BUCHHANDLUNG von Eduard Rottig in Frankfurt a/ M. Mainzergasse 39 4644 Gb 819 2031 Ghre sen Gott in der Höhe. Mainz C. 6. Runse Ehre sei Gott in der Höhe. Gebet: und Erbauungsbuch für Katholiken. Bon Heinrich Himioben, Pfarrer zu St. Christoph in Mainz. Illustrirte Prachtausgabe. Mit bischöflicher Gutheißung. Mainz. Verlag von C. G. Kunze. 1848. Adivin 8500010 Gb 819 Buch- und Farbendruck von E. Naumann's Druckerei. Frkft. a. M. Univ.- Bibl. Giessen Vorwort. Nächst jenen Gebeten, welchen die Kirche ihre höchste Sanction verliehen hat, indem sie derselben bei ihrem heiligen Werke, bei der Darbringung des heiligsten Opfers und bei Ausspendung der heiligen Sacramente sich bedienet, sind uns mit Recht keine werther, als diejenigen, worin die treuesten Söhne der Kirche, mit deren Geist großgenährt, ihre fromme Seele vor Gott ergossen haben. Sind jene ersteren Gebete gewissermaßen der verkörperte Geist der Kirche selber, und als Gebet im höchsten Sinne des Wortes den Gläubigen aufs unbedingteste und allgemeinste zu empfehlen; so erscheinen uns die letzteren als ein treuer Abglanz dieses Geistes, als eine Dollmetschung der Sprache der Kirche, und als die geeignetste Vorschule zum Gebete mit der Kirche. Denn nicht alle Gläubigen haben sich tief genug in deren Sinn und Geist IV- hineingelebt, um auch in ihre Worte des Gebetes mit einstimmen zu können; und Solchen mögen die Worte, in welche erleuchtete Mitglieder und Bekenner der Kirche deren Sprache umgeseßt, dazu dienen, sich jene ſelbst geläufiger zu machen. Gewiß bedarf es darum keiner Rechtfertigung, wenn neben Gebeten der Kirche selber, solche Gebete, die das Erzeugniß von Meistern des Gebetes aus allen Jahrhunderten sind, immer wieder von Neuem empfohlen, und als die bündigste Empfehlung in einem Buche zum Gebrauche der Gläubigen dargeboten werden. Dergleichen aber zu bieten, und unter dem vielen Schönen, was zu Gebot stehet, Ausgezeichnetes zu sammeln, war die Absicht des Verfassers. Möge es ihm gelungen seyn, auch nur Weniges dazu beizutragen, daß, wie das Leben heiliger und frommer Vorfahren den Christen zur Nachahmung dienen soll, so auch deren Gebete ihnen zum Muster und zur Erbauung dienen; auf daß ste durch dieses wie durch jenes vor Allem das Reich Gottes suchen lernen, und dem gemeinsamen Ziele der Bekenner Jesu Christi immer näher kommen. Mainz, im Herbst 1847. Der Verfasser. Einleitung Inhalt. Vorbereitungsgebete.( Röm. Brevier, Thomas von Kempen, der heil. Franz von Assisi, der heil. Anselmus) Tägliche Gebete. Vorerinnerung Morgengebet ( Der heil. Ludwig von Granada) Zur heiligsten Dreieinigkeit.( Derselbe) Zu den Heiligen Gottes.( Derſelbe) Zum Schutzengel.( Ludwig Vivis) Gebete und fromme Gedanken zur Heiligung des Tagewerkes Lobpreis Gottes Beim Beginne der Arbeit und während derselben Bitte um Entfernung der Versuchungen und um Vergebung der Sünden Bitte im Leiden... Vor dem Essen.( Röm. Brevier. Ludwig Vivis) Nach dem Essen. Abendgebet. Seite. 1 ♦ Erforschung des Gewissens Bekenntniß der Sünden und Bitte um Vergebung. ( Der heil. Ludwig von Granada) Dank für die empfangenen Wohlthaten.( Der heil. Ludwig von Granada) Bitte um Gottes Schuß.( Der heil. Ephräm) Der kirchliche Gottesdienst. Vorerinnerung Die beilige Messe. Dankgebet zu Gott für das Geleite des Schußengels. ( Der heil. Bernhard). Gebete bei der heil. Messe. Vorbereitungsgebet.( Der heil. Basilius. Der heil. Anselmus) Zum Eingang ry 11 15 20 22 23 25 25 26 26 27 28 29 30 31 33 38 39 41 45 62 70 Gloria. Collecten Epistel und Evangelium Credo VI Zur Predigt Opferung Präfation. Stillmesse( Canon) Das Gebet des Herrn Zur Communion Nach der Communion Das letzte Evangelium Schlußgebet.( Der heil. Basilius. Der heil. Chrysostomus) Gesänge zur heiligen Messe Lied vor der Predigt Vor der Predigt.( Kirchengebete. Nachfolge Christi) Nach der Predigt.( Nachfolge Chriſti) Vesperandacht Das heilige Sacrament der Busse Beichtgebete. Vorbereitungsgebet. Nach dem 50. Pf.( Gerson) Gewissenserforschung Seite. 72 73 75 76 . 78 82 84 88 89 . 91 92 94 97 113 113 115 . 116 . 118 . 129 • 143 150 Nach der Gewissenserforsch.( Der heil. Ephräm. Gerson) 157 Gebet zur seligsten Jungfrau Maria.( Der heil. Ludwig von Granada) Vor der Beichte.( Gerson) 164 .. 168 Nach der Beichte.( Unter den Werken des heil. Bernhard) Anweisung des Papstes Gregor XIV. zum Empfange der heil. Communion . 170 Gebet zur seligsten Jungfrau Maria.( Der hl. Anselm) 174 Bitte um christliche Vollkommenheit.( Der heil. Thom. von Aquin). Die heilige Communion 178 181 200 - VII Communiongebete. Erwägung der Seele, die sich zum Liebesmahle des Herrn bereiten will.( Der heil. Anselmus) • Nähere Vorbereitung zur heil. Communion.( Nachfolge Christi).. Nach der Communion. Gebet zur heil. Messe, bei welcher man die heil. Communion empfängt.( Der heil. Ludwig von Granada) 207 Gedenke deiner Sünden!( Der heil. Bonaventura. Der heil. Anselmus). 212 Danksagung.( Der heil. Ludwig von Granada) Aufopferung und Fürbitten.( Nachfolge Christi) Bitten und Vorsätze.( Papst Clemens XI.) Gebet zur ferneren Heiligung des Communiontages. ( Der heil. Ludwig von Granada) ● Seite. Gebet am Communiontage zur Gewinnung eines Ablasses.( Nach dem heil. Basilius). Gebete für die Zeiten des Kirchenjahres. Gebet im Advent.( Der heil Bernhard, Gerson, der heil. Thomas. Kirchengebete) 204 Gebet am heil. Weihnacht feste.( Der heil. Anselm, Bernhard, Bonaventura, Thomas) Gebet zur heiligen Kindheit Jesu.( Der heil. Ludwig von Granada) 217 224 225 229 233 236 247 250 256 259 264 Litanei vom heil. Namen Jesu. Gebet zur Betrachtung der irdischen Wanderung des Erlösers.( Der hl. Ludwig v. Granada) 267 Gebete in der Fastenzeit. Bußgebet. Nach dem 6. Psalm.( Gerson)... 271 Seufzen nach der göttlichen Gnade.( Der hl. Ephräm) 277 Gebet zum leidenden und sterbenden Erlöser.( Der heil. Ludwig von Granada) Gebet in der Charwoche.( Der heil. Anselm) Gebet am Charfreitage.( Der hl. Petr. Damiani) Gebet am heil. Osterfeste.( Gerson, der hl. Ludwig von Granada) 280 296 306 312 - VIII Gebet am Feste der Himmelfahrt des Herrn. ( Der hl. Anselmus) . 316 Gebet am hl. Pfingstfeste.( Der hl. Ludwig v.Granada) 317 Gebet am Feste der heil. Dreieinigkeit.( Der hl. Petrus Damiani, der hl. Anselmus). . Gebet am Feste des Frohnleichnams Jeſu Christi Gebete zu den Heiligen Gottes. Gebet zu Gott und allen Heiligen.( Der heil. Anſelmus) Litanei zu den Heiligen Gottes Gebete zur seligsten Jungfrau Maria Seite. Lauretanische Litanei. Antiphonen zu Ehren der seligsten Jungfrau Maria.. Weise, den Rosenkranz zu beten. Besondere Gebete. . 326 320 330 339 346 359 361 . 364 Gebet um christl. Vollkommenheit.( J. Ruisbroch) 366 Gebet des Vertrauens auf die göttl. Barm368 herzigkeit und Güte.( Der heil. Ephräm). Lobpreis Gottes und Danksagung.( Der Ambrostanische Lobgesang) 375 379 381 Gebet für Freunde.( Der heil. Anselmus). Gebet für Feinde.( Der heil. Anselmus) Gebet für Kranke.( Röm. Ritual) Gebet für Sterbende.( Röm. Brevier) 385 386 Klage der armen Seelen im Fegefeuer 390 394 Aufopferung unseres Gebetes für die Verstorbenen. Gebete der Kirche für die Abgestorbenen 395 Sieben Bitten, in welchen wir durch das bittere Leiden und Sterben Jesu Christi für die Verstorbenen beten.( W. Nakatenus) 398 Einleitung. B Lesen und betrachten wir, so spricht Gott zu uns; beten wir, so sprechen wir zu Jhm. 1) Das Gebet ist also seinem Wesen nach ein vertraulicher Umgang und eine Verbindung des Menschen mit Gott. Seiner Kraft und Wirksamkeit nach aber ist es die Erhaltung der Welt, die Versöhnung Gottes, die Mutter der Bußthränen, die Begnadigung der Sünder, die Schußwehr gegen den Andrang der Leiden, der Dienst der Engel, die Nahrung aller Geister, die Quelle der Tugenden, die Bürgschaft der göttlichen Gnaden, die Erleuchtung der Seele, der Anker der Hoffnung, der Trost des Betrübten, der Reichthum des Christen, der Spiegel der Vollkommenheit, die Vorschule des ewigen Lebens, das Unterpfand der einstigen Herrlichkeit. 2) Das Gebet des Moses spaltete das Meer, ließ vom Himmel, als ob derselbe ein angebauter Acker wäre, das 1) Der h. Augustin. 2) Der h. Joh. Elimacus. 1 Manna herabregnen, es lockte Wasserbäche aus dem dürren Felsen hervor und schlug ein ganzes Kriegsheer in die Flucht. Das Gebet löste die Bande des Petrus, öffnete ihm den Kerker, indem es das eiserne Thor aus seinen Riegeln schob. Auch da Paulus und Silas um Mitternacht beteten, erschütterte ein Erdbeben den Kerker, worin sie eingeschlossen waren. ¹) Alsdann aber beten wir nur wahrhaft, wenn wir an nichts Fremdes denken, sondern wenn unsere ganze Aufmerksamkeit auf das Höchste gerichtet und unsere Seele von dem Feuer des heiligen Geistes durchglüht ist. Dann findet sich in uns eine mächtige göttliche Strömung, so daß aus dem innersten Mark unseres Herzens die Liebe Gottes aufsteigt, und nicht mehr sowohl die einzelnen Worte unseres Gebetes als vielmehr jede Sylbe desselben gleich einem mächtigen Schrei der Sehnsucht sich zu Gott erhebt. Je mehr gesammelt unsere Seele, und je wärmer unsere Liebe ist, um so mehr steigt es aus unſerem Munde als ein Wohlgeruch zu Gottes Angesicht empor. 2) Das Gebet ist Sache des Herzens, nicht der Lippen; nicht auf die Worte, sondern auf das Herz des Betenden sieht Gott. Besser ist, ohne hörbaren Laut in der Stille des Herzens zu beten, als mit bloßen Worten ohne Theilnahme des Geistes ein Gebet zu sprechen. 3) Seyen wir eingedenk, daß Gott ein Geist ist, und daß wir im Geiste zu Ihm rufen müssen, wenn unser Ruf an Ihn gelangen ſoll. Verzagen wir indessen nicht, wenn zuweilen die äußere Haltung oder die innere Stimmung beim Gebete uns verläßt. Das ist's, wovon der Apostel sagt: Der Wille ist zwar da, aber das Gute zu wirken will mir nicht gelingen. Harren wir aus; wer bittet, der empfängt, wer anklopft, dem wird aufgethan. 4) Noch weniger mögen wir uns um dessenwillen grämen, daß 1) Der H. Nilus. 2) Richard der Eremite. 3) Der h. Ifidor. 4) Der h. Bernhard. etwa unser Gebet nicht mit einem Reichthum süßer Gefühle und innerer Tröstungen verbunden ist. Die Liebe Gottes besteht weder in Tröstungen, noch in zarten und süßen Empfindungen; sonst hätte unser Heiland Seinen himmlischen Vater nicht geliebt, als Er, traurig bis in den Tod, zu Ihm rief: Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen? Und doch vollbrachte Er gerade in diesem Augenblicke den höchsten Beweis Seiner Liebe, welcher alle menschliche Begriffe übersteigt. ¹) Nur Solche, deren Frömmigkeit wankend und unſtät iſt, werden sogleich matt und mißmuthig, wenn sie eine geistige Trockenheit befällt. Nicht also sollen wir thun; sondern je mehr uns Gott Seine Tröstungen entzieht, um so thätiger ſollen wir uns bemühen, Ihm unsere Treue zu beweisen. Wer Gott um der Tröstungen willen dient, der liebt mehr den Trost Gottes als den Gott des Trostes, und wer hier das Kreuz flieht, ist nicht werth, demselben zu folgen, noch auch ein Jünger eines solchen Meisters zu seyn. 2) Seyen wir also emsig im Gebet. Beten wir oft, ſo daß unser Leben einem Gebete ohne Unterlaß zu vergleichen ist. Es ziemt dem Streiter Christi nicht, die Waffen abzulegen, ſo lange der Kampf noch nicht geendet ist. So lange die Gefahr dauert, bedürfen wir Gottes Hilfe; so lange das Elend währt, haben wir Gottes Erbarmung nöthig. Erblicken wir an uns oder Anderen ein Übel, so haben wir zu beten; nehmen wir an uns und Anderen Güter wahr, so haben wir zu danken. Je vielfacher die Nothwendigkeit des Gebetes wirklich ist, um so zahlreicher ist auch die Gelegenheit dazu. 3) Betrachten wir unser Elend und unsere mannigfachen Bedürfnisse! Nichts kann uns kräftiger zum Ernste und Eifer im Gebete auffordern. Betrachten wir die Erbarmung unseres Schöpfers! Nichts kann uns freundlicher die Innigkeit und Ausdauer beim Gebete empfehlen! 1) Der h. Franz v. Sales. 2) Derselbe. 3) Frater Humbertus. 1* 4- Das Elend des Menschen und die Barmherzigkeit des Herrn sind zwei Flügeln zu vergleichen, auf welchen sich das Gebet erheben muß. Bedenken wir, wie kurz unser Leben, wie schlüpfrig der Weg, wie ungewiß die Todesstunde ist. Bedenken wir, daß wir weinend in dieses Leben eingetreten sind, daß wir es in Schmerz durchwandeln, und daß wir mit Jammer davon scheiden werden. Bedenken wir, wie viel Bitterfeit selbst demjenigen beigemischt ist, was uns in diesem Leben Angenehmes und Erfreuliches begegnet, wie trügerisch, verdächtig und vergänglich Alles ist, was die Liebe dieser Welt gebärt. Wer könnte herzählen alle übel dieses Lebens, welche auf den Menschen im Allgemeinen lasten, alle Gefahren, welche die Einzelnen bedrohen. Erinnern wir uns, wie viele Sünden wir von Jugend auf begangen, wie viele eitle Arbeit wir gethan, wie wir oft aus Liebe zu dieser Welt umsonst uns abgemüht und in unseren Erwartungen uns getäuscht gesehen haben, wie wir nach langem Suchen uns dennoch keiner Ruhe erfreuten. Was kann uns inständiger zum Gebete auffordern, als solche Betrachtung? Aber was mag auch andererseits uns lieblicher dazu anlocken, als das Gedächtniß an die Barmherzigkeit des Schöpfers. Kühn mögen wir für die Zukunft auf seine Erbarmungen hoffen, wenn wir uns erinnern, welches Maaß derselben bis daher uns zu Theil geworden ist. Bedenken wir, wie viel Gutes Er uns gegeben, wie oft Er uns gnädig aus den Gefahren gerettet hat und wie Er ungeachtet aller unserer Sünden im Erbarmen nicht ermüdet ist. Bedenken wir, wie Er alsdann, wenn wir Ihn vergaßen, uns wieder an Sich erinnerte, wenn wir von Ihm gegangen waren, uns wieder zu Sich rief, wenn wir kamen, uns gnädig aufnahm; wie Er uns vergab, wenn wir Reue zeigten, wie Er uns hielt, wenn wir standen, wie Er uns aufrichtete, wenn wir fielen, wie Er aus unserer bösen Lust uns bitteres Leid, und aus dem bitteren Leide wiederum himmlischen Trost bereitete. Und waren wir dann durch Trüb 5 sale gereinigt, so gab Er uns vollkommene Ruhe und Frieden wieder. Wahrlich, betrachten wir Solches, so muß unser Herz zum Gebete entflammt werden. 1) Das wollte auch ohne Zweifel Gott, indem Er uns beten lehrte; daß wir von unserer Armuth und von dem Mangel einer jeden anderen Hilfe uns überzeugen, und darum mit ganzer Demuth zu seiner Barmherzigkeit unsere Zuflucht nehmen möchten. Freilich tönen oft, wenn vom Gebete die Rede ist, im Innersten mancher Herzen die Worte wieder: Was ist das, daß wir immerdar beten und doch kaum irgend Jemand eine Frucht seines Gebetes sieht? Wie wir hinzutreten, ſo kommen wir wieder; Niemand antwortet uns ein Wort, Niemand schenkt uns Etwas, wir scheinen umsonst gearbeitet zu haben. Was spricht aber der Herr im Evangelium? Richtet nicht nach dem Augenschein, sondern fället ein gerechtes Urtheil. Was ist das gerechte Urtheil anders, als jenes, welches der Glaube fällt? Der Glaube ist wahrhaft, die Erfahrung trügt. Die Wahrheit des Glaubens ist aber ausgesprochen in der Verheißung des Sohnes Gottes: Alles, was ihr in eurem Gebete verlanget, glaubet nur, daß ihr es empfangen werdet, und es wird euch gegeben. Darum achte Keiner sein Gebet gering; denn Der, zu welchem wir beten, achtet es nicht gering. Bevor es noch unserem Munde entströmt, läßt Er es schon in seinem Buche verzeichnen; und auf Eines von beiden können wir mit Zuversicht hoffen: entweder wird uns zu Theil, was wir bitten, oder es wird uns etwas Besseres gegeben. Oft wissen wir nicht um das, was uns Noth thut, zu beten; Gott aber erbarmet sich unserer Unwissenheit, nimmt unser Bitten gnädig auf, gibt uns das nicht, was uns überhaupt nicht nüglich oder nicht so dringend nöthig ist, ohne darum unser Gebet unerhört zu lassen. Er 1) Hugo v. St. Victor. 6 wandelt das, was Er uns versagt, in eine nüßlichere Gabe um. So schenkt auch der leibliche Vater dem Kinde, das nach Brod verlangt, solches gerne; will es jedoch ein Messer dazu, so verweigert er solches, und bricht ihm entweder selbst das Brod, oder läßt es ihm von Anderen brechen, um es der Gefahr und Mühe zu überheben. Dreierlei Dinge sind es aber, um welche wir zu beten haben. Zwei gehören dem gegenwärtigen Leben an: die Güter des Leibes und der Seele; das dritte ist die Seligkeit des ewigen Lebens. Um die Güter des Leibes müssen wir Gott bitten, weil alle leibliche Güter eben sowohl als die geistigen Ihm angehören und von Ihm gespendet werden. Defter jedoch und inniger ziemt es uns, um die Güter der Seele, um die Gnade Gottes nämlich und um Tugenden zu beten. Aus ganzem Herzen endlich und mit größter Sehnsucht müssen wir zu Gott um jenes Leben flehen, wo einstens unser Leib und unsere Seele zu vollkommener Glückseligkeit gelangen ſoll. 1) Endlich seyen wir nicht blos unser im Gebete eingedenk. Für sich selbst zu beten, zwingt die Noth, für Andere zu beten, mahnt die brüderliche Liebe. Schöner aber ist vor dem Herrn ein Gebet, das nicht die Noth auspreßt, sondern das ein Erguß der brüderlichen Liebe ist. So hebe sich denn unsere Seele zu Gott empor! Wo Gebet und Danksagung ist, da kehrt die Gnade des heiligen Geistes ein, es fliehen die bösen Geister und die feindlichen Mächte werden besiegt und zerstreut. 2) 1) Der H. Bernhard. 2) Der h. Chrysostomus. Vorbereitungs- Gebete. Im Namen des Vaters und des Sohnes ant bee brigen Geistes. Amen Weine Hilfe jey im Namen des Herrn, der Himmel und Erde geschaffen hat, Gott, öffne meinen und auf daß ich Deinen heiligen Namen preises reinige mein Herz von allen nichtigen, verkehrten und Welchen Gedanten, erleuchte meinen Verstand, er ne mein Gemüth, damit ich würdig, achtsam und andacht mein Gebet vor Dir verrichten möge. sein Gott, mein einzige st bin ich, daß ich in B Vorbereitungs- Gebete. Im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen. Meine Hilfe sey im Namen des Herrn, der Himmel und Erde geschaffen hat. Gott, öffne meinen Mund, auf daß ich Deinen heiligen Namen preiſe; reinige mein Herz von allen nichtigen, verkehrten und weltlichen Gedanken, erleuchte meinen Verstand, erwärme mein Gemüth, damit ich würdig, achtsam und mit Andacht mein Gebet vor Dir verrichten möge. Amen. Mein Herr und mein Gott, mein einziges Gut bist Du! Und wer bin ich, daß ich wagen darf, mit Dir zu reden? Dein niedrigster Diener, ärmer und schlechter, als ich weiß, und mir zu gestehen wage. Ich bin Nichts und besige Nichts vor Dir. Du allein bist der Gute, der Gerechte und der Heilige. Du vermagst Alles, Du spendest Alles, Du erfüllest Alles.- Nur den Sünder läsfest Du leer. Aber sey meiner eingedenk, o Herr! nach Deiner Güte, und erfülle mein Herz mit Deiner Gnade, der Du nicht willst, daß Deine Werke verloren gehen. Wende nicht Dein Angesicht von mir, verzögere Deine Heimsuchung nicht, entziehe mir nicht Deinen Trost, damit nicht meine Seele einem dürren Erdreiche gleiche. Verleihe mir die Gabe der Andacht, auf daß diese gleich einem fruchtbaren Quell mein Herz bewässere und gute und reiche Frucht darin erzeuge. Erhebe meine Seele, die unter der Last der Sünden seufzt, und erfülle mich mit Sehnsucht nach dem Himmlischen, damit ich die Süßigkeit des überirdischen Glückes foste und alles Irdische verachten lerne. Amen. - — Kommet, lasset uns frohlocken dem Herrn, jubeln Gott, unserem Heilande! Lasset uns mit Danksagungen vor sein Angesicht kommen und mit Lobliedern Ihn verherrlichen! Denn groß ist Gott, unser Herr, und ein großer König über Alles! In Seiner Hand find alle Gränzen der Erde, und die Höhen der Berge sind Sein eigen. Und Sein ist das Meer; denn Er hat's geschaffen und das feste Land haben Seine Hände gebildet. So lasset uns denn niederfallen und anbeten; lasset uns flehen zu Gott unserem Schöpfer! Er ist der Herr unser Gott, und wir sind das Volk Seiner Weide, die Heerde, welche Ihm angehört. Heute wenn ihr Seine Stimme höret, verhärtet eure Herzen nicht, wie einstens die Israeliten in der Wüste thaten, wo sie den Herrn versuchten und doch Seine Werke sahen. Allmächtiger und barmherziger Gott! Verleihe, daß ich um Deinetwillen das thue, wovon ich weiß, daß es Dein heiliger Wille ist, und daß ich allzeit thue, was Dir wohlgefällt; daß ich, gereinigt, erleuchtet und von dem Feuer des heiligen Geistes entflammt, folgen möge den Fußtapfen Deines geliebten Sohnes unsers Herrn Jesu Christi und zu Dir dem Allerhöchsten durch Deine Gnade gelangen möge. In di Großer und anbetungswürdiger Gott und Herr Jesu Christe! Erleuchte, ich bitte Dich, die Finsternisse meiner Seele! Gib mir den rechten Glauben, die feste Hoffnung und die vollkommene Liebe! Lasse mich so Dich erkennen, daß ich Alles in Allem nach Deinem heiligen und wahren Willen vollbringen möge. Gott heiliger Geist, der Du vom Vater und Sohne ausgehest, Tröster unserer Seelen, von Dem alle Wärme und alles Leben kommt! Hilf meiner Schwäche; ohne Dich weiß ich nicht, wie und um was ich beten ſoll. Führe mich auf dem rechten Wege und umgürte mich - 10 mit Kraft von Oben, damit ich sicher in alle Wahrheit eingehe. Schmücke mit Deinen Gaben meine Seele, besige mein Herz und wohne in demselben ewiglich. Habe Nachsicht, o Gott, mit meiner Schwäche und Unvollkommenheit! Wende Dich nicht ab von mir, wenn ich, Dein unwürdiger und unnüßer Diener, es wage, mit so geringer Vorbereitung vor Dich, den Unendlichen, hinzutreten und Dir meinen Lobpreis, meine Verherrlichung, meine Anbetung darzubringen. Die Engel beben und staunen, indem ſie anbeten vor Dir; wie darf ich es daher wagen, ohne heiligen Schauer und Thränen der Buße und tiefe Demuth Dir zu nahen! O Gott, ich möchte und vermag es nicht! Wie ist meine Seele so arm, daß fie kalt bleiben kann in Deiner Nähe! Aber je ärmer ich bin, um so reicher bist Du, o Gott, in der Spendung Deiner Gnaden! Erfülle mich mit heiliger Ehrfurcht gegen Dich, gieße die Freude der Andacht in mein Herz, sende mir Bußthränen, damit ich gereinigt und von Liebe entflammt vor Deinem Throne erscheinen, Dich würdig preisen und es erfahren möge, wie süß Du denen bist, welche in ihrem Gebete sich Dir würdig nahen. Amen. - 11 Tägliche Gebete. Vorerinnerung. Sobald der Morgen anbricht, lasset uns die Erstlinge des Tages dem Gebete weihen und preisen den Schöpfer aller Dinge. Beginnt die Sonne ihre Strahlen über die Erde auszustreuen, so gehen wir an unser Tagewerk; aber verbinden wir mit demselben fromme Gedanken und Gebete, damit durch diese alle unsere Werke und Mühen uns gewürzt und versüßt erscheinen. Bevor wir unser Mahl einnehmen, lasset uns beten; indem wir nach dem Brode greifen, lasset uns Dem Dank ſagen, Der es uns gespendet hat. Haben wir uns sodann im nothwendigen Genuß gestärkt, so entfliehe nicht die Erinnerung an den Wohlthäter aus unserem Gedächtnisse. Legen wir unsere Kleider an, so geschehe es mit Dank gegen den göttlichen Geber, der unsere Blöße bedeckt und uns in jeder Jahreszeit nach unseren Bedürfnissen versorgt. Ist der Tag zu Ende, so lasset uns hinwiederum Dem danken, der die Sonne zu unserem Dienste heraufgeführt hat, und nun wieder mit Feuer und Licht und anderen Wohlthaten für unseren Körper uns beschenkt. Die Nacht möge uns dann wieder andere Veranlassungen zum Gebete bringen. Blicken wir nach dem Himmel in ſeiner Sternenpracht, so lasset uns anbeten den Herrn und Schöpfer aller Dinge, der nach Seiner Weisheit Alles wohl geordnet hat. Sehen wir die ganze belebte Natur in Schlaf versunken, so lasset uns abermals beten zu Dem, der auch ohne unseren Willen uns durch den Schlaf von unseren täglichen Mühen erlöst, und nach kurzer Ruhe uns mit erneuerter Kraft erwachen läßt. So möge auch die Nacht nicht einmal für die Frömmigkeit verloren seyn, und selbst deine Träume mögen sich in Gebet verwandeln. Wie sollten sie das nicht? Sind sie doch nur ein Abbild dessen, was im Laufe des Tages uns beschäftigt. So wirst du im Stande seyn, ohne Unterlaß zu beten, nicht daß du jeden Augenblick mit Worten des Gebetes ausfüllest, sondern indem du in einem beständigen Umgange mit Gott verharrest. 1) 12- Jedesmal aber, wenn du des Abends zu Bette gehen willst, lies zuvor drei Bücher, die du überhaupt stets bei dir haben mußt. Das erste ist ein recht altes, graues und häßliches, mit schwarzer Dinte geschrieben; das zweite ist weiß und schön mit rother Schrift; das dritte prangt mit goldenen Buchstaben. Zuerst also lies das alte Buch, das heißt, betrachte dein vergangenes Leben, das, wie bei allen Sterblichen, auch bei dir voll Sünde und Irrthum ist. Gehe in dich und öffne das Buch des Gewissens, das bei dem letzten Gerichte Christi vor Gott und aller Welt wird aufgeschlagen werden. Prüfe und richte dich selber, damit du nicht an jenem furchtbaren Tage gerichtet und verdammet wirst. Denke daran, wie du gelebt haſt, wie nachlässig du gewesen bist in Worten, Werken, Wünschen, Gedanken; schlage die Augen nieder mit dem Zöllner und sprich: Gott sey mir Sünder gnädig! Ich habe gesündigt, o Herr, ich habe gesündigt; erbarme Dich meiner! Gib mir wahre Thränen der Buße, gib mir Gnade und wecke in mir einen guten Willen! Dann lege das alte Buch bei Seite und hole aus deinem Gedächtnisse das weiße. Siehe, es ist das unschuldige Leben Christi, Dessen Seele rein und in dem die Fülle aller Gnaden ist, Dessen herrlicher Leib aber überall von Geißeln zerschlagen und von Seinem kostbaren Blute geröthet ist. Das sind die rothen Buchstaben, welche Seine heiße - 1) Der b. Bafilius. - 13- Liebe gegen uns bezeugen. Schaue sie an in tiefem Mitgefühl und danke Ihm, daß Er dir durch Seinen Tod die Thüren des Himmels aufgeschlossen und eine Stätte für dich bereitet hat. Zulegt hebe deine Augen in die Höhe und lies das dritte Buch, mit goldener Schrift geschrieben, das heißt, betrachte die Herrlichkeit des ewigen Lebens, gegen welches das irdische verschwindet wie Kerzenlicht vor dem Glanze der Mittagsonne. 1) Wollen wir nun von der Ernte unseres Geistes Gott die würdigen und wohlgefälligen Erstlinge zum Opfer bringen, so müssen wir emsig uns bemühen, daß wir besonders in der ersten Morgenstunde alle unsere Sinne Gott als ein reines und unbeflecktes Opfer weihen. Wenn wir daher uns vom Lager erheben, so lasset uns nicht in die täglichen nothwendigen Beschäftigungen uns verlieren, bevor wir dem Allmächtigen die Erstlinge unserer Gedanken und Werke geopfert haben. 2) Und soll dein Morgengebet ein würdiges und vollkommenes werden, so bereite dich schon in deinem Abendgebete dazu vor. Begiebst du nämlich mit einer Seele voll heiliger Gedanken dich zur Ruhe, so ist für das folgende Morgengebet die Stätte schon bereitet, und du kannst es um so reiner und andächtiger verrichten. Wie man des Abends das Feuer mit Asche zu bedecken pflegt, um sich am Morgen desselben sogleich wieder bedienen zu können, so findet man des Morgens leicht die Stimmung zum Gebete, wenn man am Abend unter einem Gebete oder einer frommen Betrachtung eingeschlafen ist. Deshalb bestrebe man sich, irgend einen frommen Gedanken festzuhalten, und diesen bei etwaigem Erwachen in der Nacht, besonders aber am Morgen, zu erneuern. Unser erster Gedanke muß Gott seyn, und dieser muß von unserem Herzen in solchem Maaße Besitz ergreifen, daß jeder andere Gedanke dadurch aus1) Ruysbroek. 2) Abt Theonas. 14- geschlossen ist. Leicht heftet sich die Seele an den ersten Gegenstand, welcher ihr beim Erwachen begegnet, und mit Mühe trennt sie sich wieder von demselben. Ist daher der erste Gedanke ein Gebet zu Gott, so ist hiedurch schon unser ganzes Tagewerk geordnet und geweiht; und jeder Christ kann wohl aus eigener Erfahrung wiederholen, was ein frommer Einsiedler einmal ausgesprochen hat: daß das Morgengebet ihm gleichsam eine Vorbedeutung des ganzen Tages sey, also daß nach der Art, wie er dieses verrichte, auch alle Geschäfte des ganzen Tages ihm gelängen. 1) Glaube übrigens Niemand des täglichen Gebetes entbehren zu können. Nichts ist so wirksam, unseren Verstand von seiner Unkunde und unseren Willen von seinen sündlichen Trieben zu reinigen, als das Gebet, das unseren Verstand mit der Klarheit des göttlichen Lichtes erleuchtet und unseren Willen mit himmlischer Liebesglut entzündet. Es ist das Gewässer der Segnungen, durch dessen Bethauung die Pflanzen unserer guten Begierden grünen und blühen, das unsere Seelen von ihren Unvollkommenheiten wäscht und die trüben Leidenschaften in unseren Herzen auftrocknet. 2) 1) Ludwig v. Granada. 2) Der h. Franz v. Sales. Cos RES 15 Morgengebet. Lobet den Herrn, preiset seinen Namen! Denn er ist gütig, und ewig währt seine Liebe. Pf. 99. ott, dem ewigen König, dem Unvergänglichen, Unsichtbaren sey Ehre und Preis in Ewigkeit! Zu Dir erwache ich, o Gott! Der Gedanke an Dich sey der erste meiner Gedanken, der Anfang meines Tagewerkes. Zu diesem Ende hast Du mich ja geschaffen, daß ich lobe und veris herrliche Deinen heiligen Nadomen, daß ich mit allen Deinen nuste Geschöpfen Dir diene und Deine Herrlichkeit verkünde. Du bist der Spender aller Güter! Es ist kein Gut des Leibes oder der Seele, das von Dir nicht seinen 16 Ursprung hätte. Alle Vollkommenheit und Größe, alle Schönheit, alle Güte und Barmherzigkeit ist in Dir! Der Heilige aller Heiligen, der Herrscher aller Herrscher, das Leben aller Wesen, die Schönheit der Erde und die Herrlichkeit des Himmelreichs bist Du! Du bist mein Schöpfer, hast aus dem Nichts nach Deinem Ebenbilde mich geschaffen! Du bist mein Erhalter, bewahrest mich durch Deine Vorsehung, daß ich nicht in den Staub zerfalle, aus welchem Du mich gebildet haft. Du bist es, der mich heiligt, durch Dessen Gnade mir eine höhere Bestimmung angewiesen ist. Du willſt mich verherrlichen, haft mir den Genuß Deiner Seligkeit verheißen. Du bist mein Wohlthäter und Ermahner, mein Helfer und Beschüßer, mein Hirt, mein König und mein Vater! Durch Deine Menschwerdung bist Du mein Erlöser, mein Heiland, mein Befreier. Du bist, nach dem Zeugnisse des Apostels, meine Weisheit, meine Gerechtigkeit, meine Erlösung, mein Opferlamm, mein Priester, mein Fürsprecher und Mittler, mein Führer, mein Lehrer, mein Beispiel, meine Stärke und mein Trost. Du bist mein Arzt in allen Ulebeln meiner Seele; meinen Stolz hast Du geheilt durch Deine Demuth, meinen Geiz durch Deine Armuth, meine Lust durch Deine Schmerzen, meinen Zorn durch Deine Sanftmuth, meinen Neid durch Deine Liebe, meine Genußsucht durch den Essig und die Galle, welche Du mir zu Lieb getrunken, meine Trägheit durch Dei 17 nen Eifer und die unermeßlichen Mühen, welche Du um meinetwillen ertrugst. Aus Liebe zu mir hast Du gefastet, gewacht, gebetet, bist umhergewandert, haft Spott und Verfolgungen getragen, wurdest gegeißelt, mit Dornen gekrönt und starbst am Kreuze. Alles dieses sind Deine Wohlthaten, o Herr, um derenwillen ich Dir verpflichtet bin und ganz Dir angehöre. Wie aber soll ich Dir vergelten für Alles, was Du an mir gethan? Mit welcher Gabe oder mit welcher Dienstleistung soll ich ausgleichen ein solches Maaß von Gnade, wie Du sie mir erwiesen hast? Vereinigte ich in mir alle Herzen der Menschen, und würde ich mit allen nur Dich allein lieben, ich wäre dennoch nicht im Stande, Dir das Mindeste zu vergelten; wie sollte ich nun für so Vieles und so Großes Dir vergelten können! Wie sollte ich nicht für alle Deine Wohlthaten das Wenige leisten, was ich vermag, da ich für jede einzelne dieser Wohlthaten Dir so sehr verpflichtet bin. Was soll ich sagen, was soll ich thun, o Herr! Ich kann nichts Anderes, als Dir unendlichen Dank sagen für eine solche Menge Deiner Gnaden, und alle Geschöpfe auffordern, die im Himmel und auf Erden sind, daß sie mir helfen Dich loben und Dir danken. So lasse mich denn einstimmen in den Gesang, welchen die drei Knaben einst in dem glühenden Ofen Babylons gesungen: Preiset den Herrn, ihr alle Werke des Herrn; lobet und erhebet Jhn über Alles in Ewigkeit! Preiset 18 den Herrn, ihr Engel des Herrn; lobet und erhebet Ihn über Alles in Ewigkeit! Preiset, ihr Himmel, den Herrn! Sonne und Mond, ihr Sterne des Himmels, preiset den Herrn! Nacht und Tag, Licht und Finsterniß, Bliße und Wolken, preiset den Herrn; lobet und erhebet Ihn über Alles in Ewigkeit! Es lobe die Erde den Herrn! Berge und Hügel, preiſet den Herrn! Alles was grünet auf Erden, preise den Herrn, lobe und erhebe Ihn über Alles in Ewigkeit! Quellen und Meere und Flüsse, preiset den Herrn! Alles was sich in den Wassern regt, und ihr Vögel des Himmels und ihr Thiere der Erde, preiset den Herrn! Lobet und erhebet Ihn über Alles in Ewigkeit! Ihr Menschenkinder, preiset den Herrn! Jhr Auserwählten Gottes, preiset den Herrn! Ihr Geister und Seelen der Gerechten, preiset den Herrn! Lobet und erhebet Ihn über Alles in Ewigkeit! Jedoch nicht allein Lobpreis und Verherrlichung Es bin ich Dir schuldig; ich selber gehöre Dir an. bestimmt mich ja so Vieles, daß ich mich als Dein Eigenthum betrachte. Du bist mein Schöpfer, haſt mit Deinem kostbaren Blute mich erlöst, bewahrest mich in jedem Augenblicke meines Lebens; ohne Dich vermag ich das Unbedeutendste nicht zu unternehmen. Wie sollte ich demnach Dir Dein Werk entziehen? Wie sollte ich mich als meinen eigenen Herrn betrachten, nach meinem Willen leben, da ich in so vielfacher Weise Dir angehöre? 19- In Demuth also erkenne ich meine Pflicht, und bringe mich für heute und alle Zukunft Dir zum Opfer dar; nimm mich an als Deinen Knecht und Diener! Auch opfere ich Dir Alles auf, was ich heute oder mein ganzes künftiges Leben hindurch denke, rede oder thue; ich opfere Dir Alles, was ich aus Liebe zu Dir leiden werde; ich mag essen oder trinken, ruhen oder arbeiten, so geschehe es zum Lob, zur Ehre und zur Verherrlichung Deines heiligen Namens. Nicht nach meinem Willen soll mein Leben geordnet seyn, nicht mich will ich suchen, nicht für mich wirken, sondern immer und überall nur Dir gehorchen und Dir angehören. Thue ich anders, so werde ich ja zum Räuber an Deiner Ehre, welche ich Dir schulde, zum Räuberan Deinem Gute, wofür ich mich betrachten muß. Weil ich aber einer so großen Verpflichtung nicht entsprechen kann ohne Deine Gnade, so flehe ich zu Dir, mein Herr, um Deine Hilfe! Schaffe in mir ein neues Herz, auf daß ich jeden Augenblick für verloren achte, den ich nicht auf Deinen heiligen Dienst verwende; verleihe mir einen Willen, der sich nach Nichts in solchem Maaße sehnt, als Deine heiligen Gebote zu erfüllen und Deinem Willen zu gehorchen. Schenke mir Einsicht und Gedächtniß, damit ich Dich erkenne und Deiner feinen Augenblick vergesse. Gib ferner, daß meine Zunge gezügelt, meine Augen bewacht, mein Herz in Reinheit bewahrt, mein Fleisch gebändigt und alle Gelüste und Regungen der Sinn 20- lichkeit in mir ertödtet werden. Endlich gewähre mir gnädig eine tiefe Demuth des Herzens, Geduld, Gehorsam, Sanftmuth, Keuschheit, heilige Klugheit, Armuth des Geistes, Liebe zu Dir und meinem Nächsten und ächtes Mitleid für seine Schicksale. Der Du lebst und regierest in Ewigkeit. Amen. Gebet zur heiligsten Dreieinigkeit. Gütigster, mildreicher, barmherziger Vater, erbarme Dich meiner! Zur Sühnung meiner Sünden und der Sünden aller Menschen opfere ich Dir auf das Leben, Leiden und Sterben Deines eingebornen Sohnes. Ich opfere Dir auf Alles, was Er in dieser Welt gethan und gelitten hat um unseres Heiles willen. Ich opfere Dir auf alle Verdienste seiner heiligen Mutter und aller Heiligen, auf daß Du um ihretwillen mir verzeihest, Dich meiner erba mest und mir das ewige Leben gebest. Milder Jesu, mein Heiland, erbarme Dich meiner! Ich sage Dir Dank für die unendliche Menge Deiner Erbarmungen und für die unzähligen Gnaden, welche Du mir bisher geschenkt und auch heute wieder mir armen und unwürdigen Sünder schenken willst. Ich flehe zu Dir, barmherziger Herr! mache mich theilhaft Deiner Verdienste, damit ich durch die Liebe und die Nachahmung Deines heiligsten Lebens mit Dir - 21 verbunden werde, und wie eine Rebe mit Dir, dem wahren Weinstocke und dem Leben aller Gläubigen, immerdar vereinigt bleibe. ONE Heiliger Geist, Herr und Tröster, sey meine Hilfe! Ich empfehle Dir meine Seele, meinen Leib und alles Meinige. In Deine Hände empfehle ich den Verlauf und das Ende meines Lebens. Gib, daß ich es in Deinem Dienste und Deinem Gehorsam verbringe und für meine Sünden wahre Buße übe, bevor meine Seele aus dem Kerker dieses Leibes scheidet. Blind und schwach, falle ich, so lange ich in dieser Welt lebe, leicht in die Schlingen meiner Leidenschaften, irre leicht, lasse mich leicht täuschen; darum empfehle ich mich Dir und unterwerfe mich Deinem Schuße. Vertheidige, o Herr, Deinen armen und entblößten Diener und bewahre ihn vor allem Ulebel. Lehre und erleuchte meinen Verstand, regiere meine Seele, beschütze meinen Körper und kräftige meinen Geist gegen die Unstetigkeit meines Herzens. Verleihe mir kräftigen Glauben, feste Hoffnung, reine und vollkommene Liebe. Gib, daß ich Dich mit Inbrunst liebe und an allen Orten und zu allen Zeiten Deinen heiligen Willen vollbringe. Ich bete Dich an, preise und verherrliche Dich, o heiligste Dreieinigkeit, allmächtiger Gott, Vater, Sohn und heiliger Geist! Siehe, ich erscheine vor Deiner göttlichen Majestät, um mich Deinem heiligen unwandelbaren Willen zu ergeben. Ich bitte Dich, o Herr! entferne von mir und allen gläubigen Christen alles 22 Dir Mißfällige, spende mir und ihnen, was Dir wohlgefällt, und wandle uns in solche Menschen um, wie Du willst, daß wir seyen. Ich empfehle Dir Vater, Mutter, Brüder, Schwestern, Kinder, Verwandte, Wohlthäter, Freunde, Hausgenossen, Nachbarn und Alle, die sich in mein Gebet empfohlen haben oder für welche ich zu beten schuldig bin. Ich empfehle Dir Deine heilige katholische Kirche; gib, o Herr, daß Alle Dich erkennen, daß Alle Dich verehren, daß Alle Dich lieben und wiederum von Dir geliebt werden. Führe die Irrenden auf den rechten Weg zurück, vertilge den Irrglauben, befehre Alle, die nicht die rechte Kenntniß Deines heiligen Namens haben, zu dem wahren Glauben. Schenke uns Frieden und erhalte uns darin nach Deinem Wohlgefallen und wie es uns zum Besten dient. Erquicke und tröste Alle, die in Trübsal sich befinden und die in geistigen oder leiblichen Nöthen, Versuchungen und Kümmernissen leben. Ich empfehle endlich alle Menschen in Deinen Schuß, auf daß Du den Lebenden Gnade und den Verstorbenen die ewige Ruhe verleihest. And admin Gebet zu den Heiligen Gottes. TO Sey gegrüßt, reine und glänzende Lilie, heiligste Jungfrau Maria! von welcher Jesus Christus, der Sohn Gottes, der König des Himmels, der Abglanz 23- - 23 des ewigen Vaters geboren werden wollte. Erflehe mir, heilige Mutter, von deinem eingeborenen Sohne Alles, was du weißt, daß es meiner Seele nothwendig sey. Komm, o milde Mutter, meiner Schwäche zu Hilfe in allen meinen Versuchungen und Nöthen, besonders in der Stunde meines Todes, damit ich durch deinen Beistand und Schuß in jenem letzten und gefährlichen Kampfe mich der Sicherheit erfreuen möge. Alle Heiligen Gottes, die ihr das stürmische Meer dieser Sterblichkeit überschifft habt und in dem Hafen der ewigen Ruhe, Sicherheit und des Friedens angelangt seyd, die ihr würdig befunden wurdet, die ewige Herrlichkeit zu genießen! Ihr seligen englischen Geister, die ihr in himmlischem Preisgesange den gemeinſamen Herrn verherrlichet, und seiner beseligenden Gegenwart euch immerdar erfreuet! Ihr seyd eures Heiles wegen gesichert; traget Sorge für das Unsrige. Seyd meine Fürsprecher und Gehilfen, flehet für mich zum Herrn, damit ich durch eure Gebete und Verdienste jetzt Gnade erlange und einst in der Stunde meines Todes zum Hafen der ewigen Herrlichkeit gelangen möge, wo ihr mit Gott regieret in Ewigkeit. Amen. Gebet zum Schutzengel. Getreuer Schußgeist meines Leibes und meiner Seele! Welchen Dank bin ich unserem gemeinsamen Herrn und Vater schuldig, welcher dich mir beigesellt, - 24 damit du der Sehende, Starke und des Weges Kundige mich den Blinden, Schwachen und Unkundigen führen mögest durch alle Gefahren und über alle Abgründe dieses Lebens. Wie oft hast du mich den Gefahren entrissen, dem Verderben, welchem ich entgegen eilte, mich entzogen! Du gehest vor mir her, beschüßest mich auf meinem Wege, willst mich einführen an den Ort, welchen der Herr für mich bereitet hat! Du trägst mich auf deinen Händen, wie der ältere Brüder das unmündige Kind auf seinen Armen trägt, um mich jeder Gefahr der Sünde zu entziehen. Für alle diese Wohlthaten, welche du mir bisher erwiesen, danke ich dir aus ganzer Seele, und ich flehe zu dir und beschwöre dich, du wolleft fortfahren und ausdauern in meiner Beschüßung, wollest mich vom Bösen entfernen und zum Guten führen. Nöthige mich, wenn ich mich sträube, unterstüße mich, wenn ich bereitwillig bin, treibe mich an, wenn du mich zögern siehst. Führe mich so, daß ich dereinst zur Seligkeit gelange, deren du immerdar genießest, und daß ich, wie hier dein Pflegbefohlener, so einstens dein Mitbürger und Genoffe sey, damit du dir das freudige Zeugniß geben kannſt, daß anvertraute Gut getreu bewahrt zu haben. Amen. Der Herr bewahre meinen Eingang und Ausgang! Der Herr wolle mich segnen und vor allem Bösen behüten und zum ewigen Leben führen. Amen. *. - 25 Gebete und fromme Gedanken zur Heiligung des Tagewerkes. Betet ohne Unterlaß. Fändest du auch den Tag über keine Zeit zu einer größeren Unterhaltung mit Gott, so ersetze diesen Verlust wenigstens durch eine Anzahl kurzer und feuriger Gebete. 1) Die nachstehenden frommen Sprüche mögen als Anleitung dazu dienen, wie man in einem oder dem anderen Gedanken oder Worte, je nach der verschiedenen Lage und den Beschäftigungen, worin man sich befindet, sein Herz zu Gott erheben möge. Lobpreis Gottes. I. Theffal. V, 17. Gelobt und gepriesen sey die allerheiligste Dreieinigkeit! Gelobt sey Jesus Christus! Herr Gott, Dich loben wir! Heilig, heilig, heilig bist Du, Herr der himmlischen Heere! 1) Der H. Fran; v. Sales. Ehre sey dem Vater und dem Sohne und dem heiligen Geiste! 2 26 Beim Beginne der Arbeit und während derselben. Gott, achte auf meine Hilfe; Herr, eile mir zu helfen! Dir opfere ich das Werk, welches ich nun verrichten werde! Gib, daß ich in allen Dingen mich nach Deinem heiligen Willen richte! In allen meinen Geschäften will ich mich auf Deine heilige Vorsehung stüßen, durch welche allein jedes meiner Werke zum Ziele kommen soll. Meinerseits will ich in Ergebung mitwirken und fest glauben, daß der Erfolg, wie Du ihn auch lenken magst, zu meinem Besten sey. Bitte um Entfernung der Versuchungen und um Vergebung der Sünden. Siehe, o Herr! auf mein Herz hin, das durch Deine Huld so manchen Antrieb zum Guten empfangen hat, aber zu schwach ist, das zu vollbringen, wornach es strebt. Schenke ihm Deinen himmlischen Segen durch die Verdienste Deines Sohnes und lasse es heute und alle Tage meines Lebens Dir gewidmet seyn.. Herr! nimm von mir, was mich abwendet von Dir! Gib mir, was mich fördert zu Dir! Nimm mich mir und gib mich ganz Dir! Wende Dein Angesicht von meinen Sünden und tilge alle meine Missethaten! Univ.- Bibl. Giessen 27 27- Jesu, ich liebe Dich! Lasse nicht zu, daß ich jemals Dich beleidige, oder mich jemals von Dir trenne! Zeige mir die Wege, o Gott, auf welchen ich zu wandeln habe, und lehre mich Deine Pfade kennen! Herr! Zu Dir nehme ich meine Zuflucht; lehre mich Deinen heiligen Willen thun. Schaffe in mir ein reines Herz, und erneuere den rechten Geist in mir! Nicht mir, o Herr, nicht mir, sondern Deinem Namen gib die Ehre! Lenke mein Herz auf Deine Gesetze und bewahre es vor Habsucht! Wende meine Augen von der Eitelkeit hinweg und belebe mich, daß ich auf Deinem Wege wandle! Bewache, o Gott, meinen Mund, und lasse meine Lippen nichts Böses reden! Bitte im Leiden. Meine Hoffnung ist der Herr von meiner Jugend an; vom Tage meiner Geburt hat Er nicht aufgehört mich zu beschüßen. Verleihe mir Geduld und Frieden, o Gott! damit Du der Krone des ewigen Lebens mich würdig finden mögest! Erbarme Dich meiner, o Gott! auf Dich vertrauet meine Seele. 2* u 28 Rechne meinen Feinden und Verfolgern nicht zur Sünde, was sie thun! Vergib ihnen; sie wissen nicht was sie thun! Vor dem Essen. Aller Augen warten auf Dich, o Herr! und Du gibst ihnen Speise zu rechter Zeit; Du öffnest Deine Hand und spendest Allem, was da lebt, Deine Wohlthaten. So segne denn auch uns und diese Deine Gaben, welche wir nun als Geschenke Deiner Milde genießen wollen; lasse, wie wir jetzt bei diesem irdischen Mahle uns versammeln, auch einstens zum Genusse der ewigen Seligkeit uns zusammenfinden. Verleihe, daß wir nicht mißbrauchen, was Du zum guten Gebrauche geschaffen hast, daß wir jeden irdischen Genuß nur darum lieben, weil Du der Spender desselben bist, und weil er unserem Körper nöthig ist, damit wir Dir dienen und unser ewiges Heil wirken können. Laß uns mäßig, rein und heilig Deine Gaben genießen, damit, was Du zu unserem förperlichen Wohl gegeben, nicht durch unsere Schuld in ein Gift der Seele umgewandelt werde. Mögen dieselben vielmehr unjerer Seele wie unserem Leibe heilsam werden, und mögen wir durch den Genuß derselben kräftig werden, uns immer mehr die geistige Vollkommenheit zu erwerben; bis wir einst, angethan mit Unsterblichkeit, in der - 29 Gemeinschaft Jesu Christi an dem ewigen Mahle Theil nehmen. Durch denselben Jesum Christum unsern Herrn. Amen. Nach dem Essen. Wie Du einstens, o Gott! Dir ein Denkmal Deiner Güte unter den Ifraeliten stiften wolltest, indem Du sie mit Manna sättigtest, so nährest Du auch uns mit Speise, welche nicht minder Dich zum Schöpfer und Geber hat. So sey denn gepriesen um Deiner Gaben willen und verherrlicht um aller Deiner Werke willen! Wir sagen Dir Dank für Deine Geschenke; mögen alle Geschöpfe sich im Dank mit uns vereinigen! Möge immerdar Dein Lob in unserem Munde seyn, weil Du Barmherzigkeit an uns erweisest! Segne auch alle diejenigen, o Herr, welche zu unserem Unterhalte mitwirken und also Werkzeuge Deiner Güte sind! Gib ihnen und uns das ewige Leben; führe alle Menschen auf dem Wege des Heiles; nimm auch zu Dir die Seelen, welche im Reinigungsorte noch zu büßen haben; damit wir einst Alle Deiner Anschauung uns erfreuen und die Speise des ewigen Lebens, die Seligkeit, genießen mögen. Durch Jesum Christum unsern Herrn. Amen. 1OQL - - 30 — Abendgebet. Bleibe bei uns, Herr, denn es will Abend werden. Luc. XXIV, 29. Abermals ist ein Tag zu Ende; ein kostbarer Theil des Lebens, welches Du, o Gott, mir zu Deinem Dienste und zur Wirkung meines ewigen Heiles geschenkt hast, ist wieder abgelaufen. Vielleicht war dieser Tag der letzte unter denen, welche Deine ewige Weisheit und Güte mir zugemessen hat, und indem ich mich jetzt zur Ruhe niederlege, erwache ich vielleicht in einer anderen Welt- vor Deinem Richterstuhle! Habe ich heute so gelebt, daß ich dort erscheinen könnte?- Habe ich nicht durch Gedanken, Worte, Werke oder Unterlassungen mich gegen Deine heiligen Gebote verfündigt? Wie habe ich meinen gottesdienstlichen Pflichten meinen Berufspflichten entsprochen? Wie habe ich im Umgange mit meinem Nächsten mich erwiesen? Was habe ich gethan oder versäumt, um mich vollkommener und heiliger zu machen? Welche meiner seitherigen Sünden habe ich heute gemieden, in welche bin ich von neuem wieder gefallen?- An welchen Orten habe ich mich befunden- mit welchen Personen bin ich umgegangen- womit war ich beschäftigt, daß mir etwa eine Veranlassung zur Sünde gege ben war?- Erforschung des Gewissens. - 31 Bekenntniß der Sünden und Bitte um Vergebung. Allmächtiger und barmherziger Vater! Ich armer Sünder werfe mich zu Deinen Füßen nieder und bekenne meine Sünden und Fehler, mit welchen ich das Unglück gehabt habe, Dich heute zu beleidigen. Aber nicht heute allein; mein ganzes Leben ist eine Kette von Verirrungen, durch welche ich von Deinem heiligen Geseße abgewichen bin. Wenige Tage nur habe ich von dem Erwachen meiner Vernunft an aufzuweisen, an welchen ich in Vollkommenheit vor Dir gewandelt bin; viele dagegen drängen sich meiner Erinnerung auf, an denen ich mir ernste und schwere Ulebertretungen Deiner göttlichen Gebote habe zu Schulden kommen lassen. Ich bekenne meinen großen Undank, daß ich so gering geachtet habe die unschäßbaren und unendlichen Wohlthaten, womit Du mich gesegnet hast. Welche Liebe und Güte hast Du mir bewiesen, wie viele Gnaden mir geschenkt, mit welcher Langmuth hast Du jedesmal erwartet, daß ich zu Dir mich wenden und Buße üben möge. Wie oft hast Du, o Gott, mir heilsame Gedanken zugesendet, mich durch Wohlthaten zu Dir hingezogen, mich mit Trübsalen zu meiner Bes ferung heimgesucht, und ich habe immer wieder Dich zurückgestoßen und mich von Dir abgewendet! Dich, den Vater des Lichtes, das höchste Gut, von dem alles Gute kommt, habe ich verlassen, und habe die Ruhe und Befriedigung meines Herzens in zeitlichen Dingen 32- gesucht. Von dem Quell des ewigen Lebens habe ich mich entfernt, und bin den vergänglichen Gütern und Freuden der Erde nachgeeilt. Ich bekenne, daß ich verdient hätte, von Dir verlassen und verstoßen zu werden. Ich bin unwürdig, Dein Geschöpf zu heißen, unwürdig auf der Erde zu leben, wo ich Deine Ehre und Verherrlichung befördern sollte, unwürdig, die Früchte der Erde zu genießen, welche Deine Geschenke sind. Ich hätte verdient, daß alle Geschöpfe wider mich aufgestanden wären und die Unbild gerächt hätten, womit ich den gemeinsamen Herrn aller geschaffenen Wesen beleidigt habe. 11 Aber, o Gott, wären auch meine Sünden unzählbar; Deine Barmherzigkeit ist unendlich. Du hast durch den Mund des Propheten gesagt: Wie viele Untreue du mir auch bewiesen hast, kehre zurück, und ich will dich aufnehmen."( Jer. 3.) Diese Verheißung gilt auch mir; ich darf sie ansehen, als hättest Du sie zu mir selbst gesprochen. So sey denn dieses Deines Wortes eingedenk! Erbarme Dich meiner, liebreichster Vater, und nimm mich wieder unter die Zahl Deiner Kinder auf! Wenn Du willst, kannst Du mich reinigen; so heile Du mich denn, und ich werde geheilt seyn! Du bist meine Hoffnung, meine Hilfe, meine Stärke! Wie sehr auch meine Sünden mich verwirren und beschämen, so tröstet und erhebet mich wieder der Gedanke an Deine Güte. Du wirst die nicht zu Grund gehen lassen, welche Du nach Deinem Ebenbilde geschaffen und wegen deren Du unsere Natur annehmen, in unfer - 33- Fleisch und Blut Dich kleiden wolltest, für die Du endlich so viele Mühen ertragen und welche Du in Deinem Tode um einen kostbaren Preis errungen hast. So sey mir denn gnädig und tilge alle meine Sünden. Amen. Dank für die empfangenen Wohlthaten. Ich habe nun noch eine andere Schuld Dir abzutragen. Ich kann nicht des zurückgelegten Tages gedenken, ohne erinnert zu werden an die zahlreichen Wohlthaten, mit welchen Du heute mich begnadigt hast. Und was ist mein ganzes Leben anders, als eine Kette von Wohlthaten, die mir von Deiner Hand zu Theil geworden sind? So opfere ich Dir denn freudig meinen Dank für Alles, was Deine unendliche Güte an mir gethan. Ich danke Dir, o Gott, daß Du mich zu Deinem Bilde geschaffen, daß Du in diesen Körper mich gekleidet und mich mit gesunden Sinnen und Gliedern ausgestattet hast. Ich danke Dir, daß Du meine Seele ins Daseyn gerufen und sie mit der Fähigkeit versehen hast, Dich zu erkennen und zu lieben. Lasse mich Dir, meinem Schöpfer und himmlischen Vater, also dienen, daß ich alle Leidenschaften und sündige Begierden in mir überwinde und durch Unschuld des Lebens immer mehr zu Deinem Ebenbilde mich gestalte. - 34 Ich danke Dir für die Wohlthat meiner Erhaltung. Du mein Schöpfer bist es ja, der mich immerdar auch in derselben Wesenheit erhält, in welcher ich einst von Dir geschaffen wurde. Auch sage ich Dir Dank für Alles, was Du noch außer mir geschaffen, damit es zu meiner Erhaltung dienen möge. Wie reichlich habe ich auch heute wieder die Beweise Deiner Milde genossen! Vieles hast Du mir zu meinem Unterhalte, Anderes zu meiner Heilung, Anderes zu meinem Vergnügen, Manches zu meiner Belehrung, Manches zu meiner Züchtigung gegeben. Verleihe mir, o Herr, daß ich Alles in dieser Welt gebrauche, wie ich soll und wozu Du es geschaffen hast, daß ich dadurch immer mehr Dich, meinen Herrn und Gott, erkenne, Deine Allmacht und Güte bewundere und Deinen heiligen Namen liebe. Ich danke Dir, o Jesu, für die Wohlthat der Erlösung, für die unbegreifliche Güte und unendliche Barmherzigkeit, welche Du mir erwiesen hast, für jene heiße Liebe, welche Dich antrieb, auf die Erde zu ſteigen, um mich zum Himmel zu erheben, Mensch zu werden, um mich zum Genossen Gottes zu machen, einen schmerzlichen Tod zu leiden, um mir das wahre Leben zu erwerben. Ich sage Dir Dank für Deine Erniedrigung bei der Menschwerdung, für Deine Armuth bei der Geburt, für Deine Blutvergießung bei der Beschneidung, für Deine Flucht nach Aegypten, für Deine Fasten in der Wüste, für Dein Wachen - 35- und Gebet, für die Armuth und Niedrigkeit Deines ganzen heiligen Lebens. Ich sage Dir Dank für die Mühe und Schmach, welche Du ertragen, für Dein Gebet im Delgarten, für Deine Gefangennehmung, Deine Geißelung und Krönung, für Deine Kreuzigung und Deinen Tod. Alles dieses hast Du ja um meines Heiles willen auf Dich genommen. Gib mir die Gnade, o Herr, durch geduldige Ertragung meiner Leiden, Dir auf Deinem Kreuzwege treulich nachzufolgen, und Dein heiliges Leiden allzeit so zu betrachten und zu verehren, daß ich der Früchte desselben in reichem Maaße theilhaft werde. Ich danke Dir, liebreichster Jesu! daß Du in den ersten Tagen meines Lebens mich in den Schooß Deiner heiligen Kirche aufgenommen, mich zum Christen gemacht, in dem katholischen Glauben mich erzogen und daß Du zu meiner Heiligung und zur Heilung meiner Wunden mir die Sacramente gegeben hast. Kräftige mich durch Deine Gnade, damit ich immer fest halte an dem wahren Glauben, durch alle Gefahren und Versuchungen mir denselben rette, und daß ich nie durch eigene Schuld mich der Segnungen Deiner heiligen Sacramente beraube oder unwürdig mache. Verleihe, daß mein Herz Dich als die süßeste Speiſe betrachte, meine Seele nach Dir als der Quelle des ewigen Lebens dürfte und daß ich nach der Vollendung meiner irdischen Wanderschaft mich Deiner Seligkeit erfreue und von dem reichen Strome der ewigen 36 36- Freuden koste, welche von Dir, der Quelle des ewigen Lebens und aller Güter, ausströmt. Ich danke Dir, gnädigster Jesu, daß Du bis auf den heutigen Tag mich von vielen und großen Gefahren der Seele und des Leibes errettet hast, während ich mich Deines Schußes unwürdig gemacht, daß Du, wenn ich in Sünden begraben lag, mich zur Buße eingeladen hast, auch dann, wenn ich Deinen heiligen Aufforderungen widerstand. Verleihe mir, daß ich in Zukunft mit treuer Anhänglichkeit Dir diene, mit schnellem Gehorsam Deinen heiligen Mahnungen entspreche, und immer mehr die Liebe zu allen zeitlichen Dingen aus meinem Herzen verdränge, um ungetheilt Dir allein anzugehören. Das sind die gemeinsamen Wohlthaten, deren ich zu gedenken habe. Wie viele gibt es, deren ich mich nicht erinnere, die ich nicht einmal einsehe, und für welche ich Dir dennoch eben so sehr, als für die erwähnten, zum Dank verpflichtet bin; ja noch mehr, weil darin besonders die Größe Deiner Güte sich erweist, daß Du auch ohne mein Wissen mir Deine Fürsorge schenkest, und von unzähligen Gefahren mich befreieſt. So lasse Dir denn meinen Dank gefallen, o Herr, für Alles, was Du an mir gethan. Verleihe, daß ich in Zukunft alle Deine Geschenke recht gebrauche, und sie nicht zu Werkzeugen der Sünde mache, sondern durch dieselben mit jedem Tage mehr in Demuth und dankbarer Hingabe zu Dir wachse und immer eifriger in Deinem Dienste werde. 37 3 Freilich kann ich aus mir nicht vergelten, was Du, o Gott, mir gespendet hast. Welchen Werth hätte mein Dank in Deinen Augen? Habe ich doch eines so milden Wohlthäters mich seither über alle Maaßen unwürdig erwiesen, habe ohne Unterlaß seinen heiligen Fügungen und Mahnungen Hindernisse entgegengesetzt! Schuld auf Schuld und Sünde auf Sünde habe ich gehäuft! So komme ich Aermster denn zu Dir, o Gott, und bringe nichts mit, als meine Sündenlast! Mit dieser werfe ich mich zu Deinen Füßen und flehe Deine Barmherzigkeit an, auf daß Du mir verzeihest. Arm, wie ich bin, nehme ich meine Zuflucht zu Deinem Sohne, meinem Erlöser und Mittler bei Dir, und bitte Dich, daß Du um seinetwillen mich in Deine Vaterarme aufnehmen, meinen Dank empfangen und mir Gnade schenken wollest. Ich opfere Dir auf die unermeßliche Liebe, welche Deinen ewigen Sohn bewogen hat, für mich Mensch zu werden und unter Mühen und Verfolgungen auf der Erde zu leben. Ich opfere Dir auf seine zahlreichen Leiden und seinen Tod. Um seinetwillen sey mir gnädig, reinige meine Seele, tilge meine Sünden, damit ich von Dir möge würdig erfunden werden, jetzt und einstens vor Deinem Angesichte zu erscheinen und mit allen Deinen Auserwählten Dich zu preisen und Dir zu danken durch alle Ewigkeit. Amen. Dankgebet zu Gott für das Geleite des Schutzengels. Gütig bist Du, o Herr, gegen Jene, welche auf Dich hoffen, und gegen die Seele, welche Dich sucht! Auch einen der Engel, die vor Deinem göttlichen Throne stehen, hast Du mir gegeben, auf daß er mich beschüße und zwischen Dir und mir verkehre, meine Gebete vor Deinen Thron hintrage und Deine Einflößungen und Mahnungen in meine Seele bringe. Er ist es, der, einem treuen Diener gleich, meine Seele überall begleitet und sie ohne Aufhören ermahnt: Erfreue dich in dem Herrn, und Er wird dir die Bitten deines Herzens gewähren; erwarte Ihn, und bewahre seine Wege! Zögert Gott, so harre dennoch auf Ihn; Er wird gewiß kommen und nicht säumen!" Und zu Dir, o Gott! spricht dann der Engel wieder für mich: Siehe, wie der Hirsch nach der Wasserquelle, so verlangt diese Seele nach Dir, o Herr! Lasse sie vor Dich, denn sie ruft nach Dir! Blicke vom Himmel herab, und suche sie heim, da sie Deiner Tröstungen bedarf!" Ein treuer Führer ist wahrlich jener Engel, welcher so an der wechselseitigen Liebe zwischen Dir, o Gott, und mir sich erfreuet und nicht nach seiner Ehre, sondern nach Deiner Ehre und meinem Heile strebt. Als Bote geht er hin und her zwischen Dir, dem Geliebten, und mir, dem Liebenden, trägt Bitten und Wünsche hinauf, bringt Gaben herab, ermuntert mich, besänftigt Dich; ja er trägt ( 1 38- 11 39 bisweilen meine Seele in heiligem Aufschwunge zu Dir empor oder bringt Dich im Reichthum Deiner Gnade zu mir herab. Er ist ja Dein Hausgenosse, ein Bürger Deines Reiches, und steht täglich Dein Angesicht, das Angesicht des Vaters. Und einstens wird derselbe Engel meine Seele vor Dich hingeleiten und sprechen: Siehe, o Herr! Der, welchen Du auserwählt und als eines Deiner Kinder angenommen, ist Dir treu geblieben; immerdar hat er verweilt in Deinem väterlichen Hause!" So sage ich Dir denn Dank, o Gott, dafür, daß Du Deinem Engel befohlen hast, mich auf allen meinen Wegen zu beschüßzen. Ich erkenne es, welche Ehrfurcht, welche Dankbarkeit, welches Vertrauen ich ihm, Deinem Gesandten, schuldig bin. Ich will allzeit eingedenk bleiben seiner Anwesenheit bei mir, und will nichts denken, reden oder thun, wodurch ich ihn entehren und betrüben könnte, und so oft mir eine Versuchung nabt, will ich ihn anrufen, den Du, o Herr, mir zum Beschützer, Lehrer und Gehilfen meines ewigen Heiles beigegen hast, auf daß ich, vor Deinem Richterstuhle erscheinend, das Zeugniß Deines Engels für mich habe. Amen. Bitte um Gottes Schutz. Verleihe mir nun, o Gott, die Gnade, so lange ich wache, rein vor Deinem Angesichte zu erscheinen, 40- und indem ich schlafe, einer jeden Sünde fern zu bleiben. Fehle ich aber wachend oder schlafend, so vergib mir durch Deine Barmherzigkeit und Gnade. Um des Kreuzes willen, zu welchem Du Dich erniedrigt hast, schenke mir ruhigen Schlaf, bewahre mich vor üblen Träumen und unlauteren Bildern, und überlasse mich nicht der Gewalt böser und laſterhafter Gedanken! Sende mir einen Engel des Lichtes, der meine ruhenden Glieder schützt und jegliche Verletzung Deiner heiligen Gebote von mir abwehrt. Um Deines heiligen Leibes willen, welchen ich so oft genossen habe, um des Blutes willen, das Du für mich vergossen hast, beschirme meine Seele, welche Dein Bild ist, und meinen Leib, den Deine Hände gebildet haben. Umgib mich mit der Mauer Deiner Barmherzigkeit wie mit einem schüßenden Wall, und während mein Körper ruht, bewahre mich durch Deine Macht, damit nicht der Versucher meinem Lager nahe. Durch die Fürbitte Deiner heiligen Gebährerin verleihe mir, daß ich allzeit Deinen heiligen Willen beachte und befolge! Herr, der Du auch die Nacht mit Deinen Wohlthaten erfüllest, laß mich ruhen im Schatten des Kreuzes und unter dem Schirm der Verdienste Jesu Christi! Gib auch Ruhe und Linderung den in Christo Verstorbenen, welche noch zu leiden haben; reinige und befreie sie um Deiner Barmherzigkeit willen, damit wir einstens vereint Dich in dem ewigen Lichte, wo dem Tage keine Nacht mehr folgt, verherrlichen und preisen. Amen. 41- Der kirchliche Gottesdienst. Vorerinnerung. ¹) Wenn ihr betet, sagt zwar der göttliche Erlöser, so sollet ihr nicht seyn, wie die Heuchler, welche gerne in den Synagogen und an den Straßenecken stehen und beten, damit sie von den Menschen gesehen werden. Wahrlich, ich sage euch, sie haben ihren Lohn bereits empfangen. Du aber, wenn du betest, gehe in deine Kammer, schließe die Thüre zu, und bete zu deinem Vater im Verborgenen; und dein Vater, der im Verborgenen sieht, wird es dir vergelten.( Matth. 6, 5. 6.) 1) Der h. Chrysostomus. 42- 11 Mit diesen Worten will indessen Christus nicht verbieten, daß wir vor den Menschen beten; Er verbietet nur, daß wir es in der Absicht thun, um von ihnen gesehen zu werden. Heißt es doch in der H. Schrift: In den Versammlungen lobet den Herrn; betet Gott in Seinem heiligen Vorhofe an."( Ps. 67, 27. 28, 2.) Und: Lasset euer Licht leuchten vor den Menschen, auf daß sie eure guten Werke sehen, und euren Vater, der im Himmel ist, verherrlichen."( Matth. 5, 16.) Allerdings, wer betet, um von den Menschen gesehen zu werden, hat nicht auf Gott, sondern auf die Menschen seinen Sinn gerichtet, und stellt sich absichtlich der Menge zum Schauspiel dar. Der hingegen richtet seinen Sinn auf Gott, der auch vor der Menge betet, als ob er einsam wäre; denn der wahre Betende sieht und weiß nichts, als Gott, zur Stunde des Gebetes. Von jenen Anderen nur spricht Gott: Sie haben ihren Lohn bereits empfangen;" denn Jeder erndtet das, was er gesäet hat; sie verkaufen den eitlen Schein der Frömmigkeit und kaufen damit das eitle Wort des Lobes. Wenn du beteſt," nicht um gesehen, sondern um erhört zu werden, so gehe in deine Kammer und schließe die Thüre zu;" sey mit Gott allein, auch mitten unter der Menge; denn mehr von deinem Herzen als von der Thüre deines Gemaches sind diese Worte zu verstehen. An deinem Herzen klopft Christus an, und fordert Einlaß, sey es durch fromme Lesung oder durch gute Gedanken, welche Er in dir erweckt. Nimmst du sie auf, so öffnest du deine Seele Christo und verschließest dieselbe Allem, was Ihm fremd ist. Ist dein Herz hingegen während des Gebetes mit weltlichen Dingen und zeitlichen Sorgen angefüllt, dann hast du, wenn du auch im verborgensten Winkel betest, dich keineswegs in dein Gemach zurückgezogen und die Thüre verschlossen; du betest dann wahrlich, als ob du an der offenen Straßenecke stündest. 11 11 Wir können nun zwar allenthalben beten; denn die Gnade des heiligen Geistes hat uns in Tempel Gottes umgewandelt, - 43- und immerdar ist Gottes Heiligthum in uns. Wo immer wir uns befinden, können wir daher dem Herrn einen Altar errichten, sobald wir Ihm mit reinem Gemüthe entgegenkommen. Die Hausmutter mitten in ihren täglichen Verrichtungen kann ihren Sinn zum Himmel erheben und mit heißer Andacht zu Gott rufen; der Mann mag durch seine Beschäftigungen auf offener Straße oder in einer Werkstätte festgehalten werden, so kann er seine Seele zu Gott aufrichten; Gott schämt sich keines Ortes. Paulus lag gefesselt im Kerker, die Füße in Holzblöcke festgeklemmt, dennoch erschütterte er durch sein Gebet den Kerker, schreckte den Wächter und führte ihn als einen Gläubigen der Kirche zu. Daniels Gebet wurde auch in der Löwengrube, jenes der drei Knaben auch im Feuerofen von Gott gehört, und dem Räuber war das Kreuz kein Hinderniß, sich die Aufnahme ins Paradies zu erflehen. Sage aber deshalb Niemand: Ich kann auch zu Hause beten; ich bedarf der Kirche nicht. So kannst du nicht zu Hause beten, wie du es in der Kirche kannst. Hier ist Gottes Wohnung und die Erinnerung an Seine Nähe gibt dir Kraft. Hier befindest du dich mitten unter denen, welche denselben Glauben, dieselbe Hoffnung mit dir haben, und fühlest deine Andacht durch sie emporgehoben; hier siehest du jene unter deinen Mitchristen um dich her, die wegen ihrer hohen Frömmigkeit dir als Muster der Andacht gelten dürfen; du weißt diejenigen in deiner Nähe, melche anbetend um den ewigen Thron Gottes stehen, und bist durch die Gemeinschaft mit ihnen geistig in das himmlische Reich versetzt. Hier ist es, wo der gemeinsame Ruf zu Gott auch gemeinsame Gefühle der Andacht und der Dankbarkeit, der Sehnsucht und des Vertrauens auf Ihn erweckt und steigert. Hier ist es, wo du ganz besonders Christum, Seiner Forderung gemäß, vor den Menschen bekennen und durch dieses Bekenntniß auch die anderen Anwesenden kräftigen und erbauen sollst; Licht an Licht, Flamme an Flamme, Herz an 44 ( 1 Herz soll sich hier entzünden zur desto größeren Verherrlichung des Herrn. Von dem gemeinsamen Gottesdienste hat der Herr gesprochen, da Er sagte: Wo zwei oder drei in meinem Namen verſammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen."( Matth. 18, 20.) Eine solche Versammlung ist das Bild der großen Gemeinde Gottes, wie sie über den Erdboden ausgebreitet und dennoch durch dasselbe heilige Band vereinigt ist. Durch das Gebet des Priesters verbunden, durch heilige Liebe vereint, mit Christus, dem Herrn der Kirche an der Spike, treten wir vor den himmlischen Vater hin; wie sollte Derselbe nicht, um Seines Sohnes willen, uns erhören, unseren Preis und Dank sich wohlgefallen lassen. Der gemeinſame Gottesdienst endlich ist ein Vorbild jener ewigen Versammlung, an welcher wir Theil zu nehmen hoffen, und Gott, der uns gelehrt hat, dieſes Abbild des Himmels auf Erden darzustellen, wird sein Ohr unserem Flehen nicht verschließen. седе نهم من Die heilige Messe. ¹) Insbesondere ist es die Anhörung der h. Messe, wodurch wir der Pflicht des gemeinsamen kirchlichen Gottesdienstes entsprechen. Diese ist ja das erhabenste und ganz göttliche Opfer, in welchem die Kirche durch die Hand des Priesters dem ewigen Vater das herrlichste Weihegeschenk darbringt, den Leib nämlich und das Blut seines eingebornen Sohnes, Der sich für uns am Kreuze aufgeopfert hat. 45- Brachte man im alten Bunde Thieropfer, welche man zur Ehre und Verherrlichung Gottes schlachtete und verbrannte, so geschah solches zum Bekenntniß und zur feierlichen Bezeugung, Gott sey der Schöpfer, Erhalter und Spender aller Güter und der Herr aller Dinge; dankbar opferte man Ihm, was man von Ihm empfangen hatte. Jene Opfer sollten zudem als Genugthuung für die Sünden gelten; indem man nämlich die Opferthiere tödtete, legte man das Bekenntniß ab, durch die Beleidigungen Gottes habe man selbst den Tod verdient, und eben als Sinnbild des verdienten Todes schlachte man die Thiere, um Den zu versöhnen, welcher nicht den Tod des Sünders will, sondern daß er sich bekehre und lebe."( Ezech. 33, 1.) Endlich sollten die geschlachteten Thiere vorbildlich auf ein künftiges wahrhaftes und höheres Opfer deuten, und die Sehnsucht nach demselben rege erhalten. Denn unvollkommen und alles inneren Werthes entbehrend waren jene Opfer: unmöglich kann das Blut von Stieren und Widdern Sünden tilgen;" 11 1) Ludwig von Granada. - 46- ( Hebr. 10, 4.) nur die Demuth, Zerknirschung und Andacht der Opfernden war es, was ihnen Werth verlieh. Darum kam der Sohn Gottes in die Welt, und aus unermeßlichem Eifer, Gott Genugthuung zu leisten und aus unaussprechlicher Sehnsucht nach dem Heil der Menschen brachte Er Sich Selbst, Sein eigenes Blut und Leben Gott als ein Opfer des Gehorsams und der Unterwürfigkeit dar. Dieses Opfer war unendlich an Werth und Kraft, sowohl wegen der Würde Dessen, Der Sich opferte, als wegen der Liebe, womit Er Sich zum Opfer brachte. Dieses Opfer war Gott in solchem Maaße angenehm und wohlgefällig, daß es alle Sünden der Welt zu tilgen und alle Güter sowohl des gegenwärtigen als des zukünftigen Lebens zu erwirken genügend war. Dieses Opfer allein und keine anderen will darum Gott fortan dargebracht sehen, wie Er es bei dem Propheten Malachias( 1, 10.) voraus verkündet hat: Ich habe kein Gefallen an euch, und nehme keine Opfer an aus euren Händen. Denn vom Aufgang der Sonne bis zum Untergang wird mein Name groß werden unter den Völkern, und an allen Orten wird meinem Namen ein reines Opfer geweiht und dargebracht werden." Dieses Opfer ist kein anderes, als jenes unbefleckte Lamm, von welchem der h. Täufer Johannes sagte:„ Siehe das Lamm Gottes, welches die Sünde der Welt hinwegnimmt."