GB 2677 f 77 Univ. Bibl. Glessen and 19 400 an Erste Woche. ( Vom Sonntage Estomihi bis Invocavit.) dulj Vorbereitungen. Sonntag. Melod. Chriftus, der uns selig macht. Jesu, Deine Passion Will ich jetzt bedenken; Wollest mir vom Himmelsthron Geist der Andacht schenken. In dem Bilde jetzt erschein, Jesu, meinem Herzen, Wie Du, unser Heil zu sein, Littest alle Schmerzen. 150 Sigord m Matth. 26, 6-13. 17 11 Da nun Jesus war zu Bethanien im Hause Simons, des Aussäßigen, trat zu Ihm ein Weib, das hatte ein Glas mit köstlichem Wasser; und goß es auf Sein Haupt, da Er zu Tische saß. Da das Seine Jünger sahen, wurden sie unwillig und sprachen: Wozu dient dieser Unrath? Dieses Wasser hätte mögen theuer verkauft und den Armen gegeben werden."" Da das Jesus merkte, sprach Er zu ihnen: Was bekümmert ihr das Weib? Sie hat ein gutes Werk an Mir gethan. Ihr habt allezeit Arme bei euch: Mich aber habt ihr nicht al lezeit. Daß sie das Wasser hat auf Meinen Leib gegosfen, hat sie gethan, daß man Mich begraben wird. Wahrlich Ich sage euch: Wo dies Evangelium gepredigt wird in der ganzen Welt, da wird man auch sagen zu ihrem Gedächtniß, was sie gethan hat." " 111 212 6 Seele ift betrübt bis in den Tod!" mit Deinen Schmer zensseufzern, mit den herzzerschmetternden Bußermahnungen, welche ich vernehme, mit dem Anblicke Deines Kreuzes, das sich überall mir darbietet. Herr, hilf mir bei dem ernsten Geschäfte, wozu diese Zeit mich auffordert, die traurige Geschichte meiner Sünden und Vergehungen mir ins Gedächtniß zurückzurufen und immer zu wiederholen; unter Demüthigungen und Thränen in Deinen blutenden Wunden die Strafen zu lesen, die ich reichlich verdienet habe, und die Deine Liebe und Dein Erbarmen auf sich nimmt; der schauerlichen Abgründe zu gedenken, aus wel chen Deine durchbohrte Gnadenhand mich empor zieht; den Tod zu betrachten, in dessen Finsternisse und Qualen Du für mich hinabsinkst. mein Gott, verleihe mir Deine Gnade, daß ich diese hochheilige Zeit dazu anwende, die große und unvergleichliche Geschichte der Leiden meines Herrn Jefu mir vor die Seele zu stellen, mir ins Herz zu drücken und mich darein völlig zu versenken, um hier das selige Geheimniß meiner Erlösung, um hier die Eigen schaften meines Gottes und Vaters, seinen Haß gegen die Sünde und sein unaussprechliches Mitleiden und Erbarmen mit dem elenden, armen Sünder verstehen zu lernen; um hier die Erfüllung aller seiner Verheißungen, seines von Anbeginn der Welt gefaßten Heilsrathschlusses zu betrachten; um hier seiner Zärtlichkeit und Gnade und der Vergebung meiner Sünden durch Christi Blut und Gerechtigkeit gewiß zu werden; um hier alle Schwermuth des ' geängsteten Sünderherzens, alle Verzweiflung des Unglaubens, alle bittere, bange Noth der verzagten Seele wegzuwerfen und der Liebe mich zu getrösten, welche den einigen geliebten Sohn für mich dahingegeben hat und sicherlich in Ihm mir alles schenken wird. D Herr! laß es mich nicht vergessen, daß jetzt die Zeit ist, den Tugenden nachzudenken, welche in dem Leiden und Tode des Erlösers der Welt in so hellem Lichte strahlen; verleihe mir Deine Gnade, o Herr Jesu, daß ich bei dem Anblicke Deines Elendes die Liebe zur Welt verleugne, das Fleisch kreuzige, die bösen Lüste und Begierden in mir ertödte und wider mich selbst, wiper mein troßiges und verzagtes Herz ankämpfe; daß ich bei Deinem Anblick, Du sanftmüthigster, Dulder, der Du Dich willig in die Hand Deines himmlischen Vaters hingiebst, der Ungeduld mich schäme in den leichten Trübsalen dieser Zeit, durch welche mich Gott nach Seinem Wohlgefallen gehen läßt. Laß es mich nicht vergessen, daß jetzt die Zeit ist, uns mit einander zu versöhnen und in Beweisen brüderlicher Liebe nicht zu er müden. Dazu hilf mir, o Herr, um Deines Namens willen." Amen.00 1909 Sremj 2 mmilemma______ the -do di montag. Melod. Echmücke dich, o liebe Seele. # 1190 Herr! Dein herzliches Verlangen, Da Du in den Tod gegangen, Mit den Deinen Dich zu legen Und Dein Nachtmahl einzuseßen, Drängt auch mich zum Tisch der Gnaden; Du hast mich auch eingeladen, Ens Denn auch ich bin unter allen Dir nicht aus dem Sinn gefallen. Mich verlangt nach dieser Speise, mu2 du Noch eh' ich von hinnen reiſe; Mich verlangt nach diesem Tränken, Ch' man mich ins Grab wird senken; Denn ist Jefu Leib und Leben, Ist Sein Blut mir eingegeben, Wird mein Leib im Auferstehen, Seinem Leibe ähnlich sehen. 4000 7 d ( 305) foot cont 33901 Luc. 22, 14. 15. 11 Und da die Stunde kam, sette Er Sich nieder und die zwölf Apostel mit Ihm und sprach zu ihnen: Mich hat herzlich verlanget, dies Osterlamm mit euch zu essen, che denn ich leide." 0931 Habe ich denn recht gehört:» Mich hat herzlich verlanget, dies Osterlamm mit euch zu essen, ehe denn ich leide?« Ja, so lese ich. Ist es denn nicht das Osterlamm, welches mein Jesus in diesem Leben das letzte Mal genießen will? Weiß Er denn nicht, was Ihm unmittelbar darauf begegnen wird? 8 Gab Er denn nicht schon damals, als Er sprach: » Sehet, wir gehen hinauf gen Jerusalem!« genugs sam zu verstehen, daß Sein Leiden und alle Umstände desselben Ihm auf das deutlichste vor die Augen gemalet und in Sein Gemüth gepräget wären? Wo ist aber jemals erhöret worden, daß man nach dergleichen höchst schmerzlichen Leiden und dem bittersten Tode einiges, geschweige ein so herzliches Verlangen habe?» Geheimnisvolle Lieb', o Lieb' geheimnißvoll! die jedes Adamskind mit Lust bewundern soll.« 2ch warum wird denn diese Liebe des Sohnes Gottes so gar wenig, oder doch sehr kaltsinnig von uns erwogen? Ist es nicht wahr, daß die meisten der Christen, wenn sie von der Liebe ihres Jesu, von der Vermählung des Sohnes Gottes mit unserer armen Seele, von Seinem Bräutigamsschmuck, Seinem Pupurmantel, Dornenkrone, Geiffeln, Nägeln, heiligem Blute und Wunden etwas lesen oder hören, es als eine gemeine und ihnen längst bekannte Sache ohne Eifer, Buße, Undacht, Erweckung geistlicher Freude und brünstiger Gegenliebe, und ohne rechte Dankbarkeit vernehmen? Oihr unglückseligen Seelen, warum liebt ihr die Liebe nicht? Erinnert euch des schweren Fluchs, welchen über diejenigen, die bei der unergründlichen Liebe ihres Heilandes sich so unempfindlich bezeigen, der eifernde Paulus ausspricht, wenn er sagt:» So jemand den Herrn Jesum Christum nicht lieb hat, der sei verflucht und verbannet zum Tode«( 1 Cor. 16, 22.). Wie möget ihr doch solche schreckliche Verwünschung ertragen? Selbst gottselige Seelen erzittern davor, und möchten oft vor heiliger Ungeduld über die Kaltsinnigkeit ihres Herzens dies Herz aus dem Leibe reißen und von sich werfen. Denn fie erkennen freilich, daß sie kaum mit ihrer Liebe gegen ihren himmlischen Bräutigam einen Anfang gemacht haben. Sie wissen wohl, daß ihre Begierden dem nassen Holze gleichen, welches nicht recht Feuer fangen, sondern nur glimmen und rauchen will. Doch sie wissen auch und trösten sich damit, daß die Liebe ihres Liebsten so groß ist, daß sie auch ihre Schwachheiten und Mängel duldet und überwindet, und daß Er es gern hört, wenn sie über ihr kaltes, mattes und liebloses Herz seufzen:» Dies ist mein Schmerz und kränket mich, daß ich nicht g'nug kann lieben Dich, wie ich Dich lieben wollte. Ich werd' von Tag zu Tag entzünd't; je mehr ich lieb', je mehr ich find', daß ich Dich lieben sollte; von Dir laß mir Deine Güte ins Gemüthe lieblich fließen, so wird Liebe sich ergießen.«< Gebet. O Herr Jesu! Du ewiger Sohn Gottes! der Du bis zum Tode uns geliebet und je näher dem Tode, desto feuriger die Strahlen Deiner Liebe haft hervorleuchten las sen! Was hast Du doch an uns gesehen, weßhalb Du uns nicht nur geliebet, sondern so herzlich und inbrünstig geliebet, daß Du alles Leiden für Freude und alle Schmach für Ehre und Deine Dornenkrone für einen Bräutigamskranz geachtet haft. Erwecke doch auch in mir ein solch herzliches Verlangen nach Dir, wie Du nach mir und meiner Seele bezeiget hast. Habe aber auch Geduld mit meiner natürlichen Trägheit und Kaltsinnigkeit. Deine Liebe ist zu groß und mein armes Herz zu klein, so daß ich einen so großen Strom in ein so kleines Herz nicht faffen kann. Deine Liebe ist uns einfältigen, armen Kindern zu hoch, wir können sie nicht erkennen und begreifen. Ach! gieb mir ein weites, großes, weises Herz, daß ich recht viel darein zu fassen vermöge, denn ich begehre nichts anderes, als nur Dich allein zu ge nießen. Ich suche nur Dich, meinen Gnadenstuhl, meinen Erlöser, meinen Fürsprecher, und in Dir Ruhe und 10 Frieden für meine Seele. Laß mich reichlich erlangen, was ich so sehnlich suche, und hilf mir endlich in Dein Himmlisches Reich, da ich des völligen Genusses Deiner hohen Schäße theilhaftig und mit den reichen Gütern Deines Hauses, ja mit göttlicher Wollust, als mit einem Strome, ewig gesättigt werde, um Deiner unaussprech lichen Liebe willen. Amen. al mon SAU Diensta g. Melod. Herr und eftster Deiner Kreuzgemein. Kommt und seht des Heilands Scheidescenen, Wie Sein Herz voll Inbrunst wallt! Seht Ihn an! der Liebe stilles Sehnen Hüllt den Herrn in Knechtsgestalt. Ihn, den chrfurchtsvoll die Himmel grüßen, Beugt die Liebe zu der Jünger Füßen. Sinft mit tiefgerührtem Sinn, Sinft vor Seiner Liebe hin. Ja, er liebt die Seinen bis ans Ende, Wüßte sie gern Alle rein, Streckt zu ihnen aus die heil'gen Hände, Reinigt sie, sein Volk zu sein. Herr und Meister, Du, an den ich glaube, Basch auch mich von jedem Grdenstaube: Und an Lieb' und Demuth reich, Mach' mein Herz dem Deinen gleich. Joh. 13, 5-10. „ Darnach goß Er Wasser in ein Becken, hob an den Jüngern die Füße zu waschen, und trocknete sie mit dem Schurz, damit Er umgürtet war. Da kam er zu Simon Petro; und derselbige sprach zu Ihm: Herr, solltest Du mir meine Füße waschen! Jesus antwortete und sprach zu ihm: Was Ich thue, weißt du jetzt nicht; du wirst es aber hernach erfahren. Da sprach Betrus zu Ihm: Nimmermehr sollst Du mir die Füße waschen. Jesus antwortete ihm: Werde Ich dich nicht waschen, so hast du keinen Theil mit Mir. Spricht zu Ihm Simon Betrus: Herr nicht die Füße allein, sondern auch die Hände und das Haupt. Spricht Jesus zu ihm: Wer gewaschen ist, der darf nicht, denn die Füße waschen, sondern er ist rein. Und ihr seid rein." 11 » Lernet von Mir, denn Ich bin sanftmüthig und von Herzen demüthig,« spricht der Herr. Er sagt's nicht blos; Er fügt zu der Lehre das Erempel, zu dem Worte die That. Der Herr der Herrn, dem alle Gewalt gegeben ist im Himmel und auf Erden, und den alle Engel Gottes anbeten, stehet da in Knechtsgestalt und verrichtet den niedrigsten Knechtsdienst; Er wäscht armen Sündern die Füße.» Ein Beispiel habe Ich euch gegeben, daß ihr thut, wie Ich euch gethan habe,« ermahnt der Demüthigste unter allen Menschenkindern. Aber hier ist mehr als ein Beispiel beispielloser Demuth und Herzenshingebung; hier ist ein tiefes, seliges Geheimniß, hier ist abgebildet die Reinigung von unsern Sünden in dem Blute Christi. Auch zu Seinem Petrus kommit der Herr, ihm zu thun, wie den andern. » Herr, solltest Du meine Füße waschen!« ruft der ungestüme, vorschnelle Jünger und will es nicht dulden. Ja, du eigenwilliges, thörichtes Herz in meiner Brust, du willst es auch nicht dulden, daß dein Heiland dich rein wäscht von deiner Sünde, du hinderst Ihn in Seinen besten Heilandsabsichten und stößest die Gnade von dir, mit welcher er stündlich sich dir nahet.» Was Ich thue, das weißt du jetzt nicht, du wirst es aber hernach erfahren,« bedeutet der Herr den widerstrebenden Jünger. Der Gnadenstuhl ist mit aufsteigendem Rauchwerk bedeckt, und es soll uns nicht gelüsten, dahinter zu schauen; uns geziemt demüthige Hingabe an den Willen und Befehl des Herrn und gläubiges Ergreifen der Gnadenmittel, die Er darbietet; wer die heilige Verborgenheit Gottes ergründen, seine Geheimnisse mit Händen greifen, und mehr sehen will, als ihm zukommt, der wird nichts als Finsterniß wahrnehmen, weil er sich er 12 Dreistet, mit seinen blöden Augen in das strahlende Licht der Sonne zu schauen. Petrus verstand die Gnade nicht, die ihm widerfahren sollte, und weil er sie nicht verstand, mochte er sie nicht.» Nimmermehr sollst Du mir die Füße waschen,« erklärte er hartnäckig. Urmer Petrus! armes Menschenherz! wie lange und beharrlich wehrst du dich doch gegen deine Seligkeit und zweifelst an des Heilandes Liebe und Gnade, weil sie dich zu groß dünkt. Das kleine Herz kann das große, weite und breite Meer Seiner Liebe nicht fassen. Und doch was wären wir, wenn diese Liebe nicht so groß wäre? Wir säßen in Schatten und Finsterniß des Todes, wir wären Gefangene an unzerreißbaren Ketten, wir lägen in den Tiefen des Verderbens, und es gäbe keine Hand, die uns emporzöge, wir wären durch und durch voll Aussak, kein Glied unseres Leibes, keine Kraft unserer Seele, keine Empfindung unseres Herzens, die nicht von der Sünde befleckt und verunreinigt wäre. Er, der Herr, muß uns waschen und reinigen durch Sein Blut. Und wir wollen es doch Ihm nicht erlauben, wir verschmähen die Gnade, welche sich dazu anbietet, wie bettelstolze Thoren das Allmosen verwerfen, ohne welches sie doch verhungern und elendiglich umkommen müssen.» Werde Ich dich nicht waschen, so hast du kein Theil mit Mir,« diese Erklärung des Herrn besiegt endlich den thörichten, Seiner Gnade widerstrebenden Jünger. Keinen Theil mit Ihm! nein! das erträgt kein Herz, das vom Geiste Gottes angeregt und von der Liebe des Herrn Jesu ergriffen ist. Keinen Theil mit Ihm! dieser Gedanke zerbricht den letzten Stolz der Seele, reißt die letzten Banden, womit die Sünde das Herz festhält, auseinander, und arm, blind und bloß, wie wir sind, 13 nichts mehr von uns selbst erwartend, sondern alles von Seiner Huld und Gnade erflehend, sinken wir zu den Füßen dessen nieder, dessen Blut allein nur uns von unserm Aussage reinigen kann.» Herr nicht die Füße allein, sondern auch die Hände und das Haupt« tönt es von des Jüngers Lippen. Aber ach! welche Geduld muß der Herr mit unserm verkehrten Herzen haben, bis es zum rechten Verständniß unserer Sünde und Seiner Gnade kommt! Wie äußerlich und fleischlich faßte der liebe, ungestüme Petrus des Heilandes Liebeswerk! Er meint, das Wasser thue es. Aber ob wir auch den Ocean ausschöpfen, wir würden mit allem Wasser darin auch noch nicht einen Flecken von der Seele wegwaschen können. Es hilft hier kein äußerliches Werk, kein Wassertaufen und kein Abendmahlgehen, wenn wir das Herz nicht in Jesu Blut und Wunden tauchen. » Wer da gewaschen ist, der darf nicht, denn die Füße waschen, sondern er ist rein. Und ihr seid rein.<< Nun, mein Lieber, der du dieses liesest, bist du auch rein? 10900 - Gebet. D Herr Jesu, Du unser Gott und Heiland! Du bist aus Deiner Herrlichkeit, die Du bei dem Vater hattest, ehe denn die Welt war, nicht herabgekommen, daß Du Dir dienen ließest, sondern daß Du armen Sündern den niedrigsten Knechtsdienst erwiesest, und Dein Leben zur Erlösung hingeben wolltest für Viele. Schmücke auch unfere Seele mit Deiner Sanftmuth und Demuth, daß sie Dir wohlgefalle. O Du weißt es, Herr, wie viel Stolz, Troß, Sicherheit und Uebermuth noch in uns wohnet. Nimm hinweg den stolzen, eigengerechten Sinn! laß es uns erfahren, wie so gar nichts Gutes an uns ist, und wie wir so gar nichts sind vor Dir; zeige uns unsere Sünde, unsere ganze Sünde, auf daß es nicht verborgen bleibe vor unsern Augen, wie durch und durch Leib und 14 Seele verunreinigt ist, und wie wir selbst viel zu ohnmächtig und kraftlos sind, uns von unserer Krankheit auf zurichten, unsern Schaden zu heilen, unser Herz und Leben zu bessern. Nur in ein ganz leeres Gefäß willst Du Deine Gnade ausgießen, nur ein völlig zerschlagenes Herz kannst Du gesund machen. Gieb uns ein solches Herz, das nirgend mehr, als in Deinem Blut und Wunden, seine Hülfe und sein Heil sucht, und wasche Du selbst uns rein von allen unsern Sünden und Missethaten. Weil aber das Herz nicht bloß ein tropiges, sondern auch ein sehr verzagtes Ding ist, weil es schwer glauben will an. Deine große, unaussprechliche Gnade und Barmherzigkeit, so erlöse uns von allem Zweifelmuth und aller Bangigkeit, welche die arme Seele quält und verleihe uns durch Deinen Geist einen festen, fröhlichen Glauben an die er lösende Kraft Deines Blutes, an Dein völlig zureichendes Verdienst, damit wir getroft und in voller Zuversicht Dein Wort ins Herz fassen: Wenn eure Sünde gleich blutroth ist, soll sie doch schneeweiß werden, und wenn sie gleich ist, wie Rosinfarbe, soll sie doch wie Wolle werden;" damit wir uns dem Gnadenstuhle nahen und besprengt werden mit Deinem Blute, als dem Blute eines unschuldigen und unbefleckten Lammes, und das heilsame Del des aus Deinem vollgültigen Verdienste fließenden Trostes in unser armes Herz sich ergieße, und es auch von uns heiße:„ Ihr seid abgewaschen, ihr seid geheiligt, ihr seid gerecht worden durch den Namen des Herrn Jesu und durch den Geist unseres Gottes." Amen. Mittwoch. Melod. Herr, ich habe mißgehandelt. Ach! mein Jesu, welch' Verderben Wohnet doch in meiner Brust! Denn mit andern Adamserben Steck' ich voller Sündenlust. Ach! ich muß Dir nur bekennen: Ich bin Fleisch von Fleisch zu nennen. Wie verkehrt sind meine Wege! Wie verderbt mein alter Sinn, Der ich zu dem Guten träge Und zum Bösen fertig bin! Ach! wer wird mich von den Ketten Dieses Sündentodes retten! Hilf mir durch den Geist der Gnaden Aus der angeerbten Noth! Heile meinen Seelenschaden Durch Dein Blut und Kreuzestød; Schlage Du die Sündenglieder Meines alten Adams nieder. Lehr mich wachen, beten, ringen, Und mein böses Fleisch und Blut Unter Jesu Kreuz zu zwingen; Dieses thut mir immer gut. Was nicht kann Dein Reich ererben, Laß in Deinem Tod' ersterben. 15 Matth. 26, 21, 22, „ Und da ste aßen, sprach Er: Wahrlich, Ich sage euch, einer unter euch wird mich verrathen. Und sie wurden sehr betrübt und huben an, ein jeglicher unter ihnen, und sagte zu Ihm: Herr bin ichs?" » Mich hat herzlich verlanget, mit euch dies Osterlamm zu essen, ehe denn Ich leide!« so sprach der Herr. Siehe! da sitt Er nun mit Seinen Freunden um den Tisch. Das letzte Osterlamm des alten Bundes ist aufgetragen. Der Schatten des alten Testaments entweicht, das Licht des neuen Testaments ziehet herauf; das Lamm Gottes, welches der Welt Sünde trägt, das rechte Osterlamm schreitet zum Kreuzaltar und spendet nach dem Essen des leßten Osterlammes Sein eigen Fleisch und Blut.-- Wie ein Sonnenblick in schwarzen Finsternissen, so kommt mir diese Stunde vor, wo Er das Höchste giebt, und die Freunde aus Seiner Hand das Höchste empfangen. War es immer Seine Freude, Werke der Barmherzigkeit zu thun, wie sollte Ihm diese Stunde nicht eine überaus selige sein, wo Er die Seinen stärkte zum schweren Glaubenskampfe, der 1 16 für sie versuchungsreichen Nacht Seiner Leiden, wo Er sie im Voraus tröstete über ein großes namenloses Wehe, das Er kannte, sie kaum ahnten und noch nicht fassen konnten, wo Er auf das innigste sich mit ihnen verband!- Heilige Stunde! seliges Nehmen! seligeres Geben! Ach, ist aber nicht auch diese Stunde Ihm zu einer Leidensstunde gemacht? Siehe, mitten unter den verklärten Ungesichtern der Freunde siht eine finstere Gestalt. Es ist Satanas, verstellet in einen Engel des Lichts, ein übertünchtes Grab voller Moder und Todtengebeine, ein Verräther mit den Gebehrden eines Hausfreundes, in der Gestalt Seines Jüngers Judas Ischarioth. Der Mittler siehet ihn und mit unaussprechlicher Wehmuth ruft Er in den Kreis Seiner Jünger hinein:» Wahrlich, Ich sage euch, Einer unter euch wird Mich verrathen!«< Ach, welch ein Schmerz, mein Heiland! mußte bei diesem Worte Dein Herz durchbohren! Nichts fränket mehr, als wenn eine Liebesthat mit Haß und Hohn und Feindschaft vergolten wird; und welche Liebesthat wird hier vergolten, und mit welcher Bosheit und Tücke! Ich möchte weinen, wenn ich die ewige Liebe klagen höre:» Einer unter euch wird Mich verrathen! Der Mein Brot isset, tritt Mich mit Füßen. Einer unter euch ist ein Teufel, und es wäre demselbigen Menschen besser, daß er nie geboren wäre, oder daß ein Mühlstein an ſeinen Hals gehängt würde und er ersäuft würde im Meer, da es am tiefsten ist.« Welch ein Schmerz für Deine Mittlerliebe! Du willst nicht, daß Einer verloren gehe; unter den Millionen, die Dir angehören, kannst Du nicht Einen missen! und hier geht unter den zwölf Vorerwählten Einer dahin in das Verderben, troket Dir, legt Hand an Dich, wird Dein Verräther! Wie aber?- kennet der Herr Seinen Verräther und Er erträgt seinen Unblick, stößt ihn nicht von Sich, speiet ihn nicht an, regt nicht alle Donner des Gerichts wider ihn auf, reißt ihm nicht die schändliche Maske vom Ungesichte und überantwortet ihn nicht dem verdienten Verderben! Wir freilich, die wir Donnerssöhne sind von Natur, wir ertrügens nicht, Feuer vom Himmel riefen wir! Ach und wen faßte dann des Feuers erste Gluth?- Dich, mein Freund! Dich und mich hätte sie längst ergriffen und verzehrt, wenn auf jeden Verrath an Jesu Christo Tod und Verderben stände. Oder ist nicht jede Sünde Verrath an Ihm? Wo meine Lust mich je über Sein heiliges Gebot hinwegführte, daß ich es mit Füßen trat, wo ich meinen Begierden folgte und nicht Seines heiligen Geistes mahnender Stimme, wo ich um Sündenfreuden Seinen heiligen Willen verkaufte, wo ich um schändlichen Gewinnes willen die Gerechtigkeit verließ, die vor Gott gilt, wo ich um Menschengunst oder Ungunst die Spieße und Nägel, die Sein Wort hat, abstumpfte, wo ich gar mit meinem Beispiele eines Menschen gute Sitten verdarb, oder gar zu einem bösen Buben ward, der einer Frommen zum Sündenwege verlockte da, da überall war ich Sein Verräther. Jesus! o wer hätte Dich denn niemals, nie verrathen! Barmherziger! Dank für Deine Gnade, daß Du nicht gekommen bist zu richten, sondern selig zu machen, und daß Du vor uns stehst, nicht mit dem Worte der verdienten Strafe, und nur mit der wehmüthigen Klage: » Einer unter euch wird mich verrathen!«< Aber Entseßen ergreift die Jünger. Wie selig hingen eben noch ihre Angesichter an dem theuern, geliebten Die heil. Passion. B - 17 - 18 Meister! Da spricht Er von Verrath, von Verrath an Ihm, von Verrath aus diesem Kreise.- In ihrer Mitte soll ein Verräther sein? Und Jesus betheuert es mit Seinem:» Wahrlich Sch sage euch!« Nie ist ein Betrug in Seinem Munde erfunden worden, und ein Zweifel ist nicht mehr möglich! Eine Weile staunen sie in stummer Betroffenheit den Meister an, denn sie fühlen sich ja frei von solchem Beginnen. Da durchzuckt ihre Seelen der furcht= bare Gedanke, daß Er, vor dessen Augen sie hier standen, ihre Herzen durchschaue und mit dem Flammenblicke der Allwissenheit in ihrem Innern erkenne, was ihnen selbst wohl noch ein Geheimniß wäre, und dieser schaurige, wie ein leuchtender Blit durch ihre Seele fahrende Gedanke preßt ihnen die bange, zagende Frage aus:» Herr, bin ich's?« O wie schön redet diese Frage für eure Herzen, ihr frommen Jünger des Herrn!» Herr, bin ich's?« so fragt ein jeder, so bangt jeder für sich selbst, so will's niemand dem andern zutrauen, so kennt jeder den finstern Born seines eignen Herzens, so zittert ein jeder vor dem Gedanken, er könnte etwa ein Jesusverräther werden, so muß ein jeder die Gewißheit haben, daß Er ihn nicht meine, so lange fragt er:» Herr, bin ich's?«- Erbauliche Beichtstunde, in die wir hier blicken! Da ruht das Brot auf dem Abendmahlstische, dort ist der Kelch des Neuen Testaments schon eingeschenkt, hier wogen Sündbewußtsein und Bußgefühle durch der Jünger Herzen und lehren uns, wie man sich bereiten müsſe zum Genusse des heiligen Abendmahls. Ja zittre nur, wie jene Jesusfreunde, meine Seele, wenn du die Hand nach Seinem Leibe und Blute ausstreckst, du weißt ja, wer unwürdig isset und trinket, der 19 iffet und trinket sich selber das Gericht. Wenn du vor groben Ausbrüchen deiner Sünden auch bewahrt bliebst; bedenke: aus dem Herzen kommen arge Gedanken, Mord, Ehebruch, Hurerei, Dieberei, falsches Zeugniß, Lästerung und andre Stücke, die den Mens schen verunreinigen; und seufze wie der Zöllner: » Gott sei mir Sünder gnädig!« und bete wie David: » Wer kann merken, wie oft er fehle? Herr, verzeihe mir die verborgenen Fehler!« und wo sein Wort irgend eine Sünde straft, da blicke niemals um dich her, sondern in dich selbst hinein, da denke niemals an diesen und jenen, sondern an dich allein, und frage stets nur:» Herr, bin ich's?«< Gebet. Herr, Allwissender, Barmherziger! Wie dunkel ist des Menschen Herz, wie tief wurzelt der Sünde Unkraut in allen; Ach, da sind alle abgewichen, da ist nicht, der Gutes thue, auch nicht einer. Wie selbst das beste Ackerfeld mit Unkrautsaat erfüllet ist, das immer wieder emporsproßt und faum gedämpft wird von des Ackermanns fleißiger Hand, so das Herzensfeld auch der Besten unter den Menschen, Dornen und Disteln überall! Ach Herr, Du kennest auch meines Herzens verborgene Sündentiefen, und weißt, wie unwerth und untüchtig ich bin! Aber Du verstößest mich nicht, hältst meine Sünde immer bedecket unter Deiner göttlichen Geduld, und wartest nur, daß ich in mich schlage und meine Missethat nicht leugne, willst nur, daß ich die tiefen Gründe meines Herzens Dir aufdecken und erkannte und verborgene Schulden Dir bekennen soll. Dwie sollt' ich zögern? Ja, ich bin's, der Dich tausendmal verrathen hat, da ist keines Deiner heiligen Gebote, daß ich nicht übertreten hätte, da ist keine Sündenfreude, zu der ich nicht lüstern gewesen wäre. Ach, was hülf' es mir, mich selbst zu beschönigen, ich weiß es ja, da ich's verschweigen wollte, verschmachteten meine Gebeine. Wie ein fressend Gift naget die Sünde innerlich am Herzen, die ich nicht gestanden, wofür ich nicht um Gnade und Vergebung ges B2 - 20 fleht. Siehe, barmherziger Heiland, barum will ich keine mehr verschweigen und für mich behalten, sondern sie alle Dir nennen, meinen Geiz und meine Habsucht, meinen Haß und meinen Neid, meine Hoffart und meine Herrschsucht, meine Wollust und meine Tücke, meine Trägheit und meine Lügenhaftigkeit, meinen Stolz und meinen Ungehorsam( lie ber Beter, füge deine noch nicht genannte Sünde mit Thränen hinzu!) und Dich zitternd und doch in getrofter Zuversicht bitten: Verstoß mich nicht; ach, ob ich schon ein Judas war, siehe ich komme als ein weinender Petrus und sehe Dich gläubig an, faffe Deine durchbohrte Hand und stammle: ,, Erbarme Dich, Erbarme Dich! Gott mein Er barmer über mich!" Amen. Donnerstag. Melod. Jesus, meine Zuversicht. Die ihr Seine Laufbahn lauft, Theure, miterlös'te Brüder! All' auf Chrifti Tod getauft, Alle Seines Leibes Glieder, Kommt, Versöhnte, kommt, erneut Guren Bund der Seligkeit! Nehmet hin und eff't Sein Brot, Jesus Christus ward gegeben Für die Sünder in den Tod, Nehmt und trinkt: ihr trinkt Sein Leben. Hingegeben in den Tod Ward Er, in der Sünder Tod. Matth. 26, 26-28. Da fie aber aßen, nahm Jesus das Brot, dankte und brach es und gab es den Jüngern und sprach: Nehmet, esset: das ist Mein Leib. Und Er nahm den Kelch, und dankte, gab ihnen den und sprach: Trinket alle baraus; das ist mein Blut des neuen Testaments, welches vergossen wird für viele zur Vergebung der Sünden." Das ist das Heiligste, welches je in menschlicher Rede ausgesprochen ist. Ein himmlischer Opfer 21 trank in goldener Schale; uns armen Sündern von der Liebe dargebracht, die bis zum Tode geliebt hat. Wann wurde dies Wort gesprochen? Es war Nacht; das Licht des Tages war verschwunden, dunkle Schatten bedeckten die Erde, eine Nacht war angebrochen, wie sie nie, so lange Licht und Finsterniß wechselt, erschienen- ist, die Nacht, in welcher die Hölle über den Tod des Lebensfürsten brütete und der Teufel in des Verräthers Herz fuhr. In diese Nacht hinein wurde das heilige Wort von den heiligsten Lippen gesprochen:» Nehmet, effet, das ist Mein Leib! nehmet, trinket, das ist Mein Blut!«< und über allen Nächten des Lebens stehet es seitdem wie ein leuchtender Himmelsstern, wie eine heilige Festtagskerze, vor welcher die Finsterniß weicht, der Schmerz flieht und das Leben, selbst unter dem Drucke des bittersten Elends, in himmlischer Verklärung erscheint. O welche Nächte hat dies Wort lieblich und tröstlich erhellt! In schwülen Kummernächten hat es die Sorge zerstreut, das 3agen gestillt und die zerrissene Seele mit dem Frieden Gottes befeligt. In dunklen Bußnächten hat es das schuldbeladene Herz des Sünders entlastet, die blutenden Wunden seiner Seele geheilt, sein weinendes Auge getrocknet, seinen gebeugten Geist aufgerichtet, und ihn davon felig gewiß gemacht, daß er in Christo einen gnädigen und versöhnten Gott habe. In bangen Todesnächten ist es den Sterbenden der einzige Stecken und Stab gewesen, woran sie sich hielten, die letzte Zuflucht, wohin ihre Seele sich wandte, der kräftigste Trost, der sie über die Schrecken des Todes emporhob, die süßeste Labung auf dem Wege zur Ewigkeit, und das köstlichste Pfand, mit welchem sie freudig durch die dunkle Pforte vor den Thron des 22 Richters traten. Zu wem wird das heilige Wort gesprochen:» Nehmet, effet, das ist Mein Leib! nehmet, trinket, das ist Mein Blut?« Blicket hinein in den Kreis, der um die Gnadentafel sich gesammelt hat: es sind arme Leute, die alles verlassen haben und sind Ihm nachgefolgt, den ihre Seele über alles liebt, den sie nöthiger haben, als das tägliche Brot, den sie brünstiger suchen, als der Hirsch das frische Wasser; arme Leute mit bangem Herzen und zagender Seele, trostbedürftig, gnadenhungrig. Ach! und siehe! der Kreis erweitert sich und heran treten Blinde und Lahme und Krüppel, Menschen, von den Landstraßen und Zäunen hereingenöthigt, Kranke, denen kein Arzt helfen, und die kein Kraut heilen kann; Missethäter, welche unter dem Fluche des gebrochenen Gesetzes seufzen; Seelen, welche unter der unerträglichen Last ihrer Schuld daher keuchen; müde Wanderer, welche auf weiten Irrwegen ihr Glück vergebens suchten und nun mit wunden Füßen hieher ihre letzte Zuflucht nehmen; Betrogene, welche die Welt um den Frieden ihres Herzens gebracht und ihnen für flüchtige Wollüste immer brennende Gewissensbisse verkauft hat; Bettler, welche schon vor mancher Thür anklopften und flehten, aber denen keine Hand das Brot reichte, das ihren Hunger stillen, und das Wasser bot, das ihren Durst löschen kann; Weinende, welche zurück schauen auf einen Weg, der mit welken Freudenkränzen bestreut ist und an Grabesstätten vorüberführt, und die nun hier Trost für ihre gebrochenen Herzen suchen und bei dem Blicke auf ein zertrümmertes Lebensglück nach einem unentreißbaren, ewigen Heile sich umsehen; arme Sünder, welche an ihre Brust schlagen und feufzen; Gott sei mir Sünder gnädig! und die dem CON Rufe gefolgt sind:» Kommt her alle, die ihr mühselig und beladen seid, Ich will euch erquicken.« Das ist die verachtete Schaar von Kranken, Bettlern und armen Sündern, zu welchen das Wort ges sprochen wird:» Nehmet, esset, das ist mein Leib! nehmet, trinket, das ist Mein Blut!«<- Wer ist es, der so spricht? Es ist der Herr Jesus, von welchem wir bekennen:» Er ist wahrhaftiger Mensch und Er ist wahrhaftiger Gott!« Er spricht's nicht durch die Jahrtausende zu uns herüber in dieſe Stunde nein! Er ist so gewiß noch jetzt in Seinem Abendmahle gegenwärtig, als Er in jener Stunde gegenwärtig war, wo Er im Kreise Seiner Jünger saß und ihnen das Brot brach und den Kelch segnete. Sein göttliches Herz ist auch jetzt noch die Quelle der Liebe, welche sich in alle bußfertigen und gläubigen Seelen ergießt; Sein heiliger Mund seg= net und heiligt auch heute noch Brot und Wein und spricht:» Das ist Mein Leib! das ist Mein Blut!«< Seine gebenedeiten und allmächtigen Gnadenhände theilen immer noch das heilige Pfand der Liebe aus und Seine Diener sind dabei nur die sichtbaren Werkzeuge, die alles thun auf Seinen Befehl, in Seiner Kraft, in Seiner Liebe; das leibliche Auge sieht sie, das geistliche Auge erblickt Ihn und das gläubige Herz fühlt und erfährt seine beseligende Nähe; es genießt Seinen wahren Leib und Sein wahres Blut zum ewigen Leben. Es gedenkt nicht blos des abwesenden, es umfaßt den gegen= wärtigen Jesum, es umfaßt Ihn viel inniger noch, als Simeon, da Er auf Seinen Armen ruhete, als jene Sünderin, da sie Seine Füße küssete und Sein Haupt falbte; es tritt mit Shm die allerinnigste Verbindung, wie die Rebe zum Weinstock, wie das - 23 - 24 Glied zum Haupte, wie der Leib zur Seele; und während Er spricht:» das ist Mein Leib! das ist Mein Blut!« und Brot und Wein darreichet, durchdringen die Kräfte Seines Lebens die anbetende, zitternde Seele, und erfüllt der Trost seines Leidens und Sterbens das nach Ihm verlangende Herz. Er, der Allgegenwärtige, spricht:» Nehmet, effet, das ist Mein Leib, nehmet, trinket, das ist Mein Blut.<< Weßhalb spricht Er so? O meine Seele! ebenso wenig, als wir den Himmel ausmessen, die Erde umspannen, das Meer erschöpfen können, ebenso wenig können wir die Liebe und Gnade verstehen, die der Herr Jesus uns armen Sündern widers fahren läßt.»> Nehmet, effet, das ist Mein Leib; nehmet, trinket alle daraus, das ist Mein Blut des neuen Testaments, welches vergossen wird für viele zur Vergebung der Sünden.« Vergebung der Sünden! das umfaßt alles, was Seliges und Köstliches genannt werden kann; wo Vergebung der Sünden ist, da ist Leben und Seligkeit; wer Vergebung der Sünden hat, der hat den Himmel auf Erden schon; Vergebung der Sünden ist alles Heils Anfang, Mittel und Ende, und an Seinem Gnadentische empfangen wir Vergebung der Sünden. Hier werden Missethäter, über welche Moses schon den Stab gebrochen, begnadigt; hier werden Gefangene losgekauft und Gefesselte ihrer Banden entledigt; hier werden Bettler mit reichen Gütern beschenkt, Hungernde mit Himmelsmanna gespeiset, Dürstende mit dem Wasser des Lebens gelabt; hier werden Unglückliche über ihr Mißgeschick völlig getröstet, und Herzen, welche jahrelang aus tiefen Wunden bluteten, gehen geheilt von dannen; hier durchdringt die Müden neue Kraft, matte Hände fühlen sich gestärkt und 25 strauchelnde Kniee erquickt; hier wischt eine unsichtbare Gnadenhand die Thräne aus dem Auge des Weinenden und mancher Kämpfer Christi, der schon erliegen wollte, siehet über sich die trüben Wolken sich theilen und eine Krone glänzen, bei deren Unblick er die Waffen ergreift, um mit neu erfrischtem Muthe in den alten Streit zu ziehen; hier weicht mit der einen großen Sorge um das Heil der Seele und die Vergebung der Sünden das ganze Heer aller kleinen Sorgen des Lebens, denn der Herr, der das Größeste für mich gethan hat, der wird auch das Kleine nicht versäumen; hier sonnet sich die Seele in dem Scheine einer Gnade, deren Geheimniß selbst den Engeln unerforschlich ist; hier ergießen sich über sie die Ströme einer Liebe, welche würdig zu preisen die Ewigkeit nicht lang genug ist; hier heißt es:» Was ist's, o Jesu, das ich nicht an Deiner Liebe habe? Sie ist mein Stern, mein Sonnenlicht, mein Quell, da ich mich labe; mein füßer Wein, mein Himmelsbrot, mein Kleid vor Gottes Throne, meine Krone, mein Schuß in aller Noth, mein Haus, darin ich wohne.« Gebet. D Du liebreichster Herr Jesu! Auch für mich haft Du Deine Gnadentafel bereitet, auch für mich bist Du gestorben, auch für mich ist Dein Leib gebrochen, ist Dein Blut geflossen, auch zu mir willst Du sprechen: ,, Nehmet, effet, das ist Mein Leib; nehmet, trinket, das ist Mein Blut;" auch mich ladest Du ein: Komm du Mühseliger und Beladener, Ich will dich erquicken!" Ja Du willst meine Wunden heilen, meine Sorgen beschwichtigen, meine Angst stillen, deinen Frieden mir in die Seele ausgießen, Deine Gnadengaben mir darreichen, mit den Kräften des ewigen Lebens mein Herz erfüllen. D Herr, ich habe keine Worte, Deine Barmherzigkeit und Gnade zu preisen; aber ich folge 26 FF der Stimme meines Heilandes, die auch mich ruft, ich schließe mich an die Schaaren, welche in dieser heiligen Passtonszeit um Dein Nachtmahl sich sammeln; ich komme als ein armer Gast, o Herr, zu Deinem Tische, den Du für mich bereitet haft, daß er mein Herz erfrische." Siehe, o Jesu! ich bin der Kranke, dessen Schaden niemand heilen kann; ich bin der Missethäter, der unter dem Fluche des gebrochenen Gesetzes seufzt; ich bin die arme Seele, welche unter der Laft ihrer Schuld daherkeucht; ich bin der Betrogene, den Welt und Sünde um den Frieden seines Herzens gebracht hat; ich bin der Bettler, welcher überall angeklopft, aber keinen gefunden hat, der sein Verlangen gestillt hätte; ich bin der Verirrte, der Heimathlose, der überall sein Glück vergebens suchte, der verlorne Sohn bin ich, der in der Wüste an Träbern sich sättigte. So arm, so elend, so verlassen komme ich zu Dir, mein Heiland und Erlöser, denn ich weiß, Du kannst mir helfen, bei Dir wohnet Erbarmen, und Du haft gesagt: Wer zu Mir kommt, den will Ich nicht hinausstoßen." Bereite Du selbst mich vor auf die heilige Stunde, worin ich Deinen Leib essen und Dein Blut trinken werde in diesen gesegneten Wochen; laß mich im festen Glauben Dein Verdienst ergreifen und in der Vereinigung mit Dir der Vergebung meiner Sünden und des ewigen Lebens gewiß werden. Amen. 11 Freitag. Melod. Mach's mit mir, Gott, nach Deiner Güt'. Herr Jesu, habe Acht auf mich Und laß in meinem Leben Mich immer auch, mein Herr, auf Dich Und auf mich Achtung geben! Vor des Versuchers List und Macht Schüß' mich, so bin ich wohl bedacht. Herr Jesu, der Du überall, Wie wir, Versuchung littest, Und, wenn ich in Versuchung fall', Für mich beim Vater bittest, Hab' in Versuchung auf mich Acht, Hilf mir heraus mit Deiner Macht. Vergieb, daß ich nicht immerfort Auf meiner Hut geblieben, Univ.- Bibl. Glessen Daß ich den Feind mit Gottes Wort Nicht von mir weggetrieben, Nicht an Dein Vorbild stets gedacht: Herr! hab' auf mich in Gnaden Acht! Weg Satan! hebe Dich von mir! Ich bin todt und gestorben Der Welt, der Sünd', der Luft und Dir; Durch Christi Blut erworben, Leb' ich Ihm, bis mein Lauf vollbracht, Und bete: Herr, hab' auf mich Acht! 27 Luc. 22, 31. 32. al " Der Herr aber sprach: Simon, Simon, stehe, der Satanas hat euer begehret, daß er euch möchte sichten, wie den Waizen. Ich aber habe für dich gebeten, daß dein Glaube nicht aufhöre. Und wenn du dermaleins dich bekehrest, so stärke deine Brüder." Du klagst über dürre Zeiten in deinem geistlichen Leben und bist traurig, daß du oft ein ſo schwaches Gefühl von der Gnade des Heilandes in deinem Herzen hast, so wenig von der Freudigkeit der Kinder Gottes spürst, und daß der Herr dir ſo ferne zu sein scheint. Du könntest fast zweifeln, ob du auch in dem Stande eines Erwählten dich befindest. Laß dich das nicht verdrießen, mein lieber Christ. Es ist dies auch Gnade. Solche Zeiten müssen kommen. Unter den sieben Wochentagen ist nur ein Sabbath und im Laufe des ganzen Jahres giebt es eben nicht viel Stunden, worin wir einen ganz blauen, reinen Himmel über uns haben. Es kann nicht immer sabbathlich und festlich in unserer Seele aussehen. Wir dürfen über das Hallelujajauchzen den Seufzer nicht verlernen:» Herr, erbarme Dich meiner!« Solche Feststimmungen und Gnadenstunden, wie sie wohl je und je dem Christen geschenkt werden, wo es heißt:» Das Herz geht mir 28 in Sprüngen, ich kann nicht traurig sein,« möchten uns leicht zur Sicherheit verführen, wenn sie nicht mit Zeiten wechselten, wo uns wieder alles Gefühl der Gnade genommen ist, und der Herr hinter einer dunklen Wolke steht. Gerade in solchen festlichen Gnadenzeiten haben wir mehr, als je, Ursach zu wachen und zu beten, denn der Versucher steht vor der Thür und oft folgt ein tiefer Fall unmittelbar auf eine selige Thaborstunde. So eben war die Feier des Abendmahls vorüber, und noch saßen die Jünger an dem Tische um den Herrn her, als Jesus warnte:» Simeon, Simeon, siehe, der Satanas hat euer begehret, daß er euch möchte sichten, wie den Waizen.« Und wir wissen, welche traurige Erfahrungen Petrus an seinem Herzen machte, wie leicht der Satan ihn überwand, wie tief er fiel. Dennoch aber war seine Sünde keine Sünde zum Tode. Der grundgütige Heiland fügte zu seiner Warnung ſogleich das Troftwort:» Sch aber habe für dich ge= beten, daß dein Glaube nicht aufhöre.« Was wäre aus dem armen Petrus geworden, hätte nicht die Kraft dieses Gebetes ihn von dem Verderben erlöset? Ach! und was wäre aus mir geworden und wohin wäre ich gerathen, wie oft wäre ich Dir aus Deinen Gnadenarmen gefallen, wie fern stände ich Deinem Heile, auf welchen Irrwegen hätte ich mich verloren, in welche Tiefen wäre ich hinabgesunken, wie verschlossen wäre mir der Himmel, wie unausweichbar die Hölle: hätte Deine kräftige Fürbitte, o mein ewiger Hoherpriester, mich nicht bei dem Vater vertreten, mich nicht so oft wieder vom Falle aufgerichtet, mich nicht so oft wieder der Sünde und dem Satan, die schon ihr Opfer verschlingen wollten, entrissen. Nun! wer so etwas an sich selbst er= 29 fahren hat, der versteht den Auftrag, welcher dem Jünger ertheilt wird:» Wenn du dermaleinst dich bekehrest, so stärke deine Brüder.«< Wer den Betrug der Sünde an sich selbst kennen gelernt hat, der ist recht geschickt, andere davor zu warnen; wer den Fammer und das Elend eines armen Sünders in seiner eigenen Brust trug, der fühlt das innigste Mitleiden, wenn er einer unter der Last ihrer Sünden seufzenden Seele begegnet; wer in tiefer Noth zum Herrn gerufen hat und von Ihm erhöret ist, der weiß auch andere mit der Gnade zu trösten, womit der Heiland sich seiner erbarmt hat. Gebet. O Herr Jesu! mein Heiland! ich bitte nicht, daß Du mir dies oder das thust; soll ich jauchzen im seligen Ges fühle Deiner Gnade, soll ich seufzen nach dem erquicklichen Segen Deines geistlichen Trostes, Du weißt es am besten, was meiner Seele frommt. Nur Eins, o Herr, versage meiner armen Seele nicht, gieb nicht zu, daß Sünde und Welt mich aus Deiner Hand reißen, bewahre mich in Deiner Gnade, laß meinen Glauben nicht aufhören! Vertritt mich, o Du ewiger Hoherpriester, mit Deiner be ständigen und kräftigen Fürbitte, daß ich bestehen möge gegen alle Anläufe des Teufels und daß ich in allen Vers suchungen den Sieg behalte. O Herr! Du hast Dich meis ner erbarmt, als Du mich in meinem Blute liegen sahest, Du hast mich erhöret, als ich Verlorner rief: Herr Jesu, erbarme Dich meiner! Das laß mich nie vergessen, das mit ich in dankbarer Liebe mich meines Nächsten erbarme, wie Du Dich meiner erbarmet hast, und dem armen Sünder wieder zurecht helfe mit sanftmüthigem Geiste, wie Du mir geholfen haft. Dazu verleihe mir Deinen Segen um Deiner erbarmenden Liebe willen. Amen. 30 and Sonnabend. Melod. D Gott, Du frommer Gott. Mein Jesus ruft mich Und heißt mich, mit Shm ziehen, Durch Arbeit und durch Kreuz Mich mit Ihm zu bemühen; Ach ja! ich ziehe mit; Mein Jesu, geh' voran, Daß ich durch Deine Kraft Dir freudig folgen kann. Mein Jesus ziehet hin, 3u leiden und zu sterben, Und mir durch Seinen Tod Das Leben zu erwerben; Wohlan, ich sterbe mit Auf Dein Verdienst und Tod; Ach Jesu! hilf Du mir Aus meiner letzten Noth. Auf, auf! ihr Christen, auf! Laßt uns gesammt mit ziehen; Der Herr geht uns voran, Was wollen wir denn fliehen? Er lebt, stirbt; folget nach, Weicht nicht von Seinem Tritt! Wo Er bleibt, bleibet auch, Sa lebt und sterbet mit. Matth. 26, 30. Joh. 18, 1. " Da sie den Lobgefang gesprochen hatten, ging Jesus hinaus über den Bach Kidron; da war ein Garten, darein ging Jesus und Seine Jünger." Nun beginnt das Leiden meines Erlösers. Alle Vorbereitungen dazu sind getroffen. Er ist von der Hand der Liebe gesalbt, das Nachtmahl ist eingesetzt, die letzten Aufträge sind den Jüngern ertheilt, die letzten Worte der Liebe und Zärtlichkeit sind geredet, der Verräther ist hinausgegangen in die düstre Nacht; Jesus erhebt sich, um den Händen Seiner Feinde sich zu überliefern. Aber ehe Er in Marter und Kreuzesnoth geht, strömt ein Lobgesang von 31 seinen Lippen. In dieser Stunde ein Lobgesang? Ja, meine Seele, und auch du mußt in deinen Leiden Gott preisen lernen und ausrufen:» Wenn mich der Herr gleich tödten wollte, so will ich doch auf Ihn hoffen!« Es ist eine falsche Meinung, daß Singen und Leiden sich nicht mit einander vertragen sollten; es heißt vielmehr:» Wenn ich in Nöthen bet' und sing', so wird mein Herz recht guter Ding.« Das ist gerade der Triumph unseres Glaubens an Jesum, daß er uns ein Herz giebt, welches in Noth und Tod unserm Gotte lobsingen kann. Als Jesus den Lobgesang gesprochen hatte, ging Er hinaus über den Bach Kidron an den Delberg. Er verließ Jerusalem nicht blos mit dem Leibe, sondern auch mit seiner Gnade; Er ließ ein Aas hinter sich, um welches die Adler sich sammeln werden, eine Stätte des Verderbens. O meine Seele! siehe wohl zu, daß dein Heiland mit Seiner Gnade nicht auch von dir weiche; mache dich los von allen Sünden, welche dich in solche Gefahr stürzen, und einen so unersetzlichen Verlust dir zuziehen könnten; höre nicht auf mit brennendem Eifer zu rufen:» Uch bleib mit Deiner Gnade bei uns, Herr Jesu Christ! daß uns hinfort nicht schade des bösen Feindes List.« Haft du die Gnade des Herrn verloren, so hast du alles verloren; Dein Name ist ausgelöscht in dem Buche des Lebens; das Blut Jesu, statt dir Trost zu ge= währen, schreit wider dich; Christus hat aufgehört für dich zu beten; der heilige Geist ist von dir gewichen, so daß du keine gute Regung, keinen tröstlichen Gedanken in deinem öden Herzen mehr spürst; mit dem Heilande ist das Heil von dir genommen, und du bist ein Kind des Verderbens geworden.- » Jesus ging hinaus über den Bach Kidron an den - 32 Delberg.« Der Name Kidron bedeutet:» der Düstre;« und wahrlich es war ein düstrer, rauher und schauerlicher Weg, den der Herr in dieser dunklen Schreckensnacht wanderte. Es war der Weg, welcher ihn an den Ort führte, wo Er seufzte:» Meine Seele ist betrübt bis in den Tod,« wo Er im heißen Kampfe um unsere Seele Schweiß vergoß, wie Blutstropfen, die auf die Erde fielen, wo Er in schrecklicher Seelenangst rang und flehte:» Mein Vater, ist es möglich, so gehe dieser Kelch von Mir;« es war der Weg, auf welchem alle Jünger Ihn verließen; Judas Ihn verrieth, Petrus Ihn verleugnete; es war der Weg, auf welchem Schrecken an Schrecken sich reihten, auf welchem der glühendste Haß Ihn verfolgte, der bitterste Spott Ihn verhöhnte, die gefühlloseste Rohheit und Grausamkeit Ihn mißhandelte, auf welchem es der Hölle vergönnt war, die volle Schale aller ihrer Folterqualen über Ihn auszugießen; es war der Weg, welcher auf Golgatha am Kreuze sein blutiges Ziel und Ende fand. Wenn wir nun den Herrn seinen dunklen Leidensweg dahin wandeln sehen, wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird, so sollen wir daran gedenken, daß Er den Seinen zuruft:» Wer mir nachfolgen will, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge Mir.« Wie unser Herr und Meister, müssen auch mir durch viel Leiden und Anfechtungen gehen. Abraham mußte nach Moria, Joseph ward von seinen Brüdern verkauft und schmachtete lange in Banden und Gefängniß, David ward von Saul verfolgt, Daniel in die Löwengrube geworfen, und die drei Männer in den Feuerofen. Alle Kinder Gottes müssen auf manchen rauhen, dunklen Trübfalswegen dahin ziehen. Das aber sollen wir 33 wissen, der Herr ist auf solchen Pfaden bei uns und im finstern Thale unser Stecken und Stab, Er führt uns, ob auch wunderlich, dennoch seliglich; hinter der Wüste liegt Kanaan, hinter Golgatha der Berg der Himmelfahrt, aus der Finsterniß geht es zum Lichte, und an Jesu selbst haben wir das leuchtende Erempel, daß Gottes Wege doch zuletzt nichts anderes, als lauter Güte und Wahrheit sind. Gebet. 11 Barmherziger Gott- und Heiland! Die erste Woche der heiligen Passionszeit gehet zu Ende, und ich stehe, wie schon manchmal, mit dem Gebete vor Dir: Was ich gelebet hab', das decke zu, was ich noch leben soll, regiere Du." Wie betrübt ich bin im Blicke auf meine Sünde, eben so fröhlich ist mein Herz im Blicke auf Deine Gnade. Meine Seele erhebt den Herrn, gelobt sei Er! und mein Geist freuet sich Gottes, meines Heilandes. Für alle Erbarmungen dieser Woche, für den Schuß, den ich und die Meinen erfahren, für die Barmherzigkeit, womit Du mich armen Sünder getragen, für die Leiden und Schmerzen, welche Du mir gesendet, für den Segen, welchen ich in der Betrachtung Deiner Passion gefunden, sage ich Dir Lob und Preis. Du hast es gern, daß wir zu Dir kommen mit Bitten und Flehen; Du hörst es noch lieber, wenn wir Dich loben und Dir danken. O gieb mir ein Herz, das allezeit Dich zu loben und zu preisen sich gedrungen fühlt, das auch in Trübsalstagen und Kummernächten noch von Deiner Gnade zu rühmen weiß. Ja! diese Gnade, dieses unaussprechlich theure Gut erhalte mir. Thue mir, was Du willst, führe mich, wie Du willst, bleibe nur bei mir mit Deiner Gnade; Herr! gehe nicht von mir hinaus. Ich weiß nicht, was Du über mich beschlossen haft, aber soll ich durch Finsternisse wandeln, so laß mich nur Dein Licht sehen, damit ich im Scheine dieses Lichtes fröhlich sein könne; soll ich, wie Du, unter dem Kreuze dahin gehen, so sei Du mir nur nahe, damit ich in Deinem Anblicke den Trost finde, der mächtiger ist, als alle Noth; soll ich, Die heil. Passion. CS 34 wie Du, mit Welt, Sünde und Satan kämpfen, so gehe Du nur voran, Du mächtiger Held und großer Fürst! und decke mich mit Deinem Schilde und laß mich Theil nehmen an Deinem Siege; soll ich sterben, o so sei nur Dein Tod mein Leben und Dein Kreuz in meinem letzten Stündlein meines brechenden Herzens seliger Trost. Amen. $ 20 C 569 Bi ello 18 0 Hode ning wo 300 8 62 ml bus and mphibim id ad como oxious put noful bind billet 12 lot commot for mid lid#C 12 mens 08:00 in OMC, met 0. 3 weite Woche. ( Von Invocavit bis Reminiscere.) Jesus in Gethsemane. Sonntag. Melod. Herr und Aelt'ster Deiner. Für uns ging mein Herr in Todesnöthen In den Garten dort hinein, Wo wir Ihn hör'n weinend für uns beten Auch um unser Seligsein; Für uns überfiel Ihn Todesschauer; Unser Heil ward Seiner Seele sauer; Für uns ist Er im Gebet Bald erblasset, bald erröth't. 015 201 Für uns ward vor Angst Sein Schweiß und Chränen Mit Bis ein Engel Gott's in Seinem Stöhnen Sein geangstigt Herz erfrischt; Für uns zitterte Sein Leib im Büßen, Und Sein Auge schwoll von Thränengüssen, Ja Sein ganzes Angesicht Ward zum Jammer zugericht't. and amb du Für uns litt Er solchen Hohn und Schläge, Die man nicht beschreiben kann; Unser Herz wird weich, die Seele rege: Seh't nur Seinen Rücken an; Seh't die Stirne, die noch naß vom Büßen, Wird noch erst mit Dornen wundgeriffen. Seines Hauptes Schmerz und Pein Dringet uns durch Mark und Bein. sipe 356 88 € 2 Ng mach 6139 scratc doon 5613 otang 36 Matth. 26, 36. 37. 38. Da fam Jesus mit ihnen zu einem Hofe, der hieß Gethsemane, und sprach zu Seinen Jüngern: Seßet euch hier, bis daß Ich dort hingehe und bete. Und nahm zu sich Petrum und die zween Söhne Zebedai und fing an zu trauern und zu zagen. Da sprach Jesus zu ihnen: Meine Seele ist betrübt bis an den Tod." Wohin wanderst Du, Einziggeliebter! in finsterer Nacht? Wohin führst Du die schweigenden Freunde? Du ahnest die Martern alle, die Deiner zu Jerusalem warten, willst Du ihnen etwa entfliehen? Du durchschautest die Bewegungen der listigen Feinde, willst Du ihren Händen Dich entziehen? willst Du Deinem Leiden entweichen? Noch hat Ihn die Nacht nicht überfallen, da niemand wirken kann, noch wandelt Er als am Tage; Er geht mit klarem Blicke, festem Schritte, fröhlichem Muthe in Sein Leiden, Er geht die Welt zu erlösen, überschreitet den Bach Kidron, ersteigt den Delberg und betritt den Garten Gethsemane. Hier beginnt Er Sein großes Leidens- und Erlösungs werk. Er beginnt es mit Gebete aber in diesem Garten, dessen Name» Delkelter« bedeutet, als Hinweisung auf den Himmels- und Wundbalsam für uns, der dort aus Ihm gepreßt ward, hier wartet nicht auf Ihn, wie du meinest, eine stille Betstunde, nein, ach nein! hier wartet Seiner Qual und Angst, größer als Er's klagen, mehr als wir's Shm nachempfinden können. Wir zittern, indem wir Ihm Ein Garten nachblicken in diesen»> Keltergarten.