M/ U+ Gb 4167 Whak www! XXVILL Palm Vexi Leichen Vers 7 Johann Friedrich Starck, evangelischer Prediger und Consistorialrath zu Frankfurth am Main, geb. zu Hildesheim den 10. Oktober 1680. gest. zu Frankfurt den 17. Juli 1726. Tägliches Hand- Buch, in guten und bösen Tagen, das ist: Aufmunterungen, Gebete und Gesänge, 1) Für Gesunde; 3) Für Kranke; 2) Für Betrübte; 4) Für Sterbende; wie auch Sprüche, Seufzer und Gebete, dem Sterbenden vorzusprechen, nebst den Fest- Andachten. Viele schöne Buß-, Beicht, Communionund Wetter- Gebete, Morgen- und Abend- Andachten auf alle Tage in der Woche, Trost- und ErquickungsGebete sammt Gesängen, beineben auch Kriegs-, Theurungs-, Pest- u. Friedens- Gebete, bei allen Angelegenheiten nüßlich zu gebrauchen, und mit Kupfern geziert; dem noch beigefügt: ein tägliches Gebetbüchlein für Schwangere, Gebärenden und Unfruchtbare, als der fünfte und sechste Theil dieses Handbuchs, von Johann Friedrich Stard, BUS weil. evangelischem Prediger zu Frankfurt am Main. Vollständige und wohlfeile Stereotyp- Ausgabe in grobem Druck. Ducherow. Verlag des Bugenhagen Stifte 1883. 919 дв 4167 Druck von Wilhelm Baur in Reutlingen. Univ. Bibl. Giessen Borrede. Hiemit lege ich dem Leser mein tägliches Handbuch zum wiederholte Male dar. Zwar scheinen die gegenwärtigen Zeiten den Gebetbüchern gar nicht geeignet zu sein, indem ein Theil der Leute bei dem Aufstehen eher an seine Geschäfte, als an das Gebet denkt, vor dem Schlafengehen aber die schlummernden- Augenlider nicht mehr zum Gebetbuch brauchen kann. Wenn nun solche Seelen so geschickt wären, ohne Hülfe eines Buchs aus ihrem Herzen ein Gebet abzulegen, und ihr Verlangen GOtt vorzutragen, so könnten sie dieses Mittel zur Erweckung ihrer Andacht entbehren. Weil sie aber auch dazu nicht tüchtig sind, so merkt man mit Erstaunen, daß solche arme Seelen uicht allein schläfrig im Christenthum, irdisch gesinnt und ungeschickt zu allem Guten werden, sondern weil sie sich nicht durchs Gebet GOtt heiligen und übergeben, so kann sie ein jeder Wind bewegen, ein jeder Sünder und jede Sünderin zu Eitelkeiten und sündlichen Gewohnheiten verführen. Wie nun solchen in die Welt verliebten Leuten eine Aufmunterung zum Gebet nöthig wäre, so findet sich eine andere Art Menschen, welche es für eine Schande halten, ein Gebetbuch im Hause zu haben und sich eines solchen Zu 6 standes heiliger Gedanken rühmen, daß sie sich damit völlig begnügen können. Ich gebe dieses solchen Seelen zwar in gewissen Zeiten zu, möchte sie aber wohl fragen, ob ihnen nicht auch ein Seelenzustand bekannt sei, welcher die geistliche Dürre heißt, wo dem betrübten Gemüthe nicht ein guter Gedanke, kein Spruch oder Trost zufließen will. Vorrede. Kinder Gottes gehen hierin nach meiner Erfahruug den Mittelweg; nämlich: wenn sie ein Morgen- oder Abendgebet lesen, so bekommen sie dadurch verschiedene schöne Betrachtungen und Gedanken, die ihnen vielleicht sonst nicht beigefallen wären. Hiebei aber ist ihre AnSacht nicht geendigt, sondern sie tragen GOtt insbesondere ihr und der Ihrigeu besonderes Leiden, ihre Bekümmerniß, ihre obschwebende Gefahr, ihre betrübten Umstände vor; seßen sie noch eine andere Betrachtung dazu, so wird, wenn dieses mit Andacht geschehen, die Seele den ganzen Tag hindurch erquickt, und bei Ge legenheit an das Gelesene erinnert werden. In dieser Absicht habe ich auf Anrathen Gottliebender Freunde mit dem ersten Theile dieses Handbuchs eine Aenderung vorgenommen. Sie meinten, es wäre beffer, auf jeden Tag ein Gebet, als nur immer ein Morgen- und Abendgebet zu haben; ihr Wunsch war, daß die besondern Betrachtungen mit jedem Tage verbunden werden möchten, weil sie sonst gar ausgesetzt bleiben. Ich habe dennoch alles dieses mir gefallen lassen, und nicht allein für einen jeden Tag eine Morgen- und Abend- Andacht bestimmt, sondern auch demselben zwei besondere Betrachtungen beigefügt, damit die Leser mit denselben abwechseln, aber auch ihre Andacht des Tages dreimal erneuern und unterhalten können. Außer dieser Versegung der Betrachtungen habe ich Vorrede. 7 in dem Werk nichts geändert, außer, daß ich die Poesie, wo sie zu hart klingt, gemildert habe. Und weil man zu diesen Zeiten so viel von Krieg, ansteckender Seuche und Theurung, mit denen Gott die Länder heimsucht, vernimmt, so haben die Herren Verleger dafür gehalten: es seie wohl gethan, wenn man andächtigen Seelen in solchen Jammerstunden Anleitung gebe, die Noth des Nächsten und ihre eigene Noth in Bitte, Gebet und Fürbitte vorzutragen. Und da uns der getreue Gott in unserem deutschen Vaterlande den edlen Frieden geschenkt hat, so habe ich auch zu diesen Freudenfesten eine Andacht hinzufügen wollen. Eben um dieser Ursache willen ist diese Auflage auch mit Festandachten vermehrt worden, damit in solchen Tagen der müde Geist in Gott erfreut, irdisch gesinnte Menschen aber erinnert werden mögen, wie Festtage keine Spizier, Lauf, Sauf, Spiel- und Tanz- Tage sein sollen. Es scheint, die bösen Gewohnheiten bleiben ein sündliches Erbgut, welches eine Zeit der andern überliefert, so daß man mit Nicolaus von Elemangis noch dieselbe Klage führen muß, daß an keinem Tage mehr Sünden getrieben werden, als an Sonn- und Festtagen. Du aber, o dreieiniger GOtt! wirke in allen Betenden eine herzliche und inbrünstige Andacht. Lasse die Gefunden in den Tagen, in denen du sie mit Wohlergehen begnadiget, in deiner Erkenntniß und Liebe zunehmen, und sich Schäße sammeln, damit sie sich in Noth und Tod aufrichten können. Erfreue dic Betrübten in ihren Jammer- Stunden, versichere sie deiner Allmacht, Weisheit und Treue. Ueberzeuge die Kranken von deiner ewigen Liebe, und lasse die Sterbenden nach dem Vorbilde JEsu sich dem Willen des Vaters übergeben. Umfasse, treuer Vater! alle Betenden mit deiner Gnade. Vorrede. Schließe fie, o JEsu! in deine Wunden ein, und laffe, o Geist der Gnade und des Gebets! sie deiner Gemeinschaft im Leben, Leiden und Sterben beständig genießen. Amen. 8 shinese stoo Seele. Du weidest mich auf einer grünen Auen und führest mich zum frischen Waffer. Ps. 22, 2. Röm. 2, 4. 1. Theil. Jesus. Weißt du nicht, daß dich GOttes Güte zur Buße leitet. Bist du gesund an Leib und fröhlich von Gemüthe, So fuch' der Seelen Heil und preise GOttes Güte. Erster Theil. Aufmunterungen, Gebete und Gesänge für Gesunde. Vor- Sabbath. -- Der glaubige Christ bereitet sich zum Gottesdienst vor. Aufmunterung. Eins bitt ich vom HErrn, das hätte ich gern, daß ich im Hause des HErrn bleiben möge mein Lebenlang, zu schauen die schönen Gottesdienste des HErrn; und seinen Tempel zu besuchen. Ps. 27, v. 4. Es hat der weise GOttt sogleich nach dem Sündenfall dem ersten Menschen Adam die Opfer angewiesen, welche seine Kinder Cain und Abel von ihm wiederum empfangen, indem von dieser Beiden Opfer im 1. B. Mose 4, v. 3. 4. ausdrückliche Meldung geschiehet. Diese Opfer geschahen nicht stillschweigend, sondern dabei bekannten sie ihre Sünden, baten GOtt um Vergebung derselben, bezeugten ihren Glauben an den künftigen Messiam, JEsum Christum, der auch würde sein Blut für die Menschen vergießen, wie das Opfer- Thier. Ja, sie lobten bei solchen Opfern GOtt für die empfangenen Wohlthaten, und predigten auch von dem Namen des HErrn. Hiezu war der siebente Tag bestimmt, als welchen GOtt selbst zur Ruhe ge1* Der glaubige Christ bereitet stch heiliget hatte, da er in sechs Tagen die Welt erschaffen, und am siebenten ruhete. Diese Art des Gottesdienstes ist immer von den Erz- Vätern beibehalten worden, bis GOtt in der Wüste die Hütte des Stifts aufrichten ließ, nach deren Bild Salomo hernach den Tempel bauete. Im neuen Testament feiern die Christen GOtt dem HErrn auch einen Tag, nämlich den Sonntag, als an welchem Tag Christus ist auferstanden, und der heilige Geist ausgegossen worden; wenn nun folcher Tag herbeikommt, so soll ein glaubiger Chrift: 1) des Sonnabends in Zeiten Feierabend, sein Gemüth von irdischen Sachen frei machen und seine Arbeit niederlegen. Er soll: 2) sich auf den bevorstehenden Sonntag bereiten mit Beten, und GOtt loben für die vielen Wohlthaten, welche er die Woche über empfangen. Er soll: 3) dasjenige Evangelium oder Epistel, welche man des Sonntags erkläret, in der Bibel aufschlagen, und darüber eine Betrachtung anstellen, und sich also zu andächtiger Anhörung des göttlichen Worts bereiten. Er soll: 4) in Zeiten sich mit solchen guten Gedanken zur Ruhe legen, damit er am Sontage desto früher und munterer bei dem Gottesdienst erscheinen könne. Gebet. 4 Gnädiger und barmherziger GOtt! ich komme an diesem Tage vor dein heiliges Angesicht mit Loben u. Danken, daß du mich die vergangenen sechs Tage so gnädiglich erhaltenu. die Arbeit meiner Hände so reichlich gesegnet hast. Du hast meinen Eingang u Ausgang bewahret, auf meinen Wegen mich behütet u. mir an Leib und Seele viel zum Gottesdienst vor. 5 Gutes erwiesen, dafür lobe u.preise ich dich von Grund meines Herzens. Geht nun weg, ihrirdischen Geschäfte! weichet von mir, ihr Sorgen! jetzt baue ich in meinem Herzen GOtteinen Tempel auf, es soll ein Bethaus werden, darin ich meinem GOtt allein dienenwill. Ich vergesse, was dahinten ist; ich lege meine Arbeits- Lasten u. Handthierungen nieder, und richte meinen Sinn allein zum Himmel, zu GOtt, um mich in ihm zu erfreuen. Oder unaussprechlichen Liebe des großen GOttes! welche den Menschen einen Ruhetag von aller ihrer Arbeit bestimmt hat; diese Ruhe ist ein Andenken der Ruhe im Paradiese: wo wir ohne mühſame Arbeit allezeit GOtt zu dienen u. zu loben wären beschäftiget gewesen. Diese Ruheist ein Bild der künftigen Himmels- Ruhe; denn es ist den Kindern GOttes noch eine vollkommene Ruhe vorhanden und verheißen, welche in dem ewigen Leben anfangen wird, da werden sie von aller Arbeit, von Leiden und Schmerzen und von Sünden befreiet sein. Ach gnädiger GOtt! laß mich den bevorstehenden Sonntag in deiner Furcht und in deiner Gnade hinbringen; bewahre mich vor bösen Gesellschaften, daß nicht etwa der Satan durch seine Werkzeuge mich möge von dem Gottesdienst abhalten, 6 Der glaubige Christ bereitet sich und hilf, daß ich seinen Lockungen nicht folgenmöge. Behüte mich, daß ich den heiligen Tag, den du zu meiner Erbauung im Christenthum, zu deinemLobeund Dienst verordnet hast, nichtmöge in Müßiggang, Faulheit, Ueppigkeit, Luſtbarkeit und Sünden hinbringen, u. dadurch meiner Seele den größtenSchadenzufügen: sondern gib mir deinen heiligen Geist, daß ich den ganzen Tag, vom Morgen bis auf den Abend, dir aufopfere und zu deinem Dienstanwende. Wecke mich frühe auf, daß ich mit dem ersten zum Lob, zum Gebet und zum Gesang bei dem Gottesdienst erscheinen möge. Erhalte mein Herz in steter Andacht, damit keine irdischen Sorgen in dasselbe einschleichen, und so sich ja einige melden, daß ich sie durch deine Kraft vertreibe; oder so der Satan mir einen bösen Nachbar schicken wollte, der ein irdisch Geschwäß in deinem Hause anfangen wollte, so verleihe mir Stärke, daß ich ihm kein Gehör geben, sondern mit einer Aufmerksamkeit, ihm zu deinem Dienst erwecken und aufmuntern möge. Wenn dein Wort gepredigt wird, so öffne mir das Herz, daß ich darauf achten, solches in mein Herz fassen und als einen theuren Schatz darin verwahren möge. Hilf, daß ich an dieſem Sonntag auch in meinem Christenthum zum Gottesdienst vor. mich erbaute, in der Erkenntniß der Wahrheit zunehme, damit das gepredigte und gehörte Wort mich ändere, heilige, bekehre und zu einem neuen Menschen mache, auf daß ich, wie an Jahren, so auch an dem inwendigen Menschen: an Glauben und Frömmigkeit wachsen, u. eine neue Kreatur, ja, ein lebendiges Glied an dem Leibe meines JEsu werden möge. Laß mich mit Andacht den Gottesdienst endigen, das Gelernte behutsamlich bewahren und den Tag mit Gebet und Lobgesängenschließen. Ach! laß mich allezeit des angehörten Worts eingedenk verbleiben, daß ich nach demselben wandeln, reden, leben und thun, und also beweisen möge, daß ich kein vergeßlicher Hörer, sondern ein Thäter des Worts sei. Šo laß mich einen Sonntag und Sabbath nach dem andern feiern, bis du mich in die ewige Himmelsfreude zu dem ewigen Sabbath durch JEſum, meinen einigen Erlöser und Seligmacher, einführen wirst. 7 Ich will in GOttes Haus Mit GOttes Kindern gehen: Ich will in meinem Schmuck Vor seinem Altar stehen; Mein Herz soll höchst vergnügt In seinem Willen ruhn. Der Leib soll nichts als Noth- und Liebeswerke thun. Komm heute in mein Herz, Du König aller Frommen! Laß mit dir Segen, Heil und Seelen- Frieden kommen; Die Sonne deiner Gnad kehr heute 8 Der glaubige Christ bereitet stch 2c. bei mir ein, So wird mir dieser Tag ein rech ter Sonntag sein. Amen. Gesang. Mel. O GOtt, du frommer GOtt 2c. 1. Wie lieblich ist dein Wort, Es bringt mir lauter Freude, Es ist mein größter Troft Und meiner Seelen Waide, Es ist mein liebster Schaß, Den ich auf Erden hab, Der mich erquicken soll, Bis man mich trägt ins Grab. 2. Es ist dein Wort mein Licht, Das mir den Weg recht zeiget, Und mich bestraft, wenn sich Mein Fuß zum Irrweg neiget, Ich glaub an dieses Wort, Und lebt nach diesem Wort, So bringt mich dieses Licht Auch an den Freudenort. 3. Es ist mein Honigseim, Womit ich mich erlabe, wenn ich viel Bitterkeit in meinem Herzen habe. Wie süß ist's meiner Seel, Wenn sie in Trübsal steckt, Wenn ihr des Trostes Quell Im Wort wird aufgedeckt. 4. Es ist dein Wort mein Schaß, Groß über alle Schäße, Darnach ich mich allein In Noth und Tod ergöße, Den Schaß raubt mir kein Feind, Und keiner Feinde List, Weil er gar wohl verwahrt In meinem Herzen ist. 5. Pflegt Gold und Silber gleich Ein Eitler zu erwählen. Viel lieber ist dein Wort Der gottgelaff'nen Seelen: Wenn man dein Wort und Gold ihr stellet vors Gericht, So greift sie nach dem Wort, Und acht desGoldes nicht. 6. Rathsleute suchen die So da im Zweifel stehen, Dieselben sind dein Wort, Dahin ich pfleg zu gehen; Frag ich, was thu ich jetzt, Gehts übel oder wohl? So zeiget mir dein Wort, Was ich erwählen soll. 7. Nach diesem Lebenswort Will ich nun einhergehen, Es soll mein Leitstern sein; Sieh darnach will ich sehen; Wozu es mich anweist, Das thu ich ungescheut, Und meid mit allem Fleiß Das, was er mir verbeut. 8. Ach! nimm doch nicht hinweg Das Wort von meinem Munde, Ach! laß es sein mein Trost Bis in die Todesstunde; Wenn sich mein Mund zuschleußt, Nimmt keine Speis' mehr ein, So laß dein liebes Wort Der Seelen Speise sein. 9. So hab ich Unterricht, Dieweil ich werde leben, Ich hab' auch Trost, wenn ich Soll meinen Geist auf geben; Und was dein Wort verspricht In dieser Gnadenzeit, Sieh das erlang ich dort In jener Herrlichkeit. 9 Morgen- Gebet am Sonntag. HErr, höre meine Worte, merke auf meine Rede, vernimm mein Schreien, mein König und mein GOtt! denn ich will vor dir beten. Psalm 5, v. 2. 3. Unser ganzes Leben soll nichts anders als Beten und Danken sein: nämlich, daß wir alle Tage GOtt in unserm Gebet anrufen um seinen Segen, Hülfe, Beistand und Gnade, und wenn wir solches erlangen, daß wir ihm herzlich dafür danken. Darum, gläubiger Christ! wenn du des Morgens erwachest von deinem Schlaf, so hebe vor allen Dingen und zuerst deine Augen auf gen Himmel, denke nicht gleich an deine Geschäfte und Arbeit, laufe nicht gleich hin, etwas zu erjagen, sondern falle erst nieder auf deine Knie, danke GOtt und empfehle dich seinem gnädigen Schuß. Denke nicht, du versäumeft zu viel, wenn du solltest eine halbe Stunde des Morgens zum Gebet mit Lesung eines Kapitels aus der Bibel, oder aus andern geistlichen Büchern anwenden. O nein! die aufs Gebet verwendete Zeit wird dir mit tauſendfachem Segen in deiner Arbeit wieder eingebracht werden, und das Gelesene wird dir den ganzen Tag ein Honigseim in deinem Munde sein. Darum, wenn du erwachest und des Morgens gesund aufstehest, so gedenke: 1) wie viele fromme Christen, welche vielleicht frömmer sind, als du, haben die vergangene Nacht in Angst und Wehe, in Schmerzen und Krankheiten, in Schrecken und großer Unruhe hingebracht, du aber haft dergleichen diesesmal nicht empfunden. Gedenke: 2) wie Andere in der Nacht in Unglück, Schaden, Gefahr und Trübsal gerathen sino, bir aber fehlet nichts, und dafür danke GOtt. Bitte: 3) auch GOtt mit dem anbrechenden Tage, er wolle dich den Tag 10 Morger- Gebet am Sonntag. über in seiner Gnade erhalten, daß du an denselben dich weder an ihm noch an deinem Nächsten verständigen mögest. Bitte: 4) GOtt, er wolle den Tag über dich begleiten, bewahren und in deinen Geschäften und Berufs- Wegen segnen. Ja, ergieb dich: 5) GOtt also, daß du den ganzen Tag in deiner Liebe stehen, von ihm reden, an ihn gedenken und mit Wissen und Willen ihn nicht beleidigen mögest, und alsdann zweifle nicht, der HErr wird dein Seufzen und Gebet in Gnaden erhören und den Tag über dir dasjenige geben und verleihen, was dir an Leib und Seele wird nüßlich und selig sein. Gebet. Err! frühe wollest du meine Stimme hören, frühe will ich mich zu dir schicken und darauf merken. Allmächtiger, gnädiger GOtt! du bist würdig zu nehmen Preis, Ruhm u. Ehre, wer sollte dich nicht fürchten? du König der Heiden; wer sollte dich nicht ehren? Oliebreicher Vater! ich komme in dieser Frühstunde zu dir mit demüthigem Dank, daß du diese Nacht eine Wagenburg um mich u. die Meinigen geschlagenu.deine Güte und Treue wiederum an mir neu hast lassen werden. Begleite u. beschüßze mich auch heute auf allenmeinen Wegen. Laß diesen Tag besonders einen Erbauungs- u. Erquickungs- Tag für meine Seele sein. Du hast mich deiner erbarmenden Liebe diesen Tag von leiblicher Arbeit frei gemacht, daß Morgen- Gebet am Sonntag. du dein Werk in mir haben mögest. Odarum erleuchte, heilige u. lehre meine Seele, daß ich Schäße möge sammeln, welche mich in Noth u. Tod, in Kreuz u. Leiden erquicken können, welche weder Motten, noch Rost fressen, da die Diebe nicht nachgraben noch stehlen. Ich freue mich deß, das mir verheiBen ist, daß wir werden hinaufin das Haus des HErrn gehen, und meine Füße stehen sollen in den Thoren Jerusalems. Eins bitte ich vom Herrn, das hätte ich gern, daß ich im Hause des HErrn bleiben möge mein Lebenlang, zu schauen die schönen Gottesdienste, u. seinen Tempel zu besuchen. Mein GOtt! das soll heute meine Lust sein, dein Wort zu hören, in dir mich zu erbauen, dir zu Ehren Lob- u. Vanklieder anzustimmen, eifrig zu beten, u. mein Herz dir zuschenken. Wie lieblich sind deine Wohnungen, HErr Zebaoth. Meine Seele freuet sich in dem lebendigen GOtt; laß mich aber kein vergeßlicher Hörer sein, sondern ein Thäter des Worts werden. Deffne mir das Herz wie der Lydia, daß ich den Samen des Worts mit Freuden aufnehme; schließ hernach mein Herz zu, daß mir ihn der Satan nicht wiederumraube. Laß mich heute in meinem Christenthum, in der Erkenntniß JEsu Christi, Glauben, Liebe, in der Verläugnung meiner 11 Morgen- Gebet am Sonntag. ſelbst, Absterben der Welt, einen festen Grund legen, auf daß ich die künftige ganze Woche daran gedenke, es ausübe, und gute Früchte bringe. Bewahre mich vor Verführungen, daß wenn der Satan seine Werkzeuge an mich schicket, ich nicht meine dir geheiligten Stunden der Welt überlasse, oder ihrer sündlichen Gesellschaft die Zeit, die ich dir zu Ehren hinbringen soll, aufopfere, und eben damit einen schweren Fluch auf mich lade, welcher mich die ganze Woche über noch drücken könnte. Ach! laß meinen öffentlichen und häuslichen Gottesdienst, mein Beten, Hören, Lesen und Singen dir gefallen. Sei du selbst, o JEsu, mein Lehrer, daß ich zunehme an dem inwendigen Menschen, ja wohne du durch den Glauben in mir, bis ich droben mit dir unzertrennlich vereiniget werde. 12 Heiliger Geist, du Himmelslehrer, Mächtiger Tröster und Bekehrer! Ach! laß meines Herzens Schrein Ewig deine Wohnung sein. Amen. Gesang. Mel. Wach' auf, mein Herz und singe. 1. Die Nacht ist nun vergangen, Drum will ich gleich anfangen Mit Singen und mit Beten Vor GOttes Thron zu treten. 2. Gleich wie die Mütter pflegen, DieKinder sanft zu legen. Nach ihnen oft zu sehen Und um ihr Bett zu stehen. 3. So hat auch GOttes Lieben Das Unglück weggetrieben, Ich hab' in Schuß und Segen In seinem Schooß gelegen. Der glaubige Christ bringt 2c. 13 4. Mein Herze und Gemüthe Erkennt die große Güte, die es hat alle Stunden In dieser Nacht empfunden. 5. Laßt uns den Höchsten preisen, Laßt uns dem Dank erweisen, Der Junge mit den Alten In seinem Schuß erhalten. 6. Laßt uns den Tag hinbringen Mit Loben, Beten, Singen, In Glaub und Liebe stehen, und keine Sünd begehen. 7. Erheben sich die Glieder, O GOtt! so kommt auch wieder Die Unruh, Kreuz undSorgen, Schon an dem frühen Morgen. 8. Ach! hilf mir alles tragen, Wend ab des Kreuzes Plagen Und laß nach Angst und Weinen Die Freudensonne scheinen. 9. Leit mich auf guten Wegen, Und gib mir deinen Segen, Auf daß ich, wo ich gehe, Dich stets vor Augen sehe. 10. Du wollst mein Herz regieren, mit GOttesfurcht auszieren, Daß ich mich dir ergebe, Und dir zu Ehren lebe. 11. Ach Gott! erhör mein Flehen, Und laß die Bitt geschehen, So will ich deinen Namen VonHerzen preisen, Amen. Der glaubige Christ bringet den Sonntag andächtig hin. Aufmunterung. Wie lieblich sind deine Wohnungen, HErr Zebaoth; meine Seele verlanget und sehnet sich nach den Vorhöfen des HErrn; mein Leib und Seele freuen sich in dem lebendigen GOtt. Psalm 84, v. 2. 3. Unter andern herrlichen Wohlthaten, welche GOtt dem Menschen erwiesen, ist auch diese, daß er ihm einen Ruhe- Tag in der Woche bestimmt, an welchem er von aller Arbeit, Last und Bemühungen soll befreit sein, ja GOtt hat auf diesen Tag auch einen besonderen Segen gelegt, welches Segens die werden theilhaftig werden, die ihn andächtig hinbringen. Ist dieses nun eine Wohlthat, so soll ein wahrer Christ sich hüten: 1) daß er diesen Tag nicht mit Faulheit und Müßiggang zurücklege, denn so feiern Pferde und Ochsen und andere Lastthiere den Sonntag. Er soll sich hüten: 2) daß er diesen Tag nicht anwende zu Freffen, Saufen, Ueppigkeit; denn was alle Tage Sünde ist, das 14 Der glaubige Christ bringt ist des Sonntags doppelte Sünde. Er soll sich hüten: 3) daß er nicht den Sonntag mit Arbeit entheilige, mit irdischen Geschäften, als Spazierenfahren, Schulden eintreiben, Rechnungen durchgehen, Arbeitsleute bestellen; denn alle dergleichen Bemühungen zerstreuen das Gemüth. Hiezu ist zu rechnen; wenn man des Sonntags gerne Gastereien anstellet, zu Gaste gehet, oder spielet, tanzet, luſtige Gesellschaft besuchet: dieses alles verhindert die Seele an ihrer Erbauung, an der Ruhe in Gott, an dem Wachsthum im Christenthum, und ist ganz wider den Entzweck des Sabbaths und die solches thun, sind noch keine rechten Kinder GOttes, sondern Maul- Christen, welchen, wie sie sagen, kein Tag so lang wird, als der Sonntag. Ein wahrer Christ weiß diesen Tag besser anzuwenden, nehmlich zur Ehre GOttes und zu seiner Seelen Besten. 1) Zur Ehre GOttes im Beten, Loben, Singen, Betrachtung der Liebe und Wohlthaten Gottes, die er die Woche über und ganze Zeit seines Lebens empfangen hat. 2) Zu seiner Seelen Besten, daß er diesen Tag widme zur Anhörung göttlichen Worts damit er in der Erkenntniß GOttes und in seinemt Christenthum zunehmen möge. 3) Dieses alles aber soll er thun, nicht etwa eine oder eine halbe Stunde, sondern den ganzen Tag: denn das dritte Gebot redet von dem ganzen und nicht von dem halben Tag. Ach gewiß! an der andächtigen Feier des Sonntags liegt viel, daran hängt ein großer Segen. Wer weiß, warum viele Menschen der Fluch und Unsegen drücket. Die Alten haben geſagt: Wie man gehöret Gottes Wort, so gehet auch die Nahrung fort. 4) Hat man GOttes Wort gehöret, so behalte man es in einem fei den Sonntag andächtig hin. 15 nen guten Herzen, man lebe darnach, und bringe die Lebensregel alsdann in Uebung, und sammle sich dabei einen Vorrath an Trostlehren und Machtsprüchen, denen man sich in Noth und Tod bedienen könne. Gebet. Dieß ist der Tag, den der HErr gemacht hat! lasset uns freuen und fröhlich darin sein. Heute ist des Herrn Tag, und der mir von GOtt geschenkte Ruhe- Tag, deßhalben will ich ihn zu Gottes Ehren mit Danken und Beten hinbringen. Ich danke dir, o GOtt! für die vielfältigen Gaben, die du an diesem Tag mir ertheilet hast. Auf einen Sonntag ist JEsus, mein Heiland aus dem Grabe auferstanden, und der heilige Geist über die Apostel ausgegossen worden. Darum erinnere ich mich an diesem Tage billig meiner Erlösung, die durch JEsum Christum geschehen ist, und der Mittheilung des heiligen Geistes, welcher in der heiligen Taufe reichlich über mich ist ausgegossen worden. Ich danke dir für dein heiliges reines Wort, so du an diesem Tage läsfest predigen zum Untericht und zur Erbauung meiner Seele. Ich danke dir für alle leibliche und geistliche Wohlthaten, die ich Zeit meines Lebens von deiner Vaterhand empfangen habe, daß du 16 Der glaubige Christ bringt mich von Jugend auf geleitet, geführet, erhalten und mir sehr viel Gutes an Leib und Seele gethan hast. O wer kann doch deine Wohlthaten alle nennen, die da unzählig sind! Nicht allein aber soll dieser Tag mein Danktag, sondern auch mein Bet- Tag sein. Ich bitte dich, mein GOtt und Vater! laß mich diesen Tag in deiner Furcht hinbringen; behüte mich vor Verführungen, eitlen Gedanken, bösen Gesellschaften. Ach! daß alle meine Adern Zungen und meine Blutstropfen Stimmen wären, dich, o dreieiniger GOtt, Vater, Sohn und heiliger Geisſt! zu loben und zu preisen. Ach, daß keine Stunde vergienge, in welcher ich nicht dein Lob ausbreitete! Versiegle in meinem Herzen das gehörte Wort, daß ich daran fleiBig gedenke, und darnach mein Leben und Wandel einrichte. Und da ich nun eine Woche älter geworden bin, ſo gieb, daß ich in deiner Erkenntniß, Liebe und Frömmigkeit zunehmen und an dem inwendigen Menschen wachsen möge. Ich bitte dich, gieb mir deinen heiligen Geist, der mich die künftige Woche und die ganze Zeit meines Lebens daran erinnere, mich regiere, leite und führe. Gieb deinen Segen zu meinen Arbeiten und Verrich den Sonntag and ächtig hin. tungen, und laß mich in deiner Gnade meine übrigen Tage und Jahre ferner erleben, bis ich endlich werde dahin gelangen, da ich mit Danken und Beten einen ewigen Sabbath im Himmel feiern werde. Heut ist des HErren Ruhetag, Vergesset aller Sorg und Plag, Verhindert euch mit Arbeit nicht, Kommt vor des Höchsten Angesicht. Hallelujah! Gesang. Mel. Allein GOtt in der Höh' sei Ehr' 2c. 1. Der Sonntag ist des Herren Tag, Den läßt uns GOtt erleben, Damit ein Jeder ruhen mag, Dazu ist er gegeben; Ach! bringet doch denselben hin, Daß Seele, Herz, Gemüth und Sinn Gen Himmel sich erheben. d 2. Den Tag hat GOtt zur Ruh und Rast Und ſeinem Dienst geweihet, Und ihn von aller Arbeits- Last Aus großer Gnad befreiet; Hier soll von allem seinem Thun Der Herr und das Gesinde ruhn, Und sich in GOtt erbauen. 17 3. Verflucht ist, der ein Werk vornimmt, Das GOtt nicht selbst erlaubet, Und diese Zeit die GOtt bestimmt, Durch Arbeit ihme raubet. Wer Wollust, Wucher, Sünden sucht, Der ist u. bleibt von GOtt verflucht, Und wird ohn' Segen bleiben. 4. Dieß aber soll man eifrig thun, Man soll den Tag hinbringen, Weil unsre Seel in GOtt soll ruhn, Mit Leſen, Beten, Singen; Man höre fleißig GOttes Wort, An den von ihm bestimmten Ort, Und diene GOtt von Herzen. 5. Am meisten denk an GOttes Macht, Wenn sich dein Aug umschauet, Wie er die Schöpfung hat vollbracht, Da er die Welt gebauet, Mit Wolken sie schön eingehüllt, Mit reichen Gaben angefüllt Zum Nuß und Freud der Menschen. 6. Betrachte, wie auch Jesus Christ an diesem Tag erstanden und aus dem Grab gegangen ist, Nachdem die Todesbanden Darinnen waren abgelegt. Wohl dem, der glaubig das erwägt Und Jesum dafür preiset.( bun 7. Der heilige Geist ist fichtbarlich Am Sonntag ausgegoffen, O Reichthum! welcher gnädiglich Auf uns auch tommt geflossen. Denn dieses Geistes Kraft und Licht Verfaget uns der Höchste nicht, Zum Glauben uns zu bringen. 2 18 Der glaubige Christ erwäget 8. An diesem Tage sollst auch du Dich deiner Tauf erfreuen, Und in der stillen Seelenruh Den Bund mit GOtt erneuern, Und denk daran die ganze Woch; Ja auch so lang du lebest noch, Erfreu dich deiner Taufe. 9. Hiebei erwäge allezeit, Was GOtt dir hat gegeben, Wie er nach seiner Gütigkeit Erhält annoch dein Leben, Wie er dich schüßet und ernährt, Wie dich sein heilig Wort noch lehrt, Und zu dem Himmel führet. 10. Du sollst in deinem Christenthum An diesem Tag zunehmen, Und dich zu seines Gottes Ruhm, Der Frömmigkeit nicht schämen; Du sollst in GOttes Tempel stehen, Wenn andere der Sünd nachgehen und sein Wort fleißig lesen.. 11. Dem Wort gieb in dem Herzen Plaß, Und zeig es in den Früchten! Und sammle in dir einen Schaß, Der dich einst kann aufrichten, In Traurigkeit, in Angst und Noth, In Krankheit, Trübsal und im Tod, Ja, auf dem Sterbe- Bette. 12. So wird dir Gott auch gnädig sein, Es stellet fich der Segen, Ach! glaub es, bei dir reichlich ein, Auf allen deinen Wegen, Und so wirst du beglücket stehen, Und als ein GOttes- Kind eingehen Zur wahren Sabbaths- Ruhe. Der glaubige Christ erwäget den dreifachen Sabbath. Aufmunterung. Es ist noch eine Ruhe vorhanden dem Volk GOttes. So lasset uns nun Fleiß thun einzugehen zu dieser Ruhe, daß uns keiner dahinten bleibe. Hebr. 4 v. 9 11. Wenn ein wahrer Christ den Sonntag GOtt wohlgefällig hinbringen will, so hat er sich dabei zu erinnern, daß ein dreifacher Sabbath zu feiern ist. 1) Ein wöchentlicher Sabbath, wenn er den Sonntag anwendet zur Betrachtung der Wohlthaten, so er von GOtt empfangen. Er muß aber: 2) auch feiern einen täglichen oder geistlichen Sabbath, welcher nicht darin bestehet, daß man gar die Arbeit unterlassen und immerdar müßig gehen solle; sondern unter dem täglichen Sabbath wird verstanden, den dreifachen Sabbath. 19 wenn der Mensch feiert von Sünden; das heißt: wie er des Sonntags feiert von der Hand- Arbeit, so feiert er alle Tage von Ueppigkeit und Bosheit. Er hütet sich, daß er nichts Böses rede wider Gott und den Nächsten, daß er nichts Böses thue, entweder allein oder in Gesellschaft anderer Leute, daß er sich auch durch Andere nicht lasse verführen, sondern seine Seele von der Welt unbefleckt halte. Wie er nun dieses meidet, so befleißiget er sich unter seiner Arbeit, öfters an GOtt zu denken, zu GOtt zu seufzen, und ihn um seines heiligen Geistes Regierung und Beistand anzuflehen; und siehe, das ist der geiſtliche und tägliche Sabbath, den ein Kind GOttes stets feiern soll. Wer nun hat den wöchentlichen andächtig und diesen täglichen Sabbath eifrig gefeiert, der kann versichert sein, er werde: 3) auch den ewigen Sabbath im ewigen Leben feiern, welcher darin besteht, daß die glaubigen und auserwählten Kinder GOttes werden von aller leiblichen Arbeit, von allem Kreuz und Trübsal, von aller Sünde befreiet, GOtt schauen von Angesicht zu Angesicht, immer mit ihm umgehen, ihn loben und ihm ohne Aufhören dienen. O ein heiliger und herrlicher Sabbath, der niemals wird gestört werden; dahin werden nur die gelangen, welche hier im Glauben und in der Liebe JEsu verharren bis in den Tod. Imp Tein Gebet. toll Heiliger und barmherziger GOtt! da ich nun heute den Sabbath u. Ruhetag begehe, daran ich nach deiner heiligen Verordnung von aller meiner Wochenarbeit befreit bin, damit ich mich aus deinem Wort erbauen 2* 20 Der glaubige Christ erwäget und in dir erfreuen könne; ach! so verleihe mir deinen heiligen Geist, daß ich in wahrer Andacht mit Anhörung, Lesung u. Betrachtung deines heiligen göttlichen Worts ihn hinbringen, hingegen aber alle sündlichen Berstreuungen, Uleppigkeiten, böse Geſellschaftenu. Sünden meiden möge. Auch erinnere ich mich bei diesem wöchentlichen Sabbath des täglichen geistlichen Sabbaths, darin ich von Sünden ruhen u. ablassen, und dir meinen Leib und Seele, wie auch mein ganzes Leben heiligen soll. Nun, mein GOtt! das sollhinfort durch deineGnade meine tägliche Arbeit sein, daß ich thue deinen, nicht meinen Willen, daß ich die bösen Lüste und Gedanken durch deine Kraft vertreibe, damit du allein in mir ruhen, mich mehr und mehr erleuchten und heiligen mögeſt. Ach GOtt! gieb, daß dieser geistliche u. tägliche Sabbath meines Herzens niemals mögeverstöret werden. Bete du in meinem Herzen! finge in meinem Herzen! lehre in meinem Herzen! so ist mein Herz dein geheiligter Tempel. Wenn ich dann nun nach deinem Rath meine Lebenstage und zugleich auch diesen geistlichen Sabbath werde geendet haben, so führe mich, o GOtt! einzudem himmlischen ewigen Sabbath, da wir werden in ewiger Ruhe und in der seligen himmliſchen den dreifachen Sabbath. Freude dich preisen in dem Tempel der Herrlichkeit; dawerde ich das Heilig, Heilig, Heilig mit allen Engeln und Cherubinen anstimmen. Ach, mein GOtt! laß mich dereinsten zu solcher Seligkeit gelangen! Da wird sein das Freudenleben, Da viel tausend Seelen schon Sind mit Himmelsglanz umgeben, Stehen da vor GOttes Thron; Da die Seraphinen prangen Und das hohe Lied anfangen, Heilig, Heilig, Heilig heißt GOtt der Vater, Sohn und Geist. Amen. Gefang. Mel. O GOtt, du frommer GOtt. 21 1. Es bricht der Sabbath an, Der Tag, den fromme Seelen, Um mit GOtt umzugeh'n, Zu ihrer Ruh erwählen; Der Tag der heilig ist, Den GOtt hat selbst gemacht, Der wird von ihnen auch Erbaulich hingebracht. 2. An diesem pflegen sie, Ganz früh vor GOtt zu treten, Sie bringen ihn auch hin Mit Lesen, Singen, Beten; Ihr Herz ist von der Erd Allein zu GOtt gericht't, Es freuet sich in ihm und seinem Gnadenlicht. 3. Ein Sabbath wird darauf, Wenn dieser nun vergangen, Als welcher geistlich heißt, Von ihnen angefangen, Da sie von Sünd und Schand Und von der Bosheit ruh'n, Und das mit allem Fleiß, Was Gott befiehlet, thun. 4. Der Sabbath hört nicht auf, Er dau'rt durchs ganze Leben, Indem sie alle Stund Ihr Herz zu GOtt erheben; Der Herzens Harfe spielt, Die Zunge lobet GOtt, Und dieser Sabbath währt Sogar bis in den Tod. 5. Der Sabbath wird Nach diesem erst Dort in der Seligkeit, Wo selbst die Frommen stehen In großem Glanz und Licht, Wie Sonnen angekleidet, Wo Ruhe, Fried und Freud' Sie labt in Ewigkeit. 6. Wohlan! wer einstens will Zu dieser Ruh gelangen, Der muß den Sabbath hier, Wie sichs gebührt, anfangen; Er sei und bleibe fromm, Und nehm im Glauben zu, So kommt er nach dem Tod Zur wahren Sabbathsruh. 22 Abend- Gebet am Sonntag. Err! bleibe bei mir, denn es will Abend werden, und der Tag hat sich geneiget. O du lebendiger, allmächtiger Gott! wie unbegreiflich sind deine Werke, wie unaussprechlich deine Güte, welche du den MenschenKindern erzeigest. Ich kann von Gnade und Wahrheit, von Liebe und Barmherzigkeit sagen, indem du den vergangenen Tag mir viel Gutes an Leib und Seel erwiesen hast; du hast meine Seele gespeiset mit dem Brod des Lebens, und mir aus der lebendigen Quelle zu trinken gegeben, dein Wort ist meinem Munde süßer gewesen, als Honig und Honigseim. Ach! laß dein Wort Zeit meines Lebens ein Licht auf meinen Wegen bleiben, daß ich darnach meinenGang richte, so werde ich nicht straucheln oder aus deiner Gnade fallen. Du bist auch mein Erretter, mein Beistand im Leiblichen gewesen, daß ichgesunddiesen Abend erreichthabe. Ich bin nicht werth aller Barmherzigkeit, die du an mir gethan hast. Wenn sich nun meine Glieder zur Ruhe legen, so tritt als mein Schuß mir zur Seite, habe Acht auf mich, und schließ mich in deinen Schuß ein! laß mich beständig ein Licht in dem HErrn sein, und keine Gemeinschaft haben mit den unfruchtbaren Abend- Gebet am Sonntag. 23 Werkender Finsterniß. Laß dein Wort, das ich gehört und gelernt, inskünftige in mir als einen heiligen Samen aufgehen, dessen Früchte man an meinem Leben, in der Frömmigkeit, Gottesfurcht, Absterben der Welt und einer heiligen Uebergabe an dich wahrnehmen möge. Seimein Schirm und Schatten wider die Hißeu. Anfechtung und wieder die feurigen Pfeile des Satans. Der HErr ist mein Licht u. mein Heil, vor wem sollte ich mich früchten? der HErr ist meines Lebens Kraft, vor wem sollte mir grauen? Wende Feuers- u. Wassersnoth und alles Unglück von mir u. den Meinigen ab, und laß alle Betrübte, Kranke und Sterbende deine reiche Gnade genießen; so soll morgen früh unſer Aller Mund deines Rühmens voll sein, und wir wollen erzählen, was du Gutes uns an Leib und Seele gethan hast. Vergieb mir, wenn ich nicht mit solchem Eifer dir heute gedienet, wie ich billig gesollt, und nimm deßwegendeine Gnadenicht von mir. Laßinder neuen Woche alles neue an mir sein, schenke mir eine neue Liebe und Verlangen nach dir, einen neuen Trieb, dir zu dienenu.zu gehorchen. Laß mich die in der vorigen WochebegangenenSünden meiden und fliehen, damit Jedermann erkenne, daß ich den Sonntag nicht vergebens hingebracht habe. Hilf, daß 24 Abend- Gebet am Sonntag. ich fleißig erwäge, daß ich eine unsterbliche Seele habe, damit ich mehr um meine Seele, als um denLeib bekümmertsei. Ich sehe mich, mein GOtt! nach meiner Ruhestatt um, ich erinnere mich dabei an meine Grabstätte, darin ich ruhen werde, bis du mich an dem frohen jüngsten Tage zum ewigen Leben erwecken wirst. So gehe denn hin, mein Leib, in deine Kammer zur Ruhe; du aber, meine Seele, in die Wunden JEsu. Laß mich, Herr! von dir nicht wanten, In dir schlaf ich sanft und wohl; Gieb mir heilige Gedanken; Und bin ich gleich Schlafes voll, So laß doch den Geist in mir zu dir wachen für und für, Bis die Morgenröth angehet Und man von dem Bett aufstehet. Amen. Gesang. Mel. Wer nur den lieben GOtt läßt walten.. 1. Jch lege mich in JEsu Wunden, Wenn ich mich leg zu meiner Ruh; Ich bleib im Schlaf mit ihm verbunden, Er drücket mir die Augen zu; Ich fürchte nicht die finstere Nacht, Da JEsus um mein Bette wacht. 2. Ich will im Schlaf mit GOtt umgehen, Der kommt mir nie aus meinem Sinn, Mein Herz soll immer auf ihn sehen, Wenn ich nun eingeschlafen bin; Es soll mein Geist und Seel allein Mit meinem GOtt beschäftigt sein. 3. Im Schlafe soll die Seele wachen, Als welche Gottes nicht vergißt, Das kann den Schlaf mir süße machen, Weil sich mit Gott das Auge schließt, Ich bin mein Gott, weil du bei mir, Wenn ich erwach, auch noch bei dir. 4. Ach GOtt! wend alle Angst und Schmerzen In Gnaden diese Nacht von mir, Ach! wirke stets in meinem Herzen, Ich such die Hülf allein bei dir; Laß Unglück, Schrecken, Noth und Pein, O GOtt von uns entfernet ſein. Der glaubige Christ danket GOtt 2c. 25 5. Laß also mir und auch den Meinen, Und was mir sonsten zugehört, Dein Gnadenlicht des Nachts erscheinen, Daß alles bleibe ungestört, Daß, wenn ich wieder auf ersteh, Ich alles unverleßet seh. 6. Laß deinen Engel bei mir bleiben und immer um mein Bette steh'n, Zaß ihn das Unglück von mir treiben, Auf mich und alle Frommen seh'n, So schlaf ich sanft in Gottes Hut, Der auch im Schlaf mir Gutes thut. 7. Jch fürchte nicht des Satans Schrecken Noch seiner Rotten Macht und List, Weil Gott mich selbsten will bedecken, Und weil mein JEsus bei mir ist; Darf Satan mir kein Licht austhun, So muß er mich auch lassen ruh'n.. 8. Es geh'n zur Ruhe meine Glieder, Nachdem der Sonntag ist vollbracht, Mein Mund bricht aus in FreudenLieder Bei angebrochner finstrer Nacht; Ich steh mit JEsu wieder auf, Und vollführe meinen Lauf. 9. Ich will dir Seele, Leib und Leben, Sowohl des Tags als auch bei Nacht Hiemit, o treuer Gott! ergeben, Ach! hab du selbsten auf micht Acht, Ach! laß mich dir empfohlen sein; Denn du bist mein und ich bin dein. 10. So bleib ich dann in JEsu Wunden, Und schlafe in denselben ein. Auch in den letzten Todes- Stunden. Werd ich dann wohl verwahret sein; Darinnen will ich aufersteh'n, Und zu des Lammes Hochzeit geh'n. Der glaubige Christ danket GOtt nach angehörtem göttlichen Wort. Aufmunterung. Seid Thäter des Worts und nicht Hörer allein, damit ihr euch selbst nicht betrüget. Jaf. 1 v. 22. Wie alle göttlichen Wohlthaten von den Kindern dieser Welt mißbraucht werden, so auch die Anhörung des göttlichen Worts, und sind hierin von den wahrenKindernGOttes weit unterschieden. 1) Welttinder bilden sich ein, der Sonntag sei zu ihrer Ueppigkeit und Lustbarkeit verordnet, da sie von der Arbeit frei, ihrem Fleisch sollen Vergnügen machen, welches doch grundfalsch ist. 2) Weltkinder gehen, Der glaubige Christ danket GOtt wenn sie noch viel thun, gewohnheitsweise des Morgens zu dem Gottesdienst, Nachmittags aber zur Lust, auf die Jagd, zum Spiel, zum sündlichen Vergnügen, da sie einen Spaziergang vornehmen, und hernach, wo nicht berauscht, doch mit eitlen Gedanken, sündlichen Zerstreuungen und weltlichen Thorheiten nach Haus kommen. 3) Weltfinder achten das gepredigte Wort nicht; und wenn man sie Montags fragen sollte, was ihnen ihr Kirchgang genügt, was sie gehöret, was sie gelernt, so wissen sie nichts; der Teufel hat das Wort sogleich wieder von ihren Herzen genommen, auf daß sie nicht glauben und selig werden, Luc. 8, v. 12. 4) Und wenn sie ja noch etwas wissen, so bringen sie es doch nicht in Uebung. Wahre Kinder GOttes aber, wie sie den Sonntag mit GOtt und mit Gebet angefangen haben: 1) hören auch mit Andacht das Wort GOttes an: 2) das Gehörte wiederholen sie zu Hause, schreiben es auf, und freuen sich darüber, wie über einen großen Schaß: 3) sie denken die ganze Woche daran, und trachten es in Uebung zu bringen. Es hatte im alten Testament der Herr die Thiere zum Opfer erwählt, welche wiederkäueten. Und die Seelen sind ihm auch am liebsten, welche das gehörte und gelesene Wort wiederkäuen, erwägen, und aus demſelben immer neue Nahrung, Kraft und Saft saugen und sich also damit zum ewigen Leben erbauen. Gebet. 26 du gnadenreicher GOtt! wie kann ich dir genugsam danken, dich loben und preisen, daß du mich diesen Sonntag haft erleben Univ. Bibl. Giessen 27 nach angehörtem göttlichen Wort. lassen, an welchem ich dein heiliges Wortangehörtu. vernommen habe, wie ich soll recht glauben, fromm leben, und dereinstselig sterben. Du hast mich lassen kund werden, was dein gnädiger Wille an mir sei; du hast mich lassenlehren, was ich meidenu. was ich thun foll. Ach ja, du läsfest dich nicht unbezeugt, damit Niemand eine Entschuldigung habe. Du giebst uns dein heiliges Wort und deine heiligen Sakramente, damit wir sie als Gnadenmittel zu unſerem Heile gebrauchen ſollen; dein heiliger Geist will uns darin lehren, uns erleuchten, heiligen, stärken u. gründen. Ach, barmherziger GOtt; bewahre mich, daß ich kein vergeßlicher Hörer, sondern ein Thäter des Worts sei. Was hilft mir alles Hören, wenn ich nicht darnach thue? Darum, versiegle, o GOtt! selbsten in mir, was ich gehört u. gelesen habe, und mache es auch in mir lebendig, thätig und kräftig. Ach, du Thürhüter! schließ doch mein Herz sogleich zu, wenn das Wort des Lebens zu meiner Erbauung in dasselbige gegangen ist, damit es der Satan mir nicht ranbe, und ich leer wieder nach Hause gehen müsse. Gieb, daß ich mich spiegle an dem Erempel so vieler tausend Menschen, die zwar dein Wort, o GOtt, anhören, aber sich nicht bekehren und frömmer werden, noch die Bosheiten, Un Der glaubige Christ danket GOtt arten u. sündlichen Gewohnheiten ablegen, sondern vielmehr boshafter und frecher werdenund bleiben. Was hilft solchen ihr Kirchengehen, ihr Singen, ihr Hören, ihr Beten? Wird das Wort sie nicht desto mehr verdammen, da sie des HErrn Willen gehört, gewußt, und doch nicht darnach gethan haben? Ach, mein GOtt! laß mich diese Woche nun frömmer und gottseliger werden; gieb, daß ich das gehörte Wort täglich wiederhole, davon mit den Meinigen rede, darüber mich erfreue, und allezeit darnach thue. Habe ich aus deinem heiligen Wortvernommen, ich solle sanftmüthig, demüthig und barmherzig ſein; ach, so verleihemir Gnade, daß ich allezeit mich daran erinnere, und niemals in Zorn, Rachgier, Stolz und Unbarmherzigkeit verfalle, sondern meine Feindeliebe, mich selbst verläugne, u. den Armen u. Elenden Gutes thue. Habe ich gehört, ich soll gegen meine bösen Lüste und Gedanken streiten, mich verläugnen, den alten Menschen ablegen, hingegen den neuen anziehen; ich soll züchtig, gerecht und gottselig leben in dieser Welt: so gieb mir Kraftu. Stärke, daß ich mich daran täglich üben u. es vollbringen möge; ob es zwar gleich im Anfang in großer Schwachheit geschiehet, daß ich doch fortfahrein der Heiligung, und mich je mehr und 28 nach angehörtem göttlichen Wort. mehr reinige von aller Befleckung des Fleisches und des Geistes. Ach! laß mich mit deinem heiligen Wort umgehen, wie die Weltfinder mit ihren irdischen Schätzen; welche sie einschließen und wohl bewahren, ebenso gieb mir Kraft, daß ich die heiligen Wahrheiten, theuren Glaubens- Lehren, kräftigen Ermahnungen zur Heiligung des Lebens als einen lieben u. werthen Schaß in meinem Herzen bewahren, ja auch täglich vermehrenmöge, damit ich in allen schweren Fällen, in Kreuz, in Trübsal, in Krankheit, ja, in dem Sterben daraus einen Trostspruch nach dem andern hervorlangen könne. Ja, mein GOtt! laß mich täglich zunehmen an Alter, Weisheit, Frömmigkeit, Gottesfurcht, Erkenntniß deines Willens und Gnade bei dir und den Menschen. 670 GEETH GR.30 29 Höchster GOtt! wir danken dir, Daß du uns dein Wort gegeben; Gieb uns Gnade, daß auch wir Nach demselben heilig leben: Du wollst selbst den Glauben stärken, Daß er thätig sei in Werken. Höchster Gott, ach sei gepreist, Der du lehrst, was wir thun sollen, Schenk uns deinen guten Geist, Gieb uns auch ein eifriges Wollen! Laß es ferner wohlgelingen; Gieb zum Wollen das Vollbringen. Amen. 100 mt 1997 Momam ali tomoni Shout sidstolom it is ghalt a Girnt si olla Gull just 30 Der glaubige Christ danket GOtt 2c. Gesang. Mel, O GOtt, du frommer GOtt, 1. Wer GOttes Wort anhört, Der soll auch darnach leben, Und also seinem GOtt Sein Ohr und Herze geben; Viel Hören hilfet nichts, Wenn man doch gottlos bleibt, Und wenn man vor wie nach Die frechen Sünden treibt. 2. Hörest du aus Gottes Wort Die wahre Buße lehren, So thu auch wahre Buß' Fang an dich zu bekehren, Und werd' ein neuer Mensch; Ach! bleib' nicht, wer du bist, Ja, ändre dich bei Zeit, Und werd ein frommer Christ. 3. Hörst du, man solle sich Den Bösen nicht gleich stellen, So sollst du dich auch nicht zu ihrer Rott geſellen; Was böse Menschen thun, Das thue du doch nicht, Sei fromm, und wandle stets Vor GOttes Angesicht. 4. Hörst du, daß JEsus hat Ein Vorbild uns gelassen, Wie man recht wandeln soll, Und alle Sünden haffen, So folg' ihm doch auch nach; Bestreb dich immerdar, Daß du gesinnet bist, Wie JEsus Christus war. 5. Hörst du, es soll ein Christ Nicht nach dem Fleische leben, So lasse dieses Wort, Dir stets vor Augen schweben; Folg' deinem Herzen nicht, Und steh auf deiner Hut, Vollbringe nicht, wozu Dich treibt dein Fleisch und Blut. 6. Hörst du, man soll gerecht, Gottselig, züchtig wan deln, Und niemals wider GOtt Und sein Gewissen handeln! So folge dieser Stimm', Verlaß die Sündenbahn, Und fang durch GOttes Kraft Ein neues Leben an. 7. Hörst du, man solle stets Den Nächsten herzlich lieben, Und das, was dir gefällt, Mit Fleiß an ihm aus üben: So lieb' ihn wie dich selbst, Verfolg' und haß ihn nicht, Und so vollbring an ihm Die anbefohlene Pflicht. 8. Ja, was du Gutes hörst, Das von dir soll geschehen, Das muß auch alsobald In die Erfüllung gehen; So hast du recht gehört, So hast du Trost und Freud' Und gehst durch JEsu Blut Dereinst zur Seligkeit. 9. Mein GOtt! verleih' mir Gnad', Daß ich die Him melslehren Mög' immerdar mit Fleiß Zu meinem Nußen hören, Daß ich, waß ich gehört, Mit großer Sorgfalt thu, Und also hier und dort Gelang' zu meiner Ruh'. 31 Morgen- Gebet am Montag. Laß mich frühehören deine Gnade, denn ich hoffe auf dich; thue mir kund den Weg, darauf ich gehen soll, denn mich verlanget nach dir. Heiliger, gütigeru. allein weiser GOtt, der du den Himmel erschaffen, u. die Erdegegründet, und verordnet hast, daß Tag und Nacht abwechseln, und auf das Licht die Finsterniß, u. auf die Arbeit die Ruhe folgen soll, damit sich Menschen und Vieh erquicken mögen: ich lobeu.preise dich für deine Weisheit und Vatertreue in dieser Morgenstunde, daß du mein Gebetso gnädiglich erhöret, u. mich die vergangene Nacht vor Krankheit und anderem Ülebel behütet, und das Meinige mit deinem Schuß umgeben hast. HErr, groß sind deine Werke, die du den Menschenthust! deine Güte reichet, so weit der Himmel ist, u.deine Wahrheit, so weit die Wolkengehen. Ich schlief u. du wachtest; ich war im Schlaf den Todten gleich, aber du hast mich der Sonne Licht wieder sehen lassen. Ach, mein GOtt! sei auch heute mein Helfer u.Erretter, mein Beistand und Tröster, meine Zuflucht und mein Erbarmer; laß deine Augen über mich offen sein, daß ich unter deinem Geleite unverletzt in meinem Beruf ein- u.ausgehen, u.den Abend nach deinem Willen wiederum unbeschädiget erreichen möge. Mein Gott! 32 Morgen- Gebet am Montag. laß deinen Segen mit u. bei mir sein in allem, was ich in deinem Namen anfange, dazu gieb selber Rath und That, und laß mich niemals etwas wollen, was du nicht willst. Laßmit dem aufgegangenen Sonnen- Licht auch das Licht des heiligen Geistes in mir aufgehen, daß ich den Tag in Furcht, Liebe und Gehorsam gegen dich hinbringe. Schaffe in mir, o GOttt! ein reines Herz, und gieb mir einen neuen gewissen Geist, verwirf mich nicht von deinem Angesicht, und nimm deinen heiligen Geist nicht von mir; laß ihn mich leiten, lehren, führen, daß ich heute nicht wissentlich wider dich fündige, und wenn man mich zu sündigen verleiten will, so laß ihn mich erinnern und durch seine innerlichen Bestrafungen davon abhalten. Ich lege meine Kleider an, HErr JEsu! kleide mich mit dem Rock deiner Gerechtigkeit. Ich wasche meine Hände, HErr JEsu! wasche mich mit deinem heiligen Blut von allen meinen Sünden. Bewahre mich, daß ich niemals wandle im Rath der Gottlosen, noch size, da die Spötter fißen, als welcher Freundschaft deine Feindschaft ist; und so ich will der Welt Freund sein, und mit ihnen ihre sündliche und alte Gewohnheit treiben, so wirst du mein Feind werden. Ach, mein GOtt! drücke in mein Herz die Worte: 4 Der glaubige Christ bittet 2c. 33 Wandle vor mir und sei fromm. O wie Viele fangen eine Woche an, aber vollenden sie nicht, und sind am Ende derselben krank oder schon begraben. Darum laß mich allezeit nachjagen der Heiligung, ohne welche Niemand dich schauen wird; laß mich gottseliger Worte, unsträflichen Wandels und heiliger Gedanken befleißigen, damit ich allezeit im Stande der Gnade und in deinen Wunden, o Jesu! erfunden werde. Die Gnade des Vaters erhalte mich, die Liebe des Sohnes heilige mich, und die Gemeinschaft des heiligen Geistes mache mich fruchtbar zu allen guten Werken. Mit Segen mich beschütte, Mein Herz sei deine Hütte, Dein Wort sei meine Speise, Bis ich gen Himmel reiſe. Der glaubige Christ bittet um Segen im Anfang der Woche. Aufmunterung. Alles, was ihr thut mit Worten und Werken, das thut alles in dem Namen des HErrn JEsu, und danket GOtt und dem Vater durch ihn. Kol. 3, v. 17. Hat man Ursache zu beten u. zu flehen, wenn ein Tag anbricht; wie vielmehr soll ein glaubiger Christ sein Herz und seine Augen zu Gott erheben, wenn er eine neue Wocheanfangen will? Wieviele Menschen haben denSonntag, als den ersten Tag in der Woche, gesund erlebet, u. sind denSonnabend daraufschon begraben gewesen? Wie viele haben die Woche fröhlich und im Segen angefangen, aber ehe sie solche geendigt, hat 3 34 Der glaubige Christ bittet sie das Unglück wie ein Sturmwetter überfallen, daß sie die Woche mit Ach und Weh, mittausend Thränen und Händeringengeendigt haben? Nun, mein lieber Christ, das kanndirund mir auch widerfahren, darum sollmangleich im Anfang der WochezuGÖttsichwenden. Es soll aber ein glaubiger Christ: 1) GOtt anrufenum ſeinen heiligen Geist, daß derselbesein Herz wolle heiligen und ihn regieren, damit er nicht in Sündenfallen, GOtt beleidigen, sein Gewissen verlegen, den Nächstenbetrübenund eine große Verantwortung auf seine Seele laden möge. Er soll: 2) die Woche überdes Gebetsu.des Gottesdienstes nicht vergessen, sondern sich befleißigen, daß er nicht allein des Sonntags, sondern auch in der Woche die Kirchen und Bet stunden fleißig besuche, und weil es nicht au unserm Rennen und Laufen zur Arbeit liegt, soll er: 3) beson dersGOttumseinenSegen anrufen, aberauch mitten unter der Arbeit an GOtt gedenken, und mit Gebet die Arbeit anfangen, mitteln und vollenden. Er soll: 4) behutsamreden, christlich wandeln, GOtt vor Au gen haben, und gedenken, daß eine Woche nach der andern hinschleicht, bis endlich die letzte Todes- oder Sterbewoche kommt, da unsere Seele soll vor GOtt zur Rechenschaft gestellt werden. Wer das thut, der kannimSegen die Woche anfangen und unter GOt tes Schutz vollenden: und sollte er es ihm eine Kreuz woche werden lassen, so wird er doch darin sein Hel fer, Retter und Beistand sein und bleiben. Gebet. du liebreicher und barmherziger GOH ich fange unter deinem Beistand eine neut Woche an; ich weiß aber nicht, was mi darin widerfahren wird. Wie viel Ulebels um Segen im Anfang der Woche. 35 und Unglücks kann uns in einem Tag begegnen; wie viel mehr in einer ganzen Woche! darum komme ich gleich im Anfange derselben zu dir, und empfehle mich dir ganz und gar. Ach, mein GOtt! gieb mir den heil. Geist, der mich heilige, leite und regiere, und meinem Geist das Zeugniß gebe, daß ich ein Kind GOttes set. Segne mich diese Woche, segne meinen Ausgang und Eingang, segne meine BerufsArbeit und Geschäfte, segne meine Schritte und Tritte. Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen, von welchen mir Segen und Hülfe kommt; meine Hülfe kommt vom HErrn, der Himmel und Erde gemacht hat. Wenn du mich leitest, so irre ich nicht; wenn du mich hältst, so falle ich nicht; darum laß deine Güte und Treue mich allweg behüten. Segne auch alles, was mein ist, und laß es unter deinem Segen blühen. Ach, mein GOtt und treuer Vater! schüße und bewahre mich vor Schaden, Gefahr, Verlust und Unglück: laß mich bei Tag und Nacht in deinem Schutz und in deiner Gnade stehen. Bewahre mein Haus um und um wie das Hans Hiobs; laß um mich und um das Meinige deine Engel eine Wagenburg schlagen, so wird mich kein Unfall stürzen, so groß er auch ist. 3* Der glaubigt Christ bittet Erhöre mein Gebet, wenn ich zu dir schreie, und laß mich nichtunerhört von dem Thron deiner Gnade weggehen. Bewahre mich vor schweren Sünden, weise mir, Herr, deine Wege, leite mich in deiner Wahrheit, erhalte mein Herz bei dem Einigen, daß ich deinen Namen fürchte. Schreib deine heilige Furcht in mein Herz, damit ich nicht aus deiner Gnade falle, sondern darin beständig bleibe bis in den Tod. Gib, daß ich diese Woche möge frömmer und gottseliger werden, in deiner Erkenntniß und Liebe zunehmen, und wie ich eine Woche nach der andern zurücklege, ich auch an dem inwendigen Menschen wachsen, und in meinem Glauben darreichen möge Tugend, und in der Tugend Bescheidenheit, und in der Bescheidenheit Mäßigkeit, und in der Mäßigkeit Geduld, und in der Geduld Gottseligkeit, damit, wenn nun die letzte LebensWoche einbricht, ich deiner Gnade möge versichert sein. Sollte auch diese Woche mir eine Kreuzwoche werden, so stärke mich durch deinen heil. Geist, daß ich alles unter deinem mächtigen Beistand ausstehen und überwinden könne. Sei du selbst mein Helfer und Erretter in u. aus aller Noth: Nun ich befehle mich mit Leib und Seele, und allem, was ich habe, in deinen gnädigen Va36 um Segen im Anfang der Woche. ter Schuß, wie auch alle fromme Christen. Darauf, so sprech'ich Amen, Und zweiflenicht daran, Und geh' in GOttes Namen, Die vorgeschriebne Bahn: D'rauf streckt ich aus mein' Hand, Greif an das Werk mit Freuden, Dazu mich GOtt bescheiden In mein'm Beruf und Stand. Amen. 37 Gesang. Mel. O GOtt, du frommer GOtt 2c. 1. Ich will die neue Woch' Mit dir, o Gott! anheben; Du wollst mir deinen Geist Und deinen Segen geben; Im Anfang steh' mir bei, Und weiche nicht von mir, Daß ich am Ende noch Vereinigt sei mit dir. 2. Ohn' deinen Segen kann, Mein Vater! nichts gedeihen, D'rum wir, o Segens- GOtt! um Segen zu dir schreien; Ach! komme selbst zu uns, Und greif' das Werk mit an, Weil es durch dich allein Befördert werden kann. 3. Ach ja! es ist umsonst, Am Morgen früh aufstehen, Und mit Bekümmerniß an seine Arbeit gehen; Wenn du nicht selbst mitgehst, Und stehest mit dabei, Daß Anfang und das End' Von dir gesegnet ſei. 4. Drum komm, o GOtt, zu mir, Und gieb mir deinen Segen, Denselben wollest du In meine Arbeit legen. Ach! segne all' mein Thun, Ach! segne meinen Tritt, Und theile gnädiglich mir deinen Segen mit. 5. Laß mich in Frömmigkeit Die ganze Woch' hinbringen; Laß meine Arbeit sein, Dich loben, beten, singen; Bewahre mich vor Sünd' Und großer Missethat, Und wenn ich Buße thu', So schenk mir deine Gnad'. 6. Mein Gott, begleite mich Auf allen meinen Wegen, Und willst du diese Woch' Ein Kreuz mir auferlegen, So beut mir deine Hand. Und steh' mir kräftg bei: Ja, trage selbsten mit, Daß mir's erträglich sei. 7. Nun, was du Gutes wirst Mir diese Woch' erweisen: Dafür soll dich, o Gott! Mein Muud und Herze preiſen. Ach! laß mich als dein Kind Dir stets empfohlen sein, Bis ich durch JEsu Blut Geh' zu der Freude ein. 38 Der glaubige Christ bittet um zeitlichen, geistlichen und ewigen Segen. Aufmunterung. Es fegne uns GOtt, unser GOtt. E3 segne uns GOtt und alle Welt fürchte ihn. Psalm 67, v. 7. 8. Ein jeder Mensch betet, und bittet etwas von GOtt; dabei aber ein Jeder wohl erwägen soll, wie er betet, und was er bittet; ach! der Meisten Gebet gehet nur auf das Irdische und Vergängliche, welches sie aber oft zu ihrem Schaden sich erbitten. Ein glaubiger Christ bittet: 1) Um leibliche Dinge: um Gesundheit, Segen, Nahrung, Abwendung der Gefahren, Hülfe in Noth, Beistand im Leiden, Errettung aus Unglück; und dergleichen Gebete kann GOtt wohl leiden, weil er dieses alles uns in seinem heiligen Wortverheißen hat. Aber der glaubige Christ bleibt nicht dabeiſtehen: dieses ist das Geringste, weil es ihm GOtt ohne sein Bitten zuweilen läffet zufallen. Er bittet: 2) besonders um geistliche Dinge! um den heiligen Geist, um ein frommes Herz, um das Reich GOttes, welches ist Gerechtigkeit, Friede u. Freude in dem heiligen Geist. Röm. 14, v. 17. Er bittet um Erleuchtung, Wachsthum in dem Guten, Heiligung und die Gabe des heiligen Geistes; dieses ist das Vornehmste, was ervonGOtt bitten und verlangen kann, und wenn ihm solches wird verliehen, so hält er's für seinen größten Reichthum. Ein glaubiger Christ bittet: 3) auch um ewige Dinge: nämlich um ein seliges Ende, fröhlichen Abschied aus diesem Leben, u. den erwünschten Eintritt in das Freudenleben, damit er da GOttes Angesicht schauen, und mit weißen Kleidern angethan sich nach dem Kampfe ewiglich in ihm erfreuen könne. Also mußeinglaubiger Christ sonderlich betenumgeiſtliche u.himmlischeGüter, wenn errechtu.GOttwohlgefäl Der glaubige Christ bittet 2c. 39 lig beten will, dabei er aber: 4) sich muß eines unsträflichen, christlichen Wandels befleißigen, damit er auch so lebe, daß ihm Gott die geistlichen u. himmlischen Güter mittheilen könne, welche ein unwiedergeborner und böser Mensch nicht empfangen kann. Gebet. du reicher und gnädiger Gott! wie groß und herrlich, wie reich und mächtig bist du. Du hast alles und kannst auch alles geben. Siehe, ich, dein Kind, komme zu dir, und bitte dich um deine Gaben. Du weißt, daß ich nichts mit in die Welt gebracht, daß ich auch nichts von mir selbst habe, als die Sünde; daher alles, was ich gutes habe an mir, das kommt von dir; denn alle gute Gaben und alle vollkommene Gaben kommen von oben herab; ja, was hast du, o Mensch! das du nicht empfangen haſt? Ach, mein GOtt und Vater! mach mich besonders an meiner Seele reich! gieb mir deinen heil. Geist; gieb mir ein frommes Herz; bekehre mich, erleuchte mich, damit ich ein neuer Mensch und ein wahrer Christ werde. Hilf mir kämpfen und arbeiten, daß ich die böse Lust bezwinge, die bösen Gewohnheiten ablege, mich von der Welt absondere, hingegen meinen Leib und meine Seele dir ergebe zu einem Opfer, das da lebendig, heilig und dir wohlgefällig ſei. Der glaubige Christ bittet Siehe, mein GOtt! wie ich in der Welt ſo vielen Gefahren und Verführungen unterworfen bin; darum leite du mich durch deine Kraft, daß ich nicht verführet werde, noch von dir abweichen möge. Wohne in meiner Seele, beherrsche mein Herz, und verleihe mir Gnade, daß ich ein lebendiges Glied an dem Leibe meines JEsu und eine neue Kreatur sei, so bin ich in der Welt reich geehrt und glückselig genug. Sorge auch, o gnädiger GOtt und Vater! führe mich in dem Irdischen; du weißt, was ich bedarf; du siehest, was mir fehlet; aber gieb mir nichts nach meinem, sondern alles nach dei nem Willen. Ist mir Gesundheit heilſam, ach! so gieb mir einen gesunden Leib zu desto glücklicherer Verrichtung meines Be rufs. Gieb mir Nahrung und Kleidung, weil du weißest, daß ich ohne dieselben nicht leben kann. Begleite mich auf meinen We gen; behüte mich vor Unglück. Lege deinen Segen meiner Arbeit bei; denn was du, HErr, segnest, das ist gesegnet ewiglich. Du hast mich in die Welt erschaffen, so wirst du mich auch wohl zu ernähren und zu versorgen wissen. Ich werfe alle meine An liegen und Sorgen auf dich. Ach GOtt! sorge für dein Kind, erhalte dein Kind, und laß mich deiner Vatertreue und Gnade hin 40 um zeitlichen, geistlichen und ewigen Segen. 41 fort reichlich genießen. Weil du mich aber, o großer GOtt und Vater! nicht bloß um dieses irdischen Lebens willen erschaffen haſt, so hoffe ich auch noch auf größere Güter. Denn hätte ich nichts von dir zu erwarten, als was ich hier zu empfangen habe, so wäre ich der elendeste Mensch; darum, mein Vater! gieb mir auch die himmlischen Gütter; erhalte mich im Glauben bis an mein letztes und seliges Ende. Laß mich an meinem Eud', auf Christi Tod abscheiden, die Seele nimm hinauf zu dir zu deinen Freuden! Gieb mir auch, wenn es dein heiliger Wille ist, ein vernünftiges Ende, u. bringe mich nach dem Ausgang aus diesem Leben zu der Schaar der Auserwählten in den Himmel, daß ich mit ihnen gekrönet, verkläret, mit weißen Kleidern gezieret, dein heiliges Angesicht schauen und mich in dir ewiglich erfreuen möge. Ach, mein GOtt! höre die Stimme meines Flehens, und weigere nicht, was mein Mund bittet. Gib mir von den irdischen Dingen so viel, als dir gefällig und mir heilsam und selig ist, aber in geistlichen und himmlischen Dingen gieb mir ein reiches Maß deiner Gnade, und bringe mich als dein Kind dermaleinſt zu der Versammlung der Heiligen im Licht, daß ich hier im Glauben u. in der Liebe, und 42 Abend- Gebet am Montag. dort in der Ewigkeit mit dir vereinigt bleibe. Meinen Ausgang segue Gott! Meinen Eingang gleichermaßen! Segne auch mein täglich Brot; Segne all mein Thun und Lassen, Segne mich mit sel'gem Sterben, und mach mich zum Himmels- Erben. Amen. Gesang. Mel. O GOtt, du frommer GOtt 2c. 1. Mein Vater! denk an mich, Ach! gieb mir deinen Segen, Und thu' auch jetzt an mir, Wie treue Väter pflegen; Gieb, was ich nöthig hab, Und was mir nüßlich ist, Ich schau allein auf dich, Weil du mein Vater bist. 2. Ach! gieb mir deinen Geist, Das wahre SeelenLeben; Und wirst du mir durch ihn Ein frommes Herz auch geben: So bin ich reich genug, So bin ich recht beglückt, Weil mich dein guter Geist Mit seinen Gaben schmückt. 3. Gieb mir mein täglich Brot, Gesundheit auch deßgleichen, Laß deinen Segen nicht Von meiner Arbeit weichen, Wend alles Unglück ab, Begleit mich aus und ein! Und laß bei Tag und Nacht, Mich dir empfohlen sein. 4. Laß mich in Jesu Christ Hier leben und auch sterben, Und laß mich durch sein Blut Die Seligieit ererben! Laß mich vor seinem Thron Ja weißen Kleidern steh'n, Und HErr! dein Angeicht Mit allen Frommen seh'n. 5. Mein GOtt! erhöre mich, Auf dich steht mein Vertrauen, Ich werd noch meine Lust An deiner Gnade schauen: Mein Herze, Geist und Sinn Sei dir allein geweiht; Mein Segen, Freud und Schaß Bleibst du in Ewigkeit. 6. Wohlan! ich bin erhört, GOtt wird's aus Gnaden geben, Drum will ich Mund und Herz Mit Dank zu ihm erheben. Mein Vater! schenke mir, Dieweil ich leb auf Erd', Was du mir zugedacht, Nur daß ich selig werd'. Abend- Gebet am Montag. Ich liege und schlafe ganz mit Frieden, denn allein du, HErr hilfest mir, daß ich sicher wohne. Psalm 4, v. 6. Ist die Dankbarkeit eine schöne Tugend, welcheGOtt 43 Abend- Gebet am Montag. und Menschen wohlgefällt, so soll auch ein glaubiger Christ derselben eingedenk sein, wenn ihn GOtt einen Tag hat erleben und den Abend erreichenlassen. Esist zu beklagen, daß viele Mensche: Tage, Wochen, Monate, ja, ganze Jahre hinbringen, ohne zu erkennen, was GOtt an ihnen gethan hat; sie genießen des göttlichen Schußes, Beistandes, Hülfe, und danken ihm nicht einmal dafür, sondern meinen, es müsse so sein, sie müssen gesund, glücklich und im Wohlseinihre Zeit hinbringen; GOtt müsse also sie erhalten, u. es ihnen lassen wohlergehen. Darum, o glaubiger Christ! sondredich ab von solchen undankbaren Seelen. Hast du denTagunter demSchuß undBeistandGOttes glücklich zurückgelegt, fängt die Sonne an, unterzugehen, u.es will nunmehr Abend werden, so hebe deine Augen auf gen Himmel mit Danken und mit Beten. 1) Danke GOtt, daß er dich denTagübervorUnglückbewahret, u. denke, wie viele Menschen vielleicht den Tag, darin dich kein Leiden berühret, indas größte Unglück gekommen, ihre Gesundheit verloren, des Abends krank und in großen Schmerzen auf ihr Bette sind gelegt worden, daß sie den Morgen noch frisch und gesund waren; ja, wieviele sind in einem Tagarm geworden durch Feuer und Unglück, die am Morgen noch nichts davon wußten. 2) Bitte GOtt um Vergebung deiner Sünden, untersuche deine Nedenund Thaten, hast du den Tag über etwas geredet wider GOttu. den Nächsten, hast du etwas vollbracht, das wider dein Gewissenu. Christenthumist, so bleibe alsdann auf, u. bitte es GOttab, ehe du schlafengehest. 3) Gedenke, vielleicht wird in dieser Nacht GOtt deine Seele von dir fordern; deßwegen mache Frieden mit deinem Gott, chedu die Augen schließest. 4) Bitte Gottum Schutz und seiner heiligen Engel Wacht, daß sie alles Unglück Abend- Gebet am Montag. vondir abtreiben. 5) Auch in der Nacht selbst, wenn du etwa vom Schlaf erwachest, so denke an GOtt; danke ihm, so schläfst du in seinen Armen und unter der heil. Engel Schuß sanft und selig. Gebet. Ich liege und schlafe ganz mit Frieden, denn du, HErr! hilfest mir, daß ich sicher wohne. O du ewiger und allmächtiger GOtt! dieses sind meine Abend- Gedanken, da ich mich zur Ruhe begeben will. O wie soll ich dir genugsam danken, daß du mich aus- und einbegleitet hast, daß ich meinen Fuß an keinen Stein gestoßen! Du hast mich geſpeiset und getränket, du hast mich getröstet und erquicket, dein Aufsehen hat meinen Odem bewahret, und durch dich und deine Gnade stehe ich noch bis auf den heutigen Tag. Alle diese und andere Wohlthaten sind lauter Stimmen, welche mich zu deinem Lobe aufmuntern; darum so lobe den HErrn, meine Seele, und was in mir ist, seinen heiligen Namen; lobe den HErrn, meine Seele, und vergiß nicht, was er dir Gutes gethan hat. Bergieb mir, o HErr! vergieb mir aus Gnaden, wenn ich heute das Vorbild meines JEsu nicht vor Augen gehabt, und deine Gebote aus den Augen geſehet, hingegen nach der Welt und mit der Welt gelebet, und meinen Begierden 44 Abend- Gebet am Montag. 45 freien Lauf gelassen habe; wärst du nicht ein langmüthiger GOtt, ja, der Vater der Barmherzigkeit, so lebte ich nicht mehr, indem kein Mensch so lange zusehen könnte, wie du mir Zeit zur Buße und Umkehr gegeben hast. Ach HErr! ich entschuldige mich und thue Buße im Staub und in der Asche. Der Tag ist nun dahin, tilge auch meine Sünden wie einen Nebel, und gedenke derselben nimmermehr; ich gelobe dir hiemit an in rechter Aufrichtigkeit meines Herzens, daß ich dir fleißig dienen, und meinen Wandel nach deinem Wort einrichten will. Behüte mich diese Nacht vor allen Nachstellungen des Feindes, vor Unglück und allem Utebel: drücke mir selbsten, wenn ich einschlafe, die Augen zu; mein JEsu! aber drücke mir auch zugleich dein blutiges Bild in mein Herz, daß ich deiner nicht vergesse. Meine Seele mit Begier träume stets, o GOtt! von dir, daß ich feste an dir hange, und auch schlafend dein verlange; sei mein Licht in der Finsterniß, mein Helfer in der Noth. Mein Herz hält dir vor dein Wort: Ihr sollt mein Antlig suchen; darum suche ich auch, Herr! dein Antliß. Ich weiß nirgends hin, als zu dir, o allmächtiger Gött! Mein Vater ist bei mir, warum ſollte ich mich fürchten, wenn 46 Der glaubige Christ danket GOtt ich schon einsam liege und schlafe? Mein JEsus, meiner Seelen Licht, ist bei mir, wenn sich schon meiner Augen Licht, schlie Bet. Der heil. Geist ist bei mir, er erhält das Zeugniß in meinem Herzen, daß ich ein Kind Gottes sei, ob ichs schon von mir selbsten nicht weiß. Bin ich also in dem Schuß des dreieinigen GOttes eingeschlossen, so schlafe ich sicher, wie Jakob; ich schlafe ge trost, wie ein Kind an seiner Mutter Brust; ich schlafe beschüßt, wie Petrus. Gedenke Herr! doch auch an mich In dieser schwar zen Nacht, Und schenke mir genädiglich Den Schuh von deiner Wacht, Draufschließ ich meine Augenzu, Und schlafe fröhlich ein; Mein GOtt wacht jetzt in meiner Nuh, Wer wollte traurig sein? Amen. Der glaubige Christ danket GOtt für seine Gesundheit. Aufmunterung. Es ist besser, einer sei arm, und dabei frisch und gesund, denn reich und ungesund. Gesund und frisch sein, ist besser, denn Gold, und ein gesunder Leib ist besser, denn groß Gut. Es ist kein Reichthum zu vergleichen einem gesunden Leibe, und keine Freude der Herzens- Freude gleich. Sp. 30, v. 14-16. GleichwieGottunterschiedlicheGabenden Menschen austheilet, geiſtliche und leibliche, so mag man wohl unter die leiblichen, als eine der vornehmſten die Gesundheit mitrechnen. Ein gesunder Mensch ist ein glückseliger Mensch, wenn er dabei fromm ist, er ist aber auch dabei der unglückseligste, wenn er gottlos ist. Daß ein gesunder Mensch glückſelig für seine Gesundheit. 47 sei, sehen wir daher, weil er kann Gott und seinem Nächsten ungehindert dienen, seinem Beruf abwarten, und viel Gutes verrichten. Ist aber der Mensch nicht fromm bei seiner Gesundheit, so mißbraucht er diese edelste Gabe auf das Entseßlichste zur Ausübung vieler Sünden, Schanden und Bosheiten. Owie heilsamwäre es manchem Menschen, wenn er lahm, stumm und blind, oder mit Schmerzen behaftet wäre, damit er mit seinen Füßen, Zunge, Augen und Leib nicht so viel Sünden verübte: daher auch auf solchen Mißbrauch der gesunden Leibesglieder dereinst eine schwere Verantwortung und Strafe folgen wird. Ein wahrer Christ erkennet diese edle Wohlthat der Gesundheit; und zwar: 1) wenn er seine gesunden Glieder ansiehet, so danket er Gott dafür. Erwendet seine Gesundheit an: 2) Gott zu dienen, das Gotteshaus andächtig zu besuchen, und in seinem Christenthum zuzunehmen; 3) seinem Nächsten Dienste zu erweisen; 4) seinen Beruf treulich und aufrichtig zu vollbringen. Er erkennet: 5) daß die Gesundheit kein ewig und beständig Gut sei, sondern daß auf einen Wink des lieben GOttes sich Schmerzen, Krankheit, Lähmung der Glieder und ein ungesunder Leib einfinden können; er mißbraucht deßhalben; 6) in gesunden Tagen seine Gesundheit nicht zu Muthwillen, Verwegenheit und Bosheit, damit, wenn die Krankheit und Schmerzens- Tage kommen, das Gewissen nicht sage: Das ist eine Strafe Gottes wegen des Mißbrauchs deiner Gesundheit; wie denn also Gott manchem gesunden aber unbändigen Menschen Baum und Gebiß durch Zuschickung eines ungesunden Leibes muß anlegen, damit er aufhöre zu sündigen. Ein frommer Christ betet: 7) auch 48 Der glaubige Christ danket GOtt fleißig in gesunden Tagen, weil er nicht weiß, ob er in der Krankheit dazu Kraft haben werde, und so wird die Gesundheit heilsam angewendet. Gebet. O du gnadenreicher und barmherziger GOtt! wie groß ist deine Liebe und Güte, die du an mir erweisest, indem du mich nicht allein in deinem Schuß und Gnade erhältst, sondern auch ein Jahr nach dem andern in guter Gesundheit vollenden und wieder anfangen läsfest. Nun, mein GOtt! ich erkenne, daß dieses ist eine der guten Gaben, welche von dir, o Vater des Lichts von oben herabkommen. HErr! HErr! wer bin ich, daß du mir solche Barmherzigkeit widerfahren läsfest! Sehe ich doch täglich vor meinen Augen Menschen, die kränklich, elend und schwach sind! höre ich doch viele klagen, daß sie in großen Schmerzen und langwieriger Krankheit auf dem Kranken- Bette ihr Leben hinbringen müſsen, welche vielleicht viel gottesfürchtiger und frömmer sind, als ich, und viel andächtiger beten, als ich: mir aber giebst du gute Gesundheit, Kraft und Stärke. Ach HErr! ich bin allzu gering deiner Barmherzigkeit, die du bisher an mir gethan haft und noch thust. Bewahre mich, o lieber GOtt! daß ich diese edle Gabe der Ge für seine Gesundheit. sundheit nicht mißbrauche zur Ueppigkeit, Wollust, Hoffart u. Frechheit, sonderngieb mir wohl zu erkennen, daß du mich dadurch willst aufmuntern zur Dankbarkeitu. Frömmigkeit. Hilf, daß ich inskünftige und Zeit meines Lebens meine Gesundheit anwende zu deinem Lob u. Ehren, zu Nuhen meines Nächsten und Vollbringung der Geschäfte meines Berufs. Erhalte mir nach deinem heiligen Rath u. Willen meine Gesundheit und geraden Glieder, damit ich ungehindert dein Haus besuchen, und in deinem Tempel Lob- u. Danklieder anstimmen könne. Gieb mir deinen hl.Geist, daß ich meine gesunden Glieder heilige zu deinem Dienst und meinen gesunden Verstand zum Wachsthum in deiner Erkenntniß. O mein GOtt! gieb mir Kraft u. Stärke, an dem inwendigen Menschen zuzunehmen, daß ich gesund im Glauben, brünstig im Geist, geduldig in Trübsal, andächtig im Gebet, aufrichtig in der Liebe gegen dich und den Nächsten, christlich im Leben, fröhlich in der Hoffnungu.getrostim Todesei. Achheilige mich, segne mich u. dein guter Geist führe mich auf ebener Bahn. O GOtt! du frommer GOtt! Du Brunnquell aller Gaben, Ohn' den nichts ist, was ist, Von dem wir alles haben; Gesunden Leib gieb mir, Und daß in solchem Leib, Ein' unverlette Seel' und rein Gewissen bleib'. Amen. 410 49 Morgen- Gebet am Dienstag. Gesang. Mel. Alle Menschen müssen sterben. 1. Geht dir's wohl nach deinem Leiden, und haft Glüc auf dieser Erd', So ist dieses wohl zu meiden, daß dein Herz nicht trokig werd'; Denk' in deinem Glück und Prangen, Wie dir's ehmals ist ergangen: Denk' in Glück und Herrlichkeit Auch an die vergang'ne Zeit. 50 2. Bist du nun gesund und stehest. Denk auch an das Krankenbett; Wenn du fröhlich einhergehest, Denk auch an die Lagerstätt; Bist du wiederum genesen, Denke daß du frank gewesen: Denk in Glück und Herrlichkeit Auch an die vergang'ne Zeit. 3. Blüht dir Freud und lauter Glücke, Stehet's um dich wohl jeßzund, Denk bisweilen auch zurücke, Wie e doch vor diesem stund; Wie es schlecht um dich aussahe, Wie das Elend dir war nahe; Denk in Glück und Herr lichkeit Auch an die vergang'ne Zeit. 4. Bist du, reich und groß an Schäßen, Denke dabei immerdar, Um in GOtt dich zu ergößen, Daß es vor dem nicht so war; Selig wer die Demuth liebet, Wen ihm GOtt viel Güter giebet: Denk in Glück und Herr lichkeit Auch an die vergang'ne Zeit. 5. Von den hohen Ehrenauen, Darauf dir's nach Wunsche geht, Sollst du in die Tiefe schauen, Und wenn da ein Armer steht, Denk: so bin ich auch gestander In dergleichen Trübsals- Banden: Denk in Glück und Herrlichkeit Auch an die vergang'ne Zeit. 6. Diese seligen Gedanken Halten dich zu aller Zeit In den wahren Demuths- Schranken, Führen dich zu Frömmigkeit, Daß du nimmer dich erhebest, Vielmeh GOtt die Ehre gebeft, Bleib in deinen Augen klein, S wird GOtt dir gnädig sein. Morgen- Gebet am Dienstag. Wache auf, der du schläfest, und stehe auf von den Todten, so wird dich Christus er leuchten. O du barmherziger GOtt! dessen Güte u. Treue alle Morgen neu ist, ich sage dir mit Herzen und Mund Lob und Dant, Morgen- Gebet am Dienstag. 51 daß du mich diesen Morgen wiederum gesund hast lassen von meinem Lager aufstehen, und meinen Leib vor Schaden, und meine Seele vor Sünden bewahrt haſt. Wie groß ist deine Güte, HErr! daß Menschen unter dem Schatten deiner Flügel trauen, und unter demselben so mächtiglich bewahret werden. Ich schaue nach der Finsterniß wiederum das Sonnenlicht; gieb mir Gnade, daß ich diesen ganzen Tag in deinem Lichte wandle, und alle Werke der Finsterniß fliehe. Ich achte den Tag für verloren, an welchem ich der Welt gedienet, und meinen Mund, Glieder und Sinnen nach der Welt Gewohnheiten und Thorheiten gerichtet habe, wofür ich dereinsten vor deinem Gericht eine schwere Rechenschaft geben muß. Ich opfere mich hingegen dir ganz zu deinem Dienst auf mit Leib und Seele; laß mich nichts wollen, nichts vornehmen u. gedenken, als was dir gefällt, auf daß der ganze Tag dir möge geheiliget sein. Ja, laß mich allezeit so leben, reden und thun, als ob ich heute noch sterben müßte. Und da ich nach der finstern Nacht, darin ich als dein Kind in deinen Armen gelegen, nun wiederum von neuem lebe, so weiß ich nirgends hin, als zu dir; ich klopfe an deine Gnaden- Thür; ich wende mich wieder zu 4* 52. Morgen- Gebet am Dienstag. der Segens Quelle, aus welcher ich nehme einen Segen nach dem andern, eine Hülfe nach der andern; denn was du, HErr! segnest, das ist geſegnet ewiglich; wenn du deine Hand aufthust, so wird alles gesättiget mit Wohlgefallen. Gieb mir guten Rath, wenn ich Raths bedarf; richte meine Anschläge und mein Vornehmen nach deinem Willen. Entzünde in mir die Flamme deiner göttlichen Liebe, daß ich diesen Tag meinen Glauben in den Werken zeige, und in wahrer Liebe gegen dich und den Nächsten verharre, auf daß ich ohne Gewissens Wunden den Abend erreiche. Wenn ich rufe zu dir, HErr, mein GOtt! so schweige mir nicht, auf daß nicht, wenn du schweigest, ich gleich werde denen, die in die Hölle fahren. Höre die Stimme meines Flehens, wenn ich meine Hände aufhebe zu deinem Heiligthum. Laß das Gebet der Elenden, Traurigen, Kranken und auch das Gebet der Meinigen und aller Frommen vor dei nem Gnadenstuhl Erhörung finden. MITI Ja, richt' mein ganzes Leben Allein nach deinem Sinn, Und wenn ich es soll geben Ins' Todes Rachen hin; Wenn's hier mit mir wird aus, So laß mich selig sterben, und nach dem Tod erer ben, Des ew'gen Lebens Haus. Amen. 53 Der glaubige Chrift freuet sich seiner Wiedergeburt. Aufmunterung. Gelobet sei GOtt und der Vater unsers HErrn Jesu Christi, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung JEsu Christi, von den Todten zu einem unvergänglichen und unverweltlichen Erbe, daß behalten wird im Himmel. 1. Petr. 1, v. 3. 4. Wer sich rühmen will, der rühme sich des HErrn. Wer sich freuen will, der freue sich über solche Dinge, die ihnewig können glückselig machen. Ist nun etwas, dessen sich ein Gläubiger rühmen, und darüber er sich freuen kann, so ist's gewiß die Wiedergeburt, daß er getauft, und dadurch ein Kind GOttes geworden ist. Wir haben in der heil. Taufe erlanget: 1) die Kindschaft bei GOtt. GOtt ist unser Vater, der uns als seine Kinder ernähren, bewahren, versorgen, und uns nicht lassen will. Wir haben empfangen: 2) die Gerechtigkeit JEsu Christi: alles, was JEsus hat durch sein Leiden u. Sterben erworben, das ist uns in der heil. Taufe geschenket und zu eigen gegeben worden. Ja, wir sind in ihm gepflanzet; er ist der Weinstock, wir sind die Reben; durch ihn erlangen wir neue Stärke zum Guten, Licht, Weisheit und Gnade. Uns ist ertheilet: 3) die Einwohnung des heil. Geistes, der will in uns wohnen, unser Herz heiligen, unsere Zunge u. Mund regieren, und nnser ganzes Leben nach dem Wort u. Willen GOttes einrichten. Durch solche einwohnende Kraft des heiligen Geistes werden wir von dem Bösen mehr und mehr abgezogen, und wachsen im Glauben, in der Frömmigkeit u. Gottesfurcht, wie ein neu gebornes Kind an Kräften und Jahren zunimmt. Wir verlangen: 4) auch die ewige Seligkeit, daß wir nach diesem Leben an der ewigen Freude u. Herrlichkeit sollen Theil haben. Wer dieses erwäget, der muß 54 Der glaubige Christ freuet fich sich billig herzlich in GOtt erfreuen. Aber er sehe sich auch vor: 1) daß er die empfangene Gnade nicht wiederum verliere; 2) daß er würdiglich wandle in seinem Beruf; 3) daß er die Welt nicht wiederum lieb gewinne, oder mit Unwiedergeborenen u. Weltkindern vorsäßlich sündige, und sich ihnen gleichstelle; 4) daß er seinem himmlischen Vater gehorsam sei, wie ein liebes Kind; daß er dem HErrn JEsu nachfolge, und des heiligen Geistes Trieb nicht widerstrebe. So ist er gewiß, daß er des dreieinigen GOttes Liebe, Gnade, Hülfe und Beistand wird genießen hier in der Zeit und auch dorten in der Ewigkeit. Gebet. Großer GOtt und liebster Vater! wie kann ich genugsam deine Liebe erkennen, loben und preisen, daß du dich meiner Seele so herzlich angenommen hast, daß sie nicht verdürbe. O welche Herrlichkeit hast du mir in der heiligen Taufe mitgetheilet, da du mich zu deinem Kinde angenommen haſt! Wenn Menschen ihre Glückseligkeit rühmen, die sie durch ihre hohe Geburt, Besizung hoher Ehrenstellen, großen Reichthums, an sehnlicher Güter erlanget haben; siehe, so achte ich meine Glückseligkeit viel größer, nemlich dieſe, daß ich dein Kind bin; denn sind wir Kinder, so sind wir auch Erben, nemlich GOttes- Erben und Mit- Erben Christi, so wir anders mit leiden, damit wir auch zur Herrlichkeit erhoben werden. seiner Wiedergeburt. 55 Bin ich ein Kind GOttes, so wird mich mein himmlischer Vater erhalten, regieren, versorgen, beschüßen, ja er wird mich niemals und in keiner Noth verlassen. Bin ich ein Kind GOttes, so habe ich nicht nur an ihm einen kräftigen Beistand im Leben, sondern auch eine große Freudigkeit im Sterben; darum wird er mich als sein Kind erquicken, laben, trösten und nach meinem Abschied aus dieser Welt in das ewige Freudenleben führen. Gieb mir, o liebster Vater! deinen heiligen Geist, der mich an diese Herrlichkeit fleißig erinnere. Ach! ich bin noch in der Welt, und lebe unter den Menschen- Kindern, bewahre mich, daß ich weder mit Welt- Kindern fündige und Böses thue, noch mich ihnen gleich stelle. Sehe ich Jemanden Böses thun, höre ich was Böses reden, so laß mich bedenken, ich sei ein Kind GOttes, dem solche Laster und Sünden nicht anstehen. Laß mich in deiner Kraft fröhlich sprechen: Welt du mußt wissen, daß mir mein Kindesrecht und Kindestheil an GOtt und an dem Himmel nicht feil ist, um deiner Lustbarkeit, Eitelkeit und Gewohnheit zu genießen. Mein JEsu! du weißt, daß ich dich lieb habe, und mich herzlich betrübe, wenn ich dich nicht allezeit und in der That so liebe, Univ. Bibl. Giessen 56 Der glaubige Christ freuet fich 2c. wie ich sollte und wollte. Ach! nimm doch mein Wollen gnädig an, und also laß mich mein Leben im Glauben, Frömmigkeit, Heiligkeit, Reinigkeit und findlicher Demuth führen, dich lieben, ehren, fürchten und dir folgen, damit ich wie dein Kind zur Himmelsfreude gelangen möge. Ich habe JEsum angezogen Schon längst in mei ner heil'gen Tauf, Du bist mir auch daher ge wogen, Hast mich zum Kind genommen auf; Mein GOtt! ich bitt' durch Christi Blut, Mach's nur mit meinem Ende gut. Amen. Gejang. Mel. JEsu, der du meine Seele zc. 1. Wer nicht wieder ist geboren Aus dem Wasser und aus Geist, Der ist ewiglich verloren, Wie es GOttes Wort ausweist; Denn es muß allhier auf Erden Der ein neuer Mensch noch werden, Welcher will nach dieser Zeit Kommen in die Ewigkeit. 2. Es muß die Geburt geschehen Durch die Tauf' und GOttes Wort! Wird man dem nicht widerstehen, Stoßet man die Gnad' nicht fort, So wird man gar bald em pfinden, Wie die Unart wird verschwinden; Denn kommt GOtt in's Herzens- Haus, So treibt er die Sünd hinaus. 3. Uns wird auch zugleich gegeben GOtt, der werthe heil'ge Geist. Der fängt an ein neues Leben, Das die Laster aus uns reißt; Er erneuert alle Sinnen, Worte, Werke und Beginnen, Treibet uns zum Guten an, Daß man GOtt recht dienen kann. 4. Hierauf muß der Mensch nun trachten, GOtt zu lieben allezeit, Muß die Welt und Sünd' verachten, Wachsen in der Frömmigkeit; Er muß gänzlich unter lassen Und von Grund der Seele haffen, Was er hat vorher geliebt Und mit Freuden ausgeübt. Der glaubige Christ bittet GOtt 2c. 57 5. Singen, Beten, GOtt zu Ehren, Ist des neuen Menschen Sinn, Von der Welt zu GOtt sich kehren, Neue Kräfte anzuzieh'n; GOttes Willen zu verrichten, Ist des neuen Menschen Dichten; Also wird er gänzlich neu, Als ob nichts der Mensch mehr sei. 6. Also muß in dir vorgehen Eine Herzens- Aenderung, Also muß man an dir sehen Eine Lebens- Heiligung! So muß Herz, Sinn und Geberden, Ganz in dir erneuert werden, Daß sie Glaub' und Liebe zier', Daß sie GOttes Geist regier'. 7. Ach mein GOtt! hier fall' ich nieder, Förd're in mir dieses Werk, Aend're Sinnen, Herz und Glieder, Gieb mir deines Geistes Stärk', Daß ich ja nicht werd' verloren Sondern wieder sei geboren. Daß ich als dein Kind dich ehr', Und dich liebe mehr und mehr. 8. Laß mich auch in diesem Stande Immer bleiben, o mein GOtt! Bis daß meine Lebensbande Einst zerreißen durch den Tod; Daß mich nichts von dir abtreibe Und du mein, ich dein verbleibe, Alsdann geh' ich aus der Zeit In die frohe Ewigkeit. Der glaubige Christ bittet, GOtt wolle den angezündeten Glauben in ihm erhalten und vermehren. Aufmunterung. So du mit deinem Munde bekenneft JEsum, daß er der HErr sei und glaubest in deinem Herzen, daß ihn GOtt von den Todten auferwecket hat, so wirst du selig. Römer 10, v. 9. HErr stärke uns den Glauben. Luc. 17, v. 5. So unglückselig ein unglaubiger Mensch ist, so glückselig ist die Seele, die im Glauben und in der wahren Erkenntniß GOttes, JEsu Christi und ihres Heils stehet. Denn ein unglaubiger ist gleich einem Gemach, darin kein Licht ist, darin es finster und unangenehm ist; aber eine glaubige Seele ist gleich einem Gemach, darin es helle, und darin ein Licht scheinet, welches Licht der Glaube ist. Diesen Glauben kann sich der Mensch nicht selbst geben, sondern GOtt ist's, der ihn in uns anzündet, ent 58 Der glaubige Christ bittet GOtt 2c. weder in der heil. Taufe, wenn der heilige Geist wird reichlich über uns ausgegossen, oder durch's Wort GOttes, dadurch der Mensch anfangs eine Erkenntniß u. Wissenschaft seines Heils erlanget, durch GOttes Kraft dem WortBeifall gibt, es für eine göttliche Wahrheit in seinem Herzen hält, sodann in fester Zuversicht GOtt fasset, sich JEsum Chriftum u. sein Hl. Verdienst zueignet, und nach diesem Wort zu glauben, zu leben u. zu sterben sich mit GOtt entschließet. Deßwegen soll ein glaubiger Christ: 1) Gott danken, daß er ihn zum Glauben u. Erkenntniß JEsu Christi gebracht, und dadurch vor Juden, Türken u. Heiden glücklich gemacht hat. Er soll: 2) sich seines Taufbundes u. der darin erlangten Herrlichkeiten erinnern, u. den mit GOttgemachten Bund nicht muthwillig übertreten. Er soll: 3) GOttes Wort fleißig und mit Andacht anhören, damit er immer mehr u. mehr erleuchtet werde und zu größerer Erkenntniß gelangen möge. Was er höret und lieset, soll er: 4) in Uebung bringen, und seinen Glauben in den Werken zeigen. Daher es einem wahren Christen nicht genug ſoll ſein, zusagen: ich glaube, sondern er soll: 5) auch die Glaubensfrüchte: Frömmigkeit, Liebe, Keuschheit, Ge duld, Sanftmuth u. dergl. in seinem ganzen Leben hervorleuchten lassen. Er soll auch nicht etwa nur eine Zeitlang glauben, sondern im Glauben GOtt getreu verbleiben bis in den Tod. So kann er sich auch getrösten, daß er werde den Lohn seines Glaubens davon tragen, nemlich der Seele Seligkeit. Gebet. O du gnadenreicher GOtt! welche große Barmherzigkeit ist es, daß du mich zur wahren Erfenntniß meines Heils gebracht 59 um Erhaltung im Glauben. hast. Ich erkenne den Grund meines Heils, welcher ist JEsus Christus mit seinem Verdienst, Blut und Tod. Ich erkenne die Mittel des Heils, nämlich das Wort GOttes und die heiligen Sakramente; dieſes alles weiß ich nicht nur, sondern gebe auch dem allem Beifall, ja ich sezze darauf alle meine Hoffnung und Zuversicht, und weiß nun den rechten Himmels- Weg; denn wer zu GOtt kommen will, der muß glauben. Durch diesen Glauben und Erkenntniß bin ich unterschieden von unglaubigen Juden, Türken und Heiden. Ach, du gnadenreicher GOtt! verleihe mir deinen heiligen Geist, daß er diese Erkenntniß in mir lebendig mache. Selig seid ihr, so ihr es wisset, aber selig seid ihr, wenn ihr es auch thut. Gieb mir Kraft, daß mein Glaube nicht ein todter unfruchtbarer Schein- Glaube, sondern ein lebendiger Glaube werde: weil ich JEsum Christum als meinen Heiland kenne, fo will ich ihn auch lieben, ihm gehorchen, ihn mehr lieben als die ganze Welt, ihm auch allein dienen und nichts vollbringen, wozu mein Fleisch und Blut und die böſe Welt mich anreizet; außer ihm soll mir auf Erden nichts sonst lieber werden. Erkenne ich die Mittel der Seligkeit, so will ich sie auch unter deinem Beistand zu meiner Seligkeit Der glaubige Christ bittet GOtt 2c. anwenden; dein Wort will ich andächtig hören und darnach leben; was dein Wort verbietet, will ich fliehen und meiden, hin gegen die Pflichten und Tugenden, die es mir anbefiehlet, in deiner Kraft durch des heiligen Geistes Beistand zu vollbringen trachten; das heil. Abendmahl soll mich heiligen durch und durch; ich will es oft zur Stärkung meines Glaubens und zu meiner Seligkeit als eine Speise der Hei ligung mit Andacht genießen, und will in solcher Heiligung immer fortfahren. Ach mein GOtt! vermehre in mir den Glau ben, die Heiligung und den Gehorsam, daß ich alle Tage frömmer, andächtiger, gottesfürchtiger und dem Bilde meines Heilandes ähnlicher werde. Erhalte mich auch in solcher Gnade bis an mein seliges Ende, damit ich als ein wahrer und from mer Christ möge leben, und als ein wah rer und frommer Christ dermaleinst ſelig sterben. 60 HErr! ich glaube; hilf mir Schwachen, Laß mich ja verzagen nicht; Du, du kannst mich stärker machen, Wenn mich Sünd' und Tod anficht; Deiner Güte will ich trauen, Bis ich fröhlich werde schauen, Dich, HErr JEsu! nach dem Streit In der süßen Ewigkeit. Amen. 61 Abend- Gebet am Dienstag. Gesang. Mel. Alle Menschen müssen sterben. 1. Ach, HErr! stärke meinen Glauben, Ach! mein Glauben wird gar schwach; Satan denkt ihn mir zu rauben, Da sich häuft mein Ungemach; Weil sich keine Hülf' läßt finden, So will faft mein Glaub verschwinden; Wo ist doch mein HErr und GOtt? Sprech ich jetzt in meiner Noth. 2. Wo sind deine Allmachts- Proben. Wo ist seine Vater- Hand, Welche And're freudig loben, Bin ich ihm denn unbekannt? Weiß er nicht, wie mir es gehet, Weiß er nicht, wie's um mich stehet; Jst mein Leiden ihm zu groß, Daß er mich läßt hülfelos? 3. HErr! ich glaube, hilf mir Schwachen, Ja, ich glaube festiglich, Daß du alles wohl kannst machen, D'rum so komm', und stärke mich. HErr! ich glaub', daß du noch lebest, Und stets um und bei mir schwebest, Daß dein Auge auf mich sieht, Ob die Hülfe schon verzieht. 4. HErr! ich glaube, daß mich Armen JEsus auch erlöset hat; Daß er sich will mein erbarmen, Daß ich bin in seiner Gnad'; Daß mein JEsus in dem Leiden Nimmer werde von mir scheiden; Nur mein Herz empfind't es nicht, Weil mir Stärk und Trost gebricht. 5. Hilf, daß ich bald Stärke finde, Stärke mich doch fort und fort, Schenke deinem schwachen Kinde Neue Kraft aus deinem Wort; Lehre mich dir fest vertrauen, Und auf die Verheißung schauen, Die du in dem Wort mir giebst, Ob du schon die Hilf aufschiebst. 6. Ja, laß deinen Geist mich trösten, Deinen Geist nimm nicht von mir, Wenn die Noth am allergrößten, Der mich überzeugt von dir, Daß du noch an mich gedenkest, Und mir deine Hülfe schenkeft, Wenn da kommt die Stund' und Zeit, Die zur Hülfe ist bereit. Abend- Gebet am Dienstag. Der HErr ist mit mir, darum fürchte ich mich nicht; was können mir Menschen thun? Also spreche ich jetzt, o du gnädiger und liebreicher GOtt! in dieser Abend- Stunde und sage dir demüthigen Dank, daß du mich 62 Abend Gebet am Dienstag. diesen Tag unter deinem väterlichen Schuß, liebreichen Fürsorge, gnädigen Führung und reichen Segen hast zurücklegen lassen. HErr, deine Güte ist groß und deine Barmherzigkeit hat kein Ende! Der HErr ist nahe allen, die ihn anrufen, allen, die ihn mit Ernst anrufen; er thut, was die Gottesfürchtigen begehren; er höret ihr Schreienu.hilftihnen. Ach mein GOtt! wiegeschwind gehet doch ein Tagdahin; wie ein Pfeil wird abgeschossen, so geschwind verfließen unsere Jahre. Da rum lehre mich doch, daß es ein Ende mit mir haben muß, und mein Leben ein Ziel hat, und ich davon muß. Siehe, meine Tage sind einer Hand breit vor dir, und mein Leben ist wie nichts vor dir, wir müſsen alle offenbar werden vor dem Richterſtuhl Christi, daß ein Jeder empfahe, nachdem er gehandelt hat bei Leibes- Leben, es sei Gutes oder Böses. Darum richte ich mich selbst und frage: Meine Seele, wie hast du heute den Tag hingebracht? hast du auch was Gutes gedacht? Ist GOtt heute mit dir vereinigt geblieben, oder hast du ihn mit vorsäßlichen und wissentlichen Sünden von dir getrieben? mein Mund, was hast du heute geredet? Hast du gesprochen, was ehrbar, was teusch, was wohl lautet? Ift das Lob GOttes von dir ausgebreitet wor 63 Abend- Gebet am Dienstag. den, oder bist du von Narrentheidigungen und schandbaren Wortenübergeflossen? Wo seid ihr hingegangen, ihr Füße? Was habt ihr verrichtet u. verübet, ihr Hände? Was habt ihr gehöret, ihr Ohren? Ihr Augen, wornach habt ihr gesehen? Was ist heute dein Verlangen, Dichten und Trachten gewesen, mein Herz? Ach mein Gott! wenn ich auf alle diese Fragen antworten soll, o wie werde ich bestehen? Ach HErr! nimm weg mit dem abweichenden Tage meine Uebertretungen. JEsu! tilge meine Sünden mit deinem heiligen Blut. Oheil. Geist! versichere mich der Vergebung aller meiner Sünden, ehe ich noch einschlafe, daß ich nicht, wenn diese Nacht die lebte sein sollte, verloren werde. Bin ich also von meiner Schuld, dreieiniger GOtt! frei gesprochen, so schlafe ich mit Freuden ein, und hüte mich morgen mit größerem Fleiß vor allem dem, das dich betrüben kann. Mein Vater! deine Liebe decket mich und die Meinen. Mein JEsu! in deinen Wunden ruhe ich sanft und wohl. O heiliger Geist! thue du den letzten Seufzer in meinem Herzen, ehe ich einschlafe, mit welchem ich meinen Geist in die Hände GOttes empfehle. Bin ich gleich von dir gewichen, Stell ich mich 64 Der glaubige Christ bittet doch wieder ein, Hat mich doch dein Sohn verglichen Durch sein' Angst und Todes- Pein; Ich verläugne nicht die Schuld, Aber deine Gnad und Huld Ist viel größer als die Sünde, Die ich stets an mir empfinde. Amen. Der glaubige Christ bittet, Gott wolle sein Herz heiligen. Aufmunterung. Jaget nach dem Frieden gegen Jedermann, und der Heiligung, ohne welche wird Niemand den Herrn sehen. Hebr. 12. v. 14. Wenn sich ein glaubiger Christ in seinem natürlichen Verderben ansiehet, so erinnert er sich: 1) daß er sich ſelbst nicht heiligen kann, sondern daß dieses ein Werk GOttes ist; 2) deßhalben braucht er die von GOtt zur Heiligung verordneten Mittel. Er gedenket an seine heil. Taufe, darin der hl. Geist über ihn ausgegossen worden, und in seinem Herzen Wohnung genommen hat, und forschet fleißig nach, ob er diesen guten Geist in den erwachsenen Jahren nicht durch muthwillige Sündenwiederum vertrieben habe. Erweiß, daß das heil. Abendmahl eine Speise der Heiligung ist, dar umtrachteter, wenner dasselbe empfängt, daßdadurch Seele u.Leib, und alle seine Gliedermögen geheiliget werden. GOttes Wort höret er andächtig, schreibet und behält das Gehörte in seinem Herzen, damit er in der Heiligung zunehmen möge. 3) Denn es soll in der Heiligung geschehen sowohl an der Seele, als andem Leibe durch GOttes Kraft u. des heil. Geistes Wir tung. Ist die Seele geheiligt, so muß das ganze Leben in der wahren Heiligung geführet, müssen Gedanken, Worte und Werke darnach gebildet werden. 4) Diese Heiligung soll in Zeiten geschehen, nicht erst im Alter oderaufdem Todtbette, sonderndieweilmannochbeten GOtt wolle jein Herz heiligen. und die Mittel der Heiligung mit gutem Verstand gebrauchen kann. 5) Solche Heiligung soll man hernach beweisen zu allen Zeiten, bei allen Gelegenheiten; wenn man ungefähr bei Weltkindern sich befindet, da sollen wir in Geberden, Worten u. Werken zeigen, daß wir ein geheiligtes Herz haben, und daß der heil. Geist unsern Mund und das ganze Leben regiere. Solche geheiligte Seelen werden auch dereinst zur Wohnung der Heiligen im Licht gelangen. 65 Gebet. Odu heiliger GOtt! ich erschrecke allezeit, wenn in meinen Ohren deine Stimme erklinget: Ihr sollt heilig sein, denn ich bin heilig; und wiederum: Ohne die Heiligung wird Niemand den HErrn schauen. Wenn ich nun dieses erwäge: und dagegen halte mein unheiliges Herz, meine unheiligen Gedanken, unheilige Worte, unheilige Werke, so gerathe ich oftmals in große Angst, und ich schäme mich meines vorigen unartigen und unheiligen Lebens, da ich leider nach dem Trieb meines Herzens und nach der Gewohnheit der Welt- Menschen mit gesündiget und mit unheiligen Worten und Werken dich beleidiget habe. Ach! soll Niemand dein Antlig schauen ohne die Heiligung, o wie Wenige werden dann selig und wie Viele verdammt werden! dann hilf, HErr! die Heiligen haben abgenommen. O darum, du heiliger GOtt! gieb mir die 66 Der glaubige Christ bittet ses alles wohl zu erkennen, damit ich möge hinfort der wahren Heiligung inwendig und auswendig mich befleißigen. OJEsu! heilige mich durch deine Gerechtigkeit, durch dein Verdienst und Blut; ach! schenke mir von Natur Unheiligen deine Heiligkeit, auf daß ich darin, als in meinem schönsten Schmuck, vor deinem himmlischen Vater erscheinen und bestehen könne. Heilige mein Leben durch dein heiliges Wort. Heilige mein Herz, daß es immer mit guten Ge danken möge umgehen. Heilige meinen Mund, daß er nichts Unanständiges, Un christliches und Böses möge reden. Heilige meinen Willen, damit ich das allein wolle und vollbringe, was dir gefällig ist. Ohei liger GOtt! ziehe mich ab von der Welt, vereinige mich mit dir, damit ich in mir durch deinen heiligen Geist das Zeugniß habe, daß ich als ein Kind GOttes, neu geboren sei, und in der Gnade stehe. Laß aber auch diese Heiligung wahrhaftig sein, damit ich nicht nur heilig sei; und der Hei ligung mich befleißige in der Kirche, bei dem heiligen Abendmahl, oder wenn ich sonsten bei heiligen Handlungen bin, son dern daß ich auch möge heilig sein, und mich der Heiligung bestreben an allen Orten, zu allen Zeiten, bei allen Gelegenheiten, GOtt wolle sein Herz heiligen. 67 auch wenn ich sogar unter Weltkindern und ihrer Gesellschaft leben muß, daß ich alsdann als ein Kind Gottes möge reden, leben und thun, und in solchem seligen Stand bleiben bis in den Tod, da du mich wirst bringen zu der Schaar der Heiligen und Auserwählten in dem ewigen Freudenlicht. Du bist heilig, läßst dich finden, Wo man heilig ist und rein; Fliehst hingegen Schand und Sünden, Wie die Tauben, was nicht rein; Mache mich, o Gnadenquell! Durch dein Waschen rein und hell; Laß mich fliehen, was du fliehest; Gieb mir, was du gerne siehest. Amen. Gesang. Mel. O GOtt, du frommer G 2C. 1. Soll ohne Heiligung Den HErren Niemand schauen, Und ausgeschlossen sein Von jenen Himmels- Auen, So tracht ich nun mit Fleiß In dieser Gnadenzeit, Daß ich gelangen mög Zur wahren Heiligkeit. 2. Doch mich zu heiligen Erfordert hohe Kräfte, Das kommet GOtt nur zu, Denn das ist sein Geschäfte; Drum bringe mich, o GOtt! Zur wahren Heiligung, Ach! wirke du in mir Des Herzens Aenderung. 3. Ach! heilige mein Herz, Gieb heilige Gedanken, Daß meine Tritte nie Von deinen Wegen wanken, Ach! Lasse Herz und Geist Beständig heilig sein, Mach es von schnöder Lust, Von Sünd und Bosheit rein. 4. Ach! heilige mich ganz, Die Glieder, Mund und Hände, Daß ich sie nur allein Zu deinem Dienst anwende, Herz, Glieder, Mund und Händ, Sind ja dein Eigenthum, Drum brauch ich sie allein zu deines Namens Ruhm. 5. Ach, mein Gott! heil'ge mich, Ja, heil'ge Seel und Leben, Als welche ich hiermit Dir will zu eigen geben; Hilf, daß ich also leb, Und thue wie ein Christ, In welchem JEsus lebt und der in Gnaden ist. 6. In solcher Heiligung Laß mich dereinsten sterben, Laß mich durch Christi Blut Das Freudenreich ererben Mit allen Heiligen! Da werd' ich ewig rein, Im schönsten Priesterschmuck Von dir gezieret sein. 5* 68 Morgen- Gebet am Mittwoch. Wenn ich erwache, bin ich noch bei dir, o gnädiger u. liebreicher GOtt, mein Fels, meine Burg und mein Erretter, mein Schild und Hort meines Heils und mein Schußz! Ich erhebe in dieser Frühstunde meine Stimme zu dem Thron deiner Gnaden, und danke dir, daß du die vergangene Nacht deine Flügel über mich ausgebreitet, und meinen Leib und meine Seele vor allem Unfall bewahret hast. Gelobet sei der Herr täglich und gelobet sei sein heiliger Name ewiglich. Mein GOtt! du läsfest einen Tag meines Lebens nach dem andern erscheinen, daß ich mich zur Ewigkeit bereiten, und meine Seele dir zum Eigenthum und zur Wohnung ergeben soll. Du hast mich erschaffen zum ewigen Leben, willst auch nicht, daß ich verloren werde, sondern daß ich mich bekehre und lebe; o so laß mich diesen Tag auch dazu anwenden, daß ich schaffe selig zu werden mit Furcht und Zittern. Ich bin nun mitten in der Woche, und habe drei Tage derselben glücklich zurückgelegt, laß auch die übrigen drei unter deinem Schuß und Gnade nach deinem Wohlgefallen mich erreichen. Wenn ich mitten in der Angst wandle, so erquicke mich; wenn mich meine 69 Morgen- Gebet am Mittwoch. Feinde umgeben, so tritt du in die Mitte, und hilf mir. Ach mein Mittler JEsu! bleibe mitten in meinem Herzen, daß ich zu dir in allen Begebenheiten, Anliegen, Noth und Tod laufen, und von dir Hülfe erlangen könne. Ist GOtt für mich, wer mag wider mich sein? Laß mich, o allerliebster Heiland! heute in deine heilige Fußstapfen treten und wandeln, wie du gewandelt haſt; so werde ich den Verführungen der Welt und den Tücken meines eigenen Herzens leicht entfliehen. Sei bei mir in meinen Berufs- Wegen. Ich spreche mit völligem Glauben: HErr! ich lasse dich nicht, du ſegnest mich denn. Segne mich im Schlaf und Wachen, segne meinen Schritt und Tritt, segne mich in allen Sachen, theil mir deinen Segen mit; laß mich geſegnet sein vor dir, und nimm den Segen nicht von mir. Laß mich mitten unter meinen Berufsgeschäften mein Herz fleißig zu dir richten, und wenn es sich in der Weltlust und den Weltsünden verwickeln und belustigen will, so gieb mir Kraft, daß ich es losreiße, und es, mein Vater! in deine Liebe, mein JEsu! in deine Wunden einsenke, daß es sich nicht aus deiner Gemeinschaft verirre, und an dem Abend noch darinnen gefunden werde. Stehet mir heute 70 Der glaubige Christ bittet, ein Kampf bevor, so hilf mir überwinden; meldet sich ein sündlicher Gedanke im Herzen, ein unartiges Wort in dem Munde an, so stärke mich, daß ich es durch deinen Geist abweise. Laß auch die Meinen dir befohlen sein, und laß allen Betrübten und Kranken mitten in ihrem Leiden dein Gnadenlicht aufgehen. Führe mich, o HErr! und leite Meinen Gang nach deinem Wort, Sei und bleibe du auch heute Mein Beschüßer und mein Hort; Nirgends als bei dir allein Kanu ich recht bewahret sein. Amen. Der glaubige Christ bittet, GOtt wolle ihn von der Welt abziehen. Aufmunterung. Stellet euch nicht dieser Welt gleich, sondern verändert euch durch Verneuerung eures Sinnes, auf daß ihr prüfen möget, welches da sei der gute, der wohlgefällige und der vollkommene Gottes Wille. Röm. 12, v. 2. Wennein glaubiger Christerwäget, daß die Weltliebe ist wie das Unkraut, das von selbstenin der Seelewäch set, hingegen die Frucht GOttes u. die Liebe zu GOtt wie eine schöne wohlriechende Pflanze, die mit Fleiß u. Mühe erst muß dahingesegetu.wohlbewahretwerden; so kann erdaraus erkennen, was man für Sorge u. Arbeit anzuwenden hat. Er soll demnach 1) erkennen, daß die Welt in ihm und außer ihm sei. Die Welt in ihm sind die bösen Lüste, Tücke, Begierden u. Ge danken seines Herzens; die Welt außerihm sind derbösen Menschen Erempel, Lockungen u.Verführungen. Diesen aber allen muß ein wahrer Christ: 2) widerste hen, den aufsteigenden Lüsten u. Gedanken durch Ge bet u. Seufzen, und der Welt Reizungen durch Ver GOtt wolle ihn von der Welt abziehen. 71 meidung der Weltgesellschaften, Gewohnheiten, Manieren u. Lebensarten. Weil nun dieses nicht stehet in unsern eigenen Kräften, so muß er: 3) Gott um Hülfe und Beistand eifrig anflehen. 4) Dieses Abziehen von der Welt muß nicht so geschehen, als ob man sich einschließen, einsperren u. mit Niemand reden u. umgehen wollte: sondern es muß darin bestehen, daß man mit den Weltkindern nicht sündige, u. ihre bösen Werke u. Thaten nicht nachahme. Denn wenn wir mit gar keinem Gottlosenumgehen sollten, so müßten wir nach Pauli Ausspruch die Welt räumen. Wir sollen in der Welt sein, wie Joseph in Egypten, Lothin Sodom, Daniel und seine Gesellen in Babel, welche alle der Städte ut. Leute Sünden nicht verübten. 5) Dieses Abziehen von der Welt soll auch nicht etwa nur zum Schein auf etliche Tage geschehen, wenn man will zur Beichte u. zu dem heil. Abendmahl gehen, sondern diese Arbeit soll beständig sein; ist die Welt aus dem Herzen heraus, so gehet Jesus ein. Gebet. Barmherziger GOtt, du Liebhaber der Menschen! wie bist du doch so liebreich gegen uns, daß du Geduld mit uns hast bei unsern vielen Fehlern und Schwachheiten, und strafest uns nicht auf frischer That, und wie wir es verdienen. Ach! du hast mir durch dein Wort die Augen geöffnet, daß ich mich nun selbst kenne, und das Verderbniß meines Herzens einsehe. Ich fühle Welt inmiru.Welt außer mir; ich finde Welt in mir, nämlich böse Gelüstemeines Herzens, sündliche Neigungen u. Triebe zum Bösen. 72 Der glaubige Christ bittet, Ich finde Welt außer mir, nemlich die bösen Menschen, die mich mit ihren Sündenerempeln und Verführungen reizen und verleiten wollen. Ach leider! mein natürlich unartiges Herz hat viel mehr Lust und Freude daran, als an deinem heiligen Wort und an dem Leben, das nach deinem Wort geführet werden soll; ach wehe mir, daß ich so lange, so oft und viel mich durch die Welt habe reizen und verführen lassen! Ich schäme mich, meine Augen vor dir aufzuheben, wenn ich an die Thorheiten meiner jungen Jahre gedenke, da ich leider, ach leider! der Welt mehr gedienet als dir, meinem GOtt; der Welt mehr zu Gefallen gethan, als dir; der Welt mehr angehangen, als dir; aber auch damit dich beleidiget, mein Gewissen verletzt, und dich zum Zorn gereizet habe. Siehe da, mein GOtt! ich fehre um, und thue Buße im Staub und in der Asche. Ach, ziehe mich selbsten von der Welt ab, mein GOtt! damit du allein mein Herz einnehmen und regieren mögest. Dein heil. Geist heilige mich durch und durch, und vertreibe die Welt aus mir; stelle mir vor das klägliche Ende der Welt- Kinder, damit ich dich liebe, und nicht die Welt; daß ich dir folge, und nicht der Welt; daß ich dich höre, und GOtt wolle ihn von der Welt abziehen. 73 nicht die Welt. Ziehe mich zurück, wenn ich mit der Welt von neuem laufen und fündigen will; erhalte mich allezeit in deiner Furcht und erinnere mich, daß du mich zu deinem Dienst erschaffen hast, daß ich den neuen Menschen soll täglich anziehen, der nach Gott geschaffen ist in rechtschaffener Gerechtigkeit und Heiligkeit. Mache mir die Welt immer bitterer, aber die Frömmigkeit, Gottes furcht und den Himmel ſüßer. Gieb, daß ich beständig verachte die vergängliche Lust der Welt, damit ich sie fliehe, weil auf die genossene Weltlust u. Weltfreude lauter Angst, Zerstreuung, ein böses Gewissen u. das SeelenVerderben folget. Reiß aus meinem Herzen, was noch Welt u. Weltliebe heißet, und pflanze deine heilige Furcht in mich. Du Schöpfer aller Dinge, Du väterliche Kraft! Regierst von End' zu Ende, Kräftig aus eig'ner Macht; Das Herz uns wend' zu dir, Und kehr' ab unsre Sinnen, Daß sie nicht irr'n an dir. Amen. Gesang. Mel. D GOtt, du frommer GOtt. 1. Du willst, o lieber Christ! Dich dieser Welt gleich stellen, Und zu den Sündern dich und ihrer Luft gesellen, Und meinest, das sei recht; Allein ich sage nein, Ein wahrer Christ muß nicht Ein solches Welt- Kind sein. 2. Du meinst, es stünde nicht Ganz sonderlich zu wandeln, Behutsam, fromm und still In seinem Thun zu handeln; Du schämest dich zu sein Ein solcher Sonderling, Und sprichst: Man lach dich aus, Und halte dich gering. 3. Allein d'ran kehr dich nicht; Wo GOttes Wort hinzielet, Was GOtt in seinem Wort Mit Ernst dir an Der glaubige Christ bittet befiehlet, Sieh, darnach richte dich, und lasse Welt sein Welt; Sie sage, was sie will, Thu du, was GOtt gefällt. 4. Denn saget GOtt nicht selbst: Ihr sollet heilig leben, Wie ich auch heilig bin, Ihr sollt euch mir ergeben? Und stellet Christus nicht Sich selbst zum Vorbild dar, Die wir gefinnet sein, Wie er gesinnet war. 5. Die Frommen haben nie Das Böse ausgeübet, Den Bösen nie zu lieb Den lieben GOtt betrübet! Und also mach es auch, Halt deine Seele rein, Leb heilig und gerecht, Denn also muß es sein. 6. Sieh, Noah lebte nicht, Wie and're Menschen lebten, Es waren acht, die sich, Recht fromm zu sein bestrebten; Ach! denke, denke dran, Wenn du die Bösen siehst; Wie wohl, wenn du mit Fleiß Die Sünden- Wege fliehst. 7. Gedenk, was thate Loth In jenen Sodoms- Landen, Darinnen sich kaum vier, Die GOtt recht liebten, fanden? Er wurde zwar gequält, Und fündigte doch nicht; Sein Herz und Wandel war Allein zu GOtt gericht't. 8. Wie hat denn Joseph auch Egyptens Sünd getrie ben? Ist nicht auch Daniel In Babel fromm geblieben? So mache du es auch, Ob man schon wenig find't, Die da von Herzen fromm Und Christi Jünger sind. 9. Du mußt nicht mit der Welt zu ihren Sünden gehen, Du mußt in Gottesfurcht Und seiner Liebe stehen; Und thut es Reiner nicht, So thu' es du allein, So wirst du deinem GOtt Recht angenehm stets sein. 10. Ach GOtt! erinn're mich An diese Liebes- Pflichten, Ich will mich gern nach dir Und deinem Willen richten, Ich sage hiemit ab Der Welt und Sünden- Freud, Und bleibe dir getreu In Zeit und Ewigkeit. 74 Der glaubige Christ bittet, GOtt wolle ihn regieren und leiten. Aufmunterung. Weise mir, HErr! deine Wege, daß ich wandle in deiner Wahr heit; erhalte mein Herz bei dem Einigen, daß ich deinen Namen fürchte. Ps. 86, v. 11. Es ist dieses Leben nichts anders, als ein Weg, wenn wir geboren werden, so treten wir ihn an, u. wenn wir sterben, so höret mit dem Leben der Weg auf und wir treten in die Ewigkeit. Hier gilt es, was wir für einen GOtt wolle ihn regieren und leiten. 75 Weg in diesem Leben gehen. Gehen wir einen guten Weg, den Weg des Glaubens, der Frömmigkeit und Gottesfurcht, so endiget sich derselbe in des Himmels Herrlichkeit. Gehen wir aber den breiten Weg, den Weg des Unglaubens, der Bosheit u. Gottlosigkeit, so endiget er sich bei der Hölle, inder ewigenVerdammniß. Wenn das ein Christ erwäget, so soll er sich: 1) vorstellen, wie er in diesem Leben zwei Wege vor sich habe, den schmalen Himmelsweg u. den breiten Höllenweg, aber ersoll mit allem Fleiß auf dem Himmelsweg einhergehen; 2) damit er darauf treten und bleiben möge, so soll er fleißig GOtt um seine Regierung und Führung anflehen, daß er ihn leiten und führen wolle; 3) bittet er GOtt um sein heiliges Leiten und Regieren: so muß er nicht viel neben oderumsich sehen, wie andere Weltmenschen leben, und was sie für Wege gehen; denn wenn er denen will nachgehen u. folgen, so höret GOttes Geist auf, ihn zu leiten, ja, er weichet gar von ihm; 4) wie nun ein Wandersmann einenGeleitsmann von Nöthen hat, der ihm den rechten Weg weise: also bedarf auch ein glaubiger Christ, daß ihm GOttes Geist den rechten Weg zeige, den er wandeln soll. Hiezu aber gehöret die Einwohnung des heiligen Geistes im Herzen, daß es von ihm heiße: Wisset ihr nicht, daß ihr GOttes Tempel seid, u. der Geist Gottes in euch wohnet? 1. Kor.3, v. 16. Hat man diesen getreuen Geleitsmann in sich und bei sich, so wird er auch die Gedanken, Zunge, Sinnen u. Begierden regieren; 5) dieser heiligen Regierung widersetzt sich der glaubige Christ nicht, er widerstrebt auch dem heil. Geist nicht, sondern läßt sich führen, ermuntern und leiten, und ist versichert, daß er wird wohl geführet werden, hier zeitlich und dort ewig. O selige Führung! Wohl dem, der GOtt zum Führer hat. 76 Der glaubige Christ bittet Gebet. Err! du erforschest mich, und kennest mich, du verstehest alle meine Wege. Ach! du siehest und weißt auch wohl, mein lieber GOtt! wie ich ein herzliches Verlangen habe, auf deinen Wegen zu gehen, und also zu wandeln, wie du es deinen Kindern be fohlen, und wovon JEsus uns ein Vorbild gelassen hat. Allein ich muß leider! erfahren, wie mich bald hier, bald dort eine Verführung von dem guten Wege und Vorhaben abführet. Bald verführet mich mein eigen Herz durch böses Gelüste, bald reizet mich die Welt mit ihrem bösen Erempel; ich mag folgen, wem ich will, so erzürne ich dich, meinen GOtt und HErrn; ich verleße mein Gewissen, und je näher ich zur Welt komme, je weiter entferne ich mich von dir. O darum bitte ich dich, ach! leite und führe mich nach deinem Rath. Du hast ja geſagt, ich will dich mit meinen Augen leiten! HErr, hier bin ich, dein guter Geist führe mich auf ebener Bahn. Siehe, ich übergebe mich dir ganz und gar, mein GOtt! der du hast dein Volk trockenen Fußes durch das rothe Meer und unverletzt durch die Wüste in das ge lobte Land geführet. Ach! führe mich durch die Gefahren dieses Lebens, durch die Wüsten und Verführungen dieser Welt mit einem GOtt wolle ihn regieren und leiten. 77 guten u. unverletzten Gewissen in das ewige Leben. Ich übergebe dir Herz, Mund, Glieder u. mein ganzes Leben. Regiere mein Herz und erfülle es allezeit mit heiligen Gedanken. Regiere meine Glieder, daß ich mit meinen Händen nicht möge nach verbotenen Dingen greifen, und daß meine Füße nicht mögen auf Sünden- u. Höllen- Wegen gehen. Regiere meinen Mund u. meine Zunge, daß sie weder Flüche, noch schandbare, unchristliche und unanständige Worte vorbringen. Regiere mein ganzes Leben, daß ich möge von nun an nimmermehr muthwillig wider dich fündigen, damit ich ein rechter u. frommer Christ heißen u. auch sein möge. Ach! laß nicht von mir, wenn ich dir ausSchwachheit widerstrebe, und überlaß mich nicht meinem eigenen Willen oder meiner Führung; denn wenn ich mich führe, so werde ich verführet. Gieb mir eine heilige Behutsamkeit in allem meinem Thun, u. schreibe deine heilige Furchtinmein Herz, daß ich mich nach dir, deinem Wort und meines JEsu Erempel allein richten möge. Ja leite mich mit deinen Augen Und richt' mein ganzes Leben Allzeit nach deinem Sinn; Und wenn ich es soll geben In's Todes Rachen hin; Wenn's hier mit mir wird aus, So laß mich fröhlich sterben, und nach dem Tod ererben Des ew'gen Lebens Haus. Amen. Der glaubige Christ bittet 2c. Gesang. Mel. Alle Menschen müssen sterben. 1. Vater! gieb mir auch die Gabe, Die du Alle bit ten heißst: O wie wohl! wenn ich sie habe, Gieb mir deinen guten Geist. Bater! ich hab' groß Verlangen, Diese Gabe zu empfangen; Ach! erhöre meine Bitt, Theile deinen Geist mir mit. 78 2. Es soll dieser Geist mich lehren, Weil ich leb hier in der Zeit, Wie ich mich nun soll bekehren, Und wie ich in Frömmigkeit Soll beständig einhergehen; Wie ich soll im Glauben stehen, Welcher da lebendig ist, Und sich gründ't auf JEsum Christ. 3. Es soll dieser Geist mich führen, Allezeit auf ebner Bahn, Und mein Herze kräftig rühren, Wenn ich Böses hab' gethan: Er soll leiten meine Sinnen, Werke, Worte und Beginnen. Ich will gern in jeder Sach Folgen die sem Führer nach. 4. Es soll dieser Geist mich trösten In dem Kreuz und Traurigkeit; Wenn die Noth am allergrößten, So darf ich zu keiner Zeit In den Angst- und Trauer- Tagen, Und im Leidens- Sturm verzagen, Weil der Geist mir Zeugniß giebt, Daß mein GOtt mich dennoch liebt. 5. Und dieweil ich muß empfinden Oft zweifachen Widerstand, Den ich kaum fann überwinden! So woll deine Vater- Hand Mir den Geist auch zweifach geben, Daß ich, weil ich werde leben, Möge stark im Glauben sein, Und von groben Fehlern rein. 6. Werther Geist vom Himmels- Throne, Gleicher GOtt von Ewigkeit, Mit dem Vater und dem Sohne, Komm zu mir, ich bin bereit; Meine Seele, Geist und Leben, Will ich dir zur Wohnung geben; Komm, ach komm; und nimm es ein, Laß es deinen Tempel sein. 7. Ach! bewahre mich vor Sünden, Ach! laß meine Zuversicht Sich auf JEsum Christum gründen, Werther Geist! verlaß mich nicht. Ach! durch deine Liebes- Triebe Stärke mich in Glaub' und Liebe, Führe mich durch diese Zeit In die frohe Seligkeit. Abend- Gcbet am Mittwoch. Ich liege und schlafe und erwache, denn Abend- Gebet am Mittwoch. 79 der HErr erhält mich. Odu heiliger, gütiger und allein weiser GOtt! du hast mich heute diesen vergangenen Tag abermals erfahren lassen, daß du der rechte Vater biſt über alles, was Kinder heißet im Himmel und auf Erden; du hast nach deiner unendlichen Güte für mich gesorget, daß es mir nicht gemangelt hat an irgend einem Gute. Ach HErr! ich bin zu gering aller Güte und Treue, die du mir erweisest. Wie soll ich dem HErrn vergelten alle Wohlthaten, die er täglich an mir thut, der ich nur Staub und Asche bin? Verschmähe nicht das demüthige Lob- Opfer, welches ich dir in dieser Abend- Stunde bringe, und siehe mich ferner in Gnaden an. Vergieb mir, o gnädiger GOtt! was ich diesen Tag mit Gedanken, Worten und Werken wider dich begangen habe. Hilf, daß ich mit meinen Kleidern alle böse Gewohnheiten, Unarten u. Sünden ausziehe, dieselben morgen und Zeit meines Lebens hasse und lasse; daß ich ablege nach dem vorigen Wandel den alten Menschen, und ihn nimmer wieder anziehe. Laß mich die bevorstehende Nacht sammt allen meinen Anverwandten und Hausgenossen unter dem Schuß deiner Gnade sanft und ruhig schlafen. Die Sonneverbirgt sich, aber laß, o JEsu! du Sonne der Gerechtig 80 Abend- Gebet am Mittwoch. keit, deinen Glanz immer in meinem Herzen leuchten. Erfülle mich im Schlaf mit guten Bewegungen, auf daß, wenn ich erwache, dein Name und Gedächtniß immer in meinem Herzen sei, daß ich von dir und deiner Güte, Treue und gnädigen Führung auf meinem Lager bei schlaflosen Nächten reden und denken, und dadurch alle unnüße Sorgen und sündliche Gedanken vertreiben möge. Erneure im Schlaf meine Kräfte, daß ich munter und fröhlich den Tag erlebe. Wachet ein Hirte bei seiner Heerde, so laß mich auch deiner Hirten- Treue an Leib und Seele empfohlen sein. So du aber zur Prüfung meines Glaubens, Ge duld u. Hoffnung etwas Widriges bei Tag oder Nacht über mich verhängen wolltest, so denke, mein GOtt! daß ich dein Kind sei, daß ich ohne dich nichts vermag, und daß es dir, als meinem Vater zukomme, Errettung und Hülfe aus deinem Heiligthum zu senden. In Traurigkeit erfreue mich, im Elend erquicke mich; wenn ich verlassen bin, so nimm dich meiner herzlich an. Laß deine Allgegenwart und allsehendes Auge bei Tag und Nacht mich von Sün den abhalten. Ich hebe auch bei der att brechenden Nacht meine Augen auf zu den Bergen, von welchen mir Hülfe kommt; Der glaubige Christ bittet 2c. 81 meine Hülfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat. HErr, es ist von meinem Leben Wiederum ein Tag dahin, Lehre mich nun Achtung geben, Ob ich fromm gewesen bin; Zeige mir auch selbsten an, So ich was nicht recht gethan, Und hilf mir in allen Sachen Guten Feierabend machen. Der glaubige Christ bittet, daß die wahre Liebe zu GOtt in seinem Herzen möge entzündet werden. Aufmunterung. GOtt ist die Liebe, und wer in der Liebe bleibet, der bleibet in GOtt, und GOtt in ihm. Lasset uns ihn lieben, denn er hat uns zuerst geliebet. 1. Joh. 4, v. 16. 19. GOtt ist die Liebe, und weil GOtt die Liebe ist, ſo will er auch, daß alle seine Kinder u. Glaubigen in derwahrenLiebestehen sollen. DieLiebe ist das Band, welches GOtt und unser Herz, aber auch uns u. unsers Nächsten Herz auf's Genaueste mit einander verbindet. Ginglaubiger Christ bittet demnach: 1) GOtt, daß er sein Herz mit seiner heiligen Liebe erfüllen, und dieſelbeinihnausgießenwolle; denn auch diese Gaben gehören unter die guten Gaben, die von oben herab kommen. 2) Er muß auch die Mittel nicht verachten, wodurch GOttes Liebe an ihm kann angefangen und vermehret werden, nämlich die andächtige Anhörung und Betrachtung des Worts GOttes ut. denwürdigen Gebrauch des heiligen Abendmahls. 3) Stehet er in der Liebe GOttes, so muß er solche auch beweisen in einem heiligen, christlichen Wandel, in anständigen Reden, in GottwohlgefälligenWerken; denndie Liebe ist gleich einem Feuer, welches Flammen und Rauch nicht kann verbergen. 4) Er muß sich aber wohl verse6 82 Der glaubige Christ bittet hen, daß er nicht wie ehemals die Welt wieder lieb gewinne; denn wer die Welt lieb hat, in dem iſt nicht die Liebe des Vaters; deßhalben muß er aus Liebe zu GOtt Welt u. Welt- Freundschaft u. Gesellschaft meiden, weil sie ihn von der Liebe GOttes abführen. 5) In solcher Liebe soll er auch verharren bis in den Tod, und also in der Liebe GOttes sterben. 6) Dieſe Liebe GOttes soll mit den zunehmenden Jahren sich immer vermehren. Man soll sich schämen, wenn man zwanzig, dreißig, ja vierzig Jahre der Lust u. Liebe der Welt hingebracht, aber darüber die Liebe GOttes vergessen hat, welches ein Christ, wenn ihm GOtt die Augen aufgethan, mit desto inbrünstigerer, heftigerer und beständigerer Liebe ersehen und in solcher Liebe beharren soll bis in den Tod. Gebet. O du liebreicher und gnädiger GOtt! du bist allein liebenswürdig: dich, dich sollte ich billig allein von ganzem Herzen, von ganzer Seele und aus allen Kräften lieben. Ach! ich klage und bekenne vor dir mit größter Betrübniß meiner Seele, wie die Liebe zu dir, meinem treuen Schöpfer und liebreichen Vater, zu JEsu meinem Gr löser und Seligmacher, und zu dem heil. Geist, meinem Lehrer und Führer nicht allein durch die Erb- Sünde in mir erloschen, sondern wie ich auch deiner rufenden und wirkenden Gnade und dem Trieb des heil. Geistes nicht allezeit Plaß gegeben, damit wiederum eine wahre Liebe zu dir in um die wahre Liebe zu GOtt. 83 meinem Herzen angezündet wurde. Ich bitte dich, ändere doch mein Herz, reiß aus demselben alle Welt- und Sünden- Liebe, und laß in meinen Ohren erklingen die Worte: Habt nicht lieb die Welt, noch was in der Welt ist, denn so Jemand die Welt lieb hat, in dem ist nicht die Liebe des Vaters. Vertilge aus mir alle Liebe zur FleischesLust, Augen- Lust und hoffärtigen Leben, dazu ich leider! von Natur geneigt bin, und zünde durch deinen heiligen Geist in mir an eine reine wahre Liebe zu dir! daß ich dich, als das höchste Gut, um dein ſelbst willen allein lieben, und alle Eitelkeiten fliehen möge. Denn will ich ein rechtes Kind GOttes sein, so muß die Sünden-, Weltund eigene Liebe zum Herzen hinaus, und du mußt über alles allein geliebet werden. Darum komme ich, mein GOtt! zu dir, und bitte dich, ach! gieb mir deinen heil. Geist, der diese edle, nothwendige u. chriſtliche Tugend in mein Herz pflanzen möge; in dessen Kraft will ich dich, meinen GOtt, von Herzen und beständig lieben; meine Seele soll an dich denken, mein Mund ſoll von dir reden, du sollst mir lieber sein als alle Welt- und Welt- Freude, als alles Glück und alle Herrlichkeit, ja als alle Menschen. Aus Liebe zu dir will ich auf6* Der glaubige Chrift danket 2c. hören, wissentlich zu fündigen, aus Liebe zu dir will ich mich aller sündlichen Perfonen und Gesellschaft entschlagen, aus Liebe zu dir will ich anfangen, recht fromm zu werden, und allein nach deinem Wint und Willen mein Leben einrichten; dich will ich ehren und fürchten, dir will ich dienen, folgen und gehorchen. Ach, du liebreicher GOtt! entzünde diese Liebe in meinem Herzen je mehr und mehr, daß ich dich nicht nur wenige Tage, Wochen und Jahre lieben, sondern daß sie immer zunehmen, und bis an mein seliges Ende dauern möge. Gieb mir Muth, wenn ich um deiner Liebe willen etwas leiden soll, und stärke mich alsdann durch deinen mächtigen Beistand. Also! laß mich in Liebe mit dir vereini get sein in Zeit und Ewigkeit. Ich liebe dich, o lieber GOtt! Ja, dich um deinetwil len Nichts in der Welt, Nicht Lust, nicht Spott Soll meine Liebe stillen; Und sollt' kein Höll' u. Himmel sein, Das mich zur Liebe triebe, So wärst du mir genug allein, Warum ich dich nur liebe. Amen. Gesang. 84 Mel. Alle Menschen müssen sterben. 1. Ach! daß sich doch GOttes Liebe Tief ergöße in mein Herz! Ach, daß sie doch immer triebe meine Seele himmelwärts! Ach, daß doch all' mein Beginnen, Ach daß alle meine Sinnen, Herz und Seele insgesammt Wär'n durch GOttes Lieb entflammt! 2. Ach, daß diese Liebe riße Aus mir alle Lieb' der Welt; Ach, daß ich mich stets befließe, Das zu thun 85 Morgen- Gebet am Donnerstag. was GOtt gefällt, Und aus Lieb' ihn nicht betrübte, Nie, was ihm mißfällt, ausübte, Daß die Welt mir bitter wär', Und GOtt süßer mehr und mehr! 3. Ach, daß diese Lieb' mich brächte Zur Vereinigung mit GOtt, Daß ich stets an ihn gedächte Unverrückt bis in den Tod, Daß kein Augenblick verflöße, Da ich nicht die Lieb' genöße, Daß ich ihm mit Lieb' nachging, Und mit Liebe ihn umfieng. O du Liebe! so ergieße In mein Herz dich tief hinein, Daß ich dadurch ganz zerfließe, Und dein eigen möge sein, Daß ich in der Liebe stehe, Wo ich size, schlaf' und gehe, Dir zu Liebe alles thu Und aus Liebe in dir ruh. 5. Laß mich in der Bieb auch sterben, Wenn ich gehe aus der Zeit, Führe mich als deinen Erben In die frohe Ewigkeit; Diese Lieb' laß mich genießen, Bis ich werd' die Augen schließen, Und geh'n zu den Freuden ein, Wo wird lauter Liebe sein. Morgen- Gebet am Donnerstag. HErr! höre meine Worte; merke auf meine Rede! vernimm mein Schreien, mein König und mein GOtt! denn ich will vor dir beten. du gnädiger und barmherziger GOtt! ich lobe und preise dich in dieser Morgenstunde, daß du mich nicht allein von meiner Jugend an so väterlich ernähret und bewahret hast, sondern daß du auch diese vergangene Nacht mein Schuß und Beistand biſt gewesen, also daß ich zu deinem Lob wiederum gesund von meinem Lager aufstehen, und das angenehme Tages- Licht anschauen kann. O du Liebhaber des Lebens! was ist der Mensch, daß du sein gedenkest, und des Menschen Kind, daß du dich ſeiner Morgen- Gebet am Donnerstag. annimmst? Ich wußte im Schlaf von mir selbsten nichts, aber dein Aufsehen hat mei nen Odem bewahret; du hast mich u. mein Haus mit deiner Engel Wache umgeben, daß mich kein Unfall rühren und kein Unglück beschädigen konnte. Du hast mich durch eine sanfte Ruhe erquicket, welche vielleicht viele Kranke, Betrübte, Geängstete haben entbehren müssen, da ich wohl eben so viel, ja noch mehr Züchtigung verdienet, als sie, indem ich dir für die unsäglichen Wohl thaten, so ich Zeit meines Lebens empfan gen, nicht so dankbar gewesen, als es meine Pflicht gegen dich, meinen Schöpfer und Erhalter, erfordert hätte, nemlich durch ein immerwährendes Lob und demüthigen Dank. Nun will ich heute anfangen, durch die Guade zu ersehen, was ich durch meine Schuld versäumet habe. Ich verspreche dieser Morgenstunde dir mit Leib u. Seele zu dienen, und mich dir zu eigen zu geben. Ich habe mir vorgeseßt, daß mein Mund heute nicht soll übertreten, oder mit Narrentheidigungen u. sündlichen, unnüßen Wor ten eine schwere Rechenschaft auf mich la den. Ich will meinem Fuß wehren alle sündlichen Wege; mein Auge soll nicht schauen nach mir verbotenen Dingen und Personen; ich will meine Hände nicht aus 86 Morgen- Gebet am Donnerstag. 