachzufolgen. Am Tage der Trübsale halte Du mich, daß ich vom Ges duldwege nicht abgehe, so viele Dörner auch immer auf ihm liegen. Mache, daß ich über die Dörner zu Dir eile, und mich bald wieder freue, in Dir Hülfe und Rettung gefunden zu haben. Ach, wie viele Dörner liegen auf unserm Wege, wer möchte da wandeln, ohne den Muth zu verlieren? Ich einmal verliere ihn gar bald; das siehst Du, so oft Du mich auch nur durch Kleinigkeiten prüfest. Deffne mir den Schaß deiner Erbarmungen, und enthülle mir das wundervolle und erhabenste Geheimniß deiner Leis den, in welchem jeder Schwache und jeder Leidende Kraft und Stärkung findet, und aus welchem die Anfänger in der Zus gend Innigkeit, und der Irrige großen Trost schöpfet. Mein Jesus, Quelle der Gnaden! führe mich ein in die Bite terfeit deines Leidenkelches, welcher mir alles Bittere verfüße. Durchbohre mir Hände und Füße mit den Någeln deiner Liebe, damit weder in meinem Aeußern, noch in meinem Innern etwas Eitles oder Fleischliches lebe. Lebe Du in mir, und mache, daß ich in Dir lebe, und laß, o Barmherzigster! nichts mehr zwischen uns treten, was uns trennen könnte. Weder irgend ein Wohl, noch irgend ein Wehe scheide mich von deiner Liebe; Du magst mich entweder zum Tode oder zum Leben führen, ich folge in deinem Namen, wohin Du mich immer rufft. Dein Kreuz sey mir so befeligend, daß mir das meinige zur Luft werde. Bereits habe ich dieses freywillig auf mich genommen, im Hinblick auf das ewige Leben; aber sich, ich sinke unter dem Krenge, wenn 254 V. Abschnitt. mich deine Hand nicht immerhin hält; und hält und führt fie mich, so ist mir deine Bürde leicht, und der Dornenweg wird mir zum Rosenpfad. Holder Jesus! diese Stunde bey Dir ist nun wieder eine felige Stunde; v, gründe mich in dieser Stunde recht tief und fest in deinem göttlichen Worte. Entzünde mich ganz in dem Andenken an dein Leiden, und zieh mich innigst in Dich hinein, damit ich die Süße der innigen Liebe immer mehr schmecke, in deinem Lobe nicht ermüde, und in meinem Wans del als dein Ebenbild glänze! Amen. II. Um die Gnade einer fruchtbaren, heilbringenden Betrach, tung des Leidens Jefus.( Thomas von Kempis.) Du, mein göttlicher Herr und Heiland, Jesus Christus! blutetest für mich am Kreuze; sieh, ich liege im Staube vor deinem Kreuze. Eines bitte ich Dich- laß mich innigstes, heilbringen. des Mitleid mit Dir und mit deiner geliebtesten Schmerzens, Mutter empfinden; laß mich mit Johannes unter dem Kreuze Strome von Thrånen an dem Fuße deines Kreuzes vergießen, an dem dein Blut für mich herunter strömt. O Du, von dem alle gute Gabe kommt, erfülle dieß mein Verlangen zu deiner Verherrlichung. Du, o meine Liebe! am Kreuze, und deine Mutter und dein Liebling Johannes neben dem Kreuze ihr müffet mir stets im Herzen seyn, und mein Herz erweitert sich immer mehr in der Liebe zu euch, meine Empfindungen müssen immer mehr Eins mit den eurigen, und mein Leben dem euern immer gleicher werden. Deine Kreuzis gung sey meine Betrachtung, und die Schmerzen deiner Muts ter seyen für mich ein Trost; die Chránen deines Lieblings sollen auch für mich fließen. Wie könnte mein Auge deinen schauervollen Zod ansehen, ohne daß mein Auge in Schmerzen zerfließen sollte? So oft ich dein Leiden betrachte, deine letzten Worte und Seufzer hore, oder Dich am Kreuze sehe; laß mich jene innigsten Ges fühle des Mitleids, der Liebe und des Gehorsams empfinden, die Du so vielen Frommen gabst. - III. Vorsatz, der Sünde abzusterben, wie Christus für die Sünde der Welt gestorben. ( Nach einem Gebethe des heiligen Augustin.) Was hast Du verwirkt, holdseligster Jesus! daß man Dich so verurtheilte? Was hast Du gesündiget, liebenswürdigster Jefus! daß man Dich so grausam behandelte?- Was war 255 Fasten Andachten. denn deine Schuld, dein Verbrechen, was die Ursache, daß man Dich zum Tode der größten Verbrecher verdamme te? Jchia ich bin die Ursache deiner Leiden, ich die Schuld deiner Ermordung? Ich bin der Sünder, für den Du ges fiorben bist, auf mir laftete das Verbrechen, das durch deis nen Tod gerächt werden mußte! Ich habe deine Wunden geöffnet, und Dir alle deine unaussprechlichen Schmerzen bes reitet. Ich habe das Unrecht begangen, und Du leidest die Stras ft. Böses habe ich gethan, und an Dir wird es gerächt. Ich habe das Verbrechen verübt, und Du unterziehest Dich der Strafe. Ich war stolz, und Du hast Dich für mich ers niedriget; ich war hochmüthig, und Du wirst meinetwegen verachtet; ungehorsam war ich, und Du hast durch Gehors sam dieß Vergehen von mir wieder abgewaschen; ich folgte meinen bösen Begierden, und verließ Dich, Du folgtest dem gottlichen Zug deines liebevollen Herzens, und ließest Dich für mich an's Kreuz schlagen; ich war unmäßig, und Du vers schmachtetest art Kreuze; ich sättige meine Begierden, Du trankft für mich bittere Galle; ich mißbrauchte meinen Leib zur Sünde, Du ließest ihn für mich mit Någeln durchbohs ren; ich lebe freywillig in der Knechtschaft der Sünde, Du starbst am Kreuze, um mich von der Sünde und dem ewigen Verderben zu erlösen. nadzor tardore thin Herr der Herrlichkeit! wie hell erscheint hieraus meine Bosheit und deine Barmherzigkeit; wie liegt meine Ungerech tigkeit und deine Gerechtigkeit am Zage? O mein Herr und mein Gott! womit kann ich Dir die Werke deiner Liebe vergelten, die Du alle für mich vollbracht haft?( Psalm 155, 12.) In dem menschlichen Herzen kann wohl nichts gefunden werden, was dem Opfer einer solchen liebe gleichgesetzt, und der menschliche Verstand kann nichts erdenken, was mit der Barmherzigkeit Gottes verglichen wers den könnte. Unvergeltbar sind deine Erbarmungen, o Gott! ich kann nur verstummen, anbethen, und, wenn dein Geist meinem Unvermögen zu Hülfe kommt, und deine Gnade mein Herz durchdringt, das Fleisch mit seinen Begierden und Lüsten Freu sigen( Gal. 5, 24.) und hinfort Dir leben, Dir das Kreuz nachtragen, Dir sterben; weil auch Du Dich bis zum Kreuz tode für meine Sünden erniedriget hast. V. Abschnitt.8 Du ewiger Erbarmer! tråufle dieses himmlische Heils mittel in mein wundes Herz herab, damit das Schlangengift der Sünde darin seine Wirkung verliere, und meine Seele wieder ihre ursprüngliche Gesundheit erhalten möge. Erfülle mich mit inniger Gegenliebe, damit ich die eitle Lust der Welt von ganzem Herzen verachte, und die Sünde als das größte Uebel verabscheue. 256 Ich bitte Dich, o Jesus! laß mir nichts lieblich, nichts wohlgefällig, nichts reizend feyn ohne Dich. Ich bitte Dich inständig, laß mich ohne Dich Alles für gering und unrein ansehen! Was Dir zuwider ist, laß mir verhaßt seyn, und was Dir gefällt, laß mich unaufhörlich verlangen. Eine Freus de ohne Dich sey mir Schmerz, und für Dich zu leiden, mas che mir Freude. Dein Name sey mir Erquickung, und die Erinnerung an Dich mein Trost. Das Geset deines Mun des laß mir lieber seyn, als Schäße von Gold and Silber. Nichts laß mir angenehmer seyn, als Dir zu gehorchen, und nichts verabscheuungswürdiger, als Dir zu widerstehen. Ich bitte Dich, Du meine Hoffnung! bey all' deiner Lies be, vergieb mir meine Misfethaten, und durch deinen heiligen Namen laß mich gerne deine Gebote hören; bewahre mich vor Stolz, damit ich nie meine Fehler mit betrügerischen Wors ten entschuldige, und laß mich vom Beyspiele der Gottlosen nicht verführet werden, sondern Dir treu bleiben im Leben und Sterben. Ja o Jefus! Dir will ich leben; mit deis ner Gnade Dir sterben,- Dein verbleiben im Leben und im Tode. Amen. - IV. Dank für das Leiden Jesus. ( Thomas von Kempis.) ,, Christus ist mein Leben, Sterben mein Gewinn." Phil. 1, 21. Ewiger Dank und Preis sey Dir, Reinster unter den Mens schenkindern! wie theuer muß ich Dir seyn, da Du für mich das Kostbarste- Dich selbst hingegeben haft! Jede deis ner Wunden ist ein Zeichen deiner inbrünstigsten Liebe zu mir, und jede sey meinem Herzen tief eingedrückt. - O dein Kreuz! wie ward es zum Baume des Lebens, der Ehre und Seligkeit, und welche Tröstungen fließen von ihm herab in das verwundete, leidende Menschenherz. Unter dem Kreuze will ich stehen, wo Maria und Johannes standen, und schauen und en wagen mit frommer Trauer, was Du, mein Gott und Heiland! Fasten Andachten. für mich gelitten hast dem Leidenden, trachten. - 2 und nach Berähnlichung mit Dir 257 Dein Angesicht, einst so schön, und nun so entstellt, und nicht mehr kennbar! Es war die Lust der Engel, es glänzte auf Tabor heller als die Sonne; und jetzt ist alle Farbe und Schönheit verschwunden und dieß darum, das mit ich dein göttliches Angesicht ewig schauen könnte. - Du bist aller Dinge, selbst deiner Kleider entblößt worden, damit ich mein Herz von aller unordentlichen Liebe und Ans hänglichkeit an irdische Güter entblößen und so ganz Dir nachfolgen, und mit dem Gewande der ewigen Herrlichkeit geschmückt würde. Du wurdest verspottet und verachtet, damit Du mich Elens den wieder zu Ehren bråchtest.. Du wurdest angeklagt, das mit ich an Dir einen Mittler erlangte. Du wurdest verurs theilt, um mich der ewigen Verdammniß zu entreißen; ges bunden, um mich von meinen Sündenfeffeln zu lösen; gegeis Belt, damit ich nicht mit den Verworfenen gepeinigt werden möchte. Deine Krone war von Dornen, auf daß einst eine unvers wellliche Krone auf meinem Haupte glänze, wenn ich anders hier die Dornenkrone der Leiden Dir geduldig nachtrage. Man führte Dich aus Jerusalem, um Dich zu freuzigen; dadurch sollte ich zurückgeführt werden in das himmlische Jes rufalem, um dort mich ewig zu freuen. Du trugest dein Kreuz, damit ich mich selbst verläugne, mein Kreuz trage, und Dir nachfolge. Sie hefteten Dich an's Kreuz, damit mir die Welt und ich ihr gekreuziget werde. Dein Leib wurde hoch über der Erde erhoben, damit sich mein Herz erhebe zum Himmlischen. In der bittersten Todesangst fühltest Du Dich von deinem Vater sogar verlassen, damit ich an Dir in allem Anliegen und im Tode einen allversuchten barmherzigen Hohens priester haben möchte. Dein Herz zerfloß in Mitleid gegen deine Mutter und den treuen Johannes, um mich Mitleid zu lehren. Du bathst für deine Kreuziger, damit ich meinen Beleidigern von Herzen vergebe, und Dir alles Gericht überlasse. Du vollbrach, test das Werk der Erlösung, um auch mir Verzeihung, Gnade und ewiges Leben zu erwerben. Du ließeft dein Herz durchstechen, damit dein Herzblut mich von dem ewigen Verderben befreyete, und das Wasser, das herausfloß, mich reinigte von allen Sünden. 17 258 V. Abschnitt. Du neigst dein Haupt, o Erbarmer! Neige es auch zu mir herab zum Zeichen deiner Liebe; mein Herz walle zu Dir auf, zum Zeichen meiner innigsten Gegenliebe. Ohne Dich- fann ich nicht leben; mit Dir sterben ist mein Gewinn. An deinem heiligen Grabe, o Du anbethungswürdigster Erlöser der Menschen! will auch ich den alten Menschen, und alle Liebe zur Sünde, und alle Lust am Bösen ertödten und begraben; Dir will ich,- o stárke meinen schwachen Willen mit deiner heiligs machenden Gnade, Dir will ich in meinem Herzen eine Wohnung bereiten, damit durch Dich der neue Mensch in mir erweckt werde, mit Dir vom Tode aufstehe, und im neuen les ben einer seligen Ewigkeit entgegen wandle. Amen. - V. Herr! erbarme Dich meiner, um der Versöhnung deines Sohnes willen. ( Nach dem heil. Augustin und heil. Anselm.) ,, Gott war in Christus, und verföhnte die Menschen mit sich, und vergab ihnen ihre Sünden.... Versöhnet euch daher mit Gott; denn er hat Denjenigen, der sich keiner Sünde bewußt war, für uns zum Sündenopfer gemacht, damit wir durch Ihn vor Gott gerecht würden." 2 Corinth. 5, 19-21. Allmächtiger Gett und Vater! Ich flehe zu Dir durch die Liebe, die dein allmächtiger Sohn zu Dir trågt, und die Du zu Ihm trågst; sich herab auf mich armen Sünder, und ers barme Dich meiner! das Köstlichste in deinen Augen, und das Herrlichste, was der Himmel und die Erde gesehen haben, bringe ich Dir in Demuth dar- deinen geliebten Sohn Je sus Christus, meinen Fürsprecher, meinen Vermittler zwischen Dir und mir, meinen Fürbitter, durch den ich Verzeihung zu erhalten hoffe. Vater! sieh huldvoll den Sohn, den Du erzeugt, und den Knecht, den Du erlöset hast. Schau hin auf den Erlöser, und stoße nicht von Dir seinen Erlösten! Umarme in deiner Liebe den Hirten, und schaue mit Barmherzigkeit auf das Schäflein, das Er Dir auf eigenen Schultern zutrug.( Luc. 15.) Dieser ist der getreue Hirt, der das lang verirrte Schaf auf schroffen Bergspitzen und gefährlichen Abgründen, in Thálern mit uns zähligen Mühseligkeiten aufsuchte, Es starb schon, und Erhocherfreut über das Gefundene schmiegte sich innig an dasselbe, wärmte es an seinem liebenden Herzen, hob es auf, da es schon dem Tode nahe war, umarmte es zärtlich, und trug das verlorne Eins zu den andern Neun und Neunzigen heim. - Faften Andachten. 259 Sieh, mein Herr und mein König! allmächtiger Gott! sich, der gute Hirt bringt zu Dir, was Du ihm anvertraut bast! Auf deinen Rathschluß hat Er es auf sich genommen, den Menschen zu erlösen, und Dir thn rein von aller Schuld durch seine Verdienste wieder zurück zu bringen!- Ja, dein geliebtester Sohn hat dein ferne verirrtes Geschöpf wieder mit Dir verföhnet. Er hat den treulofen Knecht wieder vor dein Angesicht zurück geführet, den das böse Gewissen flüchtig gemacht hatte, damit er durch die Versöhnung dieses treuen Hirten Verzeihung seiner Sünden erhalten, und, obwohl er die Hollenstrafe verdient hatte, wieder Vertrauen faffen konnte, durch so einen Geleitsmann auch noch in die Heimath des Himmels zu gelangen.... Heiliger Vater! um der unaussprechlichen Verdienste deis nes eingebornen Sohnes Jesus willen, erbarme Dich meiner, und verzeihe mir die Schuld meiner Sünden! Laß nun meine Gottlosigkeit durch seine Heiligkeit, meine Unbändigkeit durch seine Zucht, meinen Hochmuth durch seine Demuth, meinen Ungehorsam durch seinen Gehorsan versöhnet werden! Verleihe, daß ich statt meiner Hoffart seine Niedrigkeit, statt meiner Hartherzigkeit seine Güte, statt meiner Trägheit zum Guten seine Willigkeit, statt meiner Unrube feine Gelaffenheit, statt der Bitterfeit meines Herzens feinen süßen Frieden, statt meines Zornes feine Sanftmuth, und statt meiner Feindseligs feit feine Liebe mir erwerben, und durch treue Nachfolge einst von Ihm als sein Jünger anerkannt, und in deine Wohnun gen, o himmlischer Bater! eingeführt werden möge, durch denselben Jesus Christus, unsern Herrn! Amen. VI. Litaney vom heiligen Leiden und Sterben Jesus Christus. ( Siehe bey der Bethslunde in der Fasten S. 190.) 40. Charsamstag. Christus hat für uns gelitten zc. Gie giengen hin, befesten das Grab mit Wächtern, und versiegelten den Grabstein." Matth. 27, 66. Das war der Anschlag der Hölle: Satan wollte Jesus ermorden, und ihn in's Grab verschließen, daß Er da verwese, und sein Name vergessen werde auf Erden. Und dazu halfen die blinden, verstockten und boshaften Hohenpriester und Pharisäer. Aber was kann die Hölle, was kann die ganze Welt gegen Gott? Wer fann Gott bindern in Ausführung seines heiligen Willens? Es ist ein eitles 17* V. Abschnitt. thörichtes Unternehmen, sich Gott wiedersesen wollen. Denn der ges tödtete, in's Grab verschlossene Jesus geht frey hervor; der hätte verwesen sollen, lebt neu, himmlisch wirksam, und göttlich kraftvoll; der hätte vergessen werden sollen, wird gepredigt in der ganzen Welt, wird auch uns geprediget. O meine Seele! danke und bethe Gott an, daß sein Wort auch zu Dir gekommen! Schäße und ehre das Evangelium Jesus, welches auch dir verkündiget wird. Freue dich, daß auch dir gepredigt wird sein Tod, seine Auferstehung, sein Leben bey Gott, und die Erlösung und Seligkeit durch Ihn. Tausende hören nicht, was du vernimmst, und leben in der Welt, in Finsternis und Kummer, und gehen aus ihr ohne Trost. Sey aber nicht zus frieden, es zu hören und zu wissen; sondern lebe auch darnach. 260 - - O treuer Hirt meiner Seele! von ganzem Herzen will ich mit deiner Gnade dem Worte Gottes glauben; suchen und ergreifen will ich mein Heil in Dir, Jesus Christus! das Du auch mir anbietest, und mich dazu rufft und einladest. O zieh mich nach Dir, und erfülle ganz mein Herz, und lebe in mir, daß es dem Satan nicht gelinge, deine Gnade in mir zu tödten, und Dich aus memem Herzen auszuschlies ßen. Erhebe mich aus dem Tode der Sünde, und lebe und wirke fräftig in mir, daß ich durch meinen Wandel Dich verherrliche, und einst durch Dich und mit Dir ewig selig werde. Amen. Christus unser Ofterlamm ward für uns geopfert. Alleluja. Zur heiligen Messe. a) Feuerweihe. O Gott! der Du den Gläubigen durch deinen Sohn, als den Eckstein, das Feuer deiner Liebe mitgetheilt hast, heilige diefes aus Kieselsteinen neu entzündete Feuer zu unserm künf tigen Gebrauche und Nußen, und verleihe uns, daß wir durch diese Osterfeyer zu himmlischen Begierden entflammt werden, damit wir zum Feste der ewigen Klarheit mit reinem Gemü the gelangen mögen, durch denselben Jesus Christus, unfern Herrn! Amen. Herr, Gott, allmächtiger Vater! Du unerlöschliches Licht, der Du alle Lichter erschaffen haft; segne dieses Licht, welches von Dir geheiliget und geweihet ist, der Du die ganze Welt ers leuchtet hast, damit wir von diesem Lichte entzündet, und durch das Feuer deiner Klarheit erleuchtet werden, und, wie Du den Moses erleuchter hast, als er aus Egypten zog, so erleuchte auch Fasten, Andachten. 261 unsere Sinne, damit wir zum Lichte des ewigen Lebens koms men mögen, durch Christus, unfern Herrn! Amen. Das Licht Christus leuchte uns! Gott sey Dank. algilist dan b) Lobgefang zur feyerlichen Einweihung der Osterkerze. Frohlocket, ihr heiligen Engel! Frohlocket, ihr Chöre des. Himmels! Frohlocket, ihr hohen Geheimnisse Gettes! Tonet, ihr Posaunen des Friedens! ertönet im festlichen Klange! verkündet den erhabenen Triumph des siegreichen Königs! Freue dich, Erde! bestrahlet vom himmlischen Feuer, vom Lichtglanze des ewigen Königs umflossen! Freue dich, du wunderselige Welt, die Binde der Blindheit ist deinen stars ren Augen entfallen! Freue Dich, du Mutter der Frommen, du heilige Kirs dhe! Dir leuchtet die Flamme der göttlichen Wahrheit; dir strahlet die Hoffnung des ewigen Lebens! Lobsincet, the Bols ter, lobsinget dem Herrn, lobsinget mit fröhlichem Schalle!- Und tu, meine Seele- mache dich auf, und erflehe die Erbarmung der göttlichen Allmacht, damit Er, der mich aus unverdienter Huld in die Zahl feiner Gläubigen aufgenome men hat, mein Herz mit der ewigen Flamme seiner Liebe be rühre, und meinen schwachen Lobgefang zu seinem Ruhme belebe und vollende, durch Jesus Christus: c. O erlöfte, begnadigte Seele erhebe dich anbethend und dankend zu Gett, deinem Herrn, dem allmächtigen Vas ter, und zu seinem eingebornen Sohne, unserm Herrn Jes sus Christus! Bethe an, danke, preise Ihn aus ganzem Hers zen, aus ganzer Seele, und mit freudiger Stimme- Jhn, der Adams Schuld dem ewigen Vater für uns loset, und den Pfandbrief der alten Schande mit seinem Blute auslóschet. Denn dieß ist jene Osterfeyer, wo das wahre Getteslamm geschlachtet ward, mit dessen Blute die Herzen der Gläubigen gereiniget, und zum Bunde des ewigen Lebens eingeweihet sind. Dieß ist jene Nacht, in welcher die Feuers faule das Licht des Herrn den Weg der Finsterniß und des Todes beleuchtet. Dieß ist jene Nacht, in welcher Christus die Seinen auf dem ganzen Erdboden den Thorbeis ten der Welt und den Irrwegen der blinden Sünde entreißt. Dieß ist jene Nacht, die uns in das Reich der Gnade und der Heiligkeit zurücke führet! jene Nacht, in welcher Christus die - - 262 V. Abschnitt. Bande des Todes zernichtet, und vom Grabe als Sieger über die Hölle emporsteigt. Jetzt erst hat unser irdisches Leben Werth und Heiligkeit, weil wir erlöset und zum Erbe des ewigen Lebens durch Chris stus berufen sind. O wie wunderbar sind die Beweise deiner Erbarmung ge gen uns! O du unaussprechliche Liebe meines Gottes! Um den Knecht zu erlösen, giebst Du den Sohn hin zum schmáh lichsten Tode!- giebst seinen Leichnam bin in die Nacht des Grabes! Aber diese heiligen Glieder sollen die Verwesung nicht sehen! Christus ersteht neubelebt vom Grabe; die Nacht wird hell, wie der Tag. O diese heilige Auferstehungs, Nacht ist meine Leuchte auf dem Wege der Freuden. Sie hat den Wohnsitz des Lasters zerstöret! sie hat alle Flecken des Verderbens abgewaschen, alle Schuld verföhnet. Christus ist erstanden! dem gefallenen Sünder bietet Er Unschuld und Frieden; dem Bes drängten Trost und Freude. Verbannt sind nun Haß und Feindschaft. Liebe und Eintracht fehren zur versöhnten Erde zurück, und Christus jener himmlische Morgenstern, der nie untergeht, der aus der Nacht des Grabes erstanden ist winkt dem Menschengeschlecht nun freundlich entgegen, und leuchtet ihm voran auf der Bahn zum ewigen Leben. - - - - Durch Ihn unsern Heiland und Erlöser Jesus Chriftus fleben wir daher zu Dir, o Herr! führe, schirme und bes wahre uns, deine Diener, deine Priester, und das andächtige Velk. Gieb uns in diesen Tagen der Freude, in dieser fests lichen Oferzeit, gieb uns Ruhe und Frieden! Segne die apos stolischen Hirten, unsern Pabst, den heiligsten Vater N. N., und unfern Bischof N.; leite und erhalte sie unter deinem ewigen Schuße! Sieh auch gnädig herab auf deinen andách, tigen Verehrer, unsern König N.! Du kenneft, o Gott! Du fenneft feine fehnlichsten Wünsche. Die Fülle deiner nnermeß, lichen Gnade und Barmherzigkeit ströme auf ihn! Dein Fries de begleite ihn auf allen feinen Wegen! Verleihe ihm und seinem ganzen Volke den unvergänglichen Sieg deiner ewis gen Herrlichkeit, durch denselben Jesus Christus, deinen Sohn. Amen. Fasten Andachten. c) Die Taufweihe. ( Aus den Kirchengebethen.) So wie ein Hirsch nach frischen Quellen schmachtet, so schmachtet meine Seele, Gott! nach Dir." Psalm 41, 1. 265 Allmächtiger, ewiger Gott! sich gnädig herab auf die An. dacht deines zur Wiedergeburt berufenen Volkes, welches, wie ein Hirsch, nach der Quelle deines Wassers schmachtet, und verleihe, daß der Durst des Glaubens ihren Leib durch das Geheimniß der Taufe heilige. Allmächtiger, ewiger Gott! fteh uns bey, wenn wir die Geheimnisse deiner unendlichen Barmherzigkeit feyern, und deine Sacramente empfangen! Sende den Geist der Liebe und Gnade zur Freude der Völker, vorzüglich deiner neuen Kin der, welche Dir durch das Wasser der Taufe geboren werden, durch Jesus Christus. Erhebe dich, o mein Herz! zu Gott, und danke dem Herrn, denn es ist höchst billig und heilsam, daß wir ihn zu allen Zeiten und an allen Orten dankbar und würdig preisen. Heiliger Gott, allmächtiger Vater, ewiger Gott! der Du durch deine unsichtbare Allmacht die heilende Kraft deiner Sas cramente wunderbar ertheileft; Du entziehest, obwohl wir uns würdig sind, diese erhabenen Geheimnisse zu empfangen, uns doch die Gaben deiner Gnade nicht, und neigest dein Ohr güz tig zu uns, wenn wir unsere Hände zu Dir falten. O Gott! deffen Geist schon bey der ersten Schöpfung der Welt über dem Wasser schwebte, damit die Natur des Wassers schon damals jene Kraft der Heiligung empfangen sollte; o Gott! der Du die Sünden und Laster der Welt durch Wasser abwascheft, und die Wiedergeburt schon durch die allgemeine Sandfiuth bezeichnet hast, damit in der geheimnisvollen Bestimmung des nämlichen Elements das Lafter feinen Un tergang, die Tugend aber ihren Ursprung finden sollte;- fich, o Gott! fieh gnädig herab auf die Gebethe und Thränen deiner Kirche! Bewirke deine Wiedergeburt, vermehre Glaus ben, Hoffnung und Liebe in uns. Du erquickest deine heilige Gemeinde mit dem lebendigen Wasserstrome deiner Gnade, Du öffneft die Quellen der Taufe, um alle Völker auf dem ganzen weiten Erdboden zu erneuern, damit nach dem Gebote deiner Majestät die Gnade deines eingebornen Sohnes durch den heiligen Geist auf sie herabftröme. Belebe, o Geist des V. Abschnitt. 264 Herrn! belebe dieses Wasser, welches zur geistlichen Wieders geburt der Menschen geweihet wird, durch den Hauch deiner Gottheit, und befruchte es mit deiner unsichtbaren Kraft, das mit es durch deine Heiligung eine göttliche Quelle werde, welche die Menschen zu einem himmlischen Volke erhebe, und als Kinder und Erben der Gnade Alle vereinige. Deine Kraft, o heiliger Geist! ergieße sich über die Fülle dieses Wassers, und erhebe sie zu einer befruchtenden Quelle der Wiedergeburt! Hier soll die Schuld aller Sünder ausgelöschet werden. Hier soll die Natur, welche nach Got tes Ebenbild erschaffen ist, sich wieder zu ihrer ursprünglis chen hohen Bestimmung erschwingen, und Leben und Selig, feit soll aus diesem heiligen Sacramente auf alle Menschen herabströmen, damit sie zu einer neuen Kindheit, und zur wahren Unschuld wiedergeboren werden, durch Jesus Chris stus: c. - Litaney zu allen Heiligen Gottes. Herr, erbarme Dich unser! Christus, erbarme Dich unser! Herr, erbarme Dich unser! Christus, höre uns! Christus, erbore uns! Gott Vater von den Himmeln! Erbarme Dich unser! Gott Sohn, Erlöser der Welt! Erbarme Dich unser! Gott heiliger Geist! Erbarme Dich unser! Heilige Maria! Bitt für uns! Heilige Gottesgebábrerin, c. Heilige Jungfrau aller Jungfrauen, Heiliger Michael, Heiliger Gabriel, Heiliger Raphael, Alle heiligen Engel und Erzengel! Bittet für uns! Alle heiligen Chöre der feligen Geifter, Heiliger Johannes der Zäufer! Bitt für uns! Heiliger Jofeph, Alle hetligen Patriarchen und Propheten! Bittet für uns! Heiliger Petrus! Bitt für uns! Heiliger Paulus, Heiliger Andreas, Heiliger Jacobus, Heiliger Johannes, Heiliger Thomas, Heiliger Jacobus, Heiliger Philippus, heiliger Bartholomäus, Heiliger Matthäus, heiliger Simon! Bitt für uns! Heiliger Thaddäus, Heiliger Matthias, Heiliger Barnabas, Heiliger Lukas, Heiliger Markus, Fasten Andachten. Alle heiligen Apostel und Evangelisten! Bittet für uns! Alle heiligen unschuldigen Kinder, heiliger Stephanus! Bitt für uns! Heiliger Laurentius, heiliger Vincentius, Heiliger Fabianus und Sebastianus! Bittet für uns! Heiliger Cosmas und Damianus, Heiliger Gervasius und Protasius, Alle heiligen Märtyrer, Heiliger Sylvester! Bitt für uns! heiliger Gregorius, Heiliger Ambrosius, Heiliger Augustinus, Heiliger Hieronymus, heiliger Martinus, Heiliger Nikolaus, Alle heiligen Bischöfe und Bekenner! Bittet für uns! Alle beiligen Kirchenlehrer, Heiliger Antonius! Bitt für uns! Heiliger Benedictus, Heiliger Bernardus, Heiliger Dominikus, Heiliger Franciskus, Alle heiligen Priester und Leviten! Bittet für uns! Alle heiligen Mönche und Einsiedler, heilige Agnes, Heilige Cäcilia, Pisc Heilige Maria Magdalena! Bitt für uns! Heilige Agatha, Heilige Lucia, Heilige Katharina, Heilige Anastasia, Alle heiligen Jungfrauen und Wittfrauen! Bittet für uns! Alle Heilige und Heiliginnen Gottes, Sey uns gnädig, Verschone uns, o Herr! Sen uns gnädig, Erhöre uns, o Herr! Bon allem Uebel, Erlöse uns, o Herr! Bon aller Sünde, ic. 265 Ben deinem Zorn, Bon einem gåben, unversehenen Tode, Bon heimlichen Nachstellungen des Teufels, 266 V. Abschnitt. Von Zorn, Haß und allem bösen Willen! Erlöse uns, o Herr! Vem Geiste der Unkeuschheit, Vom Blitz und Ungewitter, Vom ewigen Lode, Durch das Geheimniß deiner heiligen Menschwerdung, Durch deine Zukunft, Durch deine Geburt, Durch deine Taufe und dein heiliges Fasten, Durch dein Kreuz und Leiden, Durch deinen Tod und Begräbniß, Durch deine heilige Auferstehung, Erlöse uns, o Herr! Durch deine wunderbare Himmelfahrt,*. Durch die Ankunft des heiligen Geistes, des Trösters, Am Tage des Gerichtes, Wir armen Sünder! Wir bitten Dich, erhöre uns! Daß Du uns verschonest, Daß Du uns verzeihest, Daß Du uns zur wahren Buße bekehren wolleft, Daß Du deine heilige Kirche erhalten und regieren wolleft, Daß Du den apostolischen Oberhirten und alle geistlichen Stans de in der heiligen Religion erhalten wollest, Daß Du die Feinde der heiligen Kirche erniedrigen wollest, Daß Du den driftlichen Königen und Fürsten Frieden und wahre Einigkeit verleihen wollest, Daß Du dem sämmtlichen christlichen Bolke Frieden und Eins tracht schenken wollest, Daß Du uns in deinem heiligen Dienste stärken und erhalten wollest, Daß Du unsere Gemüther zu himmlischen Begierden erhebeft, Daß Du alle unsere Guttbåter mit ewigen Gütern belohnest, Daß Du unsere und unserer Brüder, Freunde und Gutthäter Seelen von der ewigen Verdammniß befreyest, Daß Du die Früchte der Erde geben und erhalten wollest, Daß Du allen abgestorbenen Christgläubigen die ewige Ruhe verleihen wolleft, Daß Du uns erhören wollest, Du Sohn Gottes, O Du Lamm Gottes, welches ic. Herr, erbarme Dich unser! Christus, erbarme Dich unser! Herr, erbarme Dich unser! Gloria. Seele erlöfete, begnadigte Seele! Schwinge Dich Himmelan, und stimme mit begeisterter Liebe ein in den Lobgefang der englischen Heerschaaren. Ehre sey Gott in der Höhe. Und Friede auf Erden den Menschen, die eines guten Willens sind. Wir loben Dich, wir preis - Fasten Andachten. 267 sen Dich, wir bethen Dich an. Wir verherrlichen Dich, wir danken Dir wegen deiner großen Herrlichkeit! Herr, Gott, himmlischer König! Gott, Vater, Allmächtiger! Herr, eingeborner Sohn, Jesus Christus! Herr, Gott, Lamm Gottes, Sohn des Vaters! Der Du hinwegnimmst die Sünden der Welt, nimm unser Flehen an? Der Du sizest zur Rechten des Vaters, erbarme Dich unser! denn Du allein bist heilig. Du allein bist der höchste, Jesus Christus! mit dem heiligen Geiste in der Herrlichkeit Gottes des Vaters! Amen. W Kirchengebeth. Gott! der Du diese hochheilige Nacht durch die herrliche Auferstehung unsers Herrn, Jesus Christus, beleuchtest, erhalte in uns den heiligen Geist, welchen Du heute auf den neuen Sproffen deiner Gemeinde, die Kinder Gottes, ausgegossen bast; damit wir an Leib und Seele ers neuert, Dir mit reinem Herzen dienen mögen. Durch densels ben Jesus Christus. Amen. Ofter Ermahnung aus dem Briefe des heil. Apostel Paulus an die Christen zu Koloß 3, 1. Brüder! Seyd ihr nun mit Chriftus auferstanden, so suchet, was droben ist, wo Christus zur Rechten Gottes sißt! Strebet nach dem Himmlischen, und nicht nach dem Irdischen! Denn ihr seyd der Sünde gestorben, und euer Leben ist mit Chris ftus in Gott verborgen. Wenn aber Christus, euer Leben, ers scheinen wird, dann werdet auch ihr mit Ihm in der Herrs lichkeit erscheinen. Gott sey Dank! Alleluja! - Danket dem Herrn, denn Er ist freundlich, ewig währet feine Güte. Lobet den Herrn, ihr Völker alle! Preiset Ihn, alle Nationen! denn seine Güte waltet über uns, und feine Treue währet ewig. Evangelium unsers Herrn, Jesus Christus, nach der Erzählung des heiligen Evangelisten Matthäus 28, 1. Spát am Sabbath aber, als schon der erste Tag der Woche anbrach, kam Maria Magdalena, und die andere Maria, das Grab zu besuchen. Und sich, ein großes Erdbeben war entstan den. Denn der Engel des Herrn stieg vom Himmel herab, trat hinzu, wälzte den Stein weg, und setzte sich darauf. Sein Ans geficht aber glänzte wie der Blik, und fein Gewand war weiß, wie Schnee. Die Wächter aber erschracken aus Furcht vor ihm, und wurden wie todt. Der Engel aber antwortete, und sprach 268 V. Abschnitt. zu den Frauen: Fürchtet euch nicht; denn ich weiß, daß ihr Jesus, den Gekreuzigten suchet. Er ist nicht hier; denn Er ist auferstanden, wie Er gesagt hat. Kommet, und sehet den Ort, wo der Herr hingelegt war! Gehet, eilet, und faget. seinen Jüngern, daß Er von den Todten auferstanden ist; und Er geht vor euch her in Galiláa; dort werdet ihr Ihn sehen. Sehet! ich hab' es euch vorgesagt. Nach der Aufopferung. Herr! wir bitten Dich, nimm die Gebethe und Opfer: gaben deines Volkes an, damit sie durch die Geheimnisse der Osterfever eingeweihet, uns zum Heilmittel und zum ewigen Leben durch deine Gnade gedeihen; durch Jesus Christus u. Vor dem Sanctus. Erhebet eure Herzen zu Gott, und danket dem Herrn! denn es ist eine höchst billige und heilsame Pflicht, daß wir Dich, o Herr! zu allen Zeiten, besonders aber in dieser heil. Nacht, würdig loben und preisen; da Christus unser Osterlamm geschlachtet ward. Denn Er ist das wahre Lamm, welches die Sünden der Welt hin weggenommen hat; der die Herrschaft des Todes durch sein Sterben zerstörte; und den Sieg des Lebens durch seine Auferstehung befestigte. Daher besingen wir mit den Engeln und Erzengeln, mit den Thronen und Herr schaften des Himmels, mit allen Schaaren der seligen Geister deine Herrlichkeit, indem wir unaufhörlich mit ihnen rufen: Heilig! heilig! heilig zc. ( Wie beym Hochamte Seite 42. bis zum letzten Kirchengebeth.) Kirchengebeth. Herr! sende uns den Geist deiner Liebe, damit Alle, welche Du mit deinem Geheimnisse in dieser fest lichen Osterzeit gesättiget hast, durch deine Gnade in wahrer Eintracht vereiniget werden; durch Jesus Christus ac. ( Segen und Evang. Johann, wie beym Hochamte Seite 59.) Zur Auferstehungsfever unsers Herrn Jesus Christus. Betrachtung.( Nach dem heil. Ambrosius.) ,, llnser Wandel ist im Himmel." Phil. 3, 20. Göttlicher Erlöfer, Jesus Christus! was kann ich an deinem heiligen Grabe, aus welchem Du bey deiner Aufersichung Leben und Unsterblichkeit für uns gebracht hast, was kann ich Frucht, Fasten Andachten. bareres betrachten und erwägen, als die Seligkeit derjenigen, tie in Dir, o Herr, fterben! Segne diese Betrachtung mit deiner Gnade, damit mein Wandel hier schon im Himmel sey, den ich um deiner Verheißungen und Verdienste willen jenseits abwarte. Amen. 6 269 11 - Wer hienieden die Sünde verläßt, kommt dem Tode zuvor; er erhebt sich zu den Freuden der Ewigkeit, und wohnt schon jeht in jener himmlischen Höhe, auf welcher Paulus wandelte, da ihn das Leben noch auf Erden zurück hielt; denn sonst háts te er nicht sagen können: ,, Infer Wandel ist im Himmel!" Dort war sein Denken und Wandel der Seele, dort sein Sinn, für welchen der Leib zu enge, die Erde zu niedrig war. Die Wahrheit und Seligkeit, welche dort oben thronet, läßt sich mit dem leiblichen Auge nicht sehen, nicht fassen mit den Händen; die sichtbaren Güter gehören der Erde an, und sind vergänglich; die unsichtbaren Güter sind uns im Himmel aufs behalten, und erfreuen ewig. Darum ist es wohl besser, wir rich ten unsern Blick nicht auf das Bergängliche, sondern auf das Une sichtbare, das ewig befeliget. Unser Wandel sey im Himmel; und unsere höchste Sorge und unser eifrigstes Streben sey das zu suchen, was oben ist.... Das Leben des Menschen auf Erden, ist es nicht eitle Bersuchung? In Mühe und Verdruß, in Trug und Falschheit schleppet es sich dahin. Keine Festigkeit in den Gesinnungen, kein Bestehen in den Entschlüssen. In der Mühe des Tages wünschen wir uns die Ruhe der Nacht, und im Dunkel der Nacht sehnen wir uns nach der Helle des Tages. Une ser Brod wird mit Chránen bereitet, und unsere Speisen werden ( sehr oft) mit Seufzern genoffen. Dort rennen Zähren, hier drü den Schmerzen; dort beugt Furcht, hier verzehret Kummer; die Stürme des Lebens lassen nicht ruhen, die Mühseligkeiten gön nen kein Plätzchen zur Raft; oftmals stürmen Zorn und Wuth wie der rauhe Winter.- Wie sollte nun der Zod noch ein Ulebel ſeyn?- Er tilgt ja nicht unser eigentliches Leben, er tide tet nicht unsere Seele. Dieß unser Gut bleibt nach dem Tode, und wird erhöht durch Jesus, der die Auferstehung und das Leben ist. Die Seele entlastet vom sterblichen Leibe, kann dann um so freyer wirken. Wie gut ist also der Zod, der die Seele bes frent, der die Sünde aufhören macht?- Er ist ja nur Uebers gang von der Verwesung zur Unverweslichkeit, von der Sterb lichkeit zur Unsterblichkeit, von der Verwirrung zur Ruhe. Und — 270 V. Abschnitt. der fromme Weife fehnt sich ja nach der Rube, die ihn nach vieler Mühe in ihren Echroß legt; er sehnet sich nach dem Zustande, wo ihn kein Uebel mehr drückt, wo ihn keine Schrans ke mehr trennt, von seinem höchsten und liebenswürdigsten Gute..... O meine erlöfte Seele! fürchte also nicht den ersten Zed, den Tod deines Leibes. Du glaubst ja an Christus; und dieser Christus entriß dem leiblichen Tode seinen tödtlichen Stachel, als Er am Kreuze sein Haupt neigte und starb. Du glaubst an Christus; und dieser Christus benahm dem Grabe die Schrecken der Verwesung, als sein entfeelter Leichnam bes graben ward. Er Er der Sohn des lebendigen Gottes- brachte aus dem Tode das Leben, und aus dem Grabe die Auferstehung für Alle, die an Ihn glauben! Er, der Sieger Jesus Christus, verschlang den Tod in seinem Siege. Danke also, o meine Seele! danke deinem Gott, der uns den Sieg verliehen hat durch unsern Herrn Jesus Christus, und wandle muthig, wenn dir der Herr auch ein Kreuz auflegt, die schmas le steile Bahn, daß du durch die enge Pforte zum Leben eins geben mögeft. Auch Christus mußte durch Leiden und Kreuz in feine Herrlichkeit eingehen. Dein Wandel sey im Hims. mel. Dann wird der Tod ein Bote, und das Grab Eins gang zum Himmel werden. - — - - - - Vor dem zweyten- vor dem ewigen Tode aber fürchte dich, o meine Seele, und zittere; denn von diesem ist keine Auferstehung und kein Leben mehr zu hoffen; denn der Tod ist der Sünde Sold. - Meide daher die breite Straße der sinnlichen Begierlichs feit, und sollte sie auch mit den Rosen der Freude bestreut seyn, und den bösen Gelüsten des Fleisches noch so sehr schmeicheln; fie führt zum ewigen Verderben, und bereitet dem Sünder hier schon ein elendes Leben in beständiger Tos desfurcht; denn der Tod ist dem unbußfertigen Sünder ein Bote des göttlichen Strafgerichts, und das Grab eine Thüre zur Hölle. Wie der Tod also dem Gerechten ein Pfort zur Ruhe, so ist er dem Sünder ein Schiffbruch zum Verderben... - Jesus Christus, an den ich glaube!- Jesus Christus, den ich hier im allerheiligsten Altars- Sacramente anbethe! Jesus Christus, Du meine Auferstehung und mein Leben! höre und segne die frommen Gelübde, die ich Dir hier an deinem heil Grabe mit dankbarer Liebe darbringe: Mein Fasten Andachten. 271 Wandel sen im Himmel, und mein Leben verborgen in Gott! Nicht mehr ich), sondern Du, Jesus Christus! lebe forthin in mir. Ob ich zwar schon im Körper noch lebe, so lebe ich doch im Glauben des Sohnes Gottes, der mich geliebt, und sich selbst für mich hingegeben hat." ( Gal. 3, 20.) Und so freue ich mich dem Tode entgegen. Süß ist seine Ruhe, und der Herr weckt die Ruhenden auf. Er selbst ist die Auferstehung, und wie der Tod durch einen Menschen ,, tam, so kommt auch die Auferstehung durch Einen. Wie Alle durch „ Adam sterben, so werden Alle durch Christus wieder lebendig."( 1 Korinth. 15, 21.) Auf mein Geift, himmelwärts!- Eile- eile zum Les ben, und suche Den, der lebt und belebet; suche Ihn nicht im Grabe des Irdischen, sonst möchte auch dir gesagt werden: Warum suchet ihr den Lebendigen unter den Zodten? Er ist nicht hier, sondern auferstanden." Er selbst sagt es, wo Er hins gegangen ist, wo Er gesucht werden soll, und wo auch die Sets nigen einst hinkommen werden, bey seinem Vater und bey unserm Vater, bey seinem Gott und bey unserm Gott.( Joh. 20, 17.) Im Himmel sey mein Wandel!" da will ich den lebenden beim Lebenden, den Sohn beym Vater suchen; da seine Füße umfassen, und Ihn anbethen, damit auch ich von Ihm höre das tröstende Wort: Fürchte dich nicht!" ( Matth. 28, 5.) Fürchte dich nicht vor den Sünden dieser Zeit, nicht vor den Ungerechtigkeiten der Welt. Ich bin die Vergebung der Sünden. Fürchte dich nicht vor dem Tode; ich bin das Leben. Wer immer zu mir kommt, wird ewig nicht sehen den Tod; denn ich lebe, und du sollst auch leben. Jesus Christus! o Du die Auferstehung und das Leben! reinige, heilige, belebe Du mein Leben, damit mein Wandel hier und dort im Himmel sey. Amen. - Gebeth nach dem heil. Augustin. Jesus, mein huldreicher, unendlich gütiger Herr! Du hast Dich gewürdiget, wegen unserer Sünden zu ster: ben, und bist wegen unserer Rechtfertigung auferstanden. Ich bitte Dich durch deine glorreiche Auferstehung, wecke mich aus dem Grabe aller meiner Vergehungen und Sün den auf; reiche mir Armseligen deine liebevolle Hand, laß mich zu dir kommen, und durch Dich, lebendiges Himmels brod! erquicket werden, damit ich neue Kraft erhalte, auf den V. Abschnitt. Flügeln heiliger Sehnsucht erhoben, aus diesem Thränenthale zu deinem himmlischen Reiche mich zu erschwingen. 272 O wann werde ich Dich sehen im Lande der Lebendigen! denn in diesem Lande der Sterblichen kann Dich mein irdi: sches Auge nicht sehen. So lange wir uns in diesem Leibe aufhalten, sind wir von Dir weg, o Herr! verreiset: wir ha ben hier keine bleibente Stätte, sondern wir suchen die zu künftige auf, die in dem Himmel ist. Glücklich jene, deren einzige Hoffnung Du bist, o Herr! die, noch im hinfälligen Leibe eingeschlossen, in etwas deine Süßigkeit verkosten können. D! ich bitte Dich durch deine heilbringenden Wunden, die Du am Kreuze für unsere Rettung haft empfangen wol len, aus denen jenes kostbare Blut, der Preis unserer Er Issung, herausgeflossen ist, verwunde meine sündige Seele, für die Du aus Liebe gestorben bist; verwunde sie mit deiner feurigen, mächtigen Liebe, damit sie zu Dir sagen kann: ,, Ich bin aus Liebe zu Dir verwundet!" daß aus dieser se genvollen Wunde bey Tag und Nacht reichliche Thränen her vorquellen, aus Sehnsucht nach deinem herrlichen Anblick. Ich will in diesem Erdenleben keinen Trost annehmen, bis ich der Gnade gewürdiget werde, Dich, o meine Liebe, mein Gott und Herr, mein einziges Heil und Leben! in der Herrlichkeit zur Rechten des Vaters zu erblicken, und mit denen, welche Du Dir auserwählt hast, deine Majestät in Demuth anzubethen. Dann will ich voll unaussprechlicher, ewiger Himmels wonne mit Allem, die Dich lieben, ausrufen: ,, Preiſet mit mir die Erbarmungen des Herrn! Ich sehe, habe und besihe den Gegenstand meines Verlangens, meiner Hoffnung und Sehnsucht. Ich bin mit Dem vereiniget, an Den ich auf Erden geglaubt, Den ich geliebt habe. Ich lobe, preise und bethe an meinen. Gott, der da lebet und herrschet von Ewigkeit zu Ewigkeit!" Amen. Psalm 144. Mein Gott und König! Dich will ich erheben, und deinen Namen ewig preisen. Täglich preise ich Dich, und lobe deinen Namen ewig. Groß ist der Ewige und unerforschlich seine Größe! Ein Geschlecht rühmt dem andern deine Werke und macht deine Allmacht kund. Die Pracht und Schönheit deiner Majestät und Fasten. Andachten. 273 deine Bunderthaten will ich singen. Alles spricht von Ehre furcht deiner Allmacht, auch ich will deine Herrlichkeit verkume den. Alles singt ein Denkmal deiner großen Güte, und rühmt deine Allgerechtigkeit. Alligütig, allbarmherzig ist der Herr, langmüthig und von großer Güte. Allen ist der Herr wohls thätig, und erbarmet sich aller seiner Werke. Herr! Dir dans ten deine Werke alle; Dir bebencdeyen deine Heiligen. Sie besingen deines Reiches Majestát und bewundern deine Alls macht. Sie verkünden den Menschen deine Allmacht, die Weisheit und Schönheit deines Reiches. Dein Reich ist ewig, und deine Herrschaft währet für und für. Der Herr ist treu in seinen Versprechen und heilig in allen seinen Thaten. Die Fallenden erhält der Herr, und die Gebeugten richtet Er auf. Aller Augen sehen zu Dir auf, und Du giebst ihnen Speise zur rechten Zeit; Aumilde öffnest Du deine Hand, und sättigest was lebt mit Wohithun. Auf allen seinen Wes gen ist der Herr gerecht, in allen seinen Zhaten heilig. Der Herr ist nahe Allen, die ihn rufen, Allen, die aufrichtig Ihn anrufen. Er thut, was Gottesfürchtigen frommt, erhört ihr Flehen und rettet sie. Er schüßet Alle, die Ihn lieben, und rottet alle Frevler aus. Mein Mund soll das Lob des Ewis gen singen, und alles Fleisch lobinge seiner Herrlichkeit ims mer und ewiz. Ehre sey dem Vater, dem Sohne, und dem heiligen Geiste! Von allen Menschen, jetzt, und zu allen Zeiten und in Ewigkeit. Amen. Pfalm 145. Den Ewigen lobe meine Seele! Ich lobe meinen Gott so lang' ich lebe. Mein Saitenspiel ertönt dem Ewigen, so lang' ich bin. Bertraut nicht auf Fürsten, nicht auf ein Menschens find, das wenig helfen kann. fehrt er wieder hin zu seiner Erde. Aus ist es mit seinen weis Der Geist verläßt ihn, dann sen Entwürfen. Wohl dem, der Jakobs Gott zur Hülfe hat; der auf den Herrn seinen Gott vertraut. Er hat Himmel und Erde und Meer, und Alles, was in ihnen ist, erschaffen. Er balt seine Treue und Wahrheit ewig, und verschafft den Un terdrückten Recht. Er giebt Speise den Hungrigen! Er der Ewige loset die Gebundenen. Der Ewige macht Blinde fes bend; der Ewige richtet die Gebeugten auf. Der Ewige liebt gerechte Männer; der Ewige schüßt die Fremdlinge! Er nimmt die Wittwen und die Waisen auf; und führt auf krummen Pfad die Frevler. Der Herr regieret eriglich; ewig regieret dein Gott, o Zion! Ehre sey dem Vater und dem Sohne, und dem heiligen Geiſte. Bon allen Menschen, jetzt, und zu allen Zeiten und in alle Ewigkeit. Amen. isd - Herr, erbarme Dich unser! Christus erbarme Dich unser! Herr, erbarme Dich unser! Himmel und Erde freuen sich der Auferstehung unsere Herrn Jes fus Christus. Alleluja! Herr, erhöre mein Gebeth, und laß mein Rufen zu Dir dringen. 18 274 V. Abschnitt. Faften Andachten. Gebeth. S Guter Hirt! sieh mit Wohlgefallen auf deine Heerde herab, die Du mit deinem kostbaren Blute erlöset haft! Rette deine Schafe von den Verfolgungen und von der Macht des Verderbens; der Du mit Gott dem Vater und mit dem heil. Geiste lebest und regierest von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Erstes Responsorium. Erstanden ist der gute Hirt, der sein Leben für seine Schafe gab, und für das Heil seiner Heerde sterben wollte! Alleluja. Christus, unser Osterlamm ward für uns geopfert, Alleluja! Ehre sey dem Vater und dem Sohne und dem heiligen Geiste! Alleluja! Zweytes Responsorium. Erhebet, ihr Thore, das Haupt! Erweitert die ewigen Pforten! und lasset Ihn einziehen, den König der Herrlichkeit! Wer ist der König der Herrlichkeit? Der Herr! Denn Er ist mächtig und siegreich; der Herr ist siegreich im Streite. Drittes Responsorium. Als der Sabbath verflossen war, kauften Maria Magdalena, Maria die Mutter Jakobs und Salome, Specereyen, und sie giengen hin, den Leichnam Jesus zu falben. Alleluja! Und am ersten Tage der Woche kamen sie sehr früh zum Grabe, da die Sonne aufging, um den Leichnam zu falben. Alleluja! Ehre sey dem Vater und dem Sob ne und dem heiligen Geiste! Alleluja! Antiphone. Scht, Christus, unser Osterlamm, durch den uns Heil und Segen Fam! Gefesselt ist durch deine Macht der Tod, die Hölle und die Nacht. Gelobet feyst Du, Jesus Christ', der Du vom Grab erstanden bist! Dir, heilige Dreveinigkeit, sey Lob und Preis in Ewigkeit. Amen. Der Herr ist vom Grabe erstanden, der für uns am Holze des Kreuzes starb! Alleluja.. Ind 6 Gebeth. O Gott! der Du uns durch die Aufer: stehung unsers Herrn Jesus Christus, und durch die jährliche Osterfeyer erfreuest; verleihe gnädig, daß wir durch die Vermittlung des heiligen Geheimnisses, wel ches wir festlich begehen, zu den ewigen Freuden gelan gen, durch denselben Jesus Christus deinen Sohn, unsern Herrn, der mit Dir lebt und regieret in Einigkeit des heiligen Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.si hins wall not mains histpion lo dig Botuning 209149.50 275 Sechster Abschnitt. Andachtsübungen für die heilige Osterund Pfingstzeit. decins Osterfonntag. Morgen. Empfindungen. Hly Der Herr ist vom Grabe erstanden, Alleluja! der für uns am Holze des Kreuzes starb! Alleluja! ,, Er ist auferstanden." Matth. 28, 6. Alleluja! Jesus lebt! Es ist der herrlichste und glücklichste von allen Tagen angebrochen, die je gewesen sind; Alleluja! Die Sünde ist getilget; die Hölle und der Tod besiegt; Alleluja! Jesus erscheint im Triumphe; Er läßt seine Macht zur Beschämung aller seiner Feinde erscheinen; Alleluja! Er hat den Tod im Tode besiegt. Der lebendige Tempel der Gottheit, den die Grausamkeit der Juden zerstöret, ist wieder aufgebaut. Alleluja! der göttliche, vom Himmel gekommene Lehrer, hat seiner heiligen Lehre das legte Siegel der Wahrheit aufgedrückt. Alleluja! Die Seele des Gottmenschen ist aus der Vorhölle zurückkommen, in der sie die Båter getröstet mit der nahen Erlösung. Alleluja! Der heilige Leichnam ist wieder beseelt; Er hat sich von den Banden des Todes befreyet, und das Grab verlaſsen. Alleluja! Und als Siegeszeichen prangen nun am verklärten Leibe die unlängst so schmählichen Wunden. Alleluja! Erstanden ist der Herr! Der Fels erbebte; ein Engel vom Himmel wälzte den Stein von der Deffnung, und die Wächter waren vor Schrecken wie todt. Alleluja! Das Grab ist leer. Nur das Schweißtuch und die übrigen Leintücher finden sich noch darin. Erstanden ist der Herr. Alleluja! Jesus hat sein glorreiches Leben angetreten, an dem auch wir einst, nach unserer Auferstehung Theil nehmen werden; wenn wir hier Theil nehmen an der Schmach seines Kreuzes. Alleluja! 18 * VI. Abschnitt. Andachten Betrachte aufmerksam diese Wunder, meine Seele! die für dich eine Quelle des Lebens, der Gnade und himmlischer Se ligkeit sind. Ueberlaß dich einer heiligen Freude, und wünsche Jesus, deinem Heilande, Glück zum neuen Leben, und zu dem doppelten Siege, den Er über den geistlichen und leiblichen Tod davon getragen hat. Geselle dich heute zu den frommen Frauen, die Jesus im Grabe suchen; frage mit ihnen den En gel des Herrn, und höre es aus seinem Munde: ,, Er ist auf erstanden, und nicht mehr hier." 276 Sieh, so hat sich die Schmach in Ehre verwandelt. So hat sein Lod das Leben bewirkt. Das Kreuz ist nun der herrliche Scepter Deffen, dem alle Gewalt im Himmel und auf Erde gegeben ist; die Schädelstätte ist zum Schaus plage der Ehre, das Grab zum herrlichen Siegesmale, und der trauernde Leichenzug zum festlichsten aller Triumphe ges worden. Verstorbene Heilige erstehen zum Leben, um die Auferstehung des Ersten unter den lebenden zu feyern. Die zerstreuten Apostel sammeln sich wieder, und werden mir Ers scheinungen beglückt. Die verhärteten Juden gerathen in Un ruhe. Die Teufel zittern; denn ihr Reich ist zerstört. Die Engel Gottes frohlocken; denn die Erlösung der Menschen ist vollendet. Nadu Sollte wohl, nach diesem Trieumphe Jesus über Tod und Hille, der Zod noch schreckbar seyn für den Christen?- Nein! der Gerechte stirbt nicht. Um Ziele seiner Wanders schaft legt er die irdische Hülle ab, und geht zu einem bes sern, unsterblichen Leben über, an dem auch einst sein Leib, der unterdessen im Frieden schlummert, durch Gottes Stims me aufgewecket, Antheil nehmen wird. Wenn der Tod des Gottlosen eine wahre Strafe für seine Sünden ist, weil er ihn in den Abgrund des Verderbens stürzt, so ist jener des Gerechten ein feliger Uebergang in's ewige, felige Leben, wel ches uns Jesus Christus durch seinen Tod und seine Aufer. fiehung erworben hat, der angebethet, gelobet und gepriesen sey ewiglich. Wo ist nun, Tod, dein Stachel hin?- Soll ich vor dir noch beben? Nein, Christus ist mein Leben, und sterben ist für mich Gewinn. Dieß ist der Tag, den Gott gemacht hat! Lasset uns heus te frohlocken und fröhlich seyn! Kirchengebeth. Gott! der Du der Welt durch das Ofterfest die Mittel zur Seligkeit verliehen haft; wir bitten Dich, segne dein Volk mit himmlischen Gaben, damit es zur vollkommenen Freyheit der Kinder Gottes, und zum ewigen Leben gelangen möge, durch Jesus Christus, deinen Sohn, unsern Herrn. Amen. Erstanden ist der gute Hirt, der sein Leben für seine Schafe gab, und für das Heil seiner Heerde fierben wollte. Alleluja!- Vater unfer c. für das heilige Ofterfest. Zur Wafferweihe. Von Ostern bis Pfingsten. Aus Gottes Tempel fließt ein Strom, der sich ergießt durch's Heiligtbum, mit süßem Schall, lebendig rein, wie Kris stall. Alleluja! An ihm stehn Lebensbáum', und blüh'n für Alle, die der Welt entflieh'n. Er tránkt die Schmachtenden, Er labt die Fliehenden. Alleluja! 277 Psalm 117. Danket dem Herrn; denn Er ist freundlich: Ewig währet seine Güte! Ehre sey dem Vater, dem Sohne, und dem heiligen Geiste! Ehre sey Dir, Alimächtiger, Ewiger, Gott, von allen Menschen, und zu allen Zeiten! Amen. Aus Gottes Tempel fließt u. f. w.( Wie oben b. z. Psalm.) Herr fegne uns aus der Fülle deiner Barmherzigkeit, und aieb uns das Heil deiner Gnade. Alleluja! Herr, erhöre mein Gebeth, und laß mein Rufen zu Dir dringen! Erhöre uns, o Herr! heiliger, allmächtiger Vater, ewiger Gott! und sende deinen heiligen Engel vom Himmel, der alle Bes webner deiner christlichen Gemeinde, erhalte, bewahre, schirme, erleuchte und schüße, durch Jesus Christus, unsern Herrn. Amen. Meßandacht von Ostern bis Himmelfahrt. Vorbereitungs. Gebeth. Christus ist vom Tode auferstanden! Uebers wunden hat der Liwe vom Stamme Juda. Nun ist der alten Schlange der Kopf zertreten. Dank sey dafür dem Föchsten, der uns den Sieg gegeben bat.- Tod, wo ist jest dein Stachel? Hölle, wo ist dein Sieg? Christus hat dem Tode die Macht genommen, und das unvergångliche Leben an's Licht gebracht. Auferstandener, Geber der Un sterblichkeit, Verherrlicher der Menschheit! Du warst todt, und nun lebst Du von Ewigkeit zu Ewigkeit, und hast die Schlüssel des Todes und der Hölle. Gott hat nicht zuz g'geben, daß peine verehrungswürdigste Menschheit die Verwesung erfahre, sondern Er hat ihr die herrliche Auferstebung ertheilet. Alleluja! Jest weiß ich es gewiß, wenn ich der traurigen Erbschaft Adams, der Sünde, absterbe, und an Dich, die Auferstehung und das Leben, glaube, so werde ich unsterblich durch Dich, Jesus Chris stus. Alleluja! Deine Auferstehung, o Du allmächtiger Todtenerwecker, ist das Siegel auch meiner Auferstehung; denn Du selbst haft das Lebenswort ausgespros chen: Ich bin die Auferstehung und das Leben; wer an mich glaubt, der wird leben, wenn er auch schon gestorben - 278 VI. Abschnitt. Andachten ist. Und jeder, ber lebt, und an mich glaubt, der wird ewig nicht sterben." Alleluja! Dein Leben, o Du verherr. lichtes Haupt der Menschheit! ist auch mein Leben; denn Du selbst hast uns ja die Verheißung gemacht:„ Ich lebe, und auch ihr sollet leben." Alleluja! Mit allen Engeln, Heiligen und Auserwählten bethe ich Dich in der Herrlichkeit deiner Auferstehung an, zu deren würdigen Verehrung die Kirche heute Dir, und Deinem Vater, und dem heiligen Geiste das Lob- und Dankopfer darbringt. Reiche mir deine Rechte, und führe mich aus dem Grabe meiner Lauigkeit, worin meine Seele so lange schlummert, heraus, erwecke mich zu einem neuen frommen Leben, reinige und heilige mein Herz, damit es durch deine Verdienste und die Fürbitte aller lieben Heiligen ein wohlgefälliges Opfer werde, das ich dem himmlischen Vater jest mit den Gaben des Priesters auf deinen heiligen Altar niederlege. Eingang. Ich bin erstanden und bleibe noch bey Dir. Alleluja! Du haft deine Hand auf mich gelegt! Wunderbar ist dein Wiffen! Alleluja!- Herr! Du erforschest mich, und tenneft mich, ich sige, oder stehe auf; Dir ist es bekannt. Ehre sey dem Vater 2c. Ich bin erstanden: c.( Wie oben.) Herr, erbarme Dich unser! Christe, erbarme Dich unser! Herr, erbarme Dich unser! 4 1 Gloria( wie oben Seite 52.) Gebeth. Gott! der Du an dem heutigen Tage durch deinen eingebornen Sohn den Tod besieget, und uns den Eingang zur ewigen Seligkeit geöffnet haft; befördere und erfülle durch deinen allmächtigen Beystand die frommen Wünsche, welche deine Gnade in uns erwecket und belebet, durch denselben Jesus Chri stus, deinen Sohn, unsern Herrn 2c. Epistel. 1. Brief Paul. Korinth. 5, 7. Brüder! schaffet den alten Sauerteig fort, und werdet ein neuer Teig, was ihr bereits seyn solltet, da unser Osterlamm, Chriftus, für uns geschlachtet ist. Lasset uns also unser Osterfest nicht bey dem Sauerteige der Bosheit und des Lasters, sondern bey dem Süßteige der Aufrichtigkeit und Wahrheit fevern. Gradua Ie. Dieß ist der Tag, den Gott gemacht hat! Laffet uns heute frohlecken und fröhlich seyn! Danket dem Herrn. Denn Er ist freundlich, und ewig währet seine Güte. Alleluja! Chris ftus unser Ofterlamm ist geschlachtet. für das heilige Osterfest. Sequenz. 1. Singt dem Herrn! singt frohe Psalmen! Jesus Chriftus bat gesiegt! Singt dem Retter! singt dem Lamme; das für uns geopfert ist! 279 - 2. Blutend sank sein Haupt am Kreuze, blutend in des Todes Nacht! Blutend starb Er, der Versöhner, für die Sün den aller Welt! 3. Furchtbar ringen Tod und Leben! wunderbar ist Todes. fampf. Siegreich herrscht der Fürst des Lebens; lebend steigt Er aus dem Grab. 4. Bey den Todten Ihn zu finden, gieng Maria weinend hin. Weine nicht! Er ist erstanden; wie Er uns verheißen hat. 5. Rede, was hast du gesehen?- Sabst Du nicht das leere Grab? Sahst du nicht die Engel Gottes, nicht den Glanz der Herrlichkeit?- 6. Nicht das Grabtuch, nicht die Zeugen deffen, der erstans den ist? Geht Er nicht in Galiláa freundlich vor den Jün gern ber? 7. Auferstanden, auferstanden ist der Herr von Tod und Grab. Nacht und Hölle sind entwaffnet, wie Er uns verheißen hat.- 8. D Du Quelle alles Lebens, Sieger über Tod und Grab; unfre Hoffnung, unser König, Herr, erbarm Dich über uns! - Amen. Alleluja!- Evangelium unsers Herrn Jesus Christus, nach der Erzählung des heil. Evangelisten Markus 16, 1. In derselben Zeit kauften Maria Magdalena, Maria, die Mutter Jakobs, und Salome Specereyen, und giengen hin, den Leichnam Jesus zu falben. Sie tamen den ersten Tag nach dem Sabbat in der Frübe, da die Sonne aufging, zum Grabe und sprachen unter einander: Wer wird uns aber den Stein von der Deffnung des Grabes wegwälzen? Indeffen, da sie hinsaben, wurden sie gewahr, daß der Stein schon weggewälzt wire; er war sehr groß. Sie gingen also in das Grab binein, um faben einen Jüngling in einem langen weißen Kleide sitzen. Darüber entsetzten sie sich. Er aber sprach zu ihnen: Fürch tet euch nicht! Jbr suchet Jesus von Nazareth, den Gekreus igten. Er ist auferstanden und ist nicht hier. Sehet da den Ort, wo sie Ihn hingelegt hatten. Gehet aber hin, faget es ſeinen Jüngern, und dem Petrus: Er werde euch nach Galis láa voran gehen; dort werdet ihr Ihn sehen, wie Er euch gefagt hat. Lob und Ehre sey Dir, Jesus Christus! Credo. Ich glaube an Gott Vater u. s. w. Offertorium. Die Erde bebt, und schweigt. Gott erhebt sich zum Gerichte. Alleluja! Heiliger Bater, allmächtiger, ewiger Gott! 2c. ( Seite 54. bis zur Präfation Seite 55.) Herr! wir bitten Dich; nimm die Gebethe und die VI. Abschnitt. Andachten Opfergaben deines Beltes gnädig an, damit sie durch die Geheimnisse dieser hohen Osterfeyer geheiliget werden, und durch deine Mitwirkung uns zum Heilmittel der ewigen Seligkeit gedehen, durch Jesus Christus, deinen Cohn, unsern Herrn 2c. 280 Práfation. Mit diesen Opfergaben erheben wir nun auch unsere Herzen zu Gott, und danken dem Herr; denn es ist eine höchst billige und heilsame Pflicht, daß wir Dich, o Herr! zu allen Zeiten, vorzüglich aber an diesem festlichen Tage, würdig loben, preisen und verherrlichen, da Christus, unser Osterlamm, für uns geopfert ward. Denn Er ist des wahre Lamm, welches die Sünden der. Welt hinwegnahm; der die Herrschaft des Todes durch sein Eterben zerstörte, und den Sieg des Lebens durch seine Auf erstebung befestigte. Daher besingen wir mit den Engeln und Erzengeln, mit den Thronen und Herrschaften des immels, mit allen Schaaren der seligen Geister den Ruhm deiner Herrlichkeit, indem wir unaufhörlich mit ihnen rus fen: Heilig! heilig! heilig ist der Herr, der Gott der Heerschaaren! Himmel und Erde sind deiner Herrlichkeit voll! Hosanna in der Höhe! Hochgelobt sey der da kömmt im Namen des Herrn! Heil Dir in der Höhe! Verder Wandlung. Wie oben S. 55 bis S. 58. Schlußgebeth. Herr! sende uns den Geist deiner Liebe, damit Alle, welche Du mit deinem heiligen Sa cramente in dieser festlichen Osterzeit gesättiget hast, durch deine Gnade in wahrer Eintracht vereiniget wer den, durch Jesus Christus ic.. Die Aufopferung und das letzte Evangelium wie oben E. 59. Bethstunde für die heilige Osterzeit. I. Eingang. Und dem Der Herr ist wahrhaft auferstanden! Alleluja. Simon( Petrus) erschienen! Alleluja. Herr! öffue meine Lips pen, und mein Mund wird dein Lob verkünden. Mein Gott, hilf mir bethen! Eile, Herr, mir beyzustehen! Ehre sey dem Vater. Dieß ist der Tag, den Gott gemacht! Lasset uns heute froh, locken und fröhlich seyn! Alleluja. Pfalm 94. 1. Kommt! laßt uns dem Ewigen jauchzen, frohlocken uns für das heilige Osterfest. 281 ferm Herrn und Retter, mit Danksagung vor Ihm erscheis nen, beym Saitenspiel Jhm laut frohlocken! Dieß ist der Tag ic.( wie oben.) 2. Der Ewige ist ein großer Gett! ein großer König über alle Götter. Der Erden Schäße sind in seiner Hand, der Berge Gipfel sind sein. Alleluja. 3. Sein ist das Meer, Er. schuf Es, das Trockene ist seiner Hánde Werk. Anbethen laßt uns, niederfallen, hinknieen, vor dem Herrn, unserm Schöpfer! Er ist unser Gott; wir sind sein Volk, Schafe seiner Heerde. Dieß ist der Tag c. 4. Noch heute, wenn ihr feine Stimme höret, verstockt nicht eure Herzen, wie am Tage der Versuchung in der Wüste, da eure Väter mich versuchten, mich prüften, obschon sie meis ne Thaten fahen. Alleluja. 5. Vierzig Jahre warnte ich dieß Geschlecht, und sprach: es ist ein hartsinnig Bolk, will meine Wege nicht erkennen. In meinem Zorne schwur ich da: nie gehen sie in meine Rus he ein. Dieß ist der Tag 2. 6. Ehre sey dem Vater c. Dieß ist der. Tag c. II. ob gesang. 1. Auferstanden, auferstanden bist Du, Herr! der uns vers föhnt! Dich hat nach des Todes Banden Gott mit Herrlichs feit gefront; deine Leiden Dir vergelten und beschämt der Feinde Schaar, die Dich, Herr! vertilgen wollten, Dich- der seyn wird, ist und war. - 2. Deine Freunde, Jünger, Brüder, Alle sah'n lebendig Dich. Sie berührten deine Glieder, deine Wunden, freuten sich, fonnten keine Worte finden, keinen Namen ihrer Freud'; und ihr Schauer ward Empfinden, ihr Empfinden Seligkeit. 3. O wie freuen sich die Deinen, Jesus! deines Lebens einst, wenn Du ihnen, die jetzt weinen, berrlich, brüderlich erscheinst; wenn Du sie dem Grab entreißest, wenn sie Dir zur Rechten steh'n, Du sie deine Brüder heißest, sie Dich nah', und ewig seh'n. 4. Jesus! diese hohe Freude, Dich zu sehen, wünsch' ich mir. Was ist Alles, was ich leide, wenn ich einft, erweckt von Dir, mich kann Himmelan erheben, Dich zu preifen ewiglich?- Ach! zu jenem bessern Leben führe, mein Erlöfer, mich! - III. Wer ist der König der Herrlichkeit? 1) ,, Deffnet cure Thore, ihr Fürsten! Erweitert euch, ihr ewigen Pforten, laffet Ihn einzieben, den König der Herrlichkeit. Wer ist dieser König der Herrlichkeit?"- Psalm 23. Ich bin der Erste und der Leste." Offenb. Joh. 1, 17. So groß, so unermeßlich, so göttlich erhaben ist Jefus Christus, der vor achtzehnhundert Jahren als ein kleines, 282 V. Abschnitt. Andachten za tes, dürftiges Kind in einer Krippe zu Bethlehem lag- der vor dem Mordschwert eines versunkenen Wohllüsilings nach Egypten auf dem Arme der Mutter entfloh- der dreyßig Jahre still und ungekannt in einer klemen Hütte eines Fleinen verachs teten Städtleins lebte, und im Schweiße seines Angesichtes sein Brod gewann, der drey Jahre mit verachteten Zöllnern und Fischern herumzog, und nicht hatte, da Er sein Haupt hinlegte; der als ein llebelthäter gefangen genommen, gebunden, vor Ges richt gestellt, falsch verklagt, und unschuldig zum Tode ver urtheilet, gegeißelt, mit Dörnern gekrönt, durch Jerusalems Gaffen hingeschleppt, auf Golgatha zwischen zwey Mördern gekreuziget, aufs bitterlichste verhöhn't, von Gott und Mens schen verlassen- sein Haupt neigte, und starb.- Dieser bis zum Kreuztode gehorsame Sohn- ist der Erste und der Lette;-vor Allem ist Er, und Alles besteht, Alles lebt und webet nur in Ihm, was im Himmel und auf Erde ist. Sichtbares und Unsichtbares, Thronen, Herrschaf ten, Fürstenthümer, Gewalten- Alles ist durch Ihn, ohne Ihn ist nicht Eines geschaffen von Allem, was geschaffen wor den ist. Ihm haben alle Wesen, vom ersten Engel am Thro ne Gottes, bis zum Wurme, bis zum letzten Stäubchen, auf welchem der Wurm friecht, ihr Daseyn zu danken; Er trägt Alles mit seinem kräftigen Worte; die ganze Fülle der Gotts heit wohnt in Ihm.- Und wenn Alles veraltet, wie ein Kleid, und verwandelt wird, wenn die Erde vergeht, deren Grund Er von Anbeginn gelegt; und die Himmel zusammenfallen, die feine Hand gebildet, Er bleibet, der Er ist, sein Thron steht Ewigkeiten feft, feiner Jahre ist keine Babl gestern, heute und ewig derselbe Jesus Chris stus in jeglichem Sinne der Erste und der Leßte. - - — - Welche Liebe, welche Erbarmung des himmlischen Baters- daß Er diesen Ersten und Legten, diesen Einzigen, Unvergleichbaren, für eine Welt voll Sünder und Todes- Sclaven dahingab in solche Trübfal, solche Schande, selch bittern Tod!- wie nahe, wie unendlich theuer müs sen wir seinem Vaterherzen seyn! Zu welch' einem seligen Leben, zu welch' einer Herrlichkeit muß Er uns erheben wol len! Kann irgend eine Macht mich von dieser ewigen Liebe scheiden? Kann irgend etwas zu groß, und zu theuer seyn, was ich nicht mit der kühnsten Zuversicht von dieser Liebe erbitten, und erwarten dürfte? Da uns der Bater seinen Sohn gegeben, sollte Er uns durch Ihn nicht auch jede andere Gabe geben wollen? Und wenn Er, dieser Erste und Lehte, für mich ist, wer kann denn wider mich seyn! Wenn Er mich liebet, - für das heil. Ofterfest. 283 wenn Er mein Freund ist, wenn Er mich retten, mich erfreuen, beseligen will, was fanns schaden, wenn auch alle Welt mich haßte und mich elend machen wollte?!- O meine Seele! verzage also in keinem Leiden deiner Tage, laß in keiner Dunkelheit, in keinem Mangel, in keinem Gedränge den Muth sinken! Wenn alle Fluthen der Trübsal auf dich einstürmen wenn alle Kräfte der Bosheit sich zu deinem Untergange zusamfürchte dich nicht! der Erste und der Lezte, ist dein Heil und dein Schuß, sein Arm rettet dich aus der Tiefe der Trübfal, seine Hand führet dich auf ebener Bahn, seine Liebe nimmt dir alle Mühseligkeiten und Beladenheit ab, giebt dir Ruhe, Friede und Seligkeit. menrotten Jesus Christus O wie gut ist's, dem Herrn sich anvertrauen, und fromm auf seinen Wegen wandeln! - - 2) ,, Deffnet eure Thore, ihr Fürsten, erweitert euch, ihr ewigen Pforten! Laffet einziehen den König der Herrlichkeit! Wer ist dies fer König der Herrlichkeit?"- Psalm 23. - Ich war todt und siehe, ich bin lebendig von Ewigteit zu Ewigkeit!" Offenb. Joh. 1, 17. Jesus war todt. Er hatte die Macht, sein Leben hinzuges ben, keine Gewalt fonnte es ihm nehmen; Er gab es freys willig hin aus Gehorsam und Liebe. Er ließ sich hinfüh ren, wie ein Lamm zur Schlachtbank- neigte sein Haupt, und verschied ward ein entseelter, falter Leichnam, von heißen Schmerzens thránen verwaister Freunde und Freundin nen benetzt, in's Trotengemand eingehüllt, begraben.- Aber unmöglich) war's, daß der Heilige Gottes die Verwesung sebe, daß der Sündenlose und Gerechte, der Urquell des Les bens, vom Tode behalten werde. Er hatte Gewalt, fein frey willig gelaffenes Leben wieder zu nehmen. Und Er nahm es wieder. Am dritten Lage stand Er von den Todten auf und lebt von Ewigkeit zu Ewigkeit. Jesus lebt, und konnte es seinen Freunden nicht unbewies fen lassen, daß Er lebe!-Magdalena stand vor dem Grabe, und wünschte die Zhránen der Reue und Liebe noch einmal auf die heilige Leiche ihres Begnadigers niederweinen zu können; sie klagt dem Himmel ihr Leid, daß sie den Herrn vom Grabe genommen haben und indem sie umher blickt, ob sie nicht etwa eine Spur von denen fåbe, die die Leiche weggenommen hatten, da sieht sie den Lebendigen und fennet Ihn nicht, redet mit Ihm, und fennet Ihn nicht! Herr! hast du Jbn weggenommen, fag' es mir doch, wo du Ihn bingelegt bast; dann will ich Ihn holen." Jetzt spricht der Herr, um ihren Schmerz in Jubel zu verwandeln, das Wort: Maria! Dieß Wort öffnete ihr das Auge, daß sie in dem vermeinten Gärtner den VI. Abschnitt. Andachten neuerstandenen Heiland erkennt, und mit dem einzigen Wort: Mein Meister! anbethend zu seinen Füßen sinkt. Jefus lebt, und läßt seinen Freunden durch Magdas lena zuerst die Bothschaft bringen: ,, Geh zu meinen Brüdern, und sage ihnen: ich fahre auf zu meinem Vater, und zu euerm Vater, zu meinem Gott und zu euerm Gott," und dann kommt Er selbst nach, tritt zu feinen Jüngern in den Saal, grüßt sie mit dem Friedens gruße, zeigt ihnen seine Hände und seine Seite- die gláns zenden Wundenmale- redet mit ihnen, ist mit ihnen, und weiß ihr Herz von dem ersten Schrecken zur Entzückung, und von der Entzückung zur dauerhaften Freude und Zuvers sicht zu bringen. Sie sehen, zweifeln, glauben- bethen an, und frohlocken. 284 Jesus lebt, und geht den zwey Jüngern nach Emaus nach, und holt sie ein, und redet mit ihnen als ein Reisender mit Reisenden, erklärt ihnen die Schrift, daß ihnen das Herz im Leibe brannte, läßt sich nöthigen, mit ihnen in einer Hers berge einzukehren, nimmt das Brod, und bricht und giebt es ihnen- da sehen sie in dem Fremdlinge den neuerstande nen Heiland, und Er verschwand, aber ihr Herz glaubte, und jubelte in diesem Glauben. Jesus lebt, und besuchte feine versammelten Jünger wies der, grüßt zuerst die Jünger alle, dann geht Er auf Thomas zu, der nicht glauben wollte, bis er seine Hand in die Seite, und seine Finger in die Nägelmale des Gekreuzigten gelegt hatte, und spricht zu ihm: Reiche deinen Finger her, und leg' ihn in meine Hand; reiche deine Hand her, ung lege fie in meine Seite, und fey nicht mehr uns gläubig, sondern gläubig. Thomas alaubte nicht bloß, sondern er schwamm in einem Meere von Glaubensfreus de, und konnte, von Entzückung und Demuth übermannt, nur diese Worte stammeln: Mein Herr und mein Gott!" -ronter Jefus febt, und beweiser sein Leben auf mancherley Weife seinen Freunden, und bequemet sich in jeder Erscheinung nach den Bedürfnissen feirer Lieben. Ungefannt läßt Er sie am Morgen, da sie noch fischten, und in der ganzen Nacht nichts gefangen hatten, das Netz zur rechten Seite des Schiffes auss werfen, und sie fingen so viel, daß sie das Nek ver Menge der Fische nicht mehr ziehen, und andere Jünger zu Hülfe rus fen mußten, um das Nek an das Ufer zu bringen, uin die hundert drey und fünfzig Fische zu fammeln. Johannes ers Fannte den Herrn am ersten: ,, Der Herr ist's" fie famen nun alle zu Jefus bin; keiner durfte fragen: Wer bist Du?denn sie kannten Ihn alle. Jefus reicht ihnen Brod und Fis fche, und ist mit ihnen. So bereitet der Herr den Fischern einen segenvollen Fischfang, um den künftigen Menschen, fischern den Glauben an seine Auferstehung unauslöschlich in ihre Seele zu graben. 1 Jesus lebt, und zeigte sich einmal fünfhundert Brüdern -Jüngern, die sich Brüder nannten, wie Jesus sich ihren für das heilige Osterfest. 285 Bruder nannte, und von diesen fünfhundert Brüdern leb ten noch mehrere, als Saulus den Sperrn auch schon zu sehen bekommen hatte. Noch vierzig Tage blieb Jesus nach seiner Auferstehung bey seinen Jüngern, und redete mit ihnen von dem Reiche Gottes; dann ging Er, wie Er es vorher gesagt batte, zu seinem Gott und Bater, der auch unser Gott, unser Bater ist. Großer, erquickender Gedanke: Jesus Christus lebt von Ewigkeit zu Ewigkeit! Und so lange Er lebt, so liebt er auch oder ist sein Leben etwas Anderes, als Liebe, die reinste, treueste, innigste Liebe? Und so lange er liebt, segnet, tristet, rettet, belebt und beseliget Er auch, oder ist seine Liebe im Grunde etwas Anders, als Segnen, Trösten, Retten, Beleben und Beseligen? Achtzehnhundert Jahre sind verflossen seit dem Sonntag: Morgen, da Gottes Herrlichkeit über dem Grabe des Gekreuzigten erschien, der Fels bebte, die Hüter erstarrten, und Jesus mit neuem Leben, mit Himmelsglanz bekleidet here vorging als Lebensfürst, als Todesüberwinder.- Aber heute lebt Er noch, wie vor achtzehnhundert Jahund liebet noch, und segnet, tröstet, rettet, bes lebt und beseliget noch, wie dortmals, und von Ewigkeit zu Ewigkeit ist Er, was Er heute ist, lebendig, lies bend, segnend, belebend! ren - Das sey mein Trost und meine Erquickung auf die bange bittere Stunde des Scheidens von meinen Geliebten, Freunden, Kindern. Wenn sie dann meiner Liebe, meines Trostes, meines Rathes, meiner Hülfe, oder ich der ihrigen entbehren, einsam und verlassen den dunkeln Pfad fortwandeln- o, der jest lebt und liebt und sich erbarmet und hilft, wo Riemand helfen der jetzt viele tausend Wittwen und Waisen, Einsame, Verlassene und Trauernde beschüht, und leitet, verforget und tröstet, Der lebt auch dann noch, wenn ich, wenn meine Freunde, Tröster, Beschüßer todt sind. Er lebt und liebt, Er erbarmet sich und hilft und beseliget von Ewigkeit zu Ewigkeit. Wenn Alle von mir scheiden- Einer scheidet doch nicht fann von mir! nodort dom ting di hu - - - - - VI. Abschnitt. Andachten O Freudenbotschaft! wårest du meinem Herzen doch eine recht innig empfundene Wahrheit! Einer scheidet doch nicht von mir; Einer, der mehr ist, und inniger liebt und kräftiger tröstet und erquicket, als Bater und Mutter, als Freund und Bruder, der auch da trösten und erquicken, helfen und retten kann, wo Bå: ter und Mütter, Freunde und Brüder in ohnmächtiger Liebe nur weinen können. Jesus Christus lebt von Ewigkeit zu Ewigkeit! 286 ― 3) ,, Deffnet cure Thore, ihr Fürsten! Erweitert euch, ihr ewigen Pforten! Lasset ihn einziehen, den König der Herrlichkeit! Wer ist dieser König der Herrlichkeit?", Psalm 23. 3h, Jesus habe die Schlüffel der Hölle und des Tode 8." Offenb. 1, 18. Ich bin der Herr, mächtig und siegreich, siegs reich im Streite." Dem, der todt war, der aus Gehorsam und Liebe sich aufopferte Jesus Christus- ist alle Ge walt übergeben im Himmel und auf Erde! der König aller Könige, der Beherrscher aller Herrschenden ist Er; erhöht über Alles zur Rechten der göttlichen Majestät muß jedes Knie sich vor Ihm beugen, und jede Zunge seiner Oberherrschaft bekennen. - Alle Feinde und Verderber seines erlösten Mens schengeschlechtes, die schrecklichsten sogar den Tod und die Verwesung besiegt Er. Er führt aus der Finsterniß des Grabes zum Lichte des ewigen Le bens, aus dem Schauer der Verwesung zur himmlischen eweſung zur Unsterblichkeit. Alleluja! Auch meinen irdischen, sterblichen Leib wird Er einst wieder selig machen, und mit Unsterblichkeit bekleiden. Er wird den Allbezwinger, den unerbittlichen Würger des Menschengeschlechtes- den Tod- bezwingen, und seine Beute im entreißen; ausschließen wird Er die Hügel der Verwesung, und aus dem Staube neues Leben schaffen. - - Dann- o erlis'te Seele, juble, liebe- bethe an dann werden sich mit namenlosen Entzückungen wieder finden, die hier der harte Tod einander vom blutenden Herzen wegriß, und keine Furcht der Trennung wird das Licht ihrer Wonne mehr trüben; Unsterblich für das heilige Osterfest. 287 keit wird ihrem Antlig entstrahlen, und Friede und Freude ihrem Fußtritte entblühen. Sie werden leben von Ewigkeit zu Ewigkeit. 15 Möchte doch diese selige Hoffnung auf meinen Lebensweg herableuchten! Möchte ich's doch am Sterbes bette meiner Geliebten, und an meinem Sterbebette recht lebendig glauben, recht innig fühlen: ,, Jesus Christus ist der Erste und der Leste, der Lebendige, der todt war, und lebendig ist von Ewigkeit zu Ewigkeit, und hat die Schlüssel der Hölle und des Todes! Amen. Alleluja! 720 IV. Der ambrosianische Lobgefang. situs m Herr Gott! Dich loben wir. Herr Gott! wir danken Dir. Jehova ist von Ewigkeit! Er schuf die Welt, das Werk der Zeit. Die ganze weite Schöpfung preist Dich, Vater, Sohn und heil'ger Geist. Die Cherubim, die Seraphim, und alle Engel singen Ihm: Herlig, heilig, heilig ist unser Gott, der Herr Gott Sabaoth! Weit über alle Himmel weit, geht deine Macht und Herrlichkeit. Sie, die den Erdkreis wunderbar ber fehrten, deiner Boten Schaar, des Mittlertodes Märtyrer, sie preifen ewig Dich, o Herr! Am Grabe noch, noch in der Zeit, preist Dich auch deine Christenheit; Dich Vater auf der Himmel Thron! Dich Jesus Christus, Gottes Sohn! Dich, beil'ger Geist, Dich, dessen Kraft in Sündern neues Leben schafft! Dich, der für uns geblutet hat, Du starbst für unsre Missethat. Du hast Dich, Herr! uns Gott zu weih'n, ernieds riget, ein Mensch zu seyn. Dem Tode nahmst Du seine Macht; zum Himmel hast Du uns gebracht. Zur Rechten Gottes fihest Du; mit deinem Vater Herrscheft Du. Im Grabe läsfest Du uns nicht! Du kommst, Du kommst und hältst Gericht! Einst sey im Himmel unser Theil, sey unfer Lohn, und unser Heil! Hilf deinem Volke, Jesus Christ, und segne, was dein Erbtheil ist! Bewahre uns vor Sünden, Gott! verlaß uns nicht in unsrer Noth! Herr Du bist unsre Zuversicht! verlaß uns nicht, verlaß uns nicht, und leite uns durch Welt und Zeit, zum Lichte deiner Ewigkeit! Gebeth. Gott! der Du der Welt durch das Osterfest die Mittel zur Seligkeit verliehen hast; wir bitten Dich, segne dein Volk mit himmlischen Gaben, damit zur vollkommenen Freyheit der Kinder Gottes, und zum ewigen Leben gelangen mdge, durch Jesus Christus, unsern Herrn. Amen. Es segne und bewahre uns der allmächtige und barmherzige Gett, der Bater, der Sohn und der heilige Geist. Amen. Gottes Hülf und Gnade sen und bleibe immer mit uns! Amen. VI. Abschnitt. Andachten Kirchengebethe auf die Sonntage nach Ostern. 700 1. Verleihe, wir bitten Dich, allmächtiger Gott, daß wir, die wir die Osterfeyer nun vollendet haben, fie mit deiner Gnade an unfern Sitten und Lebenswandel fortwähren lassen. 2. O Gott! der Du in der Demuth deines Sohnes die hinsinkende Welt wieder empor gehoben hast, verleihe deinen Gläubigen immerwährende Freude, damit Du diejenigen, wel che Du den Gefahren des ewigen Zodes entriffen hast, auch zum Genusse der unvergånglichen Freude gelangen laffest. Durch unsern Herrn Jesus Christus ac. 288 3. O Gott! der Du den Irrgegangenen, damit sie wieder auf die Bahn der Gerechtigkeit zurückkehren können, das Licht der Wahrheit zeigest, gieb allen, welche nach dem chriftlichen Glauben benannt werden, daß sie verabscheuen, was diesen Nas men entehret, und nach dem streben, was sich für ihn ziemet. 4. O Gott! der Du die Gesinnungen deiner Gläubigen einträchtig machest, gieb, daß deine Völker lieb haben, was Du gebeutst, und verlangen, was Du verheißest, damit sich unter dem Wechsel der irdischen Dinge unsere Herzen dorthin heften, wo die wahrhaftigen Freuden sind. 5. O Gott! von dem alles Gute herkommt, verleihe deis nen Bittenden, daß wir unter deiner Einsprechung denken, was recht ist, und unter deiner Leitung thun, was wir für recht erkannt haben. 306. Allmächtiger, ewiger Gott! wirke in uns, daß wir al lezeit einen Dir ergebenen Willen haben, und deiner Majestát stets mit reinem Herzen dienen mögen. god, the fod.10 is In der Bittwoche. e Zur Prozession. In meiner Trübfal rief ich den Herrn an, und bethete zu meinem Gott. Er hörte meine Stimme in seinem heiligen Tempel, vor sein Ohr kam mein Gebeth.( Psalm 17, 7.) Gott! deine Güte reicht, so weit der Himmel ist, und deine Wahrheit, so weit die Wolken gehen. Die Erde ist voll von deiner Güte; Du bist freundlich, und deine Güte währet ewiglich. Wie sich ein Vater über seine Kinder erbarmet, so erbarmet sich der Herr über uns. Ehre sey ic. Gebeth. Allmächtiger Gott! auf dessen Güte wir in allen Anliegen unser Vertrauen sehen, gieb, daß wir unter deinem Schuße vor allen Widerwärtigkeiten stets bes wahret, oder daraus zu rechter Zeit wieder errettet wer den, durch Jesus Christus, unsern Herrn. Amen. in der Bittwoche. 289 ( hier bethe die Litaney von allen Heiligen, wie sie S. 264 enthalten ist, alsdann die nach folgenden Gebethe.) Hilf deinen Dienern, welche auf Dich, mein Gott! vers trauen. Sen uns, o Herr! eine sichere Festung gegen den Feind. Nichts soll uns der Feind anhaben, und nimmermehr soll der Ungerechte uns schaden. Verfahre nicht, o Herr! mit uns nach unsern Sånden, und vergilt uns nicht nach unsern Missetbaten. Laßt uns bethen für unsern Pabst N. Der Herr bewahre ihn, und erhalte ihm das Leben; Er mache ihn glückselig auf Erden, und übergebe ihn dem Willen seiner Feinde nicht. Laßt uns bethen für unsere Wohlthäter. Vergilt allen, o Herr! die uns Gutes thun, um deiner Güte willen, mit dem ewigen Leben. Laßt uns bethen für die verstorbenen Gläubigen. Gieb ihnen, o Herr! die ewige Ruhe, und das ewige Licht leuchte ihnen. Laß sie in Frieden ruhen. Amen. Laßt uns bethen für unsere abwesende Brüder. Hilf, o Herr! deinen Dienern, die auf Dich vertrauen. Sende ihnen Hülf', o Herr! aus deinem Heiligthum, und unterstüße sie aus Sion. Herr! erhöre mein Gebeth, und laß mein Rufen zu Dir kommen. Gebeth. Gott! Dir ist stets Erbarmen und Vers schonen eigen; nimm unser demüthiges Bitten gnädig an. Durch deine mitleidsvolle Güte löse uns, und alle deine Diener von den Banden auf, mit welchen uns die Sünde gefesselt hat. Erhöre, o Herr! wir bitten Dich, das Rufen der Flehenden, vergieb ihnen die Sünden, welche sie Dir bekennen, und so werde uns allen durch deine Barmherzigkeit Nachlaß und Friede zu Theil. Gieb uns, o Herr! deine unaussprechliche Barmherzigkeit zu erkennen; mach' uns von allen Sünden los, und entledige uns von allen Strafen, die wir durch unsere Sünden verdienen. Gott! Sünde beleidiget Dich, Buße versöhnet Dich; sieh gnädig auf dein Volk, das zu Dir flehet; wende von uns die Strafen deines Zorns, den wir durch unsere Sünden gereizet haben, gnädig ab. - - Allmächtiger, ewiger Gott! Erbarme Dich über deie nen Diener, unsern Pabst N., leite ihn nach deiner Mildthätigkeit auf den Weg des ewigen Heils, gieb, daß er nach dem trachte, was Dir gefällig ist, und sels bes mit allen Kräften vollziehe. Gott! deine Gabe 19 - VI. Abschnitt. Andachten sind heilige Begierden, weise Anschläge und gerechte Wer ke. Gieb deinen Dienern jenen Frieden, den die Welt nicht geben kann, damit unsere Herzen deinem Gefeße ergeben, und unsere Lebenstage frey von Furcht und Feinds seligkeiten, ruhig unter deinem Schuße dahinfiießen. Durchglühe, o Herr! unser Inneres durch das Feuer des heiligen Geistes, damit wir Dir in Keuschheit des Leibes dienen, und in Reinheit der Seele gefallen. Gott! Du Schöpfer und Erlöser aller Gläubigen! verleih' den Seelen deiner Diener und Dienerinnen Nachlaß aller ihrer Sünden; laß sie auf unser frommes Bitten die sehnlich gewünschte Erldsung finden. Komm uns, o Herr! in Allem, was wir thun, mit deiner Gnade bevor, und hilf uns mit deinem mächtigen Segen weiter fort, damit all' unser Bethen, und all' un ser Thun durch Dich angefangen, und durch Dich vole lendet werde. Allmächtiger, ewiger Gott! Herr der Les bendigen und der Todten, voll Erbarmens gegen Alle, die Du als die Deinen, durch Glauben und Werke vor erkennest; zu Dir fiehen wir, laß Alle, für welche wir uns vorgenommen haben, zu bethen, und die entweder noch auf dieser Welt wandeln, oder durch den Tod in die andere schon sind übersetzt worden; laß sie alle durch die Fürbitte deiner Heiligen nach deiner liebvollen Mildthätigkeit Vergebung aller ihrer Sünden erlangen, durch Jesus Christus deinen Sohn, unsern Herrn ic. Amen. Der allmächtige und barmherzige Gott erhöre uns! Den Seelen der Gläubigen sen durch Gottes Barmherzigkeit Ruhe im Frieden. Amen. 290 Meßand a cht, bey Bethstunden und während einer heiligen Bittmesse zu bethen. ( Vom Eingang bis zur Aufopferung.) Allmächtiger, ewiger Gott! Herr, himmlischer Bater! dein eingeborner Sohn Jesus Christus hat uns die Vers sicherung ertheilt, daß Du uns Alles geben wollest, um was wir Dich in seinem heiligen Namen bitten. Mit kindlicher Zuversicht wende ich mich jest bey dem Opfer der heiligen Messe, das auch ein wahres, fruchtbares Bittopfer ist, an dein liebendes Vaterherz, und trage Dir im Namen Jesus meine Gebethe, meine Bitten und Fürbitten vor. Ewiger! Ich bethe Dich an, in der Bittwoche. 