( Joh. 1, 29.) 11 Dasselbe Opfer nun ist es, welches noch heute in der Kirche dargebracht wird, dasselbe Lamm, dasselbe Fleisch, dasselbe Blut, wie einstens auf der Schedelstätte; und mit demselben Wohlwollen wird es noch heute von Gott angenommen, wie einstens am Todestage Christi. Denn in den Augen Gottes gibt es nichts Vergangenes und Zukünftiges; er schaut das eine und das andere immerdar als gegenwärtig, und so dauert denn jenes einst gebrachte Opfer auch jetzt noch vor Ihm fort, obgleich nicht in derselben Weise; dort geschah es nämlich sichtbar und blutig, unter Schmerzen und mit dem Tode des sich 47- Opfernden, hier aber in geheimnißvoller Weise ohne Schmerz und ohne den Tod des Opfers. Deßhalb heißt Christus unser Priester nach der Ordnung des Melchisedech( Ps. 109, 4.), damit dieser Name Ihn von den Priestern aus der Familie Aarons unterscheide. Legtere opferten Gott nur Thiere; Melchisedech hingegen brachte nach jenem herrlichen Siege Abrahams Brod und Wein zum Opfer dar, denn er war ein Priester des Allerhöchsten," setzt die h. Schrift hinzu.( 1. Mos. 14, 18.) Aus diesem Grunde wird daher Christus ein Priester nach der Ordnung des Melchisedech genannt, weil Er nicht ,, gleich Aaron, Thiere opferte, sondern von Wein und Brod ein Opfer brachte; im letzten Abendmahle nämlich, wo Er das Brod und den Wein, die Er gesegnet und verwandelt hatte, nicht allein den Jüngern zur Speise und zum Tranke darreichte, sondern auch Seinem ewigen Vater opferte, auf daß Er dieses Opfer als ein Heilmittel unserer Sünden und als ein Gedächtniß des bald nachher am Kreuze vollbrachten Opfers Sich wohlgefallen lasse. Bringen wir also Christum in der h. Messe dar, so opfern wir Ihn nicht verwundet, mit Blut bedeckt und sterblich; denn wir wissen, daß Christus, nachdem Er von den Toden auferstanden ist, nicht wieder stirbt, der Tod über Ihn keine Macht mehr hat," ( Röm. 6, 9.) sondern wir opfern Ihn, so wie Er im Abendmahle Sich zum Opfer brachte, wo Er dasselbe Opfer darstellte und durch solches dasselbe wirkte, wie am Kreuze. Demnach bringen wir dieses Opfer dar, um dem ewigen Vater Dank zu sagen und Ihn zu preisen, weil Er durch dieses einzige Opfer, das Sein Sohn für uns gebracht, uns in Seine Gnade und Freundschaft aufnehmen wollte. Sodann nehmen wir in diesem Opfer der h. Messe den Sohn Gottes, welchen uns der Vater geschenkt hat, als unser Eigenthum entgegen und opfern Ihn, Der in diesem Sacramente enthalten ist, hinwiederum dem ewigen und himmlischen Vater auf, und, gestützt auf Seine Verdienste, 11 48- beten wir zu Gott um Nachlassung unserer Sünden und um Alles, was zu unserem Heile gereicht; wir beten zum Vater durch Seinen Sohn Jesus Christus, auf daß Alles, was uns der Erlöser durch die Hingabe seines Lebens im Kreuzopfer verdiente, uns heilsam und segenbringend werden möge. Wir beten weiter, daß derselbe barmherzige Vater um desselben Erlösers Jesu Christi willen von uns und Seiner ganzen Christenheit alle Uebel entferne, uns alle Güter spende und uns in Seiner- Kraft eine Hilfe und Stütze gewähre.. Immer dauernd und ununterbrochen ist endlich dieses Opfer: denn wie der Priester ewig ist, so wird auch Sein Leib und Sein Blut immerdar eine Opfergabe seyn. Diesen Grund gibt der Apostel dafür an, indem er sagt: Von jenen Anderen sind Mehrere Priester geworden, weil sie durch den Tod verhindert wurden zu verbleiben; Christus aber hat, weil Er ewig bleibt, ein ewiges Priesterthum.( Hebr. 7, 23. 24.) Ist nun in Obigem die Wesenheit der h. Messe ausgesprochen, so ist nicht zu übersehen, daß noch Anderes damit in Verbindung steht, was dazu dienen soll, daß wir das Opfer mit desto größerer Andacht feiern. Dergleichen sind: die Gebete, die Lesung der Epistel und des Evangeliums und alles Andere, was dabei geschieht oder gesprochen wird, und was uns anregt, die in diesem Opfer uns vorgestellten Geheimnisse um so aufmerksamer zu betrachten. So ist bei der h. Messe also ein Wesentliches und ein Unwesentliches mit einander vereinigt. Ersteres ist das Opfer selbst, zu Letzterem gehört alles Uebrige, was dem Opfer vorausgeht oder folgt, und was nicht wenig dazu beiträgt, unsere Andacht zu wecken und zu mehren und unser Gewissen zu reinigen. Aus dem Gesagten geht hervor, daß die h. Messe das höchste und herrlichste Geheimniß und der größte und feierlichste Gottesdienst der christlichen Religion ist, eingesetzt zur Wiederherstellung und Erhaltung des Lebens unserer Seele. Wie das - 49- natürliche Leben durch Speise und Trank, durch Heilmittel, reine und geſunde Luft u. dgl. erhalten wird, so bedarf auch jenes himmlische Leben, das wir mit den Engeln gemein haben, und das in der Uebung der göttlichen Liebe und anderer Tugenden besteht, besonderer Mittel zu seinem Unterhalte und zur Heilung von seinen Gebrechen. Unter diesen ist zu nennen das lebendige Wort Gottes in der Predigt, welches nach dem Ausdrucke des Erlösers in unsere Herzen ausgesäet wird, um das ewige Leben hervorzubringen; sodann die heilige Lesung, welche als ein geschriebenes Wort Gottes die Stelle jenes anderen vertritt. Ein ferneres Lebensmittel der Seele ist die Betrachtung göttlicher Dinge; sie ist eine wahrhafte Leuchte des Geistes, eine Nahrung der Liebe, ein Zündstoff der Andacht, eine Anregung zu allen Tugenden und eine Zügelung der Laster und des Leichtsinnes. Ein ferneres Mittel zum Unterhalt und zur Heilung der Seele ist der fleißige Gebrauch der Sacramente, besonders der Buße und des Abendmahles; in ihnen wird ja die Gnade des h. Geistes ausgespendet, welche zunächst die Grundlage und der Anfang des geistlichen Lebens ist. Ein weiteres Mittel ist das Gebet, das die Gnade von Gott for dert und dem die Gewährung derselben zugesichert ist in den Worten des Erlösers: Bittet, und es wird euch gegeben werden( Matth. 7, 7.). Wachet und betet, damit ihr nicht in Versuchung fallet."( Matth. 26, 41.) Alles dieses aber vereinigt die h. Messe in einem ausgezeichneten und hohen Grade in sich, so daß wir in ihr allen Unterhalt des übernatürlichen Lebens, alle Heilmittel gegen die Krankheiten unserer Seele, alle Waffen, womit wir im geistigen Kampfe gegen die Feinde unseres Heiles zu ringen haben, beisammen finden. Die h. Messe schließt die Verkündigung des göttlichen Wortes, die Lesung der H. Schriften, besonders der apostolischen Briefe und der Evangelien in sich; sie bietet reichen Stoff zur Betrachtung während jener Zeit, da der Priester, in der Stille und gleich3 50 sam von dem Volke zurückgezogen, zu Gott betet, und die an das Leben und Leiden Christi erinnernden heiligen Ceremonien vollbringt; und zwar nicht etwa zu jeder beliebigen Betrachtung, sondern gerade zu derjenigen, welche das Geheimniß der Menschwerdung und des Todes Jesu zum Gegenstande hat. Desgleichen ist der Gebrauch der Sacramente in der h. Messe eingeschlossen, zunächst des Altarsacramentes und der Vorbereitung hiezu durch das Bußsacrament; denn wie in ihr der Priester die h. Communion empfängt, so empfingen dieselbe nach alter Sitte alle anwesenden Gläubigen mit ihm; noch steht der Zutritt zum Tische des Herrn für Alle, die dessen würdig sind, offen, und es ist sehr zu bedauern, wenn der Brauch unserer Voreltern und mit ihm die Liebe und der Eifer in allen Tugenden jetzt so erloschen ist, daß strenge Kirchengeseße dem gänzlichen Vergessen dieses Himmelbrodes vorbeugen müssen. Wer indessen auch gehindert ist, das h. Sacrament bei der h. Messe wirklich zu empfangen, mag und soll es wenigstens geistiger Weise thun, indem er das heiligste Geheimniß in tiefer Demuth verehrt, und sich nach dem wirklichen Empfange und der Vereinigung mit Demselben sehnt. Endlich umfaßt die h. Messe auch jenes Mittel, das in ganz besonderer Weise das geistige Leben fördert und nährt, nämlich das Gebet; ja es besteht sogar ein großer Theil der heiligen Messe aus den mannigfachsten und verschiedensten Weisen des Gebets. Gemeinsames und laut gesprochenes, so wie besonderes in der Stille verrichtetes Gebet ladet Jeden ein, seiner Andacht die beliebige und ihn am besten fördernde Nahrung darzubieten. Und erscheinen wir zu anderer Zeit während unseres Gebetes mit leeren Händen vor dem Herrn, so bringen wir Ihm hier das größte mögliche Opfer dar, den Leib und das Blut Seines eingebornen Sohnes, welches hinwiederum durch die Menschwerdung des Herrn wie unser eigenes Fleisch und Blut uns angehört, und wir bringen es unserem himm - 51 lischen Vater, dessen Kinder wir sind, und die Erben Seiner Güter. Haben wir uns in Obigem mit dem Wesen und der Bedeutung der h. Messe bekannt gemacht, so ist damit zugleich auch angedeutet, mit welcher Vorbereitung und Beschaffenheit der Seele wir derselben beiwohnen müssen. Unter den Zwecken, zu welchen der Heiland dieses Geheimniß zu feiern befahl, ist ja auch der, daß dadurch das Gedächtniß Seines Leidens recht oft wiederholt und erneuert werde.( Luc. 22, 19.) Auf daß uns die Größe dieses Geheimnisses im Andenken erhalten werde, ist ferner theils nach der Anordnung Gottes, theils nach der Vorschrift der Kirche Alles, was mit der Feier desselben in Verbindung steht, geheiligt und geweiht. Mit der heiligen Weihe ausgestattet ist der Priester, und es sind seine Hände, welche das Hochwürdigste berühren sollen, mit heiligem Dele gesalbt. Auch muß er, wenn er dessen bedarf, durch das Sacrament der Buße sich gereinigt haben. Geweiht und insbesondere zu diesem Zwecke bestimmt ist die Kleidung, worin das heilige Opfer dargebracht wird; geweiht ist der Ort, an welchem wir es feiern, der Altar, der Altarstein, die Leinwand, worauf wir es vollbringen. So mögen denn auch diejenigen, welche dem h. Opfer beiwohnen, bedacht seyn, es mit einem reinen, heiligen und Gott geweihten Herzen zu thun. Lasse ein Jeder, was er an Rang, Würde und Ansprüchen in den Augen der Menschen besitzt, vor dem Eingang des Tempels zurück; denn im Angesichte der göttlichen Majestät schwindet alle Größe und aller Rangunterschied der Erde. Desgleichen lassen wir draußen und halten wir fern von uns Alles, was fremd ist der Feier der heiligen Geheimnisse, mag es auch etwas sonst Gutes und Löbliches seyn. Mag uns der H. Bernardus hierin zum Muster dienen. Wenn dieser beim Eintritte in die Kirche das Weihwasser nahm, blieb er stehen und sprach bei sich: Bleibet 3* 52- nun zurück, ihr alle meine Gedanken und Sorgen, bis ich wieder herauskomme." Die Sorge für das Hauswesen, für Kinder und Angehörige u. s. w. sind gut und löblich; an der Schwelle des Tempels aber müssen sie abgelegt werden, es sey denn, wir wollten sie zum Gegenstand des Gebetes zu Gott machen. Der h. Augustin sagt in dieser Beziehung: Im Gotteshauſe thue man nur das, wozu es erbaut ist und wovon es seinen Namen trägt. Zweimal geschah es, daß der Erlöser den Tempel von Jerusalem betrat, und daselbst die vielen Käufer und Verkäufer antraf, und daß Er aus Stricken und Riemen eine Geiffel flocht, dieselben in großem Zorne aus dem Tempel trieb, die Tische der Wechsler umwarf, deren Geld von dem anwesenden Volke mit Füßen treten ließ, und die denkwürdigen Worte sprach: Mein Haus ist ein Bethaus; ihr aber habt es zur Räuberhöle gemacht. Matth. 21, 13. Luc. 19, 46.) In dieser Weise wollte Christus zeigen, durch welche Werke der Tempel Gottes entweiht und welche Entehrung dadurch Gott zugefügt werde, wenn in demselben andere Werke geschehen, als wozu er gegründet ist, Gebet, Opfer, Verkündigung und Anhörung des göttlichen Wortes. Der Tempel ist die Stätte für himmlische Geschäfte, und Alles, was darunter nicht gehört, ist hier böse. Wollte aber Gott jenen Tempel, in welchem nur Thieropfer dargebracht wurden, in solchem Maaße geheiligt sehen, um wie viel mehr wird Er die Heilighaltung unserer Tempel fordern, in welchen Gott selbst das Opfer ist. Und hat Christus um einer so gewöhnlichen und anderwärts erlaubten Sache willen, wie der Kauf und Verkauf von Tauben ist, die Verkäufer Räuber geheißen, mit welchem Namen wird er die belegen, die in christlichen Tempeln sich ungleich Schlimmeres erlauben. Möge man darum nicht etwa in die Kirche wie in das Haus eines Nachbars treten, und nachdem man sich den Schein einer kurzen Anbetung vor dem Hochheiligsten gegeben, während der Feier des heiligen Opfers niedersitzen, ſo daß 53 man höchstens während des Evangeliums sich stellt und während der Aufhebung des h. Sacramentes auf die Kniee, vielleicht auch nur auf eines derselben niederknieet, um dann die übrige Zeit mit fremdartigen Gedanken, auch wohl mit Gerede, mit Schauen und sich beschauen lassen, auszufüllen. Indem wir Messe hören, vergessen wir nicht, daß es sich um das Hören derselben und um das Dabeiseyn allein nicht handelt, sondern daß die Anwesenden zugleich mit dem Priester das Opfer darbringen und vollziehen. Spricht auch der Priester allein und hebt seine Hände allein zu Gott empor, so sind wir doch alle insgesammt die Opfernden, eben so, wie alle Mitglieder einer Gesandtschaft, indem sie vor einen Fürsten hintreten, als Ueberbringer der ihnen anvertrauten Botschaft erscheinen, obgleich nur einer von ihnen das Wort führt und die Botschaft überreicht. Damit wir nun mit desto wärmerer Andacht der h. Messe beiwohnen und sie mitfeiern mögen, stehe hier noch eine kurze Erinnerung an deren Haupttheile sowohl als an die einzelnen kleineren Bestandtheile derselben. 11 Den vorbereitenden Theil, welcher sich bis zum Glaubensbekenntnisse einschließlich erstreckt, beginnt der Priester, am Fuße des Altares stehend, mit dem Zeichen des Kreuzes und den Worten: Im Namen des Vaters und des Sohnes und des h. Geistes, Amen;" um durch dieses Siegel des Christen sich zu dem bevorstehenden großen Werke einzuweihen, im Namen Dessen zu beginnen, von welchem alle Gnade kommt und durch dieses kurze Bekenntniß des Glaubens an den dreieinigen Gott und an den erlösenden Kreuztod des Herrn sich mit allen Anwesenden zu einer heiligen Gemeinschaft in Christo zu verbinden. Er betet den 42sten Psalm: Ich will hintreten zum Altare Gottes, zu Gott, der meine Jugend erfreut," wodurch er sich aufrichtet im Vertrauen und in der Freude über 11 - 54 9 das heilige Geheimniß. Nun legt der Priester vor Gott, den Seligen des Himmels und allen Anwesenden das Sündenbekenntniß ab, und bittet um Fürsprache bei Gott. Dasselbe thun hinwiederum die Beiwohnenden, indem sie vor Gott, den Heiligen und dem Priester ihr Bekenntniß ablegen und diesen mit allen Heiligen um seine Fürsprache bitten. Bedenken wir, daß der Priester, sofern er dessen benöthigt ist, sich schon durch das Bußsacrament mußte gereinigt haben, bevor er zum Altare tritt, und daß das Bekenntniß am Altare ihn nur von den letzten Flecken der Sünde reinigen soll, welche ihm noch anhaften, so mag solches den beiwohnenden Gläubigen eine Erinnerung seyn, daß auch sie von jeder schweren Sünde frei bei der heiligen Feier erscheinen mögen, damit sie, durch das gesprochene Bekenntniß von den leichteren Gebrechen gereinigt, mit desto größerem Nußen an der Feier Theil nehmen, auch wenn sie nicht wirklich die heilige Communion dabei empfangen. Ist der Priester an den Altar hinaufgetreten, so spricht er als Eingang zur h. Messe ein auf die Feier des Tages angewendetes Bruchstück aus einem der Psalmen. Ehedem waren es ganze Psalmen, welche zu diesem Zwecke gebetet wurden. Es mag dieses Gebet die Seufzer und die Sehnsucht der Altväter versinnbilden, womit sie auf die Menschwerdung des Sohnes Gottes hofften, und wovon viele der Psalmen zeugen. Unmittelbar daran reiht sich der neunmal wiederholte Ruf: Erbarme Dich unser!" dreimal an jede der göttlichen Personen gerichtet. Mögen diese Worte in derselben Stimmung von uns gesprochen werden, womit die Altväter einstens zu Gott flehten, daß Er ihre Sehnsucht und Seine Verheißungen erfüllen und den versprochenen Erlöser senden möge. Sie riefen zum Himmel empor: Zeige uns, o Herr, Deine Barmherzigkeit und schenke uns Dein Heil!( Ps. 84, 8.) Herr, sende das Lamm, den Beherrscher der Erde!( Jef. 16, 1.) Thayet, ihr Himmel, von oben, die Wolken mögen regnen den 11 11 - 55- Gerechten; die Erde thue sich auf und sprosse den Heiland und die Gerechtigkeit entspringe zugleich!( Jes. 45, 8.) Wies derholen wir mit derselben Inbrunst vor dem Herrn den Ruf: Herr, erbarme Dich unser! Christus, erbarme Dich unser!" dann mögen wir auch mit rechter Freude einstimmen in den nun folgenden Lobgesang, welchen die Engel einst bei der Geburt Jesu Christi sangen: Ehre sey Gott in der Höhe!" In Ihm feiern wir die Erfüllung unserer frommen Sehnsucht und sprechen unsern Dank und unsern Lobpreis aus für die Menschwerdung des ewigen Wortes und die Herabkunft des Sohnes Gottes. Nach beendigtem Lobgesange wendet sich der Priester zum Volke mit dem Gruß: Der Herr sey mit euch!" gleichsam zur weiteren Bestätigung der von den Engeln überbrachten Botschaft, daß Gott in die Welt gekommen sey und mit uns verkehre. Um dieser Ankunft des Heilandes willen dürfen wir auch mit Zuversicht vor den Vater hintreten und durch Seinen Sohn um Gnaden und Wohlthaten bei Ihm bitten; dazu ladet uns der Priester ein in dem Aufrufe: Lasset uns beten!" und schließt die Gebete mit den Worten: Durch unsern Herrn Jesus Christus, Deinen Sohn." Möge diese an Alle gerichtete Aufforderung zum Gebete von Keinem der Anwesenden unbeachtet bleiben. Es folgt die Lesung der Epistel, welche bald aus dem alten Testamente genommen ist, zur Versinnbildung des Gesetzes und der Propheten, die dem Heiland vorausgegangen sind, bald aus den Briefen des h. Paulus und anderen Büchern des neuen Testamentes, damit das Volk über die Gesetze des neuen Bundes, den heiligen Willen Gottes, unterrichtet werde. Daran reiht sich eine andere Lesung aus dem neuen Testamente, das Evangelium. Ihrer Wichtigkeit angemessen wird sie in feierlicher Weise mit dem Gruße an das Volk eröffnet: Der Herr sey mit euch!" und mit dem Gegengruße an den Priester: Und mit deinem Geiste!" Alle erheben sich, um stehend die heiligen Worte zu vernehmen und 11 11 11 11 56- dadurch ihre Aufmerksamkeit, so wie ihre Bereitwilligkeit zur Anhörung der frohen Botschaft" zu bezeugen. Der Priester bezeichnet das Buch mit dem Kreuzzeichen, zur Erinnerung, daß Christus der Gekreuzigte uns hier verkündet werde, und daß aus den Worten des Evangeliums uns Christi Segnungen entgegenströmen, sodann bekreuzt er sich selber auf Stirne, Mund und Brust, was alle Anwesenden mit ihm thun, um zu bezeugen, daß sie Christum den Gekreuzigten in ihrem Herzen tragen, daß sie bereit seyen, ein lautes und öffentliches Bekenntniß von Ihm abzulegen und daß sie es als die höchste Ehre und Auszeichnung betrachten, in seinem Bekenntnisſe zu leben und zu sterben. Bei dem feierlichen Gottesdienste werden Lichter auf beiden Seiten des Evangelienbuches emporgehalten, damit hiedurch versinnbildet werde, dieses sey die Lehre, welche unsere Seelen zur Erkenntniß Gottes und alles Himmlischen erleuchtet und uns den Weg zu unserem Heile zeigt. An die Lesung des Evangeliums schließt sich das Glaubensbekenntniß, wie es von der Kirchenversammlung zu Nicäa und anderen Kirchenversammlungen theils verfaßt, theils vervollständigt und vorgeschrieben worden ist; denn es ist ziemend, daß wir zu einem so herrlichen Opfer auch durch den vollkommensten Ausdruck des Glaubens uns bereiten. Bei den Worten dieses Glaubensbekenntnisses:. Er ist Mensch geworden" beugen wir in tiefer Ehrfurcht die Kniee, um unsere innigste Dankbarkeit auszudrücken für das unendliche Maaß der Liebe, mit welcher der Herr aus Seiner Herrlichkeit in unsere Niedrigkeit herabzusteigen nicht verschmäht hat. Nun folgt die eigentliche h. Messe, deren erster Haupttheil in der Aufopferung, d. h. in der Niederlegung des Brodes und Weines auf dem Altare und deren Einweihung zu ihrer heiligen Bestimmung besteht. Einst brachten alle Gläubigen Brod und Wein zur Feier der hh. Geheimnisse zum Altare hin, jegt thut es der Priester im Namen Aller. Bilden wir zusammen - 57- eine heilige Gemeinde vor dem Herrn, so wie viele Waizenförner zu einem Brode, viele Traubenbeeren zu demselben Weine sich vereinigen! Nur denen, welche mit communiciren durften, war es ehedem gestattet, zu den Opfergaben beizutragen, nur in deren Namen liegt auch jetzt noch Brod und Wein auf dem Altare. Machen wir uns würdig, daß es auch in unserem Namen hier niedergelegt werden könne! Möge die Händewaschung des Priesters uns eine Erinnerung seyn an die innere Reinigkeit, mit welcher wir die Feier der heiligen Geheimnisse begehen sollen, und möge der Ruf des Priesters: Betet Brüder, auf daß das Opfer, welches mein und euer ist, Gott dem allmächtigen Vater wohlgefällig werde," uns bereitwillig finden, unsere Herzen in heiliger Andacht zu dem göttlichen Throne zu erheben; dahin, wohin die erhobenen Hände des Priesters, wohin bei der feierlichen Messe die emporsteigenden Weihrauchwolken uns verweisen. 11 Es beginnt der zweite, bis zum Gebete des Herrn einschließlich sich erstreckende Haupttheil der h. Messe mit der Präfation. Diese ist eine innigere und nähere Vorbereitung, durch welche der Christ sich zur Darbringung des heiligen Opfers rüstet. Darum beginnt sie der Priester mit dem gewöhnlichen Gruße: Der Herr sey mit euch!" und läßt alsbald die Mahnung folgen, man möge Herz und Sinn zu Gott erheben: Erhebet eure Herzen! Und das Volk antwortet ihm:„ Wir haben sie zum Herrn erhoben!" Mögen darum Diejenigen, welche der h. Messe beiwohnen, sich hüten, daß sie nicht von Gott und ihrem eigenen Gewissen der Unwahrheit geziehen werden; indem sie mit dem Munde versichern, sie seien zu dem Herrn erhoben, aber mit Herz und Geist an den Sorgen und Freuden dieser Erde hängen. Der Priester erwiedert:„ Habt ihr eure Seele zu dem Herrn emporgeschwungen," wohlan, so lasset uns Lob und Dank sagen unserem Herrn und Gott für die unendliche Wohlthat, welche uns durch den Tod des 11 - 58- 11 Sohnes Gottes zu Theil geworden ist. Es ist billig und recht!" erwiedert ihm das Volk. Nun ergießt sich der Priester in den göttlichen Lobpreis, zu dessen Schluß er und das Volk vereinigt jenen Lobgesang der himmlischen Chöre singen: Heilig, Heilig, Heilig," d. h. Heilig ist Gott der Vater, heilig Gott der Sohn, heilig Gott der heilige Geist. Himmel und Erde sind voll Deiner Herrlichkeit!" Dann aber besonders der Gnade der Menschwerdung des Sohnes Gottes eingedenk, singen sie: Gebenedeit sey, der da kommt im Namen des Herrn! Hosanna in der Höhe! Von nun an spricht der Priester nicht mehr zu dem Volke, sondern einzig zu dem Vater im Himmel, mit dem er die Angelegenheiten der Gläubigen verhandelt. Endlich vollbringt er dann in der Wandlung das unaussprechliche, hochehrwürdige Sacrament, das er unter beiden Gestalten, des Brodes und des Weines, emporhebt, um die Anwesenden zu erinnern, daß unter diesen Sinnbildern Jesus Christus, der wahre Gott und Mensch wesentlich und wahrhaft verborgen sey, und um sie zu Seiner Verehrung und Anbetung aufzufordern. Das ist nun das Opfer, welches von dem Priester und allen Beiwohnenden und in ihrer Person von der ganzen Kirche Gott dem himmlischen Vater dargebracht wird, wie einstens Christus an dem Kreuze sich zum Opfer brachte. Es wird vor Allem und ausdrücklich dargebracht für die katholische Kirche, daß Gott sie Kraft die ses Opfers auf dem ganzen Erdkreis in Frieden und Eintracht erhalten, beschützen und regieren wolle. Es wird dargebracht für den heiligen Vater, den obersten Hirten der Christenheit und für den Bischof der Diöcese, daß Gott sie kräftige, die Kirche in allen geistigen Kämpfen zu führen und zu unterstüßen. Es wird ferner dargebracht für alle rechtgläubigen Christen und insbesondere für diejenigen, welche die Darbringung des heiligen Opfers veranlaßt haben, endlich für alle Beiwohnenden, welche sich in Glauben und Andacht der heiligen Feier angeschlossen haben. Hieraus ist ersichtlich, welch großer 11 11 59 Nußen mit der fleißigen Beiwohnung bei der h. Messe verbunden ist, weil der Priester gerade für die Anwesenden vorzugsweise das Opfer darbringt, und sie solches mit dem Priester darbringen. Hat der Priester die Opfergaben für die Lebenden geopfert, so bringt er solche ferner für die Verstorbenen dar, die uns im Zeichen des Glaubens vorangegangen sind, und nun den Schlaf des Friedens schlafen, d. h. die im Stande der Gnade gestorben sind, aber in den Himmel noch nicht zugelassen wurden, weil sie noch nicht vollkommen genuggethan für ihre Sünden, also im Orte der Reinigung sich befinden. Vorzugsweise gedenkt er noch derjenigen, für welche er insbesondere das Opfer darzubringen übernommen hat. Sodann wendet er wieder den Blick auf sich und die Anwesenden zurück, indem er auf die Brust schlagend betet: Auch uns, Deine sündigen Diener, laß Theil und Gemeinschaft haben mit Deinen Heiligen!" 11 Hat nunmehr der Priester in solcher Weise, unter Darbringung des Opfers, vor Gott die Bedürfnisse seines Volkes ausgesprochen, so tritt er wieder mit den Anwesenden in Verbindung und fordert sie auf, an den himmlischen Vater ihr Gebet zu richten. Weil wir jedoch in Gott unsern Schöpfer und Herrn erkennen, und uns gänzlich zu Seinem Dienste verpflichtet fühlen, so daß es allzukühn und anmaßend erscheinen müßte, wollten wir aus eigenem Antriebe Ihn unsern Vater nennen, so bahnt der Priester sich und dem Volke den Weg zu dieser vertraulichen Benennung in den Worten: Durch heilsame Gebete aufgemuntert und durch göttliche Belehrung unterrichtet, getrauen wir uns zu sprechen: Vater unser." Wann sollten wir auch eher von diesem Vorrechte, Gott unsern Vater zu nennen, Gebrauch machen, als da wir in so ausgezeichneter Weise durch die Feier des h. Opfers erinnert werden, wir seien durch den Tod Seines Eingebornen Kinder Gottes und Erben des Himmelreichs geworden! Und wann könnten 11 - 60 wir vertrauensvoller unsere Bitten an Gott richten, als da wir in der Gegenwart Seines Sohnes auf dem Altare den Beweis und das Unterpfand Seiner unermeßlichen Güte und Liebe gegen uns vor Augen haben. Wie eine Grenzsäule steht aber das Gebet des Herrn zwischen diesem und dem dritten Haupttheil der h. Messe mitten inne. Indem wir es sprechen, um der auf dem Altare gegenwärtigen Gottheit unsere Huldigung darzubringen, flehen wir hinwieder um alle jene Gaben, deren wir Kraft des Empfanges Christi in der h. Communion theilhaft zu werden hoffen, wir flehen insbesondere um jenes Brod der Seele, das von dem Altare herab unserer Sehnsucht dargeboten wird. Mit den Worten: Der Friede des Herrn sey immerdar mit euch!" spricht nun der Priester zu dem Volke, um dasselbe sowohl an den Frieden und die Aussöhnung mit Gott, welcher eine Frucht des Leidens und Opfertodes Christi ist, zu erinnern, als auch an den Zustand der Seele, mit welchem wir dem Augenblicke der Communion entgegengehen sollen, zu mahnen. Es folgen die näheren Vorbereitungsgebete zur h. Communion. Mögen die Anwesenden, auch wenn sie nicht hinzutreten, um mit dem Priester gemeinschaftlich den Leib des Herrn zu empfangen, durch jene Gebete der Vorbereitung und durch Erweckung der Sehnsucht nach dem h. Geheimnisse sich wenigstens des geiſtigen Empfanges würdig und theilhaft machen. Ist es aber auch nicht wesentlich zur Feier des h. Opfers, daß außer dem Priester Jemand die H. Communion empfängt, so wäre doch gar sehr zu wünschen, daß recht oft unter den anwesenden Gläubigen sich Solche fänden, die zugleich mit dem Priester, welcher das h. Opfer darbringt, an dem h. Mahle sich betheiligen. Groß ist wahrlich in pieser Beziehung die Lauheit und Nachlässigkeit der Christen geworden, gegenüber den Gläubigen der alten Zeit, bei denen es feste Sitte war, daß jedesmal fast alle Anwesenden durch den Empfang der H. Communion mit dem Priester sich vereinigten. - 61 Nach dem Empfange der h. Communion grüßt nun der Priester abermals das Volk, und ladet es ein, für die empfangenen Gnaden Gott zu danken; es enthalten daher auch alle Gebete, welche er verrichtet, nur Danksagung. Sind diese gesprochen, so entläßt er das Volk mit den Worten: ,, Ite missa est," ihr möget euch nun entfernen, das Opfer ist vollbracht; und das Volk spricht seine Dankbarkeit aus, daß es durch göttliche Gnade ihm vergönnt war, demselben beizuwohnen mit den Worten: Gott sey Dank." Jedoch wendet sich nochmals der Priester nach den Anwesenden hin, um sie zu segnen, und liest dann jenen Abschnitt aus dem Evangelium des heiligen Johannes, welcher eben sowohl auf das vollbrachte heilige Geheimniß anwendbar ist, als er nach dem Sinne des Evangelisten zunächst auf die Menschwerdung des Sohnes Gottes sich bezieht. Mögen denn Alle, welche der auf dem Altare sich erneuernden Feier des heiligen Abendmahls und des Kreuztodes Jesu Christi beiwohnen, es in solcher Weise thun, daß sie daraus Früchte für das ewige Leben ärnten. - 62 Gebete bei der heiligen Messe. So oft ihr dieses thut, thut es zu meinem Andenken. I. Cor. 11, 25. Vorbereitungsgebet. rquell der Liebe und Andacht, heiliger Geist! Senfe Dich nieder in mein Herz und verscheuche als ein wundervoller Erleuchter die Finsternisse meiner Seele. Wie die Jungfrau, von Dir überschattet, einstens das göttliche Wort empfing, so lasse auch mich durch Deine Gnade den Urheber meines Heiles in meinem Sinne und Herzen tragen. Du allein bist ja das Licht des Geistes, die Kraft des Herzens, das Leben der Seele. Du hast es den heiligen Aposteln einst verliehen, daß sie die Geheimnisse der menschlichen Erlösung flar erkannten und den Gebete bei der heiligen Messe. Se of the dieses fhut, that es eine Andenken. I Cor. 11, 25. gegebet. Subagt; heiliger Geist! Sente Dich nieder in mein Herz und verfchenche als ein wundervoller Erleuchter die Finsternisse meiner Seele. Wie die Jungfrau, von Dir überschattet, einstens das göttliche Bert empfing, so affe auch mich durch Deine Gnabe den Urheber meines Heiles in meinem Einne ngd Herzen tragen Tallers bist ja das Licht die Kraft des HerBp Eten der Seele. Du hen heiligen Apoftein verheben, daß sie die Geder menschlichen Gl ng flar erfannten und ben 183 63 Schatz des Glaubens in heiliger Erleuchtung lehrten. Von Dir allein haben alle Heiligen das Wollen und Vollbringen, und jede Tugendblüte, wodurch sie sich des Himmels würdig machten. Wie könnte daher ich Sünder ohne Dich das Heil erlangen, der ich ohne Dich nicht einmal weiß, um was ich beten soll! Erfülle Du mich also mit Deinem Lichte und Deiner Gnade, damit ich fähig werde, das heilige Opfer, zu dessen Feier ich in den Tempel getreten bin, nach seiner ganzen Erhabenheit zu erkennen! Durchglühe mich mit dem Feuer der heiligen Liebe, damit jede Sünde in mir ausgetilgt werde, und ich mit jener Reinheit und Andacht, welche die Bewohner des Himmels vor dem Throne der göttlichen Majestät empfinden, bei dem heiligen Geheimnisse, welches auf dem Altare vollbracht werden soll, erscheinen möge. Amen. Wahrer Hohepriester Jesus Christus! der Du Gott dem Vater Dich als reines und unbeflecktes Opfer auf dem Kreuzaltar für uns arme Sünder dargebracht und der Du uns Dein Fleisch zur Speise und Dein Blut zum Tranke gegeben und dieses Geheimniß Kraft der Worte: So oft ihr dieses thut, thut es zu meinem Andenken!" als ewig bleibendes eingesetzt hast. Ich bitte Dich durch eben dieses Dein Blut, den hohen Preis meiner Erlösung; ich bitte Dich durch jene wunderbare und unaussprechliche Liebe, mit welcher Du uns Arme und Unwürdige zu lieben Dich gewürdigt hast, 64- so daß Du in Deinem Blute uns von Sünden abgewaschen; lehre mich, Deinen unwürdigen Diener, welchen Du nach Deiner Barmherzigkeit und ohne mein Verdienst zum Bekenntnisse Deines heiligen, wahren Glaubens und zur Theilnahme an diesem hochheiligen Opfer berufen hast, lehre mich durch Deinen heiligen Geist, dieses Geheimniß mit solcher Ehrfurcht und Andacht feiern, wie es die Würde der heiligen Handlung und meine Pflicht erheischt. Verleihe durch Deine Gnade, daß ich von diesem so großen Geheimnisse stets glaube, verstehe, empfinde, festhalte, rede und denke, was Dir wohlgefällig und meiner Seele heilsam ist. Laß Deinen guten Geist Einkehr nehmen in meinem Herzen und Ihn darin reden ohne Getöse und ohne Schwall der Worte mir alle Wahrheit verkünden. Verleihe mir, nach Deiner großen Güte, die Feier der h. Messe mit reinem Herzen und mit lauterem Sinne zu begehen. Entferne aus mir alle eitle, unreine, und sündhafte Gedanken. Stelle Deine heiligen Engel um mich als treue und starke Wächter, auf daß der Feind alles Guten in Bestürzung von mir weiche! Durch die Kraft dieses hohen Geheimnisses und durch den mächtigen Arm Deines heiligen Engels vertreibe von mir und allen Deinen Dienern den Geist des Stolzes und der Eitelkeit, des Neides und der Lästerung, der Unzucht und Unlauterkeit, des Zweifels und des Mißtrauens. Beschäme die Feinde meines Heils und vereitle die Anschläge derer, die meiner Seele nachstellen! 65- König der Jungfrauen und Bräutigam keuscher Seelen! lösche aus in mir durch den himmlischen Thau Deines Segens alle unreine Begierden; ertödte in meinen Gliedern den Stachel des Fleisches und schenke mir die wahre und stete Keuschheit mit allen übrigen Gaben, welche Dir in Wahrheit gefallen, damit ich unentweiht an Leib und Seele dieß Lobopfer Dir darbringen möge. Denn mit welcher Zerknirschung des Herzens, mit welchen Reuethränen, mit welcher Ehrfurcht und heiligen Scheu, mit welcher Lauterfeit an Leib und Seele verdient jenes himmlische Opfer dargebracht zu werden, worin Dein Leib, Herr Jesus Christus, wahrhaft genossen, Dein Blut wahrhaft getrunken, und das Niederste mit dem Höchsten, das Irdische mit dem Göttlichen verbunden wird, wo die heiligen Engel gegenwärtig sind, wo Du selber in unaussprechlich wunderbarer Weise das Opfer und der Priester bist! Wer wäre im Stande, solches würdig mitzufeiern, wenn nicht Du, allmächtiger Gott, ihn würdig machest? Ich weiß es, o Herr, ich bin von dem Bewußtseyn durchdrungen und bekenne es in aller Aufrichtigkeit, daß ich wegen meiner zahllosen Sünden und Nachlässigkeiten unwürdig bin, diesem großen Geheimnisse beizuwohnen. Aber ich weiß auch und glaube aus ganzem Herzen und bekenne freudig, daß Du mich würdig machen kannst, der Du allein die Macht hast, Sünder in Gerechte und Heilige umzuwandeln. Durch 66 diese Deine Allmacht bitte ich Dich, mein Gott! verleihe mir Sünder, daß ich dieses himmlische Opfer mit Furcht und Zittern, mit reinem Herzen, mit Thränen der Reue und mit himmlischer Freude feiere! Laß mein Herz die Süßigkeit Deiner heiligen Gegenwart und die Anwesenheit Deiner englischen Heerschaaren um mich her empfinden! Denn siehe, o Herr! obgleich ein Sünder, trete ich im Geiste zu Deinem heiligen Altare, um, eingedenk Deines heiligen Leidens, vereint mit dem Priester Dir das Opfer darzubringen, welches Du in Deiner Liebe zu unserem Heile eingesetzt und bis zum Ende der Welt darzubringen befohlen hast. Nimm es auf für Deine heilige Kirche und für das Volk, welches Du mit Deinem Blute erkauft hast. Bin ich um meiner Sünden willen auch unwürdig, als Theilnehmer an diesem heiligen Geheimnisse vor Dir zu erscheinen, so lasse Dir meine Bitten um Deinetwillen wohlgefallen, der Du für alle Menschen ein Opfer des Heils und ein Erlöser werden wolltest. Ich opfere es Dir auf, damit Du die Trübsale der Völker mildern, die Gefahren von ihnen entfernen, das Elend der Waisen lindern, den Armen und Schwachen, was sie bedürfen, reichen, die Verzagtheit der Leidenden heben, die Greise stüßen, die Sehnsucht der Jugend nach Dir erfüllen, die Thränen der Verlassenen trocknen mögest! Du erbarmest Dich Aller, o Herr! und hasſest nichts von dem, was Du geschaffen haft. So gedenke - 67- auch unserer Hinfälligkeit und lasse Deinen Zorn nicht auf uns lasten; denn Du bist unser Vater, Du unser Gott! Siehe, nicht im Gefühle eigener Gerechtigkeit, sondern im Vertrauen auf Deine Barmherzigkeit legen wir unsere Bitten vor Deinem Angesichte nieder. So nimm denn unsere Vergehen von uns und entzünde gnädig in uns das Feuer des heiligen Geistes! Nimm von uns alle Härtigkeit des Herzens und schenke uns ein Herz, welches Dich liebt, an Dir sich erfreut, Dir gehorcht und Dich besitzt. Wir flehen zu Deiner Milde, daß Du gnädig auf Deine Familie, welche hier zu Deinem heiligen Dienste vereinigt ist, herabblicken mögest! und damit die Bitten Aller erhört werden, die Hoffnungen Aller in Erfüllung gehen, lege Du selber uns die Gebete in den Mund, welche von Dir gehört und erhört zu werden verdienen. Wir beten auch zu Dir, Herr, heiliger Vater! für die Seelen der gläubigen Verstorbenen, damit dieses erhabene Sacrament Deiner Liebe ihnen zum Heil, zur Läuterung, zur Freude und Erquickung gereiche. Werde Du ihnen zum reichlichen Mahl, lebendiges Brod, das vom Himmel gekommen ist, und der Welt das Leben giebt! Unbeflecktes Lamm, welches die Sünden der Welt hinwegnimmt, speise ste mit Deinem heiligen Fleische, das vom heiligen Geiste empfangen, aus dem Schooße der glorreichen Jungfrau Maria geboren worden, aus jenem Quell der Liebe, welchen die Lanze in Deiner heiligen Seite uns geöffnet, auf 68- daß sie gestärkt und gesättigt, erquickt und getröstet, zu Diener Herrlichkeit und Glückseligkeit gelangen. Laß, o Herr! auf dieses Opferbrod herabfließen die Fülle Deines Segens und die Heiligung Deiner Gottheit; laß darauf herabsteigen die unsichtbare und geheimnißvolle Majestät Deines heiligen Geistes, auf daß Er unser Opfer in Deinen Leib und Dein Blut verwandle und uns Unwürdige lehre, mit reinem Herzen und reuevollem Sinn, mit Andacht und Ehrfurcht diesem erhabenen Geheimnisse beizuwohnen und daß so unsere Gabe Dir angenehm und wohlgefällig werde zum Heile Aller, der Lebenden und Abgestorbenen. Durch dieses heilige Geheimniß Deines Fleisches und Blutes, womit Du täglich in Deiner Kirche uns speisest und tränkest, reinigest und heiligest und uns zu Theilnehmern Deiner Gottheit machest, erfülle mich mit allen göttlichen Tugenden, damit, so oft ich dieses heilige Sacrament empfange, ich solches jederzeit mit reinem Gewissen thue und Dasselbe mir zum Heil und Leben gereiche. Du selber hast es ja ausgesprochen: Das Brod, welches ich geben werde, ist mein Fleisch für das Leben der Welt. Ich bin das lebendige Brod, das vom Himmel gekommen ist; wer von diesem Brod ißt, wird ewig leben." 3war wage ich nicht, im Gefühle meiner Unwürdigkeit und Deiner unendlichen Majestät, Dich, wie so viele Heilige ge= than, täglich zu empfangen; aber um so mehr dürstet meine Seele nach dem geistigen Genusse Deines heiligen 11 69 Leibes und Blutes. Süßestes Brod, laß mich auch bei dieser geistigen Theilnahme den unaussprechlichen Wohlgeschmack des Mahles Deiner Liebe empfinden! Heile mein Herz von allem irdischen Verlangen, damit es nur durch Dich sich befriedigt fühle. Köstlichstes Brod, wahrhafte Himmelsspeise, das uns immer erquickt, ohne je vermindert zu werden! Laß mich geistig Dich genießen und erfülle das Innerste meiner Seele mit Deiner Süßigkeit! Dich genießen die Engel in reichster Fülle; laß auch mich Erdenpilger nach dem Maaße, dessen ich fähig bin, Dich genießen, damit ich, durch solche Wegzehr gekräftigt, auf meiner irdischen Wanderung nicht erliege. Heiliges Brod! Lebendiges Brød! Reines Brod! das vom Himmel gekommen ist, und der Welt das Leben giebt, kehre ein in die Herzen aller Deinigen, welche Dich heute entweder wirklich oder auch nur geistig empfangen, und reinige mich und Alle von jeglicher Unlauterkeit des Leibes und der Seele! Vertreibe von uns alle Feinde des Heiles und laß uns, von Dir beschüßt, zu Deinem Reiche gelangen, wo wir Dich nicht in diesem Geheimnisſe verborgen, sondern von Angesicht zu Angesicht schauen werden, und wo Du auch uns sättigen wirst mit wunderbarer Sättigung, auf daß uns nimmer hungere und dürfte ewiglich. Der Du mit dem Vater und heiligen Geiste lebst und regierst in Ewigkeit. Amen. - 70 Zum Eingang. Im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen. In Deinem Tempel erscheine ich, o Gott, um Dir vereint mit dem Priester und meinen Mitchristen das Opfer darzubringen, welches Dein Eingeborner zur Erlösung der Welt geopfert hat. Indem ich im Angesichte des Altares mich befinde, ist es, als ob ich stünde auf der Schädelstätte zu den Füßen des Gekreuzigten. So lasse mir denn fern seyn jeden unheiligen und gleichgiltigen Gedanken, und Alles, was die ehrwürdige Feier entweihen und mich unwürdig machen könnte, derselben beizuwohnen. Zog Moses auf Dein Geheiß die Schuhe aus, als er dem brennenden Dornbusche nahete, wie sollte ich anders als mit der tiefsten Ehrfurcht hier erscheinen, wo nicht ein Sinnbild Deiner Majestät vorhanden ist, sondern Du selber wesentlich und wahrhaftig in der Mitte der Deinigen Dich niederläsfest. Sei Du meine Stärke, o Gott, gieße heilige Freude in meine Seele aus, erfülle mich mit Deinem Lichte und Deiner Wahrheit; sie sollen mich geleiten zu Deinem Heiligthum; dann darf ich jubelnd und ohne Zagen vor Deinem Angesichte erscheinen; freudig darf ich alsdann vor Deinem heiligen Altare verweilen. Doch wie könnte ich vor Dir, dem unendlich Heiligen, stehen, ohne meiner Sünden zu gedenken! Verleihe 71- Du mir, Gott, dessen Allmacht Himmel und Erde geschaffen, daß ich derselben noch inniger und mit der tiefsten Reue gedenke. Ich bekenne vor Dir, vor der seligsten Jungfrau Maria, der Königin aller seligen Geister, vor dem heiligen Erzengel Michael, dem heiligen Johannes dem Täufer, den heiligen Aposteln Petrus und Paulus und in ihrer Person, vor allen Engeln und vor allen Heiligen des alten und des neuen Bundes, endlich vor dem Priester am Altare und allen Anwesenden, vor Himmel und Erde, daß ich oft und viel gefündigt, mit Gedanken, mit Worten und mit Werken durch meine Schuld, durch meine große Schuld. Möge die seligste Jungfrau Maria, der heilige Erzengel Michael, der heilige Johannes der Täufer, die heiligen Apostel Petrus und Paulus, mögen alle Engel und alle Heiligen, der Priester und alle hier Gegenwärtigen, Himmel und Erde, vereinigt bei Dir, o Gott, für mich bitten, und was meinem Gebete an Werth vor Dir abgeht, ersetzen, damit Du Dich meiner erbarmest, mir Nachlassung und Verzeihung aller meiner Sünden schenkest und mich mit allen hier Anwesenden zum ewigen Leben führest. Also sey es, o Herr! blicke gnädig auf uns herab. Damit das wahre Leben der Seele uns erfülle und Dein Volk sich in Dir erfreue; laß uns Deine Barmherzigkeit erfahren und schenke uns Dein Heil. Neige Deine Ohren unserm Flehen zu und lasse unser Rufen zu Dir dringen, sey Du mit uns Gott! auf daß von uns genommen werden 72 72- alle unsere Sünden, und wir würdig seyen in Dein Allerheiligstes einzugehen, durch Christus unsern Herrn. Durch die Verdienste Deiner Heiligen, deren Reliquien in der Mitte des Altares ruhen, und aller andern Heiligen wollest Du unsere Sünden uns verzeihen. Erbarme Dich unser! dreieiniger Gott, erbarme Dich unser! Gloria. Gereinigt und geheiligt, wie wir von Deiner Barmherzigkeit, o Gott, es hoffen, wagen wir nun unter die seligen Geister uns zu mischen und einzustimmen in den Lobgesang, den sie vor Deinem ewigen Throne singen und den die Engel zur Feier Deiner Menschwerdung einst auf Erden angestimmt haben. Auch jetzt willst Du ja wieder herabsteigen in unsere Mitte, und wie damals im Fleische, so nun mit Deiner Gottheit und Menschheit bei uns gegenwärtig seyn. Ehre sey Gott in der Höhe und Friede den Menschen auf Erden, die eines guten Willens sind! Dich loben wir! Dich preisen wir! Dich beten wir an! Dich verherrlichen wir! Wir sagen Dir Dank, daß Du Dich unter uns verherrlichest! Herr und Gott, König der Himmel, allmächtiger Vater! Und Du eingeborner Sohn des Vaters, Jesus Christus, Herr und Gott wie der Vater, Lamm Gottes! der Du hinwegnimmst - 73- die Sünden der Welt! erbarme Dich unser! der Du hinwegnimmst die Sünden der Welt! Nimm auf unser Flehen! der Du sigest zur Rechten des Vaters, erbarme Dich unser! Du allein bist der Heilige, Du allein der Herr, Du allein der Höchste, Jesus Christus, mit dem heiligen. Geiste in der Herrlichkeit Gottes des Vaters. Amen. Collecten. - Sei nun Du mit uns, o Herr, erfülle mit Sammlung und heiliger Andacht unsere Seele, daß wir, nach vollbrachtem Lobpreise Deiner Majestät, auch in rechter Weise dessen gedenken und um das bitten, was wir von Dir erwarten, erflehen und empfangen sollen. Allmächtiger, ewiger Gott, der Du uns, Deinen Dienern, die Gnade ertheilt hast, im Bekenntnisse des wahren Glaubens die Herrlichkeit Deiner drei Personen zu erkennen, und in der Macht der Majestät Deine Einheit anzubeten; gib, daß wir feststehen in diesem Glauben und dadurch vor allen Gefahren der Seele bewahrt werden. Der Du in die Herzen der Gläubigen die Erleuchtung des heiligen Geistes ausgegossen hast, laß uns in demselben Geiste das Rechte mit Weisheit erkennen und seiner Tröstungen uns immerdar erfreuen. Befreie uns, o Gott, von dem Joche der Sünden, unter das wir uns gebeugt haben, durch die 4 74 Menschwerdung und Geburt Deines einigen Sohnes. Blicke gnädig auf alle hier Versammelten, für welche unser Herr Jesus Christus nicht verschmähte, sich in die Hände der Sünder hinzugeben und den Tod am Kreuze zu leiden! Allmächtiger, ewiger Gott, durch dessen Geist die ganze Kirche geheiligt und regiert wird, wir bitten Dich für alle Glieder und Stände derselben; verleihe, daß sie alle treu Dir dienen! Bewahre uns vor allen Gefahren der Seele und des Leibes, und schenke uns durch die Fürbitte der allerfeligsten und preiswürdigen Jungfrau und Gottesgebärerin Maria und aller Deiner Heiligen Wohlfahrt und Frieden, auf dàß Deine Kirche alle Befeindungen und Irrthümer bestege, und Dir in ungestörter Freiheit diene. Schenke auch den Seelen Deiner verstorbenen Diener und Dienerinnen Verzeihung aller ihrer Sünden, auf daß sie die Nachlassung, wornach sie immer sich gesehnt, durch unsere fromme Fürbitte erhalten mögen. Gott, unsere Zuflucht und Stärke, erhöre die frommen Bitten Deiner Gläubigen, zu denen Du selber sie angeregt haft, und lasse uns das, weßhalb wir gläubig zu Dir flehen, mit Sicherheit erlangen. Amen. 75 Epistel und Evangelium. Indem ich im Begriffe stehe, in Gemeinschaft Deiner heiligen Kirche das Opfer des neuen Bundes zu feiern, verleihe mir, o Gott, daß ich aufmerksam, andächtig und mit reichem Segen das vernehme und erwäge, was Deine Apostel in den heiligen Schriften über dieses kostbare Mahl verzeichnet haben: Lesung aus dem ersten Briefe des heiligen Apostels Paulus an die Corinther( I, 23-29.) Brüder! Ich habe von dem Herrn empfangen, was ich euch auch überliefert habe, daß der Herr Jesus in der Nacht, in welcher Er verrathen wurde, das Brod nahm und dankte, es brach und sprach: Nehmet hin und esset, das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird: dieses thut zu meinem Andenken. Desgleichen( nahm Er) nach dem Nachtmahle auch den Kelch und sprach: Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blute; thut dieß, so oft ihr trinket, zu meinem Andenken. Denn so oft ihr dieses Brod esset, und diesen Kelch trinket, sollet ihr den Tod des Herrn verkündigen, bis Er kommt. Wer nun unwürdig dieses Brod ist, oder den Kelch des Herrn trinkt, der ist schuldig des Leibes und Blutes des Herrn. Der Mensch aber prüfe sich selbst, und so esse er von die - 76 sem Brode, und trinke aus diesem Kelche. Denn wer unwürdig ist und trinkt, der ist und trinkt sich das Gericht, indem er den Leib des Herrn nicht unterscheidet. Lesung des heiligen Evangeliums nach Johannes( VI, 56-59.) Zur Zeit sprach Jesus zu den Schaaren der Juden: Mein Fleisch ist wahrhaftig eine Speise, und mein Blut ist wahrhaftig ein Trank. Wer mein Fleisch ist, und mein Blut trinkt, der bleibt in mir und ich in ihm. Gleichwie mich der lebendige Vater gesandt hat, und ich um des Vaters willen lebe: so wird auch der, welcher mich ist, um meinetwillen leben. Dieß ist das Brod, welches vom Himmel herabgekommen ist, nicht wie das Manna, das euere Väter gegessen haben und gestorben sind. Wer dieses Brod ißt, wird ewig leben. Credo. Du hast uns, o Gott, Dein heiliges Wort geschenkt, auf daß es als ein Saame des Himmels hundertfältige Frucht zum ewigen Leben in uns trage! Verleihe uns, daß wir nach dem Vorbilde Deiner heiligen Gebärerin es in unseren Herzen treu bewah 77- ren( Luc. 2, 19.) den Glauben daran freudig bekennen und den Segen desselben nach seinem ganzen Reichthum in uns empfinden mögen. Ich glaube an Einen Gott, den allmächtigen Vater, den Schöpfer Himmels und der Erde, aller sichtbaren und unsichtbaren Dinge. Und an Einen Herrn, Jesus Christus, den eingebornen Sohn Gottes, der aus dem Vater geboren ist vor allen Zeiten, Gott von Gott, Licht vom Lichte, wahrer Gott vom wahren Gott; der aus Jhm gezeugt und nicht erschaffen ist, desselben Wesens mit dem Vater, und der selbst der Schöpfer aller Dinge ist. Der wegen uns Menschen und um unseres Heiles willen vom Himmel herabgestiegen ist, durch den heiligen Geist aus der Jungfrau Maria Fleisch angenommen hat und Mensch geworden ist. Der unter Pontius Pilatus auch gekreuzigt worden für uns, und gelitten hat und begraben worden, und am dritten Tage auferstanden ist gemäß dem Zeugniß der h. Schrift. Der aufgestiegen ist zum Himmel und sizet zur Rechten des Vaters. Und der wiederkommen wird mit Herrlichkeit, zu richten die Lebendigen und die Todten, und dessen Reich fein Ende haben wird. Ich glaube an den heiligen Geist, welcher herrscht und Leben spendet, von dem Vater und Sohne ausgeht und mit dem Vater und dem Sohne zugleich angebetet und verherrlicht wird, der gesprochen hat durch die Propheten. Und an Eine heilige katholische und apostolische Kirche. Ich bekenne Eine Taufe zur Nachlassung - 78 der Sünden, und erwarte die Auferstehung der Todten und ein künftiges, ewiges Leben. Amen. In diesem Glauben will ich leben und sterben, nie durch Wort oder That denselben verläugnen, ihn vielmehr mit dem Munde und in meinem Wandel so bekennen, daß auch mich einstens der Erlöser bekenne vor seinem himmlischen Vater und allen Engeln Gottes. So wahr mir Gott helfe und Sein heiliges Evangelium! Amen. Opferung. Durch das Bekenntniß unseres Glaubens haben wir, o Gott, als Angehörige Deiner Einen wahren Kirche, als Deine heilige Familie und als Glieder des geistigen Leibes Jesu Christi uns bezeugt; sey nun Du mit uns, erfülle uns mit dem Feuer Deiner Liebe, auf daß wir die heilige Feier des Kreuzopfers Deines göttlichen Sohnes mit Sammlung und Andacht beginnen und vollenden mögen. Nimm an, heiliger Vater, allmächtiger ewiger Gott, dieses unbefleckte Opferbrod, welches wir, Deine unwürdigen Diener, durch den Priester Dir, dem lebendigen und wahren Gott, darbringen zur Sühnung unserer unzähligen Sünden, Beleidigungen und Nachlässigkeiten. Wir opfern es Dir auf für alle hier - 79- Versammelten, so wie für alle Christgläubigen, Lebende und Verstorbene. Laß es uns und ihnen zum ewigen Leben heilsam werden. Nach dem Beispiele Christi beim letzten Abendmahl mischt der Priester den Opferwein mit Wasser. Möge diese Vereinigung an Deine gnädige Herablassung in der Schöpfung und Wiederherstellung des menschlichen Geschlechtes uns erinnern und möge das geheimnißvolle Sinnbild sich in der Weise an uns erfüllen, daß wir Genossen der Gottheit Dessen werden, der es nicht verschmäht hat, unserer Menschheit theilhaftig zu seyn, Jesus Christus unser Herr, der mit Dir und dem h. Geiste lebt und regiert in Ewigkeit. Wir opfern Dir, Herr, den Kelch des Heils und flehen zu Deiner Milde, daß Du denselben zu unſerm und der ganzen Welt Heil gnädig und wohlgefällig aufnehmen mögest. Nimm mit diesen Opfergaben auch uns auf, die wir im Geiste der Demuth und mit zerknirschtem Herzen vor Deiner Majestät erscheinen, und laß unser Opfer so beschaffen seyn, daß es Dir, unserm Herrn und Gott, gefalle. Steige herab, allmächtiger, ewiger Gott, von Dem aller Segen kommt, und segne diese Opfergaben, welche wir Deinem heiligen Namen weihen. Wie an festlichen Tagen der Weihrauch von dem Altare sich erhebt, so laß unser Gebet zu Deinem heiligen Thron emporsteigen, indem Du entzündest in uns 80 das Feuer Deiner heiligen Liebe! Gib unserem Gebete die Weihe, auf daß es vermöge, Deine Barmherzigkeit auf uns herabzulenken! Vollkommen rein und heilig sollten wir dem Augenblicke entgegengehen, wo Dein eingeborner Sohn unter den Brod- und Weingestalten in unserer Mitte gegenwärtig seyn wird. Wer dürfte sich für rein und heilig halten vor Deinen Augen, unendlich Heiliger, der Du Herzen und Nieren durchforschest! Möge die Händewaschung des Priesters als ein mahnendes Sinnbild das Gefühl unserer Unwürdigkeit in uns erneuern, und uns eine mächtige Aufforderung werden zu solcher Vorbereitung, daß wir mit Deinem heiligen Propheten sprechen können( Ps. 25.): Dieſe Händewaschung sey mir ein Zeugniß, daß ich rein und unschuldig mich Deinem Altare nahe, o Herr! um da die Stimme Deines Lobes zu vernehmen und alle Deine Wunder zu erzählen. Kostbar ist mir Dein Haus, der Ort, wo Deine Herrlichkeit thront. Laß nicht zu Grund gehen mit den Gottlosen, o Gott, meine Seele, laß mit den Sündern mich das ewige Leben nicht verlieren. Siehe, ich bin in Unschuld gewandelt; erlöse mich und erbarme Dich meiner! Mein Fuß hat auf rechtem Wege gestanden; in der Versammlung Deiner Gläubigen will ich Dein Lob singen, Herr! Ja, Allmächtiger, wenn Du willst, kannſt Du mich reinigen! Sprich das Wort der Allmacht über mich, und ich werde mit dem frohen Bewußtseyn 11 - 81 ²8Deines Dieners David diese Betheurung meiner Reinheit vor Dir aussprechen und würdig die Feier des heiligen Opfers vor Dir vollbringen können. In diesem Vertrauen flehe ich denn zu Dir, heilige Dreieinigkeit, daß Du von uns aufnehmen wollest dieses Opfer, welches wir Dir darbringen zum Gedächtniß des Leidens, der Auferstehung und der Himmelfahrt unsers Herrn Jesu Christi, zur Ehre der seligen Jungfrau Maria, des h. Johannes des Täufers, der hh. Apostel Petrus und Paulus und aller Heiligen, auf daß es ihnen zur Verherrlitung, uns aber zum Speile gereiche, und daß die im Himmel für uns bitten, deren Gedächtniß wir auf Erden begehen. Durch denselben Jesum Christum unsern Herrn. Heilige die Darbringung dieses Opfers durch die Anrufung Deines heiligen Namens und bereite uns selbst Dir zu einem immerwährenden Opfer. Nimm mit demselben unsere Dankgebete auf, und wie Du bis daher uns erhört und beschüßzt hast, bewahre uns auch ferner vor jeglichem Mißgeschick und vor allen Feinden der Seele und des Leibes. Laß uns in Deinem Dienste und in Deiner Liebe wachsen. Reinige durch dieses Opfer, welches einstens auf dem Kreuzaltar die Sünden der ganzen Welt getragen, unser Herz von jeder Makel, daß es eine würdige Wohnung Deines heiligen Geiftes werde. Schenke uns Kraft desselben hienieden Deine Gnade und jenseits Deine Herrlichkeit. Durch denselben Jesus Chriftus Deinen Sohn un 82- sern Herrn, der mit Dir lebt und regiert in der Einigkeit des heiligen Geistes von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Präfation. Sey nun mit uns, o Herr! und suche uns heim mit Deiner Gnade, auf daß wir in Deiner Kraft unser Herz zu Dir erheben, und daß wir, je mehr wir uns dem geheimnisvollen Augenblicke Deiner Ankunft nähern, auch mit desto größerer Sammlung und desto reicherer Andacht ausgestattet seyen. Preis und Dank sey Dir, unserm Herrn und Gott! Denn, wahrhaft! ziemend und recht, billig und heilsam ist es, daß wir immer und überall Dich preisen, heiliger Herr, allmächtiger Vater, ewiger Gott! Der Du mit Deinem eingebornen Sohne und dem heiligen Geiste Ein Gott bist und Ein Herr, dreifach in den Personen, Einer dem Wesen nach. Was wir daher, vermöge Deiner Offenbarung von Deiner Herrlichkeit, ewiger Vater, glauben, dasselbe glauben wir von Deinem Sohne, dasselbe von dem heiligen Geiste, so daß in dem Bekenntnisse Deiner wahren und ewigen Gottheit die Verschiedenheit der Personen, die Einheit des Wesens und die Gleichheit der Majestät von uns angebetet wird. Durch das Geheimniß des menschgewordenen Wortes hast Du die Augen unseres Geistes mit dem 83 neuen Lichte Deiner Klarheit erleuchtet, so daß wir Gott sichtbar unter uns schauen und durch Ihn zur Liebe des Unsichtbaren emporgezogen werden. In das Gewand unserer Sterblichkeit gekleidet, ist Dein Eingeborner unter uns erschienen, damit wir durch Ihn im Lichte der Unsterblichkeit wandeln mögen. Am Kreuzholz hat Er das Heil des menschlichen Geschlechtes begründet, auf daß von daher das Leben sich erneuere, woher der Tod entstanden war, und daß der, welcher durch den Baum im Paradiese stegte, besiegt werde durch den Baum des Kreuzes. Als das wahre Opferlamm, das die Sünden der Welt auf sich genommen, wurde Er für uns getödtet, damit Sein Tod unsern Tod vernichte und Seine Auferstehung uns zum Leben werde. Vor den Augen Seiner Jünger erhob Er sich zum Himmel, um uns selbst zu Genossen Seiner Gottheit zu erheben, und zu Deiner Rechten sißend sandte Er den versprochenen heiligen Geist über uns, die Du als Kinder angenommen. So sey denn Preis und Dank Dir, durch Christum unsern Herrn. Durch Ihn verherrlichen Deine Majestät die Engel, beten an die Herrschaften, zittern die Mächte. Die Himmel und alle Gewalten der Himmel und die feligen Seraphim feiern Dich in vereintem Jubel. Gestatte gnädig, daß mit diesen auch wir unsere Stimmen zu Deiner Verherrlichung sich erheben, und daß wir in demüthigem Bekenntnisse lobsingen dürfen: Heilig! Heilig! Heilig! Herr, Gott der Heerschaaren! Voll - 84 Deiner Herrlichkeit ist der Himmel und die Erde! Hosanna Dir in der Höhe! Gebenedeit sey, der da kommt im Namen des Herrn! Hosanna in der Höhe! Stillmesse( Canon). Zu Dir also, mildester Vater! flehen wir demüthig durch Jesum Christum, Deinen Sohn, unsern Herrn, und bitten Dich, daß Du gnädig aufnehmen und segnen wollest diese Gaben, diese Geschenke, dieſe heiligen und unbefleckten Opfer, welche auf dem Altare Dir vorbereitet sind. Wir bringen sie Dir dar für Deine heilige katholische Kirche, daß Du ihr auf dem ganzen Erdkreis Frieden schenken, sie beschüßen, in Eintracht erhalten und regieren wollest, sammt Deinem Diener dem Papste und unserm Bischof und allen rechtgläubigen Bekennern des katholischen und apostolischen Glaubens. Gedenke, o Herr, insbesondere derjenigen unter Deinen Dienern und Dienerinnen, für welche ich vorzugsweise diese h. Messe aufzuopfern die Absicht oder die Verpflichtung habe! Gedenke aller hier Versammelten, deren Glauben und Andacht Du kennst und für welche ich Dir darbringe oder welche mit mir vereint Dir darbringen dieses Opfer des Lobes für sich und alle die Ihrigen zur Erlösung ihrer Seelen, 85 in der Hoffnung ihres Heiles und ihrer Wohlfahrt, und welche Dir dem ewigen, lebendigen und wahren Gott ihre Gebete weihen. Wir bringen das Opfer in Gemeinschaft mit Deinen Heiligen, deren Andenken wir zugleich verehren; insbesondere das der glorreichen, immerwährenden Jungfrau Maria, der Mutter unseres Herrn und Gottes Jesu Christi, sodann Deiner heiligen Apostel und Märtyrer Petrus und Paulus und aller Deiner Heiligen. Laß uns um ihrer Verdienste und Fürbitten willen in Allem die Hilfe Deines Schußes genießen. Durch denselben Christum unsern Herrn. Amen. So nimm denn gnädig an dieses Opfer, welches wir, Deine Diener, mit Deiner ganzen Familie Dir bringen! Verleihe Frieden unsern Tagen; errette uns vom ewigen Verderben und laß uns unter die Zahl Deiner Auserwählten gehören. Durch Jesum Christum unsern Herrn. Laß diese Opfergaben von Dir gesegnet, Dir geweiht, Dir angemessen und Dir wohlgefällig seyn, damit sie für uns der Leib und das Blut Deines geliebten Sohnes, unsers Herrn Jesu Christi werden; Der am Vorabend Seines Leidens das Brod in Seine heiligen und ehrwürdigen Hände nahm, die Augen gen Himmel, zu Dir Seinem allmächtigen Vater erhob, Dir dankte, das Brod segnete, es brach und Seinen Jüngern reichte, indem Er sprach: Nehmet hin und esset Alle davon; denn dieses ist mein Leib. 86 In gleicher Weise nahm Er nach dem Abendmahle auch den herrlichen Kelch in Seine heiligen und ehrwürdigen Hände, dankte Dir, segnete ihn und reichte ihn Seinen Jüngern, indem Er sprach: Nehmet hin und trinket Alle daraus; denn dieses ist der Kelch meines Blutes, des neuen und ewigen Bundes, das Geheimniß des Glaubens, welches für euch und für Viele wird vergossen werden zur Vergebung der Sünden. So oft ihr dieses thut, thut es zu meinem Gedächtnisse. Wir, die wir Deine Diener, aber auch Dein heiliges Volk sind, gedenken demnach, o Herr! des heiligen Leidens so wie der Auferstehung und der glorreichen Himmelfahrt Chrifti, Deines Sohnes, unsers Herrn, und opfern Deiner erhabenen Majestät von Deinen eigenen Gaben und Geschenken das reine, das heilige, das unbefleckte Opfer, das heilige Brod des ewigen Lebens und den Kelch des ewigen Heiles. Siehe mit gnädigem und mildem Blicke auf dieses Opfer herab und lasse es Dir wohlgefallen, wie Du Dir einst wohlgefallen ließest die Gabe Deines gerechten Dieners Abel und das Opfer unsers Patriarchen Abraham und die heilige und unbefleckte Opfergabe, welche Dein Hoherpriester Melchisedech Dir brachte. Tief gebeugt flehen wir zu Dir, allmächtiger Gott! Laß dasselbe durch die Hände Deines heiligen Engels zu Deinem hohen Altar, vor das Angesicht Deiner göttlichen Majestät, - 87- emporgetragen werden, auf daß Alle, die an diesem Altare Theil nehmen, durch den Empfang des hochheiligen Leibes und Blutes Deines Sohnes mit jeglicher himmlischen Segnung und Gnade erfüllt werden. Durch denselben Christum unsern Herrn. Amen. Gedenke auch, Herr! Deiner Diener und Dienerinnen, die uns vorangegangen sind mit dem Zeichen des Glaubens und nun schlafen den Schlaf des Friedens. Denen, für welche wir insbesondere zu beten die Absicht oder die Verpflichtung haben, und Allen, die in Christus ruhen, verleihe, wir bitten Dich, die Stätte der Erquickung, des Lichtes und des Friedens. Durch denselben Christum unsern Herrn. Amen. Auch uns, Deinen sündigen Dienern, die wir auf den Reichthum Deiner Erbarmungen hoffen, laß Theil und Gemeinschaft haben mit Deinen heiligen Aposteln, Märtyrern und allen Deinen Heiligen; nimm uns auf in ihre Versammlung, nicht nach dem Werthe unserer Verdienste, sondern nach dem Schatze Deiner Barmherzigkeit; durch Christum unsern Herrn, durch welchen allein Du, Herr! alle diese Güter schaffest, heiligest, belebest, segnest und uns verleihest. Durch Ihn, mit Ihm und in Ihm ist Dir, Gott, dem allmächtigen Vater, in der Einheit des heiligen Geistes aller Preis und Ruhm, alle Ehre und Herrlichkeit von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. - 88- Das Gebet des Herrn. Durch Dein heilsames Gebot ermuntert, und durch Deine göttliche Belehrung unterrichtet, spreche ich zu Dir: Vater unser, der Du bist in den Himmeln! Geheiliget werde Dein Name! Zufomme uns Dein Reich! Dein Wille geschehe, wie im Himmel, also auch auf Erden. Unser tägliches Brod gib uns heute! Und vergib uns unsere Schulden, wie auch wir vergeben unsern Schuidigern! Und führe uns nicht in Versuchung! Sondern erlöse uns von dem Uebel. Amen. Ja, Herr! wir bitten Dich darum, befreie uns von allen vergangenen, gegenwärtigen und zukünftigen Ulebeln, und durch die Fürbitte der seligsten und glorwürdigen Jungfrau und Mutter Gottes Maria, Deiner heiligen Apostel Petrus und Paulus und aller Heiligen verleihe gnädig Deinen Frieden in unseren Tagen und laß uns, durch den Reichthum Deiner Güte unterstützt, frei von aller Sünde und vor jeder Beunruhigung gesichert bleiben. Durch denselben unsern Herrn Jesus Christus, Deinen Sohn, der mit Dir lebt und regiert in der Einheit des heiligen Geistes von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Der Friede des Herrn sey immerdar mit uns! 89 Sur Communion. Lamm Gottes, welches hinwegnimmt die Sünden der Welt! Erbarme Dich unser! Lamm Gottes, welches hinwegnimmt die Sünden der Welt! Erbarme Dich unser! im Lamm Gottes, welches hinwegnimmt die Sünden der Welt! Schenke uns den Frieden! Herr Jesus Christus! der Du Deinen Aposteln gesagt haft: Den Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch, siehe nicht auf unsere Sünden, sondern auf die Treue Deiner Kirche und würdige Dich, sie und uns Alle, die wir ihre Glieder sind, nach Deinem heiligen Willen mit Frieden und Eintracht zu beschenken. Der Du lebst und regierst, Gott, von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. dilar Herr Jesus Christus, Sohn des lebendigen Gottes, der Du nach dem Rathschlusse des himmlischen Vaters, unter der Mitwirkung des heiligen Geistes, durch Deinen Tod der Welt das Leben gegeben hast, befreie mich durch diesen Deinen hochheiligen Leib und durch Dein Blut von allen meinen Sünden und von allen Uebeln. Laß mich immer festhalten an Deinen heiligen Geboten, auf daß Nichts mich von Dir trenne, der Du mit Gott dem Vater und dem heiligen Geiste lebest und herrschest in alle Ewigkeit. Amen. Herr, Jesus Chriftus! Kann ich auch nicht mit dem Priester Deinen heiligen Leib empfangen, so lasse - 90- mich doch geistig daran Antheil nehmen und die Früchte des Empfanges mitgenießen; bereite mich hiedurch vor zum künftigen Genusse Deines heiligen Geheimnisses und mache mich immer würdiger dazu, auf daß mir solches nicht zum Gerichte und zur Verdammniß gereiche, sondern, nach Deiner Erbarmung, ein Heilmittel des Leibes und der Seele für mich werde. Der Du mit Gott dem Vater und dem heiligen Geiste, ein einiger Gott, lebest und herrschest durch alle Ewigkeit. Amen. Herr, ich bin nicht würdig, daß Du eingehest unter mein Dach; aber sprich nur ein Wort, und es wird meine Seele gesund! Herr, ich bin nicht würdig, daß Du eingehest unter mein Dach; aber sprich nur ein Wort, und es wird meine Seele gesund! Herr, ich bin nicht würdig, daß Du eingehest unter mein Dach; aber sprich nur ein Wort, und es wird meine Seele gesund! Ich bin Zeuge, göttlicher Erlöser, wie an dem Priester Deine herrliche Verheißung in Erfüllung geht, daß Du uns Deinen Leib zur Speise und Dein Blut zum Tranke reichen wollest. Damit ist mir ein Unterpfand gegeben, daß Du die Früchte dieses heiligen Mahles den Deinigen nicht vorenthalten werdest. So verleihe denn auch mir, Kraft dieser geheimnißvollen Speise und durch die geistige Theilnahme an derselben, das wahre Leben der Seele, die Reinigung von jeg -91 licher Sünde, Stärke zu allem Guten, Vereinigung mit Dir und durch Dich mit allen Heiligen, einstige glorreiche Auferstehung, und den Besitz des ewigen Erbes, das Du mir bereitet hast. Dein Leib, o Herr, und Dein Blut bewahre meine Seele zum ewigen Leben. Amen. Nach der Communion. Was ist der Mensch, daß Du seiner gedenkest, und in seiner Seele Einkehr nimmst? Nur wenig hast Du unter die Engel ihn erniedrigt, mit Herrlichkeit und Ehre ihn gekrönt.( Ps. 8, 5. 6.) Groß und herrlich ist Dein Werk, angemessen Deinem reichen Wohlgefallen. Ein Denkmal Deiner Gnade und Barmherzigkeit hast Du unter uns gestiftet, eine Speise bereitet Denen, welche Dir mit Ehrfurcht nahen, und bist ewiglich Deines Bundes mit uns eingedenk! ( Pf. 110, 2-5.) Was vermögen wir Dir zu vergelten für Alles, was Du uns gethan? Ohne Unterlaß will ich Deinen Namen preisen, Dir darbringen das Opfer meines Lobes im Angesichte Deines Volkes.( Ps. 115, 3. 8. 9.) Gib, daß die Gnade, welche aus Deinem heiligen Geheimnisse für uns fließt, mir bis ins Mark der Seele dringe, daß ich mit reinem Herzen sie bewahre, und daß Dein Geschenk 92 hienieden mir zur Heiligung für das jenseitige Leben gereiche. Der Du lebst und regierest in alle Ewigkeit. Amen. Nimm wohlgefällig an, heilige Dreieinigkeit! die Huldigung Deiner Diener, und laß das Opfer, welches wir vor den Augen Deiner Majestät dargebracht haben, Dir angenehm und Allen, für welche es dargebracht worden, nach Deiner Barmherzigkeit heilsam seyn. Durch Christum unsern Herrn. Amen. Es segne uns der allmächtige Gott, der Vater und der Sohn und der heilige Geist. Amen. Das letzte Evangelium. Mit Stephanus haben wir den Himmel offen und Dich, o Jesus, zur Rechten Gottes gesehen.( Apostelg. 7, 55.) Und unsere Augen haben Dein Heil gesehen, welches Du, wie einst durch Deine Geburt, so jetzt wieder durch Deine Herabkunft auf den Altar, bereitet hast vor dem Angesichte aller Völker.( Luc. 2, 30. 