87 strecken zur Ungerechtigkeit, und mein Ohr abwenden von loser Lehre und bösem Geschwäß, als welches gute Sitten verderbet. Hingegen will ich mich, o dreieiniger GOtt! zu deinem Dienst ergeben; ach! wohne in mir, heilige, leite und reinige mich immer mehr und mehr durch deine Gnade. Laß mich diesen Tag immer mit frommen Leuten umgehen, und so ich ja Berufs halber und unverhofft zu Bösen komme, so bewahre mein Herz und Gewissen vor ihren sündlichen Reden, Thaten und Befleckungen. Segne meine Arbeit, daß ich dieselbe mit kindlicher Zuversicht auf deine Fürsorge freudig und getrost verrichten, und deinen Segen aller Orten empfinden möge. Nun ich hebe meine Augen auf zu den Bergen, von welchen mir Hülfe kommt; meine Hülfe kommt vom HErrn, der Himmel und Erden gemacht hat; der segne, beglücke und bewahre mich hier in der Zeit bis in die frohe Ewigkeit. Meinen Ausgang segne GOtt, Meinen Eingang gleicher maßen, Segne auch mein täglich Brod, Segne all' mein Thun und Lassen, Šegne mich mit sel'gem Sterben, und mach mich zum Himmels- Erben. Amen. 88 Der glaubige Christ bittet, GOtt wolle die Liebe zu dem Nächsten in sein Herz pflanzen. Aufwunterung. So Jemand spricht: Ich liebe GOtt, und haffet seinen Bruder, der ist ein Lügner; denn wer seinen Bruder nicht liebet, den er siehet, wie kann er GOtt lieben, den er nicht siehet? Und dieß Gebot haben wir von ihm, daß, wer GOtt liebet, daß er auch seinen Bruder liebe. 1. Joh. 4, v. 20. 21. Ein neu Gebot gebe ich euch, daß ihr euch unter einanderliebet; dabei wird Jedermann erkennen, daß ihr meine Jünger seid, so ihr Liebe unter einander habt. Also beschreibet Christus das Kennzeichen seiner wahren Jüngeru.Jüngerinnen, Joh. 13, v.34.; nemlich, daß man daran sie erkennen sollte, wenn sie würden ihren Nächsten lieben. Es soll Niemand meinen, daß er in der Liebe GOttes stehen könne, wenn er schon seinen Nächsten haffet; onein! Es ist aber unser Näch ster: 1) unser Freund, Wohlthäter u. Verwandter; wenn man nun solche liebet, so ist dieß zwar unsere Schuldigkeit; es ist aber nochkeine ausnehmendeChri stentugend, denn die unglaubigen Heiden lieben auch ihre Freunde, Gutthäter u. Anverwandten, die ihnen nichts zuwider thun. Es ist unser Nächster: 2) Auch unser Nachbar, Fremder u. Mitbürger, auch der uns beneidet, übervortheilet u. hasset. Bei der letzten Art der Nächsten soll man die Liebe am meiſten blicken las sen; 1) daß man ihnen nicht allein nichts Böses wün sche, sie nicht schelte, ihnen nicht Böses mit Bösem vergelte, sondern vielmehr alles Gute gönne, Liebe und Freundschaft erweise und sie liebe, als sich selbst. 2) Gegen die Feinde soll man Bitterkeit, Unversöhnlichkeit, Haß u. Bosheit aus dem Herzen verbannen, da gegen mit Worten u. Werken beweisen, daß man ohne Groll und Haß ein liebreiches Herz zu ihnen trage, und thue in der That u. Wahrheit, was Ehristus sa 89 Der glaubige Christ bittet get: Liebet cure Feinde; segnet, die euch fluchen; thut wohl denen, die euch haffen; bittet für die, die euch beleidigen und verfolgen, auf daß ihr Kinder seid eures Vaters im Himmel. Matth. 5, v. 44. 45. Gebet. Ach, du liebreicher GOtt! der du uns herzlich liebest, und aus solcher Liebe uns an Leib und Seele viel Gutes thust, aber uns auch anbefohlen hast, daß wir unsern Nächsten mit gleicher Liebe umfassen sollen. Ach! ich klage dir, wie mein Herz zu solcher aufrichtigen und wahren Liebe gegen meinen Nächsten sich noch nicht recht hat wollen bringen lassen. Ich sollte meinen Nächsten nach deinem Gebot lieben, wie mich selbſt; ich sollte, wenn du ihm Glück, Gesundheit, Wohlergehen gibst, mich freuen, als ob es mir selbsten widerfahren wäre. Ich sollte meinen Feind, der mich hasset, schmähet, verfolget, drücket, herzlich lieben, für ihn beten, ihm Gutes wünschen, ja, ihm viel Segen, Gedeihen u. Glückseligkeit an Leib und Seele von dir erbitten. Aber du, allwissender GOtt! siehest und weißest, wie mein Herz von diesen Pflichten entfernet ist, wie ich leider! wenn du meinem Nächsten wohl thust, ihm Glück, Ehre und Wohlthaten darreichest, es ihm mißgönne und scheel sehe, daß du so gütig gegen ihn biſt. 90 Der glaubige Christ bittet Du siehest, o allwissender GOtt! wie das Beten für meine Feinde so träg und gering ist, daß ich sie in meinem Gebet entweder vergesse, oder so ich ja ihrer gedenke, weil dein Geist mich oft an diese Schuldigkeit erinnert, daß es doch leider mit wenig Wor ten geschiehet. Ach, mein GOtt und Vater! ich erkenne daraus das Elend und Verder ben, darin ich noch stecke, und wie ich noch nicht in solchem Stande der wahren Jünger u. Jüngerinnen JEsu bin, in welchem ich billig sein sollte, als welche man daran erkennet, daß sie Liebe unter einander haben, nicht allein gegen gute Freunde und Wohlthäter, sondern auch gegen Neider, gegen Feinde und Verfolger. Darum bitte ich dich, ach! ändre doch mein rachgieriges und deinem heiligen Willen widerspenſtiges Herz, daß ich durch deine Gnade meinen Nächsten so herzlich und aufrichtig lieben möge, als mich selbst. Verleihe mir Kraft und Stärke, daß ich meinem Nächsten gern mit Freuden das gönne, was du ihm giebst, und nicht deßwegen betrübt dazu ſehe, wenn du mich diesesmal nicht mit gleicher Wohlthat erfreuest. Behütte mich vor aller Falschheit gegen ihn, daß ich mich nicht etwa freundlich stelle mit Wor ten, und im Herzen doch ihm feind ſei; 91 um wahre Liebe zum Nächsten. wie Judas ihn küsse, und doch verrathe, sondern daß ich es aufrichtig mit ihm meine. Und so ich ja muß der Feinde Verfolgung, Schmähung und Unrecht erfahren, so gieb mir Kraft, daß ich es mit Sanftmuth überwinde, nicht Böses mit Bösem, oder Scheltwort mit Scheltwort vergelte, sondern dagegen ihnen Segen und alles Gute anwünsche. HErr, mein GOtt! du siehest, wie dem Fleisch und Blut dieſe Pflicht so schwer ankommt, aber durch deine Gnade und unter deinem Beistand wird es mir möglich werden. Gieb, daß ich allezeit deine vollkommene Liebe, o himmlischer Vater! ansehe, da du uns Menschen, als wir noch deine Feinde waren, geliebet hast. Gieb, daß ich mir immer vorstelle die Liebe meines Esu, der für seine Feinde gebeten, und ihnen Gutes gethan hat. Schreibe mir in mein Herz die erbarmende Liebe des heiligen Geistes, welcher nicht müde wird, an meinem widerspenstigen Herz zu arbeiten und anzuklopfen, damit ich dadurch zu einer wahren Liebe gegen meinen Nächstrn bewogen werde, und also das Zeugniß erlange, ich sei ein wahrer Jünger JEsu. Der glaubige Christ freuet fich zc. Laß mich an andern üben, Was du an mir gethan, Und meinen Nächsten lieben, Gern dienen Jedermann, Ohn' Eigenmuß u. Heuchelschein Und wie du mir's erwiesen, Aus reiner Lieb' allein. Amen. Gesang. Mel. D GOtt, du frommer Gott. 92 1. Ist denn die Liebe gar Aus dieser Welt verschwun den, Da wenig Liebe mehr Bei Christen wird gefunden? Die Liebe sollte ja Bei Christi Jüngern sein, Warum ist Falschheit, Tück Bei ihnen so gemein. 2. Ach! in der letzten Zeit Wird alle Lieb' erkalten, Und gar geringesein Bei Jungen u. bei Alten. Ist diese Zeitschon da, So macheteuch bereit Zum lieben jüngsten Tag Und zu derEwigkeit. 2 3. Wo findet man jest Lieb', Wo sind die Liebes proben? Die Liebeswerke sind Fast gänzlich aufgehoben? Wo ist Aufrichtigkeit? Wo ist die Liebestreu? Regiert die Falschheit nicht Und lauter Heuchelei? 4. Die Liebe ist hinweg, Man findet kein Vertrauen. Man darf auf Reines Wort Anjego fast mehr bauen, Ganz anders denkt das Herz, Ganz anders red't der Mund Und schöne Worte geh'n, Doch nicht aus Herzens- Grund. 5. O falsche, böse Welt! GOtt fennet deine Stücke; Du bist voll Haß und List, Voll Bosheit und voll Tücke; Du haft die Liebe nicht, und doch der Liebe Schein, Und dieser falsche Schein Soll wahre Liebe sein. 6. Allein wer keine Lieb' Will an dem Nächsten üben, Der kann von Herzens- Grund, Auch seinen GOtt nicht lieben; D'rum glaube nur gewiß, Der ist kein GOttes Kind, Bei dem man lauter Haß und keine Liebe find't. 7. Mein GOtt! verleih' mir Gnad', Daß ich in Lieb umfassen Und Gutes gönnen mag, Die mich aus Feind schaft hassen. Ach! mache selbst mein Herz Von aller Bos heit rein, Daß ich auch in der Lieb Mög' Christi Jünger sein. 8. Laß deine Lieb' in mir vor meinen Augen stehen, Und laß mich ihrer Spur Mit allem Fleiß nachgehen, Ja, daß ich mich betracht', Und selbst an mir nehm ab, Wie es in jedem Fall Mein Nächster gerne hab'. 9. Laß deinen guten Geist, Den Geist der Treu' und Liebe In meinem Herzen sein, Damit ich Lieb' ausübe! Gieb mir ein redlich Herz, Das ohne Faschheit sei, Voll Lieb' und ohne List Und ohn' Betrügerei. Der glaubige Christ will JEsu nachfolgen 93 10. So leb' ich als dein Kind, Und werd' dahin gelangen, Wo alle Glaubigen In Liebe sich umfangen, Wo Liebe immer blüht In der Vollkommenheit: Und nie aufhören wird In alle Ewigkeit. Der glaubige Christ will JEsu nachfolgen. Aufmunterung. Will mir Jemand nachfolgen, der verläugne sich selbst, und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach. Matth. 16, v. 24. HErr, siehe, ob ich auf bösem Wege bin; so soll ein glaubiger Christ täglich seufzen, Ps. 139, v. 24. Fragteinbehutsamer Wandersmannfleißignach dem Wege, so soll ein Glaubiger sich fleißig des HimmelsWeges erkundigen. Es sind viele Verführer ausgegangenspricht Johannes, darumsolleinwahrer Christ sich wohl versehen, daß er nicht verführet werde. Ein glaubiger Christ folget demnach: 1) nicht nach den Welt- Kindern, die ihn wollen mitnehmen zu ihren lustigen u. sündlichen Gesellschaften, dadurch würde er seine Seele in allzu große Gefahr seßen, viel weniger folget er dem Trieb seines bösen Herzens; sondern er denket allezeit, so ihm etwas in die Gedanken kommt: Ist das auch recht? Er folget auch nicht dem Satan u. seinen Reizungen nach, sondern er folget nach: 2) der heiligen Schrift, die ihm vorstellet, was er glauben, was er thun u. unterlassen soll; das ist seine Lebensregel: was die nicht erlaubt, davor hat er einen herzlichen Abscheu; 3) dem HErrn JEsu, der uns hat ein Vorbild gelassen, daß wirsollennachfolgenseinen Fußstapfen! die Fußstapfen JEsu aber sind: Demuth, Gehorsam, Geduld, Sanftmuth, Keuschheit, Freundlichkeit u. Frömmigkeit, als welche Tugenden er bei seinem WandelaufErden uns zum Muster ausgeübet hat. Hierin besteht die heilige und wahre Nachfolge. Er folget auch nach: 4) dem Erempel frommer Christen. Siehet er an frommen Christen Eifer im Gebet, Der glaubige Christ will JEsu nachfolgen. Ehrerbietigkeit gegen GOtt, Mildthätigkeit gegen die Armen und andere Tugenden, so trachtet er auch solchen nachzuahmen. 5) Diese heilige Nachfolge aber soll beständig bleiben bis in den Tod, so wird an solchen Seelen auch erfüllet werden, was Johannes faget, Offenb. 14, v. 4.: Sie folgen dem Lamme nach in das ewige Leben. Gebet. 94 Ach, mein GOtt und HErr! mein einziges Verlangen in, daß ich also lebe, damit ich nach meinem Tode zur Himmels- Freude eingehen möge. Ich freue mich allezeit, wenn ich lese: die Auserwählten im Himmel ge hen dem Lamme nach, wo es hingeht; aber ich erkenne auch wohl, daß derjenige, wel cher will dem Lamme nachfolgen in der Herrlichkeit, ihm auch muß nachfolgen in dieser Zeit, dieweil er noch in der Welt lebet. Wenn ich dieses bedenke, so bin ich recht um mein Heil bekümmert; ich sehe viele Vorgänger, und weiß nicht, wem ich folgen soll. Der Satan ladet mich zwar ein durch seine Verführungen, ihm nachzufolgen; die Welt stellet mir ihre Erempel, ihre Wege, ihre Gesellschaft vor Augen; allein ich fürchte, ich möchte ihnen auch nach dem Tode folgen müssen, nämlich zur Hölle und Verdammniß. O darum will ich dir, o JEsu! nachfolgen, so gehe ich den sicherſten, besten u. seligsten Weg. Ich will dir Der glaubige Christ will JEsu nachfolgen. 95 nachfolgen im Glauben, Liebe, Demuth, Gehorsam, Frömmigkeit und Keuschheit. Christus hat uns ein Vorbild gelassen, daß wir sollen nachfolgen seinen Fußstapfen; dieses Vorbild soll mir immer vor Augen stehen. Ich will nach dem Erempel JEsu meinen himmlischen Vater lieben, ehren, seinen heiligen Willen vollbringen. Ich will nach seinem Erempel meinen Nächſten lieben und ihm Gutes thun. Ich will nach seinem Erempel meinen Feinden gerne verzeihen. Ich will nach seinem Erempel demüthig werden, weil er spricht: Lernet von mir, denn ich bin sanftmüthig und von Herzen demüthig. Nun dieß ist mein heiliges Vorhaben, dazu wollest du mir Kraft verleihen. Ach! erinnere mich allezeit daran, wenn ich der bösen Welt- Kinder Geberden, Worte und Eitelkeiten vor mir sehe, damit ich gedenke: Wo gehest du hin, o Welt? Dein Gang ist nicht zu JEsu und zu der Seligkeit gerichtet.Hilf, daß ich mich selbsten frage: Ist diesesauch der rechteHimmelsweg? Gib, daß ich mich fleißig erinnere, wer ich sein soll, und wer ich bin: Ich soll sein ein Kind Gottes, ein Nachfolger JEsu. Ich soll mich von der Welt unbefleckt erhalten. Hilf, daß ich in dieſer Nachfolge und in diesem Sinn beständig verharre bis in den Tod. 96 Der glaubige Christ will JEsu nachfolgen. Ich folge JEsu nach In Gottesfurcht und Glauben, In wahrer Frömmigkeit, Die soll mir Niemand rauben; In Demuth folg' ich ihm: Werd' ich ihm folgen schwach; So stärk' mich seine Hand, Ich folge JEsu nach. Amen. WA Gesang. Mel. Alle Menschen müssen sterben. 1. JEsus bleibet meine Freude, Ob schon in der Welt nichts bleibt, Er ist meiner Seelen Waide, Von dem mich nichts Ird'sches treibt; Such' ich Freud' in diesem Leben, Kann mir solche JEsus geben; Drum soll JEſus nur allein meiner Seele Freude sein. 2. JEsus bleibet meine Sonne, Ob die Sonne untergeht, Er bleibt meiner Seele Wonne, Ob schon alles traurig steht; Wird mir nur nach meinem Weinen Diese Sonne wieder schei nen. O! so stehets um mich wohl Und ich bin Vergnügens voll. 3. JEsus bleibet unter Freunden Dennoch stets mein bester Freund; Leb' ich unter vielen Feinden, So wird er doch nie mein Feind; Sein Herz ist mit mir verbun den, Und ich hab' an ihm gefunden, Was ich in der Welt nicht find', Ja, an feines Menschen Kind. 4. JEsus bleibet mein Vergügen, Ob mir's an Ver gnügen fehlt; Mein Vergnügen ist sein Fügen, Mich vergnügt, was er erwählt; Drum sprech ich: Mir soll in allem, Nur was dir gefällt, gefallen; Mein Vergnügen ist dein Will', Deinem Willen halt' ich still. 5. JEsus bleibet mein Ergößen, Sonsten acht' ich keine Lust, Außer ihm und seinen Schäßen, Ist mir sonst kein Schaß be wußt; Mein Gut, und die beste Gabe, Die ich hier auf Erden habe, Istmein Jesus nurallein; Soll's auch dort im Himmel sein. 6. D'rum ich will an JEsu hangen, Wo ich gehe, wo ich steh', Denn dieß ist nur mein Verlangen, Daß ich immer ihm nachgeh'. Was kann mich von JEsu schei den? Keine Trübsal und kein Leiden, Ich folg, ob ich gleich bin schwach, JEsu, GOttes Lamme nach. 7. Wählt ihr Menschen! o erwählet Mit mir dieſes höchste Gut; Wenn's euch gleich an vielem fehlet, So habt einen guten Muth; Suchet JEjum, halt't ihn feſte, Dieſes ist das allerbeste, So habt ihr in aller Noth, Hülfe und auch Trost im Tod. 97 Abend- Gebet am Donnerstag. Wenn ich mich zu Bette lege, so denke ich an dich, und wenn ich erwache, so rede ich von dir. O reicher und liebreicher GOtt und Vater! hier komme ich abermals mit vielen Wohlthaten von dir überhäuft nud begnadigt in dieser Abendstunde mit dankbarem Herzen vor dein Angesicht. O wie gnädig hast du mich angesehen, und wie ein Vater über sein Kind, dich über mich erbarmet, daß ich den Abend unbeschädigt habe erlebt; deine Langmuth hat meiner geschonet, daß du mich nicht nach Verdienſt gestrafet hast. Ach! verzeihe mir alle Uebertretungen, womit ich heimlich oder öffentlich dich beleidiget habe. Ich sollte stärker werden, wieder die Sünde zu kämpfen, eifriger in dem Guten, andächtiger zum Gebet, behutsamer im Reden, frömmer im Wandel: aber wer kann merken wie oft er fehle? verzeihe mir auch die verborgenen Fehler. Laß mich doch inskünftige mit Fleiß meiden, womit ich dich heute beleidiget habe. Ist meine Sünde groß, viel größer ist dein Erbarmen; wärest du nicht ein so barmherziger Gott, HErr! wer würde noch leben? Ich lege mich nun zur Ruhe, mein GOtt! ach, schließe du selbst die Thür hin7 98 Abend- Gebet am Donnerstag. ter mir zu, wie an dem Kasten Noah's, daß kein Wasser der Trübsal mich überschwemme. Laß die heiligen Engel mich in ihren Schuß nehmen, daß meine sichtbaren und unsichtbaren Feinde meine Ruhe nicht stören. Laß mich bei meinem Niederlegen in's Bette auch gedenken, wie ich dereinsten werde mit Erde zugedeckt, aber am jüngſten Tage wieder aufgewecket werden. Laß mich alle Tage also hinbringen u. schließen, daß ich mich eines gnädigen GOttes und guten Gewissens getrösten könne, auf daß ich bereit ſei, zu welcher Stunde du kommen wirst, mich heimzuführen. Wie ich liege u. schlafe und doch noch Athem hole, o JEsu so se auch im Schlaf mit mir vereinigt. O drei einiger GOtt! unter deinem Schirm und Schild kann mich weder Noth noch Tod verleßen, oder mir schaden. Deine Liebe Schuß, o Vater! deine Wunden, o JEfu! dein Beistand, o werther heiliger Geist! sind die Wagenburg; darin ruhe ich sanft, und liege darin wohl verwahret, davor muß der Satan fliehen und sich ferne machen. Laß auch die Meinigen deines Schußes ge nießen, wie auch alle Armen und Glenden. Stärke im Schlaf meine Kraft, und laß mich nach deinem Wohlgefallen das Tages Licht morgen wieder erblicken. Der glaubige Christ erkennt 2c. 99 HErr laß mich ruhig schlafen ein, Hilf, daß mich nichts erschrecke, Und wenn die rechte Zeit wird sein, alsdann mich wieder wecke, Daß ich an meine Arbeit tret', Wenn ich zuvor hab durch's Gebet Dir meine Werk befohlen. Verschmäh, o GOtt, mein Vater, nicht Mein Seufzen, Bitt' und Flehen; Laß mich dich, JEsu, wahres Licht, Auch in dem Finstern sehen; O heiliger Geist! am leßzten End' Mit deinem Trost dich zu mir wend' Daß ich drauf sanft einschlafe. Amen. Der glaubige Christ erkennet, daß GOtt allein das höchste Gut sei. Aufmunterung. Wenn ich nur dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erde. Wenn mir gleich Leib und Seele verschmachtet, so bist du doch, GOtt! allezeit meines Herzens Trost und mein Theil. Pf. 73, v. 25 26. Das höchste Gut zuhaben u. zu besitzen ist der Menschen Verlangen zu allen Zeiten gewesen; allein darinnen haben die Menschen gefehlt, daß sie nicht gewußt, welches das allerhöchste u. allerbeste Gut sei. Das allerhöchsteGut muß beständig und vollkommen sein, u. muß uns im Leben u. Tode, im Glück u. Unglück aufrichten und trösten können. Nach dieser Beschreibung ist das allerhöchste Gut: 1) nicht Reichthum, welchen Viele für ihr höchstes Gut gehalten haben, u. noch halten, denn er verläßt uns im Tode, u. kann alsdann keine Erquickung geben. 2) Ehre und Glückseligkeit ist auch das höchste Gut nicht, denn wie oft fällt der Geehrte in Verachtung u. Schande, und wie oft wird nicht die Glückseligkeit verwandelt in Jammern u. Elend. 3) Weisheit und Geschicklichkeit haben zwar den Vorzugvorandernirdischen Gütern, daß man sie uns nicht rauben kann, aber sie verschwinden doch im Tode. Deßhalben sucht ein glaubiger 7* 100 Der glaubige Christ erkennet, Christ sich ein wahres beständiges Gut, welches aber: 4) allein GOtt ist. Hat er GOtt, so hat er alles, die größte Ehre, den größtenReichthum, die größte Weis heit, u. zwar in Zeit u. Ewigkeit. GOtt erfreuet den Menschen inglücklichen Tagen, erhältihnin Trübsal, erquicket ihn im Tode, bleibet mit ihm vereiniget in Ewigkeit. Zu diesem Gut können wir gelangen: 5) durch's Gebet, durch andächtige Anhörung des göttli chen Wortes, durch fleißige Betrachtung desselben u. durch den Beistand des heiligen Geistes; nur muß man zusehen: 6) daß man GOtt nicht wiedervon sich stoße, u.die Weltliebe, Eitelkeit und fündliche Lustsein höch stes Gut sein laffe. Gebet. du gnadenreicher GOtt! wie bist du doch ſo herrlich, so schön, so vollkommen! Wer dich hat, der hat alles, der weiß alles, der kann alles, ja, der hat das allerhöchste, das beste und vortrefflichste Gut. Ach! schreibe doch dieſe Erkenntniß tief in mein Herz hin ein, daß ich allein dich suchen und dich finden möge. Ach! bewahre mein Herz vor der Welt- Menschen Thorheit, welche mei nen, wenn sie große Ehre in der Welt haben, oder großen Reichthum besitzen, oder groß Vergnügen und große Herrlichkeit er langen, so hätten sie das höchste Gut. Allein weit gefehlt; diese Güter verlassen die Mer schen im Tode, folgen ihnen nicht nach in die Ewigkeit, trösten sie nicht in der letzten Stunde; solche Menschen treten in die Ewig 101 daß Gott allein das höchste Gut sei. keit nackt u. bloß, ja, ohne Gott. O darum gieb, daß ich das wahre Gut von dem vergänglichen wohl unterscheide! o du dreieiniger GOtt! du bist allein mein höchstes, liebstes, wahresu. allerbestes Gut, du willst dich mir schenken, dich mit mir vereinigen; o so vereinige dich dann mit meiner Seele in Zeit und Ewigkeit! Sind alle irdischen Dinge den Feinden, Motten und Rostunterworfen, kann sie der Feind rauben, ein Unglück sie zernichten, so bleibet mein GOtt; als mein höchstes Gut, allezeit mein eigen; mit dem gehe ich aus, mit demselben geheich ein; ihn nehme ich mit mir auf die Reiſe; mit ihm lege ich mich zur Ruhe, ja, mit ihm komme ich dereinsten auch in die frohe Ewigkeit. Darum, mein GOtt! wenn ich dich nur habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erde; habe ich dich, so habe ich das wahre Leben, den größten Reichthum, die wahre Herrlichkeit, das allerbeste Gut. O! darum lebe in mir, wohne in mir, bleibe bei mir, ſo habe ich einen Helfer in Kreuz und Elend, einen Beistand in Nöthen, den größten Reichthum in Armuth, den allerkräftigsten Trost in Krankheit, ja, die allersüßeste Grquicktung in der letzten Stunde. Wenn mich die Welt und ihr Gut verläßt, so verläßt mich doch GOtt nicht; dieses höchste Gut Morgen- Gebet am Freitag. behalte ich im Abscheiden aus dieser Welt, ja es wird mir alsdann noch vollkommener, noch trefflicher und noch herrlicher mit völligem Glanz und unaussprechlichem Genuß geschenket werden. Ach! HErr wenn ich nur dich hab', Sodann sag ich allem ab, Legt man mich gleich in das Grab, Ach HErr! wenn ich nur dich hab'. Amen. Gesang. Mel. Alle Menschen müssen sterben. 1. In GOtt bin ich immer fröhlich, In GOtt hab ich lauter Freud', In GOtt bin ich reich und selig, GOtt ist selbst die Seligkeit. Darum laß die Welt vergehen, Laß die Ungewitter wehen, Bleibet doch der Höchste mein, So kann ich vergnüget sein. 102 2. In GOtt hab ich Trost und Frieden, Denn ich bin mit ihm versöhnt; Der den Himmel mir beschieden, Ist mein JEsus, der mich frönt; Drum kann ich im Frie den sterben, und in Fried' den Himmel erben; Fried' in dieser Lebenszeit, Fried in alle Ewigkeit. 3. Jn GOtt kann ich sicher rasten, er ist meiner Seele Ruh', Dir GOtt, wie zu Noah's Kasten, Eil' ich, wie das Täublein, zu; Ruh im Leben, Ruh im Herzen, Ruh in Trübsal, Ruh in Schmerzen, Ruh im Leiden, Ruh in Noth, Ruh im Grabe, Ruh im Tod. 4. In GÖtt bin ich reich an Schäßen, Welche keine Zeit verstreut, Freud, Vergnügen und Ergößen. Und des Trostes Süßigkeit, Wird mir schon von GOtt gege ben, Schaue doch, in diesem Leben! Wie wird's nicht mit vollem Schein, Herrlich in dem Himmel sein. 5. Drum will ich in GOtt verbleiben, Er ist meiner Seele Zier, Nichts soll mich von ihm abtreiben, So bin ich vergnüget hier, Und bin auch mit GOtt verbunden In den letzten Todes- Stunden! Mein GOtt, meines Lebens Licht, Weicht von mir im Tod auch nicht. Morgen- Gebet am Freitag. Mein Herz ist bereit, GOtt! mein Herz Morgen- Gebet am Freitag. ist bereit, daß ich singe und lobe, gnädiger und liebreicher Gott! mein Vater, Erlöser und Heiligmacher; ich hebe in dieser Morgenstunde mein Herz und meine Hände auf zu dem Thron deiner göttlichen Majeſtät, von welchem mir Zeit meines Lebens und auch die vergangene Nacht gar viele Wohlthaten zugeflossen sind. Du bist in derselben meine Stärke, mein Schuß, mein Erretter, meine Burg, mein Nothhelfer, mein Trost, mein Schirm, ja, mein alles gewesen. Aller dieser Wohlthaten, mein Gott u. Herr! erkenne ich mich unwürdig. Du hast mitten in der Finsterniß an mich gedacht u. da mich die dunkeln Schatten umgaben, hast du meinen Leib u. meine Seele vor allem Schaden u. Gefahr väterlich behütet; darum preiſe ich dich, und lobsinge deinen Namen. Der Herr hat Großes an mir gethan, deß bin ich fröhlich! Sei, o liebreicher GOtt! auch diesen Tag mein Beistand, leite und führe mich nach deinem Rath, und nimm mich endlich mit Ehren an. Wenn ich nur dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erde. Gieb mir heute und allezeit ein, was ich reden ſoll, daß ich dich mit meinem Mund nicht beleidige. Lehre mich, was ich thun soll, daß ich nichts Böses thue. Laß des Geistes Zucht allezeit an mein Herz 103 Morgengebet am Freitag. klopfen, wenn sich meine Gedanken vor dir verirren wollen. Laß mich, o Jesu! dein blutiges Bild, wie du an einem Freitag, zur Zeit deines bittern Leidens, hast blutigen Schweiß für mich am Delberg geschwißet, blutig bist in dem Richthaus gegeißelt, und blutig an's Kreuz angenagelt worden, vor Augen sehen, wenn Fleisch und Blut fündliche Lüste in mir erregen. Zeiget sich heute außer mir vielleicht Gelegenheit zur Sünde, darein mein Herz willigen wollte, so zeige mir eben dieß blutige Bild, daß dadurch alle Lust zur Sünde in mir erlöschet, ertödtet u. vertrieben werde. Also wird dieser Freitag ein rechter Freiheitstag von Sünden Zeit meines Lebens bleiben, wenn ich den Sünden absterbe u. in dem neuen Wesen des Geistes wandle. Gedenke auch im Leiblichen an mich, u. segne mich, n. laß mich alles Irdische als ein vergängliches Gut ansehen, daß ich mein Herz nicht daran hänge, sondern nach dem Ewigen trachte. Wenn ich arbeite, so stärke mich; wenn ich bete, so erhöre mich; wenn ich ausgehe, so begleite mich; wenn ich heimgehe, so weiche nicht von mir. Umgieb auch mich und die Meinigen mit deinem Schuß, wie das Haus Hiobs bewahre mich wie den Jakob; hab' Achr auf mich, wie auf Elias, daß ich unter deinem Schuß den Abend wie 104 Der glaubige Christ bittet um Demuth. 105 derum fröhlich erlebe. Laß vor mich nicht kommen eine traurige Botschaft, sondern laß mich hören Freude und Wonne. Meinen Leib u. meine Seele Sammt dem Willen und Verstand, Großer Gott! ich dir befehle unter deine starke Hand. HErr, mein Schild, mein' Ehr' u. Ruhm, Nimm mich auf, dein Eigenthum. Amen. Der glaubige Christ bittet um Demuth. Haltet fest an der Demuth, denn GOtt wiederstehet den Hoffärtigen, aber den Demüthigen gibt er Gnade. So demüthiget euch nun unter die gewaltige Hand GOttes, daß er euch erhöhe zu jeiner Zeit. 1. Petri 5, v. 5. 6. Unter den Sünden, dagegen ein glaubiger Chriftzu kämpfen hat, ist auch der Stolz u. Hochmuth des Herzens, welcher hernach in Wortenu. Werken ausbricht. Stolz sind wir von Naturnach dem Sündenfall, aber demüthig müssen wir werden durch die Gnade. Wer nicht demüthig wird, kann Gott nicht gefallen u. auch nicht Christi Jünger sein. Wenn nun dieses ein glaubiger Christ erwäget, so bitte er GOttumeindemüthiges Herz: 1) gegen GOtt. Denn es ist dir gesagt, Mensch! was gut ist, und was der HErr von dir fordert, nämlich: GOttes Wort halten, Liebe üben, und demüthig sein vor deinem GOtt. Mich. 6, v.8. Gr wird gegen GOtt aber demüthig werden, wenn er bedenfet GOttes Hoheit, Majestät u. Herrlichkeit, wie ihn alle Engel und Seraphinen, Cherubinen und alle Auswärtigen anbeten undpreisen, und hingegen auch erwäget, wie er ein armer Wurmu. Made, ja nichts, als ein elender Mensch ist, den GOtt in einem Augenblick verderben kann. Es wird einglaubiger Christ demüthig werden: 2) gegen den Nächsten, wenn er sich gering gegen ihn achtet, und gedenket, wie sein Nächster 106 Der glaubige Christ bittet um Demuth. vielleicht viel frömmer, andächtiger und daher GOtt angenehmer sei, als er; wie er mit ihm habe ein Wort, eine Taufe, ein heilig Abendmahl, einen Himmel, ja, daß er im Grabe wie der ärmste Bettler, wird verfaulenund zu Asche werden. Es wird ein glaubiger Christ auch demüthig werden: 3) gegen sich selbst, wennererwäget, daß er alles, was er hat, alle Gaben: Geschicklichkeit, Segen, Leben, Glück, Wohlergehen, nicht von sich selbst, sondern allein von GOtt habe, der ihmalles bald nehmen könne, daher er nicht damit prangen, sich dessenüberheben, oder das Lobder Schmeichler anhörensoll. Erstelle sich, damit er auf keinerlei Weisestolz werde, fleißig vor das Erempel des demüthigen JEsu, der sich unter GOtt und allen Creaturen erniedrigte, und uns zurufet: Lernet von mir, ich bin sanftmüthig und von Herzen demüthig. Gebet. Großer, heiliger und barmherziger GOtt! der du bist der Hohe u.Erhabene, vor dessen Thron Cherubinen, Seraphinen und alle Auserwählten in Demuth ihr Antlig bedecken; ich bekenne und klage dir, daß ich von Natur zu eigener Ehre u. zum Hochmuth, mich über alles zu erheben geneigt bin. Es hat durch den Sündenfall der Satan mein Herz mit Hoffart, welcher ein Anfang aller Sünde ist, vergiftet, daß ich oftmals vergesſe, daß ich Staub, Erdeu. Asche bin. Ach mein GÖtt! gieb mir doch ein demüthiges Herz, daß ich recht tief einsehen möge, wie ich von dir Leben, Segen, Odem und alles habe, Der glaubige Christ bittet um Demuth. 107 damit ich mich unter deine gewaltige Hand demüthigen, und nicht freventlich dich mit Worten, Gedanken oder Werken beleidigen möge. Lehre mich mein Elend und deine hohe Majestät erkennen, daß ich von mir nichts habe, als Sünde, Tod und Verdammniß, was ich aber Gutes an mir finde, daß ich solches alles von deiner gnädigen Hand empfangen habe, damit ich mit nichts prange, sondern alles als dein Geschenk und Gabe ansehe, welches du mir bald wieder nehmen kannst, wenn ich über die Mengeder Wohlthaten deiner vergessen wollte. Pflanze die wahre Demuth in mein Herz, daß ich dir gehorchen, dich fürchten, dich ehren, dir dienen, dich anbeten, und allein loben und preisen möge. Pflanze auch in mein Herz die wahre Demuth gegen meinen Nächsten, daß ich ihn niemals gegen mich verachten, oder mich ihm vorziehen möge. Hilf, daß ich erwäge, wie dir die Hoffärtigen noch nie gefallen haben, aber daß du auf die demithigen Seelen dein Licht, deinen Trost, Gnade u. Güte hast reichlich fließen laſſen. Wende von mir ab alle hoffärtigen Gedanken; gieb, daß ich mich hüte vor stolzen Worten; bewahre mich vor Ehrgeiz, Ruhmredigkeit, daraus nichts als Verachtung gegen den Nächsten entspringet. Drücke in 108 Der glaubige Christ bittet um Demuth. mein Herz das Bild meines demüthigen Heilandes, der sich unter Engel u. Menſchen erniedriget hat, welcher auch mir zuruft: Lerne von mir, denn ich bin von Herzen de müthig; daß die Stimme alle Augenblick, wenn sich mein Herz erheben will, in mir erschallen möge! Ist mein Nächster gering, ſo behüte mich, daß ich mich nicht über ihn erhebe; ist mein Nächster hoch, reich, geehrt, so laß mich dieses also ansehen, daß du ihn dazu gemacht, dazu erhoben u. dazu berufen habest, und mich darüber gegen dich nicht beschweren, oder ihm deine Gaben mißgönnen, vielmehr mich darüber erfreuen möge. Ach, mein Gott! hilf, daß ich umkehre, und werde wie die Stinder, die nichts von sich machen, daß ich nichts in meinen Augen werde. Gieb mir deinen heil. Geist, daß ich der Sünde des Hochmuths täglich abſterbe, mich keiner Ehre würdig achte, und von Nie manden Ehre begehre, sondern alle Ehre, allen Ruhm dir allein beilege. Gieb mir in wahrer Demuth des Herzens zu erkennen, daß alles, was ich bin und habe, durch deine Gnade mir gehöre, daß ich mich nichts als meiner Schwachheit rühme. Lehre mich durch solche Demuth, in Frieden und Einigkeit mit Jedermann zu leben. Laß mein Herz allezeit eine Wohnung des demüthigen Der glaubtge Chrift bittet um Demuth. 109 JEsu sein, so werde ich mich niemals erheben, Stolz und Hochmuth ist des Satans Sünde, davor bewahre mich in Gnaden. Und so es dir ja gefallen sollte, mein Gott mich in Spott u. Verachtung fallen zu lassen daß mich mein Feind schmähet, und der Verächter mich mitFüßentritt: so gieb mir Kraft u. Stärke, daß ich alles mit Demuth, Gelassenheitu. Geduldertragen möge, auch dieſes zu meiner Demüthigung und desto größeren Behutſamkeit in meinem Wandel mir dienen lasse. Ach Herr, Herr! verleihe mir Kraft und Stärke, durch deinen mächtigen Beistand dieses alles zu vollbringen. Selig sind, die Demuth haben, und sind allezeit arm im Geist, Rühnen sich gar keiner Gaben, Daß GOtt werd' allein gepreis't, Danken ihm auch für und für, Denn das Himmelreich ist ihr; GOtt wird dort zu Ehrenseßen, Die sich selbst gering hier schätzen. Amen. Gesang. Mel. Alle Menschen müssen sterben. 1. Demuth ist die schönste Tugend, Aller Christen Ruhm und Ehr', Denn sie zieret uns're Jugend, Und das Alter noch viel mehr! Pflegen sie nicht auch zu loben, Die zum großen Glück erhoben? Sie ist mehr als Gold und Geld, Und was herrlich in der Welt. 2. Siehe Jesus war demüthig, Er erhob sich selbsten nicht, Er war freundlich, liebreich, gütig, wie uns Gttes Wort bericht't; Ja man fand in seinem Leben Gar kein Prangen und Erheben; Drum spricht er zu mir und dir: Lerne Demuth doch von mir. 3. Wer der Demuth ist beflissen, Ist bei Jedermann geliebt. Wer da nichts will sein und wissen, Der ist's, 110 Der glaubige Christ bittet um Sanftmuth. dem GOtt Ehre giebt! Demuth hat GOtt stets gefallen, Sie gefällt auch denen allen, Die auf GOttes Wegen geh'n, Und in JEsu Liebe steh'n. 4. Demuth machet nicht verächtlich, Wie die stolze Welt ausschreit, Wenn sie frech und unbedächtlich Die Demüthigen, anspeit; Stolze müssen selbst gestehen, Wenn sie Fromme um sich sehen, Daß doch Demuth edler ist, Als ein frecher, stolzer Christ. 5. Demuth bringet großen Segen, Und erlanget GOt tes Gnad'. An ihr ist gar viel gelegen, Denn wer dieſe Tugend hat. Der ist an der Seel geschmücket, Und in seinem Thun beglücket, Er ist glücklich in der Zeit, Se lig auch in Ewigkeit. 6. Diese edle Demuthsgaben, So da sind des Glau bens Frucht, Wird ein jeder Christ auch haben, Welcher sie von Herzen sucht! Wo der Glaub' wird angezündet, Da ist Demuth auch gegründet; Glaube, Hoffnung, De muth, Lieb' Kommt aus GOttes Geistes Trieb. 7. Ich will auch demüthig werden, Demuth macht das Herze rein! Es soll Demuth in Gebärden, Demuth soll im Herzen sein, Demuth gegen meine Freunde, De muth gegen meine Feinde, Demuth gegen meinen GOtt, Demuth auch in Kreuz und Spott. 8. Auf die Demuth folget Wonne, GOttes Gnade in der Zeit, Und dort in der Freuden- Sonne Friede, Licht und Herrlichkeit; Da wird Demuth herrlich prangen und die Ehrenkron erlangen; Was man hier gering geacht't, Leuchtet dort in Himmelspracht. Der glaubige Christ bittet um Sanftmuth. Aufmunterung. Christus hat uns ein Vorbild gelassen, daß wir sollen nachfolgen seinen Fußstapfen; welcher keine Sünde gethan hat, ist auch kein Betrug in seinem Munde erfunden worden. Welcher nicht wieder schalt, da er gescholten ward, nicht drohete, da er litte; er stellete es aber dem heim, der da recht richtet. 1. Petr. 2. v. 21-23. Wenn ein Mensch in seinem Christenthum und in set ner Bekehrung hat einen guten Anfang gemacht, daß er sich von äußerlichen groben Sünden gereinigt, als da sind: Fluchen, Entheiligung des Sabbaths, Uep Der glaubige Christ bittet um Sanftmuth. 111 pigkeit, Leichtfertigkeit, Ungerechtigkeit, Spielen, Welt- Gesellschaften, so muß er bedacht sein auch das Inwendige zu reinigen, sonderlich von Stolz, Neid, Zorn, Haß u. Rachgier, u. sich mit dem Gebet der Sanftmuth befleißigen. Die besteht darin: daß man nicht Böses mit Bösem vergelte, nicht wieder schelte, wenn man gescholten wird, nicht aus Haß, Zorn und Nachgier dem Nächsten drohe. 2) Ob wir sanftmüthig sind u. diese edleTugend besitzen, können wir nicht eher wissen, bis uns einFeind angreift, der uns nach unserer Ehre, Gut u. Namen trachtet: denn wer da gleich im Zorn entbrennet, fluchet, schilt, drohet, bei dem wohnet der sanftmüthige Geist Christi nicht. 3) Jedoch ist es nicht wider dieSanftmuth, Schuß gegenseineFeindebeiderObrigkeit zu suchen, wie sich auch Paulus auf den Kaiser berief, u. sich in des Kaisers Schuß begab, als man ihn in Lebensgefahr bringen wollte. Ap. Gesch. 25, v. 11. 4) Es stehet wahren Kindern GOttes nicht an, wieHunde zu beißen, wieLöwen sich zu zerreißen, wie wilde Thiere in Grimm u.Bitterfeit zu verfolgen. 5) Bei solcher Verfolgung, wenn uns ein Feind drücket, willGOtt eine ProbeunsersGlaubens sehen, das uns zurErkenntniß der vorher begangenen Sünden führet, ob wir vielleichtmit unserm ungerechten Verfahren andern Leuten Seufzer ausgepressethaben. 6) DieKennzeichen derSanftmuth sind: Im Herzen verzeihen, für die Feinde beten, Matth. 5, v. 44., ihnen Gutes wünschen, alles Gute thun, alles Gute gönnen, nicht alleScheltwortehören, nicht alles beantworten, und zur Versöhnung willig sein. Sebet. du liebreicher GOtt! der du die Liebe selbsten bist, und willst deine Liebe in un 112 Der glaubige Christ bittet um Sanftmuth. sere Herzen ausgießen durch deinen heiligen Geist, ach! ich klage dir mit betrübter Seele, daß mein Herz oftmals gar widerspenstig und unbändig ist. Es follte in demselben Demuth, Liebe, Sanft muth und Gelassenheit sein, zur Zeit, wenn mich mein Feind dränget, verfol get und hasset; aber ach! ich finde leider anſtatt dieſer christlichen und noth wendigen Tugenden Eigensinn, Haß, Zorn, Rachgier, Feindschaft, durch wel che ich angetrieben werde wieder zu schelten den, der mich schilt, Böses zu vergelten dem, der mir Unrecht thut, und Rache an dem auszuüben, der mich unbilliger Weise angegriffen hat. Wenn ich aber, o GOtt! an deinem heiligen Wort weiß, daß, die solches thun, nicht sollen in's Reich Gottes kommen, und daß dergleichen Aufführung gegen die Feinde nicht sei der Kinder Gottes und der wahren Christen Art: ach! so erschrecke ich über mich selbst, daß ich noch des Teufels Unart an mir habe, als welcher rachgierig, boshaftig und unversöhnlich ist, und bitte dich, erbarme dich meiner, o du liebreicher GOtt! Und gieb mir deinen heiligen Geist, der mein Herz heilige und reinige Der glaubige Christ bittet um Sanftmuth. 113 von aller Bosheit und Rachgier. Hilf, daß ich allezeit sehen möge auf das Exempel meines JEsu, welcher nicht wieder schalt, da er gescholten wurde, und niemals seinen Feinden drohete, daß er sich an ihnen fünftig rächen wollte, da er litte, stellete es aber vielmehr alles dem heim, der da recht richtet. Ach! gieb mir auch einen solchen stillen, sanftmüthigen und friedfertigen Sinn, daß ich keinen Groll und Haß in meinem Herzen behalte, und die Sonne über meinem Zorn nicht untergehen lasse, sondern, ehe es noch Nacht wird, ehe ich noch einschlafe, meinen Widerwärtigen von Herzenverzeihen möge. Verleihe mir Kraft und Stärke, daß ich möge sein, wie ein Tauber, der nicht höret, und wie ein Stummer, der seinen Mund nicht aufthut, zur Zeit, wenn mich mein Feind schmähet. Hingegen gieb Gnade, daß ich mich freue, wenn es ihm wohl gehet, in ihm alles Gute wünsche, gönne, ja, ihm gerne helfe und wohl thue, wenn es ihm übel gehen sollte. Bewahre mich, daß ich keine Feindschaft weder in Worten, Gebärden und Werken ſpüren lasse, sondern wie gegen Jedermann, also auch gegen meine Feinde: Indem Herzen sei mitleidig, mit Worten freundlich und aufrichtig, mitGebärden holdselig, auch 8 114 Der glaubige Christ bittet um Sanftmuth. mit Werken wohlthätig, damit durch meine Unversöhnlichkeit mein Gebet nicht verhindert und all' mein Gottesdienst und Andacht nicht verwerflich werde. Gieb, daß ich von Herzen verleihe und vergebe meine Schuldigern, wie ich will, daß du mir meine Fehler und Missethaten verzeihen sollst, daß ich nicht täglich wieder mich selbst beten möge. Laße auf mich den Segen kommen, welchen du den Sanftmüthigen verheißen hast: Selig sind die Sanftmüthigen, denn sie werden das Erdreich besitzen. Šelig sind die Friedfertigen, denn sie werden GÖttes Kinder heißen. Bezwinge in mir durch deinen Geist die wider die Tugend aufsteigende Luft, damit ich als dein Kind glaube, lebe und sterbe, und dermaleinst durch deine Gnade auch in die Heimath des Friedens versezet werde. OSeele! schaue JEsum an, Hier kannst du recht erkennen, Was wahre Demuth heißen kann, Und was wir Sanftmuth nennen; Er stellet sich zum Muster dar: Wie JEsus mun gesinnet war: So ſei du auch gesinnet. Das Böse sucht er alsobald Mit Gutem zu vergelten, Man hörte, wenn die Welt ihn schalt, Ihn niemals wieder schelten. Er giebt es seinem Vater hin, So sanft ist deines JEsu Sinn, So sei du auch gesinnet. Amen. Gesang. Mel. Ach! was soll ich Sünder machen. 1. Sieh doch, wie mein Feind mich schmähet, Großer Abend- Gebet am Freitag. 115 GOtt, ach! höre doch; Großer GOtt! du lebst ja noch. Sieh, wie er mit mir umgehet, Wie er tobet, ruft und schreit, Und mich fast vor Zorn anspeit. 2. Höre, HErr, ach! hör' sein Schelten, Aber ach! verleih mir Gnad, Daß ich niemals in der That, Noch mit Worten mög vergelten, Was er wider mich ausübt, Und mich auf das Blut betrübt. 3. Gieb, daß ich nicht wieder hasse, Daß ich schweige, wenn er schilt, Und für Gutes Bös' vergilt; Daß ich in Geduld mich fasse, Und ertrage als ein Christ, Was dem Feind beschwerlich ist. 4. Hilf, daß ich ihn möge segnen, Wenn er mir auf's Schlimmste flucht, Und nichts als mein Unglück sucht, Und daß ich ihm mög begegnen, Mit gelass'nem stillem Muth, Ob er mir gleich Unrecht thut. 5. Lasse mich auf JEsum sehen, Der da gar nicht wieder schalt, Noch mit Bösem Bös' vergalt, Und darinnen ihm nachgehen, Daß ich als ein GOttes- Kind Stets mit Sanftmuth überwind. 6. Ach! laß deinen Geist mich stärken, Wenn mein Feind mir seget zu, Daß ich ihm da Gutes thu, Daß in meinem Wort und Werken Sich nicht finde Bitterkeit, Zorn, Haß, Rachgier, Grimm und Neid. 7. Laß auch meinen Feind aufhören, Daß er nicht mehr wider mich Rede also freventlich; Ja, du wollest ihn bekehren, Daß er werd' hinfort mein Freund, Welcher war mein ärgster Feind. 8. Ach! du wollest ihm verzeihen, 2as er wider mich gethan, Rechne doch es ihm nicht an, Und du wollst uns Gnad verleihen, Daß wir leben nach dem Streit, Stets in Fried und Einigkeit. 9. Und wenn wir dereinsten sterben. Daß wir sterben als versöhnt, Und mit deiner Gnad gekrönt, Laß uns beid' den Himmel erhen Zu des Lammes Hochzeit geh'n Und dein Antlig ewig seh'n. Abend- Gebet am Freitag. Der Engel des HErrn lagert sich um die her, so ihn fürchten, und hilft ihnen aus. O du großer und starker GOtt! laß mich in die8* 116 Abeud- Gebet am Freitag. ser bevorstehenden Nacht deine heiligen Engel sich um mich her lagern, und mich mit ihrem mächtigen Schuß umgeben; hast du den Engel des Tages befohlen, daß sie mich behüten auf allen meinen Wegen, so laß sie auch des Nachts als dieStarken Salomonis um mein Bette stehen. Ich lege mich nun zur Ruhe, mein Jesu, ach! bestreiche du die Pfosten meines Herzens mit deinem heiligen Blut, daß nichts Schädliches sich zu mirnahe; ich fürchte mich nicht, wenn du bei mir bist. Du hast mich heute begleitet, wo ich mich hingewendet, u. in meineVerrichtungen deinen Segen gelegt; du hast zu allem, was ich in deinem Namen angefangen, Glück gegeben. Ach! daß heute meine beständige Lehre Josephs Worte gewesen wären: Wie sollte ich so groß Uebel thun, und wider GOtt sündigen! Ach! verzeihe mir aus Gnaden, was ich diesen Tag Böses vollbracht, geredt, gedacht habe; laß mit dem abgehenden Tage auch meine Sünden und Sündenstrafe verschwinden, daß ihrer in Ewigkeit nicht mehr gedacht werde. So du willst Sünde zurechnen, HErr, wer wird beſtehen? denn ich weiß wohl, daß es so ist, daß ein Mensch nicht rechtfertig vor GOtt bestehen mag; hat er Lust, mit ihm zu hadern, ſo kann er ihm auf tausend nicht eins ant Abend- Gebet am Freitag. 117 worten. Was ich aber nicht vermag, das will ich mit JEsu Blut bezahlen. Mein JEsus ist mein, sein Blut ist mein, seine Gerechtigkeit ist mein, sein Himmel ist mein. So erkenne mich, doch, mein Hüter; mein Hirte nimm mich an; von dir, Brunn aller Güter, ist mir viel Gut's gethan; laß mich solche deine Güte zur Buße leiten, denn du hast mich jeund je geliebet, und aus großer Liebe hast du mich zu dir gezogen. Laß dein heißes Blut u. deine treue Liebe mein faltes Herz erwärmen, daß ich dich niemals mehr vorsätzlich möge beleidigen, der du so viel Gutes an mir gethan hast. Ich lege mich zur Ruhe nieder; es kann auch diese Nacht meine letzte Nacht werden; ich weiß wohl, wie ich mich schlafen lege! aber ich weiß nicht, wie ich aufstehen werde; das stehet allein bei dir, du HErr meiner Tage und meines Lebens! Aber das weiß ich doch gewiß, wenn ich in deinem Namen, mein Vater! in deinen Wunden, o JEsu! in deiner Gemeinschaft, o werther heil. Geist! einschlafe, so sterbe ich selig, wenn ich schon zu diesem zeitlichen Leben nicht wieder aufstehen sollte. Ich lege mich in JEsu Wunden, Wenn ich mich lege zu der Ruh', Ich bleib' im Schlaf mit ihm verbunden, Er drücket mir die Augen zu; Ich fürchte nicht die finst're Nacht, Weil JEsus um mein Bette wacht. Amen. 118. Der glaubige Christ bittet um den heiligen Geist. Aufmunterung. Schaffe in mir, GDtt, ein reines Herz, und gieb mir einen neuen gewissen Geist. Verwirf mich nicht von deinem Angesicht, und nimm deinen heiligen Geist nicht von mir. Ps. 51, v. 12. 13. Um den heiligen Geistzu bitten, ist die allernothwen digste und seligste Bitte. Der heilige Geiſt ist nicht mit unter denen Gaben, die uns Gott giebt, ohne unser Gebet, wie das tägliche Brod, sondern derselbe wird nur denen gegeben, die ihn darum bitten, wieChristus spricht, Luc. 11, v. 13. Deßhalben ist: 1) der heilige Geist eine Gabe, die nur denen wird gegeben, die sich wollen heiligen, reinigen und vonihmregieren lassen. 2) Um den heiligen Geist bitten, ist höchstnothwendig: dennindiesem Leben haben wir vonnöthen einen Füh rer, einen Lehrer, einen Tröster, und das ist der heilige Geist, der führet uns in alle Wahrheit, er lehret uns JEfumChristumerkennen, er erkläretihnuns, ertrö stet uns in allerlei Leiden u. Trübsal, jainder Stunde des Todes. 3) Um den heiligen Geist sollen bitten Alte und Junge, Großeund Kleine, die Eltern für sich und ihre Kinder, denn der heilige Geist ist das Pfand unfers Erbes; wer hier den heiligen Geist nicht hat in seinem Herzen, der kann auch dortennichtselig werden. 4) Deßhalben sind das die unglückseligen Menschen, die ohne den heil. Geist sind, die können nicht fromm werden, noch frommleben, sondern sündigen u.fallen, weil sie ohne diesen Regierer u. Führer sind. Ja, wer will sie auf ihrem Todbette trösten, und in der letzten Noth erquicken? 5) Hatuns Gott aber den heil. Geiſt gegeben, so soll man ihn nicht wieder von sich stoßen durch muthwillige Sünden und ein gottloses Leben, ſondern täglich seufzen: Nimm deinen heiligen Geist nicht von mir! 6) Solche Seelen stehen in der wahren Vereinigung mit Gott, u.indemStandederSeligkeit. Der glaubige Christ bittet 2c. 119 Gebet. Großer GOtt, heiliger Vater! siehe, ich armes Kind komme zu dir, u. bitte dich um eine nothwendige Gabe, um den heil. Geist, welchen du haft gnädiglich verheißen, allen zu geben, die dich darum anrufen; darum sende ihn von oben herab, aus deiner heiligen Wohnung, in mein Herz, daß er sei mein Führer, der mich leite nach deinem Rat), damit ich allezeit, was vor dir wohlgefällig ist, vollbringe. Ach! ich sehe so viele Frrwegeu. Sündenwege; ich sehe so viele Menschen, die auf demselben gehen, u. die mich theils mit freundlichen, theils mit Schmähworten reizen, ich solle mit ihnen sündigen u. Böses thun. Ach GOtt! leite mich in deiner Wahrheit, erhalte mein Herz bei dem Einigen, daß ich deinen Namen fürchte; stelle meiner Seele allezeit vor, wenn mir die Welt mit ihren Sünden wolle gefallen, daß mich solcher breite Weg in das Verderben u. Verdammniß führe. Ach! gieb mir deinen heiligen Geist, den Geist der Wahrheit, der mich lehre; den Geist des Trostes, der mich erquicke; den Geist der Freudigkeit, der mich erfreue in Traurigkeit; den Geist der Wiedergeburt, der eine neue Kreatur und einen neuen Menschen aus mir mache; Univ.- Bibl. Giessen 120 Der glaubige Christ bittet den Geist der Kindschaft, der mich versichere, der sei ein Kind GOttes; den Geist, das Pfand meines himmlischen Erbes. Owerther heiliger Geist, ach! heilige mich, dusiehest ja, wie mein Herz noch voll Unreinigfeit, Unart und Sünden ist, daher denn lauter unheilige Gedanken, Worte und Werke entstehen, aber du siehest auch, wie ich durch deine Gnade davor einen herzli chen Abschen habe. Ach! ach es ist mir leid, daß ich es jemals betrübet und dein Anklopfen gering geachtet habe. Hiemit er gebe ich mich dir in deine heilige Führung und Regierung; du sollst sein meiner Seele Leben, meines Lebens Kraft, meines Her zens Trost, meines Verstandes Licht, meines Willens Ruhe und Stärke, meines Ge dächtnisses Schaß, ein Ursprung, Anfang und Ende meines neuen und geistlichen Le bens. Ach! heilige mich durch und durch, damit mein Geist sammt Seel' und Leib mögen unsträflich behalten werden bis auf den Tag JEsu Christi. Mache aus meinem Herzen einen Tempel und wohne darinnen. Mache meine Glieder zu Waffen der Ge rechtigkeit, daß ich damit nicht möge vorfäßlich u. muthwilligsündigen. Mache mein Herz zu einem lebendigen Opfer, das GOtt angenehm ſei. Du heiliges Feuer! brenne um den heiligen Geist. 121 und vertreibe aus meinem Herzen alle fleischlichen Lüste u. Begierden, damit ich auch die Kräfte meines Leibs zu deiner Ehre gebrauche. Regiere und führe mich allezeit auf ebener Bahn, bis du mich in den Himmel führest. Wenn mein Fleisch und Blut und die Welt mir wegen des Leidens dieser Zeit den Trost benehmen will, daß ich sei ein Kind GOttes: ach! so versichere mich durch deinen kräftigen Zuspruch, daß weder Leben, noch Tod mich werde scheiden von der Liebe Gottes, und daß Kinder Gottes zwar Kreuz und Trübsal haben, aber dennoch Kinder Gottes bleiben. Sei und bleibe du der beständige Einwohner und HErr in meinem Herzen, gieb Zeugniß meinem Geist, daß ich ein Kind Gottes ſei. Tröste mich auch in der Stunde meines Todes, wenn aller Menschen Hülfe und Beistand verschwindet, mit dem Trost, daß ich werde der Herrlichkeit theilhaftig werden, die mein Jesus durch sein Leiden und Sterben mir erworben hat. Vater! gieb mir auch die Gabe, Diedu Alle bitten heißt, Daß ich sie empfind' und habe, Gieb mir deinen heil'gen Geist; Denn ich habe groß Verlangen, Diese Gabe zu empfangen; Ach! erhöre meine Bitt', Theile deinen Geist mir mit. Amen. Morgen- Gebet am Sonnabend. Gefang. Mel. Zeuch ein zu deinen Thoren 2c. 1. Ach, komm doch in mein Herze, O werther heil'ger Geist! Sei meiner Seele Kerze, Die sie zum Himmel weist. Und mach sie neu und rein? Ich habe groß Verlangen, Geist; dich zu empfangen, Ach! kehre bei mir ein. 122 2. Komm, gieb mir neue Stärke In meinem Christenthum, lnd heil'ge meine Werke Zu deinem Dienst und Ruhm; Ach! mache mich ganz neu, Daß ich ſtets bet' und singe, Und nur allein vollbringe, Was dir gefällig ſei. 3. Komm, heil'ge meinen Willen, Und reiß ihn von der Welt, Damit ich mög erfüllen' Was dir, mein GOtt! gefällt; Ich geb mich gänzlich dir, Regiere meine Sinnen, Mein Leben und Beginnen, Und wohne stets in mir. 4. Ja, änd're Herz und Leben, Und heilige gänzlich mich, Heb' auf das Widerstreben, Daß alles richte sich Allein nach deinem Trieb, Daß ich die Sünde hasse, Das Böse unterlasse, Und wachs' in deiner Lieb. 5. Laß meine Lippen sprechen, Was ehrbar ist hinfort, Damit sie nicht ausbrechen In freche Sünden- Wort; Sei meiner Zunge Herr, Daß sie GOtt Lob und preise, Dem Nächsten Lieb erweije, Und dien' zu deiner Ehr. 6. Ich will von mir ausgehen, Wenn du gehst bei mir ein. Und auf dein Winken sehen, Dir ganz zu Dienste jein: Du bist's, den ich erwähl, Ich will mich dir ergeben: Du sollst nun sein mein Leben Und meiner Seele Seel'. 7. Wenn du nun hast genommen In meinem Herzen Plaß: Wenn du zu mir gekommen, So sollst du sein mein Schaß: Dieweil ich an dir hab Den allerbesten Führer, Den Tröster und Regierer, Die allerbeste Gab. 8. Wird sich mein Leben enden, Daß ich abscheiden soll, So ist in deinen Händen mir auch im Sterben wohl; Zerrinnt des Lebens Sajt, Daß ich nicht mehr kann beten, So wirst du mich vertreten Durch deiner Seufzer Kraft. 9. Wenn ich nun werd erblassen, So sprich den Trost mir zu: Ich seie nicht verlassen, Ich komm zu meiner Ruh. Im letzten Kampf und Streit Hilf du mir kräftig ringen, Und seliglich durchdringen Zur Himmels- Herrlichkeit. Morgengebet am Sonnabend. HErr! lehre mich doch, daß es ein Ende Morgen- Gebet am Sonnabend. 123 mit mir haben muß, und mein Leben ein Ziel hat, u. ich davon muß. Starker und allmächtiger GOtt! dieses sind jetzt meine Gedanken am Ende der Woche, da dut am letzten Tage derselben mich hast gesund von meiner Ruhe aufstehen lassen. Ich rühme dich in dieser Frühstunde, daß du Leib und Seele so herrlich beschüßet, so mächtig bedecket hast, daß keine Gefahr noch Leiden mich hat beunruhigen können. Omein GOtt! so wenig die Sterne am Himmel, der Sand am Wasser, die Tropfen im Meere zu zählen sind, so wenig kann ich auch die Wohlthaten namhaft machen, welche ich Zeit meines Lebens und auch diese Woche von dir empfangen habe. Du bist diese Nacht nicht von meiner Seite gewichen, du hast alles Ungemach von mir abgewiesen. Du sprachst: Mein Kind, nun liege; troß dem, der dich betrüge; schlaf wohl, laß dir nicht grauen; du sollst die Sonne schauen. Dein Wort, HErr! ist geschehen, ich kann das Licht noch sehen, von Noth bin ich befreiet, dein Schuß hat mich erneuet. Ach! laß mich diesen Tag beständig verläugnen alles ungöttliche Wesen und die weltlichen Lüste, und dagegen züchtig, gerecht und gottſelig den Tag hinbringen. Laß mich mit meinen Kleidern anziehen herzliches Erbarmen, Morgen- Gebet am Sonnabend. Freundlichkeit, Sanftmuth, Demuth und Geduld; hingegen den alten Menschen mit seinen Werken: Ungerechtigkeit, Falschheit, Lügen, Zorn, Zant, 3wietracht, Unreinigkeit und Bosheit ausziehen. Weihe dir mein Herz zu einem Tempel, damit heute von mir nichts geredet oder vollbracht wer de, was dir zuwider sein könnte. Mein JEsu! der du bist das A und das O, der Anfang und das Ende, ich habe nun abermals durch deine Gnade das Ende einer Woche erlebet; laß mich wohl bedenken, daß auch einmal die letzte Woche und der lezte Tag meines Lebens kommen werde, und laß mich alle Wochen und Tage jo anfangen, mitteln und vollenden, daß ich in den letzten Lebensstunden mich nicht schämen oder beklagen möge, daß ich gelebet habe. Laß mich auch diesen Tag in deiner heiligen Furcht hinbringen; behüte meinen Ausgang und Eingang; segne meine Arbeit; stehe mir in allen Fällen bei, und richte all' mein Beginnen und Trachten nach deinem Willen. Zerreiß das Sündenregister, welches ich diese Woche hin durch zusammen gebracht, streiche es mit deinem Blute aus, und laß mich die neue Woche behutsamer, frömmer, aufrichtiger und dir gefälliger werden. Ich freue mich 124 Der glaubige Christ erkennet 2c. 125 schon auf den morgenden Sonntag, da ich soll ruhen von aller meiner Arbeit, auf daß du dein Werk zu meiner Erbauung, Heiligung und Belehrung in mir haben mögest. Oheil'ger Geist! kehr' bei mir ein, Und laß mich deine Wohnung sein, Okomm, du Herzens- Sonne! Du Himmels- Licht! laß deinen Schein Bei mir u. in mir fräftig sein Zu steter Freud' und Wonne, Laß mich durch dich fromm zu leben, Jeßt anheben, u. mit Beten Oft deßhalben vor dich treten. Amen. Der glaubige Christ erkennet die immerwährende Güte GOttes. Aufmunterung. Die Güte des Herrn ists, daß wir nicht gar aus sind; seine Barmherzigkeit hat noch kein Ende, sondern sie ist alle Morgen neu, und seine Treue ist groß. Klagl. Jer. 3, v. 22. 23. Alles Ding hat seine Zeit, GOttes Güte aber währet in Ewigkeit, wie David im 136. Psalm, ,, denn seine Güte währet ewiglich," bei allen Versen widerholet. Gottes Güte ist wie eine Mutter, welche, wenn ein Kind geboren wird, es in ihre Arme nimmt, für dasselbe sorger, es pfleget, und erziehet; so thut auch GOtt an uns Menschen. Dieses erkennt nun ein glaubiger Christ: 1) daß es eine unverdiente Güte iſt; ach! das haben wir nicht um Gott yerdienet; wollte er nach unserm Berdienst mit uns handeln, so müßte das Verderben an Leib und Seele uns drücken; 2) daß es ist eine uns nothwendigeGüte; wäre Gott nicht so gütigu. barmherzig, so müßten wir verschmachten u. vergehen, und würden nicht einen Tag, ja nicht eine Stunde leben. Denn wie ohne die Luft keine Creatur leben kann, also können die Menschen auch nicht bestehen ohne die Güte Gottes. Ja, was Der glaubige Christ erkennet dasmeiste, esist: 3) eine immerwährende Güte; wenn ein glaubiger Christ sein ganzes Leben ansiehet, von seiner Geburt an, in seiner Kindheit, Jugend und fortwachsenden Jahren, so ist es lauter Güte Gottes; was wir Gutes an uns haben, das hat Gott in uns gewirket; was wir besizen im Leiblichen, das hat uns Gottes Güte gegeben. Ja, was noch mehrzu verwundern, ist es: 4) eine Güte, welche auch die Undankbaren und Gottlosen genießen: auch über die läßt Gott seine Sonne scheinen, er giebt ihnen Nahrung und Kleidung, nur der Einwohnung des heil. Geistes werden sie nicht theilhaftig, weil sie ihr Herz davor zuschließen. Ein glaubiger Christ läs set sich aber durch Gottes Güte auch zur Buße, Liebe Gottes und Gottesfurcht leiten, und ist ver fichert, daß er also auch derselben genießen werde bis in den Tod, ja in alle Ewigkeit. 126 Gebet. GOtt, wie groß ist deine Güte, daß Menschenkinder unter dem Schatten deiner Flü gel trauen! Sie werden trunken von den reichen Gütern deines Hauses; und du tränkest sie mit Wollust als mit einem Strom. Nun solche Güte habe ich auch erfahren, mein GOtt! sie ist bei mir alle Tage, alle Stunden, alle Wochen, ja, alle Jahrenen gewesen. Deine Güte hat mich, da ich geboren war, wie eine Pflegmutter auf die Arme genommen, und hat mich erzogen. Deine Güte hat mich in der Ju gend an der Hand geführet und aller Orten die immerwährende Güte GOttes. begleitet. Deine Güte hat in den erwachsenen Jahien mich versorget, erhalten, ernähret und mir viel Gutes bescheeret. Ja, deine Güte hat bis auf diesen Tag und diese Stunde, da ich vor dir stehe, über mir geschwebet; deine Leuchte hat über mir geschienen, und mich mit Segen, Gnade und Trost erfüllet. Diese deine Güte hat mich öfters bewahret vor Unglück und Schaden; deine Güte und Treuehat mich allewege behütet, und iſt mit mir aus- und eingegangen, damit mir kein Leid widerfahren möge. Diese deine Güte hat auch meine Seele mit himmlischem Lichte ausgeschmücet, durch dein Wort mich erleuchtet, durch den heiligen Geist mich geheiliget, und zu deiner wahren lebendigen Erkenntniß gebracht. Ach, mein GOtt! laß deine Güte ferner über mir walten, und verlaß mich nicht im Alter, wenn ich grau werde; laß deine Güte und Treue mich begleiten bis in den Tod, bis sie meine Seele zur Erquickung in deinen Schooß, und meinen Leib zur Ruhe in die Erde gebracht hat. Laß deine Güte mich auch zur Buße leiten, daß ich in Betrachtung der empfangenen Wohlthaten, dir mein Herz zur Wohnung und meine Seele zum Eigenthum übergebe. Nach aller deiner Güte er127 128 Der glaubige Christ erkennet 2c. barme dich über mich, wenn ich aus Schwachheit vielleicht fehlen und fündigen sollte. Bringe mich nach deiner Barmherzigkeit wiederum auf den Weg der Buße und des Friedens, und laß mich deine Gnade genießen, hier zeitlich und dort ewig. Für alle deine mir erwiesene Güte danke ich dir, und lobe dich von Grund meiner Seele! nicht allein lobe ich dich allhier, dieweil ich lebe, ich will dich, o gütiger und barmherziger GOtt! auch preisen dort in alle Ewigkeit. Darum o meine Liebe! Die mich oft betrübte Hier in dieser Welt, Dir dankt mein Gemüthe Wegen deiner Güte, Die mich noch erhält, Die mir oft Gar unverhofft Hat geholfen in den Klagen, Noth, Leid, Angst und Zagen. Amen. Gesang. Mel. Freu' dich sehr, o meine Seele. 1. GOttes Liebe, Gnad' und Güte Werden alle Morgen neu, Das erkennet mein Gemüthe Und auch seine Vaters- Treu'. GOtt hat viel an mir gethan, Mehr als ich aussprechen kann; Ich hab alle Tag und Stunden GOttes Treu' und Güt' empfunden. 2. Nicht nur hat er mir das Leben, Nahrung Segen, Wohlergeh'n Reichlich mir aus Gnad' gegeben, Sondern er läßt mich auch seh'n, Wie es seiner Güt' gefällt, Daß er alles noch erhält, Ja mit jedem frühen Morgen Hebt er wieder an zu sorgen. 3. Er schenkt mir auch seine Liebe Und die wahre Seelenfreud' Seines Geistes süße Triebe Zu der wahren Frömmigkeit, Trost, wenn mich mein Leiden quält, Hülf', Der glaubige Christ erwäget 2c. 129 wenn mich ein Feind anfällt, Güte, wenn ich vor ihn trete, Gnade, wenn ich eifrig bete. 4. Solche Güt' hab' ich erfahren, In dem ganzen Lebens- Lauf, Und in diesen späten Jahren Höret sie auch noch nicht auf: Wenn ich Morgens früh aufsteh', Und des Abends schlafen geh, Läßt sie mir's an meiner Seelen Nie an etwas Gutem fehlen. 5. Diese Güte will ich preisen, Weil ich lebe in der Zeit, Und dem Höchsten Dank erweisen In der frohen Ewigkeit. Ach, mein GOtt! ich bitte dich, Lasse deine Güte mich Allezeit zum Trost genießen, Bis ich werd' die Augen schließen. Der glaubige Christ erwäget die künftige Herrlichkeit der Kinder GOttes. Aufmunterung. Meine Lieben, wir sind nun Kinder GOttes, und ist noch nicht erschienen, was wir sein werden. Wir wissen aber, wenn es erscheinen wird, daß wir ihm gleich sein werden, denn wir werden ihn sehen, wie er ist. Und ein Jeglicher, der solche Hoffnung hat zu ihm, der reiniget sich, gleichwie er auch rein ist. 1. Joh. 3, v. 2. 3. Ein jeglicher wahrer Christ soll dreierlei täglich, ja, stündlich erwägen, wer er sei: nämlich ein Kind Gottes; was er an Gott habe: nämlich einen Vater, einen Wohlthäter u. den allerbesten Freund; und was er von GOtt noch zu gewarten habe: nämlich himmlische Freude und Herrlichkeit. Diese Betrachtung wird in ihm die Liebe zu Gott entzünden und stärken, und Haß und Verachtung gegen die Welt und gegen alles sündliche Leben erwecken. Denn: 1) große Herrlichkeit haben die Glaubigen schon allhier in diesem Leben, nämlich Vergebung der Sünden, die Kindschaft bei GOtt, den Frieden mit GOtt, einen Tröster in aller Noth, einen Fürbitter und Fürsprecher, Freude der Seele, Ruhe in Gott! gegen diese Herrlichkeit ist Silber, Gold, Geld und auch eine königliche Krone für nichts zu achten. 2) Große Herrlichkeit 9 130 Der glaubige Christ erwäget haben sie nach diesem Leben zu erwarten: nämlich den Eingang in den Himmel, das Anschauen des dreieinigen Gottes, die Gesellschaften der heiligen Engel und Auserwählten, die Befreiung von allem Leiden, ein ewiges Wohlsein, und endlich eine fröhliche und selige Auferstehung des Leibes. Ein glau biger Christ soll 3) sich darauf freuen, sich derselben bei vorfallenden Trübsalen trösten, und sich versichern, es werde dereinsten alles Leiden in ein ewiges Jauchzen verwandelt werden. Sonderlich aber soll er 4) diese Herrlichkeit nicht verscherzen durch ein sündliches Weltleben, sondern gedenken, er sei zu etwas Herrlicherem bestimmt. Zu dem Ende 5) bleibet er im Glauben und in der Lebens Heiligkeit, siehet das Irdische an als etwas Ver gängliches, das er verlassen muß, hingegen schit er sein Herz oft dahin, wo er ewig wünscht zu sein. Gebet. Wie gnädig, gütig und barmherzig bist du doch, o du ewiger und großer GOtt! daß du nicht allein den Menschen in großer Herrlichkeit und zu großer Herrlichkeit er schaffen, sondern auch, da er gefallen war, wiederum eine große Herrlichkeit zugesagt hast allen, welche da werden die Gnade an nehmen, und im Glauben u. heiligen Leben dem Trieb deines heiligen Geistes folgen. Denn solche wiedergeborne und geheiligte Seelen können sich trösten, sie haben in dieſer Zeit schon eine große Herrlichkeit, nämlich die Kindschaft bei Gott, die Gerechtigkeit die künftige Herrlichkeit der Kinder GOttes. 131 Christi, die Einwohnung des heiligen Geistes, den Frieden mit dir, deine Huld, Gnade und Liebe, zu welcher sie allein getrost in ihrem Gebet treten, und von der sie in Nöthen Hilfe und Barmherzigkeit erlangen können. Zu dieser Herrlichfeit wird noch eine größere kommen nach dieser Zeit; denn wenn die Seele ist vom Leibe geschieden, so soll sie sogleich gelangen zum Anschauen deines Angesichts; sie soll deinen Heiligen zugesellet und mit himmlischer Freude erfüllet werden. Zu solcher Herrlichkeit wird auch der Leib nach der Auferstehung gelangen, da soll er verkläret werden, und leuchten wie die Sonne. Ach, mein GOtt! verleihe mir Gnade, daß ich diese Herrlichkeit möge allezeit vor Augen haben, wie ich im Sterben recht werde anfangen zu leben, wie mein Elend im Tode, nicht aber mein Leben in dir ein Ende nehmen werde, und daß ich alsdann aus der Unruhe zur Ruhe, aus der Trübsal zur Freude, aus der Angst zur Wonne, aus der Traurigkeit und dem Jammerthal zum Trost gelangen soll. Ach! erhalte mich im Glauben und in der Frömmigkeit, daß ich, wenn die Welt mich verführen will, gedenke, wer ich sei, nämlich dein Kind, und was ich noch von dir zu erwarten habe, 9* Der glaubige Christ erwäget 2c. nämlich die ewige Herrlichkeit und Seligkeit, damit ich nimmermehr die Welt möge lieb haben, und darüber des Himmels Herrlichkeit versäumen. Hilf, daß ich wie die Läufer, so in den Schranken liefen, aufmerk sam waren auf alle Tritte, damit sie das Kleinod erlangten, auch möge vorsichtig wandeln, nicht als Unweiser, sondern als ein Weiser, damit ich am Ende meines Lebens mit Wahrheit sagen könne: Ich habe einen guten Kampf gekämpfet; ich habe meinen Lauf vollendet; ich habe Glauben gehalten; hinfort ist mir beigelegt die Krone der Ge rechtigkeit, welche mir der gerechte Richter geben wird, nicht aber mir allein, ſondern auch allen, die seine Erscheinung lieb haben. Der Leib zwar in der Erden Von Würmern wird verzehrt, Doch auferweckt soll werden Durch Christum neu verklärt, Wird leuchten als die Sonne, und leben ohne Noth In himmlischer Freud' und Wonne, Was schad't mir dann der Tod? Anten. 132 Gefang. Mel. D GOtt, du frommer GOtt 2c. 1. Sieh', es ist alles mir Zum Eigenthum gegeben, Was GOtt nur ist und hat: Ja, schon in diesem Leben Ist es schon alles mein; Das Recht und der Genuß Er quicket mich gar oft In süßem Ueberfluß. 2. Denn siehe, GOtt ist mein, Weil seine Bater- Treu, Verpflegung, Lieb' und Schuß Wird alle Morgen neu; Er ist mein Licht, mein Heil, Mein Helfer und mein GOtt Mein Beistand und mein Trost, In aller meiner Noth. 3. Und JEsus ist auch mein, Sollt ich mich nicht er freuen? Was darf ich Noth und Tod, Das Grab un 133 Abend- Gebet am Sonnabend. Erde scheuen? Sein Blut, Gerechtigkeit Und sein Verdienst ist mein, Soll ich deßwegen nicht Von Herzen fröhlich sein? 4. Der heil'ge Geist ist mein, Denn er hat mich geschmücket Mit Glauben, Licht und Kraft In ihm leb' ich beglücket, In diesem Thränen- Thal; Mein JEsus schenket mir Dieß Pfand der Seligkeit Zum Siegel schon allhier. 5. Der Himmel ist auch mein, Als welchen mir erworben Mein JEsus, da er ist Am Kreuz für mich gestorben; Jd) lebe oder sterb', So weiß ich wohl wohin, Weil ich durch JEsu But Ein Himmels- Erbe bin. 6. Und so bin ich ja reich Bei diesen großen Schäßen. Denn diese Schäße sind's, Dich mich allein ergöBen; Ja, selig bin ich schon In dieser Gnadenzeit, Da ich den Vorschmack hab Von jeder Herrlichkeit. 7. Doch dorten wird mein Heil In vollem Glanz anheben, In Frieden, Trost und Ruh', In jenem FreudenLeben. Da werd' ich herrlich sein, In froher HimmelsPracht, Und werd' da ewig sein, Wohin ich stets gedacht. Abend- Gebet am Sonnabend. Wenn ich im Finstern wandle, so ist der HErr mein Licht. O du liebreicher und gnädiger GOtt! jezt endigt sich der Tag und zugleich auch die Woche; aber deine Gnade währet für und für. Es können wohl Berge weichen und Hügel hinfallen, aber deine Gnade weicht nicht von deinen Kindern. Nun diese ewige Gnade hat mich auch diese Woche erleben lassen; was ich im Anfang der Woche nicht wußte, das weiß ich nun, nämlich, daß ich gesund derselben Ende erreichen sollte. Deiner Wohlthaten sind dieſe Woche über viel gewesent; du hast mein Gebet erhört, mich behütet, 134 Abend- Gebet am Sonnabend. mir guten Rath mitgetheilet, mich begleitet; kein Tag ist vergangen, da ich nicht Gnaden-, Liebes- und Segens- Gaben von dir empfangen habe, ja, keine Stunde ist vergangen, darin nicht reiche Ströme deiner Wohlthaten auf mich geflossen sind. Jest habe ich, was ich im Anfang gewünscht. O der großen Gnade, Liebe und Barmherzigfeit! Ich gedente aber heute, am Schluß der Woche, auch an meine Sünden! viel sind meiner Uebertretungen gewesen, da ich mit Denken, Wollen, Vollbringen, Thun und Lassen vollbracht, daß ich nicht ſo trenlich für meine Seele gesorgt; nicht so viele Stunden dir gewidmet, als ich billig hätte thun sollen. Ach HErr! HErr! vergieb mir diese Sünden; ach HErr JEsu! durchstreich mit deinem heiligen Blut die ganze SündenHandschrift dieser Woche, daß sie mir auf ewig verziehen u. vergeben bleiben mögen. HErr! strafe mich nicht in deinem Zorn, und züchtige mich nicht in deinem Grimm. Sei auch in dieser Nacht eine feurige Mauer um mich her; laß kein Unglück, Schaden und Gefahr mich und die Meinigen rühren. Hilf, daß ich alle meine Sorgen auf dich werfe, und unter deiner Fürsorge, mein Vater! san ft ruhe. Ich bin nun eine Woch älter und auch einen Schritt näher zur Abend- Gebet am Sonnabend. 135 Ewigkeit. Das Ende dieser Woche erinnert mich an das Ende meiner Tage, daß auch die letzte Woche, der letzte Tag und die letzte Stunde meines Lebens einbrechen werde, auf welche hernach die lange Ewigfeit folgen ſoll; darum hilf, daß ich alle künftigen Wochen, Tage und Stunden also anwende, damit ich vor deinem Anblick nicht erschrecken dürfe. Hilf, daß ich mein Herz alle Tage da hinein schicke, wo ich ewig wünsche zu sein. Hier bin ich ein Pilgrim, der nur ein Nachtlager auf Erden hat; aber im Himmel ist mein Vaterland und ewige Wohnung, wo du alle Thränen von den Augen der Deinen wirst abwischen, ihnen die herrlichen Güter deines Hauses austheilen, und sie mit ewider Freude ergößen. Hiemit lege ich nieder meine Geschäfte und Berufswerke; ich bereite mich auf den morgenden Sonntag, den ich mit Beten, Singen und Betrachtung deines heiligen Worts hinbringen will. Gieb mir dazu deines heiligen Geistes Kraft, daß ich an meiner Andacht weder von Menschen, noch von meinem eigenen Herzen möge verhindert werden. Weicht nichtige Gedanken hin, Stört nicht der Andacht Lauf, ich baue mir in meinem Sinn GOtt einen Tempel auf. Amen. 136 Der glaubige Christ danket GOtt am Ende der Woche. Aufmunterung. Wie soll ich dem HErrn vergelten alle seine Wohlthaten, die er an mir thut? Psalm 116, v. 12. Es gehetein Tag und eine Woche unsersLebens nach einander dahin, und wir gelangen alle Tage und Wochen näher zu unserem Tode; unterdessen ist doch der gütige und barntherzige Gott, so barmherzig, daß er bis dahin uns viel Gutes thut an Leib und Seele, und unser Herz erfüllet mit Speise und Freuden. Das sollen auch die Gedanken sein eines glaubigen Christen am Ende der Woche. 1) Er danfet Gott für den Segen, den er hat empfangen; für den Schuß, darunter er hat die Woche glücklich hingebracht; für die Hilfe, die er hat erlanget, wenn er GOtt mit seinem Gebet anflehet. Höret er, daß andere die Woche über in Unglück gerathen, betrübt worden, gefallen sind, Schaden gelitten, ihresElends und Jammers nicht befreit worden sind: so hat er Mitleiden mit ihnen, und rühmet Gottes Güte, die ihn mit dergleichen Leiden verschonet hat. 2) Ein glaubiger Christ erwäget, daß Gott durch solche beharrliche Beweisung der Güte ihn zur Buße leite; darum bereuet er am letzten Tage der Woche, was er an jedem Tage Böses vollbracht, und läffet also den letzten Tag der Woche seinen Versöhmungs-, Bet-, Buß- und Danktag sein. 3) Gr bittet auch um ferneren Schuß, Güten.Barmherzigkeit auf die fünftige Woche; er empfiehlt sich GOtt und ſeiner Gnade. 4) Er erwäget, daß also alle Wochen nach einander hinlaufen werden, bis einmal die Sterbewoche kommen wird; darauf bereitet er sich in wahrem Glauben an Jesum Christum mit einem heiligen und bußfertigen Leben. Solche heilige Betrachtungen ſol Der glaubige Christ danket GOtt 2c. 137 len den Menschen andächtig, behutsam, dankbar und fromm machen, daß er auf GOttschaue, als von welchem alle guteGaben von oben herabkommen; sich der göttlichenGnade überläßt, in der Liebe JEsu bleibet, u.also im Standeist, nach Gottes Willenseligzuleben u.zusterben, wenn sein Sterbstündleinvorhandenist. Gebet. Der HErr hat Großes an mir gethan, deß bin ich fröhlich. Bis hieher hat mir der HErr geholfen. Also spreche ich billig, mein GOtt und HErr! da ich nunmehr den Schluß dieser Woche so glücklich erlebet habe. HErr, wie theuer ist deine Güte, daß Menschen- Kinder unter dem Schatten deiner Flügel trauen! Du beschirmest ſie, du erhältst sie, du bewahrest sie, und alle Morgen ist deine Güte neu. Ach, mein GOtt! du hast in dieser Woche deine Flügel über mich ausgebreitet; du hast mich gesund erhalten, hast mich gesegnet, begleitet, bewahrt, an Leib und Seele mir viel Gutes gethan; hast auch die Meinigen deines Schußes und deiner Gnade lassen genießen. Nun das hat GOtt gethan; das ist GOttes Werk, daß ich diese Woche so glücklich hingebracht habe. Darum lobe den HErrn, meine Seele, und was in mir ist, seinen heiligen Namen; lobe den HErrn, meine Seele, und vergiß nicht, was er dir Gutes 9 138 Der glaubige Christ danket GOtt gethan hat. Ach ja! wie viele sind diese Woche gefallen, und ich stehe durch deine Gnade aufgerichtet; wie viele haben eine betrübte Trauer- und Kreuzwoche gebabt, aber mich hast du sie in Frieden und Ruhe zurücklegen lassen; wie viele haben Elend und Jammer erfahren müssen, aber ich bin unter deinem Schuß unverlegt geblieben, dafür sei hochgeliebet, hochgelobet u. hochgepriesen von Grund meiner Seele. Habe Dank für deinen Schuß und Gnade; habe Dank für deine Liebe und mächtigen Beistand; habe Dank für alles Gute, das du mir an Leib und Seele erwiesen hast. Ach, mein GOtt! verzeihe mir auch aus Gnade, was ich in dieser Woche Unrecht gethan habe! ach! es ist mir leid, es reuet mich; ich betrübe mich darüber, und bitte um Barmherzigkeit und Vergebung meiner begangenen Sünden um der blutigen Wunden JEsu Christi willen; um deren willen schone, und nicht nach Werken lohne. Ich will durch deines Geistes Kraft mit der neuen Woche mich befleißigen, die verübten Sünden zu meiden, und dir in Heiligkeit und Gerechtigkeit zu dienen all' mein Lebenlang. Sei Lob und Preis mit Ehren! Dem Vater, Sohn und heiligen Geist! Der woll' in uns vermehren, am Ende der Woche. 139 Was er aus Gnaden uns verheißt, Daß wir ihm feſt vertrauen, Uns ganz verlassen auf ihn, Von Herzen auf ihn bauen, Daß unser Herz, Muth und Sinn Ihm immer fest anhangen, D'rauf singen wir zur Stund'! Amen: Wir werden's erlangen, Glauben wir aus Herzensgrund. Amen. Gesang. Mel. Werde munter mein Gemüthe 2c. 1. Nun die Woche ist verflossen, Geele! so bedenke doch, Was du Gutes hast genossen, Da dein GOtt ſo mildiglich Aufgethan die Vaterhand Und viel Gut's dir zugewandt, Und anjetzt in großem Segen Dich sie läßt zurücke legen. 2. Danke ihm für seine Gaben, Die er reichlich ausgestreut, Und die auf dein Bitten haben Diese Woche dich erfreut. Wer ist der erzählen kann, Wie viel GOtt ihm Gut's gethan? Schau, wie GOttes Brünnlein fließen Die sich reichlich auf dich gießen. 3. Preise seine große Güte Nun bei diesem WochenSchluß, Und ermuntre dein Gemüthe, Da du noch in dem Genuß Seiner vielen Wohlthat stehst, Und noch täglich mehr empfähst; Keine Stunde ist vergangen, Da du nicht haft Gut's empfangen. 4. Bitte, daß dir GOtt verzeihe Aller deiner Sünden Schuld, Und aus Gnaden dir verleihe Ferner seine VatersHuld; Sprich: Mein Vater! steh nicht an, Was ich Böses hab' gethan, Laß die Sünd und Straf der Sünden, Auch in dieser Woch verschwinden. 5. Laß mich deine Gnad auch spüren, Wenn die neue Woch anbricht; Ach! du wollest selbst mich führen, O du meiner Seelen Licht! Leib und Seel, und was ist mein, Laß dir stets empfohlen sein; Deine Gnad' laß bei mir bleiben, und das Unglück von mir treiben. 6. Sollt' auch mit der neuen Woche Meine letzte Woch' und Tag Sein zugleich mit angebrochen, Oder daß ein Kreuz und Plag Mich empfindlich treffen ſoll, Ach! so mache alles wohl; Bei dir kann ich nicht verderben, In dir kann ich selig sterben. 140 Der glaubige Christ beichtet, und bittet GOtt seine Sünden ab. Aufmunterung. GOtt sei mir gnädig nach deiner Güte, und tilge meine Sünden nach deiner großen Barmherzigkeit. Wasche mich wohl von meiner Missethat, und reinige mich von meiner Sünde. Psalm 41, v. 3. 4. Einen gnädigen GOtt haben ist wohl der ſeligste Stand eines Christen. Zwar meinet die Welt, Reichthum haben, geehrt sein, immer herrlich und in Freuden leben, das wäre Glückseligkeit; aber sie betrügen sich! das alles muß vergehen, und bringet oftmals ein böses Gewissen, schwere Verantwortung u. einen unseligen Tod. Glaubige Christen untersuchen deßhalben: 1) alle Tage ihr Gewissen, ob sie noch in der Gnade GOttes stehen; 2) wenn sie zur Beichte gehen, so denken sie nicht allein an ihre Sünden, sondern bitten GOtt herzlich um Verzeihung derselben; sie bereuen sie, fie trauern darüber, und nehmen ihre Zuflucht zu der BarmherzigkeitGOttes und zu den blutigen Wunden JEsu, und flehen demüthig um Gnade. HatGOttihnenmunVergebung derSünden durch den Mund seines Dieners widerfahren lassen, ſo trösten sie sich dessen, trachten aber: 3) einen gnädigen GOtt zu behalten, indem sie sich lassen den heiligen Geist regieren; sie befleißigen sich eines christlichen Lebens, u. beweisen solches auch in Reden, Worten und Werken, fliehen die Laster und vorigen sündlichen Gewohnhei ten; alsdann wissen sie, daß sie im Leben und Sterben einen gnädigen GOtt haben werden. Gebet. Heiliger dreieiniger GOtt, Vater, Sohn und heiliger Geist! ich armer Sünder komme hier vor dein allerheiligstes Angesicht, Der glaubige Christ beichtet 2c. 141 und bitte dich herzlich und demüthig um Vergebung aller meiner Sünden. Ach mein GOtt! ich erkenne, daß ich dich leider vielfältig erzürnet habe mit vielen bösen Gedanken, Worten u. Werken. HErr! HErr! das betrübt mich, und ist mir von Herzen leid. Du hast mich durch die heilige Taufe gemacht zum Schäflein deiner Waide und zum Glied an deinem Leib, darum ich deine Stimme allein hören und dir gehorchen sollte. Ja, ich sollte als dein Eigenthum meine Glieder begeben zum Opfer, das da lebendig, heilig und dir wohlgefällig iſt. Aber ach! was soll ich sagen? Ich habe mehr die Stimme der Welt und meines Fleisches, als deine Stimme gehöret, und habe vielfältig gethan, was dir zuwieder ist. O der Blindheit meines Herzens! o der Thorheit meiner jungen Jahre! Willst du nun mit mir in's Gericht gehen; willst du nach deiner Gerechtigkeit mit mir handeln, ſo bin ich ewig verloren; denn mein Gewissen zeuget wieder mich, und meiner Sünden sind mehr, als Sand am Meer. Ach! nach deiner großen Barmherzigkeit erbarme dich über mich. Ach, mein Vater! rechne mir nicht zu, was ich Zeit meines Lebens Böses gethan, sondern rechne mir zu, was JEsus Christus, mein Heiland, für mich Der glaubige Christ beichtet, gethan; ich ergreife sein für mich vergoffenes Blut in wahrem Glauben; ich eigne sein Verdienst mir zu, und spreche: Ach, um JEsu willen sei mir armen Sünder gnädig! Ich will hinfort ein neues und frommes Leben anfangen, und wider dich, o dreieiniger GOtt! nicht mehr muthwillig und vorsäßlich sündigen. 142 Jesu voller Gnad'! Auf dein Gebot und Rath Kommt mein betrübt Gemüthe Zu deiner großen Güte; Laß du auf mein Gewissen EinGnadentröpflein fließen. Durch dein unschuldigBlut, Die schöne rothe Fluth; Wasch ab all' meine Sünde, Mit Trost mein Herz verbinde, Und ihr'r nicht mehr gedenke, In's Meer sie tief versenke. Amen. Gesang. Mel. O GOtt, du frommer GOtt 2c. 1. Ach! geh' nicht in's Gericht Mit deinem armen Kinde, Ach, Vater! schone doch, Hilf, daß ich Gnade finde; Hab ich gesündiget Und Uebels oft gethan, Ach, ach! nimm doch dein Kind In Gnaden wieder an. 2. Ich beuge meine Kniee, Und meine Augen weinen, Daß ich so gar befleckt Jetzt muß vor dir erscheinen. Ach, Vater! sieh' nicht an Die große Missethat; Ach! ich verhehl sie nicht, Jch bitte dich um Gnad'. 3. D wehe! daß ich hab', O Vater! dein vergessen, Und bei der Sünder Schwarm Mit Luft und Freud gefeffen; wehe! daß die Sünd Mich hat ganz blind gemacht, Und dadurch meine Seel In diesen Stand gebracht. 4. Ach laß in JEsu Blut Mich Gnade, Gnade finden, Laß deines Zornes Grimm, Durch ihn getilgt, verschwinden; Schau mich in JEsu an, Und schenk' mir deine Huld, Vergieb mir meine Sünd, Erlaß mir meine Schuld. 5. D werther guter Geist! Der du mir Kraft gegeben, Zur Buß und Besserung, Ach! änd're ganz mein Leben, Daß ich von solchem Fleiß GOtt dien' nur immerdar, Wie ich ein Sünden- Knecht Mit großem Eifer war. und bittet GOtt seine Sünden ab. 143 6. Ich will durch deine Gnad' Der Sündenlust absterben, Ich will durch Jesu Blut Die Seligkeit ererben; So lang der Athem- Hauch Noch gehet aus und ein, So lang soll Herz und Geist Nur dir gewidmet sein. Ein anderes Beichtgebet. HErr, allwissender GOtt! vor dem nichts verborgen ist, du siehest alles, was wir Menschen thun, und hörest, was wir reden. Ach! ach! wenn ich daran gedenke, so muß ich mich schämen, daß ich so viel Böses geredt, gedacht und begangen habe; ach! wie viel Böses hast du an mir bisher gehöret und gesehen, darum du wohl Ürsache hättest, mich als ein ungehorsames Kind ewiglich zu verstoßen, und gar in die Hölle zu stürzen. Aber siehe! ich komme in dieser Gnaden- Zeit, ich schäme mich meine Augen vor dir aufzuheben, und spreche; GOtt sei mir Sünder gnädig. Ach! strafe mich nicht in deinem Grimm, wie ich es wohl verdienet habe. Gedenke nicht der Sünden meiner Jugend und meiner Uebertretung, gedenke aber meiner nach deiner großen Barmherzigkeit, um deiner Güte willen. Ja, um JEsu Blutes und Todes willen erbarme dich über mich. HErr! HErr! gnädig, barmherzig, geduldig und von großer Güte, du wirst nicht ewiglich zürnen, sondern dich meiner wieder in Gna 144 Der glaubige Christ beichtet 2c. den erbarmen. Ach! handle nicht mit mir nach meinen Sündenu, vergilt mir nicht nach meiner Missethat. Ach Gott! du hast geſagt, du wollest nicht den Tod des Sünders, sondern daß er sich bekehre u. lebe. Ach, erbarmedich auch über mich, erzürnter Gött! siehe mich nicht an in meinen Sünden, sondern siehe mich an in JEsu, deinem Sohn, meinem einzigenHeiland, Mittler und Seligmacher; um seines vergossenen Blutes willen erbarme dich über mich; um seiner heiligen Wunden willen erbarmedich über mich; um ſeiner vollgütigen Gerechtigkeit willen, die ich im wahren Glauben ergreife, erbarme dich über mich. Laß mich den Trost in meinem Herzen empfinden, mir seien meine Sünden vergeben, ich sei durch JEsum, meinen Heiland, mit dir versöhnet. Ich will durch deines heiligen Geistes Kraft mein Leben ändern, mir deine allerheiligste Gegenwart vorstellen, und denken: ich gehe, stehe, und was ich immer thue, ſo stehest du da, und siehest mir zu. Laß solche Gedanken nimmer aus meinem Herzen kommen. Ich komme jetzt zu dir allhier In meiner Noth geſchritten, Und will dich mit gebeugtem Knie Von ganzem Herzen bitten; Verzeihe mir doch gnädiglich, was ich mein Lebtag wider dich Auf Erden hab' begangen. HErr, mein GOtt! vergieb mir's doch Um deines Namens Der glaubige Christ bittet 2c. 145 willen, Und thu in mir das schwere Ich Der Uebertretung stillen, Daß sich mein Herz zufrieden geb' Und dir hinfort zu Ehren leb' In kindlichem Gehorsam. Amen. Gesang. Mel. Wer nur den lieben GOtt läßt walten. 1. Was soll ich Sünder nun anfangen, Da mein Gewissen mir aufwacht, Ach, ach! was hab' ich doch begangen, Daß ich hab' meinen GOtt veracht't? Serechter GOtt! verstoß mich nicht, Ach! geh' nicht mit mir in's Gericht. 2. GOtt und sein Wort hat mich gelehret Den rechten Weg der Seligkeit; Ich hab mich aber nicht bekehret In meiner großen Sicherheit. Gerechter GOtt! verstoß mich nicht, Ach! geh' nicht mit mir in's Gericht. 3. Erzürnter GOtt! verzeih' mir Armen, Verzeih' mir meine schwere Schuld; Ach! schenke mir durch dein Erbarmen Um JEsu Willen Gnad und Huld. Gerechter GOtt! verstoß mich nicht, Ach! geh' nicht mit mir in's Gericht. 4. Ich fliehe hin zu JEsu Wunden, Als welcher mich erlöset hat; Wo alle Sünder Gnad gefunden, Da hoff und suche ich auch Gnad. Gerechter GOtt! verstoß mich nicht, Ach! geh' nicht mit mir in's Gericht. 5. Ich änd're nun mein böses Leben, Und fang ein from mes Leben an; Ich will mich dir, mein GOtt, ergeben, Und nicht mehr thun, was ich gethan. Gerechter GOtt! verstoß mich nicht, Ach! geh' nicht mit mir in's Gericht. Der glaubige Christ bittet, GOtt wolle ihm Kraft geben wider die Sünde. Aufmunterung. Lasset die Sünde nicht herrschen in eurem sterblichen Leibe, ihr Gehorsam zu leisten in seinen Lüften. Auch begebet nicht der Sünde eure Glieder zu Waffen der Ungerechtigkeit, sondern begebet euch selbst GOtt, als die da aus den Todten lebendig sind, und eure Glieder GOtt zu Waffen der Gerechtigkeit. Nöm. 6, v. 12. 13. Die Sünde ist ein Abweichen von Gott, eine Uebertretung des göttlichen Gesetzes; sie ist das 10 Der glaubige Christ bittet, Unrecht. Nun aber will ein glaubiger Christ nicht gerne von GOtt abweichen, noch GOttes Gebot übertreten und Unrecht thun, sondern sein Verlangen ist, daß JEsus in ihm lebe, und daß der Geist ihn regiere; weil er aber dieses nicht allezeit so vollkommen in's Werk richten kann, so muß er kämpfen wider die Sünde. Dieser Kampf besteht darin: 1) der glaubige Christ weiß, daß, wer aus GOtt geboren ist, der thut nicht Sünde, nämlich mit Borsaß und Willen, und darum hütet er sich, daß er seinen GOtt nicht wissentlich und vorsäßlich beleidige. 2) Weil ihm aber das nicht genug ist, sondern er wollte auch gerne sein ganzes Herz, Seele, Geist und Leben ſeinem GOtt heiligen, hingeben und weihen, so bekümmert ihn oft ein einzig sündlich Wort, das er geredet; es betrübt ihn ein böser aufsteigender sündlicher Ge danke, und so er in der That Gott oder den Nächsten beleidiget hat, so seufzet er darüber. In dieſem Kampf nimmt er seine Zuflucht zu JEsu Christo, und bittet um Kraft und Stärke, er wolle ihm helfen die Sünde und Welt überwinden. 3) Soll er nicht allein desto andächtiger beten, son dern auch auf seine aufsteigenden Lüste und Ge danken desto mehr Acht haben, auch die Orte und Personen meiden, wodurch er in Sünden kann gestürzt werden. So kann er auch 5) versichert sein, weil er in einer heiligen Verfassung stehet und Verlangen hat, GOtt von ganzem Herzen, und ganzer Seele und von allen Kräften zu dienen, daß, der das Wollen hat gegeben, werde auch das Vollbringen dazu verleihen; JEsus werde seine Mängel und Fehler mit seinem Blute zudecken, ja, das herzliche Verlangen ihm lassen wohlgefallen. 146 GOtt wolle ihm Kraft geben wider die Sünde. 147 Gebet. Starker und allmächtiger GOtt: der du alles weißest, was in den Menschen ist, ach! du siehest, was ich für einen heftigen Kampf habe wider die Sünde; ich wollte gerne von Herzen fromm sein und bleiben, dich nicht mehr erzürnen, nach deinem heiligen Wort mein Leben anstellen, und deinen heiligen Willen allein vollbringen; aber ich fühle ein ander Gesetz in meinen Gliedern, das da widerstrebet dem Gesetz in meinem Gemüthe; wenn ich meine, ich stehe nun ganz fest auf dem guten Vorhaben, so muß ich oftmals erfahren, daß auf einmal sich in mir Stolz, eigener Wille, eigene Ehre, Neid und Widerwillen gegen den Nächsten zeiget, daß sündliche Gedanken sich in meinem Herzen einfinden, ja, daß ich fündige mit unbedachtſamen Worten, unanſtändigen Werken. Ach! ich betrübe mich, daß ich so voll Unreinigkeit bin; reinige du mich HErr, so werde ich rein. Ich erkenne in deinem Licht und durch deine Gnade, daß Sünde thun ein großes lelel, mein Verderben und meine Plage sei, wovon ich gerne frei werden wollte, daher ich dawider in deiner Kraft kämpfe, und doch zuweilen überwunden werden. Allein eben dieſer 10* 148 Der glaubige Christ bittet 2c. elende Zustand betrübet mich; was will doch endlich aus mir werden, wenn ich bald fromm, bald böse bin, und wenn meine Frömmigkeit keinen Bestand hat? Du siehest ja, mein GOtt! wie ich über mich selbst erschrecke, wie ich aber mir nicht helfen kann aus eigenen Kräften, darum komme ich zu dir, und bitte dich, gieb mir Kraft, der Sünde zu widerstehen; laß deinen heiligen Geist in mir wohnen und mein Herz reinigen; laß ihn mich erinnern, wenn ich zornig, rachgierig, hochmüthig werden will, daß er mir alsdann zurufe und spreche: Denke du bist ein Christ; denke, du bist ein Kind GOttes, oder willst ein Kind GOttes sein; damit ich möge sanftmüthig, demüthig und fromm werden. HErr, du hast mir das Wollen gegeben, gieb mir auch das Vollbringen. Stärke mich in dem inwendigen Menschen, daß ich durch deine Kraft eine Sünde nach der andern ablegen, und über sie herschen möge. Mache mich immer stärker, die Welt in mir und außer mir zu überwinden. Nun, ich vermag alles durch den, der mich mächtig macht, Christus! Ach, hilf mir, mein GOtt! Gieb, daß ich sei von Herzen fromm, Damit mein ganzes Christenthum Aufrichtig und rechtschaffen ſei, Nicht Augenschein und Heuchelei. Amen. Der glaubige Christ will 2c. Gesang. Mel. Alle Menschen müssen sterben. 1. Ich will von der Welt ausgehen, Weil ich leb' noch in der Welt, Weil ich an ihr das muß sehen, Was auf's Höchste mir mißfällt, Nämlich: Frechheit, Hoffart, Lügen, Falschheit, Eitelkeit, Betrügen, Feindschaft, Untreu, Zank und Streit, Neid und Ungerechtigkeit. 2. Solche Sünden will ich hassen Durch des heil'gen Geistes Kraft, Und die böse Welt verlassen, Die nur an der Sünde haft'; GOtt will ich mein Herz ergeben, Und in ihm beständig leben, Mein Herz soll sein eigen sein, Ihm gehört es auch allein. 149 3. Werd' ich zwar wohl müssen bleiben In der Welt noch eine Zeit, So will ich doch nicht mittreiben Ihre Weis' und Sündenfreud; Ich will immer sein beslissen, Daß ich hab' ein gut Gewissen, Daß es hier bleib unbefleckt, Von der Welt unangesteckt. 4. Wer so von der Welt ausgehet, Bei dem gehet JEsus ein; Was von Welt gelehret stehet, Wird mit GOtt erfüllet fein; Bleibet gleich der Leib auf Erden Wird die Seel' doch himmlisch werden; So ist meinem Leibe wohl, Und die Seel ist freudenvoll. 5. Ach, mein GOtt! verleih aus Gnaden, Daß ich ja geh' aus der Zeit, Damit ich nicht leide Schaden An der Seelen Seligkeit. Wer der Welt Gewohnheit liebet, Und den Ausgang stets aufschiebet, Den erhascht zuletzt der Tod, Und er stirbt dann ohne GOtt. 6. Drum will ich aus Babel fliehen, Sond're du mich selbsten ab, Eh' der Tod mich heißet ziehen Aus dem Leben in das Grab; Ja, ich will der Welt abſterben, Und entgehen dem Verderben, So komm ich in's Himmels- Zelt, Wenn ich ausgeh' aus der Welt. Der glaubige Christ will sich GOtt zum Opfer geben. Aufmunterung. Ich ermahne euch, liebe Brüder, durch die Barmherzigkeit GOttes, daß ihr eure Leiber begebet zum Opfer, das da lebendig, heilig und GOtt wohlgefällig sei, welcher sei euer vernünftiger Gottesdienst. Röm. 12, 1. Es muß sich ein jeder Christ fleißig vorstellen, daß wir nicht unser eigen, sondern GOttes sind: dieses aber 150 Der glaubige Christ will soll uns aufmuntern, daß wir uns selbstu. alles, was wir habenGOttauch wiederum aufopfern. Die Opfer des alten Testaments, daran GOtt sollte ein Wohlgefallen haben, mußten: 1) freiwillige Opfersein. Der Menschmuß nicht in der Welt frommleben aus Furcht vorder Strafeu.derHölle, sondern aus LiebezuGott, denn sonsten ist ſeinOpfer eingezwungenes Opfer; ja, wenn auch keine Hölle wäre, so würde ein wahrer Christ doch aus Liebe zuGOtt sich zumEigenthum ergeben. 2) Die Opfer mußten GOtt ganz mit Kopf, Eingeweiden u. Schenkeln, nicht halb gebracht werden; deßhalb sollen wir unser Herz nicht halb der Welt und halbGOtt geben, sondern von ganzem Herzen u. von ganzer Seele u. aus allen Kräften GOtt lieben u. uns ihm ergeben; ein halbgeheiltes Herz u. Opfer verwirft GOtt. 3) Die Opfer mußten unbefleckt sein, darum man fein lahmes u. blindes Gott bringen durfte. Wir sollen uns deßwegen hüten, daß wir die Seele u. Leib nicht beflecken; denn eine mit Sünden u. Schandthaten verunreinigte Seele mag GOtt nicht in seine heiligen Hände u. in seinen Himmel aufnehmen. 4) GOtt hat sonderlich ein Belieben getragen an Opfern, welche noch jung waren: anjährigen, zweijährigen Lämmern, uns damit zu zeigen, daß wir mit unserer Bekehrung nicht sollen warten bis in das hohe Alter, sondern uns fein in Zeiten, in blühender Jugend, Gott zu einem Opfer übergeben. 5) Was einmal Gott geopfert war, durfte man nicht wieder austauschen, oder wegnehmen; so soll auch ein Christ in seinem guten Vorhaben sich GOtt zum Eigenthum zu übergeben, beständig sein. Gebet. HErr, HErr, GOtt! der du deinem Volk Ifrael befohlen, dir täglich Opfer zu brin fich GOtt zum Opfer geben. 151 gen, welche dir mußten ganz geheiliget und übergeben werden, siehe, ich bringe dir mein glaubiges und bußfertiges Herz, das wirſt du nicht verachten. Du hast mich, o himmlischer Vater! erschaffen, daß ich soll sein dein Eigenthum. Du hast mich, o liebſter JEsu! erlöset mit deinem Blut, daß ich in deinem Reich soll leben, und dir dienen in Heiligkeit und Gerechtigkeit. Du hast mich, o werther heiliger Geist! geheiliget, daß ich soll sein deine Wohnung, und daß Christus in mir lebe. O! darum will ich mich dir auch wieder ganz und gar aufopfern und dir ergeben. Schopfere dir auf meinen Willen; ich will nun nicht mehr vollbringen, was ich will, sondern was du willst. Ich opfere dir auf meinen Mund, damit will ich dich loben und preisen, und ihn niemals mehr zu schandbaren Worten und Narrentheidigungen mißbrauchen. Ich opfere dir auf mein Herz, das erfülle mit deinem lebendigen Glauben, mit deiner Gnade, mit deiner Liebe, und mit deiner wahren Frömmigkeit. Mußte von allen Opfern das Fett beſonders dir geopfert werden, ja, würde ohne dasselbe kein Opfer dir angenehm gewesen sein, so laß dir auch meine Gaben gefallen. Ist solche ein von Natur unreines und zum Opfer untüchtiges Herz, ach! so 152 Der glaubige Christ will zc. wasche es mit dem Blute JEfu Christi, welches ich in wahrem Glauben annehme; reinige du es selbst durch deinen heiligen Geist! heilige es dir zur Wohnung, daß du darinnen regierest u. herrschest. Ich opfere dir auf mein Leben; das will ich nach deinem heiligen Wort und nach dem guten Trieb des heil. Geistes führen. Ich opfere dir auf meine Glieder, hilf, daß sie mögen werden Waffen und Werkzeuge der Gerechtigkeit, daß ich sie nicht zur Sünde und Schande mißbrauche, sondern daß sie dir mögengeheiliget bleiben. Wie das Geopferte mit Niemand durfte mehr Gemeinschaft haben, so will ich mich auch gerne von der Welt absondern, und von ihrer Gesellſchaft wegbleiben. Ja, ich will mich dir aufopfern, dieweil ich lebe und noch gesund bin, und nicht erst auf meinem Krankenbette; denn da möchte es etwa zu spät sein. Ach, HErr! der du zu allen Zeiten, am Morgen, am Mittag und am Abend hast Opfer angenommen, siehe auch in Gnaden mein Opfer an. Bringe ich es etwa erst um den Mittag meines Lebens, oder ist der Abend desselben vielleicht nahe; habe ich die Morgen- und Jugendzeit versäumt, so wirst du doch deßwegen mein Opfer nicht verachten; ich bringe es dir im Glauben, wie Abel; Gebet vor dem hl. Abendmahl. ach! schaue doch darauf nach deiner Barmherzigkeit; ich will nun die übrige Zeit meines Lebens dein Eigenthum verbleiben. Herr, meinHirt, Brunnaller Freuden! Du bist mein, ich bin dein, Niemand kann uns scheiden: Ich bin dein, weil du dein Leben und dein Blut, mir zu gut, In den Tod gegeben; Du bist mein, weil ich dich fasse! Und dich nicht, o mein Licht! Aus dem Herzen laſse; Laß mich, laß mich hingelangen, Wo du mich, und ich dich Liebreich werd' umfangen. Amen. 153 Gejang. Mel. Wer nur den lieben GOtt läßt walten. 1. Mein GOtt! laß mich den Wunsch erreichen, Darnach ich seufze für und für, Daß ich nicht möge von dir weichen, Und du auch nimmermehr von mir. Hilf, daß ich also leb auf Erd' Daß ich hier fromm, dort selig werd'. 2. Gieb, daß ich JEsu Blut und Wunden Ergreif in wahrer Zuversicht, und mit ihm bleibe fest verbunden, Bis daß verlischt mein Lebenslicht. Hilf, daß ich also leb auf Erd, Daß ich hier fromm, dort selig werd'. 3. Und daß ich mög die Sünde meiden Bei jeglicher Gelegenheit, Und alles, was da mich kann scheiden Von dir und von der Seligkeit. Hilf, daß ich also leb auf Erd', Daß ich hier fromm, dort selig werd'. 4. Ja, daß ich, weil ich lebe, wandle Beständig in der Frömmigkeit, Nie wider mein Gewissen handle, Und nicht versäum' die Gnadenzeit. Hilf, daß ich also leb auf Erd', Daß ich hier fromm, dort selig werd'. 5. So kann ich endlich selig sterben Und fröhlich gehen in mein Grab, Weil ich im Sterben werde erben Was ich hier schon im Vorschmack hab. Hilf, daß ich also leb auf Erd', Daß ich hier fromm, dort selig werd'. Gebet vor dem heiligen Abendmahl. großer GQtt! der du mich nun zu dem heiligen Abendmahle rufest, ich flehe dich demüthig an, du wollest die göttliche Kraft 541 Der glaubige Christ betet des Blutes, welches mein liebster Heiland zur Vergebung meiner Sünden vergossen hat, auch mir angedeihen lassen. Sende mir aus deiner himmlischen Wohnung dein Licht und deine Wahrheit, daß sie mich zu deiner heiligen Taufe leiten, und ich daselbst die Empfindung deines Friedens u. die Gnade deines heiligen Geistes empfange. Reinige mein Herz, damit ich es demjenigen opfern könne, welcher sich selbst für mich gegeben hat. Erfülle meine Seele je mehr und mehr mit Buße, Glauben, Liebe, Eifer, Freudigkeit und Dankbarkeit. O GOtt! mein Herz sagt mir um deinetwillen, ich soll dein Angesichtsuchen. Ich suche es, o Herr! erlöse deinen Knecht( deine Magd), der( die) auf dich hofft. Amen. Der glaubige Christ betet bei dem Genuß des heiligen Abendmahls. Aufmunterung. So ihr von diesem Brod esset, und von diesem Kelch trinket, sollt ihr des HErrn Tod verkündigen, bis daß er kommt. 1 Kor. 11, v. 26. Unter andern Stärkungen des Glaubens und der Liebe gegen GOtt und den Nächsten gehört auch das heilige Abendmahl, als in welchem sich JEsus will mit unsern Seelen vereinigen, darinnen wohnen, dieſelben regieren, heiligen und in der Frömmigkeit erhalten bis an's Ende. Dieses heilige Abendmahl 1) verachtet und versäumt ein glaubiger Christ nicht, wie die Weltfinder pflegen: welche wegen ihrer Eitelkeit, Weltfrende, Rachgier, Hoch bei dem Genuß des heiligen Abendmahls. 155 muth u. Wohlleben so zerstört sind, daß sie nicht können an dieses Seelenpfand denken. 2) geheteinglaubiger Christ auch nicht aus Gewohnheit zu dem heiligen Abendmahl, sondern er kommt dazu mit einem demithigen, andächtigen u. glaubigen Herzen, welches da ist voll guten Vorsazes, in der Liebe JEsu inGottesfurcht beständig zu verharren. Und dieſes ist auch 3) sein Entschluß, daß er nach dem hl. Abendmahl sich seinem GOtt ganz ergebe, fraft dieser Seelen Speise alle Tage frömmer, andächtiger u. eifriger werde in seinem Chriſtenthum u. in der Ausübung christlicher Tugenden, ja, seinem GOtt im Glauben und in der Frömmigkeit getreu bleibe bis in den Tod. Gebet. Mein Jesu! wie kann ich genugsam deine große Liebe preisen, daß du nicht allein für mich armen Sünder dich in den Tod gegeben, sondern daß du mir auch deinen heiligen Leib und dein theures Blut zu ciner Seelen- Speise in dem heiligen Abendmahl eingesetzet hast. O Liebe! dein Tod bringet mir das Leben, und dein Leib und Blut stärket u. erquicket mich zum ewigen Leben. Dadurch bleibe ich in dir, und du in mir; du lebest in mir, und in dir erlange ich Gerechtigkeit und Stärke; daher kann mich meine Sünde nicht schrecken, und Satan kann mich nicht verdammen; denn in deinem Gnadenmahl empfange ich das Löſegeld für meine Sünden. Hier empfange ich den Leib, der für mich in den Tod ist dahin ge 156 Der glaubige Christ betet geben; hier empfange ich das Blut, das für mich vergossen worden zur Vergebung der Sünden. Dieses ist das Versöhnungsblut, dadurch meine und aller Menschen Sünden sind getilget worden. So gewiß ich nun dasselbe empfange, so gewiß bin ich mit GOtt versöhnet, und habe Vergebung aller meiner Sünden. Du hast in der heil. Taufe, als in dem ersten Sakrament, so ich empfangen, mir den heiligen Geist zum Pfand, und das neue Leben gegeben, dadurch ich versichert bin, daß ich dein Kind und Erbe bin. In dem heiligen Abendmahl, als dem andern Sakrament, gibst du mir das Pfand deines Leibes und Blutes, dadurch du das geistliche Leben in mir willst erhalten und stärken. Ach, mein GOtt! heilige meine Seele, stärke meinen Glauben, reinige mein Herz, damit ich dieses Liebesmahl würdig und selig empfinden möge. Gieb, daß meine Gedanken allezeit mögen bei dir sein; ver treibe aus meinem Herzen alle sündliche Einfälle und Begierden, und alles, was mich an meiner Andacht hindern kann, damit du in mir beharren könneſt, und ich in dir sein und bleiben möge in alle Ewigkeit. Jesu, wahres Brod des Lebens! Hilf, daß ich ja nicht vergebens, Oder mir vielleicht zum Schaden, Komm zu deinem Mahl der Gnaden. Laß mich durch dieß bei dem Genuß des heiligen Abendmahls. 157 Seelenessen Deine Liebe recht ermessen, Daß ich auch, wie hier auf Erden, Mög ein Gast im Himmel werden. Amen. Gesang. Mel. Allein GOtt in der Höh' sei Ehr' 2c. 1. O JEsu! meiner Seele Licht, Mein Trost und mein Verlangen, Ich hab vor deinem Angesicht Dein Liebesmahl empfangen; Ach! wohne doch hinfort in mir Damit ich möge stets vor dir In wahrem Glauben prangen. 2. O Liebe! die du mich so liebst, Und schenkst mir deine Liebe, Da du dich mir zur Speise giebst, Ach! daß ich ewig bliebe Mit dir, o Lebens- Licht! vereint Und durch dein theures Blut gerein't, Daß mich nichts von dir treibe. 3. Der Vater hat mir heut geschenkt Den Frieden meiner Seelen; Ich bin gespeiset und getränkt, Was kann mir Gutes fehlen? Weil ich nunmehr in JEsu bin, So ist die Sünden- Angst dahin, Und kann mich nicht mehr quälen. 4. Mein JEsus hat mein Herz erfüllt mit seinen süßen Freuden; Mein Hunger ist durch ihn gestillt Auf dieſer Seelen- Waide; Dein Leib, o JEsu! und dein Blut Sind das gewisse Pfand und Gut, Daß ich nicht von dir scheide. 5. Der heil'ge Geist giebt mir dabei Den Trost, der mich erfreuet, Daß ich nun in der Gnade sei, Dieweil der Bund erneuert; Ja, daß ich bin ein GOttes- Kind, Das bei GOtt Trost und Gnade find't, Das kein Ungnad mehr scheuet. 6. GOtt Lob! der meine Seele hat. So herrlich wollen speisen, Um dadurch neue Lieb' und Gnad Mir Armen zu erweisen; Den will ich dafür allezeit, Auch in der frohen Ewigkeit Mit stetem Lobe preisen. Ein anderes Abendmahls- Gebet. OJEsu! da ich jetzt dein heiliges Liebesmahl empfange, so empfange ich es auch zu deinem Gedächtniß. Ich denke an deine Liebe, wie du mir zu gut bist in die Welt ge= kommen, daß du mich möchtest zum Erben 158 Der glaubige Christ betet des ewigen Lebens machen. Ich denke an deine Marter, Pein, Blut und Wunden, dadurch meine Sünden und Strafen sind von mir genommen, und deine Gerechtigkeit ist mir geſchenket worden. Ich denke an deinen Tod und an deine Auferstehung, dadurch mir Leben und Seligkeit ist mitgetheilet worden. Ich weiß, o JEsu! um deinetwillen erlange ich Gnade, die Kindschaft, den Frieden und die Himmelsfreude. Ich werde nicht verloren werden, wenn ich in dir, o JEsu! bin, und du in mir bleibest. Ach! so bleibe nun in meinem Herzen, lebe und regiere darinnen, laß mich dein Eigen thum ſein in Zeit und Ewigkeit. Dein heiliger Leib ſpeiſe mich, dein heiliges Blut tränke u. erquicke mich zum ewigen Leben. Hilf, daß ich diesen Schatz nimmermehr wieder verliere, sondern daß du, mein JEſu! hinfort in mir leben, regieren und wohnen mögest. Muß dorten das Manna in ein reines Gefäß geleget werden, ach! so reinige mein Herz durch wahren Glauben, durch wahre Buße, Liebe und Demuth, damit ich dieses Seelen- Pfand würdig em pfangen, und beständig zu meines Glaubens Stärkung, meines Lebens Heiligung und meiner Seligkeit Versicherung behalten möge. O werther heil. Geist! erhalte mich bei dem Genuß des heil. Abendmahls. 159 in solcher Gnade bis an mein seliges Ende. Bewahre mich, daß ich nicht wiederum muthwillig sündige und aus der Gnade falle, damit das letzte mit mir nicht ärger werde, denn das erste; sondern daß ich im Glauben an den dreieinigen GOtt, in der Liebe gegen den Nächsten und in der Frömmigkeit beharre bis an meinen Tod, damit ich des Glaubens Ende, der Seele Seligkeit möge davon tragen. JEsus sei mein Speis' und Trank, JEsus sei mein Lobgesang, JEsus sei mein ganzes All', JEsus sei mein Freudenschall. Endlich laß, o höchstes Gut! JEsu, laß dein theures Blut, Deine Wunden, deine: Bein, Meinen Trost im Tode sein. Gesang. Mel. Nun laßt uns GOtt den HErren 2c. 1. Mein JEsu: sei gepreiset; Daß du mich hast ge- i speiſet Mit deiner Himmelsgabe, Die ich empfangen habe. 2. Dein Leib, der Seelen Leben, Jst mir jeßund gegeben; Dein Blut hab' ich genossen, Das du für mich vergossen. 3. Weil JEsus zu mir kommen, Und mein Herz eingenommen, So ist er nun der Meine, Und ich bin auch der Seine. 4. In JEfu bin ich fröhlich, In JEsu bin ich selig, Er wird mir Gnad erzeigen, Denn ich bin nun sein eigen. 5. Mein JEsu! Seel' und Leben Will ich dir ganz ergeben, Ach! mach's mit mir in allem Nach deinem Wohlgefallen. 6. Dich, dich will ich umfassen, Du wirst mich nicht verlassen; Es soll kein Kreuz und Leiden Mich nun von JEsu scheiden. 7. Und wenn ich einst foll sterben, So nimm mich deinen Erben, Hinauf zur Freud und Wonne, Wo du bist Licht und Sonne. 160 Gebet nach dem heil. Abendmahl. Gebet nach dem heiligen Abendmahl. Allgenügsamer GOtt, du einziges höchstes Gut und bestes Vergnügen aller Frommen! in dir allein findet mein Herz seine beste Ruhe, und in deiner Gnade die höchste Freude. Die Welt mit allem dem, was sie Herrliches hat, gleicht den Aepfeln zu Sodom, die auswendig schön und inwendig voller Asche waren. Die Sünde mit ihrer kurzen Lust gebieret doch lauter Unlust, und zieht die Hölle und Verdammniß nach sich. Ach GOtt! laß mich doch Alles wohl bedenken, und nicht lieb haben die Welt, noch Alles, was in der Welt ist; denn die Welt vergehet mit ihrer Lust, Augenlust, Fleischeslust und hoffärtiges Leben. HErr! wenn ich nur dich habe, so habe ich genug, wenn ich auch sonst in dieser Welt wenig oder nichts hätte. Deine Gnade ist noch nicht besser, denn Leben. O wie wohl ist meiner Seele, wenn ich an dir einen gnädigen GOtt, und in mir ein unverletztes Gewissen habe. Die Welt weiß von dieser Ruhe des Ge wissens nichts, die deine Heiligen höher achten, als alle Schäße der Welt. Sei nun wieder zufrieden, o liebe Seele! denn der HErr thut dir Gutes. Er hat dich ge Der glaubige Christ bittet um Frömmigkeit: 161 ſpeist an seiner Gnaden- Tafel mit dem gekreuzigten Leibe, und dich erquicket mit dem vergossenen Blut seines allerliebsten Sohnes. Ogroße Gnade! darum lobeden Herrn meine Seele, u. was in mir ist, seinen heiligen Namen. Lobeden Herrn, meine Seele! und vergiß nicht, was er dir Gutes gethan hat. Erhalte doch, o großer GOtt! in meinem Herzen diesen Frieden mit dir, o GOtt! der allen Beistand übertrifft, und thue ferner meiner Seele Gutes. Stärke mich in allem Leiden durch den inwendigen Trost deines heil. Geistes. Unsere Trübsal, die zeitlich u. leicht ist, schaffet doch eine über alle Maaßen wichtige Herrlichkeit, uns, die wir nicht sehen auf das Sichtbare, sondern auf das Unsichtbare. Denn was sichtbar ist, das iſt zeitlich, was aber unsichtbar ist, das ist ewig. Es wird doch noch eine Zeit kommen, da du mich bringen wirst an den Ort der vollkommenen Ruhe. Da werde ich schauen dein Antliz in Gerechtigkeit, und satt werden, wenn ich erwache nach deinem Bilde. Amen. Der glaubige Christ bittet um Frömmigkeit. Aufmunterung. Bleibe fromm, und halte dich recht, denn solchen wird's zuletzt wohl gehen. Psalm 37, v. 37. Nächst dem Glauben ist die Frömmigkeit eine der herrlichstenTugenden, nicht allein, weil sie eine Frucht 11 162 Der glaubige Christ bittet um Frömmigkeit. des Glaubens ist, sondern weil auch sie des Menschen Seele, Leib und Ehre vor Sünden und Schanden bewahret. Diese Tugend ist eine Zierrath der Jugend, und stehet den Alten auch wohl an. GOtt selbsten ermahnet den in die Fremde reisenden Abraham dazu: Wandle vor mir und fei fromm, 1.B. Mose 27, v. 1. Zur Frömmigkeit aber ist nicht genug: 1) eine äußerliche Ehrbarkeit, denndie findet man auch bei den Heiden; sondern sie muß entstehen aus dem Glauben, aus der Liebe GOttes und aus dem innern Grund der Seele. 2) Zu solcher Frömmigkeit gehöret nicht allein die Aufrichtigkeit und Redlichkeit des Herzens gegen GOtt und den Nächsten, sondern auch eine Ünsträflichkeit im Leben, daß man sich unanständiger Reden und unchristlicher Werke enthalte; denn wo sich diese noch bei einem Menschen finden, da kann man nicht sagen, daß er fromm sei. 3) Diese Frömmigkeit soll auch beständig sein bis an's Ende. Es ist nicht genug, zwei oder drei Tage fromm sein, wenn man will zum heil. Abendmahl gehen, sondern hier muß Hiob's Entschluß gelten: Bis daß mein Endekommt, will ich nicht weichen von meiner Frömmigkeit, Hiob 27, v. 5. 4) Wie nun solche Fröm migkeit von GOttes Geist in uns gewirkt wird, so hat sie auch die herrlichsten u. schönsten Verheißungen, nämlich dieses und des zukünftigen Lebens. Gebet. Heiliger GOtt ach! ich weiß fast nicht, ob ich vor deinem heiligen Angesicht erscheinen darf, wenn ich meine natürliche Unheiligkeit u. mein sündliches Wesen bedenke. Du rufest auch mir zu: Wandle vor mir u. sei fromm; u. wenn du fromm biſt, ſo bist du angenehm, Der glaubige Christ bittet um Frömmigkeit. 163 ja, bleibe fromm und halte dich recht, denn solchen wird's zuletzt wohl gehen. Aber ach! meine Frömmigkeit ist leider noch nicht weit gekommen; ich bin leider in die Welt, in das Welt- Wesen, in die Welt- Gewohnheiten, Welt- Eitelkeiten bisher geflochten gewesen; wo aber die Welt eingehet, da gehet Christus aus, und wo die Weltliebe sich befindet, da höret die Frömmigkeit auf. Weil ich aber in solchem verderbten Zustande dir nicht gefallen kann, indem nur die Glaubigen und Frommen dir angenehm sind; ach! so gieb mir ein frommes Herz. Hilf, daß ich seivon Herzen fromm, damit mein ganzes Christenthum, aufrichtigu.rechtschaffen sei, nichtAugendienst u. Heuchelei. Verleihe mir Gnade, daß ich mich möge einer wahrenFrömmigkeit befleißigen, nicht etwa nur zum Schein und äußerlich, sondern daß meine Frömmigkeit möge im Herzen anfangen, daß ich dich über alles liebe, dir diene, u. was dir gefällt, vollbringe, ja daß ich allezeit wie ein frommes Kind, ehe es etwas vornimmt, seinen Eltern nach den Augen siehet, ob sie es auch erlauben, so auch möge ich erst auf dein heiliges Wort und Gebot schauen, ob solches, was ich vorhabe, mir als einem frommen Christen anstehe. Ist so mein Herz fromm, so wird auch mein Mund fromm werden, daß 11* 164 Der glaubige Christ bittet um Frömmigkeit. er nichts Unanständiges rede, ja, meine Werke u. Thaten werden dir alsdann auch gefallen. Nun, mein GOtt! ich habe dieſen Entschluß in deinem Namen gefaßt, gieb mir dazu Gnade, Kraft, Stärke u. Barmherzigkeit. Habe ich in den verflossenen Jahren nicht nach diesem Kleinod getrachtet, so verzeihe mir es um Christi willen. Was ich aus Unverstand oder Blindheit versäumet, will ich nun mit desto größerem Eifer ersetzen und in Zukunft nicht nach der Menschen Lüsten, sondern nach deinem Willen leben. So will ich, mein GOtt! von Herzen und im ganzen Leben fromm werden und fromm bleiben, damit ich als ein frommer Christ dereinsten auch selig sterben könne. Dazu gieb mir deines heiligen Geistes Kraft von oben herab, um Jesu Christi willen. Gieb mir ein frommes Herz, Du Geber aller Gaben! Das soll mein Reichthum sein, Den ich begehr' zu haben, Das soll sein meine Zierd', Mein Ruhm und schönste Bracht, Denn fromm sein wird bei GOtt und Engeln hoch geacht't. Amen. Gesang. Mel. Wer nur den lieben GOtt läßt walten. 1. Mein allergrößter Fleiß auf Erden Soll künftighin darin besteh'n, Daß ich von Herzen fromm mög' werden Und auf den Himmelswegen geh'n; Ist Frömmigkeit der Bösen Spott, So ist sie doch beliebt bei GOtt. 2. Die Frommen haben GOtt zum Freunde, Ist dieses nicht ein großes Glück? D'rum schaden ihnen keine Feinde Mit ihrem Haffe, Neid und Tück; Denn GOtt weiß wohl, was sie ansicht. Der treue Freund verläßt sie nicht. Glaubige Eltern tragen 2c. 165 3. Die Frommen werden zwar gedrücket Bisweilen eine lange Zeit, Doch werden sie herausgerücket Aus ihrer Angst und Traurigkeit; Jhr Trauern wird in Freud' verkehrt, Ihr Beten wird von GOtt erhört. 4. Die Frommen sind bei GOtt in Gnaden, Der Zutritt stehet ihnen frei; Nichts kann den Kindern GOttes schaden, GOtt stehet ihnen treulich bei; GOtt weichet von den Frommen nicht, Der HErr ist selbst ihr Heil und Licht. 5. Der Frommen Elend muß verschwinden, Auf Leiden folget Trost und Freud; Sie werden großen Segen finden Nach ausgestand'nem Herzeleid! GOtt wirft in's Feuer solche Ruth, Die seinen Kindern wehe thut. 6. Die Frommen können sich getrösten, Daß keine Noth sie stürzen wird, Ist doch die Noth am allergrößten, So bleibt doch GOtt ihr Schuß und Hirt! O Schäflein! habe guten Muth, Du bist in deines Hirten Hut. 7. Die Frommen werden nicht verlassen, GOtt ist's, der ihnen helfen kann, Drum wissen sie sich wohl zu fassen, Er nimmt sich seiner Kinder an; Spricht man: Nun ist das Unglück da, So sprechen sie: und GOtt ist nah'. 8. Die Frommen wird GOtt schon versorgen, Als welcher ihrer sich annimmt! Jhr Seufzen ist ihm unverborgen D'rum hat er schon die Stund bestimmt, Darin er ihre Sorgen stillt, Und sie mit Trost und Freud' erfüllt. 9. Die Frommen können selig sterben, Sie sterben ja auf JEsum Christ, Sie werden Kron und Himmel erben, Der ihnen längst bereitet ist; Sie sind schon selig in der Zeit, Und kommen dort zur Herrlichkeit. Glaubige Eltern tragen ihre Kinder GOtt im Gebet vor. Aufmunterung. Siehe, hier bin ich und die Kinder, die mir der HErr gegeben hat. Jef. 8, v. 18. Und ist keines von ihnen verloren. Joh. 17, v. 12. Ift je etwas, welches frommen Eltern sehr am Herzen liegt, so sind es ihre Kinder. Gewiß, Kinder find theure Pfänder, welche GOtt von der Hand der Eltern fordern wird. Wenn nun ſolches fromme Eltern erwägen, so tragen sie: 1) dieselben 166 Glaubige Eltern tragen GOtt fleißig im Gebet vor, ehe sie geboren werden, und hernach kommen sie niemals vor GOtt, außer sie bringen ihr Kind mit. Es bitten aber fromme Eltern absonderlich, daß GOtt ihren Kindern gebe ein frommes Herz u. den heil. Geist, der sie heilige, regiere u. führe, als welches der wahre Grund ihrer Glückseligkeit ist, gegen welchen Reichthum, Geschickich u. Klugheit nicht zu achten sind. 2) Es sollen aber Eltern nicht allein für ihre Kinderbeten, sondern auch in der Furcht GOttes erziehen. Dazu gehöret, daß sie ihnen nicht den freien Willen lassen, weil der Kinder Willen von Natur unartig, und ihr Dichten und Trachten böse ist von Jugend auf: darum sollen sie dieselben unterrichten lassen in der Erkenntniß GOttes, sie zum Gebet u. christlichen Wandel anhalten, ihnen keine Erlaubniß geben, in fündlicher eitler Menschen Gesellschaft zu gehen; denn wenn sie das erlauben, so ist ihr Gebet vergebens, ja, sie ſpotten GOtt mit ihrem Gebet. 3) Die versäumte Kinderzucht bringt den Eltern schwere Verantwortung vor GOtt, indem GOtt das Blut der verwahrlosten Kinder von ihnen fordern wird. Sie bringt auch den Eltern Schmach und Schande, indem sie an ihren Kindern keine Ehre, sondern Schande haben werden bisweilen in ihrem Leben, doch gewiß nach ihrem Tode. Die versäumte Kinderzucht bringet auch GOttes Zorn auf die Eltern, wie zu sehen 1. Sam. 2, v. 20. Kap. 4, v. 1. 4) Nachläßige Eltern bringen sich u. ihre Kinder in die Hölle, und haben also mit ihrem Zärteln keine Wohlthat erwieſen. Gebet. HErr, allmächtiger GOtt, du Vater der Barmherzigkeit! du hast unter andern Gnadengaben mir auch Kinder gegeben, wofür ihre Kinder GOtt im Gebet vor. 167 ich dich herzlich lobe und preise. Diese meine Kinder aber sehe ich als theure Pfänder an, die du mir anvertrauet hast, und welche du von meiner Hand wieder fordern wirst; ich sehe sie an als Seelen, die JEsus mit ſeinem heiligen Blut erkaufet, die der heilige Geist in der heiligen Taufe geheiliget, und welche du zu deinen Kindern angenommen haſt: darum bin ich bekümmert, daß ich ja teines durch meine Schuld verlieren möge. Dusagestzumiru. allen Eltern: Nimm dieseskind in Acht; wo man sein missen wird, da soll deine Seele anstatt ſeiner Seele sein. Darum, o Vater aller Gnaden! komme ich zu dir und trage in meinem herzlichen Gebet meine Kinder dir vor; ich will thun, was ich kann; ich will siezu deiner Ehre erziehen, sie ermahnen, strafen, unterrichten u. für sie beten; aber ach, HErr! HErr! thue du dabei das Beſte. Ich habe sie in der heiligen Taufeu, sogleich nach ihrer leiblichen Geburt in die Arme deiner Barmherzigkeit geleget; siehe! solches thue ich auch jetzt in meinemGebet. Ach! ſegne meine Kinder; begleite meine Kinder, wenn sie aus- u. eingehen; erhalte sie in deiner heil. Furcht, daß sie ihr Gewissen nimmermehr mit Sünden beladen, dich nicht beleidigen, oder gar aus deiner Gnade fallen mögen. Gieb ihnen ein glaubiges, demüthiges, ge Glaubige Eltern tragen horsames u. frommes Herz, daß sie wie das Kind JEsus zunehmen an Alter, Weisheit u. Gnade bei GOttu. den Menschen. Drücke ihnen das Bild JEsu in's Herz, auf daß sie allezeit einen gnädigen GOtt u. ein unverleztes Gewissen bis an ihr seliges Ende behalten. Ach! laß meine Kinder sein in ihrem Gebet andächtig, in ihrem Christenthum wohl gegründet, im Glauben beständig, bei dem Gottesdienst eifrig, in ihrem Leben keusch, in ihrem Umgang gottſelig, damit ſie Niemand mit ihrem Reden u. Thun ein Aergerniß geben, u. dadurch ein schweres Gericht auf sich zuziehen. Bewahre sie vor Verfüh rungu.böser Gesellschaft, erinnere sie allezeit durch deinen heiligen Geist an deine allerheiligste Gegenwart, daß sie gedenken, du seiest bei ihnenzuHause, in der Fremde, inderkammer, bei Tag, bei Nacht, in der Gesellſchaft u. Einsamkeit. Dein Engel begleite sie, wenn sie aus- u. eingehen; dein Engel bewahresie, wenn sie auf Reisen, in ihren Geschäften und in der Fremde sind. Gieb ihnen deine heil. Engel zu Gefährten, wie dem jungen Tobias; führe sie durch dieselben aus der Ge fahr, wie den Lot, u. laß sie der Engel Schuß u. Wacht genießen, wie den Jakob. Sollte es dir aber gefallen, mir ein Kinderkreuz zuzuschicken, entweder durch eine Krankheit, oder 168 ihre Kinder GOtt im Gebet vor. 169 ihr Absterben, oder ein Unglück, das ich an ihnen ſehen muß, so verleihe mir in solchem LeidenGeduld, daß ich gedenke, wie ohne dich nichts geschehe, und daß die Kinder eher dein ſeien gewesen, als sie mein geworden, und daß du auch freie Macht habest, sie wieder zu dir zu nehmen. Willst du aber mich durch meiner Kinder Leiden, Unglück und Tod zu dir ziehen, daß ich auch an ihnen die Vergänglichkeit der sichtbaren Gaben erkennen, und dadurch aufgemuntert werden soll, dich allein zu lieben als das wahre und vollkommenste Gut, so erhalte mich auf diesem Dornen- Wege in festem Vertrauen und in der Hoffnung auf deine Allmacht, daß du alles, auch meiner Kinder Kreuz, enden und wenden könnest. Ertheile ihnen auch im Leiblichen deinen Segen; versorge sie, pflege sie, gieb ihnen Nahrung und Kleidung, und thue wie ein mächtiger, himmlischer Vater an ihnen; ſei ihr Helfer in Gefahren und Unglück, ihr Arzt in Krankheit, und ihr Rathgeber, wenn sie guten Rathes bedürftig sind. Gieb meinen Kindern eine fromme Seele, gefunden Leib, guten Verstand, und laß ſie vor dir leben, damit sie dich allezeit ehren und preisen. Pflanze in ihre Herzen die wahre Frömmigkeit; erhalte sie in deinem Glaubige Eltern tragen Segen, damit ich Trost und Freude an ihnen haben möge. Ach GOtt! erhöre mein Gebet, und gedenke, es sind ja sowohl deine, als meine Kinder; darum wollest du auch mein Seufzen für sie vor dem Thron deiner Gnaden erhören. Bewahre mich, o GOtt! daß ich keine Schande von meinen Kindern haben möge, weder bei meinen Lebzeiten, noch nach meinem Tode. Laß mich am jüngsten Tage mit allen meinen Kindern zu deiner Rechten stehen, und zu deinem Preis sagen: Siehe, hicr bin ich, mein Gott! und die Kinder, die du mir gegeben hast, ich habe deren keines verloren. Ja, mein GOtt! verleihe mir Gnade, daß feines meiner Kinder verloren gehe, sondern daß sie alle mit mir, und ich mit ihnen zu deiner Herrlichkeit eingehen mögen. Ach GOtt! segne meine Kinder, Nimm dich ihrer gnädig an, Thu' an ihnen auch nicht minder, Als du hast an mir gethan; Segue ihren Schritt und Tritt, Theil' den Segen ihnen mit, Laß es ihnen wohl ergehen, und in deiner Gnade ſtehen. Amen. 170 Gefang. Mel. O GOtt, du frommer GOtt 2c. 1. Du hast, o großer GOtt! Die Kinder mir gegeben, Und du erhältst sie auch Im Wahlsein und im Leben; Ach! dafür dank' ich dir, Als deine liebe Gab' Die ich von deiner Hand, Mein GOtt! empfangen hab. ihre Kinder GOtt im Gebet vor. 171 2. Seh' ich die Kinder an, So muß ich zwar bekennen, Daß sie sind alle mein, Weil sie sich von mir nennen; Jedoch sie sind auch dein, D'rum komm ich jetzt zu dir, Und trage im Gebet Dir meine Kinder für. 3. Ach! pflanz' die GOttesfurcht In ihrer Aller Seelen, Daß sie, was dir gefällt In ihrem Thun erwählen; Erfülle ihren Geist Mit wahrer Frömmigkeit, Mit Keuschheit, Glaub' und Lieb' Und mit Zufriedenheit. 4. Laß sie in Tugenden Mit jedem Jahr zunehmen, Und zum Gehorsam sich Ohn' Wiederspruch bequemen; Schent' ihnen Kraft und Stärk, Gieb Weisheit und Verstand Und führ' sie immerdar An deiner Vaterhand. 5. Laß deinen guten Geist Sie allezeit regieren, Laß mich an ihrem Thun Des Glaubens Früchte ſpüren; Gieb ihnen Jakob's Glück Und Joseph's Frömmigkeit, Tobiä folgsam Herz Und Segen allezeit. 6. Und wenn sie in der Welt Viel Böses sollten sehen, So laß sie nimmermehr Auf bösen Wegen gehen; Wend' ihre Augen ab Von Sünd' und Eitelkeit, Bewahre ihre Seel' Vor Stolz und Sicherheit. 7. Wenn die Gesellschaft will Zur Sünde sie verführen, So laß fie deine Furcht Und Gegenwart verspüren, Und hab' Acht auf sie selbst, Bewahre ihren Tritt; Begleite fie und geh', Wo sie hingeh'n, selbst mit. 8. Erhalte sie gesund, Und zeigen sich Gefahren Bei Tage oder Nacht, So lasse sie bewahren Der Engel güld'nes Heer, Die immer auf sie seh'n, Daß sie in deiner Gnad' Und milden Segen steh'n. 9.- Und noch eins bitt' ich dich, Das wollest du mir geben: Laß mich ja nimmermehr An ihnen Schand erleben; Auch nicht nach meinem Tod, Ach GOtt! erhöre mich, Verleihe solches mir Und ihnen väterlich.YO 10. Laß mich an jenem Tag Auch meine Kinder sehen, Daß sie vor dir verklärt Zu deiner Rechten stehen, Auf daß ich sagen kann: Hier bin ich und die Gab', Die Kinder, die ich längst Von dir empfangen hab'. 172 Fromme Kinder beten für ihre Eltern. Aufmunterung. Ihr Kinder, seid gehorsam euren Eltern in dem HErrn, denn das ift billig. Ehre Vater und Mutter, das ist das erste Gebot, das Verheißung hat, auf daß dir's wohl gehe, und du lange lebest auf Erden. Ephes. 6, v. 1-3. Unter andern schweren Sünden, wodurch ein Mensch den Fluch kann auf sich ziehen, gehöret auch diese, wenn sich erwachsene Kinder an ihren Eltern verfündigen. Obgleich Eltern von der ersten Stunde der Geburt mit den Kindern Mühe, Last und Verdruß haben, so ist's ihnen doch am empfindlichsten, wenndie Kinder widerspenstig, herrisch, unartig u. boshaftig gegen sie sind in den erwachsenen Jahren, als in wel chen sie billig ihnen sollten lauter Freude und Vergnügen machen. Fromme Kinder sollen demnach: 1) fleißig für ihre Eltern beten, und in solchem Gebet ihnen allen Segen, Gesundheit, Wohlergehen, langes Leben u. Abwendung alles Unglücks von GOtt erbitten. Fromme Kinder sollen: 2) ihre El ternlieben, denselbengerneaufwarten, inihrem Dienst hurtig und willig sein, ihrer pflegen wenn sie krank sind. Fromme Kinder sollen 3) ihren Eltern gehorchen, daß sie sich zu allem Guten erziehen lassen; den Eltern nicht widerbellen, oder widersprechen, wenn sie ihnen etwas heißen oder befehlen: auch wennsie sich verheirathenwollen, sollen sie ohneder ElternWissen und Willen sich nicht heimlich verbinden; als wel ches lauter Fluch und Unglück nach sich ziehet. Fromme Kinder sollen: 4) ihre Eltern ehren im Herzen, daß sie erkennen, Ott habe die Eltern an seine Stätte geseßet; indem GOtt durch der Eltern Hand den Kindern alles giebt. Sie sollen sich auch ehrerbietig mit Worten u. Werken gegen zeigen, sie nicht aufahren, ihnen nicht unfreundlicheu. er= Fromme Kinder beten für ihre Eltern. 