<< ists.- Ein Garten war's, in welchem der erste Adam einst so selig war und dann durch seinen Sündenfall die Schale des göttlichen Zornes über die ganze Erde und all ihre Geschlechter und Zeiten her 37 abriß; ein Garten ists auch, in welchen der zweite Adam eilet, um als ein zertretener und zerquetschter Wurm ein Versöhner aller zu werden und die Zornschale zu ergreifen und sie an Seiner Brüder Statt auszutrinken bis auf den letzten bittersten Tropfen. Hieher führt Er die Freunde und spricht:» Setzet euch hin, bis daß Ich dort hingehe und bete.« Die lieben Freunde läßt Er warten an der Thür, Er spart ihnen den Anblick Seiner unbegrenzten Seelenpein; Petrum, Johannem und Jacobum allein nimmt Er mit Sich in den Garten. Diese drei, die einst Seine Verklärung auf dem Tabor und mit ihr den Anfang Seiner Herrlichkeit gesehen, durften auch den Anfang Seiner tiefen Schmach und Seiner Leiden, Sein Zittern und Sein Zagen schauen. Aber auch von ihnen riß Er Sich los, so berichtet Lucas, und wankte bei eines Steinwurfs Entfernung tiefer in den dunkeln Schatten des Gartens.» Er riß Sich los von ihnen.«<- wie so eng und innig ist doch Dein Herz, o Heiland, mit den Herzen Deiner Freunde verbunden! Du mußtest Dir Gewalt anthun, Dich von den Geliebten toszuwinden, um nur ein einsam stilles Betstündlein für Dich zu gewinnen. Du versäumest Dich fast selbst, damit Deine Jünger nur noch einige Augenblicke Deine Nähe ge= nießen können. O schließe daraus, meine Seele, wie unermeßlich die Liebe Gottes gegen uns Menschen sei, wenn der Sohn Gottes selbst in den Stunden solcher Nöthe doch mehr Sein Lieben fühlt, als Sein Leiden! Da wankt Er hin mit Seiner Lieb' und Seiner Angst im Herzen» und fing an zu trauern und zu zagen.« Schon den Anfang Seiner Leiden erträgt Sein Körper kaum! O Jesu, Mittler und Versöhner! wie groß ist meine Schuld und Last! 38 S Fast kann Er den ersehnten stillen Betort im dunkeln Laubgange des Gartens nicht erreichen. Angst stürmt durch Seine Seele. Todesblässe überzieht Sein sonst so klares Friedensangesicht. Des Auges Glanz, sonst Majestät und Menschenliebe strahlend, ist erloschen. Todesschauer stürzen durch Seine Glieder. Er zieht sich wie ein zertretener Wurm zusammen und stöhnt:» Meine Seele ist betrübt bis an den Tod!« Wie einem Sterbenden zu Muthe ist, wenn alle Bande sich lösen und das leibliche Leben zusammenbricht, und kein Wort mehr, nur das tiefe Angstgeslöhn der letzten Seufzer den furchtbaren innern Kampf nicht beschreibt, sondern nur ahnen läßt: so war Seine Seele betrübt! Woher Ihm jetzt diese Angst und Trauer? Hatte Er nicht eben noch mit so viel Freudigkeit von Seinem Hingange geredet? Hatte Er nicht eben so still und ruhig zu den Freunden gesprochen? sie getröstet, ermahnt, gewarnt so väterlich, so umsichtig ihnen gesagt, was einem jeden Noth war? wußte Ers nicht, daß der Heilige Gottes die Verwesung nicht sehen werde? Hatte Er nicht den Himmel vor Sich und den ewigen Thron der Herrlichkeit zu Seines Vaters Rechten? Konnte Er, der so gewiß der ewigen Majestät und Verklärung' entgegenzog, der so freiwillig in das Leiden ging, der so getrost und fest den Delberg erstieg und der so muthig unmittelbar nachher Sein königliches:» Ich bins!« den Schergen entgegenruft und Sich ihren Händen überliefert, konnte Er jetzt von gemeiner Todesfurcht Sich übermannen lassen? Nimmermehr! Aber wann ergreifen die Schrecken des Todes uns am fühlbarsten? Ist es nicht dann, wenn das schlafende Gewissen in uns erwacht, und unserer Sünden Größe und Menge vor unsere ge= - 39 ängstete Seele stellt? Aber Jesus war ohne Sünde! Warum umgaben Ihn des Todes Schrecken? Ach es ist fremde Schuld, die auf Ihm ruht! Der, welcher von keiner Sünde wußte, ist für uns zur Sünde gemacht, auf daß wir würden in Ihm die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt( 2 Cor. 5, 21.); die Strafe liegt auf Ihm, auf daß wir Frieden hätten! Der Gerechte duldet für die Ungerechten; der Heilige steht als unser Stellvertreter vor den Schranken des göttlichen Gerichts und wird an unsrer Statt betrübt bis an den Tod. Siehe! es schauete der Allwissende, der ja wußte, was im Menschen war, in die Abscheulichkeit und in die Menge aller Sünden des ganzen Menschengeschlechtes hinein. Der Jammer, in welchem die Welt lag, die Mißgestaltungen aller Seelen, die furchtbaren Folgen des unaufhörlichen Sündigens, die Gräuel des ganzen Erbodens,- das alles, welch ein Unblick muß für Gottes Augen das sein! Aber es noch dazu als Mittler sehen und diese Heere von schmutzigen, häßlichen, widerwärtigen Sünden Sich als Seine eignen Missethaten zurechnen lassen, und dabei das ganze Gewicht des göttlichen Zornes, den Widerwillen Seines himmlischen Vaters und den Grimm des Ulleinheiligen und Gerechten empfinden, was muß das für ein Leiden sein! und wie schauert bei solchen Betrachtungen der Seufzer des theuern Mittlers durch unsre Brust:» Meine Seele ist betrübt bis an den Tod!« o 502 - Gebet. Ja durchbebe mich mit Deinem Seufzer, Du lieber Heiland meiner Seele! und lehre mich aus Deiner grenzenlosen Angst auf meine grenzenlosen Schulden schließen. Laß mich ahnen, was es sei, vor Gott als ein Verworfes ( 40 ner bazustehen; laß mich fühlen, mit welcher Liebe Dut mich armen Sünder trägst, wenn Du zu allen Deinen Höl lenqualen auch die noch auf Dich nimmst, die ich Dir bes reitet, wenn Deine vor Angst zitternde Hand auch auf mich armen Wurm weiset, und Du zu jeder meiner Sünden und Missethaten sprichst: auch diese ist nun Mein, Ich will für sie ausstehen, was sie verdient! Und so hast Du's gethan, als Deine Seele betrübt war bis in den Tod, als Dein Vater nun Dein Richter ward, als er Dich seinen heiligen Zorn fühlen ließ und mit Dir, o Einziggeliebter! härter redete, als mit Adam unter den Bäumen. O laß mich, der Du mein Herr bist und zugleich mir ein rettender Diener, mein Richter und zugleich für mich angeklagt und verurtheilt, mein Gott und zugleich das für mich gemarterte Opfer,- o laß mich niederfallen vor Dir in dies fer Stunde und um meine Sünde weinen und um Dich weinen, daß Du für mich so gequält wardst;- laß mich aber auch in die Höhe sehen und einen Himmel voll Huld und Seligkeit in der Finsterniß Deiner tiefbetrübten Seele für mich erblicken, lehr' mich hoffen, daß Deine Angst mei ner armen Seele heilsam ward, mich fühnlich glauben, daß Du für mich, für mich und meine Sünden im Gerichte warst und sie allzumal gefühnet haft. Dlaß mich nun erzittern vor mir selbst, der ich Dich in solche Angststunde gebracht, erzittern vor der Sünde, wenn sie mir nahe kommt, und in Dein Klaggeschrei recht brünstig mein Danklied mischen! di um and 33150 391 diviso i Nun ich danke Dir von Herzen, Jesu, für gesammte Noth. an Für die Wunden, für die Schmerzen, Für den herben, bittern Tod, Für Dein Zittern, für Dein Zagen, Für Dein tausendfaches Plagen, Für Dein Ach! und tiefe Pein Laß mich ewig dankbar sein. Amen! 97100 de FC and # 8390 dum aid Montag. Melod. Nun ruhen alle Wälder. Ich sehe Dich mit Beten adell u Dort an den Oelberg treten, SERIA is Herr, der Gebet erhört! samism analind Bin ich zur Andacht träge, So hilf, daß ich erwäge, #pa mjolmg Was mich ein solcher Anblick lehrt, da dim ng mit Two Du kennst mein Unvermögen, Doch hast Du mir dagegen Den Beistand zugedacht, Der meinem schwachen Beten Dutch Helfen und Vertreten 3u Gott den freien Zutritt macht. Ja selbst Dein Blut, Dein Sterben Muß mir den Geist erwerben, Durch den ich: Abba! schrei'. O laß mich einst auch merken, Wie durch Dein inn'res Stärken Sein leßter Seufzer kräftig sei. Ich weiß, in Deinem Namen Ist alles Ja und Amen; Gott hört den, der ihn ehrt, Du haft für mich gerungen; Für mich ist Dir's gelungen; Ich werde nun in Dir erhört. miss smo bilo 41 look 12 sie O be@ juonid Matth. 26, 39. 11 Und ging hin ein wenig und fiel nieder auf Sein Angesicht, betete und sprach: Mein Vater, ist's möglich, so gehe dieser Kelch von Mir, doch nicht wie Ich will, sondern wie Du willst." 503 Was siehest du, mein Herz? Jesum im Keltergarten? Du siehest, wie dein Leben mit dem Tode ringt. O komm, komm! betrachte Ihn recht in heiliger Andacht.-Dir bebt mohl noch das Herz von Seinem Angstgestöhne:» Meine Seele ist betrübt bis an den Tod?« Ach laß es nur erzittern, und weine eine glühende Thräne dazu, denn die Wogen der Angst steigen Ihm immer höher und die fremde Centnerlast, die Er trägt, drückt Ihn immer tiefer in den Abgrund. Er hatte Sich von Seinen Freunden losgerissen und Eich tiefer im nächtlichen Dunkel verborgen. Da zittert Er nun und trauert und zagt, da sinkt Er nun nieder auf die feuchte Erde und ringt und fleht und stöhnt, wie ein zertretener Wurm. Dies ist die Stunde, welche der 42 Apostel meint, wenn er spricht:» Und Er hat in diesen Tagen Seines Fleisches Gebet und Flehen mit starkem Geschrei und Thränen geopfert zu dem, der Ihm konnte von dem Tode aushelfen«( Hebr. 5, 7.). Die Hand des Allgerechten trifft Ihn Schlag auf Schlag. Das Schwert des Richters durchbohrt Ihn tausendfach, die Flüche Ebals stürmen auf Shn nieder, die Blizze Sinais zucken glühend durch Seine Seele, die Donner des Gerichts zermalmen Ihn, und wie der Gipfel Horeb's ist meines Heilands Seele mit schaurig dunkeln Wolken umhüllet. S bittrer, bittrer Kelch, den Du, mein Jesu, trankst! Doch Er reißt Sich empor, bricht durch zu Gott hinauf und fleht:» Mein Vater, ist's möglich, so gehe dieser Kelch von Mir!« Aber warum ist es denn nicht möglich, daß Er erhöret werde? Warum muß Er denn, die eben gethane Bitte gleich wieder zurücknehmend, die andere hinzusehen:» Doch nicht Mein, sondern Dein Wille geschehe? Was ist es denn, daß der Vater den Willen des Sohnes, den er geliebet, ehe der Welt Grund gelegt war, und den er allezeit höret, dies Mal nicht kann thun und erhören?- Ach, welch ein Geschrei aus meines Heilands Munde! Ach der da ringt und wie ein Wurm sich windet, in dieser Stunde ist Er nicht der liebe Sohn, an dem der Vater Wohlgefallen hat, Er ist der Allerverachtetste und Unwertheste, ohne Gestalt und Schöne; ein Missethäter ist Er, dem das Urtheil gesprochen ist, und der von der heiligen Gerechtigkeit das Unmögliche begehrt, wenn Er bittet, daß es Ihm gemildert werde. Un meiner Statt steht Er da; an meiner Statt trägt der Heilige das Urtheil; an meiner Statt bleibt all Sein Rufen ungehört. Sonst hätte ich ewig in den Flammen 43 der Hölle müssen schreien:» Ach nimm diesen Kelch von mir!« und nimmer wäre ich erhöret;» Ich leide Pein in dieser Flamme!« und nimmer wäre ich erlöst;»> Hilf mir aus dieser Noth!« und nimmer wäre mir geholfen worden. Darum mußtest Du, o Jesu, nicht erhört werden, damit, wenn ich nun bete, ich die Erhörung fände. Nun heißts von meinem Beten nicht mehr:» Ssts möglich; wo aber nicht, so bleibe es unerhört,« nun heißts vielmehr mit vollem Kindesrechte:» Wahrlich, wahrlich! ſo ihr den Vater etwas bitten werdet, so wird Er's euch geben! Alles, was ihr bitten werdet in eurem Gebete, glaubet nur, daß ihrs empfangen werdet, so wirds euch werden; alles, was ihr bittet, will Ich thun!« Und mit Recht hat wohl ein frommer Lehrer gesagt:» Jesus hat ein Loch in den eisernen Himmel gebetet.<< Nun kann ich beten, will ich beten, will viel, will nun um alles bitten; und das Größeste und Höchste soll mich nicht mehr furchtsam und blöde machen. Ich poche nun auf meines Heilands Bitte im Keltergarten, ich halte es meinem Vater im Himmel kühnlich vor, daß Sein Sohn nicht ist erhöret worden, damit ich erhöret werde; ich steife mich allein auf Sein Verdienst, und Sein Name ist meine Zuversicht, dadurch ich Sünder den Himmel überwinde. Im Vertrauen auf diesen Namen trete ich ein; und wenn mich selbst ein Engel fragen wollte:» Wo kommst du her, du Unreiner? was willst du, verderbte Asche, an dem Throne, zu dem wir Seraphinen nur mit verdecktem Untlig treten dürfen?« so würde ich ihm kühnlich antworten: »> Heiliger Engel! ich böser ynheiliger Mensch habe einen Erlöser, der für mich gebetet und starkes Geschrei und Thränen für mich geopfert hat, ja der - - AL es mir mit einem Eide befohlen und zugesagt hat, daß ich in Seinem Namen beten und alles erhalten soll. Ich Erd' und Asche komme nicht in meinem, ich komme in eines Bessern Namen, in dessen Namen, dem alle Gewalt im Himmel und auf Erden gegeben ist. Darum werde ich wohl zu dem Throne Gottes treten dürfen.«< So kühn und freudig bin ich in meinem Gebete, aber ich vergesse dabei der Demuth nicht. Liegt der im Staube, der der Herr ist über alles; wo soll ich, Unwürdiger, einen Ort finden, verachtet genug, um meine Kniee darauf zu beugen? Wenn ich aber keinen fände auf Erden, so soll wenigstens mein Herze zerschlagen sein, mein Sinn gebeugt, demüthig und gebrochen meine Seele. Ich will nicht stolz sein auf mein Recht, mit Gott zu reden, will Ihm alles überlassen, nichts vorschreiben. Das süße Wort:» Nicht wie ich will, sondern wie Du willst,« soll all mein Bitten schließen und das soll all meines Betens seligster Gewinn und schönste Freude sein, wenn ich Deinen Willen, mein Gott und Vater, merke. In diesem Sinne nun will ich oftmals knieen und niederfallen, und niemals fürchten, daß ich Gottes Ohr ermüde; mein Jesus hat es mit Seinem Angst- und Thränenopfer mir für immer aufgeschlossen. Ich will mich ge= trost in meines Vaters Schooß versenken und alles, was mich drückt und plagt, Ihm an das Herze geben, und nicht von dannen gehen, bis daß ich aufstehen und sagen kann:» Ich habe Gott gesehn, und bin bei Ihm gewesen, und Er hat mich, Sein Kind, erhöret.«< So sei denn mir immer gesegnet, du mein stilles Kämmerlein und mein Kirchstuhl, da ich gerne weile und das Herz mir fröhlich bete! Shr, meine Arbeitspläße, Wälder, Feld und Garten, - - 45 ihr sollt mir alle Tempel sein, daß ich da niederfalle und bete. Du, Erde, bist überall dazu ge= weiht, weil Jesus Seine Knie auf deinem Boden beugte. Du, mein Gebet, dringst vor bis zu Gottes Herzen. Ihr, meine Seufzer, seid nun beredte Sprache vor Ihm. Und wüßte ich nicht, was ich beten sollte, und wie sichs gebühret, o so vertritt mich, Gottes Geist, mit unaussprechlichen Seufzern. Gebet. Heil mir! Heil mir! Theurer Heiland, Deine Thränenopfer sind angenommen, Dein starkes Geschrei ist in den Himmel gedrungen, Deine Seufzer haben das Herz des himmlischen Vaters getroffen, Dein Gott ist mein Gott, Dein Vater mein Vater, Du haft mit wundgerungenen Händen die Pforten des Himmels für mich aufgeschlossen, um Deinetwillen wird mein Flehen erhört. Jauchze, meine Seele, nun darf ich mich überwinden, mit Gott zu reden, wiewohl ich Erd' und Asche bin, und bin ich kein verlorner Sohn mehr, sondern aufgethan find mir Vaterschooß und Arme; um Deinetwillen thut nun Gott, was ich bes gehre und hört mein Schreien und hilft mir. O wie soll ich Dir danken, lieber Heiland, daß Du das für mich gethan? Opfer und Brandopfer gefallen Dir nicht; die Opfer, die Dir gefallen, sind ein brünstiger Geist; ein geängstet und zerschlagen Herz wirst Du nicht verachten. Mein Weihrauch, Farren und Widder sind mein Gebet und Lieder. Ich will Dir singen und spielen in meinem Herzen, vom Morgen bis zum Abend will ich Deiner Liebe nicht verges sen, will, wie die Biene an der Blume, an Deinem Worte und Munde hangen, will, wie Jacob, Dich nicht lassen, bis Du mich segneft, will, wie Maria Magdalene, oft zu Deinen Füßen liegen und mit Thränen der Buße und Liebe ste neßen. Von meinem Kindesrechte, mit dem Vater zu reden, will ich nun all mein Lebelang Gebrauch machen, und nicht ablassen, mein Abba! zu schreien. Das Vaterherz ist freundlich gegen mich, nun will ich den himmlischen Vater an jedem Morgen grüßen mit seligem Kindesflehn. Der Vaterschooß ist aufgethan, nun will ich mich jeden Abend mit meinem Gebete still darein legen und in sicherm Univ.- Bisl. Giessen 46 Frieden hier ruhn. Die Vaterhand ist ausgestreckt über mich; nun will ich sie fassen und brünstig halten und mich von ihr getroft führen lassen und Tag für Tag sprechen: " Herr, wie Du willst, so schick's mit mir im Leben und im Sterben." Und wenn ich sollte matt und müde werden und kalt im Eifer des Gebets, dann fasse mich, Jesu Christe, mit Deiner Hand und ziehe mich tief in den Schatten des Delgartens, und laß mich Dich sehen, wie Du da im Staube liegst und beteft, auf daß Deines Betens Gluth mein kaltes Herz aufs Neue entzünde, und Dein Kämpfen und Dein Ringen mich mit Luft und Muth erfülle, zu rufen und zu flehn so anhaltend, treu und andringend, bis Du mit dem Vater und dem Geiste gar Wohnung machst in mir und ewig bei mir bleibest. Amen. 3910 ni nifoldlapton Dienst a g. Mel.: Seelen- Bräutigam. Wer ist wohl, wie Du, sold i Sefu, süße Ruh'! Unter vielen außerkoren, sidhi on Leben derer, die verloren, Nosir Sedlia Und ihr Licht dazu, Jesu, süße Ruh'! spai dil on slogg staff& hill Wecke mich recht auf, Daß ich meinen Lauf Unverrückt zu Dir fortfeße, Und mich nicht in seinem Nege Satan halte auf; Fördre meinen Lauf! Deines Geistes Trieb In die Seele gieb, [ no] Jom les fr Daß ich wachen mög' und beten, Freudig vor Dein Antlig treten; Ungefärbte Lieb' In die Seele gieb! Wenn der Wellen Macht In der trüben Nacht my sadby miens s@ b: Will des Herzens Schifflein decken, Woll'st Du Deine Hand ausstrecken; Habe auf mich Acht, Hüter in der Nacht! meeldis ani armb 47 andsomu dr Matth. 26, 40-44. dumadio Und Er kam zu Seinen Jüngern und fand sie schlafend und sprach zu Betro: Könnt ihr denn nicht Eine Stunde mit Mir wachen? Wachet und betet, daß ihr nicht in Anfechtung fallet. Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach. Zum andern Male ging er wieder hin, betete und sprach: Mein Vater! ists nicht möglich, daß dieser Kelch von Mir gehe, Ich trinke ihn denn, so geschehe Dein Wille. Und er kam und fand sie abermal schlafend und ihre Augen waren voll Schlafs. Und Er ließ fie und betete zum dritten Mal und redete dieſelbigen Worte." Wie träg und schläfrig ist doch der Mensch, wenn er Gott dienen und Gutes thun soll, wie munter und wachsam hingegen, wenn es die Welt und ihre Lüste gilt. Noch immer hat der Herr zu klagen( Jerem. 18, 14.):» Bleibt doch der Schnee länger auf den Steinen im Felde, wenn es vom Libanon herab schneiet; und das Regenwasser verschießt nicht so bald, als Mein Volk Meiner vergiffet;« noch immer hat Er zu seufzen:» Israel, vergiß Mein nicht!« noch immer Jesus zu warnen: » Wachet und betet!« O hast du es gesehen, meine Seele, was Er dort in der Kelter für die Freunde gethan, so siehe nun auch, was die Freunde für Ihn thun. Er krümmt sich dort im Staube, hat Sich unter das hauende Schwert des Gerichts gestellt und fleht:» Mein Vater, ists möglich, so gehe dieſer Kelch von Mir, doch nicht wie Ich will, sondern wie Du willst.<< Nun aber rafft Er Sich auf, Er erhebt Sich und geht zu Seinen drei Freunden. Ists doch, als ob der unendlich Gequälte Trost bei Seinen Süngern, Hilfe bei Menschen suchen wollte, zum ersten Male derer bedürftig, die Seiner immer bedürfen werden und Er findet sie schlafend. S der Du es je erfahren, welch ein Trost es ist in - 48 Leidensstunden, sich von lieben Freunden umgeben zu sehen, wenn sie auch nicht können helfen, wenn nur liebe Hände den Angstschweiß von der Stirne trocknen, der du es je erfahren, wie in den bängsten Stunden die tröstende Ansprache eines Freundes die Seufzer der beklommenen Brust überschreiet, der du es je erfahren, welch ein Schmerz zu allen Schmerzen, wenn ein Glücklicher kalt bei deinem Leide vorübergeht, welch ein tausendfaches Weh, wenn felbst die geliebtesten Freunde fühllos neben deinem Jammer stehn, kalt sind, wenn du glühest, schlafen, wenn du ringst in namenloser Angst- o ahne du es, was dein Heiland fühlen mußte, als Er in dieser Stunde der höchsten Noth die Freunde schlafend fand. Aber Er straft sie nicht ach in dieser Er Stunde lag die Strafe allein auf Ihm! tadelt sie nur leise:» Könnt ihr denn nicht Eine Er warnt nur und Stunde mit Mir wachen?«< mahnt:» Wachet und betet, daß ihr nicht in Anfechtung fallet, der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach!« und reißt sich los und sinkt aufs neue in den Staub. Und abermals rollen des Gerichts Donner daher und entladen sich schrecklich auf Seiner Seele und abermals dringet der Fluch über die Sünde Ihm ans heilige Herz, und abermals liegt Er im Staube und ringt und kämpft und stöhnt: >> Mein Vater ists nicht möglich, daß dieser Kelch Dein Wille von Mir gehe, Sch trinke ihn denn, geschehe!« Dann rafft Er Sich aufs neue empor und sucht bei Seinen Jüngern Trost. Gequälter Heiland! O nun wirst Du sie wohl still und brünftig für Dich flehend auf ihren Angesichtern finden. Der Jammerblick, damit Du vorhin zu ihnen tratest, hat ihnen gewiß das Herz durchbohrt; Dein sanftes 1 - Wort, damit Du sie geweckt, hat sie gewiß zermalmet, kein Donner kann sie so erschüttern, als dieſe Milde, diese Liebe in dieser Stunde es mußte thun; gewiß sie zittern und zagen nun mit Dir, o Herr, mit dem sie bereit ja waren ins Gefängniß und in den Tod zu gehen. Gewiß, da liegen sie und wachen mit Dir und helfen Dir kämpfen und beten für Dich zu Gott! Ach, meine Seele! kennst du dein eigen Fleisch und Blut so schlecht?- Nein, nein! kein Jammerbild konnt' sie durchbohren, kein sanftes Wort ihr Herz zermalmen, keine Jesusliebe hat sie gerührt sie liegen dort und- schlafen. Wie? Petrus schläft, der Felsenmann, auf den der Herr will die Gemeinde bauen, welche auch die Pforten der Hölle nicht sollen überwältigen? Wie? Jacobus schläft, der Donnerssohn? Wie? Johannes schläft, der Jünger, den Jesus lieb hat und der an Seiner Brust voll Liebe ruht? Wie? diese drei, welche der Herr erwählet hat selbst aus der Zahl der Zwölf, sie schlafen, während Jesus mit dem Tode ringt? Sie, die Sein Brot essen, die täg= lich zu Seinen Füßen sigen, und auf welche Lebensworte, wie Himmelsthau, unaufhörlich niederträufen, sie kümmerts nicht, daß Er für sie im Staube liegt? - O weh! wenn das geschieht am grünen Holz, was will am dürren werden! Herr, Herr! wie bös' ist doch des Menschen Herz, wie felsenhart, wie liebeleer, wie untreu und verlogen?! O daß mir dieser Schlaf doch eine Decke um die andre von dem übertünchten Grabe meines Herzens nähme! So schläfrig, öd' und leer, so gerade, so sieht's aus in meinem Herzen. Ich, ich und kein anderer bin ja der immer wieder in Schlaf versinkende Jünger, den Du vergebens stets wecktest. Wohl hat mir einst, wie Die heil. Passion. D - 49 - 50 jenen drei Jüngern, Dein Marterbild recht schmerzlich vor der Seele gestanden, ich habe auch geweint, gebetet um Dich und meine Sünde; aber ob Du auch noch so dringend riefft:» Wachet und betet, daß ihr nicht in Anfechtung fallet,« ob Du auch noch so warnend mahntest:» Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach!« und mir auch noch so deutlich Fleisch und Sünde als drohende, nie entschlafende Feinde vor die Seele stelltest, doch achtete ich die Gefahr nicht so groß und das immer treue Wachen, das Beten ohne Unterlaß für so nöthig nicht. Ich träumte ein wenig den süßlockenden Traum der Erdenlust. Ich spielte ein wenig. Ich lachte ein wenig; vergaß der Verführer in und neben mir; meinte, bis zur Sünde werde es wohl nicht kommen; dachte, wenn du auch nicht immer betest, nicht ims mer furchtsam wachend wie auf glühendem Eisen gehest, wenn du auch zu Zeiten anders wohin, als auf den Herrn deine Augen richtest, das wird ja nicht gleich Schaden bringen. So bin ich in den Schlaf gefallen, das Feuer meiner ersten Liebe ist verloschen, das selige Band der Gemeinschaft mit Dir hat sich nach und nach gelockert, der überschwänglich reiche, segensvolle und erquickliche Umgang mit Dir, o Jesu, in dem ich dazumal so selig war, wie die neu erweckten Galater, ist seltner, lauer geworden! Uch, vergehen müßt' ich nun vor Gram und Furcht, sähe ich Dich nicht büßen meiner Trägheit Schuld in deines Wachens schwerem Kampfe, sähe ich staunend nicht der Langmuth Uebermaaß, wie Du immer wieder und wieder suchst und weckst und warnst die trägen Jünger, und auch dann sie noch nicht läsfest, als verloren alles scheint. Ja, hier staune meine Seele und bete an! hier sinke nieder vor den la sic 51 Wundern solcher Gnade! Hier, o meine Seele, lobe den Herrn, der dein Leben vom Verderben erlöset, der dich krönet mit Gnade und Barmherzigkeit, der dir alle deine Sünden vergiebt, und heilet alle deine Gebrechen, der deinen Mund fröhlich macht, und du wieder jung wirst, wie ein Adler( Ps. 103, 5.). Aber nicht will ich aus diesem überschwänglich reichen Himmelstroste mir ein Ruhepolster zu neuem Schlafe bereiten, davor bewahre Du mich, der niemals schläft und schlummert! Nur meine Trägheit soll mich beugen, mir meinen Unwerth und meine Undankbarkeit vor die Seele bringen. Ich will mich schämen, weinen und um Gnade flehn! Dein Marterbild soll mich mit heil'gem Eifer erfüllen, Dir nachzuthun, was Du in Liebe mir vorgethan. Ich will es ansehn, als trüg' es immer die Ueberschrift:» Das that Ich für dich!«< ich will es anfehn, als fragte es immer mitten in mein Herz hinein:» Was thust du für Mich?«< Gebet. Herr, Herr! mein Heiland und Erlöser! segne mir den Blick in Dein unendliches Leiden; der Du mit dem Tobe ringst und in der Angst und im Gerichte liegst, o hilf Du mir, daß ich der Sünden aller, die Dich so martern und quälen, mich entlebigen könne. Der Du beteft und immer bringender, heftiger betest, laß auch mich in meinem Gebete immer dringender anhalten und meine Hände nicht so bald lässig werden und sinken, sei Du mein Aaron, der sie stüßt und hält. Du, der Du in grenzenloser Noth bist wegen meiner Sünde- o laß auch mich von heilsamer Angst ergriffen sein und mit Furcht und Zittern meine Seligkeit schaffen. Ach scheuche mich auf aus meines Fleisches thörichter und träger Sicherheit und laß Deinen Nothschrei und Dein zagendes Angstgestöhn mich nicht vergeblich vernommen haben; laß mich aufstehn vom Schlafe, auf daß Du mich erleuchten könnest; laß mich wach bleiben, daß 92 52 ich nicht in Anfechtung falle und strauchle beim Nahen ver Feinde; laß mich wandeln, als am Tage, daß Du Deine Fußstapfen, o heiliges Vorbild! nicht vergeblich mir gelassen habest. Siehe! ich eile und komme zu Dir, mein Helfer und mein Heiland, weiß, wie Deine Hülfe mir immer Noth thut, wie ich lässig bin zum Gebete, müde und matt im Glaubenskampfe, schwach und träge zum Guten ohne Deinen kräftigen Beistand. Laß, o laß mich nicht! Ziehe mich näher an Deine Seite, und lehr' mich bis aufs Blut widerstehn. Halt' mich, o halt' mich feft mit starken Liebeshänden, daß ich nicht strauchle und falle und mit meinem Herzen von Dir weiche. Decke mich, o decke mich mit Deinem Gnadenflügel und gieb nicht zu, daß mich etwas aus Deinen Händen reiße. Amen. Mittwoch. Melod. Herzliebster Jesu, was hast Du verbrochen. bi Ach, mein Herr Jesu, wenn ich Dich nicht hätte, Und wenn Dein Blut nicht für die Sünder red'te, Wo sollt ich Aermster unter den Glenden Mich sonst hinwenden? Ich wüßte nicht, wo ich vor Jammer bliebe; Denn wo ist solch ein Herz, wie Deins, voll Liebe? Du, Du bist meine Zuversicht alleine; Sonst weiß ich keine! Luc. 22, 43. 44. Es erschien Ihm aber ein Engel vom Himmel und stärkte Ihn. Und es kam, daß Er mit dem Tode rang, und betete heftiger. Es ward aber Sein Schweiß wie Blutstropfen, die fielen auf die Erde." Ach ist denn das Leiden meines Heilandes im Garten Gethsemane noch nicht zu Ende? Ist denn der bittre Kelch noch nicht leer?- Noch nicht, meine Seele; du mußt Ihn noch ein Mal in der Kelter sehen; scheint es doch, als ginge Sein Leiden jetzt erst recht an. Seine Angst verdoppelt sich, - Seine Schmerzen mehren sich, die Fluthen Seiner Todesnöthe schlagen über Ihm zusammen in übermächtigen Wogen. Wie liegt Er da, auf Seinen Knieen nicht, auf Seinem Angesichte, und betet fo demüthig, so erhaben:» Mein Vater! ist's nicht möglich, daß dieser Kelch von Mir gehe,- wohlan! Ich trinke ihn denn, Dein Wille geschehe!« Wie arbeitet Seine Seele( Jes. 53, 11.) unter der unendlichen Last fremder Schulden, meiner Sünden, die Sein Vater alle auf Ihn warf( Sef. 53, 6.)! Wie ringt Er mit dem Tode, um mir das Leben zu erstreiten!- Wehe! Er scheint zu erliegen! Wird Et das große Werk auch hinausführen? Zeigt sich nirgends eine Hülfe? Ich sehe keine. Seine Feinde verfolgen Ihn; die Freunde sind ferne: die vor allen erwählten Jünger, welche vor allen ein Trost Ihm sein sollten, sie schlafen; Er wendet, von allen Menschen verlassen, Sich zu Seinem Vater im Himmel, und der höret Ihn nicht! O mein Heiland! mußt Du denn nun wirklich auf der Schwelle Deines Mittlerweges vergehen, und mir armen Sünder wird nun keine Hilfe zu Theil? So schwer wiegen die Zehen Tausend Pfund meiner Schulden, daß auch der Held und Löwe aus Judas Stamm sie nicht tragen kann? Doch Gott will, daß ich lebe! Heil mir! Er siehet den Mittler erliegen im schrecklichen Kampfe und sendet einen Engel aus Seinem Himmel, Ihn zu stärken,- zu stärken zu neuem Kampf und Qual. Denn nachdem Er diese himmlische Stärkung empfangen hat, da hält nichts mehr die entfesselten Donner des Gerichts zurück, da stürmen Zorn und Fluch auf Ihn ein mit unaufhaltbarer Gewalt, da brechen alle Höllenqualen los und stürzen über Ihn, und Er liegt im Staube, --53 1 verzehrt vom Eifer der Liebe für die Brüder, mit dem Tode ringend für sie, heftiger betend, im Angstschweiß gebadet!-» Sein Schweiß ward wie Blutstropfen, die fielen auf die Erde.« Sein Schweiß wird zu Tropfen des Blutes? Kannst du es fassen, mein Herz? Aber ich höre Deine Seele rufen, o Jesu:» Mir hast Du Mühe gemacht in Deinen Sünden und Arbeit in Deinen Missethaten«( Jeſ. 43, 24.)! Nun begreife ich's. O saure Mühe, o entsetzliche Arbeit, wo der Schweiß nicht mehr von der Stirne kann rinnen, weil Seine erschöpften Quellen in Strömen die Erde schon gebadet haben, wo nur Blut noch übrig ist, welches durch alle Adern und Poren mit schrecklicher Gewalt sich hindurchpreßt! Und diese entsegliche Arbeit hab' ich Ihm gemacht! Meine Sünde, meine Sünde hat Ihm die blutige Mühe bereitet! Und Du hast sie, o Jesu, mir zu Gute so gern übernommen! O wie Du so willig hinabsteigst in die Tiefe des Meeres, meine Sünde da hinunter zu versenken! wie Du die Erde beträufst mit Deinem heiligen Blute, damit das hier von Sündern vergossene Blut nicht mehr zu Gott schreie. Wie ich Dich nun als den erkenne, der uns geliebt hat und gewaschen mit Seinem Blute( Off. 1, 5.)! wenn es nun wahr wird werden:» Wenn eure Sünde blutroth ist, soll sie doch schneeweiß werden, wenn sie ist wie Rosinfarbe, soll sie doch wie Wolle werden«( Jes. 1, 18.)! O wie der Weg mir nun offen steht zu denen, die da mit weißen Kleidern sind angethan und die ihre Kleider gewaschen und helle gemacht im Blute des Lammes( Off. 7, 14.)! Wohl mir! Ich kann nun ruhn. Du hast die Arbeit für mich gethan. Sieg und Frieden ist nun mein, Du haft für mich bis aufs Blut widerstanden. Cons 55 Ich habe nichts mehr zu fürchten, Du bist für mich in der Angst und im Gericht gewesen; nichts mehr zu weinen, es ist genug für mich gerungen und geweint. - O ströme denn hin Du heiliger Schweiß und » bade mir die Seele hell in Deinem reichen Him melsquell!« O ströme hin Du heiliges Blut» auf die von Gott verfluchte Erde, damit sie wieder heilig werde!«<- Und mir bereite der Anblick dieser schreckensvollen Marterstunde» in meines Lebens tief stem Schmerz ein starkes und getrostes Herz!«< Der Jünger ist nicht über seinen Meister und der Knecht nicht größer, denn sein Herr. Wundre dich daher nicht, mein Freund, wenn auch das Größeste von dir genommen und auf Seine Schultern gelegt ist, daß dennoch hie und da dich eine Trübsal überfällt. Wenn das Haupt matt und krant ist, fo empfinden es auch die Glieder; bist du nun ein Glied an dem, der das Haupt ist, Christus, so wirst auch du hie und da in die Kelter müssen. Ich kenne keinen rechtschaffenen Christen, habe auch nie von einem gehört oder gelesen, der von der Traurigkeit seines Erlösers nicht sein Theil empfangen und aus Seinem Kelche nicht einen Trunk gethan hätte. Hat Er's doch selbst den Seinigen vorausgesagt:» In der Welt habt ihr Angst.«» Uber,« seht Er gleich hinzu,» seid getrost, Ich habe die Welt überwunden!« Wie Er in der höchsten Noth doch nicht unterlag, sondern Sieger blieb, so werden auch wir nicht untergehen in den Wassern der Trübsal, wenn sie uns auch ein Mal bis an das Haupt gehen oder gar über demselben zusammenschlagen; wir werden am Ende immer mit Paulo zu loben und zu singen haben:» Gott sei Dank, der uns den Sieg ge= - - 56 geben hat durch unsern Herrn Jefum Chriftum!«< Und wie Gott Seinem ewigen Sohne in der grös Besten Noth der Engel nicht mangeln ließ, sondern fie Ihm zur Stärkung sandte, so hat Er sie auch Seinen nachgebornen Kindern in ihren kleinen Nőthen nicht fehlen lassen. Und hat Gott der Herr Seinen himmlischen Dienern über alle Seine auserwählten Kinder Befehl gethan, daß sie dieselbigen auf allen ihren Wegen behüten und ihnen zu Dienst sein sollen, fo scheint es, daß sie wegen derjenigen, welche unter dem Kreuze seufzen, einen nähern und besondern Befehl empfangen haben. Als Elias sich unter dem Wachholderstrauche niedergeworfen, und die Wolken der Trübsal ihn ganz umdüstert hatten, also daß er nichts mehr hoffte und wünschte, als den Tod; da zeiget sich ein Engel, mit Erquickung ihn zu laben. Als Sadrach, Mesad und Abed Nego ge= bunden in dem feurigen Ofen lagen, da stand ein heiliger Engel bei ihnen mitten in der Gluth und wehete ihnen Kühlung zu und wehrte den Flammen, daß sie nicht von ihnen verzehrt würden. Als PauIus mit seinen Gefährten auf dem Meere in großer Gefahr schwebte, da trat der Engel des Herrn, dem er diente, mit dem tröstlichen Zuspruche zu ihm: » Fürchte dich nicht, Paule!« Und wie geschäftig find die Engel in meines Heilands Noth und Tohier im Garten, dort am Grabe stehen desstunden, fie bei Ihm. So sind sie auch bei dir, betrübtes Herz, geschäftig, mit ihren Erquickungen dich zu stärken, die Gluthen dir zu kühlen, den Wogen zu wehren, wenn Kreuzesnoth über dich hereinbricht. Das Kreuz ist die himmlische Leiter, auf welcher die Engel Gottes zwischen dir und dem Himmel auf- und niedersteigen. Du darfst daher nur ganz - getrost sein und das Kreuz munter aufladen, das du deinem Heilande nachtragen sollst, darfst nur frisch und fröhlich nach dem Becher greifen, den dir dein Heiland zugetrunken hat. Wer wollte verzagen, der sich eines so kräftigen Beistandes zu getrösten hat! » Freuet euch in dem Herrn allewege, und abermals sage ich: freuct euch!« so jubelt Paulus, als er zu Rom in Ketten und Banden lag und ihm das Blutschwert schon entgegenblitzte. Auf denn mit dem gebeugten Haupt! Fröhlich ans Werk, Simon von Kyrene! Frisch auf meine Seel', verzage nicht und singe: india? mi of had Ich bin Gottes, Gott ist mein, Wer ist, der uns scheide? Dringt das liebe Kreuz herein Mit dem bittern Leide: 57 Laß es dringen, kommt es doch Von geliebten Händen, Bricht und kriegt geschwind ein Loch, Wenn es Gott will wenden. and op sind danis@ Gebet. Jsme p Du, o Du geängstigter Heiland, der du mit dem Tode ringst und bis aufs Blut widerstanden hast, damit Du mich armen Sünder davon errettest, o lehr' auch mich bis aufs Blut widerstehen in Kreuz und Anfechtung. Laß nicht die Traurigkeit mich tödten, wenn solches schwerer ist, als ich gemeint, und länger anhält, als ich es vermuthet. Laß mich vielmehr auf den Beistand sehen, dess sen ich mich auch in den schwersten Leiden zu erfreuen habe, nämlich Deiner getreusten Fürbitte, der Aufsicht meines himmlischen Vaters, des träftigen Trostes Deines heiligen Geis stes und des mächtigen Schußes Deiner heiligen Engel, und laß mich innerlich versichert sein, daß Du zwar tödtest, aber auch wieder lebendig machst, zwar in die Hölle, aber auch wieder heraus führest. Insonderheit lehr' mich die Waffen führen, damit ich Noth und Sünde weit überwinden möge. Geduld und Gebet sind Deine Waffen. Gieb sie mir in die Hand, laß sie mich fest ergreifen! Da 58 Du mit dem Tode rangest, betetest Du heftiger. Verdop pelst Du mir das Kreuz, so vermehre auch in mir die Kraft des Gebetes, gieb mir zwiefachen Gebetsgeist, lehre mich heftiger beten. Willst Du mir des Leidens Stunde lang machen, so lehre mich solche durch unermüdetes Ge bet verkürzen. Dich stärkte ein Engel in der Stunde Deis ner größesten Noth. Wenn mir in Aengsten um Troft will bange sein, dann sei Du, o Engel des Bundes, mein Tröster, tritt her an meine Seite, sprich mir frischen Muth zu, das Kreuz noch eine Strecke weiter zu tragen. Sei Du in Schwachheit meine Stärke, in Traurigkeit meine Freude, in Furcht mein Trost, in allen Leiden meine Zuversicht und Kraft. Du hieltest an im Gebete und aus im Leiden, bis Dein Schweiß wie Blutstropfen auf die Erde fiel. O lehr' auch mich an- und aushalten, ob es auch scheine, als höre mich feiner. Weiß ich's doch, so schwer, wie Du's in der Kelter ertragen, läffest Du es Deis nem armen Rinde nicht widerfahren. Du haft das Sauerfte mir vorgethan, nun lehre mich das Leichtere und Ge ringere durch Deine Kraft und Gnade überwinden. Erhöre mich, mein Eröfter, theurer Heiland, der Du nun aus der Angst und dem Gerichte genommen bist und zu Deines Vaters Rechten- triumphireft, erhöre mich um Deines für mich vergossenen Blutschweißes willen! Amen. Donnerst a g. Melod. Die Tugend wird durch's Kreuz. Laß mir die Feier Deiner Leiden, O großer Dulder! heilig sein, Um jede Sünde gern zu meiden Und Dir mein Leiden ganz zu weih'n; Dir, dessen Blut für mich geflossen, Deß Herz für mich im Tode schlug, Der ruhig, heiter und entschlossen Auch meiner Sünden Strafe trug. Ach, in den stillften meiner Stunden Will ich nach Deinem Kreuze sehn, Und Dich für Deine Pein und Wunden Mit meinem Thränendank erhöhn, Gerührt die große Lieb' ermessen, 22 1600 Die noch kein Sterblicher gefaßt, Und nie es undankbar vergessen, Was Du für mich gelitten hast. Mir sollen diese Feierzeiten Der größten Liebe heilig sein, Ich will Dich an Dein Kreuz begleiten, Und alles, was Dir mißfällt, scheu'n; Dein Leiden sei auch mir zum Segen, Dein Tod mein seligster Gewinn. Mein Herz schlägt Dir voll Dank entgegen, Weil ich durch Dich gerettet bin. Bleibt mir in diesen Tagen theuer, Gethsemane und Golgatha! Ihr Derter, wo die Welt die Feier Der allergrößten Liebe sah. Nach euch will ich voll Andacht schauen, Wo mein Erlöser litt und starb, Und nur allein auf Den vertrauen, Der mir die Seligkeit erwarb. 59 Matth. 26, 45. Da kam Er zu Seinen Jüngern und sprach zu ihnen: Ach wollt ihr nun schlafen und ruhn? Siehe die Stunde ist hier, daß des Menschen Sohn in der Sünder Hände überantwortet wird." ** Noch trieft der Blutschweiß auf Seiner Stirne, noch brennen auf Seiner Zunge die letzten Tropfen des bittern Kelchs, noch bebet Seine Seele von dem Sturme der Leiden, der sie eben erfaßt, da dringet ein neuer heran:» Die Stunde ist hie, daß des Menschen Sohn in der Sünder Hände überantwortet wird. Ihr ahnet es nicht, ihr schlafenden Jünger, Er aber, der Allwissende, hat längst vernommen das heimliche Getümmel in der tief unten am Fuße des Delbergs liegenden Stadt; den durch die Straßen des schlafenden Jerusalems schleichenden Schritt des Verräthers; das Zusammeneilen der Schergen und Kriegsknechte, die sich im nächtlichen Dunkel um den Führer sammeln, der sie leiten soll zur 60 schrecklichsten That, die je die Erde gesehen. Und Er rafft Sich auf, tritt zu den träumenden Freunden und spricht:» Uch wollt ihr nun schlafen und ruhn?« Ahnet ihr denn nichts, ihr Jünger, von all den Leiden, die Seine Seele bestürmen? Wie könnt ihr jett schlafen, wo Er für euch wachet, jetzt träumen, wo Er für euch den heißen, blutigen Kampf beginnt? Wie? bei all Seinem Jammer noch immer dieſe trägen, fühllosen Herzen, diese schlaffen Hände, diese schlaftrunkenen Augen, auch jetzt noch, wo die verhängnißvolle Stunde so nahe ist? Uch Herr, vergeblich ist all Dein Bemühen um sie! Da hilft kein Rufen:» Wachet und betet!« Da hilft kein Warnen:»> In dieser Nacht werdet ihr euch alle an Mir ärgern!« Da dringet keine Klage ans Herz:»> Ach wollt ihr jett schlafen und ruhn?«< Ehe der Sturm nicht selber sie weckt, erwachen die Herzen aus ihrer Trägheit nicht, scheuen das Feuer, fürchten den Kampf, suchen die Ruhe, sprechen, wie Felir:» Wenn ich gelegene Zeit habe!« als ob Fleisch und Blut jemals eine Zeit gelegen wäre zum Aufstehen vom Schlafe:» O! wenn Er ruft, so höre du und greif mit beiden Händen zu! Wer seiner Seelen» Heut« verträumet, der hat die Gnadenzeit versäumet, ihm wird hernach nicht aufgethan; heut komm, heut nimmt dich Jesus an.<< Das bedenke mit Furcht und Zittern! Du sicherer Mensch, der du, wenn es gilt, deinen Eitelkeiten zu fröhnen, deinen Ehrgeiz zu stillen, deine Schäße zu sammeln, deine Lust zu büßen, immer die gelegene Stunde kennst und nicht versäumst, bedenke, daß Eines ist noth, und daß jetzt ist die angenehme Zeit, jetzt sind die Tage des Heils und daß du diese stillen Wochen nützen mußt, dieses Heil zu schaffen. Jeder Tag zwar und jede Stunde ist dir bestimmt zu diesem seligen Geschäfte; aber diese Wochen vor allen sind reich an Gnade, unaussprechlichen Segens voll. Uch willst du nun schlafen und ruhn? Wie oft hast du die Gnadenzeit der heiligen Fasten verträumt! Du bist jung gewesen und alt geworden und manches eilende Jahr ist an dir vorüber geflohen; in jedem ist Sein Lieben und Sein Leiden dir vor die Seele getreten und Er selbst als blutender Kreuzträger vor dir vorübergezogen und kaum hast du Seiner gedacht, nicht, wie du solltest, erwogen Seiner Marter Centnerlast! Und weinend nun über dich, wie über die unbußfertige Stadt einst, muß dein Heiland um dich klagen:» O daß du bedenken wolltest zu dieser deiner Zeit, was zu deinem Frieden dient!«< Willst du zögern wie Jerusalem, bis die Wagenburg um dich geschlagen, deine Feinde dich an allen Orten ängstigen, bis der Tag des Gerichtes nahe ist? Wisse, er ist nahe!- Deine Jahre entfliehen, jede Stunde deines flüchtigen Lebens bringt dem Tode und Gerichte dich näher; die Art ist dem Baume an die Wurzel gelegt; die elfte Stunde tönt, es ist hohe, hohe Zeit! Der Bräutigam kommt und ruft: » Wach auf!« und höre die Klage Seiner strafenden Liebe über dich, wie ein frommes Lied sie Ihm in den Mund legt: In jener letzten der Nächte, Da ich am Delberg gebetet, War ich vom Blutschweiß geröthet, Goß ihn in Strömen für dich: Weh! und wer weiß, ob wohl je Du auch nur denkest an mich! 61 Laß es die Engel Dir sagen, Wie viele Streiche und Wunden, An eine Säule gebunden, Schweigend ich litte für dich: 62 Emisid o Weh! und wer weiß, ob wohl je Du auch nur denkest an mich! Da ich als König verspottet, und Schmerzlich mit Dornen gekrönet, Angespien ward und verhöhnet, Dacht ich nur immer an dich: 201 S 12 Weh! und wer weiß, ob wohl je Du auch nur denkest an mich! Schmählich zum Tode verdammet, Hart mit der Kreuzlaft beschweret, Blutig vom Dornenkranz versehret, Schleppt ich zum Berg mich für dich: Weh! und wer weiß, ob wohl je Du auch nur denkest an mich! Ach! an das Kreuzholz geheftet, Nägel in Armen und Beinen, Leidend, wie du noch sahst keinen, Wollte ich sterben für dich: Weh! und wer weiß, ob wohl je Du auch nur denkest an mich! Als grimmer Speer in der Seite Weit mir das Herz hat gespalten, Quoll draus mit Liebesgewalten Wasser des Lebens für dich: Weh! und wer weiß, ob wohl je Du auch nur denkest an mich! Schau all die Striemen und Wunden, Siehe nun, ob ich dich liebe, Wenn mir kein Blutströpflein bliebe, Das ich nicht hingab für dich: Weh! und wer weiß ob wohl je Du auch nur denkest an mich! Sterbend noch fleht' ich zum Vater, Dir deine Schuld zu vergeben; Mutter und Freunde und Leben Ließ ich aus, Liebe! für dich: Weh! und wer weiß, ob wohl je Du auch nur denkest an mich! Himmel und Erde voll Schrecken Haben den Schmerz mit empfunden, Als in den dunkelen Stunden Ich bin verschieden für dich; Weh! und wer weiß, ob wohl je Du auch nur denkest an mich! 23 30 98790 01 Was blieb zu thun mir noch übrig, Wenn ich aus Liebe ohn' Schranken Selber mich gab ohne Wanken, Ganz mich dahin gab für dich: Weh! und wer weiß, ob wohl je Du auch nur denkest an mich! Ward dir Genosse und Bruder, Da mich Maria geboren; Und auf dem heil'gen Altare Ward ich auch Speise für dich: Weh! und wer weiß, ob wohl je Du auch nur denfest an mich! Wenn ich zum Löfgeld am Kreuze Für Deine Schuld mich gegeben, Will ich im ewigen Leben Selber der Lohn sein für dich: Weh! und wer weiß, ob wohl je! Du auch nur denkest an mich! Dacht' ich im Sterben noch deiner Werd' ich im Himmel nicht minder, Herrschend als Weltüberwinder, Immer noch denken an dich: Weh! und wer weiß, ob wohl je Du auch nur denkest an mich! 63 Gebet. Vater in Chrifto Jesu! Handle nicht mit mir nach meinen Sünden und vergilt mir nicht nach meiner Missethat. Verwirf mich nicht von Deinem Angesichte und nimm Dei nen heiligen Geist nicht von mir. Ach, ich bin finster von Natur und starr wie der Tod. Alles macht einen Einbruck auf mich, nur die Marter Jefu hat mich noch selten lange und heilsam bewegt. D laß es jetzt geschehen. Hier ist meine Seele, ich halte sie Dir offen. Vater, gieße Deine Liebe, die Dich beweget, Deinen Sohn für mich zu geben, in mein Herz hinein. Verkläre Deinen Sohn in meinem Herzen, daß ich in dieser heiligen Zeit mich in meiner Sündengestalt, Ihn in Seiner großen Barmherzigkeit fe hen möge. Laß mich durch die Wunden Deines lieben Sohnes in Dein freundliches Vaterherz blicken. Laß mich die Größe der Leiden, darinnen Dein Einiggeltebter um meinetwillen blutet, lehren, daß Du keinen Zorn, keine Rache, sondern lauter Heil, Begnadigung und Seligkeit über mich beschlossen hast, und thu' mir meine Lippen auf, 64 daß ich, da nun das Gehege um Sinai, die Kluft, die mich von Deinem Throne schied, hinweggenommen ist, recht getrost mein Abba, lieber Vater! bete. Und Du, o Lamm Gottes! in dessen Namen ich bete und vor dem sich alle Knice beugen, Du hast es ja besonders über Dich genommen, die Kraft Deiner Erlösung überall wirksam zu machen. Du bist nicht um etlicher Seelen willen in den Tod gegangen, nein, Du sollst, und willst viele zur Beute haben. Hier raube und nimm auch mich! Da ist mein Herz! Was ich daran nicht bessern kann, fannst Du, und wo mich Dein Leiden nicht bekehrt, so kann mich nichts bekehren. Laß Deine Schmerzen mich innerlich schüttern, beginne Dein Gnadenwerk in mir aufs Neue, laß diese stillen Wochen mich mit Gotteskraft erfüllen, daß ich stark werde, jede Sünde durch das Gedächtnis Deiner Qual zu bekämpfen. Ich hoffe darauf, daß Du so gnädig bist, meine Seele jauchzet, daß Du so gerne hilfft. heiliger Geist! Der Du Jesum verklären willst in der Menschen Herzen, sei Du in diesen Tagen auch an mir geschäftig. Erleuchte, belebe, erbaue, stärke und tröste mich, wecke große Gedanken von der Marter des Herrn in meinem Herzen. Mache sie zu einem bleibenden auffeimenden Samen in mir. Stüße den wankenden Glauben, wehre dem Unglauben und dem Schwachglauben, laß nicht zu, daß das Wort vom Kreuze aus meinem Herzen genommen werde. Wenn tausend Starke fallen zur Linken und zehn tausend zur Rechten, so laß mich geringes Schäflein Deiner Heerde vor solchem Falle bewahret bleiben, und mich auffahren mit Flügeln, wie Adler, daß ich laufe und nicht matt werde, daß ich wandle und nicht müde werde. O ziehe Deine Hand nicht ab von mir, mache meinen Glauben zu einem hellen brennenden Lichte, der das Kind in diesen heiligen Wochen wieder zum Vater, den Knecht zu seinem Herrn leuchte. Weigere ich mich, so zwinge mich; zögere ich, so treibe mich an; will ich nicht, so schrecke mich. Ach hilf mir, daß diese Passtonszeit an mir ausrichte, was keine noch vermocht an mir. Hallelujah dem Vater, der mich also geliebt, daß Er Seinen eingebornen Sohn für mich gab! Hallelujah dem Sohne, der für mich blutete und mir die ewige Er lösung erfunden! Hallelujah dem Geiste, der mich dies 65 alles glauben lehrt und in der Kraft des Kreuzes mich felig macht! Amen. ars 000 2900 Freitag. Melod. Wer nur den lieben Gott läßt. D C Ich habe nun den Grund gefunden, him and Der meinen Anfer ewig hält. Wo anders als in Jesu Wunden? Da lag er vor der Zeit der Welt. Der Grund, der unbeweglich steht, Wenn Erd' und Himmel untergeht. Es ist das ewige Erbarmen, Das alles Denken übersteigt; Es sind die offnen Liebesarmen Deß, der sich zu dem Sünder neigt, Dem allemal das Herze bricht, Wir kommen, oder kommen nicht. Wir sollen nicht verloren werden; Gott will, uns soll geholfen sein; Deßwegen kam Sein Sohn auf Erden Und nahm hernach den Himmel ein; Deßwegen klopft er für So stark an unsers Herzens Thür. O Abgrund, welcher alle Sünden Durch Christi Tod verschlungen hat! Das heißt die Wunde recht verbinden: Hier findet kein Verdammen statt, Weil Chrifti Blut beständig schreit: Barmherzigkeit! Barmherzigkeit! doce Joh. 18, 4. 5. Als nun Jesus wußte alles, was Ihm begegnen sollte, ging Er hinaus und sprach zu ihnen: Wen suchet ihr? Sie antworteten Ihm: Jesum von Nazareth. Jesus spricht zu ihnen: Ich bin's." 3.25x 3rd Jesus hatte am Staube gelegen im Garten Gethsemane und gebetet! Ach welch ein Gebet! Das glühendste, brünstigste, welches je aus einem gepreßten Menschenherzen zum Throne Gottes hinaufgeDie heil. Passion. Univ.- Bibl. Glessen 66 drungen ist, das Gebet:» Vater ist's möglich, so gehe dieser Kelch von mir!« Die Schreckensstunde ist jetzt vorüber. Er hat ausgelitten im göttlichen Gerichte, ist nun aus der Angst genommen, hat die träumenden Jünger geweckt mit dem Heldenworte: » Stehet auf und lasset uns gehen, siehe er ist da, der mich verräth.« So verläßt Er mit ihnen des Gartens dunkle Schatten. Da nahet der feindliche Haufen der Schergen und Kriegsknechte, geführt von Judas Ischarioth. Der Held ihnen entgegen. Siehe, da stehet Er vor der feindlichen Rotte, wehrlos, hilflos, schwach, der Menschensohn. Nun so greift Ihn doch, ihr Kriegsknechte, Er trägt keine Waffen, greift an mit Schwertern und Lanzen. Sie wagens nicht, sie stehen an und zögern. Seine Hoheit macht die feilen Schergen wankend, Er muß sie anreden und fragen:» Wen suchet ihr?« Da erst regen sie sich wieder, die Angewurzelten, da erst können sie reden sie antworten:» Jesum von Nazareth!« Dann tritt Er ihnen näher und ohne sich zu verbergen, ohne durch zweideutige Antwort zu täuschen, ruft Ers ihnen frei entgegen:» Ich bins!<< » Wen suchet ihr?« so fragt der Herr die Feinde, so fragt Er die Welt, das ist die große Frage, die überall an die Menschen gerichtet wird, die Gott immer an Seine Kinder thut:» Was suchet ihr?«< Auf diese Frage giebts nur Eine Antwort, es hat jeder nur Ein Ziel, nach welchem er jagt, das ist sein Glück. Und frage auch du, wen du willst: » Was suchest du?« Er weiß dir nichts anders zu nennen, als eben dieses. Aber verschieden sind die Namen, wie Himmel und Erde, welche für dies Eine Ziel sie haben. Judas weiset, und Tausende von Judasseelen mit ihm, eifrig und lüstern auf den CO 67 gefüllten Beutel und sprechen zum Goldklumpen: » Du bist mein Trost!