291 erfülle mich mit deiner Gnade, daß ich Dich im Geiste und in der Wahrheit anbethe. Ich glaube Alles, was dein göttlicher Geist seiner Kirche geoffenbaret hat. Stårte meinen Glauben, und hilf mir demselben gemäß zu lebent. Ich hoffe auf Dich, auf deine Barmherzigkeit, und auf deine Berheißungen. Unterstüße meine Hoffnung, und laß meinen Wandel im Himmel feyn. Ich liebe Dich über Alles; denn Du bist das höche ste, liebenswürdigste Gut. Reinige, heilige meine Liebe immer mehr, damit ich nichts wolle, nichts thue, als was Du willst, damit nicht ich lebe, sondern Du in mir. Barmherziger! Du willst nicht den Tod des Süne ders, sondern daß er sich bekehre und ewig lebe. Gieb mir den Geist der Buße, ein reines Herz, und sey mir armen Sünder gnädig. Stärke meinen Willen in der Ausübung des Guten; ordne mein Thun und Lassen durch deine Weisheit; siege über meine bösen Gewohnheiten durch deine Heiligkeit; sey das Leben meiner Seele, das Licht meines Verstandes, die Richtschnur meiner Gedanken, und der einzige Gegenstand meiner Wünsche. Erfülle meine Seele mit Eifer für deine Ehre, mit Verehrung gegen deine Religion, mit Treue gegen meine Freunde, mit Wohlwollen gegen meine Feinde; laß mich alles Mögliche dazu beytragen, daß Rechtschaffenheit und Glückseligkeit auf Erden ausgebreitet werden. Laß mich immer mehr der Menschheit zum Sez gen, und Dir zur Freude leben. Bewahre mich vor ges fährlichen Krankheiten und Unglücksfällen, vor Verfol gung boshafter Menschen, vor Låsterung böser Zungen, vor Armuth und Schande. Solltest Du jedoch eines dieser Uebel, als eine väterliche Züchtigung über mich verhängen, so gieb mir Geduld, Starkmuth, und vers trauende Liebe, daß ich Alles mit kindlicher Ergebung aus deiner Baterhand annehme, und durch kein Leiden mich von Dir trennen lasse Dein heiliger Geist leite mich in alle Wahrheit; Er stärke mich zu jeder Tugend; Er unterstüße mich in dem Leiden; Er erheitere mich in jeder Dunkelheit; Er führe mich auf ebener Bahn, daß ich durch den Glaus 19 292 VI. Abschnitt. Andachten auf das ben an Jesus Christus, und durch meine treue Mitwir tung gelangen möge zur ewigen Geligkeit Amen. Christliche Fürbitten. Alle Menschen auf Erden, Bater! sind deine Kinder. Geschwister sind wir Alle; Liebe, die gerne hilft, und Für bitte, wo die Liebe nicht helfen kann, gefällt Dir wohl, ist dein Wille; darum bethe ich! Jesus Christus! Du bethes test für Nabe und Ferne, für Freunde und Feinde, und lehrtest uns Dir nachbethen, und an die Erhörbarkeit un serer Gebethe glauben; darum bethe ich! Ich bitte Dich, Vater der Menschen! erwecke Du selbst mich durch deinen Geist zur kräftigen Fürbitte für meine Brüder. O lehre fie Alle Dich erkennen, Dich lieben, und in Dir selig seyn! Leite sie Alle durch Jesus Christus zu Dir, und durch deinen Geist zu Jesus Christus. Erwecke immer mehr Menschen, denen es Ernst ist, dein Reich auf Erden zu verbrei ten, und Dir Seelen zu gewinnen. Erbarme Dich aller Unwissenden, und erleuchte sie! Aller Frrenden, und füh re sie auf den rechten Weg! Erbarme Dich aller Bisen, und erwecke sie zu guten Gesinnungen! Erbarme Dich aller Schwachen, und gieb ihnen Kraft und Muth zu Erfüllung ihrer Pflichten! -ng Tröste álle Trauernden! Erheitere alle Angefochtenen! Erquicke alle Schmachtenden! Stårke alle Leidenden! Labe alle Kranken! Stärke den Glauben und die Hoffnung aller Sterbenden! Laß den Guten ihre frommen Bemühungen gelingen! Floße Muth ein allen Bekennern der Wahrheit! Segne alle Freunde des Rechtes und der Tugend! Nimm die mißkannte, leidende Unschuld in deinen Schuß! Stärke das Vertrauen der Armuth, und erfreue sie durch wohlthåtige Herzen! Laß alle Wittwen und Waisen deiner beson dern Fürsorge empfohlen seyn! Nimm Dich Jener an, die sich in Gefahren befinden! Erwecke sie, zu Dir ihre Zuflucht zu nehmen! Erbarme Dich aller Gefangenen, daß sie ihre Vergehungen recht erkennen, herzlich bereuen, und deiner Begnadigung empfänglich werden! Erbarme Dich aller Verfolgten und Unrechtleidenden, aller Bedrängten und Aller, die ihres Kummers keinen Ausweg wissen; sey Du ihr Trost, ihr Helfer und ihre Stärke!- Gieb Jedem, alle was Jeder bedarf! Leite alle Lehrer zur Wahrheit - Fest der Himmelfahrt Jesus. Regenten zur Gerechtigkeit- alle Regierten zum Gehorsam! alle Obrigkeiten zur gewissenhaften Treue alle Reiche zur Barmherzigkeit-Alle- Alle zu deiner Erkenntniß, und zum ewigen Leben, welches uns erworben hat Jesus Christus, unser Herr und Seligmacher. Amen. Der allmächtige und barmherzige Gott erhdre uns, und verleihe den Seelen der verstorbenen Gläubigen Ruhe im Frieden.— Amen. ( Vom Offertorium bis zum Schluß, siehe Sonntagsmesse Seite 54.) Jan Jans Das Fest der Himmelfahrt Jesus. Meßandacht. Vorbereitungs- Gebeth. 295 Jesus Christus! Du Liebe meiner Seele, Du Freude und Heil der ganzen Erde, Du allmächtiger Sie: ger und Lebensfürst, ich bethe Dich an! Du zur Rechten des Vaters Erhöhter, meine Seele fevert gerührt den Tag deiner glorreichen Himmelfahrt, den Tag deines Triumphes über alle Mächte des Todes und der Hölle! - des Du starbest des peinlichsten und des erhabensten Tostarbst aus Liebe für uns, damit wir ewig leben möchten; Dir gebühret Preis, Chre und Anbethung von allen Sterblichen. Du vollendetest mit göttlicher Huld und Guade das große Geschäft unserer Erldsung von der Sünde, und von dem ewigen Verderben, und warst zur Genugthuung für unsern Ungehorsam, gehorsam bis zum Tod' am Kreuze! Dir gebühret Preis und Ehre und Anbethung auf Erden, und im Himmel! Die Bosheit versenkte Dich in Schmach und Tod und Grab und Gottes Gerechtigkeit krönte Dich mit Herrlichkeit und Ehre! Die belle Wolke sank vom Himmel nieder, und nahm Dich auf in ihren Schooß. Du erhobest Dich von der Erde, die früher dein Blut trank, hinauf zum Vater, und die Deinigen sans ken nieder auf die Erde, Dich an- und Dir nachzubethen. Die Himmel feyerten deine Anncherung und alle Chöre der Engel bereiteten sich zu frohen Jubelgesängen. Tauſendmal Tausend jubelten: ,, Das Lamm, das ge ſchlachtet ist, ist würdig zu empfangen Preis 294 VI. Abschnitt. Andachten auf das und Reichthum und Ehre und Herrlichkeit und Kraft von Ewigkeit zu Ewigkeit!" Wie kann ich diesen Triumph, diesen Sieg, diese Herrlichkeit und Würde genug rühmen, preisen und an bethen? wie kann ich mich je genug freuen, daß Du, Erstgeborner des ewigen Vaters, unser Bruder, der zweite Stammvater des Menschengeschlechts, unser Sachwalter und Stellvertreter im Himmel bist! O wie kann ich je genug danken, daß Du hingiengest, uns eine Stát te im Vaterhause zu bereiten, je genug danken, daß Du wieder kommen wirst, uns zu Dir zu nehmen, auf daß wir seyen, wo Du bist Eins mit Dir, wie Du Eins mit dem Vater, - - 34 Dir, o Du ewiger Hohepriester! erhebe ich mein Herz; zu Ehren deiner glorreichen Himmelfahrt, und zur Bezeugung meiner herzlichen Freude, daß Du heut in Gegenwart deiner Geliebten deine verherrlichte Menschheit durch die Lüfte über alle Himmel und Engel auf den Thron der Gottheit erhoben hast, will ich jest dieser heiligen Messe, in der das Andenken deiner Auf fahrt feyerlich begangen wird, mit innigster Andacht beya wohnen, und Dich selbst im allerheiligsten Altars: Sacramente, und mit Dir auch mein schwaches immer noch so sehr an die Erde und an die Sünde gefesseltes Herz dem himmlischen Vater aufopfern und weihen. 1 Verherrlichter Menschensohn! Du herrschest als höchs fter Gewalthaber im Himmel, und wohnest durch den Glauben in den Herzen der Glaubenden, und ziehest sie durch die Kraft deiner Gnade, Huld und Liebe an Dich. O!- den ich Bruder nennen darf, Anfänger und Vollender meiner Seligkeit, zieh auch mich an Dich, daß ich nur auf Dich sehe, und Dir nachfolge; daß mein Leben zwar auffErde, mein Wandel aber im Himmel sey, daß ich mit ganzer Kraft der Seele das suche, nach dem trachte, und das erlange, was Oben ist, wo Du sigest zur Rechten des Baters, und lebest und regierest in Ewigkeit. Amen. Eingang. Ihr Männer von Galiláa! was staunet ihr an? Warum erhebet ihr eure Augen gen Himmel? Alleluja! Dieser Jesus, der von euern Augen weg in den Himmel aufe genommen ward, der wird so, wie ihr Ihn auffahren sahet, wieder kommen. Alleluja! Fest der Himmelfahrt Jesus. 295 Frohlocket ihr Völker mit Mund und mit Händen. Jauch, jet Gott mit fröhlichen Gesängen. Ehre sey dem Vater ic. Kyrie und Gloria.( Wie in der Sonntagsmesse S. 51.) Gebeth. Allmächtiger Gott! wir glauben fest, daß am heutigen Tage dein Eingeborner, unser Herr und Erld. ser, in den Himmel aufgefahren ist! Verleih uns, wir bitten Dich, die Gnade, daß auch wir hier schon himmlisch wandeln, und einst eine selige Wohnung in dem Himmel finden mögen, durch denselben Jesus Christus 2c. Amen. Epistel. Apostel Geschichte 1, 1. Zuerst schrieb ich Dir, o Theophilus! Alles, was Jefus that und lehrte, und feste die Erzählung fort, bis auf den Tag, da Jesus in den Hime mel fuhr, nachdem Er seinen durch den heiligen Geist gewähl ten Aposteln feine Verhaltungs- Befehle ertheilet hatte. Diefen hat Er sich auch nach seinem Leiden durch viele Beweise selbst lebendig gezeigt, da Er ihnen vierzig Tage durch erschienen, und mit ihnen vom Reiche Gettes sprach. Er aß mit ihnen, und befahl ihnen, sich von Jerusalem nicht zu entfernen; fons dern die Verheißung des Vaters zu erwarten, die ihr( fo fprach Er) aus meinem Munde gehöret habt. Johannes bat mit Waffer getauft; aber ihr werdet nach wenig Zagen mit dem heiligen Geiste getauft werden. Die Versammelten frage ten Jha: Herr! wirst Du jetzt das Reich Ifraels wieder bers stellen? Er sprach: Euch fommt es nicht zu, die Zeitpunkte zu wissen, welche der Vater nach seiner Macht bestimmt hat. Aber die Kraft des heiligen Geistes werdet ihr empfangen, der sich euch mittheilen wird. Ihr werdet zu Jerufalem, in Samaria, und bis an die Grenzen des Erdbodens meine Zeus gn seyn. Nachdem Er dieß gesagt hatte, ward Er vor ihren Augen in die Höhe gehoben, und eine Wolke entzog Jbn ih. ten Blicken. Indem sie Ihm, da Er so in den Himmel fuhr, nachschau'ten, sieh! da standen zwey weiß gekleidete Männer neben ihnen, die zu ihnen sagten: Ihr Männer aus Galiláa! warum siehet ihr da, und sehet gegen den Himmel hinauf? Eben dieser Jesus, der von euch weg in den Himmel aufges nommen ward, der wird eben so wieder kommen Ihn in den Himmel hinauf fahren fahet.- Gott fey Dank! Graduale. Alleluja! Alleluja! Gott stieg unter Jauchzen, und der Herr unter Posaunenschall hinauf. Alleluja! der Herr ist unter ihnen; wie Er majestätisch auf Sinai war. Du steigst zum hohen Wohnsis empor, und nimmst die Gefangenschaft gefangen mit Dir fort. wie ihr Evangelium. Mark. 16, 14. Zu derselben Zeit erschien Jesus den Eilfen, da sie gerade am Tische saßen, und verwies ihnen ihren Unglauben, und ihr hartes Herz, weil sie denen nicht geglaubt hatten, die Ihn als auferstanden gesehen hatten. VI. Abschnitt. Andachten auf das Er sprach zu ihnen: Gehet hin in die ganze Welt, und prediget allen Menschen das Evangelium. Wer glauben und fich taufen lassen wird, der wird selig werden. Wer aber nicht glauben wird, der wird verdammet werden. Bey denen, die glauben, wird man folgende Zeichen gewahr werden: In mei nem Namen werden sie die bösen Geister austreiben, neue Sprachen reden, Schlangen aufheben( ohne daß ihnen der Eiß derselben schadet), und wenn sie etwas Zodtendes trinken, so wird es ihnen nicht schaden. Den Kranken werden sie ihre Hánde auflegen, und sie werden sich wohl befinden. 296 Nachdem der Herr Jesus dieß zu ihnen gesprochen hatte, ward Er in den Himmel aufgenommen, wo Er zur Rechs ten Gottes fitt. Sie aber reifeten fort, und predigten als lenthalben. Der Herr wirkte mit, und bestätigte ihre Lehre durch darauf folgende Wunderzeichen.- Lob und Ehre sey Dir, Jesus Christus! INGES) Credo.( Wie in der Sonntagsmesse S. 54.) Offertorium. Gott ftieg unter Jauchzen, und der Herr unter dem Schelle der Posaunen hinauf. Alleluja! Heiliger Bater c.( Aus der Sonntagsmesse S. 54. bis zur Práfation.) - Secreta. Nimm, o Herr! die Opfer in Gnaden auf, die wir Dir am Tage der Auffahrt deines eingebornen Soh nes darbringen, und verleih uns gnädigst, daß wir von den Gefahren des gegenwärtigen Lebens errettet werden, und zum ewigen Leben gelangen mögen, durch Jesus Christus ic. Amen. Práfation. Mit diesen Opfergaben erheben wir nun auch unsere Herzen zu Gott, und danken dem Herrn; denn es ist eine höchst billige und heilsame Pflicht, daß wir Dir, heiligster Herr! allmächtiger Vater! ewiger Gott! zu allen Zeiten, und an allen Orten Dank sagen durch Jesus Christus unsern Herrn, der nach seiner Auferstehung allen seinen Jüngern sichtbar erschien, und vor ihren Augen in den Himmel fuhr, daß Er uns seiner Gottheit theilhaftig ma chen konnte. Wir preisen Dich also mit den Engeln und Erzengeln, mit den Thronen und Herrschaften; wir singen mit allen himmlischen Schaaren deiner Herrlichkeit einen immerwährenden Lobgesang, und rufen ohne Unterlaß: Heilig! heilig!: c.( Aus der Sonntagsmesse S. 55. bis zum Schlußgebethe S. 58. Schlußgebeth. Verleih uns, o allmächtiger, barmherziger Gott! daß wir das, was wir durch die sicht: baren Geheimnisse geistlicher Weise genossen, auch durch Fest der Himmelfahrt Jesus. 297 ihre unsichtbaren Wirkungen in uns empfinden, durch Jesus Christus 2c. Amen. Aufopferung.( Aus der Sonntagsmesse S. 59.) Bethstunde. I. Eingang. Gott fuhr unter Jauchzen in den Himmel, und unter dem Schalle der Posaunen. Alleluja! Herr öffne zc.( Wie am Osterfeste S. 276. Nr. 1.) II. Lobgefang. 1. Jauchzet Gott mit frohem Schalle! der ganze Erdkreis widerhalle, und preise Jhn! der Herr fährt auf!- Wir im Staub anbethend, fehen dem Steger nach, und zu den Höhen, uden wir im zu denen Er uns führt, binauf!- Ueberwinder, Dir,- O Dir Jesus, folgen wir! Alleluja!- Nicht zum Gericht, zum Erb' im Licht führt Er uns vor sein Angesicht! 2. Uns die Ståtte zu bereiten, um die wir Pilger hier noch streiten, gingst Du voran in's Baterland; herrlich wirst Du wieder kommen, und zu Dir alle deine Frommen versams meln in dieß Vaterland. Geweiht hast Du uns Gott und Dir durch deinen Tod! Alleluja. Wo du jetzt lebst, und Gott mit Dir, da follen wir auch leben für und für! Ill. - Ueber die Himmelfahrt Jesus. ( Aus den Schriften des h. Augustin. Er ist auferstanden, um uns ein Beyfpiel unserer Auferstes hung zu zeigen; Er ist aufgefahren, um uns von oben herab zu schützen. Wie müssen wir unserer menschlichen Natur Glück wünschen, daß sie durch die Himmelfahrt Jesus so hoch erhos ben worden; denn Er hat seine verherrlichte Menschheit in die Unsterblichkeit des Himmels aufgenommen, und zur Rechten des Vaters gesetzt. Wir haben also einen Herrn und Heiland einen Gottmenschen im Himmel, der erst am Kreuze hing, und jetzt im Himmel thronet. Als Er am Kreuze hing, gab Er den Preis für uns; ießt aber, da Er im Himmel thronet, fammelt Er uns ein, die Er durch sein Blut erkaufet hat, ( darit auch wir seyen, wo Er ist). Wird Er Alle einges fammelt haben, die Ihm der Vater durch alle Zeiten hine durch gegeben hat, dann wird Er wieder kommen am Ende der Lage( und mit Ihm die Bergeltung.) Bo ist nun seiner Feinde höhnende Foderung: ,, Wenn Du Gottis Sohn bist, so steige vom Kreuze berab? Er hat mehr gethar, als die Höhnenden gefødert hatten. Welch eine Herrs lichkeit ist es, in den Himmel emper steigen, und sißen zur Rechter des Vaters!- Mi Ihm steige auch mein Herz empor, nach der Ers mahnung des Apostels: ,, Sevd ihr auferstanden mit Chrisus, so fuchet, was oben ist, wo Chriftus siget in der Rechten des Baters; für das, was 298 VI. Abschnitt. Andachten auf das oben ist, babet Sinn, nicht für das, was auf Erden ist." Koloss. 3, 2. Er ist aufgefahren, ohne von uns zu weichen; so sind auch wir dort oben mit Ihm; obschon die Verheißung noch nicht an unferm Leibe erfüllet ift. Er ist erhoben über die Himmel, und ruft uns zu: Wollet ihr in den Himmel aufsteigen, so send meine Glieder." - Dieser dein Zuruf, o Jesus! stärke mich indessen, und entflamme alle meine Sehnsucht. Das sey auf Erde meine Betrachtung,( und mein Trost), daß ich in dem Himmel eine Wohnung habe. Einst werde ich ablegen das Fleisch der Sterblichkeit, so will ich jest ablegen den alten Menschen mit seiner Sünde. Leicht wird dann der Leib erhoben werden in die Höhen des Himmels, wenn den Geist die Last der Sünden nicht niederdrückt. Amen. IV. Sehnsucht nach dem Himme 1. ( Nach dem heil. Augustin. Wie der Hirsch nach der Wasserquelle verlangt, fo, o Herr, verlangt meine Seele nach Dir. Sie dürftet nach Dir, Du Waffer des Lebens. Wann werde ich zu Dir gelangen, und vor deinem Angesichte erscheinen? Psalm 61, 2. O Du befeligende Quelle des Lebens, wann werde ich von der öden, unwegfamen und dürren Erde zu deinen süßen Wass fern gelangen, daß ich da deine Kraft und Herrlichkeit sebe, und von den Wassern deiner Erbarmungen meinen Durst lo sche! Ich dürfte, o Herr! ich dürfte nach Dir, Du Brunn des Lebens. O wann werde ich zu Dir gelangen; wann, o Herr, vor deinem Angesichte erscheinen? Wann werde ich jenen Tag seben ienen Tag der Luft und Freude, den der Herr ges macht hat, daß wir an ihm froßlocken und uns erfreuen sols Ien? - - O herrlicher, schöner Tag, der von keinem Abend weiß, und nie untergeht, an dem ich die Stimmen des Lobes, des Jubels, und des Dankes hören an dem ich hören werde das Wort der Befeligung: Geh' ein in die Freuden deines Herrn in das Haus deines Herrn und Gottes, we du Ihn siehest von Angesicht zu Angesicht, und Ihn volls fommen kennen wirst, wie Er dich fennt. Geb' ein in die ewige Freude ohne Traurigkeit, we all dein Sehnen und Wünschen gestillt wird; wo ein wahrhaftes, süßes, feliqes, ewiges Leben, wo kein zu bekämpfender Feind und keine fünd liche Versuchung seyn wird, sondern die vollste, sichere Ruhe und Freude, eine selige Ewigkeit, ein ewiges Heil, und ein beiliges Anschauen der dreyeinigen Gottheit. Freude des Herrn, in die wir eingehen sollen. Dieß ist die O unübertrefflichste Freude, außer der keine wahre Freude ist. Wann werde ich eingehen zu dir, um meinen Gott und Fest der Himmelfahrt Jesus. 29.9 Heiland zu sehen, der in dir wohnet? Ach! daß mein Siers seyn noch verlängert wird, daß ich warten, noch immer wars ten muß auf Jesus Christus, der den Leib unserer Niedrigkeit nach dem Vorbilde feines verherrlichten Leibes, erneuern wird.( Philipp. 3, 21.) - 20 O komm, Herr Jesus Christus! komm, und besuche uns mit deinem Frieden! komm, und führe und Gefangene heraus aus dem Kerker, damit wir uns mit Dir aus ganzem Here zen erfreuen können; fomm, unfer Retter! fomm, Du Vera langen der Völker! zeige uns dein Angesicht, und wir werden felig feyn! Komm, mein Licht, mein Erlöfer! und führe meis ne Seele aus dem Gefängnisse zur Berherrlichung deines heis ligen Namens. Oder, wie lange soll ich Elender auf den Wellen meiner Sterblichkeit noch herum geworfen werden, und ohne Erbörung zu Dir rufen? Erhöre den, der aus dies fem großen Meere voll Gefahren zu Dir ruft, und führe mich zum Hafen der ewigen Seligkeit, - Selig, die den Gefahren dieses Meeres entronnen, und schon zu Dir, o Gott in deine Ruhe gelangt sind wahrhaftig felig, die aus den Fluthen an das Ufer, aus der O Verweisung in das Baterkand, und aus dem Kerfer in die Freyheit verfeßt sind; die nun schon die gewünschte Ruhe bes seliget, weil sie den Siegeskranz der ewigen Herrlichkeit, nach welchem sie hier durch viele Drangfale strebten, bereits era rungen haben, und sich dessen im seligen Froblocken ewig ers freuen. - O ewiges Reich, wo ein unauslöschliches Licht leuchtet, und der Friede Gottes berrfchet, der allen Begriff übersteiget, in welchem die Seelen der Heiligen ruhen, über deren Haups tern eine ewige Seligkeit ift. Freude und Frohlocken ist ihr Leben, und Schmerz und Klage sind fern von ihnen; sie sind mit Licht, wie mit einem kleide umgeben, und tragen auf ihren Häuptern Kronen von kostbaren Steinen.( Pfalm. 10, 4.) O Reich ewiger Seligkeit, wo Du, o Herr, hier die Hoffe nung der Fommen, und dort die Krone ihrer Herrlichkeit, von Angesicht zu Angesicht von ihnen gesehen wirst, und fie allenthalben mit deinem Frieden befeligest. Dort ist Freude ohne Ende, Froblocken ohne Traurigkeit, ein Leben ohne Plas ge, ein Licht ohne Finsternis, ein Leben ohne Tod, und lauter Gutes ohne irgend ein lebel. Die Jugend wird dort niemals alt, niemals welfet dort eine Schönheit; die Liebe bleibt ewig neu, und nie verfällt die Gesundheit. Selig daber jene, wel dhe bereits verdienet haben, aus dem gegenwärtigen schiffbrüchis gen Leben zu solcher Freude zu gelangen. Ach, unglückfelig und elend sind dagegen wir, die wir noch mit unserm Schiffe durch die Wogen und stürmischen Schlünde dieses weiten Mees res dahin arbeiten, unwissend, ob wir den Hafen des Heils ju erreichen vermögen. Ja, unglückselig sind wir, deren Aufs enthalt im fremden Lande, deren Weg gefahrvoll, deren Ende zweifelhaft ist, indem wir wegen der Verdorbenheit unsers 300 VI. Abschnitt. Andacht auf das Fest der Himmelfahrt Jefus. Herzens immer in Gefahr sind, von Dir abzufallen, und das Maß unserer Vergehungen noch mehr anzufüllen. unser Vaterland! Du Baterland der Ruhe! wir sehen noch von ferne nach dir! von diesem Meere aus preisen wir dich, aus dem Thal des Jammers seufzen wir nach dir, und bemühen uns unter Thränen, wie möglich, zu dir zu ges langen. TILB Jesus Christus! Du Hoffnung des menschlichen Geschlechts, Gott von Gott, unsere Zuflucht und Stärke, dessen Licht von Ferne, gleich einem durch düstere Nebel auf Meereswellen Teuchtenden Stern, auf unsere Augen einfällt, um uns zum Hafen zu leiten; Du, Herr! lenke mit deiner Rechten, mit dem Steuerruder deines Kreuzes unser Fahrzeug, damit wir in den Fluthen nicht zu Grunde gehen; daß uns der Sturm nicht versenke und nicht der Abgrund verschlinge( Psalm 68, 16.); fondern rette uns durch die Kraft des Kreuzes aus dies sem Meere zu Dir, Du einziger Trost, den wir von hier aus an dem Gestade des himmlischen Baterlandes mit unsern weis nenden Augen kaum wahrzunehmen vermögen, wo Er unser, als der wahre Morgenstern und als die ewig leuchtende Son ne der Gerechtigkeit, wartet. Sich, wir Erlöfte, die Du so theuer durch dein Blut er: fauft haft, rufen aus diesem fremden Lande zu Dir: Erhöre uns, o Herr, unser Heil und unsere Hoffnung von Anbeginn! laß uns Eins seyn mit Dir in heiliger Liebe, so lange wit noch im sterblichen Leibe wandeln müssen, und find wir eins mal aufgelöst von den Banden desselben, so laß uns bey Dir seyn, Jesus Christus, in der Herrlichkeit deines und unsers Baters. Amen. V. Der Ambrosianische Lobgesang. ( Siehe Seite 283.) dann folgt: OKönig der Herrlichkeit, Herr der Kräfte! der Du heute als ein Sieger über alle Himmel aufgefahren bist, laß uns nicht waise, sondern sende den von dem Vater verheißenen Geist der Wahrheit auf uns herab, Alleluja! Gebeth. Gelobt feyst Du, Herr Jesus Chrift! Der Du der Weg zum Himmel bist. Allmächtiger Gott! wir glauben fest, daß am heutigen Tage den Eingeborner, unser Herr und Erlöser, in den Himmel aufgefahren ist. Berleihe uns, wir bitten Dich, die Gnade, daß auch wir hier schon himmlisch wandeln, durch denfelben Jesus Christus, deinen Sohn, unsern Herrn und Seligmacher. Amen. Es fegne und bewahre uns der allmächtige und barmherzis ge Gott, der Vater, der Sohn und der heilige Geist. Amen. Gottes Hülf und Gnade sey und bleibe immer bey uns. Amen. inserite 301 Das heilige Pfingstfest. Meßandach t. Vorbereitungs- Gebeth. Gott heiliger Geist! der Du von Gott dem Bater und von Gott dem Sohne ausgehest, und als ein Eis niger Gott mit Beyden lebeft und regierest von Ewigfeit zu Ewigseit! ich bethe Dich an, und bekenne Dich als meinen heiligmacher, als meinen Lehrer, Erleuchter und Begnadiger. Ich glaube Alles von Dir und durch Dich, was mich gut und selig machen kann; denn Du bist es, der die Herzen der Gläubigen erleuchtet und reiniget; Du kamst am heutigen Tage über die Jünger Jesus im Saufen des Sturmwindes, und im Glanze milder Feuerflammen herab, und sie wurden neue ers leuchtete, mit Glauben, Kraft und Liebe beseelte Men= schen, die den Namen Jesus allen Nationen verkündeten, und für Ihn lebten und wirkten, litten und starben. Heiliger Geist, Gott alles Trostes, Geist der Wahrheit! der Du deine Kirche zu allen Zeiten bis an's Ende der Welt mit dem Lichte der Wahrheit erleuchtest, und mit dem Feuer der Liebe entzündest: nimm aus den Händen des opfernden Priesters dieses heilige Opfer gnådig an, welches ich zur Anbethung und zum Wohlgefallen deiner göttlichen Majestät, und zur würdigsten Bergeltung aller Gaben und Wohithaten, aller heiligen Einsprechungen und innerlichen Antriebe, die ich deiner unendlichen Liebe zu danken habe, jeßt mit feurigster Andacht anhören will. Damit ich aber diesem geheimnisvollen Opfer des neuen Testamentes würdig beywohnen könne, so entzünde in meinem Herzen das Feuer der Andacht und Liebe, und hebe meinen Geist zu Dir empor, daß ich aus reiner Gegenliebe 302 VI. Abschnitt. Andachten mit den Gaben des Priesters mich selbst Dir zum Opfer bringe, und heilige, durch Jesus Christus 2c. Amen. Eingang. Der Geist des Herrn füllet den Umkreis des Erdbodens aus. Alleluja! Er enthält Alles in sich, und weiß alle Worte. Alleluja! Gott fiehet auf; seine Feinde wers den zerstreut. Fliehet vor Ihm ihr, die ihr Ihn hasset. Ehre sey dem Vater zc. Kyrie und Gloria.( Wie zur Sonntagsmesse Seite 51.) Gebeth. Gott! der. Du am heutigen Tage die Herzen der Gläubigen durch die Erleuchtung des heiligen Geistes unterwiesen hast: Verleihe auch uns die Gnade, daß wir in demselben Geiste, was recht ist, verstehen, und seines Trostes uns allezeit erfreuen mde gen, durch) Jesus Christus 2c. Amen. - Epistel. Apostelgeschichte 2, 1. Als die fünfzig Zage nach Ostern vorüber waren, und das Pfingstfest einfiel, waren alle Jünger zugleich an einem und ebendemselben Orte beysammen; da erhob sich plötzlich ein Sausen vom Himmel her, so wie sich ein gewaltiger Wind: stoß erhebt, und das Haus, worin sie saßen, ward daven voll. Es erschienen ihnen flammenförmige Zungen, die sich zertheils ten, und sich auf jeden von ihnen niederließen. Da wurden sie Alle voll des heiligen Geistes, und fingen an verschiedene Sprachen zu reden, je nachdem sie ihnen der heilige Geist zu sprechen eingab. Es hielten sich aber damals gerade Juden von allen Nationen der Erde zu Jerusalem auf, die gottes fürchtige Männer waren. Da nun dieses Getöse erscholl, fam eine Menge Leute zusammen, und gerieth darüber in Verwir rung. Denn jeder hörte sie in seiner eigenen Landessprache Sie erstaunten Alle, verwunderten sich und sagten: Sehet, sind denn nicht alle diese, die so reden, Galilder? Wie kommt es denn, daß wir sie alle unsere Muttersprache reden hören? Die Parther, Meder, Elamiten, die Einwohner von Mesopotamien, Judda, Kappodecia, Pontus, Asien, Phrygien, Pamphilien, und dem Theile Libyens und Chrene herum, und die Fremdlinge von Rom, die Juden sowohl als die Profelyten, die Kretenser und Araber. Alle hörten wir fie in unserer Muttersprache von Gottes herrlichen Thaten res den. Gott sey Dank! reden. - - - Alleluja! Du hauchest deinen Odem aus, und Alles steht neu erschaffen da; die Gestalt des Erdballs ist verjüngt. Alle Iuja! Komm, heiliger Geist! erfülle die Herzen der Gläubigen, und zünde in ihnen das Feuer der göttlichen Liebe an. Sequenz. Komm zu uns, o beiliger Geist! und sende herab deines Lichtes belebenden Strahl.- Komm, Du auf das heil. Pfingstfest. 303 Vater der Armen! Du der Himmelsgabe Quelle und der Menschenherzen Licht, o komm zu uns! Bester Tröster süßer Gast der Seele, Erquickung unsers Geistes, komm zu uns! Du bist unsre Ruhe bey des Lebens Mühe; Labsal in dem heißen Kampfe, und weinen wir- unser Trost!- Erfülle, o wonnevolles, seliges Licht, erfülle mit deinem Glanze die Herzen deiner Gläubigen! Obne deinen Beystand vermag die menschliche Schwachheit nichts, ohne Dich ist in uns nichts als Sünde. - so reinige, was unrein ist; das Dürre feuchte an, und das Wunde heile Du. Beuge, was noch widerstrebt; das Ertaltete erwärme, und das Verirrte, ach bring' es zurücke! Schenke deiner Segnungen Fülle den Glaubigen, die auf Dich vertrauen. Gieb zum from men Leben Kraft, in der Todesstunde Trost, und dort das unvergängliche Heil in Ewigkeit. Amen. - 4 Evangelium. Joh. 14, 23. In derselben Zeit sagte Jesus zu seinen Jüngern: Wer mich liebt, der wird mein Wort halten. Mein Vater wird ihn lieben. Zu Ihm werden wir kommen, und bey Ihm woh, hen. Wer mich nicht liebt, der hält auch mein Wort nicht. Die Rede, die ihr gehöret habet, ist nicht meine Rede, son dern die Rede des Vaters, der mich gesandt hat. Dieß habe ich nun gesagt, da ich noch bey euch bin. Aber der Tröster, der heilige Geift, den der Vater an meiner Statt senden wird, der wird euch in Allem unterrichten, und Er wird euch Alles eingeben, was ich euch gesagt habe. - Ich hinterlaffe euch den Frieden. Meinen Frieden gebe ich euch. Ich gebe ihn euch nicht so, wie ihn die Welt giebt. Es werde euer Herz nicht bestürzt, und fürchte sich nicht. Ihr has bet gehört, daß ich zu euch gesagt habe: ich gehe zwar, aber, ich komme wieder zu euch. Liebet ihr mich, so würdet ihr euch darüber freuen, daß ich zum Vater gehe, weil der Vater größer ist, als ich bin. Nun habe ich es euch gesagt, ehe es geschieht, daß ihr's glaubet, wenn es einmal geschehen seyn wird. Jetzt werde ich nicht viel mehr mit euch reden; denn der Fürst dieser Welt kommt, er hat aber nichts an mir, sondern daß es die Welt erfenne, daß ich den Vater liebe, und thue, was er mir aufgetragen hat. Ehre sey Dir Jesus Chris ftus!- Credo.( Wie in der Sonntagsmesse S. 54.) uns gewirket hast. Könige werden Dir in deinem heiligent Offertorium. Befestige in uns, o Gott, was Du in Tempel zu Jerusalem Geschenke bringen. Alleluja.. Heil Vater ic.( Aus der Sonntagsmesse S. 54. bis zur Präfation.) VI. Abschnitt. Andachten Secreta. Heilige, o Herr! die Gaben, die wir Dir geopfert haben, und reinige unsere Herzen durch das Licht deines göttlichen Geistes, durch Jesus Christus ic. Amen. Práfation. Mit diesen Opfergaben erheben wir nun auch unsere Herzen zu Gott, und danken dem Herrn; denn es ist eine höchst billige und heilsame Pflicht, daß wir Dir, heiligster Herr, allmächtiger Bater, ewiger Gott! zu allen Zeiten und an allen Orten Dank sagen, durch Jesus Christus, unsern Herrn, der nach seiner Auffahrt zur Rechten des Vaters den versprochenen hei ligen Geist am heutigen Tage über seine, wieder zu Gnaden aufgenommenen Kinder ausgegossen hat, worüber der ganze Erdkreis in heiliger Freude jubelt, und daß ganze himmlische Heer Lobgesänge anstimmet, und in immerwährender Anbethang ausruft: Heilig! heilig!. ( Wie in der Sonntagsmesse S. 55. bis zum Schlußgebethe S. 58.) 304 Schlußgebeth. Der heil. Geist gieße sich, o Herr! in unsere Herzen aus, und befruchte sie mit dem Thaue der himmlischen Gaben, durch Jesus Christus 2c. Amen. Aufopferung.( Aus der Sonntagsmesse S. 59.) Bethstunde. I. Komm, beirger Geist! mein Trost, mein Licht! mein Lehrer, meine Zuversicht! Gott hat Dich uns zum Heil gesandt; Du bist der frommen Liebe Pfand! Komm, heiliger Geist! verlaß uns nicht! Komm, heil'ger Geift! belebe uns mit deiner Kraft, und führe uns den wahren Weg zur Heiligkeit, zur Weisheit und Gerechtigkeit! Komm, heiliger Geist! erhöre uns! Komm, heil ger Geist! zu uns herab. Die Wahrs heit, die uns Jesus gab, kann ohne Dich nicht fruchtbar seyn; komm, mache uns von Sünden rein! Komm, heiliger Geist, zu uns herab! Dir heir'ger Geist, sey Preis und Dank! Dir tönet unfer Lobgefang! Dir, der uns stets mit Zrost erquickt, wenn Leiden, Angst und Noth uns drückt; Dir heiliger Geist! sey Lob und Dank! Komm, beirger Geist! Du Geift von Gott! Du Freund im Leben und im Tod! Komm und beleuchte uns den Pfad des Lebens, sey uns Licht und Rath. Komm, heis liger Geist! verlaß uns nicht! auf das heil. Pfingstfest. 305 Komm heil'ger Geist! wir flehen zu Dir, und har ren deiner Ankunft bier! Komm, führe uns an deiner Hand, in unser himmlisch Vaterland! Komm, heiliger Geist! verlaß uns nicht. napiling Sad pilied mas sliphing, de nemate II. Komm, heiliger Geist! 13610 siurb Gott sey Dank! wir haben die angenehme Zeit erlebt, die Zeit des neuen Bundes, da die lebendigen Wasser des heilis gen Geistes in die Herzen der Gläubigen firomen, und sie mit heiligen Gaben erfüllen. Wir haben erlebt, wonach die lieben Patriarchen, die frommen Propheten und Könige ges feufzet haben. Heute hat der heilige Geist ein großes Wuns der himmlischer Andacht gewirkt, da er in sichtbarer feuriger Gestalt über die versammelten Apostel und Jünger des Herrn berabgekommen ist, und sie zum andächtigen Lobe Gottes in mancherlen Sprachen erwecket hat. Geht ist wahrhaft, die ans genehme Zeit, der Tag des Heils. Jetzt weidet der Hirt seis ne Schaafe auf grünen Auen, und führet sie zum frischen Waffer des Lebens. Alleluja! Denn Du, o Jesus Christus! Sohn des lebendigen Gottes!--Du hast verheißen, deiner Jüngerschaft den heiligen Geist zu senden, der sie in alle Wahrheit leiten würde und Du erfülltest auf die allervolls fommenste Weise das große Wort der Verheißung am heilis gen Pfingstfeste. Einmüthig waren die Deinigen versammelt, und dein huldreiches Auge blickte auf sie herab; sie fleheten zu Dir, und da sie noch betheten, wurden sie erhöret. Der heilige Geift, der über Dich bey deiner Laufe niedergestiegen war kam auf sie im Saufen des Sturmwindes und im Glanze milder Feuerflammen, die über ihnen schwebten, here ab, und sie wurden neue Menschen sie wurden Lehrer der Welt, aus ungelehrten Fischern, muthige Helden, aus furchts famen Berläugnern, fraftvolle Wunderthäter, aus ohnmächti gen Menschen! In allen Sprachen verkündeten sie deine Grö ße, dein Leben, deine Herrlichkeit, und Vergebung der Sün den, Gnade zum Guten und das ewige Leben durch Dich. Ihrem Geiste, ihrer Weisheit konnte Niemand widerstehen; was fie redeten, war Geist und Leben; was sie schrieben, war Wahrheit und Kraft, die die Herzen von Tausenden durchdrang und weckte, so, daß sie, bekümmert um ihr Heil, nach Dir fragten, an Dich glaubten, und durch den heiligen Geist deiner Gemeinde einverleibt wurden. Alleluja! 520 -- ich würdig genug Dir danken, Du ewig treuer, Du unendlich gütiger Jesus! wie kann danken, daß Du den beilie gen Geist vom Bater deinen Jüngern fandtest, und daß Er bey deiner heiligen Gemeinde bleiben soll, bis an das Ende der Lage! Du allmächtiger, unendlich barmherziger Gott und Vater unsers Herrn Jesus Chriftus! wie kann ich demüs thig genug Dich anbethen, für diese unermeßliche, allbefeli, gende Gabe, die Du uns durch Jesus Christus gesendet haft. Mit diesem Geiste haben deine Kinder auf Erden Alles em 20 VI. Abschnitt. Andachten pfangen, was sie bedürfen, um zu Dir in den Himmel zu kommen! Mit diesem Geiste erfüllet, nennen sie Dich mit Kindeszuversicht Abba lieber Vater!- Abba lieber - Bater! Geber des heiligen Geistes! Ich flehe vertrauensvoll im Namen Jesus zu Dir; verleihe deinen heiligen Geist auch mir; schaffe in mir, wie in den Jüngern, einen neuen Sinn und ein neues Herz, daß ich, wie sie, von nun an nur Dir 90 lebe und Dir diene. 306 1 Komm, o komm, heiliger Geist! erfülle mich mit deinen Gaben; entflamme mein Herz mit deiner Liebe, daß es Dir geheiliget deine Wohnung, dein Tempel werde! Geist der Wahrheit! Eröffne mir den Vaterwillen Gottes, und lehre mich sein heiliges Gefeß!- Geist des Lichtes! Bewahre mich vor jeder Gefahr des Irrthums – Geist der Andacht! Bethe Du selbst in mir mit unauss sprechlichen Seufzern! Geist der Stärke! Rüste mich aus mit deiner Gnade, daß ich in der Versuchung zur Sün de nicht unterliege! Geist der Heiligung! Mach' mir jede schwere Tugend leicht, jede harte Pflicht angenehm, jes des Opfer der Selbstverläugnung füß; verkláre Jesus in mir! Geist des Trostes! stárfe mich im Leiden, richte mich auf in der Trübfal! gieb mir den Frieden Gottes in jeder Noth! Geist der Hoffnung! lenfe mein Aug und mein Herz von der Erde weg nach oben, daß ich das suche, nach dem ringe, und das erlange, was ewig und unvergångs lich ist. Wirke in mir Beydes- das Wollen und das Volls bringen des Guten. - - - Heute ist der Tag, an welchem sowohl das Gefeß auf dem Berge Sinai, als das Evangelium durch Ausgießung des heiligen Geistes zu Jerusalem ist gegeben worden. Odu göttliches Licht! schreibe dieses lebendige Wort in mein Herz, daß es im Glauben mir leuchte, im Leben meine Richtschnur, in Widerwärtigkeiten mein Stab, und im Tode mein Leben sey. Im alten Testamente mußte man Gott an diesem Fefte die Erstlinge opfern. Hier, mein Heiland! sind die Erstlinge meis ner Andacht, so gut sie durch Dich auf meines Herzens Gruns de gewachsen sind. Hier sind die Erstlinge deines Glaubens, der dein Geschenk ist; die Erstlinge meiner Liebe, die ven Dir entzündet ist; die Erfilinge meiner Hoffnung, die auf Dich gegründet ist. Ich opfere Dir dein Eigenes, lieber Herr! weil ich nichts Eigenes habe, das gut ist, sondern Als les, was etwa an mir Gutes ist, das hast Du mir gegeben. Ach! erhalte mein Herz bey diesem Gedanken; erhalte es in reiner und heiliger Andacht; erhalte es vornámlich in mes ner letzten Sterbestunde auf Erden, da mir, Du höchster Tros fier! nichts mehr nothwendiger seyn wird, als dein Beyftand. Laß mich deine heiligmachende Gnade genießen, dann weiß ich gewiß, daß ich Früchte des Geiftes, Früchte der Liebe, der Freude und des Friedens bringe, und nach dem Lode zum Leben aufgeweckt werde. Denn wenn der Geist deffen, auf das heil. Pfingstfest. der Jesus von den Todten auferwecket hat, in mir wohnet, so wird eben so der, der Jesus auferwecket hat, auch meinen sterblichen Leib lebendig machen, um deßwillen, weil sein Geist in mir wohnet. Amen. 307 III. Komm, heiliger Geist! ( Ein Gebeth nach dem heil. Augustin.) O beiliger Geist! Du Liebe des göttlichen Wesens! Du heilige Gemeinschaft mit dem allmächtigen Vater und dem eingebornen Sohne, Du mildester Tröster der Betrübten. Komm mit deiner mächtigen Kraft in das Innerste meines Herzens, und erfreue als Inwohner alle verfinsterten Winkel deines in mir vernachläßigten Tempels mit dem hellen Schei ne deines glänzenden Lichtes, und mache Alles, was nun seit lange dürre und verschmachtet gewesen, durch deine Heimsus dung mit der Fülle deines Thaues wieder fruchtbar. Vers wunde mein Innerstes mit dem Pfeile deiner göttlichen Liebe; entzünde mein laues Herz mit deiner heilbringenden und durchs dringenden Flamme; durchleuchte es mit dem heiligen Feuer deiner Inbrunst, daß Geist und Leib ganz davon entzündet werden. ,, Tránke mich mit dem Strome deiner Seligkeit ( Psalm 35.), daß es mir ectelt vor dem süßen Gifta vergångs licher Dinge. Richte mich, o Herr! und trenne meinen Wane del von dem unheiligen Volke,"( Psalm 42, 1.) ,, Lehre mich nach deinem Willen thun; denn Du bist mein Gott."( Psalm 142, 10.) Ich glaube, daß Du, wenn Du in einem Menschen woh nest, darin zugleich dem Vater und dem Sohne eine Wohs nung erbauest! ,, Selig, wer das Seinige thut, um Dich bes berbergen zu können; denn durch Dich nimmt der Vater und der Sohn in ihm Wohnung."( Joh. 14 ,. 23.) So komme denn, ja komme, mildester Tröster betrübter Seclen. Du Beschüßer in Nöthen, Du Helfer in Widerwäre tigkeiten! Komm und reinige mich von meinen böfen Begier den, und heile meine Wunden. Komm, Du Stárke der Schwachen, der Du die schon Wankenden wieder aufrichtest! Komm, Du Lehrer der Demüthigen, Du Erniedriger der Soffartigen! Komm, Du getreuer Vater der Waisen, Du milder Richter der Wittwen! Komm, Du Hoffnung der Ar men, Du Erquickung der Schmachtenden! Komm, Du Leite stern der Schiffenden, Du sicherer Hafen der Schiffbrüchigen! Komm, Du auserwählte Zierde der Lebenden, Du einziges Heil der Sterbenden! Ja, komm, o heiliger Geift, komm, und erbarme Dich meiner. Bilde mich nach deinem Wohlges fallen, und stehe mir gnädig bey, auf daß meine Geringigkeit deiner Größe, meine Schwäche deiner Stärke, nach der Fülle deiner Erbarmungen gefallen möge; durch Jesus Christus, meinen Erlöser, der mit dem Vater in Einigkeit mit Dir lebt und regieret von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. 20 VI. Abschnitt. Andachten IV. Litaney von dem heiligen Geiste. Herr, erbarme Dich unser! Christe, erbarme Dich unser! Herr, erbarme Dich unser! c. Gott Vater im Himmel! Erbarme Dich unser! Gott Sohn, Erlöser der Welt! ic. 308 Gott heiliger Geist, Herlige Dreyfaltigkeit, einiger Gott, Geist der Wahrheit und der Weisheit, Geift des Verstandes und der Stárke, Geist der Andacht und des guten Raths, Geist der heiligen Furcht und der Liebe, Geist der Freude und des Friedens, Geist der Geduld und der Güte, Geist der Langmuth und der Sanftmuth, Geist des Glaubens und der Zuversicht, Geist der Enthaltsamkeit, Geist der Demuth und der Klugheit, Geist des Lebens und des Heils, Geist aller Zugenden, Geist der heiligmachenden Gnade, Geist der Kindschaft Gottes, Reiniger unserer Seelen, Heiliger und Regierer der katholischen Kirche, Durchschauer der Gedanken und Anschläge des Herzens, Ausspender der himmlischen Gaben, Troffer in allen Trubsalen, Süßigkeit aller Anfangenden im Guten, Stärke aller Zunehmenden, Jubel der Engel, Licht der Patriarchen, Begeisterung der Propheten, Mund und Weisheit der Apostel, Sieg der Märtyrer, Wissenschaft der Bekenner, Reinigkeit der Jungfrauen, Salbung aller Heiligen, to D 3082 mal i havens pred samt f Sen uns gnädig, verschone uns, o Herr! 00 Sey uns gnädig, erhöre uns, o Herr, Von allem Uebel, erlöse uns, o Herr! Bon aller Sünde, Bon aller Versuchung der Hölle, Bon aller Befreitung der erkannten Wahrheit, erlöse uns. Von aller Mißgunft der göttlichen Gnade, Von aller Verstockung und Unbußfertigkeit, Bon aller Nachläßigkeit und Trägheit, Bon aller Unreinigkeit des Geiftes und des Leibes, Von aller Spaltung und Irrlehre, Bon allen bösen Gesinnungen, Von dem ewigen Lode, 5538 auf das heil. Pfingstfest. Durch dein Hervorgehen aus dem Vater und Sohne, Durch deine Erscheinung bey der Taufe, Durch deine Ankunft am Pfingstfeste, Am Tage des leßten Gerichts, V 309 Wir armen Sünder, wir bitten Dich, erhöre uns! Daß Du alle Glieder der Kirche lebendig machen und heilis gen wolleft, wir bitten c. Daß Du alle Völker in dem Einen heiligen Glauben vereini gen wolleft, Daß Du uns mit deiner heiligen Gnade überall bevorkommen, begleiten, und unterstüßen wollest, wir bitten Dich erhöre uns! Heiliger Geist, höre uns! Heiliger Geist, Du Tröster, erhöre uns! 4:16 Daß Du uns die Gabe der Andacht und Gottseligkeit schens fen wollest,* C. Herr, erbarme Dich unser! Christus, erbarme Dich unser! Herr, erbarme Dich unser! Daß Du alle unsere Gedanken, Worte und Werke zu Dir emporrichten, und durch Dich heiligen wollest, D Daß Du uns in aller Demuth und aller Tugend gründen wollest, Daß Du die himmlische Sanftmuth und Geduld in uns pflanzen wolleft, ona Daß Du in uns den Hunger und Durst nach der wahren Ges rechtigkeit erregen wollest, Daß Du uns zu Gefäffen deiner Liebe machen wollest, Daß Du einen reinen Geist, und ein reines Herz in uns ers schaffen wollest, Daß Du uns den Frieden des Gewissens und die Festigkeit des Herzens schenken wolleft, Daß Du uns um der Gerechtigkeit willen Verfolgungen zu leiden, würdig und stark machen wollest, Daß Du uns in der Gnade befestigen wollest, Daß Du uns in die Zahl deiner Auserwählten aufnehmen wolleft, Daß Du uns erhören wolleft, Geist Gottes, wir bitten Dich, erhöre uns! Du Lamm Gottes, das Du hinwegnimmst die Sünden der Welt, gieß deinen heiligen Geist in uns aus! D Du Lamm Gottes, das Du hinwegnimmst die Sünden der Welt, sende uns herab den versprochenen Geist des Vaters! Du Lamm Gottes, das Du hinwegnimmst die Sünden der Welt, gieb uns deinen heiligen Geist! Vater unser 20. Gieß deinen heiligen Geist über uns aus, und Alles wird neugeschaffen werden, und Du wirst die Gestalt der Erde erneuern. Schaffe in uns ein neues Herz, und nimm deinen heiligen Geist nicht mehr von uns. 310 VI. Abschnitt. Andachten auf das heil. Pfingstfest. Herr, erhöre unser Gebeth! und unser Rufen komme zu Dir! Lasset uns bethen: Gott! Heute hast Du in die Seelen der Gläubi gen durch die Erleuchtung des heiligen Geistes die rech te Erkenntniß( und den Eifer der Liebe Gottes) kom men lassen: Laß nun auch in unsere Seelen durch den nämlichen Geist die Erkenntniß der Wahrheit und Freu de an seinen Tröstungen kommen. Gott! jedes Herz steht offen vor dinem Blicke, und jeder Wille ist Sprache für dein Ohr; das Geheimste ist kein Geheimniß für Dich! Sende den heiligen Geist in unser Herz, und reinige alle unsere Gedanken, da mit wir fähig werden, Dich vollkommen zu lieben, und nach Würde zu preisen. Sende Jhn, Allmächtiger! sende Ihn, den heili gen Geist, und laß unser Fleben nicht müde werden, bis wir Ihn erflebt haben, damit uns seine Gnade Nachlaß aller begangenen Sünden verschaffe, und von allen Versuchungen zu neuen Sünden frey mache, durch Jesus Christus, unsern Herrn. Amen. Die Gnade unsers Herrn Jesus Christus, die Lie be Gottes, und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sen mit uns Allen. Amen.( 2. Cor. 13, 13.) Und die Seelen der verstorbenen Christglaubigen sollen durch die Barmherzigkeit Gottes im Frieden ruhen. Amen. Vater unser zc. Ich glaube an Gott den Vater 2c. n Siebenter Abschnitt. 311 5d Andachtsübungen auf das Fest der Dreyeinigkeit, und des Fronleichnams unsers Herrn Jesus Christus. Das Fest der allerheiligsten Dreyeinigkeit. Meßand a ch t. Auch für alle Sonntage nach Pfingsten bis zum Advent. Hochamt S. 51. Bethstunde. ( Auch für alle Sonntage von Pfingsten bis zum Advent.) I. Anrufung der allerheiligsten Dreyeinigkeit. Gott der Vater segne und behüte uns als seine Kinder! Gott der Sohn erleuchte uns durch seine Gnade, und schenke uns seinen Frieden! Gott, der heilige Geist besuche, erquicke, triste und heilige unsere Herzen, und lasse uns Gottes Herrlichkeit sehen und genießen von Ewigkeit zu Ewigkeit. Water unser 2c.( dreymal.) II. Erkenntniß Gottes in seiner Einheit und Dreyeinigkeit. ( Aus den einsamen Gesprächen des heil. Augustin frey bearbeitet.) Ich danke Dir, Vater der Lichter! durch dessen Erleuchtung ich Dich erkannt habe! In wiefern aber? Ich habe Dich erkannt als den Einzigen, lebendigen und wahren Gott, meinen Schöpfer. Ich habe Dich erkannt als den Erschaffer des Himmels und der Erde, aller sichtbaren und unsichtbaren Dinge; als den wahren, allmächtigen, unsterblichen, unsichtbaren und unbegrenzten, als den ewigen, unbegreiflichen und unveränderlichen, als den unermeßlis then und unendlichen Gott!.... dessen Herrlichkeit nie einen Anfang genommen, dessen Herrlichkeit sich auch in Ewigteit nie enden wird. Ich habe Dich erkannt, als einen ein VII. Abschnitt. Andacht. zigen, wahren und ewigen Gott, Bater, Sohn und heiligen Geist, zwar dreyfach in den Personen, aber von einer We senheit, einer durchaus einfachen, unzertrennlichen Natur; den Vater von keinem, den Sohn allein vom Vater, und den heiligen Geist von beyden ausgehend, ohne Anfang, alle zeit und ohne Ende;... als den Einen Ursprung und Schö pfer aller sichtbaren und unsichtbaren, geistigen und körper: lichen Geschöpfe. Dieß glaube ich zur Rechtfertigung mit dem Herzen, und bekenne es mit dem Munde zur Seligkeit. ( Rom. 10, 10.) 312 Ich habe Dich erkannt als wahren Gott und unsern Herrn Jesus Christus, den eingebornen Sohn Gottes, mei: nen und des ganzen menschlichen Geschlechtes Schöpfer, Heiland und Erlöser; darum glaube ich auch fest, und be kenne wahrhaft, Du seyest der Eingeborne vom Vater von Ewigkeit, Gott von Gott, Licht vom Lichte, wahrer Gott von dem wahren Gott, nicht erschaffen, sondern geboren, und eines Wesens mit dem Vater und dem heiligen Geiste von gleicher Ewigkeit, durch den Alles vom Anfange her. vorgebracht worden ist; eben so fest glaube, und so wahrhaft bekenne ich, daß Du Eingeborner Gott, Jesus Christus, nach dem gemeinschaftlichen Beschlusse der heiligen Dreyeinigkeit, zur Rettung der Menschen selbst die menschliche Natur angenommen hast, und aus Maria, der allezeit un befleckten Jungfrau, durch die Kraft des heiligen Geistes empfangen, ein wahrer Mensch geworden bist,- und zwar aus unendlicher Liebe zu uns fündigen Menschen, für die Du, Sohn Gottes! leiden, für die Du sterben wolltest, um sie durch die unsterblichen Verdienste deines bittern Leidens und Sterbens von dem ewigen Tode zu befreyen; weil Du deiner göttlichen Natur nach weder leiden noch ster. ben konntest, so nahmst Du die menschliche Natur an, wur dest uns in Allem( die Sünde ausgenommen) gleich, ein wahrer Mensch, und leistetest am Kreuzholze der ewigen Gerechtigkeit eine vollkommene Genugthuung für die Sün den der Welt. O Du Lamm Gottes, welches hinwegnimmt die Sünden der Welt, erbarme Dich unser! Ich glaube fest und bekenne, daß Du zur Vorhölle, wo unsere Båter in Finsterniß saßen, hinabgestiegen, ten Tage aber als glorreicher Sieger von den Todten wieder am drit: - - auf das Fest der Dreyeinigkeit. 313 auferstanden bist, indem Du an diesem Tage nach der Vorhersagung der heiligen Schrift, deinen heiligen Leib, der für unsere Sünden starb, und im Grabe lag, wieder angenommen und verkläret hast, um ihn zur Rechten deines Vaters im Himmel zu setzen, wo die Quelle des Lebens, das unzugängliche Licht und der Friede Gottes ist, der allen Verstand übersteigt, und wohin all' die Deinigen einst von Dir aufgenommen und ewig selig gemacht werden sollen. Darum bethen wir Dich, Jesus Christus! als wahren Gott und Menschen an, und glauben und bekennen, daß Du der Eingeborne des Vaters seyest, und erwarten Dich von daher am Ende der Welt als Richter, um die Lebendigen und Todten zu richten, und den Guten und Bösen nach ihren Werken zu vergelten, entweder mit Belohnung oder Strafe, je nachdem Jemand der Ruhe oder der Qual würdig ist; denn an jenem Tage werden alle Verstorbenen, von deiner mächtigen Stimme geweckt, in dem Körper, den sie hier bewohnten, wieder auferstehen, damit der ganze Mensch nach seinen Werken entweder die Seligkeit oder das Verderben empfange. Du, Herr Jesus Christus! bist unser Leben und unsere Auferstehung, den wir als unsern Heiland erwarten, und der unfern verächtlichen Leib nach dem Vorbilde seines verherrlichten Leibes erneuern wird.( Philip. 3, 20,) Ich habe Dich erkannt als wahren Gott und einigen heiligen Geist des Vaters und Sohnes, der von Beyden ausgeht, gleich ewig und einer Wesenheit mit dem Vater und Sohne ist, als unsern Trister und Fürsprecher, der Du über unsern Gott und Herrn Jesus Christus in der Gestalt einer Taube herabgestiegen, und über den Aposteln in feurigen Zungen erschienen bist; der Du alle Heiligen und Auserwählten Gottes vom Anfange durch die Mittheilung deiner Gnade gelehrt, und den Mund der Propheten zur Verkündigung der Wunder deines Reiches eröffnet hast; der Du von allen Heiligen Gottes mit dem Vater und Sohne zugleich angebethet und verherrlichet wirst. Auch ich preise, als der Sohn deiner Magd, aus ganzem Herzen deinen Namen, weil Du mich erleuchtet hast.- Denn Du bist das wahre Licht, das Feuer Gottes - 314 VII. Abschnitt. Andachten o und der Lehrer der Geister, der Du uns durch deine Sala bung alle Wahrheit lehrest. Du bist der Geist der Wahrheit, ohne welche Niemand Gott gefällt;... Du gehest vom Vater der Lichter und von seinem Sohne, unserm Herrn Jesus Christus, aus, und lebst und herrschest, mit Ih nen gleicher Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Ich habe Dich erkannt als den Einen, wahren, lebendigen Gott, Vater, Sohn und heiligen Gott; als den Einfachen in der Natur, und den Dreyfachen in den Personen; als den Einen Schöpfer, Erhalter, Regierer, Versorger und Beherrscher alles dessen, was erschaffen ist, außer dem weder im Himmel noch auf der Erde ein anderer Gott ist Als solchen hab' ich Dich erkannt, Herr mein Gott, der Du mich ganz durchschau'st! Ich erkannte Dich durch den Glauben, den Du mir eingeflößt hast, o mein Licht, Du Licht meiner Augen! Herr, mein Gott! Du Hoffnung aller Enden der Erde! Du Quelle mei ner Freude! und Du höchstes Gut, das mein Alter un terstüzt; denn in Dir, Herr! ruft frohlockend mein Ge bein: Herr! wer ist Dir gleich!- Die Götter der Heiden von Silber und Gold sind ein Werk der Menschenhånde.( Psalm 113, 4.) So ein Gott bist Du nicht, allmächtiger Schöpfer der Menschen! Alle Götter der Heiden sind böse Gei. ster; aber der Herr hat die Himmel geschaffen.( Psalm 59, 5.) Götter, die den Himmel und die Erde nicht ge schaffen haben, müssen vom Himmel und von der Erde vertilget werden.( Jerem. 10, 11.) Den Gott aber, der den Himmel und die Erde erschaffen hat, soll Himmel and Erde preisen in Ewigkeit. Amen. - Ill. Gebeth zum dreyeinigen Gott. Allerheiligste, anbethungswürdigste Dreyeinigkeit! Gott Vater, Sohn und heiliger Geist! einfach in deiner Wesenheit, dreyfach in den Personen! in allertiefster De muth bring' ich Dir das Opfer meiner Verehrung und Anbethung dar, und stimme ein in den Lobgesang der himmli schen Heerschaaren: Heilig, heilig, heilig bist Du, Gott, Sabaoth! Himmel und Erde sind deiner Herrlichkeit voll. Ich kann zwar dieses allerheiligste Geheimniß nicht er forschen, nicht begreifen; das kann kein erschaffener Ver. auf das Fest der Dreyeinigkeit. 315 stand; denn Du, Ewiger, Unbegreiflicher! wohnest in einem unzugänglichen Lichte; die Cherubim und Seraphim verhüllen ihr Angesicht vor Dir, und lassen nur die Inbrunst ihrer Liebe mit Dir reden. Aber Du hast mich ja nicht erschaffen, um Dich zu begreifen, sondern um Dich zu lieben, deine Gebote zu halten, und in Dir selig zu werden; darum lehret dein heiliges Wort mich Alles, was mir von der unergründlichen Tiefe deiner Gottheit zu meiner Beseligung zu wissen nothwendig ist. doled sil Dreyeinigkeit! o Du erhabenstes aller Geheimnisse! Je weniger mein Geist Dich fasset, mit desto größerer Ehrfurcht und innigerer Liebe umfängt mein Herz eine Wahrheit, die aus untrüglichem Munde geflossen ist. In ihr finde ich den Grund meines Daseyns, den Trost meiner Erlösung, die Quelle meiner Heiligung. Dreyeiniger Gott, Vater, Sohn und heiliger Geist! ja, mit festem, unerschütterlichem Glauben halte ich Alles für gewiß und für wahr, was Du von deiner eigenen Wesenheit in der Zeit für uns geoffenbaret hast. Ich glaube, daß Du in Wahrheit Vater bist, der rechte Bater über Alles, was Kind heißt im Himmel und auf Erden. Auf deinen Namen, o Bater! bin ich getauft; Lob und Dank sey Dir, daß Du mich, als dein Kind, zum neuen Leben durch das heil. Sacrament der Taufe eingeweiht hast. Ich glaube, daß Du, Jesus Christus! der eingeborne Sohn des himmlischen Baters, an Kraft und Herrlichkeit Eins mit Ihm, in Allem Ihm gleich, in der Fülle der Zeit Mensch geworden bist, um zu suchen und selig zu machen, was verloren war. Auf deinen Namen, göttlicher Erlöser, bin ich getauft; Lob und Dank sen Dir, daß Du mich aus der Sklaverey der Sünde jur wahren Freyheit der Kinder Gottes gebracht, und mir Verzeihung der Sünden, Gnade zum Guten und das ewige Leben erworben hast. Ich glaube, daß Du, o heiliger Geist! ausgehest und gesandt werdest vom Vater und Sohne, gleicher Gott mit Beyden, und uns machest zu Tempeln und Wohnungen Gottes, indem Du uns erleuchtest, heiligest und tröstest. Auf deinen Namen bin ich getauft; Lob und Dank sey Dir, daß Du mich Unwissenden und VII. Abschnitt. Andacht Schwachen in diesem Sacramente zur Theilnahme an deiner Weisheit und Stärke berufen, und zur Erbschaft des ewigen Lebens eingeweihet bast. 316 Durch die Taufe bin ich Dir, o mein Gott! gehei. liget; ich will nun gänzlich und auf immer Dir ange: hören. Nie, nie will ich aus deinen Armen, o bester Bater! in die Arme der Verführung entfliehen, nie will ich aus der Freyheit der Kinder Gottes, die Du, gött: licher Heiland, uns erworben hast, in die Knechtschaft der Sünden zurücke kehren; nie will ich das Leben, nach dem Geiste Gottes, mit dem Tode des blos sinnlichen Lebens nach dem Geiste der Welt vertauschen. O mein Herr und mein Gott! Du weißt alle Din ge, Du weißt, daß ich Dich liebe; Du kennst aber auch meine Schwäche und Gebrechlichkeit. Unterstüße mich Schwachen, stärke und befestige mich Gebrechlichen, und gieb mir das Wollen und Vollbringen, damit ich jetzt auf Erden in treuer Liebe Dir dienen, und einst in dei nem Reiche mit deinen Engeln und Auserwählten Dich, den Vater voll unermeßlicher Majestät, deinen vereh. rungswürdigen, wahren und einzigen Sohn, und den Tröster, den heiligen Geist, ewig loben und preisen mi ge. Amen. IV. Litaney zur allerheiligsten Dreyeinigkeit. Herr, erbarme Dich unser! Christus, erbarme Dich unser! Herr erbarme dich unser! Heiligste Dreyeinigkeit, erhöre uns! Heiligste Dreyeinigkeit, erhöre uns! Gott Vater vom Himmel! Erbarme Dich unser! Gott Sohn, Erlöser der Welt! ic. Gott heiliger Geift! 2c. Heilige Dreyfaltigkeit, ein Einiger Gott! Gott, einfach in der Natur! Gott, dreyfach in den Personen! Gott, Bater, Sohn und heiliger Geist! Gott Vater, Du allmächtiger Schöpfer! Gott Sohn, Du liebender Erlöfer! Gott heiliger Geist, Du lebendigmachender Tröster! Ungezeugter Vater, Eingeborner Sohn, Heiliger, aus Beyden hervorgehender Geist! Unermeßliche Allmacht des ewigen Vaters, Unerforschliche Weisheit des göttlichen Sohnes, auf das Fest der Dreyeinigkeit. Kräftige Güte des heiligen Geistes, Heiliger, heiliger, heiliger Herr Gott Sabaoth! Heiliger Gott, starker Gott, heiliger unsterblicher Gott! O Gott! in welchem wir leben, weben und sind, 9 Gett! aus dem, in dem, und durch den Alles ist, Der Du warest, bist und ewig seyn wirst, Der Du deine Hand öffnest, und Alles was lebt, mit Segen erfüllest, Dessen Auge heller als die Sonne ist, da D Gott! den die Himmel der Himmel nicht umfassen, 317 Sen uns gnädig, verschone uns, o Herr! Sey uns gnädig, erhöre uns, o Herr! Von allem Uebel, erlose uns, o Herr! Bon aller Sünde, c. Von und 9123nis Ven Unmäßigkeit und Anhänglichkeit an das Irdische, Ben Unglauben und Aberglauben, Bon Trägheit in deinem Dienste, Durch deine unermeßliche Almacht, Durch deine unendliche Weisheit, Durch den Reichthum deiner Güte, Durch die Ewigkeit deiner Herrlichkeit und Majestát, erlöse uns, o Herr! Durch die Höhe deiner Allwissenheit und Vorsehung, ic. Durch die unaussprechliche Größe deiner Liebe und Erbarmung Durch deine unergründliche Gerechtigkeit und furchtbaren Ges richte, 1911 Am Tage des Gerichtes, 19 Rans Wir armen Sünder, wir bitten Dich, erhöre uns! Daß wir unser ganzes Leben hindurch Dir dienen in Heilige feit und Gerechtigkeit, Daß wir Dich, unsern Herrn, anbethen, und Dir allein dies nen, Daß wir deinen heiligen Namen nie eitel nennen, 831 Daß wir die heiligen Lage des Herrn heilig und zu deiner Ehre zubringen, Daß wir unsern Aeltern, Borgesetzten und Obrigkeiten, Ehrs furcht und Gehorsam erzeigen, Daß wir Niemands Leben, oder Ehre, aus Zorn, Haß oder Neid beschädigen, Daß wir Niemand übervortheilen, und keinem Menschen wes he thun, Daß wir unsere Herzen verwahren vor allen unerlaubten Bes gierden des Fleisches, und unreinen Bewegungen des Ges müthes, Daß wir nie den nächsten vermessentlich beurtheilen, oder Lüs gen sprechen, Daß wir des Nächsten Gut nicht begehren! Wir bitten Dich, erhöre uns! Daß wir Dich, unfern Gott, aus ganzem Herzen, aus ganzer Seele, und aus allen Kräften lieben möchten, 318 VII. Abschnitt. Andacht. Daß wir Dich über Alles, und den Nächsten wie uns selbst, wegen Dir lieben möchten, Daß wir Niemanden etwas thun, was wir nicht wollen, daß auch uns gethan werde, Daß wir nie den Reichthum deiner Güte, Geduld und Langmuth verachten, Daß wir unsere Leiber zu einem lebendigen, heiligen und gotts gefälligen Opfer weihen, Daß Du uns in dein ewiges Reich einführen wollest. O Du Lamm Gottes, welches hinwegnimmt die Sünden der Welt! Versöhne uns mit deinem Vater! O Du Lamm Gottes, ic. Begnadige uns arme Sünder! O Du Lamm Gottes, zc. Gieb uns deinen heiligen Geist! O Du selige Dreyfaltigkeit, höre uns! D Du gebenedeyte Dreyfaltigkeit, erhöre uns! u. f. w. Gebeth. Allmächtiger, ewiger Gott! der Du dei nen Dienern die Glorie der ewigen Dreyfaltigkeit in dem wahren Glaubensbekenntnisse zu erkennen, und die Einigkeit in deiner herrlichen Macht anzubethen giebst, verleih, daß wir durch urch die Fe-keit des Glaubens wis der alle Widerwärtigkeiten ver et werden. O Gott! Du Wiederhersteller und Liebhaber der Un schuld, lenke die Herzen deiner Diener zu Dir, daß wir, erfüllet von dem Eiser deines Geistes, im Glauben standhaft und in den Werken thätig erfunden werden, durch unsern Herrn Jesus Christus ic. 09 310 Gebeth des heiligen Augustin. Dich, Gott Vater! den Unerzeugten, Dich, Sohn Gottes! den einzig Erzeugten, Dich, heiliger Geist! den Trister, Dich, heilige ungetheilte Dreyeinigkeit! bekenne, lobe und preise ich mit Herz und Mund. Ehre sey dem Bater, der mich erschaffen hat; Ehre dem Sohne, der mich erldset hat; Ehre dem heiligen Geiste, der mich geheiliget hat. Ehre sey der höchsten und unzertheilten Dreys einigkeit, meinem Gott und meinem Herrn durch alle Ewigkeit. Amen. Kirchengebethe auf alle Sonntage nach Pfingsten. 1.( Sonntag nach Pfingsten.) O Gott! Du Stärke Aller, erzeige weil ohne Dich die menschlich gnädig unserm Flehen, und vermag, so verleihe uns deine hülfreiche Gnade, daß wir in Erfüllung deiner Gebote sowoht durch unsern Willen, als durch unser Thun, Dir wohlgefällig seyen. auf das Fest der Dreyeinigkeit. 2. Wirke in uns, o Herr! daß wir eine mit Liebe gepaars te immerwährende Furcht vor deinem heiligen Namen haben, weil Du nie deine Leitung denjenigen entziehest, welchen Du Festigkeit in deiner Liebe ertheilet hast. 319 3. O Gott! Du Beschützer aller auf Dich Hoffenden; ohne Den nichts stark, nichts heilig ist; vervielfältige über uns deis ne Barmherzigkeit, damit wir unter deiner Leitung und unter deinem Schuße so durch die zeitlichen Güter hindurch gehen, daß wir darüber die ewigen nicht verlieren. 4. Lenke, wir bitten Dich, o Herr! lenke fortwährend alle Weltbegebenheiten zu unserm Heile und Frieden, und verleihe, daß insbesondere deine Kirche durch ungestörte Andacht ers freuet werde.l of 5. Gott! der Du denen, die Dich lieben, unsichtbare Güter zuberettet hast; gieß in unsere Herzen wirksame Liebe zu Dir, damit wir Dich in allen Dingen und über alle Din ge lieben, und deiner Verheißungen, die über alles Berlangen groß sind, theilhaftig werden. Aunt 6. O Gott! von dem alle Zugendkräfte und Alles, was wahrhaft gut ist, herkommt; flöße in unsere Herzen die Liebe deines Namens, und vermehre die Gottlosigkeit in uns, das mit, was gut ist, durch Dich ernähret, und das von Dir ges náhrte Gute durch unser gottesfürchtiges Bestreben von Tag: zu Zag vermehret werde. 7. O Gott! dessen Vorsicht in allen ihren Anordnungen nicht getäuscht werden kann; demüthig flehen wir zu Dir, daß Du alles Schädliche entfernen, und alles Heilsame uns ges währen wollest. 8. Verleihe uns, wir bitten Dich, o Herr! den heiligen Geist, stets zu denken und gern zu vollbringen, was recht ist, damit wir, die wir ohne Dich nicht seyn können, ganz nach dir leben können. 9. Laß, o Herr! die Ohren deiner Barmherzigkeit den Bits ten der Flehenden offen stehen, und damit wir gewiß erhalten, was wir verlangen, so leite Du unser Flehen, daß wir nur das verlangen, was Dir wohlgefällt. 10. O Gott! der Du am herrlichsten deine Allmacht durch Schonen und Erbarmen offenbareft; vermannigfaltige über uns deine Barmherzigkeit, damit wir nach dem Ziele deiner Berbeißungen muthig forteilen, und der himmlischen Gaben durch Dich theilhaftig werden. 11. Allmächtiger, ewiger Gott! der Du in deiner überflies Benden Mildigkeit den Flehenden jederzeit mehr giebst, als nie verdienen und wünschen; gieß über uns aus deine Erbars mungen, damit Du uns vergebeft, was unfer Gewissen schreckt, und uns schenkest, was unser kühnes Flehen sich kaum zu hofs fen getraut. 12. Allmächtiger, barmherziger Gott! von deffen Gnade es kommt, daß Dir von deinen Gläubigen würdig und wohlges fällig gedient wird; laß auch uns diese Gabe zu Theil wers den, daß wir, ohne anzustoßen, deinen Verheißungen zueilen. isi VII. Abschnitt. nd Jun 13. Allmächtiger, ewiger Gott! laß uns an Glaube, Hoffs nung und Liebe stets zunehmen, und, damit wir fähig wers den, das zu erlangen, was du verheißest, so laß uns von 2001 Herzen lieben, was Du gebietest. 320 14. Wir bitten Dich, o Herr! schüße deine Kirche mit im merwährender Gnade, und weil ohne Dich der sterbliche Mensch hinfällig ist, so laß ihn stets durch deinen Beystand sowohl vom Schädlichen abgezogen, als zum Heilsamen hin gelenkt werden. 15. Laß, o Herr! deine Kirche durch die Fortdauer deiner Erbarmungen gereiniget und beschüßzet werden, und weil sie ohne Dich nicht unverletzt bestehen kann, so laß sie allezeit unter deiner Aufsicht regieret werden. 2016. Wir bitten Dich, o Herr! laß stets deine Gnade vor uns hergehen, und uns folgen, und uns allezeit auf gute Werke bedacht machen. aguindo aind THE NECOL 17. Verleih, o Herr! deinem Volke, allen teuflischen Vers führungen auszuweichen, und Dir, dem einzigen Gott, mit reinem Herzen anzuhangen. 18. Deine allvermögende Erbarmung, o Herr! fey tets die Leiterin unsers Herzens, weil wir ohne Dich Dir nicht gefallen können, darum bitten wir Dich, durch Jesus Chris stus.aperdivenla 19. Allmächtiger und barmherziger Gott! wende gnábig alles Widrige von uns ab, damit wir gefund an Leib und Seele, was dein Wille ist, mit freyem Geiste vollbringen. 20. Verleih deinen Gläubigen, o herr! gnådige Vergebung und Frieden, damit sie zugleich von Allem, was dir mißfäl lig ist, gereiniget werden, und Dir mit heiterer Seele dienen mögen. 21. Deine unwandelbare Baterliebe, o Serr! beschüße dein Volk, damit es unter deinem Schuße von allen Widerwärtigs feiten befreyet, und in guten Werken deinem Namen ergeben sey; darum bitten wir, durch Jesus Christus ac. 22. O Gott! Du unsere Zuflucht und Stárke, erbore die frommen Gebethe deiner Kirche; Du Urquell der Frömmigkeit, verleih, daß wir das wirklich erhalten, um was wir gläubig bitten. 23. Vergieb, o Herr! wir bitten Dich, die Uebertretungen deiner Völker, damit wir von den Schlingen unserer Sünden, die wir in unserer Schwachheit geknüpfet haben, durch deine Güte befreyet werden. 24. Wir bitten Dich, o herr! erwecke die Herzen deirer Gläubigen, damit sie die Früchte deines göttlichen Erlöfungss Werkes williger zu erlangen suchen, und deine geheimnißvo's len wirksamen Heilmittel von deiner Vaterhuld empfangen mögen. no 321 Am Feste des Fronleichnams unsers Herrn Jesus Christus. Bethstunde am Vorabend. Du bist Christus, der Sohn des lebendigen Gottes! Herr! öffne meine Lippen, und mein Mund wird dein Lob verkünden. Gott! denk auf meine Rettung. Herr! eile mir zu Hülfe. Ehre sey dem Vater c. Alleluja. I. Anbethung. Das allerheiligste Sacrament des Altars, bethe, o meine Seele! in tiefiter Demuth an. Unsern Herrn, Jesus Christus, der das Brod des Lebens ist, bethe, o meine Seele! in tiefster Demuth an. Christus den König, der über die Völker herrscht, und dens jenigen, die Ihn genießen, Stárke des Geistes giebt, bethe, o meine Seele! in tiefster Demuth an. Dir, o Jesus! lebendiger Gott im heiligsten Altars: Sas cramente, bringe ich das Opfer einer ewigen Anbethung, Lob, Ehre, Liebe und Danksagung, und stimme in den Lobgefang aller Engel und Heiligen im Himmel ein: peilig, heilig, heis lig ist der Herr, der allmächtige Gott, der Herr der Heerschaas ren! Himmel und Erde sind seiner Herrlichkeit voll! Ehre sey dem Vater, dem Sohne, und dem heiligen Geiste zc. II. 2 ob gesang. 1. Preiset, Lippen, das Geheimniß seines Leibs voll Herrs lichkeit; feines Bluts, dem Schäße weichen, das jum Löses geld der Welt Er, der holden Mutter Sproffe, Er, der Völs ter Herr, vergoß! 2. Uns geschenket, uns geboren aus der reinen Jungfrau Schoos, wandelt Er voll Huld auf Erden, ftrent des Wors tes Saamen aus; krönt mit wundervoller Stiftung seiner ede len Lage Schluß. 3. In der Nacht des letzten Mahles, sitzt von Brüdern Er umringt, kostet des Gefeßes Speisen, und erfüllet das Gesek; reichet dann des neuen Bundes böh're Speis den Zwölfen dar. 4. Er nahm Brod, und sprach mit Segen: ,, Effet, denn dieß ist mein Leib!" nahm den Kelch, und sprach mit Segen: Trinkt mein Blut im neuen Bund, und gedenket Mein, ihr Freunde! stets bey euerm Liebesmahl!" 5. Laßt uns dann voll Ehrfurcht feyern, dieß erhab'ne Sas crament! Hier sind keine alten Bilder; neu ist unser Liebess mahl, und der Glaube muß enthüllen, was dem schwachen Sinn entgeht. 6. Dir, o Vater in den Himmeln! Dir, o eingeborner Sohn! Euch sey Lob, Preis, Dank und Ehre! Kraft und Ser 21 VII. Abschnitt. gen strömt von Euch! Geist des Vaters und des Schnes! Dir gebührt ein gleicher Ruhm! Amen. Antiphon. 322 Dallerheiligstes Abendmahl! in welchem wir Jesus Chris stus wahrhaft empfangen, das Andenken seines Leidens vers ehrt, die Seele mit Gnade erfüllet, und uns ein Pfand des ewigen Heils mitgetheilt wird. Sey angebethet, gelobt, ges liebt und gebenedeyt von mir und von allen Geschöpfen, an allen Orten und zu allen Zeiten, in Ewigkeit. Amen. Kirchengebeth. O Gott! der Du uns unter diesem wunderbaren Sacramente ein Denkmal deines Leidens hinterlassen hast! wir bitten Dich, verleih uns, die heiligen Geheimnisse deines Leibes und Blutes so zu verehren, daß wir die Früchte deiner Erlösung an uns selbst erfahren mögen! Der Du lebet und regiereft mit Gott dem Vater in Einigkeit mit dem heiligen Geiste gleis cher Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen. III. Pfalm. Bitte um wahre Andacht. O Gott, unser Herr! wie wunderbar ist dein Name auf Erde; deine Herrlichkeit ist über alle Himmel erhoben. Was ist der Mensch, daß Du ihn als Freund und Vater befuchst, ihn selbst als das lebendige Himmelsbrod speisest? Du hast ihn nur etwas geringer als die Engel gemacht, mit Ehre und Herrlichkeit hast Du ihn gekrönet. In Dir will ich mich freus en, und frohlocken; immer will ich mit Dank die Wunder deis ner gütigen Allmacht erheben. Lobe aus allen Kräften, me ne Seele! deinen Herrn und Gott; denn Niemand ist Ihm gleich an Gnade, und väterlicher Huld. Vergiß des Guten nicht, daß du von deinen ersten Tagen an von Ihm erhalten hast, und täglich noch an Leib und Seele erhältst. Er rettet dich vom ewigen Verderben, und krönet dich, fein Kind, voll des Erbarmens. Er verzeiht dir der Sünde Schuld, Er erläßt dir die Strafen, Er heilet deine Gebrechen und Wunden. Mit seinen Gütern überhäufte Er dich, und giebt dir neue Sust und Kraft zum Guten. Er stellet dir der Unschuld Schönheit wieder her; Er erwirbt dir wieder das verlorne Erbe des Himmels. Unendlich gütig und barmherzig ist der Herr, langs müthig und geduldig gegen Alle. So, wie ein Bater feiner Kinder sich erbarmet, erbarmet Er sich nach seiner Milde uns fer. Er straft uns nicht nach unserer Missethaten Zahl; Er vergilt uns nicht nach der Menge unferer Sünden. Er weiß, wir sind Staub, wir sind dem schwächsten Rehre gleich: ge schwinde lassen wir im Guten nach, verüben das Böse. Er ist des reuevollen Sünders Zufluchtsort, der Schwachen Stab, der Gerechten Stüße. Er hat des Vaters Willen uns geoffenbaret: den Weg zum Himmel bat Er uns gezeigt. Hier bat Er mitten unter uns den Thron seiner Gnade errichtet, und dort eine Wohnung für uns bey seinem Throne bereitet. Herr, unfer Gett! wie wunderbar, wie groß ist deine Güte: Kein Engel, ( kein Sterblicher) kann sie ermessen. Was Odem hat, lobe Fronleichnams Andachten. 323 den Herrn! erhebe voll Freude seine Güte und Gnade. Los bet den Herrn, ihr Engel und alle feine Geschöpfe! Meine Seele und Alles, was in mir ist, lobe den Herrn. Ehre sey dem Vater ic. IV. Glaube an die Gegenwart Jesus im heiligsten Altars Sacrament. Jesus Christus, mein Gott und mein Erlöser! wie wunderbar offenbaret sich deine Allmacht, Weisheit und Güte in der Einfeßung dieses hochheiligen Sacraments, in welchem Du deine Gottheit und Menschheit, dein ganzes Wesen verborgen hast! Durch den heiligen Glauben bin ich versichert, daß Du in diesem göttlichen Geheimnisse des Altars wesentlich und wahrhaft gegenwär: tig seyest. Kein irdisches Brod, sondern Du selbst, mein göttlicher Erlöser! bist hier gegenwärtig. Ich glaube dieses mit fester Zuversicht, obgleich ich Dich mit den Augen meines Leibes nicht sehe. Ich unterwerfe meinen Verstand und die Sinne dem Gehorsam des Glaubens, und fest an dein Wort mich haltend, das Du einst zu dem Zweifler Thomas gesprochen: Selig, die nicht geſehen, und doch geglaubet haben!" rufe ich anbethend mit ihm: ,, Mein Herr und mein Gott!" Sehet! das ist mein Heiland! der große und heilige Gott!- Gebeth. Erleuchte, o Herr! meine Augen mit dem Lichte des wahren Glaubens, und entzünde mein Herz mit dem Feuer deiner Liebe, daß ich, von heiliger Ehrfurcht durchdrungen, Den im Geiste und in der Wahrheit anbethe, welchen ich hier gegenwärtig glaube, unsern Herrn und Heiland, Jesus Christus, der mit Dir lebt und regiert in Ewigkeit. Amen. Vater unser 2c. Gelobt und gepriesen sey ohne End' Jesus, in dem heiligsten Altars, Sas crament. — V. Anbethung Jesus im heiligsten Altars Sacramente. Ich bethe Dich an in allertiefster Ehrfurcht, und Demuth, o Jesus! Du König meines Herzens! Ich sinke nieder in den Staub vor dem Throne deiner unendlichen Majestät, welche ich hier gegenwärtig bekenne, und aus dem Abgrund meines Nichts anbethe mit allen Engeln * 21 324 VII. At- schnitt. und Auserwählten des Himmels. Jch bethe Dich, o Je fus! hier unter der Brodgestalt als meinen lebendigen Gott, als den Herrn des Himmels und der Erde an, in dessen Hand mein Leben und Tod, und mein ganzes Wesen ist. Nimm gnädig, o Herr! meine Anbethung, meine Demuth und Zernichtung auf. Jesus, mein Herr und mein Gott! Leib und Seele, und Alles, was ich bin und habe, ist ein freyes Geschenk deiner Gnade; Dir opfere ich Alles Alles das Meine auf, mein Leben, und mein Herz, Dich ewig anzubethen und zu lieben. Herrsche, mein Gott! herrsche über mich nach deinem heiligsten Willen; denn Du bist mein Herr! Gott, un ser Herr, ist groß, und seine Macht ist unendlich. Gebeth. O Gott! der Du aus erstaunungswürdi ger Liebe in dem Geheimnisse des Altars verhüllet, bey uns hast wohnen wollen; verleih, daß alle Gläubigen, welche deine göttliche Majestät hier betrachten und anbethen, immer einen neuen Wachsthum an Tugend und Heiligkeit erlangen, der Du ein Gott mit dem Vater und dem heil. Geiste, lebest und regierest in alle Ewig. keit. Amen. Vater unser 20. Gelobt und gepriesen 2. VI. Liebe zu Jesus im heiligsten Altars Sacrament. O Jesus, meine Liebe im allerheiligsten Altars- Sacramente! Du bist für mich am Kreuze gestorben! Du hast mich erlöset durch den Werth deines heiligen Blutes, und dieses heilige Geheimniß als ein Unterpfand deiner ewigen Liebe zu meinem Heile eingesetzt. Dun endlich liebenswürdiger Heiland, wie Bieles hast Du für mich gethan und gelitten! welch' ein undankbares, stein. hartes Herz müßte ich haben, wenn ich Dich nicht ent gegen liebte? Jesus! Du wahrer Liebhaber der Seelen, für welche Du dein Leben aufgeopfert hast! verschmähe nicht mein armes Herz, das ich Dir schenke, und deiner Liebe immerdar widme. Ich verlange Dich zu lieben in Ewigkeit, o Du ewige Liebe! Denn Du hast durch deis ne unaussprechlichen Gutthaten mein Herz verwundet; ach! es seufzet nach Dir, und will ohne deine Liebe nicht leben. Gott meines Herzens! mein wahres Leben, meine unaussprechliche Seligkeit, mein höchstes Gut, Jes sus! ich liebe Dich aus ganzem Herzen, und über Al- 11 2 Fronleichnams Andachten. les, weil Du mein Gott, mein Heiland, mein Seligmacher bist, und mich geliebet haft bis in den Tod. Da Jesus die Seinigen geliebet, so hat Er sie auch bis an das Ende geliebet. Gebeth. Gott! der Du uns unter diesem wunderbaren Sacramente ein Denkmal deines Leidens binterlassen hast, wir bitten Dich, verleihe uns, die heiligen Geheimnisse deines Leibes und Blutes so zu verehren, daß wir die Früchte deiner Erissung an uns selbst er. fahren mögen! der Du lebest und regierest ic. Amen. Vater unser zc. Gelobt und gepriesen zc. 4 VII. Hoffnung auf Jesus im heiligsten Altars Sacrament. Jesus, mein Gott und Heiland! obwohl unsichtbar, rufest Du doch meinem gläubigen Herzen aus dem heiligsten Sacramente zu: ,, Komm zu mir in aller deiner Mühseligkeit und Beladenheit ich will dich erquicken! Ich erkenne, o Herr! meine Ohnmacht, und mein tiefes Elend, und rufe deine unermeßche Barmherzigkeit an; denn auf Dich sehe ich all' mein Vertrauen und meine Hoffnung; weil Du mein unendlich gütiger Erldser bist! - Ich fühle mich unwürdig, vor deiner heiligen Gegenwart zu erscheinen; denn ich bin ein Sünder, und nicht werth, dein Sohn genannt zu werden, nicht würdig, mein Auge zu Dir zu erheben. Aber Du bist im heiligsien Sacramente der wahre barmherzige Samaritan, der sich meiner erbarmet; Tu bist der Urheber unsers Heils; in Dir sind alle Schåße der Gnade, alle Reichthümer der göttlichen Barmherzigkeit vereiniget, durch Dich ers langen wir Verzeihung, Gnade und ewiges Leben, das Du uns durch deinen Kreuzes: Tod erworben haft! Und ich sollte nicht hoffen auf dein heiliges Kreuz und Leiden, auf dein kostbares für mich vergossenes Blut, auf deine unendlichen Verdienste? Jesus! dein heiliges Blut reiniget mich von allen Sünden: aus deinen Wunden fließt mir die Fülle der Gnaden zu, aus deinem göttlichen Herzen empfange ich die wahre Liebe; dein beiliger Tod wird mir das ewige Leben geben! Jesus! meine Hoffnung und meine 825 - - VII. Abschnitt. Starte! mein Erldser und mein Seligmacher! mein Gott und Alles! erfüllet mit dieser Hoffnung, will ich deine Gnade und Barmherzigkeit loben, preisen und an bethen jetzt und in Ewigkeit. Amen. 326 Jefus, Du Sohn Davids, erbarme Dich meiner! Jefus, Du Sohn Mariá, erhöre, mein Gebeth! Jesus, Du Sohn Gottes, gedenke meiner in deinem Reiche.- Vater unser 2. Gelobt und gepriesen zc. Schlußgebeth. Liebreichster, in diesem anbethungswürdigen Geheim. nise immer gegenwärtiger Heiland! deine Augen sehen mein Elend, dein Herz erbarmet sich meiner, und deine ganze Allmacht ist hier gegenwärtig, mir zu helfen. Wie konnte ich von Dir weichen, und Dich verlassen, o Je fus! meine einzige Hoffnung und meine Liebe? Ich beschließe zwar jetzt diese Bethstunde; aber mein Herz soll ben Dir bleiben, das ich an dem Fuße des Altars niederlege, mit dem feyerlichen Versprechen, es nie mehr Dir zu entziehen, nie mehr der Sünde einzu räumen. Darum erneuere ich meine demüthige Bitte für das Anliegen der ganzen Christenheit, für das Wohl des Baterlandes, für geistliche und weltliche Obrigkeiten, für alle meine Wohlthäter, Freunde, Feinde und alle Menschen, Lebendige und Abgestorbene. Jesus! ertheile mir und Allen deinen göttlichen Segen! Deine Allmacht stårke uns! Deine Weisheit erleuchte uns! Deine Gnade wende von uns ab alles Utebel, damit wir in deiner Liebe verharren, und Dich entlich im Himmel mit allen Engeln und Heiligen ewig anbethen mögen! Amen. Gelobt und angebethet sey ohne End' das heiligste Altarss Sacrament, von nun an bis in Ewigkeit! Amen. Und die Seelen aller Chriftgläubigen ruhen durch die Barmherzigkeit Gottes in Frieden. Amen.- Vater unser ic. Morgenandacht am hl. Fronleichnams- Feste. Göttlicher Herr und Heiland, Jesus Christus! sieh gnådig herab auf den feyerlichen Triumph, welchen Dir heute deine heilige Kirche bereitet. Erneuere, reinige, heilige mein Herz, und mache mich würdig, an dieſer heiligen Freude Theil zu nehmen. Fronleichnams Andachten. Wir feyern das Gedächtniß jener geheimnisvollen Leidens- Nacht, in welcher Du mit deinen Jüngern das Osterlamm des alten Bundes zum lettenmale aßest, und Du selbst das Osterlamm des neuen Bundes wurdest. Wir preisen das Wunder deiner Liebe, welche Brod in deinen wahren Leib, und Wein in dein wahres Blut verwandelte. Dadurch bereitetest Du für die Deinigen alle ein himmlisches Gastmahl, und stiftetest ein ewiges Denkmal deines Lebens, Leidens und Todes. Wir bekennen laut und feyerlich unsern Glauben an deine wahre wesentliche und wirklide Gegenwart in diesem allerheiligsien Sacramente; wir bringen Dir dffentlich das Opfer unserer Anbethung und Lobpreifung dar; wir freuen uns mit hoher Freude des Sieges, den das himmlische Licht deines Evangeliums über die Finsternisse des Unglaubens und der Unwissenheit davon trug; wir freuen uns der Berherrlichung deines Namens, der über die ganze Welt ausgebreitet ist; vor dem sich die Knie von Millionen beugen, die Dir heute Triumphe bereiten, und dadurch das Bekenntniß ablegen: Du seyest Christus, der Herr in der Herrlichkeit des Baters. 327 Im feyerlichen Schmucke erscheinen deine Priester, o Herr! und die Gläubigen alle; unter heiligen Lebgesängen und Anbethungen, unter dem fröhlichen Schalle der Musik, und unter lieblichem Glockengeläute wird das allerheiligste Altars Sacrament in feyerlichem Zuge umhergetragen; die Wege sind mit Blumen bestreut, und voran wehen die Siegesfahnen des Kreuzes, das einst den Juden ein Aergerniß, den Heiden eine Thorheit war; jetzt aber deinen Gläubigen ein Zeichen des Heiles, des Lebens und der Seligkeit geworden ist. Duo Erhabenster, König aller Knige, Herrscher aller Herrschenden, Du bedarfst wohl dies ses außern Geprånges nicht. Ein reines Herz ist dein Altar, und Gehorsam Dir angenehmer, als Opfer. Ein demüthiges Gebeth aus Eindlichem Gemüthe ist Dir der angenehme sie Wohlgeruch, und Werke der Barmherzigkeit sind die nie verwelkenden Blumen, die wir vor Dir, o Du ewige Liebe, ausstreuen sollen. Glaube, Hoffnung und Lebe; welche ganz die Seele des Christen erfüllen, sind das wahre Feyerkleid, in welchem wir uns unserm Gott und Herrn nahen sollen! VII. Abschnitt. Aber Du, o liebreichster Menschenfreund! verwarfest auch nicht den Jubel frommer kindlicher Seelen, welche Dich im Triumphe in die Thore Jerusalems, als den lang ersehnten Messias, einführten, indem sie Palmzweige in den Händen trugen, ihre Kleider auf den Weg streuten, und Lobgesänge Dir anstimmten. Darum, o Du ewiger König des himmlischen Jerusalems! verleihe, daß unsere Andacht nicht bloß äußerlich, sondern der Ausdruck des innern Glaubens und der unsichtbaren Liebe sey, die in unsern her: zen lodert! Laß dein heiliges Sacrament, in welchem wir heute laut und feyerlich deine wahre, wirkliche Gegenwart bekennen und aubethen, und Kraft und Trost im Leben und Tode gewähren, und führe uns durch deine Gnade so durch dieses Pilgerleben, daß wir würdig werden, Dich einst ohne Hülle im Himmel zu sehen, und mit dem Vater und dem heiligen Geiste anzubethen und zu preisen von Ewigkeit zu Ewigkeit! 328 Meßandacht. ( Auch unter dem Jahre bey ausgesetztem hochwürdigsten Gute zu bethen.) Vorbereitungs. Gebeth. Jesus! Du ewiger Priester nach der Ordnung Mel chisedech! Ich bethe Dich an. Jesus! Du treuer Hoberpriester! vor Gott Vers söhnung unserer Sünden! Ich bethe Dich an. zur Jesus! Du wahres und unendlich würdiges Opfer in dem allerheiligsten Altars- Sacramente! Ich bethe Dich an, und opfere jeht deinen hochheiligen Leib, den Du für uns in den Tod hingegeben, und dein kostbares Blut, das Du zur Vergebung unserer Sünden vergossen bast, mit dem Priester in der heiligen Messe dem himmlischen ter als ein vollkommenes Lob- und Dankopfer, als ein reines Bitt und Versöhnopfer auf. Vaz Ewiger, barmherziger Gott! Bater insers Herrn Jes sus Christus, und auch unser Vater! mit dem Priester und durch den Priester, opfere ich deiner unendlichen Majeſtät, von deinen Gaben ein reines, heiliges und unbeflecktes Opfer, das heilige Brod des ewigen Lebens, den Kelch des ewigen Heiles, den Leib und das Blut Jesu Christi, deines Soh Fronleichnams, Andachten. nes. Nimm es wohlgefällig auf, und sey mir armen Sünder gnädig! Im Geiste der Demuth, und mit zerknirschtem Herzen bekenne ich Dir, allmächtiger Gott! Maria, der allezeit reinen Jungfrau, und allen Heiligen, daß ich oft und viel gesündiget habe, mit Gedanken, Worten und Werken. Ich erkenne meine Schuld, meine größte Schuld! und bitte Dich, barmherziger Vater! um Gnade und Verzeihung, nach der Fülle deiner Erbarmungen durch die Verdienste Jesus Christus und die Fürbitte aller lieben Heiligen. Amen. Eingang. Bey dem letzten Abendmahle nahm Jesus das Brod, brach es; gab es feinen Jüngern, und sagte: Nehmet bin und effet, das ist mein Leib. Darauf nahm Er den Kelch mit Wein, dankte, gab denfelben feinen Jüngern, und sprach: Nehmet hin, und trinket, dieß ist mein Blut des neuen und ewigen Bundes.- Ehre sey dem Vater it. Herr, erbarme Dich unser! Christus, erbarme Dich unser! Herr, erbarme Dich unser!- Gloria.