173 harte Worte geben, auch ihrer Eltern Ehre u. guten Namen vertheidigen. Es sollen fromme Kinder 5) gedenken, daß sie den Eltern nimmermehr vergelten können, was sie an ihnen gethan haben. Gedenke, wie sauer du deiner Mutter geworden bist, u. mit welcher Mühe und Arbeit dich dein Vater erzogen u. ernährt hat. 6) Undankbare u. widerspenstige Kinder sind rechte lebendige Höllenbrände, denen es nimmermehr wohlgehen kann, wenn sie nicht die Sünden und Bosheiten, so sie an ihren Eltern begangen, vor ihrem Tode durch eine herzliche und schwere Buße mit tausend Thränen bereuen. Gebet. Ach, du gnädiger und barmherziger GOtt! ich lobe dich von Grund meines Herzens, daß du mich von frommen und christlichen Eltern in diese Welt hast lassen geboren werden; das ist die erste Wohlthat, die du mir erwiesen hast. Wären meine Eltern Juden, Türken u. Heiden gewesen, so wäre ich so verstockt, so unglaubig u. ohne deine Erkenntniß, wie sie. War meiner Eltern erste Sorge nach meiner leiblichen Geburt, daß ich, o mein himmlischer Bater! durch die heilige Taufe in deine Arme geleget würde, darin du mir den heil. Geist zum Pfand meiner Kindschaft u. meines himmlischen Erbes gegeben hast; so laß auch diesen guten Geist mich immerdar leiten und führen, daß ich meine Pflichten gegen dich und meine Eltern wohl möge in Acht nehmen. Ich liege jetzt mit meinem Gebet vor Fromme Kinder beten für ihre Eltern. deinem allerheiligsten Angesicht, und bitte dich, ach! laß meine Eltern gesund; bewahre sie vor Unglück; segne ihre Nahrung, ihre Arbeit und ihren Beruf; gieb ihnen langes Leben; vergilt ihnen die mir erwiesene Trene, die ich nicht erzählen und nimmermehr vergelten kann, mit geiſtlichen und himmlischen Gaben. Gieb mir, o himmlischer Vater! ein gehorsames Herz, daß ich meine Eltern nicht beleidige, oder mit Wij sen und Willen betrübe. Gieb, daß ich mir immer vor Augen stelle das Erempel meines JEsu, der dir, seinem himmlischen Va ter, nicht allein gehorsamt war, sondern auch seinem Pflegvater Joseph und seiner Mutter Maria; damit ich mit meinem findlichen Gehorsam meinen Eltern zu aller Zeit u. auch in ihrem Alter lauter Freude u. Vergnügen mache. Bewahre mich, daß ich nicht durch Ungehorsam und Widerspenſtigkeit den Fluch und Unsegen auf mich bringe, der den bösen Kindern gedrohet ist, sondern daß es mir möge hier zeitlich u. dort ewig wohl gehen. Gieb mir ein ehrerbietigesHerz gegen sie, daß ich sie weder mit Wor ten, noch Werken erzürne, daß ich in Demuth ihnen begegne, mit Freundlichkeit ihren Befehl anhöre, und auch ohne Widerspruch ihre Züchtigung ertrage. Behüte mich, 174 Fromme Kinder beten für ihre Eltern. daß ich nicht den unartigen bösen Kindern gleich werde, welche ihre Eltern verhöhnen, verachten, und ihnen lauter Herzeleid und Verdruß machen, welche aber auch den Fluch auf sich ziehen und alles Segens, den du frommen und guten Kindern verheißen hast, auf ewig werden beraubet bleiben. Gieb mir deine Gnade, daß ich mich an meinen Eltern nicht verfündige, sondern fleißig erwäge, wie sauer ich meiner Mutter geworden, und mit wie vieler Mühe ich erzogen bin; damit ich mit dankbarem Herzen und Gemüthe solches Zeit meines Lebens erkenne, und meine Eltern an mir keine Schande, sondern lauter Freude erleben mögen. Hab' ich in meinen Kinderjahren meinen Eltern etwas zuwider gethan, das bitte ich hiemit dir, o GOtt! und meinen Eltern in Demuth ab, und verspreche, daß ich durch deine Gnade trachten will, sie mit meinem Gehorsam und einer christlichen Aufführung zu erfreuen. Verleihe mir deinen heil. Geist, daß ich im Glautben, in Frömmigkeit, in Keuschheit und Gottesfurcht, wie es einem Kind GOttes gebühret, möge wandeln, damit ich mit meinen Eltern am jüngsten Tage zu deiner Rechten stehen, und mit ihnen zu deiner Herrlichkeit eingehen möge. 175 176 Fromme Kinder beten für ihre Eltern. Du sollst ehren und gehorsam sein, Dem Vater und der Mutter dein; Wird deine Hand sie treulich laben, So wirst du langes Leben haben. Amen. Gesang. Me I. D GOtt, du frommer GOtt. 1. Ich will, o großer GOtt! Vor deinen Thron jetzt treten, Und als ein frommes Kind Für meine Eltern beten: Der du die Kinder pflegst In Gnaden anzuſeh'n, Ach! laß auch meine Bitt Und Herzenswunsch gescheh'n. 2. Die Eltern haben mich In ihr Gebet geschlossen, Eh' ich geboren war; Und weil ich bin entsprossen Von Christen, so bin ich Durch sie zur Tauf gebracht, Darin ich einen Bund Mit dir, o GOtt gemacht! 3. Es hat mich ihre Lieb' Zur Schule lassen gehen, Und mich in meinem Thun Auf JEsum heißen ſehen; Ihr Herz war immerdar, Bei Tage und bei Nacht, Mit unermüd'tem Fleiß Nur auf mein Wohl bedacht. 4. Laß mich für diese Lieb' Sie wieder herzlich lieben; Laß ihre Liebe mir In's Herz stets sein geschrieben, Damit ich dankbar sei, So viel ich immer kann, Und bleib' stets eingedenk, Was sie an mir gethan. 5. Ach! laß sie viele Jahr' Zu meinem Trost erleben, Und wollest auch dabei Gesundheit ihnen geben; Erhalte fie, o GOtt! Auf lange späte Jahr', Damit ich sie noch seh' In ihrem grauen Haar. 6. Ach! schenke ihnen doch, O Vater! deinen Segen; Laß deinen Segen sein Auf allen ihren Wegen; Erhalte, was du giebst; Und was du hast bescheert, Das segne, daß es werd' Durch deine Gnad' vermehrt. 7. Gieb mir ein willig Herz, Daß ich mich lasse ziehen, Daß ich nach ihrem Rath Die Sünde möge fliehen, Daß ich gehorsam sei Ohn' allen Widerspruch, Und ferne von mir bleib' Der sonst gedrohte Fluch. 8. Laß sie an mir viel Freud' Und keine Schand erleben. Ach! laß mir deine Furcht, Mein GOtt! vor Augen schme ben; Schenk mir ein frommes Herz, Daß ich die Sünde scheu', Und bleibe dir, o GOtt! In Glaub' und Liebe treu. 9. Laß mich an jenem Tag Auch meine Eltern ſehen In großer Herrlichkeit zu deiner Rechten stehen, Und laß mich auch daselbst, Durch JEsu Blut, so rein, Mit Himmels- Glanz geschmückt Bei meinen Eltern sein. 177 Der glaubige Christ betet bei entstandenem Gewitter. Aufmunterung. Sein Gezelt um ihn her war finster und schwarze dicke Wolken, darinnen er verborgen war. Vom Glanz von ihm trennten sich die Wolken mit Hagel und Blizzen. Und der HErr donnerte im Himmel, und der Höchste ließ seinen Donner aus mit Hagel und Blitzen. Psalm 18, v. 12-14. Zu den äußerlichen Dingen, wodurch gottlose Weltfinder pflegen geschreckt u. zum Gebet erweckt zu werden, gehören auch Gewitter, wennGOttein schweres, mit Donner u. Blißen vermischtes Gewitter aufsteigen lässet; denn da will der sonst freche Mund sogleich beten, nicht aus Liebe zu GOtt; dennwarum hat er es vorher nicht gethan? sondern aus Furcht der Strafe. Glaubige Christen erkennen zwar: 1) daß Donner ut. Blizenvonnatürlichen Ursachen entstehen, aber auch: 2) daß dieselben GOttes Befehl ausrichten. Gleichwie GOtt alle Kreaturen wider die bösen Menschen waffnen kann, so ist's ihm auch leicht, durch den Donner Menschen u. Vieh zu erschlagen, u. durch seine Bliße Häuser, Flecken u. Städte anzuzünden, daher sollen: 3) frommeChristen von demgräulichen Fluch, da man mit Wetter u. Donner fluchet, sich enthalten; hingegen: 4) bei entstandenem Gewitter nicht kleinmüthig werden, erschrecken u. aus Angst verzagen wollen, welches ein Zeichen eines schlechten Vertrauenszu Gott ist; sondern: 5) sich erinnern, daß Gott die Blize u. den Donner in seinen Händen hat, u. daß er sie wohl werde schüßen können, wenn sie auch mitten im Felden. unter freiem Himmel wären. 6) Sie sollen sich aber alsdann desto mehr im Gebet zu GOtt wenden, u. daraus ihr Nichts u. GOttes Alles erkennen, wie Gott ein mächtiger GOtt sei, wir Menschen aber nur arme Würmer, Staub u. Asche sind, welche 12 178 Der glaubige Christ betet GOtt mit einem Wink u. Strahl verderben könnte, u. demnach 7) sich vor dem majestätischen GOtt fürchten u. scheuen, nicht allein, wenn es donnert, sondern auch, wenn die Sonne scheinet, u. sich hüten, ihn mit Worten zu beleidigen, sonderlich aber also zu leben, daß man eines gnädigen GOttes sich versichern könne zu allen Zeiten, und auch wenn er uns wollte in einem Wetter von der Welt nehmen. Gebet. Odu starter u. allmächtiger GOtt! ich höre deine Stimme in den Wolken, ich sehe deine Blize leuchten, u. vernehme, wie dein Donner brüllet u. schlägt. Stark ist dein Arm, und stark ist deine Gewalt, und wenn du wolltest, so könnteſt du mich und alle Menschen in einem Augenblick sammt allen Kreaturen zu Bodenschlagen. Aber ach, Herr! HErr! gedenke an deine Barmherzigkeit u. Güte, die von der Welt her gewesen ist; gedenke nicht der Sünden meiner Jugend, noch meiner Uebertretung, gedenke aber meiner nach deiner Barmherzigkeit um deiner Güte willen. Ach! strafe mich nicht in deinem Zorn u. züchtige mich nicht in deinem Grimm. Ich erkenne mit wahrer Demuth meines Herzens, daß ich wohl verdient hätte, daß du mich in deinem gerechten Zorn verderbtest u. zerschmetterſt. Aber ach, du langmüthiger GOtt! verschone meiner bei diesem Gewitter. GOtt! sei mir gnädig nach deiner Güte, u. tilge alle meine bei entstandenem Gewitter. Sünden nach deiner großen Barmherzigkeit: ach! es reuet mich, u. ist mir herzlich leid, daß ich dich bisher so oft beleidigt, u. mit Gedanken, Worten u. Werken erzürnet habe; ach! ich bitte um Gnade u. Vergebung aller meiner Sünden u. Uebertretungen. Siehe doch an, o himmlischer Vater! daß ich dein Geschöpf u. auch dein Kind bin; wo sollen aber Kinder in ihren Nöthen u. Aengsten anders hin, als zu ihrem Vater? darum komme ich auch zu dir, o mein Vater u. bitte dich, ſei mir, deinemKindegnädig; ach Bater! schüße mich, bedecke mich, bewahre mich; unter demSchatten deiner Flügel habe ich Zuflucht; verbirg mich heimlich in deinem Gezelt; stelle deiner Engel Wacht um mich her, daß mich kein Unglück rühre, kein Strahl verleße und kein Schlag treffe. Ach, HErr JEsu! du Sohn GOttes, mein einziger Mittler, Fürbitter und Heiland! sei nicht ferne von mir, denn Angst ist nahe; ach! eile zu mir; sei mir ein starker Schuß; verlaß mich nicht, und thue nicht von mir die Hand ab, GOtt, mein Heil! Siehe, ich stehe von allen Kreaturen und Menschen verlassen, aber ach! verlaß du mich nicht; erbarme dich mein u. errette mich. Ich halte mich an dich, o JEsu! ich verberge mich in deine heil. Wunden; ich schreie mit den Jüngern: HErr, hilf uns, wir verder12* 179 180 Der glaubige Christ betet ben! O du werther heiliger Geist! erwecke mein Herz zum Gebet und Andacht; damit ich durch dieses Gewitter möge erwecket und fromm gemacht werden. Hilf, daß ich hinfort Acht gebe, wenn du durch dein heiliges of Wort an mein Herz schlägest, daß ich Buße thun, mich bekehren u. von Sünden ablaſsen ſoll, damit ich alsdann willig wäre, der Welt mich nicht in ihren sündlichen Reden, Sitten und Gewohnheiten gleich stelle. O du heilige Dreieinigkeit! erbarme dich über mich und alle fromme Christen! bedecke mit deiner allmächtigen Hand meinen Leib, mein Leben, Haus u. Hof; bewahre die Früchte auf dem Felde; laß den Bliß nicht mein Haus anzünden, oder deine Donnerschläge mich verlezen; sei du mein Beistand in der Noth, denn Menschenhülfe ist kein Nüße. Ach, du mächtiger Schußherr deiner Kinder! schaue auf mich, und laß mich unter deinem Schuß und Schirm sicher wohnen. Von deinem Donner regen sich die Berge, und die Erde erzittert; wie sollte ich armer Erdenwurm denn nicht vor dir erbeben? Laß mich daraus erkennen die Vergänglichkeit der Welt, wie alles, was wir sehen, dereinsten im Feuer vergehen wird, damit ich nicht in Fleischeslust, Augenlust und hoffärtigem Leben möge verbleiben, und bei entstandenem Gewitter. dich damit zum Zorn reizen. Ach HErr! bewahre mich vor einem bösen schnellen Tod; laß dieses Gewitter glücklich und ohne Schaden vorüber gehen. Ach HErr! wer ist dir gleich? der du so majestätiſch, allmächtig und erschrecklich, aber auch so barmherzig und gnädig bist; der du uns weckest und deckest; ach! verschone meiner, und laß mich auch diesesmal Gnade und Errettung finden. HErr GOtt Vater im Himmel, erbarme dich über uns! HErr GOtt Sohn, der Welt Heiland, erbarme dich über uns! HErr GOtt heiliger Geist, erbarme dich über uns! sei uns gnädig, verschone unser, lieber HErr GOtt! set uns gnädig, hilf uns lieber HErre GOtt! vor Feuers- und Wassersnoth behüte uns, lieber HErre GOtt! vor einem bösen schnellen Tod behüte uns lieber HErre GOtt! schlage nicht bei uns ein, frommer GOtt! siehe an des HErren Jesu Tod. 181 Befiehl dem Bliße, daß er nicht Ein Unglück hier bei uns anricht'. Du heilige Dreieinigkeit! Nimm Leib und Seel' in deine Hut, Bewahr' auch Häuser, Hab' und Gut. Verschon' uns lieber HErr und GOtt! Und wende von uns diese Noth! So wollen wir zu aller Zeit Stets rühmen deine Gütigkeit. Amen. Der glaubige Christ betet Gesang. Mel. Ach! was soll ich Sünder machen. 1. GOtt! wir hören deine Stimme, Wie das Wetter tobt und brüllt Und mit Schrecken uns erfüllt; Wie du in dem Zorn und Grimme Himmel, Erd' und Luft er regst, Und uns zu der Buß bewegst. 2. Hören wir den Donner knallen, Wie er grausamlich herfährt, Und fast Stadt und Land umkehrt, Wie so harte Schläge fallen, So erzittert und erbebt Alles, was auf Erden lebt. 3. Ja, wir sehen deine Blißen, Wie das Feuer auf uns schießt, Und wie Ströme auf uns fließt, So daß wir erschrocken sißen, Und uns fürchten, ob du nicht, Uns willst Laden vor's Gericht. 182 4. In dem Donner, Bliß und Wetter Kommen wir zu dir, o Gott! Ach! hilf uns in dieser Noth! O du Helfer und Erretter! Großer GOtt! erbarme dich, Sieh uns doch an gnädiglich. 5. Kein Mensch kann uns jetzt beistehen, Niemand ist, der uns beschüßt, Da es also schrecklich blizt! Alles muß zu Grunde gehen, Wo du uns nicht selbsten deckst, Und zur Hilf die Hand ausstreckft. 6. GOtt, wie groß ist deine Stärke, O wie groß ist deine Macht! Die wird oft gering geacht't; Deine großen AllmachtsWerke Zeigen Blik und Donnerstrahl, Großer GOtt, jetzt überall. 7. Treuer Vater! schone, schone, Nimm uns auf in deine Hut; Schüß uns vor des Wetters Wuth: Schau auf uns von deinem Throne; Treuer Vater! steh' uns bei, Mach uns von der Strafe frei. 8. Wenn wir dich nicht wollen hören, alsdann schickst du in das Land Unglück, Wetter, Fluth und Brand, Daß sie Stadt und Land zerstören, Jedermann zur Züchtigung Und zur Lebens- Besserung. 9. Ach! sieh' nicht an unsre Sünden, Die ein Jeder hat gethan; Ach nimm uns in Gnaden an. Laß den Blig doch nicht entzünden Unsre Häuser, Hab und Gut, Wend ab Feuer und Wasserfluth. 10. Ach! wir beben und erzittern, Wenn uns in die Ohren schallt, Wie dein Donner schrecklich knallt! Ach in solchen Ungewittern Uebest du oft Straf und Recht Ueber einen bösen Knecht. bei entstandenem Gewitter. 183 11. Ach! du kannst uns jetzt auch strafen, Wenn dein Wetter schläget ein, Wo wir jetzt versammelt sein. Ach! willst du uns denn hinraffen? Vater der Barmherzigkeit, Schon uns doch zu dieser Zeit. 12. Siehe nicht an unsre Sünde, Siehe doch an JEsum Christ, Der für uns gestorben ist: Um deßwillen laß uns finden Hilf, Errettung, Trost und Gnad' Die er uns erworben hat. 13. Ach HErr! hilf uns, wir verderben, Ach HErr! hilf, verlaß uns nicht; O GOtt, unsre Zuversicht! Laß uns nicht in Sünden sterben; Linderst du nicht deinen Zorn, So sind wir gewiß verlor'n. 14. Ach! du großer GOtt! behüte Menschen, Viehe, Feld und Land Vor Verwüstung, Fluth und Brand. HErr! nach deiner großen Güte Laß den Sturm vorüber gehn, Und uns deine Hilfe sehn. 15. Ach, bedecke unsre Früchte, Decke unsre ganze Stadt Und das, was ein jeder hat, Mach es nicht im Zorn zunichte; Du bist, der uns helfen kann, Ach HErr! nimm dich unser an. 16. Ach HErr! höre uns in Gnaden, Theil uns deinen Segen mit, Ach! erhöre unsre Bitt; Laß das Wetter uns nicht schaden, Ach! wir fallen dir zu Fuß, Sieh an unsre wahre Buß. 17. Daher wollen wir erkennen, Wenn du uns anjeßt befreist, Daß du unser GOtt noch seist, Und dich unsern Vater nennen, Welcher seiner Kinder schont, Und nicht nach den Werken lohnt. 18. Ja, wir wollen immer preisen Deine große Wunder- Macht, Welche über uns gewacht, Und dir fröhlich Dank erweisen, Nicht nur hier in dieser Zeit, Sondern auch in Ewigkeit. Ein anderes Wetter- Gebet. Bleibe bei uns( Berr), denn es will Abend werden, und der Tag hat sich geneiget. Luc. 24, v. 29. Großmächtiger Gott! deinem Namen sollen alle Gewaltige auf Erden Ehre bringen, und dich, ewiger GOtt! anbeten in deinem heiligen Schmuck; denn du bist der HErr im Der glaubige Christ betet höchsten Thron; du beweisest deine Kraft an allen Orten. Die Stimme des HErrn gehet herrlich u. mit Macht. Die Erde bebet u. wird beweget, u. die Grundfeste der Berge regen sich. Dampf gehet aus von deiner Naſe u. verzehrend Feuer von deinem Munde, daß es davon blizet. Dein Gezelt um dich her ist. finster, und schwarze dicke Wolken, darinnen du verborgen bist, u. dunkel ist unter deinen Füßen. Vom Glanz vor dir trennen sich die Wolken. Der HErr donnert im Himmel, und der Höchste lässet seinen Donner aus. Du bringest hervor die Winde aus deinen verborgenen Löchern, und treibest fie wieder an ihren Ort, wenn sie einen Befehl ausgerichtet haben. Es ist dir alles unterworfen; alle Dinge erkennen dich für ihren Schöpfer, und erzittern vor deiner göttlichen Majestät. Die hohen Berge, und die Abgründe der Tiefen erschrecken, wenn du zornig bist; der ganze Erdboden zittert; Meere u. Wasser fliehen vor deinem Zorn. Die Stimme des HErrn hauet wie Feuerflammen. Die Stimme des HErrn erreget die Wüsten. Der HErr bleibet König in Ewigkeit. Er wird seinem Volk Kraft geben. Der HErr wird sein Volk segnen mit Frieden. O gütiger GOtt! behüte uns vor deinem grimmigen Zorn, der unerträglich 184 bei entstandenem Gewitter. 185 ist, und vergieb uns unsere Sünden. Erleuchte dein Antlitz über uns, und sei uns gnädig. Verschone unser, daß dieses bevorstehende zornig, ungestünm, grausam und schwere Wetter ohne allen Schaden ab- und vorüber gehe. Bewahre unser Leib u. Leben, Haus und Hof vor Entzündung des Wetters, vor Schießung der Strahlen, vor Donnerschlägen u. allem Verderben. Deßgleichen beschütze die Früchte auf dem Felde vor Schloßen u. Hagel, vor Wasserfluth u. vor allem Schaden. Oheiliger GOtt! behüte uns vor einem bösen schnellenTod. GOtt der Vater, der seinen Sohn des Kreuzes Pein für uns hat lassen leiden, erhalte mich! Jesus von Nazareth, ein König der Juden, für mich gestorben, bewahremich. Der heilige Geist, der mich gezeichnet hat mit der Salbung u. mit dem Zeichen des heil. Kreuzes, beschirme mich, daß mir kein Unfall widerfahre. Amen. Ein weiteres Wetter- Gebet. GOtt donnert mit ſeinem Donner gräulich, und thut große Dinge, und wird doch nicht erkannt. Hiob 37, v. 5. Ach, dugerechter GOtt! wie wir Menschen dich, unsern GOtt, auf viele Weise und Wege erzürnet, also hast du auch Mittel und Wege, unsere Sünden zu strafen, darum bitten wir dich demüthiglich und von Herzen, weil dieses aufsteigende Gewölfe 186 Dank- Gebet nach dem Gewitter. sich zu einem ſorglichen u. schweren Wetter ansehen lässet, du wollest es mit deiner starken Hand gnädiglich trennen u. vertreiben, daß es ohne Hagel u. allen Schaden abgehe, zu einem fruchtbaren Regen werde, und dadurch Frucht u. Wein, Laub u. Gras, Berg u. Thal erquicket u. erfrischet werden möge, damit wir nach der Angst dir hinwieder fröhlich danken mögen, um JEsu Christi, unsers Heilandes willen. Amen. Dank- Gebet nach dem Gewitter. Denke, daß der HErr helfen kann, und fürchtet ihn mit Ernst. Weisheit 1, v. 1. GOtt, Erretter! In Demuth und von gan zer Seele sagen wir dir billig Dank, daß durch deine große Güte bei aller unserer Unwürdigkeit dem uns schreckenden Gewit ter in Gnaden ein Ende gemacht hast. Du sahest nicht auf die Schwachheit u. Ünvollkommenheit unseres Gebets. Tu hast uns das Leben erhalten, aus der Noth gezogen, vor jedem Unfall bewahret. Du hast der Früchten des Feldes verschonet, das Ge witter mußte sie erfrischen. Was zur Nahrung unsers Lebens dient, hast du segnend erhalten. Möchten wir nur unsers Versprechens und deiner Befreiung, böser Ge wohnheit nach, nicht wieder vergessen, gleich den ungetreuen Knechten, die ihren HErrn Der glaubige Christ betet zu GOtt 2c. nur dann fürchten, wenn sie ihn erzürnet sehen! Möchten wir uns durch deine Wohlthaten antreiben lassen, dich von Herzen zu lieben! Du hast unsern Schrecken verbannt. Schüße uns ferner vor jeder Gefahr; reiß uns von dem Irdischen los, damit wir uns nach dem Himmliſchen ſehnen, um da, von aller Furcht entfernt, deines unausdenklichen Friedens mit Leib und Seele zu genießen, durch unsern HErrn und Heiland, JEsum Christum. Amen. 187 Der glaubige Christ betet zu GOtt, wenn er sich von Hause auf die Reise begiebt. Aufmunterung. Der HErr behüte dich, der HErr ist dein Schatten über deiner rechten Hand, daß dich des Tages die Sonne nicht steche, noch der Mond des Nachts. Der HErr behüte dich vor allem Uebel, er behüte deine Seele. Der HErr behüte deinen Ausgang und Eingang von nun an bis in Ewigkeit. Psalm 121, v. 5-8. Von Hause zu reisen, können einen glaubigen Christen vielerlei Ursachen antreiben; theils die Berufsgeschäfte, theils die Liebe des Nächsten, theils der Zustand der Gesundheit; denn leppigkeits- und Wollust- Reisen stehen einem wahren Kinde GOttes nicht an. Ist aber eine nothwendige Ursache vorhanden, warum ein glaubiger Christ eine Zeitlang sein Haus und das Seinige verlassen muß, so soll er solche Reise: 1) mit Gebet antreten und denken, wenn er von Hause reiset, daß GOtt aller Orten bei ihm in fremden Landen sei, der alles siehet und höret; daher er sich auch selbst, als vor GOttes Angesicht, ehrbar, züchtig, fromm und christlich Der glaubige Christ betet zu GOtt, aufführen soll. 2) Ein glaubiger Christ soll sich GÖttes Schuß und Gnade bei dem Antritt seiner Reise empfehlen, daß er ihn in guter Gesundheit, mit gesunden und geraden Gliedern wieder nach Hause bringen wolle. Denn gewiß auf der Reise sind viele um Leib, Leben, Gesundheit und in linglück umgekommen. 3) Er soll auch Gott seine Hinterbliebenen, wie auch Haus und Güter empfehlen, daß er durch seine heiligen Engel alles in seine heilige Verwahrung nehmen, vor Feuer, Wasserfluth und Unglück indessen bewahren wolle. 4) Er soll bitten: daß GOtt ihn all' das Seine und die Seinigen unverleßt und gesund wolle wieder antreffen lassen. 188 Gebet. Gnädiger und barmherziger GOtt! ich habe mir in deinem Namen vorgenommen, auf einige Zeit mich von den Meinigen und von meinem Hause zu entfernen, darum komme ich zu dir, und bitte dich, ach! ſegne meinen Aus- und Eingang. In deinem Namen will ich diese Reise antreten! unter deinem Geleit laß mich dieselbe verrichten, und unter deinem Schuß wollest du mich wiederum nach Hause bringen. Laß mich der Engel Heer und Schuß umgeben, wie den Jakob; laß deinen Engel in aller Gefahr bei mir stehen, wie Paulo; laß deiner Engel Schaar mit mir aus- und heimreiſen, wie mit Joseph und Maria wenn er sich auf die Reise begiebet. 189 und dem Kindlein JEsu, damit ich von allem Unglück, Dieben, Mördern und anderem Schaden befreiet bleibe. Ach, du Hüter Israel, der du weder schlafest, noch ſchlummerst, sei bei Tag und Nacht eine feurige Mauer um mich her, wie um Eliſa, damit sich kein Unglück und Verderben zu mir nahe. Begleite mich früh und ſpät, in Wäldern und Feldern mit deiner heiligen Engel Wacht, wie du die Kinder Israel mit einer Wolken- Säule durch die Wüste geleitet hast. Begleite mich, wenn ich reiſe; bleibe bei mir, wenn ich ruhe; wache für mich, wenn ich schlafe; ja HErr! HErr! hab' Acht auf mich, wo ich mich hinwende, und laß mich deiner heiligen Obhut empfohlen sein. Gieb, daß mir alle Tage, ja alle Stunden in meinen Ohren erschallen die Worte, die du Abraham mit auf die Reiſe gabest, als er von Haus reisen ſollte: wandle vor mir und sei fromm; auf daß ich deine allerheiligste Gegenwart in der Fremde möge vor Augen haben. Bewahre mich, daß ich in meiner Abwesenheit von Haus und auf der Reise mich nicht laſſe des Bösen gelüsten; behüte mich vor Völlerei, leppigkeit, Frechheit, Bosheit, Gleichstellung der Welt, Ausübung der Sünden und Schanden. Hilf, daß ich mit unbe 190 Der glaubige Christ betet zu GOtt, flecktem Gewissen wieder nach Hauſe kehren möge. Wende meine Augen ab, wenn sie etwas Böses sehen; wende mein Herz ab, wenn in demselben böse Lüste entstehen, u. bewahre mich, daß ich weder meinen Leib, noch meine Seele auf dieser Reise beflecken möge. Hilf, daß ich gedenke, du hörest alles, was ich rede, du siehest alles, was ich thue, und wo ich gehe, stehe, und was ich immer thue, daß du da stehest, und hörest u. sehest mir zu, auf daß ich nicht wider dich fündige, und deinen Zorn u. Ungnade auf mich ziehe. Ich befehle dir all' das Meine, das ich zu Haus hinterlasse; bewahre dasselbevor Dieben, vor Feuer und Wassersnoth, und laß mich alles unzerstöret u. unversehret wiederumantreffen. Ich befehle dir auch die Meinigen, welche ich hinterlasse. Ach, mein GOtt! ich gehe von ihnen weg, aber bleibe du bei ihnen; wende alle Gefahr, allen Schaden, alles Unglück und Krankheit in Gnaden von ihnen ab; laß mich sie gesund wieder sehen, sei ihr Schußherr, erhalte sie, begleite, bewahre sie, und laß vor meine Ohren nicht kommen eine traurige Botschaft; sondern laß sie vor dir leben u. deines Schußesu. deiner Gnade genießen. Laß mich auch zu ſeiner Zeit glücklich wieder nach Hause kommen, u. unter deinem Schutz die Meinigen gesund wenn er sich auf die Reise begiebt. 191 wieder finden. Ach HErr JEsu! derduunter der Gestalt eines Wandermannes mit den zwei Jüngerngereiset bist, sei auch bei mir auf meiner Reise, u. erfülle mein Herz mit guten Gedanken. Gieb mir frommeGefährten, daß wir auf der Reise mit schandbaren Worten u. sündlichen Reden uns an dir nicht versündigen, sondern an dich denken, und in deiner allerheiligsten Gegenwart unser Gespräch von deiner Güte, von deinen Wunden, von deiner Treue und Wahrheit halten mögen. Ach, mein GOtt! in deinem Namen habe ich die Reise angetreten, in deinem Namen laß mich sie auch glücklich vollenden, so will ich dich mit den Meinigen dafür herzlich loben und preisen unser Lebenlang.*** Send' deinen Engel vor mir her, Den Weg mir zu bereiten; Befiehl, daß er dem Satan wehr' Und allen bösen Leuten. Nimm mich, o HErr! in deinen Schuß, Daß ihre List, Gewalt und Truß Mirnimmer können schaden. Bleibe auch stets bei den Meinen, Die mich wünschen bald zu seh'n; Laß auffie, als auf die Deinen, Deine Gnaden- Augen seh'n; Führe sie doch allermeist, Großer GOtt, durch deinen Geist, Daß sie nimmermehr gerathen In Gefahr und Missethaten. Amen. Gesang. Mel. Wer nur den lieben Gott läßt walten 2c. 1. Mein GOtt! ich bin von Haus gegangen, Durch deinen Beistand bin ich hier, Mit dir hab ich es angefangen, Ach! weiche auch hier nicht von mir; O treuer Wächter Israel! Dir, dir befehl ich Leib und Seel'. 192 Der glaubige Christ betet zu GOtt 2c. 2. Ich will hier meine Zeit zubringen Zu deiner Ehr' um deinen Ruhm Mit Bitten, Flehen, Danken, Singen, Als dein geliebtes Eigenthum; Begleite mich, wenn ich ausgeh', Bewahr mich, wo ich geh und steh'. 3. Laß mich allhier behutsam wandeln In GOttesfurcht und Frömmigkeit, Nicht wider mein Gewissen handeln, Und hilf mir, daß ich allezeit Dich gegenwärtig vor mir seh Und nicht auf bösen Wegen geh. 4. Laß in den Reden mich erwägen, Du lieber Vater! hörest zu. Und daß auf allen meinen Stegen Du alles siehest, was ich thu; Ach! bring' mir nicht aus meinem Sinn, Daß du auch seiest, wo ich bin. 5. Ach lasse, großer GOtt! den Meinen, Du kenneſt sie, sie sind zu Haus, Auch deine Gnaden- Sonne scheinen, Theil ihnen deinen Segen aus; Ach! laß es ihnen wohl ergehn', Laß sie mich fröhlich wieder seh'n. 6. Bewahre sie vor Angst und Schrecken, Und wende alles Unglück ab, Dein' Gnadenflügel woll bedecken, Die ich zurück gelassen hab, Ach, treuer Vater! sie sind dein, Ach! laß sie dir empfohlen ſein. 7. Ach, wache, treuer Menschenhüter, Durch deiner guten Engel Wacht, Auch über meine Hab und Güter, Und fleißig habe darauf Acht; Wend Unglück, Wasser, Fluth und Brand In Gnaden ab durch deine Hand. 8. Laß mich von keinem Unglück hören, O Vater der Barmherzigkeit! Laß mich gesund nach Hause kehren Durch deine Güt', zu seiner Zeit, Indessen, HErr! beschüße mich Vor allem Unglück väterlich. 9. Erhöre mein Gebet und Flehen, Ach! theil mir deinen Segen mit, Ach! laß doch meine Bitt' geschehen, Behüte meine Schritt' und Tritt'! So will ich mit der Frommen Schaar Dich preisen jetzt und immerdar. Gejang. eines, der sich in fremden Landen aufhält. Mel. Wer nur den lieben GOtt läßt walten. 1. Mein GOtt! ich bin in fremden Landen, Entfernt von meines Vaters Haus; Wer gehet mir allhier zu Handen? Wer hilfet mir in Nöthen aus? Mein GOtt, 0 meine Zuversicht! Verlaß mich in der Fremde nicht. 2. Mit dir bin ich von Haus gegangen Auf meiner guten Freunde Rath, Mit dir hab' ich es angefangen, Und sprech Der glaubige Christ bittet 2c. 193 deßhalben früh und spat: Bleib in der Fremde stets bei mir, Ich weiche nicht, mein GOtt! von dir. 3. Bescheere mir viel gute Freunde, An welchem Ort ich fehre ein, und lasse mir auch meine Feinde Durch deine Gnad gewogen sein; Du bist mein Freund, dich halte ich, Auch in der Fremde lieb ich dich. 4. Erhalte mir mein Leib und Leben, Die Glieder, Kräfte und Gesicht: Gesundheit wollest du mir geben, Verlaß mich auch in Krankheit nicht. Gedenk, daß dieses ist dein Kind, Das in der Fremd sich krank befind't. 5. Behüte mich vor Sünd und Schanden, Bewahre mein Gewissen rein, Und laß mir auch in fremden Landen, HErr! deine Furcht vor Augen sein, Daß ich gedenk, dein Angesicht Sieht, was in fremdem Land geschieht. 6. Gieb, daß ich freche Sünder hasse, Und flieh' die Häuser, wo sie sind, Und mich da niemals finden lasse, Wo man verübet Schand und Sünd, Gieb, daß ich denke für und für, Ich wandle in der Fremd' vor dir. 7. Hilf, daß ich dir getreu verbleibe In der erkannten Glaubens- Lehr, Daß mich nichts von der Wahrheit treibe, Nicht Reichthum, Wollust, Glück und Ehr, Wer dich verläugnet in der Zeit, Der bringt sich um die Seligkeit. 8. Gieb mir, mein GOtt! auch deinen Segen, Bescheere mir mein täglich Brod, Sei stets bei mir auf meinen Wegen, Und sei mein Beistand in der Noth, Laß mich in deinem Segen steh'n, Ach Vater! laß mirs wohl ergeh'n. 9. Ach! segne mich im Schlaf und Wachen, Ach! ſegne meine Schritt und Tritt, Ach! segne mich in allen Sachen, Ach! theil mir deinen Segen mit! Gieb mir ein frommes Herz dabei, Damit ich recht gesegnet sei. 10. Du wollest dies Gebet erhören Nach deiner großen Gütigkeit, Und diese Bitte mir gewähren, So will ich nun und alle Zeit Mit Freuden sagen Jedermann, Was du mir Gutes hast gethan. Der glaubige Christ bittet um ein unverlettes Gewissen. Aufmunterung. Unser Ruhm ist der, nämlich das Zeugniß unsers Gewissens, daß wir in Einfältigkeit und göttlicher Lauterkeit, nicht in fleisch13 194 Der glaubige Christ bittet licher Weisheit, sondern in der Gnade GOttes auf der Welt gewandelt haben, allermeist aber bei euch. 2. Kor. 1, v. 12. Die meisten Menschen tragen Sorge für ihren Leib, denselben gesund zu erhalten; sie haben große Bemühungen, um Güter zu erwerben oder zu erhalten; aber ach! daß sie auch solche große Mühe anwendeten, ihr Gewissen rein und unbefleckt zu erhalten. Das Gewissen ist: 1) gleich dem Auge, welches kein Stäublein leiden kann: es ist eines bösen Menschen Ankläger, Zeuge und Richter; ja das Andenken der Sünden bleibet im Gewissen, wie Narben im Gesicht. 2) Am jüngsten Tag werden GOtt und das Gewissen die Zeugen sein, dawider man nichts wird einwenden können, derhalben auch das Gericht bald wird geschehen sein, weil man dieſen beiden Zeugen nicht widersprechen kann. Ein glaubiger Christ wird ein unverletztes Gewissen behalten: 3) wenn er fleißig GOttes Wort hört und liest, und darnach sein Leben einrichtet, und in allem, was er sich vornimmt zu reden und zu thun, gedenket, ob es ihm auch GOtt in seinem heiligen Wort erlaube: wenn er ferner: 4) sündliche Gesellschaften und Gelegenheiten meidet: denn wie der, welcher mit Feuer und Wasser umgehet, leicht gebrennet oder verletzet wird, also wird das Gewissen bei gewissenlosen Leuten leichtlich verleßt. 5) Sonderlich wird das Gewissen bewahret durch ein andächtiges, eifriges Gebet und durch die Vorstellung des allgegenwärtigen GOttes, als vor dessen Augen wir immerdar wandeln. Gebet. Err, mein GOtt! wie groß ist deine Güte und Liebe, die du an uns beweisest. Du giebst uns Leben und Gesundheit, und läs um ein unverletztes Gewissen. ſest es uns wohlergehen nach deiner Barnherzigkeit. Ach mein GOtt! dieses alles sind deine Geschenke und Gaben, aber sie werden uns wie ein bitterer Wermuth wer den, wenn in dem gesunden Leibe und bei allen Gaben und Gütern nicht ein rein und unverletztes Gewissen ist. Darum, o mein GOtt! erbarme dich über mich, u. erhalte mich in deiner Furcht, daß ich mein Gewissen nicht verletze. Das Gewissen ist wie das Auge; wenn in dasselbe nur das geringſte Stäublein kommt, so ist es unruhig, es thränet, es wird roth, u. man kann es nicht recht aufthun; so geht's auch mit dem Gewissen; hat man wider dasselbe etwas vollbracht, so wird es unruhig, es verklaget, verdammt und wenn es recht aufwacht, so getrauet man sich nicht, seinen Augen gen Himmel aufzuheben. Ach mein GOtt; ich möchte gerne eine unverletzte Seele und ein rein Gewissen vor dein heiliges Angesicht bringen, o; darum regiere mich durch deinen heiligen Geist, daß ich mit meinem Gewissen wie mit meinen Augen umgehen möge. Ach! wie ist ein gut Gewissen ein ſo edles Kleinod und sanftes Kissen, wer will mich verklagen, wenn mich mein Gewissen losspricht? denn so uns unser Herz nicht verdammt, so haben wir Frieden mit Gott 195 196 Der glaubige Christ bittet durch unsern HErrn Jesum Christum. Wer kann mich betrüben, wenn mich mein Gewissen erfreut; wer kann mich ängsten u. fränken, wenn mich mein Gewissen tröstet und aufrichtet? O mein GOtt! laß mich diesen Schatz wohl bewahren. Hilf mir, daß ich niemals etwas reden möge, welches mir eine Gewissens- Angst verursachen könne: hilf mir, daß ich nie in eine Sünde im Reden, oder in eine böse That einwillige, dadurch ich eine schwere Last auf meine Seele lege, die mich entweder in meinem ganzen Leben, oder auf dem Todbette drücken, oder mir deinen Zorn und Strafe erwecken könne; ach! bewahre mich vor dem Beissen des Gewissens und vor der Gewissens- Angst, und damit ich solche nicht empfinden müsse, so verleihe mir Gnade, daß ich mich aller Orten christlich und behutsam aufführe. Gieb, daß ich mir allezeit vorstelle deine allerheiligste Gegenwart, vor dir Böses zu thun mich scheue, und gedenke, duseiest ein Herzens- Kündiger, als vor welchen nichts verborgen ist, und da ich mich nicht kann vor meinem Gewissen verbergen, sondern dessen Bestrafung, wenn ich Böses thue, so bald fühlen muß, daß ich mich noch weniger vordir, o allsehender u. allwissender GOtt! werde verbergen können. Gieb, daß ich auf um ein unverlegtes Gewissen. sehe auf JEsum, meinen Heiland u. dessen heiligen Fußstapfen folge. Gieb, daß ich dein Wort, als meine Glaubensregel nimmer lasse von meinem Munde kommen, daß ich durch Verläugnung meines Glaubens mein Gewissen nicht verwunde. Laß dein Wort auch sein meine Lebensregel, damit ich nichtvorsäßlich dawider fündige, sondern mich in allem meinem Thun darnach richte. Ach HErr JEsu! reinige mein Gewissen mit deinem heiligen Blut; verzeihe mir alle meine Sünden und schenke mir die stille u. wahre Herzens- u. Gewissens- Ruhe. Ach! dein heiliger Geist führe mich allezeit auf ebener Bahn, so wird mein Gewissen unverleget, und deine Wohnung in meinem Herzen ungestört verbleiben. 197 O GOtt! du frommer GOtt! Du Brunnquell aller Gaben, Ohn den nichts ist, was ist, Von dem wir alles haben, Gesunden Leib gieb mir, Und daß in solchem Leib, Ein unverletzte Seel Und rein Gewissen bleib. Gesang. Mel. D GOtt, du frommer GOtt. 1. Jst mein Gewissen frei, Was frag' ich nach den Leuten, Die all mein Thun verdrießt, Die alles übel deuten, Was nur von mir geschieht; Im Himmel ist, der zeugt Von allem meinem Thun, Und der gewiß nicht leugt. 2. Jst mein Gewissen frei, So laß die Leute sagen, Was ihnen nur beliebt; Was darf ich darnach fragen, Was man mir falsch aufbürd't, Und von mir übel spricht? Denn mein GOtt fiehet wohl, Wie unrecht mir geschieht. Der glaubige Christ bittet 2c. 3. Jst mein Gewissen frei, So kann es mir nicht schaden; Ob man mich schon verdammt, Bin ich bei GOtt in Gnaden; Was frag ich nach der Welt? Mein Richter ist ja GOtt, Drum ficht mich gar nicht an Der frechen Feinde Spott. 198 4. Jst mein Gewissen frei, So kann ich fröhlich beten, Und darf vor meinen GOtt Mit Freudigkeit hintreten; GOtt sieht und kennt mein Herz, Dem ist es aufgedeckt, Der weißt, daß ich nicht bin Mit dieser Sünd befleckt. 5. Jst mein Gewissen frei, So kann ich stille schweigen, Weil meine Unschuld sich Wird mit der Zeit schon zeigen. Ihr Tadeler gedenkt, GOtt fennet euch und mich, Drum sprechet hinfort nicht Von mir so freventlich. 6. Mein GOtt! du weißt, daß ich nicht hab die That begangen, Von wegen dieser Sünd Kann meine Unschuld prangeu; Mein Herz ist unbefleckt; Die Hände sind auch rein, Und kein Gewissenswurm Kann mir beschwerlich sein. 7. Verleihe mir Geduld, Daß ich es kann ausstehen, Wenn man läßt über mich Ein schnödes Urtheil gehen; Ach! rechne keinem doch Die Missethaten zu, Und gieb mir Freudigkeit Und inn're Seelenruh'. Seele. Wann tröstet du mich? Vf. 119, 82. 2. Theil. Jesus. Fürchte dich nicht, ich bin bei dir. Jes. 13, 5. Ist deine Seel betrübt, so schau gen Himmel an Gott ist der helfen will, und der auch helfen kann. Zweiter Theil. Aufmunterungen, Gebete und Gesänge. für Betrübte. Der Betrübte tröstet sich der Allmacht GOttes. Aufmunterung. Fürchte dich nicht, ich bin mit dir, weiche nicht, denn ich bin dein GOtt, ich stärke dich, ich helfe dir auch, ich erhalte dich durch die rechte Hand meiner Gerechtigkeit. Jes. 51, v. 10. Ist etwas, welches eine betrübte Seele aufrichten kann, so ist es gewiß die Allmacht GOttes; denn dieses ist der Betrübten Anker, daran sie sich halten, wenn sie sich vorstellen: 1) bei GOttt ist kein Ding unmöglich; Es ist kein Elend so groß, Gott kann daraus erretten; keine Last so schwer, er kann sie abnehmen; kein Unglück so heftig, er kann es wenden. 2) Soll der Betrübte bedenken, daß Andere viel schwerere Bürden getragen haben, und daß sie dennoch GOtt daraus errettet hat; er soll daher mit Freuden sprechen: Ach GOtt! du bist noch heute so reich, als du gewesen ewiglich: mein Vertrauen steht ganz zu dir. 3) Sollen Betrübte sich erinnern, GÖttes Allmacht habe keine Schranken, und deßwegen den Muth nicht sinken lassen, wenn sie schon nicht sehen, wie, wodurch und auf welche Weise ihnen könne geholfen werden; denn das alles soll man der göttlichen Weisheit, Güte u. Treue überlassen. Gure Gedanken sind nicht meine Gedanken, spricht der HErr, und eureWege sind nicht meine Wege. Jes. 55, v. 8. Diese Betrachtung soll 202 Der Betrübte tröstet sich einer betrübten Seele Vertrauen und Hoffnung stärken, weil sie weiß, GOtt könne und wolle ihr helfen. Sie sollen deßhalben stille sein, hoffen, beten, GOtt vertrauen, die TrübsalmitGeduldertragen, und ihre Augen freudig gen Himmel aufheben, und sagen: Meine Hülfe kommt vom HErrn, der Himmel und Erde gemacht hat. Psalm 124, v. 1. Gebet. O du gütiger und freundlicher GOtt! du weißstund siehest, wie mein Herz betrübtiſt; es liegt auf denselben ein schwerer Stein, den ich nicht abwälzen kann, eine harte Laſt, die ich kaum tragen kann. Darum komme ich zu dir, o allmächtiger GOtt! Ich schütte mein Herz aus vor dir, der du meine Zuversichtbist; ich werfe mein Anliegen von mir aufdich, und bitte dich, du wollest mich versorgen, mich erretten, mir beistehen. Das von Wellen herumgeworfene Schifflein hält sich an den Anker, und ich halte mich an dich, lebendiger und starker GOtt: Das gejagte Wild eilet zu den Bergen, und ich hebe meine Augen auf zu dir, o mein Fels, mein Erretter und mächtiger Schuß- HErr! Ich will nicht verzagen; ich weiß, daß du ein allmächtiger GOtt bist; du kannst helfen; dir ist nichts unmöglich, darum, HErr! hilf mir, so ist mir geholfen! sprich nur ein Wort, so weichet meine Bekümmerniß, so erlange ich Hülfe. Ach, mein GOtt! ich weiß, du bist der Allmacht GOttes. 203 barmherzig, darum erbarme dich jetzt auch über mich Elenden; du weißt meinen Schmerz, erkennest mein Herz; hast du mir's aufgelegt, so hilf mir's auch tragen. Ich weiß, du bist ein weiser GOtt; du wirst Mittel und Wege wissen, die mir jetzt unbekannt sind. Ach, zeige mir ein Trost- Brünnlein, wie dorten der weinenden Hagar; sage mir Hilfe zu, wie ehemals der betrübten Wittwe; hilf mir, wie dorten dem verlassenen Elisa, und beweise deine große Liebe an mir, wie an dem gefangenen Petro; laß die Bande meines Elends und Jammers von meinem Herzen fallen. Laß dein Freudenlicht in mir auf gehen, dadurch du mich versicherst: Ich will dich nicht verlassen, ich will dich nicht versäumen; ich habe dich einen kleinen Augenblick verlassen, aber mit ewiger Gnade will ich mich über dich erbarmen. Ich weiß, du bist ein treuer GOtt, der noch keinen verlassen hat, darum wirst du mich auch nicht verlassen. O siehe, HErr meint GOtt! wie hier eine elende und hülfloſe Seele vor deinem Gnadenthronlieget; sende mir Hülfe vom Heiligthum, und stärke mich aus Zion. HErr, ich lasse dich nicht, dit segnest mich denn. Mein GOtt und Vater! wenn du mir nicht hilfest, wer soll 204 Der Betrübte tröstet sich 2c. mir dann helfen? Auf dich bin ich gewor fen von Mutterleibe an, da hast du mich in die Arme deiner unermüdeten Barmherzigkeit genommen, und bisher darin getragen, ach! darum laß mich auch jetzt darin Gnade finden. Ich schreie dir so lange nach, bis du sprichst: dir geschehe, wie du willst. Ach GOtt! erhör mein Seufzen und Wehklagen, Laß mich in meiner Noth gar nicht verzagen, Du weißt mein Schmerz, erkennst mein Herz; Hast du mirs aufgelegt, so hilf mirs tragen. Amen. Gesang. Mel. O GOtt, du frommer GOtt. 1. Ach! wo ist nun mein GOtt? So muß ich jetzo fragen, Weil ich von nichts, als Kreuz Und Trübsal weiß zu sagen; Weil tausend Kreuz und Leid Sich stellet bei mir ein, So scheint es, ich muß gar Von GOtt verlassen sein. 2. Ach! wo ist nun mein GOtt? Hat er mir doch verheißen, Er wolle bei mir sein, Und mich der Noth entreißen; Warum verzieht er denn, Verbirgt sein Angesicht, Als wär er nicht mein GOtt, Als kennt' er mich jetzt nicht. 3. Ach! wo ist nun mein GOtt? In diesen meinen Nöthen, Die an das Leben geh'n, Und mich fast wollen tödten? Zwar seine Allmacht ist Mir allzuwohl bekannt, Und doch empfind' ich nicht Die starke Helfershand. 4. Ach! wo ist nun mein GOtt? Will er sich nicht erbarmen? Sieht er nicht meine Noth? Kennt er nicht mehr mich Armen? Ach ja! ich bin gewiß, Daß die Barmherzigkeit Mich einst erfreuen wird, Allein wann kommt die Zeit? 5. Doch was betrübst du dich, Mein Herz! mit solchen Fragen? GOtt lebet ja annoch, Was willst du immer flagen? Der dich mit seiner Hülf Erfreuet ohne Zahl, Der hilft gewißlich dir, Glaub's mir, auch dieses Mal. 6. Es hat ja GOtt noch nie In Nöthen dein vergessen? Warum willst du denn jeßt Dich ängstigen und pressen? GOtt sieht dein Leiden wohl, Und läßt es so gescheh'n, Er will in diesem Kampf Nur deinen Glauben seh'n. Der Betrübte tröstet sich 2c. 205 7. Verzage nicht an GOtt; Willst du den nicht mehr kennen, der doch dein Vater ist, und den du pflegst zu nennen Den allerbesten Freund? Drum stell dein Trauren ein, Und zweifle nicht, er wird Dein Freund und Vatersein. 8. Mein GOtt! ich hoff auf dich, Ach! laß die Stunde kommen, Da meine große Last Wird endlich abgenommen? Indessen steh mir bei, Und hilf mir gnädiglich! Ach GOtt, erbarme dich! Ach GOtt! erhöre mich! Der Betrübte tröstet sich der Liebe GOttes. Aufmunterung. Ich habe dich einen kleinen Augenblick verlassen, aber mit großer Barmherzigkeit will ich dich sammeln. Ich habe mein Angesicht im Augenblick des Zorns ein wenig vor dir verborgen, aber mit ewiger Gnade will ich mich deiner erbarmen, spricht der HErr, dein Erlöser. Jes. 54, v. 7. 8. Einer betrübten Seele kann in ihrer Traurigkeit, im Kreuzu. Leiden nichts Erfreulicheres vorkommenu. gesagt werden, als dieses, daß sie dennoch von GOtt geliebetwerde. Im schweren Kreuz ist dieses der erste Gedanke, deruns vomSatan und von unsermFleisch beigebracht wird: Gott ist dein Feind: er liebet dich nicht mehr; denn liebte er dich, so würde er dich nimmermehr also betrüben und seinGnadenangesicht vor dirverbergen. AlleindiesemGedanken soll ein Betrübterkein Gehör geben, sondern ihm entgegenseßen die ewigeLiebeGottes, welcherseine Kindernichtverläßt, und sich erinnern: 1) daß in Kreuz und Traurigkeit zu leben und doch ein Kind GOttes zu sein, wol I könne bei einander stehen; denn Christus der geliebte Sohn GOttes, hatte Trübsal genug, und blieb doch Gottes Sohn. 2) Soll ein Betrübter erwägen, daß Gott denroch denjenigen liebe, den er in große Traurigkeit, Anfechtung und Kreuz läßtgerathen; ein Vater bleibt ein Vater, oberdem Kindeliebkoset, oder ob er es mit der Ruthezüchtiget. Dazu kommt: 3) daß solches Kreuz nicht wird der betrübten Seele zugeschickt aus Zorn, 206 Der Berrübte tröjlet sich auch nicht zu ihrem Verderben oder Schaden; sondern daß sie GOttes Güte, Allmacht, Treue u. Weisheit desto mehr erkennen lerne. 4) Diese Liebe GOttes ist unter dem Kreuz so sehr beschäftigt; sie erhält den Betrübten, bewahret ihn, stärket ihn, segnet ihn; er wird zuweilen wunderbar erquicket und erfreuet; die Last wird erleichtert, welches alles Proben der Liebe GOttes sind. Gebet. Der HErr ist bei mir, darum fürchte ich mich nicht. Du bist mein Hort, mein Fels, meine Burg und mein Erretter. Also seufze ich meine GOtt! in meiner jebiger Betrübniß u. Angst der Seele. Ach HErr, HErr! du weißt ja wohl, wie wehe mir um das Herz ist, wie voller Leiden und Schmerzen ich bin. Aber ich weiß auch, daß mich dieſe Noth nicht unterdrücken wird, wenn du mir beistehest. Ach! verbirg doch dein Angesicht nicht länger vor mir; mir ist angst, lindre mir's. Du hast mir von Jugend auf viel Liebes und Gutes erwiesen, ach! mit solcher Liebe umfasse mich auch jetzt in der Betrübniß meiner Seele. Ein Schäflen fliehet, wenn es gejaget wird, zu seinem Hirten, ein Kind, wenn es geängſtet wird, gehet zu seinem Vater; darum komme ich auch, mein Hirte und mein Vater! zu dir. O großer GOtt; du hast mir deinen Beistand versprochen! Ich bin bei der Liebe GOttes dir in der Noth; ich will dich herausreissen; fürchte dich nicht, ich bin mit dir; weiche nicht, ich bin dein GOtt; ich stärke dich; ich erhalte dich durch die rechte Hand meiner Gerechtigkeit; ich will dich nicht verlassen, noch versäumen. Nun, o großer GOtt! jetzt hab' ich Hülfe von Nöthen, jetzt stehe mir bei, jest weiche nicht von mir, jetzt verlaß mich nicht. Ich weiß, ich bin nicht verlassen; deine Liebe ist so innig, daß du dich meiner erbarmen mußt. Du hast mich immerdar geliebet, und aus großer Liebe hast du mich zu dir gezogen. Umfasſe mich jetzt mit deinen Liebes- Armen! erhalte mich, daß ich nicht sinke; erquicke mich in meinem Leiden; laß mich hören Freud und Wonne, daß die Gebeine fröhlich werden, die du zerschlagen hast. Ziehe mich aus dem Sack, umgürte mich mit Freuden, und laß meine Traurigkeit in Freude verwandelt werden. Beweise auch an mir, was Andere so vielfältig von deiner Liebe und Güte rühmen, damit ich mit ihnen deinen großen Namen preisen möge. Odu GOtt der Liebe! versiegle den Trost in meinem Herzen; du habest mein nicht vergessen, so wenig ein Vater seines Kindes vergessen kann. Treuer Vater! 207 208 Der Betrübte tröstet sich 2c. siehe dein Kind ist betrübt; erfreue es, es ist voller Angst; erbarme dich, und hilf ihm. Ich will, dieweil ich lebe noch, Dein Kreuz dir doch nachtragen, Mein GOtt! mach mich dazu bereit, Es dient zum Besten allezeit. Amen. Gesang. Mel. Wer nur den lieben Gott läßt walten 2c. 1. Mich soll kein Kreuz von GOtt abtreiben, Und wär es noch so schwer und groß; Mein Vater, du wirst bei mir bleiben. Ach nimm mich auf in deinen Schoos. In Trübsal, Kreuz und aller Noth Verlass' ich mich auf meinen GOtt. 2. Ich weiß, es steht in GOttes Händen, Was mich betrübt und heftig quält, Ich weiß, er kann es leichtlich wenden, Weil es ihm nicht an Mitteln fehlt, In Trübsal, Kreuz und aller Noth Verlass' ich mich auf meinen GOtt. 3. Ich weiß, GOtt wird nicht von mir weichen; Wo Kreuz ist, da ist GOtt nicht weit; Er wird mir seine Hand darreichen, Der Vater hilft zur rechten Zeit. In Trübsal, Kreuz und aller Noth Verlaff' ich mich auf meinen GOtt. 4. Ich weiß, GOtt wird mich bald befreien, Denn er betrübt nicht immerdar, Er macht daraus oft grüne Maien, Was eine scharfe Ruthe war. In Trübsal, Kreuz und aller Noth Verlass' ich mich auf meinen GOtt. 5. Ja, ja, wenn GOttes Stund wird schlagen, So höret auch mein Elend auf, Indessen will ichs willig tragen, GOtt hört der wilden Wellen Lauf. In Trübsal, Kreuz und aller Noth Verlaß ich mich auf meinen GOtt. 6. Der Vater wird sein Kind erhören, Drum halt ich ihm im Glauben still, Er wird mir meine Bitt gewähren, Das ich ihm ewig danken will. In Trübsal, Kreuz und aller Noth Verlaß ich mich auf meinen GOtt. 209 Der Betrübte tröstet sich der Hülfe GOttes. Aufmunterung. Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen, von welchen mir Hülfe kommt; meine Hülfe kommt vom HErrn, der Himmel und Erde gemacht hat. Psalm 121, v. 1. 2. Keine Hülfe zu haben in seinem Leiden u. Elend ist wohl betrübter, als das Leiden selbst. Betrübte Seelen sollen sich damit aufrichten: 1) GOtt kann ihnen helfen, denn bei GOtt ist kein Ding unmöglich; nichts ist ihm zu schwer und nichts zu groß; er kann helfen in allem und aus allem. Betrübte sollen: 2) gedenken, GOtt werde ihnen auch helfen, kraft der herrlichen Verheißung: er wolle bei ihnen sein in der Noth, er wolle sie herausreißen; er wolle sie nicht verlassen, noch versäumen. Betrübte ſollen: 3) erwägen die Erempel anderer, welchen GOtt schon geholfen; ach! andere sind vielleicht ärmer, unglückseliger, trauriger, verlassener und elender gewesen, als sie, und doch hat solchen Elenden der HErr geholfen; warum wollte man denn seine Hoffnung fahren lassen? Auf solche Hülfe sollen Betrübte: 4) mit Gebet u. Flehen, mit Hoffen u. Vertrauen warten u. festiglich glauben, die Hülfe bleibet nicht aus; denn was der HErr zusaget, das hält er gewiß; sein Wort laß dir gewisser sein, und ob dein Herz spricht lauter Nein, so laß dir gar nicht grauen. Sehen Betrübte: 5) zwar nicht, wie ihnen könne geholfen werden, so sollen sie sich erinnern, GOtt könne thun über alles, was wir bitten u. verstehen; er werde ihr Vater, ihr Helfer, ihr Tröster, ihr Erretter, ihr Beiſtand ſelbſt sein. Haben sie dann GOtt, so haben sie alles. Ja, sie sollen auch: 6) ihrer Traurigkeit Zeit laſsen, denn das ist eine Wohlthat GOttes, daß er durch die Zeit und Vergessenheit unser Leiden lindert. 14 Der Betrübte tröstet sich Gebet. Wenn ich betrübt bin, so denke ich an GOtt. Ach! wo soll ich mich anders hinwenden; an wen soll ich anders denken in dem Leiden und Kummer meines Herzens, als nur an dich, mein GOtt. Ach! du hast mich noch nie betrübt von deinem allerheiligsten Angesicht weggehen lassen. O darum höre auch jetzt mein Gebet! vernimm mein Schreien, mein König und mein GOtt! und wenn ich rufe, so schweige mir nicht, sondern erhöre mich bald. Von deiner Hand ist mir das Leiden, so ich trage, zugeschickt worden; du kannst mich auch nach deiner Barmherzigkeit wieder davon befreien. Du HErr! HErr! tödtestu. machest lebendig: du führest in die Hölle, und wieder heraus. Du, HErr! machest arm und macheſt reich; du erniedrigest und erhöhest. Du erhebeſt den Dürftigen aus dem Staub, und erhöbest den Armen aus der Niedrigkeit; dar um spreche ich im Glauben: HErr, hilf mir. Ach! du kannst helfen; du bist ja ein allmächtiger GOtt! du willst helfen, denn du hast es mir verheißen. Vater! willst du dein Kind verlassen? Mein Vater! fannst du das Geschrei deines Kindes ertragen, daß du ihm nicht zu Hilfe kommest? Du hast gesagt: Ehe sie rufen, will ich ant 210 der Hülfe GOttes. 211 worten, und wenn sie noch reden, will ich hören; mein Herz bricht mir gegen dich, daß ich mich dein erbarmen muß. Ach! erhöre mich auch; höre das Geschrei meines Herzens und das wehmüthige Klagen meines Mundes. Jedoch, mein Vater! ich weiß, daß du mich allezeit erhörest, darum will ich auch dir nicht Zeit und Stunde vorschreiben, wann du helfen sollst; ich will gerne auf deine Hülfesstunde warten. Stärke mich indessen durch deinen heiligen Geist; stärke meinen Glauben, meine Hoffnung, mein Vertrauen; gieb mir Geduld und Kräfte, mein Leiden zu tragen, und laß mich endlich die Zeit erblicken, da du mich mit deiner Gnade erfreuest. Ach, mein Vater, du hast noch keinen verlasſen, verlaß auch mich nicht; du hast Betrübte allezeit erfreuet, erfreue auch mich; du haſt den Elenden geholfen, hilf auch mir, wann, wie und wo du willst! das alles sei deiner Weisheit, Liebe, Güte und Gnade hiemit gänzlich anheimgestellt. So sei denn wieder zufrieden, meine Seele! was betrübeſt du dich, und bist so unruhig in mir? Harre auf GOtt, denn ich werde ihm noch danken, daß er meines Angesichts Hülfe und mein GOtt iſt. HErr JEsu Christ! groß ist die Noth, Darinnen ich 14* 212 Der Betrübte tröstet sich der Hülfe GOttes. thu' stecken; Ach, hilf, mein allerliebster GOtt! Schlaf' nicht, laß dich erwecken. Niemand ist, der mir helfen kann, Kein' Kreatur nimmt sich mein an, Ich darf's auch Niemand klagen. Herr JEsu Christe, GOttes Sohn! Zu dir steht mein Vertrauen, Du bistder rechte Gnaden- Thron! Wer nur auf dich thut bauen, Dem stehst du bei in aller Noth, Hilfst ihm im Leben u. im Tod, Darauf ich mich verlaffe. Gesang. Mel. Zion klagt mit Angst und Schmerzen. 1. Hat mich denn GOtt gar verlassen Jeßt in meiner Traurigkeit? Ich weiß keinen Trost zu fassen In dem bittern Kreuz und Leid; Ach, wo ist denn nun mein GOtt In der großen Angst und Noth? Ach! wo soll ich ihn doch finden, Da die Noth nicht will verschwinden? 2. Willst du meiner nicht gedenken, Dent doch, daß du Vater bist; Soll das Leiden mich versinken, Das so hart und heftig ist? Siehe, was ich von dir such, Ist ja nichts als dein Verspruch; Wirst du selbigen erfüllen, So wird sich mein Jammer stillen. 3. Doch, was will ich mich betrüben? Ich weiß, GOtt verläßt mich nicht, Er will meinen Glauben üben Und auch meine Zuversicht; Scheint er fern von mir zu sein, So gedenkt er dennoch mein, Seine Lieb' kann mich nicht hassen, Noch mich in der Noth verlassen. 4. Darum will ich nicht verzagen, Gehet es gleich wunderlich; Meine Noth will ich ihm klagen, Er wird helfen väterlich; Meine Noth ist ihm bekannt und mir seine starke Hand, Diese kann mein Leiden wenden Und mir seine Hülfe senden. 5. Ich will GOtt im Glauben fassen Wie es Gläubigen gebührt; Ich will nimmer von ihm lassen; Es ist gut, wie er mich führt; Fühl' ich gleich die starke Ruth', Sind doch diese Wege gut, Die mein Vater mit mir gehet, Und darin auch bei mir stehet. 6. Es wird schon die Stunde kommen, kommt sie eben nicht gleich heut, Da mein Leib wird weggenommen, Da mein Vater mich erfreut; Vielleicht ist die Stunde nah, Ja vielleicht ist sie schon da, Da es heißt: du bist er höret, Dir ist deine Bitt gewähret. Der Betrübte tröstet sich 2c. 213 7. Sei getrost, o meine Seele! Fasse dich in deinem GOtt! Sage, flage und empfehle Jhm allein nur deine Noth, Sondern schweige gänzlich still, Es geschehe GOttes Will', Er wird mit den Gnaden- Blicken Dich zu seiner Zeit erquicken. Der Betrübte tröstet sich der Barmherzigkeit GOttes. Aufmunterung. Barmherzig und gnädig ist der HErr, geduldig und von großer Güte. Er wird nicht immer hadern, noch ewiglich Zorn halten. Wie sich ein Vater über Kinder erbarmet, so erbarmet sich der HErr über die, so ihn fürchten. Pf. 103, v. 8. 9. 10. Wie betrübt ist es doch, im Elend und Jammer mit harten und unfreundlichen Leuten zu thun zu haben; allein ein betrübtes Kind GOttes soll versichert sein: 1) daß sein getreuer GOtt im Himmel wisse all' sein Leiden, Elend u. Kreuz, wie groß und schwer es sei, wie lange es daure, und wie empfindlich es der Seele falle; nicht allein weiß es GOtt, sondern: 2) er erbarmet sich auch des Elenden; dieses sehen wir an der betrübten Wittwe zu Nain, und an allen Kranken und Elenden, denen er von freien Stücken entgegengegangen, und ihnen geholfen hat. So sprach er von dem Volke: Michjammert des Volks; und von Zionheißet es: Darum bricht mir mein Herz gegen dich, daß ich mich deiner erbarmen muß. In Betrachtung dessen, daß GOtt also barmherzigist u. Barmherzigkeit ausübet, soll: ein Betrübter nicht verzagen, sondern zu dem barmherzigen GOtt seine Zuflucht nehmen; denn die Betrübten sollen getröstet werden. 4) GOtt erweiset aber seine Barmherzigkeit gegen die Elenden theils, wenn er ihnen giebt Freudigkeit und getrosten Muth, theils, wenn er in ihrem Leiden sie erhält, und ihnen Stärke giebt, daß sie es ausstehen und tragen können, theils aber auch, wenn er es gar von 214 Der Betrübte tröstet sich ihnen nimmit. Erbarmet sich ein Vater über sein Kind, so wird GOtt den Betrübten ohne Barmherzigkeit in ſeinem Elend auch nicht verderben laffen. Gebet. du allliebender GOtt! dessen Barmherzigkeit kein Ende hat, dessen Güte alle Morgen neu wird; siehe, ich bekümmerte und betrübte Seele trete allhier vor dein allerheiligstes Angesicht und schütte meinen großen Kummer und betrübtes Herz vor dir aus. Dir ist ja wohl bekannt mein Jammerstand und großes Elend, das mich leider betroffen hat; meine Seele ist betrübt; mein Geist ist geängstet, und Leiden hat mich umgeben ohne Zahl. Ich sehe mich um nach Helfern, aber ich finde feine. Menschen wollen sich theils meiner nicht annehmen, theils wissen sie meine Noth nicht, theils mag ich es auch nicht offenbaren: aber dir, o GOtt! flage ich es mit betrübtem Herzen. Ich weiß, du bist barmherzig, und läsfest dich unser Elend erbarmen. Es jammerte dich der betrübten Wittwe, die da weinete um ihr Kind; es jammerte dich des Volks, welches nichts zu essen hatte, und dein Jammer war mit dem Erbarmen und Helfen verknüpfet. O darum komme ich zu dir, und spreche: Ach, der Barmherzigkeit GOttes. 215 erbarme dich über mich! Ach GOtt! ich bin dein Geschöpf, darum wirst du das Werk deiner Hände nicht lassen; ja, ich bin mehr, ich bin auch dein Kind, das di der heiligen Taufe in die Arme deiner Barmherzigkeit aufgenommen hast, darum spreche ich: Ach, mein Vater! erbarme dich deines armen und verlassenen Kindes. Mein JEsu! ich bin ja mit deinem heiligen Blut erkauft; ich bin doch dein ererbtes Gut, erkauft mit deinem theuren Blut, darum wirst du dich deines Eigenthums erbarmen. O du werther heiliger Geist! lege das Zeugniß in meine Seele, daß ich bei all' meinem Leiden dennoch ein Kind GOttes sei, und wenn ich matt im Beten werde, und fast nicht mehr beten kann, so schreie du doch in mir das Abba, lieber Vater. Siehe, ich finke, ach! reich mir deine Hand! HErr, hilf mir; HErr, stehe mir bei! HErr! HErr! laß deine Barmherzigkeit groß an mir werden, und gieb mir Freudigkeit des Herzens; ja, schreibe und rufe stets in meine Seele die Worte: Du bist nicht verlassen, ich will mich dein erbarmen; ich bin bei dir in der Noth; ich will dich herausreißen und zu Ehren bringen. Ach HErr! nach deiner großen Barmherzigfeit stärke meinen Glauben; erhalte mich 216 Der Betrübte tröstet sich zc. in meinem Elend; gieb mir alle Tage neue Kraft und neues Vermögen, daß mein Glauben nicht möge aufhören; daß meine Hoffnung nicht sinken, noch mein Vertrauen auf dich schwach werden möge. Du ſprichst: Ist nicht Ephraim mein theurer Sohn und mein trautes Kind? Ich denke wohl daran, was ich ihm gered't habe, darum bricht mir mein Herz gegen ihn, daß ich mich sein erbarmen muß. Denke auch an mich; du hast mir auch Gnade zugeſagt; ich bin auch dein Kind; erbarme dich meiner auch. Du hast mich ja noch niemals verlassen, ach! so verlaß mich jetzt auch nicht: hilf deinem Kinde, das zu deiner Barmherzigkeit allein seine Zuflucht nimmt. Ach, in seinem Vaterherzen, Ist er schon auf Hülf' bedacht! Meine Trübsal, Angst und Schmerzen, Und was sonst mich traurig macht, Wird sich alsdann bald abwenden, Wenn er mir wird Hülfe senden; D'rum, mein Vater! komm zu mir, Herz und Auge thränt nach dir. Amen. Gesang. Mel. O GOtt, du frommer GOtt 2c. 1. Wohl dem, der GOtt vertraut In allen seinen Sachen; Und alles dem heimstellt, Der es weiß wohl zu machen; Wohl dem, der da sein Haupt Nur legt in GOttes Schooß Der wird ganz ruhig sein und vieler Sorgen los. 2. Wohl dem, der GOtt vertraut, Als welchem nichts unmöglich, Sein starker Allmachtsarm Kann helfen unverzüglich; Was uns dünkt allzuschwer, Das ist bei ihm ganz leicht, Weil alle Noth von uns, Wenn er befiehlet, weicht. Der Betrübte erwäget 2c. 217 3. Wohl dem, der GOtt vertraut; Kannst du kein Mittel finden, Und meinest, deine Noth, Wär nicht zu überwinden; So trau dem weisen GOtt, Der alle Hülfe hat; Bei dem ist Rath und That, Wenn du bist ohne Rath. 4. Wohl dem, der GOtt vertraut, Denn seine LiebesProben, Muß jede Kreatur, Mit frohem Munde loben; Der jeder Kreatur Die Nahrung reichlich giebt, Der sorget auch für dich, Weil er dich herzlich liebt. 5. Wohl dem, der GOtt vertraut Und nicht den Menschenkindern; Die sind gar oftmals falsch, Und suchen zu verhindern Das, was uns nüßlich ist: Ob sie, was uns gebricht, Wohl wissen und verstehn, So helfen sie doch nicht. 6. Drum will ich immerdar Dir, meinem GOtt, vertrauen, Auf deine Baterhand In meiner Trübsal schauen; Ach GOtt! ich komm zu dir, Ach! sorge du für mich, Ach! nimm dich meiner an, Und hilf mir gnädiglich. 7. Wohlan! ich traue GOtt, Es mag mir nun auch gehen, Wie's meinem GOtt gefällt; Jch bleib' darauf bestehen, Daß GOtt den nicht verläßt, Der fest stets auf ihn baut, Weil dem geholfen wird, Der seinem GOtt vertraut. Der Betrübte erwäget die göttlichen Verheißungen. Aufmunterung. Er begehret mein, so will ich ihm aushelfen. Er kennet meinen Namen, darum will ich ihn schützen. Er rufet mich an, so will ich ihn erhören. Ich bin bei ihm in der Noth, ich will ihn herausreißen und zu Ehren machen. Ich will ihn sättigen mit langem Leben, und will ihm zeigen mein Heil. Psalm 91, D. 14-16. So sehr Kreuz, Unglück und Elend niederschlägt, ſo herrlich richten die göttlichen Verheißungen wieder auf. Darum ſoll ein Betrübter bedenken: 1) allegöttlichen Verheißungen gehen auch ihn an; man soll sich nicht einbilden, als ob die Verheißungen nur Moses, David und denen gegeben seien, die dazumal lebten; nein sie zielen auch auf uns, denn Paulus spricht: Röm. 15, v. 4.: Was zuvor geschrieben ist, das iſt uns zur Lehre geschrieben, auf daß wir durch Ge 218 Der Betrübte erwäget duld und Trost der Schrift Hoffnung haben. Ferner soll er: 2) bedenken, alle göttliche Verheißungen werden erfüllt werden zu der Zeit, die GOtt bestimmet hat, darum soll ein Betrübter GOtt nicht Zeit und Stunde vorschreiben, sondern in Demuth und im Glauben die Hülfe erwarten: 3) soll ein Betrübter bedenken, daß die Verheißungen GOttes von der Hülfe, Erlösung, Errettung, Befreiung von allem Ulebel, bisweilen auch in diesem Leben erfüllet werden, so daß Kranke gesund, Traurige erfreut, Elende errettet u. Betrübte getröstet werden: aber daß bisweilen GOtt seine Verheißungen erst in dem ewigen Leben erfüllet, als wo dann alle Verheißungen GOttes in ihre vollkommene Erfüllung gehen werden. In Betrachtung dessen soll: 4) ein Betrübter stille ſein u. auf die Güte GOttes hoffen, der seine Verheißungen an so vielen Tausenden schon erfüllt hat. Gebet. Err, mein GOtt! mein Herz hält dir vor dein Wort: Ihr sollt mein Antlik suchen; darum suche ich auch, HErr! dein Antliß. Ich weiß in meiner Bekümmerniß nirgends Trost und Rath zu finden, als bei dir; bei dir mein Herz, Trost, Hülf' und Rath allezeit gefunden hat; sonderlich suche ich meinen Trost in deinen herrlichen Verheißungen. Darin finde ich die wahre und lebendige Quelle, mich in meiner Seelenangst zu erquicken. Ich gehe in dein Heiligthum; ich suche in deinem heiligen Worte ein stärkendes Manna für meine die göttlichen Verheißungen. hungrige Seele, und ein lebendiges Wasser für meine matte Seele. Du hast geſagt: Ich bin bei dir in der Noth; ich will dich herausreißen. Ach HErr! die Angst meines Herzens ist groß; führe mich aus meinen Nöthen. Du hast gesagt: Fürchte dich nicht, ich bin bei dir; weiche nicht, ich bin dein GOtt; ich stärke dich; ich erhalte dich durch die rechte Hand meiner Gerechtigkeit. Du hast geſagt: Es sollen wohl Berge weichen und Hügel hinfallen, aber meine Gnade soll nicht von dir weichen. Ach HErr! so erbarme dich doch meiner; ach! weiche nicht von mir; verwirf mich nicht von deinem Angesicht; deinfreudiger Geist erhalte mich. O mein HErr, mein GOtt! ich weiß, dit wirst deine Zusage und Wahrheit treulich halten im Himmel; wird dein Wort nicht mein Trost sein, so muß ich vergehen in meinem Elend. Aber habe ich schon viel Bekümmerniß in meinem Herzen, so erquicken doch deine Tröstungen meine Seele. Dein heiliges Wort stellet dich mir vor als einen mächtigen GOtt, als einen liebreichen Vater, als einen starken Helfer, als einen gnädigen Beistand, als einen gewissen Erretter; darauf verlasse ich mich, deß tröste ich mich. Mein Herz ist getrost und unverzagt, und harret des HErrn. Darum 219 220 Der Betrübte erwäget 2c. ſei wieder zufrieden, meine Seele! der HErr verstoßet nicht ewiglich; er betrübet wohl, aber er erbarmet sich wieder nach seiner groBen Güte. Was betrübst du dich demnach, meine Seele! und bist so unruhig in mir? Harre auf GOtt! Meine Seele wartet auf den HErrn von einer Morgen- Wache bis zur andern; meine Seele wartet auf den HErrn, bis er uns gnädig werde. Erfreue meine betrübte Seele; stärke meine abgemattete Seele; halte meine sinkende Seele; richte auf meine niedergeschlagene Seele; tröste meine traurige Seele. Fasse mich in deine Arme, und erquicke mich; verlaß mich nicht, und thue nicht von mir die Hand ab, GOtt mein Heil! Ich sehne mich nach dir; meine Seele verlanget nach dir, und seufzet: wann tröstest du mich? Auf ihn will ich vertrauen In meiner schweren Zeit: Es mag ihn nicht gereuen, Er wendet alles Leid, Ihm sei es heimgestellt, Mein Leib, mein' Seel', mein Leben, Und was er mir gegeben, Er mach's, wie's ihm gefällt. Amen. Gesang. Mel. Alle Menschen müssen sterben. 1. Wann wird GOttes Stunde kommen! Ach! wann kommet doch die Zeit? Ach! wann wird mir abgenommen, Meine Klage, Krenz und Leid? Seufz' ich doch darnach von Herzen, Wart' ich doch darauf mit Schmerzen; Es spricht oft mein matter Mund; Ach! wann schläget GOttes Stund? 2. Ach! ich zähle Tag und Stunden, Und fast jeden Der Betrübte erwäget 2c. 221 Glockenschlag, Bis ich habe Hülf' gefunden; In der Nacht wie an dem Tag. Sprech' ich oftmals selbst mit Weinen: Ach! wann wird die Stund erscheinen, Die zur Hülfe ist bestimmt, Die mein Leiden von mir nimmt? 3. Doch ich will dir nichts vorschreiben! Es geschehe, HErr! dein Will'; Ich will immer treu dir bleiben, Dir halt' ich geduldig still; Willst du mit der Stund' verziehen, Will ich d'rum nicht von dir fliehen, Sondern rufe mit Gewalt: Ach! kommt deine Stunde bald? 4. Ach laß deine Stund' anbrechen, Deine Stund', o lieber GOtt! Laß mich einmal fröhlich sprechen: Nunmehr hört' auf meine Noth! Nach dem Seufzen, nach dem Schrein' Laß mir Hülfe angedeih'n; Alle Noth bricht gleich entzwei, Wenn die Stunde kommt herbei. 5. Ach, mein Vater! hör' mein Flehen, Sieh es betet Herz und Mund; Laß mich bald erfreuet sehen Die erwünschte Hülfesjstund'; Wirst du deine Stunde schicken, So wird sich mein Geist erquicken. Ach! mein Vater, höre mich, Höre mich doch gnädiglich. Der Betrübte erwäget die Absicht GOttes im Kreuz. Aufmunterung. Alle Züchtigung, wenn sie da ist, dünket sie uns nicht Freude, sondern Traurigkeit zu sein, aber darnach wird sie geben eine friedsame Frucht der Gerechtigkeit denen, die dadurch geübet sind. Hebr. 12, v. 11. Wenn das Kind die Züchtigung empfindet, weinet es und meinet, es geschehe ihm gar zu wehe; ist es daher ein Wunder, wenn Betrübte öfters nicht wissen, wie sie sich in ihr Kreuz schicken sollen! Ein Betrübter soll aber erwägen: 1) GOtt will uns durch's Kreuz nicht in Verderben bringen, sondern daraus erretten. Wenn der Wundarzt in die Wunde schneidet, beißende Sachen aufleget, so will er sie heilen und reinigen; und durch Trübsal will uns GOtt von der Welt ab und zu sich ziehen. 2) Siehet GOtt, daß wir uns in irdische Dinge und Kreaturen verlieben, so nimmt er uns diesel 222 Der Betrübte erwäget ben, daß wir ihn allein lieben sollen, und unsere Freude an ihm haben. Ja, wenn er siehet, daß wir durch die beständige Glückseligkeit, Ruhe, Wohlergehen sollen träg zum Gebet, und in unserm Christenthum nachläßig werden, so lässet er uns ein wenig bekümmert und betrübt werden, damit wir wiederum nach ihm verlangen, und in seiner Liebe und Erkenntniß zu wachsen trachten. Bei diesem allem aber bleibet er ein gnädiger, allmächtiger, weiser und gütiger GÖtt, der uns herzlich liebet. Gebet. Mein GOtt! du hast mich jetzt in so große Traurigkeit u. Betrübniß gesetzt, daß mein Herz geängstet, mein Mund voll Seufzen und meine Augen voll Thränen sind; ach! ich weiß nicht, wo ich mich hinwenden soll. War ich nicht glückselig? war ich nicht fein stille? hatte ich nicht Ruhe? woher kommt solche Unruhe? Ach, mein Jammer iſt groß! aber ich will darum nicht von dir fliehen, mein Hirte. Hast du mich durch dieſen harten Schlag niedergeschlagen, ach! so richte mich wieder auf mit deinem kräftigen Wort, damit ich möge erwägen, warum du mir dieses Elend zugeschicket hast. Ich weiß ganz gewiß, daß mich dieses Kreuz nicht zu meinem Verderben betroffen, oder daß es mir an meiner Seele soll Schaden bringen; o nein, du Liebhaber des Lebens, mein Vater! das ist dein Vorhaben nicht, die Absicht GOttes im Kreuz. 223 mich zu verderben und deinen Zorn an mir auszuüben, sondern indem du mich in solchen traurigen Zustand setzest, willst du prüfen meine Liebe, ob ich dich auch sowohl in bösen als guten Tagen lieben will. Du willst prüfen meinen Glauben, ob ich auch glaube, du ſeiestein allmächtiger, weiseru.barmherziger GOtt, der mich aus diesem Elend erretten, und in demselben erhalten könne. Du willst prüfen meine Geduld, ob ich dir zu Ehren dieß Kreuz gerne tragen will. Du willst prüfen mein Vertrauen, ob ich dir über alles vertrauen, und auf dich, auf deine Gnade, Liebe u. Barmherzigkeit bauen will. Duwillst prüfen meine Hoffnung, ob ich hoffen will, wo nichts zu hoffen scheint, und deinem Wort und Verheißung Glauben beimessen. Ja, mein gnädiger GOtt und Vater! du willst mich dadurch von der Welt, ihren Lüsten, Sünden und Gewohnheiten abziehen, daß ich mich allein zu dir wenden und zu dir halten ſoll. Du nimmst mir, was mich erfreuet, daß ich allein meine Freude an dir haben soll; du nimmst mir das, was mich vergnügt, damit ich dich als mein höchstes u. liebstes Gut hoch achten soll. Wohlan, mein lieber GOtt! ich will so werden, wie du mich haben willst; ich will das tragen, was du mir auflegest; gieb mir deinen hei 224 Der Betrübte erwäget 2c. ligen Geist, der mir dazu Kraft, Stärke und Vermögen mittheile. Ohne dich ist mir's unmöglich auszustehen, aber durch deinen Geist u. gnädigen Beistand kann ich überwinden. Ich will auch gerne geduldig ſein, und dir stille halten, es währe so lange, als es wolle. Ich Ich will mich auch der Welt und weltlichen Geſellschaften entschlagen, und dir allein anhangen, daß ich ein Geist mit dir werde: so wird dieses Kreuz mich reinigen, und meiner Seele gar nüßlich sein. Die Hülfe wird schon anbrechen zu rechter Zeit. GOtt wird mich nicht verlassen, ob ich verlassen bin; In GOtt will ich mich fassen; Mein Herz, Gemüth und Sinn Soll treulich an ihm halten, Und ihm vertrauen fest, Und den nur lassen walten, Der mich niemals verläßt. Amen. Gesang. Mel. Wer nur den lieben GOtt läßt walten. 1. Ich gebe mich in GOttes Willen, Wenn Kreuz und Trübsal mich ansicht; Mein JEsus fann den Jammer stillen, Ob man mir alle Hülf' abspricht; Und ob es gleich mir wehe thut, So ist doch dieses Kreuz mir gut. 2. Das Kreuz gehört mit zu den Dingen, Die Anfangs gehen bitter ein, Und gleichwohl großen Nußen bringen, Wenn sie nur ausgestanden sein: Fühl ich gleich oft die scharfe Ruth, So ist doch dieses Kreuz mir gut. 3. Laß sein, daß mich das Glücke fliehet, So weiß ich doch, GOtt fennet mich, Und daß mich seine Weisheit ziehet Ganz von der Welt allein zu sich; Empfind' ich gleich die Unglücksfluth, So ist doch dieses Kreuz mir gut. 4. Wenn meine Feinde mich verlachen, Dazu ich keinen Anlaß geb, So will mich GOtt demüthig machen, Daß Der Betrübte bittet 2c. 225 ich mich nicht zu hoch erheb; Ich achte nicht der Feinde Wuth, Bielleicht ist dieses Kreuz mir gut. 5. Weiß ich gleich nichts von guten Tagen, Hingegen viel von Herzeleid, So führt mich GOtt, das kann ich sagen, Auch dadurch zu der Frömmigkeit; Zwar fränkt es heftig Fleisch und Blut, Jedoch ist dieses Kreuz mir gut. 6. Ind muß ich oftmals auch empfinden Anfechtung, Angst und Traurigkeit, So hilft mir GOtt doch überwinden, Und schenkt mir süße Seelen- Freud: Drum hab' ich einen frohen Muth, Weil mir auch dieses Kreuz ist gut. 7. Ich sehe wohl aus allem Leiden, Ob es gleich lang und heftig heißt, Daß es mich nicht von GOtt will scheiden, Vielmehr mich zu ihm fliehen heißt; Er reißt mich aus der Höllengluth, D'rum ist auch dieses Kreuz mir gut. Der Betrübte bittet um Geduld und Stärke. Aufmunterung. Werfet euer Vertrauen nicht weg, welches eine große Belohnung hat. Geduld aber ist euch noth, auf daß ihr den Willen GOttes thut und die Verheißung empfahet. Hebr. 10, v. 35. 36. Geduld ist eine Frucht des Geistes; sie kommt von GOtt, u. er muß auch darum angerufen werden. Ein Betrübter muß desto eifriger und herzlicher beten, je heftiger sein Leiden anseßt, wie dorten von Christo stehet: Und da er mit dem Toderang, betete er heftiger. Deßhalben soll der Betrübte erwägen: 1) das sei Geduld, wenn der Mensch stille unter seinem Krenz bleibet und sich in den Willen GOttes ergibt; erweiß, daß seine Trübsal von GOtt kommt, der sie auch wieder abnehmen kann; erweiß, daß ihn GOttim Kreuz doch herzlich liebt, und daß erdarumnicht habe aufgehöret Vater zu sein, ob er ihn gleich mit Kreuz beleget hat. Darum 2) murretein Betrübter nicht wider GOtt, ob es gleich lang und schwer ist, sondern sagt: Ich will schweigen und meinen Mund nicht aufthun, du wirst es wohl machen. Sollte er 3) ja durch die heftigen Schmerzen, durch das vielfältige Leiden kleinmüthig werden wollen, so muß er GOtt um Stärke anrufen. 15 226 Der Betrübte bittet GOtt aber stärkt Betrübte theils, wenn er ihnen in ihrem Herzen zu erkennen giebt, es werde das Kreuz baldaufhören, theils, erwolle sie nicht verlassen, theils auch, wenn er einige Hülfeu. Linderung ihnen widerfahren läßt. Dadurch 4) wird ein Betrübter wiederum stark werden indem HErrn, u. in der Macht seiner Stärke. Vor Ungeduld soll sich ja ein Mensch hüten, denn GOtt hat uns verheißen, er wolle uns helfen das Kreuz tragen, aber nicht die Ungeduld, weil dieselbe nicht von GOtt, sondern von unserem Fleisch und Blut herkommt: die Geduld bringet eine rechte Stille des Herzens und Gemüths. Gebet. Err! vor dir ist alle meine Begierde, und mein Seufzen ist dir nicht verborgen. Ach mein GOtt! mein Seufzen ist dir nicht verborgen, und mein Elend u. Jammer ist dir wohl bekannt; dieses ist mein Trost, daß ich weiß, es komme von geliebten Händen; ich habe es mir nicht selbst gemacht, sondern du hast es mir auferlegt; hast du mir es aber aufgelegt, so hilfmir's tragen. Und weil die Geduld auch gehöret unter die guten Gaben, die von oben herab kommen, von dem Vater des Lichts; ach! so verleihe mir dieselbe nach deiner Barmherzigkeit. Wenn du mich stärkeſt; wenn du mir hilfest u. beistehest, so kann ich alles, so vermag ich alles, so wird es mir nicht schwer werden; ich vermag alles durch den, der mich mächtig macht, Christus. Greif mich auch nicht zu heftig an, damit ich's um Geduld und Stärke. 227 kann ausstehen. Habe Geduld mit meiner Schwachheit; stärke die müden Hände; erhalte die wankenden Kniee; sage meinem verzagten Herzen': dein Gott ist König! dein JEsus ist bei dir; dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer. Ja, wenn du mir hilfest, so ist mir geholfen, darum hilf mir, o mein Heil! um deines Namens willen; zu dir habe ich Zuflucht. Stelle doch meiner Seele vor, es sei dein heiliger Wille, daß ich also leiden und mein Kreuz tragen soll; daß ich mich dann mit Freuden entschließe, u. sage: Vater, nicht mein, sondern dein Wille geschehe. Stelle mir vor deine Liebe, daß du mich unter dem Kreuz und in der Betrübniß dennoch liebest, daß mein Leiden nur eine kleine Zeit und nicht ewig dauern werde, ja, daß dieſer Zeit Leiden nicht werth sei der Herrlichkeit, die an uns ſoll offenbar werden. Hilf, daß ich erwäge, daß du mein gnädiger GOtt u. liebreicher Vater seist, daß dieses Kreuz nicht sei ein Zeichen des Zorns, sondern der Gnade. Ueberzeuge mich, es werde mein Nußen sein, indem ich dadurch zu dir gezogen werde. Stelle meiner Seele vor das Erempel der Geduld meines lieben Heilandes JEsu Christi, der alles geduldig auf sich nahm, und wie ein Lamm sei= 15* 228 Der Betrübte bittet 2c. nen Mund nicht aufthat. Gieb, daß ich ihm in solcher Stille u. Gelassenheit durch deine Gnadenachfolge; gieb, daß ich mitdulde und mitleide, damit ich auch mitgekrönt und zur Herrlichkeit erhoben werde. Laß mein Kreuz dein Wort nicht aus meinem Herzen reißen, meinen Glauben nicht schwächen, noch das Gebet verhindern, sondern gieb mir neue Kräfte und neuen Muth, wenn ich einen Sturm ausstehen muß, oder ausgestanden habe. Ja, stelle mir vor, daß mich deine Hülfe bald erfreuen und dein kräftiger Beistand gewiß erquicken werde. Du bist mein Fels, mein' Burg, mein Hort, Mein' Schild, mein' Kraft, sagt mir dein Wort; Mein' Hilf', mein Heil, mein Leben, Mein starker GOtt in aller Noth; Wer mag dir widerstreben. Amen. Gesang. Mel. O GOtt, du frommer GOtt. 1. Mein GOtt! verzieh doch nicht, Ach! sieh, wie ich muß weinen; Wann willst du, o mein Licht! Zu mei nem Trost erscheinen? Zu Hause hab' ich Kreuz, Und geh' ich schon oft aus, So geht mein Leiden mit, Und fommt mit mir nach Haus. 2. Zwar hoff' ich alle Tag', Sieh', heute wird es bej ser; Allein das Leiden wird Fast alle Tage größer; Ich werde schwach und matt, Mein Herze ist beklemmt; Es ist mein Angesicht Mit Thränen überschwemmt. 3. Durch langes Leiden will Auch die Geduld verschwin den, Weil sich die Linderung Sogar nicht will einfinden; Ich warte von dem Tag Bis auf die stille Nacht, Und in der Nacht bin ich Schon auf den Tag bedacht. 4. Willst du nun länger noch, Mein GOtt! die Hülf verziehen, Wie wird es mir ergeh'n; Ach! wo soll ich Der Betrübte bittet 2c. 229 hinfliehen? Ach GOtt! verzieh' doch nicht! Ach, eile bald herbei; Ach HErr! wann machst du mich Von meinen Banden frei. 5. Die Hülfe steht bei dir, Sie steht in deinen Händen; Du kannst mit einem Wort Mein Leiden schleunig wenden. Ach! wende dich zu mir, Komm und errette mich, Erleicht're mir mein Kreuz, Ach GOtt! erbarme dich. 6. Das Leiden ist nicht schwer, Wenn du mir es hilfft tragen. Ich will, wenn du mir trägst, Von keinem Leiden sagen; Denn trägst du nur mit mir, So trägst du das Gericht, Ich habe zwar das Kreuz, Und fühl' die Last doch nicht. 7. Ach ja! mein HErr und GOtt! Laß mich die Stund' erblicken, Da du nach meinem Leid Mich endlich wirst erquicken; Ach! schenke mir dereinst Die lang erwünschte Stund', Darnach das Herze seufzt Und der betrübte Mund. 8. Willst du mir diese Gnad, O großer GOtt! erweisen; So will ich, wie ich, leb', Dafür dich herzlich preiſen; Mein Freudenwort soll sein Nach ausgestand'ner Noth: Wie gnädig ist doch GOtt, Der HErr, HErr Zebaoth. Der Betrübte bittet um Abnehmung der Trübsal. Aufmunterung. Ich winselte wie ein Kranich und Schwalbe, und girrte wie eine Taube; meine Augen wollten mir brechen. HErr, ich leide Noth, lind're mir's. Siehe, um Trost war mir sehr bange, du aber hast dich meiner Seele herzlich angenommen, daß ich nicht verdürbe. Denn du wirfst alle meine Sünden hinter dich zurück. Jes. 38, v. 14. 17. GOtt hat seinen Kindern in ihren Leiden eine Linderung und Erquickung verheißen, entweder in diesem, oder in dem ewigen Leben; das iſt demnach den Betrübten nicht verboten, GOtt um die Gewährung derselben auch in diesem Leben anzuflehen, doch also, daß sie dabei sich dem Willen GOttes gänzlich unterwerfen. Deßwegen 1) wenn sie empfinden ihres Kreuzes Heftigkeit, Bitterkeit und Langwierigkeit, dürfen sie wohl bitten, daß er es ihnen wieder abnehmen wolle; denn so machte es ja Christus, unser Heiland, selbst, welcher um Wegnehmung des 230 Der Betrübte bittet bittern Kelchs seinen himmlischen Vater anflehte; hiemit legen Betrübte ihr Vertrauen u. Zuversicht zu der Allmacht GOttes an den Tag. Jedoch 2) soll diese Bitte um Abnehmung des Kreuzes mit einer gelassenen Ergebung in den Willen GOttes verknüpft ſein; besser ist's, wir tragen das von GOtt geschickte Kreuz willig, als daß er es uns wegen unfers Murrens abnimmt, und im Zorn ein schwereres zuschickt. Diese Bitte um Abnehmung der Trübsalsoll 3) auch eine gute Absicht haben, nämlich, daß wir GOtt desto freudiger und ungehinderter dienen können, indem die Trübsal uns oftmals zerstreut, niederschlägt und zu heiligen Uebungen ungeschickt macht. Wollte man aber des Kreuzes entledigt sein aus Ungeduld, oder um der Weltlust und Weltfreude wieder zu genießen, so siehet man leichtlich, daß GOtt ein folches Gebet nicht erhören wird. Ist das Herz noch fleischlich, eitel u. irdisch gesinnt, so läßt er das Kreuz auf uns liegen, bis es, als ein heiliges Feuer, diese Stoppeln und Unreinigkeiten ausgebrannt hat. Gebet. du gnadenreicher GOtt! der du die Betrübten und Elenden ansiehest, und dich erbarmest aller deiner Werke, ach! siehe, ich betrübte und bekümmerte Seele stehe allhier vor der Thüre deiner Gnaden, und flehe dich um Hülfe an. Du weißt ja, wie du mich betrübet hast; du weißt, wie du mich angegriffen hast, aber du weißt auch wohl, daß es mir Niemand kann abnehmen, denn du allein; die Vaterhand, die mich verwundet, die muß mich heilen; der mich ge um Abnehmung der Trübsal. tödtet, muß mich wieder lebendig machen; ja, der mich in die Hölle geführt hat, muß mich wieder herausführen. Ach darum, du gnadenreicher GOtt! komme ich zu dir, und spreche: HErr, hilf mir! ach, erbarme dich meiner! Dein Zorn währet einen Augenblick, und du hast Lust zum Leben, aber dein Augenblick währet mir fast zu lange. Barmherziger GOtt! der du in deinem Wort so liebreich deinen Kindern erlaubet hast, dich zu bitten: Bittet, so werdet ihr nehmen; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgethan; ach! laß auch mein Bitten, Suchen und Anklopfen bei dir Gnade finden. Nimm meine Trübsal von mir; doch nicht mein, sondern dein Wille geschehe. Ich will dir nicht Zeit und Stunde, Art und Weiſe vorschreiben, sondern deine Hülfe mit Geduld erwarten. Ach! laß mich doch deine Erquickung empfinden; willst du mein Elend noch nicht ganz von mir nehmen, so nimm nur ein Stück und Theil deſselben von mir. Du willst dich vor deinen Glaubigen nur einen kleinen Augenblick verbergen, und sie mit großer Barmherzigkeit wieder ſammeln. Ach GOtt! wie lange willst du mein so gar vergessen? wie lange verbirgst du dein Angesicht vor mir? 231 232 Der Betrübte bittet Ist's denn ganz und gar aus mit deiner Güte, und hat die Verheißung ein Ende? Laß mich doch erfahren, wie du noch mein Vater seiest, der sich über mich erbarmen wolle: laß mich doch inne werden, daß mein eifriges Gebet dir angenehm geweſen sei. Ach wie lang, ach lange! ist dem Herzen bange, und verlangt nach dir; dir ist ja nichts unmöglich. HErr Zebaoth ist dein Name, groß von Rath und mächtig von That. Du bist der Trost Israel und ihr Nothhelfer, darum verlaß mich nicht; hilf mir! errette mich, und sei mir gnädig; erquicke mich nun wieder, nachdem du mich so lange geplaget hast, nachdem ich so lange mein Leiden ausgestanden, und thue nicht die Hand von mir ab, GOtt mein Heil! Ist aber deine Hülfesstunde noch nicht da, so stärke mich inwendig, und gieb mir solche Kraft, daß ich es dir zu Ehren ferner tragen könne; denn wenn du, o lieber Vater! mit mir trägest, oder mir es linderst; wenn ich in deiner Kraft einhergehe, so will ich es auch für ein Abnehmen halten, darüber mich freuen, und dir dan ken. Willst du mir es aber in diesem Leben gar nicht mehr abnehmen, sondern es ist dein heiliger Rath, daß ich es bis in den Tod tragen ſoll, nun so geschehe dein Wille; um Abnehmung der Trübfal. 233 nur laß mich nicht über mein Vermögen versucht werden, und versüße mir alle Bitterfeit der Trübsal mit dem Genuß deiner Liebe, mit deinem kräftigen Beistand und mit deinem erquickenden Vergeschmack des Himmels. Soll ich noch mehr um deinetwillen leiden, So steh' mir, HErr, durch deine Kraft zur Seiten, Beschüße mich stets gnädiglich, Hilf meine Widersacher all' bestreiten. Amen. Gesang. Mel. Alle Menschen müssen sterben. 1. Wann wird mich mein GOtt erhören: Ach wie lang verzieht er doch, Will er sich nicht zu mir kehren, Weg zu thun das schwere Joch? Ach! ich muß ja fast vergeh'n, Wenn er mich nicht will anseh'n! Nimmt sich meiner GOtt nicht an, Ach! so ist's um mich gethan. 2. Hat mir's GOtt doch ja versprochen, Daß er mich erhören woll', Wenn die Stund' ist angebrochen, Die mir Hülfe bringen soll; Bei dem Wort will ich ihn fassen, Und darauf mich fest verlassen; Was er mir verheißen hat, Kann er leisten in der That. 3. Ich will dennoch eifrig beten: Schaue, Vater auf dein Kind; Ich will immer vor ihn treten, Wie die, so verlassen sind; Ich will seufzen, weinen, flehen, Aller Orten ihm nachgehen; Ihm schick ich die Seufzer zu, Bis ich habe Hülf und Ruh. 4. Soll ich in dem Jammergarten, Hier in dem Gethſemane, Länger auf die Hülfe warten, So will ich in Ach und Weh' Nicht an GOttes Hülf' verzagen, Und mein Kreuz geduldig tragen; Seh' ich meinen JEsum hier In dem Garten noch bei mir. 5. Nun wohlan, ich bin vergnüget, Es geh', wie es gehen soll: Wie es mein GOtt mit mir füget, So thut es der Seele wohl. Endlich werd' ich noch lobsingen, Und ihm meine Opfer bringen; Ja, erzählen Jedermann, Was er hat an mir hat gethan. 234 Der Betrübte erwäget den fröhlichen Ausgang des Kreuzes. Aufmunterung. Der HErr verstoßet nicht ewiglich; sondern er betrübet wohl, und erbarmet sich wieder nach seiner großen Güte; denn er nicht von Herzen die Menschen plaget und betrübet. Klagl. Jer. 3, v. 31 bis 33. Alle Trübsal wird leicht, wenn man hoffet, es werde bald besser werden; eine beschwerliche Reise wird kurz, wenn sie bald zurückgelegt ist. Hiebei ſoll ein Betrübter sich vorstellen 1) daß sein Elend gewiß ein Ende nehmen werde, und vielleicht noch in diesem Leben; wie GOtt also Davids Flucht, Hiskias Krankheit, Hiobs Elend, der Wittwen Thränen, des Gichtbrüchigen Schmerzen noch in diesem Leben zum Besten gewendet hat. Am allergewissesten aber wird GOtt der Frommen Kreuz enden und wenden in dem Tode: denn da soll ihnen die Krone, ein weiBes Kleid, die Himmelsfreude zu Theil werden; da wird er abwischen alle Thränen von ihren Augen. 2) Soll sich ein Betrübter vorstellen, wenn er durch Leiden betrübet wird, daß seine Seele dadurch wird erbauet; denn mun hat er erkannt GOttes Allmacht, Weisheit, Liebe u. Barmherzigkeit; durch das Leiden und dessen fröhliches Ende ist sein Vertrauen aufgerichtet und sein Glaube gestärket worden: und wenn auch durch das Kreuz die Weltliebe in ihm ist getilget, daß er min frömmer, andächtiger, christ licher, demüthiger u. sanftmüthiger geworden iſt, so hat er gewiß einen großen Nußen von seinem Kreuz; so bleibet der Ausgang des Kreuzes fröhlich und selig, es mag sich enden hier zeitlich oder dort ewig. Der Betrübte erwäget 2c. 235 Gebet. Ach, du großer GOtt! wie ist doch mein Leiden so schwer und groß! wie du ſelbsten weißest; ein jeder Tag hat seine eigene Plage und eine jede Stunde fast ihr eigenes Leiden; aber doch soll mein Glaube, meine Hoffnung und mein Vertrauen deßwegen nicht aufhören, sondern ich will mitten in der Trübsal meine Augen aufheben zu den Bergen, von welchen mir Hülfe kommt, nämlich zu dir, dem allmächtigen, gütigen und barmherzigen GOtt! Ich weiß, du wirst endlich nach der Trübsal mich erfreuen, ja, nach dem Ungewitter mir die Sonne wieder lassen scheinen. Du hast versprochen, daß du die Mühseligen und Beladenen erquicken wollest; nun ich warte auf die Erfüllung dieser gnädigen VerheiBung, ach! gieb mir, wenn es zu deiner Ehre und meiner Seligkeit gereichet, meines Herzens Wunsch, und was mein Mund bittet; denn du bist meine Zuversicht, HErr, HErr! von meiner Jugend auf. Ich weiß, deine rechte Hand kann alles ändern. Ach! so änd're, wenn es dein heiliger Wille ist, meinen Zustand; erquicke, erfreue, erhöre mich. Daraus will ich erkennen deine große Allmacht, daß du aus dem schwersten und größten Leiden erretten kannst. Daraus 236 Der Betrübte erwäget will ich erkennen deine große Güte, nach welcher du dich als ein Vater über mich erbarmet hast. Außer dieser Trübſal hätte ich vielleicht in meinem Christenthum nicht so viel gelcruet, als ich nun durch dieses Leiden darin bin unterrichtet worden. Nun sehe ich deinen heiligen Rath; du hast mich demüthig, sanftmüthig und fromm wollen machen, du hast mich wollen zu dir ziehen, daß ich meine Freude allein an dir haben und meine Hoffnung allein auf dich setzen soll; und da nun dieses ausgerichtet ist, ſo nimmſt du meine Trübsal wieder von mir, und läsfest mein Gemüth, das vorher gar unruhig war, wiederum stille, gelassen und zufrieden werden. Owelche herrliche Frucht hat diese bittere Wurzel getragen! O welch großer Nußen ist aus meinem Leiden entstanden! Davids Verfolgungen gaben ihm Gelegenheit, die trefflichen Lob- und DankLieder zu verfertigen. Meine Thränen sollen auch ein Same werden, daraus gute Früchte wachsen; die Dornen, die mich stechen, sollen Rosen tragen; nach meinem Kampf soll der Sieg, und nach dem Streit die Krone, nach dem Leiden die Errettung, nach der traurigen und betrübten Nacht der fröhliche Morgen folgen. Nun dafür danke ich dir, dafür preise ich dich. Lobe den den fröhlichen Ausgang des Kreuzes. 237 HErrn, meine Seele, und vergiß nicht, was er dir Gutes gethan hat. Wie herrlich wird dermaleinst am jüngsten Tage die Erlösung sein, wenn ich da von allem Uebel befreiet in das himmlische Freuden- Leben eingehen werde! Ist dieses denn das erste Mal, Daß wir betrübet werden? Was haben wir als Angst und Qual Bisher gehabt auf Erden? Wir sind wohl mehr und hoch gekränkt, Und doch hat GOtt uns d'rauf geschenkt Ein Stündlein voller Frenden. Amen. Gesang. Mel. D GOtt, du frommer GOtt 2c. 1. Wann kommt mein JEsus doch? Will er mich gar verlassen? Mein Heil! wann werd' ich dich zu meinem Trost umfassen? Ach! wenn mein Seelenfreund So ferne von mir weicht, Wer ist, der in dem Kreuz Mir seine Hand darreicht? 2. Wann kommt mein JEsus doch? Sieh, And're sind beglücket, Sie steh'n in Herrlichkeit Mit Wohlergeh'n geschmücket; Nur ich muß traurig geh'n, Ja, ich muß ganz lein In meinem Jammerstand Von GOtt verlassen sein. 3. Es will mir die Geduld In meinem Kreuz verschwinden, Weil ich dich JEsum fast Weiß nirgends mehr zu finden; Wo ich mich nun hinwend', Sieh', da verbirgt er sich, Und wo ich nach ihm greif', Sieh', da verläßt er mich. 4. Wann kommt mein JEsus doch? Ach, höre doch mein Klagen! Wie lange soll ich noch: Wann kommt mein JEsus? sagen; O JEsu! komm doch bald, Die Zeit wird mir zu lang. JEsu! komm doch bald, Mir wird sonst angst und bang. 5. Dein JEsus kommet bald; O Seele! sei doch stille, Und stell' dein Trauern ein, Es ist so GOttes Wille; Weil JEsus sich nicht zeigt, So schmeckst du Bitterkeit, Doch bald erquickt er dich Mit süßer Seelen- Freud'. 238 Betrübte Wittwen schütten 6. Dein JEsus kommet bald, Du liegst in seinen Armen; Sei freudig, er wird sich In Gnaden dein erbarmen; Er sieht dein Leiden wohl: Sieh' da, in kurzer Zeit Erquickt er deinen Geist Mit Trost und Freudigkeit. 7. Dein JEsus kommet bald, Er wird dich nie ver lassen; Denn du bist ja sein Kind, Wie könnt' er dich denn haffen? Schau doch auf And're nicht, Die da be glücket steh'n, Bald wird dir auch dein Licht Nach trüber Nacht aufgeh'n. 8. Dein JEsus kommet bald, Er wird sich zu dir nahen, Sein Mund und Arm wird dich Auf's Freundlichste empfahen. Auf, Seele sei getrost, Dein Heiland ist dir nah; Nun ist dein Wunsch erfüllt: Dein JEsus, sieh, ist da. Betrübte Wittwen schütten ihr Herz vor GOtt aus. Ihr sollt keine Wittwen und Waisen beleidigen; wirst du sie beleidigen, so werden sie zu mir schreien, und ich werde ihr Schreien erhören. 2. Mose 22, v. 22. 23. Ich bin eine Wittwe, ein Weib, das Leid trägt, und mein Mann ist gestorben. Also beschreibet das kluge Weib von Thekoa eine Wittwe. 2. Sam. 14, v. 5. Es ist der Wittwenstand 1) ein Trauerstand, indem ein Weib ihres Ehemanns Hülfe, Rath, Trost, Gegenwart und Freundlichkeit entbehren muß, welches auch reichen Wittwen gar empfindlich ist; armen Wittwen thut es desto weher, weil ihnen diejenige Person durch den Tod ist ge raubt worden, welche sie und ihre Kinder genähret und durch Gottes Segen versorget hat. Es ist der Wittwenstand 2) ein betrübter Stand, weil oftmals unchristliche Leute an Wittwen Gewalt üben, Ihnen das Ihrige nehmen, sie drücken, verachten und ihnen Unrecht thun. Es ist aber der Wittwenstand 3) ein von GOtt beschützter Stand. GOtt hat allen Menschen anbefohlen, daß sie keine Wittwen und Waisen beleidigen sollen und hat gedroht, wenn man ihnen ihr Herz vor GOtt aus. 239 Unrecht thun würde, so wollte er es rächen. GOtt hat verheißen, er wolle der Wittwen Mann, ihr Helfer u. Richter sein, der sich ihrer annehmen und ihre: Sache ausführen u. befördern wolle. Ja, er hat ihnen seinen besondern Segen, Beistand, Hülf' und Gnadezugesagt.InBetrachtung dessensollenfromme Wittwen: 1) nichtanGottverzagen; dennistihr Mann gestorben, so ist doch Gott nicht gestorben; 2) sie sollen. dieses annehmen als eine Prüfung ihres Vertrauens u.Hoffnung aufGott. Es soll Niemand an einerKreaturhangen, oder sich auf dieselbeverlassen. Wennnun. manches Weib meinet, es könne sieu.ihre Kinder Nie mand ernähren, als ihr Mann, so macht sie aus dem selben einen Abgott, darumfieGOtt von dieser Sünde will frei machen u. ihr zeigen, daß er sie u. ihre Kinder auch ohne Mannerhalten u. ernähren könne. Darum sollen christliche Wittwen ihm 3) im Gebet anhalten, nicht argwöhnisch sein, GOtt eifrig dienen, ein from= mes, stilles u. christliches Leben führen, so wird auch GOtt sie reichlich versorgen, ernähren u. erhalten. Gebet. du barmherziger und gnädiger GOtt! der du bist die Zuflucht aller Betrübten, Verlassenen und Elenden, ach! es hat dir nach deinem heiligen und unerforschlichen Rath gefallen, mich in den betrübten Wittwen- Stand zu sehen. Meine Sonne ist am hellen Mittag untergegangen, und die Krone meines Hauses ist gefallen. Ich bin ein Weib, das Leid trägt, mein Mann ist mir gestorben. Wo soll ich mich nun hinwenden? Wo soll ich Rath und That suchen? 240 Betrübte Wittwen schütten Ach, mein GOtt! ich komme zu dir, mein Herz hält dir vor dein Wort: Ihr sollt me'n Antlig suchen; darum suche ich auch, HErr, dein Antlig. Du hast in deinem leiligen Wort verheißen, du wolleft ſein der Wittwen Richter, und der Waisen Vater: Ich, der HErr, bin dein Mann, GOtt Israel ist mein Name. Ach! so sei auch jetzt mein Mann, mein Richter, mein Helfer, mein Erretter, meine Zuflucht und der Meinigen Vater. Siehe an meine Thränen, wie sie von den Wangen herabfließen, und laß sie zur gnädigen Erhörung gegen den Himmel steigen; siehe an mein Seufzen und erbarine dich mein. Gieb mir recht zu erkennen, daß ich dennoch von dir nicht verlassen bin, ob ich gleich ohne Mann leben muß, und daß du, o du ewiger und unsterblicher GOtt! nicht gestorben bist, sondern ewiglich lebest, obgleich mein Mann begraben liegt. Ach! es scheinet, daß du dadurch mich willst von allen Kreaturen abziehen, daß ich dir allein vertrauen, und auf dich allein meine Hoffnung seßen soll. Mein GOtt und Vater! ich glaube von Herzen, daß du mich und die Meinigen ohne Mann schüßen, ohne Mann ernähren, ohne Mann versorgen kannst; stärke die ihr Herz vor GOtt aus. sen meinen Glauben nach deiner Gnade und Barmherzigkeit. HErr! thue ein Zeichen an mir, daß es mir wohl gehe; führe mich wie Naemi; versorge mich wie dieRuth; ſegne meinen Delkrug, wie den der Wittwe in Israel; laß das Mehl und den Vorrath nicht abnehmen, wie bei der Wittwe zu Sarepta; wische meine Thränen ab, und sprich zu mir: Weine nicht; wie du zu der Wittwe zu Nain sprachest. Ach HErr! bescheere mir mein tägliches Auskommen; segne meinen Aus- und Eingang; bewahre mich vor Unglück; versorge mich und die Meinigen nach deiner Verheißung. Ich sebe alle meine Zuversicht auf dich, lebendiger GOtt; dir vertraue ich von ganzem Herzen und von ganzer Seele; du bist weiſe genug, mich zu erhalten; du bist mächtig genug, mich zu schüßen; du bist reich gemug, mich zu ernähren und zu versorgen; du bist barmherzig genug, mir alles zu geben, was ich von Nöthen habe; du bist allgegenwärtig genug, in allen Nöthen mir beizuſtehen, mir zu helfen und mich zu er= retten. Verlässet sich ein Reisender auf seinen Wegweiser, er werde ihn den rechten Weg führen; vertrauet ein Kranker dem Arzt sein Leib und Leben an, warum sollte ich dir, allmächtiger und weiser 16 241 Betrübte Wittwen schütten GOtt! nicht vertrauen, und mich auf dich verlassen? Hilf mir, GOtt meines Heils, um deines Namens willen! Vater und Mutter verlassen mich, aber du, o HErr, ach! nimm mich an. Siehe, um Trost ist mir gar bange, aber du hast dich allezeit meiner Seele herzlich angenommen, daß sie nicht verdürbe; ich habe viel Bekümmerniß in meinem Herzen, aber deine Tröstungen und gnädigen Verheißungen ergößen meine Seele. Gieb, daß ich diesen einsamen Stand im Glauben und Frömmigkeit führe; meine Freude an dir habe, an dir mich ergöße, Niemanden ein Aergerniß gebe; denn ich weiß fürwahr, wer GOtt dienet, der wird nach der Anfechtung ge tröstet, aus der Trübsal erlöset, und nach der Züchtigung findet er Gnade. So laß mich auch vor dir, mein GOtt! Gnade nach dem Leiden, Hülfe nach der Betrüb niß, Freude nach dem Weinen, Trost nach der Traurigkeit finden. Mache mir alle meine Feinde zu Freunden, und gieb mir Huld und Gnade bei Jedermann. Erhöre mein Gebet, gieb mir deinen Segen, führe mich an deiner Hand; sorge für mich und die Meinigen nach deiner gnädigen Verheißung. Auf dich bin ich geworfen von Mutterleibe an, darum wirst du auch jezt 242 ihr Herz vor GOtt aus. mein Schirm u. Schatten sein, mich behüten und mir Gutes thun, bis du mich wirst zu der Herrlichkeit bringen, da ich mit fröhlichem Munde in Ewigkeit dich loben werde. Wittwen sind in GOttes Armen, Waisen sind in GOttes Schooß, Ihrer will er sich erbarmen, Wär die Noth auch noch so groß; Denn ein ungerechter Mann Tastet GOttes Auge an, Der die Waisen nie erquicket Und der Wittwen Herzen drücket. Wenn fie bleiben in den Schranken, Darein sie hat GOtt gestellt, Und von ihme niemals wanken, Weil er sich zu ihnen hält, Sollen sie im Himmels- Schloß Werden allen Kummers los; Da soll nicht mehr, wie auf Erden, Wittwen- Noth gehöret werden. Amen. 243 Gesang. Mel. D GOtt, du frommer GOtt 2c. 1. Jhr Wittwen seid getrost, Laßt ab von eurem Weinen, Es will der starke GOtt Zu eurem Trost erscheinen; Er ist der Wittwen Mann, Verzagt vor Trauern nicht, Und jetzt auf dieses Wort All eure Zuversicht. 2. Der HErr ist euer Mann, Der wird euch nicht verlassen; Wenn ihr zu sinken scheint, So will er euch umfassen; Der Herre Zebaoth; Der HErr ist euer Mann, Hier steht ein starker Fels, Der nimmt sich euer an. 3. Der HErr ist euer Mann, Er wird euch schon versorgen, Ist euer Angstgeschrei Dem Vater auch verborgen? Er weiß, was euch gebricht, Den Jammer, der euch quält; Er aber ist der HErr, Der euch im Kreuz erhält. 4. Der HErr ist euer Mann, Der wird sich schon erbarmen, Er höret eure Stimm, Er trägt euch in den Armen, Er will dem, der euch kränkt, Ein strenger Richter sein, Drum stellt das Ach und Weh Und bitt'res Weinen ein. 5. Der HErr ist euer Mann, Der wird euch reichlich geben, Was ihr von Nöthen habt, In eurem ganzen Leben; GOtt, der nach seinem Rath zu Wittwen euch gemacht, Der ist auf euer Heil Und Unterhalt bedacht. 6. Der HErr ist euer Mann, Der wird euch reichlich trösten, Er reißet euch heraus, Wenn eure Noth am größten; 16* 244 Verlassene Waiſen Er wischt die Thränen ab, D'rum sprecht: du bist mein GOtt, Mein GOtt, ach! steh mir bei Ju aller meiner Roth. 7. Der HErr ist euer Mann, D'rum sollt ihr ihm vertrauen Und eure Zuversicht Auf diesen Felsen bauen; Vertraut ihr ihm allein, So werdet ihr noch seh'n, Wie es in diesem Stand Euch wird nach Wunsche geh'n. 8. Nur dienet eurem GOtt Mit Singen, Danken, Beten, kommt jede Stund' und Tag Vor seinen Thron getreten Und klagt ihm eure Noth, Bleibt in der Frömmigfeit, Und steht im Glauben fest Und in Zufriedenheit. 9. GOtt! frommer Wittwen GOtt Und Vater frommer Waisen! Du wollest gnädiglich Sie schüßen, kleiden, spei sen, Sie wissen nirgends hin, Denn nur zu dir allein, D'rum wollest du ihr GOtt Und treuer Vater sein. 10. Versorg der Wittwen Haus, Die Waisen wollst du leiten; Ach Vater! schau, wie sie zu dir die Hand aus breiten; Ach! höre ihre Stimm Und nimm dich ihrer an, Du bist der Waisen GOtt Und frommer Wittwen Mann. Verlassene Waisen klagen GOtt ihre Noth. Aufmunterung. Mein Vater und meine Mutter verlassen mich, aber der HErr nimmt mich auf. Psalm 27, v. 10. Isteinbetrübter Stand, so ist's der der Waisen, wenn Kinder von Vater u. Mutter verlassen u. unter fremden Leuten leben, dienen, sich durchbringen oder auf halten müssen. Sobetrübt aber der Stand ist, so wir fet er an den Seelen, wenn die Waisen GOttfürchten, viel Gntes. Denn 1) sollen von Vater und Mutter verlassene Kinder gedenken, ob sie gleich keine Eltern haben auf Erden, daß sie doch einen reichen Vater im Himmel haben, als welcher Vater in der heil. Taufe geworden ist. Dieser himmlische Vater stirbt nicht; er istreich; er hat alles, was wir bedürfen; er ist mächtig; er kann alles geben, er ist ein weiser GOtt, der alles wunderbar u. herrlich auszuführen weiß. Es sollen: 2) fromme Waisen bedenken, daß GOtt oftmals mit Fleiß den Kindern die Eltern wegnimmt, damit er all klagen GOtt ihre Noth. 245 ihnen zeige, wie er arme und verlassene Kinder ohne Vater u. Mutter erhalten, ernähren u. versorgen, ja, sie zu Ehren bringen u. reichlich segnen könne, wie er davon viel tauſend Erempel uns vor Augen gestellt hat, die mit fröhlichem Mund sagen wie Jakob: Ich hattenichts, denn diesen Stab, da ich überden Jordan ging. Von Haus nahm ich zum Wanderstab die Armuth u. mein Leben, d'rum alles, was ich jezzo hab, das hat mir GOtt gegeben. Es sollen aber auch: 2) Waisen im Vertrauen auf GOtt anhalten, gegen Jedermann demüthig, in der Arbeit fleißig, im Gebetandächtig, im Kirchengeheneifrig, im Zuhörenaufmerksam, imLebenkeusch, im Wandel fromm, inihren Verrichtungen treu, in all ihremThunaufrichtig sein, sonderlich aber GOtt vor Augen u. im Herzen haben, in keine Sündewilligen, nochthunwiderGOttes Gebot. Werden sie sich in diesen Schranken halten, so wird sie GOtt gewiß nicht verlassen, er wird sie wunderbar, dochherrlich führen, daßsie GOttes Allmachtu.Güte Zeit ihres Lebens werden rühmen können. Gebet. Ach du gnädiger, barmherziger GOtt und Vater! ich armes verlassenes Kind werfe mich allhier nieder vor deinem erhabenen Thron, und bitte dich in Demuth und von Herzen, nimm dich meiner als ein Vater an. Ach! es hat dir nach deinem weisen Rath gefallen, mich meiner Eltern Fürsorge und Pflegezut berauben; ach! wo soll ich nun hin? Ich bin ein Waise geworden, u. habe keinen Vater mehr; wer will sich jetzt meiner annehmen? Deßivegen, liebreicherGOttu. Vater! Verlassene Waisen komme ich zu dir, nimm du dich meiner an, erbarme dich meiner; auf dich bin ich gewor fen von Mutterleibe! du bist meine Zuversicht von Jugend auf. Siehe, mein Vater u. Mutter verlassen mich, aber ach, HErr, HErr, nimm du mich auf. Ach, mein GOtt! du giebest ja Speise den Vögelein, die auf freiem Felde fliegen; du kleidest die Blumen; du versorgest das Wild im Walde, ach! so wirst du auch als ein treuer Vater für mich sorgen, dich meiner erbarmen, und mir gnädig sein; mein Auge sehnet sich nach dir; ich hebe meine Augen auf zu den Bergen, von welchen mir Hilfe kommt; meine Hilfe kommt vom HErrn, der Him mel und Erde gemacht hat. Ich weiß, ich bin darum nicht von dir verlassen, ob ich gleich von Menschen verlassen bin. O wie viele Erempel stehen mir vor Augen von solchen Kindern, welchen du Vater und Mutter hast sterben lassen, sie aber dennoch herrlich geführet, versorget und ernähret. Ach GÖtt! der du Moses aus dem Wasser gezogen hast, schaue auch auf mich, da die Wellen der Trübsal fast wollen über mich zusammenschlagen. Ach, HErr JEsu! der du der Kinder dich haft treulich angenommen, und sie gesegnet, ach! ſegne mich auch, nimm mich in die Arme 246 klagen GOtt ihre Noth. 247 deiner Barmherzigkeit, trage mich, und bewahre mich vor Unglück. Ach, du werther heiliger Geist! der du die Glaubigen führest wie die Jugend, ach! führe mich auch. Weise mir, HErr, deine Wege; leite mich in deiner Wahrheit; erhalte mein Herz bei dem Einigen, daß ich deinen Namen fürchte. Ach, du dreieiniger GOtt! sei mein Erhalter, der mich schüßet; mein Helfer, der mir beiſtehet; mein Geleitsmann, wenn ich aus- oder einreise. Ach! bescheere mir gute Freunde, wo ich ein- und ausgehe; erwecke mir Gönner und Gutthäter, die sich meines Elendes erbarmen; laß meine Pfleger oder Vormünder mit Liebe gegen mich erfüllet sein; thue ihnen auch Gutes nach deiner Gnade; bewahre sie vor Unglück, und vergilt ihnen mit zeitlichem, geiſtlichem und himmlischem Segen, was sie Gutes an mir thun. Gieb mir ein demitthig und gehorsames Herz, daß ich durch Widerspenstigkeit, liederliches Leben, Bosheit und sündliche Unarten mich der Gunst und Wohlthaten meiner Gönner nicht beraube. Behüte mich vor Verführungen, daß ich nicht aus Armuth dich möge verläugnen, vom Glauben abfallen; sondern hilf mir, daß ich in deiner Erkenntniß und Liebe immer zunehme. Laß deinen guten Geist mich Verlassene Waisen 2c. allezeit leiten, heiligen, regieren u. bewahren, daß ich durch böse Gesellschaft nicht zu muthwilligen Sünden verführet werde. Laß mich nicht in Schlemmen und Unkeuſchheit gerathen, und behüte mich vor verkehrtem Herzen. O du gnädiger GOtt und Vater! schrecke mich ab vor den gottlosen Wegen; warne mich, wenn ich sündigen will; erinnere mich, wenn ich des Bösen will mich gelüsten lassen; halte mich, wenn ich falle; hole mich herum, wenn ich irren will; stärke mich, wenn ich schwach bin; mach mich gesund, wenn ich krank bin. O treuer GOtt und Vater! ich ergebe mich dir ganz und gar, ach! laß meinen Ausund Eingang dir befohlen sein. O wie will ich dir danken, wie will ich dir lobsingen, daß du mir so wohl thust! Meine Zunge soll sagen: Das hat GOtt gethan; GOtt hat mich geſegnet, erhalten, begleitet, geführet, versorget, ja, ich will Jedermann erzählen, wie du als ein gnädiger Vater dich gegen mich erwiesen hast. Ach HErr, HErr! höre das Gebet der verlaſsenen Waisen, höre die Stimme deines Kindes: Du bist mein Vater in der heiligen Taufe geworden, in deine Arme haben mich meine Eltern nach meiner leiblichen Geburt geleget. Ach! du bist ein reicher und unsterb248 Der Betrübte klaget 2c. 249 licher Vater, ein weiser und liebreicher Vater, ach! darum sei deinem Kinde gnädig. Ich weiß, du kannst mir helfen und wirst mir helfen, ach HErr! so hilf mir um deiner Güte willen, daß ich einmal zu deinem Preissagen kann: Der HErr hat Großes an mir gethan, deß bin ich fröhlich. Weil du mein GOttu. Vater bist, Dein Kind wirst du verlassennicht, Du väterliches Herz! Ich bineinarmer Erdenkloß, Auf Erden weiß ich keinen Trost. Amen. Gefang. Mel. O GOtt, du frommer Gott. 1. Ihr Waisen weinet nicht, Wie, wollt ihr euch nicht fassen? Verlasset euch auf GOtt, Der wird euch nicht verlassen! Sind gleich die Eltern todt, So lebet dennoch GOtt, Dieweil GOtt aber lebt, So habt ihr feine Noth. 2. GOtt ist und bleibet stets Der Vater frommer Waisen, Der will sie insgesammt, Beschüßen, fleiden, speisen, Dem übergebet euch, Der nimmt sich euer an, Seht, GOtt ist euer Schuß Und euer Helfersmann. 3. GOtt ist ein reicher GOtt, Der wird euch schon versorgen Er kennet eure Noth, Die ihm ist unverborgen, Ob ihr schon wenig habt, Der Vorrath ist sehr klein, So wird GOtt euer GOtt Und treuer Pfleger sein. 4. Habt einen guten Muth, GOtt hat es ja verheißen, Daß er Verlassene Aus Trübsal wolle reißen; Das gehet euch auch an, Ihr werdet gar bald sehen, Das Wort wird auch an euch In die Erfüllung gehen. 5. Ja glaubet, bleibet fromm, Und geht auf GOttes Wegen, Erwartet mit Geduld Den euch verheiß'nen Segen, Und weichet nicht von GOtt, Vertraut ihm allezeit, So blühet euer Glück In Zeit und Ewigkeit. Der Betrübte klaget über die Schwachheit seines Glaubens. Aufmunterung. Das zerstoßene Rohr wird er nicht zerbrechen, und das glimmende Der Betrübte klaget Docht wird er nicht auslöschen. Jesaj. 42, v. 3. HErr! stärke uns den Glauben. Luc. 17, v. 5. 250 Ist etwas, das eine glaubige Seele schrecken kann, so ist's die Anfechtung, wenn sie sich einbildet, daß sie nicht recht bete, gar keinen Glauben habe, oder daß ihr Glaube kein wahrer lebendiger Glaube sei: daher denn der Zweifel entstehet, ob sie auch werde seligwerden. Solchen geängsteten Seelen dient zum Trost: 1) daß ein im Namen Jesu, auf sein Verdienſt u. Blut gesprochenes Gebet ein rechtes Gebet, und ein schwacher Glaube sowohl ein wahrer und seligmachender Glaube sei, als der starke: ein kleines Kind ist ja sowohl ein Mensch, als ein starker großer Mann. 2) Wenn man gerne glauben wollte, so ist das schon ein Glaube; weil dieses Verlangen eine Wirkung ist des heil. Geistes: ein Gottloser begehret nicht zu glauben. 3) Der schwache Glaube ergreifet JEsum, sein heiliges Verdienst und seine Wunden, wie der starke Glaube; wenn man einem Kinde und einem ſtarken Mann, jedem einen Goldgulden in die Hand giebt, so hat eines so viel als das andere. 4) Der Satan kann uns das Glaubenslicht nicht im Herzen auslöschen, weil er ja kein Licht bei Nacht auslöschen kann. 5) Ob die Glaubensfreudigkeit im Gebet zwar nicht allezeit empfunden wird, so ist doch der Glaube da, wie eine Kohle und Fünklein unter der Asche da ist, ob man es schonnicht siehet. 6) Die gewisse Probe, daß man den Glauben habe, ist der Kampf u. Haß wider dieSünde, daher auch die Früchte des Glaubens entstehen. Gal. 5, v.22.: Liebe, Demuth, Sanftmuth, Keuschheit, Hoffnung, Gottesfurcht; denn ſolche geängsteteSeelenfürchtensich, etwas Böseszuredenoder zu thun. Wodiese sich aber an einem Menschen findet, da ist der Glaube und heilige Geist, denn es sind nicht über die Schwachheit seines Glaubens. 251 Früchte des Fleisches, Gal. 5, v. 19., sondern des Glaubens und des heil. Geistes; denn der Glaube und heil. Geist sind unzertrennlich. 7) Gebet, Lesung in der heil. Schrift, Geduld, auf GOtt harren stärket den Glauben. 8) Der Glaube ist eine Gabe GOttes; GOtt wird aber nicht mehr von dir fordern, als er dir gegeben hat. 9) Christus ist auch für die Schwachglaubigen gestorben, und betet für sie, daß ihr Glaube nicht aufhöre. Und wenn du das schon nicht glauben kannst, so ist's doch wahr, weil es die heilige Schrift sagt. Gebet. Ach du gnadenreicher GOtt! ich weiß aus deinem heiligen Worte, daß der Glaube allein selig mache, und daß man ohne Glauben dir nicht gefallen möge. Weil ich doch aber dir gerne gefallen und selig werden wolle, so erschrecke ich über mich selbsten, wenn ich zuweilen so gar wenig Glauben in meinem Herzen finde. Darum zünde in meinem Geist an das Licht des wahren Glaubens, dadurch ich dich als den einigen wahren GOtt recht möge erkennen, wie du dich in deinem Wort geoffenbaret hast, und daß ich in deinem geoffenbarten Wort möge von Herzen glauben, und deine Verheißung von deiner Gnade und der Vergebung der Sünden, die mir durch JEsum erworben worden, mit festem Vertrauen und Zuversicht möge annehmen. Denn mich dünkt zuweilen, ich bete nicht recht, ich glaube Der Betrübte flaget gar nicht, oder ich werde doch nicht im Glauben bis an mein Ende verharren. Dieſes klage ich dir, mein GOtt! darum, weil ich weiß, daß alle gute Gaben und alle vollkommene Gaben von oben herab kommen. Weil denn nun der Glaube nicht Jedermanns Ding, sondern deine Gabe ist, ach! so bitte ich dich, stärke meinen schwachen Glauben; das schwache Rohr wirst du nicht zerbrechen, noch das glimmende Döchtlein auslöschen. Mein Gött! schreibe diesen Trost in mein Herz, daß ein auf das Verdienst, Blut und den Tod JEsu gegründetes Gebet ein wahres Gebet, und daß ein schwacher Glaube, der sich fest an dich, o dreieiniger GOtt! nemlich an dich, himmlischer Vater! als unsern Schöpfer! an dich, o JEsu! als unsern einigen Erlöser und Seligmacher; an dich, o heiliger Geist! als unsern Heiligmacher und Tröster hält, auch ein Glaube sei, der dir ge falle und auch selig mache. Gieb mir auch die Empfindung des Glaubens durch eine innerliche Freudigkeit im Gebet, durch einen kräftigen Trost und eine freudige Hoffnung zu schmecken, wenn es also dein heiliger Wille ist. Ach, mein JEsu! bitte auch für mich, wie du für Betrum gebeten hast, daß mein Glaube nicht aufhöre; versiegle 252 über die Schwachheit seines Glaubens. in mir den Trost, daß ich durch dein heiliges Blut erkauft und in der heiligen Taufe dein Kind geworden sei; daß mein schwaches Gebet GOtt gefalle um deiner heiligen Fürbitte willen, daß dein Blut mich auch angehe, und daß ich dadurch gerecht und selig werden soll. Und du, werther heiliger Geist! wirke in mir die wahren Früchte des Glaubens, treibe mich, heilige mich, regiere mich, ja, wohne in mir, und gieb das Zeugniß meinem Geist, daß ich wahrhaftig ein Kind GOttes sei. Gelobet sei dein heiliger Name, daß ich in mir einen Abschen, Sünde zu thun, finde, daß ich dawider seufze, und mit Gebet kämpfe: hingegen ein herzliches Verlangen habe, dir allein zu leben, zu dienen und zu gehorchen, woraus ich ersehe, daß du dennoch in mir wohnest. Mehre und erhalte in mir dieſe Glaubensfrüchte, und mache sie mir alle Tage süßer und erquickender; wirst du dieſes mir, o dreieiniger GOtt! verleihen, so will ich gerne mit meinem schwachen Glauben zufrieden sein. 253 O mein GOtt! vor den ich trete Jeßt in meiner großen Noth: Höre, wie ich sehnlich bete, Laß mich werden nicht zu Spott; Mach' zunicht des Teufels Wert, Meinen schwachen Glauben stärk, Daß ich nimmermehr verzage, Christum stets im Herzen trage. Amen. 254 Eine andere Klage über Anfechtung. Der Betrübte klaget über sündliche, böse und gotteslästerliche Gedanken. anitia ufmunterung. Des Satans Engel, der mich mit Fäusten schläget, dafür ich drei mal dem HErrn geflehet habe, daß er von mir wiche. Und er hat zu mir gesagt: Laß dir an meiner Gnade genügen, denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig. 2. Cor. 12, v. 7-9. Betrübt ist es, einen Kranken klagen zu hören über Schmerzen in allen Gliedern des Leibes, aber noch betrübter ist der Seelenzustand, wenn angefochtene Seelen klagen über fündliche, böse und gotteslästerliche Gedanken. Solchen betrübten Seelen aber dient zum Trost: 1) geistliche Anfechtungen: Traurigkeit, Schrecken und Seelenangst kommen von GOtt, als nach dessen Willen sie dieses leiden müssen; ohne GOttes Willen kann nicht ein Haar von ihrem Haupte fallen, wie viel weniger kann ihnen dergleichen Seelenangst widerfahren. 2) Fromme Christen und Kinder GOttes merken die bösen und abscheulichen Gedanken, und erschrecken darüber; die GOttlosen haben sie auch, und lachen darüber. 3) Daß aber die Frommen darüber erschrecken, ist ein Kennzeichen, daß sie GOtt herzlich lieben, in der Gnade GOttes und im Glauben stehen, und daher nicht leiden können, daß dergleichen böse Dinge in ihrem Herzen aufsteigen. 4) Dieser Schrecken u. dieſe Angst über diese lästerlichen Gedanken ist ein Zeichen, daß JEsus und der heilige Geist noch im Herzen wohnt: wäre Satan darinnen( wie die Angefochtenen meinen), so würden sie nicht darüber erschrecken. 5) Solche lästerliche Gedanken rechnet GOtt den frommen Seelen nicht zu, weil sie wider ihren Willen entstehen, weil sie darüber seufzen, weil Der Betrübte klaget über fündliche 2c. sie daran keinen Gefallen haben, weil sie einen Angstschweiß empfinden, wenn sie kommen, und weil sie ihnen widerstehen. 6) Anfechtung ist kein Kennzeichen des Zorns, sondern der Gnade GOttes; solche Seelen haben doch einen gnädigen GOtt, wie an Hiob zu sehen; GOtt ist nicht von ihnen gewichen; er ist noch im Herzen, aber er verbirgt sich vor ihnen. 7) Die Seele stehet im Leiden und nicht im Thun, wenn die Gedanken kommen, wie ein Haus, in das man Feuerfugeln wirft; darum soll er nur seinen Mund zuhalten, und die bösen Gedanken in Worten nicht ausreden, auch nicht Unverständigen erzählen, damit er nicht Jemand ärgere. 8) Er soll immer widersprechen und sagen: Es ist nicht wahr, ich bin nicht verdammt; Satan ist verdammt; ich bin erlöfet; das böse Wort ist nicht mein Wort; ich billige es nicht; weg aus meinem Herzen; ich bin GOttes, GOtt ist mein; wer ist, der uns scheide? 9) Durch lästerliche Gedanken soll man doch nicht sich vom Gebet und Lesen des Wortes GOttes abhalten lassen, sondern man soll vielmehr oft beten und lesen. 10) Weil solche Seelen sagen, sie wollen lieber auf Dornen gehen, am Leibe Schmerzen leiden, als solche Gedanken haben; ja, weil sie sich auch vor Sünden und bösen Werken hüten, so ist's ja eine unwidersprechliche Probe, daß der Glaube, JEsus, der heilige Geist, ja, die ganze heilige Dreieinigkeit noch im Herzen ist. 11) Können sie auch wegen der bösen Gedanken weder beten noch an GOtt denken, so ist ihre Klage schon ein Gebet und ihr Winseln nach GOtt eingewisses Zeichen der Gegenwart GOttes im Herzen; denn das Verlangen kommt von der einwohnenden Gnade; ja, sie beten durch ihr Winseln und Klagen am heftigsten, eifrigsten und 255 256 Der Betrübte flaget über fündliche z. träftigsten. 12) Ob sie sich gleich einbilden, sie erzürnen GOtt in allen Dingen, was sie thun, so nimmt es ihnen GOtt nicht übel auf; er siehet ihren Willen und ihr Verlangen an; sie meinen, fie seien die Allerentferntesten von GOtt, und sind ihm die Nächsten; sie meinen, sie seien die Bösesten, und sind die Treuesten; sie meinen, ſie seien die Verstoßensten, und sind GOtt die Liebsten. 13) Sie sollen geduldig ausharren, denn man hat kein Erempel, daß GÖtt solche Seelen habe verlassen, denn er erfreuet, erquicfet und tröſtet ſie wieder; doch muß hier die Zeit erwartet werden, wie man eine Krankheit muß austoben lassen, mit der Zeit wird es sich schon nach und nach verlieren, geringer werden und endlich nachlassen: so haben es bisher die Frommen erfahren. 14) Dieſe Anfechtungen machen den Menschen demüthig, andächtig, fromm, da er nicht leicht etwas Böses thun oder reden mag, ja, die Anfechtung wird das Herz von bösen Gewohnheiten und Unarten, von Laulichkeit im Gebet und Anhörung des göttlichen Worts reinigen; ist das nicht ein herrlicher Nußen? 15) Diese Gründe soll man einen nach dem andern betrachten, oder sich von Freunden GOttes weiter auslegen lassen, und dabei leibliche Arznei gebrauchen, fleißig arbeiten, mit christlichen Personen in die Luft, in Gärten oder auf's Feld gehen, nicht allein bleiben, sondern christliche Leute, Kinder oder Gesinde immer um sich haben, ausgenommen, wenn man beten will; mit den Gegenwärtigen Geſang anſtimmen, iſt auch erbaulich; man leſe auch fleißig das 8. Kapitel an die Römer, deßgleichen den 27. und 88. Pſalm. böse und gotteslästerliche Gedanken. Gebet. Ach, du heiliger GOtt! der du wohnestunter dem Lob Israel, und welche alle heil. Engel u. Auserwählten ohne Unterlaß loben und preisen, ich betrübte Seele klage dir von Grund des Herzens, wie ich an deinem Lob gewaltig verhindert werde durch die bösen u. lästerlichen Gedanken, welche in meinem Herzen so oft u. fast täglich aufsteigen. Du allwissender GOtt weißt ja wohl, daß sie mich wie fliegende Pfeile überfallen, daß sie mich quälen und ängsten; aber du weißest auch, daß ich darüber erschrecke u. bitterlich weine, wenn ich solche feurige Pfeile empfinden muß. Ach, mein GOtt! rechne mir doch nicht zu, was wider meinen Willen geschiehet; du siehest, wie ich kämpfe, wie ich ringe, wie ich dawider seufze, wie ich davor einen Abschen habe, und sie gerne aus dem Herzen vertreiben wollte. Ach Herr! laß deine Hand nicht schwer über mir werden, daß ich nicht vergehe. Ich will den Kelch gerne trinken, den du mir, o lieber Vater! eingeschenkt haſt. Laß es nur nicht einen Kelch des Zorns, sondern deiner Gnade sein. Ach! sei mir gnädig, denn ich bin schwach. O! wie erschrecke ich, wenn ich merke, daß das böse Stündlein angehen will. Ach! verstoße mich deßwegen nicht, weil ich's nicht ändern kann, sondern 17 257 258 Der Betrübte klaget über sündliche ich muß das leiden, aber deine Rechte, du Allerhöchster! kann alles ändern. Erquicke mich, du dreieiniger GOtt! und wenn das böse Stündlein und die Angst vorüber ist, so laß mich deine heilige Gegenwart und reichen Trost wieder empfinden; ja, gieb mir mitten in der Angst einen Trostspruch in mein Herz, daran ich mich halte, und damit ich mich aufrichte und ritterlich wehre. Soll mein Jammer lange währen, ach! so gieb mir auch große Geduld, viele Kräfte und Stärke. Laß meinen Glauben nicht aufhören, sondern gieb Zeugniß meinem Geist, daß ich dennoch dein Kind und dein Erbe des ewigen Lebens sei. Nun, mein GOtt! ich will auch diese Anfechtung gerne leiden, weil ich weiß, daß du sie mir nicht zu meinem Verderben, sondern zu meiner Erweckung in dem Guten, zu meiner Reinigung von Sünden, bösen Unarten u. weltlichen Gewohnheiten, und zur Heiligung meines Lebens zugeschickt hast; soll ich den Kelch nicht trinken, den mir mein Vater ge geben hat? kommt er doch von geliebten Händen! Dieses Feuer soll die bösen Lüste und den alten Menschen aus meinem Herzen ausbrennen, und es dir, o großer Gott! zu einem Tempel und zur Wohnung heiligen. Daher spreche ich auch mitten in mei böse und gotteslästerliche Gedanken. 259 ner Angst: Du bist doch mein Vater, mein Erretter, mein Helfer u. treuer Beistand. Ach! sende deines heiligen Geistes Kraft in mein Herz, der mir helfe kämpfen und überwinden. Du hast gesagt, es sollen nicht zu Schanden werden, die auf mich harren. HErr! auf dich traue ich, laß mich nimmermehr zu Schanden werden; errette mich durch deine Gerechtigkeit, eilend hilf mir. Sei mir ein starker Fels u. eine Burg, daß du mir hilfest, um deines Namens willen wollest du mich leiten und führen. Du hast gesagt, deine Gnade soll nicht von mir weichen, mir soll eine ewige Gnade aufgehen. Ach HErr! HErr! laß auch jetzt dieses Licht mir aufgehen, daß ich noch meine Lust an deiner Gnade sehe. Ach, mein Vater! laß deine Stunde kommen, da du die Seelenangst mir wieder abnehmeſt; stärke mich, hilf mir, bewahre mein Herz wie mit einer Mauer; umgieb es wie das Haus Hiobs, daß endlich die bösen Gedanten nicht mehr hinein kommen, ja, daß ich sie durch deine Kraft verachten lerne. Du getreuer GOtt! du wirst mich ja nicht laſſen versuchen über mein Vermögen; lindere meine Angst, so will ich es auch als eine Hülfe annehmen, bis du mich endlich zu seiner Zeit ganz davon befreien wirst. 17* 260 Klage wegen gotteslästerlichen Gedanken. JEsu! du Brunn aller Gnaden; Der du Niemanden vondirstößst, Der mit Schwachheit ist beladen, Sondern allen Troft einflößst: Sollt ihr Glaube noch so klein, Als ein kleinesSenfkorn sein, Wollst du sie doch würdig schäßen, Große Berge zu versehen. Laß mich Gnade vor dir finden, Der ich bin von Traurigkeit; Hilf du mir selbst überwinden, Sooft ich muß in den Streit; Meinen Glauben täglich mehr', Deines Getstes Schwert verehr', Damit ich den Feind kann schlagen, Alle Pfeile von mir jagen. Amen. Klage wegen gotteslästerlichen Gedanken. Gefang. Mel. O GOtt, du frommer GOtt. 1. Ich klage dir, o GOtt! Mit hochbetrübter Seelen, Wie scharfer Pfeile Sturm Mich so entsetzlich quälen; Ach, böse Lästerung, Gedanken wider dich Entstehen oft bei mir, Und dieses ängstet mich. 2. Ach! wo soll ich denn hin, Wem soll ich davon sagen? Ich traue Menschen nicht; Ach GOtt! dir will ich's klagen; Du kennst des Herzens Grund, Und weißt wohl meinen Sinn, Wie ich in solchem Sturm In lauter Jammer bin. 3. Ach, wär' ich doch, mein GOtt! Der Pfeile überhoben; Ich quäl' und mart're mich, Wenn sie so grauſam toben: Ach! wenn mein Herze nur An dich, mein GOtt! gedenkt, So wird's im Augenblick In Lästerung versenkt. 4. Es wird ein jedes Wort Im Herzen mir verkehret, Ja, man verdreht das Wort, So mir vielleicht entfähret; Ich höre and're Wort, Als ich im Herzen hab'. Und diese große Qual Frißt mir das Herz fast ab. 5. Ach! schaue meine Noth, Bald wird mich der ver dammen, Der selbst verdammet liegt, Mit Ketten in den Flammen; Bald kommt ein Feuerpfeil; GOtt wüßte nichts. von mir, Ich wäre, o mein GOtt! Gar weit entfernt von dir. 6. Ach ja, die Lästerung Mischt sich zu allen Dingen, In alles, was ich thu, In Lesen, Beten, Singen; Was ich zu deiner Ehr' Und Ruhm vollbringen soll, Das scheint, als macht ich es nur meines Unflaths voll. Gebet gegen lästerliche Gedanken. 261 7. Ich kann der Lästerwort Sogleich mich nicht entschlagen, Ich muß sie oft gar lang Ohn' meinen Willen tragen; Ach! rechne mir nicht zu Das, was ich leiden muß, Von dem ich widersprech, Ich leid es mit Verdruß. 8. Mein GOtt, dir ist bekannt, Wie heftig ich mich wehre, Wie ich mich bald zu dir, Bald zum Gebet hinkehre; Ich schreie tausendmal: Mein GOtt! ich mein's so nicht, Ich sage nicht, was mir Die Lästerung verspricht. Gebet gegen lästerliche Gedanken. Gefang. Mel. O GOtt, du frommer GOtt. 1. Jch liege hier vor dir Mit höchstbetrübtem Herzen, Ich klage dir, mein GOtt! Die großen Seelenschmerzen; Die Angst, die ich empfind' In mir ohn' Unterlaß, Macht meine Seele wund, Mein Auge thränennaß. 2. Ach GOtt! ich leide dieß Nach deinem Vaterswillen, Ich weiß, du kannst die Angst Zu seiner Zeit schon stillen. Ach! ich bin ja dein Kind, Ich bin dein Eigenthum; Du bist mein GOtt und HErr, Mein Freund, mein Trost und Ruhm. 3. Ach! die Anfechtung ist Ein Zeichen deiner Gnaden, Sie bessert Seel und Geist, Und bringet keinen Schaden, Sie reiniget das Herz Von Sünd' und Eitelkeit, Sie treibet mich zu GOtt Und wehrt der Sicherheit. 4. Gefällt es aber dir, Mein Herz ganz rein zu machen Durch ein so scharfes Feu'r, So fast ans Satans Rachen Wie schwarzer Dampf aufsteigt, So bleib ich doch bei dir, Ach! stehe mir nur bei, Und weiche nicht von mir. 5. Ach ja! ich merke wohl, Ich bin vielmehr im Leiden, Ich freibe nicht das Werk, Das ich gern wollte meiden; Ach! ich erschließe gern Des matten Herzens Haus, Und treib die Lästerung, Wenns' möglich gar hinaus. 6. Der Seufzer, der annoch In meiner Seele quillet, Der Streit, den ich empfind', Wird er schon nicht gestillet, Ja, der vielmehr anhält, Wenn sich der Sturm erhebt, Sieh, der versichert mich, Daß JEsus in mir lebt. 7. Und kommts zuweilen auch, Daß ich nicht mehr kann beten, und daß ich mich fast scheu', Vor dich, o GÖtt! zu 262 Trost gegen die lästerlichen Gedanken. treten, So weiß ich doch gewiß, Daß dieß mein Angstgeschrei, Vor deinem Gnadenthron Ein eifrig Beten sei. 8. Ach GOtt! die Noth ist groß, Doch dir nicht vorzuschreiben Die Zeit und Hülfesstund; So will ich gern noch bleiben In diesem Kampf und Sturm, Gieb mir nur Kraft dazu, Und schenk mir nach dem Kampf Die süße Seelenruh. 