« Im eiteln Mammon glauben sie das Heil zu finden und bedenken nicht, daß für das beste Geld nur die armseligsten Dinge hier, dort gar nichts sich kaufen läßt. Die Hohenpriester und Schriftgelehrten, und abermals Tausende mit ihnen, weisen auf Glanz und Ehre und hohen Namen und vergessen, daß es doch nur Ein Ehrenamt und Einen Ehrennamen giebt, der vor Gott gilt, das Ehrenamt bei Ihm in Dienst zu stehen, der hohe Name, ein Erlöster des Herrn zu heißen. Die Schergen und Kriegsknechte, und zehn tausend solcher Jesusfeinde mit ihnen weisen auf den Sold, den sie mit ihrem Weltdienste und ihrer Menschengefälligkeit erwerben und nennen das ihr Glück ach und bedenken nicht, daß die Welt an ihnen zum Lügner werden wird, vielleicht schon heut oder morgen, und am letzten Lebenstage ganz gemiß. Wieder andere zeigen dir Kammern und Unzucht, oder den Bauch, der ihr Gott ist, und vergessen ganz, daß sie ihre Ehre in der Schande suchen, und daß ihr Ende ist die Verdammniß( Phil. 3, 19.). Ach arge und bethörte Welt! Was suchest du? Ists wahr, ists wahr, daß du dein Heil suchest, so bekümmere dich um eine andere Antwort, als dir jene alle gaben, und suche ein ander Ziel und ein ander Glück, als sie.» Wen suchet ihr?« fragt der Herr, und die feindliche Rotte, ach selbst ohne zu wissen, was sie sagt, antwortet recht:» Jesum von Nazareth.« Siehe, das ist ja der einzige Name, auf welchem dein Heil stehet, o Seele, denn es ist in keinem andern Heil, ist auch kein anderer Name den Men= schen gegeben, darinnen sie sollen selig werden. Darum suche, wenn du auf dein Heil ernstlich bedacht $ 2 68 sein willst, diesen Namen nur, in welchem allein Vergebung der Sünde, Leben und Seligkeit ist. Gebet. sol Eins ist Noth! Du selber, o Herr Jesu, bist dies Eine. Ach könnt ich doch so recht mit innerlicher Wahrheit beten: ,, Herr, wenn ich nur Dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erde;" könnt ich singen: Wenn ich Ihn nur habe, wenn Er mein nur ist, wenn mein Herz bis hin zum Grabe Seiner Treue nie vergißt, weiß ich nichts vom Leide, fühle nichts als Andacht, Lieb' und Freude!" Lehre Du selber mich so beten und singen, laß mich verleugnen alles ungöttliche Wesen und die weltlichen Lüste, laß mich züchtig, gerecht und gottselig leben vor Dir; mache kräftig an meinem Herzen den Gnadenzug des Vaters zum Sohne, daß Du immerdar bleibest meines Herzens Trost und mein Theil. Mit Gram und Schrecken sehe ich zurück auf die Zeit, wo ich Dich nicht hatte und liebte, sondern die Welt und ihre Luft, wo ich Dich nicht suchte und erwählte, sondern den Mammon und bie eitle Ehre. Wie grauet meiner Seele vor dieser Zeit, wo ich wie ein Träumender dahin taumelte durch meine Tage und nicht wußte, woher und wohin; wo mein Herz so kalt und so todt war, weil kein Funke Deiner Liebe noch darin gezündet hatte, wo mir so angst und bange war und ich doch die rechte Gefahr nicht kannte, der ich entgegen ging. D laß sie niemals wiederkehren diese Zeit der Finsterniß, laß nicht den Leuchter in mir umgestoßen werden, laß Deine Liebe in mir bleiben, Deinen Frieden auf mir ruhen. Herzog der Seelen! ich halte Dich beim Worte:„ Niemand soll sie aus meiner Hand reißen!" Das hast Du gesagt, darum bangt auch mir nicht mehr, denn bin ich auch derer feines werth und habe ich auch nichts verdienet, muß ich mich auch wundern darüber, daß Du Dich nach mir armen verdorbenen Sünder nur ein Mal umsiehest, so weiß ichs ja, daß Du auch der Geringsten und Elendesten Dich herzlich annimmst, und keinen von Dir stößest, der sich bittend Dir nahet, so weiß ich ja, ich soll nun nicht mehr verloren gehen, sondern immer an Dir kleben, wie eine Klett' am Kleid, und ewig bei Dir leben in himml'schen Wonn' und Freud'. Amen. Sonnabend. Melod. Es ist gewißlich an der Zeit. Halt im Gedächtniß Jesum Chrift, oma dic O Mensch! der auf die Erden Vom Thron des Himmels kommen ist, Dein Bruder da zu werden. Vergiß nicht, daß& r dir zu Gut' Hat angenommen Fleisch und Blut; Dank' Ihm für diese Liebe. Halt' im Gedächtniß Jesum Christ, Der für dich hat gelitten, Ja gern am Kreuz gestorben ist, Und dadurch hat bestritten Welt, Sünde, Teufel, Höll' und Tod, Und dich erlös't aus aller Noth; Dank' Ihm für diese Liebe. Halt' im Gedächtniß Jesum Chrift, Der einst wird wieder kommen Und Sich, was todt und lebend ist, Zu richten vorgenommen. O denke, daß du da bestehst, Und mit Ihm in Sein Reich eingehst, Ihm ewiglich zu danken. Gieb, Jefu, gieb, daß ich Dich kann Mit wahrem Glauben fassen, 69 Und nie, was Du an mir gethan, Mög' aus dem Herzen lassen, Daß dessen ich in aller Noth Mich trösten mög' und durch den Tod Zu Dir ins Leben dringen. bi 27155 15 Joh. 18, 6. Als nun Jesus zu ihnen sprach:" Ich bins!" wichen fie zurück und fielen zu Boden." Wenn aus dunkelm Gewölke, das den Himmel umziehet, hie und da ein leuchtender Sonnenstrahl hindurch bricht, dann merken wir, daß die Sonne 70 wohl versteckt, aber nicht ausgelöscht werden kann. So Deine Gottesmajestät, o Jesu! Du kannst Dich Deiner Herrlichkeit entäußern, sie hinter dem düstern Schatten Deiner Mittlerleiden verbergen, aber hindern kannst und willst Du nicht, daß unser Glaube durch das Dunkel, damit die Macht der Finsterniß Dich umgab, hindurch blicket und die Fülle Deiner Gottheit erkennet. Der Herr steht der feindlichen Schaar gegenüber und fragt:» Wen suchet ihr?«< Sie antworten:» Jesum von Nazareth!« Da tritt Er an sie hinan, schaut fest und kühn den Feinden ins Auge und spricht:» Ich bins!« Welch ein Wort! Da Er es gesprochen, weichen sie zurück und fallen zu Boden. Was ist das? Tapfere. Helden, starke Männer, alte Krieger, was weicht ihr zurück, was wirft euch zu Boden? Sehet doch an den Sanftmüthigen, den Wehrlosen! Er stößt euch nicht, Er jagt euch nicht, was erschreckt ihr denn? Wie? ist Sein Wort wie ein Feuer und wie ein Hammer, der Felsen zerschmeißt? Ist die Macht Seines Geistes über euch gekommen? Hat der Strahl Seines Auges mit Blitzen der Allmacht euch getroffen? Sie fühlen eine Macht und wissen nicht, welche; sie sehen etwas und wissen nicht, was; sie zittern und zagen, als sei es jetzt um sie geschehen, und wissen nicht, warum; fie stürzen zu Boden bei Seinem einfachen Worte: » Ich bin's!« Er sagt es frei heraus, keine Lüge wird in Seinem Munde erfunden, auch wenn sie Ihn retten könnte, und die Macht der Wahrheit ist es, die jene darniederwirft. Die Wahrheit gelte auch in der augenscheinlichsten Gefahr, auch dann, wenn gewisser Untergang drohet. Ja dann gerade, wenn die Welt die Lüge für erlaubt ausgiebt, wenn ihre 71. Kinder Versteck und Trug treiben, wenn wenige wahr, die meisten aber als Lügner erfunden werden, dann rede die Wahrheit, und die Wahrheit wird ihre erschütternde Kraft erweisen.» Ich bins!« ein Wort der Wahrheit ist's von Ihm, aber auch Zeichen und Kraft Seiner Gottheit.» Ich bins!« So redet nur ein Mächtiger von sich selber, und der allmächtige Gott zeuget von sich:» Ich bin, der Ich bin!« Und wir verstehen diese Sprache, und denken bei diesem kurzen Worte an den ganzen Umfang Seiner Majestät und Herrlichkeit. Wir verstehen auch Deine Sprache, ewiger Sohn des Allmächtigen. Ob Du schon im Staube lagst und Dein Blutschweiß in der Angststunde in den Sand rieselte; ob Du auch gekrümmt wie ein zertretener Wurm geflehet und geseufzet hast: Dein Wort:» Ich bins!« thut uns Deine Gottheit kund. Und wer's dem Worte nicht anfühlet, daß hier der Mund der Allmacht redet, der schaue die niedergeworfene Kriegerschaar an. Wie Eliä Feuer die Boten des Königs Ahasja verzehrte, so wirft Sein Odem die Feinde zur Erde.—» Ich bins!«< Es ist darum auch ein Wort des Schreckens und des Gerichts. Freilich ist jetzt eure Stunde, will Er sagen, und die Macht der Finsterniß, aber damit ihr nicht meinet, daß Meine Schwachheit Mich euch überliefere, will Ich euch zeigen, wer ihr seid und wer Ich bin. Sehet da eure Ohnmacht! Ihr fallet, Ich stehe! Nun erkennet euch in eurer ganzen Nichtigkeit. Ein Vorspiel mag es jenen zugleich sein von dem letzten Schrecken, der die Feinde des Herrn ergreifen wird, wie ein Dieb in der Nacht. Die Rotte Korah ward verschlungen von der Erde, da sie sich wider Jehovah und Seinen Gesandten auflehnte, dasselbe hätte hier geschehen sollen, wo ein ohnmäch114 - 72 tiger Haufe sich gegen den Allmächtigen, das Geschöpf gegen Seinen Schöpfer empörte. Doch nein! noch hat die Stunde des leßten Gerichts nicht geschlagen; des Menschen Sohn ist nicht gekommen, daß er die Welt richte, sondern selig mache. Zeigen will Er hier nur, wie es den Christushaffern einst ergehen wird. So werden sie niedersinken, wenn die großen Zeichen geschehen an Sonne, Mond und Sternen, so werden sie ohnmächtig verschmachten vor Furcht, wenn der letzte der Tage anbricht, und der große Brand Himmel und Erde ergreift und in den Wolken des Himmels kommen wird mit großer Kraft und Herrlichkeit DerDamit felbige, in welchen sie gestochen haben. es dahin aber nicht mit ihnen komme, ruft Er:» Ich bins!«» Ich bins!« das ist darum auch endlich die treue Vaterstimme an das verlorne Kind. Sie suchen Jesum von Nazareth. Siehe, Er ist's! Siehe, Er ist's! Derselbe, der lauter Gnade und Barmherzigkeit an den Men= schen gethan, der Arzt aller Kranken, der Trost aller Weinenden, der Retter aller Verzagten, der Freund der Sünder! Unglückselige, die ihr die Hand wider Ihn erhebt, gedenkt ihr nicht daran? Faßt's euch nicht, die ihr vom Schrecken Gottes niedergestreckt seid, als müßtet ihr rufen:» Erbarme Dich über uns, Christus, erbarme Dich über uns? Hinweg Schwerter und Stangen! Kommt, laßt uns knieen und niederfallen und anbetend im Staube vor Ihm liegen!« Doch ob die Feinde auch wie Pharao verstockt und unbußfertig bleiben, Er hält doch Sein Liebeswort nicht zurück:» Ich bin Jesus, den ihr verfolgt!« auf daß, wenn jene nicht, doch du und ich zu einem Saulus würde, der aus den Tiefen zu Ihm riefe:» Herr, was willst Du, daß ich thun soll?«< 73 Gebet. Allmächtiger Heiland! Nun sehe ich's wohl, wie alle Gottlosen vor Dir Spreu sind, die der Wind zerftreuet, wie Deine Feinde vor Dir fallen zur Rechten und Linken, wie Du der Held und Löwe bist aus Judas Stamm; Ein Wort, und Schaaren sinken vor Schrecken zu Boden! Aber ich bebe nicht vor Furcht bei Deinem mächtigen Wort, nein, meine Seele freuet sich und frohlocket, daß ich Dich zum starken Tröster und zum Helfer habe. Ein Allmächs tiger ist der Träger meiner Sünden, der Bürge meines Heils, der Retter meiner Seele, der Schrecken meiner Feinde, der Helfer in meinen Schmerzen und Thränen. O, ich will auch niedersinken in den Staub vor Dir, aber nicht von Furcht zerschlagen und zerschmettert, sondern wie Sulamith von Deiner Liebe gerührt und Deiner großen Gnad' und Treue hingenommen, will alles, was mir fehlt und mich fränket, Dir sagen und klagen, und immer getroft und in aller Zuversicht auf Deine Hülfe gläubig hoffen. Damit ich aber Deine starke Hand niemals laffe und Dein treues Lieben nie vergesse, darum herrsche auch in mir über Deine und meine Feinde. Ganze Schaaren lagern wider Dich noch immer in meinem Herzen- wirf ste nieder, zerschmettere fie, wehre ihnen das Aufstehen, mache sie zum Schemel Deiner Füße, auf daß mein Herz durch Deine Kraft und Gnade ein heiliger Tempel werde, in welchem Du Wohnung machen könneft mit Deinem Vater und dem heiligen Geiste. Amen. spole nfpiranded nd dull if slot auto2 dis bd die nodid 0212 dragi dna ndng chorg omjetio d Molle ad ad ammol day fos2 nd post su 250R ET Dritte Woche. ( Von Reminiscere bis Oculi.) Jesus vor dem Hohen priester. Sonntag. Melod. Freu' dich sehr, o meine Seele. O Lamm Gottes, hoch erhaben, Welches der Welt Sünde trägt! Du allein, Du kannst uns laben, Wenn uns Noth und Tod bewegt. Siehe, Du bist Gottes Lamm, Siehe, wie vom Sündenstamm, Ach, wir sind ja Gottes Feinde. Lehr' uns werden Gottes Freunde. Bist Du nicht der Weg zum Leben? Bist Du nicht der Wahrheit Grund? Hast Dich selbst für uns gegeben, Daß noch übrig wär' ein Bund, Ein Bund der Barmherzigkeit, Gin Bund der Gerechtigkeit, Dein Kreuz, Dein Blut ist der Segen, So uns bringt zu Gottes Wegen. Matth. 26, 63, 64. Aber Jesus schwieg stille. Und der Hohepriester antwortete und sprach zu Ihm: Ich beschwöre Dich bei dem lebendigen Gott, daß Du uns sagest, ob Du seist Christus, der Sohn Gottes. Jesus sprach zu ihm: Du sagest es. Doch Ich sage euch: Von nun an wird es geschehen, daß ihr sehen werdet des Menschen Sohn fißen zur Rechten der Kraft und kommen in den Wolten des Himmels." 75 Unser Erlöser und Befreier ist gebunden den Händen seiner Feinde übergeben; die Rotte führt ihn von Gethsemane nach Jerusalem zum Hohenpriester. Der Hoherath wird zusammen berufen, um den Richter der Welt zu richten. Die Sizung wird eröffnet. Das Verfahren beginnt; der Gefangene wird in Fesseln hereingeführt; eine Schaar falscher Zeugen wird Ihm gegenübergestellt. Entsegliche Nacht, grauenhafte Scene, vom schimmerne den Lampenlichte unheimlich beleuchtet! Aus aller Augen grinzt uns Haß und Bosheit entgegen; in aller Herzen wogen Satans- Gedanken; o wie viel Böses ist in diesem Saale, in diesem Vorhofe der Hölle zusammengedrängt! Nur auf einer Gestalt ruht der geängstete Blick, wenn auch mit tiefer Wehmuth, doch mit stillem Wohlgefallen aus;' der Frieden Gottes ist über diese Gestalt ausgegossen, und mild und mitleidig siehet das Auge dieses Mannes auf die Versammlung zu seinem Untergange verschworner Menschen. Die Zeugenverhöre beginnen; da häuft sich Lüge auf Lüge, Meineid auf Meineid; aber selbst die Hölle weiß diesem Heiligen keine Schuld anzulügen. Ohne ein Wort zu erwiedern hört der Heiland die wider Ihn erhobenen Unklagen, und Sein Stillesein redet lauter, als Worte es vermöchten. Da wendet sich der Hohepriester selbst an den Verklagten.» Ich beschwöre Dich bei dem lebendigen Gott, daß Du uns sagest, ob Du seist Christus, der Sohn Gottes?« fragte er mit aller Feierlichkeit des ihm übertragenen Umtes. Es bedurfte hier eigentlich keiner Untwort. Es antworteten hier die Weissagungen der Jahrhunderte, welche in diesem Gefesselten erfüllt; es antworteten die Zeugnisse vom Himmel, welche über 1 76 Ihn erklungen; es antworteten die Wunder, welche geschehen waren, die Thaten, welche Er verrichtet, die Lehren, welche Er verkündigt; die Schicksale, die Er erfahren hatte; es antwortete die Hoheit und Würde, welche selbst noch in diesem Augenblicke aus dem Angesichte dieses Gemißhandelten leuchtete; ja die Fesseln, die Er trug, die Qualen, die man Ihm bereitete, der Tod, dem man Ihn entgegenführte, waren eine laute, große Antwort auf dieſe Frage. Aber dem Unglauben genügen keine Gründe, ihn befriedigt keine Antwort, auch den Unglauben der heutigen Welt nicht. Gott redet, die Jahrtausende erheben für die Wahrheit ihre Stimme, die Kirche legt Zeugnisse und Bekenntnisse ab, Schaaren verkündigen:» Dieser ist wahrlich Gottes Sohn und der Welt Heiland,« die Weltgeschichte beglaubigt Jesum als den Christ, das Bedürfniß des Herzens verlangt Ihn gebieterisch, selbst die Steine bleiben nicht stumm, aber wo alles zeugt und bejaht, da leugnet dennoch der Unglaube und würde es thun, ob jemand auch von den Todten auferstände, denn mächtiger, als das Zeugniß eines von den Todten Auferstandenen, ist das Zeugniß Gottes und Seines Sohnes, das Zeugniß der Propheten und Apostel.» Ich beschwöre Dich bei dem lebendigen Gott, daß Du uns sagest, ob Du seist Christus, der Sohn Gottes,« sprach der Hohepriester. Bisher hatte Jesus geschwiegen, nun durfte Er nicht mehr schweigen. Jesus erfüllte alle Gerechtigkeit und war der von Gott eingesetzten Obrigkeit gehorsam. Ohnehin aber war in diesem großen entscheidenden Augenblicke ein Bekenntniß nothwendig. Der Sohn Gottes konnte sich selbst nicht verleugnen. Was dieses Bekenntniß auf sich hatte, wußte Er; Er wußte, dieses Bekenntniß entfesselte die Wuth Seiner Feinde, gab Ihn den schändlichsten Mißhandlungen preis, rief das Todesurtheil über Ihn hervor, brachte Ihn ans Kreuz, aber dennoch zögerte Er nicht. Er erhob Sich, Sein Auge leuchtete in wunderbarem Glanze, Sein Ungesicht strahlte in göttlicher Freudigkeit, Seine, Gestalt trug Spuren von jener Erhabenheit und Klarheit, in welcher Er den Jüngern auf Thabor erschienen war; in der Mördergrube, worin Er Sich befand, war es still, wie im Gotteshause.» Du sagest es!« drang es in die Herzen der Versammlung, und dann lauter und lauter:» Von nun an wird es geschehen, daß ihr sehen werdet des Menschen Sohn sigen zur Rechten der Kraft und kommen in den Wolken des Himmels. O ihr Thoren! ihr meint Mich zu verderben, und bereitet mir den Pfad zur höchsten Herrlichkeit; ihr überhäuft Mich mit Schmach und Schande und führt Mich doch nur der Ehre und Klarheit ents gegen, die ich bei dem Vater hatte, ehe denn die Welt war; ihr wollt mein Werk und Reich hindern, und seid doch nur unbewußte Werkzeuge, es zu bauen; ihr richtet heute Mich, aber wehe euch! es kommt ein Tag, wo Ich euch richte.« O mein Chrift! welch ein Unblick! Welche Erhabenheit mitten in der tiefsten Schmach! Welche Größe mitten in der Niedrigkeit, welche Freiheit in Fesseln und Banden! welches Lebensgefühl im Angesichte des Kreuzestodes! welche Siegesgewißheit in der äußersten Niederlage! Doch was sollen wir sagen, wenn zu dem, was wir an dem Meister wahrnehmen, auch, durch Seine Gnade gestärkt, Seine schwachen Knechte fähig sind; Pea trus und Johannes bekennen vor demselben Gerichtshofe, vor welchem Jesus hier steht:» Wir können 78 es ja nicht lassen, daß wir nicht reden sollten von dem, was wir gehört und gesehen haben.« Stephanus aber, voll heiligen Geistes, siehet, während er um seines Glaubens willen gesteinigt wird, die Herrlichkeit Gottes und Jesum stehen zur Rechten Gottes und ruft aus:» Siehe, ich sehe den Himmel offen!« Und was jene konnten, das können auch wir; wir können, wenn wir Glauben haben, wenn Christus unser Heiland und der Herr unseres Lebens ist, die Schmach dieser Welt tragen und dabei unferer zukünftigen Ehre uns trösten; können in den Leiden und Trübsalen dieser Zeit im Geiste bereits schon in der Herrlichkeit sein, die uns drüben bereitet ist; wir können, während wir hier arm sind, unseres himmlischen Reichthums uns freuen; wir können, während wir hier kämpfen, getrost sein, als schmückten uns schon die Kronen, welche für uns da liegen; wir können, wo die Welt weint, jauchzen, wo sie verzagt ist, den freudigsten Muth haben; wir können im Tode des ewigen Lebens froh sein. Gebet. O Herr Jesu! Deine Treue stehet fester, als die Berge, und Deine Wahrheit dauert länger, als Himmel und Erde. Du bekenneft und leugneft nicht, Du bekennest:" Ich bin Christus, der Sohn Gottes," obwohl dieses Bekenntniß Dich in Kreuz und Tod führt. Aus Treue gegen mich, aus Erbarmen für mich ladest Du um dieses Bekenntnisses willen Schmach und Schande auf Dich und stirbst dafür am Kreuze. O gieb doch auch mir einen starken Zeugenmuth. Es ist Dir nicht unbekannt, wie verzagt mein Fleisch und Blut ist, wie oft die Welt durch ihr Troßen und Schmeicheln mir die Zunge bindet, wie ich, gleich einem schwankenden Rohre, von jedem Winde der Meinungen, von Menschenfurcht und Menschenliebe hin und her getrieben werde. Ich lese aber in Deinem Worte: ,, Es ist ein köstlich Ding, daß das Herz fest werde;" o Herr, 79 ein solches festes, treues Herz schenke mir, das nie wieder Dich verleugnet, das nie wieder die Treue, die ich Dir vor Deinem Altare und in mancher heiligen Stunde ges schworen habe, leichtsinnig vergißt, das wie David spricht: Ich glaube, darum rede ich, das wie Paulus ausruft: Ich schäme mich des Evangelii von Chrifto nicht," das, wie Du selbst und alle Deine treuen Zeugen, feine Schmach, kein Kreuz, keinen Tod scheut, wo es gilt, Deis nen heiligen und allein selig machenden Namen zu bes fennen, das stets Deines Wortes eingedenk ist:„ Wer Mich bekennet vor den Menschen, den will Ich auch bes kennen vor Meinem himmlischen Vater." Amen. $ 2 Cat Montag. In eigener Melodie. Herzliebster Jesu! was hast Du verbrochen, Daß man ein solch scharf Urtheil hat gesprochen; Was ist die Schuld? in was für Missethaten Bist Du gerathen? Du wirst verspeit, geschlagen und verhöhnet, Gegeisfelt und mit Dornen scharf gekrönet, Mit Effig, als man Dich ans Kreuz gehenfet, Wirst Du getränket. Was ist die Ursach' aller solchen Plagen? Ach, meine Sünden haben Dich geschlagen! Ich, ach Herr Jesu! habe dies verschuldet, Was Du erduldet. Wie wunderbarlich ist doch diese Strafe! Der gute Hirte leidet für die Schafe; Die Schuld bezahlt der Herre, der Gerechte, Für seine Knechte. Der Fromme stirbt, der recht und richtig wandelt; Der Böse lebt, der wider Gott gehandelt; Der Mensch verwirkt den Tod und ist entgangen; Chrift wird gefangen. 14 Matth. 26, 65, 66, Da zerriß der Hohepriester seine Kleider und sprach: Er hat Gott gelästert; was bedürfen wir weiter Zeug 80 niß? Siehe, jetzt habt ihr Seine Gotteslästerung gehört, was bünft euch? Sie antworteten und sprachen: Er ist des Todes schuldig." Wir treten heute wiederum in den Gerichtssaal des Hohenrathes ein, um die Anklage und das Urtheil zu vernehmen, was über den Herrn ergeht. Der Heiland hat Sein Bekenntniß abgelegt. Er hat es bei dem lebendigen Gotte beschworen, Er hat es im Ungesichte Seiner Todesmarter feierlich erklärt, Er will es mit Seinem Blute versiegeln und Er hat es damit versiegelt, daß Er sei Christus, der Sohn Gottes. Und dennoch leugnet's die Welt dem Wahrhaftigen, in dessen Munde nie ein Betrug erfunden worden ist, in das Angesicht hinein, und sie erklärt Ihm damit:» Du lügst!«< und beschuldigt Ihn, Er sei nicht um die Wahrheit, sondern um einer Lüge willen am Kreuze ge= storben. Der Heiland hatte erklärt:» Du sagst es. Doch sage ich euch: Von nun an wird es geschehen, daß ihr sehen werdet des Menschen Sohn sizzen zur Rechten der Kraft und kommen in den Wolken des Himmels.<< Sein Wort war erklungen. Da zerriß der Hohepriester seine Kleider( so thaten die Juden zum Zeichen ihrer Traurigkeit oder ihres Abscheus) und der Heuchler sprach:» Er hat Gott gelästert; was bedürfen wir weiter Zeugniß? Siehe, jetzt habt ihr Seine Gotteslästerung gehört.«< So lautete die Anklage des Hohenpriesters wider Jesum. Du entsetzest dich, wenn du Den, dessen angebeteten Namen von Jugend auf mit Undacht auszusprechen du gelehrt bist, wenn du Den, welchem deine höchste Liebe gebührt, bei welchem du dein zeitliches und ewiges Heil zu suchen gewohnt bist, wenn du Den, welchem die Engel dienen und die 81 Seraphim ihr Heilig singen, wenn du Den einen Gotteslästerer nennen hörst. Und wahrlich, wenn irgend etwas, so ist dies zum Entsetzen. Aber du wirst dich vielleicht noch viel mehr entsetzen, wenn ich dir sage:» Der Hohepriester hatte doch gewissermaßen recht.-Wie recht? recht? Ja! ge= wissermaßen, sage ich. Höre und urtheile. Es gehet jetzt eine alte Lüge durch die Welt, welche von Tausenden und aber Tausenden wie eine Wahrheit angenommen, geglaubt und vertheidigt wird. Diese alte Lüge, du wirst wohl schon davon gehört haben, lautet:» Jesus ist nicht der Sohn des lebendigen Gottes, ist nicht wahrhaftiger Gott vom Vater in Ewigkeit geboren, sondern Er ist ein bloßer Mensch gewesen, wie wir; aber freilich, so fährt die Lüge, damit man sich vor ihr nicht erschrecke, fort, aber freilich der beste Mensch war Er, das vortrefflichste Vorbild, der weiseste Lehrer; doch eben nichts weiter, wer Ihn für mehr noch hält, ist ein Thor; Seine Wunder sind Mährlein, Seine Geburt ist das natürlichste Ereigniß und Seine Auferstehung und Himmelfahrt eine Fabel; auch giebt es feinen lebendigen Christus, der noch jetzt um Seine Gläubigen sich kümmert, sondern nur einen todten, einen im jüdischen Lande begrabenen Christus.<< So lautet die Lüge und der Teufel hat nie eine ärgere und größere erfunden, und hat nie mit einer mehr Glück gehabt, als mit dieser. Und nun siehe, mein Freund! Wer diese Lüge wie eine Wahrheit, wie ein Evangelium glaubt( und es giebt solcher nicht wenige), der muß folgerecht mit dem Hohenpriester Christum, es ist schrecklich zu sagen, aber er muß Christum folgerecht der Gotteslästerung beschuldigen. Und das war es nur, was ich sagen Die heil. Baffion. F www - - - 82 wollte, wenn ich erklärte: Der Hohepriester habe doch gewissermaßen recht. Was heißt nämlich: Gott lästern? Es heißt: den Namen Gottes mißbrauchen, Seine Eigenschaften schmähen oder leugnen, oder auch sich selbst anmaßen und beilegen, und derjenige ist offenbar der größeste Gotteslästerer, welcher göttliche Namen und Ehren in Anspruch nimmt und sich, wie Gott, ehren und anbeten läßt. Christus aber erklärt, wie du weißt:» Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden«( Matth. 28, 18.) d. h. Ich bin der Allmächtige;» Ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende«( Matth. 28, 20.) d. h. Ich bin der Allgegenwärtige;» Ehe denn Abraham ward, bin Sch«( Joh. 8, 58.) d. h. Ich bin der Ewige:» Ich und der Vater find eins«( Joh. 10, 30.) d. h. Ich bin Gott, wie Er. Er verlangt:» Es sollen alle den Sohn ehren, wie sie den Vater ehren«( Joh. 5, 23.); Er will von der ganzen Welt, wie der Vater, angebetet sein. Du siehest, wir müssen an Christum glauben, wie wir an den Vater glauben, oder du magst selbst das schreckliche Oder vollenden, aber ein Drit tes giebt es nicht, das begreifst du. Wer den Sohn leugnet, der stellet sich auf die Seite des Hohenpriesters wider Shn. Auch war das die Sünde des Hohenpriesters eigentlich nicht, daß er sprach: »> Er hat Gott gelästert;« sondern nur eine Folge seiner Sünde. Seine Sünde war, daß er, statt an Ihn zu glauben, Ihn leugnete, statt Ihn zu lieben, Ihn haßte. Die Anklage wider Jesum war ausgesprochen. Der Hohepriester fragte seine Räthe und Beisitzer:» Was dünkt euch?« Und siehe, keine Stimme erhob sich für den Herrn der Herrlichkeit, kein Herz fühlte sich getrieben, Seine Unschuld zu - 83 vertheidigen; einmüthig sprachen sie:» Er ist des Todes schuldig!<«< Es gab ein Gesek, nach welchem sie ihr Urtheil rechtfertigten, und wir dürften sie deßhalb nicht tadeln, wäre Christus nicht der Sohn des Höchsten und Gott über alles. Bei uns nämlich kann ein Mensch fluchen und Gott lästern, wie er will, er kann sich dreist hinsehen auf die Bank der Spötter, und bleibt dabei doch vielleicht ein angesehener Mann, ein beliebter Gesellschafter, ein Mann, von welchem es wohl lobend heißt:» Es ist kein Spielverderber, kein finsterer Betbruder.<< Das göttliche Geset richtet die Sache anders:» Wel= cher den Namen des Herrn lästert, der soll des Todes sterben, heißt es da 3 Mof. 24, 16. Dies Gesetz war es, welches der Hoherath mißbrauchte, um Jesum zu richten. Du siehest, mein Christ, die erste große Lüge ist der Grund der empörendsten Ungerechtigkeit, des himmelschreiendsten Frevels, des entsetzlichsten Mißbrauchs des göttlichen Gesetzes. Es kann dir nicht entgehen, wohin derjenige geräth, welcher die Gottheit Christi leugnet; es geht mit ihm aus einer Lüge in die andre, aus einer Finsterniß in die andre; er stellet sich in die Reihe der Feinde des Herrn; er verwirft den Stein, welcher das ganze Gebäude des Christenthums trägt; er würde, hätte er in den Reihen der Weltesten und Schriftgelehrten gesessen und wäre er sich selbst treu geblieben, mit geurtheilt haben:» Er ist des Todes schuldig!«< Gebet. Du bist des Todes schuldig!" Das war das entsetzliche Urtheil, welches Deine Mörder über Dich aussprachen, Du unschuldigster Herr Jesu! O wie dringt das mir ins Ohr! wie erschüttert es mein armes Herz! wie F2 84 11 11 11 11 fährt es mir, gleich einem zweischneidigen Schwerte, durch die Seele! Nicht Dich, Du hast ja nie eine Sünde gethan und ist kein Betrug in Deinem Munde erfunden, Du Heiligster und Reinster! nein, mich trifft dies Urtheil; ja über mich ruft das richtende Gewissen, ruft das gebrochene Gefeß, ruft die beleidigte Gerechtigkeit und Majestät Gottes: Du, Du bist des Todes schuldig!" Heißt es nicht: Verflucht sei jedermann, der nicht bleibet in allem dem, das geschrieben ist in dem Buch des Gesetzes, daß er es thue?" stehet nicht geschrieben: So jemand das Gefeß hält und fündiget an Einem, der ist es ganz schuldig?" Ach und siehe! ich habe nicht Eines von Deinen heiligen Geboten, ich habe sie alle übertreten; ein Heer von Sünden lagert sich wider mich; Fleischessünden, Hoffahrtssünden, Lügen und Heucheleien, Haß und Neid, erfannte und unerkannte Sünden flagen mich an. Der Tod aber ist der Sünden Sold!" Welche Seele fündiget, die soll sterben." Du bist des Todes schuldig!" spricht Dein heiliges Gesetz zu mir und mein Herz sagt schaubernd: Ja und Amen. Aber da blickt es, wie der Missethäter, über welchen schon der Stab gebrochen ist, nach Gnade suchend, zu Dir hin und siehet Dich, wie Du an meiner Statt dastehest, wie Du Dich für mich armen Sünder richten und verdammen, ja ans Kreuz schlagen läsfest; wie zu meiner Errettung das schreckliche Urtheil: Du bist des Todes schuldig!" über Dich erklingt, und es macht die selige Erfahrung, daß es, im Glauben an Dich, zu fragen ein Recht hat: Wer will verdammen? Christus ist hier, der gestorben ist." Herr! stärke diesen Glauben in meinem Herzen, daß er im Leben und Sterben mir Trost verleihe und daß ich, weil Du für mich Dich haft richten und verdammen lassen, dereinst dem ewigen Gerichte freudigen Muthes und in gewisser Zuversicht meines Heils entgegen gehe. Amen. 11 11 Dienstag. In eigener Melodie. Jesu, meines Lebens Leben, Jesu, meines Todes Tod, Der Du Dich für mich gegeben SITH ne In die tiefste Seelennoth, In das äußerste Verderben, Nur daß ich nicht möchte sterben: Tausend, tausend Mal sei Dir, Liebster Jesu, Dank dafür. Du ach! Du hast ausgestanden Läfterreden, Spott und Hohn, Speichel, Schläge, Strick und Banden, Du gerechter Gottes- Sohn, Mich Glenden zu erretten Von des Teufels Band und Ketten: Tausend, tausend Mal sei Dir, Liebster Jesu, Dank dafür. 85 slip Matth. 26, 67. 68. Da speieten sie aus in Sein Angesicht und schlugen Ihn mit Fäusten. Etliche aber schlugen Ihm ins Angesicht und sprachen: Weiffage uns, Christe, wer ist es, der Dich schlug?" Wir sehen hier die empörendsten, die scheußlichsten Auftritte, welche jemals auf dieser entwürdigten Erde vorgekommen sind, Auftritte, welche uns schon mit dem tiefsten Abscheu erfüllen würden, wenn sie auch mit dem gemeinsten Missethäter sich zugetragen hätten. Betrachtet euren Herrn und Heiland! Keine Schmach ist so schändlich, die nicht auf Ihn gehäuft, keine Mißhandlung ist so grausam, die nicht an Ihm ausgeübt, keine Verhöhnung ist so boshaft, womit Er verschont, keine Frechheit ist so roh, der Er nicht preisgegeben wäre. Warum öffnet sich die Erde nicht, diese Gottlosen, wie die Rotte Korah, Dathan und Abiram zu verschlingen? Warum fahren nicht Bliße herab, sie zu vernichten?- Doch was murren wir gegen diese Menschen? Ein jeg= licher murre wider seine Sünde, welche den Erlöser der Welt in diesen kläglichen Zustand verseht hat. Unser Stolz ist die Ursache Seiner Verachtung, 86 unsere Hoffahrt ist der Grund Seiner Schmach. Uch wollte Gott, daß doch mit dieser äußersten Beschimpfung unseres Heilandes unser Stolz, Hoffahrt und Eitelkeit aus unsern Herzen herausgerissen wäre! Aber es fehlt viel daran. Arm, niedrig und verachtet sein will niemand; sich selbst verleugnen und die eitle Weltehre verschmähen, dazu bezeigt keiner Lust; die Einfalt und das Kreuz finden keine Liebhaber; der willige Gehorsam gegen Gott und die demüthige Dienstfertigkeit gegen den Menschen find Tugenden, die nicht geübt werden. Dagegen welch Prahlen und Prangen! welche alle Verhältnisse durchdringende Uteppigkeit und Wollust! wie sucht man den sündlichen Leib mit aller Pracht zu schmücken! wie will es der eine dem andern immer zuvorthun! wie rennt die Welt nach Ehren, Würden und Orden, als hinge die ewige Seligkeit daran! Ja, wie viel Hoffahrt und Eitelkeit wohnet selbst noch in denen, welche ihr Sündenelend kennen und den Herrn Jesum lieb haben. Es ist diese Sünde eine giftige Schlange, deren Kopf, so oft er auch zertreten wird, wieder wächst, die, wenn sie aus dem einen Winkel des Herzens vertrieben ist, alsobald in einem andern sich wieder festnistet und in immer neuen Gestalten und Hüllen wieder erscheint. Darum, o Seele, die du vielleicht schon lange mit dieser bösen, hartnäckigen Sünde kämpfst und sie nicht besiegen kannst, betrachte nur deinen Heiland Jesum Christum, wie sie Ihm ins Angesicht speien und mit Fäusten Ihn schlagen und höhnend fragen:» Weif sage uns, Christe, wer ist es, der Dich schlug?«< Wie Er dastehet als ein Reis und eine Wurzel, aus dürrem Erdreich aufgeschossen, ohne Gestalt noch Schöne, ohne alles, was uns gefallen könnte, als 87 der Allerverachtetste und Unwertheste unter allen Menschenkindern; wie an Ihm geschiehet, was Er weisfagend von sich selbst sprach:» Ich hielt meinen Rücken dar denen, die mich schlugen und meine Wangen denen, die mich rauften; mein Ungesicht ver= barg ich nicht vor Schmach und Speichel.«< Du müßtest keinen Funken der Liebe Jesu in deinem Herzen haben, wenn bei diesem Anblicke dir nicht die Seele schauderte und Stolz und Eitelkeit aus deinem Herzen wiche. Siehe! das alles hat der Heiland für dich und mich gelitten; Seine Schande ist die unsrige; um uns von der Schmach der Sünde zu reinigen, läßt Er Sich mit Schmach überhäufen; um an uns das unerkennbare göttliche Ebenbild in reinem Glanze wieder herzustellen, läßt Er es zu, daß Seine Gestalt bis zur Unkenntlichkeit entwürdigt werde. O du Abgrund der Liebe! o du Heil armer Sünder! Gebet. Du kennst mein Herz, o Herr, und keine seiner vielen und großen Sünden und Schwachheiten ist Dir verborgen. Du weißt es, wie erfüllt von Eitelkeiten, wie begierig nach dieser Welt Gunst und Ehre, wie lüstern nach allem, was meinem stolzen hoffährtigen Sinne schmeichelt, meine Seele ist, wie ich vielmehr meine Ehre, als Deinen Ruhm suche, wie ich viel eifriger nach dem Wohlgefallen der Menschen, als nach Deiner Gnade verlange. Herr, erbarme Dich meiner! Der Anblick Deines verhöhnten und verspeieten Angesichts, Deiner gemißhandelten Gestalt zeigt mir meine Schmach und Schande, enthüllt mir meine ganze Armseligkeit, mein trauriges Jammerbild. Bewahre in mir dies Bewußtsein meiner Nichtigkeit und Armuth, und demüthige mein Herz durch den Anblick Deiner Schmach, so oft Stolz und Eitelkeit sich wieder darin regen wird. Du ertrugst es sanftmüthig und geduldig, daß man Dich so arg verhöhnte, daß man Dich mit Fäusten schlug und 88 ins Angesicht Dir spie, verleihe mir Deine Gnade, daß auch ich um Deines Namens willen auf das Wohlgefallen und die Ehre bei der Welt verzichte, und daß, wenn ich Schmach und Verfolgung leiden muß, ich mich davor nicht entsege, sondern Dich bei solchem Kreuze um wahre Geduld und Liebe gegen meine Feinde bitte und mich freue, daß ich auch hierin Deinem Bilde ähnlich werden soll. Erhöre mich, o gütigster Jesu! Amen. Mittwo ch. Melod. Wenn meine Sünd' mich fränken. Von Furcht dahingerissen Verleugnet Petrus Dich; Bald ftraft ihn sein Gewissen, Da weint er bitterlich. Dein Blick, o Jesu, rührt sein Herz, Er fleht zu Dir um Gnade, Und Du stillst seinen Schmerz. Betrübt ist meine Seele, Erfüllt mit Neu und Schmerz. Was hilft's, daß ich's verhehle? Durchschauft Du doch mein Herz. Bekennen will ich's Jesu, Dir, Oft hab' ich Dich verleugnet Vergieb, vergieb es mir. SINOT 19 Matth. 26, 69-74. that Petrus aber saß braußen im Palaft; und es trat zu ihm eine Magd und sprach: Und du wareft auch mit dem Jesu aus Galiläa. Er leugnete aber vor ihnen allen und sprach: Ich weiß nicht, was Du sagst. Als er aber zur Thür hinaus ging, sahe ihn eine andere und sprach zu denen, die da waren: Dieser war auch mit dem Jesu von Nazareth. Und er verleugnete abermal und schwur dazu: Ich kenne den Menschen nicht. Und über eine kleine Weile traten hinzu, die da standen und sprachen zu Betro: Wahrlich du bist auch einer von denen, denn deine Sprache verräth Dich. Da hob er an sich zu verfluchen und zu schwören: Ich kenne den Menschen nicht. Und alsbald frähte der Hahn." 89 Schmerzliche Erfahrung! Beweinenswerthes Zeugniß von der Schwachheit des menschlichen Herz zens. Petrus verleugnet Jesum. Er stehet nicht etwa vor dem hohen Rathe, um Rechenschaft zu geben von seiner Lehre und seinem Glauben, er fiehet nicht das Kreuz aufgerichtet, woran er sterben soll, nein! noch hat es keine Gefahr. Die Stimme eines Weibes bringt den starken, den so hoch sich vermessenden Petrus zum tiefen Falle. Er fällt nicht ungewarnt. Noch kann er das ernste Wort nicht vergessen haben:» Simon, Simon, siehe, der Satanas hat eurer begehret, daß er euch möchte sichten, wie den Waizen;« noch kann es in seiner Seele nicht verklungen sein:» In dieser Nacht, ehe der Hahn krähet, wirst du mich dreimal verleugnen.<< Und dennoch verleugnet Petrus Jesum. Er ist eben mit dem Herrn auf dem Thabor gewesen, er hat den Sohn Gottes in himmlischer Verklärung gesehen, er hat die Stimme vernommen:» Dies ist mein lieber Sohn, an welchem ich Wohlgefallen habe;« er ist auf eine besondere Weise vor dem Aergerniß an der Niedrigkeit seines Meisters verwahrt und weiß, daß derselbe durch Leiden und Ster= ben die Welt erlösen muß. Und dennoch verleugnet Petrus Jesum. Er hat eine große Bestimmung, eine erhabene Würde; der Heiland hat zu ihm ge= sprochen:» Du bist Petrus und auf diesen Felsen will Ich Meine Gemeine bauen.« Und siehe! dieser Mann, der berufen war, die Gemeine zu erbauen, giebt ihr das größeste Wergerniß: dieser Mann, der berufen war, den Namen Christi aller Welt zu predigen, sagt, er kenne Ihn nicht; dieser Mann, der eine Säule der Kirche sein soll, wird ein Abtrünniger; der Felsenmann verleugnet Jeſum.- Eben zu 90 der Zeit, als Christus ihm die zärtlichsten Beweise Seiner Liebe giebt, bezeigt Petrus Jhm die grausamste Undankbarkeit; zu der Zeit, als Christus hingehet, den Petrus zu erlösen, verleugnet. Petrus Christum; zu der Zeit, als Christus für Petrum sterben, am Kreuze sterben will, erklärt Petrus:» Ich kenne den Menschen nicht.« Und es ist nicht genug, daß er sich verstellt, er leugnet; es ist nicht genug, daß er leugnet, er leugnet dreimal; es ist nicht genug, daß er dreimal leugnet, er leugnet unter Schwüren und Verwünschungen. Uns schaudert das Herz dabei, aber er erklärt gleichsam:» Ja! o Gott, wenn ich weiß, daß dieser Mensch, von Dem man mich fragt, mein Herr ist, wenn ich je ein Zeichen Seiner Liebe und Freundlichkeit erfahren, wenn ich ein Beuge Seiner Reden und Wunder gewesen, wenn ich Ihn in Seiner Verklärung auf dem heiligen Berge gesehen und Deine Stimme gehört habe: » Dies ist mein lieber Sohn:« so will ich, o Gott, ewig ein Gegenstand Deines Hasses und Deiner Rache sein.< Was ist der Mensch! welch ein schwaches, elendes Geschöpf, sobald der Hauch der göttlichen Gnade auch nur einen Augenblick sich von ihm zu= rückzieht! Wenn die Säulen der Kirche erschüttert werden können, wie wird es uns zerbrechlichen Gefäßen ergehen? Wenn jene Sonnen, welche als strahlende Lichter mitten unter dem unschlachtigen und verkehrten Geschlechte scheinen sollen, verfinstert werden, wie wird es den glimmenden Dochten ergehen? Wenn die Gedern Libanons zerbrechen, wie wird es dem Ephen an der morschen Wand ergehen? Gebet. Herr, barmherziger Gott und Heiland! Wie Dein Jünger Petrus habe auch ich Deine Gnade erfahren; mit mehr als Mutterliebe hast Du mich von Jugend auf getragen und behütet; Du hast in dem Elende und Jammer meiner Sünde mir Dein Erbarmen bewiesen; Du hast mich gewürdigt, Dein Licht zu schauen und an dem Glanze Deiner Herrlichkeit mich zu weiden; Du bist mir Schwachen ein Stab, mir Verlassenen ein Trost, mir Angefochtenen ein starker Hort und eine sichere Burg gewesen; so oft ich Dich rief, hast Du mir geantwortet, so oft ich zu Dir kam, hast Du Dich mir nicht entzogen und Dich nicht gescheut, Dich zu mir armen Sünder zu bekennen. dan sto Was wär' ich ohne Dich gewesen? Was würd' ich ohne Dich nicht sein? Zu Furcht und Aengsten auserlesen, Ständ' ich in weiter Welt allein; Nicht wüßt' ich sicher, was ich liebte, Die Zukunft wär' ein dunkler Schlund, Und wenn mein Herz fich tief betrübte, Wem that' ich meine Sorge kund! Haft aber Du Dich kund gegeben, Ist ein Gemüth erst Dein gewiß; Wie schnell verzehrt Dein Licht und Leben Dann jede öde Finsterniß! 91 Mit Dir bin ich auf's Neu' geboren, Die Welt wird mir verklärt durch Dich; Das Paradies, das wir verloren, Blüht herrlich wieder auf für mich. 1370 Ach Herr! und was ist mein Dank gewesen für so viel Treue und Gnade? Ich durchforsche die Tiefen meines Herzens, ich blicke zurück in die vergangenen Stunden meines Lebens; ach und stehe! es ist mir, als könnte ich Deine Gegenwart nicht ertragen, als müßte ich zu Dir sprechen: ,, Herr, gehe von mir hinaus, ich bin ein sündiger Mensch." Ich habe nicht einmal, nicht dreimal, wie Petrus, ich habe Dich tausendmal verleugnet. Wie oft habe ich in leichtsinniger Gesellschaft, wenn ich darauf angesehen wurde, ob ich auch Einer der Deinen sei, aus erbärmlicher, fläglicher Menschenfurcht, Böses gut und Gu tes böse geheißen, aus Finsterniß Licht und aus Licht Finsterniß, aus Süß Sauer und aus Sauer Süß gemacht 92 und durch dieses schmachvolle, feige Betragen erklärt:„ Ich kenne Ihn nicht, ich bin Sein Jünger nicht." Wie oft habe ich, wenn die Kinder dieser Welt mich fragten:„ Wie? bist du auch Einer von diesen, denen man solche Spottnamen giebt? Gehörst du auch zu den Bekennern jenes altväterlichen Glaubens?" wie oft habe ich mich da von dem Strome fortreißen lassen und durch ein nichtswürdiges Bezeigen geantwortet:„ Ich kenne Ihn nicht, ich bin Sein Jünger nicht." Und was bewog mich denn, Dich, meinen getreuesten und liebreichsten Herrn zu verleugnen? Stand mir etwa der Märtyrertod bevor? wäre etwa, falls ich Dich bekannt hätte, große Trübsal über mich gekommen? würde mir mein Hab' und Gut entrissen sein? hätte ich meinem Amte entsagen müssen? war etwa mein schwaches Herz durch irgend welche Schrecken eingeschüchtert? Nein, Herr! in den Zeiten der Ruhe und Sicherheit habe ich Dich verleugnet. Es drohete mir kein blutdürftiges Gericht, kein offener Kerter, kein aufgerichtetes Kreuz, kein angezündeter Scheiterhaufen, kein bewaffneter Henker, wie einst fenen Blutzeugen, welche in dem Angesichte dieser Schrecknisse dennoch Deinen Namen bekannten. Ach Herr! ich wollte auch nicht die leichteste Schmach für Dich erdulden, der Du für mich Dich haft anspeien und verhöhnen lassen, der Du für mich die blutige Geißel erbuldet und die Dornenkrone getragen, der Du für mich alle Noth und Höhenstrafe meiner Sünde auf Dich genommen und in die Marter Deines Kreuzes gegangen bist. Das thatest Du für mich, ach! und was that ich für Dich?- Herr, Herr! verwirf mich nicht vor Deinem Angesicht! entziehe mir armen Sünder Dein Mitleiden nicht! Sei mir gnädig nach Deiner Güte und tilge meine Sünde nach Deiner großen Barmherzigkeit! Herr höre! Herr erhöre! Herr vergieb! Amen. Donnerstag. Melod. D Haupt voll Blut und Wunden. Da stehest Du Sohn Gottes! Von Frevlern frech entweiht, Ein Ziel des niedern Spottes, Berschlagen und verspeit! 151 Doch mehr, als Schmerz und Schande, Kränkt Dich Dein schwacher Freund, Der treulos Dich verkannte Und nun den Fall beweint. Doch spricht aus Deinen Blicken Nur Gnade, nur Geduld. O Jesu, wie entzücken Die Strahlen Deiner Huld! Du kämpfft mit eignen Schmerzen; Doch fühlst Du fremde Pein, Und eilst, bedrängten Herzen Erquickung zu verleih'n. Die Allmacht Deiner Blicke Dringt Petro tief ins Herz. Beschämt geht er zurücke, Erfüllt mit Reu' und Schmerz. Wie wuchs nun Deinem Zeugen Beständigkeit und Muth! Furcht konnt' ihn nie mehr beugen! Für Dich, Herr, floß sein Blut. Erlöser meiner Seele, Sei meine Zuversicht! Ich Schwacher, ich verhehle Dir meine Sünde nicht. Mit Scham und bittrer Neue Bekenn' ich es vor Dir: Auch ich vergaß die Treue! Vergieb, vergieb es mir. 93 Ev. Luc. 22, 61. ,, Und der Herr wandte Sich und sahe Petrum an. Und Petrus gedachte an des Herrn Wort, das Er zu ihm gesagt hatte: Ehe denn der Hahn fräht, wirst du Mich dreimal verleugnen." 1 Die Sünden, welche Christen nach ihrer Bekehrung begehen, veranlassen uns zu vielen ängst= lichen Fragen, welche wir selbst uns zu beantworten nicht im Stande sind. Wie? sollte Gott wohl einen Menschen in die Hölle stürzen, an welchem das Opfer des Kreuzes schon seine Kraft bewiesen hat? Aber kann Er auch diesen Menschen in das Paradies aufnehmen, wenn er mit einer groben Sünde sich wie 92 @ derum befleckt hat? Wie? kann Gott wohl die Gnade widerrufen, die Er einmal geschenkt hat? Aber kann Er sie auch gegen einen Menschen fortsehen, welcher diese Gnade, nachdem er sie an seinem Herzen erfahren hatte, wieder von sich gestoßen hat? Der menschliche Verstand kann diese Schwierigkeit nicht lösen, aber der Herr selbst löset sie, indem er dem gefallenen Christen die hülfreichen Urme bietet. Daß Petrus, der Freund Jesu, von Seiner Gnade ausgeschlossen sein sollte, das ist unmöglich. Daß aber Petrus, der Verleugner Jesu, zu Gnaden angenommen werden sollte, das ist eben so unbegreiflich. Doch Jesus kommt ihm zu Hülfe und giebt ihm Kraft, von seinem Falle wieder aufzustehen.» Da wandte sich Jesus um und sahe Petrum an.« Wie viel, wie viel sagt dieser Blick! wie beredt sind diese Augen! nie eine Sprache geredet, so Redner die Herzen bewegt. So nachdrücklich hat gewaltig hat nie ein » Jesus sahe Petrum Wer ist dieser Jesus? Es ist der Mann der Schmerzen, der über eine neue Last klagt, da er schon unter derjenigen, die er trägt, erliegen möchte; es ist der liebreiche Erlöser, der Mitleiden mit einer Seele hat, die ihrem Untergange entgegen eilt; es ist der Beherrscher der Herzen, der Allmächtige, welcher den Angriff des Satans zurückschlägt und ihm feine Beute wieder entreißt.-Es ist eine Klage, eine herzzerreißende Klage, welche in dem Blicke sich ausspricht, welche der Mann der Schmerzen auf Seinen Ihn verleugnenden Jünger richtet. Petrus, der geliebte Petrus, drückt einen neuen Stachel in das blutende Herz seines Heilandes. Ein Streich ist uns um so empfindlicher, je geliebter die Hand ist, von welcher er kommt. Wenn wir einen Feind 95 seinen Haß wider uns kehren sehen, so erstaunen wir nicht, denn das ist der Lauf der Welt. Aber wenn wir da Treulosigkeit finden, wo wir Treue suchten und sie zu finden Ursach hatten, wenn unser Freund unser Verräther wird, dann ist es schwer, dem Schmerze zu widerstehen, dann erfüllt Wehmuth und Traurigkeit unsere Seele. Dies ist der Fall, worin sich Jesus befindet. Daß das jüdische Volk sich wider Ihn bewaffnet, das ist so erstaunlich nicht; sie kannten Ihn nicht. Daß die Pharia säer auf Seinen Tod dringen, das ist so wunderbar nicht; Er hatte beständig wider ihre Laster geeifert. Daß der römische Soldat Ihn verhöhnt und miß= handelt, das ist so auffallend nicht; er hält Ihn für einen Feind seines Kaisers. Daß aber Petrus, der Ihm Sein Leiden versüßen sollte, Sein Leiden vergrößert; daß derjenige, der Ihn vertheidigen sollte, Ihn verleugnet; daß derjenige, der Ihm die Hand darreichen sollte, Seine Thränen zu trocknen, seinen Arm gewissermaßen Seinen Mördern darbietet, dies ist es, was dem Erlöser durch das Herz geht, dies ist die Klage, welche wir in Seinem traurigen, thränenfeuchten Blicke lesen. Wir lesen - noch mehr darin, wir lesen darin das Mitleiden, welches Er mit einer Seele hat, die ihrem Untergange entgegeneilt. Es ist uns, als spräche Er:» Simon, Jonas Sohn, Ich gebe Mich willig und gern zum Opfer für dich dahin, wenn nur dies Opfer deine Seligkeit erkauft; mit Freuden unterwerfe Sch Mich der Gerechtigkeit meines Vaters, wenn du nur dadurch von ihm freigesprochen wirst. Aber da Sch selbst in der Stunde meines Todes sehen muß, daß du dich eben diesen Erbarmungen, deren ganzen Schatz Ich dir öffne, entziehst; da Ich sehe, daß 96 du das Blut des Bundes unrein achtest, das Sch jetzt vergießen will; da Ich sehe, daß Ich sterbe, für dich vergeblich sterbe, wenn du dich nicht wieder von deinem Fall aufrichtest, so wird Mir Mein Leiden noch schmerzlicher, Mein Tod noch bittrer.<< Diese Worte lesen wir in dem Blicke Jesu. Und als Er den Jünger ansiehet, krähet der Hahn. Die sen Augenblick wählte der Herr, um ihm sein Versprechen, seine Betheuerungen, seine Schwüre in das Gedächtniß zurückzurufen, und seine Seele mit Scham und Unruhe zu erfüllen.- Es liegt aber in diesem Blicke mehr noch als eine Klage, mehr noch als das Mitleiden mit einem armen Sünder, es liegt darin ein Wunder verborgen. Es ist dieſer Blick Jesu Christi, wie das Wort Seines Mundes, schärfer, denn kein zweischneidig Schwert, das durchdringet, bis daß es scheidet Seele und Geist, auch Mark und Bein. Es ist ein Blitz, der auf einmal die Augen des Apostels öffnet, den Abgrund vor ihm erleuchtet, in welchen er eben hinunter zu stürzen im Begriff ist; der die Schrecken zerstreuet, welche ihn verblendet haben, und jene Schrecken enthüllt, welchen er eben entgegen gehen wollte; der seinen sinkenden Muth wieder aufrichtet, seine wankenden Kniee befestigt, seinen fast erstorbenen Glauben wieder belebt und ihn dringet, seine Arme nach dem Erlöser auszustrecken, dem er den Rücken zugekehrt hatte. Durch diesen Blick entstehet, ich weiß es nicht, welch ein Aufruhr in seiner Seele; sein Gedächtniß kehrt zurück; sein Geist kommt wieder zu sich selbst; sein Herz wird erweicht; sein Angesicht erblaßt; in seinen Augen steigen Wolken auf, die sich in Strömen von Thränen ergießen. Jesus redet durch Blicke und Petrus antwortet durch Thränen. 97 Gebet. * Herr Jesu! es ist die Geschichte meines Lebens, es sind die Erfahrungen meines Herzens, welche ich so eben vernommen habe, als ich die Worte betrachtete: Jefus sahe Petrum an.- Jene Klage, welche der Jünger in Deinem Blicke las, jene Klage: ,, Mir hast du Arbeit gemacht in deinen Sünden und haft Mir Mühe gemacht in deinen Missethaten," jene Klage aus Deinem Munde, Du Mann der Schmerzen: ,, Ich habe dich je und je ge liebet und diese Liebe für dich hat Mich in Noth und Tod getrieben und du vergisseft Meiner, du verleugnest Mich und selbst in dieser heiligen Zeit, wo dir alles Meine Liebe und Mein Leiden predigt, gedenkst du Meiner nicht!" o Herr, o Herr, jene Klage ist auch mir durch das Herz gegangen und jener Blick, den Du auf Deinen Jünger wirfst, hat auch meine Seele getroffen. Herr! Du seufzest über mich und Dein Seufzen bricht meinen Troß, strast meine Sünde empfindlicher, als Ruthen und Scorpionen thun könnten. Herr! ich habe Dich gelassen, o! laß Du mich nicht; siehe! ich kehre wieder, verstoß mich nicht, der Du gesagt haft: ,, Wer zu Mir kommt, den will Ich nicht hinaus stoßen." Und nein! Du thust es nicht, denn Du bist die Liebe und das Erbarmen.