( wie in der Sonntagsmesse S. 52.) Gebeth. Herr! erhöre mein Gebeth, und mein Flehen dringe an dein Vaterherz! Gott! der Du uns unter diesem wunderbaren Sacramente ein Denkmal deines Leidens hinterlassen hast! Wir bitten Dich, verleih uns, die heiligen Geheimnisse dei nes Leibes und Blutes so zu verehren, daß wir die Früchte deiner Erldsung an uns selbst erfahren mögen! der Du lebest und regiereft mit Gott dem Vater, Eins mit dem heiligen Geiste, von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen. Gelobt und angebethet sey Jesus Christus im heiligsten Altars Sacramente jept und in Ewigkeit; denn durch Ihn, mit Ihm und in Ihm ist Gott, dem allmachtigen Vater in Einigkeit des heiligen Geistes Anbethung, Preis und Ehre in Ewigkeit! Amen. - - 329 I. Das Lobopfer. Allmächtiger, ewiger Gott, himmlischer Vater! zur Verehrung und Anbethung deiner unendlichen Hoheit, Größe und Herrlichkeit; zur demüthigen ner Unterwürfigkeit und gänzlichen Nichtigkeit vor dem Throne deiner göttlichen Majestät, opfere ich Dir mit dem Priester am Altar auf, Jesus Christus, deinen eingebornen VII. Abschnitt. Sohn, unsern Herrn; ich opfere Dir auf den heiligen Leib und das kostbare Blut des unschuldigen Lammes; ich opfere Dir auf sein heiliges Leben, Leiden und Ster ben, sammt allen seinen Verdiensten. Nimm auf, o himmlischer Vater! dieses unendlich würdige Opfer, zu deinem ewigen Wohlgefallen; wie Du gnädig aufgenom men haft die Gaben Abels, deines heiligen Dieners, und das Opfer des Patriarchen Abrahams, und Melchise. dechs, des Hohenpriesters. Die Opfergabe ist ja dein ge liebter Sohn, an welchem Du dein innigstes Wohlge fallen bast. Du aber allerheiligster Friedensfürst 330 - Verſöhner einziger Mittler, Jesus Christus! opfere Du selbst dem ewigen Vater deinen Leib und dein Blut, deine unendlichen Verdienste, und unser demüthiges Ge beth auf, damit wir Alle, die wir von dem heiligen Ge heimnisse des Altars genießen, mit der Fülle der himm. lischen Gnade gesegnet werden! Amen. L II. Das Gedächtnißopfer. Himmlischer Vater! wir erinnern uns jeßt deines Sohnes Jesus Christus, der auf dem Altar des Kreuzes sich selbst blutiger Weise für uns geopfert, und unsere Erlösung vollendet hat. In dieser dankbaren Erinnerung opfere ich Dir diese heilige Messe, und in derselben Al les auf, was Jesus für mich gelitten hat; alle seine Schmach und Schmerzen, seine Geduld und Liebe, seine Angst und Verlassenheit, seine Wunden, seinen Ge horsam bis in den Tod am Kreuze. Du, o barmherziger Heiland, Jesus Christus! hast uns ein Andenken deiner Wunder hinterlassen, und uns durch deinen Tod am Kreuze Verzeihung, Gnade und ewiges Leben erworben. Laß dein heiliges, reines und unblutiges Opfer auf dem Altare auch für mich das Unterpfand deiner Liebe, laß deinen Leib auch für mich das Brod des ewigen Lebens, dein Blut auch für mich den Kelch des Heiles werden! Amen. - III. Da 8 Dankoyfer. Herr, heiliger Bater, allmächtiger Gott! es ist billig und recht, pflichtmäßig und heilsam, daß wir deiner unend lichen Güte allezeit und allenthalben Dank sagen für deine unzählbaren Wohlthaten. Darum epfere ich Dir auf das 331 Fronleichnams Andachten. unblutige Opfer des neuen Testaments, das Christus Jesus am Abende vor seinem Leiden und Tod eingesehet hat. Ich opfere Dir durch den Priester eben denselben Jesus, deinen geliebten Sohn, mit altem Lob und Dank, womit Er Dich auf Erden verherrlichet hat, und noch immerhin in dem heiligen Altars- Sacramente verherrlichet;nimm auf dieses unendlich kostbare Opfer zu einer würdigen Danksagung für alle Gnaden und Wohlthaten, mit denen deine Batergüte mich bisher gesegnet und erfreuet hat. Dir, himmlischer Bater! sey ewige Danksagung durch Jesus Christus deinen Sohn, unsern Herrn! - Jesus Christus dein heiligstes Opfer ist der süsseste Wohlgeruch vor dem Angesichte deines Vaters: ersetze die Unvollkommenheit meiner Danksagung, und laß deinen heiligsten Leib und dein kostbarstes Blut den Werth meiner Dankbarkeit seyn bis an das Ende! Amen. IV. Das Bittopfer. Allmächtiger, ewiger Gott! ich opfere Dir auf das heilige unbefleckte Opfer der heiligen Messe, mit der demůthigsten Bitte, daß es vor dem Angesichte deiner göttlichen Majestät für mein und der ganzen Welt Heil mit einem lieblichen Geruche aufsteige. Komm, allmächtiger, ewiger, segnender, heiligmachender Gott! segne dieses Opfer, das jur Ehre deines heiligen Namens zubereitet wird, und nimm es zu meinem Heile und zur Wohlfahrt deiner ganzen heiligen Kirche mit gnädigem Wohlgefallen auf. Sieh an meinen Glauben und meine Andacht, mit welcher ich Dir die unendlichen Verdienste Christus vorstelle, und erhöre um dieser Verdienste willen mein unwürdiges Gebeth; erfülle mein Herz mit heiligen Begierden zu Dir, ewiger, lebendiger und wahrer Gott! und erhöre mein demüthiges Flehen für die Erlösung meiner Seele von allem Ulebel, und für die Hoffnung meines zeitlichen und ewigen Heils. Gebenedeyt feyst Du Gott und Vater unsers Herrn Jesus Christus, der Du uns durch Ihn mit allen geiſtli then und himmlischen Segen erfüllest. Jesus Christus! Du erscheinest vor dem Angesichte des Vaters; Du wohnest in dem heiligsten Altars- Geheimnisse mitten unter uns als unser Mittler, um für uns zu bitten, und diejenigen, die durch Dich zum Vater hinzutreten, selig zu machen. Laß, o 332 VII. Abschnitt. Du mein einziger Seligmacher! die Stimme deines Blutes in diesem heiligen Opfer für mich reden; zeige deine hei: ligen Wunden, und wiederhole die Bitte der Liebe: ,, Va ter, verzeih' ihnen!" die Du auch für mich armen Sün der, am Kreuze zum Vater gemacht hast, damit ich Gnade, Barmherzgkieit und Hülfe erlange! Amen. V. Das Verföhnopfer. Heiliger und gerechter Gott! mit zerknirschtem her: zen opfere ich Dir auf das heilige Opfer der BVersöh: nung in der heiligen Messe, und den unendlichen Werth des bittern Leidens und Sterbens Jesus Christus, dei nes Sohnes, für meine und der ganzen Welt Sünden. Himmlischer Bater! sich an das Blut meines göttlichen Erldsers, das für mich um Gnade schreyet, und erzeige mir deine Barmherzigkeit. Bekehre uns, o Herr! durch unsern Heiland Jesus Christus, und wende von uns ab deinen Zorn. Jesus Christus, Du bist die Versöhnung für meine und aller Menschen Sünden; Du bist in das Heilig thum eingegangen, und hast unsere Erlösung bewirket; verleihe, daß ich durch dein unendlich verdienstliches Opfer vollkommene Verzeihung, und das ewige Leben erhalten moge! Amen. Zur Wandlung. Heilig! heilig! heilig bist Du, Jesus, Mensch und Gott, als das wahre Lebensbrod, bey uns ohne End' in dem heil's gen Sacrament. Heilig! heilig! heilig stellst Du Dich auf dem Altar für uns als ein Opfer dar! Und es fließt dein Blut uns zum Heil, o höchstes Gut! Heilig! heilig! beilig Jesus, durch den Kreuzestod haft Du dem gerechten Gott selbst geopfert Dich, als ein Opfer, auch für mich. Heilig! heilig! heilig! Andacht, Glaube, Jüngertreu, und die zarte Liebesreu' der Ersatz soll seyn für so große Schmach und Pein. Heilig! heilig! beilig! Jesus in der letzten Noth stärk' uns mit dem Lebensbrod, an dem Lebensend mit dem heil gen Sacrament!- Vater unser 2c. Allmächtiger Gott! ich bitte Dich durch dieses heis ligste Opfer des Leibes und Blutes deines Sohnes, un Fronleichnams Andachten. 333 sers Herrn und Heilandes, Jesus Christus, erlöse uns von allen Uebeln, von vergangenen, gegenwärtigen und zukünftigen, und schenk' uns nach deiner unendlichen Güte durch die Fürbitte der seligen und glorwürdigen Jungfrau und Gottesgebärerin Maria und aller Heiligen Friede und Ruhe in unsern Tagen, damit wir durch die Hülfe deiner Barmherzigkeit von der Sünde frey bleis ben, und vor aller Verirrung sicher seyn mögen, durch Jesus Christus unsern Herrn. Amen. O Du Lamm Gottes, das hinwegnimmt zc. 3 - - Geistliche Communion. O Herr, Jesus Christus! Sohn des lebendigen Gots tes! Du hast nach dem Willen des Vaters in der Kraft des heiligen Geistes durch dein Sterben der Welt das Leben ertheilet; erlöse mich durch diesen deinen hochheili. gen Leib und dein Blut von allen meinen Sünden und von allen Uebeln, und gieb mir Gnade, daß ich deinen Geboten stets anhänge, und von Dir nimmermehr geschieden wers de, der Da lebest und regierest in Ewigkeit! Amen. Jesus, mein liebreichster Heiland! ich glaube festig. ich an deine wahre und wesentliche Gegenwart in dem allerheiligsten Sacramente des Altars. Jch bethe Dich in diesem wunderbaren Geheimnisse in tiefster Demuth an, und verehre Dich in diesem heiligen Denkmal deis nes Leidens und Todes am Kreuze. Unsterblichen Dank fage ich deiner Liebe, daß Du Dich gewürdiget hast, für mich zu leiden, für mich zu sterben, und mich von der Sünde und dem ewigen Tode zu erlösen. Eben darum erkenne ich aber auch meinen Undant, und meine Bosheit, daß ich nach so vielen und großen Gnaden Dich, meinen Herrn und Gott, mit so vielen Sünden beleidiget habe. Bor Dir, o Du ewige Liebe! vertemüthige ich mich in den Abgrund meiner Armseligkeit, schlage reumüthig an mein fündiges Herz, und spreche mit dem dfs fentlichen Sünder: ,, D Herr, mein Gott! sen mir armenSünder gnädig! und bekräftige meinen schwachen Willen, daß ich in aufrichtiger Liebe und Treue mich zu Dir betehre und lebe." Ich liebe Dich, mein Gott und Heis land! ich liebe Dich! und mein Herz seufzer nach Dir in zarter Hoffnung auf deine Gnade; ich wünsche, Dich im VII. Abschnitt. heiligsten Sacramente, zum Troste meiner Seele, zu em: pfangen, und durch den Genuß deines heiligsten Leibes und Blutes gestårket, mit Dir in heiliger Liebe immer mehr vereiniget zu werden. Da ich aber dieser himm: lischen Gnade nicht würdig bin, so laß mich doch die kostbaren Früchte deiner Erlösung genießen, und mich empfinden die Kraft des heiligen Sacraments, damit sie mich in allem Guten erhalte, und von allem Bösen abwende. 334 Dieser geistliche Genuß deines Leibes, o Herr Jesus Christus! werde mir Unwürdigen keine Ursache des Ge richtes und der Verdammniß, sondern gereiche mir viel mehr nach deiner Gute zu einem mächtigen Schuße, und zu einer heilsamen Arzney des Leibes und der Seele. Amen. Der Leib und das Blut unsers Herrn Jesus Chri stus bewahre meine Seele für das ewige Leben, damit in mir keine Mackel der Sünde verbleibe, nachdem mich dieß reine, heilige Sacrament erquicket hat. Amen. Anmuthungen zu Jesus, nach der geistlichen Communion. O Jesus! mein Gott und Erlöser! dein heiliges Sacrament ist das Pfand deiner Liebe und das Denkmal deines schmerzvollen Leidens und Sterbens für mich. Hochgelobt sey Jesus, mein Heiland, im heiligen Sas crament! O Jefus! Du sehest deine unendliche Liebe immer fort durch deine beständige Gegenwart in diesem wunderbaren Ges heimniß.- Hochgelobt sen Jesus, meine Liebe, im heis ligen Sacrament! O Jefus, mein Gott! in Dir, als dem Ursprung alles Guten und als dem höchsten Inbegriff aller Vollkommenheit, erkenne ich alle Schönheit, alle Lieblichkeit, alle Seligkeit.- Hochgelobt sey Jesus, mein höchstes Gut, im heiligen Sacrament! O Jefus! meine Liebe! ich weihe dir mein Herz, herrs sche in demselben durch deine Gnade, durch deine Liebe, und laß mich ganz Dein eigen seyn.- Hochgelobt sey Jeſus, meine Süßigkeit, im heiligen Sacrament! Jesus! mein gekreuzigter Heiland! wie kann ich Dir vergelten deine Schmerzen, deinen Tod, deine Liebe! Die Ins brunst meines liebenden Herzens soll Dir ewigen Dank ers ftatten. Hochgelobt sey Jesus, m'eine einzige Freude, im heiligen Sacrament! 335 Fronleichnams Andachten. D Jefus! Du verborgener Gott unter so geringen Sredégestalten, wie sehr hast Du Dich mir zu Lieb erniedris get! Mein Herz und meine Seele frohlocken in deiner heilis gen Gegenwart.- Hochgelobt sey Jesus, mein Trost und Alles, im heiligen Sacrament! O Jesus! mein ewiges Wohlgefallen, mit Demuth und liebe füffe ich im Geiste deine heiligen Wunden, aus wel dhen aud) für mich das Blut der Versöhnung geflossen ist.- Hochgelobt fey Jesus, meine verwundete Liebe, im heiligen Sacrament! O Jesus! Du liebvoller König der Herzen, zieh mich nach Dir meine Seele ist verwundet von Liebe zu Dir! und ich fühle ein heftiges Verlangen, Dich immer mehr zu lies ben. Hochgelobt sey Jesus, das wahre Leben meiner Seele, im beiligen Sacrament! O Jesus! Du Gott der Liebe! Obschon voll reinster Ehrfurcht, bin ich doch nicht würdig, Dich zu empfangen! Darum werfe ich mich mit der liebenden Büßerin Magdas lena zu deinen heiligen Füssen. Ach, daß die Chránen der Reue aus Liebe das Feuer deiner Liebe in mir vermehrten. Hochgelobt sey Jesus, meine reinste Seligkeit, im heiligen Sacrament! O Jesus! Du füßeste Ruhe meines Herzens! in Dir finde ich meine heiligste Freude, meinen süßesten Trost und mein vollkommenes Vergnügen, bis ich dein heiliges Angesicht im Himmel werde anschauen können.- Hochgelobt sey Jesus, meine ewige Liebe, im heiligen Sacrament! Gelobt, geliebt und angebethet sey ohne End' das allers heiligste Sacrament! O Herr Jesus Christus! der Du auf dem Altar des Kreus zes in deinem schmerzlichen Tode das blutige Opfer für die fundige Welt entrichtet, und zu deffen Erinnerung bey dem letzten Abendmable das allerheiligste, unblutige Opfer deis nes Leibes und Blutes in dem heiligen Altars Sacramente eingesetzt, und den Priestern die Vollmacht und den Auftrag ertheilet hast, daffelbe dem himmlischen Vater darzus bringen, und den Gläubigen auszuspenden: Verleihe uns die feurigste Andacht zu diesem anbethungswürdigen Geheimnisse, damit wir, deines bittern Leidens und Sterbens eingedent, die Früchte unserer Erlösung, und die Kraft diefes unendlich verdienstlichen Opfers im Leben und im Sterben genießen mögen. Amen. Durch die Verdienste unsers Herrn Jesus Chriftus, und durch die Kraft des heiligen Mesopfers segne uns der alls machtige Gett, Bater, Sohn und heilige Geist. Und die Seelen aller Chriftgläubigen ruhen durch die Barmherzigkeit Gottes im Frieden. VII. Abschnitt. Andachtsübungen bey der feyerlichen Prozession. Erwägung und Gebeth bey dem ersten Evangelium. 336 Jesus, wahrer Mensch. Jesus Chriftus, obschon Er Gott gleich, ja felbst Gott war, fo erniedrigte Er sich doch, uns armen, durch die Sünde zu Grunde gerichteten Menschen zu Liebe, so tief, daß Er selbst Mensch werden, und sich unter die Sünder zählen laffen wollte. Er wollte uns erlösen,- durch einen schmerzhaften Tod am Kreuze erlösen; Er wollte uns den Weg des Himmels lehren, durch seine Beyfpiele tehren. Als wahrer Gott båtte Er nicht leiden, uns nicht menschliche Beyspiele hinterlaffen kons nen. Er ward also Mensch, nahm aus der reinsten Jungfrau Maria einen wahren menschlichen Leib an, wandelte drey und dreißig Jahre auf Erde, lehrte, zeigte den Weg der Tugend zum Himmel, und starb endlich am Kreuze für uns. Mit dies sem noch nicht zufrieden, hinterließ Er uns auch im heiligfien Sacramente des Altars zum Unterpfande feiner dauernden Liebe seinen heiligen Leib und fein heiligstes Blut. Dank sey Dir, Herr Jesus Christus! daß Du für uns Mensch geworden bist, uns deine heiligen Lehren verkün det, uns zu Liebe Dich am Kreuze geopfert, und deinen heiligsten Leib, dein heiligstes Blut zurückgelassen hast. Wie sollen wir Dir diese Liebe vergelten? Zwar begehen wir heute feyerlich dein Andenken, wir begleiten Dich, und bekennen öffentlich unsern Glauben an deine Gegenwart im heiligsten Sacramente. Allein Du begnügest Dich nicht mit äußerlichen Ehrenbezeugungen Du willst uns, und zwar ganz besigen, uns, denen Du Dich gleich. falls geschenket, welche Du mit deinem Blute Dir erkaus fet hast. Ja Herr! ohne allen Vorbehalt übergeben wir uns Dir; denn Du allein verdienst als das höchste Gut, alle Liebe. Segne dieß Opfer unserer Herzen; erfülle sie mit deiner Liebe, stårke sie mit deiner Gnade, damit wir durch Anbethung und Verehrung dieses heiligsten Sacra. mentes an deine Tugenden und Leiden kräftig erinnert, jur Anhörung deiner Lehre, und Befolgung deiner Beyspiele ermuntert, und deiner unverhüllten Anschauung gesicht zu Angesicht einst ewig theilhaftig werden. Amen. Gebeth.( Nach jedem Evangelium.) O Gott! der Du uns unter diesem wunderbaren Altars- Sacramente ein Denkmal deines Leidens hinterlassen haft! Wir bitten Dich, verleih uns, die heiligen Geheim. - Fronleichnams Andachten. 337. nisse deines Leibes und Blutes so zu verehren, daß wir die Früchte deiner Erlösung an uns selbst erfahren môgen! Der Du lebest zc. Herr! Du bist unser Vater; wir Alle sind das Werk deiner Hánde. Zürne nicht, Herr! und gedenke nicht unserer Misfes that. Oblicke auf uns herab! wir alle sind dein Volk. Herr! verfahre nicht mit uns nach unsern Sünden, und vergilt uns nicht nach unserer Bosheit. Lasset uns bethen: D Herr! der Du durch die Sünde beleidiget, durch die Buße aber besänftiget wirst, sieh gnädig auf das Gebeth deines vor Dir auf die Knie hingeworfenen Volkes, und wende von uns ab die Geißel deines Zorns, die wir unserer Sünden wegen verz dienen, durch Christus unsern Herrn. Amen. Zum Segen. Der Name des Herrn sey gebenedent, von nun an bis in Ewigkeit Unsere Hülfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat. Der Segen des allmächtigen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes komme über uns, über diesen Ort, und über die Früchte der Erde, und bleibe immer bey uns. Amen. Erwägung und Gebeth beym zweyten Evangelium. Jesus unser Erlöser. Die Einwohner von Judäa und Serufalem ließen sich im Jordanflusse von Johannes taufen, und bekannten ihre Süne den. So ehrten sie den heiligen Vorläufer des Messias, so schickten sie sich auf seine Predigten zur Besserung des Lebens an. Heute steht mitten unter uns ein höherer Prophet, der wahre Messias, unser liebevoller Erlöser; Er, dessen Schuhs riemen aufzulösen niemand würdig ist. Schon hat Er an uns erfüllet, was Johannes von Ihm gesagt hatte, daß Er mit dem heiligen Geiste taufen würde. Wir sind in seinem, und feines Vaters, und des von Beyden ausgehenden heil. Geistes Namen getauft worden. Durch den Werth seines Blutes sind wir von der Sünde befreyet, und wieder Kinder Gottes und Erben des Himmels geworden, und noch versichert Er uns der Verzeihung, wenn wir je für unsere wirklichen Sünden wahre Buße thun wollen. Laßt uns also heute, wie ehedem die Juden dem Johannes 34 gingen, unserm Jesus entgegen ziehen, und Ihn mit Herz und Mund preisen; laßt uns vor Ihm gleichfalls unsere Vers brechen bekennen, bereuen und sagent 22 R VII. Abfd nitt. Jesus! gütigster Crdfer! Du hast uns in der bei: ligen Taufe mit der Liebe deines Vaters das Recht zum Himmel wieder geschenkt, und uns zu Mitgliedern deis ner heiligen Kirche gemacht. Wir danken Dir von Her zen für diese Wohlthat. Hätten wir uns doch immer derselben würdig betragen! Wir bekennen voll Neue unsere Einten! Lamm Gottes, das Du die Sünden der Welt durch deinen Tod am Kreuze wegnimmst, er barme Dich unser! Wir entsagen auf's Neue heute wieder der Welt, dem Fleische und dem Teufel; wir verabscheuen jede Sünde, und wollen sie ernstlich, wie ihre Gelegenheiten, meiden; wir schwören zu deiner Fah ne, zur Fahne des Kreuzes: stårke uns im Kampfe ge gen jede Versuchung zum Bösen, laß die Kraft deines heiligen Geistes zu allem Guten in uns wirksam seyn, damit wir unsern bösen Neigungen, und der Welt ab gestorben, Dir leben, und ewig mit Dir als unserm Er. Ibser vereiniget bleiben. Amen. 338 Gebeth.( Wie nach dem ersten Evangelium.) O Gott! der Du uns ic. Herr! gieb uns deinen Frieden in unsern Zagen, weil Niemand für uns streitet, als Du unser Gott! Friede sen in deinem Namen, und Ueberfluß in deinen Häusern. Lasset uns bethen: D Gott! von dem heilige Begier: den, heilsame Rathschläge und gerechte Werke herkom. men; verleihe deinen Dienern jenen Frieden, welchen die Welt nicht geben kann, daß wir vom ganzen Herzen deinen Geboten gehorsamen, und, nach verschwundener Furcht vor unsern Feinden, unsere Tage unter deinem Schuße ruhig fortleben mögen, durch Jesus Christus, unsern Herrn. Amen. 3um Segen. Der Name des Herrn sey gebenedeyt. ( Wie beym ersten Evangelium.) Erwägung und Gebeth beym dritten Evangelium. Jesus unfer Seligmacher. Der fromme Zacharias opfert am Altare das Rauchwerk -Herz und Sinn im eifrigsten Gebetbe zu Gott erhoben, daß Er sich würdige, den Messias auf die Welt zu schicken. Das gute Bolk bethet indeß gleichfalls, und vereiniget sich mit dem Flehen des frommen Mannes. Gott würdigte sich, durch Fronleichnams Andachten. 339 einen Engel anzubeuten, daß der Vorläufer des Messias ges boren werden sollte, der den Auftrag habe, wie einst Elias die Ifraeliten zu Gott zu bekehren, und so dem Herrn eine vollkommene Gemeinde zu bereiten. Alles dieß ist nun erfüllet. Johannes wurde geboren, und bereitete die Juden zur Ankunft des Messias vor, Jesus der wahre Messias und Seligmacher, brachte sein gnadenreiches Gesetz auf die Welt. Er lehrte uns in Gott selig und zufries den werden, und, damit wir dieses geistige Leben im Uebers flusse hätten, giebt Er sich selbst uns zur Speise, und zum Trank, wodurch Er uns seine Liebe zum Guten einflößt, das mit wir als eine Jhm, und seinem Vater wohlgefällige Ges meinde, ewig selig werden können. Jesus! göttlicher Heiland und Seligmacher aller Menschen! sieh, heute sind die Priester deiner katholischen Kirche mit ihrem gläubigen Volke im Gebethe zu Dir begriffen, Dir die schuldige Anbethung zu erweisen, und ihre Angelegenheiten vorzutragen. Erhöre gnädig ihr demüthiges Flehen, vermehre unsern Glauben, befestige unsere Hoffnung, entzünde unsere Liebe zu Dir und dem Nächsten; Adße uns Gehorsam gegen deine heiligsten Gebote ein; einige, heilige, vervollkommene deine Ges meinde, beschüße deine heilige Kirche, leite alle geistlichen und weltlichen Obrigkeiten, gieb uns Allen deine Gnade, schenke uns den Geist der wahren Buße, und Vers jeibung der Sünden. Laß uns allezeit mit Nußen, bes sonders in der Stunde des Todes, von deinem heiligen Tische gespeiset werden. Gieb uns unser tägliches Brod; Alles, was uns zur Erhaltung unsers Lebens vonnithen ist; wende gnädig Alles ab, was unsere zeitliche Wohl fahrt stdret, damit wir durch getreue Anhänglichkeit Dir wohlgefällig werden, und Dich als unsern Seligmacher ewig preisen mögen. Amen. Gebeth.( Wie nach dem ersten Evangelium.) O Gott! der Du uns u. s. w. Dieses ist das Brod, welches vom Himmel gekommen ist, das Brod, welches der Seele das Leben mittheilt. Wer von diesem Brode ist, wird ewig leben. Der Herr wird uns feine Gnade schenken, und unser Land wird fruchtbar seyn. Lasset uns bethen: Allmächtiger Gott! wir flehen des müthig und voll Bertrauen zu deiner Batergüte, daß Du Did) würdigest, mit deinem Segen zu beglücken, und 22 340 VII. Abschnitt. mit wohlthätigem Regen zu erfreuen die Feldfrüchte und Grenzen deiner Diener, schädliche Ungewitter abzuwenden, Ueberschwemmungen Einhalt zu thun, eine gesunde Luft zu verleihen, und vor allen feindlichen Verheerungen im Frieden uns zu schüßen, welche Du durch den Leib und das Blut deines Sohnes erlöset hast. Durch eben denfelben Jesus Christus unsern Herrn, welcher mit Dir lebt und regieret in Einigkeit des heiligen Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. 3um Segen. Der Name des Herrn sey gebenedent. ( Wie beym ersten Evangelium.) Erwägung und Gebeth beym vierten Evangelium. Jesus wahrer Gott. Das wahie Licht, das alle Menschen auf den Wegen des Heiles erleuchtet, kam auf dieſe Welt. Das Wort ist Fleisch geworden, d. h. der Sohn Gottes ist Mensch geworden; Er wandelte als Gottmensch auf Erden, und wohnet noch im heiligsten Sacramente unter uns. Er bewies durch viele Wuns der, daß Er der wahre Sohn Gottes sey, und zeigte an sich eine Herrlichkeit, welche Ihm als dem Eingebornen des Vas ters gebührte. Wir erkennen, o Jesus! und wir bekennen Dich als den wahren Sohn des lebendigen Gottes, den Er von Ewigkeit gezeuget, und der Einer Natur und Wesenheit mit Ihm ist. Du bist das Leben, die Wahrs heit und das Licht, das alle Menschen erleuchtet, welche in diese Welt kommen. Erhalte uns die Gabe des heis ligen Glaubens, und gieb, daß deine heilige Lehre allen un- und irrgläubigen Menschen auf Erden bekannt, daß dein Name von Allen geheiliget, und das Vertrauen und die Hoffnung auf Dich, o Jesus! gestärket, und die heilige Liebe gegen Dich in uns entzündet werde. Du bist hier unter uns als wahrer Gott, und als wahs rer Mensch zugegen, um Alle zu erquicken, welche mit Mühe und Arbeit beladen sind. Du kennest unsere Schwas che; unterstüße uns mit deiner allmächtigen Hülfe, würs dige Dich, uns zu erleuchten, damit wir uns niemals von den Reizungen der Verführer, oder von der Sünde verblenden, und durch keine unserer Neigungen auf die breite Straße des Verderbens irre führen lassen. Wir sind durch Dich Kinder Gottes geworden, erhalte uns Fronleichnams Andachten. 341 diese Würde, und verleih, daß wir durch willigen Gehorsam gegen deinen himmlischen Bater, durch herzliche und thätige Liebe gegen Freunde und Feinde, vorzüglich aber durch Nachfolge deiner Sanftmuth und Demuth deine Jünger werden, und in deinem Lichte wandeln, bis wir Dich in der Herrlichkeit deines Baters als Erben seines Reiches, als deine Brüder und Miterben durch die ganze Ewigkeit preisen; der Du mit demselben und dem heiligen Geiste als wahrer Gott lebest und herrschest, von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Gebeth.( Wie nach dem ersten Evangelium.) D Gott! der Du uns u. s. w. heiliges Gastmahl, in welchem Christus als Speiſe genossen, das Andenken seiner Leiden erneuert, das Herz. mit Gnade erfüllet, und uns das Unterpfand der ewis gen Herrlichkeit gegeben wird. Alleluja! Herr! laß uns deine Herrlichkeit erfahren, und schenke uns deine Hülfe. Lasset uns bethen: Verschone, o Herr! verschone dein Volk, und laß uns, durch den kostbaren Leib und cas Blut deines Sohnes Erldsete, nicht durch Drangs sale, Kriege, Krankheiten, Ungewitter und andere Ulebel geplagt werden. Durch eben denselben Jesus Christus unsern Herrn, welcher mit Dir lebet und regieret in Einigkeit des heiligen Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen, Gebeth bey dem lezten heiligen Segen. Göttlicher Heiland! der Du uns deinen heiligsten Leib, und dein kostbarstes Blut in dem Sacramence des Altars hinterlassen hast; ich bethe Dich an, ich hoffe auf Dich, ich liebe Dich, und bereue meine Sünden mit dem ernstlichen Vorsage, mich wahrhaft zu bessern. Ich danke Dir für dieses Opfer, deiner unerschöpflichen Liebe, und da Du, die Quelle des Segens hier zugegen bist, so bitte ich Dich, ertheile deinen göttlichen Segen mir, und Allen denen, für welche ich die Meinung habe, gleiche Gnade zu erbitten. Segne mich mit demselben Segen, mit welchem Du deine Mutter und Jünger in der Stunde deiner wunderba 342 VII. Abschnitt. ren Himmelfahrt gesegnet hast! zieh' mein Herz an Dich, damit ich durch alle meine Begierden, durch meinen gan zen Wandel dort wohne, wo ich Dich ewig zu loben hoffe und verlange. Segne mich mit deinem Segen, der mich zu einem andern Menschen mache, der mich mit Dir auf's innigstes vereinige, der mich mit deinem Gei sie erfülle, und mir ein Unterpfand desjenigen Segens werde, den Du deinen Auserwählten in jenem Leben vorbehalten hast. Segne meinen Leib und meine Seele. Segne meine Augen und Ohren, und wende sie von dem Anschauen und Anhören aller eitlen, besonders un erlaubter Gegenstände ab. Segne meine Zunge, und lege den Finger deiner Gnade auf meinen Mund, daß aus ihm keine unanständigen Worte hervorkommen. Seg. ne mein Gedächtniß, daß ich nichts gedenke, als Dich: meinen Verstand, daß ich in allen Geschöpfen nichts betrachte, als Dich: meinen Willen, daß ich nichts lie ke und verlange, als Dich, oder wegen Dir. Segne all' mein Thun und Lassen, mein ganzes Leben, und das Ende desselben. Darum bitte ich Dich durch deine heiligste Menschwer. dun, durch deinen bittersten Tod am Kreuze, durch deine seg nvolle Gegenwart in diesem allerheiligsten Sacramente. Sieh! mit heißester Sehnsucht erwarte ich deinen Segen, und spreche mit gebeugtem Haupte: der Segen des alimächtigen Gottes des Baters+, des Sohnes+ und des heiligen Geistes+, komm herab über mich), ( über diesen Ort, über meine Wohnung, über alle die Meinigen, und über die Früchte der Erde), und bleibe allezeit unter uns. uns. Amen. unter Abendbethstunde am heiligen Fronleichnan s: Feste. Das glaubende Herz vor dem hochwürdigsten Gut. Eingang. Du bist Christus, der Sohn des lebendigen Gottes. Herr! öffne meine Lippen, und mein Mund wird dein Lob verkündigen.- Gott! denk' auf meine Rettungs Herr! eile mir zu helfen!- Ehre sey dem Vater c. Anbethung. Jesus Christus, den Urheber des Glaubens, der aus dem Schooße des Vaters in diese Welt gekommen ist, das helle Licht des Glaubens anzuzünden, bethe, o meine Sees le! in der Volle des Glaubens an. - Unserm Herrn Jesus Christus! der die Herrlichkeit des dreyeinigen Gottes in den Fronleichnams Andachten. bring', o Finsternisfen der Unwiffenbeit feuchten gemacht,- meine Seele! ewiges Lob, uno unendlichen Dank. Jesus Christus, den getreuen Zencen, den Erftgebornen der Todten, den Fürsten der Konige dieser Eroe, der sein herrs liches Reich des Glaubens in der Bolle der Zeiten errichtet hat, bethe, o meine Seele! in tiefster Demuth im allerheiligs fien Altars Geheimnisse an, und stimme in den Lobgefang aller Engel und Heiligen im Himmel ein: Heilig! beilig! beilig ist der Herr, der allmächtige Gett! der Herr der Seerschaaren! Himmel und Erde sind feiner Herrlichkeit, Majestät und Ehre voll. Ehre sey dem Vater ic. — 343 4 I. Lobgefang. Die Liebe hat Dich uns gegeben, geheimnisvolles Hims melsbrod; zu unsrer Seele höherm Leben, zur Rettung von dem ew'gen Tod. Kommit Du nicht in mein Herz hinein, so kann in mir kein Leben seyn. O komm, des Himmels beste Speise, recht oft in meine Seele, Du, sey mir auf meiner Pilgerreise Erquickung, Stárs le, Trost und Ruh. Ach! Heil und Leben wünsch' ich mir; d'rum sehn' ich mich so sehr nach Dir. Doch soll ich, was ich suche, finden, sollst Du mir Brod zum Leben seyn, so sey vom Unrath aller Sünden, mein Herz durch wahre Buße rein; weil zum Gericht und Ted Du bist, dem, der unwürdig Dich genießt. Antiphon. Für wahr! für wahr! ich fage euch, wenn ihr das Fleisch des Menschenfehnes nicht effet, und sein Blut nicht trinket, werdet ihr das Leben nicht in euch haben.- Wie ich durch den Vater lebe, so wird auch der, der mich ist, durch mich leben.- Job. 6, 54. 58. Wer unwürdig ist und trinkt, der ist und trinkt sich das Gericht hinein, weil er den Leib des Herrn nicht unterscheidet. Paulus 1. Korinth. 11, 29. Gebeth. Herr Jesus Christus! so oft ich Unwüre diger es wage, deinen heiligen Leib zu empfangen, laß diesen Genuß mir nie zum Gericht und zur Verdammniß gereichen, sondern laß ihn mir vielmehr nach deiner Güte einen mächtigen Schuß und eine heilsame Arzney des Leibes und der Seele werden, der Du mit Gott dem Vater in Einigkeit des heiligen Geistes lebeft und regierest, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. II. GI aubenspfa I m. Jefus! Du Sohn des lebendigen Gottes, du Sohn der fes ligsten Jungfrau Maria! Jesus! unfer Gefeßgeber, Erlofer und Heiland, Du wahrer Gott, und Mensch zugleich! in tiefs fter Demuth beugen wir unsere Knie vor Dir, und fieaen voll Ehrfurcht vor deinem heiligsten Throne. In deinem heiligsten WII. Abschnitt. Namen versammeln wir uns, im Geiste und in der Wahrheit Dich anzubethen. In unsern Kirchen bist Du mit Gottheit und Menschheit zugegen; zu deinem Andenken hast Du vor deinem Leiden dieses Geheimniß gestiftet. Immer sollte dieses Denkmal deiner Liebe bestehen, Du erneuerst es täglich auf unfern Altären. Immer haben wir deinen heiligsten Leib, und dein kostbares Blut gegenwärtig vor uns, welche Du für uns am Kreuze geopfert haft. In diesem heiligsten Sacramente giebst Du uns Dich selbst zu genießen; Du selbst wirst uns Ünterpfand des ewigen, seligen Lebens. In voller Unterwers fung des Verstandes glauben und bekennen wir dieses; denn Du redest nur Worte der Wahrheit und des ewigen Lebens. Jesus! wer: kann dieses Wunder deiner Allmacht und Liebe begreifen! Deine Barmherzigkeit währet von Geschlecht zu Ges schlecht. Ihr Christen kommet, lasset uns niederfallen, Jesus anzubethen; laffet uns ben dem ewigen Worte, das uns ers schaffen hat, weinen vor Freuden. Junge und Alte, Reiche und Arme! preifet voll Dankbarkeit seine göttliche Liebe, vers kündet laut die Hoheit feines heiligsten Namens. In seinem Heiligthume ist Herrlichkeit und Heiligkeit! die Chöre der Ens gel umgeben voll Ehrfurcht seinen heiligsten Zhron. In ihrer Mitte lasset uns Ihn loben und preifen; erhebet Herz und Hände voll Andacht zu Ihm. Ihm schenket voll Freuden euere Herzen zum wohlgefälligen Opfer; denn Er ist unser Gott und ewiger König. Jesus! erhalt und vermehre in uns den Glauben; jetzt, und in Ewigkeit, gebühret Dir Anbethung und Liebe. Die Ehre fey dem Vater, und dem Sohne, und dem heiligen Geiste, wie sie war im Anfange, jetzt und allezeit und zu ewigen Zeiten. Amen. 344 III, Gütigster Heiland, Jesus Christus! ich erkenne dei ne Gnade, daß Du mich zum wahren lichte des Glaus bens berufen, und in das Reich deiner Liebe aufgenom men hast. Gepriesen sey in Ewigkeit deine unendliche Güte, die mich vor dem Schatten des Todes bewahret, und auf den rechten Weg des Lebens geleitet hat. Ich sage Dir ewigen Dank für die unschåhbare Gnade des Glaubens, und bekenne mit Herz und Mund, was Du durch deine Apostel in der Welt hast verkünden lassen. Ich glaube an Gott den Vater, allmächtigen Schöpfer. Dieß ist jener Glaube, den Du, mein Herr und Gott! geoffenbaret hast, den die Apostel gelehret, und die Kirche allezeit gehalten hat; freywillig bekenne ich diesen Glauben, und will ihn mit deiner Gnade, o mein Heiland! standhaft bewahren bis zum leßten Hauche meines Lebens; denn Du, o Jesus! bist die ewige Weis Fronleichnams Andachten. heit, der nichts verborgen ist; Du bist die unfehlbare Wahrheit, welche nicht irren, und nicht betrügen kann. Auf dein heiliges Wort, auf deine Offenbarung gründet sich mein Glaube, in welchem Du mich standhaft erhalten wolleft bis in den Tod. Ich lebe in dem Glauben des Sohnes Gottes, der mich geliebet, und sich selbst für mich dargegeben hat. unser 2c. Gelobt und angebethet sey ohne End' Jesus in dem heiligsten Altars Sacrament! Vater 345 - IV. Unergründlich sind deine Geheimnisse, Jesus Christus! welche Du in deiner Kirche hinterlegt und eingeseßet bast; erleuchte meine Augen durch das Licht des Glau bens, damit ich erkenne die Hoffnung des Berufes, und den Reichthum der herrlichen Erbschaft der Heiligen. D heilige Kirche! wie glorreich hat dich dein Heiland ges macht, wie herrlich ist der Glanz, der aus deinen hohen Geheimnissen hervorleuchtet; mit dir bekenne ich den einzigen und dreyeinigen Gott, und bethe Ihn als den allmächtigen Schöpfer, Herrn und Erhalter des Himmels und der Erde in tiefster Demuth an, und liebe und preise. Ihn als die unversiegbare Quelle aller guten Gaben und aller vollkommenen Geschenke. Ich erhebe meine Augen zu Dir, o Jesus! Du Sohn des ewigen Baters! Von Ewigkeit warst Du beym Bater. Uns Menschen zu Lieb' hast Du Dich erniedriget, und bist Mensch geworden aus Maria der Jungfrau. Dem Heile der Menschen hast Du dein Leben auf Erden gewidmet, und für sie die Bitterkeit des Leidens und Sterbens erduldet. Auf einen Felsen hast Du deine Kirche erbauet, und ihr nach deiner Himmelfahrt in Petrus und seinen Nachfolgern ein sichtbares Oberhaupt gegeben. Und damit deine Verdienste uns immer zu Theil würden, hast Du die sieben heiligen Sacramente, als heilbringende Quels len deiner Gnade eingeseßt, durch welche wir die Nachlassung der Sünden, die Kraft, gottselig zu leben, die Heiligmachung unserer Seelen, und das ewige Leben empfangen im dem Reiche, wo wir ewig mit allen Engeln und Heiligen Dich, o Jesus! unsern Herrn und 346 VII. Abschnitt. Gott mit dem Vatr und dem heiligen Geiste loben, preisen, ehren und anbethen werden in Ewigkeit. Bater unser sc. Gelebt und angebethet sey ohne End' Jes sus in dem heiligsten Altars Sacrament! V. Göttlicher Heiland! unbegreiflich ist deine Liebe, und unaussprechlich deine Huld und Gnade, mit welcher Du deiner Kirche Dich selbst wahrhaft und wesentlich im allerheiligsten und anbethungswürdigsten Altars. Sa cramente hinterlassen hast. O Jesus! ich glaube unge. zweifelt, und bekenne feyerlich dieses große Geheimniß; ich halte mich mit fester lieberzeugung an die Lehre, welche die katholische Kirche von diesem wundervollen Sacramente allezeit geglaubt hat, und bis an das Ende der Welt glauben wird. Bon Dir, göttlicher Lehrmeister! und von deinen heiligen Aposteln hat sie diesen Glauben empfangen, und vom heiligen Geiste, der sie in aller Wahrheit unterrich tet, hat sie diese Lehre erhalten. Ich danke Dir, o Jes sus! von ganzem Herzen danke ich Dir für dieses gnadenreiche Sacrament, in welches Du die Schäße deiner Liebe niedergelegt haft; ich glaube, daßß Du, o Jesus! unter den Gestalten des Brodes und Weines, nach der Wandlung, mit Gottheit und Menschheit, mit Leib und Seele, ganz und unzertheilt, wahrhaft und wesentlich gegenwärtig bist; ich glaube, daß ich in der heiligen Communion deinen wahren Leib, den Du am Kreuze für uns hingeopfert, und dein wahres Blut, das Du zur Vergebung unserer Sünden vergossen hast, wirk lich empfange, und voll dieses Glaubens bethe ich deine höchste Majestät in diesem Sacramente in tiefster Ehrfurcht an. - Oheiliges Sacrament' in welchem der Urheber al ler Heiligkeit, Jesus Christus, wahrhaftig enthalten ist; Du bist das heilige Denkmal seiner Wunder, welches Er uns gegeben hat zur Erinnerung seines Todes; du bist eine geistliche Speise der Seele, und ein Gegenmit tel wider die täglichen Sünden; du bist ein Unterpfand der künftigen Herrlichkeit, und der ewigen Seligkeit. O Jesus! möchten doch alle Menschen einmal zum seli Fronleichnams Andachten. gen Glauben an deine wahre und wirkliche Gegenwart im allerheiligsten Altars Sacramente kommen, damit sie Alle jener himmlischen Gaben und Segnungen theilhaf tig würden, die Du denen mittheilest, die einen lebendigen Glauben an dieses wundervolle Geheimniß haben. Erhalte mich, o Jesus! in dieſem Glauben; heilige mein Herz, damit ich jederzeit würdig zu diesem heiligen Sacramente hinzutrete, und genähret und gestärket werde zum heiligen, ewig seligen Leben. Bater unfer c. Gelobt und angebethet sey ohne End' Jes sus in dem heiligsten Altars Sacrament! 347 -- VI. Du, o Jesus! bist der Anfänger und Vollender meines Glaubens; Du hast jest mein Herz ganz eingenommen; deine erhabenen Geheimnisse erheben meinen Geist über alles Irdische, und mein Auge ist nur auf Dich gerichtet. Großer Gott, unendliches Wesen! einfach in der Natur, dreyfach in den Personen! ich bes the Dich an, und weihe mich auf's Neue deinem Dienste. Höchstes Gut! uneingeschränkte Allmacht, ewige Weisheit, unergründliche Liebe! meine Seele verliert sich in deiner Schönheit, und mein Herz gelobet Dir auf's Neue ewige Gegenliebe. — Allmächtiger Schöpfer des Himmels und der Erde! ich bin das Werk deiner Hände, und in deiner Gewalt ist mein Daseyn und mein Heil. Kindliche Ehrfurcht durchdringt mein Gemüth, und mein Geist gelobet treuen Gehorsam gegen deinen heiligen und gerechten Willen. Jesus! Du Sohn des lebendigen Gottes! Du Lehter der Wahrheit! an Dich glaube ich, Du hast Worte des ewigen Lebens, und dein Evangelium ist eine Kraft Gottes, selig zu machen Alle, die daran glauben! Jesus, mein Erldser! der Du für mich gestorben bist, und mich erlöset hast; ich danke deiner Güte in Ewigkeit, und weibe deiner zarten Liebe mein freylich unreines und unwürdiges Herz daß Du in demselben wohnest undlebest, der Du für mich gestorben bist! Jesus, Du Stifter der heiligen Sacramente, die Du zu meinem Heile eingesehet baft, ich übergebe mich gänzlich dem mächtigen Suge deiner Gnade, damit ich im wahren 1 VII. Abschnitt. Glauben verharre, und in Liebe vor Dir wandeln möge, bis an das Ende! Jesus! meine unendliche immer neue Liebe im heiligsten Sacramente des Altars! was kann ich Dir erwiedern für deine erbarmende Güte, nach welcher Du mir dein Fleisch und Blut zum Unterpfande der ewigen Seligkeit gegeben hast? Mein Herz, mit allen seinen Wünschen und Neigungen, will ich Dir opfern. Nimm dieses Dankopfer an, und laß es nie durch irgend einen Feind meines Heiles Dir entrissen werden.- Jesus! unsichtbares Haupt der Kirche, der Du den heili. gen Geist, als den Tröster und Lehrer aller Wahrheit ge sendet hast, mit kindlichem Glauben und demüthigem Ges horsam halte ich mich an diese Mutter und Grundveste der Wahrheit, und in diesem Glauben will ich leben und ster ben. Jesus! verherrlichter Sohn Gottes auf dem Throne zur Rechten des Baters! zu Dir erhebe ich mich, nach Dir sehnet sich meine Seele, wie sich ein Hirsch nach der Wasserquelle sehnet, zieh mich nach Dir, und verleihe mir nach deiner unendlichen Barmherzigkeit, um deiner Verdienste willen, das ewige Leben.- Jesus! Du künftiger Richter der Lebendigen und der Todten, erbarme Dich meiner, und gehe mit mir nicht in das Gericht, sondern laß mich auf erstehen in der Herrlichkeit, und rufe mich mit den Ges segneten deines Vaters in die ewige Seligkeit. Vater unser 1c. Gelobt und angebethet sev ohne End' Jesus in dem heiligsten Altars Sacrament! 2 348 - - VII. Jesus Christus, mein Gott und Erlöser! den ich im Geiste des Glaubens in diesem heiligen Sacramente ans bethe, mit kindlichem Vertrauen knie ich hier vor dem Throne deiner Gnaden. Ach, erhöre mein Gebeth, das ich deiner Liebe aufopfere. Du hast die Macht, die Sünden nachzulassen; denn Du bist der Sohn des lebendigen Got tes und unsere Versöhnung. Verleihe mir ein reumüthis ges Herz, und wahre Buße; verzeihe mir, und wasche mich ab in deinem Blute von allen meinen Sünden, damit ich rein vor deinem heiligen Angesichte erscheine, und deiner Liebe immer fähiger werde. Jesus! Du bist für mich ges storben; laß mich deiner Erlösung theilhaftig werden, daß ich durch deinen Tod das ewige Leben erlange. Ertheile mir 349 Fronleichnams Andachten. deine göttliche Gnade, die mich von dem Bösen abhalte, zu allem Guten stårke, und die beharrliche Treue bis an's Ende in mir wirke. Jesus! im heiligsten Sacramente vers borgener Gott! erleuchte mein Herz mit dem himmlischen Lichte des Glaubens, daß ich dieses hohe Geheimniß jederzeit mit zarter Andacht verehre. Jesus, mein theurer Heiland! erhalte in mir die Hoffnung, daß ich an deiner Barmherzigkeit niemals zweifle, und den Muth nicht sinken lasse, wenn ich in der Angst des Todes das Urtheil deiner heiligen Gerechtigkeit für die Ewigkeit erwarten werde. Jesus, meine Liebe und mein Alles! Ich verlange Dich aus ganzem Herzen zu lieben, ich seufze inbrünstig nach deiner Liebe. Ach! ziehe mein Herz zu Dir, und vereinige es mit Dir durch das zarte und starke Liebesband, welches weder ein Geschöpf, weder mein eigener Wille, wes der der Tod zerreißen möge. Jesus! deine Liebe schenke mir in der Zeit, damit ich Dich lieben könne in Ewigkeit. Vater unser 2. Beschluß. Jesus Christus! das Brod, das Du uns gegeben hast, ist dein Fleisch für das Leben der Welt. Es ist das große Geheimniß des Glaubens, den ich in dieser Stunde bekennet, und für mein ganzes übriges Leben ers neuert habe. Laß Dir gefallen meine Andacht, und meine dankbare Liebe. Ach! daß sie würdig wäre, von deinem liebevollen Herzen aufgenommen zu werden! Nie wird die Welt Dich genug loben und preisen können für dieses uns ergründliche Liebesgeheimniß. Ewiger. Dank sey deiner Barmherzigkeit, die ich preisen will in Ewigkeit. Die Kraft dieses hohen Sacraments, und der Segent des allmächtigen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des beil. Geistes, komme über mich, über meine Freunde und Gutthåter, über geistliche und weltliche Obrigkeiten, über alle Menschen, über unsere Fluren und Felder, und über die Früchte der Erde, und bleibe über uns ewiglich. Amen. Angebethet sey ohne End' das heiligste Altars- Sacrament! Herr! erhöre mein Gebeth, und mein Rufen komme zu Dir! Laßt uns den Herrn benedeyen! Gott sey Dank! Und Die Seelen aller Christgläubigen ruhen durch die Barmhere zigkeit Gottes in Frieden. Amen. Vater unser 16. VII. Abschnitt. Abendbethstunde am Freytag in der Fronleichnams. Octav. 350 Das hoffende Herz vor dem hochwürdigsten Gute. Eingang. Du bist Christus, der Sohn des lebendigen Gottes. Herr, öffne meine Lippen, und mein Mund wird dein Lob verkünden. Gott, denk' auf meine Rettung! Herr, eile mir zu Hülfe. Ehre sey dem Vater ic. 2[ n b e t Ô un g. Jesus Christus, den einzigen Mittler zwischen Gott und den Menschen, der sich selbst zur Erlösung für Alle dargeges ben hat, bethe, o meine Seele! mit unbeweglicher Hoff nung an. Unserm Herrn Jesus Christus! dem göttlichen Lamme, wel ches für die Sünden der Welt an dem Kreuze geschlachtet worden, bring', o meine erlöste Seele! das schuldige Opfer der Danksagung und des ewigen Lobes dar. Jesus Christus, unfern theuern Erlöser, in dessen Namen und durch dessen heiliges Blut wir allein das Heil zu hoffen haben, bethe, o meine Seele! im heiligen Altars: Sacramente mit zartem Vertrauen auf seine Liebe und Barmherzigkeit an, und stimine in den Lobgesang aller Engel und Heiligen im Himmel ein: Heilig! heilig! heilig ist der Herr, der allmächtis ge Gott, der Herr der Heerschaaren! Himmel und Erde sind seiner Herrlichkeit voll. Ehre sey dem Vater zc. - I. Lobgefang. Mein Gott! von vielerley Gebrechen ist meine Seele schwach und wund; o heile meine großen Schwächen, und mach' mich Kranken ganz gesund. Gieb durch dein heilig Fleisch und Blut, Gesundheit mir und Kraft und Muth. Ich soll das Böse immer meiden! doch täglich wächst die Sündenschuld. Ich soll im Kreuz geduldig leiden; und ach! mir fehlt es an Geduld. Stets Gutes thun ist meine Pflicht; allein ich üb' das Gute nicht Doch gehe ich zu meinem Mahle, dann wird die Sünde mir verhaßt; dein Fleisch macht mir die Leiden alle zu einer füßen leichten Last: es stärkt und treibt die Seele an, daß sie das Gute wirken kann. Antiphon. Kommet zu mir, ihr Alle, die ihr mit Mühseligkeiten belas den seyd, und ich will euch erquicken.- Jesus bey Matth, 11, 18. Gebeth. Allmächtiger, erbarmender Gott! wir bitten Dich, reinige uns durch dieses heilige Sacrament, und laß es uns nicht zur Strafe, sondern zur Verge: bung gereichen; es wasche uns rein von unsern Sun. den; es stärke uns in unsern Schwachheiten; es bewahre uns vor allen Gefahren der Welt, und sey den le Fronleichnams Andachten. vender und den verstorbenen Gläubigen zur Verzeihung aller ihrer Sünden, durch Jesus Christus unsern Heirn. Amen. 8 351 II. Hoffnungspfalm. Eilet berben, die ihr mit Mühe und Drangfalen beladen seye! hier ist euer Gott; er will euch erquicken. Er gab uns ja selbst das Bersprechen: ,, Um was ihr den Vater in meinem Namen bitten werdet, das wird Er euch geben." Eifrig, voll Demuth, Vertrauen und Reue wollen wir bethen. Jesus ist unser mächtigster Fürsprecher bey seis nem und unserm Vater. Erlöser! wir vertrauen auf deine Allmacht, Güte und Treue, und hoffen durch deine Gnade, und unsere Mitwirkung das ewige Leben. Erhören wolle dein Bater um deines heiligen Namens willen unser kindliches Flehen, wir bitten um tägliches Brod für Seele und Leib. Es liegen unsere Sünden schwer auf uns; aber durch dein heiliges Blut hoffen wir Verzeihung zu erhalten. Es floß am Kreuze zur Tilgung unserer Sünden, und noch ruft es um Gnade und Verzeihung für uns. Ermuntere dich, meine Seele! warum bist du traurig? Hoffe auf den Herrn, und barre auf die Gnade deines Heilandes. Es leidet das Hims melreich bis an's Ende große Gewalt! aber wir fónnen Alles in Ihm, wenn Er uns stärket. Effet mein Fleisch, spricht Er! trinket mein Blut, ihr werdet dadurch zum ewigen Leben gestärket. Ewiger Dank sey Dir, o Jesus! Du bast Dich mir selbst geschenket. Ist wohl eine Gnade, die ich von Dir nicht sicher erwarten könnte? Ewig werde ich nicht zu Schanden werden; denn ich habe auf Dich gehoffet. Du bist meine Zuflucht, Du meine einzige Stüße. Eitelkeit ist die Hülfe der Menschen; Thorheit ist das Vertrauen auf sie. Es haben mich die Gottlosen durch ihre fündhaften Werke verwirrt, Drangfale haben mich von allen Seiten umrungen. Eile mich zu retten, bleib mir zur Rechten, damit ich den Kampf mit meinen Feinden zu meinem Heile befiehe. Erlöfer! fey Du mein Licht im Leben, mein Heil im Tode; nimm uns einst Alle in deine Seligkeit auf. Erhöhen wollen wir dann in Ewigkeit deinen beiligen Namen, voll Dankbarkeit preifen die uns erwiesene Gnade und Huld. Erfreuen sollen sich Alle, die auf Dich hoffen, und Du wirst Dich ihnen nahen, und sie werden ewig froblocken. Ehre sey dem Vater ic. III. Verzeihung der Schuld. Jesus Christus, Du erbarmender Gott und liebreicher Heiland! welche große Hoffnung, welchen süßen Trost empfinde ich in meinem Herzen, wenn ich das Glück und die Gnade betrachte, die dem verlornen VII. Abschnitt., Sohne widerfahren ist. Leichtsinnig hatte er das våter: liche Haus verlassen; muthwillig die Gaben des Vaters verprasset, und dadurch gegen den Himmel und wider den Vater gesündiget. Und doch, wie liebreich wurde der reumüthig wiederkehrende Sohn aufgenommen! O Va: terherz, o Barmherzigkeit! er umarmt den Büßer! und Das neue Kleid, der giebt den Friedenskuß. Ring an der Hand, und das Freudenmahl zeigen die Güte und Liebe des Vaters. 332 .. - O Jesus! was soll ich nicht hoffen von deiner Bärmherzigkeit, welche in diesem Vater abgebildet ist! Ich erscheine wieder vor deinem heiligen Altare, und mit reumüthigem Herzen seufze ich: Bater! ich habe gesün: diget, gegen den Himmel und vor Dir! O ich unwür diges, undankbares Kind! verzeihe mir meine vielfälti ge Sündenschuld! Ach, deine Liebe tröstet mein gebeugtes Herz, und zuversichtlich hoffe ich die Gnade der Versöhnung. Du giebst mit den Kuß des Friedens, und nährest meine schmächtende Seele sogar mit deinem heiligsten Leib und Blute. Jesus, wie gnädig bist Du! O Trost für mein fündiges, aber büßendes Herz! nie will ich Eleinmüthig werden; sondern in Reue und Liebe zu Dir auf dem Wege deiner Gebote zurück kehren, und Verzeihung und Ruhe in deiner Liebe suchen. Aus den Psalmen Davids. Erbarme Dich meiner, o Herr! und sich herab auf meine Demuth. Zu Dir habe ich meine Seele erhoben; gedenke deiz her Erbarmungen. Um deines Namens willen wirst Du mir meine Sünden verzeihen; deine Barmherzigkeit habe ich immer vor meinen Augen. Du kennst meine Sehnsucht nach Dir, und mein Seufzen tit Dir nicht verborgen. Wasche mich von meis nen Sünden. Erschaff, o Gott! ein reines Herz in mir! Er barme Dich meiner, o Gott! erbarme Dich meiner; denn auf Dich vertraut meine Seele. Ehre sey dem Vater Herr! zeige mir deine Barmherzigkeit, und laß mich dein Heil erfahren. Gebeth. Laß Dich, o Herr! versöhnen, und verleibe mir die Nachlassung meiner Sünden, damit ich zugleich von allen Mackeln gereiniget werde, und mich forthin deinem Dienste freudig ergebe, der Du lebest und regierest in Ewigkeit. Amen. 353 Fronleichnams- Andachten. O Jesus! Du bist das unblutige Opfer auf dem KreuzAltare für die Sünden der Welt. Vater unser ic. Gelobt und angebethet sey ohne End' Jesus in dem hei, ligsten Altars Sacrament! " IV. Nachlaffung der Strafe. liebevollster Heiland! welchen Trost giebt mir die bu sende Magdalena, die zu deinen Füßen die vollkommene Nachlassung ihrer Sünden erhalten hat. Viele Sünden wurden ihr nachgelassen, weil sie viel geliebt hat. Ach! daß ich in meinem Herzen auch vernähme deine huldreiche Lossprechung! ,, Dein Glaube hat dir geholfen: deine Sünden sind dir vergeben, geh' in Frieden." Wie Magdalena, glaube ich, daß Du mein Gott und Erldſer bist; wie Magdalena, bereue ich meine Sünden aus dem innersten Grunde meines Herzens, und liebe Dich, o Du allerliebenswürdigstes Gut! und wünsche Dich immer mehr zu lieben, wie Magdalena. Ach, mein Jesus! kann und soll ich nicht auch hoffen, daß Du mir die verdiente Strafe gnädig nachsehen werdest? barmherziger Heiland! gedenke der Schmerzen, die Du für mich gelitten, deines Blutes, das Du für mich vergossen, deines Todes, den Du für mich erduldet bast. Diesen unendlichen Werth deiner Genugthuung opfere ich deiner Gerechtigkeit auf, und lege zugleich auf den Altar deiner Gnaden mein büßendes Herz hin, abgeschålet von der Sinnlichkeit, ganz rein von aller Anhänglichkeit an die Sünde. Mein Leben soll forthin deiner Liebe und deinem heiligen Dienste gewidmet seyn, und so hoffe ich auch die Nachlassung der Sündenstrafen. Herr! Du wirst mich nicht züchtigen in deinem Zorn! Aus dem Lobgefang des Propheten Isaias.Ich will Dir danken, o Herr! denn Du bist erzürnet über mich gewesen: Dein Zorn aber hat sich gestillet, und Du hast mich getröstet. Sieh! Gott ist mein Heiland, ich will Ihm traus en, und mich nicht fürchten. Der Herr ist meine Stärke und mein Ruhm: Er ist mein Heiland. Herr! Du wirst uns den Frieden geben, Du wirst dein Volk verschonen. Ehre sey demi Vater c. 20ir haben Jesus, den Mittler des neuen Bundes; und fein Blut redet eir uns kraftiger aks das Blut Abels. Gebeth. Gott! Du willst Dich lieber derer, die auf Dich hoffen, erbarmen, als über sie erzürnen: gieb mir 23 354 VII. Abschnitt. deine Gnade, daß ich die Sünden, die ich begangen, von Herzen beweine, und dadurch fähig werde, die Gnade deiner Tröstungen zu erfahren. Der Du lebst ic. o Jesus im heiligsten Sacramente dein heiligstes Blut reinige uns von aller Sünde. Vater unser ic. Gelobt und angebethet zc. V. Gnade zum Guten. Jesus! Du bist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren war. Das Licht und die Lieblichkeit deiner Gnade sind das Mittel, durch welches Du die Her zen der Menschen an Dich ziehest. Wie liebreich und sie gend hat sie den fündigen Zachåus zu einem wahren Sohne Abrahams gemacht! Der Gnadenblick, mit dem Du ihn auf dem Baume angesehen hast, deine liebevolle Einladung, und deine Gegenwart in seinem Hause haben ihn bekehrt und sein Heil gewirket. O Jesus! ich bin un vermögend, Gutes zu thun, und das Heil zu erlangen, ohne die Kraft deiner Gnade. Aber ich hoffe sie von deiner Liebe, und erwarte sie von deiner Barmherzigkeit. Du hast sie durch dein heiliges Leiden und Sterben für mich verdient; sie liegt in deinen Händen. So wahr Du heute und gestern und in Ewigkeit Jesus mein Heiland bist, so wahr wird auch aus deinen heiligen Wunden, aus deinem liebevollen Herzen, aus deinen heiligen Sacramenten die Hülfe deiner Gnade über mich kommen, die mich kräf tiget und stårket, fromm zu leben, und selig zu sterben. Jesus! auf deine unendliche Güte und Barmherzigkeit sehe ich mein ganzes Vertrauen. - Aus dem Lobgefange der Mutter Samuels, Hanna. Mein Herz frohlocket in dem Herrn; und in Dir, als mei nem Heilande, hab' ich mich erfreut. Niemand ist so heilig, als unser Herr; und keiner ist so stark, als unser Gott. Der Bogen der Starken ist zerbrochen, und die Schwachen find mit Stärke umgeben worden. Der Herr macht arm und reich. Er erniedriget und erhöhet. Er zieht den Dürftigen aus dem Staube, und erhebet den Armen von der Erde. Er wird die Schritte feiner Heiligen bewahren. Niemand wird durch seine eigene Stärke mächtig werden. Ehre sey dem Vater. Die Gnade wirke in mir, und führe mich zum ewigen fes ben durch Jesus Christus, unsern Herrn. Gebeth. O Gott! Du Beschüßer derer, die auf Dich hoffen, ohne welchen nichts mächtig, nichts heilig ist; gieß über mich aus deine Barmherzigkeit und deine 355 Fronleichnams Andachten. Gnade, damit ich durch dieselbe zur ewigen Seligkeit gelange, durch Jesus Christus, unsern Herrn. O Jesus! im heiligen Sacrament zeige den überflüßigen Reichthum deiner Gnade über mir in aller Gerechtigkeit. Bas ter unser c. Gelobt und angebethet zc. VI. roft im Leiden. Dich selbst, o gütigster Heiland! hast Du uns vors gebildet, der Du die Barmherzigkeit des guten Sas maritans gegen den armseligen halbtodten Menschen vorgestellet hast. Du erbarmest Dich über unser Ans liegen und Leiden, und deine Liebe tröstet die Bedrångs ten. Du gießest Wein und Del in unsere Wunden, die Krankheiten unserer Seelen zu heilen. Wie oft ers weckest Du gute Herzen, welche uns zu Hülfe kommen, und Sorge für uns tragen. O liebevolles Herz Jesus! es ist deine Wonne, Dich unser zu erbarmen, und jenen zu helfen, die auf Dich hoffen. Du hast Dich erbarmet der Hung'rigen, und ihnen zu Lieb wenig Brode wunderbarlich vermehret. Du hast Dich erbarmet der Kranken, und sie geheilet. Du hast Dich erbarmet der Betübten, und zu ihrem Troste die Todten zum Leben auferwecket. Du hast Dich erbarmet der Bedrängten und sie von der Ges walt des Satans erldset. Jesus! Du bist die Liebe und Gütigkeit selbst, und ladest alle Mühseligen und Beladenen zu Dir ein, um sie zu erquicken. Ach, nur ein verblendetes Herz kann an deiner Liebe und Barmherzigkeit zweifeln! In allen meinen Leis den seße ich mein unveränderliches Vertrauen auf deine erbarmende Liebe und Güte, und ich weiß es, an wen ich glaube, und bin fest überzeugt, daß Trost, Hülfe und Heil von Dir kommt, o Jesus! Aus dem Lobgefang des Propheten Jonas. Aus meiner Trübfal hab' ich zu Dir, o Herr! gerufen, und Du hast mich erhöret. Ich schien vor deinem Angesichte verworfen zu seyn, aber ich werde deinen heiligen Tempel wieder sehen. Da meine Seele in mir beangstiget war, hab' ich deiner, o Herr! gedacht. Mein Gebeth wird zu Dir aufs freigen, und deine Barmherzigkeit will ich nicht verlassen. Lob und Ruhm will ich Dir opfern, und für mein Heil Dir - meinem Gott- danken. Ehre sey dem Vater ic. 23 VII, Abschnitt. Jesus! Du bist ein gütiger und barmherziger Gott, gedul dig und voll Erbarmung. 336 Gebeth. Allmächtiger Gott! Du Stärke Aller, die auf Dich hoffen, erzeige Dich gnådig meinem Flehen, und weil ohne Dich die menschliche Schwachheit nichts vermag, so verleih mir deine hülfreiche Gnade, daß ich in treuer Liebe Dir anhange, damit mich weder Versuchungen noch Leiden und Widerwärtigkeiten von Dir trennen, durch Jesus Christus, unsern Herrn. Amen. O Jesus, im heiligen Sacrament! Du bist den Menschen aleich geworden, und haft unsere Schrachheiten selbst getragen. Bater unser c. Gelobt und angebethet zc. VII. Ewiges Leben. Wie groß ist deine Barmherzigkeit, göttlicher Heiland! auch einem Mörder hast Du das Paradies versprochen, da er an Dich am Kreuze geglaubet, auf Dich gehoffet, und zärtlich Dich geliebt hat. Du schließest Niemand aus, we der von deiner Liebe, noch von deinem Reiche. Wenn ich gesündiget habe, so ist deine erbarmende Güte immer be reitet, mich in Gnaden aufzunehmen, sobald ich an Dich) glaube, meine Sünden von ganzem Herzen bereue, und wahre Buße wirke. Jesus! dein heiliges Kreuz, an dem Du für mich gestorben bist, wird mir den Himmel eröffnen; dein heiliges Blut, das Du für mich vergessen hast, wird mir das Heil geben; dein beiliger Tod, den Du für mich gelitten hast, wird mir das ewige Leben erwerben. Das ist meine zuversichtliche Hoffnung. Auch in der bangen Stunde des Todes will ich diese Hoffnung mit deiner Gnade nicht verlassen, sondern unverrückt auf Dich sehen, der Du die Auferstehung und das Leben bist, und auch mir das ewige Leben geben wirst, wenn ich im wahren werk. thätigen Glauben ausharre bis an's Ende. Aus dem Lobgefange des heil. Zacharias. Gepriesen sey der Herr, der Gott Ifraels! denn Er hat fein Volk heimgesucht und erlöset. Aus dem Hause Davids, feines Dieners, hat Er uns unsere Erlösung geschaffet; damit wir Ihm in Heiligkeit dienen alle Tage unsers Lebens, und damit Er denen leuchte, die in der Finsterniß und im Schats ten des Todes sitzen, und unsere Füße auf dem Wege des Friedens leite. Ehre sey dem Vater c. Fronleichnams Andachten. 357 Gebeth. O Gott! der Du in der Demuth deines Sohnes die hinsinkende Welt wieder emporgehoben hast, verleih mir den beständigen Schuß deiner Gnade, damit ich, durch Dich den Gefahren des ewigen Todes entriffen, auch zum Genusse der unvergånglichen Freuden gelangen. möge, durch denselben Jesus Christus, unsern Herrn. Amen. O Jefus, im heiligen Sacrament! wer dein Fleisch ist, und dein Blutt trinkt, hat das ewige Leben. Vater unfer ic. Gelobt und angebethet ic. Beschluß. Jesus Christus, mein liebreichster Heiland! dein ganzes Leben auf Erden, alle deine Geheimnisse, alle Wunder deiner göttlichen Gnade überzeugen mich von deiner Güte und Barmherzigkeit. Und ich sollte nicht boffen auf Dich, der Du mein einziger und getreuer Erldser bist? Du bist der gute Hirt, der nicht allein das irrende Schäßlein suchet, und auf den Schultern zur Heerde zurück trågt, sondern auch seine Seele für selbes einfeßet, und sein kostbares Blut vergießet; und ich sollte nicht hoffen auf Dich, der Du mein einziger, mein barmherziger Heiland bist? Unschuldiges Lamm! Deine Liebe hat Dich zum Opfer gemacht für den armen Menschen, und auch für mich hast Du sterben wollen, um mir das Leben zu geben, und ich follte nicht hoffen auf Dich, der Du mein einziger, mein allliebender Seligmacher bist? - 1 Jesus! Du bist reich an Erbarmungen, und deine Liebe ist unermeßlich. Hier im allerheiligsten Altars: Sacramente ist der wunderbare Gnadenthron, wo ich Berzeihung der Sünden, Nachlassung der Strafen, Gnade zum Guten, Trost im Leiden, und das ewige Leben erhalte, wenn ich in Glaube, Liebe und Hoffnung treu bleibe meinem Jesus bis an's Ende. Oheiliges Gastmahl! in welchem Christus genossen, das Andenken seines Leidens erneuert, das Gemüth mit Gnade erfüllet, und ein Pfand der künftigen Herrlichkeit uns mitgetheilet wird; in Dir ruht meine ganze Hoffnung, und so komme denn die Kraft dieses hochheiligen Sacraments und der Segen des allmächtigen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes, über mich, über meine VII. Abschnitt. Freunde und Gutthåter, über geistliche und weltliche ObrigFeiten, über alle Menschen, über unsere Fluren und Fel der, und über die Früchte der Erde, und bleibe über uns ewiglich. Amen. 358 Angebethet sey ohne End' das heiligste Altars, Sacrament! Herr! erhöre mein Gebeth, und mein Rufen komme zu Dir. Laßt uns den Herrn preifen, Gott sey Dank! Und die Seelen aller Chriftgläubigen ruhen durch die Barmherzigkeit Gottes im Frieden. Amen. Vater unser: c. Gegrüßt seyst Dun. Abendbethstunde am Samstag in der Fronleichnams: Octav. Das liebende Herz vor dem hochwürdigsten Gute. Eingang. Du bist Christus, der Sohn des lebendigen Gottes! Herr! öffne meine Lippen, und mein Mund wird dein Lob verkündigen. Gott! denke auf meine Rettung. Herr! eile mir zu Hülfe. Ehre sey dem Vater ic. 20 n 6 e t b un ga Jesus Christus, das allerheiligste Gut, den unendlichen vollkommenen Gott der Liebe im beiligsten Sacramente, bethe, o meine Seele! mit feurigfter Gegenliebe an. Jesus Christus, der uns feine zärtliche Liebe durch unzäh lige Guttbaten in seinem Leben und Tode bewiesen hat, bring', o meine Seele! ein gottseliges Dank und Liebesopfer dar. Jesus Christus, der das allerheiligste Eacrament eingefeßt hat, um die Herzen der Menschen durch das Uebermaß feiner Liebe an sich zu ziehen, liebe, o meine Seele! aus allen Kräfs ten, und stimme in den Lobgesang aller Engel und Heiligen im Himmel ein: Heilig, heilig, beilig ist der Herr, der alls machtige Gott, der Herr der Heerschaaren; Himmel und Erde find seiner Majestät, Ehre und Herrlichkeit voll. Ehre sey dem Vater ic. I. Lobgefang. Geliebt hast Du die Menschenkinder, o Jesus Chrift! bis an dein End', und noch liebst Du uns arme Sünder; dies zeiget mir dein Sacrament. Ich seh', wie's deine Freude ist, daß Du hier bey uns Menschen bist. D Herr und Schöpfer aller Welten, durch den ein Menfch, ein Christ ich bin; ich soll Dir deine Lieb' vergelten durch treuergebnen Liebessinn; doch meine Seele lau und kalt, fennt nicht der Liebe Allgewalt. Wer wird der Kälte mich entheben, die mir zur Laft, zum Eckel ist? Wer wird mir treue Liebe geben zu Dir, men Heiland Jesus Christ? O dieß dein heilig Fleisch und Blut, giebt und erhält der Liebe Gluth.- Fronleichnams Andachten. 359 Antiphon. Gleichwie mich mein Vater geliebt hat, so babe auch ich euch geliebt; bleibet in meiner Liebe. Wenn ihr meine Gebote halten werdet, so werdet ihr in meiner Liebe bleiben. fus bey Joh. 15, 9. 19. Jes Gebeth. Gott! der Du uns durch deine Sacramente und Gebote nach deinem Bilde erneuerst; erhalte unsern Wans del auf deinen Wegen, und verleih, daß wir die Gabe deiner Liebe, die Du uns hoffen lasseft, durch deine Gnade auch wahrs haft annehmen mögen; durch Christus unsern Herrn. Amen. 11. Pfalm. Sehet an den Himmel; er verkündet die Herrlichkeit unsers Gottes. Alles hat der Herr nur uns zu Liebe erschaffen. Seis nen eingebornen Sohn schenkte Er uns als Erlöser und Heiz land: so sehr hat er uns in Sünden geborne Menschen geliebt. Sein Sohn ward uns zu Liebe Mensch, um als Gottmensch für unsere Sünden durch seinen Tod genugthun zu können. Seines Gefeßes Inhalt ist einzig nur Liebe: ,, Liebe Gott über Alles, und wegen Gott den nächsten, wie Dich selbst," so heißen seine Gebote. So lange Jefus auf Erde wandelte, zeigte Er immer die thátigste Liebe. Aus Liebe zum Bater, aus Liebe zu uns, gab Er am Kreuze sein Leben. Sein Tod ist unser Leben, seine Verdienste sind unser Reichthum; durch Ihn erhalten wir Verzeihung der Sünden. Sein Andenken zu erhalten, hinterließ Er uns fein eigenes Fleisch und Blut. Er stärket uns dadurch zum ewigen Leben. Sehet! hier auf unsern Altáren ist Er unser tägliches Opfer, und Er hat seine Freude, unter uns Menschenkindern zu wohnen. Sehet hinauf zum Himmel! dort ist Er unser Fürbitter und Mittler beym Bater: durch Ihn follen wir miterben seiner Herrlichkeit feyn. Statt Seiner schickte Er uns vom Vater den heiligen Geift, den Geist des Trostes, den Seift der götts lichen Liebe. Sollte es möglich seyn, einen so liebenden Gott nicht zu lieben? Ihn zu vergessen,- zu beleidigen?- Ses ligkeit, Luft und Freude finde ich in Dir allein, o Jesus! denn Du bist das vollkommenste liebenswürdigste Gut. So wie die Sterne, so unzählbar sind deine mir erwiesenen Wohlthaten. Mein Gott! von ganzem Herzen liebe ich Dich über alle ers schaffenen Dinge. Sohn Gottes, Erlöfer und Heiland! Du starbst für mich; wie soll ich Dir diese Liebe vergelten? Sorg: fältig will ich deine Gebote und Beyfpiele beobachten. Gott meines Herzens! dein Gesetz ist mein Antheil in Ewigkeit. So wie mich felbft, liebe ich Deinetwegen den nächsten: denn Du bist ohne Unterschied für Alle gestorben. Sterbend bast Du am Kreuze deinen Peinigern verziehen. Aus Liebe zu Dir verzeihe ich von Herzen Allen, die mich beleidiget haben. So begierig der Hirsch nach der Wasserquelle sich sehnet, fo febnet sich meine Seele, o Jesus! nach Dir. Sich, mein Herz schenke ich Dir! entzünde es mit deiner heiligen Liebe. Was kann ich außer Dir im Himmel und auf Erde begehren? Ses - VII. Abschnitt. lig sind, die Dich von Herzen aufrichtig lieben, sie werden vom Ueberflusse deines Hauses ersättiget werden. Ehre sey ic. 560 III. O Jesus! verborgener Gott im heiligsten Sacramente! In den Abgrund meiner Niedrigkeit verfunken, Enie ich mit innigster Ehrfurcht anbethend und liebend vor dei: nem heiligen Sacramente nieder, o mein Gott und lieb reichster Heiland! ich, das leste deiner Geschöpfe, und dech dein Erlöster, der Preis deines vergoffenen Blutes! Den Strömen deiner Barmherzigkeit, die aus diesem wunderbaren Geheimnisse deiner Liebe entspringen, nahe ich mich; ich nabe mich dem Urquell der Gnaden, der wah ren Sonne der Gerechtigkeit, deren Strahlen durch das ganze Weltall sich ergießen, und freygebig Allen sich mitthei len, welche die Augen des Herzens ihr nicht verschließen. Du selbst hast ja dieses beilige Sacrament der Liebe einge. seget, unsere Herzen an Dich zu ziehen, und durch die Liebe mit Dir zu vereinigen. Es ist ein immerwährendes Opfer deiner Liebe, das Du am Kreuze vollbracht, und den Menschen geschenket hast. Ach Jesus! ich nie vor diesem wundervollen Liebes geheimniß, und bitte Dich flehentlich um die unschäßbare Gnade der Liebe. Du bist der Gott meines Herzens, mein Alles, reiß mich los von aller unordentlichen Anhänglich. keit an das Irdische, damit mein Herz ganz dein Eigenthum sey, und Dich über Alles liebe, o Du unerschaffene Liebe. Bater unser c. Gelobt und angebethet sc. IV. O Jesus! vermenfchter Gott im heiligsten Sacramente. Wohl ist die Vermessenheit groß, daß ein so unwür diges Geschdpf nach deiner hocherhabenen Liebe verlangt, und allerdings würde ich bey dem Bewußtseyn meiner Niedrigkeit nach Geringerem verlangen; doch was soll ich Aermster thun, da Du selbst mir befiehlst, daß ich Dich liebe? Erschaffen hast Du mich, daß ich Dich liebe, und drohest mit deinem ewigen Zorne mir, wenn ich Dich nicht liebe. Du starbst aus Liebe zu mir, und gebietest mir drins gend, Liebe von Dir zu verlangen; ja se sehr verlangst Du nach meiner Liebe, daß Du meine Lieblosigkeit wohl erken 361 nend, ein wunderbares Sacrament einfeßtest, das zur Liebe mich entflammen sollte. O mein Erldser! was bin ich Dir, daß Du mir befiehlst, Dich zu lieben, und daß Du um dieser Liebe willen. so viele wunderbare Mittel und Wege suchtest? Was gab ich Dir anders, als Trůbsal, Leiden und Marter des Kreuzes? und was gabst dagegen Du mir, als Heil, Frieden und jedes wünschenswürdige Gut? Wenn also Du mich liebtest, der ich in allem nur Leid und Schmerz Dir gab, wie soll ich Dich nicht lieben, o Quell meines Heils und meiner Seligkeit!- Vater unser: c. Gelobt und angebethet zc. V. 0 Jesus! Du ewiger Gegenstand meiner Liebe und Sehnsucht im heiligsten Sacramente. Fronleichnams Andachten. Im Vertrauen auf so viele Pfänder deiner Liebe, auf jenes milde Gebot, traft dessen Du bis an's Ende des Lebens so liebreich zu deinem heiligen Tische mich einladest, und mir befiehlst, in heiliger Liebe mich mit Dir zu vereinigen, flebe ich um eine andere Gnade zu Dir, daß Du- Quelle alles Guten, und Geber aller Gaben mir die Liebe selbst verleihest, die Du von mir verlangst; denn nimmermehr vermag ich Dich zu lieben, wenn Du nicht selbst dieses reine, heilige Feuer in meinem Herzen entzün dest. Nicht würdig bin ich, Dich zu lieben; doch Du bist ja aller Liebe werth. Nimmer wag' ich es daher, Dich zu bitten, daß Du mich liebest, sondern daß Du mir gestattest, Dich zu lieben! Was kann ich anders sagen, was seufzen, als: ,, O mein Jesus! mein Gott und Alles, ich liebe Dich! O Süßigteit meines Herzens! O Leben meiner Seele! O süße Rube meines Geistes! O unerschaffenes Feuer! wann werd' ich Dich genug lieben können?- Wann wirst Du mich durch die brennenden Flammen deiner Liebe gang reinigen, heiligen, in dein Wesen verwandeln? Wann wird sich der Schatten dieser Sterblichkeit verlieren, und der Tag der Ewigkeit aufgehen, damit ich noch mehr liebe? Bereinige mich mit Dir, o mein Gott! o meine Liebe! dringe noch mehr in mein Innerstes, damit ich nur Dich, und Dich über Alles liebe. Amen. Bater unser sc. Gelobt und angebet. ic. ― 362 VII. Abschnitt. VI, O Jesus! Du bimmlisches Manna im heil. Sacramente! Lieben will ich Dich, o Gott! mein Heiland und meine Stärke! lieben will ich Dich, Du Kraft meiner Seele! immerdar will ich Dich lieben, Du unaussprech liche Freude meines Herzens! Nicht mir, Dir will ich die ganze Zeit meines Lebens leben, welches Du, als es durch mein großes Sünden- Elend verloren war, durch deine Barmherzigkeit erneuert hast. Lieben will ich Dich, o mein Heiland, Erlöser und Seligmacher! lieben mit innigster, und glühendster Liebe. Alle Gefühle und Be gierden meines Herzens will ich, gleich eben so vielen Armen, ausstrecken, Dich mit Liebe zu umfassen, o un endlich geliebter Bräutigam meiner Seele, von dem ich alles Gute erwarte! So fest und innig umschließt der Epheu den Baum, um welchen er sich wendet, daß all' seine Fibern Arme scheinen, mit welchen er denselben umklammert; denn nur also gestüßt, erhebt er sich zum Gipfel, und erreicht seine Vollkommenheit. Um welchen Baum soll aber ich mich schlingen, daß ich wachse und zur Vollkommenheit gelange, die mir gebricht, als um Nimmer Dich, o mein Heiland, meine Stüße! wachset der Epheu so sehr, nimmer bringt er auch, wies wohl um seinen Baum geschlungen, so schöne Zweige hervor, als die Seele, welche Dir sich inniglich vereini get, an Tugenden und Gnaden wachset. Warum also löset nicht mein ganzes Gefühl sich in Liebe auf, Dich zu empfangen? Warum, ach warum liebe ich Dich nicht aus ganzer Seele, aus ganzer Kraft, und aus innigstem Grunde meines Herzens? Hilf mir, o Gott, o mein Erlöser! zieh mich hinauf zu Dir, da die Last des sterblichen Fleisches mich unablässig in die Tiefe zieht! Du, o Herr! ließest Dich am Baume des Kreuzes erhöhen, daß Du Alles an Dich zögest; Du verbandest in unaussprech licher Liebe zwen so ganz verschiedene Naturen zu Einer Per son, daß Du Eines mit uns wurdeft; o so vereinige denn mein Herz kraft eines so unauflöslichen Bandes mit Dit, daß es Eins sen mit Dir; ſpeise, nåhre, erquicke, o Du himmlisches Manna! meine Seele, für ein ewiges, seliges Leben. Amen. Vater unser c. Gelobt und angebethet*. 1 Fronleichnams Andachten. - " VII. D Jesus! Du anbethungswürdigster Gottmensch im heiligsten Sacramente! Du Labsal meines Lebens, Licht meiner Augen, Trost in meinen Trubsalen, Hafen, nach welchem meine Sehnsucht strebt, Wonneparadies meines Herzens, Unterpfand meiner Herrlichkeit, Gefährte meiner Pilgrimschaft, geistliche Nahrung in der Wüste dieses Lebens, Arzney meiner Wunden, milder Bestrafer meiner Sünden, Lehter meiner Unwissenheit, Führer auf meinem Wege, füße Stätte, wo meine Seele Ruhe findet, Spiegel, in welchem sie sich erschauet, Stab, auf welchen sie bauet, und köstlicher Schaß ihrer Glorie, Jesus Alles in Allem, Jesus, dem sich alle Knie beugen, im Himmel und auf Erde, und unter der Erde, Jesus, den alle Zungen preisen und preisend bekennen, daß Du, der Eingeborne in der Herrlichkeit Gottes, des Vaters seyest, Jesus, im seligsten Jubel meines liebenden Herzens lade ich alle deine Geschöpfe ein, Dich, o Du ewige anbethungswürdigste Liebe im heiligsten Sacramente! mit mir zu loben, zu lieben, und zu verherrlichen in Ewigkeit. 10 363 - Lobgesan g. So lobet denn alle wunderbaren Werke des Herrn! Jes fus, den Sohn des lebendigen Gottes, lobet, lieber und vers herrlichet Ihn in Ewigkeit. Ihr Engel und Erzengel! lobet Jefus, den Gegens stand eurer ewigen Freude, und liebet und verherrlichet bn in Ewigkeit. Ihr Regenten und Herrschaften, ihr Fürstenthümer und Mächte, lobet Jesus, das getödtete Lamm, das nun auf dem Throne fiket, und würdig ist zu empfangen Preis, Ehre, Ruhm und Macht in alle Ewigkeit.- Lobet, liebet und verherrlichet Ihn in alle Ewigkeit. Ihr seligen Thronen, auf welchen der Herr siket, und die Welten rich tet, ihr Cherubim und Seraphim, die ihr von Liebe zu euerm Schöpfer flammet, lobet Jesus, dem alle Macht ges geben ist, im Himmel und auf Erde, liebet und verherrlichet Ihn in Ewigkeit. Ihr Patriarchen und Propheten, zu denen der Herr geredet, lobet Jesus, euern König, und euern Erleuchter, lobet, liebet und verherrlichet Ihn in Ewigs feit. Ihr Apostel und Evangelisten erlauchte Bekens ner der heiligen Kirche Christus: Tobet Jesus, euern Meis fier und euern Lehrer, Itebet and verherrlichet Ihn in Ewigs feit. glorreiches Heer der Märtyrer und heiligen Bes Thai VII. Abschnitt. Penner, lobet Jesus, eure Stärke, und euer Licht! fobet, liebet und verherrlichet Ihn in Ewigkeit. Jhr frommen und keuschen Jungfrauen, und alle Bewohner der heiligen Sion, lobet Jesus Christus, euern Bräutigam und eure Krone, liebet und verherrlichet Jhn in Ewigkeit. 364 Lobe, meine erlöste Seele! lobe, liebe und verherrliche Jesus im heiligsten Altars Sacramente, und stimme zum Preife seiner Liebe den Lobgefang der ganzen Schöpfung an. Gebenedeyt bist Du, o Herr! Du Gott unserer Båter! und lobenswürdig und herrlich, und übers aus hocherbaben in Ewigkeit. Und gebenedeyt ist der heiligs ste Name Jefus, und lobenswürdig und über Alles hochers haben in alle Ewigkeit. Du bist gepriesen im heiligen Tems pel deiner Herrlichkeit, gepriesen auf dem Throne deines Reis ches, gepriesen im allerheiligsten Sacramente, und lobwürdig und über Alles herrlich in Ewigkeit. Du allerheiliger Jesus, bist gebenedeyt, der Du die Abgründe durchschauest, und über den Cherubinen throneft, und lobwürdig und über Alles herrlich in Ewigkeit. Du allermächtigster Jesus bist gepriesen am Firmamente des Himmels, und lobwürdig und herrlich in Ewigkeit. Alle Geschöpfe des Herrn im Hims mel und auf Erde! preiset Jefus, euern Schöpfer in heifigsten Sacramente, lobet, liebet und erhebet Jbn über Alles in Ewigkeit. Ihr Engel des Herrn, preiset Jefus, den Glorwerdigsten, im heiligsten Sacramente, vor dem ihr aus Ehrfürcht eure Angesichter bedecket: Lobet, liebet. Ihr Himmel und alle Gewäffer über dent Himmel! pres fet Jesus den Allervollkommensten, im beiligten Sacramente: Lobet, liebet sc. Sonn' und Mond, alle Sterne und Kräfte des Himmels! preifet Jesus, den Allerwuns derbartichften, im heiligsten Sacramente: Lobet, liebet. Regen und Thau, ihr Stürme und Winde! preifet Jefus, der euch mit seinem Machtworte geboten hat: Lobet, liebetx. Feuer und Hike, Kälte und Wärme! preiset Jefus, den Liebreichsten, im heiligsten Sacramente: Lobet, liebet. Eis und Frost, Reif und Schnee! preiset Jesus, den Weis feften, im heiligsten Sacramente: Lobet, liebet x. Nächte und Tage, Licht und Finsternis! preifet Jesus, den Allers ehrwürdigsten, im beiligsten Sacramente: Lobet, liebetic. Blige und Wolken! preifet Jefus, den Alerbarmhers. zigsten im heiligsten Sacramente: Lobet, liebet ic. Auch du, o Erde, mit allen deinen Geschöpfen, preise Jesus, den Des müthigsten, im heiligsten Sacramente, der auf dir in Mens fchengestalt einherwandelte: Lobe, liebe und erhebe Ihn über Alles in Ewigkeit. Ihr Menschenkinder alle! preifet Jesus, euern Herrn und Gott, im heiligsten Sacramente, wo Er feine Freude bat, bey den Menschenkindern zu seyn: Lobet, liebet: c. Chriftliches, auserwähltes Volk! preife Jesus, den Mittler zwischen Gott und den Menschen, im heis ligsten Sacramente: Lobet, liebet ic. Ihr Priester des Herrn, ihr Ausspender dieses Geheimnisses! preiset Jesus, den Fronleichnams Andachten. Farmherzigen Hobenpriester im heiligsten Sacramente: Lobet, liebet ic. Ihr Geister und Seelen der Gerechten; ihr peilige und von Herzen Demüthige! preifet Jesus, euern Heiland und Seligmacher, im heiligsten Sacramente: Lobet, liebet: c. Preiset Jesus; denn Er ist gut. Seine Barmherzigkeit dauert ewig. Ihr Sünder! preifet Jefus, euern Begnadiger im heiligsten Sacramente, wodurch Er euch so liebevoll zur Buße Kraft ertheilen will: Lobet, liebet ic. Jhr Gottesfürchtigen preiset alle den Herrn, den Gott der Götter; preiset, lieber und danket Jhm, denn seine Barmhers gigkeit dauert ewig. Preise, o meine Seele! deinen Gott und Heiland im heiligsten Sacramente; lobe, liebe und danke Jhm jetzt und in Ewigkeit. Amen. 365 Beschluß. Jesus Christus! der Du die Deinigen bis an's Ende geliebet hast; dein ganzes Leben auf Erden war eine immerwährende Uebung der Liebe, und noch jest in der Herrlichkeit des Himmels bist Du unser barmherziger Hoherpriester, unser Fürsprecher beym Bater, und unser Seligmacher. Ach, daß ich doch von ganzem Herzen Dich entgegen lieben, auf dem Wege, den Du uns vorangegangen bist, Dir nachfolgen, und endlich die Seligkeit des Himmels erlangen möchte, die Du mir erworben hast!- Herr! Du weißt alle Dinge, Du weißt auch, daß ich Dich liebe. O durchdringe mein ganzes Wesen mit dem göttlichen Feuer deiner Liebe, damit nichts mehr mich trennen möge von deiner Liebe, damit ich mit Dir und in Dir lebe und sterbe. Mit dieser Bitte um Liebe schließe ich diese Andachtsstunde, und so komme denn die Kraft dieses hochheiligen Sacramentes und der Segen des Allmächtigen zc. ( Wie in der vorigen Betrachtung, Seite 333, bis zum Ende.) Abendbethstunde am Sonntage in der FronleichnamsOctav. Das anbethende Herz vor dem hochwürdigs ften Gute. Eingang. Du bist Christus, der Sohn 2c.( Wie oben S. 334.) I. Anrufung um die Gnade des Gebethes. Ich unterstehe mich, mit Dir, o Herr zu reden, wiewohl ich nur Staub und Asche bin. Herr, neige deine Ohren zu mir, und erhöre mich; denn ich bin elend und schwach, von Dir aber wird auch der Arme nicht ver VII. Abschnitt. 366 lassen. Ich liege vor Dir mit meinem aufrichtigen Ge bethe, nicht auf meine Gerechtigkeit, sondern auf deine große Barmherzigkeit fest vertrauend. Das Gebeth der Elenden hörest Du, o Herr! und das zerknirschte Herz ist gewiß, daß Du dein Angesicht ihm zuwenden wer dest. Ach! Herr, lehre Du mich bethen, denn ich weiß nicht, wie und was ich bethen soll. Dein heiliger Geist wolle meiner Schwachheit helfen, und mich auf's Beste ben Dir vertreten. Herr! höre mein Wort; denn ich will vor Dir bethen, loben will ich meinen Herrn Jes sus Christus mit ganzer Seele. Anbethen ist meine Lust, und Gott lobsingen meine Freude. O Jesus! ich habe den Ort geliebt, den deine Herrlichkeit bewohnt. Gieb, daß ich würdig vor deinem Angesichte ben deinem Al tare erscheine, und da im Geiste unablässig verbleibe, damit auch Du in den Tagen meiner Wanderschaft und in der Ewigkeit ben mir verbleiben mögest. II. Lobgefang. Noch trågst Du unsichtbar die Wunden, die Du, o meis ner Seele Gast! am Kreuz in deinen Leidensstunden auf Gol gatha empfunden haft; womit dein Blut, v Gotteslamm! die Sünden von uns Menschen nahm.- Noch stellest Du auf den Altären zum Opfer Dich- unblutig zwar- um unfre Sünden zu zerstören, verföhnend deinem Bater dar. Dieß Sacrament der Liebe spricht: ,, Ich denke eurer Sünden nicht." - O Jefus! ewig meine Liebe! Ach, daß durch dein versöhs nend Blut nicht eine Sünde in mir bliebe! O wåre ich ganz rein und gut! Gieb, rein zu seyn, mir Reu und Schmerz, und, gut zu seyn, ein treues Herz. Antiph. Dieß ist mein Leib, der für euch gegeben wird. Dieser Kelch ist das neue Zestament in meinem Blute, wel, ches für euch wird vergoffen werden.( Luc. 22, 19. 20.) Gebeth. Herr! wir bringen Dir dieses Opfer zu deis ner Berherrlichung und zu unserer Versöhnung dar, damit Du durch deine Erbarnung uns von allen Sünden entles digen, und unsere wankelmüthigen Herzen leiten, und in Dir befestigen mbgest, durch Christus unsern Herrn. Amen. Ill. 2nbethungspfalm. Heilig, heilig, heilig ist Jesus Christus- unser Gott und Herr! unser Hirt, wir die Heerde seiner Weide, die Werke feiner Heilig, heilig, heilig ist Jesus Christus- unser Gott und Herr! unser Haupt, wir Glieder feines Leis bes, wir seine Gemeinde, seine Auserwählten.- Heilig, heis Fronleichnams Andachten. 367 lig, heilig ist Jesus Christus- unser Gott und Herr!- der gesegnete Weinstock; wir seine Reben, gepflanzt von der Hand Heilig, des Vaters, wir leben von seinem Gnadensafte. beilig, heilig ist Jesus Christus- unser Gott und Herr! Ehre sey Jbm, dem geschlachteten Lamm, das hinwegnimmt die Sünden der Welt! Preis sey dem Auferweckten vom Grabe! Anbethung sey dem Sißenden zur Rechten des Vaters! Anbes thung sey dem Wiederkommenden, zu richten die Lebendigen und die Todten.- Heilig, heilig, beilig ist Jesus Christusunser Gott und Herr! Ihn lobe Alles unter der Erde; Ihn rahme Alles über der Erde; Ihn preise Alles auf der Erde; Jhn bethe die ganze Schöpfung an!