9. Will auch die Lästerung Zu keiner Zeit mein schonen, So willst du doch, o GOtt! In den Betrübten wohnen; Ach! wohn jetzt auch in mir, Und rufe mir auch zu: Sieh da, ich bin bei dir, Du Hochbetrübter du. 10. Laß meinen Glauben nicht, O Seelenfreund! aufhören, Ach! laß den Lästergeist Die Andacht nicht mehr stören; Zeig mir nach meiner Angst Dein gnädig Angesicht und nach der Finsterniß Ein herrlich Freudenlicht. 11. Ach! großer starker GOtt, Ach! stärke meinen Glauben, Damit der Satan nie Denselben könne rauben, Verfichere du mich, Du seist mein HErr und GOtt, Mein Bater, der mich liebt, Mein Helfer in der Noth. 12. Und weil du Niemand hast In Anfechtung ver Lassen So will ich deine Gnad Mit frohem Muth umfassen; Ach! sende mir doch bald Die rechte Hülfeszeit, Da sich in Trost und Freud Verkehrt die Traurigkeit. 13. Sieh an die Jammerklag, Die Thränen meiner Wangen; Ich schrei dir immer nach, Bis ich werd Hülf erlangen! Und schweigest du gleich still, So schrei ich doch zu dir, Und sprech ohn' Unterlaß: Mein GOtt, ach hilf du mir. 14. Mein GOtt! erbarme dich, Sieh an mein bittres Weinen; Ach! laß dein Gnadenlicht In meiner Seele schei nen; Ach GOtt! erquicke mich, Und gieb mir Freudigkeit, Ach! gieb mir Trost und Sieg, Nach diesem Kampf und Streit. Trost gegen die lästerlichen Gedanken. Gesang. In voriger Melodie. 1. Weichet, weichet nur von mir, Ihr fündlichen Ge danken, Ich bleibe GOtt getreu, Von dem will ich nicht wanken: Ich achte euer nicht und eure Lästerung, Ihr dienet mir vielmehr Zur Seelen- Reinigung. 2. GOtt rechnet mir nicht zu, Was gegen mich geschie het. Ja, was mein Will' nicht ist, Uud was mein Herze Trost gegen die lästerlichen Gedanken. 263 fliehet, Und davor Abscheu hat! GOtt kennet meinen Sinn, Daß ich nicht mehr im Thun, Vielmehr im Leiden bin. 3. Die große Lästerung Erweckt mir tausend Schmerzen, Ich seufz auch immerdar Mit hochbetrübtem Herzen; Doch sie ist außer mir In's Herz kommt sie ja nicht; Dawider streite ich, Daß mir der Schweiß ausbricht. 4. So lang durch GOttes Kraft Ich nur noch widerspreche, Und alle Lästerspiel Durch deinen Geist zerbreche, So schad't der Pfeil mir nicht; Mein JEsus ist doch mein, In ihm bin ich gerecht, In seinem Blute rein. 5. Zwar fühl ich öftermals, Wie Satans Engel schläget, Und giftig böse Wort Mir an mein Herze leget; Doch was kann ich dafür, Daß ich geschlagen werd', Weil ohne Schläg zu sein, Das matte Herz begehrt? 6. GOtt sieht den Jammer wohl, Mein Seufzen, Weinen, Schreien, Und wird zu seiner Zeit mich schon davon befreien; Weil ich vor solchen Wort Hab Schrecken, Furcht und Scheu, So schenkt mir GOtt die Huld Auf meine Buß und Reu. 7. Ja, tobet immerhin, Jhr lasterhaften Worte, Ja tobet wie ihr wollt, In mir an jedem Orte; GOtt ist dennoch mein Freund, Ich achte euer nicht. Mein JEsus ist mein Trost Und meiner Seelen Licht. 8. Ihr habet mich von ihm Bisher noch nicht vertrieben, Ihr könnet es auch nicht, Ihn will ich ewig lieben. Und weils mein Will' nicht ist, Daß ihr im Herzen seid, So bleib ich GOttes Kind In meinem Herzeleid. 9. Ach ja, ich werde schon Euch einst noch überwinden, Ich werde Ruh und Trost In JEsu Wunden finden; Ich sah den Himmel schon mit Freuden wieder an, Ich freue mich in GOtt, Wie ich vorhin gethan. Dritter Theil. Aufmunterungen, Gebete und Gesänge für Kranke. Morgen- Gebet eines Kranken. Aufmunterung. Ich will zu GOtt rufen, und der HErr wird mir helfen; des Abends, Morgens und Mittags will ich klagen und schreien, so wird er meine Stimme hören. Psalm 55, v. 17, 18. Obgleich GOtt einen Menschen lässet krank werden, so soll er darum doch nicht das Gebet einstellen, sondern desto eifriger beten, ja, je mehr die Krankheit zunimmt, desto inbrünstiger soll auch das Gebet werden, wie auch Christus that, wie Lucas bezeuget, c. 22, v. 44.: Und da er mit dem Tode rang, betete er heftiger! Hat nun GOtt Jemand auf das Krankenbett niedergeleget, so soll er 1) bei anbrechendem Tage sogleich sein Herz zu GOtt erheben, und ihn preisen für den in der vergangenen Nacht ihm geleisteten Schuß. Ist die Nacht betrübt u. unruhig gewesen, so soll er GOtt um Linderung anrufen; ist die Nacht aber ruhig und erträglich gewesen, soll er ihm dafür danken. 2) Hat er also sein Herz am Morgen zu GOttgerichtet, so soll er nun sein Gebet vor ihn bringen, und sich den Tag über in ſeinen Schuß u. seine Obhut empfehlen, fleißig an GOtt gedenken, geduldig leiden, was er ihm zuschicket. 3) Gr soll sich dabei erinnern, daß JEsus auch bei ihman ſeinem Krankenbette sei, ihn daselbst erquicke u. erhalte, 3. Theil. JEsus. Seele. Ich will dich nicht verlassen Nach die, HErr! verlanget noch von dir weichen. Jos. 1. 5. mich. Pf. 25, 1. Am Krankenbette steht, dein JEsus dich zu trösten, Das glaube, wenn die Noth, dir scheint am allergrößten. Morgen- Gebet eines Kranken. ja, daßerihnwolledalehrenu.unterrichten. Vielleicht ist der Krankeingesunden Tagen keinfleißiger Kirchengänger oder andächtiger Beter gewesen; diesen Fehler will ihm GOtt vorstellen, daß er nun desto andächtiger betenlerne, und sehe, wie es ihm an Trost u. Erbauung mangle, weil er in guten Tagen keinen Vorrath und guten Schazan Trostsprüchen und Gebeten gesammelt hat. Ist er aber ein Liebhaber GOttes u. seines Worts gewesen, so will ihm GOtt Anweisung geben durch die Krankheit, wie er nun das in die llebung bringen soll, was er von der Geduld, Vertrauen auf GOtt, Gelassenheit, Ergebung in den Willen GOttes gehöret hat. 267 Gebet. Odu heiliger, dreieiniger GOtt, Vater, Sohn und heiliger Geist! ich komme jetzt, da nun der Tag angebrochen, vor deinen allerheiligsten Thron, und danke dir, daß du mich diesen Tag haft wiederum erleben lassen. Du weißest, HErr! wie ich die Nacht auf meinem Krankenbette hingebracht habe; dennoch kann ich nicht genug deine Güte preisen, daß du das Licht der Sonne mich wiederum sehen u. alle Schmerzen u. Ungemach glücklich haft vorüber gehen lassen. O du GÖtt der Liebe! ich danke dir für deine Liebe; o du starker GOtt! ich danke dir für deinen Schuß u. Beistand; dein Auge hat mich die Nacht bewacht, deine Hand hat mich bedecket, deineGnade hat mich erhalten. O mein GOtt! die Sonne geht wieder auf, 268 Morgen- Gebet eines Kranken. ach! laß auch deine Gnade neu über mich aufgehen; gieb mit diesem Tag neue Kräfte, neue Gnade und neue Geduld, mein Leiden willig zu tragen. HErr, mein GOtt! es hat dir gefallen, mich auf dieses Krankenbett zu legen; wohlan! ich will darauf bleiben, so lang es dir gefällt, vielleicht willst du mich dadurch absondern von meinen gewohnten Sünden und meiner unordentlichen Arbeit, damit du allein mit mir reden, mich lehren u. unterweisen mögest, wie ich soll für meine Seele sorgen. Nun habe ich Zeit, mein bisher geführtes Leben zu untersuchen, ob ich dir gedienet, dich geehret, dir gehorcht habe, daß ich darüber mich betrübe, mich vor dir schäme, und wahre Buße thue, auch mit dir einen neuen Bund mache, und also schaffe mit Furcht u. Zittern selig zu werden. Gieb, daß ich, o JEsu! den ganzen Tag mögemein Herz bei dir haben, eifrig beten, an deine Wunden, dein Blut u. Tod denken, u. das wahre Heil u. das ewige Wohlsein meiner Seele betrachten. Gieb mir, mein GOtt! einen schönen Trostspruch nach dem andern in mein Herz, der deiner Vater- Liebe mich versichere, deine Gnade mir versiegle, und deiner baldigen Hülfe mich vergewissere. Bewahre mich heute vor geschwinden 3u fällen, neuen Schmerzen, betrübten Stunt Morgen- Gebet eines Kranken. 269 den und allerlei Leiden. Erquicke mich in meiner Mattigkeit; stärke mich durch deinen heiligen Geist in meiner Schwachheit: willst du aber an diesem Tage mich Schmerzen und Leiden lassen empfinden, so bleibe nur bei mir, und weiche nicht von mir. Hilf mir den Tag glücklich und selig vollenden, und alles mit Gelassenheit u. stillem Muth annehmen, was du mir auflegen wirst. Siehe, mein GOtt! hier bin ich, mache es mit mir, wie es dir wohlgefällt; du biſt mein Vater, ich bin dein Kind; du kannſt mein Leben mir erhalten und mich mit deiner Hülfe erfreuen. Ich will auf den Abend deine Güte rühmen, und deine Barmherzigkeit herzlich preisen für alles, was du an mir gethan hast. Meinen Leib und meine Seele Sammt den Sinnen und Verstand, Großer GOtt! ich dir befehle linter deine starke Hand. HErr, mein Schild, mein Ehr' undRuhm, Nimm mich auf, deinEigenthum. Deinen Engel zu mir sende, Der des bösen Feind es Macht, List und Anschläg von mir wende, Und mich hält in guter Acht, Der auch endlich mich zur Ruh Führe nach dem Himmel zu. Amen. Gesang. Mel. Freu dich sehr, o meine Seele. 1. Unter meinem Schmerz und Weinen, Nach zurückgelegter Nacht, Seh ich jetzt die Sonne scheinen, Welche alles fröhlich macht; Darum fang ich fröhlich an, So 270 Abend- Gebet eines Kranken. viel ich in Schwachheit kann. Diesen Tag mit Beten, Singen Und mit Andacht hinzubringen. 2. Daß ich mich jetzt krank befinde, HErr! das ist dein Will und Rath, Welcher mir als deinem Kinde, Dieses zugeschicket hat. Nun, ich nehm es gern auf mich, Ja, ich trag es williglich; Was du pflegest aufzulegen, Ist nicht ohne Gnad und Segen. 3. Dieser Tag ist angefangen, Weil mich deine Gnad erhält, Laß mich auch das End erlangen, Wenn es dir, mein GOtt! gefällt; Lindre meinen Schmerz und Noth, Ach, mein Vater, HErr und G6Ott! JEsu! meiner See len Sonne, Schenke mir heut Trost und Wonne. 4. Doch es soll dein Will geschehen, HErr! dein Wille nur allein; Wie du willst, so soll mir's gehen, So will ich zufrieden sein. Ich will leben, wenn's dein Will'. Auch im Leiden halt' ich still; Ich will mich zum Tod und Leben, Dir hiemit, mein GOtt! ergeben. 5. Segne alle Arzeneien, Stärke mich je mehr und mehr, Laß dieselben mir gedeihen, HErr! zu deines Namens Ehr'; Hör' in Gnaden mein Gebet, Wenn ich glaubig vor dich tret', Daß ich dich im Glauben faffe, Und mich fest auf dich verlasſe. 6. Endet heute sich mein Leiden, Daß mir's besser wieder werd': Soll ich von der Welt abscheiden, Der ich bin nur Staub und Erd'! HErr! das überlaß ich dir, Wie du willst, geschehe mir; Dein bin ich mit Leib und Seele, Du bist's, dem ich mich befehle. Abend: Gebet eines Kranken. Aufmunterung. Ich schreie mit meiner Stimme zu GOtt; zu GOtt schreie ich und er erhöret mich. In der Zeit meiner Noth suche ich den HErrn; meine Hand ist des Nachts ausgestrecket, und läßt nicht ab, denn meine Seele will sich nicht trösten lassen. Wenn ich betrübt bin, so denke ich an GOtt; wenn mein Herz in Aengsten ist, so rede ich. Psalm 77, v. 2-4. Wenn der Mensch die tausendfältigen Zufälle er wäget, welche ihm sowohl bei Tag, als bei Nacht begegnen können; so soll er ja wohl niemals auf stehen, oder schlafen gehen, er habe sich denn mit Leib und Seele dem mächtigen Schuß des gnädi Abend- Gebet eines Kranken. 271 gen GOttes befohlen. Sonderlich soll dieß ein Kranker thun. Hat ihm GOtt auf seinem Krankenbette einen Tag herumgeholfen, so soll er 1) GOtt für seinen gnädigen Beistand danken; hat GOtt die Arznei gesegnet, hat er das Ungemach den Tag über leidlich gemacht, so soll er ihn dafür herzlich preisen; dabei soll er auch um Verzeihung bitten, wenn er mit Murren und Ungeduld sich an GOtt verfündiget hat. Kommt nun die Nacht herbei, davor sich Kranke sonderlich zu fürchten pflegen, so soll er 2) wiederum mit Gebet sich zu GOtt nahen, und ihn anflehen, er wolle alles Unglück, alle gefährlichen Zufälle u. Schmerzen in Gnaden von ihm abwenden. Hat er sich also mit Leib und Seele GOtt befohlen, so zweifle er nicht: 3) der dreieinige GOtt werde auch des Nachts sein Licht u. seine Lebenskraft sein; er werde an seinem Bette stehen, sein pflegen und hüten; er werde um JEsu Blutes und Todes willen ihm seine Sünden vergeben und gnädig sein; sollte ihm auch in der Nacht das Todes Stündlein bescheeret sein, so wird der dreieinige GOtt alsdann mit seiner Gnadengegenwart ihn umfassen, und seine Seele durch die heiligen Engel in den Himmel lassen begleiten. Mit solchen guten Gedanken soll sich der Kranke ganz und gar der göttlichen Weisheit, Liebe und Gnade übergeben. Gebet. Ach, du barmherziger GOtt! ich habe nun wiederum einen Tag überlebet; HErr! HErr! du hast nach deiner Güte bis auf dieſe Stunde mir mein Leben gefristet, dafür sei deiner Vater- Treue herzlich Lob 272 Abend- Gebet eines Kranken. und Dank gesagt. Sonderlich preise ich deinen Namen, daß du diesen Tag meine Schmerzen und Krankheit mir hast tragen helfen. Ach HErr! du legest eine Last auf, aber du hilfest sie auch tragen: wir haben einen GOtt, der da hilft, und einen HErrn, HErrn, der vom Tode errettet. Der HErr betrübet wohl, aber er erbarmet sich wie der nach seiner großen Güte. Der HErr ist gnädig, gütig und freundlich allen denen, die ihn anrufen. Er höret das Schreien der Elenden, und weigert nicht, was ihr Mund bittet. Ach, großer GOtt! die Nacht bricht herein, und es will Abend werden, darum wende ich mich zu dir mit meinem Gebet, und spreche: Mein Vater, ach! bleibe bei mir, und weiche diese Nacht nicht von mir. Ja, befiehl deinem Engel, daß er komm, und uns bewach, dein Eigenthum, gieb uns die lieben Wächter zu, daß wir vor'm Satan haben Ruh; so schlafen wir im Namen dein, dieweil die Engel bei uns sein; o heilige Dreieinigkeit! wir loben dich in Ewigkeit. Wende diese Nacht von mir ab alle gefährlichen und plößlichen Zu fälle; lindere meine Schmerzen; bewahre mich vor Schrecken, Angst und Unglück. Ach, himmlischer Vater! bleibe doch bei deinem kranken Kinde; denn wenn du mit Abend- Gebet eines Kranken. 273 deiner Gnaden- Gegenwart bei mir bist, ſo fürchte ich mir nicht. Der HErr ist mein Licht und mein Heil, vor wen sollte ich mich fürchten? Der HErr ist meines Lebens Kraft, vor wem sollte mir grauen? OJEsu! die Sonne gehet unter, u. weichet von uns; aber, o du Sonne der Gerechtigkeit! weiche nicht von mir. Omein JEsu! fasse mich dieſe Nacht in deine Arme; deine Linke liegt unter meinem Haupte, u. deine Rechte decke mich. Gieb, daß ich mit dir einschlafe u. im Schlafe an deinem vergossenen Blut mich ergöße, deiner Wunden mich erfreue, u. darin Trost, Vergebung der Sünden u. Erquickung für meine Seele finde. O du werther heiliger Geist! es gehet Jedermann pon mir, außer wenigen; aber ach! du Tröster der Betrübten und Beistand der Elenden, bleibe bei mir, stärke mich, erhalte mich in wahrem Glanbenu. christlicher Geduld; oduheilige Dreieinigkeit! nimm mich auf in deinen Schuß. Der HErr segne mich, und behüte mich, der HErr lasse sein Angesicht leuchten über mich, und sei mir gnädig; der HErr erhebe ſein Angesicht auf mich, und gebe mir Frieden. Soll diese Nacht die leßte sein In dieſem Jammerthal, So führ' mich, HErr! zum Himmel eiu, In deinen Freuden- Saal. Und also leb' und sterb' ich dir, O starker Zebaoth! Im Tod 18 274 Abend- Gebet eines Kranken. und Leben hilf du mir Aus aller Angst und Noth. Amen. Gesang. Mel. Wer nur den lieben GOtt läßt walten. 1. Ich will mich nach der Ruh umsehen, Weil mich die Krankheit müd gemacht; Ich will mit JEsu schlafen gehen, Der selbst bei allen Kranken wacht, Ich denk dabei an meinen GOtt, Ja, auch zugleich an meinen Tod. 2. Das Bett ist gleich dem stillen Grabe, Mein Bett und Grab liegt mir im Sinn; Doch wenn ich JEsum bei mir habe, Wenn ich mit ihm vereinigt bin, So schlaf ich aller Sorgen los, Und ruhe sanft in seinem Schoos. 3. Wenn ich mich deck, denk ich, die Erde Wird einstens also decken mich, Wenn ich darein geleget werde, Allein hab' ich, o JEsu! dich; So ruh ich wohl in meinem Bett Und auch wohl in der Grabesstätt'. 4. Ich denk, wenn ich das Licht austhue, Weil man des Nachts nicht hat zu seh'n, So wird auch, wenn ich komm zur Ruhe, Mein Lebenslicht geschwind ausgeh'n; Doch JEsus, meiner Seelen Licht, Verlischt in meinem Herzen nicht. 5. Ich denke, wenn ich mich entkleide, So kleidet man mich einstens aus, Wenn ich von dieser Welt abscheide, Und gehe in des Grabes Haus; Fahrt hin, ihr Kleider, fahrt nur hin, Weil ich in GOtt gekleidet bin. 6. Pflegt man die Kammer zuzuschließen, Und zu verriegeln Haus und Thür, Damit ich mög' der Ruh genie ßen, Und mich kein frecher Feind berühr: So schließt mein Auge zu der Ruh Mein liebster JEsu selbsten zu. 7. Ich werd' auch aus dem Bett aufstehen, Wenn nun die Morgenröth anbricht, und freudig aus dem Grabe gehen, Wenn JEsus, meiner Seelen Licht, Mich aufer weckt zur Herrlichkeit, Und führet mich zur Himmelsfreud. 8. Dieß sind die seligen Gedanken, Sieh', damit schlaf ich fröhlich ein, Mein Herz soll nicht von JEsu wanken, Ich will im Schlaf auch bei ihm sein? O süßer Schlaf! o helle Nacht! Da JEsus in dem Herzen wacht. 275 Der Kranke bittet GOtt um Geduld. Aufmunterung. Was betrübst du dich, meine Seele, jund bist so unruhig in mir? Harre auf GOtt, denn ich werde ihm noch danken, daß er meis nes Angesichts Hülfe und mein GOtt ist. Ps. 43, v. 5. Geduld ist euch noth, daß ihr den Willen GOttes thut und die Verheißung empfahet. So sagt Paulus, Hebr. 10, v. 36: Und gewiß, wer GOttes Willen vollbringen will, der muß nicht widerspenstig, eigenwillig, sondern geduldig u. gelassen sein. Zur Geduld aber soll besonders einen Kranken bewegen: 1) Christi Erempel, welcher unter den größten Schmerzen seinen Mund nicht aufthat, sondern war wie ein Lamm; wenn wir daher ihm wollen gleich werden in der Herrlichkeit, so sollen wir auch, wie er, geduldig leiden. 2) Der Kranke soll gedenken, daß ihm diese Krankheit nach GOttes Willen zugeschicket sei; denn kann kein Sperling auf die Erde, ja, kein Haar von unserm Haupte fallen ohne GOttes Willen, wie viel weniger kann uns eine solche schwere Last und Krankheit aufgelegt werden ohne GOtt? Zur Geduld soll ihn 3) bewegen die göttliche Liebe u. Allmacht, was GOtt aufleget, das kann er auch wieder abnehmen; wenn er ein Wort spricht, so werden die Kranken wieder gesund. 4) Soll der Kranke erwägen, daß er mit seinen Sünden viel schwerere Plagenu.größereSchmerzenverdienet hätte; darum ſoll er anstatt der Ungeduld vielmehr in wahrer Buße u. Glauben sich vor GOtt demüthigen, u. ihn um Gnade anflehen. 5) Soll der Kranke bedenken: Ungeduld macht das Kreuznicht leichter, sondern schwerer; ja, GOtt hat verheißen, er wolleunser Kreuz uns tragen helfen, das er uns auferlegt: aber diellingeduldzu tragen, hater uns nicht verheißen, weil sie nicht von ihm, sondern von uns kommt. 18* Der Kranke bittet GDtt um Geduld. Gebet. Barmherziger GOtt, gnadiger Vater! fiehe, ich armer Mensch liege hier auf meinem Krankenbette, und kann nicht auskommen! aber zu dir komme ich, und trete vor deinen erhabenen Thron. Ach! es hat dir gefallen, mit diesem Leiden mich väterlich zu belegen, und anstatt der bisher genossenen Gesundheit mir dieſe Krankheit zuzuschicken. Nun, mein GOtt ut. Vater! es geschehe dein Wille, gieb mir Geduld, daß ich alles tragen möge ohne Murren u. ohne Widersprechen. GOtt hat mich in guten Tagen oft ergößt, sollt ich jetzt nicht auch etwas tragen? Fromm ist GOtt und schärft mit Maaßen, sein Gericht kann mich nicht, ganz u. gar verlassen. Hab ich Gutes von dir empfangen; hast du mich in gesunden Tagen oft erquicket u. erfreuet, so will ich auch diese Krankheits- u. Leidenstage durch deine Kraft mit Geduld annehmen, und mich in Demuth erinnern, wie ich viele gute und gesunde Stunden in meinem Leben genossen, dagegen diese wenige Lei densstunden wie nichts u. wenig zu rechnen sind. Ich weiß, mein GOtt! daß du liebreich u. gnädig bist, darum wirst du mir auch nicht mehr auflegen, als ich ertragen kann. Ich halte mich an dein Wort, das da spricht: Gott ist getreu, der euch nicht lässet versu276 Der Kranke bittet GOtt um Geduld. chen über euer Vermögen, sondern macht, daß die Versuchung so ein Ende gewinne, daß ihr's ertragen könnet. Mein Gott! dut weißt auch wohl mein Vermögen u. meine Schwachheit, daher wirst du mein Leiden nach meinen Kräften schon einrichten. Siehe an dein schwaches und krankes Kind, und handle mit mir nach deiner Vaterliebe. Ich weigere mich nicht, zu leiden, weil ich weiß, daß du es nicht böse mit mir meinest, weil das Leiden mir soll zu meiner Heiligung dienen. Mein GOtt! hier bin ich, mach's mit mir, wie du willst; gieb mir deinen heiligen Rath recht zu erkennen, daß diese Krankheit ſoll ein Feuer sein, welches die Unreinigkeit, die ich noch an meiner Seele habe, verzehren u. wegnehmen u. mich reinigen soll; wie es soll sein eine Bußglocke, die mich aufwecke, an meine Sünden zu denken, um dieselben herzlich zu bereuen; eine Betglocke, daß ich um JEfu willen, um seines Blutes und Todes willen die Vergebung aller meiner lebertretungen suche; ja, eine Stimme, die mir zurufe: Bestelle dein Haus; gedenke an deinen Tod und an dein Grab; bereite dich zur Ewigkeit. Wohlan! so mache mich fertig u. bereit, wie du mich haben willst dort in der Ewigkeit; denn ich weiß, daß auf das zeitliche Leiden eine ewige u. über alle Maaßen wich277 278 Der Kranke bittet GOtt um Geduld. tige Herrlichkeit folgen soll. Darum ſei still, meine Seele, was betrübest du dich, und bist so unruhig in mir? Harre auf GOtt, ja, harre auf GOtt, denn ich werde ihm es noch danken, daß er meines Angesichts Hülfe und mein GOtt ist. Was willst du dich betrüben, O meine liebe Seel! Du sollst den einzig lieben, Der heißt Immanuel; Vertraue ihm allein, Er wird gut alles machen, Und fördern deine Sachen, Wie dir's wird selig sein. Denn GOtt verlässet keinen, Der sich auf ihn verläßt, Er bleibt getren den Seinen, Die ihm vertrauen fest; Scheint dir's auch wunderlich, Laß du dir gar nicht grauen, Mit Freuden wirst du schauen, Wie GOtt wird retten dich. Amen. Gesang. Mel. Zion klagt mit Angst und Schmerzen 2c. Seele. 1. Ach! wie lang soll ich noch kämpfen? Ach! wie lange währt der Streit? Wer will doch die Feinde dämpfen? Ach! wann bricht doch an die Zeit, Daß ich nach dem Streit und Krieg Trage davon Krón und Sieg? Ach! ich werde unterliegen, Ach! ich werde doch nicht siegen. GOtt. 2. Kämpfe nur getrost, o Seele! Kämpfe, ich will bei dir sein, Fürchte dich nicht, daß dir's fehle, Du bist nicht im Kampf allein; Ich bin allezeit bei dir, Halte du dich nur zu mir, Du sollst meine Hülf' empfinden, Du sollst herrlich überwinden. Seele. 3. Aber ach! es währt zu lange, Meine Kräfte sind dahin; Ach! es wird mir angst und bange, Weil ich so entkräftet bin; Mein Leib ist von Schmerzen schwach, Mein Mund schreiet Weh und Ach! Herz und Mund kann nicht mehr beten Ach! wer will mich doch erretten? Der Kranke bittet GOtt um Geduld. 279 GOtt. 4. Weißt du nicht, daß ich den Schwachen, Welchem aller Trost entgeht, Kann gar leichtlich stärker machen, Ob er gleich entkräftet steht? Nun wohlan! ich stärke dich, Helfe dir auch gnädiglich; Siehe, du sollst herrlich siegen, Und mit Nichten unterliegen. Seele. 5. Ach! mein Leiden, das ich trage, Ist sehr groß und allzuschwer, Meine Trübsal, Angst und Plage Häuft sich immer mehr und mehr; Auch Anfechtung stellt sich ein, Und der Glaube wird gar klein; Wer will meine Noth aussprechen? Ach! das Rohr wird gar zerbrechen. GOtt. 6. Sei getrost in deinem Glauben, Dessen Docht erlöschet nicht! Kein Feind soll denselben rauben, Denk nicht, daß das Rohr zerbricht; Wäre es auch noch so schwach, Sieh' ich führe deine Sach', Ich will deinen Feind vertreiben, Und dir soll der Sieg verbleiben. L Seele. 7. O mein GOtt! in deiner Stärke Hab' ich einen guten Muth, Ich kenn' deiner Allmacht Werke, Wie dieselbe Wunder thut: Nun wohlan! so steh' mir bei, Daß ich überzeuget sei, Daß du werdest mich erretten, Und auf meine Seite treten. GOtt. 8. Sieh' die Kron ist aufgestecket, Eil, vollende deinen Lauf, Meine Hand ist ausgestrecket, Sieh', der Himmel steht dir auf; Wonne, Sonne, Trost und Freud' In der frohen Ewigkeit, Weiße Kleider, Licht und Krone Wird dem Kämpfer dort zum Lohne. GOtt und Seele. 9. S. Nunmehr hab ich überwunden, Alle Noth mit meinem GOtt. G. Und ich bleib mit dir verbunden In und nach der Todesnoth. S. Und wo führest du mich hin, Wenn ich nun gestorben bin? G. In den Himmel zu der Wonne, Wo ich selbsten bin die Sonne. 230 Der Kranke bittet um GOttes Beiſtand. Aufmunterung. Siehe, GOtt stehet mir bei, der HErr erhält meine Seele. Pf. 54, 9. In Leiden und Unglücksfällen einen guten Freund und Beistand haben, ist gar ein großer Trost. Ob es mun gleich geschehen kann, daß ein Elender, Fremder oder Armer keinen Freund und Beistand hat, der zu ihm spreche: wie geht dir's? so wissen wir Christen doch gewiß, daß GOtt wird aller Elenden Beistand sein. Denn 1) hat GOtt allen seinen Kindern Hilfe und Gnade verheißen, darum soll ein Kranker nicht verzagen, wenn er siehet, daß ihn Jedermann verläßt, daß Niemand sich seiner annimmt, und fest glauben, GOtt werde ihn nicht verlassen, und zu rechter Zeit ihm Hilfe und Rettung leiſten. Hat 2) auch ein Kranker gute Freunde und Mittel, damit er sich helfen kann, und will doch nichts anschlagen, so soll er deßwegen nicht kleinmüthig werden, oder an der göttlichen VerheiBung zweifeln, sondern gewiß sein, GOtt werde in allenbetrübten Trauerstundenmit seinem Beistand nahe bei ihm sein. 3) Dieser Beistand wird geſpüret entweder in der Erhaltung des Kranken, oder in der Linderung der Schmerzen, oder wenn ihm GOtt Kräfte giebt, auch das schwerste Leiden auszustehen. Ja, GOtt ist getreu, er ist oft nahe bei uns, wenn wir meinen, er sei weit von uns entfernt. Gebet. O du treuer GOtt! du siehest, wie ich jetzt in einem elenden u. betrübten Stande mich befinde; meine Kräfte nehmen ab; meine Gestalt verschwindet, und des Kreuzes Last Der Kranke bittet um GOttes Beistand. 281 drücket mich immer heftiger. HErr, HErr, GOtt! der du hörest mein Flehen, und dem mein Leiden nicht unbewußt ist, ich bitte dich herzlich, bleibe doch bei mir, und verlaß mich nicht; ich halte dir vor deine Verheißung, daß du mich versicherst: Fürchte dich nicht, ich bin bei dir; weiche nicht, ich bin dein GOtt; ich stärke dich, und erhalte dich; ich helfe dir auch durch die rechte Hand meiner Gerechtigkeit; und wiederum: Ich will dich nicht verlassen, noch versäumen. Nun, mein GOtt! auf dieß dein Wort verlasse ich mich. Dein Beistand ist mir höchst nöthig: ich kann das Leiden nicht tragen, wenn du nicht bei mir bleibest und es mir tragen hilfest; die Krankheit wird mich bald ersticken u. erdrüken, wenn mich deine Hand nicht erhält. Gedenke, daß ich aus Erdegemacht bin. Ach! wie bald ist diese irdische Hülle meines Leibes zerbrochen; wie bald versinke ich; wie bald ist mein Leben dahin; wie bald ist es um mich gethan, wenn du durch deine göttliche Macht u. durch deine Vaterhand mich nicht hältst, und nach deiner Barmherzigkeit u. gnädigen Verheißung mir beistehst. Dein Beistand ist mir sehr tröstlich; denn bist du, mein GOtt! beimir, so fürchte ich mich nicht. Ist mir's tröstlich, wenn meiner guten Freunde etliche sowohl des Tages um mich Der Kranke bittet um GOttes Beistand. stehen, als auch des Nachts bei mir wachen, o wie viel tröstlicher ist mir's, wenn du, mein GOtt! bei mir bist. Menschen können mich wohl bedauernu. beklagen, aber wenn du bei mir bist, so habe ich den besten Helfer, Erretter u. Arzt bei mir. Deine allerheiligste Gegenwart wird mich erquicken u. erhalten, meine Schmerzen lindern und meine Angst stillen. Darum verlaß mich nicht, und thue nicht von mir die Handab, GOtt, mein Heil! Weichet eine liebreiche Mutter nicht von ihrem kranken Kinde, so wirst du, mein GOtt! auch nicht von mir weichen; laß mich deine gnädige Gegenwart empfinden durch eine innere Freude; durch einen kräftigen Trost spruch und süße Gedanken, und tröste mich also in meinem Leiden, wie einen seine Mutter tröstet. Ach, mein GOtt! stärke meinen Glauben, erhalte meine Kräfte, hilf mir kämpfen, hilf mir siegen und überwinden; durch deinen Beistand werde ich stark, wenn ich schwach bin; ich vermag alles durch den, der mich mächtig macht, Christus. Herzlich lieb hab ich dich, o HErr! Ich bitt, du wollest sein von mir nicht fern Mit deiner Hülf und Gnaden; Die ganze Welt erfreut mich nicht, Nach Himmel und Erden frag ich nicht, Wenn ich nur dich kann haben: Und wenn mir gleich mein Herz zerbricht, So bist du doch mein' Zuversicht, Mein Theil und meines Herzens Trost, 282 Der Kranke erkennet, daß er ein Mensch 2c. 283 Der mich durch sein Blut hat erlös't, HErr JEsu Christ, mein GOtt und HErr! In Schanden laß mich nimmermehr. Amen. Gesang. Mel. D GOtt, du frommer GOtt 2c. 1. Mein GOtt! verlaß mich nicht, So will ich eifrig flehen, Bis ich von meinem Kreuz, Mich werd' errettet sehen; Ich kenn mein Vaterherz, Wenn der Betrübte schreit, So bleibest du von ihm, Mit deiner Hülf nicht weit. 2. Mein GOtt! verlaß mich nicht, Ohn' dich bin ich verlassen, Und weiß auf dieser Erd' Sonst keinen Trost zu fassen; Ach! wende doch zu mir Dein süßes Gnadenlicht, Ach! eile doch herbei, Du meine Zuversicht. 3. Mein GOtt! verlaß mich nicht In diesen meinen Nöthen, Du wirst, mein Helfer! nicht Mich in demselben tödten; Die Noth ist jego groß, Erbarmer komm herbei, Und mach' in Gnaden mich Von dieſen Banden frei. 4. Mein GOtt! verlaß mich nicht In diesen großen Schmerzen, Ich schrei, mein GOtt! zu dir Aus fast zerbroch'nem Herzen; Du weißt und siehest wohl, Wie wehe mir jetzt ist, und ich weiß auch gar wohl, Daß du mein Helfer bist. 5. Mein GOtt! verlaß mich nicht, Ach! hilf mir überwinden, Und laß, mein Vater! doch Mich deine Hand empfinden. Erscheine mir, mein Heil! So schreiet Herz und Mund; Ach! eile doch herbei Mit deiner Hülfes- Stund. 6. Ich will für diese Gnade Dich, weil ich lebe, preiz sen, Und dankbar allezeit Mich gegen dich erweisen Mit Ruhm und Lobgesang, Und sagen Jedermann: Ach preiset GOtt mit mir, Der mir viel Guts gethan. Der Kranke erkennet, daß er ein Mensch und sterblich sei. Aufmunterung. Der Mensch vom Weibe geboren, lebt kurze Zeit, und ist voll Unruhe; gehet auf wie eine Blume, und fället ab, fleucht wie ein Schatten, und bleibet nicht. Hiob 14, v. 1. 2. Obgleich alle Menschen sterblich sind, auch alle Tage Menschen sterben und begraben werden, so Der Kranke erkennet, daß er gedenken doch die allerwenigsten an ihre Sterblichfeit, sonderlich wenn sie gesund sind, und wenn es ihnen wohlergehet. Darum muß sie GOtt bisweilen an ihre Sterblichkeit erinnern, welches geschiehet durch Krankheit: denn wenn er die Gesunden lässet schwach, die schönen Rosen welk, die Riesen durch Krankheit matt werden, da merken sie erst ihre Vergänglichkeit. Rechtschaffene Christen sollen deßhalben 1) alle Tage an ihre Sterblichkeit gedenken und sich derselben erinnern, wenn sie ihre Kleider austhun, und ihr Schlaf- Geräth anlegen, und alsdann in ihrem Herzen denken: So werde ich nach meinem Tode auch entkleidet, und mit meinem Todten- Gewand umhüllet werden. 2) Läßt GOH aber einen Menschen krank werden, so soll man wiederum sich seinen bevorstehenden Tod vorstellen. Es ist ein Betrug des Satans, daß man meinet, wenn man an den Tod nicht dächte, so stürbe man nicht: denn man mag daran denken, oder nicht, so konimt unser Ende, wenn es GOtt gefällt; wer sich aber zum seligen Tode bereitet, der stirbt desto seliger. 3) Es soll sich der Mensch auch seiner Sterblichkeit erinnern, wenn er an seine verstorbenen Vorfahrenu. Freunde gedenkt, und glauben, die Reihe werde ihn auch einmal treffen. Darum 4) seligist, wer in Betrachtung der Sterblichkeit im Glauben JEsum Christum ergreift, und in einem christlichen u. frommen Leben verharret bis in den Tod: der wird, wenn er stirbt, nicht sterben, sondern um JEsu willen zur Seelen Seligkeit eingehen. 284 Gebet. Mein GOtt! es hat dir nach deinem heiligen Rath und Willen gefallen, mich auf dieses Krankenbett zu legen, und dadurch ein Mensch und sterblich sei. nicht allein mich von meinen Geschäften, von meinen Sünden und sündlichen Gewohnheiten abzusondern und zur wahren Buße aufzumuntern, sondern mich auch an meinen Tod zu erinnern, daß ich ein sterblicher Mensch sei. Siehe, meine Tage sind einer Hand breit bei dir, und mein Leben ist wie nichts vor dir; ach, wie gar nichts sind alle Menschen, die doch so sicher leben. Mein GOtt! sind Krankheiten Vorboten des Todes, so erinnere mich gar wohl, daß ich ein Mensch und sterblich bin. Ich bin Erde und muß wieder zur Erde werden. Darum sehe ich mein offenes Grab als einen Schooß der Mutter an, die meinen Leib in demselben sanft ausruhen und schlafen lassen will. Ich weiß auch, daß dem Menschen gesetzt ist, einmal zu sterben, darnach das Gericht, deßhalben ich auch oft in gesunden Tagen gebetet habe. Ach HErr! lehre mich doch, daß es eint Ende mit mir haben muß, und mein Leben ein Ziel hat und ich davon muß. Ich weiß auch, daß ich alles muß verlassen, mein Hab, Gut, Ehre, Glück und was ich in der Welt besitze. Ich habe hier keine bleibende Stätte, sonders die zukünftige suche ich. Willst du durch diese Krankheit mich min an mein Ende erinnern, wie den 285 Der Krante erkennet, König Hiskias, willst du mir dabei wie ihm zurufen: Bestelle dein Haus, denn du mußt ſterben und nicht lebendig bleiben; ſo verleihe, daß ich freudig an meine Sterb lichkeit und an mein Ende denke, daß ich mir vorſtelle: Siehe da, dieſes iſt vielleicht mein letztes Lager und mein letztes Jahr; dieſe Krankheit zeigt vielleicht an, daß die Lebenstage, die auf dein Buch geschrieben, nun verflossen sind, damit ich mich möge mit Gebet, mit Buße und Glauben, mit wahrer Unterſuchung meines bisher ge führten Lebens zum seligen Sterben berei ten. Ja, stelle mir vor, mein GOtt! daß ich deßwegen nicht sterben muß, wenn ich mich schon zum seligen Sterben schicke, sondern daß ich dadurch von der Welt und Sünden abgezogen, und mein Leben, Geiſt und Seele dir geheiliget werde; ja, daß du eben deßwegen mir die Krankheit zuge schickt habeſt, daß ich mich also prüfen, untersuchen, bekehren, bereiten, der Welt absterben und in dir leben soll. Siehe, mein GOtt! hier bin ich, nimm meine Seele hin, aber bereite mich zuvor recht in der Zeit, daß, wenn ich sterbe, ich möge in deiner Gnade stehen und selig sterben. Ich hab' mein' Sach' GOtt heimgeſtellt, Er mach' mit mir, wie's ihm gefällt, Soll ich all286 daß er ein Mensch und sterblich sei. 287 hier nicht länger leben, Ich will nicht widerstreben, und seinem Willen mich ergeben. Mein' Zeit und Stund ist, wann GOtt will, Ich schreib ihm nicht vor Maaß noch Ziel, Und seinem Willen nur allein, Ohn' Heuchelschein, Will ich stets treu ergeben sein. Amen. Gesang. Mel. O GOtt, du frommer GOtt. 1. Wie sind wir so gar nichts! Wer dieses wird betrachten, Der wird nur GOtt allein, Der alles ist, hoch achten: Denn wir sind lauter Nichts, Beleucht't in GOttes Licht, Der ist es, der mit mir Demüthig also spricht. 2. Ich bin nichts, denn von GOtt Empfieng ich Leib und Leben, Das hat er mir, und nicht Ich selber mir gegeben; Vorhero war ich nichts, Bis jene Schöpfershand Mich machte, da ich ward Den Menschen erst bekannt. 3. Ich habe nichts von mir; Denn nackend bin ich kommen, Wie konnte aus dem nichts Was werden mitgenommen? Von GOtt kommt alles her, Es ist auch alles sein, Ich hab' nichts ohne GOtt, Dhn' ihn ist gar nichts mein. 4. Ich weiß nichts von mir selbst; Von GOtt ist mir entzündet Des wahren Glaubens Licht Und bleibt auf ihn gegründet! Entzieht er mir sein Licht Und seiner Weisheit Schein, So muß ich ohne Licht und ohne Weisheit sein. 5. Ich kann nichts von mir selbst; Von GOtt hab' ich die Kräfte, Er giebt mir Muth und Stärk', Erhält die Lebenssäfte, Durch ihn kann ich allein Mich regen, hören, seh'n, Träg mich nicht seine Hand, So würd ich bald vergeh'n. 6. So bin ich ja gar nichts, Doch das soll mich fromm machen, Ich will die stolze Welt In ihrem Nichts verlachen, Die sich gar viel einbild't Und auf ein Nichts verläßt Und meinet, daß ihr Nichts Doch sei das allerbest. 7. GOtt ist das allerbest, Sein Alles soll vor Allem Mir, der ich gar nichts bin, Auf ewig wohl gefallen, Du einig Alles gieb, Daß ich auch jeden Tag, Dein Alles und mein Nichts Mit Ernst erwägen mag. 288 Der Kranke ergiebt sich dem Willen GOttes. 8. Du armer Mensch, du Nichts, Was willst du dich erheben? Kannst du auch etwas sein, Das GOtt dir nicht gegeben? Wer da will etwas sein, Der wird zu nichts gemacht, Wer aber nichts will sein, Der wird emporgebracht. 9. Fahr hin, o Welt! fahr hin, Dein Nichts kann mich ergößen, Wer dich für etwas hält, Der weiß nichts hoch zu schäßen; Mein Alles ist mein GOtt, Dem leb' und sterbe ich, Und bin durch ihn beglückt Und ewig feliglich. Der Kranke ergiebt sich dem Willen GOttes zu leben und zu sterben. Aufmunterung. Und JEsus gieng ein wenig hin, fiel nieder auf sein Angesicht, betete und sprach: Mein Vater! ist's möglich, so gehe dieser Kelch von mir, doch nicht wie ich will, sondern wie du willst. Matth. 26, p. 39. GOttes Wille ist allezeit der beste; solches pflegen wir wohl zu sagen, aber wenn man sich GOttes Willen einzig und allein unterwerfen soll, und das sich lassen gefallen, was unserm Willen zuwider ist, da empfindet man oft einen großen Widerstand. Ein Kranker demnach, welchen GOtt auf sein Krankenbett hingelegt hat, soll: 1) bedenken, daß es also GOttes Wille sei, daß er in solchem Zustand sich befinde; darum soll er sich hüten vor Ungeduld, denn sonsten würde er anzeigen, daß er mit GOttes Willen nicht zufrieden sei. Er soll 2) aufsehen auf das Erempel JEfu Christi, der in den größten Leiden und Schmerzen, die ihm den blutigen Schweiß austrieben, doch sprach: Bater, nicht mein, sondern dein Wille geschehe. Solche Gelassenheit und Er zu leben und zu sterben. 289 gebung in den Willen GOttes gefällt GOtt wohl u. ist ein Zeichen der Kinder GOttes. Ja 3) wenn man auch beständig GOttes Willen widerstreben wollte, so würde es doch nichts helfen; hat GOtt beschlossen, daß dies Lager soll das letzte sein, so wird man es durch Widerwillen nichtabwenden, sonderndes Herrn Rath und Willen wird doch an uns erfüllet werden. Darum 4) ist dieses das allerbeste, daß ein Kranker sage: Siehe, HErr! hier bin ich, mache es mit mir, wie es dir gefällt; ich will länger leben, wenn du willst; ich will gerne sterben, wenn du willst. Gebet. O du gnädiger, gütiger und barmherziger GOtt! ich komme jetzt mit meinem Gebet u. Seufzen vor deinen allerheiligsten Thron, ob ich schon dem Leibe nach auf meinem Krankenbette bleiben muß. Ich sehe, o liebster GOtt! es ist dein heiligster Wille, daß ich soll krank liegen, und eine Zeit lang der edlen Gabe der Gesundheit entbehren. Wohlan! es ist dein Wille, soll es auch mein Wille sein; gefällt es dir, mir foll es auch gefallen; dein Wille und mein Wille soll nur ein Wille sein. Ich bin geboren worden nach deinem Willen, ich will auch sterben, wann du willst. Nach deinem Willen bin ich lange gesund gewesen, nach deinem Willen will ich nun auch krank sein, so lange du erkennen wirst, daß es meiner Seele nüßlich und gut sein wird, 19 290 Der Kranke ergibt sich dem Willen GOttes. ja, mein GOtt! wenn ich könnte wider deinen Willen gesund werden, so wollte ich es doch nicht thun, sondern ich will lieber auf meinem Krankenbette deinen gnädigen Rathschluß vollbringen. Darum will ich in diesem Zustand mit meinem JEsu sprechen: Vater! nicht mein, sondern dein Wille geschehe. Und wiederum des HErrn Wille geschehe; soll ich noch länger auf der Welt leben, so will ich dich noch länger loben, ja, die Jahre, die du mir schenken und mich länger leben lassen wirst, die will ich zu deiner Ehre und in der wahren Frömmigkeit hinbringen. Ge fällt dir's aber, daß ich von diesem Lager nicht aufkommen, daß ich an dieser Krank heit sterben soll, so mache mich zu einem seligen Sterben bereit. Ich weiß, daß ich diese Hütte des Lebens einmal ablegen muß, aber ich weiß auch, daß du deinen Glaubi gen hast einen Bau bereitet, der nicht mit Händen gemacht ist, der ewig ist im Him mel. Im Himmel ist mein Erbtheil, mein Vaterland, mein Bürgerrecht; sollte ich mich nicht freuen, das mir erworbene Erbtheil einzunehmen, in mein Vaterland zu eilen, und der Kinder GOttes Herrlichkeit zu genießen? Habe ich Ursache, um Verlän gerung und Erhaltung meines Lebens zu zu leben und zu sterben. 291 bitten, so liegt mir doch auch hart an, ob es nicht besser wäre, aufgelösetu. bei Christo zu sein, meinen JEsum zu erblicken, den ich lieb gehabt habe, da ich ihn doch noch nicht gesehen. Darum, mein GOtt! ich überlasse dir alles, du weißt am besten, was mir heilsam ist. Siehe, hier bin ich, der HErr thue mit mir, was ihm wohlgefällt. HErr, wie du willst, so schick's mit mir Im Leben und im Sterben, Allein zu dir steht mein Begier, Laß mich doch nicht verderben; Erhalt mich nur in deiner Huld, Sonst wie du willst, gieb mir Geduld, Dein Will' der ist der beste. Amen. Gesang. Me I. D GOtt, du frommer GOtt. 1. Ich will, was JEsus will; Das soll mein Wahlspruch werden, Den wiederhol ich stets, Dieweil ich leb auf Erden; Mein Will ist gar verkehrt, Und trifft das beſte nicht, Drum soll er nur allein Auf JEsum sein gericht't. 2. Ich will, was JEsus will; Will er, daß ich soll leben, Wohlan! ich will es auch, Er wird mir Kräfte geben; Ich bin in seiner Hand, Ihm leb und sterbe ich, Er führ' und leite mich, Ich folge williglich. 3. Ich will, was JEsus will; Will er, daß ich soll leiden, Wohlan! ich will es auch, Ich bin bereit zu leiden; Geht JEsus mir voran, So geh' ich gerne mit, Denn seine Gegenwart Versüßt die sauren Tritt. 4. Ich will, was JEsus will; Will er, daß ich soll weinen, Wohlan! ich will es auch, Er wird schon lassen scheinen Die Sonne nach dem Leid; Denn seine Gütigkeit Wischt alle Thränen ab, und hilft zur rechten Zeit. 5. Ich will, was JEsus will; Will er, daß mich soll plagen Die Bosheit meiner Feind', Die mir in's Antlig schlagen, Wohlan! ich will es auch, Er gebe mir nur Muth Und sein Geist stärke mich, Wenn man mir Unrecht thut. * 19* 292 Der Kranke erkennet, daß das Kreuz 6. Ich will, was Jesus will; Will er, daß ich verlassen Von Jedermann soll sein, Ja, daß man mich soll hassen, Wohlan! ich will es auch; Verläßt er mich nur nicht, So acht ich's nicht, daß mir Der Menschen Hilf gebricht. 7. Ich will, was JEsus will; Soll ich dereinst krank werden, Wohlan! ich will es auch, Ich bin ja Staub undErden; Wie bald zerbricht ein Glas, Jhm ist ja alles leicht ,. Weil auf sein Wort sobald Die Krankheit wieder weicht.. 8. Ich will, was JEsus will; Will er, daß ich soll sterben, Wohlan! ich will es auch, Durch ihn werd' ich ererben Das mir versproch'ne Reich, Ich geh' zur Erbschaft ein, Und bleib im Vaterland, Wo ich soll ewig sein. Der Kranke erkennet, daß das Kreuz und die Trübsal von GOtt kommen. Aufmunterung. Der HErr tödtet und machet lebendig, führet in die Hölle und wieder heraus. 1. Sam. 2, v. 6. GOtt ist die Liebe, der die Menschen herzlich liebet. Liebesprobenvonihmerhaltenglaubige Christenalle: Tage durch den gnädigen Beistand und durch die Wohlthaten, welche sie von seiner Hand empfangen; sie sehen es auch an den großen Liebeswerken der Schöpfung, Erlösungu. Heiligung. Ist aber GOtt die Liebe, so giebt das einen großen Trost in Krank heit, wenn ein Kranker sich vorstellet: 1) meine Trübsal kommt nicht von einem Feind, der mich haffet, sondern von einem GOtt, der mich liebet; sie kommt her von einem Vater, der mir von Jugend auf in vielerlei Gefährlichkeit u. Zufällen schon Hülfe erwiesen hat. Stehet dieses in der Seele fest, so fließt daraus: 2) ein herrlicher Trost; der Vater meinet es nicht übel mit seinem Kinde; dertrene Menschenfreund hat auch in dem zugeschickten Leiden ein liebreiches Herz behal ten. Hierauf soll sich: 3) ein Kranker in GOtt fassen, und fleißig zu GOtt rufen und beten; er soll ſein und die Trübsal von GOtt kommen. trankes Haupt in den Schooß GOttes niederlegen, mit Freuden und gutem Muth den Himmel ansehen, und denken: Der es schickt, der kann es wenden, er weiß wohl, wie er soll all' mein Unglück enden. Sonderlich soll er: 4) sich nicht lassen irre machen in sei ner Krankheit Heftigkeit, seinen großen Schmerzen u. der anscheinenden Gefahr; denn hier stehet abermals der Trost feste: GOtt leget uns eine Last auf, aber er hilft sie auch tragen; wir haben einen GOtt, der da hilft, und einen HErrn, HErrn, der vom Tode errettet. Psalm 68, v. 20. 21. 293 Gebet. HErr GOtt! barmherzig, geduldig und von großer Güte und Treue, der dit vergiebst Missethat, Uebertretung und Sünde, der du deinen Zorn nicht ewiglich hältst, sondern siehest an die Elenden, und richtest auf, die niedergeschlagenen Herzens sind; siehe, ich armer Mensch liege allda vor dir, und bitte: ach! schaue auf mich von deinem hohen Thron, und erhöre mich. Ich weiß und glaube, daß mein Leiden und meine Trübsal von dir kommt; deine Hand schläget, aber sie heilet auch; sie verwundet, aber sie verbindet auch; wenn aber meine Krankheit vom Himmel kommt, so schaue ich auch wiederum gen Himmel nach der Hülfe. Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen, von welchen mir Hülfe kommt; meine Hülfe kommt vom HErrn, der Him 2 - manat... Johabe vor இவரிட்ழயின oir G ராசி falle, wic Didwigen frue if ofme dee jeher than werdenk Füllt fein Sperling und die Trübsal von GOtt kommen. 295 auf die Erde ohne deinen Willen, wie viel weniger kann ich Schmerzen, Ungemach und Krankheiten unterworfen sein, ja, gar sterben ohne deinen Rath und Willen. kommt mein Leiden von dir, so kommt es von meinem Vater; kommt es von meinem Vater, so kommt es von geliebten Händen und aus einem liebevollen Herzen, nicht zu meinem Verderben, sondern zum Besten meiner Seele. Züchtige mich, mein Vater! doch mit Maßen, daß du mich nicht gar aufreibest. Betrübe mich, aber erfreue mich wieder! verbirgest du dein Angesicht, so laß es auch wieder leuchten; laß leuchten dein Angesicht, so genese ich. Ich will gerne in die Hand meines Vaters fallen, wenn ich Strafe verdienet habe, denn sein Zorn währet einen Augenblick, und er hat Luſt zum Leben. Er wird sich über Zion erbarmen, und seinem Kinde gnädig sein. Ohn' deinen Willen kann mir nichts begegnen, Du kannst verfluchen u. auch wieder segnen; Ein ich dein Kind u. hab's verdienet, Giebwarmen Sonnenschein nachtrübem Regen. Ich weiß, daß du mich ja noch nie vergessen, Warum sollt ich mein Herz mit Leid jetzt pressen? In meiner Noth denk ich an GOtt, Er wird die Angst nach meinen Kräften messen. Amen. Gesang. Mel. O GOtt, du frommer GOtt. 1. Ein GOttes- Kind zu sein, Und doch mit Kreuz ge= drücket, Kann wohl beisammen steh'n; Es bleibet doch ge 296 Der Kranke erkennet den Nußen der Krankheit. schmücket Inwendig in der Seel Mit Glaub und Frömmigfeit, Ob's gleich auswendig steht In lauter Kreuz und Leid. 2. Wer hier die Dornen trägt, Wird dorten Kron'n trag'n! Wer hier viel seufzt und weint, Wird dort von Freuden sagen: Du bleibst ein GOtteskind Auch mitten in der Noth, Auch mitten in dem Kreuz Bist du geliebt von GOtt. 3. Sieh, JEsus, GOttes Sohn Trug eine Dornen- Krone, Und blieb doch GOttes Sohne, Er litt vom Spott und Hohne, Und blieb bei GOtt geehrt, Drum reimet sich's gar wohl Zu sein ein GOttes- Kind, Und doch des Leidens voll. 4. Bleib deinem GOtt getreu Jm Glauben und Vertrauen, So wirst du seine Hilf Gar bald mit Freuden schauen; Und sollst du in der Welt In lauter Trübſal ſein, Was schad'ts, wenn du am End Nur gehst in Himmel ein. 5. Dein Vater liebet dich, Obschon die scharfen Ruthen Die Augen machen naß Und auch das Herz oft bluten; GOtt liebet solches Kind, Das stets gen' Himmel sieht, Und in der größten Noth Zu seinem Vater flieht. 6. Drum sei getrost in GOtt, die Stunde wird bald kommen, In welcher dir dein Kreuz Wird endlich abgenommen; Ob deiner Leiden schon Gar viel und heftig sind, So bist und bleibst du doch Ein wahres GOttes- kind. Der Krante erkennet den Nußen der Krankheit. Aufmunterung. Die Krankheit ist nicht zum Tode, sondern zur Ehre GOttes, daß der Sohn GOttes dadurch geehrt werde. Joh. 11, v. 4. Daß Krankheiten großen Nußen bringen, will der natürliche Mensch nicht glauben; denn er spricht: der Leib wird nicht allein abgemattet, schwach gemacht, u. kommt in die Todesgefahr, sondern diekräfte werden auch geschwächet, ohne andere Beschwernisse u. Unfosten, so mit der Krankheit verknüpft sind. Allein dem allen ungeachtet bringet die Krankheit Nußen, bisweilen dem Leibe selbst, indem dadurch öfters die Unreinigkeiten der Natur verzehret werden u. nachher die Gesundheit desto dauerhafter wird. Sonderlich aber bringet Krankheit der Seele einen herrlichen Nußen. Denn: 1) dadurch holet GOtt manchen Menschen zu Der Krante erkennet den Nußen der Krankheit. 297 rück von seinenSünden- Wegen: wie mancherSünder gehet dahin in seiner Frechheit, achtet weder GOttnoch sein Wort, häufet Sünden mit Sünden! solchen aber reißet GOtt gleichsam mit Gewalt zurück durch eine Krankheit, Leiden und Schmerzen, daß er nüchtern werde aus des Satans Stricken. 2) Es bringet aber auch Krankheit den Frommen Nußen; denn sie lernen daraus erkennen GOttes Allmacht, Güte, Weisheit, Liebe u.Barmherzigkeit, welches alles sie vorher wohl gewußt u. geglaubet, aber nunmehr erstrechterfahren haben. 3) Nach der Krankheit wir auch bei frommen Seelen eine größere LiebezuGOtt, mehrEiferimGebet, eine größere Aufrichtigkeit in dem Christenthum verspüret. Man lernet sich GOtt ergeben, den Tod vorstellen, zum seligen Absterben bereiten, an den Himmel fleißig denken, ja, seine Seele inGOttesHände empfehlen. Wenn dieses ein Kranker bedenket, so wird er mit GOtt auch in der Krankheit wohl zufrieden sein. Gebet. Olieber GOtt und Vater! ich sehe und merke wohl, was dein heiliger Rath über mich ſei, nämlich, daß dieſes mein LeidensJahr, meine Leidens- Woche, ja, LeidensZeit sein soll, darin die Glücks- Sonne eine Zeitlang verdunkelt, meine Gesundheit geschwächet und die Leibeskräfte verringert werden sollen. Ich danke dir, mein GÖtt! daß du mich, ehe du mich also heimgesuchet, vorher deine Wege haft erkennen lassen, nämlich, daß der Kreuzesweg auch ein Himmels 298 Der Kranke erkennet den Nußen der Krankheit. Weg sei, und daß du in Krankheit auch unserer Seele Gutes thuest. Ich sehe wohl, mein GOtt! daß du mich von der Welt wirst abziehen; du willst mir die Welt bitter und den Himmel süß machen, daß ich soll verläugnen das ungöttliche Wesen und die weltlichen Lüſte, und züchtig, gerecht und gottselig leben in dieser Welt; daß ich soll forschen und untersuchen mein Leben, und durch eine herzliche Buße mich zu dir bekehren. Freilich, wenn uns wohl ist, und wir von feiner Trübsal wissen, so dünft uns, wir ſeien nur in der Welt, daß wir irdisch Gut ſammeln, oder aber, daß wir mit der Welt scherzen, fündigen, Gesellschaft machen, Gesellschaft halten, uns in ihre Weisſe, Wege und Sitten schicken sollen: aber weil das unserer Seelen Verderben und ewige Verdammniß würde sein, so pflegest nach deiner Treue uns bisweilen besonders zu führen, um allein mit uns zu sprechen. Ach, mein GOtt! es scheinet, du wollest mit mir jetzt auch allein sprechen, und mir sagen, ich soll mich vorsehen vor der Welt Sünden, Verführungen, Bosheiten, Ge wohnheiten; du willst mir einreden, ich soll die begangenen Sünden bereuen, ich ſoll mich der Welt nicht mehr gleich stellen, Der Kranke erkennet den Nußen der Krankheit. 299 sondern durch Veränderung meines Sinnes erkennen, welches da sei der gute und wohlgefällige, ja, der vollkommene GOtteswille. Nun, mein GOtt! dieses will ich auch thun; wirst du mich lassen geſund werden, so will ich frömmer werden, eifriger beten, das Böse meiden, meine vorigen böse Gewohnheiten ablegen, die Oerter und Menschen, wo und womit ich gesündiget, meiden und dann ein neuer Mensch werden. Wer die Welt lieb hat, in dem ist nicht die Liebe des Vaters. Wenn du nur gesehen, mein GOtt! daß ich auch in meinem Christenthum bin träg, im Gebet nachläßig, hingegen zur Sünde willig und der Welt Lust zu genießen fertig gewesen, so willst du durch diese Krankheit mich aufwecken, an mein Heil zu denken, und vom Sündenschlaf aufzustehen. Wache auf, der du schläfest, sprichst du zu mir; ich will dich reinigen von dem vorigen Unflath. Ja, ich sehe, daß du mich durch dieſe Krankheit willst an meinen Tod und an das Ende meines Lebens erinnern, daß ich, wenn ich gesund werde, soll deine Allmacht, Liebe und Güte erkennen lernen und preisen, welches nicht geschehen wäre, wenn du mich nicht auf diese Weise heimgesucht hättest. Nun, HErr! so führe das gute 300 Der Kranke erkennet den Nußen der Krankheit. Werk an mir aus, welches du in mir angefangen hast, zu deiner Ehre und meiner Seele Heil; mache durch diese bittere Arznei meine Seele gesund. Heile durch diese scharfe Schnitte u. Schmerzen der Sünde Wunden. Wasche durch diese scharfe Lauge meine Unarten ab, und gieb, daß ich in wahrer Buße und in lebendigem Glauben in dieser Krankheit mich vor dir demüthige, in den Wunden Jesu Hülfe, Rath, Trost und Vergebung meiner Sünden suche und finde. Mach mir nur immer süß den Himmel und gallenbitter diese Welt, Daß mir in diesem Weltgetümmel Die Ewigkeit sei vorgestellt; Mein GOtt: ich bitt durch Christi Blut, Mach's nur mit meinem Ende gut. Amen. Gesang. Mel. Alle Menschen müssen sterben. 1. Krankheit, Leiden, Angst und Schmerzen, Und was sonsten mich anficht, Reißen mir aus meinem Herzen GOtt und seine Liebe nicht; Will mein GOtt mich gleich betrüben, Will ich ihn doch herzlich lieben, Er verbleibet doch mein GOtt In der größten Angst und Noth. 2. Er will durch das Kreuz mich ziehen Von der Welt und Sicherheit, Daß ich alle Sünd' soll fliehen. Und nicht meine Seligkeit Mög' durch eig'ne Schuld verlieren; Er will meinen Geist so zieren, Daß er ewig soll allein Seine reine Wohnung sein. 3. Wenn ich recht mein Kreuz ansehe, So ist es ein Liebes- Zug, Daß ich GOttes Wege gehe, Und vermeid den Selbstbetrug. Daß ich ihn erkennen lerne, Und mich von der Welt entferne; Hier seh' ich, wie GOttes Treu Alle Morgen werde neu. 4. JEsu! schließ in deine Wunden Meine matte Seele Der Kranke segt sein Vertrauen 2c. 301 ein, Laß in meinen Jammerstunden Darin ihre Wohnung sein; Es sei Seele, Leib und Leben, Treuer Vater! dir ergeben; Schüß', stärk' und erquicke mich In dem: Leiden gnädiglich. 5. Ich befehl in deine Hände, Liebster JEsu! meinen. Geist, Stärke mich bis an mein Ende, Bis das Lebensband zerreißt; Dann laß mich mit Freuden schauen Jene schönen Himmels- Auen; Führe mich durch Kampf und. Streit Zu der ewigen Seligkeit. Der Kranke seßt sein Vertrauen auf die göttliche Allmacht. HErr, mein GOtt! da ich zu dir schreie, machest du mich gesund. HErr! du hast meine Seele aus der Hölle geführt; du hast mich lebendig erhalten, da die in die Hölle fuhren, Pf. 30, v. 3. 4.. Nichts ist erfreulicher und tröstlicher in gefährlichen: Zufällen, als wenn man einen guten Freund hat, von dem man sagen kann: ich weiß, der kann und wird mir helfen. Ein Kranfer kann solches wohl von keinem Menschen sagen, aber von GOtt ist er dessen gewiß. Die Allmacht GOttes kann ein Kranker erkennen 1) an dem Erempel Anderer; denn wenn er höret, lieset oder weiß, wie GOtt Todte lebendig. gemacht, auch Todtkranken wieder aufgeholfen, so kann er festiglich schließen, der allmächtige GOtt, der dazumal geholfen, der lebet noch. 2) Es soll sich ein Kranter die unumschränkte Macht des groBen GOttes vorstellen, welche größer ist, als die Macht aller Könige in der Welt, ja aller Menschen, darum, was uns Menschen unmöglich, das ist GOtt möglich; was uns zu schwer ist, das ist GOttgarleicht. 3) Soll ein Kranker bedenken, es fehle GOtt nicht an Mitteln, zu helfen; auf sein Wort muß die Krankheit weichen; er kann auch das geringste Kräutlein der Arznei seguen, daß es muß das Uebel der Krankheit heben und die Gesundheit befördern. 4) Wenn dieses 302 Der Kranke seßt sein Vertrauen ein Stranker erwäget, so soll er fein stille sein in GOtt, anhalten im Gebet und GOttes Hülfftunde erwarten. 5) Dabei soll er auch Arznei u. Hülfsmittel gebrauchen, die ihm von christlichen Bersonen vorgeschrieben werden, sich aber dabei vor allen abergläubischen Dingen, Segenssprechereien und Gaukeleien hüten, und versichert sein, der Allmächtige könne und werde gewiß helfen, wenn seine Stunde wird gekommen sein. Gebet. Ach, mein HErr und mein GOtt! du sie hest, wie mich Schmerz und Leiden umgeben hat, und wie meine Plage alle Morgen da ist; meine Krankheit weichet nicht, und ich weiß nicht, ob dieses Lager vielleicht mein letztes Lager sein soll. Dieſes ſtelle ich in deinen heiligen Willen; ich will leben und sterben, wenn es dir gefällt. Meine Tage sind eine Hand breit vor dir. Meine Jahre stehen in deinen Händen; du hast mir ein Ziel gesezet, das werde ich nicht übergehen. Du hast auf dein Buch geschrieben, wie viel meiner Lebenstage werden sollen, als ihrer noch keiner da war. Dennoch lasse ich deßwegen den Muth nicht fallen, sondern ich hebe meine Augen auf zu den Bergen, von welchen mir Hülfe kommt; meine Hülfe kommt vom HErrn. Ich weiß, daß du bist ein allmächtiger auf die göttliche Allmacht. 303 GOtt, daß Leben und Tod in deiner Hand stehen, aber daß du durch deine Allmacht auch Todte erwecken, die allergefährlichsten Kranken wieder gesund machen, und das größte Elend und Leiden lindern und aufheben kannst. Ach ja! des HErrn Hand ist nicht verkürzet, der Helfer in Israel kann allen Jammer wenden, ja, er kann überschwenglich thun über alles, was wir wissen und verstehen. Er kann erretten alle, die zu ihm treten, derhalben schaue ich auf diesem meinem Lager nicht um mich auf schwache Menschen, nicht auf mich, denn ich bin frank und elend, sondern über mich, zu dir, meinem GOtt und HErrn. Ich spreche auch jetzt mit dem glaubigen Hauptmann: HErr! sprich nur ein Wort, so wird dein Knecht gesund; ja, sprich ein Wort, so werde ich leben, ich werde von allem meinem Leiden befreiet werden. Ich weiß, bei dem HErrn ist kein Ding unmöglich. HErr! deine Allmacht hat kein Ende. Wo ist ein solcher GOtt, wie du bist? mein GOtt, der du den kranten Hiskiam geſund gemacht, das kranke Weib von ihrem elenden Zustande errettet, den Gichtbrüchigen geheilet, den Jüngling erwecket hast, siehe mich auch in Gnaden an, du mächtiger Schußherr deiner Glaubigen! Hilf mir 304 Der Kranke seßt sein Vertrauen 2c. auch, erbarme dich meiner auch, thue ein Zeichen an mir, daß es mir wohl gehe. Du bist mein Helfer und Erretter, mein GOtt! verzieh nicht. Mache jedoch Alles so, wie es dir wohl gefällt; ich weiß, du kannſt es thun nach deiner Allmacht, und wirst auch thun nach deiner Güte, wenn es meiner Seele nüßlich ist. Indessen bete ich zu dir im Glauben. 10 munt Auf meinen lieben GOtt Trau ich in Angst und Noth, Er kann mich allzeit retten Aus Trübsal, Angst und Nöthen, Mein Unglück kann er wenden, Es steht in seinen Händen. Amen. Gesang. Mel. Schwing dich auf zu deinem GOtt. 1. Lasset doch den weisen GOtt Alle Sachen machen; Ueberlasset eure Noth, Kümmerniß und Sachen Seiner Weisheit, er weiß wohl, Wie es muß ergehen, Wann und wo, und wie er soll Euch in Noth beistehen. 2. Schreibt dem weisen GOtt nicht für Stunde, Zeit und Maaße, Fraget nicht mit Ungebühr, Was er thu und Lasse; Er fangt ja nicht heute an Erst für euch zu sorgen. Dem GOtt, der euch helfen kann, Ist gar nichts verborgen. 3. Lehr den weisen GOtt doch nicht, Wie er soll anfangen, Wie es werde ausgericht, Daß ihr mögt gelangen Zu dem rechten Zweck und Ziel, Folget seinen Wegen, Haltet seiner Führung still Und erwart't den Segen. 4. Was der weise Bater thut Ueberall auf Erden, Das muß uns gewißlich gut und recht heilsam werden. Giengen auch die Sachen nicht, Wie wir gerne wollten, Und wie sie nach unserm Licht Anders gehen sollten. 5. O du weiser GOtt! dir sei Alles heimgeſtellet, Stehe mir in Gnaden bei, Mach's wie dir's gefället, Mach es mit mir wunderlich Hier auf dieser Erden, Lieber Vater! führe mich, Laß mich selig werden. 305 Der Kranke erinnert sich seines Taufbundes. Aufmunterung. Die heilige Taufe ist nicht das abthun des Unflaths am Fleisch, sondern der Bund eines guten Gewissens mit GOtt. 1. Petri 3, v. 21. Ist in Ansehung GOttes ein Name tröstlich, ſo ist es gewiß der Name Vater, und ist in Ansehung des Menschen eine Herrlichkeit groß, so ist es gewiß diese, ein Kind GOttes zu sein. Wie nun dieſes erfreuen kann in dem ganzen Leben, so kann es auch trösten in Krankheit. Diesen Trost soll ein Kranker nicht aus seinem Herzen lassen. Er soll bedenken: 1) GOtt ist ein allmächtiger Vater, dem nichts unmöglich ist. 2) GOtt ist ein treuer Vater, der es gut mit seinen Kindern meinet. 3) GOtt ist ein weiser Vater, der auch das bittre Kreuz seinen Kindern kann zu einer heilsamen Arznei machen. 4) GOtt ist ein gütiger und liebreicher Vater, der betrübet, aber sich auch wieder erbarmet. Wenn dieses der Kranke erwäget, so kann er sich herzlich erfreuen. Zu dieser Herrlichkeit der Kinder GOttes aber ist ein christlicher Kranker gelanget durch die heil. Taufe, da er hat einen Bund mit dem dreieinigen GOtt gemacht. Dieſes mun soll ihn aufrichten u. fröhlich machen, allein er soll auch: 1) sein als ein Kind, alles, was ihm widerfähret, des himmlischen Vaters Willen u. Rath überlassen, nicht wider den Vater murren, sondern das Vertrauen haben, GOttwerde sich wie ein treuer Vater erweisen. 2) Hat er in gesunden Tagen den himmlischen Vater erzürnet und wie ein Weltkind gelebet, so soll er's ihm auf dem Krankenbette herzlich abbitten, und eine wahre Lebensänderung sich vornehmen, und gewiß glauben, GOtt werde sich auch über sein krankes Kind erbarmen. 20 306 Der Kranke erinnert sich seines Taufbundes. Gebet. HErr GOtt Vater, Sohn und heiliger Geist! siehe, ich, dein Kind, bin in einem solchen Zustande, daß ich in der Welt feinen Helfer mehr finde; ich sehe hin und her, und frage nach Hülfe, aber Niemand nimmt sich meiner an; darum aber will ich nicht kleinmüthig werden, sondern ich will vielmehr zu meinem himmlischen Vater gehen, und ihm meine Noth klagen. Gilet in der Noth das Schäflein zu seinem Hirten, das Kind zu seinem Vater, der Unterthan zu seinem König: o mein König! o mein Vater! o mein Hirte! so komme ich auch zu dir. O du dreieiniger GOtt! ge denke doch, daß ich dein Kind bin, daß ich getauft bin, daß ich in der heiligen Taufe einen Bund mit dir gemacht habe. In die sem Bunde hast du mir zugesagt, du wol lest mein Vater sein, du wollest als ein Vater für mich sorgen, mir helfen, und wie ein Vater an mir thun. JEsus hat mich mit ſeinem heiligen Blut abgewaschen und mir den Rock seiner vollkommenen Gerechtigkeit geschenfet. Der heilige Geist hat sich reichlich über mich ausgegoſſen, und schreiet noch das Abba, lieber Vater, und giebt Zeugniß meinem Geist, daß ich GOttes Kind sei. Odreieiniger GOtt! Der Kranke erinnert sich seines Taufbundes. 307 siehe, hier kommt ein armes Kind zu dir, mein Vater und meine Mutter verlassen mich; meine lieben Freunde können mir nicht helfen, darum, o mein himmliſcher Vater! nimm du mich auf. Erbarmete sich der Hauptmann über seinen Knecht, der todtkrank war; bemühete er sich, ihm zu helfen: ach, mein Vater! so erbarme dich meiner auch und hilf mir. Gieng der Vater, dessen Tochter in den letzten Zügen lag, JEsn nach und sprach: HErr, meine Tochter ist jetzt gestorben, aber komm, und mache sie lebendig; so gehe ich auch, mein GOtt und Vater! dir nach und sage: ist's dein Wille; ist's mir heilsam, so mache mich gesund, und erhalte mir mein Leben. Ich weiß, du bist ein allmächtiger, weiser, gnädiger und liebreicher Vater; wo soll das Kind anders hin in seiner Noth, als zu seinem Vater? HErr GOtt Vater im Himmel, erbarme dich über mich! HErr GOtt Sohn, der Welt Heiland, erbarme dich über mich! HErr GOtt heil. Geist, erbarme dich über mich! Wie sich ein Vater erbarmet über seine Kinder, so erbarmet sich der HErr über die, so ihn fürchten; ach, erbarme dich auch über mich! Bin ich ein ungehorsames Kind gewesen, so bereue ich es; bin ich gleich von dir ge20* 308 Der Kranke erinnert sich seines Taufbundes. wichen, stell ich mich doch wieder ein. Ließ der Vater seinem verlornen Sohne Hülfe widerfahren, so nimm auch mich in Gnaden an, der ich in Buße und Glauben jetzt zu dir komme u. spreche: Erbarme dich, er barme dich, GOtt, mein Erbarmer, über mich! Wenn du willst Sünde zurechnen, HErr! wer wird bestehen? In solchem Vertrauen, mein Vater! warte ich auf deine Hülfe; ich habe schon erkannt, daß ein Kind GOttes sein, krank und elend und mit vie lerlei Kreuz beleget sein, wohl können bei einander stehen, darum auch Satan ſo bald damit mich in meiner kindlichen Zuversicht nicht irre machen soll; allein laß mich auch bald dein väterlich Herz erblicken, daß du meiner nicht vergessen habest; laß mich deine Vaterhand empfinden. Betrübtes Herze sei zufrieden, Ob dich schon end los Kummer plagt, Der Himmel bleibt dir doch beschieden, Den dir dein JEsus zugesagt: Stellt sich schon Noth und Krankheit ein, So will doch GOtt dein Vater sein. Amen. Gesang. Mel. Wer nur den lieben GOtt läßt walten. 1. Jch bin getauft, ich steh' im Bunde Durch meine Tauf' mit meinen GOtt, So sprech' ich stets mit frohem Munde, In Kreuz, in Trübsal, Angst und Noth: Ich bin getauft, des freu' ich mich, Die Freude bleibet ewiglich. 2. Jch bin getauft, ich hab' empfangen Das aller schönste Ehrenkleid, Darin ich allezeit kann prangen All Der Kranke gründet sich zc. 309 hier und in der Herrlichkeit; Ich bin mit JEsu Blut erkauft, Und ich bin auch damit getauft. 3. Ich bin getauft, mir ist gegeben Zu gleicher Zeit der heil'ge Geist, Der heiliget mein Herz und Leben, Dafür sei ewig GOtt gepreis't; O Zierde, welche große Bracht! Die mich gerecht und selig macht. 4. Ich bin getauft und eingeschrieben, Mich schließt das Buch des Lebens ein, Mein Vater wird mich ewig lieben, und seinem Kinde gnädig sein; Es ist mein Name GOtt bekannt, Mein Name steht in seiner Hand. 5. Ich bin getauft, was kann mir schaden? Ich bin und bleibe GOttes Kind, Ich weiß, ich bin bei GOtt in Gnaden, Bei dem ich Trost und Hülfe find'; Denn wenn ich weine bitterlich, So spricht mein Vater: Hier bin ich. 6. Ich bin getauft, nichts kann mir fehlen Dieweil mein Vater an mich denkt; Wer kann die Wohlthat all' erzählen, Die er mir wirklich hat geschenkt? Mein Vater iſt ein reicher HErr, Er gibt mir immer mehr und mehr. 7. Ich bin getauft, ihr Feinde weichet, Ich stehe unter GOttes Schuß, Der seinem Kind die Hand darreichet, Was acht' ich eure Macht und Trut? Tast't ihr ein GOtteskind nicht an, Und glaubt, daß GOtt es schüßen kann. 8. Ich bin getauft und bin zufrieden Mit meines Vaters Lieb' und Treu', Ich werde nie von ihm geschieden, Mein" Liebestrieb wird stündlich neu; Wie es mein Vater schickt und fügt, So ist mein Herz mit ihm vergnügt. 9. Ich bin getauft, ob ich gleich sterbe, Was schadet mir das kühle Grab? Ich weiß mein Vaterland und Erbe, Das ich bei GOtt im Himmel hab'! Nach meinem Tod ist mir bereit't Des Himmels Freud' und Feierkleid. Der Kranke gründet sich auf die Wohlthaten des dreieinigen GOttes. Aufmunterung. Der HErr wird mich erlösen von allem Uebel, und wird mir aushelfen zu seinem himmlischen Reich, welchem sei Ehre von Ewigfeit zu Ewigkeit. Amen. 2. Tim. 4, v. 18. Fromme Christen kann es in ihrem Leiden und ihrer Krankheit niemals an Trost fehlen, wenn sie nur bedenken, wer sie sind, und mit wem sie es zu thun 310 Der Kranke gründet sich haben. Sie sind Kinder GOttes, darum sollen sie glauben, der dreieinige GOtt werde sie in ihrem Jammer und Leiden nicht verlassen. 1) Es wird sie ihr Schöpfer nicht verlassen, der sie in der Jugend geführet, in den folgenden Jahren ernähret, und bis daher väterlich erhalten hat: sollte GOtt sein Geschöpf und das Werk seiner Hände verlassen? Verbergen kann er sich wohl, aber verlassen will er sein Geschöpf nicht. 2) Ihr Erlöser, Jesus Christus, wird sie auch nicht verlassen; denn der da hat für sie Marter, Bein u. Tod gelitten, hat sein heiliges Blut für sie vergossen, sollte der sie in der Krautheit ohne Hülfe lassen? o nein! seine Liebe ist zu brünstig. 3) Ihr Heiligmacher, der werthe heil. Geist, wird sie auch nicht verlassen, der wird sie dann auch trösten, erquicken; erfreuen und ihnen Zeugniß geben, daß sie GOttes Kinder seien, obgleich ihre Krankheit, Leidenu. Schmerzen anhalten. Wenn ein Kranker diesen dreifachenTrostimHerzenhat, so wird er seinen beschwerlichen Zustand mit Geduld tragen u. festiglich glauben, seine Hülfe sei nicht mehr ferne. Dochaber 4) mußer dabeium Verzeihung bitten, was er dem dreieinigen GOtt in gesunden Tagen zuwider gethan hat, und in solchem guten Vertrauen die gnädige Hülfe geduldig und glaubig erwarten. Gebet. Odu heiliger, dreieiniger GOtt! da ich mich jetzt schwach befinde an meinem Leibe, so will ich doch deßwegen nicht schwach werden in meinem Glauben u. Vertrauen zu dir; denn die auf den HErrn hoffen, werden unbeweglich bleiben, wie der Berg auf die Wohlthaten des dreieinigen GOttes. 311 Zion. Zwar will die Länge und die Laſt meiner anhaltenden Krankheit bisweilen mich kleinmüthig machen; allein ich ermuntre mich gleich wieder durch deinen heiligen Geist, so sonderlich auch damit, daß ich mir die von dir schon längst entpfangenen Wohlthaten vorstelle. Sollteſt du mich verlassen, du mein Schöpfer! der du mich aus nichts erschaffen, und bis auf dieſe Stunde erhalten hast? Ist denn des HErrn Hand verkürzt? Onein! die Hand, die mich bisher geleitet, geführt, geſtärkt und erhalten, wird mich auch in meiner Krankheit erhalten. Du hast mich je und je geliebet, und durch deine Güte bisher geführet. Liebe ist es, daß du mir bisher haft so lange Zeit Gesundheit geschenket. Liebe ist es, daß du Unglück, große Schmerzen und gefährliche Umstände von mir abgewendet. Liebe ist es, daß du mir bis auf den heutigen Tag Gnade, ja so viel Gnade und Barmherzigkeit hast widerfahren lassen, darum übergebe ich mich dir auch in meiner Krankheit. Solltest du mich verlassen, mein Erlöser! der du mich durch dein heiliges Blut von Sünden, Tod und Teufel erlöset hast? Du hast dich meiner Seele herzlich angenommen, daß sie nicht verdürbe; o! so wirst du auch meiner ar 312 Der Kranke gründet sich men und kranken Leibe Hülfe lassen ange deihen. Hat mich deine Liebe vom Fluch und Tod, ja, aus der Hölle erlöset, ſo kann sie auch in meiner Krankheit mir bald helfen. O du Lamm GOttes! das der Welt Sünde trägt, erbarme dich mein in meinem gegenwärtigen Leiden. Solltest du mich verlassen, o mein Heiligmacher! der du Leib und Seele geheiliget, sie in der heiligen Taufe bis zum Tempel geweihet, und darinnen bisher gewohnet haſt? Du wirst gewiß auch in meiner Schwachheit mein Beistand, ja, mein Tröster bleiben, und mir auch jetzt Zeugniß geben, daß ich ein Kind GOttes sei, ob ich gleich mit Leiden und Trübsal umgeben bin. Darum will ich guten Muthes sein in meinen Schmerzen und Leiden, und will zu meiner Seele sagen: Es hat dich der himmlische Bater in seine ewige Liebe eingeschlos sen; der Sohn GOttes hat dich zu seinem Eigenthum, Bruder und Mit- Erben erwählet; der heilige Geist hat dich seines süßen Trostes und seiner seligen Einwohnung versichert: darum ist alles dein; die Gnade GOttes ist dein, das Verdiest und die Gerechtigkeit JEsu ist dein; der kräftige Trost des heiligen Geistes ist dein; ja, der ganze Himmel mit aller seiner Herr auf die Wohlthaten des dreieinigen GOttes. 313: lichkeit ist dein. O! weil dann dem also iſt, so will ich mich um meinen kranken Leib nicht bekümmern, sondern mein Anliegen auf den HErrn werfen, und dem GÖtt vertrauen, der mir hat so viel Gutes crwiesen. Ach, mein Vater! ich verlasse mich aufdich; o JEsu! zu dir fliehe ich; o heiliger Geist! dir übergebe ich mich. HErr GÖtt Bater, was du erschaffen, HErr GOtt Sohn, was duerlöset, HErr GOttheiliger Geist, was du geheiliget hast, das befehle ich dir in deine Hände; deinem heiligen Namen sei Lob, Ehre u. Preis jetzt und in Ewigkeit. GOtt wird den nicht verlassen, Der ihm vertraut allzeit. Ob ihn schon viele haffen, Geschieht ihm doch kein Leid! GOtt will die Seinen schüßen, Zulegt erheben noch, Ihn'n geben, was thut nüßen Hier zeitlich und auch dort. Amen. Gefang. Mel. Wer nur den lieben GOtt läßt walten. 1. Jst GOtt für mich, so bin ich fröhlich, Und hab im Leiden guten Muth, Auch in dem Tode bin ich selig. Durch GOttes Gnad und JEsu Blut; GOtt ist für mich, das weiß ich wohl, D'rum bin ich alles Trostes voll. 2. Ist GOtt für mich im Ungewitter, So trifft mich doch. das Wetter nicht; Ist mir das Kreuz gleich schwer und bitter, So bleibt GOtt meine Zuversicht; GOtt ist für mich, der steht mir bei, Und macht mich von der Trübsal frei.. 3. Ist GOtt für mich in Trauertagen, Wenn lauter Ungemach mich schreckt, So will ich dennoch nicht verzagen, Weil seine Baterhand mich deckt; GOtt ist für mich, weil sich mein Leid In Freud verkehrt zu seiner Zeit. 4. Ist GOtt für mich in meinen Nöthen, Wenn nun der harte Kampf angeht, So werden sie mich doch nicht. 314, Der Kranke will sein Leiden tödten, Dieweil mir GOtt zur Seite steht; GOtt ist für mich, der treue GOtt, Der hilfet mir aus aller Noth. 5. Jst GOtt für mich im Ungelücke, Das unverhofft mich überfällt, So weich ich dennoch nicht zurücke, Weil seine Hand mich treulich hält; GOtt ist für mich im Sturm und Wind, Und wachet treulich für sein Kind. 6. Jst GOtt für mich, so wird sich enden Der Jammer, der mich heftig plagt, Mein GOtt wird sich von mir nicht wenden, Die Hilfe bleibt mir unversagt; Ist GOtt für mich, getrost, mein Geist! GOtt ist es, der mein Beistand heißt. 7. Ist GOtt für mich, wenn ich nun sterbe, So höret auf mein Kampf und Streit, Es kommt die Stunde, da ich erbe Die Ehrenkron und Seligkeit; GOtt ist für mich, wenn's Herz mir bricht, Und wenn erblaßt mein Angesicht. Der Kranke will sein Leiden ohne Murren tragen. Aufmunterung. Ich will schweigen und meinen Mund nicht aufthun, du wirst's wohl machen. Psalm 39, v. 10. HErr, wie lange willst du mein so gar vergessen? wie lange verbirgst du dein Antlitz vor mir? so seuszen oft fromme, bettliegerige Christenin ihren Krankheiten, Ps. 13, v. 1. GOttes Stunde bleibet ihnen oftmals allzulange aus. Wenn sie viele Tage, Wochen u. Monate zurückbleibet, alsdann gehet es bei Vielen nicht ohne Murren ab. Allein so weit soll es ein frommer Kranker niemals kommen lassen, sondern gedenken: 1) GOtt vergißt und verläßt uns nicht in dem Leiden, in der Trübsal u. Krankheit, denn das wäre wider seine Verheißung. Ob er zwar verzieht, so harre sein, er thut auch zu unserer Seelen Besten. 2) Sollte in dem langen Ausbleiben der Hilfe GOttes das Kreuz auch schwer werden, so soll doch deßwegen kein Murren entstehen, sondern man soll sich erinnern der Allmacht, Liebe u. Barmherzigkeit GOttes. Wiegt man dem Krauken seine Arznei ab, zählt man die bittern Tropfen, die man ihm ohne Murren tragen. 315 giebt, so sollen wir glauben, daß auch all' unser Kreuz sei abgewogen u. abgemessen; denn GOtt iſt getreu, der uns nicht lässet versuchen über unser Vermögen. Derhalben 3) ist das Leiden schwer, ist es vielerlei, währet es lange: so soll es deßwegen doch unser Vertrauen nicht aufheben, sondern man soll unter ſtets anhaltendem Seufzen, Gebet, Glauben, Hoffnung und Vertrauen die Hülfftunde erwarten. Gebet. du heiliger u. weiser GOtt! ich sehe jetzt deinen heiligen Rath u. Willen an mir, der ſoll diese Zeit u. Wochen, und so lange es dir gefällt, auf meinem Bett in meinem Hauſe zubringen. Wohlan! ich widerspreche deinem heiligen Willen nicht; ich will nicht wider dich murren, sondern sagen: Siehe, hier bin ich, der HErr mach's mit mir, wie es ihm wohlgefällt; sollte ich den Kelch nicht trinfen, den mir mein Vater gegeben hat? mein Vater wird mir für Arznei nicht Gift einschenken. Ich will des HErrn Zorn tragen, denn ich habe wider ihngesündiget. Ach! das bittere Leiden kann meiner Seele nichts anders, denn heilsam sein, obgleich Fleisch und Blut davor einen Abschen hat. Du bist mein Vater und GOtt gewesen von Jugend auf, so wirst du es jetzt in meiner Krankheit auch bleiben. Soll ich lange also liegen u. leiden, mein GOtt! mach's doch nicht zu lange, sondern gieb mir zuweilen eine Er Der Kranke will sein Teiden quickungsstunde, darin du mich von meinen Schmerzen befreiest, und mein Leiden linderst. Soll ich viel leiden, so gieb mir auch viel Kräfte; du weißt ja, wie schwach ich bin, und wie ich nicht viel mehr ausstehen kann: greif mich nicht so heftig an, damit ich nicht vergehe; du weißt wohl, was ich tragen kann, wie's um mein Leben stehe; ich bin ja weder Stahl, noch Stein; wie bald gehet ein Wind herein, so fall ich hin und sterbe. Ach! mache es mit mir, wie eine Mutter mit ihrem schwachen Kinde; hilf mir tragen, ja, trage mich; und nimm mich in deinen Arm und Schooß. Soll mein Leiden schwerer werden, als es ist, so weiche du nur nicht mit deiner Gnadenhülfe und deinem Beistand von mir; soll ich noch mehr betrübte Nächte haben, so laß mich nur deinen Trost empfinden, daß du dennoch mein GOtt, mein Vater und mein Freund seiest. Ich weiß wohl, wenn du deinen Kindern Leiden schickest, so willst du sie nicht verderben, sondern nur zu dir ziehen. So ziehe mich denn, mein GOtt! durch diese Krankheit von den bösen Gewohnheiten, von der Freude der Welt zu dir, zur Heiligung, zur Frömmigkeit, zum Himmel und zur Seligkeit. Ja, mein GOtt! ob du mich gleich läsfest alſo leiden, so will ich deßwegen nicht von dir 316 ohne Murren tragen. 317 fliehen; mein Hirte! führest du mich den Dornenweg, der meinen Leib u. meine Seele verwundet, so folge ich dir willig nach. Hat das Haupt Dornen getragen, so können die Glieder nicht auf Rosen gehen. Ich habe dich geliebet, da du mir gabest Gesundheit, Glückseligkeit, und dadu mir es ließest wohl ergehen, darum will ich dich auch lieben in Krankheit, in Leiden und Schmerzen; ich weiß, du kannst mir helfen u.wirst mir helfen. GOtt hat mich in guten Tagen Oft ergößt, Sollt ich jetzt nicht auch etwas tragen? Fromm ist GOtt; und schärft mit Maßen, Sein Gericht, Kann mich nicht Ganz und gar verlassen. Gesang. Mel. Wer nur den lieben GOtt läßt walten. 1. Hat dir dein GOtt ein Kreuz beschieden, Und fließt mit Thränen dein Gesicht, So sei mit deinem GOtt zufrieden, Und murre ja dawider nicht! Laß deine Seele in Geduld, Und tröste dich des Höchsten Huld. 2. Sieh, der GOtt, der dich krank kann machen, Und wirft dich auf das Sterbebett, Dem sind es ja gar leichte Sachen, Daß er dich wiederum errett't, Er machet krank, er macht gesund In dieser und in jener Stund. 3. Ach! murre nicht, GOtt hat's verheißen, Er woll' dein treuer Beistand sein, Und dich aus allen Nöthen reißen! Sieh, dieses trifft auch jezo ein; Vertraue GOtt, es kommt die Zeit, Vielleicht ist seine Hülf' nicht weit. 4. Du mußt dich deinem GOtt ergeben, und sagen: Siehe! hier bin ich; Ich will dir sterben und auch leben, Dir überlass' ich gänzlich mich; Mach's mit mir in der Zeit und Welt, Mein Vater! wie es dir gefällt. 5. Wer also ohne Murren träget, Und mit Geduld das auf sich nimmt, Was GOttes Liebe ihm aufleget, Dem ist die Hülfe schon bestimmt. Der wird erquickt hier in der Zeit und dorten in der Ewigkeit. 318 Der Kranke schicket sich zum Genuß des heiligen Abendmahls. Aufmunterung. Der Mensch prüfe sich selbst, und also esse er von diesem Brot und trinke von diesem Kelch. 1. Kor. 11, v. 28. Es soll billig ein jeder Christ also leben, daß er alle Augenblick felig sterben könne. Soll nun also ein gesunder Mensch sich aufführen, wie viel mehr ein Kranker. Ein Kranker thut demnach: 1) gar wohl, daß er bei dem ersten Anstoß der Krankheit an seine Sünden denke und spreche: Ich denke heute an meine Sünden; denn weil un der Sünden willen Krankheit u. Leiden kommen, und wer sich an seinem Schöpfer verfündiget, oft durch Krankheit bestraft wird, so muß auch der Kranke auf die Versöhnung mit GOtt bedacht sein. 2) Dieſe Versöhnung aber geschiehet, wenn der Kranke mit Weinen und im Glauben GOtt um Vergebung seiner Sünden anflehet, und bußfertig das heilige Abendmahl empfängt. 3) Denn man soll sich nicht einbilden, man sterbe, wenn man das heilige Abendmahl genießet auf dem Krankenbette: denn es ist ja keine Speisezum Tode, sondern zum Leben und der Seelen Seligkeit; dabei ist 4) zu erinnern, daß man mit seiner Buße u. dem Genuß des heil. Abendmahls nicht warte, bis der Tod auf der Zunge sizet, bis Verstand u. Kräfte weg sind, sondern bald und bei Zeiten dazu thun, dieweil man noch seinen Verstand hat, dieweil man noch beten und sich mit GOtt verföhnen kann. Wird sich also der Mensch zu GOtt wenden von Grund seiner Seele, so wird er um JEsu Christi willen in ihm leben und Gnade erlangen. Der Kranke schicket sich zc. Gebet. HErr, HErr, GOtt! barmherzig, gütig, und von großer Treue, ich armer Mensch habe mir vorgenommen, mich mit dir zu verjöhnen, meine Sünden dir herzlich abzubitten, die ich Zeitmeines Lebens begangen; ich will in den Wunden meines JEsu Gnade u. Vergebung der Sünden suchen, und also zu einem seligen Abschied aus dieser Welt mich gefaßt machen. Es hat dir gefallen, mein Gott! mich auf dieses Krankenbettzu legen; weil ich aber nicht weiß, ob ich davon wieder gesund aufstehen oder darauf sterben werde, so will ich vor allen Dingen meine Seele versorgen, und das übrigedir, meinem gütigen u. barmherzigen GOtt, befehlen. Ich will mich mit dir versöhnen, weil ich meinen Verstand noch habe; weil ich mich noch besinnen kann, wann ich gesündiget; wie oft ich gesündiget, und wie schwer ich gesündiget; ich will dich um Verzeihung bitten, dieweil ich noch beten kann, indem ich nicht weiß, ob nicht meine Krankheit zunehmen, hingegen mein Verstand und meine Gemüthskräfte sich verlieren werden, da ich weder beten, noch an dich denten kann. Ich weiß ja wohl, wer sich zum ſeligen Sterben bereitet, der stirbt deßwegen nicht früher, noch später, sondern er 319 Der Kranke ergiebt sich 2c. verschaffet vielmehr sich damit den größten Nußen; nämlich diesen, daß, wenn er gesund wird, er sich vor den Sünden hüte, die er auf seinem Krankenbette erkannt und berenet hat; und wenn er stirbt, daß er versichert sei, er sterbe wohl und bereitet. Dieſes sind auch meine Gedanken, mein GOtt! ich will nach erlangter Vergebung meiner Sünden das heilige Abendmahl empfangen, und sodann geduldig, freudig und glaubig erwarten, wie du es mit mir machen wirst. Deßwegen falle ich in der Angst meines Herzens vor dir nieder, und ſpreche: Ach! sei deinem Kinde gnädig, ach! rechne mir nicht zu die Sünden meiner Ju gendu. dieThorheiten meiner jungen Jahre. Ach HErr! sei gnädig meiner Missethat, die da groß ist, um JEsu, meines Heilandes willen. Ach, mein GOtt! gieb Gnade zu meinem heil. Vorhaben, stärke mich zu die sem Werke, daß ich's zu deinen Ehren und zu meinem Heil vollbringen möge. : 320 Ich komme mit gebeugtem Sinn In meiner Noth geschritten, Und wend' mich, Vater! zu dir hin, Bon Herzen dich zu bitten; Verzeihe mir's doch gnädiglich, Was ich mein Lebtag wider dich Auf Erden hab' begangen. Amen. Gesang. Mel. D GOtt, du frommer GOtt 2c. 1. Ich will anjeßo mich Zum Liebesmahle nahen Und Der Kranke bittet GOtt 2c. 321 Ach, JEfu Leib und Blut zu meinem Trost empfahen. mein GOtt! stärke mich, Ach! weiche nicht von mir, Daß ich im Andachtstrieb Vereinigt sei mit dir. 2. Vertreibe doch von mir Die fündlichen Gedanken, mit Und lasse deinen Geist Von meinem Geist nicht wanken, Verbind', mein JEsu! dich Mit meinem Geist und Sinn, Daß ich die Lieb' genieß, Darnach ich hungrig bin. 3. Laß ja nichts Eiteles Jetzt meine Andacht stören, Ach! laß mich Freud' und Wonn' In meiner Seele hören; Ach JEsu! steh' mir bei, Ach! bitte du für mich, Bring' mein Gebet vor GOtt, Und hilf mir gnädiglich. 4. Ach! heilige mein Herz, Ach! heilige die Sinnen, Mein JEsus, nimm sie ein Und wohne selbst darinnen, Ach! mach' fie allesammt Recht heilig, schön und rein; Und laß fie immerdar Das Haus und Wohnung sein. 5. Erweck' zugleich in mir Die wahre Seelenstille, Daraus die Seelenfreud' Und wahre Andacht quille. Darin ich schmecken mög', HErr! deine Süßigkeit, Die Gegengenwart und Trost, Und wahre Seelenfreud. 6. Hab' ich dann deinen Leib Wahrhaftiglich genoffen, hat auch dein theures Blut, Das du für mich vergoffen, Mich abermals erquict, So bleibe auch in mir, Damit ich, weil ich leb' Auch leb', mein Heil! in dir. 7. Ja, laß die Heiligung, Die in mir aufgegangen, Zum größten Licht und Glanz Von Tag zu Tag gelangen; Du Sündenluft, geh' aus, Mein JEfns gehet ein, Er nehmet Leib und Seel Zu seinem Tempel ein. Der Kranke bittet GOtt um Vergebung der Sünden. Aufmunterung. Ich schuldige mich und thue Baße im Staub und in der Asche. Hiob 42, v. 6. Es ist ein feiner und löblicher Gebrauch, wenn rechtschaffene Christen alle Abend vor Gott sich stellen, und überlegen, was sie des Tages über geredet, gedacht oder gethan, und also ihn um Verzeihung der begangenen Sünden anrufen, und ehe fie sich zur Ruhe legen, mit GOtt versöhnen. Soll aber dieses alle Tage geschehen, wie vielmehr soll es 21 322 Der Kranke bittet GOtt ein Kranker nicht versäumen? Denn er soll 1) eine Untersuchung anstellen, nicht etwa eines Tages, einer Woche, oder eines Monats, sondern eines ganzen Lebens; er soll sich fragen, wie er seine gesunden Tage angewendet; ob er sie zur Ehre GOttes, zum Nußen des Nächstenhingebracht; er solluntersuchen, wo, wie oft und wie schwer er in gesunden Tagen gefündiget habe. Weilmannun auf dem Krankenbette mehr Zeit hat, so soll diese Untersuchung desto ernstlicher geschehen. 2) Soll ein Kranker nach der Untersuchung GOtt herzlich um Verzeihung aller seiner Sünden anrufen, sonderlich weil er nicht weiß, wie nahe oder ferné es sei, daß er vor dem Nichterstuhl GOttes erscheinen soll. 3) Kommt man auf dem KrankenbettezurErkenntnißseinerSünden, sosollein Krankerfürdie Krankheit Gott danken, der ihmdieAugen geöffnet, daß er sein Elend erkannt, und Gnade zu suchen ihm Gelegenheit gegeben hat, welches ohne Krankheit vielleicht nicht geschehen wäre. 4) Doch muß man auch, was man in der Krankheit verſpricht, in gefunden Tagen treulich halten, auf daß treulosen Versprechern nicht etwas Aergeres widerfahre. Gebet. Ach, du gnädiger und liebreicher Vater! ich habe mir in deinem Namen vorgenom men, mich mit dir zu versöhnen, dich um Gnade und Vergebung meiner Sünden zu bitten, und ſodann auf meinem Krankenbette das heilige Abendmahl zu empfan gen. Ich will es bei Zeiten thun, dieweil ich noch meinen völligen Verstand habe. Ich lebe, und weiß nicht wie lang; ich um Vergebung der Sünden. 323 muß sterben, und weiß nicht wann; darum komme ich jetzt vor deinen GnadenThron und bitte dich demüthig um Vergebung aller Sünden, die ich Zeit meines Lebens begangen. Mein GOtt! ich muß gestehen, daß ich dich bisher vielfältig erzürnet. Ich habe leider meine gesunden Tage nicht allemal angewendet zu deiner Ehre, zum Gottesdienst, zum Wachsthum in meinem Christenthum u. zur Frömmigkeit, darum du auch Ursache hast, mich mit Krankheit heimzusuchen, daß ich in mich gehe, und den Mißbrauch meiner Gesundheit nebst den übrigen Sünden bereuen möge. Verzeihe mir es, daß ich dich nicht eifriger geliebet und nicht frömmer gelebet habe, als leider geschehen. Ach GOtt! gedenke nicht der Sünden meiner Jugend, gedenke aber meiner nach deiner großen Barmherzigkeit um deiner Güte willen. O, wie erschrecke ich, wenn ich höre, daß ich vor deinem Richterstuhl soll Rechenschaft geben von einem jeglichen unnüßen Wort, das ich geredet habe! O, wie werde ich mit meinen Gedanken vor dir bestehen, weil du auch ein Richter der Gedanken bist! Und soll ich von meinem ganzen Leben, von allen meinen Werken und Thaten Rechenschaft geben: ach! wer kann vor dir be21* Der Kranke bittet GOtt 2c. stehen? Darum komme ich vor deinen Gnadenthron in glaubiger Zuversicht auf JEsum Christum, meinen HErrn und Heiland, und bete: Ach! um seiner Wunden willen erbarme dich über mich; um ſeines vergossenen Blutes willen vergieb mir alle meine Sünden; durch seinen Todeskampf und blutigen Schweiß hilf mir, lieber HErre GOtt! Ich schäme mich, mein GOtt! die Augen vor dir aufzuheben; ich schäme mich der vorigen Jahre und der be gangenen Sünden. Ach, hätte ich es doch nicht gethan! Ach, hätte ich doch frömmer und christlicher gelebt; darum gelobe ich dir, o GOtt! ein neues Leben anzufangen. Wirst du mir meine Gesundheit wieder ge ben, so will ich die Jahre, die du mich auf Erden inskünftige leben läsfest, zu deiner Ghre im Glauben u. in der wahren Frömmigkeit hinbringen, u. sie als ein Geschenk und einen Zusatz zu meinem Leben anneh men, und all' mein Lebenlang denken an diese Krankheit und an die Angst meiner Seele, aber auch an deine mächtige Hand. Ach HErr! sei deinem Kinde gnädig, und tilge alle meine Sünden nach deiner großen Barmherzigkeit, um deiner Güte willen. 324 O JEsu voller Gnad'! Auf dein Gebet und Rath Kommt mein betrübt Gemüthe Zu dei Der Kranke betet vor dem Genuß 2c. ner großen Güte, Laß du auf mein Gewissen Ein Gnaden- Tröpflein fließen. Durch dein unschuldig Blut, Die schöne rothe Fluth, Wasch ab all' meine Sünden, Mit Trost mein Herz verbinde, Und ihr nicht mehr gedenke, In's Meer sie tief versenke. 325 Gefang. Mel. Wer nur den lieben GOtt läßt walten. 1. Jch armer Sünder komme wieder, Ich kehre um vom Sündenpfad, Ich fall in tiefster Demuth nieder Und bitte herzlich dich um Gnad. Ach GOtt! denk nicht, was ich gethan, Ach! nimm mich armen Sünder an. 2. Nun seh' ich erst, was ich begangen, Ich fühl der Sünden Angst und Pein, Ach! laß mich wieder Gnad erlangen, Ach! laß mich nicht verloren sein. Ach GOtt! denk nicht, was ich gethan, Ach! nimm mich armen Sünder an. 3. Ach! ich betrübe mich von Herzen, Ach! sieh an dein verirrtes Kind, Das da mit Thränen, Heu und Schmerzen Bei dir sich wiederum einfind't. Ach GOtt! denk nicht, was ich gethan, Ach! nimm mich armen Sünder an. 4. Ach JEsu! deine rothen Wunden Sind meine Zuflucht allezeit, Darin ich immerdar gefunden Vergebung, Fried' und Seligkeit; Ach! denk doch nicht, was ich gethan, Ach! nimm mich armen Sünder an. 5. Ich will ein anders Leben führen, Ach! schenk mir deines Geistes Gab, Ein Jeder soll nun seh'n und spüren, Daß ich mich ganz geändert hab; Ach GOtt! denk nicht, was ich gethan, Ach! nimm mich armen Sünder an. Der Kranke betet vor dem Genuß des heiligen Abendmahls. Aufmunterung. u net een Wer mein Fleisch iffet und trinket mein Blut, der hat das ewige Leben, und ich werde ihn am jüngsten Tage auferwecken. Denn mein Fleisch ist die rechte Speise, und mein Blut ist der rechte Trank. Joh. 6, v. 54. 55. Das heil. Abendmahl andächtig und würdig zu empfangen, soll sich ein jeder wahrer Christ befleißigen; solches nun kann ein Kranter sonderlich thun, wenner 326 Der Kranke betet vor dem Genuß sich vorher recht untersuchet. Denn 1) ist er alsdann von allen Hindernissen befreit, wodurch sonsten bei der öffentlichen Gemeine die Andacht bisweilen gestört wird; er kann alsdann in Andacht unverhindert beharren, wenn ihn GOtt vor Schmerzen und Empfindungen der Krankheit bewahret. 2) Das heilige AbendmahlzuHausezu empfangen, soll sich Niemand ein Gewissen machen, weil wir wissen, daß JEsus al Ier Orten u. alle Tage mit seiner Gnadengegenwart bei den Glaubigen zu sein verheißen hat. 3) Ein Kranker soll auch zu der Zeit bedenken: vielleicht iſt dieses das leztemal, daß ich das heilige Abendmahl empfange, u. deßhalben mit einem desto festeren Ent schluß im Glauben u. in der Frömmigkeit zu verhar ren sich vornehmen. 4) Haben Fromme gewünscht, daß ihr letztes Wort JEsus, ihre letzte Speise das heil. Abendmahl, und ihr letter Gedanke der am Kreuz hangende blutige JEsus sein möge, wie soll sich dann nicht ein Kranker freuen, wenn er des einen Stücks auf seinem Krankenbette theilhaftig wird, und nicht zweifeln, daß zu den übrigen beiden GOtt ihm die Gnade auch geben werde. 5) Wenn man aber das heil. Abendmahl auf dem Krankenbette em gen wollte, um dadurch wieder gesund zu werden, so wäre es höchst unrecht und ein Aberglaube. Gebet. Liebster JEsu! ich bin willens, jetzt das von dir eingesetzte Liebesmahl, da ich auf meinem Kranken- Bette darnieder liege, empfangen, weil ich nicht weiß, wann ich von der Welt werde abscheiden. Damit ich aber nicht ohne dich vor dem Gericht GOttes erscheinen möge, so will ich noch, des heiligen Abendmahls. 327 dieweil ich lebe, mich von neuem mit dir vereinigen, auf daß du in mir, und ich in dir sei und verbleibe. Ich will nun das heilige Abendmahl zu Hause empfangen, und bin gewiß, daß du auch daselbst mit deiner Gnade mich erfreuen und erquicken werdest. Ach, liebster Seelenfreund! du bist ja nahe bei den Elenden; du erfreuest die Betrübten! du hilfest denen, die ein betrübtes Gemüth haben: so laß auch jetzt mein Herz erfreuet und meine Seele durch diese himmlische Speise und Trank erquidet werden. Ich habe zwar bei gesunden Tagen dasselbe auch mit der Gemeine empfangen, aber leider! nicht allemal mit solcher Andacht und Aufmerksamkeit, wie es wohl billig hätte sein sollen, weil der Menschen Vielheit, Eitelkeit und mein lütsternes Auge viele Verhinderungen verursacht hat; nun aber soll meine Andacht Niemand stören, da ich mich in meiner Einsamkeit mit dir verloben und vereinigen will. O liebster JEsu! da ich also in heiliger Andacht dein himmlisches Freudenmahl auf Erden halten will, und ich sonsten keine Verhinderung habe, ach! so steure den Schmerzen und der Krankheit, und gieb mir die Erquickung in dieser Stunde, daß ich ungehindert und ungestört könne 328 Der Kranke betet vor dem Genuß mein Vorhaben vollbringen. Ich verkündige jetzt deinen Tod und erinnere mich an dein Leiden und Sterben, an deine Wunden und Schmerzen, an deine Marter und Pein, an deinen Kreuzes- Tod und an alles, was du für mich gethan; ich denke daran, und danke dir auch dafür, und spreche: Nun, ich danke dir von Herzen, JEsu! für die große Noth, für die Wunden, für die Schmerzen, für den herben bittern Tod, für dein Zittern, für dein Zagen, für dein tauſendfaches Klagen, für deine Angst und tiefe Pein, will ich ewig dank bar sein. Ich erinnere mich auch an die Einsetzung deines heiligen Abendmahls, in welchem du mich speisest und tränkest zum ewigen Leben. Ich glaube deinen Worten, als eines allwissenden, allmächtigen und wahrhaften GOttes; ich glaube, daß ich im heil. Abendmahl empfange deinen wahren Leib und dein wahres Blut; nämlich also: wenn ich das ge segnete Brod empfange, so empfange ich unsichtbarer Weise, o JEsu! deinen wahren Leib; und wenn ich den gesegneten Kelch empfange, so empfange ich unsicht barer Weise dein wahres Blut. Nun, dieſe himmlische Speise u. Trank soll mich stärken im Glauben, daß ich mit Gott ver des heiligen Abendmahls. 329 söhnet sei, dieſe himmlische Speise u. Trank ſoll mich trösten, daß ich nicht verloren sei, sondern das ewige Leben habe; dieſe himmlische Speise n. Trank soll mich versichern, daß ich in Gnaden stehe, daß ich Vergebung der Sünden habe, und mit dir vereiniget ſei, der du bist die Versöhnung für unsere Sünden, ja, für der ganzen Welt Sünde. Dieſe himmlische Speise und Trank soll mich erinnern an die himmlische Freuden- Tafel, nämlich an die ewige Freude und Herrlichkeit, wozu du mich nach meinem Tode führen wirst. O JEsu, meiner Seelen- Bräutigam! heilige und reinige mich, damit ich als deine Brant mich mit dir auf ewig verloben und vertrauen möge. O mein Seelen- Hirte! führe dein Schäflein auf grüner Aue; speise mich mit dem Brote des Lebens; erquicke mich mit deinem heiligen Blut. Alsdann kann mir der Satan nicht schaden, die Sünde mich nicht verklagen und auch nicht verdammen; hier habe ich ein vollkommenes Lösegeld für meine Sünden, welches du am Stamm des Kreuzes für mich bezahlet hast, dadurch bin ich gerecht, dadurch bin ich selig. Ach! wie hungert mein Gemüthe, Menschenfreund! nach deiner Güte, Ach! wie pfleg ich oft mit Thränen Mich nach dieser Kost zu sehnen, Ach! wie pfleget 330 Der Kranke betet nach dem Genuß mich zu dürsten Nach dem Trank des Lebensfürsten. Wünsche stets, daß mein Gebeine Sich durch GOtt mit GOtt vereine. Amen. Gesang. Mel. Allein GOtt in der Höh' sei Ehr' 2c. 1. O allerliebstes Seelenpfand, Dem nichts an Hoheit gleichet, Und welches von des Höchsten Hand Mir jetzt wird dargereichet! Der Seelen allerhöchstes Gut, Des HErren JEsu Leib und Blut, Will ich jetzund empfangen. 2. Der GOtt der Liebe liebet mich, Doch damit dieſe Liebe Recht herzlich offenbare sich, Und mir vor Augen bliebe, So giebt er dieses Pfand dabei, Daß er mit mir verbunden sei Und ewig bleiben wolle. 3. Dieß Pfand versichert mich auf's neu, Daß alle Sünd' vergeben, Und daß mir GOtt genädig sei; Daß ich hinfort soll leben In seiner Liebe, Huld und Gnad, Die er mir jetzt versiegelt hat Durch diese Seelen- Speise. 4. Ja dieses Pfand versichert mich, Daß ich soll auf erstehen Am jüngsten Tage seliglich, Und zu der Freud' eingehen; Weil ich das Pfand empfangen hab, So bleib ich nicht in meinem Grab, Wenn ich im Glauben sterbe. 5. GOtt Lob und Dank! der mich gespeis't Und herr lich hat getränket, Der solche Gnade mir erweis't Und selbsten sich mir schenket! Dem schenk ich mich hinwiederum, Und bleibe nun sein Eigenthum Fm Tod und auch im Leben. 6. HErr JEsu! ja dir lebe ich, Dir, dir will ich auch sterben, Ich bin gewiß, du nehmest mich, Nun an zu deinem Erben! Zum Erben hier in dieser Zeit, Zum Erben dort in Ewigkeit; So sterb ich ja mit Freuden. Der Kranke betet nach dem Genuß des heiligen Abendmahls. Aufmunterung. Ich lebe, doch nun nicht ich, sondern Christus lebet in mir: denn was ich jetzt lebe im Fleisch, das lebe ich im Glauben des Soh nes GOttes, der mich geliebet hat, und sich selbst für geben. Gal. 2, v. 20. Ter mich gez Gleichwie ein wahrer Christ allezeit GOtt herzlich zu danken Ursache hat, wenn er das hl. Abendmahl des heiligen Abendmahls. 331 empfangt, wie vielmehr soll ein Kranker GOtt von Grund des Herzens loben, wenn er dasselbe mit gutem Verstand hat genießen können. Hiebei ist aber zu erinnern 1) daß man sich nicht einbilde, auf das heil. Abendmahl ändere es sich mit dem Kranken; ja, es ändert sich mit seinem Seelenzustand, wenner es würdig empfängt, nemlich er erlanget Bergebung der Sünden u. Frieden mit GOtt; ev gelanget in die genaue Gemeinschaft mit Jesu; daß aber das hl. Abendmahl eine Veränderung verursache in der Krankheit, dazu ist es nicht eingesett; davon haben wir auch keine Verheißung. Darum 2) soll es auch ein Kranker nicht empfangen, damit er sehe, ob er gesund werden oder sterben solle, weil dieses ein Mißbrauch ist: sondern er soll es gebrauchen zur Stärkung des Glaubens, Versicherung der Vergebung der Sünden, der Gnade GOttes u. der Seelen Seligkeit. Hat er es also empfangen in der Ordnung, wie es Christus eingeſetzt, so hat er 3) GOtt dafür zu preisen, und mit stillem Herzen u. glaubiger Seele sich Gott zu ergeben. Wenn man im Krieg das Beste in Sicherheit gebracht, so ist man zufrieden; unsere Seele ist das Beste; haben wir diese durch wahre Buße u. Vereinigung mit JEsu Christo in die Hände GOttes empfohlen, so sind wir versichert, GOtt werde es auch wohl mit dem Leibe machen. Gebet. Mein JEsus! mich hat herzlich verlanget, das heilige Abendmahl zu empfangen, ehe denn ich sterbe. Nun, dieses Verlangen iſt mir jetzt erfüllet und gestillet worden; du hast mich geſpeiſet und getränket mit dei 332 Der Kranke bittet nach dem Genuß nem heiligen Leib und Blut, dafür preise ich dich von Grund meiner Seele. Ich liege hier auf meinem Bette, davon ich durch deine Allmacht wieder aufkommen, aber darauf ich auch sterben kann, wenn es dein heiliger Wille also ist; darum habe ich mich bereitet; meine Seele ist nun ge neſen, nachdem ich mit JEsu vereinigt bin; ja, ich will nun gerne sterben, nachdem ich, o JEsu! zu der genauesten Ge meinschaft mit dir gelanget bin. Lobe den HErrn, meine Seele! und vergiß nicht, was er dir Gutes gethan hat. HErr! mun läsfest du deinen Diener im Frieden fahren, denn meine Augen haben deinen Heiland gesehen. O JEsu! lebe in mir, schenke mir einen gelassenen Muth, christliche Zufriedenheit, und eine dir ganz ergebene Seele. Erhalte mich beständig bei heiligen und guten Gedanken, und laß dein liebliches und süßes Andenken immer in meinem Herzen sein. Willst du mich, o GOtt! nun durch den Tod von diesem Leben abfordern, so geschehe dein Wille. Ich weiß, meine Sünde ist mir vergeben, darum darf ich mich nicht fürchten, vor dich zu treten, denn wo Vergebung der Sünden ist, da ist auch Leben und Seligkeit. Ich weiß, JGsus hat mir seine Gerechtigkeit geschenket; des heiligen Abendmahls. wenn ich in diesem Schmuck und Ehrenkleide vor dich, o GOtt! komme, so wirst du mich um derselben willen von dem Gericht frei- und lossprechen. Nun ich bin gerecht worden durch den Glauben, so habe ich Frieden mit GOtt durch unsern HErrn JEsum Christum; durch ihn ist mir der Himmel und der Zugang zu dem Gnadenthron eröffnet. Ich weiß, JEsus ist mein Fürsprecher bei GOtt; ich sterbe in der Gnade GOttes, in dem Fieden mit GOtt; ich bin versichert des Beistandes des heiligen Geistes. So bin ich selig, so sterbe ich selig, so gehe ich selig aus der Welt, u. werde auch ewig selig sein. Dieß ist eine große Wohlthat, die du mir, o GOtt! an meiner Seele erzeiget hast, daß ich jetzt bei gutem Verstand dieses himmlische Liebesmahl mit Jesu habe halten können; diese himmlische Speise und Trank stärke und erhalte mich in wahrem Glauben zum ewigen Leben. So ist denn auch mein Wunsch erfüllet, daß meine Speise vor dem Absterben auch möge das heilige Abendmahl sein. Verleihe mir auch, daß mein letztes Wort, das ich auf der Welt rede, möge JEsus, und meine letzten Gedanken, die ich habe, auf JEsu Blut, Tod, Leiden und Sterben, und auf sein heiliges Verdienst 333 Der Kranke betet nach dem Genuß 2c. gerichtet sein, so weiß ich, daß ich fröhlich und selig leben und sterben werde. Ist GOtt für uns, wer mag wider uns scin? Ja, wer will mich scheiden von der Liebe JEsu? Ich lasse ihn nicht, bis er mich bringet zu der Gemeinschaft der Heili gen und Auserwählten. 334 Sei Lob und Preis mit Ehren, GOtt Vater, Sohn und heil'ger Geist! Der woll' in uns vermehren, Was er aus Gnaden uns verheißt; Daß wir ihm fest vertrauen, Uns ganz verlassen auf ihn, Von Herzen auf ihn bauen, Daß unser Herze, Muth und Sinn, Ihm fest ſtets mög' anhangen; D'rauf singen wir zur Stund': Amen, wir werden's erlangen, Glauben wir von Herzensgrund. Amen. Gesang. Mel. Schmücke dich, o meine Seele. 1. Nun ist meine Seel' gespeiset, Dafür sei mein GOtt gepreiset! Mit der Speis' ist mir gegeben Gnade, Segen, Licht und Leben! JEsus hat sich ihr geschenket; Sie hat sich in ihn versenket; Sie hat seine Lieb' empfunden, D der süßen Freuden- Stunden! 2. Dieses war auch mein Verlangen, JEsum selig zu empfangen; Nun empfind' ich Ruh' und Frieden, Jeſu Reich ist mir beschieden. Wie hoch ist mein Herz geehret, Da mein JEsus eingekehret, Da er in mein Herz gekommen und die Wohnung da genommen. 3. Er soll auch mein Herz regieren, Es mit Licht und Recht auszieren; Seele, Geist und alle Sinnen, Worte, Werke und Beginnen Sollen stets in allen Dingen Was mein Jesus will, vollbringen; Ich will nichts mehr thun und denken, Ich will JEsu ganz mich schenken. Der Kranke betet, wenn er Arznei gebraucht, 335 4. Durch ihn will ich heilig werden, Daß ich, weil ich leb' auf Erden, Daß mein Geist sammt Seel und Leibe Mit ihm fest vereinigt bleibe; Er soll meinen Geist durchdringen, Und dadurch mich dahin bringen, Daß ich, wie ein' wahre Rebe, In ihm wie im Weinstock lebe. 5. JEsus, JEsus soll mich stärken, Daß in meinem Thun und Werken Ich beförd're seine Ehre, Sonsten aber nichts begehre, Und dem Bösen widerstehe, Im Gehorsam ihm nachgehe. JEsu, ach! laß mir's gelingen, Mich viel Glaubensfrüchte bringen. 6. Ach! laß mich in solchem Stande Reißen meine Lebensbande; Ach! laß mich in solchem Leben Meinen Geist dereinst aufgeben; Laß in meinen Todesstunden Mich fest sein mit dir verbunden; Alsdann kann ich selig sterben Und das Freudenreich ererben. Der Kranke betet, wenn er Arznei gebrauchet. Aufmunterung. Ist Jemand krank, der rufe zu sich die Aeltesten von der Gemeine, und lasse sie über sich beten, und salben mit Del in dem Namen des HErrn. Und das Gebet des Glaubens wird dem Kranken helfen, und der HErr wird ihn aufrichten, und so er Sünde gethan hat, werden sie ihm vergeben sein. Jak, 5, v. 14. 15. Ein andächtiges Gebet ist allezeit vonnöthen in gesunden Tagen; warum sollte es ein Krarker vergeffen, sonderlich, wenn er Arznei gebraucht? Was die Arznei und deren Gebrauch anbelangt, so soll ein Kranker: 1) den Arzt und die Arznei nicht verachten, und nicht denken: wenn ich gesund werden soll, so kann mich GOtt ohne Arznei gesund machen, und wenn ich sterben soll, so wird mir die Arznei nicht helfen. Nein, also soll man nicht denken, denn das heißet GOtt versuchen. Gott hat nicht verheißen, uns ohne Mittel zu helfen; was uns GOtt nicht verheißen hat, das können wir 336 Der Kranke betet, auch nicht von ihm fordern. Welche die Arznei verachten und also sterben, die sind Mörder an ihrem Leibe. 2) Doch soll man sein Betrachten nicht allein auf den Arzt und Arznei setzen, sondern auf GOtt; wie denn unter die Sünden des Königs Assa gezählt wird, daß er in seiner Krankheit nicht GOtt, sondern die Aerzte gesuchet, und ihnen mehr als GOtt vertrauet habe, 2 Chron. 16, 12. Darum 3) soll ein Kranker die Mittelstraße erwählen; mit seinem Mund und Herzen soll er beten, und mit festem Vertrauen auf GOttes Hülfe die Arznei ergreifen und sie also gebrauchen; auf solche Weise weiß er, daß sie ihm wird gesegnet ſein. Gebet. du großer GOtt! du siehest den Zut stand, darin ich stehe, denn vor deinen allsehenden Augen ist gar nichts verborgen; du siehest in die verborgensten Winkel; du siehest auch auf mein Krankenbett, und weißest, wie mir jetzo zu Muth ist. Ach, mein GOtt! ich will die mir verordnete Arznei in deinem Namen gebrauchen; meine einzige Hoffnung aber stehet auf dich, denn du bist der HErr, unser Arzt. Je doch, weil du läsfest Kräuter aus der Erde wachsen, und die Arzneimittel selbst er schaffen hast, welche da sollen zur Gesundheit der Menschen dienen, so will ich jetzt dergleichen unter herzlicher Anrufung dei nes Namens und mit Gebet auch zu mir wenn er Arznei gebrauchet. 337 nehmen; ach! lege du selbst den Segen hinein. Zwar weiß ich wohl, daß du ohne Arznei helfen und gesund machen kannſt! denn wenn du nur ein Wort sprichst, ſo wird der Kranke gesund, und wenn du nur winfest, so muß die Krankheit weichen; allein weil du uns haft auch die Mittel zu gebrauchen befohlen, so will ich in dieser Ordnung mich derselben bedienen, und bitte dich, o großer GOtt! segne die Arznei, die ich jetzt in deinem Namen und in festen Vertrauen auf dich empfange; laß sie mir gedeihen zur Erstattung und Wieder- Erlangung meiner Gesundheit, zur Linderung meiner Schmerzen und auch zur Erquickung in meiner Schwachheit. Sprichst du deinen Segen dazu, so mag auch das geringste Kräutlein mir helfen; ja, Kraut und Pflaster hilft und heilet, wenn dein Segenswort dabei ist. Ich nehme die Arznei nicht, die Gesundheit zu erzwingen, sondern als ein Mittel, das du mir erlaubest hast, die Gesundheit von deiner gnädigen Hand wieder zu erlangen. Ich hebe meine Augen auf gen Himmel, wenn ich die Arznei mit der Hand fasſe; ich seufze zn dir vor dem Gebrauch, in dem Gebrauch und nach dem Gebrauch. Wenn du sie mir nun anschlagen läsfest, so werde 22 338 Der Kranke betet, wenn er Arznei gebrauchet. ich wieder genesen, denn meine Tage ste hen in deiner Hand. Ohne deinen Segen kann und mag ja nichts gedeihen, drum ich o Segens- GOtt! um Segen zu dir schreie; was du, HErr! segnest, das ist geſegnet ewiglich. Wirst du durch diese Arznei mir helfen, so will ich zwar für dieses Mittel dir herzlich danken, aber auch bedenken, daß mich nicht Kraut und Pflaster, sondern deine Gnade erhalten und deine Hand geheilet hat; und will mit Hiskia dein Lob bei Jedermann ausbreiten. Hör' ach! hör' mein seufzendes Schreien, Odu allgütiges Vaterherz! Wollst alle Sünden mir verzeihen, Und lindre meinen großen Schmerz; Erbarme dich, erbarme dich, GÖtt mein Erbarmer, über mich! Amen. Gesang. Mel. Zion klagt mit Angst und Schmerzen. 1. Wer in Kreuz und Trübsal flecket, Schaut den Himmel fleißig an; Wer den bittern Kreuzkelch schmecket, Welchen Niemand trinken kann, Der gedenkt deßwegen nicht, Als ob GOtt sein Angesicht Von ihm hätte gar gewendet, Ob er nicht die Hilf' gleich sendet. 2. Vielmehr soll er wohl erwägen, Daß die Stunde ist bestimmt, Da GOtt wie die Väter pflegen, Unsern Kreuzeskelch wegnimmt, Da das Leiden wieder weicht, Und ein frohes End erreicht, Daß man nach dem Kreuz und Leiden, Preise GOtt mit Herzensfrenden. 3. Auch die bitteren Arzneien Nimmt ein Frommer fröhlich ein, Und weiß: daß sie ihm gedeihen, Und ganz heilsam werden sein; Eifrig beten, und dabei Seufzen wenn die Arznei Man will zu dem Munde bringen, Wird zu vielem Heil gelingen. 4. Großer GOtt! an deinem Segen, Sprech' ich jest Der Kranke bittet um Linderung der Schmerzen. 339 Mit Herz und Mund, Ist es nur allein gelegen, Daß ich wieder werd gesund; Lege deine Kraft hinein, Ach! laß sie gesegnet sein, Laß die Krankheit bald verschwinden Und mich Stärk' und Linderung finden. 5. Dir will ich mich ganz ergeben; Tod und Leben steht bei dir; Soll ich annoch länger leben, Wie du willst, geschehe mir; In dem schweren Leibesschmerz Weiß ich, daß dein Vaterherz Nach dem Weinen, Seufzen, Schreien Mich vom Leiden wird befreien. Der Kranke bittet um Linderung der Schmerzen. Aufmunterung. Wenn ich schon rede, so schonet mein der Schmerz nicht; laffe ich es anstehen, so gehet er von mir. Hiob 16. v. 6. Die Krankheiten und Zustände des Leibes, darin GOtt einen Menschen gerathen läffet, sind nicht einerlei; etlichen schickt GOtt eine Krankheit zu, dabei ihnen kein Glied, ja, kein Finger wehe thut; etliche aber werden mit grausamen Schmerzen heimgeſucht, wie solches die Erfahrung lehrt. Dieses soll uns erinnern: 1) wenn man beten, GOtt erkennen und sich mit GOtt versöhnen will, daß man es fein in Zeiten thue, und nicht warte, bis man frank wird, wie Sirach sagt: Spare deine Buße nicht, bis du frank wirst. Denn wie will man in solchen heftigen Schmerzen beten, an Gott denfen, sich mit GOtt verföhnen? solches leiden die großen Schmerzen nicht. 2) Wird aber ein Kranker von Schmerzen angegriffen: so soll er deßwegen nichtwider GOtt murren, sondern alles in der Stille und mit Geduld annehmen. Doch aber 3) darf er wohl um Linderung bitten, was auch Chriftus in seinem Leiden gethan hat; Kinder klagen den Eltern ihre Noth, warum nicht ein Kind GOttes? 4) in den großen Schmerzen aber soll er denken an seine großen Sünden, die er Zeitlebens began22* 340 Der Kranke bittet um Linderung der Schmerzen. gen und erkennen, daß es wohlverdiente Schmerzen sind; er soll aber auch denken an GOttes große Barmherzigkeit und an seine große Allmacht, nach welcher er ihn davon befreien kann. Kann er 5) in solchen großen Schmerzen nicht viel und lange beteu, so seufze er zu GOtt, u.wisse, daß solchekurzeHerzens- Seufzernicht werden unerhört bleiben. 6) Ungeduld aber lindert die Schmerzen nicht, sondern macht sie noch größer. Gebet. Err! erhöre mein Gebet; vernimm mein Flehen, mein König; und mein GOtt! denn ich will vor dir beten. Ach! ich will beten und bitten, du wollest mich in dieser meiner Leidens- Schwachheit in Gnaden anſehen, und meine Schmerzen und mein groBes Leiden lindern. Du hast ja verheißen, du wollest uns nicht lassen versuchen über unser Vermögen, sondern machen, daß die Versuchung so ein Ende gewinne, daß wir's können ertragen. Ach siehe, mein GOtt! die Last wird mir fast zu schwer; die Schmerzen nehmen überhand; mein Leib ist matt: meine Kräfte haben abgenommen; meine Zunge klebet an dem Gaumen; meine Ge beine sind verbrannt wie ein Brand; das Gesicht vergehet mir, daß ich so lange muß harren auf meinen Gott. Ach, wie lang, ach lange, ist dem Herzen bange, und verlangt nach dir! Verzeihe nicht, mein Gott! Der Kranke bittet um Linderung der Schmerzen. 341 du erkennest, wie wehe mir ist. Du weißt ja, daß der betrübten Tage und Nächte schon viel sind geworden; du haft selbst gehöret mein Aechzen, Seufzen, Klagen und Schreien. Wo soll ich hin in meinem Elend und in meinen Schmerzen? Ach! wo soll ich hin? wo weiß ich hin? wo kann ich hin? denn nur zu dir allein, dem HErrn, meinem GOtt! Wenn ich allen Menschen meine Noth klagte; würden sie wohl mit mir Mitleiden haben, aber mich doch nicht erretten. Darum komme ich zu dir; ich weiß, du kannst mir helfen; es stehet bei dir; sprich nur ein Wort, so werde ich leben. Oliebster JEsu! der du dem tobenden Meer haft befohlen, sich zu legen, ach! befiehl auch meinen Schmerzen, daß sie sich legen müssen; der du den Gichtbrüchigen mit einem Wort geheilet hast, laß auch deine Barmherzigkeit an mir groß werden. Erquicke mich doch wieder, nachdem ich ſo lange gelitten und so vieles ausgestanden habe. Ach! komme zu mir mit deiner Hilfe, ehe mich der Schmerz gar aufreibet. Und soll ich ja nach deinem Rath noch länger Schmerzen leiden, so laß mich doch in deiner Gnad als wie ein Schäflein waiden, daß ich im Glauben und Geduld erwarte deine Baterhuld, die meinen 1 342 Der Kranke bittet um Linderung der Schmerzen. Schmerzen stillet. Ach! lege deine Gnadenhand auf mich, so werde ich gesund und von Schmerzen befreiet. Aus der Tiefe rufe ich, HErr! zu dir; laß deine Ohren merken auf die Stimmemeines Fehens! meineSeele wartet auf den Herrn u. auf seine Hilfe von einer Morgenwache bis zur andern; dennich weiß, bei dem HErrn findet man Hilfe. Hilf mir, Gott meines Heils! um deines Namens willen; errette mich, und vergieb mir meine Sünden um deiner Güte willen, doch nur nach deinem Willen. Soll ich die Schmerzen noch länger tragen, so geschehe dein Wille; gieb mir nur Kräfte, daß ich es ausstehen kann. Gieb mir, mein GOtt! zuweilen einen Rast- Tag, da ich mich wieder erquicke, oder doch eine Stunde, darin ich mich erhole. Unfre Trübsal ist zeitlich und leicht, darum mache du mir meine Schmerzen leichter, und befreie mich endlich davon. Ach GOtt! erhör mein Seufzen und Wehklagen. Laß mich in meiner Noth nicht gar verzagen; Du weißt mei'n Schmerz, erkennst mein Herz! Hast du mirs aufgelegt, so hilf mir's tragen. Amen. Gefang. Mel. O GOtt, du frommer GOtt 2c. 1. Ach mein GOtt! hilf mir doch; Du siehest, wie mir's gehet, Ach! dir ist wohl bewußt, Wie schlecht es um mich stehet? Du weißest meinen Schmerz, Mehr, als ich sagen kann, Drum hilf mir gnädiglich, Sonst ists um mich gethan. Der Krante seufzet zc. 343 2. Ach mein GOtt! hilf mir doch; Auf dich steht mein Vertrauen. Ach! laß mich deine Hilf' Mit Freuden bald recht schauen; Du bists, der Hilfe leist't, Ja, du bist ganz allein, D'rum stelle dich doch bald zu meiner Hilfe ein. 3. Ach, mein GOtt! hilf mir doch; Zu wem soll ich sonst fliehen, Wenn du mir deine Gnad' Und Hilfe willst entziehen? Gewiß, ich weiche nicht; Ich lasse nicht von dir, Bis du mir helfest aus, Und nimmst die Noth von mir. 4. Ach! mein GOtt! hilf mir doch; Ich weiß, du kannſt mich retten; Drum wollest du es thun In diesen meinen Nöthen; Du kannst es, du bist GOtt, Dem nichts unmöglich ist, Du willst es, weil du auch Zugleich mein Vater bist. 5. Ach, mein Gott! hilf mir doch, Daß ich dein Lob erheben, Und dich auch preisen mög', Dieweil ich werde leben, und sagen allezeit: Getrost! GOtt lebet noch Und währt es noch so lang, Sieh', mein GOtt hilft mir doch. Der Kranke seufzet, GOtt wolle ihn nicht verlaffen. Aufmunterung. Zion spricht: Der HErr hat mich verlassen; der HErr hat mein vergessen. Kann auch ein Weib ihres Kindleins vergessen, daß fie sich nicht erbarme über den Sohn ihres Leibes? und ob sie desselben vergäße, so will ich doch dein nicht vergessen; siehe in die Hände habe ich dich gezeichnet. Jes. 49, v. 14-15. Verursacht es bei einem Armen eine große Freude, einenreichen Wohlthäter zu haben; bei Verlassenen, einenstarken Beistandzu haben; sokann auch einkranker große Freudigkeit haben in seiner Krankheit u. in seinemLeiden, weil er die Verheißung hat, GOtt wolle ihn nicht verlassen. Hiebei abersoll er denken; 1) daß nicht ein jeder Berzug der Hilfe ein Verlassen sei; denn manche Kranke, wenn GÖtt nicht gleich u. nach ihrer Rechnung bald hilft, so schreien u. sprechen fie, Gott habe sie verlassen; alleinfosoll man nicht denken.Hilfe, dieer aufgeschoben, hater drumnicht aufgehoben; hilft er nicht zu jeder Frist, hilft erdoch, wenn's nöthig ist. Es soll ein Kranter 2) bedenken, GOtt habe seine Der Kranke seufzet, Hilfsstunde bestimmt, darin er helfen will; doch bis dieselbe anbricht, soll er geduldig warten. Er soll 3) bedenken, ob er in gesunden Tagen nicht auch GOtt verlassen habe; was wäre es denn Wunder, daß ihn solches GOttjetzt empfinden ließe? Hieran aber will ihn GOtt erinnern durch den Vorzug der versprochenen Hilfe. Darum bleibet der Kranke 4) dabei, daß er im Glaubensage, GOtt kann mich nicht verlassen, ich bin sein Kind; GOttwill mich nicht verlassen, erhat's mir verheißen; GOtt wird mich nicht verlassen, er hat mir vor diesem schon oftmals geholfen. Wird er sich also in GOtt faffen, so wird er den Verzug der Hilfe in Geduld leiden, und endlich herrlich se hen, daß er von GOtt nicht verlassen worden ſei. Gebet. du allerliebster GOtt und Vater! der du mich je und je geliebet, und aus großer Liebe zu dir gezogen. Siehe, ich armer Kranfer komme zu dir, und bitte dich de müthig, du wollest mich jetzt nicht verlaf sen in meiner Leibes- Schwachheit. Du weißt ja, mein GOtt! daß ohnte dich mir nicht kann geholfen werden, Du bist der Mächtige in Jakob, der Schutz Israels, die Zuflucht der Betrübten, der Helfer der Elenden, der Beistand in der Noth. Der HErr ist mit mir, darum fürchte ich mich nicht; er wird sich aufmachen und über Zion erbarmen; er wird mich in Gnaden ansehen. Menschen sprechen: Ich kann 344 GOtt wolle ihn nicht verlassen. 345 euch nicht helfen; und so bin ich ja von allen Menschen verlassen. Doch ich weiß, daß ich von dir nicht verlassen bin; denn GOtt verläßt ja keinen, der sich auf ihn verläßt, er bleibt getreu den Seinen, die ihm vertrauen fest; läßt sich's an wunderlich, laß du dir gar nicht grauen: mit Freuden wirst du schauen, wie GOtt wird retten dich. Ach, mein GOtt! verlaß mich nicht; fiehedoch, wie mein Leiden so lange währet; am Abend denke ich, morgen wird es beffer werden, und am Mittag sehne ich mich schon wieder nach dem Abend; ja, in der Nacht rufe ich oft: Hüter ist die Nacht schon hin? Meine Seele wartet auf dich von einer Morgenwache bis zur andern. Ach, mein GOtt! verlaß mich nicht; siehe doch, wie mein Leiden immer schwerer wird; ach: laß mich doch die Last nicht gar erdrücken; nimm weg den Stein, der auf mir lieget, die Ruthe, die mich schläget, die Schmerzen, die mich plagen. Du kennſt ja meine schwachen Kräfte wohl, wie viel ich ausstehen kann. Mein GOtt! verlaß mich nicht; siehe doch, wie mein Leiden gar mannigfaltig ist; es scheinet, als ob sich die Trübsal nicht verringere, sondern vielmehr vermehre. Wo soll ich denn hin, wenn du mich verlassen willst? Willst du 346 Der Kranke seufzet 2c. mir nicht helfen, so kann mir keine Kreatur helfen; willst du mich verlassen, so bin und bleibe ich ohne Hilfe. Allein ich weiß, du verläsfest mich nicht, ich halte dir vor deine Verheißung, da du gesprochen: Ich will dich nicht verlaſſen; ich will dich nicht versäumen. Die auf den HErrn harren, werden nicht fallen, sondern feste bleiben, wie der Berg Zion. Der Held in Iſrael hat es versprochen, er wird seinem Volk Kraft geben, und den Elenden, der keinen Helfer hat, erretten, und den Seelen der Armen gnädig ſein. Nun auf dein Wort traue ich, und hoffe, du wirst deine Zusage treulich halten im Himmel. Du kannst mich nicht verlassen, denn ich bin ja dein Kind; bin ich doch dein ererbtes Gut, erworben durch dein theures Blut; ich bin dein Eigenthum, darum wirst und kannſt du mich, dein Kind und Eigenthum, nicht verlassen. Ich bin versichert, du wirst mich nicht verlassen; du hast mich noch nie verlaf sen in meinen Leiden u. Trübsalen, da mich Leiden ohne Zahl ergriffen hatten, da die Wellen der Trübsalen über mein Haupt zusammen schlugen; so wirst du es dießmal auch nicht thun. Darauf gebe ich mich zufrieden; darauf verlasse ich mich, und bin guten Muths, und sage: HErr! ich Der Kranke erinnert sich seines Todes. 347 lasse dich nicht, du hilfest mir dann auf eine solche Art und Weise, wie es dir gefällt. Wo soll ich mich denn wenden hin? Zu dir, HErr JEsu! steht mein Sinn: Bei dir mein Herz Trost, Hilf' und Rath Allzeit gewiß gefunden hat! Niemand jemals verlassen ist, Der sich verläßt auf JEsum Christ. Amen. Gesang. Mel. Wer nur den lieben GOtt läßt walten. 1. Jch trage mein Kreuz nicht alleine, Mein JEsus träget es mit mir: Im Leiden bin ich auch der Seine, Er stehet mir bei für und für; Ich trage mein Kreuz nicht allein, Dieß soll mein Trost und Zuflucht sein. 2. Den Beistand hat er mir versprochen, Und auch die Hilf' zu seiner Zeit; Wenn nun die Stunde angebrochen So weichet auch mein Herzeleid; Drum wird mein Glaube niemals klein, Ich trage mein Kreuz nicht allein. 3. Sieh' GOtt ist es, durch dessen Gnade Ich bis auf diesen Tag noch steh', Der macht, daß mir das Kreuz nicht schade, Ob ich gleich fühle Angst und Weh, Daß ich vor großem Schmerz oft wein', Doch bin ich nicht im Kreuz allein. 4. Nun ich will es gedultig tragen, Und währte es gleich noch so lang; Sollt' ich an GOttes Hilf' verzagen? Um Hilfe ist es mir nicht bang; GOtt stellt sich bald zur Hilfe ein, Ich trage mein Kreuz nicht allein. 5. Mein treuer GOtt! dir will ich trauen, Verlasse mich im Kreuze nicht, Auf deine Liebe will ich schauen, Bis meine Hilfestund' anbricht; Laß mich im Kreuze nicht allein, Du bist ja mein Und ich bin dein. Der Kranke erinnert sich seines Todes. Aufmunterung. Die Zeit meines Abscheidens ist vorhanden; Ich habe einen guten Kampf gekämpfet; ich habe den Lauf vollendet; ich habe Glauben gehalten. Hinfort ist mir beigelegt die Krone drr Gerechtigkeit, welche mir der HErr an jenem Tage, der gerechte Richter, geben wird; nicht mir aber allein, sondern Allen, die seine Erscheinung lieb haben. 2 Tim, 4, 6-8. Sich seines Todes erinnern ist eine nüßliche Sache, Der Kranke erinnert sich seines Todes. denn1) dadurchziehetmanseinHerz vonderEitelkeit u. von den Sünden ab; man siehet alles Irdische anals Dinge, die man nicht kann in den Himmel nehmen, die man nicht kann behalten, u. die uns in derStunde des Todes nicht trösten können. Sich des Todes erinnern iſt auch 2) eine nothwendige Sache, denn welche da meinen, der Tod sei noch weit von ihnen entfernt, die werden oft frech, üppig, boshaft, vertiefen sich in die Welt, u. stellen sich ihr gleich; überfällt mun solche der Tod von ungefähr, so gehen sie gewiß verloren. Sich des Todes erinnern ist 3) gar heilsam; denn wer, bevor er stirbt, sich sein Ende fleißig vorstellt, der stirbt nicht, wenn er stirbtu.dem kommt der Tod nicht schrecklich vor; denn der Tod der Glaubigen ist nichts anders, als ein Hingang zum Vater u. ein süßer Schlaf. Werfürchtet sich aber wohl, zum Vater oder zu Bette zu gehen? 4) Man soll aber nicht denken, daß das ein Zeichen zum Tode sei, wenn ein Kranter viel vomTode redet, seine Leiche bestellet, sein Testament machet. u. sich zum seligenSterben bereit hält; o nein! darumstirbt Niemand einen Augenblick eher, als ihm GOtt sein Lebensziel bestimmt hat. Man soll 5) sich auch seine Todesstunde nicht sogar grausamu.schredlich vorstellen, wie manche Kranke thun, die sich vor demSterben u. Herzbrechen fürchten; die Heiden ha ben zwar gesagt, der Tod sei das schrecklichste unter allen schrecklichen Dingen; Christen aber sterben inder Gnade Gottes, in den Armen JEfu, in der Gemeinschaft des heil. Geistes; was ist daran schrecklich? It dieses nicht vielmehr Trost, Süßigkeit und Freude? Gebet. 348 Herr! es ist genug, nimm meine Seele hin! so seufze ich zu dir, mein Gott! da ich in meiner großen Schwachheit, die in Der Kranke erinnert sich seines Todes. 349 mer größer wird, wohl merke, daß meines Lebens Ziel da ist. Ich begehre aufgelöset und bei Christo zu sein. Ich fürchte mich vor dem Tode und Sterben nicht; ich habe bei geſunden Tagen oft daran gedacht, darum kommt es mir jetzt nicht schrecklich vor. Gleichwie das Täublein Noä mit Freuden zu dem Kasten fehrete; wie ein Fremder mit Verlangen nach ſeinem Vaterlande eilet, also sehe ich meinen Tod an als eine Aufnahme zur Ruhe aus der Unruhe, als ein glückliches Anlangen aus der Pilgrimschaft in das himmlische Freudenland; da nach dem sehnlichen Verlangen ein himmlisches Umfangen meines JEsu folgen wird. Ich weiß, daß der Tod einem glaubigen Christen ein sanfter Schlaf ist und ein Durchgang in das ewige Leben. Böse Menschen und Weltfinder mögen sich vor dem Tode fürchten, denn sie haben keinen gnädigen GOtt, stehen nicht in der Gemeinschaft mit JEsu Christo, und haben ihr Herz GOtt dem heiligen Geist nicht zur Wohnung übergeben; allein ich fürchte mich nicht zu sterben, weil ich dessen alles versichert bin. Der HErr ist mein Licht und mein Heil, vor wem ſollte ich mich fürchten? Der Herr iſt meines Lebens Kraft, vor wem sollte mir Der Kranke erinnert sich seines Todes. grauen? GOtt ist mein Vater, JEsus mein Fürsprecher, der heilige Geist mein Führer und Tröster; zu dem komme ich, zu dem gelange ich, warum sollte ich mich fürchten? Meiner Seelen Bräutigam wird mich, seine Braut, wohl empfangen. Wenn mein JEsus von seinem bevorstehenden Tode redete, so sprach er: Ich gehe zum Vater. Ja, liebster JEsu! ich will dir auch so nachsprechen: Wenn ich sterbe, so gehe ich zum Vater, zum Himmel, zur Freude, zur Seligkeit. Was soll ich mich fürchten zu sterben? JEsus ist mein, seine Gerechtigkeit ist mein, sein Verdienſt ist mein, der Himmel ist mein, warum sollt ich nicht fröhlich sein? Der Leib kommt in die Erde, aber die Seele fähret zu GOH! sie gehet aus der Welt in den Himmel, aus der Eitelkeit in die Seligkeit, aus dem Trauern in die Freude, aus dem Leiden zur Glückseligkeit, aus dem Weinen zur Herrlichkeit; ist das nicht ein seliger Durchgang? Ich gehe zur Ruhe, zur Freude, zur Wonne, zur Sonne, zum ewigen Vergnügen. Sehe ich doch schon, wie die En gel um mein Bette stehen, und die Seele zu solcher Herrlichkeit begleiten wollen. Sehe ich doch, wie JEsus seine Arme aus breitet, und mich als sein Kind empfangen 350 Der Kranke erinnert sich seines Todes. 