- Siehe! jenes Mitleiden, welches aus Deinen Augen dem gefallenen Petrus entgegen leuchtete, jenes Mitleiden mit dem armen Sünder, in wel chem ich Dich sprechen höre: ,, Ist nicht Ephraim mein theurer Sohn und mein trautes Kind? Denn Ich gedenke noch wohl daran, was Ich mit ihm geredet habe, darum bricht Mir Mein Herz gegen ihn, daß Ich Mich seiner erbarmen muß;" jenes Mitleiden, ich fühle es, siehet auch mich an, erquickt auch mein zerschlagenes Herz, richtet auch mein zagendes Gemüth auf, tröstet auch meine weinende Seele. Ja! Herr, jene von Dir ausströmende Wundermacht, welche den am Rande des Verderbens stehenden Petrus an Dein Herz zurückreißt, ich habe sie auch an meinem Herzen erfahren, ich erfahre sie aufs Neue. Dein auf mich gerichtetes heiliges Auge thut Wunder an meiner Seele. Was die schmerzlichsten Erfahrungen, was die empfindlichsten Züchtigungen, was der Ernst des Lebens, was der Gedanke an den Tod, was die Schrecken des Gerichts wohl nicht vermocht hätten, das geschiehet, indem Die heil. Passion. - 98 Du mich, indem ich Dich anschaue in Deiner Martergestalt, daß thut Dein auf mich gerichtetes Gnadenauge, es zerbricht mir mein Herz, es macht mich Todten lebendig, es erweckt meinen Glauben, es füllt meine Bruft mit Thränen über mich und meine Sünde, es zieht mich an Dein Herz und macht mich nach Deinem Troste und Deiner Gnade begierig. Herr hilf! o Herr erbarme Dich meiner! Amen. Freitag. Melod. Herr, ich habe mißgehandelt. Herr! ich muß es nur bekennen, Herr! ich hab' nicht gut gethan, Darf mich nicht Dein Kind mehr nennen, Ach! nimm mich zu Gnaden an! Laß die Menge meiner Sünden Deinen Zorn nicht gar entzünden. Wein', ach wein' jetzt um die Wette Meiner Augen Thränen- Bach! O daß ich g'nug Zähren hätte, zu betrauern meine Schmach! O daß aus dem Thränen- Brunnen Käm ein starker Strom geronnen. Dir will ich die Last auflegen; Wirf sie in die tiefe See; Wasch' mich Deines Leidens wegen, Treuster Heiland, weiß wie Schnee, Lasse Deinen Geist mich treiben, Einzig stets bei Dir zu bleiben. Ev. Luc. 22, 62. Und Petrus ging hinaus und weinete bitterlich." Thränen der VerDie Thränen, welche die Sünde dem Menschen auspreßt, sind Thränen der Verzweiflung, Thränen der Wuth, Thränen der Buße. zweiflung vergießt Judas und mit ihm die Welt. Er kann den Gedanken an seine Sünde nicht ertragen; er erkennt sie, er fühlt sie, er gestehet. sie, aber sie 99 feine glaubenslose Reue ist die Traurigkeit der Welt, welche den Tod wirkét. Thränen der Wuth vergießen die Verdammten in der Hölle, denn da wird sein Heulen und Zähnklappen. Thränen der Buße aber vergießen die Gläubigen in dem Schooße der Kirche. Von welcher Urt diese Thränen sind, zeigt uns das Beispiel des Apostels.»> Petrus ging hinaus und weinete bitterlich.<< Bitterlich weinte Petrus. Du weinst auch über deine Sünde; aber deine Thränen löschen das Feuer des göttlichen Zorns nicht aus und deine Bußübungen verschaffen dir nicht das beseligende Gefühl der Versöhnung mit Gott, denn deine Buße ist nicht ernstlich genug, deine Thränen sind nicht bitterlich genug. Du gleichst dem Kranken, der freilich über seine Krankheit seufzt, aber doch nicht fühlt und weiß, wie gefährlich, wie tödtlich das Uebel ist. Bedächtest du, wie groß die Majestät desjenigen ist, den du mit deinen Sünden beleidigt, wie unübersteiglich die Scheidewand, welche du zwischen dir und deinem Gotte aufgerichtet, wie schmerzlich die Wunden, welche du deinem Heilande geschlagen, wie heilig das Geseß, woran du gefrevelt, wie schädlich das Beispiel, das du gegeben, wie furchtbar die Strafe, wie entseßlich das Elend, welches du damit auf dich geladen hast: wahrlich du würdest sprechen, wie David:» Wende Dich, Herr, und errette meine Seele; hilf mir um Deiner Güte willen. Ich bin so müde von Seufzen, ich schwemme mein Bette die ganze Nacht und neße mit meinen Thränen mein Lager;« du würdest vielleicht weniger als bisher von deiner Sünde reden, aber du würdest, wie Petrus, bitterlich darüber weinen. Als Jesus den lieben Jünger ansahe, ging er auf der Stelle hinaus und weinete 62 - Univ, Bilal. Glessen 100 bitterlich. Petrus vertrauet die Sorge für seine Seligkeit nicht einer ungewissen Zukunft an, er denkt nicht:» Ein andermal! morgen!« er weiß:» Wer seiner Seele Heut verträumet, der hat die Gnadenzeit versäumet.<< Es giebt drei Dinge, sagt ein frommer Mann, deren wir uns bis auf den mors genden Tag nicht versichern können: unser Leben, unsere Buße, Gottes Gnade. Du sprichst:» Morgen will ich fromm werden!« Du Narr! Diese Nacht wird man vielleicht deine Seele von dir fordern. >> Morgen willst du Buße thun.« Bist du auch sicher, daß dir morgen kein Hinderniß in den Weg kommt? Morgen ist vielleicht dein Gehirn verstört, dein Gemüth zerrüttet, dein Herz verstockt.» Mor= gen willst du dich um einen gnädigen Gott bekümmern.« Aber weißt du nicht, daß die Gnade, welche du heute verachtest, dir morgen nach gerechtem Gericht könne entzogen werden? Heute streckt Gott Seine Hand nach dir aus, bietet Er dir Gnade an; du willst nicht; morgen zieht Er sie wieder zurück. Heute willst du nicht, morgen will Er nicht. Dars um, meine Seele, ach heute, heute, so du Seine Stimme hörst, verstocke dein Herz nicht. Wlsbald Er ging Petrus hinaus und weinete bitterlich.. ging hinaus nicht aus Scheu, Christum an dem Orte zu bekennen, wo er schwach genug gewesen war, Ihn zu verleugnen, sondern aus Mißtrauen gegen sich selbst. Der wahre Christ bewacht und befestigt die Seiten seines Herzens, deren Schwäche ihm eine traurige Erfahrung entdeckt hat; er verwandelt so seinen Verlust in Gewinn und zieht aus seiner Niederlage Vortheil. Dieser Gegenstand, denkt er, reizt meine böse Lust, ich muß meine Augen von ihm wenden; diese Gesellschaft verführte mich zur Sünde, 1 101 ich muß augenblicklich mit ihr brechen; in dem Hofe des Kaiphas verleugnete ich meinen Erlöser, ich muß hinausgehen. Uebermuth und Sicherheit ist bei mir die Ursache von so vielen gebrochenen Gelübden, von so vielen argen Uebertretungen, von so vielen brennenden Schmerzen, von so vielem bittern Leide gewesen. Petrus ging hinaus und weinete bitterlich. Diese Thränen löschen seine Schuld aus durch das Blut dessen, den er beleidigt hat, dieſe Thränen bewegen das Herz seines Erlösers in Zärtlichkeit gegen ihn, diese Thränen sind ein Zeugniß, daß er für immer von seinem Uebermuthe geheilt ist, diese Thränen sind die Sprache eines völlig umgewandelten und wiedergeborenen Herzens, diese Thränen weint eine Liebe, welche sich auf kein» Lieber haben« mehr einläßt und doch stärker ist, als der Tod, und doch, nachdem sie überall das Werk Christi getrieben, überall die Schmach Christi getragen, überall dem Auftrage Chrifti:» Weide meine Lämmer!«< genügt, am Kreuze sterbend, sterbend für den Erlöser, der für sie gestorben ist, ausruft: » Herr, Du weißt, daß ich Dich lieb habe!« - Gebet. Herr, Du weißt, daß ich Dich lieb habe. Das darf auch ich sagen, und ich sage es mit einem zerknirschten und über meine Sünde bitterlich weinenden Herzen. Herr, ich weiß nur von dieser meiner Sünde zu reden; ich habe nichts vor Dich zu bringen, als bittere Thränen und aufrichtiges Herzeleid über meine Schuld, die ich im längsten Leben und mit den besten Werken nicht auszulöschen im Stande bin. Mein ganzes Leben liegt wie eine große und schwere Anklage hinter mir und die Vergangenheit läßt mich für die Zukunft zittern; ich kann nicht für mich selbst gut sagen, ich kann nichts von mir selbst hoffen. Das Erempel der großen Heiligen, und noch mehr meine 102 eigenen traurigen Erfahrungen an meinem schwachen, an meinem troßigen und verzagten Herzen demüthigen und erschrecken mich. Bist Du mir nicht gnädig und hältst Du Deine Hand nicht über mir, so weiß ich nicht, ob ich nicht vielleicht Dich noch oftmals verleugne, ob ich nicht, wie David, mich verfündige, ob ich nicht, wie Hiob, noch den Tag meiner Geburt verfluche. Ich weiß nur, daß ich schwach bin. Aber bei allen den Schwachheiten die ich an mir finde, bei allen den Sünden, die mich drücken, fühle ich dennoch, daß ich Dich liebe, darf ich dennoch mit Pe trus sagen: ,, Herr, Du weißt, daß ich Dich lieb habe." Ich fühle, daß kein Schicksal, keine Macht der Versuchung, kein Reiz der Welt, keine Lift des Satans diese Liebe in meinem Herzen zu vertilgen und völlig auszulöschen im Stande ist; ich fühle, wenn ich von Dir höre, wie voll, wie gerührt, wie durchbrungen meine Seele ist und wie entzückt ich bin, einen Erlöser zu haben, wie Du bist; ich fühle, wenn ich Dein Wort vernehme, wie Dein Ernst mich erschüttert, Deine Gnade mich bewegt, Deine Liebe zu dem armen Sünder mir die Thränen ins Auge treibt; ich fühle selbst dann, wenn ich unglücklich genug bin, meiner Luft zu folgen, meinen fündlichen Begierden nachzu geben, eine Unruhe, eine Verwirrung, eine Bein in mir, die es mir deutlich sagt, daß der Heiland, den ich beleidige, eben der Heiland ist, den ich liebe; ich fühle, daß ich nicht leben möchte, wenn ich Dich nicht hätte, wenn Du mein nicht wärst; ich fühle, daß, wenn Du auch mich in die Hölle verstießest, ich dennoch Dich lieben müßte. Herr Herr! ich bin der ärmste, der elendeste Sünder, aber ich darf es dennoch sagen, ich muß es sagen:, Herr, Du weißt, daß ich Dich lieb habe." Amen. Sonnabend. Melod. Wer nur den lieben Gott. Wahr ist es, übel steht der Schade, Den niemand heilet, außer Du. Ach! aber ach! ach Gnade Gnade! Ich lasse Dir nicht eher Ruh'. Erbarme Dich, erbarme Dich, Gott, mein Erbarmer, über mich! se det Nicht, wie ich hab' verschuldet, lohne, Und hand'le nicht nach meiner Sünd'. Um Jesu willen, Vater, schone Und nimm mich wieder an zum Kind. Erbarme Dich, erbarme Dich, Gott, mein Erbarmer, über mich! 35000 190 83 Sprich nur Ein Wort, so werd' ich leben, Sprich, daß der arme Sünder hör':' ,, Geh' hin, die Sünd' ist dir vergeben; Nur fündige hinfort nicht mehr." Erbarme Dich, erbarme Dich, Gott, mein Erbarmer, über mich! Wie lang soll ich vergeblich klagen? Hörst Du denn nicht? Hörst Du denn nicht, d Wie kannst Du das Geschrei vertragen? Hör', was der arme Sünder spricht: Erbarme Dich, erbarme Dich, Gott, mein Erbarmer, über mich! 18 don Ich zweifle nicht, ich bin erhöret, Grhöret bin ich Zweifels frei, Weil sich der Trost im Herzen mehret, Drum will ich enden mein Geschrei. Ich lobe Dich, ich lobe Dich, Gott, mein Erbarmer, über mich! STE SCE 700 ad 103 Matth. 27, 3-5. Da das sahe Judas, der Ihn verrathen hatte, daß Er verdammet war zum Tode, gereuete es ihn, und brachte her wieder die breißig Silberlinge den Hohenpriestern und den Aeltesten und sprach: Ich habe übel gethan, daß ich unschuldig Blut verrathen habe. Sie sprachen: was gehet uns das an? Da siehe du zu. Und er warf die Silberlinge in den Tempel, hub sich davon, ging hin, und erhenkte sich selbst." Der Unschuldige ist ein Opfer der Bosheit geworden; die Hohenpriester haben Ihn verurtheilt zum Tode. Es muß jedoch dies Urtheil vom römischen Landpfleger bestätigt und vollzogen werden. Gebunden wird der Herr dahin geführt. Ein wilder 104 Volkshaufe begleitet Ihn auf diesem schrecklichen Gange. Siehe da! mitten im Gedränge eine furchtbare Gestalt mit verzerrtem Angesichte; Entsetzen, Schreck, Grauen liegt in seinen Zügen. Judas ist's, das Kind des Verderbens.. Noch immer trägt er die Silberlinge, wofür er Ihn verkauft, in den Händen, aber wie brennt ihm jetzt dies Geld, das seines Herzens Lust gewesen war, in der Hand, da er solchen Ausgang sieht. Nun reuet ihn seine Unthat, nun eilt er zu den Hohenpriestern und Welte= sten und bringt den schrecklichen Lohn ihnen zurück und spricht:» Ich habe übel gethan, daß ich unschuldig Blut verrathen habe.« Thörichter Judas! Meinest du Mitleid zu finden bei den Feinden des Herrn? Wenn du Ihn selbst nicht um Gnade bittest und bei Ihm keine Hülfe findest, so wird dir keine Rettung zu Theil aus deiner Angst. Wie der Satan sich freuet über die Verzweiflung seiner Beute, wie die Hölle lacht, wenn sie eins ihrer Opfer empfängt, so fühllos und höhnend sprachen die Hohenpriester und Weltesten:» Was geht das uns an? Da siehe du zu!« Und zurückgestoßen von der Welt und ohne Muth, an den Verrathenen selber sich flehend zu wenden, bleibt dem Kinde des Verderbens nichts übrig als Verzweiflung. Judas wirft die Silberlinge in den Tempel und geht hin und erhenkt sich. Wehe dem Verräther! Jeht erfüllt sich an ihm das Wort des Herrn! » Des Menschen Sohn geht zwar dahin, wie von Ihm geschrieben stehet, doch wehe dem Menschen, durch welchen Er verrathen wird. Es wäre demselbigen Menschen besser, daß er nie geboren wäre.<< -Schrecklicher als alle Flüche, welche von Sinai hernieder donnern, welche auf Ebal in die Steine - 105 gegraben, von Hunderttausenden zitternder Männer wiederholt werden, welche die Propheten des alten Bundes im Namen Jehovah's über das halsstarrige Volk aussprachen ist das ruhige, stille» Wehe!«< aus dem Munde dessen, der gekommen ist, zu suchen und selig zu machen alles, was verloren ist. Und dieses Wehe hub schon an, in jener Abendstunde über Judas zu kommen, als der Herr ihm den Bis sen reichte und er sich entlarvt sahe vor Gott und Menschen. Welche Angst mußte ihn da ergreifen! Wir sollten meinen, in diesem Augenblicke, wo er sich erkannt sahe, hätte er überwältigt ausrufen müſsen:» Ja Herr! ich hatte Verrath gesponnen wider Dich, ich war Dein Verräther, aber nun bin ich's nicht mehr, erbarme Dich über mich, vergieb mir! Über die Sünde hat einen eisernen Arm. Ach ob auch Gottes Auge ihr Gewebe durchschaut, ob es auch keinen Winkel giebt und keine Stunde, wo sie unbemerkt ihr Wesen treiben kann, ob auch die Menschen nahe und fern mit Fingern darauf weisen, ob auch keine Selbstbeschönigung hilft und im Innern des Herzens tausend Anklagen wach werden: so hält sie doch ihre Opfer fest umschlungen und läßt fie nicht.-- Bom Judas lesen wir, der Satan fuhr in ihn. Die letten Regungen der Liebe zu dem Herrn erstarben in seiner Seele, das noch mühſam glimmende Docht seines Glaubens an Ihn erlosch völlig, die Liebe zu dem blanken Gelde überfluthete sein ganzes Wesen, der Vorsag des Verrathes wurde unwiderruflich, und der Satan hatte nun das Regiment in ihm, ihm mußte er sich fügen und seinem Gebote gehorchen. Der arme Sclave des schrecklichen Herrn, wie ein willenloses Werkzeug ward er getrieben hinzugehn und den Herrn der Gnaden zu - 106 verrathen. Doch wie nun das Lamm Gottes dahin wankt, gefesselt und zerschlagen, vom wilden Haufen verspottet und verhöhnet- da faßt den Verräther eine namenlose Angst, da erkennt er sein Werk, kein Schleier verhüllt ihm mehr sein Verbrechen, keine Entschuldigung gilt mehr, dieser Ausgang zeigt ihm seine Schandthat in ihrer nackten Gestalt der Mann der Schmerzen ist ein Spiegel seiner Sünde. Und ist er nicht auch ein Spiegel deiner Sünde, meine Seele? Siehe, so viele Striemen Er trägt, so viel Wunden Ihm geschlagen sind, so viel Schmach und Hohn Ev erfahren, so viel Böses hast du Ihm angethan; an Seinen Schmerzenszeichen erkenne deine Schuld, deine ganze Schuld, und gehe zum Seelenfreunde, daß Er dir vergebe, daß Er dich erlöse, dich errette. Das ist freilich ein saurer Weg, Fleisch und Blut sträubt sich dagegen, den um Vergebung und alle Himmelsgaben anzuflehn, dem man das Bitterste angethan- aber es giebt keinen andern, und kannst du nicht stehend und festen Schrittes mit erhobenem Haupte dieſe Bitte vor Jesum bringen, so komme friechend, zit= ternd, seufzend und weinend zu Ihm heran, wie David, Magdalena und Petrus. Wehe! Judas, der Sein Brot aß und Ihn mit Füßen getreten, wagt's nic nicht, diesen Weg zu gehen. Seine Schuld in ihrer schauderhaften Größe stand ihm vor Augen, aber die Gnade des Heilandes in ihrer unendlichen Tiefe sahe er nicht, er bebt, wie Kain, vor sich selbst zurück, er schaudert, wie Saul, vor dem Abgrunde des Verderbens, in welches er gesunken; und um der Höllenangst zu entweichen, eilt er, wie jener unglückselige König Israels, der Höllenqual in die Arme. Dort, wo der Wurm, der niemals stirbt, - 107 immer beißt und nagt, dort, wo das Feuer, welches nie verlischt, immer glüht und brennt, dort, wo der Satan ewiglich seine Lust hat an den Qualen der aus Jesus Retterhand gefallenen Seelen, dort hinunter stürzt sich der Selbstmörder Judas. Wehe demselben Menschen, es wäre ihm besser, daß er nie geboren wäre! Bond 00 191 Gebet. Barmherziger Heiland! Auch ich habe dich verrathen tausendmal mit meinen Sünden, auch ich trage den Sündenlohn in meinen Händen, auch ich habe Dich überhäuft mit Schmerzen und Wunden. Ach laß meine Sünden mich nicht mehr leugnen und beschönigen, zeige mir viel mehr Deine Striemen und Wunden und laß mich daran die Größe meiner Schulden merken. Und wenn ich dann bei ihrer zahllosen Menge, wie Judas verzweifeln und wie Kain rufen möchte: ,, Meine Sünde ist größer, als daß ste mir vergeben werden könnte!" o dann zeige mir die unergründliche Tiefe Deiner Gnade, laß mich hören die freundliche Stimme: ,, Ich bin um der Sünder und nicht um der Gerechten willen gekommen, Ich will nicht, daß einer verloren gehe, sondern, daß alle zur Wahrheit kom men;" laß mich liegen auf dem Felsen Deiner Verheißungen, und fülle mich mit Muth und fröhlichem Vertrauen, zu Dir zu gehen und Dich um Deine Gnade recht getrost und brünstig zu bitten. An Judas Beispiel sehe ich's recht deutlich, wie nicht die Sünde, sondern nur der Unglaube die Seele in das ewige Verderben stürzen kann. hätte das Kind des Verderbens nur Glauben wie ein Senfforn und Muth gehabt wie der Schächer am Kreuze, Einen Blick zu Dir zu wenden, Ein Wort des Flehens an Dich zu richten, Barmherziger! Du hättest selbst Deinen eigenen Verräther nicht verstoßen! Aber da er an Dir verzweifelte, kam das Verderben schnell über ihn. Darum bitte ich, Herr, und lasse Dich nicht, bis Du mich erhöreft, zünde die Fackel des Glaubens in mir an und laß sie recht helle brennen und wenn das thörichte und träge Herz, das troßige und verzagte Fleisch, mein Leicht 108 sinn und meine Sünde mir Dein Gnadenlicht überdecken, oder gar auslöschen wollen, o dann thue Du, Barmher ziger, auch für mich, was Du für Petrum gethan haft, bete dann, daß nur mein Glaube nicht aufhöre, auf daß ich nach jeder Abkehr von Dir und Deinem himmlischen Vater an Deiner Gnade nicht verzagen, sondern mich immer weinend und flehend zurückwenden und Dich ges trost bitten möge: ,, Erbarme Dich, Gott mein Erbarmer, über mich!" Ach Herr, stärke meinen Glauben, hilf meinem Unglauben! Amen. N02 em subie onds M Vierte Woche. ( Von Deuli bis Låtare.) Jesus vor dem römischen Landpfleger Pontius Pilatus. m di# Sonntag. Melod. Sesus, komm doch selbst zu mir. Nun, so bleibt es fest dabei, Daß ich Jesu eigen fei; Welt und Sünde fahret hin, Weil ich schon versprochen bin. Jesus ist mein höchstes Gut; Denn Er gab Sein theures Blut Auch für mich verlornes Kind, Daß mein Glaube Gnade find'. Nun ich ftrecke mich nach Dir; Jacobs Glaube zeiget mir, Wie man heftig mit Dir ringt, Bis man Dich zum Segen dringt. Cher laß ich Dich nicht hin, Bis ich ganz versichert bin; Bis ich weiß: Dein Blut ist mein, Und ich soll errettet sein. Amen, fa Du hörest mich, Und ich Armer lobe Dich, Ja zum Voraus will ich schrein: Jesus wird mein Helfer sein! Ev. Joh. 18, 36. Jesus antwortete: Mein Reich ist nicht von dieser Welt. Wäre Mein Reich von dieser Welt, Meine Diener würden darob kämpfen, daß ich den Juden nicht überantwortet würde; aber nun ist Mein Reich nicht von dannen." 110 Auf dem Delberge war der Erlöser im göttlichen, im Pallaste des Hohenpriesters im geistlichen Gerichte gewesen, jetzt ist Er vor Seinen welt= lichen Richter gestellt. Man hat Ihn gebunden zum römischen Landpfleger Pontius Pilatus geführt. Wie dort zu einem Gotteslästerer, so will man Ihn hier zu einem Empörer machen. Man klagt Ihn an:» Diesen finden wir, daß Er das Volk abwendet und verbeut den Schoß dem Kaiser zu geben und spricht: Er sei Christus, ein König.« Man fordert, daß die Todesstrafe an Ihm vollzogen werde. Da ruft Ihn Pilatus in das Richthaus und fragt: » Bist Du der Juden König?« Und der Herr antwortet:>> Mein Reich ist nicht von dieser Welt!«< Und auf Seine Unterthanen weiset Er den Richter hin, wie sie nicht Schwert und Lanze für Ihn erhöben, und wie daraus leicht der Schluß zu ziehen wäre, daß Sein Reich nicht von dannen sei. Wohlan meine Seele! Auch auf das Zeugniß deines Lebens und Wandels will sich dein Heiland berufen; deine von dieser Welt entrückte Weise soll den Heiligen rechtfertigen vor der Welt, dein Verleugnen, deine Demuth, deine Geduld solls der Welt beweisen, daß Jesu Reich kein Reich sei von dieser Welt. Denn nach den Christen beurtheilet man Christum, nach den Bürgern des Reiches das Reich selbst. Zeugen also sollst du immerdar durch Wort und That für Ihn und Sein Reich; und wie sehr bist du Ihm dieses Zeugniß schuldig, du, für den Er Sich gege= ben, du, den Er aus Gnade und Barmherzigkeit berufen und erwählt zu dem Genusse Seiner himmlischen Güter! Aber wie sehr läsfest du es an eben diesem Zeugnisse fehlen!» Mein Reich ist nicht von dieser Welt,« spricht der Herr, und wir, seine Zeu 111 gen, bekennen uns wohlbedächtig und mit kaltem Blute durch Reden und Erempel für die Grundsätze der Welt, die Seinem Reiche gerade entgegen stehen. Sein Reich ist nicht von dieser Welt: wir aber, Seine Reichsgenossen, sind mit unsern eifrigsten Bemühungen, unsern heftigsten Wünschen, unsern nagendsten Sorgen darauf gerichtet, uns in dieser Welt festzusetzen und mit immer stärkern Banden an sie zu fesseln. Sein Reich ist nicht von dieser Welt: wir aber unterscheiden uns nicht durch Demuth, Be= scheidenheit und Menschenliebe von den Kindern der Welt, sondern stehen mit unserm Stolze, unſerer Anmaßung und unserer Eitelkeit mitten unter ihnen. Sein Reich ist nicht von dieser Welt: wir aber zögern noch immer, uns von allem loszusagen, was nicht vom Vater ist, sondern von der Welt, nämlich der Augen Lust, des Fleisches Lust und hoffährtiges Wesen. Wir können's noch nicht fassen ,, daß alles, was uns von den Banden dieser Welt befreien kann, und wenn es die tiefste Erniedrigung, die unerträglichste Armuth, die heftigste Krankheit wäre, uns der unschäßbarste Gewinn ist. Wir können's noch immer nicht hören und ertragen, wenn man uns sagt, daß ein Lazarus, der zwar von Schmerzen der Krankheit zerrissen ist, an dem die Würmer nagen, der nur zu leben scheint, um zu leiden, der aber mitten unter allen diesen Leiden Gott fürchtet, und betet, und auf einen seligen Tod wartet, unendlich reicher und glücklicher ist, als der hochgepriesene reiche Mann, der Gott verachtet, obgleich er in Purpur und köstliche Leinwand sich kleidet, alle Tage herrlich und in Freuden lebet, und von einer bewundernden und schmeichelnden Menge umgeben ist. Ach Herr! wie sehr mangeln Deine 112 Knechte noch des Zeugnisses, welches sie durch Wort und That für Dich und Dein himmlisches Reich follten ablegen! Gebet. Treuer, hochverdienter Heiland, habe Dank, daß Du ein Reich angefangen hast, das nicht von dieser Welt ist. Die weltlichen Reiche werden zertrümmert, Dein Reich bleibet in Ewigkeit; über die weltlichen Reiche kommt bald ein Stärkerer, Dein Reich sollen die Pforten der Hölle nicht überwältigen, und seine Segnungen bleiben uns für und für. wie elend stände es um uns Menschenkinder, wären wir nur Bürger der Erde, und nicht auch Deines himmlischen Reiches. Was könnte dann uns erheben, wenn die Welt und ihre Lust uns in ihrer Nichtigkeit, Eitelkeit und Leere erscheint? Was wäre unsere Hoffnung und unser Trost in Zeiten der Krankheit und Schwachheit, des herannahenden Alters, der entschwindenden Kräfte, des drohenden Todes? Ich danke Dir, ich preise Dich, o Herr! daß Du mich zu einem Bürger Deines himmlischen Reiches gemacht hast, daß es eine zukünftige Welt ist, vor deren Throne ich stehe. Was hülfe mir ein Heiland, der nur hier auf Erden herrschet! Meine Seele bedarf eines Erlösers, der im Himmel regieret und dort meinen Namen angeschrieben hat. Mein süßester Gebanke, meine herrlichste Hoffnung ist die, daß ich Dich einst sehen soll, wie Du bist, wie Du sißest zur Rechten Deines Vaters in der Höhe, und die vier und zwanzig Aeltesten und die vier Thiere, wie sie niederfallen vor Dir und ihre Kronen zu Deinen Füßen legen, und wie die frohlockenden Chöre der triumphirenden Kirche erklingen: ,, Herr, Du bist würdig zu nehmen Preis, Ehre und Kraft"( Offenb. 4, 11.)! O selige Aussicht, die sich mir darbietet auf meinem Sterbebette in meiner Todesangst, mitten in den Finsternissen meines leßten Stündleins, wenn Du auf mich blickest mit treuem Gnadenauge, wenn Du mich beim Namen nennst, mir Muth einsprichst, mir zurufst: ,, Wer. überwindet, dem will Ich geben, mit Mir auf dem Stuhl zu sitzen," ja, der noch mehr thut, der mir Kraft giebt, zu stegen und nach dem Siege mir aushilft zu Seinem himmlischen Reiche und mich krönet. Dir sei Ehre von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Montag. Melod. Echmücke dich, o liebe Seele. König, dem kein König gleichet, Dessen Ruhm kein Mund erreichet, Dem als Gott das Reich gebühret ,, Der als Mensch das Scepter führet, Dem gehört das Recht zum Throne, Als des Vaters ew'gem Sohne, Den so viel Vollkommenheiten nid Krönen, zieren und begleiten. thailand 900 STUT ather 194 Himmel, Wasser, Luft und Erde, Nebst der ungezählten Heerde Der Geschöpfe in den Feldern, In den Seen, in den Wäldern, Sind, Herr über Tod und Leben! Dir zum Eigenthum gegeben. Thiere, Menschen, Geister scheuen, Menschensohn, Dein mächtig Dräuen. noo Herrsche auch in meinem Herzen Neber Zorn, Furcht, Lust und Schmerzen. Laß mich Deinen Schuß genießen, Laß mich Dich im Glauben füssen, Ehren, fürchten, loben, lieben, Und mich im Gehorsam üben; Daß ich einst nach Kampf und Leiden Mit Dir theile Deine Freuden. 113 Joh. 18, 37. 11 Da sprach Pilatus zu Ihm: So bist Du dennoch ein König? Jesus antwortete: Du sagst es, Ich bin ein König." Das Verhör im Richthause hat seinen Fortgang. Demüthig und frei beantwortet der Herr und Richter über die Lebendigen und Todten die vom irdischen Richter Ihm vorgelegten Fragen. Als der Landpfleger fragt:» So bist Du dennoch ein König?« antwortet die Stimme dessen, dem Wind und Meer gehorsam waren, und dessen Wort wahrhaftig ist:» Du sagst es, Ich bin ein König!«< Mächtiges, majestätisches Wort! Mit ihm fallen Die heil. Passion. S 114 die Decken und Hüllen, damit Seine Herrlichkeit und Majestät überkleidet war, das Knechtsgewand sinket und der König der Ehren steht vor unsern Blicken da. Wie Er vor dem Hohenpriester Seine Gottheit kühn bezeugte, da Er auf dessen Frage: » Ich beschwöre Dich bei dem lebendigen Gott, daß Du uns sagest, ob Du seist Christus, der Sohn Gottes des Hochgelobten?« frei bekannte:» Ich bin es!« so bekennt Er hier, vor dem weltlichen Gerichte, frei und kühn:» Ich bin ein König!«< Und siehe! Er ist's! Ob Er auch den Purpurmantel zum Spotte nur trägt, ob auch Sein Scepter nichts, als ein Rohrstab, und Seine Krone aus spißigen Dornen geflochten ist, so ist Er dennoch ein wirklicher König, ja der König aller Könige und der Herr aller Herren. O siehe Ihn nur recht an in Seiner Erniedrigung, meine Seele! und erkenne an Ihm die Zeichen Seiner zwar verhüllten, aber dennoch majestätischen und königlichen Herrlichkeit. Was ists doch, was einen Menschen zum Könige macht? Daß er der erstgeborne Sohn eines königlichen Vaters ist, daß die Krone sein Erbtheil von Geburt. Und der mit der Dornenkrone, ist Er nicht der eingeborne Sohn des allmächtigen Vaters voll Gnade und Wahrheit, ist nicht der Thron aller Himmel Himmel Sein ewiges Erbe? Eines Königs Beichen ist königliche Macht, er gebietet und Millionen gehorchen. Und der mit dem Rohrstabe in der Hand? Er sprach: und die Blinden wur den sehend, die Lahmen gehend, die Tauben hörend, die Ausfähigen rein, die Stummen redend und die Todten standen auf. Er sprach: und die brausenden Wogen legten sich wie spielende Lämmer zu Seinen Füßen, die Stürme schwiegen stille und den nomine indie - - 115 bangen Herzen ward es leicht. Er sprach: und die Schergen stürzten zu Boden, wie vom Blige gerührt, der Schächer am Kreuze sieht den Himmel offen, und Seine Mörder schlagen zitternd an ihre Brust. Eines Königs Zeichen ist seine Würde; Millionen beugen vor seinem Purpur das Haupt und sein Wort ist ihr Geseß. Und der mit dem spottenden Purpurmantel? Vor Ihm beugen sich aller derer Kniee, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind und alle Zungen bekennen, daß Er der Herr sei zur Ehre Gottes des Vaters. Eines Königs Zeichen ist das Reich, das ihm unterthan; je größer seine Lande, je fester seines Reiches Verfassung, je glücklicher seine Unterthanen, desto königlicher der Herr.- Und der Verachtete und Verhöhnte? Er hat ein Reich angefangen, so weit die Welt geht, und Seine Paniere wehen bis an die Grenzen der Erde; und soll Eine Heerde und Ein Hirte werden. Alle Reiche dieser Welt, aus Trümmern verfallener Erdenreiche erbaut, stürzen bald wieder in Trümmern zusammen: Sein Reich aber sollen die Pforten der Hölle nimmer überwältigen, und Seine Unterthanen jauchzen:» Im Herrn haben wir Gerechtigkeit und Stärke, und sind erfüllt mit Friede und Freude und allerlei lieblichen und köstlichen Reichthümern und überschwenglicher Hoffnung und Seligkeit!« Eines Königs schönstes Zeichen ist sein Werth, je treuer er die Seinen liebt, desto geliebter; jemehr seine Gesetze Gottes Gesetze sind, desto gesegneter und herrlicher ist er.- Und der Verfolgte und Gehaßte und zum Tode Ueberantwortete? Er spricht von sich selber:» Niemand hat größere Liebe, denn die, daß er sein Leben läßt für seine Freunde,« und diese Seine Liebe hat Er 52 116 mit Seinem Blute besiegelt auf Golgatha; Er bekräftigt's:>> Meine Lehre ist nicht Mein, sondern deß, der Mich gesandt hat!«< Und wie Er nach Seinem innern Wesen, so war Er auch nach Seinem Willen und Gesetze mit dem Vater Eins; Er fordert Freunde und Feinde heraus:» Welcher unter euch kann Mich einer Sünde zeihen?« nnd die Freunde rufen:» Er hat niemals eine Sünde gethan und ist auch kein Betrug in Seinem Munde erfunden wor den!« und die Feinde rufen staunend aus:» Wahrlich dieser ist ein frommer Mensch gewesen.« Siehe da! das ist dein König, dein König in der Knechtsgestalt, geschmähet und verhöhnet, erniedrigt und zerschlagen, aber dennoch dein König! Und wenn Er dich auch nicht mit irdischen Ehren und Reichthümern überhäufen sollte, wie Erdenkönige ihren Günstlingen thun, wenn vielmehr bei Ihm Verachtung, Schmach und Armuth zu finden wäre, so folge Ihm dennoch treu und halte dich recht nahe an Deines Königs Seite, denn einen Frieden, den die Welt nicht kennt, und der besser ist als tausend Schäße Goldes, des Himmels Krone und das ewige Erbtheil in der Stätte, die Er den Seinen mit blutenden Händen erbaut, der heiligen Engel Gemeinschaft im himmlischen Jerusalem, das ist die Beute, die dein König in Seinem Streite für dich gewonnen, das sind die Gaben, die Er denen bereitet hat, die Seine Erscheinung lieb haben, Sein eigen sind und in Seinem Reiche unter Ihm leben und Ihm dienen in ewiger Gerechtigkeit, Unschuld und Seligkeit. Gebet. Jesus Christus, himmlischer König! wie möcht ich's gerne, daß ich mit Leib und Leben, Thun und Lassen, Hof 117 fen und Streben Dein Diener und Dein Unterthan wäre, daß, gleich wie Du nicht von der Welt bist, auch ich nicht von dieser Welt wäre. Ich sehe Dich an in Deiner Demuth und Selbsterniedrigung, der Du nicht nur vom Throne Gottes in Schmach und Bande herab gestiegen bist, sondern auch von allem Glanze dieser Welt Dich losgesagt haft; der Du flohest, wenn man Dich haschen und zum Könige machen wollte, und Dich willig ergreifen läsfest, wenn man Dich verspotten und verspeien will; und bitte Dich, Du wollest mir solchen niedrigen und demüthigen Sinn geben, daß ich nicht mehr der irdischen Ehre geizig sei und ihr nachiage, sondern vor derselben fliehe so wie Du, und es von mir ferne sein lasse, daß ich mein Dichten und Trachten darauf richte, wie ich höher steige in der Welt und es andern zuvor thun möge, damit das mein Wahlspruch werde: Du mußt wachsen, ich aber abnehmen!" und ich mit David den Entschluß fasse:„ Ich will noch geringer werden und niedrig sein in meinen Augen." Ich sehe Dich an in Deiner Armuth, der Du, ein König Himmels und der Erden, doch so arm warst, daß Du nicht hattest, wo Du Dein Haupt hinlegtest, der Du alle Deine Himmel und ihre Schäße dahin gabst zu unserm Besten. Wohlan! laß es auch mein Werk nicht sein, daß ich Schäße sammle, danach die Diebe graben und welche Motten und Rost fressen. Hilf mir vielmehr, daß da, wo mir Erdenschäße zufallen, ich nimmermehr mein Herz daran hänge, sondern mir eifrig einen Schatz im Himmel ſammle auf das Zukünftige, und Geben für seliger halte, als Nehmen. Ich sehe Dich an, himmlischer König, in allen Deinen Schmerzen und Leiden, wie Du dahin gehst, Dein Leben zu lassen zu einer Erlösung für viele. Ach hilf mir doch, daß ich nun auch absage aller Ueppigkeit und Wolluft, daß ich der Mäßigkeit, Keuschheit und Reinigkeit mich befleißige, und auch der erlaubten Freuden und Gemächlichkeiten des Lebens mich mit Zucht und ehrbarer Verleugnung bediene. O hilf mir, mein König und mein Herr, daß die Sclavenketten des Satans je mehr und mehr mir von Leib und Seele sinken, und ich von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüthe Dein Knecht und Diener werde, Dir getreu und folgsam, Dir ergeben in allen Dingen, auf Dich blickend und Deinen 118 Fußstapfen nachfolgend bei allen meinen Schritten. Sagst Du Dich los von der Pracht der Welt, was hab' ich dann noch damit zu schaffen? Hast Du Dich so tief erniedrigt, daß Du für den himmlischen Schooß des Vaters die armfelige Erde, für Deine ewige Strahlenkrone die spißen Dornen, für den Himmel, der Dein Gewand, und die Morgenröthe, die Deines Kleides Saum, ein höhnend Spottgewand eingetauscht, was soll ich dann mit stolzem Sinne noch nach irdischer Ehre streben? Bist Du gemartert und zerschlagen, was soll mir dann noch Wollust und Ueppigs keit? brich Du das stolze, fleischliche, lüsterne, thörichte Herz in mir entzwei, und gieb mir ein neues nach Deinem Wohlgefallen, darinnen Du allein König seift, darinnen Deine Liebe wohne, Deine Kraft regiere, Dein Gesetz gelte, - Dein Friede bleibe, o Jesu! Amen. Dienstag. Melod. Ein Lämmlein geht. Du trägst der Missethäter Lohn Und hattest nie gesündigt; Du, der Gerechte, Gottes Sohn! So war's vorher verkündigt. Der Frechen Schaar begehrt Dein Blut; Du duldest göttlich groß die Wuth, Um Seelen zu erretten. Du litt'st und starbest auch für mich, Denn Gott warf aller Sünd' auf Dich, Damit wir Frieden hätten. uc. 23, 18-21. Da schrie der ganze Haufe und sprach: Hinweg mit diesem, gieb uns Barrabam los, welcher war eines Aufruhrs und um eines Mordes willen ins Gefängnis geworfen. Da rief Pilatus abermal zu ihnen und wollte Jesum los laffen. Sie riefen aber und sprachen: Kreuzige, freuzige Ihn!" Ein unheimlich Nachtstück liegt vor uns; da ist auch nicht ein Lichtpunkt, lauter dichter, dunkler 119 Schatten, auch nicht ein Zug, bei welchem Auge und Herz gern verweilte. Pilatus führt Jesum und Barrabam heraus vor das Volk und spricht:» Wählet, welchen soll ich euch losgeben!« Grauenvolle Wahl! Jesus und Barrabas! Der Sohn Gottes, der Herr der Herrlichkeit, das Licht der Welt, der Fürst des Lebens, vor dem die tausend mal Tausend der himmlischen Heerschaaren anbeten, dieser und Barrabas, eine finstere Schreckenserscheinung, eine Pestbeule der Menschheit, der nichtswürdigste unter den Verbrechern, welche die Gefängnisse der großen und verderbten Stadt bewohnen. Und der Sohn Gottes wird verworfen, das unglückselige Volk entscheidet sich für Barrabas. Grauenvolle Wahl!___ Jesus und Barrabas! Jesus, die heilige Liebe; Jesus, der keine Sünde gethan hat; Jesus, über den der Lobgesang erschallt:» Heilig, heilig, heilig ist der Herr, alle Lande sind Seiner Ehre voll,«< dieser und Barrabas, der Empörer und Mörder, den die schwersten Verbrechen anklagen, das Satanskind. Und Jesus wird verworfen, das unglückselige Volk entscheidet sich für Barrabas!- Grauenvolle Wahl! Jesus und Barrabas! Jesus, der Ullerfreundlichste und Liebreichste, der umhergezogen ist und hat wohlgethan und gesund gemacht! Jeſus, der niemandem etwas zu Leide gethan hat, sondern jeden segnen und selig machen will. Jesus mit dem holdseligen Angesichte, mit dem heiligen Liebesblicke, mit dem Ausdrucke des tiefsten Seelenschmerzes in der ganzen rührenden Gestalt, dieser und Barrabas, der Feind Gottes und der Menschen, mit dem Kainszeichen, mit dem frechen Troße, mit dem Blicke des Haffes und der Tücke. Und Jesus wird verworfen, das unglückselige Volk entscheidet sich ↑ 120 Uns schaufür Barrabas. Grauenvolle Wahl! dert vor diesem entsetzlichen Ereignisse längst vergangener Tage. Doch was sagst du, wenn es uns nicht so fern und fremd wäre, wenn es sich beweisen ließe, daß etwas durchaus Aehnliches, wie diese grauenvolle Wahl, oft genug unter uns, in uns sich ereignet. Ja! in der Tiefe des Herzens siehet es oft trübe und finster aus, und es giebt Augenblicke in jedes Menschen Leben, wo wir uns verabscheuen müssen, wo die ganze Welt uns verabscheuen müßte, könnte sie in unser Herz hineinsehen. Es gehet da auch in dir eine Wahl vor zwischen Jesus und Barrabas und das Herz entscheidet sich für den Mörder. Höre und urtheile. Nicht wahr, Barrabas siehet aus, wie die Sünde in Person, so häßlich, so schmuhig, so verbrecherisch, so unheilbringend; nun denn, setze für Barrabas die Sünde. Jesus und die Sünde, beide treten oft genug zusammen vor uns hin und fordern:» Entscheidet euch!« Wie fällt die Entscheidung aus? Die Hand aufs Herz, sei ehrlich. Bisweilen, ja bisweilen erwählt deine Seele den Herrn, aber häufig, aber wenn deine Lieblings- und Schooßsünde vor dir steht, oder wenn der Drang der Begierde, das Feuer der Leidenschaft, die schmeichlerische Lust sich nahet, wie dann, wie dann, o Seele? Leuchte hinein mit der Fackel des Evangeliums in die dunklen Stunden deines Lebens. Da steht Jesus, der Sohn Gottes, Dein Herr und Heiland mit den Wunden, die Er für dich Sich hat schlagen laffen, mit der Dornenkrone, die Er für dich getragen, mit den Nägelmalen an Händen und Füßen, und Sein Mund fließt in Liebe für dich über, Er warnt, Er ruft, Er bittet, Seine Stimme ist so lieblich, Er streckt beide Arme nach Dir aus und 121 spricht:»> Erwähle Mich, erwähle Mich, wenn du es gut meinst mit deiner Seele, hier ist Licht, Trost, Gnade, Seligkeit!«<- und da stehet die Sünde und redet verführerisch darein und erregt das unheilige Feuer deiner Lust und bethört deine Sinne und verwirrt dein Urtheil und schmeichelt sich in dein Herz hinein und dein Auge siehet nicht, wie häßlich, wie verabscheuenswürdig sie ist, ach und du läßt den Heiland und Seine Gnade fahren und erwählst die Sünde, Barrabam! Grauenvolle Wahl! Statt der Gnade wählest du das Gericht, statt der Unschuld die Schuld, statt des Heils das Verderben, statt des Himmels die Hölle, statt Gottes den Teufel. Du trittst den Sohn Gottes mit Füßen und achtest das Blut des neuen Testamentes unrein. Darfst du dich wundern, wenn du empfängst, was du erwählest, darfst du dich wundern, wenn jedesmal, so oft du die Sünde dem Herrn vorziehest, Jesus sich von dir wegwendet, wenigstens auf eine Zeit lang, und dein Herz nun der Schmerz anfällt und der Streit und die Qual deine Seele ergreift, bis du durch schwere Buße und nach langem Suchen unter heißen Thränen Ihn wieder findest, den Verschmähten und Gekränkten? Je öfter aber der Mensch das Grauenvolle thut und die Sünde wählt, wenn Jesus nach seiner Seele sucht, desto weiter kommt er von dem Herrn weg und zu legt behält er, was er gewollt hat, ein in der Sünde verstocktes Herz, das Verderben und die Hölle. Was sagst du, mein Christ? Nicht wahr, es ist etwas Entseßliches um die Sünde? Sie treibt uns immer zu der Wahl zwischen Jesus und Barrabas; wir können nicht sündigen, ohne den Herrn zu verleugnen, zu verwerfen, zu kreuzigen, und das furchtOnly, Bial. Glessen - 122 bare Schauspiel vor des Landpflegers Pallaste wiederholt sich in der Menschenbrust. Doch Barrabas war noch ein Mensch, noch nicht durch und durch Sünde; die Sünde aber ist nichts weiter als Sünde, eine Frucht des Teufels, eine Ausgeburt der Hölle, eine häßliche, scheußliche, verderbenbringende Erscheiz nung, wie sehr sie sich auch verstelle und in wie liebliche Gestalten sie sich auch kleide. O wenn es nun wieder bei uns zur Wahl kömmt, zur Wahl zwischen Jesus und Barrabas, und das wird es, vielleicht morgen schon, vielleicht heute noch, dann wollen wir uns an des Heilands treues Herz werfen und nie wieder den Mörder Barrabas dem lieben Herrn Jesu Christo vorziehen, nie, nie wieder! Gebet. Nein! nie, nie wieder, o Herr, will ich die Sünde Dir vorziehen. O, es ist ein arger Betrug, es ist eine grauenvolle Wahl, für das Licht die Finsterniß, für den Frieden des Herzens ein böses Gewissen, für das Heil das Verderben, für die Seligkeit eine flüchtige Luft, für den Himmel die Hölle, für den lieben Gott den Teufel einzutauschen. Da ich aber aus mancher schrecklichen Erfahrung weiß, wie leicht dies dennoch geschehen könne, da ich weiß, wie thöricht meine Seele ist, und wie listig der Satan, wie schwach mein Herz ist, und wie verführerisch die Sünde, so rufe ich Dich an, mein Herr und Gott! sei mir gnäbig, erbarme Dich meiner! Erleuchte mit Deinem Lichte meine Finsterniß, schüße mit Deiner Treue mich vor meiner Untreue, erwärme mit dem Feuer Deiner Liebe mein Herz, in brünstiger Gegenliebe, sei Du Wall und Mauer um mich her! ach! und wenn die Welt wieder schmeichelt, wenn die Luft wieder reizt und buhlt, wenn die Sünde wieder ihr Feuer anschürt und mein böses Herz schwankt und die Gefahr drängt und droht; o Herr! dann decke mich mit Deinen Flügeln, dann reiß meine Seele zu Dir, dann zeige Dich mir in Deiner Kreuzesnoth, dann laß mich Deine Gnadenschäße sehen, dann laß Deine Liebe und 123 Gnade recht hell vor meiner Seele leuchten, auf daß ich meine Seele errette und Dich, mein Heil, ergreife und freudig ausrufe: Meinen Jesum laß ich nicht." Amen. 1 Mittwoch. Melod. Herzlich thut mich verlangen. Nun was Du, Herr, erduldet, Ist alles meine Last! Ich hab' es selbst verschuldet, Was Du getragen haft; Schau her, hier steh' ich Armer, Der Zorn verdienet hat; Gieb mir, o mein Erbarmer, Den Anblick Deiner Gnad'. Matth. 27, 24-25, 89606 Da aber Pilatus sahe, daß er nichts schaffte, sondern daß ein viel größer Getümmel ward, nahm er Wasser und wusch die Hände vor dem Volk und sprach: Ich bin unschuldig an dem Blute dieses Gerechten; sehet ihr zu. Da antwortete das ganze Volk und sprach: Sein Blut komme über uns und unsere Kinder." do Pilatus spricht:» Ich bin unschuldig an dem Blute dieses Gerechten.« Aber es hilft dem sich selbst betrügenden Heiden nichts, daß er es öffentlich sagt, daß er vor allem Volk sich die Hände wäscht,» denn wenn du dich gleich mit Lauge wüschest und nähmest viele Seife dazu; so gleißt doch deine Untugend desto mehr vor mir, spricht der Herr Herr.« Es bleibt eine ewige Schmach seines Namens, daß er den Mörder freigelassen und den Fürsten des Lebens getödtet hat. Dieser Landpfleger, von welchem es durch die ganze Christenheit bis ans Ende der Tage heißt:» gelitten unter Pontio Pilato,« wird wohl sich selbst also belogen haben; $ 124 » Du bist unschuldig an diesem entsetzlichen Morde. Hast du nicht alles versucht, um den Gerechten zu retten? fühlst du nicht inniges Mitleiden mit Seinem Schicksale? bist du nicht empört über die Nichtswürdigkeit dieses Volks? möchtest du nicht noch mehr für Ihn thun, wenn du nur könntest? Aber den Haß der ganzen Menge um Seinetwillen dir zuziehen, nein, das geht nicht! dich der Gefahr aussetzen, dein Umt zu verlieren, bei deinem Kaiser in Ungnade zu verfallen, das ist unmöglich.« So wird er gedacht, so sich selbst gerechtfertigt, so sein Ge wissen beschwichtigt haben. Und mancher täuscht sich ähnlich über sich selbst und lebt in diesem gefährlichen Selbstbetruge dahin, bis ihm vielleicht, zum Schrecken seiner Seele, erst an jenem Tage die Augen aufgehen, wo alles Verborgene offenbar werden wird. Uch auch du, mein Herz, kennest dich wohl noch nicht und hast Ursach zu beten:» Ich will von meiner Missethat zum Herrn mich bekehren. Du wollest selbst mir Hülf' und Rath hierzu, o Gott, bescheeren, und deines guten Geistes Kraft, der neue Herzen in uns schafft, aus Gnaden uns gewähren. Natürlich kann ein Mensch doch nicht sein Elend selbst empfinden: er ist, ohn' Deines Geistes Licht, blind, taub und todt in Sünden; verkehrt ist Will', Verstand und Thun; des großen Jammers wollst Du nun, o Vater, mich entbinden. Klopf' durch Erkenntniß bei mir an und führ' mir's wohl zu Sinnen, was Böses ich vor Dir gethan; Du kannst mein Herz gewinnen, daß ich aus Kummer und Beschwer laß über meine Wangen her viel heiße Thränen rinnen.« Der blinde Heide Pilatus war von dieser Selbsterkenntniß weit entfernt.» Ich bin unschuldig an dem Blute dieses Gerechten,« 125 sprach er. Es denken's viele mit ihm, daß sie unschuldig daran sind. Sie hören vielleicht gern Fastenpredigten, sie vergießen Thränen, wenn sie die rührende Geschichte der Leiden des Herrn Jesu lesen oder anhören, sie singen mit Erbauung Passionslieder, aber daran haben sie noch nie gedacht, daß sie die Ursache dieser Leiden sind; sie würden ohne Bedenken behaupten:» Ich bin unschuldig an dem Blute dieses Gerechten.« Und doch sagt der Herr: »> Mir hast du Arbeit gemacht in deinen Sünden und haft Mir Mühe gemacht in deinen Missethaten;« und die Schrift erklärt:» Er ist um unserer Missethat willen verwundet und um unserer Sünde willen zerschlagen;« und die Kirche singt:» Wer hat Dich so, geschlagen, mein Heil, und Dich mit Plagen so übel zugericht't? Du bist ja nicht ein Sünder, wie wir und unsre Kinder, von Missethaten weißt Du nicht. Ich, ich und meine Sünden, die sich wie Körnlein finden des Sandes an dem Meer, die haben Dir erreget das Elend, das Dich schläget und das betrübte Marterheer.« Niemand darf sagen:» Ich bin unschuldig an dem Blute dieses Gerechten.<< Unsere Sünde stehet mit diesem Blute in einem innigen und tiefen Zusammenhange; es ist dies Blut das unwidersprechlichste und entsetzlichste Zeugniß über unser Verderben, es läßt uns aber auch in das weite, tiefe, unergründliche Meer der göttlichen Gnade schauen;-es klagt uns an:» Du bist ein verlorner und verdammter Sünder,« und es tröstet uns:» Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöset.<< -» Ich bin unschuldig an dem Blute dieses Ges rechten; sehet ihr zu!« so Pilatus. Ach! und nun höre, was sich begiebt. Grauen und Entsegen erfaßt unsere Seele, fesselt unsere Sprache, hemmt, 126 die Schläge unseres Herzens. Die große und unübersehbare Menge erhebt wie zum Schwure ihre Hände und wie aus dem Abgrunde der Hölle tönt es herauf:» Sein Blut komme über uns und über unsere Kinder.« Ach! es ist das kein Gebet, wie es arme Sünder stammeln:» Dein Blut komme über uns und unsere Kinder, daß es uns von unsern Sünden rein wasche;« es ist eine schauerliche Vermaledeiung, ein entseglicher Fluch, eine Verwünschung, die durch Mark und Bein geht:» Wir entsagen feierlich jedem Troste, den wir bei diesem Manne im Leben und im Tode finden könnten; alle Schuld dieses ungeheuren Mordes, alle gerechten Gerichte Gottes, alle Flüche, die uns treffen können, weil wir Ihn an das Holz gehängt und erwürget haben, kommen herab auf unsere Häupter, herab auf die Häupter unserer Kinder; Sein Blut komme über uns und unsere Kinder!« Nie ist ein entsetzlicheres Wort ge sprochen, nie ist ein Wort entseglicher erfüllt. Die Flammen, welche Jerusalem verzehrten, die Blutströme, welche in die Gluth sich mischten, ohne sie zu löschen, die Decke Mosis, welche noch jetzt vor den Augen des verstoßenen Israel hängt, die Schmach, welche diesem von Gott so hoch geehrten und so zärtlich geliebten Volke, diesem Volke unter den Völkern aufgedrückt ist, der durch die Jahrhunderte sich hindurchziehende Jammer, worunter es bis zum heutigen Tage seufzt, alles dies giebt der Welt eine schreckliche Kunde von der Erfüllung jenes Wortes: » Sein Blut fomme über uns und unsere Kinder;« es ist geschehen, was gedrohet war:» Dein Himmel, der über deinem Haupte ist, wird ehern sein und die Erde unter dir eisern.« Israel stehet unter allen Völkern als ein lebendiges Zeugniß für die 127 Offenbarung Gottes in Christo, als ein warnendes Erempel für die Menschheit, das Blut des Sohnes Gottes nicht unrein zu achten, welch ein Gegenstand unseres Mitleidens,- und welch eine Aufforderung zur brünstigen Fürbitte, daß der Herr nach Seiner Verheißung sich bald dieser Seiner verstoßenen Kinder, von welchen das Heil zu uns gekommen ist, annehmen und den furchtbaren Fluch wegnehmen wolle von ihren Häuptern! Gebet. O Herr Jesu, du gerechter Gottes Sohn! sich bekenne mich schuldig an Deinem Blute; diese Schweißtropfen habe ich Dir ausgepreßt, diese Dornen habe ich Dir in die Stirne gedrückt, diese Wunden habe ich Dir geschlagen; ich lese in Deinem ganzen Marterleiden, in Deinem bluti gen Kreuzestode eine Handschrift meiner Schuld. Aber siehe, Herr! was mir mein Verderben offenbart, was mein Gewissen, wie sonst nichts in der Welt, aufschreckt, was mir deutlicher, als alles, meine Sünde und Verdammungswürdigkeit predigt, was mir wie ein Schwert durch das Herz geht, gerade das ist dennoch die Quelle meines Troftes, das ist der einzige und rechte Balsam für meine Wunden, das ist der unerschütterliche Grund meines Heils, das ist die ewig vollgültige Bürgschaft meiner Seligkeit. Unter Zittern und Beben meines Herzens lese ich freilich an Deinem Kreuze: ,, Gottes Gerechtigkeit!" aber es stehet auch zum unaussprechlichen Entzücken meiner Seele daran geschrieben: Gottes Barmherzigkeit!" Ich stelle mich darunter, daß Du mich mit Deinem Blute besprengest, und rein wäschest von allen meinen Sünden. Ja Herr! ſei mir gnädig, mir und allen Menschen, denn Du bist ja für die Sünder der ganzen Welt gestorben. Erbarme Dich der Menge der Heiden, daß sie um Dein Kreuz sich sammeln und dort Vergebung ihrer Sünden finden; erbarme Dich, Herr, Deines armen, verstoßenen Israels, nimm ihm die Decke Mosis von den Augen, erlöse es von dem Fluche, worunter es seufzt, laß Dein Blut es nicht mehr drücken, sondern selige machen. Herr! erhöre die Gebete, 11 128 welche in der Christenheit für Israel zu Dir aufsteigen, segne die Boten, welche ihm, welche den armen Heiden das Evangelium predigen und führe bald die Zeit herauf, wo Deine Verheißung sich erfüllt: ,, Es wird eine Heerde und ein Hirte werden." Amen. Donnerstag. Melod. Nun ruhen alle Wälder. Wer hat Dich so geschlagen, Mein Heil! und Dich mit Plagen So übel zugericht? Du bist ja nicht ein Sünder, Wie wir und unsre Kinder, Von Missethaten weißt Du nicht. Ich, ich und meine Sünden, Die sich wie Körnlein finden Des Sandes an dem Meer, Die haben Dir erreget Das Elend, das Dich schläget Und das betrübte Marterheer. 4000 Marc. 15, 15. Pilatus aber gedachte dem Volke genug zu thun und gab ihnen Barrabam los und überantwortete ihnen Jesum, daß Er gegeißelt und gekreuziget würde." Wenn ich diese Worte und die vier folgenden Verse dazu lese, wenn ich damit Matth. 27, 27 bis 30. und Joh. 19, 1-3. vergleiche, so habe ich ein erschütternd Bild vor mir, dasselbe, was Jesaias im Geiste sahe, da er von dem Heilande sprach:» Er ist um unserer Missethat willen verwundet und um unserer Sünden willen zerschlagen!« und meine ganze Seele weint. Obwohl Pilatus Seine Unschuld erkannt hatte, so giebt er Ihn doch nicht los. Um dem Volke einen Gefallen zu erweisen, überhört er die warnende Stimme seines Weibes, verachtet 129 er die Mahnungen seines eig'nen Gewissens, opfert er die klare Ueberzeugung seines Verstandes und giebt Barrabam los, und überantwortet Jesum zur Geißelung und Kreuzigung.» Und das alles um der Gunst des Volkes willen?