- Heilig, heilig, heilig ist Jesus Christus- unser Gott und Herr! Ihm neige sich jedes Haupt; Jbm beuge sich jedes Knie! Ehre nur Ihm als lein! Heilig, heilig, heilig ist Jesus Christus, unser Herr! 1VI. Jesus Christus, Wort des Vaters, einziger Eingeborner Gottes, ewiger Sohn Gottes! Ich erkenne es und freue mich, daß Du bist, und Sohn Gottes bist. Du bist der Glanz des unsichtbaren Gottes. Du bist das Bild seiner Herrlichkeit. Durch Dich ist Alles gemacht, was gemacht ist, und ohne Dich ist nichts gemacht, was gemacht ist. Das sündige Menschengeschlecht ist durch Dich erlöset, und ohne Dich ist Keiner erlöset. Du bist der Heiland, der Mittler, der Erldser der Welt; dein Blut ist geflossen für Alle. Dir ist alle Gewalt gegeben im Himmel und auf Erde; Du bist der Hirt der Schafe; durch dein Sterben hast Du sie Alle erfauft; durch deine Allmacht und Güte nåhrest, führest, erziehest Du sie zum ewigen Leben. Dir ist das Ge richt übergeben, Du bist der Richter der Lebendigen und der Todten. In deinem Namen wird Alles felig, was selig wird; außer deinem Namen ist tein Heil Dir ist ein Name über alle Namen gegeben, alle Knie im Himmel, auf Erden und unter der Erde müssen sich vor Dir beugen. Du sigest zur Rechten des Vaters, dein ist das Reich und die Herrlichkeit. Dein sen ewig Du alle Anbethung von Allem, was anbethen kann. bist unser Herr, unser König, unser Gott. nen und deinen Bater, Dich anbethen und deinen Vas ter, Dir dienen und unserm Vater, sen ewig unser Thun, unser Leben, unsere Seligkeit. Dich erken VII. Abschnitt. V. Die Seele Christi, jene, mit allen Gaben und Gnaden des göttlichen Geistes gezierte Seele, heilige mich durch den Glauben, die Hoffnung und die Liebe! O edle Seele Jesus Christus! sey durch deine gnadenreiche. Vereinigung auch mit mir, und heilige meine Seele mit gottseligen Gedanken und Wünschen! Sey Du die Liebe und das Leben meiner Seele; denn ohne Dich giebt es kein wahres Leben. Der Leib unsers Herrn Jesus Christus, jener, für mein ewiges Heil an's Streuz gehefs tete, und im heil. Altars- Geheimnisse zur geistlichen Nah. rung und Arznen gewordene Leib, erlöse mich. O götts liches Haupt, mit aller Weisheit erfüllet, leite mich auf al len meinen Wegen! O ihr freundlichen, mit Thränen des zärtlichsten Mitleidens beneşte Augen, erfreuet mich mit eis nem Gnadenblicke! O kraftvolle und mit den Worten des ewigen Lebens begabte Zunge, unterweise mich in der Weißheit meines Heiles! O ihr allmächtigen Hände, die ihr den Blinden das Gesicht, den Tauben das Gehör, den Lahmen den Gebrauch ihrer Glieder, den Kranken die Gesundheit, und den Todten das Leben wieder gabet, nehmet von mir alle Schwachheiten hin, die meiner Seele schaden! O un ermüdete Füße! die ihr so viele tausend Schritte machtet, um die verlornen Schafe des Herrn zu suchen, lasset mich euch umfangen, mit Reuezähren beneßen, und demüthig küssen; denn vor euch, in Reue hingeworfen, hoffe ich gång. liche Nachlassung meiner Sünden zu erlangen. O du mildes und liebevolles Herz! du würdige Wohnung der Gott beit! du herrlicher Altar jenes Brandopfers der unendlichen Liebe! neige dich zu meinem Herzen, und entzünde es ganz mit göttlichem Feuer, damit ich Dich allein, o Gott meines Herzens! beständig und über Alles liebe. Das Blut un sers Erldsers Jesus Christus, jenes für mich so häufig vergossene Blut tránke mich, daß meine Seele nach den schädlichen Gewässern der schndden Weltfreuden und unlauten Fleischeslüsten ewig nimmer dürste! O daß er mich mit Geistesmunterkeit und Muth erfülle, daß ich jeden Augenblick bereit fey, eher mein Blut zu vergießen, als das Geseß meines Gottes zu übertreten. Das Was ser der Seitenwunde Christi wasche mich mehr 368 Fronleichnams Andachten. 369 und mehr von meinen Sünden, und reinige mich von allen Ueberbleibfeln derselben, damit ich frey von aller Mackel durch die Deffnung dieser heiligen Seite in dein liebevolles Herz, o Jesus, eingelassen werde. Das Leiden Chris sti, das Go.t mit uns ausgeföhnet hat, stårke mich in allen Widerwärtigkeiten dieses sterblichen Lebens, und vers schaffe mir Stårke, für den Namen Jesus Schmach und Unbild mit Freuden zu leiden. O gütigster Jesus! o nie versiegende Quelle alles Guten! erhdre mich in Allem, was ich zu deiner Ehre, und zu meinem Heile verlange und begehre. Zwar bin ich ein großer Sünder, aber deine Milde und Güte verleiht auch dem demüthigen Flehen der Sünder geneigtes Gehir. O gütigster Jesus, erhöre mich! In deine heiligen Wunden, in jene sichere Zufluchtsstadt aller Sünder, verbirg mich, auf daß ich meinen Feinden nicht zum Raub werde, oder in die Hände deiner Gerechtigkeit falle, die ich, leider! durch meine Missethaten so oft zum Stras fen gereizt habe In deinen Wunden, o Jesus! will ich wohnen. Da soll meine Ruhe zu ewigen Zeiten seyn; da will ich deine Erbarmnisse in Ewigkeit preisen. Laß mich wegen Menge und Schwere meiner Sünden von Dir nicht getrennet werden! Um diese Gnade bitte ich Dich durch deine heiligen Wunden, die Du aus Liebe zu mir empfangen; durch dein kostbares Blut, das Du für mein Heil vergossen; durch dein bitteres Leiden und Sterben, das Du für mich am Kreuz vollbracht hast. Vom bösen Feind, der wie ein brüllender Löwe herumgeht und sucht, wen er verschlinge, beschüße mich, damit er sich niemals rühmen möge, er habe mich übers wältiget. In der Stunde meines Todes, wann ich, von Allen verlassen, aus dieser Welt in die Ewigteit übergehen werde, ruf mich nach deiner unendlichen Güte, und laß das Werk deiner Allmacht nicht zu Grunde gehen, und heiß mich zu Dir, meinem höchsten Gute, kommen; Du, der Du alle so freundlich zu Dir einladest! Wann, o Jesus, wann werde ich vor deinem heiligen Angefichte erscheinen! Wann werde ich deine liebliche Stims me hören; Komm, und laß dich krdnen!" damit ich Dich, meinen Herrn, meinen Gott, meinen Erlöser, mit allen Heie 24 370 XII. Abschnitt. ligen in Ewigkeit loben und preisen, und in jener glücklichen Gesellschaft unaufhörlich singen möge: ,, Heilig, heilig, heilig ist Gott der Herr, der Allmächtige, welcher allezeit war, welcher ist, und immer seyn wird! dem Besitzer des Thrones, und dem Lamm, das für uns auf dem Altar des Kreuzes ist geschlachtet worden, gebühret Lob und Ehre, Macht und Herrlichkeit zu ewigen Zeiten." Amen. VI, Mit innigster Empfindung sagte, o Jesus, dein beili ger Apostel Thomas zu Dir: ,, Mein Gott und mein Herr da er seine Finger in deine Hände, und seine Hand in deine Seitenwunde legte. Er glaubte nicht, ehe er sah; ich sehe nicht, und glaube, daß Du hier auf diesem Altare unter den Gestalten des Brodes genwär tig bist. O wie schäßbar ist das Christenglück. Viele wissen nicht, was sie anbethen; wir wissen es. Wir er kennen Dich, und das ist das ewige Leben, daß wir Dich, der Du allein wahrer Gott bist, und den Du gesandt hast, Jesus Christus, erkennen. Anbethungswürdigster! ich bethe Dich in tiefster Ehrfurcht an. Ich will dei nen heiligen Namen preisen. Die ganze Erde ist voll der Wohlthaten und Wunderwerke; die größte aber deis ner Wohlthaten und das erhabenste deiner Wunder ist, daß Du uns so nahe, daß Du für uns in deinem hei ligen Sacramente des Altars gegenwärtig ist. O mein größter Wohlthäter! mein Herr! mein Gott! verstoß mich nicht von deinem Angesichte. Laß mich die Früchte der Liebe hier, und dort die Belohnungen genießen, die Du denen zubereitet hast, die Dich im Geiste und in der Wahrheit anbethen. Overmenschter Gott! vor dessen Angesicht ich knie, an den ich, ohne Ihn zu sehen, fe stiglich glaube, auf den ich mein ganzes Vertrauen sehe, und den ich von ganzem Herzen liebe; nimm Alles von mir hin, was deinem heiligen Auge an mir mißfällt, und gicb mir Alles, wodurch ich Dir wohlgefälliger were den mag! Du bist das ewige Feuer, das auf dem Altare der Liebe niemals erlöscht. O daß dieses heilige Feuer von deinem göttlichen Herzen ausgehe, und mein kal tes Herz entzünde! Gieß' deine heilige Inbrunst über mich aus, auf daß mein Herz vor deinem Altare, wie ein Dir an Fronleichnams. Andachten. 371 genehmes Rauchwerk brenne, und wie Wachs vor Dir zerschmelze. Gieb mir, o Jesus! daß ich de nen heiligsten Wil. len erkenne und vollkommen erfülle; und gleichwie Du auf Erden einzig zum Wohlgefallen deines Vaters lebtest, also auch ich allein nach deinem Wohlgefallen lebe, bis ich Dich im himmlischen Vaterlande preise und anbethe, wo Du mich durch die klare Anschauung deines Anges sichtes mit vollkommener Seligkeit ewig erfreuen wirst. Amen. VII. Dem König der Ewigkeiten, dem Unsterblichen, dem Unsichtbaren, dem einzigen Gott sey Ehre und Ruhm von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Dem Seligen und Allgewaltigen, dem König der Könige, dem Herrn der Herrschenden, der allein die Unsterblichkeit hat; der da wohnet in einem Lichte, zu welchem Niemand kommen kann, dem sen Ehre und ewige Kraft. Amen. Herr! Du bist würdig, Herrlichkeit, Ehre und Kraft zu empfangen: denn Du hast alle Dinge erschaffen, und durch deinen Willen waren sie und sind erschaffen worden. Dem, der ist und war, und kommen wird, und Jesus Christus, der ein treuer Zeuge und der Erstgeborne aus den Todten, und der Fürst aller Könige der Erde ist, der uns geliebt und mit seinem Blute von unsern Sünden gewaschen, und uns zu Königen und Priestern seinem Gott und Vater gemacht hat, dem sen die Herrlichkeit und die Kraft von Ewigkeit zu Ewigs feit. Amen. Das Lamm, das geschlachtet worden, ist wür dig zu empfangen, Kraft und Reichthum, und Weisheit und Stärke, und Ehre und Herrlichkeit, und Preis von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Beschluß. Gefreuzigter! belebe mich, daß ich mich deines Sterbens dankbar erinnere. Du starbst für mich; laß den Werth deines Sterbens an mir fráftig seyn! O wäre doch das Andenken deis nes Todes so mächtig in mir, daß ich von nun an der Sünde vollkommen stürbe, und Dir allein lebte. Jefus, Du Erlöser von der Sünde! reinige mein Herz von Allem, was sündlich ist, daß ich rein und unbefleckt vor deis nem Angesichte erscheinen kann. Reinster, reinige mich! Heis lighter, heilige mich! Jesus, lebendiges Himmelsbrod, wahre Seelenspeise, stärke mich, daß ich Dir,- Dir allein lebe. Nähre meinen Glauben an dein Wort, mein Vertrauen auf 24 372 VII. Abschnitt. deine Treue, meine Liebe gegen deine Liebe. Schwach ist meis ne Tugend, máchtig deine Gnade; unterstüße meine Schwachs heit mit deiner Gnade, daß ich im Kampfe nicht unterliege, daß mein Glauben nicht wanke, daß meine Hoffnung nicht sine ke, daß meine Liebe nicht erkalte. Jesus, Haupt deiner Gemeins de, Seelenfreund! Du willst Eins mit uns seyn, Du willst bleiben in uns; vereinige uns mit Dir. Erleuchte unsern Verstand, daß wir hochschäßen, was Du bochschäßzest, daß wir für nichts achten, was Du für nichts achteft. Zich unser Herz zu Dir, daß wir lieben, was Du liebeft. Dein Licht und deine Kraft sey stets bey uns, daß unsere Gedanken, uns fere Worte, unsere Handlungen nach der Richtsd nur deines Evangeliums, nach dem Wohlgefallen deines Vaters einges richtet seyen. Sey Du in uns, wie wir in Dir. Erlöfer als ler Menschen, Regierer aller Menschen, Ernährer aller Mens schen! fende den Geist der Liebe in unser Herz, daß wir Alle wie Glieder deines Leibes einander schätzen, und einander bey stehen. Dein Leib ward hingegeben für Alle, dein Blut vers goffen für Alle, laß uns Alle, die wir an deinem Tifcbe essen untereinander ein Herz und eine Seele seyn. Ich glaube, was Du gesagt haft; ,, dieß ist mein Leib, dieß ist mein Blut." Ich hoffe, was Du verheißen haft: ,, Wer mich iffet, wird durch mich leben." Ich liebe Dich über Alles, weil Du mich zuvor geliebet bait. Ich schenke Dir mein gans zes Herz, weil Du Dich für mich dahingabst. Ich verlange, daß Du in mir bleibest, und ich in Dir. Du bist die Freude meines Herzens. O erfreue dich, meine Seele, Jesus Chriftus ist dein Herr! Du wirst ihn einst sehen in der Herrlichkeit, die Ihm der Vater gegeben; du wirst Ihn ewig anbethen, mit unaussprechlicher Freude, wie Ihn anbethen alle Auserwählte von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Die Kraft dieses hochbeiligen Sacramentes, und der Ses gen des Allmächtigen Gottes, des Vaters, des Sohnes, und des heiligen Geistes, fomme über uns ic. ( Wie in der Samstags- Betrachtung Seite 334 bis zu Ende.) - Abendbethstunde am Montag in der Fronleichnams Octav. Das im Geiste und in der Wahrheit bethende Herz vor dem hochwürdigsten Gute. Eingang. Du bist Christus 2c.( Wie oben bis zur Anbethung.) 20 n 6 e t b ung. Jesus Christus, anbethungswürdigfter Gott! höchster Ges bieter des Himmels und der Erde, und zugleich mein liebreids ster Heiland! in tiefster Demuth meines Herzens werf ich mich nieder vor diesem heiligen Altare, als vor deinem Throne, voll des lebendigen Glaubens, voll innigster Liebe und Hoffnung, und bethe Dich an als meinen Herrn und meinen Gott! Fronleichnams Andachten. 373 O hochheiliges Sacrament! du himmlische Urquelle aller Wunder der göttlichen Liebe und Barmherzigkeit! ich bethe Dich an im Geiste und in der Wahrheit. Aber wie kann wie darf ich es wagen, Dir o Jesus! mich zu nahen?- O Jesus! Du bist die Allmacht, Weisheit und unendliche Güte, ich aber bin die Schwachheit, die Unwissenheit, die Berkehrtheit; ach, ich bin ein lauteres Nichts; mit Demuth und Reue bethe ich Dich an! O Jefus! Du bist mein Gott und Herr; ich aber bin dein Geschöpf und dein Diener; mit Liebe und Gehorsam bethe ich Dich an! O Jesus! Du bist mein König und mein Erldfer; ich aber bin dein Unters than und dein Eigenthum; mit Reue und Ergebenbeit bethe ich Dich an!- O Jesus! Du bist die Heiligkeit, Sarmherzigkeit und Liebe; ich aber bin lauter Sün de, Elend und Verwerfung; voll Glauben bethe ich Dich, mein göttlicher Erlöser! im heiligsten Sacramente an, und rufe: Herr! wenn Du willst, kannst Du mich reinigen! 9 Jesus! Du bist der Urheber aller Gnaden; ich aber bin die Armseligkeit; voll Hoffnung bethe ich zu Dir un heiligsten Sacramente, mein liebreicher Heiland! Sprich nur ein Wort, so wird meine Seele gesund. O Jefus! Du bist mein hoch stes Gut, mein höchstes Ziel und Ende! und ich bin der verlorne elende Sohn. Voll Liebe bethe ich zu Dir, mein ewiger Seligmacher im heiligen Sacramente: ,, Mein Bater! ich bin nicht werth, dein Sohn genannt zu werden; aber erbarme Dich meiner nach der Menge deiner Erbarmuns gen!" O Jesus! Du Sohn Gottes und Menschensohn! ich bethe Dich an im heiligsten Sacramente! Mit allen Seraphinen, mit allen Engeln und Heiligen im Himmel stimme ich in den Lobgefang ein: Heilig, heilig, beilig ist der Herr, der allmächtige Gott, der Herr der Heers schaaren, Himmel und Erde sind deiner Majestät, Ehre und Herrlichkeit voll! Ehre sey dem Vater 20. Lobgefang. Du gabst, o Liebender! für Alle dein Leben an dem Kreu ze hin; auch hier bey deinem Liebesmahle trägst Du mit gleis chem Liebessinn, von deinen Christen Jedermann zur Speise und zum Trank Dich an. Ach! Liebe gegen unsre Brüder hat uns dein Wort an's Herz gelegt; die Liebe hat auf's Noue wieder dein Kreuzestod uns eingeprägt. Selbst dieses dein Geheimniß fpricht: Vergiß der Nächstenliebe nicht! Stets will ich dein Gebot erfüllen, das mir dein Wort und Beyspiel giebt, o Herr! um deiner Liebe willen fey Jedermann von mir geliebt. Mach Du mein Herz dem deinen gleich, an Lieb' zu allen Menschen reich. Antiphon. Der Kelch, wenn wir ihn fegnen, ist er nicht Mittheilung des Blut's Christi? das Brod, das wir brechen, ist es nicht Mittheilung des Herrn? Weil für uns nur ein Brod ist, so 374 Vil, Abschnitt.ss sind wir Viele mit einander nur Ein Leib, wir Alle, die wir Antheil am nämlichen Brode nehmen. Paulus 1. Kos rinth. 10, 16. 17. Gebeth. Herr! gieß den Geist deiner Liebe unsern Herzen ein, und laß uns Alle, die Du mit deinem Himmelsbrode speisest, durch deine Erbarmung in Eintracht leben durch Christus unsern Herrn. Amen. 104 Gebetbpfalm. So ganz nur aus Liebe, o Jesus! verweil'st Du bey und. Wie sollen wir Dir diese Wohlthat vergelten? Schenk mir," fagst Du Jedem aus uns, schenk mir dein Herz! Ich will es in meiner Liebe entzünden." So laß Dir, o Heiland! mein Opfer gefallen. Mein Herz, mein ganzes Herz schenk ich Dir. So wie Du Dich am Kreuze für mich geopfert hast, so über, gebe ich Dir meinen Leib und meine Seele. Seque, o Herr! meine Gedanken, Worte und Werke, alle sollen zu deiner Eh re gereichen. Sieh huldvoll auf dieses Opfer meines Dankes herab, nimm es zur Genugthuung für meine Vergehungen hin. Schenke mir dein Licht, das Gute zu erkennen, stärke meinen Willen mit Freude und Liebe zur Tugend. Sollten schwere Drangfalen mich treffen, ich bin bereitet dazu; dein Wille geschehe. Schaffe mir Muth, mit Dir das Kreuz ges duldig zu tragen, und in deiner Nachfolge bis zum Ende zu verharren. Süß ist dein Joch, leicht ist deine Bürde; nur Du, Gekreuzigter! lebe in mir. Sollte der heutige Tag der lehte meiner Pilgerschaft seyn, so laß mich in deiner Gnade und Liebe, Dir sterben. Schenke, o Jesus! auch allen den Meinigen deine Gnade: befördere aller Menschen zeitliches und ewiges Wohl. Segne, o Gesalbter des Herrn! alle un fere Geschäfte, und leite sie nach deinem heiligsten Willen. Schaff uns Arbeit, und Kräfte, mit deinem göttlichen Segen uns, die Unfrigen, und unsere armen Brüder ernähren zu Fönnen. Stets erhalte in uns das Andenken an deine heilige Gegenwart jeder Augenblick des Lebens fließe uns in Erfüls Tung unserer Standespflichten mit Verdiensten zum Himmel dahin. So wollen wir in deiner Sirbe stets leben, in deiner Liebe einst fierben, in deiner Liebe uns ewig freuen. Schenke allen verstorbenen Christen die ewige Ruhe, besonders jenen, für welche wir zu bethen verpflichtet sind. So oft unser Puls fchlägt, sen diefe Meinung wiederholt; so oft sey'st Du gepries fen, so oft fey hochgelobt und gebenedeyt das allerheiligste Sas crament des Altars! Ehre sey dem Vater 2c. shim 1. Lob. Barmherziger und liebevoller Heiland, Jesus Christus! der Du bist in dem Himmel zur Rechten in der Herrlichkeit des Vaters! Du selbst hast uns bethen gelehrt; nimm also das Gebeth, das Du uns vorgebethet Fronleichnams Andachten. bast, und das ich Dir jest im Geiste und in der Wahrheit nachbethen will, gnädig auf, und erhdre es. Geheiliget werde dein Name. 3 375 Jesus! der Du nicht allein im Himmel, sondern auch hier auf dem Altare in dem allerheiligsten Sacramente des Altars wesentlich, wahrhaft und lebendig gegenwärtig bist, verleihe uns deine kräftige Gnade, daß wir deinen heiligsten Namen allezeit ehren, Dich als unsern Herrn und Gott demüthig anbethen, Dich loben und preisen, und dein wunderbares Sacrament mit innigsier Andacht bis in den Tod verehren. Ach, daß Dich, Du allerhöchstes und allerliebenswürdigstes Gut! die ganze Welt erkennen, lieben und anbethen möchte! Vater unser 2c. Gelobt und angebetbet zc. Deinem Namen, o Jesus! werde Lob gebracht in allen Enden der Erde. Lobet Jesus, unsern Gott! im heiligsten Sacramente, ihr, seine Heiligen! und ihr Alle, die ihr Gott fürchtet, preiset seinen heiligen Namen. din II. Demuth. em Jefus, Du König der Engel, wie erhaben ist deine Hoheit! wie unaussprechlich deine Würde! wie unermeßlich deine Gnade, Barmherzigkeit und Liebe!- Ich armer fündiger Mensch verdemüthige mich vor deiner unendlichen Majestät. Ich erkenne mich ganz unwürdig, vor dei. ner hier verborgenen Gottheit, vor deinem heiligen Angeschte zu erscheinen. Wie klein bin ich vor Dir, Du ocherhabener! Wenn ich deine Gnade und Barmherzigkeit, die Du mir erweiseft, betrachte, kann ich nur in den Abgrund meiner Nichtigkeit mich versenken, Dich verehren, anbethen und rufen: dar 3 ukomme uns dein Reich. O.Jesus! der Du in dem heiligsten Altars- Sacramente als Gott und Mensch zugegen bist, ertheile mir deine Gnade, damit ich das Reich Gottes zuerst und aus allen Kräften suche; stärke mich, daß ich Gewalt brauche, durch Selbstverläugnung und Selbstbeherrschung einst das Fimmelreich an mich zu reißen. Herrsche Du in meinem Herzen durch den lebendigen Glauben, und durch deine heiligmachende Gnade, damit ich einen guten Kampf kämpfe, im Glauben standhaft verharre, und das selige Ziel erreiche. Jesus, mein Gott und Heiland! laß mir zukommen das VII. Abschnitt. Himmelreich, zu welchem ich erschaffen bin; ach! nimm mich auf in das ewige Leben, welches Du mir durch dein bitteres Leiden vnd Sterben verdienet, und als dessen siche: res Unterpfand Du mir deinen hochheiligen Leib und dein kostbares Blut im heiligen Sacramente hinterlassen hast. Ach mache uns selig, Jesus Christus unser Erlöser, durch die Kraft des heiligen Kreuzes, erbarme Dich unser zum ewigen Leben. Vater unser 2. Gelobt und angebethet z. C Wann werde ich kommen auf den Berg Sion! und ein gehen in die Stadt des lebendigen Gottes, in das himmlische Jerusalem! wie lieblich sind deine Wohnungen, o Herr! Meis ne Seele sehnet sich und seufzet nach denselben. III. iebe. 376 O liebenswürdigstes, höchstes Gut! was ist in dem Himmel, oder auf der Erde, außer Dir, was, o Gott meines Herzens! das ich mehr, das ich inniger lieben sollte! O Jesus! Du hast mich an Dich gezogen, nicht allein da Du am Kreuze erhöhet, sondern auch da Du Dich in dem heiligen Sacramente verborgen hast. Soll es mig. lich seyn, daß ich Dich nicht liebe von ganzem Herzen, Dich meinen Gott und Heiland, meine Liebe und mein Alles! Du hast ja gesagt: 2o euer Schaß ist, wird auch euer Herz seyn;" in Dir, o Jesus! find ich Alles, was zur Liebe entflammen kann; liebenswürdigstes Gut, unendliche Liebe! verborgener Gott! O mein Jesus! ich liebe Dich, and will Dich lieben in Ewigkeit! daß wun. derbare Geheimniß deines Leibes und Blutes, dieses ewige Denkmal deiner unaussprechlichen Liebe, wecke, nåhre, stärke und vermehre in mir das himmlische Feuer der treuesten Gegenliebe, damit ich in Liebe mit Dir vereiniget werde, und vereiniget bleibe in Ewigkeit. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, also auch be, wie im Himmel auf Erden! 17 O Jesus! der Du in dem heiligen Altars Sacramente mit der ganzen Fülle- deiner erbarmenden und beseligenden Liebe zugegen bist, verleihe mir deine Gnade, daß ich den Willen deines himmlischen Vaters, den Du uns bekannt gemacht hast, mit eben der Freude vollbringe, wie die Engel und die Heiligen im Himmel, und in kindlichem Gehorsam Dir nachfolge, wie Du dem Vater gehorsam warst bis zum Fronleichnams Andachten. 377 Tod am Kreuze. Stärke meine Schwachheit zur Geduld in allen Drangsalen, zur Ergebenheit in allen Zufällen, und zur Gleichförmigkeit mit deinem göttlichen Willen in allen Anordnungen deiner råterlichen Vorsicht! Ach! daß doch die ganze Welt als eine Familie in heiliger Liebe vereiniget- nach deinem ewigen, heiligen und gerechten Wohlgefallen lebte!- Bater unfer c. Gelobt und angebethet zc. Herr! regiere unsere Herzen, daß wir Dich ehren, und deinen Willen erfüllen mit redlichem Herzen und freudigem Gemüthe. Lehre mich deinen Willen erfüllen, denn Du bist mein Herr und Gott. - - IV. Danffaqung. Gütigster Gott und Heiland! ich erkenne deine unendliche Huld und Gnade, welche Du uns armen hülfsbedürftigen Menschen in diesem heiligen Sacramente erzeigest. Ach! ich bin viel zu schwach und gering, als daß ich Dir würdig genug danken könnte für deine beständige Gegenwart auf unsern Altären, für deine Geduld und für so viele beilige Communionen, in welchen Du meine Seele erquicket, und mit Gnaden überhäufet hast? O Jesus! Himmel und Erde sollen Dich loben, und die Wunder deiner Liebe preisen ohne Ende. Was soll ich Dir, o mein Herr und mein Gott! erwiedern für alle die unzähligen Gnaden und Wohlthaten, die Du mir erwiesen hast? Ach! ich habe nichts als mein armes Herz, und mich selbst; mein Herz, und Alles, was ich bin und habe, sey Dir gewidmet in Ewigkeit. 3 - Gieb uns beut unfer tägliches Brod! Jesus! der Du in dem heiligsten Altars- Sacramente mit Leib und Seele zugegen bist, ernähre und stärke meinen Geist mit dem Brode des Lebens, durch die Gnade der innerlichen Erleuchtung, und durch den Antrieb zu allem Guten. Dein heiligstes Sacrament sey mir das wahte himmelsbrod zur kråstigen Nahrung meiner schwachen Seele! O Jesus! verleihe mir die Gnade, daß ich es jederzeit würdig empfange. Ertheile mir aber auch alles Nothwendige zur Erhaltung dieses sterblichen Leibes, damit ich dir dienen möge in wahrer Gottseligkeit bis an mein Ende. Göttlicher Heiland und Erquicker der Mühseligen und Beladenen! erbarme Dich der Armen, Elen VII. Abschnitt. 378 len und Dürftigen, und Hülfe theilhaftig werden. Bater unfer zc. Gelobt und ic. Du hast in deiner Milde, o Gott! den Armen das Nothwendige bereitet, und wie ein Vater über seine Kinder, so erbarmest Du dich jener, die Dich fürchten. Meine Seele preise den Herrn, und vergesse nicht aller seiner Gutthaten. Laffe lasse sie deiner Tröstungen und - NG. V. offnun g. Jesus Christus, mein barmherziger Erlöser! Du ver laffest nicht Diejenigen, die ihre Hoffnung in Dich sehen; sondern wegen deiner Milde erbarmest Du Dich Aller, welche mit vollem Vertrauen zu Dir kommen. Auf den Grund deiner göttlichen Liebe und Erbarmung senke ich den Anker meiner christlichen Hoffnung und halte mich fest im Glauben und in der Liebe an Dir, bis ich ein gehen werde in das Heiligthum, welches Du mir mit deinem heiligen Blute erworben hast. Auf Dich, o Je sus! und auf den unendlichen Werth deiner Verdiensie hoffe ich; ewiglich werde ich nicht zu Schanden werden. Vergieb uns unsere Schulden, als auch wir verges ben unfern Schuldigern. SAG O Jesus! der Du in dem heiligen Altars- Sacramente zu unserm Heile gegenwärtig bist; ich weiß und be kenne meine großen und vielen Schulden, die ich durch mei ne Sünden auf mein Gewissen geladen habe. Ach! um deines Namens willen, o barmherzigster Jesus! verzeih mir meine Sünden, die ich von ganzem Herzen bereue und verabscheue, weil ich Dich, meinen liebreichsten Heiland, be leidiget, und deine Freundschaft und Liebe verloren habe. Aus Liebe zu Dir will auch ich Allen denen verzeihen, die mich beleidiget, oder mir wehe gethan haben. Göttlicher Erldser! ich will Dich lieben und nicht mehr fündigen. Sen mir gnädig, und laß auch mich das Wort der Versöhnung in meinem Innersten empfinden: ,, Sey getrost! dein Glau be hat dir geholfen; deine Sünden sind dir vergeben." Ach, daß doch die Sünde, die das Verderben des Menschen ist, getilgt, und in der Welt nicht mehr herrschen würde! Vater unfer 2c. Gelobt und angebethetic. Jesus! Du liebest die Seelen, für welche Du dein Blut vergessen hast, und schonest ihrer, weil sie dein Si Fronleichnams Andachten. genthum sind. Herr! verleihe mir die Gnade, würdige Früchte der Buße zu wirken, und durch die enge Pforte in den Himmel einzugehen. " - VI. I auben. Jesus! mein Gott und mein Heiland! der Du wahrhaft in diesem heiligen Sacramente gegenwärtig bist, ich bethe Dich als den allmächtigen Herrn des Himmels und der Erde in tiefster Demuth an. Unergründlich ist deine Allmacht und Weisheit in der Einsehung dieses allerheiligsten Geheimnisses deiner Liebe. Über Du bist der Weg, die Wahrheit und das Leben; darum glaube ich auf dein untrügliches Wort hin, daß Du, o mein Heiland! unter diesen Brod Gestalten mit Gottheit und Menschheit, mit Fleisch und Blut, mit Leib und Seele, so, wie Du am Kreuze gehangen, und nun zur Rechten des Baters sigeft, gegenwärtig bist. Meine beschränkte Vernunft faßt frenlich nicht die ses Wunder der Liebe, und mein leibliches Auge kann Dich hier nicht sehen; aber das fromme Herz nimmt Dich glaubig auf, und hält so zuversichtlich an deinem Worte, als wärest Du sichtbar zugegen. Und so bekenne ich denn mit Herz und Mund: Du bier gegenwär tiger Gottmensch bist das lebendige Brod, welches vom Himmel gekommen ist. 379 Führe uns nicht in Versuchung. Jesus! der Du in dem heiligen Altars- Sacramente immer Tag und Nacht gegenwärtig bist, ich bitte Dich flehentlich um deine göttliche Gnade, daß ich im Kampfe gegen das Böse nicht überwunden werde. Bielen Versuchungen bin ich ausgesetzt; die Sinnlichkeit des sterblichen Leibes, das eitle Wesen der Welt, und der Betrug des Satans legen mir so viele Fallstricke. Ach, mein liebster Heiland! laß mich nicht fallen; er= balte mich in deiner Liebe, vorzüglich im Tode; stärke mich im Glauben, in der Hoffnung und in der Liebe, damit ich niemal von Dir getrennt werde. Ach! daß ich doch nach überwundenen Feinden die Krone der Gerechtigkeit im Himmel erlange! dhim Bater unser sc. Gelobt und: c. 1 VII. Abschnitt. Jesus! mein starker Gott! laß mich nicht vom Wege des Heiles abweichen, damit ich durch die Gerechtigkeit zum ewigen Leben gelange. Ertheile mir die Beharrlichkeit in deinem Dienste, und die ewige K: one, die Du verheißen hast. VII. 3 uflucht. 380 Jesus! mein Gott und einziger Trost im heiligsten Sacramente in so vielen Gefahren, die mich umgeben, wo soll ich Hülfe und Sicherheit suchen, als bey Dir! Barmherziger Heiland! erbarme Dich meiner armen Seele, die Du mit deinem Blute erlöset hast. Stärke mich, daß ich im Kampfe gegen die Versuchung zur Sünde nicht unterliege; sondern in Gedanken an Dich, Allmächtiger! die Lust der Augen und des Fleisches, und den Zauber der eitlen Ehre überwinde, und vom allergrößten Uebel von der Sünde frey bleibe.- Tröste mich, daß keine Kleinmuth mein Herz verzagt mache. Erhalte mich in deiner Gnade, damit ich nicht von Dir ewig verstoßen werde. - - Erlöse uns von dem Uebel. onl Jesus! der Du in dem heiligen Altars- Sacramente bis an das Ende der Welt gegenwärtig bist; Deine beständige Gegenwart ist mein Trost; ich komme zu Dir, als zu meinem liebreichen Erlöser! ach erlöse mich von allem Ulebel! Erlöse und bewahre mich von Allem, was mir an Leib und Seele schaden kann. Er lose mich von aller Verwirrung, von der Sünde und von der ewigen Verdammniß. Jesus! dein heiliges Blut sey an mir nicht ver loren! Dir will ich leben, Dir will ich sterben. Bater unfer c. Gelobt und angebethet ic. Gebenedent sey Gott, der Vater unsers Herrn Jes sus Christus, ein Vater der Barmherzigkeit und ein Gott alles Trostes! Er wird mein Gebeth erhören, und meine Seufzer gnädig aufnehmen. Beschluß. Göttlicher Herr und Heiland, Jesus Chriftus! es troftet mich dein liebreiches Versprechen, daß wir Alles erlangen wers den, um was wir den Vater in deinem Namen bitten. Sieh! nicht im Bertrauen auf deine Gerechtigkeit, sondern im Glaus Fronleichnams Andachten. 381 ben an deine Verdienste und unendlichen Erbarmungen habe ich mein unwürdiges Gebeth auf deinen Altar niedergelegt. Erhöre meine flehentlichen Bitten, die Du mir selbst in das Herz und in den Mund gegeben hast. Wer gläubig und vers trauend zu Dir bethet, wird in Freuden aufgenommen wers den, und sein demüthiges Gebeth wird die Wolken durchdrin gen; denn Du hast an dem Gebethe der Demüthigen dein Wohlgefallen. 2 Durch deine unendlichen Verdienste ertheile mir deine Gnas de und deine mächtige Hülfe, damit ich in diesem sterblichen Leben deinen Namen heilige, deinen heiligsten Willen freudig erfülle, in den Versuchungen standhaft im Guten verharre, und nach vollkommener Nachlassung aller Sündenfchulden, von allem Uebel erlöset, in das ewige Reich der Seligkeit eins gehe. Mein Herr und mein Gott! ich verlasse Dich nicht, bevor Du mich segnest.- So komme denn die Kraft zc. ( Wie in den vorigen Betrachtungen.) Abendbethstunde am Dienstag in der FronleichnamsOctav. Das bittende Herz vor dem hochwürdigsten Gute. Eingang. Du bist Christus 2c.( Wie oben.) I. Anbethung. Das hochheilige Sacrament des Altars, das freudenvolle und glorreiche Geheimniß unsers Heilandes Jesus Christus besuche, o erlöste Seele, und bethe es. ewig an. Jesus Christus, dem eingebornen Sohne Gottes, der für uns Mensch geworden ist, gelitten hat, und gestorben ist, bring, o erlöste Seele, ewig's Lob und Dank! Jesus, den Ueberwinder der Sünde und des Todes, den Urheber der Gnade und des ewigen Lebens im heiligen Sacramente, bethe an, o erlöste Seele! liebe, lobe, ehre und danke Ihm, und stimme in den Lobgesang aller Engel und Heiligen im Himmel ein: Heilig, heilig, heilig ist der Herr, der allmächtige Gott, der Herr der Heerschaaren, Himmel und Erde sind seiner Majestát, Ehre und Herrlichkeit voll. Ehre sey dem Vater ic. Alleluja. II. Lobgefang. Du willst schon hier auf dieser Erden, aus deiner Liebe llebermaß Eins mit uns Menschenkindern werden; und wie, o Herr! geschieht wohl das? Dieß Sacrament ift's, das zum Band der Einigung dein Herz erfand. Du bist der Weinstock, wir die Reben; wir müßen Dir vereinet seyn: es kommt uns Saft und Frucht und Leben aus diesem heiligen Verein. Ges trennt, o Herr! getrennt von Dir, vertrocknen und verderben wir. Mein Heiland! zich durch deine Liebe, zur Einigung mit Dir mich an, damit aus vollem Herzenstriebe mit Paus lus ich stets fagen kann: ,, Ich lebe. Doch ich leb' nicht mehr: nur Du lebst in mir, Gott und Herr!" Antipbon. Wer mein Fleisch ist, und mein Blut trinkt, der bleibt in mir und ich in ihm. Joh. 6, 57. VII. Abschnitt. 382 and Gebeth. Herr Jesus Christus, Sohn des lebendigen Gottes! Du hast nach dem Willen deines Vaters, unter der Mitwirkung des heiligen Geistes, durch dein Sterben der Welt das Leben ertheilt; erlöse mich durch deinen al lerheiligsten Leib und dein Blut, von allen meinen Sünden und allen Uebeln. Gieb mir Gnade, daß ich deinen Geboten stets nachlebe, und laß mich niemals von Dir geschieden werden; der Du mit demselben Gott Vater, und dem heiligen Geiste gleicher Gott, lebest und re: gierest von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. III. Pfalm um wahre Andacht. Hier bey Jefus ist unser Himmel auf Erde; weidet eure Augen in der Anschauung Gottes, ihr Reinen im Herzen! Wer Durst nach Zugend hat, der komm herbey, mit Freuden wird er aus der Gnadenquelle des Heilandes schöpfen. Fürs wahr, o Jesus! Du bist der wahre hier verborgene Gott der Christen, Du unser Beyspiel, Lehrer und Wegweiser zum Himmel. Du kamst vom Himmel auf die Erde, uns die Wes ge der Tugend zu lehren; Du giengst von der Erde zum Huns mel, uns den Weg dahin zu erleichtern. Erfülle die Wünsche der Frommen, erhöre ihr Flchen, nach deinem Beyspiele zu wandeln, von Zugend zu Tugend sich zu erschwingen. Hier öffnest Du liebevoll die Schätze deiner Gnade, und bietest sie mit váterlicher Güte jedem Bittenden an. Du thatest einst auf Erde so viele Wunder zum Besten der Menschen; erneues re sie, Heiland und göttlicher Arzt der Seele! an mir. Deffne mir Slinden die Augen, die Menge und Größe meiner Fehl tritte zu erkennen, und die Bege des Himmels ohne Verirs rung zu gehen. Deffne mir Tauben die Ohren, deine Eins sprechungen zu vernehmen, dein heiliges Wort zum Nußen meiner Seele zu hören. Gieb mir Stummen die Sprache wies der, meine Sünden aufrichtig zu bekennen, und besonders bey meinen Untergebenen den heiligen Glauben und seine Lehre nach Kráften zu verbreiten. Richte auf mich Lahmen, meine Trägheit im Guten abzulegen, und meinen Beruf durch gute Werke, da es noch Zeit ist, hurtig zu sichern. Heile mich Kranken vom Aussaße der Sünden, stärke mich, alle Versuchung zum Bösen zu überwinden. Laß mich werden, wie Du, geduldig und fanfts müthig von Herzen, ein Opfer der Liebe gegen Gott und den Nächsten. Stärke mich, Gutes zu denken, zu wollen, zu üben, wie Du; erhalte mir dieß geistige Leben, die Vereinigung mit Dir. Wie ein Hirsch nach der Wasserquelle, so sehnet sich meis ne Seele nach Dir und deiner heiligen Liebe. Zieh' mein Herz, o Quelle der Liebe! an Dich, Du allein kannst felbes erquicken, Du allein feine Wünsche erfüllen. Ich habe Dich jetzt gefunden, Dich, den ich allein liebe. Was soll von deiner Liebe mich trennen? Deine Menschwerdung war ein Wunder der Allmacht und Liebe, dein Leiden und Tod Uebermaß deis Fronleichname: Andachten. 383 ner unendlichen Erbarmnisse. Am engsten verbandest Du Dich mit uns armen Menschen, da Du Dich selbst zur Speise und jum Trant uns schenkteft. Was hättest Du mehr thun kons nen, deine Liebe zu zeigen; wahrhaft, Du konntest den Mens fchen nicht mehr, als Dich selbst schenken. Zwar verbirgst Du bier dein Angesicht, aber Du deckst dafür deine Liebe auf. Dein Herz steht offen, mich zu lieben; ausgestreckt sind deine Arme, mich zu umfangen. Ich komme, o Jesus! zu Dir, wie ein Kind zu seinem Vater, wie ein Kranker zum Arzte. Nur eine Gnade gewähre mir, in deiner Liebe zu leben, in deiner Liebe zu sterben. Wann werde ich vor deinem Anges fichte erscheinen? Ich will Dich auf ewig besitzen, Du bist mein Erbtheil in Ewigkeir. Ewig will ich Dich in deinem beiligen Tempel anbethen, und deinen heiligen Namen wegen deiner Liebe erheben. Ehre sey dem Vater zc. IV. Jesus Christus, mein Gott und Heiland! Deine liebreiche Gegenwart in diesem hohen Geheimnisse, deine wunderbare Güte, mit der Du mich zum Empfange desselben einladest, flößt mir das Vertrauen ein, an dein göttlich lies bendes Herz meine demüthigen Bitten zu richten. Gott meines Herzens, meine Hoffnung, mein einziger Trost, und meine höchste Liebe! höre an mein kindliches Flehen, und erfülle, die Bitten, die ich voll Glauben und Vertrauen Dir vortrage. Ich erinnere mich so vieler Bitten, die Du in deinem Leben erhöret; so vieler Gnaden, die Du auf Erde ertheilet; so vieler Wunder, die Du den Menschen jum Troste gewirket hast. Göttlicher Menschenfreund! Du bist ja auch in diesem Liebesgeheimniß der unendlich gus tige Gott, und der liebreichste Heiland, und hast Trost und Hülfe Allen denen versprochen, die in ihrer Noth glaubend zu Dir kommen; auf dein heiliges Wort hin komme ich in meiner Mühseligkeit und Beladenheit zu Dir, o Gott meie nes Heiles! Du hast mich erschaffen, geliebt, und mit deinem Blute erlöset; Du wirst mein demüthiges Flehen nicht unerhört lassen. 1. Jesus! Du geliebter Sohn des Vaters, an welchem Er fein innigstes Wohlgefallen hat; ich bitte Dich mit dem Demüthigen Johannes: ich muß von Dir getauft werden!" sende deinen heiligen Geist über mich herab, damit die Unschuld meines Herzens erneuert werde. Reige mich mit deinem heiligen Blute von allen meinen Sün 384 VII. Abschnitt. den, damit ich deinen reinen Augen wohlgefällig werde. Entferne von mir Alles, was Dir mißfällt, damit ich alle Gerechtigkeit erfülle, und in deiner Liebe verharre bis an's Ende. Vater unser ic. Gelobt und angebethet ic. 2. Jesus! Du Lamm Gottes, welches Du hin wegnimmst die Sünden der Welt. Ach! ich erkenne meine Sünden, und bereue sie von ganzem Herzen. Um deiner Liebe und deiner Verdienste willen hoffe ich Gnas de und Verzeihung und vollkommene Nachlassung der Schuld und der Strafe. Erbarmer! der Du gekommen bist, zu suchen und selig zu machen, was verloren war, suche, trage, belebe und beselige mich. Vater unser. Gelobt und angebethet zc. 3. Jesus! Du hast auf die vertrauensvolle Bitte deiner liebsten Mutter zu Cana das Wasser in Wein verwandelt. Mache meine Thränen der Reue kräftig, daß meine Lauigkeit in die zärtlichste Liebe verwandelt Ach! deine Liebe ist mein Verlangen! Du, werde. o Jesus! kannst mein kaltes Herz entzünden. Nach deis ner Liebe seufze ich, ach Jesus! daß ich Dich immer mehr liebte!- Wike Du, allmächtiger Gott der Lies be, daß meine undankbare Seele in eine durch die Lies be Dir ergebene Seele verwandelt werde, daß ich Dich ohne Unterlaß liebe, und von Dir geliebt werde. Bater unser 2c. Gelobt und angebethet ic. 4. Jesus! Du wurdest am Kreuze erhöhet, damit Alle, die an Dich glauben, das ewige Leben erlangen. Ich glaube an Dich, Du bist der Sohn Gottes und der Heiland der Welt, soll es möglich seyn, daß ich in diesem lebendigen Glauben das ewige Leben nicht ers lange? Nein Herr! ich glaube; bel be immer mehr diesen Glauben! Du hast für mich den schmerzlichen Kreuzestod gelitten, und dieses heilige Sacrament, dieses Brod des ewigen Lebens mir so oft gereicht, und Du solls test mich nicht beseligen wollen? Ja, mein Herr! mein Gott! Du willst mich selig machen, und wünschest nichts sehnlicher, als mich selig zu machen; o so komm meiner Schwachheit zu Hülfe, nimm mich in deine väterliche Zucht, und herrsche immer mehr mit deinem heiligen Geiste in mir!- Vater unser 2. Gelobt und angebethet*. - - Fronleichnams Andachten. 385 V. 5. Jesus! Du hast der Samariterin an dem Jas cobsbrunnen das lebendige Wasser deiner Gnade, deine Tröstungen verheißen. Herr! gieb auch mir dieses lebendige Wasser, damit mich nicht mehr dürfte nach irdischen Eitelkeiten, sondern daß ich durch selbes zum ewigen Leben gestärket werde. Erleuchte die Finsternisse meines Verstandes; erwecke und entzünde meinen schwachen Willen durch deine Gnade. Dein heiliges Sacrament, dieses lebendige Wasser des Heiles werde mir eine une erschöpfliche Quelle der Gnaden. Jesus! den ich jest im Geiste und in der Wahrheit anbethe, herrsche in meis nem Herzen, und ertheile mir den wahren Geist, Dich ewig zu lieben, und mit frommer Seele anzubethen. Bater unfer ic. Gelobt und angebethet sc. F counting 6. Jesus! vor deinem heiligen Angesichte erscheine ich mit Ehrfurcht und Liebe; ich habe Dir kindliche Treue versprochen, und mein Herz ist mit Dir vereinis get; aber ich erkenne die vielen Gefahren, meine Gebrechlichkeit, meinen Leichtsinn, welche mich auf's Neue wieder in Sünden stürzen, und Die untreu machen kön nen. Ach, laß nicht, o Du erbarmende Liebe! laß nicht 34, daß meine Seele durch die Sünde jemals sterbe! durch deine unendliche Liebe wende dieses allergrößte, dieses einzig wahre Liebel von mir ab, und erhalte mein Leben in Dir!- Vater unser zc. Gelobt 2. 7. Jesus, mein Gott und Heiland im heiligsten Sacramente! im demüthigen Gefühle meiner Sündhaftigkeit und Gebrechlichkeit seufze ich zu Dir mit dem Kranken am Schwemmteiche zu Jerusalem: ,, Herr ich habe keinen Menschen, der mir hålfe," der mir helfen kann; Du allein haft die Kraft, mich zu heilen; Du allein bast die Liebe, Dich meiner zu erbarmen! Sieh! mit festem, unerschütterlichem Vertrauen liege ich vor Dir! Du kennst das Innerste meiner Seele! triste mich in meinen Alengsten; erquicke mich in meinen Schwachheiten; unterstüße mich in meinen Kämpfen; heile die Krankheiten meiner Seele! Du bist meine einzige Hoffnung, meine höchste Liebe! und von Dir allein erwarte ich Hülfe. Vater unser zc. Gelobt und angebethet zc, 25 VII. Abschnitt. 8. Jesus! das gläubige Vertrauen auf deine unendliche Güte hast Du immer herrlich belohnet. Du hast jene Tochter gesund gemacht, die auch nur den Saum deines Kleides gläubig berührte. Was darf ich nicht von deiner Liebe hoffen, da mir erlaubt ist, Dich, mein Gott! im heiligsten Sacramente so oft in mein Herz zu empfangen?- Als ein Unreiner und Kranker erscheine ich vor Dir, o göttlicher Heiland! wenn Du willst, so kannst Du mich rein und gesund machen. Darum rufe ich mit kindlichem Vertrauen zu Dir: sprich nur ein Wort, so wird meine Seele gesund, und mein Mund wird lobpreisend die Wunder deiner Liebe verkünden.- Vater unser zc. Gelobt und angebethet. VI. 386. - 9. Jesus! Du hast deine Allmacht und Güte in der Auferweckung der Tochter des Jairus auf das allertriji. lichste gezeigt. O mein göttlicher Heiland! wirke auch an mir ein ähnliches Gnadenwunder, daß ich von meiner Laus igkeit zum eifrigen Leben der Liebe erstehe, und das Leben meines Glaubens in treuer Befolgung deiner Lehre und in der Nachahmung deines Beyspiels zeige. Reiche mir deine Hand, und erhebe mich aus dem eitlen Wesen der Sinnlichkeit, daß mir nichts mehr gefalle, als Du, und daß mich nichts erfreue, als deine Liebe. Jesus! ich feufs ze zu Dir, weil ich Dich über Alles zu lieben verlange!- Vater unfer ic. Gelobt und angebethetic. 10. Jesus! mein liebreichster Heiland! wie trostreich sind deine Worte, mit denen Du deinen Jüngern alle Furcht benommen, als Du sagtest: ,, Habet Vertrauen, ich bin es, fürchtet euch nicht!" Ich erkenne Dich wahrlich gegen wärtig in diesem heiligsten Sacramente. Ja, Du, o ewi. ger Erbarmer! Du bist es, den ich hier anbethe. Du bist es, mein göttlicher Erldser! der mich bis in den Tod gelie bet hat, und jetzt noch sich selbst mir zur Speise giebt. Und ich sollte mich fürchten, wenn deine unendliche Liebe und deine unbegreifliche Güte mich beschüßen? Jesus! Du bist meine Hoffnung in allen Gefahren, meine Stärke in allen Schwachheiten, meine Zuversicht in allen Nöthen; nimm das Vertrauen meines Eindlich ergebenen Herzens gnädig auf, da ich bey Dir allein Trost und Hülfe suche. Bater unfer c. Gelobt und angebethetic. 387 Fronleichnams. Andachten. ben! 11: Jesus! Du hast Dich jener gläubigen Schaar erbarmet, welche aus Begierde nach deiner Lehre drey Tage bey Dir in der Wüste geblieben ist, ohne eine Nahrung zu haben, indem Du sie mit wenigen Broden wunderbar gespeiset hast, damit sie gestärket nach Hause gehen konnten und nicht verschmachteten auf dem Wege. Erbarme Dich auch meiner, gütigster Heiland! da ich dein heil. Sacrament mit Eindlichem Vertrauen besuche, und erquicke mich durch die Kraft dieses wundervollen Himmelsbrodes. Jefus! laß meine hungrige Seele empfinden die Gnadenwirkungen dieses allerheiligsten Geheimnisses, damit ich nicht auf dem Wege in die Ewigkeit erliege, sondern genährt werde zum ewigen LeVater unser. Gelobt und angebethet ic. 12. Jesus! Du bist der höchste Herr über Alles, was erschaffen ist; denn Dich hat Gott zum Erben aller Dinge geseht; durch Dich hat Er auch die Welt erschaffen. Laß mich als dein Geschöpf zu deiner Ehre wandeln! Jesus! Du bist der Sohn des lebendigen Gottes; denn Du bist der Glanz der Herrlichkeit und das Ebenbild des Wesens des Vaters! Dich will ich chren, lieben, und anbethen, wie ich den Vater ehre, liebe, und anbethe! Jesus! Du bist mein Erlöser; denn Du hast uns von unsern Sünden gereiniget, und sisest jur Rechten der Majestät im Himmel! Auch ich will der Sünde absterben, wie Du für die Sünde gestorben bist, und zum neuen Leben in der Gerechtigkeit auferstehen. Jesus! Du bist mein heiliges Vorbild; denn wer an Dich glaubet, und Dir nachfolgt, der hat das ewige Leben. Du hast uns ein Beispiel hinterlassen; als dein treuer Jünger will ich in deine Fußstapfen eintreten, und Dir nachfolgen. Jesus! Du bist mein Heiland; denn Du bist unser Fürsprecher bey dem Vater, und die Versöhnung für die Sünden der Welt. Du bist der Mittler zwischen Gott und den Menschen, der Du Dich selbst zur Erldsung für Alle in den Tod hingegeben hast. Ich will Dich lieben, o Herr, meine Starte! Du bist meine Zuflucht und mein Erlöser. Ich zwar noch; aber nicht mehr ich, sondern Christus lebt in mir. Ob ich zwar schon im Körper noch lebe, 25 lebe - 1 VII. Abschnitt.UTS, 388 so lebe ich doch im Glauben des Sohnes Gottes, der mich geliebt und sich selbst für mich hingegeben hat. Vater unser: c. Gelobt und angebethet ac. VII. Beschluß. Jesus Christus, mein Gott, meine unbegreifliche Liebe!- den ich im heiligen Sacrament des Altars demüthig anbethe, nimm die Bitten, die ich Dir in dieser Bethstunde mit glau bigem und vertrauendem Herzen vorgetragen habe, gütig auf, und gieß deine göttliche Gnade in mein Herz, daß ich aller Sünde und allen Eitelkeiten der Welt absage, und zuerst und vor Allem nach dem Reiche Gottes, und nach den unsichtbaren Gütern jenes Lebens trachte. Weil ich aber deine Liebe so oft beleidiget, und deiner Wohlthaten mich unwürdig gemacht habe, so laß mich deine unendlichen Erbarmungen mit aufrichs tiger Reue, mit redlichem Bußeifer umfangen; ertheile mir Nachlassung meiner Sünden; heile meine Schwachheit, und zich mein Herz durch deine Liebe so fest an Dich, daß ich jes ner ewigen Verheißungen, welche allen Begriff übersteigen, theilhaftig werden möge. Die Kraft dieses hochheiligen Sacraments, und der Segen des allmächtigen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes komme über mich ic.( Wie oben.) Abendbethstunde am Mittwoch in der Fronleichnams. Si Octav. 15587 nismi id Hier Das fürbittende Herz vor dem hoch. würdigsten Gute. ( Auch an Ablaßtagen zu sprechen.) Eingang. Du bist Christus, der Sohn ic.( wie oben.) Anbethung. Zu dem Throne Jefu Chrifti, des allmächs tigen Gottes im heiligsten Sacramente des Altars, desſen Herrlichkeit über alle Völker der Erde herrscht, will ich hinzus treten, und in tiefster Ehrerbietung seine unendliche Hoheit und Macht anbethen. Vor dem Throne der weiseften Borsehung, deren Anordnungen und Führungen lauter Liebe sind, will ich im festen Vertrauen alles Heil und Glück erflehen. Vor dem Throne der liebreichen Barmherzigkeit, welche aus dem gotts fichen Herzen Jesus im heiligsten Sacramente in alle Welt sich ergießt, will ich auf die Knie niederfallen, und ewis ges Lob, Ehre und Danksagung abftatten. Anbethend stimme ich in den Lobgesang aller Engel und Heiligen im Himmel ein! ,, Heilig, heilig, beilig ist der Herr! der allmächtige Gott! der Herr der Heerschaaren! Himmel und Erde sind seiner Majestát, Ehre und Herrlichkeit voll. Eh, re sey dem Vater 2. Fronleichnams, Undachten. Lobgefang. O laß mich Dich einst noch genießen! Du heißersebutes Liebesmahl; bevor ich werde wandeln müssen durch's schau dervolle Todesthal, fen mir in meinem letzten Streit noch Stárkung für die Ewigkeit. O nicht mehr fürchte ich zu sterben! bist Du im Zodbett noch mein Gast; denn durch Dich hoffe ich zu erben das Reich, das Du versprochen hast. Zum Unterpfand der Seligkeit hast ja dieß Brod Du eingeweih't. Dann rufe ich: O Herr! im Frieden entlaffest deinen Knecht Du jetzt, weil mir das Beste ist beschieden, weil Heiland! Dich mein Herz besitzt, den meine Seele bald wird sehen, durch den mein Leib wird auferstehen. bilind 6, 191 Wer mein Fleisch ist, und mein Blut trinkt, der hat das ewige Leben, und ich werde ihn auferwecken am jüngsten Tas ge.( Jesus bey Joh. 6,155.) daitetsdal 30 2012 capified Gebeth. Flehend wenden wir uns zu deiner Barmherzigkeit, laß uns deine Diener durch die Kraft dieses heiligen Sacramentes in deiner Gnade befestiget werden, daß in unserer Todesstunde der Feind nichts wider uns vermöge, sondern daß wir mit deinen Engeln zum ewigen Leben hinüberwallen können, durch Jesus Christus, unsern Herrn. Amen. said sid 3 MON Caspundeung si spec versau Bih 389 Fürbittepfalm. Dank sey Dir, o Jesus! Du hast uns zum wahren Glaus ben berufen; Du hast uns durch die heilige Laufe zu Mitglies dern der heiligen Kirche gemacht. Gedenk' an deine Gemein? de, welche Du von Ewigkeit beseffen haft; beschüße sie wegen der Ehre ines heiligen Namens. Uebergieb nicht die Sees len deiner Bekenner der Wuth deiner Feinde, und nimm von und die Gabe des heiligen Geistes nicht weg. Sieh auf deinen Bund; die Erde ist mit Unglauben erfüllet, der Hoch muth derer, die Dich haffen, steigt immer. Steh auf, o Herr! richte deine eigene Sache, heb deine Hand auf, ihrem Hochmuth ein Ende zu machen. Du bist unser Gott, un terstüße nach deinem Bersprechen deine heilige Kirche, daß fie von den Mächten der Hölle nicht überwältiget werde. fülle den römischen Pabst und alle Bischöfe mit deinem heili gen Geiste, daß sie, was Dir gefällt, verlangen, und kräftig vollbringen. Gieb allen Priestern und Dienern der heiligen Kirche apostolischen Eifer und Wandel, deinem Namen zur Ebre, zum Beile der Gläubigen. Verbinde alle Christen zur Einigkeit des Glaubens durch das Band der thätigsten Liebe; erhalte und stärke uns Alle in deinem heiligen Dienste.- Führe die Irrenden auf den Weg der Wahrheit zurücke; faß alle Menschen die wahre Lehre deiner heiligen Kirche erkennen, Er - - 113 a VII. Abschnitt. Befehre die Sünder, verzeihe den aufrichtigen Büßern, stårs te die Schwachen, ermuntere die Frommen.- Geheiliget wer de dein Name, zukomme uns dein Reich, dein Wille geschehe wie im Himmel also auch auf Erde. Gieb Königen und Fürsten Weisheit und Zugend, daß sie das Gute erkennen, verordnen und vollziehen. Gieb allen Obrigkeiten Eifer zur Handhabung der Dronung und Ruhe; stärke sie mit Liebe zur Gerechtigkeit, gegen ihre Untergebenen thre Pflichten zu erfüllen. Flöße den Unterthanen Liebe, Gehorsam und Treue gegen ihre geistliche und weltliche Obrigkeit ein, und laß sie die Früchte ihrer Ergebung in stiller Ruhe genießen. Schenke den Königen und Fürsten Eintracht und wahre Liebe zum Frieden, zum Besten des Staats und der heiligen Kirche. - Erhalte unter dem christlichen Belke den Geist der heiligen Liebe und Eintracht; leite es ferne vom Laster auf dem Wege der Zugend. Laß uns Alle als gehorsame Kinder deiner heiligen Kirche leben und sterben, damit wir Dich mit deinen Heiligen und Auserwählten in Ewigkeit preifen und ehren mögen. Höre anådig unfere allgemeinen Bitten, welche wir aus Antrieb der Liebe vor deinem Gnadenthrone niederlegen. Segne das Vaterland, den Handel den Ackerbau und alle rechtlichen Gewerbe; laß die Unternehmungen des Guten durch deine Hülfe gedeihen. Segne unsere Felder, Gärten, Wies fen und Bäume, und gieb den Früchten der Erde Wachsthum und erwünschtes Gedeihen. Erhalte und vermehre durch deinen Segen die Thiere, welche Du zu unserm Nußen ers schaffen baft.- Segne die Haushaltungen und Dienstboten, beilige die Båter und Mütter, gieb ihnen Friede in der Ehe, Treue in der Liebe und an ihren Kindern Freude.- Laß die Kinder in deiner Furcht zu fremmen Christen, zu guten Bürs gern des Vaterlandes, zu würdigen Erben des Himmels hers anwachsen. Segne unsere Wehlthäter, fegne alle Freunde und Bekannte; verailt ihnen das erwiesene Gute mit himm Tifcben Gütern.- Wende ab alles Uebel von unsern Feinden; lebre sie das erwiesene Unrecht bereuen.- Erbarme Dich über alle Kranke und Bedrängte; tröste und stärke sie, errette fie gnädig aus ihrem Elende. Ernähre die Armen, unters flüge die Wittwen und Waisen; schenke allen Sterbenden die endliche Gnade. Wende gnädig ab Krieg, Hunger und Pest, und andere wohlverdiente Strafen der Sünde. Um dieses, o Jefus! bitten wir Dich, durch deine heiligsten Wunden, durch deine liebevolle Gegenwart im heiligsten Sacrament des Altars. Heilige Jungfrau Maria! du Helferin der Chris sten bitt für uns bey deinem göttlichen Sohne, ießt und in der Stunde unsers Todes. Unterstüßet unser Gebeth durch eure Fürbitte, ihr Heiligen Gottes und auserwählte Bürger des Himmels! bittet für uns. Ehre sey dem Vater c. Born and - 390 my - - - ghiddend hus get ind i Fronleichnams Andachten. I. Gebeth für alle frommen Verehrer Jesus im allerheiligsten Altars Sacramente. ist mi chist 391O allerheiligstes Sacrament des Altars! du wundervolle Bundeslade, in welcher nicht die Gesegtafeln, sondern der Geseßgeber selbst, nicht das Manna, sondern Jesus, das wahre Lebensbrod, nicht der Stab Aarons, son dern Christus, der Hohepriester nach der Ordnung Melchisedeck, wahrhaft und wesentlich gegenwärtig ist.- Höchstes Heiligthum! in welchem alles Heilige und Kostbare enthalten ist, Du hast dieses Gotteshaus ganz eigentlich zu deiner Wohnung erwählet. O unschäßbare Gnade! unfer Gott und Heiland wohnt immer in unserer Mitte! Ich bethe Dich an, o mein Gott! und verbemüthige mich ganz vor deiner unendlichen Majestät. Jesus Christus! Du hast uns auserwählet, daß wir vor deinem Angesichte heilig und unbefleckt seyn sollen in der Liebe, daß wir als einen Erlösten in guten Werken wandeln, und in deine Fußstapfen als deine treuen Jünger eintreten sollen; ich beuge meine Knie vor Dir, und bitte Dich, daß Du uns nach den Reichthümern deiner Herrlichkeit verleihest, durch deinen heiligen Geist, dem innerlichen Menschen nach, träftig gestärkt zu werden, damit Du, o Jesus! durch den Glauben in unsern Herzen wohnest, und wir in der Liebe eingewurzelt und gegründet bleiben. Verleih uns die Gnade, daß wir einen, unsers Berufes würdigen Lebenswandel führen, in aller Demuth, Sanftmuth und Geduld; daß wir einander liebreich ertragen, und sorgfältig auf die Einigkeit der Gemüther, im Bande des Friedens halten. Denn wir Alle, die wir an deine wirkliche Gegenwart unter uns glauben, und in treuer Liebe an Dir halten, machen einen Körper und einen Geist aus, weil wir Alle dieselben Hoffnungen und denselben Beruf haben.- Heilige uns Alle, göttlicher Heiland! in der Wahrheit, daß wir den alten Menschen, jenen nämlich, der durch die verführerischen Gelüste verdorben ist, ablegen; daß wir eines ganz neuen Sinnes werden, und einen neuen Menschen anziehen, der nach Gottes Bilde, nach der Ges rechtigkeit und Heiligkeit erschaffen ist.- Deine mächtige Gnade wolle in uns wirken, daß wir Dir nachfolgen als liebe Kinder, und wandeln in der Liebe, gleichwie Du uns geliebt, und Dich selbst für uns zum Sühnopfer Gott dar- VII. Abschnitt. gegeben hast. Du Gott des Himmels und Herr aller Creaturen! erhöre meine demüthige Bitte, die ich im festen Bertrauen auf deine unendliche Barmherzigkeit hier vor deinem Gnadenthron ausspreche. Laß deine Erbarmungen über uns, deine gläubigen Verehrer, herabkommen, daß wir in deiner Herrlichkeit verbleiben; verleih uns Muth und Standhaftigkeit, Alles zu verachten, was uns von dei ner Liebe trennen will; gieb uns Kraft, Alles zu erfüllen, was die wahre Gottseligkeit, und unser hoher Be ruf von uns fordert. Bater unfer c. Gelobt ic. I. Gebeth um Erhaltung und Aufnahme der heiligen katholischen Kirche. 392 - — - pann Heilige Kirche, welche Jesus Christus, nach seinem un trüglichen Versprechen, auf einen Felsen gegründet, du bist das glückselige Paradies des Herrn, von Ihm mit eigener Hand gepflanzt, und mit seinem kostbaren Blut angefeuch tet. Du aber, o anbethungswürdigstes, allerheiligstes Altars Sacrament! Du bist der Baum des Lebens, in der Mitte dieses Paradieses; deine Frucht ist das ewige Le ben, und die wunderbare Kraft und Stärkung zur Heilis gung des zeitlichen Lebens. Du bist der Mittelpunkt der wahren Gottseligkeit und der åchten Religion. Jesus Christus! ich bethe Dich an auf dem Altare, als meinen Gott, an den ich glaube; als meinen Heiland, auf den ich hoffe; als mein höchstes Gut, das ich liebe; als meinen Herrn, dem ich huldige; als den göttlichen Lehrer, dessen Evangelium ich bekenne; als das hellglänzende Licht der Welt, dem ich danke für die Gnade des wahren Glaubens. Jesus! Du unsichtbares, höchstes Haupt der Kirche! un sterblichen Dank sage ich deiner unendlichen Güte für die unschåßbare Gnade des wahren Glaubens, in welchen Du uns aufgenommen und erhalten hast.— Doch, göttlicher Heiland! dein auserwähltes Geschlecht, dein königliches Priesterthum, dein Volk, das Du durch dein Blut als dein Eigenthum Dir erworben hast, leidet viele Nachstellungen von dem Geiste der Falschheit, von der Bosheit der Welt, und von dem Fürsten der Finsternisse. O Jesus! erbarme Dich, und erhalte deine Gläubigen in deinem Namen, in deiner Lehre, in deinem Bekenntnisse, in deiner Liebe, damit sie kein Betrug von Irrlehren von dem Wege der Wahrheit • Fronleichnams Andachten. 393 abführe, keine Drohung schrecke, keine Schmeichelen verwirre; sondern daß sie als Kinder des Lichtes wandeln in aller Frömmigkeit, und keinen Theil nehmen an den gottlosen Werken der Finsterniß. Erbarme Dich, unendlich gütiger Erlöser! jener irrenden Seelen, welche zwar mit deinem kostbaren Blute erlöset wurden, aber leider noch in dem Schatten des Todes und in der Finsterniß sizen. Ach! Du ewiges Licht der Wahrheit! erleuchte sie durch die Strahlen deiner göttlichen Gnade, damit sie ihren schädlichen Irrthum erkennen. Bewege ihren schwachen und zaudernden Willen, damit sie mehr ihr ewiges Heil, als die zeitlichen Güter lieben, und deinem hellen Gnaden- und Glaubenslichte nachgehen. Wirke, o guter Hirt! daß diese irrenden Schäflein zu deiner Heerde zurückkehren, damit endlich ein Schafstall und ein Hirt werde, und wir alle mit einem Herzen und einem Munde Dich bekennen und ewig anbethen. heilige Stadt Sion, daß doch deine Pforten eröffnet, und deine irregehenden Kinder zu Dir zurück geführet würden! daß sie doch den Rath, der nicht aus Gott ist, aufgeben, und den Weg verließen, welcher sie nicht zu deinem Heile führet! O Gott der Erbarmung! säume nicht långer, Dich ihrer zu erbarmen! Leite sie auf den Weg, der zum ewigen Leben führet. Ach, daß doch durch deine Gnade der alte Irrthum wiche, und die wahre Einigkeit hergestellet würde! Deine Ehre, o Jesus! und das Heil so vieler verführten Seelen ist die fromme Begierde meiner Seele! Deine Hülfe ist mächtig, alle diese Finsterniisse zu zerstreuen, und jene zu erleuchten, die Dich noch nicht er kennen. Tráufle den Thau deiner Gnade in ihre Seelen herab, daß sie an Dich glauben, und im Glauben an Dich selig werden.- Vater unfer zc. Gelobt und angebethetic. 1 - - III. Gebetb um die Bekehrung der Sünder. großer Gott! Du hast nach der Sündfluth den Regenbogen am Firmamente ausgespannt, als ein Zeichen deiner Milde und Barmherzigkeit, und deiner Aussöhnung mit der fündigen Welt; und das allerheiligste Sacrament des Altars ist ja auch ein ewiges Unterpfand deiner Güte und deiner Liebe, in welchem Du dem Sünder Berzeihung, Gncde und ewiges Leben anbiethest. Und doch wandeln noch so Biele, die sich deine Jünger nennen, als Feinde dei 394 VII. Abschnitt. nes Kreuzes; lassen ihre von Dir erlös'ten Seelen zu Grunde gehen, und essen und trinken sich in deinem heiligen Sacramente, anstatt des Lebens, den Tod und das Gericht hinein. DJesus! der Du auf diese Erde herabgekommen bist, zu suchen und selig zu machen, was verloren war; erbarme Dich nach der Größe deiner Barmherzigkeit aller Derjenigen, die leichtsinnig auf der breiten Straße der Sünde dem ewigen Verderben zueilen. Erleuchte sie durch dein Gnadenlicht; erweiche in deinem heiligen Blute ihre harten Herzen, rede zu ihrer Seele durch deine kräftigen Antriebe, stårte ihre Schwachheit, damit sie das Elend und die Gefahr der Sünde erkennen, und durch wahre Buße sich mit Dir aus föhnen. Tilge, o Herr! alle Bosheit, daß nicht die Sünde unter uns herrsche; sondern die wahre Gottseligkeit und Andacht, der Eifer für deinen heiligen Dienst, und die Auferbaulichkeit der guten Sitten, die christliche Tugend und Heiligkeit; damit unser Vaterland Dir lieb und angenehm und deines väterlichen Segens immer würdiger werde. Vater unser ic. Gelobt und angebethetic. gibima IV. Gebeth um Friede und Einigkeit. - in Jesus Christus! Du Urheber und Liebhaber des himm. lischen Friedens, welchen Du deinen Jüngern gegeben und hinterlassen hast; Du bist herabgekommen auf die Erde, um uns den Friedenszweig vom Bater mitzubringen, wie die Taube einen Delzweig dem Noah in die Arche ge bracht hat. Dein heiligstes Abendmühl ist das Geheimniß der Liebe und der Einigkeit, in welchem die Gemüther der Gläubigen eines Sinnes und eines Willens werden sollen. Wir essen Alle von einem Brode und trinken von einem Kelche, dein heiligster Leib und dein kostbares Blut erthei len uns die Liebe zum Frieden, und vereinigen unsere Herzen; denn Du bist der Fürst des Friedens, und dein Verſöhnungstod am Freuze vereinigte die Erde wieder mit dem Himmel.- Du hasseft alle Spaltung und Uneinigkeit, weil aus derselben nur Unruhe und Unheil hervorgeht, und ein in sich zertheiltes Reich nicht bestehen kann. Herrsche daher mit deiner Gnade in uns, damit dein Friede, der allen Begriff übersteigt, unsere Herzen bewahre, und wir, durch das Band der Liebe vereiniget, in Ruhe und Eintracht Dich loben und anbetheu mögen. Ach! entferne von deiner - Fronleichnams Andachten. 395 Erbschaft alle Zwistigkeit, allen Streit und Unfrieden, alle Verwirrung und Uneinigkeit. Laß nicht zu, daß unter deinem Volke gefunden werde ein Mensch des Haders, ein Mann des Zankes, der die Einigkeit und den Frieden störe; sondern es regiere durch deine Gnade die Liebe und der Friede, die Geduld und die Freundlichkeit, die Sanftmuth, Güte und Langmuth, damit Jedermann erkenne, daß Du Jeſus, Du Gott des Friedens, in unserer Mitte wohnest, und das Heil des Vaterlandes seyest. Vater unser xc. Gelobt wc. V. Gebeth um Abwendung der verdienten göttlichen Strafen. 1400596 Lothians Jesus Christus! Du eingeborner Sohn des Vaters wie Du einst deinem frommen Diener Moses als eine Feuerflamme im brennenden Dornbusche erschienen bist, um dein Volk aus der harten Sclaverey Egyptens zu erretten, so erscheinest Du uns auch im heiligen Sacrament der Liebe als ein barmherziger Hoherpriester, und als das wahre Osterlamm, um dein auserwähltes Volk zu erlösen. Um dieser deiner Liebe und um deines Leidens und Sterbens willen bitte ich Dich, o mein Heiland! gedenke nicht an die vielfältigen Beleidungen und Unbilden, die Dir von uns zugefügt werden, sondern an deine unendliche Liebe und Barmherzigkeit Wende gnädig ab von unserm Vaterland alle verdienten Strafen; bewahre dein Volt, o gütigster Jesus! vor Unfruchtbarkeit der Erde, vor schädlichem Ungewitter, vor Theurung und Mangel, vor Feuer und Wassernoth, vor Armuth und Hunger, vor bösen Seuchen und Krankheiten, vor Unruhen und Krieg und vor allem Uebel. Du bist gnädig, barmherzig und von großer Güte! strafe uns nicht nach unsern Sünden, und vergilt uns nicht nach unsern Missethaten; sondern um deines Namens willen er barme Dich unser, o Herr!- O Jesus! verschone uns! Jesus, erhöre uns! o Jesus, erbarme Dich unser! damit wir unter dem Einflusse deines göttlichen Segens, im Ge-! nusse deiner Gaben und Wohlthaten, diefes zeitliche Leben in deinem heiligen Dienste, zu deiner Ehre, mit dankbarem Herzen führen mögen. Du, o Allgütiger! haft deine Wohnung mitten unter uns aufgerichtet; Du bist unser Gott, und wir sind dein Volk; sich mit grådigem Auge auf uns herab, und laß deine Milde über uns herrschen! Laß die Erde ihre Gewächse hervorbringen und die Bäume mit - - VII. Abschnitt. Früchten angefüllt werden! Laß uns dein Brod in Freude essen, und ohne Furcht unter deinem Schuße wohnen. Bater unfer ic. Gelobt his 396 VI. Sebeth um die göttliche Gnade. 100 - O großer Gott! Du hast das israelitische Bolk durch eine feurige Wolkensäule erleuchtet, und in das Land der Verheißung geführt. Deine gläubige Gemeinde aber erleuchtest und begnadigest Du in dem allerheiligsten Altars: Sacrament auf dem Wege zur seligen Ewigkeit. Hier in diesem Denkmale deiner unendlichen Liebe hast Du alle Schäße der göttlichen Gnade hinterlegt. Darum wende ich mich an diesen Gnadenthron, und bitte Dich für unser liebes Vaterland. Träufle, o liebreichster Heiland! deinen himmlischen Gnadenthau auf selbes herab, damit es blühe wie eine Lilie, die Zweige seiner Tugenden, gleich den Aeſten eines Delbaums, ausbreite, und der Geruch seiner From: migkeit sen wie von einer Ceder des Libanons!— Segne deine heilige Kirche mit allem geistlichen Segen und mit allen himmlischen Gaben, damit sie rein und ohne alle Mackel erfunden werde vor deinem Angesichte in der Liebe. Die Erlösung und Vergebung der Sünden haben wir em pfangen durch dein Blut, nach dem Reichthum deiner Gnade; laß nun auch dein göttliches Licht und die Wirkung dei ner Gnade über dein Volk kommen; gieb Allen einen weisen und erleuchteten Geist in deiner Erkenntniß, und ein glâubiges frommes Herz, damit sie allzeit der Tugend und Gott seligkeit nachstreben, und nicht wandeln nach dem verkehr. ten Geiste dieser Welt. Jesus! Anfänger und Vollender unserer Seligkeit! um deiner großen Liebe willen, mit der Du uns geliebt hast, verleihe uns deine mitwirkende beseligende Gnade; erhalte die Gottesfürchtigen in der Frömmigkeit; eifere die lauen Gemüther zur heiligen Liebe anz triste die Kleinmüthigen; stårke die Angefochtenen, und befehre die Sünder. Deine Gnade sen unser Licht, unsere Etärke und unser Trost, damit wir Dich anbethen und lieben in Ewigkeit. Vater unser c. Gelobt ic. VII. Seufzer um Segen für das Vaterland. sid Jesus Christus! mein Herr und mein Gott im heilig. sten Sacrament! ich knie vor deinem Gnadenthrone, und ― - Fronleichnams Andachten. flehe Dich an um deinen heiligen Segen, ohne diesen, wie konnte ich diese heilige Stätte verlassen? Segne, o göttlicher Heiland! mich schwaches und hülfebedürftis ges Menschenkind, damit ich mit Leib und Seele Dich allzeit anbethe, und in Dir ewig glückselig werde! Segne, o liebreichster Erlöser! alle deine frommen Anbether im heiligsten Sacramente, damit sie in wahrer Heiligs keit Dir lieb und angenehm seyen! Von Dir allein, o Jesus! kommt alles Heil und aller Segen, und es ist tein anderer Name unter der Sonne gegeben, in dem wir selig werden können, als dein heiligster Name; seg: ne dein Volk, das Du erschaffen, erlöset und geheiliget hast!- Ewiger Gott! der Du bis an's Ende der Welt im hochheiligen Sacramente unter uns bleiben willst, segne deine Erbschaft, welche Du Dir durch dein Blut erworben hast! Allwissender Gott! dem nichts verbors 397 gen ist, obwohl Du deine Majestät unter den Brodess gestalten verhüllest, segne dein Land, über welches deine Vorsehung herrschet, und mild und weise Alles anordnet! Allmächtiger Gott! dessen Gewalt Niemand widerstehen kann, segne unser Baterland, damit Alles weiche, was die Ruhe stdren oder den Wohlstand hemmen möchte! Barmherziger Gott! dessen Eigenschaft ist erbarmen und verschonen; segne elle Einwohner, damit sie unter dem Einfluß deiner Gnade im Frieden leben! Heiliger Gott! vor dem auch die Seraphim ihr Angesicht verhüllen, segne diese Versammlung deiner Gläubigen, das mit sie Dir ewigen Dank sagen möge! Liebevoller Gott! in dem alle Schäße der Gnade enthalten sind, segne uns Alle, und laß uns die Wirkungen deiner Lies be genießen; - Vater unfer ic. Gelobt und angebethet ic. ( Litaney vom allerheiligsten Altars: Sacramente siehe S. 110.) Cundin 263 Tagzeiten von dem allerheiligsten Fronleichnam Jesu Chrifti. Vorbereitung. Ich beth' Dich an, vermenschter Gott! in Brod'sgestalt zugegen. Du bist das wahre Himmelsbrod, verleih' mir Heil und Segen. Ich glaub', ich hoff, ich liebe Dich, ich fluche meinen Sünden, mit deinem Blute heile mich; ach! laß mich Gnade finden. VII. Abschnitt. ment. 3ur metten. Gelobt fey Jefus ohne End' im heiligsten Altars Sacras Ich Jesus! öffne meine Lippen, und mein Mund wird deine Liebe verkünden. Jefus! merke auf meine Hülfe; Jesus! eile mir zu helfen.- Ehre sey dem Vater, und dem Sohne, und dem heiligen Geiste; wie sie war im Anfange, ießt und allezeit, und zu ewigen Zeiten. Amen. Jefus hinterläßt u Jesus 398 - hinterläßt uns sein heiligstes Fleisch und Blut. Am letzten Abendmahle, die Nacht vor seinem Tod', nahm Jefus in dem Saale, Gott dankend, Wein und Brod; nehmt, ſprach Er, trinket, effet, das ist mein Fleisch und Blut, da mit ihr nie vergesset, was meine Liebe thut. O! laßt uns Ihm ein Leben, von jeder Sünde rein, ein Herz ihm ganz ergeben, zum Dankesopfer weih'n! und wie Er uns geladen, zu seinem Tische geh'n, das Denkmal seiner Gnaden mit Würde zu begeh'n. Antiph. Dieses ist mein Leib, der für euch hingegeben wird; dieser Kelch ist das Testament in meinem Blute, wels ches für euch wird vergoffen werden. Luc. 22, 19. 20.- Der Herr gab uns das Himmelsbrod, der Mensch genießt das Brod der Engel. Gebeth. O Jesus! der Du uns dein heiligstes Fleisch und Blut zum Andenken deines Todes hinterlassen bast: gieb, daß wir deine Liebe immer im Gedächtnisse erhalten, und im Herzen, wie in der That, uns dafür dankbar bezeigen; der Du mit Gott dem Vater in Einigkeit des heiligen Geistes als wahrer Gott lebest und herrschest in Ewigkeit. Amen. ment! helfen. Zu den Laudes 315 PICS 10 Gelobt sey Jefus ohne End' im heiligsten Altars Sacras Jesus! merke auf meine Hülfe; Jesus! eile mir zu Ebre fey c. Jesus wohnet und bleibet im heiligen Sacramente unter uns. Er, der uns arme Sünder, erlöst durch seinen Zod, liebt uns, wie seine Kinder,- wohnt bey uns, unser Gott. Hier ist Er lauter Güte; hier ist sein Gnadenthron; faum hört Er unf're Bitte, und Er gewährt sie schon... Erlöser! tief im Staube, weil Du die Wahrheit bist, bes fennt Dich unser Glaube, verbeugt sich Dir der Christ. Blick freundlich auf uns nieder, wir bringen beym Altar, wir deine Kinder, Brüder, Dir uns're Bitten dar. Antiphen. Es ist kein Gott, der sich seinem Volke, fo nähert, wie sich unser Gott uns Christen nähert. Sehet ich 399 Fronleichnams Andachten. bin bey euch alle Zage, bis an das Ende der Welt; darum bringt mir eure Herzen zum Opfer dar. Gebeth. Gewähre uns, o Jesus! die Gnade, daß allzeit unsere Gebethe in deinem Namen entrichtet, und nach deinem Versprechen erhöret werden. Schenke uns durch dieses heiligste Sacrament den wahren Geist der Buße, flöße uns Furcht vor aller Gefahr der Sünde, und Liebe zu allem Guten ein; stärke uns in der Versuchung und Drangsal, einige uns, heilige uns vorzuglich in der Stunde des Todes, schenke allen Verstorbe: nen die ewige Ruhe, damit wir Alle der erwünschten Früchte unsers Vertrauens theilhaftig werden, der Du mit Gott dem Vater in Einigkeit des heiligen Geistes als wahrer Gott herrschest von Ewigkeit zc. Zur Prim. Gelobt zc.( wie oben.) Jesus im allerheiligsten Sacrament erquicket uns. Hier will bedrängter Armen Erretter Jesus seyn; o, ruft Er voll Erbarmen, stellt eure Klagen ein! eilt, wenn euch Leis den drücken, mir, eurem Heiland zu; ich will euch ganz erquis den, ich geb' euch Trost und Ruh'. D Das schreibt in eure Herzen, Betrübte! klagt nicht mehr; sagt nicht in eurem Schmerzen, als ob kein Helfer war. sehet auf ihr habet den besten Helfer nah', der eure Seele labet, der treu'ste Freund ist da. Antiphon. Kommet zu mir, ihr Alle, die ihr mit Mühses ligkeit beladen seyd, ich will euch erquicken. Matth. 11, 28. Du hast uns, o Jesus! einen Tisch bereitet, zur Stärkung gegen Alle, welche uns plagen. Gebeth. O Jesus! Du einziger Helfer in allen Nothen! ertheile uns von deinem Altare Stärke wider alle Feinde unserer Seele, erlöse uns von unsern Anliegen des Leibes, oder gieb uns wenigstens Gnade, mit Geduld in demselben auszuharren, damit wir von Dir erquicket auf dem Wege des Streites und Kreuzes zu Dir gelangen, der Du mit Gott dem Vater und dem heiligen Geiste als gleicher Gott lebest und regierest von Ewigkeit ic. Zur Terz. Gelobt ic. Jesus im heiligsten Sacramente nähreft unfre Seele. Christen! welche Ehren erweist uns unser Gott! Er giebt, um uns zu nähren, sich selbst als Himmelsbrod. In VII. Abschnitt. Brod's und Weines Hülle erfüllt sein Fleisch und Blut das Herz mit Gnaden Fülle, erhält der Liebe Gluth. Du hast uns eingeladen, Erlöfer! Dir zu nah'n; so nimm uns denn in Gnaden als deine Gäste an. Gieb, daß wir wahrhaft büßen, und heil'ge Herz und Sinn, damit wir Dich genießen, mit Sefigkeits Gewinn. Antiphon. Der geſegnete Kelch des Herrn, wie wir ihn fegnen, ist Er nicht Mittheilung des Blutes Christi? Das Brod, welches wir brechen, ist es nicht Mittheilung des Leis bes des Herrn? Also, wer unwürdig ist und trinkt, der ist und trinkt sich das Gericht hinein. Wer mein Fleisch würs dig ist, und mein Blut würdig trinkt, der wird durch mich das Leben haben. 400 Gebeth. Gütigster Jesus! laß mich doch recht oft, aber allezeit mit gehöriger Reue über meine Sünden, nach aufrichtiger Beicht, und mit vollkommener Andacht des Herzens, deinen heiligsten Fronleichnam empfangen, damit er mir nicht zur Verdammniß, sondern zur Nahrung der Seele und zum ewigen Leben gereiche, der Du mit Gott dem Vater in Einigkeit des heiligen Geis stes gleicher Gott, lebest und regierest von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Zur Sert. Gelobt it. Jesus im heiligsten Sacramente vereinigt sich mit uns. Nicht nur der Seele Leben hat Jesus uns gewährt! Er ist's, der uns gleich Reben, mit Gnadensaft ernährt. Sein Geist macht uns auf Erden durch innigsten Verein, damit wir selig werden, von Herzen fromm und rein So sey denn Du mein Leben, Du wahres Himmelsbrod! nur Du kannst Kraft mir geben, zu halten dein Gebot. stille mein Verlangen, ganz Eins zu seyn mit Dir; den Hims mel zu erlangen; o lebe ganz in mir! CRE Antiphon. Wer mein Fleisch ist, und mein Blut trinkt, der bleibt in mir, und ich in ihm. Ich bin der Weinstock, ihr send die Zweige; wer in mir bleibt, und- Jch in Ihm, der bringt viele Frucht. Gebeth. Flöße uns, o Jesus! beym Empfange dies ses Sacramentes deinen Geist ein, damit wir eben ſo heilig denken, reden und handeln wie Du, und auf fol che Weise mit Dir Eines werden, daß wir mit Wahrs beit sagen können: Nicht mehr wir leben in uns, son: dern Du, dessen Tugenden wir angenommen haben, der Du mit dem Vater und heiligen Geist gleicher Gott, lebest und regierest von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. 10 Fronleichnams Andachten. Zur Non. Gelobt ic. Jesus opfert sich unblutiger Weise auf dem Altare für unsere Sünden. 401 Du, Jesus! lad'st uns Sünder zur Buße lieb'voll ein; wir sollen Gottes Kinder, des Himmels Erben seyn. Damit wir Gnade finden, giebst Du auf dem Altar, zur Tilgung uns'rer Sünden, Dich stets zum Opfer dar. O höre unser Flehen, Du Gott der Vaterhuld! Vergieb uns die Vergehen, vergieb uns Straf' und Schuld. Wie kannst Du uns verstoßen? Sich! deines Sohnes Blut, das einst für uns geflossen, als unser Lösegeld. Antiphon. Jefus ist die Versöhnung für unsre Sün den; ja nicht allein für die unsrigen, sondern für die Sünden der ganzen Welt. Ihr send mit einem großen Werthe erkaufet worden; mit dem Blute Jesu Christi. Gebeth. Laß uns, o Jesus! so oft wir der heil. Messe beywohnen, der Liebe eingedenk seyn, womit Du am Kreuze für unsere Sünden dein Blut und Leben gabst, aber eben daraus den Gräuel der Sünden erkennen, damit wir sie ernstlich bereuen und meiden, als wahre Opfer uns deinem Dienste widmen, bis an's Ende Dir getreu verbleiben, und dann in alle Ewigkeit die Wirkung deiner Erldsung an uns empfinden mögen, der Du lebest und herrschest von Ewigs keit zu Ewigkeit. Amén. Zur Vesper. Gelobt ic. Jefus im heiligsten Sacramente das Opfer der Liebe zu den Menschen. Du, der die Nächstenliebe zum Hauptgebot uns gab, läß't Dich mit aller Liebe so tief zu uns herab. Du gabst Dich einst für Alle am Kreuz' zum Opfer hin, und zeigst in diesem Mahle denselben Liebessinn. Die Lehre zu erfüllen, die mir dein Beyspiel giebt, sey Herr! um Deinetwillen mir Freund und Feind geliebt. Ich will von ganzem Herzen wie Du dem Feind verzeih'n; wie Du, im Glück und Schmerzen dem Nächsten Bruder seyn. Antiphon. Das ist mein Gebot, daß ihr einander lies bet. Ich habe euch ein Beyspiel gegeben, daß auch ihr thut, wie ich gethan habe. Gebeth. O Jesus! der Du uns durch das Gebot der Nächstenliebe wie am Kreuze, so auch im heiligsten Altars Sacramente, durch dein Beyspiel vorzüglich leh rest, gieb uns die Gnade, wie Du, herzlich und thätig alle Menschen, selbst unsere Feinde zu lieben, damit wir durch die Liebe als deine Jünger auf Erde erkannt, 26 VII. Abschnitt. Andachten und einst ewig mit Dir zum Löhne derselben vereiniget werden im Himmel, der Du lebest und herrschest von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. 402 Zur Komplet. Bekehre uns, o Jesus, unser Heiland! und wende deinen Zorn von uns ab. Gelobt it. Jesus stärket uns im heiligsten Sacramente in unserm Tode. Seht, wie bis an das Ende uns Jesus innigst liebt, und noch im Sacramente zur Stárkung uns sich giebt. Er wird in letzten Zügen uns Pfand der Seligkeit, und hilft uns glücks lich fiegen im Kampf zur Ewigkeit. O laß mich doch genießen Dich, theuerstes Liebesmahl! Eh' ich soll wandern müßen durch's finst're Lodesthal. Gieb, daß mir diese Speise zur Stärkung meiner Treu', zur Labung auf die Reise in's Himmelreich gedeih'. Antiphon. Wer mein Fleisch ist, und mein Blut trinkt, der hat das ewige Leben, und Ich werde ihn erwecken am jüngsten Tage. Joh. am 6, 25. Ich bin die Auferstehung und cas Leben; wer an mich glaubt, wird in Ewigkeit nicht sters ben. Gebeth. Gütigster Jesus! verlaß mich in dem so wichtigen Augenblick des Todes doch nicht, sondern verleih', daß ich durch würdigen Empfang deines heiligsten Sacramentes gestärket, alle Anfälle des Satans besiege, und in deiner Liebe sterbe, damit ich ewig lebe durch Dich, und in Dir, der Du als wahrer Gott lebest und herrschest von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Beschluß. Du willst als Opfergaben, o Jesus! beym Altar hier uns fre Herzen haben;- wir bringen sie Dir dar. Hilf doch, daß sie unschuldig, von jeder Sünde rein, sanftmüthig und geduldig, ja, ganz Dir ähnlich seyn. Wir fleh'n zu deinen Füssen: gieb Ernst zur Besserung laß Gnade auf uns fließen, schenk Kraft zur Heiligung. Laß uns die Bahn der Leiden recht frohen Muthes geh'n, bis wir in Himmels Freuden Dich unverhüllet seh'n. ( Hierauf bethe die Litaney vom allerheiligsten Sacrament S. 113.) Antiphon. O heiliges Gastmahl, in welchem Christus genossen, und das Andenken an sein Leiden erneuert wird; hier wird die Seele mit Gnaden erfüllet, und wir empfangen das Unterpfand der zukünftigen Herrlichkeit. Ein Gedächtniß seiner Wunder hat der gnädige und barms herzige Herr gemacht. Er hat Speife gegeben denen, die Ihn fürchten. Herr! erhöre unser Gebeth;- und laß unser Rufen zu Dir kommen. auf das Fest der heil. Kirchweihe. 403 Gebeth. Herr! wir bitten Dich, gieb uns einen lebhaften Glauben, eine zupersichtliche Hoffnung, und eine brennende Liebe, damit wir in Anbethung und Genießung deines allerheiligsten Sacramentes mit den unaussprechlichen Ergöglichkeiten deiner Gnade überströmt, und in der Stunde des Todes zu jenem gro ßen Abendmahle berufen werden, wo sich deine Heiligen von deiner Glorie erfåttigen, und Dich von Angesicht zu Angesicht ewig genießen, der Du lebest und regierest 2c. Amen. Der Segen des allmächtigen Gottes, des Vaters, des Sohnes, und des heiligen Geistes, komme herab über uns, über unser Vaterland, über die Früchte der Erde, und verbleis be allezeit mit uns! Amen. Gelobt und angebethet zc. Herr! erhöre mein Gebeth, und mein Rufen komme zu Dir! Laßt uns den Herrn preifen! Gott sey Dank! Und die Seelen aller Christgläubigen ruhen durch die Barmherzigkeit Gottes in Frieden! Amen. Am Feste der heiligen Kirchweihe. Meßanda ch t. Eingang. Mit heiliger Freude begehen wir heute die Gedächte nißfever desjenigen Tages, an welchem diese Kirche zum Dienste Gottes eingeweihet worden ist, damit wir hier in gemeinsamer Erbauung Gott im Geiste und in der Wahrheit anbethen, das Wort Gottes in der Predigt und Christenlehre anhören, und in einem guten Herzen bewahren; dem Opfer der heiligen Messe mit frommer Theilnahme beywohnen, und die heiligen Sacramente zur Erlangung und Vermehrung der göttlichen Gnade und des ewigen Lebens würdig empfangen sollen. Di wie fürchterlich erhaben und heilig ist dieser Ort! Nichts anders ist er, als das Haus Gottes, und die Pforte des Himmels. Der Berg Gottes heißt er. Wie lieblich sind deine Wohnungen, o Herr der Heerschaaren? Meine Seele verlangt und sehnet sich nach den Vorhöfen des Herrn. Ehre sey dem Vater ic. 26 VII. Abschnitt. Andachten Nimm also, o himmlischer Bater, allmächtiger ewi ger Gott! in dieser deiner heiligen Wohnstätte die frommen Gebethe und Gelübde, die ich) jest, vereint mit dem Gebethe und mit den Gaben des Priesters, auf deinen heiligen Altar lege, gnådig auf, und laß mich der unendlichen Verdienste und Gnaden des hochheiligen Opfers deines Sohnes theilhaftig werden, damit meiner Seele jenes Heil widerfahre, welches Zach& us durch die freudenvolle Aufnahme Jesus in sein Haus, und durch seinen aufrichtigen Bußeifer erlanget hat.. Herr! erbarme Dich meiner. meiner. Christus! erbarme Dich 404 - - Herr! erbarine Dich meiner. Gloria. Ehre, Preis und Anbethung sey Dir, dreyeiniger Gott! in der Höhe, und Friede Vergebung, Gnade und ewiges Leben allen Menschen auf Erden, die einen guten Willen haben; Friede und Freude durch Dich, Jesus Christus, eingeborner Sohn des Vaters! Lamm Gottes! das hinwegnimmt die Sünden der Welt, und mein demüthiges Flehen nicht verschmähen wird. Jesus Christus! Du allein bist der Heilige, der Herr, der Allerhöchste, mit dem heiligen Geiste in der Herrlichkeit Gottes des Vaters. Amen. - Gebeth. O Gott! der Du uns alle Jahre den Gedächtnistag der Einweihung dieses deines heiligen Tempels wiederbringest, und uns an deinen Geheimnissen frohen Antheil gewäh rest! erhöre die Bitten deines Volkes, und verleihe, daß wer immer in diesen Tempel eingeht, um Gnaden zu erflehen sich auch einer gnädigen Erhörung erfreue! Während der Epistel und des Evangeliums.. Allmächtig- r, ewiger Gott! Herr des Himmels und der Erde! Du bist und wirkest überall; überall vernimmst Du unsere Gebethe und Wünsche; die ganze Welt ist dein Tempel, und jedes fromme Herz dein Altar. Deine allmächtige Kraft ist nicht innerhalb dieser Wände eingeschlossen, und doch würdigest Du Dich, aus unendlicher Liebe zu uns Menschen, in unsern Tempeln auf eine besondere Weise zu wohnen, und deine Erbarmun gen und Segnungen hier im vorzüglichen Maße über auf das Fest der heil. Kirchweihe. uns auszugießen. So wird das Gebäude, das Menschenhånde errichteten, durch deine heiligende Gnade ein Gotteshaus! Du wohnest unter uns bist unser Gott, und wir sind dein Volk! Heute feyern wir mit dankerfüllter Seele das Andenken jenes Freudentages, an dem dieses heilige Haus, in welchem ich jest Dich anbethe, durch das Gebeth und die Segnung des Bischofs eingeweiht wurde, zu dei nem Tempel, zum Orte der Andacht und des Unterrichts, und zur ehrwürdigen Ståtte, in welcher die heis ligen Geheimnisse des neuen Bundes begangen und ausgespendet werden; jenes Freudentages, an welchem das unblutige Opfer auf diesen Altären das erstemal Dir dargebracht wurde. jenes Freudentages, an wel chem dein göttlicher Sohn hier, wie einst in dem Hauſe des Zachaus, sich würdigte, einzukehren, und sogar seinen immerwährenden Aufenthalt zu nehmen. Unübersehbar ist der Segen, unzählbar sind die Wohlthaten, wel che sich von deiner heiligen Wohnung aus über deine Gemeinde verbreiten sollen, und wo sich in diesen heili gen Hallen mein frommer Blick hinwendet, findet er herzerhebende Erinnerungszeichen deiner unendlichen Baterliebe, die so groß war, daß sie Dich bewog, dein Liebstes, deinen eingebornen Sohn, in den Tod hinzugeben, damit Keiner, der an Ihn glaubt, verloren gehe, sondern das ewige Leben habe. Das Kreuz des Erlösers zeigt mir Den, in welchem allein Heil ist, und Leben und Seligkeit! Jener Taufstein ruft mir in das Gedächtniß den heiligen Bund, den ich mit Gott und seiner heiligen Kirche eingegangen habe! Jene geheiligten Richterstühle der Büßer- wie oft verließ ich sie mit Thränen innigster Rührung, und voll von heilsamen Entschlüssen und Vorsäßen! Jener Tisch des Heren theilt mir so oft mit von dem Brode des Lebens! Von diesem Lehrstuhle erschallet fortwährend, und dringt zu meinem Herzen die Lehre des Heiles. Die Bildnis se und Statuen der Heiligen und Auserwählten Got: tes führen mir so viele beilige Begebenheiten, so viele Beyspiele einer heldenmüthigen Tugend zu Gemüthe, und fordern mich auf zur treuen Nachahmung! - - 405 VII. Abschnitt. Andachten Wie wohlthätig und heilsam, o Gott! Ednnte und sollte der Besuch deiner geheiligten Wohnung auf mich und alle meine Brüder wirken! Und wie oft habe ich durch meine Schuld diese heilsamen Wirkungen an mir und vielleicht auch an Andern vereitelt!, Vergieb mir, o Gott! jede freywillige Zerstreuung, jede Ausschweifung, jede unehrerbietige Geberde und Stellung, mit welcher ich jemals dein Haus entweihet, und die Anwesenden geärgert oder gestört habe! Ach, verleihe mir deine Gnade, daß ich mich bessere. Durchdringe mein Herz mit heiliger Ehrfurcht und Andacht, so oft ich vor deinem Altare, o Herr! erscheine, damit ich nie mals aus dem Hause des Gebethes einen Marktplah, oder noch etwas Schlimmeres mache. Erhalte, belebe, befestige den Gedanken in mir, daß auch ich ein Tempel des beiligen Geistes bin, und daß Du in mir wohnest; daß alle Gerechten und Auserwählten eben so viele lebendige Steine sind, die da sollen aufgebauet werden zum lebendigen Tempel Gottes, dessen oberster Schlußstein Jesus Chri stus ist. Reinige daher, o Heiligster! reinige unsere Hers zen von Allem, was Dir mißfällig ist, und was uns hindert, zur Bereinigung mit Dir zu gelangen! Bereite Dir selbst unsere Herzen zu einer würdigen Wohnung vor, auf daß wir eingehen mögen in dein himmlisches Baterhaus. O Gott der Erbarmung! es giebt so viele laue NamenChristen, die deinen Tempel scheuen, und keine Freude haben an deinem Worte, und die Schäße der Gnade, die uns Jes sus in den heiligen Sacramenten anbietet, verachten; so Viele, die nur den Schein eines Lebens, aber nicht das wahre Leben aus Dir haben; rüttle sie aus ihrer Trägheit und Sorglosigkeit; mehre ihren Eifer, gieb ihnen eine heilige Sehnsucht nach dem Orte deiner Wohnung, und laß sie ers kennen, was zu ihrem Heile dient. Es giebt noch viele Völker, die ganz und gar in der Finsterniß und im Schatten des Todes sihen, -o laß auch ihnen das Licht des heiligen Evangeliums aufgehen, daß sie Dir huldigen in deinem Tempel, und am Altare der Versöhnung Verzeihung ihrer Sünden, Gnade und ewiges Leben empfangen, damit endlich ein Schafstall, und eine Heerde, und ein Hirt werden möge, durch Jesus Christus ic. Amen. Credo. Ich glaube an Gott, den Vater* c. 406 - auf das Fest der heil. Kirchweihe. Offertorium. Mein Herr! und mein Gott! ich weiß, Du prüfeft die Herzen. Du liebst die Redlichkeit. Deßwegen opfere ich Dir auch Alles mit Freuden und mit aller Redlichkeit des Herzens, was ich bin und habe. Auch dieſes dein Bolk, das hier gegenwärtig ist, opfert mit großer Freude seine Gaben. Erhalte, o Gott! diefen guten Willen in unsern Herzen auf immer. Unser Gemüth sev 1on Ehrfurcht gegen Dich ganz durchdrungen. Alleluja. Heiliger Vater ic.