31.) In Erinnerung an dieses heilige Geheimniß sprechen wir darum die Worte nach, in welchen Dein heiliger Jünger und Sendbote Johannes uns Deine ewige Geburt aus dem Vater und Deine Ankunft im Fleische zur Erlösung der Welt verkündet hat: 93- Im Anfange war das Wort und das Wort war bei Gott und das Wort war Gott. Dieses war im Anfange bei Gott. Alles ist durch Dasselbe gemacht worden und Nichts wurde ohne Dasselbe gemacht, was gemacht worden ist. In Ihm war das Leben und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht leuchtete in der Finsterniß, aber die Finsterniß hat es nicht begriffen. Es war ein Mensch, von Gott gesandt, der hieß Johannes. Dieser fam zum Zeugnisse, damit er Zeugniß von dem Lichte gäbe, auf daß Alle durch ihn glauben möchten. Er war nicht das Licht, sondern er sollte Zeugniß von dem Lichte geben. Dieses war das wahre Licht, welches alle Menschen, die in diese Welt kommen, erleuchtet. Es war in der Welt und die Welt ist durch dasselbe gemacht worden, aber die Welt hat Ihn nicht erkannt. Er kam in Sein Eigenthum, und die Seinigen nahmen Ihn nicht auf. Allen aber, die Ihn aufnahmen, gab Er Macht, Kinder Gottes zu werden, denen nämlich, die an Seinen Namen glauben; welche nicht aus dem Geblüte, nicht aus dem Willen des Fleisches, noch aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind. Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnet; und wir haben Seine Herrlichkeit gesehen, die Herrlichkeit als des Eingebornen vom Vater, voll der Gnade und Wahrheit. 94 Schlußgebet. Du hast nun, Herr! mein Herz mit heiliger Freude erfüllt und hast mir gewährt, daß ich Dein Lob aussprechen durfte vor Dir, dem geheimnißvoll gegenwärtigen Erlöser. Preis, Ruhm, Anbetung und Dank sey Dir, o Gott! Allmächtiger, der Du Barmherzigkeit erweisest Allen, welche Dich in Wahrheit erkennen und verehren, sich mit gnädigem Auge auf mich, Deinen Diener, herab, welcher vor Dir sein Herz gedemüthigt hat und auf Dich, den Spender der Erbarmung und des Segens, hofft. Segne mich mit himmlischer Gnade, heilige mich durch Deinen heiligen Geist! Lasse den Engel Deines Friedens über meinem Leben walten, auf daß er mich bewache, beschüße und erleuchte und zu allem Guten lenke! Lasse mich am heutigen Tag und alle Tage meines Lebens ohne Sünde vor Dir wandeln, in Freude, Frieden, Wohlergehen und in Heiligkeit! Gott, der Du Alle segnest, die Dich preisen, und heiligest, die auf Dich hoffen und vertrauen! Mache felig Dein Volk, segne Dein Erbe, bewahre Deiner Kirche die Fülle ihrer Gläubigen! Verleihe Hilfe, Heilung und Trost den Kranken, Wohlfahrt den Wanderern, mache heilsam die Luft, schenke Gedeihen den Früchten der Erde! Schenke Frieden Deiner Kirche und erhalte in Einigkeit alle Fürsten und Völker der - 95 Erde! Gib die ewige Ruhe den Verstorbenen und gedenke deren, welche Dir, o Herr! dieses heilige Opfer dargebracht haben oder für welche es dargebracht worden ist! Sende Hilfe Allen, die in Noth und Kummer schmachten! Laß mich und Alle Deiner Gnade theilhaft seyn und bleiben durch die Fürbitten der seligsten Jungfrau und Mutter Gottes, Maria, Deiner heiligen Engel und aller heiligen Bewohner des Himmels! Laß ihre Segnungen, ihre Liebe, ihre Sanftmuth, ihre Heiligkeit unter uns weilen und einheimisch bleiber jetzt und immerdar. Dank Dir, gütigster Gott, Wohlthäter unserer Seelen, daß Du mir nun die Gnade verliehen, an der Feier Deines himmlischen und erhabenen Geheimnisses Theil zu nehmen! Vergib, wenn ich vielleicht nicht mit jener vollendeten Andacht und Sammlung des Geistes, wie ich gefollt hätte, dabei erschienen bin und ausgeharrt habe! Heilige mich, Kraft dieses heiligen Opfers, auf daß ich dereinst würdig erfunden werde, Dich von Angesicht zu Angesicht zu schauen, nachdem ich hier unter den Gestalten des Brodes und Weines Dich angebetet habe, und daß ich würdig werde, das ewige Erbe zu befißen, das Du mir bereitet und wofür Du in dem heiligen Opfer mir ein Unterpfand verliehen hast. Lenke nun auch außer Deinem Tempel meine Schritte, erhalte mich in Deiner Furcht und führe mich auf Deinem Wege. In Deine Hände, unaussprechlich barmherziger Heiland! empfehle ich - 96 meine Seele und meinen Leib, meine Gedanken, Worte und Werke, alle Bedürfnisse meines Leibes und meiner Seele, meinen Eingang und Ausgang, meinen Glauben und mein Leben, mein Hierseyn und die Stunde meines Todes! Laß mit Deinen Heiligen und Außerwählten mich einstens auferstehen! Jesus Christus! Dir mit Gott dem Vater, in Einigkeit des heiligen Geistes, sey Ehre, Preis und Verherrlichung in alle Ewigkeit. Amen. W - 97 Gesänge zur heiligen Messe, auch als Gebet und Betrachtung bei Stillmessen zu empfehlen. Zum Eingang. Wir ir werfen uns darnieder Vor Dir, Gott Sabaoth! Erhöre unsre Lieder, Da wir nach dem Gebot Dir dieses Opfer bringen; Verleihe nun, daß wir Es andachtsvoll besingen, Und wohlgefallen Dir! Den Tag vor Jesu Leiden Beim letzten Abendmahl, Indem Er wollte scheiden Aus diesem Jammerthal, Hat Er das Brod gebrochen Und ausgetheilt den Wein, Gesegnet und gesprochen: Dieß thut und denket mein! Er sprach: Nehmt hin und esset, Dieß ist mein Fleisch und Blut, Damit ihr nicht vergesset, Was meine Liebe thut; 5 98- Mich opfernd will ich sterben Am Kreuz zum Heil für euch, Wer an mich glaubt, soll erben Mit mir das Himmelreich. O Herr, dieß Opfer steige Zu Dir mit Wohlgeruch, Damit Dein Herz sich neige Zu deines Volks Gesuch. Wir opfern nicht mehr Kälber, Wie Aaron hat gethan; Nein, Jesum Christum selber, Der uns versöhnen kann. Zum Gloria. Gott Vater! Dir gehöret Lob, Ruhm und Dank und Ehr! Was unsre Ruhe störet, Verstatte nimmermehr. Auf Erden laß uns grünen Den Frieden jederzeit, Daß wir Dir fröhlich dienen, mpin Von Furcht und Angst befreit! Der Du der Menschen Sünden Gebüßt am Kreuzesstamm, Laß uns Erbarmung finden, wi O Jesu, Gotteslamm! * 99- Gelobt mit Mund und Herzen Sey'st Du, Gott heil'ger Geist! Der Du in Angst und Schmerzen Den Frommen Trost verleihst. Vor dem Evangelium. Aus Gottes Munde gehet Das Evangelium, Auf diesem Grunde stehet Das wahre Christenthum. Gott selber hat's gelehret, Der nicht betrügen kann, Wohl dem, der's gerne höret, Und es nimmt willig an. Sein Wort zeigt uns die Wege Zum Himmelreiche an, Es weiset uns die Stege, Zu gehen diese Bahn. Herr! drücke Deine Worte Tief in die Herzen ein, Daß wir zur Himmelspforte zu kommen würdig sey'n. Zum Credo. Wir glauben und bekennen, Daß aus höchst weisem Rath 5* 100 Gott, den wir Vater nennen, Die Welt erschaffen hat. Von Ihm ist ausgegangen Sein Sohn, der Jesus heißt, Der ward als Mensch empfangen Durch Gott den heil'gen Geist. Maria hat geboren Als Jungfrau dieses Kind, Sonst wären wir verloren, Wir, die wir Sünder sind. Er litt an Leib und Seele, Schloß sterbend Seinen Lauf, Stand aus des Grabes Höhle Am dritten Tage auf. Er ward hinauf genommen Zu Gottes rechter Hand. Wann Er wird wieder kommen, Ist uns zwar nicht bekannt; Doch kommt Er einst zu rächen, Und wird von Seinem Thron Ein billig Urtheil sprechen, Zur Strafe und zum Lohn. Wir glauben nicht alleine, Daß eine Kirche sey, Wir stimmen der Gemeine Der Heiligen auch bei. 101 Die Sünde wird vergeben Durch Christi Diener hier; Der Leib steht auf zum Leben, Geht ein zur Himmelsthür. 3um Offertorium. Herr! laß doch diese Gaben Dir wohlgefällig seyn, Die wir geopfert haben; Es ist zwar Brod und Wein; Doch wird's verwandelt werden In Christi Fleisch und Blut; Das ist uns hier auf Erden Und den Verstorbnen gut. Wir opfern Dir den Willen, Herz und Gedanken auf; Hilf uns, daß wir erfüllen In unserm Lebenslauf, Was Du uns, Deinen Kindern, Zu thun befohlen hast: Nimm weg, was uns kann hindern, Nimm weg die Sündenlast. Wir legen Dir zu Füßen Auch unser Hab und Gut, Und was wir hier genießen, Das Leben, Leib und Blut; 102 Gib uns bald kühlen Regen, Bald warmen Sonnenschein, Und laß durch Deinen Segen Die Felder fruchtbar seyn. Zum Sanctus. Laßt uns gen Himmel schwingen, Zum Helfer in der Noth, Und dreimal heilig singen Dem Herrn Gott Sabaoth. Herr! Himmel und auch Erde Sind voll von Deinem Ruhm; Hilf, daß bekehret werde Das blinde Heidenthum. Daß wir hernach zusammen Dir unsre Herzen weih'n, Und voll von Liebesflammen, Dir ein Hosanna schrei'n. Herr! der in Deinem Namen Kommt, sey gebenedeit! Die Engel sagen Amen! Jetzt und in Ewigkeit. Nach der Wandlung. Hier bet' ich auf den Knieen. Verborgner Gott! Dich an. 103 Ich will mich nicht bemühen, Das, was Du hier gethan, Durch Sinne zu begreifen; Dein Wort muß mir allein, Um hier nicht auszuschweifen, Der Grund des Glaubens seyn. Die Gottheit war bedecket Allein am Kreuzaltar; Hier aber ist verstecket Die Menschheit auch sogar; Dieß Denkmal Deiner Güte, Dieß wahre Himmelsbrod Erinnert mein Gemüthe, O Herr! an Deinen Tod. Wasch mich von meinen Sünden, O Jesu! durch Dein Blut, Und laß mich Gnade finden, Du allerhöchstes Gut! Laß bald den Vorhang fallen, Erschein' in vollem Licht, Und zeige mir und allen, Dein glänzend Angesicht. Zum Agnus Dei. Erfreut euch, fromme Seelen! Ein Wunder ist gescheh'n, Der Herr will sich verhehlen, Kein Auge kann Ihn seh'n; 104- 104 In Brod- und Weingestalten Ist Jesu Fleisch und Blut Auf dem Altar enthalten, Dieß größte Seelengut. Verdeckt ist hier zu finden Das wahre Gotteslamm, So aller Menschen Sünden Getilgt am Kreuzesstamm. Es ist der Seelen Speise, Wie uns der Glaube lehrt, Sie nährt uns auf der Reise, Und wird doch nicht verzehrt. Wenn wir das Leben schließen, Und dieses Himmelsbrod Recht wohl bereit genießen, So kann der bittre Tod Uns Christen nicht erschrecken; Es ist ein Unterpfand, Daß Gott uns wird bedecken Mit Seiner starken Hand. Herr Jesu! Deiner Liebe Sei Ehre, Lob und Dank! Weil Du nach ihrem Triebe, Zur Speise und zum Trank Dein Fleisch und Blut gegeben, In Brodsgestalt verhüllt, - 105- Daraus für uns das Leben Und reine Freude quillt. Entzünd' in uns Verlangen Nach diesem Sacrament; Herr, laß es uns empfangen. Wenn sich die Seele trennt. Laß uns in Frieden fahren, Von allen Sünden rein, Zu Deinen Engelschaaren, Und ewig bei Dir seyn. Nach dem Ite Missa est. Zum Segen des Priesters. Da wir nunmehr gehöret Die Messe, wie man soll, So sey auch Gott geehret; Er mach' uns segensvoll Und laß es sich gefallen, Was wir allhier gethan; Er bleibe bei uns Allen, So sind wir wohl daran. Gott wolle uns behüten, Daß uns an diesem Tag Des bösen Feindes Wüthen Nicht schädlich werden mag; 106%Er laß uns ohne Sünden Einst stehen vor Gericht, Damit wir Gnade finden Vor Seinem Angesicht. Zweiter Meßgesang. Zum Eingang. Hier liegt vor Deiner Majestät Im Staub die Christenschaar: Das Herz zu Dir, o Gott! erhöht, Die Augen zum Altar. Schenk uns, o Vater! Deine Huld, Vergib uns unsre Sündenschuld, O Gott, vor Deinem Angesicht Verstoß uns arme Sünder nicht; uns- nicht! - Verstoß uns Sünder nicht. Verstoß Wir haben, Herr, Dein Gut verschwend't, Wie der verlorne Sohn; Die Sünde hat uns so verblend't; Doch schau von Deinem Thron Mitleidig her auf unsern Schmerz, Verwirf nicht ein zerknirschtes Herz; Entzieh die Vaterhuld uns nicht, Und sende uns Dein Gnadenlicht, Dein Gna- den- licht, Dein göttlich Gnadenlicht. 107 Wir sind ja Deiner Hände Werk, Der Schöpfung unterthan, O gib uns Schwachen Kraft und Stärk', Sieh uns in Gnaden an; Hier bringen wir auf dem Altar Dir ein Versöhnungsopfer dar. O Gott! der Werth des Bluts ist groß, Das einst Dein Sohn für uns vergoß, Für uns- ver- goß, Am Kreuz für uns vergoß. Zum Gloria. Gott soll gepriesen werden, Sein Nam' gebenedeit, Im Himmel und auf Erden, Jetzt und in Ewigkeit. Lob, Ruhm und Dank und Ehre Sey der Dreieinigkeit! Die ganze Welt vermehre, Gott! Deine Herrlichkeit. 3um Evangelium. Aus Gottes Munde gehet Das Evangelium: Auf diesem Grunde stehet Das wahre Christenthum; Gott selbst ist's, der uns lehret, Der Weis- und Wahrheit ist. 108 Der Seine Lehren höret, Wie glücklich ist der Christ! 3um Credo. Allmächtiger! vor Dir im Staube Bekennt Dich Deine Creatur! O Gott und Vater! ja ich glaube An Dich, Du Schöpfer der Natur. Auch an den Sohn, der ausgegangen, Von Dir geboren, ewig war, Den, von dem heil'gen Geist empfangen, Die reinste Jungfrau uns gebar. Und Jesus Christus ist gekommen, Daß Er versöhne uns mit Gott; Er hat die Schuld auf Sich genommen, Und litt für uns den Kreuzestod, Erstand, besiegte Tod und Hölle, Fuhr zu des Vaters Rechten auf Und wird als Richter jeder Seele Einst prüfen unsern Lebenslauf. Ich glaube, Gottes Geist regieret Die wahre Kirch' und Christenheit; Ein büßend Schaf, das sich verirret, Flieht hin zu der Barmherzigkeit; Am großen Tag wirds Fleisch erstehen. Jest, Heilige, helft insgemein, Daß wir mit euch zum Leben gehen, Miterben Christi ewig sey'n. - 109- 3um Offertorium. Nimm an, o Herr! die Gaben Aus Deines Priesters Hand; Wir, die gesündigt haben, Weih'n Dir dieß Liebespfand. Für Sünder hier auf Erden, In Ängsten, Kreuz und Noth, Soll dieß ein Opfer werden Von Wein und reinem Brod. Nimm gnädig dieß Geschenke, Dreieinig großer Gott! Erbarm' Dich unser; denke An Christi Blut und Tod! Sein Wohlgeruch erschwinge Sich hin zu Deinem Thron Und dieses Opfer bringe Uns den verdienten Lohn. 3um Sanctus. Singt: Heilig, heilig, heilig Ist unser Herr und Gott! Singt mit den Engeln: Heilig Bist Du, Gott Sabaoth! Im Himmel und auf Erden Soll Deine Herrlichkeit Gelobt, gepriesen werden Jetzt und in Ewigkeit. - 110- Wir singen froh zusammen, Von ganzer Seel' erfreut: Der kommt in's Herren Namen, Der sey gebenedeit; Hosanna in der Höhe! Gepriesen sey der Herr! Dem großen Gott geschehe Sein Lob von Meer zu Meer. Nach der Wandlung. Sieh, Vater! von dem höchsten Throne. Sieh gnädig her auf den Altar! Wir bringen Dir in Deinem Sohne Ein wohlgefällig Opfer dar. Wir fleh'n durch Ihn, wir, Deine Kinder, Und stellen Dir Sein Leiden vor, Er starb aus Liebe für uns Sünder; Noch hebt Er's Kreuz für uns empor, Noch hebt Er's Kreuz für uns empor. Er hat für uns Sich dargegeben, Für alle Menschen insgesammt; Beim Vater, daß wir ewig leben, Vertritt Er jetzt das Mittleramt. Jesu, höre unsre Bitte, Steh unsrer Schwachheit immer bei! Auf daß Dein Leiden, Deine Güte, An uns niemal verloren sey, An uns niemal verloren sey. - 111 Zum Agnus Dei. Betrachtet Ihn in Schmerzen, Wie Er Sein Blut vergießt! Seht, wie aus Jesu Herzen Der letzte Tropfen fließt! Er nahm hinweg die Sünden, Er trug all unsre Schuld; Bei Gott läßt Er uns finden Den Frieden, Seine Huld. Zur Communion. O Herr, ich bin nicht würdig Zu Deinem Tisch zu geh'n; Du aber mach' mich würdig, Erhör' mein kindlich Fleh'n. O stille mein Verlangen, Du Seelenbräutigam! Im Geist Dich zu empfangen, Dich wahres Osterlamm. Zum Schlusse der heiligen Messe. Nun ist das Lamm geschlachtet, Das Opfer ist vollbracht: Wir haben jetzt betrachtet, Gott! Deine Lieb' und Macht. Du bist bei uns zugegen; Aus Deinem Gnadenmeer Ström' uns Dein Vatersegen Durch dieses Opfer her. - 112- 3um Segen. Lasset uns denn würdig ehren Ein so großes Sacrament, Nach dem neuen Bund uns kehren, Weil der alte sich geend't; Was man nicht mit Händen greifen, Noch mit Augen sehen kann, Sehen wir im Glauben an. Gott den Vater wir erheben Mit dem eingebornen Sohn, Preis und Jubel sey gegeben Beiden auf dem höchsten Thron; Dem auch, der von ihnen Beiden Ausgeht, Gott von Ewigkeit, Werde gleiches Lob geweiht. 113- Bur Predigt. Empfange das Wort Gottes mit Andacht; höre dasſelbe immer mit Aufmerksamkeit und Ehrfurcht; wende es sorgfältig an und gestatte nicht, daß es auf die Erde falle, sondern wie einen köstlichen Balsam nimm es auf in dein Herz und ahme hierin der gebenedeiten Jungfrau nach, die mit größter Sorgfalt in ihrem Herzen alle Worte bewahrte, welche zum Preis ihres göttlichen Kindes gesprochen wurden. Sey auch eingedenk, daß Gott die Worte, die wir in unseren Gebeten an Ihn richten, in dem nämlichen Maaß aufnimmt, wie wir die Worte aufnehmen, die er durch den Mund des Predigers zu uns ſpricht. 1) Lied vor der Predigt. In Gott des Vaters und des Sohns Und Seines Geistes Namen, Sprecht hier am Fuße Seines Throns, O Christen! freudig Amen! Sprecht Amen, und bereitet euch Nach eures Meisters Lehren, Den Vater in dem Himmelreich Mit Bitten zu verehren. 1) Der h. Franz von Sales. 114 O Vater unser! der Du bist Im Himmel und auf Erden! Dein Name, der so liebvoll ist, Soll stets geheiligt werden! Dein Reich, von Anbeginn der Welt Bereitet allen Frommen, Das laß, wenn dieser Staub zerfällt, Für uns auch einstens kommen. So wie auf jeden Wink von Dir Die Himmelsgeiſter sehen, So soll auch unter Menschen hier Dein Wille stets geschehen! Das Brod, das unsre Seele nährt, Um Dir, o Gott, zu leben; Auch jenes, das der Leib begehrt, Sen täglich uns gegeben! Vergib uns, Vater! jede Schuld, Die wir vor Dir bereuen; So wie wir Alle mit Geduld Den Schuldigern verzeihen. Ersticke, wenn Versuchung droht, In uns des Bösen Samen! Erlös uns jetzt und einst, o Gott! Von allem Übel, Amen. - 115 Vor der Predigt. Komm, heiliger Geist, erfülle die Herzen Deiner Gläubigen und entzünde in ihnen das Feuer Deiner Liebe. Wir flehen zu Dir, o Gott! ergieße gnädig Deinen heiligen Geist in unsere Seelen. Er ist es ja, der durch Seine Weisheit uns geschaffen hat und durch Seine Vorsehung uns leitet. Der Du die Herzen der Gläubigen durch die Erleuchtung des heiligen Geistes belehrt hast, verleihe, daß wir in demselben Geiste, was recht ist, verstehen, und Seines Trostes uns immerdar erfreuen mögen. Gieb daß durch die Eingießung desselben unsere Herzen gereinigt und daß sie befruchtet werden durch die Besprengung mit dem Thau Seiner Gnade; daß durch Seine Ankunft unsere Herzen in würdige Tempel Seiner Herrlichkeit umgeschaffen werden. Gütiger Jesu! Erleuchte mich mit der Klarheit des inneren Lichtes und treibe aus der Wohnung meines Herzens alle Finsterniß. Wehre den vielen Zerstreuungen und überwältige die Versuchungen, die mir Gewalt anthun. Streite Du mit Deiner Stärke für mich und bekämpfe in mir die lockenden Begierlichkeiten, damit durch Deine Kraft in mir Friede werde und die Fülle Deines Lobes auf geheiligter Stätte, das ist im reinen Gewissen, wiedertöne. Gebiete den Winden und den Stürmen; sprich zum Meere: Ruhe! und zum Nordwinde: Schweige!- und es wird große Stille seyn. Sende aus Dein Licht und Deine Wahrheit, 116 daß sie leuchten über die Erde! Denn ich bin öde, leere Erde, bis Du mich erleuchtest. Gieße aus Deine Gnade von oben; befeuchte mein Herz mit Himmelsthau; öffne mir die Quellen der Andacht, zu bewässern das Antliß der Erde, damit sie hervorbringe gute und beste Frucht. Richte auf das von der Sündenlast gebeugte Gemüth und richte all mein Verlangen nach dem Himmlischen, damit es mir verleide auf Irdisches zu denken, nachdem ich das Liebliche der überirdischen Seligkeit gekostet habe. Ziehe mich ab, reiße mich los von allem vergänglichen Troste der Geschöpfe; denn kein Geschöpf kann meiner Sehnsucht vollkommen Ruhe und Trost gewähren. Verbinde mich mit Dir durch das unauflösliche Band der Liebe; denn Du allein genügst der liebenden Seele und ohne Dich ist Alles leer und eitel. Durch solche Gesinnungen mit Dir vereinigt, laß mich, göttlicher Erlöser! Dein heiliges Wort vernehmen. Amen. Nach der Predigt. Befestige mich, o Gott! durch die Gnade des heiligen Geistes. Gib mir Kraft, daß ich stark werde nach dem inneren Menschen, daß ich mein Herz aller unnüßen Kümmerniß und Angst entledige und mich nicht anziehen lasse durch das wechselnde Verlangen nach irgend einer geringen oder kostbaren Sache; sondern daß ich alle Dinge und mit denselben mich selbst als vergänglich betrachte. Denn Nichts ist bleibend unter 117 der Sonne, wo Alles Eitelkeit und Bekümmerniß des Geistes ist. O wie weise, wer so denkt! Verleihe mir, o Herr! Himmlische Weisheit, daß ich lernen möge, Dich vor Allem zu suchen und zu finden, Dich vor Allem zu verstehen und zu lieben und alles Andere nach Deiner Weisheit, so wie es ist, zu erkennen. Verleihe mir, flug auszuweichen dem Schmeichler und geduldig zu ertragen den Widersprecher; denn das ist große Weisheit, nicht bewegt zu werden durch jeden Wind der Worte, noch das Ohr zu leihen dem, der zur Sünde lockt. Gieb mir, o gütigster Jesu! Deine Gnade, daß sie mit mir sey und mit mir arbeite und mit mir bis ans Ende beharre. Laß mich immer nur das verlangen und das wollen, was Dir am angenehmsten und wohlgefälligsten ist. Dein Wille sey der Meinige und mein Wille folge stets dem Deinigen und stimme mit ihm vollkommen überein. Mit Dir nur will ich wollen und nicht wollen; ja es sey mir unmöglich, etwas Anderes zu wollen oder nicht zu wollen, als was Du willst oder nicht willst. Gieb mir, daß ich Allem absterbe, was in der Welt ist, und daß ich wegen Deiner gerne verachtet und ungekannt sey in dieser Welt. Laß mich alle meine Wünsche in Dir erfüllt sehen, in Dir den Frieden meines Herzens finden. Du bist der wahre Friede des Herzens, Du allein die In Ruhe. Ausser Dir ist Alles hart und ruhelos. diesem Frieden, das ist in Dir, dem einen, höchsten, ewigen Gute, will ich ruhen. Amen. 118* Vesperandacht. 5612 Laß mein Gebet, o Gott! wie ein Rauchwerk vor Deinem Angesichte auf steigen; meiner Hände Erhebung sind Dir ein Abendopfer. Pf. 140, 2. Herr! eröffne meinen Mund, zu loben Deinen heiligen Namen. Gott! achte auf meine Hülfe. Herr! eile mir beizustehen. Ehre sey dem Vater und dem Sohne und dem heiligen Geiste; Wie von Anfang, so jetzt und allezeit und in Ewigfeit. Amen. Pf. 144. Lob Gottes, des Mächtigen, Gerechten und Gütigen. Ich will Dich erheben, Gott mein König! und preisen Deinen Namen ewig, ja immer und ewig.com Alltäglich will ich Dich preisen, und Deinen Namen loben ewig, ja immer und ewig. Groß ist der Herr und sehr preiswürdig, und Seiner Größe ist kein Ende. You Ein Geschlecht nach dem anderen wird rühmen Deine Werke und Deine Macht verkünden. Von der großen Herrlichkeit Deiner Heiligkeit werden sie reden und Deine Wunder erzählen. 119 Von der Kraft Deiner mächtigen Thaten werden sie sagen und Deine Größe erzählen; Von dem Andenken Deiner übergroßen Lieblichkeit werden sie überströmen und Deiner Gerechtigkeit wegen jubeln. Gnädig und barmherzig ist der Herr: langmüthig und von großer Erbarmung. Lieblich ist der Herr gegen Alle und Seine Erbarmung geht über alle Seine Werke. Dich sollen preisen, o Herr! alle Deine Werke und Deine Heiligen Dich rühmen. Sie werden sprechen von der Herrlichkeit Deines Reiches und reden von Deiner Macht, Um kund zu thun den Menschenkindern Deine Macht und die Pracht und Herrlichkeit Deines Reiches. Dein Reich ist ein Reich auf alle Ewigkeit und Deine Herrschaft auf alle Geschlechter. Der Herr ist treu in allen Seinen Worten und heilig in allen Seinen Werken. Der Herr bilft Allen empor, die fallen, und richtet auf alle Gebeugten. Aller Augen warten auf Dich, Herr! und Du giebst ihnen Speise zu rechter Zeit. Du thuft auf Deine Hand und sättigst alles Lebendige mit Segen. Gerecht ist der Herr in allen Seinen Wegen und heilig in allen Seinen Werken. 120 Nahe ist der Herr Allen, die Ihn anrufen; Allen, die Ihn anrufen in der Wahrheit. Den Willen derer, die Ihn fürchten, erfüllt Er, und ihr Gebet erhört Er und erlöst sie. Der Herr behütet Alle die Ihn lieben und alle Sünder vertilgt Er. Des Herrn Lob soll sprechen mein Mund und alles Fleisch preisen Seinen heiligen Namen ewig, ja immer und ewig. Ehre sey dem Vater u. s. w. Pf. 110. Gottes Lob wegen Seiner Wohlthaten. Ich will Dich loben, Herr, von meinem ganzen Herzen: im Rathe und der Versammlung der Gerechten. Groß sind die Werke des Herrn: ausgesucht nach Seinem Wohlgefallen. Löblich und herrlich ist Sein Werk: und Seine Gerechtigkeit bleibet in Ewigkeit. Ein ewiges Denkmal hat Sich gesetzt durch Seine wunderbaren Thaten der gnädige und barmherzige Herr: Eine Speise gab Er denen, die Ihn verehren. Er ist eingedenk ewiglich Seines Bundes: Er hat verkündet Seinem Volke die Kraft Seiner Werke; Daß Er ihnen gegeben das Erbe der Heiden und diese in Seine Kirche eingeführt; die Werke Seiner Hände sind Wahrheit und Recht. - 121- Wahrhaft sind alle Seine Gebote, unveränderlich) und gegeben nach den unwandelbaren Gesetzen der Wahrheit und Gerechtigkeit. Erlösung hat Er Seinem Volke gesendet, hat auf ewig Seinen Bund geschlossen. Heilig und ehrwürdig ist Sein Name; aller Weisheit Anfang ist die Furcht des Herrn. Guten Verstand haben Alle, die darnach thun. Sein Lob bleibt immer und ewig! Ehre sey dem Vater u. f. w. Pf. 137. 114. Dank für die Erfüllung der göttlichen Verheißungen und für die Rettung aus den Gefahren des Heiles. Ich danke Dir, Herr, von meinem ganzen Herzen; denn Du hast gehört die Worte meines Mundes; vor dem Angesichte der Engel will ich Dir lobsingen: Will anbeten zu Deinem heiligen Tempel hin, und preisen Deinen Namen wegen Deiner Barmherzigkeit und wegen der treuen Erfüllung Deiner Verheißungen. Denn Du hast dadurch groß gemacht über Alles Deinen heiligen Namen. mi An welchem Tage immer ich Dich anrufe, erhöre Du wollest mehren die Kraft in meiner Seele. Es sollen Dich preisen, Herr, alle Könige der Erde, weil sie gehöret alle Deine Verheißungen und tröstlichen Offenbarungen, 6 - 122 Und sollen singen von den liebreichen Führungen des Herrn; denn groß ist die Herrlichkeit des Herrn. Denn erhaben ist der Herr und siehet auf das Niedrige. Wenn ich wandle mitten in der Trübsal, belebest Du mich und streckest Deine Hand aus gegen den Zorn meiner Feinde und hilfst mir mit Deiner Rechten. Der Herr wird vergelten statt meiner. Herr, Deine Barmherzigkeit ist ewig! Verschmähe nicht die Werke Deiner Hände! Liebe erfüllt mich, weil der Herr die Stimme meines Flehens erhört hat. Weil Er Sein Ohr zu mir neigte: mein Leben lang werde ich Ihn anrufen. Es umgaben mich die Schmerzen des Todes, es umgaben mich die Gefahren der Hölle, Trübsal und Schmerz fand ich; Da rief ich den Namen des Herrn an: O Herr, erlöse meine Seele! Barmherzig ist der Herr und gerecht: unser Gott ist barmherzig. Der Herr bewahret die Kleinen: ich war gedemüthigt und Er half mir. Kehre zurück, meine Seele, zur Ruhe nach überwundener Gefahr; denn der Herr hat dir wohlgethan; Er errettete meine Seele vom Tode, meine Augen von den Thränen, meine Füße vom Falle. di 123 So will ich denn wohlgefällig wandeln vor dem Herrn auf dem Pfade der Gerechtigkeit. Ehre sey u. s. w. Aus Pf. 138. 139. 140. Erinnerung an Gottes Allwissenheit; Bitten; Vorsätze. Herr, Du erforschest mich und kennest mich; Du kennest all mein Thun und Lassen; Du durchschauest meine Gedanken von Ferne, und alle meine Wege sahest Du vorher. Siehe, Herr, es ist kein Wort auf meiner Zunge, Du weißt Alles, das Neue und das Alte; Du hast mich gebildet und Deine Hand auf mich gelegt. Wunderbar kommt mir vor Dein Wissen; gar hoch ist es, ich kann es nicht erreichen. Wohin soll ich gehen vor Deinem Geiste und wohin fliehen vor Deinem Angesichte? Stiege ich gen Himmel, so wärest Du da; stiege ich in den Abgrund, so wärest Du da! Nähme ich mir Flügel von der Morgenröthe und wohnte ich am äußersten Ende des Meeres, So würde auch dahin Deine Hand mich führen und Deine Rechte mich halten! Und spräche ich: Vielleicht kann Finsterniß mich decken, so wäre die Nacht mir Licht, wenn ich vor Dir sündige; Denn die Finsterniß ist nicht dunkel vor Dir, und die Nacht ist hell wie der Tag; die Finsterniß ist wie das Licht vor Ihm. 6* 124 Denn Du hast mein Inneres in Deiner Gewalt, Dir habe ich angehört von meiner Mutter Leibe an. Ich preise Dich um Deiner herrlichen Größe willen; wunderbar sind Deine Werke, welche meine Seele erkennt. So prüfe mich denn, Gott! und erkenne mein Herz; erforsche mich und erkenne meine Wege, Und siehe, ob ich auf bösem Wege bin und leite mich auf dem Pfade des ewigen Lebens. Schüße mich, Herr, vor der Hand der Sünder, und von bösen Menschen rette mich, die da sinnen, mich zum Falle zu bringen! Ich sage zu dem Herrn: Mein Gott bist Du! Erhöre, Herr, die Stimme meines Flehens! Herr, Herr, Du Stärke meines Heiles, Du beschirmest mein Haupt am Tage des Streites! Zu Dir rufe ich, erhöre mich; merke auf meine Stimme, wenn ich zu Dir rufe. Laß mein Gebet wie Rauchwerk vor Dein Angesicht kommen; die Erhebung meiner Hände sey Dir ein liebliches Opfer. Bewache, Herr! meinen Mund und bewache meine Lippen. Laß mein Herz nicht dahin neigen, meine Sünden zu entschuldigen, wie die Menschen thun, welche Bosheit üben; ich will nicht Theil nehmen an ihren Werken. 125- Aber auf Dich, Herr! sehen meine Augen; auf Dich hoffe ich, Du giebst meine Seele nicht preis. Behüte mich vor den Schlingen der Sünde und vor den Fallstricken der Übelthäter; ich will Dir treu bleiben, bis ich zu Dir hinübergehe. Ehre sey u. s. w. Aus Ps. 120. Vertrauen auf Gott. Ich hebe meine Augen empor, von wo mir Hülfe kommt. Meine Hülfe ist von dem Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat. Er läßt nicht wanken meinen Fuß; Er schläft nicht, der mich behütet. Der Herr behütet mich vor allem Bösen; der Herr behütet meine Seele. Der Herr behüte meinen Eingang und meinen Ausgang von nun an bis in Ewigkeit. Ehre sey u. s. w. Kapitel. ( Röm. 11, 33. I. Tim. 1, 17. O Tiefe des Reichthums, der Weisheit und Erfenntniß Gottes! Wie unbegreiflich sind Seine Gerichte und wie unerforschlich Seine Wege. 126- Dem Könige der Ewigkeit, dem Unsterblichen, dem Unsichtbaren, dem alleinigen Gott, sey Ehre und Herrlichkeit in alle Ewigkeit. Amen. Lobgesang. Licht! selige Dreifaltigkeit! Und Wesensurquell! Einigkeit! Schon weicht der Sonne Flammenschein, Gieß Licht in unsre Herzen ein! Dich flehn wir, wenn der Morgen graut, Dich, wenn der Abend niederthaut; Dir singen wir hier in der Zeit, Dir droben in der Ewigkeit! Lob sey dem Vater auf dem Thron! Lob sey dem eingebornen Sohn! Lob sey und Preis und Dank geweiht Dem heil'gen Geist in Ewigkeit. Amen. Magnificat. ( Lobgesang der seligsten Jungfrau Maria Luc. 1, 46-55 und nach ihrem Beiſpiele einer jeden Seele, die sich dankbar der göttlichen Wohlthaten erinnert.) Hoch preiset meine Seele den Herrn, und mein Geist frohlocket in Gott, meinem Heilande. 127- Denn Er hat angesehen die Niedrigkeit Seiner Magd; siehe, von nun an werden mich selig preisen alle Geschlechter: Denn Großes hat an mir gethan, der da mächtig ist, und dessen Name heilig ist. Er ist barmherzig von Geschlecht zu Geschlecht denen, die Ihn fürchten. Er übet Macht mit Seinem Arme, zerstreuet, die da hoffärtig sind in ihres Herzens Sinne. Die Gewaltigen stürzt Er vom Throne, und erhöhet die Niedrigen. Die Hungrigen erfüllt Er mit Gütern, die Reichen läßt Er leer ausgehen. Er nimmt sich Israels an, Seines Knechtes; eingedenk Seiner Barmherzigkeit! Wie Er zu unsern Vätern gesprochen hat, zu Abraham und seinen Nachkommen ewiglich. Ehre sey dem Vater u. s. w. Gebet. Allmächtiger ewiger Gott! Der Du uns Deinen Dienern die Gnade ertheilt hast, im Bekenntnisse des wahren Glaubens die Herrlichkeit Deiner drei Perfonen zu erkennen und in der Macht der Majestät Deine Einheit anzubeten: laß uns durch unwandelbares Festhalten an diesem Glauben vor allen Übeln bewahrt werden. 128- Gott, Du Stärke Aller, die auf Dich vertrauen! Erhöre gnädig unser Bitten; und weil ohne Dich die menschliche Schwachheit nichts vermag, so gewähre uns die Hülfe Deiner Gnade, damit wir in Erfüllung Deiner Gebote durch unser Wollen und Thun Dir wohlgefallen mögen. Gott! Deine Erbarmungen sind ohne Zahl und unermeßlich die Schäße Deiner Güte! Wir danken Deiner liebevollen Majestät für die Gaben, welche Du uns gespendet hast, und flehen zu Deiner immerwährenden Milde, Du wollest Diejenigen, deren Bitten hienieden Du erfüllest, auch für die ewigen Güter würdig machen. Durch unsern Herrn, Jesus Christus, Deinen Sohn, der mit Dir in Einigkeit des heiligen Geistes lebt und regiert in alle Ewigkeit. Amen. Laßt uns den Herrn preisen! Gott sey Dank. Die Seelen der verstorbenen Gläubigen mögen durch die Barmherzigkeit Gottes in Frieden ruhen. Amen. 129 Das heilige Sacrament der Buße.') Nicht selten begegnet leider der Seele des Getauften, was auch dem Leib des Menschen zu widerfahren pflegt. Es giebt nämlich keinen Menschen, der nicht zu Zeiten einmal von einer Krankheit oder einem übelbefinden ergriffen würde; und so giebt es auch keinen Christen, der im Glauben so kräftig und in der Tugend so vollendet wäre, daß er nicht zuweilen sich einer Sünde oder einer Unvollkommenheit schuldig machte. So ist es denn nöthig, daß wir auch ein geistiges Heilmittel zur Hand haben, um uns von dem Falle wieder aufzurichten und von der Sünde zu befreien. Wer könnte ohne solches vor Gott bestehen? Wir müßten an unserm Heil verzweifeln, wenn uns feines gegeben wäre. Dieses Mittel, womit Gott unserer Schwäche zu Hilfe kommt, ist das h. Sacrament der Buße, welches darum mit Recht heilige Männer das rettende Brett aus dem Schiffbruche genannt haben. Zu dem Ende hat Christus Seine Kirche mit der Vollmacht ausgestattet, die Sünden nachzulassen, indem Er den Aposteln, und somit ihren Nachfolgern, sagte: Wie mich der Vater gesandt hat, also sende ich euch. Empfanget den heiligen Geist. Welchen ihr die Sünden nachlassen werdet, denen sind sie nachgelassen; und denen ihr sie behalten werdet, denen sind sie behalten( Joh. 20, 22. 23.)." Und wieder: Wahrlich, sage ich euch, Alles was ihr auf Erden binden werdet, das wird auch im Himmel gebunden seyn; und Alles was ihr auf Erden auflösen werdet, das wird auch im Himmel aufgelöset seyn( Matth. 18, 18.)." So ist es denn nach des Heilandes Anordnung der Priester, als Christi und der Kirche Stellvertreter, durch den 11 1) Nach dem h. Ludwig von Granada. 130 der Sünder von Sünden gelöst und in die Gnade und Freundschaft Gottes wieder aufgenommen wird. Daß aber nur derjenige die Nachlassung seiner Sünden erlangen kann, welcher dieselben wahrhaft bereut, ist schon darin ausgesprochen, daß wir das von Gott uns gegebene Heilmittel, das Sacrament der Buße nennen. Und bereuen können wir nur dasjenige, dessen wir uns vor Gott schuldig wissen. Darum ist vor Allem nöthig, daß wir unter Anrufung des h. Geistes, von dem jede Gabe der Erleuchtung und der Erschütterung der Seele kommt, uns kennen lernen wie wir sind, und folglich eine ernste und aufrichtige Prüfung unserer Neigungen, unseres Denkens, Redens und Handelns anstellen, um zu überblicken, was wir Böses begangen, oder Gutes, wozu wir verpflichtet waren, unterlassen haben. Verdoppelte Sorgfalt ist hier nöthig, wenn etwa schon eine längere Zeit von der letzten Beichte her verflossen seyn sollte. Mit Recht nennen heilige Männer des Alterthums diese Erforschung ein Geschäft von höchster Wichtigkeit, dem man sich mit dem größten Fleiße unterziehen möge; denn würde es hieran Jemanden fehlen, so leuchtet ein, daß die Beichte eben so eitel und ungültig wäre, als ob man mit Wissen irgend eine schwere Sünde verschwiegen hätte. Es ist im Grunde daſſelbe, ob man in der Beichte eine Sünde mit Absicht verbirgt, oder ob man mit solcher Gleichgültigkeit und Oberflächlichkeit bei der Gewissenserforschung zu Werk geht, daß deren nothwendig uns selbst verborgen bleiben. Nicht laut und dringend genug kann man es daher Jedem in die Seele rufen, daß er sich nicht selbst in diesem Stücke täusche und nur mit hinreichender Durchforschung seines Inneren sich dem Richterstuhle der Buße nahe. Wer darin etwas versäumt, wäre um einer etwa vergessenen schweren Sünde willen nicht zu entschuldigen, sondern vielmehr anzuklagen, da er solches Vergessene nicht der menschlichen Schwäche, sondern seiner eigenen Nachlässigkeit zuzuschreiben hätte. Am füglichsten kann nun wohl die Erforschung in der Weise vorge 131 nommen werden, daß man die zehn Gebote durchgeht und bei jedem derselben sich mit Ruhe und Überlegung prüft, in wie ferne man etwa nicht allein gegen den Wortlaut desselben, sondern auch gegen seinen Sinn und Geist durch Werke, Worte oder Gedanken sich versündigt habe; wobei man zugleich auf die Zahl der Sünden und auf jene Umstände, die auf die Schwere derselben einen Einfluß haben, achtet. Haben wir dieses Geschäft- die Gewissenserforschung- vollbracht, dann werden wir, mit der Gnade Gottes, im Stande seyn, uns zum Schmerz und zur Trauer darüber zu bewegen, daß wir durch unsere begangenen Sünden Gott beleidigt haben, und wir werden entschlossen seyn, das Begangene, worüber wir jetzt trauern und welches wir verabscheuen, künftig zu unterlassen; dasjenige aber, wegen dessen Unterlassung wir uns jetzt Vorwürfe machen, künftig mit Sorgfalt zu erfüllen: Reue und Vorsatz. Nicht zu innig und eifrig kann der ächte Büßer dieses Gefühl in sich erwecken, um so an sich zu erfüllen, was einst jener heilige Büßer aussprach in den Worten: Ich will vor Dir alle meine Jahre überdenken in der Bitterfeit meiner Seele." ( f. 38, 15.) Doch soll dein Schmerz und deine Trauer nicht blos aus der Betrachtung entstehen, daß du durch deine Sünden die Hölle verdient, die ewige Seligkeit verscherzt, oder an anderen Gütern, welche durch die Sünde verloren werden, Schaden gelitten hast, sondern daß du dadurch Gott verloren und Ihn beleidigt hast. Und wie Gott über Alles geliebt und geschätzt zu werden verdient, sowohl um Seiner Selbst willen, als auch um deßwillen, wie Er sich gegen uns beweist: so ist's auch billig, daß wir über Alles es betrauern und bereuen, Ihn verloren oder beleidigt zu haben. Je größer die Beleidigung ist, um so größer muß ja auch der Schmerz, und je größer der Verlust ist, um so inniger die Reue seyn. Frage nun nicht: wie sollte es mir gelingen, einen so großen Schmerz in mir zu erwecken? Ich sage dir: darum mußt du deinen Gott aus dem tiefsten Inneren deines Herzens und mit aller Sehnsucht anflehen, denn Sein Werk, Seine Gnade ist das; ja, ich 132 möchte sagen, es ist dieses das größte Seiner Werke und die vorzüglichste Seiner Gnaden; so daß es in einem gewissen Sinne etwas Größeres ist, einen mit freiem Willen ausgestatteten Menschen seinen Sünden zu entreißen und ihn wieder in seine frühere Unschuld zu versetzen, als eine neue Welt zu schaffen. Wie dieses demnach Sache der göttlichen Gnade ist, mußt du auch Gott auf's Inständigste darum bitten. Zweifle übrigens nicht, daß Er dein Gebet erhören werde, indem Er durch Seinen Propheten( Zach. 1, 3.) die Verheißung gab: Bekehret euch zu mir, so werde ich mich zu euch kehren;" und damit die Versicherung gab, wenn der Mensch das Seinige gethan, so werde Er auch, was nur Er vollbringen könne, nicht verweigern. Ist nun aber allerdings diese Zerknirschung des Inneren zunächst Gottes Werk und Gnade, so ist es doch die Aufgabe des Menschen, sich dafür empfänglich zu machen, indem er in sich selbst geht und das Eine oder Andere, was ihn hiezu anleiten oder bewegen kann, in Betrachtung zieht. Dahin gehört erstens die Erwägung, wer und wie groß derjenige ist, den er beleidigt habe. Es ist Gott selbst, dessen Güte, Majestät, Vortrefflichkeit, Barmherzigkeit, Schönheit und Weisheit so groß ist, daß, hätten wir auch niemals Etwas von Ihm empfangen oder zu erwarten, der Mensch Ihn schon um dessen willen werth halten müßte, Jhm sein ganzes Leben, und hätte er auch so viele Leben als Sterne am Himmel oder Sandkörner im Meere sind, Ihm diese alle zum Opfer darzubringen. Hiernach magst du dann ermessen, wie billig es sey, darüber Reue zu empfinden, daß du dich nicht allein Jhm nicht zum Opfer dargebracht, sondern sogar durch jede deiner Sünden Ihn von Neuem an's Kreuz geschlagen und Seinen Zorn und Sein Strafgericht über dich herabgerufen hast. Ferner hast du die Wohlthaten Gottes, die unendlich und unzählbar sind, zu erwägen. Betrachtest du diese mit rechter Überlegung, so wirst du einsehen, daß Alles, was im Himmel und auf - 133- Erden ist, Gottes Wohlthat sey, daß jedes deiner Glieder, jedes deiner Haare Gottes Wohlthat sey, daß du, so viele Augenblicke deines Daseyns du verlebst, eben so viele göttliche Wohlthaten genießest, daß das Brod, welches du isfest, die Sonne, welche dich erwärmt, ihr Licht, welches dir leuchtet, kurz Alles göttliche Wohlthat sey; um es mit einem Worte zu sagen: alles Gute und alles Böse in der Welt ruft dir Gott als deinen Wohlthäter in Erinnerung; jenes, indem Er es für dich geschaffen, dieses, indem Er dich davor beschützt und dich frei davon erhalten hat. Was wäre nun im Stande, dich mit einem tieferen Schmerze zu durchdringen, als der Gedanke, daß du dein Leben in Mißachtung und im Vergessen eines solchen Herrn hingebracht, von dessen Händen getragen du wandeltest, dessen Sonne dich erwärmte, durch dessen Vorsehung du regiert und geleitet und beschützt wurdest? Kann es eine größ sere Bosheit und Undankbarkeit geben, als daß du so lange in der Beleidigung dessen verharrtest, der nie aufgehört hat, dir Gutes zu erweisen, und daß du so viele Schmähungen und Beschimpfungen gegen Den gebäuft hast, der dir so viele Gnaden und Wohlthaten angedeihen ließ? Auch die Erinnerung und Erwägung der ewigen, so schrecklichen Strafen, des so strengen und ernsten besonderen und allgemeinen Gerichtes, und des Todes, der täglich einem Jeden droht, müssen uns gewiß zur Reue über unsere Sünden bewegen, da dieses Alles für den Sünder um so erschütternder ist, je mehr er sich gestehen muß, daß jeder Augenblick der letzte seines Lebens seyn und ihn dahin führen kann. Erwäge endlich die Menge und Größe, wie auch die Verwerflichkeit deiner Sünden; und du wirst sie zahlreicher als die Haare deines Hauptes finden. Denn willst du nur ernstlich die Tage deines vergangenen Lebens prüfen und durchforschen, so wirst du so viele Versündigungen und Ungebührlichkeiten, so viel verlorene Zeit, so viele vernachlässigte und gleichgültig verscherzte Gelegenheit zum Guten, so vielerlei Falschheit und Bos 134 heit, eine solche Zügellosigkeit der Zunge, eine solche Zuchtlosigkeit der Augen, eine so große Ausschweifung deines Herzens und Geistes, ein so vielfach beflecktes und verunreinigtes Gewissen bei dir finden, als wärest du mitten unter den Heiden geboren und aufgewachsen und hättest nie eine Kunde von dem lebendigen Gotte empfangen. Und wie sollte, wer eine solche Zerrüttung in sich findet, diese nicht beweinen, darüber keine Reue fühlen, nicht aus tiefstem Grunde seiner Seele ein so großes Unglück beklagen? Diesen und ähnlichen Betrachtungen muß der Büßer mit allem ihm zu Gebote stehenden Ernste sich unterziehen, besonders wo der Augenblick der Beichte herannaht, auch wohl einige Gebete oder Psalmen, worin dergleichen Gesinnungen ausgedrückt sind, beten, um so Schmerz und Reue über seine Sünden zu erwecken. Hat er dann in solcher Weise das Seinige gethan, so wird auch der Herr das Seinige vollbringen und ihm den Kelch zum Tranke darreichen, der bei dem ersten Versuchen uns zwar bitter dünkt, bei weiterem Verkosten aber uns lautere Süßigkeit darbietet. Was dann weiter zur wahren Reue noch erfordert wird, ist der feste und beständige Vorsatz, Gott fernerhin nicht mehr durch irgend eine schwere tödtliche Sünde zu beleidigen, und auch diese muß, wie die Reue, nicht sowohl aus der Erwägung, daß wir den Himmel verloren und die Hölle verdient oder aus einem zeitlichen Vortheil für uns und Andere, sondern allein und einzig aus der Liebe Gottes seinen Ursprung haben; gerade wie eine tüchtige Gattin lieber jede Qual und den Tod selbst erdulden würde, als daß sie die eheliche Treue verletzte, nicht etwa weil ihre Treue ihr einen Vortheil und Nußen gewährt, sondern weil sie eine zu innige und herzliche Liebe gegen ihren Gatten fühlt, um einer Untreue fähig zu seyn. Und wie wir entschlos ſen seyn müssen, alle und jede künftige Sünde zu vermeiden, so müssen wir auch diejenigen, welche bis zu diesem Augenblicke uns anhaften, entschieden von uns weisen. Anderen Falles würde 135- unsere Beichte keine Beichte, sondern ein Gottesraub und eine Verspottung des heiligen Geistes seyn und mithin, wer also beichtet, wäre ein Gottesräuber und ein Verhöhner des Sacramentes der Buße und seine Beichte würde ihm nicht zur Nachlassung der alten, sondern zur Anhäufung neuer Sünden und zur Vermehrung der Strafe gereichen. Wer demnach nicht das Heilmittel in ein Gift verkehren, und was Gott zu ſeinem Heile eingesetzt, in seine Verdammniß umwandeln will, möge vor Allem das erstreben, daß er jede Todsünde aus seinem Herzen reißt; so z. B. jeden Haß und jede Unreinigkeit, womit er sich belastet findet. Wer demnach bisher mit seinem Nächsten zu reden verschmäht hat, für den genügt es nicht, sich seines Hasses zu entledigen, sondern er muß auch wieder wohlwollende Gesinnungen gegen ihn in seinem Herzen hegen und mit ihm zu reden bereit seyn; es müßte denn ein namhaftes Ärgerniß, das hieraus entstehen könnte, zu einem anderen Benehmen rathen, was dem Urtheile eines flugen Beichtvaters anheimzustellen ist. Was hier übrigens von Haß und Feindschaft gesagt ist, gilt von dem mit Bewußtseyn und Willen gehegten Hasse, nicht von dem bloßen widerwärtigen Gefühle, welches bisweilen eines Menschen sich bemächtigt, ohne daß er im Stande wäre, es aus seinem Herzen ganz zu entfernen. Deßgleichen. genügt es nicht, daß man die Sünde aus seinem Herzen reiße, wenn man nicht auch das, was zunächst Gelegenheit zur Sünde gibt, von sich abscheidet; denn ohne Letzteres wird die Sünde ſelber nie gemieden werden können. Viele fehlen in dieſem Stücke, indem sie meinen, sobald sie einmal die rechte Absicht haben, so seven sie nun auch hinreichend gegen alle künftigen Fehltritte gesichert, und sie denken nicht daran, daß sie die Wurzel der Sünde noch in ihrem Herzen tragen, welche später wieder neue Sprossen und Zweige hervortreiben wird. Mit Sorgfalt muß deßhalb jede nähere Gelegenheit geflohen werden, besonders wenn man in der Übertretung eines göttlichen Gebotes ein 136 mal irgend wie die Schranken der Schüchternheit und Scham durchbrochen hat, und somit der Sünde Thür und Thor geöffnet ist. Denn ist diese Schußwehr einmal gefallen, so ist es, menschlich zu reden, kaum anders möglich, als daß man in Zukunft dem Andrang jeglicher Sünde und übertretung preisge geben ist. Sagst du, es sey das Meiden solcher Gelegenheit mit Schwierigkeit und Unbequemlichkeit für dich verbunden, du könnest in dieſem oder jenem Punkte nicht deine ganze Lebensweise ändern, könnest diesem oder jenem, mit dem du in Geschäftsbeziehungen stehest, dem du zu Dank verpflichtet seyst, nicht deine Thüre weisen u. s. w., so weiß ich dir darauf nur zu antworten, was der Heiland einst gesagt: Wenn deine Hand oder dein Fuß dich ärgert, so haue sie ab und wirf sie von dir, es ist dir besser, daß du verstümmelt oder hinkend in das Leben eingehst, als daß du zwei Hände oder Füße habesſt und in das ewige Feuer geworfen werdest.( Matth. 18, 8.) Wie der Mensch mitunter körperlichen Übeln unterworfen ist, deren Heilung nur mit Feuer und Eisen, ja selbst nur durch Abnahme eines Gliedes vom Leibe bewerkstelligt werden kann, so unterliegt auch die Seele manchen Gebrechen, für welche nur durch gewaltsame Mittel eine Heilung möglich ist. Die Schuld hievon liegt nicht in dem Gesetze und den Geboten Gottes; denn diese sind die vortrefflichsten und billigsten; sondern in dir selbst, weil du alle Rücksicht und Scham bei Seite gesetzt, der Sünde den Weg gebahnt und sie gleich einem bösen und wilden Thiere, in dessen Käfig du dich gewagt, auf deine Seele herangehetzt hast; so daß dir jetzt allerdings dein Fuß den Dienst zur Flucht versagt und du feine Stelle findest, wo du dich vor ihr verbergen könntest. Es ist somit nur billig, wenn du jest trägst, was du dir bereitet hast, wenn du die Frucht erndtest, wovon du die Saat selbst ausgestreut, und wenn du nicht ohne große Mühe und Anstrengung den Feind aus deinem Hause vertreibst, dessen Thüre du selbst ihm aufgethan. 137 ( 1 Die Beichte, der andere Theil der Buße, ist ein demüthiges Bekennen oder Hersagen der begangenen Sünden, so weit man deren sich erinnert. Es giebt ein dreifaches Bekenntniß der Sünden, das erste im Inneren unseres Herzens vor Gott abgelegt, das wir gut thun werden, uns als tägliche Übung anzueignen. Von ihm redet die heilige Schrift an manchen Stellen, so in's besondere David im 31. Psalm 5. Vers:„ Meine Sünde habe ich Dir kund gethan und meine Ungerechtigkeit nicht verborgen. Ich habe gesagt: ich will bekennen wider mich meine Ungerechtigkeit dem Herrn: und Du hast nachgelassen die Gottlosigkeit meiner Sünden. Und der h. Johannes sagt in seinem ersten Sendschreiben( 1, 9.): Bekennen wir unsere Sünden, so ist Gott treu und gerecht, daß er uns unsere Sünden vergiebt." Das andere Bekenntniß legen wir vor unserem Bruder oder unserem Nächsten ab, indem wir ihm das abbitten, wodurch wir ihn beleidigt haben. Davon ist zu verstehen, was der h. Matthäus Capitel 18, und der H. Jacobus in seinem Briefe( 5, 16.) sagt: Bekennet einander euere Sünden und betet für einander, damit ihr selig werdet"; welche Stelle auch von dem Bekenntnisse beim Empfange des Bußsacramentes verstanden wird. Das dritte Bekenntniß ist das zuletzt erwähnte- die Beichte- welches wir vor dem Priester als dem öffentlichen Diener und Würdeträger der Kirche abzulegen haben, so oft wir in eine Todsünde gefallen sind, und so oft wir überhaupt, um zum Tische des Herrn zu gehen, das Bußsacrament empfangen wollen. Von dieser dritten Weise des Bekenntnisses ſprechen alle jene Stellen, in welchen Christus der Herr seinen Aposteln, und somit auch ihren Nachfolgern, die Gewalt verliehen hat, die Sünden zu behalten oder nachzulassen, d. h. sie den Bußfertigen nachzulassen, den Unbußfertigen aber zu behalten. Obgleich nämlich in diesen Stellen das Wort Bekenntniß oder Beichte nicht ausdrücklich gebraucht ist, so liegt die Sache doch nothwendig in der Gewalt, welche Christus gab, die Sünden - 138- nachzulassen oder zu behalten, eingeschlossen. Denn wie könnten die Priester wissen, ob sie das Eine oder das Andere thun sollen, wenn nicht die Büßer ihre Sünden offenbarten; zumal da die wenigsten Sünden öffentlich, die meisten vielmehr im Verborgenen und ohne Vorwissen eines Anderen begangen werden; und da die in's Geheim begangenen Sünden nicht minder als die offenkundigen die Seele beflecken und eine Nachlassung und Verzeihung nöthig machen. Wir sollen deßhalb beim Empfange des Bußsacramentes vor dem Priester alle Sünden bekennen, deren wir nach einer fleißigen Erforschung des Gewis sens uns überhaupt erinnert haben, damit so kraft des Bußfacramentes auch diejenigen, welche wir vergessen haben, gleich denen, welche wir ausdrücklich gebeichtet, ausgetilgt und nachgelassen werden. Insbesondere aber ist sehr darauf zu achten, daß man in der Beichte nicht irgend eine Todsünde verschweige; denn wer sich dieses beigehen läßt, betrügt offenbar nicht Gott und nicht den Priester, seinen Stellvertreter, sondern nur sich selber; es geht an ihm in Erfüllung, was in den Sprüchen Salomons( 28, 13.) geschrieben steht: Wer seine Missethaten verheimlicht, dem wird's nicht wohl gehen, wer sie aber bekennt und unterläßt, der wird Barmherzigkeit erlangen. Ferner versäume man nicht, in der Beichte die Zahl der Sünden anzugeben, da solches zur Vollständigkeit des Bekenntnisses gehört. Erinnert man sich deren nicht genau, so bezeichne man dieſelben beiläufig; und ist auch das nicht möglich, so gebe man an, in wie vielen Tagen oder Wochen sich etwa eine Sünde jedesmal wiederholt habe oder bis zu welchem Grade solche geläufig oder zur Gewohnheit geworden sey, damit in dieser Weise eine Beurtheilung des Seelenzustandes möglich werde. Auch die Umstände, unter welchen eine Sünde begangen wurde, müssen angegeben werden, wenn sich darin etwa in besonderer Weise Bosheit oder Widerstreben gegen die Gebote Gottes und der Kirche offenbart. Denn ist auch eine Sünde 139 in verschiedenen Fällen vielleicht die nämliche, so ist sie dochy leicht in dem einen oder anderen Falle von Umständen begleitet, die an sich eine schwerere Übertretung des verletzten Gebotes einschließen oder noch eine Verlegung anderer göttlicher Gebote in sich begreifen. Hingegen soll der Büßer nichts in sein Bekenntniß mischen, was nicht wirklich als ein solcher Umstand anzusehen ist. Er meide demnach jede Erzählung oder Schilderung, und begnüge sich, einfach sein Vergehen namhaft zu machen, und aus dem Verlaufe desselben dasjenige herauszuheben, was wirklich an seiner Schwere etwas ändert. So ist es in der Regel auch nicht nöthig, mit kleinlicher Genauigkeit die Art und Weise, wie eine Sünde begangen worden, zu bezeichnen; es ist solches sogar dringend abzurathen, wenn dadurch etwa das Schamgefühl gefährdet werden könnte. Insbesondere aber sey der Beichtende bedacht, in seinem Bekenntnisse nichts zu offenbaren, was nicht seine eigene, sondern die Sünde eines Anderen ist, und wodurch er die schuldige Achtung gegen den guten Namen seines Nächsten irgendwie verlegen könnte. Übri gens klage sich der Büßer auch nicht schwerer an, als er sich schuldig findet, bekenne nichts, was er nicht wirklich begangen, spreche nichts als gewiß aus, was ihm bei seiner Erforschung zweifelhaft geblieben ist, und sey durchaus bestrebt, um keinen Finger breit von der Wahrheit abzuweichen. Er meide auch ¹) jene unbestimmten und überflüssigen Anschuldigungen, die so Manche aus angenommenem Gebrauche vortragen. Er sage nicht: Ich habe Gott nicht so sehr geliebt, als ich sollte; ich habe nicht mit so großer Andacht gebetet, als ich sollte; ich habe die hei ligen Sacramente nicht mit der schuldigen Ehrfurcht empfan gen u. s. w.: denn dadurch giebt er nichts Einzelnes an, woraus der Beichtvater seinen Gewissenszustand beurtheilen kann, da alle Heiligen im Himmel und alle Menschen auf Erden in ihrer 1) Der h. Franz v. Sales. 140 Beichte dasselbe sagen könnten. Er sehe, was für besondere Gründe er zu solchen Anschuldigungen habe, und hat er dieſe entdeckt, dann bekenne er die begangenen Fehler einfach und unbefangen. So klagt er sich z. B. an, daß er seinen Nächsten nicht geliebt habe, wie er ihn hätte lieben sollen; rührt dieß etwa daher, daß er einen Armen in großer Noth sah, den er leicht zu unterstüßen und zu trösten vermochte, und dessen er gleichwohl sich nicht erbarmte; nun so klage er deßhalb insbesondere sich an, und spreche: Ich sah einen Armen in großer Noth, dem ich nicht half, wiewohl ich es konnte, und beging diesen Fehler aus Nachlässigkeit, aus Härte des Herzens oder aus Verachtung; je nachdem er selbst die Ursache erkennt. Eben so klage er nicht blos sich an, daß er nicht mit der gebührenden Andacht gebetet habe; sondern ob er freiwillig im Gebete zerstreut war, oder ob er aus Nachlässigkeit nicht auf die Zeit, den Ort oder die Stellung achtete, die zur Aufmerksamkeit im Gebete erforderlich sind, und klage dann ganz einfach sich an, je nachdem er den Fehler erkennt, ohne in jene Allgemeinheit zu verfallen, die im Beichtstuhle zu nichts führt. Es bleibt noch übrig 1) vom dritten Theile des Bußgeschäftes, der Genugthuung, zu reden. Damit nun Niemand an dem Worte Genugthuung Anstoß nehme, weil keines unserer guten Werke hinreichend scheint, Gott Genugthuung zu leisten, so bemerke ich, daß es zwei Arten der Genugthuung giebt. Erstens diejenige, wodurch die Schuld unserer Sünden getilgt, und die Strafe des ewigen Todes von uns genommen wird; dieser werden wir um der Verdienste Christi willen und durch dieſelben theilhaft und Ihm allein haben wir dieselbe zuzuschreiben, wenn wir auch einigermaßen dabei thätig sind; da Er allein jenes Opfer ist, durch welches die Sünden der ganzen Welt hinweggenommen werden, wie solches der h. Evangelist Johan1) Der h. Ludwig von Granada. 141- nes sagt. Kraft dieser Genugthuung werden unsere Sünden sowohl im Sacrament der Buße als auch in der Taufe nachgelassen. Die andere Art der Genugthuung, wovon wir hier zu reden haben, besteht zunächst in dem möglichen Wiedergutmachen dessen, was durch eine Sünde geschadet worden ist, als: Wiederersatz des unrechtlich dem Nächsten entzogenen Eigenthums, seiner gekränkten Ehre, Abbitte von Beleidigungen, Ersag für böses Beispiel u. s. w.; sodann aber in der Besserung des Lebens und im Vermeiden der Sünde, wie nicht minder in der Übernahme von Bußwerken, als da sind: Gebet, Fasten, Wachen, Almosen und ähnliche Übungen, denen wir uns entweder freiwillig unterziehen, oder die uns der Priester auferlegt. Das Wichtigste unter diesen letzteren Werken aber bleibt immer die Vermeidung der Sünden und die Bes serung des Lebens. Wären wir hiezu nicht im Voraus entschlossen, so würden unsere Sünden gar nicht nachgelassen; oder hätten wir uns durch den Entschluß hiezu die Nachlassung erwirkt, so würden wir alsbald die Schuld derselben Sünden durch deren Wiederholung auf uns laden und uns größerer Strafe aussetzen, denn zuvor; wie solches aus vielen Stellen des Evangeliums erhellt. Andererseits tragen die übernommenen Bußwerke nicht wenig dazu bei, die bösen Begierden und die Reste der Sünden, auch wenn diese selbst nachgelassen sind, zu tilgen, wie nicht minder die böse Gewohnheit der Sünde auszurotten, und endlich, wenn nicht die gänzliche Nachlassung der zeitlichen noch übrigen Strafen, wenigstens deren Verminderung zu bewirken. Denn wird auch die Schuld einer Sünde nachgelassen, so ist damit nicht unbedingt die Nachlassung der zeitlichen Strafen, welche uns um ihretwillen trifft, verbunden. Das sehen wir an David und dem israelitischen Volke, deren Sünden nachgelassen waren und die dennoch in der Folge schwer dafür zu büßen hatten; das sehen wir auch aus unseren Gebrechlichkeiten, Schmerzen, Beschwerden, Krankheiten und Mü 142 hen, denen wir um der Erbsünde willen, obgleich diese von uns genommen ist, unterliegen. Im Allgemeinen haben wir unter Werken der Genugthuung solche Werke zu verstehen, welche den begangenen Sünden gerade entgegengesetzt sind. Übrigens haben wir diese Werke, von welchen gesagt worden, daß sie uns von zeitlichen Strafen befreien, nicht so anzusehen, als thäten sie dieses aus eigener Kraft und aus sich selber; es ist vielmehr der Glaube und die Andacht, womit sie vollbracht werden, und insbesondere das Vertrauen auf die unendliche Genugthuung und die Verdienste Christi Jesu, was sie verdienstlich macht und ihnen ihre Kraft verleiht. Niemand übrigens, der diese drei Theile des Bußgeschäf tes, so wie wir sie hier auseinandergesetzt, mit Ernst und nach Möglichkeit vollbringt, hat Ursache zu zweifeln, daß er der Genugthuung Christi theilhaft werde, und daß er die vollkommene Nachlassung seiner Sünden und die Gnade des heiligen Geistes erlange. Gestatte aber auch nimmer 1), daß dein Herz lange mit der Sünde behaftet bleibe, da du ein so leichtes und so schnelles Mittel, dich zu reinigen, hast. Die Seele, wenn sie in eine Sünde willigte, soll vor sich selbst erschaudern, und ob der Ehrfurcht, die sie den Augen der göttlichen Majestät schuldig ist, schnell sich reinigen. O warum sterben wir des geistigen Todes, da wir eine so überaus wirksame Arznei dagegen haben! Denn durch die Beichte empfangen wir ja nicht nur die Lossprechung unserer Sünden, sondern überdieß eine hohe Kraft, in Zukunft dieſelben zu meiden, eine große Erleuchtung, sie zu erkennen und eine reichliche Gnade, allen Schaden zu tilgen, den sie uns zugefügt haben. 1) Der h. Franz von Sales. معة 143 Beichtgebrin Vorbereitungsgebet. ( Nach dem 60. Ghalm.) err Jesu Christe, dem es eigen ist, fich stets zu erbarmen und zu verschonen! Ich Armer nabe mich Dir, dem Barmherigen, und verlange durch Deine stilbe Erbarmung von den Fes fein der Sünde gelöst zu werden. Mit zahllosen, Übertretungen be fledt nahe ich mich Dir, dem Duell der Reinigkeit, und lebe bemütbig, Du wollest meine Une reinigteit, vermöge Deiner Er barmung, reinigen! Erbarme Dich meiner, o Gott, nad Deiner großen Barmber sigteit! Nach Deiner geopen Barmherzigkeit verlange ich, o Here! weil ich mein großes lent fühle, nach Deduer ereses Bj - 143- Beichtgebete. Wahrhaft und aller Annahme werth ist das Wort, daß Jesus Christus in diese Welt gekommen ist, die Sünder selig zu machen, unter denen ich der erste bin. I. Timoth. 1, 15. Vorbereitungsgebet. ( Nach dem 50. Psalm.) err Jefu Chrifte, dem es eigen ist, sich stets zu erbarmen und zu verschonen! Ich Armer nahe mich Dir, dem Barmherzigen, und verlange durch Deine milde Erbarmung von den Fesfeln der Sünde gelöst zu werden. Mit zahllosen Übertretungen befleckt, nahe ich mich Dir, dem Quell der Reinigkeit, und flehe demüthig, Du wollest meine Unreinigkeit, vermöge Deiner Erbarmung, reinigen! Erbarme Dich meiner, o Gott, nach Deiner großen Barmherzigkeit! Nach Deiner großen Barmherzigkeit verlange ich, o Herr! weil ich mein großes Elend fühle, nach Deiner großen Heil 144 kraft, da ich meine großen Wunden erkenne, nach der Menge Deiner Erbarmnisse, da die Menge meiner Sünden offenbar ist vor mir. Darum bete ich mit dem Psalmisten: Nach der Menge Deiner Erz barmnisse, die Du vom Anfange aller Zeiten her erwiesen, und die jegliche Zahl der Sünden übersteigen, tilge meine Missethat, auf daß keine Spur der Sünde ferner in mir hafte! Mehr und mehr. wasche mich von meiner Ungerechtigkeit und von meiner Sünde reinige mich! Nicht nur verlange ich, o Herr! die Tilgung meiner Sünden, die Nachlassung meiner Schuld; sondern daß Du immer mehr mich reinigest auch von jeder sündigen Begierlichkeit. Siehe, arm erscheine ich vor Dir und ohne einige Gerechtigkeit; darum kann ich nur auf Deine große Barmherzigkeit und auf die Menge Deiner Erbarmnisse mich stüßen. Ich erkenne meine Missethat! Weil ich weiß, daß Du die unendliche Gerechtigkeit bist und die Sünden bestrafen mußt, so bestrafe ich sie selber, um Deiner Gerechtigkeit genug zu thun, und erkenne meine Sünden, um Deine Verzeihung zu verdienen; meine Sünde ist allezeit vor mir. Was würde es mir helfen, wenn ich sie vor mir selbst zu verbergen, zu verheimlichen versuchte? Darum möge sie mir allezeit gegenüberstehen und mich anklagen, auf daß ich sage: Dir allein habe ich gesündiget und Böses vor Dir gethan. Wohl habe ich nicht allein gegen Dich, sondern in mannig 145- facher Weise auch gegen meinen Nächsten mich verfündiget; Du allein aber bist der Herr und Gesetzgeber, gegen dessen Gebote ich gefrevelt habe. Du allein bist der Gerechte und Wahrhaftige in allen Deinen Geboten, auf daß Du gerecht befunden werdest in Deinen Worten und den Sieg erhaltest, wenn man Dich richtet,-- daß Du diejeund nigen durch Deine Strafgerechtigkeit bestegest überwältigest, welche nicht willig Deinem Gesetze sich unterwerfen. Laß mich nicht, o Herr! unter diesen je erfunden werden! Der Du gesagt: wann immer der Sünder über seine Sünden Buße thut, werde Ich derselben nicht ferner mehr gedenken( Ezech. 18, 21.22.), erfülle, was Du versprochen, indem Du meiner Dich erbarmest und mich von Sünden reinigest, welche ich büßend vor Dir bekenne. Denn siehe, in Ungerechtigkeit bin ich empfangen; in Sünden hat meine Mutter mich geboren. Von meinem ersten Entstehen haftet in mir die Sünde, wie sollte ich nicht jammernd vor Dir erscheinen und zu Dir flehen, daß Du fraft Deiner Erbarmungen mich heilest. Siehe, Du hast die Wahrheit geliebt! So bekenne ich mich denn als Sünder von meinem ersten Entstehen an vor Dir, da Du mir die geheimen und verborgenen Wege Deiner Weisheit, meine Sündigkeit und die Weise Deiner Gnade und Verzeihung fund gemacht. Kraft dieser Deiner göttlichen Offenbarung wage ich denn Dich anzuflehen: 7 - 146- Besprenge mich mit Hysop, dem Sinnbilde demüthigen Sinnes und ernster Buße, so werde ich gereiniget; wasche mich, so werde ich weißer als der Schnee. Durch Deinen Propheten hast Du es ja ausgesprochen: Wenn euere Sünden auch wie Scharlach wären, sollen sie weiß werden wie Schnee ( Isaias 1, 13.). Gieb meinem Gehöre Freude und Wonne, o Gott! indem Du das Wort der Versöhnung an mich richtest, und es werden frohlocken die gedemüthigten Gebeine, alle Kräfte meiner Seele, welche durch das Bewußtseyn der Schuld befleckt und niedergebeugt sind, werden durch die Kraft der Buße sich gereinigt und erhoben fühlen. Gewährest Du mir aber auch Freude und Frohlocken durch die Aussicht auf Versöhnung, so will ich doch nimmer jener heilsamen Traurigkeit und geistigen Demüthigung mich entschlagen, kraft deren ich ohne Unterlaß Dich bitten werde: Wende ab Dein Angesicht von meinen Sünden. Nicht von mir, o Herr! von meinen Sünden wende Dein Angesicht hinweg, indem Du alle meine Missethaten tilgest. Dann erschaffe ein reines Herz in mir, o Gott! Nicht ich fündiger Mensch bitte Dich um Kraft, mein Herz in ein reines zu verwandeln; sondern daß Du, o Gott! ein reines Herz in mir erschaffest. Nicht eines Menschen, sondern des Schöpfers Werk ist das! Und wie ich vor der Sünde auf dem rechten Wege wandelte und durch die Sünde davon abgewichen bin; - 147 so erneuere den rechten Geist in meinem Innern; erneuere meinen Geist, indem Du ihn aus seiner Verirrung zurückführst auf den rechten Weg. In meinem Inneren erneuere ihn, auf daß forthin nicht mein äußeres Thun und Lassen allein, sondern alle Kräfte und Richtungen meiner Seele Deinem heiligen Gesetze entsprechen. Verwirf mich nicht von Deinem Angesichte! Meine Sünden, o Herr! nicht mich, verwirf von Dir. Die Sünden verwirfst Du durch Versöhnung, den Sünder durch Verdammniß. Um Versöhnung flehe ich zu Dir; vor Verdammniß bewahre mich, darum nimm nicht von mir Deinen heiligen Geist. Ich hege das Vertrauen, daß ich Deinen heiligen Geist, die Gabe des heiligen Geistes besize, da ich ja meine Sünden bereue und zu bekennen entschlossen bin; denn zum wahren Sündenbekenntniß ist der Mensch nicht aus sich befähiget, es ist Gottesgabe. So nimm also nicht von mir diesen Geist, sondern gieb mir durch denselben wieder die Freude Deines Heiles, welche ich durch Sündigen verloren habe; die Freude Deines Heiles, wie wir durch die Gnade des heiligen Geistes derselben theilhaft werden, indem uns nicht allein die Schuld verziehen, sondern auch Verherrlichung gegeben wird. Diese deine Freude entziehe mir nicht, sondern ertheile sie mir von neuem und befestige sie in mir; in dem zum Guten willigen Geiste befestige mich. Nicht 17* 148- undankbar werde ich Dir seyn, nachdem Du mit den Gaben Deines Geistes mich bereichert; sondern ich will lehren die Ungerechten Deine Wege. Der ich ein Sünder gewesen, ich will durch Wort und Werk ein Verkündiger seyn Deiner Wege, welche Varmherzigkeit und Wahrheit sind, und die Gottlosen werden sich zu Dir bekehren, indem sie an mir inne werden Deine Barmherzigkeit, welche mir Verzeihung gewährt, und Deine Wahrheit, d. h. Deine Gerechtigfeit, welche die Bestrafung meiner Sünden durch Buße fordert. Auf daß ich aber die Sünder belehren und zu Dir bekehren möge, erlöse mich von Blutschulden, von aller Verderbtheit des Fleisches und Blutes, die zur Sünde führt. Erlöse mich, Gott, Du Gott meines Heils! von dieser Verderbtheit meines menschlichen Wesens; denn Fleisch und Blut, die Sünden, welche aus dem sinnlichen Menschen ihren Ursprung haben, werden das Reich Gottes nicht besigen.( 1. Cor. 15, 50.) Von Dir aber erlöset, wird freudig meine Zunge Deine Gerechtigkeit preisen. Und dann, Herr! öffne meine Lippen, welche durch die Sünde geschlossen waren, und mein Mund, meine Seele und mein Leib wird verkündigen Dein Lob, der Du mich geschaffen, nach der Erschaffung in der Taufe mich wiedergeboren, nach der Wiedergeburt und nachdem ich unzähligemal in Sünden gefallen war, mich nicht verlasſen, sondern mich zur Buße gerufen und durch die Buße 149 mich gereiniget haft. Wolltest Du Opfer von mir, wie sie im alten Bunde Dir geopfert wurden; freudig würde ich sie Dir gegeben haben; aber nicht an Brandopfern hast Du Wohlgefallen; nicht Sinnbilder, sondern Wirklichkeit, ein wahrhaftiges geistiges Opfer ist's, was Du von mir verlangst! Ein Opfer vor Gott ist ein betrübter Geist; ein zerknirschtes und gedemüthigtes Herz wirst Du, o Gott! nicht verschmähen. Ein Herz zerknirscht durch Buße, nicht verhärtet durch die Sünde; gedemüthiget durch das Bekenntniß, nicht sich überhebend durch Entschuldigungen; das ist's, was Du, Ergründer der Herzen! nicht verschmähest, sondern woran Du als an einem geistigen Opfer Dich erfreuest. Übe Gnade, o Herr! nach Deinem guten Willen an Sion; erweise Deine Barmherzigkeit und versöhnliche Milde an allen Deinen Gläubigen, an jedem Mitgliede Deiner streitenden Kirche, wie Du sie an mir erweisen willst; und aus lebendigen Steinen, den Gläubigen des Herrn, werden die Mauern Jerusalems, des geistigen, himmlischen, der triumphirenden Kirche, erbaut werden. Dann wirst Du empfangen das Opfer der Gerechtigkeit von den Vollendeten, nicht mehr das der Buße von den Unvollendeten! Dann werden die Seelen der in Deine Herrlichkeit eingegangenen Heiligen in dem Feuer ewiger, göttlicher Liebe für Dich glühen; dann werden sie Opfer auf Deinen Altar legen; 150 es werden die seligen Geister sich selber Dir opfern über Deinem Altare, welcher Christus ist; über dem als dem ersten Fundamente alles Verdienst der Heiligen sich erhebt, und über dessen Kreuz allein ein Dir wohlgefälliges Opfer dargebracht werden kann. Verleihe mir, o Herr! daß auch ich von dem geistigen Sion Deiner streitenden Kirche, welcher ich jetzt als Wanderer angehöre, zu jenem himmlischen Jerusalem, zur triumphirenden Kirche, dem wahren Vaterlande, mit allen Deinen Heiligen gelange, und daß ich in Gemeinschaft mit seinen verklärten Bürgern dereinst glücklich Dich schaue, schauend Dich liebe, liebend mich an Dir erfreue, und mich selbst als ein wohlgefälliges Brandopfer Dir darbringe. Amen! Gewissenserforschung. S Alles, was das Gewissen beschwert, das bekenne demüthig, aufrichtig und getreu. Bekenne aber nicht blos in aller Demuth und mit größter Aufrichtigkeit deine Sünden, sondern gieb auch die Zahl an, wie oft du jede schwere Sünde begangen und die Umstände, welche eine Sünde vergrößern*). Erstes Gebot. Ich bin der Herr, dein Gott, du sollst keine fremden Götter neben mir haben; du sollst dir kein geschnittes Bild machen, dasselbe anzubeten. Habe ich mich nicht verfündigt: 1) gegen den Glauben? *) Der h. Bernard in seiner 16. Rede über das hohe Lied. -151- Habe ich Alles geglaubt, was Gott geoffenbart und durch eine heilige Kirche vorgestellt hat zu glauben? Habe ich mich nicht freiwillig in Zweifel eingelassen an einer Glaubenslehre? Habe ich nicht mich oder Andere in Gefahr gebracht, den Glauben zu verlieren durch Lesen, Kaufen oder Verkaufen, Leihen oder Verschenken von irreligiösen Schriften?