« so fragst du bedenklich und zweifelnd. Warum zweifelst du? Prüfe dich selbst. Ist dir denn gleichgültig die Meinung der Welt? Hätte die Stimme der Welt dir nie mehr gegolten, denn Gottes Stimme? Hättest du ihre Gunst nie mehr gesucht, denn Gottes Beifall und Gnade? Warest du bereit, ihre Schmach zu tragen, deinen guten Ruf und Namen bei ihr daran zu geben, wenn es galt, Ansichten zu behaupten, Grundsätze zu vertheidigen, Wege zu verfolgen, welche ihr zwar entgegen, dem Herrn aber gefällig und von Ihm geboten waren? Wie oft hast du geschwiegen, wo du dem Lästerer gegenüber von Christo Zeugniß geben solltest, wie oft durch dein Benehmen» Ja« gesagt zu den Schmähungen, damit man Ihn überhäufte, wie oft hast du, wie die Jünger an dem Delberge, die Flucht ergriffen, wenn man die Hand gleichsam an Ihn legte, bald aus Furcht, bald aus Bequemlichkeit, und wenn du auch hin und wieder das Schwert für Ihn zogst, wie Petrus, so thatest du es vielleicht doch mehr in eitler Eigenliebe, in dem Ungestüm des fleischlichen Eifers. Mit ungöttlichen Waffen schlugst du nach einem Malchus, den Herrn aber verleugnetest du dann wohl mehr denn drei Mal! Und dennoch befremdet dich des Pilatus Benehmen? Hast du nicht, wie er, Christum verworfen? Hast du nicht, wie er, Shn gleichsam der Welt überantwortet, daß Er gegeißelt würde? Schrecklich genug ist's freilich, aber wie sehr thut es noth, diese schreckliche Wahrheit uns Die heil. Passion. I 130 zu vergegenwärtigen, besonders zu dieser unserer Zeit, denn wie keck und übermüthig stehen nicht jetzt die Hohenpriester der Welt und des Unglaubens da und rufen mit Klugen und Einfältigen, Gelehrten und Ungelehrten in ganzen Haufen:» Kreuzige Ihn! Kreuzige Ihn!« Von Stadt- und Landpflegern wird Er über allem Weltdienste vergessen, selbst von solchen, die Sein Brot essen, wird Er aufgegeben oder gar mit Füßen getreten, ja in Tempeln und von Kanzeln, die der Glaube an Ihn aufgebaut, wird Er geschmähet und gegeißelt! Ach Seine Leidensgeschichte wiederholt sich immer, darum, weil Seines Leidens Grund, die Sünde noch nicht aufgehört hat. Seit jenem Tage, von dem es heißt: » Sie nahmen aber und aßen; e heißt es auch:» Sie nahmen Jesum und geißelten Ihn;«< und so oft wir eine verbotene Frucht in die Hand nehmen, haben wir auch die Geißel wider Ihn in unsrer Hand; so oft wir den bösen Buben folgen, die uns locken, überantworten wir Ihn den Schmerzen, so oft wir den Lüsten und Begierden unsers Fleisches folgen, schwingen wir die Geißel über Ihn. Wir beklagen uns oft, daß wir der Gnadenstunden uns so selten zu erfreuen haben, daß wir oft so lange vergeblich nach Gott schreien müssen, wie der Hirsch nach frischem Wasser; daß uns die Gemeinschaft mit unserm Heilande so selten recht fühlbar werden und bleiben will;- da liegt der Grund: wir geißeln Christum so oft aus unserm Herzen hinaus; wie soll er bei uns bleiben? Doch Pilatus will Jesum nur geißeln lassen, die Welt drängt ihn dazu, aber tödten will er Ihn nicht. Und doch wie lange dauerts da wird Er zum Tode geführt. Wehe! der Weg der Sünde ist abschüssig, wer Jesum heute 131 geißelt, den fassen die Mächte der Finsterniß, daß er Ihn morgen auch ertődten läßt in seiner Brust. Dann aber dreimal Wehe über dich, meine Seele! Gebet. Ich stehe von ferne, o Herr, und erbebe bei dem Anblicke Deiner Martern und Qualen. Wenn die Geißel auf Dich niederfährt und rothe Striemen auf Deinen Rücken zeichnet, wenn tausend aufgeriffene Blutquellen über Deine heiligen Glieder rieseln, wenn die fühllosen Kriegs fnechte Dich verhöhnen und über Deine Schmerzen jauchzen, wenn ich Dich erblicke, o Du Gerechter! in den Händen der Gottlosen, Du, heiliger Dulder! in den Fäusten der wilden Henkersknechte, Du, stilles Lamm! in den Klauen der Tieger und Wölfe: dann möchte ich versinken vor Scham und Jammer, denn ich weiß es wohl, ach die Ursach bin ja ich, ich und meine Sünde, diese hat gemartert Dich, nicht das Heid'n- Gefinde!-- Barmherziger! was hat Dich bewogen, bei diesen meinen Sündenschlägen so stille zu halten, meine Schmerzen und Lasten auf Dich zu nehmen und an meiner Statt die Zornruthe der ewigen Gerechtigkeit zu erdulden? Was ist der Grund Deiner unergründlichen Barmherzigkeit und Gnade? Ich finde feinen als das unermeßliche Lieben des Schöpfers gegen Sein Geschöpf und finke nieder an Mosis Seite und rufe staunend mit ihm: Herr, wie hast Du die Leute so lieb!" und bitte und flehe: Ach laß einen Tropfen aus dem Meere Deiner Liebe auch in mein Herz fallen, auf daß das Jammerbild Deiner Leiden keine blos vorübergehende Bewegung bei mir verursache, welche wieder verschwindet, wenn die Sünde vor meiner Thür stehet; sondern daß mein Herz dadurch zerrissen werde und blute, wie Dein Haupt durch die Dornen und Dein Rücken durch die GeiBeln, damit ich zu feiner Sünde mehr Luft habe und keiner Reizung derselben mehr folge. Du ewige, gemißD handelte und zerschlagene Liebe, so fegne Deine Marterleiden an meiner und aller Seelen. Laß sie zum Schrecken gereichen allen sichern, rohen und unbußfertigen Gemüthern, damit sie daraus lernen, was Sünde sei, und wie der Zorn des Allmächtigen die Sünde strafe. Laß sie aber 32 132 auch zum erquickenden Trost gereichen allen gebeugten, ges ängsteten und niedergeschlagenen Seelen, daß sie das Verdienst dieser Deiner Schmerzen und Schanden im Glauben ergreifen, durch Deine Wunden heil und durch Deinen Jammerstand stark werden, Dir nachzufolgen und die Welt zu verleugnen. Du Blut- Bräutigam, erbarme Dich der Seelen Deiner Braut, die Du erwählet um Deines für uns vergossenen Blutes willen. Amen. Voor Freitag. Melod. Nun danket alle Gott. Seht, welch ein Mensch ist das! Blicke voller Thränen! Antlig voller Schmach! Lippen voller Sehnen! Haupt voll Todesschweiß! O Backen voller Koth! O Herze voller Blut! O Leib voll Noth und Tod! Seht, welch ein Mensch ist das! Ach seht in Seine Wunden! Habt ihr, ihr Sünder, nicht Den Heiligen gebunden? Sind eure Lüfte nicht Die Dornen, die Gr trägt? me 915 Sst's eure Bosheit nicht, Die Ihn ans Kreuze schlägt? SHOP Seht, welch ein Mensch ist das! Ach opfert Thränenfluthen! Denn eure Blutschuld macht Das Herze Jesu bluten. Geht nicht vorüber hier, Wo Schmerzen über Schmerz, Seht durch die offne Brust In eures Jesu Herz. Seht, welch ein Mensch ist das! Ach ja, wir wollen sehen, Was Dir, Du Menschenfreund, Durch Menschen ist geschehen. So lang ein Auge blickt, So lange soll die Pein, Die Du für uns erträgst, Auch unvergessen sein. 103 133 Joh. 19, 4-5. Da ging Pilatus wieder heraus und sprach zu ihnen: Sehet, ich führe Ihn heraus zu euch, daß ihr erkennet, daß ich keine Schuld an Ihm finde. Also ging Jesus heraus und trug eine Dornenkrone und Purpurkleid. Und er spricht zu ihnen: Sehet, welch ein Mensch!" Wir versetzen uns im Geiste vor den Pallast des römischen Statthalters Pontius Pilatus; eine unübersehbare Menschenmenge hat sich vor diesem Hause versammelt. Mit gespannter Aufmerksamkeit werden die Thüren und Fenster des Pallastes bewacht. Da tritt Pilatus heraus, an seiner Seite Jesus, eine furchtbar verhöhnte und zerschlagene Martergestalt, eine Dornenkrone auf dem Haupte, unter welcher die Blutstropfen über das Angesicht herabrinnen, einen Purpurmantel über die von der Geißel zerfleischten Schultern, mit matten, abge= spannten Zügen, die nur zu deutlich von den Leiden der gräßlichen Nacht und des peinvollen Morgens reden, ein Anblick, der das Mitleiden der Steine rege machen sollte. Lautlos stehet die Menge da, indem Pilatus auf die Jammergestalt hinweisend spricht:» Sehet, welch ein Mensch.«»> Sehet, welch ein Mensch!« tönt es aus Pilatus Munde. Bileam will Israel fluchen und aus seinem Munde strömen Segensworte; Caiphas spricht, ohne daß er selbst es weiß, ein tiefes, göttliches Geheimniß aus: » Es ist besser, ein Mensch sterbe für das Volk, denn daß das ganze Volk verderbe;« Pilatus sagt unendlich mehr, als er sagen will, indem er ausruft: » Sehet, welch ein Mensch!« Er will nur das Mitleid des Volkes rege machen, aber er spricht ein Wort aus, das durch alle Zeiten wiederklingt, ein Wort, vor welchem hundert und aber hundert Völker betrachtend stehen bleiben, das sich tief eingräbt 134 in die Tafeln der Weltgeschichte und in die Herzen der Gläubigen, ein Wort, welches unzählige fromme Betrachtungen im, stillen Kämmerlein vor der Leidensgestalt des Herrn oder auf den Kanzeln christlicher Kirchen nicht erschöpft haben und nicht er= schöpfen werden. » Sehet, welch ein Mensch!«< tönt es zu der den Pallast umgebenden Menge; aber durch alle Zeiten und zu allen Völkern trägt der Geist des Herrn in einer den tiefsten Schmerz und den süßesten Trost aussprechenden Melodie das Wort weiter:» Sehet, welch ein Mensch!« Jeder soll in diesem Bilde sich selbst erkennen. Hieher du stolzes Herz und betrachte dich in diesem Spiegel; gerade so siehest du aus; mit welchen Eigenschaften auch deine Eitelkeit dich schmückt, welche Hülle sie auch deiner Schmach umhängt, welche Träume von deiner Vortrefflichkeit du auch in dir trägst; es ist alles eitel Täuschung; hier erblickst du dein nacktes Elend, hier siehest du dich in deiner wahren Gestalt, diesem Bilde gleichst du bis auf den kleinsten Zug.» Sehet, welch ein Mensch!« Hierher ihr Sünder, damit ihr über eure Sünde erschreckt, damit jedes böse Gelüste in euren Herzen erstickt und euer Fleisch gekreuzigt werde. Sehet ihr die Blicke voller Thränen? sie werden um euch geweint; sehet ihr das Antlitz voller Schmach? ihr leset darin eure Schande; sehet ihr das Haupt voller Blut und Wunden? es sind die Folgen eurer Sündenfreuden; sehet ihr die Bande? es sind die Sündenketten, die ihr tragt; sehet ihr die Dornen? es sind eure Lüste.» Sehet, welch ein Mensch!«< o möchte das Wort nie in unserm Herzen verklingen; möchte es auf jedem Sündenwege, bei jeder sich regenden bösen Lust, in jeder Versuchung uns schreiend durch das Herz dringen, möchte 135 es nach jedem Falle mit all den herzzerreißenden Schmerzen, welche darin liegen, uns erschüttern, um uns die Sünde zu verleiden und wie ein heiliger Schußgeist uns durch das Leben zu geleiten.» Sehet, welch ein Mensch!« Heran du hochbetrübte Seele! du fühlst die brennenden Schmerzen der Buße in deiner Brust. Wirf dich nieder vor dieser Gestalt, wende dein Auge nicht von ihr ab, hänge dich mit kräftigen Glaubensarmen an ihr fest und süßer Trost wird durch dein zerschlagenes Herz dringen; du siehest in diesen Banden deine Freiheit, in diesen Wunden dein Heil, in dieser Schmach deine Ehre, in dieser Dornenkrone jene strahlende Krone der Gerechtigkeit, die dereinst auf deinem Haupte glänzen wird, in diesen Blutstropfen das Mittel, das Kleid deiner Seele hell und rein zu waschen, in diesem äußersten Jammer deine Erlösung von aller Sünde und Noth.» Sehet, welch ein Mensch!« wo ist ein Wort, das uns so tief demüthigen, uns so kräftig erheben, so schmerzlich verwunden und so süß trösten könnte! Es richtet sich an jeden, und jedes Herz fühlt etwas von seiner zerschmetternden Gewalt und von seiner seligen Erquickun und Stärkung. » Sehet, welch ein Mensch!«< so tönt es über Jesum. Sehet Ihn dastehen; denket euch, was vorgegangen ist: der Kampf in Gethsemane, seine Gefangennehmung, Judas Verrath, Petri Verleugnung, das alles hat auf Ihn eingestürmt; falsche Zeugen haben wider Ihn geschworen, freche Henkersknechte haben Shm ins Angesicht gespieen, Seine Wangen geschlagen und Ihn schändlich verhöhnt; römische Soldaten, an Scenen des Blutvergießens und Menschenquälens gewöhnt, abgehärtet in Grausamkeiten, haben Ihn an eine Säule 136 gebunden, gegeißelt, Ihm eine Dornenkrone aufgesetzt und einen Purpurmantel höhnend umgehangen So zugerichtet führt nun Pilatus die Jammergestalt heraus vor seinen Pallast.» Sehet, welch ein Mensch!« ruft er aus und will damit das Mitleid eines rohen Pöbels und die Barmherzigkeit seiner Feinde für Ihn in Anspruch nehmen; und in der That, es hat schwerlich je einen Anblick gegeben, geeigneter, jedes noch so rohe Herz zu erweichen, und das noch so tief verborgene Gefühl des Mitleids und des Erbarmens anzuregen. Wo ist eine Erniedrigung, ein Elend, diesem vergleichbar? Und doch, was sollen wir sagen? Eben dieser Mann des Jammers, für welchen ein Heide das Mitleiden eines gefühllosen Pöbels vergebens sucht, eben dieser Mann, dieser Hülfloseste, dieser Elendeste aller Elenden ist der Heiland der Welt, der Sohn Gottes, ohne dessen Mitleiden und Erbarmen wir alle verloren sind; alles, was gesegnet, getröstet, gerettet wird, das wird von Ihm gesegnet, getröstet und gerettet; bei Ihm allein ist Hülfe und Heil, und die Gnade, welche wir nicht aus Seiner Hand empfangen, suchen wir vergebens.» Sehet, welch ein Mensch!« das Wort weiset die Trost und Hülfe bedürfende Menschheit zu Ihm hin und es kommen große Schaaren aus allen Zeiten und aus allen Gegenden und Völkern, sie kommen zu Ihm mühselig und gebückt, und Er richtet sie auf; sie kommen zu Ihm mit offenen Wunden, und Er heilt sie; sie kommen zu Ihm mit fluchbeladenem Gewissen, und sie empfangen Frieden; sie kommen zu Ihm verlorne Sünder, und Er erklärt sie für Gerechte und Sein Wort ist ihnen Bürgschaft genug, daß sie von aller Verdammniß erlöset sind; sie kommen zu Ihm in 137 den Sclavenketten der Sünde, und Er, der Gebundene, macht sie zu freien Gotteskindern; und wie viele ihrer kommen, Er weiset keinen zurück, und wie reichlich Er alle segnet und tröstet, der Brunnquell Seiner Gnade wird nicht leer.»> Sehet, welch ein Mensch!« da stehet Er, den Fluch der Sünden aller Welt tragend, ausgestoßen von dem Menschengeschlechte, den Missethätern und Mördern gleichgerechnet und noch tiefer verachtet, denn sie, von Gott und Menschen verlassen, verdammt zum Kreuzestode, ein Wurm, ein Spott der Leute und Verachtung des Volks, - und doch hat Er nie eine Sünde gethan, Seine Gerechtigkeit strahlet heller als das Licht der Sonne, und die Seraphim singen über Ihn:»> Heilig, heilig, heilig ist der Herr Zebaoth, alle Lande sind Seiner Ehre voll.«» Sehet, welch ein Mensch!<< Er stehet da gerichtet und verdammt, wie ein Missethäter, und ist doch der Richter der Lebendigen und der Todten, und Pilatus und alle Hohenpriester und das ganze,» kreuzige, kreuzige Ihn« schreiende Volk wird dereinst zu Seinen Füßen liegen, ja alle Völker werden sich um Ihn sammeln, und Er wird dastehen in großer Kraft und Herrlichkeit, ein König der Könige und ein Herr aller Herren, und Er wird mit Seinen durchgrabenen Händen die einen von sich weisen in den Abgrund der Hölle, die andern aber segnen mit Gnade und ewigem Leben. »> Sehet, welch ein Mensch!«< 1 Gebet. Sehet, welch ein Mensch!" Ja, Herr! wir wollen sehen; Du sollst uns allezeit vor Augen sein, Deine Martergestalt wollen wir uns tief ins Herz drücken, damit sie unsere Sünde strafe, unser Fleisch kreuzige, unsere Seele heilige. Dein Bild, Du Schmerzensmann, soll uns überall begleiten, auf jedem Wege, damit wir richtig vor Dir 138 wandeln, in jeder Versuchung, damit dieser Anblick uns schüße, in jeder Noth, damit er uns tröfte, durch diese Pas stonswochen, damit sie für uns reich gesegnet seien, durch unsere ganze Lebenszeit, damit wir für den Himmel uns bereiten, in unserer Todesstunde, damit wir selig sterben mögen. Wenn ich einmal soll scheiden, so scheide nicht von mir, wenn ich den Tod soll leiden, so tritt Du dann herfür! wenn mir am allerbängsten wird um das Herze sein, so reiß mich aus den Aengsten kraft Deiner Angst und Pein. Erscheine mir zum Schilde, zum Trost in meinem Tod und laß mich sehn Dein Bilde in Deiner Kreuzesnoth, da will ich nach Dir blicken, da will ich glaubensvoll Dich fest an mein Herz drücken. Wer so stirbt, der stirbt wohl. Amen. Sonnabend. In eigener Melodie. Wenn meine Sünd' mich kränken, O mein Herr Jesu Chrift! So laß mich wohl bedenken, biss od Wie Du gestorben bist, Und alle meine Schuldenlast Am Stamm des heil'gen Kreuzes Auf Dich genommen haft. Wunder ohne Maaßen! Wenn man's betrachtet recht, Es hat sich martern lassen Der Herr für Seine Knecht', Es hat sich selbst der wahre Gott Für mich verlornen Menschen Gegeben in den Tod. Joh. 19, 9. Und Pilatus ging in das Richthaus und spricht zu Jesu: Von wannen bist Du?" » Von wannen bist Du?« fragte Pilatus Jesum, Er will nicht wissen, was er schon wußte, daß Er geboren sei zu Bethlehem im jüdischen Lande, daß Seine Mutter Maria und Sein Pflegevater 139 Joseph geheißen, daß Er von den alten Königen des Landes abstamme und Davids Sohn sei. Er ahnet in diesem armen, elenden, zum Missethätertode bestimmten Menschenkinde etwas Höheres, etwas Göttliches, eine doppelte Natur. Er will wissen, ob Er von der Erde, oder vom Himmel stamme, ob Er Mensch, oder Gott sei.» Von wannen bist Du?«< große Frage, und selig, wer darauf die Antwort weiß. Diese Antwort wird nicht gefunden durch menschliches Nachdenken, wird nicht verstanden durch menschlichen Fleiß, wird nicht gelehrt durch menschlichen Unterricht, Fleisch und Blut kann sie uns nicht offenbaren,» denn niemand kann Jesum einen Herrn heißen, ohne durch den heiligen Geist.« Auch wir treten hin vor unsern lieben Heiland, der nun zum Kreuze abgeführt werden soll und fragen:» Von wannen bist Du?«< Es ist nothwendig, daß wir dies erfahren, wenn wir Sein Leiden und Sterben verstehen, wenn wir von unserer Erlösung durch Sein Blut gewiß werden, wenn wir Ihn als unsern wahrhaftigen Heiland und Erlöser kennen lernen wollen.» Von wannen bist Du?« Der Geist in uns bezeuget uns durch das Wort Gottes, das Lamm, welches dahin geht, um für unsere Sünden am Kreuze zu sterben, ist wahrhaftiger Mensch, aber auch wahrhaftiger Gott, vom Vater in Ewigkeit geboren, der Herr der Herrlichkeit, Gott über alles hochgelobet in Ewigkeit.» Ja der Herr ist unsere Gerechtigkeit; Gott hat Seine Gemeine durch Sein eigen Blut erworben; der Sohn Gottes hat uns geliebt und Sich selbst für uns dargegeben; das Blut Jesu Christi, des Sohnes Gottes, macht uns rein von allen Sünden.« Unser Mittler mußte ein Mensch sein, um Sein Blut für uns zu vergießen; die( 116) JAMS 140 aber weil ein Mensch nichts geben kann, daß er seine Seele, geschweige andere Seelen, erlöse, so mußte Er Gott sein, damit Sein Blut einen unendlichen Werth hätte, und als Lösegeld für unsere unbezahlbare Schuld gelten könnte. Unser Mittler mußte der Allerheiligste sein und von keiner Sünde wissen. » Denn einen solchen Hohenpriester sollten wir haben, mußten wir haben, der da wäre heilig, unschuldig, unbefleckt, von den Sündern abgesondert und höher, denn der Himmel ist, dem nicht täglich noth wäre, wie jenem Hohenpriester, zuerst für eis gene Sünde Opfer zu thun, darnach für des Volkes Sünde, denn das hat Er gethan einmal, da Er sich selbst opferte.«»> Mit dem theuren Blute Christi, als eines unschuldigen und unbefleckten Lammes, mußten wir erlöset werden.« Denn aus einer trüben Quelle kann man kein reines Wasser schöpfen, von einem Ungerechten kann man eben so wenig Gerechtigkeit haben, als man an einem ausgelöschten Lichte ein anderes anzünden kann. Gott selbst, der heilige und allmächtige Gott, ist für dich ein Mensch geworden, hat für dich in Seinem unaussprechlichen Leiden deine Strafe gelitten, ist für dich nach Golgatha gegangen, hat deinen Schuldbrief ausgelöscht und dir, armen Sünder, Gerechtigkeit und ewiges Leben erworben. Glaubst du das, meine Seele? wenn du antworten darfst:» Ja, Halleluja!« Oselig bist du, ich glaube das! Gebet. Ja, Herr! ich glaube das und Du selbst haft mir durch Deinen Geift Antwort gegeben auf meine Frage: Herr, von wannen bist Du? Ich weiß, daß Du, mein Herr und Gott, für mich elenden, armen Sünder gestorben bist. Lobe den Herrn, meine Seele und was in mir ist, seinen heiligen Namen. Herr, wie soll ich Dir Dank jauch 141 zen? Ach stehe! nicht für alle Schäße der Welt, nicht für alle Wollüfte des Lebens, nicht für alle Königreiche der Erde gebe ich diese selige Erkenntniß hin. Was ist das Leben ohne diese Erkenntniß? Eine Wüste, ein Jammerthal, ein Grab. Ich lebe erst, seit dieser Glaube mein Herz erfüllt. Ja Herr, seit ich weiß, von wannen Du bist, mein Mittler und Erlöser, weiß ich auch, von wannen ich bin. Nun habe ich noch eine andere Geburtsstätte, als den Ort, da meine Mutter mich in Schmerzen geboren, Golgatha ist ihr Name; nun kenne ich noch einen andern Vater, der mich gezeugt hat, Immanuel heißt er; nun führe ich noch einen andern Namen, als denjenigen, bei welchem die Menschen mich rufen, Jedidja, Liebling Gottes, barf ich mich nennen, denn troß aller meiner Sünden hast Du mir solch seliges Vorrecht verliehen; nun weiß ich noch um ein anderes Vaterland, wo ich zu Hause bin, als dieses Land, darinnen ich wohne, droben im Himmel ist meine Heimath, denn weil das Haupt im Himmel ist, wird seine Glieder Jesus Christ zur rechten Zeit nachziehen. Siehe, Herr! darum rühme ich von Deiner Gnade und werde nicht müde, davon zu rühmen. Denn Du, Herr, läsfest mich wissen die himmlische Weisheit, Du haft sie mir auch in dieser Woche, welche mit dem heutigen Tage zu Ende geht, predigen lassen, o laß ferner die heilige Passionszeit an meinem Herzen, an den Herzen aller derer, die ich lieb habe, gesegnet sein. Amen. Univ.- RIN. Glessen 237340 Carlo 301302 Fünfte Woche. ( Lätare bis Judica.) Jesus auf der Schmerzensstraße. Sonntag. Melod. Wer nur den lieben Gott läßt walten 2c. Auf, Seele! nimm die Glaubensflügel Und eile mit nach Golgatha: Dein Jesus geht zum Schädelbügel Und pflanzet deine Wohlfahrt da. Er tritt den Weg zum Sterben an, Auf daß ich ewig leben kann. So fahrt denn hin, ihr eitlen Gänge, Darauf die Welt sich lustig macht; Ich folge Jesu durch's Gedränge Der Kreuzesbahn und Todesnacht; Gottlob, daß mich die Hoffnung tröft't, Daß Jesus Christus mich erlös't. WIESECE Hidi2 S 14 id( bi $ 30 sia d Joh. 19, 16. 17. ,, Da überantwortete er Ihn, daß Er gekreuziget würde. Sie nahmen aber Jefum und führeten Ihn hin. Und Er trug Sein Kreuz und ging hinaus zur Stätte, die da heißt Schädelstätte, welche heißt auf Ebräisch Golgatha." Den Pilgern, welche nach Jerusalem kamen, um an den heiligen Stätten, wo unsere Erlösung vollbracht wurde, anzubeten, zeigt man noch heute » die Schmerzensstraße,« welche unser Herr unter dem Kreuze wandelte. Sie werden zu den Trümmern des Richthauses geführt, von welchen man den Platz übersiehet, wo ehemals Salomons Tem 143 pel stand. Von Pilatus Pallaste ist nichts übrig geblieben, als eine Ruine mit dem Fenster, an welchem er das Wort gesprochen haben soll:» Sehet, welch ein Mensch!« Von dem Richthause gehet der ewig denkwürdige Weg hundert funfzig Schritte weit bis zu jener Stätte, wo Simon von Kyrene dem erschöpften Heilande Sein Kreuz tragen half, und wieder einige hundert Schritte weiter ist der Ort, wo Jesus zu den klagenden Weibern sprach: » Ihr Töchter von Jerusalem, weinet nicht über mich, sondern weinet über euch selbst und über eure Kinder.<< Dann geht es über den Platz des Gerichtsthors, welches mit den Mauern, die ehemals die Stadt umgaben, verschwunden ist, bis der Wanderer, nachdem er von dem Richthause etwa tausend Schritte zurückgelegt hat, nach Golgatha kommt. Es giebt keinen heiligeren Weg auf der Erde, als diese Schmerzensstraße. Schwerlich zwar werden wir jemals nach Jerusalem pilgern und mit unsern Füßen diesen Weg wandeln. Aber im Geiste müssen wir's doch. Jesus sagt:» Wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und Mir nachfolget, ist Mei ner nicht werth. Er hat für uns und mit uns gelitten; und wie Er mit uns gelitten, so müssen wir mit Ihm leiden. Auch bei uns heißt es: erst die Arbeit, dann die Ruhe; erst der Kampf, dann der Sieg; erst die Thränen, dann der Trost; erst die Hinunterfahrt, dann die Hinauffahrt; erst der Tod, dann das Leben. Wir lesen Ebr. 13, 12. 13.:» Darum auch Jesus, auf daß Er heiligte das Volk durch Sein eignes Blut, hat Er gelitten außer dem Thor. So lasset uns nun zu Ihm hinaus gehen außer dem Lager und Seine Schmach tragen.« Sein Weg ist unser Weg. Lasset uns mit 144 Ihm jeht hinaus gehen, lasset diesen Schmerzensweg nach Golgatha, den wir mit Ihm im Geiste wandeln müssen, nns näher betrachten und zuerst bemerken:» Es gehet dieser Weg von dem Richthause aus.« Du hast deinen Heiland im Richthause verlassen; du hast Seine Jammergestalt angeschaut; du hast das Wort Seines Richters gehört:» Sehet, welch ein Mensch!« Du hast gesehen, wie Pilatus vergebens suchte, Shn zu retten, wie aber nur lauter das Geschrei sich erhob:» Kreuzige, kreuzige Ihn!« Jetzt spricht der Landpfleger das ungerechte Urtheil, welches, wie man sagt, in diese Worte gefaßt war:» Jesus von Nazareth ist überwiesen durch das Zeugniß des größten Theils seines Volkes als Verführer des Volkes, als Verräther des Kaisers, als falscher Messias; führt Ihn fort zur Richtstätte und schlagt Ihn, mit den Spottzeichen der königlichen Würde, zwischen zwei Straßenräubern an das Kreuz. Geht, Gerichtsdiener, und besorgt das Kreuz!« So wurde denn nun Jesus, als ein verurtheilter Missethäter, fortgeführt, daß Er gekreuzigt würde, und es ging in Erfüllung die Weissagung:» Da Er gestraft und gemartert ward, that Er Seinen Mund nicht auf, wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird.« E3 ist noch immer das Richthaus, von dem aus man mit Jesu nach Golgatha geht. Wir sehen auf diesem Wege lauter verurtheilte arme Sünder wandeln, nur daß der Richter, welcher ihnen den Stab gebrochen, nicht Pontius Pilatus ist, sondern der höchste Herr im Himmel; nur daß das Gesetz, welches sie verdammt, nicht von menschlicher Willkühr und Grausamkeit ersonnen oder gemißbraucht, sondern ein Gesetz ist, welches der heilige und gerechte A 145 Gott den Menschen gegeben hat. Sie haben unter den Donnern und Blißen Sinais gestanden; sie sind gewogen und zu leicht befunden; sie haben sich in dem Spiegel des göttlichen Rechts besehen, und sind über sich selbst erschrocken; sie haben das Wort gehört:» Verflucht sei, wer nicht alle Worte dieses Gesetzes erfüllt, daß er darnach thue,« und dieser Fluch ist ihnen centnerschwer auf das Herz gefallen; sie haben sich vor jedes Gebot des Herrn gestellt, und ein jedes hat ihnen das Urtheil der Verwerfung zugerufen; sie haben ihre Lebenswerke ge= prüft, und keines hat die Probe bestanden; sie haben ihrem Gotte ins Angesicht gesehen, und Sein 3orn hat sie getroffen; sie haben den Herrn gefragt, wie viel sie werth sind, und haben das Urtheil vernommen:» Tod, Hölle und Verdammniß habt ihr verdient!«< und ihr Herz hat dazu Ja und Amen sprechen müssen. So sind sie im Richthause gerichtet; und vom Richthause geht nur ein Weg zur Richtstätte. Diesen betreten die verurtheilten Sünder nun auch; aber sie thun es mit getrostem Herzen, denn Jesus ist bei ihnen. Sie betreten ihn, nicht um ihre Schuld zu büßen, das hat Jesus für sie gethan, nein! um dort ihre Schuld nieder zu legen; nicht um ihre Strafe zu leiden, die hat ihr Jesus getragen, nein! um von aller Strafe losgesprochen zu werden. Aber das vergeffen sie freilich auf diesem Wege auch nicht, was Jesus gelitten, was Er getragen, was Er durchgemacht hat, das hat verdienet deine Seele! Gebet. D Herr Herr! Du haft auch mich gewogen, und haft mich zu leicht gefunden. Auch ich habe am Fuße Sinais unter Deinen Flüchen gezittert. Da haft Du mir Dein Die heil. Passion. K 146 heiliges Gesetz ausgelegt; da hast Du mir von Gerechtigkeit gewaltiglich gepredigt, da hast Du meinem Stolz ins Angesicht geschlagen; da hast Du von der Hölle und Verdammniß zu mir geredet; da haft Du mich all meines Tugendschmuckes unerbittlich entkleidet; da hast Du mir die Beulen und Wunden meiner übel zugerichteten Seele aufgedeckt; da hast Du mein troßiges und verzagtes Herz zerbrochen unter den Schlägen jenes Hammers, von wel chem Du durch Deinen Propheten geredet: ,, Ist nicht mein Wort ein Hammer, der Felsen zerschmeißt?" da habe ich die hochmüthige Sprache verlernt: Ich bin reich und habe gar satt und darf nichts;" da bin ich unter vielem Weinen und Seufzen zu der Erkenntniß gekommen, daß ich bin elend und jämmerlich, arm, blind und bloß; da ist es mir unter Zittern und Beben meines Herzens gewiß geworden, daß ich ein verdammter und verlorner Sünder sei. Ach Herr Herr! wie danke ich Dir, daß Du meiner nicht geschonet, daß Du mit mir in das Gericht gegangen bist, daß Du mich also gedemüthigt hast. Ach ja! das war auch Gnade, das war große, nicht genug zu preisende Gnade. Denn nun suche ich Dein Angesicht, nun sage ich der Welt Valet, nun fündige ich der Sünde den Dienst auf, nun zerreiße ich die Bande, woran eine falsche Liebe mich hielt und ins Verderben zog, nun will ich mit Dir wandeln die heilige Bahn, die heilige Schmerzensstraße nach Golgatha, nun will ich Dein Kreuz tragen, nun fliehe ich in Deine Wunden, nun suche ich bei Dir, mein Heiland und Hoherpriester, bis ich's gefunden habe, Trost, Heil, Frieden, Seligkeit. Herr, erbarme Dich meiner. Amen. Montag. Melod. An Wasserflüssen Babylon zc. in Lämmlein geht und trägt die Schuld Der Welt und ihrer Kinder; Es geht und büßet in Geduld Die Sünden aller Sünder; Es geht dahin, wird matt und Frank, Es gießt sich auf die Würgebank, Entzieht sich allen Freuden; Es nimmt an sich Schmach, Hohn und Spott, Angst, Wunden, Striemen, Kreuz und Tod, Und spricht: ich will's gern leiden. 147 Luc. 23, 26. Und als sie Ihn hinführeten, ergriffen sie einen, Simon von Kyrene, der kam vom Felde und legten das Kreuz auf ihn, daß er es Jesu nachtrüge." Erschöpft von Qualen, mit blutigem Haupte, niedergedrückt von der Pein Seines Seelenleidens, schwankte Jesus dahin, die schwere Last des Kreuzes auf den zerfleischten Schultern, umgeben von Menschen, die Seiner Leiden spotteten, umwogt von einer ungeheuren Menge, und doch einsam Seine Bahn gehend. Als Er nun Seinen Schmerzensweg dahin wandelte, kam Simon von Kyrene vom Felde, und weil vielleicht Jesus eben ohnmächtig niedergesunken war, legten sie diesem Manne das Kreuz auf die Schulter, daß er es Jesu nachtrüge. Glückseliger Simon, der du gewürdigt bist, die Leiden deines Erlösers zu mildern, wahrlich! dir ist ein köstliches Loos geworden. So ging der Zug weiter fort und es wird erzählt, Jesus sei vor das Haus einer frommen Frau, Namens Veronika, gekommen, und diese habe mit einem Tuche Ihm den Schweiß von der Stirn getrocknet, und wenn diese Erzählung wahr ist, so hat gewiß die erste Liebesthat, die der Heiland nach so vielen Mißhandlungen von einer Menschenhand empfing, Shn süß erquickt; auch sagt die Geschichte, es sei dem frommen Weibe unvergessen geblieben. Jesus trug Sein Kreuz auf der Schmerzensstraße. stus, unser Held.« » Mir nach! spricht ChriAlle, die den Weg nach Golgatha einschlagen, wandeln unter einem Kreuze daR2 148 hin; es erfüllt sich in ihnen das Wort ihres Meisters:» Wer Mir nachfolgen will, der nehme sein Kreuz auf sich und folge Mir.« In den Augen dieser Wanderer glänzen Thränen und in ihren Mienen lesen wir den Ausdruck des Kampfes und des Schmerzes; bei aller Freudigkeit, welche in ihrem Angesichte strahlt, tritt uns dennoch in ihnen beständig das Bild eines Kreuzträgers entgegen. Es ist auch nicht anders, das Kreuztragen kann ihnen nicht erspart werden. Sie kommen aus einem Richthause, worin Moses ihnen den Stab gebrochen; sie kommen heraus in einer ganz ähnlichen Gestalt, als ihr Herr, schweißtriefend von der innern Seelenangst, die sie ausgestanden, erschüttert von dem Urtheile, welches über sie ausgesprochen ist, arm und nackt, wie ein Bettler nur immer sein kann, blutend aus vielen Wunden, welche die göttliche Zuchtruthe ihnen geschlagen hat, ihre Augen aufgethan für ihre ganze unaussprechliche große Sündennoth. Ein tiefer, jede Fiber des Herzens durchdringender Schmerz, den sie früher nicht kannten, hat sie ergriffen, der Schmerz über ihre Sünde, womit sie den Herrn beleidigt, Seine Noth gehäuft, Seine Wunden Ihm geschlagen, Sein Kreuz Ihm schwerer gemacht haben. Unter der Last dieses Schmerzes wandeln sie dahin, Frieden suchend droben auf Golgatha. Und siehe! die Sünde will ihre Beute noch nicht fahren lassen, sie macht immer neue Angriffe, sie ver= folgt die Wanderer bei jedem Schritte, sie lauert ihnen auf, sie umgiebt sie mit Fallstricken, sie liegt mit ihnen in einem beständigen Kampfe; sie sucht ihre Sinne zu reizen, ihr Urtheil zu verwirren, ihre Schritte zu lähmen, ihren Gebetseifer zu schwächen, was ihr denn auch nicht selten gelingt, und dann 149 giebt es viel Noth und Weinen, viel brennende Wunden, viel Seufzen und Klagen. Der Schmerz über die Sünde und der Kampf mit der Sünde, das ist das Kreuz, welches alle diejenigen tragen, welche auf dem Wege nach Golgatha wandeln. Außerdem aber verschonet sie der Herr auch mit mancher andern Last und Noth nicht; Er wirft sie in den Schmelzofen der Trübsale, um ihre Herzen zu läutern; Er sucht sie mit Schmerzen heim, um ihren Gebetseifer wach zu erhalten; Er sendet sie auf dunkle Wege, um ihren Glauben zu prüfen und zu stärken, Er nimmt ihnen theure Güter und geliebte Herzen, damit Er allein ihre Lust und Liebe werde, und obwohl sie in allen diesen Schickungen nur Beweise Seiner Huld und Treue sehen, so gehen ihnen doch oft dabei die Augen über und das Fleisch sträubt sich gegen Seine züchtigende Gnade. Zudem ist ihr Weg einsam; die Welt geht nicht mit nach Golgatha, sie ziehet die entgegengesetzte Straße, ihrer Lust und den Trieben ihres Fleisches nach; oft gehen auch nicht einmal die Nächsten und Liebsten mit, nicht Vater und Mutter, nicht Gatte und Kind, und der Wanderer hat niemanden bei sich auf seinem einsamen Pfade, als seinen lieben Herrn und das Engelgeleit, welches dieser sendet; nur bisweilen und oft ganz unerwartet und dann um so seliger findet sich ein Simon von Kyrene, der ihm sein. Kreuz tragen hilft, oder es nahet sich ihm eine Veronika, eine liebe fromme Seele, welche ihm den Schweiß von der Stirne trocknet, wie seinem Herrn und Meister auch geschehen ist. Gebet. Ach ja, lieber Herr, es ist eine Schmerzensstraße, welche Du nach Golgatha wandelst, es ist eine Schmer 150 17 zensstraße, auf welcher Du die Deinen Dir nachzieheft. Der Weg aus Egypten nach Canaan gehet durch das Meer der Trübsale und durch eine Wüste voll Kampf und Anfechtung, Hunger und Durst, Angst und Unruhe. Oft trotzt der Wille, oft sträubt sich das Fleisch, oft weigert sich das Herz und will nicht weiter ziehen. Herr! brich Du den Willen, tödte Du das Fleisch, beschwichtige Du das widerstrebende böse Herz. Und wenn nun wieder die Seele über meine Armesündergestalt erschrickt und das Herz bei dem Anblicke meines Jammers und Elendes anfängt zu zittern und zu zagen: o dann laß mich, wie die Taube in die Felsenrigen, so in Deine offenen Wunden fliehen, dann hülle mich ein in Dein alle Mängel zudeckendes Verdienst, bann lehre mich sprechen: Christi Blut und Gerechtigkeit, das ist mein Schmuck und Ehrenkleid." Tröfte, tröste meinen Sinn, weil ich schwach und blöde bin und des Satans schlaue Lift sich so hoch an mir vermißt." Und wenn nun wieder der Kampf entbrennt, die Sünde mich anfällt, die Welt ihre Schlinge wirft, der böse Feind sein Geschoß schleudert: o dann decke mich mit Deinem Schilde, dann reiche mir das Schwert Deines Wortes, dann wecke in mir Muth und Zuversicht, dann hilf stegen, Du Fürst des Lebens! dann töne es wie Triumphgesang durch meine Seele: Auf Christenmensch, auf, auf zum Streit! auf, auf zum Ueberwinden! in dieser Welt, in dieser Zeit ist keine Ruh' zu finden. Wer nicht will streiten, trägt die Kron' des ewigen Lebens nicht davon." Und wenn nun wieder Dein Kreuz mir zu schwer werden will und das Herz matt wird und die Knie wanken in den Trübsalen, die Du sendest, weil sie mir heilsam sind auf dem Wege, den ich wandle, und wenn mir die Füße wund werden in den Dornen, durch welche Du mich führst, o dann stärke die müden Hände und erquicke die strauchelnden Kniee und sage zu dem verzagten Herzen: Sei getroft und fürchte dich nicht!" Dann heiße es in mir: Frisch, frisch hinauf, mein Geist und Herz! auf Jesu Dornenwegen; bekrieget mich hier Leid und Schmerz, auf Siegen folget Segen. Nur fröhlich aufgefaßt die leichte Liebeslast! das Leiden dieser kurzen Zeit ist doch nicht werth der Herrlichkeit." Und wenn nun wieder mein Weg mir einsam erscheint, weil meine Freunde nicht mit mir ziehen: o dann laß mich daran gedenken, daß Deine Engel mich geleiten, dann laß mich ben süßesten Troft Deiner feligen Nähe fühlen, dann laß mich beten: Still an Deinem liebevollen Herzen laß mich ruhn, o Jesu, meine Luft, alle meine Sorge, meine Schmerzen schütten in des Freundes treue Brust." Amen. Dienst a g.. Melod. Sollt' ich meinem Gott nicht singen 2c. Laffet uns mit Jefu ziehen, Seinem Vorbild folgen nach, In der Welt der Welt entfliehen Auf der Bahn, die Er uns brach, Immerfort zum Himmel reisen, Irdisch noch, doch himmlisch sein, Glauben recht und leben fein, In der Lieb' den Glauben weisen: Treuer Jesu, bleib' bei mir! Gehe vor, ich folge Dir. 151 Lasset uns mit Jefu leiden, Seinem Vorbild werden gleich! Nach dem Leiden folgen Freuden, Armuth hier macht dorten reich. Thränenfaat, die machet lachen, Hoffnung tröstet mit Geduld; Es kann leichtlich Gottes Huld Aus dem Regen Sonne machen. Jesu! hier leid ich mit Dir, Dort theil' Deine Freud' mit mir. Ev. Luc. 23, 27. " Es folgte Ihm aber nach ein großer Haufe Volks und Weiber, die klagten und beweinten Ihn." Nach so vielem entseglichen Geschrei:» Kreuzige, kreuzige Shn!« nach so vielen Neußerungen des gefühllosesten Spottes, nach so vielen Marterscenen der unmenschlichsten Grausamkeit endlich Thränen, Thränen, dem Leiden des Erlösers geweint, rührende Zeichen menschlicher Theilnahme, Demjenigen dargebracht, der Gebet und Flehen mit starkem 152 Geschrei und Thränen vor Gott opferte. Wie in Trübsalstagen das Mitgefühl eines von unserer Noth ergriffenen Herzens so wohl thut, wer weiß das nicht! Es ist ein Sonnenblick durch den düstern Wolkenschleier, es löset die gepreßte Brust in erleichternden Thränen auf, es mildert die Noth, es stillet den Schmerz, es stärkt die matten Kräfte; die mitleidigen Thränen in einem Menschenauge glänzen für uns heller und lieblicher, als die Sterne des Himmels.»> Es folgte Shm aber nach ein großer Haufe Volks und Weiber, die klagten und be= weinten Ihn.« Aber dennoch trösten den Herrn diese Thränen nicht, denn es sind nicht Thränen, welche das bußfertige Herz, indem es seine Sünden mit Jesu Qualen in Verbindung setzt, auf dem Wege nach Golgatha weint, sondern Thränen, welche die flüchtige Rührung und das äußerliche Mitleid am Wege nach Golgatha vergießt. Die Schmerzensstraße nach Golgatha, auf welcher der Heiland und hinter Ihm eine lange Schaar Gnade suchender Sünder dahin ziehen, ist noch heute ein Weg, an welchem die ungläubige Welt stehet und über alle diejenigen seufzt, welche darauf wandeln. Die Seele, welcher die Augen aufgethan sind für die Tiefe ihres Verderbens, welche von dem Schmerze über ihre Sünde getrieben und an den Seilen der Liebe Christi gezogen diese heilige Bahn betritt, muß es sich gefallen lassen, mit Bedauern und Achselzucken betrachtet zu werden, als wäre ihr ein Unglück begegnet, als hätte sie ihr Heil nicht gefunden, sondern verloren, als wandle sie nicht in den Himmel, sondern in die Hölle. Da stehen zur Seite die Gespielen und Gefährten und klagen, daß sie nicht mehr in ihre Sünden und Eitelkeiten wil 153 ligt, nicht mehr ihre Wege mit ihnen wandelt, nicht mehr nach gewohnter Weise es mit ihnen treibt. Da stehen Bekannte und Unbekannte und beseufzen sie, wie einen Verirrten, in dessen Wesen sie sich nicht finden können, wie einen der Welt Abgestorbenen, welcher das von sich stößt, worin sie allein ihre Lust und Befriedigung finden; wie einen Eigensinnigen, der es vorzieht, einen öden Weg in düsterer Begleitung einzuschlagen, statt mit heiteren Ge= fährten die Freuden des Lebens zu genießen. Da stehen wohl gar Vater und Mutter und sprechen: » Benoni! du Schmerzenskind!« und können sich nicht darein finden, daß es mit ihrem Kinde so gar anders geworden ist, daß es ihre Ansichten nicht mehr theilen, ihren Neigungen nicht mehr Beifall geben, ihre Freuden nicht mehr mit genießen, an ihrem Treiben kein Wohlgefallen mehr finden kann, und sie beweinen seinen Glauben bitterlicher, als sie seine Sünden und Unarten beweinten. Da stehet die arme, blinde Welt und klagt über diese seligen, wenn auch kreuztragenden Wanderer, die auf Golgatha ihr Heil suchen; sie nennt sie Narren und Thoren, deren Vernunft verdunkelt und deren Urtheil verblendet ist; sie nennt sie Stolze und Dünkelhafte, weil sie die durch Gott gewirkte Zuversicht an ihnen wahrnimmt, die ihres Heils gewiß ist und der Vergebung der Sünden sich tröstet; sie nennt sie Friedestörer und Lustverderber, weil freilich der Anblick eines solchen Nachfolgers Jesu auf der Schmerzensstraße das Gewissen aufschreckt, das sichere Herz mit Unruhe erfüllt, die fleischliche Behaglichkeit stört und die Sündenlust unschmackhaft macht. O du thörichte Welt! Hemme deine Klagen! unterbrich dein Seufzen! weine nicht über uns, weine $ 154 über dich selbst. Du weißt nicht, wie gut es sich wandelt auf dem Wege, worauf Christus die Seele nach sich zieht; da ist Er die Sonne, die uns leuchtet, das Brot, das uns nährt, der Stecken und Stab, woran wir uns halten, die unerschöpfliche Freudenquelle, woraus wir Gnade um Gnade nehmen. Was hast du, o Welt, das du uns für unser Glück bieten könntest? Was hat die Welt für wahre Freude, Ist alles, was sie giebt, nicht Schein? Ist nicht ihr Glück ein schwach Gebäude, Das über Nacht vielleicht stürzt ein? Wie lastet ihre Noth so schwer, Wie läßt doch ihre Luft so leer! O ihr, die ihr uns beklaget, wie wenig habt ihr Ursach dazu. Ihr effet Träber, wir nähren uns von dem Manna des Himmels; ihr schöpfet aus löchrichten Brunnen, die kein Wasser geben, wir sißen unter Elims Palmenschatten, an lebendigen Quellen und trinken von dem Wasser, das allen Durst stillet; ihr seid Knechte einer Wollust, welche mit Ekel und Ueberdruß die Seele füllt, wir genießen eine das Herz nach allen Seiten hin befriedigende Wonne; eure Arbeit ist ohne Gewinn, eure Ruhe ohne Erquickung, unser Ringen dagegen ist ein immerwährendes Siegen und nie fehlt es uns an einer herzerquickenden Labung; ihr rühmt uns euren Reichthum, wir haben einen Schatz über alle Schäße gefunden, eine Perle, von welcher wir singen: Um diese Perle wäre Mir alles andre feil, Selbst Hab' und Gut und Ehre, Mein ganzes Erdentheil. Wir gehen freilich, wie unser Herr, unter einem Kreuze dahin, aber das Joch ist sanft, und die 3155 Last ist leicht und im Blicke auf Ihn, der uns tragen hilft, sprechen wir: Ich weiß nichts mehr von Leiden, Denn alles Kreuz und Leid Kann mich von Dir nicht scheiden, Du Born der Seligkeit, Ja, wenn ich Dich nur habe, Dann gilt mir alles gleich, Ich bin am Bettelstabe Noch wie ein König reich. Ihr redet von eurer lustigen Gesellschaft und beklaget unsere Einsamkeit, aber ihr vergesset, daß der Herr der Herrlichkeit, daß eine Schaar von Heiligen und Geliebten, daß ein Heer von glänzenden Trabanten uns begleitet, und daß rings um uns her Berg und Flur und Hain von nie verstummenden Lobliedern wiederhallen. Und nun erst das Ziel, dem wir entgegen wandern! Wohl mögen wir sagen: @ Er macht es mir auf Erden schön, Was wird bei Ihm mein Auge sehn. Das Kreuz glänzt, wie ein strahlendes Siegespanier, hinter Golgatha öffnet sich der Himmel und die Gottesstadt mit den Perlenthoren und den goldenen Gassen. Ja, dahin ziehen wir! Glessen Gebet. Ach ja! möge die Welt immerhin am Wege stehen und über uns seufzen und klagen; sie weiß nicht, wie gut wir es bei Dir haben, lieber Herr Jesu! und wie schön es sich bei Dir wandern läßt. Du sorgst für alles und teiner kann sagen, er habe je bei Dir Mangel gehabt. Du machst uns unsern Weg eben und lieblich; quält uns der Hunger, Du speiseft uns; werden wir matt, Du durchbringst uns mit neuer Kraft; straucheln wir, Du reichst uns zum Aufstehen Deine Rechte; will uns die Zeit lang werden, Du sorgst für die lieblichste Unterhaltung; wird es dunkel um uns, Dein Licht muß die Nacht vertreiben; drückt uns das Kreuz zu schwer, Du hilfft es uns tragen; drohen 156 Gefahren, Du deckst uns mit Deinem Schilde; werden die Pfade steil, Du ziehest uns hinan; wissen wir, wie Israel im Thale Hiroth, nicht mehr aus noch ein, Du theileft die Wogen, daß wir trockenen Fußes hindurch ziehen. Wir können es nirgend besser haben, als bei Dir, o Herr! Darum sprechen wir: JEsu! geh' voran Auf der Lebensbahn; Und wir wollen nicht verweilen, Dir getreulich nachzueilen: Führ' uns an der Hand 800 Bis ins Vaterland. Amen. Mittwoch. Melod. D Durchbrecher aller Banden zc. Weint nicht über Jesu Schmerzen, Weint nicht über Jesu Tod; Weint erst über eurer Herzen Unempfundne Sündenneth. Denn in Ihm ist nicht erfunden Eine Sünde, ein Betrug, Nur für euch trägt Er die Wunden, Trägt nur eurer Sünde Fluch. Ach, was hilft's, mit Weinen, Trauern Unter seinem Kreuz zu stehn; Ach, was hilft's, den Todesschauern, Die Er fühlte, nachzugehn; Ach, was hilft's, das Loos beklagen, Das der Heil'ge sich erwarb; Ohne sich einmal zu fragen: Warum und für wen Er starb? Könnt ihr keine Sünde finden Keine, an des Menschen Sohn, Ist der Tod allein der Sünden Strafe und gerechter Lohn: O dann muß Er Strafe dulden, Die Er selber nicht verdient, O dann sind es fremde Schulden, Die Er mit dem Tod versühnt'! Und für wen hat Er gestritten Diesen Kampf, dem keiner gleich? Und für wen den Tod gelitten? Für die Brüder nur, für euch! Und nun sehet an den Reinen, Wie Er leidet in Geduld! - Und nun habt ihr Grund zu weinen Ueber eure Sündenschuld. Wenn ihr dann aus tiefstem Herzen Eure Schuld erkennt, gesteht, Wenn ihr in des Heilands Schmerzen Eurer Sünde Strafe seht, Wenn ihr weint um eure Sünden, O dann wird, der still und mild Fremde Schuld trågt, euch verkünden, Was die bittre Thräne stillt. 157 Luc. 23, 28-30. Weinet nicht über Mich, sondern weinet über euch selbst und über eure Kinder. Denn siehe, es wird die Zeit kommen, in welcher man sagen wird: Selig sind die Unfruchtbaren und die Leiber, die nicht geboren haben, und die Brüste, die nicht gesäuget haben. Dann werden sie anfangen zu sagen zu den Bergen: Fallet über uns! und zu den Hügeln: Decket uns!" Wenn der Herr sagt:» Weinet nicht über Mich, sondern weinet über euch und eure Kinder,«< so will Er damit die Thräne, über Ihn vergossen, nicht tadeln, Er fordert nur, daß die Thräne auch zugleich eine Thräne über uns selbst sei. Wer kann auch den Thränen wehren, wenn man den lieben Heiland in Seiner Leidensgestalt betrachtet, wenn man Ihm auf Seinem Kreuzeswege nachsieht; ach! wie viel tausend Thränenströme sind schon geflossen beim Lesen Seiner Leidensgeschichte! aber tadelnswerth und verwerflich sind sie, wenn das weinende Auge wohl den Dulder siehet, aber nicht zugleich wahrnimmt, daß Er um unserer Missethat willen verwundet und um unsrer Sünde willen zerschlagen ist, wenn sie nicht über den Grund Seiner Marter, welches ist die Sünde, ges weinet werden. Jene Thränen verlangt Er nicht, 158 denn Er ist von Herzen demüthig, und gedenket Seiner Leiden nicht, diese aber will Er haben, denn sie sind's, welche uns nüßen, welche der himmlische Vater zählet, welche Ihm wohlgefallen, welche mit Christi Blut gemischet zu einem Heilbalsam für allen Seelenschaden werden, und über welche Freude ist vor den Engeln Gottes im Himmel. Wehe! wer diese Thränen nicht kennt, die Thränen der Buße, der wird andere furchtbare, gräßliche Thränen weinen müssen, die, unter deren Glutstrom er vernichtet stöhnen wird:» Berge, fallet über mich, Hügel, decket mich!« Siehe! mein Herz, die Welt ist ein Thränenthal, und ohne Thränen kommst du nicht los, und wenn du die Thränen der Buße nicht findest, wenn du nicht über deine Sünden weinst, wie Paulus, wie Magdalena, dann mußt du über deiner Sünden Strafe, über den Zorn Gottes, der dich trifft, über die Qual der Verdammniß weinen, und welch ein Weinen wird das sein! Ach nicht ein stiller Thau, der die Wange benetzt und von der Hand der ewigen Liebe hinweggetrocknet wird, nicht ein demüthiges Seufzen, wie das des Zöllners:» Gott sei mir Sünder gnädig,« nicht ein zwar schmerzliches aber doch hoffnungsvolles Klagen, wie das des verlornen Sohnes:» Vater! ich habe gesündigt in dem Himmel und vor dir,« welches das Herz des Vaters bricht, sondern ein endloses Jammern, ein zweckloses Wehklagen, ein Ringen mit der unendlichen Qual ohne Erfolg, ein schauriges Heulen und Zähnklappen, bei dem die Himmel verstummen, daran aber der Teufel mit seinen Engeln seine höllische Lust hat ewiglich. Mensch! welche ist nun deine Thräne und welche wird es sein? Gehörst du zu denen, welche auf - 159 Christi Kreuzesstraße wandeln, und herzlich betrübt über ihre Sünden, Ihm nachweinen, zu den Simeonen, welche Ihm das Kreuz nachtragen, oder stehest du am Wege, wie die kalte, fühllose Welt, umrauscht von ihrem Taumel, erfüllt von ihren Lüsten, mit offenen Augen nicht sehend die furcht= bare Last, welche der Menschensohn dort trägt, mit offenen Ohren nicht hörend des Heilandes stilles Seufzen um dich und deine Erlösung, und ohne eine Thräne über deine Sünden? Uch dann wird deine Mutter, wenn sie dein Heulen und Zähnklappen einst höret, und dieselbige Kluft zwischen ihr und dir befestiget siehet, welche den reichen Mann von dem armen Lazarus trennte, die Unfruchtbaren und die Leiber, die nicht geboren haben, und die Brüste, die nicht gesäuget haben, selig preisen um deinetwillen, und der Stunde, wo sie dich gebar, wo sie voll Dank und Freuden zum ersten Male dich an ihre Brust drückte, mit Jammer gedenken. O noch ist es Zeit, noch ist die Stunde nicht hereingebrochen, wo du jammerst:» Berge, fallet über mich und Hügel, decket mich!