( Seite 54.) 407 Secreta. Wir bitten Dich, o Herr! erhdre unser Gebeth, und laß uns Dir durch eine wahre Andacht und vollkommene Unterthänigkeit des Leibes und der Seele gefällig seyn, da wir uns in diesem deinen heiligen Tempel versammelt haben, das jährliche Andenken seiner Einweihung zu feyern. Wir tragen Dir jest unsere Bitten vor, komm uns zu Hülfe, und laß uns zu den ewigen Belohnungen gelangen, durch Jesus Christus 2c. ( Präfation bis nach der heiligen Communion bethe aus der Sonntags- Messe Seite 55. 58.) Nach der heiligen Communion. Mein Haus ist ein Bethhaus, spricht der Herr. Wer darin um etwas bittet, der empfängt es. Wer suchet, der findet, und wer anklopfet, dem wird die Thüre geöffnet. Gebeth. Gott! Du bereitest aus lebendigen und auserlesenen Steinen deiner Majestät eine würdige Wohnung! Verleibe deinem flehenden Volke, daß deine Kir che in dem Maße, als sie am körperlichen Umfange ges winnt, auch geistigen Zuwachs erhalte, durch Christus, unsern Herrn! Amen. Beschluß. Hör deiner Kinder Fleh'n, o Gott! dein Sohn hat uns durch Kreuz und Tod erlöset; steure jeder Noth, und laß uns Hülfe finden! Erhebe, fegne uns, o Gott! Bewahre uns.. vor Sünden, und führe uns zur Seligkeit, als Erben deiner Herrlichkeit! Dort loben wir in Ewigkeit Dich, Bater der Barmherzigkeit! Amen. Vater unser- ic. Vesper: Andachten. ( Wie an Sonntagen, Seite 59.) 408 VIII. 2 b fchnitt. Andachtsübungen auf die Festta ge der allerfeligsten Jungfrau und Mutter Gottes Maria, und der lieben Heiligen. Borerinnerung, wie man Maria und die Heiligen verehren soll. Unsere heilige Kirche lehrt, daß es gut, lobenswürdig und heilsam sey, die Heiligen zu verehren, sic um ihre Fürbitte anzurufen, und sich ihrem Schutze zu empfehlen; dabey aber ja nie die thbrichte Meynung zu haben, als konnten die Heis Tigen aus eigner Kraft und Macht uns helfen, oder als wollten sie uns etwas gewähren, das dem heiligsten Willen Gottes nicht angemessen wäre. Alle Hülfe kommt von dem Herrn; Er ist die einzige, unversiegbare Quelle aller guten Gaben und aller vollkommenen Geschenke; Er ertheilt aber diesen Segen gern, wenn Ihn seine liebsten Freunde, feine verdienstvollen Kinder im Himmel, vereint mit uns, bitten. Darum richtet auch die Kirche alle ihre Gebethe an Gott felbft, fleht Ihn durch die Fürbitte der Heiligen und Auserwählten Gottes um Erhörung an, und schließt dieselben durch Jesus Christus, der unser Herr und Heiland ist. Betrachte daher, andächtiger Bether! die Heiligen als deis ne glorreich vollendeten Brüder, die nun in der Herrlichkeit Gottes sind, die von dem höchsten Wesen geehrt werden, und auf deren Fürbitte Er vielen von seinen Kindern auf Erden feine Wehlthaten erweiset. Betrachte die Heiligen als deine aufrichtigsten himmlischen Freunde, die, wenn du sie um ihre Fürbitte anrufest, sich gern mit deinem Gebethe vereinigen, und zum allgemeinen Bater bitten, und deine Unwürdigkeit unterstützen. Auch ist es sehr gut und heilsam, diese Helden der Tugend, diese gekrönten Bürger des Himmels, zu verehren; aber wisse, daß die ihnen angenehmste Verehrung darin bestehe, daß du Andachten auf das Fest Marid Empfängniß. 409 bich bemühest, ihrem schönen Zugendvorbilde nach, zufolgen. Bedenke daher öfters, was sie auf Erden gethan, und ihrem Gott zu Lieb erduldet haben. Sie waren Menschen, wie du Mensch bist, Schwachheis ten, bösen Trieben, Leidenschaften und Bersuchungen unters worfen, wie du. Die nämlichen Gefahren und Mühseligkeiten, unter denen du feufzest, ertrugen auch sie. Betrachte nur, wie fie gelebt, gearbeitet und gekämpft haben, um das Himmels reith an sich zu reißen. Sie schälten ihr Herz los von den Eitelkeiten dieser Welt; sie setzten auf zeitliche Güter, Ehren, Reichthümer und Freuden keinen größern 2erth, als der ih nen zukommt, nämlich einen geringen; dafür aber eiferten sie für treue Pflichterfüllung, für Gerechtigkeit, Máßigkeit und findliche Ergebung in den Willen des Höchsten, für reine Gots tes und Menschenliebe, und für wahre Nachfolge Chrifti auf dem schmalen Wege, der zum Himmel führet. Sie wandelten als treue Diener des Herrn vor Gottes Augen, sie ries fen dringend, findlich, mit aller Herzlichkeit um feine Hülfe; sie weiheten Ihm jeden Tag ihres Lebens; sie flohen böse Ges legenheiten; sie lebten strenge und enthaltsam, um stets wider die Lockungen der Sünde und wider die Macht der schlechten Beyspiele gerüstet zu seyn; sie waren geduldig im Leiden, vers söhnlich gegen Feinde, und voll chriftlicher Liebe gegen Lästes rer und Verfolger: sie arbeiteten unermüdet an dem wahien Wohle ihrer Mitmenschen; sie vertrauten, glaubten, liebten ihren Gott und waren innigst mit Christue, wie der Rebzweig mit dem Weinstocke, vereinigt, so daß sie alle mit Paulus fagen konnten: ,, nicht ich lebe, sondern Christus lebt in mir." Beherzige diese Beyspiele; und folge ihnen nach, wie sie Christus nachgefolgt sind; dann wird deine Verehrung der Heiligen eine löbliche, vernünftige, Gott wohlgefällige Ans dacht seyn, welcher jeder fromme und erleuchtete Christ seine Zustimmung nicht versagen kann, und welche gewiß ein vors zügliches Beförderungsmittel der Zugend seyn wird.- Sey besonders recht findlich gegen die allerheiligste Jungfrau und Mutter Gottes, Maria, gesinnt; betrachte ihren Gottergebes nen Wandel und ihre erhabenen Zugenden, und bemühe dich, die Allerfeligste recht innig zu lieben. Wenn du Maria wahrs haft chrest und liebest, dann mußt du auch das Verlangen haben, ihr ähnlich, das ist, gut und fromm zu werden. Willst du einmal dieses, dann sey auch versichert, daß du feine mächtigere Freundin, keine treuere Beschüßerin, und keine liebe reichere Mutter haben kannst, als Maria. - - 1. Auf das Fest Marià Empfängniß. 1. O Maria! wir ehren dich mit andächtigen Herzen. Wir danken heute Gott mit großer Freude, daß Er sich 410 VIII. Abschnitt. Andachten in dir eine Ståtte bereitet hat, welche würdig war, seinen Eingebornen aufzunehmen. Glückselige Eltern, Jo achim und Anna! heute ist euer Gebeth über alles Erwarten erhört; das kostbarste Gut ist euch anvertraut. Nun ist das Heil nicht mehr ferne, denn es wird durch euch gebaut der Tempel, in welchem es geoffenbaret werden soll; nun muß die helle Sonne der göttlichen Liebe, Jesus Christus, bald aufsteigen, denn die Morgenrothe- Maria ist erschienen. Freuet euch und froblocket, ihr Christen alle, denn heute ist empfangen worden Maria, die erste reine, macellose Blume, die auf dieser Erde geblühet hat. Der Mensch ist zwar tief gefallen und sehr entstaltet worden durch die Sünde, doch es blieb noch etwas übrig von seiner vorigen Schönheit und Würde. An Maria finden wir diesen Rest der zerfallenen menschlichen Reinheit und Glückseligkeit. In ihr haben sich zusammengefügt die Trümmer des herrli chen Adels, der dem Menschengeschlechte nach dem Falle noch geblieben ist. Wie sehr sollen wir frohlocken und uns erfreuen vor Gott, der den abtrünnigen Menschen nicht vollends verderben ließ, sondern an ihm retten und befreyen will, was gerettet und befrent werden kann. Billig erfreuen wir uns über die nahe Ankunft Maria, bieser von Gott hochbegnadigten neuen Eva, d. h. der Mutter der Lebendigen. Nimm also, o Maria! gütig auf unsere Begrüßungen, mit denen wir deine heilige Empfängniß feyern wollen. - II. Dunbefleckte Jungfrau! wie freudig danke ich dem Schöpfer, daß Er dich von aller Mackel der Sünde befreyet hat! Wie herzlich wünschte ich, daß alle Menschen dieses große Vorrecht an dir erkennten! Du stehst ohne Mackel vor dem Angesichte des Herrn. O würdige dich, deine mitleidigen Augen auf mein unreines Herz zu werfen. Bitte ben Gott für mich, ich bin ja nicht nur in Sünden empfangen und geboren worden, sondern ich habe auch, nach em p angener heiliger Taufe, meine Seele auf's Neue mit vielen Sünden befleckt; ich habe mir so wenig Mühe gege ben, das Kleid der Unschuld unbefleckt vor den Richterstuhl auf das Fest Mariá Empfängniß Gottes zu bringen. Wird dir Gott, der dich zur Geseg= netsten unter allen deines Geschlechtes erhoben, und deswegen vor jeder Mackel bewahret hat, je eine Gnade versagen? Reinste Jungfrau! du kannst, du willst, du wirst mir die Gnade erbitten, daß ich mich durch eine wahre Buße von den Flecken der Sünde reinige, und so mein Heil ernstlich wirke. Möchte ich oft genug an dich denken; o möchtest auch du meiner nie vergessen! Bitt' für mich, daß ich so gläubig, so demüthig, so liebevoll, so gehorsam, so geduldig, so tugendhaft, so rein, so voll: kommen werde, wie du warest, um die gegründete Hoffnung hegen zu dürfen, einst an deiner Seligkeit Theil zu nehmen. O glücklicher Augenblick, an welchem ich dich im Himmel sehen, loben und ewig lieben werde, dichdu meine Mutter, unbefleckte Jungfrau Maria! 411 - Kirchengebeth. Wir bitten Dich, e Herr! ertheile deis nen Dienern das Geschenk der himmlischen Gnade, damit uns, denen die Geburt der seligsten Jungfrau zum Anfang des Heis les gereichte, die Feyerlichkeit ihrer Empfängniß den Frieden vermehre, durch unsern Herrn 2c. Tagzeiten zur Ehre der seligsten Jungfrau Maria. ( Eine nüßliche Andachtsübung an allen ihren Festtagen. Erheb' dich, Seele! um zu loben die Mutter der Barm herzigkeit, die, über Engel weit erhoben, in himmlisch froher Herrlichkeit, im Himmel sitzt bey ihrem Sohne, auf einem Glanz, umgeb'nen Throne, und voller Milde niederschaut, auf Jeden, der auf sie vertraut. Ehr' sey dem Vater und dem Sohn' und Dir, o Geist! von Beyden, und uns des Himmels großer Lohn, einst durch die Ewigkeiten. Lobgefang an die Jungfräuliche. So rein von Sünden und von Mángeln, trat'st Du hers vor aus Gottes Hand, als wie der schönste von den Engeln, am Tage seiner Schöpfung stand. Voll Unschuld war dein holdes Leben, der Gottheit Tempel deine Brust, zu dir hinauf durft sich nicht heben, der Schlangenzahn der bösen Luit. O reine Jungfrau! pflanz' die Liebe zur Keuschheit unfern Sees len ein, daß wir mit edelmüth'gem Triebe, wetteifern, um dir gleich zu seyn. Gieb, daß wir muthig und entschloffen dem Reiz der Wollust widersteh'n, und standhaft, treu und unverdrossen der schönen Unschuld Wege geh'n. Antiphon. Gott hat sie besonders auserwählt, daß ſie in seinem Heiligthum wohne. VIII. Abschnitt. Andachten Gebeth. Gott! der Du durch die unbefleckte Empfängniß der heil. Jungfrau Maria deinem lieben Gohne eine würdige Wohnung bereitet hast, laß uns, die Du durch das Leiden und den Tod Jesus geheiliget hast, auch durch ihre gütige Fürbitte in Reinheit und Unschuld vor Dir wandeln, und einst zu Dir in dein Reich gelangen, durch unsern Herrn Jesus Christus uc. Zu der Prim. Erheb' Dich, Seele xc.( wie oben.) 412 Lobgefang an die Demüthige. Wie unter niedrigen Gesträuchen hebt sich die Palme schön empor; so stehst du unter deines Gleichen in edler Größe weit hervor. Doch bist du sanft und mild, bescheiden; die stille Des muth muß entzückt die Schaar der Zugenden begleiten, die dich, o hohe Jungfrau! schmückt. O laß auch uns den Hochs muth haffen; er ist der Thorheit Eigenthum; der Stolze wird von Gott verlaffen, er bleibt in Sünden und bleibt dumm. Laß uns die Demuth herzlich lieben; der Tugend Schmuck ist sie allein; nur die an ihrer Hand sie üben, die können ott gefällig seyn. Antipbon. Sieh! ich bin eine Magd des Herrn; mir geschehe nach deinem Wort. Gebeth. O Gott! der Du ic.( wie oben.) Zu der Zerz. Erheb' dich, Seele ic.( wie oben.) Lobgefang an die Gottergebene. Zu wandeln stets nach Gottes Willen, und unter seinem An gesicht, und treulich sein Gefeß erfüllen, hieltst du für deine erste Pflicht. Er sandt' dir Kummer oder Freude, so war dein Herz nur Jhm geweiht; du gingest nie von seiner Seite, und pries fest Ihn voll Dankbarkeit. O hilf uns auch so gläubig leben, uns unserin Vater innig weih'n, bilf, uns so fromm, so gotts ergeben, so dankbar gegen Ihn zu seyn. Daß wir in froben Glückestagen nie weg von seinen Wegen geh'n, und in dem Unglück ohne. Zagen auf Ihn, als unfern Vater, seh'n. Antiphon. Der Herr hat's gegeben, der Herr hat's ges nommen; der Name des Herrn sey gebenedeyt. Gebeth. Gott! der Du ic. O Lobgefang an die Mutter. Dich wählt der große Herr der Heere, dich unter Zaufenden allein, zur unaussprechlich hohen Ehre, die Mutter seines Sohns zu seyn. Ihn nennst Du deinen Eingebornen, dich nennet Muts ter jener Gott, der uns, den Sündern und Verlornen, Erlösung bracht' durch seinen Tod. O nimm auch uns zu deinen Kindern, du gnadenvolle Mutter an, und bitt Jenen, der aus Sündern, zur seligen Junfrau Maria. 413 Gerechte, Fromme schaffen kann, daß wir voll Eifer uns bes streken, zu thun, was uns dein Sohn gebeut; daß Er uns reich, nach diesem Leben, die Krone der Unsterblichkeit. Antiphon. Maria, siehe da deinen Sohn! Sohn, siehe da deine Mutter! Gebeth. O Gott! der Du, 2c. Zu der Non. Erheb' dich, meine Seele zc.( wie oben.) Lobgefang an die Leidende. Maria weint der Wehmuth Chránen, ein scharfer Dolch dringt ihr durch's Herz; sie steht die Sünder Jesus böhnen, sicht Ihn in heißem Todesschmerz. Er hangt am Kreuz, von Gott verlassen, aus weiten Wunden quillt sein Blut, und trostlos sieht sie ihn erblassen, den theuren Sohn, ihr einzig Gut. O Mutter! laß dein hartes Leiden, und Jesus Blut und seinen Tod, uns Rettung, Gnad' und Huld bereiten, bey dem durch ihn verföhnten Gott. Gieb heil'gen Abscheu uns vor Sünden, und wegen ihrer wahre Reu'; daß wir auch weinen, bis wir finden, daß Gott mit uns versöhnet sey. Antiphon. Meine Augen sind von Thránen angeschwols len; und meine Wangen sind eingesunken vor Gram. Gebeth. Gott! der Du ic. O Zur Vesper. Dein Ende naht, mit frommem Triebe verlangest Du bey Gott zu seyn; und Jesus lad't mit zarter Liebe, die reine Mutter zu sich ein. Dein Auge schließt sich, und die Seele empfängt der Engel Jubelchor, dein Leib verläßt des Grabes Höhle, und schwingt zum Himmel sich empor. Hilf, Mute ter! daß wir gut und weise für Edelthaten uns bemüh'n; daß wir auf dieser Lebensreise, stets standhaft nach dem Hims mel zieh'n. Und wenn uns einst des Todes Grauen, in schwarzer Mitternacht befällt, laß uns dein freundlich Antlik schauen, und führ' uns in die beß're Welt. Antiphon. Köstlich ist vor dem Angesichte des Herrn der Tod seiner Heiligen. Gebeth. Gott! der Du ic. Zu der Komplet. Erheb' dich, Seele ic. Lobgesang an die Triumphirende. Nun ruh'st du, Hochgebenedente! geschmückt mit der Ehre Kranz, an deines lieben Sohnes Seite, dein Kleid ist reiner Sonnenglanz. Der Himmel und die Erde tönen, dein Lob in Ewigkeiten hin; und alle Gaben Gottes krönen dich Jungfrau, Mutter, Königin! Mutter! die wir findlich ehren; o Muts ter voller Lieb' und Treu'; sieh' her auf uns in's Thal der Záhren, und sich uns immer huldvoll bey. Erbitt' uns Nach 444 VIll. Abschnitt. Andachten laß unfrer Sünden, den Frieden Gottes, Himmelsruh; hilf uns jest streiten, überwinden, und führ uns einst dem Him mel zu. Antiphon. Sie wird erhöhet, die Mutter des Erlösers, über die Chöre der Engel, in Gottes Reich. Gebeth. Gott! der Du 2c. Schluß. Nimm, Mutter Jefus! unsre Bitte, mit gnädigem Erbars men an; hilf uns nach deiner großen Güte, da deine Macht uns helfen kann. Erbitt' uns Gottes reichen Segen, um tus gendhaft, wie du, zu seyn; zu wandeln stets auf seinen Wes gen, unschuldig, fromm, und gut und rein. Und wenn sich unsre Zage enden, mach' uns des Todes Nahen süß, und führ' an deinen Vaterhånden, uns hin in Gottes Paradies. Antiphon. Heilig bist du empfangen und geboren; und nie hat die Sünde einen Theil an dir gehabt.- O Mutter Jesus! bitt für uns Gott den Vater, dessen lieben Sohn du geboren hast. Gebeth. Gott! der Du ic. Antiphon. In Deumth bethend, Herr! vor Dir, lag der Jungfrauen schönste Zierde; der Engel kommt, verkündet ihr der Mutter Gottes hohe Würde. Die reinste, wie die En gel rein, wird Mutter und auch Jangfrau feyn. Maria, Frau der ganzen Welt, von Gottes Rathschluß auserforen, Den, der zur Mutter dich gewählt- den Schöpfer selbst hast du ge boren. D Frau, o Mutter unsers Herrn! o Himmelspfort, v Gnadenstern! Komm uns zu Hülf, erbör' das Fleh'n der schwachen und gefall'nen Sünder; laß deines Sohnes Gnad' uns seh'n! erbarm' dich über deine Kinder! Wir bitten dich durch Jesus Christ, die du die beste Mutter bist. Litaney zu der seligsten Jungfrau. Herr, erbarme Dich unser! Christus, erbarme Dich unser! Herr! erbarme Dich unser! Christus 2c.( wie in der ersten Litaney.) Heilige Maria! Bitt für uns! Heilige Gottesgebärerin, Heilige Jungfrau aller Jungfrauen, Du Mutter Jesus Christus, Du glorwürdigste Jungfrau, Du liebreichste Jungfrau, Du demüthigste Jungfrau, Du reinste Jungfrau, Du keuschefte Jungfrau, Du mildeste Jungfrau, Du wohlthätigste Jungfrau, Du schönes Beyspiel aller Tugenden, Du gottergebenste Jungfrau, Du sanftmüthigste Jungfrau, Du Freundin der Menschen, Du Mutter der Armen, zu der seligsten Jungfrau Maria. Du Trösterin der Betrübten, Du Zuflucht der Sünder, Du Helferin der Sterbenden, Du gnadenvollste Jungfrau, Du Beschüßerin reiner Seelen, Du Freude des ganzen Himmels! Bitt für uns! Du liebreichste Mutter deiner Verehrer, Du Mutter der heiligen Liebe, 415 Durch deine erhabenste Würde, Durch die Güte deines edlen Herzens, Durch deine himmlische Güte gegen deinen eingebornen Sohn, Durch deine Liebe, mit der Du Theil nahmst an allen Schicksalen Jesus, Durch deine Schmerzen, die du bey seinen Leiden empfandest, Durch deine Muttertreue, als du unter seinem Kreuze standest, Durch deine innige Freude, als du den Auferstandenen erblicktest, Durch deine wehmuthsvolle Wonne, als Er segnend in den Himmel fuhr, Durch deine Freude, als der seligste Tod sich dir nahte, Durch dein Entzücken, als du zum erstenmal eintratst in die Seligkeit, Durch jene Liebe, mit der dein Eingeborner dich empfing, Durch deine ewige Herrlichkeit, Durch deine mütterliche Liebe gegen uns, Heilige Maria! D Du Lamm Gottes 2c.( wie in der ersten Litaney.) Antiphon. Unter deinen Schuß und Schirm fliehen wir, o heilige Gottesgebárerin! verschmähe nicht unser Ges beth in unfern Nöthen, sondern erlöse uns allezeit von aller Gefahr. O du glorwürdige und gebenedeyte Jungfrau, uns fere Frau, unsere Mittlerin, unsere Fürsprecherin! versöhne uns mit deinem Sohne, empfehle uns deinem Sohne, stelle uns vor deinem Sohne! Bitt für uns! 1 2n muthung. ( Vom heil. Anfelm.) Wie lieblich bist Du, Maria! liebenden Herzen! Wie heitert das Andenken an dich das Gemüth derer auf, die findlich zu dir flehen. Durch dich nehme uns Der auf, der uns durch dich ist gegeben worden. Deine Unschuld deckt unsere Schulden, deine Demuth unsere Hoffart. Die Fülle deiner Liebe erwirke bey dem Quell der Liebe auch für uns ein reiches Maß von Verdiensten. Du bist die Zierde der Menschheit, die Perle des Christenthums, die Königin der Welt. Mein Herz ist mit Disteln und Dörnern bewachs fen; möge das Feuer vom Himmel sie sämmtlich verbrennen! Meine Wunden sind schon zu Eiter geworden, aber ich habe einen weisen Arzt, der sie immer noch heilen kann und heilen will. Er kann mich aus dem Grabe meiner Sünden empors heben, wie Er einst den Lazarus, der schon den vierten Tag im Grabe lag, mit der Stimme der Allmacht aus der Fäul niß hervorrief. Lege, barmherzige Mutter! bey diesem Arzte dein Fürwort für mich ein.- Würdig bist du, daß dich Jes der einzeln verehre, und würdig bist du aller feyerlichen öfs VIII. Abschnitt. Andachten fentlichen Berehrung. Selbst die Engel im Himmel lobpreis fen dich. Dich nicht lieben wollen heißt, die Liebe haffen. Gebeth. Aus zarter Liebe und der reinsten Hinges bung seufze ich zu dir, o Maria, meine Mutter! um Liebe. konnte ich dich würdig lieben! Lehre mich, unbefleckte Jungfrau, wie ich dich stets gebührend ehren soll. Möchte meine Seele gegen dich so entflammt wer den, daß mein Leib durch die Liebe zu dir und durch dich zu deinem Sohne ganz verzehrt würde! Mein Ges müth soll dich ewig nach Würde ehren; mein Herz soll dich, deinen ausgezeichneten Eigenschaften gemäß, lieben! Meine Seele soll Dir wohlgefällig zu werden trachten, und dadurch Gottes Ehre fördern, alle Tage meines Lebens. Amen. 416 II. Auf das Fest der Verkündigung Maria. Maria, die feligste Jungfrau, ein Vorbild für 211e.( Vom heil. Ambrosius.) Was giebt es Erhabeners, als die reinste Jungfrau? was Herrlicherers, als die der Glanz des Ewigen umstrahlt, und hoch erhoben hat? was Preiswürdigerers, als die unbefleckte Gebárerin der Menschheit Jesus? Sie war Jungfrau, nicht nur dem Leibe, sondern ihrer ganzen Seele nach, in die keine Anmuthung schlich, die ihren heiligen, ungetrübten Sinn bes fleckt hätte. Ihr Herz war reine Demuth, ihr Wort war voll Würde, ihr Geist voll Klugheit, sparsam war ihre Rede, Les fen und Betrachten ihre Lust. Sie bauete nicht auf das Unges wisse der Reichthümer ihre Hoffnung, sondern auf das Gebeth der Armen, die sie nach Vermögen unterstützte. Bey ihren Vers richtungen war sie die Aufmerksamkeit selbst, sie war voll Sitts famkeit in ihren Gebärden, sie suchte nicht irgend einen Menschen, sondern Gott zum Zuschauer alles dessen, was in ihrer schönen Sees le lebte und webte. Sie that niemanden weh; Allen war sie hold; Aeltern bezeugte fie alle Ehrfurcht; gegen Gleiche fühlte sie nie den Stachel des Neides. Hochmuth kam nicht in ihre Seele, die in Allem der Vernunft folgte, und Gottes Gebot übte. Wann fab man eine unkindliche Miene gegen ihre Eltern auf ihrem engs lischen Angesichte? Wann hörte man die Sanfteste mit ihren Verwandten zanken? Wann sah sich ein Niedriger verachtet von der Demüthigsten, wann ein Schwacher verlachet von der Mits leidvollsten? Welcher Dürftige fab je diese holde Liebe vor ihm flichen? Sie sah nur dann Männer, wann ihre wohlthätige Liebe nicht errothen durfte, und ihre jungfräuliche Schüchternheit nicht beleidigt wurde.- Kein Trotz in ihrem Zauben Auge; kein Aergerniß in ihrer Rede; keine Ausgelassenheit in ihrer Gebärde; auf das Fest der Verkündigung Mariá. ten. nichts Unanständiges in ihrer Stellung, nichts Muthwilliges in ihrem Gange oder in ihrer Stimme, so daß schon ihr gans zes Aeußeres der schönste Ausdruck ihrer himmlifchen Seele und das lebendigske Bild ihrer gottseligen Tugend war. Hauses Vortrefflichkeit fündigt schon der Eingang an, wenn er den Eintretenden versichert, im Innern fey Alles licht. So soll unser Geist, vom Körper ungehindert, durch unser Neußes res durchleuchten, wie das Licht durch die Laterne. Was soll ich erst sagen von ihrem Dienfteifer? Sie suchte nur das Nothwendigste, nicht Nahrung für die Sinnlichkeit. Ihr thás tiger Geist gestattete der Natur selbst den Schlaf nur zur Noth, und indeß der Leib ruhte, wachte der Geist. Sie ging felten aus ihrer Wohnung, außer in das Haus Gottes, und da nicht unbegleitet. Die sicherndste Begleiterin war sie aber sich selbst. Ehrwürdig im Gang und Ansprache schien sie mit jedem Schritte einen erhabenen Zugendschritt zu thun. Maria richtete ihre Augen auf Alle, um von der Tugend Als ler angemahnet zu werden; sie erfüllte aber alle Tugendpflichs ten so, daß sie Allen die Zugendlehrerin war.- So ward sie vom Engel angetroffen, so vom heiligen Geiste auserwählt. - Sie schien sich weniger allein zu seyn, wenn sie allein war; denn da waren vor ihr die heiligen Schriften und die Prophee Gegen ihre Verwandten war sie voll zártlichster Liebe. Da sie sich zur Gottesmutter gewählt sah, demüthigte sie sich noch tiefer, eilte auf's Gebirge zur Base, und blieb drey Mos nate bey ihr.- Wunder folgten auf Wunder; die unfruchts bare Elisabeth ward Mutter, die Jungfrau empfing vom heil. Geiste, der stumme Zacharias sprach im Zone der Propheten, die Werfen betheten an, Simeon jubelte über die Erfüllung feiner Erwartung. Kein innerer Stolz erhebt sich in der wunderschauenden und selbst wundererfüllten Maria; ,, dieß Alles bewahrte Marta betrachtend in ihrem Herzen." Schon Mutter des Herrn, ist sie doch voll Verlangen, die Forderuns gen des Herrn zu wissen; Sie, die Gott gebären sollte, wollte Gott auch erkennen. Jährlich ging sie mit Joseph nach Jes rusalem, den großen Ostertag mit zu fevern. Eine Jungfrau muß nie ohne Geleitschaft der Zugend und der Schamhaftigs keit seyn. Wo diese nicht ist, kann auch die Jungfrauschaft nicht bestehen. Nicht einmal zum Tempel gieng Maria ohne Sicherheit für ihre Reinbeit. Die Eine Maria ist das Mus fter für Alle. Welche Tugend und welche Zugendhöhe läßt sich noch denken, die in ihr nicht glänzet?- Welch herrlicher Jungfrauen Schaar wird sie entgegen kommen, wie wird sie jede umarmen, und zum Herrn führen. ,, Diefe, wird die Ers babenste sprechen: ,, hielt meinem Sohne unverletzliche Treue, ihr brautliches Herz blieb Ihm unverleht." Der Herr selbst wird sie so dem Vater empfehlen: ,, Diese, heiliger Vater! find es, die Jch Dir bewahrte; Ich will nun, daß sie mit mir seyn, wo Ich bin.- Gerechter Bater! die Welt hat Mich nicht erkannt, diese aber haben mich erkannt, und wollten 27 1 - - 417 418 VIII. Abschnitt. Andachten von der fündigen Welt nichts wissen."- In Maria ist fo viel Größe, als der. Gottesmutter geziemt. In uns Allen lebe der Geist Mariens, der Gott preise und in Ihm frohlocke. 1. Wohl dir, daß du geglaubet hast, Maria, die du einst im Staube hier wandeltest, und die der Glaube zur Mutter unfers Herrn erhob! 2. Wer bätte wohl in Nazareth, in Hütten, wo die Ars muth wohnte, wo Unschuld nur und Zugend thronte, die Mutter unsers Herrn gesucht? Wie konnte deine Demuth dir wohl jenen stillen Wunsch gewähren: Ach! war's ich doch, die einst gebären wird den Retter unfers Volkes? 4. Der Engel kam. Du glaubtest nun. Du standst auf der Erwählung Höhe, und sprachst: ,, Nach deinem Wort ges schebe mit mir; ich bin die Magd des Herrn!" 5. Wohl dir, daß du geglaubet bast! Wir wandeln zwar noch jetzt im Staube. Doch Kindersinn und frommer Glaube erringen uns auch Seligkeit. Gebeth. O Maria, Demüthigste und Erhabenste unter allen Geschöpfen! Dank sey dem Allerhöchsten, daß Er Dich zur Würde der Mutter seines Sohnes auserkohren bat! Ich staune, und freue mich über deine wunderbare Vereinigung mit Gott. Ach! ich elendes, und bey so vie len Sünden doch noch stolzes Geschöpf, sollte es gar nicht wagen, vor Dir, die Du bey den größten Vorzügen so demüthig warest, zu erscheinen; und doch möchte ich Dich mit dem Gruße des Engels ehren: Ges grüßt seyst Du, Maria! du bist voll der Gnaden! Erlange auch mir einen Theil derselben. Der Herr, der Urheber aller Freude, der Seligmacher, der starke Gott, der Fürst des Friedens, ist mit Dir. Er war mit Dir, schon vom ersten Augenblicke deiner Er schaffung; jest ist Er, als dein Sohn, noch näher mit Dir. Du bist gebenedeyt unter den Weibern. Obring' auch mir Segen von Gott! Gebenedeyt ist die Frucht deines Leibes. Glückselige Pflanze, die der Welt eine so edle und heilige Frucht gebracht hat! Heilige Maria, Mutter Gottes! Ja, Maria, das bist Du! Du bist die Mutter Gottes; diese Wahrheit glaube ich fest. Bitt für uns arme Sünder! - zu der schmerzhaften Mutter. jest, bey so vielen Gefahren, vorzüglich aber in unses serer leßten Stunde um einen seligen Tod. Dann wollest Du uns, seligste Mutter, zum Sohne; gnadenvolle Tochter, zum Bater; auserwählte Braut, zum Bräutigam führen, der gebenedent ist in Ewigkeit! Amen. 419 III. Auf das Fest der Menschwerdung Jesu Christi. Wie können wir, Vater der Menschen! Dir danken? Wie preiset Dich würdig, Gott! unser Gesang? Groß ist deine Liebe, sie kennt feine Schranken; nimm, gütigster Vater! den herzlichsten Dank! Du fandteft, durch Liebe bewogen, den Sohn; den Heiland der Welt vom göttlichen Thron! Voll Liebe kam Jesus zur Erde hernieder, um Lehrer und Retter der Menschen zu seyn; Er nannte, als Sterblicher, Sterbli, che Brüder; und wollt uns von Irrthum und Sünde bes frey'n. Er, welchem der Himmel mit Ehrfurcht sich beugt, Er hat sich herab zu der Erde geneigt. D göttliche Liebe, wo ist deines Gleichen? Wer bringet, wer singet Dir würdigen Dank? Nie kann Dich die Sprache der Engel erreichen; bringt, Christen, ein heiliges Leben zum Dank! Für Menschen dem schmählichsten Tode sich weib'n! So liebte nur Jesus, nur Jesus allein. Dir, Menschenfreund! ähnlich die Menschen zu lieben; uns Alle dem großen Berufe zu weihn; mit edlen, durch Zugend geläuterten Trieben, für Menschenwohl eifrig und thätig zu seyn; ja, heilig sey deinen Verehrern die Pflicht! Wer Menschen nicht liebet, verehrert Dich nicht! Gebeth. O Gott! der Du gewollt hast, daß dein Wort auf die Verkündigung des Engels von dem Leibe der selig sten Jungfrau Fleisch annehmen sollte, verleih unfern flehentlichen Bitten, daß uns, die wir sie wahrhaft als Gottesgebårerin erkennen, durch ihre Fürbitte bey Dir geholfen werde, durch eben denselben unsern Herrn Jesus Christus, der mit Dir lebt und regieret in Einigkeit des heiligen Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen. ( Die übrigen Andachtsübungen aus der Bethslunde im Advente.) Anmuthungen zu der schmerzhaften Mutter. Iter Schmerz Mariá, bey der Weisfagung Simeons. Ach, liebe Mutter! wie oft habe ich als Sünder dein Herz verwundet! Nicht dir, sondern mir gebühren Leiden und Stras fen für meine begangenen Sünden. Weil du aber aus Liebe zu mir so viel haft ausstehen wollen, o! so erlange mir durch 27* 420 VIII. Abschnitt. Andachten deine Verdienste eine recht bittere Neue über alle meine Chine den; erlange mir die Geduld in Widerwärtigfetten, die alles mal geringe sind, wenn ich bedenke, daß ich durch meine schwes ren Sünden die Hölle verdient habe. Ilter Schmerz Mariá, bey der Flucht nach Egypten. O göttliche Mutter! auch ich bin Einer von den Unglück, lichen, die durch ihre Sünden deinem Sohne und dir Wuns den geschlagen und aufgerissen haben. O Mutter der Barms herzigkeit! erhalt' mir die Gnade, meinen Undank zu beweis nen. Durch Alles, was du auf deiner mühvollen Flucht ges duldet hast, bitte ich dich, laß mir auf der so gefahrvollen Reise in die Ewigkeit deinen Schuß und Beystand angedeis hen, damit ich am Ende meiner Tage in das Land der Lebens digen komme. Amen. 11lter Schmerz Mariá, bey dem Verluste Jesus im Zempel. O Maria! du liebtest nichts so sehr, als Jesus. Wie seufzs test du nach Ihm, da du Ihn verloren hattest! Wie so voll Sorge fuchtest du Jhn! Das sollten alle großen Sünder, das follte ich thun, der ich ihn durch meine schweren Beleidigun gen verloren habe. Liebste Mutter! mache doch, daß ich ihn finde. Ich weiß es, daß Er sich von denjenigen finden läßt, die ihn aufrichtig suchen. ,, Der Herr ist gut... der Seele, die Ihn sucht."-Erbitt' mir die Gnade, daß ich Ihn suche, wie ich sollte, damit ich Ihn gewiß finde. IVter Schmerz Mariá, bey der Begegnung Jesus mit dem Kreuze. O schmerzhafte Mutter! durch das Verdienst dieses Schmers gens bring' mir die Gnade zuwege, daß ich, nach dem Bey spiele Jefus, das mir auferlegte Kreuz mit Geduld ertrage, und in seiner und deiner Gesellschaft bis zu meinem Tode in Geduld ausharre. O reinste Mutter! durch deine Fürbitte hoffe ich den nöthigen Beystand. Vter Schmerz Mariá, bey dem Tode Jesus. So starb Er denn, dein göttlich geliebter und dich zärts lichst liebender Sohn, du schmerzhafteste aus allen Müttern! Wie solltest du nicht auf's Tieffte trauern? Doch- Er bat ja durch seinen Tod die Hölle besiegt, den so lange vers schlossenen Himmel geöffnet, und das große Werk der Erlös sung vollbracht. Vom Kreuzholze herrscht Er über die Hers zen derjenigen, welche, durch seine Liebe besiegt, sich als Dies ner des Kreuzes bekennen werden. Ach! erbitt' mir einen innerlichen, recht heftigen Schmerz über die vielfältigen Süns den, durch die ich Jesus, deinen Sohn, meinen Herrn und meinen Gott, beleidiget habe. Ich hoffe durch seinen Tod und durch dein Leiden Vergebung derselben, und die ewige Seligkeit zu erlangen. Amen. - Vlter Schmerz Mariá, bey der Deffnung der Seite Jesus. O schmerzhafte Jungfrau! du bist gleich groß im Wirken und im Leiden. Ich habe Gott oft und sehr schwer beleidiget. Trag' Mitleiden mit mir! bitt für mich um Verzeihung meis 421 zu der schmerzbaften Mutter. ner Sünden, und um wahre Liebe gegen Gott, meinen Herrn. Wer kann mir diefe erlangen, als du, Mutter der Schmerzen, Mutter der heiligen Liebe, Zuflucht der Sünder! Vilter Schmerz Mariá, bey der Begräbniß Jesus. O schmerzhafte Mutter! erhalt' mir ein sietes Andenken an das Leiden Jefus und an deine Leiden. Erbitt' mir die Gnas de, daß ich es dankbar erwäge, und zu meinem Beile benuße. Dadurch hoffe ich für meine Sterbftunde Bertrauen und Kraft, daß ich bey dem Anblicke meiner Sünden nicht in Kleinmuth oder Verzweiflung gerathe. Ich bitte dich, erle mir Vergebung derselben die Gabe der Beharrlichkeit im Guten, und das ewige Leben, wo ich mich sodann mit dir freuen, und Gottes Erbarmungen ewig preifen werde. Amen. Antiphin. Es stand bey dem Kretze Jesus seine Muts ter. Bitt für uns, du schmerzhafteste Jungfrau! auf daß wir würdig werden der Verbeißungen Christi. Gebeth. Herr! da Du den Kelch deines Leidens austrankest, ward die Vorhersagung Simeons erfüllet; die wehmuthvolle, zarte Seele deiner Mutter hat das Schwert des Schmerzens durchstochen. An dieses ihr Leiden erinnern wir uns heute, und stärken uns durch das Andenken ihrer Schmerzen zur Geduld in den unsris gen. Wir ehren Dich im Andenken an das Leiden de ner Mutter; darum laß uns, Herr! die gesegneten Wirkungen deines Leidens erfahren! Die Heiligen, die einst unter deinem Kreuze standen, bitten für uns: erhbre ihr Flehen, und laß uns ihre Fürbitte heilsam seyn, daß wir die Kraft deines Leidens stets an uns empfins den. Amen. O Maria! Du Mutter der Schmerzen, Königin der Märtyrer! ich bitte dich bey deinen unaussprechlichen Peis nen, erbitt eine wahre Reue über meine Sünden, und eine standhafte Besserung meines Lebens. Ich würde nicht zu deinem Trost, sondern nur zu deiner Betrübniß beytragen, wenn ich deinem Sohne durch Verbarren in meinen Sünden fortwährend neue Unbilden zufügte. Weit entfernt von mir seven årgerliche Reden, unanständige Gebärden, böſe Gesellschaften, ungültige Beichten, unwürdige Communis Erlange mir die Gnade eines feligen Todes! steb mir in jenem entscheidenden Augenblicke bey! Ich bitte onen! 422 VIII. Abschnitt. Andachten dich darum ben jenem Schmerzen, den du empfunden hast, da dein göttlicher Sohn sein Haupt neigte und starb. O! verlaß mich dann nicht. Sollte ich in jenem wichtigsten Zeit: punkte nicht mehr im Stande seyn, deinen heiligen Namen auszusprechen, so rufe ich schon jest um deine Fürsprache, o Maria! Zu Dir aber, o göttlicher Heiland! um die seli: gen Wirkungen deines bittern Leidens und Todes zu erfabren, rufe ich: Barmherzigkeit, Barmherzigkeit. V. Am Feste der Himmelfahrt Maria. I. O Maria! du hast die Erde verlassen, und deinen Siz im Himmel eingenommen. Dein Mitleid aber gegen uns nimmt deßwegen nicht ab; es nimmt vielmehr zu. Du em pfängst für die Reinigkeit deines Wandels ein unvergångliches Leben; für deine Demuth die Erhöhung über alle Geschöpfe; für deine Frömmigkeit die Anschauung Gottes; für deine Hingabe in seinen heiligen Willen den Genuß der ewigen Seligkeit; für deine bittern Leiden unnennbare Freu. den; für deine Treue in der Bewahrung der Gnaden Gottes das Recht, auch jenen deiner Verehrer, die dein Leben nachzuahmen streben, und ihr Vertrauen auf deine mächtige Fürsprache seßen, Gnade zu erbitten. O! blicke gnädig auf uns herab. Du siehst die Gefahren, mit denen wir unaus gefest zu kämpfen haben; hilf uns kämpfen und siegen! Du bist zunächst bey Gott; du befindest dich im Reiche des Herrn und såttigest dich an Gottes Herrlichkeit; wir aber leben fern, im Lande der Vergänglichkeit. Wir bitten dich um deine Fürsprache ben Gott, damit wir nie vergessen, daß wir hier keine bleibende Ståtte haben, sondern die künftige suchen; daß wir uns von dem Irdischen stets mehr losreißen, in der Liebe Gottes wachsen, glücklich sterben und an den Ort unserer Bestimmung gelangen, wo wir dir für deine Gute danken, und mit dir und allen Heiligen Gott ewig befißen, loben und preisen werden. Amen. 11. Heilige Maria, Mutter Gottes, Mutter der Gläubigen! Du bist die Heiligste und Seligste unter den Men schenkindern, du bist die Auserwählte Gottes; dich grüßt der Engel als die Gnadenvolle; dich verehrt die ganze hei auf das Fest der Himmelfahrt Maria. 423 lige Kirche als die Königin Himmels und der Erde. Wer sollte dich nicht verehren, da dich Gott selber ehret, wer follte dich nicht lieben, da dich Gott selber liebet, wer sollte nicht Bertrauen auf deine mütterliche Liebe und Fürbitte sehen, da Gottes Geist selber Dich zur Mutter des göttlichen Sohnes eingeweihet hat? Darum heilige, gnadenvolle Mutter unsers Heilandes! bitte deinen und unsern. Gott um Gnade für uns Sünder. Du treue Magd! bitte deinen und unsern Herrn, damit wir uns in Demuth und Treue seinem heiligen Dienste widmen. Du gottergebene Jungfrau! die sein Wort in ihrem Herzen erwogen hat, bitte für uns Schwache und Unerleuchtete um lebendigen Glauben. Du standest unter dem Kreuze deines Sohnes, und der Dolch der Schmerzen durchbohrte, nach der Weissagung Simeon's, dein Mutterherz; bitte daher auch für uns Leis dende auf Erden, damit wir die Widerwärtigkeiten so gotts gefällig wie du ertragen mögen. Du auf Erden vollendes te, in den Himmel aufgenommene, und neben deinem Sobne nun verherrlichte Mutter der Gläubigen, bitte für uns Sünder um Vollendung im Guten, bitte für uns um ein seliges Hinscheiden aus dieser Welt, um das Erbtheil der Kinder Gottes im Himmel, das uns durch deis ne gesegnete Leibesfrucht versprochen und hinterlegt ist, damit wir deinen und unsern Gott, der so herrliche Dinge an dir gethan hat, in Ewigkeit mit Dir loben, preisen und genießen möge Amen. VI. Am Feste der Geburt Maria. I, O heiliges Kind! kostbares Geschenk des Himmels, Mutter des großen Gottes und jenes Lammes, welches die Sünden der Welt hinwegnimmt, Fürbitterin elender Süns der, erbarme Dich meiner! Du bist das erhabenste aus allen Geschdpfen; durch deine Geburt ist dem fündigen Menschens geschlechte der erste Strahl der Hoffnung aufgegangen; du bist die Gnadenvolle, die bestimmt war, den Heiland der Welt zu gebähren, der die Fesseln der Sünde zerbrach: komm mir zu Hülfe; denn ich habe durch meine Sünden die Gnade Gottes verloren. Erbitt mir von Gott, daß ich ein wahrer Büßer, daß ich eine neue Creatur und von der Liebe Gottes ganz entflammt werde. Erzeige dich mir als eine mächtige VIII. Abschnitt. Andachten Fürsprecherin bey Dem, der dich so groß, so mächtig, ſo mitleidsvoll gemacht hat! Ich triste mich einer gnädigen Erhörung! denn dein göttlicher Sohn verschmäht dein Fürwort nicht. Ihm sey Preis in Ewigkeit. Amen. 11. 424 Die Rofe blüht in Unschuld auf. Die Lilie entfaltet sich in Reinigkeit. Doch reiner steht die Heilige, die Ihn gebar den Menschenfreund, in Sittsamkeit und Unschuld da. Sey uns gegrüßt, Holdselige, durch Frienmigkeit und Tugend schon! Du Königin der Heiligen, sey uns gegrüßt! Sie ging voran in Reinigkeit! Sie ging voran mit Muth und Kraft uns Sterblichen! Sie dulcete und murrte nicht. Ich bin, sprach sie, die Magd des Herrn, nach seinem Wort, geschehe mir! Sey uns gegrüßt, Erhabene, Begnadigte, du Seligste, du Königin der Märtyrer, sen uns gegrüßt! Sie gab Jbn hin, den Einzigen, und murrte nicht und weinte still! Wohl drang ein Schwert durch ihre Bruft, als Er voll Blut am Kreuze bing! Sie blickte still zum Himmel auf, und duldete! Sen uns gegrüßt, du Licht und Trost der Leidenden: O zeis ge uns die Herrlichkeit des Göttlichen, den du gebarst! Gebeth. O Gott! der Du aus Liebe die Welt mit Dir haft versöhnen wollen, gieb, daß wir, die wir mit hei liger Freude die Geburt Mariá, der seligsten Jungfrau und Mutter Jesu Christi unsers Erlösers, feyern, durch ihre Fürbitte das Heil erlangen, welches uns ihr göttlicher Sohn durch sein Blut verdienet hat. Wir bitten Dich darum, durch eben denselben Jesus Christus, deinen Sohn, der mit Dir lebt und regiert in Einigkeit des heiligen Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. III. Laß uns die Zugenden besingen, die Zierden an Mariá Bild! Laßt uns mit ihr nach Grade ringen, nach Ehre, die im Himmel gilt: Es muntere uns ihr Lebenslauf, zur Freude und zur Tugend auf. Als Kind schon war sie fanft, bescheis den, war fromm und folgfam, hörte gern, die guten Lehren, that mit Freuden, der Ueltern Willen, hielt sich fern von Eis telfeiten und Eigensinn!- Schon früh war Zugend ihr Ges winn. Als Jungfrau war sie keusch und züchtig, in Mienen, Neden, Thun und Blick. Nur Gott und Zugend war ihr wichs tig, sie strebte nach dem höchsten Glück, nach 1nschuld und nach Frömmigkeit, der Zugend schönstem Ehrenkleid. Als Gattin lebte sie zufrieden; thr Herz und ihres Mannes Herz war Fins; was ihr der Herr beschieden, das theilte sie in Freud und Schmerz; und ging an ihres Mannes Hand, ges duldig nach Egypten- Land. Auch lernen Mütter von Marien, wie achte Liebe fich beweist; was Kinder tugendhaft erziehen, auf das Fest der Geburt Maria. 425 was Mutterpflicht und Treue heißt. D'rum, Mütter! folgt dem schönen Pfad, den sie als Mutter einst betrat. Als Chris ftin hörte sie mit Freuden, die schönen Lehren ihres Herrn; war voll Geduld im schwersten Leiden, und that des Heiland's Willen gern. Sie gab im demuthsvollen Sinn sich ganz zu seinem Opfer hin. Nun stimmt sie dort in jenen Höhen, mit allen Himmels Bürgern ein; was sie geglaubt, das wird sie sehen; sie wird dort ewig selig seyn. Wer selig werden will, wie sie, vergesse ja ihr Beyspiel nie. Gebeth. Maria! ehrwürdige Mutter Jesus und aller Gläubigen! in deinen Schuß, in deine Fürbitte empfehle ich mich und alle die Meinigen, besonders aber in der Stunde meines Absterbens. O allergütigste Jungfrau! du liebest, die dich lieben, und hilfft Allen, die dir vertrauen; du Trösterin der Kleinmüthigen, du: Zuflucht der Bedrångten! zu dir trete ich, und stelle mich als ein armer Sünder mit Seufzen vor dein Angesicht; verschmähe nicht meine Worte, o Gebårerin des ewigen Wortes! hdre und erhöre gnådig mich armseligen in diesem Jammerthale zu dir rufenden Sünder. Stehe mir mit deiner Fürbitte bey in allen meinen Nöthen, jeht und allezeit! und sonderlich in der Stunde meines Todes. O gütige, o milde, o süße Jungfrau Maria! Maria! du Mutter der Gnaden und Barmherz zigkeit, laß mich deinen Beystand erfahren! Im festen Vertrauen auf deine mütterliche Liebe hoffe ich von deiner Fürbitte Befestigung im Glauben, Ergebung in den götts lichen Willen, ausharrende Geduld, stets zunehmende Lies be, und endlich einen glückseligen Eingang in die himmlischen Freuden. Amen. VII. Am Feste des heiligen Josephs. Sey mir gegrüßt, du Mann nach dem Herzen Gottes, he is liger Joseph! Dich hat der liebe Gott gerecht gefunden auf Erden, und auserwählet zum Bräutigam der allerreinsten und gnadenvollsten Jungfrau, und zum Pflegvater feines eingebors nen, geliebten Sohnes. Dir hat Er die Sorge über die heis ligsten Personen auf Erden, über Jesus und Maria anvers traut; zu dir fandte Er seinen Engel, um die die wunderbas ren Geheimnisse der Menschwerdung des Sohnes Gottes, und die unerforschlichen Wege göttlicher Führung zu offenbaren. Viele Gnaden haft du von Gott empfangen, viele Freuden empfunden im Umgange mit den heiligsten Personen, aber auch mit ihnen bey der Arbeit zufrieden, in Armuth, Leiden und Kummer geduldig und gottergeben gelebt. Willig und genau hast du, o beiliger Joseph! jeden 426 VIII. Abschnitt. Andachten Wink von Gett befolgt; mit ganzem Vertrauen hast du dich auch in den betrübtesten und fummervollsten Umständen auf seine väterliche Fürsorge verlassen und Gott hat Alles mit dir so geordnet, daß du jederzeit seine weise Vorsehung dankbar anerkannt und freudig angebethet hast. So wird Gott auch für mich sorgen, wenn ich jetzt nach feinem heiligen Willen lebe und leide, wenn ich nur auf Ihn sebe, nur Jhm zu gefallen suche, nur nach seinem Reiche trachs und nach seinem Frieden frage. An dich, v heiliger Jofepb! will ich denken, wenn es mir schwer wird, der Tus gend und meiner Pflicht getreu zu bleiben; auf Gottes Beys stand will ich sehen, und dir nachfolgen in der Gerechtigkeit, damit ich einst wie du, gesegnet von Jesus, den Tod des Ges rechten sterben möge. Nun bist du bey Jefus, und Maria im Himmel verherrlichet. Darum, heiliger Pflegvater Joseph! pflege auch meine Seele, nimm dich in Liebe ihrer an, führe sie auf dem Wege Gottes ihrem Ziele zu. Erbitte mir from: men Glauben und herzliches Anbangen an Gott in diesem Leben, Treue, Gerechtigkeit und Eifer in meinem Berufe, und stille Ergebenheit in Gottes Führung bey allen Umständen dieses irdischen Lebens. Besonders beweise deine Liebe und Sorgfalt gegen mich in meiner letzten Lebensstunde; da komm mit Jesus und Maria mir zu Hülfe, damit ich Antheil nehme an der vollendeten Erlösung der Kinder Gottes, und mit dir den Gott Israels und seinen Sohn, Jesus Christus, unfern Erlöser, in Ewigkeit loben und preisen möge. Amen. Gebeth. Gott! der Du die Kindheit Jesus, deines Sohnes, und seiner heiligen Mutter, der Sorgfalt und Pflege deines frommen Dieners Jofeph anvertraut, und dadurch seine Tugend und Treue auf das herrlichste belob net bast; verleih auch mir, seinem Verehrer, die Gnade, daß ich in dem Berufe, den du mir angewiesen bast, mit Treue und Gehorsam Gutes wirke, und durch Nachahmung seines heiligen Jugendwandels einst der ewigen Seligkeit theil haftig werde, durch Jesus Christus, unsern Herrn. Amen. Gebeth zu Jesus, Maria und Joseph: als eine Anweisung zur stillen Zugend und wahren Heiligkeit. Jesus, Maria, Joseph! Ihr lebtet auf Erde als gemeine, arbeitsame Leute, unbekannt und unangesehen vor der Welt, im niedrigen Stand, in ruhiger Stille ben einander, und waret die heiligsten Personen auf Erde. An euch sehe ich, daß die Heiligkeit nicht in sonderbaren, oder großen Thaten, welche viel Aufsehen machen, nicht bloß einzig im vielen Bethen, nicht im traurigen Kopfhängen, auf das Fest des heil. Josephs. 427 sondern darin bestehe, daß ich nach euerm Beyspiele Gottes Willen, und die Pflichten meines Standes getreulich erfülle, Gutes nach meinen besten Einsichten und Kräften thue, und mich vor Sünden hüte. So kann ich auch in meinem niedrigen Stande euch nachahmen und Gott gefallen. Jede nüßliche oder nothwendige Arbeit, jeder Pflichtoder Liebesdienst wegen Gott, ist zugleich ein Gottesdienst. Die häusliche Geschäftigkeit kann mit der Andacht und Frömmigkeit gar wohl bestehen; bethen und arbeiten hindern einander nicht, sondern gehören und helfen vielmehr zusammen. Die Hand sey bey der Arbeit, das Herz bey Gott. Ich will dabey denken: Mein Gott! ich thue das, weil und wie es dein Wille ist. Wird's mir auch schwer, und vielleicht wenig erkannt und schlecht belohnt; Du siehst, stärkst und belohnest mich. Dir opfere ich alle meine Mühe auf, Du wirst sie segnen. Wenn ich so denke und bethe, dann geschieht Alles mit mehr Muth und Fleiß, und es gehet mir auch besser von statten. Auf solche Weise kann ich zugleich Gott und den Menschen dienen und gefallen; mein tägliches Brod und zugleich den Himmel gewinnen. Jesus, Maria und Joseph! an euch sehe ich auch, daß Reichthum, bohes Ansehen und Wohlleben die wahre Glückseligkeit nicht ausmachen; denn das alles hat euch Gott, so lieb ihr Ihm gowesen send, nicht gegeben. Vielmehr hattet ihr oft Mangel und Ungemach, Trübfal und Verfolgung zu leiden, und doch waret ihr vergnügt, zufrieden und glückselig. Das kann dann auch ich seyn, wenn ich ein gutes Gewissen und kindliches Bertrauen auf Gott babe- wenn ich gern arbeite, mit dern, was mir Gott durch meinen Fleiß schicket, zufrieden bin, und dort das Bessere boffe; wenn ich den Frieden liebe, und durch Sanftmuth, Klugheit und Dienstfertigkeit mich meinen Mitmenschen lieb- und achtungswerth mache. Jesus, Maria und Joseph! Euer schönes Tugend- Beyspiel sey allen Kindern und Aeltern, allen Eheleuten und allen euern Ver: hrern vor Augen, und muntere uns zur Nachahmung auf, damit uns auch euer Name einst im Sterbebette trostreich seyn möge. Liebe und Eintracht herrsche in allen Häusern, gleichwie ihr Ein Herz und eine Seele waret. So wird auch überall Glück 425 VIII. Abschnitt. Andachten und Segen seyn, bis wir endlich im Himmel zu euch kommen, und ewig glücklich seyn werden. Amen. VIII. Am Festtage des heiligen Johannes des Täufers. Gebeth. Jesus Christus, o Du Hoffnung aller Zei ten, Heil der Welt, das die Gerechten seit Jahrtausenden sehnsuchtsvoll erwartet haben! Du hast deinen Vors läufer Johannes mit dem Geiste der Demuth, der Selbstverläugnung, der Treue und der unerschrockensten Wahrheitsliebe ausgerüstet; verleihe mir deinen Beystand, daß ich seine Tugenden nachahme, und den Weg bereite, der durch Glaube und Buße zu Dir führet, o Du ewi ges Heil! Du aber, heiliger Vorläufer Jesus Christus! erlange mir die Gnade, daß ich treu der Wahrheit, treu mei nen Pflichten, weder das Lob der Welt suche, noch ihren Tadel achte, sondern einzig und allein dir zu gefallen trachte, und Den mit Wort und That bekenne, den du angekündiget haft als den Heiland und als das Lamm Gettes, welches hinwegnimmt die Sünden der Welt Jesus Christus, unfern Herrn! Amen. Kirchengebeth. O Gott! der Du uns den gegenwärtis gen Zag durch die Geburt des heiligen Johannes ehrwürdig gemacht hast; verleihe deinem Belfe die Gnade der geistlichen Freuden, und leite die Seelen aller deiner Gläubigen auf den Weg des Heiles und des ewigen Friedens, durch. Chriftus unfern Herrn! Amen. - - Betrachtung über dren wichtige Aussprüche des heiligen Johannes. ( Aus den Schriften des ehrwürdigen P. Ludwig von Granada.) 1. ,, Ich habe euch mit Wasser getauft; aber Er wird euch mit dem heiligen Geiste taufen." Marc. 1, 8. D Herr! was ist doch der Mensch, daß Du seiner eingedenk bist, oder des Menschen Sohn, daß Du Dich seiner annimmst? Du haft ihn fast den Engeln gleich gemacht, und ihn mit Glanz und Ehre ges frönet.( Psalm 8, 5. 6.) Preis Dir und inniger Dant, o mildester, haldreichster Gott! daß Du durch das heilige Sacrament der Taufe zu deinem Kinde mich aufgenommen hast! Denn was fruchttete es mir, daß ich erschaffen war, wenn ich durch dieses Sacrament nicht wäre zur Gnade wiedergeboren wor den. Keine Erlösung, kein Heil wäre dann für mich; denn Du selbst, o ewige Wahrheit! hast es ausgesprochen: ,, Wer nicht aus dem Wasser und dem heiligen 429 auf das Fest des heil. Johannes des Zäufers. Geiste von Neuem geboren wird, kann nicht in das Reich Gottes eingehen." Aus der Fülle meines ganzen Herzens danke ich daher Dir, o Herr! für dieß erhabene Geschenk. Der Tag meiner Taufe war mein wahrer Geburtstag; cin Tag der heiligen Weihnacht, wo der Sohn Gottes in meiner Seele geboren wurde. Ein froher Ostertag war er mir, wo ich vom Tode erstand, und in's Leben fehrte; ein feftlicher Pfingsttag, wo ich den heiligen Geist empfing. Der Tag meis ner Taufe war mein wahrer Heiligungstag; denn an diesem feyerlichen Tage nahm der himmlische Bater mich sterblichen Menschen an Sohnes Statt auf, der Sohn Gottes erkannte mich als Bruder, und der heilige Geist weihete mich zu seis nem Tempel ein; an diesem Zage nahmen mich die Engel als Gefährten auf; alle Heiligen erkannten mich jubelnd als ihs ren Mitbürger im Reiche der Herrlichkeit, und mein Name ward in das Buch des Lebens eingetragen! 11. ,, Bringet würdige Früchte der Buße." Luc. 3, 8. Deine allerheiligste Milde, o Jesus! begnügte sich nicht, daß sie nur das Eine Eacrament der Taufe einseşte; mehrere andere Quellen der Gnade eröffnete sle mir, aus welchen wir Verzeihung der Sünde, Krast zum Guten und ewiges Leben hervorströmt. Ich will jest, o mein Herr und mein Gott! die übrigen heiligen Sacramente übergehend, nur jenes wunderbare Sacrament betrachten, dem Du die besondere Kraft verliehen hast, die Sünden zu tilgen. ,, Wer kann Sünden nachlaffen, außer Gott?" Denn was ist die Sünde anders, als eine Beleidigung Gottes, eine Bes schimpfung, die Ihn selbst trifft, und worüber Er der Riche ter ist, in dessen Gewalt es steht, zu rächen oder zu verzeis ben? Und Du, o Herr! verleiheft die Gewalt, diese Schuld nachzulassen, einem andern Menschen, der, Sünder wie ich, in meiner Nähe wohnt, und dem ich, wenn ich gefündiget, und durch meine Schuld aus dem himmlischen Baterlande verbannt und aus dem Buche des Lebens vertilgt zu werden, meine Sünden nur bekennen, Reue darüber erwecken, Besses rung meines Lebens ihm verheißen darf, und auf's Neue in deine Gnade aufgenommen und neuerdings in das Buch des Lebens eingeschrieben zu werden. Welcher Gånge bedarf es, wie vieler Arbeit muß man sich unterziehen, welche Fürbitter vermitteln, daß ein Mensch, welcher einen andern beleidigte, Verzeibung von demselben erhalte?- wie weit leichter wird diese Verzeibung von dem ewigen Gott gewährt? Welche Martern müssen wir von Aerzten und Wundärzten uns gefals len laffen, daß nur ein einzelnes Glied unsers Körpers geheilt wers den könne? Und die tödtliche Wunde unserer Seele zu heilen, bes darf es bloß aufrichtiger Reue über begangene Sünden, einer ges 430. VIII. Abschnitt. Undachten linden Buße, eines ernftlichen Vorfaßes sein Leben zu bessern, und das Bekenntniß der Schuld im verschwiegenen Haufe des Heiles. O wunderbare Huld, o erstaunungswürdige Freyges bigkeit, o Baterherz voll unendlicher Erbarmung! Doch woher dieß Alles? Von Dir, o göttlicher Erldser! von deiner Genugthuung, von der überflüßigen Buße, die Du für unsere Sünden gethan hast. Wenig verlangt man von mir, weil Du so reichlich für mich bezahlt hast, und weil, noch ehe ich sündigte, dein himmlischer Vater bereits Genugthuung meiner Schuld von Dir empfangen hatte. Aber, o Verstockung und fluchwürdiger Undank der Söhne Adams, welchen auch dieser ge: ringe Preis für die Nachlassung ihrer Schuld noch zu hoch ist! Konnte die göttliche Gerechtigkeit weniger von uns verlangen, als daß sie für aufrichtige Bekenntniß und für wahre Sündenreue sich verpflichtete, die Schuld uns zu erlassen? Denke doch, o meine Seele an die Drohung des Bußpredigers Johannes: ,, Die Art ist schon an die Wurzel der Bäume gelegt. Jeder Baum, der keine gute Früchte trägt, wird umgebauen, und in das Feuer geworfen."( Luc. 3, 9.) ,, Er hat die Wurfs schaufel in seiner Hand, und wird seine Tenne säubern. Sein Getreide wird Er in seine Speicher sammeln; die Spreu aber in einem unauslöschlichen Feuer verbrennen;" ( Luc. 3, 17.) und bringe würdige Früchte der Buße, jeht, da es noch Tag ist, damit dich nicht die Nacht des Todes überrasche, wo du gerichtet wirst nach deinen Werken, und entweder Leben oder Tod empfangest! - 111. ,, Sebet des Lamm Gottes, welches hinwegnimmt die Sünden der Belt!" Jeb. 1, 29. Groß und unendlich wichtig sind die Gnaden, die in dem Sas cramente der Buße dem Menschen zugewendet werden; doch, was sollen wir von dem Quell der unendlichen Liebe sagen, der aus dem heiligen Sacramente des Altars quillt? Nimmermehr wird die Bunge eines Menschen, nimmer die Sprache aller Ens gel, die hoch erhabene Würde desselben verkünden. Was ist je wunderbarer, als daß der Herr der Majestát, dessen Chron die Himmel der Himmel sind, dessen Fußschemel die Erde ist, dessen Gesandte die Erzengel sind, dem die Cherubinen dienen, und zu deffen Gebote alle Wesen fiehen, daß dieser Hocherhabene bey uns, in diesem Thal der Thránen wohnet, unser Gefährte wird, und in unsern Kirchen ruhet, auf daß Er durch seine Gegenwart unsere falten Herzen erwärme, unser Flehen, unsere Seufzer und Thránen empfange, und uns bedeute, wie Er nicht minder bereit auf das Fest des heil. Jchannes des Täufers. 431 it, im Himmel uns zu erbören, da Er auf Erde so nahe bey uns weilet. Auf unsern Altåren thronet Der, auf den fein beiliger Borläufer als auf das versöhnende Gotteslamm hins gewiesen hat, daß du, so oft es dir gefällt, von Angesicht zu Angesicht dich mit Ihm besprechest, deine Trübfale und deine Noth Ihm eröffnest, und dein Herz vor Ihm ausschüttest. Er ist in deinem frommen Eebethe bey dir, und mit den Augen des Glaubens siehst du Jbn, der nicht minder mild, denn mache tig ist, aus jeder Trübsal dich zu erretten. O Geheimniß aller Anbethung würdig, o Schaß der Liebe, unaussprechlicher Dankbarkeit werth! O wüßten die Menschen deine Erbarmungen würdig zu erkennen, Gott der Gnade! daß fie aus inniger Seele Dir dankten, und für so unendliche Huld würdig Dir dienten! Aber was verblendet wohl uns Elende, welcher Nebel verfinstert wohl unsere Augen so sehr, daß wir Dich nicht erkennen, der Du doch in unserer Mitte wohnest? O erkenneten wir doch die Gabe Gottes, und wüßten wir, wer Derjenige ist, der mitten unter uns sich aufhält! mit welcher Ehrfurcht würden wir in seiner Gegenwart weilen; mit welcher Inbrunst und Treue unsere Gebethe Jhm barbringen; mit welcher feurigen Andacht in die Kirche eilen, und mit welcher Reinigkeit unsere Seelen vorbereiten!- Aber- o wer giebt Thränen unsern Augen, daß wir den Leichtsinn, die Nachläßigkeit unserer Zeit, und die so ganz und gar geringe Ehrfurcht derjenigen beweinen, die vor deinem heiligen Altare ungerührt und leichtsinnig vorübergehen! Herr! weßhalb erkennt die Welt Dich nicht? Du kamst in die Welt, und die Welt hat Dich nicht erkannt; auch jest bist Du in der Welt, und kaum erkennt Dich die Welt. Die Juden verdammen wir, daß sie Dich nicht erkannten, als Du in Menschengestalt mitten unter ihnen wandeltest; uns selbst aber tadeln wir nicht, daß wir Dich nicht erkennen, der Du in Brodesgestalt mitten unter uns wohnest. O mein Herr und Heiland! verleihe mir die Gnade, daß ich mich der großen Volksmenge doch nicht beygeselle, die mit so großer Gleichgültigkeit und so geringer Ehrfurcht vor ihrem Gotte wandelt; sondern vielmehr so viele Heilige nachahme, die ihre höchste Wonne darin fanden, vor dem geheimnisvollen Alltare mit den heiligen Engeln dem Herrn der Engel zu huldigen, seine Liebe, die Ihn für uns in den Tod führte, in der heiligen Messe anzubethen, und mit seinem allerheiligsten VIII. Abschnitt. Andachten Opfer sich selbst dem himmlischen Vater aufzuopfern. Kann ich noch etwas anderes, als Liebe fühlen für meinen Heiland, der nicht nur auf unsern Altären weilt, sondern uns Mühselige und Beladene auch einladet, Ihn zu empfangen! Dunermeßliche Barme herzigkeit, o Wunder der Liebe, o unaussprechliche Ver einigung! der König der Engel, dem die ganze Welt als Wohnung zu enge ist, läßt sich herab, dich, meine Seele, nicht nur täglich zu besuchen, sondern sogar in deine Hütte einzukehren, das Abendmahl mit dir zu fevern, seine Woune bey dir zu haben, und die Reichthümer seiner Gnaden dir mitzutheilen. O mildes ster Heiland, getreuester Hirt, o freundlichster Bruder, liebreichster Gefährte unserer Pilgrimschaft! Wie kann ich Dir so überaus große Wohlthaten vergelten; wie Dir würdig genug danken; wie Dich feurig genug ent. gegen lieben, da Du mich unwürdigen, mich Sünder, zuerst auf eine so unbegreifliche Weise geliebet hast?-! Du liebevoller Begnadiger der Sünder! dffne in Eile die Pforten meines Herzens, damit ich Dich mit Glau be, Liebe und Vertrauen empfange, der Du gekommen bist, zu suchen und selig zu machen, was verloren war. Amen. 432 - IX. Am Gedächtnißtage der heiligen Apostel Petrus und Paulus, und aller heiligen Apostel. Gebeth.' Jhr getreuen Freunde des Herrn, die Er in feinem Leben auf Erde zu seinen Jüngern, Gefährten und Aposteln auserwählet hatte; im heiligen Jubel preiset die ganze Christenheit den himmlischen Bater, und seinen eingebornen Sohn, Jesus Christus, für das Heil, welches die Welt durch euch erlanget hat. Ihr wurdet seines nähern vertrauten, heiligen Umganges gewürdiget; ihr waret Ohrenzeugen seiner göttlichen Lehre, Augenzeugen seiner wuns dervollen Thaten, und sahet, wie Er im Lande umher ging, und allenthalben Gutes wirkte, und Sünden vergab, trdstete, belehrte und beseligte. Ihr waret Zeugen seines Leidens und Todes, seiner Auferstehung und Himmelfahrt, ausgerüstet mit den Gaben des heiligen Geistes, - am Gedächtnißtage der heil. Apostel Petrus u. Paulus. 435 ginget ihr aus in die ganze Welt, das Evangelium die Freudenbotschaft von dem himmlischen Reiche, von der Vaterliebe Gottes, von dem ewigen Heile in Jesus, zu verkünden, und in seinem Namen zu taufen und die Sünden zu vergeben. Nicht ihr lehrtet und wirktet, sondern Christus, in euch. Christus, der durch euch heilte, was in der menschlichen Natur krank, belebte, was todt, erleuchtete, was finster, und entzündete, was falt war; Christus, der euch zum Segen der Menschheit machte. Die Liebe Gottes, die durch den heiligen Geist in eure Herzen ausgegossen war, machte euch die Seligkeit der Menschen, für die Jesus Christus sein Leben hinopferte, unendlich theuer und wichtig! Wenn nur Christus geprediget wird," das war der Wahlspruch eures Lebens und Wirkens, den ihe muthig und standhaft mit eurem Blute versiegelt habt! Christus war euer Leben, sterben euer Gewinn! und so send ihr nun in ewiger Seligkeit vereini get worden mit eurem göttlichen Meister und Heiland, Jesus Christus, von deffen Liebe euch schon im Les ben weder Trübsal noch Angst, weder Hunger noch Bldße, weder Gefahr noch Verfolgung und Schwert scheiden konnte! Allmächtiger, ewiger Gott! Ehre, Preis und Dank sen Dir für das Licht des Evangeliums, das durch deine heiligen Apostel der ganzen Welt aufgegangen ist! Erhalte, beschüße, verbreite deine heilige Kirche, welche Du durch sie gegründet hast; erwecke den heiligen Geist, der sie beseelte, in allen Vorstehern der Kirche; mir aber gieb ein gelehriges Herz, daß ich dein göttliches Wort gläubig aufnehme, damit es Früchte bringe zum ewigen Leben. Erschaffe in mir einen wahren Eifer zur Tugend, und verleihe mir Standhaftigkeit, daß ich mich weder durch böse Beyspiele, noch durch Spottereyen, oder durch irgend eine anstoßende Beschwerniß von der Lehre des Evangeliums abwendig machen lasse; sondern dieses vielmehr selbst durch einen frommen, christlis chen Wandel öffentlich verkündige, und bis an mein Ende mit unverlegter Treue ausübe, durch Jesus Chris stus, unsern Herrn. Amen. 28 434 VIII. Abschnitt. Andachten Kirchengebeth zu den heiligen Aposteln Pe tru s un d Paul u s. O Gott! der Du den heutigen Tag durch den Märtyrertod deiner heiligen Apostel, Petrus und Paulus, geheiliget hast, verleih deiner Kirche, daß wir in allen Stücken der Lehre Ders jenigen nachleben, durch die deine heilige Religion ihren Ans fang nahm, durch Jesus Christus, unsern Herrn. Amen. Kirchengebeth zum Andenken an alle heiligen Apostel. Allmächtiger, ewiger Gott! verleih deinem Volke, die Ge dächtnißtage deiner heiligen Apostel mit wahrer Andacht zu begehen, und, gleichwie durch ihre Lehre der ganze Erdkreis in dem Glauben an die Dreyeinigkeit unterwiesen wurde, so möge er auch durch ihre Verdienste, und Fürbitten Dir, dem dreyeinigen Gott, treu dienerf, durch Christus, unsern Herrn. Amen. - Wie liebs und verehrungswürdig ist uns Jesus Christus, als unfer göttlicher Lehrer. Keiner vor und nach Ihm war Ihm gleich. Durch Ihn ging der Welt das wahre Licht auf. Durch Ihn hast Du Dich, o Gott! uns deutlicher geoffenbaret, als durch alle deine Werke. Durch Ihn kennen wir Dich, als unsern Bater, der nur durch willigen Gehorsam und thátige Liebe geehrt seyn will; turd Ibn haben wir findliches Vertrauen zu Dir und deiner våters lichen Fürsorge. Er sagte uns, wie wir gute, fromme Mens fchen werden, und uns dadurch deines Wohlgefallens, und eis ner ewigen Glückseligkeit würdig machen sollen, und durch Besserung die Verzeihung unserer Sünden erlangen können. Er führet uns von unsern Verirrungen auf den rechten Weg zurück. Seine Lehre ist Anweisung und Aufmunterung zu als lem Guten: fie dringt auf eine Zugend, die nicht bloß darin bestehet, daß wir einen vor der Welt unsträflichen ehrbaren Lebenswandel führen, sondern daß wir auch unser Herz von fündhaften Neigungen und eitlen Absichten rein erhalten; ſie verbietet alle bösen schädlichen Lüfte, und giebt uns dafür die reinen beständigen Freuden der Seele, des guten Gewissens und Wohlthuns, der Zufriedenheit und der tröstenden Hoffe nung. Sein Joch ist sanft, und seine Bürde leicht; denn sein Gefeß ist Liebe, und die Belohnung so groß, als gewiß. Zu deiner Ehre denn, o göttlicher Lehrer! will ich die Wahrheit lieben und suchen, damit ich den Werth und die Wahrheit deiner Lehre erkennen und schäßen - um Gedächtnißtage der heil. Apostel Petrus u. Paulus. 435 lerne. Zu deiner Ehre will ich sie mit größter. Aufmerksamkeit als Gottes Wort zu Herzen nehmen, und so auf mich selbst anwenden, daß mein Verstand dadurch erleuchtet, mein Herz gebessert, mein Leben geleitet, und mein Gemüth beruhiget werde. Zu deiner Ehre will auch ich mein Möglichstes bertragen, daß deine seligmachende Lehre auch von Andern befolget, und auf die Nachkommenschaft fortgepflanzt werde. Zu deiner Ehre glaube ich an die Wahrheit deiner Aussprüche, wenn ich gleich keine Wunder sehe, mit welchen Du sie einst bekräftiget hast; ich bedarf keiner Wunder mehr für die Göttlichkeit deiner Lehre; ich kann mich aus eigener Erfahrung überzeugen, wie göttlich sie ist, wenn ich sie treulich befolge. Wie lieb und verehrungswürdig ist uns Jesus Christus, als das vollkommenste Zugends muster! Den Weg, den Er uns zeigte, ging Er selbst voran. Sein ganzes Leben war eine beständige Ausübung der innigften Got tes und Menschenliebe. Deinen Willen zu thun, o Gott! war sein einziges Geschäft auf Erde. Durch standhaften Ges horfam bis in den Tod, durch festes Vertrauen, auch in der größten Verlaffenheit, ehrte Er Dich als dein wahrer Sohn, an dem Du dein Wohlgefallen hattest. Um Deinetwillen, o Bater! liebte Er die Menschen als deine Kinder, und seine Brüder, wie noch keiner sie geliebt hat. Den Mühseligen rief Er zu: Kommet zu mir, ich will euch erquicken! Keiner ging trostlos von Ihm weg. Seine Wunderkraft wandte Er nur zum Wohlthun an. Wie liebreich nahm Er die Süns der auf, und führte die Irrenden auf den rechten Weg zurück! Unermüdet war sein Eifer, aber mitleidig und fanft; nur den Heuchlern und Verführern furchtbar. Der hartnäckigste Widers stand ermüdete seine Liebe doch nicht; zu den empfindlichsten Beleidigungen schwieg Er, oder wenn Er auch nicht schweigen fennte, so blieb Er, doch gelassen und sanftmüthig, und vers galt Boses mit Gutem.- Freywillig führte Er ein armes beschwerliches Leben und verzehrte seine Kräfte in rafilofer Mühsamkeit zum Besten der Menschen.-Mitten in einer vers derbten Welt lebte Er so heilig, daß ihm auch seine Feinde feine 28 - 436 VIII. Abfanitt. Andachten Sünde vorwerfen konnten. Er hat nichts als Gutes getban; und wo ist eine Zugend, wovon Er uns nicht das schönste Beyspiel gab? Zu deiner Ehre, heiligster Jesus! sey mir dein schönes Beyspiel als Muster zur Nachahmung stets vor Augen, und die Welt soll mich daran als deinen Verchrer und Nachfolger erkennen, daß ich Dich liebe, wie Du geliebet hast. Zu deiner Ehre will auch ich Andern ein gutes Beyspiel geben, meinen Eifer für's Gute zuerst an mir selbst ausüben, ihn bey Andern durch Klugheit lei ten, und durch Sanftmuth måßigen. Zu deiner Ehre will ich die Gaben und Kräfte, die mir Gott verliehen, nach seiner Absicht, zum Nußen meiner Mitmenschen anwenden, und im stillen täglichen Wohlthun mich üben. Nicht große, sondern gute Thaten verlangst Du von mir. Zu deiner Ehre will ich mich von den verderbten Sits ten der Welt desto gewissenhafter enthalten, je gefälliger ich mich in erlaubten und billigen Dingen erzeigen will. Zu deiner Ehre will ich stets so gesinnt seyn, wie Du ges sinnt warest; so reden, denken und handeln, wie Du in meinen Umständen gedacht, geredet und gehandelt haben würdest, damit Dir die Aufführung deines schwachen Nachfolgers zur Ehre gereiche. Wie lieb und verehrungswürdig ist uns Jesus Christus, als unser Erlöser! Du haft Ihn uns, o Gott! zum Erlöser gegeben, der uns von den Sünden und ihren bösen Folgen befreyen, vom Vers derben retten, und durch Besserung und Tugend zur ewigen Glückseligkeit führen sollte. Das bewirkte Er nach seiner uns endlichen Liebe durch seine göttliche Lehre, durch sein allers heiligstes Beyspiel, und ganz vorzüglich durch seinen geheims nisvollen Versöhnungstod. Freywillig nahm Er, der Uns schuldige! die Strafe der Verbrecher auf sich, und stellte sich als Versöhnungsopfer für unsere Sünden dar, um uns die treftvolle Versicherung zu verschaffen, daß Du, o Gott! dem gebefferten Sünder verzeihen und gnädig seyn wollest. Wie Er aber um unserer Sünden willen starb, so lebt Er nun zu unserm Trost und Heil. Er hat uns von der Furcht des Tos des befreyt, und den Eingang zum Himmel uns eröffnet. Dort ist Er im Besitze seines ewigen Reiches, wohin Er auch alle feine treuen Nachfolger aufnehmen will, wenn Er als Richter 437 am Gedächtnistage aller heiligen Engel. femmen wird. Noch ist Er unsichtbarer Weise bey uns mit seinem Beystande und Segen. Zu deiner Ehre, o göttlicher Erlöser und Seligmacher! will ich mir Alles, was Du für mich gethan und gelitten hast, was Du uns bist, und ewig seyn wirst, so zu Herzen fassen, daß ich dadurch vom Sündigen abgehal: ten, auf dem Wege der Besserung und Tugend fortgelei: tet, und endlich jener Seligkeit theilhaftig werde, welche Du uns zu verschaffen, auf die Welt kamst, starbst, und nun ewig lebst und regierest. Zu deiner Ehre will ich) Dir meine dankbare Liebe, und meine ehrerbietigste Ergebenheit durch getreuen Gehorsam beweisen, und meinen Glauben an Dich durch ein frommes Leben beken= nen, damit ich Dir einst, als meinem Richter, getrost entgegen kommen môge. Wie selig wirst Du mich ma chen, wenn ich Dir getreu folge; wie selig! Amen. X. Am Gedächtnistage aller heiligen Engel. Gebeth. Herr des Himmels und der Erde, Schöpfer aller Menschen und aller Engel! Wie groß ist deine Güte gegen uns Sünder, und wie hoch hast Du uns erhoben, daß Du deine heiligen Engel zu unserm Schuße und Dienste bestimmt hast!-- Du hast ihnen befohlen, daß sie uns schüßen sollen auf allen unsern Wegen, und dein heiliger Apostel lehret uns, daß alle Engel dienstbare Geister sind, ausgesendet zum Dienst derjenigen, welche das Erbe des Heiles erlangen sollen. Nach deinem Willen, Allgütiger! verwenden sich diese seligen Geister mit all' ihrer Weisheit, Kraft und Liebe zu unserm Besten; sie wachen und sorgen besonders für uns fer ewiges Heil; sie schüßen uns vor sichtbaren und unsichtbaren Gefahren und Feinden; sie helfen uns måchtig jedes Hinderniß der Tugend und Seligkeit überwinden, und füh ren uns durch alle Versuchungen und Kämpfe zum Siege. Sie bringen überdieß uns nahe, was unsern Glauben beleben, unsere Liebe entflammen, unsere Hoffnung erhöhen, unsern Muth fårken, unsere Erkenntniß vervollkommnen, und was uns überhaupt zum Ziele unserer hohen Bestim mung führen kann. Sie freuen sich über die Bekehrung der Sünder, und überbringen unsere Gebethe, wie ein gefälli 438 VIII. Abschnitt. Andachten ges Rauchwerk, vor deinen Thron. Ihre Liebe zu uns fieng mit unserm Leben an, und dauert in Ewigkeit fort Welche Wohlthat, o himmlischer Vater, hast Du uns durch den Schuß der Engel erwiesen! Verleih uns deine Gnade, daß wir sie nie betrüben, daß wir rein vor ihren Augen wandeln, und deinen Willen allezeit so freu: dig erfüllen, wie er von ihnen im Himmel vollzogen wird. Gieb uns den Geist der christlichen Liebe, daß wir auch als Engel unter den Menschen wandeln, und unsere Freude gleich ihnen, darin suchen, Unwissende zu belehren, Verführte dem Verderben zu entreißen, Gefallene aufzurichten, Irrende zurecht zu weisen, Schwache zu stärken, und Unterdrückte in Schuß zu nehmen. Jede Mahnung des Gewissens, jede heilsame Warnung oder Belehrung, jede lehrreiche Begebenheit oder nüßliche Erfahrung sey uns die Stimme eines Engels, welchen Du o Bater! zu uns sendest, um uns auf den Weg des Hei les zu leiten. Laß, o Herr! unser irdisches Leben emne unausgesepte Vorbereitung zu jenem himmlischen Leben seyn, in welchem wir Dich, mit deinen heiligen Engeln von Angesicht zu Angesicht sehen, loben und preisen wer den in Ewigkeit. Amen. Kirchengebeth. Gott! der Du Alles wunderbar ord nend den Engeln und Menschen ihre Dienste anweiseft; vers leih gnädig, daß diejenigen, welche im Himmel immer diensts fertig vor Dir ftehen, auch auf Erden zu unserm beständigen Schuße bereitet seyn mögen; durch Christus, unsern Herrn. Am. Tägliches Gebeth zu dem heil. Schußengel. Treuer Freund und Gefährte auf dieser Lebensreise, heiliger Engel, von dem himmlischen Vater zu meinem Schuße bestimmt! ich ehre und liebe in dir Denjenigen, der dich und mich nach seinem Ebenbilde erschaffen, und dich mir zum unsichtbaren Führer und Beschüßer gegeben hat. Ich danke Dir für alle Liebe und Sorgfalt, mit welcher Du über mein Seelenheil wachest. Ich rufe dich an: sey du mein besonderer Fürbitter ben Gott! Bewahre mich durch die Kraft, welche dir Gott verliehen hat, vor allen Gefahren des Leibes und der Seele; schüße mich Feinde meines Heiles; erlange mir die Gnade, daß ich stets in der Furcht und in der Gegenwart Gottes wandle; mache die gegen am Gedächtnistage aller Heiligen Gottes. mich wachsam und vorsichtig, daß ich weder durch Worte noch durch Werke Einen von jenen Kleinen årgere, welche an Jesus glauben, und deren Engel im Himmel immer das Antlig des göttlichen Vaters schauen! Steh mir bey in Kreuz und Leiden, daß ich nicht kleinmüthig werde! mache mich siegreich in den Versuchungen zur Sünde! Stärke mich im letzten Kampfe des Todes, und führe meine Seele zu Gott ihrem ersten Ursprunge und legten Ziele! Amen. Kirchengebeth. Gott! wie unaussprechlich liebevoll ist deine Vorsehung. Du würdigest Dich, deine heiligen Ens gel zu unserm Schuße, als dienstbare Geister auszusenden; erbore unser Flehen, und laß uns allezeit die Macht ihres Schußes erfahren, und dann auch die Freude ihrer Gesellschaft ewig genießen; durch Jesus Christus unfern Herrn. Amen. XI. Am Gedächtnißtage aller Heiligen Gottes. Gebeth. Allerheiligster Gott! Herr des Lebens und der Ses ligkeit! Deine streitende Kirche auf der Erde feyerte heute das Gedächtniß der triumphirenden Kirche im Himmel, und lehret uns, Aug' und Herz himmelan zu erheben, wo Du bist, wo die Deinigen sind, wo auch wir einst binkommen sollen. O unser Vater, der Du bist in dem Himmel! dort bey Dir, im wahren Vaterlande, befinden sich deine Auserwählten, vereint mit Dir in ewiger Liebe, in ewiger Seligkeit! dort, wo keine Trennung, kein Leis den, keine Thräne, keine Sünde, kein Tod mehr ist! Sie besißen Dich, und werden erfüllet von dem Uleberfluffe deines Hauses, und Du träntest sie mit einem Strome deiner Seligkeit. Denn bey Dir ist die Quelle des Lebens, und in deinem Lichte sehen sie das Licht. Dort sehen sie Dich und ihren göttlichen Herrn und Heiland, dem sie hier in Liebe und Demuth nachgewandelt sind, von Angesicht zu Angesicht; seine heiligen Wundmahle glänzen und strdmen ihnen Liebe, Leben und Seligkeit zu- und ihr einziges, seliges Geschäft ist Dich zu loben, deine Erbarmungen zu preifen, deine Liebe anzubetben, und für uns- Dort glänzen deine ihre streitenden Brüder auf Erde zu bitten. Auserwählten wie die Sterne am welkenlosen Himmel1 459 - 440 selig durch deine Gnadener Liebe! VIII. Abschnitt. Gedächtniß überschwenglich selig in dei Sie waren einst unsere Brüder, schwach und arm, und eines Erlösers bedürftig, wie wit. Sie haben einen guten Kampf gekämpfet, den Glauben ge halten, und selig vollendet- Alles durch deine Gnade, und ihre treue Mitwirkung. Nun sind sie uns eben so viele Zeugen, daß wir mit deiner Gnade deine Gebote halten, und gut und selig werden können, wie sie. Nun sind sie eben so viele Fürbitter für uns ben Dir, o Jesus! und bey deinem himmlischen Bater, weil sie die Liebe mit uns vereinigt. - I Hire, o Gott! erhöre unsere Bitten und Gebethe, die wir jetzt vor deinem Gnadenthrone niederlegen, und er barme Dich unser! Ihr aber, himmlische Bürger und Hausgenossen Gottes! ihr Engel und Heiligen alle, deren Namen im Buche des Lebens verzeichnet sind, und deren Tugenden uns zur Nachahmung vorleuchten, unterstüßet unser schwaches Gebeth durch eure mächtige Fürbitte, und was unsere Ohnmacht nicht allein vermag, das wirket durch eure Eråftige Mithülfe. O bittet für uns Alle, die wir in diesem Thal der Thränen leben, daß uns Gott verleihe, den Weg zu wandeln, den ihr uns vorgewandelt send, damit auch wir dereinst, nach einem frommen Leben, zu eurer Ge meinschaft gelangen, wo wir mit einem Munde und Herzen die Liebe, Gnade und Erbarmungen des dreyeinigen Gottes loben und preisen in Ewigkeit! Amen. Erweitertes Kirchengebeth. Allmächtiger, ewiger Gott! es ist Dir wohlgefällig, daß deine Kirche auf Erde das Andenken an alle Heiligen, die einft auf Erden gekämpfet haben, feyerlich begehet; laß die Fülle deiner Erbarmungen auf ung berab thauen, da sich viele taufend Fürbitter im Himmel für deine Kinder auf Erde vers einigen. Laß uns erfahren, daß Du Bater bist, und daß die Wünsche deiner Auserwählten bey Dir gelten. Erleuchte, er warme, stärke und reinige uns, daß die Anzahl deiner treuen Kinder auf Erde immer größer, und die Wohnungen der Ses ligen im Himmel immer mehr bevölkert werden, durch Den, der uns den Weg zum Himmel gezeiget, und uns die Gnade erworben hat, auf demselben zu wandeln, zu Ihm, unferm Herrn und Heilande Jesus Christus, der mit Gott dem Bater und dem heiligen Geiste lebet und regieret- Gott von Ewigs keit zu Ewigkeit! Amen. 441 aller Heiligen. aller Noch ein Gebeth am Gedächtnißtage Heiligen. Auserwählte Heilige Gottes! mit frommer und ehr. furchtsvoller Freude bring' ich euch heute, an eurem Gedächtnißtage, die Opfer meiner innigsten Hochachtung und Verehrung. Preis und Anbethung sen dem Allerhöchsten, der mit der Fülle seiner Gnaden euch gesegnet hat, daß ihr Kraft hattet, auf Erde zu seiner Ehre zu leben, standhafte Freunde der Tugend zu seyn, Gutes zu wirken, das Glück eurer Mitmenschen zu befördern, allen Versuchungen zu widerstehen, im Wohlstande bes scheiden, in Widerwärtigkeiten voll christlichen Starkmuthes zu seyn, und uns die schönen Beyfpiele eines edeln und thatenvollen Wandels zurückzulasſen. Send mir gesegnet, ihr ehrwürdigen Apostel und Freunde des Herrn! ihr begeisterten Verkünder des Evangeliums Jesu Christi! euren Arbeiten, euren großen Bemühungen, euren Heldentugenden verdanken wir unsere heilige Religion und die Kenntnisse der wichtigsten und trostvollsten Wahrheiten. Bittet für uns, daß wir nach den himmlischen Vorschriften, die ihr uns gelehret habt, leben, damit wir in Glaube, Hoffnung und Liebe ausharren bis an's Ende, und die Krone der ewigen Seligkeit erlangen, die ihr besihet. Mit begeisterter Liebe preise ich euch selig, ihr glorreichen Heldenseelen- heilige Martyrer! die ihr auf Erde zur Ehre Gottes, und zur Verherrlichung unserer heiligen Religion willig euer Vermögen, Blut und Leben aufgeopfert habt! Großmüthige Zeugen der Wahrheit! die höchste Grausamkeit wüthete gegen euch, um eure Standhaftigkeit zu erschüttern; aber ihr wanktet nicht; eure Seelen was ren zu Jefus, eurem Vorbilde, und dem Anfänger und Vollender eurer Seligkeit gerichtet, während eure Leiber alle Qualen erduldeten. Ihr habt überwunden; jest schmücken die Palmen des Himmels euch; die Thränen sind nun ausgewe nt, die Stunden des Leidens durchgekämpft, die Versuchungen geendigt, und ewig sind nun eure Triumphe, eure Seligkeiten. Bittet für uns, daß der Allmächtige uns Stärke sende, unter allen Leiden und Trübsalen dieses Lebens unerschütterlich der Tugend treu zu seyn; daß auch wir zuerst und aus allen Kräften 41 - 442 VIII. Abschnitt. Gedächtniß -- nach dem Reiche Gottes und seiner Gerechtigkeit trad ten, und uns Schåße sammeln für die Ewigkeit, und lieber alles Irdische binopfern, alles Angenehme entbehren, und alles Schmerzliche leiden, als Christus und sei nem heiligen Evangelium untreu zu werden. Seyd mir gesegnet, ihr heiligen Freunde Gottes heilige Be tenner die ihr auf Erde durch Lehren und Beyspiele die Menschen zur Tugend geführt, und durch frommen Wandel den Vater gepriesen habt, der im Himmel ist. Send mir gesegnet, ihr himmelvertrauten Seelen, die ihr mit entschlossenem Muthe Alles, was euer Herz von dem Himmlischen abziehen konnte, verschmåhtet, und die Güter dieser Erde zum Wohlthun und zum Segen für eure Mitmenschen gebrauchtet; ihr wahren Jünger Jesus! bey denen der Weinende Trost, der Arme Hülfe, der Verlassene Rettung fand; die ihr die Irrenden zur Tugend zurückführtet, den Strauchelnden vor dem Fall bewahrtet, und dem Gefallenen die treue Bruderhand zum Aufstehen darbotet; send mir gesegnet, ihr wahren Ebenbilder Jesus, dessen Namen ihr hier vor den Menschen verherrlichet habt, und der nun euch verherr. lichet vor seinem Bater im Himmel! Send innig von mir gepriesen, ihr unentweihten, reinen Wesen! ihr Kinder des himmlischen Baters! jungfräuliche, edel müthige Herzen! die ihr in frommer Unschuld mitten unter den Sündern wandeltet, und die Reize der verbotenen Lust verschmåhetet! O ihr Bräute des Himmels, die ihr eure Steigungen und Triebe dem heiligen GeseBe des Geistes unterwarfet, die Siunlichkeit mit ihren wilden Forderungen kreuzigtet, und die Lockungen und Anreizungen zur Sünde durch den gläubigen Aufblick zum Herrn überwandet; send mir gesegnet, Engel in Menschengestalt, in denen Christus lebte. Kronen von Lilien, unsterbliche Schönheit und alle Wonnen des Himmels schmücken und beglücken euch, und wohin das reine Lamm Jesus Christus im himmlischen Jerusalem geht, dahin folgt ihr ihm nach.