- Durch Abschließung oder Zulassung von Ehebündnissen, durch welche die Nachkommenschaft der Gefahr ausgesetzt wurde, dem wahren Glauben entfremdet zu werden?- Durch allzuvertrauten Umgang mit Menschen von schlechten Grundsätzen? Habe ich nicht Lehren, Vorschriften oder Ceremonien der Kirche böswillig getadelt, oder über sie geſpottet? Habe ich mich nicht aus Menschenfurcht abhalten lassen, oder mich geschämt, meinen Glauben zu bekennen, oder eine schuldige Pflicht meiner Religion zu erfüllen? Habe ich mich nicht des Aberglaubens schuldig gemacht durch Traumdeuterei, Wahrsagerei u. s. w.? Habe ich nicht längere Zeit hindurch der erkannten christlichen Wahrheit widerstrebt? 2) Gegen die Hoffnung? War ich nicht kleinmüthig oder mißmuthig bei Versuchungen oder in Unglücksfällen? Bin ich nicht an Gottes Barmherzigkeit verzweifelt? Habe ich nicht vermesfentlich auf Gottes Barmherzigkeit gesündigt? 3) Gegen die Liebe? Habe ich meine täglichen Gebete unterlaffen? Habe ich sie mit freiwilligen Zerstreuungen verrichtet? War ich zu saumselig in Erweckung der drei göttlichen Tugenden? Habe ich mich nicht einer strafbaren Vernachlässigung der Sacramente oder sonstiger frommer Übungen schuldig gemacht? 152 Habe ich nicht aus zu großer Sorge für das Zeitliche mein Seelenheil vernachlässigt? 3 weites Gebot. Du sollst den Namen Gottes, deines Herrn, nicht vergeblich nennen. Habe ich nicht den Namen Gottes mißbraucht? Habe ich mich nicht einer Gotteslästerung schuldig gemacht? Habe ich nicht die heiligen Sacramente gelästert? Habe ich etwas Unerlaubtes gedacht, geredet oder gethan im Hause Gottes? Habe ich nicht ohne Noth geschworen? Habe ich nicht leichtsinnig Gelübde gemacht? Habe ich nicht meine Gelübde zu lange verschoben, oder gar nicht erfüllt? Habe ich nicht einen Gottesraub begangen, besonders durch eine unwürdige Beicht oder unwürdige Communion oder durch unwürdigen Empfang eines andern Sacramentes. Habe ich nicht ein Eheversprechen, gethan, und es mit eigener Schuld nicht gehalten? Drittes Gebot. Du sollst den Sabbath heiligen. Habe ich aus eigener Schuld die heilige Messe ganz oder theilweise versäumt? War ich in der heiligen Messe freiwillig zerstreut? Habe ich aus Nachlässigkeit oder Geringschäßung den christlichen Unterricht versäumt? Habe ich Andere vom Besuche des sonn- und feiertäglichen Gottesdienstes abgehalten, oder ihnen keine Zeit dazu gegeben? Habe ich an Sonn- und Feiertagen knechtliche Arbeiten verrichtet oder Andere verrichten heißen? - 153Habe ich Sonn- und Feiertage durch unerlaubte Vergnügungen entheiligt? Viertes Gebot. Du sollst Vater und Mutter ehren. Habe ich mich nicht verfündigt: 1) Durch Unehrerbietigkeit gegen meine Eltern, Herrschaften, Seelsorger und sonstige Vorgesetzte? Habe ich ihre Ermahnungen und Warnungen nicht verachtet? Habe ich nicht ihnen muthwillig widersprochen? Habe ich sie nicht geschimpft, oder sie sogar mißhandelt? Habe ich mich nicht ihrer geschämt? Habe ich sie nicht herabgesetzt, ihnen Manches nachgeredet, sie verwünscht? u. s. w. 2) durch Ungehorsam gegen dieselben? Habe ich nicht ihre Befehle saumselig oder gar nicht vollzogen? Habe ich nicht ihren Befehlen zuwider gehandelt? Habe ich ihren letzten Willen erfüllt? 3) durch Lieblosigkeit gegen Eltern und sonstige Vorgeſetzte? Habe ich sie unterstützt, verpflegt? Habe ich für sie gebetet? Habe ich ihnen nicht Manches verschleudert? Habe ich ihnen nicht etwas entwendet? 4) Durch Ungehorsam gegen die Kirche? Habe ich die Gebote der Kirche beobachtet? Habe ich die Festtage und den Unterschied der Speisen gehalten? Habe ich meine österliche Communion verrichtet? 5) Gegen die Untergebenen. Habe ich die Kinder, Dienstboten und sonstige Untergebene zu allem Guten, zum Gebete, zum Besuche der heiligen Messe, 154- des christlichen Unterrichts, zum Empfang der heiligen Sacramente u. s. w. angehalten? Habe ich sie abgehalten von bösem Umgang, von unerlaubtem Vergnügen, von jeder Sünde? Habe ich die Fehlenden mit Sanftmuth gewarnt? Habe ich keine Ärgernisse in meinem Hause geduldet? War ich nicht gefühllos gegen die Dienstboten? Habe ich Niemanden etwas Sündhaftes zugemuthet?- Fünftes Gebot. Du sollst nicht tödten. Habe ich mich nicht gegen dieses Gebot verfündigt: 1) in Gedanken? Habe ich mich nicht vom Zorne beherrschen lassen? Oder ohne rechtmäßige Ursache gezürnt? Habe ich nicht einen innern, andauernden Haß gegen Jemand gehabt? Hatte ich nicht die Begierde in mir, mich an Jemanden zu rächen? Habe ich Niemanden beneidet? War ich nicht schadenfroh? Habe ich vielleicht meinen Beleidigern nicht verzeihen wollen? 2) in Worten? Habe ich nicht Andere geschmäht, sie böswillig verspottet? Habe ich nicht durch unziemende Redensarten sie gekränkt, sie verwünscht, ihnen gedroht? 3) in Werken? Habe ich nicht mir oder Andern an der Gesundheit geschadet? Habe ich mich nicht der Unmäßigkeit oder sonstigen Ausschweifungen schuldig gemacht, oder Andere dazu verleitet? Habe ich nicht Andere verwundet? War ich nicht am Tode Anderer Schuld? 4155- Habe ich nicht Undern zur Sünde gerathen, sie fündigen heißen, in ihre Sünden eingewilligt, sie zur Sünde gereizt, sie darum gelobt, zu ihren Sünden stillgeschwiegen, an ihren Sünden irgendwie Theil genommen, die Sünden Anderer vertheidigt? - -- - - 4) durch Unterlassung? Habe ich alle Menschen, auch meine Feinde aufrichtig geliebt? War ich dienstfertig gegen Jedermann? War ich barmherzig gegen Arme, Kranke und sonstige Unglückliche? War ich dankbar gegen meine Wohlthäter? Habe ich jedes dem Nächsten zugefügte Unrecht wieder gut gemacht? Sechstes Gebot, mit Inbegriff des neunten Gebotes. Du sollst nicht ehebrechen. Du sollst nicht begehren deines Nächsten Weib. Habe ich mich nicht gegen dieses Gebot versündigt: 1) Durch Gedanken? Habe ich nicht zu unreinen Gedanken Veranlassung gegeben, sie zugelassen, freiwillig darin verweilt? Habe ich nicht eine innerliche Begierde gehabt, etwas Unanständiges zu sehen, zu hören oder zu thun? 2) durch Worte? Habe ich nicht schmutzige Reden angehört, dazu gelacht, oder selbst dergleichen geredet? Habe ich nicht unehrbare Lieder gesungen, oder sie Andere gelehrt? 3) durch Werke? Habe ich nicht schlüpfrige Bücher gekauft, verkauft, geliehen oder verliehen? 156 War ich nicht zu frei in der Kleidung und in meinem sonstigen Benehmen? War ich nicht unehrbar in Blicken? Habe ich nichts gethan, was gegen die Reinheit des Herzens ist, mit mir selbst, oder mit Andern? Habe ich mich durch Nichts gegen die eheliche Treue verfündigt? Was dir gegen dieses Gebot dein Gewissen vorwirft, darüber klage dich an aufrichtig, aber in wohlanständigen Ausdrücken; bei Zweifeln frage deinen Beichtvater. Siebentes Gebot, mit Inbegriff des zehnten Gebotes. Du sollst nicht stehlen. Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus u. s. w. 1) Habe ich nicht Jemanden etwas entwendet? Habe ich nicht entwendetes oder sonst ungerecht erworbenes Gut mit Wissen angenommen, gekauft, aufbewahrt? Habe ich nicht Jemanden in seinem Rechte beeinträchtigt? Habe ich nicht Jemanden im Handel beeinträchtigt? Habe ich nicht unerlaubte Zinsen genommen? Habe ich nicht die Noth und Armuth Anderer zu meinem Vortheile mißbraucht? 2) Habe ich nicht ungerechtes Gut behalten? War ich bemüht, gefundenes Gut seinem Eigenthümer wieder zuzustellen? Habe ich das Geliehene zurück gegeben? Habe ich dem Arbeiter seinen verdienten Lohn nicht geschmälert oder verschoben, oder gar nicht gegeben? Habe ich nicht durch Verschwendung mich und die Meininigen in Noth gebracht? 3) Habe ich Niemanden an seinem Eigenthum geschadet? Habe ich mir nicht Bestechungen erlaubt? 157 Habe ich mir nicht Verfälschungen von Waaren oder Urkunden zu Schulden kommen lassen? Habe ich mein Amt gehörig verwaltet? Habe ich nicht Unwürdige zu Ämtern befördert, oder ihre Beförderung zu erzielen gesucht? 4) Habe ich mich nicht durch den Wunsch, Andere in dem Ihrigen zu beeinträchtigen, verfündigt? Achtes Gebot. Du sollst kein falsches Zeugniß geben. Habe ich nicht falsch geschworen? etwa sogar vor Gericht? Habe ich Niemand zu einem falschen Zeugniß bewogen, oder dazu bewegen wollen? Habe ich nicht gelogen? Habe ich nicht die Fehler des Nächsten ohne Ursache bekannt gemacht? Habe ich nicht Jemanden verleumdet? Habe ich nicht ehrenrührerische Gerüchte verbreitet? Habe ich die verletzte Ehre des Nächsten wieder zu ersetzen geſucht? Habe ich nicht Freundschaft oder Frömmigkeit geheuchelt? Habe ich mich nicht der Ohrenbläserei schuldig gemacht? Habe ich nicht anvertraute Geheimnisse zum Nachtheil Anderer ausgesprochen? Habe ich nicht über meinen Nächsten lieblos geurtheilt? Habe ich die Ehre des Nächsten zu vertheidigen gesucht? Nach der Gewissenserforschung. Ich habe gesündiget in den Himmel und vor Dir, allmächtiger Gott und Herr! und bin um meiner Sünden willen nicht mehr werth Dein Kind zu heißen oder 158 meine Augen gegen Himmel zu erheben und mit meinen unreinen Lippen Deinen heiligsten Namen anzurufen. Des Himmels und der Erde habe ich mich unwürdig gemacht, indem ich Dich, mildesten Herrn, erzürnt habe. Ich flehe zu Dir, verwirf mich nicht von Deinem Angesicht und wende Dich nicht weg von mir, auf daß ich nicht zu Grunde gehe. Hätte nicht Deine Gnade mich beschüßt, längst wäre ich dann wie der Staub vor dem Angesichte des Windes dahin, und wäre in Nichts versunken. Von dem Augenblicke, wo ich Deinen Weg verlassen, ist mir keine wahre Freude mehr zu Theil geworden. Denn der Tag, welchen ich durch eine Sünde zu einem freudigen zu machen meinte, war ja unter allen der traurigste. Auf Deine Gnade indessen gestüßt und vertrauend, hoffe ich, Du werdest mir die Kraft verleihen, daß ich mein Heil erringen kann. Und so nahe ich mich denn Dir, und flehe, Du wolleft mich, der ich von dem Pfade der Gerechtigkeit abgeirrt bin, wieder aufnehmen und mich auf den rechten Weg zurückgeleiten. Gieße in mir aus die Menge Deiner Erbarmnisse, der ich gleich dem verlorenen Sohne mich Dir nahe, nachdem ich die Reichthümer Deiner Gnade verschwendet und mein Leben verunstaltet habe. Erbarme Dich meiner, o Gott! und gedenke nicht des Bösen, das ich begangen; erbarme Dich meiner, wie Du ehedem der Sünder, des Zöllners und des Schächers Dich erbarmet haft. Wie Du diese als Bewohner des Paradieses aufgenommen, so nimm 159- auch mich auf, indem Du meine schwache Buße Dir wohlgefallen läsfest. Nicht um der Gerechten, sondern um der Sünder willen bist Du ja, o Herr! gekommen und willst diese durch Buße zu Dir führen. Jesu, himmlischer Bräutigam! Jesu, Freund der Reinheit und Heiligkeit! Jesu, meine Hoffnung, mein Heil, meine besondere Zuflucht! Siehe, meine Seele, die arm, dürftig und elend geworden war, verlangt jetzt zu Dir zurückzukehren, nachdem sie so vielmal aus Empörung gegen Dich, oder aus Trägheit es verweigert, und aufgeschoben hatte. Sie hat das bräutliche Band der Gnade, wodurch sie in geistiger Weise mit Dir verbunden war, in schmählicher Weise zerrissen und sich durch die Sünde Deinem alten Feinde als Braut und Sklavin hingegeben. Wie konntest du also thun, meine Seele! Welch' thörichter und elender Tausch, daß du den Herrlichsten, Mächtigsten und Reichsten verließest, um dem Verworfensten und Elendesten anzugehören? Welchem Rath bist du gefolgt, daß du deinen höchsten Herrn, deinen glorreichen Lehrer so wenig geehrt, deinen Schöpfer, deinen Erlöser, von dem du alles Gute empfangen, vergessen hast, daß du deinem wahren Bräutigam und treuen Freunde vor Seinen Augen die Treue gebrochen. Er hatte Sein Herz zuerst dir zugewendet und eine solche Liebe gegen dich bewiesen, daß Er es nicht verschmähte, den bittersten Tod für dich zu leiden, und du fonntest Jhm dein 160 Herz und deine Liebe entziehen. Ja, was noch schlimmer ist, du hast die Thüre Seiner eigenen Wohnung in dir Jhm verschlossen, aber Seinen verworfenen Feinden sie geöffnet, die dich zu verderben und dem ewigen Tode preis zu geben suchen. Was hast du gethan, meine Seele? Meintest du, für solche schwere Beleidigungen Gottes dem Strafgerichte entgehen zu können? Siehe, der treulose Feind des ganzen menschlichen Geschlechtes hat deine Seele verderbt, unglücklich gemacht und niedergebeugt! Wie der Schlächter das muntere, hüpfende Lamm, das nichts vom Schlachten weiß, mit einem grünen Zweige oder einigem Gras hinter sich herlockt, so hast du, schwächliche Seele, dich verlocken lassen, indem der treulose Feind des ganzen Menschengeschlechtes' dir ein wenig Eitelkeit dieser Welt vorhielt, und du hast dich in Banden schlagen, haft dich blenden, hast durch zahlreiche Sünden dir tödtliche Wunden versehen lassen! Und du hast geduldet, daß der Feind alles Guten den Stein der bösen Gewohnheit auf dich wälzte, daß er mit jener kalten, harten, furchtbaren Last der Herzensverhärtung dich bedeckte, um dich an der Auferstehung aus deinen Sünden zu verhindern; ja durch das Gewicht irdischer Gelüste und sündiger Begierden hast du nur immer tiefer dich hinabziehen lassen, und wurdest je länger desto mehr ein Gegenstand des Abscheues für Gott und Seine Heiligen. Wehe mir Armen, wenn ich bis zu meinem Ende in diesem Zustande fortgelebt hätte! Was wäre aus - 161 mir geworden, wenn ich so gestorben wäre? Ich zittere, wenn ich daran denke, und Grauen erfaßt mich bei näherer Überlegung dessen. Wäre ich so aus diesem Leben geschieden, ich wäre ewigen Leiden anheimgefallen, würde unter der Übermacht der Qualen in Gotteslästerungen ausbrechen und nie eines göttlichen Trostes mich zu erfreuen haben. Dann würde ich, aber leider zu spät, es überlegen, welchem Lehrer ich gefolgt, welchen Verlust ich mir zugezogen, indem ich Gott verlassen, um dem Teufel, der Welt und den Lockungen des Fleisches anzuhängen. Bewahre mich, mein Herr und Gott! vor jenen furchtbaren Qualen und schüßze mich vor einem so entseglichen Tode. Ich beschwöre dich, meine Seele, einst von Gott geschaffen! Seele, die Er mit Seinem kostbaren Blute erlöst! Seele, die Er durch so viele Gaben auf das edelste vor allen anderen Geschöpfen ausgezeichnet und ohne ihr Verdienst aus so großen und vielen Gefahren so oft errettet hat! Ich beschwöre dich, meine Seele, daß du hierauf achtest, daß du deine Augen öffnest! Siehe, wo du dich befindest; wie nahe der Hölle, wie fern dem Himmel! Bedenke, wen du verlassen, wen du verachtet, wem du dein Ohr verschlossen hast. Und Du, süßester Jesu, mildester Arzt der Seelen, Quelle aller Süßigkeit! Ist menschliches Elend im Stande, Dich zum Mitleiden zu bewegen, so blicke mild und barmherzig auf meine arme Seele, die jetzt erwacht, jeßt sich emporrichtet und ihre Armuth und ihr Elend - 162- überschaut; die aber bei diesem Anblicke auch von der tiefsten Verwirrung und Schaam ergriffen ist, über ihre eigene Thorheit, der sie sich so lange hingegeben, staunt und Reue fühlt, die als eine elende Sünderin sich erkennt, unwerth, ferner Deine Braut und Freundin zu heißen, die nur mit niedergeschlagenem Blicke und mit Thränen im Auge nach Dir seufzen kann. Mildester Jesu, blicke mitleidig auf mich herab, der Arme und Hände nach Dir ausstreckt, um, von Dir emporgehoben, aus dem Schlamm der Sünde, in welchem ich versunken war, sich aufzurichten. Du alleiniger Retter! reiche mir Deine stüßende Hand und laß mich nicht zu Grunde gehen! Bekehre und mache gerecht diese Dir zugehörende arme Seele, die Du einst geliebt, und die nun mit großem Seufzen und in der Bitterkeit ihres Herzens zu Dir ruft. Wäre es möglich, daß Du sie nicht erhörtest? Daß Du sie nicht aufrichtetest? Nein! Schon das bewährt meine Hoffnung, daß ich Deine Gnade in mir fühle, welche mich zu dem Entschlusse gebracht hat, zu Dir zurückzukehren, und durch welche ich mich im Stande fühle, Dir, dem höchsten Arzte, die schmerzlichen Wunden meiner Seele aufzudecken und zu zeigen. Du hast durch den Mund Deines Propheten( Ezech. 18, 22.) einst versprochen, Du wollest von der Stunde an, wo der Sünder Reue fühle und Buße übe für die Sünden, die er begangen, all seiner Missethaten forthin nicht mehr gedenken; und wahrlich, flein wäre die 163- Zahl der Gerechten, wolltest Du nicht den Sündern Barmherzigkeit erweisen. Heiland Jesu Christe, unser Fürsprecher und Mittler, unser Herrscher und Bruder, der Du allein mein Elend und meine Gebrechlichkeit kennest! So flehe ich denn zu Dir, Du wollest alle meine Missethaten tilgen, eine wahre und reine Neue in mir wecken und eine rechte Buße in mir wirken. Verleihe, daß die geduldige Ertragung der täglichen Trübsale, Widerwärtigkeiten und Mühen, mir immer mehr zur Reinigung gereiche, und zur Austilgung jener Strafen, welche ich für meine Sünden verdient habe, damit dieses irdische Leben mir das Fegfeuer erseße. Laß meinen Pilgerwandel durch dieses irdische Leben Dir wohlgefallen und vor Dir verdienstlich seyn. Rüste mich aus mit dem Wanderstab des Glaubens, mit dem Gewande der Liebe, und befestige in der Hoffnung meine Schritte. Zerstreue durch Deine Macht, was immer mir hinderlich werden kann, damit kein Gelüfte mich aufhält, keine Widerwärtigkeit mich schreckt auf meinem Wege. Pflanze in mir ein Herz, fromm, demüthig, milde gegen den Nächsten, frei von Zank und Neid, von Zorn und Stolz und von jeglicher Mißgunst gegen Andere. Entflamme mein Herz mit der Glut, verwunde es mit den Pfeilen Deiner Liebe. Gieb, daß es ohne Unterlaß Dich betrachte, gerne von Dir reden höre, nach Dir seufze, nach Dir sich sehne, Dir zu gefallen sich bemühe, und daß all mein Denken und 164- Fühlen und Streben dahin gerichtet sey, Dir würdig zu dienen. Verleihe mir dabei, o Herr, eine freie, große und würdige Gesinnung, auf daß ich verabscheue, fliehe und verschmähe den verächtlichen Staub niederer irdischer Lust; auf daß ich verachte jegliches Geschöpf, das meiner Ehre vor Dir und der Förderung meines Heiles zum Hinderniß gereicht; auf daß ich zunächst nur Dich, alles Andere aber in Dir und um Deinetwillen liebe. Ferner bitte ich Dich, Du meine Hoffnung, für das Ende meines Lebens, Du mein einziges Heil und meine einzige Zuflucht! stüße mich, belehre mich und leite mich, und stehe als Schüßer und mächtiger Vertheidiger mir zur Seite in der furchtbaren Todesstunde, damit Du in Friede und Milde mich geleitest in Deine Herrlichkeit, und mir verleiheft, in ewiger Freude Dich von Angesicht zu Angesicht zu schauen, und ohne Unterlaß Dich anzubeten, zu lieben und zu loben. Amen. Gebet zur seligsten Jungfrau Maria. Glorreiche und selige Jungfrau Maria! Wie darf ich mit meinem Gebete es wagen vor Dein Angesicht zu kommen, da ich alle Gnade, welche mir das heiligste Leiden deines Sohnes, meines Erlösers, erworben, durch meine Ungerechtigkeit und meine Sorglosigfeit verloren habe. Aber, obgleich ich ein so großer 165 Sünder bin, wage ich dennoch deine Fürbitte anzurufen. Himmelskönigin! ich flehe demüthig zu dir: bitte deinen Sohn, daß Er um Seiner unendlichen Güte und Barmherzigkeit willen mir meine Sünden verzeihe. Zwar verdiene ich Unwürdiger es nicht; dennoch wolle Er mir die Nachlassung schenken, damit nicht durch meine Schuld dem Verderben anheimfalle, was Er nach Seinem Bilde geschaffen hat. Du bist das Licht in der Finsterniß, du der Spiegel der Heiligen; du die Hoffnung der Sünder. Alle Geschlechter preisen dich selig; alle Trostlose rufen zu dir, alle Gute schauen nach dir; alle Geschöpfe frohlocken in dir; es frohlocken die Engel im Himmel über deine Gegenwart, die Seelen der Verstorbenen, welche in den Strafen des Fegfeuers schmachten, über die Labung, welche du ihnen erflehest, und alle Menschen, die noch hienieden im Orte der Verbannung leben, über die Hoffnung, welche ihnen in dir gegeben ist. Alle rufen zu dir und du hörest auf Alle und flehest für Alle. Was soll aber ich unwürdiger Sünder thun, daß ich Gnade vor dir finde? Ich fühle wie meine Sünde mich verwirrt, wie mein geringes Verdienst mich ängstlich macht. Ich bitte dich, o herrlichste Jungfrau, bei deinem tiefen und tödtlichen Schmerze, mit welchem dein Gemüth erfüllt ward, als du deinen geliebtesten Sohn, mit dem Kreuzesstamm belastet, zur Richtstätte schreiten sahst; ich bitte dich, daß du durch deine Fürbitte alle unordentlichen Be 166- gierden und alle Versuchungen in mir tödtest, damit ich nicht durch meine Ungerechtigkeit verliere, was Er durch Sein Blut mir erworben hat. Gieb daß jene frommen Thränen, welche du reichlich vergosfest, als du deinem Sohne folgtest, mich stets in meinen Betrachtungen beschäftigen und daß in meinem Nachdenken darüber Strömte von Thränen aus meinen eigenen Augen brechen, hinreichend, um die Flecken meiner Sünden abzuwaschen. Welcher Sünder möchte es wagen, ohne dich vor dem ewigen Richter zu erscheinen, der, wenn auch langmüthig und nachsichtig im Ertragen und Zuwarten, doch gerecht und streng im Strafen ist. Wer wäre so gerecht, daß er bei jenem ungewissen Gerichte sich nicht nach deiner Hülfe sehnte? Was wird aus mir, o heiligste Jungfrau, wenn ich durch deine Fürbitte das nicht wieder erlange, was ich durch meine Sünde verloren habe? Groß ist, was ich erflehe, wenn ich meine Vergehen anschaue, aber klein ists, wenn ich deine Macht betrachte, mit welcher Gott dich ausgeſtattet hat. Bessere mein Leben, o Königin der Engel, leite alle meine Werke so, daß ich deiner Erhörung und Fürbitte würdig werde. Laß dein Erbarmen an mir offenbar werden, auf daß alle Guten dich dafür preisen und alle Sünder Vertrauen zu dir faffen. Dulde nicht, daß ich forthin vom Feinde versucht werde, und wenn er mich angreifen sollte, laß mich nicht fallen; bin ich aber gefallen, so richte du - 167- mich auf. Erwirke mir, gebenedeite Jungfrau, daß ich in mir jene Ehrfurcht gegen den Erlöser fühle, welche dich ergriff, als du deinen theuersten Sohn bei der Abnahme vom Kreuze in deine Arme schlosseft, ihm in sein heiligstes Antlig schautest, das die Engel anbeten, und das von verbrecherischen Menschen in schändlicher Weise verunstaltet war; und als du jene barbarische Grausamkeit sahest, die Er mit der Geduld eines Gerechten ertrug, auf daß Er Genugthuung leiste für des Sünders Ungehorsam! Wahrlich, da ging ein Schwert des Schmerzes durch deine Seele. Laß mich, o Himmelskönigin! im Geiste schauen, wie du zu jener Zeit da standst mit ausgebreiteten Armen und mit niedergeschlagenen Augen, mit gesenktem Haupte, mit bleichem Antlige und von einem tieferen Schmerze der Seele gefoltert, als ihn nächst Christus jemals Einer im Fleische gefühlt hat oder fühlen wird. Möchten in meinem Herzen immerdar jene Worte wohnen, welche du in Vereinigung mit deinem göttlichen Sohne zu denen sprechen konntest, die dich sahen: D ihr Alle, die ihr vorübergehet am Wege; gebet Acht und schauet, ob ein Schmerz gleich sey meinem Schmerze!" auf daß ich an der Größe deines Schmerzes die Schmerzen des Heilandes ermessen lerne, und hiernach auf die Häßlichkeit und Verworfenheit der Sünde schließe, für die er sich zum Opfer gab. 11 Durchbohre meine Seele mit jenem Schwerte des Schmerzes, welches die deinige durchdrang, als du 168 den verwundeten und zerfleischten Leib deines Sohnes in das Grab trugst, damit ich immer und überall eingedenk sey, daß ich Staub bin und in Staub aufge= löst werde und mich nicht der Ruhm dieser vergånglichen Welt verleite. Laß mich eingedenk seyn, wie oftmals du nach dem Denkmale geblickt hast, in welchem jener theuere Schaß verschlossen war, und verschmähe hinwiederum nicht in derselben Weise auf meine Bitten herabzuschauen. Meine stete Gefährtin sey die Betrachtung deiner Einsamkeit; damals, als du die Nacht so betrübt und traurig zubrachtest, Nichts außer dir und in dir lebte als Schmerzen, Kreuzigungen und unsägliche Betrübnisse, als du die Fluthen deiner bittersten Thränen tranfst und als Speise die Erinnerung an die traurigsten Begebenheiten genossest. Gieb daß ich in solchem Maaße mir ein herzliches Bereuen meiner Sünden eigen mache; auf daß ich dereinst auch mit dir vereint zur Anschauung jener Herrlichkeit gelange, zu welcher dich Gott erhoben, und welche du in himmlischer Gesellschaft jetzt und in Ewigkeit genießest. Amen! Vor der Beichte. Nach Pf. 129. Herr Jesu Christe, Quell und Ursprung aller Frömmigkeit und Gnade! je mehr ich wie der Hirsch nach 169 der Wasserquelle zu Dir zu kommen mich sehne, um so mehr erkenne ich meine Unvollkommenheit und mißtraue meiner Kraft, darum suche ich Hilfe für meine Gebrechlichkeit bei Dir, indem ich gleich dem Pfalmiſten nicht mit den Lippen allein, sondern aus der Tiefe meines Herzens und mit dem heißesten Flehen meiner Seele zu Dir rufe; aus der Tiefe rufe ich zu Dir, o Herr! Herr erhöre meine Stimme! Laß Acht haben Dein Ohr auf die Stimme meines Flehens! Und wahrlich nicht aus der Tiefe des Herzens allein, sondern auch aus dem tiefen Abgrunde der Sünden, in welchen ich gefallen bin, richte ich mein Flehen zu Dir empor, daß Du mich daraus erretten mögest. Denn wenn Du Acht haben wolltest auf die Missethaten, sie der ewigen Bestrafung aufbewahren wolltest, wer könnte dann bestehen, o Herr! in Deinem Gerichte? Wenn wir sagen: wir haben keine Sünde, so verführen wir uns ja selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns( I. Joh. 1, 8). Nicht auf meine Gerechtigkeit, sondern auf Deine Barmherzigkeit vertraue ich daher, o Herr! bei Dir ist Versöhnung, und um Deines Gesetzes willen, des Gefeßes der Liebe und Gnade, durch welches Du den Schuldigen Verzeihung schenkest, harre ich auf Dich, o Herr! hoffe in Geduld und sehe in Hoffnung Deiner Barmherzigkeit entgegen. Nicht Menschenwort ist es ja, worauf ich mein Vertrauen, meine Hoffnung stüße, sondern die 170 Verheißung Gottes, des Ewigen und Wahrhaftigen. Meine Seele harret auf sein Wort, meine Seele hoffet auf den Herrn! Von der Morgenwache bis zur Nacht, vom Anfange des Lebens bis zum Tode soll Israel und will ich auf den Herrn hoffen. Wer ausharret bis zum Tode, der wird selig werden( Matth. 10, 22). Denn bei dem Herrn ist Barmherzigkeit; bei ihm ist überreiche Erlösung, und Er wird Israel erlösen von allen seinen Sünden. Dank Dir, mildester Erlöser, daß Du durch Dein heiligstes Leiden eine überreiche Erlösung uns erworben, welche im Stande ist, alle Sünden der Welt, wo immer ein Sünder als würdiger Büßer sich Dir nahet, auszutilgen. Kraft dieses Deines Leidens reinige auch mich von allen meinen Sünden und mache mich würdig im Reiche Deiner Gnade mit Dir zu wohnen. Amen. ( Hat man längere Zeit zu verweilen, bevor man Gelegenheit zum Beichten findet, so eignen sich die Bußgebete für die Fastenzeit dazu, dem frommen Christen eine fortgesetzte angemessene Beschäftigung zu gewähren.) Nach der Beichte. In Vereinigung mit Deinem bitteren Leiden, o Herr Jesu Christe, der Du nun die Ursache meines Schmerzes hinweggenommen und mich von meinen Sünden befreit hast; in Gemeinschaft aller wahren - 171- Büßer und aller Dich in Wahrheit Suchenden, überblicke ich in Reue nochmals alle meine Sünden der Begehung und Unterlassung, und Alles was ich nicht in rechter Weise oder nicht mit rechtem Ernste gethan; ich überblicke die Zahl und Schwere meiner Sünden, die verlorenen Tage meines Lebens, an welchen ich Dich beleidigt, Deine Ehre vermindert und selbst meinem Nächsten das Beispiel der Sünde gegeben habe. Nimm, o Herr! als ein geringes Opfer und als eine schwache Genugthuung das, was Du mir an Dauer meines Erdenlebens für die Zukunft noch gnädig bewilligt haft. Für die Zeit aber, welche ich durch Sünde verloren oder im Zustande der Sünde verlebt habe, wollest Du, o Gott, ein zerknirschtes und demüthiges Herz nicht verachten. Meine Tage haben sich geneigt und sind fruchtlos dahingeschwunden. Vergebens rufe ich sie zurück; aber verleihe Du mir, daß ich sie allzeit in Betrübniß meiner Seele überdenke. Dherr! der Abgrund meines geistigen Elends hat zu dem Abgrunde Deiner unendlichen Barmherzigkeit gerufen. Du hast nicht verschlossen Deine Erbarmungen in Deinem Zorne und haft den unerschöpflichen Quell Deiner Barmherzigkeit nicht verstegen lassen an mir um meiner Sünden willen. Du erbarmest Dich ja Aller, Du hasfest keines Deiner Geschöpfe und verzeihest den Menschen ihre Sünden, wenn sie Buße thun. Dein ist die Macht, die Sünden zu vergeben, Du hast Dich auch meiner erbarmt, da noch die Zeit der Gnade und des 8* - 172- Erbarmens dauert, auf daß Deine Barmherzigkeit an mir verherrlicht werde und mich nicht am Tage des Gerichts das Wort der ewigen Verdammniß treffe. So verleihe mir denn nun, o Herr, daß ich fortan die gewohnten Sünden ablege und nur thue, was Dir wohlgefällt. Gieb daß ich mit dem Eifer und der Lust, womit ich bis jetzt der Sünde folgte, mich fortan unter Deinem Beistande dem Vollbringen Deines heiligen Willens unterziehe, auf daß, wo die Sünde überschwenglich war, auch wiederum die Gnade überschwenglich werde. Ich bitte Dich um Deiner selbst willen, und bei der Liebe Deiner mildesten Mutter, der glorreichen Jungfrau Maria, und bei der Fürbitte aller Deiner Heiligen und Auserwählten, tilge alle meine Sünden, Nachlässigkeiten und Verirrungen in mir aus, auf daß ich nicht einstens ins Verderben stürze und Du in Deinem Zorne mich in meinen Missethaten vor Deinen Richterstuhl berufest. Erinnere Dich, Herr Jesu, der Du nicht gekommen bist, Einen derjenigen verloren gehen zu lassen, welche Dir vom Vater übergeben sind, daß es Dir vielmehr eigen ist, allzeit zu verzeihen und zu verschonen. Der Vater hat Dich in die Welt gesandt, nicht daß Du die Welt richtest, sondern daß wir das Leben haben durch Dich, daß Du unsere Zuversicht und unser Mittler seyest. Was wir verschuldet haben, hast Du gelöset, was wir gesündiget haben, hast Du abgewaschen, was wir vernachlässigt, hast Du ersetzt. Möge mir darum jetzt und 173- in der Stunde meines Hinscheidens als eine reichliche, ja überschwengliche Genugthuung gelten Dein bitterer Tod, und der unschäßbare Preis Deines vergossenen Blutes, das Andenken an Deine Genugthuung, und das verehrungswürdige Geheimniß Deines Leibes und Blutes, welches Dir täglich in der Kirche für das Heil Deiner Gläubigen geopfert wird, das Geheimniß, in welchem Du selbst Priester und Opfer bist, derjenige, der da opfert und dem geopfert wird und der geopfert wird; auf daß ich Kraft desselben jetzt Deiner Gnade und dereinst der ewigen Ruhe und Glorie theilhaft werde. Deine Augen, o Herr, haben mich unvollkommen gesehen; Du aber, milder Erbarmer und über alle Bosheit Erhabener, der Du das Böse mir zum Guten, die Verirrung zur Rückkehr haft gereichen lassen, laß nicht zu, daß ich ferner wieder aus dem Buche des Lebens gestrichen werde, und führe mich nicht dereinst ins ewige Gericht, sondern laß mich der Segnungen Deines kostbaren Leidens allzeit theilhaft bleiben, durch welches Du den Menschen, Deinen Miterben im Lande der Lebendigen, erhoben hast. Laß Dich durch die Erwägung der menschlichen Gebrechlichkeit zum Erbarmen bewegen; denn Du kennst ja das Wesen des Menschen, und weißt, welchen Gefahren er hienieden ausgesetzt ist. So bewahre denn auch mich als ein Denkmal Deiner Güte, auf daß Du nicht vergeblich Deine Mühen für mich getragen habest, und auf daß nicht fruchtlos für mich Dein - 174 heiliges Blut vergossen sey. Der Du die Reinigung der Sünder bist, gieb, nachdem Du auch mich gereinigt, daß ich mit neuer Erleuchtung meiner Seele Dich erkenne, und durch diese Erkenntniß mit erneuerter Lust zu Dir hingezogen werde, damit ich auch einst nach einem seligen Tode zu Dir zu gelangen verdiene, Jesu Christe, mein Gott und mein Herr, der Du mit dem Vater und dem heiligen Geiste lebst und regierst in Ewigkeit. Amen! Gebet zur seligsten Jungfrau Maria. Bod O allerfeligste und heilige Jungfrau Maria! Siehe, hier stehe ich trauernd vor deinem frommen Angesichte und schäme mich der Sünden, durch welche ich verunstaltet und mißfällig geworden war vor Gott und vor dir, vor Seinen Engeln und vor allen Heiligen. Furcht erfaßt mich, indem ich an das Urtheil des einstigen Gerichtes denke, wo einem Jeden von Gott wird vergolten werden, je nachdem er gethan hat, es sey gut oder böse. Denn ich hatte ein schweres Urtheil verdient; ich war befleckt und unrein geworden, und war unwerth der Gemeinschaft der Gläubigen ferner anzugehören, von welcher mich schon deren Unschuld und Herzensreinigkeit getrennt hielt. Darum habe ich mit Thränen zu dir gefleht, o Herrin, du wollest, obgleich mein Anblick dich nicht erfreuen konnte, dein 175- Antliß nicht von mir wenden, sondern vielmehr anschauen, wie tief ich verwundet sey, und wollest erwägen, in welcher Weise du mir erringen mögest die Heilung mit himmlischem Balsam und mich wieder zuführen mögest deinem Sohne Jesus Christus, unserm Herrn. Du weißt es, o barmherzigste Königin, du bist dazu erschaffen worden, damit aus dir geboren würde unser Herr Jesus Christus, wahrer Gott und wahrer Mensch, damit Er selbst, wie Er der Urheber der Menschen gewesen ist, auch deren Erlöser würde und an dir eine Mutter habe, welche durch ihre Fürbitte den Sündern vollkommenes Heil erflehen möge. So erhebe ich denn auch jetzt wieder meinen Blick zu dir, Mutter. Gottes und Mutter aller Gläubigen! nachdem der Herr Barmherzigkeit an mir geübt und mir meine Sünden nachgelassen hat. Siehe, obgleich getauft und erlöset, war ich dennoch wieder ein Sünder geworden; nicht bloß wie ich früher es war, sondern noch unreiner und unheiliger. Um so reiner und um so heiliger möchte ich jetzt werden! Darum sehe ich mich nach einem Helfer um, wie, nächst deinem Sohne, die Welt feinen liebern und bessern aufzuweisen hat. Sehnlichst verlangt es mich anzurufen die Apostel, Patriarchen, Propheten, Märtyrer, Bekenner, Jungfrauen. Du aber, o Herrin, bist höher und herrlicher denn sie Alle, weil dich Gott geſetzt zur Königin über diese und alle andern Heiligen und über die englischen Geister. Dich also suche ich, zu dir 176 nehme ich meine Zuflucht und bitte in aller Demuth, daß du mir hilfreich beistehen wollest. Wo du schweigest, wird Niemand reden, Niemand helfen; wo du aber bittest, werden Alle mit dir zu Gott bitten, werden Alle mit dir helfen. Erhabene Jungfrau und frömmste Herrscherin! So schaffe denn Erbarmung dem Bedürftigen und Trost dem Trauernden; vollkommene Wiederaufnahme dem Irrenden; Erquickung dem Verzagenden! Erflehe die göttlichen Heilmittel für die noch übrigen Wunden, welche du an mir wahrnimmst. Ziehe mir aus die unreinen Hüllen alle, breite frische und blendende Gewande vor mir aus und stelle mich in denselben als einen vollkommen Wiedergebornen deinem Sohne Jesu Christo, unserm Herrn, dar. Sey mir durch dein Gebet gegen den Widersacher eine Burg der Stärke, eine unzerstörbare Mauer, ein Arm der Vertheidigung. Will er stürmisch auf mich eindringen, so halte ihn ab, und damit er mich Schwachen nicht mit seiner Macht und List überwältige, weise du ihn siegreich zurück. Verschlagen ist er und betrügerisch und hat sich nicht ge= scheut, gegen die Starken zu kämpfen, sondern gebraucht gegen sie nur um so größere Anstrengungen der Versuchung. Du aber, o himmlische Helferin, die du seine Falschheit und seine Stärke kennest, gieb daß keine seiner listigen Versuchungen mich überwältige, sondern daß er verwirrt und von deiner Kraft überwunden, von mir weiche. Ich aber will, von deinem 177 Schußze bedeckt, nimmer müde werden in der Lobpreisung deiner und deines Sohnes. Verleihe, o selige und lobwürdigste Herrscherin, daß ich, dein Diener, der ich mein ganzes Leben lang durch die Irrsale der Sünden traurig hingeirrt bin, an diesem Tage nun meine Sünden, die ich mit Gedanken, Willen, Worten, Werken und Unterlassungen begangen habe, bis auf den letzten Rest austilge. Vom Anbeginne meines Lebens an bis diese Stunde wandle ich leider nur in Sünden; doch du, o Himmelskönigin! wolleft bei deinem barmherzigsten Sohne es erlangen, daß hinfort nicht mehr diese Ungerechtigkeit, sondern die Tugend der Gottseligkeit in mir herrsche, eine reiche Fülle von Tugend und Gebet mich rechtfertige, reinige und befestige und auf den Pfaden der Gerechtigkeit allmählig hinführe zur Beharrlichkeit im Guten. Auch am Ende meines Lebens möge dann Nichts mich abstumpfen zur Vergeßlichkeit meiner Vorfäße und keine fündige Leidenschaft mich hindern, dieselben von neuem vor Gott auszusprechen. Wenn dann einst die Zahl meiner Tage erfüllt sein wird, und die Kirche ihr heiliges Amt an mir vollendet, möge ich das Glück genießen, daß ich aufgenommen werde von dem Engel des Lichtes, befreit werde von dem Engel des Todes und geſtellt werde vor den Richterstuhl des barmherzigsten Richters, wo durch deine Fürbitte, o Herrscherin, die Friedensruhe des ewigen Lebens mir zu Theil werde. Amen! 178 Bitte um christliche Vollkommenheit. Ich bitte Dich, allmächtiger und barmherziger Gott, verleihe mir nun, daß ich, was Dir wohlgefällig ist, emsig und eifrig erstrebe, mit Klugheit erforsche, mit Innigkeit ersehne, wahrhaft erkenne und vollkommen treu erfülle. Zur Ehre und zum Preise Deines heiligen Namens ordne den Zustand meiner Seele und was Du willst daß ich thun soll, das laß mich erkennen, vermögen und wollen. Laß mich es vollbringen, wie es nothwendig ist und zum Heile meiner Seele dient. Bereite mir einen geraden, sicheren und vollkommenen Weg zu Dir, auf dem ich weder im Glücke noch im Unglücke schwanke, damit ich in Ersterem nicht übermüthig, in Letterem nicht zaghaft werde; damit ich im Glücke vielmehr Dir danke und im Unglücke in Geduld Dir diene. Über nichts laß mich Freude oder Leid empfinden, es führe denn zu Dir, und nur Dir laß mich zu gefallen trachten oder zu mißfallen fürchten. Alles laß mich in Liebe zu Dir thun und was nicht auf Deine Ehre sich bezieht, laß mich als tobt betrachten. All mein Thun laß mich vollbringen nicht aus Gewohnheit, sondern aus Verehrung gegen Dich. Alles Irbische laß mir gleichgiltig werden um Dei netwillen, nur was Dein ist sey mir theuer und Du selbst über Alles. Freuden, die ohne Dich sind, sollen - 179* fortan feinen Reiz für mich haben, und nichts will ich begehren, was Dir entgegen ist. Ich will mich freuen jeder Mühe, die ich für Dich ertrage, und zuwider sey mir jede Ruhe, die ich nicht in Dir finde, distil Gieb, o barmherzigster Gott, daß ich mein Herz oft und innig zu Dir wende und daß ich immerfort meine Fehler unter Vorsätzen der Besserung bereue. Gieb mir, o Gott, Demuth ohne Heuchelei, Heiterkeit ohne Leichtfertigkeit, Traurigkeit ohne Kleinmuth, Ernst ohne finsteres Wesen, Gewandtheit ohne Flatterhaftigkeit, Wahrhaftigkeit frei von jeder Hinterlist, Furcht vor Dir ohne Verzweiflung, Hoffnung auf Dich ohne Vermessenheit, Keuschheit ohne den leisesten Schatten der Befleckung, Zurechtweisung des Nächsten ohne Zorn, Liebe ohne Verstellung, Erbauung durch Wort und That, aber ohne Überhebung, Gehorsam ohne Widerspruch, Geduld ohne Murren. Mache, o geliebtester Jesu, mein Herz wachsam, daß kein eitler Gedanke es von Dir ablenke; beständig, daß keine unwürdige Neigung es verführe; unbesiegbar, daß keine Trübsal es ermüde; frei, daß keine Leidenschaft sich seiner bemeistere, und rechtschaffen, daß feine verkehrte Absicht es von dem rechten Weg ablenke. Verleihe mir, o gütiger Gott, Einsicht, um Dich zu erkennen, Liebe um Dich, zu suchen, Weisheit, um Dich zu finden, einen Wandel der Dir gefalle, Beharrlichkeit, treu und fest auf Dich zu hoffen; Ver trauen, um Dich liebend zu umfaffen, und gieb endlich), 180 daß ich durch Deine Strafen zur Besserung geleitet werde, daß ich Deiner Wohlthaten in diesem Leben in Gnaden genieße und einst im Vaterlande Deiner Herrlichkeit und Freuden theilhaft werde. Amen! дебизде ge - 181 Die h. Communion. 1) Am Vorabend Seines Leidens nahm der Erlöser das Brod in Seine heiligen ehrwürdigen Hände, erhob Seine Augen gen Himmel zu Gott, Seinem allmächtigen Vater, dankte Jhm, segnete das Brod und gab es Seinen Jüngern mit den Worten: Nehmet hin und esset Alle davon; denn dieses ist mein Leib. Auf gleiche Weise nahm Er nach dem Abendmahle auch den Kelch in Seine heiligen und ehrwürdigen Hände, dankte wieder Seinem himmlischen Vater, segnete den Kelch, reichte ihn Seinen Jüngern, indem Er sprach: Nehmet hin und trinket Alle daraus; denn dieses ist der Kelch meines Blutes, des neuen und ewigen Bundes, welches für euch und für Viele wird vergossen werden zur Vergebung der Sünden. So oft ihr dieses thut, thut es zu meinem Andenken. 2) In dieser Weise setzte ristus jenes heilige Geheimniß ein, in welchem wir auch nach Seinem Heimgange zum himmlischen Vater uns Seiner Anwesenheit in Mitte Seiner Gläubigen erfreuen und in unsern heiligen Versammlungen Ihm als dem wesentlich und wahrhaft Gegenwärtigen unsere Anbetung und unsere Lobgesänge weihen können. In dieser Weise ordnete Er das Opfer an, welches Er zur Hinwegnahme der Sünden der Welt in blutiger Weise Einmal am Kreuze vollbrachte, dessen unblutige geheimnißvolle Feier aber nach Seiner Anordnung bis an das Ende der Welt in Seiner Kirche fortgesetzt werden soll, und das wir in jeder 1) Bon dem h. Ludwig von Granada. 2) Canon der h. Messe, nach Matth. 26, 26-28. Marc. 14, 22-24. Luc. 22, 19-20. I. Cor. 1, 23-25. 182 heiligen Messe dem himmlischen Vater von neuem opfern, auf daß wir, die Sünder, nicht allien und der Erhörung unwerth, sondern vereint mit unserem Mittler und hiedurch der Aufnahme würdig, vor dem Angesichte des unendlich Heiligen erscheinen. Wie aber an Seine Apostel einst, so ergeht auch an uns das Wort des Herrn: Nehmet hin und esset!" Wie der Leib mit der Speise, so innig soll unsere Seele mit Ihm vereinigt werden, auf daß wir in Jhm bleiben und Er in uns"( Joh. 6, 57.) und daß wir, wie Ein Wesen mit Jhm geworden, vor das Angesicht des himmlischen Vaters treten- Eins mit Seinem Opfer, theilhaft Seiner Verdienste, mit Seiner Heiligkeit umkleidet, und so des göttlichen Wohlgefallens werth, durch Ihn zum ewigen Leben genährt und befähigt zur einstigen glorreichen Auferstehung. Und feiern wir so, nach Seiner Anordnung, das Gedächtniß Seines Leidens, so sollen wir an demselben unsern Glauben nähren, indem wir uns erinnern, Sein Tod sey unser Lösegeld und Sein Blut habe uns von Sünden rein gewaschen; und wir sollen uns zu immerwährendem Danke für solch' unermeßliche Wohlthat gegen Ihn verpflichtet halten. Auch sollen wir durch den Hinblick auf diese Wohlthat uns ermuntern, immer mehr von jeder Sünde abzustehen und in der steten Übung von Tugenden und guten Werken fortzuschreiten, weil wir durch den Empfang ja Glieder Christi werden und unsere Werke eines solchen Hauptes werth seyn müssen. Nur dadurch erst verdienen wir den Namen: Christen. Wir sollen endlich die Liebe zu unserem Nächsten daran lernen und bereit seyn, uns dem Wohl unseres Mitmenschen zu opfern, wie ja auch Christus sich ganz für uns dahingeopfert hat. Die Aufforderung hiezu hat uns der Herr sinnbildlich sogar im Brod und Wein gegeben, das er zur Einsetzung dieses heiligen Mahles wählte; denn wie aus vielen Waizenkörnern Ein Brod gefertigt und wie aus vielen Traubenbeeren Ein Wein gekeltert wird, so sind wir Alle Ein Leib Christi und wir Alle sind wech 183 selseitig unsers Nächsten Glieder. So mögen wir denn untereinander uns als Glieder Eines Leibes erweisen, indem wir Eintracht, Demuth, Sanftmuth, Liebe gegeneinander üben, wie es auch der h. Paulus uns empfiehlt in den Worten: Ein Brod, Ein Leib sind wir Viele, wir Alle, die wir an dem Einen Brode Theil nehmen."( I. Cor. 10, 17.) / 1 Was nun aber die Art und Weise anbelangt, wie die h. Communion empfangen werden soll, so verdient diese um so mehr eine ausführliche Betrachtung, als ja den Gläubigen daran gelegen seyn muß, mit aller möglichen Sorgfalt und Andacht sich zum würdigen Genusse derselben zu bereiten. Das h. Sacrament ist von unendlicher Kraft, sowohl weil es Christum in sich schließt, der die Quelle aller Gnade ist, als auch weil uns darin die Frucht Seines Leidens, die von unendlichem Werthe ist, zugewendet wird. Je größer daher die Vorbereitung des Empfangenden ist, um so größere und reichere Gnade wird ihm zu Theil. So sehen wir es an dem, welcher um Wasser zu schöpfen an einen Fluß oder an das Meer hintritt: er schöpft so viel, als das von ihm mitgebrachte Gefäß in sich aufzunehmen vermag; nicht das Meer oder der Fluß, sondern nur der kleinere Umfang des Gefäßes kann Ursache werden, daß er einen minder reichlichen Vorrath hinwegträgt. Buchstäblich geht hier in Erfüllung die Verheißung Gottes, da Er durch Seinen Propheten spricht: Öffne weit deinen Mund und Ich will ihn füllen."( Ps. 80, 11.) Thue weit auf, sage Ich dir, den Mund deines Herzens, und Ich will ausfüllen jede Stelle, welche du mir einräumst! Wirken doch auch die natürlichen Dinge je nach der Beschaffenheit des Gebrauchenden. So flößt auch der in diesem heiligen Sacramente gegenwärtige Grund und Urheber aller Gnade, Christus, jeder Seele so viel Gnade ein, als Er. Vorbereitung und Tauglichkeit dazu in derselben findet. Das können diejenigen, welche oft zum Tische des Herrn gehen, aus Erfahrung bezeugen, daß sie in demselben Maaße - 184 mit Frömmigkeit und Segnungen bereichert von da zurückkehren, als sie mit sorgfältiger Vorbereitung hinzugetreten sind. Und nicht bloß der geistige Nutzen, den wir zu erwarten, sondern auch der Schaden und das Unglück, welches wir im entgegengesetzten Falle zu befürchten haben, muß uns sorgfältig und eifrig machen; denn es ist allen Sacramenten im Bunde der Gnade nach der Natur der Sache eigen, daß wie die würdig Empfangenden unermeßliche Segnungen und Früchte daraus ziehen, so die unwürdigen Empfänger sich das größte Verderben dadurch bereiten. Gerade wie Sonne, Luft und Wasser den Pflanzen, welche grün und lebendig sind, zu größerem Wachsthum gereichen, während die erstorbenen dadurch um so schneller vertrocknen und in Fäulniß gerathen, so sind auch die Sacramente die Ursache all unsers Heils, mehren in der Seele die Gnade und das Wachsthum in allen Tugenden, sofern diese hiezu recht bereitet ist; ist dieselbe hingegen gleichsam vertrocknet und abgestorben, so zieht sie sich daraus eine nur um so ärgere Verhärtung und Dürre, ein desto tieferes Verderben zu. Das heilige Sacrament des Altares hat zudem das Besondere, daß es eine wahre Speise unserer Seele ist; wie aber die leibliche Speise, mit deren Hilfe unser Leben erhalten wird, auch wieder dem Leben schadet, wenn der Körper krank und leidend ist, so verhält es sich mit jener geistigen Speise, wenn Jemand in einer Todsünde sie empfängt. So muß es denn offenbar das eifrigste Bestreben des Dieners Gottes seyn, mit dem größten Fleiße seiner Vorbereitung obzuliegen; der Wunsch, ein so großes Verderben von sich fern zu halten und dagegen die unermeßliche Frucht dieser göttlichen Wohlthat zu empfangen, muß ihn wie ein zweifacher Sporn antreiben, daß er seiner hehren Aufgabe mit allem möglichen Ernste entspreche. Um nun aber würdig zum Empfange dieses Sacramentes hinzutreten zu können, muß der Empfangende vor Allem mit tiefster Demuth erkennen, daß weder ein menschliches noch selbst 185 ein englisches Bemühen zu dieser Vorbereitung ausreiche, wenn nicht die Hand Gottes selber dabei hilfreich mitwirkt, die Er. uns ja gerade zu solcher Hilfe so gerne darreicht. Wie Niemand zur Gnade sich vorbereiten kann ohne Gnade, so kann auch Niemand zum würdigen Empfang Gottes ohne Gott selbst sich vorbereiten, und darum müssen wir Ihn anrufen und mit Innigkeit und Sehnsucht zu Ihm flehen, daß Er mit eigener Hand sich die Wohnung in uns bereiten möge; daß Er zu der unermeßlichen Güte und Barmherzigkeit, welche Ihn antreibt in unsere Seele einzukehren, noch die weitere Wohlthat füge, durch den h. Geist mit allen Seinen Gnadengaben unsere Seele zu einem würdigen Aufenthalte umzuschaffen. Diese Erkenntniß der eigenen Niedrigkeit und Unwürdigkeit vorausgesetzt, ist dann das Erste und Nothwendigste die Reinheit des Gewissens, d. h., daß man keine Todsünde auf sich habe. Darum ſpricht der h. Paulus das furchtbare Wort: Der Mensch prüfe sich selbst," ( er untersuche und durchforsche sein Gewissen) und so esse er von diesem Brode und trinke aus diesem Kelche. Denn wer unwürdig ist und trinkt, der ist und trinkt sich das Gericht; indem er den Leib des Herrn nicht unterscheidet."( I. Cor. 11, 28. 29.) Zwei Sünden aber sind es, welche vor allen anderen der dem h. Sacramente gebührenden Ehrfurcht widerstreiten und welche man mit ganz besonderer Sorgfalt in sich tilgen möge: Haß und Fleischeslust. In Bezug auf die erste ist zu erwägen, daß dieses Sacrament ein Sacrament der Liebe und Vereinigung ist, an welchem die Gläubigen Christi in einem und demselben Geiste theilnehmen sollen, welches Jeden und Alle inniger untereinander vereinigen und verbinden will, als die Seele die Glieder Eines Leibes mit einander zu einigen vermag. Um uns dieses ans Herz zu legen, sagt der h. Augustin: Christus habe zur Einsetzung dieses Sacramentes Stoffe gewählt, die aus Vielen Eines werden. Aus vielen Getraidekörnern nämlich 186- wird Ein Brod und aus vielen Traubenbeeren wird Ein Wein; und dadurch sollen wir erinnert werden, daß das unter diesen Gestalten gespendete Sacrament in den würdig Empfangenden dasselbe wirke, daß es nämlich viele Herzen zu einem einzigen verbinde, indem es ihnen einen und denselben Geist mittheilt. Was könnte demnach gottloser und unvernünftiger seyn, als mit abgeſondertem Herzen zu diesem Sacramente der Einheit und Liebe hinzutreten? Was hieße das anders, als zum Arzte flehen, daß er unsere Wunde verbinden und heilen möge, um dann wieder in jeder möglichen Weise die Heilung zu verhindern? Offenbar ist es nicht weniger unrecht und thöricht, wenn wir zu diesem geistigen Heilmittel hinzutreten wollen, das allerdings die Kraft in sich trägt, die Wunden des Hasses und der Feindschaft auszuheilen und die von einander abgewendeten Herzen zu vereinigen, und wenn wir dabei dennoch freiwillig und vorsätzlich dieser Wohlthat widerstehen und die Einheit des Friedens und der Liebe durch unsere einzelnen Zwiste und Feindſeligkeiten zu zerstören trachten. Wer so zu diesem Tische hinzutritt, muß allerdings fürchten, der Herr des Gastmahls werde zu ihm sagen: Freund! wie bist du da hereingekommen, da du kein hochzeitliches Kleid an hast? Und dann ferner: Bindet ihm Hände und Füße und werfet ihn in die äußerste Finsterniß; da wird Heulen und Zähneknirschen seyn!"( Matth. 22, 12. 13.) Wer daher solchem Unglück entgehen und mit hochzeitlichem Kleide, das eben die Liebe ist, bei diesem Gastmahle erscheinen will, der wage nicht diesem Tische zu nahen, bevor er jenen Rath des Heilandes ins Werk gesetzt, welcher lautet: Wenn du deine Gabe zu dem Altare bringest und dich daselbst. erinnerst, daß dein Bruder Etwas wider dich habe, so laß deine Gabe allda vor dem Altare und gehe zuvor hin und versöhne dich mit deinem Brnder, und dann komme und opfere deine Gabe."( Matth. 5, 23. 24.) Die andere diesem Sacramente in ganz besonderem Grade, " 1 187 widerstreitende Sünde ist die Fleischeslust; denn diesem Geheimnisse gegenüber, welches den jungfräulichen, aus dem reinen Schooße Mariä entstammenden Leib des Heilandes umschließt, ziemt von Seiten des Empfangenden eine unbegränzte Reinheit des Leibes wie der Seele; so daß die heiligen Lehrer der Kirche darüber übereinstimmen: selbst ein vorausgegangener unehrbarer Gedanke, den Jemand freiwillig gehegt, müsse ihn abhalten, sich dem Tische des Herrn zu nahen. Nicht aber blos von Todsünden ziemt es uns rein und unbefleckt zu erscheinen, sondern auch selbst von läßlichen; denn diese Sündengattung löscht die Glut der Andacht aus, welche doch die eigentliche und geeignetste Vorbereitung zum würdigen Empfange des h. Sacramentes ist. Um nun von diesen frei zu werden, ist entweder eine vorherige Beichte nöthig oder wenigstens Reue und Leid und einige heilige und fromme Übungen. der Liebe und Andacht, welche wir durch dergleichen Sünden in uns vermindert hatten. Wer Solches ganz unbeachtet ließe, verdiente den Vorwurf einer argen Nachlässigkeit und würde Viel von der Frucht und Süßigkeit einbüßen, welche dieses Sacrament in der Seele des recht würdigen Empfängers wirkt. Wer sich aber mit irgend einer Todsünde belastet findet, muß, nebst der erwähnten Reue darüber, solche nothwendig vorher beichten, widrigenfalls er sich hiedurch abermals schwer versündigen würde. Das Zweite, was zum würdigen Empfang des h. Abendmahls erfordert wird, ist die Reinheit der Absicht. Denn weil die Absicht, so zu sagen, das Haupt aller unserer Handlungen ist und dieselben gut oder böse macht, so müssen wir bei Allem dieselbe im Auge haben, ganz besonders aber bei dem Empfange der h. Communion darauf achten, daß wir nicht das Werk Gottes zerstören, indem wir uns mit einer Absicht, die Er dabei nicht hatte, demselben unterziehen. Fragen wir, warum von Manchen die Communion empfangen wird, so finden wir, daß - 188 fie es leider nicht aus freien Stücken, sondern aus Zwang und aus Scheu vor dem Urtheil ihrer Mitmenschen und des Beichtvaters thun, wie solches nicht selten von Jenen geschieht, die ihre Communion bis zur äußersten Gränze der österlichen Zeit auf schieben und sich davor ziehen und ängstigen, als hätten sie das Schrecklichste zu vollbringen. Wie ist das unwürdig, mit solch' knechtischem Sinne ins Heiligthum zu treten und sich beim heiligen Tische niederzulassen! Mit Liebe muß empfangen werden, was aus Liebe eingesetzt worden ist, und es ziemt sich nicht, mit Sclavensinn hinzunehmen, was väterliche Liebe spendet.- Manche gehen zu bestimmten Zeiten zur h. Communion blos, weil Andere es auch so machen; ohne von Sehnsucht und Hunger nach dieser Speise getrieben zu seyn und ohne in ziemender Weise sich zum Empfange dieses Heilmittels zu bereiten. Diesen ähnlich sind denn auch Diejenigen, die aus bloßer Gewohnheit, vielleicht oft sogar, dem heiligen Mahle nahen, nicht aus Andacht, sondern nur um von ihrer gewohnten Weise nicht abzulassen. Diese sollten bedenken, daß zwar die Gewohnheit an sich selbst nicht böse ist, daß aber nicht um einer bloßen guten Gewohnheit, sondern um der Segnungen willen das h. Geheimniß empfangen werden soll. Andere treten hinzu aus Verlangen, in einer gewissen geistigen Wonne und Wohllust und im Hochgenuß einer sinnlichen Andacht zu schwelgen, und bleiben hiebei als bei dem letzten Endzwecke stehen, ohne ihre Andacht und Frömmigkeit auf das, worauf sie gerichtet werden soll, zu richten: das Kreuz Christi nämlich zu umfassen und ihrem Herrn und Gott um so eifriger und bereitwilliger zu dienen. Alle diese Endzwecke sind verkehrt und eine Art Schleichwege, auf welchen Manche zu den göttlichen Schäßen dringen, statt in Weise guter und getreuer Knechte vom Herrn die Belohnung zu empfangen. Las set uns lieber durch jene Thüren eingehen, durch welche die Heiligen eingegangen sind, mit solcher Absicht und Gesinnung hinautreten, womit auch sie hinzugetreten sind, die immerhin 189 verschieden seyn können, nach der Weise, wie der h. Bonaventura dieselben aufzählt. Vielfach und verschieden, sagt er, sind die Gesinnungen Derjenigen, welche das hochheilige Mahl empfangen. Manche treibt die Liebe zu Gott, und so nehmen sie denn recht oft im Genusse dieses Sacramentes ihren geliebten Erlöser in ihre Seele auf. Andere bewegt dazu die Erkenntniß ihrer Schwäche und Gebrechlichkeit, und diese werden durch die Gnade des himmlischen Arztes von ihren Schwächen geheilt und befreit. Andere führt das Bewußtseyn ihrer Sündenschulden hinzu, und es werden durch das göttliche Opfer diese Schulden immer mehr in ihnen ausgesühnt, ihre Seele wird immer mehr gereinigt. Andere werden dazu bewogen und gedrängt durch irgend eine Bekümmerniß oder Versuchung, und die Kraft des Allmächtigen befreit sie von ihrem Feinde. Andere führt zunächst das Verlangen nach irgend einer Gnade herbei, und diese pflegen durch Den, welchem der Vater Nichts verweigern mag,( Joh. 16, 23.) die Gewährung ihrer Bitte zu erlangen. Andere werden durch das Gefühl der Dankbarkeit herbeigezogen, indem sie erwägen, daß wir dem himmlischen Vater in keiner herrlicheren Weise dienen und wohlgefallen können, als indem wir an dem Mahle des Heiles Antheil nehmen. Andere fühlen sich dazu aufgefordert durch das Verlangen, Gott und seine Heiligen zu loben, wie wir denn in der That sie nicht höher ehren können, als indem wir dem himmlischen Vater dieses Opfer des Lebens und der Danksagung darbringen. Andere pflegt dazu das Wohl des Nächsten und das Mitleid mit seinen Schicksalen und Kümmernissen zu veranlassen, und sie empfangen die h. Communion im Bewußtseyn, daß es vor dem himmlischen Vater keinen geneigteren und wirksameren Fürsprecher gebe, als das Blut Seines Sohnes, welches für das Heil Aller vergossen worden ist. Soweit der h. Bonaventura. Wer also mit reiner und rechter Absicht, wie sie zum Empfange dieses h. Sacramentes erforderlich ist, hinzutreten will, wähle sich hieraus denjenigen Zweck, 190 für welchen er Vorliebe und Veranlassung in sich zu finden glaubt; und richte seine Absicht und Meinung auf denselben hin. Besser und gerathener wäre es jedenfalls, alle diese Zwecke und Früchte des h. Sacramentes in Betracht zu ziehen und die Erreichung aller zu erstreben. über allen aber steht als eigentlichster und höchster Zweck, daß wir uns bemühen, mittelst dieses h. Sacramentes den Geist Christi in uns aufzunehmen, damit wir in Ihn umgewandelt werden, so leben wie Er gelebt hat, in derselben Liebe und Demuth, Geduld und Hingebung, Armuth des Geistes und Weltverachtung, wie Christus diese Tugenden in Seinem Leben übte. Das heißt: geistiger Weise Christum essen und trinken und in Jhm bleiben. So muß der Jünger Christi Christum essen, daß Er ganz in Ihn umgewandelt, Ein und Derselbe mit Ihm wird, wie es der h. Paulus von sich sagen konnte:„ Ich lebe, doch nicht ich, sondern Christus lebt in mir."( Galat. 2, 20.) Daneben muß es denn auch unser Zweck seyn, zu thun, was Christus geboten hat: in diesem Sacramente nämlich das Gedächtniß Seines Leidens zu erwägen und Ihm für die unermeßliche Wohlthat unserer Erlösung zu danken. Das Dritte, was zum würdigen Empfang des h. Sacramentes gehört, ist die Andacht. Es ist an diesem heiligen Geheimnisse nämlich eine allgemeine und eine ihm eigenthümliche besondere Wirkung zu unterscheiden. Die allgemeine Gnadenwirkung hat dasselbe mit allen übrigen Sacramenten des Neuen Bundes gemein. Die ihm eigenthümliche Gnadenwirkung aber ist die geistige Erquickung, Nährung, Kräftigung zu allem Gu ten und der Geschmack und das Wohlgefallen an geistlichen Dingen. Denn wie die leibliche Speise nicht allein den, welcher sie genießt, am Leben erhält, sondern ihm auch zur Stärkung und zum Wohlgeschmack gereicht; so erhält und bewahrt auch diese geistliche Speise nicht allein das geistliche Leben durch die Gnade, welche sie verleiht, sondern sie kräftigt auch die Seele und erfüllt dieselbe mit Wohlgeschmack. Und dieser Genuß ist, wie mit. 191 Recht der h. Thomas von Aquin bemerkt, so groß und herrlich, daß Solches in Worten nicht ausgedrückt werden kann, da ja derselbe nicht nach einem Maaße und gewisser Beschränkung, sondern in Christus selbst, der Quelle alles geistigen Genusses und aller Süßigkeit, gespendet wird. Damit wir aber dieses kostbaren Genusses theilhaft werden, dazu, sagten wir, bedürfe es der wirk lichen Andacht beim Empfange; indem es eine geeignetere Vorbereitung und Beschaffenheit zum Empfange vermehrter Andacht und Gnade nicht geben kann, als die Andacht selber. Machen wir doch an dem Holze die Erfahrung, daß, je trockener und wärmer dasselbe ist, es um so leichter von der Flamme, die noch trockener und heißer ist, ergriffen wird. Um aber das Wesen dieser Andacht näher zu bezeichnen, möchte man sie mit einem kostbaren Wasser vergleichen, das aus verschiedenen wohlriechenden Kräutern und Blumen ausgezogen und gemischt wird; denn in der That ist in ähnlicher Weise die Andacht eine kostbare geistliche Stimmung und Empfindung, die gleichsam zusammengesetzt ist aus verschiedenen geistlichen und heiligen Stimmungen und Empfindungen, womit die Seele ganz. ausgefüllt seyn soll, wenn sie sich diesem h. Sacramente nahet. Mit welcher Zerknirschung des Herzens und mit welchen Reuethränen," sagt darum der h. Ambrosius, mit welcher Ehrfurcht und Scheu, mit welcher Unbeflecktheit ziemt es uns, das himmlische Geheimniß zu empfangen, in welchem Dein Fleisch, o Herr, wahrhaft genossen, Dein Blut wahrhaft getrunken wird, in welchem das Niedrigste mit dem Höchsten, das Irdische mit dem Göttlichen verknüpft wird, in welchem auf geheimnißvolle und unaussprechliche Weise Du das Opfer und der Hohepriester bist, um den sich die heiligen Engel schaaren! Wer wird das selbe würdig zu empfangen vermögen, wenn nicht Du, allmächtiger Gott, den Empfangenden würdig machest? Im Einzelnen und Besonderen ist es zunächst die höchste Demuth und Ehrfurcht, der möglichst hohe Grad von Liebe und Vertrauen und das sehn 192 lichste Verlangen nach dem Himmelsbrode, was uns zum h. Tische geleiten soll. Um dieses Alles in sich zu wecken und zu befestigen, wird man daher wohl thun, schon einige Tage vor der h. Communion sich darin zu üben, und sowohl Gebeten und Betrachtungen sich zu unterziehen, als auch der Reinigung seines Gewissens durch Erforschung desselben, Erweckung der Reue und facramentalische Beichte obzuliegen. Gewiß verdienen darum jene Christen einen schweren Vorwurf, die, jeder Art von Sünden hingegeben, endlich um die Osterzeit zur Beichte gehen, und dann, nachdem sie kaum ihre zahllosen Vergehen und Befleckungen bekannt und von den Füßen des Beichtvaters sich erhoben haben, auch schon zu dem himmlischen Tische treten, um den Kuß des Friedens zu nehmen und zu empfangen, der nur den Freunden und Hausgenossen des Herrn gebührt. Wie viel ziemender wäre es, sich vorher einige Tage mit der Versöhnung Gottes zu beschäftigen, mit Thränen der Heue das Brautgemach zu waschen und es auszuschmücken, in welchem man Gott aufnehmen und beherbergen will? Mindestens aber möge man, wenn es irgend zu vermeiden ist, nicht mit dem so neuen Andenken an seine Sünden und ehe noch so zu sagen der Geruch derselben aus unserer Seele zu schwinden Zeit gefunden hat fast unmittelbar vom Beichtstuhle hinweg zum reinsten und allerheiligsten Geheimniß treten. Willst du einwenden: wenn du etwa, wenigstens am Vorabende, das h. Sacrament der Buße empfängst, so könnest du bis zur Zeit der Communion dich der Sünden nicht enthalten; so diene dir hierauf zur Erwiederung: Sind deine Sünden bis dahin nur leichte Fehler und Versehen, so ist kein Grund, aus Furcht vor solchen dich mit dem Empfange des H. Mahles zu übereilen, indem nach dem Ausspruche Gottes auch der Gerechte ja siebenmal des Tages fällt; hast du aber Ursache zu fürchten, du werdest bis dahin in schwere Sünden zurückfallen, wie viel gefährlicher und verderblicher ist es dann, zum Tische des Herrn zu treten mit - - 193- einem ſo schwankenden, unbeständigen und im Guten so wenig befestigten Gewissen, daß du daran verzweifelst auch nur eine kurze Zeit hindurch dich vor Todsünden zu bewahren! Wo ist dann dein Vorsatz, Gott ferner nicht mehr zu beleidigen, wenn es auch dein Leben kosten sollte? Wo ist die Liebe Gottes über Alles? Die Liebe, die Nichts so sehr fürchtet, als Ihn zu beleidigen. Die Macht der Gnade ist nicht so unbedeutend und eine Todsünde nicht so leicht begangen, daß der Mensch mit einigem Fleiße sie nicht ein Paar Tage hindurch und selbst Jahre lang, ja während seines ganzen Lebens vermeiden könnte. Freilich, will man fleischliche und sinnliche Menschen auch nur auf die Dauer von einigen Tagen hiezu verpflichten, so ist das, als wollte man einen Strom nach vieljährigem Laufe aus seinen gewohnten Ufern ableiten. Ist es auch der Gewalt und Kunst gelungen, ihn zu hemmen und hinwegzuleiten, so strebt er doch alsbald wieder nach seinem Bette und durchbricht, so weit er es vermag, eine jede Schranke, die ihn an seinem früheren Laufe hindert. Ganz in derselben Weise verhält es sich mit denen, die sich der traurigen Freiheit der Sünde hingegeben, die sich gewöhnt haben zu thun und zu reden, was immer ihnen gelüstet, und die ihr Herz und ihren Verstand mit dem Strome ihrer Begierden und Leidenschaften abwärts treiben lassen. Sollen diese in ihrem Laufe gehemmt und daran gewöhnt werden, mit dem Aufgebot aller Kraft die verkehrten Neigungen zu brechen, dann ängstigen sie sich, weil sie voraussehen, es werde keinen Tag und keine Stunde dauern, bis sie, ihren Verpflichtungen untreu, vom Strome wieder fortgerissen werden, und sie suchen den Zeitpunkt zu beschleunigen, wo sie ihre frühere Lebensweise wieder beginnen können. Unglückliche! Wie wollet ihr hoffen, euer Heil zu erringen und der Genossenschaft deren, die treu gekämpft haben, beigezählt zu werden, da es euch unmöglich und unerträglich dünkt, auch nur während eines oder einiger Tage die Waffen und den 9 4194- Panzer dieser Genossenschaft zu tragen, das Joch der Tugend auf euch zu dulden und auf dem Pfade der Unschuld und Heiligkeit zu wandeln? Mit Andacht, wurde gesagt, sollen wir den Herrn empfangen. Willst du also zum heiligen Mahle hintreten, so nähere dich mit dem Gefühle, daß du ein armer Sünder bist, dem Schake, welcher alle Reichthümer und alle Glückseligkeit und alle Genüsse in sich schließt, und sprich in deinem Inneren zu Gott: O süßester Herr und Gott! Siehe, so groß sind meine Missethaten, daß ich sie weder zu bessern noch Dir dafür genug zu thun im Stande bin. Darum verlangt es mich, Deinen geliebtesten Sohn zu empfangen, der auf dem Altare des Kreuzes Dir das vollkommenste Opfer für mich dargebracht hat. Dieſes bringe auch ich Dir jetzt dar für meine Sünden, auf daß Er für mich Genugthuung leiste. Denn ich weiß, daß es kein anderes im Himmel und auf Erden giebt, das Dir mehr gefiele und das irgend meine Schuld gegen Dich zu lösen vermöchte. Ich verlange auch, himmlischer Vater, diesen Deinen Sohn zu empfangen, um hiedurch Dir wohlgefällig zu werden, und Ihn Dir aufzuopfern für alle Gaben, Gnaden und Wohlthaten, welche ich bis jetzt von Dir erhalten habe und für welche ich Dir einen anderen genügenden Dank nie darzubringen im Stande seyn werde. Erwäge dann, wie gewaltig deine Neigung zum Bösen und wie gering zum Guten sey, und sprich: O ewiger Vater, ich verlange sehnlichst Deinen geliebten Sohn zu empfangen, um Jhn Dir für mich aufzuopfern, auf daß ich um Seinetwillen und durch Seine Macht alle meine Feinde: den Teufel, die Welt und das Fleisch, zu überwältigen vermag. Ich will ferner, heiligster Vater! Deinen Sohn empfangen, damit Sein Reichthum meine Armuth, Seine unendliche Güte meine Bosheit tilge, Seine unerfaßliche Gottheit meine durch Sünde zerrüttete und entkräftete menschliche Natur wieder herstelle und vervollkommne. Endlich, o himmlischer Vater! verlange ich nach dem 195 Empfange Deines geliebtesten Sohnes, damit Du um dieses meines Mittlers willen mich an Kindes Statt aufnehmest und behaltest, so gewiß als einst Dein Sohn am Kreuze festgehalten wurde, von dem Er nicht herabsteigen wollte, bevor er mich Sich gleich gemacht und mit Dir ausgeföhnt hätte. Um Seiner Liebe willen flehe ich denn zu Dir, Du wollest mir beistehen und mich so fest mit Dir verbinden, daß ich nimmer von Dir lasse, wenn auch die ganze Welt von Dir lassen sollte. Und um dieses Alles bitte ich nicht für mich allein, sondern für Alle diejenigen, denen ich irgendwie verpflichtet bin, ja für alle Menschen, Lebende und Verstorbene! Betrachte ferner die Größe und Majestät des Herrn, den du in diesem Sacramente empfangen willst, und wie unwürdig der Mensch Desselben sey, so daß er sich eher der Verwerfung würdig als der Aufnahme des Unendlichen werth erkennen muß. Erinnere dich, wie die seligste Jungfrau, so rein und Gottes würdig sie war, dennoch erschrack, als der Engel ihr die Botschaft brachte, daß sie die Mutter Gottes werden sollte; und wie der h. Johannes, der Täufer und Vorläufer des Herrn, sich scheute, als er geheißen ward, den heiligsten Leib Christi zu berühren und in die Wasser des Jordan einzutauchen. Wie viel mehr haben wir unglückliche und arme Sünder Ursache, denselben Herrn mit Furcht und Scheu in uns aufzunehmen und mit höchster Ehrfurcht zu bewahren? Meine übrigens Niemand: Nur wenn er Alles das aus ganzer Seele fühle, sey er würdig und geeignet zum Tische des Herrn zu gehen. Wer sich arm an Gefühlen findet, ängstige sich deßhalb nicht; er ersetze dieselben vielmehr durch einen desto größeren Glauben und durch ein desto reicheres Vertrauen auf das Wort des Herrn: Wer mein Fleisch ist und mein Blut trinkt, bleibt in mir und ich in ihm."