« noch kannst du deine Hände falten, deine Knie beugen, deinen Abschied machen von der Welt und ihrer Lust noch wird deine Sünde bedeckt gehalten unter göttlicher Geduld, noch dauert an die Gnadenstunde des Wartens, ob du dich nicht bekehrest, noch ist Zeit zur Buße, noch die Stunde nicht vorüber, in welcher du Thränen finden kannst über deine Sünden; o suche sie, weine sie! Laß dich das Marterbild deines zum Kreuze wankenden Mittlers erschüttern, laß dich Sein drohendes weissagendes Wort von jener Zeit des Gerichts, in welcher die Unbußfertigen verzweifeln werden, erschrecken,- und laß die - - 160 Thränen rinnen, welche die ewige Liebe hier trocknet, damit du nicht dort weinen und heulen müsseft, wo keine Hand und kein Schweißtuch die glühende Thräne der Verzweiflung von deinem Angesichte wischet! Gebet. Gerechter Gott, barmherziger Vater! Dein Wort hat es mir zugesagt mit heiligen Versicherungen, daß Deine Liebe unergründlich, Deine Gnade unbeschreiblich, Deine Geduld unbegreiflich, Deine Langmuth unermeßlich sei; und daß Du wahrhaftig bist in diesem Deinem Worte, deß bin ich selber ein unwidersprechlich Zeugniß. Ach welche Geduld, Gnade und Barmherzigkeit ist es, daß Du mich, der ich die Hölle und die Verdammniß tausendmal verdient hätte, bis heute in der Gnadenzeit noch gelassen hast. Ich habe Todsünden begangen und lebe noch! Ich habe Dein strenges Gebot übertreten und Dein Fluch ist nicht auf mich gefallen! Ich habe getroßet wider Dich mit Herz und Hand und Mund, und Du hast mich nicht von Dir gestoßen! Ich habe Deine Geduld und Langmuth auf Muthwillen gezogen und habe Deinen einigen Sohn, den Du lieb haft, mit meinem Sündenkreuz beschwert und Ihn hinaus getrieben auf die Marterstraße- Du aber stößest mich noch nicht hinaus in die äußerste Finsterniß, sondern läsfest mich noch einmal warnen, erinnerst mich an die Zeit des Elends und der Verzweiflung, lehrest heute mich gedenken an die Angst der Verdammten, wenn sie die Stunde ihrer Geburt verfluchen und Hügeln und Bergen zurufen werden: Decket uns"- damit ich heute in mich schlage und umkehre und Buße thue. Ach heute, da ich Deine Stimme höre, laß mein Herz nicht verstockt bleiben, sondern mich herzliche Thränen der Buße finden, solche Thränen, wie sie mein Heiland haben will, wenn Er spricht: Weinet nicht über mich, sondern über euch selbst und eure Kinder." D warum wollen doch diese Thränen so schwer aus dem Herzen und den Augen quillen? Warum stehe ich so bewegt an Krankenbetten und weine heiße Thränen an Todtenlagern und Gräbern und finde doch selten die rechten Thränen in meiner größten Krankheit, 11 161 die ich von den Vätern her ererbt, und bei dem Gedanken an den geistlichen Tod, den ich, armer Sünder, mir selbst bereitet habe? Warum andere Thränen so viel, warum Magdalenen- Thränen so wenige? O du zeigest, Herr, auf mein trotziges und verzagtes und an die Welt ver kauftes Herz. Ach das ist kalt und starr und will nicht brechen, ist felsenhart und liebeleer. Du aber, o gnadenreicher Gott, hafst einen Hammer, der Felsen zerschmeißt, darum bitte und flehe ich zerschlage auch mein Herz, laß das Drohen Deines Gerichts mich schrecken, laß die Stunde, wo die Verdammten verzweifeln werden, mir heute schrecklich mahnend vor die Seele treten, und weil ich weiß aus Christi eigenem Munde, daß niemand zu Ihm kommt, es sei denn, daß ihn ziehe der Vater, so bitte ich Dich, barmherziger, allmächtiger Vater, ziehe mich auf Deines Sohnes Marterstraße. Siehe nicht auf meine Bosheit, sondern um Seiner Gerechtigkeit willen erbarme Dich meiner! Siehe nicht auf meine Schande, sondern um Seiner Heis ligkeit willen erbarme Dich meiner! Siehe nicht auf meine Werke, sondern um Seines Verdienstes willen erbarme Dich meiner! Siehe nicht auf meine Irrwege, sondern um Seis nes Kreuzesweges willen, den Er dort wandelt, erbarme Dich meiner! ONIO CA 160.12 www. Mein Gott! ich bitt' durch Christi Blut, Mach's mit mir armen Sünder gut! Amen. Donnerstag. murhas Melod. Singen wir aus Herzens Grund 2c. Treuer Wächter Israel, Deß sich freuet Leib und Seel', Der Du weißest alles Leid Dir Deiner armen Christenheit, O Du Wächter, der Du nicht Schläfft noch schlummerst, zu uns richt' Dein hülfreiches Angesicht! DER STO Schau, wie große Noth und Qual Trifft Dein Volk jetzt überall! Täglich wird der Trübsal mehr; du Silf, ach! hilf, schüß' Deine Lehr'! Wir verderben, wir vergehn, Nichts wir sonst vor Augen sehn, Wo Du nicht bei uns wirst stehn! Die heil. Passion. L 162 gar Hoberpriester Jesu Chrift, Der Du eingegangen bist In den heilgen Ort zu Gott Durch Dein Kreuz und bittern Tod, Uns versöhnt mit Deinem Blut, Ausgelöscht der Hölle Glut, Wiederbracht das höchste Gut! Sigest jetzt in's Vater Reich, Ihm an Macht und Ehren gleich, Unser Mittler, Gnadenthron, Seine höchste Freud' und Kron', Den Er in dem Herzen trägt, Wie sich selbst zu lieben pflegt, Dem Er feine Bitt' abschlägt: Kläglich schreien wir zu Dir, Klopfen an die Gnadenthür. Wir, die Du mit höchstem Ruhm Dir erkauft zum Eigenthum; Deines Vaters Zorn abwend', Der wie lauter Feuer brennt Und schier alle Welt durchrennt. Beig' Shm deine Wunden roth, Red' von Deinem Kreuz und Tod, Und was mehr Du hast gethan, Zeig' ihm unsertwegen an; Sage, daß Du unsre Schuld Haft bezahlet in Geduld, Und erlanget Gnad und Huld. And're trau'n auf ihre Kraft, e Auf ihr Glück und Ritterschaft; in th Deine Christen sehn auf Dich, Auf Dich trau'n sie feftiglich, Laß sie werden nicht zu Schand', Bleib ihr Helfer und Beistand, Sie sind Dir doch all' bekannt. -40% Ev. Luc. 23, 31. „ Denn so man das thut am grünen Holz, was will am dürren werden?" Sich nennt der Herr das grüne Holz, denn Er ist der immer grünende Stab Aarons, die Wurzel Isai, der saftreiche Weinstock, der Baum des Lebens, der grünende Tannenbaum, dessen Weste und Blätter nie vertrocknen. Shm gegenüber steht IsThe The C 163 rael, das verdorrete Holz, mehr als zweimal ausgewurzelte Bäume, vertrocknete Stämme, denen die Art schon längst an die Wurzel gelegt ist, und denen das Umhauen ganz nahe. Wenn die Römer und Heiden das an Ihm thun, dem Heiligen und Gerechten, der da zur Kreuzesmarter wankt, was werden sie dann über ein Kleines an dem trohigen, widerspenstigen Volke thun! Als Werkzeuge seiner Zorngerichte, wird Gott ihre Schwerter blitzen lassen von Dan bis Bersaba und die Stadt wird wüste werden und der Tempel vernichtet, und Blut wird in Strömen rinnen und Pestilenz, Erdbeben und theure Zeit wird über alle kommen. Wenn Christus das grüne Holz ist, so sind es mit Shm die dem Weinstock eng verbundenen Reben, die Gläubigen, in welchen die Säfte und Kräfte des ewigen Lebens strömen, die Glieder des Leibes, daran Er das Haupt ist, die Schäflein, welche auf Seine Hirtenstimme hören, die Seinigen, welche Ihn kennen und Ihm bekannt sind; Sein Gefolge auf dem Kreuzeswege, das da ruft mit Paulo:» Ich lebe, doch nun nicht ich, sondern Christus lebt in mir;« ja sie sind das grüne Holz. Wenn Israel, das Ihn verworfen hat, das dürre Holz ist, so ist es mit ihm die ganze ungläubige Welt. Die am Staube hangen und mit ihren Herzen an der Erde liegen, wie Reben, die vom Weinstock abgeschnitten sind, und aus ihm keine Kraft mehr ziehen, die entfremdet sind von dem Leben, das aus Gott ist, die andern Stimmen folgen, als der des guten Hirten, und andere Weiden lieben, als die von Ihm dargebotene, die auf ihren eigenen Wegen wallen, und der Welt und ihrer Ehre, ihren Lüsten und ihren Schätzen nachjagen; die nichts wissen von 22 164 der stillen Feier dieser heiligen Wochen, und nichts ahnen von der seligen Lust der Kinder Gottes, Shm nachzuschauen und nachzuweinen, die am Wege stehen und sich nicht von Ihm nachziehen lassen auf seiner Kreuzesstraße, die sind das dürre Holz. » So nun das geschieht am grünen Holz, was will am dürren werden?«< Und was geschiehet denn am grünen Holz? Ach meine Seele, - biick Ihm doch nach, dem Herrn der Herrlichkeit auf Seinem Kreuzeswege. Ist Er nicht wie ein entlaubtes Reis, und wie eine Wurzel aus dürrem Erdreich? Ist da eine Gestalt oder Schöne, die dir gefallen könnte? Ist Er nicht der Allerverachtetste und Unwertheste, ein Mann voller Schmerzen und Krankheit? Ist Er nicht so verachtet, daß man das Angesicht vor Ihm verbergen möchte? Sein heiliger Leib ist eine große Wunde, Sein heilig Haupt mit Spott und Dorn gefrönt, TD Zum Tod betrübt vom Schrecken dieser Stunde. So zieht Er hin, zermartert und verhöhnt, Zur Schädelstätte wandelt Gottes Lamm, Es blutet und es stirbt am Kreuzesstamm." annet naz and Jup Das geschiehet am Weinstock, und was an den grünenden Reben? Sie müssen alle dieselbe Straße ziehn! Jacobus, der Bruder des Herrn, wird von der Zinne des Tempels gestürzt und mit der Keule erschlagen, und in der Apostel Herzen tauchen sich Lanzen und Schwerter, oder sie müssen, wie ihr Haupt, ans Kreuz. Stephanus wird gesteinigt, Paulus geschmähet und verfolgt, gepeinigt und ge= quält, bis endlich das Schwert des Henters auch ihm die Erfüllung seiner heißen Sehnsucht bringt: » Ich habe Lust abzuscheiden und bei Christo zu sein.« Und was an so vielen Tausenden der andern jungen grünenden Reben des himmlischen Weinstocks 53 30 165 ten. geschahe, erzählen uns die heiligen MärtyrergeschichDie Einen wurden in Säcke, die mit Pech und Del getränkt waren, eingenäht, an Pfähle gebunden und angezündet, um in langen Reihen zu nächtlichen Spielen und Tänzen wie Fackeln zu leuchten, oder man hüllete sie in Thierhäute und ließ sie zur öffentlichen Belustigung von Hunden zerreißen. Noch andere wurden in des schrecklichen römischen Kaisers Nero Gärten reihenweise ans Kreuz geschlagen; wieder andere in siedendes Del geworfen, auf glühende Roste gelegt oder lebendig auf Scheiterhaufen verbrannt. Wieder andere wurden von Folterknechten auseinander gerissen, so daß sich die Glieder eher, als der Geist vom Leibe trennten, oder wilden Thieren vorgeworfen und zerfleischt, oder den Schlangen Preis gegeben. Da ist keine Marter, die nicht an frommen Christen versucht ward zur Zeit ihrer Verfolgung, keine Qual, die man ihnen nicht anthat, keine Todesart, die man nicht an ihnen erprobt hätte. Und doch waren sie keine Mis sethäter, oder Verläugner, oder Abtrünnige, sondern Glaubenszeugen und Liebeshelden, die für ihre Verfolger beteten wie Stephanus:» Herr, behalt ihnen diese Sünde nicht!« oder die freudig riefen, wie der fromme Ignatius:» Man werfe mich ins Feuer oder vor wilde Thiere, man nagle mich ans Kreuz oder zerreiße mir alle meine Glieder: was ist das alles, wenn ich nur Jesum genießen darf!« oder jubelten in der Todesstunde, wenn sie die wilden Löwen schon brüllen hörten:» Ich bin Christi Waizenkorn, das der Zahn der wilden Thiere erst zermalmen muß, ehe ich als reines Brot erfunden werde.« Und was damals geschahe an den grünenden Reben, das geschieht bis auf den heutigen Tag, wenn auch in 166 minder schreckenerregender Gestalt an den Kindern Gottes. Sie sind noch immer als ein Fluch der Welt und ein Fegopfer aller Leute( 1 Cor. 4, 13.), und noch immer müssen sie Jeremiä Klagelied fingen:»> Alle unsre Feinde sperren ihr Maul auf wider uns, wir werden gedrückt und geplagt mit Schrecken und Ungst«( 5, 46. 47.). Giebt's denn eine Bosheit, die man ihnen nicht Schuld gäbe? ein Verbrechen, dessen man sie nicht fähig hielt? eine Qual, die man ihnen nicht gönnte? ist denn ein Mittel so niederträchtig und verächtlich, das man nicht anwendete, um ihnen Angst und Betrübniß zu bereiten? Die alte wie die neue Zeit kann ihre Märtyrergeschichten erzählen. So lange Schäflein ihren Hirten folgen, gehts die Kreuzesstraße und geschieht an jeder Rebe, was dem Weinstock widerfuhr. Wir stehen erschüttert da, wenn wir euch, ihr grünenden Reben, also zerstoßen und zerschlagen sehen, aber wir bleiben doch nicht zögernd am Wege stehen, wir schließen uns euch eilend an auf euren Leidenswegen, nehmen gern das Kreuz auf uns und folgen mit euch Ihm nach, denn schrecklicher noch als alle jene Leiden dünket uns das Wort: So das geschieht am grünen Holz, was will am dürren werden? Ach ihr, die ihr euch fürchtet vor den Leiden dieser Zeit und sein Kreuz verachtet und von euch werfet, die ihr am Wege stehet und auf kein Rufen und Einladen höret, die ihr euch nicht von Ihm ziehen lasset, die ihr nicht schmecket und sehet, wie freundlich der Herr ist, und Ihm nicht trauet, die ihr entfremdet seid. von dem Leben, das aus Gott ist, entlaubte Stämme, abgeschnittene Reben, todte Glieder - sprechet selbst den Schluß aus:» Ihrtaugt nur zum Verbrennen.« - 167 Gebet. Ach Herr, ach Herr, ziehe mich Dir nach auf Deiner Kreuzesstraße, und unterrichte mich, wie ich Dir wohlgefällig mein Kreuz auf mich nehmen und Dir nachfolgen fönne. Wie sträubt sich doch mein Fleisch und Blut gegen das Kreuz, wie möchte ich nach meinem natürlichen Menschen viel lieber mit Geld und Gold und Ehr, als mit dem Kreuz beschweret sein, viel lieber lustig auf der breiten, als auf der schmalen, engen Straße wandeln, viel lieber am Wege stehen und zusehen, wie Du dahin keuchst unter Deiner Last und die Deinen Dir nachdringen, als mich zu ihnen gesellen und Dir folgen. Doch ich weiß es, Herr! daß nur das Kreuz zur Herrlichkeit führt, und daß wir durch viel Trübsal in das Reich Gottes müssen. Darum bitte ich Dich, mache mich recht willig, das Kreuz zu nehmen und Schmach und Schande zu erdulden, und verschone mich nicht damit, wie Du Deine Heiligen und Geliebten niemals verschonet haft, sondern laß mich der Trübfal immerhin so viel erfahren, als meinem trozigen Herzen nothwendig ist, daß es breche, und meinen starren Knieen, daß sie sich vor Dir beugen. Ach Herr, mit bangem und doch brünstigem Flehen bitt ich Dich darum, denn es ist ja beffer, hier eine kleine Zeit leiden und dort getröstet werden, als hier in falschem Trost sich wiegen und dort gepeinigt sein; es ist ja besser, hier als Dein Glied erfahren, was bem Haupte widerfuhr, als ewiglich empfangen, was an bem bürren Holze geschieht. Wenn aber die Zeit der Trübsal da ist, ach Herr, dann laß sie ihre ernste Botschaft auch ausrichten an mir, dann laß durch das Feuer derselben mich geläutert und das reine Gold geschieden werden von der Schlacke, dann laß mich frei und los werden von der Welt und ihrer Lust und eng und fest mich an Dich, Du großer Dulder und mächtiger Tröster, halten, Dein Angesicht suchen, und nach Dir allezeit fragen, damit ich in der Noth nicht verzage und mein Vertrauen auf Dich nicht wegwerfe, auf daß ich als ein grüner saftreicher Zweig an Dir hange und klebe und durch Deine Kraft Frucht trage, die Gott gefällt, und die da bleibet bis in Ewigkeit. Amen. 168 Freitag. Melod. Gott des Himmels und der Erde zc. Gute Nacht, ihr eitlen Freuden, Gute Nacht, du falsche Welt! Sehet, welche Angst und Leiden Jeßt aussteht der Lebens- Held, Wie Er zittert, wie Er ringet, Daß sein Blut selbst von Ihm bringet. slor nosit and Wie? soll ich denn Wollust pflegen, Und, o schnöde Welt, mit dir Gehen auf den breiten Wegen Der verderblichen Begier? Nein, ich will nur Jesu leben, Und euch gute Nacht jetzt geben. og samb undi din. Bhd And Besser ist's, mit Jefu leiden Hohn, Verachtung, Schmach und Spott, hidd Als von Ihm sich abzuscheiden Und bei der gottlosen Rott' Hier in großen Ehren sitzen, Und dort in der Hölle schwitzen. b3 dun m Luc. 23, 32. pionsor ve til off Es wurden aber auch hingeführet zween andere Ule belthäter, daß sie mit Ihm abgethan würden."[ 4 Wir sind noch immer auf der Schmerzensstraße, worauf Jesus Sein Kreuz nach Golgatha trägt. Mit zween Uebelthätern wird Er dorthin geführt. O schnöde Gesellschaft! Der Unschuldige muß mit den Schuldigen gehen, der Gerechte mit den Ungerechten, der Heilige mit den Bösen. Was hat Ihn in diese Gesellschaft gebracht? Kein Zug in der Leidensgeschichte unseres Erlösers ist bedeutungslos, auch diese Gemeinschaft Jesu mit den Utebelthätern nicht. Wir sehen hier das Wort des Propheten erfüllt:» Er ist unter die Uebelthäter gerechnet.« Und ich sahe den Himmel aufgethan; und siehe, ein weißes Pferd, und der darauf saß, hieß treu und wahrhaftig, und richtet und streitet mit Gerechtigkeit. Und Seine Augen sind wie Feuerflammen und auf Seinem Haupt eine Krone.« Eine Krone trägt der Gekreuzigte, welche alle Kronen der Welt überstrahlt. Er ist ein König! Seine Hand, welcher man höhnend einen Rohrstab gab und die fast zu matt war, ihn halten zu können, trägt ein Scepter, zu schützen und zu zerschmettern, zu segnen und zu verderben, ein Scepter, lieblich anzuschauen den Seinen, aber ein Schrecken Seinen Feinden, ein Hirtenstab denen, die Ihn lieben, ein flammendes Schwert denen, die Ihm widerstehn.»> Es wird ein Stern aus Jacob aufgehen und ein Scepter - 186 aus Israel kommen,« lautet die Verheißung.» Gott, Dein Stuhl bleibt immer und ewiglich; das Scepter Deines Reichs ist ein gerades Scepter.« Alle Zeichen der Königswürde finden sich bei dem, welcher am Kreuze stirbt. Aber nicht blos die Zeichen derselben, dieser Gekreuzigte hat auch die Macht eines Königs und ein Reich.» Denn es sind die Reiche der Welt des Herrn und Seines Christus geworden und Er wird regieren von Ewigkeit zu Ewigkeit.« König ist Er im Reiche der Natur, im Reiche der Gnade, im Reiche der Herrlich: keit. Er regiert Himmel und Erde, denn durch Ihn sind alle Dinge gemacht. Wo endigt die Macht dessen, von dem es heißt:» Er trägt alle Dinge mit Seinem kräftigen Wort?« wo sind die Grenzen Seiner Herrschaft, da Er sagen kann:» Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden?« Die Welten bewegen sich nach Seinem Willen, die Morgensterne gehen auf, Ihn zu loben, die Winde find Seine Boten, die Feuerflammen Seine Diener; Er siehet die Erde an, so bebet sie, Er rühret die Berge an, so rauchen sie; auf Seinen Wink schweigen die Stürme und das ungestüme, gewaltige Meer wogt gebändigt in seinen Ufern. Shm singen die Stimmen aller Creaturen ihre Loblieder; Shm rauschen die Wälder und zeugen von Seiner Ehre; Ihm rufen die Seraphim ihr Heilig zu; die Himmel erzählen Seine Ehre; die Teufel zittern vor Seinem dräuenden Scepter; es ist nichts in der Welt, das nicht Seiner Ehre dienen und Seiner Macht gehorchen müßte. Ein König ist Er im Reiche der Natur, ein König im Reiche der Gnade, in jenem Reiche, um dessen Kommen wir bitten in dem Ge bete, das Er uns gelehrt hat:» Dein Reich komme;« 187 in jenem Reiche, das Er durch Sein Leiden und Sterben, durch Sein Kreuz und Blut erworben und gewonnen hat, das durch Sein Wort verbreitet und vertheidigt und durch Seine Sacramente erhalten und befestigt wird; in jenem Reiche, das Er schütt mit Seinem allmächtigen Arme, über welches Er Seine durchgrabenen Hände ausbreitet, und welches die Pforten der Hölle nicht überwältigen können; in jenem Reiche, dessen Unterthanen zerstreut sind über die ganze Erde und doch zusammen gehalten werden durch das Band der Liebe in der innigsten Gemeinschaft als Glieder des Hauptes, die von einem Geiste geleitet, von einem Glauben durchdrungen, von einer Hoffnung beseligt werden; die mit Ihm streiten und siegen, mit Ihm leiden und triumphiren, mit Ihm dienen und mit Ihm herrschen; die kein andres Gesetz kennen, als Sein Wort, kein andres Glück suchen, als Seine Gnade, und die Er hineinführen will in das Reich Seiner Herrlichkeit. Gegenwärtig herrschet Christus noch unter Seinen Feinden, aber es wird die Zeit kommen, wo der, welcher in Knechtsgestalt auf Erden wandelte und am Kreuz als Misfethäter starb, erscheinen wird in aller Seiner Kraft und Herrlichkeit, viele Kronen auf Seinem Haupte; und durch Seine allmächtige Wirkung und Sein gewaltiges Wort öffnen sich die Gräber und die Völker sammeln sich um Ihn her und der Teufel wird gerichtet und die Pforten der Hölle werden zerschmettert werden und all Seine Feinde liegen zu Seinen Füßen; die Sterne fallen vom Himmel, die Elemente zerschmelzen und eine von der Erde zum Himmel lodernde Glut verzehrt die Erde und den Himmel und aus der Vernichtung steigt eine neue Erde und ein neuer Himmel m 188 auf, in welchen Friede und Gerechtigkeit wohnet; Christus, der Herr, aber sammelt in der ewigen Gottesstadt Seine Getreuen um sich; sie umgeben Ihn mit verklärten Leibern; sie leuchten, wie die Sonne; fie theilen Seine Herrlichkeit; sie genießen Seine Ehre; sie wandeln mit Ihm unter Elims Palmenschatten; sie lassen sich von Ihm führen zu der lebendigen Wasserquelle; sie leben im Lichte, denn ihre Leuchte ist das Lamm, und sie herrschen und regieren mit Ihm in Ewigkeit. Die spottende Inschrift über dem Kreuze:» Sesus von Nazareth, der Juden König!« ist eine große, herrliche Wahrheit. Con Gebet. Mein Herr und König, Jesu Christe! und ob die ganze Welt von Dir abfiele, so will ich Dir dennoch huldigen, so will ich dennoch Deine Macht und Gnade rühmen. Was soll ich sagen von Deinem Königserbarmen? Du giebst mir das Brot, das mich nährt, das Kleid, das mich wärmt, das Dach, das mich schüßt, die geliebten Meinen, die mein Herz erfreuen, und ich muß bekennen: Noch nie habe ich bei Dir Mangel gehabt. Was soll ich sagen von Deiner Königstreue? Du haft für mich gear beitet, gekämpft, gelitten; Du hängst für mich am Kreuze; mit Deinem Blute haft Du mir Vergebung meiner Sünden und Frieden für mein Herz erkauft; mich elenden, verworfenen Knecht hast Du zu Deinem Freunde erwählt, und bist mir in allem Schmerze ein Tröster, in aller Noth ein Helfer, auf allen Wegen, auch auf den rauhen und dunkeln, ein treuer Führer gewesen. Was soll ich sagen von Deinem Königsschußze? Du hast Deine Flügel über mich ausgebreitet. Du hast Deine Engel um mich her gelagert, Du bist mir wie Wall und Mauer gewesen ge gen meine Feinde und haft ihnen gewehrt, daß fie mir nicht schaden konnten. D sei ferner mein Herr und König! laß mich, wie bisher, Dein Erbarmen, Deine Treue, Deinen Schuß erfahren; sei mein König, und ich will Dein Knecht sein; gebi: te, und ich will gehorchen; fordere, und 189 ich will geben; leg auf, und ich will tragen; führe mich, und ich will folgen. Herrsche, Herr, in meinem Herzen Ueber Lüfte, Furcht und Schmerzen; Laß Dein Leben auf mich fließen, Laß mich Dich im Geist genießen, Ehren, fürchten, loben, lieben, Und mich im Gehorsam üben, Ueberwinden hier im Streite, Dort mitherrschen Dir zur Seite. Amen. Dienst a g. Melod. Jesu, meines Lebens Leben zc. Man hat Dich so hart verhöhnet, Dich mit Schmach und Schimpf belegt, Und mit Dornen gar gekrönet, Was hat Dich dazu bewegt? Daß Du möchtest mich ergößen, Mir die Ehrenkron' aufseßen. Tausend, tausendmal sei Dir, Liebster Jesu! Dank dafür. Deine Demuth hat gebüßet Meinen Stolz und Uebermuth, Dein Tod meinen Tod versüßet; Es kommt alles mir zu gut: Dein Verspotten, Dein Verspeien Muß zu Ehren mir gedeihen. Tausend, tausendmal sei Dir, Liebster Jesu! Dank dafür. Nun ich danke Dir von Herzen, Jesu! für gesammte Noth, Für die Wunden, für die Schmerzen, Für den herben, bittern Tod. Für Dein Zittern, für Dein Zagen, Für Dein' tausendfache Plagen. Für Dein' Angst und tiefe Pein Will ich ewig dankbar sein. 93 Matth. 27, 38-41. Und da wurden zween Mörder mit Ihm gekreuziget, Die aber vorüeiner zur Rechten und einer zur Linken. ber gingen, lästerten Ihn, und schüttelten ihre Köpfe, und sprachen: Der Du den Tempel Gottes zerbrichst, 190 und baueft ihn in breien Tagen, hilf Dir selber. Bift Du Gottes Sohn, so steig herab vom Kreuz. Deßgleichen auch die Hohenpriester spotteten Seiner, sammt den Schriftgelehrten und Aeltesten." Drei Kreuze sehe ich auf der Schädelstätte aufgerichtet. Un jedem Kreuz einen Sterbenden, kämpfend mit namenlosen Qualen. Es haben gelehrte Aerzte bewiesen, daß die Martern der Kreuzigung unaussprechlich sein müssen. Schon die unnatürliche Lage, die Arme aufwärts gerichtet, was man Minutenlang nur schwer erträgt, mußte eine unbeschreibliche Folter sein. Dazu verursachte die geringste Bewegung an den durchbohrten Händen und Füßen unerträgliche Schmerzen, zumal da die Nägel an solchen Stellen durchgetrieben wurden, wo viele Nerven und Sehnen zusammenlaufen, welche theils verletzt, theils zusammengequetscht werden mußten. Entzündung der Wunden, die immer der freien Luft ausgesetzt blieben, war natürlich, der regelmäßige Blutumlauf unmöglich, daher immer zunehmende Beangstigung, Erschwerung des Athems, Ueberfüllung der Blutgefäße des Hauptes, grenzenlose Kopfschmerzen. Unter solchen stets wachsenden Qualen lebten die Gekreuzigten oft Tage lang. Welche Todesarten hat doch der Mensch erfinden müssen, um die Frechheit seines Geschlechts zu zügeln! welche Martern ist ein Mensch fähig dem andern zu bereiten! O das geht über den Zahn des Löwen und über die Blutgier des Tigers. Die Stunde jedoch, wo nun die Seele des Gerichteten gewaltsam getrennt wird vom Leibe, ist auch dem wildesten Gemüthe eine grausenvolle und erschütternde, und wenn das Haupt des ruchlosesten Missethäters fällt, dann durchdringt ein tiefer Seufzer die Tausende, welche 191 sein Richtstätte umgeben. Wir dürften es natürlich finden und eben nicht hoch anschlagen, wenn eine solche erschütternde Stille auch Jesu Kreuzesnoth ge= feiert hätte, doch was sehen wir hier? Unter den Kreuzen der Missethäter, die da empfingen, was ihre Thaten werth waren, zur Rechten und Linken ists still, aber unter dem mittlern, unter Seinem Kreuze, drängt sich Hohn und frecher Spott zusammen. Wir sehen, wie die Vorübergehenden ihre Köpfe schütteln und Bewegungen des Hasses machen, wie sie Läster- und Spottreden ausstoßen, und wie dabei nicht blos der rohe Haufen und die Kriegsknechte, sondern sogar Hohepriester und Schriftgelehrte und die Weltesten vom Hohenrathe, also die Gebildetsten und Vornehmsten des Volks geschäf tig sind, ein jeglicher, je nachdem ihm sein Haß eingab zu reden. Die Kriegsknechte hatten von Seinem königlichen Titel gehört, dazu die Ueberschrift des Kreuzes gelesen und sprachen:» Bist Du der König von Israel, so steige herab vom Kreuze, so wollen wir Dir glauben.« Die Hohenpriester und Schriftgelehrten, welche Ihm Seine Zeichen und Wunder und Liebesthaten nicht vergeben konnten, höhneten:» Undern hat Er geholfen, und kann Ihm selbst nicht helfen.« Die Weltesten und die vom Hohenrathe, welche Sein Bekenntniß verdrossen hatte, daß Er sei Christus, der Sohn des lebendigen Gota tes, spotteten:» Er hat Gott vertraut, der erlöse Ihn nun, wenn Er Lust zu Ihm hat.«< Das Volk, welches nichts Höheres kannte, als den Tempel, griff Seine Weissagung von der Auferstehung auf und rief:» Der Du den Tempel Gottes zerbrichst und bauest ihn in dreien Tagen, hilf Dir selber; bist Du Gottes Sohn, so steige herab vom Kreuze.« Uber 192 Er stieg doch nicht vom Kreuze, ob Er wohl Macht hatte, Sein Leben zu lassen oder zu nehmen, sondern hielt an und aus des Leibes Qual und Seiner Seele grenzenlose Pein, hielt stille aus zum Heil und leerte unweigerlich, wie den Becher der Schmerzen, so auch den Kelch der Schande bis auf den letten Tropfen. Wie bitter Ihm derselbe war, das zeigen uns Seine Apostel an, die aus allen Seinen übrigen Leiden immer die erlittene Schande herausheben, und uns zu Seinem Kreuze führen und rufen:» Da sehet auf, auf diesen Jesum, wie Er das Kreuz erduldete und achtete der Schande nicht;» das hören wir den Klagen des Messias in den Propheten des alten Bundes an, wo Er mehr als über Dornen, Geißel, Wunden, Nägel und Stecken, über Seine Schmach und Schande seufzt! Ps. 22, 7. ruft Er:» Ich aber bin ein Wurm und kein Mensch, ein Spott der Leute und Verachtung des Volks.<< Pf. 31, 12-14.»> Es gehet mir so übel, daß Sch bin eine große Schmach worden und eine Scheu meinen Verwandten. Denn viele schelten mich übel.« Lies dazu Pf. 69, 8. 9. 10. 21. 22. ps. 88, 4-9. Pf. 109, 25., deßgleichen Jes. 53, 3. 4., auch vorher 49, 7. Weit über Seine Kreuzesmartern und Seine grenzenlose Pein geht Ihm also selber Seine Schmach und Schande.- Und fragst du, mein Herz, warum denn diese Seelenmarter in solcher schauderhaften Größe über den Heiligen kommt? warum Shm selbst ein stilles Sterbestündlein, was doch den Missethätern zur Rechten und zur Linken zu Theil wurd rsagt bleibt? warum alles, was Er Großes und Schönes that, jetzt mit dem Kothe des niederträchtigsten Spottes und der bittersten Schmähung besudelt wird, so daß hier Sein Umt 193 verworfen wird, als wäre Er nicht Christus, sondern ein Betrüger, daß hier Seine königliche Würde verhöhnet wird, als könne Er Ihm selbst nicht helfen, daß Seine Wunder als Blendwerk, Seine Worte als Lügenreden und Großsprecherei, Sein Vertrauen auf Gott, Seinen himmlischen Vater, als eitle Narrheit gebrandmarkt wird?- Fragst du, mein Freund, warum also dem lieben Heilande nichts gelaffen worden ist, kein wahres Wort, kein Umt, noch Name, und selbst das Beste in das Nergste verkehret wird? Suche die Antwort in deiner eigenen Brust! Was steht denn da unter allen deinen Sünden oben an, was ist denn der wahre Mittelpunkt aller deiner Gebrechen? Was ist des ganzen Sündergeschlechts gemeinschaftliches Uebel? Hoffart- das ist dein Name, o Mensch! Hoffart hat die ersten Sünder im Paradiese betrogen, und ward die giftige Schlange, welche uns alle täglich verlockt. Hoffart umhüllt das Herz mit einer Felsenrinde, daß es nicht brechen will und Buße thun; sie macht den Nacken stolz, daß er sich nicht beugen, und die Kniee steif, daß sie sich nicht biegen wollen zum Gebete. Hoffart also ist unsres ganzen Verderbens Grund und unsrer Rettung Hinderniß. Um diesen unsern eitlen Bettelstolz zu fühnen und uns von seinem Fluche zu erlösen, ward Christus so geschmähet und verhöhnet,» denn in Christo,« spricht Lutherus,» hat müssen am Kreuz die allertiefste Demuth und Erniedrigung sein unter allen Creaturen, damit Er unsere Hoffart und Sündenfall besserte und wiederbrächte.«< Gebet. Nun, Herr! und diese Schande sollst Du nicht vers geblich für mich erlitten haben. Ich will mich immer mehr Die heil. Passion. N 194 gewöhnen, in Deiner Marter meine Schuld zu erblicken, darum erblick ich in Deiner Schmach und Schande meinen Stolz und meine Hoffart. Die will ich von mir thun mit Deiner Hülfe, o Du Demüthigfter, und will klein und demüthig werden, wie Du. Wie fern ist mein Herz noch von der rechten Demuth und Selbstverleugnung! Ich schlüge wohl Gut und Blut und Seel' und Seligkeit lieber in die Schanze, als daß ich mir ein Titelchen meiner eingebildeten Ehre fränken ließe, ja selber Dich und Deine Rechte, Dein Gebot und Wort habe ich ja oft genug verleugnet, um der eingebildeten Schande zu entgehen. Was fürchtete ich denn, wenn ich die Wahrheit verschwieg oder ihr doch ihren Harnisch nahm? Die Schande. Was hielt mich denn so oft ab, meinen Nächsten, wo ich mußte, mit Dei nem Worte zu strafen? Die Schande. Was hielt mich ab, vieles Böse bei mir und andern zu dulden und vieles Gute zu unterlassen?- Die Schande. Was fürchtete ich denn, wenn ich Dich nicht frei bekannte vor den Menschen? Die Schande. Ach zerschmettere mich nicht mit Deinem Zorn und mache nicht wahr Dein Dräuen gegen DeiDich, nen Verleugner, aber verhehlen kann ichs nicht der Du um meinetwillen der Schande nicht geachtet am Kreuze, Dich habe ich dennoch oft genug verleugnet vor den Menschen, weils keine Ehre bringt, Dich zu bekennen! - - - der fluchwürdigen Ehrsucht und Eigenliebe, da man von aller Welt gefeiert, anerkannt, gerühmt, geliebt und gelobt sein will, Herr, hier bringe ich sie und lege fie Dir unters Kreuz, unter dasselbige Kreuz, an welchem Du von aller Welt geschmähet wurdest. Tausch mir für meine eitle Ehrsucht den Glauben Mosis ein, der Deine Schmach für größern Reichthum hielt, als alle Schäße Aegyptens ( Ebr. 11, 26.) und lehre mich jede Schmach, verdiente und unverdiente, gern und willig aufnehmen; jene, weil sie mir heilsame Züchtigung sind, diese, für welche ich den Troft eines guien Gewissens habe, zu Deiner Ehre; jegliche Schmach aber zu meinem wahren und ewigen Heile, denn: Hier durch Spott und Hohn, Dort die Ehrenkron. Hier im Hoffen und Vertrauen, Dort im Haben und im Schauen; Denn die Ehrenfron Folgt auf Spott und Hohn. Amen. Mittwoch. Melod. An Wasserflüssen Babylon zc. Zu Deinen Füßen lieg ich hier, Dein Kreuz will ich umfassen. Ich will mein Heiland! schenk' es mir Dich nimmermehr verlassen. Du sollst bei allem meinem Thun Mir unverrückt im Herzen ruhn; Dich, Herr, will ich erheben! Nicht soll die Welt mit ihrer Lust Verdrängen Dich aus meiner Brust: Dir will ich ewig leben. 20 42195 Ach stärke meinen schwachen Muth, Ich muß noch ferner kämpfen. Laß nicht der Liebe heiße Gluth Sich in dem Herzen dämpfen. Durch Deine Schmach, durch Deinen Tod Gieb Kräfte mir in Kampfesnoth, Die Welt zu überwinden. Du weißt, das Fleisch ist träg und schwach, Es giebt dem Reiz der Sünde nach, Und muß dann Schmerz empfinden. Herr! Du reichst mir die Süßigkeit Von jenes Lebens Freuden, Sei hochgelobt in Ewigkeit Für alle Deine Leiden; Für Deine Treue, Deine Huld, Für Deine göttliche Geduld, Mit der Du mich geliebet. Gin bess'rer Dank, o Gottes Sohn! Durchströmt mein Herz vor Deinem Thron, Wo keine Schuld mich trübet. 195 Ev. Luc. 23, 34. „ Jesus aber sprach: Vater vergieb ihnen, denn sie wissen nicht, was sie thun." Wohin ziehet es uns dann mit Macht, wenn unsere Augen über unsere Schulden sich öffnen, wenn unsere Sünde uns in ihrer häßlichen Gestalt erscheint und uns um Trost sehr bange ist? Wo weilen wir dann am liebsten? Wo ist uns dann nur wohl? Wo suchen wir dann Beruhigung und finden sie, N2 196 wo Trost und werden köstlich erquickt? In den lustigen Kreisen der Welt, im Getümmel ihrer Freuden? Nein, ach nein! das mag berauschen und betäuben, aber die bangen Herzen bleiben unerquickt und leer. Im Arme unserer Lieben, im Kreise der theuren Kleinode unsrer Herzen? Nein, ach nein! Auch mit dem besten Willen können sie unsere Sorgen nicht stillen, unsre innere Bangigkeit nicht beschwichtigen, denn Menschen können nicht helfen. Nein, dann pilgern wir nach einer mächtigern Liebe, nach einer trostreichern Stätte, wohin anders als nach der heiligen Stadt, und drüber hinaus, jenseits der Gottesstadt, nach Golgatha, wo der Trost der Sünder aus fünf Börnlein quillet, wo die Liebe unsre Schulden alle bezahlet mit überreichem, heili gem Lösegelde, wo der Gerechte Schmach und Marter leidet für die Ungerechten. Dahin, mein Lieber, ziehen wir heut. Der sterbende Heiland hat der verzagenden Welt ein siebenfach trostreich Testament hinterlassen in seinen sieben Kreuzesworten. Wer ein Sünder ist und der Sünder Trost bedarf, der komme und eile jetzt hierher unter Sein Kreuz, denn das Lamm Gottes, welches verstummt war bis hierher, öffnet jetzt Seine Lippen auf der Schlachtbank wieder und ruft Sein erstes Wort in den Himmel hins ein:» Vater vergieb ihnen, denn sie wissen nicht, was sie thun!«< Wen meint Er? für wen bestürmt die erbleichende Lippe des Vaters Herz? Ach brich, mein Herz, vor Rührung, Bewunderung und Liebe gegen das geschlachtete Gotteslamm! Jene hat Er im Auge, die Ihn zunächst umstehen, die alle diese Marter auf Ihn gehäuft, die Kriegsknechte, welche Ihn gekreuziget. Über diesen blinden Heiden hätte es 197 ja nicht in den Sinn kommen können, über den Hei ligen herzufallen, ohne Pilatus; darum bittet Er auch für ihn. Pilatus hätte aber den Blutbefehl nimmer gegeben ohne das Volk, welches Seine Kreuzigung forderte; und das Volk hätte nicht so wild das:» Kreuzige Ihn!« gerufen, wäre es nicht vom Hasse der Pharisäer und Hohenpriester und ihrer Obern dazu angereizt worden, darum meinet Er auch sie, meinet das ganze Volk mit Seinem Fle: hen. Ach! und jene alle hätten ja den Sohn Gottes nimmer an das Kreuz gebracht, hätte es nicht die Sünde gethan, meine und deine und die Sünde aller Welt. Und darum gilt Sein Flehen allen, welche es nicht leugnen, daß sie Ihn mit ans Kreuz gebracht! Dich und mich, die Deinigen und die Meinigen, uns alle, die wir unter Seinem Kreuze stehen, hat Er mit Seinem brechenden Auge erbarmend angeschaut bei Seinem Kreuzgebete. Und was erbittet Er denn für uns von Seinem Vater? Was wahre Liebe immer und vor allen Dingen für die Geliebten erflehen sollte. Nicht Geld und Gut, nicht Glück und Erdenwohlergehn, nicht Ruhm und Ehre, nein! Vergebung der Sünden. Es giebt viel Elend, welches die Liebe hinwegbeten möchte vom Haupte des Geliebten, aber ein größeres nicht, als die Sünde. Sie hat das Paradies vernichtet und die ganze Erde in ein Thränenthal umgewandelt; sie hat den Menschen aus dem Umgange mit Gott gebracht, und sein ganzes Geschlecht elend gemacht; sie hat über jeden unter uns lauten Jammer ausgeschüttet und uns alle mit Klage, Uch und Wehe gesättiget; und ihre Verheerungen haben noch nicht aufgehört, wie ein fressender Krebs nagt sie den Frieden jedes Herzens, das Glück jedes Hauses, ST - 198 die Eintracht und Seelengemeinschaft jedes liebenden Kreises an, sucht Mann und Weib und Eltern und Kinder unter einander zu entzweien und oft genug gelingt es ihr; ja in die allerlehte Noth, in das ewige Verderben, in die Flamme der Hölle möchte sie die Menschen jagen, eher ruhet sie nicht. Und von dieser giftigen, alles verheerenden Natter die Menschen zu befreien, das ist in dieser Stunde Seine Sorge, wenn Er ruft:» Vater vergieb ihnen, denn sie wissen nicht, was sie thun.« Und wer ruft dies Gebet in den Himmel hinein? Der den AUmächtigen, wie keiner sonst,» Vater« nennen durfte, der ewige Sohn, der in des Vaters Schooße war, und den die Liebe trieb, statt der Herrlichkeit, die Er bei dem Vater hatte, das Kreuz zu wählen; der betet, welcher von jedem Seiner Gebete selber zeugt: » Vater Ich weiß, daß Du Mich allezeit hörest.« Heil uns armen Sündern, daß wir solchen Fürsprecher haben bei dem Allgerechten! Und wann ruft Er um Gnade für uns? Ach, in einer Stunde, wo man ja Seinem bittersten Feinde nichts abschlagen könnte, wo Meere von Schmerzen um Ihn wogten, und tausendfaches Wehe und unermeßliche Qualen Ihn zermarterten. Was Er in dieser Stunde Seines tiefsten Gehorsams für uns gefleht, das ist gewiß in Gottes Vaterherz gedrungen. Und wo betet Er um Vergebung unserer Sünden? Dort am Kreuze, wo Er ein Fluch ward für die Miffethäter, wo er vollendete den Gnadenrath Gottes über die gefallene Welt, wo Er erfüllte alle die Heilsverheißungen, womit vom ersten Sündenmorgen im Paradiese bis auf den heutigen Tag alle zitternden Schuldner erquickt wurden.- von diesem Kreuze O her hat mein Bürge gewiß eine Bitte frei gehabt 199 an den Vater; wenn jemals eins, so ist dies Gebet erhöret. Es ist gleichsam nur Auslegung des gan= zen Geheimnisses von Golgatha, ist das in dem Klange des Wortes dargestellte Gnadenwerk am Kreuze selbst, ist Wort und That zugleich. Und damit die ewige Gerechtigkeit nicht zögere, fügt der Erbarmer hinzu: Sie wissen nicht, was sie thun!« Ihr Verstand ist verfinstert, ihre Augen sind gehalten, ihr Geist ist gebunden, darum wissen sie nicht, welche schauderhafte Unthat sie vollbringen. O des treuen Hohenpriesters, der da Mitleid hat mit unserer Schwachheit, der versucht ist allenthalben gleich wie wir, und uns allerdinge gleich geworden, auf daß Er barmherzig würde( Ebr. 2, 17 und 4, 15.)! Entschuldigt Er sogar Seine Peiniger wegen ihrer grauenhaften That, o dann entschuldigt Sein Mitleid auch mich und alle armen Sünder, die wir unter Seinem Kreuze zusammen stehn. Herr! tappten wir denn nicht alle in der Finsterniß, wußte denn einer, was er that, als er auf seinen eigenen Wegen wandelte? Meinten wir denn nicht alle unser Glück und Wohlsein zu erjagen, während wir uns selbst den Zorn auf den Tag des Zornes und des gerechten Gerichts Gottes häuften? Darum blicken wir nun mit gläubigem Hoffen, o Du heiliger Fürsprecher, zu Dir an Deinem Kreuze auf, und falten unsre Hände und beugen unsre Kniee und beten: Jefu, Tilger aller Noth! Bitt' für mich, den Deinen! Gieb des Schächers Trost und Tod, Sorg auch für die Meinen! Laß mich nie aus Deiner Acht, Herzog meiner Seele, Daß ich, wenn mein Lauf vollbracht, Dir den Geist befehle. 200 49d0- saist Gebet. dent Gekreuzigter Heiland! ich werfe noch einen Blick zu Dir hinauf ans Kreuz; wirf auch mir herunter einen Gnadenblick. Du trittst zwischen Deine Mörder und ihr Verderben, und wehrest demselbigen, daß es sie nicht ergreife; Du trittst zwischen Deine Mörder und Deinen Vater im Himmel und fleheft:„ Vergieb ihnen!" heiliger MittIer! halte auch von mir das Verderben fern, vertritt auch mich bei Deinem Vater in Deiner Kreuzesbitte, blicke auch mich an mit Deinem brechenden Auge, auch ich stehe unter Deinem Kreuze, ach, auch ich bin Dein Pilatus, Dein Herodes, Dein Kreuziger und Mörder. Ach Herr, und wohl noch mehr und ärger, als jene! Sie wußten nicht, was sie thaten, sie wußten nicht, daß Du der Sohn des lebendigen Gottes wäreft; wo sie das erkannt hätten, hät ten sie den Herrn der Herrlichkeit nicht gekreuziget( wie das Paulus 1 Cor. 2, 8. ausdrücklich versichert). Ich aber weiß und wußte und glaubete es, daß Du der rechte Heiland bist, und doch habe ich Dich mit meinen Sünden gefreuziget, und verwunde Deine Seele noch immer damit. Ach Herr, da thue ich böser Knecht ja doppelte Sünde und bin doppelter Streiche werth. Aber doch weiß auch ich immer nicht, was ich thue, wenn ich fündige; ich thue nicht, was ich will, sondern was ich hasse, das thue ich, es ist ein ander Geseß in meinem Geiste, wie in meinen Gliedern. O fiehe! darum falle ich nieder auf der Wahl. statt Deiner Schmerzen, umfasse Deine Füße und neße sie mit meinen Thränen und flehe: Ach Herr, laß Dein Kreuzgebet auch meiner armen Seele heilsam sein, blicke auch mich, verblendeten Thoren, an mit Deinen brechenden Augen und schließ mich ein in Dein Gebet: Vater, vergieb ihnen, denn sie wissen nicht, was sie thun."" Und wenn das Wunder der unverdienten Gnade auch an mir geschehen und meine Sünden mir vergeben sind- o Herr, dann laß die Zeit der Unwissenheit und Blindheit bei mir gänzlich vorübergehen, dann laß es Tag werden über meine Seele, die im Schatten des Todes gebunden lag, dann ziehe Du selbst als heller Morgenstern in meinem Herzen herauf, und laß mein ganzes Leben ein Zeugniß sein, daß die Nacht vergangen, der Tag aber herbeigekommen ſei, indem ich nun wandle als am Tage, nicht in den Wegen 11 - 201 der Weltkinder, sondern in dem Gehorsam Deiner Kreuzgemeinde." Amen. no 3810 402150 Donnerst a g. Melod. Nun ruhen alle Wälder. Auf seinem Sündenpfade Fand jener Schächer Gnade, Da er noch Buße that, Noch glaubte, noch bekannte Und, den die Welt verbannte, Als Herrn des Reichs der Himmel bat. Das ist die Wundersache, Daß Jesus selig mache, Wer vorher Sünder war! Doch dient das nicht zum Grunde Daß man die letzte Stunde Zum Beten, Buß' und Glauben spar'! Zur Warnung soll mir's dienen, Die Gnade ist erschienen: Mit Gnade scherzt man nicht. Hing nicht der and're Schächer Am Kreuz auch als Verbrecher, Starb aber hin auf sein Gericht? Wie gut ist frühe Buße, Und zu des Heilands Fuße Um Sein Erbarmen flehn! Im Glauben Herr Ihn nennen, Im Leben Ihn bekennen, Im Leiden auf Sein Leiden sehn! Ich preise Dein Erbarmen, Herr Jesu, der mich Armen In Seine Gnade nahm! Erhalte mich hierinnen, Und nimm mich einst von hinnen, 3u Dir, wohin der Schächer kam. So lang ich noch soll leben, Laß mir die Gnade geben, Was keine Welt mir giebt; Auf Gnade laß mich sterben, Aus Gnaden laß mich erben; Gedenke, daß Du mich geliebt. 202 Ev. Luc. 23, 39-43. drillo d „ Aber der Uebelthäter einer, die da gehenket waren, lästerte Ihn und sprach: Bist Du Christus, so hilf Dir selbst und uns. Da antwortete der andre, strafte ihn und sprach: Und du fürchtest dich auch nicht vor Gott, der du in gleicher Verdammniß bist? Und zwar wir sind billig darinnen, denn wir empfangen, was unsere Thaten werth sind: Dieser aber hat nichts Ungeschicktes gehandelt. Und sprach zu Jesu: Herr, gedenke an mich, wenn Du in Dein Reich kommest. Und Jesus sprach zu ihm: Wahrlich Ich sage dir, heute wirst du mit Mir im Paradiese sein." 1012 Daß der Mensch nicht durch seine Werke, sondern durch den Glauben selig werde, ist die Grundlehre unserer Kirche, und wir sagen freudig, des ganzen Evangeliums. Wir bauen unsre Hoffnung auf die freie Gnade Gottes in Jesu Christo. Dem natürlichen Menschen ist diese Lehre von jeher ein Aergerniß und eine Thorheit gewesen, denn in seinem Bettelstolze will er alles, auch den Himmel und die Seligkeit verdienen; dem Gläubigen ist es eine Gotteskraft, sein süßester, einziger, sicherster Trost, an dem er festhält, wie der Blinde an der Hand seines Führers, wie der im Meere Versinkende am Rettungsseile, welches ihm zugeworfen wird. Es ist ihm diese Lehre das hellste Licht in Finsternissen, der kräftigste Antrieb, sein Herz zu heiligen und dem Herrn ganz zu übergeben, das sicherste Ruhekissen, darauf er sein Haupt legen und ruhig sterben kann. Ach, hinge unsre Seligkeit auch nur in der Erfüllung eines einzigen Gebotes, würde sie nicht ganz umsonst dem Bußfertigen und Gläubigen geschenkt, wer möchte dann selig werden? wer möchte dann Trost finden in seiner Sündennoth? Dann wäre ja selber das schöne Trostamt der Knechte 203 Jesu Christi nur ein Amt, das die Verdammniß predigte; und wer möchte solch ein Umt übernehmen? Wenn dann ein armer Sünder auf dem Todtenbette läge und Trost in seiner Sündennoth begehrte, wüßten wir von der freien Gnade Jesu Christi nichts, was könnten wir ihm sagen?»> Bef= sere dich?«< Er würde antworten:» Ich stehe an der Todespforte!« Sollten wir ihn erinnern an die guten Werke, die er je zuweilen unter seinen Sünden auch gethan habe? Er würde, so er anders in die Tiefe seiner Schulden geblicket, antworten: » Ich finde nichts, wofür ich nicht Vergebung nöthig hätte, und mit dem Besten, was ich that, hab' ich unnüßer Knecht nichts verdient. Mein Gott, wie werde ich fahren!« Was bliebe uns dann übrig, als zu sprechen:» Nun so verzweifle und stirb!«< Doch wohl uns, daß wir das Evangelium von Christo haben! Nun zeigen wir dem Verzagenden die Gnadenverheißungen des göttlichen Wortes, sagen ihm, was geschrieben steht Röm. 3, 28., Gal. 2, 16. Jef. 55, 1. Off. Joh. 22, 17. u. f. f. und führen ihn nach Golgatha unter das Kreuz des Schächers, dem der Herr Jesus Christus selbst den Trost mitgab in das Todesthal:» Wahrlich ich sage dir, du wirst heute mit mir im Paradieſse sein.« O, trostreiches, wunderbares Evangelium, das du uns in der Todesnacht zu einem lieblichen Lichte, und in der Todesangst zu einem freundlichen Tröster und Ret= ter wirst, wie reich und selig sind wir in deinem Besitze! Was ist denn aber das Tröstende an dieser Begnadigung des Schächers, davon uns die heilige Passionsgeschichte heute erzählt? Man hat dies Gnadenwunder wie alle Wunder Jesu Christi zu erklären versucht. Man hat gesagt, dieser Schächer 204 sei so böse nicht gewesen, mehr leichtsinnig als lasterhaft. Aber ein vorurtheilsfreier Blick auf die Ers zählung zeigt vielmehr, daß er ein grober Sünder war, gleich wie der andere Schächer. Das Wort, welches nicht lügt, nennt ihn so, wie jenen, einen Uebelthäter, der öffentliche und grobe Frevelthaten begangen hat. Er heißt, wie jener, ein Räuber, der auf den Straßen die Wanderer geplündert, ein Mörder, der die Leute um ihr zeitliches, wohl gar auch um ihr ewiges Leben gebracht. Er hatte sich also nicht etwa nur im Leichtsinn zu einer einzelnen Frevelthat hinreißen lassen, sondern war ein böser Mensch, dessen Leben eine Reihe von Gottlosigkeit bezeichnet, wie er sich auch selber in völlige Gemeinschaft mit dem andern durch das Bekenntniß stellt, daß sie beide nur empfangen, was ihre Thaten verdies net haben. Wenn aber beide gleich böse waren, wie konnte dann der eine begnadigt, der andere verworfen werden? Bis hierher waren die beiden Uebelthäter eine Straße gezogen, jetzt scheiden sich ihre Wege. Während jener zur Linken ein Pharao ist, der in seiner Verstockung nicht ruhet, bis die Wogen der Vernichtung über ihn zusammenschlagen, während er Jesum lästert und spricht:» Bist Du Christus, so hilf Dir selbst und uns:« hören wir aus dem Munde dieses Schächers ein Wort, das uns in die größeste Verwunderung setzt:» Und du fürchtest dich auch nicht vor Gott, der du doch in gleicher Verdammniß bist? Und zwar wir sind billig darinnen, denn wir empfangen, was unsere Thaten werth sind, Dieser aber hat nichts Ungeschicktes gehandelt.« So spricht er am Kreuze hängend, unter den Qualen dieser furchtbaren Todesart. Wir staunen! Welch klare 205 Selbsterkenntniß, welch tiefes Sündenbewußtsein, welch zerknirschtes Herz, welch aufrichtige Buße, welch demüthiges Bekenntniß, welch fröhlicher Glaube! Woher kommt das dem Uebelthäter? Er war ergriffen worden auf seinem Sündenwege es wäre möglich, daß dieser plößliche Ueberfall seine Seele erschüttert, daß er in seiner Gefangenschaft den Saamen des göttlichen Wortes wieder hervorgescharrt, denn» Trübsal lehret auf's Wort merken« und es hat schon mancher Verbrecher in den äußern Banden seine geistliche Freiheit, in dem Kerker das Paradies gefunden; es kann auch sein, daß er im Richthause dabei stand, als Christus Sein schönes Bekenntniß von Seinem Reiche ablegte, welches um so mehr ihn ergriff, als er sonst schon von Christo gehört das alles ist möglich, doch nicht gewiß. Sicher aber ist, daß er die eindringliche Valetpredigt Christi auf dem Kreuzeswege gehört( Luc. 23, 28-31.). Von dieser heißt es:» Jesus wandte sich um.«< Vielz leicht zu ihm! Hören aber mußte er immer, was die Weiber hörten, daß die Sünde Jerusalem und den Tempel und das ganze Land verwüsten werde, daß es leichter sei, Berge und Hügel, als den Zorn Gottes zu tragen, daß ein Unschuldiger, der zur Kreuzesmarter wankt, nicht so zu beweinen sei, als die Sünde; daß jeder Sünder ein dürres Holz ſei, das ins Feuer geworfen wird. O sollte das nicht ein Hammer gewesen sein, der den Felsen seines Herzens zerschlug? Dazu kam, um seine innere Umwandlung zu vollenden, die Gluth der Liebe, welche vom Kreuz des Mittlers strahlte. Denn als Er ans Kreuz geschlagen war, fing Jesus an zu beten, zu Gott als Seinem Vater zu beten, für Seine Feinde zu beten, um Vergebung ihrer Sünden zu beten.D T 206 diese Geduld, diese Sanftmuth, diese Versöhnlichkeit, diese Liebe brach ihm das Herz, ließ in seiner Seele die Hoffnung erwachen:» Wenn Er für jene ein Herz hat, wenn Er Seine Mörder nicht von sich stößt, so wird Er auch mich nicht von sich stoßen, auch für mich ein Gnadengebet haben, auch mich erretten!« und in dieser getrosten Zuversicht ruft er:» Herr gedenke an mich, wenn Du in Dein Reich kommest!« Welch ein Glaube, der in dieser Stunde also bitten konnte! Dieser Glaube übertrifft wohl alles, was wir in der Schrift und in der Geschichte des Reiches Gottes vom Glauben lesen. Jetzt kümmert sich die ganze Welt nicht um Jesum, die Heiden wissen nichts von Seinem Namen, die Juden gehen spottend vorüber, die Feinde triumphiren über Seinen Untergang, alle Seine Jünger haben Ihn verlassen, Petrus hat Shn verleugnet, Judas Ihn verrathen: da bekennt Ihn der Schächer, spricht Seinen Glauben an Ihn aus, vertheidigt Seine Unschuld, nimmt Ihn in Schuh wider den Lästerer, und mit sterbenden, sehnsüchtigen Blicken wendet er sich in der höchsten Noth zu Ihm, bittet nicht um Erlösung aus der Kreuzesmarter, sondern um Rettung seiner Seele:» Herr gedenke an mich, wenn Du in Dein Reich kommst!«< Wie, ein Mörder will ins Himmelreich?- So würde der Schächer auch gedacht haben, hätte er den ohnmächtigen Schwachglauben von Tausenden gehabt, welche sich Christen nennen. Sein Glaube war fröhlicher, zuversichtlicher, stärker. Er traute seinem Heilande mehr zu. Wie ihn auch sein Gewissen verdammen, die Hölle drohen, der Satan anklagen mochte, er hielt sich an Jesu fest, traute kühnlich, wenn seine Sünde auch blutroth wäre, das Blut des Gerech 207 ten, das da vom Kreuze rann, könnte ihn schneeweiß machen. Das ist der Glaube, der die Hölle zu-, und den Himmel aufschließt, das ist die Wundermacht, welche Tod und Teufel überwindet. D, wäre seine Sünde auch noch tausendmal größer ge= wesen, hätte er unten im tiefsten Grunde der Hölle gelegen der Heiland würde ihn herausgezogen haben. Auf der Stelle spricht Christus das Urtheil der Begnadigung. Ob Er auch selber am Kreuze hängt, von Gott und Menschen verlassen, nach einem Tropfen Wassers schmachtend, selbst ohne Trost und unerquickt, so verschenkt Er doch ein Himmelreich, macht die Seele eines armen Schächers selig, übt Seine Hoheitsrechte als König Himmels und der Erden, reicht dem Glauben seine Krone und spricht:» Wahrlich Ich sage dir, du wirst heute mit Mir im Paradiese sein!« Siehe hier, meine Seele, den Grund deines Heils, den Born deiner Seligkeit. Nicht Werke und Thaten, sondern Jesus Christus allein ist das Leben, Vergebung der Sünden und Seligkeit, und der Weg zum Heil ist der Glaube, auf daß es stehen bleibe:» So halten wir es nun, daß der Mensch gerecht werde ohne des Gesetzes Werke, allein durch den Glauben.