- Send mir alle gepriesen, ihr ewig Glücklichen, meine innigst gelieb. ten und verehrten Brüder! Ihr seyd am Ziele, ihr habt überwunden. Was der Himmel Herrliches, was die - 13 Mon aller Heiligen. Gottheit Segenvolles hat, ist nun euer Theil. Bittet, o ihr auserwählten Himmelsbürger! bittet für mich, für alle meine Mitmenschen bey der unendlichen Güte, daß sie auch uns stärke, auch uns mit der mächtigen Gnade rüste, über alle Hindernisse der Tugend zu siegen, alle Beschwerden des Lebens mit christlicher Geduld zu tragen, und euren gottseligen Beyfpielen zu folgen. Unter: stüzet unsere Wünsche; denn wir wollen nichts, als was unser Vater im Himmel selbst us, euch gleich werden, ihr Gesegneten des Herrn! und fromm und gut seyn, wie ihr hier gewesen. Wir wünschen jenen lebendigen Glauben, jenes unerschütterliche Bertrauen, jene redlia che, ausdauernde, thatenvolle Liebe, die euch beseelte; wir bitten um Freude zur Erfüllung unserer Pflichten, um Muth im Leiden, um Stärke in Versuchungen, und um die Gnade, daß wir die Güter dieser Erde so gebrauchen, daß sie uns Beförderungsmittel zur Tugend und zu unserm wahren Glücke seyen. Wir bitten um das Eine Nothwendige, was euch gut und selig machte, um den Himmelsfinu was allein auch Vereiniget euer uns gut und selig machen kann. Gebeth mit dem unsrigen, und der ewig gnädige und barmherzige Gott wird auch uns fegnen, daß wir euch nachfolgen können, wie ihr Christus nachgefolget send, und endlich jener himmlischen Freuden theilhaftig werden, die ihr in Ewigkeit genießet, durch die Verdienste eures und unsers Seligmachers, Jesus Christus. Amen. 1 - 443 Litaney von allen Heiligen. ( Sieb die Litaney am Charsamstage Seite 264). XII. Am Gedächtnistage aller verstorbenen Christgläubigen. ( Sieh die Andachtsübungen im 12. Abschnitt, Seite) 531. 464 IX. 2 b fchnitt. Andachtsübungen für verschiedene Stände und Verhältnisse des Lebens. 1. Gebeth für die Kirche. Wir bitten Dich, Herr! nimm das Gebeth deiner Kirche gnådig an, damit sie nach überstandenen Widerwärtigkeiten und besiegten Irrthümern, Dir sicher und fren diene, durch unsern Herrn Jesus Christus deinen Sohn, der mit Dir lebt und regiert in Einigkeit des heiligen Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit Amen. 2. Gebeth für den Pabst. Jesus, unsichtbares Haupt der Kirche! Du hast dei-. ne Kirche auf einen Felfen gebaut; selbst die Pforten der Hölle vermögen nichts wider sie: erhalt und leite den Pabst, ihr sichtbares Oberhaupt. Laß ihn uns Alle, deia ne Wege in deinem Geiste führen; laß ihn endlich sammt seiner Heerde zum ewigen Leben gelangen. Amen. 3. Gebeth für den Bischof. Jefus, Fürst der Hirten, Hirt und Bischof unserer Sees len, gieb dem Bischof unseres Kirchensprengels alle jene Tugenden, die zu seiner und zu unserer Heiligung nothwendig sind. Laß ihn über sich selbst und über die ganze Heerde, über die ihn dein heiliger Geist gesest hat, wachen. Sey Du selbst ihm das Muster, nach welchem er sich bilde, damit auch wir uns nach ihm bilden können. Erfülle ihn ganz mit deinem Geiste; gieb ihm Glauben, Liebe, Weisheit und Kraft; schicke ihm treue Mitarbeiter in dem wichtigen Geschäfte der Leitung unserer Seelen; mache ihn zu einem Hirten nach deinem Herzen, der nur für sein Amt lebt, der nichts hofft und nichts fürchtet, als Dich, damit, wenn Du kommen wirst, die Hirten und ihre Heerden zu richten, wir seine Krone und seine Freude seyen, er aber die unverweltliche Krone des ewigen Lebens erlange. Amen. 4. Gebeth für die Seelforger. Jesus! Du hast deiner Kirche Seelsorger gegeben, das mit sie die Gläubigen zur Vollkommenheit führen. Gieb ih IX. Abschnitt. Andachten für verschiedene Stinde. 445 nen die Gnade, daß sie die Wichtigkeit ihres Dienstes ertens nen, und dein Wort uns eifrig verkündigen. Laß sie unsere Fürsprecher bey Dir werden, die durch ihr Gebeth und ihr frommes Leben deinen Zorn von uns abwenden. Laß sie als Muster der Tugend uns vorleuchten; gieb, daß wir ihre gu. ten Berspiele nachahmen; segne sie und belohne sie für ihre Arbeiten hundertfältig. Sie wachen über unsere Seelen, und müssen Dir für selbe Rechenschaft ablegen. Laß uns also ihre Lehren, als deine Lehren, zu deiner Ehre, zu ihe rem Troste und zum Heile unserer Seelen befolgen. Amen. 5. Gebeth für den Beichtvater. O Gott! laß meinen Beichtvater mir das seyn, was Ananias dem Saulus war, damit ich sehe, was ich thun soll, und den heiligen Geist empfange. Laß ihn bey meiner Leis tung durchaus den Grundfäßen des Evangeliums folgen. Gieb ihm Geduld mit meinen Schwachheiten; aber auch festen Sinn, um sich meinen unordentlichen Neigungen zu widerseßen. Mir aber flüße Ehrfurcht, Gelehrigkeit, Des muth und das nöthige Zutrauen zu ihm ein. Laß mich ant seiner Person Dich selbst betrachten, und von ihm glücklich zu Dir geführt werden. Ich bitte Dich darum durch Jesus Christus unsern Herrn. Amen. 6. Gebeth an Quatembertagen um gute Priester. Göttlicher Heiland und Hirt deiner Gemeinde, Jesus Christus! Du gestern und heut ewig derselbe! Du hast schon die Israeliten, dein auserwähltes Volk, deine Kirs che, mit mächtiger Hand aus der Dienstbarkeit Egyptens herausgeführt; Du bist als Heerführer vor ihr hergezogen in der Feuer- und Wolkensäule, und hast ihr mit großer Mas jestät dein heiliges Geseß vom Berge Sinai gegeben; Du haft ihre Feinde vor ihr gedemüthiget, und sie in das Land der Verheißung eingeführt; Du hast deinem Volke schon im alten Bunde Heerführer und Könige nach deinem Herzen gegeben, und es durch deine heil. Propheten so vielmal dei ner Liebe versichert, und die Verirrten wieder zu Dir gelockt; hast sie zwar mit Schmach, Gefangenschaft und harter Tyrannen bestraft, aber die Demüthigen immer wieder aufges nommen, und durch Männer, vom Geiste Gottes erfüllt, wieder besreyt. Ja, Du ewiges Wort, Sohn Gottes! Du - 446 IX. Abschnitt. Andachten bist selbst herabgestiegen auf die Erde, hast die verlornen Schäflein wieder gesucht, um sie in den himmlischen Schafstall zurück zu bringen; Du hast sie erlöset und erkauft durch dein Blut am Kreuze zu deinem Eigenthum. Und nachdem Du auferstanden, und zum Vater heimgegangen bist, hast Du deine Kinder nicht waise gelassen, hast deinen heil. Geist über die Apostel ausgegossen, und sie ausgefandt in die ganze Welt, damit sie an deiner Statt Lehrer, Hirten, Våter, Priester deiner Gemeinde seyn mögen. Aber, göttlicher Heiland! Du bist auch heute noch der Bräutigam deiner Kirche, das Haupt deines Leibes auf Er. de, der Eckstein des von Dir gegründeten Hauses, der Hirt deiner erkauften Heerde, unser Mittler und Fürsprecher beym Vater. Da Du auf Erde warest, jammerte es Dich, als Du das Volk sahst, verschmachtend und zerstreut, wie Schafe, die keinen Hirten haben, und sprachst: ,, Die Aernte ist groß, aber wenige sind der Arbeiter; darum bittet den Herrn, daß Er Arbeiter in seinen Weinberg sende." Und auch heute willst Du wieder Arbeiter in deine Aernte senden, und ihnen durch die Handauflegung des Bischofs deinen heis ligen Geist ertheilen. So sieh denn auch heute herab auf ihn, deine Kinder, die wir nach dem Beyspiele der ersten Kirche ( Apostelgesch. 13.) mit Fasten zu Dir flehen; laß auch uns nicht waife! sende auch heute über die, welche Du zu der ho hen Würde des Priesterthums auserwählt hast, deinen heiligen Geist, wie Du ihn am Pfingsttage über die heiligen Apostel ausgegossen hast. Gieb ihnen, wenn der Bischof ih. nen das Evangelienbuch darreicht, die Kraft, uns das Wort Gottes mit apostolischer Salbung zu verkünden! Gieb ih nen mit dem heiligen Del, womit sie gesalbet werden, den Geist der heiligen Andacht am Altare, und des immers währenden Gebethes, den Geist der Weisheit und der Liebe, aufzuhelfen dem Sünder, und zu trösten den Kranken! Gieb ihnen mit dem priesterlichen Gewande Reinigkeit des Herzens und des Wandels, und Kraft, das Kreuz ihres hohen Berufes Dir nachzutragen. Gieß aber auch über uns aus den kindlichen Geist, den Geist der Demuth und der Liebe, daß wir sie immer als Ausspender deiner Geheimnisse, als Boten deiner Barmherzige feit, als unsre Mittler durch Gebeth vor Dir, als unsere Hirs 447 für verschiedene Stände. ten und Båter ansehen, und ihnen Vertrauen und Liebe schenken! Herr! der Du einige zu Aposteln, andere zu Propheten, andere zu Evangelisten, andere zu Hirten und Lehrern bestellt hast, damit wir alle deine Glieder in mancherley Pflichten und Arbeiten doch nur Einen Leib ausmas chen; o Christus Jesus! der Du selbst unser Aller Haupt bist, an dem wir Alle immer mehr und mehr in Gottseligkeit heranwachsen sollen; gieb uns, daß wir immer inniger in Dir zu einem Leibe zusammengefügt und verbunden wers den, einander Dienste leisten, wie die Gelenke am Leibe, nach eines jeden Kräften, damit so der ganze Leib, die heilige Kirs che, täglich zunehme, und zwar zunehme in Liebe. O laß uns Alle immermehr Eines seyn unter einander, wie Du Eines bist mit deinem Vater! Gieb uns Allen, o Du lie: bevollester Hirt und Heiland, die göttliche Liebe! Amen. 7. Gebeth für den Landesfürsten. Allmächtiger Gott, Herr des Himmels und der Erde, Kie nig aller Könige! von dem alle irdische Macht und Oberherrs schaft herkommt, und durch dessen Anordnung die Könige und Fürsten der Erde regieren; wir bitten Dich inständig um die Wohlfahrt deines Gesalbten, unsers Landesfürsten und sei nes Hauses. Schenke ihm, da er in deinem Namen regiert, auch deinen milden Batersinn, uns aber findliche, ihm ganz ergebene Herzen. Laß den Geist der Wahrheit, der Gerechs tigkeit, der Weisheit und der Güte auf ihm ruhen. Mache ihn zum Vater der Wittwen und der Waisen, um Retter der verläumdeten Unschuld, zum Belohner des Guten, zum Schuße aller guten Unterthanen; aber auch zum Schrecken aller Bösen. Laß durch ihn im ganzen Lande nüßliche Ges seße mit fürstlicher Weisheit bekannt gemacht, mit uners schütterlichem Muthe behauptet, und von allen Unterthanen mit herzlichem Gehorsam befolgt werden. Laß ihn, nach dem Beyspiele heiliger Fürsten, sich weit mehr über das Glück erfreuen, ein Kind deiner Kirche, als ein Fürst so vies ler Unterthanen zu seyn. Laß ihn dein Gefeß hochschäßen, damit er Dich liebe und fürchte, und deine Gebote halte. Segne ihn mit deiner hülfreichen Gnade, daß er alles Gute zur Ausbreitung deines göttlichen Reiches auf Erde beförden re, seines Volkes Glück väterlich begründe, lange lebe 448 1X. Abschnitt. Andachten und wahres Wohl genieße, einst aber in deinem Reiche ewig selig werde, durch Christus unsern Herrn. Amen. 8. Gebeth für die weltlichen Obrigkeiten. O Gott! laß uns unter der Obrigkeit, die Du uns gesest hast, gehorsam, ruhig und gerecht leben; gieb ih: nen Gehorsam gegen Dich, den höchsten Herrn; laß sie das Ansehen, das sie von Dir empfangen haben, zu dei ner Ehre und zu unserm wahren Wohle gebrauchen. Laß sie nie vergessen, daß sie deine Stelle vertreten, und daß ein strenges Gericht ihrer wartet. Mache sie groß durch die Tugend, und reich an guten Werken, damit sie so zur wahren Größe Dich ewig anzuschauen und zu lieben gelangen, durch Christus unsern Herrn. Amen. 9. Gebeth für Freunde. O Gott! Du hast einst die Liebe, durch die Gnade. des heiligen Geistes, den Herzen deiner Gläubigen vers liehen; gieb auch deinen Dienern und Dienerinnen, für die wir deine Güte anfichen, Alles, was ihnen am Leis be oder an der Seele heilsam ist, damit sie Dich aus ganzem Herzen lieben, und, was Dir gefällig ist, thun und leiden, durch Jesus Christus unsern Herrn. Amen. 10. Gebeth für Wohlthäter. O Gott! vergilt meinen Wohlthätern das Gute, das sie mir gethan haben und noch thun; tröste und erfreue sie dafür, damit sie sagen: Gelobt sey der Herr, der seinen Dienern Ruhe und Frieden verschafft hat; ich aber deine Gerechtigkeit preise, und dein Lob vers kündige, durch Jesus Christus unsern Herrn. Amen. 11. Gebeth für Feindlichgesinnte. O Gott! Du fiebst uns Alle, wie ein Vater seine Kinder liebt. Du siehst, wie sehr mich meine Feinde quálen. Dadurch wirst Du beleidigt. Vergieb ihnen; sie wissen nicht, was sie thun. Bessere sie durch deine Gnas de, und verzeih' auch mir meine Beleidigungen gegen Dich, durch Jesus Christus unsern Herrn. Amen. 12. Gebeth bey einer Standeswahl. Mein Gott, mein Vater! mit Eindlichem Vertrauen wens. de ich mich zu Dir. Ich will selig werden. Dieß ist mein sehnlichster Wunsch; und um es zu werden, bin ich bereit, Alles zu thun. Was willst Du denn nun, daß ich thun soll? für verschiedene Stände. 449 Gieb mir deinen heiligen Willen zu erkennen. Ich weiß, daß Alles in der Beobachtung deiner Gebote besteht. Deßwegen bitte ich Dich demüthigst, zeige mir den Stand, den ich wählen soll. Darauf kommt es ja sehr viel an, daß man eine gute Wahl treffe, wenn man deine Gebote halten und sein Seelenheil wirken will. Rede, Herr! ich höre Dich; ich bin bereit, Dir die liebste Neigung meines Herzens zu opfern. Erhöre mich bey dies sem so wichtigen Geschäfte durch Jesus Christus. Amen. 13. Gebeth einer christlichen Brautperson. Ich weiß, mein Gott! daß Du mein Vater bist, und daß ich dein Kind bin. Es kommt mir nicht zu, die so wichtige eheliche Verbindung auf eine Art einzus gehen, wie sie heiden eingehen, die das Glück nicht haben, Dich zu kennen. Sey Du selbst der Anfang dieser Verbindung. Laß mich oft an die Worte denken, die dein heiliger Engel dem Tobias sagte: Diejenigen, welche ben ihrer Verbindung nicht an Dich denken, sondern nur ihre sinnlichen Lüste zu befriedigen suchen, räumen dem bösen Feinde die Herrschaft in ihrem Herzen ein. Ich bin fest entschlossen, ganz nach deinem heiligen Willen zu leben, und Alles zu halten, was ich am Altare vor deinem Angesichte, vor dem Priester und der christlichen Gemeinde, versprechen werde. Gieb deinen Segen dazu; laß mich und den von mir gewählten künftigen Chegenossen die ganze Kraft des Sacramentes empfangen; laß uns, wie den Tobias und die Sara, in Gotts feligkeit, in Liebe und Freundschaft leben; laß uns Leiden und Freuden mit einander theilen, und so ein Bild der heiligsten Liebe und der unzertrennlichen Vereinigung Jes sus mit seiner Kirche werden. Ich bitte Dich, o Gott! von ganzem Herzen um diese Gnade, durch ebendenselben Jesus Christus deinen Sohn, unsern Herrn. Amen. 14. Gebeth für christliche Eheleute. * Lies andächtig den Eingang des heiligen Evangeliums Jos hannes, alsdann rufe an Jesus Christus, das ewige Wort des Baters, das aus Liebe zu uns Fleisch geworden, und eine Jungs frau zu seiner Mutter erwählte, damit wir arme Sünder, Nach kommen Adams durch Ihn geheiliget, wieder mit Gott, mit den Engeln und unter einander zu Einer Familie vereiniget würs 29 430 IX. Abschnitt. Andachten den; bitte den Heiland, welcher sich durch sein Blut mit der Kirche, als mit einer Braut vermählt hat, dieselbe durch seinen heiligen Geift zu einer fruchtbaren Mutter einer unzähligen Menge von Kindern Gottes macht, und das heilige Sacrament der Che eingefehet hat, damit es ein Vorbild der heiligen, innigen Verbindung Christus mit feiner Kirche werde; ja bitte Ihn, daß Alle, die dieses Sacrament empfangen, den Schwur der treuen Liebe halten, und des reichen Segens, den ihnen dieses Sacrament anwünschet, theilhaftig werden. O Gott! der Du kraft deiner Allmacht Alles erschaffen, und aus Nichts das große Weltall gegründet hast, der Du den Menschen nach deinem Bilde wunderbar erschaffen, und in der ehelichen Vereinigung des Mannes und Weibes das herrliche Geheimniß der Liebe Gottes zu den Menschen, and die Verbindung Christus mit der Kirche, vorgebildet haft: wir preifen deine herrliche Macht, und flehen zu deiner Güte, daß Du auch jest, nachdem der Mensch seinen Bund mit Dir gebrochen, und durch die Sünde so schreckliches Elend über sich und die Seinigen gebracht hat, deinen Segen allen denen ertheilen wollest, die durch das Band der heiligen Ehe vereiniget sind. Sieh guås dig auf alle Brautleute, auf alle Gatten und Gattinnen, Våter und Mütter herab, gieb ihnen beständige Liebe und Frieden. Ihr Ehestand sey immer treu und heilig in Christus. Gieb besonders der Gattin und Mutter, daß sie eine Nachfolgerin sey der heiligen Frauen; sie fey liebenswürdig ihrem Manne, wie Rahel; weise, wie Rebekka; treu bis in's hohe Alter, wie Sara! Nie môge der Uibeber alles Bösen in ihrem Thun etwas fin den, das ihm zu seinen Absichten diene! Zucht und Bescheidenheit gebe ihr Kraft und Schuß in ihrer Schwachheit; ihre Sittsamkeit föße Jedermann Ehrfurcht vor ihr ein. Laßt auch den Ehegatten mit ihr fest im Glau ben und treu an deinen heiligen Geboten halten; beyder Verstand sey lenksam durch himmlische Lehre, ihr ganzes Leben sey probhaltig und unschuldig, so daß sie Kinder und Kindskinder, die sie in heiliger Gottesfurcht erzegen haben, in ungetrübtem Alter sehen, und dann zur Ruhe der Seligen und in's himmlische Reich gelangen mögen, durch Jesus Christus unsern Herrn. Amen. Es segne sie der Vater, der Sohn und der heilige Geist; Er wolle durch sie die Zahl der Gerechten mehren auf Erde, für verschiedene Stände. 451 und sie reich machen an Früchten der Gerechtigkeit, daß sie gewürdiget werden am Tage des Gerichtes, mit allen Ges rechten und Heiligen freudig vor dem göttlichen Richter zu stehen, der als Gott lebt und regiert in Ewigkeit. Amen. 15. Gebeth der Aleltern für ihre Kinder. O Gott! Du bist der Vater meiner Kinder, Du bist ihr Schöpfer und ihr Herr. Ich übergebe sie Dir; sie sind dein; ich überlasse sie ganz beiner väterlichen Liebe. Vor Allem bitte ich Dich für sie um dein Reich und deine Ges rechtigkeit; das Uebrige gieb ihnen nach deinem Wohlges fallen. Schenke ihnen Liebe zu Dir und ihrem Nächsten; flöße ihnen den größten Abschen vor der Sünde ein; bewahre sie vor den bösen Grundsäßen und Beyspielen der Welt; laß sie jederzeit nach der Lehre des Evangeliums wandeln. Laß nicht zu, daß ich diesen meinen Wünschen durch mein Betragen entgegen handle, und das zu Gruns de richte, um was ich Dich jest für sie bitte. Wache über mich, damit ich über sie wache; und verleih, daß ich sie in deiner Furcht und in aller Tugend erziehe; durch Jesus Christus unsern Herrn. Amen. 16. Segen, den Weltern ihren Kindern ertheilen können. Mein Kind! habe Gott alle Tage deines Lebens vor Augen; übertritt teines feiner Gebote. Der allmächtige Gott segne dich! Er sey dir gnädig! Heiligste Dreveinigkeit, Bater, Sohn und heiliger Geist! beschüße mein' Kind; bewahre es vor jedem Uebel, besonders aber vor der Sünde, welche das größte aller Uebel ist, damit ich einst sammt ihm vor Dir erscheine, und Dir ohne Aufs hören im Himmel danke. Amen. 17. Gebeth der Kinder für ihre Aeltern. Gott! Du willst, ich soll meine Aeltern ehren; flöße Du selbst mir Ehrfurcht, Gehorsam und Liebe gegen sie ein. Vergilt ihnen das Gute, das sie mir thun; laß sie lange und glücklich leben, reich an allem Guten werden, und endlich zu Dir gelangen; durch Jesus Christus unsern Herrn. Amen. 18. Gebeth eines Herrn oder einer Frau. Gott! Du hast mich über Andre gesetzt. Gieb, daß ich sowohl bey ihrer Aufnahme, als während ihres Diensies, vor Allem auf die Gottesfurcht sehe; daß ich sie, als deine 29 452 IX. Abschnitt. Andachten Kinder und meine Brüder ansehe; daß ich für ihr zeitliches, noch weit mehr aber für ihr ewiges Wohl, Sorge tra: ge; daß ich sie zum Gebethe, zum öffentlichen Gottes: dienste, zum öftern Gebrauche, der heil. Sacramente, durch Worte und Beyspiele ermuntere! daß ich durchaus gerecht, billig und liebevoll gegen sie handle. Um dieß bitte ich Dich, durch Jesus Christus unsern Herrn. Amen. 19. Sebeth eines Dienenden. O Gott! Du willst, ich soll mich durch das Dienen heiligen. Ich bin mit dem Stande, zu dem Du mich berufen hast, ganz zufrieden; nahm doch selbst dein Sohn Knechtesgestalt an. Laß mich meinem Herrn und meiner Frau so gehorchen, als wenn Du selbst mir befäh left; flöße mir eine ehrfurchtsvolle Liebe gegen sie ein. Aber nur Dich, meinen höchsten Herrn, laß mich über Alles lieben und ürchten, und eher die Liebe meiner Borgesehten als die Deinige verlieren. Laß mich treu gegen sie seyn, und ihr Gut, wie mein eigenes, ansehen und erhalten. Laß mich an ihnen deine Person ehren, und aus Liebe zu Dir ihnen anhängen. Um dieß bitte ich Dich, durch Jesus Christus, unsern Herrn. Amen. 20. Gebeth eines tugendhaften Jünglings. Gott! leite mich auf dem gefahrvollen Wege meiner Jugend, daß ich immerdar vor deinen heiligsten Augen wans deln, und Alles sorgfältig meiden måge, was Dir, o liebster. Bater! mißfällig ist. Steh' mir bey, daß ich mich vor Müßiggehen, Lügen, Spielen, Volltrinken, und vor allen Sünden hüte, die so leicht zur Gewohnheit werden, welche man hart, oder gar nicht mehr ablegen kann. Besonders aber bitte ich, o mein Gott! bewahre mich vor dem fürchterlichsten Laster, welches Dir so sehr miss fällt, den Menschen, zumal den Christen so tief herab sest, so ganz entwürdiget, und welches so viele Junglinge vor der Zeit in das Grab stürzet, ihnen ihre Gesundheit, und nur gar zu oft auch ihre Seligkeit raubt, nämlich vor dem Laster der Unzucht. Wie würde ich mich vor Dir, o Allwissender! schämen müssen, wie würde ich von meinem Gewissen geangstiget werden, wenn ich etwas zu thun oder zulassen sollte, was wider die Reinigkeit ist! Fienge ich einmal an, o ich würde mich 7 für verschiedene Stände. 453 schwer mehr bessern: ich würde fortsündigen, die Sünde mir angewöhnen, und in der Sünde sterben. Wie muß dem Unzüchtigen seyn, wenn er vor Dir, o allwissender, gerechter Richter! erscheinen soll? Und dort in der Ewigkeit, in dem Orte der unaussprechlichen, unaufhörlichen Peinen! wie wird ihn der Gedanke martern, was habe ich gethan? was habe ich verloren? was muß ich jest leiden? und dieß auf ewig- aus eigner Schuld. Ich zittere, wenn ich daran gedenke; soll ich aber nicht noch mehr zittern, wenn ich bedenke, wie leicht ich in dieses Unglück fallen könnte? Erhalte mich, o Gott! in deiner beil. Furcht, daß ich nie etwas begehe, was wider dein Gebot und mein Gewissen ist: ich würde mich zeitlich und ewig unglücklich machen. Ich will also, so viel ich kann, Alles meiden, was einem keuschen Jüngling unanständig, oder gefährlich ist. Ich will mit meinen Augen, in meinen Reden, in meinem ganz zen Thun und Lassen, sittsam und schamhaft seyn. Vorzüglich will ich alle böse Gesellschaft, die Pest der Jugend, meiden; keinem Berführer Gehör geben, und mich von Niemanden zu irgend etwas verleiten lassen, was Dir, o mein Gott! mißfallen müßte. Auch wenn ich allein bin, will ich mich immer an deine unsichtbare Gegenwart erinnern, daß ich ja nichts thue, was mich vor deinen reinsten Augen würde schamroth machen; denn Du siehst und weißt auch die heimlichsten Sünden, und sagst mir durchy mein Gewissen, was schändlich und unrecht ist. Aber auf meine guten Vorfäße, auf meine Kräfte allein darf ich mich nicht verlassen. Ich bin schwach, und kann nichts anders thun, als fliehen, wachen und bethen. Ja fliehen und wachen will ich, so gut ich tann; alle Gelegenheit zur Sünde will ich sorgfältig meiden; aber auch zugleich bethen, und zu Dir, allmächtiger, gutigster Bater meine Zuflucht nehmen; du wirst dein schwaches Kind, das Dir folgen will, im Guten leiten, schu hen und stårken, um dieses bitte ich Dich, dieses hoffe ich durch Jesus Christus deinen Sohn, unsern Herrn. Amen. 21. Gebeth einer tugendhaften Jungfrau. Nur Tugend ist wahre Schönheit, und Schambaftigkeit ist die größte Zierde meines Ge IX. Abschnitt. Andachten schlechtes. Die jugendliche Gestalt welket wie eine Blus me; und ein schönes Kleid bedecket meine Fehler nicht: auch wenn man mich lobt und sucht, bin ich deßwegen nicht bes ser. Dir zu gefallen, o mein Gott! foll mein eifrigstes Be. streben seyn; daran ist mir Alles gelegen: in der Tugend will ich meine einige Ehre und Freude suchen. Ich kann Dir, o mein Gott! nicht gefallen, wenn ich nicht züchtig lebe, und Alles sorgfältig meide, was wider die Reinigkeit ist. Da muß ich mich am meisten hüten, muß wachen und bethen. 454 Bewahre mich, o Gott, vor dem ersten Fehltritte! Ach, er würde gewiß nicht der leßte seyn. Begieng ich einmal eine Sünde wider die Reinigkeit, so würde ich sie durch keine Neue mehr widerrufen, oder ganz austilgen können. Steh mir zur Zeit der Versuchung bey, daß ich an Dich, allwissender Vater, und gerechter Richter! gedenke. Wenn mein Verbrechen auch vor der Welt geheim bliebe; Dir, o Gott! bleibt nichts verborgen; deinem Gerichte würde ich nicht entgehen; einst würde meine Schande vor der Welt offenbar werden, und auf eine augenblickliche Lust würden bittere Thränen, und ewige Vorwürfe des Gewissens folgen. Erwecke also in mir, o Herr! einen Abscheu gegen Alles, was mich vor mir selbst, und vor deinen reinsten Augen schamroth machen würde, damit ich in Allem meinen Leib heilig halte, und mich nicht selbst entehre. Heilsame Furcht durchdringe meine Seele, und das Andenken an das Ende aller irdischen Freuden schrecke mich vor dem Abgrunde zurůck, worein mich mein Leichtsinn stürzen könnte. Sollte ich wohl je so verblendet seyn, meine Tugend, meine Ehre, mein zeitliches und ewiges Glück zu verscherzen!- wie schrecklich werden die Qualen der Ewigkeit seyn, wo der nas gende Wurm nicht stirbt, und das verzehrende Feuer nicht auslischt; wo die unreine Seele sich ewig mit den peinvollen Gedanken martern wird: Ich hätte so leicht können selig werden, und habe aus eigener Schuld selbst nicht gewollt; für eine geringe Lust habe ich meine Seligkeit hingege ben, und mir unaufhörliche Qualen dafür eingetauscht. O Gott' wenn ich dieses bedenke, wie kann ich etwas thun oder zulassen, was im Geringsten wider die Reinigkeit für verschiedene Stände. 455 ist! Wie kann ich etwas für gering achten, was Dir höch: stens mißfallen, und über kurz oder lang, in der Zeit und Ewigkeit so schreckliche Strafen nach sich ziehen muß? Und ich bin doch so schwach! ich bin so vielen Gefahren ausgesept! Auch mich könnte so leicht, wie viele Andere meines Standes und Alters, dieses Unglück treffen. Darum, o Gott! will ich Alles thun, um nur meine Reinigkeit zu erhalten; Alles will ich sorgfältig meiden, was ihr gefährlich seyn könnte. Ich will meine Augen in Echranken halten: nichts will ich reden, singen oder anhdren, thun oder zulassen, was wider die Schamhaftigkeit ist. Besonders will ich mich in meiner Kleidung und in meinen Geberden ehrbar und eingezogen aufführen. Ferne sen von mir aller eitler und frecher Aufpuß, der nur muthwilligen Menschen Anlaß zum Bösen giebt. Schamhaftigkeit und Sittsamkeit soll mich gegen ihre Nachstellungen be wahren. Eine wahrhaft keusche Jungfrau halten sogar bise Menschen noch in Ehren. Vor Dir, o Allwissender! fasse ich auch den ernstlichen Vorsaß, daß ich nie verführerischen Schmeicheleien Gehör geben, und mich durch keine Lustbarkeiten oder Geschenke, noch durch was immer für ein Versprechen einer zukünftigen Versorgung bethören und verführen lassen werde. So viele traurige Benspiele sollen mir zur Warnung seyn. Aber allen Gefahren kann ich unmöglich ausweichen. Desto sorgfältiger will ich über mich selbst wachen, desto eif tiger will ich bethen, daß ich nicht in Versuchung falle. Mit festem Vertrauen halte ich mich an Dich, allgegenwärtiger, gütigster Vater! Du wirst meine Schwachheit und mein Unvermögen durch deine Gnade unterstüßen: um dieß bitte ich Dich, das hoffe ich, durch Jesus Christus deinen Sohn, unsern Herrn. Amen. 22. Gebeth einer Wittwe. Mein Gott! deiner Weisheit gefiel es, meinen Gatten zu Dir zu nehmen. Das Kreuz, welches Du mir dadurch auflegst, ist wohl schwer; aber Du nennst Dich den Richter der Wittwen, und den Bater der Waisen. D so bilf mir denn, mein Vater! Zieh mich von der Welt, in welcher Alles eitel ist, stets mehr ab. Laß mich nichts so sehr lieben, als Dich; laß mich in deinem Dienste, in stiller Zurückgezogenheit, 456 IX. Abschnitt. Andachten in einer einfachen Lebensart, im Bethen und in guten Werken, meine Freude suchen. Laß mich Allen ein Muster der Tugend werden. Ich fezze mein ganzes Vertrauen auf Dich. Erhöre mich, durch Jesus Christus. Amen. 23. Gebeth eines Armen. Mein Gott! ich bin wohl recht arm; aber niedergeschlagen will ich deßwegen doch nicht seyn. Wenn ich Dich kindlich liebe und fürchte, so bin ich reich. Gieb mir nur ein reines Herz und ein gutes Gewissen, das mich deinen Augen wohlgefällig macht. Ich habe ben meiner Geburt nichts in die Welt gebracht, und ich werde beym Tode nichts mitnehmen. Es geschieht nichts ohne deinen heiligen Willen, ohne deine weise Fügung. Dein Name sen gelobt! So laß mich stets gesinnt seyn, Vater! ich bitte Dich darum, durch Jesus Christus, unsern Herrn. Amen. 24. Gebeth am Geburtstage. Ich danke Dir, o Gott! für das Leben, das Du mir gabst. Du schufft mich aus Liebe, Du nåhrtest mich, Du bemerkteft alle meine Schritte. Wie liebvoll leitetest Du mich bisher! Wie viele frohe Tage schenktest Du mir! Wie oft erhielt ich Glück und Segen von Dir! Wie vielmal trôstetest Du mich in meinem Leiden! Du dachtest an mich, da ich noch nicht denken konnte; Du warntest mich oft mit wahrer Batergüte vor Gefahren. Ich fehlte, und Du trugst mich mit Geduld; ich fiel, und Du hobst mich wieder auf; ich verließ Dich, und Du gingst mir nach; und als ich zu Dir zurück kehrte, nahmst Du mich wie ein liebvoller Vater auf. D was bin ich Dir Alles schuldig! Erwecke mich heute wieder zum Guten. Giebst Du mir ein längeres Leben, so gieb mir auch ein Herz, das Dich nie verläßt und immer inniger liebt. Nimm mir Alles, nur deine Liebe nicht, mein Gott und Alles! Um dieß bitte ich Dich, durch Jesus Christus, unsern Herrn. Amen. Erneuerung des Zaufbundes, oder auch wenn man bey einer Laufhandlung zugegen ist. Allmächtiger, ewiger Gott! Vater unsers Herrn Jesus Christus! der Du uns zum heiligen Glauben berufen, und Allen, die Du durch die heilige Taufe mit Dir verbin dest, die kräftigsten Versicherungen deiner Liebe und Gnade für verschiedene Stånde. 457 giebst; verleih, daß ich andächtig mich daran erinnere, und für die Beweise dieser großen Liebe, die Du allen, sowohl mir, als meinen christlichen Mitbrüdern in der Taufe ertheilet hast, oder noch ertheilen wirst, dankbar sen. Nimm und behalte uns unter deinem väterlichen Schuße, ja laß deine gnådige Hand über uns ausgestreckt seyn, so wie der Priester in der heiligen Taufe sie über die Täuflinge ausstreckt. Bewahre uns unter dem Schuße des Kreuzes, womit wir in der heiligen Taufe bezeichnet wurden! Heile uns stets mehr von aller Blindheit des Herzens; zerreiße vollends die Stricke des Satans, womit wir gebunden waren, und öffne uns die Thüre deiner Barmherzigkeit, damit wir die Reize der Welt verabscheuen, an deinen heiligen Geboten Geschmack finden, und durch genaue Befolgung derselben Dir freudig in deiner heiligen Kirche dienen. Laß uns mit deiner Weisheit, als mit geistlichem Salze, gewürzet, immer eifriger in der Andacht, und immer freudiger in der Hoffnung deinem heiligen Namen dienen! Niemals soll der Satan über uns eine Gewalt bekommen, sondern viel mehr zictern und zurückfliehen vor dem Zeichen des heiligen Kreuzes, das unserer Stirne aufgedrückt wurde. Heiliger Herr, allmächtiger Bater! Du Quell alles Lichtes und aller Wahrheit! erleuchte und reinige uns, deine Diener; gieb uns die wahre Weisheit, daß wir in der heiligen Tauf- Gnade zu verharren gewürdiget, unbe weglich in der Hoffnung, weise in all' unserm Vornehmen, und treu deiner heiligen Lehre verbleiben, durch Jesus Christus, unsern Herrn. Amen. ( Hier bethe andächtig ein heiliges Vater unser, Ave Mas ria und den Glauben; alsdann sprich mit Ernst und wahrem Eifer die Absagungsformel:) Ich widerfage dem bösen Feinde, und aller seiner Hoffart, und allen seinen Eingebungen.( Nich te an dich selber die wichtigen Fragen:) Glaubst du an Gott den Vater u. f. w. und antiv. von Herzen und fest: ,, Ich glau be."( Dann bethe weiter:) - Allmächtiger Gott! Vater unsers Herrn Jesus Christus! Dank sey Dir dafür, daß Du uns aus dem Wasser und heiligen Geiste wieder geboren werden, und uns Vergebung der Sünden ertheilen ließest! O salbe uns mit der Salbung des Heiles, in Christus Jesus zum ewigen Leben! Du hast uns das Kleid der Unschuld angezogen, so bewahre 458 IX. Abschnitt. Andachten uns auch vor aller Mackel der Sünde, daß wir dasselbe ein. stens rein bis vor den Richterstuhl unsers göttlichen Heilandes Jesus hinbringen können! Du hast uns das Licht des Glaubens angezündet; laß dasselbe in uns nie mehr verldschen! Gieb uns die heilige Liebe, daß wir deine Gebote halten, und einstens, wenn Du, Herr! zum Gerichte kommst, mit allen Heiligen von Dir dein liebliches Willkommen hören, und in das ewige Leben eingehen mögen. Amen. 25. Am Namenstage. Gieb, o Gott! auf die Fürbitte des heiligen N., dessen ( der heiligen N., deren) Namen ich trage, daß ich mein Leben nach deinen heiligen Vorschriften einrichte, dem erhabe: nen Beyspiele des( der) heil. N. getreu nachfolge, und in deiner Gnade bis an mein Ende verharre, durch Jesus Christus, unsern Herrn. Amen. Gebeth, um die heilige empfangene Firmguade wieder in sich zu erneuern. Auch als Andachtsübung dienlich, wenn man bei einer Ausspendung der heiligen Firmung gegenwärtig ist. Allmächtiger, ewiger Gott! der Du Dich gewürdiget hast, mich, deinen Diener, durch das Wasser und den bei: ligen Geist neu geboren werden zu lassen, auch mir die Nachlaffung aller meiner Sünden ertheilet hast, sende über mich herab deinen heil. Geist, den himmlischen Tröster, den Geist der Weisheit und des Verstandes, den Geist des Rathes und der Kraft, den Geist der Wissenschaft und der Frömmigkeit. Erfülle mich mit dem Geiste der Gottesfurcht, und drücke mir auf das Zeichen des heiligen Kreutzes Jesu Christi, der mit Dir und dem heil. Geiste gleicher Gott lebt und regieret ewiglich. Amen. Nun ist meine Stirne gefalbt mit dem heil. Chrysam und bezeichnet mit dem heiligen Kreuze. Du o heil. Geist! der Du die heil. Apostel erfüllet hast, und durch ihre und ih rer Nachfolger Hände bis in unsere Herzen herabsteigen wolltest, Du hast auch mein Herz zu deinem Tempel erwählt, zum Streiter für Jesus Christus und seinen heiligen Glau. ben, unter der blutigen Fahne des Kreuzes. Ich danke Dir, o heiliger Geist! für diese so große Gnade des heiligen Firm Sacramentes, und bitte Dich, verlaß mich nur nicht mehr! Verleihe doch, daß dieser Dir geweihte Tempel, mein Herz, 459 für verschiedene Stånde. durch deine wirkliche Inwohnung immer mehr geheiliget werde! Mache mich täglich stärker, daß ich Dich nie durch Sündigen von mir entferne, oder auch nur durch irgend eine Untreue betrůbe! Du bist es, der die heil. Märtyrer vor den Richterstühlen im Leiden und Tod gestärkt hat, daß sie unerschrocken den Glauben an Jesus Christus bekannten. Und auch ich werde in meinem Leben, wenn schon nicht blutige Verfolgungen, doch wohl die noch gefährlichern Versuchungen der ungläubigen Welt zu bestehen haben. O sey dann mein Licht, socnn verführerische Reden mir die Lehre Jesus zweifelhaft; stärke mich, wenn Hohn und Spott, diese Waffen der Welt, mich im wahren Glauben wankend machen möchten! Laß mich immer auf Jesus sehen, wie Er vor Kaiphas unerschrocken die Wahrheit bekannte, und gelassen den Spott des Herodes ertrug, damit Er sich einst auch meiner nicht schåme, und mich vor seinem Vater als seinen treuen Streiter bekenne, wenn Er auf den Wolken des Himmels kommen wird, zu richten die Lebendigen und die Todten. Amen. Gebeth um Segen für die Feldfrüchte, beym Wettersegen an Sonn- und Fevertagen zu gebrauchen. Barmherziger Gott und Vater! Du gütigster Erhalter unsers Lebens! wir rufen jest zu Dir um das tägliche Brod, und um Alles, was wir zu unserm Unterhalt nöthig haben. Gieb Wachsthum und Gedeihen unsern Feldfrüchten; sende zu rechter Zeit erquickenden Regen und milden Sonnenschein. Schöpfer und Herr des Himmels und der Erde! Alles steht in deiner Macht. Du kannst uns deinen Segen geben und entziehen. Darum bitten wir Dich, segne die Früchte unserer Felder, und beschühe sie vor Mißwachs, Dürre, Nässe, Reif und verderblichem Hagel. Zwar sind wir fündige Menschen deiner Gaben und Gnaden, die Du uns täglich, ja stůndlich erweisest, nicht würdig; aber, o gütiger Vater im Himmel! sich nicht an unsere Sünden und Missethaten, die wir hier von Herzen bereuen, sondern erbarme Dich unser um Jesus, deines Sohnes, willen, der für uns am Kreuze gestorben ist, und sein kostbares Blut vergossen hat. Wir sehen unser ganzes Vertrauen auf Dich, und geloben Dir, daß wir alle unsere Standespflichten treu erfül IX. Abschnitt. Andachten len, und im Unglücke wie im Glücke mit deinen weisesten Anordnungen zufrieden seyn wollen. Wir wollen es nie ver gessen, daß Du unser Vater bist, und daß Du es gut mit deinen Kindern meynst, Du magst geben oder nehmen, fegnen oder züchtigen. co- den Wir bitten Dich, o barmherziger Vater! verlaß uns, deine armen hülfsbedürftigen Kinder nicht. Erbarme Dich noch ferner über uns, und segne uns mit Gnade und Barmherzigkeit in Allem, was unser zeitliches und ewiges Heil betrifft. Darum bitten wir Dich, durch Jesus Christus, unsern Herrn und Heiland. Amen. € 460 27. Gebeth um Regen. Gott! in dem wir leben, uns bewegen und sind, gieb uns einen ersprießlichen Regen, damit wir, mit zeitlichen Gütern hinlänglich versehen, mit desto mehr Zuversicht nach den ewigen trachten; durch Jesus Christus, unsern Herrn. Amen. 28. Gebeth ben einem Gewitter. Gott! furchtbar offenbart sich deine Macht. Der Donner ist deine Stimme. Alles zittert vor dieser Stimme. Donner und Blizze sind deine Boten, sie gehen den Weg, den Du ihnen gebahnt hast; sie verkündigen deine Herr lichkeit. Unter Donner und Bliş verkündigtest Du einst dein Gefeß auf dem Berge Sinai. Wie im, Donner, sprachst Du zu deinem Sohne: ,, Ich habe Dich verherrlicht, und ich werde Dich verherrlichen."-Dich Vater! den jetzt die ganze Natur schweigend anbethet, Dich bethen auch wir als unsern Herrn an. Vor Dir beugen sich alle Knie. Heiliger Gott! heiliger, starker Gott! heiliger, un sterblicher Gott, erbarme Dich unser! 29. Gebeth nach einem Gewitter. Mein Gott! wir danken Dir, daß Du uns und das Unfrige behütet hast. Wir wollen stets auf Dich vertrauen, Du bist unser Gott; Du rettest und hilfst gern. Laß den überstandenen Schrecken unserer Seele heilsam werden. Segne die Vorfäße, die wir in dem Augenblicke der Gefahr ge macht haben. Wir wollen uns bessern und dem fürchterlichen Gerichte zuvorkommen, von welchem dieses Gewitter nur ein schwaches Bild war. Hat dasselbe irgendwo Schaden gemacht, so erwecke Alle, die Du beschüßet hast, zum für verschiedene Stände. 461 Mitleiden und hilfreichen Beystand. Wir empfehlen uns und das Unsrige ferner deinem Schuße und Segen. Um dieses bitten wir Dich, durch Jesus Christus. Amen. 30. Gebeth um heiteres Wetter. Wir rufen zu Dir, o Herr! und bitten Dich demüthig, verleih uns ein heiteres Wetter. Laß uns, die wir für unsere Sünden billig gezüchtigt werden, deine zuvorkommende Barmherzigkeit und Güte erfahren; durch Jesus Christus, unsern Herrn. Amen. isd 31. Gebeth nach einer gesegneten Aerndte oder Weinlese.d. Wir danken Dir mächtiger Gott! für den reichen See gen, mit welchem uns deine våterliche Güte in diesem Jahre beschenkt hat. Verleih, daß wir ihn nach deiner heiligen Absicht, zu unserm und unsers Nächsten Besten, verwens den, und deiner Wohlthaten ferner würdig und theilhaftig werden; durch Jesus Christus, unsern Herrn. Amen. 32. Gebeth nach einer geringen Verndte. Allmächtiger Gott! nicht so reichlich, wie Du es sonst gethan hast, segnetest Du uns in diesem Jahre mit Fruchts barkeit. Aber auch das Wenige, was wir von deiner Vaters hand empfingen, wird uns genügen, um uns zu erhalten, wenn Du deinen Segen dazu giebst. Wir danken Dir des wegen von Herzen für deine wenigeren Gaben, und bitten Dich, laß uns diese unter deinem Schuße genießen und treu mit denselben haushalten, damit wir einst verdienen, über mehreres geseht zu werden, und an den unvers gånglichen Gütern des ewigen Lebens Theil zu nehmen; durch Jesus Christus, unsern Herrn. Amen. 33. Gebeth von Pabst Urban VIII. ( ben einem allgemeinen Anliegen.) Vor deinen Augen, o Herr! bekennen wir die Sünden, die wir begangen, und vergleichen sie mit den Strafen, die wir dadurch verdient haben.- lieberdenken wir das Ulebel, welches wir verübt haben, so sind die gegenwärtigen Leiden Wir ohne Vergleich geringer, als unsere Missethaten. empfinden die Strafen der alten Sünden; und noch lebt die Deine ZüchtiLust zu neuen Sünden in unsern Herzen. gungen treffen unsere Vergehungen; aber unsere Bosheit überwältigen sie nicht.- Traurigkeit überfäkt unser Herz; - 462 IX. Abschnitt. Andachten aber den stolzen Sinn des Lasters demüthigt sie nicht.- Bitterer Schmerz nagt an unserm Leben; aber unsern Wandel bessert er nicht. Wenn Du langmüthig schonst, so achten wir nicht darauf; und wenn Du zuchtigst, so halten wir nicht aus. Zur Zeit des Unglüucks gestehen wir unsere Verbrechen; aber nach deiner Heimsuchung vergessen wir, was wir zuvor beweint haben.- Hebst Du deine Ruthe ge gen uns auf, so thun wir Gelübde der Besserung; senkt sich dein Arm, so unterlassen wir Alles, was wir versprochen haben. Wenn Du schlägst, so schreyen wir zu Dir: Verschone uns! Und wenn Du verzeihst, so sind wir so fehlerhaft, als zuvor. Herr! Du hast an uns Sünder, die es bekennen, daß sie gesündigt haben. Wir wiss sen, daß, wenn uns deine Barmherzigkeit nicht in Gnaden aufnimmt, wir deiner Gerechtigkeit heimfallen. Allmächtiger Bater! gieb uns ohne unser Verdienst das, um was wir zu Dir flehen, Du, der Du uns aus Nichts gemacht hast, daß wir zu Dir bethen können, durch Jesus Christus, unsern Herrn. Amen. L -- 13 - 34. Gebeth zur Zeit ansteckender Krankheiten. Gott! nun zeigst Du, was der Mensch ist, und was Du bist. Ach, wie viele Menschen reibt diese einzige Krankheit auf! Sie verseht uns alle in Angst und Trauer. Gut ist es zwar, daß Du uns gedemüthigt, und ein so kräfe tiges Mittel zu unserer Besserung gewählt hast. Michten aber nur auch durch den Anblick des nahen Todes die Herzen Aller gerübtt, zu Dir hingerissen, und die Sünder gebessert werden. Vater! sey uns Armen gnås dig, nimm diesen bittern Kelch von uns hinweg. Erleuch te die Aerzte, daß sie die Krankheit recht erkennen, und segne die Arzneyen, daß sie den Kranken helfen. Ist es aber dein Wille, daß dieses Uebel noch långer dauere, und daß noch mehrere Menschen leiden und sterben sollen, so geschehe dein heiligster Wille. Sur um dieses bitten wir Dich, laß keinen unbereitet und in deiner Ungna de sterben. Laß dieses llebel zu unserm Besten gereichen, und, indem es die Leiber tödtet, zur Besserung der Seelen beytragen, durch Jesus Christus, unsern Herrn. Amen. 35. Gebeth zur Zeit einer Viehfeuche. O Gott! Schöpfer aller Dinge! Du hast uns die Thiere für verschiedene Stände. 463 unterworfen, und sie zu unserm Dienste bestimmt; wir dane ken Dir für deine liebvolle Einrichtung. Aber eine tödliche Krankheit entkräftet, und raubt uns das so dienstbare und nügliche Vieh. Wir haben zwar dieses llebel verdient, Du suchst uns mit Recht heim; doch fällt es uns zu hart und schmerzlich, unsere Hausthiere zu verlieren. D erhalte sie uns! Verschone uns mit deiner Züchtigung. Wir wollen Dir künftig für unser Vieh dankbar seyn; wir wollen es nicht mißhandeln; wir wollen über dasselbe nicht fluchen. Dieß versprechen wir Dir, und bitten Dich um Erbarmung, durch Jesus Christus. Amen. 36. Gebeth zur Kriegszeit. Gett! der Du die Kriege zernichtest, und die Feinde derjenigen, welche auf Dich vertrauen, mit dei nem mächtigen Schuze zerstreuest; komm deinen Dies nern zu Hülse, die deine Barmherzigkeit anflehen, da: mit wir, nach gedämpfter Wuth unserer Feinde, Dir unaufhörlich danken, und Dich ewig loben mögen; durch Jesus Christus, unsern Herrn. Amen. 37. Gebeth nach einem Siege. Dank und Preis sey Dir, Herr der Heerschaaren! Du haft uns den Sieg über unsere Feinde ertheilt. Führe sie selbst durch ihr Unglück zu friedsamen Gesinnungen; flöße den Siegern Liebe zu den Besiegten ein; gieb den im Kampfe Gebliebenen die ewige Rube; heile die Berwundeten; hilf Allen, die dabey wie immer gelitten haben. Leite die Herzen der Fürsten, daß sie nur so lange, als es nothwendig ist, das Schwert zur Bertheidigung gebrauchen. Laß uns auch über alle Feinde unserer Seele siegen, und einst zum ewigen Leben gelangen, durch Jesus Christus, unsern Herrn. Amen. 38. Gebeth um den Frieden. Gott des Friedens! Du lassest Kriege zu, damit wir desto mehr nach dem wahren, nach dem ewigen Frieden trachten. Verleih deiner Kirche und unserm Lande den Frieden. Wir zittern, wenn wir uns die Ulebel vorstellen, welche der Krieg über uns und unsere Brüder herbeyführt. Gieb den Völkern, die gegen einander streiten, Gedanken des Friedens. Du hast die Herzen der Könige in deiner Hand, und lenkest sie wie Wasserbäche, wohin Du willst. O leite sie zur Einig 464 IX. Abschnitt. Andachten keit! Und schenkst Du uns dann den Frieden, so laß ihn uns auch heilig gebrauchen, und verleih gnådig, daß wir nicht uneinig unter einander leben, oder durch die Sünde uns gegen Dich auflehnen. Um dieß bitten wir Dich, Jesus Christus, unsern Herrn. Amen. 39. Gebeth um das Eine Nothwendige. ( Defters, besonders am Geburtstage, und an andern merkwürdigen Tagen des Jahres zu beherzigen.) Gott, mein Schöpfer und Vater! gieb meinem Geiste Flüs gel, daß er sich über diese Erde emporschwinge, und sich in dir versammle- zur Stille der Andacht, zur Unterhaltung mit Dir über mein ewiges Heil.- Gott! welche unaussprechliche Gnade, daß ich- ein Wurm im Staube ein fündiger Mensch mit Dir reden darf! und doch geschieht es so felten! welche Wonne ist in deinem Umgange verborgen, und ich genieße sie so wenig! welch' ein treuer und sicherer Führer zu meinem Heile wäre das wahe re Gebeth, und ich kenne es kaum- ich übe ein so nache läßiges und unvollkommenes Gebeth, als bedürfte ich eines fold, en Führers nicht!- Ach! mit Beschämung und unter Seufzern muß ich mein Gebeth beginnen! - - - Was ist es wohl, o mein Gott! was mich so von Dir zus růcthält? Mein Wille wäre es oft, Du weißt es, herzlich zu bethen, aber ich bin faum mein eigener Herr; mein Kopf ist immer voll von zeitlichen Geschäften, mein Herz ist so vers wirret, daß ich entweder gar nicht, oder nur mit zerstreuten Gedanken und trockenem Herzen daran komme. So kann ich auch deine Süße, o Herr! nicht kosten, noch die nöthige Frucht aus meiner Andacht schöpfen, und ich kehre wieder zum Zeitlichen zurück, ohne ganz bey Dir gewesen zu seyn. Daher kommt es auch, daß ich immer der alte, an's Irdische gefesselt, in Sünden verwickelte und unglückliche Mensch bleibe, und auf dem Wege meiner eigentlichen Bestimmung nicht weiter komme. Ich lerne täglich, und werde nicht flüger ich erwerbe und genieße, und werde nicht satt- ich arbeite und kümmere mich binab, und gewinne damit nichts, als neue Arbeiten und Sorgen. Wohl nähre ich meinen Körper, aber meine Seele verschmachtet; und während ich mich für dieses Leben versorge, verwahrlofe ich mich für die Ewigkeit. Ich seufze unabláßig nach etwas Besserem, J für verschiedene Stände. 466 und erlebe nur Schlechteres. Meine Unruhe, mein Elend meh ret sich mit meinen Zhorheiten und Verirrungen, und ich has be bald Ursache, für mein Schicksal,- für das Heil meiner unsterblichen Seele zu zittern!- So eilt meine Lebenszeit dahin, meine Kräfte erschöpfen sich, und sammt aller Mühseligkeit komme ich von meinem Ziele mehr ab, anstatt mich ihm zu nähern. Je länger ich so fort mache, desto ohnmächtiger werde ich, mich zu bessern. Endlich kann mich der Zod plößlich und unvermuthet überfals len, wie es Zausenden meines Gleichen ergangen ist, und noch ergeht. Wie Viele ergreift die kalte Hand des Todes am heis ßen Mittage ihres Lebens, mitten im Drange irdischer Ges schäfte und Entwürfe, während ihr Herz an Gott und Gottes Reich nicht denkt!- Die Welt mit all' dem Ibrigen schwin, det die Pforte der Ewigkeit öffnet sich augenblicklich, un, vorbereitet werden sie ihrem ewigen Schicksale entgegen ges worfen. - Gott, welches Entsetzen! Nein, solcher Gefahr will ich mich nimmer weiter aussetzen. Heute noch will ich Hand an's Werk legen, und mit deinem Beystande meine Bekehrung bes ginnen. Wo, o mein Gott! wo lag wohl, seit so langer Zeit, der eigentliche Grund meiner traurigen Verkehrtheit?- Ach, wo anders, als in meinem Eigensinne, welchen ich immer deinem heiligen Willen entgegenfeßte.- Dein Wille ist, daß ich Dir allein dienen und mit ganzer Seele an Dir hängen solle. Ich aber wollte mein Herz theilen zwischen Dir und der Welt, und dieser zugleich dienen. Darum hieng ich mehr an der Welt, ja ich diente ihr allein. Darum fuchte ich das Zeitliche als mein höchstes Gut- als meine einzige Glückseligkeit; das Ewige, wie eine bloße Nebensache. Das Blendwerk des irdischen Reichthums gieng mir über den Glanz der himmlischen Herrlichkeit; der Dunst eitler Ehre vor Menschen über der, alleinigen Ruhm vor Dir, o Gott! und der augenblickliche Genuß sinnlicher Lust über die ewigen Freus den des Himmels.- O diese Verkehrtheit in meinem Innern zog auch die äußere Verkehrtheit in meinem Wandel nach sich - daher alle meine Sünden, daher meine Uneinigkeit init mir selbst, meine Zwistigkeiten mit meinen Mitmenschen, mein ganzes Elend, das Du wohl weißt, o Gott! D Du ewige Quelle alles Guten! wer von deinen Wegen weicht, verirrt sich unfehlbar auf die Wege des Verderbens. Barmherziger 30 466 IX. Nbschnitt. Undachten Bater! ich danke Dit, daß Du mich dieses ießt in dieser heis ligen Stunde so recht erkennen laffest. Die Erkenntniß meis nes Elendes ist der erste Schritt zu meiner Rettung. Ach laß nicht ab, dieselbe zu vollenden, und mich aus meinem Ab grunde heraufzuziehen.- Was muß ich thun, um selig zu werden? Was anders, als gerade das Gegentheil von deni, was ich bisher gethan habe? ich muß meinem Eigensinne absterben und mich deinem heiligen Willen hingeben. Dieses sprach einst mein Heiland klar und rührend aus: Martha, Martha! Du machest Dir Sorge um viele Dinge; nur Eines ist nothwendig." Ja, mein Heiland, nur Eines: mit Maria zu deinen Füs Ben sizzen, und dein heilig Wort hören, und es vollbringen. Gleichwie mich bisher tausend unnüße Dinge beschäftigten, die mich weder besser noch glücklicher machten, so soll ich von nun an meine ganze Sorge auf das Eine wenden, das mich allein gut und selig macht. Was die tausend unnützen Dinge betrifft, belehrt mich dein Wort am besten, oder eines Bes seren: ,, Trachtet vor Allem nach Gottes Reich und seis ner Gerechtigkeit; das Uebrige wird euch hinzu gelegt werden. Der himmlische Vater weiß, was ihr bes dürfet." Wie weit gütiger, o Bater! bist Du, als ich selbst gegen mich? Du wilt mir keine andere Sorge aufladen, als die Einzige- um meine ewige Seligkeit; jede andere- um mein zeitliches Bedürfniß nimmst Du auf Dich. Du kennest auch dieses am besten, und bist reich genug, es zu befriedigen. Du hast es schon so in der Welt eingerichtet, daß deine gehorsamen und fleißigen Kinder keinen Mangel leiden können. Du hast selbst für den Unterhalt und die Kleidung der Vögel in der Luft, und der Blumen auf dem Felde Fürsorge getrofs fen, ob sie schon weder såen noch årndten, weder spinnen noch nähen- also kannst Du unmöglich deiner Kinder vergessen. Ich aber, o der Schande! ich habe deine heilige Ordnung umgekehrt, ich blinder ohnmächtiger Mensch, unternahm es, weifer zu seyn, und besser selbst für mich sorgen zu wollen - ich trachtete vor Allem, und oft ganz allein, nach dem Zeitlichen, und setzte tiemit mein zeitliches und ewiges Wohl zugleich auf das Spiel. - Genug dieser Thorheit!- ich habe nur zu lange, o mein Gott! deine Langmuth auf die Probe gestellt. Es ist Zeit, für verschiedene Stände. 467 daß ich meinen Leichtsinn ablege, und das Versäumte hereins zubringen anfange. Verzeihe, Bater! so lange ich bloß irs disch gesinnt war, verstand ich nicht was des Geistes ist; ich hatte Augen und sah nicht; Ohren, und hörte nicht. Die flarsten und rührendsten Wahrheiten deines heiligen Evanges liums an mein aber drangen in's perz; oder ich ſuchte ihrer Eindrücke vald möglichst wieder los zu werden. So machen es die Kinder der Welt, als ob dadurch die Wahrheit zur Lüge- das Vergångliche zum Unvergångs lichen würde; oder als ob es besser wäre, blind in's Vers derben zu rennen. Von nun an will ich deinem heiligen Worte, dessen Ers fenntniß Du mir aufgeschloffen haft, allein Gehör geben, und in deinem Lichte wandeln, so lange ich lebe. Was Dich bewogen hat, deinen eingebornen Sohn vom Himmel auf die Erde zu senden und was meinen Heiland auf Erde allein beschäftigte, wofür er lebte, litt und starb, das soll in Zukunft meines Herzens erste und einzige Sorge seyn. Wofür die heiligen Apostel und ersten Jünger des Herrn Alles verließen wofür sie ihre habe, ihre Ruhe, ihr Leben opferten- dem allein will ich mein Lebenlang nachtrachten. - - Was die weiseften und edelsten Menschen aller Zeiten mit Liebe umfaßten, worinn sie ihren Reichthum, ihren Ruhm, ihren Trost, ihren Frieden auf Erden suchten, und ihr Heil gründeten für die Ewigkeit- dafür will auch ich leben und sterben. de Mögen die Thoren fortfahren, sich um das nichts der Er um die Gößen der Welt, todt zu laufen, bis sie selbst in die Grube sinken; ich will mir meine, und des weisen Kö nigs Erfahrung noch zur rechten Zeit zu Nußen machen: ,, Al les unter der Sonne ist nichts, als Eitelkeit des Lebens, und Zrübfal des Herzens." - Du, o mein Gott! bist meine Liebe Du mein Erbtheil in Ewigkeit! Für Dich hast Du mich geschaffen; und es ist keine Ruhe für mich als nur in Dir- und keine Selig, feit hier und dort, als in Dir.- Möge immer meine alte Begierlichkeit wiederkehren, und die eingewurzelte funds liche Sorge um vergängliche Dinge mich zum Rückfalle reis Ben: ich nehme schnell meine Zuflucht zur Betrachtung der noch älteren und kräftigeren Wahrheit, und zu Dir, o mein Vater! im heil. Gebethe. So wird mich nichts trennen von Dir weder Erde noch Himmel, weder Gegenwart noch Zukunft. So wird mich nichts mehr abhalten, mir unvers gangliche Schäße zu sammeln, für den Himmel, auf den gros Ben Tag der Aernte. Amen. - - 30* 465 3ehnter Abschnitt. Andachtsübungen für Leidende und Versuchte. 1. Borerinnerung. Von der christlichen Geduld in Widerwärtigkeiten. Unser Vater im Himmel, der uns nicht über unsere Kräfte versucht werden läßt, sucht oft die Seinen mit Leiden und Widerwärtigkeiten heim, um sie zu prüfen, zu reinigen, und für den Himmel zu erziehen. Wenn dir daher der liebe Gott Leiden sendet, o Chrifi! so halte dich an dem Gedanken fest, daß sie aus Gottes Baterhand kommen, und die zum Besten gereichen müssen, wenn du Jhn nur von ganzem Herzen liebest. Was Gott thut ist wohlgethan! Zu dem haben die Leiden und Widerwärtigkeiten dieses Lebens gewiß auch neben der bittern eine recht gute Seite. 1) Nichts ist verführerischer, als die Freuden der Sinnlich feit und der verbotenen Lust; nichts blendender, als die Reichs thümer, die Freuden und Herrlichkeiten der Erde. Aber die Widerwärtigkeit zerstört diese gefährlichen Blendwerke, und zeigt ihre Nichtigkeit. Ein thránenvolles Auge sieht den wahs ren Werth der Dinge besser, als ein lachendes, und urtheis let daher auch richtiger. Die Widerwärtigkeit lehrt dich bes hutsam wandeln, und nicht allein auf den gegenwärtigen Aus genblick adten, sondern auch auf die Folgen merken, die er haben kann. Was dir jetzt ein sinnliches Vergnügen macht, kann bald eine reiche Quelle der Bitterfeiten werden; und auf was du jest thörichter Weife dein Vertrauen sehest, wird dir oft schnell entriffen. Die Gunft der Menschen ist veranderlich; Herzen, die du für die redlichsten hielteft, können dich noch baffen, und feindselig dein Verderben wünschen. Die schnode Wollust entflieht oft schon, ehe sie noch gesättiget ist, und läßt die Dornen der Gewissensbiffe in deinem elenden Herzen zu rück. Wer auf seinen Reichthum übermüthig war, kann in Armuth sinken, und verlaffen, im Elende trauern. Wohl dir, wenn dich fremde Erfahrungen zur Klugheit leiten; oder wenn du wenigstens aus der Hinfälligkeit irdischer Dinge einsehen lernest, das nichts anders ein wahres Glück einen zufriedenen Sinn gewähren kann, als das Bewußtseyn erfüllter Pflicten, und die Zugend, die fest und unerschütters fich dafiebt, mitten im Leiden und Trúbfal, wie der Fels mits ten im Meeressturm. - amis Wohl dir, wenn die Trübfal dich in ihre Zuchtschule nimmt, und dich wegreißt von den blendenden Armseligkeiten, die Welt so groß und wichtig preist, und deinen Wünschen X. Absch. Andachten für Leidende ic. 469 eine andere und edlere Richtung giebt, indem sie dich suchen un streben lehret nach jenen himmlischen Gütern, die kein Tib rauben, keine Motte verzehren, kein Rost fressen, kein Element vernichten fann, weil sie ewig sind. 2) In der Trübsal ler est du dich um so inniger an deinen Gott balten, je verlassener du von den Menschen bist, und jes mchr du nach Zrost und Hülfe schmachtest. 3) Die Trübfal reiniget dein Wesen von dem unordentli chen Neigungen und wilden Begierden nach jenen Schätzen, die dich doch nur tauschen, und nach jenen Freuden, die dich doch nur vergiften würden. In die Wohnungen des Kummers wagt sich nicht der Leicht, finn, die Wollust und Ueppigkeit finden keine Státte bey der Trauer. Die mächtigste Leidenschaft wird ohnmächtig, wenn de: Ernst der Leiden eintritt, und das Unkraut der Ehrsucht, Habbegierde, und des Uebermuthes, das im Glücke so up pig emporschießt und das wahre Leben in Gott fo vielfältig erstickt, verdorret schnell im Gluthofen der Trübfal. - 4) Das Unglück führet dich von den Irrwegen zurück, weckt dich auf von dem Schlafe der Gleichgültigkeit, zeigt dir den Abgrund, an deffen Rand du stehest, und treibt dich zur ernst lichen Sinnesänderung und Besserung deines Lebens an, in dem dir ein ruhiges, mit Gott ausgeföhntes Herz nun als das Allerwünschenswertheste erscheint. 5) Das Leiden macht dich sanft und mitleidig mit den Leis denden; weil du nun aus eigener Erfahrung weißt, wie web' Leiden thun, und wie erfreulich der Zroft und die Hülfe ift, die man einem Trauernden bringt. 6) Du lernst auf Jesus sehen, Jhm nachleiden Ibm dulden, dein Kreuz tragen, und fiegen mit Im Leiden geht dir erst die ganze Herrlichkeit der Verheißung Christus auf: ,, Wenn wir mit Ihm leiden, werden wir mit Ihm gekrónet werden." Er hat ia so Vieles erduldet, und an Jbm war nicht einmal der Schatten einer Sünde; dürftest du dich weigern, von dem Kelch der Bitterkeit zu kosten, den Er bis auf den letzten Tropfen aus getrunken bat? - - mit Ihm. - - Gott ist eben fo gut dein Wohlthäter, wenn Er dir Widers wärtigkeiten fendet, als wenn Er dein Herz erfreuet; denn durch sie führt Er dich zu deinem wahren Glücke. Du sollst Ihm also auch jederzeit, danken, und dich findlich in seine Füs Du sollst dich gungen bingeben, wie Jefus am Delberge. mit gewissenhaftem Eifer bemühen, auch zur Zeit der Trübs fale alle die Obliegenheiten zu erfüllen, zu denen dich deine Religion und deine Vernunft verbindet. Dein kindliches Vers trauen auf Gottes weise Gute, die feste und troffvolle Ucbere zeugung, daß Er dich nie werde sinken faffen, erhalte dein Herz frey von Ungeduld und gern, von Kleinmuih und Aenghis 470 X. Abschnitt. Andachten lichkeit. Du bist unter den Flügeln des Allmächtigen, leide und dulde, aber fürchte dich nicht.- - Hänge also dem Kummer nicht zu sehr nach, damit er dich nicht hindere, deine Pflichten treu und standhaft zu erfüllen. Sey vielmehr herzhaft, und bedenke, daß du durch mürrische Berdroffenheit deinen Zustand nicht verbesserst, und daß dein unchriftliches Klagen das Gewicht der Leiden nur erschwert, nicht erleichtert. Vertraue auf Gott, und bethe in Leiden und Trübfalen zu Ihm nach der Anleitung und dem Beyspiele Jesus; dazu fordert dich sein liebendes Baterberz auf, und das zu find auch die nachfolgenden Gebethe bestimmt. Aber laß dich durch dieses Vertrauen nicht zur Unthätige feit verleiten. Es ist ja Gottes Wille, daß du in der Noth deine Kräfte anwendest, und die rechtmäßigen Mittel gebraus cheft, die dich retten können. Er hat dich eben so gut zur Anstrengung und zur Thätigkeit bestimmt, daß Er dir feinen Beystand verheißen bat. Der Träge und Faule wäre seiner Hülfe unwerth; seine väterliche Weisheit hilft nur dem Neds lichen, wenn seine Kräfte nicht zureichen, oder wenn er gar keine Kraft mehr hat. Dein erstes und wichtigstes Gebeth in solchen trüben Stun den sey immer: 1. Um christliche Fassung und treue Nachfolge Jesus im Leiden. ,, llnsere jebige Trübfal, die zeitlich und leicht ist, schafft in uns eine ewige, und über alle Maßen wichtige Herrlichkeit." 2. Korinth. 4, 1. Hier, wo mich Niemand hdret, der meines Kummers mit boshafter Schadenfreude spotten könnte, wo Du, mein mitleidiger und erbarmender Gott! allein mit und bey mir bist, hier will ich für mein beklemmtes Herz Erleichterung, und für meine schmachtende Sec le Trost suchen. Wo sollt' ich auch in meinen Leiden mich anders hinwenden, als zu Dir, meinem Gott und Vater, der Du sie am besten kenneft, und, sie zu lindern, alle Macht hast? Herr! Du bist meine Kraft und meine Stärke, und meine Zuflucht am Tage der Trübfal. Ich bethe vor allem deine Vorsehung, und deine heiligen Figungen an, Schöpfer und Erhalter der Welt! Tief- tief beuge ich mich unter deine mächtige Hand, unter deine våterlich züchtigende Ruthe, und erkühne mich nicht zu fragen: Wie hab' ichs verdient? Warum drückt dieses schwere Kreuz gerade mich, und warum nicht einen Andern?- Du allein bist Herr, dein heiliger Wille gesche be! Vielleicht haft Du gesehen, daß mein Herz viel zu 20 für Leidende* c. Fort und leichtsinnig war, als daß es ohne deine Züchtigung gebessert werden konnte? Vielleicht willst du mich durch diese bittere Arzney vor einer Krankheit. bewahren, die meiner Seele toetlich geworden wäre? Vielleicht willst Du mich in diesem Prüfungsstande zu einer höheren Vellkommenheit vorbereiten, und mich hier leiden lassen, um mich dort herr: licher belohnen zu können? Oder andere, mir verborgene Absichten die allzeit nur die weisesten und gütigsten seyn können machen es nothwendig, mir dieß schwes re Kreuz aufzulegen. Nun so will ich es denn mit gånzlicher Selbstverläugnung auf mich nehmen, meinem Heilande geduldig nachfol gen, und unter seinem Kreuze Eindliche Ergebung in deine heiligsten Fügungen lernen. Warum wollt ich auf Rosen gehen, da mein Jesus einen so dornichten Weg für mich betreten hat? Wenn ich Schmach, Schande, Verläumdung, Spott, Unrecht, Neid, Verfolgung, Armuth, já den Tod selbst auszustehen hätte, was für eine Ursache håtte ich, zu klagen? Hat nicht mein göttlicher Erldser alles dieses auch, und zwar in einem unendlich größern Maße, für mich gelitten, ohne seinen Mund zu Klagen aufzuthun? Der Allerheiligste, der Allerunschuldigste bat gelitten; und was kannst Du, o mein Gott! mir zu ertragen auflegen, was ich nicht verdient båtte? Wie viele Uebertretungen in mei ner Jugend fordern deine Gerechtigkeit wider mich auf! Wie manche grobe Vergebungen, in Gedanken, Worten und Werken haben auch nachher mein Herz und meinen Wandel beffect! Wenn Du nach der Strenge mit mir verführest, könntest Du, o mein Gott! mich nicht noch weit empfindlicher züchtigen, meinen Leib tödten, und meine Seele dem endlosen Verderben übergeben? Und Du nimmst doch nur die Ruthe eines liebreichen Vaters, der bloß straft, um zu bessern. So will ich denn diese immer noch gelinde Streiche zu meiner Besserung gelassen erdulden, und Dich loben, und Dir danken, daß Du mich dadurch von ewigen Qualen erretten willst. Besser, unendlich beffer hier leiden, als dort! Wie viel Gutes habe ich nicht, mein ganzes Leben hindurch, an Leib und Seele, ohne mein Verdienst, von Dir, o Du Gott der Güte! empfangen! So ist es denn billig, daß ich auch das Leiden, das ich nur zu sehr verdient habe, von Dir 14 471 wato X. Abschnitt. Andachten geduldig annehme. Seße nur, o mein Gott! dieß Einzige bitt' ich Dich mein Herz in die stille, ge duldige Verfassung, in welcher es Dir und Dem wohl gefallen kann, der gesagt hat: ,, Lernet von mir, denn ich bin sanftmüthig und von Herzen demüthig," damit ich Rube finde für meine Seele, und dein Joch mir sanft, und deine Bürde mir leicht werde. 472 - und Und ja, o mein Vater! sie sind nicht unerträglich, die Trübfalen, die Du deinen Kindern auferlegest. Denn Du hilfft sie auch tragen, indem Du uns Trost und Standhaftigkeit einfidßest, die Bitterkeit unserer Leiden mit himmlischer Süßigkeit mischest, und uns Augenblicke und Stunden gewährest, wo wir bey dem Bewußtseyn, daß wir leiden, eine Seelen reude empfinden, dergleichen uns die glücklichsten Tage nicht verschaffen können. Und wie wenige sind auch dieser traurigen Tage, und wie bald sind sie dahin! Dann öffnet sich der Himmel, uns auf ewig in seinen erquickenden Schoos aufzunehmen, erhoben über allen Kummer, über alle Leiden, genießen wir in deinem Bestge, unendlich gütiger Gott! unaussprechliche Seligkeit, ohne Wechsel, ohne Ende. Ja wahrlich! die Leiden dieser Zeit sind nicht werth der künftigen Herrlichkeit, die an uns soll offenbar werden. Dir, o mein Gott! sen es gånzlich anheim gestellt, ob, und wann, und wie Du mich aus dieser Noth erretten wollest. Du weißt es nicht ich turzsichtiger und verkehrt denkender Mensch- was mir nüglich und heilsam ist, und Du wirst es mir auch geben, wenn die rechte Zeit und Stunde kommen wird. Das hoffe ich mit findlicher Zuversicht von deiner unendlichen Vaterliebe, die für alles Erschaffene die zärtlichste Sorgfalt trågt. Du bist ja nahe bey denen, die bedrängten Herzens find; Du bist bereit, den Demüthigen im Geiste aufzuhelfen. Und habe ich hievon in meinem Leben nicht schon oft die augenscheinlichsten Beweise erhalten? Wie oft klagte ich am Morgen: ,, Der Herr hat meiner ver gessen!" und ehe noch der Abend kam, mußte ich beschämt gez stehen: ,, Der Herr hat an mich gedacht, und mich gesegnet!" Ich will also leiden, weil Du es willst, und so lange Du es willst; und auf dich vertrauen und hoffen, o - - für Leidende sc. 473 Du Gott meiner Zuversicht! in allen Nöthen. Wie oft hast Du manches deiner Kinder, durch das finstere Thal der Trübsal, in eine heitere angenehme Gegend des So zeitlichen Glückes, der Ehre und Ruhe geführt! will ich mich denn deiner Führung gänzlich überlassen, ohne zu murren, ohne Dir vorzuschreiben. Ich will schweis gen, und meinen Mund nicht aufthun; Du, Herr! wirst es wohl machen mit mir.- Sollte es Dir aber nicht gefallen, meine Traurigkeit hienieden in Freude zu verwandeln; so will ich dennoch nicht verzagen; sondern geduldig leiden, in der Hoffnung, daß auch einst an mir wahr wird: ,, Die mit Thränen säen, werden mit Frohlocken årndten.- Sie giengen hin giengen und weinten, und warfen ihren Saamen aus. Aber zur Aerntezeit werden ste kommen mit Frohlocken, und ihre Garben tragen." Amen. - - 14 2. Die der Herr lieb hat, die zůchtiget Er. Wenn wir im Glück und Wohlergehen leben, so vergeffen wir nur zu leicht den Herrn; fendet Er uns aber eine Zrubsal, so fuchen wir Ihn wieder auf. Das weiß unfer himmlischer Bater, darum sendet Er die Trübfal als einen Boten, der uns erinnern und sagen soll: ,, Liebes Kind! dein Vater sendet mich zu dir, als einen Beweis, daß Er dich liebt und felig haben will. Du hast ihn im Glücke verlassen, und vergessen! Er aber hat mit treuer Liebe an dich gedacht, und will nicht, daß du verloren gehest, sondern daß du dich bekehrest und lebest. Das rum hat Er dir eine Trübfal gefendet, damit dir die Augen über dein Verderben aufgehen, und du einsehen lernest, iet in den Zagen der Heimfuchu was zu deinem Frieden dient. Er steht dir durch das Leiden, bas Er dir sens det, gleichsam in den Weg, und will dich hindern, auf dem Wege des Verderbens fortzuschreiten; Er will dich einladen, umzukehren, und dich in seine Vaterarme zu werfen. Dein Leiden, deine Noth, die Er dir schickte, follen dich gleichsam nöthigen, dich an Ihn zu ergeben, alles andere zu verschma hen, und nur Ihm allein anzubangen. Darum verzage nicht, liebe Seele! denke ja nicht, Gott habe dich in den Tagen der Leiden vergessen, und in der Trübsal vers laffen,- Er baffe dich. ,, Kann auch eine Mutter ihres Kindes vergessen? Und Fönnte sie es, so will ich doch deiner nicht vers geffen. Sich, in meine Hände habe ich dich gezeichnet." So spricht der Herr. Er ist also nicht über dich ergärnt; Er haffet dich nicht; Er hat dich nicht verstoßen; netn, nein, Er liebt dich; Er fucht dich; Er geht dir nach; Er will es durchaus nicht zugeben, daß du verloren geben solltest; Er will dich mit Gewalt felig bas ben. O darum falle nieder auf deine Knie, und danke Jhm, daß Er dich nicht schon verworfen hat, sondern dich noch der Züchti: gung werth achtet. Bethe daher mit findlich ergebener Seele: X. Abschnitt. Andachten O mein Gott und mein Vater! Du meinst es so gut mit mir, und hast mich so lieb. So würde ich endlich in meinem Leichtsinne hingekommen seyn, wenn Du Dich nicht über mich' erbarmet, und mich durch Leiden wieder an dich gezogen hättest! Ich erkenne deine unbe. schreibliche Liebe, und will Dich entgegen lieben, so sehr Du mir selbst giebst, Dich lieben zu können. Kindlich beuge ich mich unter deine züchtigende Vaterhand; sie scheint mir jept zwar schwer und hart zu seyn; aber wenn sie mich durch Züchtigung von meinen Fehlern gereiniget und gebessert hat, wird sie mir alle Thränen wegtrocknen, und alle Wunden heilen, die sie mir geschlagen hat; sie wird sich mir dann mit solcher Milde öffnen, daß ich von ihr mit allem Reichthum der himmlischen Güter, mit überschwinglicher Freude, und mit einem Frieden erfüllet werde, den keine Vernunft begreifen kann. Dieses alles hat mir dein lieber Schu, mein göttlicher Herr und Heiland, Jesus Christus, verheißen; darum glaub' ich es, daß Du mich liebest, weil Du mich züchtigest! Deinem größten Glück entgegen führt dich Gott durch jes de Nacht. Was Er giebt und nimmt, ist Segen. Ueberlaß dich feiner Macht. Sey, o Seele! ruhig, freue dich des beß: ten Vaters Treur. Huld ist, was er spricht und thut, Alles, Alles macht Er gut. 474 - 3. Troftgebeth in Leiden. ,, Alle eure Sorgen werfet auf Ihn; denn Er forget für euch." Warum bist du so fummervoll, meine Seele! als ob du g nz allein und verlaffen wärest? als ob Niemand sey, der sich um dich annehmen wollte? Ist denn Gott nicht auch dein Gott? Jft denn der Schöpfer und Erhalter Himmels und der Erde nicht auch dein Schöpfer und Erhalter?- Sorgt denn Der, der für alle Werke feiner Hand sorgt, nicht auch für dich? hat denn Er, der Vater Aller, der Keinen ausnimmt, der keines seiner Geschöpfe verachtet, hat Er denn dich allein ausgenommen von seiner Batertreue und Vaterforge? Jft Er nur gerade dein Vater nicht? Verachtet Er nur gerade dich, da Er doch sonst Niemanden verachtet? Höre doch einmal, mas dein Gott und Vater spricht? ,, Alle deine Sorge wirf auf Mich; lege mir auf, was dich drückt; flage Mir, was dich ångstigt; begehre von mir, was dir mangelt, fage Mir, was du fürchteft. O glaube mir doch, Ich forge für dich. Ich verlaffe dich nicht, gewiß nicht. Ich bin ja dein Vater, und kann nicht aufhören dein Vater zu seyn; also auch nicht aufhören, für dich zu sorgen. Sen doch nur getroft, bekümmes re dich doch nur nicht; du haft an Mir einen mächtigen, hilf für Leidende ic. 475 reichen Bater; schenk' mir dein Vertrauen, überlaß Mir dein ganzes Schicksal. Je kindlicher du gegen Mich bist, desto vás terlicher bin Ich gegen dich. Es ist mir die größte Freude, dir zu helfen. Ja, glaube Mir, Ich will dich allemal retten; Ich laß dich in deiner Noth gewiß nicht stecken. Ich will dir zeigen, und du wirst es hernach erfahren, daß du nicht ums sonst auf mich vertrauet, nicht umsonst auf meine Hülfe gebars ret, nicht umsonst deine Sorge auf mich geworfen hast. Sey doch nicht so sorglich; denn sich', was kannst du denn mit als len deinen Sorgen ausrichten, ändern oder besser machen? Es ändert sich wegen deinen Sorgen nichts in deinen Umständen. Was aber du und dein Sorgen nicht vermögen, das kann Ich. Meine allmächtige Hand kann Alles andern, und wird Alles schnell und ganz andern, sobald die Stunde schlägt, wo es gut seyn wird, dir zu helfen. Deine Seele liegt Mir mebr am Herzen, als dir selbst. Ich forge weit mehr für dich, als du felbst. Mir ist nicht bang' für dich, denn Ich kann dir helfen. Ich sehe die Hülfe schon, Ich habe sie schon bereitet, sie ist dir nahe. Folge mir nur, leide nur willig, ftreite nur fort, bethe nur ruhig im findlichen Vertrauen auf Mich, so will Ich dir geben, was dein Herz begehrt." O des guten liebvellen Baters! wer sollte Ihm nicht vers trauen? wer Jbn noch mit unnüşen Sorgen, und mit mißtrauis schem Kummer beleidigen? Weg, weit weg mit allen zaghaften Gedanken, die nur das Herz beschweren- beladen; die nur nehmen, und nichts geben! Bertrauen allein giebt uns Ruhe, Kraft, Muth und Freude. Mißtrauen, Kummer, Sorge nimmt. uns, zerstört in uns alle Kraft, alle Freude, alles Leben. Dars um wirf dein Vertrauen nicht weg, o Seele! denn es hat eine große Belohnung; sondern bethe im Leiden mit findlich erges bener Seele zu dem himmlischen Vater: Vater der Leidenden! der aus Liebe zu uns selbst seines Sohnes nicht schonte, sondern Ihn in den Tod hingab, und durch Leiden und Tod Jhn in die Herrlichkeit einführte, damit uns Trost, Gnade und Hülfe würde in jedem Leiden. Du allein weißt es, welche Prüfungen und Leiden meiner noch warten, und bist nicht Du es, Bater! der diese Leiden auferlegt? Ist auch ein Uebel in der Welt, das ohne Dich über die Deinigen verhängt würde, oder bloßer Zufall und zweckloses Ungefähr wäre?- Nein, lieber Vater! vor deinem Auge leidet jeder Leidende, und an deiner Hand wandelt jeder, der einen schmalen, steilen Dornenpfad hinan zu Elimmen hat. - Abgewogen von Dir, o nie irrende Weisheit! ist das Maaß meines Leidens, und mehr trifft mich nicht, als Du 476 X. Abschnitt. Andachten für nothwendig findest, mich zu bessern und zu beseligen; über meine Kräfte laffest Du mich nicht versucht werden Mein ganzes Schicksal liegt in deiner Baterhand, und Du allein weißt, was mir wahrhaft gut und nüh. lich ist; ich weiß es nicht.- Nun denn, Bater, so geschehe dein Wille!- Dir befehl ich meine We. ge! auf Dich hoffe ich, du wirst es wohl machen! Je kindlicher ich dulde, desto väterlicher wirst Du meine Geduld belohnen! - Laß mich also, Bater! unter der Last, die Du mir auf legt, nicht erliegen! Mein Glaubensblick sey auf Jesus, den Dulder, geheftet! Immer näher rücke ich dem Ziele; bald ist's errungen, bald bin ich dort,- und habe ich geduldet mit Jesus,- wohl mir, Theil nehmen werde ich auch an seinem herrlichen Reiche, das Er mir erworben hat durch sein Leiden und Sterben! Amen. 4. Um Abwendung einer Trúbfal. ,, Alle Dinge sind Gott möglich." Aus Nichts hat Gott Alles erschaffen; Er spricht und es geschieht; Er gebeut, und es ficht da. Nichts ist Gott unmög Itch; es ist Ihm also auch leicht, bir zu helfen, so schwer, ſo unmiglich es dir scheint. Wo dein Auge Unmöglichkeiten und unüberwindliche Hinderniffe fiebi, da sieht sein Auge keine; da ist's feiner Baterliebe fo natürlich zu helfen, wie es dir natürs lich ist zu athmen. Und wo du glaubst, Er wolle dir nicht hel fen, Er denke nicht an deine Noth, Er bekümmere sich nicht um dich, da brennt Er vor Begierde, dich zu retten, und dei nen Unglauben zu beschämen. Nein, Er läßt dich nicht stecken in deiner Noth. Er kann und will dich retten. O zweifle keis nen Augenblick weder an seiner Macht, noch an seinem Willen. Er kann und will alles Gute. Alleluja! Gott ist Alles mögs lich! Bethe also in der Zrübfal zu Ihm: Gott des Trostes und Vater der Barmherzigkeit! Du sprichst zu allen Leidenden durch den Propheten: ,, Rufe zu mir in der Zeit der Trübsal, und ich will dich retten."- Im Vertrauen auf diese våterliche Zufage tomme ich in meinem Leiden zu Dir, und bitte Dich, sich mich mit so milden Augen an, wie Du auf so manchen Elenden, der zu Dir um Hilfe weinte, niedergesehen hast, und errette mich aus meiner Trübsal und Noth, wenn es deinem weisesten und heiligsten Willen gefällt, und dem Besten meiner Seele nicht entgegen ist. Mit demüthiger Ergebung bitte ich Dich, o mein Bater!- Dir ist alles möglich; ist es dein heiliger Wille, - - für Leidende ic. 477 so nimm diesen Kelch des Leidens von mir; aber nicht mein 26ille geschehe, sondern der deine. O Du Gott der Liebe! fo flehe ich zu Dir durch das schmerzliche Leiden und Sterben Jesus Christus, daß Du mich aus dieser Noth errettest, wenn es dein Wille ist: ist es aber dein heiliger Wille, daß ich noch länger leiden soll, so verleihe mir Geduld, damit die Bitterfeit dieser Trübsal mich nicht zaghaft und kleinmůthig mache, sondern daß ich Dir zu Liebe starkmüthig und willig dulde. Denn nie darf ich es vergessen, daß. diese Erde nicht die Wohnstätte des Vergnügens, sondern vielmehr der Aufenthalt der Prüfungen ist. Ich bin nicht im Vaterlande, sondern auf der beschwerlichen Reise zu demselben. Aber auf Dich, mein bester Vater! darf ich mich verlassen, daß Du mich führen und unterstüßen werdest; und wenn Du es fügest, daß ich ein Leiden tragen soll, so darf ich Dich auch bitten, es entweder von mir wieder zu nehmen, oder mir die Stärke und den Muth zu geben, es zu deiner Ehre, und zum Besten meiner Seele zu tragen. Hilf mir also nach deiner Weisheit, mein Vater! um Jesus Christus willen. Amen. 5. 3ur Zeit der Nahrungs sorgen. Ich bin arm und dürftig; aber der Herr forgt für mich. Psalm 39, 18. Gott! Schöpfer und Erhalter Alles dessen, was da ist! Du siehst, wie schwer es mir fällt, mich und die Meinigen zu ernähren, und welche Sorgen deßwegen mein Herz drücken, und mir das Leben verbittern. Ich will mich nicht erkühnen, mit Dir zu rechten, oder nur zu fragen, warum Du mich in Noth schmachten lassest, Andern hingegen an Nahrungsmit tel reichen lleberfluß schenkest? Alles ist ja dein! Du kannst damit nach Wohlgefallen schalten; und so wenig Du mir auch zugetheilet hast, so ist es doch immer mehr, als ich verdiene, oder verdienen kann. Da Du jedoch willst, daß wir in allen unsern Nithen zu Dir, unserm gemeinschaftlichen Vater, Helfer und Erretter, unsere Zuflucht nehmen, und alle unsere Sorgen auf Dich werfen sollen; so wende ich mich im findlichen Vertrauen und im Gebethe zu Dir, der Du das Rufen der Elenden hörest, und den Thränen der Unglücklichen dein erbarmungsvolles Herz nie verschliess fest. Ich weiß es freilich, und bekenne es demüthig und revevoll, daß ich durch manche Bergehung, durch manche line - X. Abschnitt. Andachten dankbarkeit mich deiner Wohlthaten unwürdig gemacht habe; aber doch wage ich es im Namen und um der Verdienste Jesus willen, Dich, o barmherzigster Bater! zu bitten, daß Du Dich meiner erbarmen, meine Leiden gnädig lindern, und den bangen Kummer stillen wolleft, der an meinem Herzen nagt; wenn anders diese Bitte sich mit deiner Weisheit und meinem wahren Wohl verträgt. Herr! neige dein Ohr, und erhdre mich; denn ich bin dürftig und arm. Nicht um Reichthum, nicht um Uebere fluß, nicht um Wohlleben, wobey ich Deiner vergessen und fündigen könnte, bitte ich Dich; sondern nur um mein tågliches Brod, nur um so viel, als mir gedeihlich, und meiner zeitlichen und ewigen Wohlfahrt zuträglich ist. Die Vögel unter dem Himmel såen nicht, sie årnten nicht, sie sammeln nicht in die Scheune; und Du, mein himmlischer Vater, ernährest sie doch! bin ich denn nicht viel mehr, als sle? 478 Warum sollte ich also verzagen? warum fürchten, Du werdest von deiner våterlichen Vorsorge mich allein ausschließen, und mich in meiner Dürftigkeit hülflos verschmachten lassen? Nein! diese Kleinmüthigkeit wäre sträfliche Versündigung an deiner Güte und Vorsehung, die mich schon so oft, und aus so mancherley Anliegen liebreich errettet hat. Ich will auf Dich hoffen, und Dir mein Schicksal gånzlich anheim stellen; der Herr ist mein Hirt, mir wird nichts mangeln. Gieb mir nur auch, o mein Gott! ein ruhiges und zufriedenes Herz, welches sich ganz deinem Willen überläßt, und alle deine Führungen für weise und selig erkennt. Gieb mir überdieß Klugheit und Emsigkeit in meinen Werten, um einen erlaubten Vortheil zu gewinnen. Zeige und öffne mir die Wege, auf denen ich zu einem hinlänglichen Auskommen gelangen kann. Segne meine Berufsarbeiten, und schüße mich gegen die Versuchung, durch ungerech te Mittel meiner Dürftigkeit abzuhelfen. Denn es dein heiliger Wille ist, so will ich tausendmal lieber kümmerlich mich nähren, als mit Verlegung meines Gewissens mich von einer Noth befreyen, in die Du- vielleicht um meines Besten willen- mich verfest hast, und die zur Beförderung meiner Seligkeit beytragen muß, wenn ich Dich aufrichtig liebe, und standhaft auf dem Wege deiner Gebote wenn - 479 für Leidende zc. wandle; auch wenn er mit Dornen bestreut ist. Erhalte mir ein gutes Gewissen, Zufriedenheit mit Wenigem, tindliches Vertrauen auf Dich, und deinen Frieden, der mehr werth ist, als der Besitz einer ganzen Welt. Laß mich immer festhalten an deiner Berheißung: Sieh! Ich bin bey dir in der Noth; Ich will dich herausreißen und zu Ehren bringen. Ich will dich sättigen mit langem Leben; Ich will dir zeigen mein Heil." Amen. 6. Bey irgend einem empfindlichen Berluste. Nimm alles an, was dir zugefügt wird, und sev ruhig in deinen Schmerzen, und geduldig in deiner Demüthigung. Sirach 2, 4. O mein Herr und Gott! zu Dir will ich mein Herz, das deine Hand verwundet hat, erheben, damit es wieder ge heilt, und durch kindliche Ergebung in deinen heiligsten Wil len, zur gelassenen Ertragung des Verlustes, den ich erlit ten, gestärkt werde. Ich erkenne und bethe in tiefster Des muth deine Oberherrschaft über alle Geschöpfe an! Alles ist dein, was ich bin und besize! Du hast mir etwas davon entzogen: was für ein Recht hätte ich, darüber zu klagen? Der Herr hat es gegeben! der Herr hat es genommen; der Name des Herrn sey gebenedeyt! Du magst geben oder nehmen, so handelst Du allezeit nach den weisesten Rathschlägen, und benimmst Dich im Geben und Nehmen wie ein zärtlich besorgter Bater, der seinen Kindern giebt, was ihnen gedeihlich, und entzieht, was ihnen schädlich ist. Mein Herz, das sich noch nicht von allem Irdischen losgearbeitet hat, empfindet zwar den Verlust, der mich getroffen hat, stårker, als daß ich ohne Heuchelen sagen könnte, er wäre mir gleich. gültig. Aber Du, o mein Gott! wirst die Empfindlichkeit eines schwachen, unverständigen Kindes, das nicht weiß, was ihm gut oder schädlich ist, väterlich nachsehen, und nicht als ein Murren gegen deine Fügungen ahnden; Du wirst vielmehr mich stårken, daß ich mit christlicher Gelassenheit entbehren lerne, was ich vielleicht länger zu besißen unwür dig war, oder ohne Gefahr meines Heiles nicht länger besihen konnte; und so muß ich ja danken, anstatt zu klagen, daß Du mir ein entbehrliches Gut entzogest, um mir den Besitz des größten, des einzig nothwendigen zu versichern. Ich will mich also meines Verlustes wegen nicht unmäßig bes trüben, sondern ihn mit Geduld ertragen, und durch Erge 480 X. Abschnitt. Andachten benheit und Zufriedenheit mit dem Wenigen, das mir deine Gnade noch gelassen hat, mich deines fernern Wohlwollens und Segens würdig zu machen suchen. Ja, id) bitte Dich sogar, nimm mich noch mehr, o mein Gott! wofern es zu meinem Besten gereicht, weniger zu haben; nimm mir Alles, woran mein Herz zu sehr hångt, um Dich allein und über Alles lieben zu können. Erhalt mir nur das Einzige, ohne welches ich zeitlich und ewig elend seyn würde, deine Gnade, den seligen Frieden mit Dir, ein ruhiges Gewissen, und die tristende Hoffnung des ewigen Lebens, damit ich einst die Welt sammt allen ihren Gütern getroft und freudig verlaffen môge, um Dich, den Innbegriff alles Guten, ewig zu besigen, durch Jesus Christus, unsern Herrn. Amen. 7. 3ur Zeit einer allgemeinen Drangsal. ,, Wollet ihr auch Alle die Züchtigung noch nicht annehmen, sondern mir entgegen wandeln; so will ich auch euch enigegen handeln, und euch siebenfältig schlagen um eurer Sünden willen." 