351 will; wie so viele tausend Glaubige mich aufnehmen wollen. Darum bin ich getrost; ich vergesse, was dahinten ist; nämlich die Erde und alles Irdische, was ich auf Erden habe, und strecke mich nach dem, was da vornen ist, nach dem himmliſchen Kleinod, das uns aufbehalten ist im Himmel. Ich habe einen guten Kampf gekämpfet; ich habe meinen Lauf vollendet; ich habe Glauben gehalten; hinfort ist mir beigelegt die Krone der Gerechtigkeit, welche mir der gerechte Richter an jenem Tage geben wird, nicht mir aber allein, sondern auch allen, die seine Erscheinung lieb haben. Wie wohl wird mir sein, wenn ich aufgelöset bin! wie selig werde ich sein, wenn ich in JEsu Armen bin! wie vergnügt werde ich sein, wenn ich durch den Tod in das ewige Leben durchgedrungen bin. Kann uns doch kein Tod nicht tödten, Sondern reißt unsern Geist Aus viel tausend Nöthen; Schleußt das Thor der bittern Leiden Und macht Bahn, daß man kann Geh'n zu ew'gen Freuden. Amen. Gesang. Mel. Wenn mein Stündlein vorhanden ist zc. 1. Wer da will als ein frommer Christ Nach GOttes Willen sterben, Durch JEsu Blut versichert ist, Den Himmel zu ererben. Der kämpfe und bereite sich, damit er alsdann seliglich Von hinnen mög' abscheiden. Der Kranke betrachtet sein Grab. 2. Vor allem fall' er GOttt zu Fuß, Beweine seine Sünden, Der thu' in Zeiten wahre Buß' Daß er mög' Gnade finden, Er hasse jede böse That Und was er sonst begangen hat In seinem ganzen Leben. 352 3. Er glaube fest an JEsum Christ, Und flich' zu dessen Wunden, Der da der Sünden Zuflucht ist, Damit er werd' entbunden Von aller Ungerechtigkeit, Und nehm' dieß Blut zum Sterbekleid In seinen Todesstunden. 4. Er führ' sodann in Frömmigkeit Ein gottgefällig Leben, Hab' GOtt im Herzen allezeit; Er soll sich auch bestreben, Daß er sich nie von GOtt abwend' Und bleibe fromm bis an sein End', Wie GOtt es hat befohlen. 5. Er fliehe dabei allermeist Die schnöden SündenWege, Und was da sonst von GOtt abreißt, Er steh' nicht auf dem Stege, Auf welchem freche Menschen sind, Er leb' auch als ein GOtteskind, Und meide, was GOtt haffet. 6. Er halte stets mit Beten an, In den gesunden Ta gen, Er bete, weil er beten kann, Die Noth GOtt vorzutragen. So wird GOtt das Gebet erseh'n, Wenn seine Lippen starrend steh'n Am Ende seines Lebens. 7. Besonders soll er sich bei Zeit mit seinem Feind versöhnen, Der ihn mit Zorn und Bitterfeit Hat pflegen zu verhöhnen, Daß er ein liebreich Herze hab', Eh' man ihn träget in das Grab, Und er den Feind verlasse. 8. Er flebe nicht an dieser Erd' Mit seinem Geist und Herzen, Die Welt ist uns'rer Lieb' nicht werth. Und bringet viele Schmerzen, Wenn man sie nun verlassen soll, Hingegen thut derselbe wohl, Der nach dem Himmel trachtet. 9. Mein Gott! verleih mir deine Gnad' Daß ich die Welt nichts achte, Und gerne folge deinem Rath, Und ihn mit Fleiß betrachte, Auf daß, wenn nun es dir ge fällt, Ich wohl bereitet aus der Welt Zum Himmel mög' eingehen. Der Kranke betrachtet sein Grab und Auferstehung. Aufmunterung. JEsus spricht: Ich bin die Auferstehung und das Leben; wer und Auferstehung. 353 an mich glaubet, der wird leben, ob er gleich stirbet. Und wer da lebet und glaubet an mich, der wird nimmermehr sterben. Joh. 11, v. 25. 26. Wer als ein Christ sein Grab anfiehet, der wird davor nichterschrecken, sofinster es auch immerseinmag; denn 1) isteseine Ruhekammer, wowirvonallenSchmerzen Jammer, Kummeru.Herzeleidsollen befreit werden. Wird aber der Frommen Leib ohne Schmerzen schlafen u. ruhen, so wird 2) die Seele einer himmlischen u. unendlichen Freudegenießen; dennder GerechtenSeelen sind in Gottes Hand, u. keine Plage rühret sic an; Trost, Freude u. Wonne wird stets um sie sein. Der Leib soll 3) auch im Grabe nicht bleiben, sondern die Gebeine u. matten Glieder, wenn sie nun ausgeruhet haben, sollen amjüngsten Tage herrlich wieder auferstehen, leuchten wie die Sonne, und mit der Seele wiederum vereiniget werden. Wollteman 4) einwenden: ich muß aber die lieben Meinigen u. mein Habu. Gut auf Erden verlassen; so soll man bedenken, daß im Himmelein allgemeines Wiedersehensein wird. Werden die Unsrigen im Glauben bleiben u. GOtt fürchten, so werden sie uns auch nachfolgen, u. dann werden wir nicht mehr von ihnen geschieden werden. Was die leiblichen Güter betrifft, so wird uns GOtt dafür himmlische u. ewige Güter schenken. Wenn dieses alles von einem Kranken erwäget wird, so kann die Betrachtung des Grabes ihm nicht erschrecklich vorkommen. Gebet. Gnädiger und barmherziger GOtt! siehe ich bin bereit, nach deinem heiligen Willen zu leben und zu sterben; ich fürchte mich nicht vor dem Tode, weil ich weiß, daß er mich wird nach viel Trübsal und Leiden 23 354 Der Kranke betrachtet sein Grab zur Ruhe bringen. Denn nach dem Abschied aus diesem Leben muß mich all' mein Leiden, Trübsal, Kreuz und Unruhe verlassen; ich gelange zur Ruhe, zur Freude; ich werde ergößet, erquicket, erfreuet, nachdem ich in der Welt so viele trübe Stunden u. traurige Nächte gehabt. Vor dem Grabe fürchte ich mich auch nicht, denn siehe, es wird sein meine Schlaf- Kammer; mein Elend, meine Krankheit und mein Leiden kommt nicht mit mir in's Grab, das muß draußen bleiben. O stiller Ort, o angenehme Ruhestätte! wann werden meine matten Glieder u. mein schwacher Leib in deinen Schooß geleget werden? Das Grab hat mir JEsus selbst geheiliget, er hat mir's zur Ruhestätte gemacht; als er nach ausgestand'nen Leiden darein geleget wurde, hörten seine Schmerzen und all' sein Jammer auf. So hat der HErr auch meinem Leib eine Ruhekammer bereitet in der Erde, und der Seele einen Erquickungs ort im Himmel. Suchen Menschen schöne Häuser, weiche Betten zur Ruhe, siehe, so sind sie mit meinem Grab nicht zu verglei chen; aus einem schönen Hause kann man durch Feuer, Feinde und andere Zufälle gejaget werden; in meinem Grab aber wird mich Niemand stören. JEsus wird meine und Auferstehung. 355 Gebeine bewahren, daß deren nicht eines wird verloren gehen, ja, er wird auch meine vermoderten Gebeine wieder zuſammen bringen. Im weichen Bette muß mancher Schmerzen und Ungemach ausstehen, aber in meinem Grabe wird fein Unglück sich zu mir nahen, und kein Schmerz wird mich rühren. So ist das Grab ein von allen Leiden u. Schmerzen befreiendes Bett; ſobald Jemand da hinein gelegt wird, so höret sein Schmerz u. Ungemach auf. Warum sollte ich mich vor dem Grabe fürchten? Ich werde ja nicht darinnen bleiben. Ich weiß, daß mein Erlöser lebt, und er wird mich hernach aus der Erde wieder auferwecken. Wer an mich glaubet, spricht mein JEsus, der hat das ewige Leben, und ich werde ihn auferwecken am jüngsten Tage. So soll denn mein Grab nur ein kurzer Aufenthalt sein, darin mein Leib wird schlafen, bis JEsus kommen wird, und sprechen: Stehet auf, ihr Todten! und kommet vor's Gericht. Es kommt die Stunde, in welcher alle, die in den Gräbern sind, werden hören die Stimme des Sohnes Gottes, und werden hervor gehen. Wenn ich nun dieſe Stimme hören werde, so werde ich auch auferſtehen aus meinem Grabe; mein Leib wird mit meiner Seele wieder 23* Der Kranke betrachtet sein Grab 2c. vereiniget; mein Leib wird unsterblich gemacht und verherrlicht werden; ich werde leuchten wie die Sonne, ja, alle Schwach heit um und an, wird von mir sein abgethan. Grünet das Waizenkorn wieder hervor, wenn es in der Erde erstorben zu sein scheinet, so werden meine Gebeine auch wieder versammelt, mit Adern zusammengebunden u. mit Haut überzogen werden. Es wird gesäet verweslich, und wird auf erstehen unverweslich; es wird gefäet in Schwachheit, und wird auferstehen in Kraft; es wird gesäet ein natürlicher Leib und wird auferstehen ein mit geistigen und himmlischen Eigenschaften begabter Leib. Was hier fränkelt, seufzt u. fleht, Wird dort frisch u. herrlich gehen; Irdisch werd ich ausgesät, Himm lisch werd ich auferstehen. Weil du vom Tod erstanden bist, Werd ich im Grab nicht bleiben, Mein höch ster Trostdein' Auffahrt ist, Todesfurcht kann sie ver treiben; Denn wo du bist, da komm ich hin, Daß ich stets bei dir leb und bin, Drum fahr ich hin mit Freu den. Zu dir will ich, o JEfu Christ, Stets meinen Arm ausstrecken, Ich schlafe ein und ruhe sein, kein Mensch wird mich aufwecken: Denn JEsus Chri stus, GOttes Sohn, Der wird die Himmelsthir aufthun, Mich führen zum ew'gen Leben. Amen 356 Gesang. Mel. Wer nur den lieben GOtt läßt walten. 1. Ich scheue mich nicht vor dem Grabe, Ich sehne mich vielmehr darnach, Weil ich da wahre Ruhe habe Nach Der glaubige Christ danket GOtt 2c. 357 ausgestand'nem Weh und Ach: Wer sich noch vor dem Grabe scheut, Der ist noch in der Welt zerstreut. 2. Das Grab ist meine Ruhe- Kammer, Darein mein Leib mit Freuden zieht, Weil in derselben aller Jammer Auf einmal von mir weicht und flieht: Wer schrecklich von dem Grabe spricht, Der kennt des Grabes Ruhe nicht. 3. Das Grab nimmt alle meine Lasten, Die Sorg und Kümmerniß von mir, Und läsfet mich da sanfte rasten, O großer GOtt! dieß dank ich dir; Auch von der Sünden Angst und Bein Werd' ich im Grab befreiet sein. 4. Das Grab ist mir ein sanftes Bette, Seht, JEſus deckt mich selber zu, Es ist die beste Ruhestätte, Da Niemand störet meine Ruh; Dem Leibe ist im Grabe wohl, Die Seel' ist bei GOtt freudenvoll. 5. D'rum bleibt im Grab und JEsu Wunden Mein Leib und Seele wohl bewahrt, Sie haben darin Schuß gefunden, Wo sie zur Herrlichkeit verspart Verbleiben, bis der große Hirt Sie wiederum verein'gen wird. 6. O schönes Grab, o fühle Erde, O schwarze Gruft, doch sanfter Schooß! Darinnen ich recht glücklich werde, Von Leiden, Trübsal, Unglück los; HErr! meinen Geist befehl ich dir, Die Ruh gönn' meinem Leibe hier. Der glaubige Christ danket GOtt wegen der wieder erlangten Gesundheit. Aufmunterung. Siehe zu, du bist wieder gesund worden: sündige hinfort nicht mehr, daß dir nicht etwas Aergeres widerfahre. Joh. 5, v. 15. Daß die meisten Kranken gerne beten, ist gewiß, und daß die meiſten mit dem Munde Gott vielversprechen: wie sie, wenn sie GOtt lässet gesund werden, wollen neue Kreaturen, fromme Christen, eifrige Beter, fleiBige Kirchengänger, und von Herzen u. Sinnen ganz neu imLeben werden, ist auch gewiß. Aber daß dieses Versprechen die allerwenigsten halten, lehret, leider! die tägliche Erfahrung, indem sie nach erlangter Gesundheit wieder so eitel, boshaftig, unbändig, unarfigu. frech werden, wie sie vorher gewesen, wo sie nur 358 Der glaubige Christ danket GOtt nicht schlimmer werden. Daher sollein wahrer Christ, wenn ihn GOtt von dem Krankenbette befreiet hat: 1) GOttes Allmacht erkennen, loben u. preisen, wie Gottes Allmachtihnauf einmal aufsBette hingewor fen, aber auch davon wieder aufgerichtet, u. ihn von der Todesgefahr gnädiglich befreiet habe. 2) Es soll einkranker, der nun wieder gesundworden ist, sein auf dem Sterbebette gethanes Gelübde bezahlen, u. sein Versprechen halten, darum, weil er es GOttu. nicht Menschenversprochen hat: dennesistbesser, nichtsver sprechen, als das Versprochenenichthalten. 3) Hater wieder, wie Hiskias, neue Kräfte erlanget: so soll er nicht allein zu Hause auf seinen Knieen dem allmächtigendreieinigen Erretter danken, sondern auch in das Haus GOttes eilen, und daselbst vor GOttes Angesicht sich niederwerfen, auch Anderndadurch Gelegenheit geben, die Gnade GOttes zu erkennen, die er ihm erwiesen hat. 4) Soll er auch an die AngstseinerSeele denken, die Todes- u. Lebensgefahr fleißig erwägen, und dem allmächtigen dreieinigen GOtt zu Ehren ein frommes und gottseliges Leben führen, ja, alſo im Glauben u. gottseligen Leben verharren, daß er hin fort, wenn etwa GOtt geschwind mit der Todesstunde kommen sollte, möge zum seligen Sterben u. fröhlichen Ausgang aus diesem Leben bereit ſein. Gebet. O du allmächtiger und gnädiger GOtt! ich trete jezt allhier vor dein allerheiligstes Angesicht, und danke dir von Grund meiner Seele, daß du mich von meinem Krankenbette wiederum aufgerichtet haſt. Ich denke noch an die Angst- Stunden, an das beschwerliche Leiden, an die betrüb wegen der wieder erlangten Gesundheit. 359 ten Nächte, an die große Gefahr, darin ich lag und schwebete. Aber siche, deine mächtige Hand hat mich gnädig von meinem Lager aufgerichtet; du hast mich wieder auf meine Füße gestellet, daß ich ausund eingehen kann. Deine Gnade hat meine Klagen verwandelt in einen Reigen; du hast meinen Sack ausgezogen und mich mit Freuden gegürtet. HErr! HErr! du hast Großes an mir gethan, deß bin ich fröhlich; deine Liebe und Barmherzigkeit hat mir bisher geholfen. Denn das weiß ich fürwahr: wer GOtt dienet, der wird nach der Anfechtung getröstet, und aus der Trübsel erlöset, und nach der Züchtigung findet er Gnade. Denn du, o GOtt! haſt nicht Lust an unserem Verderben; nach dem Ungewitter läsfest du die Sonne wieder scheinen; nach dem Heulen und Weinen überschüttest du uns mit Freuden. Dieſe Barmherzigkeit und Vater- Treue habe ich auch in meiner Krankheit empfunden; daher will ich mein Lebenlang denken an die Angst meiner Seele; aber ich will auch rühmen, o allmächtiger GOtt! vor der großen Gemeine, was du an mir gethan haſt. Du hast die Arznei gesegnet; du haft meine Schmerzen gelindert; du haſt mir Stärke gegeben, das Leiden zu über Der glaubige Christ danket GOtt. winden; du hast nach den mühsamen und elenden Nächten mir Erquickungs- Tage bescheret, und dich meiner in meiner Trübsal wie ein Vater erbarmet. Darum lobe den HErrn, meine Seele, und was in mir ist, seinen heiligen Namen; lobe den HErrn, meine Seele, und vergiß nicht, was er dir Gutes gethan hat. Ich will den HErrn loben allezeit, sein Lob soll immerdar in meinem Munde sein; meine Seele joll sich rühmen des HErrn, daß die Elenden und andere Krante es hören u. sich freuen. Preiset mit mir, ihr, die ihr jemals, wie ich, in Nöthen, Krankheit und Leiden gewesen seid, den HErrn, und lasset uns mit einander seinen Namen erhöhen. Denn da wir Elende riefen, hörete der HErr, und half uns aus allen unsern Nöthen. Die den HErrn in ihrem Glend im Glauben ansehen, und mit Gebet anrufen, de ren Angesicht wird nicht zu Schanden; er lässet sie nicht betrübt von seinem Thron weggehen, sondern er erbarmet sich ihrer gnädiglich. Ach, mein GOtt! laß dieſe mir erwiesene Gnade und Barmherzigkeit alle zeit vor meinen Augen und in meinem Herzen sein. Nun weiß ich und habe es es erfahren, daß du ein mächtiger GOtt biſt, daß du kannſt die Todten lebendig, die 360 wegen der wieder erlangten Gesundheit 361 Kranken gesund, die Schwachen stark und die Betrübten fröhlich machen. War ich dem Tode nahe, so hat deine Güte dießmal mein Leben noch erhalten; darum, mein GOtt! habe ich mir durch deine Gnade fest vorgenommen, die mir geschenkte Gesundheit, das auf's Neue mir verliehene Leben und die Jahre, die ich nach deinem Nath in der Welt noch bleiben soll, zu deiner Ehre anzuwenden, u. in der wahren Frömmigkeit zuzubringen. Ach! ich habe in meinen Schmerzen und Krankheit erfahren, wie Silber und Gold, Ehre und Herrlichkeit der Welt, auch gute Freunde die Kreuzeslast mir nicht abnehmen konnten, sondern wenn du mir nicht geholfen hättest, so wäre ich in meinem Elende vergangen; darum will ich hinfort nicht mehr nach eitlen Dingen trachten, sondern meine Freude an dir haben; ich will in der Welt sündliche Gesellschaft meiden, und mich halten zu deinem Altar, da man höret die Stimme des Dankes, und da man erzählet alle deine Wunder. Ich will, da mir dieſe besondere Gnade erschienen ist, verläugnen das ungöttliche Wesen und die weltlichen Lüste, und züchtig, gerecht und gottselig leben in dieser Welt, damit ich wie die flugen Jungfrauen bereitet sei, wenn du mit : 362 Der glaubige Christ danket GOtt 2c. meiner Todesstunde u. mit dem Ende meines Lebens kommen wirst, zu der Hochzeit des Lammes, zuder ewigenFreudeu.Herrlichkeit einzugehen. Ich hatte viel Bekümmerniß in meinem Herzen, mein GOtt! doch deine Tröstung war gewiß die Arznei meiner Schmerzen. Immanuel, Trost Israel! je mehr du mich verlezest, je mehr du mich ergößzest. Ich hatte viel Bekümmerniß, Wenn ich den Tod bedachte Da mir das finstre Grab gewiß Nicht kleines Granen machte. Immanuel, Trost Israel; Weil du den Tod geschmecket, Hat er mich nicht erschrecket. So hatt' ich viel Bekümmerniß, Du aber viel mehr Liebe, Dein Trost war mir so engelsüß, Daß er die Angst vertriebe. Immanuel, Trost Israel! Kannst du mich hier so trösten, Dort ist der Trostam größten. Amen. Gesang. Mel. Wie soll ich dich empfangen.. 1. Wie kann ich gnugsam preisen, HErr! deine Wun derthat, Und tiefsten Dank erweisen Für deine Lieb und Gnad, Weil das, was mich gedrücket: Mein Leiden ist dahin, Und da ich hochbeglücket Vom Tod errettet bin. 2. Mein Geist ist sehr erfreuet, Wenn er die Hülf erblickt, Das Leben ist erneuet, Die Seele ist erquickt, Ja Sinne und Gemüthe, Und was nun ist in mir, Das preiset deine Güte, Mein Vater! für und für. 3. D'rum soll mein Mund nicht schweigen, Der wieder singen kann, Und dankbar sich erzeigen Dem, der mir Gut's gethan; Mein Herz stimmt ein mit Freuden, Und rühmet überall, Wie GOtt in meinem Leiden Geholfen dieses Mal. 4. Ich sahe mich verlassen, Und du erhobest mich; Wie kann ich's gnugsam fassen, Daß du so gnädiglich Von allen Trübsalsstunden, Die dir und mir bekannt, Mich väterlich entbunden Durch deine starke Hand Sprüche und Seufzer zum Nachdenken deren, 2c. 363 5. Ich konnte mir nicht rathen, Ich war von Hülfe blos, Doch sah ich Wunder- Thaten, Da du in deinen Schooß mich als ein Vater legtest, Und hieltest dich zu mir, Ja wie dein Kind mich pflegtest, Und sprachst: Ich bin bei dir. 6. Ja wohl! ich hab' empfunden, Daß du an mich gedacht, Denn ich hab' überwunden Durch deines Armes Macht; Ach ja, ich bin genesen, Lob' GOttes Herrlichkeit; Ich bin in Noth gewesen, Und nun daraus befreit. 7. HErr! ich hab recht gesehen, Was du an mir gethan, Ich will es gern gestehen, Und sagen Jedermann, Daß deine Macht und Stärke, Vor der sich alles neigt, Sich hat an diesem Werke Gar sichtbarlich gezeigt. 8. Ach! lernet GOtt vertrauen, Die ihr in Nöthen seid, Denn an mir könnt ihr schauen Des HErren Gütigkeit, Der kann das Unglück wenden, Das euer Herz beschwert, Und auch die Hülfe senden, So wie ihr sie begehrt. 9. Mein GOtt! ich werf mich nieder Vor deinem Thron allhier, Und singe Freuden- Lieder Mit tiefgebeugtem Knie; Ich danke dir von Herzen Mit meinem Geist und Mund, Daß du mir nach den Schmerzen, Geschenkt die Freudenstund. 10. Dieweil ich werde leben, Und weil ich denken kann, Soll mir vor Augen schweben, Was du an mir gethan; Dein Helfen, dein Regieren, Dein Leiden hin und her, Dein Sorgen und dein Führen Vergeß ich nimmermehr. Sprüche und Seufzer zum Nachdenken derer, welche frank gewesen und gesund worden sind. Psalm 30, 3. HErr mein GOtt, da ich zu dir schrie, machtest du mich gesund. Gelobet sei der HErr! denn er hat eine wunderbarliche Güte an mir bewiesen. Ich habe dir, GOtt! gelobet, daß ich dir danken will, denn du hast meine Seele vom Tode errettet, meine Füße vom Geleiten, daß ich wandeln kannvordir im Lichte derLebendigen. Ich rief zum HErrn in meiner Noth: Ach Gött! erhör mein Schreien; Da half mein Helfer mir vom Tod, Und ließ mir Trost gedeihen: Deß dank, ach 364 Sprüche und Seufzer zum Nachdenken deren, GOtt! deß dank' ich dir, Ach! danket, danket GOtt mit mir, Gebt unserm GOtt die Ehre! 1. Buch Mose 32, 10. Ich bin zu gering aller Barmherzigkeit und aller Treue, die du an deinem Knechte gethan hast. Ach ja, mein GOtt! nur Erbarmen und Liebe ist es von dir, daß du mich von meinen Schmerzen und Nöthen erlöset hast. Ich bin aller solcher Wohlthaten ganz unwürdig. Deine Treue hat sich bei mir recht verherrlicht, da du dich meiner so herzlich angenommen, und mit mir so gehandelt, wie du mir verheißen hast. Laß mir dieses niemals aus dem Sinne kommen. Laß mich dadurch stets erwecket werden, gegen dich Liebe und Treue zu beweisen mein Lebenlang, damit ich dir als dein Knecht diene nach deinem Wohlgefallen, und endlich auch als ein frommer und treuer Knecht den fröhlichen Zuruf hören möge: Gehe ein zu deines HErrn Freude! Vater! du hast mir erzeiget Lauter Gnad and Gütigkeit, Und du hast zu mir geneiget, JEsu! deine Freundlichkeit, Und durch dich, o Geist der Gnaden, Werd ich stets noch eingeladen. Tausend, tauſendmal sei dir, Großer König, Dank dafür. Tausendmal sei dir gesungen, HErr! mein GOtt! Preis, Lob u. Dank, Daß es mir bisher gelungen; Ach! laß meines Lebens Gang Ferner doch durch JEsum leiten, Nur geh'n auf die Ewigkeiten; Da will ich, HErr, für und für, Ewig, ewig danken dir. Hiob 23, 28. 29. Er hat meine Seele erlöset, daß sie nicht führe in's Verderben, sondern mein Leben das Licht sähe: siehe, das Alles thut GOtt zwei oder dreimal mit einem Jeglichen, daß er seine Seele herum hole aus dem Verderben, und erleuchte ihn mit dem Lichte der Lebendigen. HErr JEsu! du hast dich gegen mich als einen welche krank gewesen und gesund geworden sind. 365 rechten Erlöser und Erretter bewieſen, daß du nicht mir meine Seele erhalten, sondern auch meinen Leib bewahret hast, da nur ein Schritt, ja nur ein Haar, mir zwischen Tod und Leben war. Ach! erlöse mich noch ferner von allem geistlichen und leiblichen Verderben. Erlösemich von der Hand aller meiner Feinde. Erlöse mich besonders von der Herrschaft der Sünde. Verleihe mir Gnade, daß ich ein Licht in dem HErrn werdenu. als ein Kind des Lichts wandeln möge. Laß mich dir dienenohne Furcht mein Lebenlang in Heiligfeitu.Gerechtigkeit, die dir gefällig ist. Gieb mirkraft, Glauben u. gutes Gewissen zu bewahren bis an mein Ende. Was noch hinterstelliger Zeit im Fleische ist, das laß mich leben nicht der MenschenLüsten, sondern deinem Willen, damit ich so ewiglichdeinbleibenmöge. Ach! führ' mein Herz u. Sinn Durch deinen Geist dahin, Daß ich mög' Alles meiden, Was mich u. dich kann scheiden, Und ich an deinem Leibe Ein Gliedmaß ewig bleibe. Joh. 11, 4. Die Krankheit ist nicht zum Tode, sondern zur Ehre GOttes. Das habe ich erfahren, mein Heiland! daß auch an mir geschehen ist, was du ehedem von deinem kranken Freunde, dem Lazaro, gesagt hast. Meine überstandene Krankheit war nicht zum Tode, denn du hast mich recht herrlich von derselben befreiet. Dir gebührt dafür allein die Ehre! Laß denn auch meine Genesung allein zu deiner Verherrlichung gereichen. Gieb mir ein neues Herz und einen neuen Sinn. Laß mich aller Orten verkündigen, was du rGoßes an mir gethan hast. Verleihe mir Kraft, dir allein zu Ehren zu leben, und dich ohne Unterlaß an meinem Leibe und in meinem Geiste zu preisen. Sprüche und Seufzer zum Nachdenken deren, Ich will dich all' mein Lebenlang, O GOtt! von nun an ehren, Man soll, o GOtt! den Lobgesang An allen Orten hören; Mein ganzes Herz ermuntert sich, Mein Geist und Leib erfreuet sich; Gebt unserm GOtt die Ehre! 366 Joh. 5, 24. Siehe zu, du bist gesund worden, sündige hinfort nicht mehr, daß dir nicht etwas Aergeres widerfahre. Dieser Ermahnung, o HErr JEsu! laß mich allezeit eingedenk sein. Eine wohlverdiente Strafe meiner Sünden hast du von mir weggenommen, da du mich von meiner erduldeten Krankheit errettet haſt. Es ist dir etwas Leichtes, mich noch härter heimzusuchen, wenn ich mich nicht bessere. Es kann mir leicht etwas Aergeres widerfahren, wenn ich auf's neue in die Sünde willige und thue wider GOttes Gebot. Davor bewahre mich doch gnädiglich. Behüte mich, daß ich forthin nicht mehr vorsäßlich fündige, sondern vor dir wandle u. fromm bleibe. Ach! erhalte mein Herz bei dem Einigen, daß ich deinen Namen fürchte. Zucht, Ehr' und Treu verleih' mir, HErr, Und Lieb' zu deinem Worte; Behüte mich vor fremder Lehr', Und gieb mir hier und dorten, Was dient zu meiner Seligkeit, Wend' ab all' Ungerechtigkeit In meinem ganzen Leben. Sirach 30, 14. 15. 16. Es ist besser, Einer sei arm und dabei frisch und ge sund, denn reich und ungesund; gesund und frisch sein ist besser denn Gold, und ein gesunder Leib ist beffer, denn gro Bes Gut. Es ist kein Reichthum zu vergleichen einem gejunden Leib, und keine Freude ist des Herzens Freude gleich. Mein GOtt! das hast du mich durch meine letzte Krankheit gelehret. Da habe ich erfahren, wie Gut und Geld, wie Wohlergehen und Glück so nichtig seien, und wie man das Alles nicht brauchen könne, welche krank gewesen und gesund geworden sind. 367 wenn man der Gesundheit entbehren muß, ja, daß: man diese edle Gabe sich durch all' sein Vermögen nicht verschaffen könne. Dank sei dir gesagt für diese heilsame Lehre. Mache mich nun auch tüchtig, derselben zu folgen. Bewahre mich, daß ich das Irdische nicht lieb gewinne, oder es höher achte, als es zu achten ist. Stärke mich, die Gesundheit als eine theure Gabe recht hoch zu achten, und sie mit allem Fleiß zu bewahren, und Alles zu meiden, womit ich mich um dieselbe bringen könnte. O GOtt! du frommer GOtt! Du Brunnquell guter Gaben, Ohn' den nichts ist, was ist, Von dem wir Alles haben, Gesunden Leib gieb mir, Und daß in solchem Leib Ein' unbefleckte Seel' Und rein Gewissen bleib. Soll ich auf dieser Welt Mein Leben höher bringen, Durch manchen sauren Tritt Hindurch in's Alter dringen; So gieb Geduld, vor Sünd' Und Schanden mich bewahr', Auf daß ich tragen mag Mit Ehren graues Haar. Psalm 119, 106. Ich schwöre und will halten, daß ich die Rechte deiner Gerechtigkeit bewahren will. Oft habe ich in der vorigen Krankheit an die Besserung meines Lebens gedacht. Oft habe ich dir, 0 GOtt! dieselbe auch angelobet. Nun erreuere ich meine Zusage. Erinnere mich selbsten fleißig daran, daß ich nie vergesse, dir mein Gelübde zu bezahlen. Schenke mir dazu die Kraft deines Geistes. Mache durch ihn aus mir einen solchen Menschen, der forthin in deinen Wegen wandele, deine Gebote halte und darnach thue. Recht und Gerechtigkeit laß mich behüten auf allen meinen Wegen.. Züchtig, gerecht und gottselig laß mich leben in 368 Sprüche und Seufzer zum Nachdenken deren, dieser Welt, bis an mein Ende, damit ich so ſelbst erfahre, wie die Gottseligkeit sei zu allen Dingen nüße und die Verheißung habe, dieses und des zukünftigen Lebens. Wie will ich mich doch künftighin Allein darauf befleißen, Daß all' mein Leben, Thun und Sinn, Dir angenehm mög' heißen! Der Bund, der in der Tauf' gemacht, Der dich mir hat zum Freund gebracht, Sei wiederum erneuert! Ich will dir jetzt mit Mund und Hand, Die Treu auf's neu' versprechen; Allein weil dir doch wohlbekannt, Wie gar leicht ich kann brechen, So steh' du meiner Schwachheit bei, Hilf, daß dein Freund ich allzeit sei, So wie du bist der meine. Psalm 37, 37. Bleibe fromm und halte dich recht, denn solchen wird's zuletzt wohl gehen. Bester Vater in dem Himmel! Dieſen deinen treuen Zuruf laß mir immer im Herzen sein, und vor meinen Ohren erschallen. Mache mich auch tüchtig, demselbenmitaller Treue zufolgen. Mache mich recht fromm. Lehre mich thun nach deinem Wohlgefallen, dein guter Geist führe mich auf ebener Bahn. Verleihe mir immer mehr Kraft, der Heiligung nachzu jagen u. deinen Willen zu vollbringen. Stärke mich im Glauben, in der Liebe, in der Frömmigkeit immer mehr zu wachsen und zuzunehmen, und laß mir es dann wohl gehen, so lange ich noch lebe auf Erden. Mein GOtt! gieb mir in deinem Lichte Mein großes Elend zu versteh'n, Laß mich vor deinem Angesichte In wahrer Herzensdemuth geh'n! Ich bin ja nichts als Staubu. Koth, Du bist der HErr, HErr Zebaoth. D'rum laß mich immer vor dir wandeln, Ach! gieb mir Kräfte fromm zu sein, So kann ich welche frank gewesen und gesund geworden sind. 369 immer heilig handeln, So trifft die Hoffnung richtig ein: Daß du mein GOtt und Vater bist, Und mir ein Erb im Himmel ist. Hiob 5, 17. 18. 19. Siehe, selig ist der Mensch, den GOtt strafet, darum weigere dich der Züchtigung des Allmächtigen nicht; denn er verletzet und verbindet, er zerschmeißet und seine Hand heilet; aus sechs Trübsalen wird er dich erretten, und in der siebenten wird dich kein Uebel rühren. Wie wahrhaftig ist doch dein Wort, o mein GOtt! denn mir ist es eben so gegangen, wie dort geschrieben stehet: du hast mich verlezzet und auch verbunden, du hast mich geschlagen u. auch geheilet; du hast mich schon aus viel u.mancherleiTrübsal errettet. Gelobet sei dafür dein heiliger Name. Vielleicht aber ſtehet mir bald wieder eine Trübsal bevor; das weißt du am besten. Nun, wenn sie kommen soll, so gieb, daß ich recht willig und bereit dazn sei. Laß mich da auf dein Wort fest vertrauen. Laß mich da eingedenk sein, wie oft du schon herrlich geholfen. Laß auch da mein Vertrauen u. meine Hoffnung kindlich auf dich sehen und so warten, bis du mir wieder hilfst. Laß mich dann auch unter der Züchtigung schmecken und sehen, wie gut du es mit mir meinest, und wie denen, die dich lieben, alle Dinge müssen zum Besten dienen. O! laß mich dieß im Glauben fassen, Und mich mit starker Zuversicht Auf deine Bundestreu verlassen, Wenn Alles wankt, so wankt sie nicht; Mit Neu und Demuth such' ich dich, Gieb mir den Trost: Gott ist für mich. Lobsingend will ich mich erheben, Michewig deiner Gnade freu'n, Und deinem Dienst mein ganzes Leben In kindlichem Gehorsamweih'n; Daß, HErr! bei dir stets Gnade sei, Das mach' in deiner Furcht mich treu. 24 370 Sprüche und Seufzer zum Nachdenken deren 2c. Röm. 6, 11. Also auch ihr, haltet euch dafür, daß ihr der Sünde gestorben seid, und lebet GOtt in Christo Jesu, unserm HErrn. Mein GOtt! du hast mir mein Leben gefristet, und es mir auf's neue geschenket. Dir gehöret es daher auch allein an. Erwecke mich stets, es dir auch allein zu widmen. Laß mich der Sünde täglich absterben und der Gerechtigkeit leben. Laß mich dir zu Ehren leben, und all' mein Thun und Lassen nach deinem Willen einrichten. Laß mich in Christo JEsu, meinem HErrn, dir immer angenehm sein. Erneuere mich noch immer durch deine Gnade, und mache mich zu einem Opfer, das da lebendig, heilig und dir gefällig sei. Erhalte mich auch so in deiner Gemeinschaft bis an mein Ende, damit mich nichts wieder aus deiner Hand reißen möge. Dieß wirke, GOtt! dein Geist in mir, Ich habe kein Vermögen, Die Sünd und Alles, GOtt, was dir Verhaßt ist, abzulegen; Hier ist mein Herz, nimm mich ganz hin, und gieb mir einen neuen Sinn, Damit ich dir gefalle. So werd' ich, der ich finster war, Ein Licht in deinem Lichte; Besteh' einst mit der kleinen Schaar. Der Frommen im Gerichte; Frohlocke dann, und lobe dich, Daß deine Gnad' und Treue mich Gerecht und selig machte! 4. Theil. Jesus. Tod. Kommet her, ihr Gesegneten Sie ruhen von aller ihrer mcines Vaters. Matth. 25, 34. Arbeit. Apostg. 14, 13. Wie wohl ist meinem Leib nach ausgestandnen Leiden, Wie wohl ist meiner Seel in jenen Himmelsfreuden! Vierter Theil. Aufmunterungen, Gebete und Gesänge für Sterbende. Der Sterbende stellt sich vor das göttliche Gericht. Aufmunterung. Wir müssen alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi, auf daß ein Jeglicher empfahe, nachdem er gehandelt hat bei Leibes Leben, es sei Gutes oder Böses. 2. Kor. 5, v. 10. So wir uns selbst richten, so werden wir nicht gerichtet, ist Pauli Ermahnung 1. Kor. 11, v. 31., und freilich, wenn der Mensch selbst sein Leben untersucht, sich verklagt, um JEsu willen um Gnade bittet, so wird ihn Gott nicht richten und verdammen, sondern ihm gnädig sein; denn wer seine Missethat bekennet und lässet, der wird Barmherzigkeit erlangen. Dieses nun soll auch ein Sterbender thun; er soll bedenken 1) er muß einmal vor Gericht, denn dem Menschen ist geseßt, einmal zu sterben, und hernach das Gericht; dieses geschieht nun gleich nach dem Tode, da muß die Seele alsbald vor GOtt erscheinen. Hat nun der Mensch, dieweil er auf der Welt gewesen, geglaubet und fromm gelebet, so kommt er nicht in's Gericht, sondern weil die Sünden auf Erden um des Blutes JEsu willen vergeben sind, so wird ihrer im Himmel auch nicht mehr gedacht werden, sondern sie werden vergeben bleiben. Ein Gottloser 374 Der Sterbende stellet fich aber muß in's Gericht, weil er ohne die Versöhnung mit GOtt gestorben ist. Derhalben thut ein Sterbeuder 2) wohl, wenn er sich bei Zeiten mit GOtt versöhnet, GOtt um des Blutes JEsu willen um Vergebung bittet, und also Gnade erLanget; so ist er versichert, er sterbe, wann und wie GOtt will, schleunig oder langsam, so wird GOtt seine Seele zu Gnade annehmen, und am füngsten Gericht wird er als ein um JEsu Blutes willen Gerechter in die ewige Freude eingehen. Gebet. Ich weiß, mein GOtt! daß dem Menschen geſetzt ist, einmal zu sterben, darnach das Gericht; deßwegen stelle ich mich jetzt vor dein Gericht, dieweil ich lebe, und will mich mit dir versöhnen, ehe ich sterbe. O gerechter GOtt! weil ich nicht weiß, wie lange es noch dahin ist, daß ich von der Welt soll abscheiden, siehe, so komme ich allhier vor dein Gericht, und klage mich selbst an. Ach! ich erkenne, daß ich ein großer Sünder bin; ich habe alle deine hei ligen Gebote, und zwar oftmals wissent lich übertreten; ich habe dich nicht geliebt von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von allen Kräften; ich bin nicht den Fußstapfen meines JEsu allezeit nachgefolget, noch habe ich mich den heiligen Geist ſtets führen lassen, wie ich billig hätte thun ſollen. Ich denke, daß ich dein Kind bin in vor das göttliche Gericht. 375 der heiligen Taufe geworden; aber daß ich nicht allemal wie ein Kind GOttes gelebet, daß ich in der Beichte und bei dem Genuß des heil. Abendmahls dir viel versprochen, aber wenig gehalten, und mich wiederum der Welt gleich gestellet habe. HErr! ich habe nicht recht gehandelt; ja, mich drücket der Sünden Last; ich bin nicht den Weg gewandelt, den du mir gezeiget hast; meine Sünden gehen über mein Haupt, und wie eine schwere Last sind sie mir zu schwer geworden. O gnädiger GOtt! der dit verheißen hast, du wollest nicht den Tod des Sünders, sondern daß er sich bekehre und lebe: siehe, ich komme jetzt, da mein Verstand noch vollkommen ist, und mich auch noch wohl besinnen kann, und will Frieden mit dir machen. Ach! ich bereue meine Sünden, falle vor deinem Richterstuhl nieder, und spreche: HErr GOtt Vater im Himmel, erbarme dich über mich! HErr GOtt Sohn, der Welt Heiland, erbarme dich über mich! HErr GÖtt heiliger Geist, erbarme dich über mich! Ich fliehe, o Vater! zu deiner großen Barmherzigkeit, und spreche: Ich habe gesündigt im Himmel und vor dir; ich bin nicht werth, daß ich dein Kind heiße; aber ach! sei deinem Kinde gnädig, und verstoße mich um mei 376 Der Sterbeude stellet fich ner Uebertretungen willen nicht. Ich fliehe zu dir, o JEsu! mein Fürsprecher; ach! bitte für mich armen Sünder jetzt und in der Stunde meines Todes. Denn ob Je mand fündiget, so haben wir einen Fürsprecher bei dem Vater, JEsum Christum, der gerecht ist; der ist die Versöhnung für unsere Sünde, nicht allein aber für unsere, sondern auch für der ganzen Welt Sünden. Ach! um deines Blutes willen verzeihe mir meine Missethat; um deiner heiligen Wanden willen laß mich vor dem strengen Gericht Gnade finden. GOtt, sei mir gnädig nach deiner Güte, und tilge meine Sünden nach deiner großen Barmherzigkeit! O du werther heiliger Geist! zu dir fliehe ich, ach! schaffe ein neues Herz in mir; heilige und reinige es; gieb mir das Zeugniß, daß ich ein Kind GOttes und bei GOtt in Gnaden sei. Ja, wirke in mir eine wahre Buße, einen lebendigen Glauben und heiligen Vorsaß, dir allein zu Ehren zu leben und zu sterben in kindlichem Gehorsam. Ach! wirke in mir heilige Gedanken, andächtige Seufzer, liebliche Todes- Betrachtungen; verleihe mir eine erquickende Betrachtung des Himmels und der zukünftigen Herrlichkeit. Laß mich den Trostim Herzen empfinden: Seigetrost vor das göttliche Gericht. mein Sohn, dir sind deine Sünden vergeben. Alsdann fürchte ich mich nicht zu sterben, weil ich weiß, daß die hier vergebenen Sünden auch im Himmel vergeben sind. O du heilige Dreieinigkeit! erbarme dich über mich; laß mich bei meinem Abschied aus der Welt bei dir Gnade finden, und rechne mir nicht zu, was ich jemals Unrecht gethan, sondern erbarme dich meiner nach deiner Liebe. Wenn ich vor Gericht soll treten, Daman nicht entfliehen kann, Ach! so wollest du mich retten, u. dich meiner nehmen an; Duallein, HErr! kannst es wehren, Daß ich nicht den Fluch darf hören; Ihr zumeinerlinkenHand Seid von mir noch nie erkannt. Amen. 377 Gesang. Mel. D GOtt, du frommer GOtt. 1. Ihr Todten stehet auf! So wird die Stimme klingen, Die uns am jüngsten Tag Kann aus den Gräbern bringen! Wie dieser Stimme Schall Der Frommen Schaar ergößt, So wird der bösen Rott' Dadurch in Furcht geseßt. 2. Ihr Todten stehet auf! Ihr habt nun ausgeschlafen, Ihr Frommen kommt herbei, Und stellt euch zu den Schafen; Geliebte! gehet ein Zur Freud' und Herrlichkeit, Euch ist das weiße Kleid, Die Ehren- Kron' bereit't. 3. Ihr Todten stehet auf! Eilt, gehet aus der Erden; Ihr Bösen! ihr sollt jetzt Zur Höll' gestoßen werden, Ihr habt nicht fromm gelebt, Geht zu der Höllenpein, Es soll der Ort der Qual Nur eure Wohnung sein. 4. Jhr Todten stehet auf! Seht hier sind eure Glieder, Haut, Augen, Füß' und Händ', Die nehmet jego wieder; Womit ihr GOtt gedient. Dem ist die Herrlichkeit, Womit ihr Sünd' gethan, Dem ist die Straf bereit't. 6. Ihr Todten stehet auf! Euch Fromme soll umgeben Ein heller Sonnen Glanz, Ihr sollt n un ewig leben; Die Seele tehre sich Nun ihrem Leibe zu, Und hab' mit ihm verknüpft Verznügte Himmels- Ruh'. 378 Der Sterbende verzeihet 6. Jhr Todten stehet auf! Ach! möcht dieß Wort er schallen In aller Sünder Herz, So würden sie nicht fal len In schwere Missethat; Denn wem das Herz bricht, Und liebet JEsum nicht, Der kommet in's Gericht. 7. Jhr Todten stehet auf! Das soll mich nicht erschre den, Die Stimme wird den Leib Zum Leben auferwecken; Ich werde schön verklärt Zum Freudenreich eingeh'n, Und, HErr! dein Angesicht Mit allen Frommen seh'n, 8. Im Glauben will ich dir, D Seelenfreund! anhangen, Durch deines Geistes Gnad' Recht fromm zu sein anfangen, Damit, wenn auf dein Wort Die Todten aufersteh'n, Ich mög von dir verklärt Zur Seligkeit eingeh'n. Der Sterbende verzeihet, und bittet um Verzeihung. Aufmunterung. So ihr den Menschen ihre Fehler vergebet, so wird euch euer himmlischer Vater auch vergeben. Wenn ihr aber den Menschen ihre Fehler nicht vergebet so wird euch euer Vater eure Fehler auch nicht vergeben. Matth. 6, v. 14. 15. Zu der wahren Vorbereitung zum seligen Sterben gehört auch die Versöhnung mit dem Nächsten. Dieſe Versöhnung nun soll ein Sterbender nicht lange aufschieben, sondern sie in Zeiten, da sein Verstand noch vollkommen ist, vornehmen. Es soll sich aber ein Sterbender 1) erinnern, wenn ihm von andern Leuten ist vielzuwider gethan worden, daß er keinen Groll gegen seine Feinde u. Beleidiger mit in's Grab nehme, sondern es ihnen von Herzen verzeihe, u. so es möglich, mit Wohlthaten oder durch gute Freunde ihnen fund thue, daß er ihnen verziehen habe. Wenn aber 2) er andern Leuten Verdruß gethan u. sie belei diget hat, so soll er nicht eher ruhen, bis er sich mit ihnen versöhnet; ja, er soll sich nicht schämen, sievor sein Sterbebett kommen zu lassen, und sie mit Herz, Mundu. Hand um Verzeihung zu bitten, oder wann sie abwesend sind, es ihnen schriftlich abzubitten, oder wenn sie todt sind, GOtt um Verzeihung deß und bittet um Verzeihung. wegen anflehen. Hiebei soll man auch das Gestohlene und entwendete, auch das dem Nächsten mit Unrecht Entrissene, ihm oder seinem Erben wieder geben, weil die Sünde nicht kann vergeben werden, wenn das Entwendete und Gestohlene, oder der Werth desselben nicht erstattet wird. Zu solcher Versöhnung soll 3) einen Sterbenden antreiben, sowohl die christliche Schuldigkeit, als auch der göttliche Befehl und die Bedrohung, Matth.6, v.8., und er soll wissen, daß, wenn er nicht verzeihenwill, bei GOtt auch nimmermehr Gnade erlangen werde. Wie du mit deinem Feinde umgehest, so wird GOtt mit dir umgehen. 379 Sebet. Mein GOtt! ich lebe, und weiß nicht wie lang; ich muß sterben, und weiß nicht wann; darum will ich mich in Zeiten mit meinem Nächsten versöhnen, damit ich mit einem versöhnten Herzen von der Welt abscheiden möge. Der Himmel wird genannt das Haus des Friedens, in welches keine unversöhnliche, rachgierige und mit Zorn und Haß angefüllte Seelen eingelasſen, sondern wovon sie zurückgestoßen werden; darum will ich mein Herz von allem Zorn und von aller Feindschaft reinigen; ich will gerne verzeihen, und um Verzeihung bitten, damit mich GOtt um JEsu willen als einen Versöhnlichen zu Gnaden aufnehme. Ach! ich bin noch auf dem Wege zur Ewigkeit, darum will ich alle Feind 380 Der Sterbende verzeihet schaft ablegen, in der gewissen Zuversicht, wie ich von Herzen verzeihe, also werdest du mir auch verzeihen. Deßhalben verzeihe ich hiemit und von Grund meiner Seelen allen meinen Feinden, Widerwärtigen und allen denen, die mich jemals mit Worten, Werken oder Gebärden beleidiget haben; ich verzeihe und vergebe es ihnen nicht allein mit dem Munde, sondern auch vor GOttes Angesicht und von Herzen; ich will nun und nimmermehr wieder daran denken; ich will es vergessen, und zur Versicherung meiner Versöhnung ihnen alles Gute wünschen und Gutes thun, wo und wenn ich nur kann; ja, ich bitte GOtt, er wolle sie segnen, und es ihnen und ihren Kindern lassen wohl ergehen zeitlich und ewiglich. Wie ich nun von Herzen verzeihe und verziehen habe allen, die mich jemals erzürnet, oder mir etwas zuwider, zum Schaden oder zum Verdruß gethan haben; also bitte ich auch hiemit um Verzeihung alle diejenigen, denen ich jemals zu nahe geredet, denen ich etwas zuwider gethan, oder Schaden und Verdruß zugefügt habe; ach, verzeihet es mir, ihr lieben Freunde, um der Liebe JEsu willen! traget keinen Haß wider mich; ich erkenne, daß ich euch zu viel gethan habe; ich bitte und bittet um Verzeihung. euch hiemit um Verzeihung von Herzen; mit Hand und Mund, und wollte GOtt, ich könnte euch vor meinem Sterbebette alle sehen, so wollte ich es euch auch gegenwärtig abbitten. Ja, du barmherziger GOtt! verzeihe mir aus Gnaden, was ich Zeit meines Lebens meinem Nächsten, er ſei wer er wolle, aus Bosheit oder Schwachheit, wissentlich oder unwissentlich habe zu Leide gethan, ach! vergieb es mir um deiner Barmherzigkeit willen. Hiemit lege ich alle Feindschaft aus meinem Herzen nieder. Ich will mich nicht rächen, und nicht mehr an das gethane Unrecht denken. Gedenke nicht meiner Sünden und Missethat. Ach, mein himmlischer Vater! erbarme dich über mich. O mein JEsu! wasche mich von Sünden, und bitte für mich. O du heiliger Geist! heilige mein Herz, und reinige es von aller Untugend. So sterbe ich fröhlich, so sterbe ich selig. Verleih', daß ich aus Herzensgrund Meinen Feinden mög' vergeben; Verzeih mir auch zu dieser Stund', Schaffe mir ein neues Leben. Dein Wort mein' Speis' laß allweg sein, Um meine Seel' zu nähren, und zu wehren Dem Unglück, das vielleicht Mich, eh' ich erwacht', erreicht. Amen. 381 Gesang. Mel. Freu' dich sehr, o meine Seele. 1. Ich will Jedermann verzeihen, Der da mich beleidigt hat! Ach GOtt, laß mir angedeihen Diese unver Der Sterbende nimmt Abschied verdiente Gnad', Daß ich dein versöhntes Kind, Bei dir neue Gnade find', Ich verzeih' von Herzens- Grunde, Und versprech' es mit dem Munde. 382 2. Mein Verlangen und mein Sehnen Jst, mein Va ter! dieß allein, Daß ich mög' mit allen denen Völlig ausgeföhnet sein, Die mir sind yon Herzen feind, Ich hingegen bleib ihr Freund; Wüßten sie doch, wie's mich kränke, Wenn ich an mein Unrecht denke. 3. Ach! verzeiht mir, liebsten Freunde, Wenn ich euch erzürnet hab', Bleibet doch nicht meine Feinde; Seht, ich schicke mich zum Grab; Ach! ich hab' mit Werk und Wort Euch betrübet da und dort, Ach! das wollen wir aufheben, Ach! ihr wollet's mir vergeben. 4. Ich will auch nicht mehr gedenken, Was ihr wider mich gethan, Laßt es uns einander schenken Nehmet meine Abbitt an: Denkt, ach! denket immer nicht, Was ich Böses angericht't; A. les sei hiemit verziehen, Laßt uns alle Feindschaft fliehen. 5. Großer GOtt! da dieß geschehen, Komm' ich nun versöhnt zu dir, Ach! laß mich dein Antlig sehen, Großer GOtt! verzeih' auch mir; Nimm weg meine Sündenschuld, Schenk mir deine Lieb und Huld, Laß mir keine Feindschaft schaden, Nimm mich Sünder an in Gnaden. 6. Nun ist meine Seele stille, Dieweil ich versöhnet bin: Es geschehe GOttes Wille, Dem geb' ich mich gänz lich hin; Fried' mit Menschen, Fried' mit GOtt, Das versüßt die Todesnoth, Also kann man selig sterben Und entgehen dem Verderben. Der Sterbende nimmt Abschied und gibt den Seinigen den Segen. Aufmunterung. Nun lieben Brüder, ich empfehle euch GOtt und dem Wort seiner Gnaden, der da mächtig ist, euch zu erbauen, und zu geben das Erbe unter allen, die geheiliget werden. Ap.- Gesch. 20, v. 32. Daß Sterbende vor ihrem Tode von ihren Angehörigen und Freunden Abschied nehmen, und ihren Kindern, wenn sie deren haben, den Segen geben, ist in der heiligen Schrift eine gar bekannte Sache, und giebt den Seinigen den Segen. 383 wie wir solches an Mose, Isaak, Jakob, Tobia, Christo JEsu und andern, klärlich sehen. Solcher Segen nun 1) ist nicht vergebens; denn weil es ein Abschiedsgebet ist, so der Sterbende für die Seinen thut, so wird es auch, wenn es aus dem Glauben kommt, u. in dem Namen Christi geschiehet, nicht unerhört bleiben. 2) Die letzten Worte der Sterbenden pflegen auch bei den Hinterbliebenen nicht ohne Nachdruck zu sein, daher eine Ermahnung eines sterbenden Vaters, einer Mutter oder eines Freundes nicht sobald vergessen wird, sondern als ein Stachel in dem Gemüth hangen bleibet. Wie es löblich ist, wenn ein Sterbendermit Beten, Segnenund Guteswünschen von der Welt Abschied nimmt, so soll er sich 3) auch hüten, daß er Niemand Böses wünsche, weil das eine Art von Rache sein würde, welche keinem Christen geziemet. Kinder sollen 4) ermahnet sein, daß sie die Eltern beigefunden Tagen nicht betrüben, ihnen Herzeleid machen, und dadurch verursachen, daß die Eltern ihnen eben keinen Segen hinterlassen können. Durch der Eltern Fluch wird oft der bösen Kinder Glück in Unglück verwandelt. Frommechristliche Eltern aber geben auch ihren bösen Kindern lieber den Segen als den Fluch. Gebet. Ewiger, gütiger und großer GOtt! ich weiß nicht, wie nahe meines Lebens Ende etwa sein möchte, und wann du über mich gebieten und mich von der Welt abfordern werdest; darum will ich mich in Zeiten zu meinem Sterben schicken, sonderlich aber auch mit Beten u. Singen mich zu dir wen 384 Der Sterbende nimmt Abschied den, als welches mich in meiner Schwachheit am meiſten ergößen und stärken kann. Denn wenn ich in Nöthen bet' und fing', so wird mein Herz recht guter Ding', denn GOttes Geist bezeugt dabei, daß dieß des Lebens Vorschmack sei. So will ich mich denn auch zu dem künftigen Leben bereiten, und alles noch besorgen, was ich in diesem Leben zu besorgen habe. Ich nehme demnach Abschied von allen meinen Verwandten, Bekannten, Wohlthätern und Freunden; ich befehle sie dir, o groBer GOtt! in deinen Schuß, in deine Liebe und Gnade, thue ihnen Gutes für die mir erzeigte Liebe und Gutthaten, und da ich ihnen nicht alles vergelten kann, so wollest du an meiner Statt hinfort ein reicher Vergeltersein. Ich verlasse meine Freunde, Verwandten und Bekannten, aber du, o großer GOtt! wollest sie nicht verlasſen; erhalte sie in deiner Furcht, im Glauben und in der Frömmigkeit, damit wir uns einander im ewigen Leben wieder sehen mögen. Ich gehe den Weg aller Welt, ich gehe voran, aber im Himmel werden die Glaubigen und Kinder GOttes wieder zusammen kommen. Diejenigen aber, o treuer GOtt! die ich hinterlasse, und welchen mein Abschied von der Welt wird betrübt und giebt den Seinigen den Segen. 385 und schmerzlich sein, denen gieb deinen reichen Segen. Der HErr segne euch, ihr meine geliebten Angehörigen; er segne euch an Leib und Seele; er sei hinfort euer Vater, Versorger und Pfleger; er nehme euch in seinen Schuß; er beschere euch nach seiner väterlichen Gnade ein gesegnetes Auskommen und bewahre euch vor allem Utebel. Nun fürchtet hinfort GOtt u. seid fromm; seget euer Vertrauen auf ihn und wisset, er wird sich über euch erbarmen und euch gnädig sein. Wendet euch nicht von ihm ab durch Unglauben, Bosheit und unchristlichen Wandel, sondern seid ihm treu bis in den Tod, so wird er euch die Krone des Lebens geben. Lasset nicht von GOtt, ſo wird er euch auch nicht verlassen. Ehret, dienet, liebet und gehorchet ihm. Ja, der GOtt aller Gnade und Barmherzigkeit segne euren Ausgang und Eingang, daß ihr sein und bleiben möget die Gesegneten des HErrn. O großer GOtt! ich habe sie geſegnet, lasse sie auch gesegnet bleiben. Und hiemit lege ich mich in deine Arme, o dreieiniger GOtt! nimm meine Seele hin, nimm sie auf in die ewige Freude. Ich begehre aufgelöset und bei Christo zu ſein. HErr JEsu! dir leb' ich, dir sterb' ich, dein bin ich todt und lebendig. 25 386 Der Sterbende nimmt Abschied 2c. All' die ich hinterlass', Versorge, schüß' und liebe, Und gieb, daß mich im Tod Nichts hind're noch betrübe; Erhalt' mich bei Verstand Und einem frischen Muth, Daß mitten im Gebet Ich sterb' auf JEsu Blut. Ich weiß, durch's Lammes Blut Werd' ich schon überwinden, Und ei nen gnäd'gen GOtt Jm Tod und Leben finden; Ich halte mich an GOtt Und meines JEsu Blut, Ich weiß, GOtt macht es schon Mit meinem Ende gut. Amen. Gesang. Mel. Wenn mein Stündlein vorhanden ist 2c. 1. Mein Stündlein nahet sich herzu, Daß ich von hier soll scheiden, Im Hinzugehn zu meiner Ruh' Nach vielem Schmerz und Leiden; Ich schicke mich zu meinem Tod Und sehne mich nach meinem GOtt, Der wird mich ewig weiden. 2. Ach GOtt! es ist mir herzlich leid, Daß ich die Welt geliebet, Und lang gesucht die Eitelkeit, Und dadurch dich betrübet; Ach tilge meiner Sünden Heer, Gedenk dersel ben nimmermehr, Und was ich ausgeübet. 3. Jch eigne mir zu JEsum Chrift, Sein Blut, Verdienst und Wunden, Der meiner Seele Zuflucht ist, Mit dem bleib ich verbunden. O JEsu! JEsu! ich bin dein, Ach! laß mich auch dein eigen sein, In meinen Todesstunden. 4. Darum bestell ich nun mein Haus, Das will ich Gott empfehlen; Ich theil hiemit den Segen aus Von Grunde meiner Seelen; GOtt woll' den Meinigen beisteh'n, Er laß es ihnen wohl ergeh'n, Und nie an Hülfe fehlen. 5. Also will ich zu meinem GOtt Mein Herz und Geist erheben, Ich fürchte mir nicht vor dem Tod, Denn JEsus ist mein Leben; Sieh, ich bin hier, ach! nimm mich hin, Weil ich mit dir versöhnet bin, Dir will ich mich ergeben. 6. Die Erde wird schon meinen Leib In sanfter Ruhe decken, Wo selbsten er verwahret bleibt, Bis ihn Gott wird erwecken; Ihr Schmerzen, Krankheit, eure Macht Kann, wenn ich bin zu Grab gebracht, mich auch nicht mehr erschrecken. 7. Und meine Seel' empfehl ich dir In deine tiefen Wunden, JEsu, JEsu! bleib bei mir In meinen Todes Der Sterbende befiehlt sich GOtt. 387 stunden; JEsu! ach, verlaß mich nicht, Bis daß ich hab' dein Angesicht Nach meinem Wunsch gefunden. 8. Im Glauben und in Frömmigkeit Will ich mit Freuden sterben, Und so das schöne Feierkleid Durch JEsum Christum erben; Ich leb' und sterbe als ein Christ, Der da bei GOtt in Gnaden ist, Und werde nicht verderben. 9. Und hiemit schlafe ich sanft ein, Weil sich mein Leben endet, Mein JEsus wird auch bei mir sein, Der sich schon zu mir wendet; Fahr hin, mein Geist! zu deinem GOtt, Fahr hin zur Freude nach der Noth, Mein Lauf ist nun vollendet. Der Sterbende befiehlt sich GOtt. Aufmunterung. In deine Hände befehl ich meinen Geift, du hast mich erlöset, HErr, du getreuer GOtt. Psalm 31, v. 6. Vater in deine Hände befehle ich meinen Geist. Buc. 23, v. 46. Es haben Sterbende oftmals vor ihrem Tode noch Vielerlei zu befehlen und anzuordnen; sie wollen ihr Haus bestellen, und vergessen darüber das Beſte, nämlich ihre Seele. Das aber ist von ihnen sehr unweislich und ungerecht gehandelt. Vielmehr soll 1) ein jeder rechtschaffene Chrift täglich, wenn er sich des Abends schlafen leget, oder am Morgen aufstehet, seine Seele sammt dem Leib in GOttes Schuß befehlen, und das billig, weil er nicht weiß, was GOtt den Tag oder die Nacht über ihm gebieten werde. Thun aber dies fromme Christen täglich, so sollen es auch 2) Sterbende thun; sie haben vor sich das Erempel ihres Heilandes; als er sterben wollte, so sprach er: Bater, in deine Hände befehl ich meinen Geift! So machte es auch Stephanus, als er unter den Steinen seufzete: HErr JEsu! nimm meinen Geist auf. Diese Sorge ist GOtt angenehm, dadurch leget der Mensch seinen Glauben und sein Vertrauen zu GOttanden Tag. Dieses aber ist auch 3) höchst nöthig: man siehet an Sterbenden 25* 388 Der Sterbende befiehlt sich GOtt. so vielerlei Veränderungen und Zufälle. O! wie wohl ist's dann gethan, wenn man bei gutem Verstande GOtt seine Seele anbefiehlet, und das Beste in gute Verwahrung bringet, im übrigen aber sich GOttes Willen, zu leben und zu sterben, überlässet. 4) Ist so alles bestellt, so stirbt man selig. Gebet. Barmherziger und liebreicher GOtt! der du die Menschen läsfest sterben und sprichst: kommet wieder, ihr Menschen- Kinder! der du deine Geliebten durch den Tod zu dir ziehest und sie der Herrlichkeit theilhaftig machest, die uns JEsus mit seinem bittern Leiden und Sterben erworben hat; ich sehe, daß meine Schwachheit eine laut redende Stimme wird, die mir zuruft: Bestell dein Haus, denn du mußt ſterben. Mache dich bereit, dem Bräutigam entgegen zu gehen; halte deine Glaubens- Lampe immer brennend. Weil ich nun nicht weiß, wann mein Stündlein sich wird herbei nahen, so will ich mich dir in Zeiten ergeben und meine Seele mit allen ihren Kräften dir anbefehlen. Laß mein Herz von allen weltlichen Dingen leer stehen; treibe hinaus alle weltliche, sündliche und böse Gedanken, daß ich mich allein an dir ergöße, in dir mich erfreue, von dir rede, deine Herrlichkeit mir vorstelle, u. die Freude der Auserwählten, die auch meiner wartet, unauf Der Sterbende befiehlt sich GOtt. 389 hörlich betrachten. Erfülle mein Herz mit deinem heiligen Geist, damit er gute Bewegungen in mir wirke. Hilf, daß ich im Gedächtniß behalte JEsum Christum, sein vergossenes Blut und seinen Tod mir allezeit vor Augen stelle. Wenn nun die Todesstunde herbei kommt, so bewahre mich, wenn es dein heiliger Wille ist, vor Anfechtungen, vor schweren Gedanken, vor großen Schmerzen und vor unanständigen Geberden; laß mir meinen guten Verstand bis an mein Ende, auf daß mein Herz, Mund u. Geist von dir singe, rede u. bete; und so mir ja die Sprache entfallen sollte, daß ich in meinem Herzen deine Lieblichkeit genießen und deine allerheiligste Gegenwart empfinden möge. Gieb mir durch deine Gnade Freudigkeit im Sterben, laß mich alsdann einen Blick thun in die frohe Seligkeit; gieb mir in der Todesstunde etliche Tropfen zu schmecken von den himmlischen Süßigkeiten, damit ich voll Freude und Trost möge von hinnen scheiden. Ich befehle dir meine Seele, wenn sie den Leib verläßt, ach! nimm sie alsdann in deine Hände. Bater! in deine Hände befehle ich meine Seele! ja, HErr JEsu! nimm meinen Geist auf. Bedecke sie mit deiner vollkommenen Gerechtigkeit, und führe sie zur Himmelsfreude ein, wie eine Braut zur Der Sterbende befiehlt sich GOtt. Hochzeitsfreude, wie ein Kind zum Erbe, bis sie an dem liebenjüngsten Tag wiederum mit dem Leibe vereiniget werde. Ja, ich befehle dir auch meinen Leib in der kühlen Erde, verleih demselben eine sanfte Ruhe, bis die letzte Posaune erklingen und rufen wird: Stehet auf, ihr Todten! und kommet vor's Gericht! nnd laß mich dann um JEfu willen zum Leben fröhlich und selig auferstehen. Soll ich einmal nach deinem Rath Von dieser Welt abscheiden, So verleih mir, HErr! durch deine Gnad, Daß es gescheh mit Freuden; Mein' Leib und Seel befehl' ich dir, O HErr! ein selig's End gieb mir Durch JEsum Christum. Amen. 390 Gesang. Mel. Wer nur den lieben Gott läßt walten 2c. 1. Mein GOtt! ich habe noch das Leben, Das deine Hand verliehen hat, Das will ich dir jest wieder geben, Doch bitt ich noch um diese Gnad; Wenn nun mein letztes End anbricht, Alsdann, mein GOtt! verlaß mich nicht. 2. Ich lebe noch und kann noch beten, D'rum bete ich und komm zu dir, Willst du im Sterben zu mir treten, So ist mir wohl, so g'nüget mir, Und wenn der Tod an's Herze sticht, Alsdann, mein GOtt! verlaß mich nicht. 3. Wenn meine Todesstund erscheinet, Ich werde nach und nach gar blaß, Wenn jeder bei mir klagt und weinet, Ich lieg im Todesschweiße naß; Wenn sich entfärbet mein Gesicht, Alsdann, mein GOtt! verlaß mich nicht. 4. Wenn mein Verstand sich wird verlieren, Daß ich nicht mehr weiß, wo ich bin, So laß mich deinen Geist regie ren, Damit ich JEsum hab' im Sinn; Und so mich meine Sünd' ansicht, Alsdann, mein GOtt! verlaß mich nicht. 5. Wenn sich die biassen Lippen schließen, Daß man kein Wort mehr von mir hört, So laß mir diesen Trost Der Sterbende stellet 2c. 391 zufließen, Ich geb' dir, was du hast begehrt; Wenn meine Zunge nicht mehr spricht, Alsdann, mein GOtt! verlaß mich nicht. 6. Wenn das Gesicht mir wird vergehen Zulegt in meiner Sterbenszeit, So laß mich dich im Glanze sehen Und zeig' mir deine Herrlichkeit; Auch wenn verlischt mein Augenlicht, Alsdann, mein GOtt! verlaß mich nicht. 7. Kann ich nun weder seh'n, noch hören Man rufe mir zu noch so sehr, So laß, HErr! deinen Geist mich lehren Und stärk' den Glauben mehr und mehr; Ja, wenn ich nun soll vor's Gericht, Alsdann, mein GOtt! verlaß mich nicht. 8. Und lieg ich dann auch ganz erstarret, So laß mich dir empfohlen sein, Und wenn man auf mein Ende harret, So laß mich selig schlafen ein; Wenn dieses alles nun geschieht, Alsdann, mein GOtt! verlaß mich nicht. 9. Bin ich im Glauben abgeschieden, Und mit dem Todtenkleid umhüllt, So laß die Seele geh'n im Frieden Dahin, wo mich nur Freud erfüllt! Da laß mich seh'n dein Angesicht, Jm hellsten Glanz, im schönsten Licht. 10. Liegt der entseelte Leib begraben, Sv schau im Grabe auch auf mich, Laß mich da sanfte Ruhe haben; Hab' ich nur, schönster JEsu! dich, So bleibt der Leib mit Erd' bedeckt, Bis deine Hand ihn auferweckt. 11. Ja, laß mich fröhlich auferstehen An jenem Tag aus meinem Grab, Laß mich den Leib verkläret sehen, Den ich allhier getragen hab'; Auf daß ich ganz mit Seel und Leib Dein Eigenthum auf ewig bleib. Der Sterbende stellet eine Himmels- Betrachtung an. Aufmunterung. Stephanus aber voll des heiligen Geistes, sah auf gen Himmel, und jahe die Herrlichkeit GOttes, und JEsum stehen zur Rechten GOttes und sprach: Siehe! ich sehe den Himmel offen, des Menschen Sohn zur Rechten GOttes stehen. Apoft.- Gesch. 7, v. 55. Nichts Süßeres und Angenehmeres kann einer glaubigen Seele sein, als an GOtt und an den Himmel zu denken. Im Himmel ist ihre Wohnung, Vaterland, Trost, Erbe, Krone, Herrlich 392 Der Sterbende stellet keit, Verlangen und Freude. Ihr Leib ist auf Erden, ihre Seele bei GOtt, ihre Arbeit auf Erden, ihre Gedanken im Himmel. Soll es also sein mit einem Glaubigen, wie viel mehr mit einem Ster benden? Fei dem Sterbenden finden sich allerlei traurige Dinge ein, die finstere Erde, der Abschied von den Seinigen, der Umstehenden Thränen, die letzte Todesangst und dergleichen. Allein dieses alles kann versüßet werden, wenn der Sterbende sein Herz schickt da hinein, wo er ewig wünscht zu sein. 1) Der finstern Erde soll er entgegenseben die Herrlichkeit des Himmels, wo alles wird mit Licht erfüllet sein. 2) Thut der Abschied wehe, so soll er denken an die Cherubinen, Seraphinen, heiligen Engel und Auserwählten im Himmel, bet welchen und um welche er in Ewigkeit sein wird. 3) Siehet er die Seinigen weinen, so soll er sich erinnern der ewigen Freude, Wonne und Glückseligkeit, die auf ihn in dem ewigen Leben warten, wo selbst kein Ach und Weh und keine Thränen mehr sein werden. Ja 4) die Todesnoth soll ihm keine Schrecken bringen, weil er in den Armen JEsu und in der Gemeinschaft des heiligen Gei stes stirbt. Wer also Himmelsgedanken, sich die Krone, das weiße Kleid und die Herrlichkeit des Himmels vorstellet, dem wird sein Sterbebett zum Paradies werden. Gebet. O du gnädiger GOtt! wie groß ist deine Liebe u. Gnade gegen uns Menschen. Nicht allein thust du uns Gutes, hilfest uns, erhörest uns, erbarmest dich über uns, überschütt test uns mit vielen Wohlthaten, dieweil wir eine Himmels- Betrachtung an. leben, sondern hast uns auch viele u. herrliche Güter in dem Himmel aufgehoben; denn im Himmel sollen wir haben, o GOtt! viele große Gaben. Deßhalb stelle ich mir schon im Glauben vor deine große Majeſtät und Herrlichkeit, den Glanz, darin du wohnest, wie so viel tausend Seraphinen, alle Engel und Auserwählten, nämlich alle Frommen, die jemals auf Erden gelebt haben, vor deinem Thron stehen, dich loben und preisen u. das Heilig, Heilig, Heilig dir zu Ehren anstimmen. Ja, ich stelle mir vor, wie ich bald auch werde unter ihnen stehen, wenn ich nun sanft und ſelig gestorben bin. Ich erinnere mich, wie ich alsdann eine herrlichekrone auf meinem Haupte tragen, u. mit einem weißen Kleide werde angethan sein, ja, wie ich werde selbstleuchten wie die Sonne. O Herrlichfeit, o Seligkeit, o Glückseligkeit, die mir der Vater aller Gnade und Barmherzigkeit um JEsu willen mittheilen wird. Darum erschrecke ich vor dem Tode nicht, weil er mir die Thüre zu solcher Herrlichkeit aufthun wird. Kann ein irdischer König seinen Palast ſo herrlich ausschmücken lassen, daß man sich darüber verwundert und sich nicht ſatt sehen kann: wie groß und herrlich wird nicht die Pracht des himmlischen Königs ut. der Glanz des himmlischen GOttes sein! 393 Der Sterbende stellet Deßhalb will ich gerne sterben und die Erde verlassen; ich schaue mit Freuden den Himmel an, denn da ist meine ewige Wohnung; hier haben wir doch keine bleibende Stätte. Diese Wohnung hat mir JEsus, mein Heiland, durch sein Leiden und Sterben erwor ben, dahin werde ich auch durch den Glauben an ihn gelangen. Schau ich den Himmel an, so erinnere ich mich, da ist mein Vaterland, woselbst alle fromme Christen und Glaubigen versammelt sind. Dieweil ich auf der Welt bin, bin ich wie ein Pilgrim u. Wandersmann, der immer fortreiset, aber wenn ich durch einen seligen Tod in dem Himmel angelanget bin, alsdann komme ich zur Ruhe, zum Frieden und zu meinem ewigen Wohlsein. Ich sehe den Himmel an mit Freuden u. denke, das ist mein Erbe; hab ich hier auf Erden kein großes Erbe gehabt, im Himmel ist mir ein ewiges und unbeflecktes Erbe aufbehalten. Ich denke, der Himmel ist das Paradies, darin GOtt die Gläubigen ergößen wird, gegen welches das Paradies auf Erden nur ein Schatten ist. Ich will, mein GOtt! wenn ich deine Herrlichkeit im Himmel erblicken werde, zu dir wie die Königin aus dem Morgenlande zu Salomo, sagen: O mein GOtt! mein JEsu! mir ist nicht die Hälfte in diesem Leben von 394 eine Himmels- Betrachtung an. 395 deiner Herrlichkeit gesagt; du hast mehr Herrlichkeit und Gutes, denn das Gericht ist, das ich von dir gehöret habe. Komm, o Tod, du Schlafes- Bruder! Komm, und führe mich nun fort, Löse meines Schiffleins Ruder, Bringe mich in sichern Port; Es mag, wer da will dich scheuen, Du kannst mich vielmehr erfreuen, Denn durch dich komm ich hinein, zu dem lieben JEsu mein. Amen. Gesang. Mel. Zion klagt mit Angst und Schmerzen 2c. 1. Hier ist gut sein, also sagen Dorten in der Himmelsfreud, Die da Kron und Palmen tragen, Angekleid't mit Herrlichkeit; O wie ist uns hier so wohl! Wir sind alles Trostes voll; Wir sind aller Angst entbunden, Alles Leiden ist verschwunden. 2. Hier ist gut sein, denn wir sehen, Nunmehr GOtt von Angesicht, Weil wir selig, weil wir stehen In dem größten Glanz und Licht; Uns ist's nunmehr ewig wohl, Wir sind alles Trostes voll, Klarheit hat uns ganz umgeben, Hier in diesem Freudenleben. 3. Hier ist gut sein, wir genießen Lauter Wonne, lauter Freud', Hier an diesem Orte fließen Ströme voller Süßigkeit; Hier weiß man von keiner Klag, Nichts von Trübfal, Angst und Plag; Unser Antlik ist voll Wonne Und es leuchtet wie die Sonne. 4. Hier ist gut sein, denn hier schweben Vieler tausend Engel Heer, Als bei welchen wir nun leben, In der größten Zier und Ehr; Hier erhebet immerdar GOttes Lob der Frommen Schaar; Zu den Engeln, zu den Frommen, Sind wir nun erwünscht gekommen. 5. Nun ich will im Glauben bleiben, Und auch in der Frömmigkeit, Davon soll mich nichts abtreiben, Weil ich leb' hier in der Zeit; So werd' ich: hier ist gut sein! Stimmen mit den Frommen ein, Und nach ausgestand'nem Leiden Gehen auf die Himmels- Waiden. 396 Der Sterbende erwäget die Verheißungen GOttes. Aufmunterung. Kommet her, ihr Gesegneten meines Vaters, ererbet das Reich, das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt. Matth, 25, v, 34. Sterbende haben Labsal und Erquichung vonnö then, wie am Leibe, als auch an der Seele. Was kann aber die Seele erquicken? Nicht Gold und Geld, nicht Ehre und weltliche Pracht, sondern das Wort GOttes; davon David sagt: Dein Wort ist meines Herzens Trost. Darum soll man in gesunden Tagen sich schöne Trostsprüche sam meln und in sein Herz fassen, damit man in der Sterbensnoth einen reichen Vorrath haben möge. Sonderlich aber soll ein Sterbender 1) sich erinnern oder erinnern lassen der herrlichen und göttlichen Verheißungen, die wir in der heil. Schrift finden von der göttlichen Hülfe, Beistand, Gegen wart und Gnade. 2) Soll er auch solche Trost sprüche und Verheißungen sich zueignen, als ob GOtt zu ihm rede, und ihm die Verheißungen allein gebe; denn GOtt redet in der heil. Schrift mit allen und einem jeden insonderheit. Hat er nun solche Verheißungen in sich, so soll er 3) sich darauf verlassen und nicht zweifeln, GOtt werde sie auch an ihm erfüllen; thut er es nicht in einem Augenblick, in einer Stunde; verzieht der HErr die Verheißung, wird er sie doch herrlich zu seiner Zeit wahr machen. Der Sterbende erwäget 2c. 397 Gebet. Du gnädiger GOtt! wie süß sind die Verheißungen, die du mir in deinem Wort gethan hast, wenn du sprichst: Ich bin bei dir in der Noth; ich will dich herausreißen. Und wiederum: Fürchte dich nicht, ich bin bei dir; weiche nicht, ich bin dein GOtt: und ferner, wenn mein JEsus spricht: Wo ich bin, da soll mein Diener auch sein. Inmeines Vaters Hause sind viele Wohnungen; ich gehe hin, euch die Stätte zu bereiten; ich will wieder kommen, und euch zu mir nehmen, auf daß ihr seid, wo ich bin; ja, wenn ich versichert werde, JEsus bete für mich und sei mein Fürsprecher, und daß der heilige Geist mich vertrete mit unaussprechlichem Seufzen. Odu gnädiger GOtt! erfülle jetzt alle diese Verheißungen anmir; ach! die Noth wird immer größer; ach! sei u. bleibe bei mir in meiner lezten Noth. Ach! verlaß mich jetzt nicht; stehe mir bei, o JEsu! laß mich gelangen zu der Herrlichkeit, und die Stätte einnehmen, die du mir bereitet haſt. OJEsu! seijeßt mein Fürsprecher; ach! bitte für mich armen Sünder, damit ich Gnade und Barmherzigkeit erlange. Ach, du werther heiliger Geist! stehe mir bei in meiner Schwachheit, und gieb mir Kraft u. Stärke. Stehet mir ein schwerer Kampf vor, so hilf 398 Der Sterbende erwäget 2c. mir siegen und überwinden. Habe ich einen hohen Berg zu steigen, so verleihe mir Stärke. Stehet mir noch eine harte Stunde vor, so hilf mir aus derselben. Wenn mein Mund nicht mehr beten kann, so vertritt mich bei GOtt mit unaussprechlichem Seufzen, ja, bringe meine schwachen Seufzer vor GOtt. Nun, du gnadenreicher GOtt! ich halte mich an deine Verheißung und glaube, du werdest sie auch nach deiner Barmherzigkeit an mir Elenden erfüllen. Ich glaube deinem Wort; ich traue auf dein Wort; mein Herz hält dir vor dein Wort: Ihr sollt mein Antlig ſuchen; darum suche ich auch, HErr! dein Antliß. Ach! dein Wert ist mir in meinem Leben immer Trost und Freude gewesen, ach! laß es jetzt in meinem Tode auch meine Labsal und meine Erquickung sein. Kommt die Zeit, da mir um Trost gar bange wird, so nimm dich meiner Seele herzlich an. Erquicke mich, wenn der Todesschweiß an bricht; erfreue mich, wenn die Lippen blaß werden; tröste mich, wenn Hören u. Sehen mir vergehet; o du dreieiniger GOtt! als dann laß in meinem Herzen mich hören Freud und Wonne, ein Jubel- u. Freudengeschrei als einen Vorklang und Vorschmack der himmlischen Herrlichkeit. Der Sterbende betrachtet 2c. 399 O du großer GOtt! erhöre, Was dein Kind gebeten hat, JEsu! den ich stets verehre, Bleibe ja mein Schuß und Rath, Und mein Hort, du werther Geist, Der du Freund und Tröster heiß'st, Höre doch mein sehnlich Flehen, Amen, ja es soll geschehen. Gesang. Mel. Wenn mein Stündlein vorhanden ist. 1. Ich sterbe gern, warum sollt' ich mich vor dem Grabe scheuen; Mein Glaube pfleget oftmals sich Auf meinen Tod zu freuen; Ich weiß, daß GOtt nach dieser Zeit Mich droben in der Herrlichkeit Gar herrlich wird erneuern. 2. Ich sterbe gern; denn nach dem Tod Wird sich mein Glück anheben, Für Trübfal, Jammer, Angst und Noth Wird GOtt mir Freude geben; Das Thränenmaß wird voller Wein, Das Trauern lauter Jauchzen sein In solchem Freudenleben. 3. Ich sterbe gern, dieweil ich werd' Dereinsten auferstehen und herrlich aus der finstern Erd' Und meinem Grabe gehen; Ich werd' verklärt in Glanz und Licht, Des Allerhöchsten Angesicht Mit Luft und Freude sehen. 4. Ich sterbe gern, dieß bleibt mein Wort, Bis daß ich werde kommen zu GOtt an jenen Freudenort Zur schönsten Schaar der Frommen. Ach! wann bricht an die Freudenzeit, Da ich zur Himmels- Herrlichkeit Auch werde aufgenommen. Der Sterbende betrachtet die Himmelsfreude und Gesellschaft. Aufmunterung. Darnach sahe ich, und siehe eine große Schaar, welche Niemand zählen konnte, aus allen Heiden und Völkern und Sprachen, vor dem Stuhl stehend und vor dem Lamm, angethan mit weißen Kleidern, und Balmen in ihren Händen, schrieen mit Der Sterbende betrachtet großer Stimme, und sprachen: Heil sei dem, der auf dem Stuhle sizet, unserm GOtt und dem Lamm! Off. Joh. 7, v, 9. 10. 400 Was könnte sich ein Sterbender Süßeres und Angenehmeres vorstellen, als wenn er an die Himmelsfreude und Himmelsgesellschaft denket, welche einen Frommen hier auf Erden öfters ergößen. Denn ein Sterbender soll 1) was er auf Erden siehet, anschauen als Dinge, die er bald verlassen und nicht mehr sehen wird. Er soll hingegen 2) himmlische Betrachtungen haben und fleißig denken an die zukünftige Himmelsfreude, wie er nach dem Abschied aus diesem Leben werde in des Himmels Freude und Glanz versetzet werden, wo lauter Sonne, Friede, Freude, Trost und Herrlichkeit ist, wo anstatt des Leidens und der Schmerzen ein ewiges Crgößen ihn erfreuen wird. Es soll aber auch 3) ein Sterbender seine Betrachtungen anstellen über die himmlische Gesellschaft, wie er mun bald wird schauen das Angesicht des dreieinigen GOttes, und kommen zu viel tausend Engeln und Auserwählten. Wenn also ein Sterbender diese himmlische Gesellschaft und seine künftige Glückseligkeit sich vorstellet, so wird ihm sein Leiden versüßet und die Stunde kurz werden, ja, er wird dadurch heilige Bewegungen in ſeiner Seele empfinden. Gebet. Wie lieblich sind deine Wohnungen, HErr Zebaoth! meine Seele sehnet sich nach deinen Vorhöfen; ach, wann werde ich dahin kommen, daß ich dein Angesicht schauen, und vor deinen Thron mit allen Engeln die Himmelsfreude und Gesellschaft. 401 und Auserwählten stehen werde! O welch große Herrlichkeit und Seligkeit werde ich antreffen, wenn ich von diesem Leibe geschieden und selig gestorben bin, weil ich in die Häuser des Friedens werde verseßet, mit Schmuck und Ehren gekrönet, und des himmlischen Glanzes theilhaftig werden? O welche Herrlichkeit und Freude wartet auf mich! Ich werde schauen den dreieinigen GOtt von Angesicht zu Angesicht; was ich hier geglaubet, werde ich dort schauen; was ich hier nicht begreifen konnte, werde ich dort vollkommen wissen und erkennen; da werde ich völlig durchstrahlet, durchleuchtet und mit himmlischen Lichte erfüllet sein. Welche Freude aber wird da sein, den groBen majestätischen GOtt in seiner Herrlichfeit zu erblicken! darum seufze und bete ich mit Verlangen: Wie der Hirsch schreiet nach frischem Wasser, so schreiet meine Seele, GOtt! zu dir; meine Seele dürſtet nach GOtt, nach dem lebendigen GOtt; wann werde ich dahin kommen, daß ich GOttes Angesicht schaue? Das ist die höchste Freude, GOtt zu schauen, an den wir hier geglaubet, und ihn doch nie gesehen haben. In diesem Sehen wird das höchste Vermögen, die lieblichste Süßigkeit und die vollkommenste Glückseligkeit bestehen; 26 402 Der Sterbende betrachtet mein Leiden wird in Freuden, mein Weinen in Janchzen, meine Trübsal in Wonne, mein Elend in Ergößen, mein Jammer in Trost und mein Herzeleid in lauter Herrlichkeit verwandelt werden. Im Himmel werde ich auch in einer freudenreichen und seligen Gemeinschaft leben; hier bin ich unter Menschen, ich habe unter Freunden und Feinden mein Leben müssen hinbringen; allein in der Herrlichkeit werde ich antreffen so viel tausend heilige Engel, welche in großem Glanz und Licht um GOttes Thron schweben, und das Heilig, Heilig, Heilig istGOtt, der HErr Zebaoth! anstimmen. Ich werde da antreffen alle Frommen und Auserwählten, die von Anfang der Welt her gelebet haben. Ich werde antreffen meine Liebsten und Freunde, die vor mir gestorben sind; mit denen werde ich in der süßesten Gemeinschaft ewig leben. Owie wohl wird alsdann meiner Seele sein! Alsdann werde ich nach dem Verlangen zum Umfangen kommen; ich werde bei dem HErren sein allewege, da wird mich keine Trübsal mehr anrühren; u. dieſes wird nicht etwa nur eine Stunde oder ein Jahr währen, sondern ewig, ewig, ohne Aufhören. Nichts soll mir den Glauben Aus dem Herzen rauben, JEsus stärket ihn; Endlich wird's auch werden, Daß ich von der Erden Kann die Himmelsfreude und Gesellschaft. 403 gen Himmel zieh'n. Gern, ach gern, will ich dem HErrn, Heute noch mit Freuden sterben Und sein Heil ererben. Amen. Gesang. Mel. Alle Menschen müssen sterben. 1. Welche süße Himmelsfreude! Welche große Herrlichfeit! O welch' prächtiges Gebäude! Ist den Frommen zubereit't; In den schönen Himmels- Auen, Die sie einstens sollen schauen. Ach! mein Geist ist ganz entzückt. Wenn er solchen Glanz erblickt. 2. Da ist recht das Land der Frommen, Denn da kommt kein Böser hin, Da wird der nur angenommen, Der gelebt nach Christi Sinn; Hier ist GOtt selbst Licht und Sonne, Hier ist gut sein, hier ist Wonne; Hier genießt man allezeit Lauter Licht und Seligkeit. 3. Da läßt GOtt sich selbsten sehen, Den kein Aug auf Erden steht, In dem Sehen wird entstehen Trost, Vergnügen, Freude, Fried; In dem Schauen ist Erfreuen, Das ergößet stets von Neuem; Aug und Seel wird nimmer satt, Das hier voll Vergnügen hat. 4. Ja, in diesem Freudenleben, An dem freudeuvollen Ort Sieht man viele Engel schweben, Die um GOtt sind hier und dort. Die im schönsten Glanze prangen, Und des Höchsten Lob aufangen; Ich stimm auch mit ihnen ein, Wann ich werd bei ihnen sein. 5. Da findt man der Frommen Schaaren Voller Pracht und Herrlichkeit, Die zuvor in Trübsal waren und in tausend Herzeleid; Helle glänzen wie die Sonne, Leben in der größten Wonne, Stehen da vor GOttes Thron Schön geziert mit ihrer Kron. 6. Unabläßig GOtt zu loben Ist der fremmen Werk allhier; Von den Seiten und von Oben Glänzet alles wie Saphier. Die man hier betrübt verlassen, kann man freudig dort umfassen, Da, da ist das Wiederseh'n, Das da ewig wird besteh'n. 7. Auf, auf! laffet uns bestreben, Die wir noch find in der Welt, Daß wir einst nach diesem Leben Kommen in das Himmelszelt. Laß im Glauben uns fest stehen Und auf GOttes Wegen gehen, und ergreifen JEsum Christ, Der der Weg zum Himmel ist. 26* 404 Der Sterbende tröstet sich des Beistandes 8. O mein GOtt! laß mich gelangen Auch zu dieſer Herrlichkeit; Ach! verzeih, was ich begangen Meine ganze Lebenszeit. Kleide mich mit reiner Seide, Führ' mich zu der Himmels- Waide, Da ich mit der Frommen Schaar Dich will loben immerdar. Der Sterbende tröstet sich des Beistandes des dreieinigen GOttes. Aufmunterung. Er erquicket mich mit Blumen. Seine Linke lieget unter meinem Haupt und seine Rechte herzet mich. Hohel Sal. 2, V. 5. 6. Die Gegenwart GOttes im Leiden kann nichts anders als einer Seele süß und tröstlich sein. Nun ist aber GOtt nicht allein nahe bei allen Kreaturen, son dern er ist auch mit seiner wundervollen Gegenwart nahe bei den Glaubigen, im Leben und auch im Sterben. O, sollte GOtt den Frommen die Augen öffnen, wie dorten dem Knaben Elisa, o was würden sie um ihr Bette für eine heilige Gesellschaft sehen; so viele heilige Engel, die sich schon freuen, daß sie wiederum eine Seele zur Herrlichkeit begleiten sollen; wie auch öfters fromme Sterbende gerühmet u. gesagt: O wie hell ist es um mein Bette! sehet ihr dorten nicht das weiße Licht? welches gewiß heilige Engel werdenge wesen sein. Sonderlich aber ist eine glaubige Seele versichert von des dreieinigen GOttes Beistand. 1) der himmlischeVater wird an seineBatertreuedenken, und seinem Kind beistehen. 2) JEsus wird die durch sein Blut erkaufte Seele in dem letzten Todeskampf nicht allein lassen. 3) Der heilige Geist wird auch durch seinen kräftigen Trost alsdann sie erquicken. Vergehen gleich Hören und Sehen; vergehen alle Sinnen, so weiß doch ein Sterbender, daß die Verheißung: Ich bin bei dir in der Noth! auch jetzt in der Todesnoth werde an ihm erfüllet werden. O wohl des dreieinigen GOttes. dem, welchen GOtt dieses alles in seinem Sterben empfinden lässet. 405 Gebet. Komm, HErr JEsu! so spreche ich jetzt mit der geistlichen Braut; ja komm und nimm meine Seele hin. Ich habe schon deine Süßigkeit geschmecket, darum verlanget u. dürstet mich nach den vollen Strömen. Ich stelle mir das Sterben nicht schrecklich vor, denn ich sterbe in der Liebe des himmlischen Vaters. Der Vater, der mich Zeit meines Lebens versorget, ernähret, geleitet u. geführet hat, sollte der jetzt, da meinLebensende herzu nahet, von mir weichen? Onein; er hat mich viel zu lieb. Bleibet ein Vater bei seinem kranken Kinde und hilft ihm, so viel er kann, wie viel mehr kann ich mich des allmächtigen u. kräftigen Beistandes meines himmliſchen Vaters trösten! Nun wird mein himmlischer Vater mir das Erbe ertheilen, das mir JEsus durch seinen Tod erworben hat. Er wird mich heißen eingehen in das Reich, das er mir von Anfang der Welt bereitet hat. Sterben kommt mir nicht schrecklich vor; ich sterbe in der Vereinigung mit JEsu Christo; dieſe Gemeinschaft habe ich im Glauben hier angefangen, dieselbe wird auch nimmermehr aufgehoben werden. In dieſer Gemeinschaft bin ich ein lebendiges Glied an dem Leibe 406 Der Sterbende tröstet sich Jesu Christi, davon er das Hauptist; weiß aber das Haupt wohl, wie es seinen Gliedern gehet, so weiß auch mein JEsus, wie es jetzt um mich stehet. Ich bin in ihm, und er in mir, und in seiner heiligen Gemeinschaft will ich jetzt sterben. Hat er gesagt: Ich bin bei euch alle Tage, bis an der Welt Ende, so wird er auch bei mir sein in dem Sterben. Gleichwie er die Seinigen gebildet hat bis an's Ende, da er sich für sie in den Tod hingegeben: also liebet er sie auch, wenn sie sterben wollen. Wenn ich also in meines JEsu Armen hint, so ist mir der Tod nicht schrecklich, weil ich den bei mir habe, der alle TodesBitterfeit durch seinen Tod hat weggenommen. Hier hat mein Jesus mich schon angezogen mit den Kleidern des Heils, und mit dem Rock der Gerechtigkeit bekleidet, dorten wird er mir das weiße Kleid der Ehren und Herrlichkeit anlegen. Mein Seelen- Bräutigam führet mich zur Hochzeit; mein Seelen- Freund macht mich seiner Herrlichkeit theilhaftig. Mein HErr erfüllet an mir, was er gesagt: Wo ich bin, da soll mein Diener auch sein. Der Tod ist mir nicht schrecklich; ich sterbe in der Gemeinschaft des heiligen Geistes, der hat sich mein Herz zum Tempel geheiliget in meinem Leben, der wird auch mit mir vereiniget bleiben im Tode. Der des Beistandes des dreieinigen GOttes. 407 mich so oft in meiner Trübsal getröstet, im Leiden erfreuet, im Elend erquicket, imKreuz erhalten, der wird mich in der letzten Stunde auch nicht verlassen, sondern Zeugniß geben meinem Geist, daß ich gewiß Gottes Kind sei. Sollte mir auch die Sprache entfallen, daß ich nicht mehr beten kann, so wird er mich bei GOtt vertreten mit unaussprechlichem Seufzen. Ja, weil er ist das Pfand unsers Erbes, so versichert er mich schon, daß ich ein Erbedes Himmels sei, und zu dessen völligem Besitz eingehen werde. Der Vater reichet mir die Krone dar; der heilige Geist zieret mich mit Licht und Wonne; die heiligen Engel freuen sich über meinen Eintritt in das himmlische Freudenleben; alle Auserwählte n. Fromme empfangen mich mit Freuden. Ich bin ein Glied an deinem Leib, Deß tröst' ich mich von Herzen, Von dir ich ungeschieden bleib' In Todesnoth und Schmerzen! Denn wo du bist, da komm ich hin, Daß ich stets bei dir leb' und bin, D'rum fahr' ich hin mit Freuden. Amen. Gesang. Mel. Wenn mein Stündlein vorhanden ist 2c. 1. Ich freue mich auf meinen Tod, Und laß mir gar nicht grauen, Ich komme bald zu meinem GOtt! Den werd' ich ewig schauen Von Angesicht zu Angesicht. Beglänzet mit dem Freudenlicht, In jenen Himmelsauen. 2. Ich komm alsdann zu Jesu Christ, Den werd' ich bei mir sehen, Der hier mein Trost und Freude ist, zu bem will ich dort gehen, Zu dir, o JEsu, GOttes- Lamm! Und wie die Braut dem Bräutigam zu deiner Nechten stehen. Der Sterbende will 3. Der Engel ungezählte Schaar Sind die, so mich em pfangen, Ich werd mit ihnen immerdar In größter Klarheit prangen; Hier werd ich in dem Freudenreich Sein schönen Seraphinen gleich, Und dieß ist mein Verlangen. 4. Ach ja, im Himmel treff ich an Viel tausend, tauſend Frommen, Mit weißen Kleidern angethan Die da sind auf genommen Nach ausgestand'nem Kreuz und Leid zu solcher großen Herrlichkeit; Zu denen werd ich kommen. 408 5. O Freud, o Trost! der da mein Herz Wird ewiglich umgeben, Denn da ist keine Angst und Schmerz, Und kein betrübtes Leben; Vergnügen, Wonne, Herrlichkeit, Erquickung, Ruhe, Fried und Freud Wird sich da recht anheben. 5. Alsdann wird mir sein ewig wohl, Wenn ich hab überwunden; Wie werd ich sein des Trostes voll, Wenn mein Leid ist verschwunden; O Freudenstunde brich doch an, Daß ich zu JEsu kommen kann, Und bleib mit ihm verbunden. Der Sterbende will anf JEsum Christum sterben. Aufmunterung. HErr JEsu, nimm meinen Geist auf! Apost.- Gesch. 7, V. 58. Es flagen Sterbende oftmals, wie sie mit allerlei Gedanken so viel zu thun haben, welche nicht weichen und wanken wollen; diese nun zu vertreiben, thut ein Glaubiger wohl 1) wenn er sich im Glauben und in heiliger Betrachtung vorstellet JEsum am Kreuz, und dabei diese frommen Gedanken hat: JEsu Wunden sind für mich geschlagen; sie sollen auch in meinem Tode meine einzige Zuflucht ſein. JEsu Blnt ist auch für mich vergossen; dieses Blut waschet und heiligit mich auch; JEsus ausgeſpannte Arme wollen auch mich umfassen und in den Himmel ziehen. Er stirbt am Kreuz, damit mein Tod mir möge versüßet, und ich durch den Tod in das ewige Leben eingeführet werden. Solche und dergleiche Gedanken werden die irdischen Gedanken vertreiben, und das Gemüth ganz ruhig und still, auf JEsum Christum sterben. und das Herz freudig machen. Bei diesen Betrachturgen soll er 2) auch alle seine Zuversicht auf diesen Heiland der Welt sezen; er soll Christi Gerechtigkeit und Verdienst sich zueignen, damit vor GOtt treten und sagen: Ach, um meines JEsu Gerechtigkeit, Blutes, Todes und Verdienstes willen sei mir gnädig! darauf lebe und sterbe ich, und dadurch will ich zur Himmelsfreude eingehen. 409 Gebet. O JEsu, liebster Heiland! wenn ich nun von dieser Welt soll abscheiden, indem die Vorboten des Todes sich mehr und mehr bei mir einstellen, u. mir verkündigen, daß meines Lebens Ende gar nahe sei, so wende ich mich einzig und allein zu dir, und spreche: HErr JEsu! nimm meinen Geist auf. O mein Erlöser! du hast mich erlöset von der Sünde und Gewalt des Teufels mit deinem heiligen Blut, mit deinem unschuldigen Leiden und Sterben. Ach! laß mir dieſes Blut jezt zu ſtatten kommen, daß ich durch dasselbe gerecht vor deinem Richterstuhl bestehen könne. Will mich Satan verklagen, so zeige ihm deine blutigen Wunden; wollen mich meine Sünden verdammen, so ergreife ich das gegebene Lösegeld für meine Sünden, dein heiliges Blut. In meiner Todesangst halte ich mich an dein vollgültiges Verdienſt. Du bist mein Seligmacher, ach! so mache 410 Der Sterbende will mich dann selig; vergieb mir meine Sünden; schenkemir deine vollkommeneGerechtigkeit; führe mich ein zu der ewigen Seligkeit. Du bist das Leben, darum werde ich nicht sterben, ob schon mein Leben aufhöret, weil ich in dir und du inmir lebest. Dieses Leben wird jetzt vollkommen werden, da ich ewig bei dir und mit dir leben werde, weil mich weder Gegenwärtiges, noch Zukünftiges mehr von dir trennen kann. Du bist der Weg, ach! führe mich durch das finstere Todesthal in das ewige Leben. Du bist die Wahrheit, ach! du hast bisher alle deineGnaden- Verheißungen an mir wahr gemacht, darum erfülle auch diese, die du mir verheißen: Wo ich bin, da soll mein Diener auch sein; wenn ich erhöhet werde von der Erde, will ich sie alle zu mir ziehen. Nimm mich jetzt zu dir, wo du bist. HErr! laß deinen Diener im Frieden fahren, wie du gesagthast. Ach! ziehe mich zu dir, zu dem völligen Genuß deiner himmlischen Güte. Ich stelle mir vor, wie du am Kreuz für mich geſtorben, wie dein heiliges Blut vergossen, wie du für mich daselbst dein Leben gelassen. Ach! dein heiliges Blut wasche und reinige mich von allen meinen Sünden; um deiner heiligen Wunden willen laß mich Gnade und Barmherzigkeit erlangen. Du bist das Lamm GOttes, das sich für mich am auf JEsum Christum sterben. Stamm des Kreuzes hat schlachten lassen, und durch dein Blut bin ich mit GOtt versöhnet. Du bist mein Hohepriester, der für mich betet. Du bist der Held, der mir hilft; der Friedefürst, der mich in die Häuser des Friedens aufnimmt. O JEsu! ich komme zu dir, darum fasse u. halte ich dich im Glauben und spreche: Meinen JEsum laß ich nicht, weil er sich für mich gegeben, so erfordert meine Pflicht, seinem Willen nachzuleben; er ist meines Lebens Licht, meinen JGſum laß ich nicht. Ja, an JEsum will ich jetzt allein denken; er soll meiner Seele Licht und Heil, meines Lebens Kraft, meine Sonne u. Wonne, mein Dichten und Trachten, mein Denken u. Ueberlegen und alles sein. Weg ihr eiteln Gedanken, an JEsu Verdienst u. vergossenem Blut will ich mich ergößen, seine heiligen Wunden will ich mir vorstellen; ſeines bittern Leidens will ich mich getrösten, und mein letztes Wort soll sein, ja, mein lezter Gedanke soll Jesus, JEsus sein. 411 Erschein du mir zum Bilde In meiner lebten Noth, Wie du, HErr Christ so milde, Dich bluteteſt zu todt, Da will ich nach dir blicken, Da will ich glaubensvoll Dich fest an mein Herz drücken, Wer so stirbt, der stirbt wohl. Amen. Der Sterbende bittet um ein seliges Ende. Gejang. Mel. D GOtt, du frommer GOtt 2c. 1. Ich will mit frohem Muth In Jesu Wunden eilen, Wenn mich der blasse Tod Erschreckt mit seinen Pfeilen: Ach! öffne mir dein Herz Und nimm dein Küchlein ein, Hier soll mein Aufenthalt und wahre Wohnung sein. 2. Ich will mich glaubensvoll Ja diese Wunden senken, Ich will an JEsu Blut Und sein Verdienst gedenken; Sein Blut ergreif ich jetzt In voller Zuversicht Und bricht mein Herze schon, So bricht mein Glaube nicht. 412 3. O Blut, o heißes Blut! Das immer annoch fließet Auf jedes gläubig Herz, Das immer noch genießet Der, welcher Buße thut; O Blut, o heißes Blut! Ich eigne dich mir zu, Du allerhöchstes Gut. 4. Jch ruhe hier getrost In diesen offnen Wunden, Ach bleibe nun mit nur, O JEsu! fest verbunden, Kein Schmerz, kein Leid, kein Freud Neiß mich nunmehr von dir, Ich lasse nicht von dir, Ach! lasse nicht von mir. 5. Sieh', ich will nimmermehr Von diesen Wunden weichen, Bis ich darinnen werd' Des Glaubens Zier erreichen, Vergebung, Fried und Freud', Der Seelen Seligkeit; Zieh' meinen Geist nach dir Durch die gespalt'ne Seit. 6. Und endlich will ich auch In diesen Wunden sterben und in denselbigen, Der Seelen Heil ererben; Und schlaf ich glaubensvoll In JEsu Wunden ein, So wird mein Leib und Seel Gar wohl verwahret sein. Der Sterbende bittet um ein seliges Ende. Aufmunterung. Es ist genug, so nimm nun, HErr, meine Seele, ich bin nicht besser, denn meine Väter. 1. Kön. 19, v. 4. Wenn im alten Testament Jemand GOtt dem Herrn eine Gabe brachte, so mnßte es kein gezwungenes, sondern ein freiwilliges Opfer sein. So ist es auch mit unserem Sterben; es muß ein Mensch nicht sterben mit Verdruß, gezwungen mit Murren und Wiederwillen, sondern es soll 1) ein Mensch in gesunden Tagen sich bekannt machen die Herrlichkeit, die uns in jenem Leben bereitet, iſt, die Der Sterbende bittet um ein seliges Ende. 413 Hüter, die Krone, das weiße Kleid, die Freude, die wir nach dem Tode erlangen sollen. Man soll 2) auch sich bekannt machen den Weg, der zu dieser Herrlichkeit führet, welcher ist JEsus Christus, daß man im Glauben und in einem heiligen Leben beharre bis in den Tod. Kommt dann nun die Stunde herbei, die GOtt zum Abschied bestimmt hat, so soll er 3) mit Freuden seine Augen aufhaben gen Himmel und Gott um sein seliges Ende anflehen; dieses kann alles geschehen, wenn man dem dreieinigen GOtt seinen Leib und Seele empfiehlet, JEsum Christum immer im Gedächtniß behält, andächtig betet, und auf sein Stündlein wartet! dabei man auch GOtt anrufen kann, er wolle ein stilles, sanftes, vernünftiges und seliges Ende verleihen. Sollten auch zuweilen einige unanständige Gebärden mit unterlaufen, so wird es den Umstehenden doch empfindlicher, als dem Sterbenden sein, welcher unterdessen in der süßen Gemeinschaft mit seinem JEsu bleibet. Gebet. Barmherziger, gnädiger GOtt! ich merke, daß die Zeit meines Abschiedsvorhanden ist, daß ich soll zum Frieden fahren u. zur Ruhe michniederlegen; mein Gesicht vergehet mir, meine Kräfte nehmen ab, und es scheinet, es werde bald anders mit mir werden; darum komme ich zu dirund thue mein lebtes Gebet, welches darin besteht: Mein Leib und Seel befehl ich dir, o Herr! ein selig End gieb mir, um JEsu Christi willen! HErr GOtt Der Sterbende bittet um ein seliges Ende. himmlischer Vater! der du mich erschaffen, bisher versorget u. erhalten hast, ach, nimm meine Seele in Gnaden an! O JEsu! der du mich mit deinem Blute erlöset und abgewaschen hast, ach! laß mich in wahrem Glauben auf dein Verdienst und Blut jezt ſelig sterben. Ach, Herr JEsu! in deine Hände befehl ich meinen Geist! O werther heiliger Geist, mein Tröster u. Beistand, ach, verlaß mich jetzt nicht; gieb mir Freudigkeit und Versicherung, daß ich ein Erbe des ewigen Lebens sei, ja, bete in mir, mit mir und vertritt mich bei Gott mit unanssprechlichem Seufzen. Siehe, ich bin bereit, die Erde zu verlassen, und sehne mich allein nach dir, um bei dir o dreieiniger GOtt! zu sein. Hatte Israel ein Erlaß- Jahr, da es aus der Knechtschaft wieder zu seiner Freiheit und zu seinem Eigenthum kam; ach, mein Gott! wenn ich selig sterbe, so gehet mein ErlaßJahr an, da ich, von allem Sündendienst, von aller Kreuzeslast befreiet, zu der vollkommenen Freiheit der Kinder GOttes in dem ewigen Leben gelangen soll. O mein JEsu! öffne mir die Himmelsthür, begleite und führe mich zum ewigen Leben, zu der Gemeine der Heiligen im Licht. Ach, mein GOtt! gieb mir ein vernünftiges Ende, daß ich möge meinen Verstand bis an den letzten 414 Der Sterbende bittet um ein seliges Ende. 415 Augenblick meines Lebens behalten. Erhalte mich bei heiligen und guten Gedanken, daß ich immer im Gedächtniß behalte JEsum Christum: und so ja meine Augen frühe brechen sollten, so erquicke mich inwendig in meiner Seele mit deinem himmlischen Trost und Licht. Laß JEsum immerdar vor meiner Seele Augen stehen; gieb, daß ich mich über sein Blut erfreue, in seine offene Seite mich verberge, seines Verdienstes mich tröste, und seine Gerechtigkeit in wahrem Glauben ergreife. Gieb mir, wenn es dir gefällt, ein sanftes Ende; behüte mich vor Ungeberden, Anfechtungen und zerstreuenden Vorstellungen. Laß mein Herz, welches deine Wohnung hier gewesen, fein sanft gebrochen werden. Ach, laß mich in deinen Armen sanft verscheiden! gieb mir auch ein seliges Ende, daß ich möge dein heiliges Angesicht bald mit Freuden erblicken. O dreieiniger GOtt! segne meinen Ausgang aus dieser Sterblichkeit und meinen Eingang indie frohe Ewigkeit. Der HErr segne mich und behüte mich; der HErr lasse sein Antliz leuchten über mich und sei mir gnädig; der HErr erhebe sein Angesicht auf mich, und gebe mir Frieden! Im Namen des dreieinigen GOttes, des Vaters, des Sohnes und des Hl. Geistes lebe und sterbe ich; in 416 Der Sterbende bittet um ein seliges Ende. seinem Namen schließ ich meine Augen zu und befehle mich Gott und seiner Gnade. Ich sage Amen d'rauf In meines JEsu Namen; Es sage gleichfalls auch Der HErr mein GOtt nun Amen; Ich rufe stets allhier: Dreieiniger GOtt! komm du; Ach sage: Sei getrost, Mein Kind, komm zu der Ruh. Gesang. Mel. Alle Menschen müssen sterben. 1. Aufgelöfet bald zu werden, Wünschet mein erfreuter Geist, Jch verlasse gern die Erde, Weil mein Jesus mich schon speist Mit des Himmels Süßigkeiten, Und verbleibet mir zur Seiten; Wenn ich JEsum bei mir hab' Fürcht ich nicht das finst're Grab. 2. Brecht ihr Augen, brecht geschwinde, Laßt vergehen euer Licht, Weil ich hier schon JEsum finde Mit hellglänzendem Gesicht; Auf dem finstern Todeswege, Auf dem schönen Himmelsstege Ist mein Auge, JEsus Christ, Der mein Licht und Leben ist. 3. Und du rother Mund erblasse, Ja, ihr Lippen schließt euch zu Weil ich meinen JEsum fasse, Komme zu der Himmelsruh; Jesus wird mich schon vertreten, Er wird kräftig für mich beten: JEsus, JEsus ist mein Mund in der letzten Todesstund. 4. Ja, ihr Ohren mögt euch schließen Ich brauch euer nun nicht mehr, Mein Trost muß von innen fließen, Darauf ich mit Freuden hör'; Ich seh' schon die Freudensonne, Mein Ohr höret Freud und Wonne; Was ist das für ein Gesang? Ist es nicht der Engel Klang? 5. Du, mein Herz zerspreng mit Freuden, Edles Leben fahre hin! Wird mich nichts von JEsu scheiden, Weil ich ja in ihme bin? JEsum hab' ich schon gefunden, Und ich bleib mit ihm verbunden; Wenn das Herz in Stücken bricht, So bricht dieses Band doch nicht. 6 Ja ihr fast erstarrten Glieder durch den kalten Todesschweiß, Legt euch nur in's Grabe nieder, Weil ich schn versichert weiß, JEsum wird das Grab aufdecken Und Euch wieder auferwecken, Ja, euch schön mit Glanz erneut Bringen zu der Herrlichkeit. Gebet der Umstehenden für Sterbende. 417 7. Und dich, GOtt ergeb'ne Seele, Dich empfehl' ich meinem GDtt, Gehe aus der Leibeshöhle, Geh' aus aller Angst und Noth; Geh' zur Freude nach dem Klagen, Geh' zur Bonne nach den Plagen, Geh' zur Himmelsfreude ein. O wie wohl wird mir da sein. Gebet der Umstehenden für Sterbende. O du heil. dreieiniger GOtt, Vater, Sohn und heil. Geist! du erhörest Gebet, darum kommt allesFleisch zu dir; siehe, wir kommen auchjeßtzudir, u.tragen dir in unseremGebet diesen Sterbenden vor. HErr GOtt Vater im Himmel, erbarme dich über ihn! Duhast ihnerschaffen zudeinem Ebenbild; er ist deine Kreatur; er ist auch dein Kind, welches du in der hl. Taufe zu Gnaden u. zu deinem Kinde aufgenommen hast, ach! darum erbarmedich über ihn; siehe, dein Kind ist krank, siehe, dein Kind will sterben, ach! laß es jetzt ſein Kindestheil erlangen, nämlich das Erbe im Himmel, der Seelen Seligkeit; vergieb ihm alle seine Sünden, die er Zeitlebens wider dich gethan, u. siehe ihn in Gnaden an. HErr GOtt Sohn, der WeltHeiland! erbarme dich über diesen Sterbenden! Du hast ihn mit deinem hl. Blut erlöset, du bist auch für ihn gestorben, ach! darumrechne ihm nicht zu seine Sünden, sondernrechne ihm zu deine Gerechtigkeit u. dein Verdienst; wasche ihn mit deinem hl. Blute, bedecke ihn mit deiner Gerechtigkeit, und laß ihn jetzt als einen durch dein 27 Gebet der Umstehenden für Sterbende. Blut Gereinigten vor dem Throne GOttes erscheinen. Herr Gott hl. Geift! erbarmedich über diesen Sterbenden, erhalte in ihm den Glauben, gieb Zeugniß seinem Geist, daßer wahrhaftig GOttes Kind sei und vertritt ihn bei GOtt mit unaussprechlichem Seufzen; heilige ihn, stärke ihn, und begleite ihn zum ewigen Leben. Oduhl.Dreieinigkeit! nimm diesen Sterbenden zu Gnaden an; gedenke nicht der Sünden seiner Jugend und seiner Uebertretung, gedente aber seiner nach deiner großenBarmherzigkeit, um deiner Güte wil len. Nimm seine Seele in deine Hände u. laß sieder ewigenFrende genießen. Erwecke auch den jetzt ersterbenden Leib am jüngsten Tage fröhlichu. herrlich. Verleihe ihmindessen die sanfte Ruhe in der kühlen Erde, bis sich in der allgemeinen AuferstehungLeibu. Seelewie der mit einander vereinigen u. zur Himmels wonne eingehen werden. Indessen, HErrida ſeine Nothu.Angst immergrößerwird, so laß ihm nicht aus dem Sinne kommen das Andenken des gefreuzigten JEsu; wenn seine Augen brechen, so laß einen hellen Schein in feiner Seele aufgehen; ja, o Sesu, du rechter Morgenstern! erleuchte ihn zum ewigen Le ben. Wenneruns nicht mehr sehen kann, jo gieb, daß er dich, o dreieiniger Gott! beständig in Glauben sehe, bis er dich schauen wird von 418 Gebet der Umstehenden für Sterbende. 419 Angesicht zu Angesicht. Ach! wenn nun ſein Mund sich schließet, daß er nicht mehr beten kann, so bete du für ihn, o JEsu! seisein Fürsprecher bei deinem himmlischen Vater; hilf ihm lämpfen u. überwinden, u. laß auch die Seufzer seines Herzens dir angenehm ſein. Bricht auch der Todesschweiß aus, ach! so stärke ihnu.sei sein Beistand. Odreieiniger GOtt! bleibe du bei ihm und erhalte ihn im Glauben, bis er seinen Laufselig u. fröhlich vollenden wird. HErr GOtt Vater, was du haft erschaffen; HErr GOtt Sohn, was du haft erlöset; HErr GOttheiliger Geist, was du haft geheiliget, das befehlen wir in deine Hände; deinem heil. Namen sei Lob, Ehr und Preis, jetzt und in Ewigkeit! Amen. Vollende, Vater, seinen Lauf, Nimm ihn zu deinem Frieden auf; Verwirf ihn, wenn sein Herz munbricht, Verwirf ihn nicht, HErr! HErr! Vor deinem Angesicht. Amen. the 100 Sprüche, Seufzer und Gebete, welche die Umſtestehenden den Sterbenden vorsprechen können*) Zion spricht: Der HErr hat mich verlassen, der HErr hat mein vergessen. Kann auch ein Weib ihres Kindleins vergessen, daß sie sich nicht erbarme über den Sohn ihres *) Fromme Chriften than auch wohl, wenn sie selbige bei geunden Tagen sich bekannt machen, damit sie in dem Sterben, wenn durch die Krankheit das Gehör vergehen sollte, sich selbst in GOtt ermuntern können. JING CA 27 * 420 Sprüche, Seufzer und Gebete, Leibes? und ob sie desselbigen vergäße, so will ich doch dein nicht vergessen. Siehe, in meine Hände habe ich dich gezeichnet. Jes. 49, v. 14-16. Ja GOtt verläßt nie einen, Der sich auf ihn verläßt, Er bleibt getreu den Seinen, Die ihm vertrauen fest; Läßt sich's an wunderlich, So laß dir gar nicht grauen, Mit Freuden wirst du schauen, Wie GOtt wird retten dich. Ach barmherziger, gütiger GOtt! hilf mir in meinem Leiden und in meiner Todesstunde; o mein GOtt! du bist ja allezeit mein gnädiger GOtt und mein Beistand gewesen; ach! bleibe es auch jetzt. O JEsu! bleibe bei mir, denn es will Abend werden, und der Tag meines Lebens hat sich geneiget. O werther heiliger Geist! stärke mich, erhalte mich in festem Glauben bis an mein Ende, er leuchte mich zum ewigen Leben. Ich will auf JEsu Blut und Wunden sterben, dem lebe ich, dem sterbe ich, auf sein Verdienst verlasse ich mich. Wie ein Hirsch schreiet nach frischem Wasser, so schreiet meine Seele, GOtt, zu dir. Meine Seele dürftet nach GOtt, nach dem lebendigen GOtt; wann werde ich dahin kommen, daß ich GOttes Angesicht schaue? Ps. 42, v. 2. 3. Wann wird es doch geschehen, Wann kommt die liebe Zeit, Daß wir GOtt werden sehen In seiner Herrlichkeit? O Tag, wann wirst du ſein, Daß wir den Heiland grüßen, Daß wir den Heiland küssen? Komm, stelle dich bald ein. JEsu! du Licht meiner Seele, wenn meine Augen wollen dunkel werden, so laß in meiner Seele aufgehen die himmlische Klarheit; weiche nicht von mir, wenn meine Augen brechen; zeige mir als dann deine Gestalt, und laß mich sehen dein Bild, wie du dich am Kreuz zu Tod geblutet haft. Ob den Sterbenden vorzusprechen. 421 ich schon wandle im finstern Thal, fürchte ich doch kein Unglück, denn mein JEsus ist bei mir. Ja, mein JEfu! bleibe bei mir, stärke mich im Glauben, und laß mich dein Eigenthum sein, hier zeitlich und dort ewig. Ich bin arm und elend; der HErr aber forget für mich; du bist mein Helfer und Erretter; mein GOtt! verzeuch nicht. Psalm 10, v. 18. Wo soll ich mich denn wenden hin? Zudir, HErr JEsu! steht mein Sinn, Bei dir mein Herz Troft, Hülf u. Rath Allzeit gewiß gefunden hat, Niemand jemals verlassen ist, DersichverläßtaufJeſumChrift. Ja, mein JEsu! auf dich verlasse ich mich von Grund meiner Seele, ach! fomm, und spann mich aus, bring meinen matten Leib zur Ruh, und meine Seele nimm auf zu deiner ewigen Himmelsfreude. Ach höre, o JEsu! mein schwaches Seufzen. Sei mein Beistand in der Noth; du mein Seligmacher und Erretter! errette mich, löse mich auf und mache mich selig. Gieb dem Satan keine Macht über mich. Thue mir jetzt die Thüre anf zum Himmel und zum ewigen Leben. Ach, koume doch bald, erlöse mich, erquicte mich, segne mich, erbarme dich. Fürchte dich nicht, ich bin bei dir; weiche nicht, denn ich bin dein GOtt; ich stärke dich, ich helfe dir auch, ich erhalte dich durch die rechte Hand meiner Gerechtigkeit. Jef. 41, v. 10. OHErr Chrift, du Morgenstern! Der du ewiglich aufgehst, Sei von mir jezund nicht fern, Weil mich dein Blut hat erlöst, Hilf, daß ich mit Fried' und Freud' Mög' von hinnen fahren heut', Ach! jei du mein Licht und Straße, Mich mit Beiſtand nicht verlaffe. Sprüche, Seufzer und Gebete, O JEsu, mein einziger Fürbitter bei deinem himmlischen Bater; der du zu seiner Rechten fizest, und vertrittst uns, ach! bitte auch für mich armen Sünder jetzt und in der Stunde meines Todes; ich fürchte mich nicht, weil du bei mir bist. Ja, du werther heiliger Geist, du Tröster in aller Noth! bleibe bei mir mit deinem Trost bis an mein letztes Ende. Ich habe einen starten Beistand, mein Vater ist bei mir, mein JEsus ist bei mir, der heilige Geist ist bei mir, ja, auch die Engel sind bei mir, so will ich mit Freuden sterben. 422 Dennoch bleibe ich stets an dir, denn du hältst mich bei mei ner rechten Hand; du leitest mich nach deinem Rath, und nimmst mich endlich zu Ehren an. Pf. 73, v. 23. 24. Hilf, daß ich ja nicht wanke Von dir, HErr JEfu Chrift! Den schwachen Glauben stärke In mir zu aller Frift: Hilf mir ritterlich ringen, Ach! habe auf mich Acht, Bis ich mag fröhlich singen: Ich hab's mit GOtt vollbracht. Durch deinen Todeskampf u. blutigen Schweiß hilf mir, lieber HErr GOtt! ich weiche nicht von dir, ach! bleibe du auch bei mir. OJEsu! wenn mein Kampf angehet, so hilf mir ringen, so hilf mir siegen und überwinden; wenn die Angst meines Herzens groß wird, so führe mich aus meinen Nöthen. Ich bin ja dein Eigenthum, darum führe mich durch alle Angst hindurch zur Freude, zur Wonne, zur Herrlichkeit. Bist du mit mir, so fürchte ich mich nicht, so bin ich selig, so werde ich zur Freude eingehen. Ei du frommer und getreuer Knecht, du bist über Went gem getreu gewesen, ich will dich über viel seben, gehe ein zu deines HErrn Freude. Matth. 15, v. 23. den Sterbenden vorzusprechen. 423 Nun ich warte mit Verlangen Auf den letzten Augenblick, Wann du kommst mich zu empfangen, Komm, und weiche nicht zurück; Nimm mich anf zu deinen Frommen, Komm, ich heiße dich willkommen; Komm, ach komm, o GOttes- Lamm! Nimm mich auf, mein Bräutigam! O JEsu! dir will ich in deiner Kraft und durch deines Geiftes Beistand treu verbleiben bis in den Tod. Ich weiche nicht von dir, mein Seelenfreund! ich fliehe nicht von dir, mein Hirt! ich laß dich nicht, mein Seelen- Bräutigam! außer dir kann mich nichts ergößen. Führe mich, o liebster Freund! aus dem Elend zur Freude, aus dem Jammer zur Wonne. Ich weiß, daß mein Erlöser lebt, und er wird mich hernach aus der Erde auferwecken, und werde darnach mit dieser meiner Haut umgeben werden, und werde in meinem Fleisch GOtt sehen; denselben werde ich mir sehen, und meine Augen werden ihn schauen und kein Fremder. Hiob 19, v. 25-27. Chriftus, der ist mein Leben, Sterben ist mein Gewinn, Dem hab' ich mich ergeben, Mit Freud' fahr' ich dahin. Mit Freud fahr' ich von dannen 3u Chrift dem Bruder mein, Auf daß ich zu ihm fomme, Und ewig bei ihm sei. GOtt! in deinen Schuß und Gnade empfehle ich meine von dir theuer erfaufte Seele; ich sterbe, und werde auch wieder auferstehen; ich sterbe und werde ewig leben in der Himmels- Freude. O breieiniger GOtt! bringe mich zur Ruhe, zur Herrlichkeit; verkürze meine Schmerzen; verjüße mir meine Todesstunde; tröste mich mit dem innerlichen Trost deines heiligen Geiftes, denselben nimm nicht von mir. Auf das Verdienst 424 Sprüche, Seufzer und Gebete, JEsu lebe und sterbe ich. Laß mich bald dein Angesicht schauen in der ewigen Himmels- Freude. Ich will schauen dein Antlitz in Gerechtigkeit; ich will fatt werden, wenn ich erwache nach deinem Bilde. Ps. 17, v. 15. Ach! ich habe schon erblicket Diese große Herr lichkeit, Jeßt werd' ich gar schön geschmücket Mit dem weißen Himmelskleid; Mit der güld'nen Eh renkrone Steh ich da vor GOttes Throne, Schaue solche Freude an, Die kein Mensch beschreiben kann. Ach mein JEsu! freudig ist meine Seele, wenn sie an deine Herrlichkeit und an die Freude denket, die du mir bereitet hast. Ich verlaffe gern die Welt, weil ich zu meinem JEsu komme, zu meinem SeelenBräutigam; o wie wohl, o wie selig werde ich sein, wenn er meine Seele als seine Braut wird zur Hoch zeit einführen, mir das weiße Kleid anlegen, mir die Krone aufseßen, und mich ewig nach so vielen ausgestandenen Leiden, Schmerzen und Tribjal erquicken wird! Der Gerechten Seelen sind in GOttes Hand, und keine Plage rühret sie an; von den Unverständigen werden sie angesehen, als stürben sie, und ihr Abschied wird für eine Bein gerechnet, und ihre Hinfahrt für ein Verderben; aber fie sind im Frieden. Buch der Weisheit 3, v. 1-3. Freue dich sehr, o meine Seele! Und vergiß all Noth u. Qual, Weil dich Christus nun dein HEr Ruft aus diesem Jammerthal; Aus Trübsal und großem Leid Sollst du fahren in die Freud, Die kein Ohr jemals gehöret, Und in Ewigkeit auch währet. Ich weiß, wenn ich sterbe, so komme ich aus dem Elend zu GOtt, aus der Last zur Luft, aus den Sterbenden vorzusprechen. 425 der Angst zum Frieden, aus der Eitelkeit zur Seligkeit, aus der Unruhe zur Ruhe, aus dem Leiden zur Freude, darum freuet sich meine Seele. O mein GOtt! hier bin ich, so nimm meine Seele hin, mache sie herrlich, mache sie selig. Mein JEsu! ich bin dein, du bist mein, wir wollen im Tod und Leben ungeschieden sein. Wir wissen, daß unser irdisch Haus dieser Hütten zerbrochen wird, daß wir einen Bau haben, von GOtt erbauet, ein Haus nicht mit Händen gentacht, das ezig ist im Himmel. 2 Kor. 5, v. 1. Da wird sein das Freudenleben, Da viel tausend Seelen schon Sind mit Himmelsglanz umgeben, Stehen da vor GOttes Thron, Da die Seraphinen prangen, Und das hohe Lied anfangen: Heilig, Heilig, Heilig heißt, GOtt der Bater, Sohn u. Geist. Ach, lieber HErr JEsu! versiegle diesen Trost in meinem Herzen, daß ich zu der Himmelswohnung und Herrlichkeit gelangen werde, wenn ich nun dieß Haus u. dieß mein Sterbebett verlassen werde. Welch ein herrliches Haus, welch eine Freudenstätte haft du mir bereitet! da ist keine Angst, Jammer und Elend mehr, sondern Freude, Troft, Herrlichkeit, Wonne, Sonne. Ach, wären wir da, weiche nicht von mir, ich will nimmermehr von dir weichen, dir will ich anhangen; auf deine Gnade verlaß ich mich, in deine Wunden verberg' ich mich, auf deinen Trost sterbe ich, durch dein Blut mache mich gerecht und selig. Die Erlöseten des HErrn werden wieder kommen, und gen Zion kommen mit Jauchzen; ewige Freude wird über ihrem Haupte sein; Freude und Wonne werden sie ergreifen und Schmerz und Seufzer werden weg müssen. Jef. 35, v. 10. Sprüche, Seufzer und Gebete, Nun es wird dennoch geschehen, daß ich auch nach kurzer Zeit meinen Heiland werde sehen, In der großen Herrlichkeit. Denn allhier ist lauter Noth, Müh' und Furcht, zuleßt der Tod, Aber dort ist allezeit Friede, Freud und Seligkeit. 426 Gedenke, o JEsu! ich bin durch dein Blut erlöset, laß mich auch bald in dein himmlisches Zion kommen. Ich habe schon lange genug das Thränenbrod gegessen, ach! laß mich bald das süße Engels- und Himmelsbrod kosten. Seufzer und Schmerzen sind hier meine tägliche Gesellschaft gewesen, aber ach! laß mich hören Freud' und Wonne! laß meine Seele einen Blick in deine Herrlichkeit thun; erfreue mich nach dem Beiden; erquicke mich in dir und durch dich in Ewigkeit. Ich habe einen guten Kampf gekämpfet, ich habe meinen Lauf vollendet, ich habe Glauben gehalten. Hinfort ist mir beigelegt die Krone der Gerechtigkeit, welche wir der gerechte Richter an jenem Tage geben wird; nicht mir aber allein, sondern allen, die seine Erscheinung lieb haben. 2. Tim. 4, v. 7. 8, JEsu! hilf stegen, und laß mir's gelingen, Daß ich die Zeichen des Sieges erlang; So will ich ewig dir Lobu. Dank fingen, JEsu, mein Heiland! mit frohem Gesang; Wie wird dein Name da werden gepriesen, Wo du, o Held! dich so mächtig erwieſen. O JEsu! hilf mir glücklich überwinden; wenn mun der legte Kampf angehet, stehe mir bei, jo wird er mir leicht werden; stärke mich, wenn ich kraftlos bin, mein Helfer: hilf mir in meiner Angst und Mattigkeit. Deine Gnade stärke mich, dein Blut erquicke mich, deine Hand erhalte mich, dein heiliges Verdienst bedecke meine Sünden; halte mich Elenden in deinen Armen; labe mich, wenn ich ohn den Sterbenden vorzusprechen. mächtig werde. Auf den Kampf folget die Krone, auf den Streit der Sieg. O wie herrlich werde ich gezieret und von dir gekrönet werden nach meinent Tode! Zeige mir die Krone, die du mir beigeleget hast, und erfreue meinen Geist mit deiner trostreichen Gegenwart. hind 427 Sei getreu bis in den Tod, so will ich dir die Krone des Lebens geben. Wer überwindet, der soll mit weißen Kleidern angethan werden. Off. Joh. 2, v. 10. Kap. 3, v. 5. Schaut mich in meinem Kreuze, Darin ein Sieger prangt, Beschaut mich in dem Glanze, Den meine Seel' erlangt; Ich trag die Himmelskrone, Ich glänz in Himmelspracht, Damit von GOttes Sohne Ich gnädig werd' bedacht. Von meines JEsu Liebe will ich nimmermehr lassen, ich habe ihn geliebt in gesunden Tagen, ich will ihn auch lieben bis in meinen Tod. O JEsu! um deiner heiligen Wunden willen erhalte mich in deiner Liebe, dir will ich treu verbleiben im Glauben bis in den Tod, dir ewig treu sterben. JEsus in meinem Herzen, Christus in meinem Sinn, in JEsu Namen schlaf ich ein. Ich bin gewiß, daß weder Tod noch Leben, weder Engel, noch Fürstenthum, noch Gewalt, weder Gegenwärtiges, noch Bukünftiges, weder Hohes noch Tiefes, noch keine andere Kreatur mich scheiden mag von der Liebe GOttes, die in Christo JEsu ist, unserm Herrn. Röm. 8, v. 38. 39. JEsum, JEsum will ich lieben Hier und dort in Ewigkeit, Sollten mich gleich hier betrüben Aller Jammer, alles Leid! Was frag ich nach Höll' und Tod? JEsus hilft mir aus der Noth, Der wird mich zur Freude führen, Wo die Seinen jubiliren, Ja, das ist mein Schluß: Meinen JEsum laß 428 Sprüche, Seufzer und Gebete, ich nicht. Ich bleibe im Glauben; ich halte mich an ihn; der Tod scheidet Leib und Seele, aber meine Seele scheidet er von JEsu nicht. JEsus ist mein, ich bin sein; ich lege mich in meines JEsu Arme, darin will ich selig leben und sterben, o wie wohl! Selig ist der Mann, der die Anfechtung erduldet: denn nachdem er bewährt ist, wird er die Krone des Lebens em pfahen, welche GOtt verheißen hat denen, die ihn lieb haben. Jaf. 1, v. 14. Herzlich thut mich verlangen Nach einem ſeligen End, Weil ich hier bin umfangen Mit Trübfal und Elend; Ich habe Luft abzuscheiden Von dieser bösen Welt, Sehn mich nach himmlischen Freuden, O JEsu! komm in Bäld'. Ach ja, o JEsu! komm zu mir, ach! komm doch bald, ohn' Aufenthalt, und nimm mich hin im Frieden, gieb mir Geduld und Stärke; ich übergebe mich dir ganz und gar, meinen Leib, meine Seele; erhalte mich im Glauben bis an mein seliges Ende. O JEsu! hilf mir durch deine große Gnade und Barmherzigkeit zur ewigen Freude und Seligkeit HErr GOtt! der du bist unsere Zuflucht für und für: sei jetzt auch meine Zuflucht, mein Heil, mein GOtt, mein Trost, mein Grretter, mein Erbarmer und Seligmacher. Nimm auf die Seele, die nach dir seufzet. O wie verlangt mich, GOttes Angesicht zu sehen, bei den Engeln und Auserwählten zu sein, in himmlischem Glanz und Klarheit einherzugehen. In deine Händ' befehl ich meinen Geist; du hast mich erlöset, HErr, du treuer GOtt. Psalm 31, v, 6. Gleichwie sich fein ein Vögelein In hohle Bäum' den Sterbenden vorzusprechen. 429 verstecket, Wenn's trüb hergeht, Die Luft unstät, Menschen u. Vieh erschrecet; Also, HErr Chrift! Mein Zuflucht ist Die Höhle deiner Wunden! Wenu Sündu. Tod Michbracht' in Roth Habich mich d'rein gefunden. Darin ich bleib', Ob Seel u. Leib Hier von einander scheiden: So werd' ich dort Bei dir, mein Hort, Sein in den ewigen Freuden. Meine einzige Zuflucht nehme ich in meinem Sterben zu dir, o dreieiniger GOtt! zu der Barmherzigkeit des himmlischen Vaters, zu den blutigen Wunden JEsu Christi, zu der Gütigkeit des heil: Geistes. Diesem dreieinigen GOtt befehle ich meinen Leib u. Seele. Ach! nimm ein Täublein auf, ich komm in vollem Lauf, breit' aus die Flügel beide, o JEsu, meine Freude! und nimm dein Küchlein ein; will Satan mich verschlingen, so laß die Engelein singen: Dieß Kind soll unverleßet sein. Ihr seid kommen zu dem Berge Zion und zu der Stadt des lebendigen GOttes, zu dem himmlischen Jeruſalem und zu der Menge vieler tausend Engel! und zu der Gemeinde der Erstgeborenen, die im Himmel angeschrieben find; und zu GOtt, dem Richter über alle, und zu den Geistern der vollkommenen Gerechten. Hebr. 12, v. 22. 23. Mein GOtt! ich bin bereit Zum Himmel einzugehen, Und in verklärtem Glanz Vor deinem Thron zu stehen; Was soll ich auf der Welt In Trübsal länger thun? Ach! hole mich zu dir, Dort kann ich sicher ruh'n. HErr, eile mit mir fort, Hier wird mir's gar zu lange, Den Himmel wünsch ich mir, daß mich die Freud' umfange, Daß ich dich schauen kann In aller Ewigkeit. Ach! eile bald mit mir, Mein GOtt! ich bin bereit. Mein JEsu! wie herrlich wird der Anblick ſein, wenn ich dich werde in deiner Herrlichkeit, und 430 Sprüche, Seufzer und Gebete, alle Engel und Auserwählten in dem Himmel antreffen. Nun darauf freue ich mich. Ich verlasse die Erde, und komme zur Herrlichkeit; ich verlasſe das Elend und komme zur Freude; ich verlasse die Menschen, und komme zu den heiligen Engeln. JEsus Christus, gestern und heut, und derselbe auch in Ewigkeit. Hebr. 13, v. 8. Ich rühme mich immer der blutigen Wunden, Die JEsus an Händen u. Füßenempfunden; D'rein will ich mich hüllen, recht christlich zu leben, Wer wollte um JEsum nicht immerdar schweben? Wenn Auge und Herz nun im Tode sich neigen, So will ich noch sterbend mit Seufzen bezeugen, Daß JEsus, nur JEsus mein JEsus soll heißen, Von welchem mich Satans Macht niemals soll reißen. Nun, mein Heiland! dabei laß mich unverrückt verbleiben. Die Süßigkeit deines JEsu- Namens laß meine matte Seele empfinden und erquicken. Die Kraft deines vollgültigen Versöhnungstodes laß mir im Sterben und vor dem Gerichte GOttes zu Statten kommen, daß ich so in dir mög hier gerecht und rein, und auch borten ewig selig ſein. Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne ſie und sie folgen mir, und ich gebe ihnen das ewige Leben, und sie werden nimmermehr umkommen, und Niemand wird fie aus meiner Hand reißen. Joh. 10, v. 27. 28. Ich bin ein Glied von deinem Leib, Deß tröft' ich mich von Herzen, Bon dir ich ungeschieden bleib In Todesnoth und Schmerzen; Denn wo du biſt, da komm ich hin, Daß ich stets bei dir leb und bin, D'rum fahr ich hin mit Freuden. Ach ja, mein Hirte JEsu! bringe mich, dein armes Schäslein, nun zur Himmelsfrende; laß den Sterbenden vorzusprechen. 431 den Satan mich nicht aus deiner Hand reißen, du bist mächtiger und stärker, als der Satan; dein bin ich, und will auch dein bleiben. Satan hat kein Theil und Recht an mir, aber dein Eigenthum bin ich gewesen, und will es auch ewig sein. Ach! nimm meine Seele wie ein mattes Schäflein in deine Arme, und bringe sie zur ewigen Wonne. O wie wohl, o wie selig: wenn ich bei meinem JEsu bin! Selig sind die Todten, die in dem HErrn sterben von nun an. Ja, der Geist spricht, daß sie ruhen von ihrer Arbeit, denn ihre Werke folgen ihnen nach. Off. Joh. 14, v. 13. Darum laß ich billig dieß allein, OJEsu! meine Sorge sein, Daß ich dich herzlich liebe, Daß ich in dem, was dir gefällt, und mir dein klares Wort vorhält, Aus Liebe mich stets übe, Bis ich endlich werd' abscheiden, Und mit Freuden zu dir kommen, Aller Trübsal ganz entnommen. Da werd' ich deine Süßigkeit, Das himmlisch Manna, allezeit In reiner Liebe schmecken, Und seh'n dein liebreich Angesicht Mit unverwandtent Augenlicht, Ohn' Furcht und Schrecken; Reichlich werd' ich sein erquicket Und geschmücket vor dem Throne Mit der schönen Himmelskrone. Ach HErr! sprich meiner Seele den Trost ein, ich werde in dir sterben. JEsu! du hast in mir gelebet und ich in dir, darum will ich auch in dir sterben, in deiner Liebe, und in deinen Wunden, in deiner Gnade; laß meinen Jammer, Kummer, Schmerzen und Leiden aufhören; hingegen bringe mich zum ewigen seligen Leben, da werde ich ruhen von meiner Arbeit, von meinen Leiden und Schmerzen. O JEsu! höre mich, ja, komm HErr JEſu! men up heden plus p Sprüche, Seufzer und Gebete, Der HErr wird mich erlösen von allem Uebel, und aushelfen zu seinem himmlischen Reich, welchem sei Ehre von Ewigkeit zu Ewigkeit. 2. Tim. 4, v. 18. GOtt Lob! die Stund ist kommen, da ich werd' aufgenommen In's schöne Paradies; Ihr Freunde sollt nicht klagen, Mit Freuden sollt ihr sagen: Dem Höchsten sei Lob, Ehr und Preis. GOtt eilet mit den Seinen, Läßt sie nicht lange weinen In diesem Thränenthal; Ein schnell und selig Sterben Heißt schnell und glücklich erben Des schönen Himmels Ehren- Saal. 432 O großer GOtt! denke jetzt in Gnaden an mich, und erbarme dich; ach! gieb mir ein vernünftiges, stilles und sanftes Ende. Mein Todestag ist mein Erlösungstag, und meine Todesstunde iſt die Stunde, da ich zur ewigen Freude eingehen soll. Ach! erhalte mir meinen guten Verstand bis an das Ende meines Lebens; laß mich freudig anhören den Trost, der mir versprochen wird, und verleihe, wenn es dein heiliger Wille ist, daß ich den Umstehenden noch meinen Glauben und meine Hoffnung bezeugen könne, und so erlöse mich durch ein seliges Ende von allem Uebel. Kommet her, ihr Gesegneten meines Vaters, ererbet das Reich, das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt. Matth. 25, v. 34. Im Himmel ist gut wohnen, Wo mit dem Eh renkleid Mein JEsus wird belohnen Der Frommen Herzenleid; Da glänzt der Leib und funkelt Gleichwie ein Edelstein, Das Licht wird nicht verdunkelt. Im Himmel ist gut sein. Ach, mein JEsu! laß mich auch, wenn ich von dem Leibe scheide, diese Stimme hören; sprich meiner Seele alsdann zu: Komm her, du Gesegneter! den Sterbenden vorzusprechen. 433 ja, laß Leib und Seele am jüngsten Tage mit diesen Worten in die Herrlichkeit eingeführt werden. Indessen fasse ich dich im Glauben, und erlange in dir und durch dich den Segen und das Erbe. Ich freue mich im HErrn, und meine Seele ist fröhlich in meinem GOtt, denn er hat mich angezogen mit den Kleidern des Heils und mit dem Rock der Gerechtigkeit gekleidet. Jes. 61, v. 10. O Jerusalem, du Schöne, Ach! wie helle glänzest du! Ach, wie lieblich Lobgetöne Hört man da in sanfter Ruh'! O der großen Freud' und Wonne! Jehund gehet auf die Sonne, Jezund gehet an der Tag, Der kein Ende nehmen mag. Die Himmelsfreude, das weißeEhrenkleidversüßt mir alle Bitterfeit des Todes. Der Tod ist mir nicht bitter, JEfus ist bei mir, der tröstet mich, der erhält mich. Ach, mein GOtt! lege mir an das himmliſche Freudenkleid, der du mich mit dem Rock der Gerechtigfeit gekleidet hast. Deine Gerechtigkeit ist meine Gerechtigkeit, und darum weiß ich, weil ich bin gerecht worden durch den Glauben, so habe ich Frieden mit GOtt durch unsern HErrn JEsum Christum, ja, ich habe Leben und Seligkeit zu erwarten: wie schön werde ich da gezieret stehen vor dir. Also hat GOtt die Welt geliebet, daß er seinen eingebornen Sohn gab, auf daß alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Joh. 3, v. 16. HErr, ich glaube, hilf mir Schwachen, Laß mich ja verzagen nicht, Du, du kannst mich stärker machen, Wenn mich Sünd und Tod anficht; DeinerGüte will ich trauen, Bis ich fröhlich werde schauen Dich HErr JEsu! nach dem Streit In der frohen Ewigkeit. 28 Sprüche, Seufzer und Gebete, Ach, liebster GOtt und Vater! laß mich jetzt auf JEsum Christum sanft u. selig von hinnen scheiden; ich weiß, du hast mich auch geliebet, und mir deinen Sohn gegeben: ich habe auch an ihn geglaubt, und will in solchem Glauben anihn verharren bis in den letzten Augenblick meines Lebens. Ach! versichere mich durch deinen heiligen Geist, ich werde nicht verloren werden. Stärke mich in solchem Glauben, daß ich bald, was ich hier geglaubet, möge schauen indem ewigen Leben. Ach JEsu! stehe mir bei, ach! verlaß mich nicht. 434 Wisset, daß ihr nicht mit vergänglichem Silber oder Gold erlöset seid von eurem eitcln Wandel nach väterlicher Weise, sondern mit dem theuren Blut Christi, als eines unschuldigen und unbefleckten Lammes. 1. Petr. 1, v. 18.19. HErr JEsu Christ, dein theures Blut Ist meiner Seele höchstes Gut; Das stärkt, das labt, das macht allein MeinHerz von allenSündenrein. HErr JEsu, in der letzten Noth, Wenn mich schreckt Teufel, Höll und Tod, So laß ja dieß mein Labsal sein, Dein Blut macht mich von Sünden rein. Ich kommejezt, o großer GOtt! vordich, nicht auf meine Gerechtigkeit, sonderninderGerechtigkeitJEſu Christi, die ich mir in seinem Blute zugeeignet habe. O du Lamm GOttes, daß du trägest die Sünde der Welt, erbarme dich meiner! Ach gerechterGott! siehe nicht an meine Sünden u. Unreinigkeit, sondern meines JEsu Gerechtigkeit u. Heiligkeit; diese ergreife ich, in seine Wunden verberge ich mich, auf sein Verdienst sterbe ich, um deßwillen sei mir gnädig und barmherzig. Es ist in feinem andern Heil, ist auch kein anderer Name den Menschen gegeben, darinnen sie sollen selig werden, denn allein in dem Namen Jesu. Ap.- Gesch. 4, v. 12. den Sterbenden vorzusprechen. 435 JEsus ist für mich gestorben, Und sein Tod ist mein Gewinn, Er hat mir das Heil erworben, D'rum fahr ich mit Freuden hin, Hier aus diesem Weltgetümmel In den schönen Gottes- Himmel, Schaue solche Freude an, Die kein Mensch beschreiben kann. JEsu! mein einziges Heilund meine Zuflucht, ich kommejeßt zu dirinmeinerTodesstund, ach! erbarme dich, verlaß mich nicht. Der süße Jesus- Name und das Andenken seines vergossenen Blutes, seiner Wunden, seiner heiligen Person soll nun in meinem Munde, in meinem Herzen u. in meinen Gedanken bleiben. HErr JEsu! dir leb ich, HErr JEsu! dir sterb ich, HErr JEsu! dein bin ich todt und lebendig. Amen. Ob Jemand fündiget, so haben wir einen Fürsprecher bei dem Vater, JEsum Christum, der gerecht ist. Und derselbige ist die Versöhnung für unsere Sünden; nicht allein aber für unsere, sondern auch für der ganzen Welt Sünde. 1. Joh. 2, v. 1. 2. So fahr ich hin zu JEsu Christ, Und will den Arm ausstrecken, So schlaf ich ein und ruhe fein, Kein Mensch kann mich aufwecken; Denn JEsus Christus, GOttes Sohn, Der wird die Himmelsthür aufthun, Mich führen zum ew'gen Leben. Ogroßer GOtt! die Zeit kommt herbei, daß ich soll abscheiden aus der Welt, und vor dein Gericht treten: ach, himmlischer Vater! erbarme dich über mich, und nimm mich, als dein Kind, das du erschaffen und geliebet hast, in Gnaden auf. JEsu! bitte für mich, du bist mein Mtitler, Fürsprecher und Seligmacher. Nimm weg meine Sünden; kleide mich in deine Gerechtigkeit, so bin ich selig. werther heiliger Geist! wohne und bleibe in meinem Herzen, daß du mich bringeſt zu der ewigen Himmels- Wohnung. 28* Sprüche, Seufzer und Gebete, Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, wer mein Wort höret und glaubet dem, der mich gesandt hat, der hat das ewige Leben und kommt nicht in das Gericht, sondern er ist vom Tode zum Leben hindurchgedrungen. Joh. 5, v. 24. Wenn ich mun soll sterben, Und mein Fleisch verderben, Da verlaß mich nicht; Tritt mir an die Seite, Hilf, daß ich so streite, Daß ich in's Gericht Ja nicht komm, Erhalt mich fromm, Daß ich in dem Freudenleben Um dich möge schweben. Die Verheißung erfülle auch an mir, mein Heiland! in Gnaden. Vor das Gericht laß mich kommen ut. darumdeinetwillen Barmherzigkeit erlangen. In's Gericht aber laß mich nicht kommen, und mich nichts von dem Urtheil des Todes hören. Erhalte mich im Glauben andich bis an's Ende, daß auch bei mir ſei des Glaubens Ende, der Seele Seligkeit. 436 Lasset uns hinzutreten mit Freudigkeit zu dem Gnadenstuhl, auf daß wir Barmherzigkeit empfahen und Gnade finden auf die Zeit, wenn uns Hilfe noth sein wird. Hebr. 4, v. 16. Stärk' mich mit deinem Freudengeist, Heil mich mit deinen Wunden, Wasch mich mit deinem Todes schweiß In meinen letzten Stunden, und nimm mich einst, wann dir's gefällt, In wahrem Glauben von der Welt Zu meinen Auserwählten. Ach ja! um JEsu willen werde ich Barmherzigkeit erlangen. HErr GOttVater im Himmel erbarmedich über mich! HErr Gott Sohn, der Welt Heiland, er barme dich über mich! HErr GOttheiliger Geist, er barmedich über mich, u. sei mir gnädigu. barmherzig. GOtt hat den, der von feiner Sünde wußte, für uns zur Sünde gemacht, auf daß wir würden in ihm die Ge rechtigkeit, die vor GOtt gilt, 2. Kor. 5, v. 21. Jesu, du hast weggenommen MeineSünden durch een Sterbenden vorzusprechen. 