<< Gebet. Gelobet seist Du, gelobet seist Du, allmächtiger Heis land, daß Du nicht nach Werken fragst, sondern nach dem Glauben allein, wenn Du eine Seele selig machest. O so darf auch ich noch auf Heil und Erlösung hoffen, darf nicht verzagen, bei den Sünden meiner Jugend, die mich anklagen, bei den Sünden meines Alters, die mich verdammen, darf getroft, trotz aller meiner Blutsschulden, noch auf Errettung hoffen. Warst Du mächtig, da am Kreuze einen armen Sünder aus der Hölle in das Paradies empor zu ziehen, o so kannst Du's auch heute in Deiner Herrlichkeit zur Rechten des Vaters; warst Du bereit, das Ge 208 11 bet des Missethäters um Erlösung zu erhören, o so wirst Du auch mein Gebet nicht verwerfen, wenn ich rufe:" Herr gedenke auch an mich in Deinem Reiche." Sprachst Du dort den Schächer los, o so berufe ich mich darauf und glaube fühn, auch mir gehört Dein Wort: Mit Mir im Paradiese!" Siehe, ich troße nicht darauf, daß ich keinen Mord begangen, nicht am Wege gelagert war und auf Beute gewartet habe, nicht verurtheilt bin von der welt lichen Obrigkeit zum Tode- ach wenn ich auch von solchem Frevel mich fern weiß, so flagen tausend andre Sünden mich an, jedes Deiner Gebote, jeder Tag meines Lebens, mein arges Herz, der innerste dunkle Sündengrund meiner Seele das alles sagts mir, daß ich Tod und Verdammniß verdient, und mehr konnte der Schächer auch nicht verwirken. Aber auf Deine Barmherzigkeit, o Herr! traue ich, wie er, wende mein flehend Auge zu Dir, suche sehnsuchtsvoll alle mein Heil bei Dir, sehe mein ganzes Vertrauen auf Dich allein, suche an Deinem Kreuze meine Errettung, und rufe wie der Schächer unter Thränen der Buße und im festen Glauben:" Herr gedenke an mich!" Und Deine Verheißungen treten mir entgegen und antwor ten mir. Du verwirfst mich nicht! Dein Tod giebt mir das Leben; Deine Hand rettet mich; Du tröstest mich mit Deiner Hülfe. Dein Blut reiniget mich; Dein Gebet vertritt mich. Du hast mich erhöret, Du treuer Gott, und ich singe fröhlich: - Ich lebe von Barmherzigkeit, Von nichts kann ich sonst leben; Mir Sünder ward der Tod gedräut, Und nun ist mir vergeben, Dies ist's allein, was mich erfreut: Ich lebe von Barmherzigkeit! Ich danke der Barmherzigkeit, Die Du mir hast erworben; Dich jammerte mein ew'ges Leid, Du bist für mich gestorben, In Dir ist mir mein Heil bereit: Ich lebe von Barmherzigkeit! Amen. RIG Freitag. Melod. O Lamm Gottes unschuldig. Jesu, welche Lasten Beschweren unsre Herzen! Doch daß wir mögen raften, So duldest Du die Schmerzen. Du Hirte Deiner Schafe, Du trugst für uns die Strafe, Erbarm' Dich unser, o Jesu! Wir haben mit dem Stolze Den Fluch bei Gott verdienet. Du hängst am Kreuzesholze, Daß uns nun Gnade grünet. Der Satan mag uns schrecken, Dein Heil kann uns bedecken. Erbarm' Dich unser, o Jesu! Wir wollen bei den Sünden Noch gern in Kleidern prangen; Du willst die Schmach empfinden, Drum bist Du bloß gehangen. Du mußt Dich für uns schämen Und alles auf Dich nehmen. Erbarm' Dich unser, o Jesu! 209 Joh. 19, 23-24. Die Kriegsknechte aber, da sie Jesum gekreuzigt hatten, nahmen sie Seine Kleider und machten vier Theile, einem jeglichen Kriegsknechte ein Theil, dazu auch den Rod. Der Rock aber war ungenäht, von oben an ges wirkt durch und durch. Da sprachen sie unter einander: Laßt uns den nicht zertheilen, sondern darum losen, weß er sein soll, auf daß erfüllt wurde die Schrift, die da sagt: Sie haben meine Kleider unter sich getheilt und haben über meinen Rock das Loos geworfen. Solches thaten die Kriegsknechte." Wir stehen vor einem Sterbenden! Aber hier ist es nicht, wie es bei Sterbenden zu sein pflegt; kein stilles Kämmerlein, kein weiches Bett, kein Kreis lieber Seelen, von welchen der Sterbende zärtlichen Abschied nimmt, die ihn zuletzt noch mit neuen Zeichen ihrer Liebe erquicken und ihm durch ihre Ge= bete den schweren Kampf überwinden helfen. GolDie heil. Passion. 210 gatha heißt der Ort, wo wir uns befinden, Schädelstätte! Wir sehen hier ein Kreuz und an dem verfluchten Holze hängt unser Sterbender, ein Fluch für uns! Keine Freundeshand trocknet Shm den Schweiß von der Stirn, reicht dem Verschmachtenden eine letzte Labung; außer der Bitte des armen Schächers wird kein Wort der Liebe, kein Gea bet vernommen und die Seufzer des Dulders mischen sich in freche Lästerungen und empörende Spottreden. Ein Sterbender hat, wie wir wissen, neben seinen ewigen Angelegenheiten, auch noch manches Irdische zu besorgen, er hat sein Haus zu bestellen und über seinen Nachlaß zu verfügen. Was hat denn unser Herr Jesus hinterlassen? Nun, von dem Nachlasse dessen, der am Kreuze endet, wäre viel zu sagen, viel köstliche Schäße wären aufzuführen, viel unerschöpfliche Reichthümer wären zu nennen, viel unaussprechliche Segnungen wären zu preisen, wollten wir auch nur an das eine Wort erinnern:» Meinen Frieden lasse ich euch!« oder an das andere:» Nehmet hin den heiligen Geist!« oder das Er von den Seinen gesagt hat:» Ich gebe ihnen das ewige Leben.« Doch dieses geistliche Erbe, welches alle Kinder Gottes von ihrem Heilande empfangen, meinen wir nicht, wir meinen seine irdische Hinterlassenschaft. Nun, davon wird wenig zu sagen sein, was kann der hinterlassen haben, der nicht hatte, wohin er sein Haupt legen konnte, der sich von dem Allmosen armer Weiber ernährte, der den Seinen die Regel gáb:» Ihr sollt euch nicht Schäße sammeln auf Erden, da sie die Motten und der Rost fressen und da die Diebe nach graben und stehlen. Sammelt euch aber Schäße im Himmel. Wo euer Schatz ist, da ist auch euer C 211 Herz.« Es sah mit dem Nachlasse des Herrn Jesu gar armselig aus; wir erwarten es nicht anders. Es gab da weder lachende, noch streitende Erben und die Geschichte berichtet nichts davon, daß etwa unter seinen Hinterbliebenen über Sein Vermögen Proceffe geführt und Feindschaften entstanden wären, wie dies ja, wir wissen es aus hundert Beispielen, gar häufig der traurige Segen der irdischen Hinterlassenschaften zu sein pflegt. Auch hat man nicht davon gehört, daß einer Seiner Erben durch den Betrug des ihm zufallenden Reichthums verloren gegangen wäre. Diejenigen, welche den Werth eines Menschen nach seinen liegenden Gründen und nach der Summe seiner Capitalien taxiren, können über den Herrn Jesum nur ein wegwerfendes Urtheil haben. Also, wie gesagt, der Nachlaß des sterbenden Heilandes war äußerst armselig. Er hatte in der That nichts weiter, als was Er an Seinem Leibe trug, und dies fiel auch nicht den Seinen zu, sondern wurde eine Beute Seiner Henkersknechte. Dem engherzigen Reichen, in dessen Augen die Urmuth ein großer Vorwurf für einen Menschen ist, gewährt das nun zwar kein Behagen, aber für die liebe Armuth, für die leibliche und geistliche, ist es ein rechter Herzenstrost. O ihr, die ihr mit eurem Erlöser ausrufet:» Mein Reich ist nicht von dieser Welt!« die ihr mit Petro sprechet:» Silber und Gold habe ich nicht!« wisset, euer Heiland ist noch viel ärmer gewesen, als ihr, und Er hat durch Seine Armuth euren Stand hoch geehret, geheiligt und reichlich gesegnet. Ihr braucht nur Ihn anzuschauen, um unter der äußern Dürftigkeit die verborgene Gnade zu erblicken. Er muß euch sehr lieb haben, da Er geworden ist, was ihr seid. Gottselige Urme D2 212 wissen das auch und segnen deßhalb ihren armen Stand; sie wissen, daß man auf einem schmalen und engen Wege, der noch dazu bergan gehet, besser fortkommt, wenn man wenig belästigt ist. Will sich auch das Fleisch bisweilen beschweren über die liebe Noth, es bedarf nur eines Blickes auf den Heiland, um es wieder zu stillen. Spricht es:» Ich habe kein Geld und Gut,« sie antworten:» Du hast doch Gott und deinen Jesus.« Klagt es:» Ich habe keine Kleider nach meinem Stand und Wunsche,«< sie erwiedern:» Ich freue mich des Herrn und meine Seele ist fröhlich in meinem Gott; denn Er hat mich angezogen mit den Kleidern des Heils und mit dem Rocke der Gerechtigkeit bekleidet.« Bemerkt es:» Ich habe kein eigenes Haus,« ihnen ist auch keinen Augenblick um Trost bange:» Der Heiland hatte auch nicht, wohin Er Sein Haupt legte, aber die Erde ist des Herrn und was darinnen ist, der Erdboden und was darauf wohnet.« Seufzt es:» Wir haben hier keine bleibende Stätte,« der Geist in ihnen erwiedert fröhlich:» Aber die zukünftige suchen wir und sind gewiß, sie zu finden.« Nicht, daß sie ihre Noth nicht fühlen sollten, aber sie ist ihnen eine liebe Noth, ja so sagen wir in unserer schönen Muttersprache, eine liebe Noth, eine selige Armuth, denn sie theilen sie mit dem Herrn Jesu, sie erfahren bei Ihm:» Durch die Noth der Erde geht es in die Herrlichkeit des Himmels.« Könnten sie das einmal vergessen, jeder Blick zum Kreuze hinauf sagt es ihnen. Da hängt ihr Heiland. Er ist arm geboren, Er ist kümmerlich auferzogen, Er hat in bitterer Noth Sein Leben hingebracht und dem Ster benden ist nichts geblieben, als die Dornenkrone und die Nägel in Händen und Füßen, nicht einmal ein Kleid sich zu bedecken. Aber dieses armselige Leben und dieser noch armseligere Tod ist der Weg, auf welchem Er zu Seiner ewigen Herrlichkeit eingezogen ist. Gefällt es Ihm, sie denselben Weg zu führen, was könnten sie dawider haben, wie sollten sie Ihn dafür nicht preisen, wie sollten sie über ihre Urmuth klagen, da Er sie durch Seine Urmuth so reich gemacht hat, daß sie den Himmel bezahlen können? Gebet. Herr Jesu! Du kennst das Herz aller Kinder der Menschen, Du fennst auch die Eitelkeit meines Herzens und weißt, wie lüstern es noch ist nach dieser Welt Reichthum, Ehre und Glanze. D nimm sie doch heraus alle diese böfen, unreinen Gelüste und gieb mir ein durch den Anblick Deines Kreuzes gedemüthigtes, stilles, nur den Schmuck Deines Verdienstes suchendes und liebendes Herz. Kann ich die Armuth noch als eine Schmach, als ein Unglück tragen, fürchten und betrachten, da Du, Aermster, die Armuth so sehr geliebet und gesegnet haft? Kann ich noch in stolzen Kleidern und eitler Hoffart vor der Welt prangen wollen, da ich Dich mit der Dornenkrone auf dem Haupte nackt und bloß am Kreuze hangen sehe? Nein, Herr! ich will gern klein, arm und unbeachtet vor der Welt sein, wenn Du mich nur lieb haft; ich will in Reue und Buße einher gehen, mich in das Gewand des Glaubens einhüllen und mich anthun mit der reinen, schönen Seide der Gerechtigkeit, welche die Heiligen schmückt. 396.0 or Herr Jesu Christ, Dein theures Blut Ist meiner Seele höchstes Gut; Das tröstet, stärkt, das macht allein Mein Herz von allen Sünden rein. 213 Dein Blut, mein Schmuck und Ehrenkleid, Dein Unschuld und Gerechtigkeit Macht, daß ich kann vor Gott bestehn Und in des Himmels Freud eingehn. Amen. Sonnabend. Melod. Alles ist an Gottes Segen zc. Schaut die Mutter voller Schmerzen, Wie sie mit zerriss'nem Herzen DO PRES 214 hiss ol Bei dem Kreuz des Sohnes steht! Schauet ihre Trübsals Hiße, Wie des Schwertes blut'ge Spige Tief durch ihre Seele geht. Wessen Auge kann der Zähren Bei dem Jammer sich erwehren, Der des Höchsten Sohn umfängt? Wie Er mit gelaff'nem Muthe Todesmatt in Seinem Blute An dem Holz des Fluches hängt. 12. sep org Joh. 19, 25-27. Es standen aber bei dem Kreuz Jesu Seine Mutter und Seiner Mutter Schwester, Maria, Cleophas Weib, und Maria Magdalena. Da nun Jesus Seine Mutter sahe und den Jünger dabei stehen, den Er lieb hatte, spricht Er zu Seiner Mutter: Weib, siehe, das ist dein Sohn. Darnach spricht Er zu dem Jünger: Siehe, das ist deine Mutter. Und von der Stunde an nahm sie der Jünger zu fich." Nackt und bloß hängt der Herr am Kreuze. Dem Sterbenden ist nichts geblieben, als die Dors nenkrone und die Nägel in Händen und Füßen, denn in Seine Kleider theilen sich die Kriegsknechte und über Seinen ungenäheten Rock werfen sie das Loos. Aber siehe! noch ein theures Gut gab es, das Er Sein eigen nannte und über welches der gekreuzigte Erlöser verfügen mußte. Seine Mutter stand unter dem Kreuze, diese Schmerzensmutter! Bis hierher war sie Ihm gefolgt, o der Mutterliebe! Von ihr mag man auch wohl sagen, wie es von der Liebe Jesu in einem Passionsliede heißt: O Liebe, Liebe du bist stark! In der Begleitung der andern Maria und der Maria Magdalena, jener Weiber, welche dem Herrn aus Galiläa gefolgt waren und hatten Ihm Handreichung gethan mit ihrer Habe, war die Mutter Jesu nach Golgatha gekommen. Wie es scheint, haben Ihn 215 diese Weiber auf Seinem ganzen Lebenswege beglei tet und harren bis zu Seinem letzten Athemzuge bei Ihm aus. Die Letzten auf Golgatha und die Ersten an Seinem Grabe sind sie. Stärker, als die Männer, beweisen sie Ihm eine Liebe, die stark ist, wie der Tod, und sie können sicherlich, was Petrus, der starke Petrus nur zu können sich rühmte, nämlich mit Jesu, wenn es sein müßte, in den Tod ge= hen. O! es wird diesen treuen Seelen und dem treuen Johannes, welcher das Gemüth eines Weibes und die Seele eines Mannes hatte, nicht unvergolten geblieben sein, daß sie beharreten bis ans Ende, daß sie treu blieben, wo niemand treu blieb.- Maria stand unter dem Kreuze, unter dem Kreuze ihres Sohnes, dieses Sohnes; siehe! da drang das Schwert durch ihre Seele, von welchem der alte Simeon zu der hochgebenedeiten und gesegneten Jungfrau sprach. O ihr Mütter, die ihr in heißer Schmerzensstunde euer Kind, das ihr unter dem Herzen getragen, das eures Herzens Lust und Wonne war, kämpfend, zuckend, mit dem Tode ringend da liegen sahet, bis das Auge brach, das süße Auge, das nie wieder in euer Auge blickte, ihr ahnet, was in dem Herzen der Mutter unter dem Kreuze vorging, ihr ahnet's! denn nachempfinden, nein! nachempfinden könnet ihr ihren Schmerz auch nicht. War fie nicht eine arme Wittwe? war dieser Sohn nicht ihr Einziges und Letztes? war Er nicht der Sohn seliger Verheißungen? war Er nicht der Herr der Herrlichkeit und sie Seine Mutter? waren diese Martern nicht unerhört, entsetzlich, ohne Gleichen? war es nicht der blutige Kreuzestod eines Missethäters, welchen dieser Gerechte und über alles Geliebte starb? drangen nicht in ihr Mutterherz jene Spottreden - 216 und Lästerungen? verwundeten nicht auch ihr Haupt jene Dornen? durchbohrten nicht jene Nägel auch ihre Gliedmaßen? drang nicht jener Speer auch in ihre Seite? war es nicht ein zehnfacher Tod, welchen auch sie erduldete unter dem Kreuze? Wermste Mutter! aber doch wie selig bist du in deines Sohnes Reich. Denn sterben wir mit, so leben wir mit, dulden wir mit, so werden wir mit herrschen. Und der Schmerzensmann am Kreuze siehet die Schmerzensmutter, siehet die Qualen, die ihr Herz zerreißen, die Angst, unter welcher ihre Seele zittert, die Einsamkeit, der sie entgegen geht, den Spott und die Verfolgung, die ihrer warten, der völlig Verwaiseten. So hat denn dein Heiland auch den Schmerz erfahren, welcher dich so sehr quält, mein lieber Christ. Du fühlst dich siech und krank; wie lange noch, und es kommt die letzte Stunde.» wäre sie schon da!« seufzt deine Seele,» ich habe Lust abzuscheiden und bei dem Herrn Jesu Christo zu sein; ach! nur Eins macht mir den Abschied schwer, meine alte Mutter, mein alter Vater, die ich zurücklasse ohne Stütze, meine unmündigen Kinder, die durch meinen Tod arme Waisen werden.« Aber, liebe Seele, sei nur getroft, dein Heiland wird schon sorgen. Er weiß hier auch Rath, Er, der sonder Trost am Kreuze hängt und dennoch reichen, süßen Trost für die geliebte Mutter hat. Zu Ihm aufblickend kannst du sprechen: Co Und würde mir die Seele weich Beim letzten Gruß der Lieben Herr, sie sind hier in Deinem Reich Und sind es auch bald drüben! Sie waren mein und bleiben mein Und Du trittst als ihr Hüter ein! Silber und Gold kann der Herr Seiner armen Mutter nicht geben; Sein ganzes Vermögen haben be 1 217 reits schon die Henker unter sich getheilt. Silber und Gold kann auch das gebrochene Herz dieser Mutter nicht heilen. Jesus hat etwas Besseres, Er hat ein warmes, treues Sohnesherz, an welches Er die geliebte Mutter legt, indem Er heimgehet. Stehet da nicht der Jünger, den Er lieb hatte, Sein Johannes? In Seiner Brust schlägt dies treue Herz. Ihm vermacht Er Seine Mutter, Seiner Mutter vermacht Er den Jünger.» Weib, siehe! das ist dein Sohn! Siehe, das ist deine Mutter!« sprach Er. O köstliches Vermächtniß! wie fühlten die Beiden sich an einander getröstet! Sie war seine Mutter und Er war ihr Sohn und wohnten bei einander und blieben bei einander noch zwölf Jahr bis zum Heimgange der Maria, denn bis dahin verließ Johannes Jerusalem nicht, während die andern Jünger auszogen in alle Welt. Die Beiden aber waren sicherlich recht selig in aller Trübsal. Christen, die ihr dies leset, ihr habt wohl auch einen alten Vater, eine alte Mutter, oder sage ich Schwiegervater, Schwiegermutter; sie sind an euch gewiesen, ihr seid an sie gewiesen. Aber es ist nicht zwischen euch, wie es sein müßte, es ist vielleicht sehr arg, heidnisch, himmelschreiend; es ist euch eine drückende Last, was ihr, wie Johannes, als eine Gnade preisen solltet. Bedenket, daß der für euch gekreuzigte Heiland auch zu euch spricht:» Siehe, das ist deine Mutter; siehe, das ist dein Vater!«< Die Maria war des Johannes leibliche Mutter nicht, obwohl seine nahe Verwandte, seiner Mutter Schwester nämlich, aber er war nun doch ihr Sohn durch das Wort und Vermächtniß des Herrn Jesu:» Siehe, das ist deine Mutter!« Es Es geschiehet wohl dann und wann etwas Aehnliches noch, daß der Heiland 218 einem Johannesherzen ein Kind schenkt, das sein Kind nicht ist, oder eine Mutter, einen Vater, die seine Eltern nicht sind, oder einen Bruder, eine Schwester, die seine Geschwister nicht sind, und ein solches Herz nimmt das Geschenk recht dankbar an und freut sich seiner sehr, denn es weiß, daß es sei= nen lieben Herrn Jesum Christum aufgenommen hat. Gebet. Wieder eine Woche weiter, näher hin zur Ewigkeit. Herz! und ich kann mit ruhigem und getrostem Herzen in diese meine näher rückende Ewigkeit durch Deine Gnade hineinsehen. Dein Blut ebnet mir den Weg dahin, Dein Sterben macht mir meinen Tod leicht und süß, der Anblick Deines Kreuzes nimmt meine Angst und mein Grauen hinweg. Und mit der einen großen Sorge um die Seligs feit meiner Seele befreiest Du mich auch von allen kleinen Sorgen meines Herzens. Auch die geliebten Meinen weiß ich wohl aufgehoben, wenn ich scheiden muß. Wenn ich fte loslasse, fallen sie in Deine Hand; wenn mein Auge nicht mehr über sie wacht, wacht Dein Auge, das nie schläft noch schlummert; wenn ich von ihnen weggehe, bestellst Du ein Johannesherz, das ihrer fich annimmt. Ich lasse sie zurück in dem Schutze Deiner Barmherzigkeit, in der Obhut Deiner Treue, in der Pflege Deiner Liebe und Zärtlichkeit. Ich kann, um sie unbekümmert, Dich anrufen: Ich will Dir, Herr, die Meinen überlassen; Du wollst mit Deiner Gnade fie umfassen! Sei Du ihr Schuß, ihr Führer spät und früh, Versorge Du, erhöh', vollende fie. Amen. leys og gat Sie bente Woche. ( Von Palmarum bis zum Oftersabbath.) Jesus am Kreuze. Die drei letzten Kreuzesstunden. Sonntag. Melod. Wer nur den lieben Gott läßt walten zc. Es ist vollbracht! so ruft am Kreuze Des sterbenden Erlösers Mund. O Wort voll Troft und Leben, reize Zur Freude meines Herzens Grund! Das große Opfer ist geschehn, Das Gott auch mir zum Heil ersehn. bie Mein Jesus stirbt, die Felsen beben, Der Sonne Schein verlieret sich; In Todte dringt ein neues Leben, Der Heil'gen Gräber öffnen sich; Der Vorhang reißt, die Erde kracht, eius Und die Versöhnung ist vollbracht! 8220m Matth. 27, 45, 51-53. „ Und von der sechsten Stunde an ward eine Finster niß über das ganze Land bis zu der neunten Stunde. Und siehe da, der Vorhang im Tempel zerriß in zwei Stücke, von oben an bis unten aus. Und die Erde erbebte, und die Felsen zerrissen, und die Gräber thaten sich auf, und standen auf viele Leiber der Heiligen, die da schliefen, und gingen aus den Gräbern nach Seiner Auferstehung, und kamen in die heilige Stadt und erschienen vielen." Christus, der Heiland der Welt, stirbt. Wir stehen unter dem Kreuze und vernehmen die große Beichensprache, welche die verhüllte Sonne, welche 220 das aufgeschloffene Allerheiligste des Tempels, welche die krachende Erde, die zerborstenen Felsen, die erschütterten Gräber reden. Drei Stunden lang hatte bereits die Kreuzesqual des Heilandes gewähret. Da, um die zwölfte Stunde nach unserer Eintheilung des Tages, gerade zur hellen Mittagszeit verlor die Sonne ihren Schein und dichte, schwarze Finsterniß lagerte sich drei Stunden lang über die Erde, bis der Fürst des Lebens das Haupt neigte und starb. Tiefe Stille ist über dem mit dem heiligsten Blute gerötheten Marterhügel ausgebreitet, selbst der freche Spott erstirbt auf den Lippen der lästernden Juden, schweigend starrt die Menge in die furchtbare Nacht mitten am Tage hinein. In schauerlich dunklen Umrissen liegt die nahe Stadt des Verderbens da, unheimlich glänzen die Kreidefelsen rings umher durch die schwarze Nacht, die Kreuze auf Golgatha ragen riesiggroß in die trüben Wolken hinein, und von ihnen herunter dringen herzerschütternd die letzten Seufzer der Sterbenden. Bedeutungsvolles Zeichen! Da die Menschenherzen dem gekreuzigten Heilande ihre Theilnahme versagen, übernimmt es die leblose Natur, den Erstgebornen der Menschheit zu betrauern; sie hüllt sich in die Farbe des Schmerzes; da die Sonne der Gnade untergeht, so wagt es die irdische Sonne nicht mehr, ihren Glanz zu verbreiten; da der Schöpfer dahin sinkt in des Todes Nacht und Grauen, zieht die Schöpfung Trauerkleider an. Furchtbare Anklage für das Menschenherz, für welches der Herr sich dahingiebt, leidet und stirbt, und das, während die leblose Creatur der Schmerz seines Todes durchdringt, so oft ungerührt dahingeht seiner Lust nach, der Sünde dienend, als wäre nie für uns der Sohn Gottes am 221 Kreuze gestorben. Jeder böse Gedanke, den wir he gen, jede unreine Lust, die wir genießen, jede Sünde, die wir begehen, steht im schreiendsten Mißklange mit der Finsterniß, welche Golgatha einhüllte. Bea deutungsvolles Zeichen, diese Finsterniß! Sie ist ein Bild jener Finsterniß, welche die Völker einhüllte und noch einhüllt, welche die Herzen durchdrang und noch durchdringt, der Finsterniß der Sünde, welche das Auge für Gott und Ewigkeit, für Himmel und Hölle blöde macht, welche das Herz mit der Pein des Zweifels, mit der Furcht des Todes erfüllt; ein Bild der Finsterniß, welche den Fürsten des Lebens ans Kreuz schlug; ein Bild der Finsterniß, in welcher die Verdammten seufzen und die von ihren ewiz gen Klagen und ihrem Zähnklappen schauerlich wiederhallt. Die Finsterniß in der Todesstunde des Herrn ist aber zugleich auch ein freundliches, heilverkündendes Zeichen für diejenigen, welche glauben, daß Christus gekreuziget ist um ihrer Sünden wil= len und daß ihre Sünden mit Ihm gekreuziget sind. Diese Finsterniß hüllte nämlich die Welt ein, die Welt und was in der Welt ist. So hüllt Jesu Tod auch die Welt ein, die Welt in unserm Herzen; Er deckt zu die unzähligen Verirrungen der Menschen, ihre Sünde und Schuld; das geheime Sündenelend des Herzens und die offenbaren Laster der bei Ihm Rettung und Trost suchenden Missethäter; Er deckt alles zu; Er versenkt die Schuld in das Meer der Gnade und verbreitet darüber die Nacht einer ewigen Vergessenheit.- Die Finsterniß, welche den Tag in Nacht verwandelte, dauerte drei lange, qualvolle Stunden, während Jesus den Todeskampf kämpfte und dahingegeben wurde in die Macht des Fürsten der Finsterniß. Um drei Uhr schlug die 222 Stunde Seines Todes, und die Welt war erlöſet. Und siehe, ein wunderbares Zeichen verkündigte dieses große Ereigniß. Priester und Volk waren nämlich, während Jesus verschied, im Tempel versammelt, denn um drei Uhr war die Gebetsstunde der Juden. Siehe! da zerriß plößlich zum Staunen der Menge der dreißig Ellen lange und vier Finger starke Vorhang, welcher das Allerheiligste verbarg, in zwei Stücke von oben an bis unten aus. Das nie Gesehene zeigte sich allen Blicken und was Gläubige und Ungläubige in Israel mit scheuen Augen und bangen Herzen bisher nur von außen angeschaut hatten, lag offen da; zu der heiligen Stätte, welche alljährlich nur einmal mit dem Opferblute in der Hand der Hohepriester betreten durfte, konnte nun jedermann einen Zugang finden; enthüllt stand der Gnadenstuhl da mit der Bundeslade und den Cherubim darüber aus gediegenem Golde, diese heilige Wohnung des verborgenen Gottes. Und welche Kraft war es, die dies alles bewirkte? Es war das Blut unfres Heilandes, die Kraft Seines so eben vollendeten Todes. Und was sollte angedeutet werden mit diesem außerordentlichen Ereignisse in dieser merkwürdigsten Stunde, welche je für die Erde geschlagen hat? Der alte Bund war aufgehoben; der Schatten mußte der Wirklichkeit weichen; die Vorbilder waren erfüllt; die Weissagungen waren eingetroffen; die Opfer waren abgeschafft durch das eine Opfer, welches ewiglich gilt, denn mit einem Opfer hat Er vollendet alle, die geheiligt werden; die neue, den Vätern verheißene Zeit war gekommen, und ein neuer Tag des Lichts ging für die Erde auf. O heilvolles Zeichen für ein gläu biges Christenherz! Gott ist mir ferner kein ver 223 hüllter Gott mehr, vor dem ich zittern und knechtisch mich fürchten müßte; ich bin nicht mehr von Ihm geschieden; der Zugang zu Ihm stehet nun offen für jedermann, auch für mich größten und ärmsten Sünder. Christus, der ewige Hohepriester, ist durch Sein Blut einmal in das Heilige eingegegangen und hat eine ewige Erlösung erfunden und durch Ihn bin auch ich ein opfernder, fürbittender, segnender Priester geworden, der keines Mittlers be= darf, als dieses einigen Mittlers. Aber siehe! Gott fuhr noch weiter fort an diesem Tage, dem kein anderer Tag gleicht, durch eine große Zeichensprache Seine Gnade, wie Seinen 3orn zu enthüllen, und die Bedeutung des Todes Seines einigen und geliebten Sohnes auf eine erschütternde Weise den Menschen aller Zeiten zu erklären. Während nämlich vor dem staunenden Blicke der anbetenden Menge der Vorhang des Allerheiligsten herunterfank, während Stadt und Land in schwarze Finsterniß gehüllt war, fing der Boden an unter den Füßen der Menschen zu zittern; in den Eingeweiden der Erde vernahm man ein gewaltiges Dröhnen, Krachen, Seufzen und Stöhnen, die Natur war im fürchterlichen Aufruhr: die Berge Jerusalems zitterten; die Felsen rings umher zerborsten und wie ein Wurm kam sich der kleine Mensch vor, weil der Allmächtige mit seinem Fußtritt die zitternde Erde bewegte. Unter solchen Zeichen gab sich der göttliche Zorn kund über die Frevel, welche die Menschen an dem heiligen Lamme verübten, das am Kreuze starb. Es offenbarte sich hier die Majestät des erblaßten Erlösers; es war hier das Zeis chen Seines Sieges, durch welchen Er die Herrschaft der Sünde vernichtete und das Reich des Fürsten 224 der Finsterniß zerstörte; es war das gewaltige Zeugniß, daß durch Seinen Tod die Erde bewegt werden, die Welt eine neue Gestalt gewinnen, die Herzen verwandelt, dem Herzen der Menschen ein neuer Geist eingehaucht werden und alle jene unermeßlichen Veränderungen, welche dieses große Ereigniß für Zeit und Ewigkeit unter den Völkern der Erde und in den Hers zen der Einzelnen hervorgerufen hat, eintreten sollten, auf daß in Erfüllung ginge, was der Herr spricht durch den Propheten Haggai:» Es ist noch ein Kleines dahin, daß ich Himmel und Erde und das Meer und das Trockene bewegen werde. Ja alle Heiden will ich bewegen. Da soll denn kommen aller Heiden Trost und ich will dies Haus voll Herrlichkeit machen, spricht der Herr Zebaoth.« Das Erdbeben und das Zerbersten der Felsen ist ferner aber auch das Zeichen und Bild der gewaltigen Erschütterungen, welche der Anblick des sterbenden Heilandes in dem Herzen des Sünders hervorzurufen pflegt. Ja, leichter, um menschlich zu reden, wird es dem Allmächtigen, die Erde zu bewegen und sie in ihren Grundfesten zu erschüttern( Er braucht sie nur anzurühren, so bebet sie), als es Ihm wird, einen Sünder zur Buße zu treiben, und eher springen und bersten die Felsen, als das Herz des Menschen, welches härter denn ein Fels ist, zerbricht und Gnade suchend sich dem Herrn, seinem Gotte, zu Füßen wirft. Was nun dem Herrn oft nicht gelingt durch alle Strafen Seines Zorns, durch alle Gerichte, die Er über den Sünder sendet, das geschieht durch den Anblick des sterbenden Heilandes. Vor diesem Bilde, oder sonst nirgends zerschmilzt das Eis der Menschenbrust, da, oder sonst nirgends zerbricht das harte Felsenherz, da, oder 225 sonst nirgends lernt das Auge Thränen über sich selbst weinen, die ihm so viel Zorn und so viel Liebe auspreßt. Da siehet der Mensch ja, wohin die Sünde führt, bis in welche Tiefen der Finsterniß, bis in welche Abgründe des Verderbens, bis in welche Höllennoth und Verdammniß; da erkennt er es ja, wie furchtbar und unaufhaltsam die göttliche Gerechtigkeit ihren Gang geht; da stehen sie ja vor ihm, die blutigen Zeugnisse, welche über seine Lüste und Sündenfreuden geschrieben sind, die ungeheuren Bergeslasten, welche er auf die Schultern eines Heiligen und Gerechten gewälzt hat; da ruft ihm ja alles zu: du, du hast den Heiland, der dich bis zum Tode geliebt hat, getödtet! ach! und da siehet er, der Verworfene, der Abtrünnige, der Feind, der bis jetzt dem Zorne, wie der Barmherzigkeit Gottes getrott hat, sich angefaßt von den Händen der allerheiligsten Liebe, sich angeschaut von den Augen des mitleidigsten Erbarmens, sich getragen von den Armen einer unermüdlichen Langmuth, sich überhäuft von der Fülle einer unausdenkbaren Gnade. So viel Ernst und so viel Liebe überwältigt ihn; es gehen Bewegungen und Erschütterungen in ihm vor, wie er sie nie gefühlt; er sinkt unter einem Strome von Reuethränen am Kreuze nieder; er umfaßt küssend die durchgrabenen Füße; er stirbt mit seinem Heilande, um mit Ihm wieder aufzustehen. Denn Sein Tod hat den Tod verschlungen, nicht blos den zeitlichen, auch den geistlichen und ewigen Tod. Davon redet Gott endlich auch durch das letzte Zeichen des großen Tages, au welchem der Herr starb.» Siehe die Gräber thaten sich auf und standen auf viele Leiber der Heiligen, und gingen aus den Gräbern nach Die heil. Passion. P 226 Seiner Auferstehung, und kamen in die heilige Stadt und erschienen vielen.« Welche Heilige dies gewesen seien, ob es Abraham, Isaak, Jacob und Joseph, ob es die Leiber anderer Propheten waren, die von Christo geweisfagt und auf Sein Heil gläubig und sehnsüchtig gewartet hatten; oder ob es Simeon, Zacharias, Johannes und andere waren, die noch von den Lebenden erkannt sein würden: das alles wissen wir nicht, wie uns denn vieles dunkel bleibt in diesem geheimnißvollen Ereignisse. Das aber sehen wir wohl, die Wirkung des Todes Christi reicht bis in die Gräber hinein, sie schließt die verschlossenen Grüfte auf, sie entreißt dem Tode seine Beute. Und ebenso dringt die Kraft des Todes Christi auch hinein in des Herzens Grüfte und erweckt dort ein neues wundersames Leben. Wo der geistliche Tod herrschte mit aller seiner Sünde und Finsterniß, Angst und Qual, da stehet ein Heiliger auf, in rechtschaffener Gerech, tigkeit und Heiligkeit vor Gott ewiglich wandelnd. O wunderbare Macht des Todes Chrifti, welche nicht blos die Strahlen der Sonne verhüllt, nicht blos das Heiligthum Gottes den Sündern aufschließt, nicht blos die Erde erschüttert und die Felsen zerbricht und bis hinunter in die Grüfte dringt, sondern welche auch den Sünder in einen Heiligen verwandelt und das erstorbene und verdorbene Menschenherz mit einem neuen Geist und Leben erfüllt. Gelobt seist Du, o Christus! C Gebet. Herr Gott! mächtig und gewaltig, gnädig und barmherzig! Du haft zu mir geredet, eine Mark und Bein durchdringende Sprache hast Du geredet, und ich stehe mit zitterndem Herzen vor Deinem Angesichte, Dir Antwort non ind s 227 zu geben. Ich fühle die Schauer jener Finsterniß, welche einst Golgatha umhüllte, und sehne mich nach Deines Lichtes Troft und Leben. Ich fühle die Zuckungen jenes Erdbebens, welches einst die Felsen Jerusalems zerbrach, auch in meinen Gebeinen, und meine erschütterte, gebrochene Seele schreiet zum Kreuze hinauf: Gnade, Gnade! Ich fühle jene Kraft, welche einft, als Dein Sohn starb, die Heiligen aus den Gräbern rief, auch in meinem Herzen, denn unter wonniglichem Herzklopfen regt drinnen der neue Mensch, das verklärte Geschöpf Deiner Gnade, die Flügel. Ich sehe den Vorhang, welcher das Allerheiligste verbarg, niedersinken, und meine Seele jauchzt bei dem Anblicke des offenen Weges zu Deinem Gnadenstuhle. Mit solchen Bewegungen meines Herzens trete ich hinein in die stille Woche, in die heilige Marterwoche. Herr, hilf! segne meinen Eingang und Ausgang. Amen. 106 Montag. Melod. Ich armer Mensch, ich armer ze. Mein Gott, Du wirst mich nicht verlassen, Denn ich verlasse mich auf Dich Und will den Troft im Glauben fassen: Du siehst erbarmungsvoll auf mich, Weil Jesus mir das Heil erwarb, Als Er am Kreuze für mich starb. Als unsre Sünden auf Ihm lagen, Und alle Hülfe von Ihm wich, War dies die größte Seiner Klagen: Mein Gott, warum verläßt Du mich?" Doch kam auf diesen letzten Schmerz Auch bald die Tröftung in Sein Herz. Nun, Vater, höre, was ich bete; Ich bitte durch das Angstgeschrei Des Heilands an der Schädelflätte: Steh' mir in allen Nöthen bei! Du weißt ja wohl, was mir gebricht; Mein Vater, ach, verlaß mich nicht! Verlaß mich nicht, wenn im Gewissen Der Sünden Menge mich verklagt; $ 2 228 Laß mich den großen Trost genießen: Dein heil'ger Sohn hat selbst gezagt, Als Er für uns zum Tode ging Und trostlos an dem Holze hing! Verlaß mich nicht, wenn meinen Glauben Der Trotz der Welt darnieder schlägt; Laß nichts die Zuversicht mir rauben; Mein Sinn steh' fest und unbewegt, Bis dort in jener Herrlichkeit Des Glaubens Ende mich erfreut. Verlaß mich nicht in meinem Leiden, Laß mich kein Kreuz durch Ungeduld Von Deiner Vaterliebe scheiden; Gieb Muth durch Deine Kraft und Huld; Die Hoffnung jener Seligkeit Verfüße hier mir jedes Leid. Verlaß mich nicht in meinem Sterben, Wenn einst mein Lebenslauf vollbracht; Reiß meine Seel' aus dem Verderben Und führe durch des Todes Macht Mich, Herr, Du meines Lebens Licht, Zur Ruh' vor Deinem Angesicht. Matth. 27, 46. Und um die neunte Stunde schrie Jesus laut und sprach: Eli Eli lama afabthani! das ist: Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen?" Das gottselige Geheimniß der Erlösung hat Tiefen, wohin das Auge des Menschen nicht zu dringen vermag und wofür die Sprache dieser Erde keine Worte hat, welche sich uns erst dann erschließen werden, wenn wir sehen, was kein Auge je gesehen, hören, was kein Ohr gehört, und vernehmen, was in keines Menschen Herz gekommen ist. 3u diesen geheimnißvollen Tiefen, in welche die Engel selbst vergeblich gelüftet hinein zu schauen und von denen die Ewigkeit uns zu erzählen nicht müde werden wird, gehört das Angstgestöhn des sterbenden Heilandes:» Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen?« Heilige Schauer durchbeben uns, indem wir den grauenvollsten Moment betrachten, welchen die Weltgeschichte kennt. Die Sonne hat ihren Schein verloren, als wollte fie mit ihrem reinen Strahle den Ausgang des schrecklichen Blutwerks nicht beleuchten, die Herzen der Menschen sind erschüttert von den entseglichen Vorgängen dieser letzten Stunden; die Schreckensnacht der Verdammniß legt sich brütend, wie eine unglückschwangere Wetterwolke, um die lebenden Gestalten der Mörder des Herrn, Grabesstille umgiebt das Kreuz der mit dem Tode ringenden Liebe, da tönts schaurig durch die lautlose, schreckliche Scene: >> Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich ver= lassen?! Wehe! aus welcher umnachteten, schrecklich verzagenden Seele steigt dieser angstvolle Klage= ruf? Wie? ist es Deine Stimme, mein Heiland, die ich höre? O Du, in welchem die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig wohnte, der Du riefft:» Ich und der Vater sind Eins!« der Du zeugtest:» Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden!« der Du Wind und Meer Dir gehorsam machtest und einst erscheinen wirst in großer Kraft und Herrlichkeit als Richter der Lebendigen und der Todten, vor dessen Flammenschwerte die ganze Welt erzittern wird, der Du den neuen Himmel und die neue Erde in die Erscheinung rufen und dann alles in allem sein wirst, o, bist Du es, dessen Seele jetzt in der äußersten Finsterniß schmachtet, dessen Augen alle Himmelslichter erloschen sind? Sa er ist's, der da stöhnet:» Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlaffen?« Unheimliches, schreckliches Dunkel in meines Heilandes - - 229 - 230 Seele! Sein erstes Wort lautet:» Vater, vergieb ihnen!« Sein letztes:» Vater, in Deine Hände befehl' ich meinen Geist!« In Gethsemane betete Er noch zum Vater und nannte Sein Leiden Seines Vaters Kelch, aber hier in der dunkelsten aller Stunden fühlt Er nicht mehr das kindliche Verhältniß zum Vater, Er nennt Ihn nur Gott. Er steht vor dem Ewigen nicht als der Sohn, sondern als ein von seinem Schöpfer verlassenes Geschöpf, als ein verstoßener Sünder, den Gott verworfen, den Tod und Grauen erfaßt.- Solches zu erkennen ist mir zu wunderlich und zu hoch, ich kann es nicht begreifen( Ps. 139, 6.). Ich höre doch den Stephanus, von seinem Marterplaße aus, von Steinwürfen zerrissen, mit verklärtem Angesichte rufen:» Herr Jesu, nimm meinen Geist auf!« sehe die Jünger des Herrn alle getroft ans Kreuz gehen oder unter das Schwert des Henkers treten, weiß von Tausenden seliger Märtyrer, daß sie fröhlich, ja jauchzend die Qualen des martervollsten Todes ertrugen, und Er, das Haupt, vermag nicht, was die Glieder können, Er verzagt in Seinem letzten Kampfe, während sie getrost sind; Seine Seele ist mit undurchdringlichen Todesschatten umhüllt, während die Angesichter der Seinen strahlen und leuchten! Man hat gesagt, das sei wohl erklärlich, denn der sündigen Natur des Menschen sei der Tod etwas Natürliches und Gewohntes, Ihm aber, dem Heiligen und Gerechten, etwas völlig Fremdes und tausendmal Schrecklicheres; auch sei es etwas ganz anderes, voran zu gehen, als nachzufolgen, Er habe Tod und Teufel zu überwinden gehabt, wir aber hätten es nur mit einem geschlagenen, völlig besiegten, vernichteten Feinde zu thun. Noch andere haben geurtheilt, - 231 Sein Ausruf sei im Grunde ohne tiefere Bedeutung, Er habe ja nur Davids 22sten Psalm wiederholt, und gebrauche Davids Worte in Davids Sinne. Doch stehe ich unter Seinem Kreuze, höre ich Sein banges Ungstgestöhne, versetzt sich meine Seele ganz in die finstere schreckliche Stunde: so können mir weder jene Entschuldigungen, noch diese oberflächlichen Erklärungen genügen, ich fühle vielmehr, daß ich hier vor einem tiefen, schaurigen und unerklärlichen Geheimnisse stehe. Finstere Nacht war's in der That, wie um Ihn, so in Ihm, und wie jene unbegreiflich und wunderbar, so auch diese. Ich mag den dunkeln Schleier nicht zu heben versuchen; ich beuge mich zitternd vor solchen Schauern, die durch meines Heilandes Seele stürzen. Aber ich preise diese Seine Finsterniß und danke Ihm, daß Er diese größeste und qualvollste Strafe für meine Sünde und Schuld auch getragen hat, denn ist mein Mittler und Stellvertreter von Gott verlassen gewesen, so habe ich ein selig Zeugniß in Händen, daß ich armer Sünder nun und nimmermehr von Gott verlassen werden könne. Wohl kommen Stunden vor im Leben der Kinder Gottes, in welchen ihrer Seele etwas Aehnliches widerfährt, so dem Elias, als er unter dem Wachholderbaume lag, und klagte:» Es ist genug, Herr, so nimm nun meine Seele von mir;« so dem Hiob, welcher in der Tiefe seiner Leiden sogar den Tag seiner Geburt verfluchte; und wenn nun solche dunkle Stunden der äußersten Verzagtheit erscheinen, wenn nun einem Herzen in seiner unaussprechlichen Ungst zu Muthe ist, als wäre der Herr so unerreichbar ferne, wenn nun so dichte Nebel die Seele umge= ben, daß kein Strahl Seiner Verheißung mehr hin 232 durch zu dringen vermag, daß kein:» Siehe, ich bin bei euch alle Tage!« kein:» Gott ist nicht ferne von einem jeglichen unter uns!« kein:» Ich habe dich je und je geliebt!« mehr tröstend ans Herz klinget, wenn nun die Bibel aufgeschlagen da liegt und nicht mehr redet; wenn nun das Haupt müde und matt ist, die Hände wund gerungen sind in der Angst, und das Auge nicht Thränen genug hat zu weinen, und alle Kraft gebrochen, und aller Muth verloren, und aller Glaube gestorben scheint, und die arme Seele fich von den Mächten der Finsterniß ergriffen und von Gott verlassen wähnt, dann giebts nur einen Ort, wo der Friede und das Leben noch blühet dann giebt es nur eine Stunde, welche ihre Trőstungen noch ausgießt in das zerschlagene Herz: das ist Sein Kreuz, das ist die sechste Stunde, in deren Finsterniß der Mittler hinausruft:» Mein Gott, mein Gott! warum hast Du mich verlassen?« Ach Herr, darum möchte meine Seele von allen Deinen Marterstunden diese am wenigsten missen, in welcher Du um meinetwillen von Gott verlassen warst, damit mich Gott, mein Gott, um Deinetwillen nimmer verlasse. Gebet. Herr! blutender, kämpfender, sterbender Heiland! Die Tiefe Deines Elends, die völlige Verlassenheit Deiner Seele von Deinem himmlischen Vater läßt mich in die Tiefe meiner Sünde, in die Verlorenheit meines von Gott entfremdeten Herzens blicken. Dein Zagen war meine Strafe, Deine Angst meiner Sünden Schuld, ich war's, von dem die ewige Liebe sich losriß, von dem der Vater sich lossagte in Dir. Damit mich die Wasserfluth nicht ersäufe, die Tiefe nicht verschlinge und das Loch der Grube nicht über mir zusammen gehe( Ps. 69, 16.), barum stürztest Du Dich hinein. Ich, ich und meine Sünden, Die fich wie Körnlein finden Des Sandes an dem Meer, Die haben Dir erreget Das Elend, das Dich schläget, Und das betrübte Marterheer. 52 Ich bin's, ich sollte büßen, An Händen und an Füßen Gebunden, in der Höll'! Die Geißeln und die Banden, Und was Du ausgestanden, Das hat verdienet meine Seel'! Ach alle das Grauen, welches Dich jetzt umnachtet, alle die Angst, welche Deine Seele quälet, da Himmel und Erde sich von Dir lossagt, gilt meiner Sünde. Bis in solche Abgründe hinein führet sie, bis da hinab müßte sie mich stürzen, schwebtest Du nicht, mein Mittler, dort für mich zwischen Himmel und Erde. Nun aber bin ich erlöset von allem Uebel, nun hast Du mir ausgeholfen zu Deinem himmlischen Reiche, nun liege ich unter Deinem Kreuze, umfasse Deine Füße und weine Thränen des Dankes und der Freude, nun sehe ich Dich an, und Frohlocken erfüllt meine zitternde Seele, hell klinget durch meine gläubige und Dich liebende Seele der Gesang: Dir sei Lob und Ehr' und Preis und Dank in Ewigkeit. Amen. Dienst a g. das Melod. Seelenbräutigam zc. ein ans Großer Friedefürst! Wie hast Du gedürft't Nach der Menschen Heil und Leben Und Dich in den Tod gegeben; Wie Du riefst: ,, Mich dürft't!" Großer Friedefürst. 19 Deine Liebesgluth Stärket Muth und Blut, Wenn Du freundlich mich anblickest, Und an Deine Brust mich drückest, Macht mich wohlgemuth Deine Liebesgluth. 233 Nun ergreif ich Dich, Som sidDu mein ganzes Ich! s!! p 234 Ich will nimmermehr Dich lassen, Sondern gläubig Dich umfassen, Weil im Glauben ich Nur ergreife Dich. Joh. 19, 28. 29. " Darnach als Jesus wußte, daß schon alles vollbracht war, daß die Schrift erfüllet würde, sprach Er: Mich bürstet! Da stand ein Gefäß voll Essig. Sie aber füllten einen Schwamm mit Essig und legten ihn um einen Ysopen und hielten es Ihm dar zum Munde." Es haben alle Auftritte in diesen letzten Stunden des Herrn etwas unendlich Erschütterndes und Rührendes. Eine unbeschreibliche Wehmuth ergreift meine Seele, wenn ich heute den lieben Dulder an Seinem Kreuze nach einem Tropfen Wassers seufzen höre. Der letzte Kampf hat Ihn völlig erschöpft, Seine Kraft ist dahin, der schwache Lebensfunke ist dem Verlöschen nahe, matt, ganz matt hängt Er am Kreuze mit brechenden Augen, mit lechzender Lippe. Da sammelt Er noch einmal die fliehenden Kräfte und haucht Sein leibliches Verlangen und die brennende Sehnsucht Seines Her zens aus in dem Seufzer:» Mich dürftet!«< Ach, wie ist Er doch so tief erniedrigt worden! Der alle Quellen geschaffen hat, der allen Meeren gebietet und den Wolken ruft, daß sie ihren Segen ausschütten über die Erde Ihn dürftet! Der schwüle Tag Seines Lebens nahet seinem Ende, die schwere Arbeit ist bald vollbracht, die Gentnerlast getragen, so weit der himmlische Vater gebot, der bittere Kelch geleert, das Ziel erreicht doch nun ist Er auch ganz verschmachtet, Seine Lippen lechzen, in heißem Todeskampfe klebt Ihm die Zunge - 235 am Gaumen. Da steht ein Gefäß Da steht ein Gefäß voll Essig für den Sterbenden bereit. Man füllt einen Schwamm damit, reicht Shm denselben vermittelst eines Ysop= stengels zum Kreuze hinauf und legt ihn an Seine brennende Lippe. So wird der, welchen aller Himmel Himmel nicht versorgen mögen, der selber jes dermann Leben und dem allenthalben giebt und niemandes bedarf, jetzt von Menschenhänden gepfle= get; so erquickt Shn in Seiner Todesnoth die armselige Barmherzigkeit eines Seiner Henker. O Jesu! giebts weiter keine Erquickung für Dich, und verlanget Dich mit Deinem Worte: Mich dürstet! nur nach diesem Tropfen des kühlenden Tranks?-- Ach auch dann schon wäre mir dies heilige Seufzen meines Mittlers unaussprechlich tröstlich, denn ich sehe, daß Er für mich gedürstet hat, auf daß ich nicht, wie der reiche Mann, ewiglich in der Hölle schmachten und vergeblich rufen müßte:» Ich leide Pein in dieser Flamme!« Doch eine tiefere Bes deutung haben diese Worte des göttlichen Dulders. Ihn verlanget nicht allein nach der Kühlung Seiner Zunge in dieser Höllenpein, Seines Herzens brennende Sehnsucht tönt mir vielmehr in die Seele bei dem Worte:» Mich dürftet!« Wie Er am Jacobsbrunnen( Joh. 4.) bat:» Gieb Mir zu trinken!«< und doch Essen und Trinken vergaß, als Er eine Seele fand, die Seiner bedurfte und Ihn als ihren Heiland erkannte, wie Ihn dann dürftete mehr nach der Seele des Weibes, als nach ihrem kühlenden Wasser, o so hat Sein Seufzer: » Mich dürftet!« auch hier keinen andern Sinn. Ihn dürftet, wie ein frommer Lehrer der Vorzeit sagt, nach unserm Durste, Ihn verlanget, daß wir, die wir unter Seinem Kreuze stehen, Ihn 236 bitten möchten, und Er gäbe uns lebendiges Wasser ( Joh. 4, 10.), Ihn dürftet, meine Seele, nach dir! O ist es dir denn nicht, als ob Sein heißes Sehnen nach dir es sei, was Ihm das Wort auspresset:» Mich dürftet?« Ist es dir nicht, als ob Er auch nach dir Seine Arme am Kreuze ausbreite? als ob Er dich zu sich ziehen und fest umfangen wollte, wie ein theures Kleinod, auf daß niemand es Ihm wieder aus der Hand reiße? Ist es dir nicht, als ob Seine sehnsüchtige Liebe dich suche, als ob eine heilige, geheimnisvolle Macht, eine wunderbare Gottesgewalt dich ergreife und dich an Ja, Sein nach dir verlangendes Herz ziehe? es dürftet Ihn nach dir! Der Durst nach deiner Seele hat Ihn vom Himmel zur Erde getrieben. Der Durst nach dir hat Ihn nicht ruhen lassen zu wirken, so lang es Tag war, hat Ihn von Ort zu Ort, von Stadt zu Stadt getrieben, hat Sein gan= zes heiliges Leben und alle Seine Worte erfüllef. Wenn Er bittet:» Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, Ich will euch erquicken!« wenn Er klagt:» Wie oft habe ich euch versammeln wollen, wie eine Henne ihre Küchlein versammelt unter ihre Flügel und ihr habt nicht gewollt!« wenn Er verkündigt:» Des Menschen Sohn ist gekommen zu suchen und selig zu machen, was verloren ist;« was redet in diesen und viel andern lieblichen Worten Seines Evangeliums anders, als Sein nach dir dürstendes Herz? Durst nach dir hat Sein ganzes Leben verzehrt und aufgerieben, hat Ihn in Schmach und Noth gestürzt, hat Ihn nach Golgatha und ans Kreuz getrieben, Durst nach dir hat Ihn getödtet. Uch und noch immer dürstet Ihn nach dir; wie der Hirsch schreiet - - 237 nach frischem Wasser, wie die Mutter jammert nach dem verlornen Kind, ach und viel heißer noch dürstet Ihn noch heute in Seiner Herrlichkeit, meine Seele, nach dir! Willst du Ihn schmachten lassen? Willst du Seinen Durst nach deiner Erlösung nicht stillen? Du fragst: wie kann ich das? Das Weib am Jacobsbrunnen stillte Sein Dürsten, als sie die Noth ihrer Sünde erkannte, als sie in Ihm ihren Heiland sahe, und ihre ganze Seele Jhm inbrünstig entgegenflog. So eile auch du Ihm entgegen, so innig lege auch du dich Ihm ans Herz, so brünstig bitte auch du Ihn um lebendiges Wasser, so laß dein Dürsten nach Ihm Sein brennendes Dürsten nach dir stillen. Ach, das Leben ist ja so arm, die Tage so voll Sorgen, die Nächte so voll Kummer; die Erdenfreuden so wenig befriedigend nirgends ein Hafen, darin man ruhen, nirgends ein Ort, da man sagen möchte:» Hier ist gut sein, hier lasset uns Hütten bauen!« der Tod kommt dazu immer näher, das Gericht ist gewiß, die Hölle drohet, und bei Jesu winkt dir ewiger Frieden und seliges Ausruhen- wie sollte dich da nicht dürsten nach Ihm?! Wer aber dürstet, den mag nichts befriedigen, als der heißersehnte Labetrank. Willst du nun auch nichts als nur Ihn; rufst du aus den Tiefen, wie David:» Meine Seele dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott!« rufst du, wie er, aus:» Herr, wenn ich nur Dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erde!« und sprichst du mit dem Geist und der Braut:» Komm! und mit den Dürstenden, die es hören: Komme!«- dann wird Er dir bald antworten:» Wer da dürftet, der komme zu mir und trinke, und ich will ihm geben das Wasser des Lebens umsonst!«» Wer an Mich 238 glaubt, von deß Leibe werden Ströme des lebendigen Wassers fließen!« und dein ist dann die letzte Verheißung der Seligen( Off. 7, 16. 17.):» Sie wird nicht mehr hungern noch dürsten; es wird auch nicht auf sie fallen die Sonne oder irgend eine Hitze; denn das Lamm mitten im Stuhl wird sie weiden und leiten zu den lebendigen Wasserbrunnen und Gott wird abwischen alle Thränen von ihren Augen.<< Gebet. O Du, mein Heiland und einziger Erbarmer, wie dürftet Dich nach uns! Wie rührt und bewegt mich Dein heiliges Verlangen nach armen Sündern! Hilf, ach, hilf! daß Dein Durst meinen Durst nach Dir erwecke. Ach da fehlt's mir ja noch immer. Mein verkehrtes und thörichtes Herz dürftet nach ganz andern Dingen viel mehr, als nach Dir; nach den bunten Kränzen der Welt mehr, als nach Deiner Dornenfrone; nach ihren Ehren und ihrem Ruhme mehr, als nach Deiner Schmach; nach ihren leichtsinnigen Spielen mehr, als nach dem Umgang mit Dir; nach ihren leichtsinnigen Freuden und Genüssen mehr, als nach Deinem fanften Joch; mehr nach ihren Gütern, als nach Deinen Himmelsschätzen; mehr nach ihrer Liebe, als nach Deiner. Ach ich kenne Stunden und Zeiten in meinem Leben, wo die Welt solchen Durst nach ihren Gütern und Freuden in mir geweckt hatte, daß ich, davon gejagt, wohl gar an Deinem Kreuze hätte vorübergehen und Dich rufen hören können: Mich dürftet!" ohne daß ich mir die Zeit genommen hätte, Dich, o Du Verschmachtender, zu erquicken. Oder bist Du nicht immer neben mir hergegangen, wo ich ging und stand, und haft auf allen meinen Wegen immer Dein:„ Mich dürftet nach Deiner armen Seele!" mir nachgerufen; aber ich bin fortgeeilt und habe Deines Rufes nicht geachtet, bin taub für Deine segnende Liebe der Luft entgegen und der Sünde in die Arme geeilt. Ach lieber Herr! laß doch diese Zeit nun vors über sein und eine neue in meinem Leben beginnen. Segne mir dazu diese stille heilige Woche, den heutigen Tag, das Wort, welches ich heut von Deinem Kreuz gehört, den Blick - - auf Deine dürftende Liebe, in Dein nach armen Sündern verlangendes Herz, wie es sich mir in Deinem Seufzer heute aufgeschlossen. 10-2 Ach zieh' mich selbsten recht zu Dir, Holdselig süßer Freund der Sünder! Erfüll' mit fegnender Begier Auch mich und alle Adamsfinder. Zeig mir bei Deinem Seelenschmerz Dein aufgespaltnes Liebesherz. Und wenn ich dann mein Glend sehe, Hilf, daß ich ja nicht stille stehe, Bis daß ich jauchzend sagen kann: Gott Lob! auch mich nimmt Jesus an! Amen. Mittwoch. Melod. Gott sei Dank in aller Welt 20. Jesus Christus hat vollbracht, Was uns Sünder selig macht. Dieses Wort aus Seinem Mund Thut uns Sein Vermächtniß kund. Sieh', Er sprach dies Wort für dich. Sprach's für alle, sprach's für mich: Alles, alles ist vollbracht, Was die Sünder selig macht! 