3. Mos. 26, 23. D Gott der Barmherzigkeit! wir suchen Dich am Tage unserer Trübsal, und strecken unsere Hände in der Nacht zu Dir aus; verschließe dein Ohr nicht vor unserm Flehen, und sen uns ferner nicht schrecklich. D Du Gott der Geduld, und des Trostes' der Du Dich einst über den Jammer deines Voltes erbarmtest, und dem Engel der Strafe, der es züchtigte, sagtest: ,, Halte deine Hand ein!" erbarme Dich, ach, erbarme Dich über uns! Zieh' deine Hand, die über uns schwer geworden, zurück, und laß das Schwert deiner Straf gerechtigkeit, welches Du über unsere Missethaten gezückt hast, wieder in die Scheide zurückkehren. Wir haben gesün diget, und Bises vor Dir gethan; aber wende dein Angesicht weg von unsern Sünden; laß die Thränen unserer Bußfertigkeit, laß das kindliche Flehen der Unmündigen, die deine Strafrutbe mit uns fühlen, ob sie gleich keinen Theil an unserer Schuld haben, die Wolken durchdringen, und vor dem Throne deiner Barmherzigkeit Gnade finden. Laß das Antlig deiner Versöhnung über uns leuchten, das mit die Gebeine, die Du zerschlagen hast, wieder fröhlich werden. Verdienen wir aber unserer Vergehungen wegen nicht, daß Du uns erhdrest, so sey uns um der Verdienste deines Sohnes, Jesus Christus, und um der Fürbitte der seligsten Jungfrau Maria, und aller lieben Engel und Hei für Leidende ic. 481 ligen willen, gnädig und barmherzig! Wir geloben Dir auf das Heiligste, uns von ganzem Herzen zu Dir zu bekehren, und deiner Gerechtigkeit durch eine aufrichtige und anhaltende Buße genug zu thun. Dieß ist Dir das angenehmste Versöhnungsopfer; und wir wollen es Dir mit kindlicher Zuversicht, daß Du es nicht verwerfen werdest, darbringen. Nur verschon' unser, o Du Gott der Geduld und Langmuth! damit wir mit dankerfülltem Herzen Dich preisen, und in der Freude unserer Herzen ausrufen mögen: ,, Wie groß ist die Barmherzigkeit des Herrn, und seine Gnade gegen die, so sich zu Jhm bekehren." Amen. *) Hierauf kannst du, andächtiger Chrift! die Litaney von allen heiligen( S. 369.) bethen. 8. Andachtsübungen zu Jesus Christus im Leiden und in der Trübfal. Ihr Alle, die ihr durstig seyd, kommet her zum Wasser." O wie lange schmachte ich schon vor Durst! O wie leer und ausgetrocknet ist mein Herz von Trost! Wer kann, wer will mich erquicken? Wo ist die Quelle, aus der ich schöpfen kann? Ist denn Niemand, der mir Labfal für mein Herz gebe? Ja, erlöste Seele! hier ist Er, nach dem du rufest. Jesus ift hier; und der allein hat Erquicklung und Labfal für dich. Sieh dich nicht lange um in der Sandwüste dieser Welt, wo fem Wasser ist. Da müßtest du zu Grunde gehen. Sie kann dir nicht einen Tropfen Trostes reichen. Sie hat nichts, was deine Seele laben kann. D komm, und eile zu Jesus! komm, du darfst nicht verschmachten, nicht sterben- Jesus hat Trost genug für dich. Er ist reich genug für Alle, die ihn anrufen. Gottes Brunnen hat Wasser im Ueberfluß ist unversiegbar und Jedem zugänglich, der da will. Jesus ist dieser Brunnen, diese Quelle. Er will dir Wasser des ewigen Lebens geben; Er will dein mattes Herz stärken mit göttlichem Troste; Er will Kraft und Leben, Ruhe und Frieden in deine Seele scho pfen, himmlische Seligkeit in der ausgießen. Du sollst erfahe ren, daß Er die lebendige Kraft ist, die Labfal für jeden Schmerz hat, der eine Kraft entquillt, die alle Wunden heilt, und jes der Schwäche des menschlichen Herzens helfen kann. Komm her zu Ihm, und verlaß Alles, was dich doch nur elend macht und deinen Durst nach Leben und Seligkeit nie stillen kann. Sprich mit demüthigem Herzen das nachfolgende Gebeth: Du lieber, freundlicher Jesus! Du ladest alle Müheseligen und Beladenen ein, zu Dir zu kommen; aber ich Sünder ich getraue mir kaum zu Dir zu komO nimm doch diese Furcht aus meinem Herzen hinweg, die Dich nicht ehrt, und Dir nicht gefallen men. 31 - - 482 X. Abschnitt. Undachten kann. Du rufest mir ja selbst: Komm zu mir! Was mich daher von Dir wegschreckt und abhaltet, zu Dir zu gehen, ist nicht deine Stimme. Ich aber muß Dich hören, deinem Rufe und deiner Einladung folgen. So will ich denn kommen, und hingehen zu deinem liebevollen Herzen, das allen Mühseligen und Beladenen, Leidenden und Versuchten sich öffnet, und sie alle in sich aufnehmen möchte. Aber was willst Du mir denn geben, o Jesus? Ruhe will ich dir geben, o mein Kind! Gerade das ist's, was mir mangelt, o mein Jes sus! Unruhe quålt mein Herz, so oft ich nur einen Schritt mich von Dir entferge. Außer Dir finde ich nirgend Ruhe. Wo ich mich hinwende, begegnet mir auf allen Wegen nur Unruhe. Unerträglich wird mir das Leichteste, wenn ich nicht bey Dir bleibe. Unbe friediget låßt mich Alles, was ich außer Dir suche. Nichts kann mein armes Herz befriedigen, nichts mir wahre Ruhe geben, als Du. O so gieb mir, was ich verloren habe, gieb mir die Ruhe wieder, so will ich Dir dienen, und Dir danken in Ewigkeit. Jesus! Du Sohn Gottes, erbarme Dich mei ner! Du bist die unerschöpfliche Quelle der Gnade und Erbarmung. O Jesus! Du bist voll überschwenglicher Kraft und Stärke. Du kannst mir helfen. Was mir fehle, das hast Du! was ich nöthig habe, das kannst Du geben. Jefus! erbarme Dich meiner, und hilf mir. Allen, die Dir einst zuriefen: Erbarme Dich meiner! standest Du stille, und sagtest huldreich: Was willst du, daß Ich dir thun soll? und halfest jedem, thatest jedem, um was er Dich bat. Tausenden hast Du geholfen; Keinen hast Du unerhört von Dir gelas sen. Und mir solltest Du nicht helfen? Mich solltest Du unerhört von Dir wegstoßen? Dieß von Dir bloß zu denken, würde schon Beleidigung seyn. Ich glaube, Du hilfsft; Du erhörst; Du giebst mir, um was ich Dich bitte; denn ich bitte Dich nur um Kraft und Stärke, auszuharren bis an's Ende, und Dich im Leiden zu verherrlichen. So erhdre mich denn, stårke mich, reich' mir deine Hand; denn sieh, ich fürchte zu versinken. D Jesus! erbarme Dich des Aermsten, des Bedürftigsten, der ohne Dich nichts vermag, und mit Dir Alles! at für Leidende ic. 9. In der Stunde der Versuchung. Das Himmelreich leidet Gewalt, und nur die Gewalt brauchen, reißen es an sich." "" 483 Es ist wahr, in das Reich Gottes dringt man nicht an ders hinein, als mit Gewalt. Es kostet viel Kampf, Leiden und Thränen. Aber laß du dich dadurch nicht muthlos maSieh du nicht bloß auf die gegenwärtigen Leiden, sich du hinaus auf die Freuden, die deinen Leiden folgen werden. Die Thránen, die du jeßt unter dem Drucke der Leiden weis nest, sind ein sicheres Pfand der frohen Aernte, die dir einst werden wird. Die Leiden, die dich jetzt niederbeugen, find furz und vorübergehend, und die zukünftigen Freuden und Herrlichkeiten sind ewig und unvergånglich, sie können mit allen Leiden dieser Zeit nicht verglichen werden. Darum sey muthig, erhebe deinen Blick über die Welt und Bergänglich keit aller Freuden und Leiden dieser Erde, verachte alles Ir dische, flieh die Sünde, leide, dulde, schweige und barre aus; denn dein Lohn ist groß in dem Himmel. Je mehr Chránen und Seufzer du aussäest, desto mehr Freude wirst du árnten. Je heißer dein Kampf, ie schwerer die Arbeit, desto größer der Lohn. Dagegen werden die Sünder, die jest lachen, einmal weinen und heulen; die jetzt wohlleben, luftig find und Gott vergessen, die werden einst trauern und jammern. Kurz und vergänglich ist die Freude und Luft, die sie jest genießen; ewig und ohne Linderung wird die Pein und Qual seyn, die sie einst dafür zu leiden haben werden. Darum bedenke dich nicht lange, wer besser daran ist, du, der du jest um Gettes und des Himmelreichs willen eine kurze Zeit leidest, und dann dich ewig mit unaussprechlicher Freude freuen wirst, oder die, welche jetzt einige Tage nur Luft und Freude genießen, die sie doch nie sättigen kann, und die fie ewig gereuen, und ein nie erlöschendes Feuer, eine nie sterbende Plage zur Folge haben wird. O lieber icht geweint- Thränen, die der Herr einst trocknen wird; lieber jetzt gelitten, denn hier nimmt Alles ein Ende. Aber dann weinen und heulen müßen, wo des Jam: mers und Wehflagens fein Ende, wo kein Troft, keine Hoffe nung, feine Erlbfung, kein Licht, feine Erleichterung, sondern ewige Nacht und Finsterniß, lauter Schrecken und Verzweife lung seyn wird, o Gott, was ist das! Daran denke in ieder Versuchung, und bethe zu Gott: Heiligster Gott! Du Vater der Erbarmung! der Du uns durch den Mund deines Sohnes gelehret hast, in allen unsern Versuchungen bey deiner stärkenden Gnade Schuß und Nettung zu suchen; ich flehe Dich demnach demüthig an, Du wollest, meiner Schwachheit eingedenk, mir um Christus willen, mit deinem Geiste zu Hülfe kommen, in mir einen tiefen Abscheu gegen die Sünde erwecken, und mich kräftig stärken, daß ich die schåndli* 31 -- 484 X. Abschnitt. Andachten che Sclaverey meiner bösen Neigungen und Leidenschaf ten abwerfen, und mich Dir ganz heiligen kann. O Gott! mein Vater, mein Erretter! der Du mich durch deinen geliebten Sohn von dem ewigen Verderben befreyet hast, verlaß mich doch mit deiner mächtigen, alle Versuchungen überwältigenden Hülfe nicht. Pflan ze in meine Seele den festen Entschluß, alles Böse zu meiden, Dich stets und an allen Orten zu fürchten, das Ende und die Folgen der Sünde bey jeder Versuchung wohl zu erwägen; allen Gelegenheiten, die mich zur Ulebertretung deiner Gebote verleiten könnten, behutsam auszuweichen, um mich an Seele und Leib von der Welt und ihren Lüften unbefleckt zu erhalten. Laß mich ben jeder Regung einer unerlaubten Begierde bedenken, wie elend der Knecht der Sünde ist, wenn sein Gewis sen erwacht, wenn er sich selbst verurtheilen, deine Ra che fürchten, und überall Böses erwarten muß. D laß, wenn die Sünde und das böse Benspiel reizt, laß es mich recht wahr erkennen, welch' ein kostbares Gut der stille Friede des Herzens, und die entzückende Freu de ist, die aus der Liebe zu Dir, und aus dem Bewußt. seyn deines váterlichen Beyfalls entspringt. Laß mich o Gott der Erbarmungen! diese wahre Ehre im Glücke, und diesen höchsten Trost in betrübten Tagen, einer augenblicklichen Lust wegen niemals verscherzen. Reinige mein Herz, und heilige es Dir ganz und gar. Ich bin entschlossen, gegen meine sündhaften Reigungen ohne Unterlaß zu kämpfen, und hoffe unter deinem mächtigen Beystande auch zu siegen, damit mir einst die Krone- der Gerechtigkeit, die Du allen denen, die einen guten Kampf támpfen, verheißen hest, zu Theil werde, durch Jesus Christus, deinen Sohn, unsern Herrn und Heiland. Amen. - Seufzer zur Zeit der Anfechtung. Zu Dir erhebe ich meine Augen, der Du in der Höhe wch neft; unsere Hülfe ist im Namen des Herrn, der Himmel und Erde erschaffen hat. Herr! komm mir zu Hülfe! Herr! eile mir beyzustehen! Der Feind waat sich an mich, und will meis ne Seele verderben. Weich', Satan! ich will meinen Gott anbethen, und Ihm allein dienen. Wie könnte ich Böses thun und wider meinen Gott sündigen, der alles Böse hasset, und für Leidende ac. 485 mir so viel Gutes thut? Gett hat seine Augen auf mich ges richtet. Er sicht, was den Menschen verborgen ist; Er durch forfchet alle Winkel meines Herzens. In feiner Gegenwart Fonnte ich fündigen? Auf eine augenblickliche Luft folgt ein ewiges heulen und Zábnklappern. Herr! mein Geist if wil. lig, aber mein Fleisch ist schwach. Sey mir ein starker Thurm vor dem Angesichte meines Feindes, daß er mir nicht schade. Ich vermag Alles in Dem, der mich stärkt. Herr! verstoß mich nicht von deinem Angesichte, und nimm deinen heiligen Geist nicht von mir. Stárfe mich! Rette mich! Laß mich nicht fallen! Selig ist der Mann, der die Versuchung mit Geduld erträgt. Denn nachdem er wird geprüft seyn, wird er die Krone des ewigen Lebens erlangen. Jac. 1, 12. 10. Gebeth um Gerechtigkeit gegen Verläumdung. Gott! meine Zuflucht in allen meinen Nothen! Dir will ich die bittern Kränkungen, die ich an meinem guten Namen erdülde, klagen. Erbarme dich meiner, o Herr! und sieh, wie sich meine Feinde Mühe geben, meine Ehre zu untergraben, und meine Rechtschaffenheit durch verläumderische Beschuldigungen verdächtig zu machen. Du o mein Vater! weißt es, daß ich derjenige. nicht bin, wofür meine Feinde mich ausgeben. Du bist der Zeuge meiner Unschuld, wie der Zeuge des Unrechtes, das man mir zufügt; und Du wirst, wenn es Zeit und zu meinem Seelenheile nüglich seyn wird, meine Ge rechtigkeit hervorbringen, wie das Licht, und mein Recht, wie den Mittag. Denn Du erzeigst Barmherzigkeit und Recht Allen, die Unrecht leiden. Darauf will ich im Vertrauen hoffen, in stiller Gelassenheit harren, und nie Diejenigen wiederlåstern, die mich låstern. Du, o mein Herr und Vater! wirst es wohl machen. - Was ist es denn auch, wenn Menschen mich tadeln und unrecht richten? Schaden können sie mir nur so viel, als Du, o gerechter Gott! ihnen zu gestatten für gut findest. Ihre Schmåhungen können zwar die Menschen verleiten, mich zu verachten, mich zu hassen; aber deinen Beyfall vermögen sie mir nicht zu entziehen, so lange ich mich nicht selbst darum bringe. Es ist mir ein Geringes, von Menschen gerichtet zu werden, wenn ich nur vor deinem Richterstuhle nicht verurtheilt werde, und ein reines Gewissen bewahre. X. Abschnitt. Undachten O mein göttlicher Heiland! wie muß ich mich meiner Empfindlichkeit schåmen, wenn ich mir die himmlische Sanftmuth vorstelle, mit welcher Du ganz unschuldig die allergrößten Beschimpfungen, und die frechesten Lästerungen deiner Feinde erduldet, ja selbst dem ungerechtesten Todesurtheil Dich unterworfen hast? Bin ich wohl so rein, so unschuldig, wie Du es warest? Und ich sollte eine kleine, vielleicht zehnfach verdiente Kränkung meiner Ehre nicht mit Gelassenheit ertragen? Bist Du nicht mein großes Vorbild, dem ich ähnlich zu werden mich bestreben soll? Ich will Sanftmuth, Geduld und Lie be meiner Feinde von Dir, mein Jesus! lernen, und gleich Dir bethen: ,, Bater! verzeihe ihnen; denn sie wis sen nicht, was sie thun!" Fliße mir, o mein Jesus! diese Gesinnungen der Sanftmuth und Versöhnlichkeit ge gen meine Widersacher ein, damit ich nicht Bises mit Bisem, nicht Scheltwort mit Scheltwort vergelte; sondern die segne, welche mir fluchen, und denen Gutes erweisef die mir Böses zugefügt haben, und dadurch mich als ein wahres Kind des himmlischen Baters beweise, der Sonne und Regen Allen, den Guten wie den Bösen, angedeihen låst, und keinen von seiner Liebe ausschließt. Laß mich stets der Worte eingedenk seyn, die Du in dieser Absicht zu deinen Jüngern geredet hast: ,, Selig send ihr, so euch die Menschen schmähen und verfolgen, und reden allerley Bises von euch, wenn sie daran lügen. Send fröhlich und getrost! es soll euch im Himmel ein reichlicher Lohn dafür werden." Amen. 486 - - 11 11. Aufopferung seiner Leiden. Fordere, o Chrift! hier im Thale der Zähren, wo jeder Tag seine eigene Plage hat, kein Leben ohne Widerwärtigkeis ten. Hier leben wir in einem Zustande der Prüfung, und müssen auf dem Kreuzwege, auf welchem uns Christus in die herrlichkeit des Vaters vorangegangen ist, Ihm demüthig und gottergeben nachfolgen; mit Jhm leiden, mit Jbm felig seyn, und alle unsere Leiden findlich dem Vater aufopfern, wie sie Jesus aufgeopfert hat. Bethe daher: - Ewiger, barmherziger Gott! Vater unsers Herrn Jes sus Christus, und auch unser Bater! das Leiden, das Du mir auferlegt hast, drückt hart auf meine Seele, und ich bin ganz in Kummer versenket; aber Dir zu Liebe will ich es für Leibende ic. 487 mit Geduld und Gehorsam ertragen. Alles, was mich an Leib und Seele beschwert, opfere ich Dir zu deiner grd: Bern Ehre, zum Heil meiner Seele, und zur Genugthuung für meine Sünden auf. Ich vereinige meine gegenwärtige Trübsal mit dem Leiden meines Erldsers, damit es wohlgefällig vor Dir werde. Rüste mich, o mein Erbarmer! mit Geduld und Staudhaftigkeit aus, damit ich alle Unfälle fo ertrage, wie ein Christ sie tragen soll. Sich, o mein Gott! große Lelden und Drangsale umringen mich; hilf mir sie erdulden, und unterstüße meine Schwachheit; ich will zu deiner Ehre leiden, und aus Liebe zu Dir dulden und- schweigen, wie Du; nur gieb mir deine Gnade, daß ich mich fest an Dich balte, durch Jesus Christus, deinen Sohn, unfern Herrit. Amen. 12. Danksagung nach erhörtem Gebetbe. Lobe den Herrn, meine Seele! lobe den Namen des Herrn! denn Er hat sein Ohr zu meinem Flehen geneigt; und ich habe Gnade vor seinen Augen gefunden. O Gott! unsere Zuflucht und unsere Stärke, unser Erretter aus allen unsern Ndthen! Deine Barmherzigkeit ist an mir of fenbar geworden; dessen freuet fich meine Seele, und mein Herz ist voll des kindliches Dankes.- Ich rief Ich rief zu Dir in meinem Anliegen, und vertraute auf deine Hülfe; und Du hast Dich meiner angenommen, und mein Gebeth erhöret, wie ein zärtlicher Vater die Bitten seiner geliebten Kinder gewährt. So läsfest Du Diejenigen, die auf Dich hoffen, nicht zu Schanden werden. Gott meines Heiles! wenn ich an die unzählbaren Wohlthaten denke, die Du mir vom ersten Hauche meines Lebens an bis auf diese Stunde erwiesen hast, die ich nicht verdient habe- nicht verdienen konnte, und doch ach so oft- mißbrauchte, und mit Undank vergalt; wie beschämt, wie reuevoll muß ich gerade jeßt vor Dir da stehen, da ich Dir wieder um eine neue empfangene Wohlthat danken will! Nur zu sehr fühle ich es, ich bin viel zu gering aller Barmherzigkeit, die Du mir er wiesen hast, mir deinem ungehorsamen, undankbaren, lieblosen Kinde! Du, o mein Gott! bleibe demnach immer und allzeit - - 488 X. Abschnitt. Andachten meine Hoffnung, meine Hülfe, meine Zuflucht, und der ur bewegliche Fels meiner Zuversicht und meines Vertrauens, durch Jesus Christus, deinen Sohn, unsern Herrn. Amen. 13. Tröftende Bibelstellen für leidende und schwermüthige Christen. 1) Bertraue auf Gottes Leitung. Herr! Du bist meine Zuverfiebt, und meine Hoffnung von meiner Jugend an. Auf dich habe ich mich verlaffen vom Mutterleibe an. Meine Seele barret nur auf Gott; denn Er ist meine Hoffs nung; Er ist mein Schuß und meine Hülfe, daß ich nicht fals Ien werde. Wer in der Finsterniß wandelt, und kein Licht hat, der vertraue auf den Namen des Herrn, und stüße sich auf seinen Gott. - 2) Gott bleibt immer die Liebe. Wie Tönnte ich fa gen: der Herr bat mich verlassen, und mein Gott hat meiner vergessen? Kann auch ein, Weib ihres Kindes vergessen, daß sie sich nicht erbarme über den Sohn ihres Leibes? Und wenn sie auch desselben vergaße, so will ich doch deiner nicht vergessen, spricht der Herr. Sieb! in meine Hände hab' ich dich gezeichnet. Fürchte dich daher nicht; denn Ich habe dich erlöfet; Ich habe dich bey demem Namen gerufen, du bist mein. Kleinmüthiger! sich! des Herrn Hand ist nicht vers kürzt worden, daß Er nicht belfen könnte; und seine Ohren. sind nicht taub geworden, daß Er nicht höre. 3) Der Herr záblt deine Thránen. Herr! alle meine Thránen haft Du gesammelt und gezählt. Du kennest meine Herr! alle meine Sehnsucht, und mein Seufzen ist Dir nicht verborgen.- Se lig sind, die da Leid tragen; denn sie werden getroffet werden. ne Zhránen. 4) Ueberfaffe dich Gott. Sicb mir, mein Sohn! dein Herz, und laß deinen Augen: meine Wege wohlgefallen.- Der Gerechte muß viel leiden; aber der Herr hilft ihm aus Allem. 5) Deine Traurigkeit wird Freude werden. Das weiß ich gewiß, wer Sott dienet, der wird nach der Prüfung getroftet, aus der Trübfal erlöfet, und nach der Züch tigung findet er Gnade. Die Züchtigung, wenn sie da ist, dünft freylich nicht Freude, sondern Traurigkeit; aber darnach bringt sie denen, die dadurch geübt sind, eine Frucht der Ge rechtigkeit, die lauter Friede ist. 6) Wandle in Geduld. Es ist etwas Köstliches, gedul dig seyn, und auf den Herrn hoffen. Wenn ihr um des Guten willen leidet und duldet, das ist Gnade ben Gott. Denn dazu feyd ihr berufen; indem auch Chriftus für uns gelitten hat,- der nicht wiederschalt, da Er gescholten ward, und nicht drobete, da Er litt. - - ― 7) Gott hilft den Verlaffenen. Gott wendet sich zum. Gebeth der Verlaffenen, und verschmåbet ihr Flehen nicht. Er wird den Armen erretten, der zu Jhm ruft, und den Elenden der keinen Helfer hat. Er wird gnädig seyn den Geringen und Armen. Ja – das Verlangen der Elenden hyrest Du, und bist nahe denen, die ein zerknirschtes Herz haben, und für Leidende c. 489 Keiner wird zu hilfft denen, deren Gemüth betrübt ist.- Schanden, der Deiner harret.- Der Herr thut, 8) Der Herr erhört die Frommen. wes die Gottesfürchtigen begehren. Er höret ihr Rufen und Habe daher hilft ihnen. Er behütet Alle, die Jbn lieben.- deine Lust an dem Herrn, so wird Er dir geben, was dein Herz verlangt. MURIT de Der 9) Der Herr ist mit denen, die Ihn lieben. Herr ist mit mir, darum fürchte ich mich nicht; was können mir Menschen thun? Und wenn ich auch mitten im finstern Thale wandle, so fürchte ich kein Unglück, denn, der Herr ist. bey mein und mein wem ich mich fürchten. Er ist meines Lebens Kraft, vor wem foll te mir grauen? Und wenn sich gleich ein Heer( von Leiden und Trübfalen) wider mich lagert, so fürchtet sich dennoch mein Herz nicht! Und wenn sich Krieg wider mich erhebt, so vers lasse ich mich auf Ihn.- Warum betrübst du dich also, meis Harre auf Gott, ne Seele? und bist so unruhig in mir? und sey versichert: du wirst Ihm noch danken, daß Er deine Spülfe dein Gott ist. 10) Der Herr führt die Seinigen durch Leiden zu Freuden. Die mit Thránen fáen, werden mit Freuden árns ten. Sie gehen hin und weinen, und tragen edeln Saamen, und kommen mit Freuden, und bringen ihre Garben. Der Herr wischt alle ihre Thränen ab; Gutes will ich also thun, ohne müde zu werden, denn zu seiner Zeit werde ich årnten ohne Aufhören. Darum will ich es für lauter Freude halten, wenn ich in mancherley Prüfungen gerathe. Welche der Herr lieb hat, die firafet und züchtiget Er. 11) Warte- Schweige. Ich will schweigen, und meis nen Mund nicht aufthun; der Herr wird's wohl machen.- Meine Seele unterwirft sich stillschweigend dem Herrn, der mir hilft; denn Er ist der Fels meiner Zuversicht. 12) Sieb auf Christus. Laffet uns aufsehen auf Jefus, den Anfänger und Vollender unsers Glaubens, Der, da Ihm Freude zu Gebot stand, das Kreuz erduldete, und die Schande nicht achtete. Gedenket an Ihn, der einen solchen Widerspruch von den Gottlosen erduldete, damit ihr den Muth nicht sinken laffet, und nicht unterlieget.- Muste nicht Christus leiden, und also in feine Serrlichkeit eingeben? Auch wir müssen durch viele Zrubsale in das Reich Gottes eingehen. 13) Nach dem Kampfe diefes Lebens folgt die Krone der Seligkeit. Selig ist der Mann, der die Prü fung aushält; denn wenn er bewährt ist, wird er die Krone des Lebens empfangen, welche Gott denen verheißen bat, die Ihn lieben. Mit Paulus wird er am Ende feines Lebens fagen fone nen: Jch babe einen guten Kampf gekämpfet; ich habe den Lauf vollendet, und den Glauben gehalten; nun wartet auf mich die hinterlegte Krone der Gerechtigkeit, die mit der Herr, der gerechte Richter an jenem Tage geben wird, nicht aber nur mir, sondern Allen, die seine Erscheinung lieb haben. - - - - 490 XI. Abschnitt. Andachtsübungen für Kranke, Sterbende, und ihre Freunde und Tröster. 1. Betrachtungen, um sich zu einem feligen Lode vorzubereiten. Der Tod ist gewiß, und man stirbt nur einmal. Man wird allezeit vom Tode überfallen, und so gut man sich auch immer dazu vorbereitet, so stirbt man doch allzeit eher, als man denkt. Nach dem Tod ist keine Zeit mehr übrig zur Buße und zur Vergebung der Sünden. Ein jeder Augenblick fann der letzte unsers Lebens feyn. Je länger wir schon gelebt haben, detto náher sind wir dem Tode. Der Zustand, in welchem wir uns in dem Augenblicke des Todes befinden, entscheidet unsere Seeligkeit oder unsere Verdammniß auf ewig. Wie ernfihaft fell nicht ein Christ so wichtige Wahrheiten bes trachten! Sollte er nicht beständig wachen, und alle Augenblicke bereitet seyn, aus dieser Welt zu gehen? Die nothwen dige Vorbereitung, welcher ein Chrift sich gern unterwirft, um sich wohl zum Tode vorzubereiten, kann in drey Zeiten einges schränkt werden. Die erste, da man gefund ist; die zweyte, da man krank ist; die dritte, da man dem Zode nahe ist. 14) a) Wie man sich zur Zeit der Gesundheit zum Tode bereiten ſoll. Die erste nothwendige Vorbereitung zum Zode während der Gesundheit ist diese, daß man nach den Vorschriften des Evans geliums gut lebe; denn auf ein gutes Leben folgt ein guter Tod. Die zweyte Vorbereitung, welche der Seele sehr große Rus be verschafft, besteht darin, daß man Alles in Ordnung brin ge, was uns in der wichtigen Zeit, in der wir auf nichts an ders mehr, als auf chen glüdseligen Tod denken sollen, bes unruhigen fonnte. Dazu gehört, daß man sein Testament mas che, und damit nicht bis auf das Krankenbett warte, wo der Geist schon zu sehr in Unruhe ift, um es gehörig machen zu können. Das dritte Mittel, um sich während seiner Gesundheit zum Tode vorzubereiten, ist dieses, daß man sich nach und nach ven Allem, was man in der Todesstunde verlaffen muß, los. fchåle, und sogar die Neigung dazu in sich unterdrücke; darum follten wir uns öfters den Gebrauch der zeitlichen Dinge und auch erlaubter finnlicher Freuden verfagen, und auf diese Art uns darin üben, gleichsam alle Stunden zu sterben. Viertens, um sich zum Zode vorzubereiten, muß man tågs lich sein Gewissen erforschen, öfters die heiligen Sacramente Andachten für Kranke sc. 491 der Buße und des Altars empfangen, und die Engel und lies ben Heiligen Gottes öfters um ihre Fürbitte zur Erlangung einer glückseligen Sterbftunde anflehen. Fünftens follen wir unsere Freunde und Hausgenossen in ihren Krankheiten besuchen, bey ihrem Hinscheiden gegenwär tig seyn, und sie mit frommen Betrachtungen zum Grabe bes gletten. Das letzte Mittel endlich einer guten Vorbereitung zum Zode ist, daß man jährlich einige Lage auswähle, um sich ernstlich auf diese Vorbereitung zu verlegen. 11m sich eine richtige Vorstellung von einem guten Zode zu machen, kann man auch die Lebensgeschichten der Heiligen, die uns zum Muster dienen sollen, lesen, und sich besonders die Umstände ihres Lodes, ihre lehten Zugendhandlungen und Reden zu Gemüthe führen. b) Wie man sich in seiner Krankheit zum Tode vorbereiten soll. 1. Sobald wir die ersten Anfälle der Krankheit empfinden, oder sonst von einem gefährlichen Zufalle getroffen werden, müssen wir uns den Tod zu Gemüth führen, und mit ruhis ger Ergebenheit das erwarten, was Gott sowohl mit unserm Leben, als mit unsern Schmerzen, und der Dauer des Uebels verordnen mag; denn Alles, was Gott thut, ist wohlgethan. Wir mögen leben oder sterben, so sind wir des Herrn Eigenthum. Soll also unsere Seele nicht Demies nigen unterworfen seyn, von dem sie ihr Heil erwartet? 2. Unsere Seele muß nun ihr Verlangen höher schwingen, und die Todesnachricht, welche die Krankheit anzukündigen scheinet, mit einer innern Freude vernehmen. Mit Paulus müssen wir voll glaubigen Muthes sprechen: ,, Ich wünsche aufgelöst, und mit Christus vereint zu feyn!" 3. Bevor das Uebel zunimmt, muß man, sobald es mögs lich ist, sein Gewissen durch wahre Reue und Beicht zur Rus he bringen, und nach guter Vorbereitung, die heilige Wegs zehrung empfangen, ohne auf die äußerste Noth zu warten, die den Empfang derfelben oft unmöglich, oder wenigstens fruchtlos macht. Nachher soll man sich gånzlich Gott überlass fen, feine Leiden mit den Leiden Jefus vereinigen, sich dem Beystand der Heiligen empfehlen, und mit dem Gedanken von der Ewigkeit und von der Liebe unfers Herrn sich beschäftigen. Endlich wenn das Uebel anhält und gefährlich wird, soll man sich mit wahrer Reue mit dem heiligen Sacramente der letzten Delung versehen lassen. 4. Nachdem man die heiligen Sacramente empfangen bat, so muß man die Schmerzen der Krankheit still und gelassen erduiden, und dem Arzte pünktlich gehorchen, welches eine Gott sehr angenehme Buße ist. Statt immer nur Linderung zu wünschen, soll man seine Zeit in stiller Betrachtung von Jesus Leiden zubringen, und nach seinem Beyspiele seinen 492 XI. Abschnitt. Andachten Feinden von Herzen verzeihen, sie um Vergebung bitten, und Allen, die um uns sind, auf jede mögliche Beweise der Liebe geben. 5. Zu dieser Zeit hüte man sich aber vor eitlem Geschwätze, und vielen Besuchen; nur gottesfürchtige Leute, und besonders der ordentliche Seelsorger und Beichtvater, zu denen wir Vers trauen baben, sollen uns beystehen; Andere beunruhigen uns meistens. In beftigen Schmerzen tröstet ein Blick auf den gefreuzigten Deiland, der Gedanke an die Marter der heiligen Blutzeugen, und die Peinen, die wir sonst vielleicht jenseits würden zu leiden haben. ( c) Für die leßten Stunden des Lebens. Befindet sich der Kranke schon in einem solchen Zustande, daß keine Hoffnung mehr zum Auffommen da ist, so muß er sich aus allen Kräften ermuntern, und Jesus Christus, der eis lends kommt, gleichsam entgegen eilen: Sich, ich komme ge schwind. Man fann aber einem Kranken nicht bestimmen, was für Andachtsübungen er in diesem Zustande vornehmen soll. Ein jeder soll hierin nach seiner damaligen Gemüthsstimmung und nach dem Rathe dessen, der ihm beysieht, handeln. Insges mein aber ist es sehr nütlich: 1. Sich von Zeit zu Zeit das Leiden unsers Herrn vorles fen, und 2. Sich nach seiner Andacht einige Psalmen vorbethen zu lassen. 3. Die Litaney vom allerheiligsten Namen Jesus, von der feligsten Jungfrau und allen Heiligen anzuhören, und sich in stiller Aufmerksamkeit mit dem Priester und andern Bethenden zu vereinigen. 4. Sich von Zeit zu Zeit in der Anbethung der göttlichen Gerechtigkeit und ihres Rathschluffes über uns zu üben; den Glauben, die Hoffnung, die Liebe, und Reu' und Leid zu ers weden; sich mit Geduld gånglich in den Willen Gottes zu ers geben, sich vor Ihm zu demüthigen, sich Ihm aufzuopfern, und für alle Gnaden, die man das ganze Leben hindurch von Ihm empfangen hat, Dank zu sagen. 5. Jemehr sich aber der lette Augenblick unsers Lebens nás hert, mit defto größerm Eifer und Vertrauen müssen wir auf Jefus den Gekreuzigten fehen, und die heiligen Empfindungen der Andacht in uns erwecken, so daß wir unsere letzten Seufs zer in den Armen dieses göttlichen Erlösers zu Gott schicken und sagen können: Herr Jesus! nimm meinen Geist auf. ( Aus den geistlichen Werken des Pater Lalements.) 493 für Kranke*. Erster Zeitraum. 2. Bethstunde zur Vorbereitung auf einen guten Tod. ( Während der Allerseelen- Octav am Communion- Tage, oder wenigstens des Monats einmal, besonders am Geburts- Tage, mit ernstlichem Nachdenken vorzunehmen.) O Gott! wie schnell vergeht die Zeit! schon wieder ein beträchtlicher Theil meines Lebens dahin. Mit je dem Augenblicke nähert sich meine lehte Stunde immer mehr! sie wird da seyn, ehe ich es vermuthe. Jugend, Gesundheit und Stärke schüßen nicht vor dem Tode. Wie viele plönliche Sterbfälle habe ich schon erlebt! Alles erinnert mich, daß ich einst sterben muß, und bald sterben kann. Sollte ich das Andenken an den Tod scheuen, oder es mir sorglos aus dem Sinne schlagen? welche Thorheit! der Tod würde dadurch keinen Schritt weiter von mir entfernt bleiben, sondern erst schreckhaft werden. Wenn ich den Tod nicht fürchten will, so muß ich mich durch öfteres Andenken mit ihm bekannt machen, und so leben, daß ich allzeit getroft sterben kann. Die einzige beste Vorbereitung auf einen guten Tod ist ein christliches Leben, und ernstliche Besserung. Wie der Mensch lebt, so stirbt er; und wie er stirbt, fo fährt er. Sollte ich diese Vorbereitung auf's ungewisse Sterbebette verschieben, wo ich vielleicht in Qualen und Ohnmacht, ohne Besinnung daliegen, und zu Allem unfähig seyn werde? Nein, mein Gott! so leichtsinnig will ich meine Seele nicht auf's Spiel sehen. Jetzt, da Du mir noch Zeit und Kraft verleis best, will ich thun, was ich dort getban zu haben wünschen werde; jetzt mein Gewissen und meine Sache in Ordnung brins gen; das Versäumte und unrecht Geschehene zu erfeßen trach ten, und mit allem Ernste an meiner Besserung arbeiten, damit ich nicht unversehens überrascht werde. Jeßt mit gefundem. Leibe will ich an's Sterben denken, wenn ich aufstehe, oder mich zur Ruhe lege, wenn ich den Uhrschlag oder die Sterbes glocke hore. Wenn mich etwas gelüftet, will ich mich fragen, was ich einst im Zödbette davon haben, und davon halten werde. Wenn mich meine Arbeit und Pflicht, die Geduld im Leiden, die Ausübung des Guten schwer ankommt, so will ich mich durch den Gedanken ermuntern, wie froh ich einst feyn werte, wenn Alles vollbracht und überstanden seyn wird! Nicht, was ich heut thun fann, will ich auf morgen verschieben, weil ich nicht weiß, cb ich es morgen noch können werde, und weil ich morgen, wenn ich noch lebe, was anderes Gutes thun kann. Ich will die kurze Seit meines Lebens anwenden, um so viel Gutes auszurichten, als 494 XI. Abschnitt. Andachten mir möglich ist, und mir Schäße für den Himmel zu sammeln; Alles, was ich hier besitze, wird mich am Sterbetage verlaf fen; nur meine guten Werke werden mich dorthin in die Ewigkeit begleiten. Wie ich nicht im Unfrieden und Feind. schaft sterben wollte, so will ich auch keinen Tag darin leben; sondern ich will verzeihen, wie Du mir zu verzeihen verspro: chen hast, o Gott! Endlich will ich auch die größtentheils vers schuldeten Leiden, zu meiner Befferung, mit Geduld und Ers gebung ertragen; denn es ist besser hier büßen, als dort leis den. Sodann kann ich zu jeder Stunde dem Tod heiter und ruhig entgegensehen. Er führt mich zu Dir heim, o mein Va ter! zur ewigen Freude und Ruhe. Ich werde fanft entschla fen, und zum himmlischen Leben erwachen. Herr des Lebens und des Todes! ich stehe in deiner Hand; nimm mich zu Dir auf, wenn es Dir gefällt. Amen. Göttlicher Erlöser! an dem Kreuze starbest Du für uns, als das Opfer für die Sünden der Welt. Im Andenken an diese deine Liebe, die für uns in den Tod gieng, weihe, übers gebe und opfere ich mich und mein ganzes Leben Dir zu ei nem ewigen Dankopfer für die Erlösung. O, vereinige dieß mein geringes Opfer mit dem deinigen, das einen unendlichen Werth hat! Schreibe meinen Namen mit deinem vergoffenen Blute, in dein liebendes Herz, in das Buch des Lebens ein. Berleihe mir und allen Gläubigen die Gnade fromm zu leben, und dereinst felig zu sterben. Amen. - Eingang. Selig sind Alle, die in dem Herrn sterben. Herr! öffne meine Lippen, und mein Mund wird dein Lob verkünden. Gott! dent' auf meine Rettung! Herr! eile mir zu Hülfe; Ehre sey dem Vater! * Um heilige Reue gegen Gott, und Vertrauen auf Ihn zu erweden, bethe: Gebeth zu Gott dem Vater. Vater der Erbarmungen, Gott alles Trostes, und auch mein Gott und Vater! Ich glaube an Dich, als den Ursprung und das legte Ziel und Ende aller Dinge. Ich vertraue auf Dich, denn deine Güte ist groß und währet ewig. Ich liebe Dich, als das höchste Gut, das lauter Liebe, Gnade und Seligkeit ist. Ich preise deinen Namen, denn Du bist lauter Vollkommenheit. O wie groß ist deine Gnade und Erbarmung gegen mich, daß Du mich armen Sünder wieder als dein Kind angenommen hast, und ich Dich wieder meinen Gott und Vater nennen darf! Denn leider! ich habe, wie der verlorne Sohn, dein Haus und deine Zucht, ich habe deine Liebe verlassen, ich habe Sünde auf Sünde, Elend auf Elend gehäuft, und mich der ewigen Verdammniß schuldig gemacht. Aber Du wandtest deinen Gnadenblick nicht von mir ab; deine Liebe 495 für Kranke ic. 17 holte mich ein, die Gnade deines Sohnes ergriff mich mitten in der Sünde; da sah ich Dich und mich, Dich in deiner Herrlichkeit, und mich in der Sünde, Dich in deiner Liebe und Seligkeit, und mich in meiner Bosheit und Verdammung. O wie konnte ich fündigen! Ach Herr! sey mir Sünder gnådig; vergieb den Undank, mit dem ich deine Gaben, und die Untreue, mit der ich deine Liebe erwiedert habe. So bethete ich, und Du erhörtest mich, und vergabest die Sünde, und schenktest mir wieder deine Gnade und Liebe. Darum, o Gott! da Du wieder mein Vater bist, und ich dein Kind bin, wie kann ich anders als vor Dir mein Herz hinlegen, arm und sündhaft, wie es ist, und alle meine Sünden mit erneuerten Schmerzen bekennen, und Dir mit neuer dankbarer Liebe auch neuen Gehorsam und neue Treue geloben? O Gott! Du weißt, wie aufrichtig ich es menne, wie ernstlich mein Vorsag ist. O nimm weg alle Sünden, nimm weg Alles, was mich von Dir trennet; erwecke in mir die beilige Liebe, belebe mich zu allem Guten, führe mich zu Dir, meinem Ziel und Ende, und laß mich in deinem Reiche mein ewiges Heil finden. Gebeth zu Jesus am Kreuze. Du, o Jesus! bist für uns arme Sünder in den Tod gegangen, und hast dein Blut für unsere Sünden vergoffen; laß deinen Tod, laß dein vergossenes Blut an uns nicht ver loren seyn! Mit Någeln an's Kreuz geheftet, voll Wunden und Blut, unter Angst und Schmerzen hast Du dein heiliges Leben beschlossen, und das Werk der Erlösung voll bracht. So viel hast Du uns zu Lieb gethan! Darum, o Jesus! nimm unser ganzes Leben in deinen Dienst, hefte unsern Willen an deinen heiligen Willen, und mit Dir an's Kreuz, verwunde unser Herz mit deiner heiligen Liebe, das mit uns keine Sünde und kein Schmerz mehr von Dir trenne. Laß den Glauben an Dich, und die heilige Liebe gegen Dich, nicht absterben, wenn die Todesnoth auch über uns kommt, wenn Todesangst das Herz drücket, wenn Todesmacht das Leben wegnimmt. Dann erhebe und vermehre Du den Glauben und die Liebe gegen Dich, damit wir in deinen heiligen Wunden Dich, das Heil der Welt, und in Dir das ewige Leben finden mögen. Reinige unsere Seele von aller Sünde, stärke uns zu 496 XI. Abschnitt. Andachten allem Guten, beilige uns mit deiner Gnade, damit wir ohne Mackel und voll Liebe durch einen seligen Tod in die Gesellschaft deiner Auserwählten mögen aufgenommen werden. Jesus! Dir lebe ich, und Dir sterbe ich! Amen. Uebung der Anbethung Gott Vater, Sohn und heiliger Geist! Mein Gott und mein Alles! Du bist der Herr Himmels und der Erde, Du bist der Ursprung aller Dinge, Du bist der Gewalthaber des Lebens und des Todes! Dir gebühret Ehre, Lob und alle Anbethung. In dieser Anbethung will ich leben und sterben! Uebung des Verlangens nach Gott. Gott! Du bist mein Ziel und Ende, Du bist das höchste und einzige Gut meiner Seele, Du bist die Freude und das Leben meines unsterblichen Geistes; außer Dir habe ich kein Gut und keine Freude, weder im Himmel noch auf Erde. Nach Dir verlangt meine Seele, und in diesem Verlangen will ich leben und sterben. 11edung des Glaubens.*) O Gott! an Dich, die ewige Wahrheit, glaube ich; denn Du bist die Wahrheit selber; dein Wort ist Wahrheit, das Wort Christus ist Wahrheit, die Lehre deiner heiligen Kirche ist Wahrheit. An diese Wahrheit glaube ich, und in diesem Glauben will ich leben und sterben! Uebung der Hoffnung. Gott! Du bist voll Gnade end Erbarmung und Treue; deine Verbeißungen erfüllest Du alle. Du vergiebst Sünden, Du giebst Gnade zum frommen Leben, Du schen. kest die ewige Seligkeit. Auf deine unendliche Güte hoffe ich, und in dieser Hoffnung will ich leben und sterben. Uebung der Liebe. Gott! Du bist die ewige Schönheit, Liebe und Seligkeit, und das einzige Gut Aller, die Dir angehören. Mache mich Eines mir Dir in Liebe, Eines im Gehorsam gegen deinen heiligen Willen. So will ich Dich lieben, und in dieser Liebe zu Dir will ich leben und sterben! Uebung der Reue. Gott! Du kennest Gutes und Böses! Du hassest die Sünde, und liebeft alles Gute; vor deinem Auge bekenne *) Diese Gebethe können auch beliebig als Andachtsübung in der Kirche oder zu Hause, vorzüglich bey Kranken und Sterbenden, gebraucht werden. für Kranke x. 497 ich meine Sünden, vor deiner Heiligkeit verabscheue ich alles Böse; denn es ist Sünde wider Dich. Vor deinem Auge widerrufe ich alle Sünden, und verspreche wahre Be kehrung. Von nun an keine Sünde mehr! In diesem Borsaß will ich leben und sterben. Uebung der Aufopferung. Gott, Du Herr meines Lebens! Dir opfere ich auf See: le und Leib zu deiner Ehre, und alle meine Kräfte zu deinem Dienste. Wie sich Christus geopfert hat zu deiner Ehre, so will auch ich Dir opfern alle meine Gedanken, Worte, Werke und mein ganzes Leben. Nur deine Ehre! In dieser Aufopferung will ich leben und sterben! Uebung der Ergebung in Gottes Willen. Goct! Du lautere Weisheit und Liebe in allen deinen Wegen und Anordnungen! Dir übergebe ich Leib und Sees le, Leben und Seligkeit; laß über mich kommen, was und wie Du willst, für Zeit und Ewigkeit. Vor Dir erneuere ich meinen Taufbund und alle meine frommen Gelübde. Nur dein Wille geschehe! In dieser Ergebung will ich leben und sterben! 1. Christliche Fürbitten. a) Für die Verstorbenen. Kirchengebeth. Gott! Du hast die Menschen so lieb, und verzeihest so gern, und ihr Heil liegt Dir so sehr am Hers zen; erhöre unfer Gebeth, das wir mit den Seligen des Hims mels vor Dir verrichten; laß alle Gläubigen, die dieses zeits liche Leben verlassen haben, in die Gemeinschaft mit Dir und allen Heiligen aufgenommen werden, und die ewige Seligkeit genießen. Amen.- Vater unfer zc. Ave Maria ic. Herr! gieb ihnen die ewige Ruhe. Und das ewige Licht leuchte ihnen. Von der Pforte der Hölle errette, o Herr! ihre Seclen. Und die Seelen aller abgestorbenen Gläubigen ruhen durch die Barmherzigkeit Gottes im Frieden. Amen. b) Für alle Betagte, Kranke, und solche, die dem Tode nahe sind. Kirdengebeth. Allmächtiger und barmherziger Gott! Du hast dem Menschengeschlechte die wirksamsten Heilsmittel bereitet, und die köstlichsten Geschenke des ewigen Lebens zu getheilt. Sieh gnädig herab auf deine schmachtenden Diener ( und Dienerinnen), und erquicke und beilige die Seelen, die Du erschaffen hast, damit sie würdig werden in der Stunde. ihres Austrittes aus diesem Leben, rein von aller Sündenmas del, durch die Hände der Engel, Dir, unserm Schöpfer, dars gestellt zu werden; durch Jesus Christus, unfern Herrn. Amen. Vater unser zc. Ave Maria* c. 32 498 XI. Abschnitt. Andachten c) Für alle Menschen, damit sie sich ernftlich auf einen guten Tod vorzubereiten vermögen. O Kirchengebeth. Gott! der Du die Gläubigen in eis nen Sinn und Willen vereinigest, laß( dein Volk) alle Mens schen auf Erden das lieben, was Du gebieteft, und das vers langen, was Du verspricht, damit ihre Herzen bey der Vers änderlichkeit der irdischen Dinge dort mögen angeheftet seyn, wo die wahren Freuden zu Hause sind; durch Jesus Christus, deinen Sohn, unsern Herrn. Amen.- Vater unser ic. Ave Maria ic. d) Für alle frommen Gläubigen. Kirchengebeth. Wir bitten Dich, o Herr! laß Alles was sich zu deiner Ehre versammelt, im Guten erneuert, und Alles, was zum Guten gestärkt ist, auch im Guten erhalten werden; durch Jesus Christus, deinen Sohn, unsern Herrn. Amen. Vater unser ic. e) Für Diejenigen, die noch in Sünden befangen sind, und der Buße noch bedürfen. Kirchengebeth. Gott! dessen Eigenschaft ist, sich zu ers barmen und Gnade zu geben; nimm unsere Fürbitte an, und Jaß uns und deine Diener, die noch mit Sündenbanden vers strickt sind, durch die Huld deiner Erbarmung davon aufgelöst werden; durch Jesus Christus, deinen Sohn, unsern Herrn. Amen. Vater unser ic. Ave ic. - f) Für die Reichen und Großen der Welt. Damit sie sich keine Schäße auf Erde, sondern Schäße für den Himmel sammeln, welche die Motten nicht fressen, noch der Rost verzehrt, und welche die Diebe nicht ausgraben und stehlen. Amen, es geschehe! g) für die Betrübten und Armen nach dem Evangelium. Damit sie sich in Allem als getreue Diener Gottes erweis fen, in Widerwärtigkeiten und in der dringendsten Noth, in der äußersten Betrübniß, in Qualen und Kerkern, Empöruns gen und Müheseligkeiten, in Wachen und Fasten, mit vollem Vertrauen und ausharrender Geduld sich fasfen, damit ſie nach so großem überstandenen Elend dieses Lebens endlich an den Ort des Troftes, der Freude und Glückseligkeit gelangen, und von den Engeln in den Schooß Abrahams übertragen werden. h) Für die verstockten Sünder, und für Alle, die noch an die Welt gebunden sind. Herr! der Du gesagt haft: ,, so wahr ich lebe, ich will den Tod des Sünders nicht, sondern daß er sich bekehre und lebe;" Herr! bekehre die Gottlosen zu Dir, führe sie von den Ste gen des Irrthums und der Bosheit, auf welchen sie berumir ren, zurück. Schenke ihnen die Gnade, daß sie den Sünden weg verlassen, und noch vor ihrem Ende deine göttliche Güte und Erbarmung erkennen, und Buße wirken über ihre Misses thaten. 499 für Kranke: c. AZ i) Für wohlmeynende und aufrichtige Christen. Sperr! wirf deine Augen auf das Gebeth der Demüthigen, und laß sie die Kürze des Lebens erkennen; verleihe ihnen die Gnade der Wachsamkeit und des beständigen Gebeths; mas che sie würdig, mit Vertrauen vor dem Sohne des Menschen zu erscheinen. k) Für unsere Verwandten, Freunde und Wohlthäter. Wollte Gott, daß sie ihr Leben weislich einrichteten, das Gefeß des Herrn hielten, und zum Voraus betrachteten, was ihnen in ihren letzten Tagen begegnen foll; Herr! segne sie von der Höhe des heiligen Berges Sion, und laß sie ewig die Güter des himmlischen Jerusalems sehen. Amen. 1) Für unsere Feinde, und für jene, welche uns verfolgen. Herr! rechne ihnen ihre Sünden nicht zu. Ach Herr! verzeihe ihnen, denn sie wissen nicht, was sie thun; vergieb uns unfere Schulden, wie wir denen vergeben, die s beleidigen. Amen. m) Für die Kranken, und für jene, die in den lesten Zügen liegen. Herr! laß die heftigen Schmerzen und Qualen ihres Leibes zur Heilung und Besserung ihrer Seele dienen. Laß sie am Lage des Gerichts zu deinen Erwählten und lieben Kindern. gehören. O mein Gott! mache selig deine Diener, die auf Dich hoffen. O Gott des Friedens und Trostes! betlige fie in allen Dingen, damit sie Alles, den Geist, die Seele u. den Leib ohne Mackel bewahren, bis zur Wiederkunft unsers Herrn Jesus Christus. Amen. 2. Litaney für Kranke. ( Sieh die Litaney von dem bittern Leiden Christi, S. 190.) Heile deine Diener, weil sie auf Dich, o. Gott! vertrauen. O Herr! neige dein Ohr zu uns, und laß uns deine Gnade und Kraft erfahren. O Herr! sey uns ein starker Thurm vor dem Eindringen des Feindes. Der Feind soll nichts über uns vermögen; und der Geist der Bosheit uns nichts schaden. Sen unsere Hülfe und verlaß uns nicht. Du unser Heil vers wirf uns nicht. Steh uns bey, o Herr! Du unser Heiland; und erlöse uns, zur Verherrlichung deines Namens. Herr! erhöre unser Gebeth, C. Gebeth. Gott! Du einzige Zuflucht in unserm Elende! sey uns gnådig, und erzeige an deinen Franken Dienern die Kraft deiner göttlichen Hülfe, damit ſie durch deine grundlose Barmherzigkeit deiner heiligen Kirche wieder gesund zurückgegeben werden mögen. 32 XI. Abschnitt. Andachten I Gott! aus Liebe hast Du das menschliche Ge schlecht erschaffen; und aus lauter Barmherzigkeit nach dem Falle durch das Blut deines eingebornen Sohnes wieder erkauft und erlöset; mache lebendig deine Diener durch die Kraft deiner Gnade, reiche uns Tiefgebeugten deine hülfreiche Hand, erfülle uns mit Herzensfreude, ja mit geistlichem Jubel! Treibe von uns ab alle Nachstellungen des Feindes, und schicke uns den Arzt des Heils, den Engel des Friedens, der uns schwer Geangstete durch deine Trbstungen zu Dir erhebe, und so durch die Erfahrung der gegenwärtigen Hülfe uns bereite, auch die zukünftige ewige Belohnung zu erlangen. Allmächtiger Gott! demüthig flehen wir deine Barmherzigkeit an; de sie allein kann die verlorne Gnade uns wieder erwerben; und zu den Leiden, welche uns nun zwar drücken, aber allezeit mit deinem Beystande begleitet sind, die Gabe der Geduld verleihen. Allmächtiger, Ewiglebender! Du bist das ewige Leben derer, die an Dich glauben. Sieh! wir bringen unser Flehen für deine kranken Diener zu deiner helfenden Barmherzigkeit: erhöre uns, und gieb ihnen die Gesundheit wieder, damit sie Dir in deiner Gemeinde dafür danken können. 500 Gott! nach deinem Winke fließen die Zeitpunkte unsers Lebens dahin; laß Dir diese Gebethe und Opfer, die wir für unsere Kranten deiner Barmherzigkeit dar. bringen, gefällig seyn, damit wir uns über ihre Genefung freuen können, so wie uns jetzt ihre Krankheit bange macht, durch Jesus Christus 2c. Der Herr hat unfer Gebeth erhört, und unser Rufen ist vor Ibn gekommen. Preiset den Herrn, und danket unserm Gott. Und auch über den Seelen der gläubig Verstorbenen ruhe Gottes Erbarmung und Friede. Amen. 3. Inbrünstige Gebethe aus der heiligen Schrift für Kranke, um sich zu einem guten Zode vorzubereiten. 1. Jefus, Du Sohn Davids, erbarme Dich meiner! Hore, o Herr! und sen gnädig!- Du bist ein barmherziger Gott, ach! erbarme Dich unfer! Bater unsers Herrn Jesus Christus, Bater der Barmherzigkeit, und Gott alles Trofies! Eingebors ner Sohn des lebendigen Gottes! Heiliger Geist, süßer Trost in der Trübfal, Stärke in unserer Schwachheit! erbarme Dich unser! Heiligster, allmächtigster, undendlich barmherziger Gott! für Kranke: c. 501. von Dir kommt alles Gute, durch Dich besteht Alles, zu Dir zurück soll Alles; erbarme Dich unser! Heiliger, starker( Sott! Heiliger, unsterblicher Gett! erbarme Dich unser! Du bist der Heiland und Arzt der Kranken. Lebendiger Gott, Schöpfer aller Wesen! Du haft den Tod nicht gemacht, und hast keine Freude an dem Untergang deiner Geschöpfe. Getreuer, wahr. baftiger Gott! laß nicht zu, daß wir über Vermögen versucht werden. Mache uns aber durch jede Prüfung demüthiger und eifriger, und laß uns durch Beharrlichkeit die Krone des Les bens erlangen. Wunderbare Weisheit! laß uns alles Widers wärtige zu unserm Heile gereichen. Herr, mache, daß unsere Schwachheit zu deiner Ehre diene. Züchtige uns, gerechter Gott! Reinige uns durch die Widerwärtigkeit und Trübfal, wie das Gold durch Feuer gereiniget wird. 2. Jesus! Du Arzt unserer Seelen, Du Tröster der Betrüb, ten! Du bist gekommen, uns zu heilen, unsere Thránen zu trocknen; ach, erbarme Dich unser! Unsere Plagen sind deine Plagen geworden; Du hast die Bürden unserer Sünden auf deinen Schultern getragen; Du hast Dich freywillig mit unsern Schmerzen und Gebrechlichkeiten beladen; o göttlicher Erlöser! hilf uns in unserer Noth, und erbarme Dich unser! Herr! Du wurdest selbst in deiner Todesangst von einem Engel ges tröstet; tröste auch uns in unserer Drangfal, und erbarme Dich unfer! Unterwirf unfern Willen dem Deinigen, wie Du deinen Willen dem Willen des ewigen Vaters unterworfen. bast. Erlöser der Welt! Du hast am Stamme des Kreuzes dem Schächer versprochen, ihn in dein Reich aufzunehmen; erbarme Dich unser! O Jesus! Du Mann der Schmerzen! der Du wie ein Lamm auf die Schlachtbank geführt wurdest; verleih uns die Gnade, Dir nachzuleiden, und alle Schmerzen unserer Krankheit Dir aufzuopfern. O Jesus! Du innigstes Wohlgefallen deines himmlischen Vaters, der Du Jhm gehors sam warst bis zum Tode, ja bis zum Tod am Kreuze, stärke uns, daß wir mit treuer Liebe in deine Fußstapfen eintreten, und deinem Beyfpiele nachfolgen. O mein Gott! der Du auf dem Calvarienberg den Fürsten des Todes durch deinen Tod überwunden hast, Du wirst uns nicht zu Grunde geben laffen. Nein, o Herr! dein Arm hat uns von der Bothmäßigkeit des Lodes befrent, feine Ketten zerbrochen, und uns in das Reich der Erben und Kinder Gottes übersehet. 3. Herr! der Du uns erlöset haft, sey uns gnådig; bilf uns, Gott unfer Heiland! deinem Namen zur Ehre erlöse uns, und vergieb uns unsere Sånden. Versage uns deine Hülfe nicht, o Herr! komm eilends und errette uns, Du alle mächtiger Gott! erhöre die Stimme derjenigen, die allein auf Dich hoffen; erlöſe und rette uns von dem Uebel, das wir fürchten; neige dein Ohr zu uns und hilf uns, Du unser Schuß und Unsere Zuflucht! Bewahre uns vor der Sünde, die zum Tode führet, und vor dem Tode, der in die Hölle stürzet. 4. Serr! erböre uns, ob schon wir Sünder sind. Gott der Barmherzigkeit! sich, wir sind Wanderer und Fremdlinge in 504 XI. Abschnitt. Andachten dieser Welt; wir sind irre gegangen und sehr måde; wandle mit uns, feite unsere Schritte, und verleihe uns neue Kräfte. Wir haben keine bleibende Stätte auf Erden; gieb, daß wir die ewige Wohnung im Himmel mit Eifer suchen. Herr! wir rufen zu Dir in den Beschwerniffen und Gefahren dieses Les bens; verkürze unfern Lauf, und führe uns ein in die Ruhe, die wir erwarten. Die größten Widerwärtigkeiten sind nichts im Vergleich der Herrlichkeit, die uns verheißen ist. Verleih uns doch diese Herrlichkeit, o Gott! wegen dem Werthe deis nes kesibaren Lodes. O Herr! wenn Du diesen Leib, diese Staubhütte wirft abgebrochen haben, so laß uns im Himmel wohnen, in diesem Glanz Pallast deiner Herrlichkeit; in dies sem Pallast, welchen sich der Verstand der Menschen nicht vers stellen kann, den nicht frerbliche Hände, sondern Gott selber gebaut hat. Kein Auge hat's gesehen, kein Ohr gehöret, in feines Menschen Einn ist es gekommen, was Gott denen bes reitet hat, die Ihn lieben. Gieb uns Kräfte, um diesen Lauf zu vollenden, verdopple unsern Muth, um den Streit bis an's Ende auszuhalten, damit wir die Krone davon tragen. Herr! wenn wir vollendet haben den Weg dieses zeitlichen Elends und der Trübsal, so thue uns auf die Pforte deines Paradieses. 5. Herr! laß in uns immer mehr und mehr den himmlis schen Troft durch Jesus Chriftus wachsen und zunehmen, je mehr dessen Leiden an uns sichtbar wird. Gestatte nicht, o Herr! daß wir jemals in unserer Widerwärtigkeit oder Krank heit wider deine Anordnungen murren. Haben wir von deiner Hand das Gute empfangen, so laß uns auch willig von deis ner Hand das Kreuz annehmen. Herr! nachdem es Dir ge fällt, daß wir in deinen Leiden Dir nachfolgen, so gieb, daß wir Dich entweder durch die Beschwerden des Lebens, oder durch den Leidensfelch des Todes verherrlichen. Das Anden ken an dein Leiden wird unsere Wehre und Stärke seyn wider Sünde und Lod. Herr! wir fleben, erinnere uns an Alles, was wir unser Leben hindurch gethan haben, und erwecke in unsen Herzen eine wahre Reue über Alles, was Dir mißfals len hat. Gieb uns ein heißes Verlangen, von den Banden des Leibes aufgeldfet, und mit Dir vereiniget zu werden. Herr! Du hast uns die Waffen des Glaubens in die Hand gegeben; verleihe, daß uns in der letzten Stunde nichts erschüttern fons ne, und gieb uns Muth genug, die Anfälle des bösen Feindes zurückzustoßen. 6. mein Gott! verleih, daß uns weder Tod noch Leben, weder Gegenwart noch Zukunft, noch irgend ein Geschöpf, jes mals von Dir trenne. Gieb, daß Jesus Christus in uns lebe, und daß wir Sterben für unsern Gewinn balten. Herr! wenn der Augenblick kommt, daß wir unsere Augen für diese Erde schließen sollen, so öffne sie uns auf immer in deinem Reiche. Herr! Du bist gütig, liebreich, geduldig und unendlich barm herzig; handle nicht mit uns nach unsern Sünden, und straf uns nicht nach unsern Missethaten. Herr! laß uns mit Vers 503 für Kranke sc. trauen vor deinem Thron erscheinen, und deine Barmherzigs keit erflehen, damit wir die Verzeihung unsrer Sünden, die Gnade, und deinen Beystand in unsern Nöthen erlangen. Die Sünde hat uns getödtet, aber deine Gnade, o Herr! macht uns wieder lebendig; denn Du, o göttlicher Erlöser! haft unsere Sünden an deinem Leibe auf dem Kreuzholze ab. gebüßt, damit wir den Sünden sterben, und der Gerechtigkeit leben. Durch deine Wunden sind wir geheilet. Wir wollen uns in nichts Underm rühmen, als in dem Kreuze unsers Herrn Jesus Christus, durch welchen die Welt für uns todt und gekreuziger, und wir der Welt gekreuziget sind. 7. Herr! stårke uns, damit wir jene nicht fürchten, die nur den Leib tödten; sondern den, der die Seele tödten, und in die Hölle stürzen kann. Herr! wir haben die Glieder unfers Leibes oft zum Dienste der Sünde mißbraucht; reinige sie nun, daß fie fráftig der Gérechtigkeit dienen. Gieb uns, o Gott! jenen Haß gegen uns selbst, durch welchen man deis ne Liebe gewinnt. Lehre uns dieses vergångliche Leben vers achten, um das ewige zu erlangen. Webre, o Herr! daß wir nicht den breiten und fodenden Weg, der zum Tode führt, betreten; leite uns aber auf dem schmalen und steilen Pfad des Lebens. O Gott! Du hast uns den Zag und die Stunde, in der Du anklopfen und uns abrufen wirft, verborgen; fo gieb uns deine Gnade! daß wir ohne Unterlaß wachen, und ftets bereit seyen, Dir die Thüre zu öffnen. Wir mögen leben oder sterben, so mache, o Herr! daß wir Dir leben, und Dir sterben. Gekreuzigter Erldser! mache uns würdig, daß wir uns Dir als ein lebendiges Schlachtopfer, als ein heiliges, deinen Augen wohlgefälliges Brandopfer darbringen. Amen. 4. Gebeth zu dem gekreuzigten Erlbfer. Jesus Christus! O Du erster und höchster Gegenstand meiner Anbethung und Liebe! mit dankbarem Herzen erinnere ich mich der bittern Leiden, die Du um meiner Sünden und um meines ewigen Heiles willen am Kreuze drey Stunden lang an Leib und Seele ers duldet hast. Um deines bittern Leidens und Sterbens willen vergieb mir meine Sünden, und sey mir in meiner Todesstunde gnådig. Gelobt sey Jesus Christus in Ewigkeit! Am. 5. Fromme Herzenserhebungen zu Jefus. Ich bethe Dich an, o Jesus! Du Sohn des lebendigen Gottes! Du wahrer Gott und wahrer Mensch! Du größter Wohlthäter und Heiland für uns Alle. Mit XI. Abschnitt. Andachten vollkommener Ueberzeugung bekenne und glaube ich es, daß Du mein Gott und mein Erldser bist. Auf Dich, o gütigster und mildester Jesus! sehe ich mein ganzes Vertrauen! Du bist die allmächtige Liebe; Du kannst und willst mir helfen. Wer Dir vertraut, wird nie zu Schanden. Ich danke Dir, o mein göttlicher Heiland! von ganzem Herzen für alle Gnaden und Wohlthaten, die Du mir und allen Menschen erwiesen hast. Durch treue Befolgung deiner Gebote, und durch Geduld in den Schmerzen meiner Krankheit, will ich mich stets bemühen, meine Dankbarkeit gegen Dich zu zeigen. Ich liebe Dich, o Du höchstes, Du liebenswürdigstes Gut! aus Liebe zu Dir will ich mich ganz Dir ergeben, und Dir mein Leben mit der kindlichen Bereitwilligkeit aufopfern, wie Du dein Leben für mich armen Sünder am Kreuze verblutet, und deinem himmlischen Vater aufgeopfert hast. Segne mich- o Du ewiger Seligmacher Aller, die an Dich glauben! segne mich auf meinem Krankenlager; gieb mir Abscheu vor der Sünde, Freude zum Guten, und eine recht herzliche Sehnsucht nach Dir und nach deinem Reiche, damit ich, wie dein heil. Apostel Paulus, aufgelöst, und mit Dir vereiniget zu werden wünsche. Jesus Christus! Du bist mein Leben, und Sterben mein Gewinn! Amen. 504 6. Gångliche Ergebung in den göttlichen Willen. O gütigster Gott, liebreichster Vater! die Du lieb hast, züchtigest Du.- Diese Krankheit hat deine Liebe mir gesendet; es ist so geschehen nach deinem heiligen, wohlgefälligen, vollkommenen Willen. Ich danke Dir von Grund meines Herzens für dieses sichere Kennzeichen deiner Liebe. Durch dieses Leiden soll der Name Gottes geheiligef, und mein Seelenheil, befördert werden.- Deine Batergüte wird mich tragen, deine Treue wird mich behüten, deine Gnade wird mich stärken; ich hoffe es von Dir, Du bist mein Vater, mein Heiland! Ich danke Dir, liebster Vater! für das Kreuz, das Du mir sendest; denn es wird mein Leben bessern, meine Sünden tilgen, und mich im Guten stärken. Jesus bat gelitten, und durch den Tod ist Er in die für Kranke ic. 505 Herrlichkeit eingegangen; ich will mit Jesus leiden, der Welt und ihrer Lust absterben; dann werde ich einst meinen Jesus in seiner Herrlichkeit finden, und durch Ihn ewig selig seyn. 7. Gebeth um Geduld. D Du Spiegel der Geduld, Jesus Christus! aus Liebe hast Du unsere Schwachheit auf Dich genommen, und deine Todespein mit Freuden ausgestanden; laß auch mich mit deiner Gnade diese Krankheit dankbar von deiner liebreichen Hand annehmen, und mit beståndiger Geduld bis an's Ende ertragen. Stärke mich, daß ich Dich nicht etwa durch Ungeduld beleidige, daß ich nicht im mindesten von deinem göttlichen Willen abweiche. Ich begehre alle meine ges genwärtigen, alle meine zukünftigen Schmerzen mit voll kommener Geduld zu leiden; unterstüße aber meine Ent schließung mit deiner Gnade, damit ich treu darin verharre bis zu einem glückseligen Ende. Amen. 8. Jesus Christus! dein Wille geschehe! O göttlicher Herr und Heiland, Jesus Christus! Du haft die menschliche Natur und ihre Mühseligkeiten und Leiden angenommen; Du bist deinem himmlischen Bater gehorsam geworden bis zum Tod am Kreuze, und. haft uns ein Beyspiel hinterlassen, daß wir in deine Fußstapfen eintreten und Dir nachfolgen sollen; ich ver einige daher meine Ergebung mit der Deinigen, und überlasse mich Dir gonz, daß Du Alles mit mir nach deinem Wohlgefallen fügest. Dir, o mein Gott! opfere ich meinen Leib und meine Seele! handle mit mir, wie Du willst; dein Wille soll der meine feyn. Ich bin überzeugt, daß Du es in allen Dingen våterlich) mit mir mennest. Deine heilige Weisheit hat mir diese Krankheit zugeschickt; deßwegen glaube ich fest, daß sie zu meinem Besten sey. Mit dankbarem Herzen. nehme ich sie von Dir an, und Dir zu lieb, und zur Ehre alles dessen, was Du für mich gelitten hast, will ich sie geduldig ertragen. Gieb mir dazu deine Gnade, daß alle meine Leiden zu deiner Ehre und zu meinem Heile gereichen. Amen. XI. Abschnitt. Andachten Vater der Erbarmungen! segne dein Frankes Kind; ich nehme jedes Leiden gern aus deinen Händen, nur verleihe mir auch Geduld; vergieb mir meine Missethaten; erfülle mein Herz mit lebendigem Glauben, festem Vertrauen, und treuer Liebe zu Dir, mein Vater! Amen. 506 9. Uebungen des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe. Glaube. Jesus! mein Gott und Erldser! der Du mich geliebt haft bis in den Tod, und aus Liebe zu mir gestorben bist, daß ich ewig leben möge; ich glaube an Dich, und glaube Alles fest, was Du mich durch die heilige katholische Kirche zu glauben lehrest; im Glauben und Vertrauen der heiligen katholischen Kirche will ich also deinen heiligsten Namen ehren und anrufen. Hoffnung. D Jesus! Du unendliche Liebe und Erbarmung! der Du alle zu erquicken verheißen hast, die mit gläubigem Vertrauen zu Dir, ihrem Heiland, ihre Zuflucht nehmen; ich hoffe zuversichtlich durch Anrufung deines hei ligsten Namens Trost und Hülfe zu erhalten, und von allem Ulebel des Leibes und der Seele erlöset zu werden. Liebe. O Jesus! ich liebe Dich aus ganzer Seele, und bereue aus Liebe Deiner, alle zeitlebens begangene Sünden; ich bin auch fest entschlossen, meine erhaltene Gesundheit, leibliche und geistliche Gnaden nur allein zu deiner Ehre und meinem Seelenheile anzuwenden. Es segne und bewahre mich vor allen Bersuchungen, Uebeln, Krankheiten und Gefahren des Leibes und der Seele der allmächtige Gott+ Bater, der+ Sohn, und der heil. † Geist. Amen. Gelobt, gepriesen und verherrlichet sey der Name uns sers Herrn Jesus Christus, jest und in Ewigkeit. Amen. 10. Das Gebeth des Herrn, nach der Auslegung des heiligen Bernhard. Bater! allmächtig in deinen Werken, selig in der Liebe, reich in der Gnade. Unser Bater, aller Menschen, aller Geister, aller Kreaturen Ursprung und Erhalter. Der Du bist in dem Himmel deiner großen Herrlichkeit, in dem Himmel der Engel und Heiligen, in dem Himmel aller frommen Christen- Herzen auf Erde. Geheiliget werde dein Name, daß er uns sey ein Ho 507 für Kranke ic. nig im Munde, ein lieblicher Gesang in den Ohren, ein Freudenschall im Herzen. Zukomme uns dein Reich, welches eine Freude ohne Leid, ein Friede ohne Trübsal, sichere Ruhe ohne Störung ist. Dein Wille geschehe wie im Himmel, also auch auf Erden, daß wir hassen, was Du hassest, lieben, was Du liebest, erfüllen, was Du gebietest. Gieb uns heut' unser tägliches Brod, das Nothwendige für den Leib, die. heilsame göttliche Lehre, und die himmlische Speise des hochwürdigsten Sacraments. Und vergieb uns unsere Schulden, die wir gethan haben wider Dich, o Herr! wider unsern Nächsten, und wider uns selbst. Als auch wir vergeben unsern Schuldigern, die uns beleidiget haben durch böse Absichten, durch harte Werte und durch lieblose Werke, die uns geschadet haben an dem Leib, an der Seele, oder an zeitlichem Gut. Führe uns nicht in Versuchung der Welt, des Fleisches, und des Teufels. Sondern erlöse uns von dem Uebel, es sen gegenwärtig, vergangen oder zukünftig. Amen, es geschehe von Dir, durch Dich, in mir. 11. Gebeth für einen Kra. anJesus Christus, liebreichster Freund und Erlöser der Menschen! der Du es so bitter erfahren hast, was Schmerz und Elend sey; um deiner Liebe, um deiner Leiden und Todesschmerzen willen erbarme Dich dieses armen ken, und komm ihm durch deine Gnade zu Hülfe, Verleih ihm standhafte Geduld in seinem Leiden; stårke seinen Glauben und sein Vertrauen auf Dich; erfülle sein Herz mit inniger Liebe zu Dir; laß die Prüfungen, mit denen Du ihn heimsuchest, seine Sünden austilgen und seine Verdienste mehren; und wenn es deinem hei ligsten Willen gemäß ist, so schenke ihm wieder die vorige Gesundheit. Willst Du aber, daß er sein Lager nicht mehr verlassen soll, so ertheile ihm eine standhafte Ergebung in deine väterlichen Fügungen; laß ihn ein recht erbauliches Beyspiel des gläubigen Muthes und der frommen Gelassenheit seyn, die der wahre Christ in den letzten furchtbaren Stunden des Lebens zeigt; laß ihn Theil nehmen an den wohlthätigen Sacramenten der XI. Abschnitt. Andachten Sterbenden, und wenn sein Geist die Erde verläßt, so nimm ihn in deine Hände auf. Amen. Vater unser 2c. 508 12. Gebeth um Wiedererlangung der Gesundheit. Barmherziger Vater im Himmel! heilig und gerecht ist, was Du anordnest; dein Wille geschehe auch an mir! Aber dieser Wille wird oft erst offenbar, wenn wir be then; Du erlaubest uns, daß wir zu Dir flehen dürfen, ja Du befiehlst uns zu bethen, damit Du erhören könnest. Es ist vielleicht dein Wille, daß ich bald wieder gesund werde, wenn ich nur deine Barmherzigkeit gläubig anrufe. Das will ich voll Vertrauen thun. Mein barmherziger Vater! wenn es Dir wohlgefällig ist, so nimm dieß Leiden von mir; Du kannst es; sprich nur ein einziges Wort, so wird mein Leib und meine Seele gesund. Mit meinem Erldser, der am Delberg zu Dir flehete, bitte auch ich: ,, Abba, lieber Vater! alle Dinge sind Dir möglich, nimm doch diesen bittern Leidenskelch von mir. Aber nicht mein, sondern dein Wille geschehe!" Bater! ich bitte Dich mit dem dreymaligen Gebethe Jesus am Delberg, durch den blutigen Angstschweiß, den dein geliebter Sohn auch für mich vergoß; erlöse mich von der Gefahr des Todes, und verleih mir die Gesundheit des Leibes, damit ich Dir noch långer diene, mein Seelenheil wirke, meine Sünden büße und in dieser Gnadenzeit noch mehr Gnade von Dir erlange. O mein gütigster Heiland! Du hast noch immer die Macht gesund zu machen, die Du, als Du auf Erden wandeltest, an so vielen Kranken, die an Dich glaubten, ausübtest. Ich rufe in eben diesem Glauben zu Dir: Jesus! Du Sohn Davids! erbarme Dich meiner! Du darfst nur wollen, und ich stehe auf, und bin gesund. Erhöre mich nach deiner unendlichen Barmherzigkeit, und schenke mir meine Gesundheit wieder; oder wenn meine Genesung mir schädlich wäre, laß mich mit Dir sterben, auf daß ich mit Dir lebe; laß mich mit Dir leiden, damit ich mit Dir herrsche. Amen. 13. Gebeth nach überstandener Krankheit. Lobe den Herrn, meine Seele! und Alles was in mir ist, preise seinen heiligen Namen!- Ja- ich will den Herrn nst für Kranke ic. 509 loben allezeit; denn Er hat das Gebeth seines Knechtes nicht verschmähet. Schmerzen des Todes hatten mich umgeben; ich aber rief in meiner Noth zum Herrn. Ich flehete zu meis nem Gott; und Er hat aus seinem Heiligthume meine Stimme erhöret, und mein Flehen vor seinem Angesichte ist in seine Ohren gedrungen. Herr! mein Gott! ich habe zu Dir gerufen, und Du hast mich gefund gemacht. Ja, Grundgütigster! daß ich von meinem Krankenlager wieder aufgestanden bin, daß ich mein Leben gefristet sehe, und der so edlen Gesundheit wieder zu genießen anfange, dieß habe ich einzig deiner Batergüte zu dans ken.- Anbethung, Preis und Ehre sey Dir dafür aus meiner ganzen Seele! Hättest Du nur Gerechtigkeit an mir ausüben wollen; o wahrlich eine noch größere Züchtigung hättest Du über mich verhängen müssen. Was,- o was hätte ich zu erwarten gehabt, wenn Du mit mir in's Gericht gegangen wärest; Aber Du bist gnädig und barmherzig und von großer Güte und Treue! Du züchtigest uns zwar, aber Du übergiebt uns dem Tode nicht; sondern willst uns durch die Züchtigung bessern und selig machen. Du verwundest und heilest wieder; Du schlägst, und deine Hände machen wieder gesund. Dieses hab' ich an meinem Leibe und an meiner Seele schon mehrmal erfahren. Meine leibliche Gesunda heit ist wieder hergestellt, und die überstandene Krankheit bat meine Seele geheilet. Denn durch sie zogst Du," mein Gott und Bater! mich von der Welt, an der ich mit unordentlicher Liebe hing, freundlich zurück, und brachtest mich näher zu Dir, da ich mich von Dir ents fernt hatte, und meinen bösen Neigungen und Begiers den gehorchte. Du schwächtest den Körper, um die Seele zu stärken. Du lehrtest mich öfter und kräftiger bethen, und brachtest mich zur Erkenntniß, wie eitel und zur Ses ligkeit unnüß alle Güter der Welt, wie nichtig aller Reichthum und alles Ansehen der Menschen sind; da sie nicht einmal vor Krankheit schüßen, oder die verlorne Gesundheit wiedergeben können. Kurz, Du lehrest midy der Welt absterben, um ein neues, Dir geheiligtes Les ben anzufangen. So danke ich Dir denn, o mein Gott! aus ganzem - 510 XI. Abschnitt. Andachten Herzen für deine väterliche Heimsuchung, und bitte Dich, Du wollest sie zum Heile meiner Seele gedeihen lassen. Stárke die guten Vorsäße, die ich auf meinem Krankenbette für die Zukunft gefaßt habe, damit ich, was ich Dir feyerlich angelobte, auch erfülle. Laß mich die Welt, ihre Güter und Freuden immer so ansehen, wie sie mir auf meinem Krankenlager erschienen sind, damit ich ge gen ihre Reizungen mehr, als, als zuvor, auf meiner Hut, und vor ihren Verführungen sicher seyn möge. Ich bin fest entschlossen, o mein Gott! unterstüße meinen schwachen Willen mit deiner mächtigen Gnade! fest bin ich entschlossen, Dich feuriger zu lieben, Dir eifriger zu dienen, meinem Berufe emsiger obzuliegen, meine Gesundheit höher zu schåßen und sorgfältiger zu bewahren, als bisher. Mein gesunder Leib, meine Sinne, mein Geist, mein Herz, und alle meine Kräfte sollen Dir künftig geheiliget seyn. Segne diese Entschließungen, o Du mein gütigster Bater! auf daß ich mit je dem Tage besser, und Dir wohlgefälliger lebe, in deiner Gnade sterben, und ewig ben Dir selig werden möge, durch Jesus Christus unsern Herrn. Amen. 3 weyter Zeitraum. 14. Um Gnade durch das Leiden unsers Herrn Jesus Christus. Herr Jesus Christus! mein einziger Erlöser und Heiland, laß dein heiliges Leiden an mir elenden Sünder nicht verloren werden; durch deine große Schmach, durch deinen bittern Tod und durch dein verwundetes Herz, verleihe mir Gnade, jeßt und am Ende meines Lebens. gekreuzigter Herr Jesus, aller Welt Heiland! feße deine bittere Marter, deine schmerzlichen Wunden, dein heiliges Sterben und alle deine Barmherzigkeit, zwiz schen dein strenges Gericht und meine fündige Seele. O getreuer Hirt, der Du mit deinem theuren Blut deine Schäflein rein wachschest und heiligest; dein Blut und all' dein Leiden komme mir, und allen Sündern zu Hül fe, zum Trost und Heile: O schuld loses Lamm Got tes! welches Du durch dein Kreuz und Leiden hinwegnimmst die Sünden der Welt; durch deine bittere für Kranke zc. IX 511 Pein, Noth und Angst, die Du ungeachtet deiner reins sten Unschuld, am Kreuze gelitten hast, behüte mich vor deinem strengen Urtheil, und erbarme Dich über die Les bendigen und die Todten. Du gehorsamer Sohn Gottes! der Du so willig den Kelch des bittersten Leidens getrunken hast, auch mit Galle und Essig getränket worden bist, durch alle deine Schmerzen, Wunden und Pein mach mich geduldig und gehorsam bis in den Tod. O reines und kräftiges Opfer, welches hinreicht, alle Sünder mit Gott zu versöhnen, durch die gnadenreichen Verdienste deines heiligen Lebens, Leidens und Ster: bens verschaffe, daß ich dieser Welt absterbe, Dir allein lebe, und im Frieden hinscheide. O Jesus von Nazareth! gekreuzigter König. der Juden! dein Sieg und Triumph, den Du wider alle Feinde am Kreuze vollendet hast, behüte mich vor allen meinen Feinden, bewahre meinen Leib und meine Seele vor aller Gefährlichkeit, gebe deiner Kirche Friede und Einigkeit, verleihe allen Sündern Reue und Gnade, und lasse uns heilig leben und sterben. Amen. 15. Anrufung des allerheiligsten Namens Jesus. O Jesus! Du Quelle aller Barmherzigkeit! erbarme Dich über mich Kranken nach deiner großen Barmher: zigkeit. allergütigster Jesus! dein kostbares Blut ist für uns arme Sünder am Kreuzesstamme geflossen. Tilge aus damit meine Missethaten, und sich mich an mit den Augen deiner Barmherzigkeit. In deinem heiligsten Namen rufe ich um Verzeihung meiner Sünden. Jesus heißt Erldser, Heiland, Seligmacher. O Jesus! Du süßer, liebreicher, kräftiger Name! Um deines Namens willen sey mir ein gütiger Jesus, ein Heiland, Retter und Erldser! Jesus! Du Heil der Gläubigen; o Jesus! Du Trost der Hoffenden; o Jesus! Du süße Vergebung aller unserer Sünden! o liebenswürdigster Jesus! o holdseligster Jesus! erfülle mich mit deiner Gnade; verleih mir deine Liebe; ertheile mir Barmherzigkeit; sey mein Trost in Trübfal, Linderung in meinen Schmerzen, Stärke in meinen Todesångsten, und das Heil in meinem legten Ende. 16. Seufzer zu Jesus. O Herr Jesus Christus! sieh, ein elender, mit schwe 512 XI. Abschnitt. Andachten rer Schuld beladener Sünder steht vor dem Throne deiner Barmherzigkeit, und ruft um Gnade. Herr Jesus Christus! Du Arzt und Heiland der Seelen! wasche, reinige mich, heilige mich, wie den reumüthigen Schächer am Kreuze in der Quelle deiner unergründlichen Barmherzigkeit. O mein Gott! Reiß mein Herz los von der Welt, und von allen irdischen Dingen, und erfülle mich mit heiliger Sehnsucht nach Dir. 17. Gänzliche Hingabe an Jesus Christus. Du allerliebvollstes für mich verwundetes Herz Jesus! ich opfere Dir mein Herz, damit es von Dir getrostet werde. Jesus! Du Wiederhersteller der Unschuld! ich übergieb Dir meine arme, durch die Sünde verunstaltete Seele; pråge ihr dein Bild wieder ein, daß sie Dir ähnlich werde.-- O Jesus¹ Du allergehorsamster Sohn des himmlischen Vaters, bis zum Tod am Kreuze! in deine Hånde empfehle ich meinen Geist, wie Du deinen Geist in die Hände deines Vaters empfohlen hast; erquicke, stärke ihn, daß er nicht ermatte im Todeskampfe.- Jesus! mein Gott und meine Liebe! gieb, daß ich in allen Tugenden gestärket werde; zieh mich nach Dir, und vereinige mich mit Dir hier und dort in Ewigkeit. Amen. - - 18. Empfehlung in den Schuk Maria. O Maria, ehrwürdige Mutter Jesus und aller Gläu bigen! in deinen Schuß, in deine Fürbitte empfehl ich mich und die Meinigen, besonders aber die Stunde meines Absterbens. O allergütigste Jungfrau! du bittest bey deinem göttli chen Sohne Jesus für Alle, die dir vertrauen; du Trösterin der Kleinmüthigen, du Zuflucht der Bedrängten! zu dir trete ich, und stelle mich als ein armer Sünder mit Seufzen vor dein Angesicht: verschmähe nicht meine Worte, o Ges båhrerin des ewigen Wortes! höre und erhöre gnädig mich armseligen, in diesem Jammerthale zu dir rufenden Sünder. Jch bitte, stehe mir ben in allen meinen Nöthen, jezt und allzeit, und sonderlich in der Stunde meines Todes. O gütige, o milde, o süße Jungfrau Maria! O Maria! du Mutter der Gnaden und Barmherzigkeit, laß mich deinen Beystand erfahren; jest in diesem Zustande für Kranke x. 513 meines tiefen Kummers hoffe ich von deiner Fürbitte Befes stigung im Glauben, Ergebung in den göttlichen Willen, ausharrende Geduld, zunehmende Liebe, und endlich einen glückseligen Eingang in die himmlischen Freuden. Amen. 24. Gebeth zu den heiligen Engeln, besonders zu dem. heiligen Schußengel. Ihr Engel Gottes, geschaffen zu seiner Ehre und zum Dienste der Menschen, ausgerüstet mit allen Gaben der Gnade des Herrn! ihr stehet immer um Gottes Thron, sehet sein Angesicht und vollziehet seinen Willen; ihr wachet und bethet für die heilige Kirche auf dieser Erde; ihr serd es, welche die Gebethe und guten Werte der Frommen vor Gottes Thron bringen? ihr seyd es, die dem Menschen in Versuchungen und Leiden beystehen; ihr freuet euch über die Buße des Sünders; ihr bringet uns Kraft und Trost vom Himmel; ihr begleitet die Frommen durchs Leben; ihr traget die Seelen der Gerechten in den Himmel, wie ihr dort den armen Lazarus in den Schoos Abrahams getragen habt. Das rum empfange Gott von uns Lob und Ehre und Anbethung für eure Erschaffung, für alle von Ihm euch erwice sene Gnade und Liebe; euch aber sen Dank gesagt, und unser Zutrauen geschenkt für alle uns erwiesenen Dienste. Besonders sey Gott Ehre, Anbethung und Dank wegen deiner, du, o mein Schußgeist! und dir sey Dank gesagt und mein Zutrauen gewidmet für alle deine mit erwiesene Liebe, Treue, Sorgfalt und Beschüßung. Der liebe Gott vergelte Dir Alles, was du an mir gethan hast. O heiliger Schußengel! wache und bethe ferner für mich, verkündige mir Gottes Willen, erwecke in mic Abscheu gegen jede Sünde, Lust und Liebe zu allem Guten; bring mir Rath und Trost vom Himmel, schüße mich in Gefahren des Leibes und der Seele, vertreib von mir die Nachstellungen des bösen Feindes, führe mich unbefleckt durch dieses Leben, und wenn es einst zum Sterben kommt, so empfang du meine Seele, und überbring sie deinem und meinem Schöpfer, deinem und meinem Gott, damit wir miteinander Gott in Ewigs keit danken, Ihn loben, anbethen, und in seiner Herrs lichkeit uns erfreuen mögen. Amen. 33 XI, Abschnitt. Andachten 20. Anrufung der Heiligen. O alle Heilige Gottes! besonders ihr, meine heiligen Patronen N. N., ihr habt den Kampf bestanden, der mir bevorstehet, und ihr triumphiret nun in der himmlischen Glorie; eure Herrlichkeit kann euch ewig nicht mehr entrissen werden. Ach! helfet mir ringen, stehet mir bey in diesem gefahrvollen Kampfe, erhaltet mir meine Kräfte, damit ich ritterlich streite, die Feinde meines Heils besiege, und endlich nach heilig und glücklich überstandenem Tode mit euch ewig leben und Gott lieben und preisen möge. Amen. 514 Driter Zeitraum. 21. Gebeth vor der heiligen Communion. Herr! ich trete mit reumüthiger und liebender Seele ganz demüthig zu dem kostbaren Tische, auf welchem dein heiliges Fleisch und Blut zu unserer Speise bereitet ist, und bitte Dich inbrünstig, Du wollest mir die Gnade verlei: hen, damit ich Dich mit solcher Ehrerbietung und Andacht, mit solcher Furcht und Liebe, mit solchem starken Glauben, mit solcher Reinheit und Andacht, mit solchem gu ten Gewissen, hohem Eifer und tiefer Demuth empfange, daß dein hoher gewaltiger Name dadurch gepriesen, und meine arme Seele erquickt und gestärket werde. Ich elende und schwache Creatur komme zu Dir, o starker, weiser, mächtiger Arzt des Lebens. Ich unreines irdis sches Geschöpfe komme zu Dir, o unerschöpflicher Brunnen der Barmherzigkeit. Ich blindes, verirrtes Schåflein komme zu Dir, o helles Licht der ewigen Klarheit. Ich armer und nothdürftiger Fremdling komme zu Dir, o Herr und Regent Himmels und der Erde. Ich untreuer Knecht komme zu Dir, o König der Ehren! und bitte Dich von ganzem Herzen, Du wollest mir verzeihen, meine große Schwachheit heilen, meine Unreinigkeit wegnehmen, meine Blindheit erleuchten, meine Armuth bereichern, meine Blöße bekleiden. O mein ewiger Herr' zünde an in mir das seligmachende Feuer der Liebe, stårte meinen Glauben, mehre meine Hoff nung, lbsche aus in mir die bösen Begierden, nimm weg al: les Mißtrauen, alle Verzagtheit. Gieb mir ein starkes ruhis ges Gewissen, erfülle mich mit allen guten Dir wohlgefälligen Tugenden, Besänftige deinen Zorn, den ich wohl ver für Kranke ic. 515 dienet habe; erscheine mir mit holdseliger Gnade, neige deine Himmel und komme zu mir; weiche nicht von mir, bleibe ben mir, und führe mich, dein Schäflein, auf gute. Weide. Laß mich meinem Feinde nicht zum Raube werden; vertreib alle meine Feinde, die mir schaden wollen. Du ewiges Himmelsbrod, Du Brod der Engel, Du Brod deiner Auserwählten, komm in mein Herz und speise mich, daß mich weder hungere noch dürste in Ewigkeit; vereinige mich mit Dir, daß ich mit Dir ein Geist und ein Leib werde. Bertilge alle meine Sünden, erleuchte meinen Verstand, bessere mein Leben, verbittere mir das Zeitliche, versüße mir das Ueberirdische und Gittliche. Gieb mir ein gutes Bornehmen, und richte all' mein Thun und Lassen zu deinem Lob und meiner Seele Seligkeit. Leite alle meine Gedanken auf Dich, und laß mich von Dir nie geschieden werden. Sen und bleibe Du mein Heiland, mein Trost, meine Zuversicht, meine Liebe und meine Freude. Du bist und bleibst meine Speise und mein Trank, das himmlische Manna meiner Seele. Laß mich nicht trostlos und hungrig von deinem Tische; speise und tránke mich, daß ich möge in Dir blei ben und Du in mir; stårke mich, daß ich durch dieses zeitliche und arbeitfame Leben unaufhaltsam zu Dir mit eiligen muntern Schritten in guten Werken, in deiner Gnade und Liebe fortschreite, und endlich zu deinem ewigen Reiche kommen möge, wo dieses königliche Mahl nicht mehr unter äußerlichen Gestalten von des Priesters Hand gereichet wird, sondern wo wir Dich von Angesicht zu Angesicht sehen, genießen, und von deinem feligen Anblick ohne Aufhören gespeiset und gesättiget werden. Dir sey Lob, Ehre und Preis in Ewigkeit. Amen. 22. 3ur lekten Delung. Jesus Christus lehrt uns durch seinen heiligen Apostel Jacos bus und durch seine Kirche, daß dieses heil. Sacrament eine bes fondere Kraft enthalte, welche den Kranken als die heilfamste Leibes: und Seclen- Arzney mitgetheilt wird. Entweder erlangen fie wieder die verlorne Gesundheit, oder doch wenigstens himmlis sche übernatürliche Gnade, um die Beschwerden der Krankheit zu ertragen, und den Versuchungen des Teufels zu widerstehen. Fers ner erkennen wir aus der untrüglichen Lehre der katholischen Kirs che, daß dieses Sacrament den Glauben belebe, die Hoffnung bes festige und die Liebe entflamme; daß es die unbekannten und vers 33 XI. Abschnitt. Andachten geffenen Fehltritte auslöche, die Ueberbleibfel der Sünden vertilge, und den Mangel der Buße, die man uns hátte aufs legen sollen, oder die wir noch nicht vollständig verrichtet has ben, erseße; daß es uns endlich eine besondere Gnade ertheile, welche in uns zu einer Quelle des geistlichen Lebens wird. So groß aber der Nutzen diefes heil. Sacraments ist, so ges schieht es doch nur zu oft, daß der Mensch unglücklicher Weise entweder aus fremder oder eigener Nachläßigkeit, unvermuthet vom Tode überfallen, diefer leßten Hülfe beraubt wird; oft geschieht es, daß der Kranke wegen Mattigkeit des Leibes, oder Schwachheit des Geistes sich nicht zu Gott erheben, und fein Gebeth mit dem Gebeth der Kirche nicht mehr vereinigen kann. Deßwegen thue jetzt schon, o lieber Christ! bey gesuns dem Leibe, in Betreff dieses heil. Sacramentes, was du in deiner Todesnoth zu thun wünschest! Stelle dir den höchste wichtigen Zustand vor, in welchem du dich auf dem Zodbette befinden wirst, und eigne dir im Voraus die Gebethe zu, des ren sich die Kirche zum Trost und zur Heiligung der Kranken und Sterbenden bedient. 25. Vom Leiden und Sterben Jesu Christi. ( Bethe zuerst die Litaney Seite 190.) 