( Joh. 6, 54.) Es muß Jeder in sich Zweierlei unterscheiden, was sich selbst in Jesus Christus unterschieden findet: Die höhere Kraft und Thätigkeit 9* 11 196 der Seele, und die niedere, die bloße Sinnenthätigkeit. Wie bei dem Erlöser muß jene unsere höhere Seelenkraft stets zu Gott erhoben und mit Jhm verbunden seyn; kräftig und fröhlich, schnell und frei muß unser Geist sich aufschwingen zu Jhm, ohne sich hindern zu lassen durch die Bedrängnisse und Mühen, die Leiden und Entbehrungen, Trauer, Furcht und Angst, oder auch durch angenehme Empfindungen, welche in das Bereich des Körpers und der niederen Seelenthätigkeit gehören. Ja, unter je größeren Schwierigkeiten Einer sich den Sieg erringt, mit desto größerem Ruhm wird er ihn genießen und desto mehr des göttlichen Wohlgefallens sich erfreuen. Wollen wir demnach würdig den Leib des Herrn empfangen, so seyen wir nur recht bemüht, unsere höheren Seelenkräfte auf Gott gerichtet und in Gott befestigt zu halten, darauf zu achten, daß unser Wille nach Ihm verlange, Ihn liebe, und gegen Nichts in der Welt Ihn vertauschen möchte; prüfen wir uns, mit welcher Treue wir Ihm dienen und mit welcher Standhaftigkeit wir Ihm zu dienen entschlossen sind; kurz, fragen wir nicht sowohl darnach was wir fühlen, als vielmehr, welche Absichten und Entschlüsse wir in uns tragen; dann werden wir mit dem Empfange des Leibes Christi auch der unermeßlichen Gnaden dieses Sacramentes nicht entbehren. Wir werden aber um so reichlicher dieser Gnade theilhaft seyn, je öfter wir würdig zum h. Mahle hinzutreten. Zwar ist es der facramentalische Empfang nicht allein, durch welchen wir an den glorreichen Früchten des h. Sacramentes uns betheiligen können, sondern wir können es auch durch die geistige Theilnahme eines nach dem h. Geheimnisse dürftenden, demüthigen und sehnsüchtigen Herzens. Es kann der Mensch, in Gesundheit und in Krankheit, täglich viele Tausendmal durch solche Sehnsucht geistiger Weise communiciren und zwar mit folchem Glauben und solcher Liebe, daß er die göttliche Gnade nicht minder reichlich genießt, als hätte er in sacramentalischer 197 Weise die h. Communion empfangen. Aber nur der wird fähig seyn zu diesem geistigen Genusse, welcher nicht allzu selten auch an dem wirklichen Genusse sich betheiligt. Es fehlt nicht an Solchen, welche geneigt sind, den häufigen Empfang der H. Communion zu tadeln. Lieber als auf diesen Tadel wollen wir auf die Stimme heiliger Lehren achten, die, so verderblich sie es nennen, mit einer Todsünde befleckt zum h. Mahl zu treten, es für eben so heilbringend und belebend anerkennen, mit reiner Seele dasselbe recht häufig zu empfangen. Haben ja in den ersten Zeiten der Kirche die Christen an jedem Tage communicirt, und gerade aus diesem täglichen Empfange des h. Sacramentes eine solche Innigkeit der Liebe und geistige Vollkommenheit geschöpft, daß sie weder Qualen, noch den grausamsten Tod um Christi willen gefürchtet haben. ¹) 1) Der H. Franz von Sales sagt: Fragen die Weltkinder dich, warum du oft communicirest, so sage ihnen: Gott lieben zu lernen, von deinen Fehlern dich zu reinigen, von deinem Elende dich zu bes freien, in deinen Trübsalen dich zu trösten, in deiner Schwäche dich zu stüßen. Sage ihnen, daß zwei Gartungen von Menschen oft com: municiren müssen: die Vollkommenen, welche, da sie so wohl vorbe. reitet sind, höchst unrecht hätten, dem Born und Quell aller Vollkom: menheit nicht zu nahen, und die Unvollkommenen, damit sie mit Recht nach der Vollkommenheit streben; die Starken, damit sie nicht schwach, und die Schwachen, damit sie stark werden; die Kranken, damit sie genesen, die Gesunden, damit sie nicht erkranken; daß also du, als unvollkommen, schwach und krank, es höchst nöthig habest, oft mit deiner Vollkommenheit, deiner Kraft und deinem Arzte dich zu verei nigen; fage ihnen, daß Jene, die nicht sehr mit weltlichen Geschäften belastet sind, dem Tische des Herrn oft sich nahen sollen, da es ihre Bequemlichkeit ihnen gestattet; daß aber Jene, welche in viele zeitliche Geschäfte verwickelt sind, darum es thun sollen, weil sie dessen gar sehr bedürfen, da derjenige, der viel arbeitet und mit vieler Mühe zu kämpfen hat, auch stärkere Sveisen, und zwar öfter denn Andere, ge nießen muß. Sage ihnen, daß du das hochheilige Sacrament empfangest, um dasselbe wohl empfangen zu lernen, da man selten ein Werk wohl verrichtet, wenn man nicht öfter dazu sich übt. 198 Indessen möchten an und für sich eben so wenig Jene zu tadeln seyn, die aus Demuth und Scheu vor dem h. Geheimnisse dasselbe minder häufig als andere fromme Christen zu empfangen wagen; vorausgesetzt, daß sie den Empfang nicht unterlassen, so oft die Kirche es gebietet und so oft der Zustand ihrer Seele es erheischt. Zachäus freute sich, den Erlöser in seinem Hause aufzunehmen, der Hauptmann hingegen sprach: Ich bin nicht würdig, daß Du unter meinem Dache einkehrest; der Eine wie der Andere ehrte den Erlöser und wurde der göttlichen Erbarmung theilhaft. übrigens ist solche Scheu nur allzu oft keine heilige, sondern entspringt aus Kleinmuth, Nachlässigkeit und Täuschung seiner selbst, und gewiß ist es besser, daß die Christo geweihte Seele oft mit Liebe diese Himmelsſpeise nehme, als aus Scheu sich deren enthalte. Einen anderen Tribut, eine andere Verpflichtung hat uns ja der Herr nicht auferlegt, als die Liebe, welche die Erfüllung und der Endzweck des Gesetzes ist, so daß ein Heiliger sagen konnte: Wer Dich, o süßester Heiland, vollkommen liebt, der reinigt vor Allem sein Inneres, und dann eilt er zu Dir und meint, ohne diese himmlische Nahrung sein Leben nicht fristen zu können. Und ein Anderer: Es ist lobenswerther, mit Liebe zu dem h. Sacramente und mit Vertrauen auf die göttliche Barmherzigkeit oft hinzutreten, als aus Furcht und Ängstlichkeit sich längere Zeit davon entfernt zu halten. Und der h. Ambrosius: Sündige ich doch immerfort; wie sollte ich nicht immerfort des göttlichen Heilmittels bedürfen. Und wahrlich, es giebt kein kräftigeres Heilmittel, um die Seele zu stärken und zu trösten und zu der verlornen Gnade wieder zu erheben, als recht häufig mit Reinheit und Demuth die h. Communion zu empfangen. Denn wie der sterbliche und hinfällige Leib durch die irdische Speise erhalten wird, so wird die unsterbliche Seele genährt und gekräftigt durch diese heilbringende göttliche Nahrung. Sie reinigt die Seele und macht sie Gott ähnlich; durch sie werden 199- die läßlichen Sünden getilgt, die Todsünden fern gehalten, die Tugenden gemehrt und heilige Begierden geweckt. Durch sie wird die Fülle der Gnaden eingegossen, die Seele mit unendlicher Süßigkeit erfreut, die Frömmigkeit gesteigert, das Vertrauen geweckt, die Zerknirschung des Herzens und Demuth erzeugt und die Liebe in wunderbarer Weise entzündet. Kurz, alle Güter, welche wahrhafte Güter sind, fließen uns durch den häufigen Empfang des h. Sacramentes in reichstem Maaße zu. Es erleuchtet den Verstand, es entflammt den Willen und erfüllt das Gedächtniß mit himmlischer Seligkeit. Hingeriffen von der Betrachtung der wunderbaren Kraft dieses h. Gastmahles bricht darum der h. Bernhard in die Worte aus: O großes und unschäßbares Sacrament! Lerne, mein Christ! wie sehr du schuldig ist, deinen Schöpfer zu lieben, der dir Sein Fleisch zur Speise, Sein Blut zum Tranke, Sein Leben zum Lösegeld und das Wasser Seiner Seite zur Abwaschung deiner Sünden hingegeben hat. O allerheiligstes und himmlisches Geheimniß, Gnade über alle Gnade! Dieser kostbarste Leib unsers Erlösers Jesu Christi ist das Heilmittel der Kranken, der Stab der Wanderer, die Kräftigung der Schwachen, die Freude der Gesunden, der Trost der Elenden, die Zuflucht der Armen, der Rath der Reichen und die stets bereite Hülfe der in Gefahren Schwebenden. Kraft Seiner wird der Mensch sanftmüthig dem Tadel gegenüber, ausdauernd im Wirken, innig in der göttlichen Liebe, scharfsinnig im Geschäfte des Heils, geschickt zum Gehorsam, verständig in seinem Thun, andächtig im Gebete, demüthig und eifrig in jedem guten Werke! Aufs tiefste ist es darum zu betrauern und zu beklagen, wenn Jemand sich nur mit Trägheit und Nachläſſigkeit zum Empfange des h. Geheimnisses bereitet, oder nur selten es empfangen mag, da auf ihm doch die Hoffnung und der Trost derer beruhet, die zur Seligkeit berufen sind. O Härte und Blindheit des menschlichen Herzens, das ein so unermeßliches 200 Geschenk nicht achtet! Jauchze, fromme Seele, und danke deinem Gott für diese so herrliche und edle Tröstung, die Er im Thale der Thränen dir zurückgelassen; denn so oft du dieses Sacrament empfängst, erneuerst du das Gedächtniß deiner Erlösung und machest dich theilhaft aller Verdienste Jeſu Christi. Ja, mein Herr und mein Gott! ich bekenne vor Dir meine Dürftigkeit und mein großes Elend und erkenne Deine Güte und unendliche Barmherzigkeit. Ich preise Dich und danke Dir für Deine unermeßliche Liebe, mit welcher Du, aus bloßer Gnade und ohne mein Verdienst, eine solche Wohlthat mir gespendet hast. Vertheidige mich durch die Kraft Deines h. Geheimnisses gegen alle Feinde meiner Seele, laß mir dieselbe zur Seite stehen in der Stunde meines Todes und mich durch sie zur ewigen Herrlichkeit gelangen! Anweisung des Papstes Gregor XIV. zum Empfang der heiligen Communion. Erstens. Vor der Communion bereite ich mich auf folgende Weise vor: am vorhergehenden Tage erforsche ich mein Gewissen, beichte demüthig und bereue von ganzem Herzen alle Sünden, welche ich begangen habe. Die mir vom Priester auferlegte Buße verrichte ich und füge zu derselben noch irgend ein anderes Werk der Abtödtung hinzu. Den folgenden Morgen beschäftige ich mich länger mit mir selbst, bete im Geiste und bitte Gott, so inbrünstig als ich vermag, um die Gnade, würdig zu communiciren; ich bitte Jhn, daß Er mich so werden lasse, wie Einer seyn muß, der eine solche Majestät empfängt; auch, daß Er mein Herz mit Seiner göttlichen Liebe entflamme, damit die sacramentalische Vereinigung mit Ihm solche Wirkung in mir hervorbringe, wie die in wahrhaft heiliger Weise Ihn Empfangenden sie in ihrer Seele fühlen. - 201 Darauf betrachte ich, welche große Sache es sey, den Ges salbten des Herrn in sich aufzunehmen; ich erwäge, daß Er es ist, den die Engel ehrfurchtsvoll anbeten, nach welchem die Propheten sich gesehnt, welchen die Apostel geliebt, welchem die Märtyrer nachgeahmt, mit einem Worte, nach welchem alle Heiligen gedürstet und mit dem allein sie sich beschäftigt haben. Ist diese Betrachtung beendigt, so suche ich meine Seele durch zwei Erwägungen noch mehr zu entflammen, nämlich: über die Vortrefflichkeit und Nüglichkeit des allerheiligsten Sacramentes; sodann über meine eigene Noth und Bedürftigkeit desselben. Zweitens. Indem ich zur h. Communion gehe, überdenke ich fünferlei. 1. Alle Heiligen, besonders die heilige Jungfrau und meinen Schußheiligen, lade ich ein, daß sie bei Gott für mich bitten, und daß sie meine Seele schmücken und zum heiligen Tische begleiten. 2. Jch betrachte meine Niedrigkeit und Unwürdigkeit; wie sehr ich mit Sünden und Unvollkommenheiten beladen bin, und und indem ich bedenke, daß nichts Gutes in mir ist, werfe ich mich nieder vor der göttlichen Barmherzigkeit, welche durch ihre Gnade mir das Mangelnde verleihen kann. 3. Ich nehme Bedacht, die Tugenden, besonders aber Glaube, Hoffnung und Liebe in mir zu erwecken. 4. Bisweilen beklage ich, daß ich so wenig vorbereitet zur h. Communion trete; bisweilen bitte ich Gott, daß Er wegen meiner Unvollkommenheit nicht Anstand nehme, in die Wohnung meiner Seele einzuziehen. Bisweilen verwundere ich mich und staune, daß Er nicht verschmäht einzukehren bei mir, der ich Ihn doch so oft beleidigt und verachtet habe, ja an dessen Leiden und Tod auch ich schuldig bin. Bisweilen rede ich auch also zu meiner Seele: Siehe, meine Seele, deinen Herrn und Gott! Siehe den Geliebten deines Herzens! Wie glücklich bist 202 du, wenn du Ihn erkennst, liebst, verehrst und so aufnimmst, daß Er nimmer von dir scheiden mag! 5. Ich stelle Gott alle meine Sünden vor und all das unsägliche Elend, womit ich behaftet bin; innig und demüthig bitte ich Ihn, daß Er mir Alles vergebe; und endlich verspreche ich Ihm, daß ich Ihm, soviel in meinen Kräften steht, Genugthuung leisten will. Drittens. Nach vollbrachter Communion ziehe ich mich an einen einsamen Ort zurück, auf daß ich ganz allein mit meinem Herrn, welcher unter mein Dach wahrhaft und wesentlich einzugehen sich gewürdiget hat, mit inniger Liebe rede. 1. Ich opfere dem ewigen Vater auf das heiligste Opfer Seines Sohnes und stelle Ihm vor, was Er für mich gelitten hat, damit Er, anschauend das Angesicht seines Gesalbten, gnädiger auf mich herabblicke. Darauf danke ich der göttlichen Majestät von ganzem Herzen, daß Sie in solchem Maaße uns geliebt hat, uns den Eingebornen zu schenken und Ihn für unser Heil dahinzugeben. 2. Ich wende mich an die seligste Jungfrau und an alle meine Schußheiligen, welche ich inständigst bitte, daß sie an meiner Danksagung das ergänzen wollen, was derselben mangelt und daß sie Gott für mich lobpreisen wollen. 3. Ich nehme meine Zuflucht zu Christus, und offenbare Ihm, als dem erfahrensten Arzte, voll Vertrauen alle meine Schwachheiten, bitte Ihn flehentlichst, daß Er sie nach Seiner Barmherzigkeit heilen und mir alle jene Gnaden verleihen wolle, deren Er mich bedürftig weiß. 4. Ich fasse den Vorsatz vor Gott: Seinen heiligen Willen zu befolgen, mich in Allem, worin ich zu fündigen pflege, zu bessern, zunächst aber einen besonderen Fehler, dessen ich mich schuldig fühle, auszurotten und irgend eine besondere Tugend mir tiefer einzupflanzen, auf daß ich immer vollkommener werde im Guten. Darauf flehe ich inbrünstig zur göttlichen Güte, daß 203- sie das, was sie in mir gewirkt hat, befestige und daß sie das gute Werk, welches sie begonnen, auch vervollkommne und ihm Gedeihen schenke. Endlich bewache ich jenen ganzen Tag hindurch mein Herz um so eifriger, indem ich bedenke, daß der Herr darinnen ist und wie in seiner Wohnung darin ruht. Dabei befleiße ich mich aller Bescheidenheit, sowohl in Wort, Blick und Gang, als auch überhaupt im äußeren Umgange. Oft rufe ich meinem Geiste die verrichtete Communion zurück und zwar durch diese oder ähnliche Erwägungen: Heute, o Herr, bist Du zu mir Sünder gekommen; heute bist Du ein Gast geworden in der Wohnung meines Herzens; o scheide nicht mehr von mir; bleibe bei mir, ich bitte Dich, denn es will Abend werden, die Nacht des Todes, der Versuchung, des Leichtsinnes nahet. Aber auch in anderen Gebeten danke ich an diesem Tage dem Herrn für Seine Barmherzigkeit, in welchen ich einschließe alle meine übrigen Handlungen, alle guten Werke, auf daß sie gereichen mögen zum Ruhme und zur Ehre dessen, der in so herrlicher Weise an meiner Seele zum Wohlthäter geworden ist. 11 क 204- Communiongebete. Wer mein Fleisch ist und mein Blut trinkt, der bleibt in mir und ich in ihm. Wer von diesem Brode ißt, der wird leben in Ewigkeit. Joh. 6, 52. 57. Erwägung der Seele, die sich zum Liebesmahle des Herrn bereiten will. Liebreichster und über Alles liebenswürdigster Jesurs Christus! Achte auf mein demüthiges Flehen und erhöre mein inständiges Gebet. Nach Deiner großen Barmherzigkeit reinige meine Seele von aller Verunreinigung der Sünde, auf daß ich würdig sey, Deinem Altare zu nahen und das allerheiligste Geheimniß Deines Leibes zu empfangen. Ich bekenne, o liebreichster Jesus, vor Deiner Allmacht, daß ich zwar überaus mit Schuld beladen bin, daß ich aber, obgleich ich so viel Böses thue, dennoch an Deiner unaussprechlichen Güte nicht verzweifle. Gütig bist Du, o Herr! und nach Deiner Güte lehre mich Deinen allerheiligsten Willen, auf daß ich denselben erkenne und nach Gebühr vollbringe und so mit reinem Munde und reinem Herzen Deine heiligen Geheimnisse empfangen möge! 204 Communiongebete. Wer mein Fleisch ist und mein Stat trist, bleibt in mir und ich in ihm. We von einem Brode ikt, bet wird lebe in@wigkeit. 306. 6, 52, 57) Erwägung der Seele, die sich zum Liebesmahle des Herrn bereiten will. Liebreichster und über Alles liebenswürdigster Jesus Shriftus! Achte auf mein demüthiges Flehen und erhöre mein inständiges Gebet. Nach Deiner großen Barm berigteit reinige meine Seele von aller Verunreinigung ter Sünde, auf daß ich würdig ſey, Deinem Altare en amb baß allerheiligste Geheimniß Deines Leithe empfangen. Ich befenne, o liebreichster Jeſus, ver Deiner Allmacht, daß ich war überaus mit Schuld belaben bin, daß ich aber, obgleich ich so viel Böses thue, brated on Deiner unaussprechlichen Güte nicht vergmeile hiig bist Du, o Herr! und nach Deiner Güte lebre mit einen allerheiligsten Willen, auf daß ich denselben so mit reinen: gen Geheimnisse empi e spenat Gebühr vollbringe und sed reinem Herzen Deine heili 205 Wohlan, meine Seele! Bereite die Wohnung deines Herzens zum Empfange des Leibes und Blutes deines Schöpfers, durch lautere Gesinnung und durch lautere Werke! Räume hinweg aus deinem Innern, was einen Gast von so unendlicher Majestät beleidigen könnte. Denn Er kann nicht in einem Herzen, in einer Seele bleiben, woran noch irgend ein Flecken der Sünde haftet. Wo nicht vollendeter Friede und wahre Liebe wohnen, da muß Er es unwürdig finden einzukehren, und alsbald verläßt Er die Seele, in welcher Unruhe und Zerrüttung herrscht. Wehe aber der Seele, welche Christus um ihrer Ungerechtigkeit willen verläßt und den Versuchungen und Ränken des bösen Feindes preis giebt. Darum, o meine Seele, überwache mit Fleiß und Sorgfalt alle Sinne deines Leibes und sammle dich in dir selbst; und was immer du in dir Unreines entdeckest, entferne es aus dir. Hast du dann aus deinem Inneren alles Sündhafte sorgfältig verbannt, so verschließe den Eingang, damit dasselbe nicht irgendwie zurückkehre und dich abermals beflecke. Erinnere dich, so innig du es vermagst, der unaussprechlichen und über alle Schäßung erhabenen Milde, womit dein Erlöser, den du empfangen willst, um deiner Erlösung willen zahllose Beleidigungen ertragen hat und an's Kreuz geheftet wurde. Überdenke Sein Leiden, das Er am Kreuze selbst ertrug, erwäge im Einzelnen Seine Schmerzen: wie Jhm am Kreuzesstamme. Füße und Hände durchbohrt worden sind, wie Seine 206 Seite von der Lanze durchstochen wurde, wie Er, selbst von denjenigen, für welche Er litt, als ein Missethäter dargestellt und verhöhnt wurde, und wie Er das Alles als das geduldigste Lamm ertrug. Bedenke auch), wie Er sich an Seinen Mördern nicht rächte, so leicht es Ihm gewesen wäre, sondern wie Er den Vater bat, daß Er ihnen diese Sünde verzeihe. Hast du nun so in die Erinnerungen an deinen Heiland dich versenkt, dann richte deinen Blick auf den vor dir gegenwärtigen, kostbaren Leib des Herrn, um mit Ihm, als mit dem Gegenwärtigen zu reden und Ihm deine Anliegen vorzutragen. Erwecke und befestige in dir den Glauben, daß dieser Leib wahrhaftig jener Leib sey, welcher aus der Jungfrau geboren, ans Kreuz geschlagen, ins Grab gelegt worden, am dritten Tage von den Todten auferstanden, gen Himmel aufgefahren ist und zur Rechten des Vaters fizet. Erwäge, wie viele Engel deinen Erlöser in dem anbetungswürdigen Geheimnisse Seines Leibes und Blutes umgeben und Ihm huldigen; mit welcher Ehrfurcht und Liebe alle Heiligen dieses Sein Geheimniß, den Preis ihrer eigenen Erlösung, auf der Erde betrachten, wegen dessen ewiger Anschauung und immerwährendem Genusse sie sich selig preisen. Mit solchen Erwägungen, o meine Seele, bereite dich auf den Empfang deines Herrn; flehe zu Ihm, daß Er nach Seiner unermeßlichen Barmherzigkeit dich von jedem Hauch der Sünde reinige. Gehe ganz in Christus auf, den du empfangen willst, damit du Ihn - 207- anzubeten und in deinen Anliegen Erhörung zu erlangen würdig werdest. Gebet zur h. Messe, bei welcher man die h. Communion empfängt. Allgütiger, höchster Schöpfer Himmels und der Erde, obgleich ich dessen unwürdig bin und mit mancherlei Sünden belastet, bringe ich Dir in Vereinigung mit der heiligen Kirche, Deinen eingebornen Sohn als das kostbarste Opfer für alle meine Sünden dar, welche ich bis jetzt begangen und für alle Wohlthaten, die ich bis auf diesen Tag von Dir erhalten habe. Schaue, o barmherzigster Vater, auf Deinen Sohn, der so viel für mich gelitten hat. Erwäge, wer es ist, der da leidet, und sey eingedenk, für wen Er leidet. Es ist ja Dein Sohn, der Unschuldige, den Du dahingegeben, um den Diener, den Schuldigen, dadurch zu erlösen. Es ist ja hier gegenwärtig der Urheber des Lebens, welcher, wie ein Lamm zur Schlachtbank geführt, Dir bis zum Tode gehorsam war und die furchtbarste Todesart nicht scheute. Erwäge, o Spender alles Heils, daß hier gegenwärtig ist derjenige, welchen Du von Ewigkeit gezeugt und welchen Du dennoch meiner Gebrechlichkeit theilhaftig werden ließest. Es ist Deine Gottheit, welche meine Natur annahm, den Kreuzesstamm bestieg und an dem angenommenen Leibe die 208 schwere Todesstrafe erdulden wollte. Wende, o mein Herr und Gott, den Blick Deiner Majestät auf dieses Werk unaussprechlicher Barmherzigkeit. Siehe den Leib Deines geliebten Sohnes am Kreuze ausgespannt; siehe Seine unschuldigen Hände mit dem geopferten Blute übergossen und verzeihe mir um Seinetwillen gnädig alles Böse, was meine Hände gethan haben. Betrachte wie Seine entblößte Seite von der grausamen Lanze durchbohrt ist, und heilige mich durch den heiligen Quell, der aus derselben entsprungen ist. Siehe Seine unbefleckten Füße, die niemals auf der Straße der Sünden, sondern stets auf Deinen Wegen wandelten, von schweren Nägeln durchbohrt, und lenke auch meine Schritte auf Deinen Pfaden und verleihe, daß ich die Wege der Ungerechtigkeit verabscheue. Ich bitte Dich, König der Heiligen, bei diesem meinem allerheiligsten Erlöser, laß mich die Bahn Deiner Gebote wandeln, daß ich im Geiste mich mit Dem vereinigt finden möge, welcher es nicht verschmäht hat, sich mit meinem Fleische zu umkleiden. Du siehest, o mildester Vater, wie Dein geliebtester Sohn mit gebeugtem Nacken Sein Haupt dem für uns so kostbaren Tode überliefert? Betrachte, gnädiger Schöpfer, die Menschheit Deines Eingebornen und erbarme Dich um ihrer willen über die Schwachheit Deiner gebrechlichen Geschöpfe. Seine entblößte Brust erbleicht, es röthet sich die verwundete Seite, Sein ausgespannter Körper sinkt zusammen, Seine lieblichen Augenlichter erlöschen, Sein königlicher Mund - 209 erblaßt, Seine edlen Arme erstarren, Seine Beine gleichen dem Marmor, und aus den durchbohrten Füßen rieselt der Quell des beseligenden Blutes. So schaue denn an, o glorreicher Vater, die zerfleischten Glieder Deines Sohnes und bedenke nach Deiner Güte, welch ein Wesen ich dagegen bin. Schaue auf des Gottmenschen Leiden und erleichtere das Elend des erschaffenen Menschen. Schaue auf den Tod des Erlösers und erlasse dem Erlösten seine Sünden. Siehe, Dieſer ist mein Fürsprecher bei Dir, dem Vater. Siehe den Hohenpriester, der nicht mit fremdem Blute versöhnt zu werden bedarf, vielmehr Sein eigenes Blut für Andere vergossen hat. Siehe das heilige und vollkommene Opferlamm, welches Dir dargebracht und von Dir mit Wohlgefallen anges nommen worden ist. Siehe das Lamm ohne Tadel, welches verstummt unter den Händen seines Scherers, welches mit Backenstreichen verhöhnt, von Schmach gekränkt, seinen Mund nicht geöffnet hat. Er, der keine Sünde gethan, hat unsere Sünden getragen und unsere Wunden durch seine Wunden geheilt. Was hast Du gethan, o Heiligster, daß Du so verurtheilt wurdeft? Was hast Du gethan, o Sanftester, daß Du so hart mißhandelt wurdest? Welches war Dein Verbrechen, Deine Unthat? Welches war die Ursache Deiner Verdammung und Deines Todes? Ach, ich bin die Ursache Deines Schmerzes, der Grund Deines Todes. Ich trage die Schuld an Deinem Leiden 210- und die Verantwortung für Deine Kreuzigung. O wunderbares und unaussprechliches Geheimniß der göttlichen Strafgerechtigkeit! Der Unreine fündiget und der Gerechte wird bestraft; der Schuldige fehlt und der Unschuldige wird gezüchtigt; der Gottlose beleidigt und der Heilige wird verurtheilt; was der Böse verdiente, leidet der Gute; was der Knecht verschuldet, tilgt der Herr; was der Mensch begeht, trägt Gott. Woher, o Sohn Gottes, kam Dir diese Demuth? Wozu trieb Dich Deine Liebe! Wie weit ging Dein Erbarmen, Deine Güte und Dein Mitleiden? Ich habe unrecht gehandelt und Du trägst die Strafe. Ich habe Missethaten begangen und Du wirst von der Rache getroffen. Ich bin übermüthig gewesen, und Du demüthigest Dich. Ich habe mich aufgebläht und Du erniedrigest Dich. Ich bin als ein Ungehorsamer erfunden worden, und Du, der Gehorsame, büßest für Die Sünde des Ungehorsams. So lasse denn, allmächtiger Gott und Vater meines Herrn, mich gnädig Deines Erbarmens theilhaft werden! Siehe, das Kostbarste, was ich aufgefunden, habe ich Dir geopfert, was mir das Liebste ist, Dir dargebracht. Ich habe Dir meinen Fürsprecher, Deinen geliebten Sohn, vorgestellt. Nimm gnädig auf den Hirten und blicke mitleidig auf das Schaf herab, das Er auf Seinen Schultern trägt. Ich bitte Dich, o gütiger Vater, gewähre mir um meines Flehens willen Den zum Mittler bei Dir, welchen Du ohne 211 mein Verdienst aus reiner Gnade zum Erlöser gege= ben hast. Dich aber, Herr Jesu Christe! bete ich an, Dich lobe ich, Dich preise ich und sage Dir Dank, daß Du an Deinen heiligsten Gliedern solche Leiden hast für mich tragen wollen. Ich preise Dich, Sohn des lebendigen Gottes, für Alles und Jedes, was Du um meinetwillen erduldet hast. Ich sage Dir Dank, daß Deine Füße für mich ausgespannt und durchbohrt worden sind! Ich sage Dir Dank, daß Deine Kniee um meinetwillen sich so oft zur Erde gebeugt und ermüdet gewesen sind! Ich sage Dir Dank, daß Dein heiligstes, mit Liebe für mich erfülltes Herz ist durchstochen worden. Ich sage Dir Dank, daß Du um meinetwillen Deine Arme ausgestreckt und an das Kreuz haft heften lassen. Ich sage Dir Dank, daß um meines Heiles willen Deine Schultern die Last des Kreuzes getragen haben, daß am Kreuze Dein Mund die Bitterfeit der dargereichten Galle gekostet hat, daß Deine Augen so viele Thränen für mich vergossen haben, daß Du Dein Haupt mit Dornen krönen ließest, um mir dadurch die Krone der ewigen Herrlichkeit zu verdienen. Gütigster Jesu, ich preise Dein heiliges Blut, das Du für mich vergossen und Deinem himmlischen Vater aufgeopfert haft! Ich preise Dich, daß Deine heilige Seele um meinetwillen Angst gelitten hat, um mir die Freude des Himmels zu erringen! Und so flehe ich denn auch zu Dir, daß Du Kraft Deines Leidens mich von allen meinen Sünden, durch welche ich Deine heilige Ma 212- jestät beleidigt habe, reinigen und mich heiligen wollest. Amen. Gedenke deiner Sünden! Doch, Herr mein Gott, wie darf ich es wagen zu Dir zu reden, ich Dein armes Geschöpf voller Sünden, ich, ein Mensch! Und Du bist der erhabenste Gott und der Herrscher aller Herrscher, der Inbegriff Alles dessen, was gut und groß und herrlich und heilsam ist; der Quell des Lichtes, der Liebe und der Gnade. Und Du suchest mich und ich fliehe; Du bist beſorgt um mich und ich kümmere mich nicht um Dich; Du behütest mich immerdar und ich dagegen beleidige Dich immer; Du spendest mir Deine Gnaden und ich wende mich von Dir hinweg! Mich, der ich niedrig und Nichts bin, liebst Du, und ich vernachlässige Dich, den Unendlichen und unaussprechlich Guten; ja durch meine Sünden und Ungerechtigkeiten bereite ich Dir, o gütigster und geliebtester Herr, nur Betrübniß. Mich reizet mehr das Geschöpf denn der Schöpfer, die Eitelkeit mehr denn die Ewigkeit, und das Elend meiner Sünden schäße ich höher denn die höchste Glückseligkeit. Besser sind, nach dem Ausspruche des h. Geistes, Verwundungen durch den, der uns liebt, als trügerische Liebkosungen des bösen Feindes. Dennoch habe ich mehr Gefallen an diesen trügerischen Liebkosungen als an jenen von Dir geschlagenen Wunden. Doch gedenke - 213 3 nicht, o Herr, meiner Sünden; sondern Deiner eigenen Barmherzigkeit, des Schmerzes Deiner Wunden und Alles dessen, was Du für mich erduldet haft. Wenn Du mich liebst, wie Du es ja gezeigt hast, warum solltest Du mich verlassen? Warum mich der Muthlosigkeit preis geben? So halte mich denn emporgerichtet, o geliebtester Heiland, durch Deine Furcht, fessele mich an Dich durch Deine Liebe, stille das Leiden meiner Seele mit Deiner Süßigkeit. Ich verstehe nicht und weiß nicht, Dir zu dienen, Dir von ganzem Herzen anzuhängen; Du aber weißt und vermagst und wünschest mich also umzuschaffen, daß ich es thue! So flehe ich denn, laß nicht mir, sondern verleihe Dir den Sieg in meiner Seele; laß mich nicht meinen Verirrungen unterliegen, sondern eile mir zu helfen. Indem ich mich von Dir abgesondert und die Liebe, welche ich Dir schuldig war, an mich selbst und die irdischen Dinge vergeudet habe, ist meine Seele tief in Dürftigkeit versunken. Nun aber erkenne ich mein Elend und mit heißer Sehnsucht fehre ich zu dem Born Deiner väterlichen Barmherzigkeit zurück. Siehe mit erbarmendem Blicke auf den Zurückkehrenden, laß mich Theil haben an der Fülle Deiner Gnaden und würdige mich der Umarmung, der Versöhnung und des Kusses Deines Friedens. Ach ich erkenne, daß ich gegen den Himmel und seine ganze Seligkeit, gegen die heilige Kirche, ja ge= gen jedes Geschöpf und gegen Dich gefündigt habe. - 214 Ich habe Übels gethan vor Dir und bin nicht würdig Dein Kind zu heißen, nicht einmal Dein geringster Knecht; darum erbarme Dich meiner und nimm meine Ungerechtigkeit von mir hinweg, auf daß Du gerecht befunden werdest in Deinen Verheißungen. Umkleide mich mit dem Gewande der Liebe, umgürte mich mit innigem Glauben und stüße meine Füße mit kräftiger Hoffnung, daß ich, mit Deinem Blute erquickt, ganz in Deiner Liebe leben möge. Laß heiligen Reueschmerz mein Inneres durchdringen und allda verdrängen jede Liebe, die Dir feindlich ist; möge ich mit Dir für die Welt gekreuziget seyn, auf daß, derselben abgestorben, mein Leben mit Dir in Gott verborgen sey. O des glücklichen Lebens, welches vor der Welt verborgen, mit Christus vereint ist und in Gott als seinem Mittelpunkte ruht. Dieses Eine ist mir noth, und dies Eine verlange ich. Hinweg mit der Menge irdischer eitler Vorspiegelungen; Einer ist meine Liebe, Jesus Christus! Nichts ergöße mich, Nichts erfreue mich, Nichts habe Reiz für mich, als nur Christus; Er sey ganz mein, ich sey ganz Sein, mein Herz sey Eins mit Seinem Herzen und ich will nichts anderes wis sen, denken und lieben als allein den Herrn Jesum Christum, den Gekreuzigten. Wohlan denn, o gütiger Jesu, schließe mich in Dein Herz, tränke mich mit Deiner Fruchtbarkeit und erquicke mich mit Deinen Wunden. Wache auf, meine Seele, und ermanne dich, um es dem Erlöser nachzufühlen, 215 wie Er einst weinte über Jerusalem und am Kreuze, aber vielmehr über dich! Wache auf für das Wort der Unterweisung, der Ermahnung und Verheißung, welches Er für dich hat! Wache auf, um zu schauen und zu fühlen Seine Wunden, Seine Unbilden, Seinen Tod. Gebet Acht, sprach Er, und sehet, ob auch ein Schmerz ist wie mein Schmerz. Ja, Herr, ich will hinzutreten und sehen, ob auch eine Liebe ist wie Deine Liebe. Nur Dich will ich darum lieben und um Deinetwillen. Du, Herr, hast mich sündhaften Menschen, mich, den Verächter Deiner Gebote, in solchem Maße geliebt, daß Du so Großes für mich haft leiden und erdulden wollen; und ich sollte Dich, den unendlich Guten, den mildesten Vater, den Urquell aller Schönheit und aller Lieblichkeit nicht eben so sehr lieben, daß ich für Dich der Welt und mir selber und der Sünde sterbe? Ich sollte nicht, mit Dir ans Kreuz geheftet, nur Dich fühlen, nur in Dir leben und Du, o Herr, in mir? Wie kann ich dem Herrn Alles vergelten, was Er mir gethan? Den Kelch des Heils will ich empfangen und den Namen des Herrn anrufen. Und so möge denn der ewige Kelch der überschwenglichen Gnade in meinem Herzen überströmen und unablässig will ich meinen Gott loben und alle Tage meines Lebens dem Herrn lobsingen, so lange ich bin. Ich will mich in dem Herrn erfreuen; alle meine Gebeine follen in meimem Gott frohlocken, der einen so großen Erlöser mir gegeben hat. Meine Seele soll in die Betrachtung 216 Seiner unermeßlichen Güte sich vertiefen; ich will den Glanz Seines hohen Ruhmes preisen und in die Erwägung Seines bittern Leidens mich versenken. Mag dann mein Leib durch was immer gebeugt seyn, mein Herz soll hoch erhoben bleiben. Fern von mir sey alle Eitelkeit und aller Trug der Erde; es wohne Gott in mir und schaffe mich um durch Seine Liebe; offen sey Ihm mein Herz und offen seyen mir Seine Wunden, auf daß Er in mir und ich in Ihm sey, ganz Eins mit Christus. Amen. Herr Jesu Christe, mein Erlöser, meine Barmherzigkeit, mein Trost, mein Leben! Deine Güte hat mich erschaffen, Dein Erbarmen hat mich von der Erbfünde gereinigt, und nachdem ich mich wieder mit andern Sünden befleckt hatte, bis hieher ertragen, genährt und auf meine Besserung geharrt. Herr und Gott, mein Schöpfer, mein Verschoner, mein Ernährer und mein Helfer, nach Dir dürfte ich, nach Dir sehne ich mich, zu Dir seufze ich. Barmherzigster, Liebreichster, Mildester, Dich hienieden zu empfangen und dort einstens anzuschauen, ist mein Verlangen und mein höchster Wunsch. Meine Seele findet keinen Trost und keine Ruhe als in Dir. So komme denn zu mir, o Herr! und ich werde getröstet seyn; zeige mir Dein Antlig und ich werde beseligt seyn; beglücke mich mit Deiner Gegenwart und - 217 mein Sehnen wird erfüllt werden. Enthülle Deine Herrlichkeit vor mir, und meine Freude wird vollkommen feyn. Es dürftet nach Dir meine Seele. Wann wirst Du zu mir kommen, o mein Tröster? Wann werde ich meine Freude sehen, nach welcher ich mich sehne? Wann werde ich gesättigt werden durch das Erscheinen jener Herrlichkeit, nach welcher mich verlangt? Wann wirst Du mich tränken mit dem Strome Deiner Wonne, nach der ich dürfte? Gieb mir, o Herr, in diesem Lande der Verbannung Dein Brod, nach welchem ich mehr als nach allen irdischen Überflüssen hungere! Nur meine Thränen sind meine Nahrung hienieden, bis mir gesagt wird: Siehe deinen Gott, und bis ich höre: Siehe deinen Bräutigam! . Nähere Vorbereitung zur h. Communion. d Auf Deine Güte und große Barmherzigkeit vertrauend trete ich denn hin, ein Kranker, zum Heilande, hungernd und dürstend zur. Quelle des Lebens, ein Dürftiger zum Könige des Himmels, der Knecht zum Herrn, das Geschöpf zum Schöpfer, ein Trostloser zu meinem milden Tröster. Aber woher wird mir das, daß Du zu mir kommest? Wer bin ich, daß Du Dich selbst mir dargibst? Du kennest Deinen Knecht und weißt, daß er nichts Gutes in sich hat, um deßwillen Du ihm Solches gewähreft. So bekenne ich denn meine Unwürdigkeit, dilin 10 218 erkenne Deine Gütigkeit, preise Deine Milde und danke Dir für Deine übergroße Liebe. Denn Solches thust Du wegen Deiner selbst, nicht meiner Verdienste wegen, auf daß Deine Liebe mir mehr einleuchte, größere Liebe mir eingeflößt und die Demuth vollkommener empfohlen werde. Weil es denn Dir also wohlgefällig ist und Du so befohlen hast, erfüllt mich Freude über Deine Herablassung. O daß doch meine Ungerechtigkeit nicht entgegenstünde! O freundlichster und gütigster Jesu! Welche Ehrfurcht und Danksagung, sammt unvergänglichem Lobe bin ich Dir dafür schuldig, daß ich Deinen heiligen Frohnleichnam empfangen darf, dessen Würde zu schildern kein Mensch im Stande ist! Aber was soll ich denken bei der Communion, bei dem Hintritte zu meinem Herrn, den ich gebührend nicht verehren kann und doch andächtig empfangen möchte? Was will ich Besseres und Heilsameres denken, als daß ich mich gänzlich selbst erniedrige vor Dir und Deine unbegränzte Güte erhöhe über mich? Ich lobe Dich, mein Gott, und rühme Dich in Ewigkeit. Ich verschmähe mich und unterziehe mich Dir in der Tiefe meiner Niedrigkeit. Siehe, Du bist der Heilige der Heiligen und ich ein Unflath von Sünden! Siehe, Du neigest Dich zu mir, der ich nicht würdig bin, zu Dir aufzublicken! Siehe, Du kommst zu mir, Du willst bei mir seyn, Du ladest mich zu Deinem Mahle! Du willst mir himmlische Speise und das Brod der Engel zu essen 1971 AFGES 219 geben; wahrlich kein anderes als Dich selbst, das lebendige Brod, das Du vom Himmel herabgestiegen bist und der Welt das Leben gibst! Siehe, woher solche Liebe entspringt, und welche Gnade hier leuchtet. Wie große Danksagung und Lobpreisung gebührt Dir hiefür! Wie heilsam und segenreich war Deine Absicht, als Du Solches einsehtest! Welch liebliches und freudenvolles Gastmahl, als Du Dich selbst zur Speise gabst! Wie wunderbar ist Dein Wirken, Herr! wie gewaltig Deine Kraft, wie untrüglich Deine Wahrheit! Denn Du sprachst und Alles ist geworden; es ist geworden, was Du befohlen hast. Wunderbare und des Glaubens würdige und alle menschliche Einsicht übersteigende Sache, daß Du, Herr, mein Gott, wahrer Gott und Mensch unter der geringen Gestalt des Brodes und Weines ganz enthalten bist und von dem Empfangenden genossen wirst, ohne verzehrt zu werden. Du Herr aller Dinge, der Du Keines bedarfst, wolltest durch Dein Sacrament in uns wohnen. Bewahre mein Herz und meinen Leib unbefleckt, daß ich Deine Geheimnisse mit fröhlichem und reinem Gewissen feiern und zu meinem ewigen Heile empfangen könne, welche Du vorzüglich zu Deiner Ehre und zu Deinem fortwährenden Gedächtnisse eingesetzt hast. Freue dich, meine Seele, und danke Gott für eine so edle Gabe und so einzige Tröstung, welche dir in dieſem Thale der Thränen zurückgelassen ist. Denn so oft du dieses Geheimniß begehrst und Christi Leib em10* 220- pfängest, so oft wirkest du das Werk deiner Erlösung und wirst aller Verdienste Christi theilhaft. Denn die Liebe Christi vermindert sich nimmer und die Fülle Seiner Versöhnung wird nie erschöpft. Darum sollst du mit erneuertem Gemüthe dich auf dieses große Geheimniß des Heiles bereiten. So groß, so neu, so wonnevoll soll es dir erscheinen, als wenn jetzt erst Christus in den Schooß der Jungfrau hernieder gestiegen und Mensch geworden wäre, als ob Er jeßt, leidend und sterbend für das Heil der Menschen, am Kreuze hinge. Siehe, ich komme zu Dir, o Herr! auf daß mir wohl werde durch Dein Geschenk und ich an Deinem heiligen Mahle mich erfreue, welches Du, o Gott! in Deiner Lieblichkeit bereitet hast. Siehe, in Dir ist Alles, wornach ich verlangen kann und soll; Du biſt mein Heil und meine Erlösung, meine Hoffnung und Stärke, meine Zierde und mein Ruhm. Erfreue also heute die Seele Deines Knechtes, dieweil ich zu Dir, Herr Jesu, meine Seele erhoben habe! Ich sehne mich, Dich jetzt andächtig und ehrerbietig zu empfangen, ich verlange, Dich in mein Haus einzuführen, auf daß ich mit Zachäus verdiene, von Dir gesegnet und unter die Kinder Abrahams gezählt zu werden. Meine Seele begehrt nach Deinem Frohnleichnam, mein Herz hat Sehnsucht, Eins mit Dir zu werden. Gib Dich mir und es genügt; denn außer Dir hat keine Tröstung. 221 einen Werth. Ohne Dich kann ich nicht seyn, und ohne Deine Heimsuchung vermag ich nicht zu leben. Darum muß ich zu Dir hintreten und als Mittel meines Heiles Dich empfangen, damit ich nicht auf dem Wege verschmachte; wofern ich der himmlischen Nahrung beraubt bin. Denn also sprachst Du einst, barmherzigster Jesu, als Du dem Volke predigtest uud mancherlei Krankheiten heiltest: Ich will sie nicht ungesättigt nach Hause entlassen, damit sie nicht auf dem Wege erliegen. So thue auch an mir, der Du Deinen Gläubigen zum Troste Dich im Sacramente hinterlassen hast. Denn Du bist die süße Labung der Seele, und wer Dich würdig genießt, der wird Theilnehmer und Erbe der ewigen Herrlichkeit seyn. Herr, mein Gott! komme zuvor Deinem Knechte mit den Tröstungen Deiner Süßigkeit, damit ich Deinem preiswürdigen Sacramente mich würdig und andächtig nähern möge. Erwecke mein Herz zu Dir und entreiße es seiner schweren Erstarrung. Suche mich heim in Deinem Heile, damit ich im Geiste Deine Lieblichkeit koste, welche in diesem Sacramente, als in einem Quelle, ihrer ganzen Fülle nach verborgen ist. Erleuchte auch meine Augen, ein so großes Geheimniß anzuschauen, und kräftige mich, daß ich mit zweifellosem Glauben daran halte. Denn es ist Deine Wirkung nicht menschlicher Macht, Deine heilige Anordnung keine menschliche Erfindung. Durch sich vermag kein Mensch zu fassen und zu begreifen, was selbst den Scharfsinn 222 der Engel übersteigt. Was werde daher ich unwürdiger Sünder, der ich Staub und Asche bin, von diesem so erhabenen und hochheiligen Geheimnisse ergründen und begreifen können? Herr! in Einfalt meines Herzens, in gutem, festem Glauben, und auf Dein Geheiß, mit Zuversicht und Ehrfurcht nahe ich mich Dir und glaube wahrhaft, daß Du als Gott und Mensch hier im Sacramente zugegen bist. Du willst also, daß ich Dich empfange und mich felbst mit Deiner Liebe vereinige. So flehe ich denn zu Deiner Huld und bitte Dich, Du wollest mir hiezu die besondere Gnade verleihen, daß ich mich ganz in Dich versenke und in Liebe zu Dir aufgehe und um keinen fremden Trost mich kümmere. Denn es ist dieses erhabenste und hochwürdigste Sacrament das Heil der Seele und des Leibes und eine Arznei gegen alle geistige Schwachheit; durch dasselbe werden meine Lafter geheilt, die Leidenschaften gezügelt, die Anfechtungen überwunden oder gemindert, größere Gnade eingegossen, die begonnene Tugend vermehrt, der Glaube befestigt, die Hoffnung gestärkt und die Liebe entzündet und erweitert. Viele Gnaden hast Du Deinen Geliebten, die andächtig communiciren, in Deinem Sacramente verliehen und verleihest sie ihnen noch öfter, mein Gott, Du Erhalter meiner Seele, Du Ergänzer menschlichen Unvermögens, und Spender alles inneren Trostes! Denn Du ergießest in fie reichen Trost gegen mancherlei 223- Trübfal und richtest sie aus tiefer Muthlosigkeit auf zur Hoffnung Deines Schußes und erquickest und erleuchtest fie innerlich mit neuer Gnade, so daß sie, die früher ängstlich und ohne Andacht vor der Communion sich gefühlt hatten, nachher, durch himmlische Speise und Trank erquickt, sich in bessere Menschen umgewandelt finden. Wer sollte sich auch demüthig der Quelle aller Süßigkeit nahen, ohne einige Süßigkeit von da zurückzubringen? Wer steht bei gewaltigem Feuer und empfängt davon nicht einige Wärme? Und Du bist die Quelle, die stets voll und überströmend ist, das Feuer, das endlos brennt und nie verlischt! Wenn es mir daher nicht vergönnt ist, aus der vollen Quelle zu schöpfen, noch bis zur Sättigung zu trinken, so will ich doch meinen Mund an die Öffnung der himmlischen Röhre legen, damit ich mindestens ein Tröpfchen daraus empfange, um meinen Durst zu lindern und nicht gänzlich zu verschmachten. Und kann ich noch nicht ganz himmlisch und so entzündet seyn, wie die Cherubim und Seraphim, so will ich mich doch in der Andacht üben und mein Herz bereiten, daß ich wenigstens eine kleine Flamme des göttlichen Feuers aus dem demüthigen Genusse des belebenden Sacramentes erringe. Was mir aber mangelt, gütigster Jesu, heiligster Erlöser! das ersetze Du mild und liebreich für mich, der Du Dich herabgelassen, Alle zu Dir zu rufen mit den Worten: Kommet her zu mir Alle, die ihr mühselig und beladen seyd und Ich will euch 224 erquicken!" Mit der höchsten Andacht und innigsten Liebe, mit aller Sehnsucht und Glut meines Herzens verlange ich darnach, Dich zu empfangen, wie nach Dir in der heiligen Communion so viele Heilige und fromme Personen sich gesehnt haben, welche durch die Heiligkeit ihres Wandels Dir am meisten gefallen und in der glühendsten Andacht gelebt haben. O mein Gott, Du ewige Liebe, Du mein höchstes Gut, Du unendliche Seligkeit! Laß mich Dich aufnehmen mit dem heißesten Verlangen und der tiefsten Ehrfurcht, die je ein Heiliger gehabt hat und empfinden konnte. Amen. Herr! ich bin nicht würdig, daß Du eingehest unter mein Dach, aber sprich nur ein Wort, so wird meine arme Seele gesund! Der Leib unsers Herrn Jesu Christi bewahre meine Seele zum ewigen Leben. Amen. Nach der Communion. Jesus! Dir lebe ich. Jesus! Dir sterbe ich. Jesus! Dein bin ich todt und lebendig. O mein Jesu! ich glaube an Dich, als an die ewige Wahrheit. O mein Jesu! ich hoffe auf Dich, als auf die unendliche Barmherzigkeit. O mein Jesu! ich liebe Dich von ganzem Herzen als das höchste und liebenswürdigste Gut! 225- O mein Jesu! woher kommt mir dieses, daß Du, mein Gott, Dich gewürdigt haft, zu mir armen Sünder zu kommen! O mein Jesu! ich sage Dir unendlichen Dank für die große Gnade, daß Du Dich gewürdiget hast, bei mir armen Sünder einzukehren. O mein Jesu! ich opfere Dir auf meinen Leib und meine Seele und Alles, was ich habe, zu Deinem heiligen Dienste. O mein Jesu! bleibe bei mir mit Deiner Gnade und stärke mich durch die Kraft dieses heiligen Sacramentes jeßt und in der Stunde meines Todes! Die Seele Christi heilige mich! der Leib Christi mache selig mich! das Blut Christi tränke mich! das Wasser der Seite Christi wasche mich! das Leiden Christi stärke mich! o gütigster Jesu, erhöre mich! in Deine heiligen Wunden verberge mich! von Dir laß nimmer scheiden mich! vorm bösen Feinde beschüße mich! in meiner Todesstunde berufe mich! zu Dir zu kommen heiße mich! mit Deinen Heiligen zu loben Dich in Deinem Reiche ewiglich. Amen. Danksagung. Mein Gott und mein Erlöser! Wie soll ich Dir würdig Dank sagen, daß Du, König aller Könige und Herr aller Herren, nicht verschmäht hast, in meine Seele einzukehren, unter meinem armen Dache zu wohnen - 226- und durch die hehre Kraft Deines heiligen Sacramentes mich Eins mit Dir zu machen? Mit welcher Gabe soll ich eine solche Wohlthat vergelten? mit welchen Dienstleistungen Dir für Deine Güte lohnen? Was vermag Dein niederes und dürftiges Geschöpf Dir zu spenden für ein so erhabenes und kostbares Geschenk? Nicht allein bist Du in diesem Geheimnisſe mit Deiner Gottheit bei mir eingekehrt, sondern haft auch mit Deiner Menschheit sammt allen ihren Verdiensten mich vereinigt, so daß Du in der Darreichung Deines Leibes und Blutes mich zugleich des Schußes jener Verdienste theilhaft machest, welche Du mit Deinem Fleische und Blute mir erworben haft. O wunderbare Verbindung! Kleinod, das mit keinem Preise auszuwägen ist, dessen Größe und Herrlichkeit die Kirche mit Recht Tag und Nacht ohne Unterlaß verkünden follte! Gnädigster Heiland meiner Seele! mit welchen größeren Gütern, mit welchen herrlicheren Schäßen konntest Du mich bereichern, als Du in diesem Sacramente gethan? Mit Recht hast Du, Herr! in jenem Gebete, das Du in der Stunde Deines Leidens an Deinen himmlischen Vater richtetest, gesagt: Ich heilige mich selbst für sie, damit auch sie in der Wahrheit geheiligt seyen.( Joh. 16, 19.) Dein ist die Heiligkeit, mein ist die Frucht Deiner Heiligkeit; Du hast gearbeitet, ich empfange den Lohn; Du hast gewirkt, mir wird der Gewinn zu Theil; Du hast die Strafe gelitten und ich erhalte die Verzeihung meiner Sün 227- den; Du hast den bitteren Kelch getrunken, un ich erlange die verlorene Gesundheit und das Leben wieder. Für mich haben Deine Schmerzen, Deine Beschimpfungen, Deine Nägel und Dornen und das kostbare Blut, welches Du vergossen hast, Genugthuung geleistet; mich waschen Deine Thränen und heilen Deine Wunden. O heilige Vereinigung, in welcher Du mir brüderlich mittheilest Deine unendlichen Verdienste, mich in den Bestz unschäßbarer Güter setzest! Und was habe ich gethan, um mich einer solchen Genossenschaft zu erfreuen? Was habe ich hingegeben, um so Reichliches dafür zu empfangen? Nur Deiner unendlichen Güte verdanke ich diese hehre Begnadigung. Die Sonne leuchtet und das Feuer wärmt, weil es ihnen ihrer Natur nach so eigen ist; so ist es Dir, o Herr! eigen, zu verzeihen, Barmherzigkeit zu gewähren und Dich ganz uns hinzuschenken. In Deiner Geburt hast Du zum Bruder, im Mahle zur Speise, im Tode zum Lösegeld, in der Herrlichkeit zur Belohnung Dich uns dargegeben. Wie Du Mensch geworden bist, um der Welt das Leben der Gnade zu bringen, so kehrest Du auch in diesem Sacramente in die Seele ein, um dem Empfangenden das Leben der Gnade zu spenden. Göttliche Speise! durch welche die Kinder der Menschen in Kinder Gottes umgewandelt werden, durch welche die Menschheit in uns ertödtet wird, auf daß Gott in uns lebe. Süßestes, anbetungswürdiges Brod, das meine Seele nährt, mein Herz kräftigt, meinen Sinn erfreut, 228- meine Begierden mäßigt und meinen Eigenwillen tödtet, auf daß der göttliche Wille in mir lebendig sey. Welchen Dank also soll ich Dir sagen, welchen Lobpreis Dir widmen für eine solche Gnade, o Herr? Soll meine Dankbarkeit Deiner Gabe gleichkommen, welche Weise und welches Maß derselben kann dann genügen? Du hast einst Deinem Diener Moses geboten, daß er ein goldenes Gefäß mit Manna fülle und es in der Bundeslade verberge, um es da den kommenden Geschlechtern zu bewahren, damit sie die Speise sehen, womit Du sie in der Wüste genährt. Hast Du gewollt, daß jene vergängliche Speise, womit Du das Volk in der Wüste gesättigt, bewahrt und in Ehren gehalten werde, welche Ehre müssen wir der unvergänglichen Speise bezeigen, die den Genießenden das ewige Leben gibt? Der Unterschied, welcher zwischen dem Geschöpfe und Schöpfer besteht, waltet zwischen jenem Brode und diesem. So gibt es denn auch keinen Lobpreis und keine Danksagung, die dieser Wohlthat würdig wäre. Muß ich also, o Herr! meinen eigenen Kräften und Fähigkeiten mißtrauen, und sehe ich keinen Weg und keine Weise vor mir, wie ich Dir zu lohnen vermöchte, so bleibt mir nur übrig, mit dem Propheten( Pf. 115.) den Kelch des Heiles zu nehmen und den Namen des Herrn anzurufen;- nicht die empfangenen Wohlthaten zu vergelten, sondern Dich um neue anzuflehen und Gnade über Gnade von Dir zu verlangen. Ich bitte Dich also, o Herr! laß Dein 229 heiliges Sacrament mir zur Genugthuung für alle meine Sünden und zur Besserung meines Lebens gereichen. Erneuere durch die Kraft desselben, was in mir verdorben ist, erseße, was mir mangelt und bereichere meine Armuth mit den Schäßen Deiner Gnade. Ertödte in mir, was Deinen göttlichen Augen mißfällt und mache mich Deinem heiligen Willen gleichförmig. Verleihe mir, daß ich Kraft dieses Geheimnisses stets in Dir verharre, vollkommen und ohne Unterlaß Dich liebe und immerdar auf das innigste mit Dir vereinigt bleibe, zur Ehre und Verherrlichung Deines Namens. Lob, Ehre, Dank und Ruhm sey Dir in alle Ewigkeit. Amen. Aufopferung und Fürbitten. Eins aber möchte ich, o Herr, dem Alles angehört im Himmel und auf Erden! Ich verlange mich selbst zum freiwilligen Opfer Dir darzubringen und Dein auf immer zu verbleiben. So opfere ich mich denn heute. in der Einfalt meines Herzens Dir auf, um ewig Dir zu dienen und ohne Unterlaß Dich zu verherrlichen. Nimm mich an mit dem heiligen Opfer Deines kostbaren Frohnleichnams, mit welchem ich jeßt, in Gegenwart der Engel, dieser unsichtbaren Zeugen, mich vereinigt habe. Obgleich ich unwürdig bin, die Gefühle vollkommener Andacht in mir zu haben, so opfere ich Dir doch das ganze Verlangen meines Her - 230 zens so auf, als ob ich die höchsten lieblichen und feu-. rigen Begierden nach Dir hätte. Was immer ein frommes Gemüth erfassen und sich verlangen kann, das Alles biete und bringe ich Dir dar mit größter Ehrfurcht und innigster Andacht. Nichts will ich mir zurückbehalten, sondern mich und all das Meinige Dir freiwillig und auf das freudigste hinopfern. Herr, mein Gott, mein Schöpfer und Erlöser! mit solcher Sehnsucht, Ehrfurcht, Lobpreisung und Ehre, mit folcher Dankbarkeit, Würde und Liebe, mit solchem Glauben, solcher Hoffnung und Reinigkeit verlange ich Dich in meinem Herzen zu bewahren, wie Deine heiligste Mutter, die glorreiche Jungfrau Maria Dich empfing, und nach Dir verlangte, als sie dem Engel, der ihr die frohe Botschaft von dem Geheimnisse der Menschwerdung verkündigte, demüthig und andächtig antwor tete: Siehe, ich bin eine Dienerin des Herrn, mir geschehe nach Deinem Worte." Und wie Dein seliger Vorläufer, der ausgezeichnete Heilige, Johannes der Täufer, in Deiner Gegenwart vor Entzücken aufhüpfte in der Freude des heiligen Geistes, da er noch im Mutterleibe verschlossen war, und wie er nachmals, als er Jesum unter den Menschen wandeln sah, sich tief demüthigte und mit andächtiger Liebe sprach: Der Freund des Bräutigams, welcher da stehet und ihn höret, freuet sich innig über die Stimme des Bräutigams!" so will ich mit mächtigem und heiligem Verlangen Dich in meiner Seele behalten. COVERS - 231Ich opfere Dir auf den Jubel aller frommen Herzen, ihre glühende Liebe, ihre geistigen Entzückungen, übernatürliche Erleuchtungen und himmlische Erscheinungen, und stelle sie Dir vor mit allen Tugenden und Lobpreisungen, die von allen Geschöpfen im Himmel und auf Erden Dir dargebracht wurden und in 3ukunft dargebracht werden. Nimm an, o Herr, mein Gott! meine heißen Wünsche, daß Du unaufhörlich gepriesen und weit und breit verherrlicht werden mögest, wie es Dir nach der Fülle Deiner unaussprechlichen Majestät gebührt. Diese bringe ich Dir dar und möchte sie alle Tage und in jedem Augenblicke Dir darbringen. Ich lade alle himmlischen Geister und alle Deine Gläubigen ein und fordere sie auf, daß sie mit mir Dank und Lob entrichten. Loben sollen Dich alle Völker, Stämme und Zungen und sollen Deinen heiligen und süßen Namen mit höchstem Jubel und glühender Andacht erheben! Ich lege, o Herr! alle meine Sünden und Fehler auf Deinen Sühnaltar, die ich vor Dir und Deinen heiligen Engeln begangen habe von dem Tage an, da ich zuerst sündigen konnte, bis zu dieser Stunde. Zünde Du sie alle an und verbrenne sie mit dem Feuer Deiner Liebe; tilge alle Mafeln meiner Sünden und reinige mein Gewissen von jedem Fehler; und gieb mir Deine Gnade wieder zurück, die ich durch meine Über333 tretungen verloren habe, indem Du mir Alles verzeihest und zum Kusse des Friedens mich erbarmend 9130mois ent DED TO 232 aufnimmst. Was kann ich thun für meine Sünden, als daß ich sie demüthig bekenne und beweine, und Deine Vergebung ohne Unterlaß anflehe! Alle meine Sünden verabscheue ich; ich will sie niemals wieder begehen; ich bereue sie und werde sie bereuen so lange ich lebe; ich will Buße wirken und nach Kräften genugthun. Siehe, ich übergebe mich Deiner Barmherzigkeit, ich befehle mich in Deine Hände! Handle mit mir nach Deiner Güte, nicht nach meiner Bosheit und Ungerechtigkeit! Ich opfere Dir auch Alles, was Gutes an mir ist, obwohl es sehr wenig und unvollkommen ist; auf daß Du es reinigest und heiligest, daß Du es gnädig aufnehmest, Dir wohlgefällig machest und immer zum Besseren erziehest und mich armen, trägen und unnüßen Menschen zu einem seligen und herrlichen Ende führest. Ich opfere Dir auf alle heiligen Wünsche der Gottseligen, die Anliegen meiner Eltern, Freunde, Brüder und Schwestern, aller meiner Lieben und Aller, die mir oder Anderen um Deiner Liebe willen Gutes gethan; die Anliegen Derer, welche gewünscht oder verlangt haben, daß ich sie und alle die Ihrigen in mein Gebet einschließe, fie mögen noch im Fleische leben oder schon von dieser Welt abgeschieden seyn; auf daß Alle den Beistand Deiner Gnade, die Hilfe Deines Trostes, Beschirmung vor Gefahren, Errettung von Strafen erlangen, und, allem Übel entrissen, Dir freudig danken mögen. Ich bringe Dir auch Gebet und Sühnopfer dar, ins Besondere - 233 für Diejenigen, welche mich auf irgend eine Weise beleidigt, betrübt oder geschmäht, oder mir einen Schaden oder eine Kränkung zugefügt haben; auch für Alle, die ich selbst jemals betrübt, beschwert und geärgert habe mit Worten oder Werken, wissentlich oder unwissentlich, auf daß Du uns Allen unsere Sünden und gegenseitigen Beleidigungen verzeihest. Nimm, Herr, aus unsern Herzen allen Argwohn, Unwillen, Zorn und Zwiespalt, und was immer die Liebe verleßen und die brüderliche Innigkeit vermindern kann! Erbarme Dich, o erbarme Dich, Herr, Aller, die Deine Barmherzigkeit anrufen, erzeige Deine Gnade uns, die wir Alle derselben bedürfen, und mache aus uns solche Menschen, daß wir würdig werden Deine Gnade zu genießen und zum ewigen Leben zu gelangen. Amen. Bitten und Vorsätze. Wie Du mich der Gnade gewürdiget hast, o Herr, mich mit dem Sacramente Deines Leibes und Blutes zu stärken, so bitte ich Dich, Du wollest mich auch mit allen Wirkungen und Kräften desselben ausstatten. Ich glaube, o Herr; doch möchte ich fester glauben. Ich hoffe, o Herr; doch möchte ich zuversichtlicher hoffen. Ich liebe, o Herr; doch möchte ich feuriger lieben. Ich bereue, o Herr; doch möchte ich inniger bereuen. - 234 Ich verehre Dich als den Urquell; ich sehne mich nach Dir, als dem letzten Endziel. Ich lobe Dich als ewigen Wohlthäter und rufe Dich an als gütigen Beschützer. Leite mich durch Deine Weisheit; zügele mich durch Deine Gerechtigkeit; tröste mich durch Deine Barmherzigkeit; schüße mich durch Deine Macht. Ich opfere Dir auf, o Gott, meine Gedanken, auf daß sie zu Dir sich erheben, meine Worte, daß sie von Dir reden, meine Werke, daß sie nach Dir sich richten, meine Leiden, daß ich sie um Deinetwillen trage. Ich will was Du willst; ich will weil Du willst; ich will wie Du willst; ich will so lange Du willst. Ich bitte Dich, o Herr! erleuchte meinen Verstand, begeistere meinen Willen, reinige meinen Leib, heilige meine Seele. Vom Hochmuth laß mich nicht angesteckt, von Schmeichelei laß mich nicht umgarnt, von der Welt laß mich nicht verführt, vom bösen Feinde laß mich nicht betrogen werden. Verleihe mir die Gnade, mein Herz zu reinigen, meine Zunge zu bezähmen, meine Augen zu behüten und meine Sinne zu beherrschen. Laß mich frühere Sünden beweinen, künftige Versuchungen abweisen, sündliche Regungen unterdrücken, edle Tugenden in mir anbauen. Verleihe mir, gütiger Gott, Liebe zu Dir, Haß gegen mich, Eifer für den Nächsten, Verachtung der Welt. 235- Sieb, daß ich mich befleiße den Obern zu gehorchen, den Untergebenen zu helfen, den Freunden zu rathen und Niemanden zu beneiden. Laß mich eingedenk seyn, o Jesu! Deines Gebetes und Beispiels: die Feinde zu lieben, Beleidigungen zu ertragen, den Verfolgern wohlzuthun und für die Verläumder zu beten. Gieb daß ich die Wollust durch Strenge, die Habfucht durch Freigebigkeit, den Zorn durch Sanftmuth, die Lauheit durch Frömmigkeit besiege. Gewähre mir Klugheit im Rathe, Festigkeit in Gefahren, Geduld in Widerwärtigkeiten, Demuth im Glücke. Mache, o Herr, daß ich beim Gebete aufmerksam, beim Mahle nüchtern, im Berufe eifrig und im Vorsaße beharrlich sey. Hilf daß ich trachte nach innerer Heiligung, nach äußerer Bescheidenheit, nach musterhaftem Wandel. Laß mich wachen, daß ich die Natur bezähme, die Gnade in mir hege, dem Gefeßze diene und nach dem Heile ringe. Rechtschaffenheit laß mich erlangen durch aufrichtige Beichte der Sünden, durch andächtigen Genuß des Leibes Christi, durch beständige Sammlung des Geistes, lauteres Streben des Herzens. Laß mich von Dir, o Gott! lernen, wie gebrechlich alles Irdische, wie Groß alles Göttliche, wie kurz alles Zeitliche und wie dauerhaft alles Ewige ist. 236- Gieb, daß ich auf den Tod mich gefaßt halte, das Gericht fürchte, der Hölle entfliehe, das Paradies erlange. Durch Jesum Christum unsern Herrn! Amen! Gebet zur ferneren Heiligung des Communiontages. Wenn alle Geschöpfe im Himmel und auf Erden sich mit mir vereinigten, um Dich zu preisen und Dir Dank zu sagen, o Gott! so könnte das nicht hinreichen, Dir auch nur die geringste Wohlthat zu vergelten, welche Du mir gespendet hast. Wie nun soll ich Dir würdig meine Dankbarkeit beweisen für die unendliche Gnade und Wohlthat, daß Du mich haft heimsuchen, trösten und mit Deiner Gegenwart ehren wollen? Als die heilige Mutter Deines Vorläufers Johannes einſt die seligste Jungfrau Maria, in deren Schooß Du ruhetest, in ihr Haus eintreten sah, brach sie in die Worte aus: Woher geschieht mir dieses, daß die Mutter meines Herrn zu mir kömmt?"( Luc. 1, 43.) Was soll ich armes Wesen und großer Sünder thun oder sagen, nachdem ich in der heiligen Hoftie Gott in mich empfangen habe! Wie viel mehr Ursache habe ich zu sagen: Woher geschieht mir dieses, nicht daß die Mutter Gottes, sondern daß Gott selbst, der Herr und Schöpfer aller Dinge, bei mir einkehrt? Bei mir, der ich den Herrn so vielfach beleidigt habe; bei mir, der ich Ihn durch meine Sünden so oft beschimpft, 237- verhöhnt, gekreuzigt habe, der ich so oft Ihm die Thüre meines Herzens verschlossen, Ihn aus mir verstoßen habe! Wie sehr hätte ich es verdient, nie mehr des Herrn theilhaft zu werden, nie mehr zu Seinem heiligen Mahle zugelassen zu werden, der ich Ihn so oft von mir zurückgewiesen, so oft Seine Einladung verachtet habe. Warum bist Du bei mir eingekehrt, o Herr! Du, der König der Könige und der Herr aller Herren, der den Himmel zum Siße und die Erde zum Schemel Seiner Füße und die Heere der Engel zu Dienern hat, den die Gestirne lobpreisen und in dessen Händen alle Gränzen der Erde sind. Du, der über Cherubim thront und die Abgründe durchschaut, dessen Weisheit jegliches Geheimniß, das höchste wie das tiefste durchgründet! Du, der Herr der unbegreiflichen Majestät und Größe, hast Dich heute herabgelassen, in eine so geringe und unreine Wohnung einzukehren! Hast Du von neuem in die Unterwelt hinabsteigen, hast Du abermals den Händen der Schuldigen Dich übergeben wollen? Hast Du wiederum in einem Stalle wohnen, auf dem Stroh in der Krippe ruhen wollen? Wahrlich es ist dieselbe Gesinnung, derselbe Wille in Dir, wie damals, so heute; was Du einmal für die Sünder gethan, das thuest Du für sie täglich wieder. Du magst mich in der einen oder andern Weise heimsuchen, immer ist es ein Erweis Deiner Barmherzigkeit gegen mich. Aber nicht nur hast Du mich heim 238 gesucht, sondern Du bist in mich eingekehrt, bleibest in mir, wandelst mich in Dich um, machest mich Eins mit Dir durch jene wunderbare und übernatürliche Vereinigung, die ein Gleichniß und Abbild ist der zwischen Dir und Deinem Vater bestehenden göttlichen und geheimnißvollen Vereinigung. Denn wie der Vater in Dir ist und Du in dem Vater, so bleibt, wer Dich genießt, in Dir und Du in ihm. Es staunte einst der König David, daß Gott den Menschen so hoch achte; was ist der Mensch", sagte er, daß Du ſeiner gedenkest, oder des Menschen Sohn, daß Du ihn heimsuchest."( Pf. 8, 5.) David erstaunte, daß Gott des Menschen gedenke; wie habe ich Ursache zu staunen, daß Er felbst für den Menschen Mensch geworden ist, daß Er bei dem Menschen wohnte, daß Er für den Menschen gestorben ist, daß Er sich sogar dem Menschen zur Speise gab und ihn gewissermaßen Eins mit sich gemacht hat. Der König Salomo drückte feine demüthige Verwunderung darüber aus, daß Gott es nicht verschmähte, in dem Tempel zu wohnen, den er mit vieljähriger Anstrengung und mit Aufwendung alles Kostbaren erbauet hatte; er rief aus: Sollte man es glauben, daß Gott wahrhaft auf Erden wohne? Denn wenn der Himmel und die Himmel der Himmel Dich nicht fassen können, wieviel minder dieses Haus, das ich erbauet?"