239 Alle Sünden, aller Tod, Alles, was die Hölle droht, Alles, was uns schrecken kann, Ift vertilgt und abgethan. Alles hat Er ausgefühnt, Alles hat Er uns verdient; Alles, was uns Gott verhieß, anh2 ng Ist auf ewig nun gewiß. 16Ev. Joh. 19, 30. 0:00 onist Da nun Jesus den Essig genommen hatte, sprach Er: Es ist vollbracht; und neigte das Haupt und verschied." In die letzten Augenblicke der Marterleiden des Erlösers versetzt mich dies Wort des Johannes. A SEAS 240 Die Sonne ist verhüllt, schauerliche Finsterniß umgiebt den Hügel, auf welchem unsere Erlösung vollbracht ist. Die letzten Seufzer gleiten über die Lippen des Sterbenden; der letzte Tropfen des Schmerzenskelches ist ausgeleert. Da tönt es durch die tiefe Stille der Nacht, in welche sich der Tag verwandelt hat:» Es ist vollbracht!« und Je= sus neigt das Haupt und verscheidet.» Es ist vollbracht!« großes, gewaltiges Wort! Wort, das durch Erde und Himmel dringt, dessen Wirkung bis in die fernste Vergangenheit reicht, und das in aller Ewigkeiten Ewigkeit seinen Wiederhall findet! dem Vater im Himmel wohlgefällig, dem Teufel erschrecklich, den Engeln süß, den Menschen selig; nie ist in menschlichen Lauten ein größeres Wort ausgesprochen; nie kann etwas gedacht oder geredet werden, das einen tiefern Inhalt, eine größere Gewalt, eine mächtigere Fülle des Heils enthielte, als dieser Seufzer aus dem brechenden Herzen eines ge= kreuzigten Mannes. Es ist vollbracht! das Wort ist ein Dankgebet, ein Triumph gesang, ein Trostspruch.>> Mein Vater, ist es möglich,«< bat Jesus am Eingange Seiner Leiden,» so gehe dieser Kelch von mir; doch nicht wie ich will, sondern wie Du willst.«» Es ist vollbracht!« dankt nunmehr der Sterbende am Ausgange Seiner Leiden; der letzte Schmerz ist ausgerungen, der letzte Feind überwunden. Nun drückt Ihn keine Armuth mehr, nun nahet sich keine Versuchung mehr, nun verfolgt Ihn kein Feind mehr, nun verleugnet Ihn kein Petrus mehr, nun verräth Ihn kein Judas mehr, nun zerfleischt keine Geißel mehr Seinen Rücken, nun durchbohren keine Nägel mehr Seine Hände und Füße, nun quält Ihn kein Durst mehr, nun ist selbst - 241 die Stunde vorüber, wo Er ausrief:» Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen!« Es ist vollbracht das ganze schwere, saure Leben, und der Sieg ist errungen. Nun wird der Knecht ein Herr; nun geht es aus der Unruhe in die selige Ruhe, aus der tiefsten Schmach zur höchsten Ehre, aus dem Tode in das Leben; nun ziehet Er Seinem Triumphe entgegen; nun besteigt Er Seinen Thron; nun wird Er verklärt mit der Klarheit, die Er bei dem Vater hatte, ehe die Welt war; nun wird Er erhöhet über alles, und es wird Ihm ein Name gegeben, der über alle Namen ist, daß in dem Namen Jesu sich beugen sollen alle Kniee derer, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind.» Es ist vollbracht!« dankt Jesus, zurückblickend auf die überstandene Noth, hinausblickend auf die vor Ihm liegende Herrlichkeit. Er spricht's. Ich kann noch nicht so sprechen:» Es ist vollbracht!«< Noch wandle ich in der Wüste, noch sticht mich die Sonne der Trübsal, noch verfolgt mich der Feind, noch läuft der Weg durch das Thränenthal, ach! und dieser Weg ist vielleicht noch lang, das Ziel noch weit, der Berg, der erstiegen sein will, noch hoch und steil. Wer mag es sagen, was noch vor mir liegt? Welche schwere Aufgaben noch gelös't, welche schweren Kämpfe noch gestritten fein wollen, wer mag es sagen? Das weiß ich, noch mancher Abgott muß weggeworfen, noch manche Eitelkeit muß ausgerottet, noch manche Sünde, die unter jahrelanger Duldung sich immer fester genistet hat im Herzen, muß herausgerissen, noch manches Band, das mich an die Erde und an dies jämmerliche Leben bindet, muß gelöst werden, bis ich danken kann:» Es ist vollbracht!«< Das weiß ich, Die heil. Passion. 242 wie rauh oder wie eben, wie lang oder wie kurz auch mein Weg noch sein mag bis zum Ziele, am Ziele wartet auf mich eine letzte dunkle Stunde, der letzte Feind, der Tod mit seinen Schrecken, und wie wird er mich finden? Bereitet oder unbereitet, mit Jesu im Bunde, oder ohne Ihn dem Gerichte dieser finsteren Stunde überlassen, hinausschauend in das aufgethane. Paradies, oder in die offnen Pforten der Hölle? Wie wird mir dann sein? O daß ich dann beten könnte: Christus, der ist mein Leben, Sterben ist mein Gewinn, Ihm hab' ich mich ergeben, Mit Freud' fahr' ich dahin. O daß ich dann danken könnte:» Es ist vollbracht!«< Doch ich könnte das nimmermehr sagen im Hinblick auf meine nicht versöhnte Schuld, wenn es mein Heiland nicht von mir gesagt hätte.» Es ist vollbracht!« dieses Wort ist ein Triumphgesang auf die Erlösung der Menschheit, ein Jubellied, in welches Himmel und Erde jauchzend einstimmt, welches mit dem verscheidenden Erlöser der Seraph am Throne Gottes und der ärmste Sünder unter des Lebens Noth und Mangel freudig ertönen läßt. Was im Rathe Gottes vom Unbeginn der Welt beschlossen war, was die Propheten geweifsagt, was viele Könige zu sehen gewünscht, worauf die Jahrtausende gewartet, das ist vollbracht. Wir sind von der Sünde erlöst. Denke an das Elend, welches sie hervorruft, an die Zerrissenheit und den 3wiespalt, welche sie in der Brust erzeugt, an die Gewalt, womit sie sich der innersten Gedanken, der geheimsten Regungen bemächtigt, an die unwiderstehliche Macht, womit sie ihre Beute von Stufe zu Stufe in immer tiefere Tiefen, in immer gräßPA 243 licheres Elend unerbittlich und erbarmungslos hinabziehet; denket an den Einfluß, den sie auf alle Verhältnisse ausübt, wie sie jedes Glück trübt, jedes Gute vergiftet, jede Kraft sich dienstbar macht; an den Tod denke, der ihr Sold ist, an das Gericht, dem sie entgegenführt, an die Hölle, womit sie ihre Dienste bezahlt, und dann blicke hinauf zum Kreuze und höre den sterbenden Jesus rufen:» Es ist vollbracht!« Ein Triumphlied ist es über die erschlagene Feindin; Sein Tod hat sie getödtet; ihre Herrschaft ist gebrochen; gegen ihre Verfolgungen giebt es eine Freistätte, von ihrem Elende eine Erlösung, von ihrer Strafe, dem Tode, eine Errettung.»> Es ist vollbracht!« Der Tod herrscht mit eiserner Gewalt; er ist zu allen hindurchgedrungen, dieweil sie alle gesündigt haben; den König stürzt er vom Throne in das düstere Grab, den Säugling reißt er vom Mutterherzen; er nagt an allem Leben; er macht die Erde zu einem Gebeinhause und verwandelt sie in ein weites, schauerliches Grab. Aber siehe! Es ist vollbracht!« tönt es aus dem Munde des sterbenden Erlösers; es ist ein Triumphgesang; der Tod des Herrn ist des Todes Tod; auch dieser Feind ist gefällt; auch dieser König des Schreckens ist überwunden; die Gräber öffnen sich, als der Herr dies Wort spricht, die Todten stehen auf.» Es ist vollbracht!« ein Triumphlied ist das Wort über den überwundenen Satan. Seine Heere sind geschlagen; seine Gewalt ist ihm aus den Händen gewunden. Gegen seine Anläufe giebt es nun einen Widerstand, vor seinen Pfeilen eine Zuflucht, auf seine Anklagen eine siegreiche Vertheidigung, vor seinen Versuchungen und Anfechtungen ein kräftiges Schußmittel.» Es ist vollbracht!«< D2 244 Alles, was uns den Frieden raubt, Verderben uns bereitet, den Himmel uns verschließt, die Hölle uns öffnet, es ist hinweggethan. Auch die Blige der göttlichen Gerechtigkeit sind ausgelöscht, auch die Strafen, womit sie droht, sind gelitten, auch der Schuldbrief, den sie uns entgegenhält, ist zerriffen. » Es ist vollbracht!« triumphirt der sterbende Jesus, und Himmel und Erde, Engel und Menschen stimmen ein in das Jubellied über die Erlösung, so durch Jesum Christum geschehen ist.» Es ist vollbracht!« dieser Ausruf des Herrn am Kreuze ist endlich auch ein Trostspruch für das geängstete Herz des armen Sünders im Leben und im Sterben. Höre zwei Warnungen: Mißbrauche diesen Trost nicht, und verkümmere dir diesen Trost nicht. Denke nicht, die durch Christum vollbrachte Erlösung gelte auch für die unbereuten Sünden. Für diejenigen, welche in ihren Sünden beharren, hat Christus nichts vollbracht, ist Er umsonst gestorben. Denn das sollst du wissen:» So wir muthwillig sündigen, nachdem wir die Erkenntniß der Wahrheit empfangen haben, haben wir fürder kein anderes Opfer mehr für unsere. Sünden, sondern ein schreckliches Warten des Gerichts und des Feuereifers, der die Widerwärtigen verzehren wird.«< Denke aber auch nicht zu klein von dem Worte:» Es ist vollbracht!« Meine nicht, du habest noch etwas hinzuzuthun zu dem, was Christus geleistet hat. Wenn du den Trost des Wortes:» Es ist vollbracht!« recht fest und ganz in die Seele schließest, dann wird er freilich, dann muß er dein Herz heiligen, deinen Eifer, dem Herrn zu dienen, entzünden, und dich zu Werken, die in Gott gethan sind, antreiben. Aber diese Werke sind es nicht, die dich erlösen. 245 Erlöset hat Er dich ganz allein.»> Es ist vollbracht!« sprach Er, vollbracht! So bleibt dir also nichts mehr zu thun übrig, als Sein Verdienst zu ergreifen. Sollte von dir, als Bedingung deiner Erlösung, auch nur ein Titel des Gesetzes erfüllt, eine Strafe gelitten, eine Schuld bezahlt werden, so kämest du nimmer aus der Angst und Noth, aus dem Zagen und Zittern, so wäre Seine Erlősung unvollständig, so hätte Er nicht sprechen können:» Es ist vollbracht!« Vollbracht ist es, darum ist nichts mehr zu vollbringen übrig. Ja, du hast nichts zu thun, als zu erkennen, daß du ein armer, verlorner und verdammter Sünder bist, als schwach, elend, arm, hülflos, wie du bist, zu dem Kreuze dich zu nahen, in den Leiden und Qualen des Erlösers deine Strafe zu lesen, deine Schuld dir vorzuhalten, an allem eigenen Verdienst und aller eigenen Würdigkeit zu verzweifeln, deine Sünde, die den Herrn ans Kreuz geschlagen hat, in tiefster Seele zu verabscheuen,- und dann im festen Glauben die dargebotene freie Gnade zu ergreifen und für den vollen Trost des Wortes:» Es ist vollbracht!« das Herz weit aufzuthun. Gebet. Herr Jesu! ich habe es erfahren in jenen Stunden, wo die Angst der Sünde, mich ergriff, das Wort des Herrn mir, wie ein zweischneidig Schwert, durch die Brust fuhr; wo eine Anklage nach der anderen auf mich einstürmte; eine Spiße nach der anderen unter mir zerbrach; wo alle meine Gerechtigkeit zu Schanden wurde, und selbst mein Bestes noch von der Sünde verunreinigt erschien und als der Vergebung bedürftig sich darstellte, da habe ich es erfahren, wie mir nur ein Troft blieb, aber ein süßer völlig zureichender Trost, den ich in dem Worte meines sterbenden Erlösers fand:„ Es ist vollbracht!" An diesem 246 17 Worte will ich mich festhalten in der Noth der Sünde, in der Angst des Gewissens, in dem Gefühle meiner Schwachheit und gänzlichen Verdienstlosigkeit, bei dem Gedanken an Tod und Gericht. Siehe! es stehet mir noch eine große, ernste Stunde bevor, wo mir aller andere Troft verschwände, wenn mir dieser Trost nicht bliebe. Es kommt meine Todesstunde; wehe mir! wenn ich da keinen andern Troft hätte, als den ich in mir selbst finde. Niemand kann da aus sich selbst heraussprechen: Es ist vollbracht!" oder er ginge mit einer großer Lüge zur Verdammniß hinüber;, das hat nur jemals Einer gekonnt. O lieber Herr! wenn nun in jener großen Stunde meine Gerechtigkeit vor meinem brechenden Auge und meinem unverblendeten Herzen wie ein zerrissenes Kleid daliegt, mein Leben wie ein armseliges Stückwerk mir erscheint, meine Sünden sich wider mich erheben und manche vielleicht noch unerkannte und unbereute vor die zitternde Seele tritt, o lieber Herr, dann verleihe mir Gnade, daß ich im finstern Todesthale, in dem Gerichte, das meinem Sterben vorangeht, das Kreuz, woran Du zu meiner Erlösung Dein Blut vergießest, gläubig umfasse, und das trostreiche Wort fest ins Herz schließe, das Du, Dein Haupt neigend, sprachst: Es ist vollbracht. Amen. Donnerstag. Melod. Ach bleib mit Deiner Gnade zc. Mein Gott, in Deine Hände Befehl' ich meinen Geist! Du lebst und liebst ohn' Ende, Und thust, wie Du verheiß'st. Wem sollt' ich mich empfehlen, Wenn ich will selig sein? Dein find ja alle Seelen ,. So ist mein Geist auch Dein. Er ist mit Blut besprenget, Mit Blut von Deinem Sohn; Mit diesem Schmuck umhänget, Taugt er vor Deinen Thron. Gott, warst Du mein Befreier, Schon in der Sündennoth, So bist Du, o Getreuer, Es auch in meinem Tod. Du lebst und liebst ohn' Ende, Und thust, wie Du verheiß'st. Mein Gott, in Deine Hände Befehl' ich meinen Geist. 247 Ev. Luc. 23, 46. Und Jesus rief laut, und sprach: Vater, ich befehle meinen Geist in Deine Hände. Und als Er das gesagt, verschied Er." Nachdem nun Jesus alles, was Ihm zu thun und zu leiden oblag, zu Ende gebracht und für unser Heil, für das Heil aller Menschen, so große Sorge getragen hatte, sorgte Er zuletzt noch für sich selbst und befahl Seine heilige Seele in Sei-. nes himmlischen Vaters Hände. Wenn wir aber den Herrn bei Seinem Sterben mit lauter Stimme rufen hören:» Vater, ich befehle meinen Geist in Deine Hände!« so zeigt er uns damit, wohin wir im Tode unsere Zuflucht nehmen sollen, nämlich zu unfrem nunmehr versöhnten Gott und Vater im Himmel. Da ist deine Seele am besten aufgehoben, da ist sie sicherer, als hinter Wall und Mauern, da kann sie kein Teufel aus deines Vaters Hand reißen. Auf dem Todtenbette ist der Feind, weil er weiß, daß er wenig Zeit mehr hat, ganz besonders geschäftig, dich von dem Vertrauen auf Gott und von dem Glauben an die Kraft des Blutes deines Erlösers abwendig zu machen; er hält dir das schwarze Sündenregister deines Lebens vor die zitternde Seele und will dich überreden, du gehörest ihm und keinem andern an. Wisse, ähnlich ist es deinem Herrn in seiner letzten Stunde ergangen. Er ist versucht worden allenthalben, gleich wie wir. 248 Wie einst der Versucher zu Ihm trat, und wies Shm alle Reiche der Welt, so hat er Ihm jetzt alle Sünden der ganzen Welt gezeiget und Ihn höhnisch gefraget, wie Er sich mit dieser Menge, zahlreich wie der Sand am Meer, hinauszugelangen getraue? Ach wie bange wurde dem Heilande da, wie rief Er so voll Angst: Mein Gott, mein Gott, warum haft du mich verlassen? Aber siehe! Er kannte das Mittel gegen solche Anfechtungen.»> Vater, in Deine Hände befehle ich meinen Geist!« rief Er mit lauter Stimme. Auf Ihn setzte Er in dieser heißen Stunde Sein Vertrauen, Seinen sichern Händen übergab Er die heilige Seele. So mache es auch du, mein Chrift! Ein frommer, jüngst verstorbener Mann sang nach solchen Anfechtungen und Kämpfen mit dem bösen Geiste: Da griff ich nach des heil'gen Kreuzes Zeichen, Und drückt es brünstig an das wunde Herz; Und den Versucher trieb's, davon zu schleichen, Und nur noch Einmal sah er hinterwärts. Du kannst mich wohl mit Fäusten schlagen," So rief ich ihm mit Kühnheit nach, #P 11 Das ist dein Werk, und mein's: es wacker tragen Dem Herrn zur Ehre Dir zur Schmach." Du schürst die Gluth, um schrecklich zu verheeren Und wirst der wilden Arbeit nimmer satt; Der Herr, vor dem du zitterst, will nicht wehren, Weil Er geläutert Gold am liebsten hat. So schüre nur den Brand der Flammen, 1 Er brennt, verbrennt mich aber nicht; Er schmilzt mich enger nur mit Dem zusammen, Der endlich sein: bis hierher!" spricht." " 1 Nahet sich dir der Versucher und wirft er dir deine vielen und vielleicht greulichen Sünden vor, tritt ihm nur kühn entgegen mit dem Worte: Beigst du mir meine Sünden hier? Wo hat Gott befohlen, Daß das Urtheil ich bei dir Neber mich soll holen? Wer hat dir die Macht geschenkt, Andre zu verdammen, Der du selbst doch liegst versenkt adaniace. In der Hölle Flammen. Hab' ich was nicht recht gethan, Ift's mir leid von Herzen, Dahingegen nehm' ich an Chrifti Blut und Schmerzen; Denn das ist die Ranzion Meiner Missethaten, Bring' ich die vor Gottes Thron, Ist mir wohl gerathen. Dr Drohet er dir, dich vor Gottes Richterstuhl anzuklagen, sprich getroft dagegen:» Wer will die Auserwählten Gottes beschuldigen? Gott ist hier, der gerecht macht. Wer will verdammen? Christus ist. hier, der gestorben ist, ja vielmehr, der auch auferwecket ist, welcher ist zur Rechten Gottes und vertritt uns.« Es giebt eine Erzählung, die, mag sie Wahrheit oder Dichtung sein, gar erbaulich lautet. Der Teufel zeigte einem Manne das lange Register seiner Sünden; dieser aber, ohne davor zu erschrecken, antwortete kühnlich:» Schreibe oben darüber: Des Weibes Same soll der Schlange den Kopf zertreten,« und statt der Summa setze darunter:» Das Blut Jesu Christi des Sohnes Gottes reiniget uns von allen Sünden.« Da verließ ihn der Versucher. Sprich du auch nur bei ähnlichen Anläufen mit christlichem Glaubensmuthe: Stürme Teufel und du Tod, Was könnt ihr mir schaden? Deckt mich doch in meiner Noth Gott mit Seinen Gnaden: Der Gott, der mir Seinen Sohn Selbst verehrt aus Liebe, 249 Daß der ew'ge Spott und Hohn Mich dort nicht betrübe. Denke nur an den süßen Vaternamen, den ein Je= sus dir selbst in den Mund leget und in der tröst 250 lichen Zuversicht, daß solch ein Vater sein Kind gewiß nicht lassen wird, neige dann, wenn dein letztes Stündlein kömmt, mit dem sterbenden Heilande dein Haupt, und rufe mit aller Freudigkeit unter der Vertretung und dem Beistande des heiligen Geistes, wenn nicht mit lauter Stimme, so doch mit stillem, brünstigem Seufzer:» Vater, ich befehle meinen Geist in Deine Hände!« Der Herr, dein Gott, aber wird dich erhören; Er wird nach solchem heißen Streite dir zu Seiner himmlischen Ruhe aushelfen und dort dich die süße Frucht Seines Leidens und Sterbens schmecken lassen. Nichts acht' ich Sünde, Höll' und Tod, Nichts Welt und Teufel; alle Noth Hat nun ein selig Ende. Hiemit beschließ' ich meinen Lauf; Herr Jesu, nimm die Seel' hinauf In Deine treuen Hände! Preis Dir! Heil mir! Jubiliret! triumphiret! himmlisch Leben Wird mein Heiland mir nun geben. Gebet. Ja mein Jesu! ich zweifle nicht, Du wirst es mir ges wiß geben, das himmlische Leben, wenn ich im wahren Glauben Dein theures Verdienst ergreife, und mich dessen bis an das Ende meines Lebens beständig getröste. Weil aber in den letzten Stunden des Lebens der Feind am meisten auf uns losstürmt, und uns diese kostbare Beilage aus dem Herzen zu reißen sucht, so stehe mir um Deines eigenen Kampfes willen, den Du in Deiner letzten Todess noth gestritten, kräftig bei; erhalte mich gegen alle diejenigen, die mich zu fällen trachten; befestige in mir das Vertrauen auf meinen versöhnten Gott; gieb mir zu bedenken, wie hoch die Seelen der Menschen vor Ihm geachtet sind, daß Er sie durch das Kostbarste, das im Himmel und auf Erden war, nämlich durch Dich, den eingebornen Sohn des Vaters, erlöset hat. So wird Er ja auch mich in der letzten Noth nicht sinken, noch in meinen 251 Sünden untergehen lassen. Vermehre auch die auf Dich gegründete Zuversicht je mehr und mehr, damit ich erkenne, daß Du keinen verstößeft, der zu Dir kommt und noch viel weniger in der letzten Noth die Seufzer derer verschmähest, die Dich um Deinen Beistand und eine selige Auflösung anflehen. Gieb mir zu bedenken, daß Du Deine Arme am Kreuze so weit ausgestreckt haft, um Deine Geneigtheit und Begierde zu zeigen, alle diejenigen, welche am Ende ihres Lebens zu Dir fliehen, Deinen Schuß und Deine Erlösung von allem Uebel suchen und um gnädige Aufnahme in Dein himmlisches Reich flehentlich bitten, auf das Liebreichste zu empfangen. Deßwegen laß auch mich so felig sein, aus einem gläubigen Herzen in meinem legten Stündlein zu seufzen: Herr Jesu, nimm meinen Geist auf! Vater, ich befehle meinen Geist in Deine Hände." Amen. Der stille Freitag. Melod. Christus, der ist mein Leben ze. O Tag, so schwarz und trübe, Wie düstre Mitternacht! O Tag, so warm von Liebe, Wie's feine Sonne macht! Dich schwärzen finstre Thaten, Du brüteft schweres Leid, Du zeigst den Herrn verrathen, Den Herrn der Herrlichkeit! An greuelhafte Gründe Führst du den scheuen Fuß; Und ungeheure Sünde, Das ist dein Morgengruß! Und Liebe ohne Ende, Aus Gottes Vaterhaus, Sie breitet hier die Hände Am Kreuze segnend aus. Verfolgt vom blut'gen Haffen Vergießt sie für die Welt Sie fann's, fie fann's nicht lassen Ihr Blut als Lösegeld. O Tag, so schwarz und trübe, Du zeugst von meiner Nacht; Tag, so warm von Liebe, Ich seh' der Gnade Macht. 252 Ev. Joh. 19, 30. Und Jesus neigte Sein Haupt und verschied." 11 Ein frommer Mann erzählt von seiner Stimmung am Charfreitag:» Es war mir an diesem Tage oft so wunderbar zu Muthe. Ich hatte ein Sehnen und wußte nicht wonach. Ich suchte Bilder in der Natur, sie sollten nur aussprechen, was ich fühlte und sie konnten es nicht. Ich sahe mich um im Menschenleben, da sprach mich auch nichts an. Oft wünschte ich an diesem Tage den Fuß beflügeln zu können. Ich hätte am Strome sein und Schiffende, an einer Heerstraße und viele Wandernde sehen mögen, aber ich wollte mit den Schif fenden nicht fahren und mit den Wandernden nicht ziehen. Und wenn ich mir dann alles so angesehen hatte, so war mir's, als starre ich in eine öde Welt hinaus, wo alles mir winke, und nichts mich faßte, dann war mir nur wohl, wenn ich ein Kreuz fahe.<< Und weiter mag ich heute auch nichts sehen, als Sein Kreuz und Ihn am Kreuze mit dem gebeugten Haupte, der zerfallenen Brust, den eingesunkenen Augen, der bleichen Gestalt: - Sieh Sein Aug', aus dessen Blicken Liebe strahlte und Entzücken, Ach erloschen ist es ganz! Auf den Gliedern blut'ge Nässe, Auf den Wangen Todesblässe, Auf dem Haupt der Dornenkranz! Unter namenlosen Schmerzen Dringet Ihm der Tod zum Herzen Und Er giebt die Seele auf. Sieh es, Welt, für die Gr büßet, Fließt, ihr Wehmuthsthränen, fließet, Nichts verhindre euren Lauf. Ja, mein Heiland, Dein zu denken, Ganz in Dich mich zu versenken, Sei mir immer heilige Pflicht. An mein Herz will ich Dich drücken, Mich an Deinem Kreuz erquicken, Bis auch mir das Auge bricht. 253 In dem Anblicke des Gekreuzigten liegt mir heute alles, meine Hoffnung und mein Schmerz, mein Trost und meine Klage, mein Glauben und meine Noth, meine Liebe und mein Leben, mein Himmel und meine Seligkeit. Mir ist, als müßte ich mich heute in meinem Kämmerlein verschließen und keine Menschen sehen, auch die Geliebten nicht, an denen meine ganze Seele hängt; ich möchte kein lautes Wort reden und keines hören, mich still unter Sein Kreuz legen und von Ihm kein Auge wenden, möchte mein Haupt unter Seine durchbohrte Rechte beugen und Ihn mit den Strömen meiner stillrinnenden Thränen bitten:» Herr segne mich!«<>> Jesus neigte Sein Haupt und verschied!« Ach giebts denn einen wehmüthigern und erschütterndern Augenblick, als diesen? Ich kann es wohl begreifen, daß die Sonne an diesem Tage ihren Schein verlor und die Felsen zerrissen, und die Erde in ihren Grundvesten erbebte. Ich kann es auch verstehen, was ein altes Lied sagt:» O große Noth, Gott selbst ist todt!«< Ach bis dahin ist es mit Ihm gekommen, und keine Vaterhand hat Ihn gerettet! Die Stimme, welche für die Millionen und aber Millionen der Erdenbewohner ertönte, ist nun verklungen, das Auge, welches Großes und Kleines, die verborgenen Gründe der Menschenbrust und die Tiefen der Gottheit durchschaute, ist erloschen, die Brust, welche die ganze Welt liebend umfaßte, ist eingesunken, das Herz, welches für Freunde und Feinde warm und treu geschlagen, ist gebrochen, die Hand erstarrt, welche Noth und Tod, Sturm und Ungewitter verscheuchte. » Jesus neigte Sein Haupt und verschied!« Das 254 Neigen Seines Hauptes, Sein Sterben beschließt die lange Reihe von Mühe und Arbeit, welche Sein ganzes Leben erfüllte, und größer, als die Erfüllung des Gesetzes, als der Gehorsam, welchen Er lernte, als alle Liebeswerke und Liebeswunder, welche Er an Blinden und Lahmen, an Tauben und Sichtbrüchigen, an Ausfähigen und Besessenen verrichtete, größer, als Seine Siegesworte an Lazarus und des Jünglings zu Nain und des Mägdleins Grabe ist das letzte Werk des Herrn auf Erden, das Neigen Seines Hauptes und Sein Sterben. Hier erblicken wir den Wendepunkt der ganzen Weltgeschichte, der alten und der neuen Zeit; hier scheidet sich Finsterniß und Licht, Tod und Leben, Fluch und Segen. Hier strömt der Quell Seines Lebens dahin und die Wogen der Gnade umrauschen die Welt statt der Wasser der Sündfluth, die nun nicht mehr kommen soll. Hier ist der eigentliche Brennpunkt, in welchem alle die Lichtstrahlen göttlicher Verheißungen zusammenfallen, welche seit Jahrtausenden die zitternden Menschen trösteten. Hierher schauten die ersten Sünder, als sie das verlorene Paradies hinter sich, die fluchbelastete Erde um sich und die Trümmer des göttlichen Ebenbildes jammernd in sich erblickDiese Stunde ahnete Abraham, als er die Verheißung des Samens, durch welchen der Segen über alle Völker kommen sollte, sich zueignete; auf sie hoffte mit ihm sein ganzes Volk und alle Propheten. Hieher blickte David bei seinem Seufzen:» Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen, von welchen mir Hülfe kommt.« Über ihnen allen war diese Stunde noch mit düsterm Schleier verhangen, welchen ihr Auge nicht zu durchdringen vermochte. O selig, selig wir! uns ist ten. der Vorhang zerriffen, wir schauen in das Allerheiligste des Altars. Siehe! das Opfer ist geschlachtet, es zuckt in seinem Blute, es hat ausge= rungen, es ist verblutet, es neiget das Haupt und stirbt, und die ewige Erlösung ist erfunden. Schau, der Vorhang ist zerrissen, Und aus den heil'gen Finsternissen Blickt hell der Gnadenthron hervor. Tausend Jahr stand er verhüllet: Nun ist des Himmels Recht erfüllet, Und freie Gnade steigt empor. Die Welt ist ausgesühnt, Das neue Leben grünt, Neu wird alles! Des Sohnes Blut Macht alles gut. O Sünder, fasset frohen Muth! 255 So wird auch mir, o Du Lamm Gottes, das Du die Sünden der Welt trägst, Dein Todestag zu meinem stillen Freudentage, Dein Marterholz zum Holz des Lebens, Dein Untergang zu meinem Aufgang in der Höhe; und ich stehe unter Deinem Kreuze und weiß nicht, wie ich Dir danken, Dich lieben und loben, Dich preisen und anbeten und Dir Psalmen singen soll. O drückten Jesu Todesmienen Sich meiner Seel' auf ewig ein; O möchte stündlich Sein Verfühnen In meinem Herzen kräftig sein! Denn ach, was hab' ich Ihm zu danken! Für meine Sünden floß Sein Blut, Das beilet mich, den armen Kranken, Und kommt mir ewiglich zu gut. Für mich starb Jesus; für mich quillet Sein Blut mit Wasser untermengt. Da wird des Herzens Durst geftillet, Da wird der matte Geist getränft, O Strom der Liebe klar und helle, Mein Herz soll offen stehn für Dich! O unerschöpfte Gnadenquelle, Ergieße Dich doch stets in mich! 256 Herr Jesu, nimm für Deine Schmerzen Mich Armen an, so wie ich bin! Ich setze Dir in meinem Herzen Ein Denkmal Deiner Liebe hin, Die Dich für mich in Tod getrieben, Die mich aus meinem Jammer riß': Ich will Dich zärtlich wieder lieben; Du nimmst es an, ich bins gewiß. Und wenn mir meine Augen brechen, Schließ mich in Dein Erbarmen ein, Dann werd' ich dort Dich näher ſprechen, Indessen schlummert mein Gebein; Die Seele, die durch Dich genesen, Ruht dann in Deinen Armen aus, Und läßt den Leichnam gern verwesen; Er wird dereinst ihr neues Haus. aud Gebet. Herr Jesu Christe, Du heiliges unbeflecktes Lamm Gottes, welches der Welt Sünde trägt, stehe ich komme Dir zu danken; nimm gnädig und barmherzig an mein Dankgebet, und mache Du selber meine Seele recht brünftig zum Gebete. Ich danke Dir von Herzen für Dein heis liges Leiden und Sterben, für Deine große Traurigkeit, da Deine Seele betrübt war bis in den Tod, da aller Welt Traurigkeit auf Dich gefallen war, aller Herzen Angst, Furcht, Schrecken, Zittern und Zagen. Ach wer kann dies Dein inneres Seelenleiden ausdenken, aussprechen und dafür würdig danken? O Herr, Du hast wahrhaftig für uns alle den Tod schmecken, und aller Menschen Todesangst empfinden müssen. Dich hat der Stachel des Todes, die Sünde recht gequälet; ja aller Menschen Sünde und die Kraft der Sünden, welche ist das Gesetz mit seinem Dräuen, mit seinen Schrecken, mit seinem Fluche. Dafür danke ich Dir, Du getreues Herz! Ich danke Dir auch für Dein kräftiges Gebet und demüthigen Fußfall, da Du im Garten auf Deinem Angesichte lagst und Dich dem Willen Deines himmlischen Vaters überließeft, auf daß Du meis nen bösen Willen büßeteft, heileteft und in dem Willen Gottes heiligtest; für Deinen heiligen Schweiß, welcher in blutigen Tropfen zur Erde fiel, auf daß Du meinen kalten Todesschweiß heiligtest und die Angst meiner Todesstunde in eine stille selige Abschiedsstunde verwandeltest. D Du 257 unschuldiges und unbeflecktes Lamm Gottes! ich danke Dir, daß Du um meinetwillen bist gefangen, auf daß ich von Sünden frei, gebunden, auf daß ich erlöset würde; daß Du falsche Anklagen erfahren hast, auf daß ich vor dem heiligen Gerichte Gottes bestehen könne; daß Du bist ins heilige Antliß geschlagen, auf daß ich Frieden hätte. Ich danke Dir, daß Du um meinetwillen verspottet wurdeft, damit Du mir würdest zur Weisheit gemacht; verspeiet, auf daß Du mich von Schande erlösetest; gelästert, auf daß Du mich zu Ehren brächtest; gegeißelt, damit mein Ungehorsam gebüßzet würde. Du König der Ehren, Herr der Herrlichkeit! ich danke Dir, daß Du um meinetwillen zu Hohn und Schmach mit Purpur bekleidet wurdeft, damit Du mir das hochzeitliche Ehrenkleid erwürbest; mit Dornen gekrönet, damit Du mir die Krone der Ehren aufseßztest; am Haupte geschlagen und verwundet, auf daß ich und meine Brüder mit Freuden unsre Häupter aufheben könnten. O Du barmherziger Heiland! ich danke Dir, daß Du aus tausend Wunden blutend vor Pilatus standeft, als derselbe sprach: Sehet, welch ein Mensch!" auf daß Dein himmlischer Vater mein Elend anfähe und sich um Deinetwillen meiner erbarmte. D Du bist verworfen von Deinem Volk, auf daß Du Deiner gläubigen Kirche zum Eckstein und mir ein Fels des Heiles würdest; zum Tode verurtheilt, auf daß ich vom Urtheil des ewigen Todes frei und selig sei. D Du allergehorsamster und demüthigster Sohn Deines himmlischen Vaters! ich danke Dir, daß Du Dein Kreuz selbst zu Deinem heiligen Tode getragen, auf daß Du mich lehrest mein Kreuz willig zu tragen bis zu meinem seligen Ende; Du bist darum mit Händen und Füßen angenagelt, auf daß Du ein Opfer würdest für unsre Sünde; bist, obwohl Du niemals eine Sünde gethan und kein Betrug in Deinem Munde erfunden worden, unter die Uebelthäter gerechnet, auf daß Du mich durch Deine Unschuld versöhnetest; haft große Läfterung und Schmach am Kreuze erlitten, daß Du mich erlösetest von ewiger Schmach. D Du Gesegneter des Herrn! ich danke Dir, daß Du ein Fluch am Holze bist worden, auf daß in Dir alle Völker auf Erden gesegnet würden. Du wardst ein Wurm, obwohl der Schönste unter den Die heil. Passion. R 258 11 11 Menschenkindern, daß ich vor Gott lieblich erschiene; Du wurdest der Allerverachtetste vor den Menschen, daß ich herrlich würde. Du warst am Kreuz von allem Troft verlassen, damit ich ewiglich getröstet würde; hingst nackt und bloß am Holz, damit Du mich mit Deinem Kleide des Heils und dem Rock der Gerechtigkeit bekleidetest. D Du ewiger Hoherpriester und mein einiger Mittler! ich danke Dir, daß Du mit Gebet und starkem Geschrei Dich Gotte opfertest, auf daß ich Ihm würde ein süßer Geruch. Ich dante Dir für Dein Gebet: Vater vergieb ihnen!" auf daß ich durch Dich vertreten vor Gott erscheinen dürfe; für Deine treue Sorge, da Du sprachest: ,, Das ist deine Mutter! das ist dein Sohn!" nun weiß ich auch mich und die Meinigen im Leben und im Sterben versorgt; für Dein tröstlich Wort: Heute wirst du mit mir im Paradiese fein!" denn nun habe ich den rechten Himmelsschlüssel für arme Sünder in der Hand. Ich danke Dir für Deine Angst und Noth, da Du schrieest: Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen!" nun weiß ich mich um Deinetwillen immer in Gottes Hut und nie von Ihm verlassen; ich danke Dir für Deinen heiligen Durst und den herben Essigtranf, damit Du mich vom ewigen Dürsten in der Höllen Bitterfeit erlöset haft. Ich danke Dir für Dein tröstlich Wort: Es ist vollbracht!" Ach meine Sünde ist nun getilget, Gott versöhnet und eine ewige Erlösung erfunden. Ich danke Dir für Deinen Tod und für Dein letztes Wort: ,, Vater in Deine Hände befehle ich meinen Geift!" Damit ist alle Schuld bezahlet, Leben und unvergängliches Wesen wiedergebracht und alle gläubigen Seelen in die Hände des himmlischen Vaters überantwor tet. Ich danke Dir für Deine Wunde in der Seite, daraus Blut und Wasser floß. Das ist das Lösegeld für meine Sünde; wenn nun meine Sünde blutroth ist, hier wird sie weiß gewaschen. D himmlischer Vater, nimm an dies theure Lösegeld für meine Sünde, und fordere nichts von mir, als was Du einmal angenommen hast, Deines einigen Sohnes heilig Blut. Und Du, mein Heiland und mein Retter, laß mich nun mit Joseph von Ärimathia um Deinen heiligen Leichnam bitten, denselben mit Herzlicher Betrübniß, Reue und Leib fiber meine Sünde, 11 259 vie Dich so zerschlagen, aufnehmen und in ein neues gereinigtes Herz, als in ein neu Grab legen, daß Er allein und sonst nichts darin ruhe. Versiegle Du dies Grab mit Deinem heiligen Geiste, daß Dich niemand, weder Welt noch Teufel aus meinem Herzen raube, daß ich Dich nicht verlieren, sondern mit Dir leben, sterben, auferstehen, gen Himmel fahren und bei Dir sein und bleiben möge ewiglich. Amen. Für die Kinder. Melod. Christus, der ist mein Leben 2c. Wie sollt' ich heut nicht weinen, Da Er gestorben ist, Der treuste Freund der Kleinen, Der liebe heil'ge Christ. An einem Kreuzesstamme Da hat Sein Herz gebebt, Das Herz, in dem die Flamme Der reinsten Huld gelebt. Nun hat es ausgeschlagen, Er liegt im stillen Grab'; Die treuen Jünger klagen, Und blicken stumm hinab. Wer soll uns nun erlösen Von unsrer Schmerzenlast, Da Du, geliebtes Wesen! Im Tode bist erblaß't. O Welt voll Trug und Sünden, Die diese That verübt, Wo soll ich wiederfinden Den Freund, der uns geliebt? Harr', Seele, und sei stille! Verweil' an Seinem Grab'! Bald wälzt des Vaters Wille Den Grabstein Ihm herab. R2 260 Großer Sabbath. Melod. O Traurigkeit, o Herzeleid zc. So ruhest Du, O meine Ruh', In Deines Grabes Höhle, Und erweckst durch Deinen Lod Meine todte Seele. Man senkt Dich ein Nach vieler Pein, Du meines Lebens Leben! Dich hat jetzt ein Felsengrab, Fels des Heils, umgeben. Doch Preis sei Dir! Du konntest hier Nicht die Verwesung sehen; Bald ließ Dich des Vaters Kraft Aus dem Grab erstehen. O Lebensfürst! Ich weiß, Du wirst Auch mich zum Leben wecken! Sollte denn mein gläubig Herz Vor der Gruft erschrecken? Sie wird mir sein Ein Kämmerlein, Da ich im Frieden liege, Weil ich nun durch Deinen Tod Sünd' und Tod besiege. Nein, nichts verdirbt; Der Leib nur stirbt; Doch wird er auferstehen, Und mit Himmelsglanz verklärt Aus dem Grabe gehen. Indeß will ich, Mein Jesu, Dich In meine Seele senken, Und an Deinen bittern Lod Bis zum Tode denken. Luc. 23, 50-56.0 Und siehe, ein Mann, mit Namen Joseph, ein Rathsa herr, der war ein guter, frommer Mann. Der hatte nicht gewilligt in ihren Rath und Handel, der war von 261 Arimathia, der Stadt der Juden, der auch auf das Reich Gottes wartete. Der ging zu Pilato und bat um den Leib Jefu, und nahm ihn ab, wickelte ihn in neue Leinwand und legte ihn in ein gehauen Grab, darinnen niemand je gelegen war. Und es war der Rüsttag und der Sabbath brach an. Es folgten aber die Weiber nach, die mit Ihm gekommen waren aus Galiläa, und beschaueten das Grab und wie Sein Leib gelegt ward. Sie kehrten aber um, und bereiteten Specerei und Salben; und den Sabbath über waren sie stille nach dem Gefeß." » Du kannst durch Todesthüren träumend führen!« so tönt es je zuweilen mit einem dankenden Blicke zum Herrn über Tod und Leben durch die Schmerzensthränen um einen geliebten Entschlafenen. Uch das gilt von Deinem Tode nicht, Du Einziggeliebter! Du liegst heute vor uns, ein kalter, blasser Leichnam, und wir zittern noch heute, wenn wir an Deinen Todeskampf gedenken. Da war keine Hand der Liebe, die Dir den kalten Schweiß von der Stirn trocknete, kein Getreuer, der Dir Dein müdes, sinkendes Haupt stützte, kein Freund, der Dir die Augen zudrückte. Da war kein milder Schlaf, der Dich träumend durch das finstere Todesthal führte, kein Engel, wie dort in Gethsemane, der Dich gestärkt hätte, ja schien doch sogar die Vaterhand Dir entzogen, die den schweren Todeskampf verkürzen kann. Grauenvoll war Dein Sterben, wie Dein Leiden, herzerschütternd, zermalmend für alle, die Deine letzten Kämpfe sahen. Doch nun ist alles vollbracht, alles Bitt're ausgetrunken bis auf den letzten herbesten Tropfen, vollendet das ganze angstvolle und schmerzensreiche Werk Deiner Liebe. Den Schächern sind die Beine zerschlagen, meines Jesu Seite ist vom Stoße des Speeres geöff= 262 net und Blut und Wasser, zum Zeichen des wirklich erfolgten Todes, herausgeflossen. Still ist's an den drei Kreuzen, still auf Golgatha, still in den Herzen der Umstehenden; die Feinde haben ihre Rache gekühlt; den Freunden sind die Herzen ge= brochen; sie stehen dort und weinen, Maria mit dem Schwerte, das ihre Seele durchdrang, im Herzen, von Johannis Armen umfangen und gehalten, und die andern, und wir gesellen uns gern zu ihnen, mit ihnen zu weinen bei Seinem blassen, todtent Leichnam. Doch nun beginnet nach so vielen Erniedrigungen allgemach die Herrlichkeit des erwürgten Lammes, das würdig ist zu nehmen Preis, Ehre und Kraft, sich anzukündigen. Die Sonne leuchtet wieder und beschauet mit ihren letzten Abendstrahlen die erlöste Welt; der Hauptmann schlägt an seine Brust und zeugt für den Gekreuzigten:» Wahrlich, Dieser ist ein frommer Mensch gewesen!« und aus der Verborgenheit treten die Freunde hervor, dem Fürsten des Lebens die letzte Ehre im Tode zu erweisen. Joseph von Arimathia und Nikodemus ere bitten sich vom römischen Landpfleger den Leib des Herrn, und ihre öffentliche Stellung, ihr Unsehen und Reichthum erlangt, was die armen und unbekannten Jünger und Angehörigen wohl nicht erreicht hätten, die Erlaubniß zum Begräbniß des Herrn. Der heilige Leib wird vom Kreuze genommen und ruhet nun, obwohl leblos, blaß und entstellt, doch wieder in Freundesarmen, wird gesäubert vom geronnenen Blute, mit Specercien umgeben und in ein reines Grabtuch gelegt, das heilige Haupt in ein Schweißtuch geschlagen: so trägt man Ihn in Josephs nahen Garten und senkt Ihn in die neue Felsengruft. Die heiligen Frauen, die mit Ihm - 263 aus Galiläa gekommen waren, begleiten Ihn zum Grabe, und die Liebe wird das Leichengefolge Def= sen, der bis zum Tode geliebt. Dann sinken der Sonne letzte Strahlen, die Sterne ziehen herauf, der Tag der Schmerzen ist vorüber und der große Sabbath bricht an, an welchem der Fürst des Lebens im Grabe ruhet. Die Freunde mit ihrem gebrochenen Herzen halten sich den Sabbath über stille nach dem Gesetz. So feiern die nächsten Freunde des Gottessohnes Ceinen Sabbath, und meine Seele, wie feiert sie ihn? Ich will mich, wie die heiligen Frauen, Seinem Grabe gegenübersetzen und an meinen Erbarmer gedenken, der dort um meinetwillen den festen Schlaf des Todes schläft und meinem bewegten Herzen Stille gebieten.» Wenn ihr stille bliebet, so würde euch geholfen! Durch Stillesein und Hoffen würdet ihr stark sein«( Jef. 30, 15.)! das sei die Gottesmahnung, welche mir die Feier des heutigen Tages an Seinem Grabe bringen soll. Die Unruhe und Zerstreuung meines Herzens, das thörichte Sorgen, die eitle Marthasgeschäftigkeit, das ists ja, was mir so oft meine Sabbathsruhe stört, meine Gnadenstunden verkürzt, meinen Heiland mir entfremdet, das Ruhen zu Seinen Füßen, das Horchen auf Seine Worte, mein bestes Theil mir verkümmert, mein Lieben ermattet und meinen Glauben beunruhigt und trübet. Darum, o Jesu, laß mich nur stille bleiben, als fäß' ich immer an Deinem Grabe, und laß das Lied mein Lied sein: Meine Seele senket fich Hin in Gottes Herz und Hände, Und erwartet ruhiglich Seiner Wege Ziel und Ende. 264 Was die Ungeduld erregt, Ist in Chrifti Grab gelegt. Mit freudigem Danke blicke ich auf Nicodemus und Joseph von Arimathia. Owohl euch, daß ihr Muth hattet, euren Reichthum und hohe Stellung anzuwenden, um dies letzte Liebeswerk ohne Furcht und Rücksicht meinem Heilande zu erweisen. Was hilft's auch, der Welt zu verhehlen, daß man Jesum liebt; sie wird es doch bald merken und dann gewiß mit Haß und bösem Leumund nicht zögern. Davor schützt kein Rang noch Reichthum, und jemehr man sich gehütet vor Christi Schmach, desto schwerer ists, sie dennoch tragen zu müssen. Drum frisch hervor, verborgner Freund des Meisters! Du möchtest sonst gar Schaden nehmen an deiner Seele, wolltest du nur heimlich zu Sesu schleichen; denn nicht bekennen ist meistens nicht viel besser, als verleugnen, und was es mit dem Verleugnen auf sich habe, steht geschrieben Matth. 10, 33. und Luc. 12, 9. Uch und Sein Lieben gegen uns, das selbst da noch nicht erkaltet war, als Er schon kalt im Felsengrabe ruhete, verdient es wohl um uns, daß wir Ihm alles, alles nachsetzen. Mit Liebe weilt mein Blick auf euch, ihr frommen Frauen. Es ist erquickend, in der ganzen Lebens- oder Leidensgeschichte des Herrn keinem weiblichen Wesen zu begegnen, das Ihm mit Kränkungen entgegengetreten wäre, vielen aber, die Shm mit männlichem Glauben und hohem Vertrauen naheten und Ihm mit unermüdlichem Lieben folgten. Frauen beweinen Ihn auf Seinem Kreuzeswege, ein Weib salbte Ihn zu Seinem Begräbniß, und hier können sie sich von dem Grabe nicht trennen, das Seinen Leib umschließt. Des weiblichen Ge 265 müthes Wesen ist Liebe und sein Element ist Frömmigkeit. Wehe! wo ein Weib sein Element verläßt, da ist Verkehrtheit, Unnatur, Mißgestalt; da trägt es seine Entartung meistens über auf viele nachfolgende Geschlechter und wird oft die Ursache vom geistlichen Verderben vieler. Heil aber einem Weibe, das in seinem Elemente lebt und webet, in der Liebe zu Gott und zu den Brüdern, solches wird ein Himmelssegen für Töchter und Söhne und ferne Enkelgeschlechter! Wir alle aber, vom Weibe geboren, fühlen uns mit den frommen Frauen, die dort weinend an Seinem Grabe sitzen, verwandt und wollen uns zu ihnen gesellen, mit unsern Lieben Seine Sabbathsstille feiern und von Ihm nimmer weichen und wanken. Erschütternd ist mir Marias Jammerbild. Ich sehe an ihr, wie Gott dem Demüthigen Gnade, und Stärke genug dem Unvermögenden giebt. Die einst nicht stolz war bei der Begrüßung des Engels, behielt auch jetzt, als des Herrn Macht, Muth und Glauben, Ihm bis zum Grabe zu folgen. Die großen Verheißungen, welche sie über Ihn empfangen, die Erfahrungen, welche sie an Ihm gemacht, die Worte, welche sie vom ersten Osterfeste bis zu diesem letzten aus Seinem Munde gehört, das alles hatte sie in ihrem Herzen bewegt. Jetzt lebt sie von einem jeglichen Worte, das durch den Mund Gottes geht, und durch die Kraft, welche in dem Schwachen mächtig ist. Ich wünsche mir in großen Leidensstunden, wenn auch ich einmal an einem Grabe sißen soll, darin mein ganzer Erdenreichthum schläft, ein Herz, wie ihres. Und was sagt mir diese stille Gruft, in welcher Du, o Fürst des Lebens! Sabbathsruhe hältst? Sie zeige auch mir mein Ziel. Dahin werden sie mich 266 auch legen, die lieben Josephs- und Nikodemushände, die mir angehören, wenn ich mein Kreuz, so lange es Gott gefällt, getragen habe und unter ihm erlegen bin. Dahin werden auch mich die lieben Meinen begleiten, welche mir überbleiben nach so vielen Trennungen und Todesrufen an die Menschenkinder. Dort werd' auch ich ausruhen von meiner Müh' und Arbeit auf Erden und schlafen. Der Du im Grabe Ruhe haft gefunden, Nachdem Du für mich sterbend überwunden, Gieb Ruhe, wenn man mich nach meinen Tagen Ins Grab wird tragen. Drücke mir die Augenlider Sanft mit Deinen Händen zu; Senke friedlich mich darnieder In des Grabes stille Ruh. Laß aus Deines Leib's Erblassen Labsal mich und Hülfe faffen, Und mit Dir aus Angst und Leid Fahren in die Herrlichkeit. O wie sehne ich mich nach dieser stillen Ruhe, wie hab' ich Lust abzuscheiden und bei Christo zu sein, wie verlangt mich aus dem Glauben nach dem Schauen, denn» ich weiß, daß mein Erlöser lebt und Er wird mich hernach aus der Erde auferwecken«( Hiob 19,25.). Denn gleich wie am dritten Tage das Felsengrab zersprang und der Fürst des Lebens im Schmucke Seiner göttlichen Majestät aus ihm hervorging, als Ueberwinder von Tod und Grab, verklärt und herrlich in Seinem Siegesglanze über den letzten Feind, die zerbrochenen Ketten der Finsterniß in Seinen Händen: so tönt auch mir aus dem heiligen Grabe der Lebensruf:» Ich bin die Auferstehung und das Leben, wer an mich glaubt, wird leben, ob er gleich stürbe!« so stimmt mir 267 diese stille Felsengruft die Harfe zu dem Osterpsalme: Auferstehn, ja auferstehn wirst Du, Mein Staub, nach kurzer Ruh'! Unsterblich's Leben Wird, der dich schuf, dir geben. Halleluja! Wieder aufzublüh'n, werd ich gesä't! Der Herr der Ernte geht Und fammelt Garben Uns ein, die wir hier starben! Gelobt sei Er! Tag des Danks, der Freudenthränen Tag, Du meines Gottes Tag! Wenn ich im Grabe Genug geschlummert habe, Erweckst Du mich! Wie den Träumenden wird's dann uns sein; Mit Jesu geh'n wir ein 3u Seinen Freuden! Der müden Pilger Leiden Sind dann nicht mehr. Ach, ins Allerheiligste führt mich Mein Mittler. Dann leb' ich Im Heiligthume 3u Seines Namens Ruhme In Ewigkeit. Gebet. O Jesu Christe, mein Herr und mein Erbarmer, der Du die Fesseln des Todes und der Hölle zerbrochen, das Gefängniß gefangen geführt und als königlicher Sieger zur Rechten des Vaters throneft! Dir nahe ich heute in heiliger Sabbathsstille und flehe betend zu Dir um Gnade. Die Zeit der heiligen Fasten ist nun vorüber; ich bin Dir gefolgt auf allen Deinen Schmerzenswegen, habe die Nacht voll Angst und Schmerzen mit Dir durchwacht, bin mit Dir auf dem Delberge gewesen, habe Dein Niedersinken in den Staub, Dein Ringen im Gebetskampfe, Deinen triefenden Blutschweiß gesehen; habe Dich in das geistliche und weltliche Gericht begleitet, den Spott und die Schmåhungen Deiner Feinde, den Verrath und die Verleugnung 268 Deiner Freunde gehört, und laut geklagt an Deiner Seite um die Schmerzen und Striemen, womit Dich Pilatus schlug und marterte, da Du verstummtest, wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird, vor seinem Scheerer; bin bebend Dir nachgegangen auf Deiner Kreuzesstraße, da Du fast erlagest unter der Last meiner Sünden; bin auf den Berg, von welchem mir Hülfe kommt, mit Dir gestiegen und unter dem Kreuze meines Heils gestanden; habe Dein heiliges siebenfaches Testament vernommen, Dich Dein heiliges Haupt neigen, habe Dich verscheiden sehen und bin Dir heute zum Grabe nachgefolgt:- nun, Herr, gieb Gnade mir armen Sünder, daß ich meine Schuld, die Dich so viel, so viel gekoftet, in ihrer ganzen fluchwürdigen Abscheulichkeit sehe und ihre ganze verdammende Kraft erkenne, und hilf mir, daß ich ihr endlich den völligen Abschied gebe; daß ich meiner Lieblingssünde von Hers zen gram werde und meine Gewohnheitssünde mit Macht und Erfolg bekämpfe und sie alle durch die Kraft Deines Todes mit Dir begraben lasse. D ich habe Dich gesehen geschmähet und gelästert, und doch barmherzig und von großer Huld und Treue, erniedrigt und zertreten, und doch majestätisch und herrlich, mit dem Tode ringend, verblutend und sterbend, und doch mit Lebensworten tröstend die Verzagenden und Weinenden: darum hilf mir, daß ich einen festern Glauben, ein brünstigeres Lieben und ein seligeres Hoffen aus dieser Fastenzeit mit herausnehme, als ich je im Herzen trug; damit ich auf die heiligen Wochen zurückblicken und sie preisen könne als die Tage meines festbegründeten Heils und meiner ewigen Errettung und meine erlöfte Seele von ihnen rühmen dürfe: Das waren mir Erquickungszeiten, Die Tage längst gewünschter Ruh'; Da floß ein Strom von Seligkeiten Mir aus des Mittlers Wunden zu. Nun ruhe ich in Seinen Armen, Mein Vater blickt mich freundlich an, Ich weiß von nichts als von Erbarmen, Dadurch ich Ihm gefallen kann! Du himmlischer Vater meines Heilandes, ziehe Du felber mich heute zum Sohne, auf daß ich nun mit Ihm völlig sterbe und gleich einem neuen Menschen mit Ihm in 269 ben gebenebeieten Oftertag trete und auferstehe nach meinem inwendigen Menschen in rechtschaffener Gerechtigkeit und Heiligkeit, und schenke mir dann, um Deines lieben Sohnes willen, Dein Wohlgefallen. Und Du, o heiliger Geist, versiegele das Wort vom Kreuze in mir durch Dein heiliges Feuer, daß nichts es meinem Herzen wieder raube, daß es die Kraft Gottes in mir werde, dadurch ich mein Fleisch sammt allen Lüften und Begierden freuzigen könne, die mich zum Sieger über jede Versuchung und zum Herrn über alle meine Schwachheiten mache; wirke in mir die Vergebung meiner Sünden, auf daß ich getroft in den Himmel schauen, fröhlich den Fußstapfen meines Vorbildes Jesu nachfolgen und Ihm das Kreuz ohne Murren nachtragen möge. Dhilf Herr, dreieiniger Gott! laß es mir allezeit wohlgelingen im Leben und im Leiden, im Tode, im Gerichte und in der Ewigkeit. Kyrie eleison! Amen. Druck von Friedrich Klöppel in Eisleben. Der christliche Verein im nördlichen Deutschland. Der Zweck dieses Vereins ist, durch Verbreitung größerer Grbauungsschriften christliches Leben im Volke zu erwecken und zu unterhalten. In jedem Jahre giebt er deren zwei heraus, welche den Mitgliedern unentgeltlich zugesandt werden. Mitglied des Vereins ist jeder, der einen bestimmten Beitrag von Einem Thaler jährs lich entrichtet. Anmeldungen zum Beitritt und Anfragen in Betreff des Vereins sind zu richten an den Geschäftsführer desselben, Superintendent Westermeier in Biere bei Magdeburg, unter der innerhalb der preußischen Staaten portofreien Rubrik: ,, Angelegenheiten des christlichen Vereins." Unter derselben Aufschrift sind bei dem genannten Geschäftsführer auch nachfolgende Schriften zu bestellen, welche in der Niederlage der Schriften des christlichen Vereins zu Eisleben, in Pappe gebunden, unter beistehenden Preisen vorräthig sind: Hauspostille. 5 Bde. Epistelpredigten. 3 Bde. Kirchengeschichte. 7 Bde. 2 Offenbarungen Gottes in Geschichten des A. T.- 12 Leben Jesu. 3 Bde. 12 Die heilige Passion 6 Weckstimmen in biblischen Betrachtungen auf 3 Bde. alle Tage. Andenken an den heiligen Tag der Confirmation Lehrkatechismus Lernkatechismus Evangelisches Kirchengesangbuch Krankenbuch Die Pforte ist weit Die Pforte ist eng Vesperglocke Gebetbuch Thlr. Sgr. Pf. 1 Beicht- und Communionbüchlein Biblische Andachten. 2 Bde. Die Frage: Was fehlt mir noch? Christliche Unterhaltungen 1 20 12 6 1320302635 4 111 ||||||| Bethanien Der Prophet Jeremia Geschichte der französischen Revolution Des Glaubens Trost Der Friedensbote Neuer christlicher Kinderfreund Christlicher Unterricht vom lieben Kreuz Trostbüchlein Geschichte der deutschen Freiheitskriege Weisungen zur Wahrheit in Gedichten Missionsbüchlein Geistlicher Rathgeber f. Kranke u. Sterbende Deutscher Volksspiegel. 1. Band. 2. Band. Thir. Sgr. Pf. 1 7 от ст от со 1 ф со ст- т- стстя 5 7 5 3 2 1 3 5 |||||||||| Der evangelische Glaube Bemerkung. Werden oben genannte Bücher durch die BuchHandlung bezogen, so tritt ein um 333% erhöheter Ladenpreis ein. Eben so erhöhen Portoauslagen, wo sie nöthig werden, in unbestimmter Weise den Preis. Inches 1 Centimetres Blue 2 3 4 Cyan 2 15 ¹6 17 Farbkarte# 13 Green 3 8 Yellow 9 10 Red 11 12 LO 5 13 Magenta 14 6 15 White 16 17 3/ Color 18 19 B.I.G. Black 8