516 Sieh gnädig herab, o Herr! auf deinen Diener, der in seiner Krankheit schmachtet, und erquicke seine Seele, damit er durch deine Züchtigung gebessert werde, und durch deine himmlische Arzenen Heilung erhalte, durch Christus, unsern Herrn. Amen. Durch die Kraft dieser heiligen Salbung, und nach den Verheißungen deiner unendlichen Barmherzigkeit, verzeih mir alle meine Sünden, die ich durch den üblen Gebrauch meiner Sinne und meiner Leibeskräfte begangen habe! Wie oft wünschte ich zu sehen, um meinem Vorwige, oder meis ner bösen Augenlust Genüge zu leisten! Wie oft habe ich meine Ohren mißbraucht, der ich mit Vergnügen unkeusche Scherze und boshafte, oder lieblose auch feindselige, oder gebäßige Verläumdungen anhörte! Wie oft habe ich meinen Mund mißbraucht, da ich frech redete und unmäßig aß! Ach, wie oft habe ich alle Glieder meines Leibes mißbraucht, da ich sie zu Werkzeugen der Ungerechtigkeit und Bosheit machte, anstatt sie Dir, o Gott! zu weihen, und in deinem Dienste als Waffen der Gottseligkeit und Gerechtigs keit zu gebrauchen! O mein Gott! ich siehe zu Dir um Verzeihung, und hoffe sie von deiner Güte durch das Gebeth deiner heiligen Kirche zu erlangen. Allmächtiger, ewiger Gott! der Du durch den Mund für Krante x. 517 deines heiligen Apostels Jacobus allen Kranken dieses hei lige Sacrament zu ertheilen befohlen hast; verleih mir, deinem Diener, daß ich deine göttliche Heilkraft nicht bloß am Körper, sondern auch am Geiste erfahre, und besonders vor meinem Tode durch das Sacrament der heiligen Delung gereiniget und gestärkt werden mdge, durch Jesus Christus unsern Herrn. Amen. In deinem Namen, o Vater+, Sohnt, und heiliger Geist t, durch die Handauflegung des Priesters( die ich mir gegenwärtig vorstelle) und auf die Fürbitte aller hei: ligen Engel, Erzengel, Patriarchen, Propheten, Apostel, Märtyrer, Bekenner, Jungfrauen und aller Heiligen, werde in mir ausgetilgt alle Kraft des Teufels. Segne mich, Gott Vater, der Du mich erschaffen! segne und heilige mich, Gott Sohn, der Du für mich am Kreuze gelitten! segne und erleuchte mich, Gott heiliger Geist, der Du mich in der heiligen Taufe geheiliget hast! bewahre meinen Leib, heile meine Seele, sende deine gåttlichen Strahlen in mein Herz, leite meine Sinne, undführe mich in's ewige Leben. Amen. 24. Geistliches Testament. Im Namen Gottes des Vaters, und des Sohnes, und des heiligen Geistes. Amen. Ich** übergebe meine Seele Gott meinem Erschaffer, und meinen Leib der Erde, von der er gebildet ist. Ich verlasse freywillig alle Ergizlichkeiten dieses Lebens und alle irdischen Dinge. Alle Sünden bereue ich von ganzem Herzen. Ich verfluche dieselben und verabscheue sie, weil sie Dir, o liebenswürdigster Gott! mißfallen. Aus Liebe zu Dir, o Gott! verzeibe ich allen meinen Feinden von Herzensgrund. Ich wünsche ihnen alles Gute. Ich glaube an den allmächtigen Gott, Bater, Sohn und heiligen Geist; meinen Erschaffer, Erldser und Seligmacher; meinen unendlich mächtigen, gütigen und weisen Gott und Herrn. Ich glaube festiglich Alles, was die wahre katholische Kirche mir vorstellt zu glauben. Ich hoffe zuversichtlich von der göttlichen Güte Verzeihung aller meiner Sünden Gnade zum Guten, und das ewige Leben. Ich liebe meinen Gott aus ganzem Herzen, aus ganzem Gemüthe und aus allen Kräften. Ich unterwerfe mich ganz und vollkommen dem heiligsten, weisesten, liebevollsten, allzeit anbethungs XI. Abschnitt. Andachten würdigsten Willen Gottes. Ich bin bereit, Alles von Dir, o Gott! anzunehmen; Krankheit oder Wohlseyn, Leben oder Tod; dein Wohlgefallen, dein heiligster Wille geschehe an mir! Amen. 518 Ich empfehle meinen Leib und meine Seele in die Für. bitte der allerglorwürdigsten Jungfrau Maria, meiner lieb. sten Mutter, des heiligen Josephs, meines heiligen Schußengels und aller Heiligen, welche ich nun demüthigst bitte, daß sie mir beystehen wollen in der Stunde meines Todes. Meine lezten Worte seyen: Jesus, Maria, Joseph! in euern Händen will ich leben und sterben." Wird mein Mund diese Worte nicht aussprechen können, so soll es mein Herz thun. Weil aber vielleicht in meiner Sterbstunde mein Verstand mir mangelt, so will ich es jest für diesen wichtigen Augenblick thun, und zwar mit allem möglichsten Eifer, tiefe ster Ehrerbietung und Demuth: ,, Jesus, Maria, Joseph!" mein Gott! in deine Hände, in deine heiligen Wunden, die Du aus Liebe für mich armen Sünder an deinem heiligen Leibe empfangen hast, empfehle ich meinen Geist, mein Herz und meinen Leib. O Gott! sey mir armen Sünder gnädig und barmherzig! Amen. 25. Heiliges Bündniß mit Gott, welches ein Kranker täglich mit diesen oder andern ähnlichen Worten erneuern soll. Ich bethe an, grüße und lobpreise Dich, o allerheiligste Dreyfaltigkeit!- Ich danke Dir herzlich für alle von Dir empfangenen Wohlthaten, besonders, daß Du mich ers schaffen, erldset, zu dem wahren allein seligmachenden Glauben berufen, und mir großen Sünder solche Gnade und Barmherzigkeit ertheilet hast. Zur Danksagung, o Gott! opfere ich Dir auf die Berdienste unsers Herrn Jesus Christus, seiner werthesten Mutter Maria, und aller Heiligen Gottes, wie auch alle heiligen Mesopfer, welche heute in der ganzen Welt bargebracht werden. Ich opfere Dir auch auf alle meine Trübsale und Schmerzen, die mir heute von deiner liebevollen Hand gesendet werden. Mein kräftiger Vorsaz ist, Alles willig und Dir zu lieb, und in Vereinigung mit dem Leiden Jesus zu erdulden. Ich verlange, o göttliche Liebe! Dich unaufhörlich zu loben, zu preisen, zu verherrlichen mit Herz und Mund, mit für Kranke sc. 519 11 Gebeth in Trost und Trübfal. Ich mache daber diesen Bund vor deiner hochheiligen Gegenwart: Jede Leibesbewegung, Gejeder Athemzug, jeder Pulsschlag soll für mich rufen: lobt und gepriesen sey die allerheiligste Dreyeinigkeit!" oder: ,, Jesus, meine Liebe! Jesus, mein Bräutigam!- O Gott, meine Liebe!" Bestätige diesen Bund, o Gott! erhalte mich in meinem Vorsaße, und in deiner Gnade. 26. Gebeth eines Sterbenden zu Gott dem Vater. Allgütiger Vater! sieh erbarmend herab auf die Seele, für die dein Sohn gestorben ist, und die jest diesen sterblichen. Leib verlassen und zu Dir zurückkehren will. Du ewige Liebe! nimm mich auf; empfang dein Kind mit våterlicher ich Huld. Ich werfe mich in die Arme deiner Güte, glaube an Dich mit sester Ueberzeugung, und freue mich meines Glaubens; ich sehe meine ganze Zuversicht auf Dich, und ich weiß gewiß, Du wirst mich nicht verlassen; Du vergiebst mir alle meine Schwachheiten; denn, lieber Vater! ich bereue sie, weil ich Dich liebe, weil ich Dich ich danke Dir für alle recht von ganzem Herzen liebe; Wohlthaten, die ich auf Erde von Dir genossen habe;- und bald, o Du mein Vater!-o Du Gott meines Herzens!- bald will ich niederfallen vor Dir,- und Dir danten innig und ewig, - und Dich unaussprechlich lieben. Amen. 27. Andacht zu Jesus dem Gekreuzigten vor dem Tode. 1) Jesus Christus, mein einziger Heiland! nur durch Dich, nur durch deinen heiligen Tod kann ich einen Durch dein heiliges Blut erlange guten Tod hoffen.- ich die Nachlassung der Sünden, die Gnade der Liebe, und die Beharrlichkeit im Glauben bis an's Ende. Ich umfange daher dein heiliges Kreuz, an welchem Du dein kostbares Blut vergossen hast, als den Baum des Lebens, als das Zeichen des Heiles. Du bist für mich am Kreuz gestorben, Jesus, und hast mir den Weg in den Himmel bereitet. mein Leben und meine Seligkeit! mit Dir geh' ich voll froher Zuversicht in den Tod, und durch Dich in das ewige Leben. - Jesus, mein einziger Trost, mein Gott und mein Erldser! unter dein Kreuz nehme ich armer Sünder meine Zuflucht, und wenn mich schon der Tod schrecket, so ist doch deine Liebe meine Hoffnung. Jesus! ich verlasse dein Kreuz nicht, bis ich mit Dir im Himmel vereiniget bin. Ich glaube an - - - - - - XI. Abschnitt. Andachten zu Dich, o gekreuzigte Liebe und ich sterbe in diesem Glauben. Ich bethe Dich an, mein Gott am Kreuze! und ich sterbe in dieser Anbethung. Ich hoffe auf Dich, mein gekreuzigter Heiland! und ich sterbe in dieser Hoffnung. Ich liebe Dich, mein Seligmacher am Kreuze! und ich sterbe in dieser Liebe. Ich bereue meine Sünden, und bitte um Gnade und Barmherzigkeit, Dich, o mein Verföhner! und ich sterbe in dieser Liebesreue. Ich rufe Dich an, mein Jesus! erbarme Dich meiner, und laß mich nicht Grunde gehen durch dein bitteres Leiden und Sterben. 2) Jesus! deine heiligen fünf Wunden sind mein Trost! ich küsse sie andächtig, mit zärtlichster Liebe! Laß in meiner leßten Stunde aus denselben mir zufließen deine Barmherzigkeit, deine Gnade, deine Liebe, damit ich selig in Dir, o mein Herr! sterbe. Strecke aus, liebster Jesus! deine allmächtige rechte hand, welche für mich ist ver wundet worden, strecke sie aus über mich in meiner festen Angst und Verlaffenheit; beschüße mich wider meine Feinde, damit ich Dich im Himmel ewig loben moge: Die Rechte des Herrn hat mich beschüşet und erhd. het." Ewig unselig werden am Tage des Gerichtes jene seyn, die zur linken Seite den ewigen Fluch vernehmen. D mein Heiland! ich umfange und küsse jeht noch deine versöhnende linke Hand; denn sie ist für mich verwundet und bluttriefend, und bitte Dich: ,, Erbarmer! laß mich nicht in's Verderben gehen" Jefus mein göttli ther Heiland! ich werf mich zu deinen heiligen Füßen, wie die liebende Magdalena, in tiefster Demuth und mit vollem Vertrauen; ich küsse und verehre sie mit gerührter Andacht! Ach, laß mich vor meinem Ende in dem Innersten meines Herzens die trostvollen Worte hören: ,, Biele Sünden sind dir nachgelassen, weil du viel ges liebet haft!" Sey gegrüßt, du heilige Wunde des rechten Fußes! durch dein kostbares Blut führe mich auf den Weg des Heiles, damit ich eingehe in's ewige Leben. Sey gegrüßt, du beilige Wunde des linken Fußes! durch dein kostbares Blut erwirb mir Verzeihung aller sündhaften Schritte meines Lebens. Nimmer will ich sie begehen bis in den Tod. Heilige Wunde des göttlichen Herzens Jesus! zu Dir siehe ich in den Schrecken des Todes!- Jesus! dein 520 - für Kranke: c. 521 verwundetes Herz, deine offene Seite ist mein Trost!- Ich umfange Dich, liebster Heiland! gieß die Liebe deines göttlichen Herzens in mein armes Herz, und, mit Dir vereinigt, laß mich von der Welt, aber nicht von Dir scheiden. Allerheiligstes Herz! in deinem Blute reinige mich! durch deine Liebe entflamme mich! durch deinen Tod mach' mich selig. 3) Gekreuzigter Heiland! dein Tod ist mein Leben! deine lehten Worte am Kreuze sollen mein Trost in meinem Tode seyn! AX Vater verzeih ihnen, denn sie wissen nicht was sie thun! O Liebe! Du bethest für deine Feinde. Willig verzeih' ich allen, die mich jemals beleidiget haben. Jesus! laß dein Blut, dein sterbendes Herz bey dem Vater für mich um Barmherzigkeit bitten!- Ach, verzeih mir meine Sün den, und geh' nicht in das Gericht mit deinem Diener! Wahrlich, ich sage dir: heute wirst du bey mir im Paradiese feyn! O Barmherzigkeit! wer soll auf Dich nicht hoffen? auch einem büßenden Mörder versprichst Du das Himmelreich! Jesus! gedenke meiner in deinem Reiche! Ach! in meiner leßten Stunde sich mich an mit deinen barmherzigen Augen, daß ich wahre Reue gewinne, und einen -laß mich ben feligen Tod erlange.- Gütigster Jesus! meinem Absterben diese trostvollen Worte hören: heute wirst du ben mir im Paradiese seyn.- - - - ,, Sich deinen Sohn! Sieh deine Mutter!" O unendliche Güte! Du giebst dem geliebten Junger eine solche Mutter.- Jesus! in meiner Todesangst laß mich genießen die mächtige Fürbitte, und den Schuß deiner allerfeligsten Mutter! Berleih mir, o Du allerzärtlichster Sohn! ein findliches Herz gegen Maria, sie in meinem Leben so zu ehren und zu lieben, daß sie für mich bitte, und in meiner Sterbftunde sich als eine liebreiche Mutter erzeige. ,, Mein Gott! mein Gott! warum hast Du mich verlaffen?" O göttliche Gerechtigkeit! Du überlassest Jesus dem Schmerzen und dem Tode für die Sünden der Welt! Jesus! in der Angst, in den Versuchungen und Schmerzen des Todes verlaß mich nicht, da mich die ganze Welt verlas sen wird!- Barmherziger Jesus! ich geh' zu Grunde, wenn Du mich verlassest; Du allein bist meine Zuflucht Verlaß mich nicht! in meinem legten Ende!- tröste 522 XI, Abschnitt. Andachten. und stärke mich! Verbirg meine åchzende Seele in deine Wunden, und laß mich da mein Heil finden. - ,, Mich dürftet!" O Uebermaß der Liebe!- Dein liebreicher Durst wird mit Galle und Essig gestillt! und es dürftet Dich nach dem Heile der Seelen!- Jesus! ich übergeb Dir' meine Seele!- mache sie selig durch dein Leiden und Sterben! Liebster Jesus! bewahre mich in meiner Sterbstunde vor aller Ungeduld, und vor allem Kleinmuth, daß ich Dir zu lieb Alles leide, und mit heftiger Begierde nach Dir seufze. Es ist vollbracht." -- - Gehorsam! bis in den Tod des Kreuzes hast Du den Willen des Vaters erfüllet. Jesus! Du hast das große Werk unserer Erlösung durch deinen Tod vollendet!- Dir sey ewiger Dank! meine Liebe bis in den Tod soll die Vergeltung seyn.- Unendlich liebenswürdigster Jesus! laß mich in deiner Gnade und Liebe mein Leben vollbringen, und Alles erfüllen, was Du von mir verlangst, damit ich mit Freuden sterbe. -— - Vater! in deine Hände empfehle ich meinen Geist! O liebevolles Vertrauen! also hast Du deine heiligste Seele der Liebe des Vaters überlassen!- Jesus! in deine verwundeten Hände, welche Du am Kreuze ausges streckt hast, mich zu umfangen, empfehl' ich meine arme Seele! nimm sie auf in die Arme deiner Barmherzigkeit in je nem legten Augenblicke. Sterbender Jesus! mit Dir will ich mein Leben beschließen in den Worten: Vater! in deine Hånde empfehle ich meinen Geist! Jesus! ich sterbe in deiner Liebe, Dich zu loben und zu lieben in Ewigkeit. Amen. - — 28. Gebeth ben Annäherung des Todes.( 1. Segen.) Die allerheiligste Dreyfaltigkeit segne dich!- Der Friede unsers Herrn Jesus Christus erfülle dich! Die Kraft feines bittern Leidens und Sterbens stärke dich!- Das sieghafte Zeichen des heiligen Kreuzes beschüße dich! Die mütterliche Liebe der allerreinsten Jungfrau Maria erquicke dich! Der Chor der heiligen Engel beschirme dich! Die Fürbitte aller Heiligen, Auserwählten Gottes helfe dir! Die heiligen Wunden Jesus Christus und sein kostbares Blut sey und bleibe bey dir!- Dieß alles verleihe dir der allmächtige barmherzige Gott+ der Vater, und+ der Sohn, und der heilige+ Geist. Amen. - L für Kranke: c. 23. Besprengung mit Weihwaffer. Dein allerliebster Heiland Jesus Christus wolle dich mit dem Ysop seines kostbaren Blutes besprengen, und von allen Sünden reinigen und bewahren. Amen. Der allmächtige Gott wolle dir durch das Gebeth der katholischen Kirche, mit welchem dieses Wasser gesegnet ist, verleihen: Reinigung von Sünden, Beschüßung vor den Feinden, Linderung der Schmerzen, Trost in Trübsalen, und endlich den Eingang in's ewige Leben, durch Jesus Christus, unsern Herrn. Amen. 523 3. Wenn der Sterbende das Bild des Gekreuzigten anfaßt, fest anblickt, und liebend an's Herz drückt. Am Jefus, meine Liebe, ist gekreuziget worden! - Am Kreuze hat Jesus gebethet: Vater, verzeihe ihnen! Kreuze hat Jesus mein Heil vollbracht!- Weichet von mir, ihr Feinde meiner Seligkeit, ihr send überwunden durch das Kreuz meines Erlösers! Es lebe Jesus! Amen. - - 4. Beym Hinhalten der Sterbkerze. Liebe, theure Seele! sich an dieses brennende Licht. Es sey dir ein Bild von dem, was Jesus Christus ist, und wie wir Ihm entgegen gehen sollen. Jesus Christus ist un ser Licht, unser Leben, und wir sollen Ihm mit brennender Liebe entgegen eilen, sollen zu Ihm bethen: Jesus Christus! Du bist unser wahres Licht! An Dich und deine heilige Lehre glaube ich. Erhalte dieses Licht in mir. Erbarme Dich meiner! In deine Hände empfehle ich meinen Geist! ach, deine ehrwürdigen Hände, o Jesus! tragen noch die Wundenmale deiner Liebe, sie strahlen in lauter Licht erklärt. Du kannst mich nicht verschmähen, mein Name ist in deine Hände geschrieben mit deinem Blute. Jesus Christus! Du bist die Quelle ewiger Seligkeit! Auf Dich hoffe ich. Erbarme Dich meiner! In deine Hände empfehle ich meinen Geist. Ach, deine ehrwürdigen Hände, o Jesus! tragen noch die Wundenmale deiner Liebe; sie strahlen in lauter Licht verklärt. Du kannst mich nicht verschmähen, mein Name ist in deine Hände geschrieben mit deinem Blute. Jesus Christus! Du bist die ewige Liebe selber. Dich liebe ich, Dich will ich ewig lieben. Erbarme Dich meiner! In deine Hände empfehle ich meinen Geist. Ach, XI. Abschnitt. Andachten deine ehrwürdigen Hände, o Jesus! tragen noch die Wundenmahle deiner Liebe; sie strahlen in lauter Licht verklärt. Du kannst mich nicht verschmähen, mein Stame ist in deine Hände geschrieben- mit deinem Blute. Nun entlasfest Du mich in Frieden nach deinem Worte; denn meine Augen haben dein Heil gesehen, das Licht zur Erleuchtung der Völker. Das wahre Licht bist Du, und erleuchtest Jeden, der da in die Welt kommt. Erleuchte mich nun auch jest, da ich aus dieser Welt austrete. Erleuchte meine Augen, daß sie Dich sehen in dei nem Reiche. 524 - 29. Wie man in Abwesenheit eines Priesters dem Sterbenden langsam vorbethen kann. Sey getrost, mein Lieber, und harre aus: Wer ausharret bis an's Ende, wird selig seyn. Gott und der Himmel ist Als les werth. Für Gott und den Himmel können wir nicht zu viel leiden. Eine kurze vorübergehende Trübfal bewirkt eine ewige Herrlichkeit in uns. Freue dich, mein Chrift! bald wirst du Den in seiner ganzen Schönheit und Liebenswürdigkeit erblis den, den du hier nur im Bilde vor dir siehst. O wer mag die Freuden beschreiben, die wir haben werden, wenn wir hins Tommen zu unserm bimmlischen Bater, wenn wir von Anges sicht zu Angesicht sehen werden unsern liebevollsten Heiland und Erldser; wenn wir werden fennen lernen all' die heiligen Engel und feligen Geister, wenn wir sehen werden all die Seelen der Frommen und Gerechten, die uns vorangegangen find. Sieh', mein Chrift! eine so große Seligkeit wartet auf ung. Sey nur getroft und verzage nicht. Nur noch wenige Augenblicke, so ist es ausgelitten auf immer. Bethe noch einmal mit mir: Mein Gott, Du rufest mich. Ich bin bereit deinem Rufe zu folgen. Thue, was Dir gefällt. Dein Wille geschehe! Du haft mir das Leben gegeben; Du kannst es mir nehmen; dein Name sen gepriesen! Nicht, wie ich will, sondern, wie Du willst! Mein Vater! ich will sterben, weil Du es willst. Ich will sterben, damit ich Dich nicht mehr beleidige. Ich will sterben, um ewig bey Dir zu seyn, Dich zu lieben, und deine Barmherzigkeit ewig zu loben. D himmlischer Vater, nimm mein Leben zum Opfer hin. Ich opfere Dir mein Leiden, meine Todesangst und meinen Tod, in der Vereinigung mit dem Leiden, mit der Todesangst, und mit dem Tode deines Sohnes auf. Befiehl, daß meine Seele in die Wohnungen des Friedens aufgenommen werde. Herr, stårte mich in dieser 525 # 141 für Kranke x. Stunde! Hilf mir, damit ich nicht zu Grunde gehe! Vater ich glaube an Dich; vermehre meinen Glauben. Vater, ich hoffe auf Dich; laß mich nicht zu Schanden werden. Bater, Du weißt es, daß ich Dich liebe. Weder das Leben, noch der Tod soll mich von dieser Liebe trennen. Ich liebe alle Mens schen aus Liebe zu Dir. Ich verzeih' von Herzen allen meinen Beleidigern. Verzeih' auch mit, mein Vater!- Vater sen mir gnädig! Bater, sey mir barmherzig! Vater verzeih' mir meine Sünden, um des Verdienstes Jesu willen. O, bleib auch jest mein Vater! O Her:, wie sehne ich mich nach deinem Hause! Ich wünsche aufgelbst zu werden, um bey Dir zu seyn. Laß mich bald vor deinem Angesichte erscheinen. Jesus! ich glaube an Dich, Du ewige Wahrheit. Ich hoffe auf Dich, Du unendliche Barmherzigkeit. Ich liebe Dich, Du allerhöchstes Gut. Aus Liebe zu Dir bereue ich noch einmal alle Sünden meines ganzen Lebens. O hätte ich nur keine Sünden begangen! Durch dein vergossenes Blut, o Jesus! wasche mich rein von allen Sünden. Laß dein Leiden und Sterben an meiner armen Seele nicht verloren gehen. O mein himmlischer Vater! habe Mitleid mit deinem Kinde, das in den äußersten Nöthen da liegt, o wie ist mir so angst und bange im Herzen. Sohn Gottes, mein Erlifer! erlöse mich aus diesen qualvollen Zügen. Heiliger Geist! triste meine tief geångstigte Seele mit himmlischem Troste, wie Du einst die Apostel und Märtyrer getröstet bast.- Heiligste Dreyeinigkeit, erbarme Dich meiner. Gott, mein Beschüßer und meine Zuflucht, Dein bin ich, steh' mir bey. Herr! erhöre mein Gebeth, und laß mein Rufen zu Dir kommen. Jesus! bleibe bey mir; denn es will Abend werden, und der Tag meines Lebens hat sich geneiget. Sey Du mein Wegweiser in der finstern Nacht des Todes. Jesus, Du Sohn Davids, erbarme Dich meiner! Heiliger Schußengel! nur jest steh mir ben. Nur jetzt verlaß mich nicht in der lezten Stunde. Hilf mir streiten, hilf mir überwinden alle Nachstellungen des bösen Feindes. Heiliger Joseph! du hattest während deines Lebens das Glück, Jesus und Maria recht nahe zu seyn, bitt' auch für mich, daß Jesus und Maria bey mir seyen in der Stunde XI. Abschnitt. Andachten meines Todes. Darum rufe ich: Jesus, Maria und Joseph! stehet mir bey. Ihr meine heiligen Patronen! die ich im Leben öf ters angerufen habe, bittet auch für mich um ein glückseliges Ende, daß ich mit euch den großen Herrn und Schöpfer ewig loben und preisen kann. Komm, o Jesus! verweile nicht lange. Erldse mich von der Angst des Todes. Meine Seele verlangt nach Dir. In deine Hände befehle ich meinen Geist. Jesus! Dir lebe ich; Jesus! Dir sterbe ich; Jesus! Dein bin ich, todt und lebendig. Jesus, Maria, Joseph, stehet mir bey in meinem leßten Streit. Komm, o Herr Jesus! ach komm. 526 *) Wenn die Züge länger anyatten, so verrichte der Priester oder Jemand aus den Umstehenden etwa folgende Gebethe: Gebeth. D Herr Jesus Christus! Du Heiland und Erlöser der Welt! wir bitten Dich, durch dein schmerzvolles Leiden und Sterben, besonders durch jene Angst und Traurigkeit, die Du am Delberge um unsertwillen gelitten hast, Du wollest Dich dieser in Todesångsten liegenden Seele erbarmen, und sie mit deiner Gnade stärken, damit sie standhaft überwinde, und der himmlischen Glückseligkeit theil haftig werde. Vater unser ic. Ave Maria. Gebeth. - Herr Jesus Christus! der Du Dich gewürdiget hast, aus Liebe zu uns Sündern alle Bitterkeit des Todes selbst zu versuchen, erbarme Dich dieser in Zügen liegenden Seele, und opfere dem himmlischen Vater die Verdienste deines Leidens und Todes für sie auf, damit ihr alle Sünden und Strafen mögen nachgelassen werden, und sie bald deiner seligen Anschauung genießen könne. Amen. Vater unser ic. Gebeth. O Herr Jesus Christus! der Du mit ewiger Liebe uns geliebet, und mit den Banden der Liebe uns zu Dir gezogen hast, erbarme Dich dieser hinschei denden Seele, und zieh' sie mit deiner Gnade zu Dir, daß sie durch nichts mehr von Dir getrennet werde, sondern mit Dir sich ewig erfreuen möge. Amen.- Vater unser 2c. 30. Dreyfaches Gebeth, welches von den Umstehenden kann verrichtet werden, während der Kranke mit dem Tode ringt. I. Allmächtiger Gott! Vater im Himmel erbarme Dich seiner!( ihrer!) Vater unser ic. Ave Maria. für Kranke ic. 527 Vater und Schöpfer der Menschen, ewiger Gott! Du rufest jezt diesen geliebten Sterbenden zu Dir; Du hast den Tod gesandt, daß er seine Seele von seinem Leibe trenne: erbarme dich seiner; steh' ihm ben in seinem legten Kampfe; vergieb ihm seine Verirrungen; mildere die Schrecken der leßten Stunde; deine Gnade ruhe auf ihm. Laß ihn enden in deiner Liebe, und belohne ihn für alle Leiden, die er in seinem Leben erduldet hat, mit den Freuden des Himmels. Amen. II. Jesus! Du Erlöser der Menschen! Erbarme Dich seiner!( ihrer!) Bater unfer ic. Ave Maria. Göttlicher Menschenfreund, Jesus Christus! der Du aus Liebe zu uns dein Blut am Kreuze vergossen, und dein Leben für uns geopfert hast; sieh, hier ringt ein geliebter Sterbender mit dem Tode.- Erbarme Dich seiner; heilige seine Seele: er ist auch o Gott- mensch! Laß ihn glücklich enden, und Gnade finden vor deinem Richterstuhle. Amen. von Dir erlist, III. Gott! heiliger Geift! erbarme Dich seiner! ( ihrer!) Bater unser zc. Ave Maria. - Geist der heiligen Liebe! Tröster und Wohlthåter der Menschen! Du hast diesen geliebten Sterbenden, der jest mit dem Tode ringt, in der Taufe geheiliget, und zu deinem Tempel eingeweihet. Verlaß ihn jest nicht in der bangen Stunde, da Du seine Seele in die Ewigkeit hinüber rufest. Nimm ihn gnådig auf; mache sein Ende sanft; führe seine Seele in die himmlische Wohnung, die ihr der göttliche Erldser bereitet hat. Heilige Maria, heilige Engel und Erzengel, und alle Heilige Gottes! bittet für unsern geliebten Sterbenden! Amen. 31. Empfehlung des Sterbenden an den dreyeinigen Gott. Scheide, o christliche Seele! aus dieser gebrechlichen Hütte, im Namen des allmächtigen Gottes des Vaters der dich erschaffen hat; im Namen Jesus Christus, des Sohnes des lebendigen Gottes, der dich erlöfet hat; und im Namen des heiligen Geistes, der in dir ausgegoffen, dich zu seinem Heiligthume eingeweihet hat. Alle Engel und Heilige Gottes N. N. freuen sich deiner Aufnahme in ihre Gesellschaft. Heute noch werde Friede dir, heute noch werde dir eine Wohnstätte im Hause des Vaters, durch Jesus Christus unsern Herrn. XI. Abschnitt. Undachten Gott! Du die Güte felber, Du tilgst nach der Fülle deir ner Erbarmungen alle Sünden, die ein reuevolles Herz ver abscheut! Sieh auf diese scheidende Seele mit einem Blicke der lauter Gnade und Erbarmung ist, herab, und erhöre ihr gläubiges Flehen um Nachlaß aller ihrer Sünden, Ers neuere, ergånze, mache wieder gut, was in ihm die Schwä che der menschlichen Natur verdorben, oder die Macht der Hölle zerrüttet hat, und binde ihn als ein heiliges Glied an dem heiligen Leibe deiner Erlöseten ewig fest. Erhöre sein Seufzen, trockne seine Thränen. Ich empfehle dich, liebe Seele! dem allmächtigen Gott, dessen Geschöpf du bist. Dem allmächtigen Gott übergebe ich dich. Kehre wieder zu dem zurück, dessen Gebilde du bist. Ich empfehle dich, geliebteste Seele unserm Herrn und Heiland, Jesus Chris stus, der für uns Sünder sich in den Tod hingegeben hat. Mild und voll Gnade erscheine dir sein Antlig. Er selbst löse dir das Band des Leibes; Er sen dein Licht in der Nacht der Sterbstunde; Er sey dein Leben in der letzten Ohnmacht, die die Welt Tod nennt; Er sey deine ganze Hülfe, indem dich alle sichtbare Hülfe verläßt. Es sollen dir beym Austritte aus dem Leibe die Engel Gottes entgegen kommen, und dich geleiten in die Gemeinschaft der heiligen Patriarchen und Propheten, der Apostel und Blutzeugen des neuen Bundes, aller Bekenner Christus, aller Mitge nossen des ewigen Lebens. Geleite, o heiliger Schuhengel! diese scheidende Seele hin in die Gemeinschaft aller Heiligen zum Kusse des ewigen Friedens leite sie in den Schooß der ewigen Liebe! 39. Gebeth nach dem Verscheiden der Seele. 528 - - ge= *( Wenn der Bruder oder die Schwester überstanden hat den Todeskampf, so bethe mit den Umstehenden diese Litaney und die darauf folgenden Gebethe.) Gott Vater vom Himmel! Erbarme Dich ihrer! Gott Sohn, Erlöser der Welt zc. Gott heiliger Geist! Heilige Maria! Bitte für sie( ihn)! Alle beiligen Engel und Erzengel! Alle Chöre der seligen Geister! Alle heiligen Patriarchen und Propheten! Alle heiligen Apostel und Evangelisten! Alle heiligen unschuldigen Kinder! Alle heiligen Märtyrer! Alle heiligen Bischöfe und Beichtiger! Herr, erbarme Dich unser! Christus, erbarme Dich unser! Herr, er. barme Dich unser! sin für Kranke zc. Kirchenlehrer! Alle heiligen Alle heiligen Priester und Leviten! Alle heiligen Mönche und Einsiedler! Alle heiligen Jungfrauen und Wittfrauen! Alle Heiligen Gottes! hete Sey ihr gnädig! Verschone ihrer, o Herr! Sey ihr gnädig! Erldse sie, o Herr! Von den Peinen des Fegfeuers! Erlöse sie, o Herr! Durch deine Menschwerdung und Geburt! Durch deine Taufe und heiliges Fasten! ic. Durch dein Kreuz und Leiden! Durch denen Tod und Begräbniß! Auferstehung und Himmelfahrt, Durch die Ankunft des heiligen Geistes! uns! Wir armen Sünder! wir bitten Daß Du dieser abgeſchiedenen Seele verschonest! zc. Daß Du ihr verzeibest! ud dile 110. Daß Du ihr alle noch übrigen Sündenftrafen nachlaffest! Daß Du sie aus dem Fegfeuer erlösest! Daß Du sie zur ewigen Seligkeit aufnehmest! Jesus, Du Sohn Gottes! 529 D Du Lamm Gottes, das Du hinwegnimmst die Sünden der Welt! Gieb ihr die ewige Ruhe!( wird dreymal wiederholt) Vater unfer 2. Herr, gieb ihr die ewige Ruhe! Das ewige Licht leucht ihr! Herr, laß sie im Frieden ruhen! Amen. Herr, erhöre unser Gebeth! und laß unfer Rufen zu Dir kommen. Gebeth. O Gott! Du Erschaffer und Erlöser aller Menschen verleih' dieser abgeschiedenen Seele vollkommene Verzeihung und Nachlassung aller verdienten Sündenstrafe, damit sie von der Pein des Fegfeuers befreyt, Dich als ihr lehtes Ziel und Ende anschauen, lieben, und in alle Ewigkeit loben und preisen möge. Amen. Herr' gieb ihr die ewige Rube; und das ewige Licht leuchte ihr! Diese, und die Seelen aller Abgestors benen sollen durch Gottes Barmherzigkeit in Friede ruhen. Amen. Gebeth und Ermahnung an die Umstehenden. Herr des Lebens und des Todes! nun ist die Seele dieses unsers N. zu Dir hingegangen, damit sie empfange, was sie verdient hat. Du richtest sie jetzt und dein Urtheil ist das gerechteste. Wir wollen von den Todten das Beste hoffen; aber uns Lebende erschüttere dieser Fall mit heilsamer Furcht. Auch wir werden, wer weiß, wie bald schon, Alles verlassen müßen. Nichts wird uns mehr helfen, nichts mehr trösten, als deine Gnade, o Gott! und ein gutes Gewissen. Auch wir werden einst so daliegen, wie dieser Verstorbene. Uns Allen ist geseßt, einmal zu sterben; und dann folgt das Gericht. 34 XI. Abschnitt. Andachten für Kranke ic. Gedanke des Gerichts! Möchtest du uns oft genug zu Sinn kommen!- Wie, wenn wir jett an des Verstorbenen Stelle erscheinen müßten was hätten wir zu erwarten? Dank sey Dir, o Gott! daß wir noch leben, und Zeit haben, uns zu bereiten. Aber wir dürfen nicht säumen, sie recht zu benußen. Noch jest, da wir hier knieen, versprechen wir Dir, o Gott! uns ernstlich zu bessern, und christlich zu wandeln in dieser Welt, damit wir sie einst getroft verlassen mdgen. Wenn dieser Todte sich aufrichten, seinen erblaßten Mund dffnen, seine erstarrte Hand ausstrecken; wenn er auf den Einen oder den Andern auf uns hinzeigen, und rufen würde: Morgen wirst du- und du- und du bey mir seyn. Was würden wir da gethan zu haben wünschen? 530 - Dasselbe wollen wir jest thun, weil Keiner einen Augenblick sicher ist. Jest wollen wir solche Gesinnungen und Ent schließungen fassen, und in's Werk sehen, daß wir ruhig darüber sterben können. Gott! hilf uns, daß wir nicht bald wieder leichtsinnig vergessen, was wir gehört, gesehen und empfunden haben. Drücke das Bild des Todes tief in unser Herz, und laß es auf unser ganzes Leben wirken. Dir wollen wir leben und sterben. Amen. O Beym Tode unserer Geliebten. N. Gott! Du hast jeszt unsern lieben R. zu Dir genommen. Groß ist der Schmerz, den wir darüber empfinden. Sie können Dir nicht mißfallen die Thränen der Wehmuth und der Liebe, die wir um ihn vergießen. Wir murren nicht, da wir weinen, sondern ergeben uns mit kindlichem Herzen in deinen heiligen Willen. Was Du thust, ist wohlgethan, wenn wir's schon nicht verstehen. Du kannst und wirst uns den Verlust mit Gewinn ersehen. Stårke unsern Glauben. Wir dürfen beym Tode der Unfrigen nicht trostlos jammern, wie die Heiden, die keine Hoffnung einer bessern Zukunft haben. Die Seelen der Frommen leben bey Dir, o Gott! ewiglich, und finden dort reichlichen Erfaß für Alles, was sie hier verlassen haben. Sie ruhen aus von aller Mühseligkeit, empfangen den Lohn ihrer Thaten, und wünschen sich nicht mehr zurück. Einst sollen auch wir zu ihnen kommen, und ihrer Seligkeit theilhaftig werden. Das sen unser Trost. Dahin ziele unser ganzes Trachten. Amen. XII. 2 b fchnitt. 531 Andachtsübungen für die Verstorbenen. Abendbethstunde am Allerheiligen Feste; auch während einer Vigil für die verstorbenen Chriftgläubigen. 1. Vorerinnerung. Selig sind die Todten, die in dem Herrn sterben! Es ist ein heiliger und heilsamer Gedanke, für die Verstorbenen bethen, sagt die heilige Schrift, 2. Mach. 12. Der Zustand derjenigen Seelen, die aus diesem Leben noch nicht von allen Sündenmackeln gereiniget dahin scheiden, und also erst in jener Welt dieselben abbüßen müssen, ist gewiß ein trauriger und schmerzlicher Zustand; darum nennt man sie auch arme Seelen, und den Ort ihres Aufenthalts, Fegfeuer, Reinigungsort, weil sie dort gleichsam, wie das Gold durchs Feuer, von den anklebenden Flecken gefegt, gereiniget werden müssen. Wie man für sie bethen soll, lehren folgende Gebethe: Eingang. Herr! öffne meine Lippen, und mein Mund wird dein Lob verkündigen. Gott! denke auf meine Rettung. Herr! eile mir zu Hülfe. I. Anbethung. Dem König, dem Alles lebet, Jesus Christus, bethe, o meine Seele! in tiefster Demuth an. Dem Erstgebornen der Todten, dem Fürsten aller Könige der Erde, der uns geliebt, und von unsern Sünden in seinem Blute uns abgewaschen hat, bring', o Seele! unsterblichen Dank und Ehre. Jesus Christus, dem Nichter der Lebendigen und der Zodten, welcher die Schlüss fel des Todes und der Hölle hat, stimme, o Seele! den himme lischen Lobgesang an: Heilig! heilig! heilig ist Gott c. II. Serr! Iaß sie im Frieden ruhen. O Vater! voll. Lieb' und Huld! erhöre unser Flehen, wenn wir mit bangen Thránen hier auf unsere Gráber sehen, wenn dann das Auge sehnsuchtsvoll an deinem Himmel weilet, und glaubend sich das wunde Herz durch stille Andacht heilet. Du, 34* 532 XII. Abschnitt. Andachten Herr! gabst unfre Lieben uns! Du, Herr! haft sie genommen! Sie wohnen in der bessern Welt, bey Engeln und bey Frommen; Du schüßest fie, sie sind bey Dir, und werden sie durch Leiden vielleicht dort auch geprüft- Du führst sie einst in deine Freu den! Allgütiger! vollende fie! Gieb ihnen bald die Krone! Laß fie mit deinen Heiligen dort steh'n vor deinem Throne! Vol lende sie in Herrlichkeit! Laß fie dein Antlitz sehen, und führe fie Herr! in dein Licht, wo sie Dich ewig sehen! Herr! erbarme Dich! Laß sie in Frieden ruh'n! Dein Licht erleuchte ste! Amen. 111. Gem& th serhebung. Gott der Liebe und der Erbarmungen! der Du es gerne siehst, wenn deine Kinder für einander zu Dir, unserm allgemeinen Vater, bitten, erbarme Dich der leidenden Seelen, die in jener Welt noch nicht ganz gereiniget sind; durch das Blut und die Leiden deines ge liebten Sohnes erlasse ihnen ihre Sünden, und heilige sie. Jesus Christus! Du hast Dich als einen Bürgen für die Sündenschuld der ganzen Welt dem himmlischen Bater dargestellt, und unsern Schuldbrief, der an deinem Kreuze angeheftet war, mit deinem heiligsten Blute getilget; laß durch deine Barmherzigkeit den unendlichen Werth deiner Genugthuung den armen leidenden Seelen im Reinigungs orte zu Theil werden, damit, was sie nicht vermögen, ihnen. durch dein heiliges Leiden und Sterben geschenkt werde. Guter Vater deiner Kinder! sende deinen heiligen Engel zu diesen leidenden Seelen, der sie erfreue, und ihnen die Erlösung verkünde, nach der sie sich so unaussprechlich sehnen; rufe sie in deinen Himmel, damit sie Dich ewig lieben. Amen. IV. Das Vater unser, für die leidenden Seelen im Fegfeuer. 1. Vater unser, der Du bist in dem Himmel. Ich bitte Dich demüthig, vergieb den leidenden Seelen, die deiner seligen Anschauung jenseits noch beraubet sind; vergieb ihnen, daß sie Dich, ihren heiligen, liebenswürdigsten Vater, der Du sie durch deine Güte zu deinen Kindern angenommen, nicht immer, wie sie sollten, geliebet, sondern sich manches Undankes und Ungehorsams gegen Dich schul dig gemacht haben. Zur Genugthuung für ihre Sünden 533 für die Verstorbenen. opfere ich Dir jene Liebe und Berehrung auf welche dein theurer Sohn auf Erde Dir allzeit erwiesen, und durch die Er für alle unsere Nachläßigkeiten so reichlich Bater unfer C. genug gethan hat. Amen. 2. Geheiliget werde dein Name. Vergicb, o ewiger barmherziger Vater! allen Verstor benen, die noch gereiniget werden von ihren Mängeln und Fehlern, wie das Gold im Gluthofen, vergieb ihnen, daß. sie deinen Namen nicht immer würdig geehrt, nicht stets in beiliger Furcht vor Dir gewandelt, und sich durch öftere Verirrungen des christlichen Namens unwerth gemacht haben. Zur Genugthuung für diese Sünden opfere ich Dir die vollkommenste Heiligkeit deines Sohnes auf, mit der Er deinen über Alles gepriesenen Namen durch Lehre und Benspiel so sehr erhöhet, und in allen seinen HandlunVater unser c. gen verherrlichet hat. Amen. - 3. Zukomme uns dein Reich. Vergieb, o Gott des Friedens! allen Verstorbenen, die noch nicht eingegangen sind in die seligen Wohnungen des Friedens, vergieb ihnen, daß sie sich nach Dir und nach deinem Reiche, worin allein Ruhe und ewige Freude ist, nicht immer mit solcher Inbrunst sehnten, noch mit so sorgfälti gem Eifer darnach strebten, als es ihre Pflicht gewesen. Für alle ihre Trägheit im Guten opfere ich Dir die reinen Wünsche deines Eingebornen auf, mit denen Er so liebevoll die Herzen der Menschen zu gewinnen suchte, damit sie feine Miterben werden möchten. Amen. Vater unser 20. 4. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, fo auch auf Erden. Bergieb, o gütigster Vater! allen Verstorbenen, die noch fern von Dir; sich nach deiner våterlichen Nähe sehnen, vergieb ihnen, daß sie nicht allzeit deinen heilis gen Willen dem ihrigen vorgeseßt, demselben nicht immer gehorcht, sondern sich öfters von ihren Begierden haben hinreißen lassen. Zur Erfeßung ihres Ungehorsams opfere ich Dir die kindliche Ergebenheit Jesus, und seiz nen tiefen Gehorsam auf, den Er Dir in den hårteſten Prüfungen erwiesen, und durch den Er Dir folgsam war bis zum Tode am Kreuze. Amen. Vater unser ic. XII. Abschnitt. Andachten 6. Gieb uns heute unser tägliches Brød. Vergieb, o liebreichster Bater! allen Verstorbenen, die noch nach der himmlischen Mahlzeit schmachten, und fern von Dir, nach Dir hungern, vergieb ihnen, daß sie das gnadenreiche Geheimniß des Altars nicht allzeit mit jenem Glauben, mit jener Andacht und Liebe empfangen haben, mit der sie es hätten genießen sollen, und dadurch ihren gött: lichen Erlöser manchmal in ein unwürdiges Herz aufgenommen haben. Für diese Vergehungen opfere ich Dir jene innige Liebe, und jenes unaussprechliche Wohlwollen auf, mit dem Er dieses allerheiligste Sacrament zu unserm Troste und zu unserer Heiligung eingeseget hat. Amen. Vater unser 2C. .. 534 - 6. Vergieb uns unsere Schulden, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Ich bitte Dich demüthigst, o unendlich langmüthiger Bater! vergieb allen Verstorbenen ihre Missethaten, die sie je in ihrem Leben begangen, und für die sie nicht hinreichend genug gethan haben; vergieb ihnen alle zornmuthigen Empfindungen, die sie je gegen ihre Mitmenschen im Her zen getragen. Ich opfere Dir dafür auf das großmůthige, göttliche Gebeth, welches dein allerliebster Sohn am Kreuze für seine Feinde an dein liebendes Vaterherz gerichtet hat. Amen.- Vater unser c. 7. Und führe uns nicht in Versuchung. Ich bitte Dich, o gnädigster Vater! der Du Keinen über seine Kräfte versucht werden lassest, vergieb unsern verstorbenen Mitchristen, daß sie den Versuchungen und bösen Trieben nicht immer widerstanden, sondern sich öfters durch die Reize der betrüglichen, falschen Freuden, durch Augenlust, Fleischeslust und Hoffert des Lebens haben hinreißen lassen, und dadurch ihre Tugend verlo ren oder befleckt haben. Für alle diese Sünden opfere ich Dir den glorreichen Sieg unsers göttlichen Erldsers auf, mit dem Er die Welt und den bösen Feind überwunden hat; ich opfere Dir seinen ganzen heiligen Lebenswandel, seine Liebe zur Armuth, Reinheit, Demuth, alle seine Mühe und Arbeit, sein bitteres Leiden und Sterben auf. Amen. Vater unser 26. -- 535 für die Verstorbenen. 8. Sondern erlöse uns von allem Uebel. an ewige Liebe die nicht den Tod des Sünders will, O sondern daß er sich belehre und lebe!- erlöse alle Mitglie: der der leidenden und streitenden Kirche von allem Ulebel und aller Strafe, durch die Verdienste deines Eingebornen, und führe uns zu dem Reiche deiner ewigen Herrlichkeit, in deine seligen Wohnungen. Amen. Ich glaub' an Gott Vater*. - V. Bitten für unsere im Herrn entschlafenen Anverwandten. sida ,, Es ist ein heiliger und heilsamer Gedanke, für die Verstorbenen zu bethen, damit ihnen ihre Sünden ganz verziehen werden. Dieses sagt uns dein heiliges Wort, o Gott der Gnade und Barmherzigkeit! Im festen Vertrauen auf dieses Wort richte ich mein demüthiges Gebeth für meine verstorbenen Lieben an dein huldvolles Vaterherz; denn es ist Dir ja wohlgefällig, wenn wir uns gegenseitig deiner Liebe empfehlen. Sieh, o mein Gott! ich rufe zu Dir für meine theuren, redlichen Aeltern, denen ich Leben, Erziehung, und so viele Wohlthaten verdanke; die mich so herzlich liebten, und so innigen Antheil an meinem Wohl und Wehe genommen haben. Du hast sie mir entzogen, und so kann ich ihnen meine dankbare Liebe nicht anders vergelten, als daß ich Dich bitte, o Herr! vergilt ihnen mit deiner Gnade, mit deinem Erbarmen in der Ewigkeit alles Gute, was ich von ihnen empfangen habe, und unterstüße mich, daß ich fie durch einen rechtschaffenen, gottesfürchtigen Lebenswandel im Grabe noch ehre, und einst mit ihnen in deiner Himmelsseligkeit vereinigt, deine Erbarmungen ewig anbethen und preisen möge. Amen. Ich rufe auch zu Dir, o Vater der Erbarmungen! für die Seelen meiner Anverwandten, Freunde und Wohltbåter. Sie sind heimgegangen in's Land der Vergel. tung; ach, ich habe ihre Liebe nicht vergelten können. Mit stiller Wehmuth erinnert sich mein Herz an diese fo innig geliebten Personen! Mache sie selig, o Du Er. barmer der Menschen! Laß fie ruhen in deinem Frieden; sende ihnen deinen Engel, der sie triste, wenn sie noch einer fernern Reinigung bedürfen. Ich bitte Dich auch für alle Diejenigen, die ich in ihrem 536 XII. Abschnitt. Andachten Leben kannte. Vielleicht sind einige unter ihnen, die mich etwa wie immer betrübt haben; herzlich verzeihe ich ihnen, wie ich hoffe, daß auch Du mir verzeihen werdest. Vielleicht sind auch einige die ich beleidiget, denen ich Aergerniß gegeben habe; fegne sie für das, was sie von mir erlitten, und laß mein herzliches, mein aufrichtiges Gebeth einige Vergütung seyn. Segne alle meine Brüder, deren Gebeine im Grabe ruhen. Sey Du ihr Trost und ihr Helfer, und ihre Seligkeit. Um Jesus willen mache sie alle recht selig, Alle, für ich bitte. Sie hatten Schwachheiten an sich, aber sie liebten Dich; sie bereueten- ihre Verirrungen; sie schieden in deiner Liebe aus diesem Leben. Sie mußten auf Erden manche Trübsal dulden; o vergilt ihnen nun mit dem ewigen Frie: den. Vereinige Alle rings um Dich, und empfang von ihnen die unaussprechlichen Gefühle des Dankes und der Liebe. Das theure Blut unfers göttlichen Erlösers, die Vers dienste seines Leidens und seines Todes sollen euch reinigen, ihr theuren, geliebten Seelen! Gottes Huld, der Friede und die Liebe des himmlischen Vaters sen über euch! Eure Gebeine ruhen im Schooße der Erde; ein gleiches Schicksal wird auch mich früher oder später treffen. Der Allmächtige erbarme sich über euch und über mich; Er rufe euch zu sich, und heiße auch mich einst in's selige Baterland kommen, wo wir die Wonne des Wiedersehens empfinden, und ewig in Dir, o Heiland! und mit Dir, und durch Dich selig seyn werden. Amen. VI. Allgemeines Gebeth für die Verstorbenen. Gerechter und heiliger Gott, aber auch zugleich gütigster Vater aller Menschen! Du liebst deine Kinder, und willst, daß wir alle einander lieben sollen. Die Seelen im Fegfeuer sind unsere Mitchristen, unsere Nächsten, unsere Brüder und Schwestern, deine Kinder. Sie haben ihre Wanderschaft auf Erden vollendet, aber sie sind noch nicht ganz am Ziele. Wir bitten Dich, erfülle ihr Verlangen, ihre schmachtende Sehnsucht; reinige, vollende sie ganz; mildere ihre Schmerzen, stärke, triste, erfreue sie. Bater, Du liebst sie mehr, als wir; Du reinigest sie nur aus Liebe; weil es seyn muß, weil es zu ihrer Seligkeit nöthig ist, und 537 für die Verstorbenen. weil deine heilige Gerechtigkeit fordert, daß nichts Unreines in dein Reich eingehe. Unendlich weiser und gütiger Gott! wir haben nicht das mindeste Recht, etwas von Dir zu fordern; aber bitten dürfen wir aus Liebe zu unsern Brüdern und Schwestern, aus Liebe zu deinen Kindern, daß Du sie aufnehmest in das Reich deiner ewigen Herrlichkeit. O Jesus! Du liebreichster Heiland der Menschen! Du hast auch diese Seelen durch deinen Tod erlöset; laß sie besonders in jenem heiligsten Opfer, in welchem dein Tod unblutiger Weise erneuert wird, Trost und Erquickung finden; laß sie es ganz erfahren, daß Du ihr Versöhner und Heiland bist. Mir aber soll das Andenken an die Verstorbenen ein. heilsamer Gedanke seyn. Nichts Unreines kann in den Himmel eingehen, oder vor deinem Angesicht, o allerheiligster Gott! bestehen. Wie sorgfältig muß ich mich also vor der Sünde hüten, und alle Mackeln, die an mir sind, jest noch in diesem Leben nach allen Kråsten auszuldschen suchen! Du urtheilest anders, gerechter Gott! als wir Menschen urtheilen. Was werde ich einst selbst von manchen Sünden denken, die ich jest für Kleinigkei ten halte, oder wohl gar nicht als Sünden erkennen will? Was soll ich schon jest davon denken? Wie mangelhaft, wie unvollkommen werden mir selbst meine eingebildeten Tugenden vorkommen, wenn Du sie, o Gott! in der Wahrheit untersuchen, richten, und was ich nur aus Gewohnheit, aus Roth und Zwang, ohne gute Absicht, oder wohl gar aus der Absicht, den Menschen zu gefallen, gethan habe, verwerfen wirst? O Gott! ich will mich jest selbst bfters richten, auf mein Thun und Lassen zurücksehen, da ich noch Zeit has be, mich zu bessern, ich will jetzt büßen; ich will die Leiden, die Du mir zuschickest, mit Geduld und Ergebenheit ertragen, und die ich mir selbst aus Leichtsinn oder Thorheit zugezogen, zu meiner Besserung anwenden, damit Du dort meiner schonen mögest. Amen. VII. Sitaney für die Verstorbenen.( Sieh Seite 190 bis zum Gebethe.) Gebeth. Gott, Schöpfer und Erldser aller Gläubigen! neige gnådig dein Ohr zu unserm Gebethe, mit wel: 538 XII. Abschnitt. Andachten dem wir deine Barmherzigkeit demüthig anflehen; und führe die Seelen deiner Gläubigen, die du aus dieser Welt abgerufen hast, in das Reich des Friedens und des Lichtes, und mache sie der Seligkeit deiner Heiligen theilhaftig. Uns Lebenden aber komm mit deiner Gnade zu Hüife, daß wir uns durch eine wahre Buße immer mehr von Sünden reinigen, der Gerechtigkeit leben, und die ewige Ruhe und Seligkeit, die wir den Verstorbenen wünschen, einst mit ihnen erlangen, und ewig genießen mögen, durch Jesus Christus unsern Herrn. Amen. Laß, o Herr! alle Verstorbenen im Frieden ruhen. Amen. Verschiedene Gebethe. Für einen abgestorbenen Vater( Mutter). O Gott! der Du uns geboten hast, Vater und Mutter zu ehren: erbarme Dich gnådig über die Seele meines Vaters N.( oder meiner Mutter N.) und verzeihe ihm( ihr) alle Sünden. Verleih mir auch, ihn( fie) in der Freude der ewigen Klarheit zu sehen, durch unsern Herrn Jesus Christus. Amen. Für Brüder, Schwestern, Verwandte und Wohlthäter, die im Herrn entschlafen sind. Gott! Du Ausspender der Gnaden, und Liebhaber des menschlichen Geschlechtes! Wir bitten deine uner meßliche Güte, Du wollest die Brüder, Schwestern, Verwandten und Wohlthäter unsrer Gesellschaft, welche aus dieser Welt verschieden sind, durch die Fürbitte der glorreichen Jungfrau Maria und aller Heiligen zu der Gemeinschaft der igen Seligkeit kommen lassen, durch unsern Herrn Jesus Christus ic. Amen. Bey der Prozession auf dem Gottesacker. Gebeth. ( Nach dem 23., Hauptstück des 1. Buches der Nachfolge Christi.) Herr der Lebendigen und der Abgestorbenen! Lehre mich hier- auf dem Gottesacker, wo mich jeder Grabhügel an die menschliche Hinfälligkeit erinnert lehre mich bedenken, daß ich sterben muß, damit ich weise werde. Das ist die wahre Weisheit, die ihren Anfang in der Furcht Gottes hat, daß man die Stunde des Todes immer für die Verstorbenen. 539 vor Augen habe, und sich täglich zum Sterben rüste. Ja, o mein Gott! ich will weise werden, und meine bisherige Thorheit, womit ich sorglos dahin lebte, als dürfte ich nie sterben, im Ernste ablegen. Ich will von nun an Alles meiden, was mir einmal das große und entscheidende Ereigniß meines Lebens, den Tod, furchtbar machen, oder auch nur erschweren könnte. Im Ernste will ich meine unordentliche Anhänglichkeit an diese Erde bezähmen, und in heili ger Liebe Dir leben. Standhaft will ich die Lüste der Welt verschmähen, in allen Tugenden mit Eifer vorwärts schreis ten, und in strenger Buße, in Berläugnung meiner selbst, und in gottergebener Duldung alles Widrigen um Deinets willen ausharren- dann wird mir der Tod nicht mehr schrecklich noch schwer sein; vielmehr werde ich ihm mit Muth und heiterer Zuversicht entgegen gehen. So oft ich in Zukunft die Sterbeglocke höre, will ich denken: So wird sie auch mir einmal, und vielleicht bald, zu Grabe geläutet. Wenn die Morgenstunde kommt, so will ich mit solchen Vorfäßen den Tag beginnen, als erlebte ich den Abend nicht mehr. Und wenn die Abendstunde heranrückt, so will ich es nicht mehr wagen, mir noch die Morgenstunde zu versprechen; dann kann der Tod mich nicht überraschen und wenn der Menschensohn zu einer Stunde kommt, wo ich es am wenigsten erwarte, so fins det Er mich auch da nicht unvorbereitet. D Herr! lehre mich bedenken, daß ich sterben muß, damit ich weise werde. Jest ist die kostbare Zeit des Wirkens; jest sind die Tage des Heiles, jezt ist die Zeit der Gnade; jest muß der gute Christenkampf gekämpft, das schöne Ziel erstrebt, die Krone ach viel: des Lebens errungen werden; denn es kommt leicht schneller, als ich es denke- die Nacht des Grabes in welcher Niemand mehr wirken kann. Aber wehe mir, wenn ich mir dort einmal vorwerfen müßte, daß ich diese Zeit der Heimsuchung, in der ich mir Schåße sammeln konnte für die Ewigkeit, gewissenlos verschleudert, und blos der Sorge um das Zeitliche gewidmet håtte!- Oder muß ich es mir nicht wirklich jest schon vorwerfen?- des Leichtsinnes und der Gleichgültigkeit gegen mein wahres mein einziges Heil! Vielleicht, o mein Gott! vielleicht O 1 1 -- XII. Abschnitt. Andachten werde ich bald um die Frist eines Tagés, einer Stunde bitten, um nicht ungebessert dahin sterben zu můüßen, und wer weiß, ob ich sie erbitten werde! O Herr! lehre mich darum( zur rechten Zeit noch) bedenken, daß ich sterben muß, damit ich weise werde, und gieb mir deine Gnade, daß ich den frommen Vorsägen, welche ich jetzt an dieser ehrwürdigen Ruhe: ståtte der Verstorbenen, vor Dir gefaßt habe, treu nachlebe; daß ich, ehe ich sterbe, allem unheiligen Wesen absterbe, und in Christus ein neues, gottgefälliges Leben anfange- ein Leben für den Himmel. — 540 Ich will daher, so lange ich noch lebe, wie ein Fremd. ling und Gast auf Erden wandeln, die Angelegenheiten der Welt für auswärtige Geschäfte ansehen, die meinen Geist niemals ordentlich beschäftigen dürfen, und mein Herz frey, in steter Richtung nach Oben erhalten. Dort hin- in mein wahres Vaterland will ich täglich meine Thränen, Gebethe und Seufzer voraussenden, damit ihnen einst mein Geist, nach dem Tode, sehnsuchtsvoll nachfolgen, und zum Herrn heimgeholet werden möge. O Herr! lehre mich bedenken- hier unter den Leichnamen meiner verstorbenen Brüder daß ich sterben muß, damit ich weise werde! Hier ist wahr haft der Acker Gottes, wo die Saat zur Unsterblichkeit verborgen liegt, und das Berwesliche zur Unverweßlichkeit reifet. Auch ich werde vielleicht bald hier ruben; und aus meinem Grabhügel wird emporteimen, was ich lebend ausgesået habe. Am Tage der großen Aernte werden die Schnitter des himmlischen Vaters einsammeln, die Weizengarben in seine Scheune bringen, das Unkraut aber in das Feuer werfen. Barmherziger Gott! laß mich) dann nicht unter dem Unkraute- gieb mir die Gnade, meinen hier gefaßten Vorfäßen getreu zu bleiben, und so zu leben, daß ich einst unter deinem Weizen gefunden werde. Amen. - - - Kirchengebeth. Gott! der Du das Licht der alaus bigen Seelen bist! Erhöre unfere Bitten, und laß deine Dies ner und Dienerinnen, deren Leiber bier und überall in Chris stus ruhen, zur ewigen Erquickung, zur Wonne der Ruhe, und zur Klarheit des himmlischen Lichtes gelangen, durch Jesus Christus, unsern Herrn. Amen. 541 für die Verstorbenen ic. Gebeth am Grabe unserer Weltern, Freunde oder Wohlthäter. Vater! ohne dessen Willen kein Haar von uns ferm Haupte fållt! Hier an diesem Grabeshügel, der die sterblichen Ueberreste eines Edlen deckt, der meinem Herzen theuer war, erhebe ich Aug' und Hände zu Dir, Trost bey und suche, was nur Du mir geben kannst- deinem Vaterherzen! Du kennest die tiefe Wunde, welche dieser herbe Verlust meinem Herzen geschlagen hat. Vor Dir fließen meine Thränen- vor Dir wird mein Jammer laut; denn Du bist die Liebe, und willst, daß wir alle unsere Sorgen und Leiden in deinen Baterschooß ausschchütten sollen. O mein Vater! ich traure tief, aber ich murre nicht. Nein bey dem Andenken meines zagenden und bis in den Tod betrübten Erlösers am Delberge sey es Dir an gelobt, nein, ich murre nicht! Du bist ja der allmächtige Herr über Leben und Tod der Sterblichen! und wer darf zu Dir sprechen: Warum hast Du das gethan? Du bist ja die weiseste Liebe, die Alles wohlmachet, die auch durch Leiden segnet. Wie könnte ich also gegen deine Anordnung murren, o mein Gott! di Dein heiliger Wille sey gepriesen und angebethet! Du, o Gott alles Trostes, Du Bater der Erbarmung, wirst Balsam in das verwundete Herz gießen; Du wirst meine Thränen trocknen, und meine Trauer einmal in Freude verwandeln. So rufe denn- o mein armes, gebeugtes Herz! mit starkem Muthe und gläubigem Vertrauen zu deinem Gott: Du o Herr! hast es gegeben, Du hast es genommen, Du kannst- ja, Du wirst es wieder geben! Gelobt sey dein Name in Ewigkeit! Du hast meinen( Vater, Wohlthäter, Freund zc.) zu Dir genommen! Du hast ihn auf eine kurze Zeit von mir getrennt, um mich einst ewig mit ihm wieder zu vereinigen! Du hast durch diese schmerzliche Trennung auf ein Neues meine Sehnsucht nach der himmlischen Heimath mächtig erweckt;- hast mein Herz vom Vergånglichen abgezogen, und auf das Ewige hingerichtet! O gieb mir deine Gnade, daß mein ganzes Leben eine würdige Vorbereitung zu einem seligen Ende werde! Gott! der Da nach deiner gnädigen Verheißung, was 542 XII. Abschnitt. Andachten Du auflegest, auch tragen hilfft, lindere, ich bitte Dich, meinen oft vielleicht übermäßigen Schmerz; ich bin ja ein Christ, wie dürfte ich übermäßig trauern, gleich denjenigen, welche keine Hoffnung haben! Ich habe ja das theure Gotteswort Jesu, deines Sohnes: Ich bin die Auferstehung und das Leben; wer an Mich glaubt, der wird leben, wenn er auch gestorben ist!-" Vater! der Heimgegangene hat an Dich und deinen göttlichen Sohn geglaubt, und ich hoffe es von deiner Erbarmung, daß er in deiner Liebe von hinnen geschieden sey! Deiner Baterliebe empfehle ich seine Seele! Sieh gnädig herab auf mein Gebeth und Flehen, und handle mit ihm nach deiner unendlichen Erbarmung. Laß seine Sünden in dem Blute Jesus, deines Sohnes, der auch für ihn gestors ben ist, getilget, und die Zeit seiner Reinigung abgekürzet werden!- Endlich verleihe mir die Gnade, daß ich den Geliebten ben Dir in deinem Reiche, nach einem wahrhaft christlichen Leben wieder finde, und in deiner Liebe mit ihm auf ewig vereiniget werden möge, durch Christus, un sern Herrn. Amen. Kirchengebeth für alle im Gottesacke: ruhen, den Christgläubigen. Jesus Christus, unser Herr und Gott! Du bist die Aufers stehung und das Leben; Du bist der ewige Tag, das unauss Isschliche Licht, und die immerwährende Klarheit. Du hast deinen Nachfolgern im Lichte zu wandeln befohlen, damit sie der Finsterniß der ewigen Nacht entgehen, und zum Vaterlans de des Lichtes glücklich gelangen mögen; Du hast als Mensch den Lazarus beweint, und als Gott ihm das Leben wiederges geben; Du hast das in Sünden dahingesunkene Menschenge schlecht zum Leben zurückgeführt, und den Eingang zum Hims melreich, den uns der Ungehorsam unserer Stammåltern vers schlossen hatte, durch deinen Gehorsam wieder geöffnet. Wir bitten Dich demuthsvoll, daß Diejenigen, welche in diesem Gottesacker ruhen, beym Posaunenschall der Engel am jüngs ften Tage, befreyet von den Banden der Sünde, Dich, der Du bist die Auferstehung und das ewige Leben, gnädig und bármherzig finden, und in die Versammlung der Heiligen, in die ewige Seligkeit aufgenommen werden mögen, damit sie mit ihnen, Dich, den Urheber ihrer Erlösung und Seligkeit, ewig loben und preifen; der Du mit dem Vater und dem heiligen Geiste gleicher Gott, lebst und regierest in Ewigkeit. Amen. 543 für die Verstorbenen. Gebethe ben dem Mesopfer für die Verstorbenen. Eingang. Herr, allmächtiger Vater! dein göttlicher Sohn Jesus Christus hat um seine heilige Gemeinde, die Er sich durch seine Lehre und durch seinen Tod am Kreuze erwors ben, das Band der christlichen Liebe geschlungen, und diese Liebe- stirbt nicht; über Tod und Grab hinaus verbindet sie, die im Glauben an Christus Lebenden, in eine Gemeinschaft der Heiligen. Im Geiste dieser heiligen Liebe gedenken wir jetzt bey der Feyer des geheimnisvollen Opfers der heiligen Messe der Vers storbenen, und flehen zu Dir um Gnade und Berzeihung für diese, noch nicht vollendeten, leidenden Brüder und Schwes stern, welche im Reinigungsorte noch einige Schuld abzubüßen haben, bis sie würdig werden deiner seligen Anschauung. Heiligster! Nichts Unreines kann in dein Reich kommen. Deswegen hat deine Weisheit und Liebe einen Mittelort bestimmt, wo sie so lange geübt und geprüft werden, bis sie, gleich dem Golde im Glutofen- von allen Mackeln gereiniget, und vor Dir wohlgefällig erfunden werden. Wir bethen deine geheimnißvollen, weifesten Urtheile im Staube an. Du bist ihr Vater und liebest sie mehr, als wir. Du weißt, was ihnen zuträglich ist. Dein Wille geschehe! Aber der Drang der Liebe, für sie deine Erbarmungen anzuflehen, kommt von Dir, Du haft ihn uns in das Herz gelegt, und willst: daß wir für sie bitten sollen. Vater- ach barmherziger Bater! erbarme Dich ihrer; sie sind im Glauben an Dich und deinen Sohn Jesus verschieden.- Laß sie bald die Frucht dieses Glaubens genießen, und ihnen die seligen Wirkungen deiner Erldsung zu Theil werden. Erlasse ihnen alle ihre Schulden, und stille ihr inbrünstiges Verlangen nach der Anschaus ung deines göttlichen Angesichtes, und nach dem Genusse des ewigen Lebens. Nimm an, o heiliger Bater, allmächtiger ewiger Gott! mit Wohlgefallen das unblutige Opfer des neuen Bundes, welches jest zum Trost der leidenden Seelen entrichtet wird, und erhöre die frommen Gebethe deiner heiligen Kirche. Mir aber laß das Andenken an meine verstorbenen Mitmenschen lehrreich und heilsam werden. Bald werde auch 544 ich meine irdische Laufbahn vollendet haben; kurz ist unser Leben, und wie oft überrascht uns der Tod plößlich, da wir es am wenigsten vermuthen! Ach, heiliger Gott! wer ist rein vor Dir? Und wenn nichts Unreines vor deinem XII. Abfdmitt. Andachten Auge bestehen, und in deine himmlischen Wohnungen eingehen kann, wie wird es mir leichtfertigen Sünder ergehen? wie sorglos um das Ewige, und wie vielbekümmert um die vergånglichen Dinge, habe ich bisher meine Tage vers lebt! wie viele und große Sünden beschweren mein Gewissen! Wie so ganz anders werde ich dort von so manchen Fehltritten und Vernachläßigungen urtheilen, die ich jett fogar als Kleinigkeiten ansehe, und an mir entschuldige. Gieb mir, o Gott! deine Gnade, daß ich in Zukunft die Tage zähle, und besser und weiser werde, da es noch Zeit ist! Erleuchte und stärke mich, daß ich von jest an so zu leben anfange, wie ich einst gelebt zu haben wünschen werde. Nimm mich, Barmherziger! in deine Zucht. Reinige mich von allen Fle cken der Sünde, welche- stürb' ich in diesem Augenblick Dir mißfallen, und mich von deiner Anschauung entfernen würden! Laß mich hier büßen, damit Du dort meiner schonen mögest! Wasche mich ab in dem Blute des Lammes, damit ich rein vor Dir erscheinen könne! - Ich unterziehe mich bereitwillig jeder Züchtigung und Anordnung, wodurch Du in Zukunft mich für den Himmel bilden willst, und küsse mit demüthiger Unterwerfung deine Baterhand, die auch im Strafen nur wohlthun kann. Gott! erbarme Dich meiner! erbarme Dich aller Abgestorbenen! und laß ihnen leuchten das ewige Licht ewig in der Gemeinschaft der Heiligen. Amen. Laffet uns bethen: Erbarmungsvoller Herr und Gott! erhöre unser Gebeth für die Seelen deiner Diener( deines Dieners N., deiner Dienerin N.), deren wir in diesem heiligsten Opfer gedenken, wenn sie durch ihre Schuld mit deiner Gerechtigkeit nicht vollkommen ausgeföhnt seyn sollten, und mache durch deine Gnade ihnen gut, was ihnen von den Folgen menschlicher Schwäche noch ankleben sollte. Rufe sie zur feligen Ruhe, und erfreue sie mit dem himmlischen Lichte, durch deinen Sohn Jesus Christus, unsern Herrn, welcher mit Dir für die Verstorbenen. 545 und dem heiligen Geiste, in einer Gottheit, ewig lebet und herrschet. Amen. lisal tiste Die Epistel, aus 1. Thessal. 4. Brüder! wir wollen euch nicht in Ilnwissenheit lassen in Ansehung der Entschlafenen, damit ihr nicht traurig seyd, so wie die llebrigen, die feine Hoffnung haben. Denn wie wir glauben, daß Jesus gestorben und auferstanden ist, so wird Gott auch jene; welche in Christus entschlafen sind, mit ihm führen( zur Auferstehung). Denn das sagen wir euch als ein Wort des Herrn: daß wir, die wir noch leben und übrig seyn werden bey der Ankunft des Herrn, den Entschlafenen nicht voreilen werden. Denn der Herr selbst wird unter einem lauten Schall, mit der Stimme des Erzengels, mit der Posaune Gottes vom Him. mel herabkommen, und die Todten, die in Christus sind, werden zuerst auferstehen. Dann werden wir, die wir noch leben, und bis dorthin. übrig geblieben sind, zugleich mit ihnen hingerückt werden in den Wol ken, Christus entgegen in der Luft, und werden dann allzeit beym Herrn seyn. So tröstet nun einander mit dieser Lehre. smine Befreye, o Herr! die Seelen aller Christglaubigen von den Strafen ihrer Bergehungen; erldse sie durch deine mitwirkende Gnade von dem ewigen Tode, und nimm sie auf in die ewigen Wohnungen der Seligen in das Reich ewiger Klarheit. Amen. - Das Evangelium, atts Joh. 6. In derfelben Zeit fagte Jefus ze den Schaaren: Alles, was mir der Vater giebt, wird zu mir kommen, und wer zu mir kommt, den werde ich nicht versteßen; denn ich bin vom Hims mel herabgekommen, nicht um meinen Willen zu thun, sone dern den Willen dessen, der mich gefandt hat. Dieß ist aber der Wille des Vaters, der mich gefandt hat, daß ich nichts verliere von Allem dem, was Er mir gegeben hat, sondern daß ich's auferwecke am jüngsten Tage. Dieß ist der Wille meines Vaters, der mich gesandt hat, daß ein Jeder, der den Sohn sieht, und an Ihn glaubt, das ewige Leben habe, und ich werde ihn auferwecken am jüngsten Tage. Nach dem Evangelium. Jesus Christus, unser Herr! Herr der Herrlichkeit! bewahre die Seelen aller Gläubigen vor Pein und Qual Der heilige Engel Michael überbringe sie zum himmlischen Lichte, das Du vormals dem Abraham und ſeiz nen Nachkommen versprochen hast. ( Die Fortsegung der h. Messe bis nach der h. Communion siehe S. 54) XII. Abschnitt. Andachten del giors Nach der heiligen Communion. med dat Das ewige Licht leuchte den Seelen der Verstorbenen, o Herr! mit deinen Heiligen in Ewigkeit, weil Du gütig bist. Verleih' ewige Ruhe, o Herr, ihnen, und das ewige Licht leuchte ihnen, mit deinen Heiligen in Ewigkeit, weil Du gütig bist. 546 Laffet uns bethen: Das geheiligte Opfer deines Sohnes, welchen Du, o Gott! niemal ohne Wohlgefallen ansiehst, erwirke den Seelen deiner Diener und Dienerinnen( N. N.) die gewünschte Aussöhnung mit Dir; und wenn ihnen noch etwas von ihren Fehlern ankleben sollte, so reinige sie durch deine Liebe, und vergiß all' ihr Versehen über dem Wohlgefallen an Jesus Christus, deinem Sohn, unserm Herrn, welcher mit Dir und dem heiligen Geist, in einer Gottheit, ewig lebet und herrschet. Amen. Christliche Gedanken auf dem Gottesacker. Gedenk', o Mensch! daß du aus Staub bist, Und wieder zu Staub werden wirst. So rufen mir an diesem Orte tausend Stimmen zu, und heißen mich da stille stehen, um von den Todten Weisheit des Lebens zu lernen.- Hier ruhen sie die Gebeine meiner verstorbenen Mitchristen, Aeltern, Brüder und Freunde, und hier wird auch einst meine Ruhestätte feyn. Viele modern schon seit Jahrhunderten hier; viele erst seit Kurzem. Wie viele, die ich wohl gekannt, die mir Gutes erwiesen - wie viele, die ich vielleicht beleidiget, geärgert, zur Sünde verleitet habe, sah ich hier zum Grabe tragen! Sie find mir vorausgegangen, und erinnern mich, daß ich ihnen fol gen, vielleicht bald folgen werde. O, daß ich hier besser, weiser, frömmer würde! Wie darf ich mich auf die Menschen verlassen, davon mir einer nach dem andern wegstirbt! Wie kann ich sicher dahin leben, da ich keinen Augenblick vor dem Tode sicher bin!- Hier fehe ich die Eitelkeit und Vergänglichkeit aller irdischen Dinge Die Leiber der Armen und der Reichen liegen hier untereins ander, wer unterscheidet sie noch? was ist ihnen von ihrer vorigen Schönheit oder Stärke noch übrig? Nichts als dürre Gebeine und eine Hand voll Staub! www - ddesund not für die Verstorbenen. 547 So wird einst auch mein Leib den Würmern zur Speise und zu Staub werden, woraus er gemacht ist! beton Aber es wird nicht immer so bleiben; wie das Samens fornlein im Acker verwesen muß, damit eine reiche Aérndte hervorkomme; so verwesen hier die Leiber der Verstorbenen bis zum Zage der Auferstehung. Hier ist wahrhaftig Go t tes Acker, wo der Samen der Unsterblichkeit verborgen liegt, da wird einst große Aerndte seyn. Der Engel Gottes, fagt Chriftus, werden die Guten, wie Garben sammeln, und in die himmlischen Scheren bringen; die Bösen aber, wie das Unkraut in's Feuer werfen. Jgnuć So will ich denn mein gegenwärtiges Leben gut anwens den, damit ich mich einer seligen Auferstehung zu erfreuen habe. Diese Freude und Hoffnung soll mich zur Besserung, zur Geduld, zu allem Guten aufmuntern, dann darf ich den Anblick des Grabes nicht scheuen; es wird mir eine sanfte Ruhestätte seyn, bis die Stimme des Weltrichters die Lods ten aus ihren Gråbern hervorrufen wird. 03 no iedarb O Du, der Du auch einst im Grabe lagst, wieder aufers standst, nun ewig lebst, und ewiges Leben giebst, glorreich ers standener Jeſus! wie ich Dir jetzt im Leben folge, so werde ich Dir auch in der Auferstehung folgen. Dein will ich seyn im Leben und Tod- Dein in der Ewigkeit. Amen. Vor der Todtencapelle. Antiphon. Ich bin die Auferstehung und das Leben! wer an mich glaubt, wird nach dem Tode leben, und Jeder, der da lebt und an mich glaubt, der wird in Ewigkeit nicht sterben. Eine Stimme höre ich, vom Himmel ruft sie mir: Selig sind die Sterbenden, die sterben in dem Herrn! Ich glaube, mein Erlöser lebet, am jüngsten Tage werde ich vom Grabe erwecket- wieder auferstehen, und meinen Gott und Heiland sehen. Ob dieses Aug' im Fremder nicht, wo wird's doch meinen Netter sehen! Ich, selbst, ein meinen wo sind nun deine Schrecken? Des Erlösers Boten wecken einst das schlummernde Gebein, und es wird unsterblich seyn. Friede Gottes schweb' hernieder; einst ersteh'n die Todten wieder. Jesus Christus!- nicht vergebens, Du gabst uns das Bild des Lebens. Aus der Gräber Saat und Feld reift die Aerndte jener Welt. Ewig deines Reiches Glieder, seh'n sich Gottes Freunde wieder. Herr! erhöre mein Gebeth, und lag mein Rufen zu Dir kommen. 35 548 XII. Abschnitt. Andachten Gebeth. Gott! Schöpfer und Erlöser aller Gläubigen! verleib' den Seelen deiner Diener und Dienerinnen Verzeihung ihrer Sünden, damit sie die Nachlassung der Strafen, die sie allzeit gewünscht haben, durch fromme Fürbitte erlangen mögen. Gott! der Du willst, daß alle Menschen selig werden, und ihnen gerne verzeihest, wir bitten Dich, Du wollest unsere Aeltern, Brüder und Schwestern, unsere Anverwandten und Wohlthäter, welche aus dieser Welt verschien sind, durch die Für bitte, der seligsten Jungfrau Maria und aller Heiligen, zum Genusse der ewigen Seligkeit gelangen lassen. Durch Christus, unsern Herrn. Amen. ni Herr! gieb allen hier Begrabenen die ewige Ruhe, und das ewige Licht leuchte ihnen. Herr! lasse sie ruhen im Frieden! Amen. Gedanken des Christen über den Tod. Ich werde gewiß sterben. Mit jedem Jahre, mit jeder Stunde, mit jedem Augenblick komme ich meinem Grabe nás her. Allmählig fällt mein Körper zusammen; und wenn ihn auch nicht eine Krankheit oder ein Zufall zerstört, so wird er endlich doch durch die Last der Jahre selbst erdrückt werden. Ich werde gewiß sterben. O mein Gott! welche Ge danken muß diese Wahrheit in meinem Herzen erregen? die Erde ist also nicht meine Heimath, wo ich zu bleiben habe; ich bin mehr nicht, als ein Pilger, der flüchtig, und zwar so schnell, als die Zeit felbft fliegt, mit ihr dahin eilt. Wie eitel wären also meine Bemühungen, wenn ich nur bloß für diese Erde leben wollte? Was nützten mir die Reichthümer, die ich aufgehäuft, wenn ich sie einmal doch verlassen muß? Warum soll ich den Wollüsten mich ergeben, da sie mir einmal gewiß, vielleicht bald, entrissen werden? Wozu soll ich nach Rang und Ehren begierig seyn, da auch die Großen der Erde, die Herrlichen und die Gewaltigen einmal von ihren Thronen heruntersteigen, und, dem ärmsten Bettler gleich, sich in ihre Fleine Grube schmiegen müssen; wie beweinenswürdig, wie für die Verstorbenen. 12 549 fchrecklich für mich würde meine Thorheit seyn, wenn ich, wie fo viele meiner verblendeten Brüder, mein ganzes Leben mit Sorgen und Arbeit für die hinfälligen Dinge der Erde, für ihre eitlen Freuden und nichtigen Vortheile zubrachte, für das Beste meiner Seele aber gar nicht, oder nur oberflächlich, bekümmert wäre? Wie entfeßlich müßte meine Reue, wie bits ter und fruchtlos meine Thránen seyn, wenn ich einmal hins geworfen auf mein Sterbelager mit zitternder Angst auf mein vollbrachtes Leben zurückschaute, und Nichts, oder nur Wenig fände, was mich nun trösten, und mir Freude und Zuversicht vor meinem Richter geben könnte? Wenn ich mir sagen müß te: Ich habe so viel gearbeitet, so manche Mühseligkeit erdul, det, so viele Aufopferungen gemacht, um den Menschen zu gefallen, um mir bequeme, wollüstige Tage zu verschaffen, um zu glänzen; und für mich, für meine Seele, für meinen Gott habe ich nichts gethan? Ich habe für meinen Körper gelebt, und meine Seele, das Allerwichtigste an mir, habe ich vers nachläßigt? Nein, o mein Bater! so thbricht will ich nicht seyn; ich will hinaufschauen auf meine Todesstunde, und sie foll mich antreiben, gut zu seyn; ich will, wenn mir eine Versuchung schmeichelt, eine Sünde mich einladet, eine böse Neigung mich zu unvernünftigen Rasereyen ruft, mein Grab bedenken, und zu mir sagen: Wie schwer würde diese That auf mich einst drücken, wenn ich sie mir erlaubte? Ich will mich bey allen Dingen, die ich unternehme, fragen: Bird mir dieses einst auf meinem Sterbebette Troft edek Verzweifs Tung bringen? Ich will, wenn mich die Habsucht reizt, die Wollust lockt, die Ehrfurcht an sich reißt, mir vorstellen, daß einst nicht Gold, nicht genoffene Freuden, nicht Würden, aus den Klauen des Entsetzens befreyen; wohl aber werden mich dann gute Werke, tugendhafte, edle, wohlthätige Handlungen erquicken; und das Andenken an vollbrachte Werke christlicher Liebe, ia fogar die Erinnerung an einen Trunk Wasser, den ich einem Dürftenden um Jesus willen reichte, wird mich dort mehr erfreuen, und mir mehr nüßen, als wenn ich Millionen beseffen, oder in allen Lüften der Sinne geschwelgt hätte. Dieß soll mich zur Wachsamkeit, zum Eifer, zur Thätigkeit entflammen, daß ich mir solche Schätze erwerbe, die dann, wenn eine Welt nichts mehr in meinen Augen seyn wird, 550 XII. Abschnitt. Undachten mich nicht verlaffen, mir auch von dem Lode nicht können geraubt werden, Fromm, und gut, und christlich will ich leben; nur dann darf ich hoffen, daß ich zufrieden sterben werde. bia A Ich werde gewiß sterben; aber der Augenblick meines Todes ist ungewiß. Er kann noch Jahre zögern; aber auch dieser Zag, die nächste Nacht kann meine lehte feyn. O mein Gott! Ich darf also meine Besserung nicht aufschieben; ich darf nicht säumen, auch nicht einen Augenblick, für das Beste meiner Seele mit allem Eifer bedacht zu seyn; ich darf nicht zögern, mich um Verdienste umzusehen, tugendhafte Hands lungen, wo sich nur eine Gelegenheit zeigt, auszuüben. Ich darf meine Zeit nicht wegwerfen an die Zándeleyen der Erde, noch weniger an ihre eitlen, fündhaften Freuden. Da jeder Zag meines Lebens mein letzter seyn kann, ach! so muß ich mich an jedem fertig halten, meine Rechnung abzulegen, den entscheidenden Schritt in die Ewigkeit zu thun, und vor meis nem Richter zu erscheinen; muß sorgen, daß ich nicht mit vers grabenen oder verschwendeten Talenten, mit leeren Händen vor ihn trete. Meine Todesstunde ist ungewiß! Großer und wichtiger Gedanke! wie kann mich eine Versuchung überwältigen, wie ein böses Beyfpiel, ein Reiz zur Sünde mich verfüh ren, wenn ich denke: ich begehe diese Missethat; und vielleicht in einer Stunde nach ihr stehe ich vor meinem Gott, und muß mich verantworten über sie! Wie dringend muß mich diese Vorstellung vielmehr auffordern, ja keine Gelegenheit vorbey zu lassen, wo ich mich besser machen oder eine neue verdienstliche Handlung verrichten kann? Wenn die Aerndte reif liegt, der Himmel heiter ist, die Sonne niederscheint, wel cher Landmann eilt da nicht, sie aufzusammeln und in fein Haus zu führen, weil Stürme und Ungewitter, Schloßen und Regengüffe folgen können; soll ich, was Menschen für das Zeitliche thun, nicht für meine Seele thun wollen? Heiliger Gott! da mein Zod so gewiß, seine Ankunft so ungewiß ist, ach! laß mich weise werden; laß mich betrachten, wenn rings um mich meine Mitmenschen mit grauen Haaren, und solche, die noch in der Blüthe der Jahre, in der Stärke ihres Lebens find, meine Bekannten, meine Freunde so unerwartet sterben, and für die Verstorbenen.nlg X 551 daß dieß auch mir begegnen könne, und daß meine Entschul digung dann fruchtlos und thöricht seyn würde, wenn ich sagen wollte: das hätté ich nicht gedacht! ni 350 ni mod ແ him Bot obor chilustbldent binoso dun sid 10; Ich werde endlich nur einmal sterben. Großer Gott! Das Grab giebt keinen mehr zurück. Der Mensch tritt hin über in das Haus der Ewigkeit; dort wird er gerichtet; dort wird er berufen, ewig im Himmel glücklich zu seyn, oder ewig in der Hölle zu verzweifeln. Fest werden die Thore zugeschlossen, wenn er einmal durch sie gegangen ist. Er Sobald als meine Seele ihren fann nur einmal sterben. Leib verlassen, so wird ihr Loos in der Ewigkeit entschieden. Wenn der Tod mich in meinen Verirrungen ergreift, meine Seele beladen mit ihren Sünden hinauswirft aus dem Körs per; so wird mir keine Neue, feine Zhráne mehr auch nur eine Stunde kaufen können. Ich werde ewig verloren seyn, wenn ich einmal verloren bin. Gott der Güte und der Er barmungen, wie sehr foll mein Herz bey diesem Gedanken ere schüttert werden! Was können die Freuden der Sinne, die Wolliste des Lebens, die Herrlichkeiten der Erde Schis für mich haben, wenn ich dieses betrachte?- Ich will dir mein Herz weihen, fromme, himmlische Tugend! ich will mich fest an dich anklammern, heilige, katholische Religion! ihr allein konnt mich retten; ihr könnt machen, daß ich nicht nur vor der Gewißheit des Todes, vor seiner unbekannten Ankunft nicht zittere, sondern mich auch seiner freue. Weit von mir, o ihr Sünden, und ihr unreinen, flüchtigen, augenblickli chen, ungetreuen Freuden und Schätze der Erde! ich will meis nem Vater im Himmel dienen, ich will ein Christ seyn, ich will mit seiner Gnade streiten wider alle Versuchungen, und überwinden; ich will Gutes thun so viel und so eifrig, als ich kann, um mir Verdienste zu fammeln, um den Beyfall meines Gottes zu haben, und um der Bestimmung getreu zu bandeln, wegen der Er mich auf diese Erde fette. Ich will mich um solche Güter bemühen, die mir auch der Tod nicht rauben kann. Dann mag er auftreten, wann er will, er foll mir willkommen seyn; dann ist er nichts für mich, als ein Ruf meines Vaters, der sein treues Kind von der Arbeit zur Ruhe führt. 552 XII. Abschnitt. Andachten für die Versierbenen. Ja, mein Gott! Vater meiner Seele! dieser Vorsatz foll fest in meiner Seele bestehen; er soll mir Standhaftigkeit ges ben in der Stunde der Versuchung und Trübsal; er foll mir die Sünde verächtlich, ia abscheulich machen; er soll mich aufmuntern zum Guten, zur Anstrengung aller meiner Kräfte. Ich will Dir dienen, heiliger Gott! für den Himmel arbeiten, und sorgen mit Eifer und mit Festigkeit, daß ich einst deiner Huld und Liebe würdig sey. Segne diesen frommen Borfat, bestätige ihn durch deine Gnade, daß ich ihm von nun an ewig treu bleibe. Ich muß fromm und christlich leben, dann werde ich gut und selig sterben. dan Tommis un pel daler olahrse dia? 1870 moniom ni bun dag me onde not the wooden stor Amen. mind ban tar ulic # 54 556819 the unde anbid wa thum pet do dan O Det i 100 mgilid ne dasklim I. Abschnitt. Tägliche Andachten. a 3048 E 8# Aind? 2012 Andmain fun Inhalt. ting ● Morgenandacht Gemeinschaftliches Morgengebeth Geißtreiche Anmuthungen zu Jesus Christus. Christliche Stundenuhr. Andacht bey Vollbringung des heil. Megopfers Erste Meßandacht Zweyte Hausmesse Abendandacht Gemeinschaftliches Nachtgebeth 504 II. Abschnitt. Sonntägliche Andachten. Von der Heiligung der Sonn- und Fevertage Heilige Gedanken an einem Sonntage. Gebeth bey dem Eintritt in den Tempel des Herrn vor und nach der Predigt Hochamt und Vesper Zweyte Bußandacht Das allerheiligste Sacrament des Altars. Morgengebeth am Communiontage Erste Communion- Andacht Seite III. Abschnitt. Buß, und Communion. Andachten. Erste Bufandacht. Beichtspiegelde tube Zweyte Nachmittags= Andacht Litaney vom allerheiligsten Sacrament des Altars Von Abbüßung seiner Sünden und dem Ablaß Ablaßgebethe 1 4 7 14 23 25 33 38 42 44 45 48 49 50 51 63 69 78 86 87 95 106 113 116 118 554 IV. Abschnitt. Andachten auf die Sonn- und Fest tage des katholischen Kirchenjahres. 08 -- 16 1. Advent Bethstunde während der heiligen Adventzeit. 2. Auf das Fest der gnadenreichen Geburt unsers Herrn und Heilandes Jesus Christus Zur ersten heiligen Messe = zweyten dritten Bethstunde oder Nachmittags= Andacht Am Feste des heiligen Stephanus his Bethunde am lesten Abende des Jahres im - V. Abschnitt. Andachtsübungen auf alle Tage in der Fasten. 10000330+19 Afchermittwoche Megandacht in der Fasten Bethstunde an den Fastensonntagen Litaney von dem bittern Leiden Christi Der heilige Kreuzweg 130 Kirchengebethe und Betrachtungen auf alle Tage in der Fasten 198 G# Am Gründonnerstage Am heiligen Charfreytage auf die Sonntage in der Fasten auf den heiligen Palmsonntag Auf das Fest der Erscheinung des Herrn dragog 168 Am Feste der Reinigung Mariä( Lichtmeß) binisma 174 Belindo umganduma siivo scillin49 Bethstunde vor dem heiligen G Grabe Litaney zu allen Heiligen Gottes Auferstehungsfeyer unsers Herrn Jesus Christus VI. Abschnitt. Andachtsübungen für die heilige Ofters und Pfingstzeit.dtodogro Ofterfonntag Bethstunde für die heilige Osterzeit In der Bittwoche Das Fest der Himmelfahrt Jesus Das heilige Pfingstfest Seite 121 129 137 137 140 147 147 153 101456 164 180 183 183 190 11-2010 1931 201 204 229 234 240 252 259 264 268 275 280 288 293 304 Seite VII. Abschnitt. Andachtsübungen auf das Fest der Dreyeinigkeit u. des Fronleichnams.. Tsinonblod mad mill 24 Das Fest der allerheiligsten Dreveinigkeit Litaney zu der allerheiligsten Drepeinigkeit 2 Am Feste des Fronleichnams unsers Herrn Jesus Christus. Bethstunde am Vorabend. 244 Morgenandacht Meßandacht LI U - 8 Andachtsübungen bev der feverlichen Procession Abendbethstunde am heiligen Fronleichnamsfesten. am Freytag sinh si am Samstag am Sonntag am Montag am Dienstag am Mittwoch ( 1 - 55511 11 ( 1 Tagzeiten von dem allerheiligsten Fronleichnam an Am Feste der heiligen Kirchweihe VIII. Abschnitt. Andachtsübungen auf die Festtas ge der allerfeligsten Jungfrau und Muts ter Gottes Maria, und der lieben Heis ligen. 00 Vorerinnerung, wie man Maria und die Heiligen verehren soll Auf das Fest der Empfängniß Mariä Tagzeiten und Litaney Auf das Fest der Verkündigung Mariä Auf das Fest der Meuschwerdung Jesu Christi Anmuthungen zu der schmerzhaften Mutter. Am Feste der Himmelfahrt Mariä der Geburt Mariä des heiligen Josephs des heiligen Johannes des Zäufers. der heiligen Apostel Peter und Paul ● Fa Am Gedächtnißtage der heiligen Engel ATA plealler Heiligen Gebeth für die Kirche für den Pabst aller verstorbenen Chriftgläubigen 311 316 321 326 328 336 342 350 358 365 372 381 387 397 403 IX. Abschnitt. Andachtsübungen für verschiedene Stände und Verhältnisse des Lebens. 19425 408 409 411 416 416 419 422 423 428 432 437 439 443 444 444 tia 818 SIE 238 the Seite Gebeth für den Bischof 2.000 444 ,,. für die Seelsorger& sdi..dist 445 für den Beichtvater 445 an Quatembertagen nopillolle od 12 tp 445 für den Landesfürsten 447 je tad ng panatit, 894 448 für die weltlichen Obrigkeiten für Freunde Gestore für Wohlthäterfür feindlich Gesinnte bey einer Standeswahl und einer christlichen Brautperson für christliche Eheleute as der Aeltern für ihre Kinder ma der Kinder für ihre Aeltern eines Herrn oder einer Frau 0 eines Dienenden SE 11 - 556 · zur Kriegszeit um Frieden um das Eine Nothwendige me sommidisc tocomenspro dhodne eines tugendhaften Jünglings# einer tugendhaften Jungfrau einer Wittwe eines Armen am Geburtstage am Namenstage ... um die heilige empfangene Firmgnade um Segen für die Feldfrüchte um Regen bey einem Gewitter bey der Aerndte bey einem allgemeinen Anliegen zur Zeit ansteckender Krankheiten. endin ● Um Abwendung einer Trübfal Zur Zeit der Nahrungssorgen Bey einem empfindlichen Verluste Zur Zeit einer allgemeinen Drangfal X. Abschnitt. Andachtsübungen für Leidende und Versuchte. Von der christlichen Geduld in Widerwärtigkeiten ve Ulm, chriftliche Fassung und treue Nachfolge. Die der Herr lieb hat, die züchtiget Er Trostgebeth im Leiden 448 448 448 448 449 449 451 451 451 452 452 453 455 456 456 458 458 459 460 460 461 461 462 463 463 464 468 470 473 474 476 477 479 480 088 -557Andachtsübungen zu Jesus Christus, in Kreuz und Leiden In der Stunde der Versuchung Seufzer zur Zeit der Anfechtung.pdn.? Um Gerechtigkeit gegen Verläumder.. Aufopferung seiner Leiden Danksagung nach erhörtem Gebethe Tröstende Bibelstellen für Leidende und schwermüthige Christen 8/ B. XI. Abschnitt. Andachtsübungen für Kranke, Sters bende und ihre Freunde und Tröster. Betrachtungen, um sich zu einem seligen Tod vorzube reiten Sanons s Erster Zeitraum. Bethstunde zur Vorbereitung auf einen guten Tod Chriftliche Fürbitten Litaney für Kranke Inbrünstige Gebethe für Kranke Gebeth für einen Kranken " um Wiedererlangung der Gesundheit nach überstandener Krankheit 3 weyter Beitraum. Ulm Gnade durch das Leiden Jesus Anrufung des heiligsten Namens Jesus Gänzliche Hingabe an Jesus Christus Empfehlungen an den Schuß Mariä Gebeth zu den heiligen Engeln Anrufung der Heiligen. Dritter Zeitraum. Gebeth vor der heiligen Communion Zur lesten Delung Vom Leiden und Sterben Jesu Christi Geifiliches Testament ● 481 483 310 1.484 485 486 487 vorbethen kann Dreyfaches Gebeth von den Umstehenden Empfehlung des Sterbenden an Gott Scite • Heiliges Bündniß mit Gott Gebeth eines Sterbenden zu Gott dem Vater Andacht zu Jesus vor dem Tode. Gebeth bey Annäherung des Todes Wie man in Abwesenheit eines Priesters dem Sterbenden ♦ • 488 490 493 497 499 500 507 508 509 510 511 512 512 513 514 514 515 516 517 518 519 519 522 524 526 527 1341 DC 558- Gebeth nach dem Verscheiden der Seele guddodnik Beym Tode unserer, Geliebten • 43653. 284 gyd om, d XII. Abschnitt. Andachts: Uebungen für die Vere storbenen. he islaitosti. Abendbethstunde am Allerheiligen Fefte aan 531 Das Vater unsfer, für die leidenden Seelen im Feg= feuer Bitten für unsere im Herrn entschlafenen Anverwandten Pos Allgemeines Gebeth für die Verstorbenen Litaney für die Verstorbenen Gebethe bey dem Mesopfer für die Verstorbenen Christliche Gedanken auf dem Gottesacker. Gedanken des Christen über den Tod didach- dri 957 Verschiedene Gebethe. Für einen abgestorbenen Vater( Mutter). " Brüder, Schwestern; Verwandte ic. Bey der Procession auf dem Gottesacker Gebeth am Grabe unserer Aleltern, Freunde oder Wohlthäter Kirchengebeth Rating amely asjast mos mud xan Loups indoor ai npm sióf Seite 535 onde( 536 537 ♦ mjingolimit nga si penies: 2. - · 528 530 532 538 538 538 541 542 543 546 548 खेस श्री ***** * 4 ** ***** हल ग्रेन र क 2+ * est XX कै Wy खेतमा pri औरत क 44 ya भ 30 * खेते हैं * मैसेंस * कैं www. प्रोन *** t ** ** ** ** " H * H *** 44 33 WH yudd ** ** **** ** Samsara **** sex H Hope * A ****** గోల్లుల SH Yo ** BY **** Yest And Wa *** yewithy ** ### St yesa Proper tex- f H * జగ్యో WW B. Linz. Inches 1 Centimetres Blue 2 1 ¹3 4 Cyan 2 5 3 111100 ¹6 17 Farbkarte# 13 Green 8 Yellow 9 4 10 Red | 11 12 5 13 Magenta 14 6 15 White 16 17 7 3/ Color 118 19 B.I.G. Black 8