( 3 Kön. 8, 27.) Vielmehr aber habe ich Ursache, meine Verwunderung auszudrücken, daß derselbe Gott und Herr der Himmel es nicht verschmäht, -239- in einer ungleich herrlicheren und edleren Weise in einer armen Seele einzukehren und zu bleiben, die kaum einen Tag darauf verwendet hat, Ihm eine Stätte zu bereiten. Die Welt und alle Geschöpfe staunten einst, als sie Gott vom Himmel herabsteigen, Mensch werden und in dem Schooße der Jungfrau ruhen sahen. Und mit Recht! Denn es war dieſes das größte aller Wunder der göttlichen Barmherzigkeit, eine Wohlthat, der feine andere zu vergleichen war. Aber jene Jungfrau war mit dem heiligen Geiste erfüllt, glänzender als die Gestirne des Himmels, reiner als die Engel des Paradieses, mit allen Tugenden und Gnaden herrlicher ausgestattet als der Himmel selber und als die Erde mit ihrem ganzen Schmuck und Reichthum, und war so durch den heiligen Geist dem Sohne Gottes zu einer würdigen Wohnung vorbereitet. In mir aber hat der Herr Seine Wohnung genommen, obleich ich ein Übertreter Seiner heiligen Gebote und in jeder Weise durch Sünde verunreinigt und verunstaltet gewesen bin. Wohl bin ich durch Seine unendliche Güte abgewaschen, das Wasser Seiner Gnade hat mich gereinigt, Seine Sacramente haben mich geheiligt, und dann erst ist mir unter allen Wohlthaten die größte zu Theil geworden, indem der Herr aller Reinheit, die Urquelle der Unbeflecktheit sich nicht gescheut hat, in meine ehedem so sehr entweihte Seele einzukehren. Aber verschmähen es doch Menschen, ein Gefäß, das zu schmutzigem - 240- Gebrauche gedient hat, auf ihrer Tafel zu dulden, wie sehr es auch vorher mag gereinigt worden seyn, indem selbst die Erinnerung einen Widerwillen in ihnen rege macht. Wie unermeßlich also, mein Herr und Erlöser, ist Deine Barmherzigkeit, daß Du Dich nicht geweigert haft, unter den auserwählten Gefäßen Deiner Gnade auch mich, das Gefäß der Sünde und des Verderbens, bei Deinem heiligen Mahle zuzulassen. Ist es auch durch Deine Gnade gereinigt, so klebt ihm nur allzusehr an die Erinnerung der Sünde und jene frischen Spuren derselben, die so schwer aus einer Seele zu entfernen sind. Mögen Dich die Engel würdig preisen für diese unermeßliche Gnade und unendliche Barmherzigkeit, mit welcher Du Deine Liebe gegen das menschliche Geschlecht und gegen mich Unwürdigen bethätigt haft. Und welcher Segen und welche Freude hat Dein heiliges Geheimniß mir bereitet! Es hat in Dir mich befestiget und ist mir ein Unterpfand geworden, daß Du mein Vater bist und meiner Seele Bräutigam. Dafür zeugt mir die Wirkung desselben und der Reichthum, den Du mir darin gespendet hast. Welche gröBere Wohlthat, welche reichere Gnade, welche innigere Liebe hättest Du mir erweisen können? Grund der Freude, Quelle der Glückseligkeit, Ursprung der Tugend, Tod der Sünde, Brod des Lebens, Mittel des Heils, Glut der Liebe, Erquickung der Seele, königliches Gastmahl, Vorgeschmack der Seligkeit und himmlische - 241- Sättigung, was Alles mir zu Theil geworden ist! Was soll ich thun, o Herr! um Dir zu danken? Mit welcher Liebe soll ich Dich entgegenlieben? Ich der Arme, Dich den höchsten, reichsten und edelsten Bräutigam meiner Seele? Ich will Dich lieben, o Herr! aber Du unermeßliche Liebe, mache mich groß und Deiner würdig. Sättigung und Süßigkeit meiner Seele und Verlangen meines Herzens, warum bin ich nicht entflammt von Deiner Liebe, auf daß ich Nichts suche außer Dir? Süße Fessel, die mich zu Gott hinzieht, warum bin ich nicht ganz von dir umschlungen? Kostbare Glut, warum ist mein Herz nicht ganz von dir erfüllt, auf daß Alles in mir, was nicht Gott angehört, von diesem heiligen Feuer vernichtet werde? Thörichtes Menschenkind, das ich bin! Suche ich Liebe? Hier ist ja die edelste, süßeste und erhabenste, die gefunden werden kann. Suche ich Wonne? Hier ist die mächtigste und reinste. Suche ich Reichthümer? Hier ist der Schaß des Himmels, der Lösepreis der Welt, das Meer aller Güter. Trachte ich nach Ehren? Siehe hier ist Gott und die ganze Majestät der Gottheit, die gekommen ist, mich mit ewigen Ehren zu verherrlichen. Nachdem Du mich, o Herr! zu Deinem heiligen Tische zugelassen, mich mit solcher Seligkeit erfüllt, durch so viele Wohlthaten an Dich gefesselt und Deine göttliche Liebe in mich ausgegossen: will ich denn forthin nur Dir angehören, nur in Dir mich erfreuen, nur Dir meine höchste Liebe schenken. Die Welt foll 11 - 242 nicht mehr mir gehören und ich nicht ihr; der Fleischeslust und dem Pomp und der Eitelkeit der Welt will ich nicht mehr folgen und nicht mehr sollen mich umstricken alle ihre falschen und trügerischen Güter. Wer das Brod der Engel gegessen, ist zu gut für diese irdischen Genüsse; wer seinen Schöpfer in die Wohnung seiner Seele aufgenommen, kann den Geschöpfen keinen Ehrenplaß mehr darin anweisen. Das Weib, welches der König zu seiner Gattin auserwählt, hält sich verpflichtet, Alles, was in seinen Sitten, in seiner Haltung, in seiner Gesinnungsweise nicht königlich ist, von sich auszuscheiden. So soll auch meine Seele, nachdem Gottes unendliche Majestät sich in diesem heiligen Sacramente mit ihr vermählt hat, jeglicher Spur ihrer früheren Niedrigkeit und Verächtlichkeit entsagen. Wie sollte sie die Thüre ihres Herzens der Welt und dem, was in der Welt ist, geöffnet halten, nachdem sie den Schöpfer der Welt in sich aufgenommen hat? Wie sollte sie unheiligen Dingen in sich Raum gewähren, nachdem sie durch die göttliche Anwesenheit ganz geweihet und geheiliget worden? Wie sollte sie böse Gedanken und Begierden da aufsteigen lassen, wo der Herr geruhet? Wie sollten unziemende und eitle Worte ausgehen von der Zunge, über die der König der Könige in sie eingegangen ist. Heiligte Salomon einst den Vorhof des Tempels, so daß fernerhin kein weltliches Geschäft mehr darin vollzogen werden sollte, weil er daselbst Opfer und - 243- Brandopfer dargebracht hatte; wie vielmehr geziemt es sich, daß meine Seele geheiligt sey, in welche Der eingegangen ist, den alle Opfer und Geheimnisse des alten Gesetzes vorbedeutet haben? Nachdem Du nun aber, Herr, mittels Deiner gnädigen Heimsuchung meine Seele mit solchen Reichthümern erfüllt, mit so großer Ehre ausgestattet hast, verleihe mir auch Deine Gnade, auf daß ich Alles, was mir zu Theil geworden, treu bewahre. Du spendest Nichts, ohne daß Du zugleich die Kraft verleiheft, es zu schüßen und zu erhalten. Du bist in den Schooß Deiner heiligen Mutter herabgestiegen und wie Du in unaussprechlicher Herrlichkeit sie erhöhet hast, so hast Du ihr auch die unschäßbare Gnade verliehen, dieſe Herrlichkeit zu schüßen und in sich zu bewahren. Du bist in diese Welt gekommen, um mit den Menschen zu verkehren und wie Du die Welt durch Deine Ankunft geehrt haft, so hast Du sie auch erlöset und mit Deiner Gnade erleuchtet. Du bist in die Vorhölle hinabgestiegen und hast die Vorhölle in ein Paradies verwandelt, indem Du Diejenigen beseligt haft durch Deine Gnade, die Du geehrt hattest durch Deine Heimsuchung. Und als einst das Vorbild Deines heiligen Sacramentes, die Bundeslade, in dem Hause des Obededom niedergestellt wurde, hast Du ihn und sein ganzes Haus gesegnet, um so die Gastfreundschaft, welche Dir geworden, mit reichlichem Lohne zu vergelten. Nachdem es also Deiner Güte gefallen hat, o Herr, 11* 244 in die niedere Hütte meiner Seele einzukehren und da zu verweilen, so unterlaß nicht, auch dieses Haus Deines Dieners mit Segen zu erfüllen, und verleihe mir die Gnade, daß ich die Ehre, welche Du mir erwiesen, vertheidige und bewahre und mich als eine Wohnung, die Deiner würdig ist, erhalten möge. Du hast mich durch Deinen Empfang zu einem Ebenbild Deines heiligen Grabes gemacht, in welchem einst Dein heiliger Leichnam ruhte. So laß mich denn auch die Eigenschaften Deines Grabes an mir tragen; gieb mir die Festigkeit des Felsens wider die Versuchungen, und die Abtödtung der Myrrhe, damit ich alle böse Gelüste und den widerspenstigen Willen in mir tödte und ganz Dir lebe. Du hast mich wie zur Bundeslade gemacht, um in mir zu wohnen. Wie demnach das Kostbarste, was die Bundeslade in sich barg, die Gesetzestafeln waren, so laß auch meinem Herzen Nichts herrlicher und kostbarer seyn, als die Betrachtung und Erfüllung Deines heiligen Gesetzes. Du hast mir in diesem heiligen Sacramente zeigen wollen, daß Du mein Vater seyest, indem Du gegen mich wie gegen ein innigst geliebtes Kind verfahren bist. Verleihe mir denn auch, einer solchen Wohlthat würdig zu entsprechen und Dich mit solcher Kraft und solcher Zärtlichkeit zu lieben, daß mein ganzes Innere von Liebe zu Dir erfüllt sey und mein Sinn und Herz bei jeder Erinnerung an Dich frohlocke. Gieb mir einen findlichen Sinn und ein kindliches Herz gegen Dich; die Gesinnung des Gehor - 245- sams, der Ehrfurcht, des Vertrauens, auf daß ich in allen Nöthen, wie ein Sohn zu seinem innigst geliebten Vater, zu Dir meine Zuflucht nehme; und mein Herz, das Dich so treu und standhaft liebt, daß Nichts unter der Sonne mich jemals, im Leben oder im Tode von Dir trennen fann. Um mich so mit Dir zu vereinigen, hast Du ja dieses göttliche Sacrament eingesetzt; Du wußtest, daß das Geschöpf besser und sicherer in Dir als in sich selber bleibt; denn wer in Dir bleibt, bleibt in Gott, wer in sich bleibt, bleibt in einem gebrechlichen Geschöpfe. Ein Tropfen Wasser, der allein und für sich gesondert ist, vertrocknet schnell und wird von der Luft verzehrt; fällt er aber ins Meer und wird so mit seinem Ursprunge verbunden, so ist seine Dauer auf lange Zeit gesichert. Führe mich also, o Herr! aus mir selbst hinaus und nimm mich auf in Dich; in Dir lebe ich, in mir sterbe ich; in Dir bin ich gesund, in mir frank und schwach; in Dir bin ich standhaft und beständig, in mir bin ich schwankend und schwinde gleich dem Rauche dahin. Verlasse mich nicht, o Herr! bleibe bei mir, gütiger Jesu! denn es will Abend werden; der Tag hat sich geneiget und die Nacht ist nahe; die Nacht des Todes, die Nacht der Welt, die Nacht der Sünde, die Nacht des Kummers, die Nacht der Versuchung, die Nacht der Verlassenheit durch die Verscherzung der göttlichen Gnade; alle dieſe Nächte nahen heran und dringen auf mich ein, mich mit ihren Finsternissen zu bedecken; so verlasse mich - 246 denn nicht, Du getreuer Beschüßer der Menschen. In meine Seele erlischt schnell das Licht und es erfaltet die Liebe und es wächst die Bosheit; was soll also aus mir werden, wenn ich von Dir, o Herr, verlassen werde. Wehe uns," sagt der Prophet, ( Jer. 6, 4.) es neiget sich der Tag, es strecken sich die Abendschatten." Sobald das wahre Licht, welches ist: die Erkenntniß Gottes und der wahren Güter, flieht und uns verläßt, so tritt alsbald an dessen Stelle der Schatten eitler und vergänglicher Dinge, welcher uns groß erscheint und werth, daß Alle sich um ihn bemühen. Bleibe also bei mir, Herr! der Du jenes Licht der Welt bist, in dem Alles gesehen und erkannt wird, wie es wirklich ist; auf daß ich nicht denen nachahme, die das Gute böse und das Böse gut heißen, die das Süße bitter und das Bittere süß finden. Ein großes Glück ist mir heute zu Theil geworden, da ich Dich, das höchste Gut, in die Wohnung meiner Seele aufgenommen habe; so ist mir denn jetzt Gelegenheit gegeben, mich über das Geschäft meines Heiles mit Dir zu unterhalten, Deinen Rath zu hören, Deine Befehle zu befolgen. Fern sey es, daß ich mich des schweren Vorwurfes schuldig mache, darauf nicht geachtet zu haben. Und nun, o Herr! wie einst Dein Diener, der Erzvater Jacob, so lasse ich Dich nicht, Du habest mich denn zuvor gesegnet. Wie Du einst ſeinen Namen Jacob in Israel umgewandelt, so gieb auch mir, nicht einen neuen Namen, aber einen neuen - 247 Geist, ein neues Herz und einen neuen Lebenswandel. Laß in mir mächtig werden Deine Liebe, so daß ich nur an Dich denke, nur nach Dir verlange, nur in Dir verharre, Dir allein lebe, auf Dich allein all mein Sinnen und Trachten richte, zu Dir nur in allen Nöthen meine Zuflucht nehme, von Dir nur Trost und Hülfe erwarte; daß ich ganz Dein sey, und Du ganz mein seyeft. Der Du lebest und regiereft von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Gebet am Communiontage zur Gewinnung eines Ablasses. Mein Mund, o Herr, ist mit Frohlocken erfüllt über den Empfang Deiner heiligen Geheimnisse. Was das Auge nicht sieht und das Ohr nicht hört und in keines Menschen Herz gekommen ist, das hast Du, o Gott, denen bereitet, die Deinen heiligen Namen lieb haben, und hast es enthüllt den Armen Deiner heiligen Kirche. So, o Vater, ist es Dir wohlgefällig. Gebenedeiet seyst Du, o Gott, Vater unsers Gottes und Erlösers Jesu Christi. Preis, Ehre und Anbetung sey Dir, o Vater, Sohn und heiliger Geist jetzt und in alle Ewigkeit. Amen. Herr Gott, allmächtiger Vater! der Du Barmherzigkeit erweisest den Tausenden, die in Wahrhaftigkeit Dich anrufen, schaue vom Himmel mit gnädigem Blicke auf Deine Diener herab. Vor Dir haben sich gebeugt - 248 ihre Nacken und ihre Herzen, und sie erwarten Gnade und Segnungen von Dir. Segne sie mit allem geistlichen Segen, heilige sie in Deinem heiligen Geiste. Laß unsern Schußengel uns zur Seite stehen, auf daß er uns bewache, behüte, erleuchte und uns zu jedem Guten anleite. Erbarme Dich unser; hilf uns nach Deiner Milde! Deine Barmherzigkeit währet ewiglich! Verleihe auch, o Herr! daß wir diesen heiligen Tag, so wie alle Tage unseres Lebens, ohne Sünde vollbringen, in Freude und in Frieden, in Heil, Wohlthun und in aller Heiligung, durch die Gnade, Güte und Erbarmung Jesu Christi, mit welchem und dem heiligen Geiste Du gepriesen und verherrlicht seyst. Herr, der Du segnest die Dich anrufen, und heiligest, die auf Dich vertrauen, bewahre Dein Volk und segne Dein Erbe und wache über Deine Kirche. Heilige die, welche die Zierde Deines Hauses lieben, und verlaß nicht die, welche auf Dich ihre Hoffnung seßen. Den Kranken gieb Hülfe, Genesung und Trost. Alle die in Angst und Trübsal schmachten, befreie. Führe die Abtrünnigen zur Einheit Deiner Kirche zurück, erleuchte die Ungläubigen, auf daß sie Dich erkennen. Hilf Allen, für welche ich zu beten verpflichtet bin und die sich in mein Gebet empfohlen haben. Erweise Deine Gnade an meinen Eltern, Geschwistern, Freunden und Feinden, so wie an meinen Wohlthätern. Laß heilsam seyn die Luft, segne die Früchte des Feldes, bewahre in Frieden die Welt, die Kirche - 249 und ihren obersten Hirten, die Könige, Priester und Dein ganzes Volk, und den Verstorbenen gieb die Ruhe. Übe Barmherzigkeit an mir und Allen, für welche Du Dein kostbares Blut vergossen hast. Dir aber sey Preis und Ehre, der Du lebest und regierest in Ewigkeit. Amen. تر 250 Gebete für die Beiten des Kirchenjahres. Gebet im Advent. Nahe ist der Herr Allen, die Ihn anrufen. Ihr Gebet erhöret Er und erlös set sie. Pf. 144, 18. 19. iebe dein König kommt, meine Seele. Wie bist Du schön vor allen Engeln, o Jesu, von Ewigkeit geboren. Wie herrlich bist Du aber auch uns, da Du dieſe Zier ablegtest! Denn als Du Dich entäußertest, als Du die Strahlen Deines unversiegbaren Lichtes verbargest, da schien die Güte heller, die Liebe leuchtete stärker, die Gnade strahlte mächtiger. Welch' schöner Stern ist uns in Dir aus Jacob aufgegangen, welchy' liebliche Blüthe ist in Dir aus der Wurzel Jesse hervorgesproßt, welch' wohlthätiges Licht hat uns in Dir, o Aufgang aus der Höhe, besucht! Wie muß ich staunen, - 251- wenn ich Deiner himmlischen Eigenschaften gedenke, wie sie sich Kund geben in Deiner Empfängniß vom heiligen Geiste, in Deiner Geburt von der Jungfrau, in der Reinheit Deines Lebens, in den Strömen Deiner Lehre, in den Blizzen Deiner Wunder? Und wie glänzend steigest Du, o Sonne der Gerechtigkeit, nach Deinem Untergange aus dem Herzen der Erde empor, wie glorreich begiebst Du Dich, o König, in Deinem Auferstehungskleide zur Höhe des Himmels zurück, Alle meine Gebeine sprechen: Herr, wer ist wie Du? Du, o allerheiligste Dreieinigkeit, Vater, Sohn und heiliger Geist, hatteft die menschliche Seele nach Deinem Bilde und Gleichniß geschaffen, da Du ihr Gedächtniß, Vernunft und Willen und damit Macht, Weisheit und Reinheit gabst. Aber von diesen höchsten und herrlichsten Eigenschaften fiel die Seele in die entgegengesetzten und häßlichen: in Schwäche, Blindheit und Getrübtheit. Das Gedächtniß ward ohnmächtig und verirrte sich in leidenschaftlichen und müßigen Gedanken; die Vernunft, welche unterscheiden sollte zwischen Gut und Böse, Wahrheit und Irrthum, Vortheil und Schaden, wurde verfinstert, so daß sie oft Böses für Gutes, Irrthum für Wahrheit, Schaden für Vortheil ansah; der Wille endlich, der mit dem höchsten Gut vereint und verbunden bleiben sollte, wurde unrein und verlor sich durch Augenlust, Fleischesluft und hoffärtiges Wesen in die Liebe der Welt und des Irdischen. - 252- % O der unglückseligen Stunde, da Adam das Gebot des Herrn übertrat! Nun ist uns unser herrliches Erbe genommen; nun sind wir aus Lust und Freude in den Ort der Thränen, der Trübsal und Leiden gerathen. Nackt und blos stehen wir da in fremdem Lande, verlassen und fern vom Vaterhause. Der Reichthum ist in Armuth, die Freiheit in Knechtschaft, die Sicherheit in Gefahr, das Leben in Tod verwandelt. Aus der Höhe des Glückes sind wir in die Tiefe des Jammers gefallen. Wie dürfen wir es wagen, o Herr! unser Haupt nach oben zu richten, da doch unser Herz auf Erden friecht. Wir gedenken unsers Adels und schämen uns unserer Verworfenheit. Einst waren wir mit Ruhm und Ehre gekrönt, über alle Werke Gottes gestellt, Bewoh-. ner des Paradieses, Mitbürger der Engel und Deine Genossen. Und wohin sind wir gerathen? In das Land der Trübfal, wo Arbeit, Schmerz und Seelennoth herrscht; dem Abgrund der Hölle sind wir nahe gekommen. Klaget, ihr Menschenkinder, und weinet über euch, ihr Söhne Adams! Ihr effet ja Asche statt Brod, ihr habt ja die himmlische Speise mit der irdischen vertauscht. Unglückliche Verblendete, was habt ihr verloren! Aber weil wir es nicht erkennen, weinen wir nicht, und weil wir unser großes Elend nicht sehen, sind wir destomehr zu beweinen. Du hattest uns frei geschaffen, o Gott! aber nachdem die Sünde gekommen ist, wie hat sich unser Zustand verändert? Die -253- Seele, welche nach eigener Bestimmung fiel, kann sich nicht wieder von selbst zu Dir erheben, weil sie in eitle Liebe versunken ist. Sie kann die Sünde nicht lassen und kann sich doch auch ihretwegen nicht vor Dir entschuldigen. So herrscht denn ein Zwang über sie, den sie sich selber schafft, eine Gewalt, die drückend schmeichelt und schmeichelnd drückt, eine Laft, die ihr als Lust gilt. Sie erduldet eine Knechtschaft, die um so schmählicher erscheinen muß, jemehr sie selber ihr beständiger Urheber ist. Abend war es geworden und der Tag hatte sich geneiget. Kein Engel erschien mehr, kein Prophet sprach mehr. Nur ein matter Schein göttlicher Erkenntniß schimmerte noch, die Ungerechtigkeit hatte obgesiegt und das Feuer der Liebe war erstickt. Die Menge und der Überfluß irdischer Güter hatte die himmlischen ganz versäumen und vergessen lassen. Aber da also das Wesen der Zeit herrschte, brach die Ewigkeit mit ihrem Glanze herein. Du, o Wort des Vaters, famst, Dein himmlischer Vater sandte Dich, Seinen eingebornen Sohn. Mensch, erstaune über die unendliche Liebe und freue dich der großen Würde, zu welcher du erhoben bist. Es kommt zu den Irrenden der Weg, zu den Unwissenden die Wahrheit, zu den Blinden das Licht, zu den Todten das Leben. Er selber kommt, der Herr, dein Gott, der dich gemacht 254- hat; Er kommt, Sein Volk aus der Hand des Todes zu erretten, die Bande der Hölle zu zerreißen und den Eingang zur ewigen Seligkeit zu öffnen. O bedächtest du es recht, welche Herrschaft Ihm gegeben ist, du würdest die Thore deines Herzens weit aufthun, um den König der Ehren zu empfangen. Doch stehe, nicht bloß als Fremdling will Er bei dir einkehren; Er will zu dir kommen und Wohnung bei dir nehmen, denn von Ewigkeit her hat Er dich geliebt. Heil der Seele, die mit Liebessehnsucht Ihn zu sich einladet, den keine andere Greatur würdig aufnehmen mag! Freue dich und frohlocke, o gläubige Seele, denn dein König Er ist dein Schöpfer und Erlöser, lange erwartet, heiß ersehnt. Dort ist der Himmel, von dannen Er ausgeht, hier die Welt, in die Er eintritt. Siehe, rings um Ihn sind Engel und Erzengel, vor Ihm die Propheten, bei Ihm die Apostel, hinter Jhm eine unzählbare Schaar von Heiligen. O wie groß ist Der, vor dem sich die Gewalten beugen, dem alle Mächte und Herrschaften des Himmels unterthan sind! Aber siehe, sanftmüthig und demüthig, arm und niedrig kommt Er, der den Erdkreis richten wird in Gerechtigkeit. Selig die geistigen Augen, welche im Lichte des Glaubens das Licht der ewigen Wahrheit erblicken! kommt. Erwecke, ich bitte Dich, o Herr! Deine Macht und komme, damit wir aus den drohenden Gefahren unserer Sünden durch Deinen Schuß errettet und durch Deine Errettung selig werden. Und Du, o himmli 255- scher Vater, erwecke unsere Herzen, daß wir Deinem Eingebornen Seine Wege bereiten, damit wir durch Seine Ankunft an Geist und Herz gereinigt und Dir zu dienen würdig werden. Neige Dein Ohr zu unserem Flehen herab und laß die Nacht unseres Gemüthes durch die Gnade Seiner Heimsuchung erleuchtet werden. Erwecke, o Heiland! Deine Macht und komme, und eile uns mit Deiner mächtigen Hilfe entgegen; auf daß unsere Erlösung, welche unsere Sünden immer weiter von uns entfernen, durch die Kraft Deiner Gnade und durch das Übermaß Deiner Erbarmungen beschleunigt werde. Der Du lebeft und regierest mit Gott, dem Vater, in Einigkeit des heiligen Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Ho - 256Gebet am heiligen Weihnachtfeste. Das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt, und wir haben Seine Herrlichkeit gesehen. Joh. 1, 14. Geheimniß der Erlö sung, großes Werk der Gnade, Werk unendlicher Liebe und Geduld! So war es denn nicht genug, daß Du, o Gott! uns schufft, daß Du uns regiertest und Deine Engel zu unserem Schußze sandtest; Du haft auch selbst unsere Gestalt und Natur angenommen, bist zu uns herabgekommen, hast unsere Wunden und Todeskrankheit in Augenschein genommen, haft im Mitgefühl über unser Elend geseufzt und aus dem Fleische, in das Du Dich um unsertwillen gekleidet, - 257 257 gleichsam einen Balsam bereitet, um unsere Wunden und unsere ganze Schwachheit zu heilen. Was ist herrlicher, als Den in Menschengestalt zu sehen, der des Menschen Schöpfer ist! Im Mutterleibe wardst Du empfangen, der Du immerdar im Schooß des Vaters sizest. Geboren wardst Du, der von Ewigfeit her vom Vater ist. In Windeln gewickelt lagst Du, der die Erde mit Gesträuch und Bäumen beklei det, den Himmel mit Sternen geschmückt, das Meer mit Fischen erfüllt hat. Du, den die Himmel nicht fassen mögen, wardst von enger Krippe umschlossen und nährtest Dich an der Mutter Brust. Du nahmst zu an Weisheit, dessen Weisheit ohne Anfang und Ende ist; Du nahmst zu an Alter, dessen Ewigkeit nicht zu noch abnimmt, Du nahmst zu an Gnade, der Du Urquell aller Gnade bist. Den alle Creatur anbetet, vor dem alle Kniee sich beugen, Du wurdest Eltern unterthan. Das hatte der Mensch nicht verdient, daß Du Solches für ihn vollbrachtest. Aber nicht unser Verdienst, sondern Deine Güte und Barmherzigkeit war das Maaß, mit welchem Du das Werk Deiner Erlösung uns dargemessen hast. Und so bist Du denn herabgestiegen, um zu suchen und selig zu machen, was verloren war. Ja, höret es, all ihr Gläubige! Jesus Christus, Gottes Sohn, wird geboren zu Bethlehem im jüdischen Lande. Wessen Herz wäre so steinhart, daß es nicht bei diesem Worte bewegt würde? Was kann Süßeres 258 verkündigt, was kann Köstlicheres geschenkt werden? O heilige, unbefleckte Geburt, gnadenreich für die Welt, freudenreich für die Menschen, unerforschlich selbst für die Engel! Geboren wird der Sohn des Höchsten, Gott von Gott seit Ewigkeiten, als Kind in der Zeit; wer mag es genug bewundern? Christus, der da groß war und reich, ward um unsertwillen gering und arm. Nun ist uns aufgegangen der Tag einer neuen Erlösung, nun ist uns wiedergebracht die alte Seligkeit des Paradieses, nun träufen die Himmel Gnade über die Welt. So lasset uns denn hintreten an jene gottgeweihte Krippe und die Lippen zum Kusse an die Füße des menschgewordenen Gottessohnes legen; lasset uns theilnehmen an der nächtlichen Wache der Hirten, lauschen auf die zahllose Menge der Engel, und lasset auch uns mit einstimmen in das Himmelslied mit- Herz und Mund: Ehre sey Gott in der Höhe und Friede den Menschen auf Erden, die eines guten Willens sind! Unser König ist gekommen, Christus ist geboren. Kommet, lasset uns vor Ihm niederfallen und anbeten; denn Er ist es, der uns gemacht hat. Freuet euch im Herrn, ihr Gerechten, verkündiget Seine Werfe unter den Völkern. Wer wollte stumm und gleichgültig bleiben, wenn der Himmel laut wird, wenn die Engel singen und das Lob Gottes in der Höhe erschallt. Freue dich und frohlocke, du Tochter Sion, jubele Jerusalem, heute ist der Friede herabgestiegen, heute ist das Licht aufgegangen über die Welt, heute 259- ist die Nacht in Tag verwandelt worden. Ihr, die ihr im Staube darniederlieget, erhebet euch und preiset! Sehet, der Herr ist gekommen! Er heißt Jefus, Er kommt mit Heil; Er heißt Christus, Er bringt himmlische Salbung; Er heißt Gottes Sohn, Er giebt ewige Herrlichkeit. Geneset, ihr Kranken, Christus kommt, zu heilen die zerschlagenen Herzen. Frohlocket, die ihr nach Großem verlanget, der Sohn Gottes ist zu euch herabgestiegen, um euch zu Erben Seines Reiches zu machen. Du aber, allmächtiger Gott! gieb uns, daß uns das neue Licht Deines Wortes, das Fleisch geworden, mit Seiner ganzen Fülle durchleuchte und daß, was durch den Glauben in uns erglänzet, in allen unsern Werken an uns sichtbar werde. Amen. Gebet zur heiligen Kindheit Jesu. Unaussprechlichen Preis und Dank bringe ich Dir dar, o liebreichster Jesu, daß Du aus Liebe zu mir aus Deinem königlichen Palaste und aus dem Schooße des höchsten Vaters in dieses Jammerthal herabgestiegen bist und von der heiligsten und reinsten Jungfrau Maria, Deiner Mutter, die Menschheit angenommen haft. Ich bitte Dich, o Herr, Du wollest meine Seele Dir zur Wohnung bereiten und sie mit jeglicher Art 260 von Tugend schmücken, auf daß Du allein und immerdar in derselben wohnest. Möge es Deiner Güte gefallen, mein Herz so umzuwandeln, daß ich mich nicht scheuen muß, Dich einzuladen; sondern daß Du kommest, bei mir Wohnung zu nehmen und ich Dich freudig empfangen darf, und Du auf ewig in diesem Herzen ruhen kannst. O könnte ich Dich mit den Armen einer so mächtigen Liebe umfassen, daß ich nimmermehr weder durch meine Gesinnungen, noch meine Neigungen von Dir hinweggezogen werde. Ich preise Dich dafür, o liebreichster Jesu, daß Du Deine heiligste Mutter, die glorreiche Jungfrau Maria, bewogst, ihre Base Elisabeth im Gebirge zu besuchen und den Gruß derselben zu empfangen. Ich bitte Dich, gieb mir die Gnade der wahren Demuth und präge sie dem tiefsten Innern meines Herzens ein, damit Du mittelst ihrer mich allezeit bereit findest in Dingen, welche Deinen Dienst betreffen. Gieb, o Herr, daß mein Herz das Irdische stets verachte und nur Dich zum Herrn und Bewohner zu haben verlange. Ich preise Dich dafür, o mein gütigster Jeſu, daß Du aus der heiligsten Jungfrau, ohne Verlegung ihrer jungfräulichen Reinheit, geboren werden wolltest, welche Dich als einen Armen und Sterblichen, alsbald nach der Geburt in die Krippe legte, aber Dich auch als Gott und Schöpfer aller Dinge demüthig anbetete. Ich bitte Deine göttliche Barmherzigkeit, daß es Dir gefallen möge, stets auf's Neue in mir geboren zu 261 werden, und daß Du seyest meine einzige Sehnsucht, meine einzige Sättigung und die feste Hoffnung meines Herzens. Möge es Deiner Güte gefallen, daß ich nur Dich allein ewig suche, an Dich ewig denfe, und nur Dich allein mit inbrünstiger Liebe umfasse. Unendlichen Preis sage ich Dir, o süßester Jesu, daß Du, in dem Schauer der Kälte geboren, es nicht verschmäht hast, Dich in geringe Windeln einhüllen und in dem Stalle beherbergen zu lassen, da Du in Wahrheit der allmächtige Gott warst. Verleihe mir, o Herr, daß ich bei Deinem Anblicke immer ein wahrhaftes Kind sey an Demuth und wahrhaft arm am Geiste. Gieb daß ich aus Liebe zu Dir nie zurückschrecke, Beschwerden und Mühsale zu ertragen, daß ich außer Dir Nichts liebe in dieser Welt und außer Dir Nichts in dieser Welt zu besitzen wünsche. Preis sage ich Dir dafür, o gütiger Jesu, daß Du sogleich nach Deiner Geburt Dich verherrlichen ließest durch die lieblichen Gesänge der Engel, und daß Du von den Hirten Dich mit der größten Freude und Bewunderung anbeten ließest. Gieb mir die Gnade, o Herr, daß ich in Deinem Lobe beständig und mit Freuden verharre, daß ich in Gesellschaft der Hirten Dich eifrig suche, und suchend Dich finde und. nachdem ich Dich gefunden habe, ewig Dich besize. Loben und preisen will ich Dich ewiglich, gütiger Jesu, daß Du am achten Tage Dich beschneiden ließeſt und schon in jenem zarten Alter aus Liebe zu mir 262- Dein Blut vergießen wolltest; daß Du, um mich mit unaussprechlichem Troste zu erfüllen, Dich Jesus nennen ließest. Ich bitte Dich, o Herr, daß Du mich würdig halten mögeft, in die Zahl Deiner Auserwählten zu gehören und daß mein Name im Buche der Seligen geschrieben stehe. Schneide weg aus meiner Seele alles Unnüße: müßige und schädliche Worte, unheilige Werke und jeden unreinen und nichtswürdigen Gedanken. Du heißest Jesus, das ist Retter; Dir allein kommt es zu, Rettung zu spenden. Darum bitte ich Dich, o Herr, daß die Erinnerung dieses Deines allerheiligsten Namens von mir alle unordentliche Verzagtheit und Lauheit austreibe; daß sie mir die fefte Hoffnung auf Deine Barmherzigkeit verleihe und mich vor allen Verfolgungen meiner Feinde behüte. Ich preise Dich dafür, o liebreichster Jesu, daß Du unter Leitung des hell leuchtenden Sternes von Weisen, die in innigster Andacht und aufrichtigem Glauben Dich gesucht, gefunden wurdest; welche zu Deinen Füßen niederfallend, Dir Gold, Weihrauch und Myrrhen darbrachten. Verleih, o Herr, daß ich Dich in der Gesellschaft jener heiligen Könige suche, nicht in Bethlehem, sondern in der Krippe meines eigenen Herzens, daß ich Dich daselbst finde und im Geiste und in der Wahrheit anbete und Dir das Gold reiner Liebe, den Weihrauch der Andacht und die Myrrhen einer vollkommenen Abtödtung zum Opfer bringe. Gieb mir endlich die Gnade, daß ich alle meine Kräfte 263 und die Stärke meines Geistes zur Nachahmung Deines allerheiligsten Lebens geschickt und freudig anwende. Ich preise Dich, Herr Jesus Christus, der Du, um uns ein Beispiel des Gehorsams und der Demuth zu geben, aus Liebe zu uns Dichy willig dem Gesetze unterwarfst und in den heiligsten Armen Deiner Mutter Dich im Tempel darstellen ließest, und für Dich nicht das Opfer der Reichen, sondern der Armen darbringen ließeft. Dafür haben der gerechte und greise Simeon und die Prophetin Anna, welche über Deine Gegenwart frohlockten, das Zeugniß Deiner Herrlichkeit verkündet. Verleihe mir, o Herr, daß in Zukunft niemals der geringste Gedanke von Eitelkeit in meinem Herzen Raum gewinne. O wie glücklich wäre ich, wenn in mir jede Art von Überhebung und jede Begierde nach Weltgunst fammt meiner unordentlichen Liebe zu derselben vertilgt würde. Würdige mich der Gnade, daß ich mich vor jeglichem Menschenlob hüte, mich den Menschen unterwerfe und ihnen gerne gehorche. Ich sage Dir Dank, lieber Jesu, daß Du in Deiner frühesten Kindheit schon Verfolgung zu dulden begonnen und daß Du es nicht verschmäht hast mit Deiner theuersten Mutter nach Egypten zu fliehen. Gieb mir die Gnade, daß ich in allen Stürmen der Verfolgungen und Versuchungen zu Dir meine Zuflucht nehme, Dich suche, und nur Dich anrufe. Gieb mir auch, o Herr, daß ich, so oft mir aus Deinen Händen Verbeißungen oder Warnungen zukommen, ich 264- mit Freuden sie annehme, sie mit stillem Sinne trage und Dir allezeit Dank sage für Alles, was Du über mich zu verhängen für gut finden wirst. Unendlichen Preis sage ich Dir auch, Herr Jeſu, daß, als Deine Mutter mit dem größten Schmerze Dich im Tempel suchte, wo Du zurückgeblieben warst, Du nach drei Tagen mitten unter den Lehrern sizzend gefunden wurdeft, welchen Du zuhörtest und die Du mit unglaublicher Weisheit befragtest. Ach Herr, durch Deine Güte verleihe mir, daß ich nimmer von Dir getrennt sey und Du nie von mir. Vertreibe aus mir jede Unachtsamkeit und Lauheit; vertilge in mir die Kälte des Herzens, welche Dir so sehr mißfällt und gieb mir eine vollkommene Andacht, einen brennenden Durst nach Deiner Gerechtigkeit, und laß hievon so sehr mein Herz beherrscht werden, daß ich nimmer müde und nie satt werde Dir zu dienen. Amen. Litanei vom heiligen Namen Jesu! Herr, erbarme Dich unser! Christe, erbarme Dich unser! Herr, erbarme Dich unser! Christe, höre uns! Christe, erhöre uns! Gott Vater von den Himmeln, Erbarme Dich unser! Gott Sohn, Erlöser der Welt, Erbarme Dich unser! Gott heiliger Geist, Erbarme Dich unser! Heilige Dreifaltigkeit, ein eini Jesu! Du Spiegel der Vollkommenheit! Jesu! Du Vorbild aller Tugenden! Jesu! Du Vater der Armen! Jesu! Du Tröster der Betrübten! ger Gott, Erbarme Dich unser! Jesu! Du Sohn des leben-\ digen Gottes, Jesu! Du Sohn Davids, Jesu! Du Sohn der Jungfrau Maria, Du allerheiligster Jeſu! Du allmächtiger Jeſu! Du vollkommenster Jesu! Du allerstärkster Jeſu! Du glorwürdigster Jeſu! Du gütigster Jeſu! Du allerliebster Jesu! Du süßester Jeſu! Du wunderbarlichster Jesur! Du holdseligster Jesu! Du ehrwürdigster Jeſu! Du sanftmüthigster Jesu! Jesu! Du Heiland der Welt! Jesu! Du Mittler zwischen Gott und den Menschen! Jesu! Du guter Hirt! Jesu! unsere Zuflucht! Jeſu! Du getreuester Lieb haber! Jesu! Du wahres Licht! Jesu! Du ewige Weisheit! Jesu! Du unendliche Gütigkeit! 265 Jesu! Du Eiferer der Seelen! Jesu! Du köstliches Kleinod! Erbarme Dich unser, o Jesu! Jesu! Du Freude der Engel! Jesu! Du König der Pa triarchen! Jesu! Du Erleuchter der Propheten! Jesu! Du Meister der Apostel! Jesu! Du Lehrer der Evangelisten! Jesu! Du Stärke der Mär tyrer! Erbarme Dich unser, o Jesu! Jesu! Du Licht der Bekenner! Jesu! Du Bräutigam der Jungfrauen! Jesu! Du Krone aller Heiligen! Sey uns gnädig, verschone uns, o Jesu! Sey uns gnädig, erhöre uns, o Jesu! Von aller Sünde, Erlöse uns, o Jeſu! Von Deinem Zorn, Erlöse uns, o Jesu! 12 Von den Nachstellungen des Teufels! Von Pest, Hunger und Krieg! Von Übertretung Deiner Gebote! Von allem Übel! Durch Deine MenschwerDung! Durch Deine Geburt! Durch Dein heiligstes Leben! Durch Dein Leiden! Durch Deinen Tod! Durch Deine Auferstehung! Durch Deine Himmelfahrt! Durch Deine Freuden! Durch Deine große Herrlichkeit! 266 Erlöse uns, o Jeſu! Durch Deine Mutter, die allerfeligste Jungfrau! Durch die Fürbitte aller Deiner Heiligen! Du Lamm Gottes, welches Du hinwegnimmst die Sünden der Welt! verschone uns, o Jesu! O Du Lamm xc., erhöre uns, o Jesu! O Du Lamm 2c., erbarme Dich unser, o Jesu! Jesu Christe! höre uns. Jesu Christe! erhöre uns. Der Name des Herrn sey gepriesen, Jetzt und in alle Ewigkeit! Gebet. Erlöse 2c. Herr Jesu Christe! der Du gesagt haft: Bittet und ihr werdet erhalten, suchet und ihr werdet finden, klopfet an und es wird euch aufgethan werden; wir bitten Dich, verleihe uns die Gnade, daß wir Dich von ganzem Herzen lieben, Dich mit Wort und That bekennen und Deinen Namen ewig loben und verherrlichen. Der Du lebest und regierest mit dem Vater und dem heiligen Geiste von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. - 267 Gebet zur Betrachtung der irdischen Wanderung des Erlösers. Ich preise Dich, liebreichster Jesu! daß Du, in die Fluthen des Jordans steigend, Dich haft von der Hand Deines Vorläufers Johannes taufen lassen. Erzeige mir durch Deine Verdienste die Gnade, o Herr! daß ich mich in diesem Leben reinige und von allen Lastern frei mache, und daß ich mich erfülle mit Deiner Liebe und mit der Sehnsucht nach dem himmlischen Vaterlande. Gieb daß ich, bevor meine Seele den Kerker dieses Fleisches verläßt, so werde wie Du willst, daß ich seyn soll und daß ich, wenn ich einst scheide aus dieser Pilgrimschaft, alsbald zu Dir gelange, um Dich ewig anzuschauen und mich immer Deiner zu erfreuen in jener Seligkeit, die kein Ende kennt.condos Unendlichen Dank und Preis sage ich Dir, gütiger Jesu, daß Du in die Wüste gingst, bevor Du anfingst das Evangelium zu predigen; daß Du unter den Thieren des Waldes gelebt, vierzig Tage und vierzig Nächte gefastet und die Zeit in beständigem Beten und Flehen zugebracht hast, und nachher vom Satan Dich haft versuchen lassen, so daß Du als Sieger von dannen gingst und die Engel famen und Dir dienten. Verleihe mir, o Herr, Deine Gnade, um 12* -268 mein Fleisch zu bändigen, alle lasterhaften Neigungen unter die Herrschaft des Geistes zu beugen, mit der Gabe der Beharrlichkeit mich zu üben im Fasten, Wachen, Beten und andern geistlichen Übungen. Vorzüglich aber, o Herr, verleihe mir, daß ich mit Hilfe Deiner Gnade frei werde von der Lust des Gaumens und von allen andern Fallstricken und Anfechtungen des Teufels; daß keine Versuchung mir etwas anhabe und keine mich von Dir trenne. Ja gieb, o Herr, daß solche vielmehr mir Veranlassung werden, mich desto enger an Dich anzuschließen und mit Dir mich zu vereinigen. Ich preise Dich, mildester Jesu, daß Du aus Liebe zu mir auf Deinen Wanderungen und in Verfolgungen und Bedrängnissen jeglicher Art, viele Schmerzen, Leiden, Hiße, Kälte, Hunger, Durst, Müdigkeit und Schweiß auf dieser Welt erduldet haft. Verleihe mir, o Herr! daß ich aus Liebe zu Dir mit Freuden alle Widerwärtigkeiten, als von Deinen Händen über mich verhängt, hinnehme und mit großer Geduld sie trage. Gieb, daß ich in Glück oder Unglück, in Freud oder Leid, in Sturm oder Friedensstille immer in Dir verharre, mich keinen Finger breit von Dir entferne und daß in Allem Dein Wille geschehe, nicht der meinige.. Ich preise Dich dafür, barmherzigster Jesu! daß Du so viel gelitten hast, als Du das Heil und die Bekehrung meiner Seele suchteft, indem Du, als ein wahrer Hirte und Weltheiland, in Gebeten verharrteſt, - 269 auf Deinen Wanderungen Dich ermüdetest, die himmlische Lehre verkündetest und von Gegend zu Gegend, von Stadt zu Stadt, von Flecken zu Flecken wandelnd, die Pflichten eines guten Hirten erfülltest. Ich bitte Dich, o Herr! erlange mir die Gnade, daß ich fernerhin niemals saumselig oder träge in Deinem Dienste erfunden werde; daß ich vielmehr allezeit eifrig und bereit zu jedem guten Werke sey. Gieb, daß ich auf das Heil aller meiner Mitmenschen innig bedacht und vom Eifer für Deine Ehre stets durchdrungen sey. Ich preise Dich, gütigster Jesu! daß Du im Umgange mit den Menschen sie milde getröstet und nach Deiner großen Barmherzigkeit ihre Schwachheiten geheilt hast. Gieb mir, o Herr! ein Herz, welches mit frommer Liebe gegen Alle erfüllt ist, mit Allen trauert, die ich in Trübsal erblicke. Gieb daß ich die Drangsale Anderer als meine eigenen betrachte, daß ich mit ruhigem Sinne und ohne Ungeduld die Unvollkommenheiten Anderer ertrage und ihnen nach meinen besten Kräften in aller ihrer Bedrängniß beistehe. O Herr, reinige mein Gemüth vollkommen von allen sündlichen Neigungen und von allen bösen Begierden, welche in demselben herrschen, auf daß ich von allen diesen Übeln geheilt und aller dieser Laster entledigt, frei in den Himmel eingehen möge, und nicht eher mich befriedigt fühle, als bis ich durch Deine allerreinste Liebe gewürdigt werde, zu Deiner göttlichen Anschauung zu gelangen. - 270 Ich preise Dich, guter Jesu! daß Du aus inniger Liebe zu mir unzählige Beleidigungen, Verspottungen, Verleumdungen und Verfolgungen, am meisten von denen erduldet hast, welche Du mit unendlichen Wohlthaten überhäuftest. Ich flehe zu Dir, o Herr! mache mein Herz wahrhaft einfältig und unschuldig, auf daß ich meine Feinde liebe, daß jedes ihnen zustoßende Unglück mir stets von Herzen leid sey und daß ich ste, wo sie etwas Unrechtes thun, gern entschuldige; um so durch Vergeltung des Bösen mit Gutem ein wahrer Nachahmer Deiner vollkommenen Liebe und Deiner Geduld zu werden. Ich preise Dich, geliebtester Jesu! dafür, daß Du in Jerusalem eingezogen bist, demüthig und sanftmüthig auf einer Eselin sißend, und daß Du im Angesichte derer, welche mit freudigen Hymnen und herrlichem Lobpreise Dir singend entgegenzogen, bittere Thränen vergossen hast, die der Schmerz über die Zerstörung der berühmten Stadt und über das Verderben so vieler Seelen Dir auspreßte. Gieb mir, o Herr! eine tiefe Erkenntniß meiner selbst, um mein Elend völlig zu erkennen, mich tief zu demüthigen und mich so sehr selbst zu verachten, daß mich die Schmeicheleien und Lobpreisungen der Menschen fernerhin nicht mehr bestricken, sondern daß ich vielmehr mein und meines Nächsten Sünden aufrichtig beklage und jegliches seiner Vergehen wie mein eigenes empfinde. Amen. - 271- Gebete in der Fastenzeit. Erneuert euch im Geiste eueres Ges müthes und ziehet den neuen Menschen an, der nach Gott geschaffen ist in Ge rechtigkeit und wahrhafter Heiligkeit. Ephes. 4, 23, 24, Bußgebet. Nach dem 6. Pfalm. Herr Jesu Christe, künftiger Nichter der Welt! der Du die Guten in Dein himmlisches Reich aufnehmen, die Bösen aber in das ewige Feuer verweisen wirst! Erwäge ich unwürdiger Sünder den Schrecken Deines einstigen Gerichtes, so drängt es mich, mit Beben und Zittern zu Dir zu rufen: Herr, strafe mich nicht in Deinem Grimme und züchtige mich nicht in Deinem Zorne! Aber wehe mir! Wie konnte ich es dahin bringen, daß Deine unermeßliche Milde sich in Grimm, daß Deine unendliche Barmherzigkeit sich in Zorn verkehrt hatte. Und doch habe ich es dahin gebracht! Wollte ich nicht freiwillig dieses Bekenntniß ablegen, ich müßte es gezwungen thun. Wie aber darf ich nun so kühn seyn, zu Dir zu beten: Herr, strafe mich nicht in Deinem Grimme und züchtige mich nicht in Deinem Zorne? Jch thue es im Bewußtseyn nicht meiner Gerechtigkeit, sondern Deiner Barmherzigkeit. Darum erbarme Dich meiner, o Gott, 272 denn ich bin schwach! Nicht auf die Kraft meiner Tugend, sondern nur auf die Schwäche meines Wesens kann ich vor Dir mich berufen. Ich bin schwach, und Du bist der Arzt; so heile mich denn, o Herr! hier wende jegliches Heilmittel an; hier brenne, hier schneide, auf daß ich nur befreit werde von Deinem Zorne, von der Strafe des zukünftigen Lebens. Und nicht umsonst werde ich zu Dir, milder Arzt, flehen, daß Du mich heilest; denn siehe, alle meine Gebeine zittern! Nicht die Gebeine meines Leibes, sondern das Innerste und alle Kräfte meiner Seele; mein Gedächtniß, mein Verstand, mein Wille. So lange diese gesund sind, ist meine Seele ein Bild und Gleichniß Deiner heiligsten Dreieinigkeit; da dieselben aber durch die Sünde zerrüttet und im Aufruhr gegeneinander sind, so ist meine Seele verwirrt und sehr bestürzt. Wohlan, göttlicher Arzt! ich zeige Dir meine Krankheit und die Größe meiner Gebrechen, und flehe zu Dir: Zögere nicht, o Herr! mich zu heilen! Ich weiß es, wenn Du zögerst, so geschieht es nicht aus Härte; sondern Du läsfest mich mit der Sünde kämpfen, um mich destomehr zu überzeugen, in welches Unglück meine Seele sich gestürzt, und um mich desto vorsichtiger zu machen. Denn die Schwierigkeit und der Aufschub der Heilung macht um so eifriger, die wiedererlangte Gesundheit zu bewahren. Vielleicht auch zögerst Du deßhalb mit der Heilung, weil ich nur in unvollkommener Weise Dich darum - 273- bitte. Ich flehe zu Dir, Herr, fomme meiner Unvollkommenheit zu Hilfe; wende Dich zu mir und errette meine Seele; laß mich wieder ganz Dir zugewendet seyn! Wie hart und mühsam wird es mir, aus dem Dunkel irdischer Begierden zu der Klarheit und Ruhe des göttlichen Lichtes mich zu erheben. So rette denn Du meine Seele, die von Sünden gefeſſelt und in ihrer Bekehrung von vielen Feinden gehindert ist, die an den Verkehrtheiten dieser Welt hängt und selbst im Augenblick der Bekehrung sich noch an den Dornen sündiger Gelüste rigt. Auf daß ich frei werde von diesen Übeln, hilf mir um Deiner Barmherzigkeit, nicht um meines Verdienstes willen; denn durch meine Sünden und Fehler habe ich mir nur gerechte Verdammniß zugezogen. Hilf mir um Deiner Barmherzigkeit willen, welche Dich bewogen hat, den zu Dir Bekehrten milde Verzeihung zuzusichern, mit den Worten: Bekehret euch zu mir, so werde ich mich zu euch kehren.( 3ach. 1, 3.) Du, der Du von mir Dich abgewendet hast, den ich selbst von mir abgewendet habe, indem ich mich von Dir abwandte, kehre Dich zu mir, der ich auch zu Dir mich wieder kehre; wenn auch nur schwach, gieb, daß ich kräftiger mich zu Dir kehre, und errette meine Seele nicht von der gegenwärtigen Sündhaftigkeit allein, sondern auch von dem Elend des zukünftigen ewigen Todes. Denn im Tode ist keiner, der Deiner gedenkt, und in der Hölle wer wird da Dich loben? Mil 274 defter Herr! ich eile, Dich um Nachlaffung meiner Sünden anzuflehen; denn nach dem Tode, in der Hölle, kann ich Deiner nicht mehr gedenken, Dir nicht mehr meine Sünden bekennen, so daß das Bekenntniß zur Sühnung gereichte; jest ist die Zeit der Bekehrung; nach Abschluß dieses Lebens ist nur noch die Zeit der Vergeltung übrig. Um also von dem ewigen Tode und von der Verdammniß frei zu werden, habe ich mich abgemüht in meinem Seufzen und wasche jede Nacht und beneße mit Thränen mein Lager. Glückseliger David, der zu seinem Heile viele Nächte hindurch den Schmerz der Reue empfunden! Wehe mir Armen, der ich kaum eine Stunde denselben empfinden kann oder will; und der ich, wenn je das Wollen mir nahe liegt, bei der Unvollkommenheit meines Willens das Vollbringen des Guten nicht finden kann. ( Röm. 7, 18.) So verleihe denn Du, o Herr! mir das Wollen, verleihe Du mir das Vollbringen; gieb, daß ich nicht allein ringe im Seufzen des Herzens, sondern auch mein Lager neße mit Thränen, und daß mich solche nicht bloß äußerlich beneßen, sondern auch im Innern der Seele mich waschen, und mein Weinen bis zum Innersten meines Herzens dringe und in demselben hafte. Und nicht bloß flehe ich, o Herr! daß ich das Lager meines Leibes mit Thränen wasche und nege, sondern auch die geistige Ruhestätte meiner Seele, das Gewissen- jede Nacht, das heißt in jeglicher Sünde, - 275 die vor demselben sich erhebt. Ist es ja doch abwechselnd Tag und Nacht in meinem Herzen; Nacht, wenn ich dem Gesetze der Sünde diene; Tag, wenn ich mich dem Gefeße Gottes unterwerfe. Möchte doch die Nacht meiner Vergehen und die Finsterniß meiner Sünden verscheucht werden und möchte für mich anbrechen der hellleuchtende Tag der Tugend und das Licht der Gnade! Aber wehe mir Armen! von Gram ist verdunkelt mein Auge! Wehe und abermals wehe, daß das Auge meiner Seele kaum zum Lichte des Tages und der geistigen Erleuchtung sich erheben kann; denn von Gram ist es verdunkelt; nicht allein wegen Deiner zufünftigen Strafe, die ich fürchte, und Deiner gegenwärtigen, die ich empfinde, sondern auch wegen meiner eigenen Strafe, unter der ich leide, jenes mächtigen Hanges zur Sünde nämlich, der von dem ersten Stammvater auf mich übergegangen ist und welcher mein Auge, wenn auch nicht gänzlich verdunkelt, doch vielfach verwirrt, so lange ich in diesem gebrechlichen Leben wandle. Und mit Recht; denn ich bin alt geworden unter meinen Feinden, nämlich unter meinen Lastern und Sünden, die wahrhaft meine Feinde sind, da sie von der göttlichen Liebe mich trennen und entfernen. Alt bin ich geworden unter ihnen, indem die lange Gewohnheit mich dahin gebracht hat, daß ich freiwillig unter ihrer Herrschaft stehe. Aber Du, mildester Herr! gieb mir nach meinem Seufzen und Mühen und nach meinen Bußthränen Deine - 276 tröstende Hilfe, so daß ich sagen kann: Weichet von mir Alle, die ihr Böses thut; denn der Herr hat die Stimme meines Weinens erhört. Wecke in mir den Wunsch, getrennt zu seyn, nicht nur dem Leibe, sondern auch der Seele nach, von denen die Böses thun und nach deren Vorbild ich gefündigt habe, auf daß so das Werk Deiner Besserung an mir offenbar und Deine Tröstung verherrlicht werde, und meine Seele es empfinde, daß Du den Ruf meines Flehens erhöret haſt. Gieb mir, daß ich in Jubel ohne Unterlaß ausrufen fann: Erhört hat der Herr mein Flehen, der Herr hat aufgenommen mein Ge= bet! mein Flehen nämlich um Nachlassung meiner Sünden und mein Gebet zur Erlangung aller Tugenden. Und nicht für mich allein, sondern auch für diejenigen, die durch mein Beispiel zur Sünde verleitet worden, oder deren Beispiel mich dazu verleitet hat, und für alle Menschen, zur Bekehrung und Besserung meiner Freunde und Feinde, erhöre meine Bitten, auf daß ich mit Deinem Knechte David sagen kann: Es sollen sich schämen und heftig erschrecken alle meine Feinde; sich schämen nach meinem Beispiel um ihres Bösen willen, und erschrecken bei dem Gedanken an das Gericht, damit sie schleunigst von Schaam erfüllt sich zu Dir bekehren. Amen. -** 277 Seufzen nach der göttlichen Gnade. Heile Du mich, und ich werde geheilt werden, o weiser und barmherziger Arzt! Zu Deiner unendlichen Barmherzigkeit flehe ich, heile die Wunden meiner Seele und erleuchte mein geistiges Auge, auf daß ich das Übermaß Deiner Gnade gegen mich erkennen und ermessen möge. Siehe, mein Herz und mein Sinn sind thöricht geworden, indem ich gesündigt habe. D stärke mich denn fortan mit Deiner Gnade. Du weißt es ja, Ergründer der Zukunft, der Du Herzen und Nieren durchforschest, daß meine Seele ohne Dich einem dürftenden Erdreiche gleicht; nur wenn ich Dich liebe, ist sie reich durch Deine Gnade. Wie Du immer mich erhört hast, so nimm auch jetzt mein Gebet gnädig auf. Siehe, wie eine Gefangene schmachtet meine Seele, nur Dich, den wahren Erlöser suchend. Eile mir also mit Deiner Gnade zu Hilfe, auf daß mein Hungern und Dursten gestillt werde. Denn auf Dich, o Herr, der Du unermüdet Wohlthaten erweisest, ist mein Verlangen gerichtet. Wer könnte Dich jemals damit ermüden, daß er wahrhaft Dich liebt und nach dem Lichte Deiner Wahrheit sich sehnt. O Geber des Lichts, so erfülle denn meine Wünsche und erhöre mein Gebet und erquicke mein Herz mit Deiner Gnade. Möge sich in mir entzünden die Flamme Deiner Liebe, gleich einem Feuer in dichtem Walde, und möge sie jeden bösen Gedanken und jede 278- böse Neigung in mir verzehren, gleich einem Dornengestrüppe. Schenke mir reichen Segen, wie ihn Gott einem Menschen schenken kann, und statte mich mit Gütern aus, wie sie ein liebender Vater spendet. Habe ich auch, als ein am Irdischen Hängender, Deine Gnade oft von mir gestoßen, so stille dennoch meinen Durst nach Dir, wie Du einst die Wasserkrüge mit Deinem Segen gefüllt hast. Der Du fünftausend Menschen gesättiget hast, erwecke in mir, o Herr, einen Hunger nach Deiner Güte. Siehe, die Luft heitert sich auf in der gegenwärtigen Jahreszeit, und die Vögel erheben zum Ruhm Deiner unendlichen Weisheit von Neuem ihre Stimmen; die ganze Erde ist im Begriffe sich wieder mit dem reichen Gewande bunter Blumen zu schmücken und ihrem Herrn und Schöpfer ein Fest zu feiern. Deine Güte giebt daher auch mir Vertrauen, mit Dir zu reden; die Sehnsucht nach Dir, von welcher ich entbrenne, drängt mich, vor Dein Antlig zu treten und meinen Mund zu öffnen zum Lob und zur Ehre Deiner göttlichen Gnade. Der Du angenommen und gebilliget haft die zwei Heller jener Wittwe im Tempel, nimm an und erhöre das Flehen Deines Dieners, und gieb, daß ich ein Tempel Deiner Gnade sey, die in mir wohne und die mich lehre, wie ich Dir wohlgefallen kann; gieb, daß meine Stimme von Reue ertöne, daß ich meinen Geist bezähme und fünftig weder freventlich gegen Dich sündige noch Deines Lichtes beraubt werde. Erhöre, o Herr, mein Flehen und lasse - 279- mich Verirrten ein Mitglied Deines Reiches werden, lasse mich Unreinen gereiniget, mich Unwissenden weise, mich Unnüßen nüßlich werden der Schaar Deiner auserwählten Verehrer und aller Heiligen, welche Dir wohlgefällig gewesen sind. Diejenigen, welche schon die Freuden des Paradieses genießen, mögen für mich bitten und Dich, den allein Gütigen, für mich anrusen. Erhöre Du ihre Bitten und erlöse mich durch ihre Vermittelung. Ich aber will dann Dich lobpreisen durch sie, weil Du durch Erhörung ihres Gebetes Dich meiner erbarmest und mein Gebet nicht verachtest. Du hast durch den Propheten( Psalm 80.) gesagt: Thue auf Deinen Mund und ich will ihn erfüllen. Siehe, darum ist auch Mund und Herz Deines Dieners schon geöffnet. Erfülle Du ihn mit Deiner Gnade, auf daß ich allezeit Dich preise, Christus, meinen Gott und meinen Erlöser. Erfrische mein Herz, o bester Menschenfreund, mit dem Thau Deiner Gnade, denn wie die Erde ihre Saat nicht ohne die Heimsuchung Deiner Güte zum gedeihlichen Keimen bringen kann; so kann ohne dieselbe auch mein Herz nicht preisen Deine Huld, noch Früchte der Gerechtigkeit tragen. Wie Du die Bäume mit bunten Blüten schmückest, so träufle auch den Thau Deiner Gnade in meine Seele, und schmücke sie mit den Blüten der Demuth, der Reue, der Liebe und Geduld. Doch siehe, mein Gebet ist schwach und meine Sünden nur sind mächtig. Meine Missethaten 280- betrüben mich und meine Schwachheiten beugen mich nieder, Du aber bist reich und gut und barmherzig und liebevoll. Der Du die Augen der Blinden aufgethan hast, öffne auch die Augen meines Herzens. Der Du den Mund der Stummen geöffnet, öffne auch meinen Mund zu Deinem Lobe und zum Ruhm Deiner Gnade. Der Du mit Deinem Gebot dem Meere Grenzen gesetzt, seße auch meinem Herzen Schranken, auf daß es weder zur Rechten noch zur Linken von Deiner Herrlichkeit weiche. Der Du dem ungläubigen und widerspenstigen Volke Wasser gabst in der Wüste, schenke mir Reue und meinen Augen Thränen, daß ich Tag und Nacht und die ganze Zeit meines Lebens in Demuth, in Liebe und Reinheit vor Dir weine. Mein Gebet nahe Deinem Angesichte, o Herr, und verleihe mir aus Deinem Gnadenschaße, daß ich würdige Werke der Buße thue. Ehre sey dem, der mir verlieh, was ich ihm opfern kann. Erhöre, o Herr, das Gebet Deines Dieners durch die Fürbitte aller Deiner Heiligen, der Du gepriesen wirst von Allen ewiglich. Amen! Gebet zum leidenden und sterbenden Erlöser. Dank und Lobpreis opfere ich Dir, o Herr Jesu Christe! dafür, daß Du, zur Erfüllung des alten Geseßes, mit Deinen Jüngern in Jerusalem das Osterlamm haft effen wollen, und daß Du ihnen ein Beispiel tieffter - 281 Demuth und unaussprechlicher Liebe gegeben hast, indem Du niederknieteft, ihnen Allen die Füße wuschest und mit dem leinenen Tuche, womit Du umgürtet warst, dieselben abtrocknetest. Laß, o Herr, Dein Beispiel mein Herz durchdringen, und aus demselben jede Überhebung, jeden Stolz, der in mir noch haftet, tilgen. Schmücke auch mich mit tiefster Demuth und vollkommenstem Gehorsam, damit ich in Allem Deine Gebote erfülle und mich den Vorschriften derer, welche in Deinem Namen gebieten, unterwerfe. Gieb, daß ich aufs innigste und mit reinstem Herzen Dich, und aus Liebe zu Dir auch alle Menschen liebe. Ich preise Dich dafür, barmherziger Jesu! daß Du aus überschwenglicher Liebe das Sacrament Deines Leibes und Blutes eingesetzt, und mit bewunderungswürdiger Freigebigkeit Dich selbst uns als Speise hinterlassen hast, und daß Du nicht verschmäht hast, mit Deiner Gottheit und Menschheit bis ans Ende der Tage bei uns zu bleiben. Erwecke in mir, o Herr! ein sehnliches Verlangen und einen wahrhaften Hunger nach diesem hochwürdigsten Sacramente. Verleihe mir gnädig, zu diesem Tische des Lebens so hinzutreten, daß ich Dich mit reiner Liebe, mit tiefer Demuth, mit lauterem Herzen und aufrichtigem Sinne empfange. Laß auch meine Seele so nach Dir dürsten und von Liebe zu Dir entzündet werden, daß ich zur Verherrlichung und zum Ruhme Deines Namens dereinst Deiner göttlichen Freuden theilhaft werden könne. 282 Ich preise Dich, süßester Jesu! daß Du bei Deinem Scheiden aus der Welt, Deine Jünger mit Worten voll heiliger Liebe ermahnt und getröstet und in eifrigem Gebet fie Deinem himmlischen Vater empfohlen hast. So hast Du gezeigt, welche Liebe Du für sie und für Alle, die durch sie an Dich glauben, habest. Lasse, o Herr, mein Herz allezeit die Süßigkeit Deiner Lehren empfinden. Lasse in meiner Brust den Geist Deiner liebevollen Ermahnung walten, um mich ganz in Deine Liebe umzuwandeln. Lenke all mein Thun, auf daß in mir und durch mich stets Dein heiliger Wille geschehe. Ich preise Dich, geliebtester Jesu! dafür, daß Du auf dem Boden niederknieend Dich ganz in die Hände des Vaters ergeben und ihn gebeten hast, es möge nicht Dein, sondern Sein heiliger Wille geschehen. Ich flehe zu Dir, o Herr! verleihe mir die Gnade, daß ich in allen Nöthen und Bedrängnissen zum Gebete meine Zuflucht nehme, und ohne Rücksicht auf das, was mir gefällt oder meiner Eigenliebe schmeichelt, mich ganz Deiner Vorsehung überlasse. Gieb, daß ich nie in Widerwärtigkeiten verzage oder um ihretwillen von meinen guten Vorfäßen abweiche, sondern was immer mir begegnen mag, laß mich geduldig hinnehmen und mit demüthigem Sinne tragen, als Etwas, das Deine heiligen Hände mir selbst auferlegt haben. Ich preise Dich dafür, o sanftmüthiger Jesu! daß Du von bewaffneten Schaaren Dich gefangen nehmen, 283 gleich einem Verbrecher Dich mit Stricken binden, zu Annas führen und vor sein Gericht stellen ließeft. O erstaunenswürdige Demuth meines Erlösers! Du wirst gefangen, Du wirst gebunden, Du wirst verspottet, Du wirst mißhandelt und Du klagest nicht, Du murrest nicht, Du widerseßzest Dich nicht; sondern schweigend folgest Du denen, welche Dich führen, ja Dich fortziehen und ermüden. Du willfahrst denen, welche Dir gebieten, und trägst mit der höchsten Geduld die Peinigungen, womit sie Dich überhäufen. Herr! gewähre mir, daß Dein Beispiel einer so großen Tugend in mir wiederstrahle zum Ruhme und zur Ehre Deines allerheiligsten Namens. Amen. Ich preise Dich, o liebenswürdiger Jesu! König des Himmels und der Erde, daß Du vor dem stolzen und aufgeblasenen Hohenpriester stehend, gleich. einem gemeinen, verworfenen Menschen Dich schlagen ließeft; daß Du auf das Geduldigste den grausamen Backenstreich ertrugst, den einer jener gottlosen Knechte Dir in's Angesicht gab. Ertödte in mir, o Herr! alle heftigen Aufwallungen des Zorns, und unterdrücke allen Unwillen, nimm von mir allen Haß und lösche in mir aus jeden Funken von Rachbegier, damit, wenn eine Beleidigung mir zugefügt wird, ich nicht auf Rache sinne, sondern aus Liebe zu Dir sie ertrage und Allen, welche mir Böses thun, nur Gutes vergelte. 284 Ich preise Dich dafür, o süßester Jesus! daß in der Nacht Deines Leidens Deine Feinde Dich verspottet, verhöhnt, mit Fäusten geschlagen, und Dir so vielfache Kränkungen zugefügt haben. Du weißt, o Herr! wie schwer und lästig es mir ist, auch die kleinste Unbild zu ertragen; Du weißt, wie sehr es mir an Kraft gebricht, wie mein Wille so träg und jegliche Liebe zum Guten falt in mir ist. D Herr! um Deiner Barmherzigkeit willen hilf meiner Schwachheit; gieb mir die Gnade, daß meine Seele sich gerne jeder von Dir verhängten Widerwärtigkeit unterwerfe. Stehe mir bei, daß ich der Last der Trübsale, welche mir zustoßen, nicht unterliege und daß die mir zugefügten Beleidigungen mich nicht zum Zorne reizen; sondern daß ich in Allem Dich preise und Alles zur Ehre und zum Ruhm Deines Namens trage. Ich preise Dich, Herr Jesu! daß Du, vor dem Landpfleger Pontius Pilatus stehend, auf die falschen Anklagen und Beschuldigungen nicht geantwortet haft; sondern wie ein sanftes Lamm, welches seinen Mund nicht öffnet und vor seinem Scherer verstummet, Alles, als ob Du es nicht hörtest, hingenommen hast. Gieb mir, o Herr! daß kein Widerreden, kein Murren und keine Widerseßlichkeit Anderer mich zur Rache entflamme; sondern daß ich, Deinem heiligen Beispiele gemäß, Alle, die gegen mich schimpfen oder mich verläumden, durch Schweigen besiege. Spende mir die Gnade einer vollkommenen Demuth, so daß ich von - 285 den Menschen weder gelobt zu werden verlange, noch auch um Deinetwillen geschmäht zu werden scheue. Ich preise Dich, mildreichster Jesu! dafür, daß Du unter dem größten Aufruhr des Volkes auf Befehl des Pilatus zum König Herodes geführt worden bist. Verleihe mir Stärke, um durch Verfolgungen nicht gebeugt, durch Beleidigungen der Feinde nicht zur Heftigkeit gereizt und durch deren Unverschämtheit nicht verwirrt zu werden; sondern laß mich Alles mit Gelaffenheit ertragen und in Geduld meine Seele beherrschen nach der Vorschrift Deiner heiligen Lehre. Ich preise Dich, o sanftmüthiger Jesu! daß Du, vor dem Könige Herodes stehend, und von den Priestern und Ältesten wegen vieler Verbrechen angeklagt, auf Nichts haft antworten wollen, sondern durch Schweigen Dich gerechtfertiget hast. Schenke mir, o Herr! die Fertigkeit, meine Zunge zu bändigen, auf daß nie die Lust mich anwandle, unnüße, eitle oder schändliche Worte im Munde zu führen, daß ich niemals meine Zeit in unnüßem oder nichtssagendem Geschwätze zubringe. Dagegen verleihe, daß meine Zunge nur Gerechtes, Ehrbares und Nüßliches, nur was Deinem göttlichen Willen gemäß ist, spreche. Gieb, daß ich das Laster verabscheue und von Allen nur Gutes hören und reden mag. Ich preise Dich, süßester Jesu! dafür, daß Du mit dem verworfenen Aufrührer und Räuber Barrabas und des Lebens unwürdiger verglichen und für 286- schlechter als er gehalten worden bist; so, daß ihm, dem Mörder, die Freiheit geschenkt wurde und Du, der Urheber des Lebens, zum Tode verurtheilt wurdest. König des ewigen Ruhmes! Welche größere Schmach hätte Deiner Majestät zugefügt werden können? Hier ist es offenbar, o Herr! daß Du jener lebendige Stein bist, welchen die Menschen verworfen haben, den aber Gott sich erwählt und zum Ecksteine gemacht hat. Verleihe mir, o Herr! daß ich nichts Dir vorziehe und Dich mit Nichts vertausche; sondern daß mir Alles, mit Dir verglichen, als nichtig erscheint. Laß nie das Gift des Neides in meine Seele eindringen, sondern laß mich immer nur in Dir ruhen und auf Dich mein ganzes Heil bauen. Ich preise Dich, liebevollster Jesu! dafür, daß Du, Deiner Kleider beraubt, die Entblößung Deines heiligen, jungfräulichen Fleisches hast erdulden wollen, und daß Du, mit harten Stricken an eine Säule gebunden, Dein Fleisch durch schreckliche Geißelung hast verwunden lassen, um durch Deine Wunden unsere Wunden zu heilen. Herr! befreie mein Herz von allen unreinen Gedanken; ziehe mir aus den alten Menschen sammt allen seinen Werken und ziehe mir den neuen an, der geschaffen ist nach Deinem Vorbilde und Ebenbilde, in Gerechtigkeit und Heiligkeit, und gieb mir, daß ich mit aller Geduld und Demuth die Züchtigungen Deiner väterlichen Heimsuchung ertrage. Ich preise Dich, gütigster Jesus! dafür, daß Du 287 nach Empfang so vieler Wunden bei jener grausamen Geißelung, und nach so reichlichem Blutvergießen auf verschiedene Weise verspottet und verhöhnt worden bist. Um Deine Schmach noch zu vergrößern, hingen sie Dir einen Purpurmantel um, drückten Dir eine Dornenkrone auf das Haupt, gaben Dir statt eines Scepters ein Rohr in die Hand, beugten die Knie vor Dir und begrüßten Dich zum Spott als König, indem sie sagten: Sey gegrüßt, König der Juden!" Gieb, o Herr, daß die Erinnerung an jenes betrübende Schauſpiel sich meinem Herzen tief einpräge und nie daraus entschwinde. Durchbohre dasselbe mit den Pfeilen Deiner feurigsten Liebe, auf daß ich Dich allein liebe, an Dich allein denke; daß weder Trübsal noch Angst noch Verfolgung mich von Dir scheide, und daß ich es ohne Unmuth ertrage, wenn ich um Deinetwillen gering geschäßt und von den Menschen verachtet werde. Amen. Ich preise Dich, süßester Jesu! daß Du nach so vielen Peinigungen, Ängsten, Trübfalen, Verspottungen, welche Du für mich gelitten, auf Deinen wunden Schultern Dein Kreuz bis auf den Calvarienberg, den Ort Deiner Todesqual, haft tragen wollen. Verleihe mir, o Herr! daß ich eifrig und andächtig Dein Kreuz umfasse, mich selbst verleugne, mit inniger Liebe zu Dir dem Beispiele Deiner Tugenden nachahme, um Dir demüthig in den Tod zu folgen. - 288 Ich preise Dich dafür, gütiger Jesu! daß Du auf dem beschwerlichen Wege zu Deiner Kreuzigung die wehklagenden Frauen freundlich ermahnt hast, daß sie nicht über Dich, sondern über sich selbst und ihre Kinder weinen möchten. Gieb, o Herr! daß auch ich fromme Thränen des Mitleids und der Liebe vergießen möge, so reichlich, daß die Härte meines Herzens dadurch erweicht und dasselbe Deiner Majestät wohlgefällig werde. Ich preise Dich, o gütiger Jesu! dafür, daß Du müde und erschöpft und von der schweren Last Deines Kreuzes niedergebeugt, an dem Ort Deiner Leiden angelangt bist, wo Dir die ruchlosen und rohen Kriegsknechte Essig und Galle zum Trinken darreichten. Lasse, o Herr! durch die Erinnerung an diesen Trank die unordentliche Begierde des Gaumens und die Lust des Fleisches in mir ersterben, und verleihe, daß ich zu feiner Zeit mich unordentlichen und unerlaubten Gelüften überlasse. Statte mich vielmehr aus mit Ehrbarkeit, und insbesondere mit Mäßigkeit im Effen und im Trinken und in allen andern Dingen, auf daß ich jegliche Lust des Gaumens in mir bezähme, nach Dir allein hungere, nach Dir allein dürfte und in Dir allein meine Wonne finde. Ich preise Dich, gebenedeiter Jesus! daß Du, nachdem man Dich abermals Deiner Kleider beraubt, entblößt vor allem Volke dagestanden, und daß alle Deine Wunden durch das Abreißen Deiner Kleider 289 zur Erneuerung Deiner Schmerzen wieder geöffnet wurden. Schenke mir, o Herr! wahre Liebe zur Armuth, auf daß ich niemals über den Verlust irdischer Güter mich unordentlich betrübe, sondern mit aller Geduld die Dürftigkeit und Beschränkungen dieses Lebens trage. Reiße aus meinem Herzen alle weltlichen Einbildungen und Kümmernisse und erneuere täglich in mir das lebendige Verlangen nach Deiner Liebe. Ich preise Dich, o gütiger Jesu! dafür, daß alle Glieder Deines heiligsten Körpers am Kreuze grausam ausgespannt und Deine heiligen Hände und Füße mit schweren Nägeln durchbohrt und angeheftet wurden. Gieb mir, o Herr! daß ich stets mit treuem und dankbarem Herzen eingedenk bleibe jener hingebenden Liebe, welche Dich bewogen, Deine Arme auszustrecken und Deine geöffneten Hände und Deine Füße zum Durchbohren darzureichen. Erhebe Dich, o Herr! und verwunde mein Herz mit Deiner vollkommenen Liebe; durchbohre mit dieser Liebe alle meine Sinne, und hefte sie an Dich fest, auf daß meine Gedanken und Begierden nie von Dir getrennt werden mögen. Amen. Ich preise Dich, o heiligster Jesu! daß Du drei Stunden lang unter den Lästerungen der Umstehenden und unter unsäglichen Schmerzen und Vergießung Deines Blutes am Kreuzesstamme gehangen hast. Hefte, o Herr, an den Stamm des Kreuzes auch meine arme 13 290- Seele, welche im Staube darnieder liegt, reinige fie von aller Unlauterfeit der Sünden und Begierden, und wasche sie ab mit den Strömen Deines heiligen Blutes. Opfere dieses Blut, das uns zum Leben und Heil gereicht, Deinem himmlischen Vater auf zu meiner vollkommenen Rechtfertigung und als ein Heilmittel aller meiner Sünden. Mache mich würdig, jene kostbaren. Tropfen Deines göttlichen Blutes mit meinem Herzen zu trinken, auf daß ich koste, wie lieblich Du seyest. Ich preise Dich, süßester Jesu, daß Du aus Liebe zu mir Dich zwischen zwei Missethäter hast hängen und selbst für einen solchen halten lassen, um durch diese Deine unglaubliche Demuth und Geduld unsern Stolz und unsere Ungeduld zu heilen und gänzlich auszurotten. Ich bitte Dich, o Herr, hebe meine Seele zu Dir empor, damit ich diese sichtbare Welt hienieden verachte, auf Dich allein schaue, Dich allein liebe, nur an Dich allezeit denke, zu Dir seufze, von Dir rede, in Dir mich erfreue, und daß all' mein Wirken nur in Dir geschehe und außer Dir Nichts sey, das meinen Geist ersättigen könne. Ich preise Dich, geliebter Jesu! der Du so gütig gewesen gegen die, welche ruchlos waren, und der Du für diejenigen, welche Dich kreuzigten, zu Deinem Vater mit den Worten betetest: Vater, vergieb ihnen, denn sie wissen nicht, was sie thun." Gieb mir die Gnade, o Herr! daß ich wahre Geduld und Sanftmuth habe, und daß ich hiemit ausgerüstet, nach dem Beispiele, 11 - 291- das Du mir gegeben, und nach dem Gebote, das Du mir hinterlassen hast, meine Feinde liebe, denen, die mir Böses zufügen, wohlthue und für sie bete. Ich preise Dich, gütigster Jesu, daß Du von Deinen Feinden Dich haft verhöhnen und verspotten, mit Lästerungen und Beschimpfungen hast überhäufen lassen, selbst da Du unter unsäglichen Ängsten und Schmerzen am Kreuze hingest. Verleihe mir, o Herr! daß ich, eingedenk einer solchen Demuth und Geduld, mich gleicher Geduld in der Ertragung aller Widerwärtigfeiten befleiße, und in Vereinigung mit Dir bis an mein Ende darin verharre. Kein Angriff der Versuchung, fein Sturm der Trübsal, kein Aufruhr der Anfeindung sollen mich ablenken von meinem guten Vorfaße und begonnenen guten Werke; weder Tod noch Leben, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, noch irgend ein Geschöpf soll mich von Dir scheiden. Ich preise Dich, bester Jesu! dafür, daß Du ſogar die Lästerungen und Verhöhnungen des einen Schächers haft erdulden wollen; und daß Du dem Andern, welcher seine Sünden bekannte und mit frommem Glauben von Deiner Unschuld Zeugniß gab, die Herrlichkeit des Paradieses hast versprechen wollen. O wohl mir, wenn ich dereinst so glücklich bin, mit demselben erbärmungsvollen Blick von Dir angeschaut zu werden, dessen Du jenen glücklichen Missethäter gewürdigt haft; wohl mir, wenn ich mit Hilfe Deiner Gnade so unschuldig lebe, daß ich am Ende meines Lebens würdig erfunden werde, 13* -** 292 dieses Dein süßestes Wort zu vernehmen: Heute wirst Du mit mir im Paradiese seyn." Von ganzem Herzen opfere ich Dir meinen Lobpreis und Dank, Herr Jesu! daß Du vom Kreuzesstamme herab, als Du Deine Mutter in Schmerzen und Thränen erblicktest, Dich ihrer erbarmt und sie Deinem geliebten Jünger Johannes empfohlen, und daß Du alsdann auch ihn und in seiner Person uns Alle Deiner Mutter empfohlen hast. Verleihe mir, o Herr, daß ich auf's innigste die seligste Jungfrau liebe und verehre, und daß ich würdig sey, sie als meine Mutter zu betrachten und von ihr als Kind betrachtet und aufgenommen zu werden. Gieb sie mir als Fürsprecherin in allen meinen Nöthen, insbesondere in der Stunde meines Todes. Amen. Ich preise Dich, liebreichster Jesu, daß Du mit offenen Wunden, mit dornengekröntem Haupte, und Hände und Füße ans Kreuz geheftet, ausgerufen haft: Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen? Wirke in mir, o Herr, daß ich in allen Widerwärtigkeiten und Versuchungen zu Dir als dem besten Vater meine Zuflucht nehme, mir selbst mißtraue, Dir allein vertraue und mich ganz in Deine Hände befehle. Ich bitte, o Herr, Du wollest durch das Andenken an Deine Wunden das Innerste meiner Seele verwunden; präge sie auf's tiefste meinem Herzen ein und erquicke mich so mit Deinem Blute, daß ich auf nichts anderes mehr denke, und - 293 nichts Anderes mehr suche, als Dich allein, und daß ich, wenn ich Dich gefunden habe, Dich in Ewigkeit besize. 