437 dein Blut. Laß es, o Erlöser! kommen Meiner Seligkeit zu gut; Und dieweil du so zerschlagen, Hast die Schuld am Kreuz getragen, Ach! so sprich mich endlich frei, Daß ich ganz dein eigen ſei. JEsus! du hast weggenommen meine Sünden und hast mir deine Gerechtigkeit geschenket; was mein ist, meine Sünden und Schulden sind dir aufgeleget, und was dein ist, deine Gerechtigkeit ist mir geschenket; deß freue ich mich, deß tröste ich mich. Christi Blut und Gerechtigkeit ist mein Schmuck und Ehrenkleid, darin will ich vor GOtt beſtehen, wenn ich im Himmel werd' eingehen. In JEsu bin ich gerecht, in ihm bin ich selig; ich verhülle mich in meiner Todesstunde in seine Gerechtigkeit, o, darin kann ich fröhlich sterben und GOtt angenehm sein! In dem neuen Jerusalem wird GOtt abwischen alle Thränen von der Glaubigen Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid, noch Geschrei, noch Schmerzen wird mehr sein. Off. Joh. 21, v. 4. Owie selig seid ihr doch, ihr Frommen, Die ihr durch den Tod zu GOtt gekommen. Ihr seid entgangen aller Noth, Die uns noch hält gefangen. Christus wischetab all' eureThränen, Ihr habt schon, wornach wir uns noch sehnen; Euch wird gesungen, Was durch keines Menschen Ohr allhier gedrungen. Komm, o JEsu! komm, mich auszuspannen, Lös' mich auf, und führe mich bald von dannen; Bei dir, o Sonne! Ist der Seelen Freud und Wonne. Ach JEsu! ich freue mich auf die Stunde, da ich werde dein Freuden- Augesicht mit verklärten Augen sehen. Da wird mein Leib leuchten wie die Sonne, und meine Augen werden nicht mehr von Sprüche, Seufzer und Gebete, Thränen naß, sondern voll Licht und Glanz sein; bei dir finde ich Freude und Trost. Hier bin ich nur noch wie in einer Herberge, bei dir aber bin ich in meinem rechten und ewigen Vaterland. 438 So wir im Licht wandeln, wie er im Licht ist, so haben wir Gemeinschaft unter einander, und das Blut JEſu Christi, seines Sohnes, macht uns rein von aller Sünde. 1. Joh. 1, v. 7. Wenn endlich ich soll gehen ein Zu deines Reiches Freuden, So soll dein Blut mein Purpur sein, Ich will mich darein kleiden; Es soll sein meines Hauptes Kron', mit welcher ich will vor dem Thron Des ew'gen Richters stehen, Und dir, dem ich hier anvertraut Als eine wohlgeschmückte Braut Zu deiner Rechten stehen. In der Gemeinschaft meines Jesu bin ich, darin leb und sterb ich; o Jesu! du in mir, und ich in dir. Es ist nichts Verdammliches an mir, weil ich in deiner Gemeinschaft stehe. Nun gehe ich zur Herrlichkeit ein; Jesu Blut heiliget, kleidet, zieret und macht mich rein. O himmlischer Vater! siehe, das ist deines Sohnes Gerechtigkeit, darum komme ich zu dir. Siehe, das ist GOttes Lamm, welches der Welt Sünde träget. Joh. 1, v. 29. O Lamm GOttes! unschuldig Am Stamm des Kreuzes geschlachtet, Allzeit erfunden geduldig, Wie wohl du warst verachtet, All' Sünd hast du getragen, Sonst müßten wir verzagen! Erbarm dich unser, o Jeſu. Christus, du Lamm GOttes, der du trägest alle Sünde der Welt, erbarme dich meiner! Christus, du Lamm GOttes, der du trägest die Sünde der Welt, erbarme dich meiner! Christus, du Lamm den Sterbenden vorzusprechen. 439 GOttes, der du trägest die Sünde der Welt, verleihe mir deinen zeitlichen und ewigen Frieden. HErr! nun läsfest du deinen Diener in Frieden fahren, wie du gesagt hast, denn meine Augen haben deinen Heiland gesehen. Lucä 2, v. 29. 30. JEsu! du Herzog der Friedensheerschaaren, O König in Salem, ach! zieh mich nach dir, Laß mich den Friedensbund treulich bewahren, Im Wege des Friedens dir folgen allhier; Ach! laß mich deinen Geist kräftig regieren, Und dir nach im Frieden zum Vater hinführen. Ja, der Friede GOttes, welcher höher ist denn alle Vernunft, der bewahre auch mein Herz und meine Sinne in Christo JEsu, zum ewigen Leben. Da sind die Friedenshäuser, da heißt's: Viktoria! da trägt man Siegesreiser; ach! wär' ich nur schon da! Vater, ich will, daß, wo ich bin, auch die bei mir seien, die du mir gegeben hast, daß sie meine Herrlichfeit sehen. Joh. 17, v. 24. Ist's nun dein Will, so stell dich ein, Mich selig zu verseßen, Ach! ewiglich bei dir zu sein, Kann meine Seel ergößen: Eröffne dich, du Himmelsfaal, Damit ich nach der Noth u. Qual Zu meinem JEſu komme. O welch' eine fröhliche u. selige Zusammenkunft wird das sein, wenn ich zu dir, o JEsu! kommen, und dich von Angesicht zu Angesicht anschauen werde. Ich habe dich hier schon geliebet, eh' ich dich gesehen habe, wie werde ich mich dann in unaussprechlicher Freude ergößen, wenn ich nun hinkomme, wo du bist; nämlich zu allen Heiligen u. Auserwählten. O wie groß ist deine Herrlichkeit! Ich habe davon hier in dieſem Leben nicht die Hälfte gehöret, was ich mit Augen dort bei dir sehen werde. Ach! ziehe mich zu dir, und bereite mich zu dem seligen Eingang in deine Herrlichkeit. Sprüche, Seufzer und Gebete, Unser feiner lebt ihm selber, unser keiner stirbt ihm selber: leben wir, so leben mir dem HErrn; sterben wir, so sterben mir dem Herrn: darum wir leben oder sterben, so sind wir des HErrn. Röm. 14, v. 7. 8. 440 Herzlich lieb hab ich dich, o JEsu! Ich bitt, du wollest sein von mir nicht fern Mit deiner Hilf und Gnaden; Die ganze Welt erfreut mich nicht, Nach Himmel und Erden frag ich nicht, Wenn ich dich nur kann haben: Und wenn mir gleich mein Herz zerbricht, Bist du doch meine Zuversicht, Mein Theil und meines Herzens Trost, der mich durch sein Blut hat erlöst. HErr JEsu Christ, mein GOtt und HErr! In Schanden laß mich nimmermehr. O großer GOtt! ich bin dein geworden in der hei ligen Taufe; ich bin dein geblieben durch den Glau ben; laß mich jetzt im Sterben auch dein Eigenthum sein. OJEsu Christe, GOttesSohn! der du fürmich hast' g'nug gethan, ach! schließ mich in die Wunden dein, du bist allein der einige Trost und Helfer mein. Halte im Gedächtniß JEsum Christum, der auferstan den ist von den Todten. 2. Tim. 2, v. 8. Erschein du mir zum Bilde, Zum Trost in mei ner Noth, Wie du, HErr Christ! so milde, Dich hast geblut't zu todt; Da will ich nach dir blicken, Da will ich glaubensvoll Dich fest an mein Herz drücken! Wer so stirbt der stirbt wohl. JEsus ist mir tief in mein Herz eingeschrieben; ad ja, o Jesu! ich halte jeßt im Gedächtniß deine Marter u. Bein, dein vergossenes Blut u. heilige Wunden. JEsu! ich umfasse dich, an mein Herz drücke ich dich; ach! weiche nicht von mir: mich verlanget nach dir; mein Heiland, wäre ich bei dir! HErr, gedenke an mich, wenn du in dein Reich kom den Sterbenden vorzusprechen. 4411 mest. JEsus antwortete ihm: Wahrlich, ich sage dir, heutewirst du mit mir im Paradiese sein. Luc. 23, v. 42. 43. Auf, auf, mein Geist! ermuntre dich Bei allem deinem schweren Leide; O glaube JEsu sicherlich ,. Dieß ist der nächte Weg zur Freude. Ergieb in findlicher Geduld Dich deines Vaters Lieb und Huld, Er wird in seinen treuen Händen Dich unaussprechlich schön vollenden, Und ehe du dich wirst verseh'n, Wirst du verklärt dort oben steh'n. Mein JEsu! mein einziges Verlangen ist nach deiner Gnade u. Barmherzigkeit. Ach! nimm meine durch dein theures Blut erkaufte Seele auf in deine heiligen Hände. Ach! laß sie dir befohlen sein, daß sie zur Freude in dein Paradies eingehen. Ich spreche auch mit dem glaubigen Sünder: HErr JEsu: gedenke mein, denke, ich bin dein Kind, ich bin durch dein Blut dir zum Eigenthum erkauft.. Laß mich heute bei dir in deiner Herrlichkeit sein. Das ist je gewißlich wahr, und ein theures werthes Wort, daß Christus Jesus gekommen ist in die Welt dieSünder selig zu machen. 1. Tim. 1, v. 15. Ich bin gewiß in meinem Glauben, Als der mich Christo einverleibt; Wer kann mir dieses Kleinod rauben, Das mir sein Blut und Tod verschreibt; Sein theures Wort bekräftiget dieß: Drum ſagt mein Glaube: Ich bin gewiß. Ich bin gewiß in meinem Sterben, Daß mich der Lod nicht tödten kann, Nach ihm macht mich mein GOtt zum Erben Von dem beglückten Canaan; Ein ander Leben folgt auf dieß, Mein JEsus lebt; Ich bin gewiß. Ichbingewiß, sosollesheißen, Bisausdem Glauben Schauen wird; Es soll mich nichts von JEsu reißen, Ich bin sein Schaf, er ist mein Hirt; In Ewigkeit folgt hier kein Niß, Die Losung bleibt: Ich bin gewiß! Sprüche, Seufzer und Gebete, HErr! ich warte auf dein Heil, JEsus macht die Sünder selig, er macht mich auch selig. JEsus nimmt die Sünder an, er nimmt mich auch an. Ich bin meines JEsu eigen, und bleibe sein eigen. Ich hebe meine Augen auf gen Himmel, und sehe, wie JEsus zu sich ruft. 442 Wenn ich nur dich habe, so frage ich nicht nach Himmel und Erden; wenn mir gleich Leib und Seele verschmachtet, so bist du doch, GOtt! allezeit meines Herzens Trost und mein Theil. Psalm 73, v. 25. 26. Wenn ich einmal soll scheiden, So scheide nicht von mir, Wenn ich den Tod soll leiden, So tritt du selbst herfür; Wenn mir am allerbängsten Wird um das Herze sein, So reiß mich aus den Aengsten Kraft deiner Angst und Pein. OJEsu! mein Leben endet sich, ach! nimm mich auf zu dir. Mein Hirte! nimm dein Schäflein; mein Bräutigam! nimm deine Braut; mein Vater! nimm auf dein Kind; mein JEsu! nimm die durch dein Blut erkaufte Seele zu dir. So bete ich, so wünsche ich, so schließe ich auch meine Augen zu. Darnach sahe ich, und siehe, eine große Schaar, welche Niemand zählen konnte, aus allen Heiden und Völkern und Sprachen, vor dem Thron stehen, und vor dem Lamm, mit weißen Kleidern angethan, und Palmen in ihren Hän den. Und er sprach zu mir: diese find's, die kommen sind aus großer Trübsal, und haben ihre Kleider gewaschen, und haben ihre Kleider helle gemacht in dem Blute des Lammes. Offb. Joh. 7, v. 9. 14. Wer sind die vor GOttes Throne? Was ist das für eine Schaar, Welche zieret eine Krone; Gläuzen gleich den Sternen flar, Singen Halleluja all' Loben GOtt mit großem Schall? O wie groß wird sein die Wonne! Wenn wir den Sterbenden vorzuſprechen. 443 werden allermeist Schauen auf dem hohen Throne Vater, Sohn und heil'gen Geist. Großer GOtt! dir sei bereit Lob und Preis in Ewigkeit. Ach, mein JEsu! ich freue mich auf das weiße Kleid und auf die schöne Krone, die du mir wirst geben. Ich wasche indessen meine Seele in deinem heiligen Blute, ich eigne es mir zu; ach! nimm mich um dessen willen auf in dein ewiges Freudenleben. Vater, in deine Hände befehle ich meinen Geist! Luc. 23, v. 46. HErr JEsu, nimm meinen Geist auf! Apoſt.Gesch. 7, v. 58. HErr, meinen Geist befehl ich dir, Mein GOtt, mein GOtt! weich nicht von mir, Nimm mich in deine Hände; wahrer GOtt! aus aller Noth Hilf mir am leßten Ende. Omein JEsu! so bete ich auch jetzt mit dir. Dein letztes Wort am Kreuz soll auch mein letztes Wort in meinem Sterben sein. HErr JEsu! dir leb ich, dir sterbe ich, dein bin ich todt und lebendig. O! wollte GOtt, daß ich mein End, Wie JEsus möcht erreichen, und meinen Geist in GOttes Händ Und treuen Schooß bald neigen; Ach, laß mein Hort, Dein letztes Wort Mein letztes Wort auch werden, So werde ich höchst selig geh'n Zum Vater von der Erden. Wir warten eines neuen Himmels und einer neuen Erde, nach seiner Verheißung, in welcher Gerechtigkeit wohnet 2. Betri 3, v. 13. Gottesstadt, o wahres Licht! O Wohnhaus aller Freuden! Wann schau ich GOttes Angesicht? Wann endet sich mein Leiden? Wannschmeck ich seine große Güte? Lieb! es brennet mein Gemüthe; Ich lieg u. seufze mit Begier: O JEsu, Seelenfreund! hol mich zu dir.GOtt! wie selig werd' ich ſein, Sprüche, Seufzer und Gebete, Wenn ich aus diesem Leben Zu dir geh in dein Reich nun ein, Das du mir dort wirst geben. Ach HErr! wird dann der Tag bald kommen, Daß ich zu dir werd' aufgenommen? Ach HErr! wann kommt die Stund heran, Daß ich in Zion jauchzen kann. O du heiliger dreieiniger GOft! nimm jetzt meine Seele auf in dein himmlisches Freudenreich. Ach komm, HErr JEsu! ich warte auf dich, ach! führe mich ein zn deiner Freude. HErr GOtt Vater! was du hast erschaffen, HErr GOtt Sohn! was du hast erlöset, HErr GOtt heiliger Geist! was du haft geheiliget, das befehle ich dir in deine Hände, deinem heiligen Namen sei Lob und Preis jetzt und in Ewigkeit. Amen. 444 Siehe, ich komme bald, und mein Lohn mit mit Offenb. Joh. 22, v. 12. Was hält dich doch zurücke? Meinliebster SeelenHort! Wo sind denn deine Blicke? Wo bleibt dein theures Wort, Das mir und andern FrommenStets in den Ohren schallt, Daß du bald wollest kommen! So komm, HErr JEsu, bald! Du Treuster aller Treuen, Mein Schatz, vergiß mein nicht! Laß dich den Bund nicht reuen, Der du hast aufgericht't; Ich bin ja die Geliebte, Nad der dein Blut so wallt; Ach! rette die Betrübte HErr JEsu, komm doch bald! Nun eile mit der Krone, Die deine Huld gemacht, Beförd're mich zum Throne, Den du mir zugedacht: Wo frohes Jubelsingen, Und Jauchzen wiederhallt Wo lauter Engel springen; HErr JEsu, komm doch bald! Ja komm, HErr JEsu! Amen! Komm, komm, verzieh' doch nicht, und denk an deinen Namen, Und was dein Wort verspricht; Ich seufze, weil ich lebe, Seufzer und Gebete eines Sterbenden. 445 Und weil die Zunge lallt, Bis ich den Geist aufgebe; HErr JEsu! komm doch bald! Senfer u. Gebete eines Sterbenden. Aus dem Gesang: Wenn Mein Stündlein vorhanden ist. 1. Wenn mein Stündlein vorhanden iſt. Ach, mein Jesu! das weist du am besten, mein lettes Sterbstündlein ist vielleicht bald vorhanden, darum lehre mich, daß mein Leben ein Ziel hat, und ich davon muß. Erhalte mich im Glauben, daß ich auf den dreieinigen GOtt, auf den ich getauft bin, mich verlasse, und auf dein Verdienst, Blut und Wunden o JEsu! all meine Hoffnung seße. Ach! in der leßten Lebensstunde bewahre mich vor Anfechtung; laß deine Linke unter meinem rechten Haupte sein u. deine Rechte mich decken. Erquicke mich in meinem Sterbstündlein durch den Trost des heiligen Geistes, und laß mich hören Freud und Wonne; bleibe bei mir, wenn mein Ende kommt. Und ich soll fahr'n meine Straßen. Ach ja, mein Jeſu! ich werde die Todesstraße fahren, aber ich fürchte mich nicht, wenn du o JEsu! bei mir bist. Mein Tod ist ein Hingang zum Vater, o! wie freue ich mich, daß ich zu meinem himmlischen Vater, zu dir meinem Jesu kommen soll, da werde ich Friede, Freude, Trost, Wonne, Sonne, ein herrliches Kleid, eine schöne Krone antreffen. O wie wohl wird mir da sein; da wird all mein Jammer und Elend aufhören, und ich werde zur Ruhe, zur Freude und zur Seligkeit gelangen. Auf die 446 Seufzer und Gebete ser Todesstraße zum ewigen Leben sei bei mir, o Jesu! treibe von mir meiner Seelen Feinde, schenke mir hingegen des Glaubens Freudigkeit und deines Trostes Süßigkeit, und damit ich dieſe Todesfahrt mit Freuden selig antreten und vollbringen möge, So gleit du mich, HErr JEsu Christ! Ach ja, o Jesu! begleite mich aus diesem zeitlichen Leben in das ewige Leben. Ist's auf der Todesstraße finster, so werde ich doch im Licht wandeln, wenn du, o Jesu! mein Licht bist. Stehe bei mir an meinem Sterbebette, und nimm meine Seele auf, wenn sie von dem Leibe scheidet. Wenn ich meine Leibesaugen im Tode schließe, so laß meine Seelenaugen dich erblicken. Begleite meine Seele, bis du mich bringest zu deiner heiligen Wohnung, zu den heiligen Engeln und zu der Schaar der Auserwählten. Ja, begleite mich vor den Thron deines himmlischen Vaters, als das Eigenthum, da mit ich daselbst Gnade erlangen und als ein Erbe der Seligkeit angenommen werde. In meinem Abschied aus dieser Welt stehe bei mir, und Mit Hülf' mich nicht verlasse. Ach! es kann mir in meinem Sterbftündlein Niemand helfen, als nur du, o Jesu! allein. Hilf mir, und stärke meinen Glauben, hilf mir und gieb Zeugniß meinem Geiste, daß ich wahrhaftig GÖttes Kind sei, und jeßt als ein Kind GOttes das ewige Erbe empfahen werde; ja, verlaß mich nicht, wenn ich im Tod erblasse und die Todesfarbe anziehe. Verlaß mich nicht, wenn mir die Augen brechen: Alsdann sei und bleibe du das Licht meiner Seele. Verlaß eines Sterbenden. mich nicht, wenn mir das Gehör vergehet: alsdann lehre, tröste und erquicke mich inwendig in meiner Seele. Verlaß mich nicht, wenn mir die Sprache vergehet, und ich nicht mehr beten kann: Alsdann bete für mich; o JEsu! o heiliger Geist! bete in mir, und vertritt mich bei GOtt mit unaussprechlichem Seufzen. Verlaß mich nicht, wenn ich nun verscheide: alsdann führe mich zur Himmelsfreude; ach! nimm. Mein' Seel' an meinem letzten End' 447 In deinen Schuß und Gnaden auf. O Jesu! du hast meine Seele mit deinem heiligen Blut erkauft; ach; wasche und reinige sie, damit sie als ein reines und GOtt wohlgefälliges Gefäß erfunden werde. Kommt nun das Ende meines natürlichen Lebens, ach! so gieb mir ein vernünftiges Ende, wenn es dein heiliger Wille ist, daß ich möge mein Herz, Augen und Gemüthe zu dir richten und beten, so lange die Zunge lallen kann; seufzen, so lange der Athem in mir ist, ja, daß ich den Zuspruch der Umstehenden mit Freuden und zu meinem Trost vernehmen kann: gieb mir ein fröhliches Ende, wenn es dir gefällt, daß ich möge deine Gemeinschaft, o Jesu! im Sterben genießen, durch den Trost des heil. Geistes erquicket werden. Gieb mir auch ein seliges Ende, daß ich im Glauben sanft und selig einschlafe, und mit dir vereinigt bleibe vor dem Tode, in dem Tode und nach dem Tode. Damit das möge geschehen, so übergebe ich dir meine Seele und Befiehl sie, HErr in deine Händ'; Owie wohl wird sie darin bewahret sein! Siehe, ich habe dir meine Seele alle Tage anbefohlen, so -448 Seufzer und Gebete soll auch jetzt dieß mein Gebet sein; HErr JEju nimm meinen Geist auf! Mein JEsu, du hast ja meine Seele mit deinem heiligen Blute erlöset vonder Sünde, von der Gewalt des Teufels, darum befehle ich sie dir; sie ist dein Eigenthum, und soll auch dein bleiben in Ewigkeit. Nimm sie auf zu deiner ewigen Himmelsfreude, zur Wonne, zur Herrlichkeit, da wird ihr wohl sein. Deine Hände sind mächtige Hände, Niemand kannmeineSeele aus deiner Hand reißen; nicht die Welt! die hat keinen Theil an mir; nicht der Satan: deu du ja überwunden haft. Deine Hände sind treue Hände, da wird meine Seele in Ewigkeit wohl aufgehoben sein, denn Du wirst sie wohl bewahren. Ich gebe sie dir aufzuheben bis an denlieben jüngsten Tag, da wirst du sie mit einem verklärten Leibe wieder vereinigen, und sodann Leib und Seele die Himmelsfreude genießen lassen. Indeß, HErr JE ſu! erfreue, tröste und erquicke meine Seele in deiner Herrlichkeit. Verleihe mir nach dem Glauben das Schauen, nachder Unruhe die Ruhe, nach dem Leiden die Freude, nach der Angst den Trost, nach dem Elend die Erquichung. Laß meine Seele unter den Engeln und Auserwählten deine Herrlichkeit sehen, die du deinen Kindern bereitet haſt. 2. Mein' Sünd' mich werden fränken sehr, Ach ja, mein JEsu! ich denke heute an meine Sün den! ich denke daran, und ist mir herzlich leid, daß ich die Zeit meines Lebens so lange, so oft und so vielfältig erzürnet habe mit Gedanken, Worten und Werken. Ach! ich betrübe mich darüber von Grund eines Sterbenden. 449 meiner Seele, daß ich meinen Schöpfer, meinen Erlöser und Heiligmacher beleidiget habe; ach, hätt' ich es doch nicht gethan! und wenn ich es noch zu thun hätte, so wollte ich es auch nimmermehr vollbringen. Aber, o JEsu! durch deinunschuldig Blut, die schöne rothe Flut, wasch' ab all' meine Sünde, mit Trost mein Herz verbinde, und ihr nicht mehr gedenke, in's Meer sie tief versenke. Ach, mein JEsu! wenn meine Sünden vor mein Krankenbett treten, mich ängſtigen und verklagen wollen, so tritt, o JEsu! zu meiner Seite und zeige mir deine heiligen Wunden, durchstreiche mit deinem heiligen Blute das Sündenregister und versiegle in meinem Herzen die Vergebung der Sünden mit deinem heiligen Geist. Nun, dessen tröste ich mich, wenn Mein Gewissen wird mich nagen; Ich fühle wohl, was für Angst und Schrecken ich über meine Sünden ausstehen muß. Sünde, wie bitter bist du auf dem Todbette, wie machst du mir so angst und bange; aber ach, mein JEsu! ich bitte um Gnade; ach! verzeihe mir doch gnädiglich, was ich mein Lebenlang wider dich auf Erden hab' begangen. OJEsu! um deines vergossenen Blutes willen verzeihe mir alle meine Uebertretungen; um deiner heiligen Wunden willen erbarme dich über mich; um deiner ewigen Liebe willen nimm mich zu Gnaden an. GOtt! sei mir gnädig nach deiner Güte, und tilge alle meine Sünden nach deiner großen Barmherzigfeit; wasche mich wohl von meiner Missethat u. reinige mich von meinen Sünden; so wird mein Gewissen befriedigt u. mein Herzberuhiget werden. Ach! ich läugne nicht meine Missethatenu.Sünden; ich betenne vor dem allwissenden GOtt, daß ihrer gar viel sind! 29 450 Seufzer und Gebete Denn ihr'r sind viel wie Sand am Meer. Ist des Sandes am Meer viel, noch viel mehr sind meiner Sünden: viel habe ich gesündiget mit Gedanken; viel habe ich gesündiget mit meinen Worten und unnügen Reden; viel habe ich gesündiget mit meinen Werken und Thaten von Jugend auf bis auf diese Stunde; so du nun, HErr! willst Sünde zurechnen, wer wird bestehen? Willst du die Gedanken meines Herzens vor Gericht bringen, so muß ich mich schämen; soll ich für ein jegliches unnützes Wort Rechenschaft geben, so bin ich verloren: willst du mich richten u. mir geben nach meinen Werken, o wie wird es mir ergehen? Ach! was soll ich Sünder machen? Ach! was soll ich fangen an? mein Gewissen klagt mich an. Doch will ich nicht verzagen; Und warum sollte ich verzagen? Der himmlische Vater wird ja seinarmes, bußfertiges Kind nicht ver stoßen. Ich will nicht verzagen; JEsus ist ja mein Heiland, mein Mittler u. Fürsprecher bei seinem himmlischen Vater. Wer will die Auserwählten Got tes beschuldigen? GOtt ist hier, der da gerecht macht; wer will verdammen? Christus ist hier, der gestorben ist, ja vielmehr, der auferwecket ist, welcher sizzt zur Rechten GOttes u. vertritt uns. Ich will nicht ver zagen, der hl. Geist wird mein Beistand bleiben auch in meiner Todesnoth u. mir Zeugniß geben, daß ich wahrhaftig GOttes Kind sei, daß meine Sünden mir um JEsu willen sollen vergeben sein, daß die Barm herzigkeit GOttes mich in die Arme fassen wird. darum, so oft mich Satan, meine Sünden und mein Gewissen ängstigen u. kränken wollen, so sollst du D JEsu! meiner Seele Zuflucht und mein Trost ſein. eines Sterbenden. Gedenken will ich an deinen Tod. Ich will mir in meinem Sterben vorstellen dich, o JEsu! am Kreuz, wie du für mich gestorben, wie dit für mich dein Blut vergossen hast, u. sagen: Siehe, das ist Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt. O Lamm Gottes! unschuldig am Stamm des Kreuzes geschlacht't, all'zeit gefunden geduldig, wiewohl du war'st veracht't, Sünd' hast du getragen, sonst müßten wir verzagen; erbarme dich meiner, o JEsu! Dein Tod bringt mir das Leben; weil du für mich gestorben, so soll ich nicht des ewigen Todes sterben und verdammet werden, sondern durch dich das Leben haben. Also hat Gott die Welt geliebet, daß er seinen eingebornen Sohn gab, auf daß alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. So soll nun immer in meinem Herzen sein, JEsu bitteres Leiden und sein vergossenes Blut, ja, 451 HErr JEsu! deine Wunden roth, laß mir jetzt in mein Herz eingeschrieben sein: Dieſe Wunden sind auch für mich geschlagen worden; in dieselben will ich meine Zuflucht nehmen. Gleichwie sich fein ein Vögelein in hohle Bäum verstecket, wenn's trüb hergeht, die Luft unstät, Menschen u. Vieh erschrecket; Alſo, HErr Christ! mein Zuflucht ist Die Höhle deiner Wunden. Wenn Sünd u. Tod Mich bracht' in Noth, hab' ich mich d'rein gefunden. In deine heilige Wunden verberge ich mich, u. will darin ſelig leben und sterben, darum ist meine Seele wohl aufgehoben. Floß aus deinen heil. Wunden Wasser u. Blut, so ist mir dadurch die Reinigung von meinen Sünden u. die Versöhnung mit GOtt versichert wor= den. JEsu Blut, Tod u. Wunden sollen meine let 29* 452 Seufzer und Gebete ten Gedanken, und JEsus, JEsus, JEsus meine letten Worte sein. OJEsu Christe, GOttes Sohn! Der du für mich genug gethan, ach! schließ mich in die Wunden dein, Du bist allein der einige Trost u. Helfer mein. Ja, HErr JEsu! deine Wunden, Die werden mich erhalten. Um derselben willen erlange ich Gnade bei GOtt, die Gerechtigkeitu. die ewige Seligkeit. Schließet man meinen Leib inden Sargein, so will ich meine Seelein die Wunden JEsu einschließen. Darin wird sie erhal ten werden; da kann sie der Satan nicht rauben; daraus kann sie kein Seelenfeind vertreiben; in diesen Wunden ruht sie und wird gebracht zu der Schaar der Frommen. 3. Ich bin ein Glied an deinem Leib. welch' ein großer Trost ist das in der Stunde meines Todes, daß ich ein Glied an deinem heiligen Leibe bin! In der heil. Taufe bin ich neu geboren u. wieder geboren worden; da bin ich geworden ein Glied der christlichen Kirche, deren Haupt JEſus ist! ist aber JEsus mein Haupt und ich sein Glied, so weiß ich auch, daß ich da sein werde, wo mein JEsus ist. JEsus aber ist in der Herrlichkeit, da werde ich auch hinkommen: lässet auch ein Haupt sein Glied, welches es nicht nach sich zieht? Ja, mein JEsus wird mich auch nach sich ziehen in sein ewiges himm lisches Freudenreich. Er hat verheißen: Wenn ich erhöhet werde von der Erde, so will ich sie alle nach mir ziehen. OJEsu! du bist ja erhöhet zur Rechten deines himmlischen Vaters, ziehe mich nach dir, brin ge mich auch zu deiner ewigen himmlischen Freude; eines Sterbenden. ach ja! du wirst mich als dein Glied theilhaftig machen deiner Herrlichkeit. 453 Deß tröst' ich mich von Herzen; Ein herrlicher Trost! Wenn das Haupt die Krone trägt, so freuen sich alle Glieder, und weil mein JEsus mit Schmuck und Ehren gezieret ist, so werde ich nach dem Kampf u. Sieg auch empfangen ein herrliches Kleid u. eine schöne Krone von der Hand des HErrn. Das ist ein gewisser Trost; denn weil ich GOttes Kind bin, so bin ich ein Erbe, ja, GOttes Erbe, und ein Miterbe Christi, der die himmlischen Güter soll erlangen, und zur Herrlichkeit erhoben werden. O, sollte ich denn nicht gerne sterben, nicht gerne mitleiden u. mitdulden, damit ich auch mitherrschen und mitleben möge? Das soll auch mein beständiger Trost sein. JEsus, mein Haupt, wird mich, sein Glied, herrlich machen. JEsus, mein Heiland, wird mich selig machen; darum sage ich auch: Mein JEsu! Von dir ich ungeschieden bleib.' Kann man in diesem Leben das Haupt von dem Leibe trennen, so kann mich doch Niemand von JEsu trennen; ich bin gewiß, daß weder Tod noch Leben, weder Engel noch Fürstenthum, noch Gewalt, weder Hohes noch Tiefes mich scheiden soll von der Liebe GOttes, die da ist in Christo JEsu, unserm HErrn. Ja, nichts, nichts, soll mich von JEsu scheiden, kein Kreuz u. Krankheit! darin will ich beständig aushalten; kein Kampf u. Angst meiner Seele, darin wird mir mein JEsu beistehen, und mir überwinden helfen; ja, auch der Tod nicht, sondern der wird mir die Thüre aufthun, daß ich zu JEsueingehe. Ich will von JEsu ungeschieden bleiben im Leben, Leiden u.Sterben! Leib u. Seele mögen sich scheiden, aber 454 Seufzer und Gebete JEsus u. meine Seele soll nimmermehr geſchieden werden: muß ich scheiden aus der Welt u. von mei nen Freunden, von JEsu aber doch nimmermehr. O JEsu! ich habe dich allzutief in mein Herz eingeschlos sen, darin will ich dich in wahrem Glauben festhalten, bisdu mich bringestzudeinerhimmlischen Herrlichkeit. JEsus ist meinund ich binmeines JEsu allezeit, auch In Todesnoth und Schmerzen. Ist die Todesnoth eine große Noth, so ist sie mir doch keine Noth, weilJEsus bei mir ist. Ja mein su! willst du in dieser Noth von mir weichen? O du treuer Seelenfreund! das wirst du nimmer thun. Da hast mir versprochen: Ich bin bei dir in der Noth; so erfülle auch jetzt deine Gnaden- Verheißungen. If die Todesnoth die letzte Noth, so wirst du sie, mein Heiland! mit deiner Gegenwartversüßen. Erschein du mir zum Bilde, zum Trost in meiner Noth, wie du, HErr Christ, so milde, dich hast geblut't zu todt, da will ich nach dir blicken, da will ich glaubensvoll Dich fest an mein Herz drücken u. sagen: HErr JEsu! ich Lasse dich nicht, du segnest mich denn; HErr JEsu! dir leb ich, HErr JEsu! dir sterb ich, HErr JEsu! dein bin ich todt und lebendig. Wer so stirbt, der stirbt wohl, denn Wenn ich gleich sterb', so sterb' ich dir; Ja mein JEsu! ich will gerne sterben, weil ich weiß, daß ich zu dirin deine Herrlichkeit kommen werde. I will im Glauben sterben und mich auf dein Verdient, Blut u. Tod verlassen. Ich sterbe fröhlich u. selig denn ich sterbedir, aus Verlangen nach dir; ich sterbe als deinkind, welches du bisher hast geleitet; ich ſterbe als deinSchäflein, welches Niemand aus deiner Hand reißen fann; ich sterbe als dein Erbe, welchem die himmlische Freude und Wonne bereitet iſt. Denn eines Sterbenden. Ein ewig Leben hast du mir jadort bereitet! denn im Himmel bei dir in der Freude wird kein Ach u. Weh, keine Krankheit noch Schmerz, keinLeidennochTodmehr sein, sondernFreude, Trost, Friede, Erquickung, Süßigkeit, Klarheit u. Herrlichfeit, u. dieses Leben in Herrlichkeit soll ewig sein; es soll nimmermehr aufhören. O JEsu! wie freu ich mich auf dieses Leben, auf die Herrlichkeit: habe ich hier gehabt wenig gute Tage, u. mein tägliches Brod ist gewesen Mühe u. Klage, so werde ich hingegen in dem Himmel haben lauter gute Tage, Freudentage, Erquichungstage. Da wird alles Trauern u. Wetnen ewig weg sein; da wird mein Heiland abwischen alle Thränen von meinen Augen. Oselige Stunde! wann ich zu dieser Freud gelangen werde, und daß ich auch dazu gelangen werd', weiß ich gewiß, denn dieß Freudenleben hast du mir 455 Durch deinen Tod erworben. Du bist, o Lamm GOttes! für mich gestorben, du bist die Versöhnung für der ganzen Welt Sünde; für mich bist du verspottet, gefreuzigt u. getödtet; dein Tod hat meinen Tod versüßet; es kommt alles mir zu gut: Dein Verspotten, dein Verspeien Mußzu Ehren mir gedeihen; Tausend, tausendmal sei dir, liebſter JEsu! Dank dafür. DeinTod ist mir zu gut auch geschehen, dadurch bin ich mit GOtt versöhnt, dadurch habe ich Frieden, Vergebung der Sünden, Gerechtigfeit u. der Seelen Seligkeit erlanget. Weil du nun lebest, so werde ich auch leben. O darum sei getrost, meine Seele! und schaue mit Freuden gen Himmel. JEsus hat mir den Himmel erworben und mir daselbst eine Stätte bereitet. Er spricht: Ich gehe hin, euch die Stätte zu bereiten. Owohlan! habe ich hier auch keine bleibende Stätte, endigt sich mein Leben, 456 Seufzer und Gebete bricht mein Herz, scheidet sich Leib u. Seele, so weiß ich schon wohin: zu JEsu, zu JEsu, meinem Hei land. Denn ich weiß, wenn dieses Haus meiner ir dischen Hütte des Leibes durch den Tod zerbrochen wird, so haben wir einen Bau von GOtt erbauet, ein Haus, das nicht mit Händen gemacht ist, das ewig ist im Himmel; und dieses hat mir mein JE sus durch sein Leiden und Sterben erworben. 4. Weil du vom Tod erstanden biſt; Ist ein herrlicher Trost, den mir GOttes Wort giebt; wenn ich schon sterbe, so soll ich doch wieder auferstehen. Ob schon mein Leib wird schwach und matt in die Erde geleget, ob er gleich darin wird zu Staub u. Asche werden, so wird er doch nicht im Grabe bleiben, sondern herrlich wieder auferstehen; er soll leuchten wie die Sonne in des Vaters Reich; er soll verkläret, verherrlichet u. mit weißen Kleidern angethan werden. Ist das nicht ein großer Trost für mich? und der entstehet daher, weil mein JEsus vom Tode auferstanden ist; er ist für mich am Stamm des Kreuzes gestorben als das unschuldige Lamm GOt tes; erist auch begraben worden, er ist aber wiederum siegreich am dritten Tage auferstanden. JEsus ist erstanden, ich werde auch auferstehen; Jesus lebt, ich soll auch leben. O Freude, o Trost! sterbe ich gleich u.mein Leib wird indie Erde geleget, er soll wiederum hervorkommen, mit Unsterblichkeit u. Herrlichkeit an gethan. Jesus ist nicht im Grabe geblieben, so auch Werd' ich im Grab nicht bleiben. JEsus wird mir mein Leben wieder geben, und auch meine Glieder, Leib u. Seele, die durch den Tod getrennt waren, werden in der seligen Auferstehung eines Sterbenden. 457 wiedervereinigt werden. O! darumleget meinen Leib nur hin in's Grab, ich bleibe doch nicht darin; das ist meine Schlafkammer, da will ich sanft schlafen, bis mich JEsus auferwecken wird. Da ist mein Ruhebett; nach so vielem Wachen, schweren Leiden, Schmerzen u. Ungemach werde ich nun zur Ruhe kommen. In meinem GrabedecketJEsus mich mit seinen Gnadenflügeln; er bewahret meine Gebeine, bis er sie wird wieder vereinigen, u. mir meiner Augen Licht, Haupt u. Hände, ja alle Glieder wieder geben. So wenig das Grabmeinen JEsum hat halten können, so wenig wird es auch mich halten, wenn die lette Trompete erklingt, welche auch durch die Gräber dringt. So ist mir das Grab nicht schädlich, dieweil mein Leib da ruht von aller Sorge, aller Arbeit, allen Schmerzen 1. meine Seele wird in der Himmelsfreude von Gott erquicket und getröstet werden. Ja, mein Heiland, nicht allein erfreuet mich deine siegreiche Auferstehung, sondern auch Mein höchster Trost dein' Auffahrt ist, Als JEsus von den Todten auferstanden war, so fuhr er auf gen Himmel, und gieng in seine Herrlichkeit. Siehe, mein JEsus ist vorangegangen, ich folgenach; ich werde auch eine herrliche Himmelfahrt halten. Meine Seele wird sogleich nach dem Ausgang aus diesem Leben zu GOtt kommen, und in der seligen u. fröhlichen Auferstehung der Todten werden wir dem HErrn in den Wolken entgegengerückt werden, da dann Leib und Seele mit einander zu ihres HErrn Freude eingehen sollen. Ach, mein JEsu! ſtelle mir dieſe herrliche Himmelfahrt fleißig vor, daß ich mich deren möge bei meinem Absterben getrösten; ja, erinnere mich, daß ich nicht kann gen Himmel fahren, ehe ich dieses Sterbliche abgeleget habe 458 Seufzer und Gebete und entkleidet worden bin. Das soll nun auch mein höchster und liebster Trost in meinem Sterben blei ben; JEsus lebt, ich werde auch leben! JEsus ist gen Himmel gefahren, ich werde ihm auch nachfahren. JEsus ist in die Herrlichkeit eingegangen, und ich werde auch bei meinem Eingang in den Himmel derselben theilhaftig werden. Was kann mir denn nun süßer und angenehmer sein, als mein JEsus und meine zukünftige Himmelfahrt? Tod'sfurcht kann sie vertreiben; Ich weiß, daß ich sterben werde, aber ich fürchte mich nicht davor, denn meine Seele geht aus der ir dischen zerbrechlichen Hütte, und kommt in die ewige Herrlichkeit. Fürchtet sich auch ein Kind, zu seinem Vater zu gehen, oder eine Braut zu ihrem Bräutigam zu kommen? Durch den Tod gelange ich zu meinem himmliſchen Vater, zu JEsu, meiner Seelen Bräutigam; sollt' ich mich da denn fürchten? Ich gelange zur Herrlichkeit, zum ewigen Licht, zur ewi gen Freude, zur Krone u. weißen Kleid! das macht mir aber keine Furcht, sondern Trost und Freude. Ich sterbe nicht, mein Elend stirbt nur, meine Seele verlieret ihr Kreuz u. erlanget die himmlischen Gü ter: sie verläßt die Menschen u. kommt zu den heiligen Engeln u. Auserwählten. Ja, mein JEsu! was meine Todesfurcht noch mehr vertreibt, iſt die aller heiligste Vereinigung mit dir, Denn wo du bist, da komm' ich hin. O welcher Trost ist das! Nach dem seligen Ab schied aus diesem Leben soll ich gen Himmel fahren und bei meinem JEsu in seiner Herrlichkeit sein. Das Schäflein bei dem Hirten, der Jünger bei dem Lehrer, der Diener bei dem HErrn. So hat er e eines Sterbenden. 459 auch verheißen: Wo ich bin, da soll mein Diener auch sein. O welche Freude wird das sein, wenn mich JEsus in seine Arme fassen, und zu der Herrlichkeit einführen wird! o mein Heiland, wann kommt denn die Stunde der seligen Vereinigung u. Heimführung? Nicht allein hast du mich von der Verdammniß u. aus der Höllen Rachen befreiet; nicht allein hast du der Seelen Seligkeit mir erworben; nicht allein bist du vorangegangen, und hast mir die Stätte bereitet, sondern du willst mich auch zu dir aufnehmen, wie du allen deinen Kindern verheißen: Ich will euch zu mir nehmen, auf daß ihr seid, wo ich bin. O wohlan! so ist mir wohl, wenn ich bin, wo JEfus ist, nun dieses dient zu meinem Trost, Daß ich stets bei dir leb' und bin, Darum wird er mich zu sich nehmen, damit ich bei ihm leben soll in ewiger Freude; daß ich genieBen soll der himmlischen Herrlichkeit; nun soll ich meines himmlischen Vaters Wohnung ererben, aller himmlischen Gütertheilhaftig werden, nun hat meine Wallfahrt ein Ende, und ich bin daheim. Ja auf diese Vereinigung soll niemals eine Trennung folgen. Ich soll vor seinem Thron stehen und sein Antlig schauen, welches Anschauen die allerunaussprechlichste Freude geben wird; ich soll bei ihm leben, und durch ihn ewiglich erquicket werden, und weil ich davon überzeugt bin, D'rum fahr' ich hin mit Freuden. Warum wollte ich nicht mit Freuden sterben? Mit Fried und Freud fahr ich dahin, nach GOttes Willen, getroft ist nur mein Herz und Sinn, sanft 460 Seufzer und Gebete und stille, wie GOtt mir verheißen; der ist mein Schlaf geworden. Ich sterbe mit Freuden, weil mir meine Sünden um JEsu Blutes und Todes willen vergeben sind. Ich sterbe mit Freuden, weil ich aus dem Grabe zum ewigen Leben wieder werde auferwecket werden; ich sterbe mit Freuden, weil ich werde eine selige Himmelfahrt halten und zu meinem JEsu kommen; darum mit Freud fahr ich von dannen, zu Christ dem Bruder mein, auf daß ich zu ihm komme und ewig bei ihm sei. Ich fahre hin mit Freuden aus der Welt in den Himmel, aus diesem Jammerthal in den Freudensaal, denn aus Trübsal und großem Leid, soll ich fahren in die Freud', die kein Ohr je hat gehöret und in Ewigkeit auch währet. 5. So fahr' ich hin zu JEsu Christ, Spricht mein Heiland: Ich fahre auf zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem GOtt und zu eurem GOtt; so spreche ich auch in meinem Sterben: Ich fahre auf, ich fahre hin zu meinem himmlischen Bater, zu meinem JEsu, zu dem heil. Geiſt, und also zu dem dreieinigen GOtt, zu meinem Immanuel, zu meinem Seelenfreund, zu meinem Brutder, ja, zu meinem Erlöser fahre ich, erlöste Seele! hin. Zu meinem Seligmacher fahre ich, der wird mich in den Himmel führen, und als eine durch sein Blut gereinigte Seele zu Gnaden annehmen. Und ach! wie verlanget mich, JEsum zu sehen in seiner Herrlichkeit! JEsum, den ich nie gesehen, aber doch lieb habe zu umfassen: darum Mein' Arm' thu' ich ausstrecken; Ich strecke meine Arme aus nach meinem JEst eines Sterbenden. 461 ihn an mein Herz zu drücken, ihn zu halten und nimmermehr zu lassen. Ich umfasse JEsum schon im Glauben, ich halte ihn und lasse ihn nicht, bis er mich führet in seines Vaters Haus zur Seligkeit. Ich strecke meine Arme aus und rufe: Ja, komm, HErr JEsu! Ich erinnere mich jetzt, daß mein JEsus am Stamme des Kreuzes seine beiden Arme ausgestrecket hat, und so gestorben ist, als ob er mich umarmen wollte, so will ich jetzt auch sterben, um mit ausgebreiteten Armen JEsum zu umfaſſen. O mein Seelen- Bräutigam! umfasse mich auch, und stelle mich verklärt und verherrlicht deinem himmlischen Vater dar. O welch' ein seliger Eintritt wird das sein, wenn ich werde also von JEsu begleitet, geführet, in den Himmel eingehen! Und in solchen Gedanken will ich nun bleiben und sterben, denn wann ich sterbe, So schlaf' ich ein, und ruhe fein. Wenn ich in den Armen JEsu ruhe, so schlafe ich sanft. JEsus in meinem Herzen, JEsus in meinem Sinn, in GOttes Namen schlafe ich ein. OJEsu! mache mir mein letztes End und meinen Tod zu einem süßen und sanften Schlaf, daß ich sanft und stille im Glauben und in deiner Liebe verscheide. Laß auch meinen Leib in der kühlen Erde sanft schlafen, bis an den lieben jüngsten Tag. Schläft nun mein Leib, so ruhet auch die Seele in der ewigen Freude u. Seligkeit. O eine süße Ruh, die Niemand zerstören kann: Ich ruhe von meinem Kreuz, ich ruhe von allem Jammer, von Trauern und Betrübniß; ich ruhe von allen Schmerzen. O eine selige, himmlische und stolze Ruhe! Schläft das Kind sanft in der Mutter Armen, wie sollte 462 Seufzer und Gebete ich denn nicht sanft schlafen und ruhen in den Armen meines JEsu! daraus Kein Mensch wird mich aufwecken, Todte erwecken ist ein Werk GOttes, darum auch kein Mensch von sich selbst die Kraft hat, Todte zu erwecken. Aber du, mein JEsu! du bist ein wahrer GOtt, die Todten aus den Gräbern hervorzurufen, denn deine Stimme wird durch die Erde in die Gräber dringen, und die Todten werden auferstehen. OJEsu! so erwecke denn meinen Leib am frohen jüngsten Tage zum ewigen Leben, damit der Leib, der dir hier gedienet, auch möge verherrlicht werden. Ich weiß, daß mein Erlöser lebt, und er wird mich hernach aus der Erde auferwecken, und werde in meinem Fleische GOtt sehen; meine Augen werden ihn schauen, und kein Fremder. Was nun kein Mensch vermag, das wird mein Heiland thun. Denn JEsus Christus, GOttes Sohn, Also lege ich nochmals mein Glaubensbekenntniß vor meinem Tode vor JEsu ab. Er ist JEsus! der Heiland und Seligmacher der Menschen; er ist auch Christus, der verheißene Gesalbte; ja, er ist nicht allein wahrer Mensch, sondern auch GOttes Sohn, ja, GOtt selbst. Auf diesen JEsum Christum will ich jetzt fröhlich und selig sterben: das Blut JEsu Christi, des Sohnes GOttes, macht mich rein von allen Sünden. Nun derselbe Wird mir die Himmels- Thür aufthun, Ach, mein JEsu! wenn meine Lebensthüre sich schließet, so thue mir auf die Himmelsthüre. An den Himmel habe ich fleißig in meinem Leben ge dacht; ich habe auch durch den Glauben in der Le bensheiligkeit nach dem Himmel getrachtet; darum eines Sterbenden. 463 DJEsu! thue mir die Himmelsthüre weit auf, wenn ich beschließze meines Lebens Lauf. DJEsu! öffne mir die Himmelsthüre und sprich: Ei du fromme und getreue Seele! gehe ein zu deines Herrn Freude; komme her, du geſegnete, ererb das Reich, das dir bereitet ist, von Anbeginn der Welt. O wie selig werde ich sein, wenn du mit solchen süßen Worten wirst Mich führen zum ewigen Leben! Wie ein Bräutigam seine Braut zur Hochzeit führet, so führe mich, o JEsu! in das ewige Leben: zum Leben, das niemals aufhöret; zur Herrlichkeit, die du mir hast erworben; zur Freude, die in Ewigfeit soll währen, so sterbe ich fröhlich. Nun bin ich bei JEsu; er ist bei mir. Ich bin aus dem irdischen Jammerleben verseßt in das himmlische Freudenleben. Nun bin ich aus dem Glauben zum Schauen gelanget. Meinen lieben GOtt von Angesicht werde ich anschauen, daran zweifle ich nicht, in ewiger Freude und Herrlichkeit, die mir bereitet; dir ſei Lob, Ehre und Preis in Ewigkeit! Die Umstehenden rufen dem Sterbenden zu. Haltet im Gedächtniß JEsum Christum; gedenket an sein bitteres Leiden u. Sterben. Tröstet euch der Liebe des himmlischen Vaters, der euch in der heiligen Taufe zu seinem Kinde angenommen, und euch jetzt als sein Kind in die ewige Herrlichkeit aufnehmen will. Tröstet euch der blutigen Wunden IJEfu Christi, die er sich auch für eure Sünden hat schlagen laſsen. Tröstet euch seines heil. Blutes, das er für eure Sünden vergossen. Tröstet euch des Beistandes des heil. Geistes, der euch geheiliget hat; auf diesen dreieinigen GOtt lebet und sterbet selig. Amen. 464 Gebet, wann der Sterbende verschieden. Segenswunsch über den Sterbenden. Fahre hin, du durch JEsum Christum theuer erkaufte Seele! Fahre hin zu deinem lieben Vater in JEsu Christo, der dich erschaffen u. geliebet hat, den du findlich gefürchtetu. dem du vertrauet hast. Fahre hin zu deinem HErrn JEsu, dem theuersten u. treue sten Hirtenu. Erlöser, der dich als sein Schäflein, mit seinem Blute erkauft, an welchen du dich im Glauben gehalten hast. Fahre hin zu deinem Tröster, dem heil. Geist, der dich geheiligt, und zu seinem Tempel u. zu seiner Wohnung erforen hat. Fahre hin aus der Eitelkeit in die Ewigkeit. Fahre hin aus dieſer Pilgrimschaft in's himmlische Vaterland. Fahre hin aus dem Leiden in die Freude. Fahre hin aus aller Noth zu dem lebendigen GOtt; der segne deinen Ausgang ut. Eingangu.bewahre dich durch seine Machtzur Seligkeit. Fahre hin und tritt ein in das Reich, das dir be reitet ist von Anbeginn der Welt. Der HErr segne dich, und behüte dich; der HErr erleuchte sein Ange sicht über dir, und seidir gnädig; der HErr erhebe sein Angesicht auf dich, und gebe dir Frieden. Amen. Gebet der Umstehenden, wann der Sterbende verschieden ist. Odu heiliger u. gerechter Gott! so hat es dir gefal len, diesen vor unsern Augen liegenden Verstorbenen durch denzeitlichenTod von hinnen abzufordern. Ach! laßuns an diesem Todtenlernen, daß wir auch einmal also sterben u. die Welt verlassen müssen, damit wir uns in Zeiten durch Buße, lebendigen Glauben und Vermeidung der Welt Eitelkeitenu. Sünden dazu be reiten mögen. Erfreue die nunmehr abgeschiedene Seele mit himmlischem Trost und Freude u. erfülle anihr alle Gnadenverheißungen, die du deinen Glä Gebet, wann der Sterbende verschieden. 465 gen in deinem heiligen Worte gethan; dem Leibe gönne in der Erde eine fanfte u. süße Ruhe bis an den lieben jüngsten Tag, da du alsdann Leib und Seele wiederum vereinigen und zu der Herrlichkeit einführen wirst, damit der ganze Mensch, der dir hier gedienet, dort mit himmlischer Freude erfüllet werden möge. Tropie auch die durch diesen Tod Betrübten, und sei und bleibe der Hinterlassenen Vater, Versorger, Pfleger, Helfer und Beistand. Verlasse sie nicht und thue nicht von ihnen die Hand ab, sondern laß sie deiner Güte, Gnade Liebe und Hilfe reichlich genießen, bis du sie auch einst wirst fröhlich und selig sterben lassen. Ach, erhöre uns um deiner Barmherzigkeit willen! Amen. 30 466 Feft- Andachten. Der andächtige Christ betrachtet zur heiligen Adventszeit Christi Ankunft im Fleisch. Aufmunterung. Dn Tochter Zion, freue dich sehr, und du Tochter Jerusalem, jauchze Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer arm, und reitet auf einem Gfel und auf einem jungen Füllen der Eselin. Zach. 9. v. 9, Ist eine Zeit, welche gottergebene Seelen gerne mit Andacht hinbringen, so sind es gewiß die hei ligen Fest- Tage, an welchen die Christenheit die Wohlthaten GOttes erwäget. Ob nun gleich die meisten sogenannten Christen die heiligen Festzeiten theils in leppigkeit und Wollust, theils in Stok und Kleiderpracht, theils mit Müßiggang und un artigem Geschwäß lassen vorbei gehen, und daher die Liebe und Gnade des Allerhöchsten wenig z Herzen nehmen, sich auch in ihrem Christenthum wenig erbauen, so ist hingegen ein glaubiges Kind GOttes viel anders gesinnt; denn dasselbe freut sich 1) auf die bevorstehenden Festzeiten, um alle seiner Andacht vorzustellen, was GOttes Güt ihm geschenkt. In der heiligen Adventszeit betrac tet es 2) die Liebe des himmlischen Vaters, de seines einzigen Sohnes nicht verschont, sonder ihn in die Welt gesandt hat zum Leiden, Sterben, aber auch den Menschen die Seligkeit erwerben. Es siehet an 3) die brünstige Lich JEsu, welcher sich in unser armes Fleisch un Blut verkleidete, damit es uns möge zum Himmel und zur Seligkeit wieder bringen. Es preiset die Gnade des heiligen Geistes, welcher die ge schenkten Wohlthaten den glaubigen Seelen so le Der andächtige Christ betrachtet 2c. 467 bendig u. kräftig vorstellet, zueignet u. solche ebenso empfindenläffet, als ob sie heute erst wären geschehen. Daher läsfet es 5) die heilige Zeit sich auch eine Zeit der Andacht u. des Gebetes sein, welche es mit Anhörung und Betrachtung des Worts Gottes, mit Anstimmung der Festlieder u. mit einem stillen u. gottseligen Wandel anfängt und vollendet. Gebet. O du gnadenreicher JEsu! der du biſt kommen zu suchen und selig zu machen, was verloren ist, ich danke dir, daß du mich diese heilige Zeit unter deinem Schutz und durch deine Gnade abermals haft erleben lassen. Ach, gieb deines heiligen Geistes Kraft, daß ich sie möge in deiner Furcht mit heiligen Betrachtungen und zu meiner Seele Erbauung hinbringen. Du ewiger Sohn Gottes! der du bist gewesen che noch der Welt Grund geleget war, bist in's Fleisch gekommen, ein wahrer Mensch geworden, daß du uns möchtest glückſelig und selig machen. Wir konnten wegen des schweren Sündenfalls nicht zu dir in den Himmel kommen, darum komme du zu uns auf Erden, auf daß du uns alle mögest zur Seligkeit einführen. Wir waren durch die Sünde Fremde, ja Gefangene und GOttes Feinde geworden, aber durch deine allerheiligste Ankunft soll alles wieder gut gemacht werden. O große Gnade, 30* 468 Der andächtige Christ betrachtet o unaussprechliche Liebe! um deinetwillen, o JEsu! sollen die Fremden Freunde, die Gefangenen Erlöste, die Feinde GOttes Geliebte, die Sünder Kinder und die Ge fangenen wieder aufgerichtet werden. O heilige Ankunft! dadurch wir zum Tode Verdammte das Leben erlangen sollen, und die wir vorher aus der Gnade gefal len waren, durch dich mit Schmuck und Ehren sollen angethan werden. Denn das ist je gewißlich wahr, und ein theures werthes Wort, daß JEsus Christus kommen ist in die Welt, die Sünder selig zu machen. Liebster Jesu! mache mich auch se lig, führe mich auch in dein Freudenreich. Gieb mir zu dieser heiligen Zeit ein auf merksames und gehorsames Herz, daß ich möge dein heiliges Wort mit Fleiß und Andacht anhören, im Herzen behalten und annehmen; im Glauben, in deiner Er kenntniß und Liebe auch in diesen heiligen Tagen wachsen und die Glaubensfrüchte in meinem Leben zeigen, als da sind: Keusch heit, Demuth, Sanftmuth, Gehorsam Frömmigkeit; damit deine Ankunft aud mir möge eine selige und heilsame Ankunft sein. Ach! bewahre mich, daß es nicht vor mir heißen möge: er tam in sein G genthum, aber die Seinen nahmen ihr zur heil. Adventszeit die Ankunft Chrifti. 469 nicht auf Ach, HErr Jesu! ich nehme dich auf im Glauben, ich liebe dich, ich ehre dich, ich folge dir. Komm herein, du Gesegneter des HErrn! warum stehest du draußen? ich habe mein Herz dir durch deine Gnade bereitet. Komm in mein Herz; ich will dich als meinen einzigen Erlöser, Heiland und Seligmacher im Glauben fassen, und dein Verdienst und deine Ge rechtigkeit mir zueignen. Komm in mein Herz! ich will aus Liebe zu dir alle weltlichen Eitelkeiten, Lustbarkeiten, ja Sünden und Bosheiten gerne meiden, damit du allein meiner Seele Einwohner und meines Herzens Beherrscher seiest. Ach! wohne in mir, heilige mich dir, erhalte mich in deiner Gnade. Meine begangenen Sünden bereue ich, und suche in dir Gnade, darum werden sie mich auch nicht mehr verdammen; denn wenn mich der Sohn frei macht, so bin ich recht frei. Ist Gott für mich, wer mag wider mich sein? O JEsu! du kamst als ein König; ach! regiere hinfort in meinem Herzen, daß die Sünde nicht mehr in mir herrschen könne. Du famest als ein Gerechter; ach! mache mich gerecht, und schenke mir das Kleid deiner Gerechtigkeit. Ich freue mich in dem Herrn, und meine Seele ist fröhlich in meinem 470 Der andächtige Christ betrachtet 2c. GOtt; denn er hat mich angezogen mit den Kleidern des Heils und mit dem Roc der Gerechtigkeit geschmücket. Du kameſt arm, daß du mich mögest reich machen an meiner Seele, reich im Glauben und auch an himmlischen Gütern. Du kamest demithig; ach! mache mich demüthig, daß ich von dir lerne Demuth und Sanftmuth, und dieselbe in meinem Leben bei allen Gelegenheiten ausübe. O du König der Ehren! ziehe auch in die Thore meines Herzens ein; siehe, ich thue durch deine Kraft sie dir weit auf; regiere mich hinfort mit deinem heiligen Geist, daß ich deine Wohnung und dein Tempel beständig bis an mein seliges Ende bleiben möge. Mein Herz will dich empfangen gern, Du GOt tes- Sohn, du Davids- Stern, Du wahrer Weibes- Samen; Du Siloh, Heiland, Hirt und Heil, Mein Bruder, Gnadenthron und Theil, Komm in des HErrn Namen. Komm, König, Friede fürft und Held, Erlöser, Mittler, Lösegeld, Du Licht und Trost der Heiden; O Seligmacher, Hilf und Schuß, Versöhner, Rath, Prophet und Truß, Zeuch in mein Herz mit Freuden- Amen. Gesang. Mel. O GOtt, du frommer GOtt 2c. 1. Hier ist Immanuel! So laffet uns jetzt sagen Zur angenehmen Zeit, In diesen Freudentagen! Hier ist m manuel! Der uns die Gnada bringt, Und dem die Christenheit, Das Hosianna singt. 2. Hier ist Immanuel! Den hat uns Gott gesendet, Und mit demselbigen Sein Herz uns zugewendet; Hier Der andächtige Christ betrachtet. 471 ist Immanuel! Ach! seht wie GOtt uns liebt, Da er zu unserm Heil Sein liebstes Kind dargiebt. 3. Hier ist Immanuel! Der Fluch kann uns nicht schaden, Das Opferlamm ist da, Wir sind bei Gott in Gnaden; Hier ist Immanuel, Wir sind von Strafen frei, Es fället uus kein Fall, So groß er immer sei. 4. Hier ist Immanuel! Die Sünd' ist nun vergeben, GOtt schenkt uns Gnad um Gnad, Wir sollen ewig leben; Hier ist Immanuel! Gott will uns gnädig sein, Es macht uns JEsu Blut Von allen Sünden rein. 5. Hier ist Immanuel! Rein Unfall kann uns tödten: Sieh, Jesus ist bei uns In allen unsern Nöthen; Hier ist Immanuel! Erschreckt uns Angst und Noth, So hilft uns gnädig aus Der wahre Mensch und GOtt. 6. Hier ist Immanuel! Laßt uns die Sünde hasſen Und alle Lieb' der Welt Aus Lieb' zu ihm verlassen; Hier ist Immanuel! Der Seelen Trost und Licht, Den fasset Jedermann Jn Glaubens- Zuversicht. 7. Hier ist Immanuel! Wir können fröhlich sterben Wir werden durch den Sohn Des Vaters Reich ererben; Hier ist Immanuel! Deß freut sich Leib und Seel Und spricht auch in dem Tod, Hier ist Immanuel! Der andächtige Christ betrachtet auf Weihnachten die Geburt JEsu Christi. Aufmunterung. Da aber die Zeit erfüllet ward, sandte GOtt seinen Sohn, geboren von einem Weibe und unter das Geset gethan, auf daß er Die, so unter dem Geset waren, erlösete, und wir die Kindschaft empfingen. Gal. 4, v. 5. Ist bei der Geburt eines königlichen Prinzen Freude in dem ganzen Königreich, welchem zum Trost er geboren ist, so kann Christi JEsu Geburt nichts anders, als allen Menschen erfreulich sein. Die Engel freuen sich in den Lüften und verfündigen eine große Freude den Menschen; warum sollen sich denn Kinder GOttes nicht freuen? und zwar 1) über die erbarmende Liebe Gottes, welcher seines Sohnes nicht verschonet, sondern ihn für uns dahin gegeben hat. 2) Ueber die Freund 472 Der andächtige Christ betrachtet lichkeit JEsu, daß er sich nicht weigert, ob er schon GOtt und GOttes Sohn ist, die menschliche Na tur in einer armen Jungfrau an sich zu nehmen und ein kleines Kind zu werden. Es verwundern sich 3) Glaubige in einer glaubigen Stille über den heilsamen Rath GOttes von unserer Seligkeit: darankein Mensch u. kein Engel gedacht hätte, daß GOttes Sohn sollte anstatt der Menschen leiden und sie mit GOtt versöhnen. Sie verwundern sich 4) über die unverdiente Gnade, welche GO# den Menschen, die doch seine Feinde waren, Röm. 5, v. 16. anbiete, um welche die Menschen ihn nicht gebeten haben, ob sie deren schon höchst be dürftig waren. Darum danken sie ihm 5) desto herzlicher dafür, daß der Rath GOttes von unserer Seligkeit ihnen fund geworden, begeben sich gerne in die Ordnung des Heils, daß sie JEsum im Glauben annehmen, und ihm in einem gottseligen und frommen Wandel folgen. Deßwegen ihnen auch die heiligen Weihnachtstage Bet-, Freuden und Danktage werden. Gebet. Dieß ist der Tag, den der HErr gemacht, laffet uns freuen und fröhlich darinnen sein. O HErr, hilf! o HErr, laß wohl gelingen; gelobet sei, der da kommt im Namen des HErrn! Auf, meine Seele! und wende dieses Fest zur Ehre GOttes und zu deiner Erbauung an, und spricht: du heilige Dreieinigkeit, Vater, Sohn und heiliger Geist! ach, daß alle meine Blutstropfen Zungen wären, damit ich deine Liebe, Gnade und Barmherzigkeit auf Weihnachten die Geburt JEsu Christi. 473 rühmen könnte! GOtt ist die Liebe! dieses erkennet mein Herz und Gemüthe an diesem heiligen Feste. Deine Liebe hat ein Mittel ausgefunden, um die Menschen zur Gnade zu bringen, daran kein Engel, noch Mensch hätte denken können, daß nämlich die mittelste Person in der Gottheit sollte ein Mensch werden, um dadurch die menschliche Natur wiederum zu heiligen und zu reinigen. O du holdseliger JEsu! dir sei ewig Lob und Dank gesagt für deine Menschwerdung und Geburt; du wirst ein Menschen- Kind, damit wir möchten GOttes- Kinder werden. Nun ist die menschliche Natur recht erhöhet; du hast sie mit deiner Gottheit vereiniget, und sie in den Rath der heiligen Dreieinigkeit gebracht. O Liebe, o Gnade! so gewiß die menschliche Natur mit der göttlicheu vereiniget ist, so gewiß ist zwischen Gott und den Menschen eine ewige Freundschaft, ewige Versöhnung, ewiger Frieden und ewige Liebe gestiftet. Wenn uns GOtt in ſeinem Sohne ansiehet, so kann er nichts anders, als uns gnädig sein; hat er dieses Geliebten nicht geschonet, sondern ihn für uns alle dahingegeben, wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken, nämlich die Vergebung der Sünden, Gerechtigkeit, Der andächtige Christ betrachtet Frieden, Leben und Seligkeit. O der gro Ben Liebe JEsu! der als ein zartes Kind hat wollen geboren werden, damit er unsere sündliche Natur heiligte; er hat zuge nommen an Alter und Weisheit, damit er unsere Jugend heiligte! sei willkommen, du edler Gast! die Sünder nicht verschmähet hast; du kommst in's Elend her zu mir, wie soll ich immer danken dir? O mein liebster Seelenfreund, mein Bruder! ich habe nun an dir einen Heiland im Leiden, einen Erretter in Trübsal, einen Seligmacher, wenn mich meine Sünden ängsten, einen Beistand in Nöthen, einen Hel fer im Sterben. Du bist mein Licht, das mich erleuchtet; der Weg, der mich zum Vater führet; die Wahrheit, die mich lehret; das Leben, das mich lebendig macht. Du bist meine Gerechtigkeit, die mich ge recht und selig macht; mein Hoheprieſter, der für mich betet und mich segnet; das Opferlamm für meine Missethaten, ein vollkommenes Lösegeld für meine Üebertretung. Omerther heiliger Geist, wie groß ist deine Liebe, da du mir diesen Trost, diese Freude, dieses Heil abermals verkündigen läsfest. Ich freue mich von Grund meiner Seelen an diesem heiligen Feste, und sage: Mein JEsus ist mein, sein Verdienst 474 auf Weihnachten die Geburt JEsu Christi. 475 ist mein, sein Himmel ist mein, das Kind ist mir, mir, mir geboren! der Sohn ist auch mir, mir, mir geboren; er hat auch mir, mir, mir die Gnade GOttes, die Kindschaft bei ihm und das ewige Erbe, das uns aufbehalten ist im Himmel, crworben und geschenket. O JEsu! den ich im Geist in der Krippe erblicke und beschaue, wie lieblich bist du, wie freundlich bist du auch. Verleihe mir Gnade, daß ich deiner nicht mehr vergesse, sondern daß ich dich immer im Herzen, im Munde und vor Augen habe. O mein Heil! heilige mich, ich übergebe mich dir mit allem, was ich bin und habe; ach, mein Bräutigam! umfahe mich, dir will ich leben, dir will ich dieneu; aus Liebe zu dir entsage ich der Welt und aller Wollust dieses Lebens. Ach! laß mein Herz deine Krippe und deine Wohnung sein in Zeit und Ewigkeit. Schließe mich in deine Liebe ein und behalte mich darin, daß ich in dir Ruhe, Frieden, Trost, Sicherheit und der Seelen Seligkeit haben möge. Nun bin ich nicht verloren, weil mein JEsus ist Mensch geboren; wenn ich unn an ihn glaube, so soll ich nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Gott ist mein Freund, weil ich durch den Glauben in JEsu bin, und weil IE 476 Der andächtige Christ betrachtet 2c. sus in mir lebet. Ich fürchte den Tod nicht; in ihm habe ich das Leben, nicht die Anklage des Gewissens wegen meiner Sünden; hier ist mein Fürsprecher Jesus. Darum sag' an, mein Herzens Bräutigam, Mein' Hoffnung, Freud und Leben, Mein edler Zweig ans Jakobs- Stamm, Was soll ich dir doch geben? Ach! nimm von mir Leib, Seel' und Geist, Ja alles, was Mensch ist und heißt, Ich will mich ganz verschreiben, Dir ewig treu zu bleiben. Amen. Gesang. Mel. O GOtt, du frommer GOtt 2c. 1. D welch ein Freudenfest. O welche frohe Stunden, Da Jesus, GOttes Sohn, In Windeln wird gefunden! Es ist mein ganzes Herz, Auf dieses Kind gericht't, Und meine Andacht geht Von seiner Krippe nicht. 2. O Lieb', o große Lieb, Wer da mit mir bedenket; Daß GOtt uns seinen Sohn Zum Leben hat geschenket; Ogroße Vaterlieb! Die uns so hoch geacht't, Daß er in seinem Sohn Sich uns zu eigen macht. 3. Trene! JEsus ist Zu uns vom Himmel kommen, Hat an sich Fleisch und Blut, Doch ohne Sünd genommen. Er kommt und bringet uns Zur Kron', zur Herrlichkeit, Zum Erbtheil, zu dem Heil, Zur süßen Himmelsfreud. 4. O große Gnad! es kann Ein Jeder Gnad erlangen; Wer diesem JEsum wird In Glaub und Lieb anhangen. Gnade! die uns Trost Und wahres Leben gibt, Seht, dieser Gnad genießt, Der JEsum herzlich liebt. 5. O Freude! unsre Sünd' Sind insgesammt verge ben, Vergeben in der Zeit und dort in jenem Leben; Der Bürge ist nun da, Der stellt sich willig ein, Will unser Lösegeld Und Seligmacher sein. 6. O Trost! so sind wir denn Mit GOtt ganz aus geföhnet: Wer glaubt, wird nicht verdammt, Vielmehr durch ihn gekrönet; Des Herren JEsu Blut, Tod und Gerechtigkeit 3st unser schönster Schmuck Und weißes Ehrenkleid. 7. Mein JEsus! du wirst hier Ein Menschenkind auf Der andächtige Christ betet 2c. 477 Erden, Daß ich ein GOtteskind Soll hier und dorten werden. Du kommst, und nimmst auf dich All' meine Sündenschuld, Hingegen schenkst du mir Des Vaters Lieb und Huld. 8. Du kommst und willst auch mir In Heiligung vergehen, Wie soll ich heilig sein, Das soll ich an dir sehen; Wohlan! ich folge nach; Mein JEsus nur allein Soll, weil ich leben werd, Mein Licht und Führer sein. 9. Deßhalben knie ich hier Vor deiner Krippe nieder, Ich stimm mit Freuden an Die frohen Weihnachts- Lieder Nimm an den Lobgesang; Nimm auch meine Herze an, Weil ich dir liebster Freund! Nichts Besseres geben kann. 10. Ich will allhier mit dir Auf ewig mich verbinden. Ach, laß mich neue Gnad Bei deiner Krippe finden; Mein JEsu! ich bin dein, Ach! sei und bleibe mein, Und laß; mich nimmermehr Von dir geschieden sein. Der andächtige Christ betet und danfet GOtt am Schluß des Jahres. Aufmunterung. Lobe den Herrn, meine Seele, und was in mir ist seinen heiligen Namen! lobe den HErrn meine Seele, und vergiß nicht, was er dir Gutes gethan hat. Pf, 193. v. 1. 3. Wenn andächtige Seelen und dankbare Herzen sich herzlich in GOtt erfreuen, wenn er sie lässet eine Woche oder einen Monat glücklich zurücklegen, warum sollen sie nicht ihre Freude verdoppeln, wenn sie unter dem Beistand GOttes ein ganzes Jahr durchlebt haben? Ach, wie viel Leiden kann uns in einem Tage begegnen, und wie viel mehr in einem ganzen Jahr! Wenn ein andächtiger Christ den Schluß des Jahres erblickt, so hebt er Hände Herz und Mund zum Himmel auf, und schließt es mit Loben, Danfen und Beten; und zwar ist es ihm nicht genug, daß er etwa nur die gewöhnlichen Worte ausspricht: GOtt Lob und Dank! das Jahr ist auch vorbei: sondern 1) danket er GOtt, daß er ihm dieses Jahr sein heiliges Wort zur Seelen- Heiligung hat lassen predigen, und den Weg 478 Der andächtige Christ betet. zum Himmel weisen, wie auch, daß er ihm durch das heilige Abendmahl immer neue Kraft und Stärke zur Ausübung derGottseligkeit und Hervorbringung der Glaubens- Früchte verliehen. 2) Er fragt sich, ob er auch das Jahr über frömmer geworden, wie alt er nun an dem inwendigen Menschen nach der neuen Geburt sei, da er nach der alten sündlichen Geburt abermals ein Jahr zurückgelegt hat. 3) Er bittet GOtt auch herzlich und inbrünstig um Verzeihung der begangenen Sünden, die er entweder wissentlichoderunwissentlichvollbrachthat.4) Erpreiset GOtt sodann für die vielen empfangenen leiblichen Wohlthaten, daß er ihn ernähret, versorget, beschüßet, errettet, erhalten, gesegnet, bewahret u. begleitet hat. 5) Hat ihm GOtt Krankheit, Leiden und Trübsal zugeschicket, aber ihn auch wieder da von befreiet, so soll er ihm besonders dafür dan ken, und sich am Ende des Jahres viel möglich erinnern, was in jeder Woche oder in jedem Monat entweder ihm oder den Seinigen Gutes widerfahren ſei, auf daß also die lezten Tage des Jahres Lob-, Bet-, Dank- und Buß- Tage werden mögen, dabei er 6) auch GOtt um seine Gnade in dem neuen Jahr anflehet. Gebet. Wie soll ich dem HErrn vergelten alle seine Güte und Treue, die er an mir ge than? Der HErr hat großes an mir ge than, deß bin ich fröhlich! O du dreieini ger GOtt Vater, Sohn und heiliger Geist! also spricht meine in deiner Gnade sich erfreuende Seele, da ich nun abermals unter und danket GOtt am Schluß des Jahres. 479 deinem Schuß und Beistand ein Jahr glücklich zurückgelegt habe. Ach GOtt! wie theuer ist deine Güte, daß Menschenkinder unter dem Schatten deiner Flügel trauen! sie werden trunken von den reichen Gütern deines Hauses; du tränkest sie mit Wolluſt, als mit einem Strom; denn bei dir ist die lebendige Quelle und in deinem Licht sehen wir das Licht. Mein GOtt! der Tage im Jahr sind viel, aber deiner Wohlthaten noch vielmehr. Stunden und Minuten im Jahr kann man zählen, aber deine Wohlthaten, die du mir erwiesen, sind unzählig. Ich danke dir, daß du mir dieses Jahr dein heilig Wort haft lauter und rein predigen, und darin mir den Weg zum Himmel und zu meinem ewigen Heil anweisen laſſen. Ach! versiegle alles, was ich ge jöret habe, in meinem Herzen, und gieb mir deinen heiligen Geist, daß ich mein Leben darnach einrichten möge. Ich danke dir, daß du mich oftmals in dem heiligen Abendmahl mit deinem heiligen Leib und Blut hast geſpeiſet und getränket; ach! laß es mir zu meiner Glaubens- Stärkung und Lebens- Heiligung gedeihen. Ich danke dir, daß du mir oftmals die Sünde vergeben, und die verdienten Strafen von mir abgewendet haft; ach! gieb mir Kraft, daß ich mich in dem Der andächtige Christ erwäget nächsten Jahre davor hüte, und sie nicht wiederum vorsäßlich begehe. Ich danke dir, daß du meinen Beruf gesegnet, mir Nahrung und Kleidung bescheret, mir Ge sundheit verliehen, das Unglück, so mir drohete, von mir abgewendet, mein Kreuz erleichtert, in meinem Elend mich in Gnaden angesehen hast. Du hast mich behütet, wie einen Augapfel im Auge; du hast mich beschirmet vor meinen Feinden, die um und um nach meiner Seele stehen. Du hast in Noth mich erhöret und mein Gebet durch die Wolken vor deinen Thron lassen dringen! Du hast in meiner Trübsal mir Hilfe gesendet vom Heiligthum, und mich gestärket aus Zion. Du hast deinen Segen über mich ausgeschüttet; du hast dein Ange sicht nicht vor mir verborgen, da ich zu dir schrie. Du, liebreicher Vater, hast mich, dein Kind, an deiner Hand geführet; du mächtiger König, hast mich, deinen Unterthan wider meine Feinde beschüßet, du getreuer Hirt hast mich, dein Schäflein, anf grüner Aue geweidet; du hast mich lebendig erhalten, da jene in die Hölle fuhren; deine Güte und Treue hat mich von Anfang dieses Jahrs bis an das Ende alle Wege begleitet. Deine Weisheit hat mich geleitet; deine treue Liebe hat mich bedecket; deine Hilfe hat mich erfreuet; deine Gnade hat mich 480 und danket GOtt am Schluß des Jahres. 481 erhalten; deine Allmacht hat mir jederzeit ausgeholfen; deine milde Vaterhand hat mir alles gegeben; dein allsehendes Auge hat Acht auf mich gehabt, und meinen Ausgang und Eingang behütet, daß mir kein llebel begegnete. Darum ach! sehet und schmecket doch, wie freundlich der HErr ist, und wie viel Gutes er meiner Seele gethan hat. Haſt du mich zwar zuweilen erfahren lassen viel und große Angst, so hast du mich doch wieder lebendig gemacht. Hatte ich zuweilen viel Bekümmerniß in meinem Herzen, so haben doch deine Tröstungen meine Seele ergözet. War mir oftmals Gefahr u. Noth nahe, und dein Engel hat mich behütet anf allen meinen Wegen, und mich errettet aus dem Rachen des Löwen. Ach, mein GOtt! verzeihe mir aus Gnaden alle Sünden, ach! alle Sünden, die ich in diesem Jahre gethan habe. Ach! strafe mich deßwegen nicht in dem neuen Jahre, sondern verzeihe sie mir um JEsu willen. HErr gedente nicht der Sünden meiner Jugend und meiner Uebertretungen, gedenke aber meiner nach deiner Barmherzigkeit um deiner Güte willen. HErr! HErr! so beschließe ich denn das Jahr mit Danken, Loben und Beten, und flehe dich demüthig an: Bleibe du auch mein Schuß und gnädiger GOtt in dem neuen Jahre; halte deine 31 482 Der andächtige Christ betet 2c. Hand über mich, und laß mich deinem Schuß, deiner Liebe und Gnade fernerhin empfohlen sein. Sei Lob und Ehr' dem höchsten Gut, Dem V ter aller Güte; Dem GOtt, der alle Wunder thut; Dem GOtt, der mein Gemüthe Mit seinem reichen Trost erfüllt; Dem GOtt, der allen Jam mer stillt; Gebt unserm Gott die Ehre! Amen Gefang. Mel. D GOtt, du frommer GOtt 2c. 1. Wie ist mein Herz erfreut, Wenn es vergnügt beden fet, Wie viel mir GOttes Hand In diesem Jahr geschen ket, Wie er mich hat versorgt Und väterlich bewahrt, Und mich gesund und wohl Bis hieher hat gebracht! 2. Wie kann ich solche Gnad, Mein Vater! g'nugsam preisen? Ach! könnt mein froher Geist Recht dankbar si erweisen! O, daß doch all' mein Blut Wie eine Zunge wär', Und jeder Aderschlag Erhöhe deine Ehr. Sr 3. Viel Gutes hast du mir In diesem Jahr erzeiget Und deinen Segensstrom Mir reichlich zugeeignet, Nothdurft, Speis' und Trank Hat's niemals mir gefehlt Doch sind die Sterne eh', Als deine Güt gezählt. 4. Wie ist mein Herz betrübt, Wenn ich dabei erwäg Und vor dir, treuer GOtt! Bußfertig überlege: Wie so undankbar Dafür gewesen bin, Und daß ich nicht g lebt Nach meines JEsu Sinn. 5. Denn, ach! die Sündenlast Liegt mir auf meine Herzen, Ach! die genoß'ne Lust Bringt jego bittre Schme zen, Daß ich gesündigt hab', Ach leider! tausendwal; sag' ich tausendmal, So oft und ohne Zahl. 6. Du wirst jedoch, mein GOtt! Dieselben mir ver hen, und mir zur Besserung Vom Himmel Gnad verleihe Nimm weg die Schuld und Straf, Bertilg fie ganz und ga nd straf deßwegen mich nicht in dem neuen Jahr 7. Ich will mich dir hiemit Zum Eigenthum ergeben Tie Seele sammt dem Leib, Verstand, Sinn, Geist und eben; Ach! schließ die Meinigen In deine Fürsorg d ind lasse, was ich hab', Dir auch befohlen sein. 8. Beschüße ferner mich, Und gieb mir deinen Gegen Erhalte, was ich hab', Sei bei mir und hingegen Wend Der andächtige Christ betet 2c. 483 ab des Unglücks Sturm, Und bleibe stets mein GOtt, Zugleich hab' Acht auf mich Im Leben, Noth und Tod. 9. So will ich denn dieß Jahr Mit dir, mein GOtt! beschließen; Ach! laß im neuen auch Mich deiner Huld genießen. Und sollt dasselbige Vielleicht das letzte sein, So führ mich durch den Tod Zur Himmelsfreude ein. Der andächtige Christ betet beim Anfang des Jahrs. Aufmunterung. Der HErr, unser GOtt, sei uns freundlich, und fördere das Werk unserer Hände bei uns, ja, das Werk unserer Hände wolle er fördern. Psalm 9, v. 17. Obgleich öfters vorwißige aber auch kleinmüthige Gemüther beim Anfang des Jahrs gerne wissen möchten, ob ihnen das Jahr werde glücklich sein, so stehet es doch nicht in eines Menschen Macht, solches Jemanden kund zu thun; denn zukünftige Dinge weiß der HErr allein. Daher ist dieses Mlen und Jeden zu rathen, welches auch andächtiger Seelen Gewohnheit ist, daß sie 1) wenn ein neues Jahr eintritt, dasselbe mit Danken anfangen, daß sie die Güte des Höchsten preisen, der sie unter so vielen Sturmwinden des Leidens, unter so vielen Fluthen der Trübsal dennoch glücklich ein neues Jahr hat antreten lassen. Und gewiß: hat ein Schiff großes Glück, das durch Sturm und Wellen durchkommt, so hat man auch GOtt auf den Knieen zu danken, wenn er uns ein Jahr glücklich und gesund hat erleben lassen. 2) Sollen andächtige Seelen vom Danken sich zum Gebet wenden, daß die Güte des Allerhöchsten sie wolle ferner beschüßen, regieren und erhalten. Verlaß mich auch in diesem Jahre nicht, sprechen sie, und thue nicht von mir die Hand ab, GOtt mein Heil! Sie befehlen GOtt ihren Leib und ihre Seele, und alles, was sie haben, unter seinen Gnadenschuß. 3) Sie be31* Der andächtige Christ betet, fleißigen sich auch in dem neuen Jahre, andächtigeru. frömmer zu werden. Sie nehmen sich mit GOtt vor, daß dieses Jahrmöge in die neue Geburt gehören. Ge wiß, wenn alteLeutemit ihren vielen Jahrenprangen, und sind doch dabei irdisch gesinnt und der Welt erge ben, die haben keinen größeren Ruhm als ein alter JudeoderHeide, der sie vielleicht anJahrenübertrifft. Denn die Frömmigkeit, welche eine Frucht des Glaubens u.der innwohnenden Gnade ist, ist die Zierde der Jungen und Alten. 4) Es nehmen sich andächtige Seelen auch mit GOtt bei Anfang des Jahrs vor, GOttes Wort fleißig zu hören, im Herzen zu be wahren, und darnach ihr Leben einzurichten. Gebet. 484 HErr! HErr! barmherzig, geduldig u. von großer Treue, der du bist von Ewigkeit zu Ewigkeit, und bei welchem ist keine Verän derung, noch Wechsel des Lichts und der Finsterniß! siehe, ich habe unter deinem Schuß abermals ein neues Jahr angetre ten. HErr! wie groß ist deine Güte, daß Menschen- Kinder unter dem Schatten dei ner Flügel trauen: du machst sie trunken von den reichen Gütern deines Hauses; GOttes Brünnlein hat Waffers die Fülle. Dieses alles habe ich, mein GOtt ut. Vater! das vorige Jahr wohl erfahren, darum will ich auch das neue in deinem Namen mit Be ten, Seufzen u. Flehen anfangen. HErr! frühe, sogleich beim Eintritt des Jahrs, wollest du meine Stimme hören: frühe, in im Anfang des Jahrs. 485 den ersten Stunden desselben, wollest du darauf merken. Ach, HErr! ich weiß nicht, was mir in diesem neuen Jahre begegnen kann; das Jahr ist lang, der Tage sind viel, das menschliche Elend ist mancherlei, und die Unglücksfälle, welche den Menschen können treffen, sind unzählig. Darum fomme ich zu dir, o starker u. liebreicher GOtt! u. will mich gleich im Anfang deiner Gnade u. Treue befehlen. Ach! da alles neu wird; das Land will von neuem grünen, die Sonne höher steigen, alles wird mit neuen Kräften belebet, so laß auch deine Güte und Barmherzigkeit über mich neu werden. Ich befehle dir meine Seele in deinen gnädigen VaterSchuz; bewahre sie vor Sünden, daß ich sie nicht mit muthwilligen Sünden beflecke. HErr JEsu! heilige, wasche u. reinige sie mit deinem heiligen Blute. GOtt, heiliger Geist! wohne in ihr, laß sie deinen Tempel sein. O wie ein gesegnetes Jahr wird mir dieſes sein, wenn ich, o himmlischer Vater! in deiner Gnade bleibe und als dein Kind lebe. O wie glücklich werde ich sein, wenn ich in deiner Gemeinschaft, o JEsu! werde stehen. Dwie schön geschmücket werde ich einhergehen, wenn du, werther heiliger Geist! in mir wohnen und mich regieren wirst. Ist des Königs Tochter herrlich geschmückt in Der andächtige Christ betet wendig, so werde ich in diesem Schmuck dir auch gefallen. Und weil du mir bisher Leben u. Gesundheit als eine eble Gabe verliehen, so wollest du mir dieselbe auch in diesem Jahre, wenn es dein väterlicher Wille und meiner Seele heilsam ist, gnädig erhalten, da mit ich dadurch zu deinem Dienste und zur Verrichtung meines Berufs desto tüchtiger sein möge. Sollte es aber deinem heiligen Rath gefallen, mich mit der Krankheit oder Schmerzen zu belegen, so weiche nicht von mir; u. wenn ich Peinleide, so lind're mir's, und laß auch die Erquickstunde erscheinen, dadumir alles wieder abnimmst.Halte deine Hand, HErr, mein GOtt! über die Meinigen und alles das Meine; sei eine feurige Mauer um alles her, wie um Elia; bewahre uns rings umher, wie das Haus Hiobs. Verleihe mir die Kraft deines heil. Geistes, daß ich dieses Jahr recht fromm und ein wahres Kind GOttes werde; daß ich sei ein andächtiger Beter, ein fleißiger Hörer und Thäter des Worts. Hilf, daß in dem neuen Jahre es von meiner Seelen Zustand heißen möge: das Alte ist vergangen, es ist alles neu ge worden; daß ich in mir finde ein neues Verlangen nach dir, neue Liebe zu meinem Nächsten, neuen Trieb, mich mit dir zu vereinigen und in der Vereinigung zu verbleiben. Ach! 486 beim Anfang des Jahrs. 487 heilige mich durch u. durch, daß mein Geist sammt Seel und Leib mögen unsträflich behalten werden, bis auf den Tag JEsu Christi. Gieb mir einen neuen Gifer in meinem Christenthum, in dem Gnten zu wachsen und zuzunehmen. Segne meinen Beruf und meine Arbeit; segne meinen Ausgang und Eingang; gieb mir, was deine Segenshand mir bestimmet hat. Laß mich aber auch bei dem Anfang dieses Jahres gedenken, daß auch dereinst das letzte Jahr meines Lebens anbrechen werde, damit ich mich stets möge bereit halten, in Buße und Glauben stehen, meine Lampe brennend und meine Lenden gegürtet ſein lassen, dich, o mein Bräutigam und gnädiger GOtt! mit Freuden zu empfangen, und zu deinem mir von Anbeginn bereiteten Reich einzugehen. Ach! gieb mir nach deinem Willen Einen neuen Sinn u. Geist, Der, was dein Befehl uns heißt, Mich lehr' unverrückt erfüllen, Daß mein Geist sammt Seel und Leib Deines Geistes Wohnung bleib. JEsu! laß mich fröhlich enden Dieses angefang'ne Jahr, Trage mich auf deinen Händen, Stehe mir bet in Gefahr. Ach! hilf mir in aller Noth, Ach! verlaß mich nicht im Tod. Freudig will ich dich umfassen, Wenn ich muß die Welt verlassen. Amen. 488 Der andächtige Christ betet 2c. Gesang. Mel. Allein GOtt in der Höh' sei Ehr'. 1. GOtt Lob! das neue Jahr tritt ein, Es ist schon angehoben; Ach! könnt ich doch recht dankbar sein, Und GOtt vollkommen loben; Ich schenk mich dir, ach! schenk dich mir, Mein GOtt, mein Licht und Lebenszier! Und bleibe stets mein Helfer. 2. Verleih mir deinen guten Geist, Der Herz und Seel regiere; Der mich im Glauben allermeist Und GOttes furcht ausziere; Der mich erfülle allezeit Mit Hoffnung, Lieb und Heiligkeit und bleibe stets mein Führer. 3. Laß mich in Glaubensfreudigkeit In diesem Jahr zunehmen, Und durch den siegesvollen Streit Des Flei sches Lüste zähmen. Auf daß ich bleibe fromm hinfort, Zu aller Zeit, an jedem Ort, und bleibe mein Regierer. 4. Ach großer GOtt! verlaß mich nicht, Wenn ich vor dich hintrete; Wend' nicht von mir dein Angesicht, Wenn ich im Glauben bete; Ach! hör', erhöre meine Bitt, Ach! theil' mir deine Hülfe mit, Und bleibe mein Erbarmer. 5. Ich bitt noch mehr, o GOtt! von dir: Ach! gieb mir deinen Segen; Den wolle deine Liebe mir In meinem Thun beilegen; Ach, liebster Vater! segne mich, Mein Auge schauet nur auf dich, Ach! bleibe stets mein Vater. 6. Und weil du weißt, was mir gebricht, So wirst du für mich sorgen, Es ist ja deiner Weisheit Licht Mein Zu stand nicht verborgen; Drum sorg für mich auch dieses Jahr. Wie du gesorget immerdar, Und bleibe mein Versorger. 7. Sollt mich auch treffen Kreuz und Leid, So biet mit deine Hände, Verleih die Hülsesstund bei Zeit, Daß sich die Trübsal wende; Ach! gieb mir Glauben und Geduld, Erhalte mich in deiner Huld, Und bleibe mein Erretter. 8. Ja, tröste mich zur Leidenszeit Und laß mich bald empfinden Der Kinder GOttes Freudigkeit, Laß alle Angit verschwinden; O GOtt des Trostes! wende nicht Von mir dein Licht und Angesicht, und bleibe stets mein Tröster. 9. Soll auch dieß Jahr das letzte sein, Das ich noch soll erleben, So führe mich zur Freude ein, Da wollest du mir geben Vergnügen nach der Traurigkeit, Die Krone nach dem Kampf und Streit, Ja, Herrlichkeit und Wonne. 489 Der andächtige Christ betrachtet das Leiden JEsu Christi beim Anfang der heiligen Fastenzeit. Aufmunterung. GOtt hat den, der von keiner Sünde wußte, für uns zur Sünde gemacht, auf daß wir würden in ihm die Gerechtigkeit, die vor GOtt, gilt. 2. Kor. 5, v. 21. Die heilige Fastenzeit ist bei den ersten Christen eine Zeit der Andacht und des Gebets gewesen, welche mit besonderer Betrachtung des Leidens JEsu haben hingebracht, welches bis auf diesen Tag noch die Weise aller wahren Kinder GOttes ist. Ob mun aber gleich der Satan die Weltkinder so weit gebracht, daß sie die Fastenzeit nicht mit Beten und Andacht, sondern mit Saufen, Maskeraden, Fressen, Uleppigkeit u. Gottlosigkeit anfangen, damit sie bezeugen, sie fragen nichts nach dem gekreuzigten HErrn JEsu, und treten sein Blut mit Füßen: so sind doch wahre Kinder GOttes anders gesinnet u. haben einen Gräuel. 1) Sie fangen die Zeit nicht allein mit Beten und Singen an, sondern entschlagen sich auch so viel möglich aller irdischen Dinge, damit sie allein an dem Blute JEsu ihre Freude haben können. 2) Sodann stellen sie sich das ganze Leiden JEju vor Augen, JEsum in dem Garten Gethsemane, vor Gericht, in dem Nichthaus, auf dem Berge Golgatha, am Kreuz, und sprechen bei jeder Betrachtung: Für mich, das ist alles für mich geschehen. 3) Wie sie nun diese heilige Betrachtung zu Hause und in der Kirche anstellen, so begnügen sie sich auch nicht mit der äußerlichen Historie, und lassen zugleich mit der Fastenzeit ihre Andacht verschwinden: sondern wie sie Zeit ihres Lebens der Wunden JEsu und auch in dem Sterben sich deren getrösten wollen, so haben sie auch Zeit Lebens im Gedächtniß den gekreuzigten und Der andächtige Christ betrachtet das Leiden auferstandenen JEsum; welches Andenken 4) sie antreibt zur Kreuzigung ihrer Lüste u. Begierden, daß sie nicht mehr leben nach dem Lauf dieser Welt, oder vorsäßlich fündigen, sondern der Sünde immer mehr absterben, und geistlicher Weise auferstehen. Welcher Fleiß, Verlangen u. Wunsch 5) von GOtt zu ihres Lebens Heiligung wird gesegnet werden. 490 Gebet. Ach JEsu, mein JEsu! wie groß ist deine Liebe, die du in deinem bittern Leiden mirerwiesen hast; du bist der eingeborne Sohn GOttes, du bist das unbefleckte Lamm, der HErr der Herrlichkeit, der Allerheiligſte, der nie eine Sünde gethan hat, und siehe! du ergiebst dich in den allerschmählichsten Tod, und in das grausamste Leiden für mich, der ich ein Ungerechter, ein Sünder und ein Kind des Todes bin. O wie groß ist deine unaus sprechliche Barmherzigkeit! der Heilige trägt meine Unheiligseit, der Fromme trägt meine Bosheit, der Gerechte meine Ungerechtigkeit, der Unschuldige meine Schuld. Dir werden meine Sünden aufgeleget, damit mir deine Gerechtigkeitgeschenket würde. Mein JEsu! an deinem Leiden kann ich sehen den Zorn GOttes gegen die Sünde, den Gräuel der Sünden, die Strafe der Sünden. Dennhat GOtt um fremder Missethaten und um zu gerechneter Sünden willen dich unschuldiges Lamm ſo erbärmlich am Delberg gemartert, JEsu Christi im Anfang der heil. Fastenzeit. 491 und durch deiner Feinde Hände so erbärmlich zurichten lassen, wie hart werden denn dermaleinst gestraft werden, die durch solches Leiden sich nicht zum Glauben, zur Buße und zur Lebensheiligung bewegent lassen. Mein JEsu! ich trete jetzt zu dir, und schaue dein Leiden glaubig an. Du gehest in den Garten Gethsemane u. schwitzest blutigen Schweiß! ach, für mich! damit ich von der Gewalt des Satans befreit würde. Du wirst vor Gericht geführet, verklagt und zum Tode verdammt! ach, für mich! damit ich, wenn ich nach meinem Tode und am jüngsten Tage vor Gericht werde geſtellt werden, möge losgesprochen werden. Du hast vor Gericht lauter Ankläger, aber keinen Fürsprecher! ach, für mich! damit, wenn meine Sünden u. mein Gewissen mich anklagen, du mein Fürsprecher sein mögest. Du wirst gegeißelt und dein Leib fließet mit. Blut; die Pflüger ziehen ihre Furchen lange auf deinem Rücken! ach, für mich! damit ich nicht wegen meiner Sünden geſtraft würde. Du wirst zum Tode geführt! ach, für mich! damit mein Todesgang mir heilsam, und ein Durchgang zum Himmel, ja ein Hingang zum Vater sei. Du wirst gekreuziget! ach, für mich! du Lamm GOttes hast alle meine Sünden getragen. Du stirbst am 492 Der andächtige Christ betrachtet das Leiden Kreuz! ach, für mich! daß ich durch deinen Tod das Leben habe. Du wirst begraben! ach, für mich! damit du mein Grab heiligen mögest. Ist das nicht Liebe, ist das nicht Barmherzigkeit, daß ich durch dein bitteres Leiden, Leben, Gnade und Vergebung aller meiner Sünden erlangen soll! Aller meiner SündenStrafeliegt auf dir, auf daß ich Frieden hätte, und davon befreiet würde. Nun ich will dießLeiden mir vor Augensetzen, mich ſtets daran ergößen, ich sei auch, wo ich sei. Es soll dein Tod und Leiden, bis Leib und Seel sich scheiden, mir stets in meinem Herzen ruh'n. War Israel von aller Schuld u. Strafe frei, wenn es im Glauben ein Lamm zum Opfer vor GOtt brachte, und dessen heißes Blutvergießen sahe: so weiß ich auch, weil du, o JEsu, du unschuldiges und unbeflecktes Lamm GOttes! für mich geschlachtet bist, u. dein heißes Blut reichlich für mich vergossen ist, daß ich dadurch, wenn ich es im Glauben auffasse, in Gnaden u. mit GOtt versöhnet bin. Dein Blut ist das rechteOpferBlut, das Versöhnungs- Blut, das Reinigungs- Blut, das Besprengungs- Blut. O mein JEsu! an deine ausgestandene Marter und an dein vergossenes Blut will ich denken, wenn mein Herz mich will zur Sünde verleiten; deine blutige Gestalt am Delberg, JEsu Christi im Anfang der heil. Fastenzeit. 493 in der Geißelung u. am Kreuz will ich mir vor Augen stellen, wenn die Welt mit ihrem bösem Erempel mich ihr gleichzustellen reizen will. In deine Wunden will ich fliehen in meiner Sündenangst, dein Blut will ich auffassen als mein Lösegeld, wenn mich mein Gewissen ängstet; ja, in meiner Todesstunde will ich von nichts, als von dir, 0 JEsu! wissen; dein heil. JEsus- Name soll mein letzter Gedanke sein, dein letztes Wort am Kreuz auch mein letzter Seufzer im Sterben sein: Vater, in deine Hände befehl ich meinen Geist. In solcher meiner leßten Stunde, o JEsu! sei mein Trost, meine Freude, meine Erquickung, mein Beistand. Erscheine mir alsdann zum Bilde, Zum Trost in meiner Noth, Wie du, HErr Christ! so milde Dich haft geblut't zu todt. Da will ich nach dir blicken, Da will ich glaubensvoll Dich fest an mein Herz drücken, Wer so stirbt, der stirbt wohl. Amen. Gesang. Mel. D GOtt, du frommer GOtt. 1. Es stirbt mein bester Freund, Mein JEsus! ach! mein Leben; Sieh, er ist schon erblaßt, Der Geist ist aufgegeben. Er neiget nun sein Haupt Am hohen Kreuzes= Stamm; Es sintet in den Tod Mein Seelen- Bräutigam. 2. Es stirbt mein liebster Freund, Daß ich nicht möge sterben, Daß ich errettet werd' Vom ewigen Verderben; Ach ja! er stirbt für mich, Für meine Sünd und Schuld, Befreit mich von der Straf Und bringt mir GOttesHuld. 494 Der andächtige Christ betrachtet das Leiden 2c. 3. Es stirbt mein liebster Freund, Und dennoch nicht mein Leben, Mein JEsus bleibet tief In meine Seel geschrieben; Ich lieb ihn, weil ich leb, Ich lieb ihn auch im Tod; Ich lieb ihn in dem Kreuz Und aller meiner Noth. 4. Ich will mit meinem Freund Auch noch zu Grabe gehen, Und wie man ihn einsenkt, Mit Glaubens- Augen sehen; Mein Freund, hier ist mein Herz, Da senke dich hinein, Das soll dein Eigenthum Und deine Ruhstätt' ſein. 5. Ich will mein Herze dir Hiemit zu eigen schenken; Ich will bis in den Tod An deinen Tod gedenken; Ach! lebe, weil ich leb, Mein Seelenfreund! in mir, Und sterb ich dermaleinst, So sterb ich, JEsu, dir. JEsus in seinem Blute. Mel. Freu' dich sehr, o meine Seele. 1. Schauet doch das bitt're Leiden, Welches JEfus muß aussteh'n, Wie die Juden und die Heiden Grausamlich mit ihm umgeh'n; Kommt und schaut die Marter an, Ob sie euch bewegen kann, Ob vielleicht auch dieser Schmerz Rühren mög das harte Herz. 2. Schauet, wie er wird geschlagen, Wie die Geißeln blutig sein; Schauet, wie er Spott muß tragen, Ja, die allergrößte Pein; Schauet doch der Feinde Wuth; Schauet das vergoff'ne Blut, Ob's euch könn' zurücke ziehen, daß ihr möcht't die Sünde fliehen. 3. Schauet, wie er endlich stirbet An dem hohen Kreu zesstamm, Und die Seligkeit erwirbet; Schauet an das GOttes- Lamm. Wie sein heißes Blut noch fließt, Und wie es die Augen schließt, Ob's vielleicht die Sünder schrecken Und zur Buße möcht' erwecken. 4. JEsu, liebster JEsu! schreibe Dieses alles in mein Herz, Daß ich eingedent verbleibe, Wie dein Leiden, wie dein Schmerz, Wie dein Sterben, wie dein Blut, kommt 495 Der andächtige Christ erwäget 2c. mir Armen noch zu gut, Daß ich möge daraus sehen, Was auf Sünd für Straf ergehen. 5. Hilf, daß dieses Blut mich lehre, Wo ich gehe, wo ich steh', Daß ich, wo ich mich hinkehre, Blutig dich vor Augen seh', Blutig auf der Lagerstätt', Blutig auf dem Sterbebett, Blutig, wenn ich Schmerzen leide, Blutig, wenn ich nun verscheide. 6. JEsu! stell dein Blut und Wunden Immer vor mein Angesicht; In den Wunden hab ich g'funden Gnade Leben, Trost und Licht. Deine Marter, Tod und Bein Soll im Tod mein Labsal sein, Und so lang ich werde leben, Soll es mir vor Augen schweben. Der andächtige Christ erwäget den Todestag JEsu oder den Charfreitag. Aufmunterung. Der Gerechte kommt um, und Niemand ist, der es zu Herzen nähme, und heilige Leute werden aufgerafft, und Niemand achtet darauf. Joh. 57, v. 1. Obgleich der Char- oder stille Freitag, welches der eigentlicheLeidens- u.Todestag unsers hochgelobten JEsu ist, auch von den Weltfindern aus äußerlicher Schamu.Furchtvor Menschenstillehingebrachtwird: so haben doch wahre Kinder GOttes sich diesen Tag zu ihrer besonderen Andacht erwählet. Sie erwägen an demselben das Leiden JEsu 1) als ein aus Liebe über sich genommenes Leiden. Ogroße Lieb', o Lieb', ohn' alle Maßen, die dich gebracht auf diese Marterstraßen. Liebe drang JEsum, daß er Mensch wurde; Liebe bewog ihn, daß er sich für uns dahin gab, und am Kreuze starb. 2) Als ein unschuldiges Leiden. Man soll nicht meinen, als ob der Heiland im Geringsten etwas gethan, das der Strafe werth gewesen sei; denn er war heilig, rein, und von den Sünden abgesondert; er hat auch keine Sünde gethan, ist auch kein Betrug in seinem Munde Der andächtige Christ erwäget erfunden worden. Also war es ein von Seiten JEsu unverdientes Leiden, aber um unsertwillen nahmer es willig auf sich. Es war 3) ein von seinem himmlischen Bater zugeschicktes und bestimmtes Leiden; denn weil er nach dent wohlbedachten Rath GOttes gelitten, Apstg. 2, v. 23., so wußte JEsus auch, was ihm begegnen sollte. Aber damit sind die Juden nicht entschuldigt, als ob sie GOttes Willen hätten vollbringen müssen, denn GOtt hätte seinen Sohn vollends zu Tod martern können, wie er ja schon im blutigen Schweiße auf der Erde lag; er hat sich aber der Juden Eigenwillen u. Bosheit dazu bedient, deren Absicht nicht war, GOttes Willen zu erfüllen; sondern ihre Bok heit u. ihren Muthwillen an Christo auszuüben. Wie auch Josephs Brüder ihren Bruder nicht verkauft haben, um ihn zum großen Herrn zu machen, sondern sie gedachten es böse mit ihm zu machen; GOtt aber gedachte anders. 1. B. Mos. 50, v. 20. 4) War Christi Leiden ein wahrhaftes Leiden, indem er alle Wunden empfunden und die Schmerzen wohl gefühlet hat. Dieses alles zieht eine glaubige Seele in Betrachtung und läßt sich einen Spiegel des göttlichen Zorns gegen die Sünde, und einen Spiegel der göttlichen Liebe zum Heil der Menschen sein. 496 Sebet. O du liebreicher und holdseliger JEsu! ich komme jetzt zu dir, dein bitteres Leiden mit Herzens- Andacht zu erwägen. Ach! laß dein bitter Leiden mich reizen für und für, mit allem Ernst zu meiden die sündliche Gebühr, daß mir's nie komme aus dem Sinn, wie viel es dich gekostet, daß ich erlö den Todestag JEsu oder den Charfreitag. 497 set bin. O du unschuldig erwürgtes Lamm! du hast gelitten, daß dir alle meine, ja, aller Menschen Sünden, Schulden, Missethaten, Ungerechtigkeiten, Bosheiten aufgebürdet und zugerechnet würden, so daß du vor dem göttlichen Gerichte als der größte Sünder, ja, als die Sünde selbst, angesehen wurdest. Waren aber, unbeflecktes Lamm! unsere Sünden auf dich geworfen, so überfielen auch dich unsere Strafen wie die Wasserfluthen; da kam Verachtung, Schmähung und Lästerung während deines prophetischen Lehramis über dich, aber in deinem Leiden wurde alles verdoppelt; da bliebe es nicht bei Anklagen und Verdammen zum Tode, daß du mußtest vor zwei Gerichten erscheinen, vor dem geistlichen und vor dem weltlichen, und von beiden zum Tode verdammt werden, sondern nachdem der Stab über dich gebrochen und das Todesurtheil geſprochen war, mußtest du auch grausame Schmerzen leiden an deinem Leibe. Da wurde dein heiliger Leib verwundet, gegetBelt, zerrissen und blutig gemacht. Schauet doch, ihr Menschenkinder! ob ein Schmerz jemals gewesen sei, wie unseres JEsu Schmerzen; sein Haupt wurde mit Dornen gekrönet, sein Leib mit Blut bedecket, und durch die scharfen, mit eisernen Hacken ver32 Der andächtige Christ erwäget wickelten Geißeln wund geschlagen; am Kreuz wurden Hände und Füße durchnagelt, die Seite wurde mit einem Speer durchstochen, daß er wohl mit Recht sagen konnte: Ich bin ein Wurm und kein Mensch. Nicht allein aber war sein heiliger Leib alſo erbärmlich zugerichtet, sondern an seiner Seele mußte er auch das heftigste Leiden ausstehen, daß seine Seele betrübt war bis in den Tod; die Zornfluthen sammt der Höllenangst griffen ihn dermaßen an, daß er am Kreuz schrie: Mein GOtt, mein GÖtt! warum hast du mich verlassen? daraufendlich der Tod selbsten erfolgte. Erwürgtes Lamm! das hast du alles mir zu Gut, mir zum Besten, zu meinem Trost, zu meinem Frieden, zu meiner Erlösung, zu meinem Heil und zu meiner Seligkeit gelitten und ausgestanden; denn so nicht wäre gekommen Christus in die Welt, und hätte an sich ge nommen unsere armeGestalt, und wärenicht für unsere Sünden gestorben willig, so hät ten wir müssen verdammt sein ewig. Num aber, wenn ich an dich glaube, und dein her liges Blut in Glaubens- Zuversicht mit zueigne, so bin ich nicht verdammt; ich bin durch dich selig; wenn ich dir im heiligen Wandel folge, und rechte Glaubensfrüchte bringe, so bin ich nicht verloren, sondern 498 den Todestag JEsu oder den Charfreitag. 499 werde durch dich das ewige Leben haben. O mein JEsu! laß dein bitter Leiden allezeit vor meinen Augen und in meinem Herzen sein, daß ich mich dessen tröste, dadurch fromm, dadurch gerecht, aber auch dadurch selig werde! Laß mich keinen Tag hinbringen, da mir nicht dein blutig Bild vor Augen stehe. Laß deinLeiden, dein Blut, deine Wundenaufmeine Hand, ja, in mein Herz eingeschrieben stehen, daß bei jedem demzug nichts als JEsu Leiden, JEsu Tod, JEsu Blut in meinen Gedanken sei, daß ich dadurch von der Welt abgezogen, geheiliget, gewaschen und gereiniget werde. Mein JEsu! wie dein Leiden mich aufrichtet, erfreuet, tröstet, erwecket und erbauet, also thun solches auch deine sieben Worte am Kreuz. Ach! für mich hast du auch gebetet: Vergieb ihnen! vergieb dieſer Seele, was sie wider dich gethan hat! Für mich hast du geschrieen: Mein GOtt! mein GOtt! warum hast du mich verlassen: daß ich niemals, nicht im Kreuze, nicht in Nöthen, nicht im Sterben, nicht vor Gericht, nicht am jüngsten Tage, nicht hier zeitlich, nicht dort ewig verlassen werde. Für mich haft du gesagt: Mich dürftet. Ach! gieb, daß ich im Glauben dich wiederum umfassen, nach dir dürsten, und nach dir, wie ein Hirsch nach frischem Wasser, verlangen, in deiner 32* 500 Der andächtige Crist erwäget 2c. Liebe mich ergößen u. erquicken möge. Für mich hast du gesorgt, da du sprachest zu Johannes: Dieß ist deine Mutter. Wenn ich auch unter dem Kreuz u. Trübsal von allen Menschen, wie Maria, verlassen stehe, so wirst du dich meiner herzlich annehmen, dich meiner erbarmen, für mich sorgen, mir helfenu. gnädig sein. Ach! laß mich in meinem Sterben u. Tode die Stimme hören: Heute wirst du mit mir im Paradiese sein. Versi chere michdessen in gesundenTagen; rufe mir es auf meinem Sterbebett zu; laß es an mir erfüllet werden nach meinem Tode. Für mich hast du geſprochen: Es ist vollbracht. Nun ist alles gethan, was ich hätte thun ſollen; nun ist alles gelitten, was ich hätte leiden sol len. Nun ist mir Heil, Leben, Friede, Freude, Trost, Seligkeit, die Krone des Lebens und das weiße Kleid erworben. Ja, dein letztes Wort am Kreuz soll auch mir im Sterben ein Trost- und Freuden- Wort werden: Vater, in deine Hände befehl ich meinen Geist! So will ich beten, so will ich dir nachsprechen, wie du mir vorgesprochen. Wenn endlich ich soll gehen ein Zu deines Reiches Frenden, Sosoll deinBlut mein Purpurſein, Ich will michdareinkleiden; Essoll sein meines HauptesKron Mit welcher ich will vordenThronDesew'gen Vaters stehen! Und dir, demichmichanvertrant, Alseine wohl geſchmückte Braut, Zu deiner Rechten gehen. Amen. Der andächtige Christ freuet sich 2c. Gesang. Mel. Herzliebster JEsu! was hast du zc. 1. Kommt, laßt uns Christi Todestag begehen, Laßt uns andächtig an dem Kreuze stehen, Laßt uns mit wahrer Buße, Beten, Singen Den Tag hinbringen. 2. Er stirbt für uns, Daß wir nicht sollen sterben, Er stirbt, daß wir das Leben sollen erben, Und daß nach unjerm Tod sich mög anheben Das Freuden- Leben. 3. Er stirbt an seinem Kreuze hoch erhaben, Und theilet allen aus gar große Gaben; Er will, wenn wir die Sünden- Liebe fliehen, Uns zu sich ziehen. 501 4. Er stirbt und trägt, seht doch, die Dornen- Krone, die man ihm aufießt zum Spott und Hohne, Damit er in den Himmel uns ergöße, Die Kron aufseße. 5. Er stirbt, o sehet, wie sein Blut noch fließet, Das er als das Versöhnungs- Blut vergießet; Dieß Blut wird uns versüßtes Labsal geben In Tod und Leben. 6. Er stirbt, ach! schaut, sein Leib ist voller Wunden, Darin die Seele Trost und Ruh gefunden. Nun kann ich, da die Freiheit stehet offen, Ja Gnade hoffen. 7. Er stirbt am Kreuz mit ausgespannten Armen, Weil er sich aller Menschen will erbarmen; Er will auch mich in seine Arme fassen, Mich nicht verlassen. 8. Mein JEsu! wärst du nicht also gestorben, So wären wir an Leib und Seel verdorben; Nun aber kann mich Niemand mehr verdammen Zur Höllen- Flammen. 9. Im Sterben schenkst du mic das Freuden- Leben, Durch dich wird mir die Seligkeit gegeben; Wer an dich glaubt und wer da neu geboren, Ist nicht verloren. 10. Ich will im Glauben dich, o JEfu! fassen, Auf dein Verdienst von Herzen mich verlassen! Von deiner Liebe soll mich gar nichts scheiden, kein Tod, noch Leiden. 11. Ich will mein Herz an deinem Kreuz hinlegen Zur Gab und Opfer, wie dankbare pflegen, Besprengs mit deinem Blut und mach es reine, Denn es ist deine. ach! 12. Mein Leben will ich dir zu Ehren führen, laß mich deinen guten Geist regieren, Nim n meinen Geist an meines Lebens Ende In deine Hände. Der andächtige Christ freuet sich über die Auferstehung JEsu Christi. Aufmunterung. Ich bin der Lebendige; ich war todt, und siehe, ich bin lebendig 502 Der andächtige Christ freuet sich 2c. von Ewigkeit zu Ewigkeit, und habe die Schlüffel der Hölle und des Todes. Offenb. Joh. 1, v. 18, Es ist die heil. Osterzeit eine Freudenzeit aller Kinder GOttes, als welche sich in ihrem auferstandenen JEsu herzlich erfreuen. Sie freuen sich 1) über die VollkommenheitihrerErlösung: dennnachdem JEsusvon denTodten auferstanden, welcher sich als der Bürge, für uns genug zu thun, dargestellt hatte, so ist die Bezahlung völlig geschehen. GOttistversöhnt; er hat den Tod seines Sohnes für unsern Tod angenommen, u. uns um seinetwillen das Leben geschenket. Es freuen sich glaubige Seelen 2) über die herrlichen Zungen u. Zeugnisse von der Auferstehung ihres JEsu. Ist es nichtein herrliches Zeugniß, daßerzehnmal nachſeiner Auferstehung sich hat sehen lassen, daßer fünfhundert Brüdern auf einmal erschienen, 1Kor.15, v.5., daßer insbesondere mit seinen Jüngern geredet, gegessen, Apostg. 10, v. 41., sich von ihnen berührenu. angreifenlassen! Joh. 26, v. 25. 13oh. 1, v. 1., welche Zeugenallenilnglaubenauf einmal aufheben. Ja, derlinglaube wird durch einen jeden Glaubigennoch besiegt, weil Jesus in uns lebet, Gal. 2, v. 20., so muß er ja auferstanden sein u. leben. Sie freuen sich 3) weil ihnen ist versiegelt u. versichert die gnädige Vergebung der Sünden, der Friede mit GOtt, der sie ungescheut im Glauben an Christum sich zu GOtt nahen dürfen, u. wissen, daß ersich wiederum zu ihnen nahen werde. 4) Sie sind versichert, daß die AuferstehungJEsu auch im Tode u. Sterben sie erquicken werde. JEsus hat ihrenTod imSterben versüßet, u.ihrGrab geheiliget, u. sie sollen auch zum ewigen Leben auferstehen. Deßhalb 5) bringen sie die heiligen Ostertagewie die übri gen Feste in Herzens- Andacht, mit Gebet, Singenu. Betrachtung der Wohlthaten GOttes hin, befleißigen sich 6) geistlicher Weise alle Tage aufzustehen, und ihr Sünden- Grab, das ist, thre bösen Gewohnhei über die Auferstehung JEfu Christi. 503 ten Unarten und Sünden zu verlassen, hingegen im Glauben und in der Heilignng ihr übriges Leben dem HErrn zu Ehren hinzubringen. Gebet. Man singet mit Freu den vom Sieg in den Hütten der Gerechten; die Rechte des HErrn iſt erhöhet, die Rechte des Herrn behält den Sieg. Auferstandener JEsu, mächtiger Siegesfürst, JEsu Christe, Ueberwinder des Todes, starker Simson! aus deiner Auferſtehung entstehetjetzt in meinem Herzen lauter Freude, da ich durch deine Gnade dieses heilige Fest begehe, und sage mit gebeugten Kniee und gefalteten Händen: Gott ſei Dank, der uns den Sieg gegeben hat, durch unsern HErrn JEsum Christum! JEsus ist auferstanden von den Todten, das ist eine fröhliche Botschaft; der Bürge ist aus dem Kerfer des Grabes losgelassen, darum muß die Sünde getilget, GOtt versöhnet, und die Schuld bezahlet sein. Wer will nun verdammen? Christus ist hier, der gestorben ist, ja vielmehr, der auferwecket ist, welcher fizet zur rechten Hand GOttes, und vertritt uns. JEsus hat dem Tode die Macht genommen, und das Leben und ein unvergängliches Wesen an das Licht gebracht. OJEſu! liebster Freund! deine Auferstehung bringt mir einen dreifachen Trost. Ich sage an diesem Feste: JEsu Auferstehung ist mein b04 Der andächtige Christ freuet fich. Sieg. Nun kann mich meine Sünde nicht verdammen, denn durch Christi Blut und Wunden, durch seine Auferstehung habe ich Vergebung aller meiner Sünden, so viel, so groß und schwer sie immer sind. Hier ist ein vollgültiges Lösegeld, eine vollkommene Erlösung; an Christo haben wir die Erlösung durch sein Blut, nemlich die Vergebung der Sünden. Der Tod kann mir nicht schaden, weil Christus den Tod überwunden, und meinen Tod in einem süßen Schlaf, ja, zum Hingang zum Vater gemacht hat. Der Satan ist ein überwundener Feind; wird er schon brüllen, so kann er mich doch nicht verschlingen! wird er mich verklagen, so bittet JEsus für mich, und schenket mir seine Ge rechtigkeit, darin ich vor GOtt gerecht und selig bin. Die Hölle erschrecket mich nicht, denn Christus hat mich errettet von der Hölle; wer nun an ihn glaubt, der soll nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. O ein froher Tag, o ein Freudentag, da mir mein Heil versichert u. die Seligkeit bestätiget ist! JEsus lebt und ich werde auch leben, hier im Glauben mit ihm vereiniget, und dort in der ewigen Herrlichkeit. Meine in dem auferstandenen JEsu erfreute Seele ſpricht ferner: JEsu Auferstehung ist meine Auferstehung. Ist das Haupt auferstanden, über die Auferstehung JEfu Christi. 505 so können die Glieder nicht dahinten bleiben. Nicht allein aber werde ich am jüngſten Tage auferstehen, wie alle Menschen, sondern ich werde auferstehen als ein Kind Gottes als ein Miterbe JEsu Chriſti, kraft seines Verdienstes u. seiner Genugthuung. Darum fürchte ich mich vor dem Grabenicht; ich sehe es an als eine Ruhekammer, als der Mutter Schooß, als den Ort meiner Ruhe, wo mich mein Heiland wird lassen schlafen, bis er wird sprechen: Stehet auf ihr Todten, und kommet vor das Gericht. Oder großen Herrlichkeit, die meinHeiland mir erworben! Auferstandener JEsu! wie kann ich genugsam deine Gnade und Barmherzigkeit ausbreiten, rühmen und preisen? Liebe, die mir das Leben und die Seligkeit schenket! Nun ist alles wieder gut gemacht, was durch Adams Fall verdorben war. Ach, mein Heiland! deine Auferstehung soll mir auch einen träftigen Trostimmeinem Leiden geben. Du lagest verschlossen im Grabe, aber du giengest herrlich hervor: also wird auch meine Leidens- Nacht vergehen, u. deine Freuden-, Gnaden-, Hilf- und Erquickungs- Sonne wird mir wieder scheinen. OJEsu! du bliebeſt nur drei Tage im Grab: also ist nach meiner Trübfal auch der Erlösungstag bestimmet, auf die mühsamen Leidens- Jahre 506 Der andächtige Christ freuet sich kommt das fröhliche Erlaß- Jahr. Du stundest auf, und hattest einen verklärten Leib, die Wunden und Nägelmale waren nicht mehr blutig oder schmerzhaft, sondern glänzend, wie die Sonne: so wird mein Leib auch herrlich und verkläret werden, wenn du mich aus dem Staube auferwecken wirst. Ich werde meinen vorigen Leib bekommen, und mit meiner Haut umgeben werden: der Leib und die Glieder, die dir gedienet, und dirgeheiliget gewesen sind, werden auch des Himmels- Glanzes theilhaftig und verherrlicht werden. Ja, weil du, o JEsu! lebst, so habe ich an dir einen treuen, beständigen Freund, der mich im Leben versorgen, im Leiden erhalten, gegen die Feinde beschützen, in Trau rigkeit erfreuen, im Tode erquicken, im Grabe bewahren und dereinsten zu der Herrlichkeit bringen, und mit der Krone des Lebens, die auch mir verheißen ist, zieren wird. Lebt Christus, was bin ich betrübt? Ich weiß, daß er mich herzlich liebt: Ob mir gleich alle Welt stirbt ab, Genug, wenn ich nur JEsum hab. Er nährt, er schüßt, er tröstet mich: Sterb ich, so nimmt er mich zu sich; Wo er jetzt lebt, da komm ich hin, Weil ich ein Glied sein's Leibes bin. Amen. Gesang. Mel. JEsus, meine Zuversicht. 1. Jejus lest, deß freu ich mich, Er ist von dem Tod erstanden, Er hat aus dem Grabe sich Und von 507 über die Auferstehung JEsu Christi. allen Todes- Banden Als ein starker Held befreit, O der großen Herrlichkeit! 2. JEsus lebt! er ist nicht todt, Lasset seine Feinde toben, Er ist außer Angst und Noth, Lasset uns den HErren loben, Der da nach dem Kampf und Krieg Hat erhalten Ruhm und Sieg. 3. JEsus lebt! denn er hat sich Gar von Vielen lassen sehen, Darum glaub ich festiglich, Und darf nicht im Zweifel stehen, Mir schad't nicht der Apfel Biß, Denn mein JEsus lebt gewiß. 4. Schadet seiner Gottheit Pracht, Denn er nimmt sein Leben wieder, Welches er aus seiner Macht In den Tod geleget nieder! Er starb zu der Leidenszeit, Und stund auf in Herrlichkeit. 5. Weil er unsern Geist belebt, Muß er ja ſein auf erstanden, Und wer ihm nicht widerstrebt, Den macht er von Sünden- Banden Durch sein Leiden völlig frei, Daß sein Leben in ihm sei. 6. Nun ich will das Freuden- Fest Mit Gebet und Dank hinbringen, Und dem, der das Grab verläßt, Lauter Freuden- Lieder singen: JEsus, JEsus soll allein In dem Mund und Herzen sein.. 7. Nun ist alle meine Schuld Ausgetilget und vergeben, Und ich werd in GOttes Huld Hier und dorten ewig leben; Was ich sträflich an mir hab, Liegt bedeckt in JEsu Grab. 8. Nun ist alle Furcht dahin Vor des Grabes finstrer Erden, Weil ich ganz versichert bin, Ich werd auferwecket werden; Deckt mich nur mit Erden zu. Hier ist meines Schlafes Ruh. 9. Weil mein liebster JEsus lebt, Werd ich Hilfe bei ihm finden! Wenn sich gleich ein Sturm erhebt, Muß er dennoch bald verschwinden, Denn mein JEsus schüßet mich, JEsus hilft mir gnädiglich. 10. JEsus lebt, er wird mich nicht In der Angst und Noth verlassen, Auch nicht, wenn mein Angesicht In dem Tode wird erblassen, Alsdann führt mich meine Hand In mein wahres Vaterland. 11. JEsus lebt! dieß Wort soll sein Auch mein Labsal in dem Sterben, Das versüßt die Todes Pein Und befreit mich vom Verderden; Nach dem Tod werd ich aufsteh'n Und zur Lammes- Hochzeit geh'n. 508 Der andächtige Christ betrachtet die Himmelfahrt JEsu Christi. Aufmunterung. Ich fahre auf zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem GOtt und zu eurem GOtt. Joh. 20, v. 17. Die Betrachtung der Himmelfahrt Jesu, unsers Heilandes, kann nichts anders, als einer glaubigenSeele ſehr tröstlich u. erbaulich sein. 1) Erinnert sie sich der Gewißheit ihrer Erlösung. Weil nunder Siegesfürst wiederum dahinkehret, nämlich in den Himmel, woher er gekommen ist, so hat er das Werkvollendet, dazu er gesandt war. Sein Lauf kam( in seiner Empfängniß u. Geburt) vom Vater her, u. kehret( in seiner Himmelfahrt) wieder zum Vater, nachdem er den Menschen- Kindern Friede, Freude, Vergebung der Sünden, Gerechtigkeit und Seligkeit erworben hatte. 2) Eine glaubige Seele erinnert sich dabei, daß wir hier keine bleibende Stätte haben, sondern die zukünftige suchenmüssen. Es haben weder Fromme noch Gottlose eine beständige Stätte auf Erden. DieFrommen verlangen es nicht, weil sie etwas Besseres wissen, u. die Gottlosen, ob sie es gleich verlangen, erlangen es nicht: denndem Menschen ist geseßt einmalzu ſterben, hernach das Gericht. Ist aber nun keine beständige Wohnung der Menschen allhier aufErden, so schicken die Frommen ihr Herz dahin, wohin sie ewig wünschen zu sein. Ja, sie erinnern sich 3) täglich daran, wenn sie ihr Haus, ihre Kleider, ihre Güter u. die Ihrigen ansehen, daß sie das alles verlassen müsſen. Damit aber, wenn nun die Stunde ihrer Befreiung von der Mühseligkeit dieses Lebens kommt, sie mögen ihre Stätte befreit finden in der Herrlichkeit, so halten sie 4) fleißig eine geistliche Himmelfahrt; sie verlassen die Erde mit ihren Gedan Der andächtige Christ betrachtet 2c. 509 ken, und sind des Himmels eingedenk; sie verlassen die Welt mit ihrer Liebe, und hangen JEsu im Glauben an. Sie verlassen die Welt mit ihremLeben, indem sie nicht nach dem Willenu.den Gewohnheiten der Welt, sondern nach GOttes Willen leben. Daher 5) wenn sie den Himmel anschauen, so denken sie: da ist mein Baterland, mein Erbe und meine ewige Wohnung. Gebet. GOtt fähret auf mit Jauchzen, und der HErr mit heller Posaune, lobsinget Gott, lobsinget unserm König! also besinge ich, mein Jesu, großer Siegessürst! deine Himmelfahrt, der du nach dem vollbrachten Werk der Erlösung des menschlichen Geschlechtes zu deiner Herrlichkeit eingegangen bist. Es liegen nun alle unsere Feinde, nämlich der Teufel, die Welt, die Sünde und der Tod unter deinen Füßen; du hast uns davon befreiet. Nachdem du gemacht hast die Reinigung unserer Sünden durch dich selbst, haft du dich in den Himmel geseßet zur Rechten der Majestät GOttes. Mein JEsus! dieses alles ist mir gar tröstlich; darüber erfreue ich mich von Grund meiner Seele. So erfreulich mir deine Ankunft auf Erden war, ſo tröstlich ist mir deine Himmelfahrt. Di sizest zur Nechten GOttes, u. vertrittst uns, deßhalb, wenn ich bete, so bete ich nicht allein: dein Geist betet in mir, u. du bittest für mich, Der andächtige Christ betrachtet dadurch wird mein armes und schwaches Gebet um deinetwillen gnädiglich erhöret werden. Ich freue mich, wenn ich an dein Wort gedenke. Ich gehe hin, euch die Stätte zu bereiten, auf daß ihr seid, wo ich bin. Dieſes erquicket meinen Geist, weil ich weiß, daß du mir eine Stätte bereitet, auf daß, wenn ich nun sterbe, ich einen Ort finden möge, wo ich ewig wohnen und bleiben soll. Du bist mit Lob und Ehren gekrönt, und haft auch mir beigeleget die schöne Krone der Gerechtigkeit, welche du, König der Ehren! als gerechter Richter geben wirft denen, die deine Erscheinung lieb haben. Du hast dein Reich eingenommen, und herrscheft über Himmel und Erden im Reich der Natur, der Gnade und der Herrlichkeit; da wirst auch zu mir u. allen Glaubigendermaleinst sagen: Kommet her, ihr Gesegneten! ererbet das Reich, das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt. Du hast Gaben empfangen für die Men schen nach deiner menschlichen Natur, daß du sie aus deinen Brüdern und Glaubigen austheilest. Ach, mein JEfn! gieb mir eine zweifache Gabe, der ich zweifache Kraft und doppelten Trost vonnöthen habe. Gieb mir deinen heiligen Geist, Frömmigkeit, Keusch heit, Sanftmuth u. Demuth, deine Gerechtigkeit, die Kindschaft bei GOtt, das Lebent, 510 511 die Himmelfahrt JEsu Christi. den Frieden und dereinsten des Himmels Glanz und die ewige Seligkeit. Weil du nun bist als das Haupt erhöhet, so wirst du mich auch als dein Glied nach dir ziehen. Weil mich dein Geist belebet, so werde ich auch ewiglich bei dir sein. Owelcher Trost, welche Freude, welche Herrlichkeit ist das, die mein Heiland seinen Glaubigen, seinen Jüngern und Jüngerinnen verheißen: Wo ich bin, da soll mein Diener auch sein! Ach, mein JEsu! laß mich sein, wo du bist; ziehe mich zu dir, da du zur Rechten GOttes erhöhet bist; bringe mich zur Schaar der heiligen Engel und aller Auserwählten; laß mich deine Herrlichkeitsehen, welche du den Glaubigen bereitet hast. Ob du aber gleich durch deine Auffahrt in die Höhe, o mein liebſter Seelen- Freund, deine sichtbare Gegenwart mir entzogen hast, so bist du doch bei mir unsichtbarer Weise kraft deiner Verheißung: Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende. Darum bin ich getrost in allen Fällen; ich weiß, du bist bei mir in meiner Noth; du errettest mich aus Gefahr; du erquickest mich im Leiden; du tröstest mich in Traurigkeit, und schüßest mich in aller Widerwärtigkeit. Darum bin ich gutes Muths: der HErr JEsus ist mit mir, darum fürchte ich mich nicht, was können mir Menschen 512 Der andächtige Christ betrachtet 2c. thun? Sehe ich dich zwar nicht, so habe ich dich doch lieb, und weiß, daß ich dich dereinsten sehen und mich mit unaussprechlicher Freude indir erfreuen werde. Ich werde dich sehen, wenn ich der Seele nach eine Himmelfahrt nach einem seligen Abschied halte; ich werde dich auch mit meinen Augen sehen am jüngsten Tag, wenn ich werde von den Todten auferstehn. Zu dem Ende will ich täglich eine Himmelfahrt anſtellen, und meine künftige Wohnung, meine künftige Krone, meine bleibendeStätte, mein weißes Kleid mit Glaubensaugen beschauen; ich will auch die Welt, so lange ich in der Welt bin, verlassen mit meinem Herzen, mit meiner Liebe, mit meinem Leben; ich will die Welt mit allen ihren Eitelkeiten, Gewohn heiten und Sünden fliehen, als welche mich an dieser Himmelfahrt hindern. Auf dieſe Weise lebe ich, dieweil ich lebe, dem Herrn, und wenn ich sterbe, so sterbe ich dem HErrn. de 400 Ich fahre hin zu JEsu Christ, Und werd den Arm ausstrecken, Ich schlafe ein, und ruhe fein, kein Mensch kann mich aufwecken; Denn JEsus Christus, GOttes Sohn, Der wird die Himmels- Thür auf thun Mich führen zum ewigen Leben. Amen. 150 00 JII 10.07 st2 1970 met u third You och hit and se menstiched toor of die Himmelfahrt JEsu Christi. Die geistliche Himmelfahrt. 513 Gesang. Mel. Alle Menschen müssen sterben. 1. JEsus fähret auf gen Himmel, Und verläßt den Thränenbach, Und ich folg durch's Weltgetümmel Meinem liebsten JEsu nach; Leiblich kann's zwar nicht geschehen, Bis ich werde auferstehen. Dennoch stellt mein Herz sich ein, Alle Tag bei ihm zu sein. 2. Ich verlasse diese Erden, Ob ich gleich auf Erden leb; Es soll mir nichts lieber werden, Darnach ich am meisten streb', Als im glaubigen Verlangen Meinen JEsum zu empfangen, Und im Geiste allezeit Anzuseh'n die Herrlichkeit. 3. Ich fahr auf mit meiner Liebe; Erd'! ich liebe dich nicht mehr; Weil ich in der Lieb' mich übe, So ist JEsus mein Begehr; Hoffart, Eitelkeit der Erden, Wollust, Pracht und Weltgeberden Acht't ich meiner Lieb' nicht werth, Als die JEsum nur begehrt. 4. Weißt du, wo mein Herz zu finden? Droben in der Himmelsfreud; Weltlust fann es nicht mehr binden? Es schmeckt bess're Süßigkeit? Es beschauet schon die Krone, Die der HEr: zum Gnadenlohne Sammt dem schönen Ehrenkleid Mir zu geben ist bereit. 5. Man sieht zwar mich noch hier leben Und umher auf Erden geh'n, Ja, noch unter Menschen schweben, Aber och soll man nicht seh'n, Daß ich lieb' die Sünd' und Schanden, Ihren Lauf und Sünden- Banden; Ja, ich dräng mich nicht dazu, Weil sie stören meine Ruh. 6. Meine Seele und Gedanken Sind schon längst bei meinem GOtt, Als von dem sie nimmer wanken, Ni im Leben, nicht im Tod; Wo ich schlafe, wo ich gehe, wo ich ruhe, wo ich stehe, Wo ich bete, wo ich bin, Ist im Himmel Herz und Sinn. 7. Mich kann nun nichts mehr ergößen, Als nur diese Himmels Reis', Droben bei den Himmels- Schäßen, Bin ich, die ich kenn und weiß; Meine Ruhe, Freud' und Sonne, Mein Vergnügen, Trost und Wonne Ist nicht, wo man mich jetzt sieht, Sondern wo mein Geist hinzieht. 8. Also geistlich aufzufahren Alle Tag und alle Stund, Spar' ich nicht zu späten Jahren, Bis der Tod verschließt den Mund; Nein! das thu' ich schon bei Zeiten, Will mich also recht bereiten. Damit, wenn mein End' da ist, Ich hinfahr zu JEsu Christ. 33 514 Der andächtige Christ erwäget die Ausgießung 9. Also werd' ich nichts verlieren, Träget man mich gleich in's Grab. JEsus wird mich herzlich zieren, Wel chen ich im Glauben hab'; Sterb' ich, wenn es GOtt gefället, So ist schon ein Ort bestellet, Den dein Heil mir hat bereit't Dorten in der Ewigkeit. 10. D'rum sei fröhlich, meine Seele! Heb empor dein Augenlicht, Diese Erd' ist eine Höhle, Da der wenig Gut's geschieht; Schwing dich durch die Andachtsflügel Zu dem güld'nen Sternen- Hügel, Wo dir stehet längst bereit Tausendfache Herrlichkeit. Der andächtige Christ erwäget die Ausgießung des heiligen Geistes am heiligen Pfingstfest. Aufmunterung. So ihr, die ihr arg seid, könnet euren Kindern gute Gaben geben, wie viel mehr wird der Vater im Himmel den heiligen Geist geben denen, die ihn bitten. Luc. 11, v. 13. Es hat die erbarmende Liebe GOttes nicht allein uns von Ewigkeit viel Gutes zugedacht, und JE sus hat uns mit seinem heiligen Blut erkauft, sondern der heilige Geist, als die allerheiligste, nothwendigste und seligste Gabe will uns auch in diesem Jammerthal leiten, heiligen und regieren. Es ist der heilige Geist: 1) die allerheiligste Gabe; denn was könnte GOtt mehr und größer an uns thun, als daß er uns seinen Geist zum Führer und Wegweiser mittheilet? Es war der ewigen Liebe GOttes nicht genug, daß die heiligen Engel die Wächter sollen neben, um und bei uns sein, und uns behüten auf allen unsern Wegen; sondern der heilige Geist sollte auch in uns wohnen, damit Leib und Seele recht bewahret und erhalten würden. Der heilige Geist ist auch: 2) die allernothmendigste Gabe. Wir können ohne Reichthum, großen Ehrenstand und viele Güter dennoch glücklich in der Welt leben aber ohne den heiligen Geist können wir weder hier, noch in der Ewigteit wahrhaft glücklich sein. Daher ist er auch: 3) die allerfeligste Gabe. Er des heil. Geistes am heiligen Pfingstfeft. 515 ist das Pfand unsers Erbes, das Siegel unserer Kindschaft, dadurch wir versichert werden, daß wir Kinder GOttes und Erben des ewigen Lebens sind. Er ist uns höchst nothwendig in Traurigkeit, Trübsal und Anfechtung; denn da vergewissert er uns, daß wir dennoch in der Gnade stehen; er vertritt uns, wenn wir zum Gebet unvermögend sind, bei GOtt mit unaussprechlichen Seufzern. 4) Dieſe herrliche, nothwendige und selige Gabe will GOtt Allen geben, die ihn nur darum bitten. Diese Verheißung haben wir nicht von leiblichen undirdischen Dingen, weil sie uns nicht allezeit heilsam sind, aber diese Gabe wird GOtt Niemand versagen. 5) Ein andächtiger Christ säubert sein Herz von der Welt- und Sündenliebe, damit der gute und reine Geist in ihm Wohnung nehmen könne. Gebet. Ich will Wasser gießen auf die Durstigen, und Ströme auf die Dürren; ich will meinen Geist ausgießen über alles Fleisch, daß sie wachsen sollen wie Gras, wie die Weiden an den Wasserbächen. Ach, liebster JEsu! diese gnädige Verheißung hast du an dem heiligen Pfingstfest erfüllet, da du über die Apoſtel deinen Geist reichlich ausgegossen, und sie damit zu dem Werke tüchtig gemacht hast, die Gnade, die Vergebung der Sünden in deinem Blut, und die Seligfeit allen Völkern zu verfündigen. Treuer Heiland! theile mir auch diese Gabe mit, gieb mir auch diese herrliche Gabe. O du werther heiliger Geist! gieß dich in reichem 33* 516 Der andächtige Christ erwäget die Ausgießung Maaß über mich aus, der du in FeuerFlammen dich über den Aposteln geoffenbaret hast; erleuchte mich zum ewigen Le ben; erleuchte meinen Verstand, daß ich möge JEsum Christum erkennen; heilige meinen Willen, daß ich nichts begehre und wünsche, als nur was dir gefällt. Wurden die Apostel, o du Geist der Stärke! durch dich angethan mit Kraft aus der Höhe: so stärke meinen Glauben; gieb mir Muth und Kraft, in deinen Wegen einherzugehen, die Welt zu besiegen, den Sünden zu widerstehen, und als ein wahres Kind GOttes zu leben. O du gnädiger Regen! mache mich fruchtbar zu allen guten Werken, erquide mich in der Hiße der Anfechtung, und gieb, daß ich viele Glaubens- und Lebensfrüchte bringen möge. Du Geist der Gnade und des Gebets! versiegle in mir den Trost u. die Freudigkeit, daß ich in der Gnade GOt tes ſtehe. Ach! bete auch in mir und mit mir, ja, lehre mich recht andächtig beten, ermuntere mich zur Andacht und zum Lobe GOttes. Ruhe auf mir, du Geist der Weisheit! daß ich wissen und thun möge, was GOtt gefällt; ruhe auf mir, o Geist des Verstandes! daß ich wandle in deiner Wahrheit; erhalte mein Herz bei dem Einigen, daß ich deinen Namen fürchte; behüte met des heil. Geistes am heiligen Pfingstfest. 517 nen Verstand vor Irrthum; vertreibe daraus alle Finsterniß der Unwissenheit und Eigenliebe; hingegen zünde in mir an das Licht deiner Erkenntniß, daß ich in deiner Liebe und Erkenntniß möge täglich zunehmen. Ruhe auf mir, o du Geist der Furcht des HErrn! pflanze deine heilige Furcht in mein Herz, daß ich nimmermehr mit Wissen und Willen sündige. Ruhe auf mir, o du Geist der Liebe! und reiße allen Zorn, Eigensinn, Neid, Bosheit und Rachgier aus meinem Herzen. Sei mein Tröster in Kreuz u. Trübsal, wenn die Fluthen mich wollen ersäufen, und die Wellen über mir zusammenschlagen. Sei meine Stärke! wenn ich schwach bin; hilf mir die Lüste des Fleisches dämpfen; hingegen laß in mir wachsen Glauben, Liebe, Demuth, Hoffnung und Geduld. Sei mein Führer, der mich allezeit leite auf ebener Bahn, daß ich nicht anstoße, falle, oder thue wider GOttes Gebot. Sei mein Lehrer, der mich in alle Wahrheit leite, und JEsum in mir verfläre. O du reines Wasser! wasche mich, gieb, daß ich in dem Guten wachse und viele Früchte bringe; hilf, daß ich durch deine Kraft JEsum in der That einen HErrn möge heißen, nämlich meinen JGsum, meinen Erlöser, meinen Seligmacher, 518 Der andächtige Christ erwäget die Ausgießung den Grund meines Heils und meiner Seligfeit. Siehe, o du Licht meiner Seele! wie ich in der Welt mit so vielen Verführungen umgeben bin, denn es sind viele Verführer ausgegangen; darum bewahre mich, daß ich nicht von dir weiche; zeige mir den Weg, darauf ich wandeln soll, denn mich verlanget nach dir. Wenn ich mich führen will, ſo irre ich; wenn du mich aber führest, ſo laufe ich den Weg deiner Gebote. Habe ich dich, o werther heil. Geist! bisher betrübt, so trage ich darüber herzlich Leid; siehe, mein Herz stehet dir offen, ach! fehre in dasselbige mit deinen reichen Gnadengaben ein; erfülle es mit allen christlichen Tugenden; befestige mich, gründe mich, und erhalte in mir das gute Werk, das du in mir angefangen hast. Ach! schaffe in mir ein reines Herz; tilge aus demselben alle Unarten, böse Gewohnheiten, und alle Herrschaft der Sünden. Nimm weg das steinerne Herz, und gieb mir ein geheiligtes und durch deine Gnade geändertes Herz. Wohne in mir, und laß es deinen Tempel und Wohnung sein. So habe ich das Pfand meines Erbes und der Kindschaft, und so weiß ich auch gewiß, daß ich werde ewig selig wer den. Bleibe auch, o heil. Geist! bei mir in aller Noth u. im Sterben, schreie alsdann des heil. Geistes am heiligen Pfingstfest. 519 in mir das Abba, lieber Vater! gieb mir einen Blick der Herrlichkeit und einen Vorschmack der ewigen Freude, wo ich nach dem Kampf zur Krone, und nach dem Leiden zur Freude gelangen werde. Heiliger Geist, dukraft der Frommen! Kehre bei mir Armen ein, Und seitausendmal willkommen, Laßmich deinen Tempel sein: Reinige du selbst das Haus Meines Herzens, wirf hinams Alles, was da mich kann scheiden Von densüßen Himmels- Freuden. Schmücke mich mit deinen Gaben, Mache mich neu rein u. schön, Laß mich wahre Liebe haben, und in deiner Gnade stehen. Gieb mir einen starken Muth, Hilfmirzwingen Fleisch und Blut, Lehre mich vor GOtt hintreten, Und im Geist und Wahrheit beten. Amen. Gesang. Mel. D GOtt, du frommer GOtt 2c. 1. Das Pfingstfest freuet mich Weil Jesus seine Gaben Mit reichem Maße ausgetheilt, Die wünscht mein Herz zu haben. Mein JEsu! schenke mir Auch deinen guten Geist, Der mich von mir zu dir Und zu dem Himmel weis't. 2. Ich irre allzusehr, Wo mich dein Geist nicht führet, Und mein Herz ängstet sich, Wenn es den Trieb nicht spüret. Wohlan, so leite mich, Mein Licht! auf eb'ner Bahn, Daß ich in deinem Licht Zum Lichte wandeln kann. 3. Ich leb' in Finsterniß, Wo mich dein Geist nicht lehret, Mein Herz bleibt unbelebt, Wenn er es nicht bekehret, Und neue Lebenskraft In meinem Geist entzünd't, Noch meine Glaubensmacht Auf JEsum Christum gründ't. 4. Ich kann mich selber nicht In meinem Leiden trösten, Ich brauche reichen Trost, Wenn meine Noth am größten. Darum, so stehe mir Mit deinem Troste bei, Daß ich ein GOtteskind Auch in dem Leiden sei. 5. Wie kann ich mich, mein GOtt! In Glaub' und Lieb' erhalten? Es würden diese bald Ohn' deinen Geist erkalten; Darum, so gieb mir Kraft, Daß ich nicht von dir weich', Bis ich nach meinem Kampf Des Lebens Kron erreich'. 520 Der andächtige Christ erwäget 6. Mein JEsu! gieb mir doch, Was ich dich hab' ge beten; Laß deinen guten Geist Im Beten mich vertreten, Daß ich in Frömmigkeit Bring' meine Tage hin, Und richte meinen Lauf Nach deinem Wort und Sinn. 7. Ach! dein Geist helfe mir Mein Fleisch und Blut bezwingen, Daß ich in seiner Straft Mög' gute Früchte bringen; Jch sterbe williglich Der Welt und Sünden ab, Weil ich den guten Geist Zu meinem Führer hab'. 8. Du sollst, o erther Geist! In meiner Seele bleiben, Du sollst mich, o mein Licht, Zu allem Guten treiben. Ach! bleibe allezeit Vereiniget mit mir, Laß mich geschmücket sein Durch dich, mit mir, in dir. 39. Und wird mein Wanderstab Auch in dem Sterben brechen, So wirst du in dem Streit Mir Trost und Muth zusprechen; Ich geh' durch JEsu Blut Alsdann zur Freude ein, Und werde schön verklärt J JEsu Armen sein. Der andächtige Christ erwäget das Geheimniß der heiligen Dreieinigkeit. Aufmunterung. Drei sind, die da zeugen im Himmel, der Vater, das Wort und der heilige Geist; und diese drei sind eins. 1. Joh. 5, v. 7. Wenn eine glaubige Seele das Geheimniß der heiligen Dreieinigkeit will in heilige Betrachtung ziehen, so muß sie es machen, wie einer, welcher von der Sonne Licht und Nußen haben, und sich dessen bedienen will. Schauet er mit unverwandten Augen in die Sonne hinein, so blendet er sich; er siehet lanter Finsterniß, ja nichts; hält er aber die Augen niedergeschlagen, gebraucht also der Sonne Licht und Glanz, so siehet er viel, ja, er siehet alles, was er sehen soll. Das Geheimniß der heiligen Dreieinigkeit ist: 1) ein der Vernunft unbegreifliches Geheimniß; sie kann das nicht begreifen: ein Wesen und drei Personen. Daher haben sich Viele an dieser Glaubens- Lehre gestoßen, und mit den Juden es bis auf diesen Tag noch gehalten. Unterdessen bleibt es doch: 2) ein in der heiligen Schrift uns deutlich beschriebenes Geheimniß; davon reden das Geheimniß der heiligen Dreieinigkeit. 521 die herrlichsten Sprüche des alten und neuen Testaments. Am Jordan, als Christus getauft wurde, waren drei Personen zu schauen, Matth. 5, v. 16.17. Die Werke und Eigenschaften des dreieinigen GOttes liegen uns auch deutlich beschrieben vor Augen. Diesem Worte des Lebens glaubet ein andächtiger Chrift, bis er dereinsten in dem ewigen Leben zum Schauen gelangen wird. Unterdessen: 3) betet er den dreimal heiligen GOtt mit HerzensDemuth an. Er preiset seinen Schöpfer für alle Wohlthaten, die er ihm an Leib und Seele gethan. Er danfet seinem Erlöser, daß er ihn vom Tode, von der Sünde, vom Teufel und der Höllengewalt befreiet. Er giebt seinem Heiligmacher sein Herz und ganzes Leben, befleißiget sich dem dreieinigen Gott zugehorchen, u. ist versichert, daß er dermaleinst wird herrlich sehen, was er hier geglaubet hat. Denn selig sind, die nicht sehen, und doch glauben. Gebet. Heilig, heilig, heilig ist GOtt der HErr Zebaoth, alle Lande sind seiner Ehre voll. Also, o du dreieiniger GOtt, Vater, Sohn und heil. Geist, stimme ich jetzt mit allen Seraphinen u. Cherubinen ein Loblied an, deine Hoheit, Majestät und Herrlichkeit zu befingen. Odu einiges, unerforschliches u. unbegreifliches Wesen! mein Glaube hält sich fest, einzig und allein an dein geoffenbartes heiliges Wort, worin du dich mir herrlich geoffenbaret hast. Das ist das ewige Leben, daß sie dich Vater, der du allein wahrer GÖtt bist, und den du gesandt hast, JEsum Christum, erkennen. 522 Der andächtige Christ erwäget Ich bete dich an, ich ehre und preise dich, o du Vater aller Gnaden und Barmherzigkeit! der du dich als ein Vater mir fund gethan hast. Du hast nicht allein JEsum Christum, deinen einigen Sohn, von Ewigfeit her gezeuget, sondern du bist auch der rechte Vater über alles, was da Kinder heißet, im Himmel und auf Erden. Ach! du hast bisher als ein gnädiger und liebreicher Vater auch mich ernähret, versorget, bewahret und erhalten; ja, du ernähreſt, versorgest und erhältst mich noch bis auf diese Stunde. O du barmherziger Vater! nimm dich doch meiner, als deines Kindes, herzlich und väterlich an. HErr JEsu, Sohn GOttes! ich habe dich aus deinem heiligen Worte erkennen gelernt als die andere Person der heiligen Dreieinigkeit, von dem himmlischen Vater von Ewigkeit her gezeuget. GOtt von GOtt, Licht von Licht, auf eine uns unbegreifliche Weise entſprossen, ich habe dich auch erkannt als meinen Bruder und Blutsfreund, der die menschliche Natur hat an sich genommen, um mich und alle Menschen zu erlösen von Sünd', Tod, Teufel und Hölle. O darum freue ich mich in dir, und bete dich an! Du bist meine Gerechtigkeit, mein Erlöser, Fürsprecher, Hohenpriester, Gnadenthron, Mittler das Geheimniß der heiligen Dreieinigkeit. 528 Immanuel, Seligmacher u. Hirte; in dir habe ich das Leben und volle Genüge. Du bist das Opferlamm, das sich für meine Sünden dahin gegeben hat; dein Blut ist die Reinigung meiner Missethaten; durch dich habe ich Zugang zur Gnade und zum Leben. In dir bin ich selig hier zeitlich und dort ewig. O du werther heiliger Geist! du hast dich in deinem Wort mir geoffenbaret als die dritte Person in der GOttheit, die vom Vater und Sohn ausgehet, ein Geist des Vaters und des Sohnes, gleiches Wesens, gleicher Majestät und Herrlichkeit. Du hast mich auch wieder geboren in der heil. Taufe! durch dich bin ich gebracht zur Gnade, zum Licht und zum Leben, das aus GOtt ist. Du bist mein Heiligmacher, der mich noch erleuchtet, heiliget und im rechten Glauben erhält. Du tröstest mich in allem Leiden; du erfreuest mich in Traurigfeit; du erquickest mich in Trübsal. O du Geist der Gnaden u. des Gebets! versiegle in mir den Trost, daß ich in Gnaden bin: gieb Zeugniß meinem Geist, daß ich ein Kind GOttes sei. Erwecke mich zum Gebet, gieb mir Andacht im Gebet, gieb mir Freudigkeit nach dem Gebet. Kommet lasset uns beten, und knieen und niederfallen vor dem HErrn, dem dreieinigen GOtt, der uns Der andächtige Christ erwäget gemacht hat, denn wir sind sein Volk und Schafe seiner Waide; er ist unerforschlich in seinen Wegen und unbegreiflich in ſeinem Thun. Von ihm und durch ihn und in ihm sind alle Dinge; ihm sei Lob, Ehre und Preis in Ewigkeit. Der Vater ist von Niemand weder gemacht, noch geschaffen, noch geboren; der Sohn ist von dem Vater nicht gemacht, noch geschaffen: sondern geboren; der heilige Geist ist vom Vater und Sohn nicht gemacht, noch geschaffen, noch geboren: sondern ausgegangen. Unter diesen dreien Personen ist keine die erste, keine die lezte, feine die größte, keine die kleinste, sondern sie sind alle drei gleich. Der Vater ist GOtt, der Sohn ist GOtt, der heilige Geist ist GOtt, und sind doch nicht drei Götter, sondern es ist ein GOtt. Der Vater ist der HErr, der Sohn ist der HErr, der heilige Geist ist der HErr, und sind doch nicht drei HErren, sondern es ist ein HErr! O du dreieiniger GOtt u. HErr! laß mich in dieser Erkenntniß immer wachsen und zunehmen, und gieb, daß ich dich im Glauben ergreife und an deinem heil. Wort, als an meiner Glaubens- u. Lebensregel, festhalte, und was ich nicht begreifen kann, dennoch von Herzen glaube, bis ich aus dem Glauben zum Schauen gelangen werde. 524 das Geheimniß der heiligen Dreieinigkeit. 525 Indessen, mein Vater! decke mich mit deinen Gnadenflügeln, und segne mich. OJEsu! wasche mich mit deinem heiligen Blut, und ſegne mich; mache mich gerecht und ewig selig. HErr GOtt heiliger Geist! erleuchte mich, und segne mich, daß ich in deinem Lichte wandle, und in deinem Licht droben das ewige Freudenlicht erblicken möge. Glaubenmuß manhier u. trauen, WasGOtt von sich selber sagt, Dorthebt ernstlich an das Schauen, Glaube fragt nicht, Zweifel fragt: Bin ich dort getaufet worden Auf GOtt Vater, Sohn u. Geist, Sein Wort mich zum Jordan weis't, Da aus offnen Himmelspforten GOttes Stimm von JEsu zeugt, Und der Geist hernieder fleugt. Amen. Gesang. Mel. Dreieinigkeit der Gottheit zc. 1. Ich glaube an GOtt, von dem wir alle lesen, Daß er schon sei in Ewigkeit gewesen. Und der hernach die Welt erschaffen hat, Ein großer GOtt von Majestät und Rath. 2. Wer diesen GOtt von Namen recht will kennen, Soll Vater, Sohn und heil'gen Geist ihn nennen; Dieß ist sein Nam', dabei die Christenheit Ihn kennt und nennt, jetzt und in Ewigkeit. 3. Vom Vater ist das, was da ist geflossen, Vom Vater ist der Sohn allein entsprossen; Der heil'ge Geist geht aus von beiden gleich, Auch gleich an Macht und Ehr' im Freudenreich. 4. Der Vater hat der Welt das Sein gegeben, Des Sohnes Blut hat uns gebracht das Leben, Der heil'ge Geist erleuchtet und bekehrt, Und also wird das Gnadenreich vermehrt. 5. Die Dreie sind auf einen Thron erhoben, Gleich ewig, groß, allmächtig gleich zu loben; Die Majeſtät ist ihnen allgemein, Gott ist und war, und wird auch ewig sein. Der andächtige Christ betrachtet 6. Zwar die Vernunft, weil hier kein Grund zu finden, Will oftmals sich zu rechnen unterwinden, Wie eins sei drei; Doch wer da widerspricht, Der glaubet GOtt und seinem Worte nicht. 526 7. Ein wahrer Christ glaubt's fest von Herzensgrunde, Bekennt's auch ohne Zweifel mit dem Munde; Weil GOtt sich selbst hat also fund gethan, So glaubet er, was er nicht fassen kann. Des Vaters Lieb' hat er schon oft empfunden; Er suchet Trost in JEsu Blut und Wunden; Wenn GOttes Geist ihn treibet, lehrt und führt; So folgt er gern, weil er wird wohl geführt. 1970 104) 9. Und hiebei ruht sein Glaube und Gemüthe, Und preiset ftets des Allerhöchsten Güte Verharret auch in wahrer Frömmigkeit, Bis er GOtt schaut im Frieden nach dem Streit. 10. Mein Vater! laß mich deine Gnad' empfinden, Mein JEsu! mach' mich rein von allen Sünden; GOtt heil'ger Geist, ach! nimm mein Herze ein; Dreiein'ger GOtt! ich bin dein, du bist mein. Der andächtige Christ betrachtet am MichaelisFest den Schuß der heiligen Engel. Die Engel find allzumal dienstbare Geister, ausgesandt zum Dienste deren willen, die ererben sollen die Seligkeit. Hebr. 1, v. 14. Es sind die Heiligen Engel von GOtt erschaffen worden zu seinem Dienst und Ehren, als welche allezeit um seinen Thron stehen und seinen Befehl ausrichten. Wenn ein großer König seine Leibwache und Aufwärter einem andern zum Dienst bestellete, so wäre es Liebe und Gnade. Daher: 1) danket ein glaubiger Christ für diese besondere Gnade, daß GOtt nicht allein sich selbst den Menschentindern mit allen seinen Gütern und Gaben zum Genuß, auch Jesum Christum zum Heil der Seelen, den heil. Geist zum Tröster und Führer, sondern auch die heiligen Engel zu Wächtern geschenket hat. 2) Zu dem Ende treibet er dieselben durch muthwillige Sünden nicht von sich, sondern Am Michaelis- Fest den Schuß der heil. Engel. 527. erfreuet dieselben vielmehr durch seine Buße und einen gottseligen Wandel. 3) trachtet, auf Erden den Engeln auch gleich zu werden, GOtt täglich zu loben, zu preisen, ihm zu danken und den ihm gefälligen Dienst zu leisten. Wer allhier ein Teufel auf Erden, ich will sagen, ein widerspenstiger, halsstarriger, unbekehrter Mensch und frecher Sünder bis in den Tod bleibet, der kann nach seinem Tode den Engeln nimmermebr gleich werden. 4) Ein glaubiger Christ befleißiget demnach sich, nach der dritten Bitte Gottes Willen zu thun auf Erden, wie es geschiehet im Himmel, wo nicht mit gleicher Vollkommenheit, jedoch mit gleicher Willigkeit und Aufrichtigkeit. 5) Die Engel betet ein Gläubiger nicht an, als welche Ehre nur dem Herrn der Engel, aber nicht den Mitknechten gebühret, Offenb. Joh. 19, v. 10. 6). In solcher Verfassung des Glaubens, der Liebe, der Frömmigkeit und GOttesfurcht beharret ein glaubiger Christ bis an sein Ende, und weiß, daß die heiligen Engel nicht allein auf seinen Berufs- und von GOtt gebotenen Wegen ihn werden vor Unglück behüten, sondern daß sie auch bei seinem Tode um sein Bete stehen, und nach dem Tode die Seele in Abrahams Schoos begleiten werden.owboy Gebet. 11 Der Engel des HErrn lagert sich um die her, so ihn fürchten, und hilft ihnen aus. Du barmherziger und liebreicher GOtt! wie freue ich mich, daß du deine heiligen Engel mir zum Schuß und Beistand bestellet hast. HErr! HErr! was ist der Mensch, daß du sein gedenkest, und des Der andächtige Christ betrachtet Menschen Kind, daß du dich seiner annimmst, und ihn so hoch achtest? Es ist eine hohe Ehre, wenn ein König seine Leibwache und Aufwärter einem geringen Mann mitgiebet, die ihm müſſen zur Seite stehen, o wie viel größere Herrlichkeit ist das, daß die heiligen Engel zum Schutz und zur Begleitung uns armen Menschen dienen müssen! Odu GOtt der Liebe! du hast nach deiner unaussprechlichen Güte nicht allein alle sichtbaren Kreaturen, Himmel, Erde, Sonne, Luft und Meer, alle Früchte und Gewächse der Erden uns zum Genuß, sondern auch die uns unsichtbaren Kreaturen: die heiligen Engel, zum Dienst verordnet, damit uns ja kein Uebel widerfahren möge. Du weißest, liebreicher Vater, wie deine Kinder auf Erden mit vielerlei Gefahr und Elend umgeben sind; darum hast du ihnen Wächter bestellt, die um sie Tag und Nacht wachen und alles Uebel abwenden sollen. Du weißest, wie viele und starke Feinde deine Kinder und Glaubigen um sich haben: den Fürsten der Finsterniß, den Satanas und sein Heer; darum hast du ihnen auch starke Helden zugegeben, die ihnen widerstehen und deine Geliebten bewahren sollen. Ach, mein GOtt! wenn eine 528 am Michaelisfest den Schuß der heiligen Engel. 529 Woche, ein Monat, ja ein Jahr nach dem andern vorüber gehet, darin meine geſunden und geraden Glieder unverletzt, mein Haus und Habe unversehret, ja, meineTritte ohne Fall und Anstoß bleiben, indem kein Unglück sich zu mir nahet: sollte ich solches nicht deiner Vatertrene! Vaterliebe und Barmherzigkeit zuschreiben, daß du durch deine Diener mich also erhalten und behütet hast? wie viel Gefahr hast du durch den mächtigen Schuß deiner heiligen Engel abgewendet, davon ich nichts gewußt! Nun mein GOtt, dafür sei hochgeliebet und hochgelobt von nun an bis in Ewigkeit! Ich bitte dich auch, liebreicher Vater! befiel deinem Engel ferner, daß er komm, und mich bewach dein Eigenthum. Laß deinen Engel Gefahr und Unglück von mir abwenden, wie von Jakob, welchem die Heere GOttes begegneten und ihm zur Seite zogen, da ihm die größte Gefahr vor seinem Bruder Esau bevorstand. Bewahre mein Haus durch deiner Engel Heer rings umher, wie das Haus Hiobs; laß sie bei mir sein in Nöthen, wie bei Daniel; laß sie das Unglück von mir treiben, wie sie die Flammen von den drei Männern hinwegſtießen; laß sie meine Nahrung und täglich Brot, behüten, wie der Engel dem Elia 34 530 Der andächtige Christ betrachtet Brot und Wasser brachte; ja, laß sie um mich herlagern, und mir aushelfen, und mich begleiten auf den Reisen, wie Tobias. Ach, du gütiger GOtt! verleihe mir deinen heiligen Geist, daß ich diese deine heiligen Geschöpfe nicht möge mit meinen Sünden betrüben, oder mit meinem ruchlosen Leben von mir treiben, daß sie von ferne stehen und vor meiner Bosheit weichen müſsen. Gieb, daß ich den Engeln in diesem Leben schon möge gleich werden in deinem Dienst, Lob, Gehorsam und Preis, damit ich auch den Engeln gleich werden möge in der frohen Ewigkeit. Dein Wille geschehe auf Erden wie im Himmel, soll mir immer in den Ohren und in dem Herzen erflingen. Mein Gott! laß auch deine heiligen Engel bei mir bleiben im Sterben, damit sie alsdann meine Scele in Abrahams Schooß tragen, und zu deiner Herrlichkeit begleiten mögen. Laß mich daselbst in ihrer Gemeinschaft und Gesellschaft in Ewigkeit sein, mit ihnen mich über deine Herrlichkeit und Majestät erfreuen, und das Heilig, Heilig, Heilig ist GOtt der HErr Zebaoth! antimmen, und dich, wie für alle, also auch für diese Wohlthat ewig loben und preisen. Gott, aller Geister Geist, HErr aller Seraphi nen! Der seine Diener heißt 1lns Menschen zu bedienen. HErr Zebaoth! nur dir Gebühret am Michaelisfest den Schuß der heiligen Engel. 531 Dank dafür, Wir gehen aus und ein, So laß sie uns begleiten: Wenn wir entschlafen sein, So stelle uns zur Seiten die Wache deines Throns, Die Starken Salomons. Schaff, daß sie überall die Hand uns unterlegen, Und laß uns keinen Fall Aus ihrem Schoos bewegen; Ihr Lager schließ uns ein, Wenn wir belagert ſein. Wenn wir des Eiteln los Die Serbe- Lieder singen, Laß uns in Abrahams Schoos Durch diese Träger bringen; Mach uns in deinem Reich Den Engel selbsten gleich. Amen. Gefang. Mel. D GOtt, du frommer GOtt 2c. 1. Der Engel güld'nes Heer, Die immer vor GOtt stehen, Und seine Dajestät Im hellen Glanze ſehen, Die werden täglich noch Zu unsrem Dienst gesandt, Und was uns schaden kann, Wird durch sie abgewandt. 2. Die Engel sind bei uns Auf allen unsern Wegen, Bei Tag und auch bei Nacht, Wenn wir uns schlafen legen, Geht man zu dem Beruf, So gehen sie mit aus, Und kehret man zurück, So geh'n sie mit nach Haus. 3. Wenn Satan und die Welt, Auch and're Feinde wüthen, So sind die Engel da, Die unsern Tritt behüten; Sie wenden von uns ab Leid, Unglück und Gefahr, Ihr' Augen schlummern nicht, Sie wachen immerdar. 4. Und bricht der Wanderstab Von unsern Lebensta So werden sie die Seel In's Freuden- Leben tragen; Zur Ruhe nach der Last, Zur Krone nach dem Streit, Zur Freude nach der Angst, Zum Troste nach dem Leid. 5. Die Engel freuen sich, Wenn wir uns GOtt ergeben, Und wie wir schuldig sind, Nach GOttes Willen leben, Ach ja, wir sind gewiß, Daß man die allda findt, Wo Fromme durch Gebet Und Lieb verbunden sind. 6. Ach GOtt! wir danken dir Für alle deine Gaben Und daß mir auch von dir Zum Schuß die Engel haben; Die Helden send' uns auch In aller Angst und Noth, Ach laß fie bei uns sein Jm Leben und im Tod. 7. Verleih mir deine Gnad. Daß ich annoch auf Erden, Mit stetem Lob und Preis Den Engeln gleich mög wer34* 532 Der glaubige Christ lobet GOtt den; Und deinen Willen thun, Damit nach dieser Zeit Ich bleib den Engeln gleich In deiner Herrlichkeit. 8. Da soll dein Lob und Ruhm In Ewigkeit erklingen, Da will ich hoch erfreut Das dreimal Heilig singen Mit aller Engel Chor Und Auserwählten Schaar; Dieß ist mein Herzenswunsch, Amen, es werde wahr. Der glaubige Christ lobet GOtt an ſeinem wieder erlebten Geburtstage. Aufmunterung. Wie soll ich dem HErrn vergelten alle Wohlthaten, die er an mir thut? Psalm 116, v. 16. Geburtstage, an welchem wir das Licht dieser Welt erblickt haben, sollen billig Lob- und DankTage sein, welche wir mit Beten und Singen und innerlicher und äußerlicher Andacht hinbringen sollen, besonders wenn wir die vielen und großen Wohlthaten erwägen, welche wir Zeit Lebens bis hieher von der treuen Hand GOttes empfangen haben, daß er uns in der Kindheit, in der Jugend bis auf diese Stunde auf den Armen getragen hat. Allein daran gedenken die wenigsten. Arme und Geringe achten den Tag nicht viel; an Höfen wird zwar dieses Tages gedacht, u. er wird gefeiert, aber wie? mit kostbaren Mahlzeiten, mitTanzenu.Springen, welches wohl kein Lob- u. Dank- Tag ist, noch ein Gott wohlgefälliger Tag kann genannt werden. Wahre Kinder GOttes, wenn sie den Tag jährlich erleben, loben GOttes Treue und Güte: 1) daß er sie von christlichen Eltern hat geboren werden lassen, welche sie zur Erkenntniß des Heils in Jesu Christo gebracht haben: 2) daß er ihnen gesunde Glieder und guten Verstand gegeben, welches eine große, aber unbekannte Wohlthat GOttes ist; 3) sie vor Unglück bewahret und aus Ge an dem wieder erlebten Geburtstage. fahr errettet und bisher erhalten hat. 4) Sie bitten GOtt zugleich demüthig um Vergebung der Sünden, und versprechen ihm, die übrigen Lebenstage in findlichem Gehorsam u. Frömmigkeit hinzubringen. 5) Ste trösten sich, wenn sie also im Glauben und Liebe verharren, daß GOtt ferner seine Gnadenflügel über sie ausbreiten werde. 6) Sie erinnern sich, daß dieses wohl die letzte Feierung des Geburtstags auf Erden könne gewesen sein. 533 Gebet. Ewiger, allgütiger und allbarmherziger GOtt! ich habe heute durch deine Gnade wiederum meinen Geburtstag erlebt, an welchem du mich aus den finstern Wänden meiner Mutter nicht allein an das Tageslicht gebracht, sondern auch durch die heilige Taufe mich zu deinent Kind auf- und angenommen hast. Darum soll dieser Tag mein Lob-, Bet- und Danktag sein. Lobe den HErrn, meine Seele! und was in mir ist seinen heiligen Namen! Lobe den HErrn, meine Seele! und vergiß nicht, was er dir Gutes gethan hat. Preiset mit mir den HErrn und lasset uns mit einander seinen Namen erhöhen. Ich will den HErrn loben allezeit; sein Lob soll immerdar in meinem Munde sein. Sollte ich dich nicht loben und preisen, mein GOtt! daß du mich nicht allein mit gesunden Gliedern, wohlgeſtaltetem Leibe, welches eine große Der glaubige Christ lobt Gott Wohlthat ist, sondern auch von chriſtlichen Eltern haft lassen geboren werden, welche mich zu deiner Erkenntniß, o dreieiniger GOtt! von Jugend auf angeleitet haben; Hättest du mich von Juden, Türken oder Heiden lassen entsprießen, so wäre ich vielleicht ſo blind und so verstockt, als sie. Nun aber kenne ich dich, und liebe dich, und habe in dir der Seele Leben und Seligkeit erlangt. Bin ich denn nun in deinen Armen auferzogen worden, so hast du mich in den folgenden Jahren geleitet, begleitet: haſt mir Nahrung und Kleidung gegeben, und mich bis diesen Tag gnädiglich erhalten. Ach, mein GOtt! ich bin zu gering aller Barmherzigkeit und Trene, die du an mir gethan hast. Kommet her, höret zu, ich will erzählen, was der HErr an meinem Leibe und an meiner Seele gethan hat. Aber ach! ich kann es nicht alles erzählen; es möchte eher Jemand die Sterne am Himmel zählen, als die Gnaden- Gaben, die ich von dir empfangen habe. Aus wie vielen Gefahren hast du mich errettet? wie viel Unglück abgewandt? Dein Geiſt hat mich gelehrt, regiert, geführt, und wenn ich fündigen wollte, mich innerlich bestraft und zurückgezogen. Werden nun meiner Jahre viel, mein GOtt! sind deiner Wohl534 an dem wieder erlebten Geburtstage. 535 thaten viel, so gedenke ich auch heute an meine Sünden, die ich mein Lebtag begangen habe. Ach! verzeihe mir dieselben um JEsu Wunden willen: tilge sie mit seinem heiligen Blute, und laß mich um seinetwillen Gnade finden. Verleihe mir deine Barmherzigkeit, daß ich noch die übrigen Tage meines Lebens, welche du mir in deinem Buche angeschrieben hast, in wahrer Gottesfurcht und Frömmigkeit hinbringen möge, auf daß dir all mein Thun und Lassen wohl gefallen möge. Und weil ich nicht weiß, wie viel meiner Tage auf Erden werden sollen, hingegen aber gewiß bin, daß du mir ein Ziel gesehet hast, welches ich nicht übergehen kann, so bewahre mich, daß ich es mir nicht abkürze durch Zorn, Unmäßigkeit, Sünden, Verwegenheit, und Frevelthaten: sondern laß mich meine beſtimmten Lebensjahre in Gesundheit, in deinem Segen, unter deinem Schuh glücklich erreichen, bis du mir für dieses irdische und vergängliche Leben das ewige und himmlische Leben um JEfu Christi willen geben wirst. Bis dahin will ich diesen Tag, so oft ich ihn erleben werde, dir zu Ehren mit Loben und Danken feiern, und singe jetzt: Nun lob', mein' Seel! den HErren, Was in mir ist, den Namen sein; Sein' Wohlthat thut er mehren; Vergiß es nicht, o Herze mein! Hat 536 Der glaubige Christ lobt GOtt 2c. dir dein' Sünd' vergeben, und heilt dein' Schwachheit groß, Errett't dein armes Leben, Nimmt dich in seinen Schooß, mit reichem Trost beschüttet, Verjüngt dem Adler gleich; Der König schafft Recht, behütet Die Leiden in seinem Reich. Amen. Lob- und Danklied am Geburtstag. Mel. D GOtt, du frommer GOtt. 1. Dieß ist der liebe Tag, Den hat mir GOtt geschenket; Dran mein erfreuter Geist Mit tausend Lust gedenket, Was seine Treu' und Güt' Bisher an mir gethan, Drum stimm ich ihm zu lieb Ein Herzens- Danklied an. 2. Dieß ist der Tag, da ich Bin in die Welt gekommen, Und bin in meiner Tauf Zu Gnaden angenommen, Da mich mein JEsus hat Durch sein Blut rein gemacht, Und mich zu seinem Licht Durch seinen Geist gebracht. 3. Ich habe klein und arm Der Sonne Licht erblicket, Ganz nackend, ohne Kleid, Doch GOtt hat schön geschmücket Den Leib und auch die Seel. Ich habe nichts von mir, Was ich nun bin und hab Das kommt allein von dir. 4. Du reicher, guter Geist! O wie viel Gnadengaben Hast du mir mitgetheilt, Die mich erfreuet haben. Gesundheit, Glück und Heil, Des heil'gen Geistes Licht Ergößt mich alle Tag, Ach! ich weiß alles nicht. 5. Ja, ich weiß alles nicht, Mir wird's an Worten fehlen, Wenn ich der Gnaden Füll' Und Menge wollt' erzählen. D'rum sprech ich: Ruhm und Preis Sei GOtt, auch Dank u. Ehr', Der Wohlthat ist viel mehr, Als Sandes an dem Meer. 6. Auf jauchze heut, mein Herz; Laß auch die Stimm erklingen; Ich will dir, treuer GOtt! Ein Freudenopfer bringen, Der meinen Leib bewahrt Und meinen Geist erquickt, und mich bis diese Stund Mit seinen Gaben schmückt. 7. Du wollest auch zugleich, O Bater, mir vergeben, Womit ich dich betrübt In meinem ganzen Leben; Lösch aus mit Christi Blut Die Schuld und Missethat, Womit dich Herz und Mund Und That erzürnet hat. 8. Ich will durch deine Gnad Hinfort nicht von dir weichen, Laß mich des Lebens Ziel In dieser Welt erreichen, Das du bestimmet hast, Daß ich in Frömmigkeit Hinbringen dir zum Preis Den Schluß der Lebenszeit. Der andächtige Christ danket GOtt 2c. 9. Das Ende meiner Tag Verbleibet mir verborgen, Drum will ich allermeist Für meine Seele sorgen. Mein Herze liebet dich Bis an das Lebensziel, Es mögen meiner Jahr Sein wenig oder viel. 537 10. Indessen leg ich mich In meines Jesu Wunden; Ich hab in seinem Blut Gerechtigkeit gefunden: Das theure JEsus- Blut Macht mich von Sünden rein; Ich bleibe, weil ich leb, Und auch im Tode sein. 11. So oft ich diesen Tag Werd wiederum erleben, So will ich Herz und Mund Zu dir, o Gott! erheben. So fang ich dieses Jahr Als neu geboren an, Ach! es ist lauter Gnad, Was du an mir gethan. 12. Ich feire diesen Tag Mit innigstem Vergnügen, Und will vor deinem Thron Gebeugt und dankbar liegen. Ein jeder Aderschlag, Ein jedes Tröpflein Blut, Soll rühmen, was an mir Dein treues Lieben thut. 13. Nun, ich befehle dir, Bis an mein letztes Ende Mein Leib und meine Seel In deine Vaters- Hände. Bleib doch mein Lebenslicht, Mein Tröster, Helfer, Stab, Bis ich in dir durch dich Den Lauf vollendet hab. 14. Und weil ich weiß, daß ich nicht werde ewig leben, So wollest du aus Gnad Den Himmel mir doch geben, So bin ich reich genug, Und glücklich g'nug auf Erd, Wenn ich bei dir, o GOtt! Jm Himmel leben werd. Der andächtigte Christ danket GOtt nach eingesammelter Ernte. Aufmunterung. Sie will nicht wissen, daß ich's sei, der ihr gibt Korn, Most und Del, und ihr viel Silber und Gold gegeben, das sie haben Baal zu Chren gebraucht. Darum will ich mein Korn und Most wieder nehmen zu seiner Zeit, und meine Wolle und Flachs entwenden, damit sie ihre Scham bedecken. Hof. 2, v. 8. 9. Ist eine in aller Menschen Augen fallende herrliche und große Wohlthat zu finden, so ist es unstreitig die jährliche Ernte, wenn GOtt die Saat des Winters in der Erde bewahret, in den Sommertagen sie läſset blühen, wachsen u. Frucht bringen; wenn er Hagel, Wetterschläge undSturmwinde abwendet, und durch 538 Der andächtige Christ danket GOtt seinen Segen Scheuern und Keller füllet. Aber iſt auch eine von der Welt geringeund verachtete Wohlthat, dafür man GOtt am wenigsten danket: so ist es eben diese Ernte; denn da meinen die undankbaren Menschen, es müsse so sein; es müsse also nach dem Lauf der Naturalleswachsen, dabei habeGOtt nichts gethan: deßwegen der erzürnte GOtt öfters aus ge rechtem Gerichte lässet Mißwachs entstehen, damit. Jedermann erkenne, daß das Land nichts geben kön= ne, wenn der HErr nichts giebt, u. daß nichts wachsen könne ohne seinen Segen. Ein glaubiger Christ ist anders gesinnt. Wenn er die vollen Aehren in der Ernte, und die mit Trauben beschütteten Weinstöcke erblicket: 1) so hebet er seine Augen auf gen Himmel, und preiset den allmächtigen Schöpfer, Geber und Erhalter seines Segens, als der aus einem Korn so viele Körner, aus einem unansehnlichen Holze so eine köstliche Frucht hervorbringt. 2) Errühmet die göttliche Fürsorge u. Erhaltung, daß er das ganze Jahr: über Frühregen u. Spatregen zu seiner Zeit gegeben, Donner- Wetter, Dürre, Hagelsteine u.lleberschwemmung in Gnaden abgewendet, u. hingegen die Ernte behütet hat. 3) Wenn er mun die Zeit erlebet, daß die scharfe Sichel das Korn niederleget, wenn er siehet es in die Scheuern fahren, wenn er siehet in der Kelter die Trauben zerquetschen, so nimmt er alle diese Gaben mit dankbarem Herzen u. Händen an. 4) Gr gebraucht auch dieselben, und nimmt sie zu sich mit Danksagung. Er erkennet, daß GOtt ihn nähre, versorge, erhalte. Ja, erläßt sich 5) GLites Güte zur Buße leiten. Danket man einem Wohlthäter, u. er= zürnet ihn nicht, der uns etwa ein Kleid, oder etwas zu unserm Unterhalt giebt, warum soll man den größten Wohlthäter nicht loben, der uns alles giebt? nach eingesammelter Ernte. Gebet. 539 Danket dem HErrn, denn er ist freundlich, und seine Güte währet ewiglich. Alſo spreche ich, mein GOtt! da ich wiederum die gesegnete Erntezeit erlebet habe. O du gnadenreicher GOtt! wie groß ist deine Güte, die du an uns beweisest! Du hast das Erdreich gegründet auf seinen Boden, daß es bleibet immer und ewiglich. Aber in eben dieses Erdreich hast du deine herrlichen Schäße gelegt; dasselbe muß uns die Früchte reichlich hervorbringen, die zu unserer Lebensunterhaltung, Nahrung und Gesundheit dienen. Besonders haft du, o liebreicher Vater! dieses Jahr gefrönet mit deinem Gut; deine Fußstapfen triefen noch vom Fett; du hast gefeuchtet die Berge von oben her; du hast das Land voll Früchte gemacht, die du erschaffest. Du haſt laſſen Gras wachsen für das Vieh, und Saat zum Nußen der Menschen, daß du Brot aus der Erde bringest. Ach, treuer Vater! du hast dieses Jahr wiederum uns deinen wiewohl undankbaren Kindern, Speise und Trank geschenket; du hast unsere Ernte behütet; der Himmel hat die Erde befeuchtet, und die Erde hat Korn und Most getragen; du hast uns gegeben Frühregen und Spat 540 Der andächtige Christ danket GOtt regen zu rechter Zeit, daher haben unsere Felder geblühet und den von dir aus ihnen uns entspringenden Segen dargereichet. Unsere Bäume haben allerlei schöne und liebliche Früchte durch deine Gnade gegeben, und der Weinstock hat uns erfreuet. Liebreicher GOtt und Vater! du hast das Feld und das ganze Land mit deinen Gnadenflügeln bedeckt; du hast die Sonne lassen scheinen zu rechter Zeit, daß alles zur Zeitigung ist gekommen; du hast alles bewahretvor Hagelschlag, Brand, Dürre, Ueberschwemmung; wenn wir schliefen, so wachtest du; du warest unserer Felder Hüter und Schußherr. HErr! deine Werke sind groß und viel, du hast sie alle weislich geordnet, und die Erde ist voll deiner Güte! Alle Kreaturen, Menschen und Vieh warten auf dich, daß du ihnen gebest Speiſe zu seiner Zeit; wenn du ihnen giebeſt, ſo sammeln sie und wenn du deine Hand aufthust, so werden sie mit Gütern geſättiget. Jawohl hast du, o reicher GOtt! uns dieſes Jahr mit deinen Gütern reichlich gesegnet. Nun dafür danken wir dir von Grund unserer Seelen. Kommt, lasset uns beten und knieen und niederfallen; lasset uns mit Danten kommen in sein Haus, und mit Frohlocken in seine Vorhöfe. Lasset uns mit dank nach eingesammelter Ernte. barem Herzensagen: Der HErr hatGroßes an uns gethan, ja der HErr hat Großes an uns gethan, deß sind wir fröhlich. AchHErr! HErr! laß uns diese deine verliehenen Gaben u. Wohlthaten nicht mißbrauchen, sondern daraus deine Liebe gegen uns und deine Vatertreue erkennen. Ach GOtt! wenn ja etliche Undankbare sollten mit Schwelgerei und Undank deine Gaben verachten; ach; so entziehe uns deßwegen deinen Segen nicht, sondern erhalte uns denselben nach deiner Barmherzigkeit. O Vater! der du uns je und je geliebet, uns auch durch diese leiblichen Wohlthaten zu dir ziehest, daß wir aus den Gaben den Geber, und aus dem herrlichen Geschenke den Wohlthäter erkennen sollen; hilf, daß uns deine Güte möge zur Buße leiten, daß wir, wenn wir deine Gaben auf dem Tische vor uns sehen, in den Händen haben, und in den Mund nehmen, allezeit unsere Augen mögen aufheben zu dir, o du Brunnquell alles Segens! Und, wie du durch diese Gaben unsern Leib erhältst, ach! so laß uns auch an dem inwendigen Menschen, an Glauben, Liebe, Frömmigkeit durch deine dazu verordneten Gnadenmittel zunehmen, daß wir in dem Guten wachsen, und aus einer Klarheit zur andern gelangen, bis wir dermaleinst zum Genuß der himmlischen Güter in dem 541 Der andächtige Christ danket GOtt ewigen Leben durch Jesum Christum werden aufgenommen werden. GOttes Brünnlein hat getränket Und gefeuchtet unser Land; Was geschadet und gefränket, Hat GOtt mächtig abgewandt; Mond und Sterne, Sonnenschein Haben müssen kräftig sein, Daß die Erde Frucht gegeben, zu erhalten unser Leben, Weil dann, ehe wirs vermeinen, Auch die Ernte dieser Welt Endlich wird gewiß erscheinen, Da zu schicken hat bestellt JEsus seine Engelein, Ei, so laß uns Waizen sein, Den sie bei viel Jubiliren Zu des Himmels Frende führen. Amen. Gesang. 542 Mel. Nun lob, mein' Seel'! den Herren 2c. 1. Sieh, es ist Gottes Segen Mit großen Freuden eingebracht, Wie sollten wir deßwegen Auf Gottes Lob nicht sein bedacht? GOtt hat dies Jahr gesegnet it seinem großen Gut, und ist auf uns geregnet Des Segens reiche Fluth. Wie viel sind doch der Gaben, Die er uns zugewandt, Die wir empfangen haben, Aus seiner Baterhand. 2. Die Felder, Gärten, Wiesen, Hat man mit Freuden angeschaut; O Schöpfer! sei gespriesen, Du, du hast fie so schön gebaut! Sie waren recht beschweret Von Früchten überall, Gott hat sie uns verehret In Menge ohne Zahl; Da wir sie abgelesen, D große GOttes Gnad! Ist sie viel mehr gewesen, Als man gemeinet hat. 3. Die Menschen auf der Erden, Und was da lebt, das Vieh zugleich Kann nun gespeiset werden, So ist vom Segen alles reich; Des weisen Schöpfers Güte Giebt Jedem seine Speis', Darum soll das Gemüthe usbreiten GOttes Preis. So vielen Creaturen Zu schaffen Unterhalt Dies sind wahrhafte Spuren Der göttlichen Gewalt. 4. Ach! laß uns diesen Segen llnd das von Gott geschenkte Gut In Undant nicht anlegen Zur Wollust, Saufen, Uebermuth; GOtt kann ihn wieder nehmen Durch Fluch und böse Zeit, wenn wir uns nicht bequemen Zur wahren Frömmigkeit; Er war in GOttes Händen, und bleibet noch darein, Er kann ihn wieder Wenden, wenn wir boshaftig sein. nach eingesammelter Ernte. 543 5. Drum laßt uns dankbar werden, Je reichlicher wir find beschenkt; Gleichwie sich zu der Erden Das Haupt der vollen Aehren sentt, So lasset uns in Stille, In Demuth, Dankbarkeit Annchmen diese Fülle In dieser Gnadenzeit; Je mehr uns GOtt gegeben, Je mehr soll Herz und Mund Die große Gnad erheben Zu jeder Zeit und Stund. 6. Ja denk bei diesen Gaben, die wir empfangen in der Zeit, Was zu erwarten haben die Glaubigen in Ewigkeit; Was in dem Freudenleben Für reichen lleberfluß Uns GOtt wird ewig geben Zum seligen Genuß. Dieß lasset uns erwägen Hinfüro spät und früh, Damit auch dieser Segen Hinauf zu Gott uns zieh. Ein anderes. Mel. Zeuch ein zu deinen Thoren zc. 1. Die Ernt ist nun geschehen, Die Frucht ist eingebracht, Wir können alle sehen, Wie wohl uns GOtt bedacht, Der wunderbare Gott, Der, was da lebt, ernähret, Hat wiederum bescheeret, Was uns dies Jahr ist noth. 2. Betrachtet seine Wunder, Sprecht das hat GOtt gethan; Ein Jeder schau darunter Die schöne Gabe an, Und laßt uns fröhlich sein; Ja lobet, der uns liebet, Und sammelt, was er giebet, Mit Herzensfreude ein. 3. Der Himmel hat erhöret Die Erd zu seiner Zeit, Rein Unglück hat gestöret Des Feldes Fruchtbarkeit: Der Regen macht es weich, Die Sonnen- Wärme spielte, Des höchsten Hand erhielte, Und machte uns so reich. 4. Beschaut die Segensspuren An diesem Tag mit Fleiß, Für alle Creaturen Ist nun gewachsen Speiß; Der weise Schöpfer hat Der Creatur das Leben Und auch die Speis' gegeben, Aus lauter Lieb und Gnad. 5. Wie fromme Väter pflegen Für's Haus besorgt zu sein; So hast du auch den Segen Gelegt in Zukunft ein, Du bist die reiche Quell', Daraus viel Gaben fließen, Und welche sich ergießen Auf unsern Leib und Seel. 6. Doch wenn wir dich verlaffen, Und wenn wir haben satt, Mit diesen Gaben prassen, Die man in Händen hat, So ist es dir gar leicht, Den Vorrath zu vermindern, Daß von den bösen Kindern Gar aller Segen weicht. 7. Du füllest uns die Hände, D Gott! mit Uleberfluß, 544 Der glaubige Christ betet in Kriegszeiten. Allein zu solchem Ende, Damit in dem Genuß Wir loben, der uns liebt, Und daß wir in dem Essen Des Gebers nicht vergessen, Der alles reichlich giebt. 8. Gleichwie die Sichel fället Der hohen Ehren Pracht, Und sie besonders stellet In eine stille Nacht, So nimm ein Beiſpiel ab: So wird der Tod uns fällen, Und einstens zugesellen Den stillen in das Grab. 9. Ach! zieh uns von der Erden Durch diese Gab zu dir, Auf daß wir himmlisch werden Und bleiben fü: und für, So danken wir dir heut Für das, was wir empfangen, Und was noch zu erlangen Erwarten wir mit Freud. Der glaubige Christ betet in Kriegszeiten. Aufmunterung. Ach HErr sieh doch wie bange mir ist, daß mirs im Leibe davon wehe thut: mein Herz wallet mir in meinem Leibe, denn ich bin hochbetrübt. Draußen hat mich das Schwert, und im Hause hat mich der Tod zur Wittwe gemacht. Klagl. Jer. 1, v. 20. Der HErr hat seinen Bogen gespannt, wie ein Feind. Kap. 2, v. 4. Er hat vertilget alle Paläste. Kap. 2, v. 5. Es lagen in den Gaffen Knaben und Alte; meine Jungfrauen und Jünglinge sind durchs Schwert gefallen. Kap. 2, v. 21. Die drei Landplagen, womit der erzürnte GOtt ganze Länder u. Städte verheeret u. wüste macht, sind Krieg, Hunger und Pestilenz, Jerm. 14, 12. 24, 10., welche auch Gott David vorlegte, 1. Chron. 22, v. 12.: Krieg ist eine schwere Strafe; denn wenn GOtt seinen Schuß seinem Lande entziehet, so macht sich der Feind alsbald auf. Die Ursachen, warum GOtt ein Land mit Krieg und Verwüstung straft, sind unterschiedlich: 1) Ungehorsam, Jes. 1, v. 19. 20. 2) Wenn man nur nach seinen eigenen Lüsten lebt, und die Furcht. GOttes aus den Augen seßet. B. d. Richt. 4, v. 1. Kap. 6, v. 1. 3) Verachtung des göttlichen Worts, wenn man es entweder gar nicht höret, oder doch nicht darnach lebt, 3. B. Mose 2, v. 17. 4) Abgötterei, Richt. 2, v. 12-14. Es mag Der glaubige Christ betet in Kriegszeiten. 545 auf eine grobe oder subtile Weise geschehen, dahin die Ueppigkeit, Hurerei, Mord, unschuldig Blut, Unterdrückung der Fremden, Wittwen, Beraubung der Armen gehört. Wenn GOtt aber dem Schwert ruft, und den Frieden wegnimmt, Jer. 15, v. 6., so nimmt er auch die Kraft des Schwerts weg, Pſ. 89, v. 44., daß viele Völker und ein großes Kriegsheer keine Siege erhält; daher entstehet, daß sie müssen fliehen vor ihren Feinden, Ps. 44, v. 11. Darauf Zerstörung, Plünderung, Unterdrückung des Landes, und endlich Jammer und Elend folget. Gebet. Erzürnter GOtt! wir kommen allhier mit geängstetem Herzen und mit gebeugten Knieen vor dein allerheiligstes Angesicht, und bejammern das große Elend, worein wir durch unsere großen Sünden und deinen gerechten Zorn gekommen sind. HErr! HErr! wir wohnten unter deinem Schuß sicher; uns durfte kein Schwert schrecken, da du unserer Feinde Feind und unserer Widerwärtigen Widerwärtiger warest; wir giengen ruhig zu unsern Thoren aus und ein, und genoßen die Früchte des Landes ungestört; aber nun, o großer GOtt! hast du deinen Schuß u. Frieden von uns genommen, daher hat sich der Feind auf gemacht; er hat das Schwert gezücket; er drohet mit Verbrennen, Plündern, wo 35 546 Der glaubige Christ betet in Kriegszeiten. Städte zu verderben, und unser Land einzunehmen. Was sollen wir in solcher Angst sagen? Wir müssen gestehen, daß wir dieſe Strafe u. Ruthe der Züchtigung längstens verdienet haben; wir haben leider des Friedens und der guten Zeit mißbraucht; da wir sollten uns erbauen, und in deiner Furcht wandeln, dir dienen und gehorsam sein, so ist bei uns leider Entheiligung des Sabbaths, Mißbrauch deines heiligen Namens, Ungerechtigkeit, Sicherheit, Bosheit mit den abscheulichsten Lastern im Schwunge gegangen. Wir schämen uns, erzürnter GOtt! unsere Gräuel alle zu erzählen, die ohnedieß in den Himmel schreien; ach, barmherziger GOtt! gedenke doch nicht unſerer Miſsethaten, deren so viel sind, wie des Sandes am Meer, gedenke aber unser nach deiner großen Barmherzigkeit um deiner Güte willen. Wir liegen hier vor dir mit unserem Gebet, nicht auf unsere Gerechtigkeit, sondern auf deine Gnade und Barmherzigkeit. Wir haben gesündiget, Unrecht gethan, sind gottlos gewesen, und abtrünnig geworden, und von deinen Geboten gewichen. Ach! strafe uns nicht nach einem Zorn, und züchtige uns nicht in deinem Grimm. Wir fliehen zu dem Gnadenthron, zu JESU Christs, unserm eini Der glaubige Christ betet in Kriegszeiten. 547 gen Helfer und Fürbitter. Ach! siehe an ſein Blut und Wunden. Erbarmer, erbarme dich über uns! Willst du nach unsern Sünden und deiner Gerechtigkeit mit uns handeln, so wird der Feind uns vertilgen, verschlingen, verbrennen, überwältigen, und wird kein Errctter da sein. Mächtiger Schußherr des Elenden! stehe auf, daß Menschen nicht Oberhand kriegen. Du kannst uns rüsten mit Stärke zum Streit; du kannst unter uns werfen, die sich wider uns seßen. Auf dich stehet all' unser Vertrauen und unsere Hoffnung in dieser großen Noth. Wenn Menschen wider dich wüthen, so legest du Ehre ein. Ach GOtt! wie lange soll der Widerwärtige schmähen und der Feind deinen Namen lästern, als ob uns Niemand aus deiner Hand erretten könnte? Errette uns, GOtt unsers Heils! und vergieb uns unsere Sünden nm deines Namens willen. Nimm dem Feinde den Muth, vertreibe ihn, und wache über unser Land, unsere Häuser und Wohnung. Laß doch bald den Frieden blühen, und wende die Gefahr, darinnen wir schweben. HErr! dir gebührt die Ehre, daß du Schwerter zerbrichst, Spieße zerschlägest, und Wagen mit Feuer verbrennest. Erhöre das Schreien, oliebreicher GOtt! derer, diejezt 35* 548 Der glaubige Christ betet in Kriegszeiten. in Gefahr stecken, und in des Feindes Händen sind, und manche Schmach und Unbarmherzigkeit erdulden und ausstehen. Erbarme dich der Armen, der Wittwen, der alten und betagten Leute, der Kinder und Unmündigen, welche nicht entfliehen können. Mache des schädlichen Krieges ein baldiges Ende, und erhöre unser Gebet um deiner Güte und Barmherzigkeit willen. O großer GOtt voll Treu! Weil vor dir Niemand gilt, Als dein Sohn JEsus Christ, Der denen Zorn gestillt, So sich doch an die Wunden sein, Die große Angst und bitt're Bein, Um dessen Willen schone, Und nicht nach Werken lohne. Amen. Gefang. Mel. Ach was soll ich Sünder machen 2c. 1. Was für Jammer, was für Schrecken Bringet nicht die Kriegesnoth, Welche uns, erzürnter GOtt! So vom Sündenschlaf erwecken; Angst und Noth vermehret sich, Großer GOtt! erbarme dich. 2. Ach! das Schwert ist scharf geweßet, Welches uns erwürgen soll, Ja, der Feind des Zornes voll, Der sich ſchon das Ziel geſeget, Wie durch seine große Macht Alles werde umgebracht. 3. Städt' u. Länder steh'n verstöret, Es vergießet Menschenblut, Diese scharfe Kriegesfluth; Man erstaunet, wenn man höret, Wie die Unbarmherzigkeit Alten u. den Jungen dräut. 4. Alles stehet voller Jammer, Alles zittert, Alles weicht, Wer nur fliehen kann, der fleucht, Sogar die verborg'ne Kammer, Thäler, Wälder, Wüstenei, Sind von FeindesFurcht nicht frei. 5, Höre, wie die Armen weinen, Wenn man ihnen Alles nimmt, Und zur Knechtschaft sie bestimmt, Wenn die Feuerflammen scheinen; Man verheert, zerreißt, verbrennt, Daß man kaum den Ort mehr fennt. 6. O der schrecklichen Gerichte, Welche jetzt dein Zorn ausübt Gegen die, so dich betrübt! Alles macht der Feind Der glaubige Christ lobet und danket 2c. 549 zunichte, Wenn du nicht, o GOtt! aufwachst, Und zur Hülfe dich aufmachſt. 7. Ach! wir fallen dir zu Fuße, Rette uns aus dieſer Noth, Mächtiger HErr Zebaoth! Ach! wir thun von Herzen Buße; Schone, lieber Vater! schon', Sieh' uns an in deinem Sohn. 8. Dessen Blut sieh' an in Gnaden, Tilg damit die Missethat, Welche dich erzürnet hat; Laß den Feind uns nicht mehr schaden, Gieb ihm nimmermehr den Sieg, Großer GOtt! in diesem Krieg. 9. Ach! zerbrich des Feindes Waffen, Und nimm ihm den stolzen Muth, Räche das vergoß'ne Blut; Nimm weg die verdienten Strafen; Baue, was da liegt verheert, Richt' auf, was ist umgekehrt. 10. Laß den Feind bald von uns ziehen, Schließ des Jammers Pforte zu, Schent uns nach der Trübjal Ruh. Laß den edlen Frieden blühen, Bringe das verwüst'te Land Wiederum in guten Stand. 11. So soll, HErr! dein Lob erklingen; Es soll sagen Jedermann: Siehe, das hat GDit gethan; Und wir wollen fröhlich singen: Lobet GOttes Lieb und Gnad, Der dem Krieg gesteuert hat. 12. Ja, wir wollen hinjort leben In der wahren Frömmigkeit, Und dir jetzt und allezeit Unser Herz zum Opfer geben; Also soll nach bittrem Schrei'n, Unser Herz voll Rühmens sein. Der glaubige Christ lobet und danket GOtt nach erlangtem Frieden. Aufmunterung. Kommet her, und schauet an die Werke des HErrn, der auf Erden solch Zerstören anrichtet; der den Kriegern steuert in aller Welt; der den Bogen zerbricht, Spieße zerschlägt, Wagen mit Feuer verbrennet. Seid stille, und erkennet, daß ich Gott bin; ich will Ehre einlegen unter den Heiden; ich will Ehre einlegen auf Erden. Der HErr Zebaoth ist mit uns; der GOtt Jakob ist unser Schuh. Sela. Psalm 46, v. 9-12. Keine fröhlichere Botschaft kann nach einem blutigen und beschwerlichen Kriege erklingen, als diese: Es ist Friede! Da kommen die Geflüchteten wieder in ihre Häuser; die Verjagten haben Hoffnung, wieder zu den Ihrigen zu kommen; das Land selbst 550 Der glaubige Christ lobet und danket erholet sich, und grünet vor Freuden, weil es von des Feindis Fuß nicht mehr zertreten wird. Ein glaubiger Christ erkennet, daß diese Gabe von oben herabkomme, darum stimmen sein Herz und Mund zusammen. Er lobet GCit: 1) daß er dem Zerstören, Narben, Plündern, Würgen, Sengen, Brennen ein Ende gemacht, und daß die Einwohner des Landes von des Feindes Furcht und Gewalt befreiet sind. 2) Er danket GOtt, daß er bei diesem gefährlichen Kriege ihn und das Seinige beschüßet, und nicht zum Raube in die Hände des Feindes gegeben hat. 3) Er erkennet, wie der edle Frieden sei gleich der Sonne, die alles aufrichtet, wie ein Thau, der alles erquicket. 4) Gr bittet GOtt, er wolle den Frieden lassen dauerhaft werden, und allen Friedensstörern selbst wehren. 5) Er wendet die Friedenszeit nicht an zur Uleppigkeit u. Wollüsten, sondern dazu, in seinem Christenthum zuzunehmen, und seinem GOtt ungestört und ungehindert zu dienen. Gebet. HErr, HErr, gnädig, barmherzig und von großer Güte! hast du aus gerechtem Gerichte bisher den Frieden von unserem Lande weggenommen, weil wir der guten Tage und des Friedens mißbraucht haben, deßhalben ein blutiger Krieg entstanden; du haft die Feinde uns zur Strafe gerufen, die mußten das Schwert ausziehen, würgen, das Land verheeren, und uns mit lauter Furcht und Schrecken erfüllen. Ob wir nun wohl verdient, daß dieser Krieg uns gar verderbet GOtt nach erlangtem Frieden. 551 hätte, so hast du doch mitten im Zorn an Gnade gedacht, und hast den Königen und kriegenden Theilen Gedanken des Friedens gegeben, dafür wir dir herzlich und mit Freuden danken. Die Könige der Heerschaaren sind eins geworden; das Schwert muß auf deinen Befehl wiederum in die Scheide fahren; die Geflüchteten kommen wieder, und wir können aus unsern Thoren wiederum ruhig u. ohne Gefahr aus- und eingehen. Preise, Jerusalem! den Herrn; lobe Zion! deinen GOtt, denn er macht feste die Riegel deiner Thore; er segnet deine Kinder drinnen; er schaffet deinen Grenzen Frieden. Welch' ein herrliches Kleinod ist der Frieden, dessen sich das ganze Land erfreuet! Du erneuerst uns heute die gnädige Verheißung: Ihr sollt sicher in eurem Lande wohnen; ich will Frieden geben eurem Lande, daß ihr schlafet, und Niemand euch schrecke, und soll kein Schwert mehr durch euer Land gehen. Ach HErr! erhalte diesen Frieden beständig zu unsern Zeiten; erhebe über uns dein Antliß, und gieb uns den Frieden als ein herrliches Stück deines göttlichen Segens, den du auf dein Volk geleget hast. Laß unsern Friedensein wie einen Wasserstrom, der nimmer abnimmt, sondern beständig bleibet und quillet; denn du allein hältst Frieden 552 Der glaubige Christ lobet und danket 2c. nach deiner gewissen Zusage. Laß Gerechtigkeit und Frieden sich immer küsſen und Gerechtigkeit vom Himmel schauen. Gieb uns deinen heil. Geist, daß wir den edlen Frieden nicht mißbrauchen zur Ueppigkeit, Völlerei und Sicherheit, sondern vielmehr uns erbauen, und in der Furcht des Errn wandeln. Erquicke durch deinen Segen das verheerte Land; habe allezeit Gedanken des Friedens über uns. Laß uns am Ende unserer Tage im Frieden fahren, und in die Häuser des Friedens gesammelt werden. HErr GOtt! dich loben wir für deine großen Gnaden, Daß du das ganze Land von KriegesLast entladen, Daß du uns blühen läßst des güld'nen Friedens Zier, D'rum jauchze alles Volk: HErr GOtt, dich loben wir! Amen. Gesang. Mel. Nun lob, mein' Seel'! den HErren 2c. 1. Der Fried ist nun geschlossen, GDtt hat uns gnädiglich erhört, Kein Blut wird mehr vergossen, Kein Land u. Stadt wird mehr verstört; Das Schwert ist eingestecket, Die Bogen losgemacht, Kein Feind, der uns erschrecket, Da uns der Friede lacht; Darum soll heut vor allen Nach dieser Kriegesnoth Ein Freudenlied erschallen Dem HErren Zebaoth. 2. O Friede, theure Gabe! O edles Kleinod! das du bist, Dadurch nun uns're Habe Von neuem unser worden ist. Da GOtt dich uns gegeben, So giebt er uns zugleich Vergnügen, Segen, Leben, Ruh in dem ganzen Reich; Die streitenden Gemüther Sind nun zum Fried geneigt, Der treue Menschenhüter Hat uns die Gnad' erzeigt. 3. Die helle Friedenssonne Beleucht't die Länder weit und breit, Sie bringet Heil und Wonne, Darum ist Jedermann erfreut; Der Adersmann kehrt wieder zu seinem Der glaubige Christ betet, wenn GOtt mit 2c. 553 Ackerbau; Der Hirte spielet Lieder Auf seiner grünen Au; Die Schäflein waiden stille, Weil sie kein Feind mehr schreckt; Und nun des Segensfülle Das ganze Land bedeckt. 4. Gleichwie der Krieg zersplittert Das alles, was er nur erreicht, Daß Berg und Thal erzittert Und gleichsam von der Stelle weicht. So pflegt der Fried' zu heilen, Das was da liegt verheert, Und Samen auszutheilen Dem, was da ist, verstört; Man sieht mit Lusten bauen Die Häuser und das Feld, Der Himmel scheint zu thauen, Was unserm Geist gefällt. 5. Laß diesen Frieden dauern. O treuer Vater, lange Zeit, Daß wir in unsern Mauern nicht mehr erfahren Krieg und Streit; Ach habe stets Gedanken Des Friedens uns zu gut, Und halte in den Schranken Der Menschen Uebermuth; Nimm wegen uns'rer Sünden Uns nur den Frieden nicht, Und laß uns Gnade finden, Wenn schon dein Zorn anbricht. 6. Wir wollen nun vermeiden, Daß du uns diesen Frieden schenkst, Was dich und uns kann scheiden, O GOtt! und gnädig an uns denkst; Dich wollen wir verehren, Dich lieben, und allein Das Herze zu dir kehren, Und also dankbar sein. Wir sollen stets bekriegen Der Sünden Laster- Heer, Und alle Lust besiegen Zu unsers GOttes Ehr'. 7. Und da in diesen Tagen Der edle Friede also blüht, So laßt uns Alle sagen: Kommt, schaut des Allerhöchsten Güt'. Der hat dem Krieg gesteuert, Seht, das ist GOttes it, Den Frieden uns erneuert, D unverdiente Gnad'! Laßt Freuden- Lieder klingen Dem HErren Zebaoth, Und laßt uns fröhlich singen: Nun danket alle GOtt! Der glaubige Christ betet, wenn GOtt mit Thenrung und Hungersnoth das Land heimsucht. Aufmunterung. Du Menschenkind, siehe, ich will den Vorrath des Brodes zu Jerusalem wegnehmen, daß sie das Brod essen müssen nach dem Gewicht und mit Kummer, und das Wasser nach dem Maaß mit Kummer trinken. Hesek. 4, v. 16. Werden zahme und wilde Thiere mit Hunger gezüchtigt, daß sie etwas lernen, oder ihre wilde Art verlassen müssen, so pflegt GOtt eben solchen Zaum 554 Der glaubige Christ betet, wenn GOtt mit und Gebiß den Menschen in's Maul zu legen, wenn sie nicht zu ihm wollen. GC tt locket fie lange mit Wohlthaten, um sie damit zn sich zu ziehen; wenn fie aber durch solche Güte sich nicht lassen zur Buße leiten, so schicket er Hunger in's Land, entweder durch Mißwachs, oder Krieg, oder durch Theurung und Mangel, oder wenn er den Segen vom Brod wegnimmt, daß man isset u. nicht satt wird. Dieſe Strafe kommt gemeiniglich: 1) wenn die Menschen das Wort GOttes gering achten, und nur auf Wohlleben bedacht sind, Jef. 5, v. 13. 2) Wenn man fromme Leute und die Knechte GOttes verfolget, Jer. 11, v. 22. 3) Der Stimme der falschen Propheten gerne höret, Jer. 14, v.15.16. 4) Halsstarrig ist, Jer. 24, v. 10. 5) lingehorsam bleibt, Hej.5, v.16. 6) Wenn man Gewalt gegen Geringere verübt, 2. B. Sam. 21, v.1.2. Diese Hungersnoth bringet mit sich Armuth, Elend, Verschmachtung, daß Eltern ihre Kinder u. andere Dinge vor Hunger essen. 7) Wenn dazu noch der geistl. Hunger kommt, Amos 8, v. 11., so ist das Elend unaussprechlich. Gebet. Gerechter GOtt! der du einem jeden giebest nach seinen Werken, und läsfest Zorn, Trübsal und Angst kommen über die, so da Böses thun, wir kommen allhier vor dein allerheiligstes Angesicht, und schämen uns, daß wir uns dermaßen an dir versündiget, daß du uns mit Hunger zum Gebet und Gehorsam zwingen mußt. O wie reichlich hast du uns in den vorigen Jahren gespeiset! Wir haben Brods die Fülle gehabt, Theurung und Hungersnoth das Land heimsucht. 555 die Erde brachte uns die lieblichsten und schönsten Früchte. Diese Gaben nun hätten uns sollen als Liebessaile zu dir, dem reichen Geber, ziehen und zur Buße locken. Aber wie schändlich sind diese Güter zur Völlerei, zum Wohlleben, im Ueberfluß mißbraucht worden, so daß die Kreatur ſelbsten über uns hat geseufzet, daß sie von undankbaren Menschen mit undankbarem Herzen und Händen empfangen worden! Was ist's denn Wunder, daß ein fruchtbar Land nichts träget um der Sünden willen derer, die darinnen wohnen? Du strafest uns mit Theurung, Mangel, Dürre, daß die Erde ihre Früchte färglich giebet, daher die Theurung das Land drücket. HErr! höre das Schreien der Armen, die um's Brod bitten, und nicht satt werden. Nimm doch zu Herzen das Winseln der Kinder, das Klagen der Eltern, den Jammer, der in der Stadt und auf dem Lande alle Häuser erfüllet. Es scheinet, du habest den Segen von unserer Speise genommen; wir essen und werden nicht satt; wir nehmen viel Speise zu uns, und verschmachten faſt vor Hunger, und das Vieh, dieſe unvernünftige Kreatur, ruft um Futter zu ihrem Schöpfer. Ach HErr, HErr! gnädig, barmherzig, geduldig und von großer Güte, er 556 Der glaubige Christ betet, wenn GOtt mit barme dich über uns, kehre dich wieder mit deinem Segen zu uns, den du uns entzogen hast. Deine Brünnlein haben Wassers die Fülle, darum suche das Land heim, und wässere es; laß den Himmel die Erde erhören, und erhöre du uns selbst vor deinem Heiligthum. Laß die Theurung aufhören; wende dich wieder in Gnaden zu uns; sättige die Hungrigen; erfreue die Armen; segne unser weniges Brod, so wir nach dem Gewicht und mit Kummer täglich zu uns nehmen. Nun erkennen wir, daß wir nicht allein vom Brod leben können, sondern am meisten von dem Segenswort, das aus deinem Munde gehet, und dadurch du Kraft in unsere Speisen legest. Laß das Feld bald wieder mit Früchten erfüllet werden; vermehredas wenige Mehl, wie das der Wittwe zu Sarepta; laß den geringen Vorrath genug sein zur Erhaltung Vieler. Laß indessen dein Wort unsere Speise allweg sein, uns damit zu nähren, denn das ist unsers Herzens Trost, unser Honig und Honigseim; wir wollen dich für diese Gnade rühmen und preisen unser Lebenlang. Ach HErr! sieh' an die große Noth, Entzieh' uns nicht das liebe Brod, Schütt deinen Segen aus; Du bist ja uns're Zuversicht, D'rum bitten wir, verstoß uns nicht. Amen. Theurung und Hungersnoth das Land heimsucht. 557 Gesang. Mel. Zion klagt mit Angst und Schmerzen 2c. 1. Mit den scharfen Theurungsruthen Machst du, o erzürnter GOtt! Unser hartes Herze bluten. Ach! die bittre Hungersnoth Drohet uns den Untergang, Sie macht uns'rer Seele bang. Jammer hat uns ganz umgeben, Da wir solche Noth erleben. 2. Es ist fast nicht auszusprechen, Wie der Mangel alles drückt; Es möcht dem sein Herze brechen, Der die Thränenfluth erblickt, Welche diese Noth auspreßt, Darein GOtt uns sinken läßt. Schau, Erbarmer! auf die Armen, Vater denk an dein Erbarmen. 3. Mangel drücket Groß' und Kleine, Unser Vorrath ist dahin; Mangel schwächt uns Mark und Beine, Mangel quält uns immerhin; Mangel ruft der Arme aus; Mangel ist in's Reichen Haus; Mangel hat uns aufgerieben, Daß uns nichts ist übrig blieben. 4. Ach! das machen uns're Sünden, Diese steigen Himmel an, Daß man keine Hülf' kann finden, Die dem Mangel steuern kann: Frechheit und Halsstarrigkeit Bringt uns dieses Herzeleid; Ungehorsam und Wohlleben müssen diesen Lohn uns geben. 5. Schaue, wie die Kinder jammern, Ach! wir sind ja noch nicht satt; Auf dem Feld und in den Kammern Liegen viel vor Hunger matt. Dort sieht man viel Arme steh'n, Die um Brod und Hülfe fleh'n; Ja, man hört das Vieh auch brüllen, Es will seinen Hunger stillen. 6. HErr! du hast hinweggenommen Deinen Segen von dem Brod, Und ach! daher ist gekommen Diese Theurung, diese Noth; Uns're Speise sättigt nicht, Welch ein schreckliches Gericht! Hunger bleibt auch in dem Essen, Und der Speis' ist bald vergessen. 7. HErr, wir fallen vor dir nieder, Rette uns aus dieser Last; Gieb uns deinen Segen wieder, Den du uns genommen hast! Laß die Necker wieder blühn Nach dem Säen und Bemühn; Laß sie reiche Früchte bringen, Laß den Segen zu uns dringen. 8. Speis' uns nur mit deinem Worte, Weun es uns an Brod gebricht; Wenn wir klopfen an die Pforte, Vater! so verstoß' uns nicht; Dieses wahre Lebens- Brod Stärke uns in dieser Noth: Auf den fetten Seelenwaiden. Ift leicht leiblich Hunger leiden. 558 Der glaubige Christ betet in Bestzeiten. 9. Laß uns wieder Gnade finden, Laß durch deine Segensfluth Ciese Theurungsnoth verschwinden, So wird alles wieder gut; Dann soll unser Herz und Mund Alle Tag und alle Stund' Sprechen: GOit hat Brod und Leben Uns aus Gnaden wieder geben. Der glaubige Christ betet in Bestzeiten. Aufmunterung. Wenn du der Stimme des HErrn, deines GOttes, nicht gehorchen wirst, so werden alle Flüche über dich kommen. Der HErr wird dir die Sterbedrüsen anhänçen, bis er dich vertilge. Der HErr wird dich schlagen mit Geschwulst, Fieber, Hize. Brunst, Dürre, giftiger Luft und Gelbsucht, und wird dich verfolgen, bis er dich umbringe. 5. 3. Moj. 28, p. 15. 21. 22. Wenn über die, welche Böses thun, Zorn, Trübsal u. Angst soll kommen, Röm. 2, v. 8. 9., jo gehören zu solcher Angst allerdings ansteckende Krankheiten u. die Best. Diese Plage fommt mehrentheils: 1) Wenn die Menschen dem Worte der Warnung u. Ermahnung keinen Glauben beiwiessen, 4.B. Dios. 14, v. 12. 2) Wenn man GOtt nur äußerlich u. nicht von Herzen dienet, Jer. 14, v. 12. 3) GCtt gar durch Ungehorsam aus den Augen sebet, Jer. 24, v. 18. ap. 27, 10. 4) Die Diener GOttes verlachet, Jer. 29, b. 17. 18. 5) Wenn das Volk frech und unbändig wird, Hesek. 12, v. 19. 6) Wenn Hurerei und Mord im Schwunge gehet, Hesef. 33, v. 26. 27. 7) Wenn feine Bußermahmungen mehr angenommen werden, Amos 4, v. 10. 8) Um Ehebruchs willen, 4. V. Moi. 35, v. 9. 9) Um Gotteslästerung willen, 2. B. d. Kön. 19, d. 35. 10) Um Hochmuth, 2. Sam. 24, v. 25., und um andere Sünden willen. Wo um diese Strafe einreißet, da ist nothwendig, daß man Buße thue, weil doch der HErr nach seiner Barmherzigkeit sich erbitten läßt; deßwegen auch David unter den dreien Plagen lieber diese erwählte. Der glaubige Christ betet in Pestzeiten. 559 Gebet. Starker und allmächtiger GOtt! groß iſt dein Zorn gegen die muthwilligen Sünder, welche sich durch deine Wohlthaten nicht lassen zur Buße leiten; du handelst eine Zeitlang mit den Menschen- Kindern als ein liebreicher Vater, der die Ungehorsamen mit vielem Verschonen zu sich locket, nachher aber, wenn sie deine Gnade auf Muthwillen ziehen, so beweisest du dich auch als ein strenger Richter; dieses erfahren wir jezt auch, gerechter GOtt! wir hören, daß an vielen Orten sich eine ansteckende Senche hervorthue, welche viele tausend Menschen dahin rafft, so daß faſt in jedem Hause Todte sind, und sich nicht Hände genug finden, sie zu begraben. Dieß macht dein Zorn, daß sie so verderben und dein Grimm, daß sie so plößlich dahin müssen. Haben wir nicht hohe Ursache zu befürchten, du werdest auch das um sich reißende llebel in unsere Grenzen und in unsere Stadt schicken? Wir dürfen, o eifriger G2tt! gar nicht meinen, daß jene allein Sünder vor andern sind, welche du die scharfe Ruthe läsfest empfinden; wir müssen vielmehr befennen, daß wir werth sind, alle also umzukommen, wie jene. Es findet sich bei uns Sicherheit, Vrachtung 560 Der glaubige Christ betet in Pestzeiten. deines heil. Worts, Halsstarrigkeit, Ueppigkeit, Hurerei, Ungerechtigkeit, Wollust, Stolz, ja es ist fast keine Furcht GOttes im Lande; die Heiligen haben abgenommen, und der Glaubigen sind wenig unter den Menschen. Willst du uns Sünde zurechnen, HErr! wer wird vor dir bestehen? Ach, HErr! HErr! wir halten dir vor dein Wort: Ihr sollt mein Antlig suchen; darum suchen wir auch, HErr! dein Antliz; du willst nicht den Tod des Sünders, sondern daß er sich befehre und lebe; darum schuldigen wir uns, und thun Buße im Staub und in der Asche. Sieh' nicht an uns're Sünden groß, sprich uns derselben in Gnaden los, steh' uns in unserm Elend bei, und mach' uns aller Strafen frei. Wir haben gesündiget mit unsern Vätern! wir haben nicht recht gehandelt, und sind gottlos gewesen. Befiehl doch dem Würgengel, der das Racheschwert führet, daß er ablasse, und sage, es sei genug. Laß uns leben, so wollen wir deinen Namen rühmen. Sind wir keiner Gnade werth, so sind wir ihrer doch bedürftig; sind wir alle Kinder des Todes, so hast du doch den Bußfertigen verheißen: du wollest Gnade vor Recht ergehen lassen. O schenke uns deine Gnade Der glaubige Christ betet in Pestzeiten. 561 und das Leben um JEsu, unsers einigen Mittlers und Fürsprechers willen! Erbarme dich, erbarme dich, GOtt unser Erbarmer, über uns! sei uns gnädig, verschone unser, lieber HErr, sei uns gnädig, hilf uns, lieber HErre GOtt! Erbarme der Armen und Elenden, welche durch die heftige Seuche sind angegriffen, und die Hunger und Kummer leiden müssen, aller Pflege beraubet, und von allen Menschen verlassen sind; stehe ihnen mit Trost bei und dein Geist gebe Zeugniß ihrem Geist, daß sie Kinder GOttes sind, ob sie gleich an dieser Plage sterben mußten. Ach HErr! erhöre unser Gebet, schüße unser Vaterland, so wollen wir sagen: Der HErr hat Großes an uns gethan; ja, du kannst erretten alle, die zu dir treten. Ach, HErr GOtt! durch die Treue dein, Mit Trost und Rettung uns erschein; Beweis' an uns dein' große Gnad', Und straf' uns nicht auf frischer That; Wohn uns mit deiner Güte bei, Dein Zorn und Grimm fern von uns sei. Amen. Gesang. Mel. Wenn mein Stündlein vorhanden ist 2c. 1. Welch' große Angst und Herzeleid Läßt uns GOtt jest erleben, Da wir in dieser Jammerszeit In Todesnöthen schweben, und fast, o schreckliches Gericht! Vor des Würgengels Angesicht Erzittern und erbeben. 2. In mancher Stadt, in manchem Land Hört man von lauter Leichen; Kaum liegt der eine in dem Sand, Muß 562 Der glaubige Christ betet in Pestzeiten. dieser auch erbleichen! Die Todten liegen überall, Von Alten, Jungen, ihre Zahl 3st fast nicht zu erreichen. 3. Dort stirbt ein Armer und verschmacht, Das Haus ist schon beschrien, Ein jeder ist darauf bedacht, Der Seuch sich zu entziehen; Ein anderer stirbt in Hungersnoth Ohn' alle Pfleg nnd kann dem Tod Unmöglich mehr entfliehen. 4. Gerechter GOtt! dieß läsfest du Uns hören und auch sehen, Und sprichst dabei: kommt, sehet zu, So soll es euch auch gehen, Wenn ihr von eurer Missethat, Die mich zum Zorn gereizet hat Nicht werdet bald abstehen. 5. Ach ja! die große Sicherheit Kann niemand fast beschreiben, Man weiß von keiner Frömmigkeit, Ein jeder läßt sich treiben Von Lügen, Trügen, Schwelgerei, Verachtung GOttes, Heuchelei, Und also will man bleiben. 6. Willst du nach uns'rem Sündenmaß Die scharfe Ruthe binden, Und uns're Bosheit Neid und Haß, Sammt andern schweren Sünden Bestrafen mit der Seuch und Pest, Davon du uns viel hören läßt, Ach! wer wird Gnade finden? 7. D GOtt! wir fallen dir zu Fuß. Ach Vater! schone, schone, Wir thun mit Thränen herzlich Buß Vor deinem Gnadenthrone; Gedenke nicht, was wir gethan, Und siehe uns in Gnaden an, Jn Christo, deinem Sohne. F 8. In JEsu Wunden wollen wir Im Glauben uns einhüllen, Wir bringen hier sein Blut vor dir; Um dieses Blutes Willen Wirst du uns Armen gnädig sein, Dieß heiße Blut kann doch allein Die Zornesfluthen stillen. 9. Verleih' uns doch gesunde Luft Und schenke uns das Leben; Vertreis den gift'gen Pestesduft; Wirst du uns dieses geben, So sollen Herze, Geist und Mund Dir Lob und Ruhm zu jeder Stund Mit tausend Dank erheben. Register der Gebete Erster Theil. Für Gesunde. Der glaubige Christ bereitet sich zum GOttesdienst Morgengebet am Sonntag bringet den Sonntag andächtig hin erwäget den dreifachen Sabbath Abendgebet am Sonntag. danket GOtt nach angehörtem göttlichen Worte Morgengebet am Montag bittet um Segen im Anfang der Woche. bittet um zeitlichen, geistlichen und ewigen Segen ♦ Abendgebet am Montag danket GOtt für seine Gesundheit. Morgengebet am Dienstag ♦ • freuet sich seiner Wiedergeburt. bittet um Erhaltung des Glaubens ● ✦ Abendgebet am Dienstag bittet GOtt wolle sein Herz heiligen ♦ ♦ Morgengebet am Mittwoch bittet, GOtt wolle ihn von der Welt bittet, GOtt wolle ihn regieren und leiten Abendgebet am Mittwoch bittet um wahre Liebe zu GOtt Morgengebet am Donnerstag bittet um Liebe zu dem Nächsten will JEsu nachfolgen Abendgebet am Donnerstag ♦ ♦ 36* 3 9 13 . 18 22 + • 9 • Seite 25 31 33 38 42 46 50 53 57 61 64 68 70 74 78 81 85 88 € 93 97 564 Register der Gebete. Der glaubige Christ erkennet, daß GOtt das höchste Gut ſei Morgengebet am Freitag bittet um Demuth. bittet um Sanftmuth Abendgebet am Freitag bittet um den heiligen Geist Morgengebet am Sonnabend erkennet die immerwährende Güte GOttes erwäget die künftige Herrlichkeit Abendgebet am Sonnabend danket GOtt am Ende der Woche beichtet und bittet GOtt seine Sünden ab. Ein anderes Beicht- Gebet . bittet GOtt um Kraft wider die Sünde. will sich GOtt zum Opfer geben betet vor dem heiligen Abendmahl betet bei dem Genuß des heil. Abendmahls betet ein weiteres Abendmahls- Gebet. betet nach dem heiligen Abendmahl bittet um Frömmigkeit betet bei entstandenem Gewitter betet ein anderes Wetter- Gebet betet ein weiteres Wetter- Gebet betet nach dem Gewitter betet auf der Reise betet um ein unverleßt Gewissen ♦ Glaubige Eltern tragen ihre Kinder GOtt. Fromme Kinder beten für ihre Eltern Der glaubige Christ ♦ ♦ Der Betrübte tröstet sich der Almacht GOttes ! ♦ ♦ ● ♦ Zweiter Theil. Für Betrübte. ♦ 99 102 105 110 115 118 122 125 129 133 136 140 143 145 149 153 154 157 160 161 165 . 172 . • ♦ ● ♦ Seite ● ♦ 177 183 185 186 187 193 201 Register der Gebete. Der Betrübte tröstet sich der Liebe GOttes tröstet sich der Hülfe GOttes tröstet sich der Barmherzigkeit GOttes erwäget die göttlichen Verheißungen erwäget die Absicht GOttes im Kreuz bittet um Geduld und Stärke. bittet um Abnehmung der Trübjal erwäget den fröhlichen Ausgang des Kreuzes Betrübte Wittwen schütten ihr Herz vor Verlassene Waisen klagen GOtt ihre Noth Der Betrübte klaget über die Schwachheit seines Glaubens klaget über gotteslästerliche Gedanken Dritter Theil. Für Kranke. Morgengebet eines Kranken Abendgebet eines Kranken Der Kranke bittet GOtt um Geduld. bittet um GOttes Beistand erkennet, daß er ein Mensch und sterblich ergibt sich GOttes Willen, zu leben. erkennet, daß Kreuz und Trübsal von GOtt erkennet den Nußen der Krankheit einigen GOttes. will sein Leiden ohne Murren tragen schickt sich zum Genuß des heil. Abendmahls bittet um Vergebung der Sünden betet vor dem Genuß des heil. Abendmahls betet nach dem Genuß des heil. Abendmahls . ♦ ♦ ♦ . 275 280 283 288 292 296 feßt sein Vertrauen auf die göttliche Allmacht. 301 erinnert sich seines Taufbundes 305 gründet sich auf die Wohlthaten des drei● ♦ 565 Seite 205 209 213 217 221 225 229 234 238 244 249 254 264 270 309 314 318 321 325 330 566 Register der Gebete. Der Kranke betet, wenn er Arznei gebraucht. bittet um Linderung der Schmerzen seufzet, Gott wolle ihn nicht verlassen erinnert sich seines Todes betrachtet sein Grab und Auferstehung danket GOtt nach erlangter Gesundheit Sprüche und Seufzer zum Nachdenken deren, welche frank gewesen und gesund geworden find Vierter Theil. Für Sterbende. Der Sterbende stellt sich vor das göttliche Gericht verzeihet und bittet um Verzeihung nimmt Abschied und gibt den Seinigen den Segen befiehlt sich GOtt. stellt eine Himmels- Betrachtung an erwäget die Verheißungen GOttes betrachtet die Himmels- Freude tröstet sich des Beistandes des dreieinigen GOttes will auf JEsum Christum sterben. bittet um ein seliges Ende Gebet der Umstehenden für Sterbende Seufzer und Gebete eines Sterbenden ♦ ♦ + Die Umstehenden rufen dem Sterbendem zu Segens- Wunsch über einen Sterbenden Gebet der Umstehenden, wenn der Sterbende verschieden ist ♦ 335 339 343 347 352 25 357 + ♦ ● Seite ♦ 363 373 378 382 387 391 396 399 404 408 412 417 445 463 464 464 Register der Festandachten. Der andächtige Christ betrachtet Christi Ankunft im Fleisch betrachtet die Geburt JEfu Chrifti betet am Beschluß des Jahres betet im Anfang des Jahres betrachtet das Leiden JEsu Christi erwäget Christi Todestag( Charfreitag freuet sich über Christi Auferstehung. betrachtet Christi Himmelfahrt 466 47L 477 483 489 495 501 508 erwäget die Ausgießung des heil. Geistes. 514 erwäget das Geheimniß der heil. Dreieinigkeit. betrachtet am Michaelis- Fest den Schuß der heiligen Engel lobt GOtt an dem wieder erlebten Geburtstage danket GOtt nach eingesammelter Ernte Der glaubige Christ ♦ betet in Kriegs- Zeiten Lobet GOtt nach erlangtem Frieden betet, wenn GOtt mit Theurung und Hungersnoth das Land heimsucht. betet in Pestzeiten ● Register der Gesänge. Ach, daß sich doch GOttes Liebe Ach! geh' nicht in's Gericht Ach HErr! stärke meinen Glauben Ach! komm doch in mein Herze 567 Seite 520 526 532 537 544 549 553 558 84 142 61 122 568 Register der Gesänge. Ach, mein GOtt! hilf mir doch Ach! wie lang soll ich noch kämpfen Ach! wo ist nun mein GOtt. Aufgelöset bald zu werden Das Pfingstfest freuet mich Demuth ist die schönste Tugend . ● Der Engel güld'nes Heer Der Fried' ist nun geschlossen Der Sonntag ist des HErren Tag Die Ernt' ist nun geschehen Die Nacht ist nun vergangen Dies ist der liebe Tag Du hast, o großer GOtt Du willst, o lieber Christ! dich dieser Ein GOttes- Kind zu sein Es bricht der Sabbath an Es stirbt mein bester Freund Geht dir's wohl nach deinem Leiden GOttes Liebe, Gnad und Güte GOtt Lob! das ueue Jahr tritt ein GOtt! wir hören deine Stimme ♦ Hat dir dein GOtt ein Kreuz Hat mich denn GOtt gar verlassen Hier ist gut sein, also sagen Hier ist Immanuel Ich armer Sünder komme wieder Ich bin getauft, ich steh' im Bunde Ich freue mich auf meinen Tod Ich gebe mich in GOttes Willen Ich glaub an GOtt, von dem wir Ich klage dir, o GOtt Ich lege mich in JEsu Wunden Ich liege hier vor dir. • ♦ " Seite 342 = 278 204 416 519 109 531 552 17 543 12 536 170 73 295 21 493 50 128 488 182 317 212 395 470 325 308 407 224 525 260 24 261 Register der Gesänge. Ich scheue mich nicht vor dem Grabe Ich sterbe gern, warum sollt ich. Ich trage mein Kreuz nicht alleine Ich will anjeßo mich Ich will die neue Woch' ♦ Ich will Jedermann verzeihen Ich will mich nach der Ruh' umseh'n Ich will mit frohem Muth Ich will, o großer GOtt Ich will von der Welt ausgehen Ich will, was JEsus will JEsus bleibet meine Freude JEsus fähret auf gen Himmel JEsus lebt, deß freu ich mich Ihr Todten stehet auf Ihr Waisen weinet nicht Ihr Wittwen seit getrost In GOtt bin ich immer fröhlich Ist denn die Liebe gar Ist GOtt für mich Ist mein Gewissen frei Kommt, laßt uns Christi Todestag Krankheit, Leiden, Angst nnd Schmerzen Lasset doch den weisen GOtt Mein allergrößter Fleiß auf Erden Mein GOtt! ich habe noch das Leben Mein GOtt! ich bin von Haus gegangen Mein GOtt! ich bin in fremden Landen Mein GOtt! laß mich den Wunsch. Mein GOtt! verlaß mich nicht Mein GOtt! verzieh' doch nicht Mein JEsu sei gepreiſet Mein Stündlein nahet sich herzu ♦ ♦ ● ♦ ● 569 Seite 356 399 347 320 37 381 274 412 176 149 291 96 513 506 377 249 243 102 92 313 197 500 300 304 164 390 191 192 153 283 228 159 386 570 Register der Gesänge. Mein Vater! denk an mich Mich soll kein Kreuz von GOtt abtreiben Mit den scharfen Theurungsruthen. Nun die Woche ist verflossen. Nun ist meine Seel gespeiset O allerliebstes Seelen- Pfand. DJEsu! meiner Seele Licht O welch ein Freuden- Fest Schauet doch das bitt're Leiden Sieh' doch, wie mein Feind mich schmähet Sieh', es ist alles mir Sieh', es ist GOttes Segen Soll ohn' die Heiligung Unter meinem Schmerz und Weinen ♦ Vater! gieb mir auch die Gabe Wann kommt mein JEsus doch Wann wird GOttes Stunde kommen Wann wird mich mein GOtt erhören Was für Jammer, was für Schrecken Was soll ich Sünder nun anfangen Weichet, weichet nur von mir Welch' große Angst und Herzeleid Welch' süße Himmels- Freude Wer da will als ein frommer Christ Wer GOttes Wort anhört Wer in Kreuz und Trübsal stecket Wer nicht wieder ist geboren Wie ist mein Herz erfreut Wie kann ich g'nugsam preisen Wie lieblich ist dein Wort Wie sind wir so gar nichts Wohl dem, der GOtt vertraut • ● ♦ + ◆ ◆ ● Seite 42 208 557 139 334 330 157 476 494 114 132 542 67 269 78 237 220 233 548 145 262 561 403 361 30 338 56 482 362 8 287 216 Tägliches Gebet- Büchlein für Schwangere, Gebährende und Sechswöchnerinnen: enthaltend Morgen- und Abendgebete, Aufmunterungen, Troftund Erquicungs- Andachten und Gefänge, sowie auch Sprüche, Seufzer und Gebete, welche in Nöthen zu sprechen und vorzusprechen find. Für Anfruchtbare Erinnerungs- und Trostgebete und Gesänge. Zur Ehre GOttes und Erbauung der Christlichen Gemeinde herausgegeben ( als den 5ten und 6ten Theil des täglichen Handbuchs) von Johann Friedrich Starck, evangelischen Brediger zu Frankfurt am Main. 66666se Ducherow. Verlag des Bugenhagen Stiftes. Vorrede an den geneigten und GOtt liebenden Leser. Ist je ein Werk, an welchem man Gottes Allmacht und Weisheit augenscheinlich erkennen kann, so ist es die Empfängniß, das Heranwachsen und die Erhaltung eines Kindes im Mutterleibe, und sodann die Geburt desselben. Hier mag die wahre Vernunft fragen und grübeln: Wie geht dies zu? und sie wird doch nichts davon zu sagen wissen, wenn sie nicht mit der heiligen Schrift reden will, welche alle Ehre, allen Ruhm, alle Weisheit und Macht GOtt allein zuschreibt; und also thut GOtt alle Tage neue, herrliche, uns unbegreifliche Wunderwerke, wenn er ein Kind im Verborgenen bildet, erhält, ihm Leib und Leben giebt, ſodann die verschlossenen Bande öffnet, und es an's Licht bringt; ja, auch nachher ihm zum Besten in der Mutter Natur so wirkt, daß ihre Speise und ihr Trank nun nicht allein in Blut, sondern auch in süße Milch verwandelt wird. Wenn David die Seele in heiliger Betrachtung vorstellt, so dankt er GOtt dafür, wenn er spricht: Ich danke dir dafür, daß ich wunderbarlich gemacht bin. Wunderbarlich sind deine Werke und das erkennet meine Seele wohl. Es waren dir meine Gebeine nicht verborgen, da ich im Verborgenen gemacht ward, da ich gebildet ward unten in der Erden; Psalm 139, v. 14. 15. Freilich macht der wunderbare GOtt alles 1* Vorrede. wunderbarlich über alles, was wir wissen und verstehen. Wenn Hiob dieses göttliche Werk der Erschaffung und Bildung des Menschen erwägt, so spricht er: Deine Hände haben mich gearbeitet und gemacht alles, was ich um und bei mir habe. Gedenke doch, daß du mich aus Leimen gemacht hast. Hast du mich nicht wie Milch gemolken, und wie Käse lassen gerinnen; du hast mir Haut und Fleisch angezogen, mit Beinen und Adern hast du mich zusammengefügt, Leben und Wohlthat hast du an mir gethan, und dein Aufsehen bewahret meinen Odem. Hiob 10, v. 10. 11. 12. Wenn wir diese und andere Stellen der heiligen Schrift erwägen, so bleibt auch in diesem Werk GOtt ein verborgener GOtt, der etwas aus Nichts macht, er stellt es dem Menschen zur Betrachtung und zur Verwunderung dar, damit er daraus GOttes Allmacht und Weisheit lerne. 4 : Beweist aber GOtt seine Weisheit und Allmacht in der Bildung des Menschen im Verborgenen, so leuchtet dieselbe noch herrlicher in der Geburt hervor: denn die kann kein Mensch befördern und glücklich machen, als Gott allein. Wenn derselbe aufschließt, so kann Niemand zuthun; und wenn derselbe zuschließt, so kann Niemand aufthun. Deßhalb ist auch bei der Geburt eines Menschen alle Kunst, aller Vorwiß und alle Uebereilung gefährlich, denn hier muß in Geduld und mit Geduld die Stunde GOttes erwartet werden, bis es GOtt gefällt, die Bande zu öffnen, und das im Verborgenen bereitete, schön gebildete Meisterwerk seiner Hand vor der Menschen Augen zu legen, wie auch Vorrede. 5 David die Geburt des Menschen GOtt allein zuschreibt, Psalm 22. v. 10. Wenn der geistreiche Herr Scriver dieſes Werk GOttes bei der Geburt und vorhergegangener Schöpfung und Bildung der Menschen erwägt, so führt er folgende schöne Worte an:„ Die größten Künstler, Maler, Bildhauer, Uhrenmacher verbergen ihre Arbeit, und pflegen sie, wenn sie dieselbe an einem öffentlichen Ort verfertigen müssen, mit Decken und Umhängen zu umgeben, bis sie dieselbe völlig verfertigt haben, alsdann stellen sie selbige Jedermann zu beschauen dar. Also wenn ich auf Menschen- Weise von ihm reden mag, macht es auch unser GOtt, der Künstler über alle Künstler; er bearbeitet den Menschen im Verborgenen des Mutterleibs, und verdeckt solche seine Arbeit dergestalt, daß kein menschliches Auge ihm zusehen, noch sie selbst, welche die Werkstätte ist, es wissen kann, wie es damit zugeht. Sie vernimmt und empfindet wohl, daß der große Baumeister in ihr ein großes Werk angefangen hat! wie er aber damit verfährt, das kann nicht begreifen. Der menschliche Verstand forscht zwar fleißig, und muthmaßt, so gut er kann, wie es damit zugeht; er muß aber endlich selbst gestehen, daß er wenig oder wohl nichts davon errathen kann, zumal die Gelehrten sich noch nicht haben darüber vergleichen können, wie die Frucht im Mutterleibe ernährt wird, wie sie Athem holt, welches das erste oder lette von den Gliedern ist, wie und wann sie beseelt wird, und dergleichen. Wenn aber nun das lebendige und edle Kunstbild vollendet ist, so bringt es sein Meister an's Vorrede. Licht, und stellt es zur Verwunderung auf eine solche Weise dar, daß, wenn es nicht zu oft geschehe, aller menschliche Wiß darüber erstaunen würde." 6 Es geht aber mit diesem Werke des großen GOttes wie mit andern göttlichen Werken und Wohlthaten, weil sie alle Tage geschehen, so achtet man sie gering, da uns doch deren Betrachtung zu GOtt erheben sollte, so daß man jetzt faſt nicht einmal mehr GOtt bei der Geburt eines Menschen preist, sondern es heißt mehrentheils: die Frau liegt im Kindbett! sie hat wieder ein Kind geboren, und was dergleichen kurze verächtliche Redensarten mehr sind. Gewiß, wenn alle 25 Jahre der mit goldenen Sternen gezierte Himmel mur einmal erschiene, wie würden wir nicht in der Nacht, wo solches vorgienge, wachen, die Herrlichkeit betrachten, unsere Hände und Herz zu Gott erheben, und uns freuen, GOtt loben und preisen; so aber, da es öfters geschieht, denktfast Niemand an GOtt. Eben so geht es auch mit der Geringachtung der Werke GOttes in der Hervorbringung eines Menschen zu. Daher hat auch Luther nicht unrecht gemeint, wenn er sagt: ,, Wenn GOtt seine Gaben auszutheilen und zu geben färger wäre, so würden wir ihm viel dankbarer sein. Wenn er einen Menschen nur ließe mit einem Bein oder Fuß geboren werden, und gäbe ihm hernach im siebenten Jahr das andere Bein, im vierzehnten Jahre erst eine Hand, und im zwanzigsten die andere, so würden wir GOttes Gaben und Wohlthaten besser erkennen, auch viel lieber und werther haben. So Luther." Gottesfürchtige Ehefrauen und wahre Christen preisen GOtt, wenn sie von der Geburt eines Kin Vorrede. 7 des hören; sie beten und seufzen, wenn sie vernehmen, daß eine Person in solchem Werke begriffen ist, weil sie wissen, daß ohne GOttes Gnade, Hülfe und Beistand kein Kind geboren werden kann. Ja, man sieht es zuweilen, wenn GOtt seine Hand ein wenig zurückhält, wenn er sein Angesicht verbirgt, seine Hülfe verzeucht, wie die Noth so groß ist, und wie die Umstehenden erblassen, zu GOtt rufen und sagen: Hier kann kein Mensch helfen; hier muß GOtt helfen. Als ich denn nun vor drei Jahren ein tägliches Handbuch für Gesunde, Betrübte, Kranke und Sterbende herausgegeben habe, so ist mir bald hernach von Angehörigen des weiblichen Geschlechts mitgetheilt worden, daß ich des Zustandes der Schwangern, Gebärenden und Kindbetterinnen nicht gedacht habe, da doch dieselben auch Trost und Unterricht nöthig haben; und gewiß ist es daher, daß bei diesen Umständen das Gebet und Rufen zu GOtt eines der heilsamsten Mittel zu einer glücklichen Geburt ist. Denn fangt die Schwangerschaft an, so muß ja um Abwendung der Gefahren, des Schadens und um Verleihung des göttliches Beistandes gebeten werden. Nahen sich die Nöthen herbei, so ist das Gebet und Flehen zu GOtt der beste Anker, an dem sich die durch Schmerzensfluthen geängsteten Seelen halten. Ist die Entbindung geschehen, und man tritt in das Wochenbett, wer wollte des Gebets, der Fürbitte und Danksagung vergessen? Auf diesen dreifachen Stand ist nun dieses Gebetbüchlein eingerichtet, in welchem die Aufmunterungen den Ehefrauen nüßliche Erinnerungen mittheilen, das Gebet ihr Anliegen GOtt vorträgt, sondann ein Gesang die Andacht beschließt. Zu den Sprüchen und Vorrede. Gebeten habe ich auch diejenigen angeführt, welche mir von einigen christlichen Frauen zur Hand gegeben worden sind, und die sie in dergleichen Fällen für erbaulich und erquickend schön gefunden haben. Da aber der Ehestand einiger Personen unfruchtbar ist, welche also dieser Gebete und Unterricht nicht bedürfen, so haben ich auch den Unfruchtbaren zu Gefallen eine Erinnerung und einen Trost sammt einem Gebet und Gesang angehängt, damit sie anch in diesem Fall GOttes Willen sich ergeben, in GOtt sich erfreuen, und auch in diesem Stand im Vertrauen und in Zuversicht auf die göttliche Liebe Gnade und Hülfe erhalten mögen. Du aber, o heiliger, starker GOtt! sei der Schwangern Beistand, der Gebärenden Helfer, der Sechswöchnerinnen Schußherr, der Unfruchtbaren Trost und Zuversicht. Erquicke die Schwangern durch deine Stärke, erhalte sie durch eine fröhliche Entbindung, und schenke ihnen einen fröhlichen Anblick ihres geliebten Pfandes. Beschüße die Sechswöchnerinnen nach deiner Treue, bewahre sie vor allem Unfall, und verleihe ihnen einen fröhlichen Aus- und Kirchengang. Erwecke eine Freudigkeit bei den Unfruchtbaren, damit sie in deinen Willen ihren Willen ergeben. Stärke ihre Hoffnung und erhalte ihr Vertrauen. Segne auch die Arbeit zur Verherrlichung deines großen Namens und zur Erbauung vieler Seelen, damit alle Leserinnen dadurch ermuntert, exquickt und aufgerichtet werden mögen; das thue durch deine Kraft um JEsu Christi willen. Amen. 8 Andachten für Schwangere. Die Schwangere spricht ihr Morgengebet. Aufmunterung. Ein jeder wahrer Christ soll billig an jedem Morgen, ehe er an seine Arbeit geht, sich dem Schuß und der göttlichen Gnade empfehlen, daß GOtt seinen Leib und seine Seele in seiner gnädigen Obhut behalten wolle. Gewiß, es ist eine große Wohlthat GOttes, wenn der Mensch gesund des Morgens aufsteht, unter dem Beistand GOttes den Tag hinbringt, und des Abends sich wieder gesund in sein Bett niederlegen kann; und daß dieses eine besondere göttliche Wohlthat sei, sieht man daher, weil mancher Mensch einen unglücklichen Tag hat, da er am Morgen gesund, des Abends oft krankf, lahm, verwundet, mit verletzten Gliedern sich zu Bette bringen lassen muß. Soll nun ein jeder Mensch in die Obhut GOttes sich empfehlen, wie viel mehr sollen es Schwangere thun. Dieselben sollen fleißig und eifrig alle Morgen GOtt anrufen: 1) er wolle den Tag über sie in guten und heiligen Gedanken erhalten, damit sie an GOtt gedenken, ihn allezeit in ihrem Herzen haben, und mit thm umgehen mögen. 2) Sie sollen GOtt auch ihr Leben und ihre Glieder empfehlen, daß GOtt ihre Tritte bewahren, vor gefährlichen Fällen u. anderem Unglück behüten wolle. 3) Sie sollen auch ihre Frucht in die heilige Obsicht GOttes empfehlen, damit ſie wachsen, gestärkt, wohlgebildet und mit den Gaben des heiligen Geistes erfüllt werden mögen. Beson 10 Die Schwangere spricht ders aber sollen sie den Tag über sich vor Zorn, Zank und Streit hüten, nicht alles übel nehmen, nicht alles genau untersuchen, oder sich über alles erzürnen, damit sie nicht über ihren Eigensinn und Zorn sich und ihrem verborgenen Pfand Unglück, Strautheit und den Tod gar verursachen. Werden sie sich so der Güte und Gnade GOttes überlassen, so haben sie den Trost, daß GOtt seinem Engel über sie befehlen werde, der sie auf allen ihren Wegen behüten werde. Morgen- Gebet. HErr GOtt, Vater, was du erschaffen, hast, HErr GOtt Sohn, was du erlöst hast, HErr GOttheiliger Geist, was du geheiligt hast, das befehle ich dir in deine Hände; deinem heiligen Namen sei Lob, Ehre, Preis und Dank gesagt in dieser Morgenstunde und in alle Ewigkeit! Amen. Odugnädiger, gütiger und barmherziger GOtt! der du selbst das Licht biſt, bei welchem kein Wechsel des Lichts und der Finsterniß stattfindet, ich danke dir von Grund meiner Seele, daß du mich in dieſer finstern Nacht ſo gnädig bewahret, und mich dieses fröhliche Morgenlicht wieder hast erblicken lassen. O du Licht meiner Seele! gieb auch an diesem Morgen einen hellen Schein in mein Herz, daß ich dadurch in deiner Liebe, im Vertrauen und in der Hoffnung gestärkt werde. Heilige meine Seele, damit ich diesen Tag mit dir umgehen, an ihr Morgen- Gebet. 11 dich gedenken, in dir mich erfreuen, und deiner Gnade mich getrösten möge. Gieb, daß ich an diesem Tage nicht vorsäßlich gegen dich fündigen, sondern in Heiligkeit und Gerechtigkeit der Kinder GOttes dir diene, und vor dir wandle. Stelle mir deine allerheiligste Gegenwart mit den Gedanken vor Augen, daß du allezeitum und bei mir seiest, alles höreft, was ich rede, alles siehest, was ich thue, damit ich dadurch desto mehr aufgemuntert werden möge, in der Heiligung fortzufahren, und dich nicht zu beleidigen. Ich befehle dir auch meinen Leib und mein Leben, meinen Gang, alle meine Schritte und Tritte. Du hast mich jetzt, o du GOtt aller Güte und Gnade! in einen besonderen Zustand geseßt, indem ich auch deines besondern Schußes, und Beistandes benöthigt bin. Darum bitte und flehe ich demüthig: O du Schutzherr deiner Kinder! behütemeinen Ausgang und Eingang, laß deineGnade mich leiten, deine Engel mich an der Hand führen, damit ich nicht gleiten, fallen, mich verwunden, oder meinenGliedern u.zugleich auch meiner Frucht dadurch einen Schaden zufügen möge. Bewahre mich, stärke mich, erhalte mich. Wende ab von mir alles, was mir schädlich ist, und dein guter Geist führe mich auf ebener Bahn. Laß mich dann den 12 Die Schwangere spricht ihr Morgen- Gebet. Abend wieder unter deinem Schuß erleben, da ich dir fröhlich für alle Wohlthaten danken kann, die du mir an Leib und Seele so gnädig erwiesen hast. Nun, der HErr segne mich und behüte mich. Der HErr lasse sein Angesicht leuchten über mich, und sei mir gnädig, der HErr erhebe sein Angesicht auf mich, und gebe mir Frieden. Die Gnade des Vaters schüße mich, die Liebe JEsu decke mich, und des heiligen Geistes Beistand erhalte mich jetzt. Ach! segne mich im Schlaf und Wachen! Ach! ſegne meinen Schritt und Tritt. Ach! segne mich in allen Sachen, Und theil mir deinen Segen mit; Laß mich gesegnet sein von dir, Und nimm den Segen nicht von mir. Amen. Gesang. Mel. Freu, dich sehr, o meine Seele 2c. 1. Ich erblick die helle Sonne, Nachdem nun die Nacht ist hin; Ich erblick auch meine Wonne, JEsus ist mir schon im Sinn, Mit ihm hab' ich hingebracht Die vergang'ne finst're Nacht; Mit ihm bin ich aufgewachet, Welches mich voll Freude machet. 2. Ich will auch den Tag hinbringen Mit dir, JEſu, meine Freud! Beten, Loben, Danken, Singen, Soll sein mein Arbeit heut; JEsus, du mein Trost, mein Ruhm, Meiner Seele Eigenthum, Du kommst nicht aus meiner Seelen, Dir will ich mich anbefehlen. 3. Ach! regiere meine Tritte, Wende schweres Fallen ab, Ach! behüte meine Schritte, Stärke die verborg'ne Gab. Ich empfehl' dem meine Frucht, Welcheu meine Seele sucht. Ach Herr! laß sie vor dir leben, Du wollst ihr Gedeihen geben. Die Schwangere spricht ihr Abend- Gebet. 13 4. Führe mich in deinen Händen, Stehe mir in Gnaden bei; Deinen Engel wollst du senden, Daß er immer bei mir sei; Wenn ich gleite, halte mich, Sieh, ich halte mich an dich; Vor Erschrecken und Gefahren Wollst du mich, mein HErr! bewahren. 5. Laffe sein mein Herze stille, Ohne Zorn und Bitterkeit, Daß mein Geist, Gemüth und Wille Bleibe in der Frömmigkeit; JEsu, o mein Trost und Schild! Laß dein lieblich Jesus- Bild Immer mir vor Augen schweben In dem, was ich will anheben. 6. JEsus bleibt mir im Gedanken; JEsus schwebt in meinem Sinn, Von ihm soll mein Herz nicht wanken, Er ist mein, wo ich auch bin. Meinen JEsum laß ich nicht, JEsus meiner Seele Licht, Jst bei mir auf meinen Wegen, Und ertheilet mir den Segen. 7. Hat denn JEsus, mein Begleiter, Meinen Schritt und Tritt bewacht, So will ich die Händ' ausbreiten Nun bei eingebroch'ner Nacht; Ich will danken deiner Treu, Welche alle Morgen neu, Und mit Beten, Danken, Flehen Mit dir auch zu Bette gehen. Die Schwangere spricht ihr Abendgebet. Aufmunterung. welch eine große Wohlthat ist es, wenn GOtt einen Menschen den Abend glücklich erleben läßt, wenn er bei dem Niederlegen zu seiner Ruhe sagen kann: Ich liege und schlafe ganz mit Frieden. O welche herrliche Ruhe ist das, wenn man im Frieden mit GOtt, im Frieden mit seinem Gewissen, im leiblichen Frieden und Vergnügen sich zu Bete begiebt; da kann der Mensch zum Lobe des dreinigen GOttes sagen: Der HErr hat Großes an mir gethan, dessen bin ich fröhlich! Schläft er sodann mit dankbarem Herzen und mit einem GOtt lobenden Mund ein, so wird die nöthige Nachtruhe auch von GOtt gesegnet sein. Anf diese Weise sollen auch Schwangere ihr Herz, ihre Augen, und ihren 14 Die Schwangere verrichtet ihr Abend- Gebet. Mund zu GOtt erheben, wenn sie nun den Tag glücklich vollbracht haben; sie sollen GOtt für ihre Erhaltung, für seinen Schuß und seine Gnade danken, und sollen sich GOttes Liebe und Barmherzigkeit ferner empfehlen. Ist die Nacht, wie man spricht, keines Menschen Freund, wie viel weniger der Schwangern. Sie sollen demnach GOtt anrufen, er wolle 1) allerlei Schrecken und alles Unglück abwenden, weil durch unerhoffte Schrecken die Schwangern öfters in die größte Gefahr geſeßt werden können. 2) Er wolle sie vor Krankheit und Schmerzen behüten. 3) Erwolle seine Segenshand über sie und ihre Frucht beständig ausgebreitet sein lassen. 4) Bricht der frühe Morgen an, so sollen sie wieder mit Lob vor GOtt erscheinen, und mit David sagen: Lobe den Herrn, meine Seele: und was in mir ist, seinen heiligen Namen. Lobe den Herrn, meine Seele; und vergiß nicht, was er dir Gutes gethan hat. Abend Gebet. Gnädiger, liebreicher und barmherziger GOtt! ich erscheine hier vor deinem allerheiligsten Angesicht mit fröhlichem Herzen. Herr, wie theuer ist deine Güte, daß Menschen unter dem Schatten deiner Flügel trauen. Ja, unter dem Schatten deiner Flügel bin ich heute aus- und eingegangen; unter demselben bin ich bewahret worden; kein Unfall hat mich berührt, sondern ich habe nunmehr den Abend gesund erreicht. Gelobt sei die Liebe des himmlischen Va Die Schwangere spricht ihr Abend- Gebet. 15 ters, der mich als sein Kind auf seinen Armen getragen hat. Gelobt sei JEsus Ehristus, mein Heiland, der mich an seiner Hand geleitet hat, daß mich kein Unfall hat stürzen können. Gelobt sei GOtt der heilige Geist, der nicht von mir gewichen ist. O du heilige Dreieinigkeit, Vater, Sohn und heiliger Geist! bleibe auch in dieser Nacht bei mir. Breite deine Güte, HErr! HErr! über die, so dich kennen, und deine Gerechtigkeit über die Frommen. Bewahre meinen Leib und meine Seele vor allem Unfall! laß mich im Schlaf immer mit dir umgehen, damit, wenn ich erwache, ich dennoch bei dir sei. Siehe, ich weiß keinen Helfer, als nur allein dich, du GOtt Iſrael! Laß deine Engel neben und um mein Bette wachen, daß mir und dem, das du mir aus Gnaden verliehen hast, nichts schädlich sein könne. Treibe aus meinem Herzen alle unnöthigen Sorgen, alle bösen Gedanken und falschen Vorstellungen! treibe von meinem Bette und von meinem Hause alles, was mir Schaden und Unglück bringen kann. So lege ich mich nun in die Arme meines GOttes nieder; ich schlafe in den Armen meines JEsu! seine Linke ist unter meinem Haupte, und seine Rechte decket mich. Odu mein Schöpfer, Erlöser und Heiligmacher! 16 Die Schwangere spricht ihr Abend- Gebet. sei und bleibe bei mir. Du dreieiniger GOtt bist mein Licht und mein Heil, vor wem sollte ich mich früchten? Du bist meines Lebens Kraft, vor wem sollte mir grauen? Ja, mir grauet vor nichts, weil GOtt bei mir ist; ich fürchte mich nicht, weil ich JEsum bei mir habe. Ist's finster um mich, JEsus ist das Licht meiner Seele; will sich Furcht einfinden, der heilige Geist ist mein Trost und Beiſtand. Laß diese Nacht glücklich unter deinem Schuße vorüber gehen, damit ich errettet, beglückt, bewahret, erhalten die liebe Sonne erblicken möge! Da soll mein Mund dich mit Freuden loben, und dir für alles danken, was du Gutes an mir gethan hast. So oft die Nacht mein' Ader schlägt, Soll dich mein Geist umfangen; So vielmal sich mein Herz bewegt, Soll dieß sein mein Verlangen, Daß ich mit lautem Schall Möcht rufen überall: OJEsu! JEsu! du bist mein, Und ich auch bin und bleibe dein. So will ich dann nun schlafen ein, JEsu! in deinen Armen; Dein' Aufsicht soll die Decke sein, Mein Lager dein Erbarmen: Mein Kissen deine Brust; Mein Traum ist süße Lust, Die aus dem Wort des Lebens fließt, Und dein Geist in mein Herz eingießt. Amen. Gesang. Mel. Werde munter mein Gemüthe 2c. 1. Sieh, die Sonn will von uns gehen, Jesu geh doch Tägliche Betrachtungen einer Schwangern. 17 nicht von mir. In der Noth will er auch stehen Bei mir an dem Bette hier; O wie wohl bin ich bewacht, Wenn auch in der finstern Nacht JEsu Hände mich bedecken, Daß kein Unfall mich kann schrecken. 2. Drum ich will mich ganz ergeben, JEsu! deiner Treu und Gnad; Ach! erhalte mir mein Leben, Und was mir geschenket hat Deine gnadenreiche Hand; Du kennst das verborg'ne Pfand; Auf das laß den Segen fließen, und mich deinen Schuß genießen. 3. Sieh, hier bin ich Menschenhüter, Ach! behüt mich vor Gefahr, Schüß die Meinen, Haus und Güter, Wache bei mir immerdar. Wenn ich schlaf, so wache du, Decke du mich selbsten zu; Laß mich sanft und ruhig schlafen Unter deiner Engel Waffen. 4. Jch leg mich in JEsu Armen, Ich leg mich in JEsu Schooß. O wie groß ist sein Erbarmen; Seine Liebe ist sehr groß; Sein Erbarmen ist mein Licht, Seine Lieb verläßt mich nicht. So bin ich mit Licht umgeben, Wenn ich muß im Dunkeln leben. 5. Nun, mit JEsu will ich schließen Meine müden Augen zu; JEsu, ach! laß mich genießen Eine sanft und süße Ruh. Segne mich und auch mein Kind, Und auch die, so um mich sind; Vor Angst, Schrecken und Gefahren Wollest du uns, HErr! bewahren. 6. Laß mich auch gesund aufstehen, Wenn ich ausgeschlafen hab, Laß mich einstens fröhlich sehen Die jetzt noch verborg'ne Gab; Wenn ich gehe aus und ein, Laß mich dir befohlen sein; Laß kein Unglück, HErr, aus Gnaden Mir und meinem Kinde schaden. 7. Ich leg mich mit JEsu nieder, Mit ihm steh ich wieder auf, Und sing alsdann Freuden- Lieder, Und vollführe meinen Lauf; JEsu, ich befehl mich dir, JEsu! weiche nicht von mir, So sprech ich in JEsu Namen Nach dem Beten fröhlich: Amen. Tägliche Betrachtung einer Schwangern. Aufmunterung. Wenn GOtt eine Ehefrau den Ehesegen empfinden lässet, so soll sie sich herzlich darüber erfreuen, und GOtt dafür danken, aber sie soll sich auch Anhang. 2 Tägliche Betrachtung vorstellen: 1) daß in diesem Stande sich viele Schmerzen, Ungemach und Beschwerlichkeiten einfinden, davon sie vorher im ledigen Stande nichts gewußt und nichts empfunden haben. Diese Schmerzen aber sind von Gott dem weiblichen Geschlechte nach dem Sündenfall aufgelegt, 1.B. Mose 3, 14: Ich will dirvielSchmerzen schaffen, wenndu schwanger wirst; du sollst mit Schmerzen Kinder gebären. 2) Kommen aber die Schmerzen also von GOtt, da sollen sie gedenken, daß GOtt auch ist ein gnädiger GOtt, derihnen dieselben lindern wird; ein mächtiger Gott, dersie ihnen wieder abnehmen kann; weil denen, die GOtt lieben, alle Dinge müssen zum Besten dienen, so werden auch die Beschwerlichkeiten, welche die Schwangerschaft mit sich bringet, auch den Schwangern zu vieler Erbauungu. Uebung im Christenthum gereichen; sie können dabei lernen GOttes Weisheit, Güte, Allmacht, Hülfe und Segen, welches alles sie außer diesem Stande unmöglich hätten wissen können. 3) Kommt eine betrübte Stunde, eine schlafloſe Nacht, ein beschwerlicher Zufall: so sollen sie sich erinnern an ihren Taufbund, daß GOtt ihr Vater sei, der sie als sein Kind nicht verlassen werde; denn wie sich ein Vater erbarmet über seine Kinder, so erbarmet sich der Herr über die, so ihn fürchten. Sie sollen sich vorstellen GOttes Stärke, daß er ihnen wird Kraft geben, das gute Werk zu vollenden und an den Tag zu bringen, welches er in ihnen angefangen hat. Sollte es ihnen bisweilen gar schwer vorkommen, daß sie meinen, sie können es nicht aussichen, sollen sie sich erinnern, daß bei GOtt nichts 18 möglich ist; und wenn er ein Wort spricht, so müssen sich die stolzen Wellen und Schmerzen des Leidens und Beschwerlichkeit legen. 4) Sollten aber einer Schwangern. 19 die Schmerzen lange anhalten, so soll doch ihr Vertrauen darumnicht sinken, noch ihre Hoffnung wanken, sondern gedenken, GOtt habe ihre Stunde schon beſtimmt, da er wieder helfen will. Er spricht oft zu uns, wie zu Maria seiner Mutter: Meine Stunde ist noch nicht gekommen: deßhalb muß man auch den Verzug der göttlichen Hülfe im Glauben und mit Geduld ertragen, und sich auf die göttliche VerheiBung verlassen, wenn er spricht: Ich will dich nicht verlassen, noch versäumen. 5) Sprechet ihr aber: Es lassen viele ihr Leben in der Schwangerschaft und in der Geburt, so antworte ich: GOtt hat einem Jeden seine Todesstunde bestimmt. Wissen nun Schwangere Erempel solcher Ehefrauen, die in der Schwangerschaft oder in der Geburt gestorben sind, so sehen sie auch viele Erempel derer, welche glücklich entbunden und fröhliche Kindermütter geworden sind; ja, die Anzahl derer ist ungemein größer, die der HErr erwünscht erlöset und ihnen ausgeholfen hat, als derer, die in dem Stande ge= storben sind. Wenn nun aber unter fünfzig oder hundert kaum eine gestorben, und neunundneunzig fröhlich geboren haben, so ist es wider den Glauben und Liebe zu GOtt, sich allezeit das Aergste oder das Schlimmste vorstellen zu wollen; das ist ein Mißtrauen gegen GOtt und eine schwere Sünde, wenn man an GOtt verzweifeln und sagen wollte: Ob GOtt gleich so vielen Hunderten, ja, Tausenden geholfen, so wird er mir doch nicht helfen! Wer hat euch dieses gesagt? wer hat euch dieß Vertrauen in die Seele gepflanzt? Kennetihr vielleicht GOttes Güte und Allmacht nicht? Darum kehret es vielmehr um und saget: Der GOtt, der so vielen Tausenden geholfen, der wird mir 2* 20 Tägliche Betrachtung auch helfen, und mir auch beistehen, und darauf verlasset euch von Grund eurer Seele! widersprechet allen zweifelhaften Gedanken, und schauet hingegen auf die mächtige und starke Hand GOttes. 6) Gefeßt aber, es hätte GOtt einer Schwangeren thr Ende des Lebens in der Schwangerschaft und Geburt bestimmt, so stirbt sie doch selig, denn stirbt in ihrem Beruf; gleichwie es ein seliger Tod wäre, wenn eine fromme Seele über dem Gebet, ein Prediger auf der Kanzel, ein Mensch in Austheilung der Almosen, ein König auf seinem Throne, der den Armen Recht spricht, stürbe: also ist's auch ein seliger Tod, wenn eine Ehefrau in ihrer Schwangerschaft und Geburt ihren Geist aufgeben sollte, denn siestirbt in ihrem Beruf, in einemGOtt wohlgefälligen Stand; der Tod solcher gottseligen Ehefrauen ist werth geachtet vor dem HErrn, under wird sie mit Wonne nach so vielen Leiden u. Schmerzen in der ewigen Himmelsfreude ersättigen, umgeben und erquicken. Wieman aber selig stirbt, und wenn man ſelig sterben ſoll, das alles sollen wir der göttlichen Weisheit überlassen; wenn ich nur selig werde, wenn ich nur in denHimmelkomme, soll eine glaubige Seele sagen, so mag es der HErr machen und schicken, auf was für einem Weg, oder in was für einem Stander immer wolle. 7) Sedoch sollen sich Schwangere auch fassen, daß sie nicht durch Zorn und Eigensinn sich selbst den Tod bringen; denn weil ihnen in diesem Stande alles schaden kann, so sollen sie auch desto behutsamer auf sich Acht geben. Es ist anvielen schwangern Frauen gar nicht zu loben, sondern vielmehr zuschelten, daß sie zur Zeit der Schwangerschaft allzu zornig, boshaftig und empfindlich sind; alle Schritte und Tritte, so die Ihrigen thun, sind ihnen einer Schwangern. nicht recht; sie erzürnen sich über alles; keine Speiſe, kein Wort, kein Stuhl ist ihneu recht, da sollen sie sich nun mäßigen und wider diese Unart beten, denn wenn sie durch dergleichen Zornund Verbitterungen sich die Galle rege machen, daß daraus gefährliche Schwachheiten, hitzige Fieber, Friesel und dergleichen tödtliche Krankheiten entstehen; so müssen sie nicht sagen: das hat GOtt gethan; sondern das haben sie selbst gethan, und ihre Schwangerschaft bringt sie nicht um's Leben, sondern ihr böser Sinn, Zorn und Eigensinn. Ja, ich gebe allen christlichen Ehefrauen zu bedenken, wenn ihre Frucht in solchem verbitterten Gemüth wächst, zunimmt und geboren wird, ob sie num Schuld daran sind, daß sieböse, zornige, eigensinnige Kinder zur Welt bringen, die so ein widerspenstiges Gemüth haben, wie die Mütter in der Schwangerschaft gehabt haben. Deßhalb ſoll eine christliche Ehefrau sich selbst überwinden und in GOtt fassen, und sich nicht selbst den Tod und eine böse Geburt durch ihre Schuld herbeiziehen. Werden sie GOtt darum anrufen, so wird der, von dem alle guten Gaben von oben herab kommen, auch dieſe Gnade nicht versagen, ja, alsdann können sie sich im Leben und Sterben eines gnädigen Gottes getrösten. 8) Und weil auch christliche Ehefrauen gerne in solchem Stande zum heiligen Abendmahl gehen, so haben sie alsdann umso mehr Ursache, sich selbst und ihre Frucht dem HErrn JEsu zu überbringen, und durch dessen Kraft im Glauben, in der Liebe und in der Heiligung zu bleiben. 21 Gebet. Heiliger, gütiger und barmherziger GOtt! 22 Täglich Betrachtung ich komme zu dir, meine Bitte, Gebet, Fürbitte und Danksagung dir vorzubringen. Duhast, o großer GOtt! mir den Ehesegen jetzt widerfahren lassen, dafür ich dir von Grund meines Herzens danke, und bitte dich, gönne mir auch zu seiner Zeit einen fröhlichen Anblick. Weil du aber, o gerechter GOtt! auf diesen Stand viel Schmerzen und Ungemach gelegt hast, so nehme ich denselben unter deinem Beistand auch willig auf. Kommen darnach betrübte Stunden, schmerzhafte Tage, schlaflose Nächte, Herr, mein Gott! so weiche nicht von mir; ich weiß, du kannst nach deiner Allmacht all mein Leiden lindern! du bleibst auch mitten in den Leiden und Schmerzen mein Vater, mein Beistand, mein Nothhelfer, meine einzige Zuflucht und mein gnädiger GOtt, der du sie mir verordnet und aufgelegt haft, auch die Kraft und Stärke, sie zu mäßigen. Wollen die Beschwerlichkeiten und Zufälle groß und viel, ja faſt unerträglich werden, so will ich doch darum nicht verzagen, fondern mich erinnern, daß du, getreuer GOtt! mich nicht wirst lassen versuchen über mein Vermögen, sondern machen, daß die Versuchung ein solches Ende gewinne, daß ich es ertragen kann. Wenn ich seufze: Ach! wie lang, ach! lange einer Schwangern. 23 ist dem Herzen bange und verlangt nach dir; so gedenke doch an deine Hülfsstunde, und laß sie nach deinem Willen bald erscheinen. Stelle mir, o Gott! deine Allmacht vor Augen, ja, schreibe sie mir in mein Herz hinein, daß ich nicht erschrecken möge, wenn etwa andere, welche auch in solchem Stande sich befinden, beschwerliche Krankheiten ausstehen, ja gar in der Geburt ihr Leben verlieren. Laß alsdann mir beständig in meinem Gemüthe und Gedächtniß eingeschrieben bleiben, wie des Jahrs über so viel hundert Schwangere glücklich entbunden werden. Darum will ich auch deiner Allmacht trauen, und flehe dich demüthig an, laß mich auch eine fröhliche Kindermutter werden. Hilf mir in der Geburtsstunde, und erfreue mich mit einem gesunden und wohlgestalteten Kinde. Solltest du aber beschlossen haben, mir in dieſem Stande mein Lebens- Ende zu bescheeren, Herr! so geschehe dein Wille; ich weiß, ich sterbe alsdann in meinem Beruf; ich sterbe in deiner Gnade; ich sterbe in deinen Armen; ich sterbe als dein Kind; ich sterbe selig, und du wirst mich zu der ewigen Freude und Seligkeit einführen. Gieb mir aber, o mein GÖtt! indessen deinen heiligen Geist, der mich immer bei guten Ge Gottseliger Umgang einer danken erhalte; gieb mir einen stillen und sanften Muth, daß ich nicht durch Zorn oder Bosheit mir und meiner Frucht den Tod bringe; gib, daß ich meinen Zorn mäßigen, und also mich nicht selbst um's Leben bringen möge. Laß auch meine Frucht mit guten Kräften des Leibes und des Gemüths ausgerüstet werden; laß sie wachsen unter dem Schatten deiner Gnade; bis du sie wirst endlich an das Tageslicht bringen, und also alle meine Schmerzen in Wonne, und meine Traurigkeit in Freuden verkehren. Nun, HErr, mein GOtt! ich habe mein Herz vor dir ausgeschüttet, ach! erhöre mich nach deiner Güte; errette mich nach deiner Verheißung; erbarme dich meiner nach deiner Liebe; erfreue mich nach deiner Gnade. 24 Ich weiß, du hast mein noch nicht vergessen, Daß ich mir sollt vor Leid mein Herz so pressen; Mitten in der Noth denk ich an GOtt, Er wird den Schmerz nach meinen Kräften messen, Daß ich durch deinen Geiſt mög überwinden, und mich all'zeit in deinem Haus mög finden, Zum Preis und Dank mit Lobgesang: Zu ewiger Liebe wirst du mich verbinden. Amen. Gottseliger Umgang einer glaubigen Seele mit GOtt. Gesang. Mel. Zion flagt mit Angst und Schmerzen. 1. Ich will stets mit GOtt umgehen, Er soll immer bei mir sein; Auf ihn will ich allzeit sehen, Wenn ich gehe aus glaubigen Seele mit GOtt. 25 und ein. Ohne ihn geh ich nicht aus, Er ist auch bei mir zu Haus; Ich kann nicht mehr ohn' ihn leben, Nachdem ich mich ihm ergeben. 2. Mein Herz soll stets an ihn denken: Gott ist, der mein Herz erfüllt, Ich will es in ihn versenken, Es soll sein in Gott verhüllt. Seht, ich denke nun nicht mehr; GOtt ist der Gedanken Herr, Gott ist alles mir in Allen; Ohn' Gott kann mir nichts gefallen. 3. Mein Mund soll stets von ihm sprechen: GOttim Herzen, GOtt im Bund; Mein Mund soll davon ausbrechen, Was liegt da im Herzensgrund: Was mein Mund nur immer spricht, Jst zu GOttes Ruhm gericht't: GOtt im Herzen, GOtt in Worten Bon GOtt sprechlich aller Orten. 4. Mein Aug soll stets nach ihm schauen; Denn GOtt find ich überall, Nicht nur in den Himmelsauen, Sondern auch im Thränenthal! Wo mein Aug' nur blicket hin, Da ist Gott in meinem Sinn; Mich dünkt, daß er vor uns stehe. Wo ich immer nur hinsehe. 5. In der Arbeit und Geschäften, Da vergeß ich GOttes nicht, Arbeit ich aus allen Kräften, Bleibt mir GOtt doch vor Gesicht; So wird mir die Arbeit leicht, Weil mein GOtt nicht von mir weicht; Ohne GOtt kann ich nichts machen; Er muß sein bei allen Sachen. 6. Eß ich, so will ich empfangen Von ihm alle meine Speis, Trink ich, so ist mein Verlangen, Daß zu meines GOttes Preis Dieses alles mir gedeihe, Und daß er stets bei mir sei, Und mir Speis' und Trank darreiche, Und auch da nicht von mir weiche. 7. Ich will mich zu Bette legen. Wenn ich bin der Arbeit los, So ertheilt er mir den Segen, Und ich ruh in seinem Schooß, Schlaf ich in ihm sanfte ein, Bin auch nicht im Schlaf allein, Weil er sich nah zu mir machet Und auch um mein Bette wachet. 8. Bricht nun an der helle Morgen Steh ich mit GOtt wieder auf, Mein Verlangen, Sehnen, Sorgen, Jst, daß ich den Lebenslauf Mit GOtt führ, und daß kein Tritt Ja, kein Wort, nach That nnd Schritt Seie meinem GOtt zuwider, bis mein Haupt sich leget nieder. 9. Von GOtt kann mich nichts abtreiben, Elend, Jammer, Kreuz und Leid: Dieser Umgang soll auch bleiben Hier und dort in Ewigkeit; Leben scheid't mich nicht von 26 Die Schwangere erwäget GOtt, Keine Trübsal, Angst und Noth, Weil mich GOtt nicht kann verlassen, So lang ich ihn werd umfassen. 10. Mein Umgang wird nicht zerrissen, Wenn zerreißt das Lebensband! Warum sollt ich das nicht wissen! Hat er noch in seine Hand Mich gezeichnet, daß er mich Will beglücken ewiglich, Ja, mir auch nach diesem Leben Dort die Himmelskrone geben. 11. Ich werd auch mit ihm umgehen, Wenn ich dort* im Himmalsglanz Werd vor seinem Throne stehen, Und von ihm durchstrahlet ganz Werde gleich den Engeln sein, Ganz verkläret hell und rein, Und in Freuden, Licht und Wonne Leuchten wie die gold'ne Sonne. Die Schwangere erwäget ihren GOtt wohlgefälligen Stand. Aufmunterung. Gleichwie GOtt den Ehestand selbst eingesetzt, und durch denselben das menschliche Geschlechtfortpflanzen will, daher er auch zu unsern ersten Eltern in dem Paradies sprach: Seid fruchtbar, und mehret euch; also hat auch eine gottselige Ehefrau sich in Gottzuerfreuen, wenn sie solche Fruchtbarkeit vermehrt. Sie ſoll dabeigedenken: 1) Kinder sind eine Gabe GOttes, welche Gabe er etlichen giebt, andern aberversagt, damit die Menschen nicht etwas ihrer Kraftzuschreiben. 2) Sobald nun eine Ehefrau solchen Segen Gottes verspürt, so soll siegedenken, Gott hab' in Gnaden an sie gedacht, wie es dort vonSarahu.Rahelheißt: Und der Herr gedachte an Sarah, der Herr gedachte an Rahel. 3) Hieraufsoll nun sie sich zufrieden geben, Gott danken, u. glauben, ihr gegenwärtiger Standseivon Gott, der habe ihr diesen Segen ertheilt; sie soll sicherinnern, wenn sie aus- oder eingehe, so gehet sie unter dem Schuß und Geleite Gottes; Gottes hl. Engel haben eine besondere Aufsicht auf sie. 4) Finden sich Schmerzen und Beschwerlichkeit ein, so soll siegedenken, daß Gott sie zu diesem Stande verordnet habe, ihren GOtt wohlgefälligen Stand. aber daß ersie darum nicht verlassen wolle, sondern daß sie desto mehr ihr Vertrauen auf ihn seßen sollte, da sie dann empfinden werde, wie der Herr alles herrlich machen wird. 5) Sie soll zu dem Ende im Gebet anhalten, sich vor Zornu. Bosheiten hüten, im Glauben, in der Liebe JEsu u. wahren Frömmigkeit verharren, und versichert sein, sie stehe in einem seligenu. einemGOttwohlgefälligen Zustand, darinsie sich des Beistandes und der Hülfe GOttes getrösten könne: und was sie nach GOttes Willen in solchem Stande bitten werde, das werde GOtt ihr auch nach seiner Barmherzigkeit geben und verzeihen. 27 Gebet. du liebreicher GOtt und Vater! wie kann ich genugsam deine Vater- Treue erkennen, loben und preisen, daß du mich in den gegenwärtigen Stand berufen und gesetzt hast. HErr! du hast in Gnaden an mich gedacht, und mich dieser Gabe und Frucht des Ehestandes theilhaftig gemacht. Ist dieser mein Stand beschwerlich, so weiß ich doch, daß ich in dieser Gnade stehe, und daß mein Stand vor dir gefällig und von dir eingesetet sei. Du weißt, HErr! daß ich keines Mannes begehrt habe aus Leichtfertigkeit, und meine Seele rein behalten von aller bösen Lust, und habe mich nicht zu unzüchtiger u. leichtfertiger Gesellschaft gehalten; einen Mann aber zu nehmen habe ich gewilliget in deiner Furcht, in Keuschheit, dir zur Ehre. Da du denn auch in Gna 28 Die Schwangere erwäget den an mich gedacht und eine Frucht des Leibes mir bescheeret hast, so nehme ich solches als ein Geschenk von deiner Hand auf. Laß mir in diesem Stand deine Barmherzigkeit widerfahren; sei in diesem Stande mein gnädiger Gott, der mein Gebet und Seufzen erhöret, und meine Seufzer läſſet vor den Thron der Gnade kommen. Sei in diesem Stande mein Geleitsmann, der mich schüße, begleite und bewahre. Sei in diesem Stande mein Trost, wenn ich betrübt werde, und gib mir deinen Freudengeist, der mir allein Zeugniß gebe, daß ich dein Kind sei. Sei in diesem Stande meine Zuflucht, bei dem ich mein Herz ausschütte, der mich erfreue, wenn ich betrübt bin, der mich erquicke, wenn ich matt bin. Sei in diesem Stande mein Helfer, der mich versichere: Ich bin bei dir in der Noth; ich will dich herausreißen. Sei in diesem Stande mein Beistand, wenn sich etwa Schmerzen, Ungemach und Beschwerlichkeiten einfinden sollten. Sei in diesem Stande mein Erretter, der zu seiner Zeit die Bande öffne, mich fröhlich entbinde, und mich erfreue. Sei in diesem Stande, o du himmlischer Vater! meine Stärke; ach trage, erhalte, stärke und erquicke mich. Sei in diesem Stande, o Jesu! mein Fürspre ihren GOtt wohlgefälligen Stand. cher, der mich bei Gott vertrete, und mein schwaches und zuweilen unter vielen Schmerzen abgeschicktes Gebet vor Gott bringe. Sei in diesem Stande mein Tröster, o GOtt, hl. Geist! der mich tröste, daß ich in Gnaden stehe, daß ich ein Kind GOttes sei, und der mich einer fröhlichen Entbindung und gnädigen Hülfe versichere. Ja, du dreieiniger GOtt! sei mit mir indiesem Stande, so werde ich wohl beglücket, beſchüßet, bewahret und errettet bleiben. HErr JEsu! leite meinen Gang, Daß ich forthin mein Lebenlang Nach deinem Willen walle; Behüte mir mein Seel und Leib, Mich selbst in deine Hände schreib, Damit ich ja nicht falle. Ach! gieb mir, mein Lieb', Deine Wunden Alle Stunden Zubetrachten, u.die Welt für nichts zuachten. Amen. 29 Gefang. Mel. Allein GOtt in der Höh' sei Ehr' 2c. 1. Wie hat der große GOtt doch mich In Gnaden angesehen, Wie hat er doch so gnädiglich Erhört mein glaubiges Flehen, So daß mein hoch erfreut Gemüth Erkennet seine Wundergüt, Dafür sei GOtt geprieſen. 2. Ist nicht mein Schöpfer, der da hat Mir Leib und Seel gegeben, Und fristet mir aus lauter Gnad Das mir geschenkte Leben? Ja, was ich habe in der Zeit, Das kommt von seiner Gütigkeit, Dafür sei Gott gepriesen. 3. Es hat mich JEsu theures Blut Befreit aus Satans Stricken, Und dieses allerhöchste Gut Will mich auch stets erquicken. Ja, dieses Blut, das macht mich rein, Darinnen werd ich selig sein, Dafür sei Gott geprieſen. 4. Es ist mir auch der heil'ge Geist Zur Heiligung gegeben, Der mir den Weg zum Himmel weist, Mich führt im ganzen Leben; Erweiht mein Herz zu seinem Haus, Und treibet alle Sünd hinaus, Dafür sei Gott geprieſen. 30 Die Schwangere danket GOtt 5. Er theilet ferner mir auch mit Den längst erwünschten Segen; Er segnet meinen Schritt und Tritt In allen meinen Wegen! Ja, was ich mit Gott immer thu, Da fließet lavter Segen zu, Dafür sei GOtt gepriesen. 6. Sollt Leiden, Angst und Schmerzenswuth Auf mich auch einst losgehen, So will er in der Trübsalfluth Mir doch zur Seite stehen! Er hilft, wenn Niemand helfen kann! Er ist mein Trost und Helfers Mann, Dafür sei Gott gepriesen. 7. Ach! wie hat er so väterlich Bishero mich geleitet, Und seine Gnade über mich Die Flügel ausgebreitet. So leb ich dann in deiner Hut, Und habe in Gott guten Muth, Dafür sei Gott gepriesen. 8. Ja, wie kann doch mein schwacher Mund Die Wohlthat her erzählen; Viel Gutes thut er jede Stund Dem Leibe und der Seelen. Er liebet, führet, leitet mich, Ja, er versorgt mich mildiglich, Dafür sei GOtt geprieſen. 9. Und was für frohe Herrlichkeit Will er mir dorten geben, Daß ich in jener Ewigkeit Bei ihm mög ewig leben! D'rum, wenn ich sterb', so sterb' ich nicht; Ich komm zu GOtt, zur Freud, zum Licht, Dafür sei GOtt gepriesen. Die Schwangere dankt GOtt für ihre Fruchtbarkeit. Aufmunterung. Obgleich die meisten Menschen meinen, daß Kinder eine Naturgabe wäre, solehret doch diehl.Schriftuns ein anderes, wenn sie schreibt: Siehe, Leibesfruchtist ein Geschenk. Daher auch glaubige Eheleute dieſe Gabeunter andernGaben von Gott zu erbitten haben. Was Huren u. andere unglaubige Personen betrifft, so erlangen siezwar diese Gabe, weil Gott der Natur ihren Laufläßt; indem sie nicht zur Ehre Gottes Kinderzeugen, sondern nur ihre sündliche Brunst löschen wollen. Bei glaubigen u. frommen Eheleuten ist es aber ein anderes; diese nehmen die Kinder als eine Gabe GOttes dankbar an. Wenn dann nun einegott für ihre Unfruchtbarkeit. 31 selige Ehefrau die Fruchtbarkeit merkt, so soll sie: 1) Gott dafür danken, und sich erinnern, daß Gott den verheißenen Segen des Ehestandes ihr nun auch ertheilt. 2) Hierauf soll sie behuts am wandeln, sich in den Schranken der Mäßigkeit, Sittsamkeit, Sanftmuth und christlicher Bescheidenheit halten, damit sie durch ihre eigene Schuld die Fruchtbarleit nicht wieder vernichte, welches durch unmäßige Arbeit, unbedächtliche Geschäfte, vorwißiges Tragen und Heben, boshaftigen Zorn und andere Frechheiten geſchehen kann. 3) Soll sie alsdann, wenn sie merkt, daß ihre Fruchtbarkeit zunimmt, Gott sich und ihre Frucht täglich empfehlen, und ihn anrufen: er wolle sie selbst bilden, erhalten, stärken, bewahren und zu seiner Zeit fröhlich an das Licht bringen. 4) Sie soll wider die Beschwerlichkeit ihres Standes nicht murren, nicht hizig, zornig und rachgierig gegen ihren Ehemann, Gesinde und andere Personen sein, als welches schon ein Zeichen der Ungeduld über die Fruchtbarkeit und zugleich ein Undank sein würde, welches gewiß GOtt siehet, erkennet und merket, und solchen Personen es kann entgelten laſſen. Gebet. HErr, allmächtiger GOtt! der dn bist ein GOtt des Lebens, der uns allen Odem und Leben gibt, der du den Ehestand mit Früchten des Leibes gesegnet hast, ich danke dir, daß du auch an mich gedacht, und mich dieses Segens in meinem Ehestand theilhaftig gemacht hast. Du, mächtiger HErr! haſt mir eine größere Wohlihat erwiesen, als Die Schwangere danket GOtt andern, welche nach dieser Gabe seufzen und nicht erlangen; darum bitte ich dich, laß mich wohl erkennen, was du Gutes an mir gethan hast. Ich befehle mich dir ganz und gar. Behüte mich vor Angst und Schrecken, vor Fallen und Gefahr, vor Unglück, und was sonsten das mir geschenkte Pfand entwenden könnte. Wirke in mir eine christliche Beredtsamkeit im Gebet und Arbeiten, damit ich nicht selbsten das verderbe, was deine Hand verliehen hat. HErr, wie groß ist deine Weisheit, daß du die Menschen so wunderbar bildest! Wie groß ist deine Allmacht, daß du sie selbsten ans Licht bringest! Wie groß ist deine Güte, daß du auf solche Weise das menschliche Geschlecht erhältst und mehrest. Ich danke dir, mein Gott! daß du mich auch zu einer Werkstätte dieses deines herrlichen Werks bestimmt, und mich durch deinen göttlichen Segen fruchtbar gemacht hast! ach! führe das angefangene Werk durch deine Gnade herrlich hinaus; erhalte, was du hast gegeben: stärke, was du hast verliehen! bewahre, was du hast geschenket. Laß mich meine Zeit glücklich unter deinem Schuß hinbringen. Laß vor meine Augen kein Ungeheuer, und vor meine Ohren keine entsetzliche Botschaft kommen; und so ja nach deinem Rath der32 für ihre Fruchtbarkeit. gieichen mir widerfahren sollte, so erhalte meine Frucht durch deine allmächtige Hand. Laß mich zu rechter Zeit eine fröhliche Kinder- Mutter werden, und das Verborgene mit Freuden erblicken. HErr! laß deine Güte und Treue mich alle Wege begleiten; behüte meinen Fuß, daß er nicht strauchle; meine Glieder, daß deren keines zerbrochen, und meinen Leib, daß er nicht beschädigt werde. Erhalte die geschenkte Gabe, und laß sie dir empfohlen sein. Indessen aber will ich auf deine Hülfe schauen; ich hebe meine Augen auf zu den Bergen, von welchen mir Hülfekommt, meine Hülfe kommt vom HErrn, der Himmel und Erden gemacht hat. Ich will den HErrn loben allezeit; sein Lob soll immerdar in meinem Munde sein. Des Morgens, Mittags und Abends will ich dem HErrn danken für all das Gute, was er an mir gethan hat. Lobe den HErrn, der deinen Stand sichtbar geſegnet, Der aus dem Himmel die Ströme der Liebe geregnet; Denke daran, Was der Allmächt'ge gethan, Derdir mit Liebe begegnet. Amen. 33 Gejang. Mel. O GOtt, du frommer GOtt 2c. 1. Ich danke dir, mein GOtt! Für eine jede Gabe, Die ich nun lebenslang Von dir empfangen habe; Nimm an den schlechten Dank Für deine große Gnad, Die deine Vaterhand Mir dargereichet hat. Anhang. 3 34 Die Schwangere empfiehlt Gott 2. Ich danke dir, metn Gott! Daß du mich haft erhöret, Und was mein Herz gewünscht, Aus Gnaden mir bescheeret. Ach, ach! erhalte doch Das anvertraute Pfand, Das ich empfangen hab Von deiner Segenshand. 3. Ich danke dir, mein GOtt! Daß du in meinem Leben Mit großer Mildigkeit Viel Gutes hast gegeben. Ach tausend, tausend Dank, Hab Dank, HErr Zebaoth! Für alle deine Gnad, Ich danke dir, mein GOtt. 4. Ich danke dir, mein GOtt! Daß du mir beigestanden In meinem schweren Leid, In schweren Trübsalbanden! Ach! bleibe auch bei mir, Wenn sich die Noth einstellt, Du bist es, der mich stärkt, Du bist's, der mich erhält. 5. Ich danke dir, mein Gott! Daß du hast abgewendet So manches bittre Kreuz, Und mir die Hülf gesendet, Die Hülf, so wehgethan, Die Angst, so ich gescheut, Und mich nach Angst und Weh Mit reichem Trost erfreut. 6. Ich danke dir, mein GOtt! Daß du mich nicht verlassen, Auch nicht verlassen wirst, So lang ich werde hassen Der Sünden Wust und Greul; Sieh, ich verpflichte mich, Daß ich dir dienen will Hier und dort ewiglich. 7. Ach, bleibe doch, mein GOtt! Ach, bleibe meine Stärke, Mein Helfer, Schuß und Rath, Damit ich Hülfe merke! Wenn nun die Noth anbricht, So steh mir kräftig bei, Daß ich zu aller Zeit Von dir geschüßet ſei. 8. Ach, bleibe doch, mein GOtt! Hilf, daß ich überwinde Und in der Trübsalstund Die Hülfe bei dir finde, So will mein froher Mund Nach ausgestand'ner Noth Stets sprechen dir zum Preis: Ich danke dir, mein GOtt. Die Schwangere empfiehlt GOtt sich und ihre Frucht. Aufmunterung. Wenn nun eine gottselige Ehefrau den Segen ihrer Fruchtbarkeit merket, so hat sie nebst ihrer Berufsarbeit besonders dieses zu thun: 1) Soll sie sich Gott fleißig alle Tage und Stunden empfehlen, daß er sie wolle begleiten, stärken und behüten; 2) die Frucht GOttin ihrem Gebete treulich vortragen. Denn das ist 3) der Unterschied unter christlichen Ehfrauen und sich und ihre Frucht. Leichtsinnigen Huren. Unglaubige und Huren fluchen wohl über ihre Schwangerschaft, achten ihre Frucht gering, danken Gott nicht dafür, thun ihr wehe, wo sie können, und haben vielleicht nicht viel Gutes mit ihr im Sinne. Gottselige Ehefrauen aber sind dabeianders gesinnet. Siebeten niemals, sie tragen denn ihr Kind Gott mit vor; sie rufen Gott an, er wolle es fein bilden, ihm gesunde und gerade Glieder geben, es beim Leben erhalten und gesund lassen geboren werden. 4) Sielieben ihre Frucht, ehe sie dieselbe sehen, tragen Sorge für ihreErhaltung, bereiten alles, worin sie nach der Geburt kann eingewickelt werden. 5) Ja, sie tragen nicht allein Sorge für ihren leiblichen Zustand, sondern rufen auch Gott an, daß er ihre Frucht nach der leiblichen Geburt wolle zur Wiedergeburt durch die heilige Taufe gelangen lassen. 35 Gebet. Oheil. Vater u. Schöpfer aller Menschen! siehe, ich komme allhier vor dein allerheiligstes Angesicht, u. bitte dich demüthiglich um deine Gnade. Duhast, o großer GOtt! nach deiner Güte mir eine Leibesfrucht verliehen; aber wer bin ich, daß ich sie zur Welt bringen sollte? Viele Mütter haben Kinder empfangen, aber nicht geboren; wieviele haben sich einer lebendigen Frucht erfreuet, und haben sie nicht erlanget. Darum, ach HErr! HErr! vor dir stehet all' meine Begierde, und mein Seufzen ist dir nicht verborgen. HErr! HErr! was du aus Gnaden gegeben, das wollest du auch nach deiner 3* Die Schwangere empfiehlt GOtt Barmherzigkeiterhalten. Ich befehledeinem väterlichen Gnadenschuß mich ganz und gar. HErr! habe Acht auf mich Tag und Nacht, daß mir kein Leid widerfahre. Begleite mich, wenn ich ausgehe, behüte mich, wenn ich auf der Gasse bin, und bringe mich gesund und unbeschädigt wieder nach Hause. Laß meine Seele still und vergnügt sein. Laß meine Seele allezeit mit dir umgehen, in dir sich freuen, an dir sich ergößen. Laß mein Herz eine Wohnung JEsu und ein Tempel des heiligen Geistes sein, daß JEsus in mir lebe, in mir wandle, mich regiere und heilige. Wende von mir ab alle Verdrießlichkeiten, Zorn, Schrecken; ungestaltete Menschen laß nicht vor meine Augen kommen, und so es geschehen sollte, so bewahre meine Frucht. Laß dein Aufsehen meinen Odem, Leben, Schritt und Tritt bewahren. Der HErr behüte meinen Ausgang und Eingang von nun an bis in Ewigkeit. Im Namen des dreieinigen GOttes gehe ich ein und aus. Im Namen des dreieinigen GOttes lege ich mich schlafen und stehe auf. Im Namen des dreieinigen GOttes gehe ich an meine Arbeit. O du dreieiniger GOtt! bewahre, behüte und schüße mich durch deine Kraft; trage mich auf deinen Händen; behüte mich auf meinen Wegen, daß mir kein 36 sich und ihre Frucht. Uebel widerfahre, so will ich dir dafür danken, und dich loben Zeit meines Lebens. Ich befehle dir aber auch, o dreieiniger GOtt! meine Frucht, die ich trage! HErr! ich bete für sie; ich trage sie dir vor; ach! erhöre mein Flehen um deiner Güte, ja, um JEsu willen. Ach! gieb meinem Kinde deinen heiligen Geist. Laß es auch im Verborgenen mit deiner himmlischen Kraft, wie dorten Johannes, erfüllet werden. Gieb ihm eine feine Seele und ein frommes Herz, damit es dich Zeit Lebens fürchten und lieben möge. Gieb ihm aber auch gesunde und gerade Glieder, einen gefunden Leib, gute Leibes- und GemüthsGaben. Hast du es aber im Verborgenen mit solchen herrlichen Leibes- u. GemüthsGaben begnadiget, so lasse es nach seiner leiblichen Geburt auch bald durch die heilige Taufe wiedergeboren werden. Duhast ja, o JEsu! gesagt: Lasset die Kindlein zu mir kommen, denn solchen ist das Reich GOttes. Du hast die Kinder auf deine Arme genommen und gesegnet. Nimm mein Kind auch zu seiner Zeit in deine heiligen Arme, und segne es auch; schenke ihm das Pfand der Kindschaft, nämlich deinen heiligen Geist; heilige und erneure es zum ewigen Leben; mache daraus ein Kind des 37 Die Schwangere empfiehlt GOtt 2c. Himmels und des ewigen Lebens, damit ich mit ihm und es mit mir dereinsten der ewigen Seligkeit möge theilhaftig werden. Meine Hoffnung stehet feste Auf den HErren, meinen GOtt; Er ist mir der allerbeste, Der mir beiſteht in der Noth; Er allein soll es sein, Den ich nenn von Herzen mein. Amen. 38 Gejang. Mel. D GOtt, du frommer GOtt 2c. 1. Ich weiche nicht von Gott, Dem will ich mich empfehlen, Dem Helfer, der mir hilft Am Leib und an der Seelen; Er ist mein, als mein Hort, Mein' Burg und Zuversicht, Mein starker, treuer Gott. Mein Gott verläßt mich nicht. 2. Ich weiche nicht von GOtt! Ob mich gleich Schmerzen drücken, So weiß es mit Geduld Mein Herz emporzuschicken; Ach! in dem größten Leid Will ich beständig sein. Kommt Kreuz, so dring ich auch zu meinem JEsu ein. 3. Ich weiche nicht von GOtt Auch in den größten Nöthen, Ob sie so heftig sein, Als wollten sie mich tödten. Alsdann schrei ich um Hülf, Verlaß mich nicht, mein GOtt! Ach komm, ach! rette mich Von aller Angst und Noth. 4. Jch weiche nicht von GOtt; Jhm will ich treu verbleiben, Mich soll kein Ungemach Von seiner Liebe treiben; Ach ja, du treuer GOtt! Ich weiche nicht von dir; Ach, bleib du auch bei mir, Und weiche nicht von mir. 5. Ich weiche nicht von GOtt Denn warum sollt ich weichen? Pflegt er nicht allezeit Mir seine Hand zu reichen? Die Hand, die micht erhält, Die Hand, die mich befreit, Die Hand, die mich erquickt' Und hilft mir allezeit. 6. Ich weiche nicht von GOtt, Auch nicht in LeidensStunden, Denn ich hab immerdar Rath, Heil und Trost empfunden; Die Rettung stellt sich ein, Die Stunde geht vorbei; Daraus erkenn ich ja, Daß mein GOtt bei mir sei. 7. Ich weiche nicht von GOtt, Auch nicht, weun ich soll sterben, Denn alsdann werde ich Die Seligkeit ererben; Drum leb und sterb ich ihm, Ich dien' ihm in der Zeit, Und bleib mit ihm vereint Dort in der Herlichkeit. 39 Die Schwangere erinnert sich der göttlichen Verheißungen. Aufmunterung. So betrübt zuweilen und schmerzhaft der Schwangern Zustand ist, so tröstlich und herrlich sind die Verheißungen GOttes für dieselben: da er ihnen seinen Beistand in der Nothzusagt, und ihnen verheißen, er wolle sie nicht verlassen, noch versäumen; er wolle ihnen helfen, sie erretten, sie auf den Händen tragen, u. was dergleichen Kraft- und Machtsprüche mehr sind. Mit denselben soll nun eine jede gottselige schwangere Ehefrau 1) sich bekannt machen und sich teren getrösten. 