11 Ich preise Dich, Herr Jesu Christe, dafür, daß Dein Körper von dem schweren Leiden entkräftet und von dem großen Blutverluste ausgetrocknet wurde, und daß Du großen Durst erlitten und brennend von Begierde nach unserm Heil gerufen hast: Mich dürstet!" Gieb mir, o Herr! daß ich auf's sehnlichste nach Deiner Ehre und dem Heile aller Seelen dürfte; daß ich mich ganz damit beschäftige, mit Deinem heiligen Willen ganz vereinige, um so viel hiefür zu wirken, als mein Stand und Beruf mir irgend möglich macht. Gieb, daß niemals die Liebe zu vergänglichen Dingen mein Inneres verderbe, daß kein Geschöpf mich in Gefahr der Seele bringe, daß ich vielmehr Alles, was der Liebe würdig ist, nur um Deinetwillen, Dich selbst aber über Alles lieben möge. Ich preise Dich, o barmherzigster Jesus, daß Du in Deiner Todesstunde zur Stillung Deines Durstes den Mund dem mit Essig gefüllten Schwamm genähert hast, um durch das Verkosten jenes herben Labetrunkes, mitten in so schmerzlicher Lage, dem ewigen Vater genug zu thun für unsere Unmäßigkeit und Genußsucht und uns ein bewunderungswürdiges Beiſpiel der Armuth zu hinterlassen. Ertheile mir die Gnade, daß ich aus Liebe zu Dir die irdischen Genüsse und alle üppigkeit des Mahles gering achte, und daß ich, mäßig und bescheiden und von Dank gegen Dich er - 294 füllt, mich mit so viel Speise und Trank begnüge, als zur Erhaltung meines Körpers nöthig ist. Reinige und heile den Gaumen meiner Seele, auf daß mir süß sey, was Dir wohlgefällt, und daß, was Dir mißfällt, auch mir nicht wohlschmecke, sondern mich mit Abscheu erfülle. Ich preise Dich und danke Dir, Du Liebhaber des menschlichen Geschlechtes, daß Du in so herrlicher Weise dem Werke unserer Erlösung die Krone aufgeseßt, indem Du Dich selbst auf dem Altare des Kreuzes als ein lebendiges Opfer für die Sünden der Welt dargebracht hast. Ich bitte Dich, o mein Erlöser, daß Du allein mein Herz ausfüllen, und das Endziel aller meiner Gedanken, Worte und Werke seyn wollest, damit ich in allen Dingen mit reiner und lauterer Absicht nur nach dem strebe und das thue, was Deine Ehre fordert, was Dir wohlgefällt und mich zu Dir führt. Verleihe mir, ich bitte Dich, daß ich fortan niemals träge und lässig in Deinem Dienste sey, sondern daß ich mit täglich erneuertem Eifer Deinem Lobe und Deinem Dienste lebe. Ich preise Dich, süßester Jesu! daß Du endlich nach Deinem heiligen Willen Dich dem Tode übergeben, indem Du mit geneigtem Haupte Deinen Geist in Deines Vaters Hände befahlst und ihn von Deinem Körper scheiden ließest. So hast Du es bewiesen, daß Du der wahre Hirte seyst, der sein Leben läßt für seine Schaafe. Verleihe mir, o Herr, daß ich allen meinen Sünden und Lastern absterbe und Dir allein 295 lebe, und daß ich, nachdem ich meinen Lebenslauf in Liebe zu Dir vollendet, alsbald zu Dir, dem wahren Paradiese unserer Seelen, kommen möge. Ich preise Dich, o sanftester Jesu! daß Du Deine. göttliche Seite von der Lanze eines Kriegsknechtes hast durchbohren lassen, so daß Blut und Wasser zur Abwaschung und Belebung unserer Seelen daraus hervorgeflossen ist. Möge es Dir gefallen, o Herr, mein Herz mit der Lanze Deiner heiligen Liebe so zu durchbohren, daß ich nichts anderes zu wollen im Stande sey, als was Du willst. Laß meine Seele, o Herr! einkehren in die Wunde Deiner Seite und bis zu dem Size Deiner Liebe und dem Schaße Deiner Gottheit dringen, auf daß ich allda Dich, meinen Gott, " der für mich gekreuziget und gestorben ist, anbete und daß ich alles Irdische vergesse und nur Dich sehe, nur Dich bei all' meinem Thun und Lassen gegenwärtig habe. Ich preise Dich, geliebtester Jesu! der Du unter großem Wehklagen Deiner Freunde vom Kreuze berabgenommen, mit köstlichen Salben umgeben, in reine Leinwand gehüllt und in ein fremdes Grab gelegt wurdest. O Herr, begrabe mit Dir alle meine Sinne, alle meine Kräfte und Begierden, auf daß ich mit starken Banden der Liebe an Dich gefesselt, für Alles, was Dir entgegen ist, gleichsam todt und bewußtlos; für Alles aber, was Dir wohlgefällt, lebendig und eifrig sey, und daß ich einzig in Dir, meinem Erlöser, in Dir, dem Schatze meiner Seele, mich erfreue. Amen. nd did DOE 457 - 296 3 MNR Gebet in der Charwoche. Wenn ich von der Erde erhöhet bin, werde ich Alles an mich ziehen. Joh. 12, 32. Heiliges Kreuz, an dem unser Herr Jesus Christus uns durch Seinen Tod von dem ewigen Tode zum ewigen Leben auferweckt hat! Ich preise und verehre dich, weil du an meinen Herrn und Erbarmer und an das Werk Seiner Barmherzigkeit mich erinnerst. Liebenswürdiges Kreuz, in welchem unser Heil, unser Leben und unsere Auferstehung begriffen ist! Kostbarer Stamm, an dem wir erlöst und frei geworden sind! Verehrungswürdiges Zeichen, mit welchem wir für Gott bezeichnet worden sind. D glorreiches Kreuz, in welchem allein uns zu rühmen geziemt! Nicht mehr erblicken wir in dir das Holz der Schande, welches die Ruchlosen nach 297 ihrem thörichten Ermessen dem sanftesten Lamme bereitet haben, sondern das Werkzeug der weisheitvollen Liebe, die nach ihrem ewigen Rathschlusse dich hingenommen hat. Jene vermochten ja nur, was die göttliche Liebe nach ihrer Weisheit und Erbarmung wollte. Sie erwählten dich, um damit die Schandthat ihrer Gottlosigkeit zu vollführen; der Heiland hat dich ausgewählt, um daran das Werk Seiner Barmherzigkeit zu vollbringen. Jene wollten durch dich den Gerechten dem Tode überliefern; Er hat durch dich die Sünder von dem Tode erlöst. Jene wollten das Leben selbst vernichten; Er hat über den Tod den Sieg davongetragen. Jene wollten den Erlöser verdammen; Er hat die Verdammten erlöst. Jene wollten den Lebenden tödten; Er hat die Todten lebendig gemacht. Darum, o bewundernswürdiges Kreuz! schätzen wir dich nicht nach den Plänen, die eine boshafte Vermessenheit auf dich bauete, sondern nach der Wirfung, welche die erbarmungsvolle Weisheit durch dich erzielte. Wie soll ich dich genugsam loben und verherrlichen? Durch dich ist die Hölle entwaffnet und der Teufel besiegt; durch dich ist die Welt neu geworden und mit der von dir herableuchtenden Wahrheit und herrschenden Gerechtigkeit geschmückt. Durch dich ist die fündige Menschennatur gerechtfertigt, die verdammte erlöset, die Sclavin der Sünde und der Hölle befreit, und die erstorbene zum Leben erweckt. Durch dich ist das Reich der Seligen im Himmel hergestellt 298 und vollendet. Durch dich wollte Gott, der Sohn Gottes, für uns dem Vater gehorsam werden bis zum Tode, wofür Ihn Gott erhöht, und Jhm einen Namen gegeben hat, der über alle Namen ist. Durch dich hat Er Sich Seinen Thron bereitet und Sein Reich gegründet. O Kreuz, das zu so unaussprechlichen Segnungen erwählt und bereitet wurde, dich preist und erhebt nicht nur des Menschen Mund und Herz, sondern selbst die Engel, um der Werke willen, die durch dich vollbracht worden sind. Fern sey es darum von mir, daß ich mich in etwas Anderem rühme! denn was würde es mir helfen, daß ich empfangen und geboren bin, daß ich lebe und alle Erdengüter genieße, wenn ich nachher zur Hölle hinabsteigen müßte? Sollte mir das widerfahren, so wäre mir besser, wenn ich nie geboren wäre. Und so wäre es ja, wenn ich nicht durch dich erlöset wäre. Wie soll ich also genugsam dich preisen, da ohne dich keine Verherrlichung mich erwartet, sondern die ewige Qual der Hölle mir bevorstehen würde. Wie kann ich genugsam mich darüber freuen, daß statt der Sclaverei der Hölle durch dich das Erbtheil des Himmelreiches mir verliehen ist? Ohne dich müßte ich erschrecken, daß ich auch nur einen Augenblick am Leben bin; durch dich kann ich der Hoffnung einer ewigen Glückseligkeit mich freuen. So sey mir denn gegrüßt, preiswürdiges Kreuz! kostbarer und herrlicher Baum, der du in der Be 299 rührung meines Schöpfers geweiht, mit Seinem kostbaren. Blute beneßt bist. Wärest du im Paradiese gewachsen, so könnte dein Laub und könnten deine Früchte dich nicht schmücken, wie du geschmückt bist durch die Glieder des ewigen Königs, der an dir hängend der Welt das Heil errungen hat. Mit Recht ist dein Name von der ganzen Welt gepriesen und dein Bild ist allenthalben aufgerichtet. Ist ja auch deine Kraft über die ganze Erde verbreitet und zittert die Hölle, wenn sie dich erblickt. So errette denn auch mich, o heiliges Kreuz, das geweiht worden durch den Leib des Herrn, und das mit Seinen Gliedern wie mit kostbaren Perlen geschmückt erscheint; das unsern Lösepreis zu tragen gewürdiget war und ewiges Leben uns gebracht hat. Mildester Jesu, verleihe mir, daß ich durch das Zeichen Deines Heiles und die an demselben gewirkte Erlöfung von allen Anfechtungen meiner Feinde befreiet und durch Deine Güte behütet, der Gnadengabe der Verzeihung theilhaft werde; der Du lebest und regierest, Gott in Einigkeit des Vaters und des heiligen Geistes, von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Gegrüßet seyst du, o heiliges Kreuz, mein Heil und mein Leben! Gegrüßet seyst du, o Kreuz, das die Heerschaaren der Engel verehren und mit Wonne betrachten! Gegrüßet seyst du, o Kreuz! das die gesammte Schaar der Heiligen verehrt und anruft, - 300 wahrhaft heiliges und verehrungswürdiges Zeichen! Siehe hier einen fündigen und unglücklichen Menschen, welcher vor dir und dem an dir Gekreuzigten verweilt, weil seine Sünden ihn ängstigen und er nicht weiß, wohin anders und besser er seine Zuflucht nehmen soll. Es drängt ihn, dir seine Verehrung zu bezeigen, und doch wagt er nicht, seine Augen zu dir aufzuschlagen! Er fühlt zwar eine mächtige Sehnsucht nach dir, aber er findet kein Verdienst in sich, um dessen willen er seine Zuversicht auf dich setzen dürfte. So stehe ich denn zitternd und ängstlich dir gegenüber, schäme mich vor dir zu verweilen und fürchte mich von dir hinweg zu gehen. Es drängt mich das Andenken an die göttliche Milde bei dir zu verharren, und doch stößt mich das Bewußtseyn meiner großen und verhärteten Sündhaftigkeit von dir zurück. Dennoch will ich lieber in heilvollem Anschauen vor dir beharren; und wenn ich zu deinen Füßen sterben müßte, so wäre mir solches besser, als fern von dir zu leben. Kein Tod ist für den Menschen schlimmer, als wenn er ihn fern von dir erleidet. So rufe ich denn flehentlich zu Dir, o Majestät voll Liebe, die Du an dem Kreuze hängest! Nimm mich nicht um meiner Unwürdigkeit willen mit Strenge auf, sondern blicke gnädig und barmherzig auf meine Noth herab, denn Du bist meine Hoffnung, meine Zuflucht, mein Erbarmen. Ja, erbarme Dich meiner und lehre mich, wie ich Dich anbeten und recht lieben möge. Bei - 301 Deiner ganzen Liebe, die Du gegen die Menschen fühltest, während Du am Kreuze hingest, beschwöre ich Dich, o Jesu! verleihe Deinem Diener diese besondere Gnade, daß ich nie müde werde, vor Deinem Kreuze zu verweilen, sondern stets der Betrachtung vor demselben mich mit Freuden widme. Laß es meine Wonne seyn, vor Dir, dem Gekreuzigten, zu stehen, und werfe Du einen Blick Deines göttlichen Erbarmens auf mich hernieder! Laß zu Deinen Füßen mich über mein Elend weinen und würdige Dich, mit allmächtiger Hand meine Trauer in Freude zu verwandeln. Laß mich insbesondere mit Freuden eingedenk seyn des Wortes, welches Du, am Kreuze hängend, zu Deiner jungfräulichen Mutter, gesprochen: Weib, siehe deinen Sohn!" Und sprich, gütiger Herr, in derselben Weise zu mir, Deinem Diener: Mensch! siehe deinen Gott, siehe deinen Erlöser!" Auch dich, o Jungfrau, gebenedeit unter den Weibern, bitte ich, sprich zu mir: Mensch, siehe meinen Sohn, siehe deinen Erlöser!" Ich schaue zwar, heilige Mutter des Herrn, deinen Sohn in der Krippe liegend, ich erkenne Jhn, wie Er im Tempel lehrt; aber nirgend erkenne ich Ihn in solchem Maaße, als da Er am Kreuze hängt, und so liebreich spricht: Siehe, o Weib, deinen Sohn!" Hier also, selige und hochgelobte Mutter! hier bitte für mich Armen bei Ihm, der, indem Er Sich deinen Sohn nennt, Sich gewissermaßen als Schuldner gegen dich verpflichtet, deine Bitten mit Liebe ( 1 - 302 aufzunehmen. Sage Ihm also: O Sohn, jener Sünder rufet zu mir und fleht mich unter Thränen um meine Fürbitte bei Dir an, damit Du ihm seine Sünden, die er thörichterweise gegen Dich begangen, verzeihen mögest. Ja, Herr! es ist so, wie Deine heilige Mutter zu Dir spricht. Ich sündiger Mensch bekenne vor Dir, o Gott, und vor Deiner Gebärerin, daß ich, von meiner Kindheit an bis auf diese Stunde, vor Deinem glorreichen Kreuze und vor dem Angesichte Deiner heiligen Majestät nicht so gewandelt, gefleht und angebetet habe, wie ich sollte. Aber Du, dem es eigen ist, zu verzeihen und zu erbarmen, siehe nicht an meine Gebrechlichkeit und arge Unlauterkeit, sondern vergieb mir, was ich nachlässigerweise gefehlt habe; denn Du bist meine einzige und wahre Hoffnung, und auf Nies manden sonst sege ich mein Vertrauen, als auf Dich, den alleinigen, lebendigen und wahren Gott. Große Zuversicht verleiht mir auch, o mein erhabener Erlöser, jenes süße und milde Gebet, welches Du für Deine Kreuziger zum Vater verrichtet hast in den Worten: Vater, vergieb ihnen, denn sie wissen nicht was sie thun!" Der Du so für Deine Kreuziger gebetet hast, wirst Du nicht auch für Deine Diener beten? Und der Du am Kreuze der Vergebung eingedenk gewesen bist, wirst Du im Himmel die Barmherzigkeit vergessen? Erbarme Dich also, ich flehe zu Dir, erbarme Dich meiner, Deines Dieners; schenke mir Verzeihung und bitte den Vater, daß Er mir 21 303 verzeihen wolle. Darum weile ich ja vor Dir und bete vor Deinem heiligen Kreuze, durch welches Du die Welt erlöset hast. Ich glaube und bekenne, daß Du durch die Erhöhung und Ausspannung Deines Leibes am Kreuzesstamme Alle zu Dir emporgezogen hast, die Dich wahrhaft lieben. Ziehe darum auch mich, o barmherzigster Herr, ziehe mich und all meine Liebe zu Dir empor und laß mich die Kraft Deines Kreuzes in mir empfinden. Ja, möchte ich, o mein Erlöser, die Kraft und Lieblichkeit, die von Deinem Kreuze ausgeht, fühlen, wie jener Missethäter sie gefühlt, der zu Dir sprach: " Herr, gedenke meiner, wenn Du in Dein Neich kommst! Vielleicht hatte derselbe zuvor Dich gesehen, wie Du die Blinden sehend machtest und die Todten auferwecktest, und er hatte Dich nicht angebetet. Nun aber, da er Dich am Kreuze hängen sieht, betet er Dich an und spricht: Herr, gedenke meiner, wenn Du in Dein Reich kommst!" Was Deine Wunder in ihm nicht vermochten, vollbrachte in ihm Dein Kreuz. Wahrhafter und vollkommener erkannte er Dich, da Du am Kreuze hingest, als da Du im Tempel lehrtest und Wunder verrichtetest. Wie groß ist doch die Kraft Deines Kreuzes und wie herrlich, der an demselben hängt! Und welche Lieblichkeit geht von dem Kreuze aus, da aller Unglaube sogar vor ihm weichen muß! Wie recht that er, Dich seinen Herrn zu nennen, da er sich wahrhaft als Deinen Diener fühlte; hatte er - 304 doch vor Augen den Preis, um welchen Du die ganze Welt erlösetest! Und was, o gütiger Jesu, was, o barmherzigster Herr, hast Du dem Missethäter, der am Kreuze zu Dir gefleht, geantwortet? Heute wirst du mit mir im Paradiese seyn!" O erhabener König! Du bist mit Nägeln angeheftet und versprichst das Paradies. Du hängest am Kreuze und sagst dem Uebelthäter: Heute wirst du mit mir im Paradiese seyn!" Und, o Verlangen der Seelen! wo ist das Paradies, da Du zu dem Uebelthäter sprichst: Heute wirst du mit mir im Paradiese seyn!" Ist nicht mit Dir und überall, wo Du willst, das Paradies? Ja, bist Du nicht selbst das Paradies, das Du so zuversichtlich verheißest? Ich glaube fest und inniglich, o Herr, daß wo Du willst und wo Du bist, das Paradies sich befindet; und mit Dir seyn, heißt im Paradiese seyn. Darum war jener ehrwürdige Bekenner und glorreiche Martyrer bei Dir, damals und nachher zu allen Zeiten. Dwie gut ist es, bei Dir zu seyn! wie glücklich sind Jene, die mit Dir vereinigt sind. Jene sind wahrhaft im Paradiese, sind wahrhaft in Deinem Reiche, die mit Dir sind im Glauben und in der Liebe. Dein Kreuz, o Herr, verheißet das Paradies und verleihet das Paradies. Darum bete ich demüthig zu Deinem Kreuze, verehre dich am Kreuze und das Kreuz in Dir und um Deinetwillen, der Du an dem - 305 selben hängest. Ich bete Dich an, den der Schächer angebetet hat, und flehe zu Dir, wie er geflehet hat: Herr, gedenke meiner, wenn Du in Dein Reich kommst." Belohne an mir dieses Gebet, o Herr, wie Du es an dem Missethäter belohnet hast. Nimm es an von Deinem Knechte, wie Du es damals von Deinem Knechte angenommen hast. Gedenke meiner von Deinem Reiche aus, wie Du seiner von Deinem Kreuze herab eingedenk gewesen bist. Sprich, o Herr, ich flehe zu Dir, sprich zu Deinem Knechte, sprich zu meiner Seele: Heute wirst Du mit mir im Paradiese seyn!" auf daß ich gestärkt durch diese so kostbare Verheißung Dir treu bleibe im Glauben und in der Liebe, o mein Erlöser, Mittler Gottes und der Menschen, der Du mit dem Vater und dem heiligen Geiste lebest und regierest, Gott in alle Ewigkeit. Amen! - 306- Gebet am Charfreitage. So hat Gott die Welt geliebt, daß Er Seinen eingebornen Sohn hingab, damit Alle, die an Ihn glauben, nicht verloren gehen, sondern das ewige Leben haben. Joh. 3, 16, Herr Jesus Christus, der Du am heutigen Tage durch Deinen Tod am Kreuze uns aus der Knechtschaft des Teufels befreiet hast, um so an dem Tage, wo Du einst den Menschen schufft, ihn auch wiederherzustellen; erhöre mich armen sündigen Menschen, der zu den Füßen Deines heiligen Kreuzes zu Dir fleht. Und Du, o Vater, laß den Himmel für mich offen seyn, auf daß mein Gebet zu Dir empor und Dein Erbarmen zu mir herniedersteige. Das hochheilige Opfer, welches heute vollbracht worden, hat ja die Strenge Deiner göttlichen Gerechtigkeit gemildert, und wie Weihrauch aus dem Rauchfasse ist der Wohlgeruch des heiligsten Leidens Deines Sohnes besänftigend zu Dir emporgestiegen. O unaussprechliches Opfer, das den alten Fluch von uns genommen und uns in dem neuen Heil besiegelt hat! Opfer der wahrhaftigen Versöhnung, das die Last der alten Uebertretung aufgehoben und zwischen Himmel und Erde den Bund einer ewigen Eintracht aufgerichtet hat! Durch dieses Opfer, das herrliche Siegeszeichen Deiner - 307 Macht, o Gott, entreiße mich, Dein Schäflein, dem blutigen Rachen des Löwen, damit er, von Dir besiegt und gebändigt, keine Gewalt über mich erringen möge. Leite mich auf die blühenden Auen Deiner Waide und verstoße nicht Deinen Knecht, für welchen Du Dich gewürdiget hast, Deinen Sohn dahinzugeben. Mittler zwischen Gott und den Menschen, Jesus Christus, der Du aus dem Schooße der seligsten Jungfrau Maria die Menschheit angenommen und um unseres Heiles willen das unbefleckte Lamm Deines Leibes auf dem Kreuzaltare Gott dem Vater zum lieblichen Wohlgeruche geopfert hast, und der Du dem menschlichen Geschlechte Dich als Heilmittel hingegeben, um das Gift der alten Uebertretung aus ihm zu entfernen; löse mich Unglücklichen von den zahllosen Banden meiner Sünden. Ich werfe mich nieder zu den Füßen Deines lebenspendenden Kreuzes und preise Deinen Siegestriumph, den Du errungen haft; Du, der Priester und das Opfer, der Erlöser und der Lösepreis. Laß mich, mildester Herr, als ob ich bei Deinem Leiden gegenwärtig wäre, Dich im Geiste an dem Kreuzesstamme hängen sehen. Laß mich fühlen, wie Dein heilbringendes Blut auf mich herniederträuft. O feliges Opfer, das die Wälle des höllischen Reiches durchbricht und den Gläubigen die Pforte des Himmels öffnet! Du unser Lösepreis, an der Wage des Kreuzes gewogen, durch den unserm alten Feinde die Handschrift unserer Schuld entrissen worden! Ich sehe Dich 308- im Geiste, mein Erlöser, mit Nägeln an das Kreuz geheftet; ich sehe Dich mit Wunden bedeckt; ich höre Dich zum Schächer sagen:„ Heute wirst Du mit mir im Paradiese seyn." Und so flebe ich denn zu Dir, um des Geheimnisses Deines heilspendenden Leidens und Todes willen; scheide mich nicht von der Gemeinschaft Deiner Auserwählten, wie ich es verdiene, sondern vereinige mich mit dem seligen Schächer in der Herrlichkeit des Paradieses. Bezeichne meine Seele, o Herr, mit dem Zeichen Deines Kreuzes und reinige mich durch seine Kraft. Mache mich durch, dasselbe so ganz zu Deinem Eigenthum, daß dem Feinde auch nicht der mindeste Antheil an mir übrig bleibe, und daß, wenn Du einst zum Gerichte kommst und dieses Zeichen Deiner Herrlichkeit am Himmel sichtbar wird, ich das Abbild desselben an meiner Seele trage, um, mit Dir im Leiden vereint, auch an der Herrlichkeit Deiner Auferstehung Theil zu haben. Freilich, wenn ich glauben müßte, es sey Dein Erbarmen nach menschlichem Maaßstabe zu meſsen, so müßte ich unter der Ueberwucht meiner Sünden verzweifeln. Aber indem ich ein so kostbares Opfer für mich sterben sehe, warum sollte ich mich der Verzweiflung überlassen? Konnte jenes Osterlamm des alten Bundes das Ifraelitische Volk von dem gähen Tode erretten, wie viel mehr vermag das allerheiligste Blut dessen, der die Engel geschaffen, meine Seele von ihrer Verunreinigung frei zu machen. Ja, Du bist - 309- dem Vater ein wohlgefälliges Opfer und uns ein Preis der Erlösung geworden; darum, o Herr, verehre ich Dein Kreuz und preise Deinen lebenspendenden Tod. Wasche denn ab mit Deinem Blute die Befleckungen meiner Seele und richte jenes heilige Zeichen als eine Säule des Sieges in mir auf, auf daß bei ſeinem Anblicke alle Feinde davor fliehen und Du das Erbtheil, welches Du mit Deinem Blute erkauft, mit Deiner Gnade befißen, mit Deiner Macht vertheidigen, mit Deiner Barmherzigkeit bewohnen mögest. Herr Jesus Christus, Sohn des lebendigen Gottes, ich danke Deiner unendlichen Barmherzigkeit, daß Du, da Du in Gottes Gestalt warst, Dich für uns erniedriget hast und gehorsam geworden bist bis zum Tode, ja bis zum Tod am Kreuze. Ich bitte Dich, o Herr, Du wollest Denen, welchen Du so hohe Gnade verliehen hast, auch Vergebung ihrer Sünden schenken. Erhalte in uns das Werk Deiner Barmherzigkeit, damit die nicht verloren gehen, welche Deine Rechte erlöset hat. Heile die Schwachheiten Deines Volkes und verherrliche Deinen Namen. Verstoße mich Schwachen und Armen nicht von Dir; und obgleich ich bisher vielfach von Deinem heiligen Willen abgewichen bin, so verleihe mir dennoch, daß ich von Deiner unaussprechlichen Barmherzigkeit gestärkt, Deiner Majestät in Zukunft wohlgefällig werden möge. Verbanne aus mir, o Herr, Alles was schädlich, thöricht, lasterhaft und Deinem Willen zuwider ist. Verleihe mir die 310 Gnade, meine Sünden vor dem Ende meines Lebens würdig zu beweinen, und durch eine wahrhaftige Reue zu Deiner Anschauung zu gelangen. Gieb mir einen wahrhaften Glauben, eine feste Hoffnung und eine unwandelbare Liebe. Fest sey in mir. gegründet die Demuth, die Mäßigkeit, die wahre Weisheit, Stärke, Klugheit, Gerechtigkeit, der rechte Lebenswandel. König der Engel und aller Heiligen, von Ewigkeit her gleichen Wesens mit dem Vater, der Du in der Fülle der Zeiten Dich selbst entäußert und in Maria, der Jungfrau, Knechtsgestalt angenommen haft und den Menschen gleich und im Aeußeren als ein Mensch erfunden wurdeft, demüthig und gehorsam wurdest bis zum Tode, ja bis zum Tod am Kreuze und mit Deinem heiligen, kostbaren Blute uns erlöset hast. Dich, den die Engel verehren, rufe ich armer Sünder demüthig an, bekenne vor Dir meine Sünden und flehe zu Dir: Du wolleft, wie Du durch Dein Kreuz mich haft Theil nehmen lassen an den Geheimnissen Deines Todes und Deiner Erlösung, durch die Kraft dieses allerheiligsten Kreuzes alle Laster und Sünden in mir tilgen, mich gegen alle Gefahren meiner Seele schüßen und gegen die Nachstellungen des bösen Feindes siegreich waffnen, auf daß ich mich mit Dir in Erneuerung des Geistes zu dem erhebe, was droben ist, wo Du mit Deinen Heiligen und Gerechten vereint, zur Rechten Deines Vaters sizest. Glorreicher Schöpfer der Welt, Abglanz der gött 311- lichen Herrlichkeit, gleich ewig mit dem Vater und dem heiligen Geiste, der Du am Stamme des Kreuzes Deine unschuldigen, glorreichen Hände fest anheften lassen, auf daß Du die Veste der Hölle zerstörest und das Menschengeschlecht vom Tode erlösest! Habe Erbarmen, o Herr, mit mir Armen, den die schwere Bürde der Sünden niederdrückt. Verlaß mich nicht, o mildester Herr! verzeihe mir, was ich boshaft oder leichtsinnig gesündigt habe. Erhöre mich, ich bitte Dich, o barmherzigster und gütigster Jesus, guter und liebreicher Gott, erhöre mich, der ich vor Deinem verehrungswürdigen und glorreichen Kreuze im Staube liege, und verleihe, daß ich Dir an diesem heiligen Tage und immerdar mit reinem Herzen dienen und Dir wohlgefallen möge, bis ich dereinst von allen Uebeln befreit, ewiglich durch Deine Gegenwart getröstet werde, o Herr Jesus Christus, Heiland der Welt, der Du mit dem Vater und dem heiligen Geiste lebest und regierest in Ewigkeit. Amen. дебен لعلم - 312 Gebet am h. Osterfeste. Das ist der Tag, den der Herr gemacht hat; lasset uns frohlocken und fröhlich seyn in ihm! Ps. 117, 24. Das ist der Tag, den der Herr gemacht hat; laffet uns frohlocken und fröhlich seyn in ihm. An diesem Tage, göttlicher Erlöser, hast Du das herrliche Werk, um dessenwillen Du gekommen bist, vollendet. Mit derselben Liebe, womit Du für uns das Kreuz bestiegen, warest Du in die Vorhölle eingekehrt, um auch dort die neu vollbrachte Erlösung zu verkündigen und die aus dem ewigen Vaterlande Verbannten zur Einkehr in die himmlischen Wohnungen zu bereiten. In der Fülle Deines Triumphes und geschmückt mit dem Siege über Tod und Hölle stiegst Du hinab; die ewige Nacht leuchtete von Deinem Lichte, es schwieg der Jammer der Wehklagenden, es schwiegen die Seufzer der Sehnsüchtigen, und die Schaar der Auserwählten frohlockte über den Tag Deiner und ihrer Verherrlichung. Lasse, o Herr! diesen Tag auch leuchten den Seelen meiner Eltern und Verwandten und aller verstorbenen Gläubigen, die sich im Reinigungsorte befinden, damit sie durch die Kraft Deines Leidens und Sterbens aus ihrer Verbannung befreit, in die ewige Glückseligkeit eingehen mögen. Lasse diesen Tag Gebet am h. Osterfeste. Das ist der Tag, den der Herr gemacht hat: laffer uns frohlocken und fröhlich foi im! 117, 24. Das ist der Teg; ben ber her gemacht hat; infict und frohloden und fröhlich seyn in ihm. An biefem Tage, göttlicher Erlöser, hast Du das herrliche Werk, um dessenwillen Du gekommen bißt, vollendet. Mit derselben Liebe, womit Du für uns das Streuz bestiegen, warest Du in die Vorhölle eingefehrt, um auch dort die neu vollbrachte Erlösung zu verkündigen und die aus dem ewigen Vaterlande Verbannten zur infehr in die himmlischen Wohnungen zu bereiten. In der Halle Deines Triumphes und geschmückt mit Fem Siege über Tod und Hölle stiegst Du hinab; die ewige Nacht lenchiere von Deinem Lichte, es schwieg der Jammer der Wehllagenben, es schwiegen die Seufzer der Sehnsüchtigen, und die Schaar der Außerwähiten blodte über den Tag Deiner und ihrer Berbereichung, Laffe, o Herr! diesen Tag auch leuchten den Seelen ser Eltern und Verwandten und aller m verstorbenen igen, die sich im Reinigungsorte befinden, det burch die Kraft Deines Leibens. und Sterbene aus ihrer Verbannung befreit, in die ewige Gludselighet ergehen mögen. Lasſe birsen Tag - 313- einst leuchten meiner eigenen Seele, wenn sie vielleicht einst mit Befleckungen der Erde vor Deinem Richterstuhle erscheinen und erst nach vollbrachter Reinigung Deiner göttlichen Anschauung sollte würdig befunden werden. Vollbracht war diese Heimsuchung der Geister; da gedachtest Du auch deren, die Du, im Leibe der Sterblichkeit wandelnd, auf der Erde zurückgelassen hattest, und Du zerbrachest die Riegel des Grabes, das Deinen heiligen Leib umschlossen hielt. Preis Dir, o mächtigster Jesu, der Du den Tod überwunden und in herrlichem Triumphe am dritten Tage als Sieger aus dem Grabe hervorgegangen bist. Verleihe mir, o Herr! daß ich von dem Tode der Sünde und aus meinem seitherigen Lebenswandel auferstehe, in neuem Leben wandle und nur das suche, was erhaben und himmlisch, nicht aber was niedrig und vergänglich ist, damit, wenn Du, wahrhaftiges Leben! einst zum zweitenmale auf der Erde erscheinen wirft, ich mit Dir in Deiner Herrlichkeit erscheinen möge. Preis Dir, verherrlichter Jesu! der Du in Deiner heiligen Auferstehung die Rathschläge Deiner Feinde, welche das Wort des ewigen Lebens für immer hatten versiegeln und im Grabe gefangen halten wollen, zu Schanden werden ließest, und der Du sie wider ihren Willen in Zeugen von der Wahrhaftigkeit Deiner Auferstehung umgewandelt haft. Verleihe mir, o Herr! die Gnade, daß ich immerdar die Feinde meines Heiles 14 - 314 bestege und daß alle Versuchungen und Gefahren der Sünde mir nicht zum Falle und zum Tode, sondern zur Prüfung, Bewährung und geistigen Auferstehung gereichen mögen. Preis Dir, wahrhaftiger Jesu, der Du gewollt, daß Dein zweifelnder Jünger seine Finger in Deine Nägelmahle und seine Hand in die Wunde Deiner Seite lege. Mein Herr und mein Gott! Verleihe mir die Kraft des Glaubens, auf daß ich würdig werde, nachdem ich hienieden wie im Spiegel geschaut, einst in Deinem Reiche die Anschauung Deiner heiligen Geheimnisse von Angesicht zu Angesicht zu genießen. Preis Dir, o heiligster Erlöser, dafür, daß Du Deine Jünger gewürdiget hast, nach Deiner Auferstehung mit Dir, ihrem göttlichen Meister, zu verkehren und aus Deinem heiligsten Munde von neuem die Lehre des Heiles zu empfangen. Gewähre mir, o Herr, daß ich allzeit Deine heilbringende Lehre freudig höre, als Deinen gelehrigen Schüler mich erweise und durch die Aufnahme Deiner himmlischen Wahrheiten mich immer mehr einer einstigen glorreichen Auferstehung würdig mache. Preis und ewigen Dank bringe ich Dir dar, Fürst des Friedens! der Du Deine Jünger nach Deiner Auferstehung so oft gegrüßt haft mit dem Gruße des Himmels: Der Friede sey mit euch!" Deinen Frieden gieb mir, Deinen Frieden lasse mir, nicht wie die Welt ihn giebt! Sondern in steter geistiger Vereinigung " 1 - 315- mit Dir, dem Auferstandenen, lasse mich unempfänglich seyn für alle Lockungen der Welt, unverwundbar für alle Anfeindungen der Welt, unbeugsam unter allen Mühen und Kümmernissen der Welt; lasse mich nur Dich suchen, nur Dich wollen, nur Dich besitzen, nur in Dir ruhen, nur in Dir Friede, Freude und Seligkeit empfinden, auf daß ich schon während der Zeit irdischer Prüfung und Wanderschaft als einen mit Dir Auferstandenen mich bewähre, und nachdem ich Dir hienieden treu gedient, in Deinem Frieden entschlafe, und daß meine Seele dereinst mit dem Todesschlafe die ewige Ruhe, und mit der Ruhe die Fülle Deines Reichthums in der ewigen Seligkeit empfange. Der Du in Klarheit und Herrlichkeit mit dem Vater und heiligen Geiste lebest und regierest in alle Ewigkeit! Amen. لهههههه sle 14* - 316Gebet am Feste der Himmelfahrt des Herrn. Ich gehe hin, für euch eine Stätte zu bereiten. Joh. 14, 2. Jesus Christus! mein Herr und mein Gott, der Du am vierzigsten Tage nach Deiner Auferstehung, nachdem Du Deine Freunde und Apostel gesegnet, vor ihren Augen gen Himmel fuhreft und sizest zur Rechten des Vaters! O segne auch uns und mache uns theilhaftig einer solchen Freude, als Jene wegen Deiner Verherrlichung sie empfanden. Durch das heilige Geheimniß Deiner Himmelfahrt und durch alle jene unzähligen Wohlthaten, wodurch Du den verlorenen Menschen zum Heil zurückgeführt haft, erneuere und bewahre meine arme Seele, während ich noch von diesem Leben festgehalten bin; damit sie, wenn sie den Körper verläßt, durch so fromme Erinnerungen gekräftigt, unter den Flügeln Deiner Barmherzigkeit erquickt, zu den Füßen Deiner heiligen Apostel, zu den Füßen Deines glorreichen Zeugen Stephanus und Deiner übrigen Freunde, die mit Dir in Deinen heiligen Wohnungen sich befinden, ausruhen möge nach Deiner Erbarmung und Deiner Anordnung, o Heiland der Welt, der Du mit Gott dem Vater und dem heiligen Geiste lebest und regierst, Gott in alle Ewigfeit! Amen. como Gebet am heiligen Pfingstfeste. ریال - 317 55555555 Wenn jener Geist der Wahrheit kommt, der wird Euch alle Wahrs heit lehren. Joh. 16, 13. ca mielell underquell, heiliger Geist, Tröster, der Du am Pfingsttage auf die Apostel herabgekommen bist und ihre Herzen mit Liebe, Gnade und Weisheit erfüllt hast: ich bitte Dich um jener unendlichen Barmherzigkeit und Freigebigkeit willen, erfülle die Tiefen meiner Seele mit Deiner Gnade und mein Innerstes mit der unaussprechlichen Anmuth Deiner Liebe. Komm, o heiliger Geist, und gieß den Strahl Deines himmlischen Lichtes hernieder. Komm, o Vater der Armen, komm, o Spender der Gaben, komm, o Licht der Herzen. Komm, o bester Tröster, süßer Gast der Seele, süf - 318 seste Erquickung. Komm, o Arzt der Schmachtenden, fomm, o Reinigung von Sünden, fomm, o Stärke der Gebrechlichen, komm, o Arznei der Sünder, komm, o Lehrer der Demüthigen, komm, o Ueberwinder der Stolzen. Komm, o hohe Zierde aller Lebenden und einziges Heil der Sterbenden. Komm, o mein Gott, und schmücke Dir Dein Brautgemach, auf daß ich Dich mit allen Deinen Reichthümern und Gnaden würdig in mir aufnehme. Erquicke mich mit der Gabe der Weisheit; erleuchte mich mit der Gabe des Verstandes; leite mich mit der Gabe des Rathes, rüste mich aus mit der Gabe der Stärke, unterweise mich mit der Gabe der Wissenschaft, verwunde mich mit. der Gabe der Frömmigkeit und durchdringe mein Herz mit der Gabe Deiner heiligen Furcht. O süßester Freund der reinen Herzen, entzünde und entflamme mein ganzes Innere mit dem kostbaren Feuer Deiner Liebe, auf daß es zu Dir hingezogen und in Dich aufgenommen werde, der Du das Endziel und die Fülle alles Guten bist. Oliebreichster Freund aller heiligen Seelen, der Du wohl weißt, daß ich durch mich und aus mir selber nichts vermag, strecke Deine milde Hand über mich aus und mache, daß ich mich selbst verlasse und Dein eigen werde. Zu diesem Ende, o Herr, vernichte und vertilge in mir was Du willst, auf daß ich Deinem heiligen Willen in Allem gleichförmig werde und daß mein Leben fortan ein heiliges Opfer sey - 319- vor Dir, ja ein Brandopfer, das von Deiner Liebe ganz aufgezehrt wird. Dwer wird mir verleihen, daß ich endlich zu jener hohen Gnade gelange? Blicke auf mich herab, o Herr, und siehe, wie dieses arme Geschöpf Tag und Nacht zu Dir seufzet und wie meine Seele nach Dir, dem lebendigen Gotte, dürftet. Wann werde ich vor dem Angesichte Deiner Gnade erscheinen? Wann werde ich eingehen in die Halle Deines Heiligthums, auf daß ich zum Hause meines Gottes gelange? Wann wirst Du mich mit der Freude Deiner Anschauung erfüllen? Wann werde ich von der Gegenwart Deiner Herrlichkeit gesättiget werden? Wann werde ich durch Dich befreit werden von allen Versuchungen und scheiden von der Hülle dieser Sterblichkeit? O Quell des ewigen Lichtes, führe mich zu der Fülle des ewig Guten, welcher mich geschaffen hat, auf daß ich daselbst Dich erkenne, wie ich von Dir erkannt bin und auf daß ich Dich liebe, wie ich von Dir geliebt bin, auf daß ich Dich schaue und Dich genieße in der Gesellschaft aller himmlischen auserwählten Himmelsbewohner, unter welche Du auch mich berufen hast von Ewigkeit her. Amen. - 320 Gebet am Feste der heiligen Dreieinigkeit. Dem Könige der Ewigkeit, dem Unsterblichen, dem Unsichtbaren, dem allei nigen Gott sey Ehre und Herrlichkeit in alle Ewigkeit. I. Timoth. 1, 17, Ich flehe zu Dir, unermeßliche Güte, Gott, allmächtiger Vater, laß nicht verloren gehen Dein Geschöpf, das nach Deinem Ebenbilde geschaffen und mit dem kostbaren Blute Deines Sohnes, meines Herrn Jefu Chrifti, erlöst ist. Reiche mir Deine Hand, mein Herr und mein Gott, und richte mich empor aus dem Abgrunde meiner Sünden. Hebe auf den Gefallenen, löse den Gefesselten, erleuchte den Blinden, heile den im Kampfe mit dem bösen Feinde tausendfach Verwundeten. Warum doch habe ich, statt durch meinen Wandel Dir Freude zu bereiten, seither Dich zur Strenge und zum Zorne gegen mich genöthigt. Aber ich weiß, o Herr, daß Alles Deinem heiligen Willen unterworfen und Nichts im Stande ist, demselben Widerstand zu leisten. Ist es Dein heiliger Rathschluß, mich zu retten, so werde ich alsbald gerettet werden. So laß denn meinem harten Herzen Reuethränen entströmen, wie Du einstens aus dem Felsen in der Wüste haft Wasserbäche hervorströmen lassen. Gedenke meiner, o Eingeborner des Vaters, Jesu - 321- Christe! der Du nicht mit Gold und Silber, sondern mit Deinem eigenen Blute mich erkauft hast. Laß mich) nicht mit dem Gewande der Wiedergeburt, womit Du mich bekleidet, nicht mit dem Siegeszeichen des Kreuzes, womit Du mir die Stirne geschmückt, der ewigen Verdammniß verfallen. Ich kenne Deine Barmherzigkeit, o Herr! und weiß, daß ich mich nur wahrhaft zu Dir wenden darf, um bei Dir Aufnahme zu finden. Aber meine Gebrechlichkeit und Unwissenheit ist so groß, daß ich mich auch nicht einmal zu Dir hinwenden kann, ohne von Dir geführt zu werden. So führe mich denn Du und entzünde in mir die Flamme Deiner Liebe. Gott, heiliger Geist, Allmächtiger, eines Wesens und gleich ewig mit dem Vater und dem Sohne, in geheimnißvoller Weise von Beiden ausgehend! laß Dich würdig in meinem Herzen nieder und verscheuche als ein wunderbarer Erleuchter die Finsternisse meiner Sündhaftigkeit; auf daß, wie einst der jungfräuliche Schooß das Wort Gottes durch Deine Ueberschattung empfangen hat, so auch ich mit Hilfe Deiner Gnade den Urheber meines Heiles immerdar in meinem Herzen tragen möge. Du, o Herr! bist das Licht der Geister, Du die Kraft der Herzen, Du das Leben der Seele. Du hast den heiligen Aposteln verliehen, daß sie die Geheimnisse der menschlichen Erlösung vollkommen erkannten und die Lehre des Glaubens in unversehrter Wahrheit predigten. Du hast die seligen Märtyrer mit der Kühnheit heiligen Freimuthes ausgestattet, so daß 322 sie die Fürsten dieser Welt nicht scheuten und mit standhafter Ausdauer die ausgesuchtesten Qualen überstanden. Du hast in den Propheten geredet und in den Patriarchen das Fundament des Glaubens gelegt. Du hast allen Heiligen das Wollen und Vollbringen. und alle Blüten der Tugend gegeben, wodurch sie sich zum Himmel emporgehoben haben. Wie sollte ich armer Sünder, der ich ohne Dich nicht einmal weiß, um was ich beten soll, ohne Dich die Seligkeit erlangen können? Wendest Du Dich von mir ab, so ist das Leben meiner Seele hin, gerade wie der Leib todt ist, wenn die Seele ihn verläßt. So steige denn in mich herab, ewiger Lebenspender, und durchglühe das Eis meines Herzens mit der Flamme Deiner Liebe! Geist der Wahrheit, treibe mit Macht die Finsterniß des Irrthums von mir aus! Geist des Gerichtes, Geist des göttlichen Zornes, bessere mein Herz, indem Du jeglichen Rest der Sünde und jegliche Bosheit und Schuld daraus vertilgest! Komme, o gebenedeiter Geist der Wahrheit, und lasse Dich als der Prüfer der Herzen in meiner Seele nieder. Komme, o Geist der himmlischen Segnungen, und durchströme jede Falte meiner Seele mit der unaussprechlichen Süßigkeit Deines Trostes. Gnadenspender, Urheber aller Heiligung und aller Sündenvergebung, der Du die englischen Geister ohne Unterlaß zu Deiner Liebe entflammest; nimm mich ganz in Deinen Besiz, lebe Du allein in mir, und laß mich einzig in Dir leben. 323- Heiligste Dreieinigkeit, einer und allmächtiger Gott, Vater, Sohn und heiliger Geist! der Du nicht den Tod des Sünders willst, sondern daß er sich bekehre und lebe; Dich flehe ich um Deine Hilfe an, verwirf den armen und gebrechlichen Sünder nicht vor Deinem Angesichte. Vergelte mir nicht nach meinen Missethaten und meiner Unreinigkeit, sondern gieße über mich aus die reiche Schonung Deiner unendlichen Barmherzigfeit. Statte mich aus mit Deiner Gnade und befreie mich von allen vergangenen, gegenwärtigen und zu künftigen Uebeln, von einem gähen und ewigen Tode, von Aergerniß und Gefahr, Vergehen, Missethaten, Beleidigungen und Nachlässigkeiten. Sey mir gnädig in allen Aengsten und Nöthen, Kümmernissen und Versuchungen, in allen Gefahren und in allen meinen Schwächen. Heilige und untheilbare Dreieinigkeit, unermeßliche Gütigkeit, höre auf mein Flehen. Wie Du, nicht um meines Verdienstes willen, sondern einzig nach dem Rathschlusse Deiner Güte, mich zum Theilnehmer an Deinen heiligen Geheimnissen gemacht, so laß mich bis zu jener Stunde, in welcher ich von hinnen scheide, in Glaube, Hoffnung und Liebe ausharren; bewahre mich vor allem Ulebel, gewähre, was mir heilbringend ist, errette mich vor der ewigen Verdammniß, und führe mich in die ewigen Freuden ein. Gieb mir, o Dreieiniger! Fleiß, Dich zu suchen, Weisheit, Dich zu finden, eine Seele, die Dich erkenne, Augen, die - 324- Dich schauen, einen Wandel, der Dir gefalle, Ausdauer bis an das Ende, ein seliges Ende und eine ewige Belohnung. Höre mein Gebet, wie Du Jonas im Bauche des Wallfisches gehört; errette mich, wie Du Susanna von falscher Anklage errettet haft; erhöre mich, wie Du Petrus auf dem Meere und Paulus in den Banden erhöret hast. Eile mir zu Hilfe, o Herr! ich bitte Dich, und befreie mich immerdar von jedem Uebel, rette mich aus der Gewalt des Teufels, entreiße mich dem ewigen Tode und erfülle mich mit dem Reichthum Deiner Gnade. Kräftige mein Herz mit Deiner Stärke, reinige meinen Sinn, heilige mein Leben, erleuchte meinen Geist mit himmlischer Weisheit, mäßige die fleischlichen Begierden, lösche aus den Zorn, beschüße meine Zunge vor eitlem Gerede, laß Worte der Wahrheit und Barmherzigkeit, der Güte und Eintracht von meinem Munde strömen. In der Ehrbarkeit der Sitten leite mich zur Vollkommenheit und befestige mich in jedem guten Werke. Vor Dir, o Herr! eröffne ich die Geheimnisse meines Herzens, vor Dir bekenne ich alle meine Sünden, bekenne mich als ungehorsamen Uebertreter Deiner heiligen Gebote mein ganzes Leben lang. Ordne in Zukunft alle meine Handlungen nach Deinem Wohlgefallen, auf daß ich von Tag zu Tag vollkommener werde und von Tugend zu Tugend fortschreite. Laß mich immer mehr den alten Menschen mit seinem Thun ausziehen und den neuen anziehen 325 in Gerechtigkeit und Heiligkeit, auf daß ich mit Hilfe Deines Schußes immerdar in Deiner Liebe verharre, der himmlischen Segnungen theilhaftig werde und Deiner Wohlthaten in diesem und dem ewigen Leben mich erfreuen möge. Amen. 4* 326 Gebet am Feste des Frohnleichnams Jesu Christi. O heiliges Mahl, in welchem Christus genossen, das Andenken seines Leidens gefeiert, die Seele mit Gnade erfüllt und das Unterpfand der künftigen Herr lichkeit unsgegeben wird. Röm. Brevier. heiligster Erlöser! unter allen Beweisen göttlicher Liebe, welche Du uns in dieser Welt zurückgelassen hast, ist der hehrste und herrlichste die Einsezung des Sacramentes Deines allerheiligsten Fleisches und Blutes. Der Jünger Deiner Liebe hat von Dir gesagt: da Du die Deinigen, die in dieſer Welt waren, liebtest, so habest Du sie bis ans Ende geliebt. Und wahr. lich, am Vorabende Deines Leidens hast Du es bewiesen, welche Liebe für Deine Auserwählten Dich erfüllte, indem Du ihnen ein über alle Hoffnung erhabenes Unterpfand Deiner Liebe schenktest. 4327- Der Liebende trachtet Eins zu werden mit dem Geliebten und sich gleichsam in ihm aufzulösen. So hast Du denn, o heiligster Erlöser, dieses Geheimniß eingeseßt, damit der Mensch sich Dir einverleiben möge, damit Du in ihm bleibest und er in Dir. Du hast die Form der Speise gewählt, um anzudeuten: wie der, welcher eine Speise genießt, mit der genossenen Speise sich vereinigt, so wollest Du mit dem, welcher Dich genießen werde, Dich vereinigen. Laß mich den göttlicher Heiland, alle Tage meines Lebens mit Dir ein Herz und eine Seele seyn, laß in einem Wandel mich mit Dir verharren, auf daß all mein Thun und Lassen ist, als ob es Dein Thun und Lassen wäre, und laß mich, wie hienieden, so einst in der ewigen Herrlichkeit mit Dir vereinigt seyn. Der Liebende trachtet dem Geliebten wohlzuthun und den, welchem er sein Herz und sich selbst geschenkt, auch an all seinem Besize theilnehmen zu lassen. Welche Wohlthat aber und welches Geschenk könnte berrlicher seyn, als das Du, liebevoller Jesu, in diesem heiligen Sacramente uns gespendet haft? Du giebst uns ja Dein eigenes Fleisch und Blut und damit zugleich alle Belohnungen und Verdienste, welche Du uns durch die Aufopferung Deines Fleisches und Blutes erwor ben haft; so daß wir durch die Kraft dieses heiligen Geheimnisses aller Deiner Lebensmühen, der Schmerzen Deines Leidens und Todes und aller Deiner Güter und Schäße theilhaft werden. Verleihe uns, o Herr, -328- daß wir in ewiger Dankbarkeit für diese Gnadenspendung verharren, anbetend bewundern den Reichthum Deiner Liebe, unermüdlich seyen im Lobpreis Deiner Güte und in der Verherrlichung Deiner heiligen Gegenwart in unsrer Mitte; daß wir stets mit Sehnsucht Deinem heiligen Geheimnisse uns nahen. und durch den Genuß und die Anbetung desselben nur neue Sehnsucht in uns nähren. Gieb, o Herr, daß wir des Großen und Erhabenen, was Du uns gespendet, nicht vergessen, nach dem geringen Maaße unserm Nächsten vergelten, was Du an uns gethan. Es ist ja Dein Fleisch, Dein Blut, was wir in unserm Nächsten ehren. Verleihe uns, ihn um Deinetwillen so zu ehren, wie wir es dem Genossen Deines heiligen Tisches, dem der mitanbetet das Geheimniß Deiner Liebe und mitempfängt die Beweise Deiner Güte, schuldig sind. Der Liebende sehnt sich im Andenken des Geliebten zu verbleiben, und so hast denn Du, heiligster Erlöser, uns dieses kostbare Vermächtniß mit den Worten hingegeben, daß, so oft wir es vollbringen, wir es zu Deinem Gedächtnisse vollbringen sollen. Ja, Herr und Heiland, ewig will ich eingedenk seyn Deiner Liebe, und an Deiner Liebe meine Liebe zu Dir stärken. Lieblich sollen mir bleiben Deine Wohnungen, meine Seele soll sich sehnen und schmachten nach den Vorhöfen meines Herrn. Mein Herz und mein Fleisch sollen frohlocken in Dir, dem lebendigen Gott. Der Sperling findet sein Haus und die Turteltaube ihr Nest, darin sie ihre Jungen legt. So finde ich Deine Altäre, Herr der Heerschaaren, mein König und mein Gott! Selig sind, die in Deinem Hause wohnen, Herr! in alle Ewigkeit loben sie Dich! Besser ein Tag in Deinen Vorhöfen, als Tausend anderswo.( Ps. 83.) 329 Gebet der Kirche. Gott, der Du uns das Andenken Deines Leidens in dem wunderbaren Sacramente hinterlassen haft! verleihe uns, wir bitten Dich, daß wir die Geheimnisse Deines Leibes und Blutes so verehren, daß wir die Frucht Deiner Erlösung immerdar an uns erfahren mögen. Der Du lebest und regiereft mit dem Vater in der Einheit des heiligen Geistes von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen. s e H - 330* Gebete zu den Heiligen Gottes. لمهمل Lobet den Herrn in seinen Hei ligen. Pf. 150, 1. Gebet zu Gott und allen Heiligen. armherziger, allmächtiger Gott, Ewiger und Unaussprechlicher, ohne Anfang und ohne Ende, den wir als den Einen in der Dreifaltigkeit und als den Dreifaltigen in der Einheit bekennen und verehren. Dich den alleinigen Gott bete ich an, Dich lobe, Dich preise und verherrliche ich; Dir danke ich, Dir gebe ich mich mit ganzer Andacht hin. Höre auf das Rufen meines Gebets, o himmlischer Vater, mein König und mein Gott. Sohn Gottes, Erlöser der Welt, Gott erbarme Dich meiner! Laß mich nicht verderben in meiner Ungerechtigkeit und 331 behalte mir nicht in Deinem Zorn meine Sünden auf. Heiliger Geist, gütiger Gott, hauche mir ein den Hauch Deiner Gnade und lenke mich auf den Weg des ewigen Heils; lehre mich Deinen Willen thun; was Dir an mir mißfällt, das entferne von mir. Dreieiniger, allmächtiger, milder und barmherziger Herr, schau herab auf mich, verwandele meine Trübsal in Freude und laß mir Dein Erbe, o Allerhöchster, nicht verloren gehen. Herr, Du Beherrscher Aller und Beschüßer deren, die auf Dich hoffen, nimm an mein Gebet und auf die Fürbitten der glorreichen Jungfrau Maria, nimm Deinen Zorn von mir, Gott meines Heils, und laß meine Seele nicht von dem Leibe scheiden, bevor Du mir alle meine Sünden nachgelassen hast. O glorreiche Gottesgebärerin, Mutter der Barmherzigkeit, unbefleckte Jungfrau Maria, die Du allein gewürdigt wurdeft, den Herrn Aller und den König der Engel zu tragen und zu nähren, stehe mir bei am Tage meiner Trübsal, damit ich, auf Deinen Beistand gestüßt, ins Himmelreich eingehen möge! nge O heiliger Michael, Erzengel Gottes, Hüter des Paradieses, komm mir zu Hilfe, vertheidige mich gegen den bösen Feind in der Stunde meines Todes und führe meine Seele in das Paradies der ewigen Freude. Alle heiligen Engel und Erzengel Gottes, alle Kräfte der Himmel und alle Ordnungen der heiligen Geister! unterdrücket die Gewalt der feindlichen Mächte, bekämpfet die, welche mich anfeinden, vertheidiget mich 332 mächtig gegen die Wuth des brüllenden Feindes, bewachet mich allezeit, Tag und Nacht, wenn ich getreulich auf dem Wege der Wahrheit wandle, und in der Stunde meines Todes führet meine Seele zu euch heim in Frieden. Heiliger Täufer Johannes, alle heiligen Patriarchen und Propheten, ich flehe zu euch in ehrfurchtsvollem Gebete, reichet mir die Hand, bringet mir Hilfe in allen meinen Nöthen und Schwachheiten; erbittet mir von Gott Geduld, Beständigkeit, Gerechtigkeit, Gehorsam, Enthaltsamkeit und heilige Beharrlichkeit. Heiliger Petrus, seliger Fürst der Apostel, alle heiligen Apostel und Evangelisten, Fürsten der Kirche und ihr triumphirenden Streiter der himmlischen Wohnungen, erflehet mir ein rechtschaffenes Leben, Vollkommenheit in Tugenden, eine löbliche Vollendung und die ewige Glückseligkeit. Shr, liebreiche Priester Christi und erleuchtete Lehrer, und alle heiligen Bekenner, die ihr mit dem euch anvertrauten Talente die unverwelkliche Frucht guter Werke euch errungen habt! Möge die unaussprechliche Güte Gottes mir um euretwillen Nachlassung meiner Sünden, die Fülle alles Guten, Sehnsucht nach dem Himmlischen, das Wohlwollen meiner Mitmenschen, Ehrbarkeit der Sitten und Gehorsam gegen die Gebote Gottes schenken. Insbesondere bitte ich dich, meinen Schußheiligen N., inbrünstig, daß du als Einen der Deinigen mich erkennen wollest, wenn du 333 einst mächtig sitzen wirst beim Weltgerichte, zu richten mit dem Herrn. Alle heiligen Jungfrauen, die ihr aus unerschütterlicher Anhänglichkeit an den himmlischen Bräutigam den Glanz der Welt verachtet habt, und ihr heiligen Wittwen alle, erwirket mir Unreinen die Gabe ausdauernder Gnade, Heiligkeit des Lebens, Reinheit des Leibes, Unschuld des Herzens, Festigkeit des Glaubens und die Gesinnung brüderlicher Liebe. Bittet für mich, alle Heiligen, so viele euer von Anfang der Welt Gottes Wohlgefallen sich erworben haben. Machet mich geschickt, in guten Werken aller Art den Willen Gottes zu erfüllen, auf daß ich, den Sünden abgestorben, nur Gott lebe und die Pflichten, die ich von Gott übernommen habe, durch eure verdienstlichen Fürbitten ihm in aller Liebe erfülle; und daß ich in den Hafen des Heils eingehen und mich mit euch in ewiger Glückseligkeit ohne Ende erfreuen möge. Amen. O selige und glorreiche Heilige Gottes! Schon so oft habe ich jene große Liebe und Gnade rühmen hören, die ihr den Armen und Elenden und den dürftigen Sündern erweiset. Sollte ich, der ich unglücklicher und unwürdiger bin als Viele, deßhalb zurückstehen? Sollte mir deßhalb eure Obsorge abgehen? Sollte dieser euer Gnadenborn aufhören zu fließen, damit ich allein nicht davon trinke? Sollten eure für 334- bittenden Hände mir verschlossen seyn, während sie sich für Andere öffnen? Euer Reichthum wird durch meine Theilnahme daran nicht kleiner. Sollte also keiner von euch bereit seyn den armen Fremdling, welcher täglich von Gefahren bedroht ist, unter seinen heilsamen Schutz zu nehmen? Sollte keiner von euch aus Mitleiden mich als Gaft aufnehmen oder als einen seiner geringsten Diener unter die Zahl der Seinigen einreihen wollen? Mir genügt schon das, und wäre ich auch der Lette unter ihnen Allen. Und würde ich von euch unter Allen als der Niedrigste, Unwürdigste und als der Unglücklichste erfunden, so lasset darum eure Barmherzigkeit meinen Bitten desto geneigter seyn, da ihr ja wisset, daß die des Erbarmens nicht bedürfen, welche vom Elend frei sind. Ich weiß es, daß Einer unter euch gesagt: als die Sünde überschwenglich war, wurde die Gnade noch überschwenglicher( Röm. V. 20.) So stoßet mich denn nicht von euch hinweg; bedenket, was dann aus mir werden müßte; weiset ihr mich an, wohin ich gehen soll, um Barmherzigkeit zu finden. Ich weiß, ihr werdet es. Sollte ich mich der Verzweiflung oder Muthlosigkeit überlassen? das sey ferne; denn ich habe nach euren Lehren die Weisung erhalten, bis zum letten Hauch des Lebens die Hoffnung zu bewahren. Darum werde ich von euch nicht lassen, bis ich von euch ein Almosen zur Linderung der Armuth meiner Seele empfangen haben werde. Könnte eure Güte, 335 Barmherzigkeit und Milde es zulassen, daß ich zu eueren Füßen schmachte? Wahrlich nicht. Wäre es euch nicht eine Freude wohlzuthun, so müßte die Größe meiner Bedrängniß und die Erinnerung euch dazu bewegen, daß ihr selbst ehedem in meiner Lage gewesen seyd. Ich bin ja in demselben Kerker, an demselben Orte der Verbannung, in demselben Lande der Unfruchtbarkeit, wo auch ihr dereinst gewesen sevd und wo auch ihr so gerne Hilfe und Trost empfangen habt. Thuet darum nun an mir, was ihr einst gewollt habt, daß es an euch geschehen möge. Erweiset mir Gnade, wie euch damals Gnade ist erwiesen worden. Wollet ihr mir vorwerfen, daß ich weit länger im Schmuße der Sünde versunken und davon befleckt gewesen wäre, als die glorreichen Heiligen, so gestehe ich aufrichtig, daß es so ist. Aber nur die überschwengliche Gnade Gottes ist es ja, die auch sie vor diesem Zustande bewahrt oder daraus errettet hat. Darum erweiset auch ihr euch gnädig gegen mich, und erflehet mir dieselbe göttliche Gnade in desto größerer Fülle, je reichlicher ihr sie einst selbst empfangen habt. Ihr genießet das höchste Maaß der Glückseligkeit, der Ehre und des Glücks; und ich freue mich dessen aufrichtig und innig. Aber was soll aus euerm unglücklichen Mitbruder werden, der hienieden im Elende und in Bedrängniß lebt? Zu euch rufe ich darum und erhebe flehend meine Hände: Nicht bitte ich um 336 die Theilnahme an der Fülle eures Ruhmes oder eurer Seligkeit; entreißet mich nur dem Tode, und mir ist genug geschehen. Könnte euch mein Elend und meine Armuth nicht. bewegen, mir mit euerer Fürbitte beizustehen, o so thuet es, um den Willen des höchsten Gottes, eures Herrn und Königs, zu befolgen. Er hat euch geschaffen und Er hat euch als seine Almosenpfleger eingeseßt, denen obliegt, für die Bedürftigen das Nothwendige von Ihm zu fordern. Insbesondere dich, o glorreiche Jungfrau, hat Er als die Schatzmeisterin Seiner Gnade, als die Mutter des Erbarmens, als die Ernährerin der Waisen, als die Trösterin der Betrübten und als Fürbitterin und Rathgeberin angeordnet. Zu dir nehme ich darum meine Zuflucht, dich bitte ich bei diesen deinen Würden, du wollest mich nicht verlassen in der Noth! Erwirke mir Gaben aus dem Schaße der Gnaden, ernähre, stärke, tröste mich; wenn auch nicht um meinetwillen, der ich jeglicher Gnadengabe unwürdig bin, so doch um deinetwillen und wegen des Amtes, das dir nach der Anordnung des höchsten Königs übertragen ist. Ihr wisset es, Heilige Gottes, daß ich von dem Allerhöchsten berufen bin, die Wohlthat euerer Fürbitte zu empfangen; denn ihr wisset, daß ich ohne besondere Eingebung Gottes nicht vor euch zu treten vermöchte mit meinem Flehen um eure Gnadengüter. Ja, ich trete vor euch hin, einerseits von meiner Noth, anderseits 337 von Gottes Güte angetrieben; ihr werdet mich nicht zurückweisen, denn was Gott bewilligt hat, werden seine Diener nicht verweigern. Wie zahlreich sind die Gnaden, welche ihr selbst einst auf die Fürbitte der Heiligen, die es vor euch waren, von Gott empfangen habt. So ist es der Wille Gottes, daß auch ich seine Heiligen ehre und zu ihnen bitte; daß sie aber für mich flehen und mir austheilen die hohen Gnadengüter, denen Gott mich um ihrer Fürbitte willen gewürdigt hat. Was soll ich also thun, ihr glorreichen Heiligen Gottes, um euere Fürbitte zu verdienen? Da ich vermessentlich gesündigt habe, ach, nicht in einem Stücke nur, sondern gar vielfältig, so bleibt mir kein anderes Heil, als aufrichtig Buße zu thun und mich dann zu hüten, daß ich nicht abermals euch und meinem höchsten Herrn mißfalle. Wenn ich nun dieses thue, o so stehet mir bei, auf daß ich es thun möge zur Ehre dessen, den ihr so sehr liebt und ehrt. Bekämpfet und besteget meine Feinde, das ist: meine Sünden, damit ich nicht von Neuem wieder mich mit ihnen einlasse und befreunde, oder gar sie ehre und liebe; dieß ist ja der wahre Grund meines Flebens, daß ich mit euerm Schuße ausgerüstet sey und in mir einen solchen Geist empfange, der nie wieder zu jenen Gegnern zurückkehren mag. Leicht ist es, das gestehe ich, mich zu überwinden, denn ich bin geneigt zum Falle; das ist mein Elend. Und was schlimmer ist: ich bitte 15 338 nicht mit dem Eifer, den ich haben sollte, um euere Unterstüßung; ja ich bin darin lässig, träge und unaufmerksam. Darum klage ich mich bitter vor euch an, darum rufe ich jetzt so flehentlich zu euch und fordere euern Beistand; auf daß ich von nun an fräftiger, eifriger sey und in allen meinen Bedrängnissen und Anfechtungen von Herzen zu euch meine Zuflucht nehme. Thue ich das, dann weiß ich, daß ihr bei Gott, von welchem alles Heil kommt, Fürbitte für mich thut. Ich weiß, daß eure Liebe und eure Freigebigkeit zu groß ist, um mir dieses zu verweigern. Keine Zeit, feine Sprache und keines Menschen Fähigkeit würde ausreichen, alle die Wohlthaten aufzuzählen, welche ihr, von der Liebe angetrieben, schon auf Erden erwiesen habt. Wo Krankheit, Elend und Armuth die Menschen befiel, waret ihr alsbald bereit zu heilen und zu helfen und Hunger, Durst und Kummer zu stillen. Der Eine von euch gab sich zum Sclaven her, daß er den Sohn der armen Wittwe aus den Händen der Feinde befreie. Ein Anderer stürzte sich in Todesgefahr, um Einen aus derselben zu erretten. Ein Anderer theilte mitten im Winter sein Kleid, darein er gehüllt war, um einen Nackten damit zu bedecken. Andere wieder konnten durch die drohendste Lebensgefahr nicht abgehalten werden von dem Werke der Barmherzigkeit: die Todten zu begraben und die Gefangenen zu besuchen. Aber nicht wegen leiblicher Gebrechen wende ich mich jett an euch, sondern wegen -339- der geistigen Armuth und Bedrängniß meiner Seele, deren Tod um so gefährlicher ist, als sie hoch an Werth dasteht über dem Leibe, und weil der ewige Tod mehr zu fürchten ist als der zeitliche und vorübergehende. Ihr glorreichen Heiligen! jetzt müßt ihr nicht mehr sterben, nicht mehr Verfolgungen leiden und Gefahren bestehen, um mir Hilfe zu bringen, mich zu heilen, mich zu erleuchten und auf die Pfade der Tugend hin zu lenken. So wollet denn Gott für mich bitten um das, was ich so eben als mein sehnlichstes Verlangen euch vorgetragen habe, und der Vater der Barmherzigkeit wird es euch nicht versagen. Verleihet mir, ich beschwöre euch, um was ich euch demüthig und innig gebeten habe, durch Jesum Christum unsern Herrn! Amen. Litanei zu den Heiligen Gottes. Zugleich Gebet der Kirche in allen Anliegen und Bedrängniſsen. Herr, erbarme Dich unser! Christe, erbarme Dich unser! Herr, erbarme Dich unser! Christe, höre uns! Christe, erhöre uns! Heilige Maria! Gott Vater von den Him Heilige Gottesgebärerin! Heilige Jungfrau aller Jungfrauen! Erbarme Dich unser! Heilige Dreifaltigkeit, ein einiger Gott, Erbarme Dich unser! Erbarme Dich unser! Gott heiliger Geist, meln, Erbarme Dich unser! Gott Sohn, Erlöser der Welt, Heiliger Michael! Heiliger Gabriel! Heiliger Raphael! 15* Bitt für uns. Alle heilige Engel und Erzengel, Bittet für uns! Alle heilige Chöre der seligen Geister, 340 Bittet für uns! Heiliger Johannes der Täufer, Bitt für uns! Bitt für uns! Heiliger Joseph, Bitt für uns! Bittet für uns! Heiliger Petrus! Heiliger Paulus! Heiliger Andreas! Heiliger Jacobus! Heiliger Johannes! Heiliger Thomas! Heiliger Jacobus! Heiliger Philippus! Heiliger Bartholomäus! Heiliger Matthäus! Heiliger Simon! Heiliger Thaddäus! Heiliger Mathias! Heiliger Barnabas! Heiliger Lucas! Heiliger Marcus! Alle heil. unschuldige Kinder, Bittet für uns! Heiliger Stephanus, Bitt für uns! Bitt für uns! Bittet für uns! Alle heilige Jünger des Herrn, Bittet für uns! Heiliger Laurentius, Alle heil. Patriarchen und Pro- Bittet für uns! pheten, Heil. Fabianus u. Sebastianus, Bittet für uns! Heiliger Johannes und Paulus, Heiliger Cosmas u. Damianus, Bittet für uns! Heil. Gervasius und Protasius, Bittet für uns! Alle heilige Märtyrer, Bittet für uns! Heiliger Sylvester, Bitt für uns! Heiliger Gregorius, Bitt für uns! Heiliger Ambrosius, Bitt für uns! Heiliger Augustinus, Bitt für uns! Heiliger Hieronymus, Bitt für uns! Heiliger Martinus, Bitt für uns! Alle heilige Apostel und Evan- Heiliger Nicolaus, gelisten, Bitt für uns! Alle heilige Bischöfe und Beichtiger, Bittet für uns! 341 Alle heilige Lehrer, Bittet für uns! Heiliger Antonius! Heiliger Benedictus! Heiliger Bernardus! Heiliger Dominicus! Heiliger Franziscus! Alle heilige Priester und Leviten, Bittet für uns! Alle heil. Mönche und Einsiedler, Bittet für uns! Heilige Maria Magdalena! Heilige Agatha! Heilige Lucia! Bittet für uns! Alle Heilige Gottes, Bittet für uns! Bitt für uns. Heilige Agnes! Heilige Cäcilia! Heilige Catharina! Heilige Anastasia! Alle heilige Jungfrauen und Wittwen, Bitt für uns Sey uns gnädig, verschone uns, Herr! Sen uns gnädig, erhöre uns, o Herr! Von allem Uebel, Erlöse uns, o Herr! Von aller Sünde, Erlöse uns, o Herr! Von Deinem Zorne, Erlöse uns, o Herr! Vom gähen und unvorhergesehenen Tode, Erlöse uns, o Herr! Von den Nachstellungen des Teufels, Vom Zorne, Haß und allem bösen Willen, Von dem Geiste der Unreinigkeit, Von Blizz und Ungewitter, Von Pest, Hunger und Krieg, Von dem ewigen Tode, Durch das Geheimniß Deiner h. Menschwerdung, Durch Deine Ankunft, Durch Deine Geburt, Durch Deine Taufe und Dein heiliges Fasten, Durch Dein Kreuz und Leiden, Erlöse uns, o Herr! Durch Deinen Tod und Dein Begräbniß, Durch Deine heilige Auferstehung, Durch Deine wunderbare Himmelfahrt, Durch die Herabkunft des heil. Geistes, des Trösters, Am Tage des Gerichtes, Wir arme Sünder, wir bitten Dich, erhöre uns! - 342 Daß Du uns verschonest! Daß Du uns verzeihest! Daß Du uns zu wahrer Buße bringen wollest! Daß Du Deine heilige Kirche regieren und erhalten wollest! Daß Du den obersten Hirten und alle Stände in der heiligen Religion erhalten wollest! Daß Du die Feinde der heiligen Kirche demüthigen wollest! Daß Du den christlichen Königen und Fürsten Frieden u. wahre Einig. keit geben wollest! Daß Du dem ganzen christ lichen Volke Frieden und Einigkeit verleihen wolleft! Daß Du uns selbst in Deinem heiligen Dienste stärken und erhalten wolleft! Daß Du in unsern Ge, müthern himmlische Be. gierden erregest! helfen! Wir bitten Dich, erhöre uns. Daß Du alle unsere Gutthäter mit den ewigen Gütern belohnest! Daß Du unsere und unserer Brüder, Freunde und Gutthäter Seelen vor der ewigen Verdammniß bewahrest! Daß Du die Früchte der Erde geben und erhalten wollest! Daß Du allen verstorbenen Christgläubigen die ewige Ruhe verleihen wollest! Wir bitten Dich, erhöre uns. Sohn Gottes! du Lamm Gottes, welches du hinwegnimmst die Sünden der Welt, verschone uns, o Herr! O du Lamm 2c., erhöre uns, o Herr! O du Lamm 2c., erbarme dich unser, o Herr! Christe! höre uns. Christe! erhöre uns. Herr, erbarme Dich unser. Christe, erbarme Dich unser. Herr, erbarme Dich unser. Vater unser 2c. Psalm 69. Gott, sey bedacht mir beizustehen! Herr, eile mir zu - 343 Beschämt und zu Schanden sollen werden, die meiner Seele nachstellen. Sie sollen zurückweichen und in Schanden stehen, die mir Uebels wollen. Sie sollen bald beschämt abtreten, die meiner spotten und mir Hohn sprechen. Alle aber, die Dich suchen, sollen frohlocken und sich über Dich freuen, und die Deine Hilfe wünschen, sollen immer sagen: Hochgelobt sey der Herr! Ich aber bin bedürftig und arm, o Gott! steh mir bei. Denn Du bist meine Hilfe und meine Rettung; o Herr! verweile nicht zu lange. Ehre sey dem Vater und dem Sohne und dem heiligen Geiste. Wie war von Anfang, so jetzt und allezeit und in Ewigkeit, Amen. Pr. Rette Deine Diener. V. Die auf Dich hoffen, mein Gott! Pr. Sey uns, Herr, ein starker Thurm V. Wider unsere Feinde. Pr. Laß den Widersacher nichts vermögen wider uns, V. Und der Böse schade uns ferner nicht. Pr. Herr, handle nicht mit uns nach unsern Sünden, V. Und vergilt uns nicht nach unsern Uebelthaten. Pr. Lasset uns beten für unsern obersten Hirten N. V. Der Herr erhalte ihn, verleihe ihm Leben und Heil auf Erden, und übergebe ihn nicht den Rathschlägen seiner Feinde. Pr. Lasset uns beten für unsere Wohlthäter. V. O Herr! gib unsern Wohlthätern um Deines Namens willen das ewige Leben. Pr. Lasset uns beten für alle abgestorbenen Christgläubigen. V. Herr! gib ihnen die ewige Ruhe, und das ewige Licht leuchte ihnen. -344 344- Pr. Laß sie im Frieden ruhen. V. Amen. Pr. Lasset uns auch beten für unsere abwesenden Brüder. V. O mein Gott! rette Deine Diener, die auf Dich hoffen. Pr. O Herr! sende ihnen Hilfe von Deinem heiligen Size. V. Und von Sion beschüße sie. Pr. Herr! erhöre mein Gebet. V. Und laß mein Rufen zu Dir kommen. Gebet. Gott! dem das Erbarmen und Schonen immer eigen ist, nimm unser flehentliches Gebet an, damit wir und alle Deine Diener, die wir in Ketten der Sünde liegen, durch Deine erbarmende Güte von denselben gnädig befreiet werden. Wir bitten Dich, o Herr! erhöre unser demüthiges Gebet, und verschone uns, die wir Dir unsere Sünden bekennen, damit wir zugleich Verzeihung und Frieden durch Deine Güte erlangen. Herr! erzeige uns gnädig Deine unaussprechliche Barmherzigkeit, durch welche wir zugleich von allen Sünden befreiet, und von der Strafe, die wir für solche verdienen, gerettet werden. Gott! der Du durch Sünde beleidiget und durch Buße versöhnet wirst, siehe gnädig auf das Gebet Deines um Gnade flehenden Volkes, und wende die Geißel Deines Zornes, welche wir für unsere Sünden verdienen, von uns ab. Allmächtiger, ewiger Gott! erbarme Dich Deines Dieners N., unsers obersten Hirten, und leite ihn nach Deiner Milde auf dem Wege des ewigen Heiles, damit er durch Deine Hilfe, was Dir gefällt, begehre und mit allem Eifer vollbringe. O Gott! von welchem fromme Wünsche, gute Vorsätze und gerechte Werke entspringen, gieb Deinen Dienern jenen pr. Laß sie im Frieden ruhen. V. Amen. Pr. Laffet uns auch beten für unsere abwesenden Brüder. V. O mein Gott! rette Deine Diener, die auf Dich heen, Pr. O Here! fende ihnen Hilfe von Deinem heiligen Sige. V. Und von Sion beschütze sie. Pr. Herr! ethöre mein Gepet. V. Und laß mein Rufen zu Dir fommen. Ø Gott! dem das Erbarmen und Schonen immer eigen ist, nimm unser lehentliches Gebet an, damit wir und alle Deine Diener, die wir in Ketten der Sünde liegen, durch Deine erterinens Oute von denselben gnädig befreiet werden. Wir bitten Dich, o Herr! erhöre unser demüthiges Gebet, und verschenen, die wir Dir unsere Sünden bekennen, dait wit glendy Berzeihung und Frieden durch Deine Güte Babe herr! erzeige uns gnädig Deine unaussprechliche Barmdurch welche wir zugleich von allen Günden befreiet, ber Strafe, die wir für solche verdienen, gerettet werden. ott der Dur durch Sünde beleidiget und durch hnet wirft, siehe gnädig auf das Gebet Deines Rehenden Volkes, und wende die Geißel Deines Bornes, de wir für unsere Sünden verdienen, von uns ab. ewiger Gott! erbarme Dich Deines Dieners urten, und leite ihn nach Deiner Milde en heiles, damit er durch Deine Hilfe, und mit allem Eifer vollbringe. D Gott! von a fromme Bünsche, gute Vorfäße und gerechte Werke enteringen, gieb Deinen Dienern jenen Allmähige N., unsers eba auf dem Wege be was Dir gefällt, مان سيف 345 Frieden, welchen die Welt nicht geben kann, damit unsere Herzen Deinen Geboten ergeben, und gegenwärtige Zeiten durch Deinen Schutz vor Feindes Furcht gesichert und ruhig seyen. Herr! entzünde unser Innerstes mit dem Feuer Deines Geistes, damit wir Dir mit keuschem Leibe dienen und mit reinem Herzen gefallen mögen. O Gott! Schöpfer und Erlöser aller Gläubigen, verleihe den Seelen deiner Diener und Dienerinnen Verzeihung aller Sünden, damit sie die gnädige Nachlassung, welche sie allezeit gewünschet haben, durch gottseliges Fürbitten erlangen. O Herr! wir bitten, komm unsern Handlungen durch Deine Einsprechungen zuvor, und begleite selbe mit Deiner Hilfe, damit all unser Beten und Handeln von Dir jederzeit anfange, und wie es durch Dich angefangen hat, also auch durch Dich geendet werde. Allmächtiger, ewiger Gott! der Du über die Lebenden und Abgestorbenen herrschest, und Dich Aller erbarmest, welche Du nach ihrem Glauben und ihren Werken für die Deinigen erfennest; wir bitten demüthig, daß die, für welche wir uns vorgenommen haben, unser Gebet zu verrichten, sie mögen nun noch auf dieser Welt im Leben oder bereits davon abgeschieden seyn, durch die Fürbitte aller Deiner Heiligen nach Deiner Gütigkeit Verzeihung aller ihrer Sünden erlangen mögen: durch unsern Herrn Jesum Christum Deinen Sohn, der mit Dir lebet und regieret in Einigkeit des heiligen Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. - 346 Gebete zur seligsten Jungfrau Maria. Von nun an werden mich selig preisen alle Geschlechter. Luc. 1, 48. Sey gegrüßt, o heiligste Jungfrau Maria, die du von Ewigkeit her von Gott zur Mutter außersehen worden. Du bist jene Gebenedeite unter den Frauen, von welcher der König des Himmels und der Erde Fleisch annehmen wollte, um das Menschengeschlecht zu erlösen. Du bist jene fromme Vermittlerin zwischen Gott und den Menschen, auf deren Fürbitte der Himmel mit der Erde und was hoch und kostbar ist, mit dem Niedrigen und gering Geachteten vereinigt wird. Du bist die Führerin unsers Lebens, du die Pforte der göttlichen Gnade, du der sichere Hafen für das Meer dieser an Stürmen reichen Welt. Ich flehe zu dir, o Herrscherin, du wolleft mir Verzeihung und Gnade für meine Sünden erbitten, daß ich deinen Sohn, meinen Herrn, zugleich mit dir, o Mutter der Barmherzigkeit, von ganzem Herzen liebe und verehre. Gegrüßet seyst du, Maria! die du mit innigster Sehnsucht des Herzens so viele Jahrhunderte hindurch von den Vätern erwartet wurdest und die du in verschiedenen Vorzeichen und Bildern angedeutet, ja auch in deutlichen Prophezeiungen und Weissagungen verheißen worden bist! Nimm mich, o glorreiche Jungfrau, - 347- als deinen Diener an; gieb, daß auch ich unter der Zahl derjenigen sey, die du liebst, die du in deinem keuschesten Herzen eingeschrieben trägst, leitest und in aller ihrer Trübsal beschirmest. Gegrüßet seyst du, Maria, die von ihrer Geburt an der höchste Gott mit jeglicher Gattung von Vollkommenheit und Gnade ausgestattet hat. Edle Jungfrau, reine Jungfrau, aus Tausenden Außerwählte! verwirf mich nicht, wie unwürdig ich deiner auch seyn mag; höre vielmehr mich Armen, der zu dir ruft und nach dir verlangt; hilf mir, der ich meine Hoffnung auf dich seze. Gegrüßet seyst du, Maria, deren so heißersehnte und so lange von allen Völkern erwartete Geburt die Welt mit neuem Lichte und neuer Freude erfüllt! O unschuldigste Jungfrau, richte deine Fürbitte zu Gott, auf daß Er mich unschuldig