2) Sie soll sich erinnern, daß die Verheißungen GOttes alle Menschen angehen, dahersie auch getrost sich darauf verlassen kann. 3) Ob aber gleich die erwünschte Hülfe, die versprochene Rettung und der verheißene Beistand nicht zu der Zeit und Stunde erscheint, wenn sie dieselbe verlangt u. von nöthen hat, so soll sie darum nicht verzagen, und meinen, die Verheißung sei aus, und werde garnicht erfüllet werden; sondern 4) auf die Verheißung Gottes fest bauen, welcher, wenn seine Hülfesstunde erscheint, auch, was er zusagt, treulich halten wird; indessen aber 5) im Gebet, Vertrauen und Hoffnung anhalten, bis endlich die frohe Stunde anbrechen wird, da die vorher Betrübte mit Freuden und zum Ruhm des Allerhöchsten sagen wird: Bis hieher hat mir der HErr geholfen; der HErr hat Großes an mir gethan, deß bin ich fröhlich! Gebet. Mein GOtt! mein Herz hält dir vor dein Wort: Ihr sollt mein Äntlig suchen; da 40 Die Schwangere erinnert sich rum suche ich auch, HErr! dein Antliß. Du weißest, mein GOtt! daß ich ohne dich nichts bin, nichts kann und vermag; wer kann mir helfen, als nur du allein? Darum komme ich zu dir, und halte mich an dein Wort und Verheißung. Du sprichst, du wollest die Deinen nicht verlassen; ach! verlaß mich nicht; du wollest bei ihnen ſein in der Noth; ach! meine Noth rücket heran, bleibe bei mir; du wollest den Deinen helfen, ach! hilf mir; du wollest sie ſtärken, ach! stärke mich; du wollest sie herausreiBen, ach! reiß mich heraus. HErr! ich weiß in meinem Zuſtande nirgends hin, als nur zu dir allein. Ich habe viel Sorgen, Bekümmernisse und Aengsten in meinem Herzen, aber deine Tröstungen ergößzen meine Seele: dein Wort der Verheißung richtet mich auf. Weil ich denn weiß, daß du der Schußherr deiner Glaubigen, der Helfer der Verlassenen, die Zuflucht der Betrübten, der Beistand der Hilflosen bist, so bin ich darüber guten Muths, und halte mich an dich. Ich will mich an dich und dein Wort halten, wenn meine Schmerzen und die Angst meines Herzens groß werden; da will ich seufzen: HErr! ich lasse dich nicht, du helfest mir denn. Verzeuchst du die Hülfe, so erscheint sie endlich zum Trost der Elenden; der göttlichen Verheißungen. 41 du hilfft ihnen herrlich. Du, HErr! legeſt eine Last auf, aber hilfest sie auch tragen; darum, wenn du meine Last mir tragen hilfest, so wird sie mir nicht zu schwer werden. Du bist meine Zuversicht gewesen, da ich noch an meiner Mutter Brüsten war; darum ſollst du auch meine Zuversicht bleiben Zeit meines Lebens und in allen Zufällen. GOtt ist meine Zuversicht und Stärke, meine Hülfe in allen Nöthen, die mich getroffen haben, darum fürchte ich mich nicht; und warum sollte ich mich fürchten? Ist doch der HErr bei mir. Der HErr ist mein Licht und mein Heil, vor wem sollte ich mich fürchten? der HErrist meines Lebens Kraft, vor wem sollte mir grauen? Mit GOtt will ich getrost an meine bevorstehende Arbeit gehen; unter GOttes Beistand will ich arbeiten, aber auch glücklich überwinden. O du gnädiger GOtt! ſtärke meinen Glauben, befestige meinen Glauben, befestige meine Zuversicht auf deine Verheißung. Laß mich vor allem Unfall beschirmet fröhlich meine Zeit erreichen. Indessen will ich beten und singen, dir vertrauen, bis ich fröhlich entbunden, dir in dem Tempel und Zeit meines Lebens für deine Wohlthaten in meinem Herzen Lob und Preis aufopfern kann. Die Schwangere erfreuet sich Amen, ja, das will ich glauben, Denn hier hab ich GOttes Wort; Das soll mir kein' Trübsal rauben, Ich will immer fort und fort Mich auf diesen Grund verlassen Und den Hoffnungs- Anker fassen Mit der starken Glaubens- Hand, Auch in diesem neuen Stand. Amen. 42 Gesang. Mel. Ach, HErr! mich armen Sünder 2c. 1. GOtt wird mich nie verlassen, Ob ich schon elend bin; In GOtt will ich mich fassen, Mein Herz, Gemüth und Sinn Soll sich fest an ihn halten, Und ihm vertrauen fest, Ja, den nur lassen walten, Der mich doch nicht verläßt. 2. Auf sein Wort will ich trauen; Was er mir zugesagt, Darauf will ich fest bauen, Mit ihm sei es gewagt. Er will sein Wort erfüllen, Das mir die Hülf' verspricht, Und meine Schmerzen stillen, Wenn seine Stund anbricht. 3. Zwar deucht es mir oft lange, Wenn mich das Leiden treibt, Dennoch ist mir nicht bange, Wenn GOtt mir nicht ausbleibt, Er weiß gar wohl die Stunde, Die er zur Hülf bestimmt, Und da er aus dem Grunde Das Leiden von mir nimmt. 4. GOtt kann mich nicht verlassen, Denn ich bin ja sein Kind; Er kann ja die nicht hassen, Die sosein eigen sind. Sollt' er des Kindes Thränen Ohn' Hülfe stets ansehen, Und soll mein seufzend Sehnen Ihm nicht zu Herzen geh'n? 5. GOtt hat mich nie verlassen Die ganze Lebenszeit, Und ob ich schon ohn' Maßen Trug Angst und Herzeleid. Sollt er nun dann anheben, Da ich der Hülf begehr, Und sie mir ja nicht geben? Das glaub ich nimmermehr. 6. Vielmehr will ich GOtt trauen, Denn er ist fromm und gut. Und seine Hülfe schauen, Mit recht getrostem Muth. Die Stunde ist nun kommen; Alsdann, wenn die anbricht, Wird mein Kreuz abgenommen; Denn GOtt verläßt mich nicht. Die Schwangere erfreuet sich der Allmacht GOttes. Aufmunterung. Wenn man die Empfängniß, Erhaltung, Wachsthum und Geburt eines Kindes betrachtet, so kann der Allmacht GOttes. man GOttes Allmacht nicht genug preisen; ohneGottes Allmacht kann kein Kind auf diese Welt geboren werden; und wenn eines geboren wird, so ist's allezeit ein Wunder vor aller Gläubigen Augen. Wenn denn nun dieses eine gottselige Ehefrau weiß, so soll sie 1) auf die Allmacht ihres GOttes sich verlassen: so viel sie Kinder geboren siehet, so viele Werkeder Allmacht GOttes soll sie sich vorstellen. Wenn nun die allmächtigeHand GOttes Andern geholfen, so kann sie sich auch getrösten, daß GOttihr helfen werde. 2) Sie soll, wenn sich Kleinmüthigkeit etwa einfinden will, sich an den Ausspruch des Engels erinnern, wenn er spricht: Bei GOtt ist kein Ding unmöglich. Luc. 1, v. 37. Istnun GOtt kein Dingunmöglich, so kann eine Schwangere sich der göttlichen Allmacht auch erfreuen. 3) Sollten sich Umstände einstellen, die bei Andern vielleicht nicht sind, so soll doch darum das Vertrauen auf GOttes Allmacht nicht wegfallen; denn eben darum, weil GOtt allmächtig ist, so kann er auch die gefährlichen Wundeu heilen, alle schweren Lasten abnehmen, alle betrübten Zufälle abwenden. 4) Sind Menschen zwar bei der Geburt eines Kindes, so ist doch GOttes allmächtige Hand unsichtbar auch da, die alles regieret, und durch deren Kraft alles glücklich von Statten gehen wird. 43 Ge- bet. Mein GOtt! wie freuet sich mein Geist, wenn ich deiner Allmacht gedenke, auf deine allmächtigen Hände, die alles heben, alles tragen und aus allem erretten. Sehe ich mich in meinem gegenwärtigen Standeum, so muß deine Allmacht alles allein thun; 44 Die Schwangere freuet sich deine Allmacht muß mich auf den Armen tragen, wenn ich nicht fallen soll. Deine Allmacht muß meine Beschwerlichkeiten lindern, ja, deine Allmacht muß in meinen bevorstehenden Nöthen alles allein verrichten. Sehe ich meine Frucht an, so muß abermals deine Allmacht dieselbe erhalten, stärken, bewahren und an's Tageslicht bringen. Dieſes ist nun mein größter Trostjetzt und Zeit meines Lebens, daß du bist ein allmächtiger GOtt! bin ich schwach, so bist du ſtark; bin ich elend, so bist du allmächtig, bin ich ohnmächtig, so vermagst du alles. Dieſen Trost nun ſoll mir Niemand rauben, GOtt kann und will mir helfen. Wir haben einen GOtt, der da hilft, u. einen HErrn, der vom Tode errettet. Jst GOtt allmächtig, ſo kann mir kein Leid widerfahren. Ist GOtt allmächtig, so werde ich herrlich errettet werden. Darum, o allmächtiger GOtt! befehle ich mich dir ganz und gar; wache über mich; erhalte mich in meiner Schwangerschaft; deine Allmacht lasse mich glücklich meine Zeit erreichen. Deine Allmachtstärke mich, wenn meine Geburtsstunde herannahet; deine Allmacht stehe mir bei, wenn sie nun da ist. Deine Allmacht sei im Anfang, Mittel und Ende meiner Arbeit bei mir, bis ich eine fröhliche Kindermutter werde. der Allmacht GOttes. Deine Allmacht entbinde mich fröhlich, und lasse mich einen erwünschten Anblick erleben. Ich will mich demnach nicht fürchten, es stehe, wie es will; ich habe ja einen allmächtigen GOtt; ich will nicht verzagen, wenn die Noth groß wird; ich habe einen allmächtigen GOtt; ich will gutes Muths sein, wenn ich arbeiten soll; denn ich habe einen allmächtigen GOtt; ich will in meinen Nöthen schreien und seufzen: O du allmächtiger GOtt! hilf mir; siehe ich verlasse mich auf dich; ich hoffe auf dich; dein Kind wartet auf deine Hülfsstunde. Eile auch, barmherziger Vater! mit deiner Allmacht zu mir; laß mich hören Freude und Wonne, daß die Gebeine fröhlich werden, die du zerschlagen hast. Deine Allmacht erhalte meine Frucht; deine Allmacht gebe mir Kraft, ja, deine Allmacht erfreue mich durch eine fröhliche Entbindung so will ich, dieweil ich lebe, solche deine Allmacht preisen und rühmen, und sagen: Lobe den HErrn, meine Seele! und vergiß nicht, was er dir Gutes gethan hat. 45 Ich riefzu dem HErrn in meiner Noth: Ach GOtt erhör mein Schreien; da half mein Helfer mirvom Tod, Und ließ mir Hülf gedeihen, Drum dank, ach, GOtt! drum dank ich dir; Ach danket, danket GOtt mit mir; Gebt unserm GOtt die Ehre. Amen. Die Schwangere tröstet sich Gesang. Mel. D GOtt, du frommer GOtt 2c. 1. Wir haben einen GOtt, Der hilft zu allen Zeiten, Wenn wir mit Ungemach Und Trübsal müssen streiten. Ist schon viel Kreuz und Leid, Und viele Schmerzen da, So ist auch GOtt nicht weit, Und seine Hülf ist nah. 2. Wir haben einen GOtt, Der hilft in allen Nöthen. Die können nimmermehr, Weil GOtt mir hilft, mich tödten, Und wären sie so groß; Daß man's nicht glauben kann, Noch größer ist doch GOtt, der nimmt sich meiner an. 46 3. Wir haben einen GOtt, ber hilft in allen Leiden; Und ist das Leiden hart, So soll's mich doch nicht scheiden Von meinem lieben GOtt; Dem ist ja alles leicht, So leicht, daß auf ein Wort Das Leiden von mir weicht. 4. Wir haben einen GOtt, Der hört und hilft dem Armen, Der herzlich zu ihm schreit: Er wird sich sein erbarmen; Die Armen siehet GOtt, Er hört, er sieht, er gibt Zur Zeit, wenn mir's ist nüß, Und wenn es ihm beliebt. 5. Wir haben einen GOtt, Der hilft, sollt man auch sprechen: Hier ist die Hülfe aus, Alsdann will ill ausbrechen, Und sagen: hier ist Gott, Ist der kein Helfer mehr? Ach ja! er hilft gewiß Zu seines Namens Ehr. 6. Wir haben einen GOtt, Der hilft, wer will verzagen? Weil er noch hilft, so kann Ich fröhlich jezo sagen: Mein GOtt und Helfer lebt, Auf den verlaß ich mich! Aus allem Kreuz und Leid Hilft er mir gnädiglich. 7. Wir haben einen GOtt, Der hilft, dies soll verbleiben Mein Trost, dieweil ich leb, Ja, dieses will ich schreiben Tief in mein Herz hinein; Empfind ich dann die Noth, So sprech ich auch getrost: Wir haben einen GOtt. DieSchwangere tröstet sich der göttlichen Hülfe. Aufmunterung. Wenn hülfsbedürftige Personen große Gefahren, vielerlei Leiden, schwere Lasten und saure Arbeiten vor sich haben, so sind sie doch guten Muths, wenn sie Jemand haben, der in den Gefahren ihnen beistehen, in den Leiden durchhelfen, die Last erleichtern, und in der Arbeit ihnen die Hand bieten will. Nun dieses ist auch der Trost aller Schwangern. Hören der göttlichen Hülfe. 47 sie 1) daß bei der Geburt Gefahr entstehen kann, so sagensie: Der HErr ist mit mir, darum fürchte ich mich nicht. 2) Empfinden sie vielerlei Leiden, so sprechen sie zu GOtt: du bist mein Helfer und Erretter: mein GOtt! verzeuch nicht. 3) Wird ihre Last ihnen täglich schwerer, so erinnern sie sich, der HErr leget eine Laft auf, aber er hilft sie auch tragen. 4) Fürchten sie sich vor ihrer bevorstehenden Arbeit, so wissen sie, der HErr werde ihre Arbeit beglücken, und ihnen durchhelfen. Sollte nun solches Schwangern nicht einen guten Muth machen, besonders, da sich GOtt in der heil. Schrift einen Helfer nennt? Hilft GOtt aber, so ist ihnen gewiß und recht geholfen. Menschen wollen oft gerne helfen, und können nicht, aber GOtt kann und will helfen; deßhalb ob es schon noch so traurig und gefährlich aussehen sollte, so soll ihnen doch in das Herz geschrieben bleiben: Der HErr ist mein Helfer. Sebet. Was betrübst du dich, meine Seele, und biſt sounruhig in mir? Harre auf GOtt, denn ich werde es ihm noch danken, daß er meines AngesichtsHülfe n. mein GOtt ist. Ja, mein GOtt! das ist mein Trost in gegenwärtigem Zustande, daß du meines Angesichts Hülfe ſein werdest. Ist mein Angesicht blaß vor Furcht, du kannst alle Furcht durch deine herrliche Hülfe vertreiben. Ist mein Angesicht naß von Thränen, du kannst sie abwischen, wenn du mit deiner gnädigen Hülfe erscheinest. Darum will ich mich 48 Die Schwangere tröstet sich auf dich verlassen, und allem dem, was mir Furcht, Angst u. Schrecken verurſachen will, entgegenseßen diesen Trost: Gott iſt mein Helfer und wird mein Helfer sein und bleiben. Du aber, o allmächtiger GOtt! eile mit deiner gnädigen Hülfe herbei, wenn mir Hülfe noth ist. HErr! ich warte auf dein Heil, und rufe deine Hülfe; ich verlasse mich auf deine Hülfe; wenn du mir nicht hülfest, so bin ich verloren. Wird mein Leiden groß, HErr! so weiche mit deiner gnädigen Hülfe nicht von mir. Erscheinet meine Geburtsstunde, so erscheine auch mit deiner Hülfe. Du bist meine einzige Zuflucht, mein GOtt und Beistand! ich weiß ja keinen andern. Willst du mir nicht helfen, wer kann mich erretten? Hilf du mir, GOtt, meines Heils! wenn ich bete, so erhöre mich; hilf mir, wenn die Noth angehet; hilf mir, wenn es gefährlich aussiehet; hilf mir, wenn meine Stunde kommt: alsdann will ich in freudigem Vertrauen mit meinem JEsn seufzen: Vater hilf mir aus dieser Stunde. Hab ich dich dann bei mir, so werde ich überwinden, so wird meine Traurigkeit in Freuden verkehret werden. O wie herrlich hast du Andern geholfen, ach! so hilf mir auch; du bist ja noch eben der starke, gnädige der göttlichen Hülfe. 49 und allmächtige GOtt, der du vormals gewesen. HErr: ich halte an mit Beten, wie das cananäische Weib, und sage: HErr, hilf mir; ja, ich gehe nicht von dir; ich laſſe nicht ab, bis du mich mit deiner Hülfe erfreuet und mir geholfen hast. Komm, ach Vater der Gnaden und Barmherzigkeit, und hilf deinem Kinde, welchem ohne dich kann nicht geholfen werden. Komm, o JEsu, du Heiland aller Menschen, und hilf mir; bleibe bei mir, bis ich glücklich entbunden bin. Komm und hilf mir, o werther heiliger Geist, und versiegle in mir den Trost, daß meine Hülfesstunde bald anbrechen werde. Dreieiniger GOtt! dir ergebe ich mich; dreieiniger GOtt; zu dir fliehe ich; auf dich verlasse ich mich. Hilf mir, wann du willst, aber im Verzug der Hülfe stehe mir in Gnaden bei; hilf mir in der Noth; reiß mich aus der Noth, daich dir dann mit fröhlichem Munde danken will. Indessen frisch auf, mein Herz, verzagenicht, GOtt will sich dein erbarmen: Rath, Hülf will er dir theilen mit, Er ist ein Schuß der Armen. Ob's oftsteht hart, im Rosengart' Kann man nicht allzeit sißen: WerGott vertraut, hat wohlgebaut, Denwill er ewig schüßen. Ja, ich will meine Zuversicht Auf dich beständig seßen; Du wirst, wenn mirsan Hülf gebricht, Mit Hülfe mich ergößen, Indessen will ich stille sein, Bissichdie Hülfestelletein, Und deinen Namenpreisen. Anhang. Amen. 4 50 Die Schwangere tröstet sich zc. Gesang. Mel. D Gott, du frommer Gott. 1. Mein GOtt ist ja bei mir, Drum muß die Furcht verschwinden, Weil sich in Noth und Tod GOtt will bei mir einfinden Mit seiner Hülf und Treu, Mit Beistand, Trost und Rath, Wie auch sein theures Wort Mir Hülf versprochen hat. 2. Mein GOtt ist ja bei mir; Kommt schon ein Kreuz gegangen, So will ich es mit GOtt Ohn alle Furcht empfangen; Kommt Kreuz, so kommt auch GOtt; Kommt das Kreuz nicht allein, Und ist es mancherlei, So will GOtt bei mir sein. 3. Mein GOtt ist ja bei mir; muß ich die Trübsal schmecken, So will ich mich dadurch Zu seiner Lieb aufwecken; Sellt sich die Trübsal ein, Alsdann empfehl ich mich Des Allerhöchsten Schuß, Der hilft mir gnädiglich. 4. Mein GOtt ist ja bei mir, Und sollten Unglücksfluthen Gar über mich hingeh'n, So ist es mir zum Guten, Das Unglück weichet doch, Ich werde davon los, Weil mein GOtt bei mir ist, Und wär' es noch so groß. 5. Mein GOtt ist ja bei mir, Will auch die Nacht eindringen, Bis sich die Hülf einstellt, So will ich hoffen, fingen, Und mich voll Zuversicht Empfehlen GOttes Treu, Der Treu, die Tag und Nacht, Ja alle Stund ist neu. 6. Mein GOtt ist ja bei mir, Mich kann der Tod nicht tödten, Des Höchsten Hülfe steht mir bei in allen Nöthen; Mein GOtt weicht nicht von mir, Mein GOtt verläßt mich nicht. Mein GOtt, mein Trost und Hülf, GOtt, meine Zuversicht. 7. Mein GOtt ist ja bei mir, Ich scheue nicht das Grab, Das Grab erschreckt mich nicht, Weil ich da Ruhe hab Von aller Angst und Qual. Es bringt mir süße Ruh, Denn GOtt, der bei mir ist, Der deckt mich fanfte zu. 8. Mein GOtt ist ja bei mir; GOtt wird mir schon erscheinen Zum Trost, zur Hülf, zum Heil, Nach meinem bittern Weinen. Mein Herze sei getrost, Stell dir die Hülfe für, Und sprich mit frohem Muth: Mein Gott ist ja bei mir. Andachten für Gebährende. Andacht bei herannahender Geburtsstunde. Aufmunterung. Wenn Paulus den christlichen Ehefrauen verspricht, sie werden selig werden durch Kinderzeugen, so ist die Meinung nicht, als ob sie mit Kindergebären könnten die Seligkeit erwerben; denn die Seligkeit hat allein Christus Jesus durch sein Leiden und Sterben erworben; sondern ergiebt ihnen den Trost, ob sie gleich wegen des Sündenfalls unter vielen Schmerzen müssen Kinder gebären, daß sie dennoch einen gnädigen und versöhnten GOtt hätten: und wenn sie auch über der Geburt sterben müßten, sie dennoch selig werden sollten. Nur 1) daß sie im Glauben bleiben: sie sollten ihr Vertrauen, wenn die Geburtsstunde herankommt, nicht wegwerfen, nicht wider GOtt murren, sondern im Glauben, Hoffnung und Zuversicht bleiben, wenn es schon hart zugienge, und auch sollten sie sich an die herrlichen Verheißungen und göttliche Allmacht erinnern. 2) Sollten sie bleiben in der Liebe GOttes, daß sie GOtt herzlich lieben, und auch alsdann im Glauben sprechen: Herzlich lieb hab ich dich, o HErr! ich bitt, du wollest sein von mir nicht fern mit deiner Hülf und Gnade, Sie sollen bleiben in der Liebe gegen den Nächsten, daß sie vorher sich mit GOtt und dem Nächsten versöhnen, wie gottA* 52 Andacht bei herannahender Geburtsstunde. felige Ehefrauen in ihrer Schwangerschaft gerne das heilige Abendmahl empfangen, um dadurch sich GOtt zu heiligen und aufzuopfern. Sie sollen auch bleiben in der Liebe gegen ihre Frucht, daß ſiedurch Nachlässigkeit ihr keinen Schaden mögen zufügen, durch Widerspenstigkeit dieselbe nicht um das Leben bringen, sondern dem guten Rath und Zuspruch der Personen, die um sie sind, willig folgen. Wennaber lieblose Mütter gegen ihre armen Kinder sich bei der Geburt widerspenstig stellen, und nichtthun wollen, was ihnenGOtt auferleget, und was sie zu thunschuldigsind( wovon Kaiserinnen, auch Königinnen und Fürstinnen nicht frei sind, und eben wie andere Weiber sich verhalten müssen): so werden sie Mörderinnen an ihren Kindern, welche sie vor GOtt verklagen werden, daß sie ihnen durch Faulheit ihr Leben genommen, und sie also vor der Geburt getödtet haben. 3) Endlichsollen sie auch bleiben in der Heiligung sammt der Zucht, da sie ein heiliges züchtiges und christliches Leben führen, für ihr Kind fleißig beten, sich vor Süuden hüten und in solcher Heiligung ihre Geburtsstunde erwarten. Gebet. HErr allmächtiger GOtt, getreuer, lieber Bater! es kommt nunmehr meine Geburtsstunde immer näher und näher herbei, darum nahe dich auch zu mir mit deiner Hülfe und Gnade; ich nahe mich zu dir mit meinem Gebet, herzlichem Vertrauen, beständiger Zuversicht, lebendigem Glauben auf deinen gnädigen Beistand; ach! nahe dich zu mir mit deiner allerheiligsten Gegen Andacht bei herannahender Geburtsstunde. 53 wart, Güte und Barmherzigkeit. Komm zu mir und bleibe bei mir in, unter und nach der Geburt; wenn ich dich bei mir habe, so habe ich den allerstärksten Erretter, den mächtigsten Helfer und den treuesten Freund bei mir. Gieb mir zu der Stunde Freudigkeit, daß ich unerschrocken sei und alle Furcht fahren lasse, daß ich mich getrost möge erzeigen, getrost stehen, getrost niedersißen oder liegen, und mich getrösten, weil du bei mir bist, so werde alles glücklich von Statten gehen. Stärke auch meine Glieder, damit ich nicht matt werde, sondern in deiner Kraft und Stärke meine Arbeit verrichten und fröhlich enden möge. Durch deine Kraft wird mir alles leicht werden; ist der Herr bei mir und mit mir, so bin ich genesen. Gieb auch, lieber GOtt! denen, die mit mir umgehen müssen, Weisheit und Verstand, daß sie klüglich alles anordnen, und nichts zu wenig und zu viel thun; segne ihr Beginnen, und beglücke ihr Vornehmen, daß sie mit mir und ich mit ihnen dir dafür danken möge. Verleihemir, daß ich gutem Rath folge, alle Widerspenstigkeit vermeide, und dadurch mir selbst nicht Schaden, und meinem Kinde ein Unglück oder den Tod zuziehen, und deßwegen eine schwere Verantwortung auf mich laden möge. Söre, ach 54 Andacht bei herannahender Geburtsstunde. gnädiger GOtt! mein und aller Anwesenden Seufzen und Gebet; hilf mir bald, und hilf mir glücklich, wenn es dein heiliger Wille ist. Laß mich mein Kind fröhlich und lebendig erblicken, und eine erfreute Kinder- Mutter werden. Siehe, HErr, hier bin ich, mach es mit mir, wie es dir wohlgefällt. Verlaß mich nicht, und thue nicht die Hand von mir ab, GOtt, mein Heil! bleibe bei mir in der äußersten Noth, und stärke alsdann meine Geduld, daß ich nicht müde werde; meine Hoffnung, daß ich sie nicht lasſe sinken. Nun vermag ich alles durch den, der mich mächtig macht, Christus. Der himmlische Vater segne, behüte und erhalte mich. JEsus Christus sei bei mir, stärke und erquicke mich, und der heilige Geist vertrete mich bei GOtt mit unaussprechlichem Seufzen, und gebe Zeugniß meinem Geist, daß ich wahrhaftig GOttes Kind sei. Die Liebe des Vaters decke mich; die Gnade des Sohnes erfreue mich. Treulich will ich GOtt bitten, und nehmen zum Beistand In allen meinen Nöthen, Die ihn gar wohl bekannt; Um Geduld will ich stets bitten In allen Anliegen mein, Er wird mich wohl behüten, Und mein Nothhelfer sein. Amen. Andacht bei herannahender Geburtsstunde. Gefang. Mel. Zion klagt mit Angst und Schmerzen. 1. Ach! hilf mir in dieser Stunde, Vater der Barmherzigkeit; So schrei ich mit Herz und Munde Jeht zu dieser Leidenszeit, Ach! ich wende mich zu dir, Großer GOtt! ach, hilf du mir; Laß mich doch bald Hülfe finden, Durch ein gnädiges Entbinden. 2. Es steht ja in deinen Händen, Sprich ein Wort, so ist's gescheh'n, Wirst du deine Hülfe senden, So wird's bald nach Wunsche geh'n; Komm, mein GOtt! und lös' das Band, Reich mir deine Vaterhand. HErr! hilf mir in meinen Nöthen, Sonsten werden sie mich tödten, 3. HErr! du hast es mir verheißen, Daß du wollest bei mir sein, Und aus aller Noth mich reißen, Hilf mir HErr! denn ich bin dein; Helfer, hilf jeßt gnädiglich! Großer GOtt, erbarme dich! Höre, rette, komm und eile, Und doch länger nicht verweile. 4. 3war ich will dir nicht vorschreiben Deiner Hülfe Stund und Zeit, Ich will doch geduldig bleiben In des Lebens Bitterkeit. Gieb mir jeßo Kraft und Stärk Hier zu diesem schweren Werk; Ach! hilf selbsten mir arbeiten, und weich nicht von meiner Seiten. 55 5. HErr! ich will dir fest vertrauen, Währe es auch noch so lang, Und auf deine Allmacht schauen, Wäre mir auch noch so bang; Sieh, ich sehne mich nach dir, Vater, Vater, hilf doch mir; Hilf, o Bater! deinem Kinde, Hilf, mein Vater! doch geschwinde. 6. Ach, mein GOtt! erhör mein Bitten, Deffne, was verschlossen ist, Tritt jetzt selber in die Mitten, Weil du doch der Helfer bist; Leg du selber Hand mit an, Die Hand, die mir helfen kann. Sieh, wie ich dich fest umfasse, Und mich ganz auf dich verlasse. 7. In GOtt hab ich Kraft und Stärke, Jn GOtt hab ich guten Muth, Der ist selbst mit in dem Werke, Auf dem alle Hülfe ruht; GOttes Hülfe ist schon nah, Wenn er spricht, so stehet's da. Mein Muth ist mir unbenommen, GOttes Stunde wird bald kommen. 8. D! wie will ich GOtt dann preisen, Wenn ich nun entbunden bin, Wie will ich ihm Dank erweisen! Mein Gemüthe, Geist und Sinn, Und auch mein erfreuter Mund Soll für diese Hülfesstund Immer, weil ich werde leben, GOttes Gnad und Ruhm erheben. 56 Trost bei herannahender Geburtsstunde. Aufmunterung. Es pflegen gottselige Ehefrauen öfters zu ängſtigen und unerfahren zu erschrecken, wenn die Zeit der Geburt da ist; aber warum wollt ihr erschrecken? ihr habt ja GOtt bei euch: der GOtt, der euch die Schmerzen aufgelegt, der will fie euch helfen tragen und überwinden. Erinnert euch zur Zeit eurer Geburt: 1) GOtt ist ein guter und gnädiger GOtt, er meint es nicht böse mit euch, denn denen, die GOtt lieben, müssen alle Dinge zum Besten dienen; weil er ein gnädiger GOtt ist, so wird er euch Gnade erzeigen, u, euer Elend und Jammer ansehen. 2) Er ist getreu: er weiß eure Kräfte und Vermögen besser, denn ihr selbst. Gott ist getreu, der euch nicht lässet versuchen über euer Vermögen, sondern macht, daß die Versuchung so ein Ende gewinne, daß ihr es könnet ertragen. 3) GOtt ist barmherzig, er wird sich auch über euch, wie ein Vater über seine Kinder erbarmen. 4) GOtt ist stark: was ihr nicht vermöget, das vermag GOtt, denn seine Kraft ist in den Schwachen mächtig. Sehet nicht an eure geringe Kraft und Stärke, sondern GOttes Macht; ihr sollt es euch nicht thun, sondern GOtt will alles thun, und eure Hände, Arme und Glieder stärken; wie David GÖtt allen Ruhm beileget, und spricht: Du hast mich aus meiner Mutter Leib gezogen; auf dich bin ich geworfen. 6) Erinnert euch, eure Schmerzen währen nicht lange, nicht Jahr und Tag wie Davids Elend und wie jenes Kranken Schwachheit, sondern nur eine Stunde, und ob es sich länger verziehen sollte, so sprechet im Vertrauen: Und ob es währt bis in die Nacht und wieder an den Morgen, Seufzer vor der Geburt. soll doch mein Herz an GOttes Macht verzweifeln nicht, noch sorgen. Sehet, dieses lasset euren Trost sein bei eurer Geburt. 57 Seufzer vor der Geburt. HErr; allmächtiger GOtt! wenn ich denn nun merke, daß meine Stunde bald anbrechen wird, daß ich mich zur Geburt anschicken soll, so komme ich zu dir, und bitte dich, ach! weiche nicht von mir, ach! bleibe bei mir, gieb mir Kraft zu gebären, und entbinde mich gnädiglich; lindere die Geburtsschmerzen, die du dem weiblichen Geschlecht aufgeleget hast; doch da du sie der Eva und ihren Töchtern aufgeleget, zur Zeit, da du sie wieder begnadiget, und JEsum, den Weibes- Samen und Versöhner der Menschen, verheißen hattest, so sehe ich die bevorstehenden Schmerzennicht als eine Strafe eines zornigen Richters, sondern vielmehr als eine Züchtigung eines liebreichen und versöhnten Vaters an, welche ein Andenken des Sündenfalls sein soll, aber auch eine Erinnerung, daß ich durch JEsum Christum mit GOtt versöhnet bin. Darum, o starker und allmächtiger GOtt! hilf mir kräftig; meine Hülfe stehet bei dir; nach dir, HErr! verlanget mich: mein GOtt! ich hoffe auf dich; laß mich nicht Seufzer vor der Geburt. zu Schanden werden; eile mir beizustehen, HErr, meine Hülfe! O JEsu! der du bist Mensch geboren worden, um deiner heiligen Geburtund Menschwerdung willen erbarme dich über mich; hilf mir aus dieser Stunde und erhalte mich. Owerther, heiliger Geist! bleibe in meinem Herzen, u.. schreie das Abba lieber Vater. Gieb Zeugniß meinem Geist, daß ich mitten in den Wehen dennoch ein Kind GOttessei. Odu heilige Dreifaltigkeit! hilf mir, und erbarme dich über mich. Amen. Ein Anderes. Odu liebreicher GOtt! der du uns Menschen herzlich liebest, und besonders in unſern Leiden und Schwachheiten uns beizustehen verheißen hast, du weißest ja den Stand, darin ichstehe; du siehest auch, wozu ich mich bereite, und was ich jetzt vorhabe; o darum ſtehet alle meine Hoffnung zudir. Odu starker GOtt! der du den verlassenen Hirschen im Walde ohne menschliche Hülfe, wenn sie in Schnee undFrost ihre Jungen haben, beistehest, ach! laß dir auch meines Leibes Frucht anbefohlen sein, und segne die Hände, die zu der Geburt sich darbieten; leistedu mir ſelbstdiebeſte Hülfe und entbinde mich gnädiglich. Du hast gesagt: Fürchte dich nicht, ich bin bei dir; weiche nicht, ich bin dein GOtt; ich stärke Seufzer vor der Geburt. dich u. helfe dir auch; ich erhalte dich durch die rechte Hand meiner Gerechtigkeit. Auf solche deine gnädige Verheißung verlaſſe ich mich, u. greife an das Werk mitFreuden, wozu mich GOtt hat beschieden, in meinem Berufund Stand. Ich will getrost sein, und auf deine Hülfe harren. Ich will indessen nach deiner Ordnung u. nach deinem Willen gerne leiden, was du mir auflegest; sei dumir nur nicht erschrecklich. HErr, HErr, meine Zuversicht in der Noth! sei u. bleibe meines verschlossenen Pfandes gnädiger GOtt! erhalte, o HErr! was deine Hände bereitet haben. Deffne in Gnaden zu rechter Zeit die Bande der Natur; u. wenn alle Menschen verzagen wollen, so beweise du an mir deine Macht und wunderbare Güte. Sei mit deiner Kraft in meiner Schwachheit mächtig; stärke mich an meinem Geistu. Leib; lindere u. erleichtere mir meine Schmerzen, u. laß meine Frucht frisch und gesund die Welt erblicken; lege fie mir lebendig in meine Armeu. Hände, so will ich mit ausgestreckten Armen und gefalteten Händen dirlobsingen, u.was dumirgegeben, als ein Opfer und als Kind in der heiligen Taufe dir wieder geben. Sollte aber in deinem heiligenRath über mich beschlossen sein, daß ich über diese Arbeit meinen Geist aufgeben soll, so geschehe dein Wille: du bist 59 60 Seufzer bei und unter der Geburt. mein GOtt, mein HErr, mein Vater, ich deine Kreatur, deine Magd, deinkind; mache es mit mir, wie es dir wohlgefällt; ich aber bin bereit zum Leben und Tod; und wenn du gleich mich tödten wollest, so will ich doch auf dich hoffen. Verleihe mir ein geduldiges und williges Herz, beständigen Glauben und feste Zuversicht. Ich lieg im Streit und widerstreb, Hilf, o HErr Christ! mir Schwachen, An deiner Gnad allein ich kleb, Du kannst mich stärker machen; Kommt nun Anfechtung her, so wehr, Daß sie mich nicht umstoßen, Du kannst machen, Daß mir's nicht bring Gefahr, Ich weiß, du wirst's nicht lassen. Seufzer bei und unter der Geburt. HErr! HErr! groß von Rath u. mächtigvon That; siehe, hier bin ich und seufz allein nach deiner Hülfe. Hier kann kein Mensch helfen, nur du allein. Ich erkenne zu deinem Preis, daß bie Geburt eines Menschen ein Wunderwerkist, welches du allein befördern mußt, u. stehe in keines Menschen Macht, ein Kind zur Welt zu bringen. Deßwegen flehe ich dich, mächtiger Nothhelfer! demüthig an, du wollest deine Allmacht beweisen. Du weißestja meine Schmerzen, weil du selbsten sie mir aufgelegt hast; ich sizze oder stehe, ich gehe oder liege, so ist es dir bekannt, und du, HErr! bist um mich. Du siehest an meine Thränen, und mein Seufzen ist dir nicht Seufzer bei und unter der Geburt. 61 verborgen, Ich erinnere mich jetzt deiner unendlichen Allmacht; du kannst überschwenglich thun, über alles, was wir wissen und verstehen; keine Noth ist so groß, du kannst daraus erretten. Siehe, deine mächtigen Hände habenmein Kind bereitet; sie haben es mit Fleisch und Haut angezogen; Leben und Wohlthat hast du ihm schon lange erwiesen und durch dein Aufsehen seinen Odem bewahret. Darum bringe es auch an das Licht dieser Welt nach deiner Barmherzigkeit. HErr! HErr! der du so viel Tausenden geholfen hast an allen Orten der Welt, du wirst nach deiner Güte mir auch helfen; ich verlasse mich auf deine Gnade und Treue, die laß mich alle Wege behüten. Wenn es sich sollte lassen gefährlich ansehen, so sprich meiner Seele den Trost zu: Ich bin bei dir in der Noth; ich will dich herausreißen; ich will dich nicht verlassen noch versäumen. Laß mich dabei das Meine treulich thun, damit ich auch ein gutes Gewissen behalte, du aber stärke mich Schwachen. Betrübtes Herz, sei wohlgemuth, Thu nicht so gar verzagen, Es wird noch alles werden gut; All' dein Schmerz und dein Klagen Wird sich in lauter Fröhlichkeit Verwandeln in gar kurzer Zeit, Das wirst du wohl erfahren. Amen. Seufzer bei und unter der Geburt. Ein Anderes. Ach gnädiger und barmherziger GOtt! du haft gesagt: Rufe mich an in der Noth, so will ich dich erretten, und du sollst mich preisen; auf diesen gnädigen Befehl komme ich in dieser Stunde auch zu dir in meiner Noth, ach! höre doch meine Stimme, und verbirg dich nicht vor meinem Flehen. Gedenke, daß ich dein Kind bin, ach! laß mich doch nicht über mein Vermögen Schmerzen empfinden. HErr! wenn ich Noth leide, so lindre mir's; JEsu, du Sohn Davids! erbarme dich mein; durch deine heilige Geburt und Menschwerdung hilf mir, lieber HErre GOtt! stehe mir bei, hilf mir, und erfreue mich. Heiliger Geist, du Tröster in aller Noth! sprich meiner Seele den Trost ein, daß ich bald eine fröhliche Kindermutter werden möge. Bringe mein ängstliches Gebet hinauf vor den Thron GOttes, und wenn ich vor Angst nicht beten kann, oJEsu! so bitte für mich; o werther heiliger Geist! so vertritt mich bei GOtt mit unaussprechlichem Seufzen. O dreieiniger GOtt! reiche mir und meinem Kinde deine Hand, die wir unsere Herzen und Hände zu dir ausstreuen. Laß uns nicht verderben, noch Schaden leiden. Beweise an uns deine Kraft, so wollen wir rühmen und loben deine 62 Seufzer bei und unter der Geburt. 63 Macht nicht nur in der Sterblichkeit soll dein Ruhm sein ausgebreit't, ich wills auch hernach erweisen und dort ewiglich dich preisen. Laß die Frucht meines Leibes, als dein Geschöpf, in dieser Noth nicht verderben, sondern erhalte sie gnädiglich durch deine Kraft; hilf, daß ich an ihr nichts versäume, sondern sie durch deineGnade fröhlicherblickenmöge. HErr GOttVater im Himmel, erbarme dich über mich! HErr GOtt Sohn, der Welt Heiland, erbarme dich über mich! HErr GOtt heiliger Geist, erbarmedichüber mich! Amen. Ein Weiteres. Gnädiger u. starker GOtt! es ist dieStunde da, welche du zu meiner Entbindung bestimmt hast; darum wende ich mich zu dir und schreie: Vater! hilf mir aus dieser Stunde! In deinem Namen fange ich das Werkan; in deinem Namen will ich es vollenden; HErr, meinSchöpfer! stehe mir bei, und stärke mich. JEsu, du Sohn GOttes! der du bist Mensch geboren, bleibe bei mir, u. erquicke mich; ach! umfasse mich mit deinen Armen, und halte mich. werther heiliger Geist! gieb mir Geduld und Freudigkeit zu dem Werk; erbarme dich meiner, und erfreue mich. O du heilige Dreieinigkeit, Vater, Sohn und heiliger Geist, eile mir beizustehen. Stehe auf, HErr! und hilf mir, sonst verderbe 64 Sprüche, Seufzer und Gebete. ich. Christe, du Lamm GOttes, der du trägest die Sünde der Welt, erbarme dich über mich! Christe, du Lamm GOttes, der du trägest die Sünde der Welt, erbarme dich über mich! Ehriste, du Lamm GOttes, der du trägest die Sünde der Welt, verleihe mir Frieden! Amen. Sprüche, Seufzer und Gebete in Nöthen zu sprechen. Der HErr ist nahe allem, die ihn anrufen, allen die ihn mit Ernst anrufen. Er thut, was die GOttesfürchtigen begehren, und höret ihr Schreien und hilft ihnen. Psalm 145, v. 18. 19. Ich wende mich von allen Dingen, Und kehre mich zu JEsu Christ, Ich weiß, es wird mir bald gelingen. Weil JEsus nahe bei mir ist! Mein'Hoffnung ist auf ihn gericht't, Ich halte ihn, ich laß ihn nicht. Ich will wie Jakob mitihmringen; Ich bete, weil er helfen kann; Ich will ihm meine Lieder bringen. Ich greife es mit Freuden an; Ich rufe: HErr! ich laß dich nicht, Bis mir dein Mund den Segen spricht. Ach, mein JEsu! seijetzt nahe bei mir, und bleibe bei mir, bis du mir geholfen; ach! thue doch, was ich begehre, ich begehre aber nichts, als was dumir in deinem Wort verheißen hast, nämlich deine Hülfe. Was betrübst du dich, meine Seele! und bist so unruhig in mir? Harre auf GOtt, denn ich werde ihm noch banken, daß er meines Angesichtes Hülfe und mein GOtt ist. Psalm 43, v. 5. Was träntst du dich, mein' arme Seel! Sei still und thu nicht wanten. GOtt, meine Burg, mein Trost und Heil, Das werd ich ihm noch danken! in Nöthen zu sprechen. 65 Drück ich, und leid ein' kurze Zeit, Auf Angst kommt Freud und Wonne. Ach, mein JEsu! ich warte auf dein Heil; ich harre auf deine Hülfe, ach! laß sie mir bald er= scheinen: du allein bist meine Hoffnung; ach! erhöre mich; ach! erfreue mich; ach! entbinde mich, so will ich dir danken ewiglich. Der Herr hat dich lassen im Geschrei sein, daß du seiest wie ein verlassen und von Herzen betrübt Weib. Ich habe dich einen kleinen Augenblick verlassen, aber mit großer Barmherzigkeit will ich dich sammeln. Ich habe mein Angesicht im Augenblick des Zorns ein wenig vor dir verborgen, aber mit ewiger Gnade will ich mich dein erbarmen, spricht der Herr dein Erlöser. Jes. 54, v. 6-8. Ach JEsu! hilf mirdoch, Auf dich steht mein Verlangen, Ach, laß mich deine Hülf Mit Freuden bald empfangen; Dubist's, der Hülfe leist't, Ja du bist's ganz allein, Drum stelle dich doch bald zu meiner Hülfe ein. Ach, mein GOtt! erbarme dich mein, verlaß mich nicht, du bist mein GOtt. O barmherziger GOtt! meine Augen schauen anf gen Himmel, und sehnen sich nach deiner Hülfe. Verbirg dein Angesicht nicht vor mir; deine Gnade stärke mich, deine Hand erhalte mich. Ach HErr! wie lang, achlange! ist dem Herzen bange, und verlangt nach dir. Siehe. des HErrn Hand ist nicht zu kurz, daß er nicht helfen könne. Jes. 59, v. 1. GOttes Hände sind ohn' Ende; Sein Vermögen hat kein Ziel; Ist's beschwerlich, scheint's gefährlich, Deinem Gott ist nichts zu viel. Ich weiß, mein GOtt, daß dir nichts unmöglich ist, darum vertraue ich auf dich; HErr! strecke deine Hand zu mir aus, wie du dem sinkenden Anhang. 5 Spruce, Seufzer und Bevere Petro; deine Hand kann helfen aus allem, in allem und von allem. Ach HErr! schaue auf mich, ich sehne mich nach deiner Gnade. UU Er begehret mein, so will ich ihm anshelfen; er kennet meinen Namen, darum will ich ihn schützen. Er ruft mich an, so will ich ihn erhören; ich biu bei ihm in Noth; ich will ihn herausreißen und zu Ehren machen; ich will ihn sättigen mit langem Leben; ich will ihm zeigen mein Heil. Psal n 91, v. 14-16. HErr JEsu Christ; groß ist die Noth, Darin ich jest thu stecken; Ach! hilf mein allerliebster GCtt, Schlaf nicht, laß dich erwecken. Niemand ist, der mir helfen kann, Kein' Kreatur nimmt sich mein an, Und bin ohn dich verlassen. Ach, mein JEsu! weil mir Niemand helfen kann, als du, so eile mit deiner gnädigen Hülfe herbet. Siehe, ich bin jetzt in der Noth; ach! reiß mich nach deiner Verheißung heraus; ich begehre dein, hilf mir aus. Mein Herz hält dir vor dein Wort: Ihr sollt mein Antlig suchen: darum suche ich auch, Herr, dein Antliß. Es sollen wohl Berge weichen und Hügel hinfallen, aber meine Gnade soll nicht von dir weichen, und der Bund meines Friedens soll nicht hinfallen, spricht der HErr, dein Erbarmer. Jes. 54, v. 10. Was ich nicht kann, das gib du mir, Du höchstes Gut der Frommen! Gib, daß mir nicht des Glaubens Zier Durch Trübsal werd entnommen; Erhalte mich, o starker Hort! Befest'ge mich iu deinem Wort, Behüte mich vor Murren. O JEsu! nimm deine Gnade und deinen heiligen Geist nicht von mir; ach! weiche nicht von mir; stärke mich zu dem Werk und in dem Werke. Gedenke an den Bund, den du in der heiligen in Nöthen zu sprechen. 67 Taufe mit mir gemacht hast; kraft dieses Bundes bist du mein Vater, und ich dein Kind; ach, mein Vater; denk an dein Kind; hibf deinem Kinde, erbarme dich deines Kindes. Wie sich ein Vater über Kinder erbarmet, so erbarmet sich der HErr über die, so ihn fürchten. Pf. 103, v. 13. Weil du mein GOtt u. Bater bist, Dein Kind wirst du verlassen nicht, Du väterliches Herz: Ich bin ein armer Erdenklos, Auf Erden weiß ich keinen Trost. Ach, mein gnädiger GOtt und Vater! ich weiß keinen Trost und keine Hülfe zu suchen und zu finden, als nur allein bei dir. Darum schreie ich zu dir: Ach, hilf mir, mein Vater! erbarme dich über mich, mein Vater! ach, laß dein Vaterherz erweichen, damit ich möge bald erfreuet werden, ach! du kannst es ja, um deiner Barmherzigkeit willen thue es doch. Das weiß ich fürwahr: Wer GOtt dienet, der wird nach der Anfechtung getröstet und aus der Trübſal erlöset, und nach der Züchtigung findet er Gnade. Denn nach dem Ungewitter läsfest du die Sonne wieder scheinen, und nach dem Heulen und Weinen überschüttest du uns mit Freudan. Deinem Namen sei ewiglich Ehre und Lob, du GOtt Israel. Tob. 3, p. 22. 23. Es hat kein Unglück je so lang gewähret, Es hat doch endlich wieder aufgehöret, Beut mir deine Händ, Und mach ein End, Auf dieser Erd, Mein Herz sonst nichts begehrt. Ach GOtt! laß mich nach meinen Schmerzen und Nöthen bald auch deine Hülfe sehen; du bist ja der Nothhelfer und starke Held, der allein helfen kann; erlöse mich, und laß mich Gnade finden, gehe nicht vorüber von deiner Magd; du hast Lust zum Leben, darum erhalte mir und meinem Kinde 68 Sprüche, Seufzer und Gebete. das Leben, laß uns beide vor dir leben, daß wir deinen Namen preisen. HErr! ich traue auf dich, laß mich nimmermehr zu Schanden werden. Errette mich durch deine Gerechtigkeit, und hilf mir aus; neige deine Ohren zu mir, und hilf mir. Sei mir ein starker Hort, dahin ich immer fliehen möge, der du zugesagt hast, mir zu helfen; denn du bist mein Fels und meine Burg. Psalm 71, v. 1-3. HErr JEsu Christ! ich schrei zu dir Aus hochbetrübter Seele, Dein' Allmacht laßerscheinen mir, Und mich nicht länger quäle; Viel größer ist die Noth und Schmerz, So anficht und betrübt mein Herz, Als daß ich's kann erzählen. Ach Herr! mein Jammer und Elend ist dir gar wohl bekannt; HErr! HErr! je mehr die Noth groß wird, desto eifriger will ich um Hülfe schreien, ich will es in meinen Nöthen machen, wie mein JEsus, denn da er mit dem Tode rang betete er heftiger. Meine Seele wartet auf den HErrn von einer Morgenwache bis zur andern. Psalm 130, v. 6. Und ob es währt bis in die Nacht Und wieder an den Morgen, Soll doch mein Herz an GOttes Macht Verzweifeln nicht, noch sorgen. Mein GOtt! das ist auch und soll mein fester Entschluß bleiben; ich will nicht an deiner Hülfe zweifeln, wenn es auch noch so lange währete; sollte der HErr sich vor mir verbergen, so wird er sich doch bald aufmachen, und mir gnädig sein. Ich winselte wie ein Kranich nnd Schwalbe, und girrte wie eine Taube; meine Augen wollten mir brechen. HErr! ich de Noth; lindre mir's. O wie will ich noch reden, daß er mir zugesagt hat, und thut's auch. Jes. 38, v. 14. 15. Aus der Tiefe rufe ich, Will sonst Niemand in Nöthen zu sprechen. 69 hören mich, Ach! so hör, o JEsu mein; Du wirst ja der Helfer sein. ( Die Antwort des HErrn JEsu). In der Höh' erhör ich dich, Drückt der Schmerz dich jämmerlich, Macht die Noth dem Herzen bang, Meine Hülf verzeucht nicht lang. Ach JEsu! all meine Hoffnung steht zu dir, als zu meinem starken und mächtigen Helfer; ach! thu, wie du mir zugesaget haſt. Mit dir habe ich das Werk angefangen, ach! gib du deinen Segen dazu. Hilf mir und meinem Kind! laß uns einander fröhlich erblicken und vor dir leben. HErr! erbarme dich über uns. Meine Augen sehen stets zu dem HErrn, denn er wird meinen Fuß aus dem Netze ziehen. Wende dich zu mir, und sei mir gnädia, denn ich bin einsam und elend. Die Angst meines Herzens ist groß; führe mich aus meinen Nöthen. Siehe an meinen Jammer und Elend, und vergieb mir alle meine Sünden. Ps. 25, v. 15-18. Laß mich wiederum empfinden, Mein GOtt! deinen Freudenschein, Hilf mich dieser Last entbinden, Lindere die Schmerzenspein; Wirst du mich nicht balderquicken, Wird die Last mich unterdrücken. Ist mein Seufzen denn vergebens! Wird mein Beten nicht erhört; Soll ich denn, o Hort des Lebens! Bleiben immerdar beschwert? Laß den Schmerz vorübergehen und mich deine Hülfe sehen. HErr JEsu! ich blicke im Glauben nach dir; ach! komme zu mir, siehe, wie mir so wehe ist: stärke meinen Glauben; erhalte meine Zuversicht, daß ich ja von dir nicht wanke. Ach! tritt du mir selbst zur Seite. HErr! höre mein Gebet, verlaß mich nicht, Ach! ist's bald Zeit, daß ich durch deine Hülfe erfreuet werde. Sprüche, Seufzer und Gebete Siehe, ich komme bald. Ja komm, HErr JEsu! Offb. Joh. 22, v. 20. HErr! wenn du mir nicht helfen wirst, So ist mit mir verloren; Du bist allein der Lebensfürst, Der uns zu gut geboren. Komm, JEsu! komm, ach! komm zu mir; Denn siehe, Herr! die Noth ist hier, Du wirst mich nicht verlassen. Ach, mein JEsu! das ist auch meines Herzens Wunsch und mein Verlangen, daß du bald kom: mest. Ach! komm und entbinde mich; komm und erfreue mich; komm und errette mich; komm, laß mich erblicken, was ich zu sehen begehre. 70 Nun HErr, weß soll ich mich trösten? Ich hoffe auf dich: Höre mein Gebet, HErr! und vernimm mein Schreien, und schweige nicht über meine Thränen. Ps. 39, v. 8. 13. Ich weiß, daß du meiner noch nie vergessen, Daß ich mir sollt aus Leid mein Herz abfressen; Mitten in der Noth denk ich an GOtt, Ob er mich gleich mit Kreuz und Angst thut pressen. HErr JEsu! eilezu mir; hilf mir, mein GOtt! mein Helfer! so ist mir geholfen; Ich weiß sonst keinen Rath in dieser Angst und Noth, darum flehe ich zu dir: ach! komm, ach! komm, ach! hilf mir. Der HErr gibt den Müden Kraft, und Stärke den Unvermögenden. Die auf den HErrn harren, kriegen neue Kraft, daß sie auffahren mit Flügeln wie ein Adler, daß sie laufen und nicht matt werden; daß sie wandeln und nicht müde werden. Jes. 40, v. 29. 31. HErr JEsu Christe, GOttes Sohn, Zu dir steht mein Vertrauen, Du bist der rechte Gnadenthron: Wer murauf dich thut bauen, Demstehstdu beiinaller Noth. HilfstihmimLebenu.imTod, Daraufichmich verlasse. Ach HErr, mein GOtt! gib mir auch neue Kraft, verleihe mir Muth, Kraft und Stärke dei in Nöthen zu sprechen. 71 nes heiligen Geistes; ich bin zu schwach, dieses Werk auszuführen, aber in meines GOttes Stärke vermag ich alles. HErr! stärke mich diesesmal, mein GOtt! hilf fröhlich überwinden. Der Name des Herrn sei gelobt! Wo der HErr mir nicht hülfe, so läge meine Seele schier in der Stille. Ich hatte viel Bekümmerniß in meinem Herzen, aber deine Tröstungen ergößten meine Seele. Pf. 94, v. 17. 19. Meine Hülfe kommt vom Herrn, Also will ich mich getrösten, Wenn die Hülfe scheinet fern, Und die Noth am allergrößsten; Wenn kein Mensch mir helfen kann, So schau ich den Himmel an. HErr, allmächtiger GOtt! von dem alle Hülfe kommt, so auf Erden geschieht, du hast ja gesagt: Rufe mich an in der Noth; auf deinen Befehl rufe ich und sage: HErr! hilf mir, HErr! erbarme dich; nimm weg die Bekümmerniß und Sorge meiner Seele! schenke mir, was ich hoffe; gib mir, was ich bitte. HErr! es steht in deinen Händen. Wir rühmen uns der Trübsalen, dieweil wir wissen, daß Trübsal Geduld bringet: Geduld aber bringet Erfahrung; Erfahrung aber bringet Hoffnung; Hoffnung aber lässet nicht zu Schanden werden. Röm. 5, v. 3-5. Wer hofft in GOtt und ihm vertraut, Der wird nimmer zu Schanden, Und wer auf diesen Felsen baut, Ob ihm schon kommt zu Handen Viel Unglück hie, Hab ich doch nie den Menschen sehen fallen, Der sich verläßt auf GOttes Trost, Er hilft den Seinen allen. Ach HErr! hilf mir auch nach deiner großen Güte und Barmherzigkeit! ich warte auf deine Hülfe! ich hoffe auf eine fröhliche Entbindung, die stehet bei dir; siehe an mich betrübtes Weib, und Sprüche, Seufzer und Gebete erfreue mich wieder: laß deine Stunde anbrechen, damit ich mit fröhlichem Munde dir danken möge. 72 Das Gebet der Elenden dringet durch die Wolken und lässet nicht ab, bis es hinzukomme, und höret nicht auf, bis der Höchste drein sehe. Sir. 35, v. 21. Ach GOtt! erhör mein Seufzen und Wehklagen, Laßmid in meiner Nothnicht gar verzagen, Du weißt meinen Schmerz, erkennst mein Herz; Hast du mir's aufgelegt, so hilf mir's tragen. Pflanz mir Geduld durch deinenGeist in'sHerze, Und hilf, daß ich es acht' für keinen Schmerze. Zu deiner Zeit Wend ab mein Leid, Durch Mark und Beindringt mir derSchmerze. HErr, allmächtiger GOtt! der du der Elenden Seufzen nicht verschmähest, und der betrübten Herzen Verlangen nichtverachtest, siehe an unser Gebet, welches wir dir in unserer Noth vortragen, und er: höre uns gnädiglich. GOtt! höre mein Gebet, und verbirg dich nicht vor meinem Flehen, merke auf mich, und erhöre mich, wie ich so kläglich zage und heule. Furcht und Zittern ist mich angekommen, und Grauen hat mich überfallen. Pf. 55, v. 2. 3. 6. Hoff, o du arme Seele, Hoff und sei unverzagt, GOtt wird dich aus der Höhle, Da dich der Kummer plagt, Mit großen Gnaden rücken, Erwarte nur die Zeit, So wirst du schon erblicken Die Sonn der schönsten Freud. Ach HErr! HErr! du kannst helfen, denn du bist ein allmächtiger GOtt: du willst helfen, du bist ja mein liebreicher GOtt und Vater; ach! darum so erhöre mich, laß leuchten dein Antliß, so genese ich. GOtt sprich: Ich habe dich in der angenehmen Zeit erhöret, und habe dir am Tage des Heils geholfen. Se in Nöthen zu sprechen. 73 het, jetzt ist die angenehme Zeit, jetzt ist der Tag des Heils. 2. Kor. 6, v. 2. WennTrostu.Hülfermangeln muß, Die alleWelt erzeiget, SokommtderHülfelleberfluß, Der Schöpfer selbst, u. neiget Die Vateraugen denenzu, Dieſonsten nirgends finden Ruh, Gebet uns'rem Gott die Ehre. Ach HErr! ist deine Stunde noch nicht gekommen; HErr! wie lange willst du mein so gar vergessen? Doch ich weiß, mein Gott vergißt meiner nicht, seine Liebe ist zu groß, sein Herz zu brünstig; ach! um aller deiner Güte willen errette mich. Ach, wie lang, ach lange! ist dem Herzen bange, und verlangt nach dir. HErr! laß mein Flehen vor dich kommen, errette mich nach deinem Wort; HErr! mich verlanget nach deinem Heil, und habe Lust nach deinem Gefeße. Laß meine Seele leben, daß sie dich lobe, und deine Rechte mir helfen. Psalm 119, v. 170. 174. 175. Ob sich's anließ, als wollt er nicht, So laß dich gar nicht schrecken, Denn wo er ist am besten mit, Da will er's nicht entdecken; Sein Wort laß dir gewisser sein, Und ob dein Herz spricht lauter nein, So laß dir gar nicht grauen. HErr, mein GOtt! ich will jetzt durch all mein Elend und Schmerzen hindurch und allein auf dich sehen; ich will nicht sehen neben und um mich, denn da finde ich schwache Menschen; sondern über mich gen Himmel, auf dich, o allmächtiger GOtt; ach! laß deine Gnade mir beistehen und deinen Arm mir aus helfen; hilf du mir, GOtt meines Heils, so ist mir geholfen. minings Ich will ihr Trauern in Freud verkehren und sie trösten, und sie erfreuen nach ihrer Betrübniß. Jeſ. 31, v. 13. Sprüche, Seufzer und Gebete Er wird zwar eine Weile Mit seinem Trost verziehn, Und thun an seinem Theile, Als hätt' in seinem Sinn Er deiner sich begeben, Und sollst du für und für In Angst und Nöthen schweben, So frag er nichts nach dir; Wirds aber sich befinden, Daß dit ihm treu verbleibst, So wird er dich entbinden, Da du's am mind'sten gläubst: Er wird dein Herze lösen Von der so schweren Last, die du zu keinem Bösen Bisher getragen haſt. 74 Ach, mein GOtt! entbinde mich auch von meiner Last; verzeuch doch nicht länger mit deiner Hülfe; kehre mein Trauern in Freuden, und erfreue mich mit einer fröhlichen Geburt nach meiner Betrübniß; bei GOtt ist mein Heil; meine Ehre, meine Zuversicht ist mein GOtt. Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen, von welchen mir Hülfe kommt. Meine Hülfe kommt vom HErrn, der Himmel und Erde gemacht hat. Ps. 121, v. 1. 2. Denn GOtt verläßt der keinen, Der sich auf ihn verläßt, Er bleibt getreu den Seinen, Die ihm vertrauen fest. Läßt sich's an wunderlich, Laß du dir gar nicht grauen, Mit Freuden wirst du schauen, Wie GOtt wird retten dich. HErr, dreieiniger GOtt! ich habe alle meine Hoffnung auf dich gestellt; nach dir sehne ich mich. HErr, GOtt Vater! erbarme dich mein und meines Kindes; HErr JEsu! stärke mich, und stehe mir bei. O heiliger Geiſt! erquicke mich mit dem Trost, daß ich bald erfreuet, entbunden, erquicket, bald Hülfe erlangen werde; dreieiniger GOtt! erbarme dich mein. Die Weissagung( die Verheißung der göttlichen Hülfe) wird ja noch erfüllet werden zu seiner Zeit, und wird endlich frei an Tag kommen und nicht außen bleiben. Ob in Nöthen zu sprechen. 75 sie aber verzeucht so harre ihr; sie wird gewißlich kvmmen, und nicht verziehen. Hab. 2. v. 3. Von GOtt will ich nicht lassen, Denn er läßt nicht von mir; Führt mich auf rechter Straßen, Wenn ich geh in der Irr; Er reicht mir seine Hand; Am Abend wie am Morgen Thut er mich wohl versorgen, Set's, wo ich wohn' im Land. Ach ja, mein GOtt! ich laß dich nicht, du segnest und hilfest mir dann. Laß doch auf den Verzug deiner Hülfe die fröhliche Hülfestunde anbrechen. Indessen will ich anhalten mit Seufzen und Beten, und sagen: Herr JEsu! hilf siegen, HErr JEsu, hilf ringen! meine Entbindung, mein Leben und meine Hülfe steht in deinen Händen. HErr! wie lange willst du mein so gar vergessen? wie lange verbirgst du dein Antliß vor mir? wie lange soll ich sorgen in meiner Seele und mich ängsten in meinem Herzen täglich? Schaue doch und erhöre mich. Ps. 13, v. 2-4. Ach! wann wirst du dich erbarmen Uebermeine schwere Pein? Wann wirst du mir gnädigsein? Ach! wann wirst du mich umarmen. Ach! mein GOtt? wielang, ach lang, Soll mir sein so angst und bang? Ach, mein gnädiger und barmherziger GOtt! da deine Hülfe verzeucht, ist mir angst; aber ich will doch nicht verzagen. Du bist mein Vater, und ich dein Kind. Ach! verbirg dein Angesicht nicht länger vor mir; ſprich nur ein Wort, so werde ich genesen, denn, wenn du sprichst, so geschieht's, und wenn du gebeutst, so stehet's da. HErr! erhöre mich gnädiglich. Herr! du bist meine Hoffnung, heile du mich, HErr! so werde ich heil; hilf du mir, so ist mir geholfen, denn: du bist mein Ruhm. Sei du mir nur nicht schrecklich, meine Zuversicht in der Noth. Jer. 17, v. 13. 14. 17. Sprüche, Seufzer und Gebete Wo soll ich mich dann wenden hin? Zu dir, HErr JEsu! steht mein Sinn Bei dir mein Herz Trost, Hülfund Rath Allzeit gewiß gefunden hat! Niemand jemalsverlassenist, DersichverläßtaufJEsumChrist. Ja, mein JEsu! all meine Hoffnung stehet jetzt zu dir und zu deiner Allmacht. Hilf mir, mein Heiland! bald, wenn es dein heiliger Wille ist; hilf mir, daß ich mich über deine Hülfe erfreuen kann. Owie will ich deinen Namen rühmen und lobsingen, wenn du mich herrlich erlöset hast. Meine Zuversicht steht im Namen des HErrn, der Himmel und Erde gemacht hat. 76 Ich hoffe aber darauf, daß du so gnädig bist; mein Herz freuet sich, daß du so gerne hilfest. Ich will dem HErrn singen, daß er so wohl an mir thut. Pf. 13, v. 6. Bin ich zu schwach, laß deine Treu Miran dieSeile treten, Hilf, daß ich unverdrossen sei, Zum Rufen, Seufzen, Beten. So lang ein Herze hofft u. glaubt, Und im Gebet beständig bleibt, So lang ists unbezwungen. O du getreuer Heiland und liebreicher MenschenFreund! mein Herz hält dir vor dein Wort: Ihr sollt mein Antlib suchen; darum suche ich auch, HErr! dein Antlik. Ich weiß, du kannst helfen, und hilfest auch gerne, darnm hoffe ich auf dich; ich hoffe von einem Augenblick zum andern. Ach GOtt! laffe es jetzt Zeit sein: HErr, hilf mir nach deiner Barmherzigkeit. Judesfenstehet meine Hoffmung auf dich feſte. Mein Vermögen ist dahin, und meine Hoffnung am HErrn. Gedenke doch, wie ich so elend und verlassen mit Wermuth und Galle getränket bin; du wirst daran gedenken, denn meine Seele sagt mirs. Das nehme ich zu Herzen, darum hoffe ich noch. Klgl. Jer. 3, v. 18-21. in Nöthen zu sprechen. 77 Wollte mich der HErr auch tödten, Läfset ihn mein Herz doch nicht: Er hilft mir aus meinen Nöthen, Er bewahrt mein Lebenslicht; Ob er sich schon anders stelle Und bei sich verborgen hält; Der mir Leib u.. Seel geschenket, Der ist's, der jetzt an mich denket. Ach ja! mein GOtt denket an mich, darum sprech ich: Der HErr denket an mich und segnet mich; er lässet sein Angesicht leuchten. Ist gleich mein Vermögen nicht groß, ist bei mir keine Kraft zu gebären, so habe ich doch bei und in GOtt Kraft und Stärke. Ich werde noch meine Lust an seiner Hülfe sehen. Du läsfest mich erfahren viel und große Angst, und machest mich wieder lebendig und holest mich aus der Tiefe der Erden herauf. Du machest mich sehr groß und tröstet mich wieder. Psalm 71, v. 20. 21. Greif mich auch nicht zu heftig an, Damit ich nicht vergehe; Du weißt wohl, was ich tragen kann, Wie's um mein Leben stehe; Ich bin ja weder Stahl noch Stein, Wie balde geht ein Wind herein, So fall ich hin und sterbe. Ach GOtt! willst du mich große Angst und Schmerzen erfahren lassen, ach! so greif mich nur nicht zu heftig an! du weißt mein Vermögen; meine: Kraft ist dir nicht verborgen. O darum erquicke mich; wenn ich sinke, so hebe mich; wenn ich ohnmächtig werde, so labe mich; wenn ich müde werde, so stärke mich. HErr GOtt meines Lebens! er= halte mir und meinem Kinde das Leben: dafür soll dein Name ewiglich gepriesen werden. Siehe, GOtt ist mein Heil; ich bin sicher, und fürchte mich nicht; denn GOtt der HErr ist meine Stärke und mein Pfalm, und ist mein Heil. Lobsinget dem HErrn, denn er hat sich herrlich bewiesen, solches sei kund in allen Landen. Jef. 12, v. 2. 5. Sprüche, Seufzer und Gebete Und weil ich ja nach deinem Rath Hier soll ein wenig leiden, So laß mich ja in deiner Guad Als wie ein Schäflein waiden, Daß ich im Glauben die Geduld Und durch Geduld die edle Huld Nach schwerer Noth erhalte. Ach ja, mein GOtt! das ist mein Trost, daß mein Leiden endlich ein gutes und fröhliches Ende nehmen wird, darum, weil du meine Stärke, mein Nothhelfer und Erretter bist, habe ich GÖtt bei mir, so habe ich eine gewisse Errettung, darum will ich stille sein, und hoffen, durch Stillesein und Hoffen werde ich stark sein. Ich vermag alles durch den, der mich mächtig macht, Christus. 78 Sei nicht ferne von mir, denn Angst ist nahe, denn es ist hier kein Helfer. Meine Kräfte sind vertrocknet, und meine Zunge klebt an meinem Gaumen. Pf. 22, v. 12. 16. Hast du denn, o JEsu! dein Angesicht gänzlich verborgen, Daß ich die Stunde der Nächte muß warten bis Morgen? Wie hast du doch Süßester! können verlängern die traurigen Sorgen? Mußt du denn, Liebster, dich also von Herzen betrüben, Daß ich ein wenig zu lange bin außen geblieben. Weißt du denn nicht, Wie sich mein Herze verspricht, Dich stets und ewig zu lieben? Ja, deine Liebe und Treue, mein JEsu! ist der Grund meiner Hoffnung und Zuversicht, du hast mich je und je geliebet, und kraft derselben mir öfters geholfen und mich errettet, darum hoffe ich, dit werdest auch diesesmal mich erquicken: obgleich meine Noth groß ist, meine Hülfe noch ferne scheint und vor Mattigkeit meine Zunge am Gaumen klebt, so ist doch in allem mein Herz anf dich ge= richtet, du wirst mich noch fröhlich von allem Leiden erretten. Das glaube ich, daß weiß ich; ach HErr! stärke meinen Glauben und Zuversicht. in Röthen zu sprechen. 79 Die Güte des HErrn ist's, daß wir nicht gar aus sind; seine Barmherzigkeit hat noch kein Ende: sondern ste ist alle Morgen neu, und deine Treue ist groß. Der HErr ist mein Theil, spricht meine Seele; darum will ich auf ihn hoffen. Klagl. Jer. 3, v. 22-24. Sollt es gleich bisweilen scheinen, Als ob GOtt verließ die Seinen, Ei, so weiß und glaub ich dieß, GOtt hilft endlich doch gewiß. Hülfe, die er aufgeschoben, Hat er darum nicht aufgehoben; Hilft er uicht zu jeder Frist, Hilft er doch, wenn's nöthig ist. Ach, mein gnädiger GOtt! deine Güte ist bei mir nicht nur alle Morgen, sondern alle Augenblicke neu; du stärkest und erhältst mich augenblicklich. Wie könnte ich ohne dich alles verrichten? Dein Aufsehen bewahret meinen Odem! du stärkest Haupt und Hände. Darum will ich dich nicht verlassen; GOtt weichet nimmer von mir, und ich weiche nicht von GOtt. Darum wird auch meine Hülfestunde bald herein brechen, weil ich Den bei mir habe, von dem alle Hülfe kommt. Erhöre mich, wenn ich rufe, GOtt meiner Gerechtigkeit; der du mich tröstest in Angst; sei mir gnädig, und erhöre mein Gebet. Erkennet doch, daß der HErr seine Heiligen wunderbar führet; der HErr höret, wenn ich ihn anrufe. Ps. 4, v. 2. 4. Sei getreu in deinem Hoffen, Hilft GOtt gleich nicht, wie du willst, Er hat bald ein Mittel troffen, Daß dein Wünschen wird erfüllt. Drum getreu, getreu aushalten Mußt du deinem lieben GOttt; Ihn mußt dn stets lassen walten, Wenn du nicht willst haben Spott; Rufe nur, er ist schon hier; Sein Herz bricht ihm gegen dir; Rufe nur, GOtt ist vorhanden, Hoffnungmachet nicht zu Schanden. Ach, mein GOtt! ich weiß, daß du mich allezeit erhöreſt, darum will ich vertrauen in meiner Sprüche, Seufzer und Gebete schweren Zeit; wenn harte Stürme kommen, so will ich dir getreu aushalten. Führest du mich wunderbar, so führe mich uur selig; ich weiß, du bist und stehest neben mir, ob dn gleich dich mit deiner Hülfe noch nicht offenbarest; ich spreche indessen im Glauben: Eile mir beizustehen, HErr, meine Hülfe! 80 Der HErr ist freundlich dem, der auf ihn harret, und der Seele, die nach ihm fraget. Es ist ein köstlich Ding, geduldig sein und auf die Hülfe ds HErrn hoffen. Klagl. Jer. 3, v. 25. 26. Ich weiß, du wirst in deinem Sinn Mit mir Mitleiden haben, und mich, wie ich es dürftig bin, Mit Gnad und Hülfe laben. Ach! stärke meine schwache Hand, Ach! heil und bring in bessern Stand Das Straucheln meiner Füße. Ja, mein GOtt! auf dich harret meine Seele und mein Vertrauen wanket nicht. Du freundlicher JEsu! erquicke mich mit deiner Freundlichkeit in meinen Nöthen: richte auf die wankenden Füße; stärke die matten Hände; ich hoffe auf deine Güte? ich warte auf dein Heil, und tröste mich mit deiner Gnade. O du GOtt aller Gnade! der du tröstest in Angst, laß mir Barmherzigkeit widerfahren. Ich rufe zu dir, daß du, GOtt, wollest mich erhören; neige deine Ohren zu mir, höre meine Rede. Beweise deine wunderbare Güte, du Heiland derer, die dir vertrauen. Behüte mich wie einen Augapfel im Auge; beschirme mich unter dem Schatten deiner Flügel. Ps. 17, v. 6--8. Zeuch mich, zeuch mich mit den Armen Deiner großen Freundlichkeit; JEsu Christe! dein Erbarmen Helfe meiner Blödigkeit. Wirst du mich nicht. zu dir ziehen, Ach! so muß ich von dir fliehen. Zeuch mich mit den Liebes Seilen, Zeuchmichkräftig, o mein GOtt! Ach, wie laug willst du verweilen. in Nöthen zu sprechen. 81 fer GOtt, HErr Zebaoth! Doch ich hoff' in allen Nöthen, Wenn du mich gleich wollest tödten. Ach HErr! bewahre uns vor Unglück, mich und mein Kind; bedecke uns mit deinen Gnadenflügeln; höre mein Seufzen, und hilf mir. Werden die Nö then heftiger, so laß auch kräftigere Hülfe erscheinen; ich vertraue dir dennoch, ob es gleich scheinet, als ob du mich tödten wolltest. O! deine Handist nicht verkürzet: ich sehe nicht auf mein Unvermögen, sondern auf dich, gnädigen, starken und barmherzigen GOtt. GOtt verleßet und verbindet, er zerschmeißet, und seine Hand heilet. Aus sechs Trübsalen wird er dich erretten, und in der siebenten wird dich kein lebel rühren. Hiob 5, v. 18, 19. Bald wird mir Hüife werden, Was soll der feige Muth; Nachdem ich was auf Erden Gelitten, wird es gut. Dann werd ich fröhlich singen: Auf GOtt hab ich gebaut, Drum muß es mir gelingen, Wohl dem, der GOtt vertraut. Ach GOtt! die vorige, so öfters mir geleiſtete Hülfe machet mir Muth, daß du auch diesmal werdest mein GOtt, Erretter und Leistand sein. Du bist ja noch stark, als du vormals gewesen; hast du so vielen geholfen, so beweiie auch an mir deine Güte. So soll nach der Hülfe mein Mund voll Rühmens sein, und ich will sagen: das hat GOtt gethan; der Name des Herrn sei gelobet. Der HErr, dein GOtt, ist ein barmherziger GOtt; er wird dich nicht lassen, noch verderben, wird auch nicht vergessen des Bundes, den er deinen Vätern geschworen hat. 5 Buch Mos. 4, v. 31. JEsu, meinErretter! siehe, Wie oft ich in Nöthen bin, Ach, du bist's, zu dem ich fliehe, Sousten weiß ich Anhang. 6 Sprüche, Seufzer und Gebete nirgendshin, Darum fürcht ich keine Noth, Keine Schmerzen, Kreuz und Tod; Aus den größten Leidens- Ketten, Weiß mein JEsus mich zu retten. 82 Ach, mein Vater! gedenke an den Bund, den du mit mir in der heiligen Taufe gemacht hast; gedenke, daß du mein Vater bist und ich dein Kind. JEsu! daß du mich gewaschen und gereiniget haft mit deinem heiligen Blut, zn dir fliehe ich, und flehe dich um Hülfe in meinen Nöthen an; ach! errette mich; ach! erquicke mich; ach! erfreue mich. Der Herr verstößet nicht ewiglich, sondern er betrübet wohl, und erbarmet sich wieder nach seiner großen Güte. Denn er nicht von Herzen die Menschen plaget und betrübet. Jer. 3, v. 31-33. Kein' bessere Treuauf Erden ist, Denn nur bei dir HErr JEsu Christ; Ich weiß, daß du mich nicht verläß't; Dein'Zusag bleibt mir ewig fest; Du bist mein rechter treuer Hirt, Der ewig mich behüten wird. Ach ja! mein Hirt wird mein Schäflein und mein Vater sein Kind nicht verlassen; hast du mich betrübet mein GOtt, ach! so erfreue mich auch wieder; hast du mir den Segen gegeben, ach! so laß mich ihn auch erblicken; lege mein Kind, o JEsu! mir lebendig in meine Arme, ich will es durch die heilige Taufe wieder in deine Liebesarme legen, und dir wieder geben, was du mir geschenkt haft; ist es mein nach der Natur und leiblichen Geburt, so soll es Dein werden nach der Wiedergeburt. Gelobet sei der HErr täglich. GOtt leget uns eine Last auf, aber er hilft uns auch. Wir haben einen GOtt, der da hilft und den HErrn HErrn, der vom Tode errettet. Psalm 68, v. 20. 21. in Nöthen zu sprechen. Schickt mir GOtt ein Kreuz zu tragen, Dringt herein Angst und Pein, Sollt ich d'rum verzagen? Der es schickt, der wird es wenden, Er weiß wohl, Wie er soll, All' mein Unglück wenden. 83 HErr, du hast mir diese Last aufgeleget, ach! nimm sie mir auch wieder ab; du bist ja der Helfer und die Zuflucht aller Glaubigen. O wie leicht iſt es dir, mich zu entbinden, die Bande zu lösen, die Thüre aufzuthun; bei dir ist nichts unmöglich; laß mich in diesem Vertrauen auf dich beständig, bis zur Stunde meiner Erlösung, verharren. Rufe mich an in der Noth, so will ich dich erretten, so sollst du mich preisen. Ps. 50, v. 15. Ach, HErr GOtt! wie reich trösteſt du, Die gänzlich sind verlassen, Die Gnadenthür steht nimmer zu, Vernunft kann das nicht fassen; Sie spricht: Es ist nun alles verlor'n, Daß doch das Kreuz hat neu gebor'n, Die deine Hülf erwarten. Ach, mein GOtt! ich warte auf deine Hülfe, ich bin ohne dich gänzlich verlassen, darum rufe ich dich an in meiner Noth: Errette mich, erhöre mich, erbarme dich; ach! tröste mich mit deiner Hülfe, und der heilige Geist erhalte mich dir. Ich will, HErr! rufen zu dir; zum HErrn will ich flehen, HErr, höre und sei mir gnädig; HErr, sei mein Helfer. Psalm 30, v. 9. 11. Erkennt die rechtenFreudenstunden! Er weißwohl, was uns nüßlich sei; Wenn eruns nur hattreuerfunden, Und merket keine Heuchelei, So kommt Gott, eh' wir uns verseh'n Und lässet uns viel Gut's gescheh'n. Ach ja, HErr JEsu! laß deine Hülfesstunde 6* 84 Die Kindbetterin danket GOtt bald erscheinen; deiner warte ich mit Verlangen. Indessen will ich seufzen und flehen; Du wirst mich erhören, und mir nach deiner Verheißung aushelfen. HErr! HErr! sei du mit mir um deines Namens willen, denn deine Gnade ist mein Trost; errette mich. Stehe mir bei, HErr, mein GOtt! hilf mir nach deiner Gnade. Psalm 109, v. 21. 26. Auf meinen lieben GOtt Trau ich in Angst und Noth, Er kann mich allzeit retten Aus Trübsal, Angst und Nöthen; Mein Unglück kann er wenden, Es steht in seinen Händen. Dies ist mein Trost in allen meinen Leiden, Daß GOtt bei mir ist, der mächtige Schußherr seiner Kinder, dem empfehle ich mich; der wird es wohl machen. Anmerkung. Sollte es zum Sterben ein Ansehen gewinnen, so wären im täglichen Handbuch die Sprüche, Seufzer und Gebete auf dem 419 und folgenden Blatte nachzuschlagen. Andachten für Kindbetterinnen. Die Kindbetterin danket GOtt für ihre glückliche Entbindung. Aufmunterung. Ein Weib, wenn sie das Kind zur Welt geboren hat, denkt nicht mehr an die Angst, um der Freude willen, daß der Mensch zur Welt geboren ist; also für ihre glückliche Entbindung. 85 lehret der Mund der Wahrheit, Christus, Joh. 10, v. 21. Dieses läffet auch GOtt gottselige Ehefrauen empfinden, daß sie nach der glücklichen Entbindung alles Trauren fahren lassen, und nun GOtt hoch preisen. Sie sollen GOtt preisen 1) für seine Allmacht, die sie erhalten, u. für den Beistand, den er ihnen geleistet hat, indem sie gestehen müssen, daß ohne GOttes wunderbare Hülfe all' ihr Bemühen wäre vergebens gewesen; 2) sie sollen Gottes Gnade rühmen, daß er ihre Geburtsschmerzen abgekürzt u. gelindert hat; 3) sie sollen GOtt danken, daß er sie ihr Kind mit Freuden hat erbliden lassen, oder so es ja todt wäre, daß es GOtt zur ewigen Freude und Herrlichkeit aufgenommen und ihm nach seiner Barmherzigkeit für das irdischeLeben das himmlische Freuden- Leben gegeben habe; 4) sie sollen die ihnen von GOtt geschenkte Ruhe durch Vorwiß oder Geiſt oder unnöthiges Umhergehen u. Bemühungen nicht brechen, sondern derselben genießen u. sie annehmen. Denn wenn manche Kindbetterinnen in den von Gott beſtimmtenRuhetagen sich öfters wollengroßmachen mit Aus- und Eingehen, fallen aber in gefährliche Krankheiten, bekommen beschwerlicheLeibesschäden, unglückliche Zufälle, so mögen sie es sich selbst und ihrem Vorwiß zuschreiben und den Schaden tragen, daß sie haben weiser sein wollen als GOtt, der ihnen eine Ruhe verordnet, und für nöthig erachtet hat, sie aber dieselbe für unnöthig gehalten und verachtet haben. Daher auch die Ehemänner ihre Eheweiber in solcher Ruhe nicht stören, sondern nach GOttes Ordnung ihnen gönnen sollen, was GOtt den Sechswöchnerinnen befohlen, 3. B. Moj. 12., sie zu keiner Arbeit anstrengen, oder vor der Zeit ihr Wochenbett zu verlassennöthigensollen; 5) sie sollen 86 Die Kindbetterin danket Gott GOtt täglich anrufen, er wolle sie und ihr Kind vor allem Uebel und Unfall bewahren und also sich und dasselbe im fleißigen Gebet GOtt täglich vortragen. Endlich 6) sollen sie auch GOtt um Gesundheit und neue Kräfte bitten, daß er nach Erlangung derselben sie einen fröhlichen Aus- und Kirchengang werde halten lassen. Gebet. Allmächtiger, großer und starker GOtt! ich erscheine allhier mit Freuden vor deinem allerheiligsten Angesicht, und lobe dich für die herrliche und große Wohlthat, womit du mich begnadigt hast. Ich preise dich, daß du meine Geburtsschmerzen gelindert, mich fröhlich entbunden und in der Geburt deine Hand über mich gehalten hast. HErr, wie groß ist deine Allmacht, wie herrlich ist deine Stärke! du hieltest mich, da ich sinken wollte! erquicktest mich, wenn ich schwach und ohnmächtig werden wollte; und stärktest mich, wenn alle Kräfte dahin waren. Ja, du hast alles herrlich ausgeführt, mein Kind mir geschenket, mein Leben mir erhalten, alles Unglück abgewendet und mich nun nach Wunsch erfreuet. Lobeden HErru, meine Seele! und was in mir ist, seinen heiligen Namen. Lobe den HErrn meine Seele; und vergiß nicht, was er dir Gutes gethan hat. Der HErr hat Großes an mir gethan, deß bin ich fröhlich. Gelobet seider für ihre glückliche Entbindung. 87 HErr, denn er hat erhöretdie Stimme meines Flehens; der HErr ist meine Stärke und mein Schild, auf ihn hoffet mein Herz, und mir ist geholfen, und mein Herz ist fröhlich und ich will ihm danken mit meinem Lied. Danket dem Herrn, denn er ist freundlich, und seine Güte währet ewiglich; saget, die ihr erlöset seid durch den HErrn; denn seine Güte währet ewiglich die er aus der Noth erlöset hat, und zum HErrnriefen in ihrer Noth, und sie errettet aus ihren Aengsten, die sollen dem HErrn danken für seine Güte und für seine Wunder, die er an den Menschenkindern thut, und Dank opfern und erzählen sein Werk mit Freuden. Ja, mein GOtt, ich erzähle heute dein Werk mit Freuden, und sage: Wie soll ich dem HErrn vergelten alle Wohlthat, die er an mir gethan hat? Ach, mein GOtt, laß auch deine Barmherzigkeit an mir groß werden. Beschüße, stärke und erhalte mich auch in diesem Wochenbett. Ach, bewahre mich und mein Kind voe allem Unfall, vor Krankheiten und ſonstigen gefährlichen Zufällen. Schenke mir meine verlorenen Kräfte bald wieder, und laß mich jeden Tag stärker werden. O du GOtt aller Gnade und Barmherzigkeit, breite deine Gnadenflügel aus über wel.: Die Kindbetterin danfet GOtt 2c. Haus; bewahre es vor Feuers- und Wassersnoth über mein Wochenbett, und laß mich darin gesund meine Zeit im Gebetund deiner Furcht hinbringen; mein Kind aber wollest du zu deinem Preis und Ruhm erhalten und mir Gnade verleihen, daß ich dereinsten mit erneuerten Leibeskräften und guter Gesundheit meinen Kirchengang halten, in deinem Tempel erscheinen und vor deinem Angesicht mein freudiges Lob- und Dankopfer abstatten möge. 88 Nun danket alle GOtt Mit Herzen, Mund und Händen, Der große Dinge thut, An uns und allen Enden. Deruns von Mutterleib Und Kindesbeinen an Unzählig viel zu gut, Und jezo noch gethan. Gesang. Me I. Nun freut euch, lieben Christen g'mein 2c. 1. Gelobet sei der große GOtt, Der nun die Hülf gesendet, Der meine große Angst und Noth Hat gnädig abgewendet; Der mein betrübt Geschrei erhört, und meine Bitte mir gewährt. Robt seine Gnad und Güte. 2. Er ist in dieser Leidenszeit Mein Beistand recht gewesen, Durch seine große Gütigkeit Bin ich nunmehr genesen; Ach sehet Gottes Wunder an, Wie er so herrLich helfen fann. Lobt seine Gnad und Güte. 3. Wie er mir doch so angst und bang, Doch wurd ich nicht verlassen, Es deuchte mir die Zeit zu lang Als wir in Nöthen saßen; Nun ist verkehrt die Noth in Freud, Die Trauigkeit in Süßigkeit, Lobt seine Gnad und Güte. 4, Ja, seine starke GOtteshand Hab ich jetzt recht gespüret; Als Menschenhülfe gar verschwand, Hat GOtt das Werk geführet. Es fand sich GOttes Hülfe ein, Und tränkte mich mit Freudenwein. Lobt seine Gnad und Güte. 5. Darum will ich zu seiner Zeit, Ogroßer GOtt! vergessen, Daß ich in meiner Angst und Leid In deinem Die Kindbetterin verrichtet ihr Morgen- Gebet. 89 Schooß gesessen; Ich saß in deinem Schooße wohl Und war auf dich Vertrauens voll. Lobt seine Gnad und Güte. 6. GOtt sei gelobet und gepreist, Die Noth ist nun verschwunden; Der alle Bande leicht zerreißt, Der hat mich auch entbunden; D großer GOtt! ich danke dir, Ja danket, danket GOtt mit mir. Lobt seine Gnad und Güte. 7. Ja, ich will nun mit Lob und Preis Die Zeit mit GOtt hinbringen, Hinfüro auch mit allem Preis, Die große Gnad besingen; Ich will ihn loben, wo ich geh'; Ich will ihn loben, wo ich steh. Lobt seine Gnad und Güte. 8. D großer GOtt! ich danke dir Für dein getreues Lieben, daß du so gnädiglich bei mir In meiner Noth geblieben; Und nunmehr mich davon befreit, Dir sei Lob, Preis in Ewigkeit. Lobt seine Gnad und Güte. Die Kindbetterin verrichtet ihr Morgen- Gebet. Aufmunterung. Ist Beten und GOtt anrufen die tägliche Arbeit eines jeden frommen Christen, wievielmehr ſoll eine Sechswöchnerin mit Gebet den Tag anfangen und schließen, besonders, da in diesem Stande ihr und ihrem Kinde so vielerlei begegnen kann. Wenn sie aber sich und ihr Kind in die Hand GOttes empfohlen hat, so kann sie auch getroster auf die göttliche Hülfe sich verlassen. Es soll demnach eine Sechswöchnerin am Morgen. 1) Gott danken für die verliehene Nachtruhe, und wenn dieselbe ohne zurückgebliebene Schmerzen vollbracht ist, 2) sich und ihr Kind GOtt übergeben und anbefehlen, daß er sie behüten, segnen und bewahren wolle. 3) Sie soll auch mit guten Gedanken den Tag hinbringen und die bestimmte Ruhe mit Danksagung genießen. 4) Und so janochBeschwerlichkeiten übrig wären, welche sich nach der Geburt einzufinden pflegen, dieselbenmit Geduld ertragen, und glauben, daß GOtt, der so herrlich sie aus den Nöthen gerissen, werde das übrige Weh auch in Gnaden abwenden. 90 Die Kindbetterin verrichtet Gebet. O du gnadenreicher GOtt, Vater, Sohn, und heiliger Geist! ich erhebe in dieser Morgenstunde zu dir mein Herz, Mund u.Hände, u. danke dir für den gnädigen Schuß, den du mir diese Nacht geleistet hat. Dein Engel hat um mein Bett gewacht, daß mich kein Unfall gerührt; du hast mich und mein Kind bewahret, u. mich diesen Morgen fröhlich wieder die Sonne erblicken lassen. HErr! Herr; wie groß ist deine Güte, welche alle Morgen neuist. Deine Gnade hat mich die Nachtumgeben! dein Schuß ist um mich gewesen, und deine Barmherzigkeit hat mich bedecket, daß ich unbeschädigt bin erhalten worden. Nun, das hat Gott gethan, das ist ein Werk seiner Liebe und Treue. Darum auf mein Geist und Seele! u. lobe den HErrn, der dir ſo viel Gutes gethan hat. Herr! Herr! dubistimmer u. auch diese Nacht mein Beistand gewesen; du hast deine Hand über mich gehalten, ich habe erfahren, wie gnädig, wie start, wie allmächtig, wie lieblich, wiegütigdu seist. Herr! Herr! ich will nimmermehr vergessen, was du mir Gutes gethan hast. Ich will den HErrn loben allezeit, sein Lob soll immerdar in meinem Munde sein. Mein Seele soll sich rühmen des Herrn, daß es die Elenden hören u. sich freuen. Preiset mit mir den Herrn, ihr Morgen- Gebet. 91 und lasset uns mit einander seinen Namen erhöhen. Da ich den HErrn suchte, antwortete er mir und errettete mich aus aller meiner Furcht. Da ich Elenden rief, hörte der HErr u. half mir aus allen meinen Nöthen. Darum soll auch mein Mund vollRühmens sein, und mein Herz soll ihm danken; ja, ich will mit gefalteten Händen seine Gnade preisen. Aber ach, HErr, HErr, laß mich auch diesen Tag deinem gnädigen Vaterschutz befohlen sein. Ich befehle dir meinen Leibu. Seele, ach, bewahre meine Seeleu. Gemüth vor schweren Gedanken, Angst und Betrübniß. Laß hingegen deinen heiligen Geist in meinem Herzen wohnen, dasselbeheiligen, mit himmlischem Trost u. Freude erfüllen; damit ich den Tag in deiner Furcht, innerlichem Seelen- Vergnügen, in der Liebe JEsu und kindlicher Zufriedenheit möge hinbringen. Schenke aber auch meinem Leibe wieder die verlornen Kräfte; vermehre sie alle Tage, und bringe mich bald wieder zur völligen Gesundheit. Wende von mir ab alle Schmer-. zen, widrige Zufälle, Krankheiten und Unglück, und lindere auch das Leiden, das du mir nach deiner Weisheit noch auflegen wirst. Erhalte auch mein Kind nach deiner Gnade, und laß es wachsen und gedeihen zu deinem Preis. Nun, dreieiniger GOtt ,. 92 Die Kindbetterin verrichtet ich befehle mich dir ganz und gar. HErr GOtt Vater im Himmel, erbarme dich über mich, sei miru. meinem Kindegnädig, vergib mir meine Sünden, segne mich und bewahre mich vor allem Ulebel. HErr GOtt Sohn, der Welt Heiland, erbarme dich über mich, sei mein Fürbitter, mein Fürsprecher, mein JEsus u. Seligmacher, u. laß deine Gnade wie ein fühles Thau diesen Tag mich erquicken; stehe mir bei, stärke und erhalte mich! HErr GOtt heiliger Geist, erbarme dich über mich, bete in mir u. gieb Zeugniß meinem Geist, daß ich wahrhaftig ein Kind GOttes sei! Nun der HErr segne mich und behüte mich; der HErr erleuchte sein Angesicht über mich und seimir gnädig; der HErr erhebe sein Angesicht auf mich und gebe mir Frieden. Und der Friede GOttes, weld er höher ist, denn alle Vernunft, der bewahae mein Herz, Seele und Sinn in Christo JEsu, unserm HErrn. Amen. Gesang. Mel. Wach auf mein Herz, und singe 2c. 1. Die Nacht ist nun verschwunden, Es hat sich eingefunden Das Licht, der Tag, die Sonne, Und JEsus meine Wonne. 2. Mein JEsus war mir nahe, Als ich die Sonn nicht sahe, Er ist mir noch zugegen, Und gibt mir seinen Segen. 3. Ich bin beschüßt geblieben, Das Unglück ist vertrieben; Ich habe sanft geschlafen Bei seiner Engel Waffen. 4. Rein Leid hat mich verleßet, Sein Trost hat mich ihr Abend- Gebet. 93 ergößet; Mich hat kein traurig's Schrecken Vom Schlafe dürfen wecken. 5. Ich danke dir von Herzen, Daß du Gefahr und Schmerzen So gnädig abgewendet Und deine Hülf gesendet. 6. Ich lag in deinen Armen, Ich schlief, und dein Erbarmen Läßt mich jegund auch sehen Der Sonne Licht aufgehen. 7. Wie kann ich g'nugsam preisen; Wie soll ich Dank erweisen Dem, der mir Heil und Leben Bis hieher hat gegeben! 8. Der Tag ist angefangen, Mein JEsu, mein Verlangen! Laß mich in deinem Segen Ihn auch zurücke legen. 9. Kommt Kreuz, so komm geschwinde, Hilf mir und meinem Kinde, Laß mich und es gedeihen, Und uns in dir erfreuen. 10. O JEsu, meine Freude! O meiner Seelen Waide, Laß mich in allen Dingen Mit dir den Tag hinbringeu. 11. Wenn ich will vor dich treten, Ach! so erhör mein Beten, Regiere meine Sinnen, Begleite mein Beginnen.. 12. Ach! stärke meine Glieder, Gieb mir die Kräfte wieder, Laß mich erfreut ausgehen und deinen Altar sehen. 13. Bewahre mich vor Sünden, Und laß mich Gnad empfinden; Wenn ich das Leid dir klage, Das ich noch an mir trage. 14. In jeder Tagesstunde Will ich mit Herz und Munde, Mit dankbarem Gemüthe Stets preisen deine Güte. 15. Ist nun der Tag verflossen Darin ich hab genossen Den Schuß, der mich umgeben, und mir erhält mein Leben.. 16. So will ich dir lobsingen, Und mein Lobopfer bringen, Und deinen großen Namen Von Herzen preisen. Amen. Die Kindbetterin verrichtet ihr Abend- Gebet. Aufmunterung. Wenn dorten diezween Jünger Jesum bei sich hatten den Tag über gehabt, so wollten sie ihn auch nicht am Abend von sich lassen, sondern sprachen: Bleibe bei uns, HErr, denn es will Abend werden, und der Tag hat sich geneiget, Luc. 24. Also soll auch eine Kindbetterin mit Gebet den Tag anfangen und beschließen, u. beſonders die Gnaden- Gegenwart ihres Die Kindbetterin verrichtet GOttes sich zum Schutz in der bevorstehenden Nacht erbitten. 1) Soll sie GOtt danken, daß GOtt den Tag über sie vor Schmerzen u. Zufällen, und ihr Kind vor Unruhe bewahret hat. 2) Sollte aber GOtt nach seinem Rath noch einiges Leiden zugeschickt haben, so soll sie GOtt preisen, daß sie unter seinem Beistand dasselbe hat ertragen können, und er sie den Abend hat erleben lassen. 3) Hierauf soll sie sich u. ihr Kind dem Schuß des dreieinigen GOttes für die bevorstehende Nacht empfehlen. Gewiß sind alle Unglücksfälle von Menschen gefährlich u. betrübt, und verursachen Schrecken, wie viel mehr eine Kindbetterin, welche unvermögendist, einer Geburtzuentlaufen, u. zu schwach ist, vielerlei Leiden zu bestehen. 4) Sie soll sodann nach dem Gebet, ohne sich selbſt Sorge, Angst, Furcht u. Schrecken u. eine schlimme Nacht zu machen, inden Armenu.Schoos ihres lieben GOttes einschlafen, u. auch bei den Aufwachen an Gott gedenken, sich in ihm freuen u. sich ihm ergeben. 94 Gebet. HErr, allmächtiger GOtt! wie soll ich dir genug für deine Liebe u. Treue danken, die du mir diesen Tag erwiesen hast? Ich habe auch diesen Tag unter deinem Schuß glücklich hingebracht; ich habe den Abend fröhlich erlebt; die Schmerzen u. Beschwerden meines Standes hast du mir tragen u. überwinden helfen; du hast mich beschützet u. bewahret; du bist mein u. meines Kindes gnädiger Vater, Schußgott und Beistand gewesen. HErr! da ich zu dir schrie, machtest du mich ihr Abend- Gebet gesund. Du hast mir meine Klagen verwandelt in einen Reigen; du hast mir meinen Sack ausgezogen u. mich mitFreuden gegürtet, auf daß ich dir lobsinge meine Ehre und nicht stille werde. HErr, mein GOtt! ich will dir danken in Ewigkeit. Hast du aber nach deiner Barmherzigkeit den Tag über mich mit deinen Gnadenflügeln bedeckt, ach! ſo breite auch deine Güte in dieser Nacht über mich aus; behüte mich, mein Haus, und alle die Meinigen vor Unglück, Gefahrund Schanden. Verzeihe mir auch in Gnaden alles, was ich diesen Tag mit Gedanken, Worten und Werken wider dich gethan habe. Ich will mich nun legen, o GOtt aller Gnaden und Barmherzigkeit! in deine Arme, und will sprechen: Ich liege und schlafe ganz mit Frieden, denn allein du, HErr! hilfest mir, daß ich sicher wohne. Befiehl dem Engel, daß er komm, und mich bewach, dein Eigenthum; gieb uns die lieben Wächter zu, daß wir vor dem Satan haben Ruh, so schlafen wir im Namen dein, dieweil die Engel bei uns sein. Ja, o großer GOtt! in deinem Namen will ich jetzt einschlafen und meine Augen schließen; ach! wache du selbst um mein Bette, und treibe alles zurück, was meine Ruhe stören kann. Ob aber mein 95 96 Die Kindbetterin verrichtet Leib schläft, so soll doch mein Geist immer zu dir machen, und bei dir sein, und in dir sein Vergnügen haben. HErr GOtt Vater! laß nur dein Vaterherz diese Nacht offen ſtehen, damit im Schlafe deine Allmacht, Güte, Liebe, Weisheit und Barmherzigkeit mich erfreuen möge. HErr JEsu, du Licht meiner Seele! umstrahle mich auch diese Nacht mit deinem himmlischen Gnadenlicht, damit ich deiner Wunden und deines Blutes mich getrösten, dein liebliches JEsusbild in meinem Herzen bewahren nnd damit einschlafen möge. O werther heiliger Geist! erwecke in mir auch heilige Begierde und Verlangen; singe und bete in meinem Herzen, und versiegle in mir den Trost, daß ich ein Kind Gottes sei. O du dreieiniger Gott! laß mich so in deiner Liebe einschlafen, in deiner Gnade sanft ruhen, auf daß ich, wenn ich erwache, dennoch bei dir sei. Laß mich den Morgen wieder fröhlich und gesund erblicken, daß ich alsdann dir danken und dich für alle deine mir an Leib und Seele erwiesenen Wohlthaten loben und preisen will. Die Gnade des Vaters schüße mich, die Liebe JEsu decke mich, und der Beistand des werthen heiligen Geistes stärke und erhalte mich. Der Tag ist hin, mein JEsu! bei mir bleibe ihr Abend- Gebet. O Seelen Licht! der Sünden Nacht vertreibe, Geh auf in mir, Glanz der Gerechtigkeit: Erleuchte mich, ach HErr! denn es ist Zeit. Du schlummerst nicht, wenn meine Glieder schlafen, Ach! laß die Seel im Schlaf auch Gutes schaffen. O Lebens- Sonn! erquicke meinen Sinn, Ich laß dich nicht, da mun der Tag ist hin. 97 Gesang. Mel. O GOtt, du frommer GOtt 2c. 1. HErr JEsu, wahres Licht! Der Tag ist nun vergangen, Es hat sich eingehüllt Der goldnen Sonne Prangen. HErr JEsu, wahres Licht! Ach, weiche nicht von mir, Laß mich vereinigt sein Auch diese Nacht mit dir. 2. Dir leb ich, weil ich leb, Denn du hast mir mein Leben Sammt deinem Segensstrom Aus großer Güt gegeben; Dir leb ich, Seelenfreund, Dir leb ich nur allein, Mein Herz, die Seele soll, HErr! deine Wohnung sein. 3. HErr JEsu, gib mir auch In dieser Nacht den Segen, Ach! decke du mich zu, Ich will zur Ruh mich legen; HErr JEsu! bleib bei mir, Ach! siehe, es wird Nacht; Hab auf mein Leib und Seel Mein Heiland! allzeit Acht. 4. Dir sterb ich williglich, Wann ich dereinst soll sterben, Denn du hast mich gemacht, zu deinem HimmelsErben; Dir sterb ich jeden Tag Und sterb den Sünden ab; Im Sterben leb ich dir, Weil ich dich, JEsu! hab. 5. Dein bin ich Tag und Nacht, Des Tags wirst du mich leiten, Ach! weich des Nachts auch nicht, Mein GOtt! von meiner Seiten; Dein bin ich allezeit, Gefund, krank und betrübt, Jch weiß in jedem Stand, Daß mich mein JEsus liebt. 6. Todt und im Grab zu sein Pflegt Andre zu erschrecken, Doch aus dem Grab und Tod Wird JEsus mich erwecken; Todt und begraben sein Ruft uns das Bette zu, Doch JEsus weckt mich auf Von Tod und Schlafesruh. 7. Lebendig werd ich auch Aus meinem Bett aufstehen, Und nach genoff'ner Ruh Das Licht der Sonne sehen; Lebendig bringt mich auch Mein JEsus aus dem Grab, Nachdem in seinem Arm Jch süß geschlafen hab. Anhang. 7 98 Die Wöchnerin trägt GOtt 2c. 8. Amen, erhöre mich, Und laß mich süße schlafen, Wend alles Unglück ab Durch deiner Engel Waffen. Amen, nimm auf dein Kind, Mit JEsu schlaf ich ein, Mein JEsus soll im Schlaf In meinem Herzen sein. Die Wöchnerin trägt GOtt im Gebet ihre Kinder vor. Aufmunterung. Wenn GOtt den Eltern Kinder gegeben hat, so fangt nicht allein die Sorge für sie an, sondern es findet sich auch bei ihnen ihre Liebe zu der Kinder zeitlichem und ewigem Heil, und ein Verlangen nach ihrer Wohlfahrt; dieses alles aber muß mit Gebet von GOtt erhalten werden, weil es unter die guten Gaben gehört, die von oben herab kommen, von dem Vater des Lichts. Es soll demnach 1) eine fromme Mutter ihr neugeborenes Kind GOtt demüthig vortragen, daß er es zur heiligen Taufe gelangen lassen, und in derselben es in seine Arme als sein Kind, und zu seiner Pflege, Fürsorge, Liebe und Gnade aufnehmen wolle. 2) Läßt es GOtt an Jahren zunehmen, so muß es in das Abendund Morgengebet, ja, auch in die täglichen Seufzer eingeschlossen werden, daß GOtt es mit seinem heiligen Geist regieren, ihm ein frommes Herz verlethen, gute Gesundheit, Wachsthum und Gedeihen geben, seine geraden Glieder erhalten und es vor Unglück und Schaden bewahren wolle. 3) Das Gebet und die Sorge frommer Eltern nehmen mit zunehmenden Jahren zu, dafür, daß ihre Kinder in die Erkenntniß JEsu Christi gebracht werden mögen, welchen Schaß ihren Kindern mitzutheilen sie weder Kosten u. Mühe, noch Fleiß sparen sollen. 4) Gehen sie in die Fremde, oder kommen unter Gebet, wenn das Kind zur heil. Taufe gelangt. 99 die Weltkinder in den heranwachsenden Jahren, so nehmen die Sorgen der Eltern zu, aber es muß auch desto eifriger gebetet werden; da machen es fromme Eltern wie Hiob, welcher alle Abend ein Opfer für seine Kinder brachte, um GOtt anzurufen, er wolle seinen Kindern gnädig sein, und ihnen ihre Sünden vergeben. Es rufen fromme Eltern GOtt an, er wolle ihre Kinder vor Verfüh rung bewahren, er wolle sie in feine schwere Sünde und Schande fallen lassen; er wolle sie durch seinen guten Geist auf ebener Bahn leiten, und es ihnen lassen zeitlich u. ewig wohl ergehen. 5) Sie haben auch das Vertrauen zu GOtt, wenn sie an guter Zucht, Ermahnnng in dem HErrn, vernünftiger Erziehung nichts haben mangeln lassen, daß er ihr Gebet auch erhören, und so ja die Kinder eine Zeitlang irre gehen sollten, daß er sie nach seiner Weisheit wieder herum zu holen wissen werde. 6) Wobei sie dann das Kinderkreuz, das ihnen GOtt nach seinem wunderbaren Rath auflegt, mit Geduld und Vertrauen auf GOtt ertragen sollen, bis er auch dasselbe lindern, oder nach seiner Barmherzigkeit wieder wegnehmen wird. Gebet, wenn das Kind zur heiligen Taufe gelangt. Ognädiger und liebreicher GOtt! der du der rechte Vater über alles bist, was da Kinder heißt im Himmel und auf Erden; siehe, ich komme zu dir in wahrer Demuth meines Herzens, und trage dir mein neugeborenes Kind dar. Ach, barmherziger 7* 100 Gebet, wenn das Kind zur heil. Taufe gelangt. GOtt! nimm doch den von dir geschenkten Segen durch die heilige Taufe zu deinem Kinde an; ach! laß es dein Kind sein, beschirme und erhalte es. Du hast, o JEsu! gesagt: Lasset die Kindlein zu mir kommen, und wehret ihnen nicht; siehe, ich bringe dir auch an diesem Tag mein Kind; gieb ihm deinen heil. Geist, der es durch Wasser und Geist wiederschaffe, der es heilige, regiere u. sein Herz mit himmlischem Lichte erfülle; laß es wachsen zu deiner Ehre, und verlei je mir Gnade, daß ich es in deiner Furcht und dir zum Preis erziehen könne. Ach, mein GOtt! hiemit gebe ich dir mein Kind wieder zu deinem Eigenthum; ich lege es, o himmlischer Vater! in die Arme deiner Barmherzigkeit; ach! versorge und beschüßze es. Ich übergebe es dir, o JEsu! wasche es mit deinem heil. Blute, verbirg es in deine Wunden gegen alle Gewalt des Satans. Ich befehle es dir, o GOtt, heil. Geist! zu deiner Pflege; ach! heilige es durch und durch, damit sein Geiſt sammt Seel und Leib unsträflich behalten werden möge bis auf den Tag JEsu Ehriſti. Laß diesen Tag sein meines Kindes Bundes-, Segens- und Wiedergeburtstag, und gieb, daß es dessen allezeit eingedenk bleibe, und ich daran es oft erinnern möge. Gebet frommer Eltern für ihre Kinder. 101 Laß es diesen Bund niemals wieder brechen, und aus dem Stande der Wiedergeburt niemals treten, sondern im Glauben und in der Heiligung bis an sein Ende verharren, der du es als dein Kind und Erbe zn der ewigen Freude aufnehmen wirst. Du Volk, das du getaufet bist, Und deinen GOtt auch kennest, Auch in dem Namen JEsu Christ Dich und die Deinen nennest, Nimm's wohl in Acht und denk daran, Wie viel dir Gutes sei gethan Am Tage deiner Taufe. Gebet frommer Eltern für ihre Kinder. HErr, allmächtiger GOtt, Vater aller Gnade und Barmherzigkeit! siehe, du hast unter andern Gnadengaben auch mir Kinder gegeben, wofür ich dich herzlich lobe und preise. Wenn ich aber, mein GOtt! meine Kinder als theure Pfänder ansehe, die du mir anvertraut, die JEus mit seinem heiligen Blut erlöst, und die du in der heiligen Taufe zu deinen Kindern angenommen hast, ach! so bin ich bekümmert, daß ich ja feines derselben durch meine Schuld verlieren möge. Du sagst zu mir und allen Eltern: Nimm dieses Kind in Acht; wo man sein missen wird, soll deine Seele anstatt seiner Seele sein. Darum, o Vater aller Gnade! komme ich zu dir, und trage dir meine Kinder vor: ich will thun, was 102 Gebet frommer Eltern für ihre Kinder. ich kann, aber thue du das Beste; ach, ſegne meine Kinder, begleite meine Kinder, wenn sie aus- und eingehen; erhalte sie in deiner heiligen Furcht, daß sie nimmermehr mit schweren Sündeu dich beleidigen und betrüben, oder sich Schaden und eine Schande verursachen mögen. Schreibe meinen Kindern JEsum in's Herz; laß JEsum in ihrem Herzen wohnen, ihr Herz heiligen, damit sie nimmermehr einen gnädigen GOtt und ihr gutes Gewissen verlieren mögen. Behüte sie vor Verführung und böser Geſellschaft; erinnere sie allezeit durch deinen heiligen Geist an deine allerheiligste Gegenwart, damit sie gedenken, du seiest bei ihnen, zu Hause, in der Fremde, des Tags und bei der Nacht, in der Gesellschaft und in der Einsamkeit. Dein Engel begleite sie, wenn sie ein- und ausgehen; dein Engel bewahre sie, wenn sie auf Reisen, in ihren Geschäften und in der Fremde sind; gieb ihnen allezeit deinen Engel zum Gefährten, wie dem jungen Tobias; führe sie durch deine Engel aus der Gefahr, wie den Lot; laß sie der Engel Schuß genießen, wie den Jakob. Sollte aber dir gefallen, mir ein Kinderkreuz zuzuschicken, entweder durch den Tod oder durch Krankheit, oder durch Unglück meiner Kinder, so gib mir Geduld Gebet frommer Eltern für ihre Kinder. 103 in solchen Leiden, daß ich gedenke: ohne dich kann nichts geschehen; die Kinder hast du mir gegeben, du hast auch Macht, sie wieder zu nehmen. Willst du mich auch durch meiner Kinder Tod zu dir ziehen, daß ich dadurch ermuntert werden soll, dich allein zu lieben, erhalte mich auf diesem Dornen- Pfade doch im Vertrauen und in der Hoffnung auf deine Allmacht, daß du, wie alles, also auch meiner Kinder Kreuz enden und wenden könnest. Ertheile auch im Leiblichen meinen Kindern den Segen; versorge sie, nähre u. pflege sie; gib ihnen Nahrung und Kleidung, u. thne wie ein treuer Vater an ihnen; sei ihr Helfer in Gefahren, ihr Beistand im Leiden, ihr Rathgeber, wenn sie Raths bedürftig sind, ihr Erhalter im Unglück, ihr Arzt in Krankheit. Gib ihnen eine fromme Seele, guten Verstand und gesundenLeib, u. laß sie vordir leben, dich ehren u. preisen. Gib ihnen ein gehorsames und demüthiges Herz; laß sie durch deinen Segen aufwachsen, u. laß mich an ihnen Trost u. Freude erleben. Ach GOtt, erhöre mein Gebetu. gedenke: cs sind ja auch deine Kinder; darum wollest du mein Seufzen für meine Kinder vor dem Throndeiner Gnaden erhören. Laß mich amjüngsten Tag mit allen meinen Kindern zu deiner Rechten stehen, u. zu 104 Gebet frommer Eltern für ihre Kinder. deinem Preise sagen: siehe, hier bin ich, mein GOtt! u. die Kinder, die du mir gegeben haft; ich habe deren keinsverloren. Ja, meinGOtt! verleihe, daß keines meiner Kinder verloren gehe, sondern daß sie mit mir u. ich mit ihnen zu deiner Herrlichkeit eingehen mögen. Ach GOtt! segne meine Kinder; Nimm dich ihrer treulich an, Thu an ihnen auch nicht minder, Als du hast an mir gethan; Segne ihren Schritt und Tritt; Theil den Segen ihnen mit; Laß es ihnen wohl ergehen, Und sie in der Gnade stehen. Amen. Gejang. Mel. O GOtt, du frommer GOtt 2c. 1. Du hast, o großer GOtt! Die Kinder mir gege ben, und ihnen väterlich Bisher geschenkt das Leben; Ach! dafür dank ich dir, Als eine liebe Gab, Die ich von deiner Hand, Mein GOtt! empfangen hab. 2. Schau ich die Kinder an, So muß ich zwar bekennen, Daß selbige sind mein, Weil sie sich nach mir nennen. Jedoch sie sind auch dein, D'rum fomm ich auch zu dir, Und trage dir, o GOtt! Jetzt meine Kinder für. 3. Ach! pflanze Gottesfurcht In ihre zarten Seelen, Daß sie, was dir gefällt, In ihrem Thun erwählen; Erfülle doch ihr Herz Mit wahrer Frömmigkeit, Daß fie in deiner Furcht Dich lieben allezeit. 4. Laß sie an Tugenden In jedem Jahr zunehmen, Und zum Gehorsam sich Ohn' Widerspruch bequemen; Schenk ihnen deinen Geist; Gieb Weisheit und Verstand, Und führ sie immerdar An deiner Vaterhand. 5. Laß deinen guten Geist Sie allezeit regieren, Mit Demuth, Glaub und Lieb Jhr zartes Herz ausspüren; Ach! dein Geist leite sie, Wenn sie geh'n aus und ein, Ach! lasse aller Ort Sie dir empfohlen sein. 6. Wenn sie auch in der Welt Viel Böses werden sehen, So laß sie nimmermehr Auf bösen Wegen gehen; Wend ihre Augen ab Von Sünd und Eitelkeit; Bewahre meine Seel Vor Stolz und Sicherheit. Die Sechswöchnerin schickt sich 2c. 105 7. Wenn die Gesellschaft will Zur Sünde sie verführen, So laß sie deine Furcht Und Gegenwart verspüren, Ja, schrecke sie bald ab; Bewahre ihren Tritt; Begleite fie und geh, Wo sie hingeh'n, selbst mit. 8. Erhalte sie gesund; Gib ihnen deinen Segen; Nimm sie in deinen Schuß; Führ sie auf deinen Wegen. Ach! laß es ihnen doch Beständig wohl ergeh'n Und sie in deiner Gnad Und deinem Segen steh'n. 9. Und noch eins bitt ich dich, Das wolleft du mic geben; Laß mich ja nimmermehr An ihnen Schand erleben, Auch nicht nach meinem Tod; Ach GOtt! erhöre mich, Erbarm dich meiner doch Und ihrer gnädiglich. 10. Laß mich an jenem Tag Auch meine Kinder sehen, Daß sie von dir verklärt Zu deiner Rechten stehen, Auf daß ich sagen kann: Hier bin ich und die Gab, Die Kinder, die ich längst Von dir empfangen hab. Die Seche wöchnerin schickt sich zu ihrem Vorund Kirchgang an. Aufmunterung. Wenn GOtt eine Sechswöchnerin gnädig ihre sechs Wochen erhalten, ihre Kraft ihr wieder gegeben, sie gestärkt, und ihr Kind vor Unglück bewahrt hat, daß sie nun ihren Kirchgang halten kann: so soll ja allerdings ihr Mund voll Rühmens sein und den allerhöchsten GOtt dankbar preisen und loben. Sie soll 1) erwägen, wie schwach und kraftlos sie sich in ihr Bett gelegt, aber auch, wie GOtt ihre Kräfte erneuert, daß sie nun gesund und frisch wieder ausgehen kann. 2) Sie soll gedenken, wie andere Sechswöchnerinnen schwere Krankheiten ausgestanden, nach ihren 6 Wochen ein schweres Lager u. Unglück gehabt haben, ja gar gestorben sind. Wenn aber GOtt sie davor bewahrt, so soll sie des Lobens u. Dankens nicht vergessen. 3) Wenn sie überdies auch ihr Kind frisch und gesund steht, so hat sie Ursache, dieselbe hohe WohlthatGottes demüthig zu erkennen. 106 Die Sechswöchnerin schickt sich 4) Ihr Kirchengang soll demnach mit Andacht, mit einem dankbaren Herzen und lobenden Munde geschehen; sie soll sich erfreuen, wenn sie in die Vorhöfe des HErrn tritt, und dem Altare sich nahet; sodann ihr Gebet, ihre Fürbitte und Danksagung verrichten, GOtt loben, sich und ihr Kind GOtt empfehlen, den Segen empfangen, und sodann der empfangenen Güte Gottes allezeit eingedenkverbleiben. Gebet. Wie soll ich dem HErrn danken alle Wohlthaten, die er an mir gethan hat? JaderHerr hat Großes an mir gethan, deß bin ich fröhlich. Odugnädiger u. starker GOtt! ich will nun meinen Aus- u. Kirchengang halten, dir in deinem Tempel für deine gnädige Hülfeu. deinen starken Beistand, den du mir erwiesen hast, zu danken. HErr GOtt! du hast mich glücklich entbunden, mein Leben erhalten, mein Kind mich fröhlich erblicken lassen. Du hast, o du gnadenreicher GOtt! dieſe sechs Wochen mich erhalten, vor Unglück bewahret: du hast mir die verlorenen Kräfte wieder gegeben, daß ich nun im ganzen Wohlsein zu deinem Tempel mich nahen kann. Danket dem HErrn, denn er ist freundlich, u. seine Güte währet ewig. Ju der Angst riefich den HErrnan, u. der HErr erhörete mich, u. tröstete mich. Der HErr ist meine Macht, mein Psalm u. mein Heil. HErr! ich danke dir, daß du mein Leben in der Geburt erhalten 107 zu ihrem Kirchgang an ich danke dir, daß du mir meine Kräfte wieder gegeben hast; ich danke dir, daß ich nun durch deine Kraft meinen Ausgang halten und dir in deinem Tempel für alle empfangenen Wohlthaten danken kann; ach HErr, nimm das schwache Lobopfer meiner Lippen an. Ich erfreue mich dessen, das mir geredetist, daß ich in den Tempel gehen soll, und meine Füße stehen sollen in den Thoren des geiſtlichen Jerusalems. Eins bitte ich vom Herrn, das hätte ich gern, daßich im Hause des Herrn bleiben mögemein Lebenlang, zuschauen die schönen Gottesdienste des Herrn. Ach, mein Gott, laß diesen Ausgang gesegnet sein; gib mir mit jedem Tage mehr Kräfte; laß mein Kind zu deinem Preise heranwachsen. Ich bringe dir an diesem Tage ein paar Turteltauben; mein dankbares Herz u. meinen lobenden Mund! ach! verschmähe das Opfer nicht. Ich bringe dir das vollkommene Versöhnopfer, JEsu Blut u. Tod, in wahrem Glauben; damit reinige mich u. waschemich. Ich opfere dir auch nochmals mein Kind auf, wie ich schon in der heiligen Taufe gethan; ach, sei hinfort sein Vater, sein Pfleger, Schußherr, Erhalter u. gnädiger Gott. Laß aber deineGnadenflügel ferner ausgebreitet sein über michu. mein Kind; laß uns vor dir lebenu.deinen Namen preisen. Gib, daß ich Die Sechswöchnerin schickt sich 2c. dieser Wohlthatallezeit eingedenk sein u.bleiben möge, damit ich im Glauben, Frömmigkeitu. GOttesfurchtbeharren, u. darin auch meineKindererziehen möge. Gieb mir u. meinen Kindern deinen heiligen Geist, der uns erleuchte, heilige, regiere u. führe auf ebener Bahn, bis ich und meine Kinder zu deiner Herrlichkeit in das neue Jerusalem eingehen werden, wo du selbst Sonne und Licht bist. Ich will, so lang ich lebe hier, Den HErren preisen für und für; Viel Gutes hat er mir gethan. Viel mehr, als ich erzählen kann. Er hat geholfen überall, Und ganz besonders dieses Mal Hat er allein durch seine Hand Das Unglück von mir abgewandt. Amen. 108. Gesang. Mel. Alle Menschen müssen sterben 1. GOtt hat mein Gebet erhöret; Also sprech ich hocherfreut, Weil er das, was ich begehret, Gnädiglich verliehen heut; Nun erkennet mein Gemüthe GOttes große Gnad und Güte, Der betrübt, und doch zuletzt Uns in Freud und Wonne setzt. 2. GOtt hat mein Gebet erhöret; Meine Traurigkeit und Klag Hat nunmehr doch aufgehöret, Nachdem dieser frohe Tag Alles Ungemach vernichtet, Mir ein Lachen zugericht, Der nach der betrübten Nacht Alles hat voll Freud gemacht. 3. GOtt hat mein Gebet erhöret! Denn als ich in Nöthen schrie, Hat er sich zu mir gekehret, Und gesprochen: Ich bin hie; Ich bin hie, ich will dich retten, Und an deine Seite treten; Ich war da, du riefest mir, Gar nicht ferne mehr von dir. 4. GOtt hat mein Gebet erhöret! Vreiſet mit mir Alle GOtt, Der da gnädiglich gewähret Alles das, was uns ist noth; Der da liebreich den ansiehet, Der im Glaubeu zu ihm fliehet, Und zu uns in Trübsal spricht: Seid getrost, ich lass' euch nicht. Die gottselige Mutter dankt GOtt 2c. 109 5. GOtt hat mein Gebet erhöret, Traue ihm nur, wer du bist; Ich, ich bin es nun gelehret, Daß er unser Helfer ist; GOtt kann schüßen und auch decken, Und zu uns'rer Hülf ausstrecken Seine starke Hülfes- Hand, Die mein Leben hat gewandt. 6. GOtt hat mein Gebet erhöret: Also sprech ich, wo ich geh; Meine Freud wird stets vermehret, Wenn ich seine Hülf anseh. Darum lern auch GOtt vertrauen, Und auf seine Hülfe bauen, So wirst du auch gleich wie ich, Hülf erlangen gnädiglich. Die gottselige Mutter dankt GOtt, wenn ihr Kind entwöhnt wird. Aufmunterung. Hat eine gottselige Mutter täglich für ihr Kind zu beten, so erneuert sie das Gebet, wenn nun das Kind entwöhnt werden soll. Denn ist das nicht eine große Gnade, daß GOtt die Milch dem zarten Kinde hat gedeihen lassen; daß es nunmehr gewachsen, stark geworden und an Kräften zugenommen hat, daß es ohne Milch mit Speise erhalten werden kann? Darum soll 1) eine gottselige Mutter GOtt danken, daß er durch die Milch ihr Kind zu solcher Stärke hat gelangen lassen, daß es nun durch andere Speise sein Leben erhalten kann. 2) Sie soll GOtt danken, besonders wenn sie ihr Kind selbst gestillt, daß er ihr gesunde Milch gegeben, zu derselben seinen Segen verliehen, ja dadurch ihr Kind gedeihen lassen. 3) Sie soll GOtt anrufen, er wolle auch dem Kinde nun die Speise segnen, es zu seiner Ehre aufwachsen lassen, und wie es an Jahren zunimmt, auch sein Herz mit den Gaben des heil. Geistes erfüllen. 4) Und weil auch die Kinder um diese Zeit sich zum Alleingehen bequemen, so soll die gottselige Mutter GOtt bitten, er wollt ihr Kind selbst gängeln, durch seinen heiligen Geist bewahren, vor schwerem Fall behüten, 110 Die gottjelige Mutter dankt GOtt, die Glieder unverletzt und gesund erhalten, und so in seiner Gnade und Schuß von einem Alter zum andern gelangen lassen. Gebet. Barmherziger und gnädiger GOtt! wie iſt mein Herz erfreut, daß ich nun auch die Zeit erlebt habe, da ich mein Kind der Mutterbrust entwöhnen kann. Oliebreicher GOtt! du hast mir dieses Kind nach deiner Güte gegeben, unter so vielen Zufällen erhalten, ihm fein ganzes Leben gefristet, u. es bereits ſo weit kommen lassen, daß es zu seiner ErhaltungstärkererSpeisebedarf. Gelobt ſei deine Barmherzigkeit, daß du ihm die Mutter bruſt bisher geſegnet hast, daß es zu Kräften gekommen ist, u. von dir das Gedeihen empfangen hat. Habe Dank für deinen Segen; habe Dank für deinen Schutz; habe Dank für deine Treue u. Gnade. OHErr! du thust alle Tage noch das größte Wunder, da du in der Mutterbrust Speise u. Trank in Milch verwandelst, u. derselben eine nährende Kraft beilegest, daß die Kinder dadurch gelabt, erquickt und gestärkt werden. Ach GOtt! hast du nun meinem Kinde die Mutter- Milch gedeihen lassen, so segne ihm auch die übrige Speise u. seinen Trank, wozu ich es gewöhnen will; gieb, daß es sich dazu willig bequeme; laß es auch dadurch ferner wachsen, u. mit jedem wenn ihr Kind entwöhnt wird. 111 Tage, mit jeder Woche, mit jedem Jahr an Kräften zunehmen. Bleibe auch bei ihm, wenn es anfangen will zu gehen; begleite es durch deinen Engel; halte es, wenn es fallen will; behüte es, wenn Gefahrvorhanden ist. Ach! laß dies mein Kind dir an Leib u. Seele empfohlen sein, stärke es auch an dem inwendigen Menschen; heilige es durch deinen heil. Geist, daß es in Gehorsam u. Gottesfurcht sich gern erziehen lasse, nicht widerspenstig sich beweise, sondern als ein frommes Kind gern folge u. höre; gib ihm deinen heil. Geist und ein frommes Herz, damit ich Freude an ihm allhier erleben, es dereinst zur ewigen Himmelsfreude mitnehmen, und ich mitihm zu deiner Herrlichkeit eingehen möge. Sehr groß, o HErr! ist deine Güt, Die mich beschüßet und behüt't, Ich will sie rühmen hier auf Erd, So lang ich Athem haben werd. Amen. Gefang. Mel. D GOtt, du frommer GOtt 2c. 1. Der HErr, der große GOtt, Der seinen reichen Segen Auf mich geschüttet hat Als einen sanften Regen, Den weiß ich diesen Tag, Da ich und auch mein Kind In allem Wohlergehn Noch jetzt im Segen sind. 2. Hat großes Ungemach Viel Andere gedrücket, So hat mit ſeiner Gnad Der Höchste uns geschmücket, Die Milch, die süße Speis', O welche große Gnad! Ist's, welche GOtt bisher Mein'm Kind gesegnet hat. 3. An mir und meinem Kind Sind Wunderding geschehen, Drum will an diesem Tag Ich GOttes Ruhm erhöhen. Uns beide schützte er; Er gab uns Kraft und Stärk, Bis er an uns vollbracht Sein großes Wunderwerk. 112 Erinnerung und Trost 4. Gethan und auch geschenkt Hat GOtt in jeder Stunde Viel Gut's in reichem Maaß, Ich rühn's von Herzens- Grunde; Er hilft, bewahrt, er liebt, Hält uns in seiner Hut, Er thut an uns noch mehr, Als sonst ein Vater thut. 5. Deß bin ich fröhlich heut, Mein GOtt, was soll ich sagen? Du hast mein Kind und mich Auf deiner Hand getragen. Ach! segne uns hinfort, Ach! sieh', wir sind ja dein, Ach! laß uns deiner Gnad Allzeit empfohlen sein. Erinnerung und Trost für Unfruchtbare. Ich habe öfters gottselige Ehefrauen, welche GOtt ohne Kinder und Leibes- Erben dahin gehen lässet, sprechen hören, daß man wohl Trost, Aufmunterung und Gebete für allerlei Stände des weiblichen Geschlechts, für Schwangere, Gebärende und Sechswöchnerinnen finde, aber daß man die, welche GOtt mit Leibesfrucht nicht erfreuen will, ohne Aufmunrung und Trost lasse; deßhalb habe ich nun, nachdem ich den Fruchtbaren zum Trost, nach der Gnade unseresGOttes, einigenlinterricht ertheilt, auch denjenigen, welchen GOtt keine Kinder giebt, über ihren Zustand meine Gedanken eröffnen wollen. Wenn demnach GOtt Eheleute ohne Kinder sein läßt, daß sie wie Abraham sagen: HErr! was willst du mir geben, ich gehe dahin ohne Kinder, 1. B. Mos. 15, v. 2.; so sollen sie: 1) denken, daß die Ursachen der Unfruchtbarkeit bei den Eheleuten natürlich sein können, denn für Unfruchtbare. 113 wie GOtt nicht einerlei Natur allen Menschen giebt, so auch nicht einerlei Fruchtbarkeit. Wenn nun GOtt diese Gabe nicht in ihre Natur gelegt hat, so sollen sie deßwegen mit GOtt zufrieden sein und wissen, daß er doch darum ihr gnädiger GOtt iſt, der sie liebe und ihnen gewogen sei. Hat eine Tulpe schon nicht so viele Blumen, wie der Rosenstock, so ist sie doch dem Gärtner und Herren des Gartens ein liebes Gewächs. Wie viel Blümlein zieren nur den Garten und tragen doch keine Früchte, und man hat dieselben doch gerne im Garten stehen, so sind auch unfruchtbare Eheleute GOttes liebe Kinder, ob sie gleich andern an Fruchtbarkeit nicht gleich sind. 2) Sie sollen sich erinnern, daß Kinder eine Gabe des Herrn sind: wem er diese Gabe nicht geben will, der ſoll darum nicht wider GOtt murren, noch übel dazu sehen, wenn GOtt einem viel, dem andern weniger giebt, GOtt ist der HErr in seinem Haus: wie er will, so theilt er aus. GOtt hat sich drei Schlüssel vorbehalten, denSchlüssel zumGrabe: denn Niemand kann Todte auferwecken, als GOtt; den Schlüssel zum Regen: denn kein Göße kann Regen geben, und kein Mensch kann regnen lassen; und den Schlüssel zum Mutterleibe: da kann Niemand öffnen, wenn der HErr zuschließt, und Niemand zuschließen, wenn der HErr öffnet. Ist aber diese Vorenthaltung des Ehesegens GOttes gnädiger Wille, so haben solche Eheleute eine Probe ihrer Geduld, Gelassenheit und Hoffnung bewiesen. 3) Unfruchtbarkeit ist kein Zeichen des Zorns GOttes! denn daß GOtt nicht zornig über sie sei, sollen sie daraus entnehmen, weil es ihnen GOtt an andern Wohlthaten nicht fehlen läßt; er giebt ihnen leiblicheGaben: Gesundheit, Segen, Nahrung, Erinnerung und Trost. Wohlergehen, welches alles er bisweilen denen ,. die Kinder haben, nicht so reichlich ertheilt, sondern Krankheit, Kinderkreuz und Elend ihnen reichlich zumißt. GOtt gibt ferner Denen, welche ohne Kinder sind, die himmlischen Gaben, als Freude in GOtt, Frieden mit GOtt, die Gerechtigkeit JEsu Christ, Trost und Wonne. Dadurch werden sie ja abermals überzeugt, daß GOtt nicht zornig über sie sei; denn wer unter GOttes Zorn und Ungnade stehet, der muß gewiß der himmlischen Gaben entbehren. 114 4) Es sollen unfruchtbare Eheleute daran denken, daß GOtt auch hierin ihnen eine besondere Gnade erweise, und ihres Leibes und Gemüths Zustand besser erkenne, als sie selbst, denn, obgleich viele Ehefrauen die Kinder lieb haben, so findet fie doch Gott vielleicht zu schwach, sowohl in der Geburt, als in der Erziehung der Kinder, als auch in Kinderkreuz; vielleicht würde das Kreuz ihr und ihrem Ehemann viele Zerstreuungen und Sorgen verursachen, die sie an ihrem Gebet und Gottesdienst verhindern, ja, vielleicht würde das Kind viele Betrübniß machen, wenn es GOtt nach seinem Rathschluß wieder sterben ließe; darum, weil GOtt die Stärke und Schwachheit der Menschen besser kennt, als sie selbst, so beweist er ihnen darin eine besondere Gnade, welche sie doch aus Unverstand für keine Gnade halten. 5) Besonders aber sollen sich Eheleute ja wohl hüten, daß sie keine Kinder von GOtt mit Murren und Grämen u. mit ungeduldigem Flehen erzwingen wollen, denn sonst gibt ihnen Gott im Zorn Kinder afer vielleicht muß die murrende Mutter ihr Leben over ihre Gesundheit darüber verlierert, oder wenn dies nicht geschieht, so geräth ein solches, für Unfruchtbare. 115 im Zorn gegebenes Kind so übel, daß es den Eltern tausend Schrecken, Jammer, Verdruß und Herzeleid anrichtet, und sie ihr Lebenlang in Angst, Betrübniß und Traurigkeit seßt, welche Früchte ihrer unverständigen Bitte sind. Wie mancher mit Unverstand von GOtt erbetene Sohn iſt seines Vaters Grab und seiner Mutter Geißel geworden. 6) Es sollen hiebei gottselige Ehefrauen den Spruch Pauli 1 Tim. 2, o. 15 nicht mißbrauchen, wenn es heißt: Das Weib wird selig werden durch Kinderzeugen, so sie bleibet im Glauben. und in der Liebe und in der Heiligung sammt der Zucht. Denn in dem Spruch sagt Paulus nicht, daß die Weiber durch Kinderzeugen selig werden sollen; sondern wir werden durch das Verdienst JEsu Christi und um seines vergossenen Blutes willen vor GOtt gerecht und selig, Röm. 3, v. 24. 28.. Röm. 5, v. 1., und nicht durch Kindergebären; denn wenn das wahr wäre, so müßte ja gar keine Jungfrau selig werden können, welches gegen GOtt und sein heiliges Wort ist; sondern er führt diesen Spruch zum Trost der Ehefrauen an, nämlich, ob ihnen Gott schon große Schmerzen in der Geburt aufgelegt, darum, weil sich das Weib im Paradiese hat verführen lassen, und die Uebertretung der Sünde eingeführt hat, daß jedoch GOtt in. der Geburt ihnen beistehen und durchhelfen wolle; sie sollen doch selig werden, ob sie gleich durch solches schmerzhafte Kindergebären den Zorn GOttes fühlen, nämlich, wenn sie in solchem Stande im Glauben an den HErrn JEsum, in der Liebe gegen GOtt und die Menschen, in der Heiligung des Lebens, in der Zucht und in christlichem Wandel bleiben werden. Deßhalb ist dieser Spruch 116 Erinnerung und Trost ein Trostspruch in Kindesnöthen und eine Versicherung der Seligkeit derer, welche in Kindesnöthen sterben, daß sie derjenigen Schmerzen ungeachtet, die wegen der Sünden aufgelegt sind, doch selig werden sollen, aber es zeigt keine Ursache der Seligkeit der Weiber. 7) Es sollen Eheleute auch die Zeit erwarten und im Gebet anhalten. Einige Bäume tragen gleich im ersten Jahre, andere aber nach Verfluß vieler Jahre. Darum sollen fromme Eheleute nicht alle Hoffnung wegwerfen. Werfet euer Vertrauen( auf GOtt) nicht weg, welches eine große Belohnung hat. Hebr. 10, v. 35. Wie nun Gott nicht alle Menschen zu gleicher Zeit leibliche Wohlthaten gibt, sondern dem einen früher, dem andern später, also auch in diesen Gaben. 8) Hiebei sollen ich Eheleute auch fleißig vor gegenseitigem Mißvergnügen hüten, wenn die Frau die Schuld auf den Mann, und der Mann sie auf die Frau schieben wollte, sondern gedenken, daß es GOtt sei, der ihnen die Frucht des Leibes nicht geben will, 1 B. Mos. 30, v. 2; deßhalb sollen sie doch einander herzlich lieben, und mit GOtt zufrieden sein, weil feines von beiden ohne GOttes Gaben, Segen und Willen etwas dazu beitragen kann. Besonders aber sollen sie sich auch vor Argwohn, Neid und Mißgunst hüten, wenn etwa die Freunde, Brüder und Schwestern schon nach der künftigen Erbtheilung fragen und trachten, sondern aufrichtig in der Liebe gegen einander verharren, die Ohrenbläser abweisen, und auch in den irdischen Gütern nach der Billigkeit und Liebe, wenn es ja einmal sein muß, eine Anordnung zu treffen. 9) Läßt GOtt es frommen Eheleuten an indern fehlen, so sollen sie desto mehr in der Liebe für Unfruchtbare. 117 JEsu zunehmen, und da diejenigen, welche Kinder haben, so oft am Gebet, am Gottesdienst und an der Erbauung durch die Kinder verhindert werden, so können sie desto mehr dem Dienst GOttes unverhindert und ungestört abwarten. 10) Schenkt GOtt christlichen Eheleuten keine leiblichen Kinder, so sollen sie desto mehr die Armen sich empfohlen sein lassen, frommen Kindern Gutes thun, sie kleiden, in die Schule schicken, zu ihrer Erziehung helfen, welche Kinder dann solche Eheleute am jüngsten Tage als Vater und Mutter preisen, und auch vor GOtt rühmen werden: diese haben mich gekleidet, geſpeisetund getränket. Matth.25. 11) GOtt giebt aus Liebe und Gnade frommen Eheleuten zuweilen keine Kinder, auch darum, weil er sieht, daß künftig schreckliche Landplagen und Strafen über eine Stadt und Band einbrechen werden. Wenn er nun die Frommen von dem Unglück wegrafft, und seine lieben Kinder, ehe das Wetter der Trübsal kommt, schlafen legt, wie er solches dem Hiskias verheißen, und an dem heil. Augustinus bewiesen hat, welche allerdings eine große Gnade GOttes ist, so ist's ja eine Wohlthat, wenn GOtt keine Kinder gibt, damit sie den Jammer, der über die Welt kommen soll, wie in der Sündenfluth geschah, nicht erleben und erfahren. 12) Endlich mögen Eheleute auch wohlbedenken, ob sie etwa mur die Kinder als eine Gabe GOttes, wie denn Kinder in der That sind, halten. Meinen fie, es sei eine Naturgabe, welche sie selbstbefördern könnten, so fehlen und irren sie, und es will ihnen durch Vorenthaltung des Ehesegens GOtt zeigen, daß es nicht bei ihnen stehe, sondern daß es eine Gabe sei, darum er will gebeten sein. Wenn hier christliche Eheleute mir entgegensetzen wollen, daß 118 Erinnerung und Trost Hurer und Huren wohl nicht darum bitten, und doch Kinder zeugen und erhalten, so antworte ich: Bei denen läßt Gott der Natur ihren Lauf zur Offenbarung ihrer Schande, weil sie nicht zusammen kommen, GOtt zu Ehren Kinder zu zeugen, sondern um ihre böse Brunst und Lust abzukühlen. Gottselige Eheleute sollen es also hier machen, wie dort Isaak, von dem es heißt: Isaak aber bat den HErrn für sein Weib, denn sie war unfruchtbar; also erkannte Isaak an, daß die Kinder nicht allezeit eine Naturgabe, sondern eine Gnadengabe GOttes wären, darum stehet auch gleich dabei: Und der HErr ließ sich erbitten, und Rebecca, sein Weib, ward schwanger, 1.B. Mose 25, v. 21. Dieses alles sollen christliche Eheleute sich fleißig vorstellen, und sich gegen alles Murren, gegen Ungeduld und GemüthsUnruhen bewahren und gedenken, ihr Haus sei einsam und ohne Kinder, daß sie nach ihrem seligen Absterben in der Herrlichkeit, in der Gesellschaft vieler tausend heiliger Engel sein werden, mit welchem sie sich in Ewigkeit vor dem Thron des dreieinigen GOttes erfreuen sollen. Gebet. HErr! HErr! was willst du mir geben? ich gehe ohne Kinder dahin. Ach, mein GOtt! ich sehe, wie du andern den Eheſegen mit reichem Maaß zutheilest, aber mir hast du denselben bisher vorenthalten und nicht gegeben. HErr! HErr! laß mich doch dies alles mit christlicher Gelassenheit als deinen gnädigen Willen geduldig aufnehmen. Ich weiß, du bist ein allmäch für Unfruchtbare. 119 tiger GOtt, der mir leicht Kinder geben, und mich fruchtbar machen kann, wann er will. Ich weiß auch, daß du mein gnädiger GOtt bist, der mich liebt, und mir seine Gnade noch nie versagt hat; darum will ich mich auch hier geduldig deinem Willen unterwerfen; duweißest ja am besten, warum du mir diesen Segen noch nicht bescheeret hast. Sollte ich etwa zu schwach in der Geburt, zu träg in der Erziehung der Kinder, oder zu niedergeschlagen in Kinder- Kreuz sein, so erkenne ich daraus deine Güte, die meiner schonen und mich nicht über Vermögen versuchen will. Giebst du mir aber nicht die Kinder- Freude, so laß mich in dir desto mehr erfreuen, daß ich dich herzlich lieben, an dir all mein Ergößen und Vermögen haben möge. Laß mich indessen im Glauben an dich, dreieiniger GOtt! in der Liebe gegen meinen Nächsten, in der Heiligung des Lebens bleiben, ja, laß mich in Zucht und Ehrbarkeit vor Jedermann wandeln. Laß deinen heiligen Geist mein Herz immer mehr und mehr überzeugen, daß dieses dein gnädiger Wille über mich sei, dem ich mich dann von Grund meiner Seele ergeben will. Bewahre indessen mein Herz vor Neid, Argwohn, Ungeduld, Mißvergnügen ge 120 Erinnerung und Trost gen meinen Ehegatten, daß ich ihn jedoch herzlich liebe, ihn für mein Kind halte, und ihn lieber habe, als zehn Söhne und Töchter. Ist's dein Wille, daß ich eine Zeitlang warten, und du mich dennoch zu einer fruchtbaren Mutter machen, an mich, wie an Hanna gedenken willst, so überzeuge mein Herz von diesem deinem gnädigen Wohlgefallen; willst du mir aber keinen Erben geben, HErr! soll das mein Erbe sein, daß ich deine Wege halte. JEsus soll meines Herzens Trost und mein Theil sein. HErr! HErr! es ist dir alles möglich; hast du Sarah und Elisabeth über die Zeit der Natur schwanger werden lassen, so ist es dir anch ein geringes, meine bisher unfruchtbare Ehe zu segnen. HErr! laß dich erbitten, so will ich für die Gabe dir mein Lebenlang danken und sie dir zu Preis und Ehren erziehen; ich will sie dir durch die heilige Taufe wieder weihen. Laß mich auch nicht scheel sehen, wenn du andern das Haus voll Kiudern giebst, sondern lasse mich desto mehr Liebe, Gnade und Barmherzigkeit an armen und verlassenen Kindern erweisen, dieselben kleiden, versorgen, pflegen. Nun, HErr! deine Güte sei über uns, die wir auf dich hoffen; erfreue mich, tröste mich für Unfruchtbare. 121 hilf mir, gieb mir Kinder, wenn es dir wohlgefällt, aber nicht im Zorn, nicht zu meiner Strafe, nicht zu meiner Schande. Ist's mir nüßlich, so fgewähre mir nach deiner Barmherzigkeit meine Bitte, ist's aber dein Wohlgefallen nicht, so will ich dir kein Kind abzwingen, ja, ich will gegen deinen gnädigen Willen nichts, und auch keine Kinder haben. HErr! ich habe mein Herz vor dir ausgeschüttet; ach! schicke es, wie es mir selig und dir gefällig ist. Gieb, daß ich meine Seele in Geduld fasse, bis du mir deine Hülfe erzeigen wirst. Ich bin vergnügt in meinem Hoffen; Denn hilft ( GOtt gleich nicht wie ich will, So hat er schon den Schluß getroffen, Er weiß die beste Zeit und Ziel: Ich harre auf ihn, denn so betrügt Die Hoffnung nicht, ich bin vergnügt. Ich bin vergnügt; Wird mir nur geben Der allerhöchste Wunder- GOtt Ein fröhlich's Herz, gesundes Leben, Und was sonst meiner Seelen noth; Das übrige, wie er es fügt, Befehl ich Ihm, ich bin vergnügt. Amen. Gesang. Mel. Alle Menschen müssen sterben. 1. Ach HErr! was willst du mir geben? Weil ich ohne Kinder bin; Meine Zeit und auch mein Leben Geht in vielem Kummer hin. Andre muß ich fröhlich sehen, Und mit Kindern heiter gehen, aber ich geh' ganz allein Und muß stets bekümmert sein. 2. Nichts erfreut mich mehr im Herzen, Als ein zartes Kind zu seh'n, Mit ihm allezeit zu scherzen, Mit ihm hin Anhang. 8 122 Erinnerung und Trost und her zu gehn. Dieses pflegt mich zu ergößen, Und in hohe Freud zu sehen. Doch die Freude hab ich nicht, Weil's an Kindern mir gebricht. 3. Warum thust du an mir minder, Als an Andern, lieber GOtt! Andere haben viele Kinder, Die kaum haben täglichs Brot, Du giebst mir sonst großen Segen, Aber ach, mein GOtt! hingegen Giebst du mir nicht diese Gabe, Die ich oft erbeten habe. 4. Ach, mein GOtt! ich will nicht fragen, Thue mir was dir gefällt, Ich will dieses gerne tragen, Alles sei dir heimgestellt: Ach! du weißest mein Begehren, Willst du mir's, mein GOtt! gewähren, So geschehe, HErr! dein Will; Deinem Willen halt' ich still. 5. Laß, o HErr! mir deinen Willen Immerdar vor Augen sein; Deinen Willen lasse stillen, Was mein Wollen wendet ein Ja, laß mir, o GOtt! in allem, Was nur dir gefällt, gefallen, Daß ich christlich mich bezeig, Und gelassen stille schweig. 6. Ich will nichts von dir erzwingen, Gieb mir ja kein Kind im Zorn, Es möcht' mir sonst Jammer bringen, Und mir sein ein scharfer Dorn Der mein Lebenlang mich stäche, Und mir mein Vergnügen bräche! Was mich martert, quält und sticht, Lieber GOtt! das gieb mir nicht. 7. Ich weiß, daß du mich doch liebest, Daß ich ſteh in deiner Gnad, Ob du mir schon das nicht giebest, Was mein Herz erbeten hat; Hab ich dich, o meine Wonne! Mein GOtt, meine Freud und Sonne! So bin ich in dir vergnügt, Wie's dein Wille mit mir fügt. 8. Soll ich keine Kinder haben, So soll meiner Liebe Trieb Sich allein in JEsu laben, Dem schenk ich mein Herz und Lieb'. JEsu! deine Lieb' und Schöne Ist mir lieber, als viel Söhne, Wenn ich Jesum bei mir hab, So hab ich die größte Gab. 9. Nun, mein GOtt! ich bin zufrieden Mit dem mir bestimmten Theil, Welchen du mir hast beschieden, Allek dient zu meinem Heil, Darum will ich dir vertrauen, Und auf deine Hülfe bauen, Mach mein Herz vertrauensvoll, Gieb mir, was ich haben soll. 10. Indeß will ich JEsum lieben, In GOtt haben meine Freud; Mich in Lieb und Glauben üben, Und für Unfruchtbare. 123 durch stille Mildigkeit Armen Kindern reichlich geben, Daß fie GOtt zu Ehren leben, Ihnen helfen, GOtt zum Preis, Durch mein Wohlthun, Treu und Fleiß. 11. Wer weiß, was mein GOtt gedenket, Was er mir bestimmet hat; Wer weiß, was er mir noch schenket; Wer weiß, was da seine Gnad Mir noch zngedacht, zu geben; Wer weiß, werd ich noch erheben Nach der Hülfe Herz und Mund, Wenn erscheint die Gnadenstund. 12. HErr! erhöre dies mein Flehen, Ach nimm meine Seufzer an, Lasse meine Bitt geschehen, Du bist's, der mir helfen kann. Doch laß mich in allen Fällen Alles dir, mein GOtt! heimstellen, Daß ich, wie es immer geh, Spreche: HErr! dein Will' gescheh'. Anhangs- Regiſter für Schwangere und Gebärende. Register der Gesänge. Ach, HErr! was willst du mir geben Ach! hilf mir in dieser Stunde Der HErr, der große GOtt. Die Nacht ist nun verschwunden ♦ ♦ Du hast, o großer GOtt. Gelobet sei der große GOtt GOtt hat mein Gebet erhöret. GOtt wird mich nicht verlassen HErr JEsu! wahres Licht. Ich danke dir, mein Gott. ⠀⠀⠀ Ich erblick die helle Sonne Ich weiche nicht von GOtt Ich will stets mit GOtt umgehen ● Mein GOtt ist ja bei mir Sieh', die Sonn' will von uns gehen Wie hat der große GOtt doch mich. Wir haben einen GOtt, der hilft Seite 121 55 111 92 104 88 108 42 97 33 12 38 24 50 16 29 46 Register der Andachten. 1) Für Schwangere. Die Schwangere verrichtet ihr Morgengebet verrichtet ihr Abendgebet Tägliche Betrachtung einer Schwangern Gottseliger Umgang mit GOtt erwägt ihren GOtt wohlgefälligen Stand dankt GOtt für ihre Fruchtbarkeit empfiehlt GOtt sich und ihre Frucht erinnert sich der göttlichen Verheißungen. erfreuet sich der Allmacht GOttes tröstet sich der göttlichen Hülfe 2) Für Gebährende. Andacht bei herannahender Geburtsstunde Trost bei herannahender Geburt Seufzer vor der Geburt Ein Anderes ● Seufzer bei und unter der Geburt Ein Anderes Ein weiteres Sprüche, Seufzer und Gebete, in Nöthen zu sprechen 3) Für Kindbetterinnen. ● Die Kindbetterin dankt GOtt für ihre glückliche Entbindung verrichtet ihr Morgengebet • ♦ . 125 Seite . 51 56 57 58 . 60 62 63 64 ● ● 9 13 17 24 26 30 34 39 42 46 ♦ 84 89 126 Register der Andachten. Die Kindbetterin verrichtet ihr Abendgebet trägt Gtt im Gebet ihre Kinder vor Gebet, wenn das Kind zur heiligen Taufe gelangt Gebet frommer Eltern für ihre Kinder Die Sechswöchnerin schickt sich zu ihrem Vorund Kirchengang an. Die gottselige Mutter dankt GOtt, wenn ihr Kind entwöhnt wird Erinnerung und Troft für Unfruchtbare Seite 93 . 98 . 99 . 101 . 105. . 109 112 Inches 1 Centimetres Blue 3 14 Cyan 2 5 1.144, 17 6 3 Farbkarte# 13 Green 8 Yellow 9 10 Red 11 12 LO 5 13 Magenta 14 6 15 White 16 17 7 3/ Color 18 19 B.I.G. Black 8