mache und von mir hinwegnehme, was deinem allerheiligsten Blicke mißfällt. Sey mir barmherzig, weil von deiner Wiege an die Barmherzigkeit mit dir gewachsen ist. Gegrüßet seyst du, Maria, in welcher Gott alle geistige Anmuth ausgegossen hat. O herrliche Jungfrau, ich bitte dich, daß durch deine Fürbitte meine Seele mit geiftlicher Zierde geschmückt und meinem Herzen eine lebendige Liebe zur Reinigkeit und Keuschheit eingepflanzt werde, auf daß ich in aller Weise dir gefalle und in Wahrheit dir nachahme. Gegrüßet seyst du, Maria, die du von deinen 348- heiligen Eltern in den Tempel gebracht, dem Herrn dargestellt und seinem Dienste und seiner Anbetung geweiht wurdest; wo du ein engelreines, ganz frommes, dem Herrn wohlgefälliges Leben geführt hast. Gieb, daß mir dein heiligster Wandel zu einem Vorbilde meines Lebens werde, so daß ich, so weit es von mir abhängt, nie Jemanden beleidige oder Jemanden zum Aergernisse gereiche; sondern daß Alle in mir Trost finden und durch mich zur Liebe Gottes und Verachtung der Welt ermuntert werden. Gegrüßet seyst du, Maria, Jungfrau und Heerführerin aller Jungfrauen, die du, gänzlich dich Gott opfernd, in einem ungewöhnlichen Beispiele, mit freudiger Seele und entschlossenem Willen die Jungfrauschaft gelobt hast. Du bist das wahre Bild vollkommener Keuschheit und Reinheit; dein heiligster und keuschester Wandel hat mit himmlischem Lichte die Herzen deren, welche dich sahen, durchdrungen und in ihnen eine lebendige Liebe zur Reinigkeit und Keuschheit erweckt. Ich bitte dich, du wollest mir von deinem Sohne wahre Reinheit der Seele und des Leibes erlangen, auf daß keine Unlauterkeit mich beflecke, fein Laster mich beherrsche und ich keinem sinnlichen Gelüfte Zugang in mir gestatte; sondern daß ich mit Verachtung aller Anfechtungen und Begierden des Fleisches in deinem gebenedeiten Sohne meine Freude finde. Gegrüßet seyst du, Maria, die du nach dem Rathschlusse und der Vorausbestimmung Gottes, als Jung - 349 frau dem jungfräulichen Joseph verlobt wurdest. Laß mich nie, o seligste Jungfrau und Mutter, von dir abirren; sondern überwache mich stets mit deinem liebreichen Blicke. Nimm an, ich bitte dich, die Seele, welche dich liebt und bewahre den, der auf dich hoffet. Sey mir immer geneigt, auf daß ich durch deine Vermittelung Gnade finde bei dem Herrn, welcher dich erwählt hat. Gegrüßet seyst du, Maria, die du von dem Engel Gabriel demüthig gegrüßt worden bist, während du in göttlichen Betrachtungen versunken in deinem Gemache saßeft, wo du, von Jenem benachrichtiget, der göttlichen Geheimnisse und Rathschläge inne wurdest. Möchte es meine höchste Freude seyn, dich oft zu grüßen, und dir meine Huldigung darzubringen. Gebe Gott, daß in mir Nichts erfunden werde, was deine Augen unrein finden, deine Augen, die reiner sind als die der Engel. Gegrüßet seyst du, Maria, die du den Sohn Gottes empfangen hast; o Selige und über alle Frauen Glückliche! welche Freude, welchen Trost hast du zu jener Stunde in der geheimnisvollen Tiefe deines Herzens empfunden, und mit welcher glückseligen Wonne wurde deine Seele erfüllt, als der Ursprung aller Glückseligkeit sich mit dir vereinigte! Ich flehe zu dir, daß du die Gabe der Reinheit und Keuschheit in meiner Seele bewahren und vermehren wolleft. Gegrüßet seyst du, Maria, die du nach den Ge 350- birgen Judäa's gegangen bist und deine Base Elisabeth besucht hast. Suche auch meine Seele heim und mache, daß ich alle Tage meines Lebens dir diene und dich aus ganzem Herzen liebe! Amen. Gegrüßet seyst du, Maria, reinste und herrlichste, die du mit Joseph, deinem Verlobten von Galiläa, aus der Stadt Nazareth, nach Judäa, der Stadt Davids, gegangen bist, um dich mit dem ganzen Volke der Schäßung zu unterwerfen. Erflehe mir die Gnade, daß ich geduldig das Elend der irdischen Verbannung trage und daß ich allezeit meine Gedanken zu jener himmlischen Wohnung Bethlehems erhebe, wo das wahre Brod des Lebens, Jesus Christus, unser Heil, ist. Gegrüßet seyst du, Maria, die du, von der Wanderung ermüdet, bei herannahender Geburt feine Aufnahme in einer Herberge fandest, wo du hättest ruhen können, sondern in einem Stalle Unterkunft suchen mußtest, um darin den König des Himmels zu gebären. Ich bitte dich, du wollest zum Andenken an die Freude, welche du zu selbiger Stunde in dir empfandest, durch deine Fürbitte die Begierden meines Herzens mäßigen, auf daß ich nichts Lasterhaftes liebe und nichts Böses in mir herrsche; erflehe mir vielmehr, daß ich als ein Gast und Fremdling allezeit nach der ewigen Wohnung seufze und in Gott allein meine Ruhe suche und finde. Gegrüßet seyst du, Maria, die du ohne Schmerz 351 und ohne Verlegung deiner Jungfrauschaft den Erlöser der Welt und die Freude des Himmels geboren hast. Du bist zugleich Jungfrau und Mutter; du bist der Tempel des wahren Salomo, du bist die Arche und das Heiligthum Gottes; du bist die verschlossene Pforte, welche Ezechiel schaute, du bist der eingeschlossene Garten und der versiegelte Born des himmlischen Bräutigams. Erflehe mir, o Königin, daß mein Herz und alle meine Sinne erfüllt werden mit jener Gnade, welche dich erfüllte; damit ich durch solche Hilfe erneuert, fortan ein dir und deinem Sohne wohlgefälliges Leben führe.mp Gegrüßet seyst du, Maria, die du deinen Neugebornen in Windeln eingehüllt und in die Krippe ge= legt haft. Möchte doch die Liebe zu dir so mein Herz durchdringen und deine Anmuth so meine Seele fesseln, daß ich gleich einem neugebornen Kinde in jeder Trübsal von deiner Fürbitte Trost erwarte und durch deine Vermittelung der göttlichen Wohlthaten theilhaftig werde; daß ich in den Drangsalen und Leiden dieses Lebens zu deiner mütterlichen Barmherzigkeit mich flüchte, und von deinem Troste erfrischt, alle eitlen und trügerischen Tröstungen der Welt verachte. m , Gegrüßet seyst du, Maria, die du nach vierzig Tagen Jesum im Tempel dargestellt hast, wo der heilige Greis Simeon ihn auf seine Arme nahm und jenen schönen, doch von Thränen getrübten Lobgesang anstimmte, indem er darin zugleich dir die Schmerzen, 352- Trübsale und Verfolgungen, welche deines Sohnes warteten, so wie das Schwert des Schmerzes, welches deine eigene Seele durchdringen würde, voraus verkündete. Ich beschwöre dich, heiligste Mutter, bitte für mich deinen Sohn, daß Er mich nachahmen lehre Seine hohe Kreuzesgeduld, auf daß ich alle Leiden, welche mir Gott schickt, geduldig trage und darin die Beweise Seiner höchsten Gnade finde. Gegrüßet seyst du, Maria, die du vom Engel gemahnt wurdest, dem Grimme des Königs Herodes, der das Kind Jesus ermorden wollte, zu entgehen, die du das Vaterland verlassen und nach Egypten fliehen mußtest; die du, um seiner Wuth zu entrinnen, mitten in der Nacht aufbrachst, und Heimath und Haus verlassend, mit ärmlicher Habe nach Egypten zogst, wo du unter Fremden und Ungläubigen als eine Fremde mit Geduld verweiltest. Laß mich, o Himmelskönigin, auf dieser deiner frommen Wanderung dir ein unablässiger Begleiter seyn, so daß ich deine Geduld, Demuth und Armuth nachahme und in dieser Welt nur als ein Fremdling lebe. Gegrüßet seyst du, Maria, die du mit dem zwölfjährigen Jesus zum Tempel gegangen bist, Ihn ohne deine Schuld verloren, und mit größtem Schmerz und mit größter Sorgfalt gesucht hast, bis du Ihn im Tempel mit den Lehrern im Gespräche, zu deiner größten Freude wieder gefunden hast. Erwirke mir, o gebenedeite Jungfrau, daß ich, so oft ich die Gnade 353 der Andacht durch meine eigene Schuld verloren habe, sie mit derselben Sorgfalt suche und nach deren Wiedererlangung nur desto eifriger festhalte, um mittels dieser Gnade immer geschickter zu werden zum Dienſte meines Schöpfers! Amen. Gegrüßet seyst du, Maria, die du Jesum, unsern Erlöser, in Seiner Kindheit mit der größten Sorgfalt gepflegt und erzogen hast, und dann in Seinem männlichen Alter, da Er dem Volke das Reich Gottes verkündete, Ihm demüthig nachgefolgt bist! Erwirke mir, daß ich mit Verachtung aller irdischen Dinge dich liebe, dir folge, und dir mich immer zuwende! Gegrüßet seyst du, Maria, die du bei den Qualen und Schmerzen deines Sohnes selbst die größten Schmerzen und bei seinem Tode das tiefste Mitgefühl empfandest. Erwirke mir die Gnade, daß ich diesen unsern Herrn für Alles, was Er aus Liebe zu mir gethan und gelitten hat, ewig lobe und preise und von seiner Liebe entbrannt, mit allen Betrübten und Leidtragenden von Grund der Seele mich betrübe! Gegrüßet ſeyst du, Maria, deren Seele das Schwert des Schmerzes durchbohrte, als du, ganz in Thränen aufgelöst, am Kreuzesstamme standest und mit ergebenem, betrübten Blicke die grausamen Wunden und das reichlich herabfließende Blut deines Sohnes sahest. Laß mich, o Herrscherin, stets mit dir bei dem Kreuze 354- verweilen und demüthigen Herzens das Leiden deines Sohnes, meines Erlösers, betrachten und verehren. Gegrüßet seyst du, Maria, die du, unter dem Kreuze stehend, das traurige Wort deines allerheiligsten Sohnes vernommen haft: Weib, siehe deinen Sohn!" wodurch Er für Seine Abwesenheit dich seinem geliebten Jünger Johannes empfahl, indem Er dir einen Sohn, ihm eine Mutter schenkte! Du hast hören müssen, daß Er dürste, und es war dir nicht vergönnt, Ihm auch nur im Augenblicke Seines Todes ein wenig Wasser zu reichen; du mußtest sogar sehen, wie Er mit Effig und bitterer Galle getränkt wurde. Desgleichen hast du mit dem tiefsten Schmerze sehen müssen, wie dein Sohn dem Vater Seinen Geist hingab, dein Sohn, den du mit solcher Liebe umfaßtest. Endlich mußtest du sehen, wie Seine heiligste Seite mit einer Lanze geöffnet wurde. Er zwar fühlte die Wunde nicht mehr, da Er verschieden war; aber dein reinstes mütterliches Herz, wenn es auch abgestorben war den Dingen dieser Welt, lebte desto mehr für den Schmerz und die Martern deines geliebten Sohnes. Bei allen jenen bitteren Schmerzen flehe ich zu dir, o heiligste Jungfrau, du wollest mir erwirken, daß mein Herz verwundet werde durch das Mitgefühl und Andenken aller Schmerzen, welche mein Erlöser für mich erduldet hat, auf daß Er mich aller Früchte derselben theilhaft mache und ich durch meine Schuld nie die Erlösung von mir weise, welche Er mir durch seine Gnade bereitet hat. 11 355 Gegrüßet seyft du Maria, die du mit unglaublichem Troste und Entzücken erfüllt, durch die triumphirende Auferstehung deines Sohnes Jesu zu neuem Leben erwacht bist, und die du nach Seiner Auffahrt in den Himmel über alle Chöre der Engel erhöht worden bist, und nun auf königlichem Throne als Königin und Herrin aller Creaturen sißest. Darum bitten auch wir dich, unsere Fürsprecherin und unsere Mutter, du wollest getreulich Sorge um uns tragen und dich vor dem Richterstuhle deines Sohnes unser so annehmen, daß, wenn Er kommt zu richten die Lebendigen und die Todten, wir durch deine Fürsprache vom ewigen Tode befreit werden und zur Rechten unter denen sizen, die da in Ewigkeit herrschen werden! Amen. Gegrüßet seyst du, Maria, vortreffliche Herrin, nach Gott unter allen Heiligen die heiligste, die du mit der Jungfräulichkeit der Mutter und der Mütterlichkeit einer Jungfrau auf eine bewunderungswürdige Weise Jesum Christum, den Erlöser der Welt, geboren hast! Du bist der anmuthvollste Tempel Gottes, du bist das Heiligthum des heiligen Geistes, du bist die geheimnißvolle Wohnstätte der allerheiligsten Dreifal tigkeit. Deines Sohnes Hand, o selige Jungfrau, umfaßt den Umkreis der Erde, in dem Hinblick auf dich finden die Lebenden Erquickung, und das Gedächtniß deines süßesten Namens gereicht den Seelen der Da 356- hingeschiedenen zum Troste. Neige, o milde Mutter, die Ohren deiner Barmherzigkeit dem Gebete deines niederen Dieners zu und zerstreue durch die Strahlen deiner Heiligkeit alle Finsterniß meiner Laster, auf daß ich neugestaltet dir angenehm sey und deinen allerreinsten Augen wohlgefalle. Sey gegrüßet, gütige Mutter der Barmherzigkeit! Wer sollte dich nicht lieben? Wer sollte dich nicht ehren? Wer sollte dir sich nicht empfehlen? du bist uns ein Licht in Zweifeln, du ein Trost in der Betrübniß, du eine Erholung in den Aengsten, du eine getreue Stüße in Gefahren und Versuchungen. Wohl denen, die dich lieben und die durch einen heiligen Wandel mit dir vertraut und deine treuen Diener werden. Deiner Milde empfehle ich meinen Leib und meine Seele. Regiere, lehre, leite und vertheidige mich in Allem nach deinem Willen, o Zuflucht meines Lebens! Sei gegrüßet, herrliche Halle und edler Palast des ewigen Herrschers. Du bist das liebenswürdige, fromme, kluge, herrliche und edle Weib, würdig über alle Creaturen hochgepriesen zu werden; du bist die Königin des Himmels, purpurstrahlend wie die Morgenröthe, schön wie der Mond, herrlich wie die Sonne und furchtbar den bösen Geistern, wie eine zur Schlacht geordnete Kriegerschaar. Zu allen Zeiten dieses Lebens laß mich meinen Blick zu dir erheben, auf daß ich, alles Sichtbare verachtend, mit der Betrachtung der 357- überschwenglichen Wonne und vortrefflichen Schönheit, welche in dir ist, mich beschäftige. Gegrüßet seyst du, hellglänzender Stern und klarstes Licht, Maria, aus welcher geboren ist Christus unser Erlöser, die Sonne der Gerechtigkeit! du Jungfrau mit aller Schönheit umgeben; du Mutter, mit aller sittlichen Würde geschmückt, deren Auge mit mütterlicher Freude auf der heiligen Kirche deines Sohnes ruht, soweit dieselbe über den Erdboden sich erstreckt. Dein süßer Name giebt Stärke den Ermattenden, dein heiteres Licht erleuchtet die Blinden, der liebliche Geruch deiner Tugenden belebt die Gerechten, und die gebenedeite Frucht deines jungfräulichen Leibes sättiget die Seligen. Nächst Gott verdienest du zuerst alles Lob der Menschen und der Engel. Bitte für mich, o Herrscherin, auf daß ich gewürdigt werde, einst im Verein mit dir zur Anschauung des Allerheiligsten in dem himmlischen Sion zu gelangen. Gegrüßet seyft du, heilige Mutter voll hoher Milde und voll Trostes, durch deren Vermittelung der himmlische Segen und die Gnade der ewigen Glückseligkeit in die Welt gekommen ist. In dir und von dir hat Fleisch angenommen der einzige Urheber unsers Heils und das schönste und edelste unter allen Menschenkindern. Das heilige Andenken an dich gereicht zum Troste der Betrübten, die keusche Betrachtung deiner erfüllt die Heiligen mit Freude; der Hinblick auf deine vollkommene Unschuld ist der Sünder Hilfe und Ermun 358% terung. Erwirke mir vollkommene Reinheit meines Herzens, auf daß du mich in das Buch deren eintragen kannst, welche würdig sind von dir werthgeschäßt und von deinem eingebornen Sohne geliebt zu werden. Gegrüßet seyst du, Maria, lieblichste Jungfrau, leuchtender als die Sonne, süßer als Honig, angenehmer als Balsam, schöner als die Rose, reiner als die Lilie und duftiger als das Veilchen. Du bist der Quell des Paradieses, der Born des lebendigen Wassers, der Thron des wahren Salomon, das reinste Gefäß, von aller Bitterkeit frei, und jeglichen Trostes voll. Gott hat dich erschaffen als eine fleckenlose Jungfrau, Gott hat dich erwählt als eine demüthige Magd, Gott hat dich geliebt als seine edelste Braut. Du bist der Ruhm des Menschengeschlechtes, du die Schönheit und Zierde des ganzen Weltalls. Wende dein Antlig nicht von mir fündigen Menschen ab; mache durch deine Fürbitte aus mir Unreinen einen Reinen, aus mir Sünder einen Gerechten, aus mir Trägen einen Eifrigen, aus mir Lauen einen Inbrünstigen, aus mir Erstorbenen einen Andächtigen! Gegrüßet seyst du, o sichere Hoffnung derer, die sich selbst mißtrauen, mächtige Helferin aller Verlassenen, die du vor deinem Sohne der Ehre genießest, daß Er gewährt, was du erbittest, daß Er spendet, was du erslehest. Schlüssel des himmlischen Schaßes! Alle Alter und Geschlechter preisen dich selig, alle Geschöpfe 359 verkündigen deines Namens Ruhm. Ueber die Chöre der Engel Erhöhte! Heile mich durch deine Fürbitte, o Selige, und ich werde geheilt seyn; und ich werde dich preisen für und für! Amen. Lauretanische Litanei. ger Gott, Erbarme Dich unser! Heilige Maria! Heilige Gottesgebärerin! Heilige Jungfrau aller Jungfrauen! Mutter Christi! Mutter d.göttlichen Gnade! Du reinste Mutter! Du keuschefte Mutter! Du ungeschwächte Mutter! Du unbefleckte Mutter! Herr, erbarme Dich unser! Christe, erbarme Dich unser! Herr, erbarme Dich unser! Christe höre uns! Christe erhöre uns! Gott Vater von den Himmeln, Erbarme Dich unser! Gott Sohn, Erlöser der Welt, Erbarme Dich unser! Gott heiliger Geist, Du mächtige Jungfrau! Du gütige Jungfrau! Erbarme Dich unser! Heilige Dreifaltigkeit, ein eini Du getreue Jungfrau! Du Spiegel der Gerechtigkeit! Du Sitz der Weisheit! Du Ursache unserer Fröhlichkeit! Duliebenswürdige Mutter! Du bewunderungswürdige Mutter! Du Mutter des Schöpfers! Du Mutter des Erlösers! Du weiseste Jungfrau! Du ehrwürdige Jungfrau! Du lobwürdige Jungfrau! Bitt für uns. Du geistliches Gefäß! Du ehrwürdiges Gefäß! Du vortreffliches Gefäß der Andacht! Du geistliche Rose! Du Thurm Davids! Du elfenbeinener Thurm! Bitt für uns. - 360 Du goldenes Haus! Du Arche des Bundes! Du Pforte des Himmels! Du Morgenstern! Du Heil der Kranken! Du Zuflucht der Sünder! Du Trösterin d. Betrübten! Du Hilfe der Christen! Du Königin der Engel! Du Königin der Patriarchen! Du Königin der Propheten! Du Königin der Apostel! Du Königin der Märtyrer! Du Königin der Beichtiger! Du Königin der Jungfrauen! Bitt für uns! Du Königin aller Heiligen, Bitt für uns! O du Lamm Gottes, welches du hinwegnimmst die Sünden der Welt, verschone uns, o Herr! O du Lamm Gottes, welches du hinwegnimmst die Sünden der Welt, erhöre uns, o Herr! O du Lamm Gottes, welches du hinwegnimmst die Sünden der Welt, erbarme dich unser, o Herr! Christe, höre uns! Christe, erhöre uns! Unter deinen Schutz und Schirm fliehen wir, o heilige Gottesgebärerin! verschmähe nicht unser Gebet in unsern Nöthen, sondern erlöse uns allezeit von allen Gefahren; o du glorwürdige und gebenedeite Jungfrau! unsere Frau, unsere Mittlerin, unsere Fürsprecherin, versöhne uns mit deinem Sohne, empfehle uns deinem Sohne, stelle uns deinem Sohne vor. Pr. Bitt für uns, o heilige Gottesgebärerin! V. Damit wir der Verheißungen Christi würdig werden. Gebet. Wir bitten Dich, o Herr! Du wollest uns Deine Gnade ertheilen, damit wir, die wir durch des Engels Botschaft Christi, Deines Sohnes, Menschwerdung erkannt haben, durch Sein Leiden und Kreuz zur Herrlichkeit der Auferstehung geführt werden. Durch denselben Christum unsern Herrn. Amen. - 361- Antiphonen zu Ehren der seligsten Jungfrau Maria. ( Bom Anfang des Adventes bis zum Feste Mariä Reinigung.) Süße Mutter unsers Erlösers, du ewige Pforte des Himmels, du Meeresstern, komme zu Hilfe deinem sinkenden Volke, damit es sich wieder erhebe. O du, die du auf wunderbare Weise, zum Erstaunen der Natur, deinen eigenen Schöpfer geboren, und nach der Geburt eine reine Jungfrau geblieben bist, wir bitten dich durch jenen heiligen Gruß aus dem Munde des Engels Gabriel, erbarme dich der Sünder. V. Der Engel des Herrn brachte Maria die Botschaft, R. Und sie empfing vom heiligen Geiste. 9 Gebe t. Wir bitten Dich, o Herr( wie oben, am Ende der Litanei). Von Weihnachten an tritt an die Stelle des vorstehenden Verses und Gebetes folgendes: V. Nach deiner Niederkunft bist du eine unverfehrte Jungfrau geblieben. R. Du Gottesgebärerin, bitte für uns. Gebet. O Gott, der Du durch die jungfräuliche Fruchtbarkeit Marià dem menschlichen Geschlechte die Freuden 16 - 362 des ewigen Heiles verliehen hast, wir bitten Dich, laß uns die Fürbitte derjenigen zu Theil werden, durch welche wir verdient haben, den Urheber alles Lebens zu empfangen, unsern Herrn Jesum Christum, Deinen Sohn. Amen. Bom Jeste Mariä Reinigung bis an Ostern. Sey gegrüßt, du Königin der Himmel! Sey ge= grüßt, du Herrscherin der Engel! Sey gegrüßt, du heilige Wurzel, du heilige Pforte, daraus der Welt das Licht ist aufgegangen. Freue dich, o glorwürdige Jungfrau, du Schönste unter allen! Sey gegrüßt, du auserwählte Zierde, und bitte für uns bei Jesus Christus, deinem Sohne. V. Würdige mich, dich zu loben, heilige Jungfrau! R. Gieb mir Kraft wider deine Feinde. Gebet. Barmherziger Gott, komme unserer Schwachheit zu Hilfe, daß wir durch die Fürbitte der heiligen Gottesgebärerin, deren Gedächtniß wir begehen, von unſern Sünden auferstehen mögen. Durch Jesum Christum unsern Herrn. Amen. Bom Osterfeste bis zum Vorabende des Dreifaltigkeit: Sonntags. Himmelskönigin, dich freue! Alleluja! Den du trugst, du Vielgetreue, Alleluja! Siegreich stand Er auf vom Tod! Alleluja! Bitte mild für uns bei Gott! Alleluja. 363 19115V. Frohlocke und freue dich, Jungfrau Maria! Alleluja! R. Denn der Herr ist wahrhaft auferstanden! Alleluja! Gebet. Gott, der Du die Welt durch die Auferstehung Deines Sohnes Jesu Christi zu erfreuen Dich gewürdiget haſt, wir bitten Dich, verleihe uns, daß wir durch Seine Mutter, die Jungfrau Maria, die Freude des ewigen Lebens erlangen. Durch denselben Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. Bom Dreifaltigkeit: Sonntag bis zum Advent. 11Gegrüßet seyst du, Königin, o Mutter der Barmherzigkeit, unser Leben, unsere Hoffnung und unsere Süßigkeit. Zu dir rufen wir, elende Kinder Evä; zu dir seufzen und weinen wir in diesem Thal der Zähren. Wohlan, unsere Fürsprecherin, wende deine barmherzigen Augen zu uns und nach diesem Elend zeige uns Jesum, die gebenedeite Frucht deines Leibes; o gütige, o milde, o süße Jungfrau Maria. V. Bitte für uns, heilige Gottesgebärerin, R. Auf daß wir würdig werden der Verheißungen Chrifti. 1 ind Gebet. ( 8 Allmächtiger ewiger Gott, der Du den Leib und die Seele der glorreichen Jungfrau und Mutter Gottes Maria durch Mitwirkung des heiligen Geistes zu 16* 364- einer würdigen Wohnung Deines Sohnes zubereitet hast: gieb, daß wir, da wir ihrer Gedächtniß uns erfreuen, durch ihre milde Fürbitte von allen bevorstehenden Uebeln und von dem ewigen Tode erlöst werden; durch denselben Christum, unsern Herrn. Amen. Weise den Rosenkranz zu beten. Ich glaube in Gott Vater u. s. w. Vater unser u. s. w. Gegrüßet seyst du, Maria..... Jesus! 1) Der in uns den wahren Glauben mehren wolle! 2) Der in uns die feste Hoffnung gründen wolle! 3) Der in uns die heilige Liebe entzünden wolle! Ehre sey dem Vater u. f. w. 19Zu jedem Gefeße des Rosenkranzes wird nun gebetet: Bater unser u. s. w. Zehn Ave Maria, denen nach dem Namen Jesu bei jedem Gefeße ein anderes der nachstehenden Geheimnisse angefügt wird, und es wird jedes Gefeß mit dem Lobspruche: Ehre sey u. s. w. geschlossen. Nach Beendigung des Rosenkranzes wird die Antiphon zu Ehren der feligsten Jungfrau, je nach der kirchlichen Jahreszeit, gesprochen. Die freudenreichen Geheimnisse: 1) Den du, o Jungfrau, von dem heiligen Geiste empfangen haft! 2) Den du, o Jungfrau, zu Elisabeth getragen hast! 3) Den du, o Jungfrau, geboren hast! 4) Den du, o Jungfrau, im Tempel aufgeopfert haft! 5) Den du, o Jungfrau, im Tempel wiedergefunden haft! - 365 Die schmerzhaften Geheimnisse: 1) Der für uns Blut geschwißt hat! 2) Der für uns gegeißelt worden ist! 3) Der für uns mit Dornen gekrönt worden ist! 4) Der für uns das Kreuz getragen hat! 5) Der für uns gekreuzigt worden ist! Die glorreichen Geheimnisse: 1) Der von den Todten auferstanden ist! and 2) Der in den Himmel aufgefahren ist! 3) Der uns den heiligen Geist gesandt hat! 4) Der dich, o Jungfrau, in den Himmel aufne genommen hat! 5) Der dich, o Jungfrau, im Himmel gekrönt hat. MIN. W - 366Besondere Gebete. postsp Gebet um christliche Vollkommenheit. 4 Ich flehe zu Dir, o gütigster Gott! Um Deiner unendlichen Barmherzigkeit willen verleihe mir, daß ich Dich liebe aus meiner ganzen Seele, und daß ich alle Menschen und alle Stände, meine Freunde und Feinde liebe wie mich selbst. Gieb, daß ich alle Menschen ehre, keinen richte, keinen verachte. Gieb, daß ich Niemanden zu gefallen suche, Niemanden zu mißfallen fürchte als Dir allein, o Herr! Laß mich in allen Dingen allein nach Deiner Ehre und nach der Erfüllung Deines heiligsten Willens streben. Verleihe mir, liebreicher Heiland! daß ich nie auf mich selbst und meine eigenen Werke baue, sondern auf Dich und Deine heiligsten Verdienste meine Hoffnung und mein Vertrauen setze, dabei aber das Meinige zu thun nicht unterlasse. Verwunde, ich bitte Dich, mein Herz mit Deiner Liebe, und befreie mich von aller eigenen, verderbten, falschen Liebe. Lasse mich fühlen und erkennen Deine Liebe und Barmherzigkeit, Deine Weisheit und Macht, und daneben mein eigenes Nichts und meine Untreue. - 367 Ich bitte Dich, o mildester Erlöser, lasse mich nie vergessen Deines Todes und Deines Leidens; lasse mich in der Erinnerung daran die Ruhe meiner Seele finden, und dieser Erinnerung zu Liebe alle meine Kräfte aufbieten. Spende mir, o mildester Herr, eine solche Liebe, daß ich Alles um Deinetwillen thun und lassen kann, daß alle Mühe mir um Deinetwillen leicht sey, und daß alles Irdische und jeder Trost und jede Vergnügung, welche darin ihren Ursprung haben, mir so gleichgültig erscheinen, als sie mir bis daher angenehm gewesen sind; daß ich forthin alles dessen so gerne entbehre, als ich bis daher nur mit Widerstreben darauf verzichten mochte. Tilge in mir alle weltlichen Bilder und Vorstellungen, welche mich von Dir abziehen. Verschone mich nicht mit Kummer und Kreuz und Leiden, wenn solches Dir gefällt und mir zum Heile bei Dir gereicht. Welches Leiden und welche Beschwerde mich auch treffen mag, sey es durch Deine Fügung, sey es durch die Schuld der Menschen, gieb, daß ich um meiner Sünden willen mich dessen werth erkenne und bekenne. Ich flehe zu Dir, o mildester Herr, daß Du durch die Verdienste Deines Todes und Deiner Wunden und durch Dich selber Deinem himmlischen Vater für alle Sünden, welche ich jemals begangen habe, genug thuest, und dadurch alle meine Nachlässigkeiten und Mangelhaftigkeiten erseßest. Verleihe mir, daß ich die ungewisse Stunde des Todes und die Gerechtigkeit - 368 Deines strengen und furchtbaren Gerichtes und meine Sünden und die Kürze meines Lebens, und die schweren und ewigen Strafen, welche den Gottlosen und Sündern bereitet sind, vor Augen habe und fürchten lerne. Endlich, mildreichster Herr, gieb mir, daß ich nie, weder Friede noch Genuß suche oder finde außer in Dir, und daß Du die Ursache und der Grund all meines Thuns und Lassens werden mögest. Amen. Gebet des Vertrauens auf die göttliche Barmherzigkeit und Güte. Eine zaghafte Seele nimmt zu Dir, o Herr, ihre Zuflucht, und fleht Deine Hilfe an gegen den Feind und seine Versuchungen zur Sünde. Wie sie vertrauensvoll Dir nahet, so gewähre ihr bereitwillig Erhörung, und weil sie mit tiefster Innigkeit zu Dir flehet, suche sie heim und schüße sie. Wenn Du auf sie nicht achtest, so gehet ste zu Grund; wenn Du in ihren Nöthen sie zu erhören verschmähest, so verschmachtet ste. Kehrest Du aber mit Deinen Erbarmungen bei ihr ein, so ist sie gerettet; wendest Du Deinen Blick auf sie, so wird sie mit Kraft erfüllt. Trage darum Sorge, o Herr! für meine Seele, welche Dir vermählt 369 ist. Mißachte sie nicht, auf daß der Feind nicht glaube, Du habest sie verstoßen und verschmähet. Lehre mich, o Herr, Deine Erbarmungen, und überliefere mich nicht in die Hände des Verderbers. Siehe, o Herr, wie immer ich mein Inneres durchforschen mag, ich finde darin nichts Gutes, das vor Deinem Angesichte bestehen könnte, es sey denn, daß ich außer Dir alles Andere unbeachtet lasse. Aber unermeßlich ist die Gnade Deiner Heilungen, und Allen, welche Dir nahen, verleihest Du Genesung. Auch meine Wunden werden durch Deine Erbarmungen allezeit geheilt, obgleich sie durch die Schuld meines eigenen Leichtsinnes so oft von neuem bluten. Da ich gesund bin, vergesse ich des Arztes, der sich dann auch in meiner Krankheit von mir wendet. Daß meine Sünden Dich betrüben, weiß ich; daß ich nach erlangter Erbarmung Dich wieder zum Zorn reize, ist mir nicht unbekannt; aber daß Du nach dem Reichthum Deiner Erbarmungen mich erträgst, auch das vergesse ich nicht. Kann doch die liebende Mutter ihr Kind, von dem sie erzürnt wird, nicht verstoßen, sie wird von der Milde ihres Herzens überwältigt. Wieviel größer wird demnach Deine Milde seyn? Auch die Vögel haben Mitleid für ihre Jungen, so daß sie dieselben heimsuchen, ihnen Nahrung bringen und sie groß nähren. Ist nun der Sinn und das Gefühl der Thiere, welche Du geschaffen, so sehr zur Liebe geneigt, wie reich muß dann in ihrer Unendlichkeit Deine Gnade seyn, 370 wenn sie deren, die sich zu Dir wenden und Dich wahrhaft suchen, sich erbarmt? Ein wasserreicher Quell sprudelt ohne Unterlaß, tränft unermüdet Alle, die zu ihm hintreten, und alle Menschen spenden ihm Lob. Aber nicht dem Quell gebührt das Lob dafür, daß er Allen umſonst Labung spendet, sondern Dir, der Du ihn haft entspringen lassen und durch dessen Gnade er die Wohlthat seines Labetrunkes reichlich spendet. Ein solcher Quell aber ist das Bild jenes unermeßlichen Meeres Deiner Erbarmungen, aus welchem Du himmlische Kräfte reichlich ausgießest, und jede Seele, die auf Erden lebt, mit Deinem Geiste versiehst, ohne des Lobpreises Deiner Geschöpfe zu bedürfen; denn herrlich bist Du in dem Wesen Deiner Majestät und in der Erhabenheit Deines Ruhmes. Deine Liebe, die um unser Heil bemüht ist, neigt sich freiwillig zu uns hernieder, auf daß wir, während sie von uns gepriesen wird, in ihr und durch sie unser Heil erlangen. Ich habe die Versicherung, daß diese Deine gnadenvolle Liebe Jeden aufnimmt und umfaßt, der sich Dir nahet. Und da Du voraus fennest den, der Dir nahen will, so öffnest Du ihm schon, bevor er noch die Thür erreicht hat; ehe er vor Dir sich niedergeworfen, reichst Du ihm die Hand; ehe er in Thränen ausgebrochen, läsfest Du schon Deine Erbarmungen sich über ihn ergießen; bevor er noch seine Sünden vor Dir bekannt hat, bist Du schon bereit, sie ihm zu verzeihen und zu erlassen. Du überhäufest ihn nicht mit Vorwürfen - 371 371- und mit Tadel, sondern so wie Du seine Demuth, sein Weinen und den guten Willen seines Herzens schauest, sprichst Du: Bringet ihm das beste Kleid und ziehet es ihm an, schlachtet ihm ein gemästetes Rind, auf daß er ausruhe und sich freue( Luc. 15, 22.); alle Engel sollen sich versammeln, und sich mitfreuen über den verlornen aber wiedergefundenen Sohn und über die Heimkehr des verirrt gewesenen Erben. Wie ein Handelsmann, der mit Reichthümern beladen aus der Fremde zu seinen Angehörigen zurückkehrt, so empfängt denjenigen, der von ganzer Seele sich zu Dir wendet, Deine Gnade. Lasse darum auch an mir, o Herr, fund werden Dein unendliches Erbarmen, und schenke mir Gnade und Verzeihung, auf daß ich aus den Fesseln des Feindes gerettet werde. Wie auf dem Meere die Jünger zu Dir ihre Zuflucht nahmen und Dich weckten und wie dann durch die gesegnete Stimme Deines Mundes der Sturm sich legte und der Aufruhr der Fluthen beschwichtigt ward, so verleihe auch Erhörung meinen Thränen, welche zu Dir rufen. Verherrliche an mir Deine Macht und Deine Güte. Erinnere Dich, was Alles Du für mich haft leiden wollen aus übergroßer Milde und Barmherzigkeit. Wie Du damals für mich dahingegeben wurdest als ein Guter, Heiliger und völlig Sündenreiner, so bist Du auch jetzt noch, o Herr. Denn die hohe Fülle Deiner göttlichen Barmherzigkeit, die Du Deiner Natur nach haft, ist unveränderlich. Wir aber, die - 372- wir damals gottlos und unrein waren, sind auch jetzt noch Sünder und Schwache. Darum nimm die Gabe, die Du damals aus Barmherzigkeit uns verliehen hast, nicht von uns, ste möge bis ans Ende in uns befestiget bleiben. Ich aber, o Herr, ich betrübte Seele rufe wiederholt und unablässig zu Dir, und bitte Dich, Du wollest gegen meinen Feind streiten. Schau auf mich herab, und sey mir gnädig; bezwinge durch Dein Schelten die Räuber des Friedens meiner Seele; denn zuweilen fechten sie mich an und ich weiß es nicht; sie verleiten mich und verführen mich zu unlauteren Thaten und ich bereue es nicht. Sie hindern mich, Dich anzurufen; denn sie wissen, daß, wenn ich mit Thränen und Seufzen zu Dir rufe, Du mich nicht verstößest. Ach mit welchem Feinde habe ich zu kämpfen! Aber wohl mir, daß ein solcher Erlöser da ist, der die Streitenden im Kampfe stärkt. Von jeher war ich schwach und bin es noch, o Herr! aber beständig sucht mich Deine Gnade heim und heilet mich. Zu manchen Zeiten vernachlässigte ich und vernachlässige noch immer, Deiner Heilungen theilhaft zu werden; obgleich indessen die Heilmittel Deiner Gnade alle Schäßung übersteigen, giebst Du sie umsonst. Klar ist es Allen, daß diese gegenwärtige Welt einem Kampfplaße zu vergleichen sey, wo jener mächtige Feind der Seele mit Allen streitet, von Einigen überwunden und besiegt wird, aber auch Andere über. windet und besiegt;- wo er von Einigen entwaffnet -* 373*** und verspottet wird, aber auch Andere entwaffnet und verspottet. So werden also die Einen im Kampfe mit ihm gekrönt, Andere aber überwunden; die Einen erlangen nach der Bitterkeit jenes Kampfes den Trost des ewigen Lebens, die Andern haben wegen ihrer eigenen Trägheit und Untüchtigkeit den Schmerz der ewigen Strafen zu erdulden. Die Einen über wältigen ihn leicht durch die höchste Armuth in irdischen Dingen; Andere aber werden wegen der Lust an irdischen Dingen von ihm besiegt und überwältigt; denen, die von ganzem Herzen Gott suchen, ist dieser Kampf leicht und einfach; denen aber, welche die Welt lieb haben, ist er schwer und unerträglich. Selig sind, die Gott lieben und aus Liebe zu Ihm die Welt verachten. Selig sind, die Tag und Nacht trauern, auf daß sie dem zukünftigen Zorn entrinnen möchten! Selig sind die, welche freiwillig sich demüthigen, auf daß sie jenseits erhöht werden. Selig sind diejenigen, welche enthaltsam gewesen sind, auf daß die Freuden des Paradieses ihnen blieben. Selig sind, die ihr Fleisch durch fromme Uebungen bezähmten, damit das Frohlocken des Paradieses ihnen bereitet werde. Selig, die freiwillig ein Tempel des heiligen Geistes geworden sind, auf daß sie stehen mögen zur Rechten Gottes. Selig sind, welche die Liebe Gottes in ihrer Seele besigen, auf daß sie Freunde Christi heißen mögen. Selig, die sich selber freuzigten, auf daß Tag und Nacht ihr Denken fest in Gott gegründet sey. Selig - 374 sind, die in Wahrheit ihre Lenden gürteten und ihre Lampen bereit hielten in Erwartung des Bräutigams, wann er heimkehren werde. Selig, wer mit den Augen seines Geistes die zukünftigen Güter und ewigen Strafen zu erkennen vermag und mit allem Eifer nach der Erlangung der zukünftigen Glückseligkeit strebt. Selig der, welchem beständig die einstige Stunde des Schreckens und der Furcht vor Augen schwebt, und der Gott zu gefallen trachtet. Selig, wer auf Erden, gleich den Engeln, von allen Verunreinigungen sich frei gehalten hat, auf daß er mit den Engeln an jenem Tage fich freue. Darum, o Gott, will ich meine Blicke dem Himm lischen zuwenden, das Himmlische kosten, Himmlisches denken, Himmlisches reden, Himmlisches in meinem Herzen hegen und erwägen, und Himmlisches vollbringen; in all meinem Thun und Lassen und meinem Umgang, will ich das Himmlische vor Augen haben und an das Himmlische mich gewöhnen. Dagegen will ich mit den Augen meines Herzens wachen und sorgfältig um mich spähen, auf daß im Umgange mit der Welt mir nichts Unlauteres ins Auge falle, kein böser Gedanke die Ruhe meines Herzens gefährde oder irgend etwas Dir, meinem Gott und Herrn Mißfälliges dasselbe trübe und verfinstere. Zu Dir, o Gott, und zu Deiner reichen Gnade nehme ich meine Zuflucht, auf daß ich immer vollkommener in diesem meinem Streben werde. Mache mich zu - 375- Deinem Kinde, zum Sohne Gottes durch die Gnade und die Verdienste Deines eingebornen Sohnes, unsers Herrn Jesu Christi, dem Ruhm und Lobpreis sey jetzt und immerdar und in alle Ewigkeit. Amen. Lobpreis Gottes und Danksagung. Der Ambrosianische Lobgesang. Dich, Gott, loben wir, Dich, o Herr, bekennen wir. Dich, den ewigen Vater, betet in Ehrfurcht der Erdkreis an. Dir singen alle Engel, Dir die Himmel und alle Mächte, Dir rufen die Cherubim und Seraphim mit unaufhörlicher Stimme: Heilig, heilig, heilig ist der Herr Gott Sabaoth. Himmel und Erde sind voll von der Herrlichkeit Deines Ruhmes. Dich preist der glorreiche Chor der Apostel; Dich die ehrwürdige Schaar der Propheten; Dich das glänzende Heer der Martyrer; Dich bekennt über den ganzen Erdkreis die heilige Kirche, Dich den Vater unermeßlicher Majestät Und Deinen anbetungswürdigen, wahren und einzigen Sohn; Auch den heiligen Geist, den Tröster! Christus, Du König der Herrlichkeit, Du bist der ewige Sohn des Vaters! Um den Menschen zu erlösen, hast Du nicht verschmähet den Schooß der Jungfrau. Du hast des Todes Stachel überwunden und den Gläubigen die Reiche der Himmel geöffnet. Du sitzest zur Rechten Gottes in der Herrlichkeit des Vaters. Wir glauben, daß Du als Richter wirst wieder kommen. Darum bitten wir Dich, stehe Deinen Dienern bei, die Du mit Deinem kostbaren Blute erkauft hast. - 376- Gieb, daß wir in der ewigen Herrlichkeit Deinen Heiligen beis gezählt werden. Rette Dein Volk, o Herr, und segne Dein Erbtheil, Und regiere sie und erhöhe sie bis in Ewigkeit. Alle Tage preisen wir Dich Und loben Deinen Namen unaufhörlich in alle Ewigkeit. Würdige Dich, o Herr, uns an diesem Tage vor Sünde zu bewahren. Erbarme Dich unser, o Herr, erbarme Dich unſer. Deine Barmherzigkeit, o Herr, walte über uns, gleich wie wir auf Dich gehofft haben. Auf Dich, o Herr, habe ich gehofft, laß mich in Ewigkeit nicht zu Schanden werden. V. Lasset uns benedeien, Gott den Vater und den Sohn und den heiligen Geist. R. Lasset uns Ihn loben und über Alles preisen in Ewigkeit. Lobgesang. Großer Gott! wir loben Dich, Herr! wir preisen Deine Stärke; Vor Dir neigt die Erde sich, Und bewundert Deine Werke; Wie Du warst vor aller Zeit, So bleibst Du in Ewigkeit. Alles, was Dich preisen kann, Cherubim und Seraphinen Stimmen Dir ein Loblied an: Alle Engel, die Dir dienen, Rufen Dir stets ohne Ruh Heilig, heilig, heilig! zu! - 377 Heilig, Herr Gott Sabaoth! Heilig, Herr der Kriegesheere! Starker Helfer in der Noth! Himmel, Erde, Luft und Meere Sind erfüllt mit Deinem Ruhm, Alles ist Dein Eigenthum. Der Apostel Christi Chor, Der Propheten große Menge Schickt zu Deinem Thron empor Neue Lob- und Dankgesänge; Der Blutzeugen große Schaar Lobt und preist Dich immerdar. Auf dem ganzen Erdenkreis Loben Große und auch Kleine, Dir, Gott Vater, Dir zum Preis Singt die heilige Gemeine, Sie ehrt auch auf Seinem Thron Deinen eingebornen Sohn. Sie verehrt den heil'gen Geist, Welcher uns mit Seinen Lehren Und mit Troste kräftig ſpeist, Der, o König voller Ehren, Der mit Dir, Herr Jesu Christ! Und dem Vater ewig ist. Du, des Vaters ew'ger Sohn, Hast die Menschheit angenommen, Du bist auch von Deinem Thron Zu uns auf die Welt gekommen: Gnade hast Du uns gebracht, Von der Sünde frei gemacht. 378 Nunmehr steht das Himmelsthor Allen, welche glauben, offen; Du stellst uns dem Vater vor, Wenn wir findlich auf Dich hoffen. Endlich kommst Du zu Gericht; Zeit und Stunde weiß man nicht. Steh, Herr! Deinen Dienern bei, Welche Dich mit Demuth bitten, Die Dein Blut dort machte frei, Als Du für uns hast gelitten; Nimm uns nach vollbrachtem Lauf Zu Dir in den Himmel auf. Sieh Dein Volk in Gnaden an; Hilf uns, segne, Herr! Dein Erbe. Leit' es auf der rechten Bahn, Daß der Feind es nicht verderbe. Hilf, daß es durch Buß und Fleh'n Dich im Himmel möge sehn! Alle Tage wollen wir Dich und Deinen Namen preisen, Und zu allen Zeiten Dir Ehre, Lob und Dank erweisen, Gib, daß wir von Sünden heut Und von Lastern seyn befreit. Herr! erbarm, erbarme Dich Ueber uns, Herr! sey Dein Segen, Deine Güte zeige sich, So wie wir zu hoffen pflegen. Auf Dich hoffen wir allein, Laß uns nicht verloren seyn. - 379 Gebet für Freunde. Liebreicher und gütiger Herr Jesus Christus, der Du eine Liebe gezeigt hast, wie Niemand eine größere hat und Niemand eine gleich große haben kann; der Du, ohne dem Tode anzugehören, dennoch Dein Leben für Deine Diener, für Sünder, dahingegeben, und selbst für Deine Mörder noch gebetet hast, um sie zu Deinen Brüdern und zu Gerechten zu machen, und sie mit Deinem barmherzigen Vater und mit Dir zu versöhnen! Herr, der Du eine solche Liebe Deinen Feinden erwiesen, Deinen Freunden zur Pflicht gemacht hast! Mit welcher Innigkeit ziemt es mir, Deine unschäßbare Liebe zu erwägen! Wie vermag ich solch unermeßliches Wohlthun Dir zu vergelten? Die Lieblichkeit Deiner Güte übersteigt alles Denken, die Größe Deiner Wohlthat macht alle Vergeltung zu Schanden. Was soll ich also meinem Schöpfer und Wiederhersteller, was meinem Erbarmer und Erlöser geben? Du bist mein Herr und mein Gott und bedarfst meiner Güter nicht. Dein ist der Umkreis der Erde und ihre Fülle. Was kann also ich Armer, ich Wurm und Staub, meinem Gotte darbieten außer einen herzlichen Gehorsam gegen seine Gebote? Es ist aber Dein Gebot, daß wir einander lieben. Gütiger Gottmensch und Herr, gütiger Freund und was alles ich Dich nennen darf; diesen Deinen Geboten will Dein demüthiger und geringer Diener gehorchen. Du weißt, o Herr! - 380** daß ich die Milde, die Du gebietest, liebe, die Liebe schäße und die Barmherzigkeit wünsche. Diese suche ich, nach dieser strebe ich), wegen dieser ruft und klopft dieser Dein armer und dürftiger Knecht an die Thüre Deiner Barmherzigkeit. Und wenn ich von Dir die süße Gabe Deiner reichlichen Freigebigkeit empfangen habe, ohne daß ich in Dir und wegen Dir jeden Menschen so geliebt hätte, wie ich sollte oder wünschte, so erbitte ich jetzt für alle Deine Barmherzigkeit. Es giebt jedoch Manche, gegen welche Du mein Herz zunächst und in ganz besonderer Weise zur Liebe verpflichtet hast, und für die ich deßhalb auch um so inniger zu beten wünsche. Ja, Dein Diener, o mildester Herr, will für seine Freunde beten. Freilich zwar, wenn ich nicht einmal genug vermag, mir selbst Vergebung zu erbitten, wie soll ich Deine Gnade für Andere zu erflehen wagen? Und der ich selbst ängstlich nach Vermittlern suche, mit welchem Vertrauen. werde ich für Andere als Vermittler vor Dich treten dürfen? Doch Du befiehlst mir, für sie zu beten und meine Liebe verlangt darnach. Möge denn der Gehorsam gegen Dein Gebot meine Kühnheit entschuldigen und möge die Liebe, welche mich leitet, die Menge meiner Sünden decken. So bete ich denn zu Dir, o milder und gütiger Gott, für Diejenigen, welche mich um Deinetwillen lieben und von welchen Du weißt, daß sie mich lieben und daß ich ihnen zugethan bin. Liebe Du sie, o - 381 Quell der Liebe, der Du mir gebietest und verleiheft, fie zu lieben. Und ist mein Gebet nicht würdig, ihnen zu nüßen, weil es von einem Sünder Dir dargebracht wird, so möge ihnen zu Gute kommen, daß ich auf Dein Geheiß es zu Dir verrichte. Wegen Deiner selbst also, o Urheber und Spender der Liebe, wegen Deiner und nicht meinetwegen liebe sie und mache, daß auch sie Dich von ganzem Herzen von ganzem Gemüthe und aus ganzer Seele lieben; daß sie nur allein, was Dir gefällt, und ihnen zum Heile gereicht, wollen, reden und thun. Zu lau zwar, o mein Herr, gar zu lau ist mein Gebet, weil meine Liebe so wenig ist. Aber miß ihnen nicht, der Du so reich an Barmherzigkeit bist, Deine Wohlthat je nach der Kälte meiner Andacht; sondern wie Deine Güte alle menschliche Liebe übertrifft, so übersteige Deine Erhörung auch die Beschaffenheit meines Gebets. Thue ihnen und gieb ihnen, o Herr! was ihnen nach Deinem Willen nüßlich ist, damit sie allzeit und überall so von Dir regiert und beschützt werden, daß sie einst zu Deiner glorreichen und ewigen Ruhe gelangen. Der Du lebest und regierst mit dem Vater und heiligen Geiste in Ewigkeit. Amen. Gebet für Feinde. Allmächtiger und mildester Herr Jesus Christus, den ich meinen Freunden zum Freunde wünsche, Du ** 382 weißt es auch, was mein Herz meinen Feinden wünscht. Du, o Gott, der Du Herz und Nieren durchforschest, schauest auch die Geheimnisse meines Herzens. Vor Dir ist offenbar, was Du in die Seele Deines Dieners gesäet hast, das werth wäre, Dir dargebracht zu werden; vor Dir ist auch nicht verborgen, was etwa ich und ein mir feindlich gesinnter Mensch daselbst ausgesäet haben, das mit Feuer ausgerottet werden müßte. Verschmähe nicht, gütigster Gott, was Du gesäet hast, sondern hege und vermehre, vervollkommne und bewahre es. So wie ich ohne Dich nichts Gutes beginnen könnte, so vermag ich es auch nicht zu vollenden oder zu bewahren ohne Dich. Richte mich nicht, barmherziger Gott, wegen dessen, was Dir an mir mißfällt; sondern nimm hinweg, was Du nicht gepflanzt haft und heile meine Seele, welche Du erschaffen hast. Denn ich kann mich nicht bessern ohne Dich, weil, wenn wir gut sind, nur Du uns dazu machst und nicht wir uns selbst. Meine Seele könnte nicht bestehen, wenn Du sie nach dem Maaße ihrer Verderbtheit richten wolltest. Also, o Herr, der Du allein mächtig, der Du allein barmherzig bist; was Du selbst mich meinen Feinden wünschen lehrst, das gieb ihnen und auch mir. Und wenn ich ihnen jemals etwas wünsche, das wider die christliche Liebe wäre, sey es aus Unwissenheit, aus Schwachheit oder aus Bosheit, so lasse, gütiger Herr! dieß weder ihnen noch mir widerfahren! Der Du das wahre Licht bist, erleuchte - 383 ihre Blindheit! der Du die höchste Wahrheit bist, bessere ihren Irrthum! Der Du das wahre Leben bist, mache ihre Seelen lebendig! Du hast durch Deinen geliebten Jünger gesprochen: wer mich nicht liebt, bleibt im Tode. So flehe ich denn, o Herr! daß Du ihnen die Liebe nach Deiner Vorschrift zu Dir und dem Nächsten gebeft, damit sie sich nicht einer Sünde gegen den Bruder schuldig machen. Laß es fern seyn von mir, o Herr! daß ich meinen Brüdern eine Ursache des Todes oder ein Stein des Anstoßes und Aergernisses werden sollte. Genug ist es, und mehr als genug, daß ich mir selbst zum Aergernisse gereiche; ich habe genug an meiner eigenen Sündenschuld. So fleht denn Dein Knecht für seine Mitknechte, daß sie um meinetwillen niemals die Güte eines so großen und so gütigen Gottes beleidigen, sondern mit Dir versöhnt werden und nach Deiner Vorschrift und um Deinetwillen mit mir in Eintracht leben mögen. Das ist die Rache, welche das Innerste meines Herzens an meinen Mitknechten und Feinden und Mitsündern nehmen will. Das ist die Strafe, welche meine Seele für meine Mitknechte und Feinde erbittet: daß sie Dich und sich untereinander lieben wie Du es willst und es uns zum Heile gereicht; damit wir dem gütigsten Herrn, wie für uns selbst, so für einander Genugthuung leisten, und daß wir, von der Liebe geleitet, dem gemeinsamen Herrn zu unserm gemeinsamen Wohl einträchtig verbunden seyen. 384 Daß Du diese Rache allen meinen Beleidigern und mir Uebelgesinnten bereiten wolleft, bitte ich, Dein Sünder. Bereite ste Deinen Sündern, o barmherzigster Gott! Und mir, o gütiger Schöpfer und barmherziger Richter, schenke um Deiner unschäßbaren Barmherzigkeit willen die Vergebung aller meiner Sünden, so wie auch ich vor Dir allen meinen Beleidigern verzeihe. Erhöre, erhöre mich, großer und gütiger Herr, aus dessen Fülle der Liebe meine lechzende Seele sich zu laben sehnt, und sich nicht zu sättigen vermag; zu dessen Anrufung mein Mund nicht Worte findet, die dem Herzen genügten. Denn kein Wort kann das in sich fassen, was meine Liebe, von Dir genährt, gegen Dich fühlt. Wie ich vermochte, Herr! habe ich gebetet; aber ich habe mehr gewollt, als ich vermochte. Erhöre, o erhöre mich, wie Du es fannst, der Du Alles kannst, was in Deinem Willen liegt. Als ein Schwacher und als Sünder habe ich gebetet; erhöre mich, als der Mächtige und Erbarmungsreiche. Gieb nicht nur meinen Freunden und Feinden, was ich von Dir erfleht habe, sondern wie Du weißt, daß es Jedem nüßt und Deinem Willen nicht zuwider sey, spende allen Lebenden und Verstorbenen die Labung Deiner Barmherzigkeit. Und bei meinem Gebete gieb mir nicht nach dem, was mein Herz will, und was mein Mund ausspricht, sondern nach dem, was Du weißt, daß ich wollen und erflehen soll, Erhörung; Erlöser 385- der Welt, der Du mit dem Vater und dem heil. Geifte lebst und regierst, Gott, von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Gebet für Kranke. Gott! Dein Wesen ist es, Dich stets zu erbarmen und zu verschonen! Nimm gnädig auf mein Flehen und löse durch die Erbarmung Deiner unendlichen Liebe die Fesseln der Sünde, welche mich selbst und Deinen franfen Diener umstricken. Heiliger Herr! allmächtiger Vater! ewiger Gott! der Du die Schwäche der menschlichen Natur durch die Einströmung Deiner Kraft zu stärken Dich würdigest, auf daß durch die heilsamen Wirkungen Deiner Liebe Leib und Seele des Menschen gekräftigt werden; siehe hilfreich und gnädig auf Deinen Diener herab, auf daß nach entfernten Schwächen und Schmerzen seines Leibes die Gnade seiner früheren Gesundheit an ihm vollkommen wiederhergestellt werden möge. Erquicke die Seele, welche Du geschaffen hast, damit er durch Deine heilfame Prüfung gebessert, mit dankbarem Herzen Deine Heilkraft empfinde. Mächtigste Stüße der menschlichen Schwäche! Laß die Kraft Deiner Hilfe an Deinem franken Diener sichtbar werden, damit er durch Deine Erbarmung genese und in Deiner heil. Gemeinde wieder erscheinen könne. Lasse denselben einer steten Gesundheit an Leib und Seele sich erfreuen und durch die glorreiche Fürbitte 17 - 386 der seligen, allzeit unbefleckten Jungfrau Maria ihn von zeitlicher Trübsal befreit und der ewigen Freuden theilhaft werden. Durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. Gebet für Sterbende. Scheide, christliche Seele! aus dieser Welt, im Namen Gottes des allmächtigen Vaters, der dich geschaffen; im Namen Jesu Christi, des Sohnes des lebendigen Gottes, der für dich gelitten hat; im Namen des heiligen Geistes, der in dich ausgegossen worden ist! Mögen alle Engel und alle Heiligen dich geleiten und möge deine Wohnung im Frieden seyn und deine Stätte in der heiligen Stadt Gottes. Barmherziger Gott! gütiger Gott! der Du nach der Fülle Deiner Erbarmungen die Sünden der Bußfertigen austilgeſst und die Schulden der begangenen Missethaten durch das Geschenk Deiner Versöhnung aufhebest; siehe würdig auf diesen Deinen Diener herab und erhöre ihn, der aus ganzem Herzen seine Sünden vor Dir bekennet und abbittet. Erneuere an ihm, o mildester Vater, was irdische Schwäche entstellt oder teuflische Ueberliftung zerrüttet hat, und knüpfe dieses Glied der Erlösung wieder an die Einheit des Leibes Deiner Kirche. Erbarme Dich, o Herr! seiner Seufzer, erbarme Dich seiner Thränen und laß ihn, der allein auf Deine Güte vertrauet, zur Gnade der völligen Aussöhnung mit Dir gelangen. Durch Jesum Christum unsern Herrn. - 387 Sey, lieber Bruder! liebe Schwester!— dem allmächtigen Gott empfohlen! Sey dem übergeben, dessen Geschöpf du bist! auf daß du, nachdem du durch deinen Tod die Schuld der Menschheit bezahlt, zu deinem Urheber zurückkehrest, der dich aus dem Staub der Erde gebildet hat. Deiner Seele, wenn fie den Leib verläßt, möge entgegen eilen die glänzende Schaar der Engel, die zum Gerichte berufene Zahl der Apostel, das triumphirende Heer der Martyrer und aller Heiligen Gottes. Fern von dir möge fliehen der Feind deines Heiles. Christus, der für dich gefreuzigt worden, erlöse dich von aller Qual! Christus, der für dich sterben wollte, erlöse dich vom ewigen Tode! Christus, der Sohn des lebendigen Gottes, geleite dich in die ewig blühenden Auen Seines Paradieses! Er, der wahrhaftige Hirte, erkenne dich als eines seiner Schafe! Er löse dich von allen deinen Sünden und stelle dich zu Seiner Rechten in die Reihe Seiner Auserwählten! Mögest du deinen Erlöser schauen von Angesicht zu Angesicht und möge in seiner Anschauung dein seliges Auge an der hellleuchtendsten Wahrheit sich erfreuen. Mögest du, unter die Schaar der Seligen aufgenommen, die Süßigkeit der Anschauung Gottes von Ewigkeit zu Ewigkeit genießen. Ich empfehle Dir, o Herr! die Seele Deines Dieners, und flehe zu Dir, Herr Jesu Christe, Erlöser der Welt! daß Du nicht verschmähen wollest, sie in den Schooß der Patriarchen aufzunehmen, der Du - 17* 388 um ihretwillen voll Erbarmung zur Erde herabgeſtiegen bist. Erkenne in derselben Dein Geschöpf, das von Dir, dem alleinigen, lebendigen und wahren Gott erschaffen worden. Erfreue ste mit Deiner Anschauung und gedenke nicht ihrer früheren Sünden und Verirrungen, wozu böser Wahn und unordentliche Begierde ste verleitet hat. Hat sie gesündigt, so hat sie doch Dich, Vater, Sohn und heiligen Geist, nie verleugnet, sondern hat an Dich geglaubt, und Dich, den Schöpfer aller Dinge, treu angebetet. Gedenke nicht, o Herr! was diese Seele in ihrer Jugend und in Unwissenheit gesündigt hat; sondern nach der Fülle Deiner Barmherzigkeit sey ihrer eingedenk im Reiche Deiner Klarheit. Ihr thue der Himmel sich auf; ste möge mit den Engeln sich erfreuen! Nimm auf, o Herr! Deinen Diener in Dein Reich. Es nehme ihn auf der heilige Erzengel Gottes Michael, der Führer der himmlischen Schaaren. Entgegen sollen ihm eilen die heiligen Engel Gottes und ihn einführen in die himmlische Stadt Jerusalem. Es nehme ihn auf der heilige Apostel Petrus, dem von Gott die Schlüssel des Himmelreichs übergeben sind. Es stehe ihm bei der heilige Apostel Paulus, der gewürdigt ward, das Gefäß der Auserwählung zu werden. Es bitte für ihn der auserwählte Apostel Gottes, der heilige Johannes, dem die himmlischen Geheimnisse offenbaret worden. Für ihn sollen beten alle heiligen Apostel, denen von dem Herrn die Gewalt zu 389- lösen und zu binden ist anvertrauet worden. Es sollen fürbitten für ihn alle Heiligen und Auserwählten Gottes, die um des Namens Christi willen hienieden Martern erduldet haben, auf daß er, von den Banden des Fleisches gelöset, würdig erfunden werde zur Herrlichkeit des himmlischen Reiches zu gelangen. Durch die Gnade unseres Herrn Jesu Christi, der mit dem Vater und heiligen Geiste lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. بھوشن 390 deten Gebete für die Abgestorbenen. 1) Bon Johannes Gerson. Klage der armen Seelen im Fegfeuer ¹). Betet für uns, ihr, die ihr noch auf Erden lebet! Betet für uns arme elende Seelen, die wir in dem ngen und harten Kerker des Fegfeuers gefangen sind, und uns selber nicht helfen können. Betet für uns, und sehet uns an in Barmherzigkeit und Mitleiden. Kommt uns zu Hilfe, damit wir befreit werden und hervorgehen aus der Strafe und schweren Peinen, die wir nach dem gerechten Urtheil unseres höchsten Richters in diesem Orte der Reinigung erdulden. Betet für uns, die wir nicht im Stande sind, uns ſelbst zu helfen durch eigenes Gebet oder verdienstliches Werk. Ihr aber, die ihr Söhne und Töchter der heiligen Kirche send und noch auf Erden lebt, ihr vermögt es. Ihr seyd im Stande, wenn ihr nur wollt, uns, wie gleichmäßig euch selbst, zu helfen. F 391 3 betet für uns, indem ihr andächtig im Licht des wahren Glaubens uns anblickt, mit Liebe und Mitleid. Sehet wie wir verlassenen armen Seelen allzumal verschiedenen Strafen übergeben sind; und obwohl Einige mehr leiden, als Andere, so ist doch an diesem Ort keine Pein gering. Last und Leid ist uns Alles, was unsern Eingang zur Glorie hindert und aufhält. Betet für uns, andächtig und eifrig; ihr wirkt ja dadurch euren eigenen Nußen und geistlichen Vortheil, mehr oft, als wenn jeder von euch für sich selbst nur betete: denn die Liebe will sich mittheilen und gemeinsam machen. Betet für uns, helfet uns in unserer großen Noth. Und nach unserer Befreiung, wenn wir droben im Paradiese mit Gott und den Heiligen ewiglich leben, werden wir es euch vergelten, werden auch für euch Fürbitte und Verdienste darbringen; für diejenigen nämlich, welche auch uns durch Gebet und gute Werke zu Hilfe gekommen sind. Denn eine Liebe ist der andern werth, und wer gibt, dem wird gegeben: wer Barmherzigkeit übt, wird Barmherzigkeit erlangen. Betet für uns, ihr wenigstens, die ihr auf Erden uns gekannt habt und uns nahe gewesen; ihr, die ihr uns geliebt und mannigfache Treue bewiesen habt: jetzt in dieser unserer letzten Noth zeige ein Jeder, daß seine Liebe wahr und ächt gewesen. Es ist ein allgemeiner und wahrer Spruch, daß in der Noth der Freund sich erprobt. Und ach, welche Noth kommt der unseren gleich; welche übertrifft sie, als allein jene in der Hölle, wo es keine Erquickung gibt und keine Erlösung? Betet für uns und verschmähet auch unser Gebet, unsere Fürbitte und unser Flehen nicht. Habet kein taubes Ohr für unser inbrünstig Rufen; vergeßt unser nicht, weil wir Tag und Nacht ohne Unterlaß, in großem Schmerz jammernd, eueren Beistand anflehen. Wahrlich, das ist ein allzuhartes, gar wenig liebreiches Herz, das kein Mitleid hat. Und wer hart ist, wird 392- Härte erfahren: denn einem harten Herzen wird es übel ergehen am Ende.( Sirach 3, 27.) Betet für uns und leistet Genugthuung, ihr, die ihr dazu selbst von Rechtswegen verpflichtet seyd, als die Erben unserer Güter, als von uns mit Wohlthaten beschenkte, mit Vermächtnissen oder Stiftungen bedachte, als die Vollstrecker unseres -legten Willens, denen wir vertraut haben an unserem Lebensende. Erfüllet euere Pflicht; sonst täuschet und betrüget ihr uns wahrlich, indem ihr uns verschmachten laßt in unsern scharfen und schmerzlichen Qualen, euch selbst zur gerechten und grausamsten Verdammung, so ihr es nicht wieder gut machet. O daß wir doch, da wir noch auf Erden lebten, selbst für uns das Alles gethan, gebüßt und erfüllt hätten, was wir jetzt von euch begehren. Betet für uns, besonders ihr, die ihr derselben Familie seyd, der wir auf Erden angehört. Bedenkt und sehet an den Zustand, in welchem wir nunmehr seufzen. Habt die Treue und das Mitleid, welches Söhne und Töchter gegen Mutter und Vater hegen müssen, welches Brüder und Schwestern, welches Verwandte, welches Mann und Frau einander, welches Eltern ihren Kindern schulden. Gedenkt doch, wie wir auf Erden einander beigestanden und erleichtert haben. Wenn eine Mutter ihre Tochter, ein Vater seinen Sohn in Feuer und Flammen erblickte und ihn auch nicht zu retten vermöchte( wie ihr uns erretten könnet), wie würde er dennoch zu diesem Ende Alles aufbieten und wagen. O, betet für uns Verstorbene, Alle die ihr lebet, und helfet uns in Kraft jener Liebe, die uns gebietet den Nächsten wie uns selbst zu lieben. Stehet uns bei und bringt uns Rettung, jeglicher nach seinem Stand und seinem Vermögen, sey es durch Gebete, sey es durch Fasten, durch Almosen, vor allem aber durch das Opfer in dem allerheiligsten Sacramente des Altares, in welchem derjenige unsere Schulden bezahlt, der hinnimmt die -393 Sünden der Welt, der uns geworden ist zur Weisheit, zur Gerechtigkeit, Heiligung und Erlösung.( 1. Cor. 1, 30.) Und dieses Opfer geschieht täglich in der heiligen Messe; kann und soll aber auch durch jeglichen Christen in dem Tempel seines Herzens durch wahren Glauben und heilige Andacht dargebracht werden, im Andenken des Leidens unseres Heilandes Jesu Christi, und mit inbrünstigem Flehen: es möge derselbe die Kraft seines gebenedeiten Leidens auch über uns ergießen, uns tröstend, erquickend und schnell von allen Uebeln reinigend, uns erleuchtend und befreiend, auf daß wir würdig werden, zu Seiner Himmelsglorie mit allen Heiligen zu gelangen, um ihn zu loben und zu verherrlichen ohne Ende. So betet denn, und laßt für uns beten, damit auch wir in der Herrlichkeit für euch fürbitten, in jener Herrlichkeit, der wir mit Sicherheit entgegenſehen und zu der wir endlich gelangen werden. Verrichtet für uns gute Werke, und laßt sie verrichten, sey es Gebet, sey's Fasten, Almosen, Meßopfer oder sonst eine Genugthuung. Vor allem aber ertraget und verzeihet alle Kränkungen und Beleidigungen, die euch widerfahren, und begehret nicht euch zu rächen. Denn Nichts ist so kräftig, unsere Befreiung zu erzielen, als die Tugend der Liebe, der Güte und der Versöhnlichkeit. Betet für uns und rufet auch oft und fromm euere guten Engel an, damit sie in euerem Namen uns zu besuchen, zu grüßen, zu trösten sich würdigen. Machet daß sie zu unserer großen Freude und Stärkung uns berichten können, wie ihr Gott für uns bittet, die Heiligen anruft, Almosen und Opfer darbringt, Ersag und Genugthuung an unserer Statt leiſtet, Fasten und Entsagungen übernehmet, euch und Andere vor Sünden und Beleidigungen Gottes hütet und bewahret; wie ihr besonders auch die unschuldigen Kinder ermahnt, für uns ein Vater Unser, den englischen Gruß oder sonst ein gnadenvolles Gebet zu sprechen; wie ihr uns heilige Messen und andere Fürbitten der Kirche zuwendet; kurz, wie ihr allen Eifer auf 394 bietet, gut für uns zu wirken, damit wir getröstet und gereinigt, entledigt aller Strafen und bitteren Peinen des Fegfeuers, schneller zur Glorie des Paradieses eingehen, das wir so sehr lieben, wonach wir mit Recht so mächtig verlangen. So sey auch euch Gott Helfer und Beistand in all' eueren Werken und Nöthen; so verleihe Er euch die Gnade, also auf Erden zu leben, daß wir uns endlich in der ewigen Herrlichkeit wiedersehen, wo allein Gott herrscht, der Dreieinige, der Vater, der Sohn und der heilige Geist. Amen. Aufopferung unseres Gebetes für die Verstorbenen. Gott, unser Vater, obwohl ich, Dein elendes Geschöpf, nicht würdig und vermögend bin, für mich selbst zu beten, so verbindet mich doch Liebe und Mitleiden, wie Dein Gebot, Fürbitte einzulegen für die Seelen der Verstorbenen, die in der harten Gefangenschaft des Fegfeuers büßen, damit Deine Güte und Barmherzigkeit ihnen Erleichterung, Trost und vollkommenen Nachlaß aller Strafen gewähre. Ich will daher in der Person der ganzen heiligen Kirche die von ihr verordneten Gebete verrichten; denn ich vertraue nicht auf meine eigene Würdigkeit, mein Verdienst oder meine Tugend. Ich will diese Gebete verrichten, als von den armen Seelen im Fegfeuer selbst hierzu aufgefordert, beauftragt und bestellt, damit ihr guter Engel ihnen zu ihrem Troste diese meine Fürbitte kund thun möge. 395 Insbesondere will ich beten in dem Gedächtniß und der Kraft des allerheiligsten Geheimnisses Deiner gnadenreichen Menschwerdung und Deines bitteren Leidens, o unser Erlöser, Heiland der Welt, glorreicher König, Jesus Christus, Vater der Erbarmung und Gott alles Trostes. Ich will also beten: Gebete der Kirche für die Abgestorbenen. Für die Seelen aller Abgestorbenen. Gott, Du Schöpfer und Erlöser aller Gläubigen, verleihe den Seelen Deiner Diener und Dienerinnen Verzeihung aller ihrer Sünden, damit sie die Nachlassung, nach welcher sie immer verlangt haben, durch unsere frommen Fürbitten erlangen. Der Du lebst und regierst von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Herr, löse die Bande der Sünden allen gläubigen Abgestorbenen; verleihe ihnen die Gnade, auf daß sie dem strengen Gerichte Deiner Gerechtigkeit entgehen, und der Seligkeit des ewigen Lichtes froh werden mögen. Gehe nicht ins Gericht mit Deinen Dienern und Dienerinnen, o Herr, denn kein Mensch ist vor Dir gerecht, wenn nicht Du ihm die Nachlassung aller Sünden gewährest. So laß denn nicht Deinen Richterspruch auf denen lasten, welche die treue Fürbitte des christlichen 396 Glaubens Dir empfiehlt; sondern laß mit Hilfe Deiner Gnade sie dem Strafgerichte entgehen, die während ihres Lebens mit dem Zeichen der heiligen Dreieinigkeit geschmückt gewesen sind. Der Du lebst und regierest in Ewigkeit. Amen. Wir bitten Dich, o Herr, erzeige den Seelen Deiner verstorbenen Diener und Dienerinnen die Gnade und Barmherzigkeit, daß Du ihnen nicht in dem Orte der Strafen nach ihren Thaten vergeltest, da sie ja sich bestrebt haben, Deinen Willen zu vollziehen; sondern daß Du, wie sie hienieden durch den wahren Glauben zur Schaar der Gläubigen gehörten, sie auch jenseits den Chören der Engel beigesellest. Durch Christum unsern Herrn. Amen. Am Sterbtage eines Gläubigen. O Gott, dem immer Erbarmen und Verschonen eigen ist, wir bitten Dich flehentlich für die Seele Deines Dieners N., welchen Du heute von dieser Welt abscheiden ließest; daß Du sie in die Hände des Feindes gebest und ihrer nicht ech vergessest, sondern sie durch Deine heiligen Engel aufnehmest, zur Heimath des Paradieses führen lasseft, damit sie, welche auf Dich gehofft und an Dich geglaubt hat, nicht die Pein der Hölle erleide, sondern die ewige Freude erbe durch unsern Herrn Jesum Christum. Amen. - 397- Am Tag des Jahrgedächtnisses. Gott, Herr der Gnade und Erbarmung, verleihe den Seelen Deiner Diener und Dienerinnen( oder Deines Dieners, Deiner Dienerin), deren jährlichen Todesgedächtnißtag wir feiern, den Wohnsiß der Erquickung, die Ruhe und Seligkeit und die Klarheit des ewigen Lichtes. Durch Christum unsern Herrn. Amen. Für verstorbene Brüder, verwandte und Wohlthäter. Gott, dessen Barmherzigkeit ohne Maaß ist, und dessen Güte ein unerschöpflicher Schaß, wir bitten Dich flehentlich, verleihe den Seelen unserer Brüder, Schwestern, Verwandten und Wohlthäter, denen Du während dieses Lebens das Bekenntniß Deines Namens gegeben hast, durch die heiligsten Geheimnisse unseres Heiles vollkommene Nachlassung all ihrer Sünden. Durch Jesum Christum unsern Herrn. Amen. Für verstorbene Eltern. Gott, der Du uns Vater und Mutter zu ehren geboten haft, erbarme DichSeele meines Vaters- meiner Mutter und laß alle Sünden nach, und gib mir die Gnade, sie dereinst in der Freude der ewigen Herrlichkeit wieder zu sehen. Durch JesumChristum unsern Herrn. Amen. Herr! gieb ihnen die ewige Ruhe, und das ewige Licht leuchte ihnen. Lasse sie ruhen im Frieden. Amen. 398 Sieben Bitten, in welchen wir durch das bittere Leiden und Sterben Jesu Christi für die Verstorbenen beten. I. O Jesu, unser Leben und unsere Auferstehung, der Du von dieser Welt scheidend, Dein Fleisch zur Speiſe, Dein Blut zum Trank uns hinterlassen hast! Durch diese Deine grundlose Liebe bitte ich Dich demüthigst, erbarme Dich aller armen Seelen, insonderheit dieser ( N. N.); führe sie zu den Quellen des Lebens und laß sie bald Theil nehmen an Deinem Mahle in Deinem Reiche.( Luc. 22.) Vater unser. Ave Maria. II. O Jesu, unser Schuß und unser Heil, der Du um unseretwillen im Delgarten so große Aengsten ausgestanden, daß Dein Schweiß wurde wie Tropfen zur Erde rinnenden Blutes! Durch dieß Dein kostbarstes Blut bitte ich Dich demüthigst: erbarme Dich aller armen Seelen, insonderheit dieser( N. N.) befreie sie von all ihren Aengsten, und trockene jede Thräne von ihren Augen.( Apoc. 7.) Vater unser. Ave Maria. III. O Jesu, unser Erlöser und Heiland, der Du um unserer Sünden willen gefangen genommen wurdeſt! Durch jene härtesten Bande bitte ich Dich demüthigst: - 399 erbarme Dich aller armen Seelen, insonderheit dieser ( N. N.). Löse alle Banden ihrer Sünden, in welche die menschliche Gebrechlichkeit in diesem Leben sie verwickelt hat, auf daß sie froh Dir ihre Dankopfer darbringen.( Psalm 115, 7.) Vater unser. Ave Maria. IV. Jesu, Freude unseres Herzens, der Du Dein gesegnetes Antlig, in das zu schauen der Engel Begierde ist, verhüllen, verspeien, mit dem Rohre schlagen ließest! Durch diese Deine Geduld bitte ich Dich demüthigst: erbarme Dich aller armen Seelen, insonderheit dieſer ( N. N.), nimm sie auf zur Klarheit Deines Lichtes, und erfülle sie mit der Wonne Deines Angesichtes. ( Psalm 15, 11.) Vater unser. Ave Maria. O Jesu, Krone unserer Glorie, der Du mit Geißeln zerschlagen, und grausam und schmachvoll mit Dornen gekrönet worden um unseres Hochmutbes willen! Durch diese Deine tiefste Demuth bitte ich Dich flehentlich: erbarme Dich aller armen Seelen, insonderheit dieser ( N. N.). Verleihe ihnen gnädiglich, daß sie bald die Krone der ewigen Herrlichkeit erlangen, denn Du krönest uns in Gnade und Erbarmungen. Psalm 102, 4.) Vater unser. Ave Maria. 400 VI. Jesu, unser Fürsprecher und Richter, der Du durch Deine ungerechteste Verurtheilung zum bitterſten Tod uns von der Schuld des ewigen Todes erlöset hast! Durch den Abgrund Deiner Erbarmung bitte ich Dich demüthigst: erbarme Dich aller armen Seelen, insonderheit dieser( N. N.), laß sie bald hören jenes Wort des Trostes: euere Sünden sind euch vergeben. ( Isaias 40, 2.) Vater unser. Ave Maria. VII. O Jesu, unser höchstes und einziges Gut, der Du selbst in Deinem Leibe am Kreuzesholze unsere Sünden getragen! Durch diese Deine unendliche Wohlthat bitte ich Dich demüthigst: erbarme Dich aller armen Seelen, insonderheit dieser( N. N.), daß ihnen der Eingang zur ewigen Glorie bald aufgethan werde und sie froh vernehmen: Kommt, ihr Gesegnete meines Vaters, und nehmet das Reich in Besitz, das euch von der Gründung der Welt an bereitet ist.( Matth. 25, 34.) Vater unser. Ave Maria. Min. W Inches Centimetres Blue 2 3 4 Cyan 2 5 ¹6 17 3 Farbkarte# 13 Green 8 Yellow 9 4 10 Red 11 12 LO 13 Magenta 14 6 1₁7 71 116 117